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Globuskrawalle
Im Herbst 1967 verliess Globus das Provisorium auf der Papierwerd. Umgehend forderte eine Jugendbewegung von der Stadt, die leerstehende Liegenschaft «Globusprovisorium» für ein autonomes Jugendzentrum zur Verfügung zu stellen, bis sich die Pläne für einen Neubau konkretisiert haben. Im Juni 1968 erteilte die Stadt eine Absage. Daraufhin kam es am 29. Juni zu einer Kundgebung, die schliesslich im sogenannten Globuskrawall mündete, dem Höhepunkt der Zürcher Jugendunruhen. Quelle: Wikipedia
Politische Vorstösse
Am 31. Mai 1968 reichte Otto Baumann im Gemeinderat eine Motion mit dem Ziel ein, dass die Jugendlichen das Globus-Provisorium bis zu dessen Neuüberbauung nutzen dürfen. Daraufhin regten Robert Bürgisser und Paul Früh in der Versammlung dazu an, den Central in „Platz der Jugend“ umzubenennen. Am 28. Juni reichte Paul Früh ein Postulat ein, dass mit den Mietzinsen, die das Globusprovisorium abwirft ein Fonds für ein Jugendzentrum, Entwicklungshilfe und die Förderung der Menschenrechte eingerichtet werden soll. Sämtliche Vorstösse wurden nie umgesetzt.
Paul Früh, 1928-, war Archivar beim Schweizer Fernsehen, Zürcher Gemeinderat für die Christlich-Soziale-Partei und zeitweise Präsident der Christlich-sozialen Gewerkschafter. Als gläubiger Christ mit sozialen Werten stand er zuweilen im Widerspruch mit den konservativen Ansichten seiner Partei. Unter anderem wegen seines Beitritts zum Zürcher Manifest wurde Früh von seiner Partei von der Wahlliste gestrichen („Fall Paul Früh“). Quelle: Universität Zürich
Steine des Anstosses
Es ist fünf vor Zwölf
Wir können vieles von dem, was diese Jungen zur Opposition trieb, nicht leugnen. Viele ihrer Postulate sollte man unterstützen. Dass sich darunter aber auch Unreifes und Undemokratisches mischt, kommt auch daher, dass sich die Gruppe zu stark isoliert sieht. In vielem dürfte sie nicht allein sein, vieles müsste man gleichzeitig mit ihr verlangen. Wo aber sind unsere Studenten beispielsweise, die mit gleichem Einsatz sich den Problemen widmen? Es kommt einem immer wieder vor, als ob sich unsere Kreise prinzipiell der Aktion enthalten; sie diskutieren zwar, aber dabei bleibt es. Und doch glaube ich, wäre es gerade Christenpflicht, sich für eine neue Ordnung einzusetzen, wo eine alte in die Brüche ging. Quelle: Ausschnitt aus der NZZ vom 19. Juni 1968 von Hanspeter Stalder
Neuzeit
1882 baute Josef Weber auf der Papierwerd den «Bazar ohne Grenzen», aus dem später das Warenhaus Globus wurde. 1950 wurden das Warenhaus und das gedeckte Brüggli beim Restaurant «Du Pont» abgebrochen sowie der trockengelegte Limmatarm zur Strassenunterführung umgebaut; die Papierwerd (Papierinsel) war damit keine Insel mehr.
Doch 1951, kurz nach Abbruch des alten Globus, wird in einer Volksabstimmung die Motion «Freie Limmat» angenommen, die einen unverbauten Blick auf die Limmat Richtung Bellevue fordert. Nach langwierigen Verhandlungen einigen sich Stadt, Kanton und Globus auf das weitere Vorgehen. Globus tritt das Papierwerd an die Stadt ab und erhält stattdessen das Grundstück des ehemaligen Linthescher-Schulhaus (heutiger Standort Löwenplatz), um dort einen Neubau zu erstellen. Auf dem Papierwerd-Areal erstellt Karl Egender 1960 für Globus ein Provisorium, bis der Neubau realisiert ist. Als Globus 1967 sein neues Haus am Löwenplatz bezieht, müsste das Provisorium unverzüglich abgerissen werden. Doch das Provisorium bleibt «vorerst» stehen und eine erneute Volksabstimmung legt fest, dass das Areal nun doch überbaut werden darf.
Das Hin und Her um die Bebauung des Papierwerd-Areals beginnt 1912, als Globus einen Wettbewerb für einen Warenhausneubau veranstaltet. Diese Pläne münden ab 1915 in die Bestrebungen der Stadt, die Regulierung des Seeabluflusses von der Bahonhofbrücke weg weiter flussabwärts zu verlegen. 1935 legt die Stadt ein Projekt vor, dass anstelle des Limmatarms eine Strassenunterführung vorsieht. Das Zürcher Stimmvolk nimmt 1948 die Verbreiterung der Bahnhofbrücke und Limmatquai, den Abbruch der übrigen Bauten im Fluss un den Umbau des Bahnhofquais an. Als die Bauarbeiten rund um die Papierwerdinsel in vollem Gange sind, reicht Globus sein Projekt zur Bewilligung ein. Karl Egender schleicht einen fünfgeschossigen Bau vor. Die Pläne entsprechen nicht mehr der ursprünglichen Entwürfen von Hans Hofmann. Daraufhin verweigert die Stadt die Bewilligung.
Mittelalter
Werd geht auf das altdeutsche Wort «warid» beziehungsweise «werid» zurück und bedeutet Insel, Halbinsel oder Flussinsel. Der Name Papierwerd stammt von der Zürcher Papiermühle, die jahrhundertelang auf der Insel stand. Papierwerd kann somit mit Papierinsel gleichgesetzt werden. Die bekannteste Papiermühle in der Schweiz war wohl die Papiermühle in Zürich in der Limmat auf dem Werd.
Im Jahre 1320 wird erstmals der «Werdsteg» urkundlich erwähnt. Auf diesem waren unter anderem Pulver- und Papiermühlen angesiedelt. Die Papiermühle ist im Jahre 1470 durch den Umbau einer Getreidemühle entstanden. Sie wurde einem Zuger Papiermacher verliehen, der danach das Bürgerrecht des Standes Zürich erhielt. Mitte des 16. Jahrhunderts pachtete der bekannte Buchdrucker Christoph Froschauer die städtische Papiermühle auf der Papierwerd. Es ist davon auszugehen, dass an diesem Ort das Papier für die bekannte Zürcher Bibel hergestellt wurde. Weltweit sind noch drei Exemplare aus dem Jahre 1531 bekannt. Von 1555 bis 1755 war das Papierwerd im Eigentum der Stadt Zürich.