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Bild
Titel:
Silbernes Landbuch von Appenzell
Thema: Politik
Datum: --.--.1585
Masse: 28 x 22 x 5,5 cm
Standort: Landesarchiv Appenzell Innerrhoden E.<ip-pii>
Urheber/-in:
Beschreibung:
Silbernes Landbuch von Appenzell aus dem Jahr 1585. Das Buch, wie es sich heute präsentiert, entspricht der Fassung von 1646. Damals wurde es neu gebunden und der Ledereinband erhielt zum Schutz silberne Beschläge: Eckstücke mit geflügelten Engelsköpfen (stark abgeschliffen) und die Justitia in Mitte des Buchrückens. Zwei seitliche silberne Schnallen halten das Buch zusammen. Vier farbige Miniaturen von Kunstmaler Jakob Girtanner (um 1527-1600) dienten seinem Schmuck: Landeswappen, Dorf Appenzell, Schlacht am Stoss, Heiliger Mauritius/Mutter Gottes mit Jesuskind. Die Bilder wurden bei der Restauration von 1957 aus dem Buch ausgereiht. Da das Landbuch damals immer noch als Original an die Innerrhoder Landsgemeinde mitgetragen wurde, befürchteten die Behören, die wertvollen Bilder könnten durch Wind und Wetter Schaden nehmen. 1962 wurde eine Landbuchattrappe geschaffen, die seither während der Landsgemeinde-Zeremonie zur Anwendung gelangt. Sie sieht äusserlich gleich aus wie das Original, enthält jedoch nur leere Blätter.
Geschichte:
1567 setzte der Landrat eine Kommission ein mit dem Auftrag, ein neues Landbuch zu schaffen. Ein Landbuch ist eine sehr alte Form der Gesetzes-Sammlung. In unsystematischer Art und Weise wurde darin im Laufe der Zeit alles aufgeschrieben, was die Menschen als gültiges Recht ansahen. 1585 lag das Werk vor. Es umfasst 86 Pergamentseiten, auf denen sich rund 200 Rechtserlasse finden. Die Handschrift stammt von Conrad Wyser, der 1579-1587 als Landschreiber wirkte und 1591-1593 auch Landammann war. Das Buch diente bis zur Landteilung von 1597 beiden Landesteilen, danach verblieb es in Innerrhoden, während sich Ausserrhoden 1632 ein eigenes Landbuch schuf. Das Silberne Landbuch blieb bis zum Ende des Ancien Regime in Gebrauch. Die Urfassung von Landschreiber Wyser wurde nach Massgabe der Rechtsentwicklung wiederholt ergänzt. Auch nach dem Ende der Alten Eidgenossenschaft behielten einzelne Bestimmungen ihre Gültigkeit, sofern sie nicht durch neue Gesetze ersetzt wurden. Das Landbuch wurde nämlich formell nicht ausser Kraft gesetzt. Erst mit der Einführung der negativen Rechtskraft im Jahr 1993 erloschen die alten Rechtssätze für immer. Alles, was damals nicht mehr in die kantonale Rechtssammlung aufgenommen wurde, galt nicht mehr als Innerrhoder Recht. Damit war eine latente Rechtsunsicherheit aus der Welt geschafft.
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Bischofberger, Hermann: Rechtsarchäologie und rechtliche Volkskunde des eidgenössischen Standes Appenzell Innerrhoden. Ein Inventar im Vergleich zur Entwicklung anderer Regionen. 2 Bde. Appenzell 1999 (Innerrhoder Schriften, Bd. 8) S. 57-59
Transkription:
Abbildung 2 (fol. 1r):
"Jn dem namen der heiligen hochgelopten onzerteilten d[ry]faltigkaitt, gott vatters, su[ns] und hailigen geists und des gantzen himlischen [hofes]. Als man zalt von unsers lieben herren und sälligmachers Jes[u] Christi geburt ain thusent fier hundert und nün jar, [wurdend] wir, landtammann und gemeine landtlütt von den zwölf rod[en] [des] gantzen lanndts zu Appenzell, durch unser aller ehre, [lob], nutz, frid und ruowen willen ainhelligklich zuo rath, alles zu halten alls hernach volgt etc.
Abbildung 3 (fol. 2r):
"Landtbuch, jn wellichem des loblichen landts Appenzell sta[t]uten, ordnungen und auffgelegte straffenn, alls sich des ainn lanndtamman unnd g[e]maine landtlüt zu wollstannd dem vatterlanndt und uffe[n]thalt der grechtigkeit mit ain annderenn unnderredt h[ant] unnd nüwlich uss gwalt unnd befelch ob an geregter oberkheitt di[e] die fromen, fürsichtigen, ehrsamen unnd wisen herren hoptman Johannes von Heimen, der zitt lanndtamman, Joachim Meggelj [der ... herr wie dann hienach sine vätterlichen guottaten jn disem buoch verschriben werden), Johames [!] Bodmar unnd Cuonrat Wyser, der zitt lanndschriber, diss ernempt buoch geschriben etc. Unnd sölliche nach volgende articul dem lanndtrechten gmäss, wie dann gross räth unnd gmeinden uff unnd an gnomen, von jnen allen uss den alten büchere[m] c[o]rig[iert], gestelt, ernüweret, verbesseret unnd gezogen worden jm jar do ma[n] zalt tusend fünf hundert achtzig unnd fünfj etc.
Abbildung 4 (fol. 12r):
"1. Die gross buoss
Jtem es soll an allen kilbinen jm lannd, auch an offnen jar marckten denn selb tag unnd nacht, alls da sinnd zu Appenzell jm hoff unnd zuo Herysow, dess glichen am nüwen jars abennd unnd am Nüwen jars tag unnd an der öschenmit[t]wuochen, dess gleichen auch an der landts gemeynd die gross buoss sin, allwegen den selbigen tag unnd die ganntzen nacht, namlich wer ein fräffen daran begadt, der ist zuo buoss verfallen x lib. d. Sölliche buoss soll an jedem ortt, da die kylwj oder jarmart ist, gelten, jm flecken unnd voruss, so with die selb kilchorj ist etc.
2. Ann kilbinen soll die gross buoss grüefft werden
Jttem wo kylbinen jn unnserm lannd sind, wo dass wäre, so soll der hoptman allwegen die grossen buoss rüffen. Wann er aber dass nit dätte unnd über säche, so soll er di[e] gemelten buoss rüffen unnd der hoptman bj im stonn, so sy nit zuovor jn der kilchen grüfft wäre worden etc."
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