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Bezeichnend für das 16. Jahrhundert war der Versuch, der Stadtmauer einige neuartige Wehrbauten anzufügen, denn nicht nur Kriege, neue Waffen und wehrtechnische Entwicklungen zwangen die Regierung zu handeln, sondern 1526 auch eine Naturkatastrophe. Im einzelnen sind dies die folgenden Neuerungen:
SchnabeltürmeAuf dem Vogelschauplan Merians aus Südwesten (1626) entdeckt man neben viereckigen und halbrunden Türmen solche mit einem unregelmässigen fünfeckigen Grundriss. Diese Türme, deren eine 'ungerade' Kante gegen die Aussenseite gerichtet war, nannte man wegen ihrer Form 'Schnabeltürme'. Insgesamt gab es drei oder vier von ihnen; sie wurden offenbar zu einem Zeitpunkt gebaut, als die übrigen Türme und die Mauer bereits fertig gestellt waren, und zwar auf der Aussenseite an die Stadtmauer. Unklar scheint es nämlich, ob dies im 15. oder erst im 16. Jahrhundert geschah (vgl. Fischer 2007: 61). Die Ecken der Schnabeltürme waren aus regelmässig bossierten Steinquadern gebildet, und oben wiesen sie leicht auskragende Zinnenkränze auf. Auf den insgesamt vier der Feldseite zugewandten Seite waren pro Stockwerk je eine Schiessscharte zu erkennen. Dank der fünfeckigen Bauart der Türme konnten die Verteidiger leichter in die verschiedenen Richtungen feuern. Unklar ist weiterhin, ob die Schnabeltürme ältere Turmbauten ersetzten, denn es gab Türme, die in den Quellen namentlich genannt werden, aber nicht mehr lokalisierbar sind.
TorvorhöfeEinige der Vorhöfe auf der äusseren Grabenseite sind bereits auf Abbildungen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts dargestellt, bei Merians Vogelschauplänen sind sie bereits bei allen Toren vorhanden. Die Vorhöfe dienten einerseits der Verteidigung - man wollte den Feind möglichst lange und weit von den Toren fernhalten -, andererseits boten sie Raum für Zolleinrichtungen oder Bettelhäuser. In Friedenszeiten waren sie oft nur mit Schlagbäumen verschlossen. Das Spalentor besass wohl den markantesten Vorhof, in ähnlicher Weise auch das Aeschentor, während man bei den übrigen Toren bloss einfache Mauern mit Schiessscharten erkennen kann.
Erd- und SteinbollwerkeDie im Vergleich zu ihrer Höhe recht dünnen Basler Mauern waren ihrer Aufgabe kaum mehr gewachsen; die Kraft der Feuergeschütze hatte ein solches Ausmass erreicht, dass es höchste Zeit war, die Wehranlagen nachhaltig zu verbessern. Ausserdem spielten die Kanonen nun auch bei der Stadtverteidigung eine zentrale Rolle; dazu mussten die Geschütze auf den Türmen aufgestellt werden, wozu aber der Platz nicht ausreichte. Neue Plattformen waren also gefragt. Ein kompletter Umbau der Stadtbefestigung wäre wohl zu kostspielig ausgefallen, daher begann man 1531 mit der punktuellen Verstärkung einzelner gefährdeter oder schwacher Stellen. Zwei Erdbollwerke, das Wasenbollwerk beim heutigen Bernoullianum und ein zweites hinter der St. Clarakirche, wurden hinter den Mauern aufgeschüttet, um angreifende Feinde gegebenenfalls beschiessen zu können. Während das erstere einen langrechteckigen Grundriss hatte, legte sich der Kleinbasler Bau hufeisenförmig um die Kirche, die ihren Chor hergeben musste, damit genügend Platz vorhanden war.
Nach den Plänen des schwäbischen Ritters Sebastian Schertlin entstanden in den Jahren zwischen 1547 und 1554 fünf neue Bollwerke, die mit Steinen durchgehend verblendet waren. Das grösste von ihnen war das Aeschenbollwerk an der südöstlichsten Ecke der Stadtmauer mit einem Durchmesser von 38 Metern und einer Mauerstärke von rund sechs Metern. Es war vollständig mit Erde verfüllt. Eine kreisrunde 'Wehrplatte' - so nannte man die Plattform - mit Zinnen bot genügend Platz für mehrere Kanonen. Eine mit Tor verschliessbare Rampe führte von Westen her nach oben. Etwas weiter westlich, an der Hangkante zum Birsigtal, stand das Elisabethenbollwerk, dessen Grundriss die Form eines Rechtecks mit abgerundeten Ecken auf der Feldseite aufwies. Das vier Meter dicke Mauerwerk, dessen unterer Teil aus massiven bossierten Quadern bestand, war mit Erde verfüllt und war vermutlich auf den Resten eines Vorgängerturms erbaut, von dem das Bollwerk auch den zusätzlichen Namen 'Dornimaug' erbte. Auf der anderen Talseite stand das sehr ähnliche Bollwerk 'Wagdenhals' Auch dieses erhielt wahrscheinlich den Namen von einem Vorgängerturm an selber Stelle. In gleicher Bauart war auch das Spalen- oder Fröschenbollwerk weiter nördlich, an der heutigen Kreuzung Schützenmattstrasse-Schützengraben. Gegen das Stadtinnere war es durch eine Mauer abgeschlossen und mit einer Auffahrtsrampe versehen. Als letztes wurde 1554 das St. Johanns-Bollwerk im Norden fertiggestellt. Wie bei den anderen hatte auch hier ein älterer Turm weichen müssen. Die Plattform war für grössere Geschütze vorgesehen und hatte Zinnen sowie ein Wachttürmlein. Der Zugang erfolgte über eine lange, mit einem kleinen Tor verschliessbare Rampe.
Zeitgleich mit dem Bau der Bollwerke wurden erneut kleinere Ausbesserungen an den Ringmauern vorgenommen. So wurden 1550 neue Schusslöcher für Geschütze in die Stadtmauer geschlagen. Das Bläsitor musste instand gestellt werden sowie der Aeschenschwibbogen, der im Sommer 1545 Risse aufwies, worauf man dessen oberen Teile ersetzte. Eine grössere Reparatur stand im Juni 1551 an der Ringmauer beim Klingentalkloster an, nachdem diese zu einem grossen Teil in den Rhein gefallen war. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestanden Pläne für eine Gesamterneuerung der äusseren Stadtmauer; diese wurden aber nie ausgeführt.Quellen:
- Fischer 2007: 61ff.