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Es hätte das grösste Apartmenthaus Europas werden sollen. Stattdessen beschäftigt ein Immobiliendeal in den Londoner Docks die britischen Gerichte. Mittendrin: Die Credit Suisse.
Canary Wharf, London. Hier hätte das grösste Apartmenthaus Europas entstehen sollen. Stattdessen beschäftigt das Projekt die britischen Gerichte. Investoren haben Millionen verloren. Sie haben Klage eingereicht gegen den Bauunternehmer und dessen Hausbank – die Credit Suisse. Dem Schweizer Institut sind Kosten in zweistelliger Millionenhöhe entstanden.
Die treibende Figur hinter dem Vorhaben war der bis dahin weitestgehend unbekannte irische Geschäftsmann Thomas Ryan. Wie Gerichtsunterlagen zeigen, reiste er zwischen Juli und Dezember 2013 nach Amerika, Asien und Afrika, um möglichst schnell 100 Millionen Pfund aufzutreiben. Das war der Kaufpreis für das Land, auf dem das gigantische Projekt hätte realisiert werden sollen. Mit weiteren Millionen sollte der Bau von 700 Luxusapartments finanziert werden.
Geld vom Diplomaten
In Casablanca wurde Ryan fündig. Der damalige saudische Botschafter in Marokko lieh ihm 25 Millionen Pfund. Ryan benutzte den Grossteil, um sich das Vorkaufsrecht in London zu sichern. Der Ire scheiterte aber damit, das restliche Geld aufzutreiben. Die Liegenschaft ging im Januar 2014 an eine chinesische Firma. Die Anzahlung des saudischen Diplomaten war verloren. Das Deposit für die Bürgschaften für den Ausbau: weg.
Eine zentrale Rolle im Immobilienkrimi spielt der damalige Leiter der Abteilung für ultrareiche britische Kunden der Credit Suisse. Er hat dem saudischen Staatsmann, dessen Bank Lombard Odier und anderen Investoren fälschlicherweise versichert, dass Ryan liquid sei. Dass der Ire Projekte in ähnlicher Dimension bereits gemanagt habe. Dass Ryan zum Kundenstamm der Credit Suisse gehöre. Der CS-Banker benützte seine offizielle Credit-Suisse-Anschrift und das offizielle Papier der Grossbank. Es kam zu Treffen in Räumlichkeiten der Bank, die ebenfalls in der Londoner Canary Wharf sind.
Kadermann entlassen
Der Kaderangestellte hat die Bank kurz nach Auffliegen der Affäre verlassen, wie die Credit Suisse bestätigt. «Die an dieser Angelegenheit beteiligte Person ist nicht mehr bei der Credit Suisse beschäftigt», so Bank-Sprecherin Simone Meier. Die britischen Behörden haben Ermittlungen gegen den Schweizer mit norwegischen Wurzeln aufgenommen. Der Verdacht: Beihilfe zum Betrug. Er wurde verhaftet und gegen Kaution freigelassen. Ein Urteil steht aus. Der Banker weist auf Anfrage jegliche Vorwürfe zurück.
Die Credit Suisse ist als Arbeitgeberin des vermeintlichen Betrügers ebenfalls auf der Anklagebank gelandet. Die Bank kooperiere mit den Behörden, sagt Sprecherin Meier. Die Credit Suisse habe «rasch» gehandelt, als dem Institut ein «Vorwurf eines Fehlverhaltens» zur Kenntnis gebracht wurde.
Einigung mit Botschafter
Unter dem Strich bleibt ein Millionenschaden. Die Credit Suisse hat sich mit dem saudischen Botschafter aussergerichtlich geeinigt. Mindestens ein weiterer Fall ist beim Londoner Handelsgericht hängig. Ein norwegischer Unternehmer fordert wegen Verlusten aus einer Bürgschaft Schadenersatz in Höhe von knapp 10 Millionen Franken.
Einer der besten – und damit wohl teuersten – Anwälte vertritt die Position der Credit Suisse. Bisher hat er aber erfolglos versucht, ein Gerichtsverfahren abzuwenden. Ein weiterer Vergleich zeichnet sich ab.