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"AUF DER SUCHE NACH FRITZ PLATTEN - Die Schweiz und der Kommunismus im 20. Jahrhundert"
05.10.2021 Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel, Schönbeinstrasse 18-20, 4056 Basel, vom 8. Oktober 2021 bis am 14. Januar 2022
Bild: Fritz Nicolaus Platten bei seiner Arbeit im Schweizerischen Sozialarchiv - Quelle: Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich
Fritz Platten (1883–1942) ist eine der umstrittensten politischen Figuren der Schweizer Geschichte im 20. Jahrhundert. Für die einen ist er ein legendärer Kommunist, andere sehen in ihm einen verblendeten Anhänger Lenins und Stalins, der in der Schweiz zu Recht weitgehend in Vergessenheit geriet. Wer aber war Fritz Platten? Eine Ausstellung an der Universitätsbibliothek Basel geht auf Spurensuche.
Wer war Fritz Platten? Diese Frage beschäftigte Plattens zweiten Sohn, Fritz Nicolaus Platten (1918–2004), ein Leben lang. Zwar hiess er gleich wie sein Vater, doch war er ihm nur ein einziges Mal begegnet. Sein Vater war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Schliesslich hatte er im April 1917 Lenins Fahrt aus der Schweiz nach Russland im "plombierten Zug" organisiert. Als Fritz Platten 1923 in die Sowjetunion auswanderte, liess er seinen vierjährigen Sohn bei Pflegeeltern in Zürich zurück. Während Stalins "Grossem Terror" wurde Fritz Platten verhaftet und zu vier Jahren Straflager verurteilt. Seitdem galt er als "verschollen".
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Fritz Nicolaus Platten nach seinem Vater zu suchen, bis er Mitte der 1950er-Jahre im Zuge des Tauwetters in der Sowjetunion von dessen Tod erfuhr. Im Rahmen des aufblühenden Lenin-Kultes wurde Fritz Platten in den 1960er- und 1970er-Jahren in der UdSSR als "Weggefährte Lenins" verehrt. In der Schweiz blieb er dagegen eine Persona non grata. Sowohl in der Zwischenkriegszeit als auch während des Kalten Krieges war die politische Kultur der Schweiz von einer dezidiert antikommunistischen Grundstimmung geprägt. VertreterInnen sozialdemokratischer und insbesondere kommunistischer Kreise standen unter Generalverdacht. Eine ideologisch unbefangene Auseinandersetzung mit Fritz Platten und der spannungsvollen Beziehungsgeschichte zwischen der Schweiz und dem Kommunismus war in dieser Zeit nahezu unmöglich.
Die Ausstellung nimmt die Biografie und Auseinandersetzung mit Fritz Platten in der Schweiz und der Sowjetunion seit den 1930er-Jahren in den Blick. Ausgangspunkt ist der Nachlass von Fritz Nicolaus Platten, der Zeit seines Lebens Dokumente zur Biografie seines Vaters gesammelt hat. Dieses übergab er kurz vor seinem Tod der Universitätsbibliothek Basel. Die Ausstellung begleitet den Sohn auf der Suche nach seinem Vater. In ihr spiegelt sich die wechselvolle Geschichte der Schweiz und der UdSSR im kurzen 20. Jahrhundert.
Die Ausstellung ist ein Projekt der Professur für Osteuropäische Geschichte der Universität Basel. Sie wurde kuratiert von Rhea Rieben und F. Benjamin Schenk unter Mitwirkung von Anne Hasselmann, Aline Corpataux, Basil Haag, Stefan Heinen, Judit Pechr, Katarina Penčić, Nando Quagliati, Simona Schraner, Roger Stettler und Laura Verni. Gestaltet wurde sie von Groenlandbasel.
ubb
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Bild: Fritz Platten mit seinem berühmten Schlapphut - Quelle: UB Basel, NL 340, 2005,03H, Nr. 127