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Von Ruedi Josuran
Es war heftig, war plötzlich wieder da. Scheinbar aus dem Nichts. Ohne Vorwarnung. Mein Gehirn wurde überflutet. Das Kopfkino aktiviert. Angst, Sorgen und Überforderung dominierten. «Wie geht es jetzt weiter? Schaffe ich es, da herauszukommen? Ich habe nichts Falsches gemacht und jetzt das …»
Das, was gerade passiert, kann ich eigentlich nicht gebrauchen momentan und würde am liebsten alles abschütteln, mich irgendwie betäuben. Mein Blick fällt auf die Minibar im Hotel und auch auf das TV-Angebot. Alles Stimmungs-Aufheller, die Erleichterung bringen könnten. Bevor die Sorgenspirale weiterdreht, spreche ich ein kurzes Gebet, lege Gott alles hin, ohne es fromm zu reden. Ich mache mich auf einen Spaziergang in der Kälte. Irgendwie wird mir klar: Gefühle und emotionales Leiden sind Teil meiner Lebensrealität. Das Bedürfnis, schwierige Situationen zu verdrängen oder sich zu betäuben, ist eine häufige, aber ungesunde Reaktion auf schwierige Situationen, die Ohnmacht auslösen.
«Aushalten anstatt ausbrechen» ist oft eine komplexe Entscheidung. Es kann helfen, sich Zeit zu nehmen, um zu reflektieren. Nach Möglichkeiten zu suchen, mit der Situation umzugehen, anstatt ihr einfach zu entfliehen. Die Nacht liege ich in meinem Zimmer wach und notiere mir alles, was bisher in meinem Leben hilfreich war:
Achtsamkeit und Akzeptanz: Statt mich von unangenehmen Gefühlen abzuwenden, versuche ich, sie anzunehmen und achtsam zu sein. Ich akzeptiere, was ich fühle, ohne es zu beurteilen. Es geht darum, mir bewusst zu machen, was ich erlebe, ohne dagegen anzukämpfen.
Gefühle zulassen: Ich erlaube mir, meine Gefühle zu fühlen, auch wenn sie unangenehm sind. Unterdrücken kann kurzfristig helfen, aber langfristig ist es besser, sie anzuerkennen und zu verstehen.
Selbstfürsorge: Ich nehme mir Zeit für Selbstfürsorge. Das kann bedeuten, Dinge zu tun, die mir Freude bereiten wie Spaziergänge, Lesen oder Zeit mit Freunden.
Unterstützung suchen: Ich spreche mit dem, der mich gemacht hat, gewollt hat und liebt. Ich spreche mit Gott so wie mit einem Freund. Ungeschminkt. Ohne Filter. Alles darf sein, jede Gefühlslage.
Perspektivenwechsel: Ich versuche, die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Manchmal kann eine neue Perspektive helfen, eine schwierige Situation besser zu verstehen oder anzunehmen. Lernen, mit Unsicherheit umzugehen: Krisen bringen oft Unsicherheit mit sich. Ich versuche, mich daran zu gewöhnen, dass nicht alles kontrollierbar ist, und konzentriere mich darauf, was ich beeinflussen kann.
Übung macht den Meister: Das Aushalten von schwierigen Situationen ist eine Fähigkeit, die man entwickeln kann. Je öfter ich mich damit auseinandersetze, umso besser werde ich darin.
Vielleicht ist das Akzeptieren der Situation das schwierigste Unterfangen. Besonders dort, wo ich mich selbst idealisiert und darauf vertraut habe, jede Situation in den Griff zu bekommen. Ich habe nie damit gerechnet, ernsthaft krank zu werden, die Kontrolle zu verlieren oder Grenzen zu erfahren. Wenn ich mir diese eingestehe, werde ich versöhnlicher. Dabei helfen mir innere Bilder, wie Jesus mit uns umgeht, uns wahrnimmt, mich sieht. Ach, fast hätte ich’s vergessen – die Minibar und die Fernbedienung im Hotel blieben damals unangetastet.