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Fieber, 1853
- DE: Südliche Beissschrecke
- EN: Tuberous Grey Bush-cricket
- FR: La Decticelle côtière
- Syn.: Platycleis boscae Bolívar, 1873
Morphologie
Platycleis affinis ist eine grosse und schlanke Beissschrecke. Die grau-braune Grundfarbe ist meist etwas heller als bei den beiden Schwesterarten Platycleis albopunctata und Platycleis grisea. Platycleis affinis ist immer kontrastreich hell-dunkel gezeichnet, was besonders auf den Halsschild, die Vorderflügel und den Hinterleib zutrifft. Die langen und schlanken Flügel reichen mindestens bis zu den Hinterknien, meistens überragen sie diese deutlich. Das Medialfeld ist dunkel gefleckt und von ausgedehnt weiss gesäumten Queradern unterbrochen. Die schwarze Legeröhre der Weibchen ist länger und weniger stark nach oben gebogen als bei den ähnlichen Platycleis-Arten. Das 7. Bauchsegment der Weibchen trägt einen grossen arttypischen Höcker, der in Seitenansicht gut sichtbar ist. Die hellen Cerci der Männchen haben etwas hinter der Mitte einen dunklen Innenzahn. Die männlichen Titillatoren sind mit einem schlanken Apikal- und Basalteil arttypisch geformt.
Gesang
Der Spontangesang von Platycleis affinis gehört zur typischen Geräuschkulisse der Steppenlandschaften Ost- und Südeuropas. Er setzt sich aus mehr oder weniger regelmässig geäusserten Versen zusammen, die unterschiedlich lang sind und aus zwei Silbentypen bestehen. Ein Vers beginnt normalerweise mit Makrosilben und endet mit einer geringeren Anzahl Mikrosilben. Dies ergibt den typischen "sisisisisisisisisisitrtrtrtr"-Gesang. Allerdings werden nicht immer Mikrosilben an jeden Vers angehängt und manchmal bestehen Verse ausschliesslich aus Mikrosilben. Nachts oder bei tieferen Temperaturen werden die Silben so langsam aneinandergereiht, dass man sie beinahe zählen kann. Der Gesang ist meist das einfachste Mittel, um die Art schnell nachweisen zu können. Der typische Rhythmus ist im Ultraschall-Detektor auch aus grösserer Distanz gut wahrnehmbar. Die Männchen singen sowohl am Tag als auch in der Nacht.
Spontangesang von Platycleis affinis bei mittleren Temperaturen - FR, Alpes-de-Haute-Provence, Thèze, 25 °C, sonnig.
Spontangesang von Platycleis affinis bei mittleren Temperaturen - FR, Alpes-de-Haute-Provence, Thèze, 25 °C, sonnig.
Spontangesang von Platycleis affinis bei mittleren Temperaturen - FR, Bouches-du-Rhône, Salin de Badon, 23 °C, schattig.
Spontangesang von Platycleis affinis bei mittleren Temperaturen - FR, Korsika, Monte Pinzali, 20 °C, nachts.
Spontangesang von Platycleis affinis bei mittleren Temperaturen - FR, Alpes-de-Haute-Provence, Thèze, 23 °C, nachts.
Drei Verse aus Makro- und Mikrosilben aus dem Spontangesang von Platycleis affinis bei mittleren Temperaturen - FR, Alpes-de-Haute-Provence, Thèze, 25 °C, sonnig.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Platycleis affinis ist grob in ein südwestliches und ein südöstliches Vorkommen getrennt. Der Südwesten Europas wird von der Art in Portugal, Spanien, West- und Südfrankreich besiedelt. Über Osteuropa reicht das Verbreitungsgebiet bis in die Mongolei. Italien wird dabei nur im Nordosten und einigen isolierten Regionen sehr lokal besiedelt. Im Südosten Europas ist Platycleis affinis auf dem gesamten Balkan bis Griechenland und in die Türkei anzutreffen. Auf vielen Mittelmeerinseln ist die Art ausgesprochen häufig. In Österreich erreicht Platycleis affinis im pannonischen Raum die nördliche Verbreitungsgrenze und ist dort hauptsächlich aus den Steppen östlich des Neusiedlersees bekannt. Aus dem südlichen Burgenland sind lediglich einzelne Fundorte im Grenzgebiet zu Ungarn bekannt. Dasselbe gilt für den Osten Niederösterreichs, wo die Art vereinzelt vorkommt. Platycleis affinis besiedelt vor allem die Ebene sowie das Hügelland, kann jedoch im Gebirge vereinzelt auch bis in Höhen von über 1500 m gefunden werden.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere findet man von Ende Juni bis Mitte Oktober mit einem Maximum im August.
