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Als Dagobert Duck im Dezember 1947 in der Donald-Geschichte «Christmas on Bear Mountain» zum ersten Mal auftrat, herrschte Kalter Krieg. Damals wurde Kapitalismus als Gegenentwurf zum Kommunismus grossgeschrieben.
Deshalb, und weil Comics in den USA längst ein Massenmedium waren, wurde Dagobert zur ultimativen Symbolfigur des Kapitalismus. Und dies, obwohl er ein untypischer Kapitalist ist, wie Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak findet.
Die Kulturwissenschaftlerin ist spezialisiert auf Popkultur wie die Disney-Comics und sagt: «Dagobert hortet das Geld und investiert es nicht, das ist sehr untypisch für einen Kapitalisten. Er handelt dadurch zwar in seinem eigenen, persönlichen Interesse, sorgt aber überhaupt nicht für Wirtschaftswachstum.»
Die Väter von Dagobert Duck
Den geizigen Charakter von Dagobert Duck hatte der Zeichner Carl Barks festgelegt. Er und nicht Walt Disney, wie viele meinen, hat die reichste Comicfigur aller Zeiten erfunden. Inspiriert dazu wurde Barks durch Charles Dickens’ Erzählung «A Christmas Carol». Deshalb heisst Dagobert im Englischen auch gleich wie deren geizige Hauptfigur: Scrooge.
Barks’ Nachfolger, der Zeichner Don Rosa, erzählte später die ganze Lebensgeschichte von Dagobert Duck. Don Rosa machte aus ihm die Verkörperung des amerikanischen Traums: Dagobert Duck arbeitet sich vom Schuhputzer zum Selfmade-Millionär hoch. Sein Erfolg suggeriert: Jeder kann reich werden.
Neoliberaler Erpel
Dagobert Duck ist ein neoliberaler Erpel, der für Profit Moral links liegen lässt. Sein Geldspeicher in Entenhausen kann auf heutige Leser fast wie der Trump Tower in New York wirken.
Die Donaldisten sind ein Fanclub der Enten-Comics. Der Geologe Dr. Patrick Martin gehört dazu. Und er stellt Dagobert Duck kein gutes Zeugnis aus: «Das ist Kapitalismus der übelsten Sorte. Dagobert beutet sogar seine Familie aus. Die bringen sich in Lebensgefahr und bekommen dafür nur 30 Kreuzer die Stunde.»
Geizig und trotzdem beliebt
Da fragt man sich doch, warum Dagobert Duck so beliebt ist, so hartherzig und geizig wie er ist. Die Kulturwissenschaftlerin Ingrid Tomkowiak begründet das so: «Dagobert ist gerade wegen seiner schlechten Charaktereigenschaften so beliebt. Weil er ein Spiegel dessen ist, was man selber nicht sein will, und vielleicht doch ist.»
Der Donaldist Dr. Patrick Martin hingegen glaubt, Dagobert sei deshalb so populär, weil er eine Art Gegenentwurf zu Donald Duck sei: «Statt arm und aufbrausend wie Donald ist er ultrareich und beherrscht. Ausserdem wäre Entenhausen ohne Dagobert langweilig. Nur dank ihm gibt es so viele Abenteuer, während denen er versucht, seinen Reichtum zu mehren.»
Dagobert Duck wird weiter Geld scheffeln. Dieses Jahr ist sogar eine neue Staffel der Zeichentrickserie «DuckTales» fertiggestellt worden. Für den alten Erzkapitalisten geht das Licht also noch lange nicht aus.