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Lebenslauf Hans Haller
Am 17.5.1955 kam ich in Meisterschwanden als erstes von drei Kindern des Ehepaars Hans und Itta Haller zur Welt. Ich heisse wie mein Vater und auch mein Grossvater. Bis ich knapp 5jährig war, lebten wir in Fahrwangen. Nachher zogen wir in ein neues Doppeleinfamilienhaus an der Sandackerstrasse in Meisterschwanden.
Früh war ich selbständig. So besuchte ich von mir aus den Kindergarten in Fahrwangen. In Meisterschwanden gab es einen solchen damals noch nicht. Nach einem Jahr mussten wir Auswärtigen jedoch austreten, weil Fahrwangen zu viele eigene Kinder hatte. Ich nutzte meine Zeit, indem ich bei der Rodung eines grossen Grundstückes mithalf, das der Chef meines Vaters erworben hatte. Ende Monat brachte mir der Vater ein Zahltagssäckli mit Fr. 5.–. Es war das erste selbstverdiente Geld.
Ich lernte leicht. Mit wenig Aufwand gehörte ich zu den Klassenbesten und kam ohne Prüfung an die Bezirksschule in Fahrwangen. Auch dort hatte ich keine Probleme.
Schon während der Schulzeit verdiente ich mir mein Taschengeld. In den Herbstferien half ich Bauern, im Schützenhaus warnte ich, im Scheibenstand zeigte ich. Vom selber verdienten Geld kaufte ich z. B. Skischuhe und Skier.
Zur kleinen Enttäuschung meines Vaters – eines gelernten Mechanikers – zeigte ich kein handwerkliches Geschick. Ich absolvierte eine Lehre bei der Aargauischen Kantonalbank in Wohlen. Nachher fühlte ich mich bereit, die Welt zu erobern. Leider ging das nicht so leicht und so schnell, wie ich gehofft hatte …
In der Infanterie-RS in Aarau, die ich 1974 absolvierte, wurden meine Flügel etwas gestutzt. Ich tat mich schwer mit dem Befehlston und war froh, dass ich nicht weitermachen musste.
Vor und nach der RS wollte ich im Welschland mein Französisch verbessern. Wegen der Rezession war das nicht so einfach. Ich schaltete ein Zwischenjahr bei der Kreditanstalt in Aarau ein. Schon damals hielt ich dieses für verloren: Meine Bankkenntnisse konnte ich dort nicht wie gewünscht umsetzen.
So folgte ich 1976 dem Ruf der Helvetia Leben (heute Elvia-Leben) in Genf und kehrte nicht mehr zu Banken zurück. Bei der Generaldirektion dieser Versicherungsgesellschaft fühlte ich mich wohl. Erstmals kam ich mit der Buchhaltung in Kontakt. Auch sonst gefiel es mir gut in Genf, obwohl ich fast jedes Wochenende in den Aargau zurückkehrte. Französisch lernte ich allerdings nicht allzu viel, bestand doch unsere Abteilung aus lauter Deutschschweizern. Nach 1½ Jahren brach ich meine Zelte in der Romandie ab. Mein Englisch sollte besser werden.
Ich wählte dafür eine unbekannte Schule in Poole bei Bournemouth, weil ich hoffte, dort fast keine Schweizer zu treffen. Überrascht stellte ich bei meiner Ankunft fest, dass rund 80 % der Schüler Schweizer und 10 % Deutsche waren. Trotzdem liess ich mir meinen Aufenthalt nicht verderben und verbrachte viel Zeit mit Engländern und Studenten aus nicht deutschsprachigen Ländern. Ich genoss in England drei erhol- und lehrreiche Monate.
Die vertieften Englischkenntnisse verschafften mir Anfang 1978 eine Stelle in Saudi Arabien. Für die Firma Brunners Erben kam ich als Baukaufmann nach Riyadh. Verwandte und Bekannte glaubten nicht, dass ich mich dort heimisch fühlen könnte. Doch ich überraschte alle – auch mich. Ich lebte mich gut ein. Als jedoch der kaufmännische Leiter wechselte, stimmte die Chemie nicht mehr. Bei meinem ersten Ferienaufenthalt nach knapp vier Monaten, hielt ich nach einer neuen Stelle Ausschau. Für die Schmalz AG in Bern konnte ich in Riyadh als kaufmännischer Leiter weitermachen. Das Büro befand sich nur wenige hundert Meter von meiner vorherigen Wirkungsstätte entfernt. Als 23jähriger konnte ich Verantwortung tragen, die in meinem Alter in der Heimat fast nicht möglich war. Entsprechend gut war die Bezahlung. Praktisch der ganze Lohn ging auf mein Konto in der Schweiz und verschaffte mir einen willkommenen Grundstock.
