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20 Jahre lang wurde Anoon Ajong Arou als Sklavin beschimpft, misshandelt und missbraucht. Seit ihrer Befreiung im November 2020 lebt sie mit einer Verwandten im Südsudan. Anoon ist auch heute noch unendlich dankbar, dass sie vom Leiden als Sklavin erlöst wurde. Sie muss vor niemandem mehr Angst haben.
Anoon erinnert sich genau an die Schreckenszeit, als sie im Herbst 2000 entführt und versklavt wurde: «Mein Vater wurde mit mir in den Sudan verschleppt. Nach der Ankunft wurden wir voneinander getrennt und versklavt.» Anoons Vater überlebte die Sklaverei nicht. Woran er gestorben ist, weiss sie nicht.
Anoon selbst verbrachte 20 Jahre ihres Lebens als eine verachtete und misshandelte Sklavin. Sie litt fürchterlich unter der menschenunwürdigen Behandlung: «Mein arabischer Meister hat mit mir gemacht, was er wollte. Er schlug mich oft und vergewaltigte mich.»
Die unerwartete Wende in ihrem tristen Leben trat im November 2020 ein. Ein von CSI beauftragter Sklavenbefreier konnte mir ihrem Gebieter erfolgreich verhandeln: Anoon war frei.
Die Rückführung in den Südsudan verlief ohne Zwischenfälle. Das sudanesische Befreiungsteam war um die Sicherheit von Anoon und den anderen befreiten Sklavinnen und Sklaven besorgt. Zudem erhielten sie neue Kleidung und endlich wieder einmal genug zu essen. Nach einigen Tagen kamen alle unversehrt im südsudanesischen Dorf Madhok Mangar Akuac im Bundesstaat Aweil an.
Der Tag der Ankunft in ihrer Heimat sei einer der schönsten Tage in ihrem Leben gewesen, versichert Anoon: «Die Gastgemeinde empfing mich und andere befreite Sklaven herzlich. CSI verteilte Ziegen, Überlebensausrüstung und Sorghum an uns. Wir haben gesungen und getanzt. Es war wundervoll.» Überdies habe sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine Pflegefachfrau gesehen.
Mittlerweile sind seit der Befreiung im Sudan über zwei Jahre vergangen. Anoon hat sich in ihrer alten Heimat sehr gut eingelebt. Als freie Frau lernte sie eine ihrer Verwandten kennen, mit der sie seither im Dorf Rum-Majok lebt. Zusammen führen sie einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Zusätzliches Geld verdient sie sich durch den Verkauf von gesammeltem Holz und geschnittenem Gras.
Nun träumt sie von einer grösseren Farm, auf der sie für sich und ihre Verwandten Produkte von guter Qualität herstellen kann.
Anoon ist dankbar, dass sie aus der Sklaverei gerettet wurde: «Ich bin glücklich mit meinem Leben hier und habe meinen Seelenfrieden gefunden. Niemand zwingt mich hier zu etwas, was ich nicht will, wie damals in der Sklaverei.» Zudem fühle sie sich sicher und brauche vor niemandem Angst zu haben.
Reto Baliarda