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The Armenians - Their History from the 8. c. BC until the 14. c. AD.
Raffi Kantian
Abstract
This brief account about the history of the Armenians starts with a tentative comparison of the different approaches - older and newer ones - concerning the origin of the Armenians. The period of Kingdom of Urartu is outlined while keeping an eye on the Armenians, both as part of the royal family and beyond it. The emergence of Armenia as a separate political entity after the fall of Urartu is described within the context of the rivalry of the dominant powers. The same approach is used for the later periods. Special emphasis is laid on the changes in the power structure after the event of Christianity and the invasion of the country by the Arabs. The paper ends with an outline of continuing traditions which have prevailed the times.
Die Armenier - Ihre Geschichte vom 8. Jh. (v. Chr.) bis zum 14. Jh. (n. Chr.).
Die geographischen Grenzen
Geographisch wird Armenien im Norden vom mittleren Lauf der Kura zwischen der Einmündung der Chrami und des Gandscha-Flusses, im Osten und zum Teil im Süden durch den Arax, die heutige Grenze zwischen der Türkei und dem Iran und die Wasserscheide des armenischen Taurus, im Westen durch den Karasu genannten Nebenfluß des Euphrats und im Nordosten durch die Kura begrenzt.
Die Ursprünge
Nach der Mythologie stammen die Armenier von Hayk, Sohn von Togarmak (Torkom auf Armenisch) ab, der Enkel von Japhet ist, dieser wiederum Sohn von Noah. Der englische Historiker Chahin nimmt Torgom und Hayk als die beiden Ursprünge der Armenier an. Herodot spricht von ihnen (Eigenbezeichnung Hay (Singular) bzw. Hayk (Plural)) apodiktisch als 'phrygische Kolonisten', Endoxes (4. Jh. v. Chr.) ergänzt, daß das Armenische dem Phrygischen ähnele. Strabo hingegen ist der Ansicht, daß dieses Volk nach dem Thessalier Armenos, einer der Argonauten und Freund Jasons, genannt wird. Hierzu ist folgendes anzumerken: Die Versuche, im Armenischen besondere Ähnlichkeiten mit dem Phrygischen zu finden, blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Ferner gibt es, wie Edward Gulbekian schreibt (Edward Gulbekian: "Why Did Herodotus Think the Armenians Were Phrygian Colonists?", in: Armenian Review, Autumn 1991, Volume 44), in der Liste der Argonauten keinen Armenos.
Wenn also trotz dieser Probleme an der phrygischen Abstammung der Armenier festgehalten werden soll, so muß davon ausgehen, daß die Armenier etwa um 1200 v. Chr. von Thrakien in ihre spätere Heimat gekommen sind.
Parallel hierzu ist die gesicherte Existenz eines Nachfolgestaates der Hethiter mit dem Namen Hayasa seit 1400 v. Chr. auf dem Territorium des historischen Armeniens bekannt. Nach Rafayel Ischhanian zeigt der Suffix -asa im Hethitischen einerseits die Pluralform, andererseits die Zugehörigkeit an, so wie der Suffix -k im Altarmenischen. Übersetzt man daher Hay + asa ins Armenische, so kommt Hay + k dabei heraus, also Armenier bzw. das Land der Armenier.
Rafayel Ischchanian ist ferner der Ansicht, daß die Armenier ein autochones Volk dieser Region sind. Ausgangspunkt seiner These ist die Arbeit von T. Gamkrelize und W. Iwanow die anhand ihrer linguistischen Untersuchungen als Urheimat der Indoeuropäer (Armenisch gehört zu der Familie der indoeuropäischen Sprachen) das östliche Anatolien und das iranische Hochland identifiziert haben, sowie Lehnwörter im Armenischen aus dem Assyrischen und dem Akkadischen.
Zu seinen Argumenten für die wesentlich weiter zurückreichende Geschichte der Armenier zieht er ebenfalls eine Inschrift des akkadischen Königs Naram-Suen (auch Naramsin) (2290 - 2254 v. Chr.) oder (2260 - 2223 v. Chr.) heran: 'Der göttliche Naram-Suen (Naramsin), der mächtige König der vier Himmelsrichtungen, Eroberer von Armani und Ebla (auch: Armanum, Armanim und Ebla gelesen).' In den 1970ern fand man heraus, daß Ebla in Syrien lag. Der fehlende Teil der obigen Inschrift wurde später bei Diyarbakir (Südosttürkei) gefunden, woraus man schließen konnte, daß Naram-Suen (Naramsin) dort war und sein Armani in dieser Gegend gelegen haben muß. In seiner weiteren Argumentation zeigt Ischchanian, daß mit 'Armani' Armenien gemeint sein muß. So heißt im akkadischen Aprikose 'armanu', im Aramäischen 'hazzura armenaja', im Arabischen 'Tuffah al-armani', im Lateinischen 'prunus armeniaca', in allen Fällen 'armenischer Apfel' bedeutend. Aus diesen und weiteren Belegen schließt nun Ischchanian, daß mit 'armani' in der Inschrift von Naram-Suen (Naramsin) Armenien (in diesem Falle der südliche Teil des Landes) gemeint ist.
