Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03185.jsonl.gz/1303

1. Forschungsgegenstand
Parlamente setzen sich aus Politikern mit unterschiedlichen Identitäten, sozioökonomischen Charakteristika und Interessen zusammen. In der traditionellen Politischen Ökonomie erhält die Identität von einzelnen Politikern wenig Beachtung, da davon ausgegangen wird, dass die institutionellen Rahmenbedingungen für das Verhalten der Politiker massgebend sind. Politiker haben jedoch immer einen gewissen diskretionären Spielraum. Wie sie diesen nutzen, kann sehr wohl von ihrer Identität abhängen.
Eine besonders prominente Gruppe von politischen Abgeordneten stellen die Anwälte dar. Sie sind häufig stark vertreten in Legislativgremien. Die starke Präsenz von Anwälten im Parlament enthält Potential für Interessenskonflikte in verschiedenen Bereichen. So könnten Anwälte im Parlament einerseits die Interessen von bestimmten Klienten vertreten. Andererseits entscheiden sie laufend mit über gesetzliche Bestimmungen, welche sich mehr oder weniger direkt auf die Verdienstmöglichkeiten ihres Berufsstandes auswirken. Falls sie generell eine Gesetzgebung fördern, welche die Nachfrage nach Anwaltsdienstleistungen erhöht, kann dies langfristig eine Verrechtlichung der Gesellschaft nach sich ziehen.
2. Problemstellung und Zielsetzung
Im Rahmen des Projekts soll primär auf die folgenden Fragen eingegangen werden:
Stimmen Parlamentarier mit einem Berufshintergrund als Rechtsanwalt systematisch anders ab, wenn es um Gesetzesvorlagen geht, die tendenziell die Verdienstmöglichkeiten von Anwälten beeinträchtigen? Sind die theoretisch identifizierten Interessenskonflikte tatsächlich von Bedeutung?
Haben Anwälte im Parlament in einem breiteren Sinne Einfluss auf den politischen Prozess? Spielt der relative Anteil von Rechtsanwälten in einer Legislative langfristig eine Rolle hinsichtlich der Ausgestaltung von gewissen Gesetzesbereichen?