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Bevor wir beim Lindenbaum ins Dorf abbiegen, werfen wir einen Blick auf die zweite Dorfwirtschaft, das Gasthaus «Zur Morgensonne». Niemand würde vermuten, dass er hier vor dem ältesten Wirtshaus unseres Dorfes steht. Das Haus wurde 1719 erbaut und ununterbrochen bis ins Jahr 1990 als Wirtshaus benützt. Seit 1827 befindet sich das Haus in den Händen der Familie Götz. 1947 vernichtete ein Brand die alte «Morgensonne», aber bereits 1948 war der nach Plänen von Architekt Schweri errichtete Neubau bezugsbereit.
42 Jahre führe die «Morgesunne-Alice» die neue Morgensonne in ihrer suveränen Manier weiter, bis sie krankheitshalber den Wirteberuf aufgeben musste. Der letzte Öffnungstag der Morgensonne war der 22. August 1990. Der Sohn Kurt Götz übernahm die Liegenschaft und baute im Haus drei Wohnungen ein, die 1992 bezogen werden konnten. 1993 ging die Liegenschaft an die nächste Generation mit Thomas Götz über.
Die Morgensonne ca. 1929 V.l.n.r: Jakob Götz, Marie Biedermann, Anna Meierhold, Alwine Götz geb. Geier, Hedi Götz.
Die Morgensonne ist «der Hemishofferen Wirtshaus»
Über 250 Jahre lang bot die «Morgensonne» in Hemishofen hungrigen und durstigen Gästen die gewünschte Labung.
An Lichtmess (2. Februar) 1719 verpfändete Untervogt Peter Leibacher sein neu erbautes Haus, Hof und Hofstatt samt Kraut- und Baumgarten um 400 Gulden an den Junker Johann Conrad im Thurn zur Haselstaude in Schaffhausen. Vermutlich benötigte er das Geld zur Bezahlung der Handwerker.
Genau um diesen Schuldbetrag trat er 1728 das Haus an seinen Sohn Hans Jakob, der bezeichnenderweise den Beruf eines Küfers erlernt hatte, ab. Neben dem Hause stand neu ein «Gallbrunnen» (Sodbrunnen), wie sie in Hemishofen oft anzutreffen waren.
Erstmals um 1740 wird das Haus von Küfer Leibacher ausdrücklich als «der Hemishofferen Wirtshaus» bezeichnet. Es darf aber als sicher gelten, dass schon der Erbauer, Peter Leibacher, ein Wirtshaus erstellen liess. Nicht zufällig stand dieses an der Landstrasse von Stein nach Singen, wo ein reger Fuhrwerkverkehr herrschte. Der Wirtshausbesuch der Dorfbewohner hielt sich vermutlich in Grenzen; denn beinahe jeder hatte ein Stück Rebland und demzufolge auch eigenen Wein. Während des ganzen 18. Jahrhunderts scheint das Wirtshaus im Besitze der Familie Leibacher gewesen zu sein. 1810, bei der Anlage des ersten Gebäude-Katasters, war Jacob Meily Eigentümer des mit der Nr. 1 versehenen Gebäudes. Diesem war neu ein Gaststall angefügt worden.
1827 übernahm Heinrich Götz das Wirtshaus. Mit ihm begann die Besitzertradition, die heute in der sechsten Generation das Haus innehat. Dieser Heinrich Götz gehörte ganz offensichtlich zur Oberschicht des Dorfes. 1830 war er Kantonsrat und 1840 Gemeindepräsident. Er liess 1833 das Waschhäuschen erstellen und zu unbekannten Zeiten einen Schopf mit Schweineställen, ein Trottengebäude und ein Waaghäuslein.
1947 vernichtete ein Brand die Morgensonne. Aber bereits 1948 war der nach Plänen von Architekt Schweri errichtete Neubau bezugsbereit. Wohl jede Besitzergeneration hat dem Wirtshaus ihr eigenes Gepräge gegeben. Für die letzten 50 Jahre war dies Alice.
Am 17. März 1938 heiratete sie Jakob Götz von der «Morgensonne» und damit begann auch ihre Wirtinnenkarriere 1943 wurde das Paar selbst Besitzer des stattlichen Hofes. Nach dem Tode des Gatten 1958, wurde der Landwirtschaftsbetrieb allmählich abgebaut. Den Gastwirtschaftsbetrieb aber führte die «Morgesunne-Alice» in souveräner Manier weiter und gewann mit ihrem leutseligen, gelegentlich resoluten Auftreten die Zu-neigung ihrer wachsenden Gästeschar. Sie hatte der «Morgensonne» das bestimmte Etwas verliehen, welches Gäste aus allen Ständen und von nah und fern immer wieder an den grünen Kachelofen führte. Wir wollen Alice gerne glauben, dass ihr der krankheitsbedingte Abschied von Haus und Wirteberuf schwergefallen ist. Auch ihre ehemaligen Gäste denken mit Wehmut an die ungezählten frohen Abende in der holzgetäfelten Gaststube.
Der letzte Öffnungstag der Morgensonne war der 22. August 1990. Immerhin bleibt das Haus, ihrem Wunsche entsprechend, in der Familie. Kurt Götz, der Vater des jetzigen Besitzers Thomas baute im Hause drei Wohnungen ein.