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Königstiger im SMM Full-Reuenthal
Die Geschichte beginnt für uns im September 2006, als das Schweizerische Militärmuseum Full von der Schweizer Armee einen der letzten verbliebenen Tiger II «Königstiger» als Dauerleihgabe erhalten hat. Dieses Fahrzeug wird gegenwärtig im Museum von Grund auf restauriert. Ziel ist es, den Panzer wieder fahrbereit zu machen und die Beweglichkeit von Turm und Kanone wieder herzustellen.
Die Geschichte des Tigers II mit der Fahrgestellnummer 280215 selbst ist noch weitgehend unbekannt. Fest steht nur, dass er um Mitte 1944 bei Henschel in Kassel-Mittelfeld gebaut und im Zeitraum vom 3. bis 12. September 1944 an die Schwere Panzerabteilung 506 ausgeliefert worden ist. Dann verliert sich seine Spur. Das Fahrzeug weist ausser einer Rohrsprengung in Mündungsnähe keine (Beschuss-) Schäden auf. Das Rohr dürfte zur Unbrauchbarmachung des Panzers durch die Besatzung gesprengt worden sein. Der Fundort des Panzers nach den Kämpfen ist unbekannt. Die Schwere Panzerabteilung 506 war im Raum Arnheim, dann in der Ardennenschlacht, in der Eifel, im Raum Aachen und schliesslich im Ruhrkessel im Einsatz. Leider konnte bisher kein Foto des Panzers aus dieser Zeit gefunden werden; die abgesprengte Rohmündung und weitere Merkmale könnten bei der Identifizierung helfen. Jegliche Hinweise, welche zur Rekonstruierung der Geschichte des Panzers beitragen könnten, sind sehr willkommen! Wann und auf welchem Weg der Tiger II in die Schweiz gelangt ist, lässt sich ebenfalls nicht mehr nachvollziehen. Seit Mitte der 1950-er Jahre ist er auf dem Truppenübungsplatz in Thun dokumentiert, wo er zuerst als Schleppobjekt, später als Ausstellungsstück im dortigen Freilichtmuseum verwendet wurde.
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Bis 1976 war der Tiger im Wesentlichen nur in Rostschutzrot grundiert. Die Farben, die danach aufgetragen wurden, haben nichts mit der Originalbemalung zu tun.
Überführung 2007 ins Schweizerische Militärmuseum
2007 wurde er ins Schweizerische Militärmuseum Full überführt, um dort restauriert zu werden. Betrachten Sie auch die umfangreiche Bildergalerie mit Fotos des Tigers, wie er sich beim Beginn der Demontage präsentierte.
Was würde uns erwarten, wenn der Turm entfernt ist
Positiv ist sicher, dass der Panzer keine Kampfspuren aufweist. Das deutet insgesamt auf eine geringe Laufleistung und lässt auf einen guten Erhaltungszustand der sensiblen Antriebsteile wie Motor und Reduktionsgetriebe hoffen. Andererseits werden mehr als 60 Jahre im Freien in jedem Fall ihre Spuren hinterlassen haben.
Bei Beginn der Restaurierungsarbeiten zeigte sich ein mässig erfreulicher Befund. Zwar waren Motor, Getriebe und Lenkung noch ziemlich vollständig vorhanden, wenn auch einzelne Teile wie Luftfilter und Vergaser fehlten oder andere wie Lichtmaschine und Lüfter unter dem Rost stark gelitten hatten. Unrettbar verloren waren demgegenüber alle Teile aus vergleichsweise dünnem Blech wie Benzintanks, Lüfterräder, Abdeck- und Bodenbleche, die weitgehend durch- oder sogar weggerostet waren.
So begannen im November 2007 die Arbeiten in der Haupthalle des Museums, wo die Museumsbesucher die Arbeiten und deren Fortgang mitverfolgen können.
Der Motor war beim Ausbau in einem erbärmlichen Zustand und wurde sofort zur Aufarbeitung an einen Fachbetrieb gegeben.
Nachdem die Arbeiten ab ca. 2011 stagnierten, war das Entfernen der Leitradarme wieder eine Initialzündung: Im Sommer 2012 wurde die weitgehend entkernte Wanne sandgestrahlt und grundiert, Ende 2012 haben wir die Demontage offiziell für beendet erklärt und den Zusammenbau gestartet.
Immer wieder wurden im Laufe der Jahre Teile zur Nachfertigung gegeben, wie z.B. die Kühler, die Lüfter, Tanks, Bleche aller Art, die Munitionsgestelle, etc. Und immer wieder konnten fehlende Teile gefunden werden: MG-Lafetten für innen und auf dem Turm, Ersatzkettenglieder, die Kettenschürzen, zwei Vergaser, der Frontscheinwerfer mit Halterung, Funkgeräte und Umformer. Besonders hervorzuheben ist das Auffinden des langen Rohres des Geschützes, welches in Polen zum Vertäuen von Booten im Uferschlick einbetoniert war und zum Schluss das abgesprengte Rohrstück des Tigers ersetzen wird. Am meisten Dank gebührt der Firma Luhn & Pulvermacher, Dittmann & Neuhaus in Hagen, die 1944 schon die originalen Drehfederstäbe für das Laufwerk angefertigt hatte, und uns nun in sehr grosszügiger Weise beim Ausbau und der Neuanfertigung der Torsionsstäbe unterstützte.
Nun, Anfang 2015, sind wir dabei, das Fahrwerk mit dem Aufziehen der Raupen zu komplettieren. Es wird sich aber bestimmt bis in die Wintersaison 2016 hinziehen.
Was kommt dann?
Die Erneuerung des Tank- und Benzinleitungssystems und des Kabelbaumes wird nicht einfach werden: Für den Kabelbaum existiert kein Plan und vom Benzinleitungssystem müssen mindestens die grossen Hohlschraubenanschlüsse alle nachgefertigt werden, weil diese Dimensionen heutzutage nicht mehr lieferbar scheinen. Für die Steuerklappen des Kühlluftsystems haben wir wenig bis keine Vorlagen. Ebenso ist die Nachfertigung der Bedienelemente der Schottwand eine Herausforderung.
Es wird nicht langweilig werden …!
Verfolgen Sie den Fortgang der Arbeiten auf unserer Bildergalerie.
Naturgemäss wirft die Finanzierung eines Grossprojektes wie der Restaurierung des Königstigers Probleme. Die Beschaffung und Neuanfertigung fehlender Teile, aber auch die bevorstehende Revision von Motor und Getriebe bringen ganz erhebliche Kosten in der Höhe von mehreren Hunderttausend Franken mit sich. Damit diese Mittel aufgebracht werden können, ist das Museum nebst
viel Eigenleistung auf entsprechende Spenden angewiesen. Personen, welche die Restaurierung des Königstigers unterstützen möchten, haben Gelegenheit, durch individuelle Beiträge von CHF 200.– bis 5'000.– Mitglied im «Team Königstiger» zu werden.
Jede Mithilfe ist herzlich willkommen!
Bergeübung mit dem Königstiger
Bergeübung mit dem Königstiger
Bergeübung mit dem Königstiger
GESCHICHTE
Überführung 2007 ins Schweizerische Militärmuseum
Überführung 2007 ins Schweizerische Militärmuseum
Überführung 2007 ins Schweizerische Militärmuseum