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Briefing, Flugtaktik und Passüberquerung
Bei einem Gebirgsflug ist die Leistung des Flugzeugs unter den am Tag des Fluges herrschenden Wetterbedingungen entscheidend für einen sicheren Flug. Deshalb ist eine gute Flugvorbereitung sehr wichtig. Navigationspunkte sind entscheidend, ebenso wie die richtige Flugtaktik.
Ausführliches Briefing mit ausführlichem Flugplan, Wetter, Luftraumbeschränkungen (DABS und NOTAM):
Die Planung eines Gebirgsfluges setzt eine ernsthafte Vorbereitung und das intensive Studium der ICAO-Karten und, gegebenenfalls, der Luftfahrthinderniskarte voraus (siehe SAND Hindernisüberquerung beim Alpenflug). Für die Überquerung von Gebirgsketten eignen sich besonders die Pässe, die auf der ICAO-Karte der Schweiz grösstenteils mit violetten Linien und Mindestüberflughöhen markiert sind. Es können aber auch andere markante Punkte gewählt werden. Sobald die Flugroute definiert ist, werden die Höhen der zu überfliegenden Punkte genau notiert und eine Sicherheitsmarge von 1000ft (300 m) für das Überfliegen dieser Punkte eingeplant. Diese Höhe dient als Minimum für den Eintritt in das Tal oder das definierte Gebiet. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass der Pilot zu tief in einem Tal hereinfliegt und durch eine mögliche optische Täuschung nicht sofort merkt, dass er sich in einem leichten Steigflug befindet, was seine Flugleistung beeinträchtigen würde (Abb. 17). Auf jeden Fall sollte der Einflug in ein Tal oder ein alpines Gebiet mit mindestens der Höhe des höchsten zu überfliegenden Punktes geplant werden. Ebenso wichtig ist es, eine Alternativroute zu planen, falls der Navigationspunkt nicht in der richtigen Höhe erreicht werden kann oder sich die Wetterbedingungen verschlechtern.
Zur Vorbereitung gehört natürlich auch das studieren der aktuellen Luftraumsituation und des Wetters. Was den Luftraum betrifft, so müssen die DABS und NOTAMs genau überprüft werden, um nicht in eine LS-D- oder LS-R-Zone einzufliegen oder bei MIL ON den Luftraum C zu verletzen. Was das Wetter anbelangt, so muss es besonders genau studiert werden, da Wetterphänomene im Gebirge sehr gefährlich sein können (siehe SAND Meteo im Gebirge). Um nicht zur falschen Zeit überrascht zu werden, muss eine Flugtaktik festgelegt werden, die die möglichen Lufträume und Wetterbedingungen beinhaltet.
Auswahl einer geeigneten Flugtaktik im Gebirge:
Wie im SAND "AIRPROX aufgrund der falschen Talseite" beschrieben, fliegt man in der Regel rechts des Tals. Allerdings ist dies manchmal wetterbedingt nicht möglich. Die Flugtaktik muss also leicht entsprechend angepasst werden, indem man etwas weiter in der Mitte des Tals fliegt aber die linke Seite sollte vermieden werden. Weiterhin ist es bei einem Flug im Gebirge nicht immer möglich stark zu steigen oder je nach Tal auch die Richtung zu ändern. Aus diesem Grund sollten die im Briefing festgelegten Navigationspunkte als Kontrollpunkte genutzt werden. Dadurch kann der Pilot entscheiden, ob der Flug fortgesetzt werden kann oder nicht. Wenn der Punkt mit der richtigen Höhe erreicht wird und die Sicht nach vorne ausreichend ist, kann der Flug bis zum nächsten Punkt fortgesetzt werden. Ist der Punkt zu niedrig, sollte der Flug nicht fortgesetzt werden und man sollte entweder Höhe durch Umkreisen im Tal gewinnen (solange die Breite des Tals dies zulässt), umkehren und zum letztmöglichen Punkt zum Gewinnen von Höhe zurückfliegen oder der geplanten Alternativroute folgen. Bei schlechter Sicht ist es besser, umzukehren und zum letzten Navigationspunkt zurückzufliegen oder die geplante Alternativroute zu wählen. Das ist sozusagen das Prinzip von Go / No Go. In jedem Fall ist es besser, aufzugeben und umzukehren oder eine alternative Route zu nehmen, als die Leistung seines Flugzeugs zu erzwingen. Ebenso wichtig ist die Berücksichtigung möglicher Hindernisse in der Umgebung der gewählten Flugroute und deren überlegte Annäherung sowie gegebenenfalls deren Überquerungstechnik wie im SAND Hindernisüberquerung beim Alpenflug beschrieben.
Überquerung eines Bergkamms oder Gebirgspasses:
Bei der Überquerung eines Bergkamms oder eines Passes müssen mehrere Punkte beachtet werden, wie z. B. der Anflugwinkel, die Ausweichmöglichkeiten (falls der Bergkamm oder Pass nicht überquert werden kann) und die Überfluggeschwindigkeit. Erstens ist es wichtig, sich mit einer Reservehöhe von etwa 1000ft zusätzlich zum Überflugpunkt anzunähern. Danach sollte man sich immer in einem Winkel von ca. 45° gegenüber dem Bergkamm oder dem Pass nähern (Abb. 28 und 29), niemals rechtwinklig. Auf diese Art und Weise erhöht sich die Entscheidungs- und Reaktionszeit, falls z. B. ein starker Abwind auftritt, was die Sicherheit des Flugzeugs und seiner Insassen während des Flugs erhöht.
Zusätzlich bietet diese Flugtaktik die Möglichkeit und die Zeit zu beobachten, ob die Wetterbedingungen für einen Weiterflug geeignet sind. Wenn ja, kann der Pass überflogen werden. Ist dies nicht der Fall, bietet die Technik des 45°-Anflugs die Möglichkeit und den Platz, entweder den Pass erneut anzufliegen (Erkundungsvorbeiflug Abb. 28), um gegebenenfalls eine zweite Beurteilung vor der Überquerung vorzunehmen, oder um umzukehren. In jedem Fall sollte man bedenken, dass auch entgegenkommende Flugzeuge den Bergkamm oder den Pass überfliegen und daher nicht in der Mitte durchfliegen sollten. Zum Schluss ist es wichtig, Gebirgskämme oder Pässe immer mit ausreichend Geschwindigkeit zu überqueren oder sogar mit einem Geschwindigkeitsüberschuss im leichten Sinkflug zu überfliegen. Ein Pass oder ein Bergkamm soll nie auch nur leicht im Anstieg überquert werden (Abb. 27).
Quelle: Henzelin, R., Weibel, J.-P. (1970), Das Fliegen im Gebirge.