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Es finden sich nur wenige Quellen, die Auskunft über die Gestaltung der Bauerngärten von einst geben können. Man ist deshalb auf zeitgenössische Bilder, Urkunden, Chroniken, Pläne und mündliche Hinweise angewiesen, um aus diesen Bruchstücken etwas Ganzes zusammenzusetzen.Vermutlich ist der Bauerngarten so alt wie die bäuerliche Kultur selbst, als vor rund sechstausend Jahren die Menschen begannen, Ackerbau zu betreiben und Tiere zu halten. Nicht von Gärten, sondern von Pflanzungen sprechen zunächst Urkunden aus ländlichen Gegenden. Eine solche aus dem Jahr 1290 erwähnt deutlich den zu Haus und Hofstatt gehörenden Garten. Im frühen Mittelalter wurde die bäuerliche Gartenkultur wesentlich von den Klöstern beeinflusst und gefördert. Erst im 16. Jh. entstanden die klassischen Bauerngärten, wie wir sie heute kennen. Die Beet- und Wegeinteilung, die Ausrichtung auf das Haus und das Einfassen der Beete mit Buchs zeigten eine stark vom italienischen Renaissancegarten beeinflusste Gestaltung. Weitere Impulse, welche die Bauerngärten beeinflussten, gingen im 18. Jh. vom französischen Barockgarten aus. Damals, im Ancien Régime, hatte der Bauerngarten noch eine existentielle Bedeutung für die Landbevölkerung. So konnte eine vitaminreiche Ernährung sichergestellt werden, zumal die Gartenerträge zehntfrei, das heisst abgabenfrei waren. Pflanzen aus der neuen Welt, Tomaten und vor allem Kartoffeln, ergänzten den Speiseplan und wurden wichtige Grundnahrungsmittel. Die erste Hälfte des 19. Jh. gab dem Bauerngarten wieder ein neues Gesicht. Eine wenig abwechslungsreiche Bepflanzung und sehr einfach angelegte Gärten hatten im Zeitalter der Massenarmut und Hungersnöte ihren Beitrag zur Selbstversorgung zu erbringen. Eine erneute Veränderung um die Mitte des Jahrhunderts, verbunden mit einer Erweiterung des Pflanzensortiments, liess die Bauerngarten-Kultur wieder erstarken. Es wurden auch wieder Blumen gepflanzt. Rosenbäumchen flankierten die Wege oder bildeten den Garten-Mittelpunkt und verliehen so dem Bauerngarten wiederum ein vermehrt ästhetisches Bild.
Mit zunehmender Urbanisierung und Landflucht fand im 20. Jh. eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft statt. Das Bauerntum wurde zu einer Minorität und hat sich selber gewandelt. In den 1920er-Jahren erwachte das Interesse am alten Bauerngarten neu. Man sah ihn nun als «ursprünglich» und «typisch schweizerisch» an. Während der Nahrungsknappheit infolge der Weltkriege und der Wirtschaftskrise trat der Bauerngarten wieder als Gemüselieferant in Erscheinung. Im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jh. veränderte sich der Stellenwert des Bauerngartens. War er zu Beginn noch eine ökonomische Notwendigkeit, wurde der Bauerngarten immer mehr zum Vergnügen und als Aushängeschild des Hauses gepflegt.
Leider verschwanden seit Ende des Zweiten Weltkrieges die meisten traditionellen Bauerngärten. Die Möglichkeit, jederzeit frisches Obst und Gemüse einkaufen zu können, trug vermutlich ihren Teil dazu bei. In Stadtnähe entstanden Klein- oder Familiengärten. Diese Schrebergärten, nach dem Leipziger Arzt Moritz Schreber (1808–1861) benannt, dienen bis heute der Erholung im Grünen und ermöglichen dem Stadtbewohner den Anbau von Gemüse, Obst und Blumen nach dem Vorbild der alten Bauerngärten. Solche Haus- und Familiengärten hatten im Gegensatz zu den Bauerngärten keine existentielle Bedeutung für ihre Besitzer. Sie waren und sind heute noch in erster Linie eine «grüne Idylle» für die Städter.
