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Liebe Vandana, herzlich willkommen in der Schweiz und vielen Dank für das Gespräch! Du machst immer wieder darauf aufmerksam, dass männlich geführte Agrarmultis die Kontrolle über die Ernährung der Menschheit übernehmen wollen, indem sie Bauern von Stickstoffdünger, synthetischen Pestiziden und genmanipuliertem Saatgut abhängig machen. Tatsächlich konnten einige wenige Unternehmen eine unvorstellbare Machtkonzentration
durchsetzen. Bayer/Monsanto, Corteva, ChemChina/ Syngenta und Limagrain kontrollieren mehr als 50 Prozent des weltweiten Saatguts. Und die grossen Saatguthersteller sind gleichzeitig führend in den Bereichen Stickstoffdünger und Pestizide. So sind gigantische Monopole entstanden, die die globale Nahrungsmittelversorgung dominieren. In einem Artikel in der «Deutschen Welle» (DW), die sich als Deutschlands internationale Informationsanbieterin und als unabhängiges Medienunternehmen versteht, wird der Einfluss dieser Konzerne auf die nationale und internationale Gesetzgebung bestätigt. In dem Beitrag wird das System der industriellen Landwirtschaft als ein System des Neokolonialismus bezeichnet. Das entspricht auch Deiner Einschätzung. Wir zitieren einige Passagen aus dem Artikel: «Grosse Hersteller von gentechnisch verändertem und biotechnologisch entwickeltem Saatgut wie Bayer und Corteva schränken die Verwendung der von ihnen verkauften Sorten streng ein. In der Regel müssen die Landwirte Verträge unterschreiben, die es ihnen verbieten, Saatgut aus den Ernten aufzubewahren, um es zu tauschen oder in der nächsten Saison wieder auszusäen …»
Die Welthandelsorganisation verlangt von ihren Mitgliedsstaaten, und damit von so gut wie allen Nationen der Welt, dass sie über irgendeine Form von Gesetzgebung zum Schutz von Pflanzensorten verfügen. Diese Anforderung erfüllen viele Staaten, indem sie dem Internationalen Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (französisch: Union internationale pour la protection des obtentions végétales – kurz UPOV) beitreten, der die Produktion, den Verkauf und den Austausch von Saatgut beschränkt … Um die UPOV-Kriterien zu erfüllen, muss kommerzielles Saatgut genetisch einheitlich und stabil sein. Die Sorten, die von Landwirten entwickelt und über Generationen weitergegeben wurden, sind aber genetisch vielfältig und entwickeln sich ständig weiter. Da sie damit die UPOV-Kriterien nicht erfüllen können, haben Landwirte in den Vertragsstaaten der UPOV kein geistiges Eigentumsrecht an selbst- gezüchteten Pflanzensorten – mehr noch: In vielen Ländern können sie ihre Sorten gar nicht erst als Saatgut zertifizieren lassen … Es gibt keine rechtliche Verpflichtung der UPOV beizutreten. Aber Länder wie die USA, Kanada, die Schweiz, Japan sowie die Mitgliedstaaten der Europäischen Union setzen Länder des globalen Südens wie Simbabwe oder Indien mit bilateralen und regionalen Handelsabkommen unter Druck, um einen UPOV-Beitritt zu bewirken … Kritiker monieren, dass die Einführung einheitlicher Regeln auf globaler Ebene letztlich bedeutet, die in Europa und den USA dominierende industrielle Landwirtschaft auch solchen Regionen der Welt aufzuzwingen, wo Lebensmittel noch grossenteils von kleineren, nachhaltigeren Betrieben produziert werden.
«Wir sehen das als einen Neokolonialismus, der unsere Lebensgrundlagen und unsere Umwelt zerstört», sagt Mariam Mayet, Direktorin des African Center for Biodiversity in Südafrika»
Die Abhängigkeit grosser Teile der Menschheit von einigen wenigen Unternehmen lässt sich nicht leugnen! Wodurch wurde eine solche Entwicklung aus Deiner Sicht möglich?