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Brasilien – ein Land in meinem Kopf. Die Heimat meiner Cousins, wohin das Flugzeug sie wieder mitnahm, nachdem sie am Flughafen unserem Blick entschwanden. Grosse Städte gab es da, weites Land, und viele arme Leute. Kaffee und Zuckerrohr-Melasse, Edelsteine und mehr brachten sie mit. Aber das liebste Geschenk vom Onkel war in der Schweiz gekauft: ein Weltatlas. Jetzt konnte ich mitreisen, mit dem Finger zumindest, auf den Karten, über Europa, übers Meer, auf die südliche Halbkugel, wo manches in Gegenrichtung läuft.
Auch der Grossvater reiste manchmal, seinen Sohn und die Enkel zu besuchen. Ob er dabei auch mal weiter nach Kalifornien reiste, wohin sein Bruder ausgewandert war, der nur noch selten in die Schweiz kam, weiss ich nicht. In Argentinien war er früher einmal gewesen, einen weiteren Bruder zu suchen, und er fand ihn auch, dem Namen nach, scheinbar mit dem gleichen Pass – aber es war ein Anderer, der ihn jetzt auf sich trug.
Im Süden Brasiliens wurde an grossen Städten gebaut, und ein Kinderheim für Arme und Waise tat Not. Im Staat Sao Paulo wuchs Kaffee auf einer Fazenda, da war es eine Herausforderung, diese umsichtig zu leiten und die wechselnden Marktpreise zu überstehen, ohne Schicksalsschläge für die Mitarbeitenden. Diesen Tätigkeiten widmeten sich Tante und Onkel, es entwickelten sich unterschiedliche Welten daraus. Meine Cousins waren adoptiert, und ich fand es ganz normal, mit einem Indianer, einer Mulattin und einer Polin in Brasilien verwandt zu sein. Sie waren definitiv nicht fremder als Nachbarn im Dorf und näher wohnende Verwandte, die ich auch nicht immer verstand. Irgendwann würde ich selbstverständlich auch mal da hingehen, das war eh klar.