Während meiner Zeit in Saudi Arabien erkrankte mein Vater an amitropischer lateraler Sklerose (ALS). Diese seltene Krankheit war unheilbar und innert 3 Jahren tödlich. Nach Abschluss der Baustellen kehrte ich in die Schweiz zurück und stand meinem Vater in seinen letzten zwei Lebensjahren zur Seite.
In meiner Freizeit absolvierte ich ein Fernstudium bei der Akad in Zürich, das ich nach 3 Jahren als eidg. dipl. Kaufmann für Korrespondenz und Administration abschloss. Anschliessend hängte ich noch zwei Semester der Buchhalterausbildung an. Als jedoch die berufliche Belastung zu gross wurde, brach ich ab.
1981 begann meine schönste Anstellung: In der Karton + Papier AG Muhen übernahm ich die kaufmännische Leitung. Dort prägte mich der Direktor, Kurt Berner. Er förderte mich und vertraute mir; ich profitierte von seinem grossen Erfahrungsschatz.
Drei Jahre später kam ich durch seine Vermittlung als kaufmännischer Geschäftsführer zur Papieri Bischofszell AG. Dort legte ich meine berufliche Meisterprüfung ab. Diese über 100jährige Papierfabrik sollte geschlossen werden. Die mehr als 100 Angestellten hatten die Kündigung erhalten. Wegen des grossen Liegenschafsbesitzes kauften Immobilienhändler aus dem Aargau die Firma. Sie wählten Kurt Berner zum VR-Präsidenten. Mit 50 Personen sollten wir die gleiche Produktion ausstossen wie vorher. Dazu waren wir auf gutem Weg. Als jedoch nach knapp einem Jahr ein Papiertechniker als Direktor über mich gesetzt wurde, verlor ich die Freude. Unsere Ansichten gingen zu weit auseinander. K. Berner kündigte aus ähnlichen Gründen wie ich.
1984 hatte mich in meinen Ferien in Rio de Janeiro der Brasilienvirus gepackt. Das Jahr darauf verbrachte ich Weihnachten und Neujahr in Recife und in Salvador. Nach meiner Kündigung in Bischofszell flog ich an meinem 30. Geburtstag wieder nach Recife. An einem einsamen Strand in der Nähe von Olinda verliebte ich mich in ein einheimisches Mädchen. Ich beschloss auszuwandern. Im Sommer 1985 heirateten wir. Leider war ich beruflich in Brasilien nicht erfolgreich. Wir kehrten in die Schweiz zurück.
Am 14.7.1986 kam unsere Tochter Tamara zur Welt. Auf dem Grundstück meiner verstorbenen Grosseltern – direkt neben dem Haus meiner Mutter – bauten wir ein eigenes Heim. Ostern 1987 zogen wir dort ein.
Beruflich war ich in jener Zeit nicht unbedingt glücklich. Nach der Rückkehr aus Brasilien arbeitete ich bei der Prader AG in Zürich. Als kaufmännischer Leiter fühlte ich mich nicht ausgelastet. Auch störte mich der Fahrtweg. Nach einem Jahr fand ich eine besser zusagende Stelle in Wohlen. Kurz nach meinem Beginn schloss diese Sportbekleidungsfirma mit der Nabholz/Lahco zusammen. Ich wollte jedoch nicht in Schönenwerd arbeiten, also kündigte ich.
Bei einer Berufskleiderfabrik in Aarau hoffte ich auf meine Chance. Der Besitzer wollte sich zurückziehen und mich einarbeiten. Trotz grossem Einsatz auch von meiner Frau stellte ich fest, dass die Aufbauarbeit zu gross war. Ich rechnete aus, dass es bei gutem Verlauf mindestens drei Jahre dauern würde, bis ich wieder auf mein Einkommen als Angestellter kommen würde.
Meine Frau litt immer mehr an Heimweh und wurde depressiv. Tamara mit ihren knapp 2 Jahren war ihr noch keine gute Gesellschafterin. Wir beschlossen, wieder in Brasilien zu leben. Ich wollte jedoch dort nicht arbeiten. Unser Haus in Meisterschwanden konnten wir vermieten. Wir lebten von der Differenz von Mietzins und Hypothekarzins.
Zu diesem etwas ungewöhnlichen Entscheid trug bei, dass ich meine Familie nicht verlieren wollte. Ich stufte sie höher ein, als das Geld, das ich hier verdienen konnte. Mein damaliges Einkommen deckte unsere Kosten nicht. Weshalb sollte ich mich also abrackern und jeden Monat drauflegen? Praktisch kostenneutral konnten wir auch in Brasilien leben ohne zu arbeiten.
