Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03463.jsonl.gz/635

Fredi Etter ist Jahrgang 1953 und gelernter Konstruktionsschlosser. Er arbeitete bis vor kurzem bei der Firma Thalmann Maschinenbau AG in Frauenfeld. Er ist bekannt geworden mit seiner Eigenentwicklung Etter Tron (001). Er hat das Fahrzeug in 3 1/2 Jahren nach Design und Plan von Hansjörg Seifert in seiner Freizeit gebaut. Nach einem Modell 1:10 wurde ein Urmodell gebaut, ein Prototyp auf einem Metallchassis mit einer Holz-Karosserie. Dieses Modell wurde mit einer Negativform aus Polyester überzogen, woraus schliesslich die definitive schöne Form entstanden ist. Es ist mit Ni/Ca-Batterien und einer Brusa-Steuerung ausgerüstet. Ein Elektromotor mit Getriebe und Differential treibt die Hinterachse an.
Das Fahrzeug ist mit gepolsterten Sitzen ausgerüstet und 1990 erstmals bei der Tour de Sol gestartet. Es wurde in der Kategorie Prototypen als bester Newcomer ausgezeichnet. Das Fahrzeug ist heute noch gut erhalten und wird vom Ehepaar Etter täglich für kleinere Fahrten benutzt.
Interview mit Fredi Etter
Was war der Auslöser, dass Sie sich mit Elektromobilen befassten? Und wie ging das dann los?
Ich besuchte mit meiner Familie 1985 in Frauenfeld die Durchfahrt der ersten Tour de-Sol und war von den bunten Konstruktionen begeistert. So etwas wollte ich auch bauen, allerdings wenn möglich schöner und praktischer. So baute ich zuerst ein Chassis aus Metall, das dann die Sicherheitstests für die Strassenzulassung bestehen musste. Darauf habe ich in aufwändiger Arbeit eine Holzkarosserie gebaut, mit Polyester eine Negativform gemacht und schliesslich eine Kunststoffform gegossen. Die zeitlose Form und die Farbgebung durch meinen Freund Hansjörg Seifert sorgen heute noch für Begeisterung.
Ich habe übrigens schon als Lehrling im Jahre 1973 bei Thalmann Maschinenbau AG in Frauenfeld mein erstes Auto konstruiert. Das war natürlich noch ein Verbrenner und es hiess SMC.
Wie haben Sie das Elektro-Fahrzeug erstmals eingesetzt?
Ich nahm im Jahre 1990 erstmals an der Tour de-Sol teil. Dabei hatte ich Glück und Pech zugleich. Pech war, dass am Freitag vor dem Rennen das Strassenverkehrsamt wegen eines Ausflugs geschlossen war und ich erst am Morgen des Rennens ohne irgend eine Probefahrt an den Start gehen musste. Grosses Glück war dann aber, dass das Auto sofort bestens funktioniert hat und ich das Rennen ohne Probleme bestreiten konnte. Ich bin dann auch wegen des schönen Designs als bester Newcomer in der Kategorie Prototypen ausgezeichnet worden.
Anschliessend nahm ich im Winter an Rennen in Arosa auf Schnee teil und beteiligte mich auch an Veranstaltungen im Ausland. Ich habe dann noch drei mal bis Ende der Tour de-Sol im Jahre 1993 teilgenommen. Dann später allerdings mit einem besseren Getriebe, einem neuen Motor (Thien) und mit einer Leistung von 21 kW und einer besseren Brusa-Steuerung.
Wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht Ihr Projekt?
Ich versuchte in längeren Gesprächen mit Investoren in die Serienproduktion zu gehen. Es zeigte sich aber, dass das ein so grosses Projekt hätte werden müssen, dass es unsere Kapazität bei weitem überstiegen hätte. Wir haben deshalb nur noch einen zweiten Etter Tron fabriziert; dabei ist es bis heute geblieben.
Wie beurteilen Sie die heute marktgängigen Elektromobile? Genügen sie den Anforderungen?
Sie sind absolut ausgereift. Die Batterien werden immer leistungsfähiger und schneller ladbar. Zudem gibt es immer mehr Ladestationen, was den Einsatz von Elektromobilen erleichtert.
Was für ein Elektromobil fahren Sie heute? Welches Auto würden Sie gerne fahren, wenn der Preis etc. keine Rolle spielen würde?
Eigentlich fahre ich nach 27 Jahren immer noch gerne mit meinem Etter Tron. Sonst würde ich wohl am ehesten den Tesla S fahren, ein sehr gutes Auto.
Wie sehen Sie die Zukunft des Elektromobils? Chancen und Risiken?
Nötig ist zweifellos eine schöne Form, Zuverlässigkeit, eine tieferer Preis als heute. Ich stelle allerdings fest, dass es immer noch Bremser in der Szene gibt, die ich nicht recht identifizieren kann. Sind es die Erdölfirmen, die Automobilhersteller? Jedenfalls müssen die Autokäufer umdenken. Sie müssen sich mit den Umweltrisiken auseinandersetzen und ihre Autobenutzung überdenken. Die meisten Leute fahren ja Kurzstrecken und könnten ohne weiteres umsteigen.
Was erhoffen Sie sich von der Politik zu diesem Thema?
Ich erwarte eigentlich eine kantonale Unterstützung für die Elektromobile, zumindest primär eine Steuerbefreiung. Wichtig wären auch weiterhin Beiträge an die Entwicklung und Forschung.
Was erwarten Sie vom ECS?
Ich plädiere für eine Orientierung für Interessenten von Elektromobilen, eine Marktübersicht, Verzeichnis von Ladestationen und die Möglichkeit von Erfahrungsaustausch. Man könnte sich auch einen Stammtisch für Mitglieder vorstellen.