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Es sind in diesem System vor allem kleinbäuerliche Familien, Hirt:innen und indigene Menschen im globalen Süden, die gezwungen werden, ihre Lebensweise und traditionellen Methoden der Wald- und Landbewirtschaftung aufzugeben. Erstaunlicherweise werden ihre Praktiken nun häufig als Hauptursache für Abholzung dargestellt – obwohl sie im Gegenteil Wälder und Bodenfruchtbarkeit erwiesenermassen erhalten.
Das Land, das Gemeinschaften im globalen Süden gehört, wird fälschlicherweise oft als «ungenutztes» und somit verfügbares Land angesehen, und selbst wenn es genutzt wird, ist es günstig zu haben. Weil Landrechte in vielen Ländern des Südens nicht klar genug geregelt sind, können entsprechende Gesetze einfach umgangen und die Rechte der Menschen leicht verletzt werden. Zusätzlich machen globale Ungleichheiten die Regierungen anfälliger für solches «Landgrabbing», bei dem Unternehmen und Investor:innen die Kontrolle über grosse Flächen Land übernehmen. All dies trifft letztlich diejenigen Menschen, die am wenigsten zur globalen Klimakrise beigetragen haben.
Agrarfirmen gelingt es derweil sogar, ihr gewaltvolles System industrieller Baumplantagen grün zu waschen und als Musterbeispiel für CO2-Speicherung und die Bekämpfung der Klimakrise zu verkaufen. Die Unternehmen und reiche Regierungen, die bei weitem grössten CO2-Emittenten, machen weiter Profit – auch mit grossflächiger Abholzung – und heizen die Klimaerwärmung an. Der Ölkonzern Shell beispielsweise, der ebenfalls in den Netto-Null-Ansatz investiert, erzielte im Jahr 2022 den höchsten Gewinn seit seiner Gründung vor 115 Jahren.
Ermöglicht wird dieses System durch handelbare CO2-Zertifikate. Sie erlauben es Firmen und Staaten, weiterhin CO2 auszustossen, solange sie für die «Kompensation» dieser Emissionen an einem anderen Ort bezahlen. Und dieser globale Kohlenstoffmarkt – ein wachsendes Geschäft von geschätzten 7,7 Milliarden US-Dollar – wird bis jetzt von Akteur:innen aus dem globalen Norden dominiert, welche diese Zertifikate verkaufen und verifizieren. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass die lokalen Gemeinschaften, auf deren Land diese Projekte stattfinden, allzu oft kaum davon profitieren. So wird das kolonialistische und profitorientierte Wirtschaftssystem weitergeführt, das die Klimakrise in erster Linie verursacht hat. Deshalb sprechen viele von «Kohlenstoffkolonialismus».