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erste Stadt in Indien gründete, diese nach dem Namen seines Sohnes Enoch, und nach der Sündflut benannte der Tyrann Nimroth, als er an der Stätte der Sprachenverwirrung eine Stadt baute, diese Babylon d. h. Verwirrung, so benannte Salem die Stadt Salem, die jetzt Iherusalem heißt, und als sie gänzlich zerstört war, benannte sie der Kaiser Helius (Älius) Adrianus, der sie wieder aufbaute, nach sich Helia (Älia), so Dionysius Nysa, Medius Meda, Perseus Persa, so Julius Juliacum (Jülich). Und manchmal wurden Städten von dabei befindlichen Gewässern ihre Namen beigelegt, wie z. B. Susis von dem Fluß Susa genannt wird, der an der Stadt vorbeifließt. - Manchmal empfingen die Städte ihre Namen von irgend welchen Ereignissen, so ist z. B. die Stadt Gaza daher benannt, daß Cambyses daselbst Schätze aufgehäuft hatte; denn gaza bedeutet Schatz. So ist Argentina (Straßburg) wegen des in den Staatsschatz der Römer gesammelten Silbers (argentum) und Basel (Basilea) so genannt, weil es an einer Königsstätte erbaut ist, denn bei den Griechen heißen Könige basilei (βασιλεισ) oder hat es von basis d. h. «Grundlage», von le d. h. «Festigkeit» und von a d. h. «ohne» den Namen: gleichsam eine ohne feste Grundlage gegründete Stadt, da sie von Erdbeben schwankt, oder von basis d. h. Volk (?) und lea = ecclesia: gleichsam Kirche des Volks. Das Volk jedoch sagt so, die Stadt werde nach einem basiliscus (Schlange) benannt, welcher daselbst einst verborgen war und sehr viele durch seinen Anblick vergiftete, und nach seinem Tod hinterließ er der Stadt den garstigen Namen. Wir lesen, daß (pag. 7) ein junger Schäfer sich aus Blumen einen Kranz zum Schmuck und Vergnügen flocht; gegen ihn erhob sich eine Schlange aus einer Höhle und ging auf ihn los, aber der Schäfer kämpfte tapferen Mutes mit ihr.
Als dies Päan, der Sohn Apollos, sah, wunderte er sich sehr, daß der Schäfer durch den Anblick der Schlange nicht gestorben sei, er nahm näher tretend ihm den Kranz vom Kopf, worauf der Mann sogleich verschied. Päan aber legte dem Toten einige Blumen in den Mund, und durch die Berührung mit einer Blume kam der Schäfer doch wieder ins Leben zurück. Auch Colonia (Köln) wurde so genannt nicht von der Bewohnung durch Franken, sondern durch Römer: es wurde nämlich von Kaiser Claudius gegründet und erhielt von seiner Gattin Agrippina den Namen Agrippina.
Die Stadt Thuregum (Zürich), die im Gebiet zweier Könige liegt und daher Duregum und mißbräuchlich Thuregum genannt wird, weil sie die Grenzzeichen der Reiche Germanien und Gallien (Deutschlands und Frankreichs) durch den Lauf ihres Flusses, nämlich der Limmat, trennt, wurde vor Alters allgemein Zwirich, zwei Reiche, genannt und heißt jetzt Zürich. Auch Alexander der Große erbaute an der Stelle, wo sein Lieblingsroß namens Bucephalus starb, eine Stadt und gab ihr den Namen seines Rosses, jetzt Bucephala genannt.
Auch der Rat von Venedig nennt das große vergoldete Schiff, in dem der Doge und der Rat zeitweise zu den Schauspielen fährt, nach dem ebengenannten Roß Bucephalus oder Buccatus und Bucentaurus. Wir wissen auch aus der Geschichte, daß einst sehr schwere Kriege bei der Erbauung von Städten aus dem Streit über ihre Benennung entstanden sind. Daher soll aus diesem Grunde Romulus seinen Bruder Remus getötet haben, weil Romulus wollte, daß die Stadt nach ihm Roma genannt werde, (worüber gelesen und bemerkt wird in l. VI tr. ff. de rerum divisione im Text und in den Anmerkungen), Remus aber wollte, daß sie Rema heiße; und über den einen Buchstaben gerieten sie in Streit. Auch Augustinus 18 de civitate dei erzählt den Streit der Götter bei ¶
der Benennung der Stadt Athen, die ihren Namen wegen des aus der Erde wachsenden Ölbaums erhielt, sowie auch Ihericho die Stadt der Palmen genannt wird 2 Paralip. c. 28, (1. 2 Chron. 28, 15) weil dort Palmen im Überfluß wachsen. Auch andere ziemlich viele Orte haben ihren Namen von den aus der Erde hervorkommenden Gewächsen erhalten, z. B. das Kloster Wingarta von Weinbergen und Weinreben (pag. 8), das Kloster der Karthäuser bei Memmingen wird nach einem Buchsbaum Buchshaim genannt, und die Stadt Stockgarten (Stuttgart) hat ihren Namen von Stock und Garten, weil damals, als die Stadt erbaut werden sollte, daselbst viele dastehende Bäume abgestockt (abgestrunkt) wurden, und das Volk gab dem Ort den Namen.
