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Anästhesieverfahren
Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)
Bei der Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) wird der Patient in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt. Während der Operation überwacht das Anästhesieteam lückenlos die Schlaftiefe und die lebenswichtigen Funktionen, insbesondere die Herz-, Kreislauf- und Atemfunktion. Die Anästhesisten sorgen weiterhin für einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt.
Um dem Organismus die optimale Sauerstoffkonzentration während der Operation zur Verfügung zu stellen, wird meist eine künstliche Beatmung durchgeführt oder die Eigenatmung unterstützt. Die künstliche Beatmung erfolgt entweder über eine Intubation (dabei wird ein Plastikschlauch durch den Mund in die Luftröhre eingeführt) oder über eine Kehlkopfmaske, die im Rachen platziert wird. Dies wird während des Schlafens durchgeführt. Der Patient merkt nichts davon.
Durch die Unterstützung moderner elektronischer Geräte und durch die Entwicklung immer besserer Medikamente können wir die Anästhesie exakt an die Bedürfnisse des Patienten anpassen. Jeder Patient bekommt seine massgeschneiderte Narkose. Das Erwachen erfolgt in der Regel rasch.
Regionalanästhesie
Bei der Regionalanästhesie werden Nerven oder Nervenstränge mit einem Medikament blockiert. Dadurch wird eine Körperregion für eine bestimmte Zeit gefühllos, Schmerzen werden nicht mehr zum Gehirn geleitet und nicht mehr empfunden.
Bei Regionalanästhesien bleibt das Gehirn unbeeinflusst. Während der Operation kann der Patient mit uns sprechen, über Kopfhörer Musik hören oder auch mit Hilfe eines kurz wirkenden und gut verträglichen Medikaments oberflächlich schlummern.
Bei den Regionalanästhesien unterscheidet man zwischen rückenmarksnahen (Spinal- und Epiduralanästhesie) und peripheren Blockaden.
1. Rückenmarksnahe Blockaden
Bei dieser Methode werden Nervenstränge in der Nähe des Rückenmarks blockiert.
a. Spinalanästhesie
Die Spinalanästhesie eignet sich für Operationen der unteren Körperhälfte. Mit einer sehr dünnen Nadel wird nach Betäubung der Haut eine Punktion im Bereich zwischen den unteren Lendenwirbeln durchgeführt. In diesem Bereich findet sich kein Rückenmark mehr, sondern nur noch Nervenwasser, in dem die Nervenstränge der unteren Extremität schwimmen. Die Spinalanästhesie ist also keine Rückenmarksspritze. In das Nervenwasser wird ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) gespritzt. Innerhalb kurzer Zeit (2-5 Minuten) setzt die Wirkung ein: zuerst spürt der Patient eine Wärme in den Beinen, dann schläft die untere Körperhälfte zunehmend ein und wird gefühllos, zuletzt können die Beine nicht mehr bewegt werden. Diese Wirkung hält je nach Art des örtlichen Betäubungsmittels 1-2 Stunden oder 3-6 Stunden an. In dieser Zeit werden keine Schmerzen im Bereich der unteren Körperhälfte verspürt.
b. Epiduralanästhesie / Periduralanästhesie (EDA/PDA)
Die Periduralanästhesie gehört ebenfalls zu den rückenmarksnahen Anästhesieverfahren. Nach Betäubung der Haut im Bereich der Wirbelsäule wird über eine Hohlnadel ein dünner, sehr flexibler Katheter rückenmarksnah in den Periduralraum (keine Punktion von Nervenwasser oder Rückenmark) eingelegt. Über den Katheter kann kontinuierlich ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) gespritzt werden. Dies ermöglicht eine fast beliebig verlängerbare Schmerzfreiheit über Stunden oder Tage. Je nach Höhe der Punktionsstelle (Brust- oder Lendenbereich) kann das Niveau der Schmerzfreiheit bestimmt werden. So kann zum Beispiel durch eine hohe Punktion im Brustwirbelbereich der Brustkorb, durch eine tiefe Punktion im Brustwirbelbereich der Bauchraum anästhesiert werden oder durch eine Punktion im Lendenwirbelbereich eine Schmerzfreiheit für die Geburt erzielt werden.
Die Wirkung der Periduralanästhesie setzt nach ca. 15 Minuten ein. Zuerst werden die betroffenen Körperareale warm, dann gefühllos und schmerzfrei. Durch die Anpassung der Dosierung der verwendeten Lokalanästhetika ist bei der Periduralanästhesie die Beweglichkeit wenig oder gar nicht beeinträchtigt.
c. Kaudalblock
Dies ist eine sehr tiefe Periduralanästhesie, der Punktionsort liegt im Steissbereich. Dieser Block ist nur bei Kindern bis maximal 12 Jahren durchführbar, da später die Punktionsstelle verknöchert. Der Kaudalblock wird bei Kindern nur unter Vollnarkose durchgeführt und führt nach Operationen zu einer guten Schmerzfreiheit des Körpers unterhalb des Nabels. Der Kaudalblock wird bei Kindern für Operationen an der Leiste, dem Hoden oder Penis angewendet.