Urartu - Das Königreich am Ararat
Der assyrische Begriff Urartu wurde in der hebräischen, nur in Konsonanten geschriebenen Form zu 'rrt. Da man in der jüdischen Bearbeitung bei Eigennamen an der Stelle unbekannter Vokale überlicherweise ein A setzte, wurde aus 'rrt eben Ararat. Die Entzifferung der assyrischen Keilschrifttexte bestätigt diese Gleichsetzung von Urartu und Ararat.
Die älteste Nachricht von Urartu in assyrischen Texten stammt aus der Zeit von Salmanassar I. (1273 - 1244), der einen Feldzug nach Uruatri gemacht hat. Konkurrierende Ansichten sehen in Uruatri lediglich eine Landschaftsbezeichnung oder einen eigenen, von den Nairi-Ländern separat zu bezeichnenden eigenen Staat. Von den letzteren sprechen die Könige Tukulti-Ninurtas I. (1243 - 1207 v. Chr.) und Tiglatpilesars I. (1114 - 1076 v. Chr.). Diese sollen eine Stammesföderation in der Bergregion am Van- und Urmiasee darstellen. Später, im 9. Jh. v. Chr., werden die Nairi-Länder mit Urartu gleichgesetzt, im 8. Jh. v. Chr. als ein Pufferstaat zwischen Urartu und Assyrien angesehen.
Die Raubzüge in den Norden in die Nairi-Länder bzw. Urartu sind für die Assyrer wegen der reichen Erzvorkommen reizvoll. Die dortige Bevölkerung vereint sich im 9. Jh. v. Chr. unter König Aramu (armenisch: Aram) (858 - 844 v. Chr.). In den assyrischen Quellen ist Urartu erst ab der Zeit als Ethnie faßbar, wie manche Forscher meinen. Hierzu werden die Bronzebeschläge in der Ruinenhügel Balawat, der alten Stadt Ingur-Enlil südöstlich von Ninive herangeführt. Darauf sind als Tributbringer Phönizier und Urartäer abgebildet, sowie Episoden aus den Kriegszügen des assyrischen Königs Salmanassar II. (858 - 824 v. Chr.).
Als eigentlicher Begründer der königlichen Dynastie der Urartäer, also des Königreiches am Ararat, Sarduri I. (844 - 828 v. Chr.), der auch die Hauptstadt Tuschpa (heute: Van) am Ostufer des Van-Sees gründete. Durch die Schwächung der Assyrer nach dem Tod von Salmanassar II. ging die Führung in dem Raum eindeutig an die Urartäer über, wobei deren König Menua I. der Eroberer (810 - 785 v. Chr.) für die Ausdehnung seiner Einflußzone sorgte. Die größte Ausdehnung erreichte Urartu unter Sarduri II. (753 - 735 v. Chr.) mit 800 Kilometern in Ost-West-Richtung und 500 Kilometern in Nord-Süd-Richtung und umfaßte somit das gesamte Armenische Hochland. Der Vorstoß in den südlichen Transkaukasus fällt in diese Zeit, ebenso der Vorstoß ans Schwarze Meer bis zum Land Qulcha (gleichzusetzen mit dem Land Kolchis in der Argonautensage).
Der assyrische Widerstand setzt mit dem König Tiglatpilesar III. (744 - 727 v. Chr.) ein und erreicht zur Zeit von Sargon II. (721 - 705 v. Chr.) seinen Höhepunkt. Durch den Einfall der über den Kaukasus ins Armenische Hochland eingedrungenen Kimmerier war zu dem Zeitpunkt Urartu geschwächt, Sargon II. nutzte diese Gelegenheit aus und setzte 713 v. Chr. zu einer großangelegten Offensive gegen Urartu an. Wenn auch die Schlacht am Berge Uausch für die Uartäer mit einer Niederlage endete, brachte der Einfall Sargons II. vor allem materielle Verluste mit sich, insbesondere durch die Plünderung des Hauptkultortes Musasir (südöstlich außerhalb des urartäischen Territoriums gelegen, wodurch einige Forscher zu der Annahme gelangen, die Urartäer hätten zu einem früheren Zeitpunkt in jenem Raum eine Staatsgründung versucht). Die assyrischen Quellen sprechen von mehr als 334 000 Gegenständen, darunter sehr viele Objekte aus Gold, Silber und Elfenbein, die erbeutet wurden.
Dennoch kam es in der Nachfolge nicht zu fortgesetzten Kriegshandlungen zwischen den beiden Mächten, da sie damit beschäftigt waren, dem Druck der Kimmerier, Skythen und der Meder standzuhalten. Der Feldzug von 713 v. Chr. scheint auch nicht das Ende Urartus bedeutet zu haben, da es auch danach weiteren Kimmeriereinfällen standgehalten hat. Gravierender waren die Skytheneinfälle Mitte des 7. Jahrhunderts, denen einige Festungen zum Opfer gefallen sind. So Teischebai URU (Karmir Blur) bei Eriwan, der Hauptstadt der Republik Armenien, die durch Grabungen ganz besonders gut untersucht worden ist. Erebuni, die von Argischti I. (785 - 753 v. Chr.) 782 v. Chr. gegründete urartäische Festung, von deren Gründung eine Keilschrifttafel zeugt (die Stadt Eriwan mit ihrer mehr als 2770jährigen Vergangenheit geht auf sie zurück), wurde, wie Ausgrabungen eindeutig belegten, von Nomadeneinfällen nicht betroffen.
