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Amy und Jason lernen sich kennen, als sie 24 Jahre alt sind. Ein Freund von Amys Vater hat das Gefühl, dass die beiden zusammen passen. Sie verabreden sich zum Essen. Er holt sie ab. Sie findet ihn nett. Sehr, sehr nett.
Die beiden sind unfassbar glücklich miteinander. Sie ist Kinderbuchautorin, er ist Anwalt, sie haben drei Kinder. Am 5. September 2015 ändert sich alles: «Wollt ihr einen kranken Witz hören? Ein Mann und eine Frau gehen in den Notfall. Ein paar Stunden und Tests später, erklärt der Arzt, dass der seltsame Schmerz, den die Frau in ihrer rechten Seite spürt, kein gewöhnlicher Blinddarm, sondern wahrscheinlich ein Eierstockkrebs ist.»
In den Morgenstunden des 6. Septembers gehen sie nach Hause. Ihr jüngstes Kind ist soeben ausgezogen, Amy und Jason hatten grosse, gemeinsame Pläne. Sie lösten sich alle in Luft auf. Besonders einer:
In wenigen Tagen oder Wochen wird Amy sterben. Und deshalb hat sie jetzt einen Liebesbrief über ihren Mann in der «New York Times» geschrieben, der zugleich ein Empfehlungsbrief an eine mögliche zukünftige Partnerin von Jason ist. Er heisst «You May Want to Marry My Husband». Möglicherweise willst du meinen Mann heiraten.
Denn Jason sieht für seine 52 Jahre nicht nur schampar gut aus (graulockig, sensibel, gross, schlank, hier geht's zum Beweisbild), nein, er zieht sich auch so cool an, dass sich die beiden erwachsenen Söhne Justin und Miles stets an seiner Garderobe bedienen. Und dass Tochter Paris, 19, am liebsten mit ihm zu Konzerten geht.
Am Sonntagmorgen steht er vor seiner Frau auf, kocht Kaffee und dekoriert den Tisch mit kleinen Smileys aus Löffeln, Bananen und Tassen. Ist es zu fassen?
Ein Gesicht wie Gedicht. Liebe Leserinnen und Leser, weint ihr schon?
«Ich hätte gern mehr Zeit mit Jason. Und mit den Kindern. Ich will noch viel mehr Martinis trinken – jeden Donnerstag im Green Mill Jazzclub». Aber dies wird nicht geschehen. Mir bleiben wohl nur noch wenige Tage als Mensch auf diesem Planeten. Wieso also mach ich das?»
Es ist Mitte Februar, als Amy ihre Zeilen für die «New York Times» verfasst.
Und was sagt Jason über den Abschiedstext seiner Frau? «Es hat mich zerrissen.» Mögen die beiden noch ein paar gute letzte Tage miteinander haben.
Amy Krouse Rosenthal lebt in Chicago. Sie hat 28 Kinderbücher geschrieben, darunter «Ausrufezeichen!», «Das kleine Ferkel, das immer aufräumen wollte», «Ente! Hase!», «Kuss für dich!», «Ab ins Bett, kleiner Bär» oder «Die kleine Eule, die nicht immer so lange aufbleiben wollte».
Die Coolness kam schon mit dem Namen, den ihm seine Eltern mit auf den Weg gaben: Keanu ist hawaiianisch und bedeutet «kühle Brise über den Bergen». Seine Mutter war Tänzerin und Kostümdesignerin, sein vor vier Jahren verstorbener Vater Geologe. Und Junkie. Und Heroin-Dealer. Was schliesslich zur Trennung der Eltern führte. Keanu und seine Schwester Kim hatten danach keinen Kontakt mehr zum Vater. Und Keanu beschloss, ein guter Mensch zu werden. Empathisch, gelassen, verantwortungsbewusst.