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Arles träumt von einem Guggenheim-Effekt
Zur Kulturmetropole dank Mäzenen
Mehrere Kulturprojekte, die in Arles derzeit realisiert werden, könnten die südfranzösische Stadt zu einer Kulturmetropole von Weltgeltung machen. Bezahlt wird das alles nicht von der Stadt oder vom Staat, sondern von den Basler Roche-Erben.
sda afp. Kein Wunder, dass der Bürgermeister von Arles, Hervé Schiavetti, sagt: "Es stimmt, dass ich mich mehrmals selbst gezwickt habe." Aber er hat nicht geträumt. So baut US-Stararchitekt Franck Gehry, der bereits das Guggenheim-Museum in Bilbao entworfen hat, derzeit in Arles ein spektakuläres Zentrum für zeitgenössische Kunst.
Geplant ist unter anderem ein 56 Meter hoher, futuristisch anmutender Turm, der Grundstein dafür wurde im April gelegt. Kosten für die Bauarbeiten für die Stiftung Luma: 110 Millionen Euro.
Eröffnet wurde vor Kurzem auch die neue Stiftung Van Gogh, die auf tausend Quadratmetern Ausstellungsfläche nicht nur Werke des niederländischen Künstlers zeigt, der in Arles einige seiner berühmtesten Bilder malte. Hier wurden elf Millionen Euro investiert.
"Eine Gemeinde wie unsere hätte solche Projekte nie finanzieren können", schwärmt Schiavetti. Es sei eine "grosse Chance" für die 50'000-Einwohner-Stadt. Der Kommunist verteidigt seine Unterstützung für die privat finanzierten Projekte, die durch die "Schlichtheit und Grosszügigkeit" der Familie Hoffmann möglich geworden seien.
Mit Arles seit langem verbunden
Luc Hoffmann und seine Tochter Maja haben die Millionen für die Kulturprojekte aufgebracht. Für sie ist Arles ihr zu Hause: Luc Hoffmann kam schon Anfang der 1950er Jahre in die Stadt in der Camargue. Der Vogelkundler und Naturschützer gründete dort eine Forschungsstation für Feuchtgebiete.
Der Mitbegründer der Umweltschutzorganisation WWF stiess auch die Schaffung des Nationalparks Camargue an. Maja Hoffmann wuchs in diesem ganz von Natur geprägten Umfeld auf. "Die Unendlichkeit kann man nicht an vielen Orten verspüren", sagte sie in einem ihrer seltenen Interviews dem US-Magazin "W".
Bei der Grundsteinlegung für die Stiftung Luma erläuterte Maja Hoffmann, warum sie Arles für ihr Projekt gewählt habe: "Weil ich wollte, dass die Bürger von Arles vor allem davon profitieren. Und weil ich erst 15 Tage alt war, als ich hierher gekommen bin."
Hoffnung auf "Guggenheim-Effekt"
Mit der Investition eines Teil ihres immensen Vermögens in die Kunst setzt Maja Hoffmann, die sich auch in anderen Kulturinstitutionen wie der Tate Modern in London oder dem New Museum of Contemporary Art in New York engagiert, eine Familientradition fort.
Ihre Grossmutter sammelte Werke von Picasso oder Braque. Einer ihrer Vorfahren war Mäzen von Beethoven. Die Kulturprojekte werden in Arles fast einmütig begrüsst. Für die Freunde des alten Arles ist das Mäzenatentum der Hoffmanns "fantastisch".
Der Vorsitzende Vincent Ramon erklärte, die zeitgenössische Kunst sei Teil des Erbes von Arles. Auf jeden Fall setzt die Stadt, die auch für ihre vielen antiken Sehenswürdigkeiten berühmt ist, künftig auf den Kultur-Tourismus.
Denn 3000 Industrie-Arbeitsplätze sind in Arles in den vergangenen zehn Jahren verloren gegangen und die Arbeitslosenquote liegt bei 15 Prozent. Der Chef der Handelskammer, Luc Villaret, hofft bereits auf einen "Guggenheim-Effekt wie in Bilbao" für seine Stadt.
Renaud Lavergne / AFP