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eigener Kraft
[* 3] nicht zu unterdrücken vermochte, schickte ihr
Chinesenfrage auf ihre Bitte etwa 2500 Mann zu Hilfe.
Da nach einem 1885 abgeschlossenen
Vertrage
Chinesenfrage und
Japan
[* 4] nur nach einer vorherigen Verständigung
Truppen nach
Korea senden zu
wollen erklärt hat- ten, so nahm
Japan dies sofort zum Vorwande, um auch seinerseits Anfang Juni 6000 Mann
dort landen zu lassen. Auf den
Protest
C.s schlug
Japan ein gemeinsames Vorgehen vor, um die fortdauern- den Unruhen in
Korea
zu beseitigen und sur eine bessere
Verwaltung zu sorgen.
Chinesenfrage, das dies mit seiner Schutzherrschaft unvereinbar fand, lehnte ab, worauf
Japan 23. Iuui den königl.
Palast in
Söul stürmen lieh und den König in seine Gewalt brachte. Dies war das Signal zum
Ausbruch des
Chinesisch-
Japanischen
Krieges (s. d.), in dem sich die
Über- legenheit der ganz nach europ.
Muster ausgerüsteten und einexerzierten japan.
Truppen
sofort aufs glän- zendste zeigte, und der
Chinesenfrage nur
Niederlagen und
De- mütigungen brachte. Die Vernichtung
seiner Flotte und der drohende Vormarsch der
Japaner auf
Pe- kiug veranlaßte
Chinesenfrage, seinen bedeu- tendsten Staatsmann,
den Vicekönig Li-hung-tschang, nach
Simonoseki zu schicken, wo 30. März ein Waffen- stillstand, jedoch
nur für Nordchina, zu
stände kam und 17. April der Friede geschlossen wurde, dessen Ratifikation 8. Mai erfolgte.
Die Friedensbedin- gungen waren hart.
Außer einer hohen Kricgskosten- entschädigung und der
Anerkennung der korean. Unabhängigkeit
mußte sich
Chinesenfrage zur
Abtretung der Halbinsel Liau-tung sowie der
Insel Formosa und der Pescadoresinseln verstehen und die Eröffnung
von vier weitern Häfen und. den Abfchluß eines Handelsvertrages mit
Japan zufagen. Die über- raschenden
Erfolge
Japans hatten jedoch
Rußland besorgt gemacht und zu dem Entschlüsse veranlaßt, nicht zu dulden, daß sich das Inselreich
auf dem asiat. Kontinent festsetzte.
Daher erhob es im Ver- ein mit Frankreich und Deutschland [* 5] gegen die Ab- tretung Liau-tungs Einsprache, die 8. Nov. deren Zu- rücknahme gegen eine Erhöhung der Kriegskosten um 30 Mill. Taels zur Folge hatte. Auch sonst erwies sich Rußland dem Nachbarreiche hilfsbereit; im Aug. 1895 trug es für die Unterbringung einer chines. Anleihe von 16 Mill. Pfd. St. Sorge, indem es dafür die Garantie übernahm. Sein dadurch immer mehr gesteigerter Einfluß, der auch in der Entsen- dung Li-hung-tschangs (s. d.) zur Kaiserkrönung nach Moskau [* 6] seinen Ausdruck fand, wird namentlich von England mit Vcforgnis und Eifersucht beobachtet.
Über die innere Geschichte C.s ist aus den letzten Jahren wenig zu berichten. Die fast alljährlich wiederkehrenden Überschwemmungen des Hoang-Ho und Iang-tse-kiang verwüsteten weite Länderstrecken und vernichteten viele Menschenleben. Innere Auf- stände, die das Reich beunruhigten, waren meistens nur von lokaler Bedeutung und wurden leicht unter- drückt; langwieriger erwies sich nur eine Empöruna der Dunganen (s. d.), die im März 1895 ausbrach und noch nicht unterdrückt werden konnte; neuerdings lFcbr.
1896) wurde General Sung, der wäbrend des Chinesisch-Japanischen Krieges in der Man- dschurei den Oberbefehl führte, an der Spitze einer Armee von 20000 Mann gegen die Aufständischen abgeschickt. Besonders aber war es die Feindselig- keit gegen die Fremden, die nach den erlittenen Niederlagen in erhöhtem Maße wieder zum Aus- bruch kam, und die sich namentlich gegcn die christl. Missionsstationen richtete. Nachdem schon 1893 in der Provinz Hu-pe zwei schwed. Missionare er- mordet waren, folgten im Mai 1895 in Tsching- tu, der Hauptstadt von Szc-tschwan, neue Christenver- folguugcn, wobei elf teils kath., teils prot.
