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Olympia wissenschaftlich betrachtet
Die laufende Kandidatur Sitten ist die 49. ernsthafte Initiative, die sich um die Organisation Olympischer Spiele in der Schweiz bewirbt. Dies geht aus einem Buch hervor, das dieser Tage erscheint. Ein wissenschaftliches Werk zu den Schweizer Olympia-Bewerbungen.
«Olympische Spiele in der Schweiz» lautet der Titel des wissenschaftlichen Werkes, das erstmals die geschichtliche Entwicklung sämtlicher Bewerbungen um Olympische Spiele in der Schweiz untersucht, analysiert – und auch auf etliche in der Vergangenheit begangene Fehler hinweist. Die Autoren der umfangreichen Studie sind ein früherer Generaldirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der Berner Urs Lacotte (64), seine Gattin, die bulgarisch-spanische Architektur-Professorin Miranda Kiuri, und Claude Stricker, Direktor der Internationalen Akademie für Sportwissenschaften und -Technologie (AISTS) in Lausanne.
Im umfangreichsten Teil des Werkes untersuchte Lacotte alle bisherigen Olympia-Kandidaturen in der Schweiz nach Erfolg, Visionen, Lösungsansätzen, Finanzierung, Bewerbungsprozessen etc., und er verfasste auch einen Kommentar hierzu. Das Buch ist durchaus dafür geeignet, die jetzige Westschweizer Kandidatur mit Sitten als Trägerstadt zum Erfolg zu führen.
Von den 47 Bewerbungen im Zeitraum von 1925 bis 2012 betrafen 40 die Olympischen Winterspiele (davon 13 aus St. Moritz) und sieben die Sommerspiele (alle aus Lausanne). Davon wurden 20 Bewerbungen (14 für die Winter-, sechs für die Sommerspiele) dem IOC als offizielle Kandidaturen eingereicht. Betreffend Winterspiele ist die Schweiz (die 1928 und 1948 mit St. Moritz die Gastgeberstadt stellte) neben den USA die weltweit aktivste Nation. Nicht untersucht wurden die zwei letzten Kandidaturen, die im Februar in einer Volksabstimmung verworfene Bewerbung Graubündens und die aktuelle Westschweizer Bewerbung, der «Versuch Nummer 49».
Für die letzte untersuchte Kandidatur, jene von St. Moritz-Davos für 2022, die ebenfalls in einer Volksabstimmung scheiterte, kommt Lacotte u.a. zum Schluss: «Die Bündner entscheiden sich im Rahmen des Projektes 'Graubünden 2022' für den strategischen Ansatz 'dezentrale Konzentration'. Dies, obwohl die technischen und die logistischen Anforderungen an die Spiele stark gestiegen sind. Sie glauben, dank moderner Technologien und Innovationen der Herausforderung gewachsen zu sein, was von den Gegnern bestritten wird.»
Stichworte aus den Erkenntnissen von Urs Lacotte: Beinahe alle Regionen des Landes sind involviert
- Erfolgreiche Pionierphase
- Seit 1955 reiht sich Niederlage an Niederlage
- Kurzfristiges Denken vor langfristigen Überlegungen
- Innen- vor Aussenorientierung
In weiteren Kapiteln legen Miranda Kiuri und Claude Stricker zunächst eine wertvolle Studie über das Kulturerbe der Olympischen Winterspiele 1928 und 1948 in St. Moritz vor. Schliesslich folgt ein Beitrag über die erfolgreiche Kandidatur von Lausanne (seit 1915 Sitz des IOC) als Gastgeberstadt der Olympischen Jugend-Winterspiele 2020.
In ihren Konklusionen kommen die Autoren zum Schluss: «Mit dem Vermächtnis der Olympischen Spiele von St. Moritz und dem olympischen Erbe in Lausanne bleibt die Schweiz trotz der zahlreichen Niederlagen ein prädestiniertes Land für die Organisation von Olympischen Winterspielen und die Weiterentwicklung eines olympischen und Sport-Kulturerbes.»
«Olympische Spiele in der Schweiz». Urs Lacotte, Miranda Kiuri, Claude Stricker. Werd & Weber Verlag. 260 Seiten, Hardcover. 39 Franken.