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Potosi liegt zwischen 3976 und 4070 M.u.M. am Fusse des Cerro Rico und hat ca. 170’000 Einwohner. Es ist die hoechste Stadt der Welt dieser Groesse. Schon die Inka hatten im Cerro Rico Silber foerden lassen, aber am 10. April 1545 wurde es von den Spaniern als Bergbausiedlung gegruendet. Anfang des 17 Jahrhundets war Potosi eine der groessten und reichsten Staedte der Welt, weil im Cerro Rico sehr viel Silber abgebaut werden konnte. Es war die Hauptquelle des spanischen Silbers mit bedeutender Muenzpraegung. Dies aenderte sich in den naechsten 200 Jahren, da anderswo ebenfalls Silber gefunden wurde und der Silberpreis fiel.
Heute sind noch 200 der 450 Minen offen. Es werden vor allem Zinn, Zink und Blei abgebaut. Es hat immer noch Silber im Berg, aber in Tiefen von 100 bis 200 Metern. Dort herrschen Temperaturen von 35 bis 40 Grad. Die Maenner koennen dort unten nur 2 Stunden am Stueck arbeiten, dann muessen sie wieder raus.
Die Staatsminen wurden 1980 geschlossen, heute arbeiten die 12’ooo Mineros in Kooperativen, welche jeden Tag 2700 Tonnen Material aus dem Berg holen, wobei gerade mal 50 Tonnen brauchbare Metalle sind. In einer Kooperative arbeiten zwischen 3 und 200 Maenner. Eine Kooperative von 3 Mann muss jede Woche als Soll-Menge 10 Tonnen Material aus dem Berg holen, um den Lohn zu erhalten. Dafuer arbeiten die Maenner teilweise 16 bis 18 Stunden taeglich unter Tage. Die Arbeit in den Minen ist hart, die Maenner, die juengsten sind gerade mal 13 Jahre alt, kauen den ganzen Tag Coca-Blaetter, um Hunger und Muedigkeit zu unterdruecken.
Nach fuenf Jahren Minenarbeit leiden die Mineros unter der hier unheilbaren Krankheit Silicosis, oder der Staublunge. Der feine, quarzhaltige Staub wird vor allem durch moderne Hilfsmittel wie Dynamitsprengungen und Pressluftborer in Unmengen freigesetzt. Dann gelangt er in die Lungen und verstopft die Lungenblaeschen. Die Silicosis nimmt ihren Lauf. Die Arbeitsbedingungen wurden also mit der modernen Technik nicht besser, sondern eher schlechter. Zudem gibt es jaehrlich ca. 40 Tote, vor allem wegen einstuerzenden Stollen und Gaengen nach Sprengungen.
Die Frauen der Mineure arbeiten ebenfalls fuer die Kooperativen. Viele leben mit den Kindern am Mineneingang, sorgen fuer den Unterhalt des oberirdischen Teiles der Mine und kochen fuer die Arbeiter, wenn diese Ueberstunden machen. Weitere ca. 80 Frauen sortieren fuer ein paar Bolivianois das Abfallgestein nach brauchbaren Brocken.
Eine handvoll Arbeiter wird durch die Arbeit der Minen reich und kann sich z.B. ein teures Auto leisten. Der Rest lebt wohl eher am Existenzminimum, nicht zu erwaehnen der gesundheitliche Zustand.
Unser Ausflug in eine der Minen startet um 9 Uhr vor unserem Hostel. Wir werden von einem Taxi abgeholt und fahren durch die Stadt, immer hoeher ins Mineroquartier. Dort steigen wir aus, wir sind auf dieser Tour die einzigen 3 Personen, und folgen Jorge, unserem Guide, auf die Strasse. Er hatte vor 18 Jahren selbst in einer Mine gearbeitet. Alle Guides fuer Minentouren sind ehemalige Mineros. Nur diese kennen die Gaenge und Winkel der unterirdischen Labyrinthe. Ueberall stehen Lamas in 2er-Gruppen angebunden. Sie stehen zum Verkauf bereit. Die weissen sind die teuersten. Sie kosten ein Mehrfaches der braunen oder mehrfarbigen. Denn heute ist ein spezieller Tag. An 3 aufeinanderfolgenden Samstagen feiern die Mineure die „Fiesta de Manquiri“. Heute ist der 2te Samstag. Jede Kooperative opfert jeden Samstag 2 Lamas zu Ehren der Pachamama, der Mutter Erde. Sie erhalten dafuer Schutz bei der taeglichen Arbeit in den Minen. Die Zahl 2 kommt daher, weil jeder Minero 2 Augen, Haende, etc. hat. Zudem wird viel Alkohol getrunken und fuer einmal nicht den ganzen Tag in der Mine geschuftet. Wir laufen die Strasse rauf und runter. Ueberall stehen die Lamas oder sind schon auf Trucks verladen. 2 sitzen sogar in einem Bus. Dann gehen wir in einen kleinen Laden, dort koennen wir Geschenke fuer die Mineros kaufen. Dynamit, Coca-Blaetter oder 96%igen Alkohol. Jorge meint, dass der Alkohol am Besten sei, wohl, weil gerade Feiertage sind. Wir kaufen 12 kleine Flaeschchen. Dann bekommen wir noch einen Pisco, etwas frueh, aber wir trinken ihn alle aus. Wir gehen eine Tuer weiter, in ein Haus hinein. Dort fassen wir Ueberhosen, Jacke, Helm und Helmlampe. Wir fragen, ob wir keine Gummistiefel bekommen. Nein, denn die Mine, in die wir gehen, fuehre kein Wasser. Und zum Rumlaufen seien unsere Schuhe bequemer. Dann fahren wir mit dem Taxi hoch zu den Minen. Jorge erklaert uns einige Dinge ueber die Minen und die Mineros. Dann schreiten wir zum Eingang der „Powerfull Mine“. Frueher wurde in dieser sehr viel Silber gefoerdert. Wir steigen ein paar Steintreppen hinunter, dann eine Leiter. Mein Helm ist zu gross und rutscht mir immer wieder ins Gesicht. Etwas unideal. Dann steigen wir weiter in die Mine hinab. Mal durch enge Gaenge, wo wir uns extrem ducken muessen, dann wieder ueber Leitern und dann gehts wieder in ein Loch hinab. Wir leisten einige Klettereinlagen. Wir laufen auch in einen Gang hinein, in dem gerade gesprengt wurde, der Staub ist dicht. So dicht, dass wir wieder umkehren.
