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1998
Gründung des Vereins HOPE FOR ALL. Eröffnung der HOPE FOR ALL Clinic in Kambodscha.
1999
Betrieb eines Kindergartens in einer hölzernen Hütte neben der Clinic. Neubau für ein zerfallendes Schulhaus in der Provinz Kampot.
2000
Bau eines grossen Mehrzweckgebäudes in einem Armenviertel von Phnom Penh. Betrieb von Tages-Kindergärten und von Abendkursen für Erwachsene.
2003
Micro-Kredite an arbeitswillige Frauen und Männer. Das Projekt wird nach drei Jahren an eine andere Organisation übertragen.
2007
Gründung des Schul-Sponsoring-Programms.
2011
Vermittlung von Stipendien einer Schweizer Firma zugunsten von mittellosen jungen Menschen für ein siebenjähriges Studium der Zahnmedizin.
2018
Die Clinic wird ein selbstständiges Unternehmen.
Als ich Ende 1997 zusammen mit meiner später verstorbenen Gattin Annie nach Kambodscha reiste, trafen wir auf ein ruiniertes Land. Vier Jahre Herrschaft der Roten Khmer, zehn Jahre Besetzung durch Vietnam und ein langer Bürgerkrieg hatten die meisten öffentlichen Einrichtungen zerstört. In den verbliebenen Spitälern gab es kaum Patienten, denn es fehlte an Personal, an irgendwelchen Einrichtungen und an Medikamenten.
In einem ländlichen Gebiet ausserhalb der Hauptstadt Phnom Penh liessen wir ein kleines Haus mit vier Räumen erbauen. Dann engagierten wir eine einheimische Belegschaft für die künftige ärztliche und zahnärztliche Poliklinik: einen Hausarzt, einen Zahnarzt, zwei Krankenschwestern, zwei Nachtwächter, einen Verwalter und zwei Helferinnen.
Bei Schweizer Spitälern, Ärzten, Zahnärzten, dem Zivilschutz und der Armee-Apotheke baten wir um Medikamente, um medizinische Geräte und um Verbrauchsmaterial. Es kamen 21 Tonnen dieser Güter zusammen, die wir nach Kambodscha verschifften, um damit unsere Poliklinik einzurichten. Ein Teil des Materials ging auch an verschiedene Spitäler.
Im Juni 1998 wurde in Anwesenheit des Gesundheits-Ministers die HOPE FOR ALL Clinic eröffnet. Sie war schnell ausgelastet, denn bedürftige Patienten werden kostenlos oder für ein sehr bescheidenes Honorar behandelt.
Die Clinic wurde klimatisiert und mehrmals erweitert. Neben dem Praxiszimmer des Arztes und einem Medikamentenraum verfügt sie über drei moderne zahnärztliche Behandlungsplätze, eine leistungsfähige Sterilisationsanlage und ein digitales Panorama-Röntgengerät. Zwei junge Männer aus armen Verhältnissen absolvierten mit unserer Hilfe ein Zahnarzt-Studium und arbeiten jetzt in der Clinic.
Ende 2014 wurde der Clinic-Arzt pensioniert und seine Sprechstunde aufgehoben. In den Jahren zuvor ist die medizinische Versorgung in der Umgebung viel besser geworden, während es immer noch an Zahnärzten fehlt.
Die Zahnärzte der Clinic beherrschen ihren Beruf, wie ich selber feststellte. Als bei mir ein Teil eines Zahnes abbrach, fertigten sie in drei Tagen eine Brücke an. «Ein Schweizer Zahnarzt hätte es nicht besser machen können», wurde mir später von kompetenter Stelle erklärt. Mit einem einzigen Unterschied: Die gleiche Behandlung hätte in der Schweiz wesentlich mehr gekostet…
Seit 2018 ist die Clinic mit ihrer Belegschaft von 12 Personen ein eigenständiges Unternehmen. Sie wird immer öfter von Patienten aufgesucht, die ein übliches Honorar entrichten. Dank dieser Einnahmen können arme Patienten weiterhin kostenlos behandelt werden. In diesen Fällen übernimmt HOPE FOR ALL den Aufwand für das Verbrauchsmaterial.
Entwicklungshilfe ist nur sinnvoll, wenn sie das Land und seine Bewohner weiterbringt. Gute Beispiele sind Micro-Kredite, die den Aufbau eines eigenen Unternehmens ermöglichen. Oder die Finanzierung eines Teams, das nach Grundwasser bohrt und Pumpen einrichtet, damit sich die Anwohner mit Trinkwasser versorgen können.
Viel Beachtung fand unser «Piglet-Programm»: In der Gegend stehen viele Häuser auf Pfählen. Zwischen diesen Pfählen lässt sich auf einfache Weise ein Tiergehege einrichten. Wenn eine Familie über ein Gehege verfügte, erhielt sie von uns ein Ferkel und einen Kredit von 30 USD für Futter, denn die Abfälle einer armen Familie reichen nicht aus, um ein Schwein zu mästen. Nach acht Monaten wird das Tier für 120 USD verkauft. Der Erlös reicht aus, um den Kredit zurückzuzahlen ein neues Ferkel samt Futter zu erwerben und einen Gewinn einzustreichen.
