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Seit letzter Woche läuft Black Box – Gefährliche Wahrheit von Yann Gozlan in den Deutschschweizer Kinos. Der französische Thriller thematisiert die investigative Arbeit, welche die für Flugunfälle beauftragte Behörde BEA leistet. Im Mittelpunkt steht Mathieu, der einen mysteriösen Absturz analysieren soll. Die Geschichte ist fiktiv, weist aber gewisse Parallelen zur Realität auf. Reicht das aus, um diesen Streifen sehenswert zu machen?
Die Wahrheit hinter dem Unglück «erhören»
Mathieu Vessier arbeitet bei der französischen Flugunfalluntersuchungsbehörde (BEA) als Audio-Techniker. Seine wichtigste Tätigkeit: Er hört die Aufnahmen des Stimmenrekorders eines verunfallten Flugzeugs ab, analysiert diese und rekonstruiert den Absturz fürs Protokoll. Er geht dabei sehr gewissenhaft vor, verfügt über ein aussergewöhnliches Gehör und über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Dieser geht soweit, dass er mit seinem ständigen Hinterfragen bei den anderen Mitarbeitenden aneckt – insbesondere beim leitenden Ermittler Victor Pollock. Zudem neigt er dazu, diverse Geräusche bei den Aufnahmen hinein zu interpretieren und darauf zu beharren.
Als eines Tages ein Flieger der European-Airlines auf der Strecke Dubai-Paris abstürzt, wird Matthieu aufgrund seinem Verhalten nicht als Ermittler in Betracht gezogen. Die Situation ändert sich, als sein Vorgesetzter Pollock verschwindet. Dieser hatte einen Tag zuvor noch die Black Box des in den Alpen abgestürzten Flugzeugs geborgen und geöffnet. So bleibt Rénier, dem Chef der BEA, nichts anderes übrig, als Matthieu auf den Fall anzusetzen. Dieser macht sich sogleich ans Werk und hört den Stimmenrekorder ab. Mit Schrecken muss er feststellen, dass ein islamistischer Terrorist ins Cockpit eingedrungen ist und den Flieger abstürzen liess. Nach der anschliessenden Medienberichterstattung meldet sich der Ehemann eines der Opfer bei Matthieu und spielt ihm eine Voicemail ab. Als er diese genauer anhört, erkennt er, dass sich die Hintergrundgeräusche dieser Nachricht von denjenigen der Black Box unterscheiden.
Was ist mit dem Flugschreiber los?
Nach und nach beginnt er, das offizielle Ergebnis der Untersuchung anzuzweifeln – und vermutet technische Störungen beim Flugzeugtyp Atrian 800. Bei Rénier stösst er damit allerdings auf taube Ohren, für ihn gilt der Fall als abgeschlossen. Zumal es nicht das erste Mal wäre, dass sein Audio-Techniker sich irren würde. So beginnt Matthieu, selbst Nachforschungen anzustellen. Durch seine Akribie und Beharrlichkeit belastet er nicht nur das Verhältnis zu seinen Arbeitskollegen, sondern auch seine Ehe. Seine Frau Noémie arbeitet als Auditorin bei ENAC, prüft Flugzeuge und hat vor kurzem den abgestürzten Maschinentyp der Firma Atrian zugelassen. So verdächtigt Matthieu auch noch sie und wirft ihr vor, von technischen Mängel der Maschine gewusst und zur Vertuschung beigetragen zu haben. Matthieu muss nun eine Entscheidung treffen: Opfert er seine Beziehung oder kämpft er um eine Wahrheit, die es vielleicht gar nicht gibt?
