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Wer behauptet, es gebe dringendere Probleme als die Rettung der Buchstabendiversität in Vornamen, dem sei ein kleines Experiment empfohlen: Rufen Sie eine beliebige Abfolge aus a, i, n, e und l in Richtung Sandkasten, und es wird garantiert ein Mädchen dahergelaufen kommen. Wenn nicht Lea, dann Lia oder Lina oder Lena, vielleicht auch Nina oder Nena, Anna oder Alena.
Laut einer Studie der Zürcher Vornamen von Peter Moser aus dem Jahr 2009 machen diese fünf Lettern zwei Drittel aller verwendeten Buchstaben in Mädchennamen aus. Wenn es um Namen geht, könnten wir auf den grössten Teil des Alphabets verzichten.
Besonders stark hat der Kahlschlag den Konsonanten zugesetzt. Gab es früher noch Klara und Kathrin, Ruth und Pia in den vorderen Rängen, so sind heute vor allem die sogenannten Verschlusslaute p, k oder t übel dran. Das erste t folgt in der Deutschschweiz auf Position 30 in Valentina, k schafft es mit Anouk auf Platz 78, für ein p hingegen muss man bis 93 zählen: Paula. Einer der wenigen Konsonanten, die auf dem Vormarsch sind, ist das l. Dramatisch zeigen sich die Folgen dieser Monokultur am Ende von Frauennamen. 1924 endeten von den zehn beliebtesten weiblichen Namen vier auf a, zwei auf th und der Rest auf vier weiteren Lauten. 1944 waren es schon fünf mit einem a am Schluss. 1964 sechs, 1984 acht. Heute enden alle Mädchennamen in den Top Ten mit einem a. Die erste Ausnahme folgt auf Rang 14: Sophie. Seit 14 Jahren hat es kein anderer Name mehr geschafft, in diese Phalanx einzubrechen, der letzte war Michelle, der 2002 auf Platz zehn lag.
Es gibt verschiedene Hypothesen, weshalb das Lautrepertoire in Namen heute kleiner ist als früher. Eine besagt, dass im Zeitalter niedriger Geburtenraten die Geburt eines Kindes zu einem seltenen, sorgfältig geplanten Ereignis wird und dass die Eltern der Kindheit viel mehr Bedeutung zumessen. Deshalb soll das Kind einen Namen bekommen, den es möglichst früh aussprechen kann. Es wäre dann kein Zufall, dass sich aus den häufigsten Buchstaben in Vornamen auch das Wort Lallen bilden lässt. Hinzu kommt, dass der Klang eines Namens in den vergangenen Jahrzehnten wichtiger wurde als seine Bedeutung.
Das ist eine schöne Theorie. Sie erklärt allerdings nicht, weshalb der Trend bei den Männernamen weniger ausgeprägt ist.
Quelle: BFS. Hier können Sie nach Ihrem eigenen Namen suchen.