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Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, dazu spezifische Krankheitszeichen wie Fisteln oder blutiger Auswurf. Die Tuberkulose verursachte in der Schweiz auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch viel Leid in der Bevölkerung. Da Antibiotika erst Ende der 1950er Jahre verbreitet als wirksames Heilmittel zur Verfügung standen, galt vorerst das Motto: Vorbeugen ist besser als Heilen. Um sogenannte Streuer, d.h. Personen, die infiziert, aber noch nicht erkrankt sind, zu identifizieren und zu isolieren, wollte sie der Bundesrat mit moderner Schirmbildtechnik in Massenuntersuchungen aufspüren und einer Behandlung in einem Sanatorium zuführen. Das Volk lehnte eine entsprechende Vorlage allerdings 1949 ab. Es waren nun dezentrale Massnahmen in den einzelnen Kantonen gefragt.
Eine halbe Million für die Tuberkulosekranken
Vor dem Krankenkassenobligatorium musste ein Grossteil der Bevölkerung die Gesundheitskosten selbst tragen. Die Zürcher Kantonalbank half hier seit den 1930er Jahren mit der unbürokratischen Vergabe von Kleinkrediten. Doch bei schweren Tuberkulosefällen mussten neue Wege gesucht werden, um den betroffenen Menschen und deren Familien zu helfen – auch im Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie.
Eine Katastrophe für betroffene Familien
Da Tuberkulose in vielen Fällen, wenn nicht zum Tod oder zur Arbeitsunfähigkeit, so doch zu einer längeren Pause in der Erwerbstätigkeit führte, sah die Zürcher Kantonalbank die Krankheit als grosse volkswirtschaftliche Gefahr an. Und ärmere Familien konnten sich die Behandlung kaum leisten. Die Bank entschloss sich deshalb im Februar 1951 im Rahmen der 600-Jahr-Feier des Kantons Zürich für eine Gabe in der Höhe von einer halben Million Franken. Damit sollte ein Fonds zur Milderung finanzieller und beruflicher Notlagen von Tuberkulosepatienten und deren Familien errichtet werden. Wie der Generaldirektor in seinem Antrag an den Bankrat ausführte, genüge es nicht, den «unbescholtenen, aber unbemittelten Leuten» ein Kleindarlehen zu gewähren, wie dies seit 1932 möglich war. «Die Erfahrungen haben gezeigt, dass wir in vielen Fällen helfen können, dass diese Institution aber versagt, wenn es sich um Tuberkulosekranke handelt, die in Sanatorien evakuiert werden müssen und in der Regel für 1–2 Jahre erwerbsunfähig werden. Sie wissen, dass diese Fälle sehr zahlreich und geradezu von volkswirtschaftlicher Bedeutung sind. Für die betroffenen Familien bedeuten sie häufig eine eigentliche Katastrophe, insbesondere dann, wenn die Erkrankten zwar die Gesundheit wieder erreichen, aber doch nicht mehr in ihren angestammten Beruf zurückkehren dürfen.»
In einer Aufklärungsschrift über Tuberkulose von 1949 wird die Massenuntersuchung mittels Schirmbild erläutert.
Kartenaktion der Schweizerischen Tuberkulose-Spende 1952.
Ist eine so hohe Spende überhaupt legitim?
Die Dringlichkeit der Spende war völlig unbestritten, doch plagten die Bankkommission und die Direktion eine Formalie: Es gab im Bankgesetz keinen Paragraphen, der eine solche Gabe explizit zugelassen hätte. Immerhin lasse sich der Antrag mit der Grundidee des Bankgesetzes, die Bevölkerung auch in sozialer Hinsicht zu unterstützen, vereinbaren, und zudem habe es schon in der Vergangenheit vergleichbare Engagements gegeben. Der Bankdirektor erwähnte unter anderem die Zuwendung von 400’000 Franken für die Bauernhülfskasse im Jahr 1932, die Mittel für Arbeitsbeschaffung von insgesamt 600’000 Franken in den Jahren 1935 und 1936 und die Spende für dürregeschädigte Bauern in der Höhe von 200’000 Franken im Jahr 1947. Keine dieser Zuwendungen sei angefochten worden, sondern hätten allgemeine Zustimmung im Kantonsrat und im Volk gefunden.
Wie üblich bei grösseren Spenden musste sich die Zürcher Kantonalbank auch in diesem Fall die Frage stellen, was die Schuldner dazu sagen, weil sie ja mit ihren Zinszahlungen die Haupterlösquelle der Bank bilden. Der Bankdirektor gab aber auch hier Entwarnung: «In dieser Beziehung können wir aber ganz beruhigt sein, weil heute allgemein anerkannt wird, dass wir sehr niedrige Zinsfüsse haben und wir ja durch unsere Zinsreserve schon dafür gesorgt haben, dass selbst bei einer wesentlichen Änderung auf dem Kapitalmarkt von einer Erhöhung der Zinssätze nicht die Rede sein muss.» Und da trotz der Errichtung des Tuberkulose-Fonds die übliche jährliche Ablieferung an den Kanton geleistet werde, war auch der Regierungsrat für den Fonds. In einem Brief an die Bankkommission hatte er «seiner Freude vorbehaltlos Ausdruck verliehen».
Um Träger von Tuberkulose-Bakterien frühzeitig zu erkennen und weitere Ansteckungen zu vermeiden, musste sich das Personal der Hauptbank sowie der städtischen Zweigstellen im Herbst 1951 einer Schirmbilduntersuchung der häufig betroffenen Lungen unterziehen. Die Angestellten hätten für die Durchleuchtung in der städtischen Schirmbildzentrale «erfreuliches Verständnis bekundet», hiess es in der Personalzeitschrift. Von den 564 geröntgten Personen mussten sich 24 von einem Arzt in einer Nachkontrolle noch genauer untersuchen lassen. Lediglich bei einer Person ordnete der Arzt wegen aktiver, offener Lungentuberkulose eine halbjährige Sanatoriumskur an. Bei den anderen ging es um belanglose Fälle bereits bekannter oder zuvor unbekannter Krankheitsbefunde. Der Gesundheitszustand des Personal sei, so schliesst der Bericht, als «normal» zu bezeichnen. Ab 1954 wurden in die periodischen Untersuchungen auch die Angestellten der Filialen und Agenturen ausserhalb der Stadt eingeschlossen. Die Durchleuchtung fand hier in fahrenden Stationen statt, die extra zu diesem Zweck eingerichtet worden waren.
Titelbild: Reihenuntersuchung von Jugendlichen in der städtischen Schirmbildzentrale Zürich, um 1945.