Die Tiere halten sich meist in der dichteren Vegetation auf und verkriechen sich bei Störungen kopfvoran darin. Die Männchen können minutenlang an der gleichen Stelle singen. Gerne sitzen sie dabei mit dem Kopf nach unten an einem Pflanzenhalm. Bei Fluchtsprüngen sind beide Geschlechter ausgesprochen gute und wendige Flieger und können längere Strecken zurücklegen.
Lebensraum
Allgemein ist Platycleis affinis gegenüber dem Lebensraumtyp wenig wählerisch, wenn der Wärmehaushalt stimmt. Allerdings werden am nördlichen Verbreitungsrand wie in Österreich ausschliesslich sehr wärmebegünstigte und trockene Standorte besiedelt. Hier ist die Art ein ausgesprochen typisches Faunenelement der Steppen. In Südeuropa ist Platycleis affinis in sehr unterschiedlichen Lebensräumen anzutreffen. Häufig ist sie in Wiesen und Weiden, Ruderalflächen, an Strassenböschungen, in verbrachenden Äckern oder auch Adlerfarnfluren auffindbar. In Südfrankreich besiedelt sie sogar die salzhaltigen Salicornia-Bestände an der Küste. Feuchte Gebiete werden in Südeuropa nicht unbedingt gemieden, wobei diese i.d.R. sommertrocken sind.
Gefährdung & Schutz
Platycleis affinis ist in Südeuropa vielerorts häufig und gilt daher als nicht gefährdet. In Österreich sind viele Fundorte auf Einzelbeobachtungen von verflogenen Tieren zurück zu führen, weshalb die Art als stark gefährdet gilt. Neuere Beobachtungen deuten sogar auf leichte Ausbreitungstendenzen hin. Die wichtigsten Gefährdungsursachen sind die Intensivierung der Landnutzung, insbesondere des Ackerbaus, sowie die Nutzungsaufgabe wenig ertragreicher Flächen. Aufgrund der guten Flugfähigkeit kann Platycleis affinis rasch neue Lebensräume besiedeln.
- CH: Abwesend
- DE: Abwesend
- AT: EN (Stark gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Platycleis affinis kann mit Platycleis albopunctata und Platycleis grisea verwechselt werden. Die Weibchen von Platycleis affinis lassen sich relativ einfach anhand des Höckers auf dem 7. Bauchsegment und der nur leicht nach oben gebogenen Legeröhre von den beiden anderen Arten unterscheiden. Beide Geschlechter von Platycleis affinis sind grösser, schlanker und kontrastreicher hell-dunkel gezeichnet als die beiden häufigeren Arten. Beim Männchen ist der Gesang das beste und sicherste Unterscheidungsmerkmal. Der aus Makro- und Mikrosilben bestehende Gesang von Platycleis affinis ist in Rhythmus und Klang völlig anders als die regelmässig geäusserten 4- bis 6-silbigen Verse von Platycleis albopunctata und Platycleis grisea. Platycleis affinis kommt im Osten Österreichs zusammen mit Montana montana vor. Die Legeröhre der Weibchen der deutlich kleineren Montana montana ist weniger stark nach oben gebogen, im Vergleich zum Körper länger und hell. Die Weibchen von Montana montana haben keinen Höcker auf dem 7. Bauchsegment und beide Geschlechter haben kürzere Flügel. Platycleis affinis ist ausser während der Larvalzeit bis kurz nach der Imaginalhäutung niemals grün gefärbt. Die kräftigen Cerci der Männchen sind bei Montana montana im ersten Drittel, bei Platycleis affinis in der Mitte gezähnt. Im Habitus ebenfalls ähnlich ist Decticus verrucivorus. Die Art ist deutlich kräftiger und plumper gebaut und hat kürzere Flügel, die am Ende verschmälert sind.