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Ein Rückblick und Ausblick auf das 50. Jubiläumsjahr von Theaterleiter Roland Schumpf
Ein Rückblick und Ausblick auf das 50. Jubiläumsjahr von Theaterleiter Roland Schumpf
Im 16. Jahrhundert wurde das Haus an der St.-Oswalds-Gasse in Zug erbaut, und zunächst als Spital von Zug benutzt. Das neue Spital am Burgbach gehörte mit seinen drei Stockwerken und den dreiteiligen, spätgotischen Fenstern zu den grössten und repräsentativsten Profanbauten der Stadt.
Genannt wurde es Spittel und es diente bis 1857 als Spital. Dann wurde das Bürgerspital eröffnet.
Man sagt, dass im Keller die Verstorbenen aufgebahrt wurden, wiederum andere sagen, dass die Kellerräumlichkeiten als Lager gedient hatten. Im Dachgeschoss waren drei Gefängniszellen. Bis in die Zeit um 1870 bewohnten Untersuchungsgefangene, Kettensträflinge und Schwerverbrecher diese Zellen. Im berühmten Harten- und Lindenhandel, dem politischen Konflikt um Zahlungen französischer Pensionen und Einnahmen aus dem Salzgeschäft, verurteilen 1731 die Harten zwei Führer der unterlegenen Linden, Ammann Klemens Damian Weber von Menzingen und Ammann Christoph Andermatt von Baar, zu lebenslangem Kerker und sperren sie im Spital ein. Trotzdem gelingt es Ammann Weber nach 13 Monaten Haft mit Hilfe von zerschnittenen Leinentüchern durch das Estrichfenster aus dem Spital zu fliehen.
1857 wurde das neue Bürgerspital eingeweiht, und somit war das Spittel überflüssig geworden. Der spätmittelalterliche Bau wurde 1874 weitgehend abgebrochen und an seiner Stelle das heutige Burgbachschulhaus errichtet. Zu dieser Zeit wurden in den Kellerräumlichkeiten Gemüse und Fleisch gelagert. In die Ringe an der konnte eine Stange eingeführt werden und so konnte man Esswaren aufhängen, ohne dass die Mäuse sich bedienen konnten.
Ende 1967 trafen sich Annemarie und Eugen Hotz mit Kulturinteressierten im damaligen Künstlercafé Ritz, um einen Masterplan zu erstellen, wie man aus den Kellerräumlichkeiten des Burgbachschulhauses ein Kleintheater machen könnte. Es wurde einen Kostenvoranschlag gemacht, der stattliche 120’000 Franken bezifferte. Um die Stadtfinanzen stand es nicht besonders gut und auch sonst sass das Geld nicht gerade locker. Der Stadtrat steuerte dann 25’000 Franken und der Kanton 10’000 Franken bei. Der Rest kam von Privaten und vieles wurde auch in Fronarbeit ausgeführt. So stammten die Stühle im Saal vom Kino in Baar, das damals saniert wurde. Kürzlich sagte mir jemand, dass die restlichen Stühle von der Victoria in Baar gespendet wurden. Der Umbau plante der Architekt Peter Kamm. Soviel wie nötig, so wenig wie möglich, lautete dabei sein Leitsatz. Er erzählte mir damals, dass eigentlich die Brauerei Baar den Bartresen spenden wollte.
Die Front wäre aus rohem Holz gewesen, das liess Peter Kamm nicht zu, und so übernahm er die Kosten für den Bartresen selber. Man sagt auch, dass es durch den Umbau in der Altstadt eine Rattenplage gegeben hätte. Es wurde ein Rattenfänger engagiert, der über hundert Ratten fing.
Da die Platzverhältnisse in den Räumen nicht sehr gross waren, entschloss man sich nur ein Gäste-WC für Frauen und Männer zu machen. Emil Hagenbuch der das Restaurant und die Metzgerei nebenan besass, willigte ein, dass die Männer bei ihm im Restaurant aufs WC konnten. So war dieses Problem auch gelöst.
Am 6. November 1968 wurde dann das Theater eröffnet. Der damalige Stadtpräsident Robert Wiesendanger eröffnete es quasi mit einem Liebesbrief an ein neugeborenes Kleintheater. Unter anderem sagte er: «Dir liebes Theater im Burgbachkeller wünsche ich von Herzen Hals- und Beinbruch, wie man beim Theater zu sagen pflegt, und ich wünsche Dir auch, dass dich immer so viele Leute besuchen werden, wie reinpassen. Mit anderen Worten: Ich wünsche Dir etwas, das ich selbst meinem besten Freund nicht wünschen würde, dass Du jeden Abend voll sein mögest.»
