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Schonende Eingriffe bei Schilddrüsenerkrankungen
Knoten und Zysten in der Schilddrüse sind häufig und verursachen neben Überfunktionssyndromen oft auch mechanische Probleme. Während die Chirurgie die Therapie der Wahl bei malignen Veränderungen darstellt, haben sich in den letzten Jahren die Radio-frequenz- und Ethanolablation als neuere minimal-invasive Verfahren bei benignen Knoten und Zysten etabliert. Sie sind in vielen Fällen eine gleichwertige Therapiemethode neben Chirurgie und Radiojod-Behandlung.
Radiofrequenzablation von Knoten
Bei der bipolaren Radiofrequenzablation (RFA, Thermoablation) wird eine mit hochfrequentem elektrischem Strom aufgeheizte Sonde nach lokaler Anästhesie in den Schilddrüsenknoten eingebracht. Die Wärmeapplikation löst eine Nekrose aus, die zu einer Volumenreduktion und – bei heissen Knoten – gezielten Ausschaltung des hyperfunktionellen Areals führt. In Studien konnte eine Volumenreduktion bis 85 % erreicht werden; die am LUKS-Schilddrüsenzentrum erhobenen Daten (unpubliziert) zeigen eine durchschnittliche Reduktion von 82 % nach 20 Monaten und bei 87 % der Behandelten mit funktioneller Autonomie eine komplette Normalisierung der Stoffwechsellage, substitutionsbedürftige Hypothyreosen sind sehr selten (0 % in unserem Kollektiv). Die RFA ist ein sicheres Verfahren, das in der Regel ambulant durchgeführt wird. Aufgrund der minimalen Invasivität eignet sie sich auch für alte Patientinnen und Patienten und bei Vorerkrankungen. Sehr grosse oder anatomisch ungünstig gelegene Knoten (retroclaviculär oder retrosternal) sind für eine Behandlung mit Thermoablation nicht geeignet.
Ethanolablation von Zysten
Schilddrüsenzysten mit grösseren Volumina führen meist zu Kompressionsymptomen. Rezidive nach Abpunktion der Zystenflüssigkeit sind häufig. Während in der Vergangenheit die Hemithyroidektomie die Therapie der Wahl bei benignen Zysten darstellte, ist heute die Ethanolablation eine einfach durchzuführende und sichere Alternative auch bei grossen Zysten (> 20 – 40 ml Inhalt). Nach Abpunktion des Zysteninhalts wird unter sonografischer Kontrolle eine definierte Menge an sterilem 95-prozentigem Alkohol eingebracht und nach einer Verweildauer reaspiriert. Das Ethanol führt zu einer Koagulationsnekrose und Entzündung, was zu einer Verklebung der Wände des Zystenbalges führt. Auch dieser Eingriff wird ambulant und unter Lokalanästhesie durchgeführt, ist praktisch schmerzfrei und bei korrekter Technik komplikationslos. Die Literatur zeigt Volumenreduktionsraten nach zehn Jahren zwischen 93 % und 97 % und ein sehr tiefes Rezidivrisiko, was sich mit den LUKS-Erfahrungen deckt.
Abbildung 1: 54-jährige Patientin mit fokaler Autonomie bei Schilddrüsenknoten rechts, subklinischer Hyperthyreose und Kompressionssymptomen. Linke Seite Sonografie (oben) und Szintigrafie (unten) vor Intervention. Rechte Seite: Sonografie (oben) und Szintigrafie unten, 4 Wochen nach Intervention, zum damaligen Zeitpunkt komplette Normalisierung der Hyperthyreose (TSH 1,75 mU/l, ohne Substitution). Initiales Knotenvolumen 17 ml, Volumen im 24-Monate-Follow-up 3,5 ml, entsprechend einer Volumenreduktionsrate von 79,6 %, klinisch komplette Beschwerdefreiheit.
Abbildung 2: 62-jähriger Patient mit Kolloidzyste links, Kompressionssymptomen, linksseitigen Halsschmerzen und Dysphagie. Obere Reihe: sonografischer Befund vor Intervention. Untere Reihe: Residual-Befund 52 Wochen nach zweimaliger Ethanolablation, komplette Beschwerdefreiheit.
Hinweis: Dieser Beitrag ist im luksmagazin erschienen, dem Magazin für Zuweisende der LUKS Gruppe.