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St. Gallen, 15. August 2002
Stellungnahme zum Verkehrskonzept Altstätten
1. Einleitende Bemerkungen
1.1. zur Vernehmlassung
Mit Bericht vom 27. August 2001 lud der Stadtrat Altstätten interessierte Kreise zur Vernehmlassung des Verkehrskonzeptes Altstätten ein. Der Verkehrs-Club der Schweiz erhielt davon leider keine Kenntnis. Aufgeschreckt durch die beabsichtigten Projektierungskredite wurden wir von Mitgliederseite erst nach der Vernehmlassung kontaktiert. Unabhängig davon wurden wir von der Gemeinde nach der Bürgerversammlung vom 8. April 2002 zu einer Orientierung eingeladen. Eine Delegation der Gemeinde und des VCS traf sich am 4. Juli in Altstätten. Die vorliegende Stellungnahme ist das Produkt des aktuellen Erkenntnisstandes.
1.2. zum Gesamtkonzept Verkehr 2002
Unter diesem Titel stellen wir uns ein Verkehrskonzept vor, das sowohl den privaten wie auch den öffentlichen Verkehr berücksichtigt; ein Konzept, das den Langsamverkehr (Velo- und Fussverkehr), den Personenwagenverkehr und den Schwerverkehr umfasst. Das Verkehrskonzept Altstätten beschränkt sich auf die Überprüfung von Strassen- und Unterführungsprojekten aus dem Verkehrsrichtplan 1992. Es fehlt eine Ist-Analyse der gesamten Verkehrssituation mit einer Beurteilung. So ist aus den Berichten z.B nicht ersichtlich, dass gleichzeitig an neuen Verkehrslösungen in der Altstadt gearbeitet wird. Es gibt auch keine Hinweise darauf, ob die Probleme des Strassenverkehrs wie Belastung der Wohngebiete, Stau, Kreuzungs- und Sicherheitsprobleme noch anderswie angegangen werden als mit Bauprojekten
1.3. zur Verkehrszählung 2000
Auffallend ist beim Ergebnis des Ist-Zustandes, dass die Verkehrsbelastung im täglichen Durchschnitt im Vergleich mit anderen Orten im Kanton St. Gallen nicht sehr hoch ist. Doppelt so hoch sind die Belastungen z.B. beim Seedamm Rapperswil (2001: 23'791), in Kronbühl-Wittenbach (2001: 16'202) oder in Gossau-Mettendorf (2001: 17'116). Zudem ist wie überall ein sehr hoher Anteil Ziel-, Quell- und Binnenverkehr. Der Lastwagenanteil ist klein und nicht auf einzelne Strassen konzentriert. Die vorgesehenen Projekte haben nur eine kleine Entlastungswirkung. Die Stelle mit der höchsten Verkehrsdichte, die Kreuzung Churerstrasse/Trogenerstrasse, wird durch die beabsichtigen Umfahrungen fast gar nicht tangiert. Es stellt
sich deshalb grundsätzlich die Frage, ob der gewonnene Nutzen zusammen mit den gewonnenen neuen Lasten wirklich Investitionen von 20 Mio Franken wert ist. Unwillkürlich fragt man sich auch, wie sich Altstätten als Gemeinde im finanziellen Lastenausgleich diese Ausgaben leisten kann
2. VCS-Position zu den einzelnen Projekten
2.1. Entlastungsstrasse Süd Oberrieterstrasse Stossstrasse
Wir begrüssen den Verzicht auf diese Verbindungsstrasse.
2.2. Entlastungsstrasse Süd Kriessernstrasse- Oberrieterstrasse
Die Industriezone Süd liegt so, dass sie von der Autobahn (Ausfahrt Kriessern) nur via Wohngebiete und über die Strasse via Bahnhof erschlossen ist. Richtung Süden wird der Anschluss Oberriet genutzt, was zu unerwünschtem Schwerverkehr durch das Strassendorf Oberriet führt. Die neue Verbindungsstrasse ermöglicht von Oberriet und Eichberg her auch eine direktere Verbindung zu den Arbeitsplätzen im Industriegebiet Ost, was zu einer Verkehrsverdichtung vor dem Übergang Grüntal führen wird.
