Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03409.jsonl.gz/764

Anlässlich Gottérons 80. Geburtstag mache ich mir heute Gedanken zu einer speziellen Traumaufstellung. Ein All-Star-Spiel, in dem ich die meiner Meinung nach besten Spieler der vergangenen Dekaden aufs Eis schicke. Die Idee ist es, eine Schweizer Mannschaft gegen eine Ausländermannschaft antreten zu lassen. Selbstverständlich ist jede Position ausser die der Sputniks diskutierbar, und kaum einer wird hundertprozentig mit mir einverstanden sein.
Team Fribourg United
Caron (CAN), Östlund (SWE); Lintner (SVK), Murphy (CAN); Rhodin (SWE), Martin (USA); Gagnon (CAN), Gaul (CAN); Heins (CAN), Strömberg (FIN); Khomutov (RUS), Bykov (RUS), Stastny (SVK); Lussier (CAN), Sauvé (CAN), Gosselin (CAN); Karlberg (SWE), Burakovsky (SWE), Hentunen (FIN); Cervenka (CZE), Mauldin (USA), Mäkiaho (FIN).
Zwei legendäre Torhüter Sébastien Caron und Thomas Östlund, schwierig da einen auf die Bank zu setzen, beide sind auf ihre Art Garanten für einen Sieg. Würde ich diese Aufstellung erst in ein paar Monaten machen, wer weiss, ob ich nicht schon unseren Crazy Barry einladen würde. Die erste Sturmformation ist eine, die damals einfach leider nicht möglich war: Anton Stastny musste leider gehen, weil die Zaren kamen, so simpel war das. Auf meinem Eisfeld der Träume dürfen sie von Beginn weg zusammen stürmen, Slawen waren ja in Fribourg seither immer beliebt. Die zweite Sturmformation sind unsere Kanadier der Achtziger, Jean Lussier mit Jean-François Sauvé und Richemond Gosselin, da würde kein Auge unserer älteren Fans trocken bleiben. Die dritte Sturmreihe bilde ich aus Skandinaviern der eher schwierigen postrussischen Dekade: Jukka Hentunen war nach Khomutow einer unser besten Flügel aller Zeiten, verstand sich in erster Linie mit Mikael Karlberg ausgezeichnet. An ihrer Seite würde ich den Mann mit dem grössten Hammer vor der Heins-Ära setzen, den Schweden Robert Burakovky. Mit den Neuzeit-Ausländern bilde ich die vierte Linie. Nach nur einer Saison ist eigentlich schon klar, dass Cervenka zu so einer hypothetischen All-Star-Mannschaft gehören muss. Ins A-Team kommt natürlich auch „Barracuda / Mr.T“ Mauldin. Den letzten Platz in diesen Sturmformationen vergebe ich aus Sympathiegründen an einen Kurzarbeiter, weil ich mich immer an eine bestimmte Spielszene „Plüss – Makiaho – Montandon“ im März 2008 erinnern werde. Das erste Backpaar bilden die beiden Weltmeister Richard Lintner und Cory Murphy. Seit seiner Zeit bei Fribourg hoffen wir alle, dass wieder ein Spieler à la Thomas Rhodin bei uns verteidigt und dirigiert. Der Amerikaner Paul Martin spielte in der Lockout-Saison 04/05 zwar nur gerade 11 Spiele für uns, gehört aber zum Feinsten, das wir in der Defensive jemals hatten. In der dritten Verteidigungsreihe kommen „Ptit“ Jean und Mike Gaul zum Zuge. Shawn Heins lasse ich „nur“ als siebten Verteidiger auflaufen, er würde selbst in einem freundlichen All-Star-Spiel zu viele Strafen kassieren. Captain darf er von mir aus trotzdem sein. Abgesichert wird er von Mika Strömberg.
Team Suisse Stars
Aebischer, Meuwly; Brasey, Balmer; Hofstetter, Marquis; Bobillier, Keller; Descloux; Plüss, A.Bykov, Sprunger; Rotzetter, Lüdi, Raemy; Rottaris, Silver, Schaller; Montandon, Jeannin, Fuhrer.
Die Starting 5 der Schweizer Mannschaft stammt zwar aus zwei verschiedenen Generationen, sämtliche Spieler gehören aber definitiv in eine erste rein schweizerische Linie. Vorne, wie könnte es anders sein, beginnt die SPB mit Sprunger, Plüss und Bykow. Absichern tun diese hinten Verteidiger mit „blauen“ Schlittschuhen, die 90er Patrice Brasey und Sämi Balmer, Im Kasten steht der bis dato einzige Stanley Cup-Sieger aus dem Kanton: David Aebischer. In der zweiten Sturmformation laufen drei Freiburger Stürmer aus der Zeit der Copains zusammen auf, die Namen Rotzetter, Lüdi und Raemy stehen für die Zeit des Aufstiegs in die NLA. Deren Backs sind zwei historische Captains, Christian Hofstetter und Philippe Marquis. Auch die dritte Stürmertriplette sorgt für viele Tore, Chad Silver, Pascal Schaller und Mario Rottaris spielten im gelben Klopfsteinleibchen auf dem Zenit ihrer Karrieren. Das dritte Verteidigerpaar bilden Fredy Bobillier und Olivier Keller, als siebten und letzten Verteidiger nehme ich noch Antoine Descloux, der hinter Patrice Brasey am zweitmeisten Tore als Verteidiger für Gottéron geschossen hat (und von denen überdurchschnittlich viele gegen den SCB). Die letzte Sturmreihe bilden emeritierte Schweizer Stürmer, die auch bei uns beeindruckten. Vergessen wir nicht, dass unser „Fanegge“ früher mal „Fuhreregge“ hiess, die beiden Neuenburger Montandon und Jeannin komplettieren meine persönliche Gottéron Schweizer All-Stars.
