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Die Anfänge
Begonnen hat alles im November 1990 mit einem illustrierten Inserat im „Spiezer Splitter“. Das Bildchen zeigte eine Frau mit traurig einwärts gedrehten Füssen, die hinter ihrem Cello seufzte: „...gäbs doch es Spiezer Laie-Orcheschter...“
Darunter war zu lesen, dass sich alle an einer Orchestergründung interessierten Musikantinnen und Musikanten an einem bestimmten Tag im „Kreuz“ einfinden sollten. Verfasserinnen waren drei Spiezer Frauen: Marlis Camenisch, Margrit von Niederhäusern und Gerlinde Michel. Sie hatten beschlossen, nicht immer nur zu träumen, sondern ihre Träume umzusetzen und zum Beispiel sich selbst, ihren Kindern und Ehemännern ein Orchester zu gründen. Der zweitwichtigste Bestandteil eines Orchesters, ein Dirigent oder eine Dirigentin, war rasch gefunden. Das Wichtigste, die zukünftigen Musizierenden, sassen nun an jenem Abend in beachtlicher Anzahl im Kreuz-Säli und schauten sich erwartungsvoll an.
Aller Anfang ist schwer: Der vor wenigen Wochen sich noch interessiert gebende Dirigent eröffnete die Zusammenkunft mit der kurzen Mitteilung, er stehe ab sofort nicht mehr zu Verfügung. Nach der Ankündigung des Ex-Dirigenten verstummte die Runde. Um den Tisch sassen neben einer Handvoll Streicher, einigen Klarinettisten und einem Trompeter eine Frau mit Mandoline und dreizehn (!) Flötistinnen, alle hoch motiviert. Zu ihren Vorstellungen über das zukünftige Repertoire befragt, sagte ein Mann mit Violine, er möchte im Fall eher Beethovens Neunte spielen als immer nur Vivaldi... (besagter Herr ist übrigens immer noch Konzertmeister des Orchesters). Die Gründerinnen liessen sich ob dem Dirigentenrückzug und den etwas auseinanderstrebenden Vorschlägen der Anwesenden nicht entmutigen. Es war Josef Schager, der nicht nur den Abend, sondern die Zukunft des Orchesters rettete: Er stellte sich spontan als Übergangsdirigent zur Verfügung, bis jemand anderes gefunden sei. So konnten im Februar 1991 die Proben beginnen. Bereits im Juni bestand das taufrische Ensemble mit einem ersten Konzert (Purcell, Pleyel, Hummel und Haydn) die Feuertaufe, und die Kritikerin des „Thuner Tagblatt“ schrieb wohlwollend, der Auftakt sei ihm bestens gelungen.
Nebst Werken des Barocks und der Frühklassik wagte sich das Orchester bald an die ersten Wiener Walzer und Salonstücke, und unsere musikalischen Stars setzten mit Violinsoli und Flöten-, Oboen- und Klarinettensolokonzerten besonders schöne Glanzlichter auf. Turbulenzen und häufige Wechsel blieben nicht aus, mehr als einmal schien das Orchester seinen letzten Ton gespielt zu haben. Aber ein harter Kern hielt durch, suchte neue Musizierende und half über solche wohl unvermeidliche Durststrecken hinweg.
1995 konnte sich Josef Schager endgültig hinter seine Trompete zurückziehen und den Dirigentenstab Christoph Schärer übergeben. 2003 erfolgte die Vereinsgründung, 2004 begann die Arbeit mit unserem neuen Dirigenten Droujelub Yanakiev. Wir haben uns in neue musikalische Bereiche vorgewagt, spielen auch Musik der Hochklassik, der Romantik und des 20. Jahrhunderts. Bis wir Beethovens Neunte zur Aufführung bringen, dauert es wohl noch ein Weilchen – aber wir sind unterwegs!