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Malaya-Elefant
Elephas maximus hirsutus
© 1997 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Mit einer Fläche von 181 035 Quadratkilometern (Deutschland: 356 974 km2) ist Kambodscha eines der kleineren Länder Südostasiens. Sein zentrales Tiefland wird vom mächtigen, im westchinesischen Hochland entspringenden Mekong durchflossen. Er überflutet nach dem Niedergang der heftigen sommerlichen Monsunregen weite Flächen und liefert nährstoffreichen Schlamm für diese riesenhafte indochinesische «Reisschüssel». Im fruchtbaren, von bewaldeten Hügeln umgebenen Tiefland lebt denn auch der Grossteil der (zehn Millionen Menschen umfassenden) kambodschanischen Bevölkerung. Es sind überwiegend genossenschaftlich organisierte Reisbauern.
In den siebziger Jahren wurde Kambodscha in den Vietnamkrieg mithineingezogen, da die Nordvietnamesen im Osten Kambodschas ihren Ho-Chi-Minh-Pfad, eine wichtige Nachschubader nach Südvietnam, unterhielten. In nur sieben Monaten des Jahres 1973 warfen amerikanische Flugzeuge weit mehr Bomben über Ostkambodscha ab als über Japan während des ganzen Zweiten Weltkriegs. Noch verheerender wurde die Situation in Kambodscha jedoch, als 1975, nach dem Abzug der Amerikaner, Pol Pot mit seiner Armee der Roten Khmer die Hauptstadt Phnom Penh eroberte und ein Regime des Grauens errichtete, das dem Land Tod und Verderben brachte. Mehrere Millionen Menschen mussten unter Pol Pots Schreckensherrschaft, die erst 1979 ein Ende fand, ihr Leben lassen. Und auch die einst reichen Wildtierbestände des Landes erlitten damals enorme Schäden, von denen sie sich bis heute nicht wieder erholt haben. Zu den Säugetierarten Kambodschas, denen es in den siebziger Jahren schlimm erging, zählt auch der Asiatische Elefant (Elephas maximus)
.
Stosszahnlose Weibchen
Die Familie der Elefanten (Elephantidae) umfasst lediglich zwei Arten: den Asiatischen Elefanten und den Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana)
. Der Asiatische Elefant ist der kleinere der beiden «Brüder», doch ist auch er ein mächtiges Tier: Erwachsene Männchen können bis 5 Tonnen wiegen und 3,2 Meter hoch werden. Vom Afrikanischen Elefanten unterscheidet sich der Asiatische Elefant äusserlich in verschiedenen Merkmalen: So hat er erheblich kleinere Ohren als jener. Zudem weist sein Schädel zwei deutliche Stirnwülste auf, während jener meist eine «fliehende Stirn» hat. Beim Asiaten ist ferner die Rückenlinie schwach nach oben gewölbt, während sie beim Afrikaner deutlich nach unten gewölbt ist. Des weiteren hat seine Rüsselspitze lediglich einen «Finger», während die des Afrikaners über zwei Fortsätze verfügt. Und nicht zuletzt steht der Asiatische Elefant auf kürzeren Beinen und wirkt dadurch dicklicher als der Afrikanische Elefant.
