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Corgi Charakter

Von B. M. Morgan, Elsdyle Corgis, England
Das Äussere des Corgis ist nicht besonders spektakulär. Er fällt weder durch besondere Merkmale auf, noch erfüllt er modische Ansprüche und bevor die Rasse allgemein bekannt wurde, war der Corgi in den Augen vieler Menschen einfach ein "kleiner brauner Hund". Der langsame und stete Anstieg seiner Beliebtheit kann nur einer Eigenschaft zugeschrieben werden: seine Eignung als Familienhund, die vor allem ein gutes Wesen und Gelehrigkeit voraussetzt. Intelligenz vereinfacht die Erziehung und was die Intelligenz betrifft, sind Corgis schwer zu schlagen. Tatsächlich ist es so, dass wer einmal einen Corgi besass, nur schwer eine andere Rasse findet, die sich mit ihm messen kann.
Diese aussergewöhnliche Intelligenz hat für unerfahrene Hundehalter und Anfänger aber auch gewisse Nachteile. Es ist nur natürlich, dass ein lebhafter Welpe versucht, seine Kräfte und seinen Willen gegenüber seinen Besitzern durchzusetzen und je intelligenter der Welpe ist, desto entschlossener wird er vorgehen. Ist er aber erst einmal erzogen, wird ein solcher Welpe ein wunderbarer Begleiter, der viel mehr wert ist (wenigstens für mich) als ein einfacher, unbeschwerter Hund, der nicht selber denken kann und nichts anderes verlangt, als seinen Besitzer anbeten zu dürfen.
Die Erziehung des Welpen beginnt bereits mit acht Wochen. In diesem Alter genügt normalerweise eine zornige Stimme, um ihn zurechtzuweisen und so lernt der Welpe Respekt. Der Corgi zieht einen Meister vor, den er respektieren kann, und er kann ein ausgesprochenes Scheusal sein, wenn er das Gefühl hat, er könne seinen Meister dominieren. Wenn sich jemand über das Benehmen seines Hundes beschwert, erweist es sich normalerweise, dass der Hund als Welpe nie diszipliniert wurde aus Angst, sein Selbstbewusstsein könnte gebrochen werden, und die kleinen Unarten, die so unterhaltsam waren, als er noch klein war, sind beim erwachsenen Hund lange nicht mehr so lustig. Der arme Kerl, der viel zu lange machen durfte, was er wollte, versteht jetzt nicht, warum er bestraft wird, und nimmt es - verständlicherweise - übel. Zu einer solchen Situation sollte es nie kommen.
Als ich zum ersten Mal einen Obedience-Kurs besuchte, fragte mich ein Hundebesitzer: "Finden Sie nicht, dass diese Kurse eine wunderbare Hilfe sind?" Nun, ehrlich gesagt, das fand ich nicht. Es machte Spass, aber jeder der während Jahren eine Anzahl Hunde gehalten hat, strahlt entweder eine Autorität aus, welche Hunde schnell erkennen, oder er wird von vielen unerzogenen Hunden überwältigt. Bei mir können drei Zuchtrüden und acht bis zehn Hündinnen gleichzeitig frei im Garten herumrennen und sie werden sich vertragen, vorausgesetzt ich bin ebenfalls zur Stelle. Ich hätte allerdings Bedenken, so viele Hunde aufs Mal sich selbst zu überlassen, denn Corgis sind keine Rudelhunde.
Die Arbeit, für welche der Corgi gezüchtet wurde, setzt Selbständigkeit voraus, oder wie John Holmes, der bekannte Trainer, es ausdrückte, eine "geistige Flexibilität". Während die verschiedenen Jagdhunderassen jahrelang auf das Aufspüren und Apportieren gezüchtet wurden, scheint es manchmal, dass sie so auf ihre Arbeit konzentriert sind, dass sie wenig geneigt sind, einen Gedanken für eine andere aussergewöhnliche Situation aufzubringen. Aber täuscht euch nicht, Hunde und besonders Corgis können denken und Probleme lösen. Viehtreiben erfordert mehr als bellend die Herde zu umkreisen und die Tiere in die Fersen zu schnappen. Der Corgi muss auch andere Situationen meistern können. Wenn alle Kühe bis auf eine durch das Gatter gehen, muss der Ausreisser zur Herde zurück getrieben werden, oder ein fehlendes Rind muss gefunden und nach Hause gebracht werden. Der Instinkt hilft, aber es ist erstaunlich wie schnell ein Corgi ein Problem erkennt und sich der Situation gewachsen zeigt.
Es ist ihre Intelligenz, ihre gescheite Befolgung von Kommandos und ihre Erziehbarkeit, welche die Rasse bei so vielen Menschen beliebt gemacht hat. Dank diesen Eigenschaften gehen auch so viele Corgis als Sieger bei Obedience-Prüfungen hervor und zurzeit haben es zwei von ihnen zum Obedience-Champion geschafft.
Ein Corgi Welpe beginnt bereits mit drei Wochen seine Intelligenz zu zeigen. Weil er kein schmutziges Lager mag, wird er bestrebt sein, sich auf dem Boden zu versäubern, während andere Rassen jeden Tag eine frische Decke benötigen. Die ganz Schlauen unter ihnen entwickeln schon früh "Toiletten-Gewohnheiten", indem sie immer eine bestimmte Ecke ihres Raums oder Auslaufs benutzen. Nur ein dummer Welpe wird sich in der Nähe des Zauns versäubern, wo er jeweils sitzt oder rennt. Nach der Übergabe an seine neuen Besitzer wird ein Corgi Welpe im Lauf von durchschnittlich zwei bis drei Wochen stubenrein sein. Ich habe noch nie von einem Welpen über sechs Monate gehört, der noch nicht stubenrein war, wenn er regelmässig hinaus gelassen wird.
