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Rudolf Liechtenhan
* 24.7.1911 Basel, † 16.5.2005 Basel.
Ausbildung zum Bratschisten am Konservatorium in Basel, daneben musikwissenschaftliche Studien. Anschliessend Mitglied des Basler Kammerorchesters unter →Paul Sacher und Tätigkeit als Sortimenter bei Musikverlegern in der Schweiz, Paris und London. Wieder zurück in Basel, schrieb L. (unter dem Pseudonym Leporello) Besprechungen zunächst von Opern-, später auch von Ballettaufführungen für die "Basler Woche". In den fünfziger Jahren machte er die Bekanntschaft mit →Wazlaw Orlikowsky, damals Ballettmeister am →Stadttheater Basel. Ebenfalls entscheidend für L.s weitere Tätigkeitsbereiche und seine intensive Beschäftigung mit Ballett war insbesondere seine Funktion als Programmberater für das europäische Sprach- und Bildungszentrum Eurocenter (ein Projekt des Migros-Genossenschaftsbunds, gegründet 1956). 1971 war L. Mitbegründer der →Migros-Ballettstipendien und präsidierte deren Kommission und Jury über ein Jahrzehnt lang. Ebenfalls als Jurymitglied amtete er beim →Prix de Lausanne (1975–77) und beim →Concours international de chorégraphie in Nyon. Daneben leistete er für verschiedene Ballettensembles wiederholt dramaturgische Mitarbeit, vor allem als Verfasser von Programmheftbeiträgen, unter anderem am Stadttheater Basel, →Stadttheater Bern, →Opernhaus Zürich, an der Deutschen Oper Berlin, der Hamburgischen Staatsoper, dem Opernhaus Leipzig und den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart. In Zusammenarbeit mit einer Tänzerin erarbeitete er eine kommentierte Demonstration der klassischen Balletttechnik, die er in der Schweiz und in Deutschland zeigte. Als Dozent für Ballettgeschichte wirkte er an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig sowie an deutschen Ballettberufsschulen. Zudem war L. weiterhin als Ballettpublizist tätig, unter anderem 1981–2002 als Mitarbeiter der deutschen Zeitschrift "Ballett-Journal – Das Tanzarchiv", für die er Rezensionen über Schweizer Aufführungen des klassischen Ballettrepertoires und zahlreiche balletthistorische Aufsätze verfasste, und 1984–91 als Redaktor der Verbandszeitschrift "Informationsblatt" des →SDT, als Autor der Bücher "Ballett in Basel" (1962), "Vom Tanz zum Ballett" (1983, italienische Ausgabe Milano 1985), "Arbeitsfeld Bühnentanz" (1987) und "Ballettgeschichte im Überblick für Tänzer und ihr Publikum" (1990) sowie von Beiträgen zu Symposien. L. war Gründer und langjähriger Präsident der Vereinigung der Basler Ballettfreunde.
Autorin: Marianne Forster
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Forster, Marianne: Rudolf Liechtenhan, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1107–1108.