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Trifft der Sekundentod einen Menschen beim Sporttreiben, so stellt sich schnell die Frage, ob es ein Tod beim Sport oder ein Tod durch den Sport war.
Der 36-jährige Daniel Langdon war der erste, der während des Detroit Marathons 2009 mit einem Herzversagen tot zusammenbrach. Nur wenige Minuten später traf es auch den 65-jährigen Rick Brown und den erst 26-jährigen Jon Fenlon. Auch in der Schweiz gab es Todesfälle beim Laufsport: Ein Läufer starb beim Greifenseelauf 2005 und der Todesfall einer 36-jährigen Läuferin beim Silvesterlauf vor gut zwei Monaten zeigt, dass es auch Frauen treffen kann. Die junge Frau brach bereits nach rund 1,8 Kilometern unvermittelt zusammen und konnte trotz sofortiger Reanimationsversuchen nicht mehr gerettet werden. Gemeinsam ist allen Fällen die Todesursache: der plötzliche Herztod während einer körperlichen Anstrengung.
Herztod Todesursache Nummer 1
Wenn Menschen beim Sport sterben, stellt sich rasch eine zentrale Frage: War der tragische Tod ein unvermeidliches Ereignis, das unglücklicherweise während dem Sporttreiben auftrat oder war es vielmehr ein Ereignis, das durch den Sport erst provoziert wurde? Zur «Entlastung» sportlicher Menschen genügt ein Blick in die Statistik: Der (plötzliche) Herztod ist – zumindest in der westlichen Welt – die häufigste Todesursache überhaupt. Jährlich sterben in der Schweiz rund 10 000 Menschen am plötzlichen Herztod, also 27 Menschen täglich oder ein Mensch pro Stunde. Im Sport ist der plötzliche Herztod glücklicherweise selten. In einer 2007 publizierten Studie bei Marathonläufern kam umgerechnet nicht einmal ein Todesfall auf 400 000 gelaufene Kilometer. Auto fahren präsentiert sich da schon als wesentlich gefährlicher: Bei der gleichen Anzahl zurückgelegter Kilometer sterben im Auto durchschnittlich drei Menschen. Dennoch kann ein Herzversagen unvermittelt auch Sportler treffen, und das Risiko einer sportlichen Belastung auf das Herz sollte nicht bagatellisiert werden. Vor allem dann nicht, wenn es sich um ein Herz handelt, das aufgrund einer Erkrankung nur bedingt funktionsfähig ist. Bei Sportlern tritt ein plötzlicher Herztod praktisch immer als Folge einer – nicht erkannten – Herzerkrankung auf. In den häufigsten Fällen (rund 40%) wird im Nachhinein ein Herzfehler diagnostiziert, der auf eine angeborene Struktur- oder Funktionsanomalie des Herzens oder der angrenzenden Gefässe zurückzuführen ist. Aber auch eine durch Viren oder Bakterien hervorgerufene Entzündung (deren Herd nicht beim Herzen liegen muss) kann das Herz vorübergehend stark schwächen und dadurch eine intensive Belastung bis zum Tod führen. Der Fall der Läuferin am Silvesterlauf zeigt, dass dabei die Länge eines Laufs weit weniger entscheidend ist als die Intensität der Belastung. Ein krankes Herz kann bereits bei einer kurzen Belastungsdauer überfordert werden. Schon der Sprint auf den Zug könnte genügen. Je nach Altersgruppe unterscheiden sich die Ursachen möglicher Herzkrankheiten. Bei den unter 35-Jährigen führt meist eine Erkrankung des Herzmuskels, eine Anomalie der Herzkranzgefässe oder ein aktiver bzw. nicht auskurierter viraler Infekt des Herzmuskels zu einem plötzlichen Herztod. Bei über 35-Jährigen hingegen ist eine Erkrankung bzw. Verengung der Herzkranzgefässe die häufigste Ursache. Beim Vorliegen von Risiken in diesem Zusammenhang ist beim Sport äusserste Vorsicht angezeigt, umso mehr, als dass sich der plötzliche Herztod nicht ankündigt.
Gesundes Herz ist strapazierfähig
Dennoch: Regelmässig und seit Jahren sportlich aktive Menschen müssen sich nicht sorgen. Ein gesundes Herz erträgt auch lange und intensive Belastungen meist schadlos. Zudem ist der durch regelmässiges Sporttreiben hervorgerufene gesundheitliche Benefit auf das Herz weitaus grösser als die Verletzungsgefahren, die beim Sport lauern. Wer körperlich aktiv ist, senkt grundsätzlich sein Risiko massiv, Herz- Kreislauf-Erkrankungen zu erleiden und dadurch auch die Gefahr eines plötzlichen Herztods. Als Hauptrisikofaktoren für einen Herzinfarkt gelten Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte und Rauchen, allesamt Faktoren, die regelmässig aktiven Ausdauersportlern meist fremd sind. Es bleibt daher als wichtigste Erkenntnis: Auch Sportler sind nicht gefeit vor einem kranken Herzen und sollten daher – speziell mit zunehmendem Alter – die geltenden Vorsichtsmassnahmen und Vorsorgeuntersuchungen beachten. Und was speziell bei Sportlern gilt: Bei Infekten wie einer Grippe oder auch einer Zahnentzündung soll auf Sport verzichtet werden! Ein Ratschlag, der leider oft leichtsinnig übergangen wird.
Die Risikofaktoren
Folgende Risikofaktoren erhöhen das Risiko eines plötzlichen Herztodes:
- Angeborener oder erworbener Herzfehler (z. B. krankhafte Verdickung des Herzmuskels).
- Infekt (dazu gehört auch eine Grippe oder eine Zahnentzündung).
- Alter (allgemein erhöhte Gefahr ab 40 Jahren, besonders gefährdet sind Männer ab 45 Jahren, Frauen ab 55 Jahren).
- Geschlecht (Männer sind weitaus anfälliger).
- Intensität (eine hohe Intensität belastet das Herz verstärkt, gefährlich ist vor allem eine intensive sportliche Aktivität bei körperlichem Unwohlsein oder kurz nach einer durchgemachten infektiösen Erkrankung).
- Ungewohnte Belastung (wer über 35 Jahre alt ist, nach langer Sportabstinenz eine sportliche Betätigung neu aufnimmt oder sich erstmals einen intensiven Wettkampf als Ziel gesetzt hat, sollte seine Blutfettwerte ermitteln und ein Belastungs-Elektrokardiogramm durchführen lassen).
- Übergewicht, Inaktivität, Bluthochdruck, Rauchen und Stress.