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Schräg wie sein erster Film "Odcházení" ("Abgang") ist auch Václav Havels Auftritt an der Premiere in Prag ausgefallen: "Danke, dass Sie Ihre Handys ausgeschaltet hatten", sagte der tschechische Dramatiker und Ex-Präsident nach der Filmvorführung.
Verschmitzt rief er im Prager Kino "Lucerna": "Wahrheit und Liebe müssen siegen über Lüge und Hass." Diesen Slogan hatte er einst auch bei den Massendemonstrationen gegen die kommunistischen Machthaber im November 1989 skandiert.
Während der Premierenfeier am Dienstag stolperte der 74-Jährige beim Weg auf die Bühne. Nach einer schweren Atemwegsentzündung hatte Havel erst am Sonntag das Spital verlassen können.
Der Film "Odcházení", der die leeren Worthülsen der Politik thematisiert, kommt am Donnerstag in die tschechischen Kinos. Der Streifen basiert auf einem gleichnamigen Theaterstück des Ex-Präsidenten, das im Jahr 2008 uraufgeführt wurde.
"Vergeudete Gelegenheit"
Havels Debüt als Filmregisseur stiess bei den tschechischen Kritikern auf gemischte Reaktionen. Es geht um den langjährigen Kanzler Wilhelm Rieger, der aus dem Amt scheidet und damit Identität und Sicherheit verliert.
"Man kann bestenfalls konstatieren, dass es schlimmer hätte kommen können", schreibt Tereza Spacilova in der Online-Ausgabe der Zeitung "Dnes". Václav Havel habe sich mit dem Film einen Traum erfüllt, aber ein Denkmal habe er sich damit nicht gesetzt.
Die Regie sei Havel längst nicht so gut gelungen wie das Regieren, meint die Zeitschrift "Tyden". Havel mache sich über sich selbst und die tschechische Politik lustig, der Film erinnere aber gefährlich an eine Provinzsatire. ""Odcházení" ist eine vergeudete Gelegenheit", schreibt Irena Hejdova in "Tyden".
Lob des Renommierblattes
"Für mich ist das Problem des Films, dass der Text der dominante Schauspieler ist", sagt der Kulturredaktor des tschechischen Fernsehens CT, Petr Fischer. Im Film müsse man vom Bild ausgehen, hier kommentiere oder illustriere das Bild aber nur den Text, bewertet Fischer das Debüt des 74-jährigen Havel.
Durchweg positiv beurteilt die Zeitung "Lidové Noviny" den Film des tschechischen (1993-2003) und tschechoslowakischen (1989-1992) Ex-Präsidenten. "Havel ist immer ein Original und schwimmt mit Freude gegen den Strom", schreibt die Kritikerin Jana Machalicka.
SDA-ATS