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Orden für zwei Historiker
Dank für Pflege und Vermittlung der französischen Kultur
Die beiden Freiburger Historiker Alain-Jacques Czouz-Tornare und Georges Andrey wurden gestern abend vom Französischen Staat mit dem Orden für besondere Verdienste um das Kultur- und Bildungswesen ausgezeichnet.
Von ANTON JUNGO
Die beiden Historiker haben nicht nur einzeln zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten verfasst. Eines ihrer jüngsten Werke, die Biografie von Louis d’Affry, dem ersten Landammann der Schweiz (1743 bis 1810), ist ein Gemeinschaftswerk. Zusammen mit Schauspielern und Musikern haben sie gestern im Rahmenprogramm der Ordensverleihung Szenen aus dem Leben von Louis d’Affry vorgetragen.
Das Werk und die Verdienste der beiden Historiker wurden von Alain Sauval, Verantwortlicher für Zusammenarbeit und kulturelle Beziehungen der französischen Botschaft in Bern, gewürdigt. Der 47-jährige Jacques Czouz-Tornare, französisch-schweizerischer Doppelbürger, hat 1996 an der Universität Sorbonne ihm Rahmen eines militärhistorischen Themas über die französisch-schweizerischen Beziehungen am Ende des 18. Jahrhunderts doktoriert.
Die Doktorarbeit des 66-jährigen Georges Andrey aus dem Jahre 1972 an der Universität Freiburg befasste sich mit dem Thema der politischen Flüchtlinge, die während der Französischen Revolution in die Schweiz kamen. Besondere Aktualität hatten ihre Werke im vergangenen Jahr, anlässlich der 200-Jahr-Feiern der Mediationsakte, erlangt.
Georges Andrey wurde mit dem Orden eines Offiziers und Alain-Jacques Czouz-Tornare mit jenem eines Ritters des französischen Bildungs-Ministeriums ausgezeichnet. Der Orden ist 1808 von Napoleon eingerichtet worden. Also eigentlich eine rein französischsprachige Angelegenheit, könnte man meinen. Aber schon Alain Sauval hatte in seinen Laudationes deutschsprachige Passagen eingeflochten. Und in seiner Dankesrede wies Georges Andrey ausdrücklich darauf hin, dass er die Auszeichnung nicht nur für sich in Anspruch nehme, sondern mit dem ganzen Kanton Freiburg teilen wolle und vor allem mit Paul Fries, dem früheren Präsidenten der Deutschfreiburgischen Arbeitsgemeinschaft (DFAG).
Er erinnerte an die Zeit, als er 1985 Gründungsmitglied und erster Präsident der Communauté romande du Pays de Fribourg (CRPF) war. «In einer Zeit, wo das Verhältnis zwischen der CRPF und der DFAG eher verkrampft scheine, wolle er an drei Tatsachen erinnern», hielt er fest:
l Die CRPF sei 1985 gegründet worden, um im Kanton Freiburg die französische Sprache und Kultur zu fördern. Dies im Respekt gegenüber einem Kanton, der seit jeher – wie es scheine – zwei Sprachgemeinschaften habe, die miteinander im Frieden leben;
l zur Gründungsversammlung der CRPF habe er damals bewusst Paul Fries, den Präsidenten der DFAG, eingeladen. Und Paul Fries habe bei diesem Anlass betont, dass er sich freue, mit der CRPF endlich einen französischsprachigen Gesprächspartner gefunden zu haben;
l d er Dialog zwischen den beiden Interessengemeinschaften sei tatsächlich zustande gekommen. Die beiden Präsidenten trafen sich regelmässig und an den Mitgliederversammlungen erteilten sie jeweils einander das Wort.
Willen zum Zusammenleben und zum Dialog verstärken
«Der Dialog setzt eine ständige Bereitschaft und den Willen voraus, gemeinsam zu leben. Ohne diesen gemeinsamen Willen bleibt jede Gesetzgebung ein Papiertiger und wird auch die neue Verfassungen keine Neuerungen bringen», ist Georges Andrey überzeugt. Als erstes gelte es deshalb, zusammen den Willen zum gemeinsamen Leben mit allen vorstellbaren Mitteln zu fördern. «Wenn dies gelingt, sind unsere Probleme schon zur Hälfte gelöst», hielt er fest.
Paul Fries seinerseits erinnerte daran, dass er zusammen mit Georges Andrey für die Annahme des Sprachenartikels in der Kantonsverfassung eingestanden sei. Der Artikel habe ja nicht nur die Anerkennung der deutsche Sprache als Amtssprache gebracht und das Territorialitätsprinzip eingeführt. Verankert wurde auch der Satz: «Das Verständnis zwischen den beiden Sprachgemeinschaften soll gefördert werden.»
Er bedauerte, dass sie nicht mehr Präsidenten waren, als über die Einführung der Partnersprache abgestimmt wurde, und ist überzeugt, dass sie gemeinsam ein Ja erreicht hätten. «Wir waren nämlich immer überzeugt, dass die Muttersprache nicht geschwächt wird, wenn man eine andere Sprache lernt. Mehrere Sprachen zu sprechen stehe ja nicht im Widerspruch dazu, die eigene Sprache zu lieben und zu pflegen,» hielt er fest.