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Die Geschichte der Kirche in Safenwil beginnt bereits lange vor ihrer Errichtung. Im Mittelalter herrschten die Grafen von Frohburg über das Dorf. Sie gründeten in Zofingen ein Chorherrenstift und wiesen diesem das Dorf Safenwil zu. Im Jahr 1306 erhielt Safenwil eine eigene Kapelle mit dem Heiligen Ulrich als Patron. Sie ist heute nicht mehr erhalten, ihr Standort wird aber auf dem Lindenfeld vermutet. Die normalen Sonntagsgottesdienste in Safenwil wurden von Geistlichen aus Zofingen geleitet. An hohen Feiertagen besuchten die Safenwiler die Stadtkirche St. Mauritius in Zofingen. Eine grosse Änderung bahnte sich mit der Expansion Berns in den Aargau an. Safenwil stand nun unter der Herrschaft dieses eidgenössischen Ortes, der 1528 die Reformation auf seinem Gebiet einführte. Von da an musste das kirchliche Leben nach der neuen Lehre gestaltet werden. Dies nahmen viele Safenwiler nicht einfach so hin und besuchten weiterhin katholische Gottesdienste im nahen Gretzenbach. Dagegen ergriffen die reformierten Obrigkeiten Massnahmen. Sie wiesen Safenwil im Jahr 1616 kirchenrechtlich dem Nachbardorf Kölliken zu, wo seit längerer Zeit eine reformierte Kirche bestand. Die Safenwiler fühlten sich in Kölliken jedoch nur begrenzt willkommen. Das eher laue Verhältnis zwischen den beiden Dörfern bestimmte die Kirchenpolitik für die nächsten 250 Jahre. Der Hauptvorwurf der Kölliker an die Safenwiler war immer wieder, dass sie nichts oder zu wenig an die Kirche zahlen würden. Safenwil versuchte dies durch diverse Beiträge zu widerlegen. Bereits 1633 stifteten die Safenwiler einen Abendmahlskelch. 1780 zahlte Safenwil einen Drittel an neue Kirchenfenster in Kölliken. Ab 1796 verschlechterte sich die Stimmung zwischen den Nachbardörfern noch einmal. Der Anlass waren Pläne in Kölliken zur Vergrösserung der Kirche. Safenwil sollte daran einen Beitrag leisten. Dazu stellte dieses Nachforschungen bezüglich des ehemaligen Kapellengutes an, doch die Chroniken des Zofinger Chorherrenstiftes besagten einzig, dass das Kapellengut verlegt worden sei (wahrscheinlich nach Kölliken). Es war also nichts mehr zu holen. Der Einmarsch Napoleons und die Wirren zur Zeit der Helvetik verringerten die Bevölkerung zwar so sehr, dass der Ausbau der Kölliker Kirche ausgesetzt wurde, doch die schlechte Stimmung zwischen den beiden Dörfern blieb hartnäckig bestehen, woran auch die gemeinsame Einweihung eines Friedhofs in Safenwil 1821 und die Zahlung eines Drittels der Beschaffungskosten für eine neue Orgel in Kölliken durch die Safenwiler nichts ändern konnten.
In einem solchen Klima ist es nicht verwunderlich, dass der Wunsch nach kirchenrechtlicher Trennung aufkam. Dazu haben auch innere Entwicklungen in Safenwil beigetragen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Industriebetriebe wie die Textilfabrik Hüssy in Safenwil angesiedelt. In kurzer Zeit wurde das Dorf aus Bauern und Handwerkern zur Siedlung für Arbeiter und Industrielle. Man glaubte, nun auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten zur Gründung einer eigenen Kirchgemeinde zu haben. So wurde 1849 ein Kirchenverein gegründet mit dem Zweck, Geld für ein eigenes Kirchengut zu sammeln. Wegen harten Wintern und Wirtschaftskrisen mussten diese Pläne kurzzeitig unterbrochen werden und wurden erst 1856 fortgesetzt. Von da an war das Vorhaben jedoch erfolgreich, sodass die Gemeinde 1858 beim Regierungsrat ein Gesuch um die kirchenrechtliche Trennung von Kölliken einreichen konnte. Dieses wurde jedoch abgelehnt mit der Begründung, das zur Verfügung stehende Kapital sei zu gering. Die Angelegenheit war für die Safenwiler jedoch noch nicht vom Tisch. Jetzt wurde das Thema erst recht zum Politikum: Kommissionen, Ämter und Versammlungen verschiedenster Stufen und Gremien befassten sich mit dieser Sache. Bereits 1860 versuchte man es mit einem zweiten Gesuch und wollte aufzeigen, dass das Schulzimmer, das bisher für den Religionsunterricht genutzt wurde, dafür nicht weiter zur Verfügung gestellt werden konnte. Doch auch dieses Gesuch scheiterte. Der Regierungsrat verlangte ein Mindestkapital von 100 000 Franken. Die Safenwiler bemühten deshalb alle Künste des Fundraisings: von freiwilligen Spenden bis zur Herausgabe und Verzinsung von Obligationen für das Kirchengut. Im April 1865 kaufte man das Gebiet Sandacker oberhalb des Fellenbergs von den Gebrüdern Fischer. Es sollte als Standort der Kirche dienen.
