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Turin (Museen, Stadtzentrum)
Heute muss ich den Schlafsaal wechseln und räume meine Sachen in den Gepäckraum. Es ist etwas bedeckt, aber es regnet nicht. Heute ist Festa della Repubblica Italiana. Nach dem Frühstück laufe ich zur Piazza Solferino mit einem sehr speziellen Reiterdenkmal, der Reiter scheint gerade in der Schlacht zu sein. Vorbei an einer Jugendstil-Ladenpassage laufe ich zur Piazza San Carlo und zur Piazza Castello. Der Palazzo Madama wird diesmal von der Sonne angeschienen. Auf der Via Po laufe ich Richtung Piazza Vittorio Veneto, mache noch einen Abstecher zur Piazza Carlo Emanuele II, bevor ich zur riesigen Piazza Vittorio Veneto gelange. Ueber den Ponte Vittorio Emanuele I überquere ich den Po-Fluss. Der Lungo Po A. Diaz wird von der Morgensonne beschienen. Ich besteige den Monte dei Cappuccini. Oben hat man eine schöne Aussicht über Turin. Im Kloster kann man den Kapitelsaal, den Kreuzgang und den Garten besuchen. Das Kloster scheint noch in Betrieb zu sein. Ich laufe weiter zur Piazza Crimea, auf der ein Obelisk und ein paar Statuen an den Krimkrieg erinnern. Ueber den Ponte Umberto I gelange ich wieder auf die andere Po-Seite, wo ein Triumphbogen den Eingang zum Parco del Valentino markiert. Im Park sind sie damit beschäftigt, die Messestände für den Turiner Autosalon aufzubauen, der nächste Woche beginnt. Am westlichen unteren Ende finde ich einen grossen Palast. Ich laufe rund zwei Kilometer südlich zum Museo Nazionale dell'Automobile. Das Museum ist fantastisch: Supermodern konzeptioniert, wird die Mobilität und die Entwicklung des Automobils aufgezeigt. Beginnend mit Cugnots Dampfwagen, werden unzählige seltene alte Fiat- und Lancia-Modelle, aber auch Marken, die seit langem verschwunden sind (z.B. Florentia, Diatto, Isotta-Fraschini oder die 11 Marken der Gebrüder Ceirano), gezeigt. Als ich das Museum gerade verlassen will, beginnt ein fürchterlicher Gewitterregen. Es ist völlig ausgeschlossen, herauszugehen. Ich muss warten, bis der Regen weniger stark wird. In einem Supermarkt kaufe ich mir etwas ohne Kohlenhydrate und Zucker zum Essen – ins Restaurant könnte ich hier nicht, es gibt nur Kohlenhydrate zum Essen. Beim Weiterlaufen fällt mir im Gebäude der medizinischen Universität das Museo di Anatomia umana "Luigi Rolando" auf, das ich besuche. Es werden naturgetreue Wachsmodelle der inneren Anatomie, aber auch eine Vielzahl echter Präparate von Körperteilen, die in unterschiedlichen Zuständen des Verfalls sind, gezeigt. Sowie die üblichen, weiss gewordenen Präparate in Formaldehyd, das auch zur Hälfte verdunstet ist. Bis zur Plastonierung war es damals noch weit. Ich laufe zur Piazza Cavour und der danebenliegenden Aiuola C. Balbo, auf der mehrere Wasserfontänen sind. Die moderne Piazza Valeo Fusi ist ebenfalls gerade anschliessen. Nun laufe ich hinunter zur Cavallerizza, die jetzt ein alternatives Begegnungszentrum ist, mit den dazugehörigen Szenarien des Vandalismus und der Verlotterung. Gleich dahinter ist ein Teil der Giardini Reali, ebenfalls in einem jämmerlichen, ungepflegten Zustand. Etwas weiter westlich ist die ursprüngliche Universität. Die berühmten Hörsäle sind heute leider geschlossen, ausser der Bibliothek, wo die Ausstellung La Vie dell' Amianto (Die Strassen des Asbestes) stattfindet. Eigentlich möchte ich noch den Palazzo Reale besuchen, doch es gibt nur ein teures Kombibillett für alle dort befindlichen Museen, und für die ist heute gar keine Zeit mehr. So verzichte ich, schaue noch ein wenig in die Giardini Reali hinein, laufe am Duomo di San Giovanni vorbei zur Porta Palatina, dem nördlichen römischen Tor (25 v. Chr.) und zur unweit gelegenen Piazza della Repubblica. Eine Vielzahl von Müllwagen und Arbeitern sind damit beschäftigt, die Spuren eines grossen Marktes zu beseitigen. Offenbar wird der Müll einfach auf den Boden geworfen, der mit verschimmeltem Gemüse und leeren Gemüsekisten bedeckt ist. Auf der einen Seite hat es rund 120 Jahre alte Markthallen. Als ich zum Santuario della Consolata weiterlaufe, fallen mir die vielen afrikanischen Asylanten auf, die hier besonders agressiv Geld fordern. Turin ist voller Obdachloser, auch europäisch aussehender, und Asylanten, die nichts zu tun haben, auf den Parkbänken sitzen und von jedem Passanten, der sich nahe genug heranwagt, Geld fordern. Es müssen Tausende sein. Beim Santuario della Consolata hat es einen römischen Eckturm, offenbar ging dort ursprünglich die Stadtmauer durch. Drinnen ist die Kirche reich ausgestattet und hat auf der rechten Seite eine unterirdische Seitenkapelle. Auch ein Kreuzgang des dazugehörigen Klosters ist ersichtlich. Nicht weit davon befindet sich das Museo della Sindone (das Museum des Turiner Leichentuchs). Dieses umstrittene Relikt wurde eingehend analysiert, wobei festgestellt wurde, dass alle im neuen Testament vorkommenden Wunden auf dem Leichentuch erscheinen. Nur die Radiokarbonanalyse passt gar nicht ins Konzept, zeigt eine Zeit um 1200 an. Nun wird versucht, Fehler in der Radiokarbon-Analyse zu finden. Es ist sehr kontrovers, ob das Grabtuch wirklich echt ist und sämtliche Argumente, weshalb es echt sein soll, könnten ebensogut fabriziert sein. In einem ordentlichen Gerichtsverfahren würden wohl die Argumente, die dagegen sprechen, überwiegen. Mein Rückweg zum Hostel führt mich über die Piazza Savoia, den Giardino della Cittadella, das eigentliche Gebäude der Zitadelle, Mastio della Cittadella, den von der Sonne leider von der falschen Seite angeleuchteten Largo Vittorio Emanuele II und entlang dem Corso Vittorio Emanuele II zurück zur Piazza Carlo Felice. In einem Supermarkt kaufe ich Salat und Würstchen, um ein kohlenhydratfreies Abendessen zu machen. Scheusslich.