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Kommasetzung ist schwieriger als man denkt
21.8.2019 - 00:00, Mark Salvisberg
Haben Sie bemerkt, dass im Titel ein Komma fehlt? Diesmal geht es um genau dieses: das Komma vor als und wie. Der Sprachpfleger weist hier auf einen wichtigen Punkt hin. Beachtet man ihn, sinkt die Fehlerquote.
Irgendwo habe ich folgenden Tipp gelesen: «Steht nach als oder wie ein Verb, dann setzt man ein Komma; fehlt das Verb, so hat es keines.» Diese «Regel» bedarf der Präzisierung. Denn ob vor als und wie ein Komma (Beistrich) steht, hängt nicht nur von der Anwesenheit eines Verbs ab, sondern vielmehr von dessen «Zustand». Je nachdem handelt es sich dann um einen Nebensatz oder nicht.
Zwei Beispiele: In den folgenden Sätzen stehen zwar Verben nach als oder wie, aber die Kommas sind gleichwohl falsch: Sie war mutiger, als gedacht. – Der Preis ist nicht so, wie von uns vereinbart. – Er wollte lieber malen, als zeichnen. Die Kommas dürften nicht stehen, weil die Verben am Satzende nicht konjugiert sind.
Konjugierte Verben sind fix mit einer Person verbunden, zum Beispiel «Ich denke». Gedacht und vereinbart sind nur Partizipien, und zeichnen ist ein Infinitiv – der Name sagt es schon: keine «fertige» Verbform. Sie sind also nicht einer bestimmten Person zuzuordnen. Der Beweis: Man kann nicht sagen «Ich gedacht» oder «Er zeichnen».
Nagelprobe fürs Komma vor als und wie
Die obengenannten falschen Sätze passe ich nun so an, dass sie «kommafähig» werden, indem ich das konjugierte Verb (und ein Personalpronomen) einfüge:
«Sie war mutiger, als ich gedacht habe.» «Der Preis ist nicht so, wie er von uns vereinbart wurde.» «Sie wollte lieber malen, als zu zeichnen.» Erst ein konjugiertes Verb macht das Komma nötig. Oder, wie im letzten Beispiel, ein zu vor dem Infinitiv.
Die «anderen» Kommas vor als und wie
Steht als vor einem Infinitiv, der mit zu eingeleitet wird, ist ebenfalls ein Komma erforderlich: «Er wollte lieber aufpassen, als sich zu verletzen.» Heisst es aber «Er wollte lieber aufpassen als sich verletzen», so gilt: Der Infinitiv allein genügt nicht, um ein Komma zu rechtfertigen.
Im Weiteren kann selbstverständlich fast überall irgendetwas eingefügt und deshalb mit Komma abgetrennt werden: Der Bundesrat wird, wie er gestern erklärte, bald darüber befinden. Satzglieder können überdies betont werden: Der Präsident trug, wie letztes Jahr, wenig Substanzielles bei. Mögen Sie es unbetont, lassen Sie das Komma einfach weg.
Weglassen dürfen Sie zu guter Letzt den Beistrich auch bei formelhaften Wendungen: Wie gesagt brauchen Sie heute keinen Schirm (aber: Wie gesagt, Sie brauchen ...).
Einen Punkt gelte es zu beachten, heisst es oben. Das klingt nach «ziemlich einfach». Es tut mir jetzt fast leid, dass das Ganze doch nicht so simpel ausgefallen ist, wie angenommen. Ups! Es hat kein konjugiertes Verb nach wie – also dürfte kein Komma stehen. Und bravo, Sie haben es bemerkt!
Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute
täglich journalistische Texte bei einer grösseren Schweizer Tageszeitung.