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Neben Roger Federer hält heute auch Simona Waltert die Schweizer Fahne in London hoch. Die 16-Jährige bestreitet am Nachmittag in der Juniorinnen-Konkurrenz ebenfalls den Halbfinal.
Nur einmal kommt Simona Waltert ins Grübeln. «Was ich neben dem Tennis noch mache? Eigentlich nicht viel», sagt die Bündnerin, die nach einem 6:2, 3:6, 6:3 gegen Sofia Sewing (17) bei den Juniorinnen in den Wimbledon-Halbfinals steht, wo sie mit Ann Li (17) auf die nächste Amerikanerin trifft. Seit einem Jahr wohnt die Bündnerin mit ihrer Mutter Claudia in Biel, wo sie im Leistungszentrum von Swiss Tennis trainiert. Ist sie nicht im Ausland, verbringt sie die Wochenenden in Chur, wo Vater Markus eine Arztpraxis betreibt und Bruder Lukas (21) und Schwester Livia (18) wohnen.
Auf Rasen spielt Waltert zum ersten Mal in ihrem Leben. Vergangene Woche bestritt sie ein Vorbereitungs-Turnier auf den Plätzen der Universität Roehampton, wo sie während des Junioren-Turniers in einem Einzelzimmer wohnt. Die Umstellung auf Rasen habe ihr kaum Mühe bereitet. Dass sie in Wimbledon vor mehreren hundert Zuschauern spiele, blende sie aus. «Wenn ich auf dem Platz stehe, nehme ich nicht wahr, was um mich herum passiert. Das ist vielleicht auch besser so.»
Seit sie in Biel lebt, geht Waltert nicht mehr zur Schule. Neben dem Tennis bleibe nicht viel Zeit, sagt die 1,75 Meter grosse Bündnerin. Auch aufs Skifahren verzichtet sie seit über zwei Jahren, die Verletzungsgefahr sei einfach zu gross. Um auf andere Gedanken zu kommen, fahre sie aber trotzdem gerne in die Höhe. «Aufs Rothorn zum Beispiel, wart ihr auch schon da?», sagt Waltert. Doch die Momente der Entspannung sind rar geworden, seit sie kompromisslos auf die Karte Tennis setzt.
Wie die Baslerin Rebeka Masarova (17), die vor einem Jahr bei den French Open das Junioren-Turnier gewonnen hat, wird Waltert finanziell von Tennis-Mäzen Reinhard Fromm unterstützt. Er war einst auch Förderer von Belinda Bencic (20) und tritt heute als Sponsor von Stan Wawrinka (32), Timea Bacsinszky (28) und Amra Sadikovic (28) auf. Einen substanziellen Beitrag leistet auch die Schweizer Sporthilfe, welche Walterts Karriere mit 36'000 Franken pro Jahr alimentiert. Dazu kommen zwei, drei weitere private Sponsoren.
Den bisher grössten Erfolg feiert sie im Juni, als sie beim ITF-Turnier in Lenzerheide den Final erreicht, was sie in der Weltrangliste auf Platz 640 katapultiert. Der Rückhalt der Familie und die finanzielle Unterstützung geben Waltert die Freiheit, sich voll und ganz aufs Tennis zu konzentrieren. In Biel trainiert sie zweimal täglich unter Kai Stentenbach in einer Gruppe um die 17-jährigen Svenja Ochsner und Fiona Ganz. Daneben lernt sie Englisch und Französisch. «Ich bin froh, habe ich noch etwas, bei dem ich den Kopf einschalten kann.»
Ein Vorbild habe sie zwar nicht, aber sie schaue gerne Agnieszka Radwanska zu. «Die kennt ihr sicher», sagt Waltert. Die Polin spiele intelligent und habe «ein mega Händchen», sagt Waltert, die als dritte Schweizerin nach Martina Hingis 1994 und Belinda Bencic 2013 das Turnier der Juniorinnen gewinnen könnte. Bei den Junioren trägt Roger Federer 1998 seinen Namen in die Siegerliste ein. Auf ihn trifft Waltert in Wimbledon nach einem Training erstmals. «Ich habe ein Foto mit ihm gemacht, das war sehr wichtig für mich.» Vielleicht kann sich Waltert am Sonntag im Abendkleid an der Seite von Federer ablichten lassen. Gewinnen die beiden in Wimbledon, treffen sie sich am Champions Dinner wieder.