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Geeta aus Nepal,Gründerin von Orange Butterflies, will die Beschäftigungsquote nepalesischer Frauen innerhalb weniger Jahre um zehn Prozent zu erhöhen.Continue reading
Nepal ist ein streng patriarchalisches Land, in dem Töchter weniger wertgeschätzt werden als Söhne. Mein Vater wollte, dass meine Mutter einen Sohn zur Welt bringt. Obwohl sie sich immer eine kleine Familie mit nur zwei Kindern gewünscht hatte, bestand mein Vater darauf, es so lange zu versuchen, bis der erste Sohn geboren war. So wurde sie mit sieben Töchtern gesegnet, und ich bin eine von ihnen.
Wenn ich die Geschichten meiner Mutter höre und die Beziehung meiner Eltern beobachte, bin ich traurig darüber, dass sie von ihrer gesamten Familie schlecht behandelt und ausgegrenzt wurde. Als Kind war ich oft Zeuge von gewalttätigen Übergriffen, und ich fühlte mich hilflos. Einmal hat mein Vater eine ganze Schüssel mit heißem Essen nach meiner Mutter geworfen, nur weil das Gemüse nicht salzig genug war. Zwischen meinen Eltern herrschte eine Spannung, die auf die finanzielle Abhängigkeit zurückzuführen war.
Während meiner Kindheit hatte ich nie das Gefühl, dass mein Vater für uns da war. Er übernahm nie die Verantwortung für die Bezahlung der Schulgebühren oder den Besuch von Lehrern. Meine Mutter gab uns immer Geld mit, damit wir die Gebühren selbst bezahlen konnten. Wir hatten schreckliche Angst vor ihm. Ja, ich konnte sehen, dass er hart arbeitete. Aber wegen seines gewalttätigen Charakters hatten wir nie eine Vater-Tochter-Beziehung, auch nicht, als er später im Leben ruhiger wurde.
Eines schönen Tages schlug die Schwägerin meiner Mutter eine Geschäftsidee vor, und sie riet meiner Mutter, aus dem Haus ihrer Schwiegereltern auszuziehen. Schließlich, nach vier Kindern, meldete sich meine Mutter zu Wort und sorgte dafür, dass wir uns von der größeren Familie trennten. Sie hatte keine Ausbildung. Aber sie war in der Lage, ein kleines Einzelhandelsgeschäft in einem neuen Ort zu eröffnen. Langsam, aber stetig, ging das Geschäft auf. Ich spürte und sah, wie sich die Beziehung zwischen meinen Eltern veränderte.
Aber dann gab es überall Bomben; Nepal war nicht mehr sicher. Der nepalesische Bürgerkrieg (1996 bis 2006) begann aufgrund von politischen Konflikten. Ich wurde in Kirtipur (Stadt des Ruhms) geboren, einer alten Stadt im Kathmandutal im Südosten des Landes, die vor dem Bürgerkrieg der sicherste Ort war. Meine Eltern schickten mich und meine Schwestern zum weiteren Studium nach Indien. Die Menschen in ganz Nepal zogen in die Hauptstadt, um in Sicherheit zu sein.
Als ich 2017 in mein Heimatland zurückkehrte, erfuhr ich, dass sich zwar der Konflikt beruhigt, aber das Problem in keiner Weise verbessert hatte. Jedes Jahr verließen fast 500.000 Menschen, meist Männer, das Land, um im Ausland Jobs für wenig Gebildete anzunehmen. Viele Frauen blieben mit der Verantwortung für den Haushalt zurück, ohne eine sichere Einkommensquelle zu haben.
Das brachte mich zum Nachdenken: Warum können wir keine Arbeitsplätze in unserem Land schaffen? Ich habe miterlebt, wie sich das Leben meiner Mutter veränderte, nachdem sie finanziell unabhängig geworden war. Sie konnte alles für ihre Kinder und ihre Familie entscheiden. Sie wurde sogar mutig und lehrte uns, mutig zu sein. Als ich über die Geschichte meiner Mutter nachdachte, wurde mir klar, dass es immer noch viele Frauen gibt, die mit demselben Problem konfrontiert sind: der Spannung, die aus der finanziellen Abhängigkeit entsteht.
