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Es ist in diesen Wochen ruhig geworden auf den Schweizer Strassen, Schienen, Flugplätzen und Seen. Einmal mehr wird augenscheinlich, wie sehr das wirtschaftliche Leben mit dem Verkehr zusammenhängt. Das war schon immer so. So hat die Schweizer Wirtschaft just dann zum grossen Sprung angesetzt, als neue Verkehrssysteme entstanden. Den Anfang machte dabei die Dampfschifffahrt. Auf dem Vierwaldstättersee, auf dem seit dem 28. März 2020 sämtliche Schifffahrt eingestellt ist, war es Casimir Friedrich Knörr (1808–1882), der 1837 das erste Dampfschiff vom Stapel liess.
Gut informierter Geschäftsmann
Am 12. Mai 1808 wurde Casimir Friedrich Knörr als Sohn des Luzerner Banquiers Frédéric Knörr in Strassburg geboren. Er leitete ab 1828 das väterliche Bank- und Handelshaus in Luzern. Schon länger war in der Politik die Rede von einer Schiffsverbindung quer über den Vierwaldstättersee als direkte Verbindung zwischen Basel und dem Tessin. Dies hatte Casimir Knörr aufmerksam verfolgt, und er begann ab etwa 1832 die Frage der Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee zu überdenken.
Eile mit Weile
Knörr suchte nach Geldgebern weit über Luzern hinaus bis nach Basel und liess dann ein Schiff bei «Escher Wyss & Cie.» in Zürich bauen. Dies dauerte seine Zeit, denn die Schweizer Maschinenindustrie konzentrierte sich damals noch auf Textilmaschinen. Erst die Dampfschifffahrt und später die Eisenbahn haben die Maschinenindustrie zum führenden Wirtschaftsbereich gemacht. So mussten Mitte der 1830er Jahre Kessel und Maschine des Dampfschiffs aus England hergebracht werden.
Der eiserne Koloss gegen die hölzernen Nauen
Nachdem der Grosse Rat des Kantons Luzern 1835 dem erst 27-jährigen Knörr die Konzession für die Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee erteilt hatte, wurde ein Jahr später die «Dampfschifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees, Luzern» gegründet und am 19. Juli 1837 fand der Stapellauf des Schiffes statt, welches vermutlich erst später den Namen «Stadt Luzern» erhielt. Damit wurde das Transportwesen auf dem Vierwaldstättersee auf den Kopf gestellt. Der eiserne Koloss mit einem Frachtvermögen von 10 Tonnen und Platz für 300 Personen war für die Schiffleute mit ihren Nauen eine unerträgliche Konkurrenz. Insbesondere in Schwyz und Uri entstand, auch politisch bedingt, Widerstand, der sogar vor Gericht ausgetragen wurde.
Harter Konkurrenzkampf
Casimir F. Knörr liess sich nicht beirren, sondern 1843 ein zweites Dampfschiff mit dem Namen «St. Gotthard» vom Stapel laufen. Im selben Jahr gründete der Urner Verkehrspionier Karl Emanuel Müller die Postdampfschiffgesellschaft als erklärtes Konkurrenzunternehmen. Schliesslich wollte in den 1850er Jahren eine weitere Gesellschaft auf dem Vierwaldstättersee mitmischen. Als die Schweizerische Centralbahn 1856 nach Luzern vorstiess, beabsichtigte sie den Verkehr mit eigenen Schiffen Richtung Gotthard weiterzuleiten. Doch die bestehenden Gesellschaften von Knörr und Müller verhinderten dies, indem sie die beiden von der Centralbahn bestellten Schiffe erst pachteten und schliesslich kauften.
Salondampfschifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees
Im Jahre 1870 wurden alle Unternehmungen auf dem Vierwaldstättersee zur «Vereinigten Dampfschifffahrts-Gesellschaft des Vierwaldstättersees (VDGV)» zusammengefasst. Knörr verfolgte aber weiterhin eigene Interessen. Er verkaufte, wohlgemerkt als amtierender Verwaltungsrat der VDGV, während des Sommers 1871 einen grossen Teil seiner Aktien und gründete die «Salondampfschifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SDV)». Das Ansinnen war aber nur von kurzer Dauer. Nach langen Verhandlungen verkaufte er 1872 die beiden bereits bestellten Salonschiffe und verpflichtete sich, nie mehr eigene Schifffahrtsunternehmen auf dem Vierwaldstättersee zu gründen.
Am 19. März 1882 verstarb Casimir Friedrich Knörr in Luzern.
Mehr über Casimir Friedrich Knörr erfahren Sie im Pionierband 89 «Transport und Tourismus. Pioniere der Dampfschifffahrt».