Belegt ist die Existenz Urartus auf jeden Fall für das Jahr 640 v. Chr. durch die Gesandtschaft von König Sarduri II. oder IV. am Hofe des assyrischen Königs Assurbanipal. Und indirekt kann man zeigen, daß Urartu noch im Jahre 594 v. Chr. existiert haben muß. Denn der Prophet Jeremia ruft im vierten Regierungsjahr von König Zidkija von Juda (598 - 587 v. Chr.) aus Anlaß des drohenden Einfalls der Babylonier: "Weihet Völker gegen es zum Kriege, bietet die Königreiche von Ararat (= Urartu), Minni und Aschkenas wider es auf, bestellt einen Einberufungsschreiber gegen Babel . . ." (Jeremia 51,27)
Nach Ansicht von Wartke stellte Urartu keine ethnische Einheit dar, neben der eigenen, untereinander sehr eng verwandten Stämmesverbänden waren auch Völkerschaften aus Nordsyrien und den späthethitisch-aramäischen Fürstentümern, kaukasische und transkaukasische Stämme und sogar iranische Steppenvölker in der Bevölkerung vertreten. Diese Vielfalt wurde sogar von den Herrschenden durch Zwangsumsiedlungen unterworfener Völkerschaften bewußt gefördert, so wurden beim Bau der Festung Erebuni (heute Eriwan) 6600 Kriegsgefangene aus Nordsyrien eingesetzt.
Daß es im urartäischen Reich Armenier gegeben haben muß, ist selbst dann denkbar, wenn man nicht den weitergehenden Auffassungen von Ischchanian neigt. Ob sie möglicherweise eine dynastisch relevante Rolle gespielt haben, möchte Chahin angesichts des Vorhandenseins eines Königs oder Prinzen Erimena (635 - 629 v. Chr.), des Sohnes von König Argischti II. (714 - 680 v. Chr.) und Vater von Rusa III. (629 - 590 v. Chr.), nicht von vorne herein ausschließen. Er spricht sogar vorsichtig von einer armenischen Dynastie, die seit dem Einfall von Sargon II. in Urartu, die eine gewisse Destabilisierung im Inneren nach sich zog, die Macht an sich gerissen haben könnte. Der Name Erimenu hat sehr größe Ähnlichkeit mit der Fremdbezeichnung der Armenier, so z. B. mit 'ermeni' im Türkischen.
Ischchanian zieht aus den Felsinschriften von Bisutun (Behistun) interessante Folgerungen. Die von achamänidischen König Dareios (Darius) I. (521 - 486 v. Chr.) veranlaßten Inschriften sind in drei Sprachen gehalten: Persisch, Elamisch und Akkadisch. Im persischen Teil wird dort u. a. berichtet: "Es spricht König Dareios, einen Perser namens Vaumisa, meinen Diener schickte ich nach Armenien." In der altpersischen Fassung liest sich das wie folgt. "Tatij Darajauausch kschajatija. Uaumisa nama parsa mana badaka auam praisajam Arminam", in der elamischen Fassung lesen wir: "Aak Dariamauisch sunkuk, naanri Mauimischa hische parsir kiir u libaruri u tiibe Harminujaip." Und schließlich auf Akkadisch: "Darijamusch scharru kiajaam. iggabi Umiissi schuumschu gallaja parsaja ana Uraschtu." An anderer Stelle des Textes werden für 'Armenier' 'arminija (Altpersisch)', 'harminujara (Elamisch)' bzw. 'uraschtaja (Akkadisch)' benutzt. Aus dieser, auch in unserer Zeit üblichen unterschiedlichen Bezeichnung für ein und dasselbe Volk, z. B. für die Deutschen, schließt Ischchanian, daß Urartu und Armenien, bzw. Armenier und Urartäer (im Sinne des Staatsvolks) gleichzusetzen sind. Denkbar ist allerdings auch, daß zum Zeitpunkt der Entstehung der Bisutun-Inschrift, Urartu nicht mehr existierte, und dass das an seine Stelle getretene Armenien in der alten akkadischen Sprache nach wie vor in der alten Form, nämlich als Urartu (Uraschtu) tradiert wurde.
Der Übergang von Urartu zu Armenien / Die erste Zeit
Gemeinhin wird das Auftauchen Armeniens auf der weltpolitischen Bühne mit der Felsinschrift von Bisutun (Behistun) in Verbindung gebracht; die oben skizzierten Fragen, die der dreisprachige Text aufwirft, werden in aller Regel außer Betracht gelassen. Unabhängig davon, ob Urartu mit Armenien gleichzusetzen ist oder nicht, steht selbst für den überaus vorsichtig argumentierenden Ralf-Bernhard Wartke fest: "Einzig die Armenier konnten an die kulturgeschichtliche Bedeutung Urartus anknüpfen und vermochten letztlich deren kulturelles Erbe antreten." Bedenkt man darüber hinaus, daß das Siedlungsgebiet der Armenier weitestgehend identisch mit dem der Urartäer war, kommt man nicht umhin, sich zu fragen, ob die Fortführung des kulturellen Erbes Urartus durch die Armenier vielleicht doch nicht tiefergehende, wenn auch nicht so weitgehende Gründe wie bei Ischchanian hatte.
Über die erste Form der politischen und staatlichen Organisation Armeniens wissen wir relativ wenig. Lediglich der armenische Historiker Moses von Chorene (Movses Chorenazi in der armenischen bzw. Moses Khorenatsi in der englischen Fassung) gibt in seiner, im 5. nachchristlichen Jahrhundert entstandenen 'Geschichte der Armenier' Königslisten aus dieser frühen Zeit an; eine kritische Würdigung hiervon finden wir der bei der Harvard University Press herausgekommenen englischen Übersetzung seines Werkes. Von M. Chahin gibt es einen Versuch, diesen 'legendären Königen' Armeniens der Frühzeit doch noch eine historische Basis zu geben (M. Chahin: 'Some Legendary Kings of Armenia, Can They be Linked to Authentic History?', in: Society for Armenian Studies, Occasional Papers No. 5, Glassboro State College).
Daß Armenien seit dem 6. Jh. v. Chr. als persische Provinz existiert hat, ist historisch verbürgt. Bekannt ist von König Artaxerxes II. als Satrapen (Statthalter) von Ostarmenien eingesetzte Orontes (401 - 344 v. Chr.) (Yervand I. auf Armenisch) und als Satrapen von Westarmenien eingesetzte Tiribazos. Beide nahmen 368 v. Chr. am Krieg von Artaxerxes II. gegen Athen teil. Das Amt des Satrapen war erblich, wenn nicht schon der Vater, so identifizierte sich sein Sohn mit dem Volk, das er regierte. Yervand I. bekam von Artaxerxes II. und später von seinem Sohn Artaxerxes III. (358 - 338 v. Chr.) westanatolische Städte, darunter auch Pergamon, geschenkt, wo er auch eigene Goldmünzen prägen ließ. Yervand I. verhielt sich im Gegensatz zu Tiribazos als König, wenn er auch diesen Titel nicht trug; ihm übertrug man später auch Westarmenien. Sein Sohn Yervand II. (344 - 325 v. Chr.) trug den Titel eines Königs, er wird auch am Nemrud Dag als Basileus aufgeführt. Interessant zu wissen ist, daß Antiochos I. (64 - 51 v. Chr.), der Erbauer des Nemrud Dag, väterlicherseits von den Yervantunis (Yervantiden), mütterlicherseits von den Seleukiden abstammte. Yervand II. nahm 331 an der Seite des achamänidischen Königs Darius III. an der Schlacht von Gaugamela gegen Alexander den Großen teil. Nach der Niederlage der Perser kehrte er in seine Hauptstadt Armavir in der Arax-Ebene zurück und rief sich zum König von Armenien aus. Er und seine Nachfolger blieben als unabhängige Könige bis zur Zeit des seleukidischen Königs Antiochos des Großen (223 - 187 v. Chr.) auf dem Thron. Der letzte König aus dem Haus der Yervantiden, Yervand IV. (212 - 200 v. Chr.) verlegte seine Hauptstadt von Armavir nach Yervandaschat (Orontosata), ein neues religiöses Zentrum, Bagaran, wurde gegründet. Es fällt in diese Zeit, daß der Hellenismus sich in Armenien ausbreitete.
Eine möglicherweise von Antiochos dem Großen angezettelte Palastrevolution der Prinzen Artasches (Artaxiades) und Sareh, Söhne des Königs Yervand IV., setzte dem Haus der Yervantiden nominell ein Ende. Es entstanden Antiochos tributpflichtige Staaten, der größere hiervon wurde von Artasches beherrscht, während Sareh über die Provinz Sophene herrschte. Antiochos ließ sich von Hannibal, der auf der Flucht vor den Römern war, für einen Krieg gegen die Römer gewinnen. Er wurde jedoch sowohl bei Thermopylen als auch in Magnesia 190 v. Chr. entscheidend geschlagen. Nach dem für Antiochos sehr ungünstigen Frieden von Apamea 188 v. Chr. erklärte sich Artasches zum König von Großarmenien, Sareh zum König von Sophene. Beide herrschten über größere Territorien als zuvor, auch über solche, die zuvor den Seleukiden gehört hatten. Artasches ging als Gründer des Hauses der Artaschiden in die Geschichte ein. Nach Plutarch und Strabo soll Hannibal ca. 185 v. Chr. nach Armenien gekommen und dort am Hof aufgenommen worden sein. Er soll ferner bei der Planung und beim Bau der armenischen Hauptstadt Artaschat mitgewirkt haben. Und in dieser Zeit soll, so der englische Historiker Toynbee, eine weitgehende Homogenisierung der Bevölkerung in Armenien stattgefunden, Armenisch als gemeinsame Sprache der gesamten Bevölkerung sich durchgesetzt haben. Parallel zur Gründung der Dynastie der Artaschiden etabilierten sich nach der Niederlage der Seleukiden durch die Römer die Parther in Persien durch Mithridates I. (177 - 138 v. Chr.).
Im Jahre 95 v. Chr. bestieg der bedeutendste König aus der Dynastie der Artaschiden, Tigran (Tigranes) der Große (95 - 55 v. Chr.), den Thron Großarmeniens, nachdem er einige Jahre als Geisel am parthischen Hof verbracht hatte. Er weitete die Grenzen Armeniens durch die Eroberung Palästinas und Syriens deutlich aus, besiegte 88 v. Chr. zusammen mit seinem Schwiegervater Mithradates, des Königs von Pontus, die Römer. Er ließ die neue Hauptstadt Tikranakert (Tikranokerta) bauen, vermutlich östlich der modernen Diyarbakir gelegen. Es existieren zwei weitere, ebenfalls Tikranakert genannte Städtgründungen aus seiner Regierungszeit, eine davon liegt im heutigen Berg-Karabach (Arzach). In seine Zeit fällt auch der Einmarsch der Römer unter Pompeius in Armenien im Jahre 65 v. Chr., der jedoch mit Tributzahlungen glimpflich abgewendet wurde.
In der Folgezeit, besonders nach dem Einmarsch von Marcus Antonius (36 v. Chr.), war das Land zwischen Rom und den Parthern umkämpft, die Städte Artaschat und Tigranakert fielen diesen Kämpfen zum Opfer. Im Frieden von Rhandia (63 n. Chr.) einigten sich die Parther und Rom darauf, daß der parthische Prinz Trdat (Tiridates) unter römischer Vormundschaft König von Armenien werden sollte. Tradt I. (63 - 100) reiste zu diesem Zweck in Begleitung von 3000 armenischen Adeligen nach Rom, wo er mit großem Pomp von Kaiser Nero die Krone Armeniens empfing. Dafür gab ihm Nero finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau der zerstörten armenischen Hauptstadt Artaschat. Er soll auch die Finanzierung, des heute wieder aufgebauten antiken Tempels in Garni (Republik Armenien) übernommen haben.
Trdat I. war der Gründer des Hauses der Arschakunis (Arschakiden), die für 400 Jahre die Geschicke Armeniens gestalten sollten. In diese Zeit, 115 bis 117, fiel auch die Einbeziehung Armeniens in die römischen Reichsgrenzen durch Kaiser Trajan (98 - 117); aber schon sein Nachfolger Kaiser Hadrian (117 - 138) nahm hiervon Abstand. Die Stadt Vagharschapat, heute Etschmiadsin und Sitz des Oberhauptes der Armenisch-Apostolischen Kirche, ist eine arschakitische Gründung aus dem Jahre 185 (damals als Kainopolis).
Annahme des Christentums - Armenien im frühen Mittelalter
Im Jahre 225 übernahmen die Sasaniden die Macht in Persien. Ihr König Ardaschir wollten der Mitglieder der parthischen Königsfamilie, die in Armenien Zuflucht gesucht hatten, habhaft werden. Der Sieg gelang erst durch ein Attentat auf den armenischen König Trdat II. (besser bekannt als Chosrov I.) nach zwanzig Jahren ergebnislosen Kriegs, den ein gedungener Mörder, Anan Pahlavi, ausführte. Daraufhin reiste der römische Kaiser Valerian nach Armenien, um seine Provinzen am Westufer des Euphrat zu schützen.
Er wurde 260 bei Edessa geschlagen und geriet in Gefangenschaft.
Tradt III. (287 - 330), der Sohn von Chosrov I., wurde in Rom erzogen und von Kaiser Diokletian als König von Armenien eingesetzt. Diokletian stattete ihn auch mit einer Armee aus, mit deren Hilfe er seine Heimat nach 26jähriger persischer Besetzung befreite.
Grigor (Gregor), der Sohn des gedungenen Mörders Anan Pahlavi, war nach dem Attentat nach Cäsaria, heute die türkische Stadt Kayseri, geflohen, wo er in den christlichen Glauben eingeführt wurde. Nach der armenischen Tradition waren die Aposteln Bartholomäus und Thaddäus bei der Christianisierung Armeniens maßgeblich beteiligt (daher auch die Bezeichnung Armenisch-Apostolische Kirche), und daher gab es schon seit dem 1. Jh. in Armenien christliche Gemeinden. Trdat III. verfolgte in Anlehnung an die Christenverfolgungen durch Kaiser Diokletian in seinem Land ebenfalls die Christen. So verbrachte Grigor dreizehn Jahre seines Lebens in einem Chor virab genannten Kerker. Die Bekehrung Trdat III. zum Christentum wird der Legende nach auf eine, ihn entstellende Krankheit zurückgeführt, von der ihn Grigor heilte. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Seuche, die damals in Armenien wütete, und die Grigor zurückdrängen half. Der so bekehrte König führte sein Land im Jahre 301, nach anderen Quellen 313/314, noch vor Rom zum Christentum. Und so entstand in Armenien die älteste Volkskirche der Welt, eine Entscheidung, die das Schicksal Armeniens bis in die heutige Zeit nachhaltig prägen sollte. Möglicherweise hat die Überlegung, durch die neue Religion dem persischen Einfluß ein wenig zu entfliehen, bei der Annahme des Christentums eine wichtige Rolle gespielt. Zeitgeschichtlich interessant, daß Trdat III. zusammen mit Grigor (fortan Grigor Lusavoritsch (der Erleuchter)) Kaiser Konstantin den Großen in Illyrien oder Rom einen Besuch abgestattet haben soll.
