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Projekte
Projektarbeit erlaubt die Durchführung komplexer Lernarrangements, die vielschichtige politische Problemfelder thematisieren und eine vernetzte, interdisziplinäre Herangehensweise erfordern.
Dabei werden gleichermassen Denken, Fühlen, Handeln, der Aufbau von Wissen und die Ausbildung von (methodischen) Fähigkeiten, Fertigkeiten und des Urteilsvermögens angesprochen. Dies ist einem ganzheitlichen Lernprozess förderlich.
Entscheidend geprägt hat die moderne Projektmethode der US-amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey. Im Zuge der Pragmatismusbewegung entwickelte er die Methode der "denkenden Erfahrung". Er stellte ein lediglich im Unterricht vermitteltes Wissen ohne Bezug zu einem verständigen eigenen Handeln der Lernenden in Frage und forderte, dass die Wissensvermittlung und das Denken in eigene Erfahrungsprozesse eingebunden werden sollten. Eine solch "denkende Erfahrung" sollte sich prozesshaft entwickeln (Dewey 1993: 218). Ideal dafür ist eine Irritation verursachende, noch nicht gelöste Sachlage. Die Lernenden sollten zu Projektbeginn eigene Einschätzungen dieses echten Problems vornehmen, es anschliessend sorgfältig erkunden und mögliche Lösungen vorschlagen. Hierauf gilt es, realistische Lösungen zu entwickeln und praktisch umzusetzen. Die Themenwahl soll gemäss Dewey mit der Erfahrungswelt der Lernenden korrespondieren und auf deren Bedürfnisse und Fähigkeiten ausgerichtet sein. Mit diesem Projektverständnis verband er Zielorientierung, Planmässigkeit und Handlungsorientierung. Im Rahmen seiner Erziehungsphilosophie wird die vorrangige Bedeutung der Projektmethode besonders verständlich: So begriff Dewey Mensch und Welt in Interaktion und stellte Lerninhalte und entsprechende Methodenwahl in einen engen Zusammenhang. Daher stellte er einen abfragenden, direktiven Unterricht in Frage, weil er dabei weder prozess- noch produktorientierte Methoden für anwendbar hielt. Die Position der Lehrperson begriff er als eine moderierende und unterstützend-begleitende. Sein Projektverständnis zielte auf eine gesellschaftlich-politische Verbesserung, zu der die Schülerinnen und Schüler mit ihren Projekten beitragen sollten.
F. Klaus Koopmann hat in seinem "Projekt aktive Bürger" (Koopmann 2001) die von Dewey genannten Arbeitsschritte weiter differenziert:
Handlungsschritte
Inhalte
1. Probleme sammeln
politische Probleme in der eigenen Lebenswelt herausfinden
Soziale/kulturelle Probleme des Stadtteils oder der Gemeinde werden wahrgenommen und identifiziert (policy).
2. Probleme bestimmen
Ein echtes, zu untersuchendes Problem wird bestimmt.
Welche sozialen/kulturellen Probleme sind besonders wichtig und müssen gelöst werden, welche Personen und Institutionen sind daran beteiligt?
3. Informationen sammeln
Zusammentragen, Auswerten einschlägiger Informationen aus verschiedenen Quellen
4. Lösungsansätze prüfen
Welche Lösungsansätze bieten die beteiligten Personen und Institutionen an (polity)?
5. Lösungsweg entwickeln
Eigene, begründete politische Lösungsvorschläge entwickeln
6. Aktionsplan erstellen
Wie können die am Problem Beteiligten für die entwickelten Lösungsvorschläge interessiert werden; Finden von Partnerschaften (politics)
7. / 8. Dokumentation
Erstellen und Präsentieren einer Dokumentation mit den bisherigen Handlungsschritten
9. Problem anpacken
Verlauf des politischen Prozesses verfolgen, dokumentieren, sich ev. daran beteiligen
10. Erfahrung reflektieren
Resultate und Erfahrungen des politischen Prozesses wie innerhalb der Gruppe reflektieren
Projekte können auf die ausser- wie innerschulische Lebenswelt bezogen sein, sofern sie die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler betreffen. Manfred Bönsch (Bönsch 2000) unterscheidet dabei fünf didaktische Dimensionen:
- gesellschaftlich-politische Aspekte ausserhalb der Schule
- soziale Aspekte: für Andere etwas unternehmen
- innerschulische Aspekte zur Verbesserung im schulischen Rahmen
- gruppeninterne Aspekte mit Spassfaktorlerndidaktische Aspekte zur Gestaltung eines interessanteren Unterrichts.
Wie auch immer ein Projekt gestaltet wird: Immer geht es um die lebendige Auseinandersetzung mit der erlebten Wirklichkeit und um die gemeinsame Problemerarbeitung mit dem Ziel konkreter Ergebnisse. Projekte sollten fächerüberschreitend angelegt und nicht durch den üblichen Stundenplan eingegrenzt sein. Mit dieser Absicht haben denn auch vielenorts Projektwochen in Lehrplänen Aufnahme gefunden.
Herbert Gudjons hat für die Projektplanung folgende Orientierungselemente festgesetzt: Ein Projekt hat einen Situationsbezug und ist nach der Lebenswelt ausgerichtet. Es nimmt die Interessen der Lernenden auf, die es selber organisieren und verwalten. Es verfügt über gesellschaftliche Praxisrelevanz und eine zielgerichtete Planung, an deren Ende konkrete und präsentierte Resultate stehen. Zudem soll ein Projekt möglichst viele Sinne ansprechen und das soziale Lernen fördern. Es soll inhaltlich komplexe Lernaufgaben interdisziplinär angehen, dabei aber den Bezug zu den einzelnen Fächern deutlich machen und die Begrenztheit des Vorhabens thematisieren.
Yvonne Leimgruber, Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz
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Medien
Manfred Bönsch (2000): Variable Lernwege: Ein Lehrbuch der Unterrichtsmethoden. Paderborn etc.: UTB.
John Dewey (neu hrsg. von Jürgen Oelkers) (2004): Demokratie und Erziehung. Eine Einleitung in die philosophische Pädagogik. Weinheim: Beltz.
Herbert Gudjons (2001): Handlungsorientiert lehren und lernen. Erziehen und Unterrichten in der Schule. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt.
Klaus Koopmann (2001): Projekt: Aktive Bürger Sich demokratisch durchsetzen lernen. Eine Arbeitsmappe. Mühlheim/Ruhr: Verlag An der Ruhr.
Dieter Maier (2005): Methoden für komplexe Lernvorhaben: Projekt, Sozialstudie und Zukunftswerkstatt. In Handbuch politische Bildung. Schwalbach/Ts.: Wochenschau-Verlag, 589–604.
Volker Reinhardt (2005): Projekte machen Schule. Projektunterricht in der politischen Bildung. Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag.