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Geschichte der Krippe zu St. Peter
Die Krippe zu St. Peter ist eine der ältesten, privaten Kinderbetreuungsinstitutionen der Stadt Basel. Sie wurde auf Initiative einiger Damen aus dem Kreis der reformierten Kirchgemeinde St. Peter gegründet, daher auch der Name. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die soziale Not im Quartier gross. Da der Lohn der Väter meist nicht ausreichte, mussten auch die Mütter ausser Haus arbeiten, und für die Kinder musste eine Tagesbetreuung gefunden werden. So wurde ein Verein gegründet und zur Geld Beschaffung gingen „Einzüger“ von Haus zu Haus! Dank dieser Spenden und derer einiger grosszügiger Hypothekargeber konnte an der Mittleren Strasse 79 eine Liegenschaft erworben werden. Am 11. September 1893 fand die Eröffnung mit vorerst zehn Kindern statt. Für die Leitung stellte das Diakonissenhaus Riehen eine Schwester zur Verfügung. Schon bald war die Zahl der Kinder so sehr gewachsen, dass das Haus zu klein wurde. Deshalb wurde 1905 am gleichen Ort ein neues Haus errichtet. Die Finanzierung erfolgte wiederum auf privater Basis. Weitere Ausbauschritte erfolgten 1953 durch einen Umbau und 2008 durch einen Neubau mit Erhöhung um zwei Stockwerke, immer am gleichen Ort.
Das Bedürfnis nach Betreuungsplätzen wuchs ständig. Heute bietet die Krippe Platz für 67 Kinder. Die Auslastung übertrifft durchgehend die vom Staat geforderten 95%!
Gründe für diesen Erfolg gibt es mehrere:
Als erstes möchte ich die Stabilität erwähnen. Alle Präsidenten und auch die Mitglieder des Vorstandes haben in grosser Treue jeweils viele Jahre ehrenamtlich gedient, einige bis zu 40 Jahre! Das gleiche gilt für die Krippenleitungen. Die Diakonissen, drei an der Zahl, blieben jeweils 20 Jahre und mehr. Nachdem das Diakonissenhaus sich ab 1972 nicht mehr in der Lage sah, eine Schwester zu entsenden, musste eine externe Lösung gesucht werden. Das war nicht immer einfach. Alle Leiterinnen blieben mehrere Jahre. Seit 1994 hat die Krippe auch Männer als Mitarbeitende. Es begann mit einem Koch und zehn Jahre später folgte ein Krippenleiter. Seit 2015 hat die Krippe eine Co-Leitung mit einem Mann und einer Frau.
Waren zu Beginn die Mitarbeitenden alle aus dem Gesundheitsbereich, also zum Beispiel Säuglingsschwestern, beschäftigt die Krippe heute ausschliesslich Personal, das für die Erziehungsarbeit speziell ausgebildet ist. Die Berufsbezeichnung hiess viele Jahre: „Kleinkinderzieherin“, heute lautet sie: „Fachperson Betreuung, Bereich Kinder“.
Die Aus- und Weiterbildung hat in der Krippe grosses Gewicht. Seit 1996 bietet sie Ausbildungsplätze an, heute bis zu sieben pro Jahr. Dazu kommen auch Plätze für Berufspraktika. Weiterbildung wird von der Krippe gefördert und gefordert.
2012 hat die Krippe ihr Angebot durch ein zweites Standbein, den Mittagstisch mit Nachmittagsbetreuung, erweitert. Zur Zeit werden über dreissig Plätze angeboten. Zu diesem Zweck wurde ein unabhängiges Lokal angemietet, heute am Spalenring 11. Dieser Arbeitszweig gehört zur Krippe zu St. Peter, ist aber strukturell unabhängig.
Noch ein Wort zu den Finanzen: Wie eingangs erwähnt ist die Krippe eine private Institution. Trägerschaft ist ein Verein. Die Unabhängigkeit ist bis zum heutigen Tag sehr wichtig. Die Krippe wollte nie ein gewinnorientiertes Unternehmen sein. Von allem Anfang an war es ein Anliegen, dass gerade auch Familien mit geringen Mitteln ihre Kinder der Krippe anvertrauen können. Deshalb wurden die Betreuungskosten bewusst tief gehalten. Das ermöglichten viele Spender und einige befreundete Institutionen. Mit dem Wachstum der Krippe sind auch die mit dem Betrieb verbundenen Kosten in einem Mass gestiegen, das die Möglichkeiten überstieg. Deshalb hat die Krippe – trotz etlicher Bedenken, man gebe so die Unabhängigkeit auf – die 1958 vom Grossen Rat geschaffene Möglichkeit ergriffen und eine Subvention beantragt. Als 1988 ein Tagesbetreuungsgesetz beschlossen wurde, hat der Kanton BS auch mit der Krippe zu St. Peter einen Subventionsvertrag abgeschlossen. Das bedeutet, dass der Staat Familien, welche die Betreuungskosten nicht selber tragen können, mit Beitragshilfen unterstützt.
Das Gesetz wurde 2019 revidiert und tritt demnächst in Kraft. Es wird verschiedene Änderungen bringen: Eltern können frei wählen, welcher Krippe sie ihre Kinder anvertrauen wollen; vorher hat der Staat den Familien die Krippenplätze zugeteilt. Andererseits haben die Institutionen mehr wirtschaftliche Freiheit.
Etwas aber ändert sich für uns nie: Im Zentrum unserer Bemühungen steht immer das Wohl des Kindes!
Basel, im Mai 2020 Die Co-Präsidenten Rolf Wagner und Thomas Müry
Impressionen vergangener Tage