Fortan war Armenien Zankapfel zwischen Byzanz und dem sasanidischen Persien, der Vertrag von 387 zwischen den beiden Ländern - auf byzantinischer Seite von Kaiser Theodosius, dem Erbauer der Landmauern von Konstantinopel (heute Istanbul) unterschrieben - brachte die Teilung Armeniens, wobei Persien den größeren Teil abbekam. In der Folgezeit konnte von einem allmächtigen König nicht unbedingt die Rede sein, die Macht wurde vorwiegend von mächtigen Geschlechtern - darunter die Mamikonians, Rschtunis, Ardsrunis und Bagratunis - geteilt.
Armenien um den 4. Viertel des IV Jh. (aus Ishkol-Kerovpian, K.).
Die Mamikonians waren es auch, die Mitte bis Ende des 5. Jahrhunderts die Glaubenskriege gegen die Perser führten. Das persische Ziel war es, die Armenier vom Christentum abzubringen, was ihnen nicht gelang. Zuvor hatte das armenische Nationalbewußtsein durch die Erfindung der armenischen Schrift 403 durch den Mönch Mesrob Maschtoz nachhaltigen Auftrieb erhalten. Sie war auch der Schlüssel zur Schöpfung einer originär christlich-armenischen Kultur, die bis heute dieses Volk kennzeichnet.
Byzanz hatte nicht unbedeutend bei der Schwächung der armenischen Strukturen mitgewirkt, so wurde in den von ihr beherrschten Teilen das Erbrecht nachhaltig geändert. So konnten nunmehr nicht die Erstgeborenen das Erbe ihrer Väter antreten, vielmehr wurden die Ländereien unter allen Erben geteilt und somit zerstückelt. Ferner bot man den armenischen Adeligen im Austausch Ländereien im Westen des Byzantinischen Reiches an.
Das Aufkommen des Islam brachte eine entscheidende Wende auch für Armenien. 640 fielen die Araber in Armenien ein, im 8. Jh. war ganz Armenien von den Arabern erobert worden und blieb bis Ende des 9. Jahrhunderts in diesem Zustand.
Schon der Kalif Harun al-Raschid (786 - 809) unterstützte aus Sorge um eine byzantinische Osterweiterung die Pläne der Bagratunis (Bagraditen) bezüglich einer Staatsgründung. Dazu kam es 885 durch Aschot I. Bagratuni, der zum König ernannt wurde, sechs mächtige Adelsgeschlechter gelobten ihm Treue. Doch die Macht lag nicht allein in den Händen des Königs. Schon seit dem Ende der Dynastie der Arschakunis (Arschakiden) hatte der Katholikos, das Oberhaupt der armenischen Kirche, quasistaatliche Aufgaben übernommen. Diese herausragende Position behielt der Katholikos auch zu Zeiten der Bagratunis bei, so überwachte er im Falle der Abwesenheit des Königs die Schlüssel der Hauptstadt; er war auch Vermittler zwischen König und rebellischen Adeligen. Schon seit den Zeiten des Grigor (Gregor) des Erleuchters war das Amt des Katholikos erblich innerhalb seiner Familie. Sie verfügte über große Ländereien im Land. Abkömmlinge aus dieser Farnilie heirateten in die Königsfamilie und wurden mit Ehrungen versehen, die eigentlich für die Königsfamilie vorgesehen waren. War der Stuhl des Katholikos vakant, dann wurde der Nachfolger nicht von den Geistlichen, sondern vom König, den Adeligen und der Armee gewählt.
Daß bei den Bagratunis die Machtverhältnisse keineswegs gefestigt waren, zeigt auch die folgende Entwicklung: König Smbat Bagratuni (890 - 914) gab eine Stadt, die dem Prinzen Ardsruni gehörte, dem Prinzen von Sjunik. Daraufhin rief Prinz Gagik Ardsruni den arabischen Emir von Atropatene zur Hilfe. Der Kalif von Bagdad beeilte sich, Gagig Ardsruni zum König von Vaspurakan, die Gegend um den Van-See, zu ernennen, andere Prinzen folgten dem Beispiel Ardsrunis. Doch viele Adelige erkannten die Gefahr, die dem Reich drohte und unterstützten Smbats Nachfolger Aschot II. (915 - 928). Mit byzantinischer Hilfe trieb dieser die Araber hinaus, die aufmüpfigen Prinzen gelobten ihm Treue.
