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Die Band: Eine Krise, der «Summer of Love» und ein Meisterwerk
Am 1. Juni 1967 erschien Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club», das achte Studioalbum der Beatles. Damit reagierte die Band auf zwei Entwicklungen: Sie hatten Ärger untereinander, erstmals sinkende Besucherzahlen und fühlten sich als Gefangene ihres Ruhms. Ihr Manager befürchtete, das sei der Anfang des Endes der Band. Zudem begann 1966 die Hippie-Zeit mit ihrer ganz eigenen Stimmungslage.
Die Reaktion war, ein ganz anderes Album produzieren zu wollen. Zu dessen Namen erklärte Paul McCartney, sie hätten versucht, Distanz zu sich selbst zu gewinnen und mehr surreale Sachen zu machen. Deswegen habe er vorgeschlagen, eine Art Alter-Ego-Band zu bilden, «sowas wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band». Das Album wurde zu einem Meilenstein, weil es – enorm aufwendig produziert – der Popmusik neue Dimensionen öffnete. Musik, Texte und das künstlerisch gestaltete Cover sollten den Eindruck eines Gesamtkunstwerks vermitteln, das Lebensfreude ausstrahlt.
Die Beatles
John Lennon
Befand sich während der Aufnahmen in einer verwirrenden Phase seines Lebens. Am 9. November 1966 hatte er Yoko Ono kennengelernt. Ihre Liebe wurde später zu einer Belastung für die Band.
Paul McCartney
Verbrachte den Herbst in London, zog durch Klubs und half befreundeten Musikern. Die Beach Boys hatten mit ihrem Album «Pet Sounds» seinen Ehrgeiz angestachelt, er wollte sie mit den Beatles übertrumpfen.
George Harrison
Hatte es neben Lennon und McCartney, zwischen denen die kreativen Funken nur so sprühten, nie leicht. Sein zunehmender Hang zur Spiritualität machte die Dinge für ihn nicht einfacher.
Ringo Starr
Er war und ist prinzipiell zufrieden mit sich und der Welt. Er verbrachte die Bandpause mit seiner damaligen Ehefrau Maureen und dem einjährigen Sohn Zak.
Der fünfte und der sechste Beatle
George Martin
Mehrere Männer tragen den Titel «Fünfter Beatle», aber nur Martin verdient ihn. Er spielte in 20 Prozent aller Songs ein Instrument. Auf «Sgt. Pepper» betrug seine Quote sogar 46 Prozent.
Studio Two at Abbey Road
Für «Sgt. Pepper» reizten die Beatles die technischen Möglichkeiten maximal aus. Eine wichtige Rolle spielte dabei ein Schweizer Gerät: die Tonbandmaschine Studer J37.
Weitere Techniker und Musiker
Die Songs: Was sie über die Band, die Musiker und die Ära sagen
Viel Aufwand für 39 Minuten Musik, eine legendäre Single und eine Auslaufrille
Für ihr erstes Album «Please Please Me» Me spielten die Beatles an einem Tag im Studio zehn Stücke ein. Nur vier davon waren von Lennon/ McCartney, zu hören sind Bass, Gitarren, Schlagzeug und Gesang.
Für «Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band» schöpfte die Band aus dem Vollen – an Zeit, Geld, Instrumenten und Studiotechnik. Dies garantierte ein Vertrag über sieben Platten. Lange lautete der Albumname «One Down, Six to Go», frei übersetzt: «Eine hätten wir schon, bleiben noch sechs».
Zwei Songs aus den «Sgt. Pepper»-Sessions wurden vorab veröffentlicht: «Strawberry Fields Forever / Penny Lane», die wohl beste Single der Rock-Geschichte.
Die Auslaufrille auf der B-Seite hat kein Ende. Auf einen nur für Hunde hörbaren Pfeifton folgt Geplapper. Die Beatles klebten ein zerschnittenes Tonband willkürlich zu einer Endlosschlaufe zusammen.
Die Plattenhülle: Das Cover von «Sgt. Pepper» setzte auch visuell Massstäbe
Die Beatles sind Geschichte, jetzt spielt Sergeant Pepper’s Band live. Diese Idee wird auch visuell transportiert. Lennon, Starr, McCartney und Harrison (v. l. in Uniform) stehen real in einem handverlesenen Publikum aus Pappe und Wachs. Das Cover ist Gegenstand vieler Verschwörungstheorien («Paul is dead» googeln). Ein Novum: Auf der Rückseite sind die Songtexte abgedruckt.
Die Gestalter des Covers
Das Publikum: Die fiktiven Gäste des fiktiven Sergeanten
Die Grundidee war, dass die vier Beatles je eine Liste mit Gästen zusammenstellten. Ringo Starr sagte, ihm sei alles recht, Indien-Fan George Harrison steuerte ausschliesslich Namen von Gurus bei.
Die Plattenfirma holte von allen Personen bzw. deren Erben ihr Okay ein. Mae West (hinten, 3. v. l.) lehnte ab, als Sexsymbol gehöre sie nicht in einen «Klub der einsamen Herzen». Ein persönlicher Brief der Beatles stimmte sie um.
Neben den echten Musikern stehen die frühen Beatles aus Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett: Sie tragen ihre alte Uniform: Anzug und Pilzfrisur. Das Arrangieren aller Figuren dauerte zwei Wochen, das Fotoshooting drei Stunden.
Neben Ex-Bandmitglied Stuart Sutcliffe (aussen links mit Scheitel) und Bob Dylan (hinten, 2. v. r.) erweisen die Beatles auch ihren Rivalen die Reverenz: Auf dem Pullover der Puppe (vorne rechts) steht «Welcome The Rolling Stones».
Die Plattenfirma lehnte drei Figuren, die Lennon nominiert hatte, ab: Jesus, Gandhi und Hitler. Brigitte Bardot wurde in letzter Minute durch Diana Dors (aussen rechts in Gold) ersetzt– weil sie Peter Blake gefiel.
Quellen
- Peter Kemper: «The Beatles» (2013)
- Mark Lewisohn: «The Complete Beatles Recording Sessions» (1989)
- George Martin und William Pearson: «Summer of Love: The Making of Sgt. Pepper» (1995)
- beatlesbible.com
- jpgr.co.uk
- Und natürlich The Beatles: «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band» (1967) – bei Universal Music erscheinen zum 50-Jahre-Jubiläum verschiedene Neu- und Sonderauflagen auf Vinyl, CD und Digital.