Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03431.jsonl.gz/1496

Die Indikation zu der rein symptomatischen Therapie ist vom individuellen Leidensdruck des Patienten abhängig. Die Therapieplanung sollte dabei von der im Einzelfall oft unterschiedlich starken Ausprägung der Symptome bestimmt werden. Patienten mit schwerer bis schwerster - und dabei vor allem kontinuierlich ausgeprägter - Symptomatik benötigen in der Regel eine Dauertherapie.
Die Auswahl unter den verschiedenen Medikamentengruppe (Dopaminpräparate, Alpha-Delta-Liganden, Codeine oder Opiate) erfolgt oft aufgrund von Zweitkrankheiten. Man versucht dann sozusagen „2 Fliegen auf einen Schlag zu treffen“.
Dopaminagonisten oder L-Dopa sind die Mittel erster Wahl bei der Behandlung des RLS, wobei L-Dopa nur bei sehr leichten Formen verwendet wird. In der Schweiz sind Madopar® ein L-Dopa-Präparat und die Dopaminagonisten Adartrel® (früher Requip®), Sifrol® und das Neupro-Pflaster® für diese Indikation offiziell zugelassen. Eine Reihe weiterer Dopaminagonisten (Permax®, Cabaser®) haben zwar in Studien ihre Wirksamkeit bewiesen, werden aber wegen seltenen aber doch schwereren Nebenwirkungen heute nicht als erste Wahl verwendet.
Da die Patienten in der Regel schon auf kleine Dosen von dopaminergen Präparaten ansprechen und L-Dopa nicht über eine längere Phase hinweg aufdosiert werden muss, kann eine prompte Wirkung von L-Dopa/Benserazid auch zur Bestätigung der RLS-Diagnose gelten.
Diese Medikamente werden auch beim Morbus Parkinson verabreicht. Der Arzt muss dem Patienten erklären, dass diese Krankheiten in der Regel nicht ineinander übergehen. Beim Morbus Parkinson besteht der Mangel an Dopamin in einem ganz bestimmten Hirnareal, während dem ein ähnlicher Mangel beim RLS an ganz anderer Stelle vermutet wird, möglicherweise sogar im Rückenmark.
L-Dopa kann relativ rasch aufdosiert werden, während alle Dopamin Agonisten langsamer eingeschlichen werden müssen. Wenn hohe Dosen zu rasch gegeben werden kann dies zu Übelkeit führen. Oft sprechen Patienten aber zu Beginn relativ rasch auf die Therapie an, leider kann aber eine Gewöhnung auftreten und der Effekt wieder nachlassen. In diesen Fällen ist viel Geduld und Vertrauen zum behandelnden Arzt nötig, bis ein neues, wirksameres Mittel oder ev. eine Medikamentenkombination gefunden ist.
Den Begriff der „Augmentation“ sollten alle RLS Patienten kennen. Damit ist eine paradoxe Nebenwirkung der dopaminergen Präparate und v.a. von L-Dopa gemeint, welche zum Glück nicht allzu häufig auftritt. Patienten welche L-Dopa nehmen, bemerken zunehmend, dass eine Dosis nicht mehr gleich gut und nicht mehr gleich lange wirkt. Dann breiten sich die RLS Beschwerden zunehmend auch auf die Oberschenkel oder sogar in die Arme aus und oft nehmen die Patienten als Gegenmassnahme immer höhere Dosen ein. Die Beschwerden welche früher ausschliesslich am Abend im Bett in Erscheinung getreten sind, treten nun schon am Nachmittag auf und auch nach viel kürzerer Zeit nach dem absitzen oder abliegen. Insgesamt handelt es sich somit um eine rasche Verschlechterung des RLS, obschon das Medikament für kurze Zeit immer noch wirksam ist. Die Behandlung muss in diesem Fall mit dem gut informierten Arzt abgesprochen werden. Manchmal können noch andere Dopaminagonisten mit längerer Wirkungsdauer eingesetzt werden, in schweren Fällen muss aber auf Opiate oder Alpha-Delta-Liganden umgestellt werden.
» siehe auch Unter uns 2006/2
In neueren Studien wurde über eine positive Wirksamkeit der neuen Antiepileptika Gabapentin und Pregabalin RLS berichtet, welche zu den Alpha-Delta-Liganden zählen und zusätzlich schlafanstossend wirken. Diese sollen, ähnlich wie Opiate - besonders bei schmerzhafter Form des RLS - eine Bedeutung haben und werden deswegen hauptsächlich bei Vorliegen einer zusätzlichen Polyneuropathie eingesetzt. Weil Pragabalin auch Angstlösend wirkt, ist dieses Mittel bei der Kombination von RLS mit einer Angststörung besonders geeignet. Wegen den relativ harmlosen, aber häufigen Nebenwirkungen (Müdigkeit, Übelkeit, und Gewichtszunahme) muss langsam aufdosiert werden.
Zu den bereits seit den 70er Jahren gegen RLS eingesetzten Medikamenten gehören auch Benzodiazepine, deren Einsatz heute eher selten empfohlen wird. Offenbar beeinflussen sie nämlich vor allem die Schlafstörungen, an denen Patienten mit RLS zunehmend leiden. Indem sie die Schwelle für Weckreaktionen erhöhen, wirken sie dem allzu häufigen Aufwachen entgegen. Dagegen werden die eigentlichen RLS-Symptome, insbesonders auch die unwillkürlichen Bewegungen der Gliedmassen, durch Benzodiazepine nicht oder kaum beeinflusst. Die Gefahr dieser Mittel besteht v.a. in der Schläfrigkeit, welche besonders bei älteren Patienten das Risiko von nächtlichen Stürzen mit sich bringt.
Früher wurden die RLS Beschwerden öfters über viele Jahre mit Codein-Präparaten erfolgreich therapiert. Heute werden Codicontin und ähnliche Mittel nur noch in zweiter oder dritter Wahl verwendet. Besonders als Reservemedikament oder in Kombination mit Dopamin Präparaten kann es aber auch heute noch gute Dienste leisten.
Wo Patienten mit schweren Ausprägungen von RLS nicht oder nicht ausreichend auf die dopaminergen Behandlung ansprechen oder diese nicht vertragen, kann eine Behandlung mit Opiaten inklusive Methadon symptomatisch gut wirksam sein. Diese Mittel werden besonders bei schmerzhaften Formen des RLS empfohlen. Das Risiko einer Suchtentwicklung bei Opiat-Therapie des RLS wird von den Fachleuten allgemein als gering eingeschätzt. Die wichtigsten Nebenwirkungen dieser Stoffgruppe sind der negative Effekt auf die Persönlichkeit, die beeinträchtigte Gedächtnisleistung oder die Obstipation. Die letztere Nebenwirkung kann durch das Kombinationspräparat von Oxycontin mit Naloxon gelindert werden.
Besondere Vorkehrungen sind nötig, wenn einem Patienten welcher unter RLS leidet ein Spital- ein Altersheim- oder ein Pflegeheimeintritt bevorsteht. Diese Massnahmen finden Sie zusammengefasst auf unserem Merkblatt für den Spitaleintritt.

Mindestens 1% einer Normalbevölkerung leidet an einem RLS, bei dem die Beschwerden so stark ausgeprägt sind, dass eine fachmedizinische Behandlung notwendig ist.