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| Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

55. Ein unerträgliches Uebel ist es, einen reichen Mann zu heirathen.
So verhält es sich, wenn die Frau wohlhabend ist. [S. 242] Sollte es aber geschehen, daß sie nichts besitzt, der Mann aber reich ist, so wird sie eine Magd, keine Ehegattin sein, und die Freie wird eine Sklavin werden, und nachdem sie die ihr gebührende Freiheit eingebüßt hat, wird sie sich in keiner bessern Lage befinden, als die für Geld Gekauften. Sie wird, wie sehr auch der Mann schwelge und lüderlich sei, und welche Menge von Huren er in ihr Ehebett bringe, Alles ertragen und zufrieden sein, oder das Haus verlassen müssen. Das ist indessen nicht der einzige Nachtheil, sondern sie wird auch, wenn sich der Mann in dieser Lage befindet, weder den Knechten noch den Mägden freimüthig befehlen können, und ist, weil sie gleichsam in fremdem Eigenthum lebt, und das ihr nicht gehörende Vermögen genießt, und mehr mit einem Herrn, als mit ihrem Manne zusammen lebt, genöthiget, Alles zu thun und zu leiden. Wenn aber Jemand eine Frau von gleichem Stande heirathet, so zerstört diese Gleichheit wiederum das Gesetz der Unterwerfung, da das Maaß des Vermögens erfordert, daß sie dem Manne gleichstehe. Was soll man nun thun bei so vielen und überall entgegentretenden Schwierigkeiten? Denn führe mir nicht, wenn etwa sehr wenige Ehen denselben entrannen, diese als Gegenbeweis an; die Dinge müssen nämlich nach dem, was stets geschieht, nicht nach dem, was selten vorkommt, dargestellt werden. Es ist aber schwer, daß diese Dinge im jungfräulichen Stande vorkommen, ja sie können es gar nicht; in der Ehe aber ist es schwer, daß sie sich nicht ereignen.