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Nacken-, Schulter- und Rückenprobleme
DER NACKEN
Als Nackenschmerzen bezeichnet man Schmerzen im Nacken- und Halswirbelbereich, die bis in die Schultern und Arme ausstrahlen können. Schmerzen, die vom Halswirbelbereich ausgehen, fasst man auch unter dem Begriff Zervikalsyndrom zusammen.
Häufig führen die Beschwerden dazu, dass der Hals steif wird und man den Kopf nur noch unter grossen Schmerzen bewegen kann. In diesem Fall spricht man vom steifen Hals. In einigen Fällen treten zusammen mit den Nackenschmerzen auch weitere Symptome auf, wie:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Müdigkeit
- Sehstörungen
- Fieber
- Schwindel
- Ohrgeräusche
Die Halswirbelsäule ist der filigranste Teil des Rückens und besteht aus sieben Halswirbelkörpern. Im Gegensatz zu anderen Abschnitten der Wirbelsäule, ist die Halswirbelsäule extrem beweglich. Durch diese Beweglichkeit kommt es aber auch zu einer höheren Belastung der Muskulatur und stärkeren Abnutzung der Wirbelkörper, die wiederum zu Schmerzen führen können. Sind gleichzeitig bestimmte Nerven gereizt oder geschädigt, können Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle auftreten.
- Nackenschmerzen können kurzzeitig auftreten oder auch länger andauern. Bestehen die Nackenschmerzen seit mehr als drei Monaten spricht man von chronischen Schmerzen. Die Beschwerden können in unregelmässigen Abständen vorkommen – manchmal entstehen innerhalb von Minuten ziehende Schmerzen.
- Nackenschmerzen werden häufig durch schwere körperliche Arbeit ausgelöst, aber auch Stress kann eine Ursache sein, woraus sich eine Wechselbeziehung entwickeln kann: Je stärker die Nackenschmerzen, desto grösser die persönliche Belastung und umgekehrt...
Die Ursachen für Nackenschmerzen sind also vielfältig. Sie reichen von akuten, das heisst plötzlich auftretenden Ereignissen, bis zu chronischen, sich langsam entwickelnden Schäden. Meist entstehen sie aufgrund von Verspannungen oder Verkrampfungen der Halsmuskulatur, die durch falsches Liegen oder Sitzen, Stress oder bei einer Erkältung auftreten können. Häufig kommt es nach Autounfällen oder Stürzen als Symptom eines Schleudertraumas oder Wirbelbruchs zu Nackenschmerzen. Seltener sind Nackenschmerzen auf eine spezifische Ursache, wie Abnutzungsvorgänge oder Bandscheibenschäden (z.B. Bandscheibenvorfall) der Halswirbelsäule, zurückzuführen.
Weitere Ursachen für Nackenschmerzen sind:
- Überlastung oder Zerrung der Nackenmuskulatur
- Osteoporose
- Entzündung der Wirbelkörper (Spondylitis)
- Gehirnhautentzündung (Meningitis)
- rheumatische Erkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew)
- Fehlstellung der Wirbelsäule (Skoliose)
- Infektionskrankheiten (z.B. Salmonellen-Infektion, Listeriose)
- neurologische Erkrankungen (z.B. Plexusneuritis)
- Gefässerkrankungen (z.B. Durchblutungsstörungen, Aortenaneurysma)
- Tumoren (z.B. Knochentumoren, Lymphome)
In wenigen Fällen entstehen Nackenschmerzen durch angeborene Fehlbildungen der Halswirbelsäule, bei denen zum Beispiel einzelne Wirbelkörper miteinander verwachsen sind (z.B. angeborener Schiefhals).
DIE SCHULTERN
Schulterschmerzen können für die Betroffenen äusserst einschränkend und störend sein. Ursachen gibt es viele, häufig steckt ein sogenanntes Impingementsyndrom (Funktionsbeeinträchtigung der Gelenkbeweglichkeit, zumeist durch Degeneration oder Einklemmung von Kapsel- oder Sehnenmaterial) hinter den Beschwerden...WEITERLESEN
Aber auch akute Verletzungen und Verschleiss lösen Schulterschmerzen aus.
Zum überwiegenden Teil aber sind Schulterschmerzen Weichteilschmerzen im Bereich des Schultergelenks, bei denen vor allem Muskeln, Sehnen, Gelenkkapsel und Schleimbeutel beteiligt sind. Was die Beschwerden besonders lästig macht: Schon alltägliche Handgriffe, die sich oft kaum vermeiden lassen, gehen mit Schmerzen einher. Und auch bei der Arbeit oder beim Sport setzen viele Tätigkeiten und Bewegungen ein reibungs- und schmerzlos funktionierendes Schultergelenk voraus. Schulterschmerzen schränken folglich das Spektrum der Tätigkeiten, denen man nachgehen möchte, stark ein.
Beispiele für mögliche Ursachen von Schulterschmerzen sind:
- Impingementsyndrom (Engpasssyndrom) der Schulter
- Schädigung oder Riss der sogenannten Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur)
- verschleissbedingte Veränderungen: Arthrose
- unfallbedingte Veränderungen: Brüche und Verletzungen (z.B. Schlüsselbeinbruch)
- Verrenkung des Schultergelenks (Schulterluxation)
- entzündliche Veränderungen: Sehnenentzündungen, Schleimbeutelentzündungen
- Verspannungen
- Schultergelenkentzündung, Schultersteife (sogenannte Frozen Shoulder)
Schulterschmerzen können – abhängig von der Ursache – also an sehr unterschiedlichen Stellen und bei sehr unterschiedlichen Bewegungen und Tätigkeiten auftreten. Die Symptome richten sich vor allem danach, welche Verletzung an welcher Struktur vorliegt. Auch Beschwerden der Halswirbelsäule können zu Schmerzempfindungen an der Schulter führen. Ebenso strahlen mitunter Schmerzen aus Hand oder Arm bis in die Schulter aus.
Anfällige Supraspinatussehne
Die Supraspinatussehne, die Sehne des Obergrätenmuskels (Musculus supraspinatus), verläuft dicht unterhalb des Schulterdachs im Subakromialraum und ist Teil der Rotatorenmanschette. Die Rotatorenmanschette besteht aus den Sehnen vierer Muskeln, die das Schultergelenk eng umschliessen. Von diesen vier Muskeln und Sehnen ist die Supraspinatussehne den höchsten Belastungen ausgesetzt. Sie hängt daher oft mit den Schmerzen beim Impingementsyndrom zusammen.
Die Aufgabe der Supraspinatussehne besteht darin, über Musklzug den Arm nach aussen abzuspreizen (Abduktion), wobei der Arm vor allem ab einem Winkel von 60 Grad die Kraft des Obergrätenmuskels für diese Bewegung braucht. Beim seitlichen Anheben des Arms gleitet die Supraspinatussehne unter einem Band hindurch, das den Rabenschnabelfortsatz (Coracoid) und das Schulterdach (Akromion) verbindet. Es heisst Ligamentum coracoacromiale. Beim weiteren Abspreizen des Arms gerät die Sehne zwischen den grossen Höcker des Oberarmknochens (Tuberculum majus), das genannte Band und das Schulterdach.
Entzündung des seitlichen Schlüsselbeingelenks
Auch Muskel- oder Sehnenrisse können Ursache für Schulterschmerzen sein. Mit dem Alter treten ausserdem häufig knöcherne Veränderungen am Gelenk und Verkalkungen an der Bizepssehne auf. Häufig strahlen auch Schmerzen aus anderen Körperbereichen, wie etwa der Hand, dem Arm oder der Halswirbelsäule, in die Schulter aus.
Eine Erkrankung des seitlichen Schlüsselbeingelenks (Akromioklavikulargelenk) verursacht meist örtliche Beschwerden im Bereich der oberen Schulter, während sich Schultergelenksschmerzen häufig tiefer bemerkbar machen. Daneben findet man bei diesen Beschwerden ein typisches Bewegungsmuster (sog. Kapselmuster), das auf eine Beeinträchtigung des Gelenks oder umliegende Strukturen (Rotatorenmanschette) schliessen lässt. Beim Kapselmuster sind mehrere Bewegungen des Gelenks eingeschränkt.
Nach Unfällen auftretende Veränderungen an den Nerven sind häufig mit einer stark abweichenden Empfindung verbunden (Brennen, einschiessender Schmerz), die sich im Wesentlichen im Versorgungsgebiet der betroffenen Nerven äussert.1
Sehnenentzündungen
Bei Sehnenentzündungen richten sich die Schulterschmerzen danach, welche Muskelsehne entzündet ist:

