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Im chinesischen Schanghai wird am Sonntag zum 1000. Mal der Sieger eines Formel-1-Rennens gekürt. Anekdoten und Zahlen der bisherigen 999 Grands Prix – von Alfa Romeo über Keke Rosbergs Schnauz bis Alex Zanardi.
Der allererste Grosse Preis der Formel-1-Geschichte ist 1950 fest in Hand der italienischen Marke. Angeführt von Giuseppe Farina feiert Alfa Romeo im britischen Silverstone einen Vierfach-Sieg. Der Italiener Farina wird auch erster Weltmeister.
1951 wiederholt Alfa Romeo diesen Triumph mit Pilot Juan Manuel Fangio, doch danach zieht sich der Hersteller zurück. Ein Comeback zwischen 1979 und 1985 ist wenig erfolgreich, 2018 kehrt Alfa Romeo erneut zurück: Als Partner des Sauber-Teams, das übernommen wird und 2019 als Alfa Romeo Racing auftritt.
Auf dem Hockenheimring geht Alain Prost 1986 in der letzten Kurve der Sprit aus. Der Franzose springt aus seinem McLaren, versucht ihn anzuschieben, doch trotz dem begeisternden Jubel der Fans, muss er sein Unterfangen abbrechen.
Prost kommt dennoch als Sechster in die Wertung und holt sich so einen WM-Punkt. Ende Saison verteidigt er seinen Titel, der «Professor» wird mit zwei Zählern Vorsprung auf Nigel Mansell zum zweiten Mal Weltmeister.
Ganz Brasilien feiert schon den Titel von Ferrari-Pilot Felipe Massa, der den letzten GP 2008 zuhause in Sao Paulo gewinnt. WM-Leader Lewis Hamilton ist in der letzten Runde nur auf Rang 6, muss aber für den Titelgewinn Fünfter werden. Und genau das schafft der Brite im McLaren noch. 400 Meter vor der letzten Zielflagge der Saison überholt er Timo Glock, Hamilton fährt auf Rang 5 und wird mit 98:97 Punkten zum ersten Mal Weltmeister. Die brasilianischen Siegesfeiern sind jäh beendet.
Vier Fahrer haben an mehr als 300 Grands Prix teilgenommen:
Von den aktiven Fahrern hat Kimi Räikkönen die meisten Rennen bestritten. Der Finne, der 2001 in der Formel 1 debütierte, steht bei 294 Starts und wird, wenn alles nach Plan läuft, in dieser Saison ebenfalls die 300er-Marke knacken.
In der Formel 1 gilt das ungeschriebene Gesetz, dass der härteste Gegner stets der eigene Teamkollege ist. Nie trifft das mehr zu als Ende der 80er-Jahre, als Alain Prost und Ayrton Senna das McLaren-Duo bilden. Sie beherrschen die Konkurrenz nach Belieben und bekriegen sich auf der Piste gnadenlos. Den Höhepunkt der Fehde bildet wohl das Saisonfinale 1989, als Prost den Brasilianer absichtlich abschiesst. So wird der Franzose Weltmeister.
Für Prost ist es einer von vier WM-Titeln, Senna kommt auf drei. Der populäre Brasilianer gilt vielen Fans bis heute als bester Rennfahrer der Geschichte. Er stirbt 1994 beim GP von San Marino in Imola, die Unfallursache ist bis heute nicht geklärt.
Die Formel 1 kennt keine Geschlechtertrennung – aber in der bald 70-jährigen Geschichte nahmen bloss fünf Frauen an den Grands Prix teil:
«Formel 1 dreht durch: Grid Girls 2018 verboten!», titelte das «Motorsport-Magazin» Anfang 2018 und sprach mit der Schlagzeile vielen Fans aus dem Herzen. Die jahrzehntelange Tradition, dass spärlich bekleidete Damen in der Startaufstellung mit den Fahrern posierten, verschwand im Zuge der Gleichstellungsdebatte. Beinahe alle Veranstalter halten sich seither daran. «Wir sind der Meinung, dass dieser Brauch klar entgegen moderner gesellschaftlicher Normen ist. Er ist weder passend noch relevant für die Formel 1», stellte der Marketingboss der Rennserie klar.
Ist nicht nur der Name einer Brust von Top-Model Heidi Klum (die andere nennt sie Franz), sondern auch ein System für mehr Sicherheit im Cockpit. Hans steht für «Head and Neck Support». Die Vorrichtung soll die Fahrer vor schweren Verletzungen im Kopf- und Halsbereich schützen. Seit 2003 ist Hans in der Formel 1 Pflicht.
