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Die ersten Jahrzehnte der 1776 entstandenen USA waren schwierig: Schwelende Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheit prägten den Alltag. 1804 wurde Elizabeth Palmer Peabody in Billerica, Massachusetts geboren. Ihre Familie konnte auf eine längere pädagogische Tradition zurückblicken und war für ihre Schulgründungen und glühenden Patriotismus bekannt. Entgegen den Erwartungen waren es Elizabeth und ihre Schwestern Mary und Sophia, welche die pädagogische Arbeit fortführten – nicht etwa ihre drei Brüder, die zeitlebens Schwierigkeiten haben sollten, ein Auskommen zu finden. Die junge Elizabeth war wissbegierig, durfte aber als Mädchen lediglich die Grundschule besuchen. Stattdessen verhalf sie sich durch intensive Lektüre zu mehr Bildung; schon als Zwölfjährige brachte sie sich selbst Hebräisch bei.
Da der Vater seine Familie nicht versorgen konnte, trat Elizabeth in die Fussstapfen ihrer Mutter und eröffnete mit gerade einmal sechzehn Jahren im Umland von Boston ihre erste Schule, wo sie auch ihre Geschwister unterrichtete. Mit achtzehn zog sie von daheim weg, um ihre Familie finanziell besser unterstützen zu können. In den kommenden zehn Jahren unterrichtete Elizabeth an Mädchenschulen und leitete diese auch. Sie zeichnete sich durch einen damals innovativen Unterrichtsstil aus: Auswendiglernen und Drill standen nicht mehr auf dem Programm. Stattdessen durften die Kinder ihre Lieblingsbücher zum Vorlesen mitbringen, bei Buchstabier- und Grammatikspielen mitmachen, sich austoben und sich sogar mit philosophischen Fragen beschäftigen.
Früh wurde Peabody Mitglied der Transzendentalisten, einer philosophischen Gruppierung, die an die Einheitlichkeit der Natur und an ein alles regierendes moralisches Gesetz im Universum glaubte. Vor allem Kinder hätten einen besonderen Einblick in die Natur, der Erwachsenen verwehrt sei. Zusätzlich engagierte sich Elizabeth Peabody für Sozialreformen und die Abschaffung der Sklaverei.
1856 sollte die Lektüre eines Artikels zum aufkommenden Thema Kindergarten Peabodys Leben massgeblich verändern: Friedrich Fröbel, ein Schüler Pestalozzis, hatte 1837 in Deutschland den ersten Kindergarten eröffnet. Peabody fühlte sich von Fröbels Idee, dass der Kindergarten die kindliche Moral und die geistige Entwicklung durch Spiel, Gartenarbeit und Gruppenaktivitäten fördern solle, angezogen. Bereits 1860 eröffnete sie den ersten englischsprachigen Kindergarten der USA in Boston nach Fröbels Vorbild. Tatsächlich war der erste Kindergarten der USA aber 1855 oder 1856 in Watertown, Wisconsin durch die Deutsch-Amerikanerin Margarethe Meyer Schurz, eine Schülerin Fröbels, eröffnet worden. Allerdings war dieser Kindergarten deutschsprachig.
Mit ihrer Schwester Mary veröffentlichte Peabody zahlreiche Schriften zum Thema Kindergarten, darunter 1863 das erste englischsprachige Kindergartenbuch. Obwohl ihre Bemühungen die Kindergarten-Bewegung in den USA stark voranbrachten, befürchtete Peabody, dass die Kindergärten nicht nahe genug an Fröbels Idealen lägen. Während eines Jahres ging sie deshalb auf Forschungsreise durch Europas Kindergärten und überarbeitete ihr Konzept.
Nach ihrer Rückkehr 1868 verstärkte Peabody ihr Engagement weiter: Die öffentlichen Schulen der Stadt St.Louis in Missouri machten als erste den Kindergarten zum festen Bestandteil der schulischen Grundausbildung. Als Peabody 1894 starb, gab es in den USA bereits über 400 Kindergärten in 30 Bundesstaaten. Peabody blieb somit nicht verwehrt, den enormen Erfolg ihrer Arbeit noch selbst mitzuerleben