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- Das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern dürfte sich 2020 beschleunigen.
- Der US-Dollar könnte leicht nachgeben. Dies geht im Allgemeinen mit einer Aufwertung der Währungen von Schwellenländern einher, verbessert dort die Finanzierungsbedingungen und führt bei der Umrechnung lokaler Gewinne in US-Dollar zu Währungsgewinnen.
- Die Unsicherheit infolge des Handelskonflikts zwischen den USA und China, das schwache Wirtschaftswachstum in China und die globalen Herausforderungen dürften fortdauern.
Das verarbeitende Gewerbe befindet sich derzeit weltweit in einer Rezession. Das ist vor allem die Folge (i) des deutlich negativen Kreditimpulses in China 2017 und 2018, (ii) der Straffung der Geldpolitik in den Industrieländern 2018 und Anfang 2019, (iii) der Stärke des US-Dollars und (iv) der Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China, der den Handel und das Geschäftsklima belastet hat.
Warum sich diese Faktoren 2020 verbessern oder stabilisieren dürften
i) Kreditimpuls in China: Wie Abbildung 1 zeigt, stabilisierte und verbesserte sich der Kreditimpuls in China, der die Veränderung der Neuverschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts darstellt, im zweiten Halbjahr 2018 und im Jahr 2019. Inzwischen sind andere Impulse gesetzt worden, sowohl geld- als auch fiskalpolitischer Natur.
Wir erwarten, dass der Impuls im nächsten Jahr moderat bleiben wird, in erster Linie wegen des bestehenden Schuldenstands und des Umfangs des Schuldenanstiegs im vergangenen Jahrzehnt. Die Konjunkturdaten in China sind weiter schwach. Unserer Einschätzung nach dürfte das Wirtschaftswachstum 2020 dank fortgesetzter Impulse jedoch relativ stabil bleiben, nachdem die Wirtschaftstätigkeit im zweiten Halbjahr 2018 und im ersten Halbjahr 2019 deutlich nachgelassen hat.
ii) Geldpolitik: Die Zentralbanken der Industrieländer lockerten Mitte 2019 ihre Geldpolitik. Die US-Notenbank Fed führte im zweiten Halbjahr drei Senkungen ihres Leitzinses um jeweils 25 Basispunkte durch und ging von einer quantitativen Straffung oder Bilanznormalisierung zu einer erheblichen Liquiditätszufuhr über. Im November nahm die Europäische Zentralbank mit monatlichen Wertpapierkäufen im Wert von 20 Mrd. Euro ihre quantitative Lockerung wieder auf. Die Lockerung der Geldpolitik in den Industrieländern hat es den Zentralbanken der Schwellenländer erleichtert, ihrerseits auf breiter Front die Geldpolitik zu lockern (Abbildung 2). Ausserdem dürften einige Schwellenländer im Jahr 2020 eine expansivere Fiskalpolitik verfolgen als 2019.
Quelle: Refinitiv, Schroders Economics Group. 31. Oktober 2019.
iii) US-Dollar: Der US-Dollar könnte in den nächsten zwölf Monaten nachgeben. Er ist teuer, und unseres Erachtens dürfte sich das relative Wachstum in Europa und den Schwellenländern gegenüber den USA im Jahr 2020 verbessern. Eine Abwertung des US-Dollars geht gemeinhin mit einer Aufwertung der Währungen von Schwellenländern einher, verbessert dort die Finanzbedingungen und führt bei der Umrechnung lokaler Gewinne in US-Dollar zu Währungsgewinnen.
iv) Handelskonflikt zwischen den USA und China: Timing, Umfang und Nachhaltigkeit einer etwaigen Vereinbarung im Handelsstreit zwischen den USA und China sind schwer vorherzusagen. Die anhaltenden Verhandlungen deuten jedoch darauf hin, dass beide Seiten eine weitere Eskalation vermeiden möchten.
Längerfristig dürften die Spannungen anhalten - teilweise wegen einer zunehmenden populistischen Reaktion von Globalisierungsverlierern in den Industrieländern, aber auch aufgrund der anhaltenden Weiterentwicklung Chinas als wirtschaftliche und militärische Supermacht sowie des Ausmasses der globalen Machtverschiebung. Kurzfristig dürften die Handelsspannungen daher nicht weiter zunehmen, und wir halten eine Teillösung für möglich. Allerdings könnten die Unternehmensinvestitionen wegen der längerfristigen politischen Unsicherheit relativ schwach bleiben.
All dies dürfte das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern im Jahr 2020 stützen. Craig Botham, der für die Schwellenländer zuständige Volkswirt von Schroders, erwartet eine Wachstumsbeschleunigung in den Schwellenländern von 4,1 % im Jahr 2019 auf 4,5 % im Jahr 2020.
Ausserdem halten wir 2020 einen Aufschwung in der Industrie für möglich. Das aktuelle Umfeld hat sich negativ auf die Unternehmensinvestitionen und den Handel ausgewirkt und könnte den Lagerabbau ausgelöst haben. Der Aufschwung in der Industrie könnte durch die Wachstumsbeschleunigung infolge einer expansiveren Geld- und Fiskalpolitik, eines moderat schwächeren US-Dollars und einer teilweisen Deeskalation im Handelskonflikt verstärkt werden.
Dieser Konjunkturaufschwung dürfte dazu beitragen, dass sich das relative Wachstum in Europa und den Schwellenländern gegenüber den USA verbessert, was den US-Dollar schwächen dürfte. Die fiskalpolitische Haltung der Industrieländer, insbesondere Deutschlands, muss ebenfalls beobachtet werden.
Im Jahr 2019 sind die Gewinne je Aktie erheblich nach unten revidiert worden. Die Gewinne stiegen mit einem Plus von 3 % gegenüber dem Vorjahr weniger stark als der Markt, der im laufenden Jahr (bis 29. November) gemessen am MSCI Emerging Markets Index um 10,2 % zulegte.
Der Gewinnausblick bleibt relativ unsicher. Auf der Basis unseres Wirtschaftsausblicks könnte das Gewinnwachstum 2020 jedoch den Konsenserwartungen, die zurzeit bei 12 % liegen, entsprechen. Ausserdem sind die Bewertungen in den Schwellenländern nach wie vor relativ attraktiv, vor allem in einigen zyklischen Marktbereichen.
Unseres Erachtens spricht die Risikoverteilung angesichts des Handelskonflikts und einer möglichen Dollarschwäche für die Schwellenländer. 2020 dürfte das Wachstum in den Schwellenländern dank der Lockerung der Geldpolitik und in einigen Fällen auch der Fiskalpolitik anziehen, und die Industrie könnte einen moderaten Aufschwung erleben. Die Bewertungen sind angemessen, und die Gewinnerwartungen für 2020 könnten erfüllt werden.
Auf der anderen Seite ist die Beziehung zwischen den USA und China immer noch unsicher, und das chinesische Wirtschaftswachstum bleibt schwach. Darüber hinaus ist das globale Umfeld weiterhin von Überschuldung und langfristiger Stagnation gekennzeichnet, und das zugrunde liegende Wachstum ist schwach. Zudem hat die Lockerung der Geldpolitik den meisten Märkten ein gutes Jahr beschert. Wir glauben auch, dass die Wachstumserholung moderat ausfallen wird. Daher beurteilen wir die Aussichten von Schwellenländeraktien im Jahr 2020 vorsichtig optimistisch.
Die hierin geäusserten Ansichten und Meinungen stammen von dem Autor und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Diese können sich ändern.
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