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Schirmflicker/in
Der Ursprung des Schirms lässt sich nicht genau datieren. Die frühesten erhaltenen Darstellungen und Funde stammen aus dem orientalischen Raum um das Jahr 2000 v. Chr. Der Schirm jener Zeit bot nicht nur Schutz vor der Sonne, sondern war zugleich ein Zeichen für weltliche und geistliche Macht. In vielen asiatischen Religionen fungiert der Schirm immer noch als Himmelssymbol und wird zu diesem Zwecke in prachtvoller Ausführung gefertigt. In China beispielsweise wurden Schirme bereits im 11. Jahrhundert v.Chr. aus Seide hergestellt und mit Edelsteinen sowie Perlen geschmückt.
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In Europa gelangte der Schirm über die Perser zu den Griechen und etwas später war dieser auch bei den Römern als Alltagsgegenstand und als geistliches Würdezeichen in Gebrauch. Im Verlaufe des 18. Jahrhundert verlor der Schirm allerdings europaweit seinen geistlichen und weltlichen Symbolstatus und diente zunächst lediglich als Sonnenschutz. Vor dem Regen schützte man sich insbesondere in ländliche Gegenden noch bis im 19. Jahrhundert mittels Tüchern, Hauben und Hüten. Das „Regendach“ (so wurde es in der deutschsprachigen Schweiz zumeist genannt) war zu dieser Zeit noch kein Requisit für das Bürgertum und wurde zunächst von den Schirmgegnern als Zeichen des Sittenverfalls in aller Schärfe verurteilt. Trotz aller Vorbehalte erwies sich der Regenschirm als erstes bei den Adligen der Stadt Neuenburg seiner Nützlichkeit und bot zusätzlich die Möglichkeit, mit dem anfangs sehr teuren, schweren, plumpen, meist mit Wachstuch oder Ölpapier bezogenen Modeaccessoire auf sein eigenen Reichtum aufmerksam zu machen.
Die Verwendung preiswerterer Materialien für Gestell und Bezug machten Mitte des 18. Jahrhundert den ursprünglich im 17. Jahrhundert mit den französischen Hugenotten eingewanderten Luxusgegenstand in der Stadt Neuenburg zusehends populär. Zunehmend wurden sowohl die Bespannungsmaterialien (z.B. Leinwand bzw. Seide sowie Taft) als auch der Käuferkreis des Regenschirms vielfältiger. Der für gewöhnlich von französischen Händlern betriebene Schirmhandel (Sonnen- und Regenschirme) fand nunmehr nicht nur in der Stadt Neuenburg statt, sondern auch in den naheliegenden Orten der Stadt und auch in anderen Städten wurden zunehmend Schirme im Hausierhandel angeboten. Das Angebot an Schirmen stellte in der Schweiz nun dank den in Neuenburg niedergelassenen französischen Handwerkern nicht nur importierte und ausgebesserte Ware dar, sondern war zum Teil auch aus Eigenproduktion.
Das Handwerk des Schirmflickers[1] wurde demnach in der Schweiz vor dem des Schirmmachers ausgeübt. Dennoch bildete sich das Handwerk des Schirmflickers erst im 19. Jahrhundert, im Zuge der Expansion des Schirmmacherhandwerks und der damit einhergehenden Diversifikation der schirmwirtschaftlichen Berufe, offiziell als Handwerksberuf aus.
In der heutigen Zeit hingegen ist das Handwerk des Schirmflickers vom Aussterben bedroht. Es lohnt sich heute meist nicht die Billigschirme aus China und anderen asiatischen Ländern in die Reparatur zu geben, es sei denn man macht dies aus Überzeugung (z.B. Umweltbewusstsein) oder verbindet besondere Erinnerungen mit dem Schirm. In solchen Fällen, sind die wenigen Schirmflicker auch in der heutigen Zeit gefragte Handerker, wie z.B. der Jegenstorfer Schirmflicker Namens Erich Baumann. Er flickt nebenberuflich seit 2008 in seiner Werkstatt am Rande von Münchringen unzählige Schirme und verfügt schweizweit über zahlreiche Annahmestellen, wie beispielsweise das Warenhaus Loeb (vgl. http://www.schirmservice.ch/index.php?id=11).
[1] Für bessere Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise Schirmflickerin.
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Literatur
Spary Christiane: Parasol- und Parapluimacher. Sozialhistorische Analyse eines regressiven Handwerks, Frankfurt am Main 1995.
www.bernerzeitung.ch → Er lässt alte Schirme weiterleben, https://www.bernerzeitung.ch/region/Er-laesst-alte-Schirme-weiterleben/story/18277331, abgerufen am 26.11.2017.
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