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Die Entwicklung der sowjetischen respektive russischen S300-Systemen für die Abwehr von Kampfflugzeugen und ballistischen Flugkörpern setzte bereits ab Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts ein.
Nach dem Scheitern eines gemeinsamen Systems