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Die Nachtwerkerin
Margrit Zimmermann, Komponistin, Dirigentin, Pianistin, Pädagogin, geboren 1927, gestorben 2020.
Margrit Zimmermanns kompositorisches Werkverzeichnis ist umfangreich und deckt ausser der Oper alle Musikgattungen ab. Dem kammermusikalischen Schaffen widmete sie viel Beachtung und wählte gerade da ungewöhnliche Kombinationen von Instrumenten und Klangwelten. Von Haus aus Pianistin stand ihr das Klavier zeitlebens nahe. Alles entstand an ihm und vorwiegend nachts, ob die grossen Orchesterpartituren, die Streichquartette oder die eigentlichen Klavierkompositionen. Der in ihrem Haus im Berner Schönbergquartier stehende Erard-Flügel war Arbeitsinstrument und Arbeitsort, auf ihm türmten sich Entwürfe und ausgearbeitete, ins Reine geschriebene Kompositionen. Ein zentrales Werk ist im buchstäblichen Sinn für das Klavier geschrieben: In den Etüden bianchi-neri werden die schwarzen Ober- den weissen Untertasten entgegengesetzt, als wäre die Klaviatur zweimanualig.
Margrit Zimmermann bezeichnete ihre Musik als frei-atonal und traditionell. Letzteres bezog sie auf die Notation und den formalen Aufbau. Ihre Klangsprache bewegt sich im nichttonalen, dissonanten Grenzgebiet. Sie ist geprägt durch die horizontalen und vertikalen Schichtungen von Quarten und Septimen, folglich auch von deren Umkehrungen, Quinten und Sekunden. Klangliche Erweiterungen setzte die Komponistin spielerisch-improvisatorisch im Sinn pointierender Effekte ein und schrieb dafür in den Partituren eigene Zeichen mit vorangestellten Erklärungen. Da rasselt mal zum Klavierspiel eine schwere Kette oder müssen Unterarme über die Tasten gerollt werden, Bläser und Streicher in Vierteltönen spielen. Der Organisation, Stimmung und Verwendung der Vierteltonmusik widmete sie eine theoretische Arbeit und grafische Darstellungen.
Margrit Zimmermanns Werke fanden ihre Interpreten, kleine und grosse Bühnen und wurden mehrfach ausgezeichnet.
1927 in Bern geboren, bildete sich Margrit Zimmermann zur Pianistin aus, in Bern bei der Pianistin und Komponistin Jeanne Bovet und später in Paris bei Alfred Cortot, wo sie das Glück hatte, ein Jahr bei Arthur Honegger einen Kompositionskurs besuchen zu können. Die Ausbildung zur Dirigentin kam später dazu, 1973 gründete sie in Bern ihr eigenes Orchester. 1978 schloss sie ein achtjähriges Studium der Komposition am Mailänder Conservatorio Giuseppe Verdi mit dem Diploma di Composizione ab.
Das Werkverzeichnis Margrit Zimmermanns ist einsehbar bei musinfo.ch, Kompositionen sind zugänglich in der Bibliothek der Hochschule der Künste Bern. Eine CD versammelt die Werke Quadriga und Piano Time für Klavier, Pensieri für Tenor, Gitarre und Flöte, ein Streichquartett und die Orphischen Tänze für Flöte, Klarinette, Bratsche, Violoncello und Klavier (erhältlich über <email-pii>). Im Buch Nachtwerk – Hommage an eine Komponistin, erschienen 2011 im Verlag Zytglogge Oberhofen/Basel, erzählt Iris Gerber Ritter als Margrit Zimmermanns ehemalige Schülerin und Interpretin aus deren Leben und Schaffen.
Am 23.Februar dieses Jahres ist Margrit Zimmermann nach langer Krankheit in ihrem dreiundneunzigsten Lebensjahr verstorben. Ihre letzte Ruhestätte wird der Schosshaldenfriedhof in Bern.