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«Ferien in Frankreich», nennt die Murtnerin Véronique Müller, wenn man sie nach prägenden Erfahrungen fragt. Mit fünf Jahren besuchte sie mit ihrer Mutter das westliche Nachbarland. Sie habe aus diesen Ferien Schallplatten mitgebracht, die sie auf den Geschmack des französischen Chansons gebracht hätten. Die französischen Chansons begleiteten ihre Karriere.
Musikalisches Multitalent
Bald darauf begann sie, selber Musik zu machen. Mit acht Jahren spielte sie Akkordeon, dann Gitarre, mit zwölf Jahren schrieb sie erste Lieder. Mit 15 Jahren erhielt sie erste Gesangsstunden. Nach der Handelsschule lieferten ihr Anstellungen in Sekretariaten in Genf, Paris und London die finanzielle Absicherung. Und daneben sang sie. Ihre Gesangslehrerinnen seien für ihre Karriere enorm wichtig gewesen, sagt Müller. «Heute kann jeder Musiker von sich selber eine Aufnahme herstellen. Das ging damals gar nicht.» Dementsprechend war sie darauf angewiesen, dass ihr eine der Gesangslehrerinnen in Paris den Kontakt zu Philips Frankreich vermittelte. Damit kam Müller zu ihrem ersten Plattenvertrag.
Mit ihrer zweiten Single machte Véronique Müller einen entscheidenden Schritt. Sie bewarb sich beim «Grand Prix d’Eurovision de la Chanson» und wurde sogleich für die Schweizer Ausscheidung eingeladen. Bei dieser Ausscheidung im Hotel Palace in St. Moritz kam sie offenbar vor allem bei den Westschweizern gut an. «Ich sang ja auch französisch.» Der europäische Final des Grand Prix habe sie sehr beeindruckt. Eine Woche verbrachte sie dafür im schottischen Edinburgh. Die damals 24-Jährige erreichte den achten Platz und war damit sehr zufrieden. «Ich rechnete mir im Vorfeld gar nichts aus. Ich war schon froh, da vorne auf der Bühne zu stehen.» Der achte Platz habe ihr aber gezeigt, dass sie gehört und geschätzt werde, gerade auch als Songwriterin.
«Ein Riesenereignis»
Der Grand Prix sei damals ein Riesenereignis gewesen. «Alles schaute Fernsehen.» Gleichzeitig sei er aber früher weniger politisch gefärbt gewesen, meint Müller. Solidaritäten unter einzelnen Ländern hätten noch nicht die gleiche Rolle gespielt wie heute. Zudem seien heute Bühneneffekte und Choreografien viel wichtiger als damals. Auf einem Youtube-Film ist zu sehen, wie Müller ihren Auftritt mit der Gitarre begleitet. Bühneneffekte und Choreografien fehlen–abgesehen vom 30-köpfigen Begleitorchester in Sinfoniebesetzung–gänzlich. «Später meinte ich, ich müsse mit einer Band auftreten.» Ihre Fans wollten sie aber lieber alleine auf der Bühne sehen. «So kann man auch den Kontakt zum Publikum besser halten.» Für Müller war der Grand Prix eine wertvolle Erfahrung. «Er öffnete mir Türen, vermittelte Kontakte und ermöglichte mir so erst die wichtige Professionalisierung meiner Karriere als Sängerin.»
Sommerserie
Momente im Rampenlicht
«In Zukunft wird jeder fünfzehn Minuten berühmt sein», hat Künstler Andy Warhol einst gesagt. In einer Sommerserie stellen die FN Menschen vor, die in ihrer Vergangenheit im Rampenlicht standen und sich an ihre «fünfzehn Minuten Ruhm» zurückerinnern.mz