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Die keltische Mythologie
Die keltische Mythologie stützt sich auf Erkenntnis der Natur-Wissenschaft: Je zwei Sonnen-Wenden und zwei Tag-und-Nacht-Gleichen bilden das Gerüst für zwei über Kreuz verbundene Anlässe [... Kelten-Kreuz]. Das sind zwei Polariäten und nicht angebliche vier Jahreskreis-Feste.
Keltisch ist das natürliche selber jenes, was andernorts als etwas über-natürliches benannt wurde, direkt und ohne Symbole. Zu einer stets rezitierten und voneinander abgeschriebenen Behauptung vom angeblich keltischen Gott oder vermeintlichen Gottheiten lesen Sie bitte hier: keine keltischen Gottheiten. Ein Verständnis der keltischen Mythologie setzt einerseits voraus den zentralen Inhalt jener Vorstellungen, wie sie, als Beispiel, vom römischen Lucanus (Pharsalia, I, 455) überliefert sind: Der Tod sei die Mitte eines langen Lebens ... es herrsche also weiterhin der gleiche Gedanke [nicht Geist], nur in einem anderen Körper und in einer anderen Welt ... [keltisch monistisch ist die Anderwelt [l'autre monde] in dieser Welt] - und andererseits die Kenntnis der Unterschiede zwischen einem unistischen und einem dualistischen Weltbild.
Die vielen Hunderte an gefundenen Inschriften und Figuren aus keltischer Kultur sind keine als stell-vertretende Menschen abgebildete Götter oder Göttinnen, sind keine Gottheiten, sondern Signatur [= Hinweis] auf einen gedanklichen Inhalt, auf einen Zusammenhang. Vergleichbar heute dem Hauptwort, einer sprachlichen Substantivierung mit Ober-Begriff. [Durch Diodor von Sizilien ist überliefert [Fragm. XXII] wie Brennus, der Führer der Gallier auf dem Zug durch Griechenland, in Lachen ausbrach angesichts der Tatsache, dass dort dem Natürlichen im Tempel menschliche Gestalten zugemutet und Symbol-Figuren aus Holz und Stein hergestellt wurden].
Die Sage vom weissen Stier
Die weisse Form des in Europa seit 1627 ausgerotteten dunklen Auerochsen, auch Ur genannten Wildrindes, das ursprünglich aus Indien stammt und Stammart der meisten Hausrindrassen ist, sei eine im 1. Jahrtausend v.Chr. durch die Kelten oder deren Vorfahren angeblich zu Kultzwecken, was immer das gewesen sein soll, domestizierten Rinderrasse. Heute steht sie auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Noch lebend sind, nebst anderen, zum Beispiel Chianina- und White-Park-Rinder. Sie zählen zum ältesten Hausrind des Menschen. Sowohl die weissen Rinder von Chianina als auch die Motive auf der Certosa-Situla, beide in der Nähe von Bologna, lassen auf eine nahe indoeuropäische Verwandtschaft schliessen, doch waren die Etrusker südlich der Alpen bereits stark durch die griechische Mythologie geprägt.
