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Der siebenfache Grand-Slam-Sieger Mats Wilander traut dem Schweizer in Paris den zweiten Turniersieg zu. Die schwierigste Zeit des Turniers habe er bereits überstanden, sagt der Schwede.
Mats Wilander, stimmt es, dass Stan Wawrinka Ihr Lieblingsspieler ist?
Mats Wilander: Er ist einer meiner Lieblingsspieler, ja (lacht). Mir gefällt, dass er über so lange Zeit so hart und präzise schlagen kann. Wenn er sein bestes Tennis spielt, kann ihn keiner bezwingen.
Also gewinnt er am Sonntag zum zweiten Mal die French Open?
Ganz ehrlich? Ich kann mir keinen anderen Sieger als Rafael Nadal vorstellen. Er hat hier bisher einen unfassbaren starken Eindruck hinterlassen. Andererseits sollte man nie zu weit nach vorne schauen. Ich bin gespannt, wie er reagiert, wenn er einmal einen nicht so guten Tag hat und wenn die Bedingungen schlechter sind.
Wie sehen Sie Wawrinkas Woche?
Anfangs Turnier ist er oft verwundbar, er hat die für ihn gefährlichste Phase also unbeschadet überstanden. Wir kennen das von ihm: Er zeigt drei Monate gar nichts und bei den Grand-Slam-Turnieren wird er von Spiel zu Spiel besser, weil er mehr Zeit hat. Ihm hilft auch, dass er Dolgopolow, Fognini und zuletzt Monfils zwar drei sehr gefährliche Gegner hatte, sie aber alle in drei Sätzen geschlagen hat. Darum ist Wawrinka für mich neben Nadal zweiter Favorit. Es läuft perfekt für ihn.
Was muss passieren, damit er auch gegen Nadal gewinnt?
Es ist noch ein langer Weg dorthin. Bei den US Open musste er gegen Evans einen Matchball abwehren und wir haben uns alle gefragt, ob er überhaupt Lust hat. Und dann gewinnt er das Turnier. Sein Vorteil ist, dass ihm die Bedingungen egal sind. Stan macht es auch nichts aus, wenn die Bälle schwer und die Plätze langsam werden, weil er immer sehr hart schlägt. Es ist heiss und trocken? Kein Problem, auch das mag Wawrinka.
Kommt es Wawrinka entgegen, dass bisher alle nur von Nadal, Djokovic und auch Andy Murray reden?
Ich glaube, Wawrinka ist das alles völlig egal. Er spielt, trainiert, lässt sich vom Physio behandeln, nimmt Medientermine wahr. Während eines Grand-Slam-Turniers sind die meisten Spieler sowieso in ihrer eigenen Welt und haben keine Ahnung, was um sie herum passiert.
Wirklich?
Natürlich bekommst du gewisse Dinge mit, aber vieles blendest du einfach aus.
Was ist mit Novak Djokovic?
Das ist schwierig zu sagen. Ich hatte in den letzten Monaten das Gefühl, dass er etwas den Hunger verloren hat. Ich kenne das, es ist mir selber ebenfalls mehrfach passiert, und auch Björn Borg und Boris Becker. Jetzt kann man es auch bei Andy Murray beobachten. Es ist absolut menschlich. Bei Djokovic hatte ich im Spiel gegen Schwartzman zum Beispiel den Eindruck, dass ihm der letzte Biss fehlt, wenn es losgeht und 0:0 steht. Dass er es braucht, zu verlieren, um in Feuer zu fangen.
Als Ihnen nach dem Tod Ihres Vaters das Feuer fehlte, hörten Sie auf.
Ich spielte und gewann mein ganzes Leben für ihn. Nach seinem Tod verlor ich das Interesse und die Motivation fürs Tennis. Ich habe immer noch hart trainiert, aber ich hatte das Feuer zu gewinnen verloren. Mir fehlte der Sinn.
Darum hat Djokovic Andre Agassi geholt. Was halten Sie davon?
Ich glaube, dass es das Beste ist, was er machen konnte. Bei Andre war es damals eine ähnliche Situation. Er hatte auch mit Motivationsschwierigkeiten zu kämpfen. Aber als er zurückkam, spielte er wie ein Besessener. Er weiss, wie man mit solchen Situationen umgeht. Dazu hat Novak in den letzten Runden viel Selbstvertrauen gewonnen. Darum wäre es definitiv ein Fehler, ihn abzuschreiben.