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Gehirnerschütterung
(commotio cerebri) entsteht gewöhnlich durch einen Sturz aus erheblicher Höhe, durch einen starken Schlag auf den Kopf oder andere heftige Gewalteinwirkungen auf den Schädel und führt entweder sehr schnell zum Tode oder geht nach Stunden oder Tagen in vollkommene Genesung über. Gewöhnlich sinkt der Verletzte sofort nach der Einwirkung der Gewalt bewußtlos zusammen, liegt mit blassem Gesicht, [* 2] schlaffen, ausdruckslosen Zügen und offenen, starren Augen da und giebt weder beim Anrufen noch auf schmerzhafte Reize eine Lebensäußerung von sich; nur mehr oder weniger heftiges Erbrechen stellt sich ein und pflegt sich mehrmals zu wiederholen.
Der Verletzte geht unter diesen Erscheinungen bald zu Grunde oder kehrt allmählich wieder in das Leben zurück: die blasse Farbe des Gesichts verschwindet, der Puls wird voller, die Respiration tiefer und allmählich kommt der Kranke wieder zum Bewußtsein, ohne sich entsinnen zu können, was mit ihm vorgegangen. Gar nicht so selten bleiben noch längere Zeit Schwindel, Ohrensausen, Verdauungs-, Sinnes- und Sprachstörungen zurück, weshalb derartig Verletzte immer noch längere Zeit hindurch fortgesetzter sorgsamer Überwachung bedürfen.
Welcher Art die hierbei in dem anscheinend ganz unversehrten
Gehirn
[* 3] stattfindenden, wahrscheinlich molekularen Vorgänge sind,
ist mit den gegenwärtigen Hilfsmitteln nicht zu erkennen; man vermutet, daß es sich bei der um eine
Reflexlähmung der Hirngefäße handelt, infolge deren der Hirnrinde weniger
Blut zugeführt und so der eben geschilderte Symptomenkomplex
ausgelöst wird. Bei der Behandlung der
Gehirnerschütterung enthalte man sich durchaus aller eingreifenden
Verfahren, lagere den Verletzten
in einem ruhigen, kühlen und luftigen Raum und beschränke sich auf Reiben und Frottieren der
Haut,
[* 4] die Reizung der Nasenschleimhaut
durch scharfe Riechstoffe und die Anwendung reizender
Klystiere. Auch nach erfolgter Genesung muß der
Kranke noch längere
Zeit hindurch ein sehr vorsichtiges diätetisches Verhalten beobachten und sich vor
Excessen jedweder
Art sowie
vor allen körperlichen und geistigen Anstrengungen sorgfältig in acht nehmen. Zuweilen bilden sich im Anschluß
an
Gehirn- und Rückenmarkserschütterungen schwere, oft unheilbare nervöse
Störungen aus (sog.
traumatische Neurose).