Missions- stationen, die dort seit 30 Jahren bestanden hatten, zerstört und die Missionare mißhandelt und ver- trieben wurden. Weitere Gewaltthaten fanden in Kia-ting und anderu Städten statt, und auch in den Provinzen Hu-nan, Iün-nan und Kwang-tung, wo im Nordwesten von Swatow deutsche Missions- stationcn zerstört wurden, zeigten sich Feindselig- keiten gegen die Christen. Ihren Höhepunkt erreich- ten die Greuelthaten in der Provinz Fu-kien, wo im August bei Ku-thien mehrere engl. und amerik.
Missionare der Volkswut zum Opfer fielen. Zwar sagte die chincs. Negierung in allen Füllen strenge Bestrafung der Schuldigen
und
Entschädigungs- zahlungcn zu, doch ist die
Lage der
Christen zur Zeit sehr gefährdet, da die meisten der höhern Provinz-
beamten dem Eindringen fremder Einflüsse, wodurch sie eine Beeinträchtigung ihrer Macht befürchten,
durchaus ablehnend gegenüber stehen. So ist es auch nicht zu verwundern, daß
Chinesenfrage sich der
Aufnahme europ. Kultur und
Technik
nur sehr langsam und widerstre- bend öffnet, wenn es auch durch die Erfahrungen des
Krieges den Neuerungen etwas geneigter
aeworden ist.
Zwar wuchs der Dampferverkehr auch auf den innern Wasserläufen beständig, das Telegraphennctz dehnte sich immer weiter
aus, und 1896 trat
Chinesenfrage auch dem
Weltpostverein bei, aber der Eisenbahnbau
[* 7] machte erst in allerletzter Zeit einige Fortschritte kehr
mit dem
Auslande machte sich das Sinken des Silberwertes für die europ. Goldwährungsländer
in empfindlicher
Weise geltend, da vielfach europ. Industrieerzeugnisse durch japanische verdrängt wur-
den, die außerdem wegen des billigen
Arbeitslohnes und des fortfallenden Zwifchenhandels billiger ge- liefert werden konnten,
ein Zustand, der voraus- sichtlich durch den
Abschluß eines chincs.-japan.
Han- delsvertrags (Juli 1896) noch weitere
Ausdehnung
[* 8] erfahren wird.
Für die durch den
Protest gegen die
Abtretung von Liau-tung geleisteten guten Dienste
[* 9] zeigte sich
Chinesenfrage
Frankreich
erkenntlich durch einen im Nov. 1895 abgeschlossenen
Vertrag, worin die Nord- und Nord- westgrenze von
Tongking
[* 10] genauer geregelt
und den
Franzosen die Berechtigung erteilt wurde, ihre
Eisen- bahnen und
Telegraphen
[* 11] in den drei chines.
Süd- provinzcn weiter zu führen.
Deutschland erlangte nur die
Abtretung zweier Kronkonzessionen in
Han- kou und in
Tien-tsin.
Durch einen engl.-franz. Ver- trag vom worin die engl.-chines. Ab- machnngenvom I.März 1894 gebilligt wurden, sind die Grenzen [* 12] C.s in Hinterindien [* 13] endgültig festgelegt.
Vgl. Rosthorn, Die Ausbreitung der chines. Macht in südwestl.
Richtung bis zum 4. Jahrh. n. Chr. (Lpz. 1895);
Iannasck, Die Erschließung von
Chinesenfrage. (Char- lottenb. 1895);
Münsterberg, [* 14] Die Reform C.s (Berl. 1895);
Tscheng-Ki-Tong,
Chinesenfrage und die
Chinesen (deutsch, 2. Aufl.,
Dresd. und Lpz. 1896).
*Ehinesenfrage. Neuerdingsbeginntdiechines. Regierung ihrerseits sich um die Lage der Aus- wanderer zu kümmern, nachdem früher das Ver- lassen der Heimat verboten und die Auswande- rung nur durch Bestechung der Beamten möglich war. Man versuchte die Behandlung der Kuli auf den Auswandcrerschiffen zu befsern, untersuchte durch Kommissare die Zustände in Cuba, Peru [* 15] u.s.w. und Artikel, die man unter E vermißt, sind unter K aufzusuchen. ¶