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In der Kunstgeschichte ist der Wettstreit der Künste, der so genannte paragone, in den letzten Jahrzehnten als ein Paradigma des Kunstdiskurses der frühen Neuzeit erkannt worden. Der antike Vergleich zwischen Dichtung und Malerei wurde in der italienischen Renaissance auf andere Künste ausgedehnt, insbesondere auf den Wettstreit zwischen Malerei und Bildhauerei, wie dies etwa Leonardos Schriften zeigen. Es galt nicht nur die 'mechanischen' bildenden Künste rhetorisch als artes liberales zu nobilitieren, sondern auch ihren Rang und ihre Leistung über die Konkurrenz zu definieren. Der paragone, der das frühneuzeitliche Denken überhaupt beherrscht, wurde auch für Künstler zu einem bevorzugten Mittel der intellektuellen Selbstdefinition. Der wichtigste Text zum paragone stammt vom Florentiner Literaten Benedetto Varchi (1503–1565). In seiner Lezzione, der Vorlesung von 1547 (1546 nach dem florentinischen Modus) vor der Florentiner Akademie, reflektiert er zuerst über den relativen Wert und die Rangfolge der Wissenschaften und Künste und konzentriert sich dann auf den aktuellen Vergleich zwischen Malerei und Bildhauerei. Mit grosser literarischer und philosophischer Sachkenntnis stellt Varchi die wichtigsten Argumente für und gegen den Vorrang der einen über die andere. Schliesslich stellt er den klassischen Vergleich zwischen Malerei und Dichtung (ut pictura poesis) an. Eine Reihe von wichtigen zeitgenössischen Künstlern – Michelangelo, Bronzino, Pontormo, Cellini, Vasari u.a. – nahmen auf Anregung von Varchi zum paragone Stellung, und Varchi druckte ihre Beurteilungen im Anhand an die Lezzioni ab. Benedetto Varchis Ausführungen zum paragone erschienen 1550 in Florenz bei Lorenzo Torrentino im Druck (zusammen mit einer Vorlesung über ein Sonett von Michelangelo). Die letzten Nachdrucke des italienischen Textes datieren von 1960 und 1998, beide herausgegeben von Paola Barocchi. Eine deutsche Übersetzung des wichtigen Textes von Varchi existiert nicht.
Ziel: kritische, kommentierte deutschsprachige Ausgabe der Lezzioni Benedetto Varchis von 1550 über den paragone der Künste, zusammen mit Prof. Dr. Oskar Bätschmann bei der Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, unterstützt durch die UniBern Forschungsstiftung.
Das Buch ist erschienen:
Benedetto Varchi, Paragone - Rangstreit der Künste, 50