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Zum Tod von Clown Galetti – 21.01.1931 – 20.11.2020
"Ein weltberühmter Clown, ein grossartiger Künstler, der seine Träume gelebt und unser Leben bunt gemacht hat", schreiben die Angehörigen in der Todesanzeige von Walter Galetti, der am 20. November 2020 im Alter von 89 Jahren verstorben ist. Wir Circusfreunde trauern um einen grossen Clown, der die Weltbühne für immer verlassen hat.
In Thayingen bei Schaffhausen aufgewachsen bekam Walter Galetti schon früh Freude an der Komik, mit der er seine Mitschüler oft unterhielt. Doch auf Drängen seiner Eltern musste er vorerst einen bürgerlichen Beruf erlernen. So machte er eine Ausbildung zum Cheminéebauer. Doch direkt nach dem Abschluss bewarb er sich beim Circus Knie als Clown. "Da bekam ich gleich den ersten Lacher", erinnerte sich Galetti an seine Anfänge. "Der Stallmeister war aber so nett, dass er mich als Stallbursche einstellte." Nach vier Monaten bekam er im Circus Knie durch Zufall eine Nummer als Pausenclown, erwarb das Zeltmeisterdiplom und die Auftritte wurden von Mal zu Mal bedeutungsvoller. Zusammen mit seiner Frau, die er dort kennenlernte, studierte er eine Nummer mit dem Titel "Der Clown und die Ballerina" ein und blieb insgesamt vier Jahre bei Knie. Danach reisten sie mit dem Circus Sarrasani, wo sie ihre Nummern weiter verfeinerten. Darauf folgten Engagements mit Circussen in Dänemark, Spanien und vielen anderen Ländern Europas.
Nach 12 Reisejahren kamen die grossen Angebote von bekannten Varietés in Paris. Kurz vor der Première im "Olympia" erkrankte seine Frau, worauf Clown Galetti wieder als Solokünstler auftreten musste, bis die Tochter Mariza alt genug war, um mit ihm auf der Bühne und in der Manege zu stehen. Diese hatte nämlich zusammen mit dem Bruder die Circusschule in Wiesbaden besucht.
1985 gingen Galetti und Mariza gemeinsam auf Tournee durch Japan, Korea und Arabien, bis der erste Golfkrieg ausbrach. Hals über Kopf mussten sie aus dem Land fliehen. Ohne Engagement zogen sie in das Haus seiner Schwiegereltern im vorarlbergischen Rankweil, die kurz zuvor verstorben sind. Auch bei Ausbruch des zweiten Golfkriegs waren die Galettis in der Nähe von Kuwait, konnten aber nach Korea ausweichen, wo aber die Tournee durch die dortigen Studentenaufstände auch unterbrochen werden musste. Das bedeutete das Ende der Reiseaktivitäten. Fortan wurden nur noch Galas bestritten.
Nebst der Clownerie galt seine weitere grosse Leidenschaft dem Filmschaffen. Galetti drehte, schnitt und vertonte in seiner Freizeit Filme, die sich meistens mit Tieren beschäftigten und für die er auch einige Auszeichnungen erhielt. Aber auch als Schauspieler war er oft in Nebenrollen zu sehen, so zum Beispiel im Film "Zwei Supernasen tanken super" mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger. Nachdem er in Rankweil sesshaft geworden ist, hat Galetti seine Autobiografie "Ein Clown geht um die Welt" geschrieben.
Unzählige Engagements führten den Clown Galetti und seine Tochter Mariza um die ganze Welt. Dazu wurde er mit vielen begehrten Preisen der Circuswelt, die alle in seinem Rankweiler Haus einen Ehrenplatz bekommen haben, ausgezeichnet, u.a. mit der Ernst Renz Plakette, die zu Lebzeiten jeweils nur zehn Artisten besitzen und nach dem Tode weitergegeben wird.
Wir Circusfreunde sprechen den Hinterbliebenen unser tief empfundenes Mitgefühl aus und werden Galetti ein ehrendes Andenken bewahren.
Filip Vincenz, Präsident CVA