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«Starting Grant»: Forschung zu Computer und Europa im Wandel
Das Fördervolumen beträgt 1,38 Mio. Franken. Dies ermöglicht Gleb J. Albert die Durchführung des auf fünf Jahre angelegten Forschungsprojekts «The Microcomputer as a Medium of Transformation in Europe, 1980–2000». Dies als Leiter eines Teams mit zwei Doktorierenden. Voraussichtlicher Beginn ist im September 2023.
Verflechtung aufzeigen
In Dr. Alberts Projekt geht es um die Rolle des Heim- und Personal Computers als Medium und Konsumobjekt in den Transformationsprozessen in West- und Osteuropa der 1980er-und 1990er-Jahre. In vergleichender Perspektive analysiert sein Forschungsteam anhand dreier Teilstudien die Rolle des Computers in der sogenannten «grossen Transformation» (Philipp Ther), also dem gesamteuropäischen politischen, ökonomischen und sozialen Wandel . Erstens wird die Formierung eines neuartigen Kleinunternehmertums untersucht, das rund um Computernutzung entstand. Zweitens geht es um die Rolle des Computers in den Diskursen und in der Praxis oppositioneller Bewegungen in Osteuropa und ihrer länderübergreifenden Netzwerke. Drittens wird untersucht, wie sich die Transformation in zeitgenössisch digitalen Medien widerspiegelt, v.a. in frühen Computerspielen. Als Analysematerial dienen Interviews mit Zeitzeuginnen und -zeugen sowie Materialien aus öffentlichen und privaten Archiven in Ost- und Westeuropa, und nicht zuletzt auch digitale Artefakte der damaligen Zeit . Gleb Albert sagt: «Im Ergebnis soll der Computer als Objekt und Medium etabliert werden, anhand dessen sich die ökonomische und soziale Transformation in Westeuropa ‹nach dem Boom› und die Systemtransformation im Osteuropa als ein verflochtener Prozess analytisch fassen und darstellen lässt.»
Für die Durchführung seiner Studie hat Dr. Albert, der bis zum Beginn seines Projekts als Lehrbeauftragter an der Universität Zürich tätig ist, das Historische Seminar der Universität Luzern ausgewählt. Dies habe zwei Gründe: «Zum einen liegt es an dem sich in den letzten Jahren abzeichnenden Fokus auf die Geschichte und Gegenwart der Digitalisierung in Forschung und Lehre an der Universität Luzern, zu dem ich sehr gerne mit meinem Projekt beitragen würde und mich sehr auf den kommenden regelmässigen Austausch freue.» (siehe dazu bspw. den Bericht über das, mittlerweile abgeschlossene, Dissertationsprojekt von Rachel Huber) Zum anderen habe das Historische Seminar schweizweit den Ruf, ein «hervorragendes, sehr kollegiales und eingespieltes Team zu haben – und auch das spannendste Projekt bringt nichts, wenn man nicht von guten Kolleginnen und Kollegen umgeben ist. Insofern freue ich mich sehr auf die Zeit in Luzern.»
Hochkompetitiv
Bei den SNSF Starting Grants handelt es sich zurzeit um die höchste Stufe der Karriereförderung durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) – die Position der Forschenden ist diejenige einer Assistenzprofessorin, eines Assistenzprofessors auf Zeit. Dem SNF zufolge richten sich die Grants an Forschende, «die in der Schweiz innovative und risikoreiche Forschung betreiben». Von insgesamt 446 Gesuchen bei dieser Ausschreibung wurde 62 Gesuchen entsprochen, davon 18 in den Sozial- und Humanwissenschaften, wo Dr. Alberts Projekt verortet ist und die den Fokus der Universität Luzern darstellen.