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Die geheime Reise ist die Geschichte einer verbotenen Liebe. Der poetische Roman von Marcel Jouhandeau (1888–1979) ist aber auch eine Kriminalerzählung. Denn er enthält versteckte Indizien, die den Autor verraten und den historischen Zusammenhang sichtbar machen: Im Herbst 1941 nimmt ein französischer Schriftsteller auf Einladung von Joseph Goebbels an einer propagandistischen Rundreise durch Nazi-Deutschland teil. Er verliebt sich in den deutschen Offizier, der sie organisiert. Und er scheint zu ahnen, dass er sich mit den Falschen eingelassen hat. Jouhandeau hat seine Kollaboration zugleich kunstvoll verschlüsselt und subtil angedeutet. Seine geheime Reise handelt von der Verführungskraft des Faschismus und von der Schwierigkeit, sich ihrer bewusst zu werden.
»Die geheime Reise« von Marcel Jouhandeau erschien erst nach dem Zweiten Weltkrieg im französischen Original. Im Verlag Das Vergessene Buch wird sie nun zum ersten Mal auf Deutsch wiederentdeckt – zusammen mit dem Originalreisetagebuch von 1941 übersetzt und herausgegeben von Oliver Lubrich.
Herausgeber: Oliver Lubrich
DVB Verlag
06.2022
Von 1799 bis 1804 reist Alexander von Humboldt nach und durch Amerika, später nach Russland und bis an die Grenze des chinesischen Kaiserreichs. Was seine Reisen begleitet, ist das Schreiben. Aus seinen veröffentlichten, aber auch unveröffentlichten Schriften entsteht in Oliver Lubrichs Untersuchung ein Bild des Reisenden selbst: neugierig und trotz Vorurteilen stets bereit, genau diese an seiner Umgebung zu überprüfen. Das macht seine Aufzeichnungen bis heute so brisant: Sie sind das Zeugnis einer Wissenschaft, die versucht, der Welt so nah wie möglich zu kommen, so genau wie möglich von ihr zu berichten und auch das eigene Scheitern unbedingt produktiv zu machen. Während Humboldt das Wissen über die Welt im Namen der Forschung verändert, verändert die Welt, die er entdeckt, auch ihn: Da ist der missglückte Aufstieg auf den Chimborazo, die unüberwindbare Felsschlucht, die sich in einem wahnwitzigen Verfahren im Text niederschlägt. Da sind der Orientalismus und die Antikisierung der überseeischen Kulturen – Verfahren, die Humboldt dekonstruiert. Und da ist die Zensur seiner Schriften im zaristischen Russland, die ihn dazu zwingt, verdeckte Formen für die Erzählung einer Reise unter politischem Druck zu finden, die brandaktuell sind. Immer mehr erscheint Humboldt nicht nur als Schreibender, sondern auch als Geschriebener. In jedem Buch wagt er einen anderen Entwurf, um Objektivität und Subjektivität neu zu vermitteln. Seine intellektuelle Biografie zeigt, dass in der Veränderung selbst der größte Erkenntnisgewinn liegt.
Oliver Lubrich
Matthes & Seitz Berlin
05.2022
Memes dienen nicht nur der popkulturellen Unterhaltung oder der Kunst, sie werden auch in der Politik, in lokalen und internationalen Wahlkämpfen oder auf Demonstrationen verwendet. In ihrer typischsten Form sind sie Text-Bild-Gefüge, die sich digital mit viraler Geschwindigkeit verbreiten und transformieren.
Joanna Nowotny und Julian Reidy nehmen sich dieses Internetphänomens aus kulturwissenschaftlicher Perspektive an. Sie betreten Neuland, indem sie einzelne Memes kasuistisch analysieren und ihre Erkenntnisse systematisieren, um diese digitale Kommunikationsform definitorisch neu zu bestimmen – in stetem Bezug zu anderen digitalen Phänomenen wie dem trolling.
Joanna Nowotny, Julian Reidy
transcript
03.2022
John F. Kennedy reiste als junger Mann dreimal nach Nazi-Deutschland: 1937 als Student, in einer Zeit der trügerischen Ruhe; 1939 als Botschaftersohn, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs; und 1945 als Reporter, während der Potsdamer Konferenz. Seine Aufzeichnungen hat Kennedy selbst nie veröffentlicht. Sie zeigen, wie ein ausländischer Beobachter die deutsche Diktatur wahrnehmen konnte - unmittelbar, vor Ort, ohne nachträgliche Bearbeitung. Im Rückblick erkennen wir blinde Flecken und Fehleinschätzungen, aber auch Einsichten von großer Aktualität, etwa zu Populismus und Propaganda. Auf seinen deutschen Reisen beschäftigten Kennedy die entscheidenden Fragen seiner späteren Präsidentschaft: Wie funktioniert eine Diktatur? Wie ist einem alternativen Gesellschaftsentwurf zu begegnen? Und wie lässt sich ein drohender Krieg abwenden? Kennedys Europa- und Russland-Politik und auch seine berühmte Berliner Rede von 1963 ("Ich bin ein Berliner") sind vor diesem Hintergrund zu verstehen.
Herausgeber: Oliver Lubrich
DVB Verlag
10.2021
Der Naturforscher und Reiseschriftsteller Alexander von Humboldt (1769–1859) ist als Autor von Großwerken wie dem monumentalen »Kosmos« bekannt. Seine Publizistik – rund 750 Aufsätze und Artikel in Zeitschriften und Zeitungen – ist hingegen noch kaum erforscht, weder wissenschafts- noch medienhistorisch, weder werkgeschichtlich noch philologisch. Die vorliegende Studie erschließt Humboldts publizistische Schriften im Zeitraum 1830–1835, dem Beginn von Humboldts Spätwerk, als er sich nach seinen Expeditionen in Amerika und Russland und langjährigem Aufenthalt in Paris wieder in Berlin niederließ. Humboldt verfasste in dieser Zeit u. a. Beiträge zu China und zur Paläontologie, zur Suche nach der Nordwestpassage und zum Südpol, zum Goldabbau in Sibirien und zur Agave in Mexiko. Ein Nachruf auf seinen Bruder Wilhelm, der 1835 starb, ist ein bedeutendes biographisches Zeugnis.
Als eine der ersten Forschungsarbeiten zum Corpus von Humboldts kleineren Schriften ist diese Studie als Publikationsbiographie konzipiert, die Humboldts intellektuelle Entwicklung nachvollzieht. Sie bietet Einführungskommentare zu den 45 Texten des Untersuchungszeitraums und gibt jeweils die zum Verständnis und zur wissenschaftshistorischen Einordnung erforderlichen Informationen. So vervollständigt sie die Kenntnis seiner Werkbiographie und eröffnet neue Perspektiven auf einen bisher kaum bekannten Humboldt.
Herausgeber: Thomas Nehrlich
Aisthesis Verlag
09.2021
Herausgeber: Oliver Lubrich, Thomas Nehrlich
www.humboldt.unibe.ch
09.2021
Die Feuerberge ließen ihn nicht los. 58-mal bestieg William Hamilton den Vesuv. 58-mal Staub, Hitze und höchste Gefahr, giftige Gase und glühende Lava. Seine Naturbeobachtungen beschrieb Hamilton in mitreißenden Reportagen. Jetzt erscheint sein Reisebericht zum ersten Mal vollständig in deutscher Sprache zusammen mit den prächtigen Originalabbildungen. Sir William Hamilton (1730-1803) gehörte dem britischen Hochadel an. Nach einer Karriere als Offizier ging er als Diplomat an den Hof des Königs von Neapel. Für das British Museum sammelte Hamilton griechische Vasen. Goethe begeisterte er für die italienischen Altertümer. Seine Frau Emma, 35 Jahre jünger als er, machte Skandal als Erotik-Star und Geliebte von Admiral Nelson. Hamilton glühte nur für die Vulkane. Er zählt zu den Gründervätern der Vulkanologie. Seine Schilderung der Naturgewalten ist in Zeiten des Klimawandels aktueller denn je.
Herausgeber: Oliver Lubrich, Thomas Nehrlich
WBG
09.2021
Geschichten von Lukas Bärfuss (Schweiz), Joanna Bator (Polen), Hans Christoph Buch (Deutschland), Louis-Philippe Dalembert (Haiti), Lizzie Doron (Israel), Mathias Énard (Frankreich), Xiaolu Guo (China), Nedim Gürsel (Türkei), Josefine Klougart (Dänemark), Wendy Law-Yone (Burma), Wilfried N’Sondé (Kongo), Fernando Pérez (Kuba), Peter Stamm (Schweiz), Juan Gabriel Vásquez (Kolumbien), David Wagner (Deutschland).
Herausgeber: Oliver Lubrich, Reto Sorg
Diogenes
08.2021
Die burmesisch-amerikanische Autorin Wendy Law-Yone beschreibt in diesem Buch, wie wichtig für sie und ihr Schaffen die Begegnung mit der deutschen Sprache und dem Werk Friedrich Dürrenmatts gewesen ist. Über die deutsche Sprache kam sie zum Schreiben. Beeindruckt von Dürrenmatts Tragikomödie »Der Besuch der alten Dame« beschäftigte sie, die von der Militärdiktatur aus ihrem Land vertrieben wurde, sich insbesondere mit dem Thema der Rache. Ihr Bericht ist sehr persönlich, offen und heiter.
