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Offizieller Obduktionsbericht
von Jutta Müller
Rügen vom Presserat
Es ist Mittwoch, der 10. Februar 2010. Um die Mittagszeit veröffentlicht Bild.de den Obduktionsbericht. So wie er abgefasst ist, ohne weiteren Kommentar, gehe ich davon aus, dass der Bericht den Tatsachen entspricht. Vergleiche mit dem auf TMZ veröffentlichten PDF des Obduktionsberichtes bestätigten das.
Anzufügen ist, dass die Bild-Zeitung kurz davor vom Deutschen Presserat (ein Zusammenschluss der grossen deutschen Verleger- und Journalistenverbände) mehrfach gerügt wurde. Unter anderem auch für die Berichterstattung zum Tod von Michael Jackson. Angegeben wurden Menschenrechtsverletzungen, Verletzung der Persönlichkeitsrechte eines Toten. Gerügt wurden auch Die Schwäbische Zeitung, Das Neue Blatt und das TV-Supplement Prisma. Ebenfalls gerügt wurde Bild.de. Neben der Berichterstattung über Michael Jacksons Tod zeigte Bild.de ein „grausam entstelltes, computergeneriertes Bild des Toten ohne Haare“. Mit dem Hinweis: „So in etwa könnte Jackson bei der Obduktion ausgesehen haben“. Die Darstellung wurde vom Presserat als schwerwiegenden Eingriff in die postmortalen Persönlichkeitsrechte beurteilt. Sie verstosse auch gegen die Menschenwürde.
Der Obduktionsbericht umfasst gegen 50 Seiten. Darin enthalten sind auch Skizzen.
Die kalifornische Gerichtsmedizin beurteilt den Tod als „Totschlag“.
Die so oft angezweifelte Pigmentstörung Vitiligo ist im Bericht mehrmals enthalten.
Das Krankheitbild Lupus fehlt. Michael Jackson war bei seinem Tod in einem guten Gesundheitszustand.
Die Grösse wird mit 1.75 und das Gewicht mit 61 kg angegeben. Sein Herz war stark für einen 50-Jährigen. Eine leichte Beeinträchtigung eines Lungenlappens wurde festgestellt. Leber und Nieren zeigten keinen Befund.
Aufgelistet sind auch die Narben. Ich zähle insgesamt 12. Darunter befindet sich je eine am Handballen, am Handgelenk, am rechten Knie. Dazu kommt eine Operationsnarbe am Unterbauch. Und Narben an der Kopfhaut. Verursacht durch die Brandverletzung im Jahr 1984. Aufgeführt wird auch ein vernarbtes Hautstück (10 cm) an der Schulter. Ich gehe davon aus, dass dieses für die Transplantationen auf der Kopfhaut benötigt wurde. 6 Narbenbildungen verblieben somit für die angeblich 50 durchgeführten Schönheitsoperationen. Diese Angabe ist eine Spekulation. Die 6 verbliebenen Narben können auch aus einem ganz anderen Grund entstanden sein.
Einblick gibt der Bericht auch über die Hilfestellung von Dr. Conrad Murray. Der Mann muss von Sinnen gewesen sein. Auszumachen sind: Abschürfungen an Armen und Beinen. Abschürfungen am Rücken (vermutlich von einer Perlenkette). Es handelt sich um eine Gebetskette. Prellungen am Brustkorb. Rippenbrüche, Riss im Magen. Weitere Auffälligkeiten: Katheter in beiden Arterien der Oberschenkel. Zugang für eine Injektion an der Halsvene. Extremer Katheter für den Urinablauf. Diverse Einstiche von Injektionen.
