Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/501

Wir fragten die Experten vom brasilianischen Gesundheitsministerium
Das “Dengue-Fieber” ist eins der bedeutendsten Probleme der Volksgesundheit auf unserem Planeten. Die Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich zwischen 50 und 100 Millionen Menschen von diesem Virus infiziert werden – in mehr als 100 Ländern auf allen Kontinenten, ausgenommen Europa. Etwa 550.000 davon werden in Hospitälern behandelt und etwa 20.000 sterben an den Folgen der Krankheit.
1. Frage: Was eigentlich ist “Dengue”?
Eine akute Krankheit, die mit Fieber einhergeht. Der Mensch wird von einer infizierten Stechmücke, der Aedes aegypti, gestochen – der Virus dringt in die menschliche Blutbahn ein und verursacht die Krankheit.
2. Frage: Wie lange dauert es nach dem Stich, bis die Krankheit ausbricht (Inkubationszeit)?
Wenn die Mücke tatsächlich infiziert ist, das heisst, den Virus in sich trägt, kann die Inkubationszeit zwischen 3 bis 15 Tagen betragen – in der Regel 5 bis 6 Tage.
3. Frage: Welche Symptome sind typisch für das Krankheitsbild?
Die üblichen Symptome für Dengue sind: Fieber, Schmerzen des Körpers, besonders der Gelenke, sowie starke Kopfschmerzen. Ausserdem können rote Flecken über die Haut verstreut auftreten – in einigen Fällen auch Blutungen, meist am Zahnfleisch.
4. Frage: Was sollte man bei Auftreten solcher Symptome tun?
Sich an den nächsten Arzt oder das nächstliegende Hospital wenden.
5. Frage: Wie behandelt man das Dengue-Fieber?
Es gibt keine spezifische Behandlung für Patienten mit klassischem Dengue-Krankheitsbild. Der Arzt behandelt die Symptome, wie den Kopfschmerz oder das Fieber, mit Analgesika und Antithermika (Paracetamol und Diperona). Er meidet Salicilate, wie AAS und Asperin, denn diese könnten Blutungen Vorschub leisten. Darüber hinaus braucht der Patient vor allem Ruhe und soll viel Flüssigkeit zu sich nehmen.
Jene Patienten hingegen, die von der so genannten “Dengue Hemoragica” (blutenden Dengue) betroffen sind, stehen unter sorgfältiger Beobachtung, um die ersten Anzeichen eines bevorstehenden Schocks nicht zu verpassen, wie zum Beispiel einen plötzlichen Abfall des Blutdrucks. Die kritische Periode tritt ein beim Übergang der fiebrigen Phase in eine solche ohne Fieber – in der Regel nach dem dritten Tag der Krankheit. Weil der Patient plötzlich kein Fieber mehr hat, könnte man annehmen, dass er auf dem Weg der Besserung ist – und dann verschlechtert sich sein Krankheitsbild ganz plötzlich. Weniger gravierende Fälle, wenn zum Beispiel durch wiederholtes Erbrechen ein Austrocknen des Körpers droht, können auch ambulant behandelt werden. Wir möchten aber darauf hinweisen, dass bestimmte Symptome der Dengue nur von einem Arzt diagnostiziert werden können!
6. Frage: Kann ein Mensch, der vom Dengue-Virus befallen wird, sterben?
Das Dengue-Fieber, auch in seiner klassischen Form, ist eine ernstzunehmende Krankheit. Wenn der befallene Mensch bereits an einer chronischen Krankheit leidet, wie zum Beispiel einem chronischen Herzleiden, sollte man besondere Vorsicht walten lassen. Dengue ist allerdings erst dann als lebensgefährlich einzustufen, wenn die Krankheit sich in ihrer “blutenden Form“ präsentiert. Aber auch in diesem Fall kommt der Patient mit dem Leben davon, wenn ihm rechtzeitig Hilfe zuteil wird.
7. Frage: Welche Vorsorge kann man treffen, um nicht von dieser Krankheit befallen zu werden?
Weil es praktisch unmöglich ist, die Stechmücke auszurotten, sollte man sich auf solche Objekte und Ambiente konzentrieren, die der Mücke als Brutstätten dienen könnten. Zum Beispiel eine Schüssel im Hinterhof eines Hauses ist ein Risiko, denn wenn sie sich mit Regenwasser füllt, legt das Mückenweibchen seine Eier in ihr ab und die Larven entwickeln sich im stehenden Wasser der Schüssel. Das bedeutet, dass alle Bewohner eines Hauses Sorge tragen müssen, sämtliche Gegenstände, in denen sich Wasser ansammeln könnte, aus dem Hinterhof zu entfernen. In 90% aller Fälle befinden sich die Brutstätten der Moskitos im Wohnbereich!
8. Frage: Was kann man tun, um der Dengue-Mücke zu entgehen?
In erster Linie sämtliche möglichen Brutstätten entfernen oder trockenlegen. Das Gesundheits-Ministerium hat eine Liste aufgestellt, die alle Massnahmen beinhaltet, derer sich die Bevölkerung bedienen sollte, um zu verhindern, dass die Aedes aegypti sich innerhalb der menschlichen Wohnstätten fortpflanzt.
9. Frage: Nachdem man von der Dengue befallen worden ist, kann man erneut von ihr befallen werden?
Jawohl – aber niemals von derselben Art von Virus – das heisst: die entsprechende Person wird gegen den ersten Virus immun, welcher ihre Krankheit hervorgerufen hat, kann jedoch noch einmal von einer der drei anderen bekannte Dengue-Virus-Typen heimgesucht werden.