Im Juni des Jahres 1865 wagte man einen dritten Anlauf beim Regierungsrat. Doch das Gesuch wurde wieder abgelehnt mit der Begründung, dass die Gemeinde mindestens 30 000 Franken zur Verfügung haben muss. Nach einigen Massnahmen stellten die Safenwiler im August desselben Jahres noch einmal den Antrag zur Gründung einer eigenen Kirchgemeinde. Diesmal war die Antwort verhalten positiv. Die Gemeinde sollte selbständig werden zum Preis von einigen Auflagen. Die Einwohnergemeinde beschloss einstimmig, diese Auflagen zu akzeptieren, worauf das Gesuch um kirchenrechtliche Selbständigkeit schliesslich am 16.11.1865 bewilligt wurde.
Die Trennung von Kölliken hätte eigentlich zur Entspannung zwischen den beiden Dörfern führen sollen, doch nun gingen die Konflikte erst richtig los: Safenwil verlangte nämlich die Herausgabe seines Anteils am Kölliker Kirchengut. Die Kölliker (in der Meinung, die Safenwiler hätten ja nie etwas bezahlt) weigerten sich zunächst vollkommen zu jeglicher Zahlung. Nach etlichen Besprechungen, Korrespondenzen und schliesslich Gerichtsprozessen musste Kölliken 4200 Franken an Safenwil überweisen. Damit war die kirchliche Trennung endgültig vollzogen.
Mit der Gründung der Kirchgemeinde Safenwil ging es nun schnell vorwärts. Hans Hüssy-Walti, der erste Präsident der Kirchenpflege, schenkte der neuen Kirchgemeinde das Haus zum Fellenberg als Pfarrhaus (heute Kirchgemeindehaus). Am 4. Januar 1866 wurde mit Friedrich Siebenmann der erste Pfarrer gewählt. Nach der Pfarrwahl ging man den Bau der Kirche an. Den Zuschlag erhielt Baumeister Schmutziger-Oberlin aus Aarau. Bereits am 4. Juni 1866 feierte man die Grundsteinlegung. Der Bau ging schnell voran, sodass die neue Kirche am 30. Mai 1867 bei schönstem Wetter eingeweiht werden konnte. Sie wurde dafür bekränzt und geschmückt wie eine Braut, die Braut Christi.
