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verschiedenen Naturforschern beschrieben wurde: farbloser oder schön smaragdgrüner Turmalin, roter und bläulicher Korund, Tremolit, Rutil, Pyrit, Eisenglanz, grüner oder weisslicher Talk. Zuckerkörniger Dolomit ist hier in einer Schicht von vielleicht 200 m Mächtigkeit entwickelt, deren Oberfläche so leicht verwittert, dass der Fuss wie in Stampfzucker einsinkt. Auch der Pizzo Forno (2909 m) hat den Mineralogen reiche Schätze geliefert, wie Cyanit, Staurolith, Granaten, schwarzen Turmalin etc.
Das Eisenoxyd ist im Tessiner Bergland ziemlich verbreitet, liegt aber an so ungünstigen Stellen, dass an seine Verwertung nicht gedacht werden kann, zumal auch das zur billigen Verhüttung notwendige Brennmaterial fehlt. Immerhin hat man dieses Mineral im Morobbiathal, nahe dem Dorf Carena am Fuss des San Joriopasses, noch um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts abgebaut. Die Ueberreste der 1831 durch eine Feuersbrunst zerstörten Hochöfen und die zerfallenen, langen Stollen zeigen, dass die Industrie zu ihrer Zeit von einer gewissen Bedeutung gewesen sein musste.
Gold und Silber treten in Gestalt verschiedener Erze an mehreren Stellen des Kantons, allerdings nur in geringen Mengen, auf und sind im Verzasca- und Maggiathal, bei Isone, an der Magliasina und im Tessinsand bei Sesto Calende unterhalb des Ausflusses aus dem Langensee gefunden worden. Reich an wertvollen Metallen erscheinen die Berge des Malcantone, besonders in der Umgebung von Astano, Novaggio und Miglieglia. Zwischen den Bänken des Glimmerschiefers stösst man hier nicht selten auf Erzgänge, die stellenweise bis zu 2 m mächtig sein können: Pyrit (Eisenkies), Galenit (Bleiglanz), Antimon, Misspickel mit Silber und Gold (13-20 gr Gold, 42-130 gr Silber und einige Gramm Wismut auf eine Tonne Erz).
Aus einer Tonne Pyrit mit Misspickel, Galenit und Blende hat man sogar 60 gr Gold und 150 gr Silber gewonnen. Ganz nahe Astano sieht man noch Reste der durch Wasser getriebenen Mühlen, in denen man im 18. Jahrhundert das Erz gemahlen hat. Das Gold wurde mit Hilfe von Quecksilber ausgezogen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte eine französische Gesellschaft unterhalb Astano und 200 m ö. der Strasse Luino-Ponte Tresa grosse Hochöfen und Fabrikgebäude zu einem rationellen Bergwerksbetrieb erstellt, musste aber wegen ungenügender Leitung nach wenigen Jahren die Arbeiten wieder einstellen.
Heute zeugen einzig noch die in Ruinen stehenden Bauten und die halb zerfallenen Stollen von dieser Industrie, die gute Resultate hätte zeitigen können, wenn sie von einer kapitalkräftigen und ernsthaften Unternehmung an band genommen worden wäre. Auch links vom Langensee findet man zwischen Vira Gambarogno und Alabardia reiche Adern von Silber- und kupferschüssigem Pyrit, die noch einer nähern Untersuchung harren. Am Ufer des Luganersees, auf Boden der Gemeinde Arogno und unterhalb Morbio Inferiore am Ausgang des Muggiothales tritt ferner Lignit auf, der trotz mehrfacher Versuche leider noch nicht zu einem regelrechten Abbau Veranlassung gegeben hat.
5. Mineralquellen.
Der Kanton Tessin besitzt eine Reihe von Mineralquellen, deren eine subthermal ist. Eine der bedeutendsten ist das Schwefelwasser von Stabio, das speziell gegen Hautkrankheiten Verwendung findet. Bei Acquarossa im Bleniothal entspringen links vom Brenno drei Quellen eines subthermalen (20° C.) Eisensäuerlings mit Gehalt an Arsenik, dessen am Ursprung sehr klares Wasser bald in reichlichem Masse rotes Eisenoxydul niederschlägt, nach welchem Quelle und Dorf den Namen erhalten haben.