10. Frage: Kann man sich bei einer von Dengue befallenen Person anstecken?
Auf gar keinen Fall! Es existiert in diesem Fall keine Direktübertragung von einem Kranken oder von seinen Sekretionen auf eine gesunde Peson! Auch nicht, wenn man aus demselben Glas trinkt oder mit ihm Speisen teilt!
11. Frage: Wieviele Arten von Dengue-Viren gibt es?
Bekannt sind insgesamt vier: Typ 1,2,3 und 4 – letzterer ist allerdings bisher nicht in Brasilien beobachtet worden.
12. Frage: Gibt es eine Impfung gegen das Dengue-Fieber?
Noch nicht – aber die internationale Wissenschaftler-Kommune, sowie die brasilianischen Teams, arbeiten mit allen zur Verfügung stehenden Kräften an dieser Aufgabe. Schätzungen stellen eine Immunisierung gegen Dengue innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren in Aussicht. Diese Spritze gegen das Dengue-Fieber ist wesentlich komplizierter als andere und mit bisher vier verschiedenen identifizierten Typen eine Herausforderung an die Wissenschaft. Man wird eine Kombination von allen Vieren zugrunde legen müssen, um ein wirksames Serum gegen die Krankheit zu bekommen.
13. Frage: Warum tritt diese Krankheit aber nun in Brasilien verstärkt auf?
Sie ist ein ernstes Gesundheits-Problem in der ganzen Welt, besonders aber in den tropischen Ländern, wie zum Beispiel Brasilien, wo die Umweltsvoraussetzungen, vereint mit gewissen ubanen Charakteristika, die Entwicklung und Verbreitung des Zwischenwirts Aedes aegypti begünstigen. Mehr als 100 Länder auf allen Kontinenten, ausgenommen Europa, registrieren das Vorkommen dieser Stechmücke und entsprechende Krankheitsfälle.
14. Frage: Kann man in Brasilien von einer Dengue-Epidemie sprechen?
Nein. Bisher hat man keine konzentrierten Ausbrüche oder gar Epidemien in unserem Land beobachten können.
15. Frage: Funktioniert jenes Spray gegen die Dengue-Mücke auch tatsächlich?
Wir haben motorisierte Sprühanlagen für den Extremfall einsatzbereit, die besonders effektiv sind, aber keine Bedrohung für den Menschen darstellen. Sowohl die Mittel gegen Moskito-Larven als auch die Sprays gegen voll entwickelte Insekten, welche vom Gesundheitsamt an die Bundesstaaten und Distrikte verteilt werden, haben für die Aedes aegypti absolut tödliche Wirkung – sie wurden von Wissenschaftlern der WHO entwickelt.
Die “Larvizide“ sind zur Abtötung der Brut bestimmt. Dieselben Produkte in Pulverform werden von unserem Gesundheitspersonal vor Ort auch in Abflussrohre, Wasserreservoirs u. a. Behältnisse mit stehendem Wasser platziert – überall dort, wo man stehendes Wasser nicht einfach entfernen kann.
Die flüssigen “Insektizide“ dagegen, werden von Vernebelungsmaschinen versprüht und töten die fliegenden Insekten zuverlässig ab – diese Massnahmen werden entweder frühmorgens oder am Spätnachmittag vorgenommen, denn die Aedes aegypti ist nur während des Tages aktiv. Die Vernebelungstechnik wird nicht ziellos appliziert, sondern nur dann, wenn der Ausbruch einer Epidemie droht. Sie kann als eine extreme Massnahme angesehen werden, weil sie nur dann eingesetzt wird, wenn alle anderen Präventivmassnahmen gescheitert sind.
Soweit das Brasilianische Ministerium für Gesundheit.
Vielleicht sollte ich selbst auch noch ein paar Worte aus der Perspektive eines langjährigen Bürgers von Rio de Janeiro dazu sagen: Schuld an den Auswirkungen der Dengue hat in erster Linie die Bevölkerung selbst – besonders die Bewohner der ärmeren Viertel, deren unübersichtliche Berge von Abfallbehältern, Autoreifen, Blumentöpfen und sonstigem Krimskrams der Larvenentwicklung Vorschub leisten. Es ist eine traurige Tatsache, dass sämtliche Appelle der Regierung, die seit vielen Jahren schon durch sämtliche TV-Kanäle verbreitet werden, praktisch auf taube Ohren bei diesem Teil der Bevölkerung stossen.
Und diese Menschen sind es dann auch, welche die meisten Opfer der Krankheit zu beklagen haben – und besonders traurig, dass es meistens ihre Kinder trifft. Aber selbst das wird nichts an der ignoranten Bequemlichkeit dieser Menschen ändern, ihre Behausungen mit Bergen von Abfall und Schrott zu umgeben – wie immer und überall in Brasilien ist Erziehung von Kindesbeinen an die Basis für den wirklichen Fortschritt, nämlich den, der sich im Kopf entwickelt. TV-Appelle greifen da nicht.
Übrigens ist bis jetzt nicht bekannt, dass ein Tourist in Rio vom Dengue-Fieber befallen worden ist – und das ist gewiss kein Zufall, sondern einfach das Ergebnis einer moskitofreien Zone, in der er sich in der Regel bewegt und aufhält – und die wird moskitofrei gehalten von entsprechenden Vorsichtsmassnahmen sowohl der guten Hotels als auch der betreffenden Anwohner. Also wenn Sie sich jetzt von jenem falschen Dengue-Alarm soweit beeinflussen lassen, deshalb Ihre geplante Brasilien-Reise abzusagen, dann werden Sie auf jeden Fall auch ein Opfer: nämlich eins der Sensationspresse!