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Im 6. Teil (von insgesamt neun Teilen) zum Schwingeschehen im Muotathal beleuchte ich heute mit den wichtigsten Eckpunkten die Geschichte. Um dieser auf die Spur zu kommen, habe ich einerseits in der Jubiläumsschrift von 1987 (50 Jahre Schwingklub Muotathal), andererseits in jener von 2012 (75 Jahre Schwingklub Muotathal) gelesen.
Schwingklub-Präsident René Schelbert erklärte auf die Frage „Woher hatten die Autoren ihr Wissen und wer hatte diese Jubiläumsschriften geschrieben?“: „Das grösste Wissen hatte mein Vater, Paul Schelbert. Die Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des Schwingklub Muotathal hat er praktisch alleine geschrieben. Zum Verfassen der Schrift zum 75-jährigen Jubiläum wurde eine Kommission gegründet.“
Die 2012 erschienene Jubiläumsschrift wurde vom Schwingklub Muotathal herausgegeben. Verfasst wurde sie von einem sechsköpfigen Team unter der Leitung von Präsident Ady Föhn.
René ergänzte: „Mein Vater Paul hat in der der Jubiläumsschrift von 2012 die Geschichte aufgeschrieben. Ady Föhn war zuständig für die Portraits der Kranzschwinger. Markus Betschart sammelte als zentraler Punkt alle Daten. Josef Betschart fungierte als Korrektor, Karl Heinzer war zuständig für das Steinstossen und die verschiedenen Schwingfeste. Ich war zuständig für die Ehrungen, Jungschwinger und das Vorwort.“
In der Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des Schwingklubs steht zu den Anfängen des Schwingens in unserem Tal geschrieben: „Schon seit Menschengedenken kommt das althergebrachte, ja das älteste Nationalspiel, das Schwingen, im Muotathal vor.“
Weiter ist darin zu entnehmen, dass die Genossame Muotathal gewillt war, einen Beitrag an ein Schwingfest im Jahre 1907 zu bewilligen, vorausgesetzt der Gemeinderat sei auch mit offener Hand dabei. 1914 wurde eine Hauskollekte durchgeführt, deren Ertrag wäre einem im Herbst stattfindenden Schwingfest zu Gute gekommen. Wegen dem Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde das Schwingfest abgesagt, und das Geld auf ein Sparheft gelegt.
Noch bevor 1937 der Schwingklub Muotathal gegründet wurde, fand dann im Frühling 1923 das erste Schwingfest im Muotathal statt. Dieses Schwingfest organisierte der 1921 gegründete Schwingerverband am Mythen. Die Muotathaler Schwinger gehörten damals diesem Verband an. 1929 und 1934 kamen zwei weitere Rangschwingfeste zur Austragung in Muotathal.
Da die Übungsgelegenheiten fehlten, sank in den Jahren 1935 und 1936 die Zahl der aktiven Muotathaler Schwinger auf ein Minimum von zwei. Das seit 1914 auf ein Sparheft gelegte Geld wurde deshalb im Winter 1937 zum Kauf einer schönen Schwingermatte verwendet. Die Schwingermatte wurde im Saal des Gasthauses Sternen untergebracht. Ein halbes Jahr später zählte das Muotatal wieder 12 Schwinger.
Die weite Entfernung zum Sitz des Schwingerverbandes am Mythen und Uneinigkeiten mit ihnen liess die Bande der Kameradschaft lockern. Im Muotatal kam der Wunsch auf, ein selbständiges Glied des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes zu werden.
Die Loslösung vom Schwingerverband am Mythen wurde in die Wege geleitet. Nachdem dieses Vorgehen an verschiedenen Stellen gutgeheissen wurde, stand der Gründung eines dorfeigenen Schwingklubs nichts mehr im Wege.
Am Sonntag, den 5. September 1937, erfolgte die Gründung des Schwingklub Muotathals auf der Alp Äbnet. Im „Äbnetstübli“ trafen sich Peter Gwerder, Paul Bürgler und Josef Betschart mit dem Älpler Josef Bürgler. Auszug aus dem Gründungsprotokoll: „Vier wackere Eidgenossen legten die Hände ineinander wie zum Schwure, treu zu unserer hehren Sache zu stehen, das Schwingen in unserer Talschaft wenn möglich zu fördern und mit aller Kraft zum Gedeihen unseres Klubs beizutragen.“
Die vier Männer bildeten denn auch gleich den provisorischen Vorstand. Zudem wurde beschlossen, am 3. Oktober desselben Jahres ein Gründungsschwinget durchzuführen.
