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1929, am Ende der Stummfilmzeit, wurde erstmals im Libanon ein Kinofilm gedreht, vom italienischen Einwanderer Jordano Pidutti, und 1940 realisierte mit Ali Al-Ariss der erste einheimische Regisseur einen Spielfilm. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Filmproduktion im Lande zu, und der Libanon wurde nach Ägypten das wichtigste Filmland im arabischen Raum. Als Nasser die ägyptische Filmproduktion 1963 verstaatlichte, zogen sogar Stars und Regisseure aus Ägypten in den Libanon, um dort zu arbeiten. Der Bürgerkrieg von 1975–1990 drosselte die Produktion markant, aber in den letzten drei ahrzehnten hat das libanesische Kino nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ wieder aufgeholt, nicht zuletzt dank der relativ grossen Medienfreiheit. Filmemacherinnen und Filmemacher wie Nadine Labaki, Eliane Raheb, Mounia Aki, Ziad Doueiry, Eli Dagher, Ghassan Salhab, Ahmad Ghossein und George Peter Barbari sind regelmässig an den grossen Filmfestivals der Welt präsent und werden mit Oscar-Nominationen und anderen Preisen geehrt.
Teilnehmende des Podiumsgesprächs:
Joey Ayoub ist Autor und Forscher und promoviert derzeit in Kulturwissenschaften an der Universität Zürich. Zuvor arbeitete er als MENA-Redaktor bei Global Voices Online und IFEX und ist Gastgeber des Podcasts The Fire These Times.
Ergänzt wird die Runde mit anwesenden libanesischen Filmschaffenden.
Moderation: Mae Anna Chokr ist Forscherin/Analystin mit Schwerpunkt Nahostpolitik, Identität und politische Kultur. Sie arbeitet derzeit am Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich im Programm «Culture and Religion in Mediation».
Zur Einstimmung auf das Podiumsgespräch werden drei libanesische Filme gezeigt. Einen historischen Rückblick auf die Entwicklungen im Libanon bietet dabei Dima el-Horrs Dokumentarfilm Conversations with Siro:
Gesamtdauer: 74 Min.
Minerva, die Mutter von Joseph, wurde bei der Explosion im Hafen von Beirut am 4. August 2020 schwer verletzt und starb acht Tage später. Joseph kämpft um ihre Anerkennung als Opfer des Vorfalls, doch die langen und absurden Irrwege der unfähigen Bürokratie machen dem Trauernden das Leben schwer.
Lucien Bourjeily ist ein libanesischer Theater- und Filmemacher. Sein Spielfilmdebüt Heaven Without People gewann 2017 in Dubai den Special Jury Prize.
Drehbuch: Lucien Bourjeily
Kamera: Elias Daaboul
Schnitt: Farah Shaer
Mit: Joseph Chartouni, Sandra Chartouni
7 Min., Farbe, DCP, Arab/e
«Dieser Experimentalfilm ist eigentlich ein ‹Fotoroman›, also eine Diashow von Schwarzweissfotos (bis auf eine einzige gefilmte Aufnahme), kommentiert von einem einzigen Erzähler und untermalt von einem Soundtrack, den Martín Loyato produziert hat. Ein stark poetischer Inhalt, der Beirut als Frau beschreibt ... und eine Reverenz an Chris Marker.» (Richard Sammour)
Drehbuch: Christiane Lemire
Kamera: Richard Sammour
Musik: Martín Loyato
Schnitt: Richard Sammour
Mit: Paul Boulitreau, Marie-Cécile Gueguen
14 Min., sw, DCP, F+Arab
«Am 4. August 2020 erschüttert eine apokalyptische Explosion den Hafen von Beirut: 200 Tote, 6500 Verletzte, ganze Stadtviertel in Trümmern. Eine weitere Tragödie. Siro ist eine armenische Künstlerin, 1933 im Libanon geboren. Uns verbindet eine lange Freundschaft, wie dieser fragmentarische Film zwischen Beirut und Paris zeigt.
Ein Film über Trauer, Einsamkeit, Exil, aber auch freudige Momente, im sterbenden Libanon der Geschichte abgeluchst.» (Dima El-Horr)
Sirvart Fazlian, Siro genannt, ist eine armenische Malerin und Musikerin, die seit dem Tod ihres Mannes, des bekannten Schauspielers Berj Fazlian, allein in Beirut lebt. Dima El-Horr, 1972 im Libanon geboren, hat am Art Institute of Chicago Film studiert. Ihre Dokumentarfilme wurden an zahlreichen Festivals gezeigt, und ihr Spielfilm Chaque jour est une fête (2009) kam auch in der Schweiz ins Kino. Conversations with Siro verflicht Geschichten über das Leben im Exil mit Reflexionen über das Wesen der Heimat.
Drehbuch: Dima El-Horr
Kamera: Dima El-Horr
Schnitt: Catherine Zins
Mit: Sirvart Fazlian
53 Min., Farbe + sw, DCP, Arab+F/e