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Uraufführung von Fazil Say beim Menuhin-Festival Gstaad
«Wasser» ist diesen Sommer das Motto des Menuhin-Festivals im Allgemeinen. Und im Speziellen war es dasjenige des Konzerts mit dem seit vier Jahren bestehenden Gstaad Festival Orchestra unter Kristjan Järvi. Smetanas «Moldau» begann als reissender Bergbach und floss schon nach wenigen Minuten sehr majestätisch dahin. Auch Brittens «Sea Interludes» aus der Oper «Peter Grimes» gerieten unter Järvis Händen rhythmisch, sportlich, ein bisschen gewalttätig und laut, was hier noch weit besser passen mochte als dieselbe musikalische Gangart in Debussys Orchesterstudie «La Mer». Auch dieses impressionistische Meisterwerk trimmte Järvi etwas rücksichtslos auf Rhythmik, Puls und Metrum, was zu sehr auf Kosten der klangfarblichen Feinheiten ging.
Das Hauptwerk des Abends, die Uraufführung eines neuen Klavierkonzerts des türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say, war ebenfalls dem Wasser gewidmet: in klassischer Dreisätzigkeit, die auf jeweils eigene Weise schräg und verspielt klang und von Say unter Hochdruck mit Ereignissen aufgeladen wurde. Der erste Satz, «Blaues Wasser», leistete sich nach einer lautmalerischen Klavier-Einleitung starke Seitenblicke zu Gershwin und Blues, der zweite, «Schwarzes Wasser», war eine Filmsoundtrack-ähnliche Nachtmusik mit allerlei Tierstimmen und Geräuscheffekten aus dem Orchester, und der dritte, «Grünes Wasser», illustrierte sein Thema mit perlenden Klavierläufen und einer Grundierung aus rauschenden Muschelspielen. Fazil Say, natürlich sein eigener Interpret bei dieser Uraufführung, setzte das Klavier nur selten mit solistisch herausfordernden Passagen ein, sondern behandelte es mehr als Farbe im gesamten Orchester.