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Mit dem Hinschied von Hugo Vonlanthen am 20. September ist einer von uns gegangen, um den es in den letzten Jahren still geworden war – der von 1969 bis 1994 für viele jedoch eine wichtige Persönlichkeit in der Schullandschaft Deutschfreiburgs war.
Geboren am 11. Juli 1941, verbrachte Hugo Vonlanthen seine Kindheit und Primarschulzeit zusammen mit seinen beiden Schwestern in St. Antoni. Sein Vater Moritz war Verwalter der Landwirtschaftlichen Genossenschaft, seine Mutter Lucie Vonlanthen-Sturny leitete die Raiffeisenbank St. Antoni.
Von 1953 bis 1961 absolvierte Hugo seine Gymnasialzeit in der Stiftsschule Einsiedeln.
Es folgte ein Studium in Geschichte, Germanistik und Deutscher Literatur an der Universität Freiburg, ergänzt mit einem Semester an der Universität Bern. Hugo erlangte 1965 das Sekundarlehrerdiplom und schloss seine Studien 1967 mit einer Promotion bei Prof. Oskar Vasella ab. Das Thema seiner Dissertation: «Bischof Pierre-Tobie Yenni und die Diözese Lausanne 1815–1830: ein Beitrag zur Geschichte der Restauration in der Schweiz».
Noch im selben Jahr begann er seine Unterrichtstätigkeit am kantonalen Lehrerseminar Freiburg und am städtischen Lehrerinnenseminar.
1969 wurde Hugo Vonlanthen, mit erst 28 Jahren, von Erziehungsdirektor Max Aebischer zum Vizedirektor und 1973 auf Ersuchen der Schulinspektoren und der Lehrervereinigung Deutschfreiburgs zum Studiendirektor ernannt, das heisst zum Direktor einer erstmals selbstständigen und direkt der Erziehungsdirektion unterstellten deutschsprachigen Abteilung der hiesigen Primarlehrerausbildung. Diese Ernennung war mit dem Auftrag verbunden, die deutschsprachigen Klassen des städtischen Lehrerinnenseminars ins Lehrerseminar zu integrieren und ein deutschsprachiges Kindergärtnerinnenseminar aufzubauen. Dies geschah 1973, und 1988 konnte auch ein deutschsprachiges Hauswirtschaftsseminar eröffnet werden.
Als Direktor einer deutschsprachigen Abteilung wurde Hugo Vonlanthen zusammen mit den damaligen Erziehungsdirektoren Max Aebischer und Marius Cottier und ihren Mitarbeitern und zusammen mit seinem Lehrkörper ein wesentlicher Förderer der deutschsprachigen Lehrerinnen- und Lehrerausbildung – und damit auch ein Förderer der Eigenständigkeit des deutschsprachigen Schulwesens in unserem Kanton.
In all seinen Direktionsjahren war ihm die Weiterentwicklung des Seminars und der Lehrerbildung ein grosses Anliegen. Hugo Vonlanthen unterstützte aber auch individuelle Fortbildungen sowie das Mitwirken der Seminarlehrpersonen in externen Arbeitsgruppen, unter anderem für Lehrplan- und Lehrmittelentwicklungen.
Auch den Schülerinnen und Schülern brachte Hugo Vonlanthen viel Vertrauen entgegen, sei es bei besonderen Veranstaltungen, sei es in Form von Klassen- und Gesamtforen, in denen vieles aus dem Schulleben diskutiert werden konnte und auch ein Stück Mitbestimmung möglich war. Ehemalige Seminaristinnen und Seminaristen erinnern sich gerne daran, wie der Direktor sie immer mit ihrem Namen ansprach und sie als Lehrer für das Fach Geschichte begeisterte.
Bei der Verabschiedung von Hugo Vonlanthen 1994 hob eine Lehrperson daher diese Führungsqualität ganz besonders hervor: «Jede und jeden von uns, ob Lehrerin oder Lehrer, ob Schülerin oder Schüler, hat Hugo als eigenständige Persönlichkeit mit ihren Stärken und Schwächen respektiert. Er hat uns in einem Freiraum mit klarem Rahmen gewähren lassen, weil er jeder Person vorerst einmal mit Vertrauen begegnet ist. Ohne seinen offenen, kollegialen und vertrauensvollen Führungsstil hätten viele von uns niemals so viel für den Kanton Freiburg leisten können.»
Durch dieses Vertrauen, die Freiheiten, die Mitgestaltungsmöglichkeiten und Mitgestaltungsherausforderungen war das Lehrerinnen- und Lehrerseminar in diesen Jahren für manche Lehrpersonen ganz sicher auch ein Ort der Selbstverwirklichung. Das Seminar war wie die Gymnasien eine Mittelschule.
Um 1990 zeichnete sich jedoch ab, dass eine Neuansiedlung der bisherigen Primar-, Kindergarten-, Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrpersonen im tertiären Bildungsbereich unumgänglich wurde. Diese Herausforderung wurde für Hugo Vonlanthen zu einer grossen Belastung. Hinzu kam 1992 – nach langer Krankheit – der Tod seiner geliebten Ehefrau Margrith. Diese Erfahrung beschäftigte ihn nach eigenen Worten über Jahre hinweg zutiefst.
1994 musste er aus gesundheitlichen Gründen schweren Herzens alle Funktionen an seiner geliebten Schule aufgeben.
Erst ab 1998 konnte er sich Neuem zuwenden und seine Kontakte wieder vermehrt pflegen. So besuchte er unter anderem einen Theologiekurs für Laien und arbeitete in der deutschen Seelsorgeeinheit der Stadt Freiburg mit. Eine neue Bleibe fand er in der Villa St. François, wo er sich «in echt franziskanischem Geiste aufgehoben» fühlte. Doch die gesundheitlichen Probleme nahmen wieder zu. Seine letzten Jahre verbrachte er in der Résidence Rose d’Automne in Villars-sur-Glâne, dankbar für die stabilen Kontakte mit seinen Familienangehörigen und Freunden, die nach seinen Aufzeichnungen aus dem Jahr 2006 sein «Leben wieder sinn-voll und lebens-wert» gemacht hätten. Mit Hugo Vonlanthen haben wir einen herzensguten Menschen verloren, der, belesen und interessiert am Geschehen, uns zu berühren vermochte.