Die Entwicklung eines Landes hängt von der Erziehung seiner Jugend ab. In Kambodscha sind die Schulen kostenlos, doch die schlecht bezahlten Lehrer erwarten von den Schülern einen Zustupf an ihren Lohn. Wenn ein Kind nicht jede Woche Geld mitbringt, wird es im Unterricht nicht berücksichtigt, und es dauert nicht lange, bis es die Schule schwänzt. Arme Familien können sich solche Schulgelder nicht leisten. Manche «Erzieher» schicken ihre Schützlinge sogar an eine Arbeitsstelle statt zur Schule.
Unser kambodschanischer Mitarbeiter Thavy trifft in den Slums immer wieder auf Kinder, die nicht zur Schule gehen. Oft sind es Sprösslinge aus armen Familien oder Waisen, die bei einer Grossmutter oder bei Nachbarn wohnen. In solchen Fällen übernimmt HOPE FOR ALL die Kosten für Lehrer, Schulmaterial und die Schuluniform.
Thavy besucht diese Kinder jeden Monat an ihrem Wohnort. Anhand von Schulrapporten und mit kleinen Tests wird der Schulbesuch überprüft und dann das «Schulgeld» ausbezahlt. Je nach Schulstufe beträgt es zwischen 20 und 40 USD. Gegenwärtig sind 80 Schüler im Programm.
Nach Ende der Schulzeit werden begabte Jugendliche weiter unterstützt, beispielsweise durch Übernahme der Kosten für eine höhere Schule, für eine Berufslehre oder mit einem Hochschul-Stipendium.
Vor fünf Jahren berichteten wir von vier Kindern aus den Slums von Phnom Penh, deren Mutter durch einen Unfall ums Leben kam. Die Frau – sie lebte vom Abfallsammeln - hinterliess Ema und Noel, ein Zwillingspaar von sieben Jahren und zwei Kleinkinder, Chivorn und Ponleur, im Alter von einem und zwei Jahren. Der Vater der Zwillinge hatte die Frau während ihrer Schwangerschaft verlassen. Der Erzeuger der beiden Kleinen, ein alkohol- und drogensüchtiger gewalttätiger Schläger, war beim Tod der Frau untergetaucht.
Leider konnte kein gemeinsamer Platz für die Unterbringung aller vier Kinder gefunden werden. Eine ältere Verwandte war trotz ihrer eigenen Armut bereit, Ema und Noel in ihrer einfachen Behausung in den Slums aufzunehmen. Die Frau betreut seit Jahren ein behindertes Findelkind, das man auf einem Markt ausgesetzt hatte. Trotz der Trauer über den Verlust ihrer Mutter waren die Zwillinge froh, dem Stiefvater und seinen Schlägen entronnen zu sein, und dank einer monatlichen Unterstützung von HOPE FOR ALL dürfen sie jetzt eine karge aber unbeschwerte Jugend verbringen.
Die beiden Kleinkinder wurden zuerst bei ihrem Onkel und dessen Familie untergebracht, wo sie sehr vernachlässigt wurden. Als HOPE FOR ALL mit einer Streichung der Unterstützung drohte, sollte sich die Betreuung nicht verbessern, brachte der Mann die Kleinen kurzerhand in die Slums zu ihrem Erzeuger, der plötzlich wieder aufzufinden war. Jetzt hausten sie bei ihrem drogensüchtigen Vater und dessen neuer Partnerin, die zudem drei eigene Kinder hatte.
Bei seinen Besuchen stellte unser Betreuer Thavy fest, dass die beiden Buben wie verwahrloste Hunde herumstreunten, immer auf der Suche nach etwas Essbaren, und dass sie auch nicht zur Schule gingen. Thavy konnte nicht weiter mitansehen wie die Kinder hungerten und der Gewalt und dem Milieu ihres Vaters ausgesetzt waren. Nachdem der Vater endlich eingesehen hatte, dass die Kinder in seiner Umgebung keine Zukunftsperspektive haben, stimmte er einer Fremdplatzierung zu. Doch keine Institution in Phnom Penh nimmt Kinder auf, die noch einen Elternteil haben. Glücklicherweise hat unser Betreuer einen Freund in der Provinz Mondulkiri (ca. 6 Autostunden von Phnom Penh entfernt), der ein Waisenhaus mit 30 Kindern leitet und der bereit war, die beiden Buben in Obhut zu nehmen. Inzwischen haben sich Chivorn und Ponleur dort gut eingelebt. Sie sehen gesund aus und gehen täglich zur Schule. Auch hier leistet HOPE FOR ALL eine monatliche Unterstützung und Thavy besucht die Kinder regelmässig.