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Die Schweiz erlebte in dieser Woche kräftige Niederschläge mit lokal extremen Niederschlagsmengen (siehe Blog MeteoCH). Die Schneefallgrenze stieg zwischenzeitlich bis auf 2400 Metern. Dies führte zu hoher Lawinenaktivität: In der Höhe gingen sehr grosse trockene Lawinen ab, unter 2200 m gab es sehr viele Nass- und Gleitschneelawinen. Oder auch eine Mischung von beidem (Anriss trocken, Ablagerung nass) wie z. Bsp. im Valle de la Sion (Bild 1, Bildstrecke unten). Regen- und Schmelzwasser führte schliesslich zu teilweise grosser Hochwassergefahr (Link zum BAFU ).
Seit dem letzten AvaBlog vom Montag, 4. Dezember schneite es wiederholt aber zunächst wenig intensiv. Bis zum Samstag, 9. Dezember fielen stellenweise 20 bis 40 cm Neuschnee (Abbildung 1).
Am Samstagnachmittag, 9. Dezember setzten neue Niederschläge aus Nordwesten ein. Es folgte eine mehrtägige Niederschlagsperiode mit kurzen Unterbrüchen. Bereits in der Nacht zum Sonntag, 10. Dezember schneite es im Westen intensiv. Nach eine Niederschlagspause am Sonntagnachmittag setzen in der Nacht zum Montag neue Niederschläge ein. Die Schneefallgrenze lag am westlichen Alpennordhang mit rund 2400 m am höchsten, gegen Osten und Süden hin tiefer (Abbildung 3). Bei anhaltend hoch liegender Schneefallgrenze dauerte diese Niederschlagsphase bis am Dienstagvormittag, 12. Dezember. Am Mittwoch, 13. Dezember setzte erneut intensiver Niederschlag ein. Die Schneefallgrenze sank kontinuierlich bis zum Niederschlagsende am Freitag, 15. Dezember bis in tiefe Lagen (Abbildung 3).
Von Sonntag bis Freitag, 10. Bis 15. Dezember fielen somit oberhalb von rund 2500 m am Nördlichen Alpenkamm und im westlichsten Unterwallis rund 1.5 bis 2 m Neuschnee. An der Station Grand Cor (2602 m) wurden insgesamt 224 cm Neuschnee gemessen (vgl. Abbildung 4).
Die Periode war begleitet von meist kräftigem Wind aus westlichen Richtungen, der vor allem in der Höhe viel Schnee verfrachtete.
Tiefer in der Schneedecke waren im Bereich von älteren Regenkrusten (die Mitte November entstanden) dünne Schwachschichten aus kantigen Kristallen eingelagert. Im Norden waren diese Schichten schon mächtig überlagert. In den südlichen Gebieten waren die Schneehöhen unterdurchschnittlich, die Schwachschichten damit näher an der Oberfläche und deshalb durch Personen leichter auslösbar.
Ansonsten war die Schneedecke recht günstig aufgebaut abgesehen von kurzlebigen schwachen Schichten innerhalb von Neu- und Triebschneeschichten. Etwas überraschend viele Schneebrettlawinen wurden am Samstag, 9. Dezember im Wallis und am Alpennordhang durch Personen ausgelöst oder gingen sogar spontan ab. Diese waren dünn und flächig (meist klein bis mittel, vereinzelt gross klassiert) (Abbildung 5).
In der Nacht zum Sonntag, 10. Dezember setzte im Wallis hohe spontane Lawinenaktivität ein (vgl. Abbildung 6). Das Ausmass dieser Aktivität konnte dank den automatischen Lawinendetektionssystemen von Geoprävent erfasst werden.
Im Lawinenbulletin für den Sonntag, 10. Dezember wurde Stufe 3 (erheblich) prognostiziert (vgl. Abbildung «Gefahrenentwicklung» ganz unten). Die Aktivität zeigt das anstelle von Stufe 3 (erheblich) zumindest im Wallis eine Stufe 4 (gross) gerechtfertigt gewesen wäre. Da am Alpennordhang keine Daten von solchen Systemen verfügbar sind, war das Ausmass der spontanen Aktivität wesentlich unsicherer. Die von den Beobachtern gemeldeten Lawinen wurden am Sonntag überwiegend als «trocken» klassiert. Zur Sicherung von Strassen und Skigebieten wurden vielerorts erfolgreiche Sprengen durchgeführt (vgl. Abbildung 7).
