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58 Zusammenfassung für den eiligen Leser
Das Schwingungsverhalten der Saite wurde von den Griechen analysiert und sie schufen die ersten Ordnungssysteme für Töne.
Die griechischen Lehrer haben ihr Wissen an die Römer weitergegeben, welche weiterhin die griechischen Fachausdrücke nutzten.
Erst im 3. Jahrhundert kam es zu einer Übersetzung ins Lateinische, doch nahmen die Frühchristen Anpassungen vor, um symbolische Bezugnahmen zum Kosmos und zur Hl. Schrift zu ermöglichen. Es ging darum, die Massgabe des Schöpfers nach damaligem Kenntnisstand in allen Bereichen aufzeigen zu können.
Das katholische Weltbild zeigt eine Übereinstimmung hinsichtlich der:
8 himmlischen Sphären
8 Wochentage
8 Seligkeiten der Bergpredigt
8 Redeteile
8 Oktavtage nach kirchlichen Hochfesten
8 Oktav (musikalisches Intervall, Frequenzverhältnis 2:1)
8 Oktogonale Architekturelemente mit Bezug zur Seligkeit
8 Symbolik in Kunst und Musik
8 Liegende ∞ als Zeichen der Unendlichkeit
12 Einteilung des Jahres in Monate
12 x 2 Einteilung des Tages in Stunden
12 Anzahl der Jünger
13-1 Teilnehmer beim letzten Abendmahl
In Analogie zum A und Ω hatte die Woche mit dem Tag des Herrn zu beginnen und zu enden - daher 8. Das Tonsystem hatte mit der Konsonanz der Prim (kein Intervall) zu beginnen und mit der Konsonanz der Oktav zu enden. Die Zeitrechnung beginnt mit der Geburt Christi, die Entstehung der Welt mit der Schöpfungsgeschichte.
Der sukzessive Zerfall dieses Weltbildes erfolgte durch die Erkenntnisse eines Nikolaus Kopernikus *1473-†1543, Galileo Galilei *1564–†1641 und Charles Darwin *1809 -†1882. Darüber hinaus kam es in der Zeit der französischen Revolution zur Einführung einer neuen Zeitrechnung, zur Einführung der 10tage-Woche und des 10stunden-Tages sowie zur Einführung einer neuen Harmonielehre - nun allerdings ohne Akzeptanz theologischer Interpretationsversuche: aus der Prim wurde ein Unisono. Mit der Aufsicht und Berichterstattung darüber wurde Etienne-Nicolas Méhul *1763-†1817 beauftragt.
Daher haben wir in der Harmonielehre historisch gewachsene uneinheitliche Strukturen vor uns, welche der genaueren Analyse und Datierung bedürfen. Ein längerer Exkurs zur Symbolik wurde erforderlich, da die Intervallbezeichnungen sowie zahlreiche Dekor- und Gestaltungselemente der Instrumente - darunter Trinitätsdarstellungen - nur aus einem Kontext heraus erklärt werden können, der nicht musikalischer Natur ist. Umgekehrt wird das katholische Weltbild erst durch die Einbeziehung des Tonsystems vervollständigt und seine Bedeutung über einen Zeitraum von 1500 Jahren fassbar. Das darin wiederentdeckte Weltethos hat griechische Wurzeln und bereits göttlichen Bezug, denn Harmonia (Ἁρμονία) war die Tochter des Ares und der Aphrodite.
Somit ist die Umdeutung des Tonsystems in Zusammenhang mit der Zerstörung antiker Tempel zu sehen, deren Statuen von ihren Podesten geworfen- und durch christliche Artefakte ersetzt wurden - ebenso mit dem Verbot des Theaters (Harald Haarmann). Ein heidnisches Kulturgut mit Verweis auf eine fremde Gottheit unverändert zu übernehmen war für Monotheisten ein unerträglicher Gedanke. Chatherine Nixey hat auf diesen Sachverhalt besonders aufmerksam gemacht.
Nur eine parallele Betrachtung kunsthistorischer-, theologischer- und historischer Befunde sowie der Vergleich physikalischer und mathematischer Gegebenheiten mit den musiktheoretischen Fachausdrücken der Griechen und Römer liefern hierfür die entscheidenden Belege. Das Quadrivium, die vier sogenannten freien Künste: Arithmetik, Geometrie, Musik und Kosmologie, galten von der Antike bis in die Renaissance als Schlüssel zur Ergründung des wahren Wesens der Wirklichkeit. Daher fehlt es nicht an Schriftquellen, welche den Zusammenhang untermauern. Auf diese Weise lässt sich das mittelalterliche- bzw. katholische Weltbild zusammensetzen und jeder vermag es, die Angaben zu überprüfen und zu ergänzen.
Daher das unaufhörliche Plädoyer des Verfassers für die notwendige Anpassung der Bearbeitungsmittel an die Beschaffenheit des Forschungsgegenstandes.
© Aurelius Belz 2021