Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03147.jsonl.gz/695

mehr
An die Lehrerbesoldungen richtet der Staat den Gemeinden 25% aus; er gibt ferner denjenigen Lehrern und Lehrerinnen, die mindestens 15 Jahre im Schuldienst stehen, eine jährliche Zulage von 600 bezw. 400 Fr. und gewährt ausserdem an die Kosten von neuen Schulhausbauten oder grösserer Reparaturen einen Beitrag von 25%. Zur Zeit ist im Gebäude der Akademie zu Lausanne eine reichhaltige permanente Schulausstellung untergebracht. Von den nur wenigen Privatschulen haben die meisten konfessionellen Charakter. In Neuenburg, Le Locle und La Chaux de Fonds beziehen die Lehrer und Lehrerinnen (inkl. die Zulage) eine jährliche Besoldung von 2600 bezw. 1600 Fr., in den übrigen Ortschaften 2200 bezw. 1480 Fr. Daneben gewähren aber mehrere Orte, wie z. B. Neuenburg, Peseux, La Chaux de Fonds, Le Locle etc. ihrem Lehrpersonal noch besondere Gemeindezulagen.
Der Sekundarschulunterricht ist durch ein Spezialgesetz von 1853 geschaffen und eingerichtet worden. Die Kinder können vom 12. Altersjahr an in die Sekundarschule eintreten und hier 1-4 Jahre bleiben. Zweck der Schule ist die Ergänzung des Primarschulunterrichtes und die Vorbereitung der Schüler auf eine Mittel- oder Berufsschule. Sekundarschulen bestehen in Neuenburg, Boudry-Cortaillod, Colombier, Saint Aubin, Fleurier, Les Verrières, Cernier, Le Locle und La Chaux de Fonds.
Dem Mittelschulunterricht dienen die Kantonsschule in Neuenburg und das Gymnasium in La Chaux de Fonds. Jene ist aus dem schon 1866 eingerichteten staatlichen Realgymnasium hervorgegangen und umfasst seit 1873 das humanistische Gymnasium, Realgymnasium (oder Industrieschule) und das Lehrerseminar (Gymnase pédagogique; 1867 gegründet). Sie ist eine blühende Anstalt mit rund 150 Schülern und verleiht jedes Jahr etwa 30 Abiturienten das Reifezeugnis. Ihre Kosten werden vom Staat und der Gemeinde Neuenburg bestritten, welch' letztere die Schulräume stellt und eine jährliche Subvention entrichtet. Das «Gymnase Communal» in La Chaux de Fonds datiert erst aus dem Jahr 1900 und wird wie die dortige Sekundarschule von den beteiligten Gemeinden unterhalten, wobei aber der Staat an die Lehrerbesoldungen 50% beisteuert.
Die Lehrer und Lehrerinnen werden in dem 1867 eingerichteten und der Kantonsschule in Neuenburg angegliederten Seminar mit 2 jährigem Kursus, sowie ferner an verschiedenen Sekundarschulen und am Gymnasium in La Chaux de Fonds ausgebildet. In Peseux besteht ein freies Lehrerseminar (École normale évangélique de la Suisse Romande) mit klassischer Sektion und einer privaten Sekundarschule, das aus freiwilligen Beiträgen unterhalten wird und u. a. auch künftige Missionäre auf ihren Beruf vorbereitet. Diese Schule gibt zur Zeit dem Kanton nur sehr wenige Lehrer ab.
Der berufliche Unterricht ist durch Gesetz von 1898 neu organisiert worden und hat seither einen grossen Aufschwung genommen, wozu natürlich die kantonalen und eidgenössischen Subventionen stark beigetragen haben. Es bestehen heute: in Neuenburg die 1858 gegründete Gewerbeschule (für Uhrenmacher, Elektrotechniker und Kleinmechaniker), die 1883 eingerichtete Handelsschule mit 500 Schülern, die Berufs- und Haushaltungsschule für Mädchen (1893) und die Kunstgewerbeschule (berufliches Zeichnen und Modellieren) seit 1869;
in Le Locle die 1868 gegründete und 1903 zu einem Technikum (Uhrenmacherei, Gravieren, Mechanik etc.) erweiterte Uhrenmacherschule, die Gewerbeschule (1881) und die zum Teil der Sekundarschule angegliederte Handelsschule (1897);
in La Chaux de Fonds die Schule für Uhrenmacher und Mechaniker (École d'Horlogerie et de Mécanique; 1864), die Handelsschule (1895), Kunstgewerbeschule oder École d'Art (1872; Gravieren, Ziselieren, Emailmalerei, Fassung von Edelsteinen etc.), Gewerbeschule (1875) und Haushaltungsschule (1896);
in Couvet eine Mechanikerschule (École de Mécanique; 1893);
in Cernier und Saint Aubin je eine Schule für gewerbliches Zeichnen (École de Dessin professionnel; 1899 bezw. 1900);
in Cernier die kantonale landwirtschaftliche Schule (1885) und in Auvernier die kantonale Weinbauschule (1888).
