Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/1015

FWBO (The Friends of Western Buddhist Order, Freunde des Ordens westlicher Buddhisten) ist eine der am schnellsten wachsenden religiösen Organisationen Englands und expandiert auch fast unaufhaltsam in Indien und in fast allen Ländern der sog. westlichen Welt. Das Geheimnis dieses augenfälligen Erfolgs liegt einerseits im kaum mehr zu überbietenden Selbstbewusstsein der Gruppe, zum andern in ihrer effizienten Organistationsstruktur, in ihren Lebenshilfeangeboten, ihrer Beschäftigung von Arbeitslosen in den eigenen Betrieben, in ihrem völlig eklektischen Umgang mit buddhistischer Tradition und wahrscheinlich auch in der zwar skandalumwitterten, aber trotzdem oder gerade deshalb irgendwie charismatischen Persönlichkeit des Gründers.
Der Gründer der Bewegung, Dennis Lingwood, genannt Sangharakshita, geb. in London 1925, diente offenbar in der britischen Armee in Indien in den Jahren unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg. Er kehrte dann aber nach dem Rückzug der Briten aus Indien nicht in die Heimat zurück, sondern soll als Wanderasket in Indien alle bedeutenden Wege des Buddhismus studiert haben. Er will als initiierter Mönch der Theravada-Tradition den alten Buddhismus südlicher Richtung ebenso gründlich nicht nur studiert, sondern erlebt haben, wie später als lernwilliger Schüler grosser Meister den sog. Zenbuddhismus und die Mysterien des tibetischen Buddhismus. Westliche und östliche Anhänger der betreffenden Richtungen bezweifeln zum Teil allerdings die Seriosität dieser Angaben. 1964 kehrt Lingwood nach England zurück und wird dort für kürzere Zeit Lehrer am renommierten English Sangha Trust (EST) im buddhistischen Kloster Hampstead. Vorwürfe seinen Lebenswandel betreffend und Meinungsverschiedenheiten führten bald zum Bruch mit dem EST. Ein bereits existierender Western Buddhist Order, dem Lingwood beigetreten war, wurde nun ganz auf die Ideen und Impulse des neuen Leiters ausgerichtet und zum FWBO umfunktioniert, zu einer Organisation, die nicht nur alle Wahrheiten aller anderen Richtungen des Buddhismus in sich vereinen will, sondern auch alle anderen religiösen Wege, auch alle anderen buddhistischen, verwirft.
Das eigentliche Anliegen des Buddhismus ist nach Lingwood die Befreiung des Menschen aus den leidvollen Bedingungen seiner Existenz und der Durchbruch zu einem neuen, wahren Bewusstsein und damit zu einem neuen Menschen. Zu den zu überwindenden Bedingungen menschlicher Existenz zählen Lingwood und seine Umgebung auch die heterosexuelle Orientierung des Menschen. Homosexuelle Praktiken kehren diese Grundbedingungen um und wirken so verstanden befreiend.
Kritisch wäre nicht nur zu fragen, ob sich alle Schulen des Buddhismus überhaupt in eine Lehre zusammenbinden lassen, auch der bewusste Einsatz sexueller Erfahrungen auf dem Weg zu höherem Bewusstsein ist in manchen, allerdings nicht in allen der traditionellen buddhistischen Schulen verpönt. Der Weg des Buddha, wie er in den Schriften des alten Buddhismus sichtbar wird, kennt weder eine Mystik heterosexueller noch homosexueller Erfahrungen. Der alte Buddhismus möchte alles Wollen überwinden und jede Form des Bewusstseins transzendieren, die FWBO drängt Wahrheitssucher nicht nur in ein höheres Bewusstsein, sondern nach Aussagen ehemaliger "Freunde" auch in eine innere Schranken ignorierende Auslieferung an die Organisation.
Statistik/ Adresse:
Weltweit etwa 70 Zentren.
Deutschland: 3 Zentren, FWBO Germany, Buddhistisches Zentrum Essen, Herkulesstr. 13, 45127 Essen; Obermarktstr. 23, 32423 Minden; Hessische Str. 12, 10115 Berlin. Homepage: www.fwbo.de.
Georg Schmid, 2000
zur Uebersicht FWBO
zur Relinfo-Grundseite
© 2000 gs / 2000 Infostelle