Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/163

Albertis „Quid Tum“ Gedanke – eine kleine Anleitung gegen die Isolation in der Zeit von Covid-19?
Das Motto “quid tum” (QVID TVM) erscheint auf der Rückseite der Portraitmedaille von Gian Battista Alberti, die Matteo de Pasti in Rimini schuf. Sie entstand 1430, als beide Künstler ebendort am Hofe von Sigismondo Malatesta arbeiteten. Diese kurze lateinische Phrase lässt sich als: „Was ist das Nächste?“, „Wie weiter?“ oder „Was kommt nun?“ übersetzen. Eine Fragestellung, die uns allen in der Zeit von Covid-19 sehr treffend erscheint. Als Antwort bietet sich auch eine optimistische Deutung der Phrase. Eine, die sich der grosse Humanist Alberti für sein Lebensmotto und seine Lebensphilosophie aussuchte. Eine noble Seele soll trotz allen Schwierigkeiten, die ihr das Leben bereitet, auf ihre Höhenflüge nicht verzichten. Als visuelles Symbol suchte er sich dazu das fliegende, mit Adlerflügeln gerahmte Auge aus.
Da die Flügel unmittelbar am Lidrand ansetzen, kommt jeder Flügelschlag einem Wimpernschlag gleich. Und mit jedem Wimpernschlag erhebt sich das Auge auf der Suche nach dem Schönen und Erhabenen. Dabei bleibt es auf der Suche nach menschlicher Grösse. Albertis Schicksal war seine illegitime Herkunft. Er wurde als zweiter, unehelicher Sohn von Lorenzo di Benedetto Alberti und Bianca di Carlo Fieschi in Genua geboren; keine günstige Ausgangslage, um im späten Mittelalter bei der Römischen Kurie eine Künstlerkarriere zu schaffen und – als lebenslanges Projekt eines Humanisten - Ruhm zu erlangen. Bekanntlich ist es ihm dennoch gelungen. Nächste Woche lesen Sie hier einen Beitrag über die Kirche Santa Maria Novella in Florenz, für die er die dunkelgrün-weisse Marmorfassade schuf.
Auch in Pienza, bei unserer Pius II.-Reise, werden wir ihm begegnen (allerdings erst im Oktober anstatt, wie ursprünglich geplant, im April).
Generationen von Malern, Bildhauern und Architekten liessen sich von seinen kunsttheoretischen Schriften (De Pictura, De Statua De re aedificatoria), inspirieren. In der Tat – trotz grossen Hindernissen - gelangte Alberti zu Rum. Der Historiker Jacob Burckhardt sieht in ihm in seiner „Cultur der Renaissance“ eine Verkörperung des uomo universale.
Corona Virus und Quid Tum?
Wie meistern wir unsere Hindernisse in dieser schwierigen Zeit? Natürlich müssen wir die Empfehlungen der Behörden ernstnehmen und in unseren vier Wänden eine längere Zeit ausharren. Lassen Sie uns aus unseren Zimmern Studioli machen.
Nehmen wir uns ein wenig Zeit, um täglich über das Schöne und das Erhabene, das uns die Generationen von Künstlern hinterlassen haben nachzulesen, nachzudenken und nachzuspüren. Vielleicht finden wir hier einen Ort, um ein bisschen Kraft und Optimismus zu schöpfen. Irgendwann werden wir die sonnigen, bunten und hoffentlich auch menschenvollen, mit ihren Kirchen umrahmten Piazze wieder bereisen können. Wir melden uns bald mit unseren „Reisen zur Kunst“, die wir für Sie in diesem Herbst und im Frühling 2021 geplant haben. In der Zwischenzeit, bleiben Sie gesund und neugierig.
Bo Kojich