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Nachtflüge
Die Maschine mit dem Kennzeichen EM-Q wurde auf dem Flug nach Oberitalien von der Schweizer Flab angegriffen und getroffen. Beim Absturz in Le Bouveret kamen alle Besatzungsmitglieder ums Leben.
In der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1943 von 00.04 bis 1.05 Uhr durchquerten ungefähr hundert britische Lancasters von England über Frankreich herkommend den Westzipfel der Schweiz. Die Flugzeuge waren auf dem Weg nach Italien und flogen ungewöhnlich tief. Wahrscheinlich mussten sie Gewitterwolken unterfliegen. Die auf dem Col du Marchairuz in der Nähe von Le Brassus in Stellung liegende Flababteilung nahm, gemäss des Kommandanten der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen, „verschiedene englische Nachtbomber mit guter Sicht unter Feuer“. Verschiedene Treffer wurden beobachtet. In der gleichen Nacht stürzten in Le Bouveret und südlich von Sion je ein englisches Lancaster-Flugzeug ab, wobei sämtliche Insassen getötet wurden.
Es ist wahrscheinlich, dass diese Abstürze infolge Beschuss durch unsere Flab erfolgten. Die zwei fraglichen Maschinen hatten sich noch einige Zeit in der Luft halten können, überflogen Lausanne, wo nur eine dünne Wolkenschicht lag und am Himmel zeitweise Sterne zu sehen waren. Für diese Zeit gingen auch viele Meldungen über Bombenabwürfe ein, so aus Les Geneveys im Jura, Praratoud FR, Henniez, Savigny, Flamatt, Gstaad, Riggisberg und Gsteigwiler bei Interlaken. Ein Zeuge aus Clarens bei Montreux, welcher das tiefe Brummen der Bomber hörte und auf die andere Seeseite zur Walliser Gemeinde Bouveret hinüberblickte, berichtete:
Ich stand vor meinem Haus. Es war etwas nach 1.00 Uhr.
In der Ferne sah ich am Himmel plötzlich eine brennende Riesenfackel, von der ich zuerst annahm, dass es sich um eine Leuchtkugel handle. Sie fiel aus einer Höhe von etwa 800 Metern nieder. Dort entfaltete sich aus ihr mit einem Mal ein regelrechtes Feuerwerk, und ich richtete mein Fernrohr auf das nächtliche Schauspiel. Zuerst hatte ich den Eindruck, das Gebilde besässe die Form eines Fallschirmes. Immer mehr kam ich aber zur Überzeugung, dass es sich um nichts anderes als ein brennendes Flugzeug handeln müsse. Das ganze Schauspiel dauerte nur wenige Minuten. Als die Fackel erlosch, erfolgte eine heftige Detonation, die so stark war, dass selbst in Clarens die Fensterscheiben erzitterten.
Über dem Rhonetal lagen zu diesem Zeitpunkt schwere Gewitterwolken, und es blitzte. Das offenbar bereits brennende Flugzeug kreiste – laut Ohrenzeugen mit regelmässig laufenden Motoren – im Raum Villeneuve-Le Bouveret und stürzte schliesslich gegen 0.55 Uhr in die Flanke des Grammont, auf einen bewaldeten felsigen Steilhang. Durch den Aufprall explodierte die ganze Bombenlast mit Ausnahme von ca. 100 Brandbomben. Dadurch wurde das Flugzeug in kleinste Trümmer zersprengt und in einem Umkreis von ca. 1 km verteilt. Die Bombenexplosion hatte gleichzeitig einen Felssturz ausgelöst, der zahlreiche Trümmer mit sich in die Tiefe riss und zudeckte.
|Ereignissdatum||13.7.1943|
|Ereignisszeit||00.55|
|Ort||Le Bouveret|
|Kanton||VS|
|Ereignis||Absturz|
|Nation||England|
|Flugzeugart||Bomber|
|Flugzeugtyp||Avro Lancaster Mk.III|
|Flugzeugbezeichnung||Avro Lancaster Mk.III|
|Einteilung||No. 207 Squadron|
|Basis||Langar, Nottinghamshire (GB)|
|Auftrag||Bombardierung|
|Einsatzziel||Turin (IT)|
|Werknummer||ED412|
|Kennzeichen||EM-Q|
|CH Archiv Nr.||E003|
|Besatzung||Pilot: Horace Badge, P/O, im Kampf gestorben

Navigator: Arthur Charles Jepps, F/L, im Kampf gestorben
Bombardier: Arthur Charles Wright, Sgt, im Kampf gestorben
Engineer: Robert Wood, Sgt, im Kampf gestorben
Radio: Edward Higgins, Sgt, im Kampf gestorben
Gunner: James Arthur Spence, Sgt, im Kampf gestorben
Gunner: Ronald Oswald Charles Brett, F/S,im Kampf gestorben
|Quelle||Fremde Flugzeuge in der Schweiz|
|Autor||Theo Wilhelm|