Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03490.jsonl.gz/1533

Deschwandens Bilder dienten als Vorlage
Detta Kälin skizzierte am Anfang die Situation der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert und wie diese nach 1850 versuchte, ihre Botschaft in Bilder umzusetzen, um damit die Gläubigen besser zu erreichen. Das Benziger-Verlagshaus stellte sich gerne in diesen Dienst, zum einen, weil die Verleger davon überzeugt waren, ihren Teil für die Kirche leisten zu müssen, zum andern aber auch, weil sie davon ein einträgliches Geschäft erwarteten. Nun galt es, das Ganze umzusetzen, und da kam ihnen Paul Melchior von Deschwanden mit seiner die damaligen Menschen ansprechenden Malerei gerade recht. Er war nicht der einzige Künstler, den Benziger unter Vertrag nahm, um bildliche Vorlagen zu liefern, aber ein sehr wichtiger. Möglich wurde die Beziehung durch Vermittlung von P. Gall Morell OSB, mit dem von Deschwanden befreundet war.
Referentin Detta Kälin mit einem Vorlagebuch (Foto: Urs Haller)
Informativ waren Kälins Ausführungen über den langen Weg von der Vorlage bis zum gedruckten Bild als schönes «Helgili» in Kleinstformat oder in grösserer Ausführung als Wandschmuck. Dabei zeigte die Referentin die verschiedenen Produktionsschritte auf, ging aber auch auf die Veränderung ein, die im Verlauf des Prozesses mit den Bildern geschah. Um den Absatz zu fördern und weil Kleinformate eine Vereinfachung der Vorlage notwendig machten, wurde diese plakativer und "kitschiger" umgesetzt. Deschwanden war stets in die Entwicklung eingebunden und hat das Ergebnis auch fast immer abgesegnet. Aus der «heiligen» Allianz erwuchs für beide eine Win-Win-Situation. Beide Parteien, von grosser Religiosität geprägt, waren überzeugt, mit ihrem Tun der Kirche einen Dienst zu erweisen – und beide kassierten dabei nicht schlecht. Der Verlag Benziger allerdings weit länger, da er bis nach dem ersten Weltkrieg die Bilder vermarktete.