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Eine alteingesessene Familie
Im Bergell sind die Giacomettis seit über 400 Jahren als reformierte Familie bezeugt. Aber woher kam sie? Der Familienname ist in Italien, insbesondere im Norden, immer noch präsent. Es ist anzunehmen, dass sie einst von Italien ins Bergell ausgewandert sind. Die Festlegung eines Datums ist jedoch ebenso unsicher wie die Hypothese, dass sich die Giacomettis zur Zeit Carlo Borromäus als Glaubensflüchtlinge im reformierten Bergell niederliessen.
Die Familie Giacometti gehörte wahrscheinlich bereits im Jahr 1500 zu den Bewohnern des Tals. Sicherlich war Augustinus Jacomet von Montaccio 1590 am Verkauf eines Landes in Coltura beteiligt. Der erste Giacometti in den Bergeller Kirchenbücher hiess Rodolfo und starb 1668 in Vicosoprano, wo es mehrere Giacometti-Stämme gab, die aufgrund ihrer Herkunft Spitznamen erhielten: Neir , Ritc, Coccian, Gustinet, Sebastian. Tatsächlich sind bis 1875, zwei Jahrhunderte nach der ersten Erwähnung also, über 300 Geburten mit diesem Nachnamen in den Kirchenbüchern von Vicosoprano verzeichnet.
Mütterlicher Einfluss
Es wäre aber viel zu einseitig, die Besonderheit der Familie Giacometti nur anhand der väterlichen Linie charakterisieren zu wollen. Vielmehr kommt sie auch durch Verbindungen zu einigen alten Bergeller-Familien zustande, insbesondere aus Sopraporta. Die Ehebeziehungen sind aber sehr verworren und verwirrend und wiederholen sich im Laufe der Jahrhunderte zwischen einheimischen Familien – italienischsprachig, reformiert, arbeitsam, bildungsaffin und weltoffen.
Ohne Zweifel strebte diese kleine, abgegrenzte und homogen organisierte Bergeller Gemeinschaft danach, Identität und Eigentum zu bewahren. Erklärtes Ziel war es, in generationsübergreifenden Netzwerken das Eigentum an Immobilien und bewirtschaftetem Land im Tal sowie Arbeitsmöglichkeiten und Einkommen im Ausland zu gewährleisten.
Bedeutende Vorfahren der Giacometti-Künstler gehörten den Familien Stampa, Santi, Baldini, Müller, Scartazzini oder Castelmur an. Im Stammbaum finden sich, wenn auch seltener, auch die Familien Crüzer, Fasciati, Giovannini, Maurizio, Meng, Prevosti, Salis, Bazzigher, d'Alberti, Vassali, Ferretti, de Baltresca, Cortini, Dolfi und Gianotti.