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Sinn und Form. Beiträge
zur Literatur. Herausgegeben von der Deutschen Akademie der Künste. Berlin:
Rütten&Loening Heft 4, 1951. 224 Seiten. Gebunden. Rückenaufschrift lose.
Herausgegeben zu den III.
Weltfestspielen der Jugend und Studenten für den Frieden in Berlin vom 5. bis
19. August 1951.
Betrachten wir das also
ganz unvoreingenommen historisch. Das Heft beginnt mit einem Wort von J. W.
Stalin, in Russisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch und Chinesisch.
Ja, Chinesisch. Denn das war noch vor dem grossen Schisma 1960, und so bringt
der Band später auch noch einen Beitrag des grossen Vorsitzenden Mao sowie
verschiedener chinesischer Autoren, zumeist von Friedrich C. Weiskopf
übersetzt. Besonders gefällt im Gedicht «Soweit die Wildenten fliegen» von Tien
Tschia Jing der Vierzeiler: «Sie haben von jedem Feld uns den Reis/ Die Hirse,
den Mais genommen/ Wo ist unser Blut, wo unser Schweiss?/ Wir sind auf den Hund
gekommen», wobei sich die Frage erhebt, ob das nicht eine versteckte Anspielung
auf die chinesische Sitte sei, Hunde zu verspeisen, was natürlich eine
ideologisch-administrative Rüge nach sich gezogen hätte. Weiter gibt es
theoretische Beiträge (von Ernst Bloch über den Studenten Marx oder von Georg
Lukacs, der die berechtigte Frage stellt: «Wozu braucht die Bourgeoisie die
Verzweiflung?» sowie von Konrad Farner über «Gottfried Keller und die
Baumwolle» – ein Titel, unvorstellbar heute, aber eigentlich doch ganz
interessant und berechtigt). Dazu kommen dann Texte von Andersen Nexö, Brecht,
Alberti, Neruda, Majakowskij undsoweiter, und ein schönes Gedicht von
Chefredakteur Peter Huchel über ein Dorf, dessen BewohnerInnen sich aus den
Verheerungen des Weltkriegs zu erheben versuchen, kommt mit verhaltenem
Optimismus ohne parteioffizielle Aufdringlichkeit daher.