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Gegen die Sektenführerin und Geistheilerin Erika Bertschinger alias Uriella (Archivbild) hat am Montag (10.04.) in Herisau (AR) ein Forderungsprozess begonnen. Ein ehemaliges Mitglied des Ordens Fiat Lux verlangt die Rückzahlung von 625'000 Franken.Dieser Inhalt wurde am 10. April 2000 - 09:54 publiziert
Gegen die Sektenführerin und Geistheilerin Erika Bertschinger alias Uriella (Archivbild) hat am Montag (10.04.) in Herisau (AR) ein bisher einzigartiger Forderungsprozess begonnen. Eine 59-jährige Frau aus dem Kanton Zürich, die zehn Jahre lang Mitglied im Orden Fiat Lux war, verlangt die Rückzahlung von 625'000 Franken.
Die Klägerin behauptet, von der Sektenführerin jahrelang mit apokalyptischen Szenarien und göttlichen Botschaften indoktriniert worden zu sein. Dadurch habe sie zeitweise ihre Urteilsfähigkeit verloren und in diesem Zustand Uriella ihr ganzes Vermögen von rund 625'000 Franken überlassen.
Verteidigt wird die mehrmals vorbestrafte 71-jährige Schweizerin Uriella, die ihren Orden aus dem deutschen Ibach leitet, von ihrem Ehemann Eberhard Bertschinger Eike alias Icordo. In einer Stellungnahme vor Prozessbeginn hat Icordo die Klage in allen Teilen zurückgewiesen.
Wegen des Grossaufmarsches von Sektenmitgliedern und Medienvertretern wurde die Gerichtsverhandlung in den Kantonsratssaal nach Herisau verlegt. Das Kantonsgericht tagt üblicherweise in Trogen. Der Zeitpunkt des Urteils war zunächst offen.
Frühere Verfahren gegen Uriella
Uriella, die seit 1981 in Schwellbrunn (AR) eine Heilpraxis betreibt, ist sei 1994 vom Obergericht von Appenzell Ausserrhoden wegen Verstössen gegen das Kantonale Heilmittelgesetz zu einer Busse von 15'000 Franken verurteilt worden. Das von der Sanitätsdirektion verfügte Berufsverbot wurde vom Gericht wieder aufgehoben.
Nach dem Tod zweier Sektenmitglieder stand Uriella 1996 in Waldshut (D) wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Mangels Beweisen wurde sie von der Anklage freigesprochen.
Vor zwei Jahren hingegen wurde Uriella in Mannheim (D) wegen Medikamentenschmuggels zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 22 Monaten und zu 80.000 Franken verurteilt. Sie hatte den Staat um rund eine halbe Million Franken an Zolleinnahmen und Steuern betrogen.
swissinfo und Agenturen
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