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Fabian Luca
Fabian Luca
still geboren in der 34. SSW
am 5.März 2003
Gewicht: 2460 g
Länge: 42 cm
Als ich im Dezember 2000 meinen Mann heiratete, brachte ich eine vierjährige Tochter mit in die Ehe. Für uns war klar, dass wir noch ein gemeinsames Kind wollten. Bereits im Oktober 2001 kam nach einer problemlosen Schwangerschaft und einer kurzen, sehr schönen Geburt unsere Tochter Michelle auf die Welt.
Bald darauf stellte sich der Wunsch nach einem weiteren Kind ein, da der Altersunterschied der beiden Mädchen doch beträchtlich war. Es sollte unser letztes Kind sein. Alles lief perfekt. Ich wurde sofort wieder schwanger. Wie nicht anders erwartet, verlief die Schwangerschaft problemlos. Ich fühlte mich fit und gut. In der 31. SSW erfuhren wir, dass wir einen Jungen erwarteten. Nach den beiden Mädchen freuten wir uns riesig auf unseren Sohn, unseren Fabian. Sorgen machten wir uns keine, wir freuten uns einfach über jede Bewegung in meinem Bauch und planten unsere Zukunft zu fünft.
Am 1. März 2003 besichtigten wir nochmals den Gebärsaal. Meiner grossen Tochter zeigte ich die Badewanne, in der ihre Schwester Michelle zur Welt kam und in der ich hoffte, auch Fabian zu gebären.
Am Abend des 4. März 2003 hatte ich etwas Bauchschmerzen. Ich war nicht allzu beunruhigt, da ich an eine leichte Verstopfung dachte.
Dann begann der schlimmste Tag meines Lebens. Auch am Morgen des 5. März 2003 hatte ich noch leichte Bauchschmerzen. Gegen Mittag wurden sie immer schlimmer. Ich legte mich hin und wartete, bis meine grosse Tochter Nathalie aus der Schule nach Hause kam. Dann raffte ich mich auf, um etwas einfaches zu Mittag zu kochen.
Ich ging zur Toilette. Plötzlich begann ich zu bluten. Ich versuchte Fabian zu provozieren indem ich auf den Bauch drückte. Es kam keine Reaktion. Voller Panik rief ich meinen Mann an, der ausgerechnet an diesem Tag geschäftlich auswärts zu tun hatte. Er beruhigte mich und riet mir, sofort im Spital anzurufen.
Die Hebamme sagte mir, ich könnte zu einem Untersuch vorbeikommen. Meine Nachbarin erklärte sich sofort bereit, auf meine beiden Mädchen aufzupassen. Als ich mir die Schuhe anzog, wurde mir plötzlich schwarz vor Augen. Im Spiegel sah ich, dass ich kreideweiss war. Mir war bewusst, dass etwas nicht mehr in Ordnung war mit mir. Doch was in den nächsten Stunden geschah, hätte ich mir in den schlimmsten Träumen niemals so ausgemalt.
Meine Nachbarin fuhr mich sofort selbst ins Spital, als sie meinen Zustand sah. Sie beruhigte mich mit den Worten, dass das Kind in der 34. SSW ja überlebensfähig sei, wenn es denn zur Geburt kommen sollte.
Als ich den Gebärsaal betrat, fühlte ich mich sicher und in guten Händen. Die Hebamme hörte die Herztöne ab. Sie sagte, sie wolle das Ultraschallgerät und die Ärztin holen, da die Herztöne des Kleinen doch sehr schwach seien. Später sagte sie mir, dass sie nur meine Herztöne gehört habe.
Die Ärztin sass lange schweigend vor dem Ultraschallgerät. Ich sah mein Kind, es bewegte sich nicht. Hinter dem Kind waren grosse schwarze Flecke. Da sagte die Ärztin das sieht nicht gut aus. Ich wollte wissen, was denn das heisse. Sie sagte ich denke ihr Kind ist tot. Die Nachricht traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
Ich weiss nicht, wie lange ich nein schrie und weinte. Das konnte doch nicht wahr sein. Ich sah meinen runden Bauch, fühlte mit der Hand nach meinem Kind und konnte nicht glauben, dass es nicht mehr leben sollte. Die Hebamme holte mein Natel, damit ich meinen Mann informieren konnte. Unter Schluchzen konnte ich nur immer wieder er ist tot, unser Fabian ist tot hervorbringen. Die Hebamme nahm mir das Natel ab und redete mit meinem Mann. Er war bereits auf dem Weg zum Bahnhof. Zweieinhalb Stunden Zugfahrt trennten uns voneinander. Ich hätte ihn in diesem Moment so sehr gebraucht.
Nun kam die nächste Hiobsbotschaft. Die Flecke, die ich auf dem Ultraschallgerät gesehen hatte, waren Blutdepots. Ich blutete sehr stark im Bauchraum. Plötzlich ging es um mein Leben, meine Blutwerte waren bereits miserabel. Noch bevor ich den ersten Schock über den Tod unseres Jungen verdaut hatte, wurde ich schon für den Kaiserschnitt bereit gemacht. Ich fühlte mich so völlig leer und allein.
