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Unsere Maturaklasse der Oberprima b 1951 des Städtischen Gymnasiums in Bern kommt einmal im Jahr zu einem besonderen Treffen zusammen. Diesmal hat uns Jürg Lanz am 9. August 2018 um 11 Uhr in seinen Heimatort Wiedlisbach eingeladen und professionell durch seinen wunderschönen Ort geführt. Später sind wir per Auto nach Solothurn gefahren, wo wir 7 frühere Berner Gymeler im Restaurant zum alten St. Stefan ein feines Mittagessen eingenommen und unsere gute Freundschaft weiter gepflegt haben.
Chronik der Gemeinde Wiedlisbach
Im 13. Jahrhundert, als die Grafen von Froburg die durch ihr Gebiet
laufenden wichtigen Handelswege an verschiedenen strategischen Punkten mit
befestigten Städten besetzten, erfolgte auch die Gründung des Städtchens
Wiedlisbach. Als im Jahr 1366 Graf Johann als letzter Froburger starb, ging
unter anderem auch das Städtchen Wiedlisbach an die Nidauer über.
Nach dem Tod des letzten Nidauers wurde Wiedlisbach als Pfandschaft vom
Grafen Rudolf von Kyburg erworben. Durch kostspielige Waffengänge und Reisen
geriet der Kyburger in eine finanzielle Notlage, aus der er sich durch einen
kühnen Handstreich zu befreien hoffte. 1382 plante er mit Hilfe eines
bestochenen Chorherrn einen Überfall auf die reiche Stadt Solothurn. Im
«Schlüssel» zu Wiedlisbach traf sich Graf Rudolf mit seinen Verbündeten in
einer Novembernacht zur letzten Verabredung. Hans Roth, Bauer aus Rumisberg,
belauschte unbemerkt die Spiessgesellen vom Ofensitz der Wirtsstube aus, indem
er sich schlafend stellte. Daraufhin eilte er auf Nebenwegen nach Solothurn und
warnte die Stadt, so dass der Überfall vereitelt werden konnte. Der «Hans
Roth-Gedenklauf», der bis im Jahr 2007 jährlich anfangs Mai stattfand, ein
Volkstheaterstück von Xaver Amiet, der Gedenkbrunnen in Rumis-berg sowie ein
Gemälde von Helene Roth erinnern an die Geschichte vom Retter Solothurns.
Im Jahr 1386 erhielt das Städtchen Wiedlisbach für seine treuen Dienste im
Sempacherkrieg das Recht, einen Wochenmarkt zu halten.
Da Wiedlisbach ein strategisch wichtiger Ort war, wurde es als Pfand von
einer Herrschaft zur anderen geschoben. Im Jahr 1463 ging Wiedlisbach ganz an
Bern über.
Ein wichtiger Markstein für die Bevölkerung des Bipperamtes war, als im
Jahr 1508 die Berner Herren sie gegen eine Entschädigung von 3000 Pfund aus der
Leibeigenschaft entliess. Die hauptsächlich aus Bauern bestehende Bevölkerung
bekam aber schon bald wieder eine härtere Hand zu spüren. Immer willkürlicher
wurde die Herrschaft der Vögte, die mit Hilfe von Bussen ihr eigenes Einkommen
zu verbessern trachteten. Als 1653 die Bauern in den benachbarten Regionen zur
Rebellion übergingen, schlossen sich ihnen auch die Bipper an.
Wenn auch die Missstände und Härten daraufhin teilweise gemildert wurden,
dauerte es doch noch nahezu 200 Jahre, bis die Herrschaft des bernischen Patriziats
ihren endgültigen Abschluss fand.
Nicht nur in politischer Hinsicht, auch sozial und wirtschaftlich
herrschten im 18. Jahrhundert wenig erfreuliche Bedingungen. Trotz kärglichem
Auskommen blieben die Bauern ihrer Scholle treu. Aber trotz günstiger Lage und
bevorzugten Zollver-hältnissen fehlten Handwerk, Gewerbe, Handel und Verkehr
weithin. Auch im 19. Jahrhundert fristeten die Bauern im Bipperamt ein karges
Dasein. Industrie und Gewerbe entwickelten sich kaum.
Vielleicht ist es aber gerade diesem wirtschaftlichen Rückstand zu
verdanken, dass auch die bauliche Zerstörungswelle ausblieb, der in so vielen
anderen Städten und Dörfern das architektonische Erbe zum Opfer fiel. Die
Eröffnung der Solothurn-Niederbipp-Bahn im Jahr 1918 brachte den Wiedlisbachern
neue Möglichkeiten, ihrem Verdienst nachzugehen. Damit begann die Entwicklung
von der landwirtschaftlichen zur stillen Wohngemeinde. Die Strukturwandlung in
der Landwirtschaft wirkte sich auch auf das Stadtbild aus. Die grösseren
Betriebe wurden ausgesiedelt, immer mehr Kleinbetriebe gingen ein, und mit der
Zeit verlor das ganze Hinterstädtchen seinen einstigen Sinn als gemeinsamer
Lebensraum der Kleinbauern. Vernachlässigung war die Folge und damit war die
Gefahr rücksichtsloser Veränderung und Spekulation gegeben.
Das Problem wurde von den Behörden und der Bevölkerung erkannt. Seit Jahren
setzt sich das Altstadtkomitee mit dem Gemeinderat zur Aufgabe, das Stadtbild
als lebendigen Ausdruck der Geschichte, der Taten und Leiden früherer
Generationen, zu bewahren und zu pflegen. Unter grossen finanziellen Opfern,
aber auch mit Hilfe von Bund, Kanton und Denkmalpflege, wurde restauriert und
saniert. Das Städtli wurde wieder attraktiv, das Hinterstädtli hat sich zum
heimeligen, belebten Platz entwickelt.
Der Schweizer Heimatschutz würdigte diese Anstrengungen, indem er im Jahr
1974 der Gemeinde Wiedlisbach den Henri-Louis-Wakker-Preis, eine Auszeichnung
für beispielhafte Ortsbildpflege, überreichen liess. Im Jahr 1975 wurde das
Städtchen durch den Europarat ausgezeichnet. Auch heute geht es noch darum,
Wiedlisbach nicht nur sein Gesicht zu erhalten, sondern auch für neues Leben
hinter den Fassaden zu sorgen.
In den letzten Jahren ist die Gemeinde Wiedlisbach stark gewachsen. Einige
Gewerbe- und Industriebetriebe konnten hier Fuss fassen. Somit entstanden
Arbeitsplätze am Ort.
Dank seinem Charme und seiner günstigen Verkehrslage ist
Wiedlisbach eine gefragte Wohngemeinde, die heute rund 2‘000 Einwohner
zählt.
Gemeinde Wiedlisbach
Hinterstädtli 13
4537 Wiedlisbach