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Gift im Trinkwasser, unterbezahlte Jobs, Kinderarbeit: Firmen mit Sitz in der Schweiz sollen für solche Vergehen künftig haften. Betroffene in Ecuador, Argentinien und Südafrika hoffen auf den Durchbruch der Konzernverantwortungsinitiative.
Als Pablo Fajardo das Licht der Welt erblickte, war es im ecuadorianischen Amazonas bereits stockdunkel. Eine Erdölfirma aus Texas hatte ihre Bohrtürme zwischen Urwald, Flüssen und Indigenen aufgebaut und damit begonnen, das schwarze Blut in Richtung Norden zu pumpen. Das Gas, das bei der Gewinnung von Erdöl zusammen mit dem ins Bohrloch eingelassenen Wasser und den Chemikalien an die Oberfläche schiesst, wurde verbrannt, das Schwermetall haltige Wasser ohne Aufbereitung in die Flüsse geschüttet. Die Folgen waren vergiftete Böden und Gewässer, vergiftete Tiere und Pflanzen, kurz: ein vergifteter Alltag. Die Krebsrate in und rund um die Stadt Lago Agrio, rund 300 Kilometer östlich von Quito, ist so hoch wie nirgends im Land.
Heute, 46 Jahre nach seiner Geburt und 25 Jahre nachdem er als Anwalt der Kläger den Jahrhundert-Prozess gegen den US-Erdöl-Konzern Texaco (seit 2001 Chevron) übernommen hat, sitzt Pablo Fajardo in seiner Kanzlei in Ecuadors Hauptstadt und sagt: „Keiner Firma mit Sitz in den USA oder in der Schweiz wäre es in den Sinn gekommen, ihr eigenes Territorium derart offensichtlich über Dekaden hinweg zu verschmutzen und den entstandenen Schaden nicht zu reparieren.“ Sie wüssten genau, dass ihnen sonst eine saftige Busse drohe. „Doch wenn sie ausserhalb ihrer Länder wirken“, sagt Fajardo, “nutzen sie die fragilen Strukturen – im Wissen, dass die Umwelt- und Sozialkontrollen nicht oder nur teilweise durchgesetzt werden. Schliesslich verfügen die transnationalen Firmen oft über mehr Einfluss als die lokalen Regierungen.“ Deshalb begrüsst der Jurist die Absichten der Konzernverantwortingsinitiative (Kovini), die nächstes Jahr zur Abstimmungen kommen könnte. (…)
Hauptbild: In den 1960er Jahren verschmutzt, bis heute ohne Entschädigung: Ein Rückhaltebecken mit toxischen Abfällen der Erdöl-Industrie ausserhalb von Lago Agrio im ecuadorianischen Amazonas. (mutantia.ch)
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