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Als ich eines Morgens den Kopf aus dem Fenster meines Ateliers streckte, ragte ein Gerüst vor der Hausfassade auf. Es sah aus wie das Skelett eines riesenhaften Tieres, das die Zeit überdauert hatte. Metallteile blitzten im Sonnenlicht, Querstangen teilten die Welt in Abschnitte. Bauarbeiter liefen über die Plattformen, ohne mich zu beachten. Ihre schweren Schritte brachten die ganze Konstruktion ins Wanken. Ich erinnerte mich dunkel an einen Brief der Verwaltung, den ich letzte Woche aus dem Briefkasten gefischt hatte. Wahrscheinlich wurde die Fassade neu gestrichen. Farbtöpfe oder Ähnliches sah ich aber nicht, und ich fragte mich, woran sie arbeiteten.
Ich schloss das Fenster wieder, betrachtete die mit Farben übersäte Leinwand und musste mir eingestehen, dass ich ja selbst nicht genau wusste, woran ich gerade arbeitete. Mein Auftraggeber, ein ältlicher Professor, hatte mich nach der Ausstellung in einer kleinen Galerie in Zürich kontaktiert. Meine abstrakten Bilder hätten ihm gefallen, und er fragte mich, ob ich nicht auch dazu bereit wäre, konkrete Kunst zu malen – ein Porträt. Da sich der Professor sehr für die Jagd interessierte, sollte es ihn in Jagdkleidung samt Hut und Gewehr darstellen. Trotz Bedenken hatte ich die exzentrische Forderung angenommen, nicht zuletzt, da es mir an Geld fehlte. In den ersten Wochen meiner Arbeit hatte ich den Professor ein paar Mal zu mir gebeten, um seine Züge einzufangen. Er war nie stillgestanden, hatte sich immerzu nervös über die Haare gestrichen, als belastete ihn ein Problem. So fiel mir das Malen schwer. Jedenfalls war ich froh gewesen, als er nicht mehr zu kommen brauchte. […]
Als ich eines späten Abends von einem dieser Spaziergänge zurückkehrte, war ein seltsamer Stoff um das Gerüst gespannt worden. Er sollte wohl vor unliebsamen Wettereinflüssen schützen. Eine dicke, grüne Haut. Arbeiter waren keine mehr zu sehen. […]