In der Zentral-Schweiz benennt sich ein Gebiet der ehemals keltischen Helvetier nach dem Ur-Stier: der Kanton Uri, eine von drei Gründer-Waldstätten der Eidgenossenschaft. Aus der magischen Zeit geht die Sage vom Uristier und vom Greiss in Surenen, welche berichtet, zusammenfassend und vereinfachend: Ein junger Schafhirte bevorzugte einst ein besonders schönes Lämmlein seiner Herde und liess das Tierlein mit ihm essen und schlafen. Damit verstiess er gegen den Hirteneid der unparteiischen Viehhaltung und versudelte Speise und Trank. Der Frevel verwandelte das niedliche Lamm in ein furchtbares Ungeheuer, welches mit einem grauenvollen Ungewitter den Hirten und die Alphütte zerschmetterte. Weder Menschen noch Tiere duldete das Gespenst auf dieser Alp. Der schreckliche Unhold wurde fortan das Greiss genannt. Ein Orakel beschied, wie das Ungeheuerliche überwunden werden kann: Ein silberweisses Stierkalb sei sieben Jahre lang und jedes Jahr an einer Kuh mehr als im vorigen zu saugen, bis also sieben Kühe seien und das Stierkalb sieben Jahre alt. Dann sei es fähig, das Greiss zu töten. Dazu habe eine reine Jungfrau den wilden Stier an ihre Haarbänder zu knüpfen und dem Greiss entgegen zu führen. Sobald der Stier das Ungeheuer wittere, werde er davon ein merksames Zeichen geben und sei loszubinden. Die Jungfrau habe sofort den Rückzug anzutreten und dürfe unter keinen Umständen zurückschauen, sie möge hören was sie wolle. Alles, der letzte Punkt ausgenommen, verlief in dieser Weise. Nach dem Kampf war die Jungfrau verschwunden. Das Greiss, übel zugerichtet, war getötet. Der siegreiche Riesenstier lag ebenfalls tot am Bach, wohl deshalb, weil er nach dem Kampf allzu gierig Wasser getrunken hatte.
Der Silber-Kessel von Gundestrup und die Keltenschanze
Mit Kenntnis dieser Sage vom weissen Uri-Stier ist, so man will, verbunden mit der Herkunft der weissen Rinder eine Interpretation der zentralen runden Platte vom Kessel von Gundestrup möglich: Das Bild zeigt den heranwachsenden Riesenstier, welcher das magische Chaos, das nichtpsychologische grosse ES, besiegt und die Jungfrau. Zu Füssen des Stieres ein Hund bereit zum Sprung an seine Schnauze wie die späteren Bullenbeisser und Bulldoggen. Wenn die weissen Stiere von den Kelten tatsächlich zu Kult-Zwecken gezüchtet und gehalten wurden, [→ Tarvos Trigaranus], dann ist das der Kern der keltischen Mythologie.
Die magische Welt ist dreieinig erfassbar als Chaos, Ring und Frevel, das sind der unvorhersehbare Wandel der Umwelt, soziale Gemeinschaft, Eigentum und Gesetz als Ring und die Verfehlungen dagegen als Frevel. Die Mythologie der Kelten zeigt nun deutlich einen eigenen Weg der Kultivierung, wo andernorts der Gegensatz [Dualität] zwischen Dämonen und All-Macht gebildet wurde. Die Innenseite des Kessels bildet den Ring als Gesetz, nebst der Zucht der weissen Stiere die zwei zusammengehörenden Anlässe Samonios-Beltane und Imbolg-Lughnasad, die auf der Aussenseite mit zwei je männlich und weiblich dargestellten Signaturen erfasst werden, was den kulturellen Übergang vom magischen Frevel zur ethischen Tugend beweisen mag. Das sind also keinesfalls keltische Götter, Gottheiten und dergleichen, wie oft stets rezitiert und voneinander abgeschrieben wird. In der keltischen Mythologie bedarf es keiner metaphysischen Gestalten, weil das Natürliche selber das in anderer Kultur als Göttliche bezeichnete darstellt, ohne stellvertretende Symbole ... weiterlesen: der keltische Monismus.
Die Mythologie der Kelten vom Festland wird in der Gegenwart problemlos verständlich als Übergang eines ursprünglich magisch unistischen Weltbildes und keltisch monistischer Trinität, welche vom nördlich der Alpen entstehenden Christentum weiter entwickelt und dadurch indirekt im Brauchtum bewahrt wurde. Polarität, Dreieinigkeit, kulturelle Einheit in der Vielfalt (nicht Vielfalt in der Einheit!), individuelle Selbstverantwortung und Selbstbestimmung haben hier ihre Wurzeln.
Cernunnos - Wegweiser in die Anderswelt
Belenos - Verbindung Samonios und Beltane
Smertrios - Widderkopfschlange der Dreieinigkeit
Die Alles heilende - Gleichgewicht von Lughnasad und Imbolg
Artio - der keltische Bär Artos