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Das Bieler Wappen erscheint erstmals Mitte des 13. Jahrhunderts auf dem Stadtsiegel. Dieses zeigt einen Mann im Waffenrock, in der rechten Hand ein Beil, in der linken ein Wappenschild mit gekreuzten Beilen. Diese Darstellung scheint ein Unikum zu sein; Personen auf Stadtsiegeln stellen üblicherweise den oder die Stadtheiligen dar. Der Historiker Heinrich Türler (1861–1933) vermutete in dieser Figur den Meier von Biel und damit den einstigen Grundherrn. Für diese These gibt es zwar keine Beweise, aber sie kann nach heutigem Forschungsstand gestützt werden. Man kann sich das folgendermassen vorstellen:
Biel war ursprünglich ein Gutshof (Fronhof) innerhalb einer Herrschaft - vielleicht der Grafen von Fenis-Neuenburg -, der von einem Meier verwaltet wurde. Aus dem Hof wurde ein Dorf. Der Meier gelangte in den Besitz der Grundherrschaft, das heisst von Grund und Boden und den Menschen, die darauf lebten. Als Herr von Biel wurde er in den Ritterstand erhoben. Um 1200 sahen sich die Herren von Biel gezwungen, ihre Herrschaftsrechte zu veräussern. Nutzniesser war der (Fürst-)Bischof von Basel. Die Herren von Biel behielten das Amt des Meiers, nun aber in der Funktion als Statthalter des Basler Bischofs.
Um 1230 erhob der Bischof das Dorf zur Stadt. An der Spitze der jungen Stadtgemeinde stand der Meier von Biel. Auf dem Siegel, dem Zeichen der städtischen Selbstverwaltung, erscheint der Meier aber nicht als bischöflicher Amtsträger, sondern als Krieger und als Vertreter der Stadtgemeinde; dies macht die Umschrift S(igillum) CONMUNITATI DE BELN deutlich. Möglicherweise sah sich der Auftraggeber (wahrscheinlich Ritter Jakob von Biel, der zwischen 1244 und 1258 das Meieramt innehatte) nach wie vor als faktischer Grundherr, weil die Grundherrschaft dem Bischof vielleicht lediglich verpfändet und nicht verkauft worden war. Wäre nämlich der Fürstbischof in Biel der Grundherr gewesen, wäre im Siegelbild ein Bischofsstab zu erwarten, wie es in anderen basel-bischöflichen Städten der Fall ist.
Aussergewöhnlich ist auch, dass ein bischöfliches Zeichen auch in späterer Zeit in der Stadt Biel nie zu finden war. Ausserdem machten die Bieler stets konsequent geltend, der Bischof hätte ihnen in Bannersachen nichts zu befehlen. Im kollektiven Gedächtnis der Bieler war das Bannerrecht ihr uraltes Eigentum; vielleicht auch das ein Hinweis darauf, dass die Herren von Biel die militärische Hoheit innehatten, welche durch sie an die Stadt überging.
Text von Margrit Wick-Werder, Historikerin