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Daniel Ambühl, Ein
Altersportrait von Till Eulenspiegel
Frottage in sieben Farben, 260 * 223 mm, 1998
" ......
Wir sehen das Gesicht eines alten Mannes. Es ist zu einer Grimasse verzogen. Oder nennt
man dies Fratze? Das eine Auge ist weit aufgerissen, starrend, durchbohrend, fast irre.
Das andere Auge ist geschlossen, schlafend, wie von einer Totenmaske abgegossen. Es liegt
eine fiebrige, entzündliche Spannung in diesem Gesicht, eine Spannung, die das Gesicht zu
zerreissen droht. Das Haupt ist bedeckt mit wirrem, loderndem Haar, zerzaust vom Leben.
Das eine Ohr lehnt sich gefährlich weit aus dem Gesicht, dem Betrachter entgegen. Dieses
Ohr ist wie ein Saugrohr, es will etwas hören. Es fordert eine Nachricht vom Betrachter,
eine Reaktion auf die Provokation der Grimasse. Nicht nur dringend fordert dieses Ohr das,
nein, zwingend. Das andere Ohr aber ist hinter dem Kopf verborgen, als könnte es nichts
hören - das Pendant zum Auge, das nichts sieht - als horchte es autistisch nur in sich
selbst hinein oder als gäbe es im Gesicht dieses Menschen überhaupt nur ein Ohr.
....."
Ausschnitt aus dem dem Essay "Ein Altersportrait von Till
Eulenspiegel"