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Titel
Sardonagruppe
(Kt. Glarus, Graubünden und St. Gallen). Lage und Ausdehnung. Diese Gebirgsgruppe umfasst den östlichsten Teil der nördl. Hochgebirgskette der Schweizeralpen und ihrer voralpinen Abzweigungen. Sie ist fast ringsum durch tiefe Thäler von den benachbarten Gebirgsgruppen abgegrenzt. Im N., O. und S. wird sie durch die breite und tiefe Furche des Walensee-, Seez- und Rheinthales, die in Form eines gewaltigen Halbkreises die Gebirgsgruppe umspannt, von der Gruppe der Thuralpen, dem Rätikon und Plessurgebirge getrennt und im W. durch das Linththal, das Sernfthal, den Panixerpass und das Panixerthal von der Tödigruppe geschieden.
Von ihrer 131 km langen Umgrenzung werden 115 km durch
Thäler gebildet, deren
Sohle unter 1000 m liegt;
auf eine Länge von 80 km liegt sie sogar unter 600 m. Nur im SW. beim
Panixerpass hängt die
Sardonagruppe direkt mit dem
benachbarten Gebirge zusammen. Die in der Streichrichtung der
Alpen vom
Panixerpass nach
Ragaz verlaufende Längsachse misst 35 km,
die Querachse, die durch eine in der Richtung
Chur-Weesen verlaufende Linie dargestellt wird, 44 km. Die
ganze Gebirgsgruppe bedeckt eine Fläche von 927 km2.
Orographie.
Obschon die Sardona, nach der die Gebirgsgruppe benannt ist, ziemlich exzentrisch in deren sw. Teil liegt und überdies von einem andern Gipfel, dem Ringelspitz, an Höhe wesentlich übertroffen wird, verdient sie doch als Knotenpunkt der ganzen Gruppe angesehen zu werden, da deren Hauptketten alle von diesem Gebirgsstocke ausstrahlen. Die Hauptkammlinie, die vom Panixerpass über Vorab, Sardona und Graue Hörner nach Ragaz verläuft, bildet die Wasserscheide zwischen dem Rhein einerseits und der Linth und Seez andererseits.
Vom
Panixerpass bis zum
Piz Segnes ist sie zugleich die Grenze zwischen den Kantonen Glarus
und Graubünden,
während diese ö. vom
Piz Segnes nicht mehr jener Wasserscheide, sondern dem
Kamm der
Ringelspitz- und Calandakette folgt. Eine zweite Hauptkette,
die von der
Sardona nordwärts über
Magereu und
Schild gegen das W.-Ende des
Walensees sich erstreckt, stellt die Grenze
zwischen den Einzugsgebieten der
Linth und der
Seez dar. Von der
Sardona bis zum
Gufelstock ist sie auch die Grenze zwischen den Kantonen Glarus
und St. Gallen.
Die
Sardonagruppe wird durch eine in der Streichrichtung der
Alpen liegende Einsenkung, die von
Elm durch das
Raminthal,
über den
Foopass und durch das
Weisstannenthal bis nach
Mels verläuft, in zwei Teile von verschiedenem
Charakter zerlegt. Südl. von dieser Furche liegt als östl. Fortsetzung der Tödikette ein echtes Hochgebirge mit Gipfeln,
welche 3000 m überragen oder dieser
Höhe nahekommen; nördl. davon erreichen nur wenige Gipfel noch eine
Höhe von 2500 m,
und gegen den
Walensee hin nimmt das Gebirge bereits einen voralpinen Charakter
an.
A. Der südliche, hochalpine Teil der
Sardonagruppe
wird durch Thäler und Passeinschnitte wieder in 5 Abschnitte zerlegt: den Vorab, die Sardona, die Ringelspitzkette, die Grauen Hörner und den Calanda.
Die westlichste dieser Berggruppen ist die breite, wenig gegliederte Masse des
Vorab. Sie beginnt ö.
von der Einsenkung des
Panixerpasses (2407 m) mit einem schmalen
Grat, auf dessen W.-Ende der Rotstock oder
Piz Mar (2626 m)
sitzt, und verbreitert sich ostwärts zu einem 2 km breiten, leicht nach S. geneigten
Plateau, an dessen Rändern sich die
wenig vortretenden Gipfel erheben: im W. der Bündner
Vorab (3030 m) und der
Glarner
Vorab (3021 m), am
N.-Rand die zackigen
Zwölfihörner (2743 m) und im O. der
Ofen (2881 m) und der
Piz Grisch (2893 m). Das
Plateau ist mit dem
Bündnerbergfirn bedeckt, der die ausgedehnteste Eismasse der ganzen
Sardonagruppe ist, jedoch keinen
eigentlichen
Thalgletscher zu bilden vermag.
