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wieder benutzt worden, wie dies eine große Marmorbasis beweist, welche in der Mitte des Hauptraums gefunden wurde, sie hat jedenfalls Marmortafeln getragen; vor ihr hat, wie die in den Fels gehauenen Standspuren beweisen, ein Tisch oder Sarkophag [* 2] mit zwei Füßen gestanden. Das Innere war nur nach Art eines Sternenhimmels mit Bronzerosetten in regelmäßigen Abständen bekleidet, nicht, wie man bisher annahm, mit Bronzeplatten zusammenhängend bedeckt (vgl. »Verhandlungen der Berliner [* 3] Anthropologischen Gesellschaft 3) auch im «Schatzhaus des Atreus« zu Mykenä [* 4] zeigte es sich, daß die Wölbung nur mit Bronzerosetten bekleidet war;
4) eine besonders wichtige Ausgrabung ist 1889 gemacht und von bedeutenden Resultaten gekrönt gewesen. In der Nähe des alten Amyklä bei Sparta im Eurotasthal ist ein schon länger bekanntes Grab ausgeräumt worden, in welchem sehr wichtige Gold- und Silbersachen (Trinkgefäße mit figürlichen Reliefs, Schmuckgegenstände und Waffen) [* 5] gefunden wurden. In Mykenä selbst wurden von Tsuntas 1887 und 1888 ein großes Kuppelgrab und einige 50 kleinere Gräber ausgegraben.
Dabei wurden sehr reichhaltige Funde an Gefäßen und geschnittenen Steinen gemacht.
Vgl. Belger, Beiträge zur Kenntnis der griechischen Kuppelgräber (Programm des Friedrichs-Gymnasiums zu Berlin, [* 6] 1887).
Die zweite Gattung von Resten der mykenischen Kultur sind die Palastbauten von Tiryns und Mykenä. Die erstern sind seit Schliemanns großer Ausgrabung (1884) bekannt (vgl. Schliemann, Tiryns, 1886). Der Palast von Mykenä liegt auf der Akropolis; [* 7] bei der Ausgrabung fanden sich auch Inschriften, welche beweisen, daß Mykenä auch nach der Zerstörung durch die Argiver (468) noch existiert hat. Da Tiryns auf einem ziemlich niedrigen Hügel aus der Ebene sich erhebt, so ist dieser natürliche Mangel durch ganz kolossale Mauern ausgeglichen worden.
Sie sind aber nicht völlig massiv, sondern von korridorartigen Hohlräumen durchsetzt; da die Mauer nach außen größtenteils verfallen ist, so öffneten sich diese »Galerien« in Spitzbogenform nach außen, und man glaubte lange, daß dies der ursprüngliche Zustand gewesen sei, indem man die ganze Einrichtung für Ausfallsgalerien hielt. Die letzten Ausgrabungen haben aber bewiesen, daß es Innenräume waren. Da die Mauern von Karthago [* 8] ähnlich konstruiert sind, mit Hohlräumen, welche als Elefantenställe und Magazine benutzt wurden, so hat man auch hier phönikische Verwandtschaft gesucht.
Scheinen so sich Fäden nach dem Orient hinüberzuspinnen, so gewinnt es auch immer mehr Wahrscheinlichkeit, daß auch die spätere griechische Kultur, so grundverschieden sie auf den ersten Blick von der mykenischen zu sein scheint, doch mit ihr zusammenhängt. So sind in allerletzter Zeit in einem mykenischen Grab zwei Fibeln [* 9] (unsern Plaidnadeln durchaus ähnlich) gesunden worden, welche bisher als ein spezifisches Eigentum der spätern griechischen Kultur gehalten wurden. Geographisch war auch der mykenische Palastbau selbst in Attita vertreten. Bei der großartigen Aufräumung der Akropolis von Athen [* 10] haben sich namentlich auf der Nordseite tief unter dem heutigen Niveau beträchtliche Reste der alten vorpersischen Bauten gefunden, welche in Gesamtanlage und Einzelheiten zu Tiryns und Mykenä Analogien zeigen.
