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Mit OPERATION FINALE (2018) arbeiten Komponist Alexandre Desplat und Regisseur Chris Weitz zum viert Mal zusammen – nachdem Desplat bereits seine Filme THE GOLDEN COMPASS (2007), THE TWILIGHT SAGA: NEW MOON (2009) und A BETTER LIFE (2011) vertont hat. OPERATION FINALE basiert auf historischen Begebenheiten. Fünfzehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs starteten der israelische Geheimdienst Mossad und der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet unter der Führung von Agent Peter Malkin (gespielt von Oscar Isaac) eine waghalsige, streng geheime Mission. Im Zentrum stand der berüchtigte ehemalige SS-Führer Adolph Eichmann (gespielt von Ben Kingsley), der zusammen mit zwei weiteren SS-Führern die Durchführung der Endlösung der Judenfrage in Europa verantwortet hat. Eichmann wurde in den Wirren des Zusammenbruchs des nationalsozialistischen Deutschlands totgesagt, lebte und arbeitete jedoch unter neuer Identität in einem Vorort von Buenos Aires, Argentinien, zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen. Malkin und seine Mitarbeiter reisen nach Buenos Aires und beginnen, seine tägliche Routine zu beobachten. Ziel ist es, Eichmann aus Argentinien zu verschleppen, um ihn in Israel vor Gericht zu stellen. Eichmann war der erste Nationalsozialist, der in Israel nach dem Gesetz zur Bestrafung von Nazis und Nazihelfern angeklagt wurde (in die Geschichtsbücher als Eichmann-Prozess eingegangen).
Diese Geschichte erzählt Weitz als nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel – nicht mit tosender Action, sondern mit zermürbender Spannung und als konzentrierte Charakterstudie. Entsprechend dieser Story und der gewählten Erzählweise ist Alexandre Desplats Musik zurückhaltend und darauf bedacht, die Spannung mit der Emotionalität der Ereignisse zu balancieren. Natürlich sucht man hier epische Themen oder Streicherschmus à la GOLDEN COMPASS oder NEW MOON vergebens. Mit einem zwar sehr umfassenden Ensemble – das London Symphony Orchestra, die London Voices und der Trinity Boy’s Choir – liefert Desplat eine ruhige, oftmals dunkle Filmmusik. Von den Stilismen her ist OPERATION FINALE durch und durch eine Desplat-Musik geworden, doch ein starkes eigenständiges Thema, das einem nach dem Hören im Ohr nachhallen will, liefert Desplat nicht. Auch vermag die Musik nie, einem emotional wirklich einzuvernehmen. Während das eröffnende Stück «Operation Finale» sowie auch dessen Reprise «Operation Finale (orchestral)» sehr lebhaft, pulsierend, treibend und markant daherkommt, liefert es weniger ein Thema, das nachklingt, als ein Rhythmus, der einem in Erinnerung bleiben dürfte. Doch die weiteren Kompositionen fokussieren stärker auf das Schaffen einer bedrückenden Atmosphäre und Melancholie – das markante rhythmische Spiel gerät etwas in den Hintergrund. Stücke wie «Death», «Lost Children» und «To Israel» sind dank Gesang und/oder dramatischen Melodiebögen die Highlights des Albums – neben dem «Operation Finale»-Duo, sofern man den Zugang zu den Staccato-Streichern und dem Xylophonspiel findet/hat.
Alles in allem ist OPERATION FINALE eine eher funktionale Musik geworden – ähnlich seiner Arbeit zu AMERICAN PASTORAL –, die abseits der Bilder schwierig zu geniessen bzw. mit ungebrochener Aufmerksamkeit mitzuverfolgen ist – hierfür fehlt ein packendes Leitthema (wie dies beispielsweise beim fantastischen Score zu THE IMITATION GAME (2014) der Fall war). Damit dürften jene Desplat-Fans, die an dessen zurückhaltenderen, düsteren Arbeiten wie AMERICAN PASTORAL (2016), SUFFRAGETTE (2015) oder ARGO (2012) Gefallen fanden, für diese jüngste Arbeit affiner sein. Alle anderen dürften sich mit mehr Aufregung auf seine nächste Filmmusik für den Western THE SISTERS BROTHERS (2018) freuen.
Basil, 2.10.2018
OPERATION FINALE Alexandre Desplat Sony Music 58 Min. 7 Tracks