Im Bericht enthalten ist auch, welche Medikamente in der Villa sichergestellt wurden. Temazepan gegen Schlaflosigkeit (verschrieben von Dr. Murray, Kardiologe). Diazepam gegen Angstzustände (verschrieben von Dr. Murray, Kardiologe). Lorazepam gegen Angstzustände (verschrieben von Dr. Murray, Kardiologe). Clonazepam gegen Panikattacken (verschrieben von Dr. Allan Metzger, Rheumatologe). Trazodon, ein Antidepressivum (verschrieben von Dr. Metzger, Rheumatologe). Tizandin, ein Entspannungsmittel für die Muskeln (verschrieben von Dr. Arnold Klein, Hautarzt, für Omar Arnold. MJ-Pseudonym). Midazolam, ein Medikament gegen Angstzustände, 14 Kapseln des Medikamts Ephedrin gegen Schlaflosigkeit und Depression. Zanaflax, ein Muskelentspannungsmittel. Aspirin. Prednison, ein Mittel für die Haut. Azithromycin, ein Antibiotikum (verschrieben von Dwight James/Cherilyn Lee für eine Patientin namens Kathlyn Hursey. Gefunden wurden auch 11 Flaschen mit Propofol.
Dr. James ist Allgemeinmediziner. Cherilyn Lee war die Ernährungsberaterin von Michael Jackson. Sie ist Krankenschwester. Ein Kardiologe, ein Rheumatologe und ein Hautarzt verschrieben also Medikamente gegen Depression und Angstzustände. Und ein Hautarzt verschrieb ein Entspannungsmittel für die Muskeln. Unglaublich!
Zum Allgemeinzustand ist zu bemerken, dass Michael Jackson nicht ausgemergelt war. Bei den Berichterstattungen in den Medien sind mir – neben vielem anderen – auch die Angaben über die Körperlänge aufgefallen. Zwischen 1.75 und 1.80 m. Das Gewicht sank mit dem Ansteigen der Körperlänge. Bei 1.80 m betrug es in den Berichten noch 50 kg. Wieso werden offensichtlich Lügen verbreitet? Die Sensationslust scheint auch hier keine Grenzen zu haben.
Nach der Übersicht über die Narben ist davon auszugehen, dass keine 50 Schönheitsoperationen stattgefunden haben. Bei den Nasenoperationen (2 Narben) muss aber etwas grundlegend schief gelaufen sein. Dr. Steven Hoefflin muss darüber Rechenschaft ablegen. Aus diesem Grund habe ich den Zustand der Nase nicht in meine Übersicht aufgenommen.
Der Anhang zum offiziellen Untersuchungsbericht. Quelle: New York Times/8. Februar 2010.
Beim Durchsehen der vielfältigen Untersuchungen ist erst einmal festzustellen, dass im Magen von Michael Jackson keine Tablettenrückstände gefunden wurden. Die Enthüllungsjournalistin Diane Dimond hat das ja mehrfach in ihren Berichten behauptet. Eine Behauptung ist eine Behauptung. Mehr nicht! (mehr dazu in 3. Gerichtsverhandlung)
Lange habe ich gezögert, ob es angemessen ist, den Obduktionsbericht in meinen Bericht aufzunehmen. Nach reiflichem Überlegen und Abwägen habe ich mich entschieden es doch zu tun. Er ist ein wesentlicher Bestandteil in dem laufenden Gerichtsverfahren. Zu befürchten ist, dass sich der Prozess in die Länge ziehen wird. Die Verteidigung kann so viele Zeugen aufbieten wie sie will. Das Gericht muss Dr. Murray hinter Gitter bringen. Wenn alles mit rechten Dingen abläuft! Absolut unverständlich ist das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Die kalifornische Gerichtsmedizin beurteilt den Tod als „Totschlag“. Die Staatsanwaltschaft als „unbeabsichtigte Tötung“. In einem Rechtsstaat ist diese Vorgehensweise völlig unmöglich. Unweigerlich kommt man zur Schlussfolgerung, dass hinter den Kulissen Kungeleien zwischen der Staatsanwaltschaft und den Anwälten des Angeklagten stattgefunden haben müssen.
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