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Die parallelen Ausstellungen von Keith Tyson (GB, geboren 1969) und Verne Dawson (USA, geboren 1961) zeigen Werke, die unterschiedlicher nicht aussehen könnten, dennoch kreisen die Arbeiten beider Künstler um die Präsenz von Erklärungsmodellen und Mythen, die unserer Wahrnehmung und damit auch unserer Wirklichkeit zugrunde liegen.
Der Maler Verne Dawson wählt für seine Gemälde bewusst einen “naiven“ Malstil, um die Präsenz uralter Erklärungsmodelle von Zeit und Wirklichkeit als wirksame Elemente unserer Gegenwart sichtbar werden zu lassen. Porträts von historischen Figuren, Landschaften, die Schöpfungsmythen mit Erscheinungen der modernen Welt amalgamieren, Stilleben und abstrakte Bildkompositionen, wagen einen unverstellten Blick auf Begriffe von Tradition und Modernität und sind metaphorische Bilder einer kulturgeschichtlichen Betrachtungsweise, die Geschichte nicht als Erforschung, sondern als Ursprung unserer Wirklichkeit begreift. War George Washington ein guter Mensch, weil er sich entschieden hat nicht König sondern Präsident von Amerika zu werden und welche gesellschaftlichen Phänomene generierte dies? Welchen Einfluss auf unsere Wahrnehmung von Kultur haben reale Figuren wie der “Unabomber”, der einmal jährlich eine Briefbombe als Protest gegen die Dominanz des Hightech versandte oder die fiktive Figur des Barone Ramparte aus Italo Calvinos “Der Baron in den Bäumen”, der sich aus Protest gegen die Realität in die Bäume verzog? Hat sich unser Verhältnis zu Numerologie, Astrologie oder zu Ritualen verändert, obwohl wir immer noch die Wochentage mit Namen von Gestirnen betiteln? Ist das “Wilde” ursprünglich und gut und Zivilisation immer problematisch? Der “Big Bear” – der grosse Bär in Verne Dawsons Gemälde – schaut bedacht vom Sternenhimmel in eine verheissungsvolle Ferne, die in der wilden Landschaft eine moderne Sternwarte zeigt: Der “wilde” Bär, das Sternzeichen Bär und die wissen-schaftliche Einrichtung zur Erforschung der Bilder, die schon in Urzeiten zur Orientierung und Versicherung am Himmel gelesen wurden, sind in einem Bild vereint. Die inhaltlich gar nicht “naiven” Bildern des Künstlers handeln so immer wieder vom Verhältnis der Zivilisation oder Kultur zu dem, was wir Natur zu nennen pflegen, und sie fragen nach einer Revision moralisch interpretativer Analysen und Betrachtungsweisen.