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Als Amtssprache in 26 Ländern der Welt und gemessen an der Anzahl der Gesamtsprechenden unter den ersten zehn Weltsprachen spielt Arabisch in der Welt der Übersetzung eine nicht zu unterschätzende Rolle und stellt hier auch eine besondere Herausforderung dar.
Doch welche Besonderheiten weist das Arabische eigentlich auf?
Dass die arabische Schrift von rechts nach links geschrieben und gelesen wird, wissen die meisten Menschen. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass es im Arabischen keine Gross- und Kleinschreibung, dafür aber für die meisten arabischen Buchstaben vier Varianten gibt. Je nachdem, ob sie sich am Anfang, in der Mitte oder am Ende des Wortes befinden, kommt die Initial- , Medial- und Finalform zum Einsatz. Daneben gibt es noch die isolierte Form. So besitzt der Buchstabe Ghain oder ġ folgende Varianten:
Zwar gibt es manchmal auch Überschneidungen, sodass einige Buchstaben etwa ein und dieselbe Medial- und Finalform aufweisen, wie es etwa beim unten dargestellten Buchstaben Wāw oder u der Fall ist, der nicht nach links verbunden wird. Doch für jemanden, der die arabische Schrift von Grund auf neu lernen möchte, kann es durchaus eine große Herausforderung sein, sich diese unterschiedlichen Varianten zu merken.
Als Konsonantenschrift weist das Arabische nur für das lange a, i und u eigene Buchstaben auf. Für ein kurzes a, i oder u gibt es im Arabischen keine eigenen Buchstaben, sondern lediglich Hilfszeichen. Diese werden jedoch nur in Ausnahmefällen eingesetzt, zum Beispiel in Lesebüchern für Kinder oder im Koran. Jemand, der Arabisch lernen möchte, tut also gut daran, sich die genaue Aussprache der Wörter zu merken, damit später nicht irgendwann womöglich beispielsweise aus einem kurzen i ein kurzes u wird oder umgekehrt und auf diese Weise etwas gesagt wird, das gar nicht gemeint ist oder gar eine neue Wortkreation entsteht.
Dialekt versus Hochsprache
Obwohl das Lesebuch für Kinder und der Koran diese Gemeinsamkeit der Vokalisierung aufweisen, gibt es doch einen bedeutenden Unterschied. Während ersteres in modernem Hocharabisch verfasst wird, liegt der Korantext in klassischem Hocharabisch vor. Das ist jene Form des Arabischen, die sich ausgehend von der arabischen Halbinsel etwa ab dem 7. Jahrhundert über den Vorderen Orient und später bis nach Nordafrika ausbreitete. Aus dieser Form entwickelten sich im Laufe der Zeit auch die arabischen Dialekte und das moderne Hocharabisch. Sie enthält beispielsweise Begriffe, die in der modernen Hochsprache nicht mehr oder in abgewandelter Version existieren oder völlig neue Bedeutungsinhalte gewonnen haben.
Die Dialekte dienen ausschliesslich dem gesprochenen Zweck, während modernes Hocharabisch im Grossen eine Schriftsprache ist, die nur in ausgewählten Kontexten auch gesprochen wird, zum Beispiel zu offiziellen Anlässen, bei internationalen Konferenzen oder in Nachrichtensendungen. Sie ist zudem die einheitliche Schrift- und Dachsprache aller Arabisch-Sprechenden, mit Ausnahme des Maltesischen, das mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird.
Von Region zu Region können die Dialekte so unterschiedlich sein, dass eine Verständigung zwischen den Sprechenden dieser Dialekte geradezu unmöglich wird, denn je weiter man sich von der Arabischen Halbinsel Richtung Nordafrika bewegt desto größer werden die lexikalischen und grammatikalischen Unterschiede, sodass sich am Ende etwa ein Sprecher des Irakisch-Arabischen mit einer Sprecherin des tunesischen oder marokkanischen Dialekts kaum mehr in ihren eigenen Sprachvarianten unterhalten können, um sich zu verständigen. Während die Frage „Wie geht es Dir?“ im Modernen Hocharabisch in Umschrift und je nachdem, ob eine Frau oder ein Mann angesprochen wird „Kayfa ḥāluki?“ oder „Kayfa ḥāluka?“ lautet, heißt es im Irak „Šlonitš?“ oder „Šlonak?“ und in Tunesien wiederum unabhängig vom Geschlecht der angesprochenen Person „Šnuwwa ḥwālik?“. Das Adverb „wie viel“ lautet im Hocharabischen „kam“, im Irakisch-Arabischen „šgad“ und im tunesischen Dialekt „qaddäš“. Indessen gibt es jedoch auch innerhalb der jeweiligen nationalen Grenzen unterschiedliche dialektale Varianten. Diese sind jedoch meist nicht so groß, dass eine Verständigung nicht mehr möglich ist.
Für Übersetzungen gilt dementsprechend, dass allein ins moderne Hocharabisch gearbeitet werden kann, nicht aber in die Dialekte. Dass manche CAT-Tools hier eine Auswahl einer bestimmten Varietät als Zielsprache ermöglichen oder sogar fordern, macht vor diesem Hintergrund wenig Sinn, da es im Endeffekt ein und dieselbe Schriftsprache ist.
Unabhängig davon, ob man sich mit der Hochsprache und der Schrift, den vielfältigen Dialekten, mit der Grammatik oder der Geschichte des Arabischen beschäftigt. Im Universum der arabischen Sprache gibt es viel zu entdecken.