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Der Nobelpreis öffnet viele Türen
Die Professoren Michel Mayor und Didier Queloz erhalten den Nobelpreis für Physik 2019 für die Entdeckung des ersten Exoplaneten, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist. Michel Mayor ist Mitglied des Beirats des Nationalen Forschungsschwerpunkts PlanetS. Er erzählt unter anderem von seinen besten und übelsten Erinnerungen als Forscher.
Interview: Pierre Bratschi
Wer war zu Beginn Ihr Vorbild in der Welt der Wissenschaft?
Michel Mayor: Ich hatte und habe eine hohe Wertschätzung für meinen Professor für theoretische Physik, Ernst Stückelberg, der meiner Meinung nach den Nobelpreis verdient hätte.
Und jetzt?
Das ändert sich im Laufe des Lebens, wenn man die Menschen und ihre Geschichte kennen lernt. Ich bewundere Otto Yuliyevich Schmidt sehr. Geboren 1891 in Russland, war er ein brillanter Allrounder. Er war Geograph, als er die russischen Küsten für eine mögliche arktische Meerespassage vermessen hat. Er war auch Mathematiker, Geophysiker und Astronom, aber auch Psychoanalytiker, Staatsmann, Professor an der Moskauer Universität, Chefredaktor und Vizepräsident der UdSSR-Akademie der Wissenschaften. Aber was mich als Astronom am meisten beeindruckt, ist, dass er bereits in den 1940er Jahren die Physik der Planetenentstehung erklärt hat, als noch niemand dachte, dass es ausserhalb des Sonnensystems Planeten gibt.
Mussten Sie eine gewisse Zurückhaltung überwinden, um die Entdeckung von 51pegb anzukündigen?
Anfang 1995, als wir bereits die Ergebnisse von 51pegb hatten, wurde eine Arbeit von Alan Boss, einem führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet, veröffentlicht, in der es hiess, dass die Radialgeschwindigkeit nicht der richtige Weg sei, um nach Planeten von Jupitergrösse zu suchen. Denn weil diese weit vom Stern entfernt entstehen, brauchen sie für einen Umlauf mindestens 10 Jahre. Unserer hat es in 4 Tagen geschafft. Da haben wir uns gesagt: “Seid vorsichtig, wir stehen in völligem Widerspruch zur Theorie”.
Ihre beste Erinnerung als Forscher?
Die Inbetriebnahme der Spektrographen ELODIE bei OHP (mit dem 51pegb entdeckt wurde) und HARPS auf dem 3,6-Meter-Teleskop der ESO in Chile. Wenn man den Spektrographen einschaltet und die Messung beim ersten Mal in Echtzeit erhält, ist dies ein sehr intensiver Moment. Es ist eine grosse Belohnung für das ganze Team, das viele Jahre an dem Projekt gearbeitet hat.
Und das übelste Erlebnis?
Das war in La Silla. Ich beobachtete mit dem Spektrographen CORAVEL auf dem dänischen 1,5-Meter-Teleskop und plötzlich gab es einen Fehler. Ich schaltete die Stromversorgung aus, um die Installation zu überprüfen, und als ich wieder alles anschliessen wollte, machte ich einen Fehler bei der Verbindung und alle elektronischen Schaltkreise brannten durch. Das war ein grosser Moment der Einsamkeit. Es dauerte 3 Tage, bis der ESO-Ingenieur alle integrierten Schaltkreise in der Installation einzeln ausgetauscht hatte.
Der Nobelpreis öffnet viele Türen, werden Sie davon profitieren?
Ich weiss es noch nicht. Aber das ist richtig, und ich habe es bereits in Madrid erlebt, kurz nach der Bekanntgabe des Nobelpreises. Ich wurde bei einem offiziellen Anlass sehr hochrangigen Persönlichkeiten des spanischen Staates und sogar dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofs vorgestellt.
Was kann im Leben eines Forschers deprimierend sein?
Zu einem bestimmten Zeitpunkt gab es bei meiner Doktorarbeit etwas, das nicht funktionierte. Ich wusste, dass die Methode richtig war, dass die Physik korrekt war, aber die Ergebnisse des Programms waren falsch. Es dauerte mehr als einen Monat, jeden Morgen versuchte ich etwas anderes, aber nichts funktionierte. Es war deprimierend, aber im Leben eines Forschers bleibt dies eine Einzelerscheinung. Auf der anderen Seite – und das sehen wir im NFS PlanetS deutlich – kann die Suche nach einem festen Arbeitsplatz demotivierend und deprimierend sein.
Was würden Sie jungen Leuten raten, die forschen wollen?
Lasst sie machen, wenn sie es wollen und nicht zögern. Denkt nicht über den nächsten Schritt nach. Was auch immer passiert, es wird einen Platz für sie geben. Und ich möchte daran erinnern, dass Didier Queloz Doktorand war, als wir 51pegb entdeckten, und die Suche nach einem Exoplaneten war überhaupt nicht das Thema seiner Doktorarbeit.
Haben Sie jemals erwogen, alles aufzugeben?
Niemals!