Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03484.jsonl.gz/805

Die Befruchtung – Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle
Mit dem Begriff Befruchtung (Fertilisation) bezeichnet man die Vereinigung der weiblichen Eizelle mit der männlichen Samenzelle sowie die Verschmelzung des weiblichen Erbguts mit dem männlichen. Beide Keimzellen (weibliche und männliche) enthalten – im Gegensatz zu anderen Zellen - jeweils nur einen halben Chromosomensatz (haploid). Durch die Vereinigung entsteht wieder ein vollständiger, d.h. doppelter Chromosomensatz (diploid) [Abb.1]. Und dadurch die neue und vollständige Erbinformation des neuen Menschen. Auch die Information zum Geschlecht ist darin enthalten.
Die Befruchtung findet im Eileiter statt. Sobald die Keimzellen verschmolzen sind, beginnt die Zellteilung. Ab jetzt spricht man vom Embryo. Der Embryo wandert nun vom Eileiter in die Gebärmutter. Bis er die Gebärmutter erreicht, finden weitere Zellteilungen statt [Abb.2]. Im sogenannten Blastocysten-Stadium findet die definitive Einnistung (Implantation) in die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) statt. Die Einnistung erfolgt in der Regel am 8.-9. Tag nach Befruchtung. Damit beginnt die Schwangerschaft.
Der Embryo kann sich aber nur einnisten, wenn die Gebärmutterschleimhaut optimal darauf vorbereitet ist. Dafür ist hauptsächlich das Hormon Progesteron zuständig, welches im Gelbkörper (umgewandelter Rest der Follikelhülle im Eierstock) gebildet wird. Sobald sich der Embryo erfolgreich eingenistet hat, bildet die - sich bereits mitentwickelnde - Plazenta das Hormon Choriongonadotropin (HCG, humanes Choriongonadotropin). Das HCG ist ab diesem Zeitpunkt für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft verantwortlich. Die Menge an HCG nimmt im Verlauf der Schwangerschaft bis etwa im 3. Monat stetig zu. Deshalb lässt sich mit der Bestimmung von HCG im Blut oder Harn eine Schwangerschaft nachweisen. Beispielsweise mit den im Handel erhältlichen Schnelltests (Schwangerschaftstests, Harnprobe).
Schwangerschaft – das Ergebnis eines komplexen Ablaufs
Damit es überhaupt zu einer erfolgreichen Befruchtung und Schwangerschaft kommen kann, sind viele verschiedene Schritte nötig. Dazu gehört, dass eine reife Eizelle gebildet und zum richtigen Zeitpunkt durch den Eisprung freigesetzt wird. Dass es in der fruchtbaren Phase des Zyklus zum Geschlechtsverkehr kommt und dass dabei gesunde, befruchtungsfähige Samenzellen bis zur Eizelle im Eileiter gelangen können. All diese Abläufe und noch viele mehr sind umfangreich und vielschichtig und machen das Ganze sehr störungsanfällig. Deshalb ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass auch bei einem jungen, gesunden Paar die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus nur bei etwa 20% liegt.
Am stärksten wird die Fruchtbarkeit durch das Alter beeinflusst. Dies gilt sowohl für die Frau wie auch für den Mann. Aber auch genetische oder erworbene Krankheiten, Medikamente, Suchtmittel (Alkohol, Tabak, Drogen), der Lebensstil (Stress, Ernährung, zu wenig/zu viel Sport), das Körpergewicht und vieles mehr beeinflussen die Fruchtbarkeit.
Eine Schwangerschaft ist also das Ergebnis eines vielschichtigen Prozesses, der viele kritische Schritte beinhaltet. Unfruchtbarkeit kann deshalb in jedem Stadium des Reproduktionszyklus auftreten.
Abb.1 (Klicken um zu vergrössern)
Abb.2 (Klicken um zu vergrössern)
Video: The natural journey of a follicle to an implanted embryo (pregnancy)
Embryo oder Fetus
Die Bezeichnung Embryo bezieht sich auf die erste Phase der Entwicklung nach erfolgter Befruchtung. Von Fetus (auch Fötus) spricht man hingegen ab der 9. Woche nach Befruchtung. Dementsprechend unterscheidet man auch die Embryonalperiode und die Fetalperiode. Die Embryonalperiode dauert 8 Wochen, die Fetalperiode ab der 9. Woche bis zur Geburt. In der Embryonalperiode ist der Embryo besonders anfällig auf äussere Einflüsse und für Missbildungen. In der Fetalperiode nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Missbildung stetig ab.