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30 km
Heute soll es überdurchschnittlich warm gewesen sein, etwa 35°C.
Während des Streunens durch die Stadt hatten mittlerweile drei Personen angeboten, mir das Kadare-Haus zu zeigen – das Gebäude, in dem der Schriftsteller Kadare aufgewachsen war und das ihm später gehörte. Ich bedankte mich, lehnte aber wegen vermutlich temporärer geistiger Umnachtung ab. Später wusste ich nicht, ob ich allein anhand der GPS-Daten das richtige Haus gefunden hatte. Nur war jetzt niemand da, den ich hätte fragen können. In einer Nebengasse setzte ich mich auf einen Stein um zu verschnaufen.
Ein alter Mann kam vorbei, blieb stehen und fragte: "Kadare"? Ich bejahte und er führte mich zu dem von mir vermuteten Haus. Er hatte plötzlich einen Schlüsselbund in der Hand – und schloss auf!
Er führte mich im Haus herum, erklärte ein wenig. Sein Englisch war so gut wie mein Albanisch. Er stellte sich vor als Ingenieur der Rekonstruktionsarbeiten. Das Haus bestand aus den üblichen Steinmauern, aber wird mit allerhand Beton ergänzt. Nachdem wir wieder vor dem Haus standen, wollte ich ihn zu einem Kaffee einladen. Er konnte oder wollte mich nicht verstehen, führte mich zu seinem Haus und bat mich herein. Er bot mir Raki und Wasser an, danach etwas zu Essen – vermutlich gesottene Zucchini mit Brot, als Nachspeise Melone. Als Getränk reichte er selbstgemachten Wein. Das Essen mundete mir vorzüglich. Nachdem wir uns gegenseitig fotografiert und die Adressen getauscht hatten, verabschiedeten wir uns herzlich.
Später eilte ich wegen der heute guten Sicht und dem schönen Licht nochmal zur Ali-Pascha-Brücke und konnte ein paar gute Bilder machen. Auf Rückweg versuchte ich, ein Bild der Festung ohne Stromleitungen aufzunehmen. Eine ältere Frau rief mich an und bat mich in ihr Haus. Von dort hatte man eine fantastische Aussicht auf die Festung und das Lunxhërisë-Gebirge, zumal es heute nicht so diesig war wie in den letzten Tagen. Mit dem 27jährigen Sohn unterhielt ich mich sehr lange. Ich wurde zu Wassermelone und Getränken eingeladen. Bei einbrechender Dämmerung verabschiedete ich mich und dankte vielmals aus tiefstem Herzen.
Zurück im Hotel duschte ich und wusch die Kleidung und kaufte dann Lebensmittel für die nächsten Tage ein. Danach ging ich in die Taverna, wo ich in den letzten Tagen öfter Kleinigkeiten gegessen hatte. Die Tochter flirtete wieder sehr auffällig, aber wegen mangelhafter Sprachkenntnisse auf beiden Seiten war eine Kommunikation so gut wie unmöglich. Ich nahm ein großes Bier und Qiqi und bestellte einen süßen Nachtisch. Der Wirt wollte extra für mich Baclava zubereiten. Leider – ich war schon recht satt – gab es zuvor noch einen Teller mit einer regionalen herzhaften Spezialität auf Kosten des Hauses. Die Tochter servierte mir einen Tee aufs Haus; nach dem Nachtisch war ich mehr als satt.
Nach Abschied unterhielt ich mich lange mit einem draußen sitzenden russischen Pärchen. Dann sprach ich mit Chris, der nebenan saß und seiner Freundin aus Erfurt. Sie erzählte, dass sie mit ihrem Freund ursprünglich eine Weltreise geplant hatte, dann aber in Albanien hängen geblieben war und mit ihm outdoor-Aktivitäten anbot, sich jetzt aber in einem etwas undefinierten Zwischenzustand befand. Spät am Abend fand ich dann doch ins Bett.→ nächster Tag →