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Mit 66 Schlägen führt der Engländer Andrew Raitt nach dem ersten Tag das Feld des Swiss Seniors Open 2022 an. Fünf Spieler – unter anderem der Bad-Ragaz-Champion von 2006, Juan Quiros, sowie der US-Open-Champion von 2005, Michael Campbell – folgen mit einem Schlag Rückstand. 20 der 62 Legends Tour Professionals blieben in der Startrunde unter dem Platzstandard. Am Samstag geht’s in Runde 2 um den Sieg im Alliance-ProAm; die 350'000 Euro Preisgeld werden erst am Sonntag verteilt.
Die ganz niedrigen Runden sind am Freitag zum Auftakt des 26. Swiss Seniors Open in Bad Ragaz ausgeblieben. Der für Ragazer Verhältnisse relativ starke Wind mag mitverantwortlich sein. Dafür liegen zahlreiche namhafte Ü50-Professionals in vielversprechenden Positionen nahe beieinander. Dem Engländer Andrew Raitt, der erst vor knapp zwei Jahren das Seniorenalter erreicht hat, gelang als einzigem eine 66er-Runde (4 unter Par). Raitt startete zwar mit einem Bogey ins Turnier, notierte danach aber in lockerer Folge fünf Birdies und musste keinen weiteren Schlagverlust hinnehmen.
Campbell und Quiros in Lauerstellung
Fünf Spieler im Feld benötigten nur einen Schlag mehr als der Leader. Dieser Fünfergruppe gehört mit dem Bad-Ragaz-Debütanten Michael Campbell auch ein Majorsieger an. Der Neuseeländer mit Maori-Abstammung hatte 2005 beim US Open 2005 triumphiert. Am Freitag in Bad Ragaz schlug er auf der ersten Platzhälfte zu: Dank zweimal zwei Birdies lag Campbell nach sieben gespielten Löchern bei vier unter Par. Bis zum Schlussloch teilte er sich damit die Führung mit Raitt. Auf der 18 schlug er den Drive links in die Bäume, profitierte von einem guten Kick des Balls zurück aufs Fairway um ihn aus knapp 170 Metern Entfernung mit dem 7er-Eisen in den Baum links vor dem Grün zu feuern. Der nachfolgende Chip über den Bunker auf die kurz gesteckte Fahne war eines Majorsiegers würdig – aber der Par-Putt aus zwei Metern fiel nicht.
Schlaggleich mit Campbell teilen sich nach Tag 1 unter anderen der unverwüstliche Spanier Juan Quiros, Bad-Ragaz-Sieger von 2006, der Spanier Miguel Angel Martin sowie die Engländer Paul Eales und Peter Baker den zweiten Zwischenrang.
Beim zweiten früheren Major-Champion im Feld des diesjährigen Swiss Seniors Open wollte dagegen nicht viel laufen. Ian «Woosie» Woosnam, US-Masters-Sieger 1991, kämpft derzeit mit Rückenproblemen und musste eine 73 notieren – dies als Folge einer Bogey-Serie auf den Bahnen fünf bis sieben.
Turnierbotschafter André Bossert lässt Chancen aus
Wie Woosnam findet sich auch Turnierbotschafter André Bossert fürs Erste im hintersten Teil des Klassements wieder. Mit dem Score von 74 Schlägen war der 58-jährige Zürcher verständlicherweise sehr unzufrieden, wenn auch nicht mit seinem Spiel. «Mein langes Spiel war gut, aber ich habe zu viele Chancen ausgelassen, und auch bei den Chips habe ich Fehler gemacht», sagte er nach der Runde. «Bossy» verpasste auf den Greens sowohl Chancen für Birdies als auch Chancen, um Pars zu retten. Er benötigte insgesamt 35 Putts – ganz einfach zu viele.
