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Die weiss marmorierte Rinde ist charakteristisch für die Moor-Birke, genauso wie ihre frühlingshaft frisch wirkenden hellgrünen Blättlein. Die weiss eingefärbte Birkenrinde hat einen Grund. Ihre äussere Schicht besteht aus farblosen, nadelförmigen Betulin-Kristallen, die das einfallende Licht reflektieren und den Baum so vor Überhitzung schützen. Zusätzlich machen sie die Rinde wasserundurchlässig.
Speziell beschaffen sind auch die Wurzeln der Moor-Birken, denn sie dringen nur in Tiefen von bis zu 40 cm vor. Da sich die Bäume oft in feuchten Gebieten niederlassen, genügt das für die Wasserversorgung. Nur in Ausnahmefällen, ausserhalb von feuchten Gebieten, kann es vorkommen, dass sich die Wurzeln tiefer in den Boden hineingraben müssen.
Moor-Birken sind nicht sehr flexibel darin, sich auf wandelnde Umweltbedingungen einzustellen. Verglichen mit anderen Baumarten beginnt die Birke beispielsweise früher mit der Gelbfärbung ihrer Blätter und wirft sie auch eher ab; besonders als direkte Antwort auf einen sehr langen und trockenen Sommer.
Übermütige Erstankömmlinge
Birken sind Pionierbäume. Nach Ende der letzten Eiszeit vor ca. 12'000 Jahren waren sie durch ihre hohe Kältetoleranz eine der ersten Baumarten, die sich grossflächig in ganz Mitteleuropa zu verbreiten vermochte. Sie bereiteten die nährstoffarmen Böden für Nachzügler wie Kiefer und Hasel vor und machten sie durch ihren Aufenthalt fruchtbarer. Auch wenn heute baumfreie Flächen aufgrund von Umweltveränderungen oder Interventionen des Menschen entstehen, sind Birken oft als Erste zur Stelle und treffen so ganz nebenbei Vorkehrungen zur künftigen Entwicklung des Waldes. Ihre lichtdurchlässige Laubkrone erlaubt es anderen Baumarten in ihrem Schutz heranwachsen. Selber hat die Birke allerdings eine relativ geringe Schattentoleranz und ist daher auch nicht sehr konkurrenzfähig. Zum Entsetzen der Pollenallergiker werden jährlich grosse Mengen leicht verstreubarer Samen gebildet, die vom Wind weggetragen werden, um anschliessend zu keimen.
Die meisten Birken, die wir bei uns vorfinden, sind Sand-Birken (oder Hängebirken). Sie stehen oft an Wald- und Wegrändern und vereinzelt auch im Garten oder Park. Im Gegensatz dazu trifft man die Moor-Birke am ehesten in humusreichen Waldböden, Moor- und Auenwäldern oder auch an Flussbänken an - grundsätzlich überall in Feuchtgebieten. Die Moor-Birke ist oft nicht in grosser Anzahl anzutreffen; allerdings ist ihr Verbreitungsgebiet beachtenswert. Sie fühlt sich sowohl in Nordeuropa als auch in Island, Süd-Grönland und Ostsibirien zuhause. Die Verbreitungsgebiete von Sand- und Moor-Birke überschneiden sich, wobei die Sand-Birke eher wärmere oder mediterrane Gebieten bevorzugt und das Verbreitungsgebiet der Moor-Birke weiter in den Norden reicht.
Der Schutz von Moorlandschaften nützt uns allen
Moor-Birkenwälder beherbergen eine grosse Biodiversität. Teilweise bestehen spezifische Bindungen zwischen den Bäumen und diversen Arten von Zikaden, Wespen und Schmetterlingen, die sich im Laufe der Jahre etabliert haben. Birkenpilze können ausschliesslich eine Bindung mit Birken beschliessen – die beiden Partner gehen eine Symbiose ein. Das Wurzelsystem des Baumes übermittelt dabei Zucker und Kohlenhydrat-Verbindungen an den Pilz, während dieser die Wasser- und Nährstoffaufnahme für den Baum erleichtert.
Moore – die Hauptlebensräume der Moor-Birke – verschwinden immer mehr. Viele dieser ursprünglichen Flächen wurden trockengelegt, um sie für die Landwirtschaft nutzbar zu machen – in der Schweiz wie auch in Deutschland sind es über 90%. Dies gefährdet die Moor-Birkenwälder in den betroffenen Gebieten, verschuldet aber auch einen enormen Biodiversitätsverlust. Die dortigen Torfschichten sind zudem nicht zu unterschätzende Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel. Sie binden stetig eine enorme Menge an CO2. Trocknen sie hingegen aus, zersetzen sie sich und setzen die Treibhausgase wieder frei. Damit tragen sie zu den Gesamtemissionen bei, die man ja eigentlich immer mehr zu verringern versucht – in Deutschland sind es immerhin 7% der totalen Emissionen, die von zerstörten Moorflächen ausgehen.
Der Schutz von Moorflächen ist daher eine Notwendigkeit – nicht nur zu Gunsten der Moor-Birke und einer vielfältigeren Natur, sondern auch unserer Zukunft zuliebe. Die 1987 deutlich angenommene „Eidgenössische Volksinitiative zum Schutz der Moore“ setzt hier an. Heute stehen in der Schweiz 1335 Flachmoore unter Schutz sowie alle 551 Hochmoore von nationaler Bedeutung. Auch andere Länder erkennen vermehrt den Wert intakter Moorlandschaften. Die Bundesregierung Deutschlands beispielsweise schuf 2021 eine Nationale Moorschutzstrategie, die Treibhasgausemissionen aus Moorgebieten reduzieren sowie den Artenerhalt unterstützen soll.
Der Moor-Birke wird das gefallen – und uns bleibt ihre lichte Präsenz erhalten.
Quellen und weitere Informationen:
Baum des Jahres
BAFU: Moore
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