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Mit zwei von drei durch die Alpen transportierten Tonnen hat die Bahn im vergangenen Jahr gegenüber der Strasse ein wenig Terrain gewonnen. Eine Tendenz, die seit 2004 anhält.
Insgesamt 38,1 Mio. Tonnen Waren (+4,3%) haben 2006 laut dem Verkehrsministerium die Alpenkette auf Strasse und Schiene überquert.
Der positive Trend beim alpenquerenden Güterverkehr hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. So sei die Zahl der Alpen überquerenden Lastwagen trotz guter Konjunktur gesunken, meldet das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).
Die Schiene habe das gesamte Wachstum des Güterverkehrs über die Alpen übernommen, schreibt das UVEK. Die Zahlen belegten, dass die Verlagerungspolitik wirke. Vom in der Verfassung verankerten Verlagerungsziel, nämlich noch 650'000 Lastwagenfahrten durch die Alpen pro Jahr bis 2009, ist man indessen noch weit entfernt.
Finanzielle Förderung nötig
Um dieses Ziel zu erreichen, sei eine finanzielle Förderung weiterhin nötig, hält das UVEK fest. Namentlich die Unterstützung des kombinierten Verkehrs mit Betriebsabgeltungen und Investitionen habe sich bewährt.
Bis im Sommer werde der Bundesrat dem Parlament die Güterverkehrsvorlage mit Vorschlägen zur Verlagerungspolitik unterbreiten, hält das UVEK fest. Geplant sei, mit der Vorlage die Grundlagen für eine koordinierte Einführung der Alpentransitbörse zu schaffen.
Weil das Verlagerungsziel nicht erreichbar ist, gab der Bundesrat 2006 drei alternative Vorschläge in die Vernehmlassung. Der erste ist die Verschiebung des Verlagerungsziels auf 2017.
Der Zweite besteht aus einer Anhebung der Vorgabe auf 1 Mio. Fahrten bei gleichzeitiger Begrenzung der Investitionen auf 1 Mrd. Franken, und der dritte umfasst den Ausbau der "Rollenden Landstrasse".
4% mehr Gütertransporte
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr auf Strasse und Schiene 38,1 Mio. Nettotonnen Güter transportiert, 4% oder 1,5 Mio. Nettotonnen mehr als 2005.
Die Schiene konnte ihren Anteil an den insgesamt beförderten Gütern um 1% auf 66% steigern und damit den ganzen Zuwachs übernehmen.
Die Bahn beförderte 25,2 Mio. Nettotonnen Güter über ihre zwei Hauptachsen, den Lötschberg-Simplon- und den Gotthard. Dies bedeutet einen Anstieg um insgesamt 6,5%. Das stärkste Wachstum verzeichnete mit 11,6 % der unbegleitete kombinierte Verkehr.
Das UVEK führt dies auf das Wirtschaftswachstum und auch die Förderung durch den Bund zurück. Der Verkehr auf der "Rollenden Landstrasse" nahm um 4,3% zu.
Dagegen gab es beim klassischen Wagenladungsverkehr eine Abnahme von 1%. Nach Angaben des UVEK ist die Reorganisation des Verkehrs durch die deutsche Güterbahn Railion der Grund. Diese fährt vermehrt über den Brenner.
1,18 Mio. Lastwagenfahrten
Die per Lastwagen transportierte Gütermenge blieb mit 12,9 Mio. Nettotonnen im Vergleich zu 2005 stabil. Die Zahl der Lastwagenfahrten über die Pässe Gotthard, San Bernardino, Simplon und Grosser St. Bernhard sank um 2% auf 1,18 Millionen.
Das sind 16% weniger Fahrten als im Jahr 2000, als das Verlagerungsgesetz in Kraft trat. Gründe für den Rückgang der Lastwagenfahrten sind nach Angaben des UVEK neben den Massnahmen des Bundes zur Verkehrsverlagerung die einmonatige Unterbruch der Gotthard-Achse und die Erhöhung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) von 2005.
Gemischte Reaktionen
Die neusten Zahlen des UVEK erfreuen weder die Alpen-Initiative noch den Nutzfahrzeugverband Astag. Letzterer behauptet, die Strasse hätte sogar an Marktanteilen gewonnen, wenn die Gotthardroute nicht einen Monat gesperrt gewesen wäre.
Damit zeige sich, dass die LSVA kein taugliches Verlagerungsinstrument darstelle und nur die Schweizer Wirtschaft belaste, schreibt der Verband.Zulegt habe nicht die vom Bund propagierte "Rollende Landstrasse", sondern der unbegleitete, kombinierte Verkehr.
Kein Anlass zu übertriebenem Optimismus sieht auch die Alpen-Initiative. Sie freue sich zwar über die 2006 weiter gesunkene Zahl der alpenquerenden LKW-Fahrten und den gestiegenen Marktanteil der Schiene. Der Rückgang der LKW-Fahrten um nur 2% sei jedoch ungenügend, um das Verlagerungsziel zu erreichen.
swissinfo und Agenturen
Luxemburg-Perpignan
Die längste "Rollende-Autobahn" in Europa wurde am Donnerstag zwischen Luxemburg und Perpignan in Frankreich eingeweiht. Über ihre 1000 Kilometer Länge sollen jährlich 30'000 Lastwagen transportiert werden.
Das 2005 lancierte Projekt soll in Frankreich den Huckepack-Verkehr einführen, der Lastwagen auf die Schiene bringt.
Die kommerzielle Inbetriebsetzung ist auf Anfang Juli vorgesehen, auf Basis eines täglichen Rhythmus. Eine Erhöhung ist nach Bedarf möglich.
Dieser Typ der rollenden Landstrasse ist schon seit einigen Jahren auf der Gotthard- und der Lötschberg-Simplon-Achse in Betrieb.
In der Schweiz werden jedoch vor allem Container im Huckepackverkehr transportiert (nicht der begleitete kombinierte Verkehr).