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Firmengeschichte
1895 - 2019
Es war Johann Caspar Geissberger welcher nach der Wanderschaft durch Deutschland, Frankreich und der Schweiz schliesslich von Riniken im Kanton Aargau nach Zürich kam, wo er bereits 1859 die damalige Wagenfabrik Vogel an der Wiesenstrasse 10 im Zürcher Seefeld übernahm. Geissberger produzierte das ganze Spektrum von Fuhrwerken, vom Fourgon bis zum grossen Break de chasse. Er baute vor allem von der amerikanischen Mode bestimmte, leichte sportliche Fahrzeuge.
J.C Geissberger in hohem Alter. Er war der erfolgreichste Kutschenbauer der Nordostschweiz.
Am 14. März 1895 reichte Geissberger dem Gemeinderat Schlieren ein Kaufgesuch für rund 39´600 Quadratmeter Land ein. Bereits am 18. Mai des gleichen Jahres wurde der Kaufvertrag abgeschlossen und der Spatenstich erfolgte.
1896 wurde bereits der Betrieb in Schlieren ZH aufgenommen.
Das Areal grenzte an das Trasse der damaligen Nordostbahn. Auf diesem Grundstück baute Geissberger grosszügig konzipierte Werkstätten. Die Firma Geissberger & Cie beabsichtigte einerseits die Produktion von Luxus- und Lastwagen, sowie die Verfeinerung von Wagenräder in Schlieren auf eine breitere Basis zu stellen.
Am 01. Oktober 1896 wurde die bisherige Einzelfirma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Ihr gehörten nebst J.C Geissberger auch seine zwei Söhne Caspar und Robert an. Zusätzlich stiegen die Kommanditäre Julius Schwazenbach und Konrad Jenny mit einer Kommanditeinlage von je 100´000 Schweizer Franken in das Unternehmen ein.
Mit der Erweiterung und Ausgestaltung des Betriebes ging die Umwandlung der bisherigen Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft Hand in Hand. An jenem Donnerstag den 29. November 1899, nachmittags 14:30 Uhr, fand im Hotel Baur au Lac in Zürich die konstituierende Generalversammlung der Geissberger & Cie statt.
Als Urkundsperson amtete damals Notar Ulrich Karrer. Die Versammlung leitete Bankdirektor Joh. Jakob Rudolf, welcher später auch zum ersten Verwaltungsratspräsidenten der damaligen Gesellschaft ernannt wurde. Ausser ihm waren noch sechs weitere Aktionäre anwesend, nähmlich J.C Geissberger, Caspar Geissberger, Robert Geissberger, Julius Schwarzenbach, Oskar Guhl und Dr. M Baumann-Naef. Sie vertraten zusammen 985 Stimmen, bzw. Aktien des einbezahlten Grundkapitals der Gesellschaft von CHF 1´200 000 .--. Die Eintragung der damals neuen Aktiengesellschaft im Handelsregister erfolgte am 19. Dezember 1899.
Im Jahre 1901 wurde der von Geissberger & Cie. übernommene Teil der Luxus Pferdefuhrwerke in Schlieren definitiv eingestellt und der Fokus galt nun dem Bau von Schienenfahrzeugen. Ein neuer Geschäftszweig, der einerseits durch den Bau einer grösseren Zahl von elektrischen Schmalspurbahnen, sowie auch die Umstellung der damaligen stadtzürcherischen Strassenbahn auf elektrischen Betrieb, sehr lukrativ wurde.
Aus diesem Grund erfolgte 1901 die weitere Umbenennung in Schweizerische Wagonsfabrik A.G Schlieren. Die Konzentration auf den Wagonbau und die damit verbundene Umstellung im Fabrikationsprogramm führten auch zu einer Veränderung in der seit der Gründung massgeblichen Zusammensetzung der Persönlichkeiten.
Josef Koch Direktor der SWS von 1901 - 1942
Es ist der Zeitpunkt wo die Firmenabkürzung SWS ihren Ursprung nimmt und bereits zu dieser Zeit beginnt sich die Wirksamkeit eines Mannes abzuzeichnen, der fortan während mehr als vierzig Jahren die Geschichte des Unternehmens massgebend prägte: Des künftigen Direktors Josef Koch. Er trat am 01. Juli 1900 vorerst als technischer Direktor in das Unternehmen ein, im Range eines Kollektivprokuristen. Zuvor arbeitete er als Werkstattchef bei der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft (SIG) in Neuhausen.
