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In meiner Reihe “Was ist denn, bitteschön, reformatorische Theologie?” habe ich die Tauffrage unter den Mitteldingen eingeordnet. Hier habe ich aus einer Andacht von Florian Weicken die heilsgeschichtlichen und systematischen Überlegungen zur Taufe von Kindern zusammengestellt:
These: Es gibt gute Gründe dafür, dass schon die frühe christliche Kirche und die Reformatoren Kinder taufte.
A) Die Einheit des Gnadenbundes
Die ersten Christen waren Judenchristen. Wir verstehen die Dinge des NT aus dem Kontext des AT. Heute kommen Neubekehrte fast nur mit dem Neuen Testament in Berührung.
Der Neue Bund ist nicht völlig neu. Der erste Bund, der Werkbund, wurde mit Adam geschlossen. Als dieser fiel, wurde dieser Bund hinfällig. Mit der Verheissung von Gen 3,15 wurde der Gnadenbund eingeführt.
Christus hielt während seines Lebens für uns den Werkbund ein. Durch den Glauben sind wir mit Ihm verbunden.
Auch Abraham wurde von Christus gerettet. Die mit Noah oder David geschlossenen Bünde sind unterschiedliche Administrationen desselben Gnadenbundes. Alle diese Bündnisse weisen auf Christus hin.
Der neue Bund ist ebenfalls eine Administration des Gnadenbundes. Die Fülle in Christus ist neu, die Essenz des Bundes jedoch nicht. Wie in Adam alle Menschen fielen, richtet Er den Gnadenbund mit den Vielen durch Christus auf (Römer 5,12-21).
In Deut 5,3 ist davon die Rede, dass der (Sinai-)Bund nicht mit den Vätern, sondern mit den Nachkommen geschlossen wurde. Dasselbe Prinzip galt im davidischen Bund; dieser bezog sich ebenfalls auf die Nachkommen. Sind im NT die Nachkommen nicht mehr eingeschlossen? Apg 2,39 sagt etwas anders, nämlich dass die Verheissung “euren Kindern” gilt. Das ist kein Automatismus (vgl. Röm 9,6). Der Jude liess sich also mit seinen Kindern taufen. Wenn die Praxis aufgehört hätte, wäre es von Petrus erwähnt worden.
Wenn die Nachkommen Teil des Bundes und Erben sind, gehört ihnen das Zeichen des Bundes. Sogar Ismael wurde beschnitten (siehe Gen 17,25)! Nach Paulus gilt zudem der Gnadenbund mit Abraham allen Gläubigen (Gal 3,14).
B) Die Ähnlichkeit zwischen Beschneidung und Taufe
Die Kontinuität (Fortsetzung) zwischen AT und NT drückt sich in der Ähnlichkeit von Beschneidung und Taufe aus. Was war die Bedeutung der Beschneidung? Sie war schon im Alten Bund nicht nur äusserlicher, sondern geistlicher Natur. Paulus bringt zum Ausdruck, dass die Beschneidung etwas über den Gnadenbund zeigte (Kol 2,11f).
Die Beschneidung war schon im AT nicht nur äusserlich gemeint (sieh Deut 10,16; Jer 4,4). Es geht um die Beschneidung der “Vorhaut des Herzens”. Das äussere Zeichen bildete also die innere Realität ab!
In Paulus’ Argumentation war die Beschneidung für Abraham “Siegel” der Gerechtigkeit des Glaubens (Römer 4,11). An anderer Stelle schloss er auch die Heidenchristen in die Beschnittenen ein, weil sie ebenfalls zum Volk Gottes gehörten (Phil 3,3).
Fazit
Im Neuen Bund, der viel herrlicher als der alte ist (Hebr 8,6ff) sollten die Kinder ausserhalb stehen? Das ist kaum vorstellbar. Allerdings: Weder die Beschneidung noch die Taufe rettet, noch wäscht sie die Erbsünde ab. Aus Gehorsam sollen wir sie als Zeichen an den Kindern anbringen. Sie sollen daran festhalten und nicht davon weglaufen.
Die Taufe und das Abendmahl sind sichtbare Worte (Augustinus). Die Wirkung des Bezeichneten kann später eintreffen. Natürlich werden auch Erwachsene getauft – aufgrund eines glaubwürdigen Bekenntnisses. Es müssen jedoch nicht alle glauben, bevor sie getauft werden.
Zum Thema: Understanding Four Views on Baptism