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Choola
Choola ist 22 Jahre alt und steht in der Ausbildung als Unterinspektorin bei der Polizei. Choola hat einen jüngeren Bruder. 2012 erfuhr die Familie, dass beide Elternteile HIV-positiv waren. Die Mutter verstarb an AIDS im Jahre 2017.
“Ich hatte eine schwierige Kindheit in Armut. Meine Eltern sind Analphabeten. In der Tat konnte ich meine Kindheit nicht so genießen wie einige meiner Freunde. Meine Eltern hatten nur ein geringes Einkommen und das Wenige, das sie bekamen, wurde verschleudert. Mein Bruder und ich waren oft frustriert, weil wir sehr schlecht versorgt wurden und nichts hatten. Aber wir litten nicht nur unter der Armut, sondern auch unter der sozialen Diskriminierung im Dorf, in der Nachbarschaft und auch in den Schulen. Der Tod meiner Mutter hat mich erschüttert und ich war danach lange sehr traurig.
Die ermutigenden Worte der Projektmitarbeiter, ihre Gebete und ihre Begleitung haben mich aufgerichtet. Seit ich im Jahre 2007 in das Projekt aufgenommen wurde, habe ich in jedem Bereich meines schulischen und persönlichen Lebens Unterstützung erhalten. Ich durfte erfolgreich ein Hochschulstudium (Bachelor of Science) abschliessen und bin dabei, meine Ausbildung zur Unterinspektorin bei der Polizei zu absolvieren. Mein Ausbildungsort ist aber etwa 260 km von meinem Wohnort entfernt. Wegen Corona ist es mir nicht möglich regelmässig vor Ort zu sein und ich warte nun auf eine Nachricht der Regierung, wie es weitergehen soll. Ich lerne aber weiterhin zu Hause und kümmere mich dabei um meinen Vater und meinen Bruder.
Bitte beten Sie für meine Zukunft, die Gesundheit meines Vaters und den Schutz vor Corona.
Ich möchte Ihnen allen für Ihren unermesslichen Beitrag in meinem persönlichen und familiären Leben danken. Meine herzliche Anerkennung gilt auch allen Sponsoren und Spendern, die meine Ausbildung und mein berufliches Coaching unterstützt haben.»
Anisha
Anisha wurde am 2. November 1997 geboren. Sie kommt aus einer sehr armen Familie, ihre Eltern sind Analphabeten und von hinduistischem Hintergrund. Anisha lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder zusammen. Ihr Vater verdient seinen Lebensunterhalt durch das Spielen der „Chendai Melam“ – einer zylindrischen Doppelfelltrommel. Er gehört zu einer Gruppe von Männern, die mit verschiedenen Musikinstrumenten und Trommeln auf Hochzeiten, Beerdigungen und vor allem in hinduistischen Tempeln spielen. Zeitweise arbeitet er auch als Hindu – Priester, Wahrsager und Tempeltänzer. Anishas Mutter ist Hausfrau. Der Bruder von Anisha war ebenfalls im Contactions–Projekt, hat sein Studium abgeschlossen und arbeitet nun als medizinischer Vertreter in Nagercoil.
Unterkunft und Umgebung
Anisha lebte die ersten 22 Jahre ihres Lebens in einer Zigeunerkolonie in der Stadt Nagercoil. In dieser Siedlung lebten fast 400 Familien. In dem kleinen Haus der Familie gab es zwei Zimmer, aber kein Bad oder Toilette. Die Frauen und Mädchen mussten auf den Friedhof gehen, wenn sie zur Toilette mussten – das war besonders nachts sehr herausfordernd und auch gefährlich, da es in dieser Gegend viele Schlangen und gefährliche Insekten gibt.
Bei starkem Regen lief regelmäßig Wasser in die nur strohgedeckten Hütten. 2010 brach in der Siedlung ein Feuer aus und zerstörte 80 Häuser – darunter auch die Unterkunft von Anishas Familie. Vor einem Jahr nun wurden im Zuge einer Erweiterung der Eisenbahnstrecke alle Häuser der Siedung abgerissen. Jede Familie erhielt eine Wohnung in einer neu erbauten Siedlung mit mehrstöckigen Gebäuden, außerhalb der Stadt. Die Familien müssen dafür INR 1 Lakh bezahlen, das sind ungefähr 1200 CHF. Beim Einzug wird der erste kleine Betrag fällig, der Rest wird in monatlichen Raten über lange Zeit abbezahlt. In der neuen Wohnung haben sie einige Annehmlichkeiten, die sie bis dahin nicht kannten: eine kleine Küche innerhalb der Wohnung, und nicht wie bisher im Freien hinter der Hütte, ein Badezimmer und auch eine Toilette. Die Busverbindung zur Stadt liegt allerdings einen beträchtlichen Fußmarsch entfernt.
Ausbildung und Arbeit
Anisha war von klein auf gut in der Schule, besonders in Mathematik war sie ausgezeichnet. Im Jahr 2014 schloss sie ihre schulische Ausbildung an der Kavimani Government Higher Secondary School ab. Contactions hat das Mädchen in vielerlei Hinsicht unterstützt – dadurch war es ihr möglich, sich ihren Berufswunsch, Bauingenieurin, zu erfüllen. Sie machte ihren Bachelor in Bauingenieurwesen am Rajas International Institute of Technology for Women in Nagercoil (2014-2018) und ist nun Ingenieurin für Bauwesen. Das ist eine erstaunliche Gnade Gottes in ihrem Leben, ihre Eltern hätten sie, aufgrund ihrer schlechten finanziellen Situation, nicht unterstützen können.
Nach dem Studium arbeitete sie im Büro eines Baulagers und später als Beraterin in einer Baufirma. Leider musste sie diese Arbeit aufgrund einer schwierigen Situation aufgeben und ist nun auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Derzeit unterrichtet sie regelmässig die Projektkinder in ihrer Siedlung.
Anisha spielt gerne Volleyball, Carrom (ein indisches Brettspiel) oder geht eine Runde joggen. Sie ist sehr kreativ und bringt sich mit ihren Ideen bei der Gestaltung der Kinderwochen oder speziellen Programmen für die Projektkinder in ihrer Siedlung gerne ein.
Gesundheitlich ist Anisha nicht ganz auf der Höhe, sie hat oft Nasenbluten und leidet unter starken Kopfschmerzen.
Die Rolle von Contactions im Leben von Anisha
Anisha wurde 2006 in das Contactions – Projekt aufgenommen. Damals besuchte sie die vierte Klasse und kam regelmäßig nach der Schule am späten Nachmittag zur Hausaufgabenhilfe. Nach einiger Zeit begann sie die Sonntagschule zu besuchen und ab dem Teenageralter kam sie regelmäßig in den Gottesdienst. Dank der Unterstützung und Begleitung durch Contactions konnte sie ein Studium absolvieren. Leslie, unser indischer Leiter, und seine Frau Sheela arbeiten seit vielen Jahren in dieser Siedlung. Dieses Ehepaar hat Anisha und die anderen jungen Menschen dort ermutigt, getröstet und begleitet. Sheela war für Anisha und die anderen Mädchen besonders auch in der Pubertät wichtige Ansprechperson und Vorbild.
Anisha berichtet, dass Leslie und Sheela sich in den letzten zwanzig Jahren unermüdlich und konsequent dafür eingesetzt haben, dass die Lebensbedingungen der Zigeuner in dieser Siedlung verbessert wurden. Die Alphabetisierung wurde voran getrieben und die Familien in sozialer, psychologischer und geistlicher Hinsicht unterstützt, begleitet und gefördert.