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Die Niederlande sagen Ja zum schwulen König
In den Niederlanden darf die Königin oder der König auch eine Person des gleichen Geschlechts heiraten, sagt Premierminister Mark Rutte. Ist die Zeit reif für das Coming-out von homosexuellen Royals?
Im europäischen Hochadel scheint gerade nichts mehr so zu sein, wie es einmal war. Begonnen haben diese Umwälzungen vor zehn Jahren, als Prinz William Kate Middleton heiratete. Die Hochzeit war für konservative Royalisten ein Tabubruch, denn: Die Braut kam zwar aus einer wohlhabenden, aber keiner adeligen Familie.
Nun kommt es für eingefleischte, konservative Royalisten aber noch viel dicker: In den Niederlanden darf jede Königin und jeder König auch eine Person des gleichen Geschlechts heiraten, stellte Premierminister Mark Rutte dieser Tage klar.
Die gleichgeschlechtliche Ehe ist in den Niederlanden seit 20 Jahren legal. Bislang war jedoch nicht klar, ob das wegen der Thronfolge auch für die Krone gilt.
«Das Kabinett sieht nicht vor, dass ein Thronfolger oder der König abdanken soll, wenn er oder sie einen gleichgeschlechtlichen Partner heiraten möchte», erklärt Rutte in einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage seiner eigenen Partei VVD im Parlament.
Was ist mit dem Rest der Welt?
Die Niederlande scheinen bereit zu sein für eine lesbische Königin oder einen schwulen König. Und was ist mit dem Rest der Welt?
Fakt ist: In der Geschichte der Menschheit gab es bereits mehrere homosexuelle Würdenträgerinnen und -träger – allerdings outeten sich die besser nicht, weil ihnen sonst wohl kein langes Leben beschieden gewesen wäre. Homosexualität wurde im Mittelalter als schwere Sünde wider Gott und die Menschen verurteilt.
Ziemlich sicher schwul war der preussische König Friedrich der Grosse (1712 bis 1786). Er heiratete trotzdem eine Frau und machte die Kinder seines Bruders zu seinen Thronfolgern. In England werden den drei Regenten Eduard II. (1284 bis 1327), Jakob I. (1566 bis 1625) und Anne (1665 bis 1714) homo- oder bisexuelle Neigungen nachgesagt.
Eduard II. stand, obwohl auch mit einer Frau verheiratet, sogar halb-offiziell dazu, dass er mit Männern ins Bett geht. Drei seiner Liebhaber sind bestätigt: Zunächst teilte er das Bett mit dem Gascogner Piers de Gaveston. Nach dessen Ermordung durch einen Rivalen 1312 galt seine Gunst Roger d’Amory, um sich schliesslich 1318 in Hugh le Despenser zu verlieben.
Eduards Frau, Königin Isabella, suchte derweil Trost in den Armen von Roger de Mortimer. Die beiden beschlossen, Eduard II. zu entthronen, was wenig später zu seinem grausigen Ende führte: Der Ex-König, auf Berkeley Castle interniert, wurde der Willkür seiner Wärter überlassen. Die haben ihn am 13. September 1327 mit einer glühenden Eisenstange – möglicherweise eine Anspielung auf seine sexuelle Veranlagung – brutal ermordet.
Erste schwule Hochzeit in der britischen Königsfamilie
Heute gilt Lesbisch- oder Schwulsein in den meisten Ländern nicht mehr als Sünde – wobei: Zwölf Länder ahnden Homosexualität nach wie vor mit dem Tod, und unter Strafe steht gleichgeschlechtlicher Sex noch in weitaus mehr Staaten. Dennoch liefe kein Monarch mehr Gefahr, von seiner Schein-Ehefrau verraten und gar ermordet zu werden – da sollte auch ein homosexueller König kein grösseres Problem mehr sein.
Die Monarchie folgte jedoch schon immer eigenen Regeln. Wie würde es also im 21. Jahrhundert aussehen, wenn ein hochrangiges Mitglied der englischen Königsfamilie sich als lesbisch oder schwul outen würde?
Antwort: An ihrer oder seiner Hochzeit nimmt niemand aus der royalen Familie teil.
So passiert, als in der Geschichte der britischen Königsfamilie vor drei Jahren zum ersten Mal ein schwuler Adeliger geheiratet hat: Lord Ivar Mountbatten, ein Cousin von Queen Elizabeth, gab damals seinem langjährigen Partner James Coyle das Ja-Wort. Gleichgeschlechtliche Ehen sind in Grossbritannien seit 2014 legal.
Immerhin, so heisst es, habe Prinz Edward, jüngster Sohn der Queen, den beiden Männern beste Wünsche ausrichten lassen. Und Prinz William sagte vor zwei Jahren in einem Interview, dass seine Kinder im Falle eines Coming-outs mit seiner Unterstützung rechnen könnten. «Wenn meine Kinder homosexuell sein sollten, dann werde ich sie unterstützen», erklärte der Mann, der in der Thronfolge auf Platz zwei steht, als er auf die Zukunft seiner drei Kinder angesprochen wurde.
William erklärte, es sei «absolut okay» für ihn, wenn sein Nachwuchs homosexuell sei. Sorgen bereitet ihm jedoch die Bekanntheit der Royals: Seine Familie stehe in einer hervorgehobenen Position, sagte der Prinz der BBC. «Das macht mich nervös». Als Vater befürchte er, dass seine Kinder Hasskommentare, Verfolgung und Diskriminierung erleben könnten.
«Es ist fruchtbar kompliziert»
In der britischen Monarchie würde eine queere Königin oder ein queerer König aber so oder so eine knifflige Angelegenheit werden: Denn sie oder er ist das Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Und diese akzeptiert bis heute die Hochzeit von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht.
Ausserdem ist die royale Nachfolgeregel nur auf leiblichen Nachwuchs beschränkt. Adoptierte Kinder haben demnach keinen Anspruch auf den Thron. So wurde es 1701 im «Act of Settlement» festgehalten.
Die Nachfolgeregel könnte übrigens auch in den Niederlanden für etwelche Probleme sorgen. Unklar ist unter anderem, was mit der Erbfolge passieren würde, wenn Kinder aus einer gleichgeschlechtlichen Königsehe geboren würden, zum Beispiel durch Adaption oder Samenspende.
«Es ist furchtbar kompliziert», sagt dazu Ministerpräsident Rutte. Die niederländische Verfassung besagt, zumindest bisher, dass dem König oder der Königin nur ein «rechtmässiger Nachkomme» folgen kann.