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Zivilverteidigung
Der Begriff "Zivilverteidigung" wurde generell auf alle Massnahmen zum Schutze der Bevölkerung angewandt.1 Neben institutionellen Massnahmen wie dem Zivilschutz wurde auch im Privaten von den Bürgerinnen und Bürger erwartet, bestimmte Massnahmen zu treffen. Solche Massnahmen umfassten zum Beispiel das Anlegen eines Notvorrates.
Zur Information über die Zivilverteidigung und über die Massnahmen, welche Bürgerinnen und Bürger zu ihrem Schutz zu treffen hätten, sendete der Bund 1969 ein kleines rotes Buch mit dem Titel "Zivilverteidigung" in jeden Haushalt. Mitautor des Buches war Albert Bachmann, der zuvor bereits Koautor des "Soldatenbuchs" war. Im Zivilverteidigungsbuch manifestierte sich die Angst vor einem nuklearen Ernstfall. Im Buch wurden die Vorkehrungen, welche die Bevölkerung zu treffen gehabt hätte, um sich bei einem Kriegsausbruch schützen zu können, ausführlich beschrieben und mit Illustrationen erklärt. Die beschriebenen Vorkehrungen für einen Kriegsausbruch scheinen wenig problematisch gewesen zu sein, das Kapitel "Die zweite Form des Krieges" beschreibt allerdings eine Bedrohung, welche bereits im Friedenszustand das Land gefährde. Der Feind würde mit subversiven Mitteln versuchen, das Land zu infiltrieren. Anhand von fiktiven Beispielen wurden besonders linke und pazifistische Kräfte in die Nähe des Feindes gestellt. Die Veröffentlichung des Buches sorgte in den betroffenen, aber auch in liberalen Kreisen für Empörung. Es kam zu Protestdemonstrationen und Bücherverbrennungen vor dem Bundeshaus. Die Empörung lässt sich vermutlich mit dem seit den sechziger Jahren erfolgten gesellschaftlichen Wandel und den Studentenbewegungen des Jahres 1968 begründen.2 Die Gesamtkosten für das Buch mit einer Auflage von 2,6 Millionen Exemplaren betrugen 4'779'741 Franken.3 Die ideologischen Inhalte des "Zivilverteidigungsbüchleins" entsprachen zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung 1969 nicht mehr dem Konsens der Bevölkerung und sorgten für Empörung, während die Instruktionen zur Vorbereitung auf einen Ernstfall in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund rückten.