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Abwärme von Städten prägt das Klima
Laufen Heizungen und Klimaanlagen, wälzt sich der Verkehr durch die Strassen und produzieren Kraftwerke Strom, entsteht direkt oder indirekt Abwärme. Dies macht urbane Gebiete wärmer als ländliche Regionen. Grossstädte prägen so nicht nur das lokale sondern auch das kontinentale Klima. Dies stellten amerikanische Forscher in einer Studie fest.
Dass Städte wie Wärmeinseln wirken, weiss man schon länger. Dass sie aber über Tausende von Kilometern hinweg die Temperatur prägen, war bisher nicht bekannt. Dies berichten Guang Zhang von der University of California in San Diego und sein Team im Fachmagazin „Nature Climate Change“.
Ihre Erkenntnis betrifft besonders die dicht besiedelte und hochindustrialisierte Nordhalbkugel. Die Ballungsräume sind dort laut den Wissenschaftlern für knapp die Hälfte des weltweiten Energieverbrauchs oder 6,7 Terrawatt verantwortlich. Parallel dazu weichen dort die Temperaturen in einigen Regionen leicht von den gängigen Klimamodellen oder vielmehr Modellvorhersagen ab. Dies betrifft laut den Forschern vor allem Nordamerika und Nordasien, die im Winter wärmer sind, als es Simulationen vorhersagen.
Zhang und sein Team vermuteten hier einen Zusammenhang und gingen dieser Idee mit einer Studie auf den Grund: Dazu simulierten sie, wie sich das Klima während eines Jahrhunderts auf der Nordhalbkugel entwickelt, wenn die Abwärme von Ballungsräumen hinzukommt. Danach stellten sie das Resultat mit Abwärme demjenigen, bei dem die Abwärme nicht miteinbezogen wurde, gegenüber. Dabei kamen sie zwar zum Schluss, das es global gesehen nur einen Unterschied von 0,01 Grad ausmacht, aber der Einfluss auf einen einzelnen Kontinent um das zehnfache grösser sein kann: So errechneten sie etwa für Russland und Nordasien einen Unterschied von einem Grad, für Asien 0,5 Grad. Zudem kamen sie zum Schluss, dass dieser Effekt im Winter besonders stark sein dürfte. Daraus wiederum folgerten die Wissenschafter, dass Ballungsräume einen ganzen Kontinent klimatisch prägen können.
Doch das ist nicht alles. Die Forscher nahmen in diesem Zusammenhang mit einer weiteren Simulation die Luftströmungen unter die Lupe. Dabei kamen sie zum Schluss, dass die aus den Städten aufsteigende Wärme diese oder vielmehr die übliche atmosphärische Zirkulation beeinträchtigt. Das heisst, der Jetstream verändert sich im Winter, wenn mehr Abwärme produziert wird, Dies wiederum beeinflusst Wind und Wetter auf der nördlichen Halbkugel. (mai)