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Die erste Vereinsgründung 1927
So fing alles an…
Die Geschichte des FC Koblenz begann wesentlich früher als 1949. Bei vielen ist aber dieser Ur-FC Koblenz schon lange in Vergessenheit geraten. Der erste Fussballclub in Koblenz entstand bereits Ende der Zwanzigerjahre und zwar am "22. April 1927. Abends 8 Uhr im Gasthof zum Hirschen", so ist es jedenfalls im Protokollbuch niedergeschrieben. Der damalige Fussballclub verfügte aber schon über ein grosses und gutes Spielerkader, wie die späteren Erfolge noch beweisen werden. Die Spieler rekrutierten sich in der Hauptsache aus der Arbeiterschaft des zu dieser Zeit sich im Bau befindlichen Kraftwerks Klingnau. Dazu kamen Spieler aus Gippingen und den Orten "ennet vom Rhy", Waldshut und Tiengen. Das Team erreichte bereits Mitte der Dreissigerjahre den Status eines Rheintalmeisters und erwarb damit das Recht, in der damaligen 2. Liga zu spielen. Eine Erfolgsserie im Schweizer Cup führte die Mannschaft sogar in den Tessin. Von den Erfolgen beflügelt, erwarb der Verein ein Spielfeld auf der Eichhalde zum Einstandspreis von 900 Franken. Doch das europäische Schicksalsjahr 1939 erreichte auch den damaligen Fussballclub. Die deutschen Spieler mussten in den Kriegsdienst und viele von ihnen kehrten nicht mehr zurück, sondern starben fern der Heimat an der Front. Auch die Schweizer rückten zum Aktivdienst ein. Ein Spielbetrieb war nicht mehr möglich, geschweige denn ein normales Vereinsleben. Der Verein konnte aus diesem Grund auch seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Für das Spielfeld, welches man auf Kredit erworben hatte, waren gerade 150 Franken an Abzahlungen geleistet worden. Für die Gesamtsumme hatte die Sägerei Kappeler eine Bürgschaft geleistet, so ging nun das Areal in deren Besitz über.
Viele Jahre existierte der FC Koblenz noch auf dem Papier, konnte aber den Spielbetrieb nicht mehr durchführen. Die "Liquidations-Zusammenkunft", so das Protokoll, fand am Samstag den 18. Januar 1947, abends 20 Uhr im Restaurant Engel (zur alten Post) statt. Die Anzahl der erschienenen Mitglieder wurde nicht mehr festgehalten. Inventar konnte der Gemeinde nicht übergeben werden, da nichts mehr vorhanden war. "Das Barvermögen, das höchstens einige wenige Franken beträgt, wird für die Liquidations-Spesen der Versammlung verwendet", so niedergeschrieben am 6. Januar 1947.
Mit der Versammlung vom 18. Januar 1947 wurde das erste Kapitel des Fussballclubs in Koblenz beendet, der über zehn Jahre auf den Sportplätzen sehr erfolgreich tätig war und dann den Kriegsjahren Tribut zollen musste.
Die erste Vorstandschaft des FC Koblenz am 29. April 1927:
Präsident: Josef Holenweger, Vizepräsident: Ewald Kalt, Aktuar: Ernst Wetzel, Kassier: Karl Wetzel, Spielleiter: Walter Rudolf, Vizespielleiter: Ernst Habegger, Weibel: Erwin Müller.
Mit diesem Schreiben vom 6. Januar 1947 rief Vizepräsident Röther die verbliebenen Mitglieder zur Liquidations-Versammlung am 18. Januar 1947 auf und beendete damit nach 20 Jahren den "ersten" Fussballclub in Koblenz.
Die zweite Vereinsgründung 1949
Genau 10 Jahre nach dem Ende des ersten FC Koblenz, entstand 1949 ein neuer Fussballclub in Koblenz. Es war zu dieser Zeit ein gewagtes Unternehmen in einem Dorf mit 500 Einwohnern, einen neuen Verein zu formieren. Es gab aber treibende Kräfte, die sich von den äusseren Wirren nicht beeinflussen liessen und vehement für einen Fussballclub eintraten. Allen voran der damalige Geschäftsmann und heute bekannte Kunstmaler Bernhard Kaufmann; die Gebrüder Viktor und Xaver Rota; der damals junge Student und heutige Doktor Karl Jegge. Ihnen schlossen sich spontan einige "alte Kämpfer" aus den Dreissigerjahren an, unter ihnen Eichmeister Emil Schwere, Coiffeur Camille Walther, Gärtnermeister August Erne aus Gippingen und der vom Heimweh geplagte Hans Wetzel. Letzterer spielte zu dieser Zeit bei den Young Boys in Bern.
