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Literatur zwischen den Sprachen: Schriftsteller Mathias Énard kehrt als Dürrenmatt Gastprofessor nach Bern zurück
Mathias Énard kommt erneut an die Universität Bern: Weil die «Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur» des französischen Schriftstellers durch die Corona-Krise beeinträchtigt wurde, hält der Goncourt-Preisträger im Herbst 2020 eine neue Vorlesung – hoffentlich vor Ort.
Im Frühjahrssemester 2020 war Mathias Énard in der Schweiz, um als Friedrich Dürrenmatt Gastprofessor für Weltliteratur an der Universität Bern ein Seminar zur Kriegsliteratur durchzuführen. Doch dann brach die Corona-Pandemie aus, und seine Studierenden konnten ihn nur noch in Videokonferenzen erleben. Im Herbst wird er daher eine neue Vorlesung an der Universität Bern halten. Thema ist die Literatur der Mehrsprachigkeit.
Mathias Énard studierte Arabisch und Persisch. Nach Aufenthalten im Nahen und Mittleren Osten arbeitete er als Autor und Übersetzer. Er spricht ausserdem Spanisch und Katalanisch, Englisch und Deutsch. In der Vorlesung mit dem Titel «Der Raum zwischen den Sprachen» will sich Mathias Énard der Mehrsprachigkeit der Literatur widmen. Die Abgrenzung akademischer Fächer wie Germanistik, Hispanistik oder Arabistik kann dazu führen, dass Kulturen und Literaturen als geschlossen und einsprachig wahrgenommen werden. Dabei haben sie einander von jeher beeinflusst und wechselseitig durchdrungen. Zahlreiche Werke sind in mehr als nur einer Sprache verfasst. Mathias Énard wird mit seinen Studierenden der Frage nachgehen, wie Samuel Beckett, Vladimir Nabokov, Rainer Maria Rilke oder Johann Wolfgang von Goethe und viele andere mehrere Sprachen verbunden und fremde Kulturen vermittelt haben.
Auch Mathias Énards eigenes Werk ist von verschiedenen Literaturen und Sprachen angeregt. In seinem grossen Roman Zone (2008) spielen die Kulturen des Mittelmeerraumes wichtige Rollen, während uns Kompass (2015) nach Wien und in den Orient führt. Kompass wurde ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt, dem bedeutendsten französischen Literaturpreis. Sein Kurzroman Der Alkohol und die Wehmut (2011) enthält russische Elemente, sein Lyrikband Letzte Mitteilung an die Proust-Gesellschaft von Barcelona (2019) arabische. In Bern möchte sich der Schriftsteller nun mit dem Nachlass der Schweizer Journalistin und Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach beschäftigen.
Neben seiner Tätigkeit an der Universität und seinen Recherchen im Schweizerischen Literaturarchiv wird Mathias Énard an Workshops, Lesungen und Podien teilnehmen. Öffentliche Veranstaltungen, die aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden mussten, werden nachgeholt, etwa ein Treffen mit Doktorierenden zum Thema «Erinnerungsorte». Die wöchentliche Vorlesung (in französischer Sprache) beginnt am 15. September um 14 Uhr an der Universität Bern.
Am 9. Dezember wird Mathias Énard im Generationenhaus schliesslich seinen «Abschied von Bern» nehmen und auf seine Zeit in der Schweiz zurückblicken – auf Französisch und Deutsch und vielleicht sogar Berndeutsch.

Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur
Die Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur erweitert das akademische und kulturelle Angebot in Bern und darüber hinaus. Seit dem Frühjahr 2014 unterrichtet in jedem Semester ein internationaler Gast an der Universität Bern. Die Autorinnen und Autoren geben je eine 14-wöchige Lehrveranstaltung und arbeiten wie reguläre Professorinnen und Professoren mit Studierenden und Doktorierenden zusammen. Zusätzlich zu ihren Seminaren oder Vorlesungen werden universitäre und öffentliche Veranstaltungen in Bern sowie an anderen Orten in der Schweiz organisiert. Die Gastprofessur wird verwirklicht mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz und der Burgergemeinde Bern.
Bisherige Friedrich Dürrenmatt Gastprofessorinnen und Gastprofessoren:
Frühjahrssemester 2014: David Wagner (Deutschland)
26.08.2020