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Eine Kritik bezieht sich primär auf die Nichterfüllung eigener Erwartungen, wie sich ein:e Sexualpartner:in zu verhalten hat, damit man selbst in Fahrt kommt und das gemeinsame Spiel geniessen kann. Sobald sich also das Gegenüber anders gibt, als man es sich vorstellt, blitzt für einen Bruchteil einer Sekunde der Gedanke auf: «Nein, passt nicht!» Zeige oder äussere ich dann meine Kritik, besteht nicht nur die Gefahr, dass ich mein Gegenüber damit verletze, sondern ich übergebe ihr:ihm gleichzeitig die Verantwortung für meine eigene Unzufriedenheit. All das führt sehr wahrscheinlich nicht zu einem «Happy Ending», sondern eher in die Sackgasse der Verunsicherung.
Wie das auch bei Vorwürfen der Fall ist, versteckt sich hinter jeder Kritik immer ein Wunsch. Und darin verpackt ist die konstruktive Information für das Gegenüber, um sich gemeinsam sexuell weiterentwickeln zu können. Doch wie kommuniziere ich das, was ich gerne (anders) hätte?
Befinden wir uns in einer babylonischen Sprachverwirrung, muss zuerst ein Übersetzungsprogramm her, das auf beiden Seiten Klarheit schafft, auf wen man sich hier gerade auf die intimste Art der Kommunikation einlässt. In jeder ersten Stunde einer Sprachschule lernt man sich zuerst zu grüssen («Hallo»), dann wie man sich vorstellt («Ich bin …») und weiter, wie man Wünsche formuliert (beispielsweise: «Wie komme ich von A nach B?»).
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«Habe ich das richtig verstanden, dein sexueller Stil ist eher in diese Richtung und du magst es am liebsten so?»
Übertragen auf die Sexualpartnerschaft heisst das, dass zuallererst ein Raum geschaffen werden sollte, welcher die gegenseitige Aufmerksamkeit beim «Hallo-Sagen» gewährleistet. So kann man sich überhaupt erst einmal bewusst begegnen, bevor man loslegt und aneinander vorbeiredet. Befindet man sich bereits mitten im Chaos, kann ein kurzes Stoppen helfen, sich neu miteinander zu connecten.
Ist das Interesse des Gegenübers geweckt, geht es darum, sich zu zeigen, wer man als sexuelles Wesen ist. Zu kommunizieren, was und wie etwas einem gefällt, und im besten Fall, weshalb das so ist. Eine solche Message könnte beispielsweise so formuliert werden: «Ich bin ein sehr taktiles Wesen und mag es, wenn du mich sehr sanft und langsam streichelst, weil ich dann viel mehr spüre und das wunderschön für mich ist.» Sich so zu offenbaren braucht allerdings Mut.
Wem das zu direkt ist, kann es zuerst mit einer Frage versuchen: «Habe ich das richtig verstanden, dein sexueller Stil ist eher in diese Richtung und du magst es am liebsten so?» Um dann in einem weiteren Schritt von sich aus zu gehen und zu ergänzen: «Spannend, so habe ich das bis anhin noch nicht erlebt. Wenn du möchtest, zeige ich dir gerne auch meine Art und Weise und was mir daran Lust bereitet.» Damit signalisiere ich meinem Gegenüber: Ich lerne deine Sprache und bringe dir ebenso meine bei. Wenn sich beide darauf einlassen, kann sich ein anregendes Gespräch entwickeln und im besten Fall blitzt dann der Gedanke auf: «Ja, passt doch!»
Bettina Disler arbeitet in ihrer Praxis in Zürich als Paar- sowie Sexualberaterin und ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung. Sie hat ein eigenes Modell entwickelt, mit dessen Hilfe sich Bewegung in festgefahrene Beziehungen bringen lässt. 2019 hat Disler beim Klett-Cotta Verlag ein Fachbuch zu den Themen Lustlosigkeit, Entfremdung und Affären veröffentlicht.