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Soll Ernst Ernst überwachen lassen?
Fliegt alles auf? Wird etwas durchsickern?[1]
Ernst steht auf die Waag. Ohne auf das Display zu sehen, entschliesst Ernst Ernst für 78,7 Kilogramm. So macht wägen Spass! Dann geht Ernst zum Küchentisch und notiert 3 Wenn-Fragen:
- Wenn Ernst auf die Waag steht, wägt Ernst Ernst als Mensch oder als ein Stück Fleisch, so wie der Metzger einen Hackbraten à 500 g wägt?
- Wenn Ernst Bucatini all’amatriciana isst, isst Ernst Kohlenhydrate und Ballaststoffe? kcal. und Vit? Mineral- und Conservierungsstoffe? Fett, Fette und Eiweisse? einen glykämischen Index? oder Pancetta, Tomaten, Pecorino, Zwiebeln, Peperoncini, Olivenöl und Pasta?
- Wenn Ernst einen Grüntee trinkt, trinkt Ernst einen Grüntee oder Polyphenole, antikarzinogene, antivirale, antibakterielle, antifungale, antientzündliche Catechine, Proanthocyanidine, Flavone, Depside, Saponine, stressreduzierendes L-Theanin, Vitamin C, Aminosäuren, Enzyme und 360-400 verschiedene, weitgehend unerforschte ätherische Öle?
Nach diesen Fragen findet es Ernst an der Zeit, wieder einmal Frater Felix zu besuchen, aber der Koch ist nicht in seiner Küche. Beim Hinausgehen bemerkt Ernst das Kochbuch, aus dem eine Karte herauslugt. Ernst nimmt an, bei der markierten Seite das Tagesmenü zu sehen, wie Ernst jedoch genauer hinschaut, wird Ernst nicht von der Kulinarik, sondern vom ‹Schenkelguss mit Schlauch in der Küche›[2] fasziniert, der sich neben dem Rezept ‹Orecchiette alla puttanesca› befindet.
Ernst kann Ernst ein Lächeln nicht verkneifen und blättert aufs Geratewohl noch ein bisschen im Kochbuch herum. Und tatsächlich! Da sind noch weitere Karten:
Zurück in Ernsts Klause sieht Ernst 2 Emails.
Lieber Ernst
Seit dem Film im Haus des Dentisten schaue auch ich ab und an in dein Wellness Journal hinein. Mir kamen die Tränen als ich gelesen habe, wie du dich mit Putzen abquälst und ich dachte, warum kaufst du dir nicht einen Wischmopp? Ich weiss nicht, warum ich den Zeitungsausschnitt nun schon seit sechs Jahren in einer Mappe lagere. Vielleicht weil ich geahnt habe, dass da jemand dereinst seine Freude daran haben könnte?
«Manuel Jalón Corominas patentierte 1956 die ‹Fregona›, den Wischmopp, und verbesserte damit nicht nur das Leben von Putz- und Hausfrauen. Der Raumfahrtingenieur und Unternehmer ermöglicht es auch Männern vom Format eines Ernst, mit Würde den Boden zu putzen. Ernst muss also nie mehr auf Ernsts Knien schrubben! Schluss mit Ernsts Arthrose! Ernsts Rückgratverkrümmung und Ernsts Schleimbeutelentzündung an Ernsts Knien, Ernsts rissige Hände sowie Ernsts Nagelpilz: tempi passati! Schluss mit der Erniedrigung, Ernst rutschend durch Ernsts Klause zu bewegen. Auch andere Männer danken es Jalón, nun ohne Schamröte im Gesicht den Fussboden wischen zu können. Ausser dem Mopp am Stiel gibt es noch andere revolutionäre spanische Erfindungen wie das Lutschbonbon am Stiel: Chupa Chups[3] …»
Ich finde leider keine gute Abbildung mit einem wischmoppenden Herrn, aber ich hoffe, dass sich Ernst auch von diesen Bildern anregen lässt, denn mann sieht gut, wie leicht und beschwingt das Putzen mit einer Fregona von der Hand geht, nicht wahr? Und wie wärs wenn Ernst zwischendurch an einem Chupa Chups schleckerte? oder ist Ernst zu alt dazu? oder will sich als Solitär und seriöser Eremit nicht in die Milliarden von Lutschenden einreihen? (Laut Google werden jährlich weltweit über 4’000’000’000 Chupa Chups verkauft.)
