Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03632.jsonl.gz/2328

Vielleicht schafft es die Regierung Obama, die amerikanische Finanzkrise überraschend schnell zu beenden. Wir hoffen das, aber es wird nicht leicht werden. Bisher verläuft diese Krise exakt so wie vorangegangene Ereignisse dieser Art. Das zeigen zumindest die makroökonomischen Indikatoren, die wir in einer Studie für das National Bureau of Economic Research (NBER) im letzten Dezember evaluiert haben. Vor allem verglichen mit schweren Wirtschaftskrisen in Industrieländern (Spanien 1977, Norwegen 1987, Schweden 1991 und Japan 1992) oder auch den Bankenkrisen in grösseren Schwellenländern, sind die Parallelen erstaunlich.
Beginnen wir mit der guten Nachricht: Finanzkrisen, auch einschneidende, dauern nicht ewig. Phasen negativen Wachstums enden normalerweise nach knapp zwei Jahren. Wenn man der Einschätzung des NBER folgt, dann hat die Krise im Dezember 2007 begonnen. Also sollte sie Ende 2009 zu Ende gehen. Setzt man den Beginn der realen Rezession im September 2008 an - wie es viele an der Wall Street tun -, dann sieht es für ein Ende noch in diesem Jahr nicht so gut aus.
Ähnlich unerfreulich sind die Beobachtungen in anderen Bereichen: Während einer typischen schweren Finanzkrise fällt der reale, inflationsbereinigte Häuserpreis um durchschnittlich 36%, und es dauert fünf bis sechs Jahre, bis er seinen Tiefpunkt erreicht hat. Wenn man davon ausgeht, dass die Hauspreise in den USA Ende 2005 auf ihrem Höchststand waren, wird der Tiefpunkt erst Ende 2010 erreicht sein, und die realen Häuserpreise werden bis dahin wohl um weitere 8 bis 10% fallen.
Aktienmärkte erholen in Jahren
Bei Aktienpreisen dauert es gewöhnlich nur dreieinhalb Jahre von der Spitze bis zum Tal, und sie fallen durchschnittlich um 55% - eine Marke, bei der der S&P bereits angekommen ist. Da aber die meisten Aktienindizes erst Mitte 2007 ihren Höchststand erreicht hatten, könnte es bis zur Erholung noch einige Jahre dauern, zumindest den historischen Benchmarks nach.
Was die Arbeitslosigkeit betrifft, ist noch mindestens für die nächsten zwei Jahre eine weitere Verschlimmerung zu erwarten. In früheren Krisen hielt die Phase höherer Arbeitslosigkeit oft bis zu fünf Jahre an, mit einer durchschnittlichen Erhöhung der Arbeitslosenrate um 7%-Punkte. Damit wäre sie in den USA dann zweistellig.
Die verblüffendste Botschaft aus der Geschichte der Krisen ist jedoch einfach der gigantische Anstieg der Staatsverschuldung. In den ersten drei Jahren nach einer Bankenkrise steigen die Schulden eines Staats real um mehr als 85%. In den USA wären das weitere 8 oder 9 Billionen Dollar. Und die Hauptursache für die Schuldenexplosion sind nicht die Kosten für die Sanierung des Finanzsystems. Es ist der unvermeidliche Einbruch bei den Steuereinnahmen, wenn ein Land in eine anhaltende Rezession fällt. Auch aggressive antizyklische Finanzpolitik spielt eine Rolle, wie wir es in den USA gerade bei der Verabschiedung des 800-Mrd-Dollar-Konjunkturpakets sehen können.
Natürlich lässt eine Fast-Verdoppelung der Staatsschulden erwarten, dass am Ende der Krise viel höhere Zinsen und ein Platzen der aktuellen Blase auf dem Anleihemarkt stehen werden. Die Folgen hoher Regierungsschulden sind ein weiterer Grund dafür, dass das Wachstum in den USA noch mindestens fünf bis sieben Jahre stagnieren könnte.
Gefragt: Nüchterner Blick
Der Einbruch an ausländischen Aktien- und Anleihemärkten hat die US-amerikanischen Assets im Ausland massiv getroffen. Und die weltweit schwache Nachfrage setzt dem amerikanischen Export enge Grenzen, sodass der Rückgang bei Konsum und Investitionen im Inland kaum aufgefangen werden kann.
Gelingt es den USA, die typische Abwärtsspirale früherer Finanzkrisen zu durchbrechen? Dazu ist es nötig, die künftige Wirtschaftsentwicklung der USA nüchtern einzuschätzen. Viel zu lange waren offizielle Schätzungen zu positiv und hinkten der Realität hinterher. Die Notwendigkeit einer Restrukturierung des Finanzsystems wurde deshalb lange unterschätzt. Falls nötig, sollte man es ermöglichen, dass Finanzinstitute trotz erhöhter Insolvenzgefahr restrukturiert und auch vorübergehend unter Zwangsverwaltung gestellt werden. Erst danach sollte eine Sanierung und Privatisierung erfolgen dürfen.