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(von H.R. Schinz, Druck/Kunstdruck Mahler und Weber)
(Lithographie vermutlich von C. Kull Zürich, vgl. Nr. 49)
|Die Fische unserer Gewässer.

Ein halbes Jahrhundert ist bereits verflossen seit dem die naturforschende Gesellschaft, nach dem Beispiel anderer Gesellschaften unserer Vaterstadt, angefangen hat jedes neue Jahr ein Unterhaltungsblatt der reifern Jugend zu widmen, welches, dem Zweck ihrer Stiftung gemäß, irgend einen naturhistorischen Gegenstand darstellte. Im vorigen Jahr wurde der Anfang gemacht die Naturgeschichte der Fische zu behandeln, welche unsere Seen und Flüsse bewohnen, um zu zeigen wie wichtig diese Thiere für den Erwerb einer bedeutenden Zahl unserer Mitbürger sei, welche sich mit ihrem Fange beschäftigen. Wenn aber der Fang gehörig und ohne die Fische zu sehr zu vermindern, betrieben werden soll, so muß auch die Lebensart, der besondere Aufenthalt jeder Art und ihre Fortpflanzung näher bekannt sein und diesen Zweck sollen diese Blätter zu erreichen suchen. Wir machten im letzten Blatt mit der Darstellung der wahren Forellenarten den Anfang, indem wir die Geschichte der Flußforelle, der Seeforelle und der Rothforelle behandelten. Von dieser wichtigen Gattung bleibt noch die vierte Art zu betrachten übrig, nämlich:
Der Lachs. Salmo Salar.
Dieser Fisch hat nach Alter, Jahreszeit und Geschlecht auch bei uns verschiedene Namen, wie dies bei verschiedenen Fischen der Fall ist. Der einjährige heißt ein Sälmling oder Saibling, der Erwachsene heißt vom Frühjahr an bis zum August Salm und von da an bis zum Neujahr Lachs, französisch Saumon. Das Männchen oder der sogenannte Milchner heißt vom September an Haken, weil sein Unterkiefer sich in einen Haken umbiegt, der Rogener oder das Weibchen heißt Ludern.
Der Lachs ist der größte Fisch unserer Flüsse, (nur der Hecht kommt ihm zuweilen an Größe nahe,) er erreicht ein Gewicht von 35 bis 40 Pfund, man hat sogar Beispiele von solchen, welche 50 Pfund wogen. Der Kopf ist nach Verhältniß nicht sehr groß, länger und spitziger beim Männchen, als beim Weibchen. Er hat, wie alle Forellen, eine sehr große Menge von Zähnen, in den Kinnladen, an der Zunge, im Gaumen und im Schlunde. Die Schuppen sind nicht sehr groß und sitzen an der starken, dicken, fettigen Haut fest, Kopf und Rücken sind am Männchen olivengrün, welche Farbe an den Seiten bis zur Seitenlinie heller wird und unter derselben in Gelb übergeht, die Flossen sind sämmtlich grau, die Fettflosse, welche keine Knochenstrahlen hat, ist nicht groß, an den Seiten bis zur Seitenlinie sind hin und wieder kupferrothe und schwärzliche, unregelmäßige Flecken zerstreut. Das Weibchen ist oben mehr blaugrau, an den Seiten mehr silberweiß und mit schwarzen Flecken bezeichnet. Gegen die Fortpflanzungszeit verlängert sich beim Männchen die untere Kinnlade. wird knorpelartig hart und biegt sich in einen Haken um, in der Oberkinnlade aber entsteht eine Höhle, in welche die Spitze des Hakens einpaßt, so daß der Mund sich doch schließen kann; nach der Laichzeit verliert sich dieser Haken wieder und findet sich beim Salm nicht.
Verbreitung und Aufenthalt. Der Lachs ist einer der am weitesten
verbreiteten und deswegen auch einer der wichtigsten Fische. Er findet
sich in allen Flüssen, welche in die Nord- und Ostsee fließen,
in allen denen, welche sich ins Eismeer ergießen, im ganzen Norden
von Nordamerika, bis zum nördlichsten Grönland, auch in den Flüssen,
welche in das stille Meer sich ergießen. (Die neuere Systematik ist nicht mehr einverstanden.)
