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Wie in jedem Jahr wird am letzten Sonntag im Oktober von Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt: In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 29. auf 30. Oktober 2022, drehen sich die Zeiger von drei auf zwei Uhr zurück und die Nacht ist eine Stunde länger als sonst.
Auch wenn es nur eine Stunde ist, die man in dieser Nacht an Schlaf gewinnt, so hat die Umstellung auf die Winterzeit doch einen spürbaren Einfluss auf den Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianer Rhythmus) – und damit auch auf Gesundheit und Wohlbefinden.
Innerhalb der ersten Woche nach der Zeitumstellung treten bei vielen Menschen Symptome auf, die an einen Jetlag erinnern, wenn auch in abgeschwächter Form. Mögliche Symptome sind zum Beispiel:
Die Bezeichnung Mini-Jetlag ist durchaus passend: Denn die Umstellung auf die Winterzeit entspricht einer Zeitzonenverschiebung um eine Stunde oder einem Flug ins Ausland (zum Beispiel nach Portugal). Über 70 Länder sind mit der Zeitumstellung vertraut. Ein Grossteil davon sind europäische Länder. Das EU-Parlament beschloss 2019 zwar, die Zeitumstellung abzuschaffen, doch passiert ist bisher nichts. Das wird auch noch bis 2026 so bleiben, da die Sommerzeit und die Winterzeit amtlich festgelegt sind. Aus gesellschaftlicher oder biologischer Perspektive betrachtet, ist eine Zeitumstellung nicht notwendig.
Der eigentliche Grund für die Zeitumstellung war der Wunsch, das Tageslicht optimal ausnutzen zu können, um dadurch Energie einzusparen . In ihrer heutigen Form wurden Sommerzeit und Winterzeit im Jahr 1980 eingeführt. Die Sommerzeit entspricht dabei der mitteleuropäischen Zeit, der eine Stunde hinzugefügt wird, während es sich bei der Winterzeit um die eigentliche mitteleuropäische Zeit handelt.
Eine gross angelegte Studie mit rund 55'000 Patienten zeigte, dass die Zeitumstellung auf die Sommerzeit den im Körper eingestellten Tag-Nacht-Rhythmus spürbar und langfristig beeinflusst. Der Tag-Nacht-Rhythmus reguliert unter anderem
- die Aufmerksamkeit,
- die Qualität des Schlafs ,
- die Regulation vieler Hormone (zum Beispiel das Schlafhormon Melatonin oder das Stresshormon Kortisol) und
- die Nierenfunktion.
Der Wechsel von Hell- und Dunkelphasen beeinflusst die innere Uhr – durch ihn passt sich der Körper an den 24-Stunden-Rhythmus der Umwelt an. Diese als Entrainment bezeichnete Anpassung des Körpers funktioniert ausserordentlich exakt. Der wichtigste Zeitgeber für diese innere Uhr ist das Tageslicht.
Besonders wichtig für den Tag-Nacht-Rhythmus sind dabei die frühen Morgenstunden der Morgendämmerung im Übergang von der Nacht zum Tag. Die Zeitumstellung auf die Winterzeit wirkt sich hier spürbar aus, da die Änderung der Uhrzeit nicht mehr den tatsächlichen Zeiten der Dämmerung entspricht. Die Folge: Die innere Uhr ist weiterhin auf Sommerzeit eingestellt, während alle sozialen Aktivitäten durch die Zeitumstellung auf Winterzeit um eine Stunde zurückgestellt werden, also eine Stunde später beginnen.
Ein Beispiel verdeutlicht das: Wenn am Montag nach der Zeitumstellung der Wecker um sieben Uhr klingelt, wäre es für den Körper eigentlich schon acht Uhr morgens. Das frühere Tageslicht am Morgen ist für den Körper ungewöhnlich und kurbelt die Hormone an. Die Folge: Tagsüber können Symptome wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit oder verminderte Leistungsfähigkeit auftreten.
Auch eine Verkehrsstudie zeigt, welche Folgen die Zeitumstellung zweimal während des Jahres haben kann. Nach einer Umstellung steigen die Unfallzahlen merklich an – insbesondere Motorradfahrer haben unter den Auswirkungen der Zeitumstellung zu leiden: Hier nimmt die Zahl der Unfälle um 42 Prozent zu; wahrscheinlich durch die «Jetlag-bedingte» beeinträchtigte Aufmerksamkeit.
Stärker betroffen von den Auswirkungen der Zeitumstellung sind zudem Menschen, die von ihrem Biorhythmus her eher früh aufstehen und früh ins Bett gehen (Chronotyp «Lerchen»). Mit der Umstellung auf die Winterzeit müssen sie sich neu daran gewöhnen, eine Stunde später aufzustehen und ins Bett zu gehen. Den «Eulen» hingegen fällt die Zusatzstunde an Schlaf morgens eher leichter.
Wer empfindlicher auf die Zeitumstellung reagiert, sollte sich auf die Zeitverschiebung vorbereiten beziehungsweise an dem Wochenende beginnen, die innere Uhr aktiv etwas zu verschieben:
- Samstag vor der Zeitumstellung: Mahlzeiten eine halbe Stunde später einnehmen als sonst, abends eine halbe Stunde später ins Bett gehen.
- Sonntag nach der Zeitumstellung: Essen und Schlaf um eine weitere halbe Stunde hinauszögern.