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Am 21.4.2022 publizierten Wissenschaftler*innen der Russischen Akademie der Wissenschaften (wissenschafltiche Publikation) einen neuen Weltrekord bei Fledermäusen. Um Überwinterungsgebiete zu finden, markierten sie am 25.7.2009 in Borok im Nordwesten Russlands neben anderen Fledermausarten auch Rauhautfledermäuse (Pipistrellus nathusii), welche für ihre langen Migrationsdistanzen bekannt sind. Sie gingen davon aus, dass die Tiere den kommenden Winter im südlichen Kaukasus verbringen würden. Umso erstaunlicher war die Fundmeldung eines knapp einjährigen Weibchens vom 26.9.2009 aus Lully, einem Dorf nahe der französischen Seite des Genfersees, welches 2486 km Luftlinie weit entfernt liegt. Da Fledermäuse während der Migration oft dabei beobachtet wurden, wie sie Küstenlinien sowie Wasserlinien folgen, dürfte die effektiv geflogene Distanz über 3'000 km betragen!
Rauhautfledermäuse (Pipistrellus nathusii) gehören zusammen mit den Abendseglern (Nyctalus sp.) sowie den Zweifarbfledermäusen (Vespertilio murinus) zu den Langstreckenziehern. Sie sind dafür bekannt, dass sie über 1’000 km zwischen Sommer- und Winterquartieren zurücklegen. Ob es sich bei der hier dokumentierten Distanz um einen Regelfall oder eher eine Ausnahme handelt, lässt sich nicht sagen. Denn bisher wurden nur gerade drei beringte Tiere in der Umgebung des Fundes gefunden, die, wie auch die Anfangs Winter bei uns in die Fledermaus-Notpflegestation eingelieferte Rauhautfledermaus (Bericht), alle in Deutschland beringt wurden und somit eine Distanz von ‘nur’ 700 – 900 km zurückgelegt hatten.
Effektive Flugrouten zu bestimmen ist bei Fledermäusen ein sehr kompliziertes Unterfangen. Aufgrund des geringen Gewichts der Fledermäuse sind GPS-Sender oft viel zu schwer (Gewicht Rauhautfledermaus: 4.5-12 g). Einiges leichter sind Mini-Sender, deren Signal mit einem Radioempfangsgerät empfangen werden können und so z. B. zum Aufspüren von Fledermausquartieren dienen. Allerdings haben diese lediglich eine Reichweite von 25-250 m sowie eine Batteriedauer von wenigen Tagen. Armspangen auf denen die Beringungszentrale mit genaueren Informationen zum Tier vermerkt ist, sind langlebig. Zum Ablesen müssen die Tiere aber wiedergefangen werden und da die Finger-, Hand- und Armknochen mindestens einseitig von Flughaut umfasst sind, besteht die Gefahr das Tier durch die Armspange zu verletzen. Weniger belastend sind subcutane Chips, wie wir sie von Hunden und Katzen kennen. Nach aktuellem Wissensstand beeinträchtigen sie die Tiere nicht. Dafür sind sie unauffällig und werden so von Finder*innen nicht gemeldet. Zudem benötigt man ein spezielles Lesegerät, um die Informationen abzulesen.
Glücklicherweise entwickelt sich die Technik immer weiter. Und vielleicht erhalten wir schon in wenigen Jahren neue Erkenntnisse über die nach wie vor unbekannten Migrationsrouten unserer Fledermäuse!