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Verse 8-10
Er war Sohn (Vers 8); als solchem stand es Ihm zu, zu gebieten. Ein Knecht aber ist zum Gehorsam geboren. Für Ihn war daher der Gehorsam etwas Neues; aber, «obwohl Er Sohn war», (Anspielung auf Psalm 2), war Er gehorsam. Diesen Gehorsam hat Er «an dem, was er litt», gelernt. Als Er in die Welt kam, sprach Er: «Siehe, ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun.» Und Er hatte nie einen anderen Willen als den Willen Gottes. Er wandelte immer in vollkommenem Gehorsam. Aber Er tat dies durch die Leiden jeden Tages hindurch und brachte so ein beständiges Opfer seines Willens, was Er im Augenblick der erhabensten Tat seines Gehorsams mit den Worten zum Ausdruck brachte: «Nicht wie ich will, sondern wie du willst.» Von dem Augenblick an, wo Er sich bereit stellte, den Willen Gottes zu erfüllen, hat Er das ganze Leben hindurch, bis zu der Stunde, wo Er es am Kreuz gelassen hat, erfahren, was gehorchen heisst.
Als einer, der auf diese Weise den Gehorsam gelernt hat, ist Er durch die Einnahme des Platzes der Herrlichkeit, den Er jetzt einnimmt, «vollendet» oder «vollkommen gemacht» worden und damit völlig geeignet für das, was Er nun zu erfüllen hat. Erstens ist Er «allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden», und zweitens wurde Er «von Gott begrüsst als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks».
Das «ewige Heil» steht hier im Gegensatz zu den zeitlichen Befreiungen der Juden. Wir sind für immer errettet. Es kann nichts eintreten, was ein anderes Heil nötig machen könnte, Er sitzt immerdar zur Rechten Gottes.
Aber dieses ewige Heil gehört nur denen, «die ihm gehorchen». Es ist beachtenswert, dass hier nicht gesagt wird: «Allen, die an Ihn glauben». Wie der Heilige Geist davon geredet hat, dass die Leiden und der Gehorsam des Christus Ihn zur Herrlichkeit geführt haben, so weist Er jetzt auch drauf hin, dass die, die an Ihn glauben, auf demselben Weg nachzufolgen haben. Doch kann man Christus nur gehorchen und sich Ihm unterwerfen, wenn man an Ihn glaubt.
Als vollendeter, in der Herrlichkeit angelangter, ewiger Heiland derer, die Ihm anhangen, begrüsst Ihn Gott und erklärt Ihn zum Hohenpriester «in Ewigkeit» (Heb 6,20), nach der Ordnung Melchisedeks. Dort, im Himmel, erfüllt Er für die Seinen alles, was zu diesem Priestertum gehört.
Verse 11-14
Der Schreiber des Briefes unterbricht hier den Faden des Themas des Priestertums Christi und beginnt jetzt einen Zwischenabschnitt, der sich bis zum Schluss des sechsten Kapitels erstreckt. Er enthält eine ernste Warnung an die Adresse der gläubigen Hebräer, wegen ihres mangelnden Fortschritts im geistlichen Verständnis der Dinge, die sich auf die Stellung des verherrlichten Christus beziehen. Gleichzeitig werden sie dringend ermahnt, die Verheissungen Gottes zu ergreifen, und durch die Zusicherung ermuntert, dass Er sie erfüllen wird.
Die Dinge, die Melchisedek betrafen, als einem Vorbild des Priestertums Christi, waren schwer auszulegen, nicht wegen den Dingen selbst, sondern wegen des geistlichen Zustands der hebräischen Gläubigen. Sie waren im Hören träge geworden. Das war nicht immer so gewesen. In den früheren Tagen hatten sie, nachdem sie erleuchtet worden waren, viel Kampf der Leiden erduldet (Heb 10,32). Aber ihre Neigung zu Formen und Verordnungen hatten sie am Wachstum gehindert. Sie waren versucht, zu den Schatten der viel besseren Güter, die das Christentum ihnen gebracht hatte, zurückzukehren.
Auch die Christen der heutigen Tage haben darüber zu wachen, dass die Formen, zu denen sie hinneigen, sie in ihrer geistlichen Entwicklung nicht aufhalten. Überhaupt haben wir uns alle davor zu hüten, dass wir im Hören nicht träge werden, gleichgültig und stumpf gegenüber all den herrlichen Wahrheiten, die uns immer und immer wieder anziehen und mit ihrer Frische erfüllen sollten. Auch wir dürfen den Eifer und die Innigkeit nicht verlieren, die uns nach der Bekehrung kennzeichneten.