Durch den Ausbau der Kriessernstrasse und die Umfahrung Kriessern hat sich eine neue Situation ergeben. Es sollte Vieles unternommen werden, um den Schwerverkehr über diesen Autobahnanschluss von und nach Altstätten zu führen. Wir lehnen deshalb die Verbindungsstrasse nicht zum vornherein ab. Die neue Strasse darf aber nicht zu einem Sachzwang führen, der dann weitere Strassenbauten verlangt.
Die Unterführung an der Brittlerenstrasse ist nicht zwingend. Ausser etwas Zeit in wenigen Situationen wird nichts gewonnen. Eine gewisse Logik ist nicht abzusprechen im Zusammenhang mit der Weiterführung der Umfahrung Richtung Nord und später Richtung Widnau. Diese Umfahrungsprojekte lehnen wir aber entschieden ab.
2.3. Entlastungsstrasse Nord
Im Vernehmlassungsbericht noch in 2. Priorität soll die Umfahrungsstrasse Nord nun ebenfalls in 1. Priorität projektiert werden. Eine weitere Folge der Vernehmlassung besteht darin, dass aus den drei Teilstrecken die Strecke "Kesselbachstrasse" herausgebrochen wurde. Die vorgesehene Umfahrung Nord lehnen wir ab. Aus folgenden Gründen:
- Wir sind der Ansicht, dass das Industriegebiet Ost schon heute gut an die A 13 angebunden ist. Konflikte bestehen beim Niveau-Übergang Grüntal mit Stau an den Spitzenzeiten und dem Tangieren des Wohngebietes "Rhodsguet". Abgesehen davon kann die A13 auf direktem Weg erreicht werden. Eine neue Erschliessungsstrasse mit Bahnunterführung ist nicht notwendig.
- Es macht wenig Sinn, für den Durchgangsverkehr von 15%, d.h. gut 600 Autos pro Tag, 9 Mio Franken aufzuwenden. Die Entlastungswirkung wäre für geplagte Anwohner weder im Ortsteil Lüchingen noch im Rhodsguet spürbar.
- Sollte eines Tages die von uns bekämpfte Strasse 2000 nach Balgach doch realisert werden, würde sich der Anschluss Lüchingen erübrigen. Das Teilstück wäre nach wenigen Jahren überzählig.
- die Auswirkungen auf die Kesselbachstrasse sind völlig offen, dh. es ist anzunehmen, dass sie inoffiziell einen Teil des Verkehrs von der Nordumfahrung aufnehmen muss, wenn nicht aufwendige flankierende Massnahmen dies verhindern.
- durch den Bau der Entlastungsstrasse geht viel und wichtiges Kulturland verloren. Diesen Umstand werten wir höher als der realisierbare Nutzen. Nur kann sich die Natur dafür nicht wehren.
- das Teilstück "Anschluss Lüchingen" tangiert ebenfalls Wohngebiete und mit dem Schulhaus Roosen einen weiteren sehr sensiblen Bereich. Warum neue Problemzonen eröffnen, wenn dies nicht unbedingt nötig ist?
Wir stellen fest, dass sich Aufwand und Ertrag bei der Umfahrung Nord in einem sehr schlechten Verhältnis befindet. Es entsteht der Eindruck, dass damit vor allem ein Schritt Richtung Strasse 2000 gemacht werden soll. Man kann sich leicht ausmalen, dass bei dieser Voraussetzung als nächstes die Gemeinde Marbach in den Startpflöcken steht, später Rebstein den Anschluss realisert und schliesslich Balgach auch nicht abseits stehen will.
Wehren wir jetzt den Anfängen.
