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Es wird als grösstes Comeback der Box-Geschichte beworben: Mike Tyson – mittlerweile 54 Jahre alt – will am 28. November in den Ring zurückkehren und einen Showkampf gegen Roy Jones Jr. (51) bestreiten. Zur Verringerung der Verletzungsgefahr treten Tyson und Jones mit grösseren und stärker gepolsterten Handschuhen an. Der Ringrichter ist angehalten, den Kampf zu stoppen, wenn er «die Grenzen einer kompetitiven Box-Vorführung überschreitet».
Trotz dieser Vorsichtsmassnahmen stellt sich nun die Frage, ob der Kampf wirklich eine gute Idee ist: In der ITV-Show «Good Morning Britain» mit den bekannten Moderatoren Piers Morgan und Susanna Reid sollte Tyson in einem Live-Interview Werbung für den Kampf machen, doch der Auftritt verkam zum Desaster.
Der ehemalige Schwergewichtsweltmeister wirkte müde und angeschlagen. Zudem lallte er und hatte Probleme, die richtigen Worte zu finden und die Augen offen zu halten. Morgan und Reid wirkten irritiert, führten das Interview aber immer weiter, fragten den Hobby-Taubenzüchter auch zu politischen Themen wie Donald Trump und Black Lives Matter. Es kam allerdings wenig dabei heraus.
Einmal drohte Tyson gar vornüberzufallen. Just in dem Moment fragte Reed: «Es gibt Sorgen, ob zwei Männer in ihren Fünfzigern tatsächlich noch einmal ohne Kopfschutz gegeneinander in den Ring steigen sollten. Was sagen Sie zu diesen Sorgen?» Nachdem sich Tyson wieder aufgerichtet hatte, erklärte er ohne auf die eigentliche Frage einzugehen: «Ich finde es wundervoll, dass wir kämpfen. Wir hätten den Kampf früher haben sollen, aber wir haben ihn stattdessen jetzt. Das wird grossartig.»
Tysons Auftritt schlug natürlich sofort hohe Wellen. Auf Social Media äusserten viele ihre Besorgnis über den bevorstehenden Kampf. Der britische Radio-Journalist Mike Graham dagegen kritisierte seine Journalisten-Kollegen für das Interview scharf: «Dieser Mann ist offensichtlich nicht im Zustand, vor eine Kamera zu treten. Er war vielleicht betrunken», sagte er in seiner Sendung auf Talk Radio. «Meine Producer hätten gesagt: ‹Man kann ihn nicht live gehen lassen. Er wird lächerlich aussehen, es würde aussehen, als ob wir das ausschlachten wollen.›» Tyson so zu zeigen sei «beschämend».
Was Graham ausserdem auffiel: Weder der sonst sehr selbstvermarktungsfreudige Morgan noch die Sendung verbreiten das Tyson-Interview von sich aus auf ihren sozialen Kanälen.
Tyson selbst meldete sich nach der Sendung via Twitter zu Wort und erklärte seinen Auftritt mit Müdigkeit. Denn das Interview wurde in Grossbritannien kurz vor 7 Uhr morgens ausgestrahlt. In Los Angeles, von wo aus «Iron Mike» zugeschaltet war, war es zu diesem Zeitpunkt kurz vor 23 Uhr.
«Ich habe versucht, für das Interview lang wach zu bleiben, aber ich bin eingeschlafen und wenn ich einmal schlafe, bin ich schwer wieder aufzuwecken, wie ein Löwe», erklärte Tyson. «Ich trainiere hart und gehe früh ins Bett.» Auch für die unkoordinierten Kopfbewegungen nannte er eine Begründung: «Ich hatte keinen Monitor und konnte euch nicht sehen, ich habe vergessen, in die Kamera zu gucken.»
Stand jetzt geht der Kampf wie geplant am 28. November in der «Dignity Health Sports Park»-Arena im kalifornischen Carson über die Bühne und soll über acht Runden gehen. Tyson bestritt seinen bislang letzten Kampf am 11. Juni 2005, nach krachenden K.-o.-Niederlagen gegen die No-Names Danny Williams und Kevin McBride erklärte er damals seine Karriere für beendet. (pre)