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Es wird erwartet, dass die Schweizerischen Nationalbank (SNB) am 22. September die Leitzinsen um mindestens 0.5% anheben wird. Aber auch ein grösserer Zinsschritt von 0.75% ist durchaus möglich. Damit steigen die Leitzinsen auf dem CHF von aktuell - 0.25% auf +0.25% bis +0.50%. Der September 22 bringt wohl das Ende der Negativzinsen, die seit Ende 2014 die Zinslandschaft für den CHF geprägt haben.
In den kommenden Monaten werden weitere Zinsschritte der SNB erwartet, welche die CHF-Leitzinsen auf etwa 1% bis 1.5% anheben werden. Für längere Laufzeiten (insbesondere relevant für die Hypothekarzinsen) ist das Basis-Zinsniveau über die letzten 12 Monate von Null auf wenig unter 2% gestiegen.
Wir erwarten, dass sich das Zinsniveau am sogenannten langen Ende der Zinskurve bei den gegenwärtigen Niveaus stabilisieren sollte. Einen Tag vor der SNB, am 21. September, wird auch ein weiterer Zinsschritt der US-Notenbank (Fed) erwartet. Die Leitzinsen in den USA dürften bis Anfang 2023 von aktuell 2.5% auf einen Wert nah bei 4% ansteigen. Damit ist die globale Zinswende im Wesentlichen vollzogen.
In vielen europäischen Ländern und insbesondere in Deutschland wurden substanzielle Entlastungspakete für Haushalte und Unternehmen verabschiedet, um für die stark gestiegenen Energieausgaben staatliche Hilfe anzubieten.
Energieausgaben machen für europäische Länder etwa 4% bis 7% des Volkseinkommens aus. Will der Staat eine zeitweilige Verdoppelung der Energiekosten vollständig mit einem Entlastungspaket kompensieren, dann müssen jährliche Entlastungen in obiger Grössenordnung gewährt werden. Da aber nicht alle Branchen und Haushalte auf Entlastungszahlungen angewiesen sind, kann von Entlastungspaketen in der Grössenordnung von 2% bis 4% der nationalen Wirtschaftsleistung ausgegangen werden.
Für Deutschland ergibt ein Bruttosozialprodukt von rund 3'400 Milliarden EUR einen Entlastungsbedarf von etwa 70 bis 140 Milliarden, was auch der Grössenordnung der bisher tatsächlich beschlossenen Entlastungen entspricht. Für die EU als Ganzes sind Entlastungspakete im Bereich von mehreren hundert Milliarden EUR schon verabschiedet oder in Vorbereitung.
Eine analoge Schätzung für die Schweiz ergibt, unter Berücksichtigung der tieferen Energieintensität der Schweizer Wirtschaft, eine Zahl im Bereich von 5 bis 10 Milliarden CHF. Es ist derzeit unklar, ob in der Schweiz ein breites Energiekosten Entlastungspaket nach EU-Vorbild in Betracht kommen wird.
Ob es im Winter zu Energieversorgungslücken kommen könnte ist derzeit Gegenstand vieler Analysen und Spekulationen. Für die grösste europäische Volkswirtschaft, Deutschland, die signifikant von russischen Gaslieferungen abhängt, haben wir Versorgungsszenarien für Gas untersucht. Wir kommen zum Schluss, dass nur die Kombination eines besonders kalten Winters und von wenig erfolgreichen Sparmassnahmen zur Rationierung von Gas-lieferungen und zu gezielten Stilllegungen von Produktionsstätten führen würde.
Die Entlastungspakete werden den privaten Konsum substantiell stützen. Dennoch wird erwartet, dass das globale Wirtschaftswachstum für 2023 deutlich unter dem Wert von 2022 von rund 3% liegen wird. Wächst das globale BIP um deutlich weniger als 3% dann kann man von einer globalen Verlangsamung der Konjunktur sprechen. Für die Eurozone könnten in den nächsten 2 Quartalen negative Wachstumsraten anstehen. Aber auch die Inflation müsste aufgrund von Basiseffekten in den kommenden 2 Quartalen bereits um mehrere Prozentpunkte fallen.
Der SMI-Index steigt heute um etwa 0.4%. Der deutsche DAX-Index gewinnt gegenwärtig über 1.50%.
Auch für die US-Aktienbörsen wird heute, nach den Gewinnen vom Freitag, eine positive Eröffnung erwartet.
In unserer Anlagestrategie halten wir den Aktienanteil weiterhin leicht über der strategisch neutralen Quote. Wir bleiben zuversichtlich, dass die Aktienmärkte nach verlustreichen Monaten, die Aufmerksamkeit wieder auf die Perspektiven im zweiten Halbjahr 2023 richten werden. Der hohe Investitionsbedarf für Transformationen und Innovationen in vielen Branchen und Regionen könnte dann wieder für einen zuversichtlicheren Ausblick sorgen. Eine annehmbare diplomatische Lösung des Krieges in der Ukraine könnte aufgrund des immer offensichtlicheren Scheiterns der russischen Armee greifbarer werden (Stand ca. 12:30 Uhr, 12.9.2022, Basel Zeit).