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Eine windige Sache – Spaniens Nordwest-Ecke
Südwestecke der Biskaya
Ein Ziel unserer diesjährigen Sommerreise 2021 mit Jupi war das Abfahren der gesamten Biskaya-Küste, dieser stürmischen Bucht im Atlantik, die von der Bretagne bis zur Nordwestecke von Spanien führt. Der nördliche, französische Teil beginnt in der Bretagne am Point Penmarch, der die Biskaya vom Ärmelkanal abgrenzt. Die andere Ecke in Spanien scheint nicht genau definiert zu sein, selbst in Wikipedia werden zwei Punkte genannt: Entweder der Punkt Estaca de Bares oder dann das ein paar Kilometer westlich davon liegende Kap Ortegal. Wir haben beide Punkte besucht:
Der Punkt Estaca de Bares ist der nördlichste Punkt von Festland-Spanien. Der Platz liegt rund 100m über dem Meer und hat auch einen 10m hohen Leuchtturm. Vor diesem gibt es einen grossen Parkplatz, wo wir übernachten konnten. Es war allerdings sehr windig, so dass wir nicht zuvorderst standen sondern etwas weiter hinten und Jupis Nase schön in den Wind stellten. Während der blauen Stunde gelangen uns einige Aufnahmen vom Leuchtturm mit seinem nächtlichen Lichtkegel, dessen Strahlen auf dem Bild grünlich erscheinen.
(wie immer: auf das Bild klicken, damit es schärfer und grösser wird)
Auch beim Kap Ortegal war es sehr windig, es erstreckt sich nicht ganz so weit in den Norden wie der etwa zwölf Kilometer daneben liegende Punkt Estaca de Bares. Zwischen den beiden Punkten liegt der erste einer ganzen Reihe von spanischen Fjorden entlang der Biskaya-Küste. Der Leuchtturm vom Kap Ortegal, erst in den 1980er Jahren gebaut, wird heute nur noch mit Solarkraft betrieben, denn die frühere Stromleitung wurde 2010 abgebaut, weil sie durch Stürme immer wieder beschädigt wurde. An einer Stelle lasen wir, dass die neue LED-Leuchte nur noch eine Leistung von 18 Watt benötigt. Ob dies die gesamte Leistung aller LED-Leuchten ist oder nur einer einzigen konnte ich nicht eruieren, auf dem von mir gemachten Bild sieht man aber, dass mindestens vier LED-Leuchten im Einsatz stehen. Die Tragweite (Reichweite) des Leuchtfeuers beträgt 33km. Da die Schiffe nach diesem Kap wirklich Richtung Süd abdrehen können, scheint uns dieser Punkt der logischere südliche Startpunkt der Biskaya zu sein. Auch Richtung Süd geht es danach sehr wild und windig weiter, Steilküste folgt an Steilküste. Und der Wind wird für den Antrieb von hunderten von Windturbinen genutzt.
A Coruña
Mit A Coruña haben wir ein weiteres Ziel unserer Sommerreise erreicht. Vor rund 25 Jahren lief ich hier mit einer Segelyacht ein, die ich von Deutschland auf die Balearen überführte. Seit vielen Jahren nennt sich die Stadt nicht mehr La Coruña sondern A Coruña (galizisch) und ist die mit Abstand grösste Stadt im Nordwesten von Spanien, sie ist auch die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz A Coruña. Die Provinz A Coruña ist wiederum ein Teil der autonomen Gemeinschaft Galizien. Die Hauptstadt von Galizien ist Santiago de Compostela, das wir auf dieser Reise nicht besuchten.
Ein Wahrzeichen von A Coruña ist der Herkulesturm, ein Leuchtturm, den die Römer um das Jahr 110 n.Chr. gebaut haben und der immer noch in Betrieb ist. Er ist damit der älteste noch aktive Leuchtturm der Welt. Wobei man vom römischen Teil von aussen nichts mehr sieht, denn er wurde von 1788 – 1791 mit einer neuen Hülle umgeben, um ihn vor dem Zerfall zu retten. Steigt man aber im Innern die 242 Treppenstufen empor, so ist man von römischen Mauern umgeben, unglaublich.
Während mehreren Tagen besuchten und besichtigen wir die Stadt. Auch hier stürmte es die meiste Zeit, mehrheitlich war es trocken, die Regenspritzer dauerten meist nur kurz. Wir hatten einen Parkplatz etwas überhöht vom Meer, sahen dieses aber. Neben Besichtigungstouren gingen wir auch joggen und entdeckten, dass es neben einem Veloweg, dem Trottoir für Fussgänger sogar eine eigene Jogging-Spur neben der Strasse gibt, bemerkenswert. Weiter muss es hier wohl verschiedene Heimweh-Aargauer geben, haben wir doch eine Bar mit dem Namen Aarau und sogar eine mit dem Namen Menziken entdeckt, ob da jemand mal in der Alu Menziken gearbeitet hatte?
