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Olten-
Gœsgen.
Amtei des Kant. Solothurn, bestehend aus den politischen Bezirken (Wahlkreisen) Olten und Gösgen. Bildet den östlichsten Teil des Kantons und reicht bis an die Stadtgrenze von Aarau. Grenzt im N. an den Kant. Basel Land, im O. und S. an den Aargau, im W. an die Amtei Balsthal. Der grössere Teil des Gebietes ist Gebirgs- und Hügelland. Durch die nördl. Hälfte streichen die Ketten des östl. Solothurner Jura, während im südl. Teil der Born und der Engelberg sich vereinzelt aus dem ziemlich ebenen Gelände erheben, wie auch der Hügelzug der Schönegg (von Obergösgen gegen Nieder Erlinsbach).
Einzelne Gipfel des Jura erreichen noch eine ziemliche Höhe, so die Belchenfluh (1102 m) und der Wisenberg (1004 m), zwei besuchte Aussichtspunkte auf der Grenze gegen Basel Land. Die Belchenfluh bildet mit dem Homberg (971 m), dem Allerheiligenberg und dem Kleinen Belchen zusammen eine sehr hübsche Gruppe die von O. gesehen mit ihrem scharfgeschnittenen Profil fast alpinen Charakter zeigt. Ausgedehnte Waldungen und schöne Sennberge bekleiden die Abhänge und Thalmulden, Im O. sind zu nennen die scharf heraustretende und gesichtartig erscheinende Kontur der Froburg (Napoleonskopf) und der langgezogene Dottenberg, dessen Fortsetzungen, die Rebfluh und der Gugen (804 m), durch tiefeingeschnittene Querthälchen hinter Lostorf und Stüsslingen abgetrennt erscheinen.
Der nördl. Bergzug steigt in der Schafmatt (823 m) und Geissfluh (846 m) noch einmal etwas höher, bevor er in den Aargau übertritt, Der Engelberg südl. der Aare erreicht 700 m und ist auf der N.-Seite völlig bewaldet. Sein östl. Ausläufer gegen Aarau heisst Eppenberg, während gegen W. durch einen Einschnitt ein besonderer Bergkegel abgetrennt ist, dessen Spitze das Sälischloss, die völlig umgebaute frühere (obere) Wartburg, trägt. Mit dem gegenüberstehenden waldigen Born (720 m), dessen südl. Hänge jäh zur Aare abfallen, schliesst der Engelberg (resp. Säli) das enge Querthal ein, das der Aare, der Strasse und der Eisenbahn Durchlass gewährt und im Volksmund «Klos» genannt wird.
Sämtliche Gewässer der Amtei, mit Ausnahme der nordwärts zum Rhein fliessenden Bäche von Wisen und Kienberg, werden von der Aare aufgenommen, die, von Fulenbach her Grenzfluss, in der Klos zum zweitenmal Kantonsgebiet betritt, unterhalb Olten aus der nördl. Richtung in scharfem Bogen (der sog. Rankwage) in die südl. und östl. übergeht und sich in vielen Windungen durchs Niederamt zieht. Im untern Teil ist sie vor wenigen Jahrzehnten durch kostspielige Korrektionen auf weitere Strecken eingedämmt worden. Die aus dem Balsthalerthal ¶
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herkommende und den Buchsgau durchziehende Dünnern ergiesst sich mit mehreren Armen in die Aare (teils bei Olten, teils bei Bonigen). Die übrigen Gewässer der Amtei sind alle nur unbedeutende und ausnahmslos kurze Wasserläufe aus Quereinschnitten des Gebirges, die durch die spätern menschlichen Siedelungen überall zum Dorfbach wurden (es sind deren 12).
Die Amtei umfasst einen Flächenraum von 14943 ha, wovon 8055 ha auf den Bezirk Olten und 6888 ha auf Gösgen entfallen. Diese Fläche verteilt sich auf
|Ackerld.||Wiesen||Weiden||Wald||Unprod. Ld.:|
|Bez. Olten||2563||1870||116||3110||396|
|Gösgen||2300||1808||160||2370||228|
|Amtei:||4863||3678||276||5480||624|
Von den 22 ha Rebland, die in Nieder Gösgen und Erlinsbach noch vor einigen Jahrzehnten gezählt wurden, sind gegenwärtig blos noch etwa 2 ha vorhanden. Der Rebbau war einst von nicht unbeträchtlicher Bedeutung. So hatte Lostorf z. B. noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ziemlich viel Reben, die jetzt sämtlich verschwunden sind. Die Dörfer der Amtei zeigen fast durchweg im Typus der Wohnungen eine Mischung von altalemannischen Bauernhäusern (grosses Strohdach und häufig noch Holzbau) mit den zahlreichen massiven modernen Steinbauten, die in den wohlhabenden Industrieorten vielfach zur Villa geworden sind. Doch trifft man in fast allen Dörfern auch mittelalterliche Gebäude aus Stein, besonders Mühlen, Schmieden, Gasthäuser u. Zehntscheunen, die erstgenannten als altherrschaftliche Erblehen und Ehehaften.
