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Erste offizielle Details zu «Cell»
Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2004/22
Nach vielen Spekulationen gibt es nun erste offizielle Details von IBM, Sony und Toshiba zum «Cell»-Prozessor, der vor allem die Playstation 3 und andere Home-Entertainment-Geräte antreiben soll.
Der «Cell»-Prozessor, an dem die drei Industriegrössen bereits seit 2000 werkeln, soll ein Multicore-Prozessor werden und auf mehreren 64-bittigen PowerPC-Kernen basieren. Jeder dieser Kerne wird zudem mit Multithreading arbeiten, was ähnlich wie bei Intels Hyperthreading, das im Pentium 4 und in den Xeon-Prozessoren zum Einsatz kommt, mit mehreren logischen Prozessoren in einem Kern bewerkstelligt wird. Damit sollen sich Speicherlatenzzeiten besser überbrücken und die einzelnen Prozessoren effektiver ausnutzen lassen.
Als weiteres Feature beherrscht «Cell» Virtualisierung, die er von den bestehenden Power-Prozessoren geerbt hat. Die Virtualisierung erlaubt es, mehrere Betriebssysteme nebeneinander zu betreiben, wobei deren Ressourcen wie der Hauptspeicher voneinander abgetrennt sind. Zum neuen Prozessor gesellen sich ein ausgeklügelter Direct-Access-Memory-Controller sowie mehrere Streaming-Prozessoren, die untereinander über einen besonders schnellen Bus verbunden sind. Dieser Bus, der von Rambus zusammen mit einem Forscherteam der Stanford University entwickelt wurde, basiert auf mehreren seriellen I/O-Links, die je mit einem Takt von 6,4 GHz arbeiten. Die Massenproduktion des neuen Prozessors soll bereits gegen Ende des nächsten Jahres anlaufen, grosse Stückzahlen und die damit verbundenen Endgeräte für die Benutzer dürfen aber erst für 2006 erwartet werden.
In Sachen Geschwindigkeit soll der «Cell»-Prozessor insbesondere bei der Gleitkommaleistung die gesamte Konkurrenz weit hinter sich lassen. Darauf deutet eine Mitteilung von IBM zur «Cell»-Entwicklungsworkstation hin, deren erster Prototyp nun fertiggestellt wurde. Diese soll pro Rack eine Leistung von 16 TeraFlops/s erreichen, womit sie etwa halb so schnell wäre wie der Earth Simulator von NEC, der bis vor kurzem als schnellster Supercomputer galt. Hochleistungscluster sind denn auch ein weiteres geplantes Einsatzgebiet für «Cell».