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Der "AI Act" der EU soll der weltweit erste umfassende Gesetzesrahmen zur Regulierung des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz werden. Vor einigen Monaten schien die EU auf gutem Weg, den Act noch in diesem Jahr zu verabschieden. Die EU-Kommission, das Parlament und die Länder haben sich damit befasst. Gegenwärtig sollen in den Trilog-Verhandlungen die letzten Differenzen ausgebügelt werden. Schon vor einem Monat wurde aber klar
, dass diese Verhandlungen nicht einfach sind.
Laut einem Exklusivbericht von 'Reuters'
könnten diese Differenzen in den letzten Wochen noch grösser geworden sein. Laut einem Papier, das der Nachrichtenagentur vorliegt, haben sich Deutschland, Frankreich und Italien auf eine gemeinsame Haltung geeinigt. Die 3 grössten EU-Mitglieder wollen demnach einige tiefgreifende Änderungen am bisherigen Entwurf für den AI Act. Statt einem Sanktionenkatalog für Verstösse wollen sie laut dem Bericht eine auf einem Code of Conduct beruhende "obligatorische Selbstregulierung" für die Entwickler von KI-Basismodellen. Diese Selbstregulierung solle vorerst ohne Sanktionen auskommen. Solche sollen erst definiert und ausgesprochen werden, wenn wiederholte Verstösse festgestellt werden.
Eines der Probleme des AI Act ist es, dass seine Grundzüge ausgearbeitet wurden, noch bevor generative KI-Systeme vor etwas mehr als einem Jahr durch ChatGPT ins Bewusstsein der Öffentlichkeit kamen. Einer der Grundzüge des AI Act ist die Einteilung von KI-Systemen und -Applikationen in Risikostufen mit unterschiedlichen regulatorischen Vorgaben. Mittlerweile ist generative KI aber die dominierende Teildisziplin in der KI-Szene. Weltweit gibt es ein Wettrennen darum, möglichst schnell möglichst mächtige Systeme und Applikationen zu entwickeln. Die 3 Länder befürchten offensichtlich, dass Europa ins Hintertreffen geraten könnte, wenn der AI Act die Forschung und Entwicklung behindert.
Anwendungen regulieren, nicht Foundation Models
Deutschland, Frankreich und Italien wollen insbesondere bei generativer KI einen klaren Unterschied zwischen den Basismodellen (Foundation Models) und den darauf basierenden Anwendungen manchen. Im Falle von ChatGPT ist beispielsweise das Large-Language-Modell GPT4 das Basismodell, und ChatGPT eine darauf basierende Anwendung.
"Wir müssen die Applikationen regulieren, nicht die Technologie, wenn wir global in der KI-Topliga mitspielen wollen", kommentierte der deutsche Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr, gegenüber 'Reuters'. Man sei gegen die Einführung von "unerprobten Normen" und wolle stattdessen eine "obligatorische Selbstregulierung" für die Entwickler von Foundation-Modellen.
Technische Beschreibungen ohne klare Regeln
Der obligatorische Teil wäre, dass sie Informationen über ihre Systeme veröffentlichen müssten. Im Papier der 3 Ländern heisst es laut 'Reuters', dass die Entwickler "Model Cards" zu ihren KI-Modellen erstellen müssen. Diese technischen Beschreibungen sollen alle notwendigen Informationen beinhalten, damit Aussenstehende beurteilen können, wie ein Modell funktioniert, wie hoch seine Kapazität ist und wo seine Limiten liegen. Zu diesen Informationen könnten beispielsweise die Zahl der Parameter des Modells zählen und wozu es eingesetzt werden soll. Im Papier werden auch Studien zu möglichen eingebauten Vorurteilen sowie Security-Massnahmen erwähnt. Klar definiert wird der verlangte Inhalt der Modellbeschreibungen aber nicht. Er soll gemäss dem Bericht auf Best Practices der Entwicklercommunity beruhen.
Der Vorstoss der 3 grossen EU-Mitglieder könnte zu weiteren Verzögerungen für den AI Act führen, falls der Widerstand unter anderen EU-Ländern oder im EU-Parlament gross ist. Mindestens ein Parlamentarier, der allerdings anonym bleiben wollte, erklärte, dass das Papier eine "Kriegserklärung" sei, berichtet 'Euractiv'.
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