Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03310.jsonl.gz/487

„Sie strahlen, wenn sie mich sehen“
27. April 2019
Ein gern gesehener Gast ist Margrit in einem Weiler in Südindien, wo Leprakranke wohnen. Dahinter steckt eine spannende Geschichte, die anfing, als Margrit 12jährig war. Ihre Mutter war damals so stark beansprucht, daß sie ihr vorschlug: „Ich schreibe die Briefe“ – an deinen Cousin in Indien. Johann Fritschi und seine Frau Louisa waren als Missionare nach Südindien ausgereist, wo ihnen zwei Söhne geboren wurden. Mittlerweile waren sie im Nilgiri-Gebirge, wo er eine Baum- und Pflanzenschule aufbaute und aus diversen Teeblättern Heilmittel herstellte. Ihr jüngerer Sohn Ernest studierte Medizin und spezialisierte sich auf die Wiederherstellungschirurgie für Leprakranke.
Als Margrit 1966 erstmals zu diesen Verwandten reiste, waren sie in der Stadt Vellore bzw. im naheliegenden Dorf Karigiri. Dort hatten sie ein ökologisches Projekt gestartet, und siehe da: Eine öde braune Wildnis liess sich in eine grüne Oase verwandeln! Margrit blieb drei Monate dort. Vor ihrer Rückkehr in die Schweiz nutzte sie die Gelegenheit, Thailand zu bereisen, wo ihr Bruder Theo gearbeitet und gestorben war, einen Ausflug nach Kambodscha zu machen, Hongkong zu besuchen und noch einmal jene Familie in Indien.
Zu Hause überlegte sie sich nun, wie sie sich wohl regelmässige Langstreckenflüge nach Indien leisten könnte. Nach der Haushaltungsschule Reuti und einer KV-Ausbildung bei der Töpferei Landert in Embrach hatte sie eine abwechslungsreiche Laufbahn bereits zurückgelegt: Anstellungen in der Weinabteilung bei Volg Winterthur, bei Cuenod in Glattbrugg, in der Spinnerei Blumer in Freienstein sowie im Hotel Zelthof Zürich – dazwischen ein knappes Jahr in England und Einsätze daheim in Teufen ZH. Wie wäre es, wenn sie nun eine Stelle bei der Swissair bekäme? Da bewarb sie sich. Und daraus wurden 28 Jahre Verdienst (vorerst in Kloten, dann am Hirschengraben in Zürich). Die Rechnung war also aufgegangen: Alle Jahre wieder konnte sie nach Indien reisen – meistens für drei Wochen im Winter (bei etwas kühleren Temperaturen).
Darüber liesse sich allerlei Interessantes erzählen, auch über Ausflüge nach Australien – ganz abgesehen von weiteren Auslandreisen. Jene ‚indischen‘ Verwandten sind inzwischen gestorben. Seit 2016 ist Margrit nicht mehr dort gewesen. Doch im Land, das ihr so lieb geworden ist, steht bald eine Hochzeit an, und sie ist eingeladen…. Wenn sie wieder hinreist, wird sie auch jenen Leprakranken eine Freude machen wollen, die so strahlen, wenn sie jemanden wie Margrit wieder sehen – die Verbundenheit ist geblieben. Gott möge jene grossartige Arbeit segnen! Denn Karigiri ist „ein Ort der Hoffnung und der Heilung“. (26.04.2019 / pgac)