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13. 12. 2021
13. 12. 2021
Sessionsveranstaltung "Zukunft des Schienengüterverkehrs: Wie kommen mehr Güter auf die Schiene?"
Mit Annahme der Alpeninitiative steht seit 1994 in der Verfassung, dass der Güterverkehr durch die Alpen von der Strasse auf die Schiene zu verlagern ist. Dank grossen Infrastrukturinvestitionen und griffigen Massnahmen erreicht die Bahn inzwischen einen Marktanteil von 75%. Ziel bleibt es, die Verlagerung weiter voranzutreiben und die Zahl von Lastwagen auf 650‘000 Fahrten pro Jahr zu senken. Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels und der Inbetriebnahme des 4-Meter-Korridors hat der Schienengüterverkehr weiteren Schub erhalten. Das zeigt auch der Verlagerungsbericht für den alpenquerenden Güterverkehr, den der Bundesrat alle zwei Jahre verabschiedet. Der Verlagerungsbericht beurteilt die Wirksamkeit der Massnahmen und enthält die Ziele für die nächste Zwischenperiode mit dem dazugehörigen Vorgehen. Etwas weniger erfolgreich ist der Schienengüterverkehr jedoch in der Fläche - im Binnenverkehr, im Import und Export. Hier beträgt sein Marktanteil rund einen Viertel.
Wie steht es um die Verlagerung des Güterverkehrs? Welche Perspektiven gibt es für den Schienengüterverkehr in der Schweiz und durch die Schweiz? Was sind die nächsten Entwicklungsschritte, nachdem mit der Vollendung der NEAT und dem 4-Meter-Korridor wichtige Zwischenziele erreicht wurden?
Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV) machte deutlich, dass der Bund in den letzten Jahren wichtige Meilensteine umgesetzt habe. Damit das Verlagerungsziel erreicht werden kann, schlägt der Bundesrat nun vor, die LSVA weiterzuentwickeln und am CO2-Ausstoss der Lastwagen auszurichten und die Rollende Landstrasse noch bis 2028 weiter zu unterstützen. Die Entwicklung im alpenquerenden Güterverkehr sei erfreulich: Einzelne Operateure hätten in den ersten Monaten 2021 bei grossprofiligen Transporten 25 Prozent neue Kunden gewonnen. Es sei von einem weiteren Wachstum auszugehen, wenn sukzessive längere Güterzüge auf der Nord-Süd-Achse eingesetzt werden können. Gleichzeitig müsse die Qualität im Schienengüterverkehr deutlich verbessert werden, etwa durch ein optimiertes Baustellenmanagement.
In der anschliessenden Podiumsdikussion sprachen Hans-Jörg Bertschi, Verwaltungsratspräsident der Bertschi AG und von HUPAC und Präsident der neu gegründeten IG Kombinierter Verkehr, Vincent Ducrot, CEO der SBB, und Dirk Stahl, CEO der BLS Cargo und Verwaltungsratspräsident von RAlpin über die aktuelle Lage im Schweizer Schienengütervekehr und dessen Perspektiven.
Nein, ein Selbstläufer sei der alpenquerende Schienengüterverkehr trotz seinem Rekordanteil von 75% nicht, beschied Hans-Jörg Bertschi. Das liege aber nicht primär an der Schweiz. Sorgen bereiteten ganz aktuelle die vielen Baustellen auf der Rheinstrecke und folgenschwere Verspätungen. Die Qualität im Kombinierten Verkehr leide zur Zeit massiv. Dirk Stahl bestätigte dies. In der Schweiz seien in den letzten 20 Jahren die Gotthard- und die Lötschberg-Achse ausgebaut worden. In Deutschland verzögere sich der Ausbau der Rheinstrecke massiv. Die Schweiz müsse sich mit aller Kraft für den Bau einer Alternativroute via Frankreich einsetzen, damit die grossen Kapazitätsengpässe zwischen der Nordsee und dem Mittelmeehr bewältigt werden können. Der Transitverkehr und hier der Kombinierte Verkehr seien der grosse Wachstumsmarkt im Güterverkehr und hier sei ein alleiniger Fokus auf die Schweiz falsch - es brauche eine Achsenbetrachtung. So sei es auch richtig, dass die Rollende Landstrasse noch bis 2028 durch den Bund unterstützt und dann eingestellt werden. Der Schienengüterverkehr in der Fläche sei dagegen kein Wachstumsmarkt, betonte Vincent Ducrot. Ihn eigenwirtschaftlich zu betreiben, sei illusorisch. Gleichzeitig fordere die Politik, dass der Binnengüterverkehr auf der Schiene nicht abgebaut und Preise nicht erhöht werden. Wer den Binnengütervekehr aufrechterhalten wolle, müsse bereit sein, dafür Geld zu sprechen.
Im ersten Quartal 2022 wird sich das Parlament mit den Vorschlägen des Bundesrates zur Erreichung des Verlagerungszieles beschäftigen. Der Bunderat dürfte im ersten Halbjahr 2022 zudem über erforderliche Massnahmen zur Stärkung des Schienengüterverkehrs allgemein befinden.
Wir bedanken uns bei unseren Gästen fürs engagierte Diskutieren auf- und abseits der Bühne und wünschen allen frohe Festtage.