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Philosophische Fragmente
Vorwort
Beim Schreiben
dieser Geschichten ist mir aufgefallen, dass ich oft alleine unterwegs war.
Darunter fallen auch jene Touren, während derer ich mich intensiv mit den
Fragen des Lebens auseinander gesetzt hatte. Die Resultate versuche ich im
nächsten Teil verständlich auszulegen. Da die beschriebenen Gedanken
keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Gültigkeit erheben
können, bezeichne ich sie als Fragmente. Ich bin mir bewusst, dass nicht
alles neu ist, was ich darin beschreibe, mein Ziel ist es aber, dem Leser neue
Ansichten und Zusammenhänge zu vermitteln.
Mir ging es meistens um die Definition eines Begriffs. Ich finde es wichtig zu erkennen, was das Eigentliche eines alltäglichen Begriffs ist, damit ich ihn richtig verstehen und richtig angehen kann. Neben der Frage nach dem „wie“ war mir auch die Frage nach dem „warum“ ein Anliegen. Ich kann mich nur für eine Sache motivieren, wenn mir der Zweck bekannt ist und ich dahinter stehen kann. Das Fundament meiner Philosophie ist in allen Belangen die Bibel, mit deren Aussagen ich mich seit 20 Jahren kritisch auseinander setze. Obwohl ich als Naturwissenschaftler nur glaube, was erklärbar und nachvollziehbar ist (und vielleicht gerade deshalb), fand ich in der Bibel einen unglaublichen Reichtum an Weisheit und Wahrheit.
Beziehungen
Körper - Geist
Körper und
Geist betrachte ich als zwei verschiedene Persönlichkeiten. Beide sind
zwar aufeinander angewiesen (zumindest in dieser Welt), haben aber
unterschiedliche Charakterzüge und vor allem ungleiche Ziele. Während
der Körper den fleischlichen Bedürfnissen nachgehen will,
repräsentiert der Geist die Ideologien und mentalen Leidenschaften eines
Menschen. Lange Zeit strebte ich eine klare Trennung von Körper und Geist
an, mit der Absicht, dass der Geist über den Körper herrsche.
Heutzutage postuliere ich eine gleichberechtigte Koexistenz der beiden. Ich
vergleiche das Zusammenleben von Körper und Geist mit einer Ehe. So sind
sie auch zusammen, bis dass der Tod sie scheide. Beide sollten ihren
Bedürfnissen nachgehen können, es sollten aber beide mit jeder
Handlung einverstanden sein. Wird etwa der Körper überanstrengt, weil
der Geist seine zu hoch gesteckten Pläne durchziehen will, beginnt der
Körper mit Symptomen zu reklamieren. Wenn hingegen ein Mensch von einer
fleischlichen Versuchung überrollt wird, leidet der Geist darunter, wenn
er im nachhinein bemerkt, dass er das gar nicht gewollt hätte. Optimal
wäre ein harmonisches Wechselspiel, das weder die Vernunft noch die
Limiten übersteigt. Der Geist kann sich auch mal beim Körper
„entschuldigen“, oder ihm etwas gönnen (zum Beispiel eine
Tafel Schokolade), wie auch umgekehrt.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das „ich“ nur der Geist ist, aber ich bin von Anbeginn an mit dem Körper verwachsen und habe dementsprechend mit ihm auszukommen.
Mensch - Mensch
Wie wir mit dem Körper zusammen auf die Welt kamen, wurden wir auch in ein soziales Umfeld geboren, welches wir nicht ausgewählt hatten. Man kann zwar den Kontakt abbrechen, wenn man mit einer Person nicht auskommt, darin sehe ich aber keine Lösung des Problems, sondern lediglich deren Verschiebung. Jeder Mensch hat seine schwierigen Seiten, deshalb kann man dem Konflikt mit Mitmenschen nicht allgemein entgehen. Auch Jesus Christus, der nie jemanden gehasst oder jemandem Unrecht getan hat, bekam Ärger mit seinem Umfeld. Für mich liegt der entscheidende Punkt darin, wer den Ärger zu verantworten hat. Die Verantwortung ist für mich auch der Grund für die Ablehnung jeglicher gewaltsamen Verteidigung. Der Soldat, der in Notwehr seinen Feind tötet, hat nicht verhindert, dass ein Mensch starb, hingegen hat er sich selbst für das Töten verantwortlich gemacht. Ich bin nicht der Meinung, man soll keine Verantwortung übernehmen, man soll sich vielmehr bewusst sein, welche Auswirkungen das Versäumen oder Ignorieren einer Verantwortung haben kann. Das Leben als Einsiedler zu verbringen, habe ich lange als ideale Lösung der zwischenmenschlichen Probleme betrachtet, aber wiederum musste ich feststellen, dass es keine Lösung ist, sondern eine Aufhebung. Lösungen können nur durch Bearbeitung gefunden werden. Das Bewältigen von zwischenmenschlichen Beziehungen, glaube ich, ist sehr wichtig für die Entwicklung eines Menschen. Eine Sonderstellung nimmt unter den zwischenmenschlichen Beziehungen natürlich die Ehe ein. Damit meine ich die Fusion von Mann und Frau, die sowohl körperlich als auch geistig geschieht und dementsprechend ein Analogon zur Beziehung Körper-Geist darstellt.
Mensch - Gott
Als dritte Form der „Ehe“ sehe ich die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Obwohl es sich um ein Paar mit Ungleichgewichten handelt, erscheint diese Beziehung für den Menschen mit den selben Rechten und Pflichten wie bei den anderen beiden Beziehungsebenen. Der Mensch nähert sich dabei Gott an, behält aber seine Identität. Die Basis der Beziehung ist die Liebe, die von beiden aufrecht erhalten werden muss. Die Konsequenzen dieser Ehe sind, wie auch bei der Mann-Frau-Ehe, das Teilen aller Dinge, die beide haben (also alle materiellen Güter des Menschen, die ganze Lebenszeit, aber auch das Himmelreich und das ewige Leben). Wie in der Mann-Frau-Ehe bleibt man aber ein freier Mensch, der seinen eigenen Willen behält und auf dessen Wüsche Gott auch eingeht. Die Beziehung zwischen Gott und Mensch hat für mich nich nur Ehe-Eigenschaften. Weil Gott um soviel grösser ist als ich, geht es auch in Richtung einer Vater-Sohn-Beziehung. Ich bin der Ansicht, dass Gott die Welt so geschaffen hat, dass wir an Hand der darin auftretenden Beziehungen ein Modell zur Beziehung mit ihm finden können.
Begriffe
Freude
Wenn man die Freude messen möchte, so müsste man meiner Ansicht nach den zeitlichen Verlauf des positiven emotionalen Wertes aufzeichnen und die Fläche unter der Kurve berechnen. Freude ist also für mich das Integral des Glücksgefühls über der Zeit. Das emotionale Empfinden hat einen positiven Wert, wenn man einen Erfolg erlebt; das heisst, wenn etwas eintrifft, was man gewollt, sich gewünscht und wonach man sich gesehnt hat. Dies ist für mich die Definition des Glücksgefühls. Wiederspricht ein Geschehnis dem Willen einer Person, so empfindet sie Trauer, hat also einen negativen emotionalen Wert und ist „un“-glücklich. Mit dem was man sich vornimmt, und damit als Wille festlegt, könnte man Einfluss nehmen auf den Totalwert der erlebten Freude. Denn wer sich mit wenig zufrieden gibt, erlebt mehr positive Überraschungen. Dennoch kann man das Schicksal nicht im voraus kennen oder es programmieren. Zudem kann man die Intensität seiner Gefühle nicht unterdrücken.
Trauer
Im Gegensatz zum
Glück wird Trauer bei negativem Ausgang der Geschehnisse empfunden.
