Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03476.jsonl.gz/240

Dissertation von Nathalie Bäschlin
Fragile Werte. Diskurs und Praxis der Restaurierungswissenschaften 1913-2014
Die Einschätzung der Fragilität von Gemälden bildet in der Berufspraxis der Gemäldekonservierung eine wesentliche Grundlage bei der Ermittlung des Schadenspotentials bei Kunsttransporten, Ausstellungen und Lagerungsbedingungen. Der Begriff Fragilität umfasst dabei ein weites Bedeutungsfeld: ln erster Linie umschreibt er die "Zerbrechlichkeit", also die mangelnde mechanische Festigkeit der materiellen Bestandteile, aber auch den Grad an chemisch-physikalischer Labilität gegenüber äusseren Einflüssen (beispielsweise Klimaschwankungen, sichtbares Licht und UV-Strahlung, schädliche Gase, mechanische Einwirkungen, die zu Beschleunigungen und/oder Materialdehnung bzw. Stauchung führen können). Die möglichst präzise und vergleichbare Einschätzung der Fragilität eines Gemäldes ist erstrebenswert, da sie die Grundlage für dessen präventive Konservierung darstellt.
Aufgrund der weit gefächerten Materialverwendung in der Malerei basiert die Einschätzung der Fragilität auf dem Wissen um die Eigenschaften einer Vielzahl möglicher Materialien und ihrer Wechselwirkungen in den ebenso weit gefächerten technologischen lmplementationen im Werk. Geht man noch einen Schritt weiter und betrachtet die Bedeutung des Begriffs der Fragilität in der Konservierung und seiner Bedeutung für die Berufspraxis, so drängt sich die Frage nach den Zusammenhängen und Wechselwirkungen zwischen den Begriffen "Fragilität", "Materialveränderung" und "Schaden" auf. Ein weiteres interessantes Bezugsfeld ergeben die Begriffe "Konservierungsobjekt", "bedeutungsvolles (authentisches) Objekt" und "Fragilität".
Die Fragen beziehen sich auf unterschiedliche Bereiche der Konservierungswissenschaft, also einerseits auf naturwissenschaftlich orientierte Forschungsfelder (Materialverhalten, Degradation) und andererseits auf kulturtheoretische Überlegungen, einschliesslich der Konservierungsethik.
Absehbar sind drei Themenfelder:
1. Begriffsklärung Fragilität: historische und wissenschaftliche Grundlagen
2. Bedeutungen und Subtexte der Fragilität im Kontext -kulturtheoretischer und konservierungsethischer Überlegungen
3. Bestimmung der Fragilität von Gemälden: Entwicklung eines Leitfadens für die Praxisanwendung
Betreungspersonen
Prof. Dr. Peter J. Schneemann, Universität Bern, Institut für Kunstgeschichte
Prof. Dr. Stefan Wülfert, Leiter Fachbereich Konservierung und Restaurierung, Hochschule der Künste Bern HKB