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Von Kaiser Nero weiss man, dass er selbst Eis herstellte. Er setzte ein Gefäss mit abgekochtem Wasser in Eis und wartete, bis es gefror, um sich dann damit zu kühlen. Auch von dem griechischen Helden Orpheus wird erzählt, dass er sich nach dem beschwerlichen Abstieg in die Unterwelt erst mal mit einer Mischung aus Schnee, Honig und zerkleinerten Früchten erfrischte - wie auch die griechischen und römischen Philosophen ihre nach erregten Diskussionen erhitzten Köpfe mit Eis und Schnee abkühlten. Dem Urvater aller Ärzte, Hippokrates, diente Eis schon damals als Mittel zur Kühlung von Schwellungen und Wiederbelebung erschlaffter Lebensgeister bei seinen Patienten.
3000 v. Chr., also schon vor 5000 Jahren, träumten viele Chinesen davon, denn nur wenige bekamen solch kühle Köstlichkeit, die man mitten im Sommer aus Milch, Fruchtsäften, Gewürzen und geforenem Wasser zuzubereiten verstand.
1000 Jahre v.Chr. hat sich König Salomon aus dem Fernen Osten mit Speiseeis verwöhnen lassen, aus dem Saft köstlicher Früchten vermischt mit Schnee und Honig.
400 Jahre später war es der phönizische Königsohn Kadmos, der sich mit der Herstellung von Speiseeis befasste.
300 Jahre v.Chr. war es dann der Arzt und Gelehrte Hippokrates, der seinen Schülern der Ärzteschule die besondere Wirkung von Speiseeis auf den Menschen lehrte, es belebe die Lebenssäfte und hebe das Wohlbefinden.
52 n. Chr. Selbst Nero hatte eine Schwäche für Speiseeis. Er liess sich von ausgewählten Sklaven im Staffettenlauf Gletschereis aus den Alpen nach Rom bringen und liess es sich mit Ingwer, Koriander oder Zimt und Fruchtsäften als Delikatesse servieren.
1298 n. Chr. Marco Polo, der als Kaufmann die halbe Welt umsegelte, berichtete seinen venezianischen Landsleuten von den chinesischen Eisdielen und Eisrezepten, welche als Genüsse angepriesen wurden. Durch mitgebrachte Rezepte konnte er seine ungläubigen Landsleute überzeugen. Von da an scheute man keine Mühe, selbst Speiseeis zu bereiten. Zu diesem Zweck wurde Schnee und Gletschereis in tiefen Kellern bis zum Sommer sorgsam gelagert.
1530 gelang es in Europa zu ersten Mal künstliche Kälte zu erzeugen. Mehrere Italienische Städte stritten um den Ruhm, zuerst auf die gute Idee gekommen zu sein. Speiseeis wurde nun vom Gelatiere - einem "Eismacher" - zubereitet.
Dem französischen Königshof und der Kaiserin Maria Theresia von Österreich ist es zu verdanken, dass das Eis seinen Weg zum Weltruhm begann.
Von Italien aus gelangte die Kunst der Speiseeisherstellung nach Frankreich. Dort eröffnete im Jahre 1651 in Paris das erste Eiscafé - unter Leitung des Sizilianers Pracopio Castelli.
Das Speiseeis wurde bei Hofe noch beliebter. Als Katharina von Medici nach Frankreich heiratete, wurde ihr ein Privileg gewährt - sie durfte als Mitgift Speiseeisrezepte und einen Gelatiere, einen Eismacher, mitnehmen.
Einmal in ihrem Besitz, hüteten die französischen Könige die Eisrezepte wie Staatsgeheimnisse. Auf Verrat hin rollten Köpfe. Erst im Jahre 1673 brachten geschäftstüchtige Berater Ludwig XIV auf die Idee, Speiseeisteuer zu erheben und die Rezepte zu verkaufen. So gelangte die Spezialität über die Schlossmauern in die Öffentlichkeit. Und die Franzosen zahlten gern für "Glace".
Dann ging es Schlag auf Schlag: Der französische Wissenschaftler Réaumur entdeckte, dass Eis besser schmeckt, wenn es beim Gefrieren gerührt wird - so wurde die erste mechanische Eismaschine entdeckt.
Bald danach war Speiseeis in ganz Europa beliebt. Als das Speiseeis auf seinem Weg um die ganze Welt nach Amerika kam, wurde die Zeit der industriellen Eisherstellung mit der Erfindung der Eismaschine eingeläutet. Jacob Fussel errichtete in Baltimore im Jahre 1851 die erste Speiseeisfabrik. Jetzt war es möglich, die »American Ice-Cream« in grossen Mengen herzustellen.
Sehr schnell entdeckten auch andere Nationen den köstlichen Geschmack von Speiseeis, und besonders natürlich die Oberschichten leisteten sich diesen Genuss - unabhängig von Jahreszeit und Aussentemperatur. So hatte die russische Oberschicht zum Beispiel Eisdesserts bei ihren winterlichen Galadiners stets in der Speisenfolge. Auch heute noch ist Eis in Russland sehr beliebt, wie man weiss. In Moskau gibt es jede Menge Eisbuden, die sommers wie winters geöffnet und stets gut besucht sind.
Sie können sich heute auf bequemeren Wegen als Nero und Marco Polo an diesen Genüssen, die früher nur Königen und Adligen zugänglich waren, laben.
Heute ist kein Kopf mehr in Gefahr wegen Speiseeisrezepten. Auch gibt es keine Eissteuer mehr. Heute können Sie nach Herzenslust wählen und Speiseeis kommt zu ihnen an den Tisch.