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Kammermusik-Matinee 7
Die Akademistinnen und Akademisten der Saison 2021/22 in Kammermusik-Formation
Die Akademistinnen und Akademisten der Saison 2021/22 in Kammermusik-Formation
Arthur Honegger (1892 – 1955)
Concerto da Camera, H. 196 für Flöte, Englischhorn und Streicher
Alexej Gerassimez (* 1987)
«Asventuras» für Snare Drum
Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Quintett G-Dur für zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass, op. 77
Was machen Sie, wenn Sie eine avantgardistische Revolution umsetzen wollen, auch wenn ihr Land gerade einen Weltkrieg verloren hat und unter einer katastrophalen Pandemie leidet? Zielpublikum definieren, Propaganda planen, eigene Marke stärken und ähnliche Dinge, die wir heute so gut können? Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern und ihre Mitstreiter taten im Jahr 1918 das Gegenteil: Sie gründeten einige Tage nach der Implosion der k.u.k. österreich-ungarischen Doppelmonarchie und inmitten der zweiten Welle der katastrophalen Spanischen Grippe-Pandemie den «Verein für musikalische Privataufführungen», dessen Zweck es war, Werke aller musikalischen Avantgarden zum Klingen zu bringen, zu verstehen und von ihnen zu lernen. Gespielt wurde, in Bergs Worten: «Alles, was Physiognomie hat»; stilistische Grenzen gab es nicht. So zeichnen sich die 117 Programme, die der Verein in den drei Jahren seines Bestehens durchführte, durch eine unglaubliche Vielfalt aus, deren Frische uns heute noch fasziniert: Neben den Werken der zweiten Wiener Schule finden sich Stücke von Claude Debussy, Béla Bartók und Igor Stravinsky, zu dessen Musik Schönberg ein schwieriges Verhältnis hatte, aber eben: doktrinäre Abschottung überliess man anderen. Daneben standen Werke, die durchaus nicht den kompositionstechnischen Prinzipien der Schönberg-Schule folgen: Bruckner, Richard Strauss, der schwelgerische Erich Korngold. Da kein Orchester zur Hand war, bearbeitete man sie für kleine Ensembles; der «gigantische Kram» (Schönberg) erhielt dadurch ein feines, durchhörbares Klanggewand, ungefähr so, wie eine Silberstiftzeichnung eines Ölgemäldes durch das Weglassen der Farben die Zeichnung und die Aussage besonders deutlich sichtbar macht.
Musikalische Avantgarde = misstönende Rechthaber? Aus der historischen Distanz von mehr als 100 Jahren muss dieses Vorurteil gründlich revidiert werden: Schönbergs Programme vermitteln einen Enthusiasmus des weiten Blicks, sie ermöglichen durch ihre gewagten Kombinationen neue Hörerfahrungen auch im Altbekannten, und sie zeigen, welcher Zauber diesem Beginn vor hundert Jahren inmitten schwieriger Zeit innewohnte. Lassen Sie sich anstecken!
Text: Manuel Bärtsch