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Abrechnung in der Familie TrumpOnkel Donald in den Augen seiner Nichte
Mary Trump nennt ihren Onkel «den gefährlichsten Mann der Welt». Sie weiss es besser als die meisten. Sie ist Psychologin.
Es gibt schon viele kritische Bücher über Donald Trump, aber noch keines das mit intimen Familiendetails aufwarten kann, geschrieben von einer Psychologin und nahen Verwandten. Am Ende dieses Monats erscheint «Zu viel und niemals genug. Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf.»
Die Autorin ist Mary Trump, eine Nichte des Präsidenten. Sie ist die Tochter von Donald Trumps älterem Bruder Fred jr., der 1981 im Alter von 42 Jahren an einem Herzinfarkt starb, der auf übermässigen Alkoholkonsum zurückgeführt wird. Freds Tod soll der Grund dafür sein, dass Donald Trump nach eigenen Angaben bis heute keinen Alkohol trinkt.
Anders als andere Mitglieder der Trump-Familie hat Mary Trump die Öffentlichkeit bisher gemieden. Obwohl das Interesse an ihrer Person stark gestiegen ist, seit der Verlag Simon & Schuster die Veröffentlichung ankündigte, hat sie bisher keine Interviews gegeben.
Doktorin der Psychologie
Mary Trump ist 55 Jahre alt und lebt mit ihrer Tochter in New York. Neben einem Master-Abschluss in Literatur hat sie auch einen Doktortitel in Psychologie, was im Hinblick auf das Buch von Interesse sein dürfte. Der Verlag teilt in seiner Vorschau mit, dass Mary Trump einen «Albtraum von Traumata, zerstörerischen Beziehungen und einer tragischen Kombination aus Zurückweisung und Missbrauch» offenlege.
Mary Trump habe die «Ausbildung, den Einblick und die intime Vertrautheit, um zu zeigen, wie Donald und der Rest des Clans ticken». Das mag einerseits die blumige Sprache eines Verlags sein, der ein Buch verkaufen will. Das dürfte jedoch andererseits nicht so weit von der Wahrheit entfernt sein, weshalb die engere Familie von Donald Trump versucht, das Erscheinen des Buchs zu verhindern.
Donald Trumps jüngerer Bruder Robert hat gegen die Veröffentlichung geklagt. Er beruft sich auf eine Verschwiegenheitsvereinbarung, die Mary Trump im Jahr 2001 unterzeichnet hat.
Mary Trump und ihr Bruder (der wie ihr Vater und ihr Grossvater ebenfalls Fred heisst), warfen Donald Trump damals vor, er habe die Demenz seines Vaters dazu genutzt, diesen dazu zu bewegen, sein Testament zu ändern. Man einigte sich aussergerichtlich, und Mary Trump unterschrieb die besagte Vereinbarung.
Die schlimmste Nacht ihres Leben
Mitte dieser Woche untersagte ein New Yorker Gericht die Veröffentlichung per einstweiliger Verfügung. Allerdings hob ein Berufungsgericht diese Verfügung postwendend wieder auf, so dass dem Erscheinen wohl nichts mehr im Wege steht. Der Richter wies unter anderem darauf hin, dass sich die Umstände seit 2001 geändert hätten: Donald Trump sei damals eben noch nicht Präsident gewesen.
Zwar wird die Familie mit Sicherheit weitere Versuche unternehmen, das Erscheinen zu verhindern, die Aussichten auf Erfolg dürften jedoch gering sein. Die Freiheit der Rede gilt in den USA als unantastbares Gut. Der Verlag hat jedenfalls schon einige zehntausend Exemplare gedruckt, und die Vorbestellungen deuten darauf hin, dass das Buch ein Bestseller wird.
Auf Twitter hatte Mary Trump nach dem Wahlsieg ihres Onkels geschrieben, dies sei «die schlimmste Nacht ihres Lebens». Etwas später schrieb sie einfach: «2020». Die Tweets hat sie gelöscht, aber es sieht so aus, als habe diese «schlimmste Nacht» sie zu einer umfassenden Aufarbeitung der Familiengeschichte bewogen.