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Etrit Hasler weiss, wie sich Sportler genrespezifisch motivieren sollten.
Wie man einer Boulevardzeitung entnehmen konnte, motivierte Doug Shedden, Cheftrainer des EV Zug, seine Spieler vor der letzten Playoffpartie gegen Lugano, indem er ihnen einen Ausschnitt aus «Saving Private Ryan» zeigte: die Szene der Landung der Alliierten in der Normandie, als die Landebrücke herunterklappt und sich die Soldaten dem Kugelhagel entgegenstürzen. Die Aufforderung war klar – genauso furchtlos sollten sich seine Spieler ins «Gemetzel» stürzen. Man mag solch kriegerische Vergleiche pietätlos finden, aber das gehört genauso zum Sport (und nicht nur zum Eishockey) wie langweilige Interviews, brabbelnde Moderatoren, mühsame ZuschauerInnen. Als überzeugter Pazifist habe ich mir jedoch eine Liste von Filmen zusammengestellt, die genauso motivierend wirken dürften – auch ohne Militarismus.
Natürlich gibt es gewisse Sportarten, bei denen die Wahl leichtfällt: Was passt besser zu den sich ewig wiederholenden Ballwechseln im Tennis als «Und täglich grüsst das Murmeltier»? Oder, in der gesteigerten Variante, Charlie Chaplins «Modern Times» zu Tischtennis? Und wer sich schon einmal das Training der italienischen Fussballmannschaft angesehen hat, weiss, dass da nur Tanzfilme wie «Billy Elliot» oder von mir aus «Black Swan» Pflichtprogamm sein können.
Für Radsportler fällt die Wahl auf das schottische Drogenepos «Trainspotting». Wer so häufig unten durch muss und das auf so vielen Drogen, der muss ein Ziel vor Augen haben: Überleben. «Choose Life», wie das Ewan McGregors Filmfigur formuliert. Oder um es mit den bewundernden Worten des Musikers Tricky zu formulieren: «Wenn ich jeweils so viel intus hatte, habe ich nicht mal mehr mein Fahrrad gefunden.»
Wer sich nun denkt, der asiatische Blockbuster «Tai Chi Master» mit Jet Li und Michelle Yeoh sei die perfekte Motivation für einen Tai-Chi-Wettbewerb, hat weit daneben gezielt. Die wenigsten Punktrichter werden es goutieren, wenn ein Wettkämpfer wild in der Gegend herumfliegt oder seine Gegner dutzendweise durch die Gegend schmeisst. Da wäre etwas Besinnliches wie die Töpferszene aus «Ghost» schon passender. Andererseits – wer Tai Chi als Wettkampfsportart betreibt, hat ohnehin das grundlegende Prinzip falsch verstanden.
Boxer haben es da schon schwerer. Zu aggressiv dürfen sie nicht sein, sonst werden sie disqualifiziert. Und die zwei wichtigsten Fähigkeiten im Boxen sind es ohnehin, dauernd aufs Maul zu bekommen, ohne aufzugeben, und sich zwischen den Kämpfen auf ein tieferes Kampfgewicht runterzuhungern. Der Fall ist klar: «Gandhi» mit dem famosen Ben Kingsley.
Auch Wrestler haben etwas Mühe, einen Film zu finden, der ihre Arbeit glorifiziert: «The Wrestler» ist zwar ein fantastischer Film, führt den steroidgestopften Monstern aber vor Augen, wohin sie der Sport führt, wenn sie nicht früh genug den Ausstieg schaffen. «Dirty Dancing» bietet sich da wesentlich zielführender an – perfekte Choreografien, ein Kampf zwischen Gut (Patrick Swayze) und Böse (Babys Eltern) und Monologe, die vom Pathos her gut in jede Montagabendausgabe der Wrestlingsendung «RAW» passen würden.
Egal welche Sportart betrieben wird, der allererste «Star Wars»-Film kann fantastische Wirkung entfalten. Was gibt es schon Motivierenderes als die Story einer kleinen, verschworenen Truppe, die sich gegen ein grosses böses Imperium wehrt und dabei noch siegt? Egal gegen wen der FC Basel noch in der Europa League antreten muss (oder wer in der Schweizer Liga gegen den FC Basel), dieser Film erzeugt die richtige Geisteshaltung. Und bei Verhandlungen mit dem Schiedsrichter kann so ein netter Jedi-Trick ganz praktisch sein: «Das ist nicht die Karte, die ihr sucht.» Ganz nebenbei: Natürlich ist «Star Wars» auch etwas militaristisch. Aber bevor die US-Regierung nicht doch noch beschliesst, einen Todesstern zu bauen, braucht man sich darüber nicht sonderlich Sorgen zu machen.
Etrit Hasler ist nicht nur Sportkolumnist, sondern auch Filmliebhaber. Eigentlich eher das Zweite.