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Valjancin Akudovič
Valjancin Akudovič gehört zu den zentralen Figuren der belarusischen Wiedergeburt der Wendezeit, deren Vertreter:innen es um die nationale Selbstbestimmung, die Überwindung des kolonialen Erbes und die Etablierung der belarusischen Kultur ging. "Die Zeit, in der Belarus passiert ist", wie Akudovič das unverhoffte Erlangen der staatlichen Souveränität bezeichnet, war die Zeit der großen Hoffnungen und des kulturellen Aufschwungs. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte mussten sich die Vertreter:innen der nationalen Wiedergeburt von vielen ihrer Träume lossagen. Bei einigen führte das zur massiven Enttäuschung, die anderen versuchten, an etwas festzuhalten, was es eigentlich nie gegeben hat. Akudovič nimmt diese Situation zum Anlass, über die Verortung eines Menschen nachzudenken, und zwar in vielen Dimensionen: zwischenmenschlich, politisch, kulturell, existenziell. Dieser rote Faden von Akudovičs Denken zieht sich auch durch den Band Das Rascheln des Schweigens, der diverse Texte aus verschiedenen Jahren beinhaltet: von dem programmatischen Essay "Eines Morgens im eigenen Land aufwachen" über die seinen Freunden gewidmeten Gedichte bis zu den humorvollen Aphorismen über Gott und die Welt. Die biblischen Motive treffen auf Witze über Gott, die persönliche Geschichte über das linke Auge, das Akudovič in der sowjetischen Armee verloren hat, steht neben einer tiefgründigen Abhandlung über Sprache als eines der wichtigsten Elemente des menschlichen Daseins. Wer dieses Buch liest, taucht nicht nur in die Gedankenwelt eines der wichtigsten belarusischen Philosophen ein, sondern auch in seine Biografie, die aufs Engste mit der Geschichte und der Gegenwart des Kulturraums Belarus verbunden ist.
Valjanzin Akudovič, geb. 1950 in Svislač, in der Belarusischen Sowjetrepublik, ist ein belarussischer Philosoph, Autor und Literaturkritiker. In den 90er Jahren arbeitet er bei der Tageszeitung Kultur, Ende der 90er Jahre war er Redakteur der Rubrik "Philosophie und moderne Literatur" der Tageszeitung Krynitsa und zeitweise der Wochenzeitung Literatur und Kunst. 1998 erschien sein erstes Buch Мяне няма. Роздумы на руінах чалавека (Mich gibt es nicht. Gedanken auf den Ruinen eines Menschen), 2004 folgte Разбурыць Парыж (Paris zerstören), 2006 Дыялогі з Богам (Gespräche mit Gott) und 2007 Код адсутнасці. Асновы беларускай ментальнасці, das 2013 unter dem Titel Der Abwesenheitscode. Versuch, Weißrussland zu verstehen bei Suhrkamp in der Übersetzung aus dem Russischen von Volker Weichsel erschien. 2012 folgt Кніга пра нішто (Das Buch über nichts) und 2015 Прачнуцца ранкам у сваёй краіне (Eines Morgens im eigenen Land aufwachen). Einige seiner Bücher wurden ins Polnische, Litauische, Russische und Deutsche übersetzt. Zusammen mit Ales Antsipenka verfasste er zudem 2003 die Анталёгію сучаснага беларускага мыслення (Anthologie des modernen belarusischen Denkens) und 2008 das Buch Невядомая Беларусь (Unbekanntes Belarus).
Auf Deutsch erschien zudem "Die Apokalypse, die es nicht gegeben hat. Waljanzin Akudowitsch und seine Sicht von Tschernobyl", aus dem Russ. von Ganna-Maria Braungardt. In: Peter Jaeggi (Hrsg.): Tschernobyl für immer: von den Atombombenversuchen im Pazifik bis zum Super-GAU in Fukushima ; ein nukleares Lesebuch, Basel 2011. "Wir brauchen einen radikalen Strategiewechsel", aus dem Belarussischen von Thomas Weiler. In: Artur Klinaŭ: PARTISANEN. KulturMachtBelarus, Berlin: edition.fotoTAPETA 2014.
Halijafy war ein unabhängiger belarusischer Verlag, der 2007 gegründet wurde. Am 16. April 2022 musste er auf Beschluss des belarusischen Informationsministeriums seine Verlagstätigkeit einstellen.
Im Halijafy-Verlag konnten 15 Jahre lang Bücher zeitgenössischer belarusischer Autor:innen erscheinen, die zur unabhängigen Literatur- und Kunstszene von Belarus gehören. Zu den Autor:innen des Halijafy Verlags gehören unter anderem auch Schriftsteller:innen wie Volha Hapeyeva, Alhierd Baharevič, Julia Cimafeeva oder Valiancin Akudovič, die auch ins Deutsche übersetzt worden sind. Die Veröffentlichungen von Halijafy wurden mehrfach mit nichtstaatlichen Literaturpreisen in Belarus ausgezeichnet, zwei der Bücher wurden zum “Buch des Jahres” gewählt.
Goten Publishing wurde 2010 in Skopje gegründet.
Die Mitarbeiter und Übersetzer von Goten Publishing sind seit Mitte der 1990er Jahre im Verlags- und Kulturbereich tätig - in der Redaktion mehrerer Zeitschriften, in Verlagen und NGOs; bei der Durchführung von Kultur- und Verlagsprojekten, der Organisation von Lesungen, öffentlichen Debatten und Kultur- und Kunstveranstaltungen.
Der Goten Verlag ist ständiger Partner des Traduki-Netzwerks, häufig der nationale Organisator des Programms auf der Leipziger Buchmesseund und organisierte die erste literarische Residenz "Absolute Modern" in Skopje.
Goten Publishing teilt die Vision einer entwickelten, interkulturellen, polyvalenten Welt, in der Kulturen und Literaturen miteinander kommunizieren, sich gegenseitig ergänzen, beeinflussen, Erfahrungen austauschen und teilen.