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Aromatherapie basiert auf der therapeutischen Anwendung von hochkonzentrierten und geruchsintensiven pflanzlichen Extrakten, den ätherischen Ölen. Sie sind doppelt zufriedenstellend, zunächst wegen ihrer therapeutischen Wirkung und schliesslich wegen des Genusses, den ihre Anwendung vermittelt.
Die Natur lebt in Symbiose und um Teil dieser Symbiose zu sein, müssen Pflanzen untereinander, auch spezienübergreifend, kommunizieren. Zu diesem Zweck nutzen sie alles, was ihnen zur Verfügung steht. Die einen bringen leuchtende Farben hervor, vor allem solche, die von den sie bestäubenden Insekten gut erkannt werden, andere imitieren das Aussehen von Insekten, um deren Artgenossen anzulocken. Dies ist der Fall der Ophrys, auch Ragwurz genannt. So sieht die Blüte der Wespen-Ragwurz aus wie eine Wespe, die der Fliegen-Ragwurz wie eine Fliege usw. Wiederum andere locken mit ihrem Duft Insekten an… und führen sie so quasi an der Nase herum. Die ätherischen Öle sind der wichtigste Faktor des Duftes in der Pflanzenwelt. Andere Moleküle spielen ebenfalls eine Rolle, beziehen sich jedoch eher auf den Geschmack der Pflanze.
Schon in der Antike wurden pflanzliche Duftstoffe eingesetzt. In mehr als 4000 Jahre alten akkadischen Texten wird erwähnt, dass bereits in Babylon bestimmte Zypressenteile verbrannt wurden, um den Rauch zur Eindämmung von Epidemien zu nutzen. Chinesische und indische Zivilisationen wendeten ebenfalls ätherische Öle für therapeutische und kosmetische Behandlungen an. Generell ist die Phytotherapie – die Verwendung von pflanzlichen Stoffen in der Medizin – in allen Zivilisationen bekannt. Die moderne Aromatherapie geht auf den Chemiker René-Maurice Gattefossé und die 20er-Jahre zurück.
Eines der ausdrucksstärksten Beispiele ist das der Prachtbienen (Euglossa viridissima). Sie sind keine eusozialen Insekten, die in Bienenstöcken oder Kolonien zusammenleben, wir es in Europa kennen. Sie fliegen von Blüte zu Blüte, sammeln jedoch keinen Nektar, sondern rollen sich in bestimmten Orchideenblüten und sammeln mit ihren Vorderbeinen die Duftstoffe, welche sie dann über die mittleren Beine an die Hinterbeine führen, um sie in einer Art Körbchen, das sich dort befindet, aufzubewahren.
Zur Paarung setzt die männliche Prachtbiene diese Duftstoffe, die klassischen Moleküle der ätherischen Öle (Eugenol, Cineol, Benzylacetat usw.), zum Anlocken der Weibchen frei. Angesichts des Überlebens der Spezies scheint die Rechnung der ansonsten unnötigen Anstrengung aufzugehen.
Auch auf uns haben die Düfte der ätherischen Öle eine starke Wirkung. Es existieren unzählige ätherische Öle, die verführen, beleben und Stress verringern. Beispiele hierfür sind der echte Lavendel, Ylang-Ylang, Patschuli, Myrrhe, Davana und viele andere, die lindernd, beruhigend und entspannend wirken. Einmal tief einatmen und schon senken sich die Schultern, die Anspannung verringert sich und mit sinkendem Blutdruck stellt sich eine angenehme Entspannung, was sich deutlich in unseren Gesichtszügen widerspiegelt. Sobald unsere Nasenhöhlen den Duft wahrnehmen, geht er über die Geruchsrezeptoren, die Glomeruli olfactorii und Mitralzellen zu einer spezifischen Region des Gehirns, der Amygdala des limbischen Systems. Hier geschieht etwas sehr Wichtiges: Der Geruch wirkt sich direkt auf Gefühle und Erinnerungen aus. Die Geruchsinformationen erreichen unser Gehirn, das analysiert, verwirft oder zensiert, aber erst sehr viel später. Dies erklärt nicht nur die starke emotionale Wirkung ätherischer Öle, sondern auch, weshalb der Geruchssinn der einzige Sinn ist, den wir nicht «ignorieren» können.
Mit Marc Ivo Böhning, Naturheilpraktiker und Physiotherapeut, spezialisiert auf Aromatherapie
Marc Ivo Böhning ist Aromatherapeut ASCA mit eigener Praxis. Autor mehrerer Bücher zu diesem Thema, vermittelt er seine Leidenschaft auch als Lehrperson und Berater. Er realisiert ebenfalls Kurzfilme, die auf YouTube (Kanal Aromarc) verfügbar sind.
Wahl des Zerstäubers
Um vollen Nutzen aus ihren Aromen und den zahlreichen wohltuenden Wirkungen der ätherischen Öle zu ziehen, gilt es sich auszustatten. Da verschiedene Methoden der Diffusion existieren, ist die Wahl der Diffusionsart wesentlich. Wichtig ist, daran zu denken, dass ätherische Öle nicht über 40°C erhitzt werden dürfen, denn bei höheren Temperaturen verändern sich ihre Moleküle und werden potenziell toxisch. Das Non plus ultra ist zweifelsohne die Zerstäubung per Vernebelung: die Öle werden durch eine feine Düse versprüht und in winzigen Tröpfchen durch einen schnellen Luftzug verteilt. Diese Methode garantiert eine grossartige Diffusion, selbst in grosse Räumlichkeiten. Da es sich hier um eine Kaltzerstäubung handelt, bewahren die ätherischen Öle ihre positiven therapeutischen Effekte. Anzumerken ist allerdings, dass die Pumpe ein kleines Geräusch verursacht. Die Ultraschallvernebler basieren auf einer Ultraschallsonde, über der sich ein mit Wasser und einigen Tropfen des ätherischen Öls befüllter Behälter befindet und die Schwingungen im Hochfrequenzbereich erzeugt. So wird bei Kontakt mit der Sonde ein Nebel erzeugt, der die im Wasser verteilten ätherischen Öle als Mikropartikel in Form eines aromatischen Nebels zerstäubt und verteilt. Diese Diffusoren sind kostengünstiger als die Sprühvernebler, allerdings bleiben die aromatischen Moleküle auch weniger lange in der Luft (da sie in Wasser verdünnt sind). Noch günstiger sind die Warmzerstäuber: einfach einige Tropfen des ätherischen Öls in das hierfür vorgesehene Behältnis geben und die Wärme übernimmt den Rest! Die meisten dieser Modelle sind mit einem Temperaturregler ausgestattet. Schliesslich gibt es auch noch Diffusoren, die mit kleinen, wegwerfbaren und mit Öl getränkten Löschpapierstreifen, durch die ein starker Luftzug gepustet wird, funktionieren. Diese sind zwar einfach im Gebrauch, ihre Diffusion ist allerdings nicht sehr stark, sodass sie sich lediglich für kleine Räume eignen.
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