Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03569.jsonl.gz/3245

Mit ein wenig Glück kann man dann zwischen den Steinen eine ihrer braunen Körperschlingen entdecken, die offen in der Mauer liegt. Oft findet man diese Natter aber auch unter alten Brettern oder Blechen, bieten diese doch nicht nur Schutz, sondern auch ein geeignetes, feuchtwarmes Mikroklima und nicht zuletzt erfolgversprechende Jagdgründe. Die Äskulapnatter ist zwar grundsätzlich eher bodenbewohnend, sie klettert aber auch gerne auf Bäume oder in das Gebälk von alten Gebäuden. Ornithologen haben sie schon in Nistkästen in mehr als vier Metern Höhe entdeckt.
Die Äskulapnatter legt recht grosse Distanzen zurück, um ihren Nahrungsbedarf zu decken, geeignete Stellen für Sonnenbäder aufzusuchen oder ein Winterquartier zu beziehen. Im Südtessin kennt man Aktivitätsgebiete von zwei bis vier Hektaren Ausdehnung, in denen einzelne Tiere bis zu 100 Meter an einem einzigen Tag zurücklegen. Die Äskulapnatter ist stellenweise recht häufig: In einem strukturreichen Lebensraum (Wald, Lichtungen, Felder, Weiden, Bäche) betrug die Populations-dichte 1.3 Individuen pro Hektare. In einem besonders geeigneten Lebensraum fanden sich entlang einer Strecke von einem Kilometer Länge im Ganzen 18 Tiere!
Die Äskulapnatter bevorzugt kleine Säugetiere: Mäuse und Spitzmäuse aller Art, Siebenschläfer und Maulwürfe. Sie lauert ihnen auf oder sucht aktiv nach ihrer Nahrung. Dabei dringt sie auch oft in Nagetierbauten ein, um beispielsweise Mäusenester aufzustöbern. Gelegentlich frisst sie auch Vögel und deren Eier. Bevor sie die Beutetiere als Ganzes verschluckt, umschlingt und erdrosselt sie diese wie eine Boa constrictor. Frischgeschlüpfte Äskulapnattern fressen vor allem Eidechsen.
Paarungen finden im Frühling und im Herbst statt. Das Männchen hält seine Partnerin vor und während der Kopulation, die etwa 30 Minuten dauert, mit den Kiefern am Nacken fest. Treffen zwei männliche Tiere bei Anwesenheit eines Weibchens aufeinander, so kommt es zu heftigen Kommentkämpfen, die aber ohne Beissereien ablaufen. Im Juli oder August, je nach klimatischen Bedingungen, legt das Weibchen fünf bis zwölf weiche, längliche Eier ab, bevorzugt in einen Blatt-, Mist- oder Komposthaufen oder in anderes verrottendes, organisches Material. Auch verlassene Nagetierbauten werden als Eiablageplatz akzeptiert. Die Jungen schlüpfen etwa zwei Monate später. Es kommt vor, dass mehrere Weibchen denselben Eiablageplatz benutzen, und manchmal suchen auch Ringel-natternweibchen die gleiche Stelle zur Eiablage aus.
Zu den wichtigsten Feinden der Äskulapnatter, abgesehen vom Menschen, gehören die tagaktiven Greifvögel, der Fuchs, der Dachs und das Wildschwein. Die Jungtiere werden ausserdem Opfer von kleineren Vögeln und Igeln, der Schling- und der Gelbgrünen Zornnatter und von Haustieren wie Katzen und verschiedenen Geflügel.