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Literaturkreis

08.09.09

31. Aug 09: Hotel, Motel
Einleitend fand ein reger Austausch statt, zB erhielten zwei Personen Wettbewerbsgewinne. Das Gespräch kam auf «Feuchtgebiete». Dazu wurden besondere Geschichten erzählt, unterschiedliche Meinungen traten zu Tage. Zehn Personen waren anwesend. Gegen Ende des Abends wurde bemerkt, dass in Zukunft zu Beginn in einer Kurzrunde die Titel vorgestellt würden, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Vorgestellt wurden folgende Bücher:
Urs Augstburger, «Wässerwasser»
Susi vergleicht den Plot und die Personen mit «Graatzug», «Schattwand». Das ganze Buch handelt von Naturkatastrophen und spielt in Zeiten ab 2009. Wasserbarone haben sich weltweit die Wasserrechte gesichert und lassen sich dies vergolden. Etwas verwirrend sind die Generationenwechsel. Insgesamt eine spannende und anreggende Zukunftsbeschreibung.
P.S: Buchpremiere: Urs Augstburger Wässerwasser
- das neue Buch des Schweizer Schriftstellers
Hermann Hesse, «Kurgast»
Ursula zitiert und liest aus Hesses «persönlichstem und ernsthaftestem Buch» über seinen Kuraufenthalt in Baden.
Markus Werner, "Am Hang"
Ursula zitiert auch M. Werners Werk, siehe frühere Buchbesprechungen.
A. L. Kennedy, «Gleissendes Glück»
Ursula bespricht die Story dieses Buches. Eine Frau, deren Mann gewalttätig ist, wünscht sich einen Liebhaber und findet ihn in einem TV-Professor. Auch dieser nutzt stimulierende Hilfsmittel. Der Mann kommt dahinter ... Eine anregende Geschichte und ein spannender Sprachenfluss.
Martha Regli, «Hummer und Haschguezli»
Bernadette berichtet aus dem Leben der Wirtin, die früher mal die «Chämihütte» in Untersiggenthal aufgebaut hat. Sie hatte immer schwierige Bindungen mit Männern und verbringt den Lebensabend in Thailand.
Pierre Assouline, «Lutetia»
Marianne hat dieses Buch gelesen, das von einem Pariser Hotel erzählt, welches zugleich auch die Geschichte der 30er bis 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts beschreibt mit allen Höhen und Tiefen. [En passant erwähnte Marianne auch, dass Lutetia (manchmal auch als Lutetia Parisiorum oder Lucotecia bezeichnet) der antike Name von Paris sei. Dieser Name ist keltischen Ursprungs, ist aber auch der Name der römischen Stadt, aus der sich das spätere Paris entwickelte. Der Ursprung und die Bedeutung des Namens Lutetia sind unbekannt.] 1910 wurde das Lutetia im «Art déco»-Stil eröffnet und wurde ein wichtiger Absteigeort für die «Nobleren», die das vis-à-vis gelegene Warenhaus «Le Bon Marché» besuchen wollten.
Der Roman spielt ab 1933. Der Hoteldetektiv Edouard hat alle 357 Zimmer und alle übrigen Räume unter Kontrolle. Er wohnt im 7. Stock und kennt viele Details der Kunden. In den 30er Jahren gab es den Lutetia-Kreis, eine antifaschistische Gruppierung - die von verdeckten Faschisten genau beobachtet wurde. 1941 wurde das Gebäude requiriert von der deutschen Abwehr und Gegenspionage (wo dann plötzlich ein früherer "Gast", ein Faschist, wieder auftauchte). Edouard konnte bleiben, da er als Elsässer auch Deutsch verstand. Ab August 1944 wurde das Lutetia von den Franzosen und Alliierten besetzt und nachher zum Empfangszentrum von rückkehrenden Flüchtlingen («Hotel der lebenden Toten»). Ab September 1945 wird es wieder zum Hotel und existiert heute noch als Luxushotel, siehe Link.
Erich Maria Remarque, «Nacht von Lissabon»
Reto erzählt die (deutsche) Geschichte der Entwurzelten. Ein Emigrant erhält ein Visum nach den USA für die Gegenleistung, ihm eine Nacht lang zuzuhören. Link
Daniel Kehlmann, «Ruhm»
Entgegen der Euphorie vieler Kritiken ist Lukas von den 9 Geschichten nicht begeistert. Vielleicht waren die Erwartungen nach der «Erdvermessung» zu gross. Zwei Geschichten handeln auch in Hotels, wovon die eine in einem Hotel in fernöstlichem Land etwas schauderliche Momente der Einsamkeit und Verlassenheit auslöst.
Elfriede Hammerl, «Hotel Mama»
Susi findet das Buch sehr unterhaltsam und lehrreich für Mütter angehender Teenager, fast eine Pflichtlektüre.
C. R. Zafon, «Spiel des Engels»
In dieser weitschweifigen Beschreibung des catalanischen Lebens wird in einem Nebenplot Barcelona verlassen und spielt weitab in einem grossen Hotel, das zu einer rigiden psychiatrischen Anstalt umfunktioniert wurde, und daneben in einer kleinen Unterkunft. Lukas hatte keinen grossen Spass an dieser Lektüre. Sie war ihm zu ausufernd und in der Story nicht unbedingt stringent. Link
Thomas Mann, «Zauberberg»
Lukas war im Juli in Davos und "stolperte" ebenda über Hinweise auf den «Zauberberg». Zu fortgeschrittener Stunde wurde die Besprechung auf eines der nächsten Treffen verschoben.
Marcel Reich-Ranicki bekannte in einem Interview, „keine besseren“ deutschen Romane zu kennen als Goethes Wahlverwandtschaften und den Manns Zauberberg.
|= ein Must! ... bis ... = Chasch vergässe!|

Übersicht und Buchbesprechungen auf: Dorfmuseum Lengnau AG