Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03662.jsonl.gz/2170

Welche Funktion hat die Leber?
Die Leber gehört zu den wichtigsten und vielseitigsten Organen des menschlichen Körpers. Sie liegt im rechten Oberbauch und wird von den unteren Rippen geschützt. Ohne Leber ist der Mensch nicht lebensfähig, auch wenn seit kurzem die Möglichkeit einer Leberdialyse besteht. Eine solche Dialyse kann jedoch nur über einen kurzen Zeitraum hinweg durchgeführt werden.
Weshalb ist die Leber so wichtig?
- In der Leber wird Blut gespeichert. Ausserdem befindet sich hier ein kleiner Vorrat an Vitaminen, beispielsweises von Vitamin A, D und B12.
- Die Leber produziert Galle, die dann in der Gallenblase gespeichert wird. Galle spielt eine wichtige Rolle bei der Fettverdauung. Hat die Galle ihre Funktion erfüllt, wird sie zur Leber zurückgeführt, wo sie wiederaufbereitet wird.
- Auch beim Stoffwechsel spielt die Leber eine grosse und vielschichtige Rolle. Ferner baut sie Hormone ab, entgiftet und entfernt Abfallstoffe aus dem Körper.
- Alle diese Aktivitäten erzeugen so viel Wärme, dass damit die Temperatur des Körpers gehalten wird.
Wann sprechen wir von Leberkrebs?
In der Schweiz ist primärer Leberkrebs, also Krebs, der in der Leber selbst entsteht, relativ selten. In Entwicklungsländern dagegen ist diese Krebsform stärker verbreitet, nicht zuletzt deshalb, weil dort häufig die durch Viren verursachte Hepatitis, vor allem Hepatitis B und Hepatitis C, auftritt.
Hepatitis oder Gelbsucht ist eine Leberentzündung. Da die Leber aufgrund dieser Entzündung die Abfallstoffe nicht mehr richtig verarbeiten kann, führt Hepatitis auf Dauer dazu, dass sich Augen und Haut des Patienten gelblich verfärben. Ursache dafür ist das Bilirubin, ein Abbauprodukt alter roter Blutzellen. Eine gesunde Leber scheidet Bilirubin aus, das den Stuhl braun färbt. Ist die kranke Leber dazu nicht mehr in der Lage, wird der Stuhl hell, und Haut und Augen färben sich gelb. Am frühesten und am deutlichsten zeigt sich dies im Augenweiss.
Chronische Leberentzündung verursacht auf Dauer Leberzirrhose, was zu Krebs führen kann.
Was ist sekundärer Leberkrebs?
Sekundärer Leberkrebs wird durch Tochtergeschwülste von Krebsarten verursacht, welche an anderer Stelle im Körper entstanden sind. Diese Metastasen werden mit dem Blut oder der Lymphflüssigkeit durch den Körper transportiert. Da die Leber grosse Mengen an Blut verarbeitet, entstehen Metastasen relativ oft in der Leber. Sekundärer Leberkrebs kommt in der Schweiz häufiger vor als primärer Leberkrebs. Allerdings ist der Unterschied zwischen primärem und sekundärem Leberkrebs für den Betroffenen im Grund unerheblich, denn bei metastasiertem Krebs tritt ebenfalls eine schwere Schädigung der Leber auf, und mit einer stark geschädigten Leber kann ein Mensch nicht lange überleben.
Es gibt keine konkreten Zahlen zur Häufigkeit von sekundärem Leberkrebs, da ein metastasierter Krebs genauso behandelt wird wie der Muttertumor. Brustkrebs bleibt Brustkrebs, auch wenn er in der Leber Metastasen gebildet hat. Und als Brustkrebs wird er auch dann in den Statistiken geführt, wenn die Patientin letztlich an einer von Metastasen zerstörten Leber verstirbt.
Was ist Leberzirrhose?
Leberzirrhose entsteht durch die Umwandlung von Lebergewebe in Narbengewebe. Dieser Prozess ist unumkehrbar.
Wie oben bereits ausgeführt, kann Zirrhose durch Hepatitis B und C verursacht werden. Eine andere bekannte Ursache für Leberzirrhose ist Alkoholmissbrauch. Dabei kommt es zunächst zu einer Leberverfettung. Das bedeutet, dass der Körper Fett in der Leber abspeichert, wo es jedoch nicht hingehört. Im Laufe der Zeit führt Leberverfettung zu Entzündungen, die Narben hinterlassen. Werden die Verhaltensmuster nicht geändert, kann es zu einer Leberzirrhose kommen. Gegen Leberverfettung gibt es keine Medikamente.
