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Grusswort der Präsidentin
Das aktuelle Präsidium trat am 1. August 2020 sein Amt an und befand sich inmitten einer Pandemie und eines alternativen Lebens, das niemand in unseren Generationen je gekannt hatte. Es wäre ein Fehler, Ihnen eine allgemeine Message zu schicken und diese Situation zu ignorieren. Erlauben Sie mir also ein paar Überlegungen als Frau in einem gewissen Alter...
Im «Leben davor» sind Dinge passiert, die heute unmöglich sind, während sie damals einfach unvorhersehbar waren. Sie gingen zu einem Abendessen und trafen die Liebe Ihres Lebens oder einen Idioten - statistisch gesehen eher letzteres als ersteres - aber in beiden Fällen hatten Sie einen Namen in Ihr Tagebuch und eine Zeile in das Buch Ihrer Erfahrungen eingetragen. Jetzt können Sie das Haus nur noch in bescheidenem Umfang verlassen, zum Arbeiten, Einkaufen, oder um Verwandte und Freunde zu sehen. Sie freuen sich nicht über eine Überraschung, sondern fürchten sie: Wenn Sie jemanden besuchen, und jemand den Sie nicht kennen das Wohnzimmer betritt ist Ihr erster Gedanke nicht "wird er nett sein?", sondern "wird er den PCR-Test gemacht haben?"
Es ist, als ob mehr als die Hälfte der Szenen unserer Existenz plötzlich aus dem Film herausgeschnitten worden wären. Und in der Tat, wenn wir uns früher auf Bildschirmen und in Büchern von Geschichten ernährten, um von den Leben zu träumen, die wir nie haben konnten, suchen wir jetzt nach dem Leben, das wir hatten, bevor es uns genommen wurde.
Wir vermissen den Anderen, die Umarmungen, die unbedeckten Gesichter, die überfüllten Bars, sogar die Staus und die Stadien voller wütender Fans. Dies ist ein Mangel, der auf lange Sicht selbst Misanthropen zu missfallen beginnt. Uns allen fehlt der Kontakt zu Kollegen und, was noch wichtiger ist, zu den Studierenden. Kann dies in einem Computerbildschirm reproduziert werden? Das frage ich mich jedes Mal, wenn ich an junge Leute denke. Sie sind die ersten emotionalen Opfer dessen, was mit uns geschieht. Seit fast einem Jahr setzen sie nicht mehr regelmässig einen Fuss in einen Hörsaal, ein Konzert oder eine Party. Jugend ist ein Geisteszustand, der Präsenz, Körperkontakt verlangt. Sich "aus der Ferne" zu sehen, ist ein künstlicher Zustand, ein aseptisches Ritual, das fast alle Sinne abschneidet.
Wenn die ganze Welt geimpft sein wird, werden wir uns wie jemand fühlen, der von einem schweren Unfall zurück ist. Es wird nicht einfach sein, zu den alten Gewohnheiten zurückzukehren, auch nicht sofort. Auch wir werden neu (oder tout court) lernen müssen anderen zu vertrauen, und davor uns selbst. Es wird wahrscheinlich schwer sein. Darauf freue ich mich schon.
Wir, das Präsidium der Abteilung Medizin, engagieren uns, alles zu tun, um sicherzustellen, dass die Studierenden und alle Mitarbeitenden die bestmögliche Umgebung haben, um in ihrer Ausbildung und Karriere voranzukommen.
Ich bin überzeugt, dass wir es gemeinsam schaffen können.
Wir sehen uns im Hörsaal, im Sitzungszimmer oder in der Mensa (im Cyclo?).
Beste Grüsse
Anna Lauber-Biason