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Keine Zeit für Training? Dieser Vater schafft die Balance zwischen Bodybuilding und der Tätigkeit als Pilot
Wenn du auch nur im Entferntesten wie wir bist, dann hast auch du schon die „Es ist nicht so, dass ich nicht trainieren will – ich habe nur keine Zeit“-Ausrede benutzt, um öfter mal eine Trainingseinheit im Gym ausfallen zu lassen. Eine reguläre Berufstätigkeit mit all den anderen, langweiligen „Erwachsenendingen“, wie z.B. kochen und den Haushalt führen, unter einen Hut zu bringen, kann manchmal sehr schwierig sein (und das sogar noch bevor wir sowas wie ein Sozialleben oder regelmäßiges Training in die Gesamtgleichung einbringen).
Nun, vielleicht nicht für diesen unglaublichen Myprotein-Ambassador. (Spoiler-Alarm: Bereite dich darauf vor, überrascht zu werden).
Gaurav Taneja ist 33 Jahre alt und kommt aus Delhi. Ursprünglich studierte er Bauingenieurwesen an einer der renommiertesten Universitäten Indiens, entschied sich aber stattdessen für eine Karriere in der Luftfahrt und absolvierte eine Ausbildung zum Piloten in den Staaten.
Dabei verliebte er sich in Fitness und Krafttraining – so sehr, dass er sich auf Empfehlung anderer dafür entschied, an einem Bodybuilding-Wettbewerb teilzunehmen. Bei seinem ersten Versuch belegte er den ersten Platz.
Gaurav machte weiter als Wettkampfathlet und stieg langsam im Rang auf – vom Bundesstaat-Level hin zum National-Level. Er wurde in der Bodybuildingszene als „der Typ“ bekannt, „der ein Flugzeug fliegt“.
Schließlich entschied sich Gaurav dafür, dass er mehr Menschen erreichen wollte, also richtete er einen Fitness-Vlog Kanal auf YouTube ein, um seine Tipps bezüglich Training und Ernährung mit anderen zu teilen. Heute hat dieser Vlog Kanal über 1,6 Millionen Abonnenten. Oh, und außerdem ist Gaurav Ehemann und Vater.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gaurav eine hauptberufliche Karriere als Pilot verfolgt, bei der er sich an ein spezielles Trainings- und Ernährungssystem hält, einen super erfolgreichen Vlog führt und Zeit mit seiner Familie verbringt. Puh.
Wir hatten das Glück, einen Termin in seinem hektischen Zeitplan zu bekommen, um herauszufinden, wie er dorthin gelangt ist, wo er jetzt ist und – was noch wichtiger ist – wie er es schafft, alles unter einen Hut zu kriegen.
Folgende Inhalte erwarten dich in diesem Artikel:
- Auf der Suche nach der Fitness
- Auf der Suche nach einer Plattform
- Auf der Suche nach einer Balance
- Gaurav’s Take Home Message
Auf der Suche nach der Fitness
Vielleicht ist einer der interessantesten Aspekte von Gauravs Geschichte – und es gibt eine Menge zur Auswahl – dass er nicht einmal die Absicht hatte in der Bodybuildingwelt groß rauszukommen. Man könnte sogar soweit gehen und sagen, dass er aus einer Laune heraus an seinem ersten Wettkampf teilgenommen hat.
Als junger Mann waren all seine Bemühungen und sein Fokus darauf gerichtet, am IIT Kharagpur (Indian Institute of Technology Kharagpur) angenommen zu werden, was er bis heute als die Leistung bezeichnet, auf die er am stolzesten ist.
„Der Einstieg in das IIT ist schwieriger als der Einstieg in Harvard, denn es gibt so viele Menschen, die sich bewerben. Als ich die Prüfung ablegte, bewarben sich etwa 4 Millionen Menschen für dieselbe Prüfung – 4 Millionen Menschen für 3.000 Räume. Es ist die Prüfung in Indien.“
Bei solchen Chancen wird klar, dass Gaurav mehr als nur ein harter Arbeiter ist – es erfordert ein hohes Maß an Selbstvertrauen, Engagement und Hingabe, um überhaupt in Betracht zu ziehen, sich für einen Kurs zu bewerben, der so hart umkämpft ist. Aber er tat es – und er war erfolgreich.
