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Die Demokraten sind die Partei des vielfältigen modernen Amerika. Vor dem Super Tuesday aber reduziert sich die Wahl des Herausforderers von Präsident Donald Trump faktisch auf drei fast 80-jährige weisse Männer.
Man hätte ihm zugetraut, bis zum Super Tuesday durchzuhalten. Am Sonntag aber warf Pete Buttigieg das Handtuch. Der frühere Bürgermeister von South Bend (Indiana) zog die Konsequenzen aus seinem schwachen Abschneiden in den Vorwahlen von Nevada und South Carolina. Bei Schwarzen und Latinos hatte er nichts zu melden.
Nun bleiben ihm nur schöne Worte der Anerkennung dafür, dass er es als politisch relativ unerfahrener und homosexueller Mann so weit gebracht hat. Kaufen kann sich Pete Buttigieg dafür nichts. Sein Scheitern ist bedauerlich, denn als 38-jähriger schwuler Millennial ist er eine Art Personifizierung der heutigen Demokratischen Partei.
Diese ist tendenziell jung, weiblich, ethnisch und gendermässig vielfältig. Sie ist das moderne Gegenstück zu den Republikanern, die sich mit Donald Trump erst recht als Partei der um ihre Vorherrschaft bangenden Weissen europäischer Herkunft etabliert hat. Für die Präsidentschaftswahl im November wäre dies eigentlich eine ideale Steilvorlage.
Wer aber bleibt als ernsthafter Bewerber für die Nomination im Rennen? Drei weisse Männer, die noch älter sind als der auch schon 73-jährige Trump: Bernie Sanders (78), Joe Biden (77) und Mike Bloomberg (77). Biden hat sich mit einem fulminanten Sieg in South Carolina zurückgemeldet, Bloomberg steigt am Dienstag erst richtig ein.
Im Prinzip mischen noch drei Frauen mit. Elizabeth Warren hat am Wochenende eingeräumt, dass sie es aus eigener Kraft nicht mehr schaffen kann. Sie wolle aber bis zum demokratischen Parteikonvent im Juli im Rennen bleiben, teilte sie ihren Unterstützern mit. Dort werde sie sich «am Ende durchsetzen», weil wohl niemand eine Mehrheit der Delegierten erreichen könne.
Das sind primär Durchhalteparolen, doch Warren verfügt über eine gut gefüllte Kriegskasse. Schlecht sieht es hingegen für Senatorin Amy Klobuchar aus. Sie hat wie Pete Buttigieg kaum Rückhalt bei Latinos und Schwarzen. Irgendwo geistert noch die Abgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii herum. Sie ist chancenlos, will sich bislang aber nicht zurückziehen.
Der erste Monat der Vorwahlen war geprägt durch «Unvorhersehbarkeit», stellte die «New York Times» fest. Wer hätte gedacht, dass Biden nach seinem schwachen Start ein Comeback gelingen könnte? Und Buttigieg umgekehrt nach seinen guten Ergebnissen in Iowa und New Hampshire dermassen sang- und klanglos scheitern würde?
Weitere Überraschungen sind nicht auszuschliessen. Vor allem Warren klammert sich an diese Hoffnung. Dennoch dürfte der Super Tuesday zu einer Zäsur führen. Ein Drittel aller Delegierten wird an diesem Grosskampftag vergeben. Ob sich danach ein klarer Favorit abzeichnet, bleibt trotz des stark geschrumpften Bewerberfelds aber ungewiss.
In der Pole Position ist Bernie Sanders. Er könnte in Kalifornien und Texas gewinnen, den gewichtigsten Bundesstaaten des Super Tuesday. Er hat eine starke Basis und im Februar 46,5 Millionen Dollar gesammelt. Das Ergebnis in South Carolina aber war ein Dämpfer für den «demokratischen Sozialisten». Der erhoffte Durchbruch bei den Schwarzen blieb aus.
Sie verhalfen Barack Obamas Vizepräsident Joe Biden zum dringend benötigten Erfolgserlebnis. Doch er ist nach seinem schlechten Start in die Vorwahlen finanziell und personell schwach aufgestellt. Und in den Super-Tuesday-Staaten haben viele ihre Stimme bereits abgegeben, vor allem in Kalifornien. Bidens Hoffnungen liegen in den Südstaaten.
Geldsorgen kennt Mike Bloomberg nicht. Der Milliardär und ehemalige Bürgermeister von New York hat schon Unsummen in Werbung investiert. Nun steigt er offiziell ins Rennen ein, doch die Vorbehalte gegen Bloomberg sind gross. Vielen stösst sauer auf, dass er die Wahl faktisch «kaufen» will. Ausserdem ist Bloomberg kein mitreissender Wahlkämpfer.
Die Zahl der ernsthaften Anwärter nimmt ab, aber ein Dilemma bleibt: Keiner vermag so richtig zu überzeugen. Man kann es Biden, Bloomberg und Sanders nicht vorwerfen, dass sich die Auswahl auf drei sehr alte weisse Männer reduziert hat und jene Kandidierenden, die dem Abbild der Partei eher entsprochen hätten, reihenweise auf der Strecke geblieben sind.
Teilweise waren sie einfach nicht auf der Höhe, aber sie scheiterten wie Pete Buttigieg auch an Vorurteilen, was man sich bei den Demokraten nicht gerne eingesteht. Und natürlich ist mit Bernie Sanders ausgerechnet der älteste Kandidat der Liebling der Jungen. Sie sind zu Recht frustriert über die Verhältnisse in den USA und erhoffen sich den grossen Wandel.
Unter den «Moderaten» hingegen findet sich niemand ohne Fehl und Tadel. Dennoch ist der Verbleib der drei «grumpy old men» ein Armutszeugnis für die Demokraten. Sie ist zu einem gewissen Grad auch Ausdruck ihrer Ratlosigkeit im Umgang mit dem Phänomen Donald Trump, dem selbst der krasseste Amtsmissbrauch nichts anhaben kann.