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Aus meiner Sommerlektüre. Der legendäre Religionsphilosoph Alvin Plantinga fasst zwei Schulen von Kant-Interpretationen zusammen. Die traditionelle:
(Diesem) traditionellen Bild zufolge vertrat Kant die Ansicht, es gebe zwei Reiche von Gegenständen, zwei grundverschiedene Arten von Dingen. Da seien einerseits die Phänomena und andererseits die Noumena — hier die Dinge an sich und dort die Dinge für uns. (12)
(Der) phä-nomenale Bereich (wird) irgendwie aus dem Gegebenen, den Daten, dem Rohstoff der Erfahrung von uns konstruiert wird. Der noumenale Bereich dagegen ist nicht in dieser Form von uns abhängig, sondern ist außerdem so beschaffen, dass wir keine Anschauung, keine unmittelbare Erfahrung von ihm haben. (13)
Die zweite (neuere):
Diesem anderen Bild zufolge gibt es eigentlich doch keine zwei Welten, also nicht eine Welt der Phänomena, der eine davon verschiedene Welt der Noumena zugrunde liegt. … Alle Gegenstände sind eigentlich noumenale Objekte, und äußerungen über Phänomena sind lediglich bildlich formulierte Aussagen darüber, wie uns die Noumena — also die einzigen wirklich existierenden Dinge — erscheinen. … Eine Erscheinung ist kein mentales Sinnesdatum, sondern ein äußerer Gegenstand, so wie wir ihn kennen. Das Ding an sich hingegen ist der Gegenstand unabhängig von unserer diesbezüglichen Erkenntnis. (14)Alvin Plantinga. Gewährleisteter christlicher Glaube. De Gruyter: New York/Berlin, 2015.
Schon am Anfang kündigt Plantinga an:
Der britische Philosoph David Hume etwa schreibt mit einer gewissen Oberflächenklarheit, die bei genauerem Hinsehen leider verschwindet. Bei Kant hingegen sind gute und schlechte Nachrichten zu vermelden: Die gute Nachricht besagt, dass uns diese Enttäuschung erspart bleibt. Die schlechte Nachricht lautet: Das liegt daran, dass es von vornherein keine Oberflächenklarheit gibt.