Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03140.jsonl.gz/139

Nachdem Demi Lovato bereits öffentlich machte, pansexuell zu sein, outete sich die Sängerin nun als non-binär. Das gab sie in ihrem Podcast und via Instagram bekannt. Grundsätzlich heisst das, dass sie sich weder als Frau noch als Mann sieht und deshalb künftig nicht mehr mit dem Pronomen «sie», sondern «they» angesprochen werden will.
Demi ist nicht der erste Popstar, der sich als non-binär outet und ein starkes Statement für die Queer-Community setzt. Auch Sänger Sam Smith gab im September 2019 bekannt, geschlechterneutral zu sein. Auf Instagram schrieb Smith damals: «Mein Leben lang war ich auf Kriegsfuss mit meinem Geschlecht, jetzt habe ich beschlossen, mich so zu akzeptieren, wie ich bin.»
Doch was heisst es überhaupt, non-binär zu sein? Im Unterschied zu anderen LGBTQ-Personen fühlen sich non-binäre Menschen weder dem weiblichen, noch dem männlichen Geschlecht eindeutig zugehörig. Sie verorten ihre Identität irgendwo zwischen den beiden Polen – oder ausserhalb davon. So können sich nichtbinäre Menschen mit mehreren Geschlechtern identifizieren, sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen (genderneutral) oder sich zwischen den beiden Geschlechtern bewegen (genderfluid). Nicht zu verwechseln ist die Geschlechtsidentität übrigens mit der sexuellen Orientierung eines Menschen.
Und wie geht they/them auf Deutsch?
Auch Smith hat in der Vergangenheit angegeben, seine Geschlechtsidentität laufend zu verändern. Konsequenterweise möchte Smith deshalb auch nicht mehr mit dem männlichen Pronomen «er» angesprochen werden. Genauso wie Demi Lovato nicht mehr mit «sie» angesprochen werden will. Stattdessen solle man das genderneutrale «they» oder «them» verwenden.
Im Englischen sind diese Pronomen gebräuchlich, aber noch immer gewöhnungsbedürftig und längst nicht im Alltag angekommen. In der deutschen Sprache ist die Sache jedoch noch einmal komplizierter: Das naheliegende Pronomen «es» ist zwar neutral, wird von vielen jedoch oft als beleidigend empfunden. «Deshalb ist es unumgänglich, jemanden zu fragen, was das verwendete Pronomen ist», steht auf der Informationsseite Nonbinary.ch. Als weitere mögliche Lösung wird der sogenannte «Gendergap» angegeben, der entweder mit einem Stern oder Unterstrich – zum Beispiel im Wort Leser*in oder Leser_in – markiert wird.
Eine Alternative ist es auch, ganz auf Pronomen zu verzichten, wie wir es in diesem Text getan haben.
Kommt ein drittes Geschlecht?
An der wortwörtlichen Sprachlosigkeit, mit der wir dem Thema begegnen, zeigt sich, wie neu der Umgang damit ist. In Deutschland wurde 2018 die Geschlechtsoption «divers» geschaffen, die nichtbinäre Geschlechtsidentitäten abdecken soll. In der Schweiz wird über ein drittes, amtliches Geschlechts noch diskutiert. Vielen Menschen aus der LGBTQ-Community wäre das Weglassen eines Geschlechtseintrags am liebsten.
Auch für Demi Lovato ist die Situation noch ungewohnt: «Ich bin immer noch dabei, zu lernen und in mich zu gehen». Lovato betont jedoch, als Vorbild vorangehen zu wollen «für diejenigen da draussen, die noch nicht mit ihren Lieben teilen konnten, wer sie wirklich sind.» Und wir werden so gut wie möglich versuchen, eine Sprache zu kultivieren, in der sich alle aufgehoben fühlen.