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Mélanie Gobet
i'm a loner
In einer Berliner Kunstresidenz, in der ich mich ehrlich gesagt allein fühlte, füllte ich die Leere, indem ich das Protokoll einer meiner alten Performances reaktivierte: Jeden Tag blase ich einen Luftballon auf, bis er unter innerem Druck platzt. Ein Video davon poste ich dann auf ein spezifisches Instagram-Konto. Entgegen aller meiner Erwartungen, spreche ich dadurch eine Gemeinschaft von Ballonfetischist*innen, die 'Looners' genannt werden, an. Die Aktion, die ich täglich wiederhole - ein 'blow to pop' oder 'b2p' - und ihre Spektakularität erweisen Respekt und lassen mich in den Rang einer 'b2p-Queen' aufsteigen. Diese unerwartete und absurde Welt bringt mich zuerst zum Lachen. Dann entscheide ich mich ernsthaft über die Antworten nachzudenken, die ich gebe, wenn ich ständig gefragt werde: 'Are you a Looner?'. Ich tauche unvoreingenommen und köstlich in den Austausch, die Gespräche, die Beobachtung und das Experimentieren verschiedener Beziehungen mit dem Ballon ein: Visuelle oder olfaktorische Faszinationen, die Erfahrung der Berührung, sexuelle Erregung oder Stimulation und sogar die Besessenheit und Personifizierung des Objekts.
Das ist es, wovon ich spreche in «i’m a loner»: Die sinnliche Beziehung zum Objekt wird ersucht; es wird gerieben (sprichwörtlich), es knarrt ein wenig; es spricht von der Einsamkeit einer Erfahrung, von Normabweichungen, Voyeurismus, und stürzt sich in köstliche Intimität. Auf der Bühne stehen drei Performer*innen, die seltsame, außergewöhnliche Aktionen ausführen, die in diesem realistisch-fantastischen Universum Sinn machen, und somit die Blicke der Betrachter*innen in ihre Welt einladen.
Mélanie Gobet (*1988) lebt und arbeitet in Freiburg. Sie ist in den Bereichen zeitgenössischer Tanz und Performance tätig und experimentiert mit kontemplativen performativen Praktiken am Rande von verschiedenen Genres, hauptsächlich im Off- und In-situ-Kontext. In ihrer Arbeit stellt sie die Beziehung zwischen Körper und Material in den Mittelpunkt ihrer Recherchen. Wiederkehrende Themen sind Serialität, Wiederholung, mathematische Strenge und das Ritual, sowie das Schreiben der Geste und der Partitur. «i’m a loner» ist ihre erste von langer Dauer, speziell für die Bühne entwickelte Kreation.