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So weit so gut. Um nun die guten Kontakte weiter zu pflegen und zu vertiefen, traf sich dieser Herr Brandt regelmässig mit Mitarbeitern des Kriegsministeriums zum Mittagessen. Bei diesen Treffen erhielt er jeweils vertrauliche Informationen zum Beispiel über Offerten und Konstruktionen von Konkurrenten sowie über Entscheidungskriterien bei Auftragsvergaben.
Brandt verfasste darüber Berichte, die intern den Namen «Kornwalzer» bekamen. Er sandte die Berichte ohne Unterschrift, als «geheim» deklariert und gut getarnt nach Essen an den Hauptsitz. Als Gegenleistung für die Informationen gaben sich die Militärbeamten mit besagter Mahlzeit oder auch mal ein paar Theaterkarten zufrieden. Da und dort flossen zehn oder zwanzig Mark in bar.
Es war wohl ein Mitarbeiter von Krupp, dem gekündigt worden war, der einige dieser Dokumente an sich nahm und Karl Liebknecht anvertraute. Dieser übergab die Dokumente dem Kriegsminister, der sogleich eine Untersuchung einleitete und auch in der Krupp’schen Konzernzentrale eine Durchsuchung vornahm.
Heute vor 106 Jahren machte Karl Liebknecht die Angelegenheit, die bis dahin noch unter dem Deckel gehalten worden war, im Reichstag bekannt. Die Reaktionen in der Presse waren allerdings nicht so, dass sie das Vorgehen einhellig verurteilten. Es gab auch Stimmen, die sich ärgerten, dass so etwas als Skandal publik gemacht wurde, und die «B.Z. am Mittag» empörte sich vor allem darüber, dass sich die Beamten quasi zum Nulltarif zum Geheimnisverrat hatten hinreissen lassen: Also wenn schon Geheimnisverrat, dann wenigstens zu einem stattlichen Entgelt!
Es kam zwar zu einzelnen milden Verurteilungen, aber die Sache wurde schnell wieder vergessen. Man brauchte Krupp als Waffenlieferant während des Ersten Weltkriegs.