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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Neuntes Buch
43. Dritter Einwand gegen die Gottheit des Sohnes.
Doch vielleicht mag diesem unserem rechten Glauben die Behauptung deiner falschgläubigen Verschlagenheit sich entgegenwerfen, daß mit der Erkenntnis (Christi) als eines wahren Gottes dieses Bekenntnis der Hilflosigkeit unvereinbar sei: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn vermag nicht von sich aus irgend etwas zu tun, es sei denn, daß er es den Vater habe tun sehen.”1 Wenn nicht der doppelte Unwille der Juden eine doppelte Antwort erfordert, dann mag das gewiß ein Eingeständnis von Schwachheit sein, daß der Sohn von sich aus nichts tun könne, was er den Vater nicht habe [S. 117] tun sehen. Mit demselben Wort gab er den Juden auf beides Antwort: die ihm die Schuld der Sabbatschändung entgegenhielten und die es nicht vertrugen, daß Christus sich dadurch als mit Gott gleich bekannt hatte, daß er ihn seinen Vater nannte. Glaubst du etwa, durch die Erklärung dieser Antwort könne die Wahrheit der Worte verborgen werden? Wenn auch schon in einem anderen Buch2 diese Stelle von uns behandelt worden ist, so wollen wir dieselbe Stelle aufs neue durchprüfen, weil die erneute Behandlung des Glaubens nicht nur nicht schadet, sondern der Religion von Nutzen ist und weil der Anlaß es erfordert.
1: Joh. 5, 19.
2: Buch VII, 15.