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Musikdatenbank
Musiker
Marcos Valle
geboren am 14.9.1943 in Rio de Janeiro, Rio de Janeiro, Brasilien
Links www.slipcue.com (Englisch)
Marcos Valle
Marcos Kostenbader Valle (* 14. September 1943 in Rio de Janeiro) ist ein brasilianischer Komponist, Sänger, Gitarrist und Pianist, der zunächst der so genannten zweiten Generation des Bossa Nova angehörte. Im späteren Verlauf seiner Karriere wandte sich Valle Stilen wie Soul, Funk, MPB (Música Popular do Brasil) und Brazilectro zu.
Biographie
Valle begann im Alter von sechs Jahren, Klavier zu lernen. Die erste erfolgreiche Aufnahme von ihm und seinem Bruder Paulo Sergio, der für ihn die Texte schrieb, war Sonho de Maria, aufgenommen vom Tamba Trio im Jahr 1963.
Mit den später gleichfalls berühmten Edu Lobo und Dori Caymmi gründete er ein Trio. Im Jahr 1966 erreichte Valles erfolgreichster Song, Summer Samba (auch unter "So Nice" oder "Samba de verão" bekannt), Platz zwei der US-Charts. Allein in den USA wurden anschließend mindestens 80 Versionen des Liedes aufgenommen.
Im Jahr 1963 nahm Valle seine erste LP „Samba demais“ auf mit den Eigenkompositionen „Amor de nada“, „Razão do amor“, „Tudo de você“, „Sonho de Maria“, „E vem o sol“ und „Ainda mais lindo“, alle mit Texten von Paulo Sérgio Valle. Außerdem enthielt das Album die Songs „Vivo sonhando“ (Tom Jobim), „Moça flor“, (Durval Ferreira / Lula Freire), „Canção pequenina“ (Pingarilho), „Ela é carioca“ (Tom Jobim / Vinícius de Moraes), „Ilusão à toa“ (Johnny Alf) und „A morte de um Deus de sal“ (Roberto Menescal / Ronaldo Bôscoli). Das Album wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Zu dieser Zeit begann Valle Konzerte zu geben. Somit gab er sein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität von Rio de Janeiro im zweiten Jahr auf.
1965 erschien sein zweites Album „O compositor e o cantor Marcos Valle“ („Der Komponist und Sänger Marcos Valle“) mit den Songs „Gente“, „Preciso aprender a ser só“, „Samba de verão“, „A resposta“ und „Deus brasileiro“, alle wieder in Zusammenarbeit mit Paulo Sérgio Valle entstanden. Außerdem reiste Valle in die Vereinigten Staaten, wo er während sieben Monaten lang der Band von Sérgio Mendes, Brasil'65, angehörte, mit der er in Nachtclubs, an Universitäten und in der TV-Show von Andy Williams auftrat. Danach kehrte er nach Brasilien zurück.
Im Jahr 1966 erreichte Walter Wanderleys Aufnahme von „Summer Samba“ Platz 2 der US-Charts. In diesem Jahr begann Valle auch mit Aufnahmen zu seiner dritten LP, die er jedoch nicht beendete. Stattdessen kehrte er im folgenden Jahr in die Vereinigten Staaten zurück und nahm dort die Instrumental-LP „Braziliance! A música de Marcos Valle“ auf. Im selben Jahr veröffentlichte Valle eine weitere LP, „Samba’68“, auf dem Verve-Label. Sie enthielt einige seiner größten Erfolge, neben dem schon erwähnten Summer Samba auch Crickets Sing for Ana Maria und Batucada. Eumir Deodato sorgte für die Arrangements, während Norman Gimbel, der schon Tom Jobims Garota de Ipanema („The Girl from Ipanema“) ins Englische übertragen hatte, die englischen Texte des Albums schrieb, das sich anschließend sehr gut verkaufte. Trotzdem zog es Valle aus Heimweh zurück nach Rio; auch befürchtete er, in den USA für den Vietnam-Krieg rekrutiert zu werden.
