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Zuger Zünfte
Die geselligen Bünde
Unseren Rundgang durch die Geschichte der Zuger Zünfte beginnen wir bei den heute noch als gesellige Bünde existierenden Stadtzünften
Zunft der Schneider, Tuchscherer und Gewerbsleute
Diese Zunft, kurzerhand Schneiderzunft genannt, wurde 1408 gegründet. Zu den Schneidern kamen später auch die Kaufleute unter dem Namen Gewerbsleute und dieser Zusammenschluss bedingte eine Änderung des Namens.
Im Jahre 1635 wurde durch aufkommende Konkurrenzarbeiten eine Gewerbeordung aufgestellt, in welcher die einzelnen Gewerbe genannt und deren Arbeitskreis genau umschrieben wurde. So gehörten neben den eigentlichen Tuchhändlern auch die Spezierer, Eisenhändler, Salzhändler, die Weinverkäufer, Käs- und Zigerhändler, Gerber und Samenverkäufer zu dieser Zunft.
Als die französischen Revolutionstruppen mit ihren Bajonetten an der Grenze drohten, beschlossen die Schneider, ihr Zunftvermögen zu liquidieren und veranstalteten einen Abschiedstrunk, dem sich die anderen Zuger Zünfte anschlossen und auf gleiche Weise ihr kleines Zunftvermögen verschwinden liessen. Unter der helvetischen Regierung konnten sich die Schneider noch als Zunft behaupten. Der Versuch von 1818, die Zunft endgültig zu liquidieren scheiterte, und die Zunft erhielt statt des Auflösungsdekretes neue Satzungen.
Um einen neuen Versuch, welcher auf eine Auflösung der Zunft trachtete, jede Rechtsgrundlage zu entziehen, musste jeder Mitmeister geloben, das Bruderschaftsvermögen als unverteilbares Gut zu betrachten. Dieser Grundsatz wurde gehalten und heute lebt die Schneiderzunft fort.
Die Zunft der Bekken, Zuckerbekken und Müller
Bescheiden nennen die Bäckerzünftler als Gründungsjahr das Datum von 1686, allein ein Blättern in den alten Ratsprotokollen zeigt, dass diese Vereinigung schon früher bestanden hat. Mehr als hundert Jahre früher finden wir eine Notiz, die für die gesamte Bäckerschaft verbindliche Ratsbeschlüsse aufzeigt.
Es muss aber damals etwas widerspenstige Meister des Gewerbes gegeben haben, und mit diesen machte der Rat kurzen Prozess und verbot ihnen einfach "ein halb jar ze bachen". Für einen Zusammenschluss der Bäcker darf auch de gemeinsame Bäckereid vor dem gesamten Rat am 25. September 1627 angesprochen werden. Sie gelobten die Bäckerordnung zu befolgen und auch kein "bonenmöhl mit under den theigg mischlen".
Der Schrecken vor den nahenden Franzosen löste die Zunft auf und 1815 erscheint die Bäckerzunft erneut mit einer Ordnung. Ab da wurde unterschieden zwischen Mitmeistern und Mitbrüder. Meister können nur solche werden, die den Bäcker- oder Müllerberuf gelernt haben, die anderen Mitglieder werden nur als Mitbrüder aufgenommen.
Die Bäckerzunft steht in Zug der Schuljugend in besonderer Gunst. Wenn das alljährliche Hauptbott mit Gottesdiensst und gemeinsamen Mittagessen der Meister und Brüder stattfindet, sammelt sich die Zuger Jugend underhalb des Balkons der Zunftstube (Heute Hotel Ochsen beim Kolinplatz) und ruft aus Leibeskräften "Bäckermöhli, Bäckermöhli" und die Zünftler mit ihren weissen Zipfelkappen werfen knusprige Mutschli und Würschtli aus. Ein wildes balgen entsteht jeweils um die mundigen Gagben und am Abend zählen die Buben und Meitschi mit Stolz die Zahl der erbeuteten Zunftbrötchen.
Zunft der Bauleute
Die viert älteste Zunft der Bauleute ist nach wechselvollen Schicksalen im Jahre 1866 eingegangen und die erwürdige Zunftlade kam durch Wagnermeister Weiss im Erlenbach auf seinen Sohn, den bekannten Zuger Stadtpfarrer Monsignore Franz Weiss. Dieser übergab die Lade mit den Zunftschriften seinem alten Wandergesellen aus vergangenen Handwerks- und Gesellenzeiten, Baumeister Josef Kaiser und dieser fasste mit einigen zunftbegeisterten Männern den Entschluss 1942 die alte Zunft der Bauleute wieder zu neuem Leben zu erwecken.
Im Kreise der alten Zuger Zünfte kam der Zunft der Bauleute eine besonders geachtete Stellung zu. Die Zunft wurde 1685 gegründet. Ursprünglich waren in der Bauleute-Zunft nur die Hafner beisammen, aber nach und nach schlossen sich die übrigen Handwerker des Baugewerbes der Zunft an, die Hafner behielten aber stets den obersten Ehrenplatz.
