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Kapite 2
»Warum sind wir hier eigentlich alleine?« Ich starrte die weiße Wand vor dem Autofenster an. Der Scheibenwischer schaffte es fast nicht mehr, die Flocken beiseitezuschieben. Ben kroch im Schneckentempo voran, was sinnvoll war, denn es war nur noch grob zu erahnen, wo genau sich die Fahrbahn eigentlich befand. Eine Leitplanke gab es hier nicht. Und irgendwie auch keine anderen Autos mehr um uns herum.
Ben antwortete mit einiger Verzögerung. »Das könnte daran liegen, dass hinter Itzehoe die Autobahn gesperrt wurde.«
Mein Herz holperte, und leichte Panik kroch mir im Nacken hoch. »Was?«
»Ja, offenbar hat sich direkt hinter uns ein Lkw quer gestellt. Und nun ist da alles dicht. Das kam vor einigen Minuten in den Nachrichten. Da hast du mit ziemlich finsterem Gesichtsausdruck in die Schneehölle gestarrt und meditiert. Hast es wohl nicht mitbekommen.«
Ich ließ diese Information auf mich wirken und versuchte tief ein- und auszuatmen. »Dann sind wir offenbar auf uns alleine gestellt. Ich bin froh, mit einem Arzt zu reisen. Und Kekse haben wir auch noch. Leider sind meine Fähigkeiten als Liebesromanautorin in einem winterlichen Überlebenskampf nicht sehr hilfreich.«
»Du kannst mir nachher was vorlesen«, antwortete Ben leichthin, aber wenn ich mich nicht täuschte, schwang auch in seiner Stimme leichte Angst mit.
»Nachher?«, fragte ich argwöhnisch. Nachher wollte ich bei meiner Sippe sein, Unmengen der Bio-Gans verspeisen, die mein Vater seit gestern vorbereitete, und mindestens eine ganze Flasche Rotwein trinken. Um die kläglichen Reste des Christstollens runterzuspülen, die mein Bruder mir hoffentlich übrig gelassen hatte. Vermutlich waren es jetzt sowieso nur noch mikroskopisch kleine Krümel.
»Vielleicht sollten wir auch den nächsten Parkplatz ansteuern«, ließ Ben vernehmen, und ich blickte lauernd zu ihm rüber.
»Wieso sollten wir das tun?«
»Hm.«
»Bitte antworte mir.«
»Weil an meinem Auto eine rote Lampe neben dem Tacho leuchtet, die ich noch nie gesehen habe. Und die eventuell nichts Gutes bedeutet.«
Ich bekam vor Schreck Schluckauf. Dann drückte ich den Anruf meiner Mutter weg, die just in diesem Moment versuchte, mich zum 34. Mal zu erreichen. Ich konnte ihr einfach nichts sagen, das ihr mütterlich besorgtes Herz nicht in Hysterie verfallen lassen würde. Schließlich stand ich selbst kurz davor. Also atmete ich tief durch, steckte mir drei Vanillekipferl auf einmal in den Mund und kaute hektisch. »Da war ein Parkplatzschild«, nuschle ich mit vollem Mund.
»Bist du sicher? Meine Siri sagt, dass der nächste Parkplatz noch fünf Kilometer weit weg ist.«
»Ganz sicher«, antwortete ich. Jetzt wi