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Einen Tag nach dem Gewinn des Nobelpreises in Chemie hat Jacques Dubochet Studierenden in Lausanne von einem Fehler zu Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn berichtet. Er ermutigte sie, ihre Resultate stets in Frage zu stellen.
Das von Dubochet erwähnte Problem drehte sich um Forschungsresultate vor 35 Jahren, bei denen sich er und ein Kollege geirrt hatten. Damals arbeiteten beide als Postdoktoranden an der Universität Basel.
«Zum Fehler geführt haben auch unser Enthusiasmus, unser Ego und unser Wille zum Erfolg», sagte Dubochet im Kurs «Biologie und Gesellschaft» am Donnerstag an der Universität Lausanne. «Das ist menschlich, aber nicht gut.»
Der Beruf des Wissenschaftlers sei ein schwieriger – man müsse eine These haben und dann alles unternehmen, um diese mit Resultaten zu widerlegen. Nur so schaffe man fundierte Arbeit. Der Fehler vor 35 Jahren führte dazu, dass seine erste Erwähnung im renommierten Fachblatt «Nature» unter dem wenig schmeichelhaften Titel «Fading hopes» erschien.
Dubochet zeigte sich zudem überzeugt, dass heute nicht mehr so milde mit einem Fehler, wie er ihn gemacht habe, umgegangen würde. «Heute würde einem kräftig auf die Finger geklopft», sagte er den rund 200 Studierenden im Auditorium des Gebäudes Génopode auf dem Uni-Gelände. Nicht viel später sei ihm der Durchbruch gelungen, für den er den Nobelpreis erhalten habe.
«Unglaublicher Zufall»
Die Studierenden waren übrigens dank Zufall in den Genuss eines halbstündigen Vortrags des Nobelpreisträgers gekommen. Der Leiter ihres Kurses, Philippe Glardon, hatte Dubochet bereits im Frühling eingeladen, um vor seinen Studierenden zu sprechen.
«Das ist ein unglaublicher Zufall, ich konnte es kaum glauben», sagte Glardon der Nachrichtenagentur sda. Er habe wie alle anderen am Mittwoch um 14 Uhr ein Mail von Dubochet erhalten, in dem Stand: «Ich habe den Nobelpreis erhalten.»
Drei Chemie-Nobelpreisträger
Der Preis passe sehr gut zum Kurs, der Studenten vieles über ihre Laufbahn lehren soll. Für die Studierenden sei das eine grosse Chance. Jacques Dubochet sei ein gutes Beispiel dafür, trotz Schwierigkeiten nicht aufzugeben, sagte Glardon.
Der 75-jährige Waadtländer war am Mittwoch neben Joachim Frank (USA) und Richard Henderson (GB) mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden. Das Trio wurde für die Entwicklung der Kryoelektronenmikroskopie gewürdigt.