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In den USA verzichten von Autoherstellern bis hin zu Hoteliers immer mehr Unternehmen auf Absatzvolumen zugunsten von höheren Preisen. Manchmal tun sie dies absichtlich, manchmal bleibt ihnen gar keine Wahl. Diese Dynamik macht es der Federal Reserve schwerer, die Inflation zu bekämpfen, und sie könnte sich auch für andere Zentralbanken als Problem erweisen.
Geht man nach den Aussagen in den gerade veröffentlichten Quartalsberichten, werden die Unternehmen erstmal nicht wohl nicht vom Prinzip "Preis vor Menge" abgehen. Das war in bestimmten Industriezweigen bereits auf dem Höhepunkt der Pandemie die Strategie der Wahl, als sowohl Zulieferungen als auch Arbeitskräfte schwer zu bekommen waren.
Beispiel Ford: Der Autobauer bleibt bei robusten Verkaufspreisen, auch wenn dann weniger Autos vom Band laufen. Beispiel Marriott: Der Hotelbetreiber erhöht die Zimmerpreise, insbesondere für Firmenkunden. Beispiel Southwest Airlines: Die Fluglinie erzielt angesichts knapper Flugkapazitäten Rekordumsätze und hält die Preise hoch. Da die Haupturlaubszeit naht, ist nicht zu erwarten, dass die Preismacht schwindet.
Inflation könnte hartnäckiger als erwartet sein
"Die Inflation wird sich für die US-Notenbank im Laufe des Sommers als weitaus hartnäckiger, ausgeprägter und problematischer erweisen als erwartet", meint der Volkswirt Samuel Rines, Managing Director bei Corbu.
Im US-Automobilsektor sind die Neuwagenpreise nicht mehr weit von ihren Rekordwerten entfernt. Die durchschnittliche monatliche Rate lag im März bei 754 Dollar und entspricht damit fast einem Sechstel des durchschnittlichen Nettoeinkommens der US-Haushalte. Der Schub für die Preise wird sich wahrscheinlich noch verschärfen, da die Automobilhersteller ihre Flotten auf teurere Elektromodelle umstellen wollen.
Schon in der Corona-Pandemie erkannten Ford und seine Konkurrenten, dass die gravierenden Chip-Engpässe auch zur Folge hatten, dass man mit weniger produzierten Autos mehr Gewinn machen konnte.
Auch bei den Fluggesellschaften wird der Absatz limitiert
Bei den Fluggesellschaften ist es der Mangel an ausgebildeten Piloten und der Lieferstau bei neuen Flugzeugen und Ersatzteilen, der den Absatz behindert. Southwest hätte im März bis zu 8 Prozent mehr Flugkapazität anbieten können, wenn sie genügend Personal gehabt hätte.
Die Kapazitätsengpässe in Verbindung mit der starken Nachfrage ermöglichen es der Branche, hohe Preise zu verlangen, insbesondere für Transatlantikflüge. Die Preise für einen Hin- und Rückflug nach Europa liegen im Durchschnitt bei 1032 Dollar. Damit sind sie 35 Prozent teurer als im letzten Jahr und 24 Prozent teurer als vor der Pandemie, wie Daten der Reisesuchmaschine Hopper Inc. zeigen. Die Zahlen legen nahe, dass die internationalen Flugpreise in diesem Sommer den höchsten Stand seit fünf Jahren erreichen.
Die Hotelbranche hat Personal verloren während Corona
Auch die Hotelbranche hat sich an das aktuelle Konsumumfeld angepasst. Nach Angaben des Marktbeobachters STR stiegen die US-Übernachtungspreise im ersten Quartal um mehr als 10 Prozent, während die Belegung nur um rund 6 Prozent anzog.
Ein Grund dafür ist der veränderte Nachfragemix: Freizeitreisende sind schneller als Kunden zurückgekehrt als Geschäftsreisende, was die Nachfrage auf die Wochenenden konzentriert. Die Eigentümer haben sich indessen daran gewöhnt, Hotels mit geringerer Auslastung aber auch niedrigeren Reinigungskosten zu betreiben.
"Durch die Pandemie hat die Branche viel Personal verloren, aber auch viel Preissetzungsmacht gewonnen", sagt Jan Freitag, Direktor des Analysebereich Hotels bei CoStar.
Auch Produzenten von Konsumgütern präferieren Marge vor Umsatz
Auch die Produzenten von Konsum-Massengütern setzten auf Marge vor Umsatz: Die Kimberly-Clark Corp. aus dem texanischen Dallas, die Kleenex-Tücher und Toilettenpapier herstellt, hat im letzten Quartal die Preise in allen Kategorien um 10 Prozent erhöht. Der Absatz ging angesichts dessen zwar um 5 Prozent zurück. Die Bruttomarge allerdings stieg auf 33 Prozent von etwa 30 Prozent vor einem Jahr.
"Wenn der Preis für Klopapier steigt, geht man deshalb im allgemeinen nicht weniger oft auf die Toilette, oder?" sagte Konzernchef Michael Hsu auf der Bilanzpressekonferenz im vergangenen Monat.
Rines konstatiert bei Anlegern die Erwartungshaltung, dass die Unternehmen ihre Rentabilität mit Preiserhöhungen stützen. "Unternehmen tun das überall, das ist klar zu sehen", sagt er. "Und wenn Firmen es nicht tun können, werden sie unter Druck gesetzt." Auf der anderen Seite besteht das Risiko, von Verbrauchern oder Politik deshalb attackiert zu werden.
Diana Gomes von Bloomberg Intelligence sieht die Bruttomarge der von ihr beobachteten Konsumgüterunternehmen noch immer unter dem Niveau von 2019. Dies lege nahe, dass die Preiserhöhungen bislang lediglich die Anstiege bei Rohstoff- und Lieferkettenkosten ausglichen.
Mit Blick auf den Kampf gegen die Inflation dürften Preise für Reisen und Hotelübernachtungen für die Fed das grösste Problem darstellen.
(Bloomberg)
3 Kommentare
"Ich kenne nichts Unbarmherzigeres auf der Erde als sieben Prozent Zinsen."
Josh Billings (1818 - 1885), eigentlich Henry Wheeler Shaw, US-amerikanischer Humorist
"Gewinn ist so notwendig wie die Luft zum Atmen, aber es wäre schlimm, wenn wir nur wirtschaften würden, um Gewinn zu machen, wie es schlimm wäre, wenn wir nur leben würden, um zu atmen."
Dr. Hermann Josef Abs
Bankier, 1957 - 1967 Vorstandsvorsitzender der "Deutschen Bank", zählte in den Nachkriegsjahren zu den engsten Beratern von Bundeskanzler Konrad Adenauer (Deutschland, 1901 - 1994).
Dr. Hermann Josef Abs · Geburtsdatum · Sterbedatum
Dr. Hermann Josef Abs wäre heute 121 Jahre, 6 Monate, 28 Tage oder 44.405 Tage alt.
Geboren am 15.10.1901 in Bonn
Gestorben am 05.02.1994 in Bad Soden am Taunus
Sternzeichen: ♎ Waage
Uns wenn die Löhne auch steigen wo liegt dann das Problem?
Es ist gut, wenn wieder Vernunft einkehrt und nicht immer mehr, und Kapital intensiv nach mehr Volumen zu tiefen Preisen, produziert wird.
Letzteres geht primär zu Lasten von Arbeitnehmer und Arbeitsplätzen, ohne dass die Fat Cats schlanker werden.