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Längerfristig dürfte die Zunahme an Elektrofahrzeugen den Kurs weiter hoch treiben. Kupfer wird oft als Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung angesehen, denn es wird in vielen Branchen wie der Elektroindustrie, der Baubranche oder für Computerplatinen verwendet. Stimmt hier die Nachfrage, geht es der Weltwirtschaft gut. Kupfer wird darum auch als der «Wirtschaftswissenschaftler» unter den Rohstoffen angesehen und im Ökonomen-Jargon darum häufig «Dr. Copper» genannt.
Der Ruf als «Konjunkturmetall» wird von gewissen Experten inzwischen allerdings auch kritisiert. Einerseits nennen sie die teils schwindende Bedeutung von «Dr. Copper» für die Industrie. Andererseits weisen sie darauf hin, dass die Industrie im Vergleich zum Dienstleistungssektor einen immer kleineren Teil zur Gesamtleistung der Wirtschaft beiträgt.
Infrastrukturpaket in den USA
Allerdings verabschiedete der US-Senat letzte Woche ein gewaltiges Infrastrukturpaket, von dem die Industrie der wichtigsten Wirtschaftsmacht der Welt stark profitieren dürfte. Vorgesehen sind über die kommenden Jahre verteilt rund 550 Milliarden Dollar an neuen Investitionen. Einschliesslich bereits vorher veranschlagter Mittel hat das Paket einen Umfang von rund einer Billion Dollar.
Die Nachfrage nach Kupfer würde durch das Paket massiv angekurbelt werden. Insbesondere Strassen, Brücken, Häfen und Flughäfen sollen ausgebaut und erneuert werden. Doch sind auch Mittel zum Ausbau der Ladestationen für elektrische Autos und für die Förderung elektrischer Busse vorgesehen.
Gerade die geplante Elektrifizierung der Fahrzeuge könnte den Kupferpreis hochtreiben, sagt Hamad Ebrahim, Leiter des Research bei NTree International. «Elektrofahrzeuge enthalten bis zu zehnmal mehr Kupfer als Verbrenner; und jeder Elektrobus enthält etwa 370 kg Kupfer», führt er aus.
Neue Schulbusse für die USA
Allein die gelbe Schulbusflotte der USA umfasse etwa 480’000 Fahrzeuge, sagt Ebrahim. Wenn nur 20 Prozent der Flotte durch Elektrobusse ersetzt würden, so bräuchte es zusätzlich 35’000 Tonnen Kupfer, um dies zu bewerkstelligen. Die USA hätten ausserdem noch eine Flotte von circa 650’000 Fahrzeugen der Bundesbehörden.
Nicht nur in den USA, auch weltweit könnte der Trend zur Elektromobilität den Kupferpreis weiter befeuern, ergänzt die Bank Julius Bär. In einer aktuellen Studie prognostizieren die Ökonomen der Bank, dass 90 Prozent aller ab 2040 verkauften Neuwagen elektrisch sein werden.
Dies dürfte auch den Teil-Einbruch der erwarteten Nachfrage aus China ausgleichen. Das Land das bisher im Rahmen seiner Industrialisierung einer der grössten Kupfer-Nachfrager war, dürfte längerfristig einen sinkenden Bedarf am Metall haben. Das Wachstum der grünen Technologien werde den Rückgang der chinesischen Nachfrage aber mehr als ausgleichen, heisst es im Bär-Report.
Preise jenseits von 10’000 Dollar
Kurzfristig spielt für die Nachfrage aber mehr eine Rolle, ob das US-Infrastrukturpaket die zweite Parlamentskammer, das Repräsentantenhaus, passiert. Laut Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann könnte die Abstimmung dort problematischer verlaufen als im Senat. Einige Demokraten wollten das Paket nämlich mit den Vorgaben zu Armutsbekämpfung und Klimaschutz verknüpfen. Dagegen gibt es aber viele Vorbehalte.
Derzeit steht der Kupferpreis pro Tonne etwa bei 9200 Dollar. Im Mai hatte er noch Marke von 10’500 Dollar geknackt. Kommt das Infrastrukturpaket durch die zweite US-Parlamentskammer, so wären solche Kurse vielleicht schon bald wieder möglich, heisst es von Rohstoffexperten.