Mit einem herzlichen Gruss
Charlotte (Tochter von B. Q. Blair)
*
Lieber Ernst,
wie ernst Ernst Teufel komm raus über seine Ambitionen und das Putzen schreibt und dann so sauber und pikobello, das ist schon eine beeindruckende Geschichte. Leider hat Ernst auch daran erinnert, daß in einen gut sortierten Haushalt schokolierte Ingwerstäbchen (und eigentlich auch kandierte Orangenscheiben und gelierte Früchte) gehören und es fällt auf, daß jene hier aus Gründen einer nicht wirklich einzusehenden ideologischen Verbannung nicht zu finden sind. Oder vielleicht nur deswegen, weil diese in bester Qualität so schwer erhältlich sind? Da sich sofort die Geschmackssensation der bittersüßen Schokolade mit dem schärferen Ingwergeschmack erleben läßt, rein mental und dann noch das leicht Zuckrige am Schluß, wenn nur noch die Ingwerfäden da sind, die immer etwas ärgelich sind, sodaß man noch eines nimmt, um sie mit Schokolade erneut zu mischen, möchte man überprüfen, ob es sich noch so interessant am Gaumen anfühlt … Und: seltsame Koinzidenz: seit Ernst von dem Gletscherausflug berichtet hat, ist die sibirische Kälte hier eingedrungen, bei uns im Norden frieren alle, bibbern ohne Biber und verlassen gar nicht mehr den Bau und wenn wir nicht aufpassen, gerät noch viel schneller alles aus den Fugen, nicht nur das Bauchfett.
Liebe Grüße auch an Madame Debienne
Dein
Nordlicht
Ernst freut Ernst über die Emails und bedankt Ernst. Und um dem Nordlicht zu zeigen, dass es auch bei Ernst Winter geworden ist, geht Ernst noch einmal hinaus und schlendert zum Monasterium. Der Klostergarten ist verschneit und Ernst steht staunend vor der kleinen Mauer, wo die Fratres einige Rebenstöcke angepflanzt haben. Justgenauda schleicht eine Katze an Ernst vorbei. Zum Glück hat Ernst Ernsts Handy bei Ernst und kann gerade noch filmen, wie sie über der Steintreppe im Schnee verschwindet. Dann gleitet Ernsts Blick näher zur Mauer und Ernst bemerkt ein Abwaschbecken mit einer Spülbürste und einem vergilbten Blatt, auf dem auf Deutsch, Niederländisch, Portugiesisch und Englisch der Satz steht:
DIE SPÜLBÜRSTE SEHNT SICH NACH DIR.
DE AFWASBORSTEL VERLANGT NAAR JOU.
A ESCOVA PRATO É SAUDADE DE TI.
THE DISH BRUSH IS LONGING FOR YOU.
Ernst überlegt lange, weshalb Ernst diesen Fund gemacht hat. Hat es etwas mit der Katze zu tun? oder mit Ernsts Widerwille, Ernsts Klause zu putzen und regelmässig abzuwaschen? Und wer hat das Abwaschbecken just neben die Reben gelegt? Aber wenn es ein Wink mit dem Zaunpfahl sein sollte, wie wusste dann die Person, dass Ernst genau da vorbeikommen würde? Soll Ernst den Fund mitnehmen? Die Spülbürste scheint noch ungebraucht und da Ernst seine eigene verlegt oder verloren oder in den Fluss geworfen oder sonst wo entsorgt hat, wäre das vielleicht die Gelegenheit? Nein. Ernst lässt alles, wie es ist und schlendert zu Ernsts Kastanienklause zurück, wo Ernst Ernst einen Tee macht und Ernst etwas hinlegt, um bald einmal friedlich? vor Ernst hinzudösen.
[1] Peter Fischli & David Weiss, Findet mich das Glück? [37, 36, 58]
[2] Anna Fischer-Dückelmann, Die Frau als Hausärztin, Das Goldene Familienbuch, 1913
[3] Ernst hat noch nie an einem Chupa chups gelutscht, aber jetzt, wie Charlotte Ernst darauf aumerksam macht, dass das Logo von Salvador Dalí entworfen wurde, wird Ernst im Clostershop einen kaufen.