Gegen den Segnespass (2625 m) hin verschmälert sich das Plateau rasch wieder zu einem schmalen Kamm, der mit den nadelartig zugespitzten Tschingelhörnern (2850 m) gekrönt ist. Die beiden Hauptabdachungen der Vorabkette sind wie diejenigen der Tödikette sehr unsymmetrisch ausgebildet: während die Kette nach N. mit imposanten Steilwänden gegen den Hintergrund des Sernfthales abstürzt, ist die gegen das Vorderrheinthal gerichtete S.-Abdachung auffällig flach und durch mehrere Thälchen (Panixerthal, Sethertobel, Schleuisertobel, Val Buglina, Laaxertobel) in eine Reihe von Bergrücken gegliedert, deren wellig gerundete, von vielen Bächen durchfurchte Abhänge meist bis zu oberst mit Alpweiden bedeckt sind.
Jenseits des Segnespasses setzt sich die Hauptkammlinie in der Sardona fort. Sie verbreitert sich zwischen dem Piz Segnes (3102 m) und dem Saurenstock oder Piz Sardona (3054 m) zu einem firnbedeckten Plateau, das jedoch bei weitem nicht die Breite des Vorabscheitels erreicht. Nordwärts sinkt sie über den scharfen, zackigen Grat der Grossen und der Kleinen Scheibe (2922 m und 2561 m) zum Foopass (2229 m) hinunter, und südwärts hängt sie über die Pyramide des Trinserhorns (3028 m) und den Piz Dolf (etwa 3000 m) mit der breiten, fast ringsum von steilen Wänden eingefassten Kalktafel des Flimserstein (2696 m) zusammen, an deren S.-Fuss sich die grosse Bergsturzlandschaft von Flims ausbreitet.
Wie beim Vorab wird der gegen das Sernfthal gekehrte NW.-Abhang durch mächtige Steilwände gebildet, während die gegen das Thal von Flims gerichtete S.-Abdachung und der ins Calfeisenthal abfallende O.-Abhang eine geringere durchschnittliche Neigung besitzen. Daraus erklärt sich auch, dass die Gletscher ganz auf diesen S.- und O.-Abhang beschränkt sind (Segnesgletscher zwischen Piz Segnes und Trinserhorn, Sardonagletscher im Hintergrund des Calfeisenthales).
An der Sardona nehmen eine Reihe von Thälern ihren Ursprung, so dass sie als Knotenpunkt der ganzen Gebirgsgruppe erscheint. Zunächst erzeugt das Tamina-Calfeisenthal, das sich von O. her tief in den Gebirgskörper eingeschnitten hat, eine Gabelung der Hochgebirgskette in zwei Zweige, welche sich den Rang, als eigentliche Fortsetzung der Hauptkette gelten zu dürfen, streitig machen: die Ringelspitzkette und die Kette der Grauen Hörner.
Die Ringelspitzkette schliesst sich mit dem Trinserhorn an die Sardona an und erstreckt sich in fast rein ö. ¶
mehr
Richtung bis nach Vättis und zu dem merkwürdigen Querthal des Kunkelspasses. Die durch die Erosion bewirkte Gliederung ist
hier reicher als in der Vorab- und Sardonakette. Wir beobachten daher auf der Kammlinie kein Scheitelplateau mehr, sondern
einen durch zahlreiche Breschen in scharf individualisierte Zacken und Gipfel zerlegten Grat. Ziemlich
in der Mitte desselben erhebt sich sein höchster Gipfel, der Ringelspitz (3251 m), der zugleich der Kulminationspunkt der
ganzen
Sardonagruppe ist. W. davon stehen das Glaserhorn (3128 m), das Tristelhorn (3115 m), der Piz Sax (2793 m) und eine Reihe
namenloser Gipfelpunkte; ö. vom Ringelspitz sinkt die Kette über die Orgeln (2693 m) und den Simel (2350
m) zu dem vom Gorbsbach durchflossenen Kunkelsthal ab. Sehr auffällig ist auch hier die unsymmetrische Gestalt der beiden
Flanken des Gebirges.
