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Von Dr. Alex Rübel, Direktor Zoo Zürich: Am 27. Juni und 2. Juli sind im Zoo Zürich zwei Seehunde zur Welt gekommen. Vater der beiden Weibchen NUVYA und NUNIK ist der 15jährige YMSI, die beiden Mütter heissen KOPA, 29jährig, und QUEEN, 19jährig. KOPA ist gleichzeitig die Mutter von QUEEN. Die Jungen haben schon bei der Geburt das unglaubliche Gewicht von rund 10 Kilogramm, dies bei einem Körpergewicht der Mütter, das dem eines erwachsenen Menschen entspricht.
Der Zoo Zürich hält diese Robbenart seit 1964. Bis heut sind über 30 Junge zur Welt gekommen. In der Regel bringen Seehunde eines, selten auch mal zwei Junge zur Welt.
Im Gegensatz zu den Robben haben die Seehunde ihren ersten Fellwechsel bereits vor der Geburt und die Jungtiere kommen wie etwas kleinere Ausgaben ihrer Eltern zur Welt. Mit 7 bis 15 Kilogramm sind die jungen Seehunde bereits sehr gross, wenn sie zur Welt kommen. Auch den Milchzahnwechsel haben diese dann schon hinter sich. Entsprechend ihrem Alter bevorzugen Seehunde unterschiedliche Nahrung. Während den ersten vier bis fünf Wochen trinken die Welpen Muttermilch. Am Ende der Säugezeit sind sie so „speckfett“, dass sie bis zu zwei Wochen ohne Nahrung leben können bis sie der Hunger zum ersten Fischzug treibt, der meist mit Garnelen beginnt.
Erst ab dem zweiten Lebensjahr fressen sie dann das gesamte Spektrum an erwähnten Beuteorganismen. Im Alter von 2 bis 3 Monaten wandern die Jungen selbstständig ab und legen in den ersten drei Jahren bis 800 Kilometer jährlich zurück, bis sie im vierten Jahr in ihr Geburtsgebiet zurückkehren und dann oft standorttreu bleiben.
Zur Familie der Seehunde oder Hundsrobben zählen 19 Arten, darunter die im Zoo Zürich lebenden Seehunde, die Kegelrobben, Ringelrobben, Sattelrobben oder die Klappmützen. Der grösste Vertreter der Hundsrobben ist der See-Elefant, deren Bullen bis zu 3 Tonnen schwer werden können.
Seehunde fressen täglich zwischen 4 und 8 Kilogramm. Sie ernähren sich mehrheitlich von Fischen und werden auch im Zoo mit Fischen gefüttert. Aber der Speisezettel beinhaltet auch Kleinkrebse, Schnecken, Muscheln und Tintenfische. Bei der Jagd leisten die sensiblen Barthaare als Sensoren, das gute Gehör sowie die Augen mit den sich unter Wasser stark erweiternden Pupillen beste Dienste.
Seehunde sind beste Taucher
Obwohl der Seehund normalerweise nur 5 bis 6 Minuten unter Wasser bleibt, kann er bis zu 40 Minuten lang tauchen. Dabei kann er Tiefen von 100 bis 200 Meter erreichen. Um diese Leistungen vollbringen zu können, besitzt der Seehund einige aussergewöhnliche Merkmale: Während des Abtauchens schliessen sich seine Nasenlöcher automatisch. Sie müssen nach dem Tauchgang aktiv geöffnet werden. Auch die Ohröffnungen werden geschlossen. Ausserdem kann während des Tauchganges, selbst beim Fressen, kein Wasser in die Lunge eindringen, da der Kehlkopf dies verhindert.
Tragzeit wird der Umwelt angepasst
Die Tragzeit beläuft sich insgesamt auf ca. elf Monate. In den Wochen nach der Geburt werden die Kleinen bei Ebbe bis zu dreimal gesäugt, damit sie schnell ein Fettpolster anlegen, denn schon naht die Trennung von der Mutter: die Paarungszeit beginnt.
Die jungen Seehunde müssen noch lernen, selbst zu jagen, was verständlicherweise zu Anfang noch oft misslingt. In dieser Zeit zehren sie von ihren Reserven. Diese Phase findet auch im Zoo statt, erst der Hunger lehrt sie, Fische zu jagen und selbstständig zu fressen. Die beiden Jungtiere des Zoos Zürich sind jetzt in dieser Phase und leben abgetrennt von ihren Eltern. In der Wildnis erleben 40% ihr erstes Lebensjahr nicht.
Erwachsene Seehunde können 1,5 Meter lang und 80 bis 100 Kilogramm schwer werden. Sie leben bis zu 40 Jahre überwiegend als Einzelgänger in der Nordsee und an den eisfreien Küsten des Nordatlantik und Nordpazifik.
1974 wurde die Jagd auf Seehunde verboten. Daraufhin hat sich der Bestand schnell erholt. Heute geht man in der Nordsee von einem neuen Bestandesrekord von 35’000 Tieren aus.
Seehunde beobachten Besucher durch die Bullaugen im Zoo Zürich
Seehunde sind spielfreudig und neugierig. Die Bullaugen bei der Anlage im Zoo Zürich erlauben nicht nur den Zoobesuchern, das Verhalten der Tiere unter Wasser zu beobachten, sondern die Seehunde betrachten ebenso interessiert die Besucher. Wenn sie bekannte Personen sehen, zeigen sie oft Spielverhaltensweisen.
Quelle: Zoo Zürich
Bild: Zoo Zürich, Peter Bolliger