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Die Verwandtschaft zwischen Tieren enthüllt, dass es in zwei verschiedenen Perioden der Vergangenheit eine physische Verbindung zwischen den beiden Biomen Amazoniens mit dem Atlantischen Regenwald gegeben hat.
Eine Studie über die Verwandtschaft zwischen Dutzenden von Vogelarten des Atlantischen Regenwaldes und dem Regenwald Amazoniens hat bewiesen, dass diese beiden Ökosysteme einst, in zwei vergangenen Perioden, verbunden waren – heute sind sie bis zu 1.500 Kilometer voneinander entfernt. Bis jetzt wusste man jedoch nicht, wann diese Verbindung bestand – die Ergebnisse sind in dem wissenschaftlichen Magazin “Ornithology“ veröffentlicht worden.
Wie der Biologe und Autor der Untersuchung, Henrique Batalha Filho, schreibt, beherbergen die beiden brasilianischen Waldregionen kleine Vögel mit unterschiedlichen Verwandtschaftsgraden, was den Beweis für eine physische Verbindung dieser beiden Ambiente während unterschiedlicher Zeitläuften liefert.
Es wurden DNA-Abschnitte von Vögeln der Gattung Pitangus der Neuen Welt untersucht, deren bedeutendste Repräsentanten der Schwefeltyrann (Pitangus sulphuratus) – ein Sperlingsvogel – und der Rosttöpfer (Furnarius rufus) sind. Als er das genetische Material der beiden Spezies verglich, bewertete Batalha die frappierende Ähnlichkeit zwischen ihnen, sowie ihre hierarchische Beziehung (wer der Ältere und wer der Jüngere in der Evolution gewesen ist).
“Ausgehend von den gegenwärtigen Ähnlichkeiten und mit Kenntnis der Mutationen, die nach einer bestimmten Zeitspanne innerhalb jeder Familie stattfinden, gelang es uns, ihre Entwicklung bis auf den gemeinsamen Urahn zurückzuverfolgen. Daraus haben wir gefolgert, dass diese Vögel in der Vergangenheit in Gemeinschaft gelebt haben“, erklärt der Biologe.
Die Südroute
Der älteste Zeitraum, so schätzt der Forscher, liegt im Miozän – zwischen 23 und 5 Millionen Jahren. Eine tektonische Platte des Pazifischen Ozeans stiess während dieser Periode mit der südamerikanischen zusammen und schuf die Andenkette. Die hoch aufragenden Berge formten eine Wand, die Amazonien vom Pazifik abtrennte.
Und es bildeten sich hoch gelegene Kanäle, in denen überschwemmte Savannen wuchsen, die als Brücken zwischen dem südwestlichen Teil Amazoniens, wo sich jetzt der Bundesstaat Rondônia befindet, und dem Atlantischen Regenwald gedient haben, dort, wo sich heute der Süden und der Südosten des Landes erstrecken.
Diese temporären Brücken erlaubten die Zirkulierung der besagten Vögel, ungeachtet der trockenen Landschaft, die heute die beiden Waldregionen trennt. Zeugen dieser antiken Verbindung sind der Trugzaunkönig (Psilorhamphus guttatus) des Atlantischen Regenwaldes und der Brustfleckapaculo (Liosceles thoracicus), den man in den Wäldern der Várzea Amazoniens findet.
Die Nordroute
Die zweite Verbindung geschah in jüngerer Zeit, im Pliozän und Pleistozän, zwischen 5,5 Millionen und 11.500 Jahren. In jener Periode verband sich der Atlantische Regenwald der Nordostküste mit der Amazonasvegetation Guyanas und des Bundesstaates Pará, nahe der Insel Marajó, ausserdem in den Regionen der Flüsse Xingu und Tocantins-Araguaia.
Batalha nimmt an, dass den einflussreichsten Faktor, welcher zur Differenzierung der Spezies in dieser Region führte, die Zwischeneiszeiten darstellten. Um seine Analyse zu untermauern, bedient er sich der “Theorie der Refugien“, die bestätigt, dass in Perioden eines kälteren und trockenen Klimas auf dem amerikanischen Kontinent, Waldfragmente überlebt haben, die den Vögeln als Rückzugsgebiete dienten. “In Eiszeiten tendieren die trockenen Regionen zur Ausbreitung und die Wälder zur Schrumpfung. Aber die Regenfälle nahmen in einigen Abschnitten der Caatinga zu während des Pleistozäns, was durch die grössere Ablage von Kalk in Stalaktiten und Stalagmiten von Höhlen bewiesen ist“, erklärt Batalha. Das Ergebnis dieser Zunahme an Niederschlägen war die Bildung eines Gebietes, in dem die Vögel überleben konnten – eine Art Übergangswald zwischen dem feuchten Regenwald und der trockenen Caatinga, die heute des nordöstlichen “Sertão“ bedeckt.
Ein starkes Indiz dieser jüngeren Verbindung ist die Existenz von Vogelarten, die sowohl in Amazonien als auch im Atlantischen Regenwald leben, aber nicht in dem trockenen Streifen, der heute die beiten Waldgebiete trennt. Das ist der Fall beim Schreipiha (Lipaugus vociferans) und beim Rotkpf-Pipra (Pipra rubrocapilla).