Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03310.jsonl.gz/192

Maria Eichhorn recherchiert ausgiebig für ihre ortsspezifischen Interventionen, die gesellschaftliche und ökonomische Situationen hinterfragen. Formal wirken die Werke karg und spröde; doch sind sie so angelegt, dass sie einen Diskurs auslösen. Im Migros Museum sind nun 12 Arbeiten aus den letzten 30 Jahren zu sehen.
Gegenwärtig erfolgt der Eingang ins Migros Museum wegen Umbauarbeiten über den Innenhof. Da hämmert, dröhnt und wummt es; und im Saal des Migros Museums ist es unvermittelt still. Zunächst könnte man meinen, seien die Arbeiten hier fertiggestellt, stehen doch scheinbar zufällig vergessene Dinge herum: an einer Wand ein riesiger Besen, in einer Ecke zwei Papiertüten mit dem Aufdruck Data Quest Apple Premium Reseller voller leerer Produktverpackungen, andernorts ein Roller mit aufgelegten Plakaten und an einer Wand lehnt ein zusammengerolltes Transparent. Doch weit gefehlt. Zwei in der Saalmitte stehende Glasvitrinen klären über den konzeptuellen, minimalistischen Impetus von Maria Eichhorn auf. In den Vitrinen sind gesammelte Dokumente der Eigentumsübertragung eines leer stehenden Altbaus in einem früher wohlhabenden Viertel in Athen ausgelegt. Maria Eichhorn (*1962, Bamberg) hatte die Immobilie im Hinblick auf die Documenta 14 erworben. Das Haus führte sie in ein Nichteigentum über. Wie soll denn das gehen, fragt sich das Publikum. Der Grund liegt in der massiven griechischen Wirtschaftskrise, seit der viele Athener ihre Eigentumssteuer nicht mehr bezahlen können, und die verlassenen Häuser somit günstig zu erwerben sind. Maria Eichhorn transformiert den Bau in ein Kunstwerk und nennt es <Building an Unowned Property>. Gemäss Konzept besteht das Werk darin, den Status eines Gebäudes in ein Nichteigentum zu überführen, «in allen Aktivitäten und Prozeduren, die dafür notwendig sind, unter anderem die juristischen Recherchen, die Suche nach verfügbaren Gebäuden, die Begehungen, die Auswahl und die notariell bestätigte Beglaubigung des neuen juristischen Status des Gebäudes und Grundstücks». Das Migros Museum finanzierte das Werk und entscheidet auch über die Nutzungsmöglichkeiten: Künstler-Residenz, Ausstellungsraum oder Obdachlosen-Asyl. Auch eine weitere Arbeit, <72 Bilder>, 1992/93, befindet sich in der Sammlung des Migros Museums, und ist nun im gesamten Obergeschoss einreihig gehängt. Anlässlich der Ausstellung «Qui, quoi, où» im Musée d’Art moderne de la ville de Paris liess die Künstlerin Leinwände von Museumsangestellten aus einer Auswahl von 72 verschiedenen Ölfarben eines Sortiments monochrom bemalen. Diese Arbeit veranschaulicht Maria Eichhorns Idee der Dematerialisierung von Kunstwerken in Kombination mit ihrer konzeptuellen Herangehensweise sehr gut, während die äusserst reduzierten in-situ-Werke die komplexen thematischen Zusammenhänge kaum vermuten würden.
Maria Eichhorn — Zwölf Arbeiten (1988-2018), Migros Museum für Gegenwartskunst, bis 3.2.2019.