Heute hat es fast keineArbeiter in der Mine, da ja Feiertag ist. Und bis 11.30 Uhr sollten alle draussen sein, denn dann beginnt das Opfern der Lamas. Ist ein Minero zu dieser Zeit noch im Berg, wird ihm das Unheil bringen. Wir laufen durch einen kleinen Tunnel, als Jorge meint, wir muessten uns beeilen. Wir sehen ein paar Schienen und hoeren das Geraeusch einen nahenden Wagens. 2 Maenner schieben einen Wagen mit Gestein auf uns zu. Eine Tonne Inhalt hat so ein Wagen. Fuer 80 Bolivianos muessen die Maenner 40 Mal mit dem Wagen laufen. 200 Meter jedes Mal, hin und zurueck. Das heisst 2 Bolivianos pro Fahrt. Dabei verbrauchen sie 3000 bis 4000 Kalorien. Das ist knochenharte Arbeit. Der eine der beiden ist 18 Jahre alt und arbeitet seit 5 Jahren in der Mine. Nach dem Tod des Vaters musste er die Arbeit in der Mine weiterfuehren. Doch im Moment gehoert er noch zuden Unterstklassarbeitern. Lohn gleich fast nichts. Spaeter sehen wir noch 4 Maenner rauslaufen. Die ersten beiden arbeiten mit Pressluftbohrern. Diese funktionieren hier aus Kostengruenden ohne Wasserzufuhr. Sie koennen 30 bos 40 Loecher pro Stunde machen. Die letzten beiden sehr erfahrene Mineros. Der eine arbeitet seit 20 Jahren in der Mine. Er schlaegt Loecher in das Gestein,von Hand, so schafft er 4 pro Tag. Aber er weiss genau wo schlagen, wo das gute Gestein ist. Alle bekommen ein Flaeschchen von dem Alkohol. Doch getrunken wird erst oben, unten ist dies zu gefaehrlich. Wir besuchen noch „El Tio“, den Gott der Mineure. Diesem werden jeden Freitag Alkohol, Zigaretten und Coca-Blaetter geopfert. Wir laufen, kriechen und steigen noch ein wenig durch die Gaenge, sehen einige Metall- oder Mineraladern, dann steigen wir einen bekannten Gang hoch. Wir setzen uns hin, dann werden alle Lampen ausgeschaltet. Es ist stockdunkel, am Ende des Ganges sehen wir ein wenig Licht. Aber die Dunkelheit ist beeindruckend. Wenn einem Minero das Licht ausgeht, was anscheinend so alle ein bis zwei Monate passiert, dann ist es stockfinster. Die erfahrenen finden den Ausgang im Dunkeln, die anderene muessen auf einen Kollegen mit Licht warten.
Dann steigen wir aus den Schacht, raus ins Tageslicht. Draussen hoeren wir Sprengdetonationen. Das Opfern beginnt. Jorge fragt, ob wir die ganze Zeremonie sehen wollen oder ein bisschen. Ein bisschen scheint uns genug zu sein. Wir laufen runter zu einem anderen Mineneingang. Ein paar Maenner halten gerade eine Lama fest. Dann wir ein sehr unscharf aussehendes Messer an dessen Kehle gesetzt. Und zugedrueckt. Das arme Lama zappelt und kraechzt sicher noch 2 Minuten, bis der Hals vollkommen durchgeschnitten ist. Wenn sie doch wenigstens ein scharfes Messer verwenden koennten… Das austretende Blut wird in Tellern aufgefangen und mehrmals gegen den Mineneingang gespritzt. Fuer die Pachamama. Wir haben genug gesehen und laufen mit Jorg zurueck zur Strasse. Er wir dort bleiben. Wir ziehen Hosen, Jacke und Helm aus. Dann kommt ein Junge vorbei, der Mineralsteine verkauft. Wir kaufen ihm je ein ganzes Set Steine ab. Besser, er verkauft Steine, als dass er in der Mine arbeitet. Dann setzen wir uns in einen der Busse in Richtung Centro.