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Mortalitätsrate liegt vermutlich höher
Nicht nur die ökonomischen Auswirkungen (siehe hier) werden zurzeit massiv unterschätzt, sondern wahrscheinlich auch die Mortalitätsrate und die effektive Verbreitung. Aber wie bestimmt man eigentlich die Mortalitätsrate von Viruserkrankungen wie beispielsweise beim Coronavirus? Nehmen wir als Beispiel die aktuellsten Werte vom 27. Feb. 2020:
Diese Rate ist weit tiefer als SARS, aber höher als bei einer gewöhnlichen Grippe und sie führt eher bei Risikogruppen zum Tod. Man kann also beruhigt sein. Ist das wirklich so? Die Zahl im Zähler (bei der Berechnung der Mortalitätsrate oben) ist die Anzahl der bereits Gestorbenen. Eigentlich müsste die Zahl der bereits Gestorbenen plus diejenigen von den 14’380, die noch sterben werden, einberechnen, um die wahre Mortalitätsrate zu erhalten. Nur kennt man diese erste, wenn die Krise vorbei ist. Von den 14’380 werden mit Sicherheit noch ein paar weitere Patienten sterben.
China CDC (Chinese Center for Disease Control and Prevention) publiziert nicht nur die Todesfälle und die Anzahl der Infizierten, sondern auch die «Recoveries». Da steht Folgendes:
Seit Tagen sind die “Recoveries” etwa gleich hoch wie die Anzahl der «Deaths», d.h. alle andern ca. 13’700 Fälle sind einfach noch nicht gestorben oder genesen, sondern immer noch krank. Ausgehend von diesen Zahlen kann man eine obere Grenze für die Mortalitätsrate bestimmen – rund 50%. Man kann also ein Schätzintervall zwischen 2% und 50% aufstellen. Es gibt nun natürlich gute Argumente, die gegen eine Mortalitätsrate von 50% sprechen. Nämlich ist es wahrscheinlich, dass zuerst die schweren Fälle ins Spital eingeliefert und getestet werden und diese auch schneller sterben als solche, die keine oder nur leichte Symptome aufweisen. Daher dürfte die tatsächliche Mortalitätsrate im wohl einstelligen Prozentbereich liegen.
Aufwendige Behandlung notwendig
Beispielsweise wird momentan eine Mortalitätsrate von 15% ausgewiesen für Patienten, die hospitalisiert werden – aber auch diese Zahl ist aufgrund oben genannter Argumente alles andere als ein Gradmesser für das wahre Risiko zu verstehen, denn es gibt auch Argumente, die die Mortalitätsrate wieder ansteigen lassen. 29% der Patienten entwickeln ein ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrom, akutes Lungenversagen), die eine aufwändige Spitalbehandlung mit maschineller Beatmung notwendig machen. Bei einem Ausbruch, wie wir ihn jetzt in China sehen, ist davon auszugehen, dass nicht mehr jeder Patient optimal betreut werden kann, da Beatmungsgeräte und auch Personal fehlen werden. Ergo steigt die Mortalitätsrate wieder an.
Ansteckungsrisiko und Prävalenz auch unbekannt
Nicht nur die Mortalitätsrate wird wahrscheinlich unterschätzt, sondern auch die Prävalenz, d.h. das Rate der Infizierten in einer Population. Die gemeldeten Fälle (siehe in unserer Infografik ) sind nur die Fälle, die auch tatsächlich getestet wurden. In einem Land wie Myanmar, welches keine Tests durchführen kann (momentan werden Proben nach Thailand geschickt und mit einwöchiger Verspätung gemeldet), gibt es auch keine Infizierten. Man kann die besten Modelle entwickeln, wenn die zugrundeliegenden Zahlen nicht stimmen. Auch in China fehlen Testkits und Patienten werden in Spitälern aufgrund fehlender Kapazität abgewiesen, wenn sie keine schweren Symptome aufweisen.
Dazu kommt, dass dieses Virus viel «schlauer» ist als SARS. Das SARS-Virus tötet seinen Wirt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, wodurch das Virus nicht mehr so «effektiv» weitere Personen infizieren kann. Das Wuhan-Virus ist hingegen schon ansteckend, wenn der Wirt noch keine Symptome aufweist und auch nach Abklingen der Symptome kann der Virus noch weitergegeben werden, wie das Beispiel aus Deutschland zeigt. Eine solch asymptomatische Verbreitung ist ein Game Changer, der die Situation um ein Mehrfaches verschlimmert. Wir von abrechnungen.ch schätzen, dass das wahre Ausmass weit grösser ist und die Anzahl der Infizierten eher bei 50’000 als bei 14’000 liegt. Beispielsweise ist sehr unglaubwürdig, dass es im Nachbarland Vietnam erst 7 Fälle geben soll. Auch ist nicht absehbar, was passiert, wenn der Virus in Länder mit einem unterentwickelten Gesundheitssystem übergreift und sich dort unkontrolliert ausbreitet.
Nur keine Panik!
Die NZZ schreibt:
«Die Angst geht um, doch bis jetzt ohne Grund: […] Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) haben zehn Prozent der Infizierten kein Fieber, einige nicht einmal Husten und mehrere gar keine Symptome. »
Liebes BAG,
genau diese asymptomatischen Fälle sind das Problem! Das ist keine gute Meldung, sondern eine sehr schlechte.
Die Behörden auf der ganzen Welt versuchen zu beschwichtigen und warnen vor einer unbegründeten Panik. Sobald Behörden vor Panikmache warnen, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, sich wirklich Sorgen zu machen.