Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/230

Der grösste Kuppelbau der Schweiz ist ein Lagerhaus für Salz. Er entsteht bei der Saline Riburg im Kanton Aargau.
Der Bau des Salzlagers ruft die spezielle Stellung des einzigen natürlichen Rohstoffes in der Schweiz in Erinnerung.
Dass in Riburg, in der Nähe von Basel, aber im Kanton Aargau, dereinst eine 31 Meter hohe Salzhalle stehen wird, die 93 Meter Durchmesser hat und 80'000 Tonnen Salz fasst, ist zwar ungewöhnlich, aber bewegt die Welt noch nicht. Andere Salzlager dieser Erde sind grösser.
Und doch fasziniert dieser Kuppelbau – in dem eine Kirche bequem Platz finden würde - schon deswegen, weil er rund um den praktisch einzigen Rohstoff entsteht, über den die Schweiz verfügt.
Salz ist von alters her in der Schweiz (und nicht nur hier) ein lukratives Geschäft, das sich die Regierungen der Schweizer Kantone seit Jahrhunderten unter den Nagel gerissen haben. Die Salzsteuer wurde zur wohl ersten indirekten Steuer, mit der sich die Regierungen den Geldsäckel aufbesserten.
Ein Deutscher fand Schweizer Salz
Der Jahresbedarf für eine Person betrug lange Zeit im Durchschnitt etwa 8 Kilo pro Jahr. Um 1920 stieg der Verkauf auf rund 12 kg pro Person; heute liegt er bei etwa 6 Kilo. Der Rückgang rührt daher, dass früher viel mehr Salz für die Konservierung von Lebensmitteln verwendet wurde.
Bis 1837 musste sämtliches Salz in die Schweiz eigeführt werden. Die Transportzeiten für eine Ladung aus dem Süden Frankreichs betrugen sechs bis acht Wochen. Bei Hochwasser der Rhone verdoppelten sich die Zeiten. Dabei stieg der Preis laufend an, waren doch 70 Zollpassagen zu passieren. Das Salz kostete dann 16 Mal mehr als am Produktionsort.
So ist es nicht verwunderlich, dass im 19. Jahrhundert hocherfreut zur Kenntnis genommen wurde, dass auch in der Schweiz Salzlager ausgebeutet werden können. Der Deutsche Carl Christian Friedrich Glenck fand sie in der Nähe von Basel. Am 7. Juni 1837 wurde die erste schweizerische Saline am Rhein feierlich eingeweiht.
Dabei wurde die Tradition fortgeführt, Stätten der Salzgewinnung im deutschen Sprachraum als "Hall" oder "Halle" zu bezeichnen. Die Rheinsaline erhielt den Namen "Schweizerhalle".
Marktfriede
Geblieben ist bis heute der monopolartige Vertrieb des Salzes in der Schweiz. "Dabei handelt es sich um kantonale Salzhandels-Monopole", sagt Jürg Lieberherr, Direktor der Schweizer Rheinsalinen.
1973 hätten dann die Kantone die Kompetenz zur Ausübung der Salzhandels-Monopole treuhänderisch den Rheinsalinen übertragen. "Seither produzieren wir für die Kantone Salz."
Die Schweiz wäre aber nicht die Schweiz, wenn alle Kantone dabei wären. Der Kanton Waadt ist beim Konkordat nicht dabei und betreibt seine eigene Saline in Bex.
Alles in allem, der Salzhandel in der Schweiz ist immer noch Sache der Kantone. Bezahlt man dann auch überall einen andern Preis?
"Bis 1973 war das so, und Salz wurde gar innerhalb der Schweiz geschmuggelt", sagt Lieberherr. Doch nun seien die Preise und Regalgebühren vereinheitlicht. "Es herrscht Marktfrieden".
Doch damit sei nicht gesagt, dass die Salinen den Preis nach Belieben diktieren könnten, meint Lieberherr. "Es gibt keinen administrierten Preis. Heute müssen wir uns am Marktdruck aus dem Ausland orientieren."
Lager für Streusalz
Womit wir wieder beim Salzdom Saldome® wären. "Lagerhallen sind unbeliebt bei Unternehmen. Sie verteuern das Produkt", sagt Direktor Lieberherr bei der Vorstellung des ersten Spatenstiches für den Salzdom.
Die heutigen Lagerhallen sind die Lastwagen auf Europas Strassen und die Schiffe auf den Weltmeeren. Das Produkt wird angeliefert, wenn es gebraucht wird. "Just in time".
Genau das ist im Salzhandel nicht möglich. Die Rheinsalinen produzieren zwischen 400 bis 500'000 Tonnen Salz – genau gesagt Natriumchlorid – pro Jahr.
Davon landet bis zu einem Drittel als "Auftausalz" auf der Strasse. Und genau hier liegt die Unbekannte. Gibt es einen strengen Winter, wie 1999 oder 2003, dann steigt der Salzverbrauch massiv und sofort an. Rund 6000 Tonnen pro Tag sind keine Seltenheit, sonst liegt der Tagesbedarf um die 2000 Tonnen. Das führte laufend zu Engpässen und letztendlich zu Importen von (teurerem) Salz.
Die heutige Lagerkapazität der Salinen von 34'000 Tonnen reiche nie aus. "Deshalb" so Jürg Lieberherr, "bauen wir ein Lagerhaus für 80'000 Tonnen."
Signifikant günstigere Lagerkosten
Da die Rheinsalinen den Preis für das Salz nicht mehr beliebig festlegen können, sondern im internationalen Wettbewerb stehen, musste das Lagerhaus knapp kalkuliert werden.
"Unsere Vorgaben waren knallhart", sagt Lieberherr. "Trotz Hochlohn- und Hochpreis-Insel Schweiz muss die eingelagerte Tonne Salz signifikant kostengünstiger sein als in bestehenden Hallen dieser Dimension."
Herausgekommen ist ein Kuppelbau mit einer Holz-Schalenkonstruktion aus drei sich durchdringenden Bogensystemen. "Schalenkonstruktionen gehören zu den leistungsfähigsten Tragwerken zur stützungsfreien Überdachung", sagt Christoph Häring von der gleichnamigen Baufirma.
"Denn Salz in grossen Mengen lagert sich als Schüttkegel; und Holz für die Tragkonstruktion verwenden wir, weil es ein einheimischer und erneuerbarer Rohstoff ist, der eine 'Festigkeits-Massenrelation' hat, die mit Stahl vergleichbar ist."
Holz bald nachgewachsen
Der Rheinfeldner Oberförster Felix Lüscher zeigte sich befriedigt über die Wahl von Holz für die Konstruktion der Riesenhalle. "Holz wird in der Schweiz glücklicherweise wieder vermehrt als Baustoff verwendet", sagt er.
Und dass dieser Rohstoff erneuerbar ist, beweist die folgende Rechnung des Oberförsters: Das Holz – 400 stattliche Tannen braucht es - stamme aus dem nahen Rheinfelder Forst und sei theoretisch in einigen Wochen bereits wieder nachgewachsen.
"Und wenn Sie es auf den gesamten Schweizer Wald ausrechnen, dann ist das für den Salzdom verwendete Bauholz in 2 Stunden wieder da. Das nennen wir nachhaltig."
swissinfo, Urs Maurer
Fakten
Der Salzverkauf ist in der Schweiz immer noch ein kantonales Monopol, das die Kantone (ausser Waadt) 1973 der Rhein-Saline treuhänderisch abtraten.Infobox Ende
In Kürze
Schweizerische Rheinsalinen in Pratteln/BL:
Salzproduktion für die Schweiz (ausser Kanton Wadt) und das Fürstentum Liechtenstein.
Pro Jahr werden bis 500'000 Tonnen produziert (gut 90% der Schweizer Produktion), bei einem Umsatz von 60–70 Mio. Franken und 150 Angstellten.
Saline von Bex/VD:
Pro Jahr werden rund 45'000 Tonnen produziert bei einem Umsatz von rund 7 Mio. Franken und 43 Angestellten.
Durchschnittlicher Jahresverbrauch: 300'000 bis 400'000 Tonnen