Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03301.jsonl.gz/140

Offizielle Diskussionsseite für das Sentinella-Netzwerk des BAG / Site de discussion officiel pour Sentinella de l’OFSP
Liebe Kollegen :
Entfernung von Zecken ist eine häufige Tätigkeit in der Hausarztpraxis ( unter ca. 1200 m).
Die Bedeutung der FSME wurde bearbeitet , die Empfehlungen angepasst.
Wenn wir die Häufigkeit der FSME über unsere Zeit in der Praxis hochrechnen ( 30 Jahre * 6 / 100 000 / Jahr = 180 Fälle für die Stadtbevölkerung von Winterthur ) und durch die Anzahl ( 61 im Twixtel )der Hausärzte teilen komme ich auf ca. 3 Fälle einer Encephalomyelitis durchschnittlich pro Hausarzt während seiner Praxiskarriere.
Diese Zahl scheint mir plausibel.
Einen Verdacht auf ein Erythema chronicum migrans habe ich mehrmals / Jahr ,.
Bei den späteren Phasen der Borelliose wird es anekdotisch : ich erinnere mich an zwei Fälle einer Dermatitis atrophicans , eine fragliche artikuläre Borelliose , ein Fall einer Neuroborelliose , die sich im Verlauf als multiple Sklerose entpuppte ( unspezifischer Anstieg von Antikörpern im Liquor ) und ein Todesfall angeblich wegen Borelliose ; die Sektion ergab ein anderes schweres neurologisches Leiden.
Die Frage stellt sich also nach dem 'Burden of Disease'.
In den Vorbesprechungen im Rahmen von Sentinella haben wir 2 Publikationen gefunden , eine aus Frankreich , eine aus der Welschschweiz.
Soweit ich mich erinnere sagen diese Untersuchungen in etwa :
ECM ist häufig , späte Phasen äusserst selten und die Diagnose sehr schwierig.
Können und wollen wir das genauer haben und wozu ?
Innerhalb von Sentinella hat sich Charles Dvorak intensiv mit einer möglichen Erfassung beschäftigt.
Euer Fredi
Eine Erhebung könnte etwa so aussehen, ob man das will und ob man es braucht, ist natürlich eine andere Frage...
Falldefinition
1 = Zeckenstich
2 = Borreliose(verdacht)
3 = FSME(-Verdacht und Impfung)
Allgemeine Informationen
Jahrgang, Geschlecht
potentieller Aufenthalt im Endemiegebiet
Erinnerung an frühere Stiche
FSME-Impfungen: Wieviel, wann das letzte Mal aufgefrischt
Ad 1) Zeckenstich
Wie lange zurückliegend
Versuch der Selbstentfernung, Zeckenteile noch in situ
Erwachsene oder Nymphenform
Lokale Reaktion
Gezogene Konsequenzen
Ad 2) Borreliose
Erythema chronicum migrans
Gelenkborreliose
Acrodermatitis atrophicans
Neurologische Erkrankung
kardiale Reizleitungsstörung
andere
allgemeine Fragen (Lehrperson vor Schülerlager etc.)
Zeckenstich erinnerlich, wie lange zurückliegend
Diagnose sicher, wahrscheinlich, möglich, unwahrscheinlich
Antibiotikaeinsatz
Ad 3) FSME
Meningoenzephalitis
nur Impfung / Impfberatung
die Häufigkeit Messen oder das Zählen der Erbsen ( in Relation zu Zeit , Region , Alter , Arzt e.t.c. e.t.c. ) ist eine wichtige Tätigkeit .
Zur Kausalität können wir ( z.B. beim InfluenzaLikeIllnes ) sehr wohl Aussagen machen.
Wir können mehr als Erbsen zählen !
Zurück zum Thema Zeckenstiche .
Bevor wir uns überlegen was wir erfassen, müssen wir uns darüber klar werden was wir wissen wollen und wozu - und wie wir es auswerten.
Gesucht werden also gute Fragen.
Taugt diese etwas ?
wie häufig ist ein Zeckenstich ein Behandlungsgrund in der Hausarztpraxis ?
oder
wie häufig und in welchem Abstand kommt es nach einem Zeckenstich zu einer Serumkonversion ?
oder
wie häufig versteckt sich hinter einer Apoplexie eine Borelliose ?
mit herzlichem Gruss
Fredi
Wir würden uns anbieten, Nullseren gratis in unserer Serothek einzufrieren und für mindestens 5 Jahre aufzubewahren. Wenn die Patienten mit Komplikationen wieder in der Praxis auftauchen, könnten wir so die Diagnose einer primären Lyme-Borreliose, FSME oder Ehrlichiose sehr schön absichern (diese Analysen dann zum normalen Analysentarif). Ziel wäre es, herauszufinden, wie oft ein Zeckenstich zu einem Folge-Arztbesuch führt und aufgrund welcher Aetiologie.
Wir bräuchten dazu die vollen Patientenstammdaten.
ich bin neu in diesem Zirkel, Hallo!
Die FSME ist ja eine meldepflichtige Infektionskrankheit, deshalb haben wir recht gute Prävalenzzahlen. Was genau möchte man zusätzlich wissen und warum?
mit freundlichen Grüssen
Albert Kind
Lieber Albert , super dass Du dich zu Worte meldest.
Durch die Meldepflicht bei der FSME haben wir gute nationale Zahlen.
Für mich stellt sich die Prävalenz und Bedeutung der FSME recht klar da.
Ich wüsste nicht was es da noch zu erheben gibt , ausser dem Erfolg der Impfkampagnen.
Bei der Borelliose ist das Bild sehr verzerrt, je nach persönlicher Gewichtung.
Es gibt verschiedene Publikationen über die Inzidenz z.B. aus Frankreich:
Letrilliart L, Ragon B, Hanslik T, Flahault A. Lyme disease in France: a primary care-based prospective study. Epidemiol Infect. 2005 Oct;133(5):935-42(alt+w)
oder aus der Welschschweiz ( Link nicht bekannt ),
oder natürlich bei EUCALB.
Gesamtschweizerisch ist das Bild diffus.
Darum die Fragen in die Diskussionrunde:
was wollen wir wissen ?
wozu wollen wir es wissen ?
Mit herzlichem Gruss , Fredi