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Dem Monat Juni wird ein nasskalter Witterungsregelfall zugeschrieben, die Schafskälte. Besonders auffallend kommt die kalte Witterungsregel in der Klimaperiode 1931 bis 1960 zum Ausdruck. Heute ist dieser Kälterückfall noch immer ein Thema, allerdings kürzer und weniger kräftig.
Schafskälte im Juni
Als Witterungsregelfall oder Singularität wird eine an bestimmten Kalendertagen mehr oder weniger regelmässig auftretende Abweichung vom mittleren jährlichen Gang der meteorologischen Elemente bezeichnet. Die Schafskälte als Singularität bleibt deshalb der Junimitte vorbehalten. Kälterückfälle Anfang oder Ende Juni sind nicht dieser Singularität zuzuordnen.
Kühle Junimitte
In der Schweiz sind Kaltlufteinbrüche im Juni oft begleitet mit Neuschnee bis hinunter in Passlagen oder noch etwas tiefer. Nicht selten meldet Arosa auf 1850 m ü.M. im Juni an einem oder mehreren Tagen etwas Neuschnee. Das zeigt, dass solche Kaltlufteinbrüche in höheren Lagen einen empfindlichen Temperaturrückgang und winterliche Verhältnisse bringen. Entsprechend hinterlassen sie Spuren im Verlauf der mittleren Junitemperatur.
Der Rückfall auf kühlere Bedingungen Mitte Juni lässt sich bei der Tagesmaximum-Temperatur gut beobachten. Kein Signal der Schafskälte ist bei der Tagesminimum-Temperatur festzustellen.
Am Messstandort Davos zeigte die Klimaperiode 1901‒1930 vom 13. bis am 15. Juni einen markanten Rückgang der mittleren Tagesmaximum-Temperatur. Während der Klimaperiode 1931‒1960 lag die mittlere Tagesmaximum-Temperatur vom 10. bis am 18. Juni anhaltend deutlich tiefer als in den Tagen zuvor und danach. In der Klimaperiode 1961‒1990 verschob sich die Schafskälte auf den 15. bis 19. Juni. Die aktuell laufende Klimaperiode 1991‒2020 liefert die klassische Schafskälte vom 11. bis am 13. Juni, mittlerweile aber in recht abgeschwächter Form.
Periodisch keine Schafskälte
In einer früheren Analyse der Periode 1981‒2007 war die Schafskälte nicht erkennbar. Der durchschnittliche sommerliche Temperaturanstieg im Juni zeigte vielmehr sehr regelmässig über den Monat verteilte kleine Temperatureinbrüche von ähnlichem Ausmass.
Daraus ist zu schliessen, dass bei der Herausbildung von periodischen Witterungseigenheiten der Zufall, das heisst die Wahl der Analyseperiode eine wesentliche Rolle spielt. Mit anderen Worten: Was in der einen Analyseperiode recht markant zum Ausdruck kommt, ist vielleicht bereits in der nächsten nicht mehr sichtbar.
Warum der Name „Schafskälte“?
Die Herkunft des Begriffs «Schafskälte» wird je nach Quelle unterschiedlich erklärt. In der deutschen Literatur wird der Begriff vielfach darauf zurückgeführt, dass die nasskalte Witterungsphase im Juni frisch geschorenen Schafen übel mitspielen kann. In den Schweizer Alpen erfolgt die Schafsschur jedoch bereits im April. Bis im Juni ist dann wieder genügend wärmender Schafspelz nachgewachsen. Vom 15. bis 20. Juni findet jedoch der Alpauftrieb der Schafe statt. Und dann kommt es oft vor, dass der Beginn der Alpsömmerung der Schafe mit nasskalten Bedingungen zusammenfällt, was zum Begriff «Schafskälte» geführt hat (mündliche Mitteilung durch Herrn Alexander Dönz, Chur, Juni 2009).
Referenzen
- Scherhag R., W. Lauer, 1982: Klimatologie. Das Geographische Seminar. Westermann Verlag, Braunschweig.
- Schirmer H., 1987: Meyers kleines Lexikon Meteorologie. Meyers Lexikonverlag. Mannheim, Wien, Zürich.