In Olinda besassen wir von unserem ersten Aufenthalt her noch eine Eigentumswohnung am Strand. Ich genoss die zwei Jahre, die wir dort verbrachten. Die Zeit möchte ich nicht missen, die ich mit Tamara verbrachte. Ich spielte täglich mit ihr am Strand, lernte sie sprechen und kam zu einer sehr intensiven Vater-Tochterbeziehung. Im Stress in der Schweiz ist das fast nicht mehr möglich.
Nicht arbeiten ist für mich nicht gleichbedeutend mit nichts tun. Schon als Kind schrieb ich gerne. Ich notierte meine Erlebnisse und Beobachtungen und hatte nach einem Jahr ein Buchmanuskript zusammen.
Den Sommer 1989 verbrachten wir in der Schweiz. Für drei Monate arbeitete ich temporär und bekam wieder Freude am Geschäftsleben. Finanziell blieb von diesem Einsatz nichts übrig. Auch einen Verleger für mein Buch fand ich nicht.
Zurück in Brasilien überarbeitete ich das Manuskript. Kurz vor der Geburt unseres Sohnes Jonas am 14.2.1990 zogen wir in eine Attikawohnung am Strand von Janga (1/2 Fahrstunde vom Flughafen Recife). Die Familie war komplett!
Eine Hepatitis A, die ich am Strand aufgelesen hatte, führte dazu, dass wir im Mai 1990 nicht nur für drei Monate sondern für ganz in die Schweiz zurückkehrten. Noch konnte ich unter verschiedenen Stellenangeboten auswählen und entschied mich für die Huggler Baumaschinen in Suhr. Unser Haus war noch besetzt, deshalb mieteten wir eine Wohnung in Suhr.
Bei der Emil Huggler AG bezeichnete ich mich als Mfa (Mädchen für alles). Neben dem Finanz- und Rechnungswesen gehörten zu meinen Arbeitsgebieten auch das Personal- und das Versicherungswesen. In den ersten Jahren – bis zu dessen Verkauf – verwaltete ich auch ein Mehrfamilienhaus. Selbstverständlich mischte ich auch beim Einkauf und dem Verkauf mit.
Arbeitskollegen ermunterten mich, mein Manuskript herauszugeben. Anfang 1991 erschien ‚Faustrecht in Recife‘ im Eigenverlag. Ich wollte mit Strassenkindern kein Geld verdienen, also schrieb ich im Nachwort, dass ein allfälliger Buchgewinn der Hans Haller-Stiftung zugute käme und gab die entsprechende Kontonummer an. Schon kurz darauf speisten es erste Spendeneingänge.
Die Stiftung war von Anfang an ein Erfolg. Mit der Schreiberei tat ich mich schwerer. Erst das 5. Buch war kostendeckend. Als unbekannter Schriftsteller war es nicht leicht, einen Verlag zu finden oder sich im Eigenverlag durchzusetzen.
Im Herbst 1991 kehrten wir nach Meisterschwanden zurück und wohnten seither wieder in unserem Haus. Wir verbrachten jedes Jahr unsere Ferien in Brasilien.
Meine Tochter Tamara beendete im August 2005 eine Lehre als Konditorin/Confiseurin und ist glücklich damit. Für Jonas erträumte ich eine Fussballerkarriere. Nach mehreren Jahren in der Juniorenabteilung des FC Aarau hängte er im Winter 2003 die Goalie-Handschuhe an den Nagel. Schade! – Im August 2010 schloss Jonas seine Lehre als Anlage- und Apparatebauer erfolgreich ab. Das war sein Wunschberuf.
Obwohl Jonas nicht mehr spielte, blieb ich mit dem Fussball verbunden. Ich besuchte die meisten Heimspiele des FC Aarau und des FC Wohlen. Wichtig waren mir Kontakte mit brasilianischen Spielern. Ich engagierte mich beim Aarau-Masters und brachte 2005/2006 Santa Cruz Recife und 2009 Nautico Recife an dieses Hallenfussball-Turnier.
Nach dem Konkurs der Emil Huggler AG Ende 2013, beschloss ich, nach Brasilien zu ziehen. Zuerst wohnte ich in Itamaraca und Olinda. Seit September 2015 lebe ich in João Pessoa. Im März 2016 mietete ich mit meiner Lebenspartnerin Luciana dort ein Haus.
Ich habe jetzt mehr Zeit, um mich um die Stiftung zu kümmern.