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Moritz Fritsche
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 29. März 1910
Konventbruder: 1910–1912
Küchenbruder: 1912–1916
Sakristan: 1913–1933, 1936–1966?
Sakristan in Kamerun: 1933–1936
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Jakob Anton Fritsche und der Franziska Brühlmann.
Lebensbeschreibung[1]
Br. Moritz stammte aus Brülisau in Appenzell Innerrhoden. Sein Vater war Jakob Anton Fritsche, auf appenzellisch Jockeseeplispanter, seine Mutter Franziska, geb. Brühlmann. Br. Moritz wurde am 7. August 1883 geboren und auf den Namen Anton getauft. Kaum konnte der Kleine auf eigenen Füssen stehen, musste er bereits eine grosse Reise antreten. Sie führte ihn ins ferne Sachsenland, in die grosse Industriestadt Chemnitz. Dort hatte sein Onkel eine Milchkuranstalt eröffnet, und Vater Jakob Anton Fritsche war bei ihm als Meisterknecht in Dienst getreten. Bald schon besuchte er eine kleine katholischen Schule. Hier sah er einmal im Anschauungsunterricht das Bild eines Klosters. Es war für ihn ein Erlebnis.
Im Jahre 1896 verkaufte der Onkel sein Geschäft. Der neue Inhaber wünschte jedoch dringend die Dienste des bisherigen Meisterknechts und so konnte die Familie Fritsche erst ein Jahr später mit seiner Familie ins Appenzellerland zurückkehren. 1899 übernahm er in Schwende einen kleinen Bauernhof. In diesem Jahr kam Toni aus der Schule. Unternehmungslustig wie er war, blieb er nicht zuhause. Nochmals zog er nach Deutschland und betätigte sich fast ein Jahr lang als Milchbub in Bad Ems im Rheinland. Dann kam er heim und half dem Vater. Nach wenigen Monaten startete Anton eine Bäckerlehre in Brülisau und arbeitete dann als Geselle in Kirchberg und im rheintalischen Marbach.
Doch Anton trug sich immer mehr mit dem Gedanken, in ein Kloster einzutreten. Er holte sich Rat. Sein späterer Geistlicher Vater, Kurat Schläpfer in Schwende, und der befreundete Dominikanerpater Professor Dr. Gallus Manser wiesen ihn nach Engelberg. Für einen Sohn der Berge sei das Bergkloster der rechte Platz. Im Herbst 1907 wurde er Kandidat, im Frühling 1909 Novize, und am 29. März 1910 – es war Osterdienstag – legte er die Gelübde ab. Dabei erhielt er den heiligen Mauritius, den Schutzherrn seiner Heimat, zum Patron. Br. Moritz war der erste gebürtige Appenzeller, der in Engelberg eintrat.
Zwei Jahre war er als Konventbruder tätig. Täglich deckte er der Klosterfamilie den Tisch. Er wischte die langen Gänge und besorgte die Zellen der Mitbrüder. Von 1912 bis in den Sommer 1916 arbeitete er als gelernter Bäcker in der Küche. Da geschah es am 13. August jenes Jahres, dass Abt Basil Fellmann mit der Bitte an Br. Moritz herantrat, er möchte als Sakristan die Besorgung von Kirche und Sakristei übernehmen. Der bisherige Sakristan, Br. Beat, hatte gebeten, von seinem Amt befreit zu werden. Zu diesem Schritt hatte wohl auch die feierliche Komplet vom Vorabend des Fronleichnamstags Tag 1916 das Ihrige beigetragen. Br. Beat, der Sakristan, hatte sich verspätet. Die Zeremonie in den Chor herein, während er mit dem Kerzenzünder vor dem Hochaltar stand. Alles schaute auf ihn. In seiner Aufregung fand er die Dochte nicht mehr. So bestieg er schnell von hinten den Altar, und da geschah es, dass er zwei Pontifikalleuchter in weitem Bogen hinunterstiess. Ein Blumentopf folgte. Br. Beat konnte den Aufregungen des Sakristeidienstes entkommen und wechselte mit dem bisherigen Koch Br. Moritz den Posten. Beide fanden so ihre eigentliche Lebensaufgabe, in der sie sich gleichermassen auszeichneten.
