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Geologie des Binntals
Die Geologie und die Gesteine bestimmen die Landschaft des Binntals. Der Talverlauf wird durch eine geologische Grenzzone bestimmt. Die unterschiedlichen Bergformen auf der Nord- und Südseite des Tales widerspiegeln die gänzlich verschiedenen Gesteine dieser Zonen.
Auf der nördlichen Talseite herrschen weiche Bergformen mit braunen, schiefrigen Gesteinen vor, die weitgehend von Weiden und alpinen Rasen bedeckt sind. Es handelt sich um grosse Massen recht monotoner, so genannter Bündnerschiefer. An der Grenze zur südlichen Talseite sind in diese Bündnerschiefer verschiedene Lagen eines weissen Gesteins eingelagert, welches in der Landschaft besonders auffällt. Dies ist der berühmte, weisse Dolomitmarmor des Binntals. Berühmt, weil er an verschiedenen Stellen Vererzungen aufweist, in denen eine weltweit einzigartige Vielfalt von seltensten Mineralien gefunden wurden.
Auf der südlichen Talseite sind die Berge steiler, es gibt viele Felswände, groben Schutt und Bergsturzblöcke. Die Gesteine sind heller und härter. Es sind Gneise und Schiefer. Vom Schwarzhorn bis zum Rothorn beim Geisspfadsee liegt nochmals ein ganz anderes Gestein vor. Es ist im frischen Bruch grün bis schwarz, mit verwitterter Oberfläche in rostigbrauner Kruste. Dies ist der Geisspfad-Serpentinit.
Beide Gesteinseinheiten gehören zur gleichen Baueinheit, welche bei der Alpenbildung als riesiger Gesteinsstapel von seiner ursprünglichen Unterlage abgeschert und als so genannte Decke um viele Kilometer auf die nördlich davon liegenden Gesteine überschoben wurde. Man nennt diese Decke Monte-Leone-Decke. Bei der Überschiebung wurden die Gesteine in eine riesige, liegende Falte gelegt. Das Binntal liegt in der Frontumbiegung dieser Falte.
All diese Prozesse liefen in grösserer Tiefe von 30-35 km ab, wo Temperaturen von 550-600 ºC herrschten. Dabei wurden die Gesteine unter grossem Druck und hohen Temperaturen umgewandelt und liegen deshalb heute samt und sonders als Umwandlungsgesteine vor (metamorphe Gesteine). Beim langsamen Aufstieg im sich hebenden Alpengebäude wurden die Gesteine mehrfach zerbrochen. In den entstehenden Spalten und Klüften konnten alle die Mineralien kristallisieren, für welche das Tal bis heute berühmt ist.
Quelle: Meyer Jürg (2017): Steinwunderland.