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Was ist verrückt?
Ymér und Onkel Kleo im Gespräch.
• Onkel Kleo, hast du wieder eine verrückte Idee für uns, fragt Ymér?
• Ich habe keine verrückten Ideen, meine Ideen sind alle an ihrem Platz.
• Was meinst du mit "an ihrem Platz"?
• Ja, ich habe sie nicht verschoben, sie stehen dort, wo sie schon immer standen.
• Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.
• Schau mal, das ist doch ganz einfach.
• Bei dir ist nichts einfach, alles ist zweifach oder dreifach.
• Haha, also das ist so: Das Wort verrückt kommt von verrücken.
Und verrücken heisst verschieben, verstellen. Möbel verrückt man zum Beispiel. Das heisst, man schiebt sie von einer Ecke in eine andere.
• Und du hast deine Ideen nicht in eine andere Ecke verrückt?
• Genau, die sind immer noch dort, wo sie hingehören.
• Aber man sagt doch: Der ist verrückt oder das ist verrückt.
• Du meinst, wenn einer etwas Verrücktes tut. Zum Beispiel zehn Berliner nacheinander essen.
• Ja genau, oder man sagt: Der fährt wie ein Verrückter, wenn einer zu schnell fährt. Hat der jetzt seine Möbel verstellt?
• Ja irgendwie schon. Die Möbel in seinem Kopf sind irgendwie verschoben, aber vielleicht hat er es auch nur eilig.
• Und mit Möbeln meinst du Ideen.
• Ah sehr schlau!
Anna einen Vogel haben
• Aber dann stimmt es doch. Dein Kopf ist doch auch anders eingerichtet als die meisten Köpfe.
• Ja willst du damit sagen, ich habe nicht mehr alle Tassen im Schrank?
• Wie kommst du jetzt auf Tassen?
• Ja, das sagt man so. Anstatt zu sagen, du bist verrückt, sagt man, du hast nicht alle Tassen im Schrank.
• Und woher kommt das nun wieder: alle Tassen im Schrank?
• Das weiss ich auch nicht, es gibt noch viele solche Sprüche. Mit Schrank ist wahrscheinlich der Kopf gemeint, aber es macht auch dann keinen Sinn. Er hat nicht alle Tassen im Kopf. Wieso sollte er Tassen im Kopf haben? Und wieso müssen die vollzählig sein? Ich glaube, wer diesen Spruch erfunden hat, hatte nicht alle Tassen im Schrank.
• Und was sagt man sonst noch so?
• Für verrückt meinst du? Zum Beispiel. Du spinnst, du bist ein Spinner.
• Und woher kommt das. Von der Spinne?
• Ja könnte man meinen, man sagt ja auch für eine verrückte Idee:
ein Hirngespinst.
• Und warum sagst du: Könnte man meinen?
• Ja weil es von spinnen kommt. Einen Faden spinnen. Aus Wolle oder Baumwolle einen Faden machen. Mit der Spindel oder dem Spinnrad. Heute natürlich mit Maschinen in einer Spinnerei.
• Genau, das sagt man auch: so eine Spinnerei. Und wieso soll jetzt einer, der eine Spinnerei hat, ein Spinner sein?
• Ein Spinner ist er vielleicht schon, aber deswegen noch nicht verrückt.
• Und warum braucht man das Wort spinnen dann für verrückt sein?
• Ja, man spinnt seine Gedanken wie man Fäden spinnt, und bei einem Verrückten gehen die Fäden durcheinander, es gibt ein Fadenknäuel, ein Gnusch, man kann es nicht mehr entwirren oder verstehen.