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übrigen Thalschaften des Ober Wallis eingewanderten Pächter verstanden haben, sich selbst zu Eigentümern des Bodens emporzuschwingen. Die heute verbreitetste Weinsorte der Sittener Rebberge ist der Fendant, dem sich Rhein-, Burgunder- und Dôlereben anschliessen. Alle diese Sorten sind in den verjüngten oder neu angelegten Rebbergen an die Stelle der alten Walliser Sorten (wie Amigne, Arvigne, Humagne und Muscat) getreten. Einzig der Muscat (Muskateller) wird noch von den Bauern gepflanzt, die ihn seines geringen Handelswertes wegen für ihren eigenen Bedarf zu verwenden pflegen. 1881 umfassten die Rebberge von Sitten eine Fläche von 297,81 ha. In einer auf guten Quellen fussenden Studie im Journal de Genève von 1900 schätzt Oskar Perrolaz den jährlichen Ertrag dieser Weinberge auf 27000 hl im Werte von 1200000 Fr. Der Katasterwert betrug damals 4325854 Fr. Heute umfasst die mit der Rebe bepflanzte Fläche einen etwas grössern Raum, der von der neuesten Statistik vom Jahr 1894 für den rechtsufrigen Teil auf 300 ha und für den Abschnitt links der Rhone auf 16,73 ha angegeben wird.
Bevölkerungsverhältnisse.
Der Geschichtsforscher Gremaud berichtet, dass Sitten im Jahr 1323 480 Herdstätten und darnach etwa 2160 Einwohner gezählt habe. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschien diese Zahl kaum um 200 Ew. grösser. Eine merkbare Zunahme brachte erst der Bau der Eisenbahn im Rhonethal. Folgendes sind die Ergebnisse der hauptsächlichsten Zählungen im 19. Jahrhundert für die Stadt Sitten:
|Jahr||1816||1850||1860||1870||1880||1888||1900|
|Ew.||2350||2926||4203||4895||4871||5513||6048.|
Die Einzelergebnisse der Zählung von 1900 für die Gemeinde Sitten sind folgende: 1171 Haushaltungen in 487 Häusern;
ortsanwesende Bevölkerung 6095 Wohnbevölkerung 6048, davon vorübergehend abwesend 55;
2964 Ew. männlichen und 3084 weiblichen Geschlechts;
1151 Bürger der Wohngemeinde, 3432 Bürger andrer Gemeinden des Wohnkantons, 714 Bürger andrer Kantone und 751 Ausländer;
5719 Katholiken, 316 Reformierte, 9 Israeliten und 4 Andre: 1481 Ew. deutscher, 4446 französischer, 120 italienischer und 1 andrer Sprache;
Geburtsort in der Wohngemeinde 2999, in andern Gemeinden des Wohnkantons 2132, in andern Kantonen 396 und im Ausland 521 Ew. Die Katholiken bilden eine einzige Kirchgemeinde, deren Pfarrer unter vier vom Domkapitel vorgeschlagenen Kandidaten vom Burgerrat gewählt und damit ebenfalls Domherr wird.
Sein erster Vikar ist mit den pfarramtlichen Funktionen ausserhalb der eigentlichen Stadt betraut und trägt den Titel eines «curé hors les murs». Seit etwa 35 Jahren besteht in Sitten auch eine französische reformierte Pfarrei.
Gesundheitliche Verhältnisse und Wasserversorgung.
Die bis nahezu um die Mitte des 19. Jahrhunderts in ihren Mauern und Gräben eingeengte Stadt Sitten hat ihre sanitarischen Verhältnisse nur langsam sich entwickeln gesehen. Ueberreste der ehemaligen Stadtmauern hatten im Innern der neuen Stadt sogar noch bis 1904 sich zu erhalten gewusst. Die Frage der Zuführung von Trinkwasser ist erst 1901 vollkommen gelöst worden. Vor 1895 bezog die Stadt das nötige Wasser aus den für die Befruchtung der umliegenden Rebberge erstellten Bewässerungskanälen (bisses). Im genannten Jahre übernahm dann die Unternehmerfirma Dumont, die nahe der Mündung der Borgne ein Elektrizitätswerk einrichtete, die Versorgung der Stadt mit dem Wasser des genannten Wildbaches.