Wie immer war aller Anfang schwer und es galt zuerst abzuklären, ob bei einer Neugründung die Schulden des alten Vereins übernommen werden müssen. Dies war glücklicherweise nicht der Fall. Unzählige Stunden an Frondienst waren in der Folge zu leisten. Umfangreiche Erdbewegungen waren nötig, um beim Kraftwerk Klingnau ein fussballtaugliches Areal errichten zu können. Es sah aus wie in einem Arbeitslager. Pickeln, schaufeln, Loren füllen auf der eigens dafür montierten Feldbahn. Diese wurden natürlich von Hand verschoben, entleert und anschliessend mussten die Erdmassen wieder planiert werden. Im Gemeindewald durften wir zwei Tannen fällen. Nach dem Entasten wurden diese auf den Schultern der Mitglieder zur Sägerei Knecht getragen. Aus den dort zugeschnittenen Balken wurden die Torgehäuse gezimmert, mit weisser Farbe bemalt und auf dem neuen Sportplatz eingesetzt. Beim FC Turgi, dem nächsten grösseren Verein, wurden alte Tornetze und Bälle erbettelt. Fussballschuhe mit einschraubbaren Stollen waren zu dieser Zeit noch eine Rarität und kaum bezahlbar. So behalf man sich eben mit Lederflecken und Nägeln. Spätestens in der zweiten Halbzeit drangen die Nägel jedoch bis zu den Fusssohlen vor und peinigten die Spieler bis zum Schlusspfiff.
Geld- und Personalprobleme waren ein Dauerthema. Alle Vorstandsmitglieder mussten sich auf dem Spielfeld bewähren. Selten durfte einer die Ersatzbank drücken. Trainer im heutigen Sinn waren zu dieser Zeit weit und breit nicht in Sicht. Einige, die dieses Prädikat in Anspruch nahmen, blieben aber in Erinnerung. So kam einmal ein älterer Herr mit Namen Merkl, der von sich behauptete, er sei vor dem Krieg österreichischer Nationaltrainer gewesen. Den Beweis blieb er schuldig und seine dauernde Alkoholfahne mussten wir nur wenige Wochen ertragen. Ein anderer Namens Zeltner kam aus Regensdorf. Leider war auch er ein Reinfall, denn es dauerte nur wenige Trainingsstunden und der Herr hatte bei den meisten Spielern "Pumpschulden".
Die Freude an dem neuen Spielfeld war jedoch nur von kurzer Dauer. Der Starkstrominspektor sperrte den Platz beim Kraftwerk nach nur wenigen Spielen. Angeblich hat die 50 kV-Leitung die damals noch spärlich erschienenen Zuschauer gefährdet. Die wahren Gründe wird man wohl nie erfahren, aber die 50 kV-Leitung kann es nicht gewesen sein. Denn nur wenig später wurde dem KKW Beznau der Bau einer Tennis- und Fussballanlage unter einer 380 kV-Leitung problemlos genehmigt.
Der Sportplatz Eichhalde entsteht 1950
Die ganze Arbeit für ein neues Spielfeld begann nun von vorne. Mit viel Engagement entstand der Sportplatz Eichhalde und auf ihm konnte in der Saison 1950/51 der Spielbetrieb aufgenommen werden. Mit "Vater Rotas" altem Kiosk, der lange Jahre am Ufer des Rheins stand, erhielten wir auch die erste Clubhütte. Zur Einzeichnung der Linien wurde damals noch Sägemehl verwendet. Bei jedem Heimspiel galt es, mehrere Säcke von der Sägerei Mühlebach beim Bahnhof Koblenz zu Fuss auf die Eichhalde zu schleppen. Der Jahresbeitrag war auf 35 Franken festgesetzt worden und für das Tenuewaschen musste jeder Spieler nochmals schweren Herzens 50 Rappen aus der Geldbörse holen. Gewaschen wurde natürlich von Hand, denn der Waschfrau stand damals noch keine Waschmaschine zur Verfügung. Langsam fasste der FC Koblenz wieder Fuss. Man folgte dem damaligen Vereinslied, das es wirklich gab und so begann: " Es zogen elf Spieler wohl über den Rhein, hipp hipp Hurra. Sie wollten Fussball spielen und kamen immer wieder, hipp hipp Hurra."
