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Irgendwo im französischen Niemandsland zwischen Atomkraftwerken und Autobahnraststätten: Jacques Blanchot (Vincent Macaigne) schlendert der Strasse entlang. In seinem Leben ist eigentlich alles ziemlich scheisse. Seine Frau (Vanessa Paradis) hat ihn gerade verlassen, weil sie an einer seltenen Allergie leidet, die mysteriöserweise immer genau dann auftritt, wenn Jacques in der Nähe ist. Sein Job bei einem quasi-bankrotten Discount-Laden steht auf der Kippe, weil der Neffe des Besitzers, ein pickliges IT-Genie, das Geschäft übernehmen und restrukturieren will. Und mit seinem Sohn kann er auch keine richtige Verbindung aufbauen.
Aber das alles ist Jacques egal. Und deshalb schlendert er jetzt mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht zum nächsten Hundeheim, einer vergammelten Hütte, um bei dessen Besitzer (Bouli Lanners) einen Hund zu kaufen. Sein Sohn wünscht sich nämlich schon lange einen Vierbeiner. Nur blöd, dass der Chihuahua, den sich Jacques andrehen lässt, keine hundert Meter von Heim entfernt von einem Lastwagen überfahren wird. Jetzt steht Jacques vor einem Dilemma: Woher einen Ersatz nehmen? Und was tun mit den bereits bezahlten Trainingsstunden in der Hundeschule?
Chien ist im Ansatz grotesk, bitterböse, melancholisch und hätte als Kurzfilm vermutlich grandios funktioniert. Auf neunzig Minuten gestreckt ist der Film dann aber doch eine eher träge Angelegenheit. Manche würden da einwenden: Langsames Erzählen ist ja Arthouse und dementsprechend künstlerisch hochstehend. Mag schon sein, aber bei einer Komödie? John Watts hat mal gesagt: "There's no such thing as a good long joke."
Der neue Film von Samuel Benchetrit (J'ai toujours rêvé d'être un gangster) möchte vieles sein: schwarze Komödie, grotesk-surreale Satire, melancholisches Kaurismäki-Drama über einen verschrobenen Einzelgänger. Hauptdarsteller Vincent Macaigne erinnert zudem nicht nur optisch (mit seinem gestrickten Wollpullover und korrekt gekämmten Haaren) stark an Ryan Gosling in Lars and the Real Girl.
Es ist ein Film über einen Menschen, der sich gegen nichts und niemanden auf dieser Welt zur Wehr setzt, und deshalb von seiner Umwelt schamlos ausgenutzt und je länger je mehr zum wortwörtlichen Dasein eines Hundes degradiert wird. Eine spannende Ausgangslage, aus der leider im Verlauf des Filmes zu wenig gemacht wird. Denn während bei Gosling die Schrulligkeit und Schüchternheit den Charakter für den Zuschauer sympathisch machte, ist Jacques' Apathie mit der Zeit nur noch nervig.
Nicht, dass sich Charaktere oder eine ganze Filmwelt nicht komödiantisch-surreal überzeichnen liessen - man denke nur an das Oeuvre eines Jacques Tati -, aber Chien bietet abgesehen von den stimmungsvollen Bildern schlicht zu wenig Gags, Spannung und interessante Figuren, um sich für die gesamte Laufzeit über Wasser zu halten. Starke Momente sind jedoch zweifellos vorhanden, vor allem dank der Leinwandpräsenz von Bouli Lanners als übergewichtigem, tätowiertem und jähzornigem Hundehalter.