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Flugzeugträger für Japan?
Einst besass Japan 22 Flugzeugträger, die fast alle im Zweiten Weltkrieg von den USA zerstört wurden. Die drei Riesenschiffe, die nach 1945 übrig blieben, wurden schliesslich verschrottet. Denn die 1947 eingeführte Verfassung untersagte Japan den Unterhalt einer Armee und den Krieg als Mittel zur Lösung internationaler Konflikte (Asienspiegel berichtete).
Japan wandte sich dem Pazifismus zu, aber lange hielt das Ideal nicht. Der Kalte Krieg erforderte schlagkräftige Alliierte. Die USA schmiedeten mit Japan eine bis heute anhaltende Sicherheitsallianz. Zudem begann man die Verfassung, neu zu interpretieren. So erhielt Japan in den 1950er-Jahren die sogenannten Selbstverteidigungskräfte (SDF), mit der Begründung, dass jedes Land ein Recht auf Selbstverteidigung habe.
Über die Jahrzehnte hat sich diese professionelle Armee, die offiziell diesen Namen nicht tragen darf, zu einer der modernsten der Welt entwickelt. Die Bevölkerung, die mehrheitlich hinter der Friedensverfassung steht, hat sich mit der Existenz der Selbstverteidigungskräfte über die Jahre arrangiert, zumal sie gute Dienste bei Naturkatastrophen leistet.
Ein gigantischer Hubschraubträger
Auf die Anschaffung von Flugzeugträgern hat die SDF stets verzichtet, weil diese als Mittel für Angriffskriege angesehen werden und damit dem Geist der Selbstverteidigung widersprechen würden. Bestätigt wurde diese Sichtweise in einer Stellungnahme der Regierung von 1988, wonach die SDF weder Interkontinentalraketen, strategische Bomber noch Angriffs-Flugzeugträger besitzen dürfe. Stattdessen gab sich die SDF mit Hubschraubträgern zufrieden. Drei sind es inzwischen an der Zahl.
Der letzte wurde im August 2013 vorgestellt und überragt seine Vorgänger in jeder Hinsicht. 250 Meter lang, 38 Meter breit ist der neuste im Tarnkappen-Design gebaute Hubschraubträger der Izumo-Klasse. 14 Helikopter kann das Schiff theoretisch laden. 2015 tritt es in Dienst, 2017 folgt ein Schwesterschiff. Es handelt sich um das grösste japanische Kriegsschiff seit dem Zweiten Weltkrieg.
Ganz der Verfassung verpflichtend dient das Schiff offiziell als Mittel zum Schutz der maritimen Grenzen, als Verteidigung gegen U-Boot-Angriffe und für den Transport von Truppen bei Naturkatastrophen, wie die Regierung damals betonte.
Kritiker jedoch halten die Izumo-Klasse für einen kleinen Flugzeugträger, der nach einer baulichen Anpassung auch von Kampfjets des Typs Lockheed F35B, einem Kurzstartflieger mit Senkrechtlandekapazität, genutzt werden könnte. Ausserdem entspricht die Länge von 250 Meter fast derjenigen des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle (264 Meter).
Der Besuch in San Diego
Seit Premierminister Shinzo Abe letzte Woche die Verfassung so uminterpretiert hat, dass Japan neu ein Recht auf kollektive Selbstverteidigung hat(Asienspiegel berichtete), stellt sich nun die Frage, wie sich diese Politik auf die künftige Struktur der Selbstverteidigungskräfte auswirkt.
Eine erste, indirekte Antwort darauf hat der Besuch des japanischen Verteidigungsministers Itsunori Onodera auf dem US-Marinestützpunkt in San Diego gegeben, wo er die USS Makin Island besuchen durfte. Dabei handelt sich um ein sogenanntes amphibisches Kriegsschiff, ein Mini-Flugzeugträger, der sowohl Hubschrauber, F35B-Kampfjets sowie amphibische Fahrzeuge und Boote für Landungsunternehmen transportieren kann. Die Bauart der japanischen Izumo-Klasse lässt grüssen.
Für die Verteidigung von Inseln müsse man sich über Transportschiffe Gedanken machen, die multifunktional einsetzbar seien, sagte Verteidigungsminister Onodera nach seinem Besuch, wie die Sankei Shimbun berichtet. Es war ein indirekter Verweis auf den anhaltenden Konflikt mit China um die Senkaku-Inseln. «Japan prüft die Einführung amphibischer Kriegsschiffe», hiess es später in den japanischen Medien. Beim Besuch einer Lockheed-Werkshalle in Texas deutete Onodera zudem den Kauf von mehr als den bisher geplanten 42 F35-Kampfjets an, wie NHK News berichtet.
Abschreckung anstatt Pazifismus
Die chinesischen Medien haben kritisch auf Onodas Besuch in den USA reagiert. Vielmehr als um den Schutz der Senkaku-Inseln gehe es Japan nun um die allgemeine Aufrüstung ihrer maritimen Streitkräfte, lautet ein Vorwurf. Ein amphibisches Kriegsschiff des Typs USS Makin Island mit F – 35B-Kampfjets wäre dem bislang einzigen chinesischen Flugzeugträger Liaoning (Asienspiegel berichtete) überlegen, heisst es weiter.
Nur wenige Tage nach der Neuauslegung des Kriegsverzichtartikels 9 deuten sich damit bereits die Konturen von Abes neuer Aussenpolitik an. Anstatt Pazifismus setzt Japan neu auf psychologische und militärische Abschreckung gegen das erstarkte China. Die Folge ist eine noch schnellere Aufrüstung der beiden Grossmächte in Ostasien.
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