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Fremd, absurd und doch irgendwie vertraut muten die Arbeiten von acht internationalen Kunstschaffenden an. Ihre Werke oszillieren zwischen technoider Ästhetik und organisch wirkenden Formen. Sie zeigen auf, wie funktionslos gewordene Objekte, in Kunst transformiert, neu gesehen werden können.
Zwei rot-glühende Augen scheinen den Betrachtenden anzustarren wie ein in einem Busch lauerndes Raubtier. Konkret sind es Rücklichter eines Autos, die Yngve Holen (*1979, Braunschweig) umgestaltet hat. Was könnte emotional mehr aufgeladen sein als ein Auto als Fetisch? Das in der Ästhetik eines Werbefilms gedrehte Video <Animate V>, 2012, aus der Serie <Renault Avantime> von Simon Dybbroe Moller (*1976, Aarhus) illustriert diese Passion. Die Kamera streift entlang seiner schwarz glänzenden Oberfläche wie über eine Haut, umschmeichelt das Gefährt, fokussiert auf seine Formschönheit und hebt seine Vorzüge hervor.
Die hier gezeigten Positionen von acht internationalen Kunstschaffenden, Camille Blatrix, Timothée Calame, Rä Di Martino, Simon Dybbroe Moller, Yngve Holen, Diego Perrone, Ilona Ruegg und Guan Xiao führen vor, dass nicht nur anthropomorphe Roboter Gefühle auszulösen vermögen, sondern ebenso technische, ihrer Funktion beraubte Geräte, die durch künstlerische Transformationen in einen anderen Kontext gestellt und oft energetisch oder emotional aufgeladen sind. So wenn Camille Blatrix (*1984, Paris) einen hin- und herrotierenden Staubsaugerroboter in Form eines, an einen Strand gespülten Walfischs angleicht. Das Objekt <Wher> entwickelte Blatrix im Rahmen seiner Auftragsarbeit für BMW Open Work. Er nutzt Technologie und Design, um Grenzen in seinem künstlerischen Schaffen zu sprengen. Diese Technikbegeisterung konfrontiert Guan Xiao (*1983, Pekin) mit einer postapokalyptischen Atmosphäre. Ihre fantasievolle, poetische Installation <Lulubird slowly dipped her tongue into the ice cream, waited until it started buzzing>, 2020, erinnert an einen Baum. Seiner Krone ist ein altertümlicher Hut aufgesetzt, und er ist von weissen Spielzeugvögeln umzingelt. Die Künstlerin thematisiert den Gegensatz zwischen Mensch und Natur, die unsere technoide Welt zurückerobern werde.
Eine Reihe von Arbeiten bezieht sich auf Mythologien und bindet sie in zukünftige Konstellationen ein. So etwa wenn die schreitende Jünglingsskulptur von Hermann Haller mit wehenden, um den Körper geschlungenen Magnetbändern und einer Plastiktüte um den Kopf als moderne Hermesfigur zum Leben erweckt wird. Die Ausstellung untersucht das Phänomen, dass trotz der maschinell gefertigten Form die Skulpturen Emotionen auszulösen vermögen. Diese Diskrepanz fasziniert Camille Blatrix überaus: «All subjects, even technical objects, are about emotion. For example, iPhones are super scary, but at the same time, super sexy. I’m interested in this contrast.»
Metamorphosis Overdrive, Kunstmuseum St. Gallen, bis 6. September, 2020 www.kunstmuseumsg.ch