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Umfrage Städteverband: Die Agglo, irgendwo zwischen Dorf und Stadt
Während die Agglomerationen wachsen, werden sie mit zunehmend städtischeren Herausforderungen konfrontiert: Kernstädte und Agglomerationen stehen zwar vor ähnlichen Aufgaben, unterscheiden sich aber in Wahrnehmung, Identität oder im Bedürfnis nach Autonomie. Das zeigt eine Umfrage im Auftrag des Schweizerischen Städteverbandes.
Zollikon grenzt direkt an Zürich und dürfte sich dennoch als Dorf sehen, wie dieses Bild illustrriert. Die Kühe, die sich hier ausruhen, sehen auf die Gemeinden der dichtbesiedelten "Pfnüselküste".
Was haben Agglomerationen für ein Selbstverständnis? Und welche Bedürfnisse haben sie? Die Umfrage «Agglomerationen stärken» der Forschungsstelle Sotomo bei Vertretern aller Schweizer Agglomerationsgemeinden im Auftrag des Schweizerischen Städteverbandes hat vielfältige Antworten zutage gefördert. Insgesamt haben rund 500 Exekutivmitglieder und Fachverantwortliche aus 175 Städten und Gemeinden teilgenommen.
So zeigt die Untersuchung, dass sich der Begriff der „Urbanität“ nicht ganz mit dem Begriff der „Stadt“ deckt. Denn während die Bezeichnung „urbane Gemeinde“ mit der Selbstwahrnehmung in Kernstadt und Kernagglomeration übereinstimmt, wird der Begriff „Stadt“ überwiegend auf die Kernstadt bezogen. Das heisst, viele Vertreter der Kernagglomeration stufen ihren Ort zwar als urban, aber nicht als städtisch ein. Nur 22 Prozent der Befragten aus der Kernagglomeration würden ihre Gemeinde eindeutig unter der Bezeichnung „Stadt“ einordnen. Rund die Hälfte meint, dass die Gemeinde etwas zwischen Dorf und Stadt sei.
In den Agglomerationen wird die Verstädterung eher einseitig und insbesondere in Bezug auf den Verkehr und die Bausubstanz wahrgenommen. Als weniger urban wird das öffentliche Leben und die Mentalität der Bevölkerung gesehen.
Raumplanung, Verkehr und Sozialwesen
Einig sind man sich Kernstädten und Kernagglomerationen, dass die Bereiche Raumplanung und Umwelt (73 Prozent aller Nennungen), Mobilität und Verkehr (60 Prozent), das Gesundheits- und Sozialwesen (59 Prozent), aber auch der Klimawandel (50 Prozent) eine Herausforderung darstellen.
In Kernagglomerationsgemeinden beschäftigt die Umfrageteilnehmer im Besonderen auch Komplexität und Kosten von Informatikprojekten, der Ausbau von Schulen, das Bevölkerungswachstum oder die Alterung der Gesellschaft. Derweil sieht man in den Kernstädten vor allem das Wohnen als weitere grosse Herausforderung.
Finanzen und mehr Kooperation
Finanzielle und personelle Ressourcen werden je von rund der Hälfte der Befragten als Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Herausforderungen genannt. In diesem Bereich sehen sich die Entscheidungsträger am ehesten limitiert. Mit etwas Abstand folgen mit je rund 35 Prozent Nennungen regulatorische Vorgaben und die Koordination mit dem Kanton.
Die Qualität der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden sowie mit Bund und Kantonen bewerteten die Umfrageteilnehmer generell positiv. Trotzdem gibt sowohl in Kernstädten als auch bei Kernagglomerationen ein Grundbedürfnis nach mehr Kooperation. Zum Beispiel bei der Entwicklung digitaler Lösungen, in der Standortförderung, in der Raumplanung oder in der Mobilität.
Allgemein wünschen sich die Befragten mehr Unterstützung durch höhere föderale Stufen, gleichzeitig äusseren sie auch eine gewisse Skepsis gegenüber einer Kompetenzübertragung.
Kernstädte hätten gern insbesondere im Verkehr mehr Autonomie, Kernagglomerationen vor allem in der Raumplanung. Nur eine Minderheit der Kernagglomerationsgemeinden strebt eine Fusion mit anderen Gemeinden an. Dabei sprechen ihrer Ansicht nach vor allem Gründe wie ein Identitäts- oder Autonomieverlust gegen eine Fusion. Folglich werden Fusionen vor allem von Gemeinden angestrebt, die ihre eigene Gemeinde dadurch vergrössern können. (mgt/mai)