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Zwei Gläser Sekt zum Apéro mit den Arbeitskollegen, ein Glas Rotwein zum Abendessen – und gleich noch eins hinterher, weil die Flasche schon mal offen ist. Sind Gäste zu Besuch, gibt`s vielleicht ein, zwei Gläschen Schnaps zum «Verdauen» hinterher. Schnell ist an solchen Tagen die von der WHO empfohlene Höchstgrenze von zwei Standardgläsern Alkohol pro Tag für Frauen und vier für Männer überschritten.
Kritische Tendenz zur Regelmässigkeit
Das ist noch lange kein Problem, wenn es sich um eine Ausnahme handelt. Wird Alkoholisches aber zur Gewohnheit, sollte man sich selbst mindestens zwei komplett alkoholfreie Tage pro Woche verordnen – der Gesundheit zuliebe. Fachleute unterscheiden drei Arten von Konsum, die kritisch sind:
- Chronischer Risikokonsum: Über längere Zeit (zwei Monate und länger) regelmässige Einnahme von durchschnittlich 40 (Frauen: 20) Gramm reinem Alkohol pro Tag – das entspricht etwa vier, resp. für Frauen zwei Stangen Bier.
- Episodischer Risikokonsum (Rauschtrinken): Konsum von fünf (Frauen: vier) oder mehr Standardgläsern Alkoholischem bei einer Gelegenheit, also z. B. fünf, bzw. vier Gläsern Wein.
- Situationsunangepasster Alkoholkonsum: Davon ist die Rede, wenn die Situation eigentlich keinen Alkoholkonsum zulässt, oder der Konsum mit Risiken verbunden ist. Beispielsweise am Arbeitsplatz, im Strassenverkehr, während der Schwangerschaft, zusammen mit Medikamenten etc.
Der CAGE-Test ist ein hilfreiches Instrument zur Selbsteinschätzung des eigenen Alkoholkonsums. «CAGE» steht für: Cut down (reduzieren), Annoyed (genervt sein), Guilty (sich schuldig fühlen) und Eye-opener (Augenöffner).
- Hatten Sie schon mal das Gefühl, dass Sie Ihren Alkoholkonsum reduzieren sollten?
- Haben Sie sich schon darüber aufgeregt, wenn andere Leute Ihr Trinkverhalten kritisierten?
- Hatten Sie wegen Ihres Alkoholkonsums schon Gewissensbisse?
- Haben Sie am Morgen nach dem Erwachen schon als erstes Alkohol getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder den Kater loszuwerden?
Zwei oder mehr mit «Ja» beantwortete Fragen weisen auf potenzielle Probleme im Umgang mit Alkohol hin. Die Wahrscheinlichkeit eines Alkoholmissbrauchs liegt bei einer bejahten Antwort bei 62 Prozent und bei zwei «Ja» bereits bei 89 Prozent. Bei drei oder vier «Ja» beträgt die Wahrscheinlichkeit 99 Prozent.
Ältere werden schneller süchtig
Auch wenn der Alkohol gut mundet – für den Körper ist er in jedem Fall eine Belastung. Alkohol ist ein Nervengift, das die Gehirnzellen angreift, aber auch der Leber das Leben schwermacht. Das Entgiftungsorgan kann pro zehn Kilogramm Körpergewicht pro Stunde etwa ein Gramm Alkohol abbauen. Bei einer 80 Kilo schweren Person dauert es also rund eineinhalb Stunden, bis eine Stange Bier (= 12 g Alkohol) unschädlich gemacht ist. Dabei wandelt ein Enzym (Alkoholdehydrogenase) den Alkohol zunächst in eine giftige Zwischenstufe um, bevor ihn ein zweites Leberenzym (Aldehyddehydrogenase) zu Essigsäure abbaut. Die Fähigkeit dazu ist nicht nur geschlechts-, sondern auch altersabhängig. Weil der Wasseranteil im Körper mit dem Alter abnimmt, ist mit der gleichen Menge Alkohol die Konzentration von Alkohol im Blut höher. Die Leber baut den Alkohol darüber hinaus langsamer ab. Weil der Körper also mit Alkohol schlechter umgehen kann, wird Trinken bei Senioren umso schneller zur Sucht.
Dennoch: In den letzten zehn Jahren scheint ein Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden zu haben. Früher war das z'Nüni-Bier auf der Baustelle gang und gäbe, heute ist Alkohol am Arbeitsplatz offiziell verpönt und verboten. Früher gehörte die Flasche Wein am Mittag zum Geschäftsessen, heute ist die Mineralflasche zum Arbeitslunch eine Selbstverständlichkeit. Und auch das Feierabendbier, früher ein Ritual unter Arbeitskollegen, gerät immer mehr ins Zwielicht. «Wenn ich so zurückdenke: Vor 30 Jahren in meiner Lehrzeit ist es ganz normal gewesen, dass ein Gast gekommen ist und morgens zum z'Nüni ein Bier oder einen Kaffee Fertig bestellt hat, und heute ist das fast verpönt», Barbara Schneider-Regli, Wirtin des Restaurants «Zum Rössli» in Oberägeri.