Der gegen das Calfeisenthal gerichtete, von zahlreichen verästelten Runsenzügen durchfurchte N.-Abhang ist viel steiler als der S.-Abhang, in den eine Reihe von schönen Thälchen eingeschnitten sind, die gegen das Vorderrheinthal und das Thal von Kunkels sich senken. Die Felsgrate, die diese Thälchen trennen, weisen noch manche ansehnliche Gipfel auf, so den aussichtsreichen Tschepp (2943 m) und den Moorkopf (2943 m). Da ausgedehnte Hochflächen fehlen, ist die Vergletscherung trotz der bedeutendern Gipfelhöhe geringer als in der Sardonakette. Neben einigen unbedeutenden Firnflecken treffen wir hier nur zwei nennenswerte kleine Gletscher, den Taminsergletscher an der SO.-Flanke des Ringelspitz und den Glasergletscher auf der N.-Seite von Glaserhorn und Tristelhorn.
Die Kette der Grauen Hörner hängt durch den rauhen Muttenthalergrat mit der Sardona zusammen und erfüllt den ganzen weiten Raum zwischen dem Calfeisen-Taminathal und dem Weisstannenthal. Ihre Gipfelhöhe ist zwar durchschnittlich geringer als diejenige der Ringelspitzkette, aber ihre Hauptkammlinie setzt die Richtung der Vorab-Sardonakette direkt fort und besitzt eine grössere Längenausdehnung als die Ringelspitzkette. Vor allem aus ist die Gruppe der Grauen Hörner aber durch ihre reiche orographische Gliederung ausgezeichnet.
Eine Menge von kleinen Thälern, die oft selbst wieder verzweigt sind, haben sich vom Weisstannenthal und vom Tamina-Calfeisenthal her in die weichen Flyschschiefer, welche diese Hörner grösstenteils aufbauen, eingeschnitten, so dass nun zahlreiche Felsgräte, die sich vielfach wieder in Seitenäste gabeln, vom Hauptkamm ausstrahlen. Die wichtigsten jener Thälchen, die meist einen zirkusförmigen Hintergrund besitzen und durch eine enge, oft ungangbare Schlucht ins Hauptthal ausmünden, sind auf der Seite des Weisstannenthals das Thal von Lavtina und Valtüsch und das Thal von Vermol, auf der Seite des Calfeisen- und Taminathales die Thäler von Tersol, Gelbberg, Calvina und Zanay.
Durch die Runsenzüge, welche die Seitenhänge dieser Thäler durchfurchen, sind die Gräte in zahlreiche Hörner zerlegt worden. Die wichtigsten Gipfelpunkte des Hauptkammes sind von W. nach O. der Hangsackgrat (2649 m), der Zinerspitz (2510 m), das Sazmartinhorn (2848 m), der Gelbistock (2682 m) und der Piz Sol oder Pizol (2849 m), der zentrale Kulminationspunkt der ganzen Kette. Unter den Seitenästen ragt besonders der Kamm der Zanayhörner (2825 m) hervor, deren Verzweigungen der Drachenberg (2625 m), der Aelplikopf (2619 m) und der Monteluna (2425 m) angehören. Die Grauen Hörner besitzen ein einziges kleines Gletscherchen, den Pizsolgletscher in der vom Pizsol nordwärts gegen den Wildsee hinuntersteigenden Mulde. Nach NO. nimmt das Gebirge rasch an Rauhheit ab und sinkt mit sanft geneigten Abhängen, die mit ausgedehnten Wäldern und Alpweiden bedeckt und in den tiefern Lagen mit vielen Siedelungen überstreut sind, gegen das st. gallische Rheinthal ab.
Die fünfte hochalpine Kette, der Calanda, wird durch das Taminathal und den Kunkelspass (1351 m) von den
beiden eben besprochenen Ketten völlig abgetrennt. Ihre nach NNO. gerichtete Kammlinie konvergiert gegen Ragaz mit dem Hauptkamm
der Grauen Hörner und steht fast rechtwinklig zur Ringelspitzkette. Sehr auffällig ist auch hier die für die ganze
Sardonagruppe
charakteristische Erscheinung, dass der gegen das Innere der Gruppe gerichtete Abhang viel steiler ist
als die gegen ihre Peripherie gewendete Abdachung. Im Gegensatz zu den Grauen Hörnern ist die Calandakette sehr wenig gegliedert.
