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SAGEN UND LEGENDEN DER ÍNDIOS AUS BRASILIEN
Die Tiere des Regenwaldes waren sich einig: der Jaguar war zweifellos der Stärkste unter ihnen, und alle fürchteten seine todbringenden Pranken. Aber niemand hielt ihn auch für das klügste der Tiere – diese Ehre, so meinte der Tapir, gebühre zweifellos dem Fuchs. Das wurmte den mächtigen Jaguar, und er beschloss, sich tot zu stellen, sodass sich alle Tiere des Waldes ihm furchtlos nähern könnten – wenn dann die Reihe an den Fuchs käme, wollte er ihn schon packen.
Die Nachricht vom Tod des gefürchteten Jaguar verbreitete sich wie ein Flächenbrand – alle Tiere strömten zu seiner Höhle, um sich mit eigenen Augen von der Wahrheit dieser erfreulichen Nachricht zu überzeugen. Und sie fingen an, um die Höhle zu tanzen und ihrer Erleichterung Ausdruck zu verschaffen: „Dank sei dem grossen Tupã! Der Jaguar ist tot – jetzt können wir ohne Furcht spazieren gehen!“
Der listige Fuchs aber, bevor er sich in die Höhle wagte, um den toten Jaguar zu inspizieren, fragte die andern Tiere vor dem Eingang laut und vernehmlich: „Hat er schon gerülpst?“ „Nein, nicht dass ich wüsste!“ antwortete der Tapir, und die anderen Tiere stimmten zu schüttelten die Köpfe. Also sagte der Fuchs: „Die Leiche meines Grossvaters hat noch dreimal gerülpst, nachdem er gestorben war!“ Der Jaguar hörte dies und rülpste dann dreimal. Als der Fuchs seine Rülpser vernahm, meinte er verschmitzt: „Wer hat schon so was je gehört – ein toter Jaguar, der dreimal rülpst nachdem er gestorben ist!“ Und dann machte er sich aus dem Staub. Und bis zum heutigen Tag ist es dem mächtigen Jaguar nicht gelungen, den Fuchs zu erwischen, denn, wie gesagt, der ist viel klüger als er.