Seit 2017 arbeite ich mit marginalisierten Frauen, um ihnen zu finanzieller Unabhängigkeit zu verhelfen. Ich konnte die Auswirkungen an meiner eigenen Geschichte sehen, nachdem ich einen Job gefunden und für mich selbst gesorgt hatte und es mir viel besser ging als den männlichen Cousins in unserer Familie. Mein Vater kam zu dem Schluss, dass ich so fähig wie ein Junge war. Er hörte langsam auf, gewalttätig zu sein. Heute leite ich mein eigenes Unternehmen und eine gemeinnützige Organisation für Frauen in unserer Gemeinde. Außerdem kümmere ich mich als Frau des Hauses um meine Eltern.
“Orange Butterflies” träumt von einer Zukunft, in der alle marginalisierten Frauen in Nepal die gleichen Chancen erhalten, um zu träumen und finanzielle und soziale Unabhängigkeit für ein besseres Auskommen zu erreichen.
Wir werden diskriminierten und vernachlässigten Frauen durch berufsorientierte Förderung, Lobbyarbeit, Mentoring und andere Berufsausbildungen (z. B. Website-Entwicklung, Grafikdesign, digitales Marketing, Modetechnologie, Schmuckdesign, Kunsthandwerk, öffentliches Reden usw.) gleiche Chancen bieten, so dass sie mehr Möglichkeiten in Bezug auf Arbeit in jedem Sektor haben.
Wir wollen eine integrative Genossenschaft für Frauen und Männer gründen. Nach der Ausbildung können sie entweder mit uns zusammenarbeiten oder ihr eigenes Unternehmen gründen. Wenn sie sich für Letzteres entscheiden, werden wir immer als Unterstützungs-system für sie da sein. Um sie auf ihrem unternehmerischen Weg zu unterstützen, werden wir einen Genossenschaftsladen einrichten, in dem alle unsere Produkte zum gegenseitigen Nutzen angeboten werden. Außerdem werden wir die Vermarktung der von ihnen hergestellten Produkte in ganz Nepal erleichtern, um den Lebensunterhalt der marginalisierten Frauen zu verbessern. Die Produkte werden biologisch abbaubar, umweltfreundlich und aus natürlichen Rohstoffen hergestellt sein. Wir fördern auch Naturfasern aus Hanf, Banane und Jute, die in Nepal lokal verfügbar sind. Sie sind langlebig und umweltfreundlich.
Heute ist mein Vater stolzer Vater von sieben Töchtern, die keinem der Männer in unserer Gemeinde nachstehen. Tatsächlich unterstützt er jetzt die Sache, für die ich arbeite.
Geeta wird ihre Geschichte und Projektidee während der kanthari TALKS präsentieren: 17 und 18 Dezember!
Weitere Einzelheiten zu dieser Veranstaltung, die live gestreamt wird, finden Sie auf http://www.kantharitalks.org/
“Bumm!”
Was war das?
Es war an einem Samstag, früh am Morgen, als uns der ohrenbetäubende Knall aus dem Schlaf schüttelte. Meine Schwestern und ich waren noch in den Betten, als unser Vater in unser Zimmer eilte, um nach uns zu sehen. “Eine Bombe!”
Unser Haus war nicht weit entfernt, wir lebten damals direkt an der Hauptstraße, im Zentrum des Geschehens.
Jetzt hörten wir eine riesige Menschenmenge, die sich vor unserem Fenster versammelte. Angst lag in der Luft.
Ich wurde in Kirtipur geboren. Kirtipur ist in Nepal auch bekannt als die Stadt des Ruhmes. Unsere Stadt ist im Süd-Osten des Kathmandu Tals gelegen. Kathmandu ist die Hauptstadt Nepals.
Nepal war immer ein friedliches Land, das von dem mittlerweile verstorbenen König Birendra regiert wurde. Es galt für Einwohner und Touristen immer als sicheres kleines Land, bevor der Bürgerkrieg 1996 ausbrach.
Dann aber gab es überall Bomben-Explosionen. Wir, die Einwohner wurden verunsichert. Die politischen Auseinandersetzungen dauerten von 1997 bis 2006 an. Da die meisten Bomben mit Schnellkochtöpfen konstruiert worden waren, wurde der Begriff Schnellkochtopf ein Tabu. Während dieser Zeit war unser Leben auf den Kopf gestellt. Ob tägliche Aktivitäten, Ausbildung oder Arbeit, nichts funktionierte normal. Die Angst vor Anschlägen war überall greifbar.
Unsere Eltern, angesehene und geschäftstüchtige Persönlichkeiten in Kirtipur, erhielten fast täglich erpresserische Drohbriefe, die unter der Haustür durchgeschoben wurden. Es waren Forderungen nach Geld zur Unterstützung des Kampfes.
Wann immer wir draußen waren, oder von der Schule zurückkamen, waren meine Eltern in ständiger Sorge. Sie erlebten, wie mehr und mehr Bürger nach Kathmandu zogen, um sich der Gefahr zu entziehen. Und so entschieden sie auch, meine Schwestern und mich für unser Studium fortzuschicken. Wir wurden damals wie viele andere nach Indien für unsere Schul- und höhere Bildung gebracht. Nach meinem Studium begann ich in Indien zu arbeiten; später zog ich nach Frankreich, um meiner Schwester in ihrem Geschäft zu helfen.
Da aber meine Eltern alt wurden und Unterstützung brauchten, kehrte ich 2017 in meine Heimatstadt zurück. Aber jetzt war ich eine Fremde. Nach so vielen Jahren, in denen ich in Indien und Europa gelebt, studiert und gearbeitet hatte, fühlte ich mich in meiner eigenen Heimat verloren. Ich hatte keine Freunde, und ich konnte keine Verbindung zu den Menschen in meiner Umgebung herstellen.
Aber auch meine Heimatstadt hatte sich verändert. Früher war sie eine Touristenattraktion – schöne alte Gebäude, sauber gehaltene Straßen- aber jetzt, nach zwei Jahrzehnten, sah alles etwas verkommen aus. Überall gab es Müll, und die malerischen Reisfelder waren nun mit Betonbauten zugepflastert. Die Bevölkerung war inzwischen explodiert, aber die Einwohner litten unter dem Mangel an Arbeitsplätzen.
Familienväter und Söhne gingen ins Ausland, um Arbeit zu finden. In Ländern wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Malaysia, Japan und Korea wurden viele ausgebeutet. Auch die Frauen wollten das Land verlassen, aber aufgrund ihrer familiären Verpflichtung blieben die meisten Frauen ohne Arbeit zurück.
Ich war ebenfalls verzweifelt auf der Suche nach Arbeit oder einfach nur, nach einer sinnvollen Aufgabe. Aber ich war mir nicht sicher, was ich allein tun konnte. In der Zwischenzeit ermutigte mich mein Vater, andere Frauen kennenzulernen. Und so traf ich auf einem Fest, andere Frauen, die wie ich nach einer Aufgabe in Kirtipur suchten. Wir alle litten unter den Veränderungen in unserer Gemeinschaft und spürten, dass etwas getan werden musste, vor allem für und mit denjenigen Frauen, denen es noch schlechter ging als uns. Die die allein, arbeitslos und damit ausgegrenzt waren.
Wir beschlossen, etwas für unsere Gemeinde zu tun und starteten ein Trainingsprogramm für Frauen zum Thema Unternehmertum. Als ich das erste Mal aus dem relativ sauberen Europa zurückkam, war ich erschüttert über so viel Umweltverschmutzung in meiner Heimatstadt. Damals fühlte ich mich hilflos. Heute, mit unserem Team, hoffen wir, dass wir in der Lage sind, eine Veränderung zu bewirken. Neben der Unternehmerschulung bieten wir Abfallmanagement-Programme an. Dadurch wollen wir erreichen, dass unsere Stadt des Ruhmes wieder rühmlich aussieht.
Abfall und Verschmutzung ist ein Problem in Städten auf der ganzen Welt. Und obwohl Nepal sicher geworden ist, fürchten wir eine andere, globalere Bedrohung. Wir haben das Gefühl, dass wir alle auf einer tickenden Zeitbombe sitzen.
Geeta ist Teilnehmerin des 2021 kanthari Lehrganges.