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Es sind ereignisreiche Wochen für Ansu Fati. Dem 16-jährigen Spieler des FC Barcelona gelang am Wochenende beim 2:2 gegen Osasuna sein erstes Tor für die Katalanen. Der Linksaussen wurde damit zum jüngsten Torschützen in der Geschichte des Klubs. Eine Woche davor debütierte er beim 5:2-Sieg gegen Betis Sevilla als zweitjüngster Spieler der Klubgeschichte.
Aber wer ist dieses Wunderkind, das wie aus dem Nichts auf der Weltbühne des Fussballs aufgetaucht ist? Wir haben uns auf die Suche nach Antworten gemacht.
Am 31. Oktober 2002 kam Anssumane Fati in Guinea-Bissau auf die Welt. Mit sechs Jahren kam er mit seiner Familie nach Spanien. In Sevilla durchlief Fati die Nachwuchsmannschaften, war aber so gut, dass er bereits im Alter von neun Jahren von mehreren Spitzenklubs umworben wurde. Dem spanischen Radiosender «Cope» sagte Vater Bori Fati: «Als wir noch in Sevilla waren, machte uns Real Madrid ein besseres Angebot für unseren Sohn. Aber wir haben uns für Barça entschieden, weil sie uns besucht und überzeugt haben»
Mit 10 Jahren wechselte Fati also in Barcelonas bekannte Jugendakademie «La Masia» und durchlief dort sämtliche Jugendteams. Bis vor Kurzem spielte Fati noch in der U19 – trainiert vom ehemaligen Barça-Goalie Victor Valdés. In der Champions League der Nachwuchsmannschaften, der UEFA Youth League, kam er in 10 Spielen auf 4 Tore und 3 Assists.
Für eine Nachwuchs-Nati wurde Fati bisher noch nicht aufgeboten. Wie sein Vater sagt, möchte Ansu später gerne mal für die spanische Nationalmannschaft spielen, die Staatsangehörigkeit besitzt er seit diesem Jahr.
Als Sevillas Sportlicher Leiter Monchi 2011 vom Interesse des FC Barcelona an Fati erfuhr, hat er der Familie ein Angebot gemacht, welches finanziell lukrativer war, als jenes des Konkurrenten aus Katalonien. Doch die Eltern lehnten ab, da sie unbedingt wollten, dass Ansu in «La Masia» trainiert.
Wie Vater Bori Fati nun sagt, sei Monchi danach so wütend gewesen, dass er den damals 9-jährigen Ansu für ein Jahr nicht mehr spielen liess, bis dieser zum FC Barcelona wechseln konnte.
Ansu Fati ist nicht der einzige talentierte Fussballer in der Familie. Sein 21-jähriger Bruder Braima spielte ebenfalls in der Jugend von Barcelona und ist aktuell von der 2. Mannschaft an den Drittligisten CD Calahorra ausgeliehen.
Als der jüngere der beiden Brüder zu seinem Debüt in der ersten Mannschaft kam, war Vater Bori Fati überwältigt:
Sein Sohn habe ihm im Vorfeld der Partie erzählt, dass er so nervös sei, dass er vor Aufregung kaum essen oder schlafen könne.
Mit seinen 16 Jahren und 10 Monaten ist Ansu zwar der jüngste Torschütze in einem Liga-Spiel für den FC Barcelona, jedoch nicht der jüngste Torschütze der Primera Division. 2012 traf Fabrice Olinga mit 16 Jahren und 3 Monaten für den FC Malaga. Heute spielt Olinga für Royal Mouscron in der belgischen Jupiler Pro League. Auch Iker Muniain war 2009 bei seinem Tordebüt jünger als Fati – er hat für Athletic Bilbao schon fast 300 Ligaspiele absolviert und ist mittlerweile Captain.
Damit Fati überhaupt spielen durfte, brauchte es erst die Einverständniserklärung der Eltern – da minderjährige Spieler in Spanien bei Abendspielen (21 Uhr) sonst nicht eingesetzt werden dürften. Doch Mutti und Vati machten Fati selbstverständlich keinen Strich durch die Rechnung.
Ist die grösste Schwäche von Ansu Fati zugleich auch seine grösste Stärke? Der Teenager wurde in der Barça-Jugend oft kritisiert, weil er hauptsächlich geschossen hat – egal aus welcher Position, Fati suchte praktisch immer das Tor. Es hiess sogar, er bevorzuge einen schwachen Schuss einem guten Pass.
Diese Tatsache machte ihn aber auch zum Skorer, gleich in seiner ersten Saison habe er 56 Tore in 29 Spielen erzielt. Fati habe einfach drauflos geballert – viele Schüsse gingen rein, noch mehr daneben, berichtet 90min.com.
Den übertriebenen Egoismus hat er aber scheinbar bereits abgelegt. In Best-Of-Videos sind neben seinen flinken Dribblings auch viele gute Pässe dabei – den Torriecher hat er dabei aber nicht abgelegt.
Trotz seinem jungen Alter ist Fati jedoch auch körperlich bereits auf der Höhe. Er ist nicht bloss schnell und flink, sondern auch ziemlich kräftig.
Vor vier Jahren, im Dezember 2015, verletzte sich Fati nach dem harten Einsteigen eines Espanyol-Verteidigers schwer. Fati brach sich Schien- und Wadenbein und konnte zehn Monate nicht Fussballspielen. Weil der FC Barcelona davor noch eine Transfersperre absitzen musste, war es für Fati eines der ersten Spiele für die Katalanen. So kam es, dass Fati in seiner Jugend über lange Zeit keinen Ernstkampf bestreiten konnte.
Erst im Juli verlängerte Ansu Fati seinen Vertrag bei Barça bis 2022 – die Ausstiegsklausel beträgt schlappe 100 Millionen Euro. Wohl eine Vorsichtsmassnahme von Barcelona – im Sommer waren bereits Borussia Dortmund, Manchester United und Newcastle United daran interessiert, den Guinea-Bissauer zu verpflichten.
Dass Ansu Fati überhaupt zum Einsatz kam, hängt auch damit zusammen, dass die Konkurrenz entweder verkauft wurde oder zum Saisonstart verletzt fehlte. Malcom und Philippe Coutinho wurden im Sommer abgegeben, Lionel Messi, Luis Suarez und Ousmane Dembélé fehlten verletzt. So kam es, dass Fati sein Debüt früher als erwartet geben durfte.
Dass ihn Lionel Messi nach seinem Debüt in den Katakomben in den Arm nahm, berührte Fati speziell und er schrieb in den sozialen Medien davon, dass er dem fünffachen Weltfussballer «ewig dankbar» sei für «die Gesten der Zuneigung und seine Worte an einem so besonderen Tag.»
Vielleicht war es nicht der letzte besondere Tag – schliesslich warten die nächsten aufregenden Wochen auf den 16-jährigen Ansu Fati.