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Graeme Revell, geboren in Neuseeland und ausgebildet als klassischer Pianist und Hornist, ist inzwischen ein 64jähriger Filmmusikveteran, um den es in den letzten Jahren eher ruhig geworden ist, obschon er mit hippen Serien wie GOTHAM und DARK BLUE zu tun hatte. In den 90ern und anfangs 2000 war Revell noch fleissig im Blockbusterbusiness und bei Filmen mit einem hohem production value tätig (SIN CITY, LARA ROFT: TOMB RAIDER, THE SIEGE). Immerhin konnte er mit RIDDICK im Jahr 2013 nochmals einen durchaus nennenswerten Hit (100 Mio. $ Einspielergebnis weltweit) verzeichnen. Doch mit all den vielen, neuen (und günstiger zu kriegenden?) Gesichtern am Soundtrack-Firmament wurden bekanntere Namen, ich zähle Revell hier auch dazu, plötzlich aus dem Blickfeld gedrängt. So ist die Frage: «Was macht eigentlich…?» eine öfters verwendete unter den älteren Filmmusikfans geworden. Nicht zu vergessen, Revell war auch an einigen deftigen Flops beteiligt wie etwa RED PLANET, TITAN A.E. oder AEON FLUX «beteiligt» und nicht selten bleibt – unverständlicherweise – der Komponist überraschend in Verbindung mit einem Verlust. Es ist wie im Football, verliert die Franchise, erhält am nächsten Tag der Kicker den blauen Brief.
La-La Land Records hat nun mit CHILD’S PLAY 2 einen der
ersten Scores von Revell veröffentlicht, der bisher noch auf keinem Tonträger
erhältlich war. Wer nun zurückschreckt, Revell ist durchaus bekannt für seine
elektronischen Filmmusiken, dem sei gesagt: CHILD’S PLAY 2 ist ein grösstenteils
orchestraler Score. Es amten hier Shirley Walker als Dirigentin und der bei
Jerry Goldsmith vielfach im Einsatz gestandene Bruce Botnick – für die
Aufnahmen zuständig. Bruce Fowler und Walker waren für die Orchestrationen besorgt.
Revell empfahl eine orchestrale Musik zu schreiben und wurde von den Machern des Films sogleich gefragt, ob er denn schon mal für ein Orchester geschrieben habe. Er, nach dem Erfolg mit DEAD CALM (dem empfehlenswerten Thriller von Phillip Noyce mit Nicole Kidman und Sam Neill), wo er nur einige wenige akustische Instrumente nebst Elektronika verwendete, antwortete selbstbewusst mit «Ja!». Was wieder einmal zeigt: In Hollywood sollte man nie bei der Wahrheit bleiben, wenn man einen Job ergatern will. Da mich CHILD’S PLAY als Filmreihe nicht wirklich anzog, entging mir, dass Revell, nur mit einem Synthesizer plus Sequenzer ausgestattet, einen farbenfrohen, knackigen und erstaunlichen Horrorscore für das Sequel der Killerpuppe Chucky hinlegte.
Alles beginnt mit dem ersten Track «Main Title (The Limousine)», der die Art des Scores gleich mit kraftvollem Blech und voll präsenten Streichern etabliert. Hier hat Revell ein Hauptthema geschrieben, das die düstere Kraft und dunkle Magie, die Chucky antreibt, beschreibt. Dieses Thema verwendet Revell immer wieder, aber oft in Variationen, nur kurz angespielt oder in die Orchestration eingewoben. Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind die Glockenspiel-ähnlichen «Spielzeugklänge», als ein zweites Merkmal für Chucky funktionierend, die im Verlaufe des Scores zu einer Art Zirkus-/Chilbimusik verfestigt und gegen Ende bedeutsam eingesetzt werden – ein wenig an Chris Young aus jener Zeit erinnernd, aber verschrobener und verhüllter in den Score eingebettet, eine Einheit bildend. Es gibt ein paar wenige Tracks, in denen Synthesizer dominieren. Diese sind später in der Nachbearbeitung des Films noch hinzugefügt worden.
Anders als viele Schockermusiken jener Zeit (und auch einiges was Revell später komponierte) hat CHILD’S PLAY 2 richtig viel Fleisch am Knochen und die 60 Minuten bieten fast keine Verschnaufpause. Im besten Sinne, denn das hier zu Hörende ist handwerklich richtig gut gemacht und klingt nicht wie das Werk eines Rookies.
Revell schliesst seine Komposition mit einer eigens komponierten Schlusstitelmusik ab (das war nicht immer der Fall, gerade wenn die Zeit davonlief oder manchmal auch aus Kostengründen – dann wurde die End Credits Musik öfters aus bestehenden Stücken zusammengeschnitten), die nochmals ein richtiges Statement setzt.
Besonderes Augenmerk ist für das letzte Drittel der CD geboten, wo Revell aus dem Vollen schöpft und einige Höhepunkte hinlegt, die nicht nur den Gruselfan der 80er und 90er Jahre entzücken werden. Überhaupt macht Revell es hier richtig clever und baut den Score sukzessive bis zum grossen Finale auf, was auch hörtechnisch reizvoller ist als gleich von Beginn weg in eine Kakophonie an Noten und Instrumenten geworfen zu werden.
CHILD’S PLAY 2 ist ein unerwarteter, verflixt guter Genrescore, besser als vieles aus jener Zeit und definitiv besser als ganz vieles aus dem Jetzt. Schade sind die Liner Notes von Zach Tow etwas kurz geraten. Aber alles in allem hat La-La Land hier für eine richtig knallige Überraschung gesorgt und einen Komponisten ins Rampenlicht gestellt, der bisher nur selten zur Liga der «extended» und «first ever» Veröffentlichungen gehört hat.
Phil, 15.12.2019
CHILD’S PLAY 2
Graeme Revell
La-La Land Records
59:43 Min.
26 Tracks
Limitiert auf 3000 Stk.