Darunter finden sich zum Beispiel Misserfolge, Enttäuschungen oder
unerwartete Wendungen der Realität. Trauer trifft nur dann ein, wenn sich
jemand etwas vorgestellt oder vorgenommen hat, was nicht der Realität
entspricht oder in anderen Worten: wenn die Realität nicht dem eigenen
Willen entspricht. Wenn beispielsweise jemand über den Tod eines
Mitmenschen trauert, so empfindet er die Trauer, weil er es lieber hätte,
der Tote würde noch leben (Abschied nehmen hat nach meiner Meinung immer
mit „sich zurückwünschen“ zu tun). Trauer über über
einen beruflichen oder ideologischen Misserfolg hat seine Ursachen
hauptsächlich in der gescheiterten Planung, jemand hat sich etwas vorgestellt,
was nicht werden konnte. Hätte man den Scheiterungsgrund im voraus gekannt
und eingesehen, dass sein Ziel auf diese Art nicht erreichbar ist, hätte man
es sich nicht so vorgenommen, also wäre man nicht gescheitert und nicht
traurig geworden.
Für mich hat die Trauer nur eine zentrale Ursache: Enttäuschung. Wie das Wort Ent-Täuschung verdeutlicht, war man getäuscht, als man sich etwas vornahm oder vorgestellt hatte, was in der Zukunft nicht eintreffen würde.
Wenn man dann den erkennt und auf den Boden der Realität zurückfällt (also ent-täuscht wird), empfindet man das als Trauer. Wenn etwas geschieht, was man nicht wollte, und dabei auf seinem Willen beharrt, lehnt man sich gegen das Schicksal auf, ohne eine Chance zu haben, deshalb folgt daraus die Enttäuschung und somit die Trauer.
Ich möchte auf keinen Fall Trauernde verurteilen oder diskriminieren, denn die Vorstellungskraft und Wahrnehmung des Menschen reichen nicht aus, um sich nicht täuschen zu lassen, aber ich finde es toll, wenn Trauer durch Erkenntnis der Wahrheit vermieden werden kann. Analog zur Freude sehe ich die „Unfreude“ als Integral der Trauer über der Zeit
Schicksal
Schicksal ist das, wo man hingeschickt wird; das Schicksal fällt also jedem (wie der Zu-fall) von Gott zu, es liegt also nicht in der Verantwortung des Betroffenen. Ich verstehe die Gerechtigkeit Gottes unter anderem darin, dass die Summe aller durch Schicksal hervorgerufene Freude und Unfreude während eines Menschenlebens für alle Menschen die selbe ist. Weil man die emotionalen Empfindungen der Menschen weder quantitativ noch absolut messen kann, kann ich das nicht beweisen. Da aber verschiedene Menschen die gleichen Ereignisse unterschiedlich hart wahrnehmen und somit unterschiedliche Mengen an Unfreude auf sie zu kommen, kann man nicht einfach die Schicksalsschläge, die ein Mensch erlebt hat, zusammenzählen und mit denen eines anderen Menschen vergleichen. Man kann ja auch nicht behaupten, arme Leute in Entwicklungsländern seien weniger glücklich als Versicherte in reichen Ländern. Es ist alles Emotionale relativ. Ich sehe Gott dadurch aber nicht als Marionettenlenker, der die Menschen manipuliert. Den freien Willen, zu tun und zu glauben, was man will, hat jeder Mensch. Es können Jahrzehnte vergehen, bis einer, der von Menschen emotional unterdrückt wurde, seine Freude als Ausgleich erleben darf. Gott wusste von Anfang an, was wer wann und wem antun würde, deshalb hat er die Geschehnisse so geordnet (wie ein riesiges Puzzle), dass alle diese Ereignisse dem Willen der Menschen entspringen, aber trotzdem kein Ungleichgewicht entsteht.
