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Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, geht der Berg halt zum Prophet. In diesem Fall rief feldwaldwiesenblogger den Propheten an. Man erinnere sich: Irgendwann anfangs dieses Jahres, im Januar, schickte ich Interviewfragen an die Muotathaler Wetterprophethen. Antworten habe ich bis heute noch keine bekommen.
Nun gut, ich liess mir von kompetenter Seite erklären, dass es unsere Wetterschmöcker nicht so mit dem Computer haben. Meine Wissbegierde über sie musste ich deshalb anderweitig stillen. Ich griff zum iPhone und machte kurzerhand mit Martin Horat, dem Wettermissionar aus Rothenthurm, ein Telefoninterview.
Ich darf mit Fug und Recht behaupten, dass ich ein Fan von „Märtel“ bin, und seine urchige und originelle Art sehr schätze. Deshalb war für mich sofort klar, dass ich mich mit ihm unterhalten möchte.
Am Telefon stellte ich mich kurz vor. Ich erklärte ihm, dass ich ein Blogger aus dem Muotathal bin, über alles Mögliche schreibe, und schon öfters über sie, also die Muotathaler Wetterschmöcker, berichtet habe.
Horat war sofort bereit, mir Antworten auf meine fünf Fragen zu geben, welche ich mit seinem Einverständnis auch in meinen Blog stellen darf.
Frech wie ich manchmal bin, habe ich ihn gefragt, ob wir einander DU sagen können. Er bejahte sofort.
Da ich zum ersten Mal ein Interview am Telefon führte, versuchte ich die Antworten so gut wie möglich in mein Notebook zu tippen. Das war gar nicht so einfach. Dabei machte ich meist nur Stichworte, die ich hernach zu ganzen Sätzen zusammenfügte. Ich denke aber, dass ich die Antworten und Aussagen von Martin Horat sinngemäss auf den nachfolgenden Zeilen widergebe.
Frage 1:
Wie wird das Wetter an Weihnachten?
Es gibt Regen und Schmelzwetter, leider. Da kann man nichts dafür.
Frage 2:
Wie stellst du deine Wetterprognosen zusammen: Sind es vor allem die Ameisenhaufen, ist es der Schnee, den du probierst, oder ist es ein Mix aus beidem? Oder gibt es da noch weitere Geheimnisse, welche du mir vielleicht verraten möchtest?
Max Heinzer, welcher anno 2008 gestorben ist, und 40 Jahre Wetterschmöcker war, zeigte Martin die Sache mit den Ameisen und Ameisenhaufen. Heinzer meinte zu ihm, er solle dabei selber herausfinden, wie man anhand von Ameisen das Wetter deuten könne.
Auf das Schnee probieren hingegen ging Martin nicht näher ein. Ich bohrte demzufolge auch nicht nach.
Weiter erzählte mir Martin, dass er anhand von Zusammenstellungen aus alten Chroniken von Klöstern das Wetter zu deuten versuche.
Er meinte zudem, dass jeder Prophet so seine Zeichen habe. Dazu gehöre auch ein gutes Gespür, auf welches es sehr ankomme. Mit dem Gespür muss man dann versuchen, eine längerfristige Prognose zusammen zustellen. Übrigens: Kein Jahr sei wettertechnisch das gleiche.
Weiter erzählte er mir, dass ihm ein Kollege folgendes gesagt habe: „Das Wetter sei ein Thema auf der ganzen Welt, ja selbst in Angola, wo praktisch immer schönes Wetter herrsche. Die Leute dort wüssten sonst nicht viel anderes miteinander zu reden.“
Frage 3:
Was meinst du: Ist das mit der Klimaerwärmung ein „Medienfurz“ oder ist da was Wahres dran?
Es gibt schon eine Klimaerwärmung, nur ist das keine kurzfristige Sache, wie das die Medien gerne darstellen. Eine Klimaphase gehe über eine längere Zeitspanne, ja sogar über Jahrhunderte.
Aus den alten Chroniken ist ersichtlich, dass es beispielsweise im 16. Jahrhundert sehr warme und trockene Sommer, aber auch sehr kalte Winter gab. Der Grindelwaldnergletscher ging seinerzeit 1500 Meter retour, wuchs aber noch im gleichen Jahrhundert wieder nach.
Martin meinte weiter, dass es in den letzten 3 Millionen Jahren 44 Eiszeiten und demzufolge auch 44 „Klima-Erwärmungen“ gab.
Die Klimaerwärmung, welche sich immer wiederhole, sei somit keine kurzfristige Sache.
Frage 4:
Ich habe kürzlich gelesen, dass du Schnee in Zürich-Oerlikon bei Peter Wick probiert hast. Dein Kommentar war, dass er richtig „gsürälät“ (sauer) geschmeckt hat. War das so, weil es Schnee aus der Stadt war (Luftverschmutzung), oder hat das dir in Bezug auf das Wetter etwas ausgesagt?
Der Schnee sei frisch gewesen, und nicht verschmutzt. Der saure Geschmack war eine Aussage über die Verschlechterung des Wetters gewesen.
Peter Wick meinte dabei zu Martin: „Dies sei beim Schnee ja viel einfacher abzulesen als bei den Wetter-Satelliten“.
Frage 5:
Kann ich dich nächstes Jahr mal besuchen? Zeigst du mir ein wenig, wie du deine Wetterprognosen zusammenstellst, damit ich das meinen Lesern etwas näher bringen kann?
Das kann man machen. Er meinte, dass ich mich bei ihm melden dürfe, für einen halben Tag zum Beispiel.
Abschliessend fragte er mich, wessen Abstammung ich im Muotathal sei. Meine Antwort dazu sagte ihm aber nichts. Ich erzählte ihm, dass ich damals beim „Duruf“-Lied, „Muotathaler Wätterfrosch“, auch dabei war. Er meinte, dass er sich noch sehr gut daran erinnere.
Ich erklärte Martin, dass ich das mit ihm geführte Interview in meinen Blog, also ins Internet stellen werde. Seine Antwort darauf war: „Ich verstehe das Internet halt nicht.“
Macht nichts, dann zeige ich ihm bei meinem Besuch nächstes Jahr meinen Blog, damit er sehen kann wie einfach das eigentlich ist.
Zum Schluss unseres Telefonates bedankte ich mich bei Martin Horat, und wünschte ihm schöne Weihnachten und einen guten Rutsch. Er meinte noch, dass wir uns in dem Fall wieder hören.
Darauf freue ich mich jetzt schon.
feldwaldwiesenblogger