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Kann jeder korrigieren?
Der Auftrag fürs Korrekturlesen wird an ein deutsches Unternehmen vergeben, das in Bosnien eine Filiale unterhält und offenbar auch in Indien und Peru neue Teams aufbauen will. Die Mitarbeiterinnen seien ehemalige Flüchtlinge, wird der NZZ-Mann zitiert, die während des Jugoslawienkrieges in deutschsprachigen Ländern Zuflucht gesucht haben. «Viele von ihnen» hätten Germanistik studiert. Mal abgesehen davon, dass mich interessieren würde, welchen für die deutsche Sprache qualifizierenden Studienweg die wenigen anderen von ihnen eingeschlagen haben – diese Aussage zeugt von der grossen Hilflosigkeit, von der die Rechtfertigung nur so trieft. Und sie ist ein Affront gegen die Mitarbeitenden in den Korrektoraten der beiden Regionalmedien. Die Botschaft lautet etwas salopp ausgedrückt: Alle können professionell korrigieren, die halbwegs mit der deutschen Sprache zu tun haben.
Tatsache ist: Korrektoren sind Sprachexperten, Fachexperten. Ein Germanistikstudium versichert noch lange nicht, dass jemand in Rechtschreibung und Formulieren sattelfest ist. Wer an der Uni Germanistik studiert, hat mehrheitlich mit Literaturgeschichte zu tun. Die Linguistiker unter ihnen befassen sich mit Sprachgeschichte, Semantik, Soziolinguistik, Psycholinguistik – weniger mit Duden und Heuer.