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Vor der heutigen Partie hatte es die letzte Begegnung der beiden Nationen im Davis Cup im Jahr 2005 gegeben. Damals amtete Severin Lüthi erstmals als Captain der Schweizer und Andy Murray gab sein Debut im Team der Briten – gegen einen gewissen Stan Wawrinka. 18 Jahre nach dem klaren 5:0-Sieg der Schweiz standen die drei genannten Akteure allesamt auch heute im Einsatz. Im Gegensatz zu damals jubelten heute aber die Briten, die die Entscheidung im abschliessenden Doppel herbeiführten. Davor hatte Stan Wawrinka (ATP 40) gegen Cameron Norrie (ATP 17) gewonnen. Der erstmals für ein Davis-Cup-Match nominierte Leandro Riedi (ATP 152) verlor trotz hervorragender Leistung gegen Andy Murray (ATP 41).
Riedi unterliegt Murray nach grossem Kampf
Was Leandro Riedi im ersten Satz gegen den dreifachen Grand-Slam-Champion zeigte, war schlicht beeindruckend. Andy Murray sah beim Stand von 5:2 und Satzball bereits wie der sichere Sieger aus, als Riedi besser und besser wurde. Der Schweizer schaffte das Re-Break und wehrte später im Tie-Break zwei weitere Satzbälle ab. Seinerseits nutzte er nach fast anderthalb Stunden die erste Gelegenheit. Der Return-Winner zum Abschluss kam nicht von ungefähr, attackierte Riedi den Service des Briten doch von Beginn weg konsequent mutig. Ohnehin beschreibt mutig den Auftritt des Debütanten sehr gut. Nicht nur weil er sich von der ehemaligen Weltnummer eins auf der anderen Seite des Netzes nicht beeindrucken liess, auch das lautstarke britische Heimpublikum konnte ihn nicht vom Weg abbringen.
Und so lieferten sich Riedi und Murray auch im zweiten Durchgang einen offenen Schlagabtausch. Nachdem beide Spieler sich den Aufschlag Mitte des Satzes je einmal abnahmen, gelang schliesslich dem Favoriten aus Schottland beim Stand von 4:4 das entscheidende Break. Einen ersten Satzball vermochte Leandro Riedi danach zwar noch abzuwehren, den zweiten nutzte sein Gegner aber zum Satzausgleich. Leider aus Schweizer Sicht wiederholten sich die Ereignisse des zweiten im dritten Durchgang. Wieder gelang zuerst beiden Akteuren je ein Servicedurchbruch, wieder machte Murray mit einem weiteren Break den Unterschied. Leandro Riedi verlor sein Davis-Cup-Debüt am Ende nach einem mehr als dreistündigen heroischen Kampf mit 7:6, 4:6 und 4:6.
Leandro Riedi: «Dass ich so knapp verloren habe, bricht mir etwas das Herz. Die Erfahrung, hier in Manchester gegen Andy Murray zu spielen, war aber unglaublich und mit so vielen Emotionen verbunden. Ich war am Anfang auch ziemlich nervös, schliesslich ging für mich heute ein Traum in Erfüllung. Mit meiner Leistung darf ich mehr als zufrieden sein, das war ein super Match von mir. Trotzdem überwiegt direkt danach natürlich die Enttäuschung über die Niederlage.»
Andy Murray: «Ich bin froh, das Match noch irgendwie gedreht zu haben. Leandro hat mir alles abverlangt. Vor allem seine Returns waren unglaublich gut.»
Wawrinka zeigt gegen Norrie seine ganze Klasse
Der starke Auftritt seines 17 Jahre jüngeren Teamkollegen und die einer Davis-Cup-Partie würdige Stimmung im Stadion schienen auch Routinier Stan Wawrinka zu beflügeln. Der Romand zeigte sich gegen Cameron Norrie von Beginn weg hochkonzentriert, traf die Bälle satt und punktete immer wieder sehenswert. Dennoch verlief der erste Satz zwischen den beiden Teamleadern lange ausgeglichen und ohne Servicedurchbruch. Erst beim Stand von 6:5 aus seiner Sicht gelang Wawrinka das entscheidende Break zur Satzführung.
Im zweiten Durchgang hatte der Schweizer die Chance, seinem Gegner den Aufschlag bei erster Gelegenheit erneut abzunehmen. Statt diese zu nutzen, kassierte der 38-Jährige direkt danach aber selbst das Break. Er liess sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und schlug weniger später zurück. Mehr noch: Zum Satzende durchbrach Wawrinka den Service von Norrie ein weiteres Mal und sicherte sich damit den Sieg. Seinen ersten Matchball zum 7:5 und 6:4 verwertete er mit einem fantastischen Rückhand-Passierball.
Briten im Doppel zu stark für Wawrinka und Stricker
Nach seinem erfolgreichen Auftritt im Einzel trat Stan Wawrinka auch im Doppel an. Zusammen mit Dominic Stricker stand er dem britischen Duo, bestehend aus Neal Skupski und Daniel Evans, gegenüber. Die Schweizer, die diesen Sommer gemeinsam das ATP-Turnier von Gstaad gewonnen hatten, fanden im ersten Satz kein Mittel gegen die Briten und mussten sich den Aufschlag zweimal abnehmen lassen. Vor allem am Netz hinterliessen Doppel-Spezialist Skupski (Doubles ATP 3) und sein Partner den stärkeren Eindruck. Daran ändert sich auch im zweiten Durchgang wenig. Das Doppel aus Grossbritannien setzte sich folglich verdient mit 6:3 und 6:3 durch.
Severin Lüthi: «Ich bin nicht unzufrieden. Wir haben alles probiert und alles gegeben. Aber ich bin enttäuscht, dass wir verloren haben. Am Ende geht es nur darum. Es geht jetzt darum, die Situation zu analysieren und schnell einen Plan für die Partie gegen Australien aufzustellen. Es war ein langer Tag und wir haben nicht viel Zeit.»
Nachdem das Securitas Swiss Davis Cup Team bereits das erste Gruppenspiel gegen Frankreich verlor, kann es sich nun nicht mehr einen der ersten beiden Plätze sichern. Ein solcher wäre nötig gewesen, um sich für das Finalturnier der besten Acht zu qualifizieren. Morgen Samstag trifft das Team von Captain Severin Lüthi abschliessend auf Australien.