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Von Sandro Danilo Spadini
Dass Fortsetzungen, sogenannte Sequels, nicht zwingend eine schlechte Sache sind, hat ja schon Francis Ford Coppola in den Siebzigern mit dem zweiten «Paten» bewiesen. Und so müssen einem denn auch nicht die Haare zu Berge stehen, wenn das Gerücht die Runde macht, dass der diesjährige Oscar-Gewinner «The Departed» in Runde zwei gehen wird. Das von Drehbuchautor William Monahan bereits angepackte Sequel zum Gangsterdrama ist im Grunde sogar folgerichtig, bildete doch dessen Vorlage, der Hongkong-Hit «Infernal Affairs», den Auftakt zu einer Trilogie um die Verstrickungen von Polizei und Mafia. Bleibt die US-Version nahe am Original, würde in Teil zwei die von Mark Wahlberg so erinnerungswürdig dargestellte Figur des hyperaggressiven Lieutenant Dingnam im Fokus stehen. Wahlberg zur Seite gestellt werden soll Robert De Niro in der Rolle eines Senators, vorderhand kein Wiedersehen wird es indes mit den Figuren von Leonardo DiCaprio und Matt Damon geben – diese würden erst in einem die Trilogie beschliessenden Prequel wieder auftauchen. Ob wiederum Martin Scorsese Regie führen wird, ist derweil noch unklar. Dieser arbeitet derzeit an einer Dok über die Rolling Stones (Titel: «Shine a Light») und wird alsdann, so wird gemunkelt, entweder im Thriller «Frankie Machine» mit seinem alten Lieblingsstar Robert De Niro die Geschichte eines gezwungenermassen wieder aktiv werdenden Ex-Auftragskillers erzählen – oder abermals mit seinem neuen Lieblingsstar Leonardo DiCaprio in «The Rise of Theodore Roosevelt» ein Porträt des 26. Präsidenten der USA anfertigen.
Leos Standing
DiCaprio selbst hat sich für die Zeit davor einiges vorgenommen. So steht er gerade gemeinsam mit seinem «Titanic»-Co-Star Kate Winslet unter der Regie von deren Ehemann Sam Mendes («American Beauty») in der Literaturverfilmung «Revolutionary Road» vor der Kamera. Danach wird er an der Seite von Russell Crowe in Ridley Scotts «Body of Lies» einen ehemaligen Journalisten spielen, der in Irak verwundet wurde und nun im Auftrag der CIA in Jordanien einen Al-Kaida-Führer aufspüren soll. Damit aber nicht genug für Leo: Im Gespräch ist er auch für die Hauptrolle im Politthriller «The Chancellor Manuscript», der Adaption eines Romans von Robert Ludlum («The Bourne Identity»). Ob sich all diese Pläne unter einen Hut bringen lassen, ist natürlich ebenso fraglich wie das Zustandekommen vieler angekündigter Prestigeprojekte; doch verdeutlichen sie das Standing, das sich DiCaprio in den letzten Jahren erarbeitet hat.
Immer wieder Brad Pitt
Nicht minder aufregend liest sich freilich die Zukunft seines Kollegen Brad Pitt. Auf den bereits abgedrehten Western «The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford» wird dieser zunächst den Fantasystreifen «The Curious Case of Benjamin Button» folgen lassen – die Geschichte eines Mannes, der als Achtzigjähriger geboren wird und rückwärts altert; die Reunion mit seinem «Babel»-Co-Star Cate Blanchett orchestriert kein Geringer als David Fincher, mit dem Pitt bereits bei «Seven» und «Fight Club» zusammengearbeitet hat. Fincher ist notabene bei weitem nicht der einzige illustre Name, mit dem es Pitt in nächster Zeit zu tun haben wird. Der puren Frauenpower von Sharon Stone, Meryl Streep, Gwyneth Paltrow und Annette Bening wird er in «Dirty Tricks» standhalten müssen. Das Politdrama erzählt die Geschichte von Martha Mitchell (Streep), der extrovertierten Gattin von Richard Nixons einstigem Generalstaatsanwalts, die in der Aufarbeitung des Watergate-Skandals vehement Partei für ihren Ehemann ergreift. Ebenfalls politisch wird es für Pitt in «State of Play», der von Newcomer Kevin Macdonald («The Last King of Scotland») zu inszenierenden Filmversion einer brillanten BBC-Miniserie aus dem Jahr 2003. Und an der Seite von Kumpel George Clooney, John Malkovich und Frances McDormand dürfte Pitt schliesslich auch noch in «Burn After Reading» zu sehen sein, dem neusten Projekt der Coen-Brüder, deren aktueller Film «No Country for Old Man» nach derzeitigem Stand hierzulande nicht in die Kinos kommen wird.