Nach der Jahrszeit ist er
bald ein Bewohner des Meeres, bald der großem und zur Fortpflanzungszeit
der kleinem Flüsse, selbst der großem Bäche. Niemals aber
hält er sich in den Süßwasserseen bleibend auf. Unsere
Lachse steigen aus der Nordsee im Frühjahr in den Rhein und wandern
allmählich aufwärts, sodaß sie schon im Mai von Basel bis
zum Rheinfall sich finden und dann Salm heißen, im August oder Anfang
Septembers treten sie in die Limmat, Reuß und Aare und im Oktober
ziehen sie zum Theil in die kleinem in den Rhein fließenden Flüsse,
die Töß, die Thur, viele aber durch den See hinauf in die Linth,
und viele sogar durch den Wallensee in die Seez und bis gegen Mels hinauf.
Nach Vollendung der Linthunternehmung stiegen viele in das alte Linthbett
und wurden dort gefangen, erst in den folgenden Jahren kamen sie in die
neue Linth; in der Thur steigen sie bis gegen Untertoggenburg hinauf. Bei
ihren Wanderungen überspringen sie den kleinen Rheinfall bei Laufenburg,
allein den großen Rheinfall können sie nicht überspringen
und sammeln sich am Fuße desselben, wo oft sehr viele gefangen werden.
Durch die Reuß gehen sie in den Vierwaldstädtersee und aus diesem
bis nach Steg, aus der Aare bis durch den Thuner und Brienzersee. Die stärksten
Züge in die Nebenflüsse kommen im Oktober. Wenn sie aus dem Meere
aufsteigen, wandern sie in großen Schaaren, wobei sie ein zweiseitiges
Dreieck bilden sollen, an der Spitze ein Rogener oder Weibchen voran, nachher
zerstreuen sie sich. Sie überspringen Mühlwuhre und Dämme,
indem sie den Schwanz mit dem ganzen Körper in einen Ring biegen und
plötzlich wieder zurück schnellen. In diesem Schwanze haben sie
eine große Stärke, womit Gefangene selbst gefährlich um
sich schlagen können.
Nahrung. Ungeachtet der Lachs ein furchtbares Gebiß hat, gehört er doch nicht unter die gewaltigen Raubfische, wie andere Forellen und man findet seinen Magen oft leer. Die Jungen nähren sich von Würmern und Wasserinsekten, wohl auch vom Laiche anderer Fische; ältere Salme verschlingen kleine Fische, besonders soll der Stichling, der sich aber in unsern Flüssen nicht findet, wohl aber in den meisten andern Flüssen, welche in den Rhein fließen, seine Nahrung ausmachen und der Lachs diesen kleinen Fisch, den andere Raubfische seiner Stacheln wegen nicht verfolgen, ohne Schaden in Menge verschlingen. Wahrscheinlich frißt er auch Krebse und Würmer.
Fortpflanzung. Der Hauptzweck der Wanderung der Lachse in die Flüsse und besonders in die kleinen ist die Fortpflanzung, welche nie im Meere geschieht. Sie treten in alle die kleinem Flüsse ein, welche genug Wasser haben, doch bleiben auch viele im Rheine zurück, an allen Orten aber suchen sie seichtere Stellen zur Ablegung ihrer Eier auf, oft sogar sieht man sie in Bächen laichen, welche so wenig Wasser haben, daß die Rückenflosse großer Lachse über das Wasser hervorragt. Die Laichzeit beginnt mit Ende Oktober und dauert bis Ende Dezember. Zu dieser Zeit sieht man Männchen und Weibchen beisammen auf den sogenanten Gruben stehen. Diese Gruben sind nichts anders als kleine Vertiefungen auf dem Grunde des Flußbettes, welche dadurch entstehen, daß das Weibchen, oft auch das Männchen, an diesem Ort sich schwimmend erhält, wie man sich ausdrückt, steht, und mit dem Schwanze und Bauch am Boden wühlt, wodurch die kleinen Steinchen etwas seitwärts geschoben und umgekehrt werden, indem die untere Fläche derselben weniger schleimig ist, ist sie auch rauher und heller und zeigt dadurch dem Auge leicht die Stelle der Grube an. Diese ist ungefähr zwei Fuß breit und mehrere Fuß lang. Hat sie die gehörige Eigenschaft, so reibt sich der Rogener oder das Weibchen am Boden, dadurch gehen die reifen Eier aus dem Leibe ab und bleiben an den rauhern Steinchen hängen. Nun kommt das Männchen und befördert durch lebhafte