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Die Weihnachtszeit schreit nach grossen Reden. In Nicaragua ist die Firstlady, Rosario Murillo, die wichtigste Predigerin. Zur Einweihung des Nicaraguakanals verrät die Poetin und Esoterikerin, wer das Grossprojekt wirklich in der Hand hält. Eine Übersetzung.
An der Spitze Nicaraguas steht Daniel Ortega, ehemaliger Guerilla-Kämpfer und Revolutionär im Krieg gegen die Somoza-Diktatur. Eigentlich. Heute ist der Held jedoch eine «Fledermaus», wie die NicaraguanerInnen gerne sagen. Er tritt kaum mehr an die Öffentlichkeit, und wenn, dann nur wenn es dunkel ist.
Zum Glück hat er eine Frau, eine Firstlady: Rosario Murillo auch «la chayo» genannt. Die Poetin ist die offizielle Sprecherin der Regierung und zieht mittlerweile die Fäden in einem Grossteil der Ministerien.
Sandino ist nur noch Beilage
Es ist Murillo, die Esoterikerin, die dem «sozialistischen» Land das Label «Nicaragua: christlich, sozialistisch, solidarisch» gegeben hat. Es ist Murillo, die Kitschversessene, die in der ganzen Hauptstadt Managua unzählige, rund 15 Meter hohe «árboles de vida» (Bäume des Lebens) aus Stahl aufstellen lässt, die das ganze Jahr über leuchten und je rund 20’000 Dollar kosten. Gelbe Bäume, welche die Sandino-Statute (der grösste Held Nicaraguas) auf dem Aussichtshügel nur noch als Beilage erscheinen lassen.
Aber vor allem ist es Murillo, die Predigerin, die mit ihren Reden über Geister, Gott und Blumendüfte beim armen Fussvolk Punkte sammelt. Und so sprach sie auch beim offiziellen Weihnachtsakt, der den Bau des Nicaraguakanals einweihte. Wir lernen: Es ist nicht etwa so, dass der Plan einer neuen Schiffsstrasse für Zentralamerika von Menschen gemacht wäre. Es ist ein Auftrag von grösseren Mächten.
Es schreit nach einer Übersetzung
Wer es nicht glaubt, möge sich von nachfolgender Übersetzung ihrer Rede vom 22. Dezember 2014 überzeugen lassen:
«Nicaragua, voller Kraft und Ruhm! Nicaragua, das von der Freiheit, der Würde und der Brüderlichkeit lebt, dankt heute Gott dem Herrn, der Jungfrau, den Engeln, den Heiligen und allen grossen Geistern, die unseren Kosmos erfüllen, dafür, dass sie soviel Mut und Kraft auf diese heilige Erde verbreiten. Wir danken für jede Seele, welche in Bewusstsein und wahrer Wahrheit wächst. Wir danken für jeden Weg, jede Route, jeden Schritt, die wir aus Liebe zum Nächsten machen und aus der unbeirrbaren Überzeugung, dass wir nur dann als grosses Land vorwärtsgehen können, wenn wir den Verstand, die Kommunikation, die Brüderlichkeit und das Komplementäre stärken. Nur dann können wir noch mehr aus unserem Geiste schöpfen und martialische Umstände verändern, um einem gerechten und guten Leben näherzukommen.
Es begleiten uns Darío, Sandino, Carlos und so viele, die aus dem ewigen Leben zu uns sprechen und uns täglich mit den Gedanken und unverzichtbaren Erklärungen nähren, um den Traum Aller zu verwirklichen. Traum von Jedem und Jeder, Traum von Jugend zu Jugend, Traum von Frau zu Frau, Traum von Mann zu Mann, süsse Träume von Jungen und Mädchen, von Grossvätern und Grossmüttern. Träume, Träume, Träume, die heute nicht nur den Horizont erleuchten lassen, sondern zum echten Horizont geworden sind. Wir müssen jetzt den Samen keimen lassen und schon jetzt den Duft der Blütezeit fühlen, die für alle kommen wird.
Es riecht nach Weihrauch, Erdbeeren und nach Weihnachtsstern in dem blauweissen Himmel unseres freien Nicaraguas. Ein intensiver Geruch von Blumen und Früchten. Wie sollen wir uns nicht als Teil dieses Wunders fühlen, das uns hier geschieht und das deutlich von der grossen Macht Gottes spricht? Ein Wunder, ein grosses Momentum, das sich an dieser Weihnacht 2014 zeigt. Es ist das Fest der Wiedergeburt Jesus Christi, es sind Tage der Mehrfachsterne, es sind Stunden von intensiver, immenser Energie, um uns wiederzuerkennen und als Christen wiedergeboren zu werden. Als Gläubige, unendlich fähig und spirituell unbesiegt. Unbesiegbar.
Denn dieses Volk von Helden kennt die Kämpfe, Kämpfe der Ehre, Kämpfe der Schmerzen, von Freuden und von Siegen. Und vor allem kennt es, kennen wir, dass es, das wir, die Macht des Glaubens haben, um das Leben zu verändern. Denn wir haben das Leben immer verändert und wir werden es weiter verändern, so Gott will. Mit Gott vorwärts! Und diese Macht der obersten Intelligenz in Jedem und Jeder, zusammen mit der Macht des Volkes als Präsident gibt uns Vertrauen, Gewissheit und die Sicherheit, um den Weg in Richtung Sonne und den Weg der Freiheit zu gehen. Das heisst heute, dass wir unter besseren Bedingungen arbeiten, um die Armut hinter uns zu lassen, um am Ende frei, um am Ende frei zu sein! Denn wir können dieses Wunder dank unseres Wissens und unserer demütigen Herzen empfangen.
Und jedes Wunderwerk, dass zu uns kommt, versprüht Feinheit, Süsse, Zärtlichkeit und steigert unsere Bereitschaft, zu beten und zu versprechen, dass wir weitermachen und alle Meisterwerke kreieren, welche die Geschichte uns beauftragt. Mit Daniel an der Spitze und mit dem Volk als Präsident, erleben wir Hoffnung. Mit so vielen Söhnen und Töchtern, welche diese freie Heimat lieben, gehen wir vorwärts. In wachsender Übereinkunft, in Transformation, in der Revolution und im Leben. Wir gehen, alle zusammen, immer weiter. Gott segne den Kanal! Es lebe Sandino! Es lebe das freie Nicaragua! Es lebe die Jugend Nicaraguas! Es lebe Daniel! Das ist der Anfang des Anfangs des Anfangs!»