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Mit dem langsamen Sinken der Pegelstände wird das Ausmass der Zerstörung durch den Wirbelsturm «Harvey» in Texas immer deutlicher. Präsident Donald Trump flog am Samstag zum zweiten Mal ins Katastrophengebiet.
Am Freitag hatte die Regierung im Kongress, dem US-Parlament, erste Hilfsgelder in Höhe von 7.85 Milliarden Dollar beantragt - fast zwei Milliarden mehr als ursprünglich im Gespräch gewesen waren. Ein Grossteil der Gelder soll in den ausgeschöpften Topf der Behörde für Katastrophenmanagement (Fema) fliessen.
Bereits 440'000 Menschen haben Anträge auf Bundeshilfen gestellt. Nur ein kleiner Teil der Flutopfer in Texas ist gegen Hochwasser versichert.
«Harvey» könnte nach ersten Schätzungen zur teuersten Naturkatastrophe in der Geschichte der USA werden. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, erwartet allein weit mehr als 100 Milliarden an Kosten für die Nothilfe der Bundesregierung.
Schon nächster Wirbelsturm erwartet
Derweil hat sich über dem Atlantik der nächste potenziell hochgefährliche Wirbelsturm zusammengebraut. «Irma» setzte nach Angaben des Hurrikan-Zentrums am Samstag im Atlantik ihren Weg in Richtung Kleine Antillen fort und könnte Anfang nächster Woche als mächtiger Hurrikan der vierthöchsten von fünf Stufen über sie hinwegfegen.
Ob der Sturm danach Kurs auf die US-Küste nehmen wird, war aber noch völlig unklar. Erste konkretere Aufschlüsse darüber erwarten Meteorologen Mitte kommender Woche.
«Harvey» war am 25. August ebenfalls als Hurrikan der Kategorie vier auf die osttexanische Küste geprallt. Danach schwächte er sich zwar rasch zu einem tropischen Sturm ab, verursachte aber heftigen Regen. Innerhalb weniger Tage fielen in Texas bis zu 1250 Liter Niederschlag pro Quadratmeter - ein Rekord für das Festland der USA.
Überflutungen gab es auch in Louisiana, und noch am Freitag brachte «Harvey» - da nur noch ein tropisches Tiefdruckgebiet - starke Regengüsse nach Tennessee.
Zwar sanken langsam die Pegelstände in Texas, doch von Entwarnung konnte noch keine Rede sein. So lagen im Gebiet um die Stadt Beaumont im Osten des Staates am Freitag die Wasserhöchststände noch um rund zwei Meter über den bisherigen Rekorden. «Das wird noch eine Woche lang so bleiben», sagte Gouverneur Abbott. Die Stadt werde von aussen mit Wasser und Nahrung versorgt. Auf Bildern war zu sehen, wie Menschen Schlange standen und auf Wasser warteten.
Chemiefabrik brennt erneut
In der überschwemmten Chemiefabrik in Crosby bei Houston brannte es am Freitag erneut. Aus einem Gebäude schlugen Flammen, und es stieg schwarzer Rauch auf. Schon in der Nacht zum Donnerstag hatte es dort mehrere kleinere Explosionen und Brände gegeben. In der Fabrik war wegen der Überschwemmungen die Kühlanlage ausgefallen. Die dort gelagerten organischen Peroxide erwärmten sich, deswegen bestand Explosionsgefahr.
Die Feuerwehr beschloss, vorerst nicht einzugreifen. Es sei besser, die noch vorhandenen Behälter in den nächsten Tagen ausbrennen zu lassen, «als Feuerwehrleute in Gefahr zu bringen», sagte der stellvertretende Bezirksfeuerwehr-Chef Bob Royall.
Über die Zahl der Todesopfer der Flutkatastrophe gab es weiterhin keine Klarheit. US-Fernsehsender wie Fox News und CNN gaben am Freitag die inoffizielle Zahl von 47 Toten an.
Tote bei Tropensturm in Mexiko
In Mexiko kamen derweil mindestens vier Menschen durch den Tropensturm «Lidia» ums Leben. «Lidia» wütet seit Mittwoch an der mexikanischen Pazifikküste in Baja California. In Cabo San Lucas und San José del Cabo wurden Touristen in Sicherheit gebracht.
Rund tausend Menschen wurden in Notunterkünfte in La Paz gebracht, der Hauptstadt des Bundesstaates Baja California Sur. Rund 3000 weitere kamen in Notunterkünften in Los Cabos unter. (sda/dpa/afp)