Vier Girls und sechs Boys schnuppern Tour-Luft
Seit 2018 werden die ersten beiden Runden des Swiss Seniors Open im Alliance-ProAm-Format gespielt. Jeweils ein Tour Professional und ein Amateur bilden ein Team und kämpfen im Four-Ball-Format um die Team-Wertung, in der es «nur» um Ehre und Klassierung, nicht aber um Preisgeld geht. Gleichzeitig zählt der Score des Professionals für die Strokeplay-Wertung des über 54 Löcher führenden Swiss Seniors Open – bei dem der Sieger 52‘500 Euro Preisgeld einstreicht.
Erstmals in der Geschichte des Turniers sind am 8. Juli 2022 vier U16-Kaderspielerinnen und sechs U16-Kaderspieler von Swiss Golf bei diesem Alliance-ProAm gestartet. Für die ambitionierten Nachwuchshoffnungen eine einmalige Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln. Nach der Runde gab’s strahlende Gesichter – und begeisterte Kommentare.
Finley Gastrau (OSGC Niederbüren): «Es war sehr cool mit den Pros. Am Anfang war alles noch sehr gross, aber man gewöhnt sich schnell daran. Mit David Morland konnte ich mich gut unterhalten, wir sprachen vor allem darüber, wie sehr der Wind die Schläge beeinflussen kann.»
Till Schächtelin (GC Ennetsee): «Die heutige Runde war eine gute Erfahrung – es ist sehr spannend, mit einem Pro zusammen zu spielen. Man sieht 1:1, wie die Professionals spielen. Und man sieht, wie oder was sie anders machen. Davon kann man gleich profitieren. Die Atmosphäre in unserem Flight war sehr gut, ich konnte mit meinem Pro Juan Quiros einige Situationen besprechen und auch Fragen stellen.»
Julius Sommer (GC Zürich-Zumikon): «Wenn man wie in diesem Turnier mit den Pros spielt, bekommt man einen sehr guten Einblick in diesen Sport und man kann sehr viel daraus lernen. Ich weiss jetzt, woran ich arbeiten muss, und was es noch braucht, um auf das Niveau zu kommen, um auf der Tour spielen zu können. Das ist sehr wichtig. Ich glaube, es braucht mehr solche Events. Meinen Pro Nick Job habe ich auf der Runde häufig beobachtet, ihm auch ein oder zwei Fragen gestellt. Er hat meine guten Schläge jeweils gelobt, was mich natürlich gefreut hat. Ich konnte ‚viel abholen‘.»
Selina Casal (GC Domat/Ems): «Es war sehr cool heute mit den Pros. Sie wissen sehr viel darüber, wie eine Karriere verlaufen kann. Dazu kommt, dass der Platz in einem Top-Zustand ist – was echt mega-cool ist. Auch wenn die Plätze für die Juniorenturniere ebenfalls perfekt vorbereitet werden, das heute war nochmals ein komplett anderes Gefühl. Vor allem auch mit den sehr schnellen Greens. Der Tag heute war ein voller Erfolg und ich freue mich auf morgen.»
Mathieu Henger (Golfpark Zürichsee): «Es ist sehr speziell, in einem solchen Turnier zu spielen. Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut. Es ist auch etwas anderes, als ein Juniorenturnier – allein der Konditionen wegen; die Greens sind sehr schnell und die Fairways sehr gut in Schuss. Mein Ziel für heute war, Spass zu haben – das habe ich erreicht.»
Seraphine Müller (GC Bern): «Es war mega-cool mit den Pros zu spielen! Ich sehe es als Riesenchance, hier dabei zu sein und zu sehen, wie die Professionals spielen, wie sie die Runde taktisch anlegen, welche Routine sie auf dem Platz haben. Paul Eales hat mich heute auf dem Platz gut unterstützt. Für morgen habe ich mir vorgenommen, mehr Birdies zu spielen.» (lacht)
Die zweite Runde des mit 350‘000 Euro dotierten und zur Legends Tour zählenden Swiss Seniors Open startet am Samstag, 9. Juli, um 7.20 Uhr.