Muskel

Schmerz

Obergrätenmuskel (Musculus supraspinatus)

bei Abspreizung des Arms gegen einen Widerstand

Untergrätenmuskel (Musculus infraspinatus), kleiner runder Armmuskel (Musculus teres minor)

bei Drehbewegung nach aussen gegen einen Widerstand

Unterschulterblattmuskel (Musculus subscapularis)

bei Drehbewegung nach innen gegen einen Widerstand, Schmerz besonders am kleineren Muskelansatzhöcker am Oberarmknochen (Tuberculum minus humeri)

Musculus biceps brachii

Schmerz an der Schultervorderseite. Entzündungen betreffen meistens den längeren Anteil des Muskels (sog. Caput longum). Sie beruhen auf Verschleisserscheinungen oder chronischen Reizungen, häufig aufgrund schweren Hebens, sowie Sehnenrissen. Die Sehne in der Furche des Bizepsmuskels (Sulcus bicipitalis) reagiert schmerzhaft auf Druck. Der Schmerz wird durch Innendrehung des Unterarms gegen einen Widerstand verstärkt.
DER RÜCKEN
Schmerzen im unteren Rücken gehören zu den häufigsten Beschwerden.
Die Ursachen für Schmerzen im Bereich vor allem des unteren Rückens können sehr verschieden sein, weshalb es immer wichtig ist, eine eingehende Untersuchung durchzuführen, um nicht nur die Schmerzen therapieren zu können, sondern auch eine unter Umständen vorliegende Grunderkrankung der Rückenschmerzen zu erkennen oder Folgeschäden vermeiden zu können.
Die Wirbelsäule weist nicht selten Verbiegungen im Lendenwirbelbereich auf, die Schmerzen erklären können. Auch Bandscheibenvorfälle führen zu Rückenschmerzen. Besonders wenn durch die herausgerutschte Bandscheibe ein aus der Wirbelsäule entspringender Nerv gereizt oder sogar eingequetscht wird, empfindet der Betroffene neben teils heftigsten Schmerzen auch ein Taubheits- und / oder Lähmungsgefühl im von diesem Nerven versorgten Gebiet seines Beines.
Oft entstehen Rückenschmerzen des unteren Rückens durch eine fehlerhafte Körperhaltung oder einen Bewegungsmangel, häufig sind auch beide Faktoren kombiniert. Dadurch, dass viele Menschen über einen sehr langen Zeitraum hinweg sitzen und sich deshalb in der gleichen Position befinden, wird die Muskulatur des unteren Rückens stark und einseitig beansprucht, was zu Verspannungen oder Verkrampfungen und Fehlhaltungen führt, was wiederum ein Auslöser von Rückenschmerzen ist. Um dem entgegenzuwirken, kann man darauf achten, dass man seine Sitzposition mehrmals am Tag wechselt oder einen Sitzball benutzt, durch den man praktisch gezwungen ist, in regelmäßigen Abständen Ausgleichsbewegungen durchzuführen.
Auch ein Bewegungsmangel kommt für Rückenschmerzen in Frage. Wenn die Wirbelsäule aufgrund mangelnder Bewegung zu wenig beansprucht wird, können Wirbelkörper porös werden und Bänder erschlaffen, was ebenfalls Schmerzen entstehen lässt. Allerdings kann auch eine zu starke Belastung den Rücken schädigen, wie das Tragen oder Anheben schwerer Gegenstände.
Tieferliegende Muskeln sind wichtig
Und auch wenn wir uns im Alltag gut bewegen, sogar sportlich sehr aktiv sind kann es sein, dass der Rücken schmerzt. Ein mögliche Ursache dafür können die tieferliegenden Muskeln im Bauch-, Rücken- und Gesässbereich sein. Diese Muskeln geben dem Rücken die notwendige Stabilität. Es kann sein, dass diese Muskeln mit der Zeit nicht mehr funktionieren. Sei es wegen einseitigen Dauerbelastungen oder wegen Bewegungsmangel an den modernen Arbeitsplätzen. Wenn diese Muskeln nicht aktiv sind, fehlt die Stabilität, das Zusammenspiel der Muskeln funktioniert nicht mehr.
Es ist also wichtig, die tieferliegenden Muskeln zu aktivieren. In kleinen behutsamen Schritten ist es denn auch möglich, Übungen zu erlernen, die man in den Alltag zu integrieren kann - so lange, bis die Muskeln wieder automatisch funktionieren und damit der Rücken wieder die notwendige Stabilität erlangt.
Hilfsmittel, um die tieferliegenden Muskeln direkt zu aktivieren:
- Wackelbrett: Es ist wackelig und man kommt schnell aus dem Gleichgewicht. Allein die fehlende Stabilität und der Balanceakt trainieren die Tiefenmuskulatur.
- Trampolin: Die wechselnden Beschleunigungskräfte beim Hüpfen fordern die kleinen Muskeln und stärken die Rumpfmuskulatur und die Wirbelsäule. Eine Studie der NASA hat ergeben, dass das Trampolintraining 68 Prozent mehr Muskeln aufbaut als das Laufen.
- Schwung-Stab: Die Idee hier: Der elastische Stab muss durch Körperkraft in Schwingungen versetzt und dann gehalten werden. Die Vibrationen übertragen sich über die Hand bis in die Tiefenmuskulatur. Schwierig, aber ganz wichtig dabei ist es, über mehrere Sekunden die Haltung, die Spannung und den richtigen Rhythmus beizubehalten.
- Bewegungsbad: Auch im Wasser werden die tiefer liegenden Muskeln intensiv trainiert. Der Auftrieb und vor allem der Widerstand erfordern verstärkt Muskelarbeit. Sobald mehrere Menschen im Wasser sind, werden Wellen und Strömungen ausgelöst. Diese treffen auf den Körper und bewirken eine Störung. Genau diese Störung reizt die Tiefenmuskulatur, denn der Körper muss sich ausbalancieren.2
Quellen: 1 beobachter.ch/onmeda-ärtzteteam, 2 dr. gumpert.de