Während beim Afrikanischen Elefanten die Stosszähne - es handelt sich dabei um die verlängerten oberen Schneidezähne - im allgemeinen bei beiden Geschlechtern gut ausgebildet sind, finden sich beim Asiatischen Elefanten äusserlich in Erscheinung tretende Stosszähne praktisch nur bei den Männchen, während sie bei den Weibchen im Mund versteckt sind. Allerdings sind längst nicht alle Asiatischen Elefantenbullen sogenannte «Tusker» («Stosszahnträger»). Ihr Anteil unter den Männchen variiert je nach Region von weniger als zehn Prozent (auf Sri Lanka) bis zu rund neunzig Prozent (in Südindien). Diese regionalen Unterschiede hinsichtlich des Anteils der Stosszahnträger lässt darauf schliessen, dass der Mensch für die verbreitete «Zahnlosigkeit» der Bullen verantwortlich ist: Seit mehreren Jahrtausenden werden im ganzen asiatischen Raum die Elefanten wegen ihres wertvollen Elfenbeins bejagt. Da es die Elefantenjäger stets vor allem auf Elefantenbullen mit grossen Stosszähnen abgesehen hatten, ging deren Zahl mehr und mehr zurück. Bullen mit kleinen oder fehlenden Stosszähnen hatten die besseren Überlebenschancen - und somit auch die besseren Chancen, ihr Erbgut (in welchem die Stosszahngrösse festgelegt ist) an kommende Generationen weiterzugeben. So hat der Mensch nach und nach stosszahnlose Elefantenbullen «herangezüchtet» - und war dabei je nach Jagddruck regional unterschiedlich «erfolgreich».
Aufgrund ihres geografischen Vorkommens und kleinerer Unterschiede im Körperbau sind in der Vergangenheit viele verschiedene Unterarten des Asiatischen Elefanten beschrieben worden. Davon werden von den heutigen Fachleuten höchstens vier anerkannt, nämlich der Ceylon-Elefant (Elephas maximus maximus)
, der Indische Elefant (Elephas maximus indicus)
, der Sumatraelefant (Elephas maximus sumatranus)
und der Malaya-Elefant (Elephas maximus hirsutus)
, zu welch letzterem auch die Elefanten Kambodschas gehören.
Schlechte Futterverwerter
Die Asiatischen Elefanten sind waldlebende Tiere. Praktisch jeder Pflanzenteil, der ihnen innerhalb ihres Lebensraums vor den Rüssel kommt, steht auf ihrem Speisezettel - von Gräsern und Blättern über Wurzeln und Früchte bis hin zu Rinde und sogar Holz. Gräser bilden aber in der Regel ihre Hauptnahrung. Etwa 150 Kilogramm Pflanzenmaterial braucht ein erwachsenes Tier täglich zur Ernährung seines mächtigen Körpers, und bis zu 18 Stunden erfordert die Beschaffung dieser enormen Futtermenge Tag für Tag. Denn seltsamerweise sind ausgerechnet diese grössten aller Landtiere ausgesprochen schlechte Futterverwerter: Etwa die Hälfte der aufgenommenen Nahrung verlässt ihren Körper unverdaut.
Asiatische Elefanten ziehen in kleinen Gruppen von selten mehr als zwölf Tieren durch die Wälder. Die frühere Meinung, wonach die Gruppen von einem Leitbullen geführt und verteidigt werden, ist mittlerweile widerlegt. Wir wissen heute, dass die Elefantengesellschaft aus sehr stabilen Weibchengruppen einerseits und aus losen Junggesellentrupps und einzelgängerischen Männchen andererseits besteht. Die Weibchen einer Gruppe sind im allgemeinen eng miteinander verwandt - vielfach sind es zwei oder drei Schwestern mit ihren Jungen, oft auch eine ältere Kuh mit einer oder zwei Töchtern und deren Jungen. Die erwachsenen Männchen pflegen keine ständigen Beziehungen zu den Weibchen-Jungen-Gruppen innerhalb ihres Streifgebiets, sondern schliessen sich nur hin und wieder kurzfristig einer Gruppe an, wenn eine der Kühe brünftig ist.
In Regionen ohne nennenswerte jahreszeitliche Klimaschwankungen können Paarungen das ganze Jahr über stattfinden. In Regionen mit einer ausgeprägten Trockenzeit ist jedoch eine feste Fortpflanzungszeit zu beobachten. Sie fällt gewöhnlich auf das Ende der Regenzeit und den Beginn der Trockenzeit. Dadurch ist - bei einer Tragzeit von 22 Monaten - gewährleistet, dass die Jungelefanten während der Regenzeit zur Welt kommen, wenn das Nahrungsangebot gut ist, den Müttern also die Milchproduktion leicht fällt und zur Nahrungsdeckung keine weiten Wanderungen notwendig sind.
