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Seit der Antike werden Münzen meist mittels eines Prägeverfahrens hergestellt. Bis ins 16. Jh. war die Hammerprägung gebräuchlich, die je ein Münzeisen (Stempel) für Vorder- und Rückseite der Münze verwendete und ohne besondere techn. Einrichtungen auskam. Die zu Beginn des 17. Jh. aufkommenden Prägemaschinen (Walzenwerk, Spindelpresse) benötigten nur kleine Werkstätten. Münzstätten konnten deshalb in einzelnen Geschossen von Wohnhäusern untergebracht werden. Die M. war bis ins 19. Jh. oft temporär, und die Münzmeister wurden mit ihren Knechten auf Zeit angestellt.
Erste M.en sind in der Schweiz in kelt. Zeit (2. Jh. v.Chr.) nachgewiesen. In der röm. Epoche (ca. 15 v.Chr. bis Anfang 5. Jh.) gab es keine offiziellen Münzstätten. Fundstücke wie Gussformen, Münzstempel und Schrötlinge (Metallplättchen zur Prägung von Münzen) legen allerdings nahe, dass etwa in Augusta Raurica (Augst) und in der Colonia Iulia Equestris (Nyon) Münzen hergestellt wurden; entweder handelte es sich dabei um Fälschungen, oder aber um tolerierte Imitationen regulärer Münzen. In merowing. und karoling.-otton. Zeit (6.-10. Jh.) wurden v.a. in der Westschweiz Münzen geprägt, doch die bedeutenden Münzstätten befanden sich im fränk. Kernland, am Rhein und in Oberitalien. Ab etwa 670/680 wurde nur noch eine Münzsorte hergestellt, der Pfennig oder Denar.
Erst im 11. und 12. Jh. nahm die M. in der Schweiz einen Umfang an, der ständig betriebene Prägewerkstätten notwendig machte. An zentralen Orten, etwa an den Bistumssitzen Genf, Lausanne, Basel und Chur, wurden Münzstätten eingerichtet. Seit dem 13. Jh. nahm die M. stark zu, im 14. und 15. Jh. entstanden zahlreiche neue Münzstätten auch an kleineren Orten, z.B. in Nyon, Neuenburg, Burgdorf, Zofingen und Laufenburg. Ab dem Ende des 14. Jh. wurden erstmals grössere Münzeinheiten als der Pfennig hergestellt.
Trotz der vielen Münzstätten und der Entwicklung von eigentl. Nominalsystemen im 16. Jh. war der Umfang der M. in der Schweiz bescheiden. Unternehmen wie die grosse Prägung von Hans Gutenson und Jakob Stampfer in Zürich, bei der zwischen 1555 und 1561 über 9 Mio. Münzen hergestellt wurden, blieben Ausnahmen. Der Münzumlauf war auf fremdes Geld angewiesen (Münzvereine und Münzkonkordate). Um 1650 setzte in bedeutenderen Städten wie Bern, Basel und Zürich eine selbstständige Geldversorgung ein. Von Massenfabrikation kann aber bis ins 18. Jh. noch nicht gesprochen werden. Die meisten Münzstätten, so u.a. die in Freiburg oder St. Gallen, waren nicht in der Lage, auch nur ihr engeres wirtschaftl. Umfeld mit genügend Münzgeld zu versorgen.
In der Helvetik wurde die M. auf Basel, Solothurn und Bern beschränkt. 1803-48 gaben ausser dem Wallis und Appenzell Innerrhoden alle Kantone Münzen heraus. Die Bundesverfassung von 1848 übertrug dem Bund das alleinige Recht zur M., 1850 wurde das erste eidg. Münzgesetz erlassen und 1853 in Bern die eidg. Münzstätte eingerichtet (seit 1998 Swissmint). Immer noch bestand ein grosser Teil der in der Schweiz umlaufenden Münzen aus fremden Sorten. 1865-1926 gehörte die Schweiz der Lateinischen Münzunion an; seither sind im Land nur noch Schweizer Münzen gültig. Die Goldprägung erlangte in der Eidgenossenschaft keine grosse Bedeutung. Die Silberprägung wurde 1967 aufgegeben. Damit war der nominelle Wert aller Schweizer Münzen von ihrem Metallwert abgekoppelt.
Literatur
– F.X. Weissenrieder, 100 Jahre schweiz. Münzwesen 1850-1950, 1950
– M. Peter, Eine Werkstätte zur Herstellung von subaeraten Denaren in Augusta Raurica, 1990
– B. Zäch, «"Werkstatt, Haus und Münzhof". Later medieval and early modern mints in Switzerland, Germany and Austria», in I luoghi della moneta, hg. von R. La Guardia et al., 2001, 129 f.
Autorin/Autor: Benedikt Zäch