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In Kanada verbrannt, in Rorschach neu gemalt
«This is about history» sagte Lorraine Anderson zu Urs Kehl, als dieser seine im Quartier gemalten Bilder für eine Freilicht-Ausstellung an einem Zaun auf hängte.
Am 21. Februar 2020 ist im von ihr geleiteten «Learning and Innovation Community Centre» in Toronto Feuer ausgebrochen und die beiden Bilder von Urs, welche dort aufgehängt waren sind dabei verbrannt. Lorraine hat Urs darüber informiert und Fotos geschickt von den Bildern. Heute sind Leute aus Rorschach dabei, zusammen mit Urs die beiden Bilder, vereint in einem einzigen, neu zu malen.
Eine thailändische Volontärin von ATD Vierte Welt, Nui, wollte über einen Einsatz in diesem Quartierzentrum das Leben in Toronto besser kennenzulernen. Einen Nachmittag pro Woche arbeitete sie dort mit den Kindern, und Urs malte während dieser Zeit im Quartier, im Sommer und auch im Winter.
«Das Bild mit dem gelben Haus ist im Winter entstanden – mit der Painting-Box. (In der Box brennt eine Petroleumlampe, um auch bei grosser Kälte malen zu können.) Und auf dem anderen ist ein kleines Einkaufszentrum, von einem Inder geführt. Dort kommen die Leute zusammen, gehen hin um einzukaufen.»
Urs erzählt weiter: „In diesem Quartier hatte ich also auch Bilder ausgestellt. Wir hatten draussen grosse Tücher aufgehängt und darauf die bemalten feinen Holzplatten befestigt. In der Nähe hatten Jugendliche einen Video-Workshop. Sie kamen und stellten mir Fragen: Wie heisst du ? Woher kommst du ? Warum bist du hier ? Hast du keine Angst in unserem Quartier ? Das hat mich schockiert, dass ein 12-jähriges Mädchen schon weiss, dass es Leute gibt, die nicht kommen, weil sie Angst haben hier. Ich hatte dort nie Probleme.“
„Nach den Brand hatte die Leiterin des Community Center von beiden Bildern Fotos nach Rorschach geschickt. So wie sie vorher aussahen. Ich habe dann aber nicht mehr zwei Bilder gemacht, sondern beide auf die gleiche Leinwand. Es sollte eine erneuerte Version für nach dem Brand werden.
Und die Ecke links unten bemalte ich mit einer Frau, die uns im Lokal helfen kommt. Sie hat auch die Texte der Reklametafeln vor den Läden geschrieben. Ganz fein.
Es war toll, dass neben ihr noch andere beim Malen mitgeholfen haben. Aber es braucht Zeit, um die Farben wieder zu suchen. Für das eine Bild hatte ich mehrere Male draussen im kanadischen Winter daran gearbeitet.
Als ich in Toronto in der Kunstschule war, konnte ich nicht mehr in dieses Quartier gehen, es war zu weit weg. Ich hatte nicht so viel Zeit und musste für die Schule arbeiten.
Nach fast zwei Jahren ging ich dann wieder hinauf. Erst da habe ich gemerkt, was es alles bewirkt hatte. Wenn man beim Malen ist, dann merkt man nicht, welchen Einfluss das auf das Quartier haben könnte. Es hat mich überrascht, wie ich von den Leuten angesprochen wurde, dass sie sich noch daran erinnerten. Meine Aktivität im Quartier hat den Leuten etwas bedeutet.
Das fertige Bild wird dann wieder seinen Weg zurück nach Toronto finden. Und Urs hat in der Zwischenzeit begonnen auch in der Ostschweiz für die Geschichte zu malen. #paintforhistory