Wir verlassen jetzt die mykenische Kultur, deren Denkmälerkreis sich noch beständig erweitert und uns sicherlich noch die Zusammenhänge der uralten Kulturen Ägyptens, Babyloniens, Griechenlands aufzeigen
wird, und gehen über zu der eigentlich griechischen Kunst, wie sie etwa vom 6. Jahrh. v. Chr. uns entgegentritt. Im Peloponnes gräbt die hochverdiente griechische Archäologische Gesellschaft schon seit Jahren das berühmteste Asklepiosheiligtum, den beliebtesten Kurort Griechenlands, Epidauros, aus. Gefunden wurde der Asklepiostempel aus dem Ende des 5. Jahrh. v. Chr. mit vielen Resten der Giebelgruppen, welche im Stil der Nikebalustrade zu Athen am nächsten kommen, ein Tempel [* 11] der Artemis, [* 12] Hallen für den Kurgebrauch, das wohlerhaltene Theater [* 13] und der berühmte, säulenumgebene, kleine Rundtempel des großen Polyklet, die sogen. Tholos.
Letztere ist in allen Ornamenten von wunderbarer Schönheit und Feinheit der Ausführung, ja der Bau macht in allen Einzelheiten so starken individuellen Eindruck, daß Furtwängler ihn wirklich für das Werk des berühmten Polyklet hält. Das Theater wird mit Recht demselben Architekten zugeschrieben, ist wohl das schönste aller erhaltenen und gibt wichtige Aufschlüsse über den Theaterbau [* 14] der Griechen vor der Zeit des römischen Einflusses. An Skulpturen wurden die Giebelgruppen des Asklepiostempels, Amazonenkämpfe darstellend, gefunden, sind aber noch nicht zusammengesetzt, ferner herabschwebende Nikefiguren, als Krönung der Giebeldreiecke, welche deutlich den Einfluß der Nike [* 15] des Päonios von Olympia zeigen, Statuen des Asklepios [* 16] selbst und ein ganz wundervolles Relief, welches, wohl nach dem Goldelfenbeinbild gemacht, den Gott in ruhig heiterer Würde thronend darstellt.
Für die allgemeine Kulturgeschichte am wichtigsten aber sind die gefundenen Inschriften, unter welchen wir drei Stelen hervorheben, die Kur- und Wundergeschichten enthalten. Sie sind genau so wie etwa mittelalterliche Berichte vom heiligen Blut oder moderne von Lourdes, ja manche Einzelheiten wiederholen sich so frappant, daß man sieht: der Mensch bleibt wenigstens in seinen Bedürfnissen immer derselbe. Der ganze heilige Bezirk war mit Weihgeschenken der Geheilten angefüllt wie ein moderner Wunderkurort: Blinde werden sehend, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, unfruchtbare Weiber erhalten Nachkommenschaft. Auch Epidauros ist noch nicht erschöpft und wird noch vielerlei Aufschlüsse geben. In Sikyon ist das Theater ausgegraben worden, aber noch nicht publiziert; in Korinth [* 17] sind die Fundamente des uralten dorischen Tempels freigelegt worden, welcher wohl bis ins 6. Jahrh. v. Chr. hinaufreicht, und dadurch hat sich der Grundriß wiederherstellen lassen; in Patras ist eine Art von Odeion, ein bedecktes Theater, aufgefunden worden.
Ausgrabungen in Athen.
Eine der bedeutendsten und ertragreichsten Ausgrabungen, die je unternommen worden sind, geschah in den letzten fünf Jahren zu Athen. »Man glaubte bis vor kurzem, daß auf der athenischen Burg jeder Winkel [* 18] genügend durchforscht, jeder Erdhaufe durchsucht sei, und doch hat man noch beträchtliche Reste von großen Bauwerken aufgedeckt und eine solche Masse von Statuen, Bronzen, Terrakotten, [* 19] Vasen [* 20] und Inschriften gefunden, daß nicht nur das vorhandene Museum damit gefüllt werden konnte, sondern noch ein neues hinzugebaut werden mußte. Für Jahrzehnte werden diese Funde der Wissenschaft noch reichlichen und lohnenden Stoff zu Studien aller Art bieten.« So schreibt Dörpfeld in den »Mitteilungen des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts« (athenische Abteilung, 1888, S. 431), in welchen überhaupt über die neuen Funde seit einigen ¶
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Jahren regelmäßig berichtet wird. Danach bildete die Akropolis, ehe sie mit Mauern umgeben war, einen langgestreckten, zerklüfteten Felsrücken, welcher nur im SW. bequem zu ersteigen war. Die ersten Bewohner stellten auf diesem unebenen Fels durch Abarbeiten und Aufschütten mehrere kleine Plateaus für ihre Wohnungen und Heiligtümer her und erbauten auch wahrscheinlich an der ganzen Westseite ein großartiges Festungswerk, welches den Namen Pelasgikon trug; eine Fortsetzung war auf der Südseite, allen Windungen und Einbuchtungen des Felsens folgend, eine starke Polygonalmauer.
