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Faszination und Abscheu
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Schon vor etwa zehn Jahren sammelte ich Material und Informationen zur Person Ungern-Sternberg. Damals versuchten wir in Graz oder Wien Möglichkeiten zu finden, eine Ausstellung über den Baron und die Folge zu kuratieren, was uns leider misslang, da sich kein Museum für das Thema interessierte. Nun hat Enzensbergers "Andere Bibl... Schon vor etwa zehn Jahren sammelte ich Material und Informationen zur Person Ungern-Sternberg. Damals versuchten wir in Graz oder Wien Möglichkeiten zu finden, eine Ausstellung über den Baron und die Folge zu kuratieren, was uns leider misslang, da sich kein Museum für das Thema interessierte. Nun hat Enzensbergers "Andere Bibliothek" endlich die Biografie von James Palmer übersetzt, damit etwas Licht auf die dunkle und blutige Geschichte des Barons Ungern-Sternberg aus Graz fällt. Die Beschäftigung mit dem Baron kann in verschiedener Hinsicht von historischem Interesse sein: 1.) Ungern-Sternberg gehörte zu jenen Personen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts den Mythos des Ostens und die Reichsgründung träumten, mit all den großen Vernichtungen, die dazu gehörten. 2.) Ungern-Sternberg wird in den rechtsradikalen und faschistischen Sekten noch immer als eine mythische Kultfigur betrachtet. 3.) An der Person Ungern-Sternberg werden revolutionäre und gegen-revolutionäre, koloniale und nationalistische Zusammenhänge und Konflikte sichtbar, von denen das 20. Jahrhunderts heimgesucht wurde. 4.) Trotz der Gräueltaten, die Ungern-Sternberg verübte, gehört er zur Gründungsgeschichte der Mongolei. Nun zum Buch: Das Buch von James Palmer ist gut recherchiert und schafft es, die Lebensgeschichte des Barons Ungern-Sternberg in einer dichten und ambivalenten Atmosphäre von Faszination und Abscheu zu erzählen. Beim Lesen des Buches zeigt sich, dass man sich schwer dem abenteuerlichen Faszinosum des Barons entziehen kann. Nach meinem Geschmack erliegt auch der Autor James Palmer der Faszination des Barons. Hierin erweist sich James Palmer weniger als Historiker, sondern als jemand, der am Mythos des Barons weiter webt.
Der blutige weiße Baron
Die erstaunliche Geschichte eines russischen Adeligen, der zum letzten Khan der Mongolei wurde
Beschreibung
Ein Vorschein der blutigen Exzesse des 20. Jahrhunderts 'Mein Name ist so sehr mit Hass und Angst verbunden, dass niemand beurteilen kann, was wahr und was falsch ist, was Geschichte und was Mythos.' Baron von Ungern-Sternberg, 1921 Der Geschichte des 20. Jahrhunderts mangelt es nicht an furchtbaren Despoten. Einer der grausamsten von ihnen ist der 1885 in Graz in eine deutsch-estnische Familie geborene und heute fast vergessene Nicolai Robert Max Baron von Ungern-Sternberg. Dieser im damaligen Reval aufgewachsene Aristokrat, der Antisemitismus, fromm-fanatischen Buddhismus und einen hasserfüllten Antikommunismus in sich vereinte, sah sich als Krieger-König und Nachfahre eines Dschingis Khan. Mit seiner Truppe aus Weissrussen, Sibiriern, Japanern und Mongolen eroberte er 1920 die Mongolei. Während einer 130-tägigen Herrschaft ordnete er an, Kommissare, Kommunisten und Juden zusammen mit ihren Familien zu vernichten.
ein packender historischer Schmöker [.] Jetzt hat der englische Reiseschriftsteller James Palmer den Blutigen weissen Baron in einer neuen, brillanten Biografie aus dem Sumpf der Mythen und Gerüchte befreit.(Martin Halter, Tages-Anzeiger, 22. November 20
James Palmer wurde 1978 geboren und für seinen meisterhaften Reisejournalismus in bester angelsächsischer Tradition mehrfach ausgezeichnet. Er lebt in Peking.Der blutige weisse Baron ist seine erste, 2008 in England erschienene Buchveröffentlichung.