Zehn Jahre später schrieb Robert Wiesendanger: «Ich kann Dir zu deinem Geburtstag nichts besseres wünschen, als dass Du dich auch weiterhin derselben Gesundheit, Spritzigkeit und Frische erfreuen mögest, wie bisher und ich bin immer noch verliebt in Dich.
Während 19 Jahren führten nun Annemarie und Eugen Hotz das Theater und es traten immer wieder namhafte Künstler auf, wie zum Beispiel Hans Dieter Hüsch, Ces Keiser und Margrit Läubli, Kaspar Fischer, Emil oder Mani Matter. Für das Ehepaar Hotz war es wichtig, nicht nur „Eingekaufte“, sondern auch Eigengewächse im Keller auftreten zu lassen. Sie waren schon damals sehr vernetzt und kannten alle.
Von 1989 bis 1996 leitete Annelies Ursin das Theater und sie versuchte das Programm etwas zu entstauben und internationaler zu gestalten, was für die Zuger nicht immer einfach war. Sie versuchte das Kabarett aus dem deutschsprachigen Raum zu forcieren. Mit Beat Iten hatte sie einen Bühnenbildner und Techniker gefunden und die erste Theaterzeitung erschien. Viele Künstler von damals kamen nicht mehr ins Kleintheater, da sie lieber auf grossen Bühnen spielten. Das war immer ein Problem des Kleintheaters und daran musste auch ich mich gewöhnen. Ich verstand es schlussendlich als Aufgabe des Kleintheaters, unbekannten Künstler eine Bühne zu geben, damit sie später die grossen Bühnen bespielen konnten. Es nicht immer einfach, das zu akzeptieren.
Seit 1996 bin ich nun der Theaterleiter und werde meine letzte Saison mit dem Jubiläumsjahr beenden. Mit einem mulmigen Gefühl werde ich Mitte 2019 das Theater an zwei junge Frauen übergeben. Mulmig aus diesem Grund, da das Theater meine zweite Familie wurde, und ich viele Künstler kennen lernen konnte, von denen ich mich nun verabschieden muss.
Meine Vorstellung für das Jubiläumsjahr war, dass ich möglichst viele Künstler von damals wieder engagieren wollte, was gar nicht so einfach war. Aber es sind doch einige geworden. Hans Kennel war im September bei uns, auch die Tochter Sandra Kreisler trat mit Liedern auf, welche zum Teil von ihrem Vater Georg Kreisler stammen. Franz Hohler kommt im Januar 2019 und stellt sein neues Buch vor, auch Osy Zimmermann hat speziell zu den Feierlichkeiten eine Retrospektive zusammengestellt und wird am 1. März 2019 die Premiere feiern.
Natürlich war es mir ein Anliegen, dass möglichst die ganze Bevölkerung von diesem Jubiläum profitieren kann. Also schrieb ich die bildenden Künstler an, ob sie interessiert wären, eine Bank zu bemalen. 16 Künstler willigten schlussendlich ein und Ende Juli 2018 konnten wir die Bänke an der Seepromenade verteilen, um sie Ende Oktober 2018 zu versteigern.
Für das Jubiläum stellten wir ein spezielles Budget zusammen, das eigentlich parallel zum eigentlichen Jahresbudget lief. Dank den grosszügigen Sponsorenbeiträgen war es mir möglich, verschiedene Anlässe zu realisieren, an denen kein Ertrag erwirtschaftet wurde.
Als Dank luden wir die Sponsoren zu einem Nachtessen im Burgbachkeller ein. Der Boden wurde flach gemacht und runde Tische aufgestellt. Es wurde leckeres Essen vom Ochsen serviert und die Theatergruppe Kulisse machte den Abend unvergesslich.
Am 1. September luden wir die Bevölkerung zur Buchvernissage ein. Zu unserem 50-Jahr-Jubiläum gönnten wir uns ein kleines, aber spezielles Buch, das von Michael van Orsouw zusammengestellt wurde. Das handliche, reich bebilderte Jubiläumsbuch lässt die 50 Jahre Burgbachkeller Revue passieren – und macht daraus eine Revue zwischen zwei Buchdeckeln: bunt, überraschend, vielfältig, berührend. Ganz so, wie eben Kleinkunst ist. Viele bekannte Künstlerinnen und Künstler waren im Burgbachkeller zu Gast; sie schildern ihre persönliche Beziehung zum Zuger Kleinkunstort und setzen sie in Szene, was ein ebenso unterhaltsames und informatives Buch ergibt.
Grossen Anklang fand dann am 8. September das Strassenfest. Die Besucher waren begeistert. Mit der Mithilfe der verschiedenen Theatergruppe aus Zug, den Zuger Spiillüüt, der Kulisse und dem Theater Noï gab es verschiedene Verpflegungsstände.Café Mondiale, Blehmuzik und Andrew Bond spielten auf der Bühne, während im Hintergrund zu jeder halben Stunde das Fahriété aufspielte.