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Ehemaliger Gemeindepräsident von Vico Morcote vor Gericht
Vor dem Strafgericht Lugano ist der Prozess gegen den früheren Gemeindepräsidenten von Vico Morcote TI, Luido Bernasconi, eröffnet worden. Ihm werden Veruntreuung und ungetreue Amtsführung vorgeworfen. Generalstaatsanwalt John Noseda forderte eine Strafe von 20 Monaten Haft auf Bewährung. Der Verteidiger verlangte einen Freispruch.
Die Delikte beging der Gemeindepräsident in den Jahren 2004 bis 2009. Gemäss dem Generalstaatsanwaltbeläuft sich die Deliktsumme auf nahezu 800 000 Franken. Unter anderem soll er als Liegenschaftsverwalter Abwassergebühren im Umfang von 230 000 Franken nicht an die Gemeinde überwiesen haben.
Zudem soll Bernasconi die Quellensteuer von zwei Grenzgängern, die bei ihm angestellt waren, nicht dem Kanton bezahlt haben. Dabei geht es um eine Summe von 400 000 Franken. Auch soll er das Inkasso seiner eigenen Gemeindesteuern im Betrag von knapp 170 000 Franken «versäumt» haben.
Gemeindesteuern nicht bezahlt
Die Untersuchung gegen Bernasconi war im März vergangenen Jahres eröffnet worden. In einer ersten Phase wurde er nur verdächtigt, dass er seine Gemeindesteuern während Jahren nicht bezahlt hat. Inzwischen sollen die offenen Rechnungen beglichen worden sein.
Für Noseda hat sich der 67-jährige Bernasconi wiederholt und in schwerwiegender Art der ungetreuen Amtsführung schuldig gemacht. Er hätte seine Verantwortung wahrnehmen und seine Verantwortung delegieren müssen, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Bei der Bemessung des Strafantrags berücksichtigte Noseda das Alter des Angeklagten, dessen lange politische Karriere sowie die Begleichung der Schulden.
Der Verteidiger von Bernasconi begründete den geforderten Freispruch damit, dass sich sein Mandant nicht im Sinne des Strafrechts schuldig gemacht habe. Die Buchhaltung der Gemeinde Vico Morcote sei nie einem Risiko ausgesetzt gewesen und auch wenn er es auch mit Verspätung getan habe, so habe Bernasconi doch all seine Schulden beglichen. Deshalb sei letztlich kein Verlust entstanden. Er räumte ein, dass sein Mandant etwas weniger leichtfertig hätte handeln sollen.
«Ich habe Fehler begangen, aber ich habe nichts in meine Taschen abgezweigt», sagte Bernasconi. Er anerkenne, nachlässig gehandelt zu haben, betonte aber gleichzeitig, ein Ehrenmann zu sein. «Ich habe meine Fehler bezahlt, indem die Presse mich ständig auf den Index gesetzt hat.»
Dubiose Geschäfte und Freunde
Der frühere Gemeindepräsident von Vico Morcote hatte in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. So hatte er als früherer Besitzer eines Bus-Pendeldienstes zwischen dem Tessin und dem Mailänder Flughafen Malpensa ohne die nötige Konzession gearbeitet. Dies führte dazu, dass sein Fahrzeugpark beschlagnahmt und der Transportdienst eingestellt wurde.
In Italien war Bernasconi vor allem wegen seiner Beziehungen zum Künstleragenten Lele Mora bekannt geworden, der wegen Korruption und Erpressung in Mailand inhaftiert worden ist und in den «Rubygate-Skandal» um SIlvio Berlusconi verwickelt war. Der Gemeindepräsident von Vico Morcote soll Mora eine Niederlassungsbewilligung beschafft haben. Die beiden haben ein seit Jahren geschlossenes Grotto in Calprino gegenüber von Gandria renoviert, das nur per Schiff zu erreichen war. Der Betrieb war für eine exklusive Klientel reserviert, ging aber rasch einmal in Konkurs.
Das Amts des Gemeindepräsidenten legte Bernasconi 2013 nieder, nachdem gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet worden war. (sda/aes)