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Produktgruppen - Kurzinfo
Hydrokolloidverband
Historie / Typen
Im Zusammenhang mit einer Metaanalyse von B. Gilchrist , London, an über 4000 Wunden konnte gezeigt werden, daß die Infektionsrate unter Okklusivverbänden während der Therapiezeit bei durchschnittlich 2,6 % liegt hingegen bei konventionellen Gaze - / Salben - / Tüllverbänden bei durchschnittlich 7,1 %.
Am Internationalen Forum für Wundmikrobiologie in Barcelona, 1989, präsentierte J. Hutchinson die Ergebnisse von 103 Studien mit über 7200 Wunden, wonach nur 2,1% unter okklusiven Verbänden eine Infektion erlitten, hingegen 5,3% unter konventionellen Verbänden. Von diesen 103 Studien waren 52 alleine nur über Hydrokolloide. Betrachtet man nur die Hydrokolloidgruppe so lagen dort nur 1,02 % Infektionen vor gegenüber 4,01 % bei konventionellen Verbänden.
Die Hydrokolloide werden im deutschsprachigen Raum seit ca. 1985 angewendet. Interessant ist, daß bei korrekter Applikation in der Regel schnelle und eindrückliche Erfolge erzielt werden, mit sehr guter Narbenqualität ( viele Kapillaren bilden sich in der Narbe ). Bei Wunden mit eindeutigen klinischen Infektzeichen bzw. bei Verdacht auf eine Wundinfektion, sollten die Hydrokolloide nicht eingesetzt werden (Erfahrungen der letzten 19 Jahre).
Einteilung der Hydrokolloidtypen nach G.Kammerlander 1998/2004©
Hydrokolloide der 1. Generation
Die Hydrokolloide der 1. Generation ( z.B. Varihesive grün, Comfeel,... ) waren so aufgebaut, daß die Makromoleküle in einer fadenartigen Matrix eingebettet waren. Dies erlaubte eine schnelle Quellung und Hydrokolloidbildung in der Wunde. Zu jener Zeit war diese schnelle Umwandlung erwünscht, da die entsprechenden Wundfüller wie Wundgele, Alginate und Hydrofaser noch nicht zur Verfügung standen. Der Nachteil besteht bei diesen Hydrokolloiden darin, daß sie zu schnell aufgebraucht sind und daß sie durch ihren strukturellen Aufbau bedingt etwas steifer wirken und nicht so geschmeidig und flexibel sind. Es werden auch heute noch Hydrokolloide der 1. Generation am Markt angeboten - vergleichen lohnt sich also.
Hydrokolloide der 2. Generation
Zu Beginn der 90er Jahre wurden deswegen die Quelleigenschaften der Hydrokolloidplatten durch strukturelle Veränderungen insofern verbessert, daß die Hydrokolloidbildung ab nun wesentlich kontrollierter und langsamer ablief.
Bei der Entwicklung von Comfeel plus entschloss man sich, die Makromoleküle mit Calciumalginat gemischt in eine polymere Matrix einzubauen. Diese Art Hydrokolloid quillt deswegen und bildet kaum Hydrokolloidgel - Mischhydrokolloid.
Bei der Entwicklung von den Varihesive - E - Typen wurde die Grundmischung der Makromoleküle (genaue Beschreibung folgt noch) beibehalten, lediglich die polymere Grundmatrix in welcher die Makromoleküle eingebettet sind, wurde ab nun wabenförmig aufgebaut. Dies bedingt, daß der Quellvorgang um gut 50% langsamer abläuft als wie beim normalen (Ur - Varihesive) und dadurch bei gleich stark exsudierenden Wunden die Tragedauer bis zum Aufbrauchen praktisch aller Makromoleküle verdoppelt wurde. Dadurch können die angestrebten maximal 7 Tage Tragedauer in der Praxis auch viel schneller erreicht werden.
Hydrokolloide der 3. Generation
Das sind sogenannte kombinierte Hydrokolloide. Die Grundmatrix bildet ein extradünner Hydrokolloid mit aufgebrachtem Textilgestrick und Superabsorbern ( Polyacyrlaten ). Beispiel - Combiderm.
Hydrokolloide der 4. Generation
In die Grundmatrix des Hydrokolloids werden Silberionen eingearbeitet welche bei Kontakt mit Wundexsudat die darin enthaltenen Keime abtöten. Beispiel - Contreet H (Comfeel plus mit zusätzlichen Silberionen).
Aufbau / Herkunft / Grundsubstanzen
Cellulose
Gruppe organischer Gelbildner halbsynthetischer oder synthetischer Herkunft . Sie ist ein natürliches Makromolekül - durch chemische Substitutionen entstehen verschiedenste Cellulosearten:
Von diesen Typen sind die wasserlöslichen Vertreter wichtig (vor allem Carboxymethylcellulose ).
Wasserlöslich >> in Wasser zunächst quellbar >> dann kolloidal löslich
Kolloid >> leimähnlich , disperser Verteilungsgrad einer Lösung / Emulsion >> Teilchen sind nicht makroskopisch sichtbar >> nur in hoher mikroskopischer Auflösung.
Cellulose wird grundsätzlich verwendet als zB:
- Grundlagenkomponente für Gele
- Stabilisator für Emulsionen
- Aufnahme - / Depotmedium; kann bis zum ca. 4 - fachen des eigenen Volumens von in Flüssigkeit gelösten Stoffen in sich aufnehmen, bevor es zur Kolloidbildung kommt
Pektine Gruppe organischer Gelbildner , natürlicher Herkunft.
Bestandteile pflanzlicher Zellwände aus Früchten ( speziell Zitrusfruchtschalen )
- Einsatz als Gelbildner oder zur Viskositätserhöhung in Gelen, Lotionen,...
- ergänzt die Wirkung von Zellulose ( Carboxymethylcellulose )
Eingebettet werden diese Substanzen in eine Grundmatrix aus Polymeren und Gelatin. Der äussere Abschluss ist eine mehr oder weniger durchlässige (MVTR = Moist Vapor Transmission Rate = Wasserdampfdurchtrittswert) Folienbeschichtung (Polyurethan). In die Hydrokolloidmatrix werden je nach Produkt manchmal Zusatzstoff eingemischt (z.B. Silberionen bei Contreet H,.).
Primär sinnvolle Indikationen
- trockene bis feuchte wunden
- Granulationsförderung
- Förderung der Epithelisierung
- Schutz der Wunde von außen (Verschmutzung, Temperaturverlust,...)
- Wundreinigung