Ganz nahe Locarno sprudelt im Bett der Navegna ein demjenigen von San Bernardino ähnlicher Säuerling, der ein gelblich-rotes Sediment niederschlägt. Am Ufer des Langensees finden sich zwischen Magadino und Vira einige bis jetzt noch nicht benutzte Schwefelquellen. Aus dem Fels der Madonna del Sacro Monte über Brissago entspringt eine Mineralquelle, die Eisen- und Magnesiumverbindungen enthält. Endlich findet sich im Bedrettothal ganz nahe Ossasco und 5/4 Stunden oberhalb Airolo eine salzige Eisen- und Magnesiumquelle, die an das berühmte Wasser von Sedlitz in Böhmen erinnert.
[G. Mariani.]
6. Hydrographie.
In hydrographischer Beziehung gehört der Kanton Tessin durch den Po dem Sammelgebiet des Adriatischen Meeres an. Da der Kanton politisch auf die N.-Flanke des Gotthardpasses übergreift, entspringt auf seinem Boden noch die Gotthardreuss, einer der grossen Quellarme der Reuss, der erst nach seinem Austritt aus dem von den Schmelzwassern des Lucendrogletschers genährten schönen Lucendrosee (2083 m) auf Urner Boden übertritt. Das Val Cadlimo endlich gehört dem Rheingebiet an und besitzt im Lago Scuro den Quellsee des Mittel- oder Medelserrheins.
Die nachfolgende Tabelle enthält einige angenäherte Zahlenwerte für die wichtigsten Flussläufe im Kanton Tessin:
|Flusslauf||Fläche des Einzugsgebietes km2||Lauflänge km||Wasserführung in m3 per Sek.||Bemerkungen|
|Minimum||Maximum|
|Sopra Ceneri||Die Tessinkorrektion ist für ein Maximum von 2200 m3 berechnet. Das Hochwasser von 1868 hat ein Maximum von 2400-2500 m3 ergeben.|
|Tessin||1650||88||16.000||1600|
|Brenno||405||37||3.500||400|
|Moesa||465||45||4.000||500|
|Morobbia||40||12||0.400||43|
|Verzasca||232||34||1.000||250|
|Maggia||920||60||6.000||1000|
|Isorno||145||25||1.200||150|
|Melezza||175||35||1.900||200|
|Sotto Ceneri|
|Vedeggio||102||32||0.600||120|
|Cassarate||70||18||0.400||80|
|Magliasina||30||17||0.300||50|
|Breggia||46||18||0.250||50|
Wie sein Name besagt, wird der Kanton in der Hauptsache durch den Tessin und seine Nebenadern entwässert; eine Ausnahme bilden das Muggiothal und die Ebene von Chiasso, deren Wasser durch die Breggia und die Faloppia in den Comersee fliessen und damit dem Po durch das Einzugsgebiet der Adda zugehen. Die beiden hauptsächlichsten Nebenflüsse des Tessin sind der seine Quellen vom Lukmanier, der Greina und dem Rheinwaldhorn her sammelnde Brenno, der das Bleniothal durchfliesst und bei Biasca von links mündet, sowie die am St. Bernhardin ¶
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entspringende und die Mesolcina entwässernde Moesa, die in Grono von rechts die vom S.-Hang des Zapporthorns herabkommende Calancasca des Calancathales aufnimmt und zwischen Castione und Arbedo ebenfalls von links mündet. Von den zahlreichen übrigen Wildwassern, die dem Tessin zufliessen, seien genannt: Der dem Lago Ritom entfliessende und ob Quinto von links mündende Foss, der auf eine Länge von 2 km einen Höhenunterschied von 810 m überwindet und dessen Kraft samt derjenigen aller Wildbäche zwischen Airolo und Faido vom Bund zum künftigen elektrischen Betrieb der Gotthardbahn erworben worden ist.
Bei Faido mündet von rechts, die eine Reihe von sehr malerischen Fällen bildende Piumogna, sowie in der Biaschina, ebenfalls von rechts, der Ticinetto, der sich von der Terrasse von Chironico durch eine tiefe und grossartige Klamm ins Tessinthal hinunter stürzt. Die Wasserkraft des Ticinetto und des Tessin in der Biaschina ist von der schweizerischen Gesellschaft «Motor» erworben worden, die an eine Reihe von Industriebetrieben, die um Bodio und Giornico in Bälde entstehen sollen, elektrischen Strom abgeben wird. Bei Personico erhält der Tessin von rechts den Wildbach des Val d'Ambra, der einen prachtvollen Wasserfall bildet, und bei Giubiasco endlich, von links, die Morobbia. Nach etwa 90 km langem Lauf mündet dann der Tessin bei Magadino in das obere Ende des Langensees ein.
