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Geschichte | Geographie | Wirtschaft | Gesellschaft
Noah Sörensen, 2003 | Zollikofen, BE
Das Ziel dieser Wettbewerbsarbeit ist es, über den aktuellen Forschungsstand der Vertikalbegrünung, darunter die wichtigsten positiven Auswirkungen, zu berichten und das Potenzial für eine direkt geplante Umsetzung der Vertikalbegrünung in der Kernstadt Bern zu visualisieren. Dabei liegt der Fokus besonders auf der durch Vertikalbegrünung verursachten Verdunstungskühlung und dem daraus resultierenden Effekt der Reduzierung von Hitze in besonders dicht bebauten Gebieten mit einem Mangel an Grünflächen. Dieser Effekt wurde von mir durch den Eigenbau begrünter Wandmodule und anschliessender Oberflächentemperaturmessungen belegt. Diese zeigten, dass die Temperaturen der Vertikalbegrünung im Gegensatz zu der angrenzenden Backsteinwand um bis zu 6 °C weniger betrugen. Mithilfe von Recherchen vor Ort und im Internet konnte ich die in meinen Augen relevantesten exemplarischen Beispiele für Vertikalbegrünung in der Kernstadt Bern und der engeren Umgebung ausfindig machen. Anschliessend bestimmte ich anhand von Karten bezüglich der Anzahl der Tropennächte an diversen Messstandorten in Bern drei auffällig heisse Standorte. So konnte ich spezifische Vorschläge zur direkt geplanten Umsetzung einer Vertikalbegrünung in dem von mir ausgewählten Gebiet, der Kernstadt Bern, machen.
Fragestellung
(I) Was ist Vertikalbegrünung und welche positiven Effekte betont der aktuelle Forschungsstand? (II) Welche exemplarischen Beispiele für spezifisch geplante Vertikalbegrünung gibt es in Bern? (III) Wo liegt das Potenzial für Vertikalbegrünung in der Stadt Bern unter besonderer Berücksichtigung lokaler Hitzeinseln? (IV) Reduziert ein begrüntes Wandmodul (Eigenbau) die Temperatur an Hitzetagen?
Methodik
Um das Prinzip der Vertikalbegrünung zu verdeutlichen und deren positive Auswirkungen hervorzuheben, wurde eine ausführliche Lektüre- und Internetrecherche durchgeführt. Um das Problem bezüglich städtischer Wärmeinseln (UHI) in Bern aufzuzeigen, wurden anhand unveröffentlichter geografischer Karten zur Anzahl der Tropennächte in der Kernstadt mehrere Gebiete ausgewählt. Basierend auf dieser Auswahl und auf multipler Vor-Ort-Rekognoszierung konnten diverse Vorschläge zur Umsetzung der Vertikalbegrünung direkt in den betroffenen Gebieten gemacht werden. Um schliesslich den Kühlungseffekt der Vertikalbegrünung zu belegen, wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten zwei mobile Off-site-Wandmodule mit einer Vielfalt an Pflanzen begrünt und an einem Sommertag an einer südexponierten Backsteinfassade installiert. Anschliessend wurden Wärmebildmessungen durchgeführt, um die Temperatur der begrünten Module in den direkten Vergleich mit einer unbegrünten Fassade zu stellen.
Ergebnisse
Die Vertikalbegrünung bietet viele Vorteile, darunter die Reduktion der Oberflächentemperatur von Fassaden während Hitzeperioden. Der UHI-Effekt lässt sich auch in Bern erkennen, u. a. an der hohen Anzahl der Tropennächte im Lorrainequartier, am Bollwerk und in der Altstadt. In diesen Gebieten in der Kernstadt Bern gibt es mehrere potenzielle Umsetzungsmöglichkeiten für die Vertikalbegrünung. Ausserdem kann eine begrünte und bewässerte Fassade die Oberflächentemperatur eines Gebäudes an einem Sommertag von 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr im Durchschnitt um 4,2 °C verringern.
Diskussion
Grundsätzlich wurden die Vorschläge für die Vertikalbegrünung in den von Tropennächten stark betroffenen Gebieten zu wenig detailliert beschrieben, und es fehlt an einem tieferen Einblick in die tatsächliche Umsetzbarkeit der Projekte. Ausserdem hätten die selbst begrünten Module noch besser bepflanzt und bewässert werden können, was zu deutlicheren Messungsergebnissen geführt hätte. Trotz dieser Kritikpunkte konnten die relevantesten Schlüsse gezogen werden, nämlich dass eine Vertikalbegrünung zu einer Umgebungskühlung genutzt werden kann, der UHI-Effekt auch in der Stadt Bern zu erkennen ist und diesem mithilfe der Vertikalbegrünung in den am stärksten betroffenen Gebieten entgegengewirkt werden kann. In einer anderen Umsetzung dieser Arbeit hätte man sich beispielsweise noch mehr auf die Vorschläge für eine Vertikalbegrünung fokussieren können.
Schlussfolgerungen
Eine professionalisierte Vertikalbegrünung wird in der „Energiestadt“ Bern (und gesamtschweizerisch) vernachlässigt, und die Vorteile werden bei bisherigen Umsetzungen nicht voll ausgeschöpft, obwohl eine Vertikalbegrünung aufgrund ihres natürlichen Kühlungseffektes ein geeignetes Mittel ist, um dem UHI-Effekt, der auch in Bern zu erkennen ist, entgegenzuwirken. Um das volle Potenzial der Vertikalbegrünung zu nutzen, sind weitere Forschung und Gelder nötig. Insbesondere in der Politik, der Baubranche und im tertiären Bildungsbereich muss das Thema mehr an Gewicht gewinnen.
Würdigung durch den Experten
Prof. Dr. Marc Vonlanthen
Das Thema der Vertikalbegrünung in städtischen Gebieten ist unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels und des Wärmeinselphänomens sehr relevant. Die durchgeführte Forschung entspricht daher einem grossen Bedarf. Noah Sörensen wählt in seiner Arbeit einen originellen Ansatz, der einerseits darauf abzielt, das Potenzial von begrünten Flächen in der Stadt Bern zu bewerten und andererseits die Auswirkungen solcher Flächen durch Messung der Oberflächentemperatur an einem autonom realisierten Prototypen zu messen. Die Arbeit überzeugt durch die gewählte Methodik sowie das grosse Engagement des Verfassers. Sie liefert einen wichtigen Beitrag zur weiteren Erforschung des Themas.
Prädikat:
sehr gut
Gymnasium Neufeld, Bern
Lehrer: Klaus Stalder