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Titel:
Mir isch alles ä Ding
Thema: Kultur
Datum: 02.05.1928
Standort: Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, L Polydor 21509 738bf
Urheber/-in: Frey-Bernhardsgrütter, Mary und Ernst
Beschreibung:
Schellackplatte von Polydor (Berlin) aus dem Jahr 1928. Aufnahme der alten Appenzeller Volksweise "Mir isch alles ä Ding". Jodel-Duett: Ernst und Mary Frey-Bernhardsgrütter, Laute: Mary Frey-Bernhardsgrütter. Aufgenommen am 2. Mai 1928 in Lausanne. "Mir isch alles ä Ding" gehört zur ersten Aufnahmeserie des Sängerehepaars Frey-Bernhardsgrütter.
Geschichte:
Eine beispiellose Karriere als Jodelsänger in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte das Ehepaar Frey-Bernhardsgrütter aus Wienacht-Tobel.
Mary Bernhardsgrütter (1900-1948), geboren in Lutzenberg, kam schon früh mit Musik in Kontakt. Ihr Vater, Arnold Bernhardsgrütter-Strobel, war nicht nur Bauer, sondern auch Gastwirt und liebte es seine Gäste mit der Geige zu unterhalten. Mary Bernhardsgrütters Talent zum Jodeln – dazu begleitete sie sich selbst mit der Handharmonika oder der Laute – wurde so schon früh entdeckt. Anfang der 1920er Jahre besuchte sie das Konservatorium in Zürich um Gesang zu studieren. Später spezialisierte sie sich dann auf Jodel. Mary finanzierte die ganze Ausbildung durch Halbtagsarbeit in einer Kinderkrippe selbst. Am Konservatorium lernte sie dann den Aargauer Jodelsänger Ernst Frey (1891-1961) kennen, der seinen Beruf als Elektromonteur an den Nagel gehängt hatte. Unmittelbar nach deren Hochzeit am 2. Oktober 1926 und dem Entschluss sich gemeinsam professionell als Unterhaltungskünstler zu betätigen, folgten bereits die ersten Auftritte. Am 19. März 1927 strahlte das Radio Zürich die erste Sendung von Mary und Ernst Frey-Bernhardsgrütter aus.
Anfang Mai 1928 erfolgten in Lausanne die ersten Schallplattenaufnahmen mit der Deutschen Grammophon Aktiengesellschaft, welche in der Schweiz unter dem Namen Polydor vertrieben wurde. Aufgenommen wurden Schweizerlieder und einige appenzellische Weisen; „Mir isch alles ä Ding“ gehört zu dieser ersten Aufnahmeserie des Sängerehepaars. Da sich die Platten sehr erfolgreich verkauft hatten, konnte das Ehepaar bereits im November 1928 in Berlin zehn weitere Titel einspielen. Ein Jahr später folgte gar ein Auftritt in einem Tonfilm, der ab November 1929 in Schweizerkinos als Nebenfilm zum Hauptprogramm präsentiert wurde. Der Erfolg gipfelte schliesslich im Frühling 1932 in einer Konzerttour in Amerika.
Marys Vater, Arnold Bernhardsgrütter, hatte inzwischen das Kurhaus „Alpenblick“ in Wienacht-Tobel erbauen lassen, daneben führte er weiterhin das Gasthaus „Schönheim“. Im April 1934 zog das Sängerehepaar ebenfalls nach Wienacht-Tobel und beabsichtigte dort die Leitung des Kurhauses zu übernehmen und sich aus der Unterhaltungsbranche zurückzuziehen. Es kam dann ein wenig anders, denn nicht nur wurden Mary und Ernst von Gästen überrannt, die das berühmte Paar singen hören wollten, auch zeigten internationale Firmen weiterhin Interesse an Schallplattenaufnahmen der beiden. 1939 erfolgte ein gemeinsamer Auftritt am Radio mit Jakob Hartmann, auch bekannt als "Chemifeger Bodemaa". Hartmann war 1876 ebenfalls in Wienacht geboren, zog später aber aus beruflichen Gründen weg.
Das Paar Frey-Bernhardsgrütter konnte also trotz beabsichtigtem, wenn auch nicht Ruhestand, so doch „ruhigerem Stand“ weitere grosse Erfolge im In- und Ausland feiern. Diese intensive Belastung forderte schliesslich ihren Tribut: Mary, die kochte, wusch und ihre Gäste mit Jodelgesang unterhielt, starb bereits mit 48 Jahren. Ernst folgte ihr 13 Jahre später.
Autorin: Katharina Merian, Speicher
Literatur:
Erzinger, Frank: Das legendäre Jodlerduett Mary und Ernst Frey-Bernhardsgrütter. In: Schweizer Musiker Revue 7 (1993), Nr. 2, S. 10-12.
Mündliche Informationen von Hans Peter Woessner, Lehrer, Weidstrasse 18, 8800 Thalwil.
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