Das Kabinett des Grauens
Ciaccio, Liesch; Ziegler, Voisard; Stoffel, Gschwind; Helbling, Tschanz; Beraldo, Lussy, Miettinen; Ouellet, Tambellini, Vesce; Ivankovic, Gustafsson, Neff; Bandura, Ulmer, Steiner.
Aus Spass stelle ich an dieser Stelle ein dritte Mannschaft zusammen, ein unrühmlichere, eine unehrenvollere, eine schreckliche Persiflage von einem Team. Wenn all diese Spieler an einem Abend in unserem Maillot spielen würden, ich wär glaub nicht mehr Gottéron-Fan. Diese Spieler spielten aber allesamt bei Fribourg, mal kürzer, mal länger. Vermissen tut sie hier niemand. Ich erinnere mich ungern an sie, und vermiese mir vermutlich etwaige zukünftige Interviewtermine mit eben genau diesen Spielern. Schlimmer noch, jetzt da Constantin auch noch mühsame Experten verprügelt, weiss ich nicht genau, ob ich mich vor den hier aufgeführten Spielern verstecken muss. Aber Typen wie der baumhohe Yvan „Schwänu“ Aebischer vom HC Plaffeien habe ich im Eins gegen Eins Kampf noch immer geschlagen, ich wäre also gewappnet. Und nein, obwohl es fast eine gute Idee gewesen wäre, das Kabinett des Grauens besteht nicht nur aus finnischen Fails, die über die Jahre bei uns ein- und ausgingen, aber es ging noch schlimmer. Ich sage nicht, dass alle Spieler, die ich hier aufliste, wirklich schlecht waren (grundsätzlich). Es gibt sogar ex-NHLer darunter, ich sage nur, ihre Zeit bei Gottéron war.... unglücklich und kompliziert.
Ich stelle Damiano Ciaccio als Starting Goalie auf, wer erinnert sich nicht an seine 30 Minuten gegen Biel in der Saison 10/11. Danach muss ich ihn aber auswechseln, das Stadion ist schon ganz schön am Schimpfen. Als Back-Up habe ich aber auch nur eine weitere Pflaume zur Hand: Thomas Liesch kommt rein, kann das Spiel nicht retten und kriegt Eier von der Mittellinie aus durch die Beine. Gaëtan Voisard war jahrelang ein respektabler Schweizer Verteidiger, seine letzte NLA-Saison bei uns war die eine zu viel. Es gibt viele Gründe, Timo Helbling in dieser Mannschaft zu integrieren. Da wären zum Beispiel seine argen Probleme rückwärtsfahrend nicht über die eigene blaue Linie zu stolpern, oder aber sein unmögliches Verhalten, bei Unterzahl schon vor dem Bully den Gegner mit einem Stockcheck niederzustrecken und der eigenen Mannschaft als Folge davon eine doppelte Unterzahl zu bescheren. Fehlen darf auf einer solchen Liste kein Claudio Neff. Seine degoutante Lustlosigkeit ist bis heute unvergessen, und er schaffte es mal, in ein und dem selben Spiel zwei verschiedene Teamkollegen an der gegnerischen blauen Linie zu checken. Der nächste war damals derart verhasst, dass sein Nachname gut und gerne als Schimpfwort benutzt wurde: Paul Beraldo. Eine Art Todd Elik, aber in Scheisse. Der Mister fluchte in den Gängen die „fucking juniors“ an, und liess sich bei seinen mageren fünf Törchen jeweils feiern, als wäre ein neuer Gretzky geboren. Die Herren Stoffel, Tschanz und Gschwind verteidigten in den 80er im St. Léonard, die vielen Stängelis wussten sie nicht abzuwenden. Dann gabs Königstransfers, die sich als Nieten herausstellten (Ivankovic, Gustafsson, Miettinen, Tambellini), die Kurzarbeiter, welche kaum Wasser verdrängten, und so schnell wieder gingen wie sie gekommen waren und zuletzt noch die ewigen Talente, die aber sehr selten dieses angesprochene Talente zeigten. Sie allesamt sind ein Teil meines persönlichen Kabinetts des Grauens.
Drei aussergewöhnliche Teamzusammenstellungen, wen hätten Sie in dem einen oder anderen noch gesehen?