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«Gratis kann teuer sein!» - Mit «Geschenken» die Reziprozität in Gang setzen, welche eine Gegenleistung zur Folge hat!
Wir wurden so sozialisiert, dass wir jedes Geschenk oder jeden Gefallen, den uns ein Mitmensch erweist, zwingend mit einem Gegengeschenk oder einem Gegengefallen beantworten müssen! Das nutzen Betrüger schamlos aus!
«There is no such thing like a free lunch.» Amerikanisches Sprichwort
Warum sollte mir jemand, den ich nicht kenne, etwas schenken?
Warum erhalte ich von einer mir fremden Person plötzlich ein Geschenk?
Welchen Hintergedanken verfolgt mein Gegenüber?
«Nichts ist teurer als das, was du umsonst bekommst.» Aus Japan
Gratis ≠ Umsonst
«Wer ein Geschenk annimmt, verliert die Freiheit.» Italienisches Sprichwort
Die etwas Älteren unter den Lesern kennen sie vielleicht noch, diese «Hare Krishna» Jünger in ihren orangen Gewändern, die unermüdlich durch Fussgängerzonen und Flughäfen zogen und ihr «Hare Krishna Rama Rama» erschallen liessen. Sie kamen freudestrahlend auf einen zu, drückten einem ein Buch in die Hand und sagten: «Dies ist ein Geschenk von uns, mein Freund». Ähm ja, so stand man dann da und hatte plötzlich ein Buch in der Hand, das man gar nicht wollte. Und wehe dem, der jetzt dachte mit Danke und Ade wäre es getan und sich davon machen wollte. Mitnichten, denn jetzt trieb der Jünger unsere Schuld ein und liess nicht locker, bis man eine «Spende» in der ihm angemessen scheinenden Höhe machte.
Die Hare Krishnas hatten, wohl unbewusst, das Gesetz der Reziprozität entdeckt und zur „perfekten“ Anwendung gebracht.
Reziprozität, keiner kennt sie, aber sie wirkt so zuverlässig wie die Erdanziehungskraft. Diese von uns verinnerlichte Gesetzmässigkeit besagt: «Wenn dir jemand etwas gibt, so musst du ihm etwas zurückgeben!» Das lernen wir von Kind an! Es ist eine wichtige Norm, welche das Zusammenleben in einer Gemeinschaft erleichtern soll. Das ist auch z.B. in Form von Nachbarschaftshilfe eine hervorragende Sache. In orangen Gewändern, als Hare Krishnas, kann es jedoch schnell zu den apokalyptischen Reitern werden.
Das Joe-gibt-ne-Cola-aus-Experiment
Versuchspersonen wurden unter dem Vorwand, an einer Untersuchung zum Thema Kunstverständnis teilzunehmen, mit Joe, einem anderen vermeintlichen Teilnehmer, zusammengebracht. Irgendwann musste Joe mal den Raum verlassen, kam wieder zurück und brachte dem anderen Teilnehmer eine Cola mit. «Er habe sie gerade im Flur gesehen und gedacht, der Andere möge sicher auch eine.» Das «Experiment» lief ab und als es zu Ende war, bat Joe die andere Person darum, ihm einen Gefallen zu tun. Er verkaufe Lose, und man könne ein Auto gewinnen. Wenn er mehr Lose verkaufe als die anderen, bekomme er eine Prämie.
Das Ergebnis war: Diejenigen, die eine Cola bekommen hatten, kauften doppelt so viel Lose von ihm, wie die Teilnehmer aus der Kontrollgruppe, welche keine Cola bekommen hatten. Noch erstaunlicher aber war, dass das auch funktionierte, wenn die Teilnehmer, die eine Cola bekommen hatten, zu Protokoll gaben, dass Ihnen Joe eigentlich unsympathisch war.
Menschen sind Energiesparmodelle, sie möchten einen grösstmöglichen Nutzen mit dem geringsten Aufwand erzielen. Das ist normal und OK so. Das Wort «Gratis» hat für uns eine fast magische Wirkung und ist immer ein Blickfang. Wahrscheinlich haben Sie es auch bemerkt, als Sie auf diese Webseite kamen.
Die Eule rät
«Wer mit Geschenken kommt, hat sicher eine Bitte.» Aus China
Nehmen Sie keine «Geschenke oder Gefälligkeiten» von Fremden an, wenn Sie keine Gegenleistung erbringen können oder wollen!
Wenn Sie sicher sind, Sie erhalten das «Geschenk oder die Gefälligkeit» nur als taktische Waffe, um Sie zu einem Gegengefallen zu zwingen, brauchen Sie sich dieser unlauteren Absichten nur bewusst zu sein. Das kann Sie aus dem Zwang, etwas zurückzugeben, befreien. Aber Vorsicht, die Regel wirkt tief. Das Geschenk besser zurückweisen!
Bei «Gratisangeboten» sollten Sie den Vertrag und die AGB (Allgemeinen Geschäftsbedingungen) immer genau lesen! Mitunter ist irgendwo darin doch noch ein Pferdefuss versteckt. Und was Sie unterschrieben haben oder im Internet anklicken (Hiermit anerkenne ich die AGB der Firma XYZ...) kann Folgen haben. Im Zweifel eher verzichten!
Denken Sie an das Geschenk der Trojaner, da kam auch nichts Gutes raus, im wahrsten Sinne des Wortes!