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In den Gemeinden des Seetals hoffte man ursprünglich, dass die Strecke Basel–Olten–Luzern über das Seetal geführt wird. Die Schweizerische Centralbahn entschied sich aber für eine Streckenführung über Zofingen–Sursee–Sempach.
In den 1870er-Jahren entwickelte der Zürcher Ingenieur Theodor Lutz (* 1841; † 1890) ein Konzept für den kostengünstigen Bau von Lokalbahnen. Nach seinen Vorstellungen sollten Lokalbahnen vorhandene Strassen mitbenützen, die ja ohnehin den meisten Verkehr an die neu eröffnete Eisenbahn verlieren würden. Ausserdem ermöglichte dies die Führung der Lokalbahn direkt in die Ortszentren. Lutz hatte eine flüchtige Bekanntschaft mit Londoner Finanzleuten, die er für das Projekt einer nach seinem Konzept geplanten Eisenbahn durch das Schweizerische Seetal gewinnen konnte. So kam es am 22. August 1882 in London zur Gründung der Lake Valley of Switzerland Railway Company.
Im Jahr 1883 konnte die Strecke Emmenbrücke–Lenzburg in zwei Etappen eröffnet werden. 1887 folgte eine Zweigstrecke von Beinwil am See bis Reinach. Die Hoffnung der englischen Investoren auf das grosse Geschäft erfüllte sich nicht und so verkauften sie die Bahn 1894 an die neu gegründete Schweizerische Seethalbahn-Gesellschaft (SThB).
Die neuen Schweizer Eigentümer versuchten die Attraktivität ihrer Bahn zu erhöhen und führten einige bemerkenswerte Neuerungen ein. 1894/96 wurden vierachsige Grossraumwagen beschafft. Ab 1903 wurden vierachsige Buffetwagen eingesetzt, die von der Schweizerischen Speisewagengesellschaft betrieben wurden. Mangels Rentabilität wurden sie allerdings 7 Jahre später wieder abgestellt.
Auch kleinere Netzerweiterungen wurden durchgeführt: 1895 wurde die Hauptstrecke von Lenzburg nach Wildegg, 1906 die Stichstrecke von Reinach nach Beromünster verlängert.
Die bedeutendste Innovation war aber die Elektrifizierung der Strecke mit Einphasenwechselstrom (5500 V, 25 Hz) im Jahr 1910. Ein ungewöhnlicher Schritt für eine Lokalbahn war auch die Führung von Schnellzügen ab 1913. Der elektrische Betrieb ermöglichte der Seetalbahngesellschaft während des Ersten Weltkriegs gute Erträge zu erwirtschaften, weil sie ihren Fahrplan nicht wegen Kohlemangels einschränken musste.
Die Schweizerischen Bundesbahnen hatten grosses Interesse, die lukrative Bahn zu erwerben, und so wurde sie zum konzessionsmässigen Rückkauftermin 1922 verstaatlicht. Der SBB-Betrieb bedeutete das Ende für viele fortschrittliche Neuerungen der vormaligen privaten Eigentümer. Die Schnellzüge verschwanden ebenso wie die vierachsigen Grossraumwagen, die durch Zwei- und Dreiachser ersetzt wurden. Die Seetalbahn wurde zu einer „normalen“ SBB-Nebenbahn und führte innerhalb der SBB ein Schattendasein. Die einzige nennenswerte Investition war die Umstellung auf das Standardstromsystem der Bundesbahn (15000 V, 16 2/3 Hz) im Jahre 1930.
Beinwil am See–Beromünster
Die Stichstrecke sollte das Wynental und die Region Beromünster erschliessen und wurde 1887 zunächst bis Reinach eröffnet. 1904 erhielt das Wynental mit der Wynentalbahn einen direkten Anschluss an die Kantonshauptstadt Aarau. Trotzdem wurde 1906 die Stichstrecke von Reinach bis Beromünster verlängert.
Zuletzt verkehrten täglich 18 Personenzugpaare, bevor der Personenverkehr am 30. Mai 1992 eingestellt und durch Busse ersetzt wurde. Diese Einstellung erfolgte versuchsweise und zunächst auf 5 Jahre beschränkt, tatsächlich aber wurde der Personenverkehr nicht wieder aufgenommen. Die Gleisanlagen wurden für den Güterverkehr belassen. Im Juli 2001 verkehrten die letzten Güterzüge resp. Sonderzüge des Circus Knie. Da die Unkrautvertilgung auf dem Bahnkörper zuletzt unterlassen wurde, mussten bei den Lokomotiven der Baureihe SBB Ae 6/6 die Stromabnehmer während der Fahrt gesenkt werden. Danach wurden die Gleisanlagen abgebrochen. In Reinach und Menziken wurde die Trasse für eine Verlegung der Wynentalbahn von der Strasse auf einen unabhängigen Gleiskörper verwendet, auf der Strecke zwischen Beromünster und Menziken wird 2007 ein Radweg realisiert.