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Karin, Nirosh, Thomas – oder wenn Facebook wählen würde
Welchen Nationalratskandidaten aus dem Sarganserland misst die Facebook-Gemeinde am 20. Oktober die grössten Wahlchancen bei? Die Antworten sind teilweise ebenso überraschend wie wenig erklärbar.
von Reto Vincenz
In zehn Tagen wird an der Urne die Frage beantwortet, ob das Sarganserland acht Jahre nach Elmar Bigger (SVP) wieder eine Nationalrätin oder einen Nationalrat erhält. 15 Damen und Herren bewerben sich, breit akzeptiert ist die These, dass nur die sechs Exponenten auf den Hauptlisten der Bundesratsparteien eine Wahlchance haben. Walter Gartmann (SVP), Thomas Warzinek und Stefan Kohler (CVP) und Bernhard Hauser (SP) müssten sich dabei gegen eine(n) Bisherige(n) durchsetzen, nur auf der FDP-Liste mit Karin Weigelt ist ein Sitz «vakant» – wenn die FDP diesen denn verteidigt. Jörg Tanner (GLP) hofft, dass seine Partei einen Sitz erobert – und dieser an ihn fallen wird.
Karin, Nirosh, Thomas
Der Wahlkampf im Vorfeld des Wahlsonntags läuft unter anderem auch auf verschiedenen Social-Media-Plattformen wie Twitter, Instagram oder Facebook. Letztere hat die Redaktion für eine Umfrage genutzt. Die gestellte Frage, die bis am Dienstag von 350 Personen beantwortet worden ist: Welchem der 15 Kandidatinnen und Kandidaten messen sie am 20.Oktober die grössten Wahlchancen bei? Die Siegerin: Karin Weigelt, der 85 Personen die Wahl zutrauen. Es folgen Thomas Warzinek (79 Stimmen), der Jungfreisinnge Nirosh Manoranjithan (65), Walter Gartmann (31), Stefan Kohler (30) und Jörg Tanner (19). Bernhard Hauser (5) folgt fast am Schluss, noch hinter den Jung-CVPlern Peter Schumacher (13) und Roman Guntli (6).
Weigelt einsame Spitze
Natürlich, eine nicht kontrollierbare und kaum repräsentative Facebook-Umfrage tatsächlich als Gradmesser für die Wahlen vom 20. Oktober zu nehmen, verbietet sich. Dennoch zeigt das Resultat, dass sich die Arbeit der Kandidatinnen und Kandidaten auf den Social-Media-Plattformen mindestens dann auszahlt, wenn solche Umfragen auch unter den dortigen Nutzerinnen und Nutzern durchgeführt werden. Bernhard Hauser etwa ist weder auf Facebook noch auf Instagram wirklich aktiv. Entsprechend scheint er dort auch kein Thema zu sein. Ganz anders Karin Weigelt. Die frühere Spitzenhandballerin erreicht auf Facebook als einzige der Kandidatinnen und Kandidaten die Maximalzahl von 5000 Freunden. Hinzu kommen 1700 Instagram-Follower, zudem nimmt sie regelmässig an Diskussionsrunden teil, die live auf diesen Kanälen übertragen werden. Und sie twittert fleissig.
Mit Weigelt kann niemand auch nur annähernd mithalten. Kohler und Manoranjithan – er hat die Umfrage des «Sarganserländers» unter seinen Freunden geteilt, wie er auf Anfrage sagte – sind auf Facebook und Instagram zwar regelmässig aktiv bzw. machen sie dort auch Wahlkampf, zu mehr als je rund 1300 Freunden reicht es ihnen aber nicht. Auf Instagram sind es 327 (Kohler) bzw. 566 Follower bei Manoranjithan.
Immer wieder politischen Inhalt posten auch Jörg Tanner und Thomas Warzinek. Tanner macht die Zahl seiner Facebook-Freunde nicht publik, Warzinek kommt auf 456. Auf Instagram ist Tanner deutlich aktiver als Warzinek, entsprechend ist die Zahl seiner Follower erheblich grösser.
Walter Gartmann auf Platz 4 ist übrigens auf Facebook gar nicht aktiv. So hat er zwar einen Account und 780 Freunde, sein letzter Eintrag stammt aber vom 7. Juli 2017 – und auch da hat er nicht mehr als sein Profilbild gewechselt. Immerhin ist er auf Instagram aktiver, postet Wahlpropaganda und schöne Heimatbilder.
(K)ein Gradmesser
Ob die Social-Media-Aktivitäten der Kandidatinnen und Kandidaten und ihre Beliebtheit auf diesen Plattformen tatsächlich Auswirkungen auf das Ergebnis am 20. Oktober haben, ist offen. Wenn dem so wäre, müsste Karin Weigelt weit vorne liegen. Denn nur sie hat einen – über alle Plattformen gesehen – professionellen Onlineauftritt.
(Fast) alle anderen markieren ebenfalls Präsenz, ohne die Möglichkeiten aber nur annähernd auszuschöpfen.