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Ein internationales Forscherteam der Tel Aviv University und der Cornell University haben experimentell untersucht, ob, wann und wie Lohntransparenz Neid und Hilfsbereitschaft beeinflusst.
Obwohl aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Lohntransparenz einen positiven Effekt auf die Leistung und Bleibemotivation der Mitarbeitenden hat, wehren sich viele Unternehmen, die Löhne der Mitarbeitenden offenzulegen. Sie fürchten, dass bei transparenter Kommunikation Lohnunterschiede als unfair wahrgenommen werden und dies zu Neid zwischen den Mitarbeitenden führt, was sich wiederum negativ auf die Kooperationsbereitschaft im Unternehmen auswirken kann. Ob diese Annahmen tatsächlich stimmen, wurde allerdings bislang noch nicht empirisch untersucht.
Peter Bamberger von der Tel Aviv University und Elena Belogolovsky von der Cornell University haben sich dem Thema gewidmet und experimentell untersucht, ob und wann Lohntransparenz Neid und Hilfsbereitschaft beeinflusst. Zu diesem Zweck haben Studienteilnehmende in mehreren Runden Buchstabenrätsel gelöst. Für diese Aufgabe wurden sie anhand ihrer Leistung mit maximal acht Dollar entlöhnt. Die Probanden wurden einer Gruppe zugeteilt und konnten die anderen Gruppenmitglieder um Hilfe bitten. Die Hälfte der Probanden einer Gruppe erhielt nach der Aufgabe ein E-Mail mit dem eigenen Verdienst zugestellt, während die andere Hälfte der Probanden ein E-Mail mit dem Verdienst aller Gruppenmitglieder erhielt.
Daraus ging hervor, dass eine Person in der Gruppe immer mehr verdiente als die übrigen Probanden. Um die Hilfsbereitschaft zu messen, haben die Forscher gezählt, wie oft die Probanden die Anfragen der Person, die in vorherigen Runden mehr verdiente, beantwortet haben. Zudem wurden die Personen mittels Fragebogen zu ihren Neidgefühlen gegenüber den Besserverdienern befragt.
Die Resultate zeigen, dass Lohntransparenz Neidgefühle auslösen und die Hilfsbereitschaft senken kann. Interessant ist dabei, dass sich Lohntransparenz nicht bei allen Menschen negativ auswirkt. Individuelle Differenzen in Werten und Orientierungen spielen dabei eine grosse Rolle. Stärker individualistisch geprägte Personen, also solche, die sich eher unabhängig von anderen sehen, neigen bei Lohntransparenz nicht zu Neid. Zudem sind Personen mit prosozialer Motivation, also Personen, die ein hohes Bedürfnis haben, andere positiv zu beeinflussen – trotz Neidgefühlen – bereit, dem besserverdienenden Gruppenmitglied zu helfen.
Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Lohntransparenz – trotz nachgewiesener positiver Effekte auf die Leistung und Bleibemotivation – für manche Mitarbeitende auch negative Folgen mit sich bringen kann. Dabei scheinen nicht nur Aspekte der Fairness, sondern auch individuelle Differenzen in Werten und Orientierungen eine grosse Rolle zu spielen. Ob die negativen Effekte dieser Studie die positiven Auswirkungen überwiegen, wurde allerdings nicht untersucht und bleibt eine spannende, offene Frage für die zukünftige Forschung.
Quellen:
- Quelle: Bamberger, P. & Belogolovsky, E. (2017). The dark side of transparency: How and when pay administration practices affect employee helping. Journal of Applied Psychology, 102(4), 658–671.