1938 ging der Kampf um die Aufnahme des Schwingklubs Muotathal in den Kantonalverband weiter. Es wurde ein entsprechendes Gesuch gestellt und eine Erklärung beigelegt: „Eher stecken wir die Schwingerei gänzlich auf, als dass wir weiterhin unter dem Mythenverband schwingen.“
Das Gesuch wurde abgelehnt, die Muotathaler mussten weiterhin unter dem Schwingerverband am Mythen schwingen. Diese wiederum beschlossen, beim Mythenverband nicht mehr mitzumachen.
Es kam gar zum Eklat, und die Muotathaler Schwinger blieben dem Kantonalen 1938 fern.
Der ISV-Verbandspräsident lud zu einer Aussprache. Dabei wurde beschlossen, dass der Schwingklub Muotathal der Form nach unter dem Mythenverband figurieren muss, jedoch ab dem 1. Januar 1939 seine Geschäfte probeweise selbständig verwalten darf. Es wurde ihnen eine Probezeit von zwei bis drei Jahren gewährt. Dieses Provisorium befriedigte die Muotathaler keineswegs, wurde dem Frieden zuliebe aber am 27. Januar unterschrieben.
1941 wurde der Schwingklub Muotathal definitiv als sechsten Unterverband des Schwyzer Kantonalen Schwingerverbandes aufgenommen. Pikant: Auf dem Sparheft waren noch 11.85 Franken vorhanden.
Im Jahresbericht schrieb der Präsident unter anderem vom Bundesfeierschwinget, welches am 24. August gleichen Jahres stattfand: „Wo nur die 80 Besten und Wägsten teilnahmen, sahen wir Peter Gwerder und Paul Bürgler das Sägemehl pflügen.“
Der Gewinn von vier Kränzen auf eigenem Boden beim Schwyzer Kantonalen 1954 zeigte, dass sich der Schwingklub im Aufwind befand.
1961 wurde der bisherige Festplatz der Muotathaler Schwingfeste an der heutigen Marktstrasse wegen Überbauungen auf die Herrenmatt verlegt, wo gleichen Jahres am Kantonalen erstmals der Platz benutzt wurde.
1962 wurde 25 Jahre Schwingklub Muotathal gefeiert. Paul Bürgler bescherte dem Klub mit dem Sieg am Innerschwyzerischen und am Schwyzer Kantonalen das schönste Jubiläumsgeschenk.
1970 fanden erstmals in der Geschichte drei Schwingfeste auf dem Klubgebiet statt. Dies sind der Muotathaler Schwinget, der Kantonale Jungschwinget in Illgau und der Nachwuchsschwinget.
1976 erlebten die Muotathaler Schwinger den bisher grössten Erfolg seit der Gründung des Schwingklubs. Am Kantonalen in Einsiedeln gewann Alois Reichlin vor Karl Heinzer. Weiter holten sich Alois Schelbert, Walter Beschart, Emil Imhof und Peter Schelbert I den begehrten Kranz.
1982 holten sich Peter Schelbert I, Peter Schelbert II, Richard Heinzer und Alois Schelbert den Kranz am Innerschweizerischen und feierten einen noch nie dagewesenen Erfolg.
1987 wurde mit einem Jubiläumsschwinget und der bereits erwähnten Jubiläumsschrift 50 Jahre Schwingklub Muotathal gefeiert. Am 25. Oktober gleichen Jahres gingen die Jubiläumsfeierlichkeiten über die Bühne.
1992 schafften sich die Muotathaler Schwinger für einen einheitlichen Auftritt eine Trainerjacke an.
1995 ist ein Jahr der Rekorde. Unter anderem nahmen 25 Aktive am Kantonalen teil, sieben Schwinger holten sich den begehrten Kranz. Weiter durften erstmals an einem Eidgenössischen Schwingfest (ESAF Chur) 6 Athleten die Muotathaler Farben vertreten.
Zudem konnte in diesem erfolgreichen Jahr die neue Schwinghalle in der Mehrzweckhalle Stumpenmatt bezogen werden.
