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Der Vertrag, welcher alle zwei bis drei Jahre neu ausgehandelt wird, betrifft etwa 725’000 Angestellte des öffentlichen Dienstes. Dieses Mal dauerte der Kampf um einen neuen Tarifvertrag besonders lange: Die Verhandlungen begannen bereits im Dezember. Wie auch in der Schweiz, werden die meisten Arbeitsbedingungen über einen Gesamtarbeitsvertrag zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmen ausgehandelt.
Die Verhandlungen waren von drei zentralen Anliegen geprägt. Die Gewerkschaften forderten eine Lohnerhöhung von 8-9% und für die LehrerInnen eine bezahlte und geregelte Vorbereitungszeit. Dies lehnte der Staat ab und wollte die 29-minütige, bezahlte Mittagspause der Staatsangestellten abschaffen.
Die Gewerkschaften bildeten bei den Verhandlungen eine geschlossene Einheit, setzten sich klar für die Rechte aller Angestellten ein und drohten auch mit Streiks. Die Regierung wich nicht von ihrer Position ab und drohte mit einem Lock-Out (de facto eine zeitlich begrenzte Kündigung) von 400’000 Angestellten. Diesen Zustand hätte Dänemark aber nicht lange tragen können. Der Staat erhofft sich eine direkte Intervention der Regierung und eine gesetzliche Regelung der Streitpunkte.
Zu diesem Zeitpunkt sah es so aus als könnte dies den langen Klassenfrieden zwischen den ArbeiterInnen und den KapitalistInnen beenden, denn die Staatsangestellten waren frustriert, unzufrieden und grösstenteils organisiert. Schliesslich kam es aber am 27. April zu einer Einigung. Im neuen Tarifvertrag ist sowohl eine Lohnerhöhung von 8.1% als auch eine bezahlte Mittagspause festgelegt worden. Jedoch wurde die Entscheidung über die Arbeitszeitregelung der LehrerInnen auf die nächsten Verhandlungen vertagt. Die Arbeitenden wären bereit gewesen, weiter zu kämpfen, aber die Gewerkschaften haben sich mit dem Resultat zufrieden gegeben.
In Dänemark existiert seit 1899 das «Dänische Modell», welches die Zusammenarbeit der drei Akteure Gewerkschaften, KapitalistInnen und Staat definiert. Ähnlich funktioniert die «Tripartite Kommission» in der Schweiz. Allerdings bedeutete das dänische Modell nicht das Ende sozialer Konflikte. So kam es auch in Dänemark nach dem 1. Weltkrieg zu einem Generalstreik. Durch den Boom in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnten die ArbeiterInnen Zugeständnisse von den KapitalistInnen erkämpfen. Zu dieser Zeit waren die Gewerkschaften auf dem Höhepunkt ihrer Kampfbereitschaft und erkämpften für die dänischen ArbeiterInnen einen der besten Lebensstandards weltweit, welcher ein gratis Bildungs- und Gesundheitswesen und eine relativ gute Pensionskasse beinhaltet.
Allerdings entwickelte sich während den Boomjahren nach dem Krieg auch in den Gewerkschaften Dänemarks eine Bürokratie, welche durch hohe Löhne und Vorteile einen Rechtsrutsch erfuhr. Dies hatte zur Folge, dass sie Partnerin der KapitalistInnen wurden und ihren Kampfgeist und damit auch hunderttausende Mitglieder verloren hatten. Mit dem Ende des Nachkriegsbooms begannen die KapitalistInnen eine grosse Offensive. Diese beiden Faktoren führten dazu, dass es für die KapitalistInnen einfacher, günstiger und vorteilhafter wurde, den Lohn und die Arbeitsbedingungen über das Gesetz, anstatt über Tarifregelungen zu definieren. Die Gewerkschaften hingegen fingen wieder an, konsequenter für die ArbeiterInnen zu kämpfen und gewannen wieder mehr Mitglieder.
In Dänemark waren die diesjährigen Verhandlungen historisch wichtig, denn es war seit langer Zeit das erste Mal, dass der Klassenfrieden zwischen den ArbeiterInnen und den KapitalistInnen gebrochen wurde. Die Gewerkschaften konnten ihre ArbeiterInnen organisieren, haben zusammengehalten und hielten lange an ihren Forderungen fest. Dadurch wird klar, dass wir nur, wenn wir uns zusammenschliessen und gemeinsam kämpfen, unsere Forderungen durchbringen können. Dies muss auch das diesjährige Ziel der Schweizer Gewerkschaften bei den Gesamtarbeitsverträgen für die SBB und das Baugewerbe sein.
Bildquelle: SNAS
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