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Jungfischer am Hinterrhein
Fischerei in Graubünden - ein Kurzportrait
„Die bündnerischen Fischereiverhältnisse sind so mannigfaltig …“, schwärmte anno 1913 der erste Präsident des kantonalen Fischereiverbandes Prof. A. Florin. Vielfältig, wenn auch vielerorts nicht mehr so ergiebig wie früher, ist die Fischerei im Kanton Graubünden auch heute noch.
Das Fischereirecht im Kanton Graubünden wird seit 1903, mit Ausnahme einzelner Privatrechte, durch das Patentsystem verliehen (Kantonsregal). Durch die Entrichtung einer Gebühr an den Kanton steht es jeder Person ab dem 14. Altersjahr frei, die Fischerei an den meisten Gewässern in Graubünden auszuüben.
Die Lebensräume in Fliessgewässern und Seen werden durch ihre Umgebung geformt und sind in einem Gebirgskanton entsprechend vielfältig. Von tosenden Gletscherbächen über steile Gebirgsbäche, abgelegene Bergseen bis zu verästelten Flusssystemen und Auengebieten ist alles zu finden. Einzig grosse Seen und Flüsse wie sie im Mittelland zu finden sind, gibt es nicht. Dafür prägen künstlich geschaffene Stauseen vielerorts das Landschaftsbild.
In Graubünden sind rund 11‘000 km Fliessgewässer kartographisch erfasst. In knapp 1‘700 km davon finden wir Fische. Dies entspricht einer produktiven Wasserfläche von rund 1'400 ha. Das durchschnittliche jährliche Ertragsvermögen beträgt 25 kg pro ha und entspricht dem Erwartungswert für die meist nährstoffarmen alpinen Gewässer. In den Bächen und Flüssen werden pro Jahr um die 110‘000 Fische, meist Bachforellen, gefangen.
Obwohl grosse Seen fehlen, ist Graubünden dennoch reich an stehenden Gewässern. Es gibt insgesamt rund 600 kleinere Seen. Von den historisch belegten ca. 250 fischhaltigen Seen werden zurzeit noch insgesamt 196 fischereilich genutzt. Dazu gehören 140 Bergseen, 17 Talseen, 29 Stauseen und 10 Baggerseen. 18 Seen sind in Privatbesitz (Gewässer mit Sonderfischereirechten). Das durchschnittliche, jährliche Ertragsvermögen der Seen ist mit 13 kg pro ha als sehr gering einzustufen. Rund 90‘000 Fische, mehrheitlich Forellen und Seesaiblinge, werden in den Seen pro Jahr gefangen.
In den Gewässern des Kantons Graubünden sind 34 Fisch- und 2 Krebsarten nachgewiesen. Die Hälfte dieser Fischarten kommt aber nur selten oder vereinzelt vor. Die häufigste und am weitesten verbreitete Fischart ist die Bachforelle. Die meisten Fischgewässer des Kantons gehören denn auch der Forellenregion an. Ausnahmen sind die untersten Abschnitte des Alpenrheins und der Moesa, die der Äschenregion zugeordnet werden.
Was im Kanton Graubünden seit 2002 Pflicht ist, wurde am 1.1.2009 per Bundesgesetzgebung gesamtschweizerisch eingeführt. Jede/r FischerIn, der/die einen Monat oder länger Fischen will, startet die Fischereikarriere mit einer Ausbildung. Nach erfolgreichem Kursbesuch ist man BesitzerIn eines gesamtschweizerisch anerkannten Sachkunde-Nachweises der Fischerei. Zusammen mit dem Kantonalen Fischereiverband bietet das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden jährlich rund 10-12 Ausbildungsveranstaltungen an, wobei rund 500-600 Jung- und Neufischer ausgebildet werden.
Zum Bezug eines Fischereipatentes sind alle Personen berechtigt, die im Bezugsjahr mindestens das 14. Altersjahr erfüllt haben. Jugendpatente erhält man im Alter von 14 bis 17 15 Jahren und werden zum halben Preis abgegeben. Das Mitangelrecht ermöglicht aber Jugendlichen bis 13 Jahre in Begleitung eines mündigen Patentinhabers (mind. 18 Jahre alt) zu fischen.