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Industrialisierung und Land-Stadt-Migration
Bangladesh ist eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt mit über 162 Mio. Einwohner/innen auf einer Fläche von nur 147’570 km2 (3.5 Mal die Fläche der Schweiz). Das Land hat eine Bevölkerungsdichte von ca. 1’319 Menschen pro km2 (Schweiz: 200). Früher war der Haupterwerbszweig in Bangladesh die Landwirtschaft. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Wirtschaft gewandelt. Der Dienstleistungssektor und die Industrie gewinnen an Bedeutung, insbesondere die exportorientierte Textilindustrie. Die industriellen Zentren bilden sich an den Peripherien der wachsenden Grossstädte. Viele dieser Arbeitsplätze werden durch unqualifizierte und halbqualifizierte Arbeitskräfte besetzt, ein Grossteil von ihnen Migranten aus ländlichen Gebieten. Mangels Alternativen landen Neuzuzüger vom Land oft in einem der unzähligen Slums – und bleiben dort, ohne Perspektiven auf eine Änderung der Situation.
Urbanisierung und Entstehen von Slums
In den städtischen Gebieten Bangladeschs lebten 2015 insgesamt 55 Mio. Menschen, mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. In Dhaka leben 23’000 Menschen dichtgedrängt auf einem Quadratkilometer (Zürich oder Genf: etwa 1’000 pro km2) und die Bevölkerung wächst jeden Tag um 1'400 Menschen. Die Situation in anderen Städten wie Khulna ist ähnlich. Die Slums befinden oft an unattraktiven, unbenutzbaren Standorten, die in hohem Mass Naturgefahren ausgesetzt sind, so beispielsweise in Überschwemmungs- und Küstengebieten sowie geologischen Störungszonen. Daraus resultiert ein hohes Gefahrenpotenzial. Nebst Naturkatastrophen wie Hitzewellen, schweren Regenfällen mit Überschwemmungen, Wirbelstürmen und Erdbeben sind die Slums auch durch menschgemachte Katastrophen wie Feuer, Luftverschmutzung, Verkehrsunfälle sowie Gewalt und Vertreibung bedroht.
Die Lebensbedingungen der Slumbevölkerung
Das Dasein der Slumbewohner ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Ein grosser Anteil leidet unter einer prekären Einkommenssituation und ist armutsbetroffen. Das Anrecht auf städtische Dienstleistungen und Grundversorgung wie beispielsweise Elektrizität und medizinische Versorgung bleibt diesen Menschen zumeist verwehrt. Angemessene Unterkunft, sanitäre Einrichtungen und andere grundlegende Bedürfnisse bleiben unbefriedigt. Für uns selbstverständliche Dienstleistungen wie Wasserversorgung und das Abfallwesen sind unterentwickelt oder gar nicht vorhanden. Diese Unzulänglichkeiten, gepaart mit einer schlechten Hygiene, machen die Bewohner/innen sehr verletzlich und haben denselben negativen Effekt wie schleichende Katastrophen.
Komplexe Herausforderungen
Die Risikoreduktion in Städten muss sich einer Vielfalt von Herausforderungen stellen, die sich aus dem Aufeinandertreffen von gebauten und natürlichen, sozioökonomischen und gesetzgebenden Faktoren ergibt. Je dichter gebaut wird und folglich die Bevölkerung lebt, desto höher ist das Risiko eines Dominoeffekts, wo ein Ereignis das nächste und oftmals noch schlimmere auslöst.
Eine verstärkte Selbstverwaltung sowie das Fördern einer offiziellen Anerkennung von informellen Siedlungsgebieten sind Strategien, welche dazu beitragen, dass die Bevölkerung den Risiken mit mehr Widerstandskraft entgegentreten kann. Es gilt, unter Einbezug von Bevölkerung und Regierung in den Slums sowohl Ursachen wie Auswirkungen von Naturgefahren anzugehen sowie den Zugang zu Infrastruktur, Dienstleistungen und Einkommensmöglichkeiten zu verbessern.