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Die Gastromyceten -
Die Bauchpilze (4): Stäublinge und Boviste (2)
Xanders 28. Pilzbrief
Lieber Jörg,
ob Du wohl seit meinem letzten Pilzbrief einen Riesenbovisten oder aber den Kleinen Bovist gefunden hast? Oder hast Du etwa Kopfschmerzen gekriegt, weil Du versuchtest, die Endungen der lateinischen Gruppennamen auswendig zulernen, nach denen man die Pilze einzuteilen versucht? Hoffentlich nicht letzteres; einen Riesenbovist hätte ich Dir aber gegönnt! - Wie angekündigt soll es jetzt weitergehen mit
Die Gastromyceten -Die Bauchpilze (4): Stäublinge und Boviste (2)
Die Stäublingsgattung (Lycoperdon) ist in Europa mit etwa 20 Arten vertreten. Der zwar auffallendste, nicht aber häufigste ist dabei der Igelstäubling (Lycoperdon echinatum, Abbildung 7). Man erkennt ihn leicht an seinen etwa 5 mm langen pyramidenförmig zusammengesetzten Stacheln. Er ist braun und erscheint besonders in Buchenwäldern auf der Erde, sowie auch auf morschen Strünken. - Ebenfalls braun, aber sehr viel häufiger ist der Birnenstäubling (Lycoperdon pyriforme, Abb. 8). So heisst er, weil er wirklich die Form einer Birne aufweist. Oft erscheint er in grösseren Kolonien auf Totholz und zwar sowohl auf Laubholz (besonders Buche) als auch auf Nadelholz wie Rottanne und Lärche. Fast immer reisst man bei der Ernte (die Fruchtkörper sind ja essbar) auch noch einige Myzelstränge weg, die als lange weisse Fäden an der Basis hängen bleiben. Seine pyramidenförmige Gestalt wird im Alter immer länglicher, weil sich die einzelnen Fruchtkörper gegenseitig etwas zusammendrücken. Das Fleisch der Stielbasis (Subgleba) bleibt weiss, während die eigentliche Gleba im Reifezustand schmutzig grünlich wird.
Der häufigste Stäubling in ganz Europa, sowohl im Flachland als auch in den Bergen, ist der Flaschenstäubling oder Perlstäubling (Lycoperdon perlatum, Abb. 9). Du findest ihn als Erdbewohner in Laub- und auch in Nadelwäldern, jedoch nur selten auf Strünken oder sonstigem Totholz. Er ist deutlich gestielt (Subgleba), während der obere, fertile Teil eine kugelförmige Gestalt hat. Seine Exoperidie wird in 1-2 mm kleine konische, weisse Wärzchen zerrissen, die man leicht wegwischen kann. Jedes ist dabei noch von einem Ring kleinster Kriställchen umgeben. Nachdem sie weggefallen sind, hinterlassen besonders die Wärzchen auf der oberen Hälfte der Kugel auf der Endoperidie eine deutliche, rundliche Narbe. Zuerst ist die Gleba weiss und fest; im Reifezustand wird sie braun und darauf eine klebrige, braungrünliche Masse. Diese trocknet aus, und die Sporen können darauf durch das rundliche Ostiolum entweichen.
Zwei weitere Arten werden recht häufig miteinander verwechselt, nämlich der Bräunliche Stäubling (Lycoperdon umbrinum, Abb. 10) und der Weiche Stäubling (Lycoperdon molle, Abb. 11). Dabei zieht der Bräunliche saure Böden und Nadelwälder vor, während der Weiche, sowohl unter Laub- als auch unter Nadelbäumen zu finden ist. Der Bräunliche Stäubling hat; olivbraunes Sporenpulver, und die dunkelbraunen Stacheln seiner. Exoperidie sind von der gelbbraunen Endoperidie gut auszumachen. Dagegen hat der Welche Stäubling rotbraunes Sporenpulver, und zwischen den milchkaffeebraunen, weichen Stacheln seiner Exoperidie ist kaum eine andersfarbige Endoperidie zu sehen. Die mikroskopischen Strukturen der beiden Arten ähneln sich sehr, und offenbar gibt es auch Zwischenformen, die kaum eindeutig zu bestimmen sind. Die Subgleba beider Arten hat im Alter einen leichten Violettstich. Die Abbildungen 10 und 11 zeigen zwar typische Vertreter; aber die Natur lässt nur zu gerne ihre eigenen Launen spielen.
Der Flockenstäubling (Lycoperdon mammaeforme, Abb. 12) ist auch birnförmig, und er trägt auf seinem Scheitel ein rundliches Wärzchen. Am auffallendsten ist seine weisse Exoperidie, die in grössere, schollige und randlich feingezähnelte Platten zerfällt. Gegen die Basis zerfällt die Exoperidie viel weniger und sieht eher seidig-sammetig aus. Der Flockenstäubling ist nicht häufig; er bevorzugt kalkhaltige Böden, warme Standorte und die Nachbarschaft von Eiche und Buche.
Im Gegensatz zu den eigentlichen Stäublingen (Lycoperdon) weisen die Vertreter der Gattung Calvatia kein Ostiolum auf. Die Sporen können also nicht durch eine kleine Öffnung auf dem Scheitel entweichen; vielmehr werden sie freigesetzt, indem die innere Hülle (Endoperidie) grosse, grobe und unregelmässige Risse erhält. Ein grosser Vertreter dieser Gattung ist der Hosenbovist (Calvatia utriformis = Lycoperdon bovista = Calvatia caelata, Abb. 13). Er kann bis 15 cm hoch und ebenso breit werden und kommt gerne auf Alpweiden vor. Seine Exoperidie zerbricht in grobschuppige, aber ziemlich weiche, pyramidenförmige Warzen, die leicht weggewischt werden können und auf der Endoperidie gut sichtbare Narben hinterlassen. Die Subgleba ist durch ein Diaphragma von der Gleba getrennt. Im Frühjahr findet man nicht selten die untere Hälfte der Fruchtkörper; sie sind sehr leicht und pergamentartig. - Der Sackbovist (Calvatia excipuliformis = Calvatia saccata, Abb. 14) ist ziemlich häufig. Er kommt sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern vor, meidet aber höhere Lagen. Meist ist er weniger breit als hoch und hat einen zylindrisch verlängerten und oft runzeligen Stiel (Subgleba) mit daran haftenden weissen und verästelten Myzelsträngen. Ein eigentliches Diaphragma fehlt oder ist nur undeutlich. - Der Lilafarbige Stäubling (Calvatia cyathiformis, Abb. 15) ist viel seltener und bevorzugt sonnige, unbebaute Standorte. Sowohl aussen als auch innen ist er violettlich; normalerweise ist er breiter als hoch.
In einem Sporenpräparat siehst Du bei den eigentlichen Stäublingen (Lycoperdon) oft kleine, isolierte Stäbchen; es sind dies Reste der Sterigmen. Viel seltener kommen sie bei der Gattung Calvatia und überhaupt nie bei den Bovisten vor.
In der Literatur findest Du noch weitere Stäublinge und auch kleine, hier gar nicht erwähnte, weitere Stäublingsgattungen. Das nächstemal sind dann die Erdsterne (Gaestrum) an der Reihe, die zu den hübschesten Sternen auf unserer Erde gehören. Bis dahin wirst Du hoffentlich manchem Stäubling über den Weg laufen.
Auf alle Fälle wünscht Dir dies
Dein Xander

(Zeichnungen nach J. Mornand. Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers)