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Mit der Verlegung der taktischer Atomwaffen nach Westen will Russland erstmals seit den 90er-Jahren Nuklearwaffen ausserhalb des eigenen Staatsgebiets bereithalten.
Der internationale Atomwaffensperrvertrag werde dadurch nicht verletzt, sagte Putin im staatlichen Fernsehen. Nachfolgend einige Fragen und Antworten zu taktischen Atomwaffen in Russland und deren Einsatz:
WAS SIND TAKTISCHE ATOMWAFFEN?
Im Gegensatz zu strategischen sind taktische Atomwaffen aufgrund ihrer geringeren Zerstörungskraft und Reichweite für den Einsatz im Gefecht konzipiert. Wie viele taktische Atomwaffen Russland besitzt, ist nicht bekannt. Nach Schätzungen der USA verfügt Moskau über 2000 solcher Sprengköpfe und damit mehr als das Zehnfache der USA. Diese lagern in mindestens 30 Stützpunkten und Silos.
Insgesamt besitzen Russland und die USA der Federation of American Scientists zufolge 5977 und 5428 nukleare Sprengköpfe. Davon seien 1588 aufseiten Russlands und 1644 aufseiten der USA weiterhin einsetzbar. Das Friedensforschungsinstitut Sipri bezeichnet Atomwaffen als einsatzbereit, wenn diese beispielsweise bereits auf Raketen montiert sind oder sich auf Militärstützpunkten befinden.
WIE WERDEN MÖGLICHE EINSÄTZE VORBEREITET?
Wesentlich für die Einsatzbereitschaft dieser Waffen sind Trägersysteme wie Marschflugkörper, Flugzeuge und U-Boote. Russland verfügt nach Schätzungen des Bulletin of the Atomic Scientists über etwa 400 atomar bestückte Interkontinentalraketen, die bis zu 1185 Sprengköpfe tragen können. Zudem betreibe das Land zehn nuklear bewaffnete Atom-U-Boote, mit einer Kapazität von bis zu 800 Sprengköpfen. Auch etwa 60 bis 70 Bomber der Luftwaffe seien für Atombomben geeignet.
Aller Wahrscheinlichkeit nach würde Putin sich zur Vorbereitung eines Atomschlages mit hochrangigen Vertretern aus dem russischen Sicherheitsrat beraten. In einem folgenden Schritt müssten die Bomben auf einem Trägersystem montiert werden, um sie bereit für den Abschuss zu machen. Dafür wäre der Generalstab verantwortlich.
Auch Tests gelten als mögliche Vorbereitung. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 haben der Arms Control Association zufolge nur wenige Länder Atomwaffen getestet: Die USA zuletzt 1992, China und Frankreich zuletzt 1996, Indien und Pakistan zuletzt 1998 und Nordkorea zuletzt 2017. Die Sowjetunion startete zuletzt 1990 einen Versuch.
WER ERTEILT IN RUSSLAND DEN BEFEHL ZUM ABSCHUSS?
Der russischen Nukleardoktrin zufolge ist der Präsident der letzte Entscheidungsträger. Das gilt sowohl für strategische als auch taktische Atomwaffen. Der sogenannte Atomkoffer befindet sich stets in Begleitung des Präsidenten. Im Wesentlichen ist der Koffer ein Kommunikationsmittel, wodurch der Präsident im direkten Austausch mit der militärischen Führungsspitze und den Raketentruppen steht.
Im Jahr 2019 zeigte der russische Fernsehsender Zvezda Aufnahmen einer solchen mutmassichen Aktentasche. Auf den Bildern war eine Reihe von Knöpfen zu sehen, darunter auch ein weisser "Start"-Knopf sowie ein roter "Abbruch"-Knopf. Auch der russische Verteidigungsminister, Sergej Schoigu, und der Generalstabschef, Waleri Gerassimow, besitzen laut Protokoll solche Taschen.
WO DÜRFEN ATOMWAFFEN LAUT VERTRAG STATIONIERT WERDEN?
Der internationale Atomwaffensperrvertrag besagt, dass Nuklearwaffen oder -technologien niemals von einer Atommacht an eine Nicht-Atommacht weitergegeben werden dürfen. Eine Stationierung ist laut Vereinbarung in einem anderen Land erlaubt, wenn die Waffen auch weiterhin von der Atommacht kontrolliert werden.
Der Vertrag ist laut der Arms Control Association mit einer nahezu universellen Mitgliedschaft das weltweit weitreichendste Rüstungskontrollabkommen. Nur der Südsudan, Indien, Israel und Pakistan seien keine Mitglieder.
Die USA haben rund die Hälfte ihres Arsenals an taktischen Nuklearwaffen in Europa und der Türkei stationiert. Die europäischen Depots befinden sich auf Luftwaffenstützpunkten in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Italien. Darauf verwies Putin bei der Bekanntgabe seiner Vereinbarung mit dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko: "Wir haben vereinbart, dass wir dasselbe tun - ohne unsere Verpflichtungen zu verletzen, ich betone, ohne unsere internationalen Verpflichtungen zur Nichtverbreitung von Nuklearwaffen zu verletzen." Das sehen die Nato und die Ukraine jedoch anders.
Nach der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 einigte Russland sich mit anderen Nachfolgestaaten darauf, in Zukunft das Atomwaffenarsenal allein zu übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt waren Nuklearwaffen auch auf dem Gebiet von Belarus, der Ukraine und Kasachstan stationiert. Die drei Staaten gaben diese Waffen bis 1996 an Russland ab.
(Reuters)