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In der kanadischen Abgeschiedenheit von Lake Louise sind vom Freitag bis Sonntag zwei Abfahrten und ein Super-G angesetzt. Danach reisen die Männer innerhalb Nordamerikas weiter nach Beaver Creek in die USA, wo zwei Super-G und eine Abfahrt auf dem Programm stehen. Via Europa führt die Reise der Speedfahrer im Februar schliesslich nach Asien zum Saisonhighlight, zu den Olympischen Spielen in Peking.
Nicht alle Top-Athleten sind acht Monate nach dem letzten Speedrennen beim Hochgeschwindigkeits-Auftakt in Kanada mit Tempi bis 130 km/h dabei. Einige fehlen verletzungsbedingt, so wie Mauro Caviezel (Sehstörungen nach dem schlimmen Trainingssturz Anfang Jahr in Garmisch) und Carlo Janka (Rückenbeschwerden) oder der Deutsche Thomas Dressen. Andere hätten nur mit zu grossen Hürden ins Land einreisen können, weil sie nicht geimpft sind - so wie die Schweizer Urs Kryenbühl und Ralph Weber.
Ein komplizierter Winter für Kryenbühl und Weber
Athleten wie Kryenbühl und Weber erwartet aufgrund ihrer Haltung ein komplizierter Winter. In Peking etwa müssen Ungeimpfte eine dreiwöchige Quarantäne mit strikter Ausgangssperre absitzen, wollen sie trotzdem teilnehmen. Es ist quasi ein K.o.-Kriterium für Leistungssportler. Ein so langes Trainingscamp im Hotelzimmer, fernab ihres Betätigungsfeldes und im unmittelbaren Vorfeld des wichtigsten Wettkampfs der Saison, dürfte sie jeglicher Chancen berauben. Zudem wurden sie wegen der Quarantäne die Klassiker in Wengen und Kitzbühel verpassen.
Tom Stauffer, der Schweizer Cheftrainer der Alpinen, wollte unlängst keine Zahlen nennen. Er bestätigte aber, dass die Impfquote bei den Schweizer Männern gegen 90 Prozent tendieren dürfte. «Der eine oder andere ist noch nicht durchgeimpft. Das ist nicht nur bei uns ein Problem, sondern auch bei anderen Nationen. Aber zwingen kann man keinen», sagte er vor zwei Monaten. Gut möglich, dass die Quote inzwischen noch höher ist.
Mit angezogener Handbremse vor Lake Louise
Während sich Kryenbühl und Weber in den letzten Wochen in Kalifornien für die Rennen in Beaver Creek fit hielten, holten sich die anderen Schweizer den Feinschliff wieder wie vor der Pandemie in der Nähe von Lake Louise. Reibungslos verliefen die Tage aber auch dort nicht. Im September hatte sich Stauffer noch über die optimalen Bedingungen und Trainings in Saas-Fee und Zermatt gefreut. «Top, wirklich perfekt» sei es gelaufen, hielt er erfreut fest. In Kanada musste er nun improvisieren - und einen unpopulären Entscheid treffen.
Zuerst machte den Schweizern Schneemangel einen Strich durch die Rechnung, dann künstlicher Nebel aufgrund der voll aufgedrehten Schneekanonen. Wegen des fehlenden Schnees siedelte die Mannschaft in den Weiten des Banff-Nationalparks schliesslich von Panorama nach Nakiska um. Und damit an den Ort zurück, an dem man vor vier Jahren miterleben musste, wie der Franzose David Poisson im Training tödlich verunglückte. Der 35-Jährige war auf der von Wald umgebenen engen Piste an einer Stelle mit kleinem Sturzraum gestürzt und gegen einen Baum geprallt.
Der Vorfall setzte auch dem Schweizer Team zu, das damals im gleichen Hotel wie die französische Belegschaft logierte. Zwar legte sich das mulmige Gefühl dank der inzwischen erhöhten Sicherheitsvorkehrungen etwas. Gleichwohl trainierten die Schweizer in den Tagen vor Lake Louise mit angezogener Handbremse.
Feuz weiter der Gejagte
Beat Feuz dürfte dies verkraften. Der nach FIS-Lesart seit 2018 beste Abfahrer der Welt reizt das Limit im Training auch aus Rücksicht auf sein sensibles Knie selten. Trotzdem liefert er in den Rennen zuverlässig ab. Auch den Olympia-Winter 2021/22 nimmt der 34-jährige Emmentaler als Gejagter in Angriff. Teamintern ist eine Machtumkehr gleichermassen nicht zu erwarten wie aus internationaler Sicht. Als Feuz' erste Herausforderer werden wiederum Dominik Paris, Vincent Kriechmayr, Matthias Mayer, Aleksander Kilde und Johan Clarey erwartet. Wobei Marco Odermatt zusehends auch in der Abfahrt viel zuzutrauen ist.