Dem neuen Sakristan war es nicht vergönnt, sich langsam in seinen Dienst einzuleben. Er wurde "mitten in die Dinge" hineingeworfen. Am 15. August, zwei Tage nach seiner Ernennung, war Maria Himmelfahrt. Am Vortag, nachmittags um drei Uhr, musste alles für die erste Pontifikalvesper gerüstet sein. Was gab es da alles herbeizutragen und aufzustellen, bis der Chor und alle Altäre zum Tag der lieben Hausmutter festlich geschmückt waren. Es liegen oft Stunden von Arbeit in den Vorbereitungen. Br. Moritz meisterte aber nicht nur jene Situation, sondern wurde überhaupt ein zuverlässiger Sakristan. Und ganze fünfzig Jahre blieb er es, auch in den Jahren, in denen er in Kamerun (1933 bis 1936) war. Im Alter von fünfzig Jahren dem Missionsunternehmen in Kamerun zur Verfügung und wäre sicher dort geblieben, wenn nicht gesundheitliche Schwierigkeiten eine Heimkehr nahegelegt hätten. Die Arbeiten des Sakristans waren sicher nicht immer ein Spass, besonders im Winter, wo eine ungeheizte Kirche mit kalten Steinböden sein Arbeitsfeld war. Noch an seinem Todestag wurde er abends um halb sechs Uhr in der Kirche gesehen mit dem grünen Schurz um und mit Schaufel und Besen in der Hand. Eine besonders beliebte Beschäftigung für Br. Moritz war das Hostienbacken. Da konnte er seinen ursprünglichen Beruf ausüben, und das gefiel ihm. Er war sich der hohen Bestimmung seiner Arbeit aber auch bewusst. Es kam vor, dass er schon morgens um zwei Uhr aufstand und sich ans Backen machte. Nachher stellten sich oft kleine Gäste (Ministranten und andere) ein, um sich Überbleibsel vom Backwerk zu Gemüte zu führen.
Die letzten Jahre verlangten von Br. Moritz eine grosse Umstellung. Es galt auch in der Sakristei, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, welche die Liturgiereform mit sich brachte. Vieles, was beinahe seit Jahrhunderten gestifteter Brauch war, musste im Pflichtenheft des Sakristans gestrichen werden. Br. Moritz, die verkörperte Tradition, tat sich nicht mit allem leicht. Oft stand er etwas hilflos und staunend vor dem Neuen. Aber immer noch gab es jene schlichten, aber so wichtigen Grundarbeiten, die sich immer gleichbleiben werden, und diesen widmete er sich umso mehr mit Eifer. So beispielsweise: Paramenten rüsten, Messkännchen holen, Hostien backen, und vor allem: wischen, putzen, abstauben. In den Sommermonaten hatte Br. Moritz viel zu tun mit den Geistlichen, die in Engelberg Erholung suchten und in der Klosterkirche zelebrierten. Oft verstand er ihre Sprache nicht, im Alter war er dazu noch von Schwerhörigkeit geplagt. Den Mitbrüdern gab Br. Moritz das Beispiel eines schlichten Lebens, das keine Bedürfnisse kennt. An seinem Todestag, am 3. September 1966 klagte über grosse Kopfschmerzen und presste die Hände an die Stirn. So übel sei ihm noch nie gewesen, er wisse gar nicht, was mit ihm los sei. Der herbeigeeilte Arzt musste die Prognose bestätigen: Br. Moritz hatte einen Hirnschlag erlitten, dem er gleichentags erlag.
Professnummer
- Nr. 704
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 53, 1966/67, S. 11-15, übernommen.
Bibliographie
- Nachruf von Br. Moritz Fritsche in: Titlisgrüsse 53, 1966/67, S. 11-15.