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Als 1978 ihr Erstling «Die stehende Uhr» erschien, nahm sich der Roman mit seinem an Salvador Dalí gemahnenden Titelsymbol und seiner radikal modernen, Verlorenheit und Verunsicherung evozierenden Sprache gegenüber dem aktuellen Schweizer Erzählrealismus eher fremd aus und passte weit eher zur US-Avantgarde à la Donald Barthelme und Grace Paley. Beide hatte Hanna Johansen kurz zuvor ins Deutsche übersetzt. Allerdings nicht unter ihrem Pseudonym, sondern als Hanna Muschg, war die am 17.Juni 1939 in Bremen als Hanna Meyer geborene Autorin doch seit 1967 die Ehefrau von Adolf Muschg, mit dem sie als Mutter zweier seiner Söhne ab 1972 in Kilchberg ZH lebte. 1980, im vertrackt-labyrinthischen Roman «Trocadero», sorgte die unkonventionelle Sprache nochmals für Irritation, ehe sie dann 1982 im dritten Roman, «Die Analphabetin», aus einer neuen Perspektive heraus zu etwas vollkommen Plausiblem, Authentischem wurde. Da spricht das fünfjährige Kind, das die Autorin einmal war, ganz selbstverständlich diese Sprache, wenn es von den Bremer Bombennächten des Jahres 1944 und von den Gesprächen mit dem wortkargen polnischen Gärtner Sliwinski berichtet. Von da an war der Bann gebrochen und kamen in Hanna Johansens weiteren Werken Inhalt und Sprache auf eine leicht verständliche, wenn auch moderne und niemals sentimentale Weise zur Deckung. Das gilt für «Zurück nach Oraibi»&xnbsp;(1986), die Lebensgeschichte der Hopi-Frau Polingaysi, ebenso wie für den melancholisch endenden frischen Liebesroman «Ein Mann vor der Tür»&xnbsp;von 1988, aber auch für die Erzählbände «Die Schöne vom unteren Bildrand» (1990) oder «Halbe Tage, ganze Jahre» (1998) sowie nicht zuletzt für die wunderbaren «Märchen und Klagen» «Über den Himmel»&xnbsp;von 1993. Hanna Johansens Summum Opus ist die «Universalgeschichte der Monogamie» von 1997, ein 434seitiges Erzählkonvolut, das im Stil Laurence Stern und im Titel Jorge Luis Borges verpflichtet ist. Zunächst als Doktorarbeit geplant, schweift es unentwegt zu Beispielen aus der Vogelwelt und der Familiengeschichte der Icherzählerin ab, bringt aber so die im Titel verkündete Darstellung quasi andersherum doch noch zustande. Wer die letzten Geheimnisse des Buches verstehen will, muss allerdings den Roman «Lena»&xnbsp;von 2002 lesen, der sich in seiner virtuosen Rollenprosa wie eine nachgelieferte, aus einer anderen Optik erzählte Variante dazu liest. Als Hanna Johansen 2008 den Zürcher Kunstpreis erhielt, hatte sie mit «Der schwarze Schirm»&xnbsp;eben bewiesen, dass ihr auch das Genre des Kriminalromans nicht fremd ist. Ohnehin sind ihr ganze Generationen in einem Bereich begegnet, wo sie ebenfalls zu den ganz Grossen der deutschen Sprache gehört: in der Kinderliteratur, die sie mit Büchern wie «Felis Felis», «Ein Maulwurf kommt immer allein», «Der Füsch» oder «Dinosaurier gibt es nicht» bereichert hat. Bücher, die meist aus der Tierperspektive erzählt, kindergerecht gearbeitet und oftmals grossen Vorbildern verpflichtet sind. So lässt einen «Ich bin hier bloss die Katze», das Menschenporträt aus Sicht der Katze Ilsebill von 2007, unwillkürlich an Montesquieus «Lettres persanes» von 1721 denken. Hanna Johansens jüngstes Werk hat noch keinen Titel, aber es wird eine Art Journal des Jahres 2010 sein, als sie mit Klavierspielen begann und ihr all die Menschen wieder in den Sinn kamen, die in den Figuren ihres reichen literarischen Werks gespiegelt sind.