Erste Serie Schlieren Reisezugwagons vom Typ B3 und C3 für die neugegründete SBB CFF FFS ab 1903
Nach stetig steigenden Bestellungen und Auslieferungen an Strassenbahnunternehmen und die damals noch aufgegliederten Schweizer Bahnunternehmungen, bestellte 1903 die neugegründete Schweizerische Bundesbahn SBB je 12 dreiachsige Personenwagen 2. und 3. Klasse in Schlieren. Diese erste Bestellung der Bundesbahnen löste auch einen sprunghaft ansteigenden Bestelleingang aus. So wurde auch die Bautätigkeit im Werk Schlieren weiter vorangetrieben.
Im Jahre 1906 verliess ein SBB C3ü als eintausendster Eisenbahnwagen das Werk in Schlieren. 1906 kam es auch zum ersten Streik des noch jungen Unternehmens. Die Holzarbeiter legten am 24.Februar 1906 kurz nach dem Zahltag ihre Arbeit für sechs Wochen nieder. Von diesen Ereignissen abgesehen, entwickelte sich das Unternehmen in ruhigen Bahnen weiter.
1909 erfolgte die zweitausendste Ablieferung eines Eisenbahnwagens an die Schweizerischen Bundesbahnen.
In das Jahr 1909 fällt auch die Gründung der Arbeiterkommission sowie der Hülfskasse. Bereits jetzt bestellten auch ausländische Bahngesellschaften erste Schienenfahrzeuge in Schlieren. So konnte die SWS 1910 einige vierachsige Wagen für die Orientalischen Bahnen nach Konstantinopel liefern.
1917 machte ein mysteriöses Gerücht die Runde, die SWS sei in deutschen Besitz übergegangen. Die SWS dementierte dies in öffentlichen Amtsblättern. Archiv SWS. Noch in der Zeit des ersten Weltkrieges übernahm die SWS im Jahre 1917 das Aufzugsgeschäft der damaligen Aufzüge- und Räderfabrik Seebach AG (ARSAG). In der Folge konnte ein weiterer wichtiger Geschäftszweig integriert werden.
Erbaut 1918: Die SWS C-1 entwickelt und erbaut in der Wagonsfabrik Schlieren.
Zwischen 1918 und 1919 gelang unseren Ingenieuren in Schlieren unter der Leitung von Flugpionier Adolf Schaedler die Planung und die Realisierung der SWS C-1 welche erstmals auch der Einstieg in den Flugzeugbau in Schlieren war.
Bereits im Jahre 1924 rüstete die SWS als erste Firma in Europa ihre Aufzüge mit sogenannten Treibscheibenantrieben aus. Diese Technik wurde kurz zuvor in den USA entwickelt. Dank einer Lizenzvereinbarung, konnte damals diese Technik im europäischen Raum bei uns weiterentwickelt werden.
1928 wurde in einer Versammlung die erneute Umbezeichnung des Unternehmens beschlossen. Mit dieser Änderung wurde dem neuen Kerngeschäft, dem Aufzugsbau eine feste Stellung in unserem Unternehmen einberufen. So wurde 1928 die Firmenbezeichnung zu Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren - Zürich vollzogen.
Die Jahre 1929 - 1930 brachten Vollbeschäftigung. Der ständig steigende Umsatz erforderte den Ausbau unserer Werkstätten in Schlieren und den technischen Büros. Ebenfalls im Jahre 1930 gelingt unseren Entwicklern im Aufzugbau eine Weltneuheit. Die erste Aufzugsteuerung welche mit Gleichstrom läuft. Diese Entwicklung verschaffte unserem Unternehmen internationales Ansehen.
Im Jahre 1925 beauftragte die Schweizerische Bundesbahn SCHLIEREN mit dem Studium für den Bau von Stahlwagen für den internationalen Personenverkehr.
Die in unserem Unternehmen massgeblich entwickelte Leichtstahlbauart für Reisezugwagen, galt rasch als wegweisende Entwicklung im Wagonbau. Der Auftrag einer Studie für eine neue Wagenserie mit vermindertem Wagengewicht gegenüber den schweren Stahlwagen, die rund 45 Tonnen wogen, einer um 5 km/h höheren Kurvengeschwindigkeit bei gleich bleibendem oder verbessertem Komfort erteilte der Zugförderungs- und Werkstättendienst der SBB im Jahre 1932 an uns. Es entstand ein Prototyp Leichstahlwagen, welcher ab 1937 serienmässig an die SBB und weitere Privatbahnen abgeliefert wurde.
In die Jahre 1936 - 38 fallen besonders gewichtig der erste Lizenzbauauftrag aus Deutschland für eine Rolltreppe nach Holland. Es sollte der Grundstein sein, für das dritte Kerngeschäft unseres Unternehmens in einer späteren Phase. Im Jahre 1937 lieferten wir den damals höchsten Aufzug der Welt auf das Jungfraujoch / Sphinx.
Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges 1939 setze aber langsam auch die erste Krise ein. Konkurrenz und die schwankende Auftragslage setzten auch der SWS in den folgenden Jahren zu. Dennoch deckten wir zusammen unter anderem mit der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft (SIG) in Neuhausen am Rheinfall praktisch die gesamte Nachfrage an Eisenbahnwagen im Inland ab.
In den ersten Nachkriegsjahren folgte ein weiterer Meilenstein. Durch einen Zusammenarbeitsvertrag zwischen den Indischen Staatsbahnen und der Konzernleitung in Schlieren konnte 1949 unter der damaligen Technischen Leitung von "Heinrich Saxer König" ein Grossauftrag in Indien realisiert werden.
Unser Unternehmen war massgeblich an der Projektierung und der Umsetzung einer neuen Wagonfabrik in Perambur (Indien) beteiligt. 1955 konnte schlussendlich die Intergral Coach Factory ICF ihren Betrieb in Indien aufnehmen. Die indischen Staatsbahnen bestellten im Vorfeld rund 200 Reisezugwagen auf Leichtstahlbasis welche in Schlieren gefertigt wurden.
Mittlerweile beschäftigte unser Unternehmen rund 2000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Werk. Kerngeschäfte blieben nach wie vor der Bau von Schienenfahrzeugen, Aufbauten für Aufzugsanlagen, sowie die Komponentenfertigung im Flugzeugbau.
1952 bringt die SWS den Variotron Antrieb für Aufzüge auf den Markt. Es handelte sich um den ersten elektronisch regulierten Aufzug der Welt. Dieses System beschleunigte und verzögerte den Lauf des Aufzugs stufenlos und kontrollierte die Geschwindigkeit nach einem genau vorgeschriebenen Programm.
In einem von den SBB im Jahre 1954 unter den Wagonsbaufirmen der Schweiz veranstalteten Wettbewerb galt es, das Bewährteste und das Vorteilhafteste der bisherigen Wagentypen in einem neu zu schaffenden Wagen zu vereinen und eine Konstruktion zu finden, die eine Serienfabrikation technisch einwandfrei durchführbar und preislich günstig werden liess.
SWS und SIG bekamen als die Gewinner dieses Wettbewerbes im Februar 1955 den Auftrag zur Herstellung von je zwei Prototypen, und innert Jahresfrist konnten die beiden Wagen, welche unter dem Namen Einheitswagen l bekannt wurden, geschaffen werden.
Im Jahre 1955 wurde schliesslich das Lochkartenverfahren für das interne Rechnungswesen eingeführt, 1956 erfolgte nun die bekanntgabe, dass die Pars -Finanz AG (Schindler Konzern) 30% des Aktienkapitals kauft. Im Jahre 1957 vollbrachte die Abteilung Aufzugbau mit dem Bau des neuen Monotron-Antriebs für Aufzugsanlagen erneut eine technische Höchstleistung.
Der erste Gelenktrolleybus der Schweiz wurde im Jahre 1956 zusammen mit BBC und FBW in Schlieren massgeblich entwickelt und an die Verkehrsbetriebe Winterthur und Zürich abgeliefert. Es war für die Konstrukteure damals ein nahmhafter Erfolg, gestattete der Trolleybus doch eine bessere Dienstzeiteinteilung und damit für das Personal günstigere Freizeitverhältnisse. In Schlieren wurden die Testreihen sowie die ganze wagenbauliche Entwicklung massgeblich vorangetrieben.
In die Jahre 1957 - 1958 fallen zwei gewichtige Fabrikationen. 1957 lieferte die SWS erstmals die Monotron-Aufzugssteuerung. Monotron konnte als ein Marktstein des Aufzugbaus betrachtet werden. Gleichzeitig handelte es sich um einen ersten Erfolg gemeinsamer Forschung von Schindler / Schlieren.
Noch auf Basis Variotron gelang den Ingenieuren in Schlieren 1958 wohl der grösste Coup im internationalen Aufzugsgeschäft. Die SWS konnte sich gegen Mitstreiter unter anderem OTIS durchsetzen und erhielt den Zuschlag für einen Personen- Schnellaufzug für das Atomium in Brüssel, welches zur Weltaustellung58 gebaut wurde.
Es gelang SCHLIEREN den damals schnellsten Aufzug der Welt (5m/sek) nach Brüssel zu liefern.
Bereits ein Jahr später nämlich 1959 bringt die SWS die Aconic Steuerung für Aufzugsanlagen auf den Markt. Ein System mit Halbleitertechnik und ohne bewegliche Teile.
