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Wer über Sprache nachdenkt, ihre Geschichte und Entwicklung verstehend erfassen möchte, muss über Grammatik und Syntax hinausschauen. Frank Weigelt gelingt auf herausragende Weise, die Weltsprache Arabisch historisch wie politisch und selbstverständlich sprachgeschichtlich zu porträtieren, so dass ein ganzer Kulturraum in seiner imposanten Schönheit sichtbar wird und vor das geistige Auge des interessierten Lesers tritt.
Das Arabische sei gleichzeitig die "Sprache des Korans" und der modernen Medien, stehe für die exotische Welt von orientalischen Märchen, für Kriegszustände und Flüchtlingsschicksale: "Für Muslime ist die Vollkommenheit der Hochsprache Beweis für die göttliche Autorität des Korans und Symbol der Einheit aller Gläubigen." Ebenso gebe es eine Reihe von regionalen Dialekten und spezifischen Eigenheiten, einen großen Reichtum an Literatur und Dichtungen. Einfluss genommen habe das Arabische auch auf die spanische und portugiesische Sprache, bedingt durch die Feldzüge muslimischer Truppen im 8. Jahrhundert. Eine spezifische Variante, die im Arabischen verwurzelt ist, wird auf der Insel Malta in latinisierter Form gesprochen.
Nicht alles, was sich mit dem Arabischen verbindet, gehöre in die "Sphäre des Islam", doch das Arabische sei vor allem auch die "Sprache des Gebets". Die Beziehung zur Religion könne "nicht innig genug" gedacht werden: "Die meisten Sprecher des Arabischen, über 90 %, verstehen sich als Muslime, und alle arabischsprachigen Länder sind je in ihrer eigenen Weise vom Islam geprägt." Das Arabische ist die Sprache des Korans, somit untrennbar mit der göttlichen Offenbarung verbunden, und lässt sich somit als "heilige Sprache" begreifen. Weigelt legt die "beachtliche Kontinuität" der Schriftsprache dar. Die Gelehrten waren bestrebt, das Arabische in der "reinsten Form" zu bewahren.
Arabisch zu lernen ist eine Herausforderung und komplexe Aufgabe, da das "alltägliche Eintauchen in die Sprache" nahezu ausgeschlossen bleibt: "Zu den linguistischen Faktoren kommt der kulturelle Abstand zwischen westlicher und arabischer Welt hinzu, der sich nicht zuletzt in bedeutenden Unterschieden in der Kommunikationsstruktur zeigt. Je besser man die rein technische Seite der Sprache beherrscht, desto höher werden die Ansprüche in diesem Bereich. Mit welchen Augen man die Realität sieht, was man wie zum Ausdruck bringt, worüber diskutiert wird und was unausgesprochen bleibt, was als interessant empfunden wird und was auf Befremden stößt, was als unhöflich und was als ungehörig gilt – all das ist nicht nur im Vergleich zwischen westlicher und arabischer Kultur, sondern auch von Land zu Land und von Person zu Person höchst unterschiedlich." Arabisch zu lernen sei mühevoll, aber mit der Sprache werde ein Kulturraum erschlossen, der ohne die Grundkenntnisse der Sprache weitgehend verschlossen bleibe: "Vor allem aber gibt die arabische Sprache unmittelbar Zugang zu den Menschen. Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Araber sind legendär, und noch immer wird, wer auch nur wenige Worte Arabisch kann, mit Begeisterung empfangen."
Muslime begreifen auch heute die "Sprache des Korans" als "einzigartig und unübertrefflich" in Bezug auf "Schönheit und Kraft". Der Koran sei als "Gottes Wort" gut und schön: "In ihm ist der Höhepunkt aller göttlichen Offenbarung erreicht, die sich in der bestmöglichen aller sprachlichen Gestalten präsentiert." Eine "gute Ausdrucksweise", die sich mit dem Hocharabischen verbindet, gehöre im Islam zu den "Normen des guten Verhaltens" und sei damit eine "ethische Pflicht", nicht nur religiös gebildete Menschen, sondern auch für Akademiker, Journalisten, Politiker und Personen des öffentlichen Lebens.
Frank Weigelt bietet weitaus mehr als eine Einführung in die Form und Gestalt der arabischen Sprache in diesem lesenswerten Band. Er hat einen kenntnisreichen und reichhaltigen Überblick vorgelegt, der dazu beiträgt, den arabischen Kulturraum und die Welt des Islam besser zu verstehen.