Bewegung des Körpers den Abgang einer weißen Feuchtigkeit aus dem After, welche der befruchtende Same ist. Diese ergießt sich mit dem Wasser über die Eier und befruchtet sie, wobei indes nicht alle befruchtet werden; da aber dies mehrmals wiederholt wird, so werden die meisten befruchtet und da die Zahl der Eier groß ist, so ist auch die Vermehrung stark. Mann rechnet nämlich die Zahl der Eier, welche ein Weibchen von sich gibt, auf etwa 30,000. Sie sind roth und nicht viel größer als Mohnsamen. Nach 10 bis 11 Wochen kommen die kleinen Fischchen aus den Eiern und bleiben gerne eine ziemliche Zeit in derselben Gegend unter Steinen oder andern Körpern verborgen, bis sie eine gewisse Größe erreicht haben, dann treten sie die Reise abwärts an, und so findet man sie im Frühjahr in den großem Zuflüssen des Rheins als sogenannte Sälmlinge von sechs bis sieben Zoll Größe; sie halten sich hier nur einige Wochen auf und schwimmen abwärts bis zum Meere, wo sie so lange bleiben, bis sie zu Salmen erwachsen sind, daher findet man nur Salme von einigen Pfunden im Rhein, nie kleinere.** der Autor muss die Zwergmännchen übersehen haben.
Durch das Laichen wird das Fleisch des Lachses weicher und schlechter, der Fisch wird mager und gegen das Ende der Laichzeit hat es viel von seiner Derbheit verloren, wird auch durch das Kochen nicht roth, wie das Fleisch der Salme, dem es in jeder Beziehung nachsteht; dennoch aber ist es immer noch sehr geschätzt und angenehm. Wenn auch viele tausend Fische einer Brut zu Grunde gehen, so erreicht doch die größere Zahl das Meer.
Nutzen. Wenn auch bei uns das Fleisch der Salmen und Lachse seiner Theure wegen nur auf die Tafeln der Wohlhabenden kommt, so ist der Gewinn des Lachsfanges um deßwillen für den Fischer nur um so bedeutender. Das Pfund wird gewöhnlich nicht unter einem Franken verkauft und nur bei größerm Ueberfluß etwas wohlfeiler. Salme werden in der Limmat selten gefangen und noch theurer verkauft, und zwar mehr in den Gasthöfen. Man kann den Lachs frisch mehrere Tage aufbewahren. Im Norden, wo der Lachs viel häufiger ist, wird er eingesalzen oder gedört und so das ganze Jahr aufbewahrt, allein bei uns kennt man dies nicht. Die Sälmlinge werden im Frühjahr sehr geschätzt, aber bei uns selten mehr gefangen. Schaden thut dieser Fisch, als Raubfisch, nur sehr unbedeutenden durch Fressen anderer Fischbrut.
Fang. Man erstaunt, wenn man liest, wie unglaublich viele Salmen schon bei ihrem ersten Eintritt in den Rhein gefangen werden, und der ganzen Länge des Rheines nach bis zu uns wird dem Lachs und Salm auf vielfache Art nachgestellt, so daß es ein wahres Wunder ist, daß noch so viele zu uns kommen können. Bei seinem Eintritt in die Schweiz bei Basel wird, beim Ausfluß der Wiese in den Rhein, täglich mehrere Male ein großes Garn, der Wolf genannt, ausgestellt und meist mit Beute beladen wieder aufgezogen, zwischen Basel und Laufenburg, von Rheinfelden bis Laufenburg, findet man am Ufer allenthalben Lachsfallen und Garne, welche man die Wage nennt, aufgestellt. Es ist dies eine Art von Schnellgarnen, wodurch der Lachs, wenn er darüber hinschwimmt, schnell mit dem Netz in die Höhe geschnellt wird, und zappelnd auf demselben liegend in der Luft hängen bleibt. Da wo der Rhein zwischen Felsen enge durchfließt, wie in Laufenburg, werden in diese Zwischenräume eine Art von eisernen Reusen gelegt, worin der Lachs sich, wenn er sich durchdrängen will, fängt. Man hat auch eigene Fallen, welche an eben solche Orte gelegt werden, wo der Lachs durchschwimmen muß. Sie gleichen etwas den Fuchsfallen, welche man Tellerfallen nennt, und klemmen den Lachs ein, indem sie zuschlagen und zugleich den Fisch durchstechen. Zuweilen sucht man durch lebende Rogener Männchen anzulocken, indem man dem Fisch einen Strick zwischen die Kiemen durchzieht und ihn so ins Wasser hängt. Am Rheinfall werden sehr viele Lachse gefangen, indem sie sich da sammeln und nicht weiter reisen können. Die merkwürdigste Art des Lachsfanges geschieht des Nachts, indem man sie blendet, und dann mit einer Gabel, der man den Namen Geeren giebt, sticht. Dies gedieht auf folgende Art. Man beobachtet am Tage, wo Lachsgruben sind, auf welchen Männchen und Weibchen schwimmen oder, wie der Fischerausdruck ist, stehen. Dieses kann man von einem erhöheten Standpunkte, z. B. einer Brücke oder auch wohl vom Ufer aus thun, oder indem man in einem Schiffe hin und her fährt, wodurch zwar die Fische sich entfernen, allein die Grube bemerkt man deutlich und bezeichnet den Punkt auf irgend eine Art, so daß man denselben auch bei der Nacht wieder finden kann. Nun verbindet sich eine Gesellschaft von 6 bis 8 Männern; man miethet ein Schiff, nebst einem Kahnführer und einem Manne zum leuchten. Als Leuchtinstrument dient ein eiserner Korb, in welchem man Kienspähne anzündet. Dieser Korb wird an einer Stange so in die Höhe gehoben, daß das Wasser bis auf den Grund erleuchtet wird. Nun stellen sich die 6 oder 8 Mann auf beide Seiten des Kahns jeder mit dem Geeren bewaffnet und die Augen fest auf das Wasser gerichtet. Der Kahnführer fährt dann über die bezeichneten Gruben langsam hinab. Die durch den Schein des lodernden Feuers geblendeten Lachse kommen an die Oberfläche des Wassers und werden in diesem Augenblicke mit dem Geeren angestochen, und, da dieser Wiederhacken hat, so bleibt der Getroffene hängen, und wird in das Schiff geworfen, was aber bei einem großen Lachs nicht leicht ist, und Kraft nebst festen Fuß erfordert. Man wählt zu diesem Fange lieber dunkle, als helle Nächte, weil der Schein des Feuers mehr blendet, zugleich muß aber auch das Wasser ganz hell und durchsichtig sein, weil man natürlich bei trübem Wasser den Fisch nicht sehen kann, und dieser auch nicht geblendet wird. Es ist ein schönes Schauspiel bei dunkler Nacht diese Männer zu sehen, wie sie im Feuer stehen, besonders den Korbträger, über welchen beständig Funken herabfallen. Der Glanz des beleuchteten Wassers, die Beleuchtung der umgebenden Hügel und Häuser und die geröthete, dunstige Athmosphäre scheinen eine Feuersbrunst anzudeuten, für welche dies Schauspiel auch schon oft gehalten worden ist, daher muß die Polizei vorher benachrichtigt werden, damit nicht Feuerlärm gemacht werde. In den neuesten Zeiten scheint übrigens diese Art Fang seltener betrieben zu werden, entweder weil die größere Seltenheit der Lachse die nicht unbedeutenden Kosten oft kaum ersetzt, oder weil es an Liebhabern fehlt, welche die meist frostige Fahrt nicht mitmachen mögen. Sie dauert oft mehrere Stunden, da man mehrmals Fluß auf und abwärts fahren muß, indem in einer Fahrt nicht alle Lachsgruben befahren werden können. Die nicht getroffenen Lachse kehren bald wieder zur Grube zurück und können bei einer zweiten Fahrt gefangen werden. Ein glücklicher Fang ist aber einträglich und ersetzt die aufgewendeten Kosten reichlich. Auch vom Land aus kann zuweilen etwa vor einer Brücke oder einer Wuhrung herab ein Lachs gestochen werden. In frühem Zeiten wurde oft eine eigene Fischerei auf Sälmlinge getrieben, wenn diese im Frühjahr, ehe sie den Rhein abwärts gegen das Meer zueilten, einige Zeit in der Limmat sich aufhielten. Sie geschah mit der Angel und mit künstlichen Insekten als Sprungfischerei, und hieß die Rollenfischerei, weil eine Rolle oder kleine Schelle an der Angelruthe angebracht dem Fischer anzeigte, wenn ein Fischchen angebißen hatte. Die Angelschnur war sehr lang und der Fischer fuhr in einem Kahn mitten auf der Limmat auf und ab. Sie scheint wenig mehr getrieben zu werden, wahrscheinlich aus Mangel an Liebhabern, weil sie viele Zeit erfordert und nicht einträglich ist.
Feinde hat der Lachs in unsern Gewässern nur als Sälmling, den erwachsenen Fisch greift kein anderes Thier an, nicht einmal der Fischotter, Aber ein Schmarozer-Thier, der sogenannte Kieferwurm*) Lernaea branchialis, zur Klasse der krebsartigen Thiere gehörend, man nennt dieses Thier auch Lachslaus.
plagt den Salm im Sommer, oft so sehr, daß er vor Schmerz große Sprünge über das Wasser macht, er hängt sich aber nicht blos an die Kiefern, sondern auch an andere Theile. Auch hausen in seinen Eingeweiden mehreren Arten von Eingeweidewürmern, welche ihm aber wahrscheinlich wenig schaden.
Die zweite Familie der salmartigen Fische, welche in unsern Gewässern sich aufhält wird durch die sogenannten ungeflekten Salme gebildet. Nur durch die Fettflosse ähneln sie den Forellen, dann aber freilich auch durch die wenigen Gräten, womit ihr Inneres versehen ist, dagegen haben sie sehr kleine oder gar keine Zähne und können deßwegen nicht wohl unter die Raubfische gezählt werden. Die Mundöffnung ist sehr klein und gestattet ihnen nur sich von Würmern, Insekten oder gar vegetabilischen Stoffen zu ernähren. Die meisten haben große, weniger festsitzende Schuppen und find meist ungefleckt. Sie leben meist in Seen, nur eine Art in fließendem Wasser, und die in Seen lebenden, lieben die Tiefen und kommen fast gar nicht auf die Oberfläche. Mit Recht sind sie von den Forellen, zu welchen man sie früher zählte, getrennt worden und bilden die Gattung der Felchen (Coregonus). Unsere Gewässer beherbergen folgende:
1) Die Aesche. Coregonus Thymallus.
2) Die große Maräne. Cor. Maraena.
3) Den Blaufelchen C. Wartmanni.
4) Die kleine Maräne C. Maraenula.
5) Den Hegling C. Albula.
Die Aesche Coregonus Thymallus.
In der französischen Schweiz l'ombre in der italienischen il temolo. Man hat sie wohl auch zu einer eigenen Gattung Thymallus gemacht und Thymallus vexilifer genannt. Beide Kinnladen sind mit leicht bemerkbaren, kleinen Zähnchen besetzt, welche aber sehr spitzig sind; einige kleine Zähnchen sitzen auch noch im Gaumen. Der Körper ist mit mittelmäßig großen und harten Schuppen bedeckt; die obern Theile, Rücken und Seiten desselben sind grau, an den Seiten geht diese Farbe ins hellere grau über, die Seiten über und unter der Seitenlinie sind mattweiß und über den ganzen Körper bis zum Schwanz, laufen 14 bis 15 schmutziggraue Parallelstreifen, welche dem ganzen ein düsteres Ansehen geben. Die Rückenflosse dagegen ist sehr lebhaft gefärbt, sie hat 20 Strahlen und ist hoch, mit mehreren Reihen runder schwarzer Flecken besetzt, zwischen welchen die Häute zinnoberroth sind, die Fettflosse ist nur klein und die übrigen Flossen mehr oder minder rot. Am vordem Theil des Körpers bemerkt man meist einige kleine, schwarze, runde Flecken. Die Aesche wird etwa 14 bis 15 Zoll lang und erreicht ein Gewicht von einem Pfund, sehr selten von zwei, oder gar drei Pfund.
Aufenthalt. Es ist dieß ein Flußfisch, der nie in die Seen geht. Er kommt in der Limmat, der Töß, der Thur und dem Rhein vor und hält sich außer der Laichzeit mehr in der Tiefe auf. Sie lebt gesellig in großen Schaaren beisammen. Sie liebt hellströmendes klares Wasser mit kiesigem Grund, geht auch in schattige Waldbäche, steigt aber nicht bis in die Alpengewässer hinauf. An sumpfigen Orten findet man sie nicht. In Zürich kommt sie bis zum Ausfluß des Sees herauf. Ein Zugfisch ist sie nicht, sondern bleibt fast das ganze Jahr in derselben Gegend, und nur zur Fortpflanzung besucht sie seichtere Stellen.
