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Polizei im Haus
Mein Arbeitskollege Markus war eigentlich ein patenter Kerl abgesehen von seinen Eifersüchteleien gegen mich welche wohl von einem Minderwertigkeitskomplex herrührten. Er fühlte sich im Nachteil weil er von Elektronik nicht viel verstand. Er hatte für seine Familie soeben ein schönes Häuschen gebaut in einer ländlichen Gegend, auf dem Blauen bei Basel.
Wir verkehrten ab und zu mit der Familie und besuchten uns gegenseitig. Seine Frau Lina war immer gut drauf und sie hatten auch zwei nette Kinder. Die Tochter war etwa achtzehn Jahre alt, wunderschön, mit langen blonden Haaren, wie aus dem Bilderbuch und arbeitete als Floristin. Der Sohn Franz, ein bisschen älter, war Bauzeichner und konnte hervorragend malen. Seine Bilder waren feingliederig, meistens in Pastellfarben gehalten und gefielen mir ungemein. Man hätte denken können dass nur eine Frau solche schönen und feinen Bilder malen kann.
Nun, Franz verkehrte manchmal mit ein bisschen gewöhnungsbedürftigen Freunden. Diesen Freunden waren auch Drogen kein Fremdwort wie es schien. Man trieb sich ab und zu zusammen in der Stadt herum, manchmal gab es auch Streit. Vor allem gab es oft Streit weil ein Kumpel von Franz die gleiche Freundin haben wollte und darob gerieten sie sich oft in die Haare.
Wie gesagt, wir besuchten uns öfters gegenseitig. Manchmal veranstalteten wir eine kleine Grillparty wenn das Wetter es erlaubte. Da wir aber vierzig Kilometer voneinander entfernt lebten und Markus kein Auto hatte war dies aber eher selten der Fall.
Nun, eines Tages rief und die Frau von Markus an und schluchzte am Telefon. Die Polizei hatte Franz in der Stadt festgenommen weil sie bei einer Kontrolle eine geringe Menge von Drogen in seiner Tasche fanden. Wir waren sicher dass er weder Drogen nahm noch mit Drogen handelte aber einer seiner Kumpel wollte eben die gleiche Freundin haben. Wir vermuten dass dieser ihm die Drogen untergeschoben und der Polizei einen Tipp gegeben haben. So kam es zu dieser Verhaftung. Franz kam in Untersuchungshaft und es sah nicht gut aus für ihn. Der Anwalt tat sein Bestes aber es war mit einer längeren Gefängnisstrafe von mehreren Jahren zu rechnen. Wir beratschlagten zusammen, das heisst vor allem meine Frau und Lina seine Mutter, was zu tun wäre um Franz vor dem Gefängnis zu retten. Lina besuchte ihren Sohn jeden Tag und sah wie es ihm täglich psychisch schlechter ging und so landete er nach einer Woche in der Krankenabteilung des Untersuchungsgefängnisses. Nun, die Krankenabteilung war nicht besonders gut gesichert und so gelang es Franz im Morgengrauen die Krankenstation verlassen und entwischen. Mit Hilfe eines grossen Abfallcontainers gelang es ihm die nicht allzu hohe Mauer zu überwinden und landete in einer um diese Zeit menschenleeren Gasse. Er suchte die nächste Telefonzelle auf und rief seine Mutter an. Von da an lief alles wie geplant. Lina rief meine Frau an da sie ja kein Auto besassen und diese sauste im Eiltempo in die Nähe des Gefängnisses um Franz im schmalen Gässlein aufzugabeln.
Was nun? Nach Hause konnte er nicht da ihn dort die Polizei zuerst suchen würde. Also brachte ihn meine Frau zu uns nach Hause. Wir befanden uns als Mittäter in Teufels Küche aber was sollte es. Edith verpasste ihm sogleich einen neuen Haarschnitt und eine neue Haarfarbe. Wir besorgten ihm neue Kleider, schminkten ihn ein bisschen, so dass ihn die eigene Mutter nicht mehr erkannt hätte. Seine alten Kleider entsorgten wir in einem entfernten Container der Altkleidersammlung. Nun fehlte uns nur noch ein Platz um Franz sicher zu verstecken. Der Hausfreund meiner Frau hatte ja eine abgelegene Alphütte im nahe gelegenen Jura und mit seiner Zustimmung brachten wir ihn dort unter. Wir versorgten ihn mit reichlich Lebensmittel und Getränken und ermahnten ihn, das Häuschen nur im Notfall zu verlassen und keines Falles zu telefonieren, auch nicht mit dem Prepaid-Telefon welches ich noch schnell besorgt hatte.
Die Polizei war natürlich ausser sich. Es war als hätte man einen Stock in ein Wespennest gestossen. Zuerst wurden die Eltern, dann alle anderen Bekannten befragt. Man hatte das Gefühl als suchten sie den Staatsfeind Nummer eins. Niemand wusste etwas und die Staatsdiener wurden sichtlich nervös. Zwei Tage später tauchte die Polizei bei uns auf um Franz zu suchen und dessen habhaft zu werden. Wir stellten uns so dumm wie es eben noch vertretbar war. Sie fragten ob sie sich in unserem Haus umschauen dürften. Ohne Durchsuchungsbefehl hätte ich ihrer Bitte nicht nachgeben müssen aber ich wollte sie nicht reizen also liess ich sie suchen. Wir schauten uns an, meine Frau und ich und grinsten. Wir boten den Beamten einen Kaffee an, aber nachdem sie Franz auch unter dem Sofa nicht gefunden hatten verliessen sie unser Haus unverrichteter Dinge und keineswegs besser gelaunt. Mir war klar dass nun unsere Telefone überwacht wurden und ebenso auch unsere Post. Wir mussten höllisch auf der Hut sein.
Uns war auch klar dass Franz nicht hier in der Schweiz bleiben konnte. Früher oder später hätte die Polizei ihn gefasst. Der Polizeifunk liess sich zwar mit den Radioempfängern welche wir in der Lehre gebaut hatten unter Verwendung von umgebauten Fernsehtunern leicht überwachen. Aber es war gerade die Zeit wo die Polizei auf verschlüsselte Geräte umstellte und somit waren unsere selbst gebauten Empfänger nutzlos denn Taxifunk wollte niemand hören und auch nicht den Funk der Feuerwehr.
Die Polizei hatte Franz natürlich den Pass und alle anderen Papiere abgenommen doch seinem Vater gelang es auf dem Schwarzmarkt einen Schweizerpass zu kaufen mit einem einigermassen ähnlichen Bild. Der Pass war noch nicht als gestohlen gemeldet und somit verwendbar. Mit ein bisschen Kosmetik passten wir Franz dem Passbild an, das war’s dann. Wir fuhren mit ihm über die Grenze nach Frankreich. Ich kannte einen Grenzübergang der nicht kontrolliert wurde und so fuhren wir nach Colmar. Auf dem Bahnhof kauften wir eine Fahrkarte nach Le Havre. Mehr konnten wir leider für ihn nicht tun.
Franz fuhr darauf mit der Eisenbahn den weiten Weg nach Le Havre. Dort bekam er eine Fahrkarte per Schiff nach Israel und tauchte in einem Kibbuz in Israel unter.
Zehn lange Jahre musste er dort arbeiten bis seine vermeintliche Straftat verjährt war. Ein Kontakt mit zu Hause war nicht möglich. Das Telefon wurde überwacht und die Post wurde geöffnet.
Nun, viele Jahre später ist Franz wieder heimgekehrt. Ich habe kürzlich mit ihm gesprochen, es geht ihm gut.