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Übersicht Homöopathieforschung
Um Ihnen den Zugang zur Forschung zu erleichtern, haben wir für Sie verschiedene Studien übersetzt, vereinfacht und auf das Wesentliche zusammengefasst. Wenn Sie die einzelnen Links anklicken, erhalten Sie die Studien in der entsprechenden Kategorie, die wir bisher bearbeitet haben. Es kommen laufend neue Studien hinzu. Sollten Sie etwas unverständlich finden oder Ihnen Informationen/Studien fehlen, freuen wir uns über eine Rückmeldung an <email-pii>.
In der Homöopathieforschung lassen sich im Wesentlichen folgende Bereiche unterscheiden:
- Klinische Forschung (weiter unterteilt in Humanhomöopathie/Veterinärhomöopathie, individualiserte Homöopathie/ nicht-individualisierte Homöopathie)
- Grundlagenforschung, die auch als präklinische Forschung bezeichnet wird (weiter unterteilt in Physikalisch-chemische Studien, In-vitro-Assays (Zellkulturen, Mikroorganismen), Bioassays (pflanzenbasierte Modellsysteme), Tierversuche)
- Übersichtarbeiten, Forschungsstand
- Gesundheitspolitische Studien
In den Medien wird immer wieder behauptet, dass es in der Homöopathie keine wissenschaftlich überzeugenden klinischen Studien gibt. Um diese Aussage entkräften zu können, ist es wichtig zu verstehen, was mit dieser Aussage genau gemeint ist. In der klinischen Forschung lassen sich folgende Studiendesigns unterscheiden:
- Systematische Reviews und Metaanalysen
- Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs)
- Beobachtungsstudien/Kohortenstudien
- Fallstudien/Fallstudienserien
- Expertenaussagen
Wichtig ist zu wissen, dass die wissenschaftliche Aussagekraft von Studien in der Reihenfolge der Aufzählung ab- und die Fehleranfälligkeit zunimmt. Randomisierte, kontrollierte Studien gelten allgemein als der Gold-Standard. Gold-Standard bedeutet aus Sicht der Befürworter*innen, dass es sich um das bewährteste und beste Forschungsdesign für die klinische Forschung handelt. Wenn nun eine randomisierte, kontrollierte Studie zu einem positiven Ergebnis kommt, ist dies aus Sicht der Wissenschaft noch kein ausreichender Beweis. Erst wenn mehrere Studien mit ähnlichem Studiendesign an unterschiedlichen Orten und wenn möglich von verschiedenen Forschungsgruppen durchgeführt zu ähnlich positiven Ergebnissen kommen, dann wird dies als ausreichender Beleg für eine bestimmte Fragestellung gewertet. Untersucht werden mehrere Studien zu einer solchen Fragestellung mit sogenannten Systematischen Reviews und Meta-Analysen. In diesen können die Ergebnisse aus einzelnen randomisierten, kontrollierten Studien durch bestimmte statistische Methoden gemeinsam ausgewertet werden. Systematische Reviews und Meta-Analysen haben daher die höchste wissenschaftliche Aussagekraft. Wenn also von «wissenschaftlich überzeugenden Studien» die Rede ist, dann sind damit in der Regel immer Systematische Reviews und Meta-Analysen von randomisierten, kontrollierten Studien gemeint.
Randomisierte, kontrollierte Studien werden unter möglichst idealen Bedingungen durchgeführt, an ausgewählten Forschungszentren durch ausgewählte Ärzte und Ärztinnen und mit ausgewählten, meist angeworbenen Patientinnen. Nur so kann gewährleistet werden, dass systematische Fehler und Verzerrungen, die als Bias bezeichnet werden, möglichst vermieden werden können. Dazu ein Beispiel: Man möchte untersuchen, welchen Einfluss eine homöopathische Behandlung bei Mittelohrentzündungen im Vergleich zu einer konventionellen Behandlung hat. Forschende sammeln dazu in einer Beobachtungsstudie Daten von Patienten und Patientinnen, die bei Homöopathen und Homöopathinnen in Behandlung sind und vergleichen diese mit Daten von Patienten und Patientinnen in konventioneller Behandlung. Die offene Frage ist nun: Schon alleine die Entscheidung, zu einer Homöopathin zu gehen, könnte einen Einfluss auf das Ergebnis haben. Dies wäre ein möglicher Bias. In einer randomisierten kontrollierten Studie würden deshalb Patientinnen, die bereit sind, an der Studie teilzunehmen, zufällig mit Hilfe von statistischen Verfahren entweder der Homöopathie-Gruppe oder der konventionellen Gruppe zugeteilt. So könnte dieser Bias vermieden werden. Eine andere, häufig gestellte offene Frage bei solchen Untersuchungen ist: Hätte sich der Gesundheitszustand, z.B. bei Depressionen, während der Untersuchungsdauer auch von selbst gebessert? Um dies auszuschliessen erhält in Placebo kontrollierten Studien eine Gruppe die tatsächliche Behandlung z.B. Homöopathie und die andere Gruppe ein Placebo. Aus Placebo kontrollierten Studien weiss man zudem, dass alleine schon das Wissen, welche Behandlung man bekommt, einen Einfluss auf das Ergebnis haben kann. Um diesen Bias auszuschliessen, werden solche Studien häufig verblindet [1] durchgeführt. Der Vorteil von verblindeten, Placebo kontrollierten randomisierten Studien ist daher, dass man mit grosser Wahrscheinlichkeit sagen kann, dass unter den gewählten «idealen» Bedingungen, die Ergebnisse tatsächlich auf den untersuchten und nicht auf anderen Faktoren beruhen.