Die allgemeine Form des Burgfelsens aber wurde dadurch wenig verändert. Als die Perser im 1.480 die Burg durch Ersteigen der Felswand an der Nordseite eingenommen hatten, wurden die Tempel und die übrigen Gebäude in Brand gesteckt und soweit möglich zerstört, die vielen Statuen und Weihgeschenke, welche neben den Tempeln aufgestellt waren, wurden teilweise weggeschleppt, zumeist aber umgestürzt und zerschlagen, sogar die Postamente beschädigt.
Erst nach nochmaliger Verwüstung im folgenden Jahr und nach vollständiger Fertigstellung der Stadtmauer konnte man an den Wiederaufbau der Burg denken. Einen bedeutenden Teil an der Ausführung dieses Plans hat Kimon, die Hauptarbeit aber blieb Perikles und seinen großen Künstlern; ihnen war es vorbehalten, der athenischen Burg jene Gestalt zu geben, welche sie zu einem Zentrum der Kunstgeschichte gemacht hat: die ganze Burg sollte mit einer mächtigen, am äußern Rande des Felsens aufgeführten Stützmauer umgeben und zu einem einzigen großen Plateau hergerichtet werden.
Auf dem so gewonnenen großen Unterbau sollten die Heiligtümer in prächtigerer und großartigerer Gestalt errichtet werden. Dabei benutzte man alle vorhandenen alten Werkstücke der zerstörten Tempel als Bausteine, doch so, daß man sie durch Abarbeitung der Profilierungen neuen Quadern möglichst ähnlich machte. Nur bei der Einmauerung der schon früher bekannten großen Gebälkstücke in der Nordmauer zwischen Erechtheion und Propyläen wurde ein andrer Zweck verfolgt. Da diese Epistyle, Triglyphen, Metopen [* 22] und Geisa genau in derselben Anordnung verbaut sind, welche sie früher am alten Athenetempel hatten, so waren sie sicher bestimmt, nicht nur als Schmuck der Burgmauer zu dienen, sondern auch die Athener immer an die ruhmreichen Perserkriege zu erinnern.
Von unschätzbarem Wert nun ist es für uns geworden, daß man in das leere Dreieck, [* 23] welches zwischen der neuen Stützmauer und dem ansteigenden Burgfelsen entstand, alles nur mögliche vorhandene Material an Statuen, Basen, Inschriftsteinen, Werkstücken, Scherben zur Füllung hineinschüttete. Man wollte das Alte nicht wiederherstellen, sondern alles aus eigner Kraft [* 24] neu und viel schöner herstellen. Ein so gewaltiges Selbst- und Kraftgefühl hatte der gewonnene Sieg den Athenern verliehen.
Wie in einem Archiv lagen also wohlbewahrt bis auf unsre Tage ganze Reihen fast ganz erhaltener Statuen nebeneinander, die für uns noch den unschätzbaren Wert haben, daß wir wissen, sie gehören alle in die Zeit vor 480. Zur Verdeutlichung dieser durch die neuen Ausgrabungen konstatierten Auffüllung gibt Dörpfeld folgendes Bild: er vergleicht den Durchschnitt durch den Burgfelsen mit dem Durchschnitt durch ein einfaches Haus, welches ein Giebeldach trägt. Die vertikalen Hauswände entsprechen den steil abfallenden Abhängen der Burg und die beiden schrägen Dachlinien der nach beiden Seiten sanft abfallenden Oberfläche des natürlichen
Burgfelsens. Denkt man sich nun die Außenmauern dieses Hauses bis zur Firsthöhe hinaufgeführt und die beiden Dreiecke zwischen diesen Mauern und den ansteigenden Linien des Daches mit Schutt ausgefüllt, so hat man ein schematisches Bild der Akropolis mit den Mauern des Kimon und ihrer Hinterfüllung zur Herstellung des großen Burgplateaus.
