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Unsere Gewohnheiten beeinflussen unser Leben in hohem Masse. Studien zeigen, dass mehr als 45% unseres Verhaltens auf Gewohnheiten zurückzuführen ist. Allerdings sind Gewohnheiten nicht direkt und kurzfristig zugänglich. Weder können wir eine Gewohnheit sofort erschaffen, noch können wir sie sofort ablegen. Gewohnheiten entstehen durch Wiederholung über einen längeren Zeitraum.
Unser Gehirn spielt eine entscheidende Rolle bei der Bildung von Gewohnheiten. Nervenbahnen sind Kommunikationskanäle im Gehirn, und Gewohnheiten sind Nervenbahnen. Sobald die Nervenbahn, die einer Gewohnheit zugeordnet ist "getriggert" wird, erfolgt die Auslösung des Gedankens oder das Bedürfnisses, sich gemäss der entsprechenden Gewohnheit zu verhalten. Zwei Beispiele hierfür sind das Duschen direkt nach dem Aufstehen oder das Benutzen des Handys auf der Toilette.
Faktoren wie Stress, geringe Willenskraft oder Überforderung können es schwer machen, Entscheidungen zu treffen. Wenn wir zu erschöpft sind, um eine Entscheidung zu fällen, machen wir in der Regel einfach das, was wir normalerweise tun - also unsere Gewohnheiten abrufen.
Der Zeitraum, um neue Gewohnheiten zu bilden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bei einer grossen Untersuchung dauerte es zwischen 18 und 254 Tagen, wobei der Durchschnitt bei 66 Tagen lag. Je nach Person, Gewohnheit und Situation kann es länger oder kürzer dauern.
Wie unser Gehirn funktioniert und Gewohnheiten entstehen
Unser Gehirn verändert sich nur langsam und verfügt über eine gewisse Stabilität. Beim Erschaffen von Gewohnheiten ist das Ziel, das Gehirn mithilfe von Wiederholungen zu verändern. Allerdings wird sich das Gehirn dagegen wehren, es sei denn, der Lohn ist äusserst attraktiv. Wiederholungen und Belohnungen sind daher der Schlüssel zum Erfolg bei der Änderung von Gewohnheiten.
Es gibt zwei Hauptakteure im Gehirn: der präfrontale Kortex und die Basalganglien. Der grösste Teil unseres Gehirns, die Basalganglien, ist für sich wiederholende Muster verantwortlich und kann den präfrontalen Kortex überstimmen. Der präfrontale Kortex ist der schlaue Teil des Gehirns, der für das kurzfristige Denken und das Treffen von Entscheidungen verantwortlich ist. Die einzige Möglichkeit, Gewohnheiten zu etablieren, besteht darin, dem Rest des Gehirns beizubringen, das zu mögen, was der präfrontale Kortex mag. Das Problem ist jedoch, dass der präfrontale Kortex schnell ermüdet, da er viel Energie benötigt. Die Basalganglien fehlt das Bewusstsein für höhere Ziele, sind jedoch effektive Wiederholer von Mustern und daher sehr energiesparend.
Das Problem mit der Motivation
Motivation ist für langfristige Veränderungen ein schlechter Helfer. Motivation ist ein wichtiges Gefühl, das jedoch nicht immer verlässlich ist, da es von vielen Faktoren abhängt. Deine Motivation kann durch ein Ereignis, den Blutzuckerspiegel, der Stimmung oder deinen Glaubenssätzen beeinflusst werden – also fast allem.
Es ist schwierig, allein durch Gedanken unsere Gefühle zu verändern. Mit ausreichender Energie, einer gesunden Einstellung und ohne grössere Versuchungen können wir mit Motivation etwas erreichen. Wenn jedoch die Zeit zum Handeln gekommen ist und die Situation weniger attraktiv erscheint, neigen wir dazu, unser Vorhaben auf einen anderen Tag zu verschieben.
Warum Willenskraft besser wirkt als Motivation
Obwohl Motivation hilfreich ist, bringt sie Unzuverlässigkeit ins Spiel. Im Gegensatz dazu ist Willenskraft sehr zuverlässig, wenn du eine neue Gewohnheit aufbauen willst. Im Vergleich zur Motivation kann man Willenskraft wie einen Muskel stärken und aufbauen. Eine Studie von Professor Baumeister zeigte, dass Studenten, die zwei Wochen lang ihre Willenskraft einsetzten, um ihre Körperhaltung zu verbessern, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe eine deutliche Steigerung der Selbstkontrolle aufwiesen.
Quellen und Tipps zum lesen:
Charles Duhigg - Die Macht der Gewohnheit: Warum wir tun, was wir tun
Stephen Guise - Viel besser als gute Vorsätze: Wie Sie mit Mini-Gewohnheiten Maxi-Erfolge erleben