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"Sein ganzes Leben war eine Mizwah". Ein Pionier der sozialen Kinderheilkunde
Hugo Neumann (1858-1912) wurde als Sohn eines jüdischen Zigarrenfabrikanten in Berlin geboren. Er studierte Medizin und wurde Kinderarzt. Dreissigjährig eröffnete er eine Poliklinik für arme Kinder, die sich ab 1897 in der Blumenstrasse befand. Das besondere an Neumanns Poliklinik war, dass sie bereits zu einer Zeit, als die Kinderheilkunde noch um Anerkennung kämpfte und für arme Kinder in Berlin kaum Behandlungseinrichtungen existierten, ein spezialisiertes "medizinisches Versorgungszentrum" mit verschiedenen Fachabteilungen darstellte. Ausser einer allgemeinen Sprechstunde gab es eine chirurgisch-orthopädische, hals-nasen-ohren-ärztliche, dermatologische, nervenärztliche, augenärztliche, zahnärztliche, sowie eine Abteilung für Sprachkrankheiten. Hundert von zumeist jüdischen Ärzten erfuhren bei Neumann eine hervorragende Ausbildung. Darüber hinaus etablierte er dort auch eine Wöchnerinnenunterkunft, in der vor allem ledige Mütter nach der Entbindung Aufnahme fanden. Neben seiner praktischen Arbeit war Hugo Neumann auch wissenschaftlich tätig, habilitierte sich 1893, hielt als Privatdozent Vorlesungen und schrieb ein originelles Lehrbuch, das 6 Auflagen erlebte.