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Nomenclature générale des Bureaux de Poste Français
von M. Langlois & Eug. Veneziani; Imprimerie Yvert & Tellier, 1926, F-Amiens
Ein Büchlein im „Dornröschenschlaf“
Maurice Langlois war ein tüchtiger Philatelist. 1860 geboren erlebte er, wie das Briefmarkensammeln bereits im XIX. Jahrhundert das mit Abstand populärste Hobby wurde. „Philatelie: die Königin der Hobbies und das Hobby von Königen“ nannte es ein Autor späterer Tage. Seit 1892 wirkte Langlois auf den meisten philatelistischen Ausstellungen, dazu war er 1922 bis 1931 Präsident der französischen Fédération de Philatélie. Zudem war er Gründungsmitglied der Académie de la Philatélie, Paris. Langlois wurde in Anerkennung seiner grossen Verdienste eingeladen, die „Roll of Distinguished Philatelists“ zu unterschreiben, die 1921 ins Leben gerufen wurde. 1923 war er der erste Franzose (neben den Gründervätern, die 1921 auch posthum auf diese Liste eingetragen wurden), dem diese grosse Ehre zuteil wurde.
Langlois war ein sehr fleissiger philatelistischer Autor, daneben war er auch ein grosser Kenner der Briefmarken Frankreichs. In den Jahren 1924, 1926 und 1939 gab er zudem drei wichtige Bücher heraus, die das damalige Wissen über Stempel zusammenfassten und ausbauten.
Das Werk „Nomenclature générale des Bureaux de Poste Français de toutes catégories; avec indication des griffes oblitérantes qui leur ont été attribuées (1849-1876)“ veröffentlichte er 1926 zusammen mit Eug. Veneziani . Auf 280 Seiten geht er detailliert und mit einigen Abbildungen auf folgende Themen ein:
Seite um Seite werden die Stempel aufgelistet mit den Nummern, die ihnen von der Post zugeteilt wurden. Meines Wissens war dies in dieser Ausführlichkeit ein Novum, und unzählige Autoren haben später Bezug genommen auf diese Arbeiten von Langlois.
Das Buch ist seit langem ein wertvolles Werk in der Bibliothek des Schweiz. Philatelisten-Vereins Basel. Diese Bibliothek ist seit rund 15 Jahren als Dauer-Leihgabe der Stiftung Basler Taube zur Verfügung gestellt worden. Das seltene Werk fristet ein ruhiges Leben in der Bibliothek. Studenten, welche dieses Werk studieren wollen, stellen fest, dass dieses Exemplar noch nie von vorne bis hinten gelesen wurde, denn noch heute, 87 Jahre nach der Veröffentlichung, sind einige Seiten unaufgeschnitten zusammenhängend (z.B. Seiten 89-104). Ein neuer Leser müsste also einzelne Seiten zuerst mit einem sehr scharfen Messer vorsichtig auftrennen, bevor sich der Schatz des Wissens vor ihm ganz erschliesst!
Das Büchlein darf nicht kopiert werden, denn das Papier ist alt und der Buchrücken würde Schaden nehmen, wenn das Büchlein auf die Kopierscheibe gedrückt würde. Aber heute ist es einfach und alltäglich und nicht mehr teuer, ein Foto zu erstellen von den Seiten, die besonders interessieren.
Es ist schön, dass dieses wichtige und meines Wissens seltene Werk in unserer Bibliothek zu finden ist. Ich bin nun gespannt, ob vielleicht das Werk nun doch einmal ausgeliehen und ganz gelesen wird – nach seinem langem „Dornröschenschlaf“!
Heinz Glättli, FRPSL