Der Kaiserschnitt wurde in Teilnarkose durchgeführt. Zweimal wurde mir während der Operation übel und ich musste mich übergeben. Ich kämpfte gegen die Ohnmacht. Ich spürte das Rucken und Zerren an meinem Bauch und dachte nur, dass kannst nicht du sein, die hier liegt. Die Ärzte hatten Mühe die Blutungen zu stoppen, das Blut wollte nicht mehr gerinnen. Ich hatte sehr viel Blut verloren, es ging mir ziemlich schlecht. Die Operation erlebte ich wie durch einen Nebelschleier, ich starrte zur Decke und fühlte mich hilflos und leer.
Nach der Operation wurde ich zurück in den Gebärsaal geschoben. Ich war mir nicht sicher, ob ich mein totes Kind sehen wollte. Doch als mein Mann weinend aus dem Gebärsaal kam und er sagte unser Fabian sei so süss musste ich ihn einfach sehen. Die Hebammen hatten ihn liebevoll in ein Körbchen gebettet. Kaum hatte ich einen ersten Blick auf unseren Jungen geworfen, wurde ich auch schon wieder weg in die Intensivüberwachung geschoben.
Endlich hatten wir Zeit, die wir mit unserem Kind verbringen konnten. Fabian sah genauso aus wie seine Schwester Michelle nach der Geburt. Fabian, warum durftest du nicht leben? Die Frage nach dem Warum liess uns nicht mehr los, die Frage, die uns niemand beantworten kann. Fabian, ich hätte so gerne deine Stimme gehört, dir in die Augen gesehen, deinen warmen Körper gespürt. Du warst doch einen Tag zuvor noch so voller Leben in meinem Bauch.
Aber unser Sohn lag nur ganz still da, sah aus, als würde er nur schlafen und jeden Augenblick die Augen öffnen.
Ich war so froh, dass jetzt mein Mann bei mir war und wir gemeinsam trauern konnten. Die Hebamme machte Fotos, das einzige was uns für die Zukunft von unserem Kind übrigbleibt. Mein Mann zog mit der Hebamme unserem Kind jenen Strampelanzug an, mit dem wir es nach der Geburt nach Hause nehmen wollten. Ich war von der Operation noch ganz benommen, hatte meinen Sohn im Arm und konnte mich noch nicht einmal aufsetzen um ihn mir ganz genau anzusehen.
Der Grund, warum Fabian so früh sterben musste war eine vorzeitige Plazentaablösung. Die Ärzte konnten uns keine Erklärung abgeben warum so etwas passieren konnte. Die Plazenta wurde zwar untersucht, aber auch das ergab kein Resultat. Unter 1000 Schwangerschaften gebe es eine, die durch diesen Vorfall beendet werde. Warum musste ausgerechnet unser Kind dieses Schicksal erleiden? Die nächste Frage tauchte auf: Hätten wir unseren Sohn retten können, wenn wir bereits am Dienstagabend ins Spital gegangen wären? Fabian, wir vermissen dich so sehr.
Am nächsten Tag besuchten uns meine Eltern mit unseren beiden Töchtern und wir nahmen endgültig Abschied von unserem geliebten Sohn.
Aus dem Spital wurde ich vorzeitig entlassen, ich wollte nach Hause zu meinen beiden Mädchen und meinem Mann. Es war ein wunderschöner Frühlingstag. Warum nur musste ich das Spital ohne mein Kind verlassen?
Daheim legte ich unter Tränen die ganzen Babykleidchen weg, alles war schon bereit für unser Kind. Wieviel Schmerz und Verzweiflung kann denn ein Mensch ertragen?
Am 14. März 2003 war die Beerdigung. Sie fand im engsten Familienkreis statt. Der weisse Sarg sah so winzig aus. Fabian, warum liegst du dort drin statt in meinen Armen? Wir hätten dir doch so viel Liebe schenken wollen.
Der Friedhof in unserem Dorf liegt nur ein paar Gehminuten von unserem Haus entfernt. Seit der Beerdigung habe ich meinen Engel täglich besucht. Es ist leider das einzige, was ich für ihn tun kann. Der Gedanke, dass sein kleiner Körper da tief unter der Erde liegt macht mich beinahe verrückt. Ich vertraue jedoch fest darauf, dass es ihm gut geht da wo er jetzt ist. Vielleicht hat er schon Freundschaft geschlossen mit den vielen anderen Engelskindern.
Das einzige was mich etwas positiv in die Zukunft blicken lässt ist die Hoffnung auf ein weiteres Kind. Ich will so bald als möglich wieder schwanger werden. Es ist mir bewusst, dass es mir meinen Fabian weder ersetzen noch zurückbringen kann. Aber ich will das erleben dürfen, was mir durch Fabians unerwarteten Tod so plötzlich genommen wurde: mein Baby in den Armen halten, es stillen, ihm Liebe schenken und es aufwachsen sehen.
Leider werde ich die nächste Schwangerschaft nicht so unbeschwert geniessen können, die Verlustangst wird ein ständiger Begleiter sein.
Danken möchte ich zum Schluss den Ärzten und Schwestern des Spitals Flawil, die mich während des Klinikaufenthaltes so gut betreut haben und den Hebammen, die uns wirklich sehr über die erste schwere Zeit geholfen haben. Sie haben uns immer wieder dazu ermuntert unseren Sohn anzusehen und ihn zu halten. Sie hätten unseren Fabian nicht liebevoller behandeln können wenn er gelebt hätte!
Fabian Luca, du bist ein Teil unserer Familie, in unseren Herzen wirst du immer erhalten bleiben. Wir lieben dich. Du fehlst uns sehr.
Dein Mami, dein Papi, Nathalie und Michelle.