Eine andere, weniger bekannte Ursache von Leberverfettung, die ebenfalls zu einer Leberzirrhose führen kann, ist Übergewicht aufgrund einer ungesunden, einseitigen Ernährung. Diese nichtalkoholische Fettlebererkrankung wird zumeist mit dem englischen Begriff ‚non-alcoholic fatty liver disease‘ oder NAFLD bezeichnet. Bei schweren Formen spricht man von ‚non-alcoholic steatohepatitis‘ oder NASH, also einer nicht-alkoholischen Fettleberentzündung.
Weshalb ist Fruktose problematisch?
In den letzten Jahren gilt bei einer nichtalkoholischen Leberverfettung Zucker als der grosse Übeltäter, so etwa in einem Artikel, der im Juni 2008 im Journal of Hepatology veröffentlich wurde, sowie in einem weiteren Artikel, der im Februar 2013 in der medizinischen Zeitschrift World Journal of Gastroenterology erschienen ist. Die Autoren verweisen auf die Rolle von Fruktose im Maissirup, der insbesondere in den USA häufig als Süssungsmittel, beispielsweise in Erfrischungsgetränken, verwendet wird. Aus diesem Grund gelten diese Softdrinks heute als ausgesprochen ungesund.
In Europa wird hauptsächlich Rüben- und Rohrzucker verwendet, aber auch diese Zuckerarten bestehen zur Hälfte aus Fruktose. Die andere Hälfte ist Glukose. Ein Artikel, der im März 2013 in der wissenschaftlichen
Zeitschrift Advances in Nutrition erschienen ist, trägt den Titel ‚Fructose: It’s alcohol without the buzz‘ (‚Fruktose – Alkohol ohne Rausch‘). Der Verfasser des Artikels, der amerikanische Endokrinologe Robert Lustig, sagt, Fruktose fördere die Insulinresistenz und schädige dadurch die Leber. Fruktose ist ein Zucker, der sich auch im Obst findet. Die im Obst enthaltenen Fruktosemengen sind jedoch so gering, dass sie unschädlich sind, vor allem nicht in Kombination mit allen anderen Nährstoffen, die Obst enthält. Die Empfehlung, jeden Tag Obst und Gemüse zu essen, bleibt also bestehen.
Tipps
- Gehen Sie sparsam mit Alkohol um.
- Seien Sie zurückhaltend mit Zucker.
- Seien sie auch sparsam mit anderenKohlehydraten, die der Körper schnell in Zucker umwandelt, wie etwa Weissbrot.
- Bevorzugen Sie Vollkornprodukte.
- Vermeiden Sie Erfrischungsgetränke.
- Seien Sie zurückhaltend mit Obstsäften. Obst verliert beim Auspressen viele der Elemente, die es so gesund machen, wie Mineral- und Ballaststoffe. Dagegen konzentriert sich im Saft die im Obst vorhandene Fruktose.
- Essen Sie ruhig Obst.
- Vermeiden Sie zu viel Übergewicht.
Wie häufig ist primärer Leberkrebs?
Leberkrebs ist eine schwere Form der Krebserkrankung. Jedes Jahr nimmt die Zahl der Menschen zu, die an dieser Erkrankung sterben. In der Schweiz erlagen im vergangenen Jahr über 500 Menschen den Folgen von Leberkrebs.
Die Weltgesundheitsorganisation berichtet auf ihrer Webseite, dass im Jahr 2012 weltweit 745.000 Menschen an Leberkrebs gestorben sind. Damit steht Leberkrebs an zweiter Stelle nach Lungenkrebs, der mit 1,59 Millionen Toten gut doppelt so viele Opfer verursacht.
Heute geht man davon aus, dass nicht-alkoholische Leberverfettung die Ursache für den Anstieg der Fälle von primärem Leberkrebs auch in reichen Ländern wie der Schweiz ist.
Auch die Zahl der Leberkrebserkrankungen, denen Hepatitis B und C zugrunde liegen, steigt in den westlichen Ländern an. Wahrscheinlich deshalb, weil die Menschen in den letzten Jahrzehnten häufiger und in entferntere Regionen verreisen und weil Migranten das Virus bereits in sich tragen, wenn sie in den Westen kommen. Oft dauert es Jahre, bevor chronische Hepatitis zu Leberkrebs führt.
Welches sind die Risikofaktorenfür primären Leberkrebs?
