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Alte Schule neu interpretiert
Wie selbstverständlich steht der Erweiterungsbau der Quaderschule in Chur an seinem Platz, denn die Idee, diese Stelle zu bebauen, geht bereits auf den Masterplan von 1907 zurück, als Schäfer & Risch das Quaderschulhaus entwarfen.
Wie selbstverständlich steht der Erweiterungsbau der Quaderschule in Chur an seinem Platz, denn die Idee, diese Stelle zu bebauen, geht bereits auf den Masterplan von 1907 zurück, als Schäfer & Risch das Quaderschulhaus entwarfen. Sie planten es als Teil eines Konglomerats von Bauten, die sich um die zentral gelegene Quaderwiese gruppieren. An der Stelle des heutigen Neubaus waren Villen vorgesehen, die die Wiese nach Süden abschliessen sollten.
Die Villen wurden nie gebaut, die Fläche südlich der Quaderwiese blieb leer — bis Schwander & Sutter Architekten im Wettbewerb von 2007 für ihren Entwurf ebendiese Lage als Standort wählten. Inhalt des Wettbewerbs war nicht nur ein Ergänzungsbau zum bestehenden Schulhaus, sondern auch die Sanierung des Altbaus.
Der Neubau ordnet sich in den bestehenden Komplex ein, schafft sich aber als würfelartiger Solitär eine selbstständige Position im Ensemble. Er schliesst eine Lücke, nicht nur städtebaulich, sondern auch organisatorisch: Die Quaderschule hat mit dem Neubau Werkräume erhalten, die für den Schulbetrieb nach dem Schulmodell von 2004 und der damit einhergehenden Zusammenlegung von Sekundar- und Realschule nötig wurden. Das Gebäude nimmt die Grundrissorganisation des bestehenden Schulhauses auf. Gegen die Strasse befinden sich die Erschliessungs- und Nebenräume, gegen die Quaderwiese die ruhigeren Schul- und Werkräume. Diese Dualität von lauten und leisen Räumen taucht auch in der Gestaltung des Innenraums wieder auf: Während die Nebenräume in Sichtbeton ausgeführt sind, prägt warmes Holz die Schulräume.
Auch mit der Fassade tritt der Neubau in einen Dialog mit dem Altbau, denn sie nimmt die vertikale Gliederung des Bestands auf. Entstand die vertikale Strukturierung des Altbaus durch farbliche Akzentuierungen der Lochfassade, ist sie beim Neubau eine Folge der Struktur des Stützenbaus. Brüstungselemente aus gelaserten Baubronzeplatten schliessen die bodentiefen Fenster in den Stützenzwischenräumen ab und nehmen das den Altbau prägende Thema der Ornamentik auf. Das traditionelle Handwerk trifft in der Interpretation von Schwander & Sutter Architekten auf innovative Technik. So führen sie zum einen den gestalterischen Gedanken des Altbaus weiter, zum anderen nehmen sie direkten Bezug auf die Nutzung des Neubaus als Werkbau.
Erweiterung Oberstufenschulhaus, 2012
Loestrasse 1, Chur GR
– Bauherrschaft: Stadt Chur
– Architektur: Schwander & Sutter Architekten, Chur
– Mitarbeit: Josua Gamper
– Auftragsart: offener Projektwettbewerb, 2007
– Kosten (BKP 1– 9): ca. CHF 6 Mio.
– Gebäudekosten (BKP 2 / m³): ca. CHF 909.–