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Sein Heimatdorf mit Namen Oda liegt äußerst abgelegen im Westen Nepals. Diese Abgeschiedenheit birgt große Herausforderungen im Bereich Gesundheitsvorsorge und höhere Bildung. Der Tod von Karan Singh’s Vater aufgrund fehlender medizinischer Versorgung, zwang ihn, die Schule früh abzubrechen, um in Indien für einen mageren Lohn zu arbeiten. Im Jahr 2013 ging er zurück in die Heimat und gründete die Oda Foundation, eine Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die gesamte Region in den Bereichen Bildung und Gesundheit zu entwickeln. Seitdem hatte er eine Klinik, einen Kindergarten und eine Schule eröffnet.
Die abgeschiedene Schönheit Oda's
Eingebettet in die Bergregion Karnali, im mittleren Westen Nepals, umgeben von Flüssen und Feldern, ist unser Dorf Oda, eigentlich eine wahre Attraktion. Leider ist es so abgelegen, dass nur wenige ihren Weg zu uns finden. Die Menschen leben in Lehmhäusern, die visuell harmonisch mit der Natur verschmelzen. Ein Dorf, das etwa 150km von der indischen Grenze und 388km von der Hauptstadt Kathmandu entfernt ist. Trotz all der Idylle und Harmonie, gibt es Schattenseiten. Es gibt keine befahrbare Straße nach Oda und bis vor einigen Jahren hatte die Bergbevölkerung weder lokalen Zugang zur Gesundheitsvorsorge, noch konnten die Kinder in eine lokale Schule gehen.
Aufbruch in eine ungewisse Zukunft
Als ich 10 Jahre alt war, wurde mein Vater schwer krank. Er hatte hohes Fieber, doch es gab weit und breit keine Klinik und niemand in unserem Dorf verfügte über fiebersenkenden Mittel. Meine Mutter versuchte es mit allen lokalen Heilmitteln, aber der Zustand meines Vaters wurde nur noch schlimmer. So beschlossen wir, ihn ins Krankenhaus in der Nachbar Region, die vier Tagesmärsche entfernt war, zu schicken. Ich wollte ihn begleiten, doch mein Vater entschied sich, alleine zu gehen. Später erfuhren wir, dass er nicht vollständig behandelt werden konnte, da ihm das Geld ausging. Er musste also nach Indien gehen und Geld verdienen, um seine Schulden zurückzubezahlen. Wir warteten hoffnungsvoll auf seine Rückkehr, aber er kam niemals zurück. Zwei Jahre später erfuhren wir, dass mein Vater irgendwo in Indien allein, ohne seine Familie an einer Lungenentzündung gestorben war. Während diesen zwei Jahren, ohne Gewissheit, arbeiteten meine Mutter und ich auf den Feldern um zu überleben. Nach Abschluss der fünften Klasse musste ich die Schule verlassen, da ich kein Geld für Bücher hatte und ich musste mich ganz der Finanzierung meiner Familie widmen. Ich schloss mich einem Onkel an, der in Indien arbeiten wollte. Da ich kein Geld für die weite Reise besaß, verkaufte ich den Armreif meiner Mutter. Dann wanderten wir los. Erst nach Tagen kamen wir an eine Straße. Hier gab es einen Bus, der uns nach Indien bringen sollte. In der Nacht bevor wir den Bus nahmen, schliefen wir in einem Schuppen. Da gab es ein Licht, das ich nicht zuordnen konnte. Zunächst dachte ich, es sei der Mond oder ein leuchtender Stern. Erst später erfuhr ich, dass es sich um eine Glühbirne handelte. So etwas hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Denn in Oda gab es keine Elektrizität. In Devprayag, in Indien, nahm ich einen Job bei dem ich von morgens bis abends Geschirr in einem kleinen Restaurant wusch.
