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Gleichwürdig oder entwürdigend?
Kinder brauchen innere Stärke, um mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen und um ihr Leben aktiv zu gestalten. Die innere Stärke können wir uns metaphorisch als einen inneren Baum vorstellen. Die Wurzeln Selbstbewusstsein (ich kenne mich), Selbstwert (ich bin gut, so wie ich bin) und Sebstvertrauen (ich schaffe das!) machen diesen inneren Baum stark und widerstandsfähig. Mit der Art und Weise, wie wir mit Kindern kommunizieren, können wir den inneren Baum stärken oder auch schwächen.
Eine gleichwürdige Sprache stärkt Kinder, eine entwürdigende Sprache schwächt sie.
Gleichwürdige Sprache
Eine gleichwürdige Sprache bringt zum Ausdruck, dass wir ein Kind in seiner individuellen Persönlichkeit mit seiner ganz eigenen inneren Realität wahr- und ernstnehmen. Eine gleichwürdige Sprache vermittelte dem Baby, dass seine Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche gleichermassen wichtig und berechtigt sind, wie die Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche seiner Bezugsperson. Der Alters- und Erfahrungsunterschied zwischen Erwachsenen und Babys darf nicht dazu führen, einem Baby weniger Würde beizumessen als einer erwachsenen Person.
Einem Kind die gleiche Würde wie einer erwachsenen Person zuzugestehen, heisst nicht, dass die erwachsene Person die Führungsrolle in der Beziehung verliert. Sie trägt nach wie vor die Hautpverantwortung für das Wohlergehen aller Familienmitglieder und sie trifft auch die nötigen Entscheide dazu. Es ist klar, dass solche Entscheide manchmal gegen den Willen des Babys getroffen werden müssen, dann zum Beispiel, wenn das Baby durch eine Handlung die persönliche Grenze seiner Bezugsperson verletzt. Doch selbst dann ermöglicht eine gleichwürdige Sprache, die Wünsche und Interessen des Babys als berechtigt (wenn auch nicht erfüllbar) anzuerkennen und dem Baby zuzugestehen, Gefühle wie Frust, Trauer oder Wut zu empfinden.
Eine gleichwürdige Sprache bringt im Kern folendes zum Ausdruck:
Ich sehe und höre dich. Du bist wichtig. Alle hier sind wichtig. Deswegen kann ich dir nicht alles ermöglichen und nicht jeden Wunsch erfüllen. Trotzdem sind all deine Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche in diesem Moment richtig und berechtigt.
Ein Beispiel: Dein Baby krabbelt in der Krabbelgruppe zu einem anderen Baby und zieht es unsanft an den Haaren. Das können wir natürlich nicht zulassen, denn das andere Baby hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Daher musst du die Handlung deines Babys stoppen, etwa durch ein "Stopp, lass die Haare los!" und wenn nötig durch eine körperliche Grenze, zum Beispiel in dem du deine Hand schützend vor den Kopf des anderen Babys hältst. Obwohl du dem Baby nicht ermöglichen kannst, seinem Interesse an den Haaren des anderen Babys nachzugehen, kannst du sein Interesse sehen und Verständnis zeigen. Du kannst z.B. Folgendes sagen: "Ich verstehe, dass ein solcher Wuschelkopf spannend zum Spielen sein kann. Aber ich kann nicht zulassen, dass du diesem Kind weh tust." Damit teilst du dem Baby mit, dass mit ihm und seinen Interessen nichts verkehrt ist, obwohl es ihnen nicht nachgehen kann. Nehmen wir nun an, dein Baby ist wegen dieser Grenze frustriert und beginnt zu weinen. Obwohl deine Grenze berechtigt ist, darf dein Baby darüber frustriert sein. Du kannst z.B. sagen: "Du hättest wirklich gerne mit diesen Haaren gespielt. Ich verstehe, dass du frustriert bist, dass das nicht möglich ist."
Entwürdigende Sprache
Leider sind in unserer Gesellschaft entwürdigende, herablassende Aussagen gegenüber Kindern keine Seltenheit. Viel zu oft werden zum Beispiel Gefühle von Babys kleingeredet oder geleugnet, unerfüllbare Wünsche als unvernünftig abgetan oder unerwünschte Verhaltensweisen verständnislos getadelt und bestraft.
Wenn wir zum Beispiel nochmals das Baby anschauen, dass unsanft an den Haaren eines anderen Babys zieht, dann könnte eine entwürdigende Aussage lauten: "Was fällt dir ein, du Grobian. Wehe, du tust das noch einmal!" Das Baby erfährt so, dass mit ihm, seinen Interessen und seiner Art, die Welt zu erkunden, etwas falsch ist. Vielleicht beginnt es zu weinen und schon hört es die nächste entwürdigende Aussage: "Jetzt brauchst du gar nicht so ein Theater zu machen!". Nun sind also auch noch seine Gefühle falsch und unberechtigt. Wirklich entwürdigent!
In diesem Video habe ich sieben Kategorien von entwürdigenden Aussagen zusammengestellt, denen ich im Alltag immer wieder begegne. Ich erkläre, warum diese Aussagen entwürdigend sind und ich gehen kurz darauf ein, welche gleichwürdigen Alternativen wir haben.
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