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Hohe Energiepreise belasten Europas Industrie
Gemäss dem jüngsten «World Energy Outlook» wird im Standardszenario der IEA – dem «New Policies Scenario» – die weltweite Energienachfrage von 2011 bis 2035 um ein Drittel ansteigen. Dabei dürfte der Anteil der fossilen Energieträger von 82% auf 76% zurückgehen, während CO2-arme Energiequellen wie die erneuerbaren Energien und die Kernenergie etwa 40% des Verbrauchswachstums abdecken dürften. Das «New Policies Scenario» unterstellt, dass die bis heute von den Regierungen beschlossenen oder angekündigten energiepolitischen Massnahmen zumindest teilweise umgesetzt werden.
Kernenergie: Ausbau um zwei Drittel
Gemäss dem Bericht wird die Stromnachfrage in diesem Szenario bis 2035 um mehr als zwei Drittel ansteigen. Der grössere Teil der Nachfragesteigerung entfällt auf Schwellenländer wie China (36%) und Indien (13%) sowie auf Südostasien (8%) und den Nahen Osten (6%). Die Kohle bleibt bei der Stromproduktion in Führung, doch ihr Anteil am globalen Strommix dürfte von 41% auf 33% fallen. Gleichzeitig wird das Erdgas zur schnellsten wachsende Energiequelle im Strombereich.
Neben einem grossen Wachstum bei den erneuerbaren Energien (von einem Anteil am Strommix von heute 20% auf 31% bis 2035 – einschliesslich Wasserkraft) erwartet die IEA auch bei der Kernenergie einen Produktionsausbau um zwei Drittel, womit sie ihren heutigen Anteil von 12% am globalen Strommix halten kann. Dies obschon der Zubau bei der Kernenergie durch die Überarbeitung der Sicherheitsvorschriften vorübergehend verlangsamt worden ist.
Vor diesem Hintergrund werden die CO2-Emmission aus der Stromproduktion bis 2035 um etwa 17% auf über 15 Gigatonnen pro Jahr ansteigen – weit über den Zielsetzungen der internationalen Klimapolitik.
Energiepreise in Europa: vom Kopfweh zur Migräne
Die IEA legt weiter den Finger auf die grossen Unterschiede bei den Energiepreisen in den Industrieländern. So betragen sie zurzeit in den USA nur ein Drittel der Preise in Europa und ein Fünftel der Preise in Japan. Die IEA erwartet daher, dass der Anteil der USA am weltweiten Export energieintensiver Güter bis 2035 zunehmen dürfte, während Europa und Japan zu den Verlierern gehören werden.
Gemäss einem Bericht der «NZZ» fasste IEA-Chefökonom Fatih Birol die Lage Europas wie folgt zusammen: «Die Energiepreise bereiten Europa derzeit Kopfschmerzen. Diese entwickeln sich jedoch zu einer dauerhaften Migräne.» Er warb dafür, die Energieeffizienz zu erhöhen, die Schwäche der Anbieter im Gasmarkt für Preissenkungen zu nutzen sowie einheimisches Schiefergas, die Kernenergie und die wirtschaftlichen neuen Energien zu fördern. Das Vorgehen bei der deutschen Energiewende sei hingegen wenig effizient.