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I’m not a man. I’m Cantona.
Mit aufgestelltem Kragen pflegte Fussballer Eric Cantona im Old Trafford über den Platz zu stolzieren. Philosophisch wurde er 1995 an einer Pressekonferenz, nachdem er einen Rassisten niedergeschlagen hatte: «When the seagulls follow the trawler, it’s because they think sardines will be thrown into the sea. Thank you very much.» Auch in der britischen Tragikomödie «Looking for Eric» sind die Weisheiten von King Eric gefragt.
Hauptfigur im Film von Ken Loach ist allerdings der etwas karge Eric Bishop (Steve Evets), ein Briefträger am Ende seiner Kräfte. Die erste Frau, Lily (Stephanie Bishop), hat er gleich nach der Geburt seiner Tochter vor über 20 Jahren verlassen, die zweite ist ihm davongerannt. Jetzt lebt er mit den beiden halbwüchsigen Stiefsöhnen Ryan (Gerard Kearns) und Jess (Stefan Gumbs) in einem chaotischen Haushalt und hütet ab und zu sein Enkelkind, weil seine Tochter Sam (Lucy-Jo Hudson) eine Schule besucht.
Sam versucht, wenigstens den Kontakt zwischen ihren Eltern Eric und Lily wiederherzustellen. Doch Eric macht sich schwere Vorwürfe und wagt sich nicht in die Nähe seiner Ex-Frau. Verzweifelt steht er in seinem Zimmer und spricht mit einem Poster von Eric Cantona: «Have you ever thought about killing yourself?» Da sitzt Cantona (lui-même) plötzlich im Zimmer von Eric und erteilt ihm Ratschläge, wie er das Leben meistern kann. Ganz so einfach ist das natürlich nicht, doch langsam gewinnt Eric wieder Selbstvertrauen.
Manchester United müsste eigentlich der Lieblingsverein von Regisseur Ken Loach sein, schliesslich tragen sie rote Leibchen. Der überzeugte Sozialist formuliert aber in «Looking for Eric» für einmal keine klassenkämpferischen Botschaften. Auch wenn einige Ratschläge von Cantona gut in ein Parteibuch passen würden: «You have to trust your teammates. Always. If not, you’re lost.» Die Tragikomödie ist jedoch vielmehr eine gleichsam erschütternde als auch erheiternde Charakterstudie.
Hauptfigur Eric ist so etwas wie eine Anti-Poppy. Letztes Jahr verzauberte die unerschütterliche, fast immer bestens gelaunte Poppy in «Happy-Go-Lucky». Eric aus «Looking for Eric» ist nun das pure Gegenteil, niedergeschlagen und aussichtslos, mit dem Gedanken spielend, sein Leben zu beenden. Dazu kommt es allerdings nicht, denn Eric ist mit seinem chaotischen Leben viel zu sehr ausgelastet. Und neben Cantona hat er eben auch noch echte Freunde und ausserdem eine Familie, die auf ihn angewiesen ist.
Auch wenn die Geschichte ziemlich düster (und leicht träge) beginnt, so zeichnen sich schon bald Silberstreifen am Horizont ab. Durch die Ermutigung von Cantona beginnt der andere Eric sein Leben umzukrempeln. Besonders die wieder aufblühende Beziehung zu Lily wird höchst berührend inszeniert. Herzzerreissend, wenn plötzlich Lily ihre Zerbrechlichkeit zeigt. Sobald aber das nächste Ereignis vorhergeahnt wird, wirft Loach und sein Drehbuchautor Paul Laverty die Handlung wieder in eine andere Richtung. Und das Motto, unter das der Film gestellt werden könnte? Simpel und sozial: «With a little help from my friends.»
Fazit: «Looking for Eric» ist eine bewegende Tragikomödie mit ergreifenden Figuren und überraschenden Wendungen.
Bewertung:
(Bilder: ©2009 Filmcoopi)
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