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Melatonin, Serotonin und Frühlingsgefühle
Im Frühling werden die Tage länger, und die Sonne zeigt sich immer häufiger. Die Natur erwacht und blüht auf. All das sorgt dafür, dass wir uns wohler fühlen und aktiver sind – und uns vielleicht sogar leichter verlieben?
Solche Frühlingsgefühle entstehen allerdings nicht durch Sexualhormone, wie man vermuten könnte. Männer produzieren erst anfangs Sommer am meisten Testosteron, und Frauen, die die Pille nehmen, sind ohnehin etwas resistenter gegen solche Einflüsse. Es sind zwei andere Hormone, die für die Frühlingsgefühle verantwortlich gemacht werden: Sie heissen Melatonin und Serotonin.
Serotonin – ein Hormon mit vielen Eigenschaften
Serotonin ist eines der ältesten und verbreitetsten Hormone bei allen Lebewesen. Es findet sich sogar in Amöben, sowie in Pflanzen, manchen Pilzen und fast allen Tieren. Beim Menschen kommt es einerseits im Herz-Kreislauf-System, im Magen, Darm und in den Augen vor, andererseits auch im Gehirn. Da Serotonin nicht durch die Blut-Hirn-Schranke gelangen kann, ist das Serotonin im Gehirn von den anderen Bereichen getrennt. Wenn Serotonin ins Blut gespritzt oder mit der Nahrung aufgenommen wird, hat dies also keinen direkten Einfluss auf das Gehirn. Obwohl Walnüsse und Schokolade relativ viel Serotonin enthalten, ist es also nicht dieses Hormon, das uns beim Verzehr dieser Nahrungsmittel glücklich macht (viel eher bewirken der angenehme Geschmack und die Gewohnheit, dass andere "Glückshormone" wie Dopamin ausgeschüttet werden).
Im Menschen hat Serotonin sehr viele Wirkungen. Auf das Kreislaufsystem kann es sowohl verengend als auch entspannend wirken. Im Gehirn ist Serotonin an vielen verschiedenen Funktionen beteiligt, wie der Wahrnehmung und Temperaturregulation, dem Schmerzempfinden, Appetit und Sexualverhalten. Appetit und Sexualverhalten werden vom Serotonin gehemmt, es wirkt dabei als Gegenspieler des Dopamins. Eine Überdosis von Serotonin im Gehirn führt z.B. zu Unruhe und Halluzinationen. Ein Serotoninmangel kann zu Angst, Depressionen und aggressivem Verhalten führen, denn Aggressionen werden durch Serotonin gehemmt.
Das "Dunkelheitshormon": Melatonin
In der Zirbeldrüse, im Zentrum unseres Gehirns, wird Serotonin in Melatonin umgewandelt. Die Umwandlung wird von Enzymen ausgeführt, die durch Licht gebremst werden. In der Nacht wird somit etwa zehnmal so viel Melatonin produziert wie am Tag. Melatonin macht müde und lässt einen tiefer schlafen. Ein Mangel an Melatonin führt zu Schlafstörungen und hat damit auch einen negativen Einfluss auf das Gedächtnis. Im Winter wird wegen der längeren Dunkelheit 80% mehr Melatonin produziert als im Sommer. Dies erklärt, weshalb man im Winter träger ist und sich im Frühling immer aktiver fühlt.
Eine gesunde Ernährung mit genügend Tryptophan ist wichtig, um einem Mangel an Serotonin und Melatonin vorzubeugen. Diese essentielle Aminosäure ist ein Vorläuferstoff, aus dem Hormone gebildet werden. Ein wirklicher Mangel an Tryptophan ist jedoch selten, da es in unserer Nahrung häufig vorkommt. Vitamin B3 fördert die Verwendung des Tryptophans im Körper. Cortisol, das bei Stress vom Körper gebildet wird, bremst den Tryptophanstoffwechsel.