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06 Sep REZENSION | Christian Schmid: Da hast du den Salat
Hast du gewusst, dass das Mundart Wort „Taburetli“ linguistisch gesehen von der Trommel abstammt? Ja, das ist wahr, „tabouret“ heisst im Französischen „Hocker“. Und die frühe Trommelform dieses Hockers war es, die sinnstiftend für „tambour“, älter „tabour“ war, so Christian Schmid, Autor des grandiosen Sachbuches «Da hast du den Salat».
Christian Schmid ist Sprachforscher und Autor. Bis zu seiner Pensionierung 2012 arbeitete er über viele Jahre beim Schweizer Radio DRS 1 und war unter anderem Mitbegründer der Mundartsendung «Schnabelweid». Sein Interesse an der Sprache und Kultur ist immens, das spürt man auch beim Lesen dieses Buches.
Um was gehts?
In «Da hast du den Salat» widmet sich Schmid der Sprache und Kultur rund um die Küche – von damals bis heute. Er analysiert Begriffe und Redewendungen zum Küchenpersonal, zum Kochen, zur Küche an sich. Er veranschaulicht Küchengeräte, die Verwendung fanden und finden, aber auch die Zubereitungsweisen und die sprachliche Vielfalt von Speisen wie Brei und Mus, Suppe, Salat, Gemüse, Fleisch, Geflügel und Fisch.
Worte wie «sudeln» und «Sudler» kriegen in dem Momente eine neue Bedeutung, in dem Schmid den Ursprung beim Feldkoch sucht:
Weil der Sudler im Feldlager oft unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten musste und seine Küche […] kaum sauber halten konnte, wurde das Wort bereits ab dem 17. Jahrhundert vorwiegend im pejorativen Sinn gebraucht für Schmutzköche, Küchenjungen und Scheuermägde und das Verb sudeln nahm die Bedeutung «schmieren, unreinlich arbeiten» an.
Auch erklärt er beispielsweise, wie aus dem griechischen Wort «chàos» (leerer Raum) ebenfalls im 17. Jahrhundert durch den Chemiker Johan Baptista van Helmont die Bezeichnung für Gas wurde. Schmid analysiert weiter die Bedeutungen von Mundart Redewendung wie zum Beispiel «zwüsche Stüehl und Bänk sy» (weder zu den Armen, noch zu den Reichen gehören), oder wie das Wort Gemüse «rüsten» von dem Rüsten (Bereitmachen) der Wehrmacht abgeleitet ist.
In elf Kapiteln resultiert daraus ein Mix (oder auch ein Salat) aus Wortherkunft, Kulturgeschichte und Sprachanalyse.
Linguistik und Kulturgeschichte in einem
Dem Sprachforscher gelingt dabei der sichtlich schwierige Spagat: Trotz der Vielfalt und Menge an Informationen, kommt der Inhalt unterhaltsam daher. Eine beachtliche Leistung, denn die rund 280 Seiten bieten einen immensen Wissensfundus an linguistischen und kulturhistorischen Details und ich bin überzeugt, dass hinter diesem Buch unzählige Stunden Recherchearbeit stecken.
Ich finde es total spannend hinter die Kulissen von heute gängigen Begriffen zu schauen und deren Ursprünge und Verwandtschaften aufzudecken. Es ist erstaunlich, wie konkret sich die Kulturgeschichte hinter unseren heutigen Formulierungen noch verbirgt. Die deutsche Sprache hat sich in den letzten 300 Jahren stark gewandelt und dennoch hinkt sie vielerorts noch den gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher.
Ein Must-have für alles Sprachinteressierten
Ich empfehle das Buch gerne weiter: Eine anschauliche und aufschlussreiche Lektüre für alle diejenigen, welche grundsätzlich an der Deutschen Sprache und Mundart interessiert sind, aber auch für alle jene, die einfach gerne in der Küche zaubern. 🥣✨
Frage an euch: Fällt euch eine Formulierung ein, bei der die Sprache von der Entwicklung längst überholt worden ist? 🤔
Ein Beispiel: Das Licht anzünden. Heute kippen wir nur noch den Schalter, „zünden“ aber längst keine Flammen mehr an.
Ja? Dann ab in die Kommentare damit. Ich bin gespannt. 😊
* Dieses Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zugesandt. Meine Meinung ist dadurch nicht beeinflusst.