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Die kuriose Siegerehrung passt zu einer schwierigen WM im Zeichen von Corona: Alexander Bolschunow ergreift die Silbermedaille, weigert sich aber, diese um seinen Hals zu hängen. Mit versteinerter Miene steht der 24-jährige Russe auf dem Podest und lässt die Zeremonie über sich ergehen. Freude über eine Medaille sieht anders aus. Bolschunow wollte Gold, und verpasst dieses auf dramatische Weise.
Nach einem lange taktisch gelaufenen Rennen in der Skating-Technik biegt Bolschunow knapp vor dem Sprint-Dominatoren Johannes Hösflot Klaebo auf die lange Zielgerade ein. Die beiden grössten Stars der Langlauf-Szene liefern sich einen Kampf mit dem Messer zwischen den Zähnen. Bolschunow wählt die äusserste rechte Spur, dennoch versucht sich Klaebo, der mit mehr Tempo angerauscht kommt, rechts neben dieser Spur vorbeizuzwängen. Bolschunow gibt den Platz logischerweise nicht kampflos preis, so dass es zur Berührung kommt. Dabei geht der Stock des Russen zu Bruch, er muss praktisch hilflos zusehen wie er auch noch von Emil Iversen überspurtet wird.
Nach Protest der Russen und Gegenprotest der Norweger ist klar, wer schuld am Rencontre ist: Klaebo wird von der Jury disqualifiziert, für Bolschunow ist es aber nur ein bitterer Pyrrhussieg. Er erbt «nur» Silber, Gold geht an Klaebos Landsmann Iversen als lachendem Dritten.
Sie waren die stärksten Sprinter einer zuletzt noch sieben Mann starken Spitzengruppe. Im Gegensatz zum überlegenen Alleingang Therese Johaugs am Vortag bei den Frauen, blieb das Männerrennen bis zum dramatischen Finish spannend. Johaug ist mit vier Goldmedaillen die Königin der WM, Klaebo hätte es ihr mit dem Sieg gleichtun können. Im Gegensatz zu Johaug ist der 24-Jährige aber der Meister der Kurzstrecken. Entsprechend hoch wäre das Double Sprint-50 km einzustufen gewesen. Das hat bislang nur Petter Northug 2015 geschafft.
«Das fühlt sich wie der schlimmste Tag meiner Karriere an», schreibt Klaebo später auf Instagram. Der FIS-Renndirektor Pierre Mignerey erklärt die Disqualifikation mit zwei Faktoren: Erstens sei Bolschunow als erster auf die Zielgerade gekommen und habe deshalb das Recht gehabt, die Spur zu wählen. Es wäre deshalb in Klaebos Verantwortung gewesen, Rücksicht zu nehmen. Zweitens sei auf den TV-Bildern ersichtlich, dass der Stock des Russen durch einen Kontakt mit dem Norweger zu Bruch ging. Für Bolschunow ein kleiner Trost. «Dazu gibt es nichts zu sagen», kommentiert er seinen 2. Platz gegenüber dem Fernsehen SRF.
Schweizer gut, aber ohne Exploit
Die Schweizer liefern erneut ein gutes Mannschaftsergebnis ohne Exploit ab. Dario Cologna belegt den 9. Platz und muss einmal mehr feststellen, dass er zwar solide läuft, derzeit aber nicht um die Medaillen mitkämpfen kann. Er wechselt wie Bolschunow den Ski nach sechs von acht Runden, kann die entstandene Lücken im Gegensatz zum Russen aber nicht schliessen. Klaebo und Iversen hatten bei einsetzendem regen bereits eine Runde vorher gewechselt.
Jason Rüesch ist mit dem 11. Platz, dem zweiten Top-15-Resultat an dieser WM, hingegen ohne Einschränkung zufrieden, zumal er in der Startphase nach einem Stockbruch ganz ans Ende des Feldes zurückgeworfen wurde. Candide Pralong und Jonas Baumann belegen die Plätze 21 und 22.