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Mit einem Kurssturz hat die Börse am Donnerstag (22.03.) auf die düsteren Aussichten für den Zürich-Finanzkonzern reagiert. Die negativen Vorgaben und der enttäuschende Bericht von Zurich Financial Services haben auch noch den letzten Käufer aus dem Markt vertrieben.
Nach einem enttäuschenden Jahr 2000 tritt der Zürich-Konzern auf die Kostenbremse und trennt sich von Geschäften in Milliarden-Dollar-Höhe. Der Gewinn ging im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent zurück; die Aussichten für 2001 sind gedrückt.
Der Konzernchef der Zurich Financial Services Group, Rolf Hüppi, bezeichnete die Gewinnzahlen des vergangenen Jahres am Donnerstag (22.03.) als "in der Tat enttäuschend". Der normalisierte Jahresgewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Dollar. Das entspricht inetwa den Erwartungen, nachdem die Zürich im Februar eine Gewinnwarnung gegeben hatte.
Kosten im Zusammenhang mit den Internet-Plänen der Zürich, weitere Aufwendungen und ein starker Rückgang der realisierten Kapitalgewinne bescherten dem Nicht-Lebengeschäft einen Gewinnsturz von 66 Prozent. Die Rückversicherung wurde durch ausserordentliche Rückstellungen von 300 Millionen Dollar belastet. Die Summe der verwalteten Vermögen ging um 0,4 Prozent auf 440 Milliarden Dollar zurück. Die Aktionäre sollen eine im Vergleich zum Vorjahr unveränderte Dividende erhalten.
Konzernchef Hüppi sagte, das Unternehmen sollte dank "sehr dramatischen und ziemlich beispiellosen" Massnahmen zur Ertragsstärkung im übernächsten Jahr wieder auf dem langfristigen Wachstumspfad zurückfinden, der Gewinnzunahmen von jährlich zehn bis 15 Prozent vorsieht. Für dieses und nächstes Jahr bleiben die Aussichten aber gedrückt.
Verkäufe und Ausgliederungen
Das Massnahmenpaket umfasst den Verkauf oder die Ausgliederung von Geschäften mit einem Marktwert von bis zu vier Milliarden Dollar. Darunter ist vor allem das aktive Rückversicherungs-Geschäft der Zurich Re, das ausgegliedert und unter einem Neuen Namen an die Börse gebracht werden soll.
Weiter sollen Geschäftsbereiche verkauft werden, die nicht zum Kerngeschäft gehören oder die zu wenig profitabel sind. Die Baloise-Beteiligung gehöre nicht dazu, sagte Hüppi.
Hinzu kommt ein konzernweites Kostensenkungs-Programm. Die Reorganisation des Hauptsitzes soll dieses Jahr Einsparungen von 140 Millionen Dollar bringen, nächstes Jahr solche von 200 Millionen. Wie Anfang März berichtet, soll der Hauptsitz um mehr als die Hälfte oder rund 610 Stellen verkleinert werden.
Zürich-Aktien mit Kurseinbruch
Die Aktien der Zurich Financial Services Group haben am Donnerstag (22.03.) an der Schweizer Börse markant schwächer eröffnet und sanken weiter ab. Der Zürich Konzern war bereits in den vergangenen Monaten an der Börse massiv unter Druck geraten. Konzernchef Hüppi wurde eine unklare Informationspolitik vorgeworfen. Zudem zirkulierten Gerüchte über massive Fehlinvestitionen und -spekulationen im Internet-Bereich.
US-Tochter Farmers arbeitet mit Ulico zusammen
Die US-Versicherungstochter Farmers des Zürich-Konzerns hat mittlerweile eine weitere strategische Partnerschaft in den USA abgeschlossen. Wie der Konzern am Donnerstag (22.03.) mitteilte, geht Farmers mit der Ulico-Versicherung zusammen, um gezielt den Markt von amerikanischen Gewerkschafts-Mitgliedern zu bearbeiten.
Die Zürich hatte in den vergangenen Tagen schon Allianzen mit der Bank of America für den US-Markt und mit der Bank of Scotland für Grossbritannien beschlossen. Insgesamt bietet sich der Zürich nach eigenen Angaben so ein Potential von 43 Millionen neuen Kunden.
swissinfo und Agenturen