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Mitte des 19. Jahrhunderts war der Rothirsch in der Region ausgerottet. Etwa 50 Jahre später wanderte das stolze Geweihtier von Mittel- und Nordbünden ins Engadin ein. In den Sommermonaten leben rund 2'000 Hirsche im Nationalpark. Der Vorteil: Die Tiere werden vor menschlicher Störung geschützt und erhalten ausreichend Nahrung – Dinge, die sie in der freien Natur nicht unbedingt haben. Für Besucher hat es den Vorteil, dass sie hautnah die stolzen Geweihträger erleben können, denn die Hirsche haben sich an die Menschen gewöhnt.
Die Hirschkühe leben in der Regel mit den Jungtieren und Kälbern zusammen. Weil die meisten Tiere kein Geweih tragen, werden sie auch als Kahlwildrudel bezeichnet. Die männlichen Tiere trennen sich meist nach etwa 2 Jahren vom Rudel, während die weiblichen Tiere eine stärkere Bindung zu den Jungtieren haben.
Der männliche Rothirsch - Wissenswertes
Das Geweih der männlichen Rothirsche gilt als Imponier- und Kampforgan. Es besteht aus einem paarigen Knochen, der den Hirschen zwischen März und Juli aufgebaut und zum Ende des Winters hin wieder abgeworfen wird.
Während des Wachstums ist das Hirschgeweih durch eine stark durchblutete Haut, dem so genannten Bast, überzogen. Nach dem Wachstumsende wird der Bast an Bäumen und Sträuchern abgerieben, was auch als "gefegt" bezeichnet wird. Durch die Blut- und Erdrückstände erhält das Geweih seine braune Farbe.
In der Brunftzeit beherrschen intensive Rangkämpfe das Leben der männlichen Hirsche. Sie kämpfen um die Gunst der Hirschkühe, wobei Verletzungen oder sogar der Tod nicht ausgeschlossen sind. In manchen Fällen verliert der Hirsch ein Teil seines Geweihs, was ihm einen Nachteil gegenüber der Konkurrenz beschert. Die Hirschstiere folgen den Kühen, bis diese die Paarung zulassen. Denn die Damen sind wählerisch und akzeptieren nicht jeden Partner – sondern suchen sich ihren Hirsch aus.
Die Hirschkälber
Anfang bis Mitte Juni werden die Hirschkälber geboren. Die Hirschkühe trennen sich vor der Geburt vom Rudel, um Störungen zu vermeiden. Ein Hirschkalb wiegt zwischen 5 und 10 Kilogramm und ist bei der Geburt vollständig entwickelt. Um den Kontakt mit dem jungen Kalb aufzunehmen, leckt die Mutter das Tier ab. Die Kälber haben eine auffällige Fleckung, welche zur Tarnung dienen soll. Im Laufe des Sommers verschwindet die Färbung. Entfernt sich die Mutterkuh von dem Kleinen, macht es durch Mahnrufe auf sich aufmerksam. Zudem erkennt die Hirschkuh das Jungtier am Geruch und bei einer Beunruhigung des Jungtieres sondert dieses ein Sekret ab, das die Mutter erkennt und zu ihrem Tier zuordnet.