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Grabstele erscheint die Kunstentwicklung in den aus verschiedenen Gräbern und Schatzhäusern stammenden Metallarbeiten, wie in der goldenen Gesichtsmaske (Fig. 76) und den Diademen aus Goldblech (Fig. 77 u. 80) mit schönen erhabenen und vertieften Linienverzierungen. Noch besser in der Dolchklinge, mit der eingelegten Darstellung einer Löwenjagd (Fig. 81), und am vollendetsten in der getriebenen Darstellung einer weidenden Stierheerde, auf einem goldenen Becher aus Vafio (Fig. 82), deren Wiedergabe eine überraschend natürliche ist. An der Grenze der hohen Kunst steht die Bronzeplatte aus Olympia (Fig. 83) mit Darstellungen einer geflügelten Artemis, die zwei Löwen an den Hinterfüßen hält, darüber ein Schütze, der einen Kentaur verfolgt, und Greifen und Adler. Noch näher steht der hohen Kunst das Flachbild des Löwenthores zu Mykenai (Fig. 84), mit zwei Löwen, die mit den Vorderfüßen auf einem Sockel stehen, auf dem sich eine Säule erhebt. Fig. 84 zeigt zugleich eine Eigenart der mykenischen Baukunst, die in dem Zusammenfügen großer Steinblöcke bestand. Das letzte Bild der Tafel S. 72 und Fig. 78 und 79 geben ein paar Beispiele der Vasenbemalung des mykenischen, des Dipylon- und des korinthischen Stils.
Beispiele der Baukunst. Die griechische Baukunst versuche ich an einigen noch jetzt in einigermaßen wohl erhaltenem Zustande befindlichen Bauwerken zu zeigen. Auf Wiedergabe von Rekonstruktionen habe ich verzichtet; die Einzelheiten, die die verschiedenen Stile kennzeichnen, die Säulen, Kapitäle usw. findet man in den Erläuterungen unter «Stilvergleichung» und unter den einzelnen Schlagworten wie z. B. die Grundrisse der wichtigsten Tempelarten unter «Tempel».
^[Abb.: Fig. 131. Standbild der Hera.
Rom, Vatikan.]
^[Abb.: Fig. 132. Die sog. Hera Farnese.
Neapel, Museo Nazionale.]
Der Poseidontempel zu Pästum. Als Beispiel des vollständig entwickelten dorischen Stils gebe ich in Fig. 85-87 den Poseidontempel zu Pästum in Unteritalien, ein Bauwerk aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Der Tempel ist 64 m lang und 24 m breit. Die Säulenreihe an den Längsseiten besteht aus vierzehn, die der Vorder- und Rückseite aus sechs Säulen. In der Zella, deren Umfassungsmauer zerstört ist, stehen in zwei Reihen je sieben Säulen, auf deren Gebälk (nach Art der auf S. 91 geschilderten Hypäthraltempel) kleinere Säulen ruhen, die das Dach stützten.
Noch deutlicher läßt sich vielleicht der Aufbau des dorischen Tempels an den Resten des Tempels zu Agrigent (Fig. 88) erkennen.
Das Erechtheion. Ein schönes Beispiel des jonischen Stils ist das Erechtheion zu Athen, dessen Reste in Fig. 89 u. 90 abgebildet sind. Beim Vergleich mit den gegenüberstehenden dorischen Tempelresten läßt sich leicht der große Unterschied der beiden Stilarten erkennen. Das Erechtheion ist nicht sehr groß, das Hauptgebäude, der eigentliche Tempel - der Athena Polias und dem Poseidon Erechtheus geweiht - mißt etwa 20 m in der Länge und etwa 11 m in der Breite. Das Hauptgebäude ist fast ganz zerstört, besser erhalten blieb eine östliche Vorhalle mit sechs Säulen - Fig. 89 links - und eine westliche - rechts - die sogen. Jungfrauenhalle, deren Name daher rührt, daß an Stelle von Säulen sechs Jungfrauengestalten - Karyatiden - das Dach stützen.
Denkmal des Lysikrates. Als Beispiel des korinthischen Stils gebe ich in Fig. 91 wieder ein noch jetzt erhaltenes Bauwerk, welches das Zierhafte des späteren Stiles vortrefflich zeigt. Das Denkmal des Lysikrates ist ein Erinnerungszeichen für einen im Wettkampfe errungenen Sieg. Auf einem vierseitigen Unterbau ruht ein von Halbsäulen mit korinthischen Kapitälen umschlossener Rundbau; der Fries zwischen den Kapitälen und dem Dache ist mit Flachbildern geschmückt. Auf der Mitte des Daches erhebt sich ein kandelaberartiger Sockel, auf dem der Siegespreis, ein silberner Dreifuß, aufgestellt wurde.
Die Bildnerei. Ich wende mich nun zu den Abbildungen, die die Entwicklung der Bildnerei veranschaulichen sollen, und beginne mit
^[Abb.: Fig. 133. Marmorstandbild einer Wettläuferin.
Rom, Vatikan.]
^[Abb.: Fig. 134. Fliegende Nike des Paionios.
Olympia.]