Die zahlreichen Bachrinnen, welche den ins Tamina-Kunkelsthal abfallenden Steilhang durchfurchen, erweitern sich, abgesehen vom Gonschirolatobel, in ihrem Sammelgebiete nicht zu kleinen Thälchen, und auf der gegen das Bündner Rheinthal gekehrten flachen SO.-Abdachung bringt blos das bei Untervaz sich öffnende kleine Val Cosenz einige Abwechslung in die Gleichförmigkeit des breiten, mit Wald und Weide bedeckten Abhangs. Der geringen Durchthalung wegen fehlen der Kette imposante Gipfelformen. Die am meisten hervortretenden Punkte sind der Taminser Calanda (2393 m), der Felsberger Calanda (2700 m) und der Haldensteiner Calanda (2808 m).
B. Der n. vom Foopass liegende,
zum Teil schon voralpinen Charakter tragende Abschnitt der
Sardonagruppe stellt ein in zahlreiche Ketten verästeltes Bergland
dar, das den ganzen Raum zwischen dem Sernf- und Linththal im W., dem Walensee-Seezthal im N. und dem Weisstannenthal
im S. erfüllt. Durch das zum Walensee absteigende Murgthal, die Widersteinerfurkel und das ins Sernfthal einmündende Mühlebachthal
wird es in zwei Gruppen zerlegt, in einen grössern ö. Teil, die Spitzmeilen- oder Magereugruppe, und einen kleinern w. Teil,
die Schild-Mürtschenstockgruppe.
Die Hauptkette der ersten Abteilung zweigt beim Foopass von der Sardonakette ab und erstreckt sich in fast rein n. Richtung über den Foostock (2610 m), die Riesetenhörner (2159 m), den Faulenstock (2118 m), das Weissgandstöckli (2491 m), den Spitzmeilen (2505 m) und den Weissmeilen (2483 m) bis zum Magereu (2528 m). Hier gabelt sie sich in zwei Zweige, welche die O.-Seite des Murgthales einrahmen; nach W. reicht sie über den Goggeien (2353 m), das Ruchsitenstöckli (2391 m) und das Rottor (2514 m) bis zur Widersteinerfurkel, und nach N. sinkt sie über den Gulmen (2314 m), den Breitmantel (2259 m), den Sexmor (2190 m) und die Güslen (1836 m) allmählig zum Walensee hinunter. Da die Kaminlinie dem Sernfthal viel näher liegt als dem Seez-Walenseethale, ist die W.-Abdachung steiler als die NO.-Abdachung, und die Seitenketten, die gegen das Sernfthal ausstrahlen, sind durch schärfere Gratbildung und ausgeprägtere Gipelformen ausgezeichnet als die gegen das Seezthal verlaufenden Bergketten.
Die diese Seitenäste voneinander trennenden Thäler, nämlich auf der W.-Seite das Raminthal, das Krauchthal und das Mühlebachthal und auf der O.-Seite das lange, bei Mels ausmündende Weisstannenthal, das bei Flums ins Seezthal eintretende Schilzbachthal und das zwischen den beiden letztern liegende kleine Thal des Kohlschlagbaches besitzen alle einen auffällig zirkusförmigen Hintergrund und sind, mit Ausnahme des Raminthales, namentlich dadurch ausgezeichnet, dass über dem Steilhang, der diesen Zirkus bildet, sich eine breite, wellige, oft mit kleinen Seen ¶
Sardona-, Sihl- und Tœdigruppe
Lief. 170
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Verlag von Gebrüder Attinger, Neuenburg.
^[Karte: 6° 40’ O; 47° 0’ N; 1:000]
MCE. Borel & CIE. NEUCHÂTEL
V. ATTINGER SC.
SARDONA-, SIHL- UND TŒDIGRUPPE ¶
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geschmückte Terrasse ausbreitet, über der sich; dann die Gräte und Gipfel erheben. Am auffälligsten zeigt diese Erscheinung das Schilzbachthal, dessen in drei weite Kessel geteilter Hintergrund von einer 15 km langen und stellenweise fast 2 km breiten Terrasse umsäumt wird. Von den Gipfeln der Seitenketten erwähnen wir den Blattengrat (2248 m) und den aussichtsreichen Fahnenstock (2168 m) in der Kette zwischen Raminthal und Krauchthal, den Gulderstock (2522 m) zwischen Krauchthal und Mühlebachthal, die Faulegg (2459 m) und die Guscha (2412 m) zwischen Weisstannenthal und Schilzbachthal und den Brodkamm (2009 m) n. vom Schilzbachthal.