Das Elefantenkalb wiegt bei der Geburt ungefähr hundert Kilogramm und ist etwa einen Meter hoch. Nach fünf Minuten kann es im allgemeinen bereits stehen und nach etwa einer Stunde gehen. Bis zum Alter von zwei oder sogar drei Jahren trinkt es aus den mütterlichen Brustdrüsen zwischen den Vorderbeinen - und zwar mit dem Mund, nicht etwa mit dem Rüssel. Allerdings nimmt es schon lange vor der Entwöhnung auch feste Nahrung zu sich.
Die Geschlechtsreife tritt im Alter von etwa zehn Jahren ein. Danach bringt das Elefantenweibchen bei guten Umweltbedingungen im allgemeinen alle drei oder vier Jahre ein Junges zur Welt. Das Höchstalter beträgt für Asiatische Elefanten ungefähr siebzig Jahre. In der freien Wildbahn dürften jedoch die wenigsten ein solch greisenhaftes Alter erreichen. Man rechnet, dass nur ein Fünftel von ihnen mehr als dreissig Jahre alt wird.
Vielfach gezähmt, aber nicht domestiziert
Wohl kein anderes Tier hat die Kultur eines ganzen Kontinents so stark geprägt wie der Asiatische Elefant, denn seit Urzeiten wird der gutmütige und gelehrige Grauhäuter vom Menschen gezähmt und für verschiedenste Aufgaben eingesetzt.
Hauptsächlich wurden und werden die Elefanten als überaus kräftige und geländegängige Arbeitstiere in der Forstwirtschaft verwendet. Gerade an steileren Berghängen oder in morastigem Gelände sind sie jeder Maschine weit überlegen und deshalb unentbehrlich. So stehen allein in Myanmar noch heute über 4000 Arbeitselefanten im forstwirtschaftlichen Einsatz.
Von alters her werden die Asiatischen Elefanten im übrigen sowohl von den Hinduisten als auch den Buddhisten als Kultelefanten bei allerlei feierlichen Anlässen eingesetzt. In Südindien etwa sind Prozessionen ohne reich geschmückte Elefanten undenkbar, weshalb viele der örtlichen Hindu-Tempel eigene Elefantenställe unterhalten.
In zunehmendem Mass leisten die Asiatischen Elefanten heute auch wertvolle Dienste als trittsichere Reitelefanten in Nationalparks - für den Transport von Touristen einerseits und Patrouillengänge der Wildhüter andererseits. Gerade in Hochgras- und Strauchgebieten ist der Überblick vom Rücken eines Elefanten besser als von jedem Fahrzeug.
Obschon Asiatische Elefanten während Jahrtausenden in Gefangenschaft gehalten wurden, sind sie nie wirklich domestiziert, das heisst über Generationen hinweg systematisch in Menschenobhut nachgezüchtet worden. Bei fast allen für den Menschen im Einsatz stehenden Elefanten handelte und handelt es sich um Wildfänge. Dies hängt hauptsächlich damit zusammen, dass Elefanten nicht vor dem zehnten Lebensjahr trainiert und sinnvoll für Arbeiten eingesetzt werden können. Die Aufzucht von Jungelefanten lohnt sich deshalb kaum. Kommt hinzu, dass Bullen in Gefangenschaft recht schwierig zu halten sind, insbesondere während der sogenannten «Musth», einer regelmässig wiederkehrenden, mehrwöchigen Periode, während der die Tiere einen massiv erhöhten Testosteronspiegel im Blut aufweisen und dann unter anderem eine erhöhte Aggressivität gegenüber ihren Geschlechtsgenossen wie auch ihren Pflegern zeigen. Elefantenbullen werden deshalb weit seltener gehalten als Elefantenkühe, was die Chancen für eine erfolgreiche Elefantenzucht in Menschenobhut ohnehin stark einschränkt.
