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Vom schmotzigen beziehungsweise unsinnigen Donnerstag bis zum Fastnachtsdienstag dauern sie, die „tollen Tage“ der Faschingszeit. Die Narren toben, es wird ausgelassen gefeiert. Es ist eine Zeit des Schwelgens vor der Zeit der Abstinenz, die mit dem Aschermittwoch beginnt. Die Erklärung, dass der Begriff „Karneval“ vom Lateinischen „carne vale“ („Fleisch lebe wohl) abstammt, erscheint da doch sehr passend.
Schon bei den Römern gab es „tolle Tage“, die sogenannten Saturnalien zu Ehren des Gottes Saturn. Glücksspiel, Feiern und Fröhlichkeit waren deren Inhalt. Sklaven durften ihren Herren die Meinung sagen, ohne bestraft zu werden. Oft fand sogar ein regelrechter Rollentausch zwischen Herr und Sklave statt. Der Wein floss reichlich bei den Saturnalien, was dazu führte, dass man es auch mit den sittlichen Tugenden nicht mehr so genau nahm.
Närrische Büttenreden
Noch im Mittelalter war es den einfachen Leuten in der Fastnachtszeit durch das Rügerecht erlaubt, ihre Herren ungestraft zu kritisieren. In den Büttenreden setzt sich diese Tradition bis heute fort. In der Regel haben die sehr unterhaltsamen und humorvollen Vorträge einen politischen oder gesellschaftskritischen Hintergrund. Häufig werden die Beanstandungen in Versform geäußert. Büttenreden heißen so, weil das ursprüngliche Rednerpult eine Bütt, also ein Fass ist. Traditionell wird das Fass auf der Vorderseite mit einer Eule geschmückt, die landläufig als ein Symbol für Weisheit gilt.
„Wenn kein Fasching wär',
wäre mancher immer nur irgendwer“, schreibt Erhard Horst Bellermann in „Dümmer for One.“
Im alten Rom verkleidete sich der Herr als Diener und der Diener als Herr. Die Germanen vertrieben bei ihrem Frühlingsfest böse Wintergeister mit hässlichen Maskenfratzen und viel rasselndem und trommelndem Krach. Das Verkleiden hat eine lange Tradition. Heute hat zur fünften Jahreszeit jeder die Freiheit, alles zu sein, was er will. Ob Superheld, Zauberer, Monster, Tier, Pflanze oder Gegenstand, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Helau und Alaaf
Das Rheinland und Rheinhessen gelten in Deutschland als Karnevalshochburgen. Besonders bekannt sind Köln, Mainz und Düsseldorf. Während Köln „Alaaf“ ruft, feiern sich die Mainzer und die Düsseldorfer mit „Helau“. Falsches Rufen sollte tunlichst vermieden werden. Wissen sollte man auch, dass es sich in Köln um den Karneval und in Mainz um die Fastnacht handelt.
Eine mögliche Erklärung für den Narrenruf „Helau“ ist die Herleitung aus dem altertümlichen „hellauf“ (in etwa „hell auflachen“). Für die Übersetzung von „Alaaf“ und „Kölle Alaaf“ haben wir ein Kölsch- Wörterbuch zu Rate gezogen:
Alaaf = Hurra, ein Hoch auf Alle (Hochruf, Trinkspruch)
Kölle Alaaf = Köln allein oder Köln über alles
Um der Bildung Genüge zu tun, hier noch die ersten drei Artikel aus dem rheinischen Grundgesetz:
Et es wie et es (Art. 1), et kütt wie et kütt (Art. 2) und et hätt noch immer jot jelange (Art. 3) = Es ist wie es ist, es kommt wie es kommt und es ist noch immer gut gegangen.
Der Berliner (das Gebäck)
Fasching ist auch die Zeit des Berliners. Zu keiner anderen Zeit des Jahres werden so viele von ihnen verspeist wie zur närrischen Zeit. Der mit Marmelade oder verschiedensten Cremes gefüllte Hefeballen wird je nach Region anders genannt. Neben Berliner heißt er auch Pfannkuchen, Krapfen, Faschingskrapfen, Kräppel, Puffel, Berliner Ballen oder Fastnachtsküchle. Das wohlschmeckende Gebäck ist weit gereist und so findet man es in Norwegen als Berlinerboller, in Finnland als Berliininmunkki und in Chile als Berlines, um nur einige Beispiele zu nennen.
Einige Superlative des Faschings
Mit über einer Million Teilnehmer jedes Jahr findet im australischen Québeck der größte Winterkarneval der Welt statt. Besonders eindrucksvoll ist das Eisskulpturfestival. Geboten sind außerdem Schneebäder, Nachtparaden und spektakuläre Wintersportveranstaltungen. Es gibt sogar einen offiziellen Botschafter des Québecer Karnevals: Bonhomme Carnaval, ein Schneemann mit roter Mütze und Gürtel.
Gleich sechs Mal im Jahr an jeweils unterschiedlichen Orten wird in Namibia Fasching gefeiert. Er ist mit dem Kölner Karneval und der Mainzer Fastnacht vergleichbar.
Der Karneval von Binche in Belgien wurde von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Der erste Karnevalsumzug fand in Binche bereits 1395 statt. Ebenfalls auf der UNESCO-Liste stehen der Aalster Karneval im belgischen Flandern und der Karneval von Oruro in Bolivien.
Die farbenprächtige Parade der Sambaschulen beim Karneval im brasilianischen Rio de Janeiro gehört zu den größten Festen der Welt.
Die wohl größte Anzahl an ausschweifenden historischen Kostümen kann beim Karneval in Venedig bewundert werden.
Foto: © ChristArt/fotolia.de
Redaktion, 02.02.2016