Das Ende des Hauses Bagratuni kam mit der Eroberung ihrer Hauptstadt Ani (an der heutigen armenisch-türkischen Grenze, noch auf türkischem Territorium gelegen) zunächst durch byzantinische Truppen in 1045, 1064 durch das Turkvolk der Seltschuken. Im 12. und 13. Jahrhunderts gelang es der Prinzenfamilie der Sakarianz die Seltschuken mit georgischer Unterstützung aus dem armenischen Kernland hinauszudrängen. Doch der Einfall der Mongolen 1239 in Nordarmenien brachte diese Entwicklung zu einem Ende. Die Handelsstraßen verloren aufgrund der politischen Unsicherheit an Bedeutung, die nordarmenischen Städte verfielen. Mitte des 14. Jahrhunderts verwüsteten Temur Lenk und seine Truppen das Land, was zu einer stärkeren Auswanderung aus Armenien führte.
Das armenische Königreich von Kilikien
Die armenische Hauptstadt Ani wurde 1045 durch die Byzantiner erobert. Wie kurzsichtig diese Politik von Byzanz war, zeigte sich nach wenigen Jahren, als es 1071 von den nach Anatolien drängenden Turkstamm der Seltschuken in Mantzikert vernichtend geschlagen wurde, was den Anfang der dauerhaften Besiedlung Anatoliens durch die Turkstämme zur Folge hatte. Ein militärisch intaktes Armenien hätte vermutlich, wie so oft in der Vergangenheit, die Rolle des Bollwerks übernommen.
Nach dem Einfall der Seltschuken in Anatolien, aber auch schon nach dem Fall von Ani, zogen armenische Prinzen und ihre Gefolgschaft nach Kilikien, was damals byzantinisches Territorium war. Prinz Ruben aus dem Haus der Bagratunis (1080 - 1095) gründete das Armenische Königreich von Kilikien, andere sog. Nacharare hatten ebenfalls ihre halbunabhängigen Fürstentümer gegründet. Rubens größter Gegenspieler war Oschin aus dem Haus der Hetumiden.
Mit den beginnenden Kreuzzügen tauchten auf ihrem Weg ins Heilige Land in Armenisch-Kilikien zunehmend Kreuzritter auf, sie wurden von den Armeniern unterstützt, so daß Papst Gregor XIII. sagte: "Keine andere Nation kam den Kreuzzüglern so großzügig zur Hilfe wie die Armenier." Es entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit ihnen, so mit dem Fürsten von Edessa sowie von Antiochien.
1198 wurde Levon II. (1185 - 1219) zum König von Armenisch-Kilikien gekrönt. Die Königskrone erhielt er von Heinrich VI., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Bei der Zeremonie war der päpstliche Legat, Konrad Wittelsbach, Erzbischof von Mainz, anwesend. Zuvor hatte Levon II. Kaiser Friedrich Barbarossa seine Hilfe beim Dritten Kreuzzug (11891192) versprochen. Und 1191 hatte er Richard Löwenherz bei der Eroberung Zyperns geholfen. Während seiner Regierungszeit kam es zu ersten Kontakten mit dem Papst, verschiedene Bischöfe, insbesondere aus Kilikien, waren bereit, den Papst als ihr Oberhaupt anzuerkennen, Widerstand kam vor allem aus der Bevölkerung.
Nach dem Tod von Levon II. kam es zur letztendlichen Einigung der Rubeniden aus dem Hause des bereits genannten Prinzen Ruben und den Hetumiden. Levon II. Tochter, Sabel, heiratete einen Hetumiden. Hetum I. (1226 - 1269) erkannte, daß es klüger war, sich den Mongolen, die damals weite Teile Kernarmeniens verwüsteten, freiwillig zu unterwerfen. 1253 fuhr er zu diesem Zweck in die mongolische Hauptstadt Karakurum, wo viele Mächte, so auch westliche, vertreten waren. Als Folge hiervon bahnte sich eine Zusammenarbeit der beiden Parteien an, so waren Armenier 1260 bei der Eroberung Bagdads durch mongolische Streitkräfte unter Hulagus Führung dabei, ebenso Georgier.
Ab 1266 griffen die Mameluken, Sklaven kptschakischer Abstammung, die um 1250 herum die Macht in Ägypten an sich gerissen hatten, Armenisch-Kilikien an. Diese Angriffe nahmen bis zum Untergang des Armenischen Königreiches von Kilikien in 1375 an Stärke zu, die Abwehrkämpfe der Armenier konnten nur zeitweilige Erfolge verzeichnen, zumal die Allianz mit den Mongolen nicht mehr existierte. Trotz der engen Bindungen zu Rom kam vom Westen keine Hilfe. Papst Johannes XIII. und Philipp von Valois ignorierten die Hilferufe der Armenier.
Hinzu kam, daß Armenisch-Kilikien durch Spannungen, die die Union mit Rom mit sich brachte, im Inneren geschwächt wurde. Nach dem Niedergang im Jahre 1375 konnte einzig die Festung Korykos sich bis 1448 halten, um dann von den Türken erobert zu werden.
Nach dem Niedergang Armenisch-Kilikiens trat der letzte armenische Staat von der politischen Weltbühne ab, bis zur Gründung der ersten, überaus kurzlebigen Republik 1918 bis 1920 mußten die Armenier über 500 Jahre auf einen eigenen Staat warten.
