Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03129.jsonl.gz/1740

Monitoring illegale Betäubungsmittel
Das Bundesamt für Gesundheit beauftragte "Sucht Schweiz", in Zusammenarbeit mit der
"Ecole des Sciences Criminelles" der Universität Lausanne, die Möglichkeit zu prüfen, verschiedene Betäubungsmittel-Analysen aus unterschiedlichen Quellen in der Schweiz in einem nationalen Monitoringsystem zusammen zu führen. Die Studie startete mit dem Erstellen eines Inventars der vorhandenen Daten. Nachfolgend wurden das Interesse sowie die Verfügbarkeit der Datenproduzenten an einem Monitoringsystem teilzunehmen erfasst. Die Studie endete mit der Ausarbeitung verschiedener Szenarien für die Entwicklung eines solchen Systems.
In der Schweiz existieren zwei grosse Datenkategorien bezüglich der Analyse von Betäubungsmitteln (Kapitel 2). Jedes Jahr werden ungefähr 7'500, im Auftrag der kantonalen Staatsanwaltschaft von der Polizei sichergestellten Proben, sowie ca. 2'500 Proben der Drug Checking-Projekte, analysiert. Ausserdem werden Daten durch Projekte wie der Analyse von Injektionsmaterialien, von Abwasser oder von Substanzen, welche an Anlaufstellen mit Konsumräumen abgegeben werden, erfasst. Es werden auch Daten von toxikologischen Analysen (Verkehrsunfälle, Notaufnahmen in Krankenhäusern, Todesfälle) erfasst, für diese existieren jedoch noch keine nationalen Datenbanken.
Obwohl eine grosse Anzahl an chemischen Analysen von Betäubungsmitteln in der Schweiz durchgeführt werden (Kapitel 3), ist man von einem nationalen Monitoringsystem noch weit entfernt. Es handelt sich bis jetzt um ad hoc Datensammlungen deren Herkunft, Vollständigkeit und Repräsentativität im Laufe der Zeit und zwischen verschiedenen Regionen variieren kann (z.B. bezüglich der polizeilichen oder gerichtlichen Strategien, Art der Veranstaltung, Zielpublikum). Manche Datenquellen beziehen fast alle Substanzen ein, während andere Quellen bestimmte Substanzen nicht berücksichtigen. Zum Beispiel sind die Daten des Drug Checking zu den Amphetaminen oder jene der Polizei zum Heroin viel umfassender. Die geographische Abdeckung variiert auch je nach Quelle und einige erfasste Daten (z.B. Streckmittel, Ort der Sicherstellung/Kaufs oder Kaufpreis) werden noch nicht ausgewertet.
Ein nationales Monitoringsystem der illegalen Betäubungsmittel kann ein besseres Verständnis der Verfügbarkeit und des Gebrauchs der Drogen in der Schweiz ermöglichen. Zur Zeit steht weder durch internationale Organisationen noch in den Nachbarländern ein Model zur Verfügung, das übernommen werden könnte. Es werden daher verschiedene Szenarien für die Schweiz vorgeschlagen (Kapitel 4). Die umfassenderen Szenarien schliessen eine Konzeptualisierung der Drogenmärkte sowie die Sammlung der existierenden Daten in einer zentralen Datenbank mit ein. Dies um die Komplementarität der vorhandenen Daten zu nutzen sowie die Notwendigkeit zusätzlicher Datenerhebungen
identifizieren zu können. Es werden auch andere Szenarien vorgeschlagen, welche lediglich die vorhandenen Daten mehr oder weniger vertieft auswerten.
Gleichzeitig behandelt die Studie die Schaffung eines Warnsystems für gefährliche Substanzen, die im Umlauf sind, vor. Ein Warnsystem, das die Laboratorien integriert, welche Analysen erstellen, setzt nicht zwingend ein Monitoringsystem voraus, könnte jedoch innerhalb eines solchen realisiert werden. Für ein Warnsystem ist die Erfassung der Informationen, die Risikoanalyse sowie die Kommunikation klar zu definieren.
Schliesslich wäre ein System zur Analyse der Abwässer eine wichtige Ergänzung für ein Monitoringsystem der Betäubungsmittel. Es würde das Monitoringsystem durch verschiedene Aspekte erweitern (regionale Differenzen, Tendenzen, Schätzungen der konsumierten Mengen) und somit eine bessere Übersicht des Drogenmarktes erlauben.