Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03593.jsonl.gz/529

Wie drücken wir in der gesprochenen Sprache aus, dass uns etwas herzlich egal ist? Die Antwort: mit herrlichen Redewendungen. Sie sind in verschiedensten Sprachen zu finden, jedoch in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen angesiedelt.
Wenn Unterschiede keine Rolle spielen
Bevor wir genauer hinschauen: Wir beleuchten nicht die Ausdrucksweise von egal im Sinne einer generellen Gleichgültigkeit. Dem Sprechenden ist in der jeweiligen Gesprächssituation lediglich vollkommen gleich(gültig), welche von (zwei) verschiedenen Möglichkeiten die zutreffende ist. Oder es macht schlicht keinen Unterschied. Ein Beispielsdialog im Deutschen:
«Tim kommt heute Abend nicht alleine. Er bringt seine neue Freundin Tina mit.»
«Sie heisst Sina.»
«Gehüpft wie gesprungen.»
Analogische und modische Gleichgültigkeit
Genau dieses Vorhandensein unwichtiger Unterschiede wird zum Thema in den Sprachspielen. In der Schweizer Mundart ist unser unangefochtener Favorit Hans wie/was Heiri. Damit sind offensichtlich keine spezifischen Herren gemeint, vielmehr fungiert die Ähnlichkeit der Namen als Anschauungsbeispiel. Bei unseren deutschen Nachbarn ist etwas gehüpft / gehupft / gehopst wie gesprungen, wie im obigen Beispiel. Zwei (regional geprägte) Ausdrücke für schlicht dieselbe Tätigkeit. Oder sie verwenden die Phrase Jacke wie Hose. Da eine Ähnlichkeit hier nicht auf Anhieb erkennbar ist, muss man etymologisch etwas tiefer graben. Oder vielmehr zahlreiche Schritte in der Zeit zurückgehen. Die Wendung stammt nämlich aus dem 17. Jahrhundert, wo man begann, sowohl Unter- als auch Oberbekleidung aus denselben Stoffen zu fertigen.
Die trendbewussten Franzosen vergleichen wiederum weisse mit weissen Mützen (bonnet blanc et blanc bonnet). Kaum eine Erklärung benötigt auch das Niederländische für sein lood om oud ijzer: Blei für Alteisen zu halten ist naheliegend, da beide gleichermassen als Altmetalle gelten. Ebenfalls egal respektive gleich ist es russischen Sprechern, ob sich etwas an der Stirn oder auf der Stirn befindet (Что в лоб, что по лбу). Im Schwedischen dagegen trumpft man mit der Fechtsprache auf, um der Gleichgültigkeit Ausdruck zu verleihen: Da ist etwas gehauen wie gestochen (hugget som stucket).
Exkurse in Kulinarik und Mathematik
Auf Italienisch gibt es vielmehr einen Ausflug in die Küche: Se non è zuppa, è pan bagnato bezieht sich darauf, dass aufgeweichtes Brot zumindest in der Konsistenz gleich schmeckt, wie wenn man direkt eine Suppe löffelt.
Im Spanischen hingegen beginnt man zu rechnen (tres cuartos de lo mismo= Dreiviertel vom Gleichen). Ebenso im Englischen: Six of one and half a dozen of the other (Sechs vom einen und ein halbes Dutzend vom anderen). Fast noch schöner sind allerdings die umgangssprachlich verwendeten potato potato oder tomato tomato (das erste a wird amerikanisch (toma[y]to) und das zweite britisch (toma[h]to) ausgesprochen). Kartoffeln und Tomaten müssen übrigens wegen George Gershwins Lied «Let’s call the whole thing off» für dieses Wortspiel herhalten. Hier trällert Fred Astaire fröhlich über Dialekte im englischsprachigen Raum: «You like potato and I like potahto, You like tomato and I like tomahto. Potato, potahto, Tomato, tomahto, Let’s call the whole thing off».
Wir sind gespannt auf Beispiele in weiteren Sprachen.
Titelbild via Pexels(CC0)