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Mit zehn Siegen hat Heinzer im Weltcup so oft wie kein anderer triumphiert. An Olympischen Spielen dagegen wartet er weiter auf einen Podestplatz. Schon 2012 in London scheiterte er im Achtelfinal, 2016 in Rio de Janeiro wurde er Siebenter.
In Tokio sah es für Heinzer gut aus, zumindest wieder den Viertelfinal zu erreichen. Der 33-jährige Schwyzer führte gegen den ukrainischen Weltranglisten-Dritten und späteren Bronzemedaillengewinner Igor Reislin 12:9, ehe ihm kein Punkt mehr gelang und er 12:15 verlor. «Ich entschied mich in die Defensive zu gehen, da er bis zu diesem Zeitpunkt noch keine wirklich erfolgreichen Angriffe ausgeführt hatte», sagte Heinzer. «Das 12:10 und 12:11 waren zwei sehr enge Punkte. Das gab ihm Auftrieb, und er konnte von diesem Flow profitieren. Er hatte am Ende das bessere Selbstvertrauen, der Treffer zum 13:12 war Weltklasse.»
Zudem hatte Heinzer das Gefühl, das 13:13 gemacht zu haben, nachdem er zu seinem Paradestoss auf den Rücken angesetzt hatte. Seine rote Lampe leuchtete jedoch nicht auf. «Das war schade. Danach wurde es sehr schwierig.» Schliesslich hatte Reislin nicht umsonst im März beim Weltcup in Kasan das zuvor einzige internationale Kräftemessen in diesem Jahr zu seinen Gunsten entschieden.
Bedauern, am Ende dem Gegner die Initiative überlassen zu haben, hatte Heinzer nicht. In der Runde zuvor, als er gegen den Ukrainer Roman Switschkar 15:11 gewann, war diese Taktik aufgegangen, was ihm Vertrauen in die Defensive gab. Ihm war aber bewusst, dass es von aussen betrachtet nicht verständlich war, dass er nicht weiter auf Angriff setzte. «Es ist sicherlich eine Niederlage, die bitter ist, da ich gut gefochten habe. Aber wenn beide gut kämpfen, muss leider jemand verlieren», führte Heinzer aus.
Zu Beginn des Kampfs spielte Heinzer mit seinem Gegner, tänzelte er herum, was ein lustiges Bild bot. Er entschloss sich dazu, weil er bei seinen Turniersiegen oft etwas Spezielles gemacht und er Lust dazu hatte. Mit Reislins Reaktionen auf die Provokationen erarbeitete er sich Ideen und diese setzte er eine Zeitlang eiskalt um. «Ich machte ziemlich oft den gleichen Punkt und dachte, wahrscheinlich ist er jetzt dann bereit für diesen.» Ob dies der Fall gewesen wäre, wird er nie erfahren.
Vor Heinzer hatte Reislin schon Benjamin Steffen ausgeschaltet – er verlor nach einem 9:9 mit 11:15. Der 39-jährige Basler lag in diesem Kampf nie in Führung. Es kostete ihn viel mentale Stärke, immer wieder zurückzukommen. «Wenn man gegen ihn hinten ist, ist es extrem schwierig», so Steffen. «Beide nahmen ständig Anpassungen vor, was spannend war. Leider hatte er das bessere Ende für sich. Insgesamt lieferte ich aber keinen schlechten Kampf ab.»
Für Steffen war es das letzte Gefecht im Einzel. Er beendet nach Tokio seine Karriere, die er wegen der Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr verlängert hatte. Umso enttäuschter war er über das Out im zweiten Kampf, nachdem er zuvor den Russen Pavel Suchow 15:12 bezwungen hatte. «Ein Kindheitstraum ist nicht in Erfüllung gegangen», bedauerte Steffen. Beim 4. Platz vor fünf Jahren in Rio de Janeiro hatte wenig zu einer Olympia-Medaille gefehlt.
Eine Chance bleibt ihm jedoch noch, am Freitag im Teamwettbewerb. Dort rechnen sich die Schweizer, die im Viertelfinal auf Südkorea treffen, gute Chancen aus, auch wenn es im Einzel keinen Exploit gab. Michele Niggeler ging in der ersten Runde gegen den Amerikaner Yeisser Ramirez sang- und klanglos unter (6:15). «Wir werden alle bereit sein», verspricht Heinzer. (rst/sda)