Dieses Ehrenrecht wurde ihnen nicht nur wegen des Gründerprivilegs gewährt, sondern auch wegen der Kunstprodukte der Hafner, die weit über die Kantonsgrenzen hinaus berühmt waren. Die heutige Zunft kennt immer noch den alten Entwicklungsgang der Bauleute-Zunft: Zuerst wird einer als Mitbruder angenommen, dann kommt das Gesellentum und nach Ablegung des obligaten Meisterstücks wird einer als Mitmeister gefeiert.
Zunft der Schuhmacher, Gerber, Sattler und Seckler
Am 25. Oktober 1407 wurde die Zunft der Schuhmacher, Gerber, Sattler und Seckler gegründet. In der Handschriftensammlung der Zurlaubenbibliothek in Aarau findet sich sogar die Bemerkung, dass sich bereits 1398 die Schuhmacher und Ledergerber zusammen getan hätten und "ein ordnung und ein gesatzgemacht hand und ein Kertz ze Zuge ze Sant Michel in der Kilch in gottesdiensst bestettet hand".
Diese Zunft wäre also di e älteste Zugerzunft. Aus dem Zunftgeld wurde Brot gekauft und unter die Armen der Stadt verteilt. Zu den Schuhmachern und Gerbern kamen später noch die Sattler und Seckler. Es gab auch einen Zunftzwang, indem jeder Berufstätige des Ledergwerbes sich in die Zunft einkaufen musste. Gegen Widerspenstige wurde der Rat angerufen und der betreffende mit Boykott bedroht, d.h. kein Zünftler durfte ihm etwas abkaufen.
Die Schuhmacherzunft kannte auch den Gesellenbatzen für durchreisende Gesellen, als aber jährlich 44 solche Wandergesellen in Zug vorsprachen, wurde es den Meistern zuviel und sie hoben diesen Unterstützungsbatzen auf. Im Jahre 1863 ging die Zunft ein.
Zunft der Metzger
Diese Zunft wurde 1418 gegründet. Der Zuger Rat hatte sich oft mit den Metzgernzunft zu beschäftigen, se es durch die Verordnung, dass sie die verschiedenen Fleischsorten beim Verkauf nicht säuberlich voneinander trennten oder sonst zu Klagen Anlass gaben. Die Metzger hinwieder traten auch gegen den Rat nicht immer devot auf, sondern zeugten sich auch von dem Wysen, Testrengen und Gnädigen Herren als handfeste Gewerbler.
Zunft der Fischer
Von der Zunft der Fischer hört man in Urkunden nicht viel. Dr. Franz Karl Stadlin meint in seiner Topographie des Kantons Zug, die Fischerzunft sei die älteste Zuger Zunft. Leider findet sich nirgens ein sicheres Gründungsdatum. Al sGründungsjahr wird in einem Kopiebuch das Jahr 1489 genannt.
Ebenso unklar wie der Zeitpunkt der Entstehung ist jener der Auflösung der Fischerzunft. Am 12. März des Jahres 1974 fanden sich im Restaurant Frohsinn (Hagebüechli) ungefähr 10 Zuger ein, um etwas vom reaktionärsten zu tun, was damals im Zeitalter der Mondfahrt scheinbar getan werden konnte. Sie hatten nämlich nichts anderes vor, als einen Verein zum Leben zu erwecken, der seine Blütezeit in den Tagen der alten Schweizer erlebte. Damit nicht genug: Sie setzten ihr Vorhaben in die Tat um und verlasen die Gründung der Fischerzunft der Stadt Zug . Wie lange die Sitzung gedauert hat, geht aus keiner Akte hervor. Aber der Beschluss stand fest: „Die Fischerzunft ist tot. Lang lebe die Fischerzunft!“.
Bruderschaft St. Lukas
Zu den zünftigen Vereinigungen im alten Zug gehörte auch die Bruder schaft St. Lukas. Diese Handwerker-, oder besser gesagt Künstler-Vereinigung behielt aber den Namen Bruderschaft stets bei. Sie wurde 1602 gegründet und umfasste die "Doctoren der Medicin, Wund-Aerzten, Mahleren, Bildhauererrn, Buchdruckeren und Goldschmieden".
Hauptfest war der St. Lukas-Tag (18. Oktober), denn an diesem Tag wurde in St. Oswald der feierliche Bruderschafts-Gottesdienst gehalten und nachher vereinigten sich die Mitbrüder bei einem Mahl.
Die Lukasbruderschaft sammelte in ihrem Kreis die Künstler und Gelehrten und genoss grosses Ansehen. In den alten Mitgliederbüchern finden wir heute viele Namen, die im kulturellen Leben der Stadt zug eine grosse Rolle spielten. Im Jahre 1865 wurde der Antrag auf Auflösung gestellt "begründet durch die zu kleine Mitgliederzahl und weil sich schwerlich neue Mitglieder melden werden, dass die so verschiedenartigen Berufsarten, aus welchen die Gesellschaft bestehe, weder eine Künstergesellschaft seien, noch dem Zwecke einer solchen entsprechen könne". Am 10. Mai 1866 löste sich diese Bruderschaft leider auf.
