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Anfängliche Entwicklung
In den 1960er Jahren wurde die Entwicklung von Datensystemen und Systemen der Informationsverwaltung mit staatlicher Förderung vorangetrieben. Ein Beispiel dafür ist die System Development Corporation (SDC).
Ein Dokument der SDC aus dem Jahr 1966 bezeichnet Informationsmanagement als Credo der Firma, wobei der Begriff „Informationsmanagement“ dem Begriff „Information Retrieval“ übergeordnet wird. Die zeitgenössische Technik des Informationsmanagements wird als Resultat von drei Entwicklungssträngen geschildert:
- Den Dokumentationstechniken, d.h. Methoden der Beschreibung und Indexierung von Dokumenten, wie sie in Bibliotheken und hauptsächlich an Textdokumenten entwickelt wurden.
- Datenintensiven Wirtschaftszweigen wie der Versicherungsbranche, die auf die Verarbeitung grosser Mengen gut strukturierter, numerischer Daten angewiesen waren.
- Militärischen Anwendungen, welche die Wirtschaftsanwendungen in Bezug auf Komplexität und Geschwindigkeit der Verarbeitung übertrafen.
Das Dokument beschreibt Anwendungen, an denen SDC beteiligt ist, und teilt diese zwei Kategorien zu: den „military applications“ und den „nonmilitary applications“. Als zivile Anwendungen werden exemplarisch Anwendungen in den Bereichen Medizin, Bildungswesen, Städteplanung und Stadtverwaltung, Recht sowie wissenschaftliche und technische Dokumentation beschrieben. [1]
Verbreitung
Eine wichtige Grundlage für die Gründung von Datenbankanbietern entstand in den 1960er Jahren, als es möglich wurde, mit einem Terminal via Telefonverbindung auf einen Rechner zuzugreifen. Damit entfiel die räumliche Anbindung von Abfragen an ein Rechenzentrum. In den 1970er Jahren wurden die ersten wissenschaftlichen Datenbanken kommerziell angeboten.
Obwohl einige Datenbanken (z. B. Medline) durchaus für Endnutzer konzipiert wurden, waren zu dieser Zeit die Nutzenden in der Regel Informationsspezialisten in Spezialbibliotheken und Dokumentationsdiensten von Verwaltung und Industrie [2]. Gründe dafür waren, dass die Online-Verbindung immer noch teuer war und die Auseinandersetzung mit den Abfragesprachen einige Expertise erforderte. Auf der Anbieterseite setzten die hohen Kosten für Speicher und Rechenzeit der Erweiterung der Datenbanken mit Volltexten und der Einführung von zusätzlichen Suchfunktionalitäten Grenzen [2].
Hosts wie Dialog & Co. erweiterten ihr Datenbankportfolio und die Zahl ihrer Kunden rasch. Die Anziehungskraft der Datendienste führte dazu, dass die öffentlichen amerikanischen Datennetze TELENET und TYMNET sich in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre in über 50 Länder ausbreiteten [2]. Weiter trug die Verbreitung des Mikrocomputers in den 1970er und 1980er Jahren zur Nutzungssteigerung bei.
Der Weg der Speicherung und Distribution von Datenbanken über portable Datenspeicher – Disketten und später CD-ROM – wurde vorübergehend vor allem deshalb eingeschlagen, weil die Telekommunikationsverbindungen für die Übermittlung grosser Datenmengen noch ungeeignet waren [3].