Natur
Unter Natur verstehe ich alles Materielle, das Gott geschaffen hat (also das, womit sich die „Natur“-wissenschaften befassen). Nicht nur bei den Beziehungen, sondern auch in vielen anderen Gegebenheiten der Schöpfung sehe ich direkte Vergleiche zur übernatürlichen Welt. Gott hat nach meinem Verständnis in der Natur einen grossen Teil seiner Weisheit modellhaft wiedergegeben, damit wir sie besser verstehen können. Ein Beispiel sehe ich im Dualismus des Lichts, das sowohl eine elektromagnetische Welle, als auch ein Teilchen ist, also beide Eigenschaften hat und trotzdem nur Eines ist. Daran kann ich mir die Dreifaltigkeit Gottes viel besser vorstellen. Als weiteres Beispiel geben hochkomplexe biochemische Abläufe, die alle auf nur wenigen Naturgesetzen basieren, einen Hinweis, dafür dass für die ganze Menschheit ein gerechtes Rechtssystem möglich ist, das nur auf wenigen Geboten fundiert.
Welt
In Anbetracht
dessen, dass laut Meteorologen schon ein Flügelschlag eines Schmetterlings
einen Wirbelsturm einleiten, und ein solcher verheerende Folgen für
Millionen von Menschen haben kann, kann ein solcher Flügelschlag nicht dem
Zufall überlassen sein. Wenn schon ein Schmetterling durch das Umleiten
eines Windstosses eine Kettenreaktion auslösen kann, kann auch eine
einzelne Welle im Meer oder ein Felsvorsprung im Gebirge über Katastrophen
entscheiden. Physikalisch lässt sich das im Nachhinein jeweils
nachvollziehen. Deshalb stelle ich mir vor, dass Gott vor der Schöpfung
der Welt so etwas wie ein riesiges mathematisches Rätsel gelöst haben
muss, in dem er die Naturgesetze und die Position eines jeden Atoms festlegte,
so dass jetzt das ganze wie eine Kettenreaktion über Jahrtausende hinweg
abläuft. Den Zweck des Ganzen sehe ich darin, dass sich Gott nicht
physikalisch beweisen lassen will. Wenn dauernd aus unerklärlichen
Gründen materielle Phänomene auftreten würden (wie bei den
Wundern, die in der Bibel beschrieben sind), wäre Gott ein Teil der
naturwissenschaftlichen Lehre, und man könnte sich gar nicht für den
Glauben an ihn entscheiden.
Ein anderer Zweck der materiellen Welt sehe ich darin, dem Menschen einen Lebensraum zu geben. Sowohl die physiogeographischen Prozesse (Wind, Wasserkreislauf, Erosion und weitere), als auch alle Lebewesen sorgen dafür, dass das Material, das der Mensch zum Überleben umsetzt, wieder regeneriert wird. Daher plädiere ich für die Achtung von Tieren und Pflanzen und einen vernünftigen Umgang mit den Ressourcen, damit dieser Kreislauf nicht aus dem Gleichgewicht fällt.
Universum
Das Weltall kann von mir aus einen sich ausdehnenden Durchmesser von mehreren Milliarden Lichtjahren haben oder unendlich gross sein, das spielt eigentlich keine Rolle, weil wir sowieso nie den Rand des Universums erreichen. So wie ich Gottes Werke kenne, käme es mir logischer vor, wenn das Universum eine unendliche räumliche Ausdehnung hätte, ich hätte andernfalls auch keine Idee, was jenseits des Universums sein könnte. Den Zweck des Universums sehe ich, genau wie beim Zweck der Welt, zur Aufrechterhaltung des Lebensraums für den Menschen, wobei vor allem der Energiefluss eine wichtige Rolle spielt. Das Universum gilt als das einzige existierende Perpetuum Mobile (ein System, in dem Arbeit verrichtet wird und die Gesamtsumme der Energie und Materie konstant bleibt). Man muss sich auch bewusst sein, dass die Welt ein Teil des Universums ist und der Begriff „Universum“ das selbe bezeichnet wie „Natur“.
Himmelreich
Weil ich glaube, dass das Himmelreich existiert, allerdings, in ganz anderen Dimensionen (also weder in unseren drei Raumkoordinaten noch in der Zeit) braucht es keine Erklärung, wo dieses sein sollte. Als Vergleich zur Überlagerung von Universum und Himmelreich kann man sich die Koexistenz des schweizerischen Strassennetzes und des Gewässernetzes vorstellen. Beide befinden sich im gleichen Raum, haben aber unterschiedliche Sub-Dimensionen und kommen sich daher nur bei Störfällen in die Quere. Das Wechseln von der Strasse in den Bach ist aber für ein Auto an vielen Orten jederzeit möglich, zurück ist schon schwieriger. Wie das Innenleben des Himmelreiches aussieht, kann ich nicht selbst in Erfahrung bringen (weil ich ja eben in unseren Dimensionen existiere).
Zeit
Die Zeit ist in meiner Vorstellung etwas Abstraktes, was nur in der Materie existiert. Interessanterweise wird die Zeit immer an Hand der Beobachtung eines Stücks Materie gemessen, seien es die Schwingungen eines Quarzkristalls oder eines Cäsium-Isotops. Selbst das menschliche Zeitgefühl basiert auf der Beobachtung eines sich mit konstanter Geschwindigkeit verändernden Proteins. Für Gott, glaube ich, gibt es die Dimension der Zeit nicht (er ist ja auch nicht materiell), oder anders gesagt, er steht darüber (wie auch über die Raum-Dimensionen. So ist es für Gott kein Problem ein ganzes Menschenleben auf einen Blick zu sehen. Wie vor der Geburt, denke ich, wird es für die Menschen auch nach dem Tod auch keine Zeit mehr geben, weil sie sich dann ausserhalb des Universums befinden. Den Zweck der Zeit sehe ich darin, in der Welt Ordnung zu schaffen, das Leben wäre ansonsten nicht in einer beschränkten Intelligenz, wie in jeder der Menschen, fassbar. „Alles hat seine Zeit und ein Jegliches unter der Sonne hat seine Stunde.“ (Der Prediger Salomo, Kapitel 3, Vers 2)
Geld
Geld (als Paradebeispiel für materielle Güter) ist in meiner Vorstellung direkt mit der Zeit verknüpft. „Zeit ist Geld“ ist ein alter Spruch, aber ich sehe ihn nicht nur in Bezug darauf, dass man durch Arbeitszeit Geld erhält, sondern auch, dass ein Geldwert lediglich eine investierte Zeit darstellt. Nimmt jemand eine Dienstleitung in Anspruch, so bezahlt man in erster Linie den Stundenlohn des Arbeitenden. Waren, die viel Arbeitszeit zur Herstellung benötigten, sind teurer als jene, die mit kleinem Zeitaufwand produziert werden. Auch Rohstoffe haben ihren Wert proportional zur Beschaffungszeit. Diamanten zum Beispiel sind zwar kostbar, weil sie selten sind, aber weil sie selten sind, muss man lange Zeit das Gestein in der Mine durchsuchen, bis man einen gefunden hat. Wenn Maschinen ein Produkt herstellen, wird der Arbeitsaufwand zum Bau und Unterhalt der Maschine durch die Anzahl der hergestellten Güter dividiert. Wenn jemand Geld verliert, hat er eigentlich Zeit verloren, die Zeit, die er entweder braucht, um den verlorenen Betrag wieder zu verdienen, oder die Zeit, die er benötigt um das Verlorene selbst herzustellen. Ich finde es wichtig, sich bewusst zu sein, dass Geld (oder materieller Wert) mit der Zeit entsteht und mit der Zeit wieder verschwindet, und man sich nicht daran klammern sollte.
