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Die erste Ansiedlung des Molotschnaer Mennonitenbezirks
bestand aus 9 Kolonien, worunter auch Schoenau sich befand. Schoenau ist von Orechow
52 und von Berdjansk 110 Werst entfernt. Der Boden ist in der Niederung mit leichter
schwarzer, etwas sandiger Erde bedeckt, an manchen Stellen auch mit Salpeter,
wogegen er auf der Steppe etwas lehmig ist. Nachdem der Ackerbau durch die im
Jahre 1826 eingefuehrte Brache und die vom Jahre 1837 an betriebene Vierfelderwirtschaft
sehr verbessert worden ist, erntet man bei gehoeriger Bearbeitung und guenstiger
Witterung 10 bis 20faeltig. Zum Graswuchs ist das Land nicht so gut geeignet,
doch sind die Heuwiesen durch Schuettung mehrerer Daemme sehr verbessert; besonders
vorteilhaft ist der im Jahre 1833 an der Molotschna verfertigte, welcher in Fruehjahrzeiten
alles den Fluss herabkommende Schnee- und Regenwasser auffaengt und ueber das
Ufer treibt, wodurch ein Teil der Niederung bewaessert und der Graswuchs sehr
befoerdert wird. Doch ist durch diesen Damm auch schon Schaden entstanden, indem
das Wasser nach den starken Regen(guessen) am 21. Juni 1840 viel Gras und gemaehtes
Heu durch ueberschwemmung zugrunde richtete, bis der 4 Fuss breite und ebenso
tiefe Abzugsgraben zu einem 80 bis 90 Fuss breiten und 20 Fuss tiefen Kanal erweitert
wurde, wodurch das Wasser dann wieder ins Flussbett zurueckstroemt.
Die im guten Wachstum begriffene Gehoelzplantage wurde im Jahre 1832 angelegt und bis zum Jahre 1846 mit Muehe und Kosten bepflanzt. Ehe zum Pflanzen der Baeume geschritten wurde, musste der Boden mit einem eigens dazu verfertigten, mit 40 bis 60 Ochsen bespannten Pfluege 3/4 Arschin tief umrigolt werden. Die jungen Baeume wurden zum Teil 165 Werst weit hergeholt.
Die 1837 durch die am Fluss gelegenen Kolonien angelegte Poststrasse wurde 1838 ebenfalls mit Baumalleen bepflanzt.
Der Name der Kolonie stammt aus der alten Heimat und wurde ihr vom Oberschulzen Klaas Wiens ohne besondere Veranlassung gegeben. Die Kolonie bestand urspruenglich aus 21 Familien, unter welchen die Begruender der Feuerstellen Nr. 1 und Nr. 21, Gerhard Hildebrand und Peter Wiebe, ersterer 1000 Rbl. und letzterer 1125 Rbl. Vermoegen besassen.
Was die guenstigen und unguenstigen Einfluesse auf den Wohlstand der Kolonie anbelangt, so wird von hier das Gleiche wie von Muntau berichtet; auch wurden ihr die gleichen hohen Besuche zu teil.
Gewalttaten und Diebstaehle wurden anfaenglich von den nogaischen Nachbarn veruebt. Am 23. April 1811 wurde der Wirt dieser Kolonie Nr. 44, Jakob Triesen auf der Steppe ueberfallen und mit Haemmern fast zu Tode geschlagen. Herbeigeeilte Kolonisten retteten ihn vom sichern Tode. Besonders haeufig wurden Pferde gestohlen wodurch manche Kolonisten in einer Nacht ein ganzes Vermoegen verloren. Im April 1813 wurden in einer Nacht 10
der besten Pferde mit Gewalt genommen.
Schulz Klaas Dick,
Besitzer Jakob Janzen, Peter Hildebrand.
Johann Fast, Schullehrer.
Schoenau, d. 9. April 1848