Für Ende 1993 - kurz bevor das WWW das Internet massenfähig machte und neue Zugangsmöglichkeiten zu Datenbanken eröffnete - nennt Horvath [4] folgende Zahlen:
|Gesamtzahl der weltweiten Datenbanken:||8’512|
|davon online:||5’559 (65%)|
|anbietende Hosts:||über 800|
Zur globalen Verteilung der Datenbanken, die online oder auf anderen Datenträgern zur Verfügung standen, macht Horvath [4] folgende Aussagen:
|Gesamtzahl der ausgewerteten Datenbanken:||7'538|
|davon aus den USA:||67%|
|davon aus Kanada:||6%|
|davon aus Europa:||26%|
|davon aus Grossbritannien:||9%|
|davon aus Deutschland:||5%|
|davon aus Frankreich:||4%|
Hosts
Datenbankanbieter oder Hosts bündeln die Datenbanken unterschiedlicher Informationsproduzenten innerhalb einer Oberfläche. Viele Hosts entstanden im Umfeld von bestehenden Informationssystemen in Bereichen, die neben einem grossen Datenbedarf auch über genügend Geld verfügten, wie z. B. die Luft- und Raumfahrtsforschung oder die Medizin [4].
- Einige Hosts wurden als Zugang zu hauseigenen Datenbanken konzipiert (z. B. MEDLINE der National Library of Medicine).
- Einige entstanden in Unternehmen, welche die erforderliche Infrastruktur besassen und begannen auf dieser Grundlage, Datenbanken zu lizenzieren und zu vertreiben (z. B. Dialog, SDC).
- Eine dritte Gruppe investierte viel Geld in den Aufbau eigener Datenbankinhalte (z. B. Mead und WESTLAW oder ABI/INFORM (Abstracted Business Information, Inc.)).
- Doch die meisten Datenbanken entstanden als Nebenprodukte von etablierten bibliografischen Diensten [2].
Der Host Dialog hatte seine Anfänge als Informationssystem des Flugzeugherstellers Lockheed. 1972 stellte Dialog (bis 1976 unter dem Namen Lockheed Information Retrieval Service LRS) zwei bibliografische Datenbanken für die öffentliche Nutzung zur Verfügung: die beiden Regierungsdatenbanken ERIC (Educational Research Information Center) und NTIS (National Technical Information Service). Dialog war damit der weltweit erste kommerzielle Online-Service [5; 2].
Die Kommerzialisierung machte weitere Entwicklungen erforderlich:
- Beständige Erweiterung des Datenbankportfolios (z. B. durch die Datenbanken INSPEC und ABI/INFORM)
- Einführung von Verfahren und Infrastruktur für Administration, Passwortverwaltung, Verrechnungssysteme
- Bestimmung von Urheberrechtsabgaben [2].
Ende 1974 hatte Dialog elf Datenbanken im Angebot, 1976 waren es bereits mehr als fünfzig [2].
Als Online-Pionier im Bereich der Rechtsinformation brachte Mead Data Central (MDC) 1973 LEXIS (LEX Information Service) auf den Markt. Im Unterschied zu den meisten anderen Datenbanken verfügte LEXIS bereits über eine gut ausgebaute Volltextbasis mit entsprechenden Suchfunktionalitäten. 1980 startete MDC schliesslich die Zeitungsarchivdatenbank NEXIS [5].
Im deutschsprachigen Raum wurden 1972 vom Information Retrieval Service (IRS) der European Space Agency (ESA) Datenbanken online angeboten. Das Deutsche Institut für medizinische Information und Dokumentation (DIMDI) verfügte ab 1973 über eine Timesharing-Anlage und stellte ab 1974 die Daten der National Library of Medicine online zur Verfügung. Die Öffnung des Datenverkehrs zwischen Datenstationen in Europa und den amerikanischen Datennetzen TELENET und TYMNET ermöglichte zudem den Zugriff auf Hosts wie Dialog und SDC [2].
In Deutschland führten das Programm der Bundesregierung zur Förderung der Information und Dokumentation 1974-1977 und Folgeprogramme zur Einrichtung der so genannten Fachinformationszentren (FIZ). Diese hatten den Auftrag, in ihren Wissensgebieten Datenbanken aufzubauen und anzubieten. Daraus entstand unter anderem FIZ Technik in Frankfurt a. M., mit Schwerpunkt auf technisch-wissenschaftlichen und technisch-wirtschaftlichen Informationen.
Für 1979 nennt Horvath [4] folgende Zahlen:
|Gesamtzahl der Datenbankanbieter weltweit:||59|
|Gesamtzahl der angebotenen Datenbanken:||300|