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NZZ 9. September 2019
Esel werden kaum mit Wilderei und Massenschlachtung für den asiatischen Markt in Verbindung gebracht. Doch in China ist die Nachfrage nach dem Tier so enorm, dass dies in Afrika zu grossen Problemen führt.
Christian Putsch, Nairobi
(…) In China hat die Nachfrage nach Eselsfleisch und insbesondere nach Eselshaut, aus der Gelatine gewonnen wird, stark zugenommen. Diese wird dort in der Medizin verwendet und gilt als Energie-Booster. In China selbst gibt es längst nicht mehr genug Esel, um die Nachfrage zu decken.
(…) Kenyas Regierung deckt diese Marktlücke dankbar und hat seit dem Jahr 2016 die Eröffnung von vier Schlachthäusern für Esel erlaubt; drei davon sind in chinesischem Besitz. Da es in vielen Landstrichen insbesondere Ostafrikas nicht genügend Esel zu kaufen gibt, um den chinesischen Markt zu bedienen und die angestrebten Exportzahlen zu erreichen, werden zudem massenhaft Esel gestohlen – auch in den Nachbarländern.
(…) Manchmal erfolgt die Häutung vor Ort, manchmal werden die Esel lebend über die Grenze zu den Fabriken getrieben. Das Geschäft ist lukrativ. Der geschätzte Wert der aus einer Eselshaut produzierten Gelatine auf dem chinesischen Markt kann bis zu 1400 Franken betragen.
(…) Der inzwischen weitverbreitete Mangel an Eseln hat laut einer Studie der deutschen Organisation Welttierschutzgesellschaft (WTG) schlimme Folgen für die Bevölkerung. Schliesslich spielen die Esel besonders in strukturschwachen Gebieten als Last- oder Zugtiere eine wichtige Rolle für den Alltag der Menschen. Sie tragen Wasser, Feuerholz und andere Lasten oder werden eingesetzt, um Kinder und Kranke zu transportieren.
(…) «schockierenden Zustände» in den Schlachthäusern. Viele der Tiere seien unterernährt, und bei der Tötung schlage man ihnen mit einem Metallstab gegen den Kopf, bis sie das Bewusstsein verlören.
(…) Hier haben Diebe im März seinem Esel Zakary die Sehnen an den Hinterläufen durchtrennt, damit er nicht davonlaufen konnte. Dann schnitten sie ihm die Kehle durch und zogen ihm das Fell ab. «Seitdem bin ich arbeitslos», sagt Otieno, der mit Zakary Wasserkanister ausgetragen hatte – ein Job, der ihm und seiner Familie an guten Tagen einst umgerechnet acht Franken einbrachte.