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«Sie stillt ihren Vierjährigen öffentlich»
Liebes Mamablog-Team, meine Schwester stillt ihren Vierjährigen immer noch – auch in der Öffentlichkeit. Wie sage ich ihr, dass das peinlich und eklig ist? Corinna
Liebe Corinna
Herzlichen Dank für Ihre Frage.
Verstehe ich Sie richtig, dass Sie der Ansicht sind, dass zumindest grössere Kinder nicht in der Öffentlichkeit gestillt werden sollten? Sie beschreiben in dem Zusammenhang starke Empfindungen: Das Stillen scheint bei Ihnen Unbehagen und Verlegenheit auszulösen – bis hin zu Abscheu.
Diese Empfindungen möchten Sie Ihrer Schwester mitteilen. Wozu? Was erhoffen Sie sich davon? Schämen Sie sich für Ihre Schwester und falls ja, wofür genau? Oder möchten Sie sie schützen? Haben sie gesundheitliche Bedenken? Ich frage ganz bewusst so provokativ, da es mir wichtig erscheint, dass Sie sich im Klaren über Ihre Beweggründe sind. So fällt es Ihnen leichter, diese zu formulieren.
Folgende Aspekte könnten hilfreich sein, wenn Sie das Gespräch mit Ihrer Schwester führen möchten:
- Stillempfehlungen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt das ausschliessliche Stillen bis zu einem Alter von 6 Monaten. Stillen in Kombination mit geeigneter ergänzender Ernährung wird bis zu einem Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus empfohlen.
- Gesundheitliche Risiken: Die Auswirkungen von Langzeitstillen sind noch weitgehend unerforscht. Die amerikanische Kinderärztevereinigung kam 2005 zum Schluss, dass es keine Hinweise auf schädliche Effekte auf die Psyche oder die Entwicklung des Kindes gibt, wenn bis zum dritten Lebensjahr oder darüber hinaus gestillt wird. Eine Studie der brasilianischen Universität Pelotas von 2015 kam gar zu dem Ergebnis, dass langes Stillen einen positiven Effekt auf die Entwicklung des Gehirns haben könnte.
- Ideologie: Die Stilldiskussion wird, was die Stilldauer nach 6 Monaten anbelangt, vielerorts ideologisch und gar polemisch geführt.
Ihre Schwester tut offenbar grundsätzlich nichts, was dem Kind schadet. Sie sprechen solche Gedanken in Ihrer Frage auch nicht an. Ich denke, das ist wichtig festzuhalten. Haben Sie mit Ihrer Schwester bereits einmal über das Langzeitstillen gesprochen? Hat sie Ihnen erzählt, was sie, was der Vater des Kindes und das vierjährige Kind darüber denken? Das kann durchaus dazu beitragen, dass Sie weniger Ekel empfinden, wenn Sie mehr dazu hören.
Wenn Sie Ihrer Schwester Ihre Empfindungen mitteilen möchten, dann empfehle ich Ihnen, dabei zu bleiben, wie es Ihnen damit geht, was es bei ihnen auslöst und worüber Sie sich Sorgen machen. Ganz elegant könnten Sie das Gespräch darauf bringen, wenn Sie beispielsweise von einem Artikel berichten, den Sie gelesen haben.
Sie kommen wohl auch kaum darum herum, sich zu fragen, was Sie tun werden, wenn Ihre Schwester Ihnen zwar zuhört, aber dennoch weiter stillt. Können Sie das akzeptieren und ihr vertrauen – auch wenn Sie es weiterhin eklig finden?
Wenn Sie im Gespräch eine neugierige Haltung ohne Vorurteile zeigen können, dann schaffen Sie gute Voraussetzungen für eine spannende und respektvolle Diskussion. Gut möglich, dass Ihre Schwester in diesem Fall Ihre kritische, aber wohlwollende Aussensicht sogar schätzt.
Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Herzlich, Daniela
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