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Britische Polizei verliert nach IT-Panne 150'000 Datensätze15. Januar 2021 um 16:02
DNA-Spuren, Fingerabdrücke und Festnahmeprotokolle sind aus der Datenbank verschwunden. Auch die Ausstellung von Einreisevisa wurde gestört.
Eine IT-Panne hat bei der britischen Polizei dazu geführt, dass über 150'000 Festnahmeprotokolle gelöscht wurden. Dazu gehören auch DNA-Spuren und Fingerabdrücke. Das Innenministerium bestätigte einen entsprechenden Bericht der 'Times'. Das genaue Ausmass der Panne beim Police National Computer (PNC) würde derzeit noch ermittelt. Hochrangige Beamte wurden zu einem Krisen-Meeting einberufen.
Laut 'The Times' (Paywall) wurden bei einer wöchentlichen sogenannten Weeding-Sitzung zum Bereinigen alter Daten fälschlicherweise die gültigen Daten entfernt. Die Panne werde auf einen Softwarefehler zurückgeführt. Vorsätzliche Aktivitäten wie ein Cyberangriff wurden von der Polizei ausgeschlossen. Man würde versuchen, die Daten wiederherzustellen. Gemäss 'The Register' weisen die Erklärungen darauf hin, dass sich die Daten nicht einfach über Backups rekonstruieren liessen.
Das PNC-System steht in einem Rechenzentrum in Hendon und wird von den territorialen und regionalen Polizeikräften Grossbritanniens, den Sicherheits- und Geheimdiensten (MI5, MI6) und weiteren Behörden genutzt. Der PNC ermöglicht Echtzeit-Überprüfungen von Personen und Fahrzeugen, weiter sind damit forensische Systeme etwa für Biometrie-Abgleiche verbunden.
Polizei beschwichtigt: nur Daten von Freigelassenen
"Das ist potenziell katastrophal. Wenn die Daten gelöscht wurden, wird die Polizei nicht in der Lage sein, Beweise an Tatorten mit dem Täter in Verbindung zu bringen", erklärte eine Quelle der 'Times'.
Das Innenministerium sagte in einem Statement: "Das Problem bezog sich auf Personen, die verhaftet und freigelassen wurden, bei denen keine weiteren Massnahmen ergriffen wurden, und es wurden keine Datensätze von kriminellen oder gefährlichen Personen gelöscht."
Ein ehemaliger Polizeichef erklärte, diese Daten seien aber trotzdem wichtig für mögliche Verfahren oder spätere Ermittlungen. Die gelöschten Datensätze würden einen "sehr grossen Anteil" der 650'000 jährlich festgenommenen Personen darstellen. Der Verlust sei ein "Risiko für die öffentliche Sicherheit und ein Risiko für den Schutz schutzbedürftiger Personen im ganzen Land".
Die Löschung verursachte auch ein Chaos beim Visumsprozess. Die Anträge, die mit dem PNC abgeglichen werden, wurden für zwei Tage ausgesetzt, seien nun aber wieder aufgenommen worden.
Brexit erschwert Zugang zur europäischen Datenbank
Das Timing sei für die Regierung peinlich, schreibt die 'Times', da diese darauf bestanden habe, dass Grossbritannien nach dem Brexit trotz des Verlusts des Zugangs zu einer wichtigen europäischen Datenbank über ausreichende kriminelle Informationen verfüge. Britische Polizisten hatten im vergangenen Jahr über 600 Millionen Anfragen an das Informationssystem SIS von Europol gestellt. Nach dem Brexit müssen sie nun in einem komplizierten Verfahren mit Hilfe von sogenannten Verbindungsbeamten Auskünfte daraus beantragen.
Die Oppositionspartei Labour kritisierte nach der Panne die zuständige Innenministerin Priti Patel scharf: "Dies ist eine ausserordentlich schwerwiegende Sicherheitsverletzung, die enorme Gefahren für die öffentliche Sicherheit darstellt."
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