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Denken westliche Menschen an Kung Fu, dann sind es häufig cineastische Bilder voller Akrobatik, die ihnen einfallen. Dieses Bild wurde nicht nur massgeblich von Wuxia-Filmen geprägt, sondern auch von Modern Wushu (was wiederum natürlich auch Wechselwirkung mit sich bringt.) Modern Wushu ist, wie der Name schon sagt, kein traditionelles Kung Fu und hat seine Wurzeln im zwanzigsten Jahrhundert zu Zeiten Mao Tse Tungs.
Entstehung
Im Westen des zwanzigsten Jahrhunderts galten Chinesen als klein und schwächlich. Kein Wunder, waren doch die Menschen westlicher Reiche in ihrer Physiologie allgemein gross und muskulös. Die chinesische Regierung unter Mao Tse Tung strebte deswegen danach, diesen Ruf zu verändern und besann sich auf die alte, romantische Tradition der Kampfkünste. Die wahren Künste wurden jedoch von den traditionellen Meistern eifersüchtig gehütet, wussten sie doch aus der Geschichte des Kung Fu, dass Verfolgung und Ablehnung sich immer wiederholt hatte. Sie waren oft gebildet und hatten einen selbstständigeren und fortschrittlicheren Denkansatz als ein Grossteil der zu grossen Teilen verarmten Bevölkerung. Nicht umsonst waren viele Meister in das britisch kontrollierte Hong Kong geflohen und genossen dort westliche Rechte.
Die Regierung wusste entsprechend nur wenig von den Kampfkünsten. Um dem entgegenzuwirken, gründete sie einen Sportverein und organisierte Turniere. Die besten Meister sollten ihre Künste dann in diesen Verein einfliessen lassen. (Unter anderen gewann Chiu Kow in mehr als einem Jahr das Turnier.)
Der Sport, der aus der Zusammenführung dieser Künste bestand, wurde 1959 von der chinesischen Regierung offiziell anerkannt und auch finanziell gefördert. Modern Wushu ist bis heute der offizielle, chinesische Volkssport. Er ist für jeden zugänglich, anders als der oft teure Unterricht in den Schulen des traditionellen Kung Fu.
Lerninhalt
Während sich die traditionellen Künste darauf konzentrieren, effiziente Kämpfer hervorzubringen, demonstrieren Modern-Wushu-Praktizierende Athletik, Eleganz, Körperbeherrschung und Stärke. Der Fokus der entwickelten Formen (Taolu) wurde auf Schönheit und Ästhetik gelegt, während Effizienz vernachlässigt wurde. Auch Meditation, Qigong und philosophische, bzw. religiöse Aspekte haben keinen Platz in der öffentlichen Demonstration chinesischer Kraft.
Zudem kennt Modern Wushu die Disziplin Vollkontakt (Sanda, häufig auch Wushu Sanda). Die Regeln sind diesbezüglich sehr ähnlich denen des sportlichen Lei-Tai-Wettkampfs.
Gradierungen
Anders als in den traditionellen Künsten wurde für Modern Wushu eine klare Struktur der Graduierungen definiert. Diese unterteilt die Ausbildung in:
1.-3. Duan: So werden Schüler mit mehrjähriger Erfahrung graduiert. Es sind die sogenannten Grundstufen-Duan.
4.-6. Duan: Diese ‚Mittelstufen-Duan’ sind für bereits unterrichtende Praktizierende vorgesehen, welche mindestens seit zehn Jahren selber lernen und trainieren. Zudem müssen Schüler ab dem fünften Duan auch wissenschaftlich arbeiten, zum Beispiel Veröffentlichungen nachweisen.
7.-10. Duan: Ab dem siebten Duan dürfen sich Praktizierende Grossmeister nennen. Diese Graduierungen sind die ‚Oberstufen-Duan‘ und sehr erfahrenen Lehrern / Meistern mit überdurchschnittlichen Leistungen vorbehalten.
Disclaimer
Ich bin selbst keine Modern Wushu-Praktizierende und was ich hier niederschreibe, basiert einzig und allein auf Textrecherchen. Dieser Artikel dient einer groben Übersicht. Gerne lasse ich mich von Praktizierenden belehren oder korrigieren.