Das «Indy 500» ist eines der berühmtesten Autorennen der Welt. Von 1950 bis 1960 war es auch Bestandteil der Formel 1 – allerdings liessen fast alle Spitzenfahrer das Rennen in den USA jeweils aus. Puristen zählen diese elf Rennen deshalb nicht wirklich zur Formel 1. Für sie wird das Rennen in China am Sonntag deshalb erst der 989. GP der Geschichte sein.
Dem Iren Eddie Jordan hat die Formel 1 viel zu verdanken. Denn in seinem Team gibt ein gewisser Michael Schumacher, hochtalentierter Nachwuchsfahrer, 1991 sein WM-Debüt. Der Deutsche verblüfft im Qualifying mit Rang 7, überholt beim Start gleich zwei Gegner, scheidet dann aber mit einem Kupplungsschaden aus. Jahre später gibt Jordan zu, dass er «Schumi» nur ins Cockpit liess, weil seine Sponsoren 150'000 Pfund bezahlten.
Es bleibt Schumachers einziges Rennen im grünen Rennauto, dann wechselt er zu Bennetton. Im Jahr darauf gewinnt er sein erstes Rennen, mit sieben Weltmeister-Titeln zwischen 1994 und 2004 ist er Rekord-Weltmeister.
Der Finne wird 1982 im Williams Weltmeister. Es ist eine Zeit, in der die Formel 1 noch Sex-Appeal und Verruchtheit besitzt, dessen Fehlen längst viele Anhänger bemängeln. Dieses Bild, das Keke Rosberg mit Nigel Mansell zeigt, spricht Bände:
Der Österreicher Niki Lauda ist gewissermassen mit der Formel 1 verheiratet. Sein Markenzeichen ist die rote «Dächlikappe», die er Gerüchten zufolge weder zum schlafen noch zum duschen abnimmt. Lauda ist dreifacher Weltmeister und vor allem: ein Überlebender. 1976 verliert er bei einem Feuerunfall auf dem Nürburgring fast sein Leben, 42 Tage darauf sitzt er schon wieder in einem Cockpit und nur ein Jahr später wird er zum zweiten Mal Weltmeister.
Der Grand Prix von Monaco ist wohl das berühmteste Autorennen der Welt. 1929 wird es erstmals ausgetragen, seit 1955 gehört der Stadtkurs an der Mittelmeerküste zur Formel 1. Überholen ist schwierig, Unfälle sind an der Tagesordnung. Das macht das Rennen auch für jene Zuschauer attraktiv, die sich primär durch spektakuläre Ausfälle unterhalten fühlen.
Steht Monaco für die Tradition der Formel 1, so steht Schanghai als Austragungsort des 1000. GP für die Moderne. Bernie Ecclestone, während rund vier Jahrzehnten der grosse Macher der Rennserie, zog seinen Expansionskurs durch und erschloss durch die Globalisierung neue Geldquellen. Europa, die «Alte Welt», hat immer weniger Rennen bei sich, dafür wird 2019 etwa in Bahrain, Aserbaidschan, Singapur oder Abu Dhabi gefahren. Die Formel 1 ist so weltumspannend wie kaum eine andere Sportart.
Formel-1-Fahrer sind sich bewusst, dass sie ein Leben am Limit führen. Das galt in früheren Jahren noch viel mehr als heute, zwischen 1958 und 1962 etwa kamen zehn Fahrer im Training oder im Rennen um. Die berühmtesten Todesopfer sind der dreifache Weltmeister Ayrton Senna (†1994), der zweifache Weltmeister Jim Clark (†1968), Jochen Rindt (†1970) und in der Schweiz Jo Siffert (†1971).
Klar: Wer von ganz zuvorderst starten kann, der hat die besten Chancen auf den Sieg. Doch man kann auch aus schlechter Position noch gewinnen. Der Nordire John Watson geht 1983 beim GP der USA West in Long Beach nur als 22. ins Rennen – und siegt trotzdem. Es ist die grösste Aufholjagd zum Sieg in der Geschichte der Formel 1.
Ein einziges Formel-1-Rennen bestreitet Dieter Quester in seiner Karriere nur und es ist klar: Ohne das «Q» im Namen wäre er hier keine Silbe wert. Der Österreicher wird 1974 beim Grand Prix zuhause in Spielberg Neunter, doch viel interessanter ist ein Erfolg in der DTM 1990. Quester rutscht nämlich auf dem Dach über die Ziellinie und wird so Dritter.
