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Tanja Weidmann
Ohne Titel
Im Jahre 2012 entschied ich mich dafür ein Kunststudium zu absolvieren. Es ist mir wichtig über die Kunst in einen Dialog zu treten und eine Sprache zu finden, mittels der ich kommunizieren kann. Während dem Studium konzentrierte ich mich anfangs vor allem auf das dreidimensionale Schaffen, das Experimentieren mit Materialien. Ich schmetterte Keramikteller auf den Boden und klebte diese wieder zusammen, präparierte beschädigte Gegenstände mit Heftpflaster und arbeitete mit Textilien. Ich versteifte Shirts als einen Abdruck meines Körpers, füllte durchsichtige Plastikhüllen mit weissen Textilien und baute aus weissen Stoffstücken ein Möbelstück nach.
Das Kaputte übte eine grosse Faszination auf mich aus. Meines Erachtens schliesst das Kaputte eine Lücke mit ein das für verschiedene Einwirkungen offen ist. Mit diesem Zustand, aber auch mit dessen Entwicklung, befasste ich mich während meinem Studium. Zwischenmenschliche Zusammenhänge in Bezug auf materielle Strukturen begannen meine Arbeit zunehmend zu beeinflussen und wurden zu einem wesentlichen Bestandteil. Mir ging es darum Muster zu erkennen, diese zu durchbrechen und neu zu kombinieren. Es ging mir auch darum, die Wechselbeziehung zwischen den einzelnen Elementen und ihrer Fähigkeiten zu untersuchen, diesen steten Wandel zu erfassen und aufzuzeichnen.
Während dem 5. Semester war ich an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, wo ich einen Zeichnungskurs besuchte und mich im Aktzeichnen übte. Ich verbrachte viele Momente des Zeichnens in Bewegung – am Boden liegend, an eine Wand gelehnt oder sitzend. Bei meiner Bachelor Abschlussarbeit steht das Körperliche im Vordergrund. Darin versuche ich, bisherige Arbeitsmethoden, die ich mir über mein anfänglich räumliches Arbeiten angeeignet habe zu verbinden und ins Zweidimensionale zu übertragen. Die Arbeit besteht aus einer Zeichnung: Es ist eine Freihandzeichnung, die ich mittels Graphit auf Transparentpapier angefertigt habe. Mittels dem Strich versuche ich ein Cluster zu finden, das meinen Denk-raum visuell darstellt, ähnlich einem Röntgenbild, dem nichts materielles zugrunde liegt, sondern das viel eher die Prozesshaftigkeit meines Denkens zu fassen versucht. Der Graphit schimmert je nach Blickwinkel anders und spielt mit Licht und Raum. Je nach Perspektive wird die Wahrnehmung beeinflusst und verzerrt, eine gegebene Form aufgelöst, Verbindungen erstarken oder schwächen sich ab, der Strich verdichtet sich, wird stärker und wieder schwächer. Natürliche Prozesse des Werdens und des Vergehens, Mutation, wird visuell erkennbar.
Skulptur: Aus weissen Stoff baute ich ein Möbelstück nach, indem ich die Textilstücke zusammennähte. Danach wurden die Teile versteift und bearbeitet. Das Objekt hat keine offensichtliche Funktion. Es spielt mit dem gedanklichen Erfassen eines Körpers und dessen Auflösung. Mich beschäftigte das Flüchtige der Gedanken auch in Bezug auf das, was haften bleibt.
Tanja Weidmann
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