Hochschulunterricht erteilt die 1840 gegründete und 1866 völlig umgestaltete Akademie in Neuenburg, die sich immer weiter entwickelt. Sie umfasst 4 Fakultäten (Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Recht, Theologie) und ein Seminar für modernes Französisch. Das Akademiegebäude ist mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse 1886 aufgeführt worden. Die Kosten bestreiten der Staat und die Gemeinde Neuenburg.
Folgende Tabelle gibt Auskunft über die Ausgaben von Staat und Gemeinden für das öffentliche Schulwesen (inkl. Schulmaterialien, Zulagen und allgemeine Verwaltung) 1902:
|Fr.|
|Primarschulwesen||1310068|
|Sekundarschulwesen||356085|
|Berufsschulen||725361|
|Höherer Unterricht||202781|
|Total||1594295|
Es trifft somit auf den Kopf der Bevölkerung eine Ausgabe von 20 Fr.
Für 1904 waren die Kosten des Staates Neuenburg für das öffentliche Unterrichtswesen auf 1140476 Fr. budgetiert. Museen und Bibliotheken sind Eigentum der betr. Gemeinden und werden vom Staat nicht subventioniert. In mancher Hinsicht bemerkenswert sind das Kunstmuseum, historische, naturhistorische und ethnographische Museum sowie die Stadtbibliothek zu Neuenburg.
Kultus. Die Bevölkerung des Kantons Neuenburg ist fast ausschliesslich reformierten Glaubens. Der katholischen Konfession gehören blos die aus der einstigen «Bourgeoisie du Landeron» hervorgegangenen Orte Cressier, Le Landeron-Combes und Enges, sowie das ehemals zu Frankreich gehörende und erst 1815 dem Kanton Neuenburg angegliederte Dorf Le Cerneux Péquignot an. Die bis 1873 einheitliche reformierte Kirche hat sich damals infolge des Gesetzes über die Beziehungen zwischen Kirche und Staat, das die völlige Glaubensfreiheit gewährleistet und die Wahl der Geistlichen den Kirchgemeinden überlässt, gespalten.
Heute zählen die Staatskirche 42 französische und 3 deutsche Pfarreien und die vom Staat unabhängige freie Kirche 22 Pfarreien mit etwa 12000 Angehörigen. In den grössern Ortschaften haben sich auch einige Sekten gebildet. Die römisch-katholische Kirche mit 17000 Gläubigen besitzt ausser in den bereits erwähnten Ortschaften noch Pfarreien in Neuenburg, Le Locle und La Chaux de Fonds, sowie je eine in den Bezirken Boudry, Val de Travers und Val de Ruz. Die altkatholische Gemeinde in La Chaux de Fonds ist wie die römisch-katholischen Pfarreien vom Staat anerkannt. Man zählt im Kanton rund 1000 Juden, von denen die Mehrzahl in La Chaux de Fonds lebt. Die Auslagen des Staates für das Kirchenwesen betrugen 1902:
|Fr.|
|Sekretariat||500|
|Reform. Kirche||184798|
|Kathol. Kirchen||31491|
|Total||216789|
¶
mehr
Die reformierte Geistlichkeit besteht aus 52 Pfarrern und 6 Diakonen (Pfarrverwesern) für die französischen und 3 Pfarrern mit 5 Diakonen für die deutschen Pfarreien, die katholische Geistlichkeit aus 10 Pfarrern, 4 Pfarrvikaren und 3 in Le Landeron wohnenden Kapuzinermönchen.
Finanzwesen.
Die Einnahmen des Staates Neuenburg setzen sich aus vier sehr verschiedenen Posten zusammen. Es sind dies:
1. Die Zinsen und Erträgnisse des Staatsvermögens (Liegenschaften, Eisenbahnen, Geldanlagen etc.), die 1902 folgende Einnahmen lieferten:
|Fr.|
|Domänen und Häuser||62515|
|Rebberge||10363|
|Waldungen||115880|
|Eisenbahnlinie "Jura Neuchâtelois"||275559|
|Obligat. der direkten Linie Bern-Neuenburg||15750|
|Regionalbahn des Val de Travers||4792|
|Strassenbahn Neuenburg||11695|
|Flüssige Kapitalien||14357|
|Kantonalbank||249500|
|Beitrag der Gemeinde Neuenburg an die Akademie||12000|
|Kantonale landwirtschaftl. Schule||11514|
|Kantonale Weinbauschule||7231|
|Kirchengüter||7400|
|Total Fr.||798556|
Neben der Bahnlinie des Jura Neuchâtelois gehört dem Staat noch die Regionalbahn Les Ponts-La Sagne-La Chaux de Fonds, dann hat er auch Kapitalien angelegt bei der ehemaligen Jura-Simplonbahn und den Regionalbahnen des Val de Travers, Les Brenets-Le Locle und Saignelégier-La Chaux de Fonds.
