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Die UN-Kommission zur Festlegung der Grenzen des Festlandsockels genehmigte bereits Anfang des Monats den größten Teil von Russlands Anspruch auf den Meeresboden im Arktischen Ozean. Das letzte Wort über das Recht auf das umkämpfte Gebiet ist allerdings noch nicht gesprochen — Dänemark und Kanada haben ebenfalls Ansprüche eingereicht, die sich teilweise mit denen von Russland überlappen.
Erstmals reichte Russland im Jahr 2001 einen Antrag bezüglich seines Anspruchs auf den Festlandssockel im zentralen Arktischen Ozean bei der Kommission ein. Diese forderte eine Überarbeitung, die Russland im Jahr 2005 mit einer Erweiterung um etwa 103.000 Quadratkilometer einreichte. Im Jahr 2021 folgten Nachträge, nachdem genauere Daten über den Meeresboden im Arktischen Ozean vorlagen. Dem IBRU Center for Borders Research (Durham University) zufolge vergrößerte sich das von Russland beanspruchte Gebiet damit um weitere 704.000 Quadratkilometer auf nun 2,1 Millionen Quadratkilometer.
Der russische Anspruch geht entlang des Lomonosov-Rückens über den Nordpol hinaus bis zu Grönlands und Kanadas 200-Seemeilen-Grenze. Es bestehen jedoch teils große Überschneidungen mit den Ansprüchen von Grönland/Dänemark und Kanada, darunter auch das Gebiet des Lomonosov-Rückens, das von allen drei Ländern beansprucht wird. Die Anträge von Grönland/Dänemark und Kanada wurden allerdings noch nicht von der Kommission bearbeitet. Und laut der grönländischen News-Plattform Sermitsiaq AG wird dies für die grönländisch-dänischen Ansprüche nicht vor 2032 geschehen. Kanada wird sogar noch länger darauf warten müssen.
Die aktuelle Empfehlung der Kommission stellt somit noch keine endgültige Entscheidung dar, aber es ist die Anerkennung des russischen Anspruchs von höchster Instanz in dieser Angelegenheit.
Mitten in Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine hilft die Bestätigung der Kommission dem Kreml, Stärke und Widerstandsfähigkeit gegenüber dem russischen Volk und der restlichen Welt zu demonstrieren. Die Arktis wurde und wird von russischen und sowjetischen Führern schon seit Generationen für Machtdemonstrationen genutzt.
Mit dem Recht auf den Meeresboden des Festlandssockels erhält die jeweilige Nation das Recht, alle Rohstoffvorkommen auszubeuten. Ein Recht auf Fischerei oder andere Aktivitäten in der Wassersäule oder auf dem Meereis ist darin nicht eingeschlossen.
Julia Hager, PolarJournal