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Beim Eintreten in die ehemalige Brauerei, in den früheren Kühlturm, fällt der erste Blick auf eine schwarze, wuchtige Form, die von der Decke herabhängt wie eine Schlange, die sich an den Wänden entlang räkelt und ihren Kopf um eine Stahlstange an der Spitze wickelt. Stairs (2016-17), eine massive, dekonstruierte Treppe, die fast eine Tonne wiegt und 14 Meter hoch über alle 4 Stockwerke reicht, ist die erste ortsspezifische Installation für MUZEUM SUSCH, die von der Künstlerin Monika Sosnowska entworfen wurde.
Nach ihrem Master in Malerei an der Kunstakademie in Poznań im Jahr 1998 ließ Sosnowska die Arbeit auf der Leinwand schnell hinter sich, um statt dessen die Grenzen zwischen Skulptur und Architektur ausloten. Schon während ihres Studiums bei Professor Jarosław Kozłowski, einem der Begründer der Konzeptkunst in Polen, war die Distanz zum zweidimensionalen Bild entstanden und dies setzte sich im Post-Graduiertenprogramm der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam fort, wo sie im Jahr 2000 abschloss.
“When I prepare a project I always ask myself how much I have to say to be understandable, but not to create any narratives. I have been testing the communication between myself and others. My works became more minimal, at least in my consciousness. I thought that less information leaves more place for the imagination.
(...)
I was never interested in dividing art between male and female. I never wanted to express my sex through my works and I think that by looking at my art it’s hard to say which sex I am. But it is true that women’s artistic practice was rare in modernism.”
Seit über 15 Jahren erforscht Sosnowska, was im Grunde eine osteuropäische Variante der architektonischen Moderne ist - in Werken, die entweder auf existierende Strukturen anspielen oder direkt auf diese Bezug nehmen. Ihre Position ist jedoch frei von Nostalgie. Stattdessen zieht es sie zu Fehlern, Störungen und Mängeln und sie setzt diese ein, um die grundlegenden Prinzipien der Moderne wie Funktion, Stabilität und Geometrie in Frage zu stellen.
Beispielsweise M10 (2004), ein Labyrinth von engen, mit Türen verbundenen Räumen, war ein Kommentar zu der in Polen bis an die Grenzen getriebenen, zentralisierten Planung, die der modernistischen Utopie von breit zugänglichem, erschwinglichem Wohnraum einen Realitätscheck lieferte. Das Klassifizierungssystem in der Wohnungswirtschaft basierte auf einer Anzahl von Räumen (M) statt auf tatsächlicher Größe, was bedeutete, dass eine typische Zwei-Zimmer-Wohnung leicht in kleinere Elemente unterteilt werden konnte und somit zu einer M4 wurde. In Sosnowskas Werk tragen die klaustrophobischen Kabinen stolz den Namen einer Zehn-Zimmer-Einheit.
Unabhängig von ihrer Größe sind Sosnowskas Arbeiten in der Regel immersiv und beziehen sich auf den Raum, den Maßstab und die Präsenz des Betrachters. Für die polnische Präsentation auf der 52. Biennale in Venedig (1:1, 2007) stellte die Künstlerin einen massiven Stahlrahmen in den von Brenno Del Giudice entworfenen Art-Deco-Pavillon. Die Arbeit, basierend auf existierenden architektonischen Modellen, die in den 60er und 70er Jahren für kommerzielle Gebäude in Polen verwendet wurden, war bewusst in einem Umfang kalkuliert, der die Kapazität des Pavillons übertraf und sie wurde anschließend komprimiert, um in den Ausstellungsraum zu passen. Der daraus resultierende, verdrehte und verzogene schwarze Rahmen erweckte den Eindruck eines missgebildeten Parasiten, der in seinem Wirt wuchs, ohne klare Hinweise darauf, ob er sich an seine Grenzen anpassen oder schließlich aus dem Pavillon ausbrechen würde. In Warschau, von Arbeitern des inzwischen aufgelösten Staatsbetriebes hergestellt, die mit der Herstellung von Fertigbauteilen in der Wohnungswirtschaft beauftragt waren, war 1:1 ebenso ein Kommentar über die allgegenwärtige und falsch verstandene Standardisierung vergangener Zeiten wie über das gegenwärtige Schicksal dieser vergangenen Architektur.
“The transcendence of scale in Sosnowska’s sculpture is akin to the possibilities of a musical passage. A piece of sheet music is essentially a set of guidelines for a musician. If a score indicates an A-note and a musician plays it correctly, an A-note will sound from the musician’s instrument, for example. However, it’s unlikely that any two musicians would ever play the same piece of music exactly the same way(...)”
Der Bestand an Materialien und Motiven, die in Sosnowskas Arbeiten immer wieder auftauchen - mit Stahl, Betonstahl und Beton, der sich in Form von Tragwerken, Handläufen, Feuerleitern oder Treppen materialisiert - lässt sich auf eine bestimmte Geografie und Periode zurückführen. Kern ihrer Praxis sind Gesten der Deformation und der Verschiebung, die diese Elemente über ihren ursprünglichen Kontext hinaus in den Bereich des Unheimlichen oder Psychedelischen führen: Oft scheinen sie ihre Funktion zusammen mit den Gesetzen der Physik zu verlassen.
Sosnowska’s Stairs (2016-17) mit ihren schwarzen rechteckigen Platten, die an dünnen, von der Decke herabhängenden Streifen befestigt sind, verraten nicht sofort die ursprüngliche Funktion. Fast unkenntlich gemacht und wie ein Band an den Wänden befestigt, kann es weniger als unpraktischer Durchgang gelesen werden, sondern als ein Mittelpunkt für die Mischung aus lokaler Architektur, traditioneller Handwerkskunst und neuer Technik, ein verzogenes Rückgrat, das die labyrinthischen und vielfältigen Räume des Hauptgebäude des Museums zusammenhält.
“There’s something odd, however, about the relationship of this monumental sculpture to the gallery space; echoing the girders above and sitting deferentially in one corner of the immense room, “Tower” modestly refers you to the surrounding architecture instead of flaunting its own aesthetic of ruined modernism.”
“She collaborates with an engineer to design the structures and ensure that they are mechanically feasible before moving on to make miniature models. Then follows a long search for the right materials and the equipment required to bend, break, and modify them. ‘In my works there’s no trace of the artist’s hand,’ she once said in an interview. ‘My role is limited to the concept, the choice of the proper means, and checking the final stage – seeing to what degree the product is in line with what I imagined.’ In making her role invisible, Sosnowska reveals the hidden bones of the buildings around us and makes us see them more clearly.”