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Allesamt verlogen, heuchlerisch und skrupellos! Mit diesen Vorwürfen zündete der Komiker und Moderator Ricky Gervais in seiner furiosen Eröffnungsrede zu den diesjährigen Golden Globes gegen die versammelte Stargemeinde. Da produziere Apple mit «The Morning Show» eine Serie über Menschenwürde, zugleich betreibe die Firma jedoch Sweatshops in China, und: «Würde der Islamische Staat einen Streamingdienst lancieren, würden Sie gleich Ihre Agenten anrufen.» Die Stars hätten alle keine Ahnung von der Welt, deswegen sollten sie auf politische Reden verzichten: «Wenn ihr also gewinnt, kommt auf die Bühne, nehmt euren kleinen Preis entgegen, dankt eurem Agenten und eurem Gott, und dann verpisst euch, in Ordnung?»
Zum Glück hielten sich nicht alle daran. Denn wie man subtil und doch scharfzüngig über Politik redet, bewies die Schauspielerin Michelle Williams, die für ihre Rolle in der Miniserie «Fosse/Verdon» geehrt wurde. Wie von Gervais gewünscht, bedankte sie sich bei ihrem Team und den OrganisatorInnen, doch dann nahm die Rede eine unerwartete Wendung: «Ich bin dankbar für die Anerkennung der Entscheidungen, die ich getroffen habe», sagte sie, «und dankbar, dass ich zu einer Zeit in unserer Gesellschaft lebe, in der wir die Wahl haben. Denn als Frau und als Mädchen können unserem Körper Dinge widerfahren, die wir nicht gewählt haben.» Sie habe ihr Leben so gelebt, wie sie es gewollt habe, und sie hätte das nicht tun können ohne das Recht einer Frau, frei zu wählen, «wann und mit wem ich meine Kinder bekomme».
Und elegant spannte Michelle Williams den Bogen von ihrem Appell für ein Recht auf Abtreibung (ohne das Wort zu erwähnen) zu den nächsten Präsidentschaftswahlen (ohne den Namen des amtierenden Präsidenten zu erwähnen): «Frauen von 18 bis 118, wenn es Zeit ist zu wählen, wählt zu eurem eigenen Nutzen, das machen Männer seit Jahren – deswegen sieht die Welt so fest nach ihnen aus. Und vergesst nicht: Wir sind die grösste Wählergruppe in diesem Land. Lasst das Land mehr nach uns aussehen.»
Auf die Frage, ob sie ihre Aussage etwas präzisieren könne, sagte Williams später: «Nein, ich sagte es so, wie ich es meinte.»