Der Bau der Kirche kam die Gemeinde nicht teuer zu stehen. Das hatte jedoch seinen Preis. Vor allem der Dach- und der Glockenstuhl waren von schlechter Qualität. Es folgte deshalb eine schier endlose Kaskade an Renovationen. Bereits 1896 wurde der Glockenstuhl repariert. 1898 stürzte in der Kirche ein Stück Gips von der Decke und musste wiedereingesetzt werden. Zwar wurden die Renovationsarbeiten am Turm in der Kirche im Jahr 1899 abgeschlossen, doch bereits 1902 waren die Glockenlager beschädigt. 1904 beschaffte man einen neuen Ofen. 1905 bis 1921 mussten immer wieder Probleme mit dem Dach und dem Kircheninneren behoben werden. In der Zeit von 1911–1921 fanden zwar keine baulichen, aber sehr grosse theologische Renovationen statt. In dieser Zeit war Karl Barth Pfarrer in Safenwil. Geprägt von den sozialen, ökonomischen, politischen und geistigen Krisen seiner Zeit, wagte er mit seinem «Römerbriefkommentar» im Jahr 1919 einen theologischen Neueinsatz. Er sah zwischen Gott und Welt eine Kluft, die nur von Gott her überwunden werden kann. Das motivierte Barth zu sozialkritischen Predigten und zum aktiven Einsatz zum Wohl der Arbeiterschaft in Safenwil. Dabei legte er sich mit der Industriellenfamilie Hüssy an, immerhin einer wichtigen Donatorenfamilie der Kirche. Er verursachte mit seinem Engagement einen für das sonst eher ruhige Safenwil grossen Aufruhr und eine kleine Kirchenaustrittsbewegung. Nach seiner Berufung an die Universität Göttingen im Jahr 1921 verebbten die politischen Konflikte wieder und die Kirchgemeinde wandte sich wieder einigen Bautätigkeiten zu. 1925 bis 1934 war die Zeit der grossen Elektrifizierung. Das Licht, das Orgelgebläse, die Heizung sowie die Turmuhr funktionierten von nun an mit Strom. Im Jahr 1930 unternahm man eine grundlegende Renovation des Turms, um weitere Probleme in Zukunft zu verhindern. Dasselbe geschah 1942 mit dem Kirchendach. Der Dachstuhl wurde vollständig erneuert und ein neues Vordach vor den hinteren Eingang gebaut. 1947–1954 folgten die Erneuerung der Glockenlager, eine Schwerhörigenanlage, neue Fenster, der Einbau einer elektrischen Läutanlage sowie der Umbau der Empore und die Beschaffung einer neuen Orgel. Die bisherigen Renovationen bestanden vor allem aus Reparaturarbeiten und wenigen sichtbaren baulichen Veränderungen. Die grosse Renovation 1965/66 anlässlich des Hundertjahr-Jubiläums der Kirche umfasste jedoch grosse gestalterische Veränderungen. Unter der Leitung von Architekt Zschokke aus Aarau wollte die Gemeinde ihrer Kirche ein modernes Aussehen geben. Die Kanzel, die vorher, leicht erhöht, an der Mitte der Ostwand hing, wurde abgebaut und durch eine neue am Boden in der südlichen Hälfte des Chors ersetzt. Der frei gewordene Platz an der Wand wurde durch ein grosses Holzkreuz gefüllt. Davor steht seit dieser Zeit ein steinerner Abendmahlstisch. Ebenfalls neu eingebaut wurden die Glasmalereien in den Fenstern der Nord- und Südwand. In der Zeit des theologischen und sozialen Aufbruchs versuchte man auch von der alten Sitzordnung, die aus zwei Bankreihen bestand, wovon die eine Seite für die Männer und die andere für die Frauen reserviert war, abzukommen. In der Überzeugung, eine Gemeinde und also eine Einheit zu sein, führte man eine Blockbestuhlung ein.
In den 70er- und 80er-Jahren folgten kleinere Massnahmen. So wurden alle elektrischen Geräte, wie zum Beispiel die Läutemaschine oder die Kirchenuhr, modernisiert und 1974 eine Glockenrevision durchgeführt: Alle Glocken erhielten neue Henkel, neue Klöppel und bis auf die «Abend- oder Sterbeglocke» auch neue Stollen. 1998 folgte eine Gesamtsanierung der Kirche. Sie umfasste das Ersetzen der Natursteinsockel, den Einbau von isolierten Aluminiumfenstern, die Reparatur der Kirchturmspitze ebenso wie eine Fassadensanierung, das Ersetzen der Turmjalousien und der Einbau einer neuen Beleuchtung an der Decke und am Kreuz der Kirche. Ebenfalls zu dieser Renovation gehört die Aufhebung der Blockbestuhlung von 1966. Nun wurden wieder ein Mittelgang eingeführt und die Seitengänge verkleinert. Die letzte Renovation fand im Jahr 2014 statt. Dabei wurden die Schwerhörigenanlage modernisiert, neue Mikrofone eingeführt sowie ein Beamer und eine Leinwand installiert.
Die Kirche Safenwil ist heute modern und zeitgerecht ausgestattet. Sie ist aus vielen Bauschritten hervorgegangen. Nicht weniges in der Geschichte dieser Kirche (allen voran der Anfang) musste hart erkämpft werden. Doch wie das ökumenische Schiff auf der Glasmalerei in der Kirche wurden die Safenwiler immer wieder erfolgreich durch stürmische Wasser hindurch geleitet.