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Heute weiß ich, was unser Kaffee wert ist
Viele Kilometer staubige Piste muss man zurücklegen, um das blumengeschmückte Häuschen von Teófila Diaz Vasquez zu erreichen. Die Kaffeebäuerin lebt bescheiden fernab im peruanischen Regenwald. Hinter dem Haus ist ein kleiner Gemüsegarten, ein Stall für das Schwein, die Kuh und die Meerschweinchen.
Ende der 70er Jahre kam Doña Teófila mit ihrem Ehemann hierher. Beide arbeiteten hart, um einen kleinen Verdienst über den Kaffeeanbau zu erzielen. "Als wir hier ankamen, gab es keine Straßen, keinen Strom, keine Schulen, nichts", sagt Doña Teófila, " nur ein Stückchen fruchtbarer Boden, der sich sehr gut für den Kaffeeanbau eignete." Nach und nach wurden zehn Kinder geboren, die ebenfalls von der Kaffeeproduktion ernährt werden mussten. Jahrelang arbeitete das Ehepaar hart, um sich und ihre Kinder ernähren zu können. "Es war sehr schwer" sagt die 64jährige. "Oft gingen wir abends hungrig ins Bett."
Wie Doña Teófila ging es sehr vielen Kleinbauern in Chanchamayo, der entlegenen Kaffeeregion im Regenwald Perus. Daher gründeten sie vor über 30 Jahren die Genossenschaft "La Florida". Hier sollten die Kleinbauern einen kompetenten Ansprechpartner erhalten, um ihren Kaffee zu den bestmöglichsten Bedingungen anzubauen und zu verkaufen.
Bescheidene Erfolge erbrachte die Kooperative für ihre Mitglieder, bis 1988 das Gründungsdorf "La Florida" von der linksgerichteten Terrororganisation "Sendero Luminoso" überfallen wurde. Alle öffentlichen Gebäude wurden zerstört, die jungen Männer und Frauen zwangsrekrutiert. Die überlebende Bevölkerung flüchtete. Erst nach und nach gelang es der Kooperative die Kaffeebauern wieder in die Region zurückzuholen.
"Ohne den Fairen Handel wären wir alle nicht mehr hier," sagt César Rivas, der Geschäftsführer von "La Florida". Mit Hilfe der Fairtrade-Gelder wurde in der abgeschiedenen Region Straßen und Schulen gebaut und ein landwirtschaftliches Fortbildungszentrum für Kaffeebauern eingerichtet, um sie in den neusten Anbaumethoden zu unterrichten. Einen Teil der Fairtrade-Prämie wurde für die Umstellung auf ökologischen Landbau genutzt, da die höheren Preise die Ertragseinbußen in der Umstellungsphase ausglichen.
Auch für Teófila Diaz Vasquez hat sich die Mitgliedschaft in der Kooperative "La Florida" gelohnt. Durch den Verkauf ihrer Ernte zu Fairtrade-Bedingungen erhält Doña Teófila regelmäßig höhere Preise für ihren Kaffee. Damit bezahlte sie das Schulgeld für ihre zehn Kinder. "Heute betrügt mich so schnell niemand mehr. In der Kooperative finde ich immer ein offenes Ohr. Meine Kinder haben hier Weiterbildungen besucht und bei Vertragsabschlüssen wissen wir jetzt immer, was unser Kaffee wert ist."