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Die Infrastrukturschäden bei Erdbeben sind hoch. Im Fall von Haiti hatte die Regierung eine Versicherung abgeschlossen, an deren Rückversicherung auch die Swiss Re beteiligt ist. Dies entspricht einer neueren Geschäftssparte der Swiss Re.
"Swiss Re arbeitet sehr aktiv mit Regierungen zusammmen und unterstützt sie beim Risikomanagment. Insbesondere im Bereich von Naturgefahren, im Agrarbereich, in Handelsfinanzierungen und auch in Fragen um den Klimawandel", erklärt Reto Schnarwiler, der Leiter Public Sector Swiss Re.
Der Public Sector ist diejenige Abteilung von Swiss Re, die Verträge mit Regierungen und anderen Organisationen abschliesst, nicht – wie im eigentlichen Rückversicherungsgeschäft – mit Versicherern.
"Beispielsweise haben wir mit der mexikanischen Regierung eine Lösung entwickelt und abgeschlossen, die im Falle von Naturkatastrophen, konkret Erdbeben oder Wirbelstürmen, eine Deckung von 290 Millionen Dollar verspricht. Wir haben diesen Betrag an den Kapitalmarkt weitergegeben. Das ist eine Verbriefungsstruktur, die das Risiko an Investoren weitergibt", erklärt Schnarwiler.
Die Swiss Re habe im Falle von Mexiko "Umweltkatastrophen-Obligationen" ausgegeben.
Regierungen kümmern sich mehr
Es sei eine neuere Erscheinung, dass sich Regierungen aktiver mit dem Risikomanagement auseinandersetzten, meint Schnarwiler. "Von der Grössenordnung und der Komplexität her sind diese Risiken wichtiger geworden. Manche Regierungen – aber längst nicht alle – sind sich bewusst, dass man diese Risiken vor einem grossen Ereignis anpacken muss."
Haiti ist bei der Weltbank versichert
"In Haiti wurde eine etwas andere Konstruktion gewählt, nämlich die Caribbean Cat Risk Insurance Facility der Weltbank, kurz CCRIF. Sie wurde im Jahre 2005 aufgesetzt. 16 Regierungen der Karibik sichern sich bei ihr gegen Erdbeben und Hurrikan-Risiken ab. Diese Policen schliesst eine Regierung direkt bei CCRIF ab und wir, die Swiss Re, rückversichern diese Policen", sagt Schnarwiler.
Versicherungspolicen dieser Art funktionieren auf der Basis von "parametrischen Deckungen", wie er erläutert. Bei parametrischen Deckungen wird die Schadenssumme aufgrund von festgelegten Eckwerten errechnet. Fixe Parameter sind beispielsweise die Magnitude des Bebens, die Distanz des Epizentrums zu bewohnten Orten und auch die Bauweise der Häuser.
"Der grosse Vorteil davon ist, dass eine Auszahlung sehr schnell stattfinden kann. Innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen fliesst das Geld an die Regierung, in diesem Falle von Haiti. Damit kann sie Erste-Hilfe-Massnahmen finanzieren und den Rest für den Wiederaufbau einsetzen. Für die Regierungen ist es wichtig, zu wissen, dass das Geld schnell kommt", weiss der Versicherungsexperte. Im Fall von Haiti wurde das Geld der Swiss Re bereits ausbezahlt.
Kein Vertrag mit der chilenischen Regierung
Im Fall von Chile ist die Swiss Re durch Rückversicherungslösungen eingebunden, "nicht über ein direktes Produkt mit der Regierung. Momentan verschaffen sich die Versicherer, so auch Swiss Re, ein Bild über die versicherten Schäden", hält Schnarwiler fest.
Es gebe aber noch weitere grosse Unterschiede in den beiden Fällen, analysiert der Leiter des Public Sectors der Swiss Re. "Das Erdbeben in Chile war um einiges stärker als das in Haiti, es hat aber, zumindest wie es momentan aussieht, viel weniger Todesopfer gefordert. Die präventiven Massnahmen waren in Chile sehr, sehr viel weiter als in Haiti. In Chile, einem Land, das immer wieder von Erdbeben heimgesucht wird, haben wir gesetzliche Vorgaben, Bauvorschriften, die ein erdbebengerechtes Bauen vorschreiben."
Es bestehen auch Unterschiede bei der Schadensfinanzierung: "In vielen Entwicklungsländern ist der lokale Versicherungsmarkt nicht, oder nur schlecht entwickelt. Nur wenige Leute haben eine Versicherung gegen Naturgefahren."
Eveline Kobler, swissinfo.ch
Kosten für die Swiss Re
Der jüngste Wintersturm "Xynthia" wird denSchweizer Rückversicherer Swiss Re nach eigenen Angaben mit etwa 100 Millionen Dollar (73,5 Mio Euro) belasten. Das Erdbeben in Chile schlägt mit etwa 500 Millionen Dollar zu Buche, teilte der weltweit
zweitgrößte Rückversicherer am Mittwoch mit. Insgesamt geht Swiss Re in Chile von Versicherungsschäden für die Versicherungswirtschaft von
4 und 7 Milliarden Dollar aus.
Zur Swiss Re
Die Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft mit Hauptsitz in Zürich ist weltweit eines der grössten Rückversicherungs-Unternehmen.
Das Unternehmen firmiert im Ausland unter der Bezeichnung Swiss Reinsurance Company, tritt jedoch weltweit unter der Marke Swiss Re am Markt auf.
Gegründet wurde Swiss Re im Jahr 1863 durch die Helvetia-Versicherungen, die Schweizerische Kreditanstalt und die Basler Handelsbank.
In New York wurde 1910 die erste Auslandsniederlassung eröffnet.
Im November 2005 erwarb Swiss Re die GE Insurance Solutions und somit den Grossteil des Versicherungsgeschäfts des amerikanischen Mischkonzerns General Electric.
Mit dem Kauf wurde Swiss Re zum weltweit grössten Rückversicherer.