Traditionen, die die Zeit überdauern
Beim Übergang von der urartäischen zur armenischen Herrschaft hat sich zumindest die Kopfbedeckung nicht sonderlich geändert, so tragen die urartäischen Gesandten am Hofe des assyrischen Königs Assurbanipal aus dem Jahre 640 v. Chr. Spitzmützen, von denen Quasten herabhängen. Diese Form der Kopfbedeckung wird später noch charakteristisch für die Darstellung von Armeniern auf den achämendischen Reliefs von Persepolis sein.
Die alten Armenier kannten Aralez genannte mythische Hunde, die durch ihr Lecken Wunden heilen und Tote zum Leben erwecken konnten. Die Aralez werden mit den im Hauptkultort Musasir gefundenen Hundeköpfen mit gefletschten Zähnen und Flügelgenien, die auf solchen Hunden stehen, in Verbindung gebracht. Noch während der Glaubenskriege im 5. Jh. n. Chr. gegen das sasanidische Persien berichtet Faustus von Byzanz von dem Versuch, einen im Kampf gefallenen armenischen Offizier (es wurde ihm der Kopf abgeschlagen) dadurch zum Leben zu erwecken, daß man ihm seinen Kopf annähte, den Körper auf das Dach eines Turmes legte in der Hoffnung, Aralez würden herabsteigen und durch ihr Lecken den Toten zum Leben erwecken. Noch im diesem Jahrhundert ist das Bild der Aralez zumindest in der Literatur präsent. Der bedeutende armenische Autor Schahan Schahnur hat als Titel einer seiner Prosabände 'Der Verrat der Aralez' genannt; das Buch ist in den 30ern in Paris erschienen.
Die Darstellungen vom Xenophon (401 - 400 v. Chr.) zum Leben auf dem Lande in Armenien lassen Rückschlüsse auf das Landleben aus urartäischer Zeit zu. Diese Verhältnisse herrschten, wie J. J. Mourier in 'Reisen durch Persien in den Jahren 1808 - 1816', Berlin 1985, feststellte, zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Sewan-See unverändert vor.
Bei den Urartäern hatten Felsen und Höhlen als Heiligtümer gedient, vor diesen wurden Opfer dargebracht, Opfervorschriften wurden in den Fels gemeißelt. Diese Tradition setzten die Armenier fort, darin werden auch Berge eingeschlossen. Berge wurden verehrt, und im alten armenischen Kalender trugen Monatstage auffallend oft neben bekannten Gottheitsnamen auch Bergnamen. In den Fels wurde eine Tür eingehauen, aus der dann die Gottheit auszutreten hatte. Die bekannteste 'Tür' dieser Art befindet sich in Van (ehemals Tuschba), die auch noch Eingang in die armenische Mythologie gefunden hat. Dieses 'Tor des Mher' soll sich am siebten Tag nach Ostern oder am Johannistag öffinen.
Die Urartäer kannten auch eine turmartige Tempelarchitektur, so daß die Assyrer in ihrer Sprache für diese ihr Wort für 'Turm' benutzten, doch ihre rituellen Handlungen im Freien müssen sich in armenischer Zeit besonders durchgesetzt haben. Götterverehrung in Tempeln fanden in Armenien erst in hellenistischer, sprich in nachalexandrinischer Zeit statt.
Der Lebensbaum wurde bei den Urartäern und davor bei den Hurritern als heiliger Baum verehrt, er stand für die Ewigkeit des Königtums und der ständigen Lebenserneuerung. Parallel hierzu berichtet Moses von Chorene im 5. Jh., wie heilige Bäume von Priestern befragt wurden. So wurden die Bewegungen des Pappelbaums im Winde als göttliche Orakel gedeutet. Das Kreuz bei den seit 301 n. Chr. christianisierten Armeniern wird auch oft als Lebensbaum dargestellt.
Zwei- und dreischifflge Hallen sowie dekorative Einzelformen (Rosetten, konzentrische Kreise, Stufenzinnen) der frühen armenischen Architektur sind urartäischer Herkunft. Die Säulenhallen von Persepolis sind Fortentwicklungen der zwei- oder dreischiffigen Hallenbauten der Urartäer. Hiervon abgesehen haben die christlichen Armenier besonders bei ihren Sakralbauten christliche Symbole verwendet. Die frühe Übersetzung des in der zweiten Hälfte des zweiten nachchrichstlichen Jahrhunderts entstandenen 'Physiologus' ins Armenische ist ein deutlicher Beleg hierfür.
Astghik (arm. 'Sternchen') ist eine der Göttinnen des altarmenischen Pantheons, die vermutlich sehr weit in die Vergangenheit zurückreicht. Sie ist bis in unsere Tage im Volksglauben, besonders auf dem Lande gegenwärtig. Ihre heilige Blume war die Rose und ihr Fest hieß Vardavar, was so gut wie Schimmer der bunten und vielfältigen Rosen bedeutet. Dieses Fest war so beliebt, das es auch nach der Christianisierung beibehalten wurde. Zwar wird an jenem Tag, am siebten Sonntag nach Pfingsten, Christi Verklärung gefeiert, aber das Fest heißt nach wie vor Vardavar. An diesem Tag besprengt man sich mit Rosenwasser oder einfach mit Wasser.
Literatur
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