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Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
Unsere Söhne schenkten Lily und mir Eintrittskarten für das obige Theaterstück in einem der ältesten Londoner Theater. Wir genossen das Spektakel am 1. Februar 2017, glänzend von Tim Key als Yvan, Paul Ritter als Marc und Rufus Sewell als Serge gespielt. Dieses Theaterstück wurde erstmals 1994 in der “Comédie des Champs-Élysées" in Paris uraufgeführt und von Yasmina Reza verfasst.
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Serge erschien mit einer riesigen weissen Leinwand, die er augenfällig auf einen Stuhl stellte, und verrückte sie mehrmals, um dem Kunstwerk die beste Wirkung zu sichern. Kurz später erschien sein Freund Marc und betrachtete die weisse Leinwand sichtlich konsterniert. "Das ist ein Meisterwerk", betonte Marc, "wenn man es richtig betrachtet". Ausserdem koste es £ 100.000. Der Betrachter des Kunstwerks verrenkte den Kopf und gestand zuletzt, dass er beim besten Willen das Werk nicht als Kunststück anerkennen könne.
Daraus entwickelte sich der erste Streit zwischen den Freunden, der an Lautstärke zunehmend gewann. Als Marc die weisse Leinwand kurzum als “shit” bezeichnete, hob Serge zornentbrannt die Leinwand vom Stuhl und verschwand damit hinter der Kulisse.
Yvan erschien auf der Bühne und wurde sofort in den Streit miteinbezogen. Die weisse Leinwand erschien wiederum im Raum. Es kam zur Schlägerei zwischen den drei Freunden. Yvan war der Leidtragende. Von einem Faustschlag getroffen rieb er seine Beule.
Das weisse Leintuch war kein Thema mehr, wie die Freundschaft auseinanderbrach. Stattdessen wurden lautstark persönliche Beleidigungen ausgetauscht, die sich grotesk zuspitzten. Zaghafte Versuche, einander zu beschwichtigen, schlugen fehl. Wie leicht alte Freundschaften in Brüche gehen …
Ich will hier den weiteren Verlauf dieser Komödie nicht verfolgen, der die Zuschauer in ihrer aufgewiegelten Schadenfreude belustigte. Die drei Schauspieler ernteten ihren wohlverdienten Applaus. Sie hatten allesamt ihre Stimmbänder arg überstrapaziert! Am 18. Februar findet die letzte Aufführung von Art im Old Vic statt.
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Wie leicht ein Streit zwischen Leuten ausbricht, ist offensichtlich vom Temperament befeuert. Auch ich bin temperamentvoll veranlagt, aber habe mein Temperament weitgehend gedrosselt, wenigstens in der Öffentlichkeit. Eheliche Zwiste flackern dann und wann auf, doch sind sie von kurzer Dauer. Leicht vergisst man ihre Ursachen.
Der Kunstgeschmack ist jedermann freigestellt und kein Streit wert. Gewiss nicht von einer weissen Fläche ausgelöst. Meine Augen erlabten sich an der kunstvoll gestalteten Kuppel des Old Vic.