Am Montag, 11. Dezember und Dienstag gingen dann mit dem Regen sehr viele Nass- und zunehmend auch Gleitschneelawinen ab. Am meisten im Westen, wo die Schneefallgrenze am längsten am höchsten lag. Der Regen führte dazu, dass sowohl an Böschungen als auch an grossen Hängen die Schneedecke ins Rutschen kam (vgl. Abb 8). Unser Beobachter aus Gstaad, U. Grundisch, meldete am Dienstag, 12. Dezember: «Momentan sind Gleitschneerutsche überall zu sehen "was rutschen kann rutscht"!!»
Mit dem intensiven Niederschlag und der zunächst hohen Schneefallgrenze wurde bis am Donnerstagmorgen, 14. Dezember im Westen und Norden in vielen Gebieten mit Stufe 4 (grosse Lawinengefahr) gewarnt (vgl. Abbildung «Gefahrenentwicklung» ganz unten). Mit der Abkühlung nahm die Lawinenaktivität am Mittwoch, 13. Dezember deutlich ab (vgl. Abb 7). Dennoch gab es weiterhin einzelne grosse oder sehr grosse Lawinen, wie z. Bsp. im Valle de la Sionne (vgl. Bildstrecke oben).
Seit dieser Woche können alle aktuell gemeldeten Lawinen bis drei Tage zurück auf whiterisk.ch betrachtet werden (vgl. Abbildung 9).
In dieser Berichtsperiode wurden dem SLF bis zum Redaktionsschluss am Freitagmittag 7 Lawinenunfälle mit erfassten Personen gemeldet. Leider verstarben diesen Winter bisher bei zwei tödlichen Unfällen- insgesamt 3 Personen.
Nachdem bereits der November viele Tage mit Schneefall brachte, zeigte sich auch die erste Dezemberhälfte sehr niederschlagsreich. Die Neuschneesummen seit 1. November sind darum nicht überraschend verbreitet 2- bis 3-mal so hoch wie normal, aber auf Grund von Wärmeeinbrüchen (d.h. Regen statt Schneefall) nur an ganz wenigen inneralpinen Stationen oberhalb 1700 m rekordverdächtig. Anders hingegen die Anzahl Tage mit Neuschnee: Rund 45 % von allen knapp 100 langjährigen manuellen Stationen oberhalb 1000 m liegen diesbezüglich aktuell auf Rang 1 bis 3. All diese Stationen liegen oberhalb 1300 m und messen seit mindestens 30 Jahren. Davon liegen 10 Stationen auf Rang 1, d.h. haben noch nie so viele Tage mit Neuschnee seit 1. November aufgezeichnet. Dazu gehören z.B. auch die mehr als 50-jährigen Messreihen auf der Lauchernalp im Lötschental (VS, 1975 m) oder auf dem Weissfluhjoch (GR, 2536 m), wo an 34 der 45 Tage seit 1. November, d.h. an 75% aller Tage, Neuschnee verzeichnet wurde.
Die vielen Schneefälle sind natürlich auch verantwortlich für die aktuell verbreitet stark überdurchschnittlichen Schneehöhen (200-300%), wobei das nur für Höhenlagen oberhalb von 1500 m nördlich des Alpenhauptkamms gilt (Abbildung 10). Die Median-Schneehöhe auf 1800 m beträgt dort rund 60 cm und auf 2300 m rund 150 cm. Aktuell liegen in diesen Regionen 40 % der langjährigen IMIS-Stationen auf Rang 1 bezüglich maximaler Schneehöhe für Mitte Dezember seit Messbeginn Ende der 1990-er Jahre (20 bis 28 Mess-Winter). Die längeren manuellen Messreihen zeigen jedoch, dass vor allem die Frühwinter 1965 und 1974 nördlich des Alpenhauptkamms verbreitet noch grössere Schneehöhen für Mitte Dezember aufweisen. Am Alpenhautkamm und südlich davon sind die Schneehöhen oberhalb 1500 m durchschnittlich. Der Wärmeeinbruch in dieser Berichtsperiode und die damit verbundenen ausgiebigen Regenfälle haben dazu geführt, dass aktuell beidseits der Alpen unterhalb rund 1000 m kein Schnee mehr liegt.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.