Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03135.jsonl.gz/472

Albert Robida (1848-1926) war ein französischer Schriftsteller, Zeichner, Maler, Karikaturist und Journalist. Er begann seine Karriere als Illustrator für populäre Pariser Magazine wie Chronique illustrée und Le Pollichinelle. Bekanntheit erlangte er dann mit Illustrationen von Luxusausgaben literarischer Werke von François Rabelais, Charles Perrault, Honoré de Balzac und anderen. Ab 1879 veröffentlichte Robida eine Serie von Parodien auf Jules Vernes Voyages extraordinaires unter dem Titel Voyages très extraordinaires de Saturnin Farandoul. Diese Kollektion wurde gefolgt von einer Trilogie der reich illustrierten frühen Science-Fiction Romane Le Vingtième Siècle (1883), La Guerre au vingtième siècle (1887) und La vie électrique (1890).
Abbildung Seite 209: Les Correspondants à la Guerre
Robidas Romane sind einzigartig für ihre Zeit. Im Gegensatz zu Jules Verne, der stets den Ausnahme- und Abenteuercharakter neuer technischer Erfindungen betont, stellt sie Robida als Teil des bürgerlichen Alltags dar, und versucht, ihre Konsequenzen auf die Gesellschaft zu antizipieren, was ihm oft mit verblüffender Genauigkeit gelingt. So sagt er die Gleichstellung der Frau voraus, die er als Trägerin aktiven und passiven Wahlrechts, als hosentragend, rauchend, als Ärztin oder Anwältin darstellt. Auch den Massentourismus und die Umweltverschmutzung antizipiert er mit erstaunlicher Klarheit. Die grossen Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts sieht er als von Raketen und chemischen Kampfstoffen bestimmt. Mit dem „Telephonoscope“, einem Bildschirm, der neueste Nachrichten verbreitet, aber auch für Telefonkonferenzen benutzt werden kann, sieht er darüber hinaus auch die Wichtigkeit moderner Medientechnologie voraus. So nimmt die obige Abbildung eines Kriegskorrespondenten an vorderster Front zutreffend die journalistische Praxis, wie sie etwa im Golfkrieg von 1990/91 angewendet wurde, vorweg.
Links
Le Vingtième Siècle im Bibliothekskatalog
Ebenfalls in der Sammlung vorhanden sind die Contes drolatiques von Balzac mit Illustrationen von Albert Robida (3 Bände, 1925).
Mehrere Werke Robidas sind online bei Gallica.