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Bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien hat der konservative Kandidat Aécio Neves (PSDB) überraschend deutlich die Stichwahl gegen Amtsinhaberin Dilma Rousseff (PT) erreicht. Mit 33,57 Prozent der Stimmen verwies er die Sozialistin Marina Silva (PSB), die auf 21,31 Porzent kam, mit über 12 Prozent Vorsprung auf den dritten Platz. Die ehemalige Umweltministerin im Kabinett Lula hatte vor gut zwei Wochen gemäß den Meinungsumfragen noch rund 10 Prozent vor dem Ex-Gouverneur des Bundesstaates Minas Gerais gelegen. Dieser könnte nun theoretisch mit den Stimmen der Anhängerschaft Silvas die Stichwahl für sich entscheiden. Wie vor vier Jahren verpasste Rousseff deutlich die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang. Sie erzielte lediglich 41,58 Prozent und büßte gegenüber 2010 damit zudem über 5 Prozent ein.
Die Opposition geht damit deutlich gestärkt in die zweite Runde. Knapp 143 Millionen Brasilianer waren am Sonntag (5.) aufgerufen, neben dem Staatsoberhaupt auch Abgeordnete, Senatoren,. Gouverneure und Mitglieder der Regionalparlamente zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag trotz allgemeiner Wahlpflicht nur bei 80,61 Prozent. Der Urnengang wurde wie in der Vergangenheit von zahlreichen Unregelmäßigkeiten begleitet. Wegen Verstößen gegen die Wahlgesetze wurden nach Behördenangaben über 1.200 Personen verhaftet, darunter auch knapp 100 Kandidaten. Ihnen wird hauptsächlich Stimmenkauf und verbotene Wahlwerbung vor den Wahllokalen vorgeworfen.
Die Amtsinhaberin bedankte sich in einer ersten Stellungsnahme beim brasilianischen Volk für die Stimmenmehrheit im ersten Durchgang. Sie wolle den Kampf für ein immer besseres Brasilien fortsetzen und werde den zweiten Wahlgang gewinnen, da dies ein Kampf für die Mehrheit der Menschen im Land sei. Ihr Gegenkandidat Aécio Neves fühlte sich vom Einzug in die zweite Runde „geehrt“ und baut nun auf die Unterstützung des Lagers von Marina Silva. Diese wollte am Wahlabend keinerlei konkreten Zusagen machen. Sie bestätigte jedoch, dass ihre Koalition keineswegs mit der Regierungsarbeit Rousseffs zufrieden sei. Silva war bereits 2010 in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen gescheitert, damals hatte sie für die Grüne Partei 19,3 Prozent geholt.