Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/3065

Das Interesse der Schriftsteller für Lavaux fällt in die gleiche Zeit wie die Beachtung, die der Schweiz als neuem Mode-Reiseziel zuteil wird. Jean-Jacques Rousseau siedelt die Handlung von La Nouvelle Héloïse (Die neue Heloise) einen Steinwurf vom Lavaux entfernt an. Hier verherrlicht er die Pracht des Sees und des Weinbaugebiets. Albrecht de Haller, Isabelle de Charrière oder Lord Byron eifern ihm nach.
Sänger und Chronisten
Im XIX. Jahrhundert werden der Doyen Philippe-Sirice Bridel und Juste Olivier zu Chronisten und Sängern dieser Weinbauregion. Der erste geht zu den Quellen des Lavaux zurück und schildert die ersten Handlungen des Menschen, die Personen, die dort gelebt haben und die Legenden, zu denen es die Anregung gab. Der zweite setzt lyrische Prosa ein, wenn er Lavaux schildert und die so harmonische Verbindung von Topographie und Eingriffen des Menschen.
Diese Verflechtung von Natur und Mensch stellt Charles Ferdinand Ramuz in den Mittelpunkt seines Werks und insbesondere von Passage du poète (1923):
„Der liebe Gott hat begonnen, der Mensch ist dann gekommen und hat das Werk vollendet … Der liebe Gott hat den Abhang geschaffen, aber wir haben geschafft, dass er nützlich ist, wir haben dafür gesorgt, dass er hält, dass er dauerhaft ist: nun würde man ihn nur jetzt erkennen, sagt er noch unter seinem steinernen Kleid? […] Und das ist nichts Natürliches mehr, das ist gemacht […]. Das ist kein Hang mehr, das ist ein Bauwerk, das ist ein Turm, das ist die Wand einer Festung.“
Charles-Albert Cingria, Paul Budry, und später Jean-Pierre Schlunegger, François Debluë, Claire Genoux beziehungsweise Jean-Luc Benoziglio entscheiden sich auch für das Lavaux oder wählen diese Region als Rahmen für die von ihnen inszenierten Intrigen.