- Alkoholmissbrauch, Hepatitis B und C
- Übergewicht, insbesondere wenn es durch ungesunde oder einseitige Ernährung und Bewegungsmangel verursacht wird
- Zuckerkrankheit (Diabetes)
- Exposition gegenüber Aflatoxinen. Dabei handelt es sich um Giftstoffe, die von bestimmten Schimmelpilzen produziert werden.
- Männer laufen ein höheres Risiko als Frauen, wahrscheinlich weil bei Männern Fett vor allem in der Bauchhöhle gespeichert wird, wo es verstärkt zu Entzündungen führt.
- Asiaten entwickeln schneller Leberkrebs. Deshalb gelten sie schon bei einem BMI von 23 als übergewichtig.
Wie kann Leberkrebs bekämpft werden?
In einem frühen Stadium, wenn der Leberkrebs noch nicht metastasiert ist, kann eine Operation sinnvoll sein. Wird ein Teil der Leber entfernt, ist sie in der Lage, wieder auf ihre ursprüngliche Grösse anzuwachsen. Wenn die Leber zu stark geschädigt ist, beispielsweise durch eine Zirrhose, kann auch eine Lebertransplantation in Frage kommen, sofern eine Spenderleber vorhanden ist und die Gesundheit des Patienten eine Operation zulässt. In der Regel allerdings sind Menschen mit einer stark geschädigten Leber gesundheitlich sehr angeschlagen.
Andere Möglichkeiten, den Tumor zu zerstören, sind Hochfrequenzablation und Mikrowellenablation. Dabei wird eine Nadel in den Tumor eingeführt, über die der Tumor mit Hitze zerstört wird. Hierbei handelt es sich also eigentlich um eine Form der Bestrahlung auf kleinstem Raum.
Es gibt mehrere Methoden, Leberkrebs zu bekämpfen, unter anderem verschiedene Formen der Chemotherapie. Ein interessantes Verfahren, das zurzeit im Kommen ist, ist die Virotherapie.
Was ist Virotherapie?
Virotherapie ist die Bekämpfung von Krankheiten mit Hilfe eines umprogrammierten Virus. Diese Idee stammt schon aus den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Aber erst in den letzten Jahren wurde dieses Verfahren so weit entwickelt, dass die Studien erheblich erweitert werden können. Die Viren, die Krebszellen infi zieren und töten, werden onkolytische (krebsaufl ösende) Viren genannt. Im März 2013 erschien in Nature Medicine ein Artikel über eine experimentelle Phase-I-Studie nach dem Einsatz des Vaccinia-Virus bei Lebertumoren. Was bedeutet Phase I?
In unserem Nachrichtenbrief zum Thema experimentelle Krebstherapie vom Oktober 2012 haben wir die vier verschiedenen Phasen experimenteller Studien erläutert. In einer Phase-I-Studie wird untersucht, in welcher Dosis ein Arzneimittel sicher ist und welche Wirkungen und Nebenwirkungen es hat. Eine Phase- I-Studie wird nur bei einer kleinen Zahl von Menschen durchgeführt. Schliesst ein Arzneimittel eine Phase-IStudie mit positiven Ergebnissen ab, muss es in der Regel noch viele weitere Studien durchlaufen und darf sich nicht zwischenzeitlich als untauglich erweisen, bevor es schließlich genehmigt wird.
Was ist das Vaccinia-Virus?
Das Vaccinia-Virus war der erste Impfstoff überhaupt: das Virus, mit dem Menschen erfolgreich gegen Pocken geimpft wurden. Die Pocken gelten mittlerweile als ausgerottet.
Die ersten Ergebnisse mit diesem manipulierten Virus bei Leberkrebs sind vielversprechend. Das Virus wurde direkt in den Tumor eingebracht und das Ergebnis war, dass die Patienten zwei- bis viermal länger lebten als Patienten, die Sorafenib erhielten, das zurzeit beste Mittel bei Leberkrebs. Diese Lebensverlängerung beträgt übrigens nur wenige Monate, dennoch stimmt diese Nachricht hoffnungsvoll. Zwei der Patienten, die die Höchstdosen erhielten, waren zwei Jahre später, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels, noch immer am Leben.
Zum Schluss
Die Forschung geht weiter und die Ergebnisse sind ermutigend. Allerdings gilt auch hier der alte Grundsatz: Vorbeugen ist besser als Heilen. Gehen Sie also sorgsam mit Ihrer Leber um. Sie wird es Ihnen danken und lebenslang ihre Leistungskraft behalten.