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Was ist Dry Needling?
Unter Dry Needling versteht man eine Therapiemethode, die zur Behandlung chronischer sowie akuter muskulärer und faszialen (=myofaszialen) Schmerzen angewandt wird. Darunter fallen unter anderem ausstrahlende Schmerzen, die aus den Muskel-Sehneneinheiten resultieren und somit zu Beginn nicht in Zusammenhang mit den vorherrschenden Schmerzen gebracht werden. Mittels Dry Needling werden Akupunkturnadeln gezielt in muskuläre Triggerpunkte (MTrP) gestochen. Durch die sehr dünnen Einweg-Akupunkturnadeln, die beim Dry Needling verwendet werden, entstehen praktisch keine Gewebsverletzungen und auch der Einstich wird sehr selten als unangenehm wahrgenommen.
Das Dry Needling (Trockenes Nadeln) hat sich aus der Erkenntnis heraus entwickelt, dass nicht das Injektat bei Spritzenbehandlung sondern der gezielte Stich in den MTrP den gewünschten Erfolg einer Behandlung von myofaszialen Triggerpunkten ist. Betrachtet man die aktuelle Wissenschaft gilt allerdings festzustellen, dass diese Feststellung noch umstritten diskutiert wird und man eine Unterscheidung in Kurrzeit- und Langzeiterfolg treffen muss. (Liu et al., 2015)
Was ist ein Myofaszialer Triggerpunkt?
Muskulatur kann Ursache für Schmerzen und/oder Dysfunktionen sein. In der Skelettmuskulatur können sich unter anderem bei einer mechanischen oder haltungsbedingten Überlastung Hartspannstränge bilden. Innerhalb eines Hartspannstranges liegen Zonen im mikroskopischen Bereich, welche auf Grund von Minderdurchblutung ein saures Milieu ausweist und auf mechanische Stimulation (Druck oder Zug) überempfindlich reagieren (Shah & Gilliams, 2008). Diese Überempfindlichkeit kann sich in Form von lokalen und/oder übertragenen Schmerzen äussern. Man spricht von Myofaszialen Triggerpunkten (MTrP).
Neben Schmerzen können auch andere Symptome wie Missempfinden (Parästhesien), Bewegungseinschränkungen, Kraftverluste und Gelenksdysfunktionen vorhanden sein. Man spricht vom Myofaszialen Schmerzsyndrom (MSS).
Wie wird Dry Needling durchgeführt?
Der /Die TherapeutIn untersucht den/die PatientIn mittels manueller Provokation den betroffenen Hartspannstrang im Muskel. Dabei wird die Wiedererkennung der Beschwerden verstärkt und gibt dem/der TherapeutIn Rückmeldung zur zu behandelten Zone.
Die Akupunkturnadel wird in den Hartspannstrang bzw. direkt in den MTrP gesetzt. Der Muskel reagiert in den meisten Fällen mit einer lokalen Zuckungsantwort. Diese Zuckung ist wichtig, da dabei Heilungsprozesse ausgelöst werden und kann teilweise als leicht unangenehm empfunden werden. Durch das Verletzen kommt es zum Einbluten und dadurch zu einer lokalen Durchblutungsverbesserung erzielt. Das biochemische Milieu wird normalisiert sich innerhalb des Hartspannstrang (Shah & Gilliams, 2008) und eine reflektorische Schmerzregulation wird ausgelöst (Baldry, 2002).
Daraus resultieren eine Entspannung der Muskulatur sowie eine lokale und ausstrahlende Schmerzreduzierung.
Was ist der Unterschied zur Akupunktur?
Bei der Akupunktur werden die Nadeln nicht in MTrP gestochen. Die Nadeln werden gezielt in ausgewählte Akupunktur Punkte gesetzt, die den Energie-Fluss in den Meridianen wieder aktivieren sollen. Stockungen oder Blockaden des Qi-Flusses sollen dadurch beseitigt werden.
Wann empfehlen wir Dry Needling?
Die Wissenschaft liefert aktuell widersprüchliche Ergebnisse. In einigen Übersichtsarbeiten zeigt sich z.B. das ein Kurzzeiteffekt besser als Placebo wirkt (Espejo-Antúnez et al., 2017), es jedoch insgesamt noch an hochwertigen Studien mangelt. Rodríguez-Mansilla und Kollegen resultierten sogar, dass Dry Needling im Vergleich zu einer Placebogruppe in Bezug auf Schmerzreduktion schlechter abschnitten, dafür jedoch die Beweglichkeit gesteigert werden konnte (Rodríguez-Mansilla et al., 2016). Um ein genaues Fazit über die Effektivität ziehen zu können, benötigt es weitere hochqualitative Studien.
Fazit: Das Team im CorpoSana setzen aufgrund der widersprüchlichen, wissenschaftlichen Ergebnisse, die Nadeln sehr gezielt ein. Dabei kommt es zunächst auf den Patienten an, ob dieser zu so einer Form Therapie bereit ist, sowie auf die Situation, die der Therapeut mit seiner Erfahrung ein zu schätzen versucht. So haben wir in einigen Fällen gute Resultate erzielt, sind uns jedoch bewusst, dass auch beim Dry Needling der Mensch ein Individuum ist und immer unterschiedlich auf die Therapie reagieren kann.
Literatur:
Badry P. Management of myofascial trigger point pain. Accupunct Med 2002;20:2-10
Espejo-Antúnez L, Tejeda JF, Albornoz-Cabello M, Rodríguez-Mansilla J, de la Cruz-Torres B, Ribeiro F, Silva AG. Dry needling in the management of myofascial trigger points: A systematic review of randomized controlled trials. Complement Ther Med. 2017 Aug;33:46-57.
Liu L, Huang QM, Liu QG, Ye G, Bo CZ, Chen MJ, Li P. Effectiveness of dry needling for myofascial trigger points associated with neck and shoulder pain: a systematic review and meta-analysis. Arch Phys Med Rehabil. 2015 May;96(5):944-55.
Rodríguez-Mansilla J, González-Sánchez B, De Toro García Á, Valera-Donoso E, Garrido-Ardila EM, Jiménez-Palomares M, González López-Arza MV. Effectiveness of dry needling on reducing pain intensity in patients with myofascial pain syndrome: a Meta-analysis. J Tradit Chin Med. 2016 Feb;36(1):1-13.
Shah JP, Gilliams EA. Uncovering the biochemical milieu of myofascial trigger points using in vivo microdialysis: an application of muscle pain concepts to myofascial pain syndrome. J Bodyw Mov Ther. 2008 Oct;12(4):371-384.