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Viele Menschen profitieren von der humanitären Unterstützung und der Entwicklungshilfe der Schweiz an die arabische Welt. Aber ist es mehr, als ein Tropfen auf einen heissen Stein?Dieser Inhalt wurde am 17. Juli 2020 - 17:00 publiziert
Die Hilfe der Schweiz ist vielfältig: Sie reicht von Programmen für Kinder und Jugendliche in ägyptischen Pflegeeinrichtungen bis zu Projekten für Kleinbauern in Tunesien, von politischen Vermittlungsbemühungen in Libanon oder Marokko bis hin zu Tanz- und Kunstworkshops zur Linderung der psychischen Belastung von Kriegsopfern.
Doch reicht die Schweizer Hilfe in der Praxis wirklich aus, um die Grundbedürfnisse einer geflüchteten syrischen Familie zu decken? Schafft es eine junge marokkanische Frau, mit Schweizer Unterstützung einen Job zu bekommen, der ihr und ihren Kindern ein menschenwürdiges Leben ermöglicht? Und hat das Schweizer Engagement auf politischer Ebene zu einer Verbesserung der Realität in den arabischen Ländern beigetragen?
Klar ist: Der Bedarf an Schweizer Hilfe ist grösser denn je. Der Ausbruch von Revolten und die damit verbundene Verschlechterung der Sicherheitslage hat zu einer beispiellosen humanitären Krise in der Geschichte der arabischen Welt geführt. Mit der steigenden Zahl von anhaltender Gewalt betroffener Menschen nahm auch der Bedarf an humanitärer Hilfe zu.
Angesichts dieser Entwicklungen blieb der Nahe Osten ein Schwerpunkt der Schweizer Hilfe. Diese hat zum Ziel, Stabilität und ein sicheres Umfeld für die von Konflikten betroffenen Menschen zu schaffen. Kritiker sagen aber auch, dass die Schweiz vor allem wirtschaftliche Interessen verfolge.
Auf der Ebene der humanitären Hilfe geht es darum, bei natürlichen Katastrophen und Kriegen Leben zu retten und den Betroffenen grundlegende Hilfe zu leisten. Dazu gehören der Bau von Unterkünften, Essenslieferungen und die Sicherung des Zugangs zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen, wie im folgenden Beispiel aus dem Libanon.
Oft sind die humanitäre Hilfe und die Entwicklungshilfe untrennbar miteinander verbunden, denn wo Nothilfe geleistet wird, wird langfristige Projekte zum Aufbau des Landes und zur Unterstützung der Opfer in ihrer neuen Lebenslage nötig.
Die langfristige Entwicklungshilfe hingegen zielt darauf ab, die wirtschaftlichen Auswirkungen von Konflikten zu verringern. Dies soll zum Beispiel durch einen gerechteren Zugang zu Bildung und Einkommen erreicht werden oder durch die Verbesserung der beruflichen Fähigkeiten, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und weitere Gewalt zu verhindern. Denn bewaffnete Konflikte und politische Instabilität erhöhen den Druck auf bereits fragile lokale Volkswirtschaften in der arabischen Welt.
Die Schweizer Entwicklungshilfe geht Hand in Hand mit den Friedensbemühungen, denn es ist eine Tatsache: Um das Leiden der Menschen zu beenden, braucht es mehr. Es braucht langfristige politische Lösungen.
Diese Aufgabe ist schwieriger geworden, wie Julian Hottinger, Mediator des Eidgenössischen Aussendepartements (EDA) im Interview mit SWI swissinfo.ch sagte: "Es genügt nicht mehr, einen Waffenstillstand auszuhandeln. Die Konfliktparteien wollen wissen, was ihnen die Zukunft bringt."
Im Lauf der Zeit förderte die Schweizer Diplomatie zunehmend auch Organisationen aus der Zivilgesellschaft und deren Bemühungen zur Konfliktlösung. Diese Entwicklung hängt mit der Art der Kriege zusammen: Militärische Konflikte zwischen Ländern werden tendenziell weniger, während Kriege innerhalb eines bestimmten Landes zwischen Regierungstruppen und Rebellengruppen zunehmen.
Doch auch wenn sich die Art der Konflikte unterschiedet: Die katastrophalen Folgen von Kriegen und ihre humanitären Auswirkungen bleiben die gleichen.
Einige wie Alliance Sud kritisieren die Verknüpfung zwischen Entwicklungshilfe und Migrationspolitik. Hingegen finden NGOs wie die Caritas entschieden, die Schweiz müsse sich mehr engagieren.
Trotz all der Bemühungen stellen sich Fragen zur Wirksamkeit der Schweizer Entwicklungshilfe in den arabischen Ländern. Wie viel hat sie zu einer Veränderung der Realität in den arabischen Ländern beigetragen? Und was hat das Engagement der Schweiz im Vergleich zu ihren Zielen bei der Förderung des Friedens vor Ort wirklich erreicht?