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Der französische Nobelklub Paris Saint-Germain hat zugegeben, dass einige seiner Talentspäher in den letzten fünf Jahren bei der Rekrutierung junger Spieler Rassenprofile verwendet haben. So wollte man die Anzahl dunkelhäutiger Spieler begrenzen, die für den Verein in Frage kämen.
Die Diskriminierungsvorwürfe machte gestern «Mediapart» publik, die als Partner eines europäischen, investigativen Journalismus-Kollektivs fungieren. Mit Hilfe von gehackten Dokumenten wird so das interne Gebahren mehrerer europäischer Spitzenfussballklubs ans Licht gebracht.
Die veröffentlichten Scouting-Berichte, die offenbar von 2013 bis Anfang dieses Jahres von PSG-Talentspäher verwendet wurden, zeigen auf, wie man dort die jungen Spieler bewertete: So gab es – neben der Einschätzung der physischen und technischen Fähigkeiten eines Spielers – ein Kästchen, bei dem man die «Herkunft» markieren sollte.
Franzose, Nordafrikaner, Schwarzafrikaner oder Westinder?
Der Klub, der im letzten Jahrzehnt dank Finanzspritzen von seinen katarischen Besitzern in die europäische Fussballelite aufstieg, behauptete in einem Statement, die Generaldirektion hätte keine Kenntnis vom Programm zur Erstellung von Rassenprofilen gehabt.
PSG gibt den «Schwarzen Peter» weiter
Die Schuld liege bei einem ehemaligen Mitarbeiter, der für die Leitung einer Mannschaft verantwortlich war, welche Spieler ausserhalb der Region Paris rekrutierte. Ausserdem sei beim Auftauchen der Vorwürfe sofort eine interne Untersuchung eingeleitet worden. Der Pariser Nobelklub bestätigte gleichzeitig, dass das Formular seit Jahren verwendet wurde. Die darin
erwähnten Informationen würden «den Geist und die Werte von Paris Saint-Germain verraten.»
Beim betreffenden Mitarbeiter soll es sich laut «Mediareport» um Marc Westerloppe handeln. Der ehemalige Leiter der Scouting-Abteilung war bis vor Kurzem für die Region ausserhalb von Paris zuständig. In einer Sitzung erklärte er, der Verein brauche «mehr Gleichgewicht, weil es zu viele Afrikaner und Westinder ausserhalbs von Paris gibt».
Auch bei «Les Bleus» gab es eine ähnliche Affäre
Die «Rekrutierungsaffäre» sorgt in Frankreich derweil für grossen Wirbel. Die «New York Times» sieht Paralellen zu einem Vorfall von 2011. Damals sollen hochrangige Beamte des französischen Fussballverbandes, darunter der damalige Nationaltrainer Laurent Blanc, über die Einrichtung geheimer Quoten diskutiert haben. So wollte man in den Jugendakademien die Anzahl der afrikanischen Spieler begrenzen. Während man Blanc nach einer Untersuchung freisprach, wurde ein weiterer Beamter entlassen.
Die Enthüllungen weiteten sich schnell zu einem nationalen Skandal aus. Zahlreiche Debatten über Integration und Diskriminierung verschiedener Ethnien waren die Folge.
Der aktuelle Rummel beim unangefochtenen Leader der Ligue 1 kommt nur wenige Monate nach einem vielumjubelten Sieg der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer. Dort setzte sich die «Équipe Tricolore» aus Spielern mit unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen zusammen. Ein Erfolgsrezept, welches offenbar noch nicht in alle Köpfe vorgedrungen ist.