Dieser Band präsentiert einem deutschsprachigen Publikum erstmals das Werk einer postkolonialen Autorin, die im englischsprachigen Raum bereits eine anerkannte Größe ist.
Herausgeber: Oliver Lubrich
Verbrecher Verlag
08.2021
Como parte del proyecto internacional Alexander von Humboldt – Escritos completos de Berna, Suiza, Editorial Herder México presenta una segunda entrega de cincuenta textos que hasta el momento habían quedado dispersos en publicaciones periódicas de distintas épocas, idiomas y nacionalidades, cincuenta textos nunca antes editados en español.
En este volumen se compilan observaciones, pensamientos y conclusiones de las expediciones que Humboldt realizó a los volcanes y ríos del centro y sur de América; investigaciones sobre el crecimiento poblacional en el aquel entonces Nuevo Continente, el clima de la península ibérica o las tribus y lenguas norteamericanas, así como reportes derivados de investigaciones realizadas por sus colegas en Medio Oriente, disquisiciones sobre el topónimo “América”, revisiones sobre los sistemas de numeración, una narración sobre sus intentos de escalar el Chimborazo, y muchos más fascinantes temas. Asimismo, se encuentra el reconocimiento y agradecimiento a los exploradores, científicos e intelectuales, entre los que se incluía Wilhelm, su hermano, con los que se alió para saber más sobre el mundo y los seres que lo habitan.
Entre estos textos también se puede conocer su postura en contra de la discriminación a los judíos y en contra de la esclavitud. Se trata de un volumen que nos permite conocer el trabajo y el pensamiento del gran científico humanista del siglo XIX.
Editor: Oliver Lubrich
Herder
08.2021
Neben seinen Großwerken hat Alexander von Humboldt (1769–1859) auch ein umfangreiches publizistisches Œuvre veröffentlicht: über 750 verschiedene Aufsätze, Artikel, Essays in Zeitungen und Zeitschriften und als Beiträge zu den Werken anderer Autoren. Rund 40 davon sind auch in russischer Sprache erschienen, vor allem im Anschluss an Humboldts Reise durch Zentral-Asien 1829. Es handelt sich um eine Erzählung, Reiseberichte und Briefe sowie Fachaufsätze zum Beispiel zur russischen Geologie. Sie werden in dieser Edition erstmals gesammelt und nach den historischen Originalen wiedergegeben.
Herausgeber: Oliver Lubrich, Thomas Nehrlich
Peter Lang
08.2021
Wissenschaften zusammendenken – dies ist ein Leitmotiv in Alexander von Humboldts problemorientierter Forschung. In diesem Sinn versammelt der vorliegende Band eine Reihe von Beiträgen, die sich aus der Sicht verschiedener Fächer heute mit dieser Forschung auseinandersetzen, in den Sciences ebenso wie in den Humanities. Die Perspektiven reichen von Klimaforschung, Ökologie, Botanik, Zoologie und Vulkanologie bis zu Geschichte, Wissenschaftsgeschichte, Kunstgeschichte, Kartografie, Literaturwissenschaft und Museologie.
Herausgeber: Sara Kviat Bloch, Oliver Lubrich, Hubert Steinke
Haupt Verlag
08.2021
Abhandlungen der Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V.
Herausgeber: Oliver Lubrich, Ulrich Schmidt-Denter
Humboldt-Gesellschaft
08.2021
«Der doppelte Matthias und seine Töchter», 1929 erschienen und 1941 unter der Regie von Sigfrit Steiner verfilmt, ist eine Brautschaugeschichte unter umgekehrtem Geschlechtervorzeichen. Fünf eigenwillige Bauerntöchter, die auf dem abgelegenen Hof ihres verwitweten Vaters Matthias Stump aufwachsen, wehren nicht nur schmalbrüstige Verehrer ab, sondern mit vereinten Kräften auch andere Eindringlinge, die es wagen, die Marken des Ruchegg-Hofes zu übertreten.
Meinrad Lienert gilt als einer der Begründer der Schweizer Mundartdichtung. Sein Band über «Schweizer Sagen und Heldengeschichten» (1914) machte ihn zu einem viel gelesenen Dichter. Sein umfangreiches, volkstümliches Werk ist allerdings mittlerweile in Vergessenheit geraten. Lienert war aber keineswegs ein heimattümelnder Schriftsteller, dessen Werk sich im Kontext einer der Geistigen Landesverteidigung verpflichteten Kulturprogrammatik ohne Weiteres politisch instrumentalisieren liess. Der Charakter des Protagonisten wird von ihm bewusst so geformt, dass er die didaktische Stossrichtung des Werks, die Achtung vor dem Selbstbestimmungsrecht des schollenverbundenen Bauerntums, überlagert. Nicht zuletzt deswegen lohnt sich eine Lektüre des «Doppelten Matthias» auch heute noch.
Herausgeber: Lukas Künzler
Chronos Verlag
03.2021
Jeremias Gotthelf erzählt in diesem Roman die Geschichte der Wirtin Eisi, welche nach dem durch die Trunksucht verursachten Tod ihres Mannes mit ihrem heruntergewirtschafteten Wirtshaus „vergeltstagt“ wird. Das Wirtshaus steht „auf der Gnepfi“ („auf der Kippe“), eine treffende fiktive Ortsbezeichnung für den schwankenden ökonomischen Zustand, in dem es sich befindet. Doch nicht nur der Finanzhaushalt, sondern auch der moralische Zustand des Wirtepaars ist zweifelhaft. Aufgrund der haltlosen Geschäfts- und Lebensführung muss die Witwe das verschuldete Wirtshaus einem Nachlassverfahren unterziehen lassen und geht schliesslich Konkurs.
Das Wort „Wirthschaft“ bezeichnet bekanntlich nicht nur die Ökonomie im Allgemeinen, sondern auch eine Einrichtung zum Verzehr von Speis und Trank. Ausgehend vom konkreten Erfahrungsraum eines Gasthauses überführt Gotthelf den lehrhaften Gehalt des Romans in aufklärungskritische Kommentare.
Den Grund für das Debakel „auf der Gnepfi“ sieht er erstens in der „neumodischen“ Bildung, die als oberflächliche Schnellbleiche Hochmut und Hoffahrt fördere und den echten Bildungsauftrag des Lebens verpasse.
Zweitens kritisiert Gotthelf das liberale Menschenbild des Radikalismus, das am Bedürfnis des Menschen nach Gesetzen vorbeiziele. Dies gelte gerade auch für Wirtshäuser, die mit dem Alkoholausschank zum schädlichen Zeitvertreib einlüden und als verfehlte Bildungsstätten dienten. Dabei beanstandet er neben den verheerenden individuellen und sozialen Auswirkungen auch die Folgen für die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt.
Dass in der „neumodischen“ Lebensführung vieler Menschen sozusagen Hopfen und Malz verloren sind, wird an der Causa auf der Gnepfi exemplarisch vorgeführt. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass eine neue Generation heranwachse, die sich von den Altvätern bilden lässt.
Herausgeberin: Barbara Berger
Olms
03.2021
Die Beiträge dieses Bandes gehen auf eine internationale Tagung zurück, die 2017 in Manchester stattgefunden hat. Sie untersuchen die Darstellung von Geschichte in der mittelalterlichen deutschen Literatur auf der Basis von aktuellen erzähltheoretischen Forschungsansätzen. Dabei wird ein breites Spektrum an Texten, Gattungen und Diskursen in den Blick genommen; als Angelpunkt für zahlreiche relevante Fragestellungen erweist sich die im 12. Jahrhundert entstandene ›Kaiserchronik‹. Geleitet von der Erkenntnis, dass Vergangenheit erst im Erzählen zu Geschichte wird, analysieren die Beiträge einschlägige narrative Strategien.
Herausgeber: Sarah Bowden, Manfred Eikelmann, Stephen Mossman und Michael Stolz
Narr Francke Attempto Verlag
02.2021
Die Erzählsammlung der "Bilder und Sagen aus der Schweiz" erschien ursprünglich 1842–1846 in sechs Einzelbänden im Solothurner Verlag Jent & Gassmannn und ist in dieser Form nie wieder gedruckt worden. Gotthelf vereinte hier Erzählungen, die noch heute zu den bekanntesten Werken des Pfarrerdichters zählen: Den ersten Band eröffnete "Die schwarze Spinne", eine eindrucksvoll komponierte Novelle, die zugleich eine Allegorie auf die Ambivalenzen des Freiheitsbegriffs bietet. Zwei bereits gedruckte Texte überarbeitete Gotthelf für den ersten Band seiner Erzählsammlung ("Ritter von Brandis", "Das gelbe Vögelein" und "Das arme Margrithli").
