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Eines Tages, als Lucky zur Märchenstunde erschien, entdeckte er ein neues Schnäuzchen. Der Kater, ein Tiger, sass etwas verstört in der hintersten Ecke. Das Leben hier schien ihm nicht zu behagen. Man sah ihm den Unmut in den Augen an.
Die anderen Katzen erzählten Lucky, dass "Sheriff" neu hier sei. Er habe sich draussen etwas geleistet, was Folgen hatte. Mehr darüber wollten sie nicht erzählen. Sie wollten Sheriff nicht noch mehr verunsichern als er schon war. Sie wussten, dass er sich schämte, für das was er verursacht hatte. Aus diesem Grund hatte er sich auch in den hintersten Winkel verzogen.
Jetzt war Lucky aber neugierig geworden. Eine Geschichte, die er noch nicht kannte? Das wollte er aber gleich aus erster Quelle erfahren. Er nahm Kontakt mit Sheriff auf, miaute ihm leise zu. Doch Sheriff drehte sich nicht mal um. Er öffnete kurz ein Auge, blickte dann wieder zur Wand als wolle er sagen "zisch ab, lass mich in Ruhe". Lucky hatte keinen Erfolg, Sheriff blieb unzugänglich.
Auch wenn Lucky jeden Tag kam und kleine Geschichten aus der Vergangenheit erzählte, liess ihn Sheriff nicht an sich heran. Noch immer sass dieser etwas abseits der Gruppe. Sein Groll war zwar
etwas gewichen, doch locker war er noch lange nicht. Luckys Neugier wuchs. Dieser Kater wusste etwas, was er noch nicht kannte. Das machte ihn fast verrückt. Bis jetzt war er das Tier, das die meisten Geschichten kannte. Nun lag da ein Tiger, von dem er nichts erfahren konnte. Er versuchte sein Glück jeden Tag, wollte dass Sheriff ihm endlich seine Geschichte erzählte. Immer wieder machte er einen Vorstoss, doch Sheriff blieb stumm.
Da schmiedete er einen heimtückischen Plan. Bevor er am nächsten Morgen zum Tierheim ging, schlenderte er durchs Feld. Vielleicht würde Sheriff zugänglicher, wenn er ihm ein Geschenk mitbrachte. Sein Plan ging auf. Lucky erschien an diesem Nachmittag mit einer dicken, fetten Feldmaus. Sie baumelte am Schwanz in seiner Schnauze und war so gross, dass er sie fast nicht tragen konnte. Diesen Leckerbissen versprach er Sheriff, wenn dieser ihm dafür seine Erlebnisse erzählen würde.
Beim leckeren Mahl in Luckys Maul lief Sheriff das Wasser im Maul zusammen. Jetzt war er hin- und hergerissen. Sollte er aus lauter Trotz auf den Leckerbissen verzichten? Oder war es dumm, seine Geschichte einer Plaudertasche wie Lucky zu erzählen? Er überlegte kurz, kam langsam zum Zaun, um an der zappelnden Maus zu schnuppern. "Ja, lecker". Die wollte er haben. So etwas Gutes hatte er schon lange nicht mehr bekommen. Der Deal war gemacht. Sheriff bekam die Maus und Lucky seine Geschichte. Noch am gleichen Tag erfuhr Lucky endlich, was passiert war.