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Es ist die Adelung von höchster Stelle: José Mourinho gab Diego Simeone noch während der Partie die Hand – und gratulierte. Atléticos Trainer erteilte Chelsea im Halbfinale der Champions League eine Lehrstunde.
Das Halbfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Chelsea und Atlético Madrid war spätestes nach Arda Turans Treffer zum 3:1 in der 72. Minute zugunsten der Gäste entschieden. Da verliess Chelseas Trainer José Mourinho plötzlich seine Coaching-Zone. Sein Ziel war weder der Vierte Offizielle noch der Kabinengang. Der Portugiese ging zu seinem Kollegen Diego Simeone und reichte ihm glückwünschend die Hand. Eine Szene mit Seltenheitswert, vor allem bei Mourinho.
«Es ist ein schönes Gefühl, wenn der Trainer des gegnerischen Teams noch während des Spiels Zeit für so etwas findet», beschrieb Simeone die Szene nach dem Spiel. Mourinho sprach nach dem Schlusspfiff von einem «verdienten Sieg» für Atlético.
Dabei ging es vor dem Spiel noch wenig freundschaftlich zu, der Portugiese reagierte nahezu empört, als ihn jemand mit Simeone verglich. Der Argentinier spiele in einer anderen Trainerliga, sagte der Chelsea-Trainer. So schien es auch hinterher, wie Mourinho schmerzhaft erfahren musste. Simeone ist mit Atlético ungeschlagen in das Finale der Champions League eingezogen, Ex-Bayern-Profi Bixente Lizarazu bezeichnete ihn via Twitter sogar als den neuen «Special One»:
Für Simeone zählt der Einzug ins Endspiel der Königsklasse zu den grössten Erfolgen seiner Trainerkarriere, die er 2006 beim argentinischen Racing Club de Avellaneda begann. Es folgten weitere Stationen in Argentinien und Italien, ehe es mit der Erfahrung von fünf Jahren an der Seitenlinie im Dezember 2011 zurück zu Atlético ging, für das er von 1994 bis 1997 schon als Spieler aktiv war.
Simeone, den die Fans von Atlético «El Cholo» («Liebling») nennen, war es, der in der Saison 1995/1996 zwölf Tore für den Verein erzielte – und so grossen Anteil an der bisher letzten Meisterschaft des Clubs hatte. Er verkörperte auf dem Feld, was er auch heute von seinen Spielern verlangt: Leidenschaft und Kompromisslosigkeit.
«Es war immer mein Ziel, eines Tages als Trainer zu Atlético zurückzukehren», sagte Simeone bei seiner Vorstellung. Als er in Madrid das Erbe von Gregorio Manzano antrat, hatte er allerdings keine leichte Aufgabe vor der Brust. Atlético war wenige Tage zuvor im spanischen Pokal an Drittligist Albacete gescheitert, in der Liga lag der Club im Tabellenmittelfeld und damit weit hinter den eigenen Ansprüchen.
Mit Simeone und seinem unbedingten Siegeswillen kehrte der Erfolg zurück. Atlético sicherte sich 2012 zum zweiten Mal nach 2010 den Titel in der Europa League. In der darauffolgenden Saison wurde die Qualifikation zur Champions League geschafft. Dabei vertraut Simeone auf ein Erfolgsrezept, das besonders in Spanien zunächst wenig Anklang fand: eine defensive Grundausrichtung, gepaart mit der Fähigkeit, perfekt umzuschalten und überfallartig zu kontern.
«Ballbesitz ist gut, aber bis zu welchem Punkt?», fragte der Coach unlängst in einer argentinischen Radioshow. Barcelonas Tiki-Taka-Strategie, den Ball so lange wie möglich in den eigenen Reihen zu halten, passt nicht in sein Verständnis vom Fussball. Er sei vom Gegenteil überzeugt. «Ich habe lieber weniger den Ball und dafür mehr Torchancen.»
Der Erfolg gib Simeone Recht. Atlético hat in dieser Saison mit den wenigsten Gegentoren und ohne eine einzige Niederlage das Champions-League-Finale in Lissabon erreicht. Aber nicht nur das: Auch in der Primera División stehen die «Rojiblancos» vor dem Titelgewinn. Drei Spieltage vor Schluss führt Atlético die Tabelle mit vier Punkten Vorsprung vor Barcelona an. Für die Madrider wäre es die erste Meisterschaft seit 18 Jahren. (mib/asi/chp)