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Wie ist es vorstellbar, dass Sambia und Uganda die weltweit höchsten Fehlernährungsraten ausweisen? In Uganda steht der Welthunger-Index (Global Hunger Index, GHI) bei «gravierend», Sambia befindet sich in einer «alarmierenden» Situation. Die beiden Länder haben ihr Ernährungsproblem anerkannt und nationale Programme für Landwirtschaft und Ernährung eingeführt. Trotzdem leiden 45% der unter fünfjährigen Kinder in Sambia an Fehlernährung. In Uganda beträgt diese Zahl laut dem GHI 38%.
Das von der niederländischen Nichtregierungsorganisation SNV, dem niederländischen Royalen Tropischen Institut (Royal Tropical Institue, KIT), dem Zentrum für Entwicklungsinnovation (Center of Developement Innovation, CDI) der ebenfalls niederländischen Wageningen Universität und der DEZA durchgeführte Programm Nachhaltige Ernährung für alle (Sustainable Nutrition for all, SN4A) berücksichtig die Thematik Fehlernährung vom Feld bis auf die Teller. Ziel ist es, eine nachhaltige und vielseitige Landwirtschaft zu fördern und die Ernährungsgewohnheiten der Haushalte zu verändern. Die Gemeinschaften übernehmen Verantwortung für die Aktionen, mit denen sie ihre eigene Ernährung nachhaltig verbessern können. Das Programm kommt 350’000 Menschen in Sambia und Uganda zugute. Die DEZA engagiert sich mit 3'000’000 CHF.
Nahrungsmittel anbauen, die alle brauchen
Sambia und Uganda besitzen ein riesiges, noch weitgehend unerschlossenes landwirtschaftliches Potenzial. Das Gros der Landbevölkerung betreibt eine wenig diversifizierte Subsistenzlandwirtschaft. Angebaut werden vorwiegend Mais, Kochbananen, Maniok und Süsskartoffeln. Die Landwirte haben den Anbau der herkömmlichen Obst- und Gemüsesorten, die zum Kulturerbe gehören, vernachlässigt.
Das Programm SN4A soll diese Sorten, die in den Agrarpraktiken zu kurz kommen, nun wieder einführen. Ihr Anbau ist zwar anspruchsvoller, aber sie sind bestens geeignet, um den Nährstoffbedarf der ganzen Familie zu decken. Die Landwirte erhalten erleichterten Zugang zum Saatgut und erwecken die Agrartechniken der Vergangenheit wieder zum Leben. Informationssitzungen in den Dörfern sollen für die Bedeutung einer nachhaltigen, qualitativ hochstehenden Landwirtschaft für die Gesundheit aller sensibilisieren.
Gute Ernährungsgewohnheiten fördern
Für die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization, FAO) wird Fehlernährung hauptsächlich durch einen Mangel an wesentlichen Mikronährstoffen wie Jod, Eisen, Zink und Vitamin A in der Ernährung verursacht. Die Kost der Sambier und Ugander besteht hauptsächlich aus Getreide und stärkehaltigen Produkten, die nicht ausreichen, um den Energie- und Nährstoffbedarf der Bevölkerung zu decken.
Fehlernährungsbedingte Krankheiten sind deshalb gang und gäbe, viele Kinder weisen einen gravierenden Wachstumsrückstand auf. Das Projekt SN4A soll die Bevölkerung auf die Ernährungsgewohnheiten aufmerksam machen. Die Zusammenhänge zwischen der kleinen Körpergrösse der Kinder und den Defiziten auf dem Teller werden den Familien erklärt. Die mit dieser Feststellung einhergehende Sensibilisierung fördert bei der vom Programm abgedeckten Bevölkerung nachhaltige Veränderungen der Verhaltensweisen und Ernährungspraktiken.
Gleichheit und gute Gouvernanz
Im Programm SN4A wurde die Problematik der Fehlernährung aus einer ganzheitlichen Warte betrachtet. Neben der Berücksichtigung der Landwirtschaft und der Gesundheitsdimension werden auch grosse Bemühungen geleistet, um die Männer, Frauen und die Entscheidungsträger der Gemeinschaften einzubeziehen. In der sambischen und ugandischen Gesellschaft sind die Geschlechterrollen klar definiert. Die Frau ist die Stütze des Heims und die Herrin der Küche, doch der Mann bleibt weiterhin das Familienoberhaupt.
Alle gleichberechtigt in den Prozess der Ernährungsumstellung einzubeziehen, bildet eine Voraussetzung für den Erfolg des Programms. Die nationalen und lokalen Entscheidungsträger werden ebenfalls beteiligt: Das Programm bindet sie von Anfang an in die Aktionen ein, um sicherzustellen, dass die Ernährungsfragen in der Entwicklung einer Politik zur Ernährungssicherheit in den beiden Ländern auf allen Ebenen (lokal, regional, national) berücksichtigt wird.