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Private Schweizer Hilfsorganisationen bereiten sich auf den Abzug aus Nordkorea vor. Gemäss Weisung des Regimes müssen sie das Land bis Ende Jahr verlassen.Dieser Inhalt wurde am 22. Dezember 2005 - 23:33 publiziert
Im krisengeplagten Land hatten zehntausende Menschen von den Hilfs- und Entwicklungsprojekten profitiert.
Im vergangenen August hatte das kommunistische Regime die privaten Organisationen informiert, dass diese ihre Projekte der humanitären Hilfe bis Ende Jahr einzustellen hätten. Auch müsse sämtliches ausländisches Personal der NGO das Land verlassen.
Vom Bann betroffen sind auch drei Schweizer Organisationen. Eine davon, die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA), war seit 1999 im Land präsent und hatte zuletzt sechs Projekte betreut.
"Wir unternahmen alle nötigen Schritte, um zu bleiben, aber leider war dies nicht möglich", sagte ADRA-Vertreter Alexander Gasser gegenüber swissinfo. Es sei aber der Wunsch der Organisation, später wieder nach Nordkorea zurückzukehren, um die Aktivitäten weiter zu führen.
Gute Ernte
Mit seinen 22 Millionen Einwohnern ist das Land weitgehend von der Hilfe der Staatengemeinschaft abhängig. Dies seit Naturkatastrophen und Missmanagement Mitte der 1990er-Jahre den wirtschaftlichen Kollaps Nordkoreas bewirkten.
Nach einer guten diesjährigen Ernte und dem Abschluss von bilateralen Hilfsabkommen mit Südkorea befand die kommunistische Führung, dass sich Nordkorea 2006 selbst versorgen könne.
ADRA betreibt seit 1992 in der Hauptstadt Pjöngjang eine Bäckerei, wo mit Vitaminen angereicherte Brötchen gebacken werden. Diese werden an Kinder verteilt. Aus dem Betrieb stammen auch die Vollkorn-Biskuits für 32'000 Kinder im Norden des Landes. Gasser hofft nun, dass die Bäckerei ihren Betrieb unter Führung des Zentralstaates weiter aufrecht erhält.
"Es ist unsere Philosophie, die von uns initiierten Projekte nach einer gewissen Zeit in lokale Hände zu übergeben. Jetzt musste dies rascher als geplant geschehen", so Gasser weiter.
Die Weiterführung des Bäckereibetriebes tut dringend Not. Vor einem Jahr hatte eine Untersuchung des Welternährungs-Programmes der Vereinten Nationen (UNO) ergeben, dass in Nordkorea 37% der Kleinkinder chronisch unterernährt sind. Von den Müttern waren ein Drittel unterernährt und litten unter Eisenmangel.
UNO-Resolution
Der Rauswurf hatte Konsequenzen auf der politischen Bühne. Im November hatte ein Komitee der UNO-Generalversammlung eine Resolution verabschiedet, in der die Mitglieder ihre Besorgnis über vermutete Menschenrechts-Verletzungen in Nordkorea äusserten.
Damit unterstützte das Gremium die Europäischen Union (EU), die in einem Bericht von "verbreiteten und schlimmen" Missbräuchen sprach. Die EU forderte Pjöngjang darin auf, "die Menschenrechte vollumfänglich zu respektieren".
Die UNO-Resolution verlangt vom Regime, die humanitäre Hilfe weiter zu erlauben. Ferner müssten die Mitarbeiter der NGO Zugang zu allen Regionen des Landes haben.
Diese Verbindung von Menschenrechten und besserem Zugang hat die Führung in Pjöngjang aufgeschreckt. Deren Position hat sich seither verhärtet. Gespräche der NGO mit dem Regime sind ergebnislos geblieben.
Ernährungs-Hilfe
Die Schweizer Entwicklungsagentur (DEZA) agiert seit 1996 in Nordkorea. Schwerpunkt war die Hilfe mit Lebensmitteln. Nach 2000 verlagerte die DEZA ihre Tätigkeit mehr und mehr in den Bereich der Ausbildung-Programme. Da es sich um eine staatliche Organisation handelt, fällt die DEZA nicht unter den Bannstrahl.
Er habe alles versucht, um die privaten NGO zu verteidigen, erklärte Ulrich Stürzinger, DEZA-Verantwortlicher für Nordkorea. Obwohl er ausdrücklich auf die Wichtigkeit von deren Entwicklungsarbeit hingewiesen habe, habe er den Entscheid über den Rauswurf der NGO nicht umkehren können, bedauerte er.
Sorgen bereitet ihm vor allem die Mangelernährung. "Zwar wurden die Reisrationen fast verdoppelt, doch die Ernährung ist immer noch nicht so ausgewogen, wie sie sein sollte."
Fragezeichen macht Stürzinger auch hinter die gerechte Verteilung der Lebensmittel. "Viele Organisationen verteilten Lebensmittel an Menschen ohne Schutz, beispielsweise Kinder in Waisenhäusern." Für ihn ist unsicher, ob diese weiter die Hilfe bekämen, die sie dringend nötig hätten.
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)
Fakten
ADRA Schweiz ist eine vom Staat unabhängige, selbständige Organisation der protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten.
ADRA ist seit 1992 in Nordkorea tätig.
Campus für Christus ist die zweite wichtige Schweizer NGO in Nordkorea, spezialisiert auf Land- und Milchwirtschaft.
Die Heilsarmee finanziert in Nordkorea Projekte, ohne dort einen permanenten Sitz zu haben.
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