Im zweiten Band folgten die historische Novelle "Der Druide" sowie der später zum Roman ausgebaute Erzähltext "Geld und Geist oder die Versöhnung" – heute nicht zuletzt durch eine der vergleichsweise anspruchsvolleren Gotthelf-Verfilmungen bekannt. Ursprünglich als Novelle aus der Gegenwart geplant, erweiterte Gotthelf den Text über einen Berner Bauernhof in zwei Fortsetzungen. Erstmals seit der Erstpublikation gibt die historisch-kritische Edition den Roman in dieser Gestalt zunehmender Erweiterung wieder und zudem im ursprünglichen Kontext der historischen Novellen, die in unterschiedlicher Weise zwischenmenschliche Beziehungen, Familie, Heimat, Freiheit und Pflicht in Geschichte und Gegenwart profilieren.
In den Bänden drei bis sechs folgten neben den Fortsetzungen Gotthelfs teils an Walter Scott erinnernde Novellen "Der letzte Thorberger" und "Die Gründung Burgdorfs".
Herausgeber: Barbara Berger, Christian von Zimmermann
Olms
12.2020
Johann von Neumarkt (ca. 1310–1380) schuf ein Korpus von deutschsprachigen Gebeten, das anhand der handschriftlichen Überlieferung rekonstruiert wird. Eine stilistische Untersuchung sowie detaillierte inhaltliche Interpretationen unter Berücksichtigung des Quellenmaterials konturieren das sprachliche, theologische und frömmigkeitsgeschichtliche Profil des Korpus, welches die volkssprachige Gebetbuchkultur des Spätmittelalters vor allem im ober-, aber auch mitteldeutschen Sprachraum in besonderer Weise prägte.
Kathrin Chlench-Priber
Reichert Verlag
11.2020
Die soziale Frage war für den Berner Pfarrer Albert Bitzius, besser bekannt als der Schriftsteller Jeremias Gotthelf (1797–1854), Teil eines tiefgreifenden religiösen Problems. Er war überzeugt, dass die Not von einer Gesellschaft erzeugt wurde, die sich nicht mehr auf christliche Grundsätze berief.
Im Unterschied zu anderen kirchlichen Bestrebungen ging es ihm aber nicht um die „Rechristianisierung“ der vermeintlich moralisch und sittlich verkommenen Armen und die Restauration der Sozialordnung. Vielmehr stand er in engem Kontakt mit der neuen Reformpädagogik und beeinflusste mit seinem Heim für Verdingkinder auch Friedrich Fröbel, den Begründer des Kindergartens. Die fortschrittsgläubigen Radikalliberalen, welche die Lösung der sozialen Probleme in einem zentralisierten, wertneutralen und religiös indifferenten Staat sahen, erkannten dies nicht und sahen in ihm nur den konservativen Reaktionär und Heimatdichter.
Herausgeber: Lukas Künzler
Olms
11.2020
„Geist und Tat“ sind vielfältig aufeinander bezogen – als Konkurrenz zwischen Intellekt und Heroismus, als komplementäre Ergänzung von Dichter und Herrscher oder als Synthese in einer Figur. Auf der Basis aktueller Heroismus- und agency-Konzepte erhellt der Sammelband in Einzelstudien aus unterschiedlichen Disziplinen die historisch ,tiefen‘ und die räumlich-kulturell ,breiten‘ Dimensionen des Themas, um so exemplarisch das kulturhistorisch produktive Potential eines ,intellektuellen Heroismus‘ von der Antike bis zur Gegenwart zu bestimmen.t.
Herausgeber: Barbara Beßlich, Nicolas Detering, Hanna Klessinger, Dieter Martin, Mario Zanucchi
Ergon
10.2020
Unter den Namenbuchprojekten der deutschen Schweiz nimmt das von dem Dialektologen und Volkskundler Paul Zinsli begründete ‹Ortsnamenbuch des Kantons Bern› eine zentrale Stelle ein. Die Dokumentation und Deutung der Orts- und Flurnamen des deutschsprachigen Teils des Kantons Bern kann sich auf eine umfangreiche Belegsammlung stützen, mit deren Erhebung noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begonnen worden war.
Das siedlungsgeschichtlich sehr komplexe Untersuchungsgebiet umfasst voralpines und alpines Gelände sowie große Teile des Schweizer Mittellandes und geht im Westen in die Romandie über.
Das mehrbändige ‹Ortsnamenbuch des Kantons Bern› erschließt als wissenschaftliches Grundlagenwerk das bernische Namengut für Studierende und Fachvertreter*innen ebenso wie für interessierte Laien und liefert universitären wie privaten Forschungsvorhaben in den Gebieten der Sprachgeschichte, Sprachkontaktforschung, Dialektologie, Wortbildung, Siedlungsgeschichte und Archäologie wesentliche Daten und Anstöße.
Herausgeber: Thomas Franz Schneider, Roland Hofer, Luzius Thöny
Narr
10.2020
Wolframs von Eschenbach kurz nach 1200 entstandener ‹Parzival›-Roman ist in einer reichen Überlieferung von 16 nahezu vollständigen Handschriften, einem Druck von 1477 und 72 Fragmenten erhalten. Diese Publikation stellt fünf der heute bekannten Manuskripte in ihrer jeweiligen kodikologischen Eigenart einem breiteren Publikum vor. Eingehend beschrieben, untersucht und kontextualisiert werden folgende Codices: die beiden wichtigen, bald nach der Mitte des 13. Jahrhunderts entstandenen Textzeugen in Gestalt der St. Galler Epenhandschrift (Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 857) und der Münchener Wolfram-Handschrift (Bayer. Staatsbibliothek, Cgm 19), die zwei im früheren 14. Jahrhundert angefertigten Handschriften des ‹Rappoltsteiner Parzifal›, die heute in Karlsruhe (Donaueschingen 97) und Rom (Biblioteca Casanatense, Ms. 1409) aufbewahrt werden (Beitrag von Richard F. Fasching), sowie die illustrierte Berner ‹Parzival›-Handschrift von 1467 (Burgerbibliothek, Cod. AA 91).
Michael Stolz
Schwabe Verlag
09.2020
Die Kulturwissenschaftliche Zeitschrift (KWZ) wird von der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft (KWG) herausgegeben.
Ziel der Zeitschrift ist die Förderung der kulturwissenschaftlichen Forschung durch die Veröffentlichung von qualitativ hochwertigen Beiträgen aus allen Bereichen und Strömungen der Kulturwissenschaften. Neben Aufsätzen und Rezensionen und Berichten findet sich in der Zeitschrift auch immer ein Gastbeitrag zu aktuellen fachbezogenen Kontroversen und Themen. Die Publikationssprachen sind Deutsch und Englisch.
Die freien Aufsätze für die Kulturwissenschaftliche Zeitschrift werden doppel-blind begutachtet. Dabei geben die AutorInnen vier mögliche GutachterInnen an und können auch eine/n GutachterIn nennen, der/die ausgeschlossen werden soll.
Alle Hauptartikel werden automatisch durch eine Plagiatssoftware geprüft.
Es gibt einen eigenen Bereich für (Sammel-)Rezensionen und Berichte. Diese werden nicht über das peer review begutachtet, sondern direkt bei der Redaktion eingereicht.
Band herunterladen:
https://content.sciendo.com/view/journals/kwg/4/3/kwg.4.issue-3.xml
Herausgeber: Gabriele Rippl, Michael Stolz
Sciendo
07.2020
Eigennamen genießen im Sprachsystem einen Sonderstatus, dem erst in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit zukam. Personennamen stehen an der Spitze der Belebtheitshierarchie, müssen als spezielle, rein identifizierende Sprachzeichen erkennbar sein und bedürfen besonderer Schonung ihres Wortkörpers. Abweichungen vom 'Normalwortschatz' betreffen alle sprachlichen Ebenen und werden (im Deutschen) diachron ausgebaut. Die Beiträge beleuchten datenbasiert (syn- und diachron) onymische Sonderwege in den verschiedenen Bereichen der Grammatik. Das Spektrum reicht von der Phonologie bis zur Pragmatik. Im Fokus stehen u.a. Prozesse der (De-)Onymisierung, der onymischen (De-)Flexion, kreative Wortbildungen sowie soziopragmatische Steuerungen von Genus und Definitartikel. Der nun vorliegende Band richtet sich an das linguistische Fachpublikum, an Lehrende und Studierende. Er bündelt die aktuellsten Forschungsergebnisse und versteht sich als Impuls zur weiteren Erforschung des Spannungsfeldes zwischen Onymik und Appellativik.
Herausgeber: Luise Kempf, Damaris Nübling und Mirjam Schmuck
De Gruyter
06.2020
Narren, Götter und Barbaren sind Figurationen der Alterität. Als solche bilden sie die Ausgangspunkte für die Studien dieses Sammelbandes: Die Figur des Narren wird im Spannungsfeld zwischen Inklusion und Exklusion, Komik und Krise, Spott und Ernst verortet; die Untersuchungen zur literarischen Gestaltung von Götterfiguren arbeiten heraus, dass sich Verzauberung und Desillusionierung im Kontext poetischer Mythenrezeption nicht ausschliessen, und die Auseinandersetzung mit literarischen Aktualisierungen des Barbarenbegriffs zeigt, inwiefern die Bilder des Selbst und des Anderen sich wechselseitig bedingen. Aus komparatistischer Perspektive beleuchten die Beiträge einen Untersuchungszeitraum, der von Boccaccios ›Decamerone‹ bis zu Margaret Atwoods Short Story ›The Bad News‹ reicht. Somit leistet der Band einen facettenreichen Beitrag zur Erforschung literarischer Perspektiven auf Zugehörigkeit und Differenz.
