Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03244.jsonl.gz/2338

Autor: Barbara Schwaller-Aebischer
In der Schule über- oder unterfordert, frech und meistens nicht da. Das ist das Bild des 15-jährigen Jan Petersen, der 1913 (!) von der Schulbehörde in die Marine abgeschoben wird. Als Schiffsjunge ist er jedoch noch sehr weit entfernt vom Helden, den er sich in seinen Träumen immer vorstellt.
Von Deutschland nach China
Die S.M.S Emden fährt nach Tsingtao (China), einem Hafenstützpunkt des kaiserlichen Ostasiengeschwaders. Jan möchte kämpfen, für den Kaiser Schiffe versenken und Stützpunkt um Stützpunkt erobern, um mit seiner Tapferkeit Auszeichnungen und Ruhm zu ernten.
Doch die Emden ist zu klein für Kriegsangriffe, sie soll vor allem Versorgungsdampfer, Waffenlieferungen und Schiffe mit Handelsgütern aller Art aufspüren und entern. Der Kapitänleutnant geht sehr geschickt vor. Die Emden ist bald berühmt-berüchtigt für ihre Erfolge. Der angehende Held Jan begegnet nun auch der Kehrseite der Medaille, dem Tod.
Auf den Cocos-Inseln im Indischen Ozean zerstört ein Teil der Mannschaft einen Funksender der Engländer; in der Zwischenzeit wird die Emden angegriffen und versenkt. Der Rest der Mannschaft muss nun Wege suchen, um wieder nach Deutschland zurückzukehren.
Sie kapern einen Segler und überqueren heil den Ozean bis nach Arabien. Der Weg durch das Rote Meer ist den Seeleuten jedoch verwehrt, da Frankreich und England bis zum Suezkanal alles unter Kontrolle haben. Sie werden zu Wüstenmatrosen und müssen schwer kämpfen, um endlich eine Eisenbahnlinie zu erreichen.
Zwei Vorbilder
Tragende Figuren sind von Müller, der Kapitänleutnant, der der ganzen Mannschaft Vorbild ist und seine Ziele mit Ehrgeiz und Durchhaltewillen anpackt, sowie Max, ein gestandener Seemann, mit dem Jan oft im Ausguck sitzt. Max ist die Ruhe selbst, aber wenn es darauf ankommt, alles andere als ein Feigling. Jan lernt durch diese beiden Männer das wahre Leben zu schätzen und träumt auch wegen der Begegnung mit Aisha nun ganz andere Träume.
Unter http://www.fregatte-emden.de und http://de.wikipedia.org/wicki/SMS_Emden findet der Leser historische Angaben über das Schiff und dessen Besatzung. Der Autor Olaf Fritsche hat aus Tagebuchaufzeichnungen und Presseberichten von Zeitzeugen darüber einen spannenden fiktiven Roman geschrieben. Die Hauptfigur Jan Petersen, ein Junge in der Pubertät, sieht nur über den Kampf für den Kaiser und die Nation einen Sinn in seinem Leben. Er wäre endlich ein Held und kein Weichei. – Wovon träumen die heutigen Jugendlichen? Wo sind die Menschen, die einfach nur zuhören wie Max?
Olaf Fritsche: Wüstenmatrosen, Dressler, 2008.
Barbara Schwaller-Aebischer ist Leiterin der Bibliothek Tafers.