2.4. SBB-Unterführung Grüntal
Es herrscht weitgehend Einigkeit darin, dass der Bahnübergang nicht schwerverkehrstauglich untertunnelt werden kann. Wir argumentieren eher grundsätzlich gegen die Aufhebung von Niveauübergängen, mag das auch noch so im Interesse der SBB sein. Fussgänger und Velofahrerinnen sind angewiesen auf möglichst viele Übergänge. Es ist viel angenehmer, ein paar Minuten warten zu müssen, als einen langen Umweg zu machen. Deshalb sprechen wir uns für die Beibehaltung des Niveauüberganges aus.
2.5. SBB-Unterführung alte Landstrasse
Die Sanierung des Bahnhofs Altstätten ist eine erfreuliche Sache. Die Vernetzung von Bahn und Bus, die Einrichtung eines Avec-Shops und der politische Einsatz für eine Verlängerung der S2 nach Altsätten sind gute Investitionen in den öffentlichen Verkehr. Wir begrüssen das Ja von Altstätten zu ihrem Bahnhof .
Damit verbunden ist eine Verlängerung der Perrons auf 320 Metern. Ausser Sargans und Altstätten weisen alle Bahnhöfe zwischen St. Gallen und Chur diese Perronlänge auf. Der Abstand zwischen den Übergängen Grüntal und Alte Landstrasse ist dafür zu kurz. Einzig mit der Verschiebung der Signale über die Barrieren hinaus könnte eine Verlängerung realisiert werden und trotzdem beide Bahnübergänge beibehalten werden. Das würde dazu führen, dass die Barriere Grüntal schon bei der Ausfahrt des Zuges in Oberriet geschlossen werden müsste und erst wieder geöffnet werden könnte, wenn der Zug am Bahnhof angehalten, abgefahren und den Übergang passiert hätte. Das würde zu einer übermässig langen Wartezeit führen.
Wir schliessen uns der Meinung an, dass Sicherheitsvorschriften auf verschiedenen Ebenen zusammen mit der Verlängerung der Perrons auf 320 Metern die Aufhebung eines Bahnüberganges unumgänglich machen. Da die Unterführung Grüntal nicht schwerverkehrstauglich gemacht werden kann, macht es Sinn, den Übergang Alte Landstrasse aufzuheben und stattdessen eine Velo- und Fussgängerunterführung zu erstellen. Wichtig dabei ist, dass von dieser Unterführung aus der Zugang zu den Perrons realisiert wird und mit einfachen baulichen Massnahmen das Mitführen von Velos und Kinderwagen möglich ist.
2.6. Entlastungsstrasse Richtung Balgach
Wir lehnen diese Strasse entschieden ab, ebenso alle Bestrebungen, die eine vierte Achse zwischen Hang und Rhein fördern. Als Umfahrungsstrasse kann die A13 genutzt werden. Mit dem Ausbau Kriessernstrasse und der Umfahrung Kriessern sowie dem Vollausbau der A13 wird der Druck auf die Dörfer etwas weichen. Hauptstrassen durch Ortszentren sind Lebensadern. Das Gewerbe kann davon profitieren. Es gibt heute gute Möglichkeiten, die Strassenräume so zu gestalten, dass die Sicherheit verbessert und die Trennwirkung der Strasse vermindert werden kann.
2.7. Industriestrasse
Dieses Projekt betrifft die Interessen des Verkehrs-Clubs nur am Rande. Wir nehmen dazu keine Stellung.
3. Schlussbemerkung
Obwohl sich die Gemeinde Altstätten im Finanzausgleich befindet, wird mit grosser Kelle angerichtet. Wir möchten auf die Zentrumsfunktion der Stadt hinweisen. Viele Wege führen hierhin: von Eichberg, Gais, Trogen, Heiden, Rorschach, Kriessern und Oberriet. Mit dem Konzept Altstadt wird die Bedeutung des regionalen Zentrums mit viel historischem Charakter aufgewertet. Die Lebensqualität der Stadt gewinnt mehr mit vielen lokalen Massnahmen im Bereich Gestaltung, Sicherheit, Aufenthaltsqualität als mit teuren und mässig nutzbringenden Entlastungsstrassen und Unterführungen.
Verkehrs-Club der Schweiz
Sektion St. Gallen/Appenzell