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Der Mutterkuchen
Die Plazenta, der Mutterkuchen, besteht aus dunkelrotem, schwammigem Gewebe mit bäumchenartig verzweigten grossen und kleinen Blutgefässen. Über die Nabelschnur ist sie mit dem ungeborenen Kind verbunden. Gegen Ende der Schwangerschaft ist die Plazenta etwa tellergross, 3 cm dick und ca. 500 g schwer.
Die Plazenta versorgt Ihr heranwachsendes Kind über die vielen Blutgefässe mit Nährstoffen und Sauerstoff. Ausserdem werden durch die sogenannte „Plazentaschranke“ viele Schadstoffe und Krankheitserreger vom Kind ferngehalten – allerdings leider nicht alle, deshalb sollte sich jede Schwangere sehr gesundheitsbewusst ernähren und sich vor umweltbedingten Risiken schützen. Als zusätzliche Funktion produziert die Plazenta einige für den Ablauf der Schwangerschaft wichtige Hormone, z.B. das hCG, auf das der Schwangerschaftstest reagiert.
Daraus ergibt sich aber auch, dass jede Störung der normalen Plazentafunktion die gesunde Entwicklung Ihres Kindes gefährden kann. Bei den Ultraschalluntersuchungen wird dann meist eine Wachstumsstörung beim Ungeborenen entdeckt. Spezialisierte weitergehende Untersuchungen (z.B. mit Doppler-Ultraschall) klären die Ursache dafür ab, damit geeignete Massnahmen die kindliche Versorgung verbessern können. Oft reicht schon ein wenig körperliche Schonung aus, damit der Mutterkuchen besser durchblutet wird.
Gefährlich kann es werden bei einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta von der Gebärmutterwand oder einer tiefliegenden oder sogar vor dem inneren Muttermund liegenden Plazenta. Während ersteres plötzlich ohne Vorwarnung passieren kann, ist eine tiefliegende oder vorliegende Plazenta normalerweise bei der Ultraschalluntersuchung schon entdeckt worden und man hat Sie darauf aufmerksam gemacht. Verständigen Sie unverzüglich Ihren Frauenarzt, Ihre Frauenärztin oder Ihre Hebamme, wenn Sie in der Spätschwangerschaft Schmerzen bzw. Blutungen haben.
Der Mutterkuchen wird als sogenannte Nachgeburt zusammen mit der Nabelschnur und den Eihäuten von der Gebärmutter kurz nach der Geburt ausgestossen. Die hierfür nötigen Kontraktionen sind zwar schmerzhaft, aber lange nicht mehr so schlimm wie die Wehen. Der Frauenarzt, die Frauenärztin oder Hebamme untersucht die Form, das Gewicht und das Aussehen der Plazenta nach der Geburt sehr genau. Falls sie nicht vollständig ausgestossen wurde (sog. Placenta accreta), müssen die Reste instrumentell entfernt werden, da sie sonst zu gefährlichen Blutungen und Infektionen führen können. Ausserdem wird noch auf Verkalkungen in der Plazenta geachtet, die z.B. bei Raucherinnen häufiger sind und eine verminderte Funktion des Mutterkuchens anzeigen. Danach wird die Plazenta entsorgt. Sollten Sie sie - wie die Naturvölker - mit nach Hause nehmen wollen, um sie im Garten zu vergraben, wird aber sicher niemand etwas dagegen haben.
Wissen
Newsticker
Ein Stück Mutterkuchen | 07.07.2017
Ist es sinnvoll, die Plazenta zu verspeisen? Befürworter schreiben dem Mutterkuchen eine rasche Auffüllung der Eisenspeicher von frischentbundenen Müttern zu, ausserdem eine vorbeugende Wirkung gegen Depressionen. Tatsächlich bewiesen ist davon allerdings nichts – und es gibt Hinweise darauf, dass der Schaden überwiegt. In den USA ist ein Neugeborenes gerade schwer an einer Streptokokkensepsis erkrankt, weil die Mutter Kapseln mit ihrem getrockneten Plazentagewebe eingenommen hat und über die Muttermilch auf ihr Baby übertragen hat. Eine aktuelle Studie aus den USA untersuchte gerade, ob „Plazentophagie“ wirklich nützt. Gesunde Frauen erhielten nach der Entbindung entweder Kapseln mit ihrem eigenen Plazentagewebe oder mit Rindfleisch. Der Eisenstatus wurde dann mehrfach bestimmt. Das Ergebnis: Kein statistisch relevant messbarer Unterschied zwischen der Plazenta- und der Placebogruppe!
Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH