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1978: Ausstellung Monte Verità – Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topografie
Das vorläufig letzte Kapitel der Chronologie des Berges stellt Harald Szeemanns Ausstellung «Monte Verità» dar. Seit 1973 legte Szeemann in minuziöser Arbeit Schicht um Schicht des Berges frei, bis «sich die Faszination des Erschlossenen in meinem Kopf zu einer weiteren Gottheit formierte, die nach einer Huldigung verlangte – und die mir mögliche ist die Ausstellung» (Vorwort des Ausstellungskataloges). Ganz abgesehen davon, dass Szeemann für seine Huldigung die eigenen Mittel bis zur Neige opferte, stellt die Art, wie er Dokumente und Kunstwerke aus verschiedensten Gebieten zu einer von Anfang bis Ende durchgestalteten Schau gliederte, ein Programm dar, das, in derselben Konsequenz angewandt, der Ausstellungstätigkeit generell entscheidende Impulse vermitteln könnte. Zudem bedeutet allein das Unbekannte oder zumindest kaum Gesehene, das Szeemann ans Licht brachte, eine umfassende Blutauffrischung für den «Kunstkreislauf». Exemplarisch auch der Aufbau der Asconeser Ausstellung. Indem Szeemann sich für fünf verschiedene Schauplätze entschied und mit den Brissago-Inseln und vor allem der Casa Anatta zwei Originalschauplätze direkt in die Ausstellung einbezog, schuf er ein Konzept, das die Geschichte des Berges in ihrer ganzen Heterogenität nicht nur äusserlich begreifbar, sondern erlebbar machte, das den Besucher nicht einfach zu einem Ausstellungsrundgang einlud, sondern ihn von Station zu Station wallfahren liess.
Dominik Keller