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HIV/AIDS: Millionen von Menschen ohne Behandlung
Wegen Spendenmangels hat der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria die Finanzierung von Programmen eingestellt, die diese Krankheiten bekämpfen. Diese Entscheidung wirkt sich bereits auf die Gesundheit und das Leben von Millionen von Menschen aus, hauptsächlich im südlichen Afrika. Heute, am Welt-Aids-Tag, fordert uns Frédéric Baele, Delegierter von Terre des hommes in Mosambik, dazu auf, uns in die Lage der Mosambikaner zu versetzen.
Zwei Millionen vom Virus infizierte Menschen in Mosambik
«In seinem autobiografischen Buch schrieb der frühere Reuters-Journalist Aidan Hartley, dass es, um Schlagzeilen zu machen, in Europa eines Toten bedürfe, in Asien 50 und in Afrika deren 50’000 (The Zanzibar Chest).
Am schlimmsten grassiert die HIV/Aids-Pandemie im südlichen Afrika. Mosambik nimmt auf der Liste der am meisten betroffenen Länder immer noch einen der vordersten Ränge ein. 2010 schätzte das Institut für Öffentliche Gesundheit in Belgien, dass es jeden Tag drei neue Ansteckungen gegeben hatte (1196 neue Fälle im Jahr). Dies war ein Rekord und machte Schlagzeilen – die Zeitungen freute es.
In Europa soll es insgesamt 800’000 infizierte Menschen geben (22’000 davon in der Schweiz). Allein in Mosambik leben fast zwei Millionen mit dem Virus. In einem Jahrzehnt sollen eine Million Mosambikaner an den Folgen dieser Krankheit gestorben sein – jedes Jahr 140’000 bis 170’000 Menschen (MONASO, Analise da situaçao do HIV e Sida e do acesso ao TARV em Moçambique, 2008).
In der Provinz Sofala, wo Terre des hommes tätig ist, gehen die optimistischsten Schätzungen davon aus, dass 20 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv oder an Aids erkrankt sind. Den pessimistischsten Zahlen zufolge sollen über 30 Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung mit dem Virus infiziert sein (diese Schätzungen basieren auf Zahlen der Blutbank und von Vorsorgeuntersuchungen, bei denen 70 von 240 Tests positiv ausfallen). Jeden Tag soll es zu über 500 Neuansteckungen kommen.
In der Schweiz haben alle HIV/Aids-Kranken Zugang zu einer antiretroviralen Therapie. In Mosambik schätzt das Gesundheitsministerium, dass 300’000 Menschen antiretrovirale Medikamente bräuchten. Heute bekommen diese aber weniger als 90’000 Personen. Vor fünf Jahren waren es erst 19’000. Die 90’000 Menschen, die heute behandelt werden können, erhalten die antiretroviralen Medikamente dank dem Globalen Fonds.
Diese Zahlen sind obszön.
Wenn es in der Schweiz wie in Mosambik wird?
Hätten wir in der Schweiz die gleiche Situation, wäre jeder Vierte in unserem Arbeitsumfeld mit HIV/Aids infiziert. Jedes Jahr müssten wir mindestens drei Freunde, Kollegen oder Familienangehörige beerdigen, die an dieser Krankheit gestorben sind. In jeder Gemeinde hätte nur eine Person Zugang zu einer Behandlung.
Im südlichen Afrika sind in einigen Ländern (Simbabwe, Lesotho) antiretrovirale Medikamente und Aids-Tests bereits nicht mehr verfügbar. In Mosambik stellen wir fest, dass Tests und Medikamente gegen HIV/Aids und Malaria immer schwieriger erhältlich sind, vor allem in ländlichen Gebieten. Schuld daran ist nicht allein das Ausbleiben der Finanzierungen durch den Globalen Fonds, doch wird dessen aktuelle Lage noch alles verschlimmern.
Die Annullierung der 11. Verhandlungsrunde bedeutet, dass das Land über immer weniger Ressourcen für die Behandlung und Vorbeugung gegen HIV/Aids verfügen wird. Die humanitären Folgen sind heimtückisch und, obwohl weniger gut sichtbar als bei anderen Katastrophen, ebenso weitereichend. Es ist schwierig, mit einer kranken Bevölkerung, deren Lebenserwartung nur fast halb so gross ist wie die einer Schweizerin, ein Land aufzubauen. 600’000 bis 1’000’000 Kinder haben wegen der Krankheit ihre Eltern verloren, im Bildungssektor können nicht genügend Lehrpersonen ausgebildet werden, um diejenigen zu ersetzen, die sterben. Zehn Prozent des Gesundheits- personals ist selbst krank …
Aidan Hartley war mit seiner letzten Zahl, den für eine Schlagzeile 50’000 notwendigen Toten in Afrika, zu optimistisch. Die allgemein anerkannten Katastrophen in Kenia, Somalia und Sudan lassen die Zahl auf fast eine Million Menschen anwachsen, die notwendig sind, um Medien und Öffentlichkeit zu bewegen. Zudem müssen sie aber noch schnell und möglichst alle auf einmal sterben.»
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