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Die erste Woche im Zivilprozess der Jacksons gegen AEG Live liegt hinter uns. Die Anwälte der Jackson Familie sind als erstes an der Reihe, ihre Zeugen aufzurufen. Diese Woche wurden als erstes Richard Seneff, der Rettungssanitäter, der am 25. Juni 2009 auf den 911 Notruf geantwortet hatte und vor Ort erschien, und anschliessend Orlando Martinez vom Los Angeles Police Department („LAPD“), der für die Untersuchung von Michael Jacksons Tod verantwortlich war, befragt.
Die Aussage von Richard Seneff war inhaltlich identisch mit derjenigen, die er im Strafprozess gegen Conrad Murray machte. So betonte er auch dieses Mal, dass er zuerst gedacht hatte, dass es sich bei diesem Mann (anfangs wusste er noch nicht, dass es sich um Michael Jackson handelte), um jemanden handelte, der im Endstadium einer langen schweren Krankheit war. Umso erstaunter war er dann, als Murray ihm vor Ort sagte, „Nein, nein, das ist gerade erst passiert.“ Murray schien „ausser sich“, als er Michael Jackson betreute. „Er war bleich, er schwitzte, er war sehr geschäftig,“ so Seneff über Murray. Als er Murray fragte, ob Michael Jackson irgendwelche Medikamente einnahm, verneinte Murray dies; Murray verschwieg auch, wie wir aus dem Strafprozess nur zu gut wissen, dass Propofol im Spiel war. Seneff wiederholte auch, dass Michael Jackson nicht geatmet hatte und es schien, als ob er tot gewesen sei. Die Jackson Anwälte wollten damit zeigen, dass AEG realisiert haben sollte, wie zerbrechlich Michael Jacksons Gesundheitszustand war.
Im Rahmen der zweiten Zeugenbefragung hatte LAPD Detective Orlando Martinez u.a. Aussagen zu diversen Gerichts- und Kreditakten gemacht, die zeigten, dass Murray im 2009 mindestens USD 1 Mio. Schulden hatte, einschliesslich Steuerschulden, Kreditausfälle, unbezahlte Kinderunterhaltszahlungen (Murray hat acht Kinder von sieben Frauen). Murray war auch in Verzug für sechs Monatsraten für seine Hypothek. Hinzu kam, dass sein Haus in Las Vegas, das er für USD 1.6 Mio gekauft hatte, im 2009 nur noch ca. USD 1 Mio. Wert hatte und aufgrund seiner zahlreichen Schulden und Zahlungsverzüge eine Pfändung bevorstand. Auch für seine Arztpraxis wurde er zur Räumung gezwungen. Zum Zeitpunkt, als er die Gelegenheit hatte, Michael Jacksons persönlicher Arzt zu werden, überstiegen seine monatlichen Ausgaben seine Einnahmen um USD 2’700. Als AEG Live und er sich vertraglich auf ein Monatssalär von USD 150’000 geeinigt hatten, sah die Welt für Conrad Murray plötzlich sehr viel rosiger aus. Entsprechend folgerte Martinez, dass diese grosszügige Salärvereinbarung Anreiz genug war für Murray, „die Regeln zu verletzen, zu beugen, alles zu tun, was in seiner Macht stand, um bezahlt zu werden.“ Die Anwälte der Jacksons behaupten, dass AEG mindestens eine Bonitätsprüfung von Murray hätten machen können, bevor sie ihm die Verantwortung übertrugen, für Michael Jackson zu sorgen. Es hätte ein riesen Warnsignal dafür sein sollen, dass ihm seine Lohnzahlungen wichtiger waren als sein hippokratischer Eid.
Martinez wurde auch zur Untersuchung von Murrays BMW, vier Tage nach Michael Jacksons Tod, befragt. Darin fand die Polizei einen Vertrag zwischen AEG Live und Conrad Murray, wonach dieser USD 150’000 pro Monat für seine Dienste als persönlicher Arzt von Michael Jackson erhalten würde. Zusammen mit dem Vertrag wurde eine Visitenkarte von AEG Live CEO Randy Phillips und eine Natelnummer gefunden.
Zudem wurde im Verlauf der Befragung von Orlando Martinez aufgedeckt, dass Conrad Murray während den 10 Jahren vor Michael Jacksons Tod dreimal von Spitälern suspendiert worden war. Einmal, weil er nicht sofort auf einen Anruf reagiert, als er Dienst hatte. In den anderen beiden Fällen, weil er die Vorschriften betr. Aufzeichnungen im Rahmen der Patientenbetreuung nicht eingehalten hatte. Ferner hatte ein Mann in Las Vegas nach dem Tod von Michael Jackson das LAPD angerufen und gesagt, er denke, Murrays Fahrlässigkeit sei auch für den Tod seines Vaters verantwortlich gewesen. Eine Klage gegen Murray habe er damals nicht eingereicht, weil das Recht in Nevada eine Klage wegen ärztlichen Kunstfehlers nicht einfach machte. Die Anwälte von AEG legten im Kreuzverhör das Dokument des damaligen Gerichtsmediziners vor, das in jenem Fall als Todesursache natürliches Herzversagen aufzeigte.
Entscheidend für die Jackson Anwälte sei mit diesen Aussagen jedoch die Folgerung, dass AEG Live bei einer Hintergrundüberprüfung von Conrad Murray diese zahlreichen Warnsignale gesehen hätte.
Was lief diese Woche sonst noch ab? Die vorsitzende Richterin entschied, dass jeweils nur ein weiteres Mitglied der Jackson Familie neben Mutter Katherine im Gerichtssaal anwesend sein darf und dies auch nur, wenn Katherine Jackson selbst anwesend ist. Grund dafür war ein entsprechender Antrag von AEG, der zum Inhalt hatte, dass keine weiteren Familienmitglieder ausser Katherine dem Prozess beiwohnen dürften, da mit der Ausnahme von Marlon, alle Jackson Geschwister auf der Zeugenliste von AEG stehen und andere Zeugenaussagen sie somit entsprechend beeinflussen könnten. Brian Panish, Anwalt für die Jacksons, konnte dann immerhin durchbringen, dass mindestes ein Sohn oder eine Tochter ihrer 82-jährige Mutter beistehen dürfen. AEG will, so hatte deren Anwalt im Eröffnungsplädoyer Anfang Woche klar gemacht, die Geschwister von Michael zu einem späteren Zeitpunkt in den Zeugenstand rufen, damit diese darüber aussagen können, wie sie verschiedene Interventionen betreffend Michaels Medikamentensucht veranlasst hatten, diese aber allesamt gescheitert seien. Ebenso sollen die Geschwister aussagen, dass sie nicht wussten, was genau mit Michael vorging. Dies soll AEGs Position stärken, dass wenn schon seine eigene Familie unwissend gewesen sei und Michael sie täuschen konnte und vorgab, dass alles in Ordnung gewesen sei, wie soll es dann AEG möglich gewesen sein, über Michaels Medikamentensucht informiert gewesen zu sein.
Nächste Woche wollen die Jackson Anwälte als erstes den Gerichtsmediziner, der Michael Jacksons Leiche untersucht hatte, in den Zeugenstand rufen.