Am IIT entdeckte er erst so richtig die Liebe zur Fitness. Als Kind liebte Gaurav Cricket und an der Schule war er ziemlich sportlich, doch zum Krafttraining kam er erst so wirklich, als er zum College kam.
„Ich habe viel über verschiedene Hebetechniken gelernt, ein wenig über Ernährung, aber vor allem darüber, wie man schwere Lasten hebt. Ich hatte eine Gruppe von Freunden, die auch trainiert haben – also war jeder im Fitnessstudio, sobald es 18 Uhr war. Das war’s, jeden Tag.“
Das ging so weiter, bis er den Abschluss machte und die Entscheidung traf, in die Luftfahrt zu gehen. Er machte sich auf nach Amerika, lernte fliegen und bekam dann in Indien einen Job als Pilot. Das klingt fast zu einfach, oder? Und natürlich gelang es ihm, regelmäßig zur gleichen Zeit zu trainieren.
„Es gab eine Zeit, bei der ich als Pilot arbeitete und wo die Jungs im Fitnessstudio auf mich zukamen und mich fragten, ob ich professionell an Wettkämpfen teilnehmen würde. Ich verneinte dies dann immer und sagte, ich mache das alles nur zum Spaß. Und dann hießt es: ‚Aber du hebst abnormale Gewichte, du solltest an Wettkämpfen teilnehmen‘.“
Gaurav redete sich eine Weile ein, dass er als Pilot einfach nicht die Zeit haben würde, um auf die Kommentare der bewundernden Fremden einzugehen. Aber dann, nachdem es doch so viele Leute gewesen waren, die ihn stets dasselbe fragten, siegte die Neugier. Was wäre, wenn er versuchen würde, gegen andere anzutreten?
Er entschied sich also zu einem lokalen Bodybuilding-Wettbewerb zu gehen, bei dem er wusste, dass ein Freund von ihm antritt – und sobald er ihn auf der Bühne sah, sagte er sich, dass er nächstes Jahr selbst dort oben stehen würde.
„Ich sagte mir, dass es egal sein würde, ob ich gewinne. Einfach mal probieren. Denn als diese Jungs mit der aufgetragenen Bräune, der Musik und den Leuten, die sie alle anfeuerten, hereinkamen – es war einfach elektrisch. Da entschied ich mich, dass ich antreten wollte.“
So fand Gaurav 2012 einen Trainer, der ihn durch das intensive Trainings- und Ernährungsprogramm führen konnte, welches er brauchte, um sich auf einen Bodybuilding-Wettkampf vorzubereiten. Dies war jedoch ein Online-Coach, da Gaurav immer noch in Vollzeit als Pilot arbeitete (wie du es auch tust).
Ein Jahr später war er bereit, um die Bühne zu betreten. Es war sein erster Wettkampf überhaupt und er gewann Gold. Beim zweiten Mal gewann er wieder Gold. Beim dritten Mal … du hast du es erraten: Gold.
„Ich habe in dieser Saison drei Goldmedaillen gewonnen und war von Leuten umgeben, die das alles hauptberuflich machten – Fitnesstrainer, Profis, Leute, die es bereits sein einigen Jahren taten… und ich habe es einfach nebenbei gemacht. Ich dachte, ich hätte keine Chance… aber ich habe Gold gewonnen.“
Kein Wunder, dass dies für ein wenig Aufsehen sorgte. Die Leute wollten wissen, woher er kommt, ob er von auswärts kommt, weil er offensichtlich ein neues Gesicht in der Szene war. In den Bodybuildingkreisen Indiens wurde er als „der Typ, der ein Flugzeug fliegt“ bekannt – besonders als er anfing, sich in Bezug auf den Wettkampf nach oben zu arbeiten. Von 2013 bis 2017 bereitete er sich fortwährend für Shows vor, wobei er auf Landes- und schließlich auch auf nationaler Ebene antrat.
