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Nach dem Verzicht auf Nord Stream 2 und der Diskussion, ob Europa weiterhin Gas von Russland beziehen soll, sind die russischen Gasproduzenten nun gefordert. Neue Energieprojekte werden nach dem Ausstieg mehrerer westlicher Partner auf Eis gelegt und die hochgelobten Ambitionen für die Nordseeroute scheinen zunehmend zum Scheitern verurteilt. Die Abbauprojekte sind vollständig von westlicher Technologie abhängig, um seine großen LNG-Projekte in der Arktis weiterzuverfolgen. Neue Absatzquellen müssen her und zwar schnellstmöglich, um zumindest die laufenden Förderanlagen auszulasten.
China als Retter in der Not?
Chinas Hunger nach Energie in Form von Gas ist fast unbegrenzt. Ein grösseres Problem sind die Transportmöglichkeiten in Richtung Osten. Neun von zehn Pipelines führen von Russland in den Westen. Seit 2019 führt eine einzige Pipeline nach China. Die Transport-Kapazitäten in den Westen sind sechs Mal so gross wie nach China. Um die ausfallenden Gaskäufe von Europa zu kompensieren sollen nun die Transporte durch die Nordost-Passage mit LNG-Frachtern transportiert werden. Mit der bestehenden Flotte an LNG-Frachtern lässt sich das Manko in keiner Weise ausgleichen.
Der Bau einer Flotte von eisbrechenden LNG-Frachtern aber hängt ebenfalls von ausländischen Unternehmen ab; von koreanischen Schiffbauern bis hin zu US-amerikanischen und finnischen Schiffsingenieuren, sowie mit einem wenig bekannten französischen Unternehmen mit einem Monopol auf die Technologie, welche für den Transport von Flüssigerdgas unerlässlich ist.
Ist China ein zuverlässiger Partner?
Ob China in Zukunft ein verlässlicher Partner für Russland sein wird, dürfte die Zukunft zeigen. China bezeichnet sich seit einigen Jahren ebenfalls als Arktisanrainer, obwohl die Nordgrenze Chinas bis zum Arktischen Ozean 1.950 Kilometer entfernt ist.
China erhielt 2013 einen Beobachterstatus im Arktischen Rat und betreibt seitdem eine ambitionierte Politik im hohen Norden. Präsident Xi Jinping bezeichnete die Volksrepublik im selben Jahr als »polare Großmacht«.
Das aufstrebende China dürfte sich an russischen Abbauplänen beteiligen, aber das wirtschaftlich schwächere Russland an der ‘kurzen Leine’ halten, um mit Kapital und Technologie sich selber am ‘Energie-Topf’ der Arktis beteiligen zu können. Nur schon diese Konstellation bietet genügend Zündstoff für die nächsten Jahre.
Im Wirtschaftskrimi traut keiner dem Anderen
Da die russischen Partner und Kunden internationaler Werften auf Sanktionslisten stehen und die EU den Export von Schiffen, Schiffssystemen oder Ausrüstungen nach Russland für die meisten Zwecke verbietet, sind die Aufträge nun unsicher.
Die drei größten Schiffbauer in Südkorea bauen zurzeit laut Schiffsmakler Simpson Spence Young 35 LNG-Schiffe für russische Kunden. Diese haben sich aber verpflichtet die US-Sanktionen gegen Russland einzuhalten.
Zwei der Unternehme, nämlich Samsung Heavy Industries und Hyundai Heavy Industries, sind zusätzlich Joint Ventures mit der russischen Werft Zvezda, die in der Nähe von Wladiwostok beheimatet ist, eingegangen. Letztere wird von einem Konsortium staatseigener Unternehmen unter Führung der von Sanktionen betroffenen Rosneft kontrolliert.
Die Financial Times berichtet, dass die drei südkoreanischen Werften mit finanziellen Problemen bei den bestehenden Bestellungen rechneten, aber trotzdem an den Verträgen mit den russischen Kunden festhalten würden. „Länder in Europa importieren weiterhin Öl und Gas aus Russland“, erklärt ein Manager eines koreanischen Schiffbauers. „Warum sollten wir also unsere laufenden Aufträge mit Russland beenden?“
Ein leitender Angestellter eines wichtigen europäischen Lieferanten für koreanische Werften sagte der Financial Times aber, dass es keine Produkte mehr für russische Schiffe liefern würde, weil dies entweder gegen Sanktionen einzelne Kunden verstoßen oder die Gefahr bergen würde, gegen Sanktionen des Sektors zu verstoßen. „Die Situation ist ganz klar“, sagte die Exekutive. „Die Technologie, die für den russischen Einsatz bestimmten Schiffe verwendet wird, ist ein sanktioniertes Produkt, daher ist es praktisch unmöglich, an diesen Projekten zu arbeiten.“
Ein hochrangiger koreanischer Regierungsbeamter sagte, während neue russische Aufträge für Spezialschiffe unwahrscheinlich seien, solange der Krieg in der Ukraine andauere, gebe es in Seoul Befürchtungen, dass chinesische Konkurrenten „die Lücke füllen“ würden, wenn bestehende Aufträge storniert würden.
Doch Analysten sind nicht derselben Meinung wie Südkorea. Denn einerseits könnten Werften wie die Hudong-Zhonghua nicht mehr als 8 Schiffe pro Jahr bauen, wie die Financial Times in ihrem Artikel schreibt. Ausserdem hätten sie auch nicht das Knowhow, Tanker in der benötigten Grösse und mit der notwendigen Eisklasse zu bauen.
Ein weiterer Faktor, der über die Zukunft der russischen Arktispläne bestimmt, ist das französische Unternehmen Gaztransport & Technigaz. Denn die Franzosen halten das Monopol für den Bau der Hi-Techbehälter, in denen das Flüssiggas überhaupt transportiert werden kann. Um einen sicheren Transport gewährleisten zu können, muss der Rohstoff auf -163°C heruntergekühlt werden. Bis anhin hatte das Unternehmen seine Dienstleistungen für seine russischen Kunden trotz der Sanktionen durchgeführt.
Doch Gaztransport & Technigaz warnte letzten Monat jedoch vor „einem potenziellen Risiko für die Fortsetzung und ordnungsgemäße Ausführung bestimmter Verträge“ unter den derzeitigen Bedingungen, was die Aussicht erhöht, dass ein entscheidendes Element der Schiffe nicht mehr verfügbar sein wird.
„Wenn diese Schiffe auf GTT-Basis sanktioniert werden“, sagte Mitrou von Lloyd’s Register, „dann gibt es keine Werft auf der ganzen Welt, die Ihnen eine Alternative bieten kann.“
Heiner Kubny, PolarJournal