Eine schicksalhafte Begegnung verändert alles
Nun konnte ich mit 14 Jahren bereits monatlich 1’200 Rupien verdienen, aber ich vermisste meine Familie sehr und litt unter der Trennung. An einem Nachmittag am Fluss, als ich einigen Indern half, ein Boot an Land zu ziehen, änderte sich mein Leben. Es handelte sich um eine Touristengruppe, die gerade auf einer Rafting-Expedition war. Die Manager boten mir einen Job an und ich nahm ihn dankbar an. Ich wurde Rafting-Guide und wurde später selbst Manager des Unternehmens. Jährlich bekam ich von der Raftingfirma genügend freie Zeit, so dass ich meine Familie in Oda besuchen konnte. Bei diesen Trips brachte ich immer Medikamente für unsere Nachbarn mit und ich dachte an Bücher und Schultaschen für die Kinder in unserem Dorf. Viele der Kinder hatten ähnliche Herausforderungen wie ich selbst in meiner Kindheit. Während all dieser Zeit fragte ich mich, wie ich das Leben der Menschen in meinem Dorf verbessern könnte. Und Im Jahr 2013 wurde ein Traum wahr. Ich traf auf John Christopher, einen jungen Amerikaner, der in Nepal einige Jahre als Freiwilliger arbeitete. Ich nahm ihn mit in mein abgelegenes Dorf. Da wurde er sehr krank und erlebte aus erster Hand, wie wichtig eine angemessene medizinische Versorgung ist. Später wurde er der Mitbegründer der Oda Foundation. Gemeinsam verwandelten wir den Kuhstall meiner Mutter in eine Arztpraxis mit einer Apotheke und einer Ambulanz. Wir stellten auch medizinisches Fachpersonal ein. Unsere Dorfgemeinschaft war sehr froh über die neuen Entwicklungen und auch für meine Familie war das eine wichtige Mission im Angedenken an meinen Vater, der aufgrund mangelnder Gesundheitsvorsorge gestorben war. Jetzt konnte ich anderen die Hilfe ermöglichen, die er damals nicht bekommen hatte.
Gesundheitsversorgung für Oda und darüber hinaus
Im Jahr 2016 kamen die Dorfbewohner zusammen und spendeten ihr Land. Gemeinsam bauten wir ein Krankenhaus, arbeiteten mit der Regierung zusammen und konnten so rund um die Uhr Gesundheitsversorgung anbieten. Es gab sogar ein Geburts-hilfezentrum, was bereits vielen Müttern und Kindern das Leben gerettet hatte. Auch die Bildung war uns wichtig. Ich wollte nicht, dass es den Kindern wie mir erging und sie zu früh die Schule abbrechen mussten. Im Jahr 2017 übernahmen wir eine alte, nicht funktionale Schule und modernisierten sie, indem wir sie mit Lernmaterialien und Lehrkräften ausstatteten. Heute wird sie von 450 Schülern besucht und es gibt 19 engagierte Lehrer. Ja, wir haben schon eine Menge erreicht. Aber wir möchten noch mehr tun.
Ein Traum von nachhaltiger Entwicklung
Unser Ziel ist, diesen Erfolg in anderen Teilen der Region Kalikot’s zu übertragen. Am kanthari Institut habe ich dazu folgende Ideen entwickelt:
1. Schule im Gewächshaus: Viele Kinder gehen im Winter gar nicht oder nur ungern zur Schule, da die Klassenzimmer nicht beheizt werden können. Wir planen nun den Bau von Gewächshäusern, die sowohl für den Gemüseanbau, als auch für das “Großziehen” der Kinder genutzt werden können. So entsteht die Gewächshausschule, die auch im Winter immer angenehm warm sein wird.
2. Fliegende Medizin: Um Menschen in den Bergen zu erreichen, möchten wir Drohnen einsetzen. Diese können sie medizinisch versorgen und von den abgelegenen Gesundheitsstationen können uns Bluttests zugeschickt werden, ohne das sich die Patienten auf eine gefährliche Reise machen müssen.
3. Business Training für Frauen: Wir werden uns besonders auf die Förderung der Frauen konzentrieren. Sie bekommen eine Ausbildung, wie man aus Obst und Gemüsen wertvolle und langlebige Lebensmittel herstellt. Diese können dann auch in den nächsten Ortschaften oder sogar in Kathmandu verkauft werden.
Oda ist weit von allen Metropolen und der Traum ist groß. Doch wir werden alles dafür tun, dass Menschen verstehen, dass das Leben in Abgeschiedenheit lebenswert sein kann.