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Steht Bono, Leadsänger der berühmten irischen Rockgruppe U2 und selbsternannte «Stimme Afrikas», heute im Dienst der Nahrungsmittel-Multis?
Das ist man versucht zu glauben, liest man den schockierenden Artikel «Bono, die falsche Stimme Afrikas» des Journalisten George Monbiot, der am 21. Juni 2013 in der britischen Tageszeitung The Guardian erschienen ist.
Der Journalist prangert Bono dafür an, dass dieser ganz entgegen seinem Image als uneigennützigen Menschenfreund, der die internationale Gemeinschaft für Afrika mobilisiert, die Werbetrommel für die von den G8 2012 in den USA lancierte «Neue Allianz für Ernährungssicherheit» rührt. Und die G8 schlug diese an ihrem Gipfel vom 17. und 18. Juni in einem nordirischen 5-Sterne-Hotel erneut kräftig.
Wo liegt das Problem? Ist es nicht eine gute Sache, wenn sich engagierte Künstler im Kampf gegen den Hunger in der Welt einsetzen? Nicht in diesem Fall, denn diese «Neue Allianz für Ernährungssicherheit» verleitet die Staaten zur Unterzeichnung von Verträgen, die dem internationalen Agrobusiness im Endeffekt ermöglichen, sich afrikanisches Land anzueignen, die dort lebenden Bauernfamilien zu vertreiben, ihr Saatgut zu patentieren und sich eigentliche Monopole auf den Lebensmittelmärkten zu sichern.
«Ohne Gehör für die Bevölkerung haben bereits sechs afrikanische Regierungen Verträge mit Konzernen wie Monsanto, Cargill, Dupont, Syngenta, Nestlé und Unilever unterschrieben – im Austausch gegen Hilfsversprechen Grossbritanniens und anderer G8-Länder», schreibt George Monbiot in seinem Artikel. Zahlreiche Aktivisten in Afrika und in Europa prangern die Praktiken dieser «neuen Allianz» an. Diese wird von der Kampagne ONE, zu deren Mitbegründern Bono gehört, verteidigt und unterstützt.
Die Überraschung darüber ist weniger gross, wenn man weiss, dass die ONE-Kampagne zu einem grossen Teil von der Bill und Melinda Gates-Stiftung finanziert wird. Diese arbeitet eng mit Monsanto zusammen, um die Biotechnologien zu fördern. Und wenn man daran denkt, dass die Gates-Stiftung auch die AGRA unterstützt, die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika, die dem Agrobusiness und gentechnisch veränderten Pflanzen auf dem Kontinent Tür und Tor öffnet, so sieht man, dass sich der Kreis schliesst.
U2-Frontman Bono ist übrigens regelmässig zu sehen, wie er im Namen der «Armen» in Afrika am G8-Gipfel, am Weltwirtschaftsforum in Davos oder an der Seite von Barack Obama, Bill Gates, Kofi Annan, Nicolas Sarkozy etc. auftritt. So werden heute an zahlreichen internationalen Treffen keine Vertreter Afrikas mehr eingeladen, da Bono in ihrem Namen spricht... Für den Guardian-Journalisten ist Bono «ein Mann, der sich, ohne irgendein Mandat bekommen zu haben, selbst zum Sprecher Afrikas erklärt hat und den westlichen Verantwortlichen als ‹humanitärer› Deckmantel dient».
Man könnte sich sagen, dass Bono wenigstens versucht, die Leute zum Umdenken zu bewegen und an ihrem Bewusstsein zu rütteln. Sicher. Aber wenn er sich offen für eine Initiative einsetzt, die zu einer neuen Landgrabbing-Welle in Afrika führen wird, verliert er jegliche Legitimität und wird zum grossen Heuchler.
Von Catherine Morand, SWISSAID
Im Bild: Bono bringt sich am WEF in Pose. Neben ihm, v.l.n.r.: Bill Clinton, Bill Gates, Thabo Mbeki, Tony Blair, Olusegun Obasanjo - World Economic Forum Annual Meeting Davos 2005
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