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Was tun Kinderanwält/innen?
Die besten Erläuterungen, weshalb die Arbeit von Kinderanwält/innen immanent wichtig ist, bieten die Leitlinien des Europarates gleich selbst. Die nachfolgend aufgelisteten Artikel 37 ff. veranschaulichen die Handlungsfelder von Kinderanwält/innen:
37. In Verfahren, in denen ein Interessenkonflikt zwischen dem Kind und seinen Eltern oder anderen beteiligten Parteien besteht oder bestehen könnte, sollten Kinder das Recht haben, sich in eigenem Namen von einem Rechtsbeistand vertreten zu lassen.
38. Kinder sollten unter denselben oder unter weniger strengen Voraussetzungen als Erwachsene Zugang zu freiem Rechtsbeistand haben.
39. Rechtsanwälte, die Kinder vertreten, sollten in Kinderrechten und damit verbundenen Themen geschult und bewandert sein, sich regelmässig umfassend fortbilden und in der Lage sein, mit Kindern auf deren Verständnisebene zu kommunizieren.
40. Kinder sollten als vollwertige Mandanten mit ihren eigenen Rechten angesehen werden und Rechtsanwälte, die Kinder vertreten, sollten deren Meinung vortragen.
41. Rechtsanwälte sollten dem Kind alle erforderlichen Informationen und Erklärungen zu den möglichen Folgen der Standpunkte und/oder Meinungen, die es vertritt, geben.
42. Im Fall von Interessenkonflikten zwischen Eltern und Kindern sollte die zuständige Behörde entweder einen Prozesspfleger („guardian ad litem“) oder einen anderen unabhängigen Vertreter bestellen, der die Ansichten und Interessen des Kindes vertritt.
43. Besonders in Verfahren, in denen die Eltern, Familienmitglieder oder Betreuer die mutmasslichen Täter sind, sollten eine angemessene Vertretung sowie das Recht auf Vertretung unabhängig von den Eltern garantiert sein.
Kinderanwält/innen vertreten Kinder und Jugendliche in Verfahren vor Gerichten und Behörden. Es ist ihre Aufgabe, die Interessen der Kinder und Jugendlichen zu kennen und ihre Rechte zu wahren. Konkret verfolgen die Kinderanwält/innen dieses Ziel, indem sie die Interessen der Kinder und Jugendlichen in den Verfahren einbringen und darauf achten, dass deren Meinungen von den Gerichten wahrgenommen werden.
In der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit darin, dass sie die Kinder und Jugendlichen über ihre Rechte und den Ablauf des Verfahrens aufklären, sie zu ihren Anliegen befragen und ihnen ihre professionelle Einschätzung über die Möglichkeiten und Grenzen der Erreichbarkeit dieser Anliegen aufzeigen.
Kinderanwält/innen unterstützen die Kinder und Jugendlichen dabei, ihren eigenen Willen zu erkennen und stellen die erforderlichen Anträge an die Gerichte und Behörden. Diese Anträge wiederum erklären sie den Kindern und Jugendlichen in einer für sie verständlichen und altersgerechten Sprache. Sie begleiten die Kinder und Jugendlichen durch alle Verfahrensschritte und vertreten sie bis zum Abschluss des Verfahrens. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Kinderanwält/innen ist zudem, dass sie mit den Kindern und Jugendlichen realistisch über mögliche Lösungen und Ausgänge ihrer jeweiligen Situation sprechen und ihnen dabei helfen, diese schwierigen Lebenssituationen emotional gestärkt und reifer zu meistern.
Ein weiteres Anliegen der Kinderanwält/innen ist es, sich dafür einzusetzen, dass die Verfahrensdauer an die Interessen der Kinder und Jugendlichen angepasst und somit verkürzt wird. Sie tragen auch dazu bei, dass die Verfahren in einer Form ablaufen, die dem Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen angemessen ist und ihnen erlaubt, die einzelnen Schritte kognitiv, kommunikativ und emotional verstehen zu können.