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Antidepressivum zeigt gute Ergebnisse bei Corona-Infektionen
dpa/ur
28.10.2021 - 11:53
Das Antidepressivum Fluvoxamin könnte bei Covid-Erkrankungen die Notwendigkeit von Spital-Behandlungen reduzieren. Das günstige Medikament müsste dafür allerdings recht früh eingesetzt werden.
Ein günstiges Antidepressivum hat sich in einer Studie als hilfreich bei der Verhinderung von Spitalaufenthalten im Zusammenhang mit Corona-Infektionen bei besonders gefährdeten Erwachsenen erwiesen. Das Medikament mit Namen Fluvoxamin wird sonst in der Behandlung von Depressionen und Zwangsstörungen eingesetzt. Forscher testeten das Mittel, weil es bekanntermassen bei Entzündungen hilft. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch in der Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht.
Die Forscher teilten ihre Ergebnisse mit den U.S. National Institutes of Health, die Behandlungsrichtlinien veröffentlichen. Sie hoffen auf eine Empfehlung durch die Weltgesundheitsorganisation. «Wir hoffen, dass dadurch viele Leben gerettet werden können», sagte Dr. Edward Mills von der McMaster University in Hamilton, Ontario, der Co-Autor der Studie. Für viele arme Länder sei das Medikament leicht verfügbar.
Eine Behandlung würde nur knapp vier Franken kosten
Eine Corona-Behandlung mit dem Medikament würde den Angaben nach vier US-Dollar (rund 3,7 Franken) kosten. Im Vergleich dazu kosten intravenöse Antikörper-Behandlungen etwa 2000 Dollar und die experimentelle Pille von Merck gegen Covid-19 etwa 750 Franken je Behandlung.
Wissenschaftler testeten das Medikament bei fast 1500 Menschen in Brasilien, die sich kurz zuvor mit dem Coronavirus infiziert hatten und bei denen wegen anderer Erkrankungen wie etwa Diabetes ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bestand. Etwa die Hälfte der Teilnehmer nahm das Antidepressivum zu Hause zehn Tage lang ein, die anderen erhielten ein Placebo.
Offen ist noch die beste Dosierung
Für etwa vier Wochen wurde anschliessend beobachtet, wer ins Spital eingewiesen wurde oder bei vollen Spitälern längere Zeit in der Notaufnahme verbrachte. In der Gruppe derer, die das Mittel nahmen, benötigten elf Prozent eine Aufnahme im Spital oder einen längeren Aufenthalt in der Notaufnahme – verglichen mit 16 Prozent in der Placebo-Gruppe.
Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass unabhängige Experten, die die Studie überwachten, ihren vorzeitigen Stopp empfahlen. Offen blieben Fragen darüber, welche Dosierung am besten hilft, ob Patienten mit einem niedrigeren Erkrankungsrisiko ebenfalls profitieren könnten, und ob das Medikament mit anderen Behandlungsformen kombiniert werden sollte.
In der Studie wurden Medikamente getestet, die bereits auf dem Markt sind und die möglicherweise eine Hilfe im Kampf gegen die Corona-Pandemie sein könnten.
dpa/ur