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Geologische Notizen über das Lötschthal
von
Edmund v. Fellenberg.
Ich habe im Jahrbuch I ( 1864 ) des S.A.C. meiner Aletschhornbesteigung einige Notizen über den geologischen Bau dieses Berges und seiner Umgebung beigefügt. Es bildeten diese Notizen den Anfang einer gründlicheren Erforschung der Gebirge, welche beidseitig nach Nord und Süd das Lötschthal begrenzen. Seitherige Begehungen haben nun ein neues Licht auf die geologische Structur jener Gebirge geworfen; so die Tour, die mich 1865 auf 's Lauterbrunner Breithorn, über die Wetterlücke in 's Lötschthal und von da über die Lötschenlücke auf die weiten Firngebiete des Aletschgletschers brachte. Ich suchte damals die Begrenzung nach Süd und Nord jener mächtigen Zone von chloritischen und amphibolitischen Schiefern, die unter dem allgemeinen Namen der Zone der grünen Schiefer bekannt ist, gegen die Gneiss- und Gneiss-granitzone des Finsteraarhornmassivs zu definiren. Schon Professor B. Studer hat in seiner Geologie der Schweiz ~I pag. 312 ) nachgewiesen, dass die Thalsohle des Lötschthales vollständig in den grünen Schiefern eingeschnitten sei, und dass letztere die Südseite desselben bilden. Die grünen Schiefer wurden ferner am Lauterbrunner Breithorn, an der Lötschenlücke und am Distelberg ob Gletscherstaffel sowie auf beiden Seiten des Thales bis oberhalb Kippel nachgewiesen.
Schweizer Alpenclub.27
Am Aletschhorn hatte ich unter den grünen Schiefern einen Kern von weissem, dichtem Granit aufgefunden, welcher über den Thorberg gegen das Nesthorn zu streichen schien. Bekannt war femer das Auftreten voîi achtem Granit im Hintergründe des Baltschiederthales als Muttergestein des daselbst hie und da vorkommenden rosenrothen Flussspaths und Molybdänglanzes. Erst durch meinen Besuch des Bietschhorns und den Uebergang über den Beichgrat jedoch wurde ich mit einem Granitmassiv bekannt, welches weit grössere Ausdehnung gewinnt, als man bis jetzt geahnt hatte. Es wurde mir klar, dass das Bietschhorn den Knotenpunkt und die höchste Erhebung eines mächtigen Granitganges bilde, welcher ziemlich parallel dem Streichen der grünen Schiefer vom Bietschjoch bis iwm Aletschhorn sich erstreckt und hier die mächtige Schiefermasse untertäuft. Der Bietschhorngranit ist ein krystalliniseh-körniges Gemenge von weissem Feldspath, wenig körnigem Quarz und einem schwarzen, glimmerähnlichen Mineral. Er ist in seinen tieferen Lagen grobkörnig und identisch mit dem an der Basis des Aletschhorns und am Thorberg anstehenden Granit, welcher auf dem Oberaletschgletscher eine ganze Moräne mit seinem schönen Material versieht. Von grösstem Interesse ist das allmälige Feinkörnigwerden des Granits am Bietschhorn mit zunehmender Höhe. Ich habe vom höchsten Gipfel bis zum tiefsten Punkt am Bietschjoch, wo noch Granit ansteht, Handstücke geschlagen? welche im Berner Museum deponirt sind, und da findet sich die auffallende Erscheinung, dass die vom höchsten anstehenden Fels geschlagenen Handstücke ein ungemein feinkörniges, ja beinahe dichtes und porphyrartiges Gefüge zeigen, einen wahren Eurit bilden, in welchem die konstituirenden Mineralien nicht wohl ausgebildet sind. In
einer dichten, felsitischen Grundmasse sind schwarze, glimmerähnliche Pünktchen ausgeschieden; der Quarz tritt beinahe ganz zurück. Handstücke, zirka 1000'unter dem Gipfel geschlagen, zeigen schon den wahren granitischen Charakter. Er ist daselbst durchgehends von feinem bis mittelfeinem Korn, der weisse Feldspath schon wohl ausgebildet, das schwärzlich grüne, glimmerähnlich« Mineral schon in kleinen Blättchen vorhanden und der Quarz in sichtbaren Körnern. In den tiefern Lagen und am Fuss des Bietschhorns geschlagene Handstücke zeigen eine grob krystallinische Structur und sind vom Aletsch-horngranit nicht zu unterscheiden. Ich habe oben der im Granit eingeschlossenen Schiefermassen erwähnt und wäre geneigt, sie als Ueberreste der durch Denudation verschwundenen Schieferzone anzusehen, welche « inst, wie jetzt noch am Aletschhorn, den Granitstock des Bietschhorns umgeben und vielleicht bedeckt hat. Jedenfalls ist das Bietschhorn der höchste Granitstock des Finsteraarhornmassivs, und die Erhebung dieses excentrischen Granitganges muss für die Gabelung dieser Centralmasse in zwei Aeste, welche durch das Lötschthal getrennt sind, massgebend gewesen sein.
Der Bietschhorngranit setzt sich im Lötschthaler Breithorn, in den obersten Felswänden des Distelberges und im Nesthorn fort. Gegen Süden geht er stellenweise in Gneissgranit über; so am Unterbächhorn und Sparrenhorn und auf Beiaip. Ob südlich vom Bietschhorn die grünen ( Amphibolit-, Chlorit-, Talk- ) Schiefer mit gleichem Streichen und Fallen durchsetzen, ist noch zu untersuchen; jedenfalls umfasst der Bietschhorngranit noch den Hintergrund des Baltschieder- und Bietschthales.
Ausgezeichnet entwickelt sind die grünen Schiefer sowohl am Beichgrat, wo prachtvolle Varietäten von
27* Hornblendeschiefer, durchsetzt von Gängen krystallinisch körnigen Diorits, auftreten, ebenso wie chloritische Talkschiefer und Talkglimmerschiefer, wie am Schaf bergan der Basis des Bietschhorns.
Hier schlug ich ganz identische Gesteine. Das Streichen ist SW-NO und das Fallen 60—70° nach SO; es bleibt im ganzen Lötschthale ziemlich konstant.
Auf der Nordseite des Lötschthales keilen sich die grünen Schiefer des Breit- und Tschingelhorns unter den mächtigen Firnmassen des Petersgrates aus und lassen im Hintergrunde von Gastern und am Schildhorn ein zweites Granitmassiv, dasjenige von Gastern, zu Tage treten. Jedoch wird die Nordseite des Thales von Lötschen immer noch von SW-NO streichenden und steil nach SO fallenden Schiefern gebildet, welche jedoch ein weniger ausgeprägtes, fasrig-krystallinisches Gefüge zeigen. Es sind dies mehr graue, glimmerige Thonschiefer, Dachschiefern stellenweise ähnlich; gegen den Lötschenpass hin gehen sie in krystallinische Schiefer über, welche daselbst einen Verrucanosandstein und Conglomérat bedecken. Welchen Zusammenhang diese grauen Schiefer haben mit den eigentlichen, wohlausgebildeten grünen Schiefern der Lauterbrunner Grenzkette, müssen weitere Untersuchungen in 's Klare zu bringen suchen.
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