Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03547.jsonl.gz/512

Wieder schlechte Zahlen für den Dübendorfer Softwarehersteller. Restrukturierungen und Ruedi Noser als VR-Präsident sollen das Unternehmen wieder auf Kurs bringen.
Esmertec, der Hersteller von Java-Software für Handys und Multimedia-Geräte, präsentierte heute erneut ein äusserst negatives Geschäftsergebnis. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2006 betrug 9,6 Millionen US-Dollar nach 20,1 Millionen Dollar im ersten Semester des Vorjahres. Der Umsatz mit Softwarelizenzen betrug 4,1 Millionen Dollar (15 Millionen im Vorjahr), derjenige mit Services 5,2 Millionen Dollar (5,1 Millionen im Vorjahr). Der Rest geht unter "other revenue".
Der Umsatzrückgang betrug demnach 52 Prozent. Vergleicht man nur das Segment "Mobile & Multimedia Devices" (6,3 Millionen Dollar) mit den letztjährigen Zahlen, beträgt die Umsatzminderung sogar 69 Prozent. Im neu gegründeten Bereich "Mobile Operator" betrug der Umsatz 3,3 Millionen Dollar, teilte das börsenkotierte Unternehmen mit Hauptsitz in Dübendorf weiter mit.
Esmertec hatte bereits Ende Mai unter anderem mitgeteilt
, dass der Umsatz unter 10 Millionen Dollar betragen wird. Man ging auch von einem höheren Verlust aus. Das Nettoergebnis sieht nun entsprechend mies aus: Esmertec schrieb 34,2 Millionen Dollar Verlust nach einem Minus von 1,9 Millionen Dollar im vergleichbaren Zeitabschnitt vor einem Jahr. Der Betriebsverlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITA) betrug gar 14,9 Millionen Dollar nach einem positiven EBITA von 1,3 Millionen Dollar im Vorjahr.
Noser und Restrukturierungen
Um Esmertec wieder auf Kurs zu bringen, soll nun der Zürcher FDP-Nationalrat und Leiter der Noser Group, Ruedi Noser (Bild), zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt werden, nachdem der bisherige VR-Präsident und CEO Alain Blancquart im Mai zurückgetreten ist. Neuer CEO ist seit Juli
Jean-Claude Martinez. Der Telekom-Spezialist Noser soll voraussichtlich an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 23. November zum VR-Präsidenten gewählt werden.
Esmertec hat im ersten Semester 2006 1,7 Millionen Dollar für Restrukturierungen ausgegeben. Es ist geplant, dass ab dem vierten Quartal 2006 2 Millionen Dollar pro Quartal gespart werden. Vor allem im Bereich Services sollen Kosten gesenkt werden, denn im Gegensatz zu den verkauften Lizenzen macht Esmertec mit Dienstleistungen Verlust. Die Bruttomarge bei den Softwarelizenzen betrug 89,2 Prozent. Esmertec verlor 2,3 Millionen Dollar im Bereich Services und verdiente gleich viel im Bereich "Mobile & Multimedia Devices". Als Kostensenkungsmassnahme wurde bereits das Forschungszentrum in Dänemark geschlossen. Der Fokus liegt nun noch stärker auf China. Die Aktivitäten in Japan wurden zurückgefahren, dort arbeiten neu 15 Angestellte. Per 30. Juni reduzierte Esmertec die Belegschaft um 10 Prozent (40 Stellen) auf 380 Angestellte. Zudem wurden einige Management-Positionen gestrichen
.
Neue Sparte
Esmertec erwartet, dass das Service-Business in beiden Geschäftsbereichen in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres profitabel wird. Der Gesamtumsatz des Unternehmens in der zweiten Jahreshälfte soll "signifikant höher" sein als derjenige in der ersten Hälfte. Genaue Zahlen nannte Esmertec nicht. Esmertec spricht zwar von einem Turnaround Ende Jahr, damit ist aber nicht gemeint, dass in wenigen Monaten bereits ein Nettogewinn ausgewiesen werden soll. Gemäss CFO Deborah Choate soll das Unternehmen bis Ende Jahr "on track", also auf Kurs gebracht werden.
Esmertec zählt zwar 60 Kunden im Bereich von Handy- und Multimedia-Software (darunter fünf der sechs grössten Handy-Hersteller). Ein besonderes Augenmerk sollte man aber auf den neu geschaffenen Bereich "Mobile Operator" werfen. Die Bruttomarge betrug in dieser Sparte 63,6 Prozent. In diesem durch die Übernahme des französischen Telekom-Unternehmens Cellicium (für 23 Millionen Euro) geschaffenen Segment zählt Esmertec bereits 15 Kunden (unter anderen auch Orange). Im ersten Halbjahr 2006 kamen fünf neue Kunden hinzu. Die Esmertec-Lösungen sollen Telcos helfen, Kosten zu sparen und Umsätze zu steigern. Lösungen, die Esmertec selber auch gut brauchen könnte. (Maurizio Minetti)