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Hutmacher/in
Hutmacher/innen stellen aus Filz, Stoff, Stroh oder Pelz Hüte und Mützen her. Sie entwerfen individuelle Produkte, fertigen die Rohform an, füttern diese, arbeiten sie weiter aus und staffieren sie abschliessend mit Zierrat wie Bändern, Schleifen, Federn oder Blumen aus.
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Ursprünglich umfasste das Handwerk des Hutmachers* sämtliche Arbeitsschritte von der Verarbeitung der Rohmaterialien über die Herstellung von Hut-Rohlingen (den sogenannten Hutstumpen) bis zu deren Ausformen und Färben und schliesslich dem letzten Schliff durch Staffieren und Garnieren. Im Laufe der Zeit spaltete sich das Handwerk in auf einzelne Tätigkeiten spezialisierte Zweige auf: Die Verarbeitung der Materialien bis zum Hutstumpen übernahmen zunächst Hilfskräfte, die Krempler und Zurichter, später Fabriken. Die Arbeit des Hutmachers reduzierte sich auf die Herstellung von Hüten aus Hutstumpen. Für Damenhüte trat ausserdem die Modistin auf den Plan: Sie bezog Hut-Rohlinge vom Hutmacher und verarbeitete sie zu oft reich geschmückten Kopfbedeckungen.
Im Zuge der neuen Bildungsverordnung wurden die Handwerke des Hutmachers und der Modistin zum „Bekleidungsgestalter Schwerpunkt Kopfbedeckung“ zusammengefasst. Die Ausbildung dauert drei Jahre und schliesst mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis. Wichtige Voraussetzungen sind neben handwerklichem und gestalterischem Geschick insbesondere auch modisches Flair und ausgeprägte Kundenorientierung.
Geschichte
Das Handwerk der Hutmacher entwickelte sich im deutschsprachigen Raum im 14. Jahrhundert aus dem der Wollweber und Wollschlager zu einem eigenständigen Beruf. Hutmacher stellten im Mittelalter nicht nur Hüte her, sondern u.a. auch Schuhe, Gamaschen und Reitsocken. Ein wesentliches Kennzeichen ihrer Arbeit war die Technik der Verfilzung, die Hutmacher wurden daher auch Filter oder Filtmacher genannt. Beim Verfilzen werden feinste Tierhaare zu einem homogenen Textilgebilde verbunden. Hauptsächlich verwendet wurde Schafwolle (→ Wollfilz), daneben auch Hasen-, Kaninchen-, Waschbären-, Ziegen-, Otter- oder Biberhaare (→ Haarfilz).
Die Arbeit der Hutmacher setzte bereits beim Rohmaterial ein. Die Felle wurden gebeizt, danach wurden die Haare abgeschnitten oder gerupft und gewaschen und getrocknet. Durch das berufsspezifische Verfahren des Fachens wurden die Haare aufgelockert, zu einer flaumigen Haarschicht verdichtet und zu einem sogenannten Fach, einer dreieckigen, noch relativ lockeren Haarmatte, geformt. Die Fache wurden mittels Feuchtigkeit, Wärme und Druck in Filz umgewandelt. Nun wurden zwei Fache an den Rändern zu einem kegelförmigen Hohlkörper zusammengefilzt; um grössere Festigkeit zu erreichen, wurde dieser anschliessend in eine Walkbeize getaucht. Nach dem Walken wurde der Stumpen über eine Holzform gezogen und zum Hut geformt. Der Hut wurde getrocknet, eingefärbt und geglättet. Nun musste er noch versteift werden. Dies erreichte man, indem man Leim auftrug und durch Eindampfen in den Filz einziehen liess. Sobald der Hut vollständig getrocknet war, wurde er gebügelt, gebürstet und ausstaffiert. Viele mittelalterliche Zunftordnungen setzten fest, dass Frauen keine Männerarbeit verrichten durften. Frauen übernahmen aber vielfach die letzten Schritte – Zurichten und Ausstaffieren der Hüte – sowie den Verkauf.
Hutmacher litten häufig an Vergiftungen: Die Salpetersäure, in der die Felle gebeizt wurden, enthielt Quecksilber und Arsenik, welche Gliederzittern, Gliederschmerzen und Lähmungserscheinungen verursachten. In extremen Fällen konnten auch geistige Störungen auftreten; dies ist vermutlich der Ursprung der Redewendung „as mad as a hatter“ („verrückt wie ein Hutmacher“).
Hut trug bis in die frühe Neuzeit vor allem die städtische Bevölkerung, die Hutmacherei war daher lange ein spezifisch städtisches Handwerk. Bis ins 19. Jahrhundert hinein herrschten Kleinbetriebe vor. Während der Industrialisierung vergrösserten sich die Betriebe, derweil ihre Gesamtzahl zurückging. Durch die Erfindung von Maschinen wurde die Herstellung von Hüten zunehmend mechanisiert. In den 1880er Jahren hatten Fabriken das traditionelle Hutmacherhandwerk verdrängt. Dem Hutmacher verblieben das individuelle Einfärben, Formen, Zurichten und Ausstaffieren der Hüte, Ausbesserungsarbeiten sowie der Handel.
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.
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Literatur
Berufsverzeichnis des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, www.bvz.admin.ch/bvz/berufe → Eintrag Bekleidungsgestalter EFZ / Bekleidungsgestalterin EFZ: http://www.bvz.admin.ch/bvz/grundbildung/index.html?detail=1&typ=EFZ&item=1453&lang=de, abgerufen am 21.07.2014.
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 1994, S. 153-157.
Reith Reinhold: Hutmacher, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 114-118.
Spycher Albert: Hutmacherei in alter und neuer Zeit, in: Hugger Paul (Hg.): Altes Handwerk, Heft 59, Basel 1992.
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