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Woran denken Sie, wenn Sie das Stichwort "Hypnose" hören? Vermutlich an einen Bühnenhypnotiseur, der seine Probanden manipuliert und sie dazu bringt, Dinge zu tun, die sie im "wachen" Zustand niemals tun würden. Mit der Hypnose, wie sie von Kinderärztinnen, Kinderzahnärzten und Psychotherapeutinnen angewendet wird, hat diese Showhypnose jedoch nichts zu tun.
Was ist Hypnosetherapie?
Hypnosetherapie ist eine Behandlungsmethode, die sich Trancezustände zunutze macht. Man unterscheidet zwischen klinischer Hypnose, die in der Psychotherapie zur Anwendung kommt und medizinischer Hypnose, die von Ärzten und Zahnärztinnen praktiziert wird.
Trancezustände treten einerseits natürlich auf, z. B. beim Tagträumen, beim leichten Dösen oder wenn ein Kind ganz in sein Spiel vertieft ist. Sie können jedoch auch durch verschiedene Techniken der Suggestion und der Imagination herbeigeführt werden. In der Trance richtet sich die Wahrnehmung nach innen; der kritische Verstand bestimmt nicht mehr, was als denk- oder machbar erscheint.
Mithilfe von bildgebenden Verfahren konnte nachgewiesen werden, dass sich die Gehirnaktivität unter der hypnotischen Trance sowohl vom Wachzustand als auch vom Schlaf unterscheidet. Körperliche Veränderungen sind ebenfalls wahrnehmbar, z. B. eine veränderte Atem- und Pulsfrequenz oder ein abwesender Blick.
Der Trancezustand soll es ermöglichen, sich alternative Verhaltensweisen auszumalen und durchzuspielen, eingeschliffene Muster und Haltungen anzupassen oder gemachte Erlebnisse aus einer anderen Perspektive zu betrachten und die damit verbundenen Gefühle zu verändern. Auch das Schmerzempfinden kann verändert sein, sodass Schmerzen unter Hypnose als weniger stark oder kaum vorhanden empfunden werden.
Ziel der Hypnosetherapie ist nicht, eine willenlose Person von aussen zu manipulieren. Vielmehr soll der alternative Bewusstseinszustand die Möglichkeit schaffen, bereits vorhandene Kompetenzen zu erkennen, zu stärken und nutzbar zu machen. Das Kind soll erfahren, dass es Gedanken und Vorgänge im Körper ein Stück weit beeinflussen kann und dass es fähig ist, auf Herausforderungen einzuwirken. Es soll sich nicht mehr damit aufhalten, ob es etwas schafft, sondern Möglichkeiten finden, wie es zum erwünschten Ziel gelangt.
Wo kommt Hypnose zum Einsatz?
Medizinische oder klinische Hypnose wird meistens nicht als eigenständiges Therapieverfahren angewendet. Sie ist eingebettet in den grösseren Rahmen einer kinderärztlichen Behandlung, einer Psychotherapie oder einer Zahnbehandlung. Dies zum einen in Form von Kurzinterventionen, die dem Kind helfen, sich zu beruhigen und zu entspannen. Also zum Beispiel, wenn die Melodie einer Spieluhr von der gefürchteten Impfung ablenkt. Oder wenn dem Kind ein imaginärer "magischer Handschuh" angezogen wird, um ihm die Angst vor einer Blutentnahme zu nehmen und ihm zu helfen, die Schmerzen weniger oder gar nicht zu spüren.
Hypnose wird zudem oft eingesetzt, um andere Therapieformen zu verstärken, beispielsweise eine Verhaltenstherapie oder eine systemische Therapie. Schliesslich ist Hypnose ein beliebtes Therapiemittel bei anhaltenden Beschwerden, für die keine körperliche Ursache festgestellt werden konnte.
Hypnosetherapie eignet sich zum Beispiel bei:
Bettnässen oder Einkoten
Bauch- oder Kopfschmerzen ohne erkennbare körperliche Ursache
Ängsten und Phobien
Tic-Störungen und Zwängen
Daumenlutschen
Nägelkauen
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsproblemen
chronischen Schmerzen
schmerzhaften Eingriffen, z. B. im Rahmen einer Zahnbehandlung
Essstörungen
Suchtverhalten
Schlafstörungen
Prüfungsvorbereitungen und zur Leistungssteigerung im Profisport
Gesundheitliche Probleme und Herausforderungen verschwinden dadurch nicht immer komplett. Das Kind lernt jedoch, damit umzugehen, wodurch die Belastung abnimmt.
Was sind die Chancen der Hypnosetherapie?
Da Trancezustände etwas ganz Alltägliches sind, sind Kinder oft sehr zugänglich für hypnotherapeutische Methoden. Das magische Denken, das bei Vorschulkindern ausgeprägt ist, bietet einen guten Anknüpfungspunkt für die therapeutische Arbeit. Auch die Fantasie trägt viel dazu bei, dass ein Kind mithilfe von Geschichten und Spielen in eine Realität abtauchen kann, in der es fähig ist, seine Herausforderungen zu meistern. Dies alles wirkt sich positiv auf die Behandlung aus.
