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Braunschweig, zwischen 1810 und 1832
Hersteller: Manufaktur Stobwasser, Braunschweig
Papiermaché, aussen mehrfarbig und schwarz lackiert, innen
dunkelbraun lackiert
H. 2,7 cm
B. 7 cm
T. 12,2 cm
Inv. 2005.358.
Mit der Herstellung von Tabakdosen aus Papiermaché in Kombination mit Lackmalerei war für das weniger wohlhabende Bürgertum ein billigerer Ersatz für die unerschwinglichen, oft edelsteinbesetzten Döschen aus Edelmetall gefunden worden. Eine führende Rolle in der Anfertigung von Lackdosen übernahm Johann Heinrich Stobwasser (1740-1829), der 1763 in Braunschweig eine Manufaktur gründete. Bereits als Siebzehnjähriger war Stobwasser dem Geheimnis der Zusammensetzung von Lack auf die Spur gekommen. Durch das Schmelzen von Bernstein oder Kopal - aufgelöst in Leinöl - gewann er einen Lack, dessen Glanz und Dauerhaftigkeit sich bewährte. Bald umfasste das Angebot neben Tabakdosen auch Teetassen, Krüge, Kaffeebecher, Stöcke, Tische und Kästchen jeder Art. Fast ein Jahrhundert lang war das Unternehmen die führende Lackwarenmanufaktur Deutschlands.
Für die Herstellung der Artikel verwendete Stobwasser vorwiegend Papiermaché. Dabei presste man sechzig bis siebzig Bogen von in Leim aufgeweichtem Papier in Holzmodel zum gewünschten Gegenstand. Nach der Trocknung im Ofen erreichten die Formen ebenso hohe Stabilität wie Holz und konnten abgehobelt oder gedrechselt werden. Auf diesen soliden Träger konnte bereits nach wenigen Tagen mit der aufwendigen Lackierung begonnen werden. Zuerst trug man 20 bis 24 Schichten eines festigenden Firnisses auf. Darüber folgte ein fünf bis sechsmal wiederholter Auftrag von Lackschichten. In regelmässigen Abständen wurden die Schichten angeschliffen und geglättet, um eine bessere Haftung zu erzielen. Auf diese Grundschicht konnte nun die Miniaturmalerei ausgeführt werden. Besonders beliebt waren Landschaften im Stil des Braunschweiger Malers Weitsch, Genreszenen, Szenen erotischen Inhalts und Porträts.
Auch berühmte Gemälde waren geschätzte Sujets für Lackwaren. Bei diesem Zigarrenetui war als Vorlage ein Gemälde des französischen Malers François Pascal Simon Gerard (1770-1838) verwendet worden. Es zeigt den byzantinischen Feldherr Belisar (505-565). Von seinen Feinden wurde er beschuldigt, an einer Verschwörung gegen den Kaiser Justinian teilgenommen zu haben. Zur Strafe stach man ihm der Legende nach die Augen aus und beraubte ihn seines ganzen Besitzes. Die Szene zeigt ihn als verarmten, blinden Mann, seinen jugendlichen Begleiter und Führer nach einem Schlangenbiss in den Armen tragend.
Stobwasser gründete eine eigene Malschule, wo junge Künstler nach seinen Vorstellungen und Bedürfnissen ausgebildet wurden. Auf diese Weise konnte er die gleichbleibende hohe Qualität und einen einheitlichen Stil der Lackmalerei garantieren.