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Das Netzwerk Swissnex verbindet Wissenschaftler aus Asien und Amerika mit Schweizer Hochschulen und Schweizer Forscher mit renommierten ausländischen Hochschulen. Bundesrat Didier Burkhalter besucht das Swissnex-Haus in Boston.
Seit zehn Jahren ist Swissnex der wissenschaftliche Brückenkopf der Schweiz zur Welt. Mit fünf Häusern in Amerika und Asien schafft es die Institution, junge Wissenschaftler für Schweizer Hochschulen zu gewinnen. Umgekehrt hilft Swissnex jungen Forschern aus der Schweiz, an Universitäten - hauptsächlich in den USA - zu lehren.
Am 28. und 29. Oktober wird Didier Burkhalter die prestigeträchtige Harvard-Uni und das MIT, das Massachusetts Institute of Technology, besuchen. Das alte Swissnex-Haus aus roten Backsteinen in Boston ist keine zwei Kilometer von den renommierten Hochschulen der Welt entfernt.
Die Punkte verbinden
Im MIT hat Pascal Marmier, der das Swissnex-Haus seit zwei Jahren als Wissenschafts-Konsul führt, Marilyne Andersen, eine junge Physikerin aus Zürich, kennengelernt. Sie wurde schon mehrere Male für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Sie beschäftigt sich mit dem Einsatz von natürlichem Licht in Gebäuden.
Ihre Geschichte ist exemplarisch: Im Jahr 2004, als sie noch nicht einmal ihre Doktorarbeit an der Ecole polytechnique in Lausanne (EPFL) beendet hatte, hatte das MIT eine von ihren Publikationen gelesen und sie als Assistenzprofessorin angestellt. Fünf Jahre später kehrte sie als assoziierte Professorin an die EPFL zurück.
So funktioniert die Idee von Swissnex: Sie ist weder ein Büro zur Abwerbung von wissenschaftlichem Potenzial noch eine Agentur für wirtschaftliche Promotion.
Der Swissnex-Slogan lautet: "Connecting the dots" (die Punkte untereinander verbinden). "Wir helfen jungen Talenten, wenn sie wissenschaftlich, innovativ oder unternehmerisch tätig sind. Wir vereinfachen die Begegnungen oder die Heimkehr in die Schweiz", fasst Pascal Marmier zusammen.
Schweizer Hochschulen wie die EPFL
Für die Schweizer ist es keine einfache Aufgabe, Wissenschaftler an die Schweizer Hochschulen zu bringen. Die EPFL werde zum Beispiel gerne als eine der besten Hochschulen der ganzen Welt eingeschätzt, "aber bis auf seltene Ausnahmen wissen die Leute in den USA gar nicht, dass sie existiert", erklärt Christian Simm, Kollege von Pascal Marmier, Swissnex-Leiter in San Francisco, dem zweiten wissenschaftlichen Botschafter aus der Schweiz auf amerikanischem Boden.
"Man muss ihnen zuerst zeigen, dass wir Forschung auf Spitzenniveaubetreiben, beste Ausbildungen und Technik haben."
Diese Überzeugungsarbeit leisten Pascal Marmier und Christian Simm sowie ihre Kollegen und Vorgänger seit mehr als zehn Jahren, seitdem letzterer 1997 schweizerischer Wissenschaftsbotschafter im Silicon Valley war. Damals existierte Swissnex noch nicht, Simm leistete Aufbauarbeit.
Heute tragen die Anstrengungen Früchte. Und wenn die Direktoren der Schweizer Hochschulen nach Boston oder San Francisco reisen, begegnen sie ihren amerikanischen Kollegen auf Augenhöhe.
Eine neue Annäherung
"Wir bieten ein eigenes Bild des Landes, weit entfernt von den touristischen Klischees. Und wir haben ein Pioniermodell des Austausches mit dem Ausland geschaffen, "sagt Christian Simm. Er zählt die Staaten auf, die das Modell Swissnex nachahmen: Dänemark, Schweden, Norwegen. Auch das neue deutsche Netzwerk von "Wissenschaftshäusern" erinnere stark an jenes der Schweiz.
An der Ostküste wird Pascale Marmier von der Tageszeitung Boston Globe als "Repräsentant eines neuen Ansatzes in internationalen Beziehungen" bezeichnet.
Im April 2009 hat der ehemalige Vizepräsident Al Gore, der für den Kampf gegen die Klimaerwärmung einen Friedensnobelpreis erhielt, Swissnex besucht und dabei im Vorbeigehen die Fähigkeiten der Schweiz in den grünen Techniken gelobt.
Wenn man Christian Simm an der Westküste fragt, wie es mit dem Budget aussehe, betont er, dass 2009 nur 48 Prozent der Million von der Eidgenossenschaft stammten. Der Rest wurde von privaten Institutionen gespendet.
