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Depression und Angst erschweren COPD
Viele Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) leiden unter psychischen Störungen. Diese verschlimmern das pneumologische Leiden, werden aber oft weder erkannt noch behandelt. Dabei gibt es wirksame nichtmedikamentöse Therapieansätze.
Bei COPD-Patienten treten insbesondere Ängste und Depressionen häufiger auf als bei Gesunden (1). Zwar erfüllen die Betroffenen in vielen Fällen nicht alle Kriterien für das Vollbild dieser psychischen Erkrankungen, sie leiden aber durchaus an behandlungsbedürftigen Symptomen – mit teils schwerwiegenden Folgen. So schaffen es die Patienten z.B. seltener, mit dem Rauchen aufzuhören, entwickeln vermehrt Exazerbationen und müssen häufiger stationär behandelt werden.
Umso wichtiger erscheint für alle COPD-Patienten ein regelmässiges Screening auf etwaige seelische Begleitbefunde. Dazu eignen sich beispielsweise Fragebogen wie
PRIME-MD (Primary Care Evaluation of Mental Disorders) und HADS (Hospital Anxiety and Depression Scale), die auch auf Deutsch erhältlich sind.
Achtsamkeit reduziert vor allem affektive Symptome
Unter den nichtmedikamentösen Optionen zur Behandlung der psychischen COPD-Folgen ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) am besten untersucht. Sie soll dem Betroffenen einen konstruktiveren Umgang mit seiner Störung ermöglichen. Viele Patienten, die ihre Atemnot nicht im Griff haben, meiden potenziell auslösende Aktivitäten. Die KVT kann ihnen dabei helfen, ihre Ängste zu überwinden und sich der Situation zu stellen.
Auch bei einer depressiven Verstimmung ist die Aktivierung ein Kernanliegen der Therapie. Die Betroffenen lernen, ihre negativen Gedanken durch realistischere und weniger belastende Einschätzungen zu ersetzen.
Ein weiteres Angebot zur seelischen Stabilisierung ist die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT). Sie setzt auf eine vermehrte Akzeptanz negativer Denkinhalte und Gefühle, während die klassische KVT eine kognitive Restrukturierung anstrebt. Die MBCT nutzt unter anderem meditative Elemente, um eine unvoreingenommene Wahrnehmung von Gedanken und Körpergefühlen zu ermöglichen. Aktuelle Daten sprechen dafür, dass die MBCT die affektiven Symptome reduzieren kann, nicht aber Ängste.
Entspannungstechniken und Singen zeitigen Erfolge
Auch diverse Entspannungstechniken werden zur Therapie bei psychischen COPD-Folgen genutzt. Autogenes Training kann Stress reduzieren, die Erschöpfung lindern und den Schlaf verbessern. Für die progressive Muskelrelaxation wurde ein positiver Einfluss auf Angst und Depression gezeigt.
Fernöstliche Formen der Bewegungstherapie kommen ebenfalls zur Therapie der seelischen Begleiterscheinungen zum Einsatz, allerdings mit unterschiedlicher Evidenz. Bezüglich Qigong sprechen Metaanalysen für eine Wirkung bei COPD-bedingten psychischen Symptomen; für Tai Chi und Yoga ist diese noch nicht gesichert.
Einen weiteren vielversprechenden Ansatz stellt die Musiktherapie dar. In einer gepoolten Auswertung kontrollierter Studien linderte die Kombination von Musikhören und Singen die Angstsymptome und verbesserte gleichzeitig Luftnot, Schlafstörungen und Blutdruck. Singen sei auch für Lungenkranke ein sicheres Vergnügen, betonen die Autoren.
Die Evidenzlage zur gesundheitlichen Wirkung des Singens ist jedoch heterogen: Kleinere Arbeiten ermittelten einen günstigen Einfluss auf die Psyche, während ein neueres Cochrane-Review keinen solchen Effekt nachweisen konnte.
Wichtig ist die Anleitung zum COPD-Selbstmanagement
Ein sehr wirksames Verfahren ist die pulmonale Rehabilitation. Sie basiert üblicherweise auf einer Kombination von körperlichem Training, Patientenschulung und Massnahmen zur Verhaltensänderung. Gut belegt ist ihr positiver Einfluss auf Lebensqualität, Belastbarkeit, organische Beschwerden (Dyspnoe etc.) und den stationären Behandlungsbedarf. Sie vermag die depressiven Symptome wirksam zu lindern und hat zudem einen moderaten Einfluss auf die Angstzustände.
Besonders wichtig ist für COPD-Patienten die gezielte Anleitung zum Selbstmanagement. Dazu gehört ein Rauchstopp ebenso wie körperliche Aktivität, die korrekte Anwendung von Medikamenten und der Umgang mit Stress. Alles zusammen reduziert auch die psychischen Begleitsymptome und trägt dazu bei, respiratorisch bedingte Klinikaufenthalte zu vermeiden. Um die psychischen Bedürfnisse von COPD-Patienten am Lebensende zu erfüllen, ist eine gute Palliativversorgung gefragt.