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Unter der Marktkonzentration in der Agrochemie werden die Bauernfamilien im Süden besonders leiden. Bild: Clipealer
In der Agrochemie stehen drei Grossfusionen vor dem Abschluss. Die Übernahme von Syngenta durch ChemChina, der Kauf von Monsanto durch Bayer und die Fusion von Dow und DuPont in den USA. Bereits heute beherrschen sechs transnationale Konzerne die Weltmärkte für Pestizide und Saatgut. Nach Abschluss der geplanten drei Fusionen wären es noch vier Unternehmen. Deren Marktbeherrschung und Kontrolle über das Ernährungssystem wäre immens. Sollten alle Übernahmen zustande kommen, würden die betreffenden drei Firmen über 65% des globalen Pestizidmarktes und fast 61% des kommerziellen Saatgutmarktes beherrschen.
Die Wettbewerbsbehörde der EU muss in den nächsten Wochen zur geplanten Übernahme von Syngenta durch ChemChina Stellung nehmen. Brot für Alle gelangt daher zusammen mit anderen Organisationen, darunter auch die SAG, an die EU.
Die zunehmende Marktkonzentration wirkt sich bereits heute schädlich auf Wettbewerb und Innovationen aus. Zugleich gewinnt die industrielle, kapitalabhängige Landwirtschaft noch mehr an Gewicht. Dies bedeutet: mehr Pestizide, mehr Agrogentechnik und weniger Vielfalt beim Saatgut. Dies obwohl der wegweisende Weltagrarbericht von 2008 zum Schluss kam, dass „weiter wie bisher keine Option“ ist. Um die von den fusionswilligen Firmen in Aussicht gestellten Einsparungen zu erreichen, dürften sich Forschung und Entwicklung zukünftig noch stärker nur auf ein paar wenige Pflanzensorten und auf kommerziell nutzbare Eigenschaften fokussieren. Das schmälert die Vielfalt der Pflanzensorten und beeinträchtigt die Sicherheit der Ernährung weltweit.
«Unter der Marktkonzentration in der Agrochemie werden die Bauernfamilien im Süden besonders leiden. Es ist zu erwarten, dass mit diesen Fusionen mehr Druck auf die Länder des Südens ausgeübt wird, einschränkende Saatgutgesetze zu unterschreiben und gentechnisch verändertes Saatgut zuzulassen», kommentiert Silva Lieberherr, Fachperson Landwirtschaft und Land Grabbing bei Brot für alle. «Die Wettbewerbskommission muss deshalb bei der Prüfung des Antrages von ChemChina/Syngenta auch die anderen Fusionen und ihre Folgen mitberücksichtigen.»
Die Organisationen appellieren an die EU-Wettbewerbskommissarin Frau Vestager, ein Signal für eine Umkehr zu setzen und die geplanten Fusionen abzulehnen. «Sonst droht eine Konsolidierung der gesamten Nahrungskette und bringt einer Handvoll Konzerne die Macht über die Welternährung», erläutert Lieberherr.