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Mit der langsam heraufziehenden Abenddämmerung der CD-Ära erleben grandiose Box-Sets eine besondere Blüte.
Seien es verschwenderisch bestückte, teure Spezialausgaben von legendären Pop/Rock-Alben wie Quadrophenia von The Who oder Achtung Baby von U2. Oder eben umfassende „Complete“ oder „Collector’s Editions“, die sich einem Künstler, Orchester, Komponisten oder Label widmen, meist zu einem höchst attraktiven Preis. Sony etwa legte die gigantische Anton-Rubinstein-Edition vor (siehe Home Electronics 3/2012), im März folgte die 94-CD-Box der Dirigentenlegende Arturo Toscanini; Konkurrent Universal kontert in diesem Frühjahr unter anderem mit der 35-CD-Box des Pianisten Wilhelm Kempff. Und mit einem absoluten Highlight für Hifi- und Klassikfans: die Collector’s Edition des legendären Labels Mercury Living Presence (MLP).
Mit Kanonendonner und Gewaltiger Dynamik
Die Amerikaner starteten 1951 mit den transparent, dynamisch und präsent klingenden Bildern einer Ausstellung von Modest Mussorgski, die das Chicago Symphony Orchestra unter Rafael Kubelik mit umwerfender Verve in ein (!) Mono-Mikrofon Telefunken U-47 gespielt hatte. Es folgten Meilensteine der Schallplattengeschichte wie die erste Aufnahme von Tschaikowskys Schlachtengemälde 1812 mit echten Kanonen 1954. 1958 kam eine Neuproduktion des Krachers in Stereo heraus, die zu den meistgespielten Demonstrations-Schallplatten in den frühen High-Fidelity-Studios weltweit avancierte. Es folgten unter anderem das Projekt mit Musik aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und die epochemachenden Aufnahmen der US-Firma in Moskau – mitten im Kalten Krieg. Mercury mit dem sagenumwobenen Technik-Guru Robert Fine nahm inzwischen auf 35-Millimeter-Filmbänder auf, die den Audiosignalen erheblich mehr Magnetfläche boten als gewöhnliches Tonband und mit gewaltiger Dynamik und enormen Frequenzumfang faszinierten. Die Aufnahmen wurden zum Teil bereits mehrfach als CDs oder SACDs wiederveröffentlicht. Jetzt gibt die 50-CD-Box zu einem konkurrenzlosen Preis einen umfassenden Überblick über die Aufnahmen von 1951 bis 1967, überwiegend mit populärem Orchester- und Konzert-Repertoire. Das Remastering entspricht den Digitalisierungen der 1990er-Jahre und demonstriert zum Teil frappierende Klangqualitäten. Eine Bonus-CD bringt ein Interview mit der MLP-Produzentin Wilma Cozart Fine, das leider nur englischsprachige Booklet dokumentiert die Label-Historie und porträtiert einige der wichtigsten Künstler. Angesichts des Preises absolut empfehlenswert.