Die Hauptkette der Schildgruppe erscheint als Fortsetzung der vom Magereu westwärts zum Rottor ziehenden Kette. Sie beginnt w. der Widersteinerfurkel (2014 m) mit dem Gufelstock (2436 m) und zieht sich parallel zum Linththal nordwärts über das Schwarzstöckli (2312 m), den dreigipfligen Schild (2283 m, 2302 m, 2310 m) und die Pyramide des Fronalpstocks (2127 m) bis zum Neuenkamm (1906 m). Im s. Teil, im Gebiet des Gufelstocks, treten im Niveau von 1800-2200 m nochmals die ausgedehnten, welligen Plateaux auf, die uns im Magereugebiet aufgefallen sind.
Gegen das Linththal fällt die Kette, ohne sich in deutliche Seitenäste zu verzweigen, im S. steil, im N. mit sanftern, terrassierten Gehängen ab. Oestl. vom Schild dagegen wird der Gebirgskörper durch das auf das Murgthal ausmündende Thal der Mürtschenalp und die gegen den Walensee absteigenden Thälchen des Thalalpsees, des Meerenbachs und des Rötibaches in mehrere kurze Ketten zerlegt, von denen die zwischen dem oberen Murgthal und der Mürtschenalp liegende, von der Schildkette durch die Murgseefurkel (2002 m) getrennte Verrucanokette des Silberspitz (2234 m) und die ö. vom Kessel des Thalalpsees sich erhebende wilde Kalkmauer des Mürtschenstocks (2442 m), in der die Schildgruppe ihren Kulminationspunkt besitzt, die bedeutendsten sind. Die Ketten verflachen sich wie diejenigen der Magereugruppe nordwärts und sinken mit schönen Terrassen gegen den Walensee ab.
Zahlreiche Passübergänge verbinden die Thäler der
Sardonagruppe sowohl unter sich als auch mit den Hauptthälern am Rande
der Gebirgsgruppe; jedoch besitzt kein einziger derselben eine fahrbare Strasse. Von den Uebergängen über die Hochgebirgskette
im S. ist der östlichste, der Kunkelspass (1351 m), der aus dem Taminathal ins Bündner Rheinthal führt,
der tiefste und bequemste, der mittlere, der Segnespass (2625 m), der Elm im Sernfthal mit Flims im Vorderrheinthal verbindet,
der höchste und mühsamste, der an der W.-Grenze der
Sardonagruppe liegende Panixerpass (2407 m) der wichtigste, da er die
beste Verbindung zwischen dem Linthgebiet und dem Bündner Rheinthal bildet.
Wiederholt ist schon der Wunsch aufgetaucht, es möchte über diesen Pass eine Strasse gebaut werden. Eine Reihe von leicht gangbaren Pässen führen aus dem Linthgebiet über die von der Sardona nordwärts sich erstreckende Hauptkette ins Seez-Walenseethal hinüber, nämlich der Foopass (2229 m) aus dem Raminthal ins Weisstannenthal, der Riesetenpass (2188 m) aus dem Krauchthal ins Weisstannenthal, der Schönegg- oder Spitzmeilenpass (2210 m) aus dem Krauchthal ins Schilzbachthal und die Widersteinerfurkel (2014 m) aus dem Mühlebachthal ins Murgthal und an den Walensee.
