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© Marcel Burkhardt
Die Ostalpen sind keine Barriere für Zugvögel
Vögel treffen während ihres Zugs auf topographische Barrieren. Ob sie diese überqueren oder umfliegen, hängt stark vom räumlichen Kontext ab.
Vögel müssen auf ihrem Zug Barrieren wie Wüsten oder Gebirge überqueren. Vor der Überquerung rasten sie, um ihre Reserven aufzufüllen und auf günstiges Wetter zu warten. Die Alpen stellen eine solche Barriere dar.
Um das Verhalten der Zugvögel beim Auftreffen an die Ostalpen näher zu untersuchen, führten Forschende der Vogelwarte Sempach in Zusammenarbeit mit BirdLife Österreich Radarmessungen in Österreich durch. Hierfür platzierten sie zwei Radarsysteme – eines an einem Referenzstandort im Flachland, und ein zweites für jeweils 3–4 Wochen an wechselnden Standorten in den Bergen.
Insgesamt stellten die Ostalpen für Zugvögel keine grosse Barriere dar. Wäre dies der Fall gewesen, hätten sich die Zugvögel am Referenzstandort konzentriert, gleichzeitig wäre deren Dichte in den Bergen tiefer gewesen. Die Zugintensität war aber an allen Standorten sehr ähnlich, und das zeitliche Auftretensmuster deutete auf einen Zug in breiter Front über die Ostalpen hin.
Vermutlich möchten die Vögel keine Umwege fliegen und ziehen deshalb lieber direkt über die nach Ost-West ausgerichteten Gebirgszüge. Die nach Nordost- Südwest ausgerichteten Zentralalpen indessen bilden sozusagen eine Leitlinie entlang der Hauptzugrichtung, weshalb die Vögel eher entlang der Berge fliegen als diese direkt zu überqueren. Gebirge stellen also nicht per se eine Barriere dar, dies hängt vom räumlichen Kontext und der Hauptzugrichtung ab.
Aschwanden, J., Schmidt, M., Wichmann, Stark, H., Peter, D., Steuri, Th. and Liechti, F. (2020), Barrier effects of mountain ranges for broad-front bird migration. J Ornithol 161, 59– 71. https://doi.org/10.1007/s10336-019-01704-4.