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Jeder ist eine Goldmine
von Basler Psi Verein
20. Februar 2017
Interview mit dem Qigong Meister Robert Peng
Was hat Dich dazu bewegt so jung beim spirituellen Meister Xiao Yao in die Lehre zu gehen?
Robert: Als ich acht Jahre alt war, hatte ich ein schweres Herzleiden, welches die Ärzte nicht heilen konnten. Sie sagten mir, ich müsse die Schule abbrechen und mich zuhause ausruhen. Das war aber sehr langweilig und so schlich ich mich bereits nach ein paar Tagen aus dem Haus in ein nahegelegenes Hotel. Dort entdeckte ich einen Heizraum, wo ich gerne den Flammen zuschaute. Mein Meister war der Heizraumwart. Er war ein sehr netter Mann und ein grossartiger Geschichtenerzähler. Aus diesem Grund kehrte ich immer wieder zu ihm zurück.
Ich denke, er gab mir eine Heilbehandlung ohne es mir zu sagen. Ich vergass schnell meine Schmerzen und binnen weniger Wochen waren sämtliche Schmerzen komplett verschwunden.
Eines Tages fragte er mich ob ich Wushu (Kampfsport auf Chinesisch) lernen möchte. Ich bejahte, fügte aber hinzu, dass sich niemand trauen würde mich zu trainieren. Alle spirituellen Traditionen waren verboten worden, deshalb wären wir in grossen Schwierigkeiten, wenn man uns erwischen würde. Er sagte, er werde mich trainieren. Ich war sehr überrascht. Er war etwas kleiner als ich und sah wie ein Schwächling aus. Ich wusste nicht, dass er bereits 80 Jahre alt war. Er sah eher aus wie ein 40-Jähriger. Ich wusste auch nicht, dass er vor seinem Untertauchen ein legendärer Heiler, Mönch und Kampfkünstler gewesen war.
Wir einigten uns, dass er mich trainieren würde, solange ich diszipliniert war und unsere Trainingseinheiten geheim halten würde. Später sagte er mir, dass ich die im Wushu kultivierte Energie auch als Heilenergie verwenden könne.
Mit 14 liess mich mein Meister 100 Tage fasten, ich durfte nur Wasser trinken. Ich hielt mich im Keller eines Bergtempels auf, in den mein Meister nach dem Ende der Kulturrevolution zurückgekehrt war. Wenn Du eine solche Fastenkur unter der Anleitung eines Meisters tust, wirst Du transformiert. Du baust sehr wertvolle Heilkraft auf. Nach dem Ende der Fastenzeit spürte ich ein Kribbeln in den Händen, so als strömte Elektrizität durch sie. Wenn ich Leute berührte, spürten sie diese Elektrizität ebenfalls.
Was ist das Wichtigste, was Du von Xiao Yao gelernt hast?
Robert: Glücklich und mitfühlend zu sein, ungeachtet der äusseren Umstände. Vor der Kulturrevolution war Xiao Yao ein hochrangiger Mönch, der nie das Kloster verlassen hatte. Als ich ihn kennenlernte, lebte und arbeitete er in einem Heizraum. Er hatte unzählige Gründe traurig und verärgert zu sein. Trotzdem hörte ich ihn nie klagen. Er war stets unbekümmert und liebenswürdig jedoch auch widerstandsfähig – wie ein Tiger.
Was ist Qigong, und was sind die Vorteile des täglichen Übens?
Robert: Qigong (ausgesprochen tschi-gung) ist die Wissenschaft der Kultivierung der Lebenskraft (Qi) mit speziellen Übungen und gleichzeitig auch die Kunst, diese Energie im Dienst des Dao oder für das übergeordnete Wohl anzuwenden.
- Mein Meister hat mir die Qigong Vorteile anhand der «sechs No-Worries» (keine Sorgen) anschaulich gemacht. Das heisst sechs Aspekte des täglichen Lebens über die Du Dir keine Sorgen machen musst, wenn Du täglich die Qigong-Übungen machst und das Qi im Körper problemlos fliesst.
- Keine Sorgen Essen: Deine Verdauung und Dein Appetit sind so verfeinert, dass sogar das einfachste Essen ausgezeichnet schmeckt. Manchmal reicht bereits das simple Ein- und Ausatmen um ein Gefühl des Schlemmens zu haben.
- Keine Sorgen Schlaf. Du schläfst wie ein Baby und wachst glücklich und ausgeruht aus.
- Keine Sorgen Toilette. Du hast keine Verdauungsprobleme, weder Durchfall noch Verstopfung.
- Keine Sorgen Energie. Du hast reichlich Lebenskraft so dass Du jede Situation in Deinem Leben meistern kannst.
- Keine Sorgen Sex. Deine sexuelle Kraft ist stark und ausdauernd. Die sexuelle Energie verbessert Deine Langlebigkeit und die Lebensqualität.
- Keine Sorgen Emotionen. Du bist ruhig, Deine Emotionen sind ausgeglichen und Du wirst selten krank (physisch oder emotional). Xiao Yao sagte, «Wenn Dein Qi reibungslos fliesst, lebst Du wie ein Shenxian – ein Unsterblicher im Märchenland.
Was ist Qigong-Heilung? Kann es uns helfen, unsere Sichtweise auf die Krankheiten zu verändern?
Robert: Im Qigong sagen wir, dass Krankheiten durch Blockierungen verursacht werden. Wenn die Energiemeridiane richtig fliessen, dann bist Du gesund. Blockierungen – ganz egal wo sie sind – führen stets zu Erkrankungen. Wenn Du Bauchschmerzen hast, wird ein Qigong-Heiler den Magen- und den Dickdarmmeridian anschauen und sie von Blockierungen befreien. Danach werden die Schmerzen verschwinden. Wenn dieser Körperbereich langsames und starkes Qi hat, kann sich keine Krankheit ausbreiten. Im Qigong darf «keine Erkrankung» nicht mit «gesund» gleichgesetzt werden. Gesund sollte auch Glücklichsein bedeuten – so machen wir sowohl physische wie auch emotionale Heilung.
Hat jeder die Fähigkeit sich selbst zu heilen? Oder ist diese Kraft für wenige Auserwählte reserviert?
Robert: Wie mein Meister zu sagen pflegte: «Jeder ist eine Goldmine». Wir werden mit einem reichhaltigen Heilenergiepotenzial geboren, das für die Eigenheilung ausreicht. Aber viele Menschen halten eine goldene Schale und betteln, weil sie keinen Zugang zu ihrer Reichhaltigkeit haben. So denken viele, dass sie nicht genug Energie haben und aus diesem Grund versuchen sie besseres Essen und bessere Vitamine zu sich zu nehmen. Sie denken, dass sie etwas nicht selbst heilen können und sich deshalb den Ärzten und der Medizin zuwenden müssen – aber Du kannst Deine Heilenergien und Kraft durch tägliches Qigong-Training kultivieren.