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Die Malediven, die uns heute als Ferien- und Tauchparadies bekannt sind, waren in früheren Zeiten so etwas wie die Zentralbank einer Quasi-Weltwährung. Dort nämlich wurden die Gehäuse von Kaurischnecken gesammelt, geputzt und auf Bastfäden gezogen. Anschliessend wurden die «Geldschnüre» verschifft.
Die sogenannten Kaurimuscheln – die biologisch gesehen keine Muscheln, sondern eben Schnecken sind – wurden als Wertgegenstände bereits in ägyptisch-pharaonischen Gräbern (ca. 4000 v. Chr.) gefunden. Im alten China war Kaurigeld bis 200 n. Chr. anerkannte Leitwährung. Bis ins 19. Jahrhundert kam das Kaurigeld fast weltweit als Zahlungsmittel zum Einsatz – teilweise auch in Europa, welches damit vor allem den Sklavenhandel mit Westafrika finanzierte.
Für einen Sklaven wurden im 18. Jahrhundert an der westafrikanischen Küste fast 50’000 Kauris verlangt. Im ostafrikanischen Sudan des 19. Jahrhunderts gab es für acht Kauri ein Ei, für 100 Kauri ein Huhn. Der Wert eines Kaurischneckengehäuses variierte von Region zu Region und mit der Zeit. Eine Regel hielt sich aber beständig: Je weiter vom Meer entfernt eine Kauri gehandelt wurde, desto höher war ihr Wert.
Als weithin akzeptierte Währung durchgesetzt hat sich das Schneckengehäuse, weil es haltbar ist, sich leicht tragen lässt, wegen der fast einheitlichen Gehäusegrösse einfach teilbar ist und eine Kauri nur schwer zu fälschen ist. Der letztgenannte Vorteil ist gleichzeitig auch der grösste Nachteil der Kauriwährung. In Umlauf kommt, was die Natur hergibt. Die Geldmenge kann somit nicht einfach beliebig erhöht werden, wenn es finanzpolitisch erforderlich wäre.