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Kampf und Spiel
"As I tell everybody, Life just beat me up. I was beaten into submission by life, I did not find god and become humble. I just lost the fight big time."
-"Iron" Mike Tyson
Mike Tysons Lebensgeschichte ist eine, die geprägt ist durch extreme Hochs und Tiefs. Was man von dem Mann auch immer halten mag, er war einer der besten Schwergewichts Boxer des vergangenen Jahrhunderts. Er ist ein Mann, von dem man viel lernen kann, mitunter weil er so offen über sein Scheitern spricht. Und gescheitert ist er an vielem, trotz seiner unglaublichen Kraft, seines Ruhmes und Geldes.
So wie ich Mike Tysons Lebensgeschichte verstehe, ist er mit einer Mentalität aufgewachsen, die Kraft idolisierte. Wegen sozioökonomischen Gründen war er schon seit jungen Jahren ein krimineller, bis ihn Cus D'Amato von den Strassen geholt hat. Aber selbst nachdem Tysons Leben sich nach legaleren und in mancher Weise konstruktiveren Bahnen richtete, behielt er noch lange die Mentalität, dass er mit seinem Gewaltpotential sein Leben im Griff hätte.
Doch was hat Mike Tyson mit historischem Fechten am Hut? Oberflächlich gesehen nichts. Auch wenn wir Bareknuckle Boxing praktizieren, sind die meisten Techniken, die Tyson verwendete stark daran gebunden, dass er Boxhandschuhe trug.
Lassen wir Tyson für einen Moment und kommen dann später auf ihn zurück.
Als ich meine Feldforschung in Kwa-Zulu/Natal durchführte, ist mir schon früh etwas aufgefallen. Wenn die Zulu, aber auch andere Leute, vom Stockkampf redeten, wurden zwei verschiedene Bezeichnungen verwendet. Manche Leute bezeichneten den Stockkampf als "stick fighting", manche nannten es "playing with sticks" und andere verwendeten beide Begriffe.
Mich irritierte der Begriff "playing with sticks", mitunter, weil ich dahinter ein Überbleibsel kolonialistischer Mentalität vermutete. In weiten Teilen Afrikas wurden nämlich schwarzhäutige Männer immer als "Boys", also Jungen bezeichnet, nicht als men, bzw. Männer. Die Gleichstellung von Männern mit Kindern war hier (im Gegensatz zu dem geläufigen und freundschaftlichen "Jungs", wie es hierzulande gebraucht wird) explizit herablassender Natur. Und diese Herablassung vermutete ich in der Bezeichnung "playing with sticks". Ich denke, dass meine Vermutung in manchen Fällen auch zutreffen mochte.
Sbonelo landet einen wunderschönen Unterhau auf das Kinn des Autors
Was ich aber im Laufe meines Aufenthaltes gelernt habe, ist dass der Unterschied zwischen Spiel und Kampf eine ist, die letzten Endes nur von der Perspektive der Spielenden, bzw. Kämpfenden abhängt. Der Unterschied der Perspektive, so wie ich ihn verstehe ist, dass man im Spiel nicht gewinnen muss. Man möchte auch im Spiel gewinnen, aber man ist nicht so stark eingebunden. Eine spielerische Mentalität kann gelassen und humorvoll sein, wohingegen eine kämpferische Mentalität ernst und aggressiv ist.
An dieser Stelle ist es wichtig zu bedenken, dass eine spielerische oder kämpferische Mentalität nicht daran gebunden ist ob man spielt oder kämpft. Spiele können ernst und aggressiv gespielt werden, ebenso wie Kämpfe gelassen und humorvoll angegangen werden können. Mike Tyson wäre ein gutes Beispiel wie jemand mit einer kämpferischen Mentalität gespielt hat und an seiner Mentalität gescheitert ist. Boxen ist ein Spiel, auch wenn es zeitweise den Eindruck eines Kampfes wecken kann. Eines der bezeichnenden Qualitäten eines Menschen, der mit einer Kämpferischen Mentalität spielt ist, dass sie nicht gut verlieren können. Ich glaube alle kennen das Gefühl, das sich einschleichen kann wenn man verliert. Das Gefühl, dass man im nachhinein das Verlieren irgendwie abschieben möchte auf unfaire Umstände, o. Ä. Frustration ist ja auch etwas gesundes, wenn es produktiv verarbeitet werden kann.
Worauf ich schliessend hinaus möchte, ist dass die spielerische Mentalität einem unterm Strich mehr bringt als eine kämpferische. Auch wenn wir für den Ernstfall trainieren (sprich: Selbstverteidigung), können wir dies viel effizienter tun, wenn wir dabei spielerisch bleiben. Konkret heisst das, dass wir besser und länger trainieren können, wenn es uns Spass macht und wir uns dabei nicht gegenseitig oder selbst kaputtmachen. Des Weiteren würde ich behaupten, dass man auch in gewissen ernsten Situationen mehr davon hat, wenn man die eher gelassene Mentalität eines Spieles behält. Dies ist jedoch eine Spekulation meinerseits, die ich in diesem Zitat von Bas Rutten begründet sehe:
"The calmer fighter always wins"