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Ventile für den Überlastfall
Wassermengen, die über der Kapazität des Linthwerks liegen, also grösser sind als ein 100-jährliches Hochwasser, können zu Überströmungen und Brüchen von Dämmen führen. An vielen Abschnitten des Linthwerks fliesst der Fluss über dem umgebenden Terrain. Bei einem Dammbruch am Linthkanal unterhalb von Benken beispielsweise würde eine riesige Wassermenge aus dem Walensee in die Ebene ausfliessen. Damit die wichtigen Teile des Linthwerks auch bei einem Extremhochwasser nicht versagen, wurden Risikoanalysen und Notfallplanungen gemacht. Das neue Linthwerk ist mit zusätzlichen baulichen Vorkehrungen für einen solchen Überlastfall gerüstet: Damit keine Hochwassersituationen eintreten, die nicht mehr beherrschbar sind.
Sicherheitsvorkehrungen am Escherkanal
Am Escherkanal könnte die Überflutung des talseitigen Dammes einen Systemkollaps herbeiführen. Darum hat bereits Hans Konrad Escher den linken Damm 30 Zentimeter (1 Fuss) höher gebaut als den rechten Damm. Am neuen Linthwerk wurden die Überlaufkanten beibehalten, in ihrer Wirkung aber verstärkt: Im Kundertriet, bei der Vrenelibrücke und beim Gäsisteg legte man Abschnitte des rechten Dammes tiefer. So kann das Wasser auch bei einer Verstopfung des Gerinnes unter den Brücken (Verklausung) auf der Hangseite abgeleitet werden.
In Näfels und Mollis reichen Siedlungen und Strassen bis an die Aussendämme des Escherkanals. Hier liess sich die Überlastfall-Problematik nicht allein mit dem Projekt Linth 2000 lösen. Für Wassermengen über 550 m3, welche die maximale Kapazität des Kanals übersteigen, ergreift der Kanton Glarus die erforderlichen technischen, planerischen und organisatorischen Massnahmen zur Beschränkung des Wasserzuflusses der Linth in die Glarner Linthebene.
Linthkanal: Notentlastungsbauwerk im Hänggelgiessen
Beim Hänggelgiessen verlagert sich das Bett der Linth aus dem eingetieften Linthkanal in die Dammstrecke über der Linthebene. Hier befindet sich die grosszügige Aufweitung, die für die Renaturierung wichtig ist, aber auch eine Lösung für den Überlastfall ermöglicht. Mit einem regulierbaren Klappwehr kann bei einem Extremhochwasser gezielt überschüssiges Wasser aus dem Linthkanal in den Rechten Hintergraben ausgeleitet werden. Das zusätzliche Wasser strömt dann im stark verbreiterten Hintergraben in den Zürichsee. Ein Teil des Wassers fliesst zurück in die Schänner Ebene.
Hochwasserspitzen aus Starkniederschlägen werden durch den Walensee zurückgehalten und treffen erst mit 24 Stunden Verzögerung im Hänggelgiessen ein. In dieser Zeit kann der vergrösserte Rechte Hintergraben bereits viel Wasserüberschuss aus der Ebene abtransportieren. Bei einer Ausleitung aus der Linth von 80m3 steigt der Wasserstand in der Schänner Ebene maximal um 14 Zentimeter an. Das Ventil im Hänggelgiessen macht die Linthdämme sicherer im Notfall und beugt damit noch grösseren Schäden im Linthgebiet vor. Das Bundesgericht hat diese Notentlastung in die Schänner Ebene gutgeheissen. Falls durch die Ausleitung Schäden an Gebäuden, Anlagen oder Kulturen entstehen, werden sie durch das Linthwerk abgegolten.
Wenn vom Walensee im Einschnitt mehr Wasser auf die Dammstrecke zufliesst, als es die Ausbauwassermenge zulässt, wird das überschüssige Wasser beim Hänggelgiessen in den Rechten Hintergraben ausgeleitet.
Das regulierbare Notentlastungsbauwerk im Hänggelgiessen funktioniert automatisch, wenn der Pegelstand die Höhe eines 100-jährlichen Hochwassers überschritten hat.
Schematischer Längsschnitt durch das Notentlastungsbauwerk. Die Wehrklappe senkt sich automatisch bis zur maximal ausleitbaren Wassermenge.