Seit den Tagen, wo das Christentum zu ihnen gekommen war, hätten sie Fortschritte machen und nun «Lehrer» sein sollen, fähig, andere zu unterweisen. Im Gegensatz dazu hatten sie nun wiederum nötig, dass man sie lehrte, welches die Elemente der Aussprüche Gottes sind. Betrifft dieser an sie gerichtete Vorwurf nicht auch eine grosse Zahl Christen unserer Tage? Man ist bekehrt worden, gehört zu einer Versammlung, und doch sind oft nicht einmal die elementarsten Wahrheiten, «die Elemente des Anfangs der Aussprüche Gottes» bekannt, oder nur wenig und ungenau. Wie sehr ist es auch uns nötig, diese geistliche Trägheit von uns abzuschütteln, die uns hindert, das zu hören, was nicht das Wort eines Menschen, sondern das Wort Gottes ist. «Die Aussprüche Gottes» sind Offenbarungen, die Gott uns gegeben hat und die wir in seinem Wort besitzen. Die ganze Heilige Schrift besteht aus solchen Aussprüchen, und die Elemente des Anfangs sind die ersten und einfachsten Wahrheiten, die darin enthalten sind.
Ihre geistliche Trägheit hatte sie zu solchen gemacht, die Milch nötig haben und nicht der festen Speise: Sie waren Unmündige.
Im Blick auf die Christen wird an zwei Stellen von Kindheit und von Milch gesprochen, die nicht mit dieser Stelle vermengt werden dürfen.
In 1. Korinther 3,1.2 stellt der Apostel die Geistlichen den Fleischlichen gegenüber. Er nennt die Fleischlichen Unmündige in Christus, denen man Milch zu trinken geben muss. Er will damit nicht sagen, dass sie natürliche Menschen gewesen seien, also keine Christen, sondern dass sie als Christen auf eine fleischliche Weise lebten, nach der Weise der übrigen Menschen. Dieser Zustand, der von ihrem Hochmut herrührte, hinderte sie, die geistlichen Unterweisungen bezüglich des Geheimnisses der Weisheit Gottes zu erfassen. Sie waren Unmündige, die trotz ihrer hohen Meinung von sich selbst Milch nötig haben, einer ihrem Zustand angepassten Unterweisung.
In 1. Petrus 2,2 wird das Wort Gottes, wovon der Apostel am Ende des ersten Kapitels geredet hat, als die vernünftige, unverfälschte Milch vorgestellt, als die reine, unvermischte, für das geistliche Verständnis des Christen bestimmte Nahrung, damit er zur Errettung wachse. Er soll nach dieser Nahrung verlangen, wie ein neugeborenes Kind nach der Milch seiner Mutter verlangt, und dies soll in jedem Augenblick seines geistlichen Lebens der Fall sein. Der Apostel wirft denen, an die er sich wendet, ihren Kindheitszustand nicht vor, wie er es gegenüber den Korinthern und den Hebräern tat.
Bei den Hebräern bestand der Kindheitszustand, weswegen sie gerügt wurden, darin, dass sie sich den Verordnungen und den Bestimmungen des Gesetzes zuwandten, was zur Folge hatte, dass sie den himmlischen Christus aus den Augen verloren und alles, was sich auf Ihn in dieser Stellung bezog. Sie hatten Milch nötig, eine Unterweisung, die ihrem Zustand angemessen war, nicht nur um sie darin aufrecht zu erhalten, sondern um sie daraus zu befreien. Sie sollten zu Erwachsenen (Heb 6,1) werden, fähig, feste Speise zu sich zu nehmen und die Wahrheiten zu erfassen, die der Heilige Geist sie lehren wollte.
Wer noch Milch nötig hat und daher noch ein Kind ist, ist unerfahren (oder ungeübt) im «Wort der Gerechtigkeit». Dieses Wort der praktischen Gerechtigkeit bringt die wahren praktischen Beziehungen der Seele mit Gott zum Ausdruck, gemäss seinem Wesen und seinen Wegen. Man wird in dem Mass darin geübt, wie Christus der Seele offenbart und ihr bekannt ist, denn Er ist die Offenbarung des Wesens Gottes und der Mittelpunkt seiner Wege. Es handelt sich für den Christen um den verherrlichten Christus in seiner himmlischen Stellung, und nicht einfach nur um den Messias für die Juden. Die feste Nahrung ist also dieses «Wort der Gerechtigkeit», das die Stellung des verherrlichten Christus gemäss der Gerechtigkeit Gottes bekannt macht und uns in Verbindung mit Gott bringt. Es ist für Erwachsene, für solche, die zum vollen Wuchs gelangt sind. Diese haben infolge der Gewöhnung, der Übung, der praktischen Verwirklichung dieses Wortes der Gerechtigkeit, geübte geistliche Sinne, um sowohl das Gute als auch das Böse zu unterscheiden. Sie vermögen in der Stellung, die sie als Teilhaber eines himmlischen Christus besitzen, das Gottgemässe von dem zu trennen, was dieser Stellung nicht entspricht.