Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03424.jsonl.gz/996

Bankpräsident Ernst Haegi zeigte sich in der Bankratssitzung vom 24. Mai 1940 betroffen: «Wir stehen erschüttert vor der Tragik der überfallenen Völker, den zahllosen Opfern und der Unsumme von Leid, die das gewaltige militärische und politische Ringen in sich schliesst. Wir fragen uns besorgt, wie lange diese furchtbare Vernichtung blühender Menschenleben und grosser Kulturwerte noch dauern wird. Wir fragen weiter: Welche Rückwirkungen wird der Ausgang der Entscheidungen schliesslich auf unser Land, auf unsere staatliche Selbständigkeit und auf den Gang unserer Wirtschaft, namentlich die Exportmöglichkeiten haben?»
Die Kriegsereignisse beeinflussten auch das Bankgeschäft. Das Hypothekargeschäft war rückläufig, weil wenig gebaut wurde. Es gab gleichzeitig neue, allerdings wenig lukrative Aufgaben: «Der Staat ist weitgehend der Hauptkunde der Banken geworden und erhebt Anspruch auf besonders günstige Bedingungen. […] Es ist leider nicht gelungen, für die gewaltige Mehrbelastung, welche die Erhebung der Verrechnungssteuer – neben derjenigen der Couponsabgabe und der Wehrsteuer an der Quelle – den Banken auferlegt, irgendwelche Entschädigung vom Bund zu erlangen», so der Geschäftsbericht 1943.
Die Spareinlagen gingen zeitweise ebenfalls zurück. Die Bevölkerung behielt Bargeld «für alle Fälle» griffbereit. Besonders markant waren die Abflüsse der Spargelder im Sommer 1939, also schon vor Kriegsausbruch, und Mitte 1940, als die Deutsche Wehrmacht in Holland, Belgien und Luxembourg einmarschierte bzw. in Frankreich einfiel. Bevor viele Menschen aus Zürich die Stadt in Richtung Innerschweiz oder Berner Oberland verliessen, zahlte die Bank in wenigen Tagen 2,36 Millionen Franken Spargelder aus.