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Die zeitliche Dimension des Scheiterns: Das Konkursregime des Berner «Geldstags»
Georg Simmel beschreibt als Zeitdiagnostiker im Jahr 1900 die mannigfaltigen Auswirkungen des Geldes auf das Tempo des Alltagslebens. In seiner «Philosophie des Geldes» postuliert er, dass «natürlich unter Geld auch alle durch den Kredit und Giroverkehr ermöglichten Geldsubstitute einbegriffen» seien. Mit dieser Gleichsetzung von Geld und Kredit geht Simmel wohl zu weit.
Kredit geht nicht in der umfassenderen Kategorie Geld auf. Insbesondere die Berücksichtigung ihrer jeweiligen zeitlichen Dimensionen macht Unterschiede zwischen ihnen deutlich. So hebt Robert Kuttner eine temporale Dimension der Institution des Konkursverfahrens hervor: «It (bankruptcy) writes off yesterday’s debt for the sake of tomorrow’s growth.» Wie ökonomisches Scheitern jeweils konkret gesellschaftlich geregelt wird, ist historisch kontingent. Damit ein Konkursregime im Sinne von Kuttner erfolgreich sein kann und zukünftiges Wachstum fördert, müssen entsprechende Voraussetzungen erfüllt sein.
Dieser Beitrag nähert sich dem Zusammenhang von Geld und Zeit von der Perspektive des Scheiterns. Er basiert auf einer historischen Fallstudie zum sogenannten «Geldstag» (dem Berner Konkursverfahren) im 18. und 19. Jahrhundert. Ausgehend vom Moment gescheiterter Kreditbeziehungen wird gefragt, welche Konsequenzen das Berner Konkursregime für die «Zeit» hatte. Wie wurde die temporale Dimension von Kreditbeziehungen im Geldstag modifiziert? Wann kam es zu einer Beschleunigung, Verlangsamung oder gar einem «Anhalten der Zeit», wann zu einer Kontraktion oder Expansion? Der ergebnisoffene Prozess des Geldstags stellte keineswegs ein abruptes Ende von Kreditbeziehungen dar. Er sorgte auch für die Beschleunigung oder die Verlangsamung im «Tempo des Lebens» der Beteiligten.