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| Hieronymus († 420) - Über den Tod Paulinas; an Pammachius (Epistula 66)

9.
Ich erkenne, daß du voller Eifer bist für die göttlichen Wahrheiten, ohne so verwegen zu sein wie jene, die lehren, was sie nicht wissen. Bevor du anfängst zu lehren, lernst du. Deine gewöhnlichen Briefe verraten Vertrautheit mit den Propheten und Aposteln. Du strebst nicht nach einer hochtrabenden Beredsamkeit, noch kleidest du nach Schülerart spitzfindige Sprüchlein in abgerundete Perioden. Der luftige Schaum vergeht gar schnell, und wenn jemand noch so aufgedunsen ist, ein Zeichen von Gesundheit ist dies keineswegs. Bekannt ist jener Ausspruch Catos: "Schnell genug, wenn nur auch gut genug". Wir haben freilich einst als Knaben gelacht, als er von dem Vorsteher der Rhetorik in der Einleitung angeführt wurde. Ich denke, du erinnerst dich noch unseres beiderseitigen Irrtums, als die ganze Schule wie aus einem Munde rief: "Schnell genug, wenn nur auch gut genug". Glücklich, sagt Fabius, wären die Künste, wenn nur Künstler über sie zu Gericht säßen. Einen Dichter kann nur derjenige verstehen, der selbst Verse machen kann. Philosophen kann nur jener beurteilen, welcher die verschiedenen Systeme kennt. Über mit der Hand gefertigte und in die Augen fallende Gegenstände entscheiden am besten die Handwerker. Wie hart dagegen unsere Lage ist, kannst du daraus erkennen, daß wir dem Urteil des Volkes ausgesetzt sind. Und jene sind in der Masse zu fürchten, die man, sobald man sie allein erblickt, verachten würde. Dies habe ich nur nebenbei berührt, damit du dich bescheidest bei dem Urteil Sachverständiger und nicht zu sehr dich um das kümmerst, was Unerfahrene von dir schwätzen. Genieße täglich von dem Marke der Propheten, damit du dich einweihst in die Geheimnisse Christi und der Patriarchen.