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(Text von Patrick Schneebeli)
Angenommen, es wird behauptet, dass etwas wissenschaftlich belegt sei. Falls diese Behauptung nicht eine Argumentation abkürzt oder gar abschliesst, sondern hinterfragt wird und eine Diskussion des Wortes "wissenschaftlich" eröffnet, ist dies ein guter Anfang für Wissenschaftstheorie. Die Wissenschaft will Wissen schaffen. Wie die Wissenschaft das schafft, will die Wissenschaftstheorie herausfinden. Sie beschäftigt sich mit Ihrem Gegenstand seit den Anfängen mit der wissenschaftlichen Bestrebung, die Wirklichkeit unverfälscht zu erkennen und zu erfassen, sie also nicht bloss als Mythos zu erzählen. Erwartungsgemäss würde dieses Unterfangen wohl Wissenschaftsphilosophie genannt werden, wenn diese Bezeichnung nicht vorbelastet wäre durch die Zuordnung von universellen Theorien des Wissens zur Metaphysik im neunzehnten Jahrhundert. Oft reagieren die treuesten im Gefolge der Wissenschaft gleichsam allergisch auf die spekulative Metaphysik. Obschon die Vorstellungen des Wissens und der Wissenschaft an sich auf keiner Erfahrung beruhen und somit selbst spekulativ sind, misstraut die Wissenschaftsgemeinde so ziemlich allem, was sich den Sinnen, den wahrnehmungserweiternden Apparaturen und der Messbarkeit entzieht. Die Wissenschaft ist stets um Hygiene besorgt und duldet auf der Suche nach der Wahrheit keine Verunreinigung des Wissens durch Halbwissen oder gar Mutmassung. Sie ist weitgehend selbstreinigend und daher eine ziemlich effiziente und weitgehend zuverlässige Art der Weltdeutung.
Einer Theorie der Wissenschaft stellen sich zahlreiche Herausforderungen. Zunächst einmal muss klar sein, was überhaupt eine Theorie ist. Das ist gar nicht so einfach, da es sich um einen abstrakten Begriff handelt, der vielseitig verwendet werden kann. Klassisch verstünde man darunter eine besondere Art der Betrachtung; moderner interpretiert handelte es sich um eine systematische Untersuchung oder schlicht um eine schlüssige Begriffsanalyse. Eine weitere Hürde ist es, Wissenschaftliches als solches zu erkennen und vom Unwissenschaftlichen abzusondern, zum einen also Wissenschaft zu definieren und zum anderen einer speziellen Art der Erkenntnistheorie nachzugehen. Ein wenig lästig dabei ist, dass die Grenzen der Wissenschaftlichkeit nicht so genau gezogen werden können, wie das aus Sicht der Wissenschaft wohl wünschenswert wäre. Des Weiteren ist das Verhältnis zur Philosophie selbst zu erörtern, denn diese kann, so gross dieser Wunsch auch sein mag, nicht widerspruchsfrei für eine Wissenschaft gehalten werden. Sie will nicht möglichst genau wissen, sondern möglichst genau denken. Der Grundsatz ist zwar ähnlich, aber eben nicht gleich. Demzufolge ist es nicht unwahrscheinlich, dass sowohl die Legitimität als auch die Relevanz einer philosophischen Auseinandersetzung mit der Wissenschaft angezweifelt werden.
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