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Der Film von Susanna Nicchiarelli passt bestens ins Line-Up des Wettbewerbs der 77. Filmfestspiele von Venedig. So viele Regisseurinnen wie nie zuvor fanden Platz in der Auswahl. Nicchiarelli ist eine von zwei Italienerinnen unter den vier Beiträgen mit Heimvorteil. Thema ihres Films ist eine sozialistische Feministin aus der Urzeit der Frauenrechtsbewegung, die man jetzt vielleicht nicht unbedingt auf dem Radar hat: Eine Tochter von Karl Marx.
Könnte eine trockene Angelegenheit werden! Doch Nicchiarelli sträubt sich mit allen Mitteln gegen verstaubte Kostümfilm-Klischees. Zum Beispiel mit Punkmusik der kommunistischen US-Band Downtown Boys, welche sogar ihre Version der «Internationalen» einspielten. Oder mit ausführlichen Kiffer-Orgien. Oder mit farbenfrohen Umhängen über den schick kostümierten Menschen, von denen sonst nur Schwarz-Weiss-Fotografien existieren.
Romola Garai passt als kultivierte und leidenschaftlich Kämpferin, wie Miss Marx eine war, bestens. Schon länger im Business - man könnte die Britin zum Beispiel vom Dirty-Dancing-Sequel oder einem Film von François Ozon kennen - war ihr der grosse Durchbruch im Mainstream bisher versagt. Wohl auch, weil Garai aneckt, und sich kritisch zur Haltung der Filmindustrie gegenüber Frauen äusserte - eine Parallele zu ihrer Rolle als Eleanor Marx, die sich 150 Jahre davor auch an den Widersprüchen der modernen Frau und dem schwierigen Weg der Emanzipation abarbeitet.
Eine Figur mit Widersprüchen also, diese Frau Marx. Die zwischen Gefühl und Verstand, Kontrolle und Emotion aber auch männlich und weiblich geprägten Rollen schwankt. Eine moderne Frau aus dem vorletzten Jahrhundert, von der man dank Nicchiarellis Spielilm mehr erfahren kann.