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Vietnam ist ein faszinierendes Land mit einer Jahrtausend alter Kultur, geprägt von Gegensätzen, umwerfender Natur, Freundlichkeit der Menschen, einer bewegten Geschichte und natürlich einer steil aufwärts strebenden Wirtschaft. Andreas Vogelsanger, CEO von Asia Frontier Capital Vietnam, analyisert in seinem Gastbeitrag das Land und erklärt Investment-Hintergründe.
Vietnam ist sicherlich für seinen Kaffee sehr bekannt, aber nur wenige Leute wissen, dass es heute der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt nach Brasilien ist. Aber dies ist nicht das einzige Exportgut, wofür Vietnam bekannt ist. Inzwischen gehört dieses asiatische Land zu den weltweit größten Exporteuren von Reis, Pfeffer und Garnelen. Langsam, aber sicher hat sich dieses wunderschöne Land mit seiner Bevölkerung von über 90 Millionen Menschen zu einem wichtigen Wirtschaftsmotor in Südostasien entwickelt. Wie in einem kürzlich erschienenen Bericht von Boston Consulting Group erwähnt wurde, gibt es keine andere Mittelschicht im asiatisch-pazifischen Raum, welche so schnell wächst wie diese von Vietnam. Auch wenn das BIP pro Kopf mit knapp USD 2‘000 immer noch sehr gering ist, kann man deutlich erkennen, dass die vietnamesische Produktivität sich nun in einer Beschleunigungsphase befindet, wie in der nachfolgenden Tabelle ersichtlich ist.
Mehr als die Hälfte der vietnamesischen Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt und ist sehr bekannt für seine starke Arbeitsmoral. Wenn man dies mit den niedrigen Löhnen und der großen Arbeitsbevölkerung kombiniert, sind die Vorteile für in Vietnam tätige Unternehmen sehr offensichtlich. Nur wenigen ist bewusst, wie hoch das Bildungsniveau in Vietnam ist. Die Ergebnisse des von der OECD geförderten PISA-Bericht jedoch zeigen, dass die Jugend absolut mit Ländern wie Deutschland und der Schweiz mithalten kann oder sogar übertrifft, wenn man einen Vergleich mit Ländern wie Großbritannien, den USA und Australien in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften anstellt.
Diese wenig bekannte Tatsache ist sicherlich ein Grund, warum High-Tech-Unternehmen wie Samsung, Intel, Nokia und Canon ihre Produktionsstätten von China nach Vietnam verlagern, womit natürlich zugleich auch die Kosten erheblich gesenkt werden. Rund 94% der vietnamesischen 90 Millionen Bevölkerung verdienen weniger als USD 2’000 pro Jahr, was deutlich aus der Mindestlohn Statistik der Region ersichtlich ist.
Aber Vietnam erlebte auch ein paar wirtschaftliche Rückschläge in den letzten zehn Jahren, vor allem was die Schwierigkeiten mit der Handhabung des schnellen Wachstums betraf. Aber meiner Meinung nach hat die vietnamesische Regierung von ihren früheren Fehlern gelernt und ist nun fokussiert, ihre Wirtschaft auf einem soliden Weg der nachhaltigen Entwicklung zu lenken. Dies scheint ihr auch erfolgreich zu gelingen, und Gründe für diese positive Stimmung sind einige zu finden. So hat die Regierung erste, sehr positive Zahlen zur Wachstumserwartung für 2016 bekanntgegeben. Mit 6,5 % GDP-Anstieg sollte die Erfolgsstory Vietnam im Ausland weiterhin steigende Beachtung finden – aufbauend auf ein Wirtschaftswachstum, das von 2005-2014 mehr als 300% betrug. Auch sehr positiv zu werten ist, dass mit dem Beitritt zum TPP (Trans Pacific Partnership agreement) zusätzlich noch einen weiteren Boost von mindestens 30% erzeugt wird. Somit kann auch weiterhin mit außergewöhnlich positiven makroökonomischen Daten gerechnet werden.
Das Anheben der Limits für Ausländer-Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen könnte schon bald für einen weiteren Schub sorgen. Die Meinungen, wann dieses Gesetz verabschiedet wird, variieren von frühestens im nächsten Monat bis spätestens Oktober, aber auf alle Fälle noch dieses Jahr.
