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Palmyra
(Tadmor, »Palmenstadt«),
der Sage nach von Salomo gegründete Hauptstadt der syrischen Landschaft Palmyrene, berühmt durch die großartigen Ruinen ihrer prächtigen, aus spätrömischer Zeit stammenden Bauwerke und durch den Versuch der dortigen Königsfamilie zur Zeit des Kaisers Aurelian, die römische Herrschaft im Orient zu stürzen. Schon der Kaiser Gallienus mußte um 264 n. Chr. den vornehmen Palmyrener Feldherrn Septimius Odänathus als eine Art Mitregenten anerkennen; nach dessen Ermordung (um 267) herrschte seine Witwe Zenobia (s. d.), welche den Titel einer römischen Kaiserin führte, im Namen des offiziell von Rom [* 2] anerkannten Regenten, ihres jungen Sohnes Vaballathus, welcher den Titel »Imperator« hatte.
Zenobia eroberte einen großen Teil des
Orients und
Ägyptens, immer noch notgedrungen von den römischen
Kaisern anerkannt,
bis es unter Aurelian um 270
n. Chr. zum offenen
Bruch kam. Vaballathus nahm den Kaisertitel an, doch verlor er bereits 271
Ägypten;
[* 3] bald darauf wurde auch
Palmyra erobert und
Zenobia gefangen genommen.
Noch einmal erregten
Parteigänger der
Kaiserin in
Ägypten und
Palmyra
Aufstände gegen Aurelian, welche aber bald unterdrückt wurden.
Zenobia wurde in
Rom im
Triumph aufgeführt, aber mit
Milde
behandelt; das
Schicksal ihres
Sohnes ist ungewiß.
Palmyra verlor allmählich seine Bedeutung und spielte im
Mittelalter nur eine untergeordnete
Rolle.
Erst seit dem Ende des 17. Jahrh. wurden europäische Reisende auf die großartigen Trümmer
Palmyras aufmerksam, welche hauptsächlich aus einem
Komplex prächtiger
Tempel
[* 4] bestehen, sämtlich aus der
Blütezeit
Palmyras,
dem 3. Jahrh., stammend. Diese
Ruinen von
Palmyra liegen auf einem etwas erhöhten
Grund (etwa 400 m hoch) in
einer weiten
Ebene, ungefähr 220 km südwestlich von
Deir am
Euphrat, und dehnen sich von SO. gegen
NW. in einer ununterbrochenen
Linie fast 6 km weit aus. An dem östlichen Ende steht der großartigste und prachtvollste
Bau, der berühmte Sonnentempel.
Ein
Quadrat von 235 m Seitenlänge ist von einer etwa 15-16 m hohen, aus schön behauenen
Steinen aufgeführten
und mit korinthischen
Halbsäulen dekorierten
Mauer umschlossen, von welcher aber nur die
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mehr
Nordseite noch größtenteils erhalten ist. Auf drei Seiten lief innerhalb der Mauer eine doppelte Säulenhalle von je 60 Säulen [* 6] Fronte herum, während die Eingangsfronte auf der Westseite eine einfache Kolonnade von 45 gewaltigen Säulen trug. In der Mitte des so gebildeten Tempelhofs, in dessen Schutz sich das moderne Dorf Tudmur mit etwa 50 Lehmhütten zwischen den Säulen eingenistet hat, stand auf einer erhöhten Terrasse das Heiligtum, ein mäßig großer Peripterostempel mit 16 und 8 Säulen, dessen Eingang an der westlichen Breitseite mit einem vortretenden hohen Bogenthor geschmückt war.
Die Säulen, von denen ein Teil noch wohlerhalten aufrecht steht, waren kanneliert, sind aber jetzt ihrer Kapitäle beraubt. Das Innere des Tempels bietet gewölbte Räume mit schönen Kassettendecken und vorzüglicher Ornamentierung an Friesen und Bändern, meist Blätter und Früchte darstellend und wohlerhalten. In der nördlichen Apsis des Tempels findet sich in einer Nische der Tierkreis in den bekannten Figuren dargestellt. Der Nordwestecke des Tempels gegenüber liegt die dem Konstantinsbogen in Rom ähnliche Eingangspforte zu den großen Kolonnaden, die sich westwärts quer durch die ganze Stadt erstrecken; der Anblick dieses Säulenwaldes, obschon von den 2-3000 Säulen, welche einst vorhanden waren, nur noch etwa der zehnte Teil steht, ist ein überaus großartiger.
Außerhalb der Justinianischen Mauer, welche zahlreiche Reste von Tempeln, Gräbern etc. umschließt, liegt
in einem kleinen Thal
[* 7] die Nekropolis von
Palmyra, außer zahlreichen Felsengräbern 60 Türme aus großen behauenen Steinen (jeder
das Erbbegräbnis einer Familie) enthaltend, und auf der Spitze eines nahen Hügels thront ein fast unnahbares Kastell, aus arabischer
Zeit stammend. Die großenteils griechischen und in einheimischer Sprache
[* 8] und Schrift (der Quadratschrift
verwandt) geschriebenen Inschriften von
Palmyra, von denen viele der Familie des Odänath und der Zenobia angehören, sind in neuester
Zeit namentlich von Waddington und de Voguë behandelt worden (»Inscriptions de Syrie«, Par. 1870). Schöne Kupferstiche der
Ruinen von
Palmyra enthält das Prachtwerk von Wood, Bouverie und Dawkins: »Ruins of
Palmyra« (Lond. 1753 ff.).
Vgl.
außerdem Seiff, Reisen in der asiatischen Türkei
[* 9] (Leipz. 1875), und in historischer Beziehung: Sallet, Die Fürsten von
Palmyra (Berl.
1866), und Fürst Abamelek-Lasarew,
Palmyra, archäologische Untersuchung (russisch, Petersb.
1885).