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Marie Steiner-von Sivers
* 14.3.1867 Wlotzlawek (heute: PL), † 27.12.1948 Beatenberg BE. ∞ 1914 →Rudolf Steiner.
Aufgewachsen in Wlotzlawek, Riga und St. Petersburg. 1894–97 Aufenthalt in Paris. Erste Versuche als Schauspielerin und Rezitationsunterricht bei der pensionierten Schauspielerin Madame Favart, einer Gegnerin des Naturalismus. 1897 Rückkehr nach St. Petersburg, wo S. in einer Schulaufführung erfolgreich die Titelrolle in Schillers "Maria Stuart" gab. Unterricht bei der Schauspielerin Maria von Strauch-Spettini, mit der sie nach Wien und Berlin reiste. 1898 sprach S. am Berliner Schiller-Theater vor und nahm für kurze Zeit weiteren Sprechunterricht bei Serafine Détschy in Berlin. Vorläufiger Verzicht auf eine Theaterlaufbahn. Der Dramatiker Edouard Schuré machte sie auf die Theosophie aufmerksam, und im Jahr 1900 lernte S. in Berlin Rudolf Steiner kennen, mit dem sie in 23-jähriger Zusammenarbeit unter anderem die Sprachgestaltung entwickelte. S. gab den kulturellen Aktivitäten der geisteswissenschaftlich orientierten theosophischen Bewegung wichtige Impulse. 1907 brachte sie zusammen mit Steiner das gemeinsam übersetzte Mysteriendrama "Das heilige Drama von Eleusis" von Schuré zur Aufführung, 1909 dessen Drama "Die Kinder des Lucifer". S., die sich besonders für ihre Auffassung der Rezitations- und Deklamationskunst einsetzte (unter anderem in Aufführungen der Werke Christian Morgensterns), übernahm in München die weibliche Hauptrolle der Maria in Steiners eigenen vier Mysteriendramen, welche die Einweihung in die geistige Welt darstellen. 1913 gründeten Steiner und S. die Anthroposophische Gesellschaft mit Sitz in Dornach bei Basel. Im selben Jahr wurde der Grundstein für das →Goetheanum gelegt, das 1920 eröffnet werden konnte. 1915–19 fanden dort eurythmische Aufführungen von Teilen aus Goethes "Faust" statt. Seit 1922 Einrichtung von Eurythmie-Schulen (→Eurythmie) und 1920–24 rezitatorische Veranstaltungen gemeinsam mit Steiner. 1922 veröffentlichte S. "Aphoristisches zur Rezitationskunst". 1924 übernahm sie die Leitung der Kurse für Sprachgestaltung und dramatische Kunst in Dornach. Nach Steiners Tod 1925 Aufbau eines Schauspielensembles und ab 1926 Ausbildung eines Sprechchors. In den folgenden Jahren zahlreiche Tourneen. 1930 inszenierte S. die erste nicht öffentliche und 1942 die erste öffentliche Gesamtaufführung der Mysteriendramen ihres Mannes in Dornach sowie 1937 den ersten Teil von Goethes "Faust". Szenen dieser Aufführung wurden als Beitrag der Schweiz an der Weltausstellung in Paris gezeigt, wo die Sprechchöre mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurden. 1938 fand die erste Aufführung des integralen, ungekürzten "Faust" statt. Bis 1947 inszenierte S. am Goetheanum weitere Dramen von Goethe, Schiller, Hamerling, Schuré und →Albert Steffen. 1949–52 erschienen postum ihre zweibändigen Erinnerungen. S. war seit 1923 Mitglied des Vorstands der von Steiner neu begründeten Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und Leiterin der Sektion für redende und musikalische Künste innerhalb der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft.
Literatur
- Froböse, Edwin: M. S. Ihr Weg zur Erneuerung der Bühnenkunst durch die Anthroposophie, 1973.
- Wiesberger, Hella: M. S.-v. S. Ein Leben für die Anthroposophie, 1988.
- Parr, Thomas: Eurythmie – Rudolf Steiners Bühnenkunst, 1993.
Autor: Dietrich Seybold
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Seybold, Dietrich: Marie Steiner-von Sivers, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1750–1751.