Man spricht Deutsch
Fast schon traditionell viel beschäftigt ist auch Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman. Derzeit steht sie für ihren australischen Landsmann Baz Luhrman («Moulin Rouge») im historischen Epos «Australia» vor der Kamera. Bereits abgedreht hat sie die Tragikomödie «Margot at the Wedding» für den hochtalentierten Independent-Regisseur Noah Baumbach («The Squid and the Whale») sowie den Zombiefilm «The Invasion». Bei Letzterem deutet indes vieles auf ein Desaster hin, mussten doch anscheinend die Wachowski-Brüder («Matrix») und auch noch James McTeigue («V for Vendetta») dem deutschen Regisseur Oliver Hirschbiegel («Der Untergang») für den Final Cut an die Seite gestellt werden. Ob das Hollywood-Abenteuer von Hirschbiegels Landsmann Christian Alvart («Antikörper») erquicklicher ausfällt, wird sich noch weisen. Er arbeitet derzeit an der Postproduktion seines Horrorthrillers «Case 39», in welchem Renée Zellweger die Hauptrolle spielt. Überhaupt haben deutsche Regisseure derzeit Hochkonjunktur in Hollywood. Mit Marco Kreuzpaintner («Sommersturm»), Mennan Yapo («Lautlos») und dem nach dem Erfolg mit «Flight Plan» bereits zum zweiten Mal antretenden Robert Schwentke stehen gleich noch drei weitere Deutsche in Kalifornien hinter der Kamera im Einsatz – und mit dem aus Rebstein stammenden Werbefilmer Marcel Langenegger, der mit Ewan McGregor, Hugh Jackman und Maggie Q soeben den Erotikthriller «The Tourist» abgedreht hat, nun auch ein zweiter Schweizer. Der andere Eidgenosse ist natürlich der Davoser Marc Forster, und dieser hat sich im Gegensatz zu all den Vorgenannten schon längst die Sporen in der grossen Filmwelt abverdient.
De Niro und Pacino
Forster arbeitet auch derzeit unermüdlich. Nachdem er unlängst die Dreharbeiten zum Afghanistan-Drama «The Kite Runner» abgeschlossen hat, wird er als Nächstes den 22. Bond-Film inszenieren; das Skript zu dem noch titellosen neuen 007-Abenteuer soll Forster gemeinsam mit «Crash»-Regisseur Paul Haggis erarbeiten. Ins Wasser gefallen scheint indes seine Zusammenarbeit mit George Clooney und Robert De Niro bei dem noch immer geplanten Remake des französischen Thrillers «36». Grund zum Grämen haben darob indes weder Fans von Clooney noch jene von De Niro. Auch für diese beiden stehen nämlich höchst vielversprechende Projekte an: Clooney hat gerade den Politthriller «Michael Clayton» abgedreht und werkelt derzeit an seiner dritten Regiearbeit, einer im Football-Milieu der Zwanzigerjahre angesiedelten romantischen Komödie mit Renée Zellweger. Und De Niro arbeitet ohnehin, als ob es kein Morgen gäbe. Nebst fünf bereits angegangenen Projekten, darunter Arbeiten für die Regisseure Barry Levinson und Jodie Foster, soll er nach jüngsten Meldungen auch im Independent-Streifen «Righteous Kill» mitspielen. Dies zur Verzückungen wohl aller Filmfans, wird sein dortiger Co-Star doch nach «Heat» ein zweites Mal Al Pacino heissen!
Mann, Polanski, Tarantino
Bei der Reunion von De Niro und Pacino wird «Heat»-Regisseur Michael Mann freilich nicht dabei sein. Er wird wohl das Kriegsdrama «The Few» mit seinem «Collateral»-Star Tom Cruise realisieren, welcher zunächst aber an der Seite von Meryl Streep in Robert Redfords Drama «Lions for Lamb» zu sehen sein wird und derzeit gemeinsam mit Regisseur Bryan Singer («The Usual Suspects») versucht, das ambitionierte Projekt «Valkyrie» auf die Beine zu stellen. Cruise wird darin den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen, darf dies aber auf Grund seiner Scientology-Zugehörigkeit gemäss deutschem Verteidigungsministerium nicht auf Bundeswehr-Territorium tun. Mit Militärischem beschäftigen sich derzeit auch Steven Soderbergh, der mit Benicio Del Toro in der Hauptrolle gegenwärtig die Geschichte von Che Guevara verfilmt, und bald einmal wohl Quentin Tarantino. Dessen im Nazi-besetzten Frankreich angesiedeltes Drama «Inglorious Bastards» ist schon seit längerem angekündigt; für die Besetzung kursieren Namen wie Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger und sogar Steven Segal. Etwas weiter mit den Planungen ist bereits Roman Polanski; er hat kürzlich die Dreharbeiten zum Historienschinken «Pompeii» begonnen. Clint Eastwood hat nach dem Doppelschlag mit «Flags of Our Fathers» und «Letters From Iwo Jima» derweil vorerst genug vom Krieg. Er arbeitet zurzeit am Mysterythriller «The Challenging». In der Hauptrolle: Angelina Jolie, die für Michael Winterbottom unlängst «A Mighty Heart» abgedreht hat. Das in Cannes bereits gezeigte Drama, beruhend auf den Aufzeichnungen der Gattin des in Irak ermordeten Journalisten Danny Pearl, gehört wie Mike Nichols’ Politthriller «Charlie Wilson’s War» (mit Tom Hanks, Julia Roberts und Philip Seymour Hoffman) zu den heissesten Oscar-Anwärtern des nächsten Jahres. Die Konkurrenz könnte aber ungewohnt stark werden...