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Wild Coast (November 2003)
Um dem Nebel zu entfliehen, führt meine Reise diesmal an die Wild Coast; ein im internationalen Tourismus beinahe unbekannter Küstenabschnitt zwischen East London und Port Edward. Das ehemalige Homeland „Transkei" zählt bis heute zu der ärmeren und dichtestbesiedelten Region Südafrikas und ist ein grosser Kontrast zu der „zivilisierten" Gardenroute und dem mondänen Kapstadt. Während die Küste viele unberührte Strände aufweist, findet man im Hinterland unzählige, sanft geschwungene Hügel und Berge und fast überall Siedlungen der Xhosa. Mangels Arbeitsplätzen ziehen viele Einheimische in die Grossstädte wie Johannesburg oder Kapstadt, um ihren grossen Familien ein kleines Einkommen zu sichern. Seitens der Touristikorganisationen werden grosse Anstrengungen unternommen um die hohe Arbeitslosigkeit durch Schaffung von Arbeitsplätzen zu mindern.
Um die schöne Küste zu erkunden, drängt sich eine Wanderung geradezu auf.
Ich habe mich für eine komfortable Wandervariante entschieden; während 4 Tagen wandere ich von Hotel zu Hotel oder Ressort und lege zwischen 10 und 16 km pro Tag zurück, während mein Gepäck gefahren wird. Klar, etwas mulmige Gefühle hatte ich schon, fand doch mein letzter Besuch in dieser Gegend kurz vor den entscheidenden Wahlen statt und die Aggressionen gegen die weisse Vorherrschaft waren deutlich spürbar. Doch davon ist heute nichts mehr zu spüren, im Gegenteil, viele erfreuliche Kontakte bleiben in Erinnerung! Dies ist nicht zuletzt dem Fakt zu verdanken, dass die ansässigen Kommunen am Tourismus beteiligt werden.
Leider komme ich am ersten Etappenort, im Trennerys Hotel etwas spät an. Zu spät für eine Bootsfahrt auf dem Qolora Fluss, doch es reicht noch für eine Erkundung des Strandes und der dahinterliegenden Lagune bevor ich zu einem reichhaltigen Nachtessen gerufen werde. Am nächsten Morgen steht ein Besuch bei einem Sangoma (Traditioneller Heiler) auf dem Programm und mein Führer bringt mich in eine Nahe Siedlung. Zu meiner Enttäuschung allerdings musste der Sangoma zu einem Patienten, doch der Rest der Familie lässt mich trotzdem in die bescheidene Behausung eintreten. Enthusiastisch erklären und demonstrieren die Kinder ihre traditionelle Lebensweise. Immer wieder ziehen Sie mich in die täglichen Arbeiten mit ein ....es erübrigt sich zu sagen, dass sie mir anschliessend unter Gelächter mitteilen, dass ich eine schlechte Ehefrau abgebe... Um mir doch noch einen Eindruck über eine traditionelle Heilung zu vermitteln, führt mich der Führer zu einem anderen Sangoma. Verschiedene Heilpflanzen werden erklärt und rituelle Tänze vorgeführt. Dass mitten in diese Tänze hinein das Natel der Heilerin klingelt, lässt erahnen, dass die Moderne auch hier Einzug hält!
Die 4-Tages Wanderung führt mich mehrheitlich am Strand entlang und überrascht mit immer schöneren Eindrücken. Über den Kei Fluss werde ich mit der Fähre gefahren, alle anderen Flüsse müssen zu Fuss durchquert werden – ich habe Glück, meistens sind die Flüsse trocken! Immer wieder beobachte ich Delfine und Wale, die sich im Meer tummeln, staune über die vielen Riffe, die das Meer bei Ebbe frei gibt, entdecke immer schönere Muscheln und Steine am Strand und stosse auf grosse Muscheln- und Austernbänke. Schade, dass ich keinen Gaskocher dabei habe um die delikaten Meeresfrüchte gleich zu verköstigen. Alle Küstenorte, in denen ich übernachte, weisen einen anderen Charme auf und eigentlich möchte ich überall länger verweilen. Hier gibt es keine Hektik, ja man fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt. Die täglich verbrauchten Kalorien werden Abends durch die reichhaltigen Menus gleich doppelt aufgetankt...aber wer kann schon frischem Fisch wiederstehen? Gespannt erreiche ich den letzten Etappenort „Glen Gariff", wo es in meinem Programm heisst: „der Schlüssel zur Ferienwohnung befindet sich unter der Türmatte". Ja, wirklich auch dies klappt und mein Gepäck „wartet" bereits in der Wohnung. Kurz nach meiner Ankunft, klingelt es an der Tür und ich werde zu einer Kanufahrt auf dem Kwelera Fluss abgeholt. Das Paddeln durch eine unvergleichlich schöne Landschaft, vorbei an hohen Klippen und Felswänden in Richtung Meer und wieder zurück bleibt unvergesslich... während der Muskelkater ab dieser ungewohnten Bewegung zum Glück wieder vergeht. Diesen letzten Abend verbringe ich im Country Club, wo ich ein wunderbares Steak – trotz Stromausfall – serviert bekomme....hmm, ist das Leben herrlich!
(Nicole Wilhelm)