Im Sopra Ceneri findet sich noch die Maggia als der zweitgrösste Fluss des Kantons. Sie entspringt am NO.-Hang des Pizzo Cristallina, erhält bei Peccia den Wildbach des Val Peccia, dann denjenigen des Val Prato und bei Bignasco die Bavona mit dem Schmelzwasser der Gletscher am Basodino, um unterhalb Cavergno ihren bisherigen Namen Lavizzara zu verlieren, bei Cevio mit der Rovana die Wasser des Campo- und Boscothales und endlich unterhalb der Schlucht von Ponte Brolla mit der Melezza diejenigen des Centovalli und Onsernonethales aufzunehmen, worauf sie zwischen Locarno und Ascona ein mächtiges Delta bildet und nach 60 km langem Lauf ebenfalls in den Langensee mündet.
Das Elektrizitätswerk beim Ponte Brolla versorgt Locarno und seine Umgebungen bis Brissago, sowie die Bahn Locarno-Bignasco mit Kraft und Licht. Ebenfalls von Bedeutung ist die Verzasca, die für gewöhnlich zwar nur wenig Wasser führt, aber wie die Maggia durch ihre plötzlich eintretenden Hochwasser gefährlich werden kann. Sie mündet bei Tenero in den Langensee. 8 km oberhalb Gordola wird das Wasser des Verzascathales in einem durch Granit- und Glimmerschieferfels gehenden Stollen bis ob die Brücke von Tenero geführt, um so bei einem Gefälle von 300 m eine Wasserkraft von 5000 PS zu erzeugen, die nach Lugano geleitet wird.
Wenig bedeutend sind die Wasserläufe im Sotto Ceneri, wie der Vedeggio des Val d'Agno, der Cassarate des Val Colla, die Magliasina des Malcantone, der bei Stabio entspringende Laveggio und die Breggia. Mit Ausnahme der letztgenannten, münden sie alle in den Luganersee, der mit der Tresa sich wiederum zum Langensee entwässert. Zum Schluss wollen wir noch des Wildbaches Gaggiolo Erwähnung tun, der bei Stabio auf eine Strecke von 2 km auf Schweizerboden fliesst, um dann unter dem Namen Lanza sich mit der direkt dem Po zuwendenden Olona zu vereinigen.
Die Flüsse der obern Thäler zeigen im allgemeinen die Charaktere von Alpengewässern mit Hochwasser im Sommer und Herbst, sowie Niederwasser im Winter und einem Minimum im Februar oder März. Die Wasseradern des Sotto Ceneri weisen dagegen zweimal, im Winter und im Sommer, Niederwasser auf, wobei dasjenige des Sommers gewöhnlich länger andauert und schärfer ausgesprochen erscheint. Dank dem typischen Wildbachcharakter mit plötzlich eintretenden mächtigen Hochwassern ist der Wasserhaushalt des Tessin, des Brenno, der Verzasca und der Maggia genauer untersucht und beobachtet worden.
Die Unterschiede zwischen den äussersten Nieder- und Hochwassern können hier ganz erstaunliche Beträge erreichen. So ergaben die Messungen in Bellinzona für den Tessin Minima von bis zu 14 m3 und Maxima von bis zu 1400 m3 und diejenigen am Ponte Brolla für die Maggia Minima von bis zu 4 m3 und Maxima von bis zu etwa 1000 m3! Die Hochwasser dieser beiden Flüsse haben ihre Thäler schon furchtbar verwüstet und unberechenbaren Schaden angerichtet, so dass man das Land durch viele und zum Teil ausgedehnte Verbauungen und Korrektionen zu sichern genötigt war.
Von solchen namentlich im Verlauf der letztvergangenen 30 Jahre durchgeführten Schutzbauten, die z. T. noch nicht vollendet sind, nennen wir in erster Linie die grossartige Tessinkorrektion von Bellinzona bis zum Langensee mit der Verbauung der Tessinzuflüsse Morobbia, Trodo, Cugnasco und Carcale. Daneben sind zu erwähnen die Korrektion der Maggia zwischen Ponte Brolla und dem Langensee, sowie diejenige des Vedeggio, die gegenwärtig in Arbeit ist. Man plant ferner noch die Trockenlegung und Nutzbarmachung des Piano di Magadino und ¶