Diese Uebereinkunft stand aber nur wenige Jahre in Kraft, indem die städtischen Behörden von 1901 an die Ausführung eines neuen Projektes selbst an Hand nahmen: Es handelte sich dabei um die Zuführung der Wasser der im Thal der Sionne in 1200 m Höhe sprudelnden Quellen der Fille und der Fillette, welche Lösung der Frage der Stadt, selbst bei beträchtlicher Zunahme der Bevölkerung, auf lange Zeit hinaus Trinkwasser in reichlicher Fülle sichert. Während dieses neue Werk anfänglich während der Sommermonate täglich 400 Liter Wasser pro Kopf der Bevölkerung zu liefern vermochte, können heute durch eine aus Sandsteinröhren bestehende Leitung bis zu 2000 Minutenliter Wasser in das im Felsen von Tourbillon in 600 m Höhe angelegte Reservoir geschafft werden.
Diesem Wasser kann mit Bezug auf Frische und Reinheit nichts vorgeworfen werden. Auf die Wasserversorgung folgte eine rationelle Kanalisation. Weitere sanitarische Vorkehren, die gegenwärtig geplant sind, werden ohne Zweifel die alte, oft schlecht durchlüftete und trotz des warmen Klimas vielfach noch feuchte Wohnungen aufweisende Stadt binnen wenigen Jahren in einen gesunden, saubern und sowohl seiner hygienischen Verhältnisse wie des ansprechenden Volkscharakters wegen angenehmen und gemütlichen Wohnort umgestalten.
Jede Statistik der Nahrungsmittelproduktion scheitert an dem Umstand, dass Sitten infolge des agrikolen Charakters eines Grossteiles seiner Bevölkerung ebenso gut produziert wie konsumiert. Dem Schlachthaus werden jährlich 700 Stück Grossvieh, 2500 Kälber, 1000 Schafe und 300 Schweine zugeführt. Doch zeigen selbst diese Zahlen nicht den genauen Verbrauch an Fleisch an, weil noch zahlreiche Familien den alten Brauch des Schlächtens zu Hause beibehalten haben.
Die Miete von Wohnungen und Grundstücken läuft gewöhnlich vom Martinstag (11. November) an. In einem gut gehaltenen Hause der Altstadt kommt der Mietpreis einer Wohnung von 4 Zimmern mit aller Zubehör auf jährlich 400-450 Fr. zu stehen, während eine solche von 5 Zimmern in einer der mit Gas, Wasser und Elektrizität ausgestatteten Villen der neuen Quartiere für jährlich 600-700 Fr. Miete erhältlich ist. Ein gut gelegenes und komfortabel eingerichtetes möbliertes Zimmer mit zugehöriger Pension kann für monatlich 110-120 Fr. gefunden werden.
Oeffentliche Werke, Handel und Industrie.
Das 1901-1905 bestehende «Bureau des services industriels» ist jetzt im städtischen «Bureau technique» aufgegangen. Von öffentlichen Werken verwaltet die Stadt gegenwärtig einzig die Wasser- und Gasversorgung, denen sich in Bälde auch die von den Werken an der Liène und der Prinze zu liefernde Versorgung mit elektrischer Energie anschliessen wird. Dabei soll aber kein städtisches Monopol geschaffen werden, indem neben dem im Bau befindlichen städtischen Werk an der Liène auch das von der «Société d'électricité» in Aproz an der Prinze zu erstellende Werk zur Stromlieferung zugelassen sein wird. Seit 1903 besteht in Sitten eine öffentliche Badanstalt. Ferner finden sich hier: zwei Tabak- und Zigarrenfabriken, deren ältere aus der ehemaligen «Ferme des tabacs de ¶
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la République du Valais» hervorgegangen ist;
zwei Bierbrauereien, deren eine bei Brämis steht;
fünf Kreditinstitute, worunter die kantonale Hypothekarkasse;
fünf Gasthöfe und zahlreiche Gastwirtschaften.
Von den bedeutenden Jahrmärkten fallen fünf auf das Frühjahr und sechs auf den Herbst. Es werden dabei durchschnittlich etwa 1000 Stück Grossvieh, 500 Kälber, Schweine, Schafe etc., sowie etwa 50 Pferde und Maultiere aufgeführt. Jeden Samstag findet ein Wochenmarkt statt. Der Handel beschränkt sich auf die Ausfuhr einiger Landesprodukte, wie Holz, Felle, Nahrungsmittel etc. Die um 1850 eingeführte Uhrsteinschleiferei ist wieder in Abgang gekommen. Dagegen stehen die durch den Weinhandel geförderte Fassfabrikation und zwei erst in neuerer Zeit eingerichtete Möbelfabriken, die ihre Erzeugnisse auch nach auswärts versenden, in Blüte. An Bedeutung nimmt von Jahr zu Jahr der Versand der Produkte der Weinberge zu: frische Trauben, Weinmost (Sauser), feine Weine in Flaschen und Fässern. Sitten ist auch ein beliebter Traubenkurort. Kürzlich hat sich eine Gesellschaft zur Ausfuhr von Honig und feinem Tafelobst gebildet.
Wege und Mittel des Verkehrs.
Eine besondere Transportunternehmung besteht in Sitten nicht. Hauptverkehrswege sind die Simplonbahn, die Strasse des Rhonethals, die Strasse ins Eringerthal (mit Postwagenkurs Sitten-Vex, der im Sommer bis nach Evolena und Les Haudères geführt wird) und die Strasse nach Brämis (mit regelmässiger Postwagenverbindung durchs ganze Jahr). Dazu kommen die nicht fahrbaren Wege über den Sanetsch und den Rawil ins Berner Oberland. Die Station Sitten gibt monatlich etwa 5000 Personenbillets aus und steht damit bis jetzt je nach den einzelnen Jahren im zweiten oder dritten Rang (nach Saint Maurice und im gleichen Rang oder nach Martinach) der Walliser Eisenbahnstationen. 1901 war sie mit Bezug auf die Einnahmen nach Brig und Martinach die dritte, mit Bezug auf die Zahl der beförderten Reisenden die dritte und mit Bezug auf den Güterverkehr die fünfte der Walliser Bahnstationen.
Der Bahnhof Sitten spediert jährlich durchschnittlich 3 Millionen Liter Wein und zur Zeit der Weinlese 1200000-1700000 Liter Sauser, d. h. ebensoviel wie alle übrigen Walliser Bahnhöfe zusammen. Postbureau zweiter Klasse mit einem Postverwalter; Telegraph und Telephon. Für den Bau einer Eisenbahn von Sitten über Savièse und den Sanetschpass nach Saanen ist eine Konzession vorhanden. Diese Bahn soll 46,3 km lang sein, elektrisch betrieben werden, eine Spurweite von 1 m und eine Maximalsteigung von 8% haben. Sie würde durch die Rue du Grand Pont gehen und am Scheitel eine Höhe von 2215 m erreichen. Als Stationen sind auf Walliserseite vorgesehen: Sitten Bahnhof, Sitten Stadt, La Muraz, Saint Germain, Ormona, Granois, Sainte Marguerite, Prabé, Zanfleuron, Sanetsch.
Geistiges Leben; Erziehungs- und Unterrichtswesen.
Als politisches und religiöses Zentrum des Wallis besitzt Sitten die Mehrzahl der mittlern und höhere Unterrichtsanstalten. Eine Folge der Autonomie der ehemaligen Republik Wallis ist, dass heute noch in Sitten eine eigene Rechtsschule besteht, an der die Advokaten und Richter des Landes ihre juristische Bildung holen. Diese 1807 gestiftete Schule ging schon 1810 mit der Einverleibung des Wallis in das französische Kaiserreich ein, trat dann 1824 von neuem ins Leben und hat sich bis 1895 unter der ausdauernden Leitung von Dr. Cropt, der sich in dem genannten Jahr als über 90 jähriger Greis ins Privatleben zurückzog, regelmässig entwickelt.
Unter seinen Nachfolgern konnten aber die Kurse teils aus Mangel an Professoren, teils wegen ungenügender Schülerzahl nicht mehr regelmässig gehalten werden, sodass man sich jedes Jahr von neuem fragt, ob diese veraltete Institution noch aufrecht erhalten werden solle. Die Kantonsschule (Collège-Lycée) zählte im Schuljahr 1904/05 114 Schüler (mit Inbegriff der 38 Schüler der Gewerbeabteilung) und 18 Professoren, die in der Mehrzahl dem geistlichen Stande angehören.
Man geht mit dem Gedanken um, die gewerblich-technische Abteilung zu einer selbständigen Industrieschule auszubauen. Die dem Priesterstand sich zu widmen wünschenden Jünglinge besuchen das bischöfliche Priesterseminar. Ferner bestehen ein Lehrer- und ein Lehrerinnenseminar für den französisch sprechenden Kantonsteil. Mädchensekundarschule mit etwa 35 Zöglingen. Sieben französische und zwei deutsche Primarschulklassen für Knaben mit 204, bezw. 54 Schülern; sieben französische und zwei deutsche Primarschulklassen für Mädchen mit 278, bezw. 52 Schülerinnen. Ferner sind je eine reformierte Knaben- und Mädchenschule mit 23 Schülern und 29 Schülerinnen vorhanden. Mit Einschluss der Schulen einiger vor der Stadt gelegenen Ortschaften beläuft sich die Gesamtzahl der Primarschüler in den Gemeindeschulen auf 610 Knaben und 699 Mädchen. Der Unterricht liegt in den Händen von weltlichen ¶