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Bevor gemalte Kunst dem geneigten Publikum vor die Augen treten darf, werden die Bilder erst kunstvoll gerahmt. Bei der geknüpften Kunst bilden die Rahmen stets einen integrierten Teil des fertigen Werkes.
Das gesamte Spektrum der Teppich Rahmen reicht vom randlosen Orientteppich bis hin zum reinen Bordürenteppich, nur aus Bordürenmotiven bestehend. Was dazwischen liegt, mit dem befassen sich die nachfolgenden Seiten.
Die Einfassungen eines Orientteppichs, wie auch der Kelim Flachgewebe, besteht immer aus einer Kombination von mehreren, verschiedenartigen Bordüren. Eine überbreite befindet sich in der Mitte. Es ist die Hauptbordüre. Links und rechts davon werden Nebenborten angelegt. Ihre Anordnung ist auf beiden Seiten praktisch immer identisch.
Trotz der fast verwirrenden Vielfalt der Hauptbordüren entstammen sie einer einzigen Grundform und deren wichtigsten Weiterent-wicklungen:
Die erste Art besteht aus sich wiederholenden, abwechselnd nach innen und aussen gestellten Blumenmotiven mit ebenfalls wechselnden Diagonalen. Und dies verbunden mit einem Farbenwechsel der Hauptmotive (Herati Bordüre). Diese Bordüre entwickelte sich aus den durchgehenden Rauten des Herati Feldmusters. Auf eine zweite Fremdbeeinflussung ist noch hinzuweisen: Das chinesische Wolkenband trug ebenfalls zur heutigen Form der Herati Bordüre bei. Übrigens Herati Bordüren treten sowohl als Haupt- wie auch als Nebenborten auf. Je nach optisch erkennbarer Form sind im Handel Umbenennungen, wie "Samowar, Schildkröten oder Teetopf Bordüre" durchaus gängig: immer abgeleitet vom Hauptmotiv.
Die zweite Form besteht entweder aus einem Einzelnen, sich wiederholenden Blumenmotiv in wechselnden Farben oder auch aus zwei Blüten, deren eine vielleicht etwas grösser ist, um das Gesamtbild etwas zu beeinflussen (Herati-Rosetten-Bordüre).

Die dritte Art zeigt eine längliche Medaillon Form, Kartusche genannt, die das Hauptornament bildet, meist kombiniert mit Nebenmotiven in, neben und zwischen den einzelnen Kartuschen. (Kartuschen Bordüre).
Die vierte und letzte ist ebenfalls auf den vorgegangenen Formen aufgebaut. Sie stellt eine nur noch schwer erkennbare Blütenranke in Mäander Art dar. Sie windet sich durch die gesamte Borte und kann mit vielerlei Beiwerk geschmückt sein.
Aus all diesen Grundformen leiteten die vielen Knüpfgebiete und Regionen aus einem Muster, gleich welchen Ursprungs, eigene Interpretationen und Prägungen ab, die sie entweder rein naturalistisch oder auch streng abstrahiert auf einfachste geometrische Formen verarbeiten. In den Nebenborten begegnet man vielfältigem geometrischem Gedankengut; Zickzack, fortlau-fende Rauten, Pyramiden und ungezählte inei-nandergreifende und reziproke Muster jeglicher Art.
Die nachstehend angeführten Formen, Erläute-rungen und Illustrationen vermögen keinen An-spruch auf Vollständigkeit zu erheben. Die ständig neue Formfindung und deren verschiedene Benennungen je nach Sprachgebiet im Orient und im Okzident ist längst noch nicht abgeschlossen. Und dennoch reichen sie sehr wohl aus, die Türe zu vermehrtem Fachwissen über die Sprache der Orientteppiche schon ein wichtiges Stück weiter zu öffnen. Nun haben alle die Möglichkeit, mit ihren eigenen Orientteppichen wieder einmal das Gespräch aufzunehmen.