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So wie Schiffe und Hurricanes tragen auch Antibabypillen Frauennamen: Yasmin, Yira, Sara, Anouk … Es war auch eine Frau, die die Erfindung der Pille vorantrieb: Margaret Sanger wollte ein Kontrazeptivum entwickeln, das so einfach einzunehmen ist wie Aspirin. Wie wir inzwischen alle wissen, sollte ihr Plan aufgehen. Aber beginnen wir von vorne …
Krokodilkot und Rumgehüpfe
Verhütung war schon vor der Erfindung der Pille ein Thema. Im alten Ägypten strichen sich Frauen vor dem Sex eine Mischung aus Krokodilkot und Akazienhonig in die Vagina. Die Inhaltsstoffe veränderten das chemische Scheidenmilieu und blockierten so die Beweglichkeit der Spermien.
In der griechischen Antike wurde unter anderem die Methode des Auf- und Abspringens der Frau nach dem Sex praktiziert, um die Spermien wieder aus dem Uterus zu befördern. Einfallsreich? Ja. Effektiv? Eher nicht. Deshalb wurde schon bald mit anderen Lösungsansätzen experimentiert.
Kondome nur mit Rezept
Es blieb erfinderisch: Präservative wurden anfangs aus Fischblasen und Schafsdärmen hergestellt. 1855 brachte Charles Goodyear erstmals Gummikondome auf den Markt. Ein grosser Schritt in der Geschichte der Verhütung. Seit 1930 wird Latex als Material benutzt, noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts mussten Kondome aber vielerorts vom Arzt verschrieben werden.
1909 entwickelte der Arzt Richard Richter dann das erste Verhütungsmittel, das frau in die Gebärmutter einlegen kann. Geflochtene Seidenfäden, die an den Enden verknotet sind. Um Reizungen vorzubeugen, wurden die Enden mit Zelluloid überzogen und mit einem feinen Aluminium-Bronzedraht zusammengehalten. Der Vorläufer der heutigen Spirale war geboren!
Die Revolutionärin
1916 kommt die US-amerikanische Krankenschwester Margaret Sanger ins Spiel. Sie eröffnete in Brooklyn die erste Klinik für Familienplanung und Geburtenkontrolle. Sanger ist bekannt für ihre Rundbriefe und Zeitungsberichte, in denen sie erklärte, wie Frauen eine Schwangerschaft verhindern können. Ihre Empfehlung: Kondome verwenden oder die Vagina nach dem Geschlechtsverkehr ausspülen. Da das offene Sprechen über Sexualität und die Verbreitung von Informationen zum Thema Verhütung damals noch illegal sind, wird Margaret Sanger mehrfach verhaftet.
1951 ein Meilenstein: Chemiker Carl Djerassi entwickelt das erste künstliche Gestagen. Das Gelbkörperhormon verhindert den Eisprung, indem es dem Körper eine Schwangerschaft vorgaukelt.
Die Pille gabs nur gegen Mensschmerzen
In Anlehnung an Djerassis Ergebnisse entwickeln die Frauenrechtlerin Margaret Sanger, Biologin Cathrin McCormeg, Psychologe Gregory Pincus und Gynäkologe John Rock 1957 das Präparat «Enovid». Eine Tablette aus Östrogen und Gestagen. Die Pille wird erstmals vermarktet – allerdings nur als Medikament gegen Menstruationsschmerzen.
1960 wird die Pille in den USA schliesslich als Verhütungsmittel zugelassen. Ihr Östrogengehalt liegt bei 150 Mikrogramm. Zum Vergleich: Bei heutigen Präparaten liegt der Östrogengehalt bei 15 bis 35 Mikrogramm.
Verhütung nur für verheiratete Frauen
1961 ist es auch in Deutschland soweit. Die Pille «Anovlar» wird allerdings nur an verheiratete Frauen verschrieben. Sex vor der Ehe ist ja sowieso tabu. Der Östrogengehalt beträgt hier übrigens nur noch 50 Mikrogramm – die Dosis wurde reduziert, um aufgekommene Nebenwirkungen zu lindern.
Ein Indiz, dass kurz darauf auch Schweizer Frauen die Pille als Verhütungsmittel verwendeten? Ab dem Jahr 1965 wurden laut dem Bundesamt für Statistik (BfS) deutlich weniger (Lebend-)Geburten verzeichnet. Der sogenannte Pillenknick. Die erste in der Schweiz produzierte Antibabypille hiess übrigens «Noracyclin».
Die Pille als Befreiungsschlag
Die Verbreitung der Pille boomt, knapp 13 Millionen Frauen weltweit sollen sie 1967 als Verhütungsmittel anwenden. Und dann ändert sich so einiges …
Dank der 68er-Bewegung wird nicht nur viel offener über Sexualität gesprochen, sondern sie auch genauso ausgelebt. Sex und Fortpflanzung gehören nicht mehr per se zusammen. Ein weiteres Plus der Antibabypille: Frauen werden unabhängiger. Einem Universitätsabschluss und beruflichen Werdegang steht nichts mehr im Weg. Die Familienplanung verzögert sich und mit dem höheren Einkommen – da auch die Frau nun Geld nach Hause bringt – steigt die Reiselust der jungen Ehepaare.
Und heutzutage?
Gemäss BfS wenden im Jahr 2017 56.8 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Methode zur Empfängnisverhütung an. Wer die Pille nimmt? Vor allem die Jungen: 36.5 Prozent der 15- bis 24-Jährigen geben an die Pille zu verwenden. Im Alter zwischen 25 und 34 sind es 32 Prozent der Befragten. In der Altersgruppe 35 bis 44 sind es mit 16.4 Prozent deutlich weniger.
Nach dem Kondom ist die Pille die meist verwendete Verhütungsmethode. Ganze 90 Pillen-Präparate sind gemäss Swissmedic in der Schweiz zugelassen.