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Orgelbau Kuhn AG, 2002
Restaurierung
www.orgelbau.ch/op=801240
II/P/13
Schweiz, Waadt
Musée Suisse de l'Orgue, Orgue d'Oberwil i.S. BE
Orgelbau Kuhn AG, 2002
Restaurierung
Dem Veteranen geht es blendend
Um 1980 schenkte die Gemeinde Oberwil (Simmental) ihre Orgel dem Schweizer Orgelmuseum in Roche (VD), da sie das pneumatische Instrument für veraltet hielt und ein neues anschaffen wollte. Die Orgel war 1893 von Theodor Kuhn gebaut worden und hat eine von dem Berner Organisten Carl Locher erstellte Disposition. Der Spieltisch wurde wahrscheinlich damals übermalt und stammte von der vorherigen Orgel (1809) des Berner Orgelbauers Johann Jakob Weber von Juchten. Sie war abgebaut worden und jahrelang eingelagert. 2001 beschloss die Stiftung des Museums, die Orgel mitten im «grossen Längsschiff» der ehemaligen Pferdewechselstation am Grossen Sankt Bernhard aufzustellen. Sie wurde von uns zwischen 2001 und 2002 restauriert.
Fast ein Jahrhundert lang verrichtete die 13-Register-Orgel (II/P) treu ihre Dienste und wurde wie durch ein Wunder nicht verändert, abgesehen von der normalen Wartung und einem 1924 neu eingebauten elektrischen Gebläse! Die Orgel wurde nach einem Patent von Weigle aus Stuttgart gebaut und ist für die Schweiz neben zwei Freiburger Orgeln (Châtel-St-Denis 1892 und Villarvolard 1893) ein seltener Zeuge der ersten pneumatischen Orgeln mit Membranlade. Wie man weiss, wurden pneumatische Systeme im Ausland seit Mitte des 19. Jahrhunderts patentiert, mit mehr oder weniger sinnvollen Ergebnissen. Th. Kuhn kamen seine Erfahrungen zugute und er konnte als Vorreiter, seinen Schweizer Konkurrenten mehr als zehn Jahre voraus, 1891 seine erste rein pneumatische Orgel bauen. Direkt nach dem Bau der Oberwiler Orgel meldete er seine eigenen Patente an. Dafür verbesserte er den ersten Membranladentyp und verwendete Membrantaschen, die er einfach «bewegliche Ventile» nannte. Das System, das noch bei der Orgel von Oberwil angewendet wurde, bestand aus Ledermembranen, die über Ausfräsungen im Holz gespannt und festgeklebt wurden. Das System war einfach und robust, aber anfällig für Luftfeuchtigkeitsschwankungen. Diese treten im Museum nicht auf, da dort das ganze Jahr über die Luftfeuchtigkeit konstant gehalten wird.
Die Restaurierung der Orgel, an der die Zeit natürlich nicht spurlos vorübergegangen ist, bestand im Wesentlichen in:
- einer Instandsetzung der pneumatischen Register- und Tontraktur, wobei sämtliche Steuermembranen ersetzt und alle Messingrohre ab dem Spieltisch ersetzt wurden (sie blieben beim Abbau nicht erhalten)
- einer Holzwurmbehandlung aller Holzteile durch Begasung
- der Rekonstruktion einiger zu wurmstichiger Teile
- der Rekonstruktion einiger beim Transport verlorengegangener Teile; dies waren 5 grosse Gambenpfeifen, der Windkanal aus Hartkarton für alle Prospektpfeifen und abgeführten Basspfeifen, sowie mechanische Teile, die den Einsatz der Windanlage mit Tretbalken ermöglichen. Klanglich wurde die Orgel nicht verändert: die Stimmung ist original geblieben, ganz im romantischen Stil.
Das Museum hat eine hervorragende Anschaffung gemacht und kann Stolz darauf sein, eines der ältesten pneumatischen Instrumente der Schweiz zu besitzen. Die Orgel wird in der Regel bei Sommerkonzerten und Führungen gespielt. Dem Konservator J. J. Gramm ist es eine Freude, sie erklingen zu lassen.