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"Wir Europäer tendieren dazu, Probleme auf die lange Bank zu schieben", sagte der Brite der Wochenzeitung "Die Zeit" in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Das liege auch am Umgang der Politik mit der Finanzkrise. Den US-Banken hatte der Staat 2008 zwangsweise milliardenschwere Kapitalspritzen verordnet. "Die Deutsche Bank hat später als alle anderen damit begonnen, die Probleme zu beheben", kritisierte Cryan. Andere Geldhäuser hätten schon 2010 oder 2011 umgesteuert. "Wir wären heute in besserer Verfassung, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erledigt haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten." Wer einen Neuanfang zu spät angehe, drohe das Vertrauen der Kunden zu verlieren.
Cryan ist seit zwei Jahren im Amt. Bevor er Anshu Jain als Deutsche-Bank-Chef ablöste, hatte er zwei Jahre im Aufsichtsrat gesessen. Während der Finanzkrise war er Finanzchef der UBS. Unter Cryans Ägide hat die Deutsche Bank ihre Ambitionen im Investmentbanking stark zurückgefahren, das jahrelang für hohe Gewinne gesorgt hatte, in der Finanzkrise und bis zuletzt durch juristische Altlasten für Milliardenverluste verantwortlich war.
Rückkehr in die Gewinnzone
Für das laufende Jahr rechnet Cryan mit der Rückkehr in die Gewinnzone. "Ich erwarte nicht, dass wir in diesem Jahr einen Verlust machen." Analysten prognostizierten zuletzt im Schnitt einen Nettogewinn von 1,36 Milliarden Euro. Die Mitarbeiter könnten daher auch wieder mit regulären Bonuszahlungen rechnen, signalisierte Cryan. Für 2016 hatte der Vorstand wegen eines Milliardenverlustes die variablen Gehälter um mehr als drei Viertel gekürzt. Das drückt auf die Stimmung in der Belegschaft. Nach einer internen Umfrage halten drei Viertel der Mitarbeiter ihre Leistung nicht für ausreichend honoriert.
Im Zuge der von Cryan angestoßenen Integration der Postbank in das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank droht zudem ein Personalabbau. Wie hoch dieser ausfällt, werde "frühestens Ende des Jahres" klar sein, sagte der Vorstandschef. "Doch bisher sind wir zufrieden, im Moment liegen wir vor unserem Zeitplan."
Spekulationen, wonach er als Vorstandschef bald einem seiner neu berufenen Stellvertreter Marcus Schenck und Christian Sewing Platz machen könnte, erteilte Cryan eine Absage. "Seien Sie sich gewiss: Ich habe nicht vor, irgendwo anders hinzugehen – und zwar für lange Zeit."
(Reuters)