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27. Januar 2017
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Don Pérignon soll bevor er ins Kloster Saint Pierre d’Hautvillers (Champagne) kam auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gepilgert sein, wie dies damals von jungen Mönchen erwartet wurde. Auf dem langen Weg von Norden in den Süden Frankreichs kam er - so die Überlieferung - an der Benediktinerabtei Saint-Hilaire (in der Nähe von Carcassonne) vorbei. Hier soll auch längere Zeit gelebt haben, bevor er wieder zurück in den Norden zog.
27. Januar 2017
War Dom Pérignon in Santiago de Compostela ?
von Peter Züllig
Dom Pérignon ist nicht nur eine berühmte Champagnermarke, es ist auch der Name eines Benediktinermönchs, der um 1668 von einem Kloster bei Verdun in die Abtei Saint Pierre d’Hautvillers kam und dort vom Abt zum "Cellerar" ernannt wurde.
Nach den benediktinischen Ordensregeln ist der "Cellerar" zuständig für die wirtschaftliche Versorgung des Klosters. Da die Weinproduktion eine Haupteinnahmequelle von Saint Pierre d'Hautvillers war (das Kloster liegt in der Nähe von Reims), hatte Dom Pérignon auch die Aufsicht über die Weinproduktion, er war also de facto Kellermeister.
Soweit die historisch belegten Fakten.
Jetzt aber beginnt eine Geschichte, die ebenso gut eine Legende sein kann, oder ein Vermischen von historischem Geschehen und Vermutungen. Don Pérignon soll auch Wein als "erster zum Schäumen gebracht" und das Phänomen der Doppelgärung erkannt haben. Jedenfalls war er – mit seinen Gehilfen – vierzig Jahre lang zuständig für das Keltern und Vermarkten der klösterlichen Weine. So soll auch der «perlende Wein» entstanden sein, den wir Champagner nennen.
Diese Legende hat aber – wie alle Legenden – viele Versionen. Zum Beispiel diese:
So soll Don Pérignon bevor er ins Kloster Saint Pierre kam - er war da etwa dreissig Jahre alt - auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gepilgert sein, wie dies damals von jungen Mönchen erwartet wurde. Auf dem langen Weg von Norden in den Süden Frankreichs kam er auch - so die Überlieferung - an der Benediktinerabtei Saint-Hilaire (in der Nähe von Carcassonne) vorbei. Hier soll er auch längere Zeit gelebt haben, bevor er wieder zurück in den Norden zog.
Auch dieses Kloster im Languedoc - unweit von der spanischen Grenze - pflegte damals den Weinbau. Seit 1531 - da sind wir wieder bei geschichtlichen Fakten - wurde im Kloster Saint-Hilare auch ein Schaumwein hergestellt, den wir heute "Blanquette de Limoux" nennen.
Diesen Wein soll Don Pérignon, der hier um 1660 im Kloster war, nicht nur gekannt, sondern auch bei der Herstellung mitgewirkt haben. Hier sollen auch seine Kenntnisse und seine Liebe zum Schaumwein ihren Ursprung haben.
In Limoux – nein in ganz Südfrankreich – ist man heute noch überzeugt, dass Pierre Pérignon – später Dom Pérignon genannt – in Limoux das Handwerk gelernt und ins Kloster in Hautvillers in die Champagne mitgenommen hat.
Die Geschichte - zwischen Legende und Wahrheit - kenne ich schon lange. Wieviel daran wahr ist, weiss ich so wenig, wie alle, welche die «Don Pérignon Story» - in welcher Version auch immer – weitererzählen. Doch ich bin beim Blanquette de Limoux hängen geblieben. Habe ihn schätzen gelernt, auch wenn er nicht an der weltweiten Glorie des Champagners teilhaben kann.
Begonnen habe ich mit den drei Schaumweinen des Weinguts Antech in Limoux: dem Crémant de Limoux, Blanquette de Limoux und Blanquette Méthode Ancestrale. Eine gute Referenz, doch nur der Anfang der Suche nach guten Schaumweinen in Limoux.
Ich entdeckte Weine mit Aromen, die der perlenden Frische standhalten. Selbst die Kühle des Schaumweins kann ihnen nichts antun. Es ist wohl die Rebsorte Mauzac - nur in Südfrankreich heimisch - welche den Aromenton angibt.Der Blanquette de Limoux soll auch seinen Namen vom weissen Flaum an der Blättern des Mauzac erhalten haben. Da der AOC-Blanquette de Limoux mindestens 90 Prozent Mauzac-Trauben enthalten muss (der Crément ist eine breiter gestreute Cuvée), ist er rasch zu meinen Lieblingsperlweinen aufgestiegen: fruchtig, nicht süsslich, frisch, aromatisch, mit einem ganz speziellen "Apfeltouch".
Er entspricht meinen Vorstellungen von perlenden Weinen, die nicht aus hochtechnisierten Keller-Retorten kommen, sondern aus den Weinbergen einer Region, die ich zudem recht gut kenne.
Nur in ganz «schwachen Stunden» räume ich ein, dass der «echte» Champagner doch noch einen Zacken besser ist als der "wahre" Champagner. Nichtsdestotrotz habe ich inzwischen eine ganze Reihe von Blanquettes de Limoux kennen gelernt. Dabei bin ich bei so etwas wie einem «Hauswein» hängen geblieben. Nicht weil er der beste ist, vielleicht aber einer der ehrlichsten. Ein Wein aus Trauben eines einzigen Weinguts, eines Jahrgangs, ein Wein, der die Handschrift des Winzers – noch besser: der Winzerfamilie - trägt. Ich liebe das Persönliche an dem Wein, der, wäre er in der Champagne zuhause, längst aufbereitet und zum Luxusgut getrimmt worden, vielleicht ein paar Zacken besser, aber mit viel, viel weniger Persönlichkeit.
Soweit die Geschichte vom "falschen", "echten" oder "wahren" Champagner, Wenn Dom Pérignon vor etwa 350 Jahren wirklich bei „Jakobus dem Älteren“ in Santiago de Compostela war, muss er zumindest die Statue des heiligen Jakobus so innig geküsst haben (Brauchtum), dass im Süden Frankreichs "ein erstaunlich guter Schaumwein" entstehen konnte, nämlich der Blanquette aus Limoux, und - wenn die Legende stimmt - das stille Wirken des heiligen Jakobus durch Dom Pérignon bis hinauf in den Norden Frankreichs, in die Champagne, ausgestrahlt hat.
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