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Die Wasserwerk-Korporation Grabs wird 125 Jahre alt.
Die Wasserwerk-Korporation Grabs (WWK) kann im Jahre 2023 bereits ihr 125-jähriges Bestehen feiern. Die WWK vertritt die Interessen und Rechte der Wasserwerk-Eigentümer am Mühlbach, ist aber selbst auch im Vorstand des Vereins Grabser Mühlbach vertreten. Die beiden Vereinigungen arbeiten bestens zusammen und sorgen dafür, dass der Grabser Mühlbach und seine vielen Werke und Wasserräder erhalten bleiben.
Am 21. Januar 1897 wurde die Korporation von 15 „Wasserwerchlern“ unterschrieben, gegründet und ein entsprechendes Reglement erlassen. Dieses umfasst in 20 Artikeln Bestand und Zweck und wurde 1898 vom Regierungsrat St. Gallen amtlich genehmigt. Nebst kleinen Anpassungen im Jahr 1983 ist es bis heute unverändert in Kraft geblieben. Als „Energielieferant“ spielte der Mühlbach im Dorfgeschehen eine bedeutende Rolle und entsprechend wichtig war es, Unterhalt und Nutzung zu regeln. Auch für die Sicherung der Wasserzufuhr war es von Vorteil, dass die „Wasserwerchler“, wie die Wasserwerkbesitzer im Dorf genannt wurden, gemeinsam auftreten konnten.
Diesem Anlass geht jedoch eine Jahrhunderte lange Geschichte des Mühlbaches voraus. Die beiden Mühlen „Untere Mühle“ und „Obere“ Mühle“ (Glocke und Stricker) sind schon ab 1472 in alten Grundbüchern (Urbaren) erwähnt, also viel früher als der Mühlbach. Dieser taucht als „klinen Bach“ erstmals schriftlich 1691 im Grabser Urbar auf. Ausser möglicherweise einer oder zwei „Walken“ oder einer „Rindenstampf“ gab es bis ins 19. Jahrhundert keine Wasserwerke daran. Solche mussten von der Obrigkeit (den früheren Grafen und dem Stand Glarus) bewilligt werden. Sie liessen aber ausser den bestehenden Mühlen keine Wasserwerke zu. Deshalb wurde der aus dem Grabserbach (auch Walchenbach genannt) abgeleitete Kanal vor allem zur Trinkwasserentnahme, Viehtränke und zum Wäschewaschen genutzt – und auch als Entsorgung von allerlei Abfall und Unrat. Der Kanal führte bis zum „Luffisbrunnen“ und versickerte ab dort im Rietboden. Das ist die Stelle, wo später die Tuchfabrik Laufenbrunnen entstand. Der markante, hohe Backsteinkamin dieser Fabrik steht heute noch !
Im Jahre 1798 musste der letzte Glarner Landvogt aus dem Schloss Werdenberg fliehen. Ab diesem Befreiungsjahr hatten bis ins frühe 20.Jahrhundert die Ortsgemeinde und der Kanton die Hoheit am Mühlbach. Es begann ein eigentlicher Bauboom von Anlagen. 1865 sind 12 Wasserwerke am Mühlbach namentlich erwähnt. 1874 waren es bereits 26: sechs Getreidemühlen, drei Holzsägen, zwei Spinnereien, drei Hammerschmieden, zwei Korndreschereien, zwei Färbereien, drei Wollkardereien, eine Gerberei, vier Schlossereien und Messerschmieden. Die Gemeinde zählte damals 3400 Einwohner. Es bestand aber weder eine Postkutschen- noch Telegraphverbindung.
Es sind Hunderte von Akten aus diesem Jahrhundert erhalten geblieben. Dies nicht zuletzt wegen den zahlreichen
Streitfällen, teils unter den Wasserwerkbetreibern selbst, teils mit den schon seit Jahrzehnten bestehenden Wasser- und Brunnenkorporationen, zum Beispiel um Quellenrechte. Die Streitfälle
beschäftigten nicht selten das Bezirks- und Kantonsgericht. Die Wasserwerkbesitzer waren oft Einzelkämpfer und untereinander oft zerstritten. Gemeinsam wehrten sie sich selten, ausser zum
Beispiel gegen die erwähnten Brunnenkorporationen. 1880 wurde aus etlichen einzelnen Brunnenkorporationen die erste „gemeinsame“ Brunnenkorporation Dorf Grabs gegründet und vom Kanton genehmigt.
1887 war es also höchste Zeit, auch eine Wasserwerk-Korporation zu gründen. Man beschritt damit den Pfad weg vom „Einzelkämpfertum“ zu gemeinsam gesetzten Zielen und gegenseitiger Unterstützung
und Respektierung.
Mit der Verbreitung der Elektrizität und dem Anschluss aller Gewerbebetriebe und Haushalte ans Stomnetz verlor der Mühlbach zusehends an wirtschaftlicher Bedeutung. Vor wenigen Jahren schloss auch der letzte gewerbsmässige Betrieb am Mühlbach. Geblieben ist der Willen der Wasserwerchler (zusammen mit dem sehr aktiven Vereins Grabser Mühlbach!), den Mühlbach in seiner heutigen Form zu erhalten. Aktuell gibt es am Mühlbach noch 10 bestehende Wasserrechte (in zwei Hammerschmieden, einer Wollwäscherei, einer Messerschmiede, einer Maismühle, einer Knochenstampfe und Anlagen, in denen mittels Holzrad oder Turbine Strom produziert wird). Die WWK ist zur Zeit in Verhandlungen mit dem kantonalen Amt für Wasser und Energie. Es gilt, die ablaufenden Wasserrechte in neue Konzessionen umzuwandeln und so alle Räder und Werke am Laufen zu halten.
Dieser Text erschien (leicht erweitert) ebenfalls im Grabser Gemeindeblatt im September 2023.