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Schwerpunkt
Der Malteserhospitaldienst
von Felix von Sury
Tu Gutes und sprich davon! In der Region Solothurn arbeitet seit einigen Jahren eine Sektion des Malteserhospitaldienstes der Schweiz im Dienste «des Herren Kranken». Am 18. März hält der Schweizerische Verband seine Jahresversammlung in Solothurn ab. Ein Anlass, um den Malteserorden und den Hospitaldienst vorzustellen.
Der Malteserorden
Ende des 11. Jahrhunderts, noch vor dem ersten Kreuzzug, gründeten Kaufleute aus Amalfi in Jerusalem ein Krankenhospiz, das sie Johannes dem Täufer weihten. In diesem Hospiz wurden Christen, Juden und Muslime gepflegt. Damit nahm der Johanniterorden seinen Anfang. Der Leiter des Hospizes, der selige Gerhard, gilt als Gründer des Ordens. 1113 stellte Papst Paschalis II eine Bulle aus, in der er die Regel und Souveränität des Ordens bestätigte. Im 12. und 13. Jahrhundert, während der Wirren der Kreuzzüge, wurde der Hospitalorden zum Ritterorden.
Nach dem Verlust des Heiligen Landes wurde der Sitz des Ordens nach Rhodos und 1530 nach Malta verlegt. Der Johanniterorden wurde zum Malteserorden und war an vorderster Front im Kampf gegen das osmanische Reich engagiert. 1798 ging die Insel Malta an Napoleon verloren und Rom wurde zum Ordenssitz. Im 19. Jahrhundert besann sich der Orden wieder auf seine ursprüngliche Berufung und engagierte sich vermehrt für Kranke und Verwundete.
Im Wahlspruch des Ordens: «Tuitio Fidei – Obsequium Pauperum» steht der Dienst an den Armen, Kranken, Alten und Randständigen gleichwertig neben der Treue zum Glauben. Dieser Dienst wird durch das achtspitzige Malteserkreuz ausgedrückt: die gegen aussen gerichteten Spitzen entsprechen den Seligpreisungen der Bergpredigt, die gegen innen gerichteten vier Spitzen symbolisieren die Kardinaltugenden. Seit der Ordensgründung werden die Kranken als Herren bezeichnet, da in jedem Kranken der Herr, also Christus gegenwärtig ist.
Der Malteserhospitaldienst der Schweiz
Bald nach der Gründung der Schweizer Assoziation des Malteserordens entstand 1974 der Malteserhospitaldienst der Schweiz, besser bekannt unter seinem französischen Kürzel SHOMS (Service Hospitalier de l’Ordre de Malte en Suisse). Der SHOMS operiert autonom unter der Aufsicht des Malteserordens. Beim Hospitaldienst sind Personen christlichen Glaubens willkommen; Ordensritter und Ordensdamen müssen römisch-katholisch sein. Der SHOMS arbeitet eng mit den protestantischen Johannitern zusammen.
In Deutschland und Österreich ist der Malteserhilfsdienst professionalisiert, mit mehreren zehntausend Angestellten; er erfüllt staatsnahe Aufgaben, führt Spitäler und betreibt Ambulanzen. In diesen Ländern begegnet man daher dem Malteserkreuz sehr häufig.
Der SHOMS hingegen ist eine Freiwilligenorganisation. Er hat mehr als 1000 Mitglieder in 14 Sektionen, davon über 650 Aktive von 12 bis 80 Jahren und 350 Sympathisanten, welche die Arbeit finanziell unterstützen.
Jede Sektion des SHOMS in den drei Landesteilen hat sich ein eigenes Betätigungsfeld aufgebaut unter der Losung des «Obsequium Pauperum», dem Dienst am Herren Kranken. Die wichtigsten Einsatzgebiete sind:
• Begleitung und Unterstützung von behinderten Menschen
• Gottesdienstbesuche mit kranken und alten Menschen
• Aktivitäten mit dementen Menschen
• Verteilung von Nahrungsmitteln an Bedürftige
• Hilfe für Obdachlose und Flüchtlinge
Höhepunkt für den SHOMS im Jahresverlauf ist die Lourdes-Wallfahrt anfangs Mai, wo jeweils über 200 Betreuungspersonen etwa 60 kranke, behinderte und alte Gäste während vier Tagen umsorgen und ihnen
so ein unvergessliches Erlebnis ermöglichen.
Die Sektion Solothurn
In Solothurn war eine Sektion des Malteserhospitaldienstes zwischen 1988 und 1999 aktiv; nach einem längeren Unterbruch nahm sie 2012 ihre Arbeit wieder auf. Heute sind in unserer Region etwa 15 Helfer und Helferinnen regelmässig für den SHOMS im Einsatz. Seit vier Jahren besteht eine Partnerschaft mit dem Alters- und Pflegeheim Bellevue in Oberdorf. An einem Samstagnachmittag im Monat unternimmt die Sektion mit den Heimbewohnern und -bewohnerinnen eine Aktivität, die deren Interessen und eingeschränkten Möglichkeiten entspricht. Dazu gehören Gesellschaftsspiele, Singen und Spazieren, Grillieren oder ein Besuch des Samichlaus. Am beliebtesten sind Lottopartien und Ausflüge in die nähere Umgebung. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Bellevue schätzen die Abwechslung im Heimalltag und schenken den Helferinnen und Helfern ein Wort des Dankes oder ein Lächeln.
Die Sektion Solothurn begleitet jedes Jahr kranke und gebrechliche Gäste nach Lourdes. Mit den Lourdes-Pilgern unternehmen die Sektionen Solothurn und Basel auch eine gemeinsame Wallfahrt im Herbst nach Mariastein. Die Sektionsmitglieder bilden sich in Erster Hilfe und im Pflegedienst aus, sodass sie die nötigen Kenntnisse für ihre Arbeit mitbringen. Mit mehr Aktiven könnte die Sektion neue Tätigkeitsfelder eröffnen.
Felix von Sury ist promovierter Ingenieur Agronom und in Feldbrunnen wohnhaft. Er war lange Zeit in der Entwicklungszusammenarbeit tätig mit vielen Auslandeinsätzen. Seit 2003 ist er Ritter des Malteserordens und seit 2013 leitet er die Sektion Solothurn des Malteserhospitaldienstes der Schweiz. Sind Sie an dessen Arbeit interessiert, schreiben Sie bitte an: <email-pii>