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Die Liebhabertheater-Gesellschaft seit 1810
Haben Sie gewusst, dass in Solothurn bereits vor über 350 Jahren Theater gespielt wurde? Als sich 1647 der Dreissigjährige Krieg dem Ende näherte und weite Teile Europas in Schutt und Asche lagen, ging in Solothurn die erste Theateraufführung über die Bühne. Und dies im Jesuitenkollegium bereits ein Jahr nach dessen Eröffnung! Gespielt wurde "Hiob", eine Geschichte aus dem alten Testament.
Das Theater gehörte zur Jesuiten-Kultur und stiess in Solothurn von Anfang an auf grosses Interesse. Die Aufführungen hatten innerhalb des Schuljahres ihren festen Platz. Besonders die Aufführungen zum Schulschluss bildeten ein gesellschaftliches Ereignis par excellence, bei dem die geistliche und weltliche Prominenz Solothurns sowie der Ambassador nicht fehlen durften. Sogar Programmhefte gab es schon.
In den Anfängen der Schule fanden die Aufführungen "in atrio", im Garten der Residenz statt. Auch das Kaufhaus an der Aare (Landhaus) sowie das Kornhaus wurden für das Theater bespielbar gemacht. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts liess der Rat im Gymnasium ein kleines Theater erstellen. Im Zuge der "Aussönderung" gelangte das Schul- und Theatergebäude 1802 an die Stadt, welche 10 Jahre später einen grösseren Umbau vornahm. Zuschauergalerien entstanden, welche mittels Eisensäulen toskanischer Ordnung verstrebt wurden. 1936 wurde die ganze Neobarock-Herrlichkeit abgelöst durch den weitverbreiteten "roten Opernhaus-Plüsch", wie er uns auch heute noch vertraut ist.
Auch die Liebhabertheater-Gesellschaft hat ein wenig zur Theatergeschichte Solothurns beigetragen, feierte sie doch 2010 ihr 200-jähriges Bestehen. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts beherrschte die 1810 gegründete Liebhabertheater-Gesellschaft die Bühne des Solothurner Stadttheaters. Gespielt wurde fast alles was Rang und Namen hatte, von klassischen Dramen bis hin zur blossen Unterhaltung. Es wurde auch sehr viel gespielt, so wagte man in der Saison 1816/17 beachtliche 12 Inszenierungen. Es bleibt festzuhalten, dass die LTG ihr Bestehen weitgehend dem von den Jesuiten gebauten Theaterhaus zu verdanken hat.
Es war sicher nicht immer leicht, die Theatergesellschaft zusammenzuhalten, so dass letztlich das Bestehen des schönen Stadttheaters immer wieder den Anstoss zu neuem Schaffen brachte. Weil in der Saison 1927/28 das Städtebundtheater Biel-Solothurn gegründet wurde, hatte die LTG voll auf Volkstheater umgestellt. Das Berufstheater übernahm logischerweise das Spiel in hochdeutscher Sprache. Klassische und Stücke schwierigen Inhaltes zu spielen, blieb nun nicht mehr die Aufgabe der LTG. So wurden besonders Volksstücke aus der Reihe "Heimatschutz-Theater" ausgewählt.
Mit der Beschreitung dieses Weges hat die sich die LTG ihren festen Platz in der Solothurner (und der Schweizerischen) Theaterszene gesichert. Mehrfach wurden Aufführungen der LTG auch vom Schweizer Fernsehen übertragen. Wir werden auch in Zukunft unseren Beitrag zum Theatergeschehen leisten und hoffen, dass es uns weiterhin gelingen möge, gutes und erfolgreiches Theater für Sie auf die Bühne zu bringen.