Die im Aufzugs- und Wagonbau ebenfalls etablierte Schindler übernahm nur 4 Jahre später 1960 das Unternehmen. Als fortan eigenständige Konzerngesellschaft der Schindler-Gruppe wurde der Standort Schlieren trotz der inbetriebnahme des neuen Standorts der Schindler Aufzüge AG in Ebikon LU, beibehalten. Die Sparte Aufzugsbau wurde aber insbesondere in der Forschung weiter an die Schindler Gruppe angegliedert. Als nunmehr einheitliches Unternehmen deckten Schlieren und Schindler weit über 50% des Marktanteils ab.
1961 bringt die SWS dann den Econom Aufzug auf den Markt. Der SCHLIEREN ECONOM-
Aufzug war ein Serie- Fabrikat mit dem Stempel der Einzelanfertigung. In allen Teilen genormt und vorfabriziert, repräsentierte dieser Aufzug den damals letzten Stand der technischen Entwicklung. Zugleich vereinigte er alles in sich, was im Aufzugsbau längst als tausendfach bewährt galt.
Die Herstellung in Serien erlaubte nicht nur kürzeste Lieferfristen; sie wirkte sich vor allem in der Preisgestaltung äusserst günstig aus. Mit einer zweckmässigen Normung wurde die Möglichkeit geschaffen, die Fabrikationszahlen zu erhöhen, die Fertigungszeiten zu senken und die Lagerhaltung zu vereinfachen.
Am Automobilsalon Genf im Jahre 1963 wird zum ersten mal eine SCHLIEREN Hebebock Anlage für Strassen- und Schienenfahrzeuge der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Hebeböcke kamen bereits viele Jahre vorher in eigenen Werk in Schlieren als Eigenbedarf zum Einsatz. Durch eine Studie wurden diese erstmals als Serienfabrikation für den Markt gezeigt.
1964 konnte die Abteilung Flugzeugbau in Schlieren einen grossen Lizenzauftrag entgegennehmen. Die Schweizer Luftwaffe bestellte ihre neuen Kampjets vom Typ Mirage lll/RS. In Schlieren wurden folglich Rumpf- und Flügelteile für die Mirage hergestellt.
Im Jahre 1970 erweitert die SWS ihr Produktionsfeld und baute erstmals einen Reflektor zur Sonnenforschung für die ETH Zürich.
1973 baute die SWS zusammen mit der Schindler Tochter "Von Roll Förderanlagen AG" die erste 3 Dimmensionen Förderanlage. Dies leitete wiederum einen Grundstein für die Produkteerweiterung. Die Nachfrage nach Förderanlagen stieg in dieser Zeit enorm an und brachte einen hohen Bestelleingang bei den Fabrikkationsfirmen.
Ebenfalls in das Jahr 1973 fällt der Vertragsabschluss mit der EUROFIMA für den Bau von 63 Schlafwagen vom Typ T2S für verschiedene europäische Staatsbahnen. Die SWS war federführend in der Entwicklung und dem Bau dieses Schlafwagentyps. Das S in der Bezeichnung steht daher auch für Schlieren.
Am 16. Mai 1985 wurde durch den Verwaltungsrat der Schindler Holding offiziell bekanntgegeben, dass das Werk in Schlieren nach über 14'000 produzierten Güter- und Personenwagen geschlossen wird. Die Mitarbeiter/innen, die Gemeinde und der Kanton Zürich wollten diesen Entscheid aus Ebikon vorerst nicht hinnehmen. Es wurde auf der Strasse und in der Politik massiv gegen den Schliessungsentscheid debatiert. Das Schweizer Fernsehen brachte anlässlich der Schliessung eine eigene Doksendung. Der Kanton Zürich drohte dem Schindler Konzern gar mit dem Entzug laufender Aufträge.
Sprengung: Am 31.08 1985 erfolgte die grösste Flächensprengung der Schweiz in Schlieren.
Die Stadt Schlieren, der Kanton Zürich und Schindler einigten sich schliesslich auf eine Vereinbarung zur "Offenen Planung SWS" Diese sollte dazu dienen das Werksareal so zu nutzen, dass annähernd gleich viele Arbeitsplätze in verschiedenen Berufssparten und neuen Betrieben geschaffen werden können.
Zusammen mit der obenerwähnten Vereinbarung zur Offenen Planung SWS stellte die Schindler Holding rund 20 Millionen Schweizer Franken zur Verfügung. Am 31. August 1985 erfolgte die Schliessung der «WAGI» unter starkem Protest der Arbeitnehmer und der Bevölkerung.