Nahrung. Die Aesche kann, da ihr Mund klein und mit schwachen wenn schon spitzigen Zähnen versehen ist, nur Insekten, Würmer, kleine Wasserschnecken, Fischlaich und Schlamm fressen. Die Schnecken verschlingt sie mit der Schale. Nach Insekten springt sie, und fängt wohl nahe am Wasser hinfliegende Insekten im Sprunge. Selbst in schnellfließenden Wassern kann sie sich Stunden lang an derselben Stelle schwimmend erhalten.
Fortpflanzung. Zur Fortpflanzungszeit sucht sie seichtere und weniger schnellfließende Wasser auf. Diese Zeit ist der März die Eier sind etwas größer als Hanfsamen, größer als die des Lachses und von gelblicher Farbe. Die Vermehrung ist stark. Die ausgekommenen Fischchen wachsen schnell. Bei uns hat die junge Aesche keinen besondern Namen und wird leicht von Unkundigen mit andern kleinen Fischen verwechselt, wenn man die Fettflosse nicht beachtet.
Nutzen. Das Fleisch dieses Fisches ist weiß, derb und wohlschmeckend und wird sehr gesucht, doch wird es aber weniger theuer, als die Forellenarten verkauft. Es hält sich einige Tage, je nach der Jahreszeit, frisch. Da sie oft in Menge gefangen wird, so ist für manchen Fischer der Ertrag des Fangs ziemlich bedeutend. Escher in seiner Beschreibung des Zürichsees nennt die Aesche den herrlichsten und gesündesten Fisch vor allen unsern Fischen, der Geschmack muß sich geändert haben, denn jetzt werden die Forellen den Aeschen vorgezogen.
Fang. Man fängt die Aesche mit Garnen und an der Angel. Die Aesche ist ein Gegenstand der Sprungfischerei, der Fang erfordert aber Erfahrung, denn es ist ein listiger Fisch. Die Alten hatten die sonderbare Meinung, man müsse einen Floh an die Angel stecken, aber schon Geßner meinte spaßhaft, man müßte damit sehr subtil umgehen. Außerdem hat die Aesche viele Feinde, der Fischotter stellt ihr stark nach, dann aber besonders auch der Flußadler, der Seeadler, die Tauchgänse und Taucher, und jungen und alten anderer Raubfische.
Schaden thut die Aesche durchaus nicht.
Die Naturgeschichte der andern Arten der Felchen wird in einem andern Blatt folgen.
Anmerkungen des Uebertragers:
Was dann leider nicht mehr geschah.
Lachs und Forelle sind offenbar einfach zu unterscheiden: einen Lachs kann man an der Schwanzwurzel halten, während eine Forelle rausflutscht.
Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt, was bei der Texterkennung einige Schwierigkeiten verursachte.
Die (wissenschaftlichen) Namen sind die damals Gültigen. Sie stimmen meist nicht mehr mit den heute gültigen Namen überein.
1) Die Aesche Coregonus Thymallus.
2) Die große Maräne. Cor. Maraena.
3) Den Blaufelchen C. Wartmanni.
4) Die kleine Maräne C. Maraenula.
5) Den Hegling C. Albula.
Die Äsche "C. thymallus" bekam (wie bereits erwähnt) ihre eigene Gattung und heisst Thymallus thymallus. Die Coregonen-Systematik ist immer noch strittig, schon die Anzahl der Chromosomen mit Zahlen (2N) von 36 bis 96, mit der Vermutung von Polyploidie, deutet auf Schwierigkeiten, welche schon Hartmann und Steinemann mit den Kiemenreusendornen hatten. Mit jeder neuen Art der Untersuchung, das vorletzte waren Gel-Elektrophoresen der DNS, nun sind DNS-Sequenzierungen dran (vorerst der Ribosomen), bieten sich neue Möglichkeiten, die Phyllogenese abzuklären. Vermutlich wird noch einige Zeit vergehen, bis sich die Forschergemeinde geeinigt hat.
Masse: 1 Fuss ca. 30.4 cm, 1 Zoll ca. 2.53 cm; 1 Pfund à 32 Loth ca. 500gr.
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