2. Periphere Nervenblockaden
Bei dieser Methode werden einzelne Nerven oder Nervengeflechte an beliebigen Stellen des Körpers betäubt. Es handelt sich um rückenmarksferne Blockaden an Hals, Armen oder Beinen. Der Effekt beruht in einer zeitlimitierten Unterbrechung der Schmerzleitung. Je nach Art und Dosierung des örtlichen Betäubungsmittels (Lokalanästhetikums) wird die Beweglichkeit der blockierten Körperregion mehr oder weniger beeinflusst. Auch bei diesen Blockaden werden Kathetertechniken eingesetzt. Dies ermöglicht eine postoperative Schmerzfreiheit über Tage.
d. Interskalenäre Plexusanästhesie
Das Lokalanästhetikum wird zwischen die Muskeln des Halses in die Nähe des Nervengeflechtes des Armes gespritzt. Dadurch erfolgt eine Betäubung der Schulter und des Oberarmes.
e. Axilläre Plexusanästhesie
Das Lokalanästhetikum wird in der Achselhöhle in die Gefäss-Nervenscheide eingespritzt. Dadurch wird das Nervengeflecht in Höhe der Achselhöhle blockiert. Der Ellenbogen, Unterarm und die Hand werden schmerzfrei.
f. Supra-/ infraklavikuläre Plexusanästhesie
Das Nervengeflecht des Armes wird entweder über oder unter dem Schlüsselbein anästhesiert. Der Oberarm, der Unterarm und die Hand werden schmerzfrei
g. Femoralisblockade
In der Leiste, seitlich der Leistenarterie wird der Nervus femoralis blockiert. Dadurch werden die vorderen und seitlichen Anteile des Oberschenkels und des Knies schmerzfrei.
h. Ischiadicusblock
Der Ischiasnerv wird in Höhe des oberen Drittels des Oberschenkels blockiert. Die Kniekehle, der Unterschenkel und der Fuss werden schmerzfrei.
i. Poplitealblock
Der Ischiasnerv wird in Höhe der Kniekehle blockiert. Der Unterschenkel und der Fuss werden schmerzfrei.
j. Fussblock
Dieser Block benötigt 3 Punktionen (am Knöchel, am Fussrücken und an der Schienbeinvorderkante), um alle Nerven des Fusses auszuschalten. Der Vorteil liegt in einer isolierten Blockade nur des Fusses.
k. Obturatoriusblock
Die Blockade des Obturatoriusnerv kann bei Operationen an der Blase nötig sein, damit sich das Operationsfeld trotz des elektrischen Messers nicht bewegt. Die Punktion erfolgt in der Leiste im Bereich des Oberschenkels innen.
l. Penisblock
Die Penisnerven werden oberhalb der Peniswurzel mit einer feinen Nadel anästhesiert. Dieser Block wird vor allem bei Kindern während einer Vollnarkose durchgeführt, um Schmerzen nach Beschneidung zu verhindern.
3. iv-Anästhesie (regionale intravenöse Betäubung)
Diese Anästhesie ermöglicht nur kurze Operationen an der Hand und am Unterarm von 20 bis 30 Minuten Dauer.
Hierbei wird ein Lokalanästhetikum in eine Vene des blutleeren Armes gespritzt. Um den Einfluss und den Rückfluss des Blutes in den Arm sowie das Abfluten des Lokalanästhetikums zu verhindern, wird eine so genannte Doppelmanschette an den Oberarm gelegt und auf 250 mmHg aufgepumpt. Die Anästhesie wirkt nur für die Zeitdauer der Blutleere. Wird die Doppelmanschette geöffnet, dann fliesst das Lokalanästhetikum in den Körper ab, die Anästhesie ist beendet.
4. Stand by
Bestimmte kleine Eingriffe benötigen keine Ausschaltung ganzer Körperregionen. In solchen Fällen führt der Operateur eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) eines meist kleinen Körperareals durch, indem er das Operationsgebiet örtlich umspritzt. Das Anästhesieteam betreut den Patienten während des Eingriffes und überwacht alle lebenswichtigen Körperfunktionen. Zusätzlich können über eine Infusion Schmerzmittel oder ein Medikament zum Schlummern verabreicht werden.