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Die frühesten Spuren menschlicher Präsenz reichen bis in die Vorgeschichte zurück. Diese erste Besiedlung des Fundplatzes datiert nach Auskunft des Fundmaterials - Keramikscherben und Schmuckgegenständen (Fibeln) - in die Spätbronzezeit und die Ältere Eisenzeit.
Die Anfänge der römerzeitlichen Besiedlung reichen in die ersten Jahrzehnte unserer Zeitrechnung zurück. Im Bereich der späteren Gartenanlage erstreckten sich zwei grosse Bodensenken, vielleicht ehemalige Bachläufe, die als Abfallgruben dienten. Die südöstliche Senke wurde auf einer Länge von 20 m freigelegt und barg an ihrer Sohle einige hervorragend erhaltene Tannenstämme. Da sie auf ihrer gesamten Länge durchbohrt sind, handelt es sich bei den Hölzern um Wasserzuleitungsrohre. Noch in unbenutztem Zustand im feuchten Milieu der Geländesenken zwischengelagert, kamen sie aus unerfindlichen Gründen niemals in Gebrauch. Nach Auskunft der Dendrochronologie (Datierung anhand der Baumjahrringe) wurden die Bäume zu zwei verschiedenen Zeitpunkten gefällt: im Herbst/Winter des Jahres 3/4 n.Chr. und im Herbst/Winter des Jahres 32/33 n.Chr. Im Verlaufe von etwas mehr als einer Generation hat sich die Senke nach und nach verfüllt. Dennoch wurden ihre Randzonen sorgfältig mit Holzpalisaden befestigt, die wiederum dank der Dendrochronologie ins Jahr 66 n.Chr. datiert werden konnten. In der Folge diente die Senke als Abfallgrube für den bei den Umbauten der römerzeitlichen Gebäude anfallenden Bauschutt. Die Bodensenke wurde in der Mitte des 2. Jahrhunderts, an manchen Stellen sogar erst gegen Ende des folgenden Jahrhunderts, sukzessive zugeschüttet. Das Gelände zwischen Senke und Gebäudekomplex wurde planiert und mancherorts mittels mächtiger Steinschüttungen trockengelegt. Während der Grabung zeichneten sich auf dieser Fläche mehrere eingetiefte Strukturen (Gruben, Gräben) ab, deren Funktion nicht immer eindeutig zu klären war. Im Norden der Geländesenken weisen einige dieser Befunde dieselbe Ausrichtung auf wie die antiken Gebäude; sie könnten von einer ersten Gartenanlage aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammen. In dieser Zeit scheinen auch die verschiedenen Gartenbereiche voneinander abgegrenzt worden zu sein.
Die Vergrösserung der Villa in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n.Chr. wird von umfangreichen Erdaufschüttungsarbeiten im Gartenbereich begleitet. Ein Netz aus Leitungsröhren für Brauch- und Abwasser durchzieht den Untergrund der Höfe. Ein rechteckiges Nutzbecken (Zisterne?) wird vor dem südlichen Gebäude auf einer Konstruktion aus tief in den Boden eingerammten Pfählen errichtet. Es wird nur kurze Zeit später aus unbekannten Gründen wieder niedergerissen.
Im Hof vor dem mittleren Gebäudetrakt zeichnen sich mäanderförmig angelegten Gräben ab, bei denen es sich offenbar um Pflanzgräben von Hecken handelt. Ähnliche Befunde kennen wir auch aus der römischen Villa von Fishbourne (GB) oder der Villa von Dietikon im Kanton Zürich.
Infolge eines verheerenden Feuers, das die Villa am Ende des 3. Jahrhunderts oder zu Beginn des 4. Jahrhunderts verwüstete, werden die Aussenbereiche der Anlage umgestaltet. Es werden Konstruktionen aus leichten Materialien (Erde und/oder Holz) errichtet, bei denen es sich um Werkstätten für Metallverarbeitung handelt, die wohl mit der Wiederverwertung von Baumaterialien in Zusammenhang stehen. Im Bereich westlich des Gebäudekomplexes verschwinden die Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Gartenbereichen, und es entstehen Pfostenbauten. Der unmittelbar nördlich anschliessende zentrale Hof wird von einer mächtigen Schicht aus Bauschutt überdeckt, der aus den Gebäuden stammt. Das geborgene Fundmaterial (Keramik, Münzen) datiert diese Nutzungsphase in die Spätantike, zwischen dem Beginn des 4. und den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts.
