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Das gerade zu Ende gegangene Jahr war von zahlreichen Ereignissen geprägt. Aus humanitärer Sicht haben wir symbolisch eine Linie überschritten, die bis dahin undenkbar gewesen wäre: die von 100 Millionen Menschen, die weltweit zur Flucht gezwungen sind. Das ist einer von 77 Menschen auf der Welt.
Während der Krieg in der Ukraine die Gemüter sehr stark geprägt hat, haben sich andere Krisen verschlimmert oder sind in relativer Vergessenheit weitergegangen. Wir denken dabei vor allem an die Situation in Afghanistan, in der Region am Horn von Afrika, im Südsudan oder auch in Syrien, Jemen oder Venezuela.
Trotz all dieser Herausforderungen hat UNHCR unermüdlich daran gearbeitet, Menschen auf der ganzen Welt zu helfen, die zur Flucht gezwungen sind - und das auch dank der grosszügigen Unterstützung der Schweizer Bevölkerung. Hier ein Überblick über verschiedene Situationen, für die Ihre Beiträge im Jahr 2022 bereitgestellt wurden.
Ukraine
Seit letztem Februar wurden mehr als 14 Millionen Menschen innerhalb und ausserhalb der Landesgrenzen vertrieben- fast 90% davon sind Frauen und Kinder. UNHCR konnte über 4 Millionen Vertriebene aus der Ukraine unterstützen, die zu den am stärksten gefährdeten Personen gehören. Es wurden Unterkünfte, Wohnraum, Grundausstattung und Bargeld bereitgestellt, um denjenigen, die alles verloren haben, ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen und wieder ein Stück Normalität in ihr Leben zu bringen. UNHCR richtete auch Aufnahme- und Orientierungszentren, sogenannte "Bluedots", ein, um insbesondere Familien und Kinder, die durch die erlebten Ereignisse oft traumatisiert sind, zu betreuen und ihnen so beim Wiederaufbau zu helfen.
In Polen beispielsweise richtete UNHCR eine Plattform zur wirtschaftlichen Integration von Flüchtlingen aus der Ukraine ein, die es vielen von ihnen ermöglichte, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen, indem sie selbstständiger wurden. Es wurden 12 Unterbringungszentren für Menschen eingerichtet, die zur Flucht gezwungen waren, und über eine Million wichtiger Artikel im ganzen Land verteilt.
Afghanistan
Nach der Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 war Afghanistan von einem raschen Anstieg der Zahl der Menschen geprägt, die innerhalb der Landesgrenzen zur Flucht gezwungen wurden und gemeinhin als Binnenvertriebene bezeichnet werden. Während dieser Trend im Jahr 2022 auf etwas mehr als 32'000 Personen zurückging, die im Laufe des Jahres neu innerhalb des Landes vertrieben wurden, sind heute immer noch insgesamt fast 3,4 Millionen Afghaninnen und Afghanen Binnenvertriebene.
UNHCR gelang es, in allen afghanischen Provinzen den am stärksten gefährdeten unter ihnen zu helfen. So erhielten mehr als 400'000 Menschen grundlegende Hilfe in Form von Unterkünften, Wohnraum und lebensnotwendigen Gütern. Mehr als 975'000 Menschen erhielten Bargeld, das ihnen half, ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Durch die Unterstützung der Gemeinschaft wurden mehr als 4 Millionen Menschen im ganzen Land erreicht.
Horn von Afrika
Zwischen Januar und Dezember 2022 waren nicht weniger als 1,7 Millionen Menschen gezwungen, aufgrund der beispiellosen Dürre am Horn von Afrika aus ihren Häusern zu fliehen. Somalia, Äthiopien und Kenia sind am stärksten betroffen; das Wasser ist so knapp, dass Vieh und landwirtschaftliche Anpflanzungen nicht überleben können - was Tausende von Menschen, die davon abhängig sind, dazu zwingt, ihr Land zu verlassen und zu fliehen.
In Somalia wurden Unterkünfte an Tausende Binnenvertriebene verteilt, wo UNHCR auch ein umfangreiches Bargeldprogramm auflegte. In den Regionen Somali und Oromia unterstützte UNHCR über 180'000 Haushalte mit Bargeldhilfe und der Verteilung von Hilfsgütern. In Kenia verschafften Wassersanierungspläne über 260'000 Vertriebenen Zugang zu sauberem Trinkwasser sowohl in den Aufnahmegemeinden als auch in den Flüchtlingscamps.
Naher Osten
Trotz einer stetig abnehmenden Berichterstattung in den Medien dauert der tägliche Kampf von über 10 Millionen Menschen an, die zur Flucht gezwungen sind und heute in Syrien, dem Libanon, Jordanien, Irak oder Ägypten leben. So verbrachten ganze Familien ein weiteres Jahr mit dem Allernötigsten zum Überleben und sahen dem Winter mit Angst entgegen.
In Syrien unterstützte UNHCR weiterhin mehr als eine Million Menschen, die in den gefährlichsten und schwer zugänglichen Gebieten lebten. In den Nachbarländern erhielten mehr als 5,5 Millionen Menschen Material zur Verstärkung ihrer Unterkünfte, Kocher, Decken oder auch Winterkleidung.
Während 2022 ein besonders schwieriges Jahr war, scheint 2023 keine Trendwende anzukündigen. Tatsächlich scheinen die bereits bestehenden Krisen auf Dauer angelegt zu sein, und die dringend benötigten politischen Lösungen, die es den Menschen ermöglichen, in ihre Heimat zurückzukehren, werden nur tröpfchenweise angeboten.
Auch in diesem Jahr wird UNHCR alles in seiner Macht Stehende tun, um Menschen auf der ganzen Welt, die zur Flucht gezwungen sind, zu helfen, ihnen Hoffnung und ein wenig Normalität zu geben.