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Die wichtigsten Werke aus dem Atelier des Künstlers wurden allesamt mit Hilfe von Bozzetti vorbereitet, die noch erhalten sind, oft aus Statue und Sockel bestehend. Im Gegensatz zu den Entwürfen des Canova, die schnell und unmittelbar als Resultat eines ersten kreativen Impulses angefertigt wurden, zeigen die Bozzetti Velas trotz ihrer winzigen Proportionen eine hochgradige Feinheit in der Ausarbeitung. Die Gründe hierfür sind zwar einerseits in der Poetik Velas zu suchen, dessen künstlerisches Schaffen bereits in der Entstehung des Werkes begann, andererseits jedoch bestand die zwingende Notwendigkeit, die jeweiligen Auftraggeber von der Stichhaltigkeit der gewählten Darstellungsform zu überzeugen. Manchmal zeigen die Bozzetti lediglich eine spontane erste Idee des Autors, zuweilen aber sind bereits eine detaillierte Ausarbeitung oder verschiedene Varianten desselben Themas zu finden. Daher stellen diese «Kleinwerke» Vincenzo Velas eine überaus interessante Möglichkeit dar, dem Bildhauer bei seiner Arbeit sozusagen «über die Schulter zu sehen» und die verschiedenen Formen kennen zu lernen, in die der Künstler seine Ideen umsetzte.
Besondere Aufmerksamkeit widmete der Bildhauer jenen Bozzetti, die für öffentliche Ausschreibungen bestimmt waren, wie zum Beispiel das Standbild des Cavour, das eine bemerkenswerte Episode im Leben des Künstlers darstellte und weitreichende Konsequenzen nach sich zog. Der Bozzetto wurde für die Stadt Turin angefertigt, und Vincenzo Vela schuf zwei Varianten, die auch beide ausgestellt wurden. Der Künstler ging dabei ganz neue Wege: Zum einen entfernte er sich von der üblichen Typologie des Risorgimento - er präsentierte ein Brunnen-Standbild (Nr. 1) - zum anderen wandte er sich von der für jene Zeit spezifischen Ikonografie ab, indem er Allegorien zuweilen auf unkonventionelle Weise umsetzte. Daher stellte es für den Tessiner Künstler - in jenen Jahren überdies der angesehenste Bildhauer in Turin - eine schmerzliche Niederlage dar, den so begehrten Auftrag nicht zu erhalten. Die beiden hier ausgestellten Bozzetti und die zahlreichen Skizzen (s. Nrn. 34 und 35 in diesem Saal) sind ein Zeugnis der ausgiebigen Studien, die Vela unternommen hatte.
Mit diesem Bozzetto nahm Vela an der öffentlichen Ausschreibung von Asti zu Ehren des tragischen Dichters Vittorio Alfieri (1749-1803) teil, der ein berühmter Bürger der Stadt war. Obwohl er erst seit kurzer Zeit im Piemont weilte, nutzte der junge Bildhauer die Gelegenheit, sich mit einem öffentlichen Denkmal, das zweifellos einen starken Widerhall haben würde, einen Namen zu machen. Das Werk, zu dem es auch einige Skizzen gibt (s. Nr. 36 in diesem Saal), bewegt sich auf zwei Ebenen: die obere präsentiert eine romantisch anmutende Porträtstatue Vittorio Alfieris, die untere zeigt zwei allegorische Figuren. Dabei handelt es sich um eine besonders faszinierende Interpretation der «Tragödie» mit Mantel und Dolch sowie einer Allegorie des «Piemont», das in diesem seltenen Falle als männliche Figur dargestellt wurde.
Der Bozzetto einer Helvetia-Statue war von Vela für den Platz vor dem Bundeshaus gedacht, doch wurde das Denkmal nie errichtet - offiziell aus finanziellen, in Wirklichkeit jedoch aus «ideologischen» Gründen, da die Darstellungsweise als zu gewagt republikanisch anmutete. Tatsächlich zeigt der Bozzetto eine kämpferische und revolutionäre Helvetia, die hoch auf einem Felsgipfel steht, der den eidgenössischen, aus verschiedenen Kantonen bestehenden Staat symbolisieren soll. Stolz schwingt sie die Schweizer Fahne, von deren Spitze der Tellshut emporragt, während sie mit dem linken Fuss die Embleme der königlichen Tyrannei zertritt.
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