In den letzten Jahren hat Gaurav eine Wettkampfpause eingelegt, aber er hat geschworen, dass er mindestens noch einmal zurückkehrt; „eine letzte Show noch, bevor ich meine Stiefel an den Nagel hänge.“
Auf der Suche nach einer Plattform
Während seiner Wettkampfzeit lernte Gaurav unweigerlich viel über Training und Ernährung. Er lernte, wie der Körper läuft und was er braucht, um optimal zu funktionieren, während er sich der „Folter“ unterzog, bei der er sich in den einstelligen Körperfettbereich herunterarbeitete.
Gaurav kam immer noch mit Menschen in Kontakt, die ihn im Fitnessstudio ansprachen. Häufig dann, wenn sie einen Rat benötigten, den er dann auch gerne gab. Dadurch realisierte er, dass er sein Wissen auf diese Weise nur mit einer Handvoll Menschen auf einmal teilen konnte.
„Ich wollte mehr Menschen erreichen, weil ich wusste, dass es viele Leute da draußen gibt, die einfach nur „Bro Science“-Ratschläge im Internet geben. Die Bro Science verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Also ja, ich war der erste Typ in Indien – nun, der erste Bodybuilding-Typ in Indien, der an Wettkämpfen teilnahm und der einen YouTube-Kanal eingerichtet hat, um den Leuten ein wenig zu helfen.“
Er hat klein angefangen. Seine Vlogs drehten sich hauptsächlich darum, alle Mythen um Nahrungsergänzungsmittel zu entlarven, d.h. was man kaufen sollte, was tatsächlich funktioniert und wo man sie zu einem erschwinglichen Preis kaufen konnte. Er erklärte, was Wassereinlagerungen sind und wie man diese loswird. Man könnte sagen, dass sein Alleinstellungsmerkmal darin bestand, Fitness und Krafttraining für einen Otto Normalbürger zu erklären.
„Die Leute begannen mich zu bemerken. Sie dachten, ich würde sinnvolle Tipps geben und so explodierte mein Kanal in rasantem Tempo. Ich wusste zuerst nicht, was los war, denn das hatte ich nicht erwartet. Danach entschied ich mich, einen zweiten Kanal zu starten, der eher für Vlogs gedacht war – war auch wirklich gut so war. Das ist alles Teil meines Lebens. Meistens reisen meine Frau und ich durch die Gegend und dies macht viel Spaß.“
Gauravs Kanal, „Flying Beast„, hat derzeit über 1,6 Millionen Abonnenten.
Auf der Suche nach einer Balance
Also, wie kriegt ein Mann so viel innerhalb eines 24-Stunden-Tags unter einen Hut? Ein Workout vor oder nach einem regulären Arbeitstag durchzuführen, kann bereits eine ernsthafte Herausforderung sein – wie aber passt das Training mit einem unvorhersehbaren Flugplan und Übernachtungen in wechselnden Zeitzonen zusammen?
Gaurav glaubt tatsächlich, dass diese Art von Zeitplan ihm geholfen hat, seine Zeit effektiver zu nutzen.
„Die meisten Menschen, die berufsmäßig an Wettkämpfen teilnehmen, haben etwa 4 oder 5 Stunden am Tag, um Zeit im Fitnessstudio zu verbringen. Aber ich glaube, dass einige meiner besten Trainingseinheiten stattfanden, als ich lediglich 30 Minuten Zeit hatte und unter Druck stand.“
Da hat man definitiv keine Zeit, um zwischen den Sätzen noch durch die sozialen Medien zu scrollen.
