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Wie kann jemand gleichzeitig erfolgreiche Filme, vielgelobte Bücher und anspruchsvolle Kunst machen und nebenbei auch noch Best Friend von Showbizpromis wie Lena Dunham, Kirsten Dunst oder Rihanna sein? Die US-amerikanische Gesamtkunstwerkdarstellerin Miranda July macht und kann tatsächlich vieles – was sie nicht nur bekannt, sondern auch vor allem verdächtig macht. Beneideten wir schon früher die Flamboyanz amerikanischer Kreativ-Intellektueller wie Joan Didion, Susan Sontag und Patti Smith, scheinen heute Künstler wie Miranda July, Lady Gaga oder Ai Weiwei gar zu «Opinion Leadern» und globalen Berühmtheiten aufzusteigen. Doch wer steckt eigentlich hinter dem Label Miranda July?
Aufgewachsen in Berkeley als Miranda Jennifer Grossinger – in einem Haushalt von Schriftstellern samt Esoterikverlag – nannte sie sich mit 16 Miranda July, entsprechend einer Figur aus einer von ihr mitverfassten Kindergeschichte. Kurz nach Beginn ihres Studiums an der University of Santa Cruz brach sie dieses ab, zog nach Portland und gründete eine eigene Schauspieltruppe. Am Beginn ihrer Kariere standen feministische Aktionen, sie engagierte sich in der Riot-Grrrl-Bewegung und sang in der Punkband «The Need». Ausserdem jobbte sie in einem Striplokal – bis sie bald darauf von ihrer Kunst zu leben begann. Schon ihre frühen Performances und Videos fanden ihre Wege ins MoMA, ins Guggenheim (New York) und ins ICA (London), ihr Skulpturengarten «Eleven Heavy Pieces» wurde 2009 an die Biennale Venedig eingeladen. Oft sind es auch partizipative und crossmediale Arbeiten wie die Website «Learning to Love You More» (2002, mit Harrel Fletscher), der Newsletterservice «We Think Alone» (2013), die Nachrichten-App «Somebody» (2014) oder das Performance-Stück «New Society» (2015), mit denen sie im zeitgenössischen Kunstbetrieb für Aufsehen sorgte. In der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde July 2005 mit ihrem ersten Kinofilm «Me and You and Everyone We Know». Er gewann nicht nur den Jurypreis am Sundance Filmfestival, sondern auch die Caméra d’Or in Cannes. Wie in ihrem zweiten Film «The Future» von 2011 führte July nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch und spielte die Hauptrolle. Ab 2002 veröffentlichte July ausserdem mehrere Kurzgeschichten, die 2007 als Sammelband «No One Belongs Here More Than You» veröffentlicht und postwendend mit dem höchstdotierten Kurzgeschichtenpreis der Welt, dem Frank O’Connor Award, ausgezeichnet wurden. 2015 folgte ihr Romanerstling «The First Bad Man» (dt: «Der erste fiese Typ»), an dem sie drei Jahre arbeitete.
Was Miranda July zu einem vielschichtigen und nachhaltigen Star in der globalen Independent-Szene macht: sie hat einen unverkennbar eigenen Stil, eine Stimme, die aus all ihren Werken spricht – schräg, skurril, melancholisch. Sie ist eine eigene künstlerische, keine künstliche Marke. Das ist in einer Zeit, in der Künstler wie Popstars und Automarken und vornehmlich von Agenturen und Managements gebrandet werden, eine herausragende Qualität.
Neue ästhetische Kategorien
Ins Zentrum ihrer Texte und Filme stellt July häufig eigenwillige, verschrobene Personen – sich inklusive. Ihr Blick gilt den Missverständnissen und Peinlichkeiten des Alltags, wobei sie nicht nur sehr genau die oft traurige Realität beobachtet, sondern diese meist auch ins Surreale bis Groteske weiterzieht. Natürlich mangelt es nicht an mahnenden Stimmen, die darin eine weitere Infantilisierung der Gesellschaft befürchten und nach wie vor die fortschreitende Trennung des Schönen und Erhabenen rückgängig machen möchten. Doch, so könnte man zurückfragen, braucht es nicht genau diese neuen, ästhetischen Kategorien, um die allgegenwärtige (Pop-)Kultur aus Katzenvideos, Emoticons und Selfies künstlerisch zu beschreiben? Die amerikanischen Autoren Marc Spitz und Sianne Ngai plädieren hierfür. Spitz etwa erkennt «twee» – auf Deutsch «putzig» oder «schrullig» – als zentralen Ausdruck unserer Zeit und führt als Referenz neben Schauspielerinnen wie Zooey Deschanel, Musikern wie der Popband «Arcade Fire» auch die Charaktere aus Miranda Julys Büchern an. Die Standford-Professorin Sianne Ngai erweitert mit den Begriffen «zany» (überdreht) und «cute» (niedlich)…