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Louis Kurz: Guide de la Chaîne du Mont Blanc
Es ist erfreulich, zu konstatieren, daß es unserm verdienten Kollegen gelungen ist, trotz der Konkurrenz, welche ihm durch den Montblanc Führer des Österreichischen Alpenklubs ( siehe S.A.C.J.. IL pag. 320 ) erwachsen ist, und trotz des Krieges, welcher dieses Gebiet schwer zugänglich macht, seinen eigenen Montblancführer in wesentlich erweiterter und verbesserter Form neu herauszubringen. Die erste Auflage, die 1892 erschien ( siehe meine Besprechung im Jahrbuch XXVII pag. 408 ), war in manchen Punkten veraltet, zudem vergriffen. Umfang, Anordnung und Einteilung des Werkes, welches dem Climbers'Guide-Typus folgt, sind vom Verfasser nicht geändert worden. Nach wie vor geht das Buch vom Col du Grand Ferret bis Trient und bis zum Col du Bonhomme und ist in 7 Sektionen eingeteilt, die nicht streng topographisch angeordnet sind, sondern eine Anzahl von Seitenverzweigungen um ein Hauptzentrum gruppieren oder die von bestimmten Punkten aus zu machenden Exkursionen verbinden. Noch immer werden die Erstbesteiger ( Touristen und Führer unter Namensnennung ) an die Spitze jedes zu beschreibenden Gipfels oder Passes gestellt und die Routen danach chronologisch weitergeführt; die Zeiten sind Durch-schnittsleistungen, Halte nicht eingerechnet, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes angegeben wird. Das alles, wie es M. Kurz in seiner Vorrede erläutert, ist praktisch erprobt. Ich habe es in meinen Hochgebirgsführern ( Berner Alpen und Walliser Alpen Bd. III ) auch so gehalten, mit Abweichungen, wo die Praxis sie verlangte, und mich wohl dabei befunden. Die Liste der Abkürzungen geht dem Werke voran, die der Klubhütten und Zufluchtsstätten, in alphabetischer Anordnung, steht am Ende.Vom Verfasser in der Vorrede betonte Änderungen gegenüber der ersten Auflage sind: zugefügt wurden Routenskizzen, die gebräuchlichen Notsignale und ein Vokabularium der häufigsten technischen Ausdrücke in vier Sprachen. Weggelassen wurde die allgemeine Bibliographie und die Liste der Chalets, Pavillons, Hotels, überhaupt alle die Notizen, die man in Handbüchern wie Bädeker, Joanne, Pol zu finden gewohnt ist. Man würde aber irre gehen, wenn man annähme, daß dieses die einzigen namhaften Änderungen seien. Das Kurz'sche Buch hat tatsächlich ein neues Gesicht bekommen, wie man sich bei Vergleichen mit der 1. Auflage leicht überzeugt. Und das kommt davon: Seit 1892 ist die kartographische Grundlage eine andere und wesentlich bessere geworden durch das Erscheinen der Montblanc-Karte Barbey-Imfeld-Kurz, 1. Auflage 1896, besprochen im Jahrbuch XXXII, pag. 374, 2. Auflage, mit Kurven, 1915, besprochen im Jahrbuch XLI pag. 318, 3. Auflage 1910, besprochen im Jahrbuch XLVI pag. 319. Nach dieser trefflichen Karte in 1:50,000, deren Topographie von X. Imfeid, die Hypsometrie und Nomenklatur ( einige aus den Minuten der projektierten Vallot'schen Karte in 1: 20,000 herübergenommene Signalpunkte abgerechnet ) von L. Kurz stammt, sind nun die älteren Routenbeschreibungen sorgfältig revidiert, die vielen seit 1892 durch M. Kurz und seine Korrespondenten neu geschaffenen oder in der Literatur vorhandenen Darstellungen eingeordnet und kontrolliert worden. Das Ganze ist sehr übersichtlich und bei aller Kürze genügend ausführlich. Einen besondern Wert verleihen der neuen Auflage die von Ing. Marcel Kurz, dem Sohne des Verfassers, gezeichneten Routenskizzen, die ein Muster ihrer Art sind. Ich bin leider nur für einen Teil des Gebietes und darin nur für die Besteigungsgeschichte kompetent, aber was ich da konstatiert habe an Zuverlässigkeit der Fakten und Daten und der literarischen Nachweise, gibt mir eine gewisse Gewähr dafür, daß das neue Buch sich im Terrain als ein zuverlässiger Führer bewähren werde, wenn erst einmal dieses Terrain auch wieder für jedermann zugänglich sein wird. Bis dahin empfehle ich diesen „ schweizerischen " Montblanc-Führer zum vorbereitenden Studium aufs beste.BedaMion.