Nach der Volkszählung von 1900 wohnten im Bezirk Olten, dem stärkstbevölkerten des Kantons, in 3787 Haushaltungen 17764 Personen, in Gösgen in 1810 Haushaltungen 8818 Einwohner. Olten zählt 221 und Gösgen 128 Ew. auf je einen km2. Infolge des gewaltigen Aufschwunges der Industrie in der Amtei haben sich neben den Erwerbsverhältnissen auch die Bevölkerungszahlen, die konfessionellen und teilweise sogar die sprachlichen Verhältnisse verschoben. So zählte der Bezirk Olten 1796 blos 3594 Ew., so dass sich also seine Bevölkerungszahl seit hundert Jahren verfünffacht hat.
Gegenüber der Zahl von 9252 Ew. im Jahre 1850 beträgt die Zunahme innert 50 Jahren 92%. Am schärfsten zeigen diese Verhältnisse die beiden Industriezentren Olten und Schönenwerd. Die Stadt Olten zählte 1850 blos 1634 Ew. gegen 6969 bei der letzten Volkszählung, also 326% Zunahme. Schönenwerd stieg im gleichen Zeitraum von 556 auf 1812 Ew., also 226% Zunahme. Aber auch für die Nachbarorte machte sich der Zuwachs sehr fühlbar. So weisen Vermehrung auf seit 1850: Nieder Gösgen 112%, Gretzenbach 74%, Eppenberg 45%, Trimbach 96%, Starrkirch 59%, Wangen 50%, Rickenbach 43%, Hägendorf 34%. Anderseits sei hervorgehoben, dass die rein landwirtschaftlichen Berggemeinden im Bezirk Gösgen ziemliche Bevölkerungsabnahme aufweisen. So Kienberg 22%, Hauenstein und Wissen 35%, Rohr sogar 38%. Die Gesamtzunahme im Bezirk Gösgen beträgt daher nur 23%. Bezirk Olten: 12449 Katholiken und 5237 Reformierte; Bezirk Gösgen: 7552 ¶
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Katholiken und 1243 Reformierte. Bei erstern sind inbegriffen die Christkatholiken, die in Olten, Starrkirch, Trimbach, Schönenwerd und Nieder Gösgen eigene Kirchgemeinden gegründet haben. Bemerkenswert ist die grosse Zahl der Reformierten, besonders mit Rücksicht darauf, dass sich die ersten Reformierten erst vor wenig mehr als 50 Jahren in Olten angesiedelt haben. Reform. Kirchgemeinden bestehen in Olten und Schönenwerd, wohin auch die zerstreuten Reformierten pfarrgenössig sind. Mit wenigen Ausnahmen bestehen in allen politischen Gemeinden eigene römisch-katholische Kirchgemeinden (im ganzen 20). Olten hat ein Kapuzinerkloster.
Oeffentliche Schulen bestehen 80; konfessionelle Erziehungsanstalten (für verwahrloste Kinder) in Däniken und Rickenbach.
Die Muttersprache ist die deutsche und zwar ein alemannischer Dialekt, der sich unterhalb Olten ziemlich stark dem Aargauer Dialekt nähert. Von alten Volkssitten und Gebräuchen ist heute so gut wie nichts übrig geblieben. Auch die alte kleidsame Oltener Tracht ist gänzlich verschwunden. Bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts bildete die Landwirtschaft nebst den gewöhnlichen kleinen Gewerben fast die einzige Beschäftigung der wenig zahlreichen Landbevölkerung, während sie heute trotz ziemlich intensivem Betrieb kaum für einen Drittel der Bevölkerung die alleinige Erwerbsquelle ist.
Die Viehstatistik ergibt folgende Zahlen:
|1886||1896||1901|
|Rindvieh||6657||7054||7040|
|Pferde||341||489||522|
|Schweine||1495||1871||2007|
|Ziegen||2065||2176||2093|
|Schafe||185||129||106|
|Bienenstöcke||2263||1836||2490|
Das Hauptgepräge modernen Erwerbslebens gibt der Gegend die Industrie, die etwa ⅔ der Bevölkerung lohnenden Verdienst bietet. Schon vor 60 Jahren galt die Amtei als die gewerbreichste im Kanton, da die Stadt Olten in Strumpffabrikation etwa 1000 Arbeitskräfte beschäftigte, daneben noch Kappen, Halbleinen, Kattun, Eisendraht etc. fabrizierte und in Schönenwerd die Seidenindustrie aufzublühen begann. Seit 50 Jahren jedoch hat die Bearbeitung von Seide, Leder, Eisen und anderen Rohstoffen völlig den Charakter der Grossindustrie angenommen.
Hauptsitze derselben sind Olten und Schœnenwerd (s. diese Art.). Etwas eigenartige Verhältnisse liegen aber hier deshalb vor, weil die Grosszahl der Arbeiter nicht am Fabrikort selbst, sondern mehr in den umliegenden Ortschaften angesiedelt ist. So wohnen z. B. von etwa 2800 Arbeitern, die in Schönenwerd in den Schuhfabriken der Trikot-, Seidenband- und Chemischen Fabrik beschäftigt sind, nur etwa 550 im Ort selbst, während die übrigen aus den Dörfern der untern Amtei oder aus dem benachbarten Kanton Aargau herkommen. Aehnlich, wenn auch weniger ausgeprägt, liegen die Verhältnisse in den Grossbetrieben Oltens, wie der Reparaturwerkstätte der Bundesbahn, der Giesserei, der Schuhfabrik, Filzfabrik etc.
Nach der politischen Einteilung gehören zum Wahlkreis Olten 16, zu Gösgen 12 Gemeinden. Hauptort ist als Sitz der Amtsbehörden die Stadt Olten. Sitzungen des Amtsgerichtes finden abwechselnd auch in Ober Gösgen statt.
Der Bezirk Olten umfasst folgende politische Gemeinden: Bonigen, Däniken, Dulliken, Eppenberg-Wöschnau, Fulenbach, Gretzenbach, Grod, Gunzgen, Hägendorf, Kappel, Olten, Rickenbach, Schönenwerd, Starrkirch-Wil, Walterswil und Wangen. Er setzt sich aus zwei durch die Aare und einschneidende Grenzen getrennten Gebietsteilen zusammen. Der linksufrige Teil oberhalb Olten trägt noch den Namen der einstigen ausgedehnten Landgrafschaft Buchsgau, zu deren Gebiet er gehörte. Ebenso ist die Bezeichnung Niederamt für das von Olten bis Aarau reichende Gebiet der einstigen «niedern Aemter» geblieben.
Im Buchsgau liegen die Dörfer Wangen, Rickenbach- und Hägendorf am Fuss des Jura, Kappel und Gunzgen in der Ebene der Dünnern, Bonigen und Fulenbach an der Aare. Die Häusergruppe Allmend gehört zu Gunzgen; Bonigen gehört zur Kirchgemeinde Kappel. Von den niederämtischen Gemeinden liegen Starrkirch mit Wil, Dulliken mit Engelberg, Däniken mit Eich, Gretzenbach, Weid, Schönenwerd, Eppenberg-Wöschnau im Aarethal oder auf anstossenden Erhebungen. Südl. vom Engelberg liegt Walterswil-Rotacker mit Hennenbühl. Die kleine Gemeinde Grod hat keine eigene Schule; die Kinder wandern nach Gretzenbach, das mit Weid eine Schulgemeinde, mit Däniken und Weid eine Kirchgemeinde bildet.
Der Bezirk Gösgen umfasst folgende politische Gemeinden: Hauenstein-Ifenthal, Kienberg, Lostorf, Nieder Erlinsbach, Nieder Gösgen, Ober Erlinsbach, Ober Gösgen, Rohr, Stüsslingen, Trimbach, Winznau und Wisen. In der Aareebene liegen Winznau, Ober Gösgen, Nieder Gösgen mit Mühledörfli, in oder vor den Quereinschnitten in den Jura hinein Trimbach (das grösste Dorf), Lostorf mit Mahren und Bad, Stüsslingen, Rohr (in einem einsamen Thalkessel) und Erlinsbach. Auf dem Jura oder in nördl. Einschnitten finden sich Hauenstein-Ifenthal, Wisen (am Fuss des Wisenbergs) und Kienberg, das als fast völlige Exklave von Basel Land und dem Aargau eingeschlossen ist.