Eine ebenfalls sehr positive Überraschung lieferte der PMI (Purchasing Manager Index) von 54,8 Punkten nach 53,5 Punkten im Mai. Dieser Wert signalisiert nebenbei den höchsten Wert seit Beginn der Veröffentlichungen in 2011. Getragen von einem steigenden Inlandskonsum für die ersten 5 Monate 2015, sollte dies einen weiteren Pluspunkt für eine florierende Wirtschaft darstellen.
Ich werde oft um die besten Investitionsmöglichkeiten für die vietnamesische Investmentstory gefragt. Da Privatbanken keine Direktinvestitionen in vietnamesischen Aktien anbieten, ist die beste Lösung in einen aktiv verwalteten Vietnam Fonds („open end“ oder „closed end“) oder in einen ETF zu investieren.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen einem „open end“ und einem „closed end“ Fonds ist, dass die Anzahl der ausstehenden Aktien eines „open end“ Fonds variieren kann, während die Anzahl Aktien eines „closed end“ Fonds festgelegt sind. Ein „open end“ Fonds kann je nach Bedarf neue Aktien ausgeben oder alte Aktien zurückkaufen, um der Nachfrage der Anleger gerecht zu werden, falls diese neue Anteile kaufen oder verkaufen.
Der Preis pro Anteil eines „open end“ Fonds wird durch den Netto-Inventarwert aller Vermögenswerte (NAV) vom Fonds, geteilt durch die Zahl der Anteile, ermittelt. Der Preis pro Anteil eines „closed end“ Fonds wird jedoch durch die Höhe der Nachfrage und des Angebotes bestimmt und kann daher entweder eine Prämie oder einen Abschlag zum NAV haben. In Vietnam zum Beispiel, wo „closed end“ Fonds historisch mit einem hohen Abschlag zum NAV gehandelt wurden, verringerte sich nun dieser Abschlag über die letzten Jahre und deshalb sind „open end“ Fonds nun wieder die beliebtere Form unter den versierten Investoren.
Mit einem „open end“ Fonds profitiert der Investor von einem hohen Maß an Flexibilität, weil er jederzeit entweder Fonds-Anteile kaufen oder verkaufen kann, ohne eine Prämie bei Käufen oder einen Abschlag auf Verkäufen zu bezahlen. „Open end“ Fonds Manager haben die Flexibilität in Zeiten der Unsicherheit entweder mehr Cash zu halten oder ihre Anlagestrategie zu ändern, um defensive Aktien überzugewichten.
ETFs haben in der Regel große verwaltete Vermögen. In Vietnam haben sie allerdings das Problem, dass sie nur in liquide Aktien oder Large Caps investieren können, bei welchen die Ausländer Limite noch nicht erreicht wurden. Dieses Problem schränkt ihr Anlageuniversum auf nur wenige Aktien ein, wodurch ihre Diversifizierung sehr begrenzt ist. ETFs leiden sehr unter dieser Restriktion, wie sie aus dem untenstehenden Vergleich zwischen dem von vielen Marktteilnehmern sehr geschätzten Market Vectors Vietnam ETF (USD 470 Mio. Marktkapitalisierung) und unserem AFC Vietnam Fund (USD 18 Mio. AUM) entnehmen können.
Die Bewertungen von Vietnam im regionalen Vergleich sehen nach wie vor sehr günstig aus. Was jedoch auffällt, ist der Bewertungsunterschied zwischen großkapitalisierten und kleineren vietnamesischen Unternehmen, wo aus unserer Sicht die Spanne viel zu weit ist – oder mit anderen Worten, die kleineren Unternehmen viel zu günstig bewertet sind. Dies bietet damit aus meiner Sicht eine sehr attraktive Investitionsmöglichkeit.
Das BIP-Wachstum Vietnams wird voraussichtlich in diesem Jahr 6.5% betragen bei einer Inflation, die wahrscheinlich deutlich unter 4% liegen wird.
Damit Vietnam das „nächste China“ werden kann, welches ich als absolut für möglich halte, bedingt es weiterhin eine Fortsetzung von Wirtschaftsreformen und ein weiterhin kontinuierliches hohes Wirtschaftswachstum. Interessanterweise hat Intel vor kurzem erklärt, dass sie 14 Jahre in China gebraucht haben, bis sie ihren hohen, gewünschten Qualitätsstandard erreicht haben. In Vietnam wurde dies dagegen bereits nach nur 4 Jahre vollbracht! Dies ist sicherlich eine erfreuliche Erfahrung für Intel und spricht natürlich sehr für Vietnam und sein zukünftiges Wachstumspotential.
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