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Die menschliche Figur steht im Zentrum von Schang Hutters Schaffen. Hauptthema ist dabei die Verletzlichkeit des Menschen und der existenzielle Schock angesichts seiner Untaten. Davon ausgehend formuliert Hutter eindringliche, niemals plakative skulpturale Metaphern.
Geboren als Jean Albert Hutter, macht Schang Hutter zunächst eine Lehre im Steinmetzatelier des Vaters; gleichzeitig besucht er die Kunstgewerbeschule in Bern. Anschliessend studiert er von 1954 bis 1961 an der Akademie der bildenden Künste in München, wo die Begegnung mit Kriegsversehrten ihn nachhaltig prägt. Die Unfassbarkeit menschlich verursachten Leids wird sein Lebensthema. Er wendet sich ab von den Idealen der klassischen Bildhauerei, findet eines seiner Vorbilder in Alberto Giacometti und entwickelt in den 1960er-Jahren seinen genuinen Stil: Köpfe mit markant spitzen Nasen, schmale Figuren mit kompakt an den Rumpf gepressten Armen und Steckenbeinchen. Sie wirken verloren, instabil, befangen. In den 1970er-Jahren bildet Hutter an der Kopierdrehbank einen Gestalttypus aus, der reduziert ist auf einen zylindrischen Leib und einen minimal modellierten Kopf mit produktionsbedingtem Drehstumpf. Seriell angefertigt, arrangiert er sie zu eindrücklichen stehenden Ensembles oder konischen Türmen. Die bewegteren Figuren der 1980er-Jahre mit ihren steil abgewinkelten überlangen Armen oder die stark abstrahierten Skulpturengruppen der 1990er wirken auf den ersten Blick heiterer, doch auch sie verweisen auf Schmerz und Gewalt. In den 2000er-Jahren entstehen erneut Einzelplastiken, ähnlich jenen im Frühwerk, wobei sie nun gestikulierende Hände besitzen. Parallel formuliert Hutter seine existenziellen Beobachtungen stets auch in Zeichnungen, Druckgrafiken und gelegentlich in Malereien.
Schang Hutter gehört zu den bedeutendsten Schweizer Plastikern und schrieb unter anderem mit der für den öffentlichen Raum entwickelten, umstrittenen Arbeit Shoah (1978) ein Stück nationale Kunstgeschichte. Der auch als SP-Politiker engagierte Künstler wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter dreimal mit dem Eidgenössischen Kunststipendium (heute Swiss Art Award).
Schang Hutter, 1934 geboren in Solothurn (CHE), lebt und arbeitet in Attiswil (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Kunst im öffentlichen Raum, Druckgrafik, Zeichnung, Malerei