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Die Konferenz von Beijing war ein Meilenstein der internationalen Frauenpolitik. Im September 1995 verabschiedete die 4. Weltfrauenkonferenz in Beijing eine Erklärung und ein ehrgeiziges Aktionsprogramm. Darin wurden die Rechte der Frauen sowie ihre zentrale Rolle bei der Armutsreduktion in Erinnerung gerufen.
Die DEZA hatte zwar schon Mitte der 1980er-Jahre begonnen, die Frauen stärker in ihre Aktivitäten einzubeziehen. Die Konferenz von Beijing führte jedoch dazu, dass sie eine Genderpolitik entwickelte und 2003 verabschiedete. Zudem wurde ein praktisches Handbuch ausgearbeitet. Die beiden Dokumente leiten das Engagement der DEZA.
Unumgängliche Genderthematik
Zwanzig Jahre nach der Konferenz von Beijing kann die DEZA eine Reihe von Fortschritten vorweisen, zu denen sie beigetragen hat: Die paritätische Einschulungsrate von Mädchen und Jungen ist fast erreicht, und die Müttersterblichkeit konnte um rund die Hälfte gesenkt werden.
Ursula Keller, Gender-Verantwortliche in der DEZA, freut sich, dass die Gleichstellung von Frau und Mann zu einem so zentralen Thema geworden ist: «Die Berücksichtigung der Genderthematik - als zentraler Faktor für eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung - ist bei der Planung von Kooperationsprojekten zum Standard geworden.» Beispiele dafür sind etwa die verstärkte Berücksichtigung der Anliegen benachteiligter Bevölkerungsgruppen, in denen Frauen häufig doppelt diskriminiert werden, oder der Fokus auf Sensibilisierungsmassnahmen. Zusätzlich zur Förderung von Gesetzesreformen auf nationaler Ebene werden Workshops und Informationskampagnen in Dörfern durchgeführt.
Die Zielsetzungen müssen auch klar formuliert werden. «Es ist gut, Frauen vermehrt in Projekte zur ländlichen Entwicklung einzubeziehen. Wichtig ist aber auch, die Rechte, die Aufgaben und die Verantwortlichkeiten der Frauen aufzuwerten», sagt Ursula Keller. Mit anderen Worten: Es gilt, negative Stereotype in Bezug auf Frauen zu bekämpfen und Hürden abzubauen, die Frauen daran hindern, soziale Leistungen oder einflussreiche Positionen zu erlangen. Bei diesem Prozess müssen auch die Männer einbezogen werden.
Drei Prioritäten
«Alles in allem wurden erhebliche Fortschritte erzielt, aber es bleibt immer noch viel zu tun», erklärt Ursula Keller. Tatsächlich sind die Herausforderungen zahlreich. Beispiele sind etwa die Gewalt gegen Frauen und Mädchen, insbesondere in Konfliktsituationen, in denen die Sicherheit der Bevölkerung nicht garantiert ist, oder die Diskriminierungen, die ihnen den Zugang zu Dienstleistungen und zum Arbeitsmarkt erschweren.
Für die Jahre 2015 bis 2018 hat die DEZA drei thematische Prioritäten im Bereich Geschlechtergleichstellung und Frauenrechte festgelegt:
- Stärkung der Rechte von Frauen in fragilen Kontexten
- Erleichterter Zugang zu natürlichen Ressourcen, Bildung und einem angemessenen Einkommen für Frauen
- Verstärkte Mitwirkung der Frauen in Entscheidungsprozessen
In Tadschikistan unterstützt die DEZA beispielsweise verschiedene Sensibilisierungsmassnahmen im Bereich der häuslichen Gewalt, von der hauptsächlich Frauen betroffen sind, und fördert zahlreiche Einrichtungen, die sich um Gewaltopfer kümmern.
In Subsahara-Afrika fördert die DEZA bei ihren Projekten zur ländlichen Entwicklung insbesondere die wirtschaftliche Selbstbestimmung der Frauen.
In Mazedonien werden die lokalen Behörden ermutigt, spezifische Bedürfnisse von Frauen bei der Gesetzgebung und der Budgetplanung zu berücksichtigen.
Internationale Anwaltschaft
Die DEZA-Projekte im Feld ergänzen das anwaltschaftliche Engagement der Schweiz auf multilateraler Ebene, vor allem im Rahmen der Kommission für die Rechtsstellung der Frau in New York.
Ein wichtiges Ziel im Hinblick auf die Integration der Genderfrage in die internationale Agenda ist dieses Jahr die Einigung auf einen endgültigen Wortlaut für die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) für die Zeit nach 2015. Die Schweiz setzt sich nicht nur für ein eigenständiges Ziel zur Gleichstellung von Frau und Mann ein, sondern plädiert auch für die Aufnahme von Genderaspekten in alle Ziele. Denn die Programme zur Verringerung der Armut in der Welt müssen der Tatsache Rechnung tragen, dass 70% der Ärmsten Frauen sind.