Der in den Gärten verteilte Bauschutt der antiken Gebäude barg einige Überraschungen. Im zentralen beziehungsweise südlichen Hof fanden sich unter anderem zwei beschädigte Metallfigurinen.
Im Winter 2008/2009 kam eine unvollständige, 13,7 cm grosse und 558 g schwere Bleistatuette zum Vorschein. Bei der weiblichen Figur ohne Kopf handelt es sich um die „schamhafte Venus“, eine aus der römisch-griechischen Kunst bekannte Darstellung: Aufrecht stehend, mit leicht wiegender Hüfte hält sie den rechten Arm über ihrer Brust, mit der linken Hand hält sie einen Zipfel ihres Gewandes, um damit ihren Unterleib zu verhüllen.
Das gegossene Stück ist nur auf seiner Vorderseite mit Relief versehen. Der Werkstoff Blei, der zwar einfach zu giessen, aber schwer zu bearbeiten ist, wurde eher selten für die Herstellung solcher Statuetten verwendet. Der Guss weist kleine Makel auf, so schwankt die Dicke der Statuette im oberen Bereich zwischen 1,5-1,8 cm und 0,5 cm. Sowohl auf der Vorder- wie auch auf der Rückseite sind Bearbeitungsspuren (Abfeilen der Gussnähte) zu beobachten. Es könnte sich um eine regionale oder sogar lokale Produktion handeln; Hinweise auf eine Herstellung vor Ort fehlen jedoch.
Weiter südlich fanden die Ausgräber im Bauschutt eine weitere Figurine, diesmal aus Bronze. Das aussergewöhnliche Kunstwerk zeigt eine geflügelte Person, bei der es sich nicht um eine Gottheit (Amor oder Genius) handelt, sondern um einen Menschen mit künstlichen Flügeln, die mittels Bändern an seinen Armen befestigt sind. Die Darstellung nimmt Bezug auf den Mythos von Ikarus und dessen Vater Dädalus, der in der europäischen Kunst breite Aufnahme fand.
In der antiken Ikonografie findet sich dieses Thema, obwohl seit Menschengedenken bekannt, eher selten. Anders als es die Vielfalt der Werkstoffe vermuten lässt, aus denen die Darstellungen gefertigt wurden (Keramik, Stein, Bronze, Kameen usw.), ist die Darstellungsweise stereotyp und wenig variantenreich.
Ursprünglich bevorzugten die antiken Kunsthandwerker die Darstellung des Dädalus, der nicht nur als Archetyp des genialen Erfinders und Handwerkers, sondern auch als Baumeister des Labyrinths von Kreta galt, in dem der Minotaurus eingeschlossen war. Unter dem Zwang, die Insel mit seinem Sohn Ikarus zu verlassen, entschied er sich für den Luftweg und erfand Flügel aus Federn, die mit Wachs zusammen gehalten wurden. Während des Fluges kam Ikarus, der nicht auf die Ratschläge seines Vaters hören wollte, der Sonne zu nah. Der Wachs der Flügel schmolz und die Federn fielen auseinander, worauf der Unglückliche ins Meer stürzte.
Ikarus, der „unfähige Pilot“ wurde vor allem von römischer Zeit an dargestellt. Die Künstler thematisieren dabei oft seinen Leichtsinn während des Flugs. Indem Ikarus die Mahnungen seines Vaters in den Wind schlug, legt er jugendlichen Ungehorsam an den Tag und bezahlt dies mit dem Leben. Dieses tragische Schicksal erklärt, warum Ikarus auf einigen Grabdenkmälern (Sarkophagen oder Statuetten), insbesondere im Mittelmeerraum und in donauländischen Provinzen des Römischen Reiches, dargestellt ist.
Der Ikarus von Vallon nimmt einen besonderen Platz in der Ikonografie ein: Allein dargestellt, findet er in der römischen Kunstwelt keine Parallelen, und so bleibt auch seine Bedeutung unklar. Ein Fortsatz auf der Rückseite, in der Mitte des Rückens, spricht dafür, dass die Figurine irgendwo montiert war, vielleicht an einem Möbelstück (Kandelaber? Dreifuss ?). Dieses Möbel hätte aber wohl weniger in den Gärten, als vielmehr in einem der drei Gebäude gestanden.