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Wo hängen Gärten?
Der Dichtestress auf dem Immobilienmarkt ist nichts Neues - es wird geplant, gebaut und vergrössert. Wie kann dem nun entgegengewirkt und Stress reduziert werden? Chefökonom Martin Neff berichtet über eine mögliche Lösung, die es ausserdem schafft, Umgebung und Gebäude miteinander zu verschmelzen: Die hängenden Gärten. Nicht nur schön anzuschauen, sondern tatsächlich nützlich.
Die Sieben Weltwunder und ihre hängenden Gärten
Hand aufs Herz: kriegen Sie die sieben Weltwunder der Antike zusammen? Ich konnte mir die schon früher nie alle merken. Die markanten Bauwerke wie die ägyptischen Pyramiden von Gizeh oder den Koloss von Rhodos schon, die Zeus-Statue des Phidias in Olympia oder den Leuchtturm auf Pharos vor Alexandria musste ich hingegen immer wieder ins Gedächtnis zurück holen, was beim Artemistempel in Ephesos oder dem Grab des Königs Mausolos in Halikarnassos aber auch nichts half. Wieso ich das erste antike Weltwunder nie vergass, kann ich nicht sagen, denn die hängenden Gärten der Semiramis in Babylon waren weniger spektakulär als der Name verspricht. Trotz einer beeindruckenden quadratischen Grundfläche mit einer Seitenlänge von 120 Metern waren sie wohl nicht besonders hoch, weshalb sich mir der Begriff der hängenden Gärten im Falle des ersten Weltwunders etwas verschliesst. Die eine Quelle vermutete die Gärten im Westen der Südburg, eine andere Quelle im Aussenwerk des sogenannten Nordpalastes, wiederum andere denken, dass die hängenden Gärten gar nicht in Babylon sondern in Ninive waren. Und es gibt Forscher bzw. Historiker, die deren Existenz generell anzweifeln. Den Begriff des hängenden Gartens fand ich dennoch faszinierend genug, um ihn mir zu merken.
Richtig hängende Gärten gibt es eigentlich erst seit kurzem
Der vertikale Dschungel in Singapur ist wohl das diesbezügliche Mass der Dinge, aber andere Städte ziehen nach, in Vietnam etwa, wo drei Wolkenkratzer mit Gärten in luftige Höhe geplant sind. Die berühmtesten hängenden Gärten Europas finden sich in Mailand. Der senkrechte Wald (Bosco Verticale) in Mailand steht da für zwei begrünte Zwillingtürme von 78 beziehungsweise 110 Metern Höhe - begrünt mit 900 Bäumen, 5000 Büschen und 11000 Gräsern, Klee- und Moosarten. Und auch in der Schweiz hängen bald die Gärten. In Chavannes-près-Renens nahe Lausanne ist ein Zedernturm von 117 Metern Höhe geplant, an dem 3000 Quadratmeter bepflanzt sein werden und der so ein naturnäheres Bild architektonischer Höhe vermittelt als Stahl, Beton, Metall und Glas. Auf einem Areal mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen Suurstoffi entsteht ein CO2 neutrales Gartenwohnhochhaus namens Aglaya. Auch dieser Name ist gewöhnungsbedürftig, aber die Idee des grünen Hochhauses ist wohl mehr als nur ein Modewort. Wenn wir schon näher zusammenrücken, sprich dichter bauen, ist es umso wichtiger, Umgebung und Gebäude miteinander zu verschmelzen. Das löst dann auch den vielzitierten Dichtestress.
Fragen Sie den Chefökonom
Martin Neff gehört zu den führenden Immobilienexperten in der Schweiz. Er ist seit Anfang 2013 bei Raiffeisen Schweiz. Neff studierte Volkswirtschaft an der Universität Konstanz. Von 1988 bis 1992 arbeitete er beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Zürich, bevor er in die CS eintrat, dort das «Schweiz Research» aufbaute und seit 2008 Chefökonom war.