Die Grundstruktur der Bauerngärten in der Schweiz wiederholt sich – trotz Unterschieden nach Landesgegenden und Besitzstand – immer wieder. Je bescheidener die Verhältnisse sind, desto schlichter ist ihre Gestaltung. Wann immer möglich liegt der quadratische oder rechteckige Bauerngarten vor der Hauptfront des Wohnhauses, so dass die Bauersfrau vom Fenster aus ihren Garten überblicken kann.
Die einfache Form besteht in der blossen Teilung des Rechtecks durch einen Mittelweg und vielleicht noch einem rundum führenden Seitenweg. Im klassischen Grundriss teilt ein gekreuzter Weg den Garten in vier Bereiche, die mit Buchs eingefasst sind, wobei oft eine schmucke Rondelle die Mitte des Wegkreuzes ziert. Die Wege sind bekiest oder mit Gerberlohe (Baumrinde) und Holzschnitzeln bestreut. Ein richtiger Bauerngarten ist immer eingezäunt, könnten sich sonst doch gewisse Hoftiere zwecks Nahrungsbeschaffung dorthin verirren. Bis um 1900 war der Garten häufig von einem Lebhag umgeben, bestehend aus Hainbuchen, Weissdorn, Liguster, Rottannen oder Buchs. Später bildeten verbreitet auch hölzerne, meist gestrichene Lattenwerke, danach Metallzäune und Maschenflechtzäune die Einfriedung.
Dieses Gestaltungsprinzip ist vermutlich aus rein praktischen Gründen bis heute erhalten geblieben. Nach einem langen Arbeitstag will die Bäuerin keine verschlungenen Wege zu Zwiebeln oder Petersilie gehen müssen. Die direkten und kurzen Verbindungen zwischen den Beeten erleichtern ihr die Arbeit. So hat sich die Gestaltungsform des Bauerngartens in den letzten Jahrhunderten viel weniger verändert als die Bepflanzung.
«Baselland ist kein privilegiertes Gebiet für Gärten», schreibt Hermann Christ 1916 in seinem Werk «Bauerngärten der Basler Landschaft». «Das Klima ist rauh, der Boden trocken […] die Ackerkrume ist dünn. […] Aber trotzdem hat bis in die obersten Juramulden hinauf jedes Dorf, jeder Hof seinen Garten.» Ein ¾-Jahrhundert später (1991) suchen wir vergeblich in jedem Baselbieter Dorf nach Bauerngärten, wir finden nur noch 27 buchsgesäumte Bauerngärten in dieser Region (Rieder, M. und H.P. 1992). Der Rückgang traditioneller Bauerngärten schreitet weiter voran. Neben ein paar wenigen neu angelegten Bauerngärten existieren heute, ein Jahrhundert nach der Feststellung von Hermann Christ, leider nur noch 15 dieser traditionellen Gärten.
Der Pflanzenbestand des Bauerngartens hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt. Er enthält ein Sammelsurium von Pflanzen verschiedener Epochen, von der Antike bis zur Moderne. Kelten, Römer und Alemannen haben ihre Spuren hinterlassen. Auch erweiterten die Mönche mit ihrer Züchtung neuer Pflanzenformen das Pflanzensortiment genauso wie die großen Seefahrer mit ihren Entdeckungsfahrten nach Übersee.
Alle Pflanzen des Bauerngartens waren früher in erster Linie Nutzpflanzen. Die Bäuerin zog für das Leben am Hof Gemüse, Gewürz- und Heilkräuter, Beeren und Blumen. Selbst Lilie, Rose, ja sogar die Pfingstrose wurden früher zu Heilzwecken verwendet. Weil die Bäuerin nicht viel Zeit in die Gartenarbeit investieren konnte, mussten die Pflanzen zudem bei extensiver Pflege gut gedeihen. Erbsen, Bohnen, wilde Möhren und Kohl sind nahrhaft und pflegeleicht – Gemüsesorten, die sich bis heute in den Bauerngärten der Region bewähren.
EB
Bauerngärten: Herkunft einiger Pflanzen in Baselland
Quelle: Rieder, M. und H.P.: Baselbieter Bauerngärten und ihre Pflanzen, Sonderdruck aus Tätigkeitsbericht der Naturforschenden Gesellschaft Baselland Band 37, Liestal 1992, S. 103–123.
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