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Das Eisbergmodell nach Dietmar Treichelt basiert auf der allgemeinen Theorie der Persönlichkeit von Sigmund Freud. Freud ging von der Vorstellung aus, dass nur ein kleiner Teil des menschlichen Handelns «sichtbar» ist, also bewusst gesteuert wird, während ein bedeutend grösserer und äusserst bestimmender Teil unbewusst und damit «unsichtbar» bleibt. Ähnlich einem Eisberg, bei dem nur der kleinere Teil über der Wasseroberfläche und somit sichtbar ist.
Das Eisbergmodell hat auch Eingang in die Kulturtheorie gefunden. Damit lässt sich anschaulich beschreiben, dass der kleinere, sichtbare Teil einer Kultur (Kommunikation, Verhalten, Interaktion, Stil, Konventionen, Muster) unterlegt ist mit weit komplexeren, unsichtbaren Elementen, die ebenfalls die Kultur stark prägen.
Das Modell von Dietmar Treichel unterscheidet die Tiefenschichten des Eisbergs unter der «Wasserlinie» in weitere Abschnitte. Je tiefer die Schicht liegt, desto verborgener ist dieser Kulturaspekt.
In meinem März-Blogbeitrag habe ich den Vorgang der Wahrnehmung beschrieben, sowie dass unsere Erfahrungen (Erlebnisse, Prägungen usw.) als Referenzrahmen zur Bewertung in unserem Hirn abgespeichert sind. Der Eisberg hilft uns darin, unsere Wahrnehmung und unser Hirn zu überprüfen. Alles, was wir von aussen sehen und hören können, liegt beim Eisberg über der Wasserlinie. Ich kann hören, wie jemand kommuniziert. Ich kann sehen, welche Handlung jemand vollzieht. Aber das Darunterliegende (unter der Wasserlinie) kann ich weder direkt sehen noch hören. Mein Hirn entwickelt zwar erste Annahmen, aber erst durch aktives Nachfragen oder mehrmaliges Beobachten erschliesst sich mir, ob dieses Verhalten ein einmaliges Agieren war oder zum Beispiel eine rituelle Handlung.
Oft sind darum unsere Annahmen ungenau, unvollständig oder auch einfach nur basierend auf dem, was wir bis jetzt erlebt haben.
Zu Teil 1: «Wie Kultur unsere Wahrnehmung beeinflusst»