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Marco Chiudinelli steht nach einem Viersatz-Sieg erstmals seit sechs Jahren wieder in der 2. Runde eines Grand-Slam-Turniers. Novak Djokovic gelingt der Start ins US Open mit einem Viersatz-Sieg gegen Jerzy Janowicz, richtig überzeugen kann die Weltnummer 1 aber nicht.
Der 34-jährige Baselbieter (ATP 144) setzte sich in der 1. Runde im Duell zweier Qualifikanten 2:6, 7:6 (8:6), 6:2, 6:4 gegen den 59 Plätze schlechter klassierten Brasilianer Guilherme Clezar durch. Nach gut drei Stunden bei grosser Hitze liess Chiudinelli den Südamerikaner nochmals von 5:2 auf 5:4 im vierten Satz verkürzen, ehe er mit einem Servicewinner beim vierten Matchball alles klar machte.
Die Vorentscheidung hatte Chiudinelli im zweiten Durchgang geschafft. Er gewann den fast eineinviertel Stunden dauernden Satz im Tiebreak 8:6, nachdem er die letzten drei Returnpunkte für sich entschieden hatte. Danach hatte er auch physisch Vorteile gegenüber dem elf Jahre jüngeren Brasilianer.
Mit dem Sieg erfüllte der Schweizer aber erst die Pflicht. «Ich will jetzt nicht gross feiern», sagte er. «Ich hoffe, dass in der 2. Runde noch mehr möglich ist.» Dort trifft er am Mittwoch auf den als Nummer 24 gesetzten Franzosen Lucas Pouille, den er in zwei engen Duellen bisher einmal bezwingen konnte. «Ich freue mich auf dieses Spiel», erklärte Chiudinelli. «Ich werde sicher etwas lockerer und mit weniger Druck spielen können.» Letztmals hatte er am US Open 2010 die 2. Runde eines Grand-Slam-Turniers erreicht.
Er gab zu, dass er zu Beginn gegen Clezar, der erstmals im Hauptfeld eines Major-Events stand, sehr nervös gewesen und zu passiv aufgetreten sei. Danach sei es ihm aber gelungen, mehr Druck zu machen.
Nach einem musikalischen Feuerwerk durch Phil Collins zur Eröffnung des Arthur Ashe Stadiums mit dem neuen Dach gab Djokovic mit seinem Auftritt etwas Rätsel auf. Er geriet zwar beim 6:3, 5:7, 6:2, 6:1 nie ernsthaft in Gefahr, gegen die Nummer 247 der Welt zu verlieren, doch der Serbe zeigte kaum Emotionen, liess fast jegliche Dynamik vermissen und liess sich bereits im ersten Satz am rechten Ellbogen oder Oberarm behandeln. Die Frage bleibt deshalb offen, ob der Titelverteidiger 100 Prozent fit ist.
Djokovic hatte in diesem Sommer in der 3. Runde von Wimbledon und in der Startrunde der Olympischen Spiele verloren und zuletzt das Masters-1000-Turnier in Cincinnati wegen einer Verletzung am linken Handgelenk auslassen müssen. Nach dem Spiel wollte er keinen näheren Einblick zu seinem Gesundheitszustand gewähren. «Ich bin froh, dass ich in der 2. Runde stehe», sagte er. «Es ist nicht die Zeit, über Anderes zu sprechen.» Der Pole Janowicz, der 2013 im Wimbledon-Halbfinal stand, danach aber auch wegen Verletzungen weit zurückgefallen ist, verstand es nicht, die relative Schwäche von Djokovic auszunützen.
Im zweiten Spiel dürfte der Test bereits etwas härter ausfallen. Djokovic trifft auf den Tschechen Jiri Vesely (ATP 49), der ihn im April in Monte Carlo geschlagen hat. Der Linkshänder fühlt sich allerdings auf Hartplätzen nicht besonders wohl und bekundete in der 1. Runde beim Fünfsatz-Sieg über den Inder Saketh Myneni, die Nummer 143 der Welt, viel Mühe.
Keinerlei Probleme kannten hingegen Rafael Nadal, der US-Open-Champion von 2010 und 2013, und Marin Cilic, der Überraschungssieger von 2014. Nadal setzte sich gegen den Usbeken Denis Istomin, in zweieinhalb Wochen Gegner der Schweiz im Abstiegs-Playoff, ebenso sicher in zwei Sätzen durch wie Cilic gegen den Brasilianer Rogerio Dutra Silva.
Belinda Bencic startet mit einem mühevollen Sieg ins diesjährige US Open. Nach verlorenem Startsatz kehrt die Schweizerin die Partie gegen die Amerikanerin Crawford und kämpft sich somit in Runde 2.
Eine grosse Enttäuschung erlebt Viktorija Golubic (WTA 65) bei ihrer Premiere im US-Open-Hauptfeld. Die 23-jährige Zürcherin, die seit ihrem sensationellen Triumph beim neuen WTA-Turnier in Gstaad nur noch zwei Matches – einen davon in einer Qualifikation – verliert gegen die 17-jährige Qualifikantin Catherine Bellis (WTA 158) sang- und klanglos 2:6, 3:6. Golubic gewinnt nur gerade zwei von neun Aufschlagspielen und gerät in beiden Sätzen sofort vorentscheidend in Rückstand.
Bei den Frauen zeigten sich die Favoritinnen mehrheitlich souverän, auch wenn French-Open-Siegerin Garbiñe Muguruza den ersten Satz abgeben musste. Nicht weit trug die Olympia-Euphorie hingegen Monica Puig (WTA 35). Die sensationelle Goldmedaillen-Gewinnerin von Rio unterlag in New York gleich in der 1. Runde der Chinesin Zheng Saisai (WTA 61) deutlich in zwei Sätzen. (zap/sda)