Gesellschaft
Das Zusammenleben der Menschen erinnert mich an ein Klassenlager. In den Lagern, die ich in meiner Schulzeit erlebt hatte, ging es darum, dass die Schüler an einem fremden Ort ein Thema erarbeiten, und dabei nicht nur etwas in Bezug auf das Thema lernen sollen, sondern auch den alltäglichen Umgang mit sympathischen und weniger sympathischen Kameraden; zudem lernen sie kochen, einkaufen, Abfall entsorgen, Haus putzen, gemeinschaftliche Freizeitprogramme organisieren und vieles mehr. Der Lehrer kann in allen Belangen fast jederzeit zu Hilfe oder Rat gezogen werden. Des weiteren entwickelt der Schüler in der Lagersituation seine Identität. Da das Erarbeiten des Lagerthemas dennoch von zentraler Bedeutung ist, haben die Schüler nach einem Lager meistens einen Vortrag zu halten oder eine Arbeit zu schreiben, damit der Lehrer beurteilen kann, ob der einzelne Schüler den springenden Punkt des Themas verstanden hat. Für mich ist ein Klassenlager ein Gleichnis fürs menschliche Leben auf Erden. Man kommt in eine vielseitige Gesellschaft, lernt miteinander auszukommen, schaut, dass man etwas zu essen hat, geht in der Freizeit seinen Hobbies nach und so weiter. Anstatt eines Lehrers haben wir Gott, der für alles sorgt, und an dem man sich jederzeit wenden kann. Ich glaube auch, dass Gott die Menschen nach der irdischen Lebenszeit bewerten wird, und zwar nach dem, was sie zum Thema Liebe verstanden, und wie sie es umgesetzt haben (nicht nach der Leistung, sondern nach der Absicht und dem guten Willen). Deshalb betrachte ich das Leben in der Gesellschaft als Rahmenprogramm des Lebens, aber auch als Übungsfeld.
Fehler
Alles irdische Leben ist fehlerhaft; sowohl fleischlich (inklusive Gehirn), als auch geistig. Ich persönlich habe eine Neigung zur Zerstreutheit, woraus viele Fehler hervorkommen, von der Orthographie über das Vergessen eines Termins bis hin zum Verwechseln von links und rechts. Natürlich sollte man Fehler vermeiden, besonders, wenn andere Menschen davon betroffen sind. Wichtig finde ich aber auch, die eigenen Fehler akzeptieren zu können und sich mit den Fehlern anderer Menschen abzufinden. Als Ursache aller Fehler sehe ich nur einen Punkt: mangelnde Genauigkeit. Wenn immer eine falsche Entscheidung getroffen wurde, hatte man nicht alle Auswirkungen und äussere Einflüsse genügend genau abgeklärt. Natürlich ist es gar nicht möglich, alle Parameter voraussagen zu können, wüsste man aber alles ganz genau, würde man keine falsche Entscheidung treffen (deshalb ist es ratsam, bei Entscheidungen auf die Unterstützung Gottes zu zählen). Bei den Fehlern eines zerstreuten Menschen kann man sagen, er habe seine Sachen zu wenig genau nachgeprüft. Auch ein Schüler in der Prüfung hinterlässt nur entweder Flüchtigkeitsfehler, die er durch genaues durchlesen oder nachrechnen hätte eliminieren können, oder weil er einfach zu wenig genau gelernt hat.
Problem
Probleme entstehen immer aus Fehlern. Ein Problem ist ein Missstand, der einen Menschen verwirrt; das heisst, es stellt für ihn einen unerwünschten Zwischenfall dar, den er beseitigen möchte. Um ein Problem zu lösen, braucht es immer zuerst eine Idee; die Umsetzung der Problembeseitigung kann dann unterschiedlich schwierig ausfallen. Ideen selbst fallen zwar spontan ein, aber erst eine genügend überdachte Idee kann die Lösung eines Problems einleiten. Weil Fehler auf Grund von nicht genug genau abgeklärten Ideen gemacht werden, kann zusammengefasst werden, dass Anfang und Ende eines Problems jeweils eine Idee ist.
Leben
Was ist Leben ?
Aus biologischer
Sicht ist klar, welche Eigenschaften ein Lebewesen von toter Materie
unterscheidet: Ein Lebewesen muss Stoffwechsel betreiben können, muss
Reize wahrnehmen und darauf reagieren können, fähig sein, sich
innerhalb seiner Art fortzupflanzen und eine genetische Identität haben.
Ich fragte mich aber, wie man die Definition formulieren könnte, damit das
Leben nach dem Tode mit einbezogen ist.
