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Station 7
Eduard Pfyffer – eine kleine Akademie als Ziel
Im 19. Jahrhundert erkannte man vielerorts, wie wichtig die akademische Bildung war, damit die Bürgerinnen und Bürger die ständig wachsenden Herausforderungen der modernen Gesellschaften meistern konnten. In reformierten Städten wie Zürich, Bern, Genf, Lausanne und Neuchâtel entstanden Universitäten, die aus Akademien hervorgingen.
Auch in Luzern arbeitete ein frühliberal gesinnter Erziehungsrat systematisch auf die Gründung einer Akademie hin: Eduard Pfyffer (1783-1834), der älteste Sohn eines päpstlichen Gardehauptmanns.
Näheres dazu erfahren Sie im Audiobeitrag oder im vollständigen Text "Eduard Pfyffer – eine kleine Akademie als Ziel".
Bis ins frühe 19. Jahrhundert existierte in der Schweiz nur eine einzige Universität: diejenige in Basel, 1460 mit Zustimmung von Papst Pius II. gegründet. Kaum hatte das Zeitalter des Bürgertums begonnen, riefen die Parlamente reformierter Kantone eine Universität nach der anderen ins Leben: 1833 in Zürich, 1834 in Bern, 1873 in Genf, 1890 in Lausanne und 1909 in Neuchâtel. 1889 öffnete in Fribourg die erste katholische Universität des Landes ihre Pforten. Überall erkannten die politisch Verantwortlichen, wie unverzichtbar akademische Bildung dafür war, dass die Bürger die ständig wachsenden Herausforderungen der modernen Gesellschaften meistern konnten. In den reformierten Städten gingen die Universitäten aus Hohen Schulen, Akademien genannt, hervor. Diese hatten der Ausbildung von Pfarrern und Magistraten in Theologie, den klassischen Sprachen und der Philosophie gedient. Mit der Höheren Lehranstalt gab es um 1815 auch in der Stadt Luzern eine 240 Jahre alte Hohe Schule. Nach 1816 war es hier ein frühliberal gesinnter Erziehungsrat, der systematisch auf die Gründung einer Akademie hinarbeitete: Eduard Pfyffer (1783-1834), der älteste Sohn eines päpstlichen Gardehauptmanns.
Mitten in der Restauration machte sich Eduard Pfyffer als visionärer Bildungsreformer einen Namen. Ihm war nur zu bewusst, dass das höhere Bildungswesen in Luzern qualitativ nicht mit jenen in den reformierten Orten konkurrieren konnte und weiter ins Hintertreffen zu geraten drohte. Deshalb wollte er das Lyzeum der höheren Lehranstalt für die neue Zeit fit machen, jene Institution also, an der selbst nach der Umwandlung des früheren Jesuitenkollegiums in eine Staatsschule (1774) weiterhin konservative und teilweise sogar reaktionäre Theologieprofessoren den Ton angaben. 1819 setzte Pfyffer gegen starke Widerstände eine grosse Reorganisation von Lyzeum und Gymnasium durch. Auf sein Betreiben hin wurden missliebige oder unfähige Professoren entlassen oder in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig liess er an der Philosophischen Abteilung des Lyzeums drei neue Lehrstühle einrichten, die mit Nichttheologen besetzt wurden. Das war ein Novum für Luzern.
Ignaz Paul Vital Troxler erhielt die Lehrkanzel für Philosophie und Geschichte, Joseph Eutych Kopp übernahm die Professur für klassische Philologie und Kasimir Pfyffer den Lehrstuhl für Rechtswissenschaften. 1829 erhielt das Lyzeum eine polytechnische Abteilung neben der Theologie und Philosophie. Das Lyzeum war nun fast eine Akademie und diese hätte wie andernorts zum Nukleus einer Universitätsgründung werden können. Doch die gesellschaftlichen Verhältnisse waren nicht danach. Im Kanton Luzern tobte nicht nur ein besonders heftiger Machtkampf zwischen Katholisch-Konservativen und Liberalen, die völlig unvereinbare Gesellschaftsvisionen und höchst unterschiedliche Bildungsideale vertraten. Im Unterschied zu den frühindustrialisierten Kantonen war der Stand Luzern überdies stark agrarisch-vorindustriell und katholisch geprägt. In ihm herrschte Massenarmut, so dass die finanziellen Mittel für eine Universitätsgründung fehlten. Dazu kam, dass es den meisten Luzernerinnen und Luzernern in dieser Zeit wichtiger war, ein einfaches, gottesgefälliges Leben zu führen als mit einer akademischen Ausbildung in der entstehenden Leistungsgesellschaft erfolgreich zu sein. Die Uhren Luzerns tickten anders und langsamer als in der freisinnigen Schweiz der Fabriken, des Handels und der Banken.