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Aktuelles
Stilllegung der Biogas- und Klärschlammtrocknungsanlage
Die Verwaltungskommission des Kläranlageverbandes hat am 15. November 2018 den Beschluss gefasst, die Biogas- und Klärschlammtrocknungsanlage stillzulegen. Die Kommission folgte damit einem bereits am 26. November 2015 gefällten Grundsatzentscheid, wonach die Biogasanlage nur solange weiterbetrieben werden soll, wie sie einen Ertrag abwirft und für den Weiterbetrieb keine weiteren Investitionen benötigt werden. Die Wirtschaftlichkeit des Anlagenbetriebs konnte vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren erreichten Leistungssteigerungen von der Betriebsleitung eindeutig aufgezeigt werden (Ertrag vor Abschreibung), jedoch die laut gewordenen Proteste von Anwohnern über Geruchsbelästigungen in den zurückliegenden heissen Sommermonaten hätten Investitionen erforderlich gemacht.
Ab Juni 2018 wurden im Galgenbuckquartier der Gemeinde Neuhausen immer wieder lästige Gerüche wahrgenommen. Insbesondere nach warmen, windstillen Sommernächten gab es Anwohnerbeschwerden über schlechte Gerüche während den Abendstunden oder frühmorgens. Bei gemeinsamen Quartierbegehungen des Lufthygieneamtes und der KBA Hard konnte als deren Verursacher die Abluft des Klärschlammtrocknungsprozesses identifiziert werden. Eine im November durchgeführte Geruchsmessung im Abluftkamin hat ergeben, dass die Trocknerabluft mit durchschnittlich 5‘000 Geruchseinheiten pro Kubikmeter belastet ist. Bei Geruchsstoffkonzentrationen in diesem Messbereich sind Geruchsimmissionen in der Umgebung wahrscheinlich.
Um die Geruchsstoffe aus der Abluft zu entfernen, wären zusätzliche Abluftbehandlungsschritte notwendig gewesen. Für die damit verbundenen Kosten wollten die Verbandsgemeinden nicht mehr aufkommen, zumal es keine Erfolgsgarantie gab, dass sich mit der Nachrüstung einer zusätzlichen Reinigungsstufe eine ausreichend starke Geruchsminderung hätte erzielen lassen, um das Geruchsproblem im betroffenen Wohnquartier endgültig und dauerhaft lösen zu können.
Zeitlicher Ablauf der Stilllegung
Im ersten Schritt wird spätestens per 30. Juni 2019 die Klärschlammtrocknungsanlage ausser Betrieb genommen. Damit wird der geruchsbeladene Abluftstrom noch vor den heissen Sommermonaten gestoppt. Die Stilllegung der Biogasanlage erfolgt im zweiten Schritt. Der biologische Prozess kann nicht per Knopfdruck ausser Betrieb gesetzt werden. Der Gasmotor wird solange in Betrieb bleiben, wie der Gärbehälter noch genügend Biogas produziert, sobald dies nicht mehr möglich ist, muss das Gas abgefackelt werden. Es ist davon auszugehen, dass der Nachbetrieb der Biogasanlage mehrere Wochen dauert.
Die Biogasanlage der KBA Hard ist eine der grössten der Schweiz
Im September 2018 wurde mit 467'740 kWh eine neue Rekordmarke bei der Stromproduktion erreicht. Mit einer jährlichen Brutto-Stromproduktion von 5.1 Millionen Kilowattstunden gehört die Biogasanlage der KBA Hard zu den fünf grössten Biogasanlagen der Schweiz. Die Stromproduktion entspricht dem Strombedarf von 1'300 Haushalten.
Die Biogasanlage der KBA Hard mit Klärschlammtrockner ist eine komplexe verfahrenstechnische Anlage, in der mechanische, biologische und thermische Prozesse ablaufen. In den letzten Jahren hat die KBA Hard die grössten Mühen darauf verwendet, um aus einer in den Jahren 2010 bis 2012 errichteten aber nicht funktionierenden mechanisch-biologischen Abfallanlage eine betriebssichere und funktionstüchtige, technisch und ökonomisch kalkulierbare Biogasanlage mit Klärschlammtrockner aufzubauen. Die Wirtschaftlichkeit der Anlage wird von der Verfügbarkeit und Auslastung des Gesamtprozesses bestimmt. Die Funktionalität und Betriebssicherheit der eingesetzten Technik, eine konstant hohe Abbauleistung des biologischen Prozesses sowie qualifiziertes und motiviertes Personal sind dabei bestimmende Faktoren.
In der Biogasanlage werden 18‘000 Jahrestonnen an Gärsubstraten verarbeitet. 74% dieser Menge sind Speisereste aus Kantinen, der Gastronomie sowie überlagerte, verpackte Lebensmittel der Grossverteiler, die von spezialisierten Recyclingunternehmen gesammelt und aufbereitet werden, um sie dann als hygienisierte Flüssigsubstrate im Tanklastwagen der KBA Hard anzuliefern. 16% sind flüssige Rückstände aus der Lebensmittelindustrie. Zu 10% werden feste Biomassen eingesetzt (Biertreber, Müllereiabfälle, Traubentrester, Bioabfälle aus Haushalten).
Der nach der Vergärung zurückbleibende flüssige Gärrückstand wird im Umkreis von rund 10 km als Flüssigdünger auf die umliegenden Äcker ausgebracht.