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Eingebettet in die Rahmengeschichte der unglücklichen Liebe zwischen Philippe und Blanche – ein junger Republikaner und eine reiche Nichte eines monarchistischen Adligen – schildert Zola sehr anschaulich die Verhältnisse, die in der Zeit der Julimonarchie in Frankreich, also in den 1830er Jahren, als ein gemässigter König an der Spitze Frankreich stand, in Marseille herrschten. Er beschreibt das Gewerbe der Bankiers, die Spielhöllen, die Finessen der Prostitution, die ländlichen Adligen, den korrupten Klerus, die Strukturen der Zunft der Lastenträger am Hafen. So erhalten wir ein sehr lebendiges Bild der damaligen Gesellschaft, wenn auch ein ziemlich düsteres: Gier, Habsucht, Neid und Betrügereien beherrschen das gesamte gesellschaftliche Leben. Da leuchten die beiden Helden des Romans, Marius – der Bruder des unglücklichen Philippe – und Fine, das Rosen verkaufende Mädchen, wie zwei Sonnen in der Finsternis. Die Dramatik des Romans gipfelt in den Aufständen der Arbeiter für die Republik in Marseille im Jahre 1848. Da sind wir bei den Märschen der Arbeiter*innen dabei, bei der Errichtung der Barrikaden, den Angriffen durch die Nationalgarden.
Zola selbst ist es nicht recht wohl mit seinem Roman. Er hat ihn als Auftragsarbeit für eine Zeitung in den 1860er Jahren geschrieben und sich dabei auf die Fait divers der Marseiller Zeitungen gestützt. Vielleicht hinkt Die Geheimnisse von Marseille literarisch den grossen Romanen Zolas hinterher, aber als Sittengemälde ist es ungeheuer reich und lesenswert! cnKlappentext:
Marseille zur Zeit der Julimonarchie: Das Fieber der Industrialisierung, politische Ränke, die Gier nach Reichtum, Luxus und Macht und die Suche nach dem grossen und dem kleinen Glück halten die Stadt in Atem. Bis auch sie im Februar 1848 von der Revolution erfasst wird.Über die Autorin / über den Autor:
Emile Zola gilt als einer der grossen französischen Romanciers des 19. Jahrhunderts und als Leitfigur und Begründer der gesamteuropäischen literarischen Strömung des Naturalismus. Zugleich war er ein sehr aktiver Journalist, der sich auf einer gemässigt linken Position am politischen Leben beteiligte. 1867 hatte Émile Zola mit seinem dritten Roman Therese Raquin bereits Aufsehen erregt. 1869 begann er mit der Arbeit an dem monumentalen Zyklus Die Rougon-Macquart, die ihn mehr als zwanzig Jahre lang beschäftigen sollte. Ab 1871 veröffentlichte er einen Roman pro Jahr, ausserdem journalistische Beiträge und Theaterstücke wie Les Nouveaux Contes à Ninon. In den Jahren 1894 bis 1898 veröffentlichte Zola einen zweiten Romanzyklus: Trois Villes, bestehend aus drei Bänden. Das erzählerische Werk Zolas ist, ähnlich wie das der Goncourts, eine Fundgrube für Sozialhistoriker.Preis: CHF 24.40