Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03218.jsonl.gz/1264

Kropf oder Struma bedeutet Vergrösserung der Schilddrüse.
Der feingewebliche Aufbau einer Struma entspricht in der Regel einer gutartigen Gewebsvermehrung. Schilddrüsenkrebs kommt vor, ist aber selten.
Früher war der „Jodmangelkropf“ im schweizerischen Voralpenraum weit verbreitet, besonders im Napfgebiet und im Appenzell. Jodmangel im Wasser und in der Nahrung hatte Hormonmangel zur Folge, und der Organismus versuchte, diesen mit einer Drüsenvergrösserung wettzumachen.
Seit 1925 wird in der Schweiz das Speisesalz mit einem Jodzusatz versehen. Seither ist die Kropfhäufigkeit massiv zurückgegangen. In Deutschland gibt es jedoch in einigen Regionen noch eine erhebliche Anzahl Fälle und die WHO schätzt, dass weltweit noch mehrere Millionen Menschen eine Jodmangelstruma haben.
Die Schilddrüse liegt am Hals unterhalb des Kehlkopfs und produziert die Hormone Thyroxin (T4) und in geringerer Menge andere Hormone (T3, Trijodthyronin, und Calcitonin). Diese werden in die Blutbahn abgegeben und spielen eine wichtige Rolle für Stoffwechselvorgänge.
T4 und T3 enthalten Jod, zur Herstellung benötigt die Drüse demzufolge dieses chemische Element in ausreichender Menge. Gesteuert werden die T4- und die T3-Produktion durch ein Hormon der Hypophyse, das TSH.
Die Ursache der bei uns noch sporadisch auftretenden Strumen und der wenigen Fälle von Schilddrüsenkrebs ist weitgehend ungeklärt. Teils unabhängig von einer Vergrösserung der Drüse sind die nachfolgend beschriebenen Funktionsstörungen.
Angeborene Schilddrüsenunterfunktion wird heute dank der Untersuchung aller Neugeborenen rechtzeitig erkannt und behandelt. Unbehandelt würde so genannter Kretinismus entstehen, ein Rückstand der körperlichen und geistigen Entwicklung.
Erworbene Unterfunktion ist Folge von Operation oder chronischer Entzündung der Schilddrüse, von medikamentöser Therapie, Radiojodbehandlung oder einer Autoimmunkrankheit. Bei letzterer bildet der Organismus Autoantikörper („Abwehrstoffe“) gegen eigenes Gewebe, in diesem Fall gegen Zellbestandteile der Schilddrüse. Bisweilen spielen auch genetisch bedingte Faktoren eine Rolle, manchmal bleibt die Ursache unklar.
Verschiedene Ursachen können zu einer Überfunktion führen, also zu einem Überschuss an Schilddrüsenhormon. Am häufigsten sind die Basedow-Krankheit und die so genannte funktionelle Autonomie sowie eine Entzündung des Schilddrüsengewebes.
Das Organ kann symmetrisch, aber auch asymmetrisch vergrössert sein, mit oder ohne tastbaren oder sogar sichtbaren Knoten. Bei ausgeprägter Vergrösserung drückt die Gewebsmasse auf Speise- und Luftröhre, was zu einem verschleimten Hals oder zur Behinderung beim Schlucken fester Nahrung führen kann – der Brocken bleibt im Hals stecken. Im Fall eines hormonell normal funktionierenden („euthyreoten“) Kropfs bleibt es in der Regel bei solchen Symptomen.
Die hormonale Aktivität der Schilddrüse ist unabhängig von einem sichtbaren Kropf. Möglich sind Unter- aber auch Überfunktion, in Kombination mit unauffällig grosser oder auch vergrösserter Schilddrüse. Die Palette der Symptome ist gross, alle können hier nicht aufgeführt werden.
Die Möglichkeiten eigener Massnahmen sind beschränkt.
Von einer Selbstbehandlung mit Jodtabletten muss abgeraten werden, sie bringt einen Kropf nicht zum Verschwinden und kann bei gewissen Schilddrüsenerkrankungen sogar gefährlich sein.
Bei Kindern und bei Schwangeren ist auf ausreichende Jodaufnahme zu achten. Sie benötigen eine funktionsfähige Schilddrüse für Wachstum und Entwicklung. Das Verwenden von jodiertem Salz, ist heute in manchen Ländern üblich, weshalb die früher häufige Jodmangelstruma heute seltener ist. In der Schweiz ist das Speisesalz seit 1925 mit einem Jodzusatz versehen.
Jede Vergrösserung der Schilddrüse mit oder ohne Symptome bedarf der ärztlichen Abklärung, denn eine Struma kann durch unkontrollierte Hormonproduktion oder durch Entartung gefährliche Folgen haben. Eine möglichst frühe Diagnose ist oft entscheidend für die Heilungschancen.
Der Arzt misst die Funktion des Organs, indem er den Gehalt an Thyroxin und weiteren Hormonen im Blut bestimmt, und er verwendet Ultraschall, um Grösse und Beschaffenheit darzustellen. Die Untersuchung mit radioaktiven Isotopen in kleinster Dosierung (Szintigraphie) zeigt, ob Teile der Schilddrüse viel, wenig oder gar kein Hormon bilden. Das Vorhandensein von Knoten und die Aktivität des Drüsengewebes sagen jedoch zunächst nichts darüber aus, ob es sich um gut- oder bösartige Veränderungen handelt. Bei Verdacht auf Krebs und bei Schilddrüsenentzündungen ist eine Feinnadelpunktion zur Untersuchung des Gewebes nötig.
Sowohl die Operation wie die Radiojodtherapie erfolgen stationär in der Klinik. Im Anschluss an beide Verfahren muss vielfach Schilddrüsenhormon verabreicht werden, weil sich nicht genau vorhersagen lässt, ob das verbleibende Schilddrüsengewebe noch ausreichend Hormone produziert, oder um eine erneute Vergrösserung des Organs zu verhindern.