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Die Tragödie mit dem jungen Mann im Trentino, der von einer Bärin zerfleischt wurde, wirft ein Schlaglicht auf die verantwortungslose Grossraubtierpolitik im heutigen Europa. Schon unsere Vorfahren wussten um die extreme Gefährlichkeit dieser Raubtiere. Das bestätigen auch aktuelle Studien. Überall wo Bären frei herumstreifen, gibt es etliche Verletzte und Tote, ohne Ausnahmen. Wenn also jetzt auch noch Bären in die Schweiz einfallen, gehören sorglose Freizeitaktivitäten in unserer wunderschönen Natur definitiv der Vergangenheit an.
Studie zu weltweiten Bärenattacken
Eine Studie aus dem Jahr 2019 analysierte 664 weltweite Braunbärattacken (siehe Abbildung 1), welche im Zeitraum 2000 bis 2015 stattgefunden hatten (Bombieri et al. 2019).
Die für die Studie ausgewerteten 664 Fälle sind nur ein Teil der weltweiten Braunbärattacken im genannten Zeitraum. Denn einerseits berücksichtigte die Studie nur diejenigen, welche für ihre Analysen auswertbare Daten lieferten. Und andererseits waren die Autoren aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage, mit ihrer Recherche alle weltweiten Attacken vollständig zu ermitteln. So fehlen u.a. alle Daten aus Russland. Die Autoren bestätigen jedoch, dass dort die meisten Bären leben, und damit auch die meisten Attacken stattfinden. Über die tatsächliche Anzahl Braunbärattacken gibt die Studie also keinen Aufschluss, es sind weitaus mehr als die 664 analysierten Fälle.
Abbildung 1: Obige Darstellung aus Bombieri et al. 2019 zeigt die Lage der weltweiten Angriffsorte. Die Studie berücksichtigte nur einen Teil aller Angriffe aus verschiedenen Regionen, wie dem Westen (Nordamerika, mit 183 berücksichtigten Angriffen), Europa (291) und dem Osten (190). Übrigens ist in der Karte unten rechts gut zu erkennen, wo sich der europäische Bärenhotspot bzw. die Karpaten befinden 🙁
Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie
Die Auswertung der 664 Datensätze aus dem Zeitraum 2000 bis 2015 von Bombieri et al. ergab folgendes.
- Die meisten Attacken erfolgten tagsüber während der Sommermonate.
- Bei 99% der Angegriffenen handelte es sich um Erwachsene, und in 88% der Fälle wurden Männer angefallen (siehe auch Punkt 4, in welchen Situationen die Angriffe erfolgten).
- Bei 85.7% der analysierten Angriffe wurde das Opfer verletzt, 14.3% endeten tödlich.
- Die weitaus meisten Attackierten gingen einer Freizeitaktivität nach (50% der Fälle; Wandern, Joggen, Pilze oder Beeren sammeln etc.). In 28% der Fälle erfolgte die Attacke während einer Arbeitstätigkeit (Landwirtschaft, Holzwirtschaft) und 22% der Fälle traten während der Jagd auf. Wobei Angriffe während der Jagd vorwiegend in Schweden, Finnland und Alaska vorkamen.
- Die meisten Attacken bei den untersuchten Fällen entfielen auf Rumänien, die Slovakei und Türkei (131 bzw. je 54). Setzt man die Anzahl Attacken ins Verhältnis zur Bärenpopulation, so kamen die meisten Angriffe pro Bär in Polen, der Slovakei und Italien vor.
- Die meisten Todesopfer waren in Rumänien (11) und der Türkei (11) zu beklagen.
- Bei 47% der Fälle griff eine Bärin mit Jungen an. In 20% der Fälle geschah der Angriff bei einer plötzlichen Begegnung, in 17% der Fälle hatte der Angegriffene einen Hund dabei, und nur bei 5% der Fälle handelte es sich offenbar um einen prädatorischen Angriff.
Die weitaus meisten Attacken kamen gemäss der Studienautoren in Russland vor, wo auch die grösste Braunbärpopulation lebt. Leider haben sie dazu keine Daten analysiert bzw. publiziert. Bombiere et al. stellten im weiteren fest, dass die Anzahl Vorfälle insgesamt weltweit stark ansteigend ist. Dies wegen der ständig wachsenden Bärenpopulationen bzw. deren zunehmendes Eindringen in die Kulturlandschaft.
Fazit
Braunbären sind äusserst gefährlich und nicht im geringsten vom Aussterben bedroht. Nur schon in Europa leben über 16’000 Tiere. Das sind weitaus mehr, als für deren Arterhalt nötig wäre. Das Ziel der Berner Konvention, ihre Art zu erhalten, ist mehr als erfüllt. Zusätzliche Vermehrungsgebiete müssen unbedingt verhindert werden. Vor allem in der für Bären besonders ungeeigneten dicht besiedelten und genutzten Kulturlandschaft Mitteleuropas. Massive Konflikte sind – wie bei den Wölfen – vorprogrammiert. Nicht nur in Bezug auf Haustiere, Bienenstöcke und andere Leckerlis. Sondern vor allem in Bezug auf die Sicherheit von Menschen. Jedes menschliche Opfer ist eines zu viel.
PS: In den Medien melden sich selbstverständlich wieder die Besserwisser der Grossraubtierlobby. So sagte Herr Uwe Friedel, Experte für Wolf und Bär beim Bund Naturschutz (BN) in Bayern, gegenüber dpa, er könne die Sorgen der Menschen vor einer Begegnung mit einem Braunbären nachvollziehen. Gleich nach diesem unglaublich einfühlsamen Sätzlein schiebt er folgendes nach, was von der NZZ 1:1 übernommen wird: «Letztlich ist die Zecke beim Wandern jedoch die viel grössere Gefahr. Und die Unfallgefahr im Strassenverkehr ist alltäglich.» Was der gute Mann nicht erwähnt: es gibt Abermillionen Zecken, und Millionen von Autos in unserem Lebensraum. Gäbe es ebensoviele Bären, dann könnten wir uns nur noch schwer bewaffnet oder gar nicht mehr ins Freie getrauen … Ganz abgesehen davon, dass es „birreweich“ ist, einen Zeckenstich mit einem Bärenangriff zu vergleichen. Soviel zu diesen selbsternannten Experten, die von Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik ebensowenig verstehen, wie von Anstand.
Referenzen
Bombieri, G., et al., (2019), Brown bear attacks on humans: a worldwide perspective, scientific reports, nature 9.