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Gerettet!
Im Herbst letzten Jahres wurde ein Entwurf des norwegischen Architekturbüros Snøhetta vorgestellt. Er sah vor, den Sockel des ikonischen AT&T Buildings in Manhattan mit einer Glasfassade zu öffnen. Damit wäre eines der wichtigsten Zeugnisse der Architektur-Postmoderne für immer entstellt worden. archithese rief prompt mit einer Unterschriftenaktion zur Rettung des Philip Johnson-Baus auf. Nun traf eine gute Nachricht vom Big Apple ein: Am 31. Juli 2018 stellte die New Yorker Landmark Preservation Commission das Hochhaus 550 Madison unter Denkmalschutz.
Text: Jørg Himmelreich – 2.8.2018
Eine Ikone der Postmoderne
Der als AT&T Building bekannte Wolkenkratzer in New York wurde 1979 von Philip Johnson und John Burgee entworfen und fünf Jahre später vollendet. Das Gebäude – auch bekannt als 550 Madison – gilt als eines der Hauptwerke der Architektur-Postmoderne. Mit seiner rosafarbenen Granitfassade distanziert es sich einerseits von der Stahl-Glas-Ästhetik der klassischen Moderne, andererseits spielt es mit Zitaten aus der Architekturgeschichte, indem es abstrakt Motive aus Romanik und Renaissance aufgreift. So zeigt das Hochhaus die klassische Gliederung von Sockelgeschoss, regelmässiger Lochfassade und Kranzgesims: Der Eingangsbereich ist als Serliana ausgebildet – einem Rundbogen, der von niedrigeren Recktecköffnungen flankiert wird, kombiniert mit einem Rosettenfenster. Das Dach wiederum ist als gesprengter Giebel gestaltet und wird im Volksmund wegen der Ähnlichkeit zu den bekannten Möbeln auch chippendale top genannt.
Gut gemeint, aber voll daneben
Ursprünglich wurde das Bürogebäude als Hauptsitz für den Telekommunikationskonzern AT&T gebaut. 2001 übernahm es Sony, welche das Hochhaus wiederum zehn Jahre später an die Chetrit Group und Clipper Realty veräusserte. Diese erwogen, darin Luxusappartements unterzubringen. Robert A. M. Stern war als Architekt angedacht. Die Pläne wurden jedoch fallengelassen und der Bau erneut an die saudische Olayan Group und die britische Chelsfield verkauft. Nun soll es wieder als Bürogebäude flott gemacht werden. Das norwegische Studio Snøhetta wurde im vergangenen Jahr mit einer Neugestaltung beauftragt, zu der auch eine grundlegende Überarbeitung der Sockelzone gehört. Die Längsfront sollte nach den am 1. November 2017 vorgestellten Plänen über mehrere Etagen aufgebrochen und mit gewelltem Glas verkleidet zu einladenden Ladenflächen werden.
Rückbau statt Entstellung
Der Vorschlag war gut gemeint, wäre aber einer Zerstörung des wichtigen Bauwerkes gleichgekommen. Denn auch wenn der Turm mit der ursprünglich offenen und einladenden Arkade eine Leichtigkeit hatte, ging es den Architekten zugleich um die Formulierung einer monumentalen Präsenz an der Madison Avenue und einen Sockel, der kraftvoll und solide in Erscheinung tritt. Vielleicht sah Snøhetta den Eingriff gerechtfertigt, weil die unteren Geschosse des Hochhauses allemal nicht mehr dem ursprünglichen Zustand entsprechen? Die Kolonnaden rund um die Aufzugkerne waren ursprünglich offene und damit öffentliche Erweiterungen des Strassenraumes. Sie wurden – als Sony das Gebäude kaufte – mit schwarzen Sprossenfenstern geschlossen und zu Innenräumen konvertiert. Diese wirken wenig einladend, haben aber immerhin die Gliederung und generelle Anmutung der Fassade nicht zerstört oder verkehrt. Innerhalb dieses tektonischen Gerüstes könnte man sich durchaus eine neue Lösung – eventuell sogar mit grossflächigem und sprossenlosem Glas – vorstellen.
Erfolgreicher Protest
archithese rief am 1. November 2017 – unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne – mit einer Unterschriftenaktion dazu auf, gegen das Projekt Stellung zu beziehen und forderte den Bau unter Denkmalschutz zu stellen. Die Protestnote wurde der Olayan Group, dem Bürgermeister von New York und der Landmark Preservation Comission übergeben. Kurz darauf stieg auch der Filmmemacher Nathan Eddy wirksam in den Protest ein, schrieb Briefe und organisierte Demonstrationen vor Ort. Mit Erfolg: Am 31. Juli 2018 verkündete die New Yorker Landmark Preservation Commission, dass dem Hochhaus der Status einer landmark zuerkannt wurde. Der Schutz bezieht sich auf das äussere Erscheinungsbild. Damit wird die geplante Öffnung und Verglasung wohl in der angedachten Form nicht mehr möglich sein. Das Büro Snøhetta kündigte bereits an, dass es bald einen neuen Vorschlag vorstellen möchten. Dass die Unterschutzstellung in weniger als einem Jahr erfolgte, macht Hoffnung, denn viele Werke der Architektur-Postmoderne stehen kurz vor Renovierungen oder es werden gar Ersatzbauten erwogen. Es ist höchste Zeit, darüber zu diskutieren, welche Zeugnisse dieser Epoche für künftige Generationen erhalten werden sollen.
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