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|Das Vorwort zu diesem Buch, in dem Ernst Rudin sich mit der Präzision eines Uhrmachers daran macht, unvoreingenommen und mit nachprüfbaren philologischen Kriterien die greifbaren, aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzten Texte Federico Garcia Lorcas vergleichend darzustellen und zu untersuchen, ihre Meriten und ihre Mängel dingfest zu machen, nennt auch gleich den Mann, der diese Arbeit wesentlich mitbegründet, und das Übel, dem nach Jahrzehnten übler Nachrede endlich zu begegnen war:
"Ein Grossteil dessen, was im deutschen Sprachraum gegen Becks Lorca-Übersetzungen geschrieben worden ist, ist keine Übersetzungskritik, sondern voreingenommenes Kritisieren. Zu diesem Schluss jedenfalls kam ich in einem Vortrag, den ich 1994 an einer Tagung zum Thema der literarischen Übersetzung hielt."
Rudin beeilt sich hinzuzufügen, dass auch das Lob an Beck relativiert werden muss: es geht ohnehin nicht um Ehrenrettung, es geht um so etwas wie begründete und nachvollziehbare Einsicht, es geht um
"die gründliche Analyse jenes Diskurses, der im deutschen Sprachraum die Stimme Lorcas ein halbes Jahrhundert lang exklusiv vertreten hat",
und nicht etwa darum, Becks Arbeit zu verwerfen oder als gut zu befinden.
Das Ergebnis dieser Untersuchungen, die sich intensiv mit dem Poema del Cante Jondo, dem Romancero Gitano, mit Poeta En Nueva York, La Zapatera Prodigiosa beschäftigen, läuft bei der Quersumme aus La Casa de Bernarda Alba auf diese Einsicht hinaus (S.323):
"Keine der vier deutschen Fassungen ist als Ganzes optimal äquivalent; alle vier sind seriöse, brauchbare, adäquate Übersetzungen. Machen wir eine zeitgemässe, idiomatische Sprache zum Entscheidungskriterium, sind die Versionen von Meier und Enzensberger jenen von Fries und Beck vorzuziehen."
Ernst Rudin
Der Dichter und sein Henker
Lorcas Lyrik und Theater
In deutscher Übersetzung, 1938-1998
Europäische Profile 52
Edition Reichenberger, Kassel 2000