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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Viertes Buch
35. Kapitel: Über den angeblich verschiedenen Ursprung der einzelnen Schriftsteilen
4.
Durch die Schriftstellen über die Ankunft Christi widerlegt, lassen sie einiges von dem höchsten Prinzip gesprochen sein; welches aber diese Stellen sind, darüber sind sie sich nicht einig und geben verschiede Auskunft. Wenn nämlich jemand der Probe halber einzeln ihre Leuchten über irgend eine Stelle befragt, dann wird er finden, daß der eine die fragliche Stelle auf den Propator, d. h. den Bythos, bezieht, der andere auf den Uranfang, d. h. den Eingeborenen, der andere auf den Allvater, d. h. das Wort, wieder ein anderer auf einen der Äonen im Pleroma, noch andere auf Christus oder den Heiland. Wer aber unter ihnen schlauer ist, der schweigt erst lange und bezieht es dann auf den Horos, ein anderer auf die Sophia im Pleroma, ein anderer auf die Mutter außerhalb des Pleroma, ein anderer auf den Demiurgengott. So groß sind unter ihnen die Verschiedenheiten, so verschieden die Meinungen über dieselben Schriftstellen! Liest du ihnen eine und dieselbe Stelle vor, so krausen alle die Augenbrauen, schütteln das Haupt und erklären, daß diese einen sehr tiefen Sinn habe und nicht alle die Tiefe des Ausspruches verstehen könnten, darum sei Stillschweigen die wichtigste Sache für den Weisen. Die obere Stille nämlich müsse durch das Stillschweigen bei ihnen abgebildet werden. Dann machen sich alle davon, so viele ihrer sind, tragen so gewichtige Meinungen mit sich herum und nehmen ihren Scharfsinn mit sich in diese Verborgenheit. Werden sie also einmal unter sich über den Sinn der Schriften einig sein, dann werden sie auch von uns widerlegt werden. Bis dahin aber widerlegen sie in ihrer Torheit sich selbst, indem sie über dieselben Worte nicht übereinstimmen.