Oftmals musste Gaurav extra darum bitten, dass Hotels ihre Fitnessstudios zu ungeheuren Zeiten für ihn öffneten (wir reden hier von 2-3 Uhr morgens), nur damit er ein Workout während seiner Tätigkeit als Pilot durchführen konnte.
„Mir wurde schon oft gesagt: ‚Nein Sir, das Fitnessstudio ist geschlossen. Wir haben keinen Trainer da und wir können das Fitnessstudio nicht ohne Trainer öffnen‘. Dann sagte ich ihnen, dass ich doch der Trainer sei und sie mir einfach den Schlüssel geben sollten.“
Er räumt ein, dass das Training für ihn auch nach Langstreckenflügen oder bei Übernachtungen immer der leichte Teil war – es war die Ernährung, die problematisch gewesen ist. Vergiss das Ziel, die lokale Küche zu genießen oder sich dem Fastfood hinzugeben, nur um es bequemer zu machen – er hatte klare Makronährstoffvorgaben, an die er sich halten musste.
„Für 3 – 4 Tage unterwegs zu sein und in Hotels zu übernachten … Früher musste ich meine eigenen Mahlzeiten einfrieren und mitnehmen. Es gab Zeiten, in denen ich sie nicht aufwärmen konnte, also musste ich einfach diesen Eisblock essen.“
Das ist Hingabe.
Du musst dich nun vermutlich fragen, ob Gaurav jemals daran gedacht hat, das Handtuch zu werfen, um Bodybuilding in Vollzeit zu betreiben, anstatt es mit einer so anspruchsvollen Karriere in Einklang zu bringen. Die Antwort lautet: Ja; er hat es durchaus in Betracht gezogen. Tatsächlich machte er etwa einen Monat lang eine Pause von der Luftfahrt, um es auszuprobieren und hierbei er stellte fest, dass es bei ihm einfach nicht funktionierte.
„Mein Job hat mir eine gute Routine gegeben – wenn ich um 3 Uhr morgens für einen Flug aufstehen musste, dann konnte ich damit arbeiten. Als ich keinen Job hatte, stand ich morgens erst um 10-11 Uhr auf und trainierte erst am Nachmittag. Die Routine hat einfach besser funktioniert. Außerdem wurde ich daran erinnert, dass ich in die Luftfahrt gegangen bin, weil ich diesen Bereich wirklich liebe. Es ist ein dynamischer Job.“
Gaurav’s Take Home Message
Mit einem so beeindruckenden Lebenslauf mussten wir Gaurav einige Worte der Weißheit entlocken. Hier sind seine beiden Ratschläge:
„Erstens: Disziplin. Man muss Disziplin im Leben haben.
Zweitens musst du diesen Schritt machen. Du weißt, dass es Zeiten gibt, in denen Leute ein neues Unternehmen gründen wollen, dann sagen, dass sie nicht gerne für jemanden arbeiten und ihr eigener Chef werden wollen. Sie planen viel und endlos, beschäftigen sich mit den richtigen Ideen für den Umzug – aber sie ergreifen keine Maßnahmen. Mach‘ einfach alles. Beginne, indem du an einen Namen für dein Unternehmen denkst oder einige E-Mails verschickst. Manchmal kann es wirklich mit nur etwas so Kleinem losgehen.
Die Leute warten immer auf den perfekten Moment, aber darauf musst du nicht warten.
Beim Start eines YouTube-Kanals ist es dasselbe. Die Leute sagen, dass sie warten, bis sie eine bessere Kamera oder so etwas haben. Ich habe mit einem Telefon angefangen! Oder sie sagen, dass sie vor der Kamera schüchtern sind und wollen erst daran arbeiten. Ich sage: Einfach loslegen. Das erste Video jetzt hochladen. Du wirst besser werden. Du wirst Dinge lernen, während du sie tust. Sonst verlierst du nur Zeit.“
Wir wissen nichts über dich, aber wir nehmen gerne Zeitmanagementberatung von einem Mann, wie Gaurav, entgegen.
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