Die Amtei ist reich an vor- und frühgeschichtlichen Fundgegenständen. In jüngster Zeit (Herbst 1904) hat man eine neolithische Höhlenwohnung in Winznau systematisch untersucht, die eine reiche Menge der verschiedenartigsten Fundstücke aus dieser Zeit ergab. Steinwaffen fanden sich ferner in Ober Gösgen, Bonigen, Schönenwerd etc. Aus der Bronzezeit wurden Funde gemacht in Erlinsbach, Kienberg, Rickenbach, Trimbach Froburg. Grabhügel aus der Eisenzeit sind 1903 in Ober Gösgen aufgedeckt worden.
Solche fanden sich früher schon in Bonigen, Rickenbach und Gunzgen. Ein ausgedehntes keltisches Refugium, das grösste der Schweiz, mit 600 m langem Wall befindet sich auf der Höhe des Eppenberges, eine Erdburg beim Schloss Ober Gösgen. Sehr zahlreich sind römische Einzelfunde, wie Münzen etc. Römersiedelungen sind nachgewiesen in Bonigen, Hägendorf, Rickenbach, Wangen, Olten, Dulliken, Erlinsbach, Lostorf, Trimbach. Frühgermanische Grabstätten in Olten, Ober Gösgen, Kienberg, Wangen und Wisen.
Im frühern Mittelalter gehörte der grössere Teil der Amtei d. h. das Gebiet links der Aare, zur Landgrafschaft Buchsgau, der die mächtigen Grafen von Froburg vorstanden, während der rechtsufrige Teil, das Niederamt, dem Aargau sich angliederte. Edelsitze von Vasallengeschlechtern (Rittern, Edelknechten und Ministerialen) standen zu Hägendorf, Winznau und Ifenthal, Hagberg und Kienburg bei Olten, Fridau gegenüber Fulenbach. Bedeutender waren die Burgen Wartenfels bei Lostorf, Wartburg bei Olten, Kienberg und Heidegg bei Kienberg. Zu grosser Bedeutung gelangte das Freiherrengeschlecht von Gösskon, das im 13. Jahrhundert den grössern Teil des Gösgeramtes und Niederamtes, nebst der Kastvogtei des Stiftes Schönenwerd an sich brachte. Um 1400 ging die Herrschaft an die Grafen von Falkenstein über.
Die Stammburg Gösskon stand in Ober Gösgen. 1230 erbaute man die grosse und schöne Burg Nieder Gösgen, die 1441 zerstört, 1498 als Landvogtssitz wieder aufgebaut, 1798 neuerdings zerstört und 1903 zu einer Kirche umgebaut wurde. Von 1458 bis 1539 kaufte Solothurn nach und nach die ganze Amtei an und liess sie bis 1798 durch Landvögte verwalten. Die Vogtei Gösgen umfasste den jetzigen gleichnamigen Bezirk und bis 1623 auch das Niederamt, das dann dem Schultheissenamt Olten zugeteilt wurde. Der Buchsgau bildete das niedere Amt Bechburg (Landvogtssitz auf Neu Bechburg bei Oensingen), auch Fridaueramt geheissen.
Die kirchliche Gewalt (Kollaturrechte etc.) stand im Mittelalter in den meisten Gemeinden dem Chorherrenstift Schönenwerd zu, das urkundlich zuerst 778 erwähnt ist und 1874 aufgehoben wurde. Zur Reformationszeit waren mehrere Gemeinden für einige Zeit zur neuen Lehre übergetreten. Im Bauernkrieg stand Olten im Mittelpunkt der bäuerlichen Opposition. Beim Einfall der Franzosen 1798 und beim Durchmarsch der Alliierten 1813 wurde die Amtei durch Kontributionen etc. schwer geschädigt. Von 1830 an stand und steht sie zu den demokratischen, fortschrittlichen Bewegungen.
Die Hauptverkehrslinien folgten von jeher den Flussläufen. Zu den Bergstrassen sind zu zählen die Verbindung zwischen Hägendorf und Langenbruck, die Untere Hauensteinstrasse, die Strasse Erlinsbach-Kienberg über Saalhöhe; weniger begangen ist der Weg über die Schafmatt. Olten als Knotenpunkt mehrerer ¶
Im Geographisches Lexikon der SCHWEIZ, 1902
* Olten
Gœsgen.
Bezirk des Kantons Solothurn. Die Viehzählung von 1906 hat folgende Resultate ergeben:
|1906|
|Rindvieh||8369|
|Pferde||631|
|Schweine||1768|
|Schafe||135|
|Ziegen||2093|
|Bienenstöcke||-|