Diese «idealen» Bedingungen bringen aber auch verschiedene Nachteile mit sich: Um diese «idealen» Bedingen herstellen zu können, muss die Fragestellung häufig sehr eingeschränkt werden. Damit lassen sich diese Studien nur begrenzt verallgemeinern, d.h. sie sind nur begrenzt auf den klinischen Alltag übertragbar. So werden z.B. Personen mit mehreren Erkrankungen oder mehr als einer Behandlung häufig von diesen Studien ausgeschlossen. Untersuchungen haben z.B. gezeigt, dass je nach Studie und Forschungsfeld bis zu 50% aller Betroffenen von einer randomisierten, kontrollierten Studie ausgeschlossen werden. Zudem wird häufig angenommen, dass, wenn eine randomisierte, kontrollierte Studie positive Ergebnisse zeigt, alle Teilnehmenden gleichermassen profitieren. In der Realität geht es aber einem Teil der Patienten und Patientinnen besser, anderen schlechter und anderen gleich. Das heisst, diese Studien machen keinerlei Aussage über die individuelle Wirkung der untersuchten Behandlung.
Deshalb sind Beobachtungsstudien/Kohortenstudien, welche die Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten und Behandlungen unter Alltagsbedingungen und mit Alltagspatientinnen untersuchen, wichtig und werden auch zunehmend eingefordert. In Beobachtungsstudien wird die Homöopathie in der Regel als komplettes Therapieverfahren (Gespräch, Untersuchung und Arzneimittel) untersucht. Sie lassen jedoch in der Regel keine Schlüsse zur spezifischen Wirkung der Therapie zu, da die Ergebnisse auch von anderen Faktoren abhängen können. Zudem können sie auch keine Aussage darüber machen, ob sich homöopathische Arzneimittel von Placebo unterscheiden. Aus diesem Grund sind Randomisierte kontrollierte Studien und Beobachtungs-/Kohortenstudien in der Homöopathie sinnvoll und nötig.
Der Nachteil dieser beiden Studiendesigns besonders bei begrenzten Ressourcen ist, dass in erster Linie Randomisierte kontrollierte Studien aber auch Beobachtungsstudien ausgesprochen teuer und aufwendig sind. Zudem können besonders Randomisierte kontrollierte Studien erst dann sinnvoll durchgeführt werden, wenn es zu einer bestimmten Forschungsfrage bereits Vorstudien gibt.
Fallstudien und Fallstudienserien sind ideal, um erste Antworten zu einer Forschungsfrage zu sammeln. Homöopathinnen und Homöopathen haben tagtäglich viele interessante Fälle in der Praxis. Eine Auswahl dieser Fälle und wenn möglich auch Fallstudienserien in einem Peer-Review-Journal zu veröffentlichen, wäre gegenwärtig ausgesprochen wertvoll – z.B. von Erkrankungen, bei denen die konventionelle Medizin keine oder wenige Möglichkeiten bietet. Zudem sind Fallstudien und Fallstudienserien ideal, um mit Forschung zu beginnen. Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) ist zur Zeit daran, Guidelines und Empfehlungen für die Erarbeitung von wissenschaftlichen Fallstudien und Fallstudienserien zu erstellen, für Beobachtungs-/Kohortenstudien, für RCTs, für Systematische Reviews und Meta-Analysen und für die Grundlagenforschung. Sobald diese Guidelines fertig gestellt sind, werden wir sie hier verlinken.
Wenn man die Links zu den Studiendesigns weiter oben anklickt, wird ersichtlich, dass wir in der Homöopathie – entgegen der häufigen Behauptung – in den Medien sehr wohl wissenschaftliche überzeugende Studien haben. Dies belegt z.B. die Studie von Mathie et al. Insgesamt haben wir aber zu wenige Randomisierte kontrollierte Studien zu einzelnen Erkrankungen und damit auch zu wenige Systematische Reviews und Meta-Analysen zu bestimmten Erkrankungen. Mehr Forschung, Forschende und finanzielle Mittel für Homöopathieforschung wären daher wichtig!
[1] Einfach blind: Die Patientin weiss nicht, ob sie das Medikament oder ein Placebo erhält; Doppel blind: Weder Patientin noch Ärztin wissen, ob die Patientin das Medikament oder Placebo erhält; Dreifach blind: Weder Patientin noch Ärztin noch Statistikerin wissen, ob die Patientin das Medikament oder Placebo erhält.