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Mo, 12. September 2022, Ralf Hersel
Habt ihr es gemerkt? In der Überschrift fehlt eine entscheidende Angabe: Wo setzt sich Markdown durch? Dazu komme ich noch. Wer noch nie etwas von Markdown gehört hat (was ich bei unserem Leserkreis für unwahrscheinlich halte), erhält hier eine Einführung. Kurz gesagt, handelt es sich bei Markdown um eine Auszeichnungssprache. Damit kann einfacher Text mit Formatierung ergänzt werden.
Markdown in Apostrophe: links der Quelltext, rechts das gerenderte Ergebnis
Im Gegensatz zu HTML (auch eine Auszeichnungssprache) ist Markdown wesentlich beschränkter bei den Formatierungsmöglichkeiten. Doch gerade darin liegt der Reiz der Sprache. Statt sich mit überbordender Formatierung zu beschäftigen, liegt der Fokus auf dem Inhalt des Textes.
Ein weiterer Vorteil von Auszeichnungssprachen ist die einfache Nachvollziehbarkeit der Formatierung. Ich erinnere mich zurück an das Jahr 1992, als ich meine Diplomarbeit geschrieben habe. Damals waren Word und Word Perfect die führenden Textverarbeitungsprogramme. Bei Word Perfect konnte man mit F5 in einen Auszeichnungsmodus umschalten. Dort war genau zu sehen, warum etwas so formatiert war, wie man es im Dokument zu sehen bekam. Das hat die Suche nach Formatierungsfehlern sehr erleichtert.
Heute wird Markdown überwiegend im Bereich der Wikis zu Dokumentationszwecken verwendet. Es gibt auch viele CMS, in denen zwischen einem WYSIWYG-Editor (z. B. TinyMCE) und Markdown umgeschaltet werden kann, bzw. Markdown ausschliesslich zur Verfügung steht, wie bei den meisten Static Site Generatoren (Hugo, Jekyll, etc.). Die Dokumentation bei der Software-Entwicklung erfolgt ebenfalls zu grossen Teilen in Markdown, insbesondere weil sie in Git-basierten Repositories vorgegeben ist.
Auch die Mozilla Foundation hat sich dafür entschieden, die Dokumentation im Mozilla Developer Network (MDN) vollständig von HTML auf Markdown zu konvertieren. In einem Blog-Post schreibt Schalk Neethling dazu:
Im Juni 2021 beschlossen wir, den Quellcode für die MDN-Webdokumente von HTML in ein Format zu konvertieren, das uns die Arbeit erleichtern würde. Das Ziel war es, 100 % unserer manuell geschriebenen Dokumentation in Markdown umzuwandeln.
Zur Begründung nennt er diese drei Hauptpunkte:
- Markdown ist eine viel einfachere und freundlichere Art, zu den Inhalten von MDN Web Docs beizutragen. Die Verwendung von Markdown für alle Inhalte wird dazu beitragen, dass die Beiträge in allen Sprachen und Repositories einheitlich gestaltet werden.
- Wenn alle Inhalte in Markdown verfasst sind, kann das MDN-Entwicklungsteam einen grossen Teil des derzeit gepflegten Codes bereinigen. Da weniger Code gewartet werden muss, kann man sich auf die Verbesserung der Werkzeuge für Autoren und Mitwirkende konzentrieren. Bessere Werkzeuge werden zu einem angenehmeren Arbeitsablauf bei den Beiträgen führen.
- Da alle Inhalte in Markdown verfasst sind, kann das MDN Web Docs Team die gleichen Linting-Regeln für alle aktiven Sprachen anwenden.
Aber auch im privaten Bereich erfreut sich Markdown einer wachsenden Beliebtheit. Die meisten Notizbuch-Apps, wie ZIM, Joplin, QOwnNotes, usw. setzen die Auszeichnungssprache ein. Wer in Nextcloud ein einfaches Textdokument schreibt, verwendet dafür auch Markdown. Selbst bei längeren Arbeiten im schulischen, universitären oder beruflichen Umfeld kann Markdown von Vorteil sein, wenn das Augenmerk auf dem Inhalt und weniger auf der Formatierung liegt.