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Exakt um 3:18 Uhr morgens ist das olympische Feuer am Dienstag (3.) in den brasilianischen Luftraum eingetreten. Empfangen worden ist es mit einem vom Militärgeschwader in den Himmel “gezeichneten“ Herzen, einer Friedenszeremonie, Jubel und einem Fest vor dem Kongress in der Hauptstadt Brasília.
“Einen sehr guten Tag. Hier ist LATAM 9751, olympischer Geist an Bord…“ Mit diesen Worten hat sich der Pilot des Flugzeuges beim brasilianischen Tower gemeldet. Als Antwort bekam er: “Latam 9751, die Luftfahrt heißt das in den brasilianischen Luftraum eintretende olympische Symbol willkommen. Auf dass die Flamme nicht nur die Eroberungen des Sieges repräsentiert, sondern auch für Wettkämpfe des Friedens steht, die Union und die Freundschaft zwischen den Nationen.“
Im Palácio do Planalto hat Präsidentin Dilma Rousseff die Lampe mit der Flamme entgegen genommen und mit den Worten “Somos todos olímpicos, somos todos Brasil“ (Wir sind alle olympisch, wir sind alle Brasilien“ schließlich die olympische Fackel zum ersten Mal in der Geschichte auf südamerikanischen Boden angezündet.
Nachdem bei der feierlichen Entzündungszeremonie in Griechenland als erster Brasilianer Giovane Gávio die olympische Fackel über eine Teilstrecke getragen hat, ist sie am Dienstag von Rousseff an die Volleyballspielerin und zweifache Olympiasiegerin Fabiana Claudino übergeben worden. Sie und weitere 142 Männer, Frauen und Jugendliche haben sie auf dem 105 Kilomter langen Weg durch den Hauptstadtdistrikt getragen.
Unter den Trägern waren olympische Medaillenträger, wie der Marathonläufer Vanderlei Cordeiro de Lima, der 2004 in Athen von einem religiösen Fanatiker zu Boden gerissen wurde und dennoch die Bronzemedaille erzielt hat. Der mit der Fields-Medaille ausgezeichnete Mathematiker Artur Ávila Cordeiro de Melo, Surfweltmeister Gabriel Medina und die zwölfjährige Hanan Khaled Daqqah, die mit ihren Eltern aus Syrien geflüchtet ist und nun in São Paulo lebt, waren weitere Teilnehmer des Fackellaufes durch die Hauptstadt.
Der hat unter einem Hochaufgebot an Sicherheitskräften und im Beisein von hunderten Zuschauern an etlichen Wahrzeichen Brasílias vorbei geführt, wie dem Memorial dos Povos Indígenas, an dem Kamukaiká Lappa vom Volk der Yawalapíti für die Übergabe der Fackel vorgesehen war. Getragen wurde sie zudem von etlichen paralympischen Athleten, wie dem blinden Marathonläufer Adauto Belli.
Die Fackel ist nicht nur zu Land getragen worden. An der Brücke Juscelino Kubitschek hat sich ein Militärpolizist mit ihr abgeseilt, sie an dem in einem Motorboot warteten Segler Felipe Rondina übergeben. Sie wurde ebenso schwimmend, in einem Kanu, per Rad und im Rollstuhl transportiert. In das Stadion Mané Garrincha hat sie ein Hubschrauber gebracht.
Gegen 22 Uhr ist sie schließlich auf der vor der Esplanada aufgebauten Bühne angekommen. Dort wurde unter Beteiligung der Mosambikanerin und Witwe Nelson Mandelas, Graça Marchel, dem Ex-Athleten Joaquim Cruz sowie Repräsentanten der internationalen Friedensuniversität und der United Religions Initiative ein feierlicher Friedensakt durchgeführt. Darüber hinaus gab es dort bereits seit dem Nachmittag bis in die Nacht hinein Konzerte von verschiedenen brasilianischen Musikern und Bands.
In den nächsten 95 Tagen wird die olympische Fackel nun als Hinweis auf die bevorstehenden Spiele 327 Städte in allen Regionen Brasiliens durchreisen. In 83 Städten sind große Evente geplant. Etwa 12.000 Menschen werden sie getragen haben, bis sie am 5. August im berühmten Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro zur Eröffnungsfeier der olympischen Spiele ankommt.
Die Gefahr, dass Fackellauf und Olympiade durch die angespannte politische Lage und Demonstrationen gestört werden könnten, sieht der Präsident des olympischen Komitees, Thomas Bach, nicht gegeben. Er sei zuversichtlich, dass die brasilianische Bevölkerung die Ehre der olympischen Flamme als Symbol der Toleranz und der Nicht-Dikriminierung respektieren werde, so Bach, der in der Olympiade ein einendes Element sieht.
Beim Start des Fackellaufes in Brasília selbst gab es zwar eine kleine Demonstration von Gegnern und Fürsprechern der Regierung Dilma Rousseffs, abgesehen von einem kleinen Tumult ist es jedoch zu keinen weiteren Zwischenfällen gekommen.