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Die tägliche Routine kann im Umfeld leicht als stures Egoprogramm wahrgenommen werden. Wer hingegen regelmässig Praktiken übt, erzeugt eine einladende Wirkung, daran zu partizipieren. Das wird schnell zum Gewinn für alle.
von Anton Ladner
Routine sei bei einem intelligenten Menschen ein Zeichen von Ehrgeiz, schrieb der britische Schriftsteller Wystan Hugh Auden. Er gewann neben dem Pulitzer-Preis noch viele weitere Auszeichnungen. Im Film «Vier Hochzeiten und ein Todesfall» stammte das Trauergedicht von ihm. Auden stand um 6.00 Uhr morgens auf, trank Kaffee, begann zu arbeiten und trank nach einem kurzen Mittagessen um 18.30 Uhr seinen Abend-Cocktail – jeden Tag. Eine solche fixe Routine kann in der nächsten Umgebung leicht Irritationen auslösen. Im Fall von Auden aber nicht bei seiner Ehefrau, Erika Mann, die Tochter von Thomas Mann. Er heiratete sie, um ihr die Ausreise in die USA zu ermöglichen, ohne mit ihr zusammenzuleben.
Der britische Selbsthilfeautor Ryan Holiday verweist gerne auf Auden, um die Gefahren von Routinen zu thematisieren. Er bevorzugt Praktiken wie Lesen, Spazierengehen, Nachdenken und Tagebuchschreiben, die je nach Bedarf erfolgen und der jeweiligen Situation angepasst werden können. Sie haben auch eine einladende Wirkung auf Nahestehende. Denn jede Routine hat etwas Zwanghaftes, Unfreies. Natürlich hilft eine gewisse Routine vor allem am Morgen, in Schwung zu kommen.
Eine positive Routine am Morgen sollte aus einer Reihe von Schritten bestehen, die in den Arbeitsmodus versetzen, sei es Duschen, ein Morgentee, der Kaffee usw. Das könnte man als Motivationsrituale bezeichnen. Routinen machen es laut Studien tatsächlich leichter, in den Kopfbereich zu gelangen. Aber bei jeder Routine gibt es entscheidende Momente, die einen auf den richtigen oder falschen Weg bringen können. Dann besteht die Gefahr, dass die Routine zum ausgrenzenden Egoprogramm wird.
Die Wirkung der Routine (Regelmässigkeit, Vorhersehbarkeit und Kontrolle) wird dann zur Quelle von Stress. Der Vorwurf aus dem engen Umfeld, nicht verfügbar zu sein, nicht Anteil zu nehmen, spaltet die Harmonie. Die Kollateralschäden daraus vermögen die Vorteile der Routine nicht aufzufangen. Denn die Routine kann auch blind machen gegenüber den Bedürfnissen seines Umfeldes. Praktiken mit einer gewissen Flexibilität sind deshalb besser als fixe Routinen und stellen eine intelligente soziale Selbstfürsorge dar.