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50 Jahre Altersheim auf der Fuhr
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1978 von Max Möhr
50 Jahre sind nun bereits verflossen, seit das Altersheim auf der Fuhr gebaut wurde. Dieses Ereignis gibt Anlass, kurz Rückschau zu halten.
Im Jahre 1886 wurde in Wädenswil das Krankenhaus eingeweiht. Somit war für die kranken und pflegebedürftigen Leute weitgehend gesorgt. Um aber den alleinstehenden, einsamen älteren Mitmenschen ein Obdach zu geben, regten Mitglieder der Asylkommission an, für diese Einwohner der Gemeinde ein eigenes Heim zu schaffen. Man fing an, freiwillig Geld zu sammeln, und bis zum Jahre 1902 brachte man die schöne Summe von Fr. 73 000.-- zusammen. Nun galt es, sich nach geeigneten Räumen umzusehen. Die Kommission erhielt zwei Angebote. Man konnte wählen zwischen einem bestehenden, älteren Haus mit grossem Garten oder einem projektierten Neubau. Man entschied sich für den Neubau. Der Grund dazu war, dass sich der Besitzer des Landes anerboten hatte, die Erstellung des Gebäudes und die Einrichtungen den speziellen Bedürfnissen eines Altersasyls anzupassen. So entstand an der Ecke Rotweg/Fuhrstrasse das Doppelhaus «Fuhreck». Vorerst wurde es von der Asylkommission auf die Dauer von fünf Jahren vom Besitzer, Baumeister A. Dietliker, zu Fr. 3200.-- jährlich gemietet. Am 15. Mai 1905 konnte das Altersheim mit 2 Pfleglingen eröffnet werden. Als erste Hausmutter amtete die Diakonissin Johanna Bucher, und das erste Dienstmädchen hier Marie Tiefenbach. Schwester Johanna war mit den Wädenswiler Verhältnissen wohl vertraut. Zwischen 1877 und 1884 oblag ihr die Betreuung der Krankenstation im Armenhaus.
Mehr als 20 Jahre lang betrieb die Asylkommission das Altersheim «Fuhreck» am Rotweg. Dann genügten die Räume nicht mehr. Infolge Platzmangels konnte die Kommission zu ihrem Leidwesen nicht mehr alle Anmeldungen berücksichtigen. So reifte bei den Mitgliedern des Asylvereins immer mehr der Wunsch, ein eigenes Heim zu erstellen. Durch eine Schenkung eines Industriellen wurde ein Fonds geschaffen zur Erwerbung eines zweckmässigen Bauplatzes, er betrug Fr. 63 332.-- und wurde von der Gemeinde verwaltet. Der rührigen Asylpflege ist es dann gelungen, auf der hinteren Fuhr zwei ideal gelegene Landparzellen käuflich zu erwerben, und zwar 4500 m2 von Julius Hasler-Müller’s Erben und 882 m2 von Heinrich Hauser. Als Ganzes eignete sich dieses Land ideal für das in Aussicht genommene Altersasyl-Gebäude. Für den Neubau waren weitere erhebliche Mittel notwendig. Zudem schien es aussichtslos, Beiträge von der öffentlichen Hand zu erhalten. So konnte es geradezu als Glücksfall erachtet werden, dass die Sparkassa-Gesellschaft
Wädenswil, deren gemeinnützige Bestrebungen schon damals allseits anerkannt waren, dem Asylverein für damalige Begriffe einen ausserordentlich hohen Betrag zur Verfügung gestellt hatte. Der Darlehens- und Schenkungsvertrag vom 14. Oktober 1926 hatte, stellenweise gekürzt, folgenden Wortlaut: «Die Sparkassa-Gesellschaft Wädenswil leistet dem Asylverein Wädenswil auf dessen Ansuchen zum Zwecke der Erstellung eines Altersasyls auf dem käuflich zu erwerbenden Land auf der hinteren Fuhr einen freiwilligen Beitrag von total Fr. 250 000.--.»
Vereinbart wurde weiter,
a) dass die Ausrichtung des Betrages in runden Summen von Franken 50 000.-- zu erfolgen habe, je nach Fortschritt der Bauten,
b) dass der Betrag unverzinslich sei und dass die Sparkassa-Gesellschaft keine Sicherstellung verlange,
c) dass die Sparkassa-Gesellschaft im Asylverein mit drei Mitgliedern vertreten sein könne.
