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Grosses Fernsehen bedeutet, dass Fans immer länger auf neue Staffeln warten müssen. Zwei- bis dreijährige Wartezeiten werden bei aufwendigen Produktionen zur Norm. Warum ist das so?
01.11.2022, 20:0024.11.2022, 16:20
Fans von «House of the Dragon», «Andor» und «Rings of Power» sitzen zurzeit im selben Boot: Sie müssen alle noch bis 2024 warten, bis die zweite Staffel herauskommt. Das Staffelfinale von HOTD wurde vor einer Woche ausgestrahlt – HBO verzeichnete eine Rekordzuschauerzahl seit «Game of Thrones» –, doch die Produktion der zweiten Staffel startet erst nächstes Jahr. HBO-Chef Casey Bloys bestätigte den Start der zweiten Staffel für «irgendwann 2024».
Die Produktion der zweiten Staffel «House of the Dragon» dauert zwei Jahre.Bild: hbo / sky show
Beim neusten «Star Wars»-Spin-off «Andor» wird die zweite Staffel auch die letzte sein. «Ich habe noch zwei Jahre vor mir», sagte Regisseur Tony Gilory. «Wir werden von November bis August drehen. Und die Postproduktion dauert wahrscheinlich, wie bei der ersten Staffel, etwa ein Jahr.»
Zwar hat noch keine dieser Serien ein Ausstrahlungsdatum bestätigt, aber es ist klar, dass epische Serien ihre Fans immer länger auf neue Episoden warten lassen. Für aufwendig produzierte Dramen ist dies fast schon zum Standard geworden. Während von vielen Fernsehsendern erwartet wird, dass sie jedes Jahr eine neue Staffel produzieren, nehmen sich gewisse Serienmacher die Zeit, ihre Produktion auf etwa alle 16 bis 24 Monate zu verlangsamen. Solche Produktionen verbringen häufig bis zu 10 Monate mit den Dreharbeiten und benötigen dann weitere 10 Monate für die Fertigstellung der visuellen Effekte in der Postproduktion.
Allerdings ist die Idee einer zweijährigen Sendepause nicht ganz neu. Die Macher von «Die Sopranos» von HBO brauchten 2006 zwei Jahre für ihre letzte Staffel. Auch das Visual-Effects-intensive «Westworld» liess die Fans seit seinem Start 2016 jeweils zwei Jahre zwischen den Staffeln warten.
Aber es war die finale Staffel von «Game of Thrones», die eine entscheidende Wende zu bringen schien. Die ersten sieben Staffeln des Fantasy-Dramas von 2011 wurden jährlich ausgestrahlt. Dann warteten die Fans zwei Jahre auf die abschliessende achte Staffel im Jahr 2019.
3 Jahre Warten auf «Stranger Things 4»
Netflix kann dies toppen. Auf die vierte Staffel von «Stranger Things» warteten Fans drei Jahre. «Mit neun Drehbüchern, über 800 Seiten, fast zwei Jahren Dreharbeiten, Tausenden von Aufnahmen für visuelle Effekte und einer Laufzeit, die fast doppelt so lang ist wie die aller vorherigen Staffeln, war ‹Stranger Things 4› die bisher anspruchsvollste Staffel», erklärten die Macher Matt und Ross Duffer. Hier ist zudem noch anzumerken, dass die Corona-Pandemie zu Verzögerungen in der Produktion führte.
Während der Dreharbeiten zur zweiten Staffel des Netflix-Hits «Stranger Things».Bild: Jackson Lee Davis/Netflix
Diesen August starteten die Duffer-Brüder mit dem Schreiben der fünften und letzten Staffel. Daher werden die Dreharbeiten wahrscheinlich frühestens im Jahr 2023 beginnen – und die Staffel wird vielleicht sogar erst 2025 ausgestrahlt.
Eine gute Serie braucht Zeit
Die Haltung der Sender gegenüber diesem Trend scheint eine widerwillige Akzeptanz zu sein. Bloys sagte 2017 aufgrund der langen Wartezeit für die finale Staffel «Game of Thrones» gegenüber The Hollywood Reporter: «Wenn die Serien grösser und komplizierter werden, muss ich den Produzenten vertrauen und mich von dem Gedanken verabschieden, dass es schön wäre, jedes Jahr eine neue Staffel zu sehen. Sie müssen die beste Serie machen, die sie machen können.»
Jennifer Salke, Chefin von Amazon Studios, sagte in einem Interview mit «Variety», dass sie die zweite Staffel von «Rings of Power» so schnell wie möglich veröffentlichen wolle: «Wir wollen die Zeit zwischen den Staffeln so kurz wie möglich halten, aber wir wollen die Messlatte genauso hochhalten. Wir werden also tun, was nötig ist. Wir arbeiten schnell.» Zu einem möglichen Veröffentlichungsdatum äusserte sie sich nicht. Vermutlich erscheint die zweite Staffel aber nicht vor 2024.
Sie ist die Chefin von Amazons Streaming-Dienst: Jennifer Salke.Bild: keystone
Es lässt sich jedoch argumentieren, dass zumindest etwas mehr Zeit zwischen den Staffeln keine schlechte Sache ist. In einer Zeit, in der jährlich 500 Serien ausgestrahlt werden und alle Inhalte ständig überall verfügbar sind, könnte eine längere Wartezeit für eine neue Staffel von Vorteil sein. Sie gibt potenziellen Fans mehr Zeit, die Serie zu entdecken und beim Schauen aufzuholen.
Auch Jeff Schaffer, Regisseur der Serie «Lass es, Larry!» ist überzeugt, dass etwas Zeit zwischen Staffeln einer Serie guttun kann: «Eines der Dinge, die ich mir immer sage, wenn wir eine neue Staffel schreiben, ist: ‹Hey, ich weiss, dass die letzte Staffel wirklich gut geendet und den Leuten wirklich gefallen hat, aber es ist okay. Es wird zwei Jahre dauern, bis sie [die Serie] wieder sehen. Sie werden es vergessen. Und sie werden einfach so froh sein, uns wiederzuhaben.›»
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