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Die Frage, ob ein Meteorologe oder Klimatologe den Nobel-Preis erhalten kann, muss heute mit «Leider nein» beantwortet werden. Ich bin aber überzeugt, dass Alfred Nobel (1833–1896), der schwedische Preisstifter, heute ein anderes Testament schreiben würde.
Ein nobler Spender
Alfred Nobel war als Chemiker der Erfinder des Dynamits und der Sprenggelatine, was ihm ein riesiges Vermögen einbrachte. Da er ledig und ohne Nachkommen blieb, gründete er am Ende seines Lebens eine nachhaltige Stiftung. Er hielt in seinem Testament fest, dass die Zinsgelder aus dem Stiftungsvermögen in einem sich jährlich wiederholenden Preis zu vergeben sind. Preisträger sollen «Männer oder Frauen sein, die durch eine herausragende Arbeit oder Erfindung sich für das Wohl der ganzen Menschheit verdient gemacht haben».
Von der Preissumme müssen drei gleiche Teile an «ausgewählte Preisträger aus den drei naturwissenschaftlichen Bereichen Chemie, Physik, Medizin/Physiologie» gehen. Ein weiterer Teil soll jemandem verliehen werden, «der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealer Richtung hervorbrachte» (Literatur-Nobel-Preis). Ein letzter adäquater Teil soll «demjenigen gehören, der am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und für die Abschaffung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt hat.» (Friedens-Nobel-Preis).
Der Wirtschafts-Nobel-Preis kam erst im Jahre 1968 dazu und wird jährlich von der schwedischen Reichsbank, aus Anlass ihres damaligen 300-jährigen Bestehens, gestiftet.
Eine andere Zeit
Das 19. Jahrhundert, in dem Alfred Nobel lebte, war geprägt vom Ende der mittelalterlichen Kaltzeit. In ganz Europa hatten die Menschen grosse Missernten, Hungersnöte und Krankheiten wie Pest und Cholera erlebt. Nun fasste man wieder Mut und wollte in neue Zeiten aufbrechen. Entdeckungen in der Chemie, der Physik und der Medizin trugen dazu bei. Das abstrakte Denken fand auch Eingang in der Malerei, in der Musik oder in der Literatur. Das alles begeisterte den eher introvertierten Nobel. Er bewunderte den Aufbruch in ein neues Zeitalter, ein Industriezeitalter.
Doch Mathematik, Biologie, Erdwissenschaften, Meteorologie und Klimatologie, Ingenieurwissenschaften und Architektur waren in dieser Zeit erst in den Anfängen ihrer Entwicklung. Alfred Nobel hatte dafür kein Verständnis, und er sah darin damals auch keinen besonderen Nutzen für die Menschheit. Vermutlich würde er heute diese Meinung, mit seinem Weitblick, den er immer hatte, korrigieren und sein ganzes Testament neu formulieren.
Es gibt Alternativen
So ist man bis heute für Auszeichnungen in Wissenschaftszweigen, die durch Nobel nicht berücksichtigt wurden, auf andere Preisstifter angewiesen. Eine solche Preisstifterin war Angela Lina Balzan. Sie stiftete 1956 im Andenken an ihren Vater Eugenio Balzan den bedeutenden und hoch dotierten Balzan-Preis. Dieser wird seit 1961 von der Internationalen Balzan-Stiftung abwechselnd in Rom (im Quirinalspalast) oder in Bern (im Bundeshaus) verliehen.
In diesem Jahr fand die Preisverleihung am 23. November in Rom statt. Das Reglement der Internationalen Balzan-Stiftung hält als Zweckparagrafen fest: Dass wissenschaftliche, kulturelle und humanitäre Leistungen in der ganzen Welt gefördert werden. Dabei schaut man weder auf Nationalitäten, noch Rassen und Religionszugehörigkeiten. Die Preise sollen für hervorragende Leistungen aus folgenden Gebieten gesprochen werden:
• Chemie, Physik, Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin
• Geistes- und Sozialwissenschaften, Kunst und Musik
• Humanität, Friede und Brüderlichkeit unter den Völkern
Wer war Eugenio Balzan?
Eugenio Balzan (1874–1953) war ein italienischer Journalist, der durch seine zeitkritischen Beiträge in verschiedenen Zeitungen Italiens bekannt wurde. So kam er 1897 zur renommierten Tageszeitung «Corriere della Sera» in Mailand. Wer es als Journalist in diese Zeitung schaffte, war überall sehr geachtet.
Italien war im 19. Jahrhundert ein zersplittertes Land und in viele Provinzen aufgeteilt. Die noch schlechten klimatischen Verhältnisse mit Kälte, Nässe, Missernten und Hungersnöten trugen dazu bei, dass überall eine grosse Arbeitslosigkeit herrschte. Die jungen Italiener mussten auswandern und ihr «Glück» in völlig fremden Ländern Europas, Amerikas und Kanadas suchen. Dabei wurden sie manchmal wie Vieh in Überseeschiffen eingepfercht. Eugenio Balzan begleitete die Auswanderer auf grossen Strecken und konnte so direkt über diese traurigen Verhältnisse berichten. Das warf hohe Wellen in ganz Italien bis in die Regierungskreise, und Eugenio Balzan stieg zum «Starreporter» auf. Dazu dann im Dezember-Beitrag am 19. Dezember mehr.
Mario Slongo ist ehemaliger DRS-Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Mehr unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».