Herausgeber: Hannah Berner, Julian Reidy, Melanie Rohner und Moritz Wagner
Aisthesis
05.2020
Ein US-Amerikaner mit deutschen Wurzeln blickt liebevoll-kritisch auf das Deutschland zwischen 1926 und 1936
Er schlenderte mit James Joyce durch Goethes Geburtshaus, schunkelte auf dem Münchner Oktoberfest und durchzechte mit seinem Lektor Heinrich Maria Ledig-Rowohlt Berliner Sommernächte. Kein Autor der amerikanischen Moderne drang tiefer in deutsche Kultur und Mentalität ein als Thomas Wolfe, und so sind seine Deutschlanderkundungen zwischen 1926 und 1936 auch Reisen zu sich selbst. Im liebevollen und zugleich kritischen Blick des großen Erzählers lässt sich jene entscheidende Epoche miterleben, als die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts die denkbar fatalste Wendung nahm.
Dieser Band enthält drei Stories («Dunkel im Walde, fremd wie die Zeit», «Oktoberfest», «Nun will ich Ihnen was sagen»), den Zeitschriftenartikel «Brooklyn, Europa und ich» sowie weitere faszinierende Fundstücke aus den Notizbüchern und Briefen des Autors in Erst- und Neuübersetzung, exklusiv zusammengestellt von Oliver Lubrich. Im Spannungsfeld zwischen Zeitdokumenten und erzählender Literatur entsteht ein beeindruckendes Panorama deutsch-amerikanischer Kulturgeschichte.
Mit 8 Originalseiten aus den Notizbüchern des Autors und 20 historischen Fotos.
Herausgeber: Oliver Lubrich
Manesse
03.2020
While the term ‘Europe’ was used sporadically in ancient and medieval times, it proliferated between the fifteenth and sixteenth centuries, and gained a prevalence in the seventeenth and eighteenth centuries which it did not possess before. Although studies on the history of the idea of Europe abound, much of the vast body of early modern sources has still been neglected. Assuming that discourses tend to transcend linguistic, historical and generic boundaries, this book has gathered experts from various fields of study who examine vernacular and Latin negotiations of Europe from the late fifteenth to the early eighteenth century. This multi-angled approach serves to identify similarities and differences in the discourses on Europe within their different national and cultural communities.
Herausgeber: Nicolas Detering, Clementina Marsico und Isabella Walser-Bürgler
Brill
12.2019
Actualmente, conocemos sus obras más importantes, pero hay cientos de escritos que publicó o documentó en revistas, boletines, libretas, y quedaron dispersos, prácticamente desconocidos. Editorial Herder presenta en español, en este primer volumen, una selección de 50 textos de aquella obra inédita. Se trata de una edición en colaboración con el proyecto internacional Alexander von Humboldt – Escritos completos de Berna, Suiza.
Herausgeber: Oliver Lubrich / Thomas Nehrlich
Herder Mexico
11.2019
Alexander von Humboldt, écrivain franco-allemand, publia mille essais dans des revues et journaux des cinq continents. Cet ouvrage présente pour la première fois une sélection de ses Écrits en français : des contributions scientifiques, ethnographiques et politiques d’une actualité souvent étonnante.
Herausgeber: Oliver Lubrich
Classiques Garnier
11.2019
Die Erzählsammlung der "Bilder und Sagen aus der Schweiz" erschien ursprünglich 1842–1846 in sechs Einzelbänden im Solothurner Verlag Jent & Gassmannn und ist in dieser Form nie wieder gedruckt worden. Gotthelf vereinte hier Erzählungen, die noch heute zu den bekanntesten Werken des Pfarrerdichters zählen: Den ersten Band eröffnete "Die schwarze Spinne", eine eindrucksvoll komponierte Novelle, die zugleich eine Allegorie auf die Ambivalenzen des Freiheitsbegriffs bietet. Zwei bereits gedruckte Texte überarbeitete Gotthelf für den ersten Band seiner Erzählsammlung ("Ritter von Brandis", "Das gelbe Vögelein" und "Das arme Margrithli").
Im zweiten Band folgten die historische Novelle "Der Druide" sowie der später zum Roman ausgebaute Erzähltext "Geld und Geist oder die Versöhnung" – heute nicht zuletzt durch eine der vergleichsweise anspruchsvolleren Gotthelf-Verfilmungen bekannt. Ursprünglich als Novelle aus der Gegenwart geplant, erweiterte Gotthelf den Text über einen Berner Bauernhof in zwei Fortsetzungen. Erstmals seit der Erstpublikation gibt die historisch-kritische Edition den Roman in dieser Gestalt zunehmender Erweiterung wieder und zudem im ursprünglichen Kontext der historischen Novellen, die in unterschiedlicher Weise zwischenmenschliche Beziehungen, Familie, Heimat, Freiheit und Pflicht in Geschichte und Gegenwart profilieren.
In den Bänden drei bis sechs folgten neben den Fortsetzungen Gotthelfs teils an Walter Scott erinnernde Novellen "Der letzte Thorberger" und "Die Gründung Burgdorfs"
Herausgeber: Manuela Heiniger in Zusammenarbeit mit Oliver Käsermannn
Olms
11.2019
Gefühle beeinflussen unser Verhalten überall – auch in der Wissenschaft. Aber bei Forscher_innen sind Affekte suspekt: Sie werden als Störungen betrachtet, die eine objektive Arbeit gefährden. Dabei beeinflussen sie zwangsläufig den Forschungsprozess, weshalb ihre kritische Analyse ein fester Bestandteil wissenschaftlicher Tätigkeit sein sollte. Insbesondere die Feldforschung löst regelmäßig emotionale Reaktionen (etwa zu Kriegsgräuel, Diskriminierungen von Bevölkerungsgruppen oder sozialen Unterschieden) aus, welche die Beobachtung bedingen, das Verständnis beeinflussen und die Theoriebildung lenken. In den Beiträgen des Bandes werden fächerübergreifend eine Reihe textanalytischer und empirischer Methoden vorgeschlagen, mit deren Hilfe Emotionalität in der Forschung transparent gemacht werden kann.
Herausgeber: Oliver Lubrich / Thomas Stodulka
transcript
10.2019
Welche Rolle spielten die Verfilmungen seiner Romane und Erzählungen bei der Entstehung und Aushärtung der Vorstellungen, die man sich heute gemeinhin von Thomas Mann macht? Inwiefern trugen sie hüben und drüben zur deutschen Selbstvergewisserung bei? Um welchen Preis wurden sie diesem Zweck dienstbar gemacht? Welche Kürzungen, Erweiterungen und Abänderungen wurden dafür in Kauf genommen? Was für wirtschaftliche und politische Interessen waren dabei im Spiel? Und entstellten die Filme die verfilmten Texte immer nur? Oder deckten sie gelegentlich vielleicht auf, was in der anderweitigen Rezeptionsgeschichte durch ein immer schon mitüberliefertes Vorverständnis des Autors verschüttet war? Vermochten sie auch Einsichten zu eröffnen, die der je zeitgenössischen Forschung noch verschlossen blieben?
Yahya Elsaghe
De Gruyter
09.2019
In seiner Erzählung Montauk (1975) inszeniert Max Frisch autobiografische Fakten mit den Mitteln fiktionaler Literatur; eine Kombination, die sich als Autofiktion beschreiben lässt. Besonders interessant sind die intertextuellen Bezüge, mit denen Frisch in Montauk Biografisches erzählt. Denn diese Verweise spielen nicht nur auf andere Texte an, sondern sind in eins damit auch bedeutsam im Hinblick auf jene Teile der Autorbiografie, die nur indirekt und ganz dezent angedeutet werden können. Indem die Studie verschiedene intertextuelle Anspielungen untersucht – etwa auf Philip Roths My Life as a Man, auf Ingeborg Bachmanns Undine geht und ihre Erzählung Simultan, auf Frischs eigene Skizze eines Unglücks oder auch auf die Orestiedes Aischylos –, strebt sie ein genaueres Verständnis von Frischs autofiktionaler Selbststilisierung an. So lässt sich die Arbeit am Bild, das Frisch seiner Leserschaft vermitteln wollte, nicht nur dort verfolgen, wo er autobiografische Dokumente retuschiert, um eine etwas geschönte Version seiner Vergangenheit zu präsentieren, sondern auch an der Art und Weise, wie er Bekenntnisse tief unter die Textoberfläche versenkt, ausgesparte Informationen erschliessbar macht oder auch Neues hinzuerfindet – beispielsweise den Namen seiner jungen Begleiterin, Lynn. Besonderes Gewicht erhält in der Studie die gendertheoretisch motivierte Frage nach Frischs Selbstinszenierung als Mann, die größtenteils über die verschiedenen in Montaukbeschriebenen Liebesbeziehungen zu Frauen verläuft.
Hanspeter Affolter
Chronos
10.2019
Alexander von Humboldt, aus einer preußischen Adelsfamilie stammend, war Forschungsreisender, Naturwissenschaftler, Homme de Lettres, bekannt mit allen großen Dichtern und Denkern und der internationalste Publizist seiner Zeit. Neben zahlreichen Büchern veröffentlichte er an die 1.000 Artikel und Essays. Diese Schriften erschienen in 15 Sprachen in 1.240 internationalen Zeitungen und Journalen auf fünf Kontinenten – und wurden nach seinem Tod nie gesammelt herausgegeben und auch einzeln größtenteils nie wieder nachgedruckt.
Die von einem Team um die international renommierten Humboldt-Experten Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich herausgegebene ›Berner Ausgabe Sämtlicher Schriften‹ hebt diesen ungeheuren Schatz.
Neben seinen Forschungsergebnissen enthalten Humboldts Schriften zahllose Informationen zu seinem Leben. Seine Biografie wird auf dieser Grundlage neu zu schreiben sein. Vor allem aber sind seine Schriften eine Einladung zur Reise – und zur Lektüre.
Band I: 1789–1799 (96 Erstdrucke, 11 Nachdrucke, ca. 583 S.)
Band II: 1800–1809 (77 Erstdrucke, 20 Nachdrucke, ca. 828 S.)
Band III: 1810–1819 (67 Erstdrucke, 16 Nachdrucke, ca. 739 S.)
Band IV: 1820–1829 (106 Erstdrucke, 27 Nachdrucke, ca. 1105 S.)
Band V: 1830–1839 (87 Erstdrucke, 9 Nachdrucke, ca. 483 S.)
Band VI: 1840–1849 (130 Erstdrucke, 5 Nachdrucke, ca. 611 S.)
Band VII: 1850–1859 (197 Erstdrucke, 50 Nachdrucke, ca. 700 S.)
Band VIII: Werkzeuge (Personen- und Ortsregister, Glossare,
Inhalts- und Quellenverzeichnis, Einführung und Editorischer Bericht, ca. 350 S.)
Band IX: Übertragungen (100 Übersetzungen der nicht auf Deutsch erschienenen Texte, ca. 400 S.)
Band X: Durchquerungen (21 Transversalkommentare, die Fragestellungen durch das gesamte Corpus sichtbar machen, ca. 500 S.)
Herausgeber: Oliver Lubrich / Thomas Nehrlich
dtv
08.2019
Alexander von Humboldt als Begründer einer neuen Sicht auf die Pflanzenwelt: ein bisher wenig beleuchteter Aspekt.
Einzigartiges, zum Teil erstmals gezeigtes Bildmaterial.
Alexander von Humboldt versetzte die Botanik in einem doppelten Sinn «in Bewegung»: Er erforschte Pflanzen auf seinen Expeditionen, im «Feld», in freier Natur. Und er dynamisierte das System der Naturgeschichte nach Carl von Linné, indem er nicht mehr nur einzelne Arten klassifizierte, sondern ihrer Verteilung über die Erde folgte und sie im Kontext ihrer Umwelt betrachtete. Er machte die Pflanzenwissenschaft auch zu einer Migrationskunde und – avant la lettre – zur Ökologie.
«Botanik in Bewegung» erzählt Humboldts Leben als Botaniker in vier Kapiteln: «Träumen», «Beobachten», «Auswerten» und «Nachwirken». Wir folgen seinen wichtigsten Stationen inmitten einheimischer und exotischer Pflanzen: von Berlin und Paris nach Teneriffa, Havanna und Quito, St. Petersburg und Sibirien. Dieses reich bebilderte Buch liefert aber nicht nur eine Erzählung von Alexander von Humboldts botanischem Schaffen, sondern es setzt dieses auch ins Verhältnis zur modernen Pflanzenwissenschaft.
Oliver Lubrich / Adrian Möhl
Haupt
08.2019
Der Naturforscher Alexander von Humboldt ist weithin bekannt. Dieser Band bietet erstmals die Möglichkeit, auch sein künstlerisches Werk zu entdecken. Denn als Botaniker, Zoologe und Anatom zeichnete Humboldt Pflanzen, Tiere und Körperdetails. Als Geograph und Kartograph erfasste er die Konturen von Gebirgen, Flüssen und Kontinenten. Er entwarf Karten vom Orinoco, von Kuba und von Zentral-Asien. Als Reisender skizzierte er Menschen, Gebäude und Landschaften und mit seinen Diagrammen, Isolinien und Gebirgsprofilen war er ein Pionier der Infographik. Zum ersten Mal können nun bisher unveröffentlichte Zeichnungen, die in seinem Nachlass in Berlin und Krakau erhalten sind, gedruckt werden. Sie geben Einblicke in Humboldts Zeichenwerkstatt und in die graphische Dimension seiner Wissenschaft. Eine ausführliche Einleitung sowie eingehende Kommentare begleiten die ganz- und doppelseitigen Abbildungen.
Herausgeber: Oliver Lubrich / Dominik Erdmann
WBG
7.2019
Das Studienbuch führt in die deutsche Literaturgeschichte der Frühen Neuzeit ein und bietet einen chronologischen Überblick über die Großepochen Renaissance, Barock und Frühaufklärung.
Indem sie die Tendenzen der neueren Forschung umfassend berücksichtigt, richtet sich die Einführung an fortgeschrittene Studierende und Doktoranden.
Weiter ausgreifende Passagen zu den sozial- und ideengeschichtlichen Voraussetzungen wechseln sich mit exemplarischen Einzelinterpretationen ab.
Neben dem europäischen Kontext der deutschen Literaturgeschichte, die hier erstmals in ihrer longue durée (1450-1750) und im Verhältnis zu ihren Nachbarliteraturen konturiert wird, wird der Wandel der Autorschaftskonzepte systematisch erläutert.
Dem illustrierten Darstellungsteil folgt ein Anhang mit repräsentativen Texten der Frühen Neuzeit. Damit liegt ein Studienbuch vor, das diese Epoche der Literaturgeschichte forschungsgestützt und analytisch neu perspektiviert vorstellt.
Achim Aurnhammer / Nicolas Detering
utb. GmbH
07.2019
Alexander von Humboldts Aufsätze, Artikel und Essays haben eine einzigartige Verbreitung erfahren: An die 800 Texte in 15 Sprachen zu 30 Disziplinen aus 750 Medien an 250 Publikationsorten auf 5 Kontinenten. 70 Jahre lang hat er veröffentlicht – von 1789 bis 1859. ›Der Andere Kosmos‹ enthält eine Auswahl von 70 Texten, aus jedem Jahr einen, die sein Werk, sein Forschen, sein Denken und sein Leben exemplarisch abbilden.
Dazu gehört der berühmte Selbstversuch mit Zitteraalen, den er in Südamerika unternommen hat. Diese Tiere können mit ihren elektrischen Schlägen Pferde töten. Humboldt hat es überlebt und ausführlich darüber berichtet. Dazu gehört auch sein letzter Brief an die Öffentlichkeit, den er kurz vor seinem Tod im Alter von 90 Jahren verfasste und der weltweit publiziert wurde. Dieser Text ist ein launiger ›Ruf um Hülfe‹. Humboldt bittet darin höflich, aber nicht ohne ungeduldigen Unterton, ihn mit diversen Anliegen zu verschonen, inklusive des Angebots, ihn häuslich zu pflegen, zu zerstreuen und zu erheitern. Denn seine Zeit werde jetzt knapp, und er wolle sie seiner Forschung widmen.
„Der andere Kosmos“ versammelt 70 Texte aus dem neu zu entdeckenden publizistischen Œuvre Alexander von Humboldts.
Herausgeber: Oliver Lubrich / Thomas Nehrlich
dtv Verlagsgesellschaft
03.2019
Goethe als Nationalschriftsteller und Weltliterat, als Repräsentant seiner Zeit und als »Liebling der Menschheit«. Für Thomas Mann hatte er eine unüberschätzbare Anziehungskraft und Vorbildfunktion, auch wenn er sich erst in seinen letzten drei Lebensjahrzehnten mit dem Dichterfürsten aus Weimar öffentlich auseinandergesetzt hat. In diesen drei Jahrzehnten hat Thomas Mann – meist als Einleitungen oder Festreden konzipiert – über zehn bedeutende Essays zu Goethe verfasst, die in diesem Band gesammelt sind und von Yahya Elsaghe und Hanspeter Affolter ausführlich erläutert werden.
Herausgeber: Yahya Elsaghe / Hanspeter Affolter
S. FISCHER Verlag
03.2019
„Die Schweiz ist das Land der Vereine“, erklärte Albert Bitzius (Jeremias Gotthelf), als er im Dezember 1849 eine Vereinigung „der Dichter der Schweiz“ vorschlug. Der Volksschriftsteller engagierte sich seit seiner Studienzeit in Vereinen und schrieb auf Bitten eidgenössischer und deutscher Volksbildungsvereine mehrere Erzählungen und zwei Romane.
