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Lifestyle-bedingte Klimaerwärmung mit infektiologischen Folgen
– Mücken schätzen die wärme
– Dengue, West-Nile und Chickungunya; Kommt auch die Malaria zurück?
– Borrelien und FSME im Vormarsch – schütze sich wer kann
Dr. Matthias Schlegel, Kantonsspital St. Gallen
Wir versetzen uns ins Jahr 2028. Ein Patient welcher regelmässig die Flugzeuge am Flughafen Kloten beobachtet entwickelt Fieber, Kopfschmerzen, Uebelkeit und Schwindel. Der Patient ist FSME geimpft. Werden wir nun ein Denguefieber, eine Malaria, einen viralen Infekt oder eine FSME finden ?
Hat die Erde Fieber oder wie schlimm steht es wirklich um den Planeten? Fieber ist definitionsgemäss eine Erhöhung der Körpertemperatur durch körperfremde Noxen oder eine vorübergehende Erhöhung des Sollwerts mit Funktionsfähigkeit des thermoregulatorischen Systems.
Verschiedene Modelle berechnen Temperatur- Wasseranstieg und den Rückgang der Gletscher. Ein interessantes Berechnungsmodell wie sich der Klimaeinfluss auf vektorübertragende Infektionskrankheiten auswirkt, wurde durch Frau Randolph entwickelt und berücksichtigt verschiedene Faktoren wie das Vektor- Wirtsverhältnis, die Stichrate, die Inkubationszeit des Pathogen im Vektor und die Uberlebensrate des Vektors Weiter werden die Umwelt (Wasser, Bodennutzung und Bodenrodung), das Gesundheitswesen(Prophylaxe, Impfungen, Therapien), und soziale Aspekte (Kriege, Migration und Verstädterung) das Auftreten von Infektionskrankheiten beeinflussen.
Dengue wird durch das Flavivirus in einem urbanen Transmissionszyklus übertragen und kann zu drei unterschiedlichen Erkrankungsformen führen (Dengue Fieber, hämorrhagisches Dengue und das Dengue Schock Syndrom).Ungenügende Kontrollstrategien (Wasserstellen, Insektizide, Impfungen und Therapien), eine zunehmende Urbanisierung, eine Zunahme des Reiseverkehrs, ganzjährige Klimaveränderungen mit Peaks bei hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit begünstigen das Dengue- Fieber. Aktuell leben 30% der Bevölkerung in einem Risikogebiet,ohne Klimaveränderung würden wir bis 2085 35% erwarten und unter Berücksichtigung von Klimaveränderung und Bevölkerungswachstum würden wir bis 2085 50-60% erwarten.
Weltweit breitet sich die Tigermücke (Aedes albopictus) aus, welche in Spanien und Italien bekannt ist und vereinzelt auch bereits im Tessin gefunden werden kann. Die Stiche sind sehr schmerzhaft und die Mücke trägt ein Vektorpotential für Erkrankungen (wie z.B Dengue und Chikungunya) welche durch Arboviren übertragen werden. Die Vektoren (Aedes albopictus/ Anopheles- Mücke) sind in Europa also bereits anzutreffen.
Kontrovers diskutiert wird, welche Auswirkungen die Malaria auf die Klimaveränderungen haben wird. Auf der einen Seite erwartet man bereits bei einem Temperaturanstieg von 2° eine Zunahme der Malariafälle in Europa; auf der anderen Seite könnten Malariafälle in einigen Gebieten vermehrt auftreten und in anderen Gebieten rückläufig sein.
Die Anzahl der FSME Fallzahle hat in Europa insgesamt deutlich zugenommen. Osterreich stellt interessanterweise mit einem Rückgang der Fallzahlen eine Ausnahme dar, welche auf die Einführung der FSME Impfung zurück geführen wird. Betrachten wir die Fallzahlen kritisch, dann fällt die Wende in den ehemals Kommunistischen Ländern zeitlich mit einer Zunahme der erfassten FSME Fälle zusammen. In der Schweiz könnten Gründe für die Zunahme der FSME die Zeckenbiologie,eine höhere Expositionsrate (Freizeitverhalten), eine erhöhte Sensibilität, die verbesserte Diagnostik und ein verbessertes Meldesystem sein. Schütze sich also wer kann mit langen Armeln und Hosenbeinen, Repentillien und dem Absuchen von Zecken nach dem Waldbesuch Eine Impfung wird Personen empfohlen, welche sich in Endemie-Gebieten häufig im Freien aufhalten und kann bei Kindern ab 6 Jahren durchgeführt werden. Die Impfung sollte nach 10 Jahren aufgefrischt werden.
Die vollständige Präsentation des Vortrags (pdf-file) finden Sie hier