Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03344.jsonl.gz/2474

Arbeiterinnen und Arbeiter am Arbeitsplatz werden selten abgebildet. Wollte ein Patron seine Beschäftigten fotografiert haben, liess er sie meistens als Gruppe posieren: gerne vor der Fabrik, wo auch das Licht besser war. Hier eine Arbeiterin aus Mühlethal AG. Ihren Namen wissen wir so wenig wie ihre genaue Tätigkeit. Sie schickt die Karte im Frühjahr 1918 an eine Freundin, unterzeichnet nur mit den Initialen. Am Arbeitsplatz verbringt sie – je nach Branche – bis zu 59 Stunden pro Woche.
Seit Jahrzehnten verlangen die Gewerkschaften den Achtstundentag. Der 1. Mai ist weltweiter Kampftag dafür: «8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Musse, 8 Stunden Schlaf!» – an sechs Tagen pro Woche. Ein Männerslogan, denn die Hausarbeit ist nicht einberechnet. In den neun Forderungen des Landesstreiks 1918 kommt die 48-Stunden-Woche an vierter Stelle. Trotz bedingungslosem Streikabbruch wird sie für IndustriearbeiterInnen 1920 zum Gesetz. Ferien gibt es in den wenigsten Betrieben. Rente auch nicht. Es heisst arbeiten, bis man tot ist oder der Fürsorge anheimfällt.
In der nächsten WOZ: Germania und die Bolschewisten