Seine Schriften zum Armenwesen (1838–1851) und zu den nationalen Schützenfesten von 1842 und 1844, Reden zu patriotischen Feiern sowie kurze Ansprachen vor lokalen Vereinen zeugen von sozialpolitischen Zielen, die Bitzius seit seiner Mitwirkung an der Berner Regeneration mit J. H. Zschokke, Ph. E. von Fellenberg und den für Schulwesen und Armenpflege Verantwortlichen teilte. Dabei strebte Bitzius nach direktem Wirken und konkreten Maßnahmen auf Gemeindeebene. So leitete er seit 1835 gemeinsam mit Gleichgesinnten im Bezirksverein für christliche Volksbildung eine Armenerziehungsanstalt. Dieser beauftragte ihn mit einer Werbeschrift für die Armenerziehung, angesichts der Sparsamkeit der Bauern keine leichte Aufgabe. Das Ergebnis, die „Armennoth“, ist zugleich Kampfansage an den Kinderverding und Erfolgsbericht der vom Kanton geförderten und bis 1872 bestehenden Trachselwalder Anstalt.
In seinen Festschriften für den schweizerischen Schützenverein (1842, 21844) appellierte Bitzius an das eidgenössische Nationalgefühl, in dem Bewunderung für die Tugenden der alten Helden und Treue zu traditionellen Werten zum Ausdruck kämen. Wenn sich alle patriotischen Vereine mit denen der Schützen überregional vereinigen würden, könnte „das Schützenfest zum eigentlichen königlichen Nationalfest“ werden. Opferbereitschaft für das Gemeinwesen forderte schon der Vikar an der Heiliggeistkirche als republikanische Pflicht. Vor dem Berner Burgerleist plädierte er für soziale Verantwortung. Der Leist möge sich an der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft orientieren, weil sie Volksbildung und Armenpflege verbessern wollte.
Herausgeber: Silvio Raciti für die Drucktexte in Zusammenarbeit mit Barbara Berger
Olms
02.2019
Der achte Band der Reihe «Randgänge der Mediävistik» enthält die Druckfassung zweier Vorträge, die im Rahmen der interdisziplinären Ringvorlesung «Materialität – Immaterialität» des Berner Mittelalterzentrums vom Frühjahrssemester 2017 gehalten wurden. Die Vortragsreihe behandelte materielle und immaterielle Bereiche der mittelalterlichen Kultur sowie deren Interdependenzen in religiösen, philosophischen, künstlerischen und literarischen Kontexten.
In der zum Gedenken an die Germanistin Maria Bindschedler (1920–2006) eingerichteten Gastvorlesung vom 11. Mai 2017 widmete sich Ruedi Imbach, Emeritus für mittelalterliche Philosophie an der Universität Paris-Sorbonne und Marcel-Benoist-Preisträger von 2001, «Bildern des Philosophierens im Mittelalter». Der daraus erwachsene Beitrag ist nunmehr unter dem Titel «Figura veritatis – Vorläufige Hinweise auf einige Bilder der Philosophie bei mittelalterlichen Denkern» abgedruckt. Analysiert werden Metaphernfelder wie die Jagd, das Bergsteigen, die Seefahrt, das Stürzen und das Verlassen der Höhle, dies am Beispiel von Dante Alighieri, Francesco Petrarca, Michel de Montaigne und anderen Autoren.
Der zweite Beitrag stammt von Andreas Krass, Professor für deutsche Literatur des Hochmittelalters an der Humboldt-Universität zu Berlin, und geht auf einen Vortrag vom 2. März 2017 zurück. Er behandelt das «Goldene Zeitalter der Freundschaft und seine mittelalterlichen Wurzeln». In produktiver Auseinandersetzung mit der im Jahr der Vortragsreihe erschienenen Monographie von Peter von Matt (Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur. München 2017), die vor allem heterosexuelle Begegnungen in den Blick nimmt, öffnet Krass den Blick auf Diskurse der Männerfreundschaft in Texten zwischen dem 12. und dem 20. Jahrhundert, wobei das 18. Jahrhundert eine besondere Aufmerksamkeit erfährt.
Herausgeber: Michael Stolz
Stämpfli
01.2019
Wie verarbeitet ein Dokumentarfilmer die Geschichten von Siebzigjährigen, die damit prahlen, Tausende von »Kommunisten« erdrosselt und deren Blut getrunken zu haben? Wie verhandelt ein Wissenschaftler Abscheu oder Begeisterung für Menschen anderer Kulturen, über die er als teilnehmender Beobachter nüchtern zu schreiben hat? Und was empfindet eine Primatologin nach jahrzehntelangen Kämpfen für das Überleben von Menschenaffen, deren Lebensraum zunehmend zerstört wird?
Diesen und weiteren Fragen geht der Band in einer Reihe von Gesprächen mit Wissenschaftler_innen nach – u.a. mit Jane Goodall, Nigel Barley, Joshua Oppenheimer und Hans Christoph Buch.
Herausgeber: Oliver Lubrich / Katja Liebal / Thomas Stodulka
Transcript
01.2019
Mit seiner Russland-Reise im Jahr 1829 erfüllt sich für Alexander von Humboldt ein Jugendtraum. Nach dem Südamerika-Unternehmen dreißig Jahre zuvor ist es seine zweite große Expedition - die bislang jedoch weitaus weniger bekannt ist.
Auf Einladung des Zaren Nikolaus I. bereist Humboldt die Weiten des eurasischen Kontinents bis an die chinesische Grenze. Mehr als 18.000 Kilometer werden er und seine Begleiter am Ende zurückgelegt haben. Während Humboldt die Natur erforscht - Berge und Gesteine, Tiere und Pflanzen und vor allem das Klima -, durchmisst er zugleich ein Imperium, das sich in einer Phase der Repression befindet. Von politischen Zwängen kann auch er sich nicht freihalten. Aus den Reisebriefen Humboldts an den russischen Finanzminister, an den Bruder Wilhelm und den Freund François Arago sowie dem Bericht seines Begleiters Gustav Rose hat Oliver Lubrich eine mehrstimmige Erzählung von dieser Expedition zusammengestellt. Sie vermittelt ein lebhaftes Bild des schon damals international berühmten Gelehrten, aber auch des einfühlsamen Bruders und Freundes.
Herausgeber: Oliver Lubrich
C.H. BECK
01.2019
Betreten, Durchschreiten, Verlassen, Auf- und Absteigen, An- und Durchblicken: Architekturelemente wie das Fenster, der Korridor oder die Treppe stehen paradigmatisch für die Aktivierung des Raums in der Bewegung von Blicken und Körpern. Der vorliegende Sammelband widmet sich literarischen und (architektur-)theoretischen Texten, die eine besondere Sensibilität für solche Raum-Operationen haben. Damit leistet der Band einen Beitrag zum spatial turn, im Zuge dessen die Kulturwissenschaften der letzten zwei Jahrzehnte Räumlichkeit zu ihrem ureigenen Gegenstand machten. Anhand von Autoren wie Georges Perec, Virginia Wolf oder Heinrich Böll, von Architekten wie Le Corbusier oder Bernard Tschumi sowie von Theoretikern wie Jurij Lotman oder Jacques Derrida wird augenscheinlich, dass Raum keine abstrakte Kategorie ist, sondern nur über seine Verwendung in ästhetisch-historischen Kontexten verstanden werden kann. Fenster, Treppe und Korridor werden so als Wahrnehmungsdispositive verständlich, die Kulturgeschichte räumlich fassen, fassbar machen und letztlich selbst Geschichte(n) schreiben. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Abgeschlossenheit bietet der Band einen Einblick in aktuelle Forschungsdebatten um einen erweiterten, kultur- und literaturwissenschaftlichen Architektur- und Raumbegriff.
Herausgeber: Lena Abraham / Kira Jürjens / Edith Anna Kunz / Elias Zimmermann
Aisthesis
01.2019
Die aktuelle Ausgabe enthält die Vorträge der Jahresversammlung der Schweizerischen Akademischen Gesellschaft für Germanistik, die am 25. November 2017 an der Universität Luzern gehalten wurden, darunter Elena Smirnovas (Neuchâtel) Abhandlung über ‹Reflexivkonstruktionen im Deutschen› und Richard Faschings (Bern) Dankesrede zur Verleihung des Zeno Karl Schindler-Preises über einen frühneuhochdeutschen Passionstraktat. Weitere Beiträge stammen Boris Previšić (Luzern), Christoph Pretzer (London), Silvia Ruzzenenti (Bologna), Marco Garbely und Carla Münzel (beide Bern).
Herausgeber: Michael Stolz / Robert Schöller
germanistik.ch
11.2018
Spracharbeit im Deutschunterricht unter Anleitung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern – darum geht es in diesem literaturdidaktischen Lehr- und Lesebuch. Es unterstützt die Förderung von Grundlagen für ein methodisch und theoretisch anspruchsvolles Verständnis einer interkulturellen Kommunikations- und Dialogfähigkeit, die sich auch in schwierigen Konfliktsituationen bewährt. Im Mittelpunkt dieses Bandes steht ein wichtiges Thema jedes interkulturellen Dialogs: Lebenswelten.
