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Am 1. Mai beginnt für Naruhito, 59, eine neue Ära. Aus dem Kronprinzen wird Japans neuer Kaiser. Sein Vater äusserte 2016 den Wunsch, zurückzutreten. Weil er seinen Verpflichtungen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausreichend nachkomme könne. Und den Ansprüchen an seine Position damit nicht gerecht werde. Da eine Abdankung im Thronfolgergesetz nicht vorgesehen ist, musste dieses erst entsprechend geändert und vom Parlament abgesegnet werden.
Im Februar 1991 wurde Naruhito offiziell von seinem Vater zum Thronfolger ernannt. Die etwa 15-minütigen Zeremonie fand am 31. Geburtstag des Prinzen statt. 250 Gäste nahmen daran teil, einschliesslich Vertretern aus 113 Ländern.
Galerie: Das Leben von Kaiser Naruhito in Bildern
Naruhito wurde am 23. Februar 1960 geboren.2019 The Asahi Shimbun
Kronprinz statt Karriere
Dass Naruhito zu diesem Zeitpunkt noch unverheiratet war, war jedoch vielen - vor allem der Presse - ein Dorn im Auge. So sehr, dass den Medien 1992 eine dreimonatige Schweigepflicht auferlegt wurde, da sie den Junggesellen ständig unter Druck gesetzt und ein Ende seines Single-Dasein gefordert hatten.
Mehrmals musste diese Frist anschliessend verlängert werden, da sich noch immer keine Frau gefunden hatte, obwohl es an Vorschlägen nicht mangelte. Damals fiel unter den hundert Namen möglicher Bräute, die in Presseberichten auftauchten, auch der Name der amerikanischen Schauspielerin Brooke Shields, 53.
Tatsächlich aber kämpfte Prinz Naruhito mehrere Jahre um die Diplomatin Masako Owada, 55. Bereits 1986 lernten sich der Kronprinz und die Karrierefrau kennen. Damals soll er gesagt haben: «Die oder keine.»
Doch der Beziehung wurden viele Steine in den Weg gelegt, ehe sie überhaupt beginnen konnte: Masakos Körpergrösse, ihr Bildungsgrad und Selbstbewusstsein waren vielen ein Dorn im Auge. (Im nächsten Teil gibt es mehr darüber zu lesen.)
Reis statt Ringe
Am 9. Juni 1993 folgte schliesslich die Hochzeit - ohne Jawort und Ringe, dafür mit geweihtem Reiswein. Die Hochzeit verlief nach einem strikten Protokoll.
In der Halle mit dem Kashikodokoro-Schrein stellte sich der damalige Thronfolger, geschmückt mit Krone und Zepter, neben seine sitzende Braut. Beide verbeugten sich viermal vor dem Shinto-Schrein. Dann sprach der künftige Kaiser sein Hochzeitsgelübe. Ein Schluck geweihten Reisweins besiegelte die Ehe.
Die Eltern des Bräutigams, Kaiser Akihito, 85, und Kaiserin Michiko, 84, waren bei der Zeremonie nicht dabei. Erst während einer formellen Audienz im Verlauf des Tages stellte der Kronprinz seine Frau offiziell den Eltern vor.
«Nur» eine Tochter
Nach einer Parade, bei der 200’000 Menschen gezählt wurden, war das traditionelle Hochzeitsprogramm noch lange nicht fertig: Beim Abendessen schworen sich beide ewige Treue. Eine Holzkiste mit Reiskuchen stand drei Tage im Schlafzimmer des Paares und wurde am Morgen des vierten Tages in einer glücksbringenden Himmelsrichtung vergraben. Zweck dieses alten Fruchtbarkeitsritus ist es, dem Paar bald einen Thronfolger zu schenken. Einen männlichen wohl gemerkt.
Es erweist sich, dass dem nicht so sein wird. Masako brachte nach acht Jahren Ehe und einer Fehlgeburt zwar ein Kind zur Welt, jedoch «nur» eine Tochter. Eine Tochter als Thronfolgerin ist jedoch in der Tradition der ältesten Erbmonarchie der Welt nicht vorgesehen.
Die japanische Thronfolge im Überblick
War 30 Jahre lang bis am 30. April 2019 Kaiser von Japan: Akihito, hier mit seiner Frau Michiko.Getty Images
Geschichte statt Grundeln
Wie seine Frau studierte auch Naruhito. Er machte einen Bachelor in Geschichte und schloss das Studium der Human- und Geisteswissenschaften mit einem Master ab. Er wählte damit einen anderen Schwerpunkt als sein Vater, der sich für Biologie und insbesondere für die Fischfamilie der Grundeln entschieden hatte.
Hauptaugenmerk auf Naruhitos Erziehung lag aber auf der Vorbereitung seiner neuen Rolle. Insbesondere seit seiner Ernennung zum Thronfolger in den 90er-Jahren nahm er viele Auftritte auch im Ausland wahr: Er reiste etwa nach Vietnam - als erster Thronfolger überhaupt besuchte er damit ein kommunistisches Land. Auch in die Schweiz führte ihn sein Amt - um 2014 der 150-jährigen diplomatischen Beziehung zwischen beiden Ländern zu gedenken.
Er war schon einmal Fast-Kaiser
Wie es sich anfühlt, Kaiser zu sein, durfte Naruhito übrigens bereits 2012 erleben, als sich sein Vater von einer Herzoperation erholen musste. Nun ist die Schonfrist für Naruhito vorbei - er ist der neue Kaiser Japans.
Im nächsten Teil: Alles über den Leidensweg der Kronprinzessin und neuen Kaiserin.