Andere sagen, daß sie so genannt werde von Stuten, hierüber gibt es aber keine Entscheidung, ob sie nun von jenem oder von diesem den Namen hat. Es gibt noch ziemlich viele Namen von Städten und Dörfern, über deren vernünftigen Grund man keine Vermutung haben kann, und doch sind sie durchaus nicht ohne Grund beigelegt worden. Über diese Begründung der Namen wird ausführlich abgehandelt bei Isidorus (Etymolog. lib. 15 cap. 1 ganz durch), der nach den Namen im Allgemeinen dem Ursprung der Städte nachgeht. So glaube ich es auch bei unserem vorliegenden Fall machen zu müssen.
Ulma ist nämlich nicht ein barbarischer, sondern ein lateinischer Name, deklinierbar, allen bekannt und leicht zu übersetzen, einer Reichsstadt beigelegt, aus einem dem Namen unzweifelhaft entsprechenden Grunde; denn der Platz der Stadt Ulm ist von Natur uliginosa d. h. sumpfig und die ganze Örtlichkeit feucht und wasserreich, was man uliginosus oder ulinosus nennt, teils wegen des Zusammenflusses der Gewässer dreier Flüsse, teils auch wegen des sumpfigen oder wässerigen Bodens, aus dem ziemlich viele Quellen entspringen und worin überall munter fließende Gewässer sich finden, so daß der Boden an sich ohne die Stadt in seinem Namen von Natur den Namen der Stadt anzeigt, ob ich nun sage sumpfiger oder wasserreicher (uliginosus vel ulinosus) Boden, was sich beides findet.
Denn uligo (Sumpf) ist eine natürliche Feuchtigkeit der Erde, die sie niemals verläßt, sie grünend und fruchtbar macht, und so ist der Platz der Stadt Ulm. Durch diese sumpfige Beschaffenheit der Erde aber pflegen besonders in großer. Menge Bäume hervorzuwachsen, welche auf Lateinisch ulmi heißen, aber insgemein und auf deutsch Felben oder Erlen oder Alber *) genannt werden, und obgleich es verschiedene Arten von Bäumen sind, nämlich Felben und Erlen, haben sie doch vielleicht denselben Namen, was ich beides gefunden habe in deutschen Büchern. über die Stelle Jesaja 41, 19: «ich will in der Wüste geben Tannen, Ulmen und Buchsbaum» und ebenso fand ich's in Wörterbüchern. Und es hat dabei nichts zu bedeuten, ob das Wort nur eine, oder zwei oder alle drei Arten bezeichnet: denn auf dem Boden des Ulmer Platzes wachsen alle diese Arten von Bäumen reichlich, (pag. 9) nämlich Felben-Ulmen, Erlen-Ulmen und Alber-Ulmen, und vor der Gründung der Stadt war daselbst ohne Zweifel ein Wald von Ulmen und ein dichtes Ulmenholz und ein ergötzliches Ulma d. h. Ulmenwald. Sowie nun in einem Sumpf (uligo) heranwachsende Bäume Ulmen genannt werden und ein Ulmenwald ulmerium oder ulma, so wird eine im Sumpf zwischen Ulmen oder auf einem Ulmenplatz gegründete Stadt am passendsten Ulm genannt, weil sie einen Ulmenplatz einnimmt. Wer aber
*) Veesenmeyer sagt: «Felbe ist salix alba L., Erle alnus glutinosa Gärtn. und incana Dec., letztere bei Ulm an der Donau und Iller häufig; Alber ist populus alba L., allerdings recht verschiedene Bäume.» ¶