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Stimmt. Bloss: Was heisst „verstrahlt“? Und: wie stark verstrahlt?
Wenn die Medien „verstrahlt“ sagen, dann meinen sie „kontaminiert“; will sagen: da liegt Zeug herum, das radioaktiv ist, das ionisierende Strahlung aussendet. Ionisierende Strahlung kann Moleküle zerlegen und damit lebende Zellen schädigen. Ist das nicht lebensgefährlich? Kommt drauf an. Auf die Dosis nämlich. Das wusste schon unser Landsmann Theophrastus Paracelsus im Mittelalter: Die Dosis sagt, was giftig ist. Viel Gift ist giftiger als eine Spur Gift. Eine Spur Gift ist manchmal sogar gesund!
Wissen Sie, dass die ganze Welt von Natur aus radioaktiv ist – auch Sie selbst? Radioaktive Stoffe sind überall. In Ihrem Körper gibt es Kalium. Radioaktiv! Und Kohlenstoff: radioaktiv! Um Sie herum gibt es Gestein, das enthält Uran und Thorium: radioaktiv. Es gibt viele Gebäude, die stärker strahlen, als es einem AKW erlaubt wäre; berühmtes Beispiel: die Grand Central Station in New York. (Ein Gebäude aus Granit). Schliesslich werden wir ständig von ionisierender Strahlung aus dem Weltraum bombardiert. Die ganze Erde ist verstrahlt!
Warum überleben wir das alles? Weil die Dosen klein sind.
Wie misst man eine Dosis? Dazu gibt es hochempfindliche Instrumente. So wie man Gewicht in Kilogramm und Temperatur in Grad misst, misst man Strahlendosen in Sievert (Sv). Was ist ein Sievert? Das ist eine sehr grosse Einheit; es ist die Menge Strahlung, die krank machen kann. Die natürliche Strahlung im schweizerischen Mittelland ist etwa zwei tausendstel Sievert pro Jahr. Man sagt auch 2 Milisievert (mSv). In den Bergen steigt die Dosis auf das Doppelte. Dazu kommen im Mittel 0.5 mSv aus medizinischen Anwendungen (Röntgen!). Für beruflich strahlenexponierte Personen sind 20 mSv pro Jahr erlaubt. In der evakuierten Zone um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi schätzt man die zusätzliche Strahlendosis im ersten Jahr nach der Katastrophe auf zwischen 1 und etwas über 200 mSv. Danach nimmt die Dosisrate langsam ab. Um die Hälfte in 30 Jahren, weil die meiste Strahlung von Strontium-90 und Cäsium-137 stammt; die haben beide eine Halbwertszeit von etwa 30 Jahren. Wahrscheinlich geht es aber schneller, weil die strahlenden Elemente mit der Zeit ausgewaschen oder vergraben werden – von Regenwürmern zum Beispiel.
Es gibt übrigens Gegenden auf diesem Planeten – etwa der Sandstrand von Kerala in Indien - wo die Dosisleistung seit jeher höher war als heute um Fukushima. Da wohnen Menschen. Gesunde Menschen. Wir kommen darauf zurück!