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| Athanasius (295-373) - Brief an den Kaiser Jovianus (Epistula ad Iovianum imperatorem)

Vorerinnerung
4.
Gleich nach dem Tode des Julianus versammelten sich die Heerführer, und erklärten einstimmig den Jovianus als Kaiser. Man kannte ihn als einen Mann von großer und bewährter Tapferkeit, und als einen Geist, der an Mitteln fruchtbar genug wäre, um helfen zu können, und in dieser Lage, in der man sich befand, hervorgesucht werden mußte; und schon seine majestätische Gestalt schien auf diese höchste Würde von selbst Anspruch zu haben. Er befand sich jetzt in einem Alter von zwei und dreißig Jahren; er war gütig, freundlich und liebevoll im Umgange; er hatte, woran der Kirche Gottes am meisten gelegen seyn mußte, einen unverfälschten Glauben, und eine solche Standhaftigkeit in demselben, daß er bereit war, ihm Alles aufzuopfern, wie er dieses unter seinen grausamen Vorfahren bei jeder Gelegenheit gezeigt hatte.
Unter diesem neuen Kaiser gewann im Reiche Gottes Alles bald wieder ein ganz anderes Aussehen, jetzt wurde wieder gesucht und hochgeschätzt, was sich vorher verfolgt und gehaßt sah. Kaiser Iovianus gab nicht nur die Freiheiten und Gnadengelder den Geistlichen und andern Gott geweihten Personen wieder zurück, sondern er bestätigte auch Alles ohne Ausnahme und Aufschub, was Constantinus der Große, und die frömmsten aus seinen Söhnen zu Gunsten des Christenthumes verordnet, und Julian aufgehoben hatte; noch auf persischem Grunde und Boden schrieb er schon den Statthaltern der Provinzen, daß sie Alles dieses bewerkstelligen sollten. Sobald er den Fuß in das römische Gebiet gesetzt hatte, ließ er ein förmliches kaiserl. Edikt ergehen, durch welches er alle des Landes verwiesenen Bischöfe zurückrief, und die den Rechtgläubigen entrissenen Kirchen auf der Stelle zurückzugeben befahl. An den Patriarchen Athanasius schrieb Kaiser Jovianus eigens und besonders; er betrachtete ihn als den vorzüglichsten Vertheidiger des wahren Glaubens, und äußerte den Wunsch, von ihm zu lernen, was ein wahrer Christ zu glauben verbunden sey.