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6.
„Und der Geist Gottes”, heißt es, „schwebte über dem Wasser1.” Entweder versteht Moses unter diesem Geist die Ausgießung der Luft; dann nimm an, der Geschichtschreiber zähle dir die Teile der Welt auf; denn Gott hat Himmel, Erde, Wasser, Luft geschaffen, und zwar die Luft gleich ausgegossen und in fließendem Zustande. Oder, was der Wahrheit näher kommt und von unseren Vorfahren angenommen wurde, es wird mit dem „Geist Gottes” der Heilige Geist bezeichnet, weil man beobachtet hat, daß er eigens und vornehmlich von der Schrift dieser Bezeichnung gewürdigt und nichts anderes Geist Gottes genannt wird als der Heilige Geist, der die göttliche und selige Dreifaltigkeit vervollständigt. Nimmst du diesen Sinn an, so wirst du größeren Gewinn S. 35 daraus ziehen. Wie nun schwebte dieser Geist über dem Wasser? Ich will dir nicht meine Meinung sagen, sondern die eines syrischen Mannes2, eines Mannes, der von der Weisheit der Welt ebensoweit entfernt war wie der Kenntnis der Wahrheit nahe. Er sagte nun, der syrische Ausdruck sei bezeichnender und komme wegen seiner sprachlichen Verwandtschaft mit dem hebräischen dem Sinne der Schriften in etwas näher. Es sei der Sinn der Stelle etwa folgender: Das Wort „schwebte”, sagt er, nimmt man für „wärmte”. So machte er die Natur des Wassers lebenspendend - gleichnisweise wie ein brütender Vogel die Eier erwärmt und diesen so eine gewisse belebende Kraft einsenkt. Dies, sagen sie, sei der Sinn, der da liege in den Worten „der Geist schwebte”, d. h. er wirkte auf die Natur des Wassers ein, daß es Lebewesen hervorbrachte. Damit ist auch der Fragepunkt einiger hinlänglich erledigt, daß nämlich dem Hl. Geiste die schöpferische Tätigkeit nicht abgeht.
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Gen 1,3 ↩
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Ephräm der Syrer (306-373). Statt des ὲπεϕὲϱετο der LXX (= ferebatut) las Ephräm offenbar den hebräischen Ausdruck „merachefeth” im Sinne von „incubabat” (= lag darauf) oder „confovebat” (= wärmte), wie auch der hl. Hieronymus. In Anlehnung an Basilius hat auch Ambrosius in seinem „Hexaemeron” (lib. I, c. 8 n. 29) übersetzt „fovebat”. ↩