Unter den Pässen, die über eine Seitenkette hinüber zwei benachbarte Seitenthäler verbinden, sind zu erwähnen: auf der bündnerischen Abdachung der Hauptkette die Ranasker Furka (2233 m), die das Panixerthal mit dem obersten Abschnitt des Sethertobels verbindet;
die Sagenser Furka (2385 m), die s. vom Vorab aus diesem Sethertobel in die Alp Sagens hinüberführt;
die Furka (2351 m), die zwischen Trinserhorn und Flimserstein aus dem Thal von Flims in dasjenige der Alp Rusna führt;
die Trinser Furka (2489 m), über die man zwischen Trinserhorn und Piz Sax aus dem Thal von Rusna in den Hintergrund des Calfeisenthals gelangt;
im Gebiet der Grauen Hörner der Heidelpass (2397 m), der zwischen Hangsackgrat und Seezberg liegt und das Calfeisenthal mit dem Weisstannenthal verbindet, und die Furggla (2577 m), die aus dem Thal von Calvina in dasjenige von Tersol hinüberführt;
in der Mürtschengruppe die Murgseefurkel (2002 m) zwischen Murgthal und Mürtschenalp, die Mürtschenfurkel (1848 m) zwischen Mürtschenalp und Thalalp und der Fronalppass (1850 m), der zwischen Schild und Fronalpstock aus dem Linththal in das Thal von Spannegg- und Thalalpsee fährt.
Stratigraphie.
Da das Zentralmassiv des Finsteraarhorns ö. vom Tödi rasch in die Tiefe sinkt, treten die krystallinen Gesteine in unserer
Gebirgsgruppe nirgends mehr zu Tage; sie ist auch in ihren Hochgebirgsketten ganz aus Sedimentgesteinen aufgebaut. Der älteste
Vertreter derselben ist der Verrucano, der als Aequivalent der Karbon- und Permformation zu betrachten
ist und wohl in keinem andern Teile der Alpen, sowohl was die horizontale Verbreitung als die vertikale Mächtigkeit anbetrifft,
so reich entwickelt ist wie in der
Sardonagruppe.
Sein Verbreitungsgebiet zerfällt in drei Zonen: eine nördl. Zone in der Magereugruppe zwischen Sernfthal und Seezthal, wo er mehr als 1000 m Mächtigkeit erreicht und ganze Berge fast völlig aus diesem Gesteine aufgebaut sind; eine südl. Zone im Bündner Rheinthal, wo er eine aus dem Thalgrund aufsteigende Decke über die sanft geneigten Abhänge der Vorab-, Ringelspitz- und Calandakette bildet, und eine mittlere Zone, wo er mützenartig auf den höchsten Gipfeln und Gräten sitzt. Im Gebiet des Vorderrheinthals und namentlich im Murgthal und n. Sernfthal tritt er als rotes Konglomerat auf, im Magereu- und Sardonagebiet wird er vorwiegend durch weiche, seidenglänzende, rotviolette oder grüne Schiefer repräsentiert. Als östlichster Ausläufer des grossen Eruptivgesteinslagers des Kärpfgebiets treten am Gulderstock und am Vorab Melaphyr und andere Eruptivgesteine im Verrucano auf.
Die Trias gliedert sich in den gelblichweiss oder rötlichgelb anwitternden Rötidolomit, dessen mittlere Schichten oft als Zellendolomit (Rauhwacke) ausgebildet sind, und den kirschroten Quartenschiefer. Diese Gesteine gewinnen namentlich in der Schild- und Magereugruppe als normale Decke über dem Verrucano grosse horizontale Verbreitung und treten im Landschaftsbild ihrer lebhaften Farbenkontraste wegen auffällig hervor. Nach der Vansalp im Hintergrund des Schilzbachthales ist der Rötidolomit früher auch Vanskalk genannt worden. Am Weissmeilen und Gipsgrat ist die Rauhwacke gipshaltig.
Der Lias tritt einzig im Magereugebiet zwischen Murgthal und Weisstannenthal auf, fehlt dagegen in der Schildgruppe zwischen der Trias und den jüngern Jurabildungen gänzlich. Er erreicht am Magereu, am Weissenberg und Guscha eine Mächtigkeit von 300 m und besteht aus eisenschüssigen Sandsteinen, Quarziten, rauhen Kalken, die oft von Quarzkörnern und Dolomitsplitterchen durchschwärmt sind u. Belemniten, Cardinien u. Echinodermenreste enthalten, u. aus weichen Mergelschiefern, die oft an Flyschschiefer erinnern. Er bildet sehr auffällige Gebirgsformen, steile gebänderte Felswände (Magereu, Guscha) oder zerrissene, schwierig zu erkletternde Türme (Spitzmeilen, Gulderstock, Sexmor).
Der Dogger ist im Magereugebiet durch Abtragung fast ¶