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Nicolas Humbert und Werner Penzel begeben sich gemeinsam mit den Nomaden mehrerer Kontinente auf die Reise: Mit den Tuareg ziehen sie durch das Air-Gebirge, mit den Artisten des französischen „Cirque O“ sind sie auf Tournee, den Dichter Robert Lax begleiten sie auf seiner Fahrt von Griechenland in die Schweiz. Ihr filmischer Blick macht uns zu Komplizen ihres Staunens. Wir erleben die Geburt eines Kamels: Ein Tuareg versucht, das Fohlen aus dem Mutterleib herauszuziehen und bekommt einen Tritt von der Kamelstute. Der Sohn des Mannes möchte helfen. Das Kamel knurrt. Der Mann warnt, er solle Weggehen, sonst werde er gebissen. Das Neugeborene sieht wie tot aus, ein platter Schlauch. Es wird durch den Sand geschleift und abgerieben. Schon kurz darauf stehen Kamelstute und Fohlen nebeneinander und verständigen sich mit dunklen und hellen Lauten.
Manche Bilder erinnern daran, wie wir als Kinder nach dem Aufwachen im Schattenspiel auf den Gardinen, in der Struktur einer Tapete oder in der Maserung einer Holzwand Figuren und Geschichten entdeckt haben. Oft sind die Gegenstände nicht gleich zu erkennen: schräger Regen im Scheinwerferlicht, Funkenflug in der Nacht, ein Lichtkegel auf dunkler Bühne, in den eine Frau in einem großen Ring hineinschwingt. Ähnlich wie in Transes von Clemens Klopfenstein schafft das grobe Korn des Schwarzweißmaterials, das Spiel von Licht und Dunkelheit, Konkretem und Abstraktem eine eigenartige Poesie. Middle of the Moment kommt ohne Plot und Kommentare aus. Mit einer komplexen assoziativen Montage verflechten Humbert und Penzel die experimentellen Passagen, die Spielfilmelemente (eine fetzige amour fou in den Wohnwagen der Artisten) und die „Ethnoszenen“ zu einem filmischen Gedicht. Eine scheine Sequenz ist über das Motiv der Fliegen verbunden: Fliegen auf einem Tuch, eine Fliege, die ein Artist im Glas fängt, eine Fliege, die an der Fensterscheibe eines Zuges durch die Lande reist, Fliegen auf dem Heilungsgefäß eines Marabut. Ein Pärchen tanzt mit Fliegenschritten auf der Straße. Ihr Tanz erinnert an denjenigen der alten Leute im letzten Film von Humbert und Penzel, Step Across the Border, als diese beim Warten auf den Zug auf dem kalten Bahnsteig herumwackelten. Die leichte und witzige Musik zu beiden Szenen stammt von Fred Frith. Mehr noch als in Step Across the Border ist ihnen diesmal der Atemfluß des Films gelungen. Es gibt keine Längen und keine Kurzatmigkeit. Am Ende stellt sich das Gefühl ein, der Film habe gerade erst begonnen.