Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/212743

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, zusammen mit der Schweizerischen Hochschulkonferenz bzw. den Hochschulen und dem Schweizerischen Gemeindeverband zu prüfen, wie Mitglieder der Gemeindeexekutive ihre im Amt erworbenen Kompetenzen an Aus- und Weiterbildungen im Hochschulbereich (CAS, DAS, MAS z.B. im Bereich Public Administration; MBA, EMBA) anrechnen lassen können. Es geht insbesondere um: </p><p>1. die Prüfung von standardisierten Verfahren zur Anrechnung der im Milizamt erworbenen Kompetenzen an die formale Bildung im Hochschulbereich</p><p>2. die Festlegung der Kriterien (Voraussetzungen) zur Anrechenbarkeit der Kompetenzen von Milizpolitikerinnen und Milizpolitikern</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat anerkennt die Bedeutung der exekutiven und legislativen Miliztätigkeit auf allen Ebenen des politischen Systems. Er teilt auch das Grundanliegen der Postulantin für eine gebührende Anrechnung und Anerkennung der auf unterschiedliche Art und Weise erworbenen Kompetenzen innerhalb des Bildungssystems (vgl. auch Antwort des Bundesrats auf das Postulat Buffat, 18.3347). Dadurch kann eine flexible Laufbahngestaltung gefördert und der Anreiz zum lebenslangen Lernen gestärkt werden.</p><p>Gemäss dem Bundesgesetz über die Weiterbildung (WeBiG; SR 419.1) gehören Kompetenzen, die ausserhalb der strukturierten Bildung erworben worden sind, zur sogenannten informellen Bildung (Art. 3 Bst. d). Dazu gehört auch die Miliztätigkeit und das Engagement in Gemeindeexekutiven. Diese können nicht per se, sondern lediglich im Hinblick auf existierende formale Bildungen angerechnet werden. Im Tertiärbereich sind die jeweiligen Anbieter dafür zuständig. In der höheren Berufsbildung liegt die Aufnahme "sur dossier" und die Anrechnung von Bildungsleistungen und erworbenen Kompetenzen in der Zuständigkeit der jeweiligen Prüfungskommission bzw. höheren Fachschule. Bei den eidgenössischen Prüfungen können z.B. Teile der Prüfung bzw. bei modularen Vorbereitungen einzelne Module "angerechnet" werden.</p><p>Im Bereich der Hochschulbildung gilt das Prinzip der Hochschulautonomie. Weder der Bundesrat noch die Schweizerische Hochschulkonferenz können den Hochschulen branchenspezifische Anrechnungen vorschreiben. Jede Hochschule bestimmt eigenständig, inwiefern sie Praxiserfahrungen bei der Zulassung und Anrechnung zu ihren Aus- und Weiterbildungsangeboten berücksichtigen kann. Einige Hochschulen sehen Einzelfalllösungen vor, andere kennen ausführliche "VAE"-Verfahren (Validation des Acquis de l'expérience), so etwa die Pädagogischen Hochschulen, die Universitäten Genf und Lausanne sowie die Fachhochschule Westschweiz (HES-SO). Letztere werden für grundständige Bachelor- und Masterstudiengänge angewendet (formale Bildung).</p><p>Im Bereich der Weiterbildung (nichtformale Bildung) konzipieren die Hochschulen ihre Angebote (CAS/DAS/MAS sowie sonstige Weiterbildungsangebote) praxisorientiert und oft in enger Zusammenarbeit mit Akteuren der Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Dabei steht es dem von der Postulantin erwähnten Schweizerischen Gemeindeverband ebenso wie anderen Organisationen frei, direkt mit den Hochschulen Möglichkeiten für abgestimmte Angebote oder Anrechnungen abzuklären. Die Rektorenkonferenz der Schweizerischen Hochschulen (swissuniversities) steht dem Schweizerischen Gemeindeverband zur Vermittlung von Kontakten zu den Hochschulen zur Verfügung.</p><p>Der Bundesrat erachtet das Anliegen der Postulantin aus den genannten Gründen als grundsätzlich erfüllt.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.