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| Ephräm d. Syrer († 373) - Drei Reden über den Glauben

Erste Rede
5.
Wenn es noch ein anderes Wesen gäbe und dieses den Sohn ergründen könnte, so könnte es ihn doch nicht aus sich selbst begreifen; denn nur das Eigene begreift man. Wenn dieses Wesen, obwohl von ihm verschieden, ihn verstehen würde, so wäre es seinesgleichen oder ebenbürtig. Wenn es noch ein anderes Wesen gäbe, das allein ihn verstehen würde, so könnte dies geschehen aus der Ferne, wenn es ihm fremd ist, oder aus der Nähe, wenn es ihm ebenbürtig ist. Ist das Wesen seinesgleichen, so ist es der Eine, der nur verschiedene Namen trägt; ist es aber nicht seinesgleichen, so sind die Geschöpfe zu schwach, die Seraphe und die Wächter zu unzureichend, und das andere Wesen, falls es ein solches gäbe, würde als ihm fremd noch weit davon entfernt sein. O Staubgeborener und Niedriger, nach welcher Höhe trachtest du also? Nicht wie der Himmel hoch ist, ist der Herr des Himmels erhaben über dich. Die Höhe des Himmels ist meßbar, sein Schöpfer jedoch unermeßlich. Alles Erschaffene ist meßbar größer als etwas anderes Erschaffenes; aber der Schöpfer ist in unermeßlicher Erhabenheit seinen Geschöpfen entrückt. Die Geschöpfe sind untereinander Genossen, wenn auch unendlich voneinander entfernt. Der Schöpfer aber ist seinem Wesen nach von seinen Geschöpfen entfernt. Nur Einer allein ist ihm nahe, nämlich derjenige, durch den er alles geschaffen hat. Kein Diener naht ihm, während sein Sohn ihm ganz nahe ist. Keiner seinesgleichen ist ihm zur Seite; denn nur sein Erzeugter sitzt an seiner Seite.