Zunft der Schwarzfärber
Schon vor 1660 muss die Zunft der Schwarzfärber bestanden haben, denn die Ordnung aus diesem Jahr basiert auf einer noch älteren Zunft-Satzung. Die Satzungen ordnen eingehend den Handwerksgebrauch und nahmen besonders auf die Stellung der Witfrauen Bedacht. Im Jahre 1827 schliessen sich die Schwarzfärber mit der Zunft der Hutmacher zusammen.
Zunft der Hutmacher
Die Zunft der Hutmacher wurde am 29. Januer 1718 gegründet. Diese neue Zunft wurde genau nach dem Vorbild der Zürcher Zunft des gleichen Namens gestaltet. Sie war aber nie gross, weshalb sie sich 1827 mit den Schwarzfärber zusammenschloss.
Zunft der Schlosser, Uhrenmacher und Büchsenmacher
Am 23. August 1726 erschienen die Abgeordneten der Zunft der Schlosser, Uhrenmacher und Büchsenmacher vor dem Zuger Rat und verlangten Gutheissung ihrer neuen Satzungen. Sie hatten sich aber schon früher als Zunft zusammengeschlossen und konnten auf ihre Satzungen von 1566 und 1606 hinweisen. Im Jahre 1850 löste sich die Zunft auf und die meisten Zünftler schlossen sich der Zunft der Bauleute an.
Zunft der Kupfer und Hammerschmiede
Über die Gründung der Zunft der Kupfer- und Hammerschmiede ist man nicht genau orientiert. Eine Neugründung erfolgt um 1746, während das Protokollbuch von Neuaufnahmen aus früheren Jahren berichten kann.
Das Zunftamt wurde am Agathatag in der Liebfrauenkapelle in der Zuger Altstadt abgehalten. Da diese ZIünftler am offenen Feuer arbeiten mussten, hatten alle ein etwas hitziges Temperament, was bei Zusammenkünften zu einigen Vorsichtsmassnahmen führte, denn in einem Zunftbeschluss heist es: "Wer etwas Schneidiges oder Spitziges hat, muss solches von sich geben". Die Erfahrungen bei den Zunftzusammenkünften müssen diese Vorsichtsmassregel geschaffen haben.
Die Schmiedezunft schrieb eine dreijährige Wanderzeit vor und auch die Arbeitszeit war genau umschrieben und zwar von morgens fünf Uhr bis abends sieben Uhr.
Die Schmiedgesellen gaben viel auf ihre Rechte und die Satzungen bestimmten u. a. dass die Frau Meisterin keinen Gesellen mit "Du" anreden dürfe. Auch das Benehmen beim Hauptbott war genau geregelt, so musste ein Meister Busse zahlen, so er seine Kleiderknöpfe nicht in Ordnung hatte oder wenn ein Zünftler ohne Hut, Werkzeug undn Schurzfell auf die Strasse ging. Auch das Pfeiffen auf der Strasse und das Spielen mit Lehrbuben wurde mit Geldbussen bestraft.
Auch das Trinken wurde geregelt, denn es heisst: "So einer mehr isstz oder trinkht, als er tragen mag, oder Unzucht mit den Menschen treibt, ist ein Daller Straff". Nach 1800 waren nur mehr die Kupferschmiede in der Zunft und nach 1832 wurde kein Bot mehr gehalten. Im Jahre 1850 kamen noch zwei Meister zusammen und lösten die Zunft auf, indem sie aus dem Zunftvermögen eine Mess-Stiftung in Menzingen errichteten.
Zunft der Küfer
Die jüngste Handwerkerzunft in der Stadt Zug war die Zunft der Küfer. Diese Zunft wurde 1813 gegründet und nahm auch Mitbrüder auf, die das eigentliche Handwerk nicht gelernt hatten. Die Zunft wurde auch die "jüngere Küferzunft" gennant, da früher schon eine Küferzunft bestanden hatte, die sich aber 1811 der Schreinerzunft anschloss. Um 1860 löste sich diese Zunft der Küfer auf.
Schlussbemerkung
Die Zuger Zünfte hatten nie die Bedeutung der anderen Schweizer Zünfte erlangt, aber die Produkte der zugerischen Handwerker fanden Eingang in Säle und Stuben der ganzen Schweiz und heute kündet manches Museumsstück vom Können der alten Zuger Handwerker.
Vielfach wurde in den Zünften bedauert, dass man beim Nahen der Franzosen das Vermögen aufgebraucht hatte und dass die neue Zeit keinen rechten Sinn mehr hatte für das mittelalterliche Zunftwesen.
Heute hegen und pflegen noch fünf Zünfte das alte gesellige Leben, das vor Jahren auf den verschiedenen Zunftstuben der alten Kyburgerstadt Zug geherrscht hat und die Zünfte von Zug sind die treuen Bewahrer alten Brauchtums geworden.
Quellenverzeichnis: Buch «Die Zunft der Schreiner, Drechsler und Küfer der Stadt Zug 1585 - 1985 von Christian Raschle, 1985