Die Bibel beschreibt zwei Todesformen. Die erste ist das bekannte Verlassen der Erde, die Trennung von Körper und Geist; die zweite Form des Todes wird als Trennung von Mensch und Gott beschrieben. Das ewige Leben versteht sich in der Überwindung der zweiten Form des Todes. Im ewigen Leben jenseits der ersten Form des Todes, kann man also nicht mehr essen und trinken (da man vom irdischen Körper getrennt ist), aber man kann immer noch die Beziehung zu Gott und anderen Menschen aufrecht erhalten. Daher lebt aus meiner Sicht ein Lebewesen, so lange es die Möglichkeit hat, lieben zu können oder Liebe zu empfangen. Was Liebe ist, kann man im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes nachlesen. Da die Liebe prinzipiell von Gott kommt, kann ein Mensch nur Liebe üben, solange er von Gott nicht getrennt ist. Allen auf der Erde lebenden Menschen ist es möglich, lieben zu können, denn es liegt in ihrer Entscheidung. Tiere, Pflanzen und alle übrigen Organismen sind, solange sie leben, generell fähig Liebe zu empfangen, da sie auf diese Wahrnehmung reagieren können. Mit dieser Definition sind nun auch jene Menschen eingeschlossen, welche dem ewigen Leben angehören.
Sinn des Lebens
Wenn ich mir die
Werke und Errungenschaften vorstelle, die ein Mensch im Verlauf seines
irdischen Lebens zu Stande bringt, muss ich sagen, dass alles Weltliche
vergeblich ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Ergebnis einer
materiellen Arbeit aufgebraucht, vergessen oder zersetzt ist. Auch die
Fortpflanzung ist nur eine Scheinlösung der genetischen Erhaltung. Wie
schon erwähnt bin ich überzeugt, dass alle Menschen eine gleich
grosse Dosis „Freude“ in ihrem Leben empfinden dürfen (ich
bekräftigte diese Meinung auch beim Beobachten der Emotionen von
Behinderten, Randgruppen und Personen in der dritten Welt). Wenn man sich also
anstrengen kann, so fest wie man will, und trotzdem nicht glücklicher
wird, was hat man denn davon? Oder wenn man sich sein Leben so faul machen
kann, wie einem gelüstet, und trotzdem nicht unglücklicher lebt,
wonach soll man denn streben?
Ich bin zwar der Meinung, dass man sein eigenes Glück (während des ganzen Lebens), und auch das Glück seiner Mitmenschen, prinzipiell nicht mehren kann, aber die Freude Gottes, die kann man mehren, denn sie ist nicht limitiert weil sie keinem Vergleiche unterworfen ist. Somit macht es doch einen Sinn, den Geboten Gottes nachzugehen, welche vielfach darauf abzielen, den Mitmenschen Gutes zu tun, denn daran freut sich Gott, und dabei wird Glaube begründet. Der Glaube eines Menschen ist meines Erachtens nicht bei allen Menschen an ihrem Lebensende gleich. Glaube ist auch nicht limitiert, sondern er kann wachsen, je mehr man sich darum bemüht.
Für mich ist der Sinn des Lebens direkt mit der Definition des Lebens verknüpft. Wenn man schon nur deshalb lebt, weil man fähig ist, Liebe zu empfangen und Liebe zum Ausdruck zu bringen, sehe ich auch den Sinn des Lebens darin, der Liebe nachzugehen.
Nachwort
Wenn der Leser mit irgend einer Behauptung dieser Schrift nicht einverstanden ist, etwas nicht versteht oder auf ein Thema tiefer eingehen möchte, würde ich gerne mit ihm darüber diskutieren. Ich bin mir bewusst, dass ich irgendwo etwas Wichtiges übersehen oder etwas falsch verstanden haben könnte. Ansonsten möchte ich alle auffordern den Fragen nach dem „wie“ und dem „warum“ des Lebens und allem, was wir darin erleben, nachzugehen.
Mir fällt das am einfachsten, wenn ich irgendwo alleine unterwegs bin, wo ich kaum abgelenkt werde und auch dem Kontakt nach oben nichts im Wege steht. Erkenntnis ist Stückwerk, schrieb Paulus, und nach seinem Rezept gehe ich auch vor: „Prüft aber alles, das Gute behaltet!“ (1. Brief an die Thessalonicher, Kapitel 5, Vers 21).