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TCS MyMed
Autor: TCS MyMed
Herr Dr. Charles Cousina, Facharzt für Allgemeinmedizin beim TCS, spricht mit uns über Gicht.
Herr Dr. Cousina, was versteht man unter «Gicht»?
Weltweit ist Gicht die häufigste schwere Form von Rheuma. Ihre Inzidenz steigt stetig, insbesondere in den Ländern der westlichen Welt.
Wodurch wird sie ausgelöst?
Diese Erkrankung wird dadurch ausgelöst, dass sich in einem Gelenk Harnsäurekristalle absetzen, da der Harnsäurespiegel im Blut zu hoch ist.
Was versteht man unter Harnsäure? Und wie gelangt sie in den Organismus?
Harnsäure ist eine Art Abfallprodukt des Organismus, das nach dem Verzehr von Lebensmitteln mit viel tierischem Protein produziert wird. Harnsäure wird von den Nieren abgebaut.
Wie gelangt sie in den Organismus?
Über die Nahrung. Die folgenden Lebensmittel enthalten viel Harnsäure: Wild, geräuchertes Fleisch, Innereien, Meeresfrüchte, Sardinen, Sardellen, Hering, Lachs, Aal, getrocknetes Gemüse, Kohl, Pilze, Spargel, Spinat, Sauerampfer, Rhabarber, getrocknete Feigen, Kakao und Schokolade.
Spielt Alkohol auch eine Rolle?
Ja, Alkohol erhöht den Harnsäurespiegel und das Risiko für Gichtanfälle, da die Produktion der Säure gesteigert und ihre Ausscheidung verringert wird.
Häufig nennt man Bier als mögliche Ursache, stimmt das?
Absolut. Bier gehört zu den Nahrungsmitteln, die Gichtanfälle begünstigen, da es die Funktion der Nieren beim Abbau von Harnsäure hemmt. Bier verdoppelt das Gichtrisiko. Malzkeime enthalten besonders viel Purin und Hopfen kann möglicherweise den Harnsäurestoffwechsel beeinflussen.
Man spricht häufig auch von abendlichen oder morgendlichen Anfällen. Besteht ein Zusammenhang mit dem Schlaf oder einer liegenden Position?
Da es sich um eine entzündliche Erkrankung handelt, sind die Schmerzen nachts und morgens nach dem Aufwachen stärker.
Besteht ein Zusammenhang mit dem Alter?
Ja, die Krankheit betrifft hauptsächlich Personen über 35 Jahre, im Allgemeinen um die 50 Jahre.
Besteht ein Zusammenhang mit dem Geschlecht?
Eindeutig. Das Geschlechterverhältnis dieser Erkrankung liegt bei neun betroffenen Männern gegenüber einer Frau.
Welche Symptome gibt es?
Zu den klassischen Symptomen gehört die distale Oligoarthritis (periphere Gelenke, in geringer Anzahl), die asymmetrisch und plötzlich auftritt und Rötungen, Schmerzen, Ödeme sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit der betroffenen Gelenke nach sich zieht.
Welche Gelenke sind betroffen?
Am häufigsten das Gelenk am grossen Zeh. Doch Gicht kann alle distalen Gelenke wie Hände, Handgelenke, Ellenbogen, Knie, Knöchel und Zehen befallen (niemals die Hüften oder Schultern).
Ist Gicht heilbar?
Ja, man kann die Anfälle mit steroidfreien Entzündungshemmern oder Colchicin behandeln. Auch durch Ruhigstellen und Kühlen mit Eis können die Schmerzen gelindert werden. Für Erkrankte mit wiederholten Anfällen und einer Hyperurikämie gibt es zudem eine Grundtherapie mit Allopurinol. So kann der Harnsäurespiegel im Blut gesenkt werden.
Ist also eine gesunde Lebensweise das beste Heilmittel?
In den allermeisten Fällen wird tatsächlich empfohlen, die eigene Lebensweise anzupassen, insbesondere bei der Ernährung, um Rückfälle zu verhindern und nicht auf eine Grundtherapie zurückgreifen zu müssen.
Besteht ein Zusammenhang zwischen Gicht und Nierensteinen (Hyperurikämie)?
Eindeutig. Einige Erkrankte können Nierensteine aus Harnsäure bekommen, wenn die Nieren diese in grosser Menge abbauen müssen.
Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.
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