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Die Bekanntheit und der Wert digitaler Objekte in Form von NFTs sind im vergangenen Jahr explodiert – und auch die damit einhergehenden rechtlichen Probleme und Komplikationen.
Nike ist das jüngste Unternehmen, das eine Klage zu diesem Thema eingereicht hat. Das Unternehmen verklagte die Shopping-Plattform StockX wegen der Erstellung und Vermarktung von NFTs mit seinem Logo und Branding am Donnerstag.
Damit folgt Nike einer Klage der französischen Luxusmarke Hermès gegen den Künstler Mason Rothschild, der im vergangenen Monat 100 MetaBirkins – eine digitale Hommage an die berühmte Birkin-Tasche des Labels – versteigert hat und dabei mit einigen Exemplaren Zehntausende von US-Dollar erzielt hat.
Die Erfolgswahrscheinlichkeit von NFT-Klagen
Der Fall Hermès könnte auf unterschiedlichste Art ausgehen, so die Anwältin Annabelle Gauberti, deren Kanzlei Crefovi auf die kreative Branche spezialisiert ist. Rothschild hatte in seiner Verteidigung argumentiert, dass er als Künstler durch den Ersten Verfassungszusatz geschützt ist – ein Appell, der vor US-Gerichten oft Bestand hat.
Auch in Europa gab es bereits eine ähnliche Situation: Gauberti erinnert an einen Fall von vor zehn Jahren, in dem Louis Vuitton mit dem Versuch scheiterte, einen niederländischen Künstler daran zu hindern, eine Louis-Vuitton-Tasche mit dem Bild eines Darfur-Flüchtlings zu versehen. „Das Fair-Use-Argument funktioniert gut, vor allem im britischen und US-amerikanischen Recht, in dem ein Künstler ein markenrechtlich geschütztes Wort oder Produkt verwenden kann, um eine Botschaft zu vermitteln oder um es zu parodieren", sagte Gauberti. Aber sie sagte auch, dass Rothschild Schwierigkeiten damit haben könnte, einen Richter von dem künstlerischen Wert seines Werks zu überzeugen. „Es ist auf den ersten Blick schwer zu erkennen, welche Botschaft er vermitteln will, abgesehen davon dass er viel Geld verdienen kann. Es wird also viel Arbeit für sein Anwaltsteam sein", sagte sie.
Der Fall Nike ist eine kommerziellere Angelegenheit, da StockX selbst nie behauptet hat, dass seine NFTs eine Form der Kunst sind. Es bleibt trotzdem abzuwarten, ob und wie sich das Markenrecht in der digitalen Welt bewähren wird. „Das Ausmaß des Markenschutzes in der digitalen Welt, sowie die möglichen Rechtsfolgen, müssen erst noch ergründet werden", schrieb die Anwältin Danielle Garno in einem Briefing für Lexology.
Gelten für NFTs andere Regeln als für physische Kunst?
In seiner öffentlichen Antwort an Hermès verglich Rothschild seine MetaBirkins mit Andy Warhols berühmten Campbell-Suppenbildern. „Die Tatsache, dass ich die Kunst mit NFTs verkaufe, ändert nichts daran, dass es sich um Kunst handelt", schrieb er in seiner auf Twitter veröffentlichten Antwort.
Edward Lee vom Chicago-Kent College of Law erklärte jedoch gegenüber Bloomberg Law, dass der Vergleich mit Warhol nicht perfekt geeignet sei, da die Campbell Soup Co. wahrscheinlich nie in das Geschäft mit dem Verkauf von Gemälden einsteigen würde, während Hermès sich durchaus dafür entscheiden könnte, seine eigenen NFTs zu erstellen.
Auch der technologische Aspekt von NFTs kann für Verwirrung sorgen, denn ein NFT ist im Grunde nur ein Eigentumsnachweis, nicht aber das Objekt selbst. „Viele Menschen gehen davon aus, dass sich der Inhalt der NFT im Token befindet, wenn man von einer NFT spricht. Das ist aber nicht der Fall, und weil das nicht der Fall ist, gibt es auch keine unerlaubte Reproduktion", erklärte Primavera De Filippi, Mitautorin von „Blockchain and the Law", gegenüber dem Magazin Business of Fashion.
Was können Unternehmen tun, um sich zu schützen?
Hermès hat Rothschild aufgefordert, seine MetaBirkins aus dem Netz zu entfernen und zu vernichten. Bisher hat eine der NFT-Plattformen, OpenSea, zugestimmt die Meta-Birkins aus dem Verkauf zu nehmen.
Aber Gauberti sagte, dass es sehr schwierig ist, sein Recht online durchzusetzen. „Selbst wenn die Klagen erfolgreich sind, stellt sich die Frage, wie man denjenigen belangen kann, der den Gegenstand bereits gekauft hat, oder wie man verhindern kann, dass er auf Sekundärauktionen verkauft wird. Was die Online-Durchsetzung betrifft, ist es wie im Wilden Westen", sagte sie.
Am besten sei es, wenn die Marken den Nachahmern einen Schritt voraus seien und den Markt mit "offiziellen" NFTs beherrschten. Nike hat genau das getan und im Dezember RTFKT übernommen, ein Unternehmen, das sich auf die Gestaltung digitaler Turnschuhe spezialisiert hat. „Eine starke Offensive ist die beste Verteidigung", sagt Gauberti. „Im Moment zögern viele dieser Marken noch mit der Entwicklung eigener NFTs, weil ihre Kernprodukte physisch sind und sie den Markt vorerst beobachten, um zu sehen ob das Metaverse wirklich so durch die Decke gehen wird.” (AFP)
Dieser übersetzte und bearbeitete Beitrag erschien zuvor auf FashionUnited.com. Übersetzung und Bearbeitung: Karenita Haalck.