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150 Jahre Geschichte prägen das Tonhalleorchester und das musikalische Leben Zürichs dieses Jahr - und eine neue Morgenröte zeichnet sich ab.
„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“. Dieses Zitat des deutschen Gelehrten und Staatsmannes Wilhelm von Humboldt lässt sich sehr gut auf die bewegte Geschichte des musikalischen Leitsterns Zürichs, des Tonhalle-Orchesters, übertragen.
Vom Rückblick in die Geschichte…
Bereits um 1600 wurde eine Musikgesellschaft aus der Taufe gehoben, und nach der Gründung weiterer Interessengruppen schloss man sich in Zürich 1812 zur Allgemeinen Musikgesellschaft (AMG) zusammen. Ab 1850 war dann bereits Richard Wagner ständiger Gastdirigent und von 1865 bis 1906 stand Friedrich Hegar dem Orchester vor. 1868 war dann das Gründungsjahr der heutigen Tonhalle-Gesellschaft, 1895 wurde die „Neue Tonhalle“ am Alpenquai (heute General Guisan-Quai) mit keinem Geringeren als Johannes Brahms eingeweiht. Die Architekten hiessen Fellner&Helmer, die auch das Stadttheater (heute Opernhaus) errichteten.
Da sich Zürich für grosse Besetzungen lange noch kein Orchester leisten konnte, entstand im Laufe der Zeit eine „rote“ und eine „blaue“ Stammformation, die sich in die Aufgaben Konzert und Oper aufteilten. Logisch, dass die daraus resultierenden Kompromisse die Musiker heimatlos machten, die Dirigenten verärgerten und der Wunsch nach zwei selbständigen Klangkörpern immer lauter wurde. 1985 erfolgte dann endlich die Teilung und der unentwegte künstlerische Aufstieg in internationale Sphären.
…zum Ausblick in die Zukunft
Dass die Tonhalle ihr Jubiläum während der Umbauzeit des illustren Konzertsaals am See in der dafür erstellten Holzbox Tonhalle Maag feiern muss, stellt sich aktuell eher als Vor- denn als Nachteil heraus. Der Skepsis über das Interregnum im Kreis 5 ist in der laufenden Spielzeit wachsender Anerkennung, ja Begeisterung gewichen. Die Akustik wird von den Musikern und Dirigenten derart gelobt, dass von überall her der Wunsch laut wird, man möge den für immerhin 10 Mio. erstellten Interimssaal nach dem Umzug an die historische Stätte nicht schleifen. Franz Welser-Möst, der ehemalige Chefdirigent im Opernhaus Zürich, war des Lobes voll: „Ich finde grossartig, was da hingestellt wurde, und ich hoffe, dass man den Saal nach drei Jahren nicht plattwalzen lässt: Das ist eine Jahrhundertchance für Zürich.“
Der Optimismus wird diesbezüglich auch befördert, weil die Tonhalle-Gesellschaft in ihrem Präsidenten, Martin Vollenwyder, einen Strippenzieher und klugen Sachwalter in ihren Reihen weiss, der in der Bevölkerung hoch geachtet ist und dem man - wem, wenn nicht ihm? - das Kunststück zutraut, die komplexen Verhandlungen darüber zum Erfolg zu führen. Die Hochfinanz könnte sich mit einer grosszügigen Unterstützung ein Denkmal setzen.
…und zur Spielzeit 2018/19
Optimistisch schauen aber auch die Intendantin, Ilona Schmiel, und die Tonhallemusiker in die Zukunft, weil es gelungen ist, in Paavo Järvi ab der Saison 2019/20 einen der begehrtesten Dirigenten mit weltweit anerkanntem Profil an Zürich zu binden. Er wird bereits in der kommenden Spielzeit elf Konzerte in Zürich verantworten und mit dem Orchester eine Asien-Tournee unternehmen
Die zweite Saison an der Interimsstätte sieht 212 Veranstaltungen mit 108 Konzerten in der Tonhalle Maag vor. Namhafte ständige Gäste sind die Geigerin Janine Jansen und der aus Luzern bekannte Komponist und Dirigent Matthias Pintscher. Zum Jubiläum wird u.a. „Die Schneekönigin“ von David Philip Hefti uraufgeführt, und ein bunter Strauss an vielversprechenden Gastdirigenten wie Bernard Haitink, Daniel Harding,Thomas Engelbrock, Kent Nagano, Jordi Saval und David Zinman (auch wieder mit einem Dirigierkurs) geben Zürich die Ehre. Das ganze Programm kann online über www.tonhalle-orchester.ch abgerufen werden.
Eine klingende Geschichte des Tonhalle-Orchesters
Zum Jubiläumsjahr hat Sony Music in Zusammenarbeit mit SRF 2 Kultur eine Box mit 14 CD’s herausgebracht (Bestellnummer 88985495052), welche einen interessanten tongeschichtlichen Abriss von Volkmar Andreae (1942, vorher gab es noch keine Tonträger) bis zu Zinman, Haitink, Maazel, Dutoit und Bringuier in Live-Mitschnitten dokumentieren.