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Ein Wort, das sicher auf der Liste fürs Wort des Jahres 2020 steht, und täglich bis zum Überdruss zu hören ist, heisst Eigenverantwortung. Ich halte es gleich dreifach für falsch. Sprachlich richtig wäre Selbstverantwortung, vergleichbar den Wörtern Selbstbehauptung oder Selbstbefriedigung, denn selbst bezeichnet das handelnde Subjekt, und darum soll es ja gehen, dass in der Krise jeder als verantwortliches Subjekt sein Teil zum Ganzen beiträgt.
Eigen aber deutet wie Eigentum oder Eigensinn auf einen echten oder behaupteten Besitz. Verantwortung ist aber eine Tugend, der ich folge, und kein Besitz, den ich habe. Damit kommt zweitens die sachliche Frage: Ich denke, Verantwortung liegt immer beim Einzelnen. Massenverantwortung gibt es nicht. Der Begriff sagt es ja selbst: Verantwortung liegt bei mir als dem hinhörenden und antwortenden Wesen. Wer sich angesprochen weiss, trägt Verantwortung. Darum heisst der Appell in der Krise: Lass dich ansprechen vom Problem und verantworte, was du zur Lösung beitragen kannst!
Nun noch das Dritte: In der Demokratie delegiere ich Verantwortung an von mir gewählte Entscheidungsträger. Damit verliere ich sie aber nicht. Ich leihe sie aus auf Zeit, verkaufe sie aber nicht für immer. Oligarchen und Autokraten hätten das allerdings gern, aber genau darin sind sie keine Demokraten.