Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03240.jsonl.gz/1554

Sizilien
Mit Sizilien eröffnet sich der dem italienischen Festland vorgelagerten grössten Mittelmeerinsel eine ganz eigene, aussergewöhnliche Welt. Das Landschaftsbild wird insbesondere geprägt durch ausgedehnte Hügel- und Berglandschaften, wobei der Vulkan Ätna als markantestes geologisches Merkmal der Insel gilt. Dieser ist nicht nur der höchste Berg Siziliens sondern gleichwohl der grösste und aktivste Vulkan Europas. Einst fast vollständig mit Wäldern bedeckt, präsentiert sich Sizilien heute als weitgehend karge Gegend. Intensive Rodungen haben das Landschaftsbild während der letzten Jahrhunderte massiv verändert. Dem zum Trotz ist Sizilien mit über 3000 Pflanzenarten und einer vielfältigen Meeresfauna noch immer die vegetationsreichste Insel im Mittelmeer. Die über 1000 km lange Küste ist gekennzeichnet durch steil aufsteigende Felswände, die jedoch durch zahlreiche kleine Buchten mit Sandstränden unterbrochen werden. Hauptstadt der Insel ist Palermo, welche als bevölkerungsreichste Gemeinde auch über einen für den Tourismus wichtigen internationalen Flughafen verfügt. Weitere wichtige Städte sind Catania, Messina und Sykarus.
Auch politisch gesehen nimmt Sizilien einen Sonderstatus ein. Die Provinz ist in vielen Bereichen autonom und besitzt im Vergleich zu anderen Regionen Italiens bezüglich Gesetzgebungen deutlich grössere Freiheiten.
Wie viele Orte am Mittelmeer kann auch Sizilien auf eine äusserst bewegte und aufregende Geschichte zurückblicken. Nachdem in der Frühzeit die Sikaner, Sikeler und Elymer das Gebiet unter sich aufteilten, folgten um 800 v. Chr. Kolonialisierungen durch Phönizier, Griechen und Karthager. Noch heute existieren zahlreiche Gebäude und andere Artefakte aus jener Zeit, gleichwohl Vieles in den zahlreichen Kriegen, dem das umkämpfte Gebiet zum Opfer fiel, zerstört wurde. Natürlich sind auch die Spuren der römischen Herrschaft nicht zu übersehen, die Sizilien aufgrund seiner Rolle als wichtiger Getreideproduzent neuen Aufschwung brachte. Nach dem Untergang des Weltreiches sollte die Herrschaft über die Insel noch einige Male wechseln, wobei Sizilien nur selten über politische Unabhängigkeit verfügte. Da sich über Jahrhunderte sowohl Muslime, Byzantiner und Normannen auf der Insel niederliessen sind auch deren Einflüsse auf die sizilianische Kultur nicht von der Hand zu weisen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte Sizilien dem Königreich Italien an, wobei seit Ende des 2. Weltkriegs verschiedenste politische Mächte eine vollständige Autonomie der Insel anstreben.
Das Leben der Sizilianer war über lange Zeit geprägt von starker Armut, was die Auswanderung grosser Teile der Bevölkerung zur Folge hatte. Nachdem die Menschen im 19. Jahrhundert ihr Glück in Amerika suchten, liessen sich Arbeitssuchende im 20. Jahrhundert vor allem in Mitteleuropa nieder.
Mit Blick auf die Geschichte Siziliens erstaunt es kaum, dass die Menschen hier eine herausragende Kultur entwickelt haben, die an Herrlichkeit und Diversität kaum zu übertreffen ist. Neben der Fülle an bis heute erhaltenen antiker Architektur, haben sich vor allem sizilianische Vertreter der bildenden Kunst und Literatur als Koryphäen ihres Fachs hervorgetan. Auch Musik spielt hier eine besondere Rolle. Mit dem Teatro Massimo befindet sich in Palermo das drittgrösste Opernhaus Europas, das einen wichtigen Teil zur Pflege der lokal geschaffenen Musik-Kunst beiträgt. Bekannt sind des Weiteren über 5000 Volkslieder, die im sizilianischen Dialekt verfasst sind. Dieser wird in Wissenschaftskreisen vielfach als eigene Sprache interpretiert und trägt ebenfalls viel zur auffallenden Einzigartigkeit der sizilianischen Kultur bei. Die Bevölkerung gehört zu grossen Teilen der römisch-katholischen Glaubensrichtung an, deren Wichtigkeit besonders bei der Ausübung religiöser Prozessionen in vielen Teilen der Provinz zu beobachten ist. Des Weiteren leben auf Sizilien albanische und muslimische Minderheiten, deren Kultur sich auch nach Jahrzehnten erhalten hat.
Wichtigste Kulturpflanzen auf der Insel sind Olivenbäume und Reben. Daraus hergestellte Produkte wie Wein und Olivenöl geniessen auch weit über die Grenzen hinaus einen besonders guten Ruf und werden von Kennern hoch geschätzt.
Die Küche Siziliens gehört zu den ältesten und vielschichtigsten ganz Italiens. Einen wichtigen Einfluss hatten dabei insbesondere fremde Herrscher, die fortlaufend neue Elemente zur regionalen Küche beigesteuert haben. Dazu gehören vor allem die aus Nordafrika stammenden Zitrusfrüchen, die in vielen Gerichten eingesetzt werden. Zitronen und Orangen gehören neben Tomaten und Oliven zu den wichtigsten Anbauprodukten. Ebenfalls aus dem arabischen Raum eingeführt ist der Reis, welcher oftmals in Form von Arancini (kleine Reisbällchen) verarbeitet wird. Wie überall in Italien dürfen auf sizilianischen Speisekarten auch Pastagerichte nicht fehlen, welche hier meist mit Gemüse serviert werden. In den Küstenregionen gehören Kreationen mit Sardellen, Sardinen oder Thunfisch zu den Spezialitäten. Aussergewöhnlich ist zudem die Palette an verschiedenen Süssspeisen, für welche Mandeln, Honig oder Ricotta zum Einsatz kommen.
Die grosse, dreiecksförmige Insel im Herzen des Mittelmeers wartet mit allerlei Überraschungen auf. Die vielfältige Kultur Siziliens, die in den unterschiedlichen Regionen zusätzlich andersartig ausgeprägt ist, erhellt nicht nur das Gemüt, sondern vermag es auch Geist und Seele durch das Erleben ihrer Kunst- und Traditionsbewussten Bevölkerung zu erregen. Im Zusammenspiel mit den lokalen Gaumenfreuden wird ein Besuch der Insel zu einem wahren Festspiel für die Sinne.
Das arabisch geprägte Städtchen San Vito lo Capo lädt zum Baden ein. Hier geniesst man viele Couscous Gerichte
Produzenten in Sizlien (klicken Sie auf das Logo):
Herrliche Barockstädte im Südosten wie Siracusa oder Noto
Sizilien ist geprägt von verschiedensten Naturlandschaften
Griechisch geprägter Süden wie die Tempelanlage bei Agrigento
Im Norden liegt die aussergewöhnliche Stadt Cefalu, welche von den Arabern und Normannen zwischen dem 9. und 12 Jahrhundert geprägt wurde