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Längst nicht alle Destillerien, die während des schottischen Whisky-Booms im 19. Jahrhundert vielerorts aus dem Boden schossen, überlebten die schwierigen Zeiten der Prohibition, Weltkriege und gesunkenen Nachfrage. Die Gerston Brennerei war von 1796 bis 1882 und dann noch einmal von 1886 bis 1914 im hohen Norden Schottlands tätig. Tatsächlich gab es zwei Destillerien: Die erste klein, familiär und qualitätsbewusst, die zweite gross, industriell und modern, aber eben auch weniger erfolgreich. Dass der Gerston Whisky bis heute fortbesteht bzw. aktuell wieder auflebt, ist der Lost Distillery Company zu verdanken. Diese hat es sich zum Ziel gemacht, die Rezepturen längst geschlossener Destillerien nachzuahmen. Wie das gelingt? Durch das sorgfältige Studieren von historischen Textquellen! Zehn Dinge sind für die Analytiker bedeutsam: In welcher Ära produzierte die jeweilige Destillerie? Wo lag sie? Welche Wasserquelle nutzte sie? Welche Art von Gerste nutzte sie? Welche Art von Hefe wurde verwendet? Wurde das Malz über einem Torffeuer gedarrt? Wie war der Maischbottich? Wie war der Gärbottich? Wie waren die Brennblasen? Und ganz wichtig: In welcher Art von Holzfass lagerte der Whisky? Sobald zu all diesen Fragen Antworten bestehen, beginnt der Entstehungsprozess des "verlorenen" Whiskys. Dazu muss man sagen, dass die Herstellungsbedingungen selbstverständlich nicht 1:1 reproduziert werden - vielmehr spricht man von einer "modernen Interpretation der alten Rezeptur".
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