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Roman Röösli ist im Schweizer Team der Ruderer mit dem grössten Renommee. Der Luzerner will 2024 den Traum einer Olympia-Medaille verwirklichen. Der Weltcup in Zagreb vom Freitag bis Sonntag ist eine erste Standortbestimmung.
An den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro belegte Röösli im Doppelvierer den 7. Platz, fünf Jahre später in Tokio erreichte er zusammen mit Barnabé Delarze im Doppelzweier den 5. Rang. Während Delarze dem Rudersport den Rücken kehrte und beim Alinghi-Team für den America’s Cup 2024 eine neue Herausforderung fand, war für Röösli relativ rasch klar, dass er weitermacht.
Allerdings verliess der Luzerner nach Tokio die Schweiz und absolvierte ein Masterstudium an der Elite-Universität in Oxford. Das Rudern nahm aber auch dort einen grossen Stellenwert ein. Röösli war Teil des legendären Achterrennens Oxford gegen Cambridge und gehörte wie Delarze zum Siegerteam.
Die Zeit in England war für Röösli «definitiv ein Reset» nach den zehn Jahren beim Verband. Was das Training betreffe, sei der Ansatz in England ganz anders, sagt der 29-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Zudem war alles auf das «Boat Race» ausgerichtet.
Weniger effizient als gedacht
Am Morgen vor der Uni stand Ergometer oder Kraft auf dem Programm, nach den Vorlesungen, die bis Mittag dauerten, ging es mit einem Minibus zum Training auf dem Wasser. Die Fahrzeit dorthin betrug bis zu 90 Minuten. «Es lief nicht so effizient ab, wie ich mir das im Vorfeld vorgestellt hatte», erzählt Röösli. Nach der Rückkehr vom Wassertraining galt es, den verpassten Stoff nachzuholen. Das Studentenleben, die vielen Erlebnisse an der Universität, genoss er jedoch.
Mitte des Jahres 2022 kehrte Röösli ins Nationalkader zurück. Im vergangenen August gab er an der EM in München im Vierer ohne Steuermann sein Renn-Comeback, in Bayern belegte das Quartett ebenso den 5. Platz wie an der WM in Racice. Dass er mitten in der Saison einstieg, «war ein guter Entscheid», sonst hätte er wichtige Trainingszeit auf internationalem Niveau verpasst. Zum Winter sagt er: «Es ging insgesamt gut, vor allem konnten wir durchtrainieren.»
Cheftrainer Wright anderer Meinung
Wie war sein Niveau nach England? «Ich hielt in etwa das Level. Dort stand die Ausdauer im Zentrum, diesbezüglich erzielte ich Fortschritte. Gleich oder minim schlechter war meine Leistung über zwei Kilometer auf dem Ergometer.» Anders sah dies Cheftrainer Ian Wright: «Er kam nicht fit zurück.» Zudem sagt dem Neuseeländer jene Technik, die in Oxford gelernt wird, nicht zu: «Es braucht viel Zeit, das zu ändern.»
Bei der ersten Weltcupstation in Zagreb rudert Röösli zusammen mit dem sechs Jahre jüngeren Andrin Gulich in der Kategorie Zweier-ohne. «Ich denke, es ist vom Potenzial her eine gute Kombination», so Wright. Röösli findet die neue Herausforderung «sehr spannend, technisch ist es eines der schwierigsten Boote zu rudern. Ich muss meine Synapsen neu koppeln.»
Zudem macht es ihm «wirklich Spass», mit Gulich ein Team zu bilden. «Er ist ein sehr humorvoller Mensch, das tut mir gut. Ich bin relativ streng, er bringt die nötige Lockerheit hinein.» Ergibt es sich vor dem Einschlafen, führen die beiden politische Diskussionen. «Es passt sehr gut», sagt Röösli.
Drei Olympia-Quotenplätze als Ziel
Allerdings sind die aktuellen Boote nicht in Stein gemeisselt, stimmen die Leistungen nicht, gibt es Änderungen. Schliesslich werden an den Weltmeisterschaften Anfang September in Zagreb ein Grossteil der Quotenplätze für die Olympischen Spiele 2024 in Paris vergeben. Swiss Rowing hat sich drei zum Ziel gesetzt.
So oder so kann sich Röösli «für jedes Boot motivieren. Ich will einfach in jenem sitzen, das in Paris die grössten Chancen hat, eine Medaille zu gewinnen.» Das ist sein ultimatives Ziel, nur darum nimmt er die ganzen Strapazen nochmals auf sich.