Einige eindrückliche Bestmarken:
Clay Regazzoni kann 1974 Weltmeister werden. Der Tessiner tritt als WM-Führender zum letzten Rennen im amerikanischen Watkins Glen an, wird dort aber nur Elfter. So überholt ihn der Brasilianer Emerson Fittipaldi noch, Regazzoni wird Vize-Weltmeister.
Regazzoni ist mit fünf GP-Siegen der erfolgreichste Schweizer Rennfahrer. Der Freiburger Jo Siffert gewinnt zwei Rennen – und stirbt 1971 bei einem Unfall in Brands Hatch. Seine Beerdigung zählt bis heute zu den grössten Trauerfeiern, die die Schweiz je erlebt hat.
394 Rennen bestreitet der Sauber-Rennstall – einsames Highlight ist der GP von Kanada 2008. Robert Kubica sorgt nicht nur für den einzigen Sauber-Sieg der Geschichte, Nick Heidfeld hinter ihm macht sogar einen Doppelsieg daraus.
Das ist mal ein Auto!
1976 und 1977 tritt das Tyrrell-Team in einem Auto an, das vier Vorderreifen hat, kleinere als die zwei üblichen. Das sollte den Luftwiderstand reduzieren. Durchgesetzt hat sich die Idee nicht – obwohl Jody Scheckter und Patrick Depailler damit 1976 beim GP von Schweden einen Doppelsieg feiern.
… ist die Bremgarten-Rundstrecke, von der nur noch einzelne Abschnitte existieren. Auf dem Kurs in Bern wird von 1950 bis 1954 der Grosse Preis der Schweiz ausgetragen. Als nach einer Kollision zweier Fahrer beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 84 Zuschauer ums Leben kommen, werden Rundstrecken-Rennen in der Schweiz verboten. Trotz politischer Bemühungen gilt das Verbot nach wie vor.
Formel-1-Piloten besitzen bekanntlich Rennfahrerblut und dieses geben sie an den Nachwuchs weiter. Der Brite Damon Hill ist 1996 der erste Sohn eines Weltmeisters, der ebenfalls den Titel holt – 28 Jahre nach Vater Graham Hill. Der erlebt den Erfolg nicht, denn er stürzt am Steuer eines Kleinflugzeugs ab, als Damon 15 Jahre alt ist.
Zwei WM-Titel durch zwei Generationen besitzt auch die Familie Rosberg: Papa Keke wurde 1982 Weltmeister, Sohn Nico 2016.
Legendär sind auch die Villeneuves: Gilles wird 1979 Vize-Weltmeister und kommt 1982 bei einem Trainingsunfall ums Leben. Da ist Sohn Jacques gerade elf Jahre alt. 1997 schafft er das, was sein Vater nicht ganz geschafft hat, und wird Champion.
Andere Vater/Sohn-Duos sind Jos und Max Verstappen, Alain und Nicolas Prost, Nelson und Nelson jr. Piquet oder Jan und Kevin Magnussen.
Jochen Rindt wird 1970 Weltmeister – aber den Triumph erlebt er nicht mehr. Denn Rindt, ein für Österreich fahrender Deutscher, ist schon tot, als der Titelgewinn feststeht. Rindt hat 45 Punkte Vorsprung, als er im Abschlusstraining für den GP von Italien tödlich verunglückt. Die Gegner haben noch vier Rennen zur Verfügung, um Jochen Rindt von Platz 1 zu verdrängen, aber das gelingt keinem. Ihm wird der WM-Titel posthum zugesprochen, den Pokal des Weltmeisters nimmt seine Witwe Nina entgegen.
Das sehen die Fahrer, wenn sie in den Rückspiegel blicken und irgendwo «Grand Prix» steht. Ja sorry, ich habe beim besten Willen nichts passendes mit einem X gefunden.
Speziell am Kurs in Abu Dhabi ist, dass ein Teil der Boxenausfahrt unterhalb der Rennstrecke verläuft – die Fahrer kommen gewissermassen aus der Tiefgarage zurück auf den Kurs. Direkt an der Strecke liegt ein 5-Sterne-Hotel, von dem die Gäste das Geschehen beinahe im Bett liegend hautnah miterleben können.
In der Formel 1 ist Alessandro «Alex» Zanardi ein Hinterbänkler – er holt bloss einen einzigen WM-Punkt bei 41 Starts zwischen 1991 und 1999. Er verunglückt 2001 bei einem Rennen der Champ-Car-Meisterschaft in Deutschland so schwer, dass ihm beide Beine amputiert werden müssen. Doch der Italiener kämpft sich zurück in den Spitzensport: 2012 und 2016 gewinnt Zanardi bei den Paralympics insgesamt vier Gold- und zwei Silbermedaillen als Rollstuhlsportler.