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Curiosity killed the cat
8. September 2019 | Sarah Kohler
Eine korrekte Übersetzung dieses Sprichworts gibt es im Deutschen nicht. «Die Neugier ist der Katze Tod» macht irgendwie nicht richtig Sinn. Was ist also dran, an diesem Sprichwort?
Das liegt daran, dass im Englischen «curiosity» die lateinische Wortwurzel «cura» aufblitzt, was im Deutschen «Sorge» heisst. «Curious» ist also derjenige, der sich sorgt – und zwar in ganz verschiedenen Schattierungen: von der liebevoll-aufmerksamen Sorgfalt des Handwerkers bis zur angstgetriebenen Pedanterie eines Zwangsneurotikers.
Fürsorglich handelt der gewissenhafte Forscher ebenso wie sich die aufgeregte Klatschblase und die übergeschäftig-besorgte Martha im Neuen Testament Sorgen machen. Sie alle kümmern sich mit Hingabe um etwas, das ihnen wichtig ist. Die «Gier nach Neuem», auf die der deutsche Begriff «Neugier» verweist, ist davon weit entfernt.
Sorgen sind der Katze Tod
Tatsächlich ist Sprichwort ganz anders entstanden. Mit «curiosity» meinte der Schöpfer dieser Redewendung vielmehr Kummer und Sorgen statt Wunderfitzigkeit. In schriftlicher Form taucht sie das erste Mal in 1598 in Ben Johnsons Stück «Every Man in His Humour» auf:
«Helter skelter, hang sorrow, care’ll kill a Cat, up-tails all, and a Louse for the Hangman. »
(«Holterdiepolter, hängt die Trauer, die Fürsorge wird eine Katze töten, alle mit einem Schwanz nach oben, und eine Laus für den Henker. »)
Sein Zeitgenosse William Shakespeare, der um eine gute Zeile nie verlegen war, übernahm die Formulierung wenig später in seiner Komödie «Viel Lärm um Nichts»:
«What, courage man! what though care killed a cat, thou hast mettle enough in thee to kill care. »
(Mut, Freund! Wenn der Gram auch eine Katze ums Leben bringen kann, so hast du doch wohl Herz genug, den Gram ums Leben zu bringen? »)
Zuviel Kummer und Sorgen bringen also die Katze um – nicht die Neugier. Aber warum eine Katze?
Neugier birgt auch Gefahren
Vermutlich deswegen, weil Katzen viele gefährliche Situationen überstehen und ihnen der Volksmund darum gleich mehrere Leben zugestanden hat. (Im angelsächsischen Sprachraum sind es übrigens deren neun, im Deutschen immerhin sieben Leben.) Die inhaltlich korrekte Entsprechung des englischen Sprichworts lautet demnach: «Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um». Womit die Neugier wieder ins Spiel kommt.
Neugier kann einen tatsächlich in gefährliche Situationen bringen. Das englische Sprichwort gibt es darum auch mit einer kleinen Erweiterung: «Curiosity killed the cat, but satisfaction brought it back.» Mit der Neugier geht immer auch ein bestimmtes Risiko einher. Und natürlich auch Befriedigung.
Genau damit spielen wir im Technorama: Wer neugierig ist, bringt sich hier zwar nicht in Gefahr, aber die Befriedigung und das wunderbare Aha-Erlebnis folgen bestimmt!