2. Die Regalien: Salz, Asphaltminen und Fischrecht im See, Doubs und Seyon. Sie warfen 1902 ab
|Fr.|
|Salz||121377|
|Asphaltminen||271039|
|Fischrecht||2877|
|Total||395292|
3. Steuern und Auflagen und zwar a) Mutationsgebühren auf Liegenschaften (1902: 420224 Fr.) und Erbschaftssteuern (1902: 391337 Fr.). Die Mutationsgebühren werden «lods» (Lobgebühren) geheissen und betragen 4% vom Verkaufswert der Liegenschaften; sie stammen noch aus der Zeit vor 1848 her und werden allmählig abgeschafft werden. Mit Rücksicht auf alterworbene Rechte ist ein Teil der Gemeinde Lignières, der sog. Franc-alleu (Freigut oder Allod), von der Entrichtung dieser Gebühren befreit. b) Die direkten Steuern im Verhältnisse von 2‰ vom Vermögen und 1,2% vom Einkommen. Von je 1000 Fr. versteuerten Vermögens werden 20 Rappen in die kantonale Volksversicherungskasse für Alter und Todesfall eingelegt. 1902 haben die direkten Steuern dem Staat 1493246 Fr. eingetragen, in welcher Summe Nachsteuern und Bussen mit 60054 Fr. vertreten sind. c) Die Steuer auf die emittierten Banknoten im Betrag von 6‰, die dem Staat 1902 eingebracht hat von der Kantonalbank 46104 Fr. und von der Handelsbank 46271 Fr. oder zusammen 92375 Fr.
4. Verschiedene Einnahmen der einzelnen Verwaltungszweige, wie Gerichtsgebühren, Polizeibussen, Militärsteuer, Alkoholzehntel, Arbeiten der Strafgefangenen, Patentgebühren, Schulgelder etc. Diese Einnahmen beliefen sich 1902 auf die Summe von 861188 Fr.
Auf stellte sich die Bilanz des Kantons Neuenburg wie folgt:
|Aktiven.||Fr.|
|Unproduktive Liegenschaften||3965532|
|Mobiliar||550497|
|Regionalbahnen||1307000|
|Produktive Liegenschaften|
|a) Bahnlinie des Jura Neuchâtelois||7527540|
|b) Regionalbahn Les Ponts-La Sagne-La Chaux de Fonds||256494|
|c) Domänen und Bauten||2468351|
|d) Pfarrhäuser||17264|
|e) Rebberge||82145|
|f) Waldungen||1610788|
|Wertschriften etc.||3765911|
|Debitorenkonto||8317555|
|Vorschüsse||80157|
|Laufende Ausgaben|
|a) Unproduktives Eigentum||121233|
|b) Subvention an die Regionalbahn des Val de Ruz||350000|
|c) Produktive Liegenschaften||4161476|
|d) Verschiedenes, Subventionen||209142|
|Defizit 1902||97745|
|Total der Aktiven||34891830|
|Passiven.|
|Staatsanleihen auf Obligationen||26742000|
|Anleihen bei der Sparkasse Neuenburg||1387560|
|Kreditorenkonto||5269800|
|Staatsvermögen||1492470|
Total der Passiven 34891830 Armen- und Unterstützungswesen. Im ganzen Kanton sind 1901 für das Armenwesen 455341 Fr. verwendet worden. Davon entfallen naturgemäss auf die einzelnen Gemeinden sehr verschiedene Summen, so z. B. auf Neuenburg 103309 Fr., auf La Chaux de Fonds 70976 Fr., auf Le Locle 52968 Fr., auf La Sagne 19637 Fr., auf Les Ponts dagegen blos 242 Fr. Der von einer besonderen Kommission verwaltete Reservefonds belief sich insgesamt auf 246000 Fr., von denen 125700 Fr. auf Gemeindebeiträge, 25023 Fr. auf freiwillige Beiträge und 95177 Fr. auf Kapitalzinsen entfielen.
Dieser Fonds kommt den einzelnen Gemeinden zu Hilfe, die durch die gesetzliche Verpflichtung, alle auf ihrem Boden wohnhaften bedürftigen Neuenburger zu unterstützen, ziemlich belastet worden sind. Diese Hilfe kommt in erster Linie der Gemeinde Le Locle zu gut, deren eigener Armenfonds stark zusammengeschmolzen ist. Zwischen Boudry und Bevaix steht die kantonale Irrenheilanstalt Les Perreux, die eine beträchtliche Anzahl von Pensionnären (Geisteskranke und andere) verpflegt, so z. B. 1903 einmal deren 379 und am noch 270 (141 Männer und 129 Frauen), d. h. 169 Geisteskranke und 101 andere. Ausschliesslich für Schwindsüchtige dient die ¶