Und am Abend kochten wir immer wieder etwas leckeres, wie z.Bsp. eine Rösti mit Birnenscheiben und Speckstreifen, mmmmhh.
Wegen dem vielen Gebrauch gab es auch eine kleine Reparatur an unserem Herd: Ein Gummipuffer, der die gläserne Abdeckplatte vor dem Metall schützt, fiel immer wieder nach dem Putzen aus seiner Halterung. Wir leimten ihn kurzerhand ein, jetzt hält er wieder.
Nachtfotografie
Von A Coruña aus fuhren wir etwas ins Hinterland, wollten wir doch wieder einmal die Sterne fotografieren. Die Wettervorhersage versprach eine klare Nacht und wir hatten fast keinen Mond, also optimale Voraussetzungen. Wir suchten uns einen Hügel auf Locus Map aus und hofften auf möglichst wenig Lichtverschmutzung.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…
Es gab während der blauen Stunde, also kurz nach Sonnenuntergang, einen superschönen Monduntergang, bei dem dieser nur eine feine Sichel bildete. Doch die Luft war so klar, dass man auch den dunklen Teil des Mondes sah. Generell fiel uns in letzter Zeit auf, dass es oft ein schönes Abendrot gab. Ob dies mit dem Vulkanausbruch auf den kanarischen Inseln in Zusammenhang steht, ob die dort in die Atmosphäre abgegebene Asche dies begünstigt?
Danach begannen wir zu Grillieren, der Wind begann ebenfalls zu blasen und warf während einer plötzlichen Böe das Stativ mitsamt der Kamera um. Auf den ersten Blick sah aber alles gut aus, nichts gebrochen oder so. Erst später am Abend, als ich das Zoomobjektiv abnahm um das Weitwinkelobjektiv für die Sternenfotografie zu montieren fiel mir auf, dass es sich nicht mehr bewegen liess, dass es beim Sturz kaputt ging, grrrrhhh.
Die Fotografie der Milchstrasse war nicht so einfach wie erhofft, denn es hatte durch die im Tal unten liegenden Ortschaften sowie einen Sendeturm mit Blinklicht auf unserem Hügel doch recht viel Lichtverschmutzung. Wir machten je 15 Aufnahmen mit Belichtungszeiten von 30 Sekunden, 60 Sekunden und 90 Sekunden. Bereits die 90 sekündigen Bilder waren wegen der Lichtverschmutzung hoffnungslos überbelichtet. Aus den eine Minute lang belichteten Bildern konnte ich dann mit viel Nachbearbeitung die Milchstrasse einigermassen sichtbar machen. Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man sogar die Andromedagalaxie auf der rechten Seite.
Durch das defekte Objektiv ist jetzt unser weiterer Weg vorgegeben: Für eine hoffentliche Reparatur fahren wir zur nächsten Nikonvertretung, die in Lissabon liegt.
Westlichster Punkt von Spanien
Danach fuhren wir wieder an die Küste und besuchten zwei weitere Kaps. Zuerst das Kap Touriñán, das der westlichste Punkt von Festland-Spanien ist. Nur das Kap Roca in Portugal liegt noch weiter westlich auf der iberischen Halbinsel und ist damit auch der westlichste Punkte auf Festlandeuropa. Auf dem 93m hohen Plateau vom Kap Touriñán befindet sich ein 11m hoher Leuchtturm, der im Jahre 1981 neu gebaut wurde.
Kap Finisterre
Wem jetzt dieser Name irgendwie schon bekannt vorkommt: Ja, in Frankreich gibt es in der Bretagne ebenfalls ein Kap Finisterre, das wir auf dieser Reise besucht haben. Das Wort Finisterre stammt von den zwei Wörtern Fini und Terre ab, Ende und Welt, also bedeutet Kap Finisterre das Kap am Ende der Welt…
Vom westlichsten Punkt Spaniens war es nicht mehr weit bis zum (aus unserer Sicht) viel attraktiveren Kap Finisterre, so dass wir hier gleich zwei Nächte blieben. Wir hatten wunderbares Wetter, aber es windete auch hier meistens sehr stark.
Der Jakobsweg endet eigentlich in Santiago de Compostela, für viele gehören die rund hundert Kilometer zum Ende der Welt, zum Kap Finisterre, aber noch dazu. Hier steht auf jeden Fall (auch) eine Kilometer-Null Wegmarke. Vor vielen Wochen fotografierten wir mal die km 789 km Wegmarke…
Auch hier bewunderten wir an beiden Abenden die wunderschönen Sonnenuntergänge, zusammen mit den diversen Wanderinnen und Wanderer des verlängerten Jakobsweges. Speziell war dabei, dass am ersten Abend der Mond nahe bei der Venus stand, was man auf den letzten zwei Bilder der folgenden Serie sehr gut sehen kann, wenn man die Bilder zum Vergrössern anklickt.