Jetzt konnte zur Realisierung des Vorhabens geschritten werden. Um die Jahreswende 1926/27 lud die Asylkommission sechs Architekten zu einem Planwettbewerb ein. Das Preisgericht entschied zugunsten des Projektes «Sunneschi» der Gebrüder Bräm. Ende 1927 wurde mit dem Bau begonnen, vier Monate später war der Rohbau vollendet, und am 28. April 1928 konnte das neue Altersheim auf der Fuhr eingeweiht werden. Punkt halb zwei Uhr fand die offizielle Übergabe des neuen Altersheims an den Asylverein statt. Zu diesem Zeremoniell waren die Mitglieder der Sparkassa-Gesellschaft sowie diejenigen des Asylvereins eingeladen. Der damalige Baupräsident Heinrich Blattmann-Ziegler gab einen kurzen Überblick über die Baugeschichte, während Dekan Pfarrer Schreiber im Namen des Asylvereins die Schlüssel in Empfang nahm. Dabei führte er aus, dass es vor allem der Initiative und der Vergabung des Heinrich Blattmann-Ziegler sowie der beachtlichen Spende der Sparkasse zu verdanken sei, dass die Mittel auf freiwilligem Wege zusammengebracht werden konnten. Dem alten Menschen ein Heim zu schaffen heisse, ihm eine Stätte bereiten, wo er wohlgeborgen seinen Lebensabend verbringen könne. Schon zu Beginn hatten die Leiterinnen des Hauses – sie kamen von der Diakonissenanstalt Neumünster – strenge Arbeit zu leisten. Oft überstieg diese das gewohnte Mass. In den Anfängen betrug der Pensionspreis zirka Fr. 135.-- im Monat. Der Lohn eines Dienstmädchens wurde damals mit zirka fr. 56.-- festgesetzt. Erwähnenswert ist, dass schon damals der Fürsorgeverein die über 65jährigen zu eine Altersnachmittag aufrief, bei welchem die Heimpensionäre gerne dabei waren. Im Hause selbst organisierte man Alterssonntage mit reichlichem Mittagessen und Festkaffee. Mit Hauskonzerten und Vortragsabenden versuchte man das Dasein angenehmer zu gestalten. Verschiedentlich passte man die Hausordnung den neuen Gegebenheiten an. Es kam öfters vor, dass Pensionären wegen zu grossem Alkoholgenuss oder auch wegen Streitsucht gekündigt werden musste.
Im Jahre 1932 verbreiterte man die Untermosenstrasse von 3½ auf 5½ Meter. Dies erforderte die unentgeltliche Abtretung eines Streifens Land. Im Laufe der Jahre wurden am Gebäude und im Innern des Heimes verständlicherweise verschiedene Reparaturen notwendig. Auch Neuanschaffungen, wie zum Beispiel elektrischer Kochherd, Kochgeschirr, Service, Einrichtung der Oelheizung, belasteten die Rechnung.
Am 25. Mai 1953 feierte man in bescheidenem Rahmen das 25jährige Bestehen des Altersheims. Klavier- und Violinvorträge bereicherten den Anlass. Immer wieder mussten die Pensionspreise den steigenden Lebenskosten angepasst werden. Während die Löhne in 12 Jahren (1943 bis 1955) um 156 % stiegen, erhöhte man die Kostgelder nur um 20 %. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, dass unser Altersheim auf der Fuhr keine Zuschüsse vom Staat, Kanton und Stadt erhält, also heute noch immer auf privater Basis betrieben wird. Dass der Pensionspreis trotzdem in bescheidenem Rahmen gehalten werden kann, verdanken wir neben der ausgezeichneten Heimleitung den uns immer wieder von verschiedenen Seiten überwiesenen Geldspenden. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Heimgeschichte die Frage, wie man immer häufiger werdenden Pflegefällen begegnen soll. Darum befasste man sich schon sehr früh mit dem Neubau eines kleinen Pflegeheimes oder einer weiteren Alterssiedlung.
In Zusammenhang mit dem 50jährigen Bestehen des Heimes auf der Fuhr möchten wir uns der Leiterinnen und der Kommissionspräsidenten erinnern:
1928 bis 1932 Schwester Katharina Buchmann
1932 bis 1937 Fräulein Martha Stocker
1937 bis 1942 Schwester Bertha Pfenninger
1942 bis 1942 Fräulein Gertrud Mayer 1942 bis 1945 Fräulein Dora Gut
1945 bis 1967 Fräulein Agnes Glur
1967 bis 1969 Frau Susy Schwyn
Seit 1969 Fräulein Therese Burkhardt
Folgende Präsidenten standen der Heimkommission vor
1942 bis 1954 Dr. Hans Schulthess
1967 bis 1971 Heinrich Kunz-Wiedmer
seit 1971 Hans Helbling, Architekt
Im Jahre 1966/67 wurden die Innenräume mit einem grossen Kostenaufwand von zirka Fr. 190 000.-- renoviert. Namhafte Beiträge seitens der Brauerei Wädenswil und der Gemeinde erlaubten den notwendigen Ausbau. Bestehende Fonds konnten ebenfalls verwendet werden, so dass man ohne Erhöhung der Hypothek auskam und Zinsen einsparen konnte. Nach der geglückten Innenrenovation steht nun die Aussenrenovation im Vordergrund. Auch sie wird infolge der uns immer wieder von verschiedenen Seiten überwiesenen Geldspenden ohne fremde Mittel finanziert werden können.
Nur so ist es möglich, das Werk freiwilliger Führsorgetätigkeit im Sinne seiner Gründer weiterzuführen und den alten Leuten ein Heim zu bieten, wo sie in Ruhe und frei von den Sorgen um das tägliche Dasein ihren Lebensabend verbringen dürfen.