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Appartement-Atelier Le Corbusier – Experimente der architektonischen Farblehre
Das Pariser Studio-Appartement von Le Corbusier im «Immeuble Molitor», wurde über die Jahrzehnte zum Schauplatz vieler Transformationen und architektonischer Experimente. Nach zwei Jahren aufwändiger Restaurationsarbeiten befindet sich das Appartement-Atelier, welches seit 2017 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, wieder im ursprünglichen Zustand und ist seit Anfang Juni der Öffentlichkeit zugänglich.
Lichtdurchflutet erstreckt sich die persönliche Maisonette-Wohnung von Le Corbusier über die gesamte obere Etage, die außerdem sein Atelier beherbergt und einen einzigartigen Blick auf die Wälder von Boulogne bietet. Das Pariser Studio-Appartement von Le Corbusier befindet sich im «Immeuble Molitor» in der Rue Nungesser et Coli Nr. 24, welches zwischen 1931 und 1934 von Le Corbusier und Pierre Jeanneret, seinem Cousin und Partner, entworfen wurde.
Aufgrund seiner Ost-West-Ausrichtung wird eine ideale Sonnenstrahlung ermöglicht. Da dem Gebäude keine Baukörper gegenüberstanden, konnte er vollständig mit Fenstern gefüllte Fassaden aufziehen, welche von Pierre Chareaus "Maison de Verre" inspiriert wurde.
Der Bau des Wohnhauses begann im Februar 1932, nachdem Le Corbusier die Baugenehmigung von der Stadt Paris und Boulogne erhalten hatte. Es kam zu einigen Verzögerungen. Durch die stillgelegte Baustelle drohte das Gebäude langsam zu zerfallen. Erst 1950 begannen die Renovierungsarbeiten. Zu dieser Zeit wurden die beschädigten Glasvorhänge ersetzt und die Fassade erneuert.
2018, nach zwei Jahren aufwändiger Restaurationsarbeiten befindet sich das Pariser Appartement-Atelier von Le Corbusier, welches seit 2017 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, wieder im ursprünglichen Zustand.
Architektonische Experimente der Innengestaltung
Sein Leben lang teilte Le Corbusier seinen Tag in Malerei und Architektur ein. So heißt es, er habe einem Klienten morgens die Tür aufgemacht und ihm mitgeteilt, dass Monsieur Le Corbusier am Nachmittag wieder im Hause sei. Später am Tag kam derselbe Kunde und es öffnete ihm der gleiche Herr, der sich nun als Architekt Le Corbusier vorstellte.
Nicht zuletzt durch sein künstlerisches Wesen wurde die Wohnung von Le Corbusier über die Jahrzehnte Schauplatz vieler Transformationen und architektonischer Experimente. Er versuchte sich an seinen Lieblingsmaterialien wie Glas, Holz und Aluminium und veränderte ständig die Wohnung. Auch die Farbgestaltung der Wände veränderte er häufig und passte sie an die herrschenden Lichtverhältnisse an. Die Architektin Giulia Marino, welche sich auf Restaurationen spezialisiert hat, beschreibt den Prozess der erforderlich war das Appartement in seinen Originalzustand zu versetzen als harte Recherchearbeit. Viele undatierte Fotos mussten gesichtet und chronologisch sortiert werden, um den Veränderungsprozess des Appartement-Ateliers zurück zu verfolgen.
"Durch den Vergleich von Hunderten von Fotos haben wir gesehen, wie sich der Raum im Laufe der Jahrzehnte verändert hat, wie Möbel, Materialien und Kunstwerke kamen und gingen und wie bestimmte Aspekte im Laufe der Jahre konstant blieben, wie die rot gestrichene Wand im Wohnzimmer und der Standort bestimmte Objekte und Gemälde."
- Giulia Marino, Architektin & Restauratorin -
„Das Restaurationsteam musste zusätzliche Anstrengungen anwenden um beispielsweise die Farbschichten zu analysieren, damit alle Farben identifiziert werden konnten – damals gab es immerhin nur schwarz-weiß Fotografie“, erklärt die Architektin. Für den Wiederanstrich wurden den Rezepturen der originalen Ölfarben nachempfunden. Die zeitlos moderne Farbgestaltung des Appartement-Ateliers erstrahlt so wieder in gleichem Glanz wie zu Lebzeiten Le Corbusiers. Die gesamte Restaurationsarbeit stand unter der direkten Aufsicht der Fondation Le Corbusier.
Von allen Werken des berühmtesten französischen Architekten der Welt scheint dieses das Ausdrucksvollste zu sein. "Dies ist ein ganz besonderes Kulturerbe, denn Le Corbusier lebte von 1934 bis zu seinem Tod 1965 dort, währendem er auch ständig dort arbeitete", erklärt François Chatillon, Chefarchitekt der Denkmalpflege, der die Restaurierungsarbeiten am Immeuble Molitor in enger Zusammenarbeit mit Bénédicte Gandini, Architektin der Fondation Le Corbusier, durchgeführt hat.
Le Corbusier Farbwirkungen im Innenraum
Le Corbusier entwarf das Gebäude noch bevor er die Polychromie Architecturale für die Tapetenfirma Salubra erschuf. Er widmete sich jedoch bereits in dieser Zeit schon intensiv den polychromen Studien der architektonischen Farbgestaltung. 1931 gingen daraus die ersten 43 Farben des Farbsystems der Polychromie Architecturale hervor. 1959 fügte Le Corbusier seiner Farbpalette 20 weitere Farben hinzu.
"Blau und seine grünen Mischungen schaffen Raum und rücken die Wand in die Ferne, machen sie wenig greifbar, nehmen ihr die Qualität der Festigkeit, indem sie zwischen Wand und Betrachter eine gewisse Luftigkeit erzeugen. Rot fixiert die Wand, bekräftigt ihre exakte Lage, ihre Dimension und ihre Präsenz."
- Le Corbusier -
Das restaurierte Appartement-Atelier ist seit Anfang Juni 2018 wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Die Führung wird zeitversetzt auf Französisch und Englisch angeboten.
Öffnungszeiten:
Montag: 14:30 Uhr (FR), 16:00 Uhr (EN)
Dienstag bis Donnerstag auf Anfrage
Freitag: 14:30 Uhr (FR), 16:00 Uhr (EN)
Samstag: 10:30, 14:00 und 16:30 (FR), 12:15 und 15:15 (EN)
Le Corbusier’s Appartement-Atelier, Immeuble Molitor
Fondation Le Corbusier
24, rue Nungesser et Coli
75016 Paris
Photography Copyright
©FLC/ADAGP
©Albin SalaÅn
©Antoine Mercusot
©François Chatillon
©Olivier Martin-Gambier
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