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«I'd rather be a ladies' man than a woman's director», soll George Cukor einst gesagt haben. Die Inszenierung als Möchtegern-Frauenheld klingt nach ironischer Koketterie, denn Cukor war homosexuell und machte daraus auch kein grosses Geheimnis. Doch mit der Unzufriedenheit darüber, als Frauenregisseur abgetan zu werden, war es ihm ernst.
Weder Kriegsfilme noch Western
Es stimmt, er hat den ausschliesslich weiblich besetzten «The Women» (1939) gedreht. Es stimmt, er hatte Hollywood-Diven von Greta Garbo und Joan Crawford bis zu Marilyn Monroe und Audrey Hepburn vor der Linse. Es stimmt, er übernahm ausschliesslich Musicals, Beziehungsdramen oder Komödien und keine Kriegsfilme, Gangsterfilme oder Western.
Es stimmt aber auch, dass Cukor männlichen Stars wie James Stewart, Ronald Colman und Rex Harrison zu Oscars verhalf. Es stimmt, dass er James Mason, W.C. Fields und Spencer Tracy zu Glanzleistungen antrieb. Es stimmt, dass Jack Lemmon, Aldo Ray und Anthony Perkins von ihm entdeckt wurden. Und es stimmt vor allem, dass Cukors Filme – die sich durchaus um Alkoholismus oder Prostitution drehen konnten – stets auch ein männliches Publikum hatten.
Ein Mann des gesprochenen Wortes
Der in New York geborene Cukor war bereits 30 Jahre alt, als er nach Hollywood kam. Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen war er zuvor nicht im Stummfilmgeschäft tätig gewesen, sondern beim Theater. Hollywood brauchte zu Beginn der Tonfilmära anfangs der 30er neue Regietalente, die mit geschriebenen Dialogen umgehen konnten, und das war seine Chance.
Cukor war stets ein Mann des gesprochenen Wortes – «The Women» ist bis heute einer der geschwätzigsten Spielfilme aller Zeiten – und er war vor allem ein Mann der geschickten Schauspielführung. Sein Talent soll nicht zuletzt darin bestanden haben, am Filmset eine Stimmung aufkommen zu lassen, die der Kreativität der Stars förderlich war.
Dass Cukor zwar lange als zuverlässiger Macher, aber nicht als Künstler wahrgenommen wurde, hat sicher damit zu tun, dass er stilistische und ästhetische Fragen oft weniger gewichtete als diejenigen Regisseure, die zur Stummfilmzeit angefangen hatten. Cukor kam von der Bühne. Und so lagen ihm lange, wortlastige Takes meist näher als originelle Einstellungen und rasche Schnittfolgen.
Späte Ehrung mit einem Oscar
Cukor hatte im Verlauf seiner Karriere auch einige Rückschläge zu verdauen: Seine massgebliche Mitarbeit an den beiden Grossproduktionen «The Wizard of Oz» und «Gone with the Wind» blieb im Vorspann unerwähnt. Sein Klassiker «A Star Is Born» ging an den Oscars leer aus. Und es sollte ein weiteres Jahrzehnt vergehen, bis er 1965 für das Musical «My Fair Lady» seine eigene Statuette bekam.
Doch dieser Oscar markierte gleichzeitig auch den Abschluss seiner glanzvollen Karriere. Das traditionelle Studiosystem hatte mittlerweile ausgedient. Nun bestimmten junge, eigenständige Produzenten das Geschehen. Der Veteran Cukor, der unter langfristigen Verträgen im Schutz und Vertrauen der alten Studiobosse gearbeitet hatte, kam damit nicht zurecht.
Durchzogenes Spätwerk
Als Peter Bogdanovich George Cukor 1969 zu diesem Systemwechsel befragte, erhielt er eine überraschend klare Antwort: «Solche Fragen nerven mich. Sie interessieren mich nicht.» Der Interviewer hatte einen wunden Punkt getroffen: Cukor wusste zu diesem Zeitpunkt kaum, wer seine zukünftigen Werke finanzieren würde.
Sechs Filme sollten es von da weg noch werden, darunter zwei TV-Produktionen mit der alten Weggefährtin und Freundin Katherine Hepburn. Und Cukor liess sich in eine bizarre russische Märchenfilm-Koproduktion namens «The Blue Bird» mit Liz Taylor, Jane Fonda und Ava Gardner einspannen – sie endete in einem grossen Fiasko und in Rechtsstreitigkeiten.
Cukors Spätwerk wirkt heute nicht nur wegen der chaotischen Entstehungsweise steif. Auch sein Stil und die theatrale Schauspielführung waren für die damalige Epoche unzeitgemäss. Aber in diesen späten Filmen – etwa in «Justine» (1969) – tauchen unerwartet zerbrechliche Momente auf, die der Regisseur zuvor seinem Sinn für effizientes Handwerk geopfert hatte.
SRF am Filmfestival Locarno
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