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| Athanasius (295-373) - Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii)

90. Kapitel. Die Sorge des Antonius um seine Bestattung.
Als die Brüder ihn drängten, er möchte bei ihnen bleiben und hier vollenden, da brachte er es nicht über sich, und zwar aus vielen Gründen, wie er es, wenn er auch nichts sagte, doch andeutete, besonders aber aus folgendem: Die Ägypter pflegen die Leichen der verstorbenen Frommen und hauptsächlich die der heiligen Märtyrer zwar mit Begräbnisfeierlichkeiten zu ehren und mit Leinwand zu umhüllen, sie aber nicht unter die Erde zu bringen, sondern auf Gestelle zu legen und bei [S. 773] sich zu Hause zu behalten; so glauben sie die Abgeschiedenen zu ehren. Antonius hatte oftmals sogar die Bischöfe deshalb gebeten, den Gläubigen abratend zuzureden; ebenso suchte er auch auf die Laien einzuwirken und tadelte die Frauen, indem er sagte, diese Sitte sei weder gesetzlich noch fromm. Denn es werden ja auch die Leiber der Patriarchen und Propheten bis auf den heutigen Tag in Gräbern aufbewahrt, auch der Leichnam unseres Herrn selbst wurde in ein Grabmal gelegt1 und ein Stein daraufgelegt,2 der ihn bedeckte, bis er auferstand am dritten Tage. Dadurch bewies er, daß der gesetzwidrig handle,3 der nach dem Tode die Leichen der Verstorbenen nicht bestatte, auch wenn sie heilig sind. Denn was gibt es Größeres oder Heiligeres als den Leib des Herrn? Viele nun bestatteten von da an, nachdem sie das gehört hatten, unter der Erde und dankten dem Herrn, daß sie eine gute Lehre empfangen.
1: Joh 19,41.
2: Mt 27,60.
3: Vgl. Gen 3,19, Koh 12,7.