Was nun die Einzelfunde betrifft, so hat zunächst die Architektur eine große Bereicherung erfahren.
1) Die ältesten Gründungen, das »Haus des Erechtheus«, scheinen auf der Nordseite gestanden zu haben, von wo eine durch die Burgmauer gehende Treppe [* 25] bis zur Perserzeit einen nähern und auch leicht verschließbaren Weg zur Unterstadt vermittelte.
2) Unter Peisistratos' Regierung fällt die Erbauung eines großen Athenetempels zwischen dem heutigen Erechtheion und dem Parthenon. Das Verdienst, seinen Grundriß und die Baugeschichte festgestellt zu haben, gebührt Dörpfeld; es war ein dorischer Peripteros aus Porosstein mit je sechs Säulen [* 26] an den kurzen, je zwölf an den Langseiten. Die innere Einteilung entsprach fast genau dem spätern Parthenon. Die Zerstörung durch die Perser traf auch ihn, doch wurde er nachher notdürftig wiederhergestellt. Wie lange er in dieser Form gestanden hat, darüber ist noch Streit; wahrscheinlich wurde er nach Vollendung des neuen Parthenon als störend und überflüssig abgebrochen, während er bis dahin zur Aufbewahrung des Bundesschatzes gedient hatte. Von seinem Giebelschmuck ist eine größere Anzahl Fragmente gefunden worden; er bestand aus Marmor und stellte den Kampf der Giganten gegen die Götter dar.
3) An der Nordseite sind verschiedene Baulichkeiten gefunden worden, die vielleicht den Priesterinnen der Athene [* 27] zum Aufenthalt dienten.
4) An der Südseite ist ein großer Bau mit Vorhalle, wahrscheinlich die Chalkothek, eine Art von Rüstkammer.
5) Von nicht weniger als sieben verschiedenen Gebäuden sind die Dachleisten, die Simen, gefunden worden, aber die Gebäude selbst sind noch nicht rekonstruiert; dagewesen sein muß mindestens ein, vielleicht zwei Heraklestempel, wie sich das aus der zweiten großen Fundabteilung ergibt. Die Skulptur hat den Löwenanteil. Die Fragmente der Marmorfiguren von Giganten und der Athene vom großen Tempel des Peisistratos erwähnten wir bereits, noch merkwürdiger aber und ganz überraschend sind die Skulpturen aus mergeligem Kalkstein, dem sogen. Poros. Es sind zunächst zwei Giebelgruppen in Hochrelief, die zu einem Tempel gehört haben müssen: die eine Herakles [* 28] mit dem Triton, [* 29] die andre Zeus [* 30] und Herakles mit dem dreiköpfigen, schlängenleibigen Typhon und der Echidna kämpfend.
Jeder dieser Giebel war nach Brückners Berechnung 8,50 m lang und ca. 1 m hoch. Fremdartig sehen uns die Skulpturen an: glotzäugig, vergnüglich lächelnd, die Typhonköpfe mit zottigem Haar [* 31] und langen, spitzen Bärten, alles aufs bunteste und sauberste bemalt, nicht so sehr in der Absicht, der natürlichen Erscheinung nahezukommen, als vielmehr mit beschränkten Mitteln ein farbenleuchtendes Bild zu schaffen. Es wird vermutet, daß der ganze Tempel unter asiatischem Einfluß stehe; sind doch Säulen gefunden worden, deren Kannelierungen nicht parallel mit der Hauptachse von oben nach unten, sondern spiralförmig rings um die Säule laufen. Möglicherweise hat Krösos den Heraklestempel gestiftet. Er ist in die Zeit Drakons und Solons hinaufzurücken. Auch von einem dritten Giebel sind beträchtliche Fragmente da: Herakles im Kampf mit der Hydra; auch diese aus Poros. ¶