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politische Gefangene der DDR kaufte die Regierung der Bundesrepublik Deutschland von 1963 bis 1989 frei. Dabei flossen nominal mehr als drei Milliarden Deutsche Mark.
Kam es zunächst nur zu Einzelgeschäften, war der Häftlingsfreikauf ab 1964 im Rahmen jährlicher Vereinbarungen institutionalisiert. Das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen stellte mehrmals pro Jahr Listen von politischen Gefangenen zusammen und liess sie über Mittelsmänner Vertretern der DDR zukommen, die darüber entschieden, ob die aufgelisteten Personen für einen Freikauf in Frage kamen. Die Bundesregierung bezahlte dabei nicht direkt in Deutscher Mark, sondern finanzierte Warenlieferungen westdeutscher Firmen an Handelsunternehmen der DDR, die die Waren in der Regel umgehend auf dem Weltmarkt in harte Devisen eintauschten. Alle beteiligten Parteien profitierten: Die Bundesregierung leistete wirksam (und relativ günstig) humanitäre Hilfe. Die DDR erhielt dringend benötigte Devisen. Die Häftlinge kamen frei.
Politischer Gefangener wurde in der DDR bereits, wer seinem Wunsch zur Ausreise zu vehement Nachdruck verlieh. So begaben sich wiederholt Ausreisewillige in politische Gefangenschaft, um freigekauft zu werden. Ein aus der Perspektive Bonns willkommener Effekt. Allerdings wusste auch die Führung der DDR die Institution des Häftlingsfreikaufs auszunutzen: Die BRD kaufte zwar auch wissentlich gewöhnliche Kriminelle frei, war aber vermutlich dennoch nicht amüsiert, dass die DDR gelegentlich Transporte politischer Gefangener «unentgeltlich» mit anderen Insassen auffüllte, derer sie sich entledigen wollte.
Es ist eine besondere Ironie des Schicksals, dass Menschen dem sozialistischen Unrechtsstaat entkommen konnten, indem der Staat sie als «Ware» gegen harte Devisen des kapitalistischen Klassenfeindes eintauschte. Es bleibt zu hoffen, dass in unseren Breiten derartiger internationaler Handel nie wieder notwendig sein wird.