1968 nahm Valle in Brasilien die LP „Viola Enluarada“ auf, bei der Milton Nascimento mitwirkte. Die 1969 darauf folgende LP „Mustang cor de sangue“ kennzeichnet die Abkehr Valles vom puren Bossa nova und die Hinwendung zu moderneren Stilen. Der auf dem Album enthaltene Instrumentaltitel „Azimuth“ wurde Namensgeber des brasilianischen Trios Azymuth. Die Texte von Paulo Sérgio wurden nun kritischer, auch wenn das nicht immer gewürdigt wurde, galten die blonden Valle-Brüder doch samt ihrer deutschen Abstammung und der Herkunft aus besserem Hause als elitär.
In den siebziger Jahren arbeitete Valle hauptsächlich an Soundtracks und Jingles für Telenovelas. 1970 erschien das nur mit „Marcos Valle“ betitelte Album, das auch als das „Bett-Album“ bekannt ist, da Valle auf dem Cover in einem Bett liegend zu sehen ist. Die Musik darauf ist weitaus mehr psychedelischer Pop und Soul als Bossa nova. Diese Tendenz setzt sich auf den folgenden Alben Garra (1971), Vento Sul (1972), Previsão do tempo (1973) und Marcos Valle (1974) fort.
Zwischen 1975 und 1980 lebte Valle wieder in den USA. Dort arbeitete er an Alben von Sarah Vaughan sowie Airto Moreira und begann eine musikalische Partnerschaft mit Leon Ware, der seinerseits wiederum Songs für Michael Jackson oder Marvin Gaye geschrieben hatte. Die Zuwendung Valles zur schwarzen US-amerikanischen Musik zeigte sich am 1981 aufgenommenen „A Paraíba não é Chicago“, das sich auf dem Album „Vontade de rever você“ befindet: Dort vermischen sich typische Soul- und Funk-Sounds wie das Hohner Clavinet mit traditionellen brasilianischen Rhythmen und Klängen wie dem Akkordeon. Der Titel bedeutet auf Deutsch „Paraíba (ein Bundesstaat im Nordosten Brasiliens) ist nicht Chicago“.
Einen kleinen Hit konnte Valle mit dem Disco-Song „Estrelar“ auf dem wieder nur mit „Marcos Valle“ betitelten Album von 1983 landen. Auch der 1984 erschienene und stark vom Stil der 80er beeinflusste Song „Bicicleta“ konnte sich in den Charts platzieren. Nichtsdestotrotz wurde es um den einstigen Bossa Nova-Star stiller; das 1986 erschienene Album „Tempo da gente“ erfuhr nur wenig Resonanz und blieb lange die letzte Marcos Valle-Aufnahme.
Dann aber brachten die 90er-Jahre eine Retrowelle mit sich, die auch alte Marcos Valle-Aufnahmen plötzlich wieder gefragt machten, selbst in angesagten Diskotheken. Easy Listening und Electro Beats vermischten sich zum Brazilectro. Insbesondere „Crickets Sing for Ana Maria“ wurde von Londoner Diskotheken ausgehend zum Clubhit in Europa. Valle wurde aus der Versenkung geholt und ist seither wieder musikalisch produktiv. 1999 erschien mit „Nova Bossa Nova“ seine erste Studioaufnahme seit 1986 beim auf brasilianische Musik spezialisierten britischen Label Far Out Recordings. Das Album ist auf eben jene Clubszene zugeschnitten, der Valle sein Comeback verdankte. Es enthält tanzbare Rhythmen von Bossa Nova bis House; dominierendes Instrument ist das Fender Rhodes Piano. Auch „Escape“ von 2001 und „Contrasts“ von 2004 schlagen in diese Kerbe.
Seit jener Zeit tourt Valle wieder regelmäßig durch Europa, begleitet von seiner Frau Patrícia Alví, die ihn dabei gesanglich unterstützt. Das 2005 aufgenommene „Jet Samba“ enthält neue Instrumentalversionen von zum Teil älteren Kompositionen. Valle zeigt sich darauf in erster Linie als brillanter Pianist. „Estática“ von 2010 dagegen knüpft an die Alben der 70er an und spart nicht mit Streicher- und Bläsersätzen. 2013 erschien ein gemeinsames Album mit der amerikanischen Jazz-Sängerin Stacey Kent mit dem Titel „Ao Vivo 50 Anos“, der auf Valles 50-jährige Bühnenkarriere anspielt.
Trivia
Valle ist zum vierten Mal verheiratet und hat drei Kinder.