Black Box ist ein Thriller mit aktuellem Bezug
Wenn man sich diesen Streifen anschaut und die Geschehnisse der letzten Jahre in der zivilen Luftfahrt mitbekommen hat, erkennt man hie und da gewisse Parallelen zur Realität. Da wäre beispielsweise die im Film dargestellte mediale Berichterstattung der Medien, die noch vor Veröffentlichung der Absturzursache munter vor sich hin spekulieren. Ähnliches war bereits beim Germanwings-Unglück der Fall. Dann wäre da der Flugzeugtyp Atrian 800, der im Film Probleme mit dem Computersystem aufweist. Auch hier gab es ähnliche Vorfälle: 2018 und 2019 waren bei zwei Flugzeugabstürzen von Maschinen des Typs Boeing 737 MAX binnen weniger Monate 346 Menschen gestorben. Als Hauptursache der Unglücke galt ein fehlerhaftes Steuerungsprogramm. Dies führte dazu, dass die Behörden diesem Flugzeugtyp die Zulassung schlagartig entzog. Erst seit letztem Jahr dürfen diese Flieger wieder abheben.
Schön inszenierte Momente lassen den Streifen abheben
Kommen wir zurück zum Streifen. Dieser überzeugt nicht nur dank seiner Aktualität, sondern auch durch die Inszenierung. Es gibt einen ausgezeichneten Spannungsbogen, der während der 129-minütigen Laufzeit nicht unterbrochen wird. Gewisse Momente sind so inszeniert, dass man eine Vorhersehbarkeit vermutet, die jedoch nicht eintrifft. Ein paar der Szenen sind zudem sehr schön und kreativ inszeniert worden. Da wäre der schön gestaltete Einstieg, der die letzten Minuten des European-Flugs zeigen.
So schwebt die Kamera vom Cockpit durch die ganze Kabine und bleibt bei der Black Box stehen. Zudem ist zu sehen, wie diese Box nach dem Unglück, einer Zeremonie ähnlich, geöffnet wird. So etwas hat man in einem Thriller noch nie gesehen. Ein Moment, der mich an die Sherlock Holmes-Filme von Guy Ritchie erinnert hat, ist die Szene, in der Matthieu das Flugzeugwrack besucht und sich anhand der Stimmenrekorder-Aufnahmen die letzten Minuten der Reise vorstellt. Somit transportiert er sich in die Geschehnisse hinein und wird einen Teil davon.
Der Cast trägt den Film
Matthieu wird von Pierre Niney gespielt, der den Streifen mit seiner Darstellung trägt. Diese ist in der Tat gelungen. So erhält man nicht nur einen Einblick in die Tätigkeiten eines Absturz-Ermittlers, sondern auch in die Psyche von Matthieu. Mich hat dieser Charakter mit seiner Art ein bisschen an Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory erinnert. Dies, da er ebenfalls introvertiert wirkt, Recht haben will und leicht autistische Züge aufweist.
Hinzu kommt, dass er sich in gewissen Momenten von der Aussenwelt abschotten will. Das liegt mitunter an seinem ausgezeichneten Gehör, welches noch so jede Kleinigkeit erkennt. All das verkörpert Niney mit Bravour – und spielt seine Schauspielkollegen an die Wand. Lou de Laâge ist als seine Frau Noémie zu sehen. Sie ist mit ihrer starken, manipulativen und kontrollierenden Art quasi die Femme Fatale des Streifens. Das kommt besonders dann zur Geltung, wenn sie Matthieu Dinge verheimlicht, die zur Lösung des Falls beitragen würden.
Mein Fazit zu Black Box
Ich hatte bis dato noch nichts von diesem Film gehört, zumal ich mit dem französischen Filmschaffen nicht gross vertraut bin. Die Inhaltsangabe klang spannend und ich gab ihm eine Chance. Dieser Thriller hat mich daher positiv überrascht, da er durchgehend spannend ist und zum Mitdenken einlädt. Normalerweise schaue ich mir Polit- oder Wirtschafts-Thriller eher gelangweilt an, da sie alle ein ähnliches Muster aufweisen und schnell ersichtlich ist, was genau hinter den Geschehnissen steckt. Dieser Thriller ist hingegen anders. Nicht von der Geschichte her, da er ähnliche Motive dieses Genres aufweist, sondern vielmehr durch seine Inszenierung. Er wirkt dank der Kameraführung ruhig und fokussiert sich stark auf Matthieu und seine Wahrnehmung. Hinzu kommen Soundgeräusche, die das verdeutlichen und dem Publikum zeigen, wie dieser Ermittler genau tickt. Das macht Black Box absolut empfehlenswert.