Im "Badischen" wurden viele Freundschaftsspiele ausgetragen. Zu den Gegnern zählten damals die Mannschaften aus Uehlingen, Weizen, Tiengen, Waldshut und Gurtweil, sowie die Teams aus anderen Schwarzwaldgemeinden. Gesungen wurde zu dieser Zeit im FC Koblenz recht viel und das hatte auch seinen Grund: Martin Ewe, ein in der Schweinemästerei Nussbaum angestellter Ghanese, hatte immer seine Gitarre dabei. Ob ein Spiel verloren ging oder gewonnen wurde, die Mannschaft hatte immer noch Luft für ein Fest und ein fröhliches Lied. Die gemeinsame Velofahrt zu den Auswärtsspielen ersetzte das Aufwärmen vor den Matches und stärkte die Kameradschaft. Auch wenn die sportlichen Erfolge noch dünn gesät waren, der FC Koblenz lebte wieder. Mit der Musikgesellschaft gingen die ersten Fasnachtsveranstaltungen über die Bühne. Über mehrere Jahre konnte das gut dotierte Rhein-Aare-Cup Turnier ausgerichtet werden.
In der Zeit in der das Reisen noch nicht zum Alltag gehörte, waren die Vereinsreisen natürlich der Höhepunkt der Saison. Unvergessen die Reise in die Pfalz. Mit 25 Teilnehmern ging es nach Rodalben bei Pirmasens. Am Dorfrand der 3500 Einwohner zählenden Gemeinde wurde unser Reisebus gestoppt. Ein 110 Mann starker Spielmannszug hatte Aufstellung genommen und hinter ihm marschierten wir dann in den Ort ein. Ein Riesenfest war organisiert worden. Überraschungen blieben aber nicht aus. Auf dem Sportplatz war kein einziger Grashalm zu sehen, er bestand nur aus lockerem Sand. Dafür donnerte ein Flugzeug der US Air Force über unsere Köpfe und warf den Matchball ab. Erst später erfuhren wir, dass der FC Koblenz eine der ersten ausländischen Mannschaften war, die im amerikanischen Sektor mit den Deutschen ein Fussballspiel austragen durften. Die zweite grössere Reise ging nach Penzing bei München, sie konnte aber die Eindrücke aus Rodalben nicht verdecken.
Die Zeit verging, die Gründergeneration kam in die Jahre oder zog aus beruflichen Gründen weg. Trotz wirtschaftlicher Hochkonjunktur kämpfte der FC Koblenz ums Überleben. Spielernachwuchs war keiner in Sicht. Es gab allerdings auch Ausnahmen, die Alfons "Radi" Schibli bestätigte. Weil kein Vorstand vorhanden war, ergriff der damals 18-jährige die Initiative und übernahm von 1964 - 1966 mit Unterstützung seiner Mutter die anfallenden Geschäfte nahezu im Alleingang. Erst zu Beginn der Siebzigerjahre keimte wieder etwas Hoffnung auf.
Ausbau der Infrastruktur
Schritt für Schritt konnte die Infrastruktur des Vereins ausgebaut werden. Aus einer alten Baubaracke entstand unter der Führung von Franz Blättler im Frondienst eine ausgewachsene Clubhütte, die sich nach der Fertigstellung sehen lassen konnte. Die Sanierung des Platzes mit einer Flutlichtanlage wurde von Hans Stürmer in die Wege geleitet und vollzogen.
Nach einer Idee von Gustav Hörth entstand in der Rückrunde der Saison 1993 die Vereinszeitung "FC Koblenz AKTUELL".

Ligazugehörigkeit des FC Koblenz seit 1950

Die Präsidenten des FC Koblenz 1949 - 2006