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Wenn ein Berner namens Chatelain in Bern telefoniert, so sagt die Person am anderen Ende des Drahts «grüessech, Herr Chatelain». Wenn aber derselbe Chatelain nach Zürich telefoniert, so hört er «Grüezi, Herr Schattler». Der Name Chatelain ist dort nicht geläufig. Die Zürcher lernen halt später Französisch als die Berner.
Wobei zuzugeben ist, dass die Berner im Vorteil sind, weil im Franz-Buch «Bonne Chance» die Familie Chatelain vorkommt. Sie schreibt sich dort jedoch Châtelain und nicht Chatelain. Die feudalen
Châtelains aus Genf setzen auf das A ein «Hausdach». Da kann der Berner Chatelain nicht mithalten. Er ist ein Bauer aus dem Berner Jura. Mit oder ohne Circonflexe hört man Gott sei Dank am
Telefon nicht.
Nun wollen also die Thurgauer das Frühfranzösisch abschaffen. Den Chatelain beschleicht das quälende Gefühl, künftig beim Telefonieren in den Osten des Landes seinen Namen schon bei der Begrüssung buchstabieren zu müssen. Aufgrund fehlender Erfahrungswerte ist freilich nicht einwandfrei zu belegen, wie der Thurgauer heute dank dem Frühfranzösisch den Chatelain begrüssen würde. Telefonate nach Frauenfeld oder Weinfelden finden so gut wie nie statt. Die Redaktionskollegin aus Steckborn TG ist jedoch sicher, dass es die Chatelains schon heute schwer haben. Im Lehrbuch «On y va» sei nur von einem René die Rede, dem Cousin de Genève.
In Zürich nehmen übrigens immer häufiger Deutsche das Telefon ab. Sie sagen nie Schattler. Sie fragen nochmals nach dem Namen und sagen schön melodiös: Ah, Herr «Schatöläääh». Im Vergleich dazu wirkt das bernische «Schatlää» schon fast vulgär.
Erschienen in der BZ am 1. September 2014