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Farbe bekennen:
Politische Karte der Schweiz, Hans Conrad Gyger, 1683
Typisch für die Eidgenossenschaft sind die verworrenen politischen Grenzen. Selbst die besten Kartografen haben und hatten Mühe damit, jeden Winkel fehlerlos zu erfassen. Autor der hier vorgestellten politischen Karte von 1683 ist der grossartige Kartograf Hans Conrad Gyger. An sein Meisterwerk, das Kartengemälde des Standes Zürich, kommt seine Schweizerkarte freilich nicht heran. Betrachten wir zuerst den Karteninhalt. Dazu muss man sich die Farbe wegdenken. Übrig bleiben Flüsse, Ortssignaturen, Beschriftungen, politische Grenzen (fein punktierte Linien) und die Umrisse der Wappen. Diese Elemente wurden vom Stecher in eine Kupferplatte eingraviert. Der Drucker färbte sodann die Platte ein und wischte sie mit einem Tuch ab. In den gravierten Vertiefungen blieb die Farbe liegen. Nun liess der Drucker die eingefärbte Platte und einen aufgelegten Papierbogen durch die Presse, wodurch die Farbe übertragen wurde. Das Resultat war eine einfarbige Karte. Da man Farbflächen nicht drucken konnte, musste ein Kolorist jedes einzelne Exemplar von Hand nachbearbeiten. Offenbar war das Farbmuster für die Schweizerkarte nach Gygers Tod 1674 verloren gegangen. Das könnte erklären, weshalb das Grenzkolorit auf jedem Exemplar grundverschieden ist. Auch im Detail gibt es Unterschiede. Der Kolorist musste nämlich aufpassen, nicht irgend eine Exklave zu vergessen oder bei sehr kompliziertem Grenzverlauf den Pinsel der falschen Linie entlang zu führen. Als pièce de résistance galt das Ausmalen der Wappen. Jene der Dreizehn Orte kannte der Kolorist vielleicht noch auswendig. Bei den Zugewandten Orten und Gemeinen Herrschaften wurde die Sache anspruchsvoll – und aus quellenkundlicher Sicht: notorisch unzuverlässig. Oder wissen Sie zufällig, auf welchem Exemplar (Bild 1 und 2) das Wappen der Herrschaft Valangin korrekt ausgemalt ist? Wo ist eigentlich das Wappen von Neuenburg?
Bibliografische Angaben
Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae caeterorumque confoederatorum ut & finitimorum populorum tabula geographica et hydrographica nova & exacta, operâ & studio Ioh. Conradi Gÿgeri, Helv. Tigurini delineata, & à Conrado Meÿero in aes incisa anno Christi 1657. Renoviert a.o. 1683. Zürich: Verlag nicht ermittelt, 1683.
Bildauswahl und Text
Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich