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Titel:
Zeitungsinserat gegen das Frauenstimmrecht
Thema: Politik
Datum: --.04.1976
Standort: Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden
Urheber/-in:
Beschreibung:
Zeitungsinserat im Vorfeld der Landsgemeinde 1976, in der die Einführung des Frauenstimmrechts auf kantonaler Ebene zu den Vorlagen gehörte.
Geschichte:
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten sich in der Schweiz Stimmrechtsvereine, die 1909 den Schweizerischen Verband für Frauenstimmrecht (SVF) gründeten. Dieser forderte wirtschaftliche, soziale, rechtliche und politische Gleichstellung der Frauen. Bis in die 1960er Jahre gab es schweizweit verschiedene Vorstösse zur Einführung des Stimm- und Wahlrechts von Frauen, die insgesamt eher erfolglos waren. Als der Bundesrat 1968 die Unterzeichnung der europäischen Menschenrechtskonvention unter Ausschluss des Frauenstimmrechts plante, erhob sich unter Frauenverbänden massiver Protest, was den Bundesrat wiederum zu einer Reaktion zwang. Am 7. Februar 1971 wurde schliesslich das Stimm- und Wahlrecht für Frauen auf Bundesebene angenommen; Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden hatten beide abgelehnt. Die meisten Kantone zogen kurz darauf mit der Einführung des Frauenstimmrechts auf kantonaler und kommunaler Ebene nach.
Im Kanton Appenzell Ausserrhoden war zu dieser Zeit die Landsgemeinde das höchste politische Gremium der legislativen Gewalt auf kantonaler Ebene. Die Einführung des Frauenstimmrechts auf kantonaler Ebene hätte demnach zur Folge gehabt, dass Frauen auch an der Landsgemeinde hätten teilnehmen dürfen. Viele dachten, dass Frauen an der Landsgemeinde – der Vollversammlung, welche nach Worten des ehemaligen Nationalrats Herbert Maeder etwas Mystisches zum Ausdruck brachte – einen zu grossen Traditionsbruch darstellen würden.
Diese Angst vor dem Traditionsbruch – "und wenn es selbst eine Männertradition wäre!" – kommt auch deutlich im gezeigten Zeitungsinserat zum Ausdruck. Zehn Jahre zeigte sich in der Umfrage „ond/oder“ zum Thema Frauenstimmrecht nochmals eine ähnliche Einstellung der Leute: Das Frauenstimmrecht wurde nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern vor allem, weil man den Verlust oder eine Veränderung der Landsgemeinde befürchtete.
Erst der grosse persönliche Einsatz von vielen Einzelpersonen und politische Vorstösse verschiedener Gruppen in einem langen Prozess führte schliesslich zum erwünschten Ziel: Am 30. April 1989 wurde an der Landsgemeinde in Hundwil das Frauenstimmrecht angenommen.
Autorin: Katharina Merian, Speicher
Chronologie:
1954 fakultatives Frauenstimm- und Wahlrecht in kirchlichen Belangen (d.h. die Gemeinden der evangelisch-reformierten Landeskirche hatten die Möglichkeit, dieses Recht zu gewähren).
1967 wurde das Frauenstimmrecht bindend in der Landeskirche eingeführt.
Am 7.2.1971wurde das Frauenstimmrecht auf Bundesebene eingeführt.
1986 wurde die „Ond/Oder“-Umfrage zur Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Appenzell Ausserrhoden unter Dr. Otto Schoch erhoben.
Am 30.4.1989 wurde an der Ausserrhoder Landsgemeinde in Hundwil die Einführung des Frauenstimmrechts angenommen.
Im Jahr 1991 wurde das Frauenstimmrecht im Kanton Appenzell Innerrhoden nach Bundesgerichtsentscheid eingeführt.
Literatur:
Voegeli, Yvonne: Frauenstimmrecht. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 5.1.2006. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D10380.php (1.9.2010).
Transkription:
Wollt ihr | eine gute alte Tradition um das "Linsengericht " des vom Grossteil der Appenzeller Frauen nicht gewünschten Frauenstimmrechtes verkaufen?
Darf es nicht | wenigstens in einer Ecke unseres Schweizerlandes noch ein Stücklein althergebrachten, inhaltsreichen Brauch geben – und wenn es selbst eine Männertradition wäre! – weil im Zeichen unserer Gemütsarmut nur noch das Moderne ziehen und gelten soll?
Lasst ihr euch | von jenen Miteidgenossen imponieren, die unser Festhalten am bisherigen Altbewährten bekriteln und belächeln, die selber aber samt ihrem vielgepriesenen Frauenstimmrecht weitherum durch Stimmfaulheit "glänzen"?
Soll das bei uns auch so herauskommen?
Wollt ihr | einer Partei zuliebe, die sich durch ihre Initiative in unserm Kanton zu profilieren versucht, die traditionelle, geschlossene Landsgemeinde aufsplittern oder gar zerfallen lassen?
Frauenstimmrecht | an der Landsgemeinde | NEIN
Eine Appenzellerin und ein Bundesgenosse, für viele.
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