Eingepferchte Restbestände
Die grosse Wertschätzung des Asiatischen Elefanten durch den Menschen als Arbeits-, Kult- und Reittier hat leider nicht zu verhindern vermocht, dass die Zukunft des grossen Landsäugers heute sehr düster ausschaut. Ursprünglich war der Asiatische Elefant von Syrien im Westen durch ganz Asien südlich des Himalajas bis nach Java im Südosten und nach China im Nordosten verbreitet gewesen. Heute sind sowohl das Verbreitungsgebiet als auch die Bestände drastisch geschrumpft: Der Asiatische Elefant überlebt nur noch in wenigen, weit verstreuten Restbeständen auf Sri Lanka, auf dem Indischen Subkontinent, in Indochina, auf der Malaiischen Halbinsel und auf Sumatra. Neuere Schätzungen von Experten besagen, dass wahrscheinlich nur noch zwischen 30 000 und 50 000 Individuen existieren, rund die Hälfte hiervon in Indien.
Im Kambodscha gab es in den sechziger Jahren, also bevor das Land wie eingangs erwähnt durch Krieg und Terror heimgesucht wurde, insgesamt noch rund 10 000 Elefanten. Inzwischen dürfte ihre Zahl unter 2000 Individuen gesunken sein. Ihre hauptsächlichen Rückzugsgebiete sind das Cardamongebirge und das (treffend benannte) Elefantengebirge, welche beide im Südwesten des Landes liegen und noch auf weiten Flächen bewaldet sind. Kleinere Elefantenbestände finden sich aber auch im Nordosten des Landes, im Grenzbereich zu Laos und Vietnam.
Wie überall in Südostasien bilden auch in Kambodscha weder die Elfenbeinwilderei noch der Fang von Arbeitselefanten heutzutage die Hauptgefahren für die Elefanten. Denn zum einen stehen die imposanten Säuger seit geraumer Zeit unter striktem gesetzlichem Schutz, und zum anderen konnte der Elfenbeinhandel dank der «Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten» (CITES) im ganzen asiatischen Raum stark eingedämmt werden. Weit gravierender wirkt sich für die Elefanten der unablässige Schwund ihres angestammten Lebensraums aus. Immer weitere naturnahe Gebiete werden von der anwachsenden kambodschanischen Bevölkerung in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt. Je kleiner die verbleibenden Lebensgebiete der Elefanten jedoch werden, desto häufiger sind sie gezwungen, auf der Suche nach Nahrung in die umliegenden Felder des Menschen einzufallen. Da sie dort in kurzer Zeit grosse Verwüstungen anrichten können, sind Konflikte mit der ansässigen Landbevölkerung unausweichlich.
Kambodscha gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die kambodschanische Bevölkerung ist sehr bestrebt, ihren Lebensstandard möglichst rasch anzuheben - und erschliesst zu diesem Zweck die noch vorhandenen «Landreserven» auf breiter Front. Dieses verständliche Bestreben in Einklang zu bringen mit der Notwendigkeit, das natürliche Erbe des Landes für die Nachwelt zu erhalten, stellt eine sehr schwierige Aufgabe für die staatlichen Naturschutzstellen wie auch die privaten Naturschutzorganisationen dar. Es gilt, realistische Konzepte bereitzustellen, welche den Fortbestand der kambodschanischen Fauna und Flora gewährleisten und gleichzeitig der Bevölkerung zu mehr Wohlstand verhelfen. Zu prüfen ist in diesem Zusammenhang zweifellos das Konzept des «sanften Tourismus». Andernfalls ist zu befürchten, dass die heimischen Elefanten - und mit ihnen all die anderen Wildtiere Kambodschas - infolge «Platzmangels» immer weiter zurückgedrängt werden.
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