Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03644.jsonl.gz/3205

|Die lange und kurze Bicepssehne entspringen an der Schulter, verlaufen am vorderen Anteil des Oberarmes im bekannten Muskelbauch und inserieren gemeinsam am proximalen (näheren) Anteildes Vorderarmes, an einem knöchernen Vorsprung der Speiche. Die Hauptwirkung des Biceps ist die Beugung des Ellbogens. Die Wirkung aufs Schultergelenk selbst ist nicht hauptsächlich. Für das Schultergelenk interessant und bedeutend ist hingegen der Ursprung der langen Bicepssehne am oberen Glenoidalrand (oberer Pfannenrand) am oder in der Nähe des Limbus (Meniskus). Bei den Rotationsbewegungen des Oberarmes wird die lange Bicepssehne, durch einen komplex verlaufenden Bandapparat geführt, über den Humeruskopf gespannt und gewinnt so vor allem in Aussenrotationsposition des Oberarmes auch eine zentrierende Wirkung auf das Schultergelenk selbst. So können bei Überlastung der Beugemuskulatur des Ellbogens, (z.B. beim seltenen, aber doch hie und da immer wieder einmal notwendigen "Schneeschaufeln") eine Schädigung der langen Bicepssehne entstehen. Diese Läsion kann entweder ansatznahe am Limbus mit Auffaserung der Sehne oder als Ablösung des Limbus mit anhaftender Bicepssehne entstehen. Solche Schäden der Bicepssehne führen zu einer Entzündung mit starken Schmerzen entlang des Sehnenverlaufes mit Ausstrahlung in den Oberarm.

Eine solche Überlastung der Sehne ist jedoch auch durch ein plötzliches Zerrereignis möglich und nicht nur durch repetitive Bewegungen ( z.B. beim Versuch eine nach unten fallende Last aufzuhalten). Bei Ausdehnung des Sehnenschadens kann dieselbe reissen und der Sehnenstumpf nach distal (nach unten) gleiten. Dies erkennt der Patient einerseits im Nachlassen der Schmerzen und anderseits im "nach unten Rutschen" des Bicepsmuskelbauches.
Die Beurteilung, ob sich ein Schaden auf einen Unfall oder auf eine chronische Überlastung zurückführen lässt, ist sehr arbiträr und sollte immer sehr sorgfältig anhand der Entstehungsgeschichte und des Befundes entschieden werden. Es wäre Pflicht eines jeden Vertrauensarztes von Versicherungen und Kassen diese Aufgabe sehr ernst zu nehmen und nicht nur pauschal zu beurteilen.