Die persönliche Präsenz von Autorinnen und Autoren im Klassenraum erlaubt, zusammen mit entsprechenden Arbeitsmaterialien, die sinnvolle und gezielte Einbindung von Literatur in den Deutschunterricht aller Schularten und Altersstufen. Beiträge von Chamisso-Preisträgerinnen und -Preisträgern sind genau dafür hervorragend geeignet. Der Band ist inhaltlich und didaktisch konzipiert von Jörg Roche, Gesine Lenore Schiewer, José F.A. Oliver und Akos Doma, mit Gastbeiträgen von Sudabeh Mohafez, Tzveta Sofronieva und Ilija Trojanow.
Dieses Lehr- und Lesebuch wendet sich nicht nur an Lehrkräfte, sondern auch an Schülerinnen und Schüler mit ihren Freundinnen und Freunden, Eltern und anderen Bezugspersonen. Damit werden die üblichen Grenzziehungen des Unterrichts aufgehoben und die oft zu engen Textsorten-Grenzen bisheriger Lehrwerke und Lehrerhandreichungen erweitert. Dies bildet sich bewusst auch in der grafischen Gestaltung der Materialien ab. Klar und anschaulich wird verdeutlicht, wie sich unsere Wahrnehmungen der Welt durch Neues, Anderes und Fremdes ständig verändern und zu permanenten Assimilations- und Akkommodationsprozessen des Wissens führen.
Herausgeber: Jörg Roche / Gesine Lenore Schiewer
Narr Francke Attempto
10.2018
Wie kann Wissen über den Holocaust vermittelt werden, sodass es in gesellschaftlich verantwortungsvolles Handeln übertragen werden kann? Unter dieser Frage versammelt der vorliegende Band Aufsätze von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen und Arbeitskontexten, die sich mit dem Holocaust und seinen medialen Überlieferungen befassen. In den Beiträgen spiegeln sich dabei nicht nur disziplinär, sondern auch generationell unterschiedliche Erfahrungen im Hinblick auf Wahrnehmungs- und Deutungsmuster des Holocaust. Das komplexe, zunehmend spezialisierte Wissen über den Holocaust hat sich, gerade auch angesichts aktueller politischer Entwicklungen, dieser Frage in besonderer Weise zu stellen.
How can the knowledge about the Holocaust be conveyed so that it can lead to socially responsible actions? This volume includes essays from scholars from various disciplines and fields, who focus on the Holocaust and its medial transmission. The contributions not only reflect disciplinary but also generational differences in patterns of perception and interpretation of the Holocaust. After all, the complex and increasingly specialized knowledge of the Holocaust has to face this challenge – especially in the light of current political developments.
Herausgeber: Bettina Bannasch / Hans-Joachim Hahn
Vandenhoeck & Ruprecht
09.2018
Wolfgang Herrndorfs (1965–2013) Werke gehören zum Kanon deutscher Gegenwartsliteratur. Der Jugendroman „Tschick“ ist ein Klassiker seines Genres, der Sterbe-Blog „Arbeit und Struktur“ ist zum Referenzwerk medizinethischer Debatten sowie der literarischen Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod avanciert. Die ungebrochene Begeisterung für diese Bestseller verdeckt jedoch mitunter die künstlerische Komplexität des Autors und seiner Verfahren.
In diesem Band stehen daher vor allem die Schreibweisen Herrndorfs, seine spezifische Komik, sein Spiel mit Intermedialität und Gattungskonventionen sowie Fragen narrativer Ethik im Mittelpunkt. Der Autor wird aber auch als unermüdlicher Leser fremder Werke und als skrupulöser Kritiker der eigenen vorgestellt. Die Analysen beziehen bislang wenig beachtete Nebentexte und frühere Textstufen ein, die Aufschluss über Herausbildung und Funktionsweise von Herrndorfs Poetik geben. So wird im souveränen Umgang des Malers, Bloggers und Schriftstellers mit ästhetischen Traditionen und den Mechanismen der Medienöffentlichkeit eine ausgesprochen erfolgreiche Strategie der Aufmerksamkeitslenkung erkennbar, deren Fluch gegen jedweden „Germanistenscheiß“ am Ende zuverlässig eben jene Geister ruft, die sie verdammt.
Mit einer umfangreichen Bibliografie der wissenschaftlichen, essayistischen und didaktischen Beiträge über Wolfgang Herrndorf.
Herausgeber: Matthias N. Lorenz
Frank & Timme
08.2018
Sind Superheldinnen feministisch? Welche Rolle spielten antike Mythen, die biblische Geschichte des Simson oder Nietzsches Philosophie für die Schöpfer von Superman? Und was hat die Nibelungensage mit Marvel zu tun?
Antworten auf diese und weitere Fragen – u.a. nach der vielfältigen Medialität und Rezeptionsgeschichte von Superhelden-Stories, der Perspektive der Comicschaffenden auf ihre Kunst und dem sich wandelnden Bild des Superhelden in der aktuellen Forschung – gibt dieser Reader, der erstmals in deutscher Sprache und für ein breites Publikum Texte zu Theorie und Geschichte der Superhelden versammelt und kommentiert.
Mit Texten u.a. von Shilpa Davé, Umberto Eco, Stan Lee, Friedrich Nietzsche und Véronique Sina und Interviews u.a. mit Frank Miller, Alan Moore und Roy Lichtenstein.
Herausgeber: Lukas Etter / Thomas Nehrlich / Joanna Nowotny
Transcript
07.2018
Joanna Nowotny untersucht in ihrer groß angelegten Studie, welche Spuren Kierkegaards Schreiben und Denken im theoretischen Diskurs und der literarischen Kultur der jüdischen Moderne hinterlassen haben.
»Kierkegaard ist ein Jude!«, notiert Gershom Scholem im Jahr 1915 begeistert in seinem Tagebuch. »[N]irgends« sei der »Kern des jüdischen Weltgefühls […] so klar, so erlebt formuliert« wie bei Kierkegaard, schreibt Max Brod einige Jahre später in »Heidentum - Christentum - Judentum« (1921). Derartige Deutungen sind bemerkenswert. Sie werfen die Frage auf, inwiefern Kierkegaards Werk, das nach 1900 im deutschsprachigen Europa ohnehin Hochkonjunktur hatte, insbesondere für eine jüdische Rezeption Interpretations- und Aneignungsmöglichkeiten bereithielt. Wie wird Kierkegaards Denken in diesem Kontext theologisch, politisch und literarisch fruchtbar gemacht, von Dichtern und Denkern wie Martin Buber, Franz Rosenzweig und Franz Kafka? Welche Aspekte seines Werks spielen eine besondere Rolle? Welcher Gestus liegt den verschiedenen Kierkegaard-Aneignungen zugrunde und welche Funktionen erfüllen sie etwa im Rahmen jüdischer Identitätsdiskurse? Diesen Fragen widmet sich Joanna Nowotny in ihrer Studie und zeigt, welche Spuren Kierkegaards Schreiben und Denken bei Autoren wie Martin Buber, Gershom Scholem, Franz Werfel oder Franz Kafka hinterlassen haben.
Joanna Nowotny
Wallstein
07.2018
Diese in der 2. Auflage revidierte Studie über Joseph Conrads einflussreiches Werk Heart of Darkness stellt erstmals die deutschsprachige Rezeption dieses Referenztextes der Postkolonialismusdebatte dar. Das Spektrum reicht dabei von Zeitgenossen Conrads über viele kanonische Autoren des 20. Jahrhunderts bis zu den rezentesten Namen des Literaturbetriebs (u.a. Kracht, Buch, Bärfuss). Über die Lektüren ihrer Werke hinaus trägt die Studie zur Erforschung von Kulturtransfers sowie zur Conrad-Philologie bei und sie erweitert die Theorie der Intertextualität um Parameter, die den komplexen Faktor Macht in postkolonialen Verhältnissen erfassen.
Matthias N. Lorenz
Metzler
07.2018
Die nach wie vor brisante Frage nach dem Verhältnis der Geschlechter und nach den Ursachen für ihre soziale Ungleichheit wurde nie zuvor so nachhaltig und radikal gestellt wie vom Schweizer Juristen und Altertumskundler Johann Jakob Bachofen. Zu seinen Lebzeiten wenig beachtet und heute einer der Autoren, die fast jeder kennt und kaum einer liest, wurde er gegen Ende des 19. und im Lauf des 20. Jahrhunderts in intermittierenden Schüben wechselweise von Feministinnen und Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten, Faschisten und Nationalsozialisten wiederentdeckt. Dabei lag der eigentliche Höhepunkt seiner Rezeptionskarriere in den späteren 1920er und den frühen 1930er Jahren.
Anders nämlich, als man aus heutiger Perspektive extrapolieren könnte, war Bachofen in der Zwischenkriegszeit nicht der «glorieux inconnu», als der er heute gelegentlich noch herumgeboten wird, ohne dass sich an den bekannt gebliebenen Namen viel mehr heftete als der in aller Regel ganz falsch oder bestenfalls halb richtig verstandene Titel seines opus potissimum von 1861, Das Mutterrecht. In den germanophonen Ländern bzw. Landesteilen der Zwischenkriegszeit erlebte er ab Mitte der 1920er Jahre eine nie zuvor und hernach nicht wieder dagewesene Konjunktur. Um die Wirkung zu dokumentieren, die von seiner Matriarchatstheorie auf die deutsche Literatur ausging, versammelt der Band Beiträge zur Bachofen-Rezeption von Karl Wolfskehl, Hugo von Hofmannsthal, Franz Kafka, Arthur Schnitzler, Gerhart Hauptmann, Elias Canetti, Hermann Broch, Thomas Mann und Hans Boesch – sowie zu Bachofens Einfluss auf Fritz Langs Metropolis.
