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Wie die NZZ in ihrer Ausgabe vom 3. Mai 2005 schreibt, hat der ins Visier der Aufsichts- und Justizbehörden geratene Versicherungskonzern American International Group (AIG) weitere Buchhaltungsfehler und Bewertungsirrtümer zugegeben und eine Korrektur der Bücher für die letzten fünf Jahre angekündigt. Gleichzeitig wurde die Publikation des Geschäftsberichtes für 2004 zum dritten Mal verschoben. Die weiter laufenden internen Abklärungen erlaubten die Veröffentlichung des Berichts kaum vor Ende Mai, hiess es in einer 11-seitigen Erklärung des Unternehmens.
Durch die Korrekturen dürfte der Buchwert der Gruppe um 2.7 Mrd. $ oder 3.3% geschmälert werden. Bisher hatte AIG die notwendige Anpassung nur auf 1.77 Mrd. $ veranschlagt. Von der neuen Gesamtsumme betreffen 2 Mrd. $ “Buchhaltungsfehler”, die Gegenstand der Ermittlungen des New Yorker Staatsanwalts Eliot Spitzer, der Securities and Exchange Commission (SEC), der Versicherungsaufsicht des Gliedstaates New York sowie des US-Justizministeriums sind. Die restlichen 700 Mio. $ hängen mit der Neubewertung von Steuergutschriften und Akquisitionskosten zusammen. Umgekehrt führt die neue Erfassung von Hedge-Positionen per Ende Jahr zu einer Erhöhung des Buchwertes um 2.4 Mrd. $, aber dieser Effekt soll nur vorübergehend sein. Ohne auf Details einzugehen, stellt AIG fest, dass künftig die neue Erfassung von Derivaten zu erheblichen Ertragsschwankungen führen werde. AIG erklärte weiter, dass ihr Revisor, PricewaterhouseCoopers, eine negative Erklärung zu den internen Kontrollen abgeben werde. In dem Communique wird an mehreren Stellen darauf verwiesen, dass die internen Kontrollen vielfach versagt hätten bzw. von früheren Managern absichtlich umgangen worden seien.
Die Manager werden nicht genannt, aber es steht ausser Zweifel, dass damit der frühere Chairmann und CEO Maurice Greenberg sowie der entlassene Finanzchef Howard Smith gemeint sind. Spitzer schloss Strafklagen gegen einzelne Personen nicht aus. Auch PricewaterhouseCoopers befindet sich in einer unbequemen Lage, hatte sie doch sämtliche Abschlüsse stets beglaubigt.
Die bisherigen Enthüllungen machen deutlich, dass bei AIG innovative Buchführung zur Schönung der Zahlen gepflegt wurde. Experten sind zwar meist der Ansicht, dass es sich nicht um Bilanzbetrug in grossem Stil wie im Falle von Enron oder WorldCom handelte, sondern um das Polieren wichtiger Kennzahlen in schwachen Quartalen. Neben fragwürdigen Rückversicherungsgeschäften und dem vorzeitigen Erfassen von Prämieneinnahmen wurden auch die Ergebnisse von kurzfristigen Spekulationsgeschäften manipuliert oder als Investmentgewinne deklariert. Seit die Ermittlungen Mitte Februar eingeleitet wurden, ist der Aktienkurs von AIG um rund 30% gefallen.
Innovative Buchführung zur Schönung der Zahlen oder das Polieren wichtiger Kennzahlen in schwachen Quartalen geht gar nicht.