Seriös angewendet kann Hypnose eine kostengünstige Ergänzung zu anderen Therapieangeboten sein. Meist reichen wenige Sitzungen aus, um mit dem Kind Methoden der Selbsthypnose einzuüben, mit denen es sich selber helfen kann. Diese kann es nicht nur zur Bewältigung des eigentlichen Problems einsetzen. Oft lassen sie sich leicht auf andere Lebenssituationen übertragen, sodass das Kind insgesamt selbstbewusster mit Herausforderungen umgehen kann.
Vor der Hypnosetherapie führt die Ärztin oder der Therapeut in der Regel ein ausführliches Gespräch mit dem Kind, den Eltern und eventuell weiteren Familienmitgliedern. Dabei zeigen sich nicht nur mögliche Ursachen für das Problem, das im Zentrum steht. Oft rücken auch weitere Aspekte ins Blickfeld, die ihren Teil zur Problematik beitragen. Dies gibt Familien die Chance, gemeinsam Möglichkeiten zu finden, um die Situation insgesamt positiv zu verändern.
Welches sind die Grenzen der Hypnosetherapie?
Hypnose ist kein Wundermittel, mit dem sich Probleme in Luft auflösen und Krankheiten verschwinden. Versprechungen wie "Nie wider Bettnässen nach nur drei Hypnosesitzungen!" sind deshalb unseriös. Das Kind könnte damit den Eindruck bekommen, es müsse seine Sache nur richtig machen, dann sei es sein Problem los. Stellt sich der Erfolg nicht wie versprochen ein, könnte das Kind die "Schuld" dafür bei sich suchen.
Hypnose ist auch kein Ersatz für eine bewährte Therapie. Zwar kann sie z. B. bei ADHS durchaus zur Unterstützung eingesetzt werden. Verspricht ein Therapeut jedoch, dank seiner Behandlungen seien keine weiteren Therapie- und Unterstützungsangebote mehr nötig, ist Skepsis geboten.
Bei der sogenannten "aufdeckenden Hypnose", die zum Ziel hat, unbewusste Ursachen von Problemen zu erkennen, besteht das Risiko von "falschen Erinnerungen". Das Gehirn erinnert sich also an Ereignisse, die so nie stattgefunden haben. Der Patient und die Therapeutin können daraus falsche Schlüsse für die weitere Behandlung ziehen.
Schliesslich ist Hypnosetherapie auch nicht für alle gleichermassen geeignet. Während sich manche leicht und gerne in Trance versetzen lassen, sind andere kaum hypnotisierbar.
Woran erkennt man seriöse Therapieangebote?
"Hypnosetherapeut" ist kein geschützter Titel. Dies erschwert es, vertrauenswürdige Angebote zu erkennen. Ein wichtiger Hinweis, auf den Sie achten sollten, ist die Ausbildung des Therapeuten oder der Therapeutin. Wenn Sie für Ihr Kind eine hypnotherapeutische Behandlung wünschen, wenden Sie sich am besten an eine Kinderärztin, einen Kinderzahnarzt oder eine Psychotherapeutin mit entsprechender Zusatzausbildung. Dies gibt Ihnen die Gewissheit, dass die Fachperson sich einerseits mit Hypnose auskennt, andererseits auf ihrem Fachgebiet gut ausgebildet ist.
Diese fundierte Grundausbildung im medizinischen oder psychologischen Bereich ist zentral, damit die Fachperson einschätzen kann, in welchen Situationen Hypnose sinnvoll ist und wann andere therapeutische Mittel zum Einsatz kommen sollten. Besonders wichtig ist dies, wenn ein Kind traumatische Erlebnisse gemacht hat. Unter der Hypnose kann es zu einer Retraumatisierung kommen und die Therapeutin muss in der Lage sein, in diesem Fall fachgerecht zu reagieren.
In der Schweiz gibt es drei Gesellschaften, die entsprechende Aus- und Weiterbildungen für Fachpersonen anbieten: Die Schweizerische Ärztegesellschaft für Hypnose, die Ärztinnen und Zahnärzte ausbildet; die Gesellschaft für klinische Hypnose und Hypnotherapie Schweiz mit Lehrgängen für Psychologinnen mit Hochschulabschluss und Ärzte sowie das Institut Romand d'Hypnose Suisse, das zusätzlich Ausbildungskurse für Fachpersonal aus medizinischen und sozialpädagogischen Berufen durchführt.
Daneben gibt es weitere Qualitätsmerkmale, auf die Sie achten sollten: Der Hypnosetherapeut sollte ...
keine sensationellen Gesundheitsversprechen abgeben.
sich Zeit nehmen, um auf Ihre Fragen einzugehen und auch kritische Fragen zulassen.
offen darüber sprechen, was Hypnose leisten kann und was nicht.
nicht den Eindruck erwecken, er verfüge über "magische" Kräfte, mit denen er ein Problem zum Verschwinden bringen könne. Dadurch könnte ein ungesundes Abhängigkeitsverhältnis entstehen.