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Eigentlich handelt es sich beim Östrogen um eine Gruppe von verschiedenen Hormonen. Sie werden hauptsächlich in den Eierstöcken hergestellt, geringe Mengen auch in der Nebennierenrinde und im Unterhautfettgewebe. Östrogene regen das Wachstum und die Reifung der Geschlechtsorgane an und führen unter anderem zu den typisch weiblichen Rundungen. Sie organisieren die Abläufe, welche die Einnistung eines befruchteten Eis in der Gebärmutterschleimhaut ermöglichen. Etwa ab dem 50. Lebensjahr stellt der weibliche Körper nur noch geringe Mengen an Östrogenen her. Dann tritt die Menopause ein. Das heisst, es treten keine Periodenblutungen und Schwangerschaften mehr auf.
Während des Monatszyklus variiert der Östrogenspiegel stark. Kurz vor dem Eisprung ist die Östrogenkonzentration im Blut am höchsten, kurz vor der Menstruation am niedrigsten.
Östrogen wirkt unter anderem euphorisierend, stimmungsaufhellend und verstärkt die Kontaktfreudigkeit sowie das Interesse am Gegengeschlecht.
Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass die Nervenzellen einiger Hirnareale Östrogene brauchen, um überhaupt funktionsfähig zu sein. Positiv wirkt Östrogen vor allem auf Lern- und Gedächtnisfunktionen.
Auch Männer haben eine gewisse Menge an Östrogen im Blut. Der männliche Körper wandelt das Männerhormon Testosteron im Gehirn zu Östrogen um. Zudem bilden die Hoden eine geringe Menge des weiblichen Sexualhormons.
Es wird vermutet, dass Östrogen die Denkleistung beeinflusst. Mit dem Anstieg des Östrogenspiegels zur Mitte des Zyklus fallen die Leistungen von Frauen bei visuell-räumlichen Aufgaben von jenen von Männern ab. Im Gegenzug verbessern sie sich aber bei Wortfindungstests. Während der Menstruation, wenn das weibliche Sexualhormon sich auf dem Tiefpunkt befindet, schneiden Frauen bei visuell-räumlichen Aufgaben ähnlich gut ab wie Männer.
Phytoöstrogene sind sekundäre Pflanzenstoffe, die etwa in Sojabohnen, Rotklee, Hopfen oder Leinsamen vorkommen. Diese pflanzlichen Hormone können Beschwerden in den Wechseljahren lindern. Sie haben die Fähigkeit, sich mit Östrogenrezeptoren zu verbinden und lösen dadurch ähnliche Effekte wie körpereigene Östrogene aus. Ihre Wirkung ist allerdings deutlich schwächer.
Bis zu den Wechseljahren verlangsamt das Hormon Östrogen den Abbau der Knochen. Mit Beginn des Klimakteriums sinkt der Östrogenspiegel, der natürliche Osteoporoseschutz geht verloren, und der weibliche Körper baut Knochen schneller ab. Deswegen ist nach der Menopause das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche deutlich erhöht.
In den Wechseljahren werden Östrogene zur Therapie von Hitzewallungen und Schweissausbrüchen eingesetzt. Es gibt sie in verschiedenen Dosierungen und Anwendungsformen. Sie sind verschreibungspflichtig.
Fakten geprüft von Petra Stute, Leitende Ärztin, Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Inselspital Bern
Autor: Andrea Freiermuth