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Es gibt Lieblingsdinge, da muss man ganz ehrlich sein und sagen: Dafür gibt es eigentlich keinen guten Grund, aber ich lieb sie trotzdem. Kinderschokolade zum Beispiel. Und Hugh Grant. Dass Hugh Grant am 27. September zwecks Entgegennahme einer Lebenswerk-Trophäe ans Zurich Film Festival kommt, fühlt sich in Zürich gerade an, als würde Gratis-Champagner auf der Strasse verteilt.
Aber wieso bloss? Als Schauspieler ist Mr. Grant alles andere als grand, er hat ein gewisses Flair für romantische Komödien, mehr nicht. Als Mann ist er zunehmend uninteressant, er altert keineswegs so virtuos wie Clooney. Als Beziehungsmensch ist er grässlich, Elizabeth Hurley betrog er mit einer Prostituierten, danach hatte er ein paar superreiche Frauen, aktuell hat er vier Kinder von zwei Frauen, mit beiden soll er in einer Beziehung leben. Und trotzdem ...
Seine bisher beste Aktion: 2011 zeichnet er heimlich ein vertrauliches Gespräch mit einem Ex-Paparazzo auf. Dieser gesteht, dass Redaktoren von «Daily Mail» und «News of the World» mit Einverständnis der höchsten britischen Politiker ihren Journalisten befohlen haben, Telefongespräche von Prominenten anzuzapfen und abzuhören. Der Skandal ist massiv, Grants Erfolg als einer, der die Überwacher überwacht, ebenfalls.
Sonst scheint weder sein Leben noch seine Karriere sonderlich ambitioniert. Eher ein bisschen ausgefranst an den Rändern. Und enorm entspannt. Seine Interviews sind lustig. Seine Eitelkeit scheint inexistent. In den Neunzigern war er der begehrteste Brite der Welt. Der vertrottelte Beau, der zuverlässig die Beauty bekommt, egal ob in einer Jane-Austen-Verfilmung oder in einer zeitgenössischen Komödie. Die Beauties hiessen Julia Roberts, Andy MacDowell oder Julianne Moore.
In den Nullerjahren war es das Objekt der Begierde von Bridget Jones. Einer Frau, die im Grunde nichts anderes ist als ein weiblicher Hugh Grant: Süss, vertrottelt, britisch. In «Love Actually» wurde er gar zum Permier. Alles andere ist nicht der Rede wert. Und doch ... Und doch ...
Ein bekannter Schweizer Journalist – seine Initialen sind die gleichen wie die einer grossen Schweizer Bank – sagte einmal, Hugh Grant sei sein Vorbild, weil er wie eine männliche Blondine durch Film und Leben stolpere und damit enorm erfolgreich sei. Wie Bridget Jones eben. Wahrscheinlich ist genau dies der Schlüssel zu Hugh Grants latenter Unwiderstehlichkeit. Und wahrscheinlich ist genau dies ganz einfach verdammt gut gespielt.
(sme)