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Und was machte Asjath in Hambantota? Beim letzten Besuch hatten wir ihn nicht gesehen, weil wir über die Ostküste reisten und in Tangalle nicht vorbei kamen.
Das ist eine lange Geschichte. Asjaths Mutter hat wieder geheiratet und zwar einen Cousin von Roy und ist deshalb nach Hambantota gezogen. Sie war bei unserem vorletzten Besuch in Sri Lanka bereits verheiratet gewesen und hatte dies verschwiegen. Sie hätte Angst gehabt, dass wir unsere Unterstützung einstellen würden, wenn wir davon erführen, da wir doch nur alleinstehende Mütter unterstützen würden! So ein Unsinn. Da mittlerweile ein kleiner Halbbruder von Asjath da ist, blieb ihr nichts anderes übrig, als uns die Wahrheit zu sagen.
Dabei hat sich ihre Situation in keiner Weise verbessert. Sie wohnt zwar nicht mehr in einem Armenviertel, aber das unverputzte Ziegelstein Gebilde in dem sie jetzt wohnen, ist nur mit gutem Willen ein Haus zu nennen. Die Miete von 3000 Rupien im Monat (ca. CHF 27) ist denn auch bescheiden. Ihr Mann arbeitet als Fahrer, und sie haben sich kennengelernt, als er sie in Roys Auftrag nach Colombo zu ärztlichen Untersuchungen fuhr.
Wir haben zu verstehen gegeben, dass ihre Verheiratung reine Privatsache sei und sich für uns nichts ändern würde. Das Verschweigen hingegen würde allerdings einen schalen Geschmack hinterlassen. Roy als sein Cousin müsse doch davon gewusst haben!
Dieser entschuldigte sich damit, dass die Beiden ihn gebeten hätten, nichts zu sagen. Meine Reaktion darauf fiel ziemlich harsch aus. Er müsse doch in erster Linie uns gegenüber loyal sein, und wenn wir ihm nicht wie bis anhin unser 100%iges Vertrauen schenken könnten, würde es unsere ganze Unterstützung in Frage stellen! Er war äusserst bestürzt und wir haben abends das Thema noch ausführlich behandelt. Soweit alles gut, aber sobald wir längere Zeit in Sri Lanka bleiben können, werde ich als erstes diese verflixte Sprache lernen.
Asjath geht in die Schule! In Sri Lanka hat jedes Kind Anrecht auf einen Schulbesuch und es gibt keine Sonderschulen. Man wird aber nicht zu viel von diesem Besuch erwarten können, ebenso wenig von den Beteuerungen der Mutter, dass er jetzt sprechen würde. Wir haben tatsächlich zum ersten Mal einzelne Worte von ihm gehört, und dieser Fortschritt verdankt er den unermüdlichen Bemühungen seiner Mutter.
Er würde eine Schultasche brauchen. Da auch Sameer und Sakeer Bedarf an Schultaschen hatten, war dies unser erster Anlaufpunkt. Wir hatten vor, diese vor unseren weiteren Einkäufen im Van zu versorgen, aber Asjath kletterte aufgeregt hinein. Dabei rutschte seine viel zu grosse Jeans und es war offensichtlich, dass er nicht nur passende Hosen, sondern auch Unterhosen brauchen konnte. Während Sameer und Sakeer ihre Einkäufe fast schon routiniert zusammen mit Roy und Michel erledigten, versuchte ich, einen aufgeregt zappelnden Jungen zu bändigen, der nach jedem Kleidungsstück begeistert nach Hause wollte. J
Der Ladeninhaber gab wie jedes Jahr einen Nachlass auf unsere Einkäufe, und wir fuhren erst einen schwer schnaufenden Asjath nach Hause und lieferten dann die beiden anderen Jungs ab.
Wir haben Kopien von den neusten Untersuchungsberichten von Asjath mitgebracht und werden uns diese mit ärztlicher Hilfe eindeutschen lassen. Asjaths Mutter hatte uns berichtet, dass noch ein spezieller Blutuntersuch anstehen würde, sie aber die dafür nötigen 4000 Rupien nicht hätte. Wir übergaben ihr den Betrag, und zwei Tage später kam sie mit den Resultaten zu Ronys Haus.