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Bernard Kälins Leben und Wirken als Benediktinermönch, Lehrer, Abt und Abtprimas, sein Denken und Handeln sowie seine Sicht auf die Welt waren geprägt von der Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche und ihrer Lehre, dem Ordensleben und der Religion in verschiedenen Bereichen. Anhand seiner Biografie wird dem Spannungsverhältnis zwischen konfessionellem Selbstverständnis und moderner Welt, zwischen Individuum, Religion und Gesellschaft im 20. Jahrhundert nachgespürt.
1887 in Einsiedeln-Trachslau zur Welt gekommen, trat Kälin 1908 ins Kloster Muri-Gries bei Bozen ein. Nach dem Ordensgelübde 1909 studierte er Theologie und empfing 1912 die Priesterweihe. Es folgte ein Studium der Philosophie in Freiburg im Üchtland, wo er 1918 mit einer Arbeit über die Erkenntnislehre des heiligen Augustinus promovierte. 1913–1945 war Kälin als Lehrer am Kollegium in Sarnen tätig und hatte zudem von 1929 bis 1945 das Amt des Rektors inne. Mit der Wahl zum Abt des Klosters ging er 1945 zurück nach Gries. Nach nur zwei Jahren wurde er 1947 von der Äbtekonferenz zum Abtprimas des Benediktinerordens berufen, was einen Umzug nach Rom bedeutete. Während zwölf Jahren übte Kälin dieses Amt aus und unternahm viele Reisen zu Benediktinerklöstern weltweit. 1959 lehnte er eine Wiederwahl ab und kehrte in die Schweiz zurück, wo er zuerst in Sarnen und später im Hospiz in Muri lebte. Ab 1960 stand Kälin in Kontakt mit der konservativen protestantischen Friedens- und Erweckungsbewegung Moralische Aufrüstung. Er starb am 20. Oktober 1962 in Muri und wurde in Sarnen beigesetzt.