Im Jahr 2000 sind die Muotathaler Schwinger mit 25 herausgeschwungenen Kränzen sehr erfolgreich. Einer sticht dabei besonders hervor: Heinz Suter. Der Turnerschwinger ist mit acht Kranzerfolgen und mit sechs gewonnenen Kranzfesten (darunter drei Bergfeste) der beste Schwinger der Schweiz.
2002 richten sich die Muotathaler Schwinger als einer der ersten Schwingklubs eine Homepage ein.
Guido Gwerder geht 2003 mit erst 16 Jahren als jüngster Kranzer des Schwingklubs Muotathal in die Geschichte ein.
2004 nehmen 27 Aktive (Rekordzahl) am Schwyzer Kantonalen in Pfäffikon teil. Das Fest gewinnt mit sechs Siegen souverän Heinz Suter.
In Luzern holen sich erstmals zwei Schwinger (Heinz Suter und Leo Betschart) an einem Eidgenössischen das begehrte Eichenlaub.
Die Muotathaler Schwinger holten sich in jenem Jahr 20 Kränze, was ebenfalls Rekord bedeutete. Mit diesem Achtungserfolg waren sie der drittbeste Klub der Innerschweiz.
Heinz Suter erkämpfte sich 2007 am ESAF in Aarau den fünften Eidgenössischen Kranz. Der bisher erfolgreichste Schwinger des Schwingklubs Muotathal, welcher nach dem ISV-Fest 2008 in Wolhusen zurücktrat, wurde am 15. Mai 2011 von der Kulturkommission als Sportler der Gemeinde Muotathal geehrt.
Am 22. April 2012 wurde mit einem Jubiläumsschwingfest, welches Schwingerkönig Kilian Wenger in eindrücklicher Manier gewann, 75 Jahre Schwingklub Muotathal gefeiert. Mit einer Jubiläumsfeier am 8. Dezember gleichen Jahres und der Vorstellung der eingangs erwähnten Jubiläumsschrift wurde das Jubiläum würdig abgerundet.
Erst kürzlich, am 26. April, konnten fünf Muotathaler Kränze nach dem Schwyzer Kantonalen in Küssnacht gefeiert werden. Vier Schwinger holten sich dabei ihr erstes Eichenlaub, was es bisher in der Geschichte des Muotathaler Schwingens noch nie gab.
Nebst dem beinahe jährlich stattfindenden Rangschwinget fanden Schwyzer Kantonale Jungschwingertage in Muotathal und Illgau statt. Zudem organisierte der Schwingklub Muotathal bisher 1940, 1946, 1954, 1961, 1967, 1978, 1984, 1990, 1996, 2002, 2009 und 2014 zwölf Schwyzer Kantonale Schwingfeste im Tal. Für das Innerschweizerische Schwingfest wurde 1976 und 2006 der Zuschlag erhalten.
1995 fand zur Einweihung der Mehrzweckhalle das bisher erste und einzige Hallenschwinget statt.
Geschwungen wird und wurde auf folgenden Plätzen: Gätzlersmatte, Marktplatz (heute Marktstrasse 7-9), von 1962 bis 1973 auf dem Herrenmattli und seit 1974 auf der Stumpenmatt.
Die Anzahl Schwinger variierte von zwei (in den Anfangstagen, respektive vor der Gründung des Schwingklub Muotathals) bis 58 (Mitte der 1990er Jahre).
1937 wurde im Saal des Restaurants Sternen ein erstes Trainingslokal bezogen. Ein Jahr später wurde die Schwingermatte in die St. Josefshalle gezügelt. Von 1941 bis 1972 fanden die Schwinger eine Übungsgelegenheit im Keller des Schulhaus Wil. In der Jubiläumsschrift „75 Jahre Schwingklub Muotathal 1937 – 2012“ ist dazu wörtlich zu lesen: „Die Muotathaler sind stolz, dass sie die schönste Schwinghalle im Kanton ihr eigen nennen dürfen.“
1972 konnte in der neu errichteten Schulanlage Muota eine neue Schwinghalle bezogen werden. Dort blieb man bis 1995. In jenem Jahr wurde in die neue und grössere Schwinghalle in der Mehrzweckhalle Stumpenmatt gewechselt. In diesem schönen Trainingslokal wird auch heute noch trainiert.
feldwaldwiesenblogger