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Ein in der Bauforschung sehr häufig zu beobachtendes Phänomen ist die Wiederverwendung von Bauteilen bis hin zu vollständigem Abbau, örtlicher Versetzung und Wiederaufbau. Dahinter stehen ganz verschiedene Gründe. Nicht immer wurden Entscheide zur Wiederverwendung von Baumaterialien frei getroffen, oft waren sie bedingt durch Notwendigkeit und Sparzwänge.
Spätestens seit dem 16. Jahrhundert fand ein spürbarer Rückgang von Bauholz statt, was dessen Wiederverwendung attraktiv, respektive nötig machte. Eisen, Glas und Keramik waren bis zu ihrer industriellen Fertigung im ländlichen Hausbau immer teure Materialien. Bei Um- und Neubauten kamen alte Fenster erneut zum Einsatz, sei es in Kammern im Obergeschoss oder im Maiensässhaus, wo es vorher keine oder schlechtere Fenstergläser gab. Eiserne Schlösser, Riegel und Beschläge gingen denselben Weg, vom Wohngeschoss zur Kammertüre, vom Wohnhaus zur Stallscheune. Bemerkenswert ist die Wiederverwendung von Bauteilen aus ehemals herrschaftlichen Bauten. Beliebt war auch die Verwendung von brauchbaren Ofenkacheln aus der Stube eines Herrenhauses, wo ein älterer Ofen ausgedient hatte. Kunterbunte Mischungen von Ofenkacheln unterschiedlichster Provenienz zeigen dies sehr klar. Für die Zeit vor der Industrialisierung spiegelt die Wiederverwendung von Baumaterialien eine Situation mit vergleichsweise kostengünstiger Arbeitskraft aber hohen Materialpreisen.
Speicher und im Prinzip auch Wohnhäuser galten im Spätmittelalter als Fahrhabe. Sie wurden bei Bedarf abgebaut und an einem neuen Standort wiedererrichtet. Auch ganze, ausgewachsene Wohnhäuser wurden häufig versetzt und wiederverwendet. Ältestes bekanntes Beispiel ist das Haus Nideröst in Schwyz. Es stammt im Kern von 1176 und setzt sich aus wiederverwendetem Holz zusammen.
Bild: Max Gschwend, um 1970