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Bier tut auch in der Fastenzeit gut. Bekanntlich umgingen schlaue Mönche im Mittelalter das kirchliche Fastengebot, indem sie das Bier stärker einbrauten.
Deshalb wird die Fastenzeit in München bis heute als Starkbierzeit gefeiert. Auf Bier konnten die Menschen im Mittelalter kaum verzichten, denn weil es in den Städten kein sauberes Trinkwasser gab, gehörte Bier zur unabdingbaren Grundversorgung – auch für Kinder. Wahrscheinlich bekamen diese aber kein Starkbier, sondern eher Dünnbier. Bier ist, da abgekocht, im Unterschied zum Wasser nicht nur sauber, sondern es besitzt, wie wir heute wissen, sogar keimtötende Eigenschaften und bleibt ohne Konservierungsmittel einige Monate lang frisch. Deshalb gehörten volle Bierfässer auch Jahrhunderte lang zum Basisproviant von Überseeschiffen. Es ist zum Beispiel bekannt, dass das berühmte englische Schiff Mayflower, mit dem die Gründer der ersten Dauerkolonie von England nach Amerika übersetzten, ihren Kurs ändern musste, weil den frommen Pilgervätern das Bier ausgegangen war.
Inzwischen gilt es sogar als sicher, dass die moderne Zivilisation, wie wir sie kennen, auf die Erfindung des Bierbrauens zurückgeht. Denn die alten Sumerer im Zweistromland tranken nach neuesten Erkenntnissen schon etwa 3.000 Jahre lang Bier, bevor sie begannen, Getreide auch für das Backen von Brot anzubauen. Sie hatten das Bierbrauen vermutlich aus Zufall entdeckt: Gersten- oder Emmerkörner waren nach einem Regen in einem Gefäß ausgekeimt und dann wieder eingetrocknet. Als es später noch einmal darauf regnete, begann die Masse zu gären. Irgendjemand musste von der am Ende stehen gebliebenen Brühe gekostet und dabei wohlige Gefühle verspürt haben.
Vieles spricht heute dafür, dass die Menschen ihr über Hunderttausende von Jahren gewohntes Nomadendasein als Jäger und Sammler nicht aus freien Stücken aufgaben, sondern um den begehrten Saft Bier in immer größeren Mengen produzieren zu können. Zu diesem Zweck mussten sie feste Dörfer anlegen und Felder mit mehr oder weniger primitiven Pflügen bearbeiten und Bewässerungssysteme unterhalten. Mit der planmäßigen Landbewirtschaftung kamen die Mathematik, das Geld, die Buchführung und die Schrift auf. Jahrtausende später wurden die Erbauer der ägyptischen Pyramiden hauptsächlich mit Bier entlohnt. Zu dieser Zeit hatte das Bierbrauen bereits industrielle Dimensionen erreicht.
Was bei der Bierherstellung genau vor sich geht, hat erst der Franzose Louis Pasteur im 19. Jahrhundert ergründet, indem er die bis dahin völlig unbekannte Welt der einzelligen Mikroorganismen (in diesem Fall Hefepilze) entdeckte. Heute werden für das Bierbrauen hauptsächlich zwei Hefearten (die Ale- und die Lager-Hefe) eingesetzt. Sie wandeln die in den Gerstenkeimen enthaltene Zuckerart Maltose in Alkohol und Kohlenstoffdioxid um und beziehen daraus ihre eigene Lebensenergie. Seit etwa 1.000 Jahren verwenden die Bierbrauer auch Hopfen, dessen entzündungshemmende Wirkung von der heiligen Hildegard von Bingen gerühmt wurde. Im Bier hemmt der Hopfenzusatz das Aufkommen unerwünschter Mikroorganismen.
Ob er auch auf uns Menschen eine heilende Wirkung ausübt, bleibt indes umstritten. Denn seine Konzentration ist so gering, dass man das Bier literweise trinken müsste, um einen heilsamen Effekt zu erzielen. Dieser würde dann aber mit Sicherheit durch die schädlichen Wirkungen des Alkohols zunichte gemacht. Eine Bier-Therapie wird es demnach auch in Zukunft nicht geben.
Quelle: info.kopp-verlag.de