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Martinů Festtage präsentieren: Goethe und Ghetto
|Dienstag||12.11.2019||20:00||*|
* Im Anschluss Operndirektor Pavel B. Jiracek im Gespräch mit Göran Rosenberg
Schweden 1996
60 Min. Farbe. Digital HD. S/d
Regie: Göran Rosenberg, Peter Berggren
Im Mittelpunkt des Kinoabends steht der Film «Goethe and Ghetto» von Peter Berggren und Göran Rosenberg und damit der tschechisch-polnische Komponist Viktor Ullmann. Der Film folgt Ullmanns Lebensweg und beschreibt diesen einfühlsam entlang seiner VII. Klaviersonate, seinem letzten Werk, nur Wochen vor seiner Ermordung in Auschwitz vollendet.
Ein persönlicheres Werk als diese Klavierkomposition ist kaum denkbar. Obgleich er wusste, dass dies sein Schwanengesang sein würde, ist das Werk nicht resignativ. Der Goethe-Satz «Lebe im Augenblick, lebe in der Ewigkeit», den Ullmann schätzte, scheint dem Werk eingesponnen, wenn Ullmann beispielsweise notiert, dass die Aufführungsrechte «zu Lebzeiten» beim Komponisten liegen. Gleichzeitig widmet er die Sonate seinen Kindern, also der nachfolgenden Generation – Ausdruck der Hoffnung auf Zukunft, trotz allem.
Die Analyse der VII. Klaviersonate durch Pianisten und Musikwissenschaftler (die sich bei aller Tiefe der Gedanken einer erfreulich verständlichen Sprache bedienen) offenbart, wie dezidiert das Werk als klingende Autobiographie angelegt ist. Der erste Satz zeigt eine motivisch-atmosphärische Nähe zu Gustav Mahler, einmal scheint das Rückert-Lied «Ging heut morgen übers Feld» herauszuklingen, Hinweis auf Ullmanns Beschäftigung mit Mahler und die enge Zusammenarbeit mit Alexander von Zemlinsky. Der 2. Satz bringt ein Selbstzitat Ullmanns aus dessen Bühnenwerk «Der Sturz des Antichrist», in der der machthungrige Gebieter die Weltherrschaft anstrebt, am Ende aber an seinem Grössenwahn zugrunde geht. Ullmann erhielt für den «Antichrist» 1936 den Emil-Hertzka-Preis, was zu Hoffnungen auf eine Aufführung in Wien berechtigte, woraus dann aber nichts wurde. Des weiteren tauchen auf eine Melodie aus dem «Opernball» von Richard Heuberger – Hinweis auf Ullmanns Tätigkeit als Operetten-Dirigent. Schliesslich im letzten Satz ein «Thema, Variation und Fuge über ein hebräisches Thema…» – obwohl doch Ullmanns Familie schon vor seiner Geburt zum Christentum konvertiert und Ullmann ohne jüdisches Selbstverständnis aufgewachsen war. Erst der Antisemitismus der Nazis und der Versuch der völligen Auslöschung der Juden in Europa hatte Viktor Ullmann zu seinen Wurzeln zurückgeführt.
Der äussere Rahmen des Films ist die Geschichte von Viktor Ullmanns Leben und Musik. Die innere Erzählung durchdringt eine Reihe existenzieller Fragen: Was ist die Quelle für Kultur und künstlerische Kreativität? Unter welchen äusseren Bedingungen treten sie zutage?
GÖRAN ROSENBERG wurde 1948 in Schweden als Sohn polnisch-jüdischer Überlebender des Holocaust geboren. Er studierte an den Universitäten Stockholm und Göteborg Mathematik, Philosophie und Politikwissenschaft.
Seit 1970 ist Rosenberg als Reporter, Filmemacher, TV-Produzent, Moderator, Redakteur und Autor von Büchern und Aufsätzen tätig. 1990 gründete er das schwedische Monatsmagazin für Essays und Meinungen «Moderna Tider», dessen Herausgeber er bis 1999 war. Er ist regelmässiger Kolumnist und Essayist in wichtigen schwedischen Medien. Seine Aufsätze und Artikel wurden unter anderem in der Neuen Zürcher Zeitung, der Süddeutschen Zeitung, Lettre International, der New York Times, Daedalus und New Perspectives Quarterly übersetzt und veröffentlicht. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.