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Die Interjurassische Versammlung will die Möglichkeiten einer Zusammenführung des Kantons Jura mit den zum Kanton Bern gehörenden Bezirken des Südjuras abklären.
In zwei Jahren soll das Ergebnis einer Studie vorliegen. Der neue Kanton würde ein Gebiet mit 120'000 Bewohnern umfassen.
In die Jurafrage kommt Bewegung: Die Interjurassische Versammlung (AIJ) hat am Montag die Studie für einen neuen, grösseren Kanton in Angriff genommen, der aus dem heutigen Kanton Jura und dem Berner Jura entstehen soll.
Gedacht ist die Studie als möglicherweise entscheidender Beitrag zur Lösung der Jurafrage. Die Zusammenführung des Kantons Jura mit dem bernischen Südjura ist nach Angaben der AIJ jedoch nur eine von mehreren Alternativen.
Die AIJ wird in einem Jahr auch eine Studie zur Tauglichkeit des Sonderstatuts für den Berner Jura unternehmen und darüber hinaus weitere Optionen untersuchen. Mit dem Sonderstatut regelt der mehrheitlich deutschsprachige Kanton Bern die Rechte der französischsprachigen Minderheit im Berner Jura.
Ist-Zustand erfassen
Die AIJ will mit der Studie ihre neutrale Haltung und ihre Unabhängigkeit bewahren, wie deren Präsident, der ehemalige Walliser Staatsrat Serge Sierro betonte.
Die Frist von zwei Jahren, die man gesetzt habe, sei kurz. Im August 2008 will die AIJ das Szenario, das sie für die Region als am besten geeignet erachtet, den Behörden der Kantone Bern und Jura unterbreiten.
Die beiden Kantonsregierungen und der Bund hatten der AIJ das Mandat für die Studie letztes Jahr übertragen. Die 24 Mitglieder der AIJ haben am Montag einstimmig ein Dokument über das weitere Vorgehen verabschiedet. Beginnen wollen sie mit einer Aufnahme des Ist-Zustandes im Kanton Jura und im Berner Jura.
Opposition auf Berner Seite
In einem zweiten Schritt wollen die Delegierten die aktuellen und künftigen Synergien des neuen Kantons aufzeigen. Dabei soll eine Liste mit den Vor- und Nachteilen bei der Beibehaltung des jetzigen Status beziehungsweise bei der Bildung eines neuen Kantons Jura erstellt werden.
Offen ist, wie viele Abgeordnete dem neuen Kanton in der Volkskammer (Nationalrat) des eidgenössischen Parlaments zugestanden würden. Die Studie muss sich auch mit der Frage beschäftigen, wo Verwaltung und Regierung des neuen Kantons ihren Sitz hätten.
Die politischen Parteien des Kantons Jura befürworten die Schaffung eines grösseren Kantons. Im Berner Jura sind die Regierungsparteien geschlossen dagegen. Einzig die separatistische "Parti socialiste autonome" befürwortet einen neuen, grösseren Kanton.
swissinfo und Agenturen
Jura: Chronologie
1815: Anlässlich des Wiener Kongresses wird der Jura dem Kanton Bern zugeteilt. Seit 1793 war dieser Teil des Fürst-Bistums Basel ein französisches Departement.
1950: Das Stimmvolk des Kantons Bern sagt Ja zu einer Verfassungsänderung. Französisch wird zweite Amtssprache, die jurassischen Bezirke erhalten zwei garantierte Sitze in der Kantonsregierung.
1974: Das jurassische Volk entscheidet sich für einen eigenen Kanton. Die drei südlichen und protestantischen Bezirke bleiben beim Kanton Bern, das Laufental wechselt zum Kanton Basel-Land.
1978: Das Schweizer Stimmvolk spricht sich für die Gründung eines neuen Kantons aus. Er besteht aus drei Bezirken und ist mehrheitlich katholisch.
1994: Die Gründung der Interjurassischen Versammlung soll einen Weg zur Zusammenarbeit zwischen dem Kanton Jura und dem Südjura ebnen.