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- Der Bürgerkrieg in Sri Lanka zwischen der Regierung und den Tamil Tigers endete vor acht Jahren. Die Bilanz: 100'000 Tote.
- Seither herrscht ein trügerischer Friede: Versöhnt sind Tamilen und Singhalesen noch lange nicht.
- Wie schwierig der Versöhnungsprozess ist, zeigt sich daran, dass immer noch Zehntausende Menschen vermisst werden.
- Um die Vermissten zu suchen, sollte es eigentlich ein Büro geben. Doch es existiert bis heute nicht.
Schüchtern und doch entschlossen erzählt eine Frau, wie ihr Mann 1997 im Bürgerkrieg verschwand: «Er arbeitete als Tierarzt im heftig umkämpften Norden des Landes, als Männer aus einem weissen Minibus stiegen und ihn mitnahmen. Es war das letzte Mal, dass ich ihn sah.»
Ihre Tochter war damals drei Monate alt. Heute, mit knapp 20, kennt sie ihren Vater noch immer nicht. Solche Entführungen mit weissen Minibussen gab es viele während dem Bürgerkrieg zwischen den separatistischen Tamil Tigers und der Armee. Und auch nachher, unter der autokratischen Regierung von Mahinda Rajapaksa, waren sie weit verbreitet.
Auf die lange Bank geschoben
Die neue Regierung von Maithripala Sirisena versucht Gegensteuer zu geben: Letzten August hat sie ein Büro für vermisste Personen geschaffen, das diese Fälle untersuchen soll. «Eine gute Idee», sagt Bhavani Fonseka vom Center for Policy Reasearch, einer Denkfabrik in Colombo: «Dieses Büro wird selbständig Ermittlungen durchführen und unabhängig von der Regierung arbeiten können», sagt die Analystin.
Dennoch müsse man genau verfolgen, wer in diesem Büro arbeite, sagt Fonseka. Denn die sieben Beauftragten wurden bisher noch nicht ernannt. Die Inbetriebnahme dieses Büros sei aber auf die lange Bank geschoben, wie so vieles in Sri Lanka:
Denn die Regierung ist eine schwache Koalition von zwei verfeindeten Lagern, die sich gegenseitig blockieren.
Sirisena kam 2015 als Alternative zu seinem Parteikollegen Rajapaksa an die Macht, der Sri Lanka quasi als Alleinherrscher regierte. Seit er weg ist, gibt es aber wenig, was die Regierung zusammenhält. Das wissen Rajapaksas Anhänger wiederum zu nutzen und hoffen auf ein Comeback.
So bleiben praktisch alle Reformvorhaben blockiert. Eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung etwa wurde bisher erfolgreich hinausgezögert. Auch ein Gericht, das die Kriegsverbrechen aufarbeiten sollte, kam bisher nicht zustande. Es scheitert an der Frage, ob ausländische Richter zugelassen werden sollen oder nicht.
Das Warten auf Gewissheit
Jehan Perera, ein bekannter Menschenrechtsaktivist in Colombo, fasst den schleppenden Reformprozess so zusammen:
Die Absicht für die Aufarbeitung des 25-jährigen Krieges und somit einer echten Versöhnung existiert, doch die alten Machtstrukturen sind noch immer am Leben.
Der UNO-Menschenrechtsrat zeigte sich enttäuscht über den langsamen Reformprozess in Sri Lanka. Er gibt der Regierung nun zwei weitere Jahre Zeit, diesen voranzutreiben. Die Reformen sind wichtig, um den Hinterbliebenen der Entführten zumindest Gewissheit zu geben, was mit ihren Angehörigen im Krieg passiert ist.