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Mit Skizzenblock und Fotoapparat geht Dieter Hall auf Motivsuche, arrangiert auch Objekte zu Kompositionen, um sie sodann abzulichten. Die Motive verfremdet er durch eine bewusst eingesetzte, etwa auf Form- und Farbfelder reduzierende Formensprache mit vielfach unscharfen Konturen und monochromen Hintergründen.
Ein altes Paar, das noch händchenhaltend durch die Strassen seines Quartiers wackelt, gerinnt in der Vorstellung von Dieter Hall (*1955, Zürich) zu einer figurativen Komposition von zwei zerbeulten, mit Farbe bekleckerten Metallbüchsen. Mit zwei Schnüren aneinandergekoppelt, steht «The old couple», 1996, verloren, fast mitleiderregend auf dem Trottoir an einer Hausmauer. Andernorts sieht man ein Rotkehlchen auf einer Türklinke hocken oder Daniel Schmid, 1998, in Frontalansicht, nachdenklich auf einem Sofa sitzend. Er ist sehr einfühlsam porträtiert und zeigt ihn schon von seiner Krankheit gezeichnet. Vor sich hat Schmid ein Notizbuch liegen und an der Wand hängt ein japanischer Holzschnitt, der zwei maskierte Schauspieler des Nô-Theaters darstellt. Der Holzschnitt spielt auf Dieter Halls Verwendung von japanisierenden Stilmitteln an, so den ungezwungenen Umgang mit der Bildfläche, die Darstellung ohne Hintergrundtiefe, die ungewöhnlichen Perspektiven, die angeschnittenen Motive oder die schmalen Hochformate. Dieter Hall malt einfache Dinge, die er in schlichten Kompositionen wiedergibt. Diese leben von leuchtenden Pastellfarben und von kräftigen, manchmal pastösen Pinselstrichen, was den Gemälden eine grosse, auch mit Empathie erfüllte Sinnlichkeit verleiht. Seit seinen malerischen Anfängen, 1981, noch während seines Kunstgeschichtestudiums, pflegt Dieter Hall als Autodidakt eine unakademische Bildsprache, die er während fast drei Jahrzehnten in New York entwickelt hatte. Die in den neuen Räumen der Rüegg-Stiftung präsentierten Bilder korrespondieren mit Werken des Stiftungsgründers Albert Rüegg (1902-1986) aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Rüegg hatte im Unterschied zu Dieter Hall in Zürich eine Grafikerlehre absolviert und war an der staatlichen Hochschule für angewandte Kunst in München ausgebildet und stark von den deutschen Expressionisten beeinflusst. Obwohl die Künstler beide in der Tradition der klassischen kunsthistorischen Gattungen arbeiten, haben sie ihre Bildfindungen eigenständig, nach rein subjektiven Kriterien und Eindrücken hervorgebracht.