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Das Schänzli bei Muttenz

Herr L. / 11. August 2014:
Ich fahre jeden Tag mit dem Tram an der Tramstation "Schänzli" vorbei. Ich weiss nur, dass es einmal eine Art Festung gewesen ist. Können Sie mir mehr dazu sagen.
Antwort von altbasel.ch:
Die kleine Befestigung am Birsufer gegenüber St.Jakob wurde im 17. Jahrhundert angelegt. In jener Zeit standen sich Frankreich und Österreich (zu dem damals noch der heutige Kantons Aargau gehörte) feindlich gegenüber. Während des Holländischen Krieges 1672/78 belagerten Truppen von François de Créquy (1624-1687), Marschall von Frankreich, 1678 die Stadt Rheinfelden.
In dieser Zeit bestand die Gefahr, dass vom Elsass her französische Verstärkungen durch Basler Gebiet nach Rheinfelden marschierten. Um dem vorzubeugen, bot Basel Truppen auf. Diese wurden durch 5'400 Mann aus der Eidgenossenschaft verstärkt, um das neutrale Territorium vor einer solchen Grenzverletzung zu schützen. In jenen Tagen entstand das Schänzli.
Es handelte sich um eine schlichte Feldbefestigung, die der noch existierenden Batterie auf dem Bruderholz ähnelte. Im Kern stand ein zur Verteidigung eingerichtetes Blockhaus, in welcher in Friedenszeiten der Schanzenwärter wohnte. Umgeben war das Haus von einem aufgeworfenen Wall der ein Viereck bildete, und vor dem ein Graben die Schanze zusätzlich schützte.
Die bescheidene Werk an der Birs gehörte zu den eilig errichteten Feldbefestigungen, welche zur Abwehr eines französischen Durschmarsches hätten dienen sollen. Indes trat der Ernstfall nicht ein, denn Créquy brach die Belagerung Rheinfeldens am 19. Juli 1678 ab. Bald darauf beendete der Friede von Nimwegen den Krieg. Zehn Jahre später bedrohte ein neuer Krieg die Region.
Der von Frankreich eingefädelte Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) gegen das Heiligen Römische Reich deutscher Nation brachte erneut französische Truppen nach Süddeutschland. Daher wurde 1689 das Schänzli nach Plänen von Hauptmann zur Kandten aus Freiburg im Üechtland und dem Basler Kartographen Georg Friedrich Meyer (1645-1693) in Stand gesetzt.
Auch während dieses Krieges bleib dem Schänzli der Ernstfall erspart. Die erste Belagerung erfuhr die Feldbefestigung im Jahr 1746, und zwar im Rahmen eines Manövers. Vor den Augen von zahlreichen Zuschauern erstürmte ein Teil der Basler Freikompagnie das Schänzli, und vertrieb den anderen Teil daraus, der es verteidigte. Zum Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte ein weiterer Ausbau.
Das revolutionäre Frankreich zog im Ersten Koalitionskrieg 1792/97 gegen Preussen und Österreich ins Feld, und besetzte mit Porrentruy den zum Reich gehörenden Teil des Fürstbistums Basel. Mit Recht war man in der Eidgenossenschaft beunruhigt und ergriff Massnahmen. Auch beim Schänzli an der Birs wurde wieder gebaut. Man versah die Wälle mit hölzernen Palisaden.
Seiner Wehrfunktion beraubt, ging die Schanze im eingehenden 19. Jahrhundert in private Hand über. Die Wälle wurden abgetragen und die Gräben aufgefüllt. Das Blockhaus in der Mitte der ehemaligen Schanze baute man zu einem Bauernhof um. Heute erinnert noch der Strassenname "Auf der Schanz" beim Muttenzer Freidorf an die längst verschwundene Schanze aus kriegerischen Jahren.
Beitrag erstellt 19.08.14
Quellen:
Daniel Bruckner, Abschnitt "Muttenz", in Versuch einer Beschreibung historischer und natürlicher Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel, Band 1, Samuel Thurneysen, Basel, 1748, Seite 46 bis 48
Jakob Christen-Gysin, Abschnitt "Über die Schanze", in Schänzli-Chronik 1904, Muttenzer Schriften Nr. 5, herausgegeben vom Gemeinderat Muttenz, Muttenz, 1992, Seiten 12 bis 13
Christian Adolf Müller, Abschnitt "Barock im Ergolztal", in Baselbieter Bau- und Siedlungsgeschichte von der Reformation bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, 145. Neujahrsblatt der GGG, Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1967, Seite 66