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Der "Bundesbeschluss über die ärztliche Verschreibung
von Heroin", über den wir am 13. Juni 1999 abzustimmen haben,
geht in eine falsche, unverantwortliche Richtung. Die massive Ausweitung
der Heroinabgabe durch den Staat führt zu einer Verlängerung
der Sucht, zu noch mehr Rauschgiftsüchtigen und zu höheren Krankenkassenprämien.
Statt der gegenwärtig rund 800 Heroinempfänger werden es laut
Bundesrätin Dreifuss bald 2'000 - 3'000 sein. Der "Verein Schweizerischer
Drogenfachleute" spricht gar von 9'000 Süchtigen, die das staatliche
Heroin erhalten sollen.
Versuche gescheitert
Mit dem Bundesbeschluss und der vorgesehenen Änderung des Betäubungsmittelgesetzes
wird die nach oben unbegrenzte Heroinabgabe zur anerkannten "neuen
Therapieform" und zur krankenkassenpflichtigen Normalität erklärt.
Dies, obwohl die sogenannt "wissenschaftlichen" Versuche, die
während der letzten Jahre durchgeführt wurden, gescheitert sind.
Die behauptete "Stabilisierung der Persönlichkeit" war
vor allem eine Stabilisierung in der Sucht. Und es ist eine Tatsache,
dass nur wenige Prozent der Heroinempfänger schlussendlich in eine
drogenfreie stationäre Therapie eingetreten sind. Zudem wurden ausgerechnet
die sogenannt Schwerstsüchtigen nur zu einem kleinen Teil erreicht,
und auch davon sind etliche vorzeitig wieder aus den Programmen ausgestiegen.
Die Zahlen der Abgabeversuche von 1993-96 sprechen für sich: Von
rund 1'000 Empfängern von Heroin und Morphin haben sich schliesslich
nur etwa 5 Prozent für eine abstinenzorientierte Therapie entscheiden
können; 49% der Versuchsteilnehmer hatten noch nicht eine einzige
abstinenzorientierte Therapie versucht, obwohl nach den Versuchsrichtlinien
nur Leute aufgenommen werden dürfen, die mindestens zwei Behandlungsversuche
hinter sich haben. 4% hatten noch nie Heroin genommen und 79% der angeblich
verelendeten schwerstsüchtigen Versuchsteilnehmer waren beim Eintritt
in einem guten Allgemeinzustand.
Scharfe Kritik am "Schweizer Modell"
Der Internationale Suchtmittelkontrollrat (INCB) der Weltgesundheitsorganisation
hat die schweizerische Heroinabgabe und die wissenschaftlich fragwürdigen
Versuchsauswertungen mehrfach scharf kritisiert. In den Jahresberichten
zeigt sich das INCB "...der festen Überzeugung, dass keine weiteren
Experimente unternommen werden sollten, bevor nicht das Schweizer Projekt
einer umfassenden, unabhängigen Auswertung unterzogen ist."
Zudem zeigt sich der Suchtmittelkontrollrat "nicht überzeugt,
dass die beschränkten positiven Resultate (...) der Verteilung von
Heroin zugeschrieben werden können, da viele andere Faktoren mitspielen,
wie beispielsweise (....) die intensive psychologische Beratung und Betreuung."
Im Klartext: Die teilweise Verbesserung der Lebenssituation von Versuchsteilnehmern
ist in erster Linie auf die intensive Betreuung und nicht auf die Heroinabgabe
zurückzuführen. (s. auch Frankfurter Allg. Zeitung vom 16.4.
1999 "Wissenschaftler bezweifeln Ergebnisse des Heroinversuchs").
Falsches Signal
Mit der massiven, zahlenmässig unbegrenzten Heroinabgabe setzt der
Staat zudem verharmlosende Signale gegenüber einem gefährlichen
Rauschgift. Hier besteht ein unüberbrückbarer Widerspruch zur
einer glaubwürdigen Prävention! Wer staatliches Rauschgift erhält,
hat auch keine Motivation, sich in den konsquenten, harten Rahmen einer
drogenfreien stationären Therapie zu begeben. Deshalb sind die ursprünglich
3'000 stationären Therapieplätze derzeit nicht einmal zur Hälfte
belegt. Der Weg der staatlichen Heroinversorgung ist zwar bequem, aber
es ist ein fataler Irrweg, der nicht zur Suchtfreiheit führt.
Im Grunde genommen sagt uns allein schon der gesunde Menschenverstand,
dass eine staatliche Rauschgiftabgabe - insbesondere eine vieltausentfache
und zahlen-mässig unbegrenzte Abgabe - kein erfolgreicher Weg sein
kann. Nur eine umfassende Prävention - und bei bereits Süchtigen
eine konsequent drogenfreie Therapie aufgrund eines gewissen Leidensdrucks
- hat Aussicht auf Erfolg.
Darum ist eine Ausweitung der staatlichen Heroinabgabe (als wesentlicher
Schritt zur vom Volk wuchtig abgelehnten Drogenlegalisierung) abzulehnen.
Hans Fehr, Geschäftsführer AUNS, Eglisau