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Jedes Jahr die gleiche Klage. Wenn die Schwimmbäder geöffnet werden, wird immer noch Eishockey gespielt. Und jedes Jahr eine Eishockey-WM. Das ist doch unsinnig. Falsch: Die jährliche Eishockey-WM im Mai ist so erfolgreich wie nie!
Eine WM während der Saison, zwischen September und April, ist nicht möglich. Weil die wichtigste Liga der Welt – die nordamerikanische NHL, die drei Viertel der besten Spieler der Welt beschäftigt – nicht Mitglied des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) ist. Das wäre im Fussball so, wie wenn die Premier League in England und die Bundesliga nicht Mitglied der FIFA wären und sich nicht für die Fussball-WM interessieren würden.
Um trotzdem NHL-Stars an der WM zu haben, kann das Turnier erst dann beginnen, wenn in der NHL die Qualifikation und die erste Playoffrunde gespielt sind. So ist es möglich, die Stars aus 22 von 30 NHL-Teams für die WM zu nominieren. Deshalb beginnt die WM erst am letzten April- oder am ersten Mai-Wochenende.
Das war einst so nicht notwendig. Weil bis in die 1970er-Jahre hinein nur Kanadier und Amerikaner in der NHL spielten. Die WM konnte zwischen Februar und April mit den besten Europäern gespielt werden. Ohne Rücksicht auf die NHL. Die Kanadier und die Amerikaner schickten Amateurteams zu den Titelkämpfen.
Aber seit den 1970er-Jahren genügen Amateurteams nicht mehr. Im Laufe der 1980er-Jahre haben die Europäer die NHL erobert und nach dem Zusammenbruch des Ostblocks spielen auch die besten Tschechen, Slowaken und Russen in der NHL. Eine WM im Februar, März oder April ist nicht mehr machbar.
Die Diskussionen um einen anderen Termin sind oft geführt worden. Sie haben zu keinem Resultat geführt. Weil es zur Eishockey-WM im Mai keine Alternative gibt. Und inzwischen ist es auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht notwendig, Alternativen zu suchen.
Die Eishockey-WM hat zwar bei Weitem nicht die globale Ausstrahlung einer Fussball-WM. Aber das hätte sie auch dann nicht, wenn sie nur alle zwei oder vier Jahre ausgetragen würde. Die Eishockey-WM füllt eine Marktnische im internationalen Sportbusiness und ist inzwischen so erfolgreich wie nie. Das Interesse ist mit TV-Übertragungen in mehr als 120 Ländern und fast einer Milliarde TV-Zuschauer durchaus global. Aber die Eishockey-Titelkämpfe bewegen die Menschen nur in ein paar Ländern. In Schweden, Finnland, Lettland, Russland, Tschechien, in der Slowakei und in der Schweiz. Selbst in Kanada und in den USA spielt die WM wegen der gleichzeitig ausgespielten Stanley-Cup-Playoffs in den Medien nur eine Nebenrolle.
Aber diese Präsenz genügt fürs grosse Geschäft. Die Vermarktungsagentur Infront bezahlt der IIHF jedes Jahr rund 20 Millionen Franken für die TV- und Vermarktungsrechte der WM-Turniere. Den WM-Veranstaltern bleiben die Zuschauer- und Gastronomie-Einnahmen und stark limitierte Werbemöglichkeiten. Diese 20 Millionen Franken machen gut die Hälfte des gesamten IIHF-Budgets aus. Der Weltverband ist auf diese jährlichen Einnahmen angewiesen.
Vor Ort interessieren sich immer mehr Zuschauer für die WM. 2012 und 2013 hatten die Finnen und Schweden viel zu hohe Eintrittspreise verlangt und kamen nicht einmal auf eine halbe Million Zuschauer. 2014 in Minsk waren es dann 640'000 (Rekord) und nun wird in Prag eine neue Bestmarke erreicht. Der letztjährige Rekord ist bereits geknackt und am Ende werden es mehr als 700'000 zahlende Zuschauer sein. Das Erfolgsrezept ist einfach: Moderate Eintrittspreise (beinahe halbierte Ticketpreise im Vergleich zu 2011 und 2012) und eine gut ausgebaute Gastronomie in den Fanzonen. Damit es auch rund um die Arenen rockt und rollt.
Ein Vorteil der Hockey-WM sind die friedlichen Zuschauer, Zwischenfälle gibt es kaum. Die Hockey-WM ist längst so etwas wie ein alljährliches Klassentreffen für Hockeyfans aus ganz Europa geworden. Wenn erst noch in einem Land mit vernünftigen Bierpreisen gespielt wird (was in Prag der Fall ist), schwelgen die Besucher aus Skandinavien in Glückseligkeit.
Die Eishockey-WM verkürzt den Fans die Wartezeit auf die neue Saison um einen Monat, schwemmt inzwischen jedes Jahr Geld mehr in die Kassen des Internationalen Verbandes und des Organisators vor Ort und verschafft dem Eishockey in den Stammländern viel Medienpräsenz. Auch die Schweiz hat bei den letzten WM-Turnieren (1998 und 2009) rund eine Million Franken verdient, mit 220'000 (1998) und mit 375'000 (2009) Zuschauern. Mehr kann von diesem Turnier nicht erwartet werden. Mehr ist nicht möglich.
Mit der jetzt aktuellen Formel – 16 Teams, zwei Gruppen – ist das Optimum erreicht. Mehr konkurrenzfähige Nationalmannschaften gibt es nicht. Bis 1975 spielten nur 6 Teams um den WM-Titel, dann waren es bis 1991 10 und seit 1998 haben wir die heute üblichen 16 WM-Teilnehmer.
Wir werden, so die Welt nicht untergeht, auch in 30 Jahren noch während der Badesaison im Mai eine Eishockey-WM mit 16 Teams haben.