Vielseitige Arbeit
Wissenschaftler anzuziehen ist nur ein Aspekt der Arbeit von Swissnex. "Um das zu tun, was wir machen, muss man vielseitig sein", erklärt Pascal Marmier, der künftig "fast jede Woche eine Besuchergruppe in der Stadt hat".
Die Besucherinnen und Besucher kommen aus der Schweiz und sind Akademiker, Politiker, Industrielle oder zukünftige Industrielle. Die Gruppen, die im Rahmen von Venturelab geschickt werden, gehören in die letztgenannte Kategorie. Venturelab ist ein Austauschprogramm der Förderagentur für Innovation (KTI).
Die Verantwortlichen dieser schweizerischen Förderagentur entsenden jedes Jahr die vielversprechendsten Jungunternehmer in einen fortgeschrittenen Kurs für Unternehmertum nach Boston.
"Wir profitieren vom Beziehungsnetz von Swissnex. Diese Art von Ausbildung mit so grosser Wirkung könnten wir niemals selber organisieren", sagt Jordi Montserrat, der Verantwortliche dieser Programme für die Westschweiz.
Swissnex auch in Asien
Im Jahr 2004 wurde Swissnex in Singapur eröffnet. Es ist das kleinste Haus des Netzes. Sechs Stellen sind dort besetzt im Gegensatz zu 14 in San Francisco. Nur zwei werden vom Staatssekretariat für Wirtschaft für Bildung und Wirtschaft finanziert.
In einem Stadtstaat, der sich als Ausbildungszentrum in Südasien profilieren will, stellt Swissnex einen Brückenkopf zu den schweizerischen akademischen Institutionen dar.
Auch die Universität St. Gallen, das Tropeninstitut Basel und die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) arbeiten schon mit Singapur zusammen. Die ETH ist an einem zukünftigen Technologie- und Unternehmercampus beteiligt, das sie mit dem MIT verbunden ist.
Die Bedingungen in Shanghai sind für Swissnex ganz anders als in den USA. Die Institution hat erst 2008 begonnen, das Terrain zu beackern.
In China gibt es viele qualitativ hochstehende Hochschulen und Forschungszentren, aber, wie Christian Simm zusammenfasst: "Wenn Sie wissen wollen, ob der Professor Sowieso in Wuhan gut ist, brauchen Sie nicht nur einen Übersetzer für die Sprache, sondern auch einen kulturellen Übersetzer."
Tatsächlich sind 60% der wissenschaftlichen Publikationen nicht in englischer, sondern in chinesischer Sprache verfasst.
In einem Land, das sich eher gewohnt ist, mit Amerikanern zusammenzuarbeiten als mit Menschen aus anderen Ländern, macht die Schweiz trotz allem Boden gut: Im Moment sind 25 Gemeinschaftsprojekte aufgegleist, Forschungen in Biologie, Biotechnologie und in der Stadtentwicklung. Mehrere hundert Studierende und Forschende nehmen an Austauschprogrammen teil.
Und wie geht es weiter?
Im Moment ist keine Erweiterung des Swissnex-Netzes geplant. Im Staatssekretariat für Wirtschaft wartet man die Resultate der Überprüfung der Aufgaben im Ausland und die Regierungsreform ab.
Diese könnte dazu führen, dass künftig alle Bildungs- und Forschungsaufgaben in einem Departement gebündelt werden. Die Entscheidungen werden deshalb politischer Natur sein.
Fünf Häuser
Die USA, Singapur, China und Indien beherbergen die fünf wissenschaftlichen Häuser des Netzes von Swissnex.
Swissnex ist ein Instrument der eidgenössischen Politik in der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich Bildung und Forschung sowie Innovation.
Geleitet vom Staatssekretariat für Bildung und Forschung im Departement des Innern, mit der Unterstützung des Aussenministeriums, funktioniert Swissnex auf der Grundlage von Partnerschaften mit den Hochschulen, der Wirtschaft, Interessenvertreter und privaten Sponsoren.
Boston wurde im Oktober 2000 eröffnet und arbeitet eng mit Swissnex San Francisco sowie dem wissenschaftlichen Botschafter der Schweiz in Washington zusammen.
Boston deckt insbesondere Neu-England und die kanadischen Provinzen Québec und Ontario ab.
San Francisco existiert seit Juni 2003. Swissnex San Francisco deckt den Westen der Vereinigten Staaten ab sowie Kanada.
Singapur: wurde 2004 auf dem Gelände von Biopolis eröffnet, der "Stadt der Wissenschaft".
In Shanghai ist der Sitz von Swissnex im gleichen Gebäude wie das Generalkonsulat der Schweiz untergebracht. Seit 2008 ist das Wissenschafts-Konsulat voll funktionsfähig.
Das Zentrum in Bangalore wird 2011 eingeweiht.
(Übertragung aus dem Französischen: Eveline Kobler), swissinfo.ch