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Emmanuel Bachellerie ist Koordinator des Collectif Ultim, das für 2019 eine Einhand-Multi- Weltumsegelungsregatta plant. Der Franzose bewegt sich seit zehn Jahren in der Hoch-seeszene und kennt die Segler und ihre Boote. Er hofft, dass diese erste Offshore-Wettfahrt eine Fortsetzung findet. Ein in etwa ebenso verrücktes Vorhaben wie die Ultimes selbst.
Können Sie uns Genaueres über den Aufbau und die Ziele des Collectif Ultim sagen?
Rechtlich handelt es sich nach dem französischen Gesetz von 1901 um einen Verein, dem die Reeder der grossen Offshore-Multis angehören. Ziel des Vereins ist es, den gegenseitigen Austausch zu erleichtern, die Bootsklasse zu verwalten und ihr einen Rahmen zu geben. Ausserdem fördern wir die Organisation von Anlässen für diese Segelboote. Vereinspräsidentin ist Patricia Brochard von Sodebo, Vizepräsident Jean- Bernard Le Boucher von Macif und Kassier Alain Giron von Banque Populaire. Der Verein ist in Paris, am Hauptsitz von FFVoile, ansässig. Das Kollektiv unterhält enge Beziehungen zum französischen Segelverband.
Das Kollektiv wurde scharf kritisiert. Ein Kollege schrieb auf der Website einer französischen Zeitschrift, dass die Verantwortlichen die Grenzen unter dem Druck eines Partners absichtlich so festgelegt hätten, dass ganz bestimmte Boote ausgeschlossen werden. Was sagen Sie zu diesen Anschuldigungen?
Ich möchte mich nicht zu dieser Polemik äussern und bedaure, dass solche Sachen geschrieben werden. Ich möchte aber klarstellen, dass das Kollektiv nie jemanden ausschliessen wollte. Wir haben 18 Monate an Bauvorschriften gearbeitet, die sich mit unserem Hauptziel, der Organisation der ersten Solo-Weltumsegelung auf Mehrrümpfern, vereinbaren lassen. Die Anhörungen, an denen viele Ingenieure, Konstrukteure und Segler beteiligt waren, haben ergeben, dass die Boote bei einer Länge zwischen 24 und 32 Metern höchstens 23 Meter breit sein dürfen und ihr Tiefgang 120 Prozent der Bootslänge nicht übersteigen darf. Nur so können wir die Sicherheit der Skipper bestmöglich garantieren. Der von Ihnen erwähnte Artikel unterstellt dem Kollektiv, dass es die MOD70 und die Spindrift II durch diesen strategischen Entscheid absichtlich ausgeschlossen habe. Wir haben uns überlegt, ob es vernünftig ist, Einhandsegler auf 70 beziehungsweise 140 Fuss langen Booten ins Südpolarmeer zu schicken und die Antwort lautete ganz klar nein.
Die Ultimes scheinen die neue Referenz der Offshore-Mehrrümpfer zu sein. Eigentlich hatten ja die MOD70 mit dieser Position geliebäugelt. Eignen sich Einheitsboote tatsächlich nicht für diese Szene?
Ich kann dazu nicht wirklich Stellung nehmen, glaube aber, dass sich die Offshore-Mehrrümpfer vor allem durch Freiheit definieren. Jeder Versuch, einen allzu einengenden Rahmen festzulegen, wie das bei Einheitsbooten der Fall ist, widerspricht dem Freiheitskonzept. Ausserdem glaube ich nicht, und ich sage das in aller BeBescheidenheit, dass es möglich ist, eine Klasse zu gründen und das ganze Projekt unter Kontrolle zu behalten. Vielleicht lag genau hier das Problem. Ich will aber keine Kritik üben, denn im Nachhinein ist man immer schlauer.
„ Offshore-Mehrrümpfer definieren sich vor allem durch Freiheit. “
Das Kollektiv und auch die Offshore-Mehrrumpfszene sind fest in französischer Hand. Haben Sie vor, etwas dagegen zu unternehmen?
Die Schweizer sind auf jeden Fall willkommen (lacht). Im Ernst, wir würden uns natürlich über Segler aus der Schweiz, aus England, Amerika, Skandinavien oder Neuseeland freuen. Aber die Einhandregatten auf hoher See sind nun einmal stark französisch geprägt, das liegt unter anderem auch an den Geschichten, die Eric Tabarly und Bernard Moitessier erzählt haben. Da die Regatta aber um die ganze Welt führt, könnte es durchaus sein, dass Konkurrenten aus anderen Ländern zu uns stossen. Derzeit betreiben wir aber noch keine internationale Werbung. Wir lassen es auf uns zukommen. Die Weltumsegelung findet erst 2019 statt, bis dahin fliesst noch viel Wasser den Bach hinunter.
Wie sieht das Programm des Kollektivs bis zum Start der Weltumsegelung Ende 2019 aus?
Wir nehmen an mehreren Events teil. Der erste ist The Transat, die im Mai startet. Danach werden sich mehrere Boote auf Rekordjagd machen, einige auf dem Mittelmeer auf der Strecke Marseille-Karthago. Thomas Coville könnte nächsten Winter erneut versuchen, einen neuen Solo-Weltumsegelungsrekord aufzustellen. Im Juni 2017 steht dann The Bridge, eine Regatta von New York nach St. Nazaire, auf dem Programm und im November folgt die Transat Jacques Vabre. 2018 ist das Jahr der Route du Rhum, ausserdem sollte eine neue Wettfahrt im Frühling, wahrscheinlich auf dem Mittelmeer, dazukommen. Im Frühling 2019, ein paar Monate vor dem grossen Start, findet vor der französischen Atlantikküste ein Prolog statt. An manchen Anlässen wird die Solo-Regel übrigens etwas gelockert, damit junge Segler mitsegeln können. Wir wollen damit den Nachwuchs fördern.
Wie viele Teilnehmer erwarten Sie?
Fünf bis acht Boote. Da wären zunächst einmal die vier Boote, deren Eigner das Kollektiv gegründet haben: Macif, Sodebo, Actual sowie Banque Populaire IX, die noch gebaut werden muss und bis 2017 fertig sein soll. Hinzu kommen drei angepasste Boote: die IDEC, frühere Groupama 3 und Maxi Solo Banque Populaire, die ehemalige Oman Air und die Qingdao, ehemals IDEC. Auch ein Neubau ist nicht auszuschliessen. Das Feld kann sich bestimmt sehen lassen!
Anm. d. Red.: Wenige Tage nach diesem Interview gab Marc Thiercelin bekannt, dass er die frühere Oman Air für die Weltumsegelungsregatta im Jahr 2019 wieder regattatüchtig machen will.
Der Begriff „Ultime“ ist nicht geschützt und wird entsprechend unterschiedlich verwendet. Eine Ultime-Klasse gibt es als solche nicht, aber ein so genanntes „Collectif Ultim“. Es umfasst Boote von 24 bis 32 Metern Länge mit einer maximalen Breite von 23 Metern und einem Tiefgang, der höchstens 120 Prozent der Länge betragen darf. Regattaorganisatoren sprechen auch von der Ultime-Klasse, müssen sich dabei aber nicht an die Vorgaben des Kollektivs halten. So waren die MOD70 und die Spindrift II zum Beispiel an der Route du Rhum 2014 zugelassen. Die Weltumsegelung, die 2019 in Brest startet, ist hingegen Mitgliedern des Kollektivs vorbehalten.