Corgis neigen zu zwei Angewohnheiten, die ihnen unbedingt abgewöhnt werden müssen: das Schnappen in die Fersen (was für sie eigentlich nur natürlich ist) und ein zu starker Bewachungsinstinkt. Im ersten Fall ist es nicht böse gemeint. Es ist nur ein Spiel, aber nicht jedermann versteht das und so ist es besser, es ganz abzugewöhnen. (Das ist vielleicht leichter gesagt als getan, denn ich habe eine junge Hündin, die es nur bei mir macht. Sie zwickt mich direkt unter der Kniekehle, aber weil es ein Zeichen ihrer speziellen Zuneigung ist, habe ich es ihr nicht abgewöhnt.) Der Bewachungsinstinkt kann recht lästig sein, wenn der Hund auf Ausstellungen energisch seinen Platz verteidigt. Das gibt den Besuchern einen falschen Eindruck. Dem Hund muss beigebracht werden, wann er etwas bewachen darf und wann nicht. Er wird es schnell lernen, wenn man bestimmt und konsequent ist.
Ängstliche Corgis gab es vereinzelt bereits vor dem Krieg. Es ist nichts Neues und jeder Hund reagiert verschieden. Einer hat vielleicht Angst vor fremden Menschen, nimmt aber keine Notiz von Feuerwerk oder Schüssen. Ein anderer liebt vielleicht alle Besucher, hat aber panische Angst vor Gewittern. Hauptsache ist, dass die Scheu nicht mit Angstaggression verbunden ist.
In einer Hinsicht haben Corgis jedoch deutliche Fortschritte gemacht. Auf den grossen Ausstellungen vor dem Krieg war in den Klassen der Top-Rüden jeweils die Hölle los. Der Grossteil der Hunde sträubten die Haare, fletschten die Zähne und legten sich mächtig ins Zeug, um aufeinander los zu gehen. Heute ist es äusserst selten, dass man einen Corgi mit derart schlechten Ringmanieren sieht.
Mit ihrem starken Mutterinstinkt sind Corgi Hündinnen wunderbare Mütter. Sie lieben ihre Familien und freuen sich über alle Besucher, die ihre schönen Welpen bewundern. Sie zeigen selten eine eifersüchtige Besitzgier, die sehr mühsam sein kann. Seit 1936 habe ich nur von drei schlechten Müttern gehört und in allen drei Fällen fragte ich mich, ob die Hündinnen vielleicht zu wenig Ruhe hatten und immer wieder gestört wurden. Eine junge Hündin, die ihren ersten Wurf hat, braucht manchmal etwas Zeit, um zu realisieren, dass die Welpen, die sie mühevoll zur Welt brachte, tatsächlich ein Teil von ihr sind. Falls sie die Welpen beim ersten Anblick anknurrt, nimm sie weg und halte sie gut warm. Gib der Hündin Zeit, sich von der Geburt zu erholen. Wenn sie etwas geschlafen hat, streiche ein wenig von ihrem Ausfluss auf einen Welpen und reiche ihn ihr zum Abschlecken. Das hat meines Wissens noch nie fehlgeschlagen. Selbst nachdem sie mit dem Stillen aufgehört haben, werden Corgi Hündinnen gerne zu ihren Welpen zurück kehren und mit ihnen spielen, wenn diese einmal gelernt haben, dass die Milchbar definitiv geschlossen ist.
Corgis haben ein gutes Gedächtnis und vergessen alte Freunde nicht. Drei Jahre bedeuten nichts für einen erwachsenen Corgi. Er wird dich auf gleiche Art begrüssen wie er es jeden Morgen tat, als er noch bei dir lebte. Wenn er mit Kindern aufwächst, die gelernt haben, ihn anständig zu behandeln, geniesst der Corgi Spass mit der Familie. Ich kenne einen Corgi, der drei Jahre allein mit der Familie lebte, bevor ein Baby dazu kam, und anstatt eifersüchtig zu reagieren, betrachtete er das Baby sofort als sein ganz besonderes Eigentum. Er schaute mit grossem Interesse zu, wenn es gebadet, gefüttert und angezogen wurde, und wenn der Kinderwagen mit dem schlafenden Baby ins Freie gestellt wurde, legte er sich stets unter den Wagen und liess nur ihm bekannte Menschen in die Nähe.
Der Corgi mit seinen aufrechten Ohren und dem scharfen Gehör ist als Haushund einmalig. Er hört das Klicken des Gartentors bevor der Besucher die Haustüre erreicht. Er erkennt schnell den Unterschied zwischen dem Motorgeräusch des Wagens seines Besitzers und dem eines Fremden. Wenn aber ein Besucher einmal zugelassen ist, muss das Gebell gestoppt werden. Der Hund soll lernen, dass wenn er die Ankunft eines Fremden angezeigt hat, er seine Pflicht getan hat.
Ich denke, so wie ich den Corgi kenne, habe ich alle Eigenschaften seines Wesens beschrieben. Corgis sind jedoch so erstaunliche kleine Hunde und reagieren so schnell auf unerwartete Begebenheiten, dass ich nicht überrascht wäre, wenn ich von Corgis hören würde, die Heldentaten begangen haben, von denen ich nicht einmal geträumt habe. In einem Punkt bin ich aber sicher - von allen Rassen, die ich hatte, und ich hatte mehrere, hat keine mir so gut gefallen wie der Corgi und ohne einen Corgi oder zwei, oder sogar mehrere, wäre das Leben für mich nicht mehr dasselbe. Ich bin allen dankbar für die Freude, die sie mir bereitet haben.
Aus The Welsh Corgi League Handbook 1962.
Übersetzung: ANo