Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03453.jsonl.gz/543

1975 wurde mit dem Volvo 66 eine Kompakt-Modellreihe eingeführt, die später als 340/360er-Reihe sehr erfolgreich weitergeführt wurde. Doch die Topseller waren auch in den 1980er-Jahren die gleichen wie in den 1970er-Jahren. Und zwar so erfolgreich, dass die Nachfolge-Modellreihe Volvo 740/760 parallel produziert werden musste.
Volvo 66 (1975–1980) – der City-Flitzer
Als Volvo in den 1970er-Jahren grosse Anteile von DAF Car BV in den Niederlanden übernahm, stieg man damit in die Kleinwagensparte ein, wo Volvo bislang nicht vertreten war. Der erste Wagen dieser Kooperation war der Volvo 66, eine Weiterentwicklung des DAF 66. Der kompakte Kleinwagen hatte ein stufenloses Automatikgetriebe (Variomatik), bot Platz für vier Personen sowie einen Wocheneinkauf und war sowohl sprit- als auch platzsparend: einfach perfekt für die City. In 23,8 Sekunden ging es zwar relativ gemächlich von 0 auf 100 km/h vorwärts, dafür auch genauso schnell rückwärts – der Variomatik sei Dank. Wendig und trotzdem geräumig: die von Giovanni Michelotti entworfene Karosserie kam beim Publikum sehr gut an. In nur vier Jahren verkaufte sich der erste Kleinwagen von Volvo über 106 000 Mal.
Volvo 340, 360 (1976–1991) – der letzte Michelotti
Die wohl am meisten unterschätzten Volvo Modelle sind jene der 340/360er-Baureihe. Das Design stammte vom legendären Auto-Designer Giovanni Michelotti und war eines seiner letzten Meisterwerke. Der noch als DAF 77 entwickelte Kompaktwagen wurde der Welt 1976 als Volvo 343 vorgestellt; erst als Dreitürer, später auch als Fünftürer. Zunächst gab es den 343 nur mit «Variomatik», einem stufenlosen Riemengetriebe, ab 1978 auch als Vierganggetriebe. Praktisch waren die schräg nach innen klappbaren Vordersitze, die so den Einstieg auf die Rückbank erleichterten. Vorne gab es serienmässig Scheibenbremsen, was damals in dieser Klasse einzigartig war. In den 15 Jahren der Produktion gab es mehrere Modellüberarbeitungen. Die grösste Änderung am Erscheinungsbild erfolgte im Herbst 1981. Die 340er-Reihe bekam eine neue Front sowie ein neues Innendesign. 1983 wurde dann der Volvo 360 vorgestellt. Dieser Wagen basierte auf dem Volvo 340, verfügte aber über einen stärkeren 2,0-Liter-Motor und war besser ausgestattet. Von der Modellreihe wurden insgesamt rund 1,1 Millionen Exemplare gebaut.
Volvo 760, 740, 780 (1982–1992) – der schwedische Ziegelstein
Eigentlich hätte anfangs der 1980er-Jahre die Volvo 700er-Reihe die 200er-Modelle ablösen sollen. Schliesslich hatte Volvo in die Entwicklung der Volvo 740/760 3,5 Mrd. schwedische Kronen (ca. 500 Mio. Franken) investiert. Die neue Modellreihe sollte erneut ein technologischer Meilenstein sein. So kamen erstmals 100 Industrieroboter zum Einsatz, was das Volvo Werk Torslanda zur damals modernsten Automobilfabrik der Welt machte.
Im Februar 1982 wurde der Volvo 760 der Weltöffentlichkeit präsentiert. Nach dem Volvo 760 folgte alsbald die optisch nahezu identische 740er-Baureihe als Vier- und Fünftürer. Doch wegen des anhaltenden Erfolges der 240/260er-Modellreihe wurden einfach beide Modellreihen parallel gebaut. So wurden die 740/760er-Modelle kurzerhand zur Oberklasse erklärt – und ebenfalls zum Verkaufsschlager.
Der Volvo 760 bot hohen Fahrkomfort und überzeugte durch beeindruckende Alltagstauglichkeit. Zu den Ausstattungs-Highlights gehörten schon damals Automatikgetriebe, Klimaanlage, Schiebedach sowie Servolenkung. Neue Werte wie Qualität, Verlässlichkeit, Kraftstoffeffizienz, Langlebigkeit, Betriebsfähigkeit oder Geräuschdämmung gab es umsonst. Bei den Sicherheitstechnologien fuhr der Volvo 740 seiner Zeit soweit voraus, dass er noch im sechsten Produktionsjahr den Preis als «sicherstes Fahrzeug überhaupt» erhielt. Zu den Sicherheitsfeatures zählten Innovationen wie ABS, ein elektronisches Traktionskontrollsystem sowie ein in der Rückenlehne des Fond-Mittel Platzes integrierter Kindersitz.
Der 1984 präsentierte, preiswertere Volvo 740 wurde vom Fleck weg zum Publikumsliebling. Denn er war sowohl Familien- und Freizeit- als auch Arbeitsfahrzeug. Beim Gepäckvolumen setzte die Kombiversion mit 990 bis 2120 Litern neue Massstäbe. Das kubische Design gab dem Auto den Übernamen «Swedish Brick», als schwedischer Ziegelstein. Dabei war das Modell gar nicht sperrig. Im Gegenteil: Die Volvo 740/760 gehörten zu den handlichsten Fahrzeugen des Segments – der Wendekreis war mit 9,9 Meter so klein wie der eines Kompaktwagens. Insgesamt wurden von der Volvo 740/760er-Modellreihe 1 230 704 Exemplare verkauft, bevor sie im Herbst 1990 durch den Volvo 960 ersetzt wurde.