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Am 12. Dezember 2021 entscheidet Neukaledonien zum dritten und letzten Mal über die Unabhängigkeit von Frankreich.
Während auf der Insel östlich von Australien Hochspannung herrscht, interessiert sich im Mutterland Frankreich kaum jemand für die wegweisende Abstimmung. Präsident Emmanuel Macron habe sich nie dazu geäussert und auch in den französischen Medien herrsche das grosse Schweigen.
Gemäss David Marrani, Rechtsprofessor und Spezialist für Verfassungsrecht, welcher sich im Rahmen seiner Studien eingehend mit Neukaledonien befasst hat, hätten viele Franzosen und Französinnen überhaupt keine Ahnung, welchen Status Neukaledonien hat. Über 60% seien der Ansicht, die Insel sei bereits unabhängig. Dieses Desinteresse erstaunt ihn insofern, als dass die grosse Insel im Südpazifik für Frankreich als eine der bedeutendsten, maritimen Grossmächte der Welt strategisch eigentlich eine wichtige Rolle spiele.
Im Rahmen des Friedensprozesses zwischen der französischen Kolonialmacht und den indigenen Gruppen wurde 1998 im Vertrag von Nouméa festgelegt, dass insgesamt 3 Referenden über die Unabhängigkeit möglich sein sollen. Weil zwei Referenden bereits abgelehnt worden sind, folgt nun am 12. Dezember das dritte und letzte.
Anfangs November verlangten die Unabhängigkeits-Befürworter*innen indes die Verschiebung des Referendums. Aufgrund der Corona-Krise habe man im Abstimmungskampf zu viel wertvolle Zeit verloren, so die Begründung. Tatsächlich explodierten im September die Ansteckungszahlen, die Kurve schnellte auf rund 1000 Neuinfektionen pro Tag. Mittlerweile aber sei die Lage wieder im Griff und die Durchführung des Referendums möglich, sagte Patrice Faure, höchster Repräsentant Frankreichs in Neukaledonien kürzlich vor den Medien.
Daraufhin riefen die Unabhängigkeitsbefürworter*innen zum Boykott der Abstimmung auf. Roch Wamytan von der Pro-Unabhängigkeitspartei Union Calédonienne sagte gegenüber France24, eine mehr oder weniger massiv tiefe Stimmbeteiligung würde das Resultat delegitimieren. Verfassungsrechtler David Marrani erachtet den Wahlboykott als taktischen Schritt, weil die bisherigen Umfragen auf ein drittes und letztes Nein zur Unabhängigkeit vorhersagen. Es sei schon länger klar, dass insbesondere das Volk der Kanaken, und unter ihnen vor allem die sozialistische Front der nationalen Befreiung FLNKS dieses Referendum zum jetzigen Zeitpunkt nicht wollen.
Neukaledonien hat rund 280 000 Einwohnende. Fast die Hälfte der Bevölkerung sind Kanaken und andere indigene Völker, ein Drittel sind ehemalige Siedler und Neuzugewanderte aus Frankreich. Einen ethnischen Graben aber sei im Rahmen der Abstimmung nicht zu beobachten, sagt David Marrani. An der Vorbereitung der Referenden seien alle ethnischen Gruppen beteiligt gewesen und die Wähler*innenlisten seien sehr sorgfältig entwickelt worden, mit x Kriterien, wer unter welchen Umständen mitbestimmen dürfe.
Schon heute ist Neukaledonien sowohl politisch als auch ökonomisch weitgehend autonom. Die Insel ist nicht Teil des europäischen Binnenmarktes. Rund ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes aber besteht aus finanziellen Zuschüssen des französischen Mutterstaates. Aktuell investiere Frankreich jährlich 1.5 bis 2 Milliarden Euro in die staatlichen Einrichtungen Neukaledoniens, wie Schulen, Spitäler oder Strassen. Als kleine Insel-Ökonomie sei Neukaledonien auf wirtschaftliche Unterstützung angewiesen. Falle die ehemalige Kolonialmacht also weg, würden gemäss Marrani China oder Australien Frankreichs Platz einnehmen.