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Ramme, 1927
- DE: Provence-Schönschrecke | Sizilianische Schönschrecke
- EN: Pygmy Pincer Grasshopper
- FR: Le Caloptène provençal
- Syn.: Calliptamus subalpinus Jago, 1963
Morphologie
In Farbe und Zeichnung entspricht Calliptamus siciliae den anderen Vertretern der Gattung Calliptamus. Die Grundfarbe ist variabel und reicht von dunkelgrau, graubraun bis rotbraun. Vom Kopf über die Halsschild-Seitenkiele und Flügel verlaufen oft helle Linien. Insgesamt ist die Art klein und zierlicher als die beiden anderen Calliptamus-Arten. Die dunkel gefleckten Flügel erreichen beim Männchen nie, beim Weibchen höchstens knapp, die Hinterknie. Die Flügel sind schmal und in der hinteren Hälfte sichtbar verjüngt. Die Hinterflügel sind durchsichtig milchig und höchstens in der basalen Hälfte leicht rosa angehaucht. In Südeuropa sind die Hinterflügel selten auch intensiv rosa. Drei dunkle Flecken sind auf der Hinterschenkel-Innenseite scharf abgegrenzt und nur selten undeutlich, der mittlere Fleck ist meistens am grössten. Die Hinterschienen und die Unterseite der Hinterschenkel sind unterschiedlich intensiv rötlich. Die Genitalkapuze des Männchens ist wie bei Calliptamus barbarus ein stumpfer Höcker, der etwa bis zum Oberrand der Cerci reicht. Die Penisvalven sind bei Calliptamus siciliae etwas schlanker als bei Calliptamus barbarus, ansonsten aber sehr ähnlich.
Gesang
Eine Besonderheit der Calliptamus-Arten sind die Mandibellaute, die durch das Gegeneinanderreiben der Kiefer erzeugt werden. Es entsteht ein knisterndes Geräusch, das wie „suisuisui“ klingt und höchstens 5 m weit zu hören ist. Die Kiefer bewegen sich dabei nur geringfügig und die Beine werden im Rhythmus der Mandibelbewegungen lautlos nach oben geschlagen. Des Weiteren werden kurze, leise Schwirrverse mit schnellen Beinbewegungen erzeugt. Diese Laute werden häufig nach der Landung oder bei Kontakt mit Artgenossen vorgetragen und dienen als Kontaktlaute, Rivalen- oder Werbegesang. Manchmal kombinieren die Männchen Schwirrverse mit Mandibellauten. Diese sind auch im US-Detektor gut zu hören. Die verschiedenen Lautäusserungen sind schwierig aus der Geräuschkulisse herauszufiltern, so dass man die Tiere meist sieht, bevor man sie hört. Inwiefern sich die Lautäusserungen der drei Calliptamus-Arten unterscheiden, ist nicht bekannt, ein arttypischer Gesang scheint aber wahrscheinlich.
Mandibellaute von Calliptamus siciliae, die bei einer Begegnung von zwei ♂♂ erzeugt wurden - CH, TI, Balerna, 23 °C, dunstig.
Verbreitung
Calliptamus siciliae ist aus Südostfrankreich, ganz Italien einschliesslich Sizilien und mit einem alten Fund aus Sardinien bekannt. Östlich reicht das Verbreitungsgebiet bis Venetien und ins südliche Trentino-Südtirol. In der Schweiz beschränken sich die Vorkommen auf das Tessin und die Bündner Südtäler.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Calliptamus siciliae können von Juli bis in Anfang November beobachtet werden.
Über die Eiablage und Entwicklung ist wenig bekannt.
Lebensraum
Calliptamus siciliae ist an trockene und warme Lebensräume gebunden. Es sind lückige Wiesen und Weiden, Steinbrüche und Weinberge. Im Gegensatz zu den anderen Calliptamus-Arten scheint Calliptamus siciliae auch in dichterer Vegetation und weniger offenen Lebensräumen ein Auskommen zu finden.
Gefährdung & Schutz
Aufgrund des kleinen Verbreitungsgebietes und der eher geringen Individuenzahlen ist Calliptamus siciliae in der Schweiz stark gefährdet. Die Erhebungen im Zuge der Kartierungen für die Rote Liste deuten jedoch auf eine stabile Situation hin. Die grösste Bedrohung geht vom Siedlungsbau und von der fortschreitenden Sukzession aus, wobei die Verbuschung die offenen Lebensräume verdrängt. Durch regelmässiges Entbuschen kann der Lebensraum erhalten werden. Beweidung scheint für die Art förderlich zu sein, wie Beobachtungen aus Italien zeigen.
- CH: EN (Stark gefährdet)
- DE: Abwesend
- AT: Abwesend
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Sämtliche Calliptamus-Arten Europas sind sich sehr ähnlich und können leicht miteinander verwechselt werden. Sie unterscheiden sich anhand der Flügel, der dunklen Fleckenzeichnung der Hinterschenkel, vor allem aber anhand der Genitalkapuze der Männchen. Im Gegensatz zu Calliptamus siciliae ragt die Genitalkapuze der deutlich grösseren Calliptamus italicus als spitzer Stift über die Cerci nach hinten. In der Südschweiz sind Calliptamus italicus und Calliptamus siciliae leicht anhand der unterschiedlichen Flügelfarbe zu unterscheiden. Die Genitalkapuze von Calliptamus barbarus ist etwas stumpfer und fast halbkugelförmig. Bei Calliptamus barbarus sind die ventralen Penisvalven in Seitenansicht und von hinten etwas robuster aber ansonsten sehr ähnlich, was sich in der Form der Genitalkapuze zeigt. Vorsicht ist in Südfrankreich geboten, wo mit Calliptamus wattenwylianus eine ähnliche, aber deutlich grössere Calliptamus-Art vorkommt.