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Der deutsche Dienst “Conservo” charakteriert sich selber als liberalkonservativ, in Deutschland noch immer ein Ehrentitel. Ihm entnehmen wir den folgenden Kommentar von Dr. Juliana Bauer zum Prunkgehabe einzelner deutscher Bischöfe – mit der ausdrücklichen Feststellung: Der Text betrifft Deutschland.
Von Dr. Juliana Bauer
Jesus sprach zum reichen Jüngling: „Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! (Mt 19,21).
Zur Zeit sind sie wieder in etlicher Munde: die Luxuslimousinen mancher Bischöfe in Deutschland. Und einiges mehr. Dazu eine Geschichte aus dem Leben des Erzbischofs Wojtyla von Krakau, dem späteren Papst Johannes Paul II.
Sie stammt von einem Schuhmacher, der seine kleine Werkstatt in einer der Gassen in der Nähe des Vatikans hatte. Dort lernte er eines Abends, als er vor seiner Werkstatt stand, den Erzbischof von Krakau, Karol Wojtyla kennen. Dieser unternahm am Abend, wenn er in Rom weilte, öfters kleine Rundgänge im vatikanischen Stadtviertel, wo er mit dem Schuhmacher ins Gespräch kam und von da an gerne mit ihm ein Schwätzchen hielt.
So auch im Oktober 1978, am Abend vor dem Beginn des Konklave, in dem der Erzbischof als 263. Nachfolger des Simon Petrus ins Papstamt gewählt wurde. Die beiden Männer standen wieder beieinander und plauderten; irgendwann entdeckte der Schuster, dass einer der Schuhe des Erzbischofs nicht mehr ganz in Ordnung war. Er bot ihm eine Reparatur an, die Karol Wojtyla ohne zu zögern annahm und ihm dann in die kleine Werkstatt folgte.
Dort stellte der Schuhmacher fest, dass Wojtylas Schuhsohlen durchgelaufen waren und nicht mehr lange halten würden. Vielleicht gerade noch bis zur Papstwahl? Gute Schuhe waren und sind jedenfalls teuer… Als der Kardinal die Werkstatt wieder verliess, hatte er neu besohlte Schuhe unter seinen Füssen. Sie waren ein Geschenk des alten Mannes für den ihm so liebgewordenen Hirten der polnischen Kirche.
Warum erzähle ich diese Geschichte, die mir beim Lesen über die Luxuskarossen wieder einfiel? Weil sie mir schon damals ans Herz rührte. Und ich vor Johannes Paul II. „den Hut zog.“
Nicht so vor den Bischöfen deutscher Lande. Die oft jeglicher Glaubwürdigkeit entbehren. Zum Glück jedoch nicht alle.
Ihre Besoldung gleicht der eines Ministerpräsidenten. Was mein ehemaliger Pfarrer, nunmehr ein Herr von 92 Jahren, einmal mit den Worten kommentierte: „Das ist in keiner Weise mit dem Evangelium vereinbar“ (er selbst gab sein gutes Gehalt als Dekan meist für seine Gemeinde und vor allem für Bedürftige).
Riesige Wohnungen sind nicht selten, häufig 200 qm und mehr. Und das ohne Familie. Die, eine von Gott geheiligte Gabe, viele der „Hirten“ lehren würde, was es heisst, seine Mitmenschen wirklich zu lieben und sie von ihrer nicht selten verfluchten Ich-Bezogenheit befreien würde. Dann müsste ein Bischof seine überdimensionale Wohnung auch nicht als „Zumutung“ empfinden, wie einst der inzwischen pensionierte Bischof von Fulda (dem es ja auch freigestanden hätte, sich von dieser „Last“ durch eine schlichte Wohnung zu erlösen).
Dann noble Limousinen. Welche die Bistumssprecher manches Mal vor der Öffentlichkeit verteidigen (müssen?). „Denn der arme Bischof muss schlieaalich bequem sitzen und seine Beine strecken können, wenn er dienstlich lange unterwegs ist.“ Ach, welch ein Elend!
So der Limburger Bischof Georg Bätzing und seine Mannen. Die vor zwei Jahren jeweils einen Audi A 8 mit einem Hybrid-Diesel mit stolzen 286 PS erhielten, deren Grundpreis sich auf 90’600 Euro belief; heute umfasst der Grundpreis fast 107’000 Euro. Im Augenblick seien dem Bischof die Umweltschützer wegen des zu hohen CO2-Ausstoßes auf den Fersen. Oder der barock anmutende, bestgenährte Kardinal Deutschlands, der Nachfolger des hl. Korbinian von München und Freising! Der sein vollrundes Schwergewicht auf den Sitz eines BMW 730i drückt, der ab 92’100 Euro zu haben war.
Ich frage mich nur, was denn Bischöfe tun, die wesentlich einfacher leben und dennoch Freude ausstrahlen und als engagierte Seelsorger viel unterwegs sind. Wie der Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, der in seiner Stadt einen alten Opel fährt und vor allem mit dem Zug auf Dienstreisen geht.
Oder der Erzbischof von Paris, dessen Stuhl der bedeutendste Bischofsstuhl Frankreichs ist. Monseigneur Aupetit fährt einen Twingo, „une petite Twingo grise.“ In Paris sitzt er auch oft in der Metro, in der er das Gespräch mit seinen Mitmenschen sucht, oder er ist zu Fuss unterwegs, nachdem man ihm sein „Vélo“ geklaut hatte.
Niemand kann mir weismachen, dass die „frommen“ Herren nicht auch in einem schönen VW Golf angenehm sitzen, lesen oder schreiben können. Und niemand missgönnt ihnen eine angenehme Wohnung, in der sie sich wohl fühlen.
Sind unsere Bischöfe Luxusprobleme?
So lautete der Titel eines Beitrages von mir, den ich 2020 publizierte. Leider ja. Zumindest häufig. Diener Jesu sind viele jedenfalls nicht. Eher Diener dieser Welt und Staatsdiener, Diener eines korrupten Staates, die vielen prunksüchtigen und oft grössenwahnwitzigen Politiker in Nichts nachstehen. Mit dem Unterschied, dass die Damen und Herren Politiker nicht Gottes Wort verkünden.
“Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen“ (Mt 19,23) verkündet der oben zitierte Text des Matthäus-Evangeliums weiter. Nicht wenige, die glauben Hirten und Oberhirten zu sein, scheinen das Evangelium nicht wirklich zu kennen!