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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

II. Rede
5.
Daß aus einem Untergebenen ein Führer wird, ist doch für die vielen, welche der göttlichen Philosophie [S. 8] obliegen, nichts Unerhörtes und Verkehrtes. Es widerspricht nicht den Gesetzen der Philosophie und ist nicht tadelnswert, so wenig als die Übernahme des Dienstes eines Untersteuermannes durch einen erprobten Schiffer oder die Anvertrauung des Kapitänspostens an einen Untersteuermann, der sich gut auf die Winde versteht, oder - wenn du ein anderes Beispiel willst - die Bekleidung der Hauptmannstelle durch einen tapferen Soldaten und die Führung des Feldherrnamtes und des Oberbefehles im ganzen Kriege durch einen tüchtigen Hauptmann.
Wahrlich, ich habe mich auch nicht, wie wohl mancher von den ganz Törichten und Schlimmen, welche den Mitmenschen nach den eigenen Leidenschaften beurteilen, annimmt, aus Verlangen nach höherer Stelle geschämt, die Rangordnung einzuhalten. Von der göttlichen Größe und menschlichen Schwäche bin ich zu sehr überzeugt, um nicht zu wissen, daß es für jedes Geschöpf eine große Ehre ist, wenn es nur auf irgend welche Weise sich Gott, dem allerherrlichsten und glänzendsten Wesen, das durch seine Reinheit über allen materiellen und geistigen Geschöpfen erhaben ist, nähern darf.