Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03114.jsonl.gz/819

Arnold Lang (1855–1914)
Zoologe
Arnold Lang (geboren am 18. Juni 1855) war das jüngste von fünf Kindern einer Aargauer Baumwollfabrikantenfamilie. Nach dem Besuch von Grund-, Bezirks- und Mittelschule in Oftringen, Aarburg und Aarau begann er 1873, ein Jahr vor der Matura, Botanik und Zoologie an der Universität Genf zu studieren. Diese erliess ihm auf Empfehlung des dortigen Professors für Zoologie, Carl Vogt, das Aufnahmeverfahren. Tief beeindruckt durch die Lektüre von Ernst Haeckels "Genereller Morphologie" setzte er sein Studium 1874 an der Universität Jena, beim ersten Verfechter von Darwins Abstammungslehre im deutschen Sprachraum, fort.
Promovierung
Im März 1876 promovierte er zum Dr. phil. und habilitierte sich im Mai an der Universität Bern zum Privatdozenten für Zoologie. 1878 bis 1885 erforschte er an der Zoologischen Station in Neapel die Tierwelt im neapolitanischen Golf. 1885 bis 1989 war er in Jena Mitarbeiter von Haeckel und ab 1886 der erste Inhaber, der von der Paul-Ritter-Stiftung finanzierten Professur für phylogenetische Zoologie. 1887 heiratete er und wurde in den folgenden Jahren Vater von drei Kindern.
Aufenthalt in Zürich
1889 folgte er dem Ruf der Universität Zürich und des Eidgenössische Polytechnikum als ordentlichen Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie sowie Direktor der gemeinsamen zoologischen Sammlungen. Hier reformierte Arnold Lang den Zoologieunterricht, indem er ein Laboratorium und praktische Kurse einrichtete. Als Rektor der Universität von 1898 bis 1900 plante und leitete er deren Neubautätigkeit. Weiter gründete er eine universitäre Unfallversicherung für Studierende, Assistierende und Abwärte sowie eine Witwen- und Waisenkasse der Professoren. Obwohl eifriger Turner zur Kräftigung körperlicher Gesundheit, erlag er am 30. November 1914 einem Herzleiden.
Handschrift
Brief von Lang 31. Dezember 1899 an Louis Rollier, Professor für Stratographie an der ETH, mit Hinweis auf eine zoologische Zeitschrift in der Bibliothek des Polytechnikums (Hs 322: 3214)
Werk
Auf Anregung Haeckels übersetzte Lang als Student in Jena die Philospophie zoologique von Jean Baptiste Lamarck (1744–1829) ins Deutsche, (erschienen 1876). Lamarck hatte Jahrzehnte vor Darwin eine Vererbungstheorie entwickelt, gemäss der Einzellebewesen individuell erworbene Eigenschaften an ihre Nachkommen weitergeben. Aus den Arbeiten in Neapel entstand Langs grosse Monographie zu den Meeresstrudelwürmern, den Polycladen, (ediert 1884). Es war ein Höhepunkt der damaligen vergleichend-anatomischen und embryologischen Forschung. Zurück in Jena begann er eines seiner weiteren Hauptwerke, das Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Tiere, das in Zürich vollendet wurde (1888–1894) und bald auch französisch und englisch erschien. Von 1912 an gab er es unter Mitwirkung zahlreicher Zoologen in erweiterter Form als "Handbuch der Wirbellosen Tiere" heraus. Ab Ende des 19. Jahrhunderts widmete er sich hauptsächlich der experimentellen Vererbungslehre. Es war ihm noch vergönnt, 1914 den ersten Band seines umfassenden Nachschlagewerks "Die experimentelle Vererbungslehre in der Zoologie seit 1900" zu veröffentlichen, die zweite Hälfte blieb ein unvollendetes Manuskript.
Bestand
Langs Hauptwerke und die wissenschaftlichen Zeitschriften, mit zahlreichen seiner kleineren Veröffentlichungen, sind grossteils über das Suchportal der ETH-Bibliothek (external link) zu finden. Im Hochschularchiv der ETH Zürich gibt das umfangreiche Dossier zu Lang, aus der Biographica-Sammlung, Auskunft zu Leben und Werk. In verschiedenen Nachlässen sind einige wenige Briefe von Lang erhalten. Ferner ist ein kleiner, derzeit noch nicht erschlossener Bestand von Originalzeichnungen zu Werken Langs archiviert.