Herausgeber: Ulrich Boss / Yahya Elsaghe / Florian Heiniger
Schwabe
06.2018
Castellios Forderung nach religiöser Toleranz und sein Protest gegen Verfolgung und Tötung Andersgläubiger sind heute so aktuell wie 1554, als die Hinrichtung Michel Servets vor den Toren Genfs ihm den Anlass dazu gab.
Im Zentrum steht Castellios anonymer Traktat Über Ketzer und ob man sie verfolgen soll im originalen Kontext. Er stieß Debatten über religiöse Toleranz an, die grundsätzlich für das Selbstverständnis der Protestanten und einer reformatio continua geblieben sind. Aktuelle Kontroversen über Religionsfreiheit und Grenzen der Toleranz handeln mit Argumenten, die Castellio populär gemacht hat. Die Integration von Glaubensflüchtlingen, die das Recht auf Diskussionsfreiheit beanspruchten, war für den Basler Magistrat eine ähnliche Herausforderung wie die Eingliederung von Migranten und Asylanten in Deutschland und der Schweiz heute.
Herausgeber: Barbara Mahlmann-Bauer / Sonja Klimek / Daniela Kohler
Vandenhoeck & Ruprecht
06.2018
Zum Topos des Neuen Menschen in Geschichte und Gegenwart
Offenbar hat der Neue Mensch sein utopisches Potential in den totalitären Bewegungen des letzten Jahrhunderts nicht erschöpft. Die Frage nach der Perfektibilität des Menschen treibt die Öffentlichkeit weiterhin um, wie sich an den Debatten um künstliche Intelligenz oder die Reproduktionsmedizin und deren bisweilen ressentimentgeladene Zurückweisung ablesen lässt. Dabei artikulieren sich Ängste vor technischen Entwicklungen und den jeweils neuen Unübersichtlichkeiten unserer sozialen Lebenswelten. Das Versprechen einer besseren Welt harrt derweil noch immer seiner Einlösung. Nur in den digitalen Fantasien künstlicher Intelligenz und den utopischen Reichen der Produktwerbung oder der Esoterik scheint die Sehnsucht nach neuen Möglichkeiten und Intensitäten des Menschseins greifbar. Schließlich eignet dem Topos vom Neuen Menschen eine widersprüchliche universale Dimension, die in diesem Essay durch Analysen historischer Quellen, kultureller Texte sowie politischer Debatten freigelegt wird.
Hans-Joachim Hahn
Neofelis
06.2018
Der Hof bildete in vormodernen Gesellschaften einen komplexen Macht- und Wissensraum. Expertise war dort auf mehreren Ebenen von Bedeutung. Zunächst nahm der Adel die Rolle von Experten der eigenen Lebenswelt ein, die durch den Hof, seine Spielregeln und die europaweite Vernetzung der höfischen Gesellschaft geprägt war, was u.a. in den Praktiken der Kavalierstour oder Bildungsinstitutionen wie den Ritterakademien Ausdruck fand. Der Fürst selbst konnte als Experte auftreten, wenn er sich als Feldherr, Sammler, Literat oder Komponist inszenierte. Als Zentrum kultureller Hegemonie und höfischer Patronage war der Hof ferner Anziehungspunkt für nichtadeliger Experten wie Ärzte, gelehrte Räten, Hofkünstlern oder Alchemisten. Anwesenheit, Anzahl und Qualität der Experten bei Hof wurden zu Ressourcen einer Prestigeökonommie, die im Wettstreit untereinander eine wichtige Rolle spielten. Für die Experten bei Hof eröffneten sich damit die Chancen, sich zu erfolgreichen Wissensunternehmern zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund tritt der Hof als dynamischer Raum der Produktion, Konsumtion und Ökonomisierung von Wissen sowohl in der Perspektive der longue durée als auch räumlicher Ausdehnung in den Blick. Wie wandelten sich höfische Expertenkulturen vom 12. bis 18. Jahrhundert? Wie und wo entstanden neue Varianten der Expertenrolle? Der vorliegende Band leistet ebenso einen Beitrag zum höfischen Kontext von vormodernen Expertenkulturen wie zur Präzisierung der Relation von Hof und Wissen.
Herausgeber: Marian Füssel / Antje Kuhle / Michael Stolz
Vandenhoeck & Ruprecht
05.2018
Christian Kracht ist derzeit einer der umstrittensten, zuletzt auch gefeiertesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart mit einer zunehmend auch internationalen Ausstrahlung. Dabei stellt sein Werk die literarische Öffentlichkeit unentwegt vor neue Herausforderungen. Dieser Band versammelt Beiträge zu Kernkonzepten der Kracht’schen Poetik wie Ironie, Camp, Pop, dem unzuverlässigen Erzählen, dem Spiel mit den Grenzen des Sagbaren und der Gattungen, zu Intertextualität und Intermedialität sowie Meta- und Autofiktion. Er bietet neue Perspektiven auf Werkzusammenhänge, Buchgestaltung, Autorinszenierung sowie die Kracht-Rezeption in schulischen, medialen und literarischen Kontexten. Neben dem Romanwerk werden bislang weniger beachtete Texte wie etwa frühe Reportagen untersucht; aber auch in viel beforschten Texten wie Faserland sind neue Entdeckungen zu machen. Das Kompendium der Kracht-Philologie wird ergänzt durch den erstmaligen Abdruck der Bildserie „In Youth is Pleasure“, in der Christian Kracht sich an verschiedenen Orten der Welt zeigt, von Kindheits- und Jugendbildern bis hin zur Selbstinszenierung als Krisenreporter in Mogadischu und Tschernobyl.
Herausgeber: Matthias N. Lorenz / Christine Riniker
Frank & Timme
03.2018
Spracharbeit im Deutschunterricht unter Anleitung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern – darum geht es in diesem literaturdidaktischen Lehr- und Lesebuch. Es unterstützt die Förderung von Grundlagen für ein methodisch und theoretisch anspruchsvolles Verständnis interkultureller Kommunikations- und Dialogfähigkeit, die sich auch in schwierigen Konfliktsituationen bewährt. Im Mittelpunkt dieses Bandes steht ein zentrales Thema jedes interkulturellen Dialogs: Emotionen.
Dieses Lehr- und Lesebuch wendet sich nicht nur an Lehrkräfte, sondern auch an Schülerinnen und Schüler mit ihren Freundinnen und Freunden, Eltern und anderen Bezugspersonen. Damit werden die üblichen Grenzziehungen des Unterrichts aufgehoben und die oft zu engen Textsorten-Grenzen bisheriger Lehrwerke und Lehrerhandreichungen erweitert. Dies bildet sich bewusst auch in der grafischen Gestaltung der Materialien ab. Klar und anschaulich wird verdeutlicht, wie sich unsere Wahrnehmungen der Welt durch Neues, Anderes und Fremdes ständig verändern und zu permanenten Assimilations- und Akkommodationsprozessen des Wissens führen.
Die persönliche Präsenz von Autorinnen und Autoren im Klassenraum erlaubt, zusammen mit entsprechenden Arbeitsmaterialien, die sinnvolle und gezielte Einbindung von Literatur in den Deutschunterricht aller Schularten und Altersstufen. Beiträge von Chamisso-Preisträgerinnen und -Preisträgern sind genau dafür hervorragend geeignet. Der Band ist inhaltlich und didaktisch konzipiert von Jörg Roche, Gesine Lenore Schiewer, José F.A. Oliver und Akos Doma, mit Gastbeiträgen von Que Du Luu, Francesco Micieli, Ilma Rakusa und Selim Özdogan.
Herausgeber: Jörg Roche / Gesine Schiewer
Narr Francke Attempto
02.2018
Das vorliegende Doppelheft der Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik enthält ausgewählte Beiträge einer Tagung, die unter dem Titel „Sprachkontaktforschung – explanativ“ im April 2016 veranstaltet wurde. Das primäre Ziel der Tagung war es, ein internationales Diskussionsforum für neueste kontaktlinguistische Forschungen zu bieten, die in empirisch fundierter und sprachtheoretisch reflektierter Weise betrieben werden und die Erklärung von Sprachkontakteffekten im Fokus haben. Damit knüpft die Publikation an diejenigen aktuellen Forschungstrends (auch) in der germanistischen Linguistik an, die nicht nur eine deutliche Expansion und thematische Diversifizierung kontaktlinguistischer Forschungen erkennen lassen, sondern ebenso die rasante Entwicklung der empirischen, methodologischen und sprachtheoretischen Instrumentarien und Standards.
Herausgeber: Péter Maitz / Alfred Wildfeuer / Nicole Eller-Wildfeuer
Franz Steiner
01.2018