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Primarschüler sollen nur noch eine Fremdsprache lernen müssen und zwar eine Landessprache. Dies unterstrich die Präsidentenkonferenz der kantonalen Lehrerverbände gestern in einer Konsultativabstimmung. Die Verbände reagieren damit auf Bestrebungen in den Kantonen Thurgau und Nidwalden, das Frühfranzösisch abzuschaffen und nur Englisch zu unterrichten. Bisher wurden zwei Fremdsprachen als machbar erachtet.
Der Präsident des Schweizer Lehrerdachverbands (LCH), Beat Zemp zeigte sich sehr erfreut über das Votum seiner Mitglieder. Mit einer Landessprache und nicht mit Englisch anzufangen, sei schon immer die Position des Dachverbands gewesen. «Das Englisch nimmt dadurch überhaupt keinen Schaden», betont Zemp gegenüber SRF. Neueste Studien zeigten, dass man damit auch auf Sekundarschulstufe beginnen könne.
Laut Zemp werden nun die vorliegenden Resultate ausgewertet. Die Lehrerverbände wie auch die kantonale Erziehungsdirektorenkonferenz gingen nun über die Bücher. Dann werde gemeinsam Bilanz gezogen, um im nächsten Sommer über eine Lösung informieren zu können.
Rote Linie überschritten
Zemp bestätigte, dass die Kehrtwende zu einer Landessprache als erste Fremdsprache durch die Entscheide im Thurgau und jetzt auch in Nidwalden ausgelöst wurde. «Damit wurde eine rote Linie überschritten. Der gestrige Entscheid in Bern wurde denn auch mit nur einer einzigen Gegenstimme gefällt.»
Damit soll die zweite Sprache an der Primarschule neben der Unterrichtssprache eine Landessprache sein und nicht Englisch. Der kantonalen Lehrerverbände stellen sich damit gegen die kantonalen Erziehungsdirektoren, die weiterhin auf zwei Fremdsprachen in der Primarschule pochen.
Zweite Fremdsprache als Option
Die Bedingungen für ein Gelingen zweier obligatorischer Fremdsprachen an der Primarschule seien nicht erfüllt, erklärt Zemp. Dass heisse aber nicht, dass Englisch aus der Primarschule gekippt werden. Es brauche vielmehr ein Angebot für Englisch ab der fünften Klasse.
Und zwar so, dass die sprachstarken Schülerinnen und Schüler in der Lage seien, dies zu lernen und das Angebot wahrnehmen können. «Meine Prognose ist, dass es sehr viele Schülerinnen und Schüler geben wird, die dann doch zwei Fremdsprachen an der Primarschule lernen werden.»
Zemp geht davon aus, dass es noch weitere kantonale Vorstosse in der Sprachenfrage geben wird. So werde etwa nächste Woche im Kanton Luzern eine Initiative eingereicht für nur eine Fremdsprache an der Primarschule. Letztlich werde sich die Frage stellen, ob der Bund einschreiten soll oder nicht. Er werde noch einige Zeit brauchen für diese Bilanz über die Umsetzung des Harmos-Konkordats in der Sprachenfrage, prognostizierte Zemp.