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SCHWEIZER, Irène
* Schaffhausen, 02.06.1941; Klavier, Elektropiano, Schlagzeug
Die Pianistin und Schlagzeugerin Irène Schweizer zählt schon lange zu den ganz Grossen der internationalen Jazz- und Improvisationsszene und ist damit ein Glücksfall für unser Land. Als erste und lange Zeit einzige Frau geht sie den Weg vom Dixieland über den Modern Jazz zum Free Jazz. Es folgt das politisch motivierte, frei improvisierte Spiel der feministischen Siebzigerjahre, und heute bezeichnet sie die Presse als Europas bedeutendste Jazzpianistin, wie sich überhaupt die Kritiker in Lobesreden über ihre Kunst fast überschlagen.
Dieser Weg ist einzigartig: Als Tochter eines Wirtepaars in Schaffhausen hört Irène Dixieland im Säli des Restaurants Klaviermusik, fängt an Klavier zu spielen und eignet sich nach Ragtime und Boogie Woogie auch den Hardbop autodidaktisch an.
Sie wird Sekretärin, lernt in London im "Ronnie Scott's Club" die englische Modern Jazz-Szene kennen und zieht 1963 nach Zürich, wo sie schon bald im Jazzclub Africana spielt und viele Musiker kennenlernt, unter anderem die Exil-Südafrikaner Dollar Brand, Louis Moholo und Chris McGregor.
Zentral für Irène Schweizer wird schliesslich 1966 die Begegnung mit dem Pianisten Cecil Taylor, einer der Vaterfiguren des schwarzen Freejazz, der sie so beeindruckt, dass sie ernsthaft übers Aufhören nachdenkt.
Aber Irène macht weiter, wird zunächst in Deutschland anerkannt, zum Beispiel an den "Total Music Meetings" der Musikerinitiative Free Music Productions FMP in Berlin. In Zürich ist sie überall bei den Gründungen neuer Netzwerke dabei. Sie mischt mit bei der Organisation der Konzerte von "Modern Jazz Zürich", ist 1978 Mitbegründerin der Werkstatt für improvisierte Musik WIM, 1982 Mitinitiantin der Gruppe Fabrikjazz und des Taktlos-Festivals und Ende 90er der Konzertorganisation OHR, um nur einiges zu nennen. Musikalisch macht sie Ende der Siebzigerjahre in der Feminist Improvising Group (FIG, u. a. mit der Bassistin Joëlle Léandre, der Sängerin Maggie Nichols, der Fagottistin Lindsay Cooper) den Schritt vom Free Jazz zur frei improvisierten Musik inklusive Frauenbefreiung, und auch später, in der 1983 gegründeten "European Women Improvising Group" (EWIG), spielt sie ausschliesslich mit Frauen. Daneben bevorzugt sie das Duospiel, zum Beispiel mit den Saxophonisten Rüdiger Carl und Evan Parker sowie mit den Schlagzeugern Pierre Favre (dem Schweizer Mitmusiker der ersten Freejazz-Stunde), Luis Moholo, Han Bennink, Andrew Cyrille und vielen mehr, und immer öfter tritt sie auch solistisch auf. All das dokumentiert mit Akribie das Plattenlabel "Intakt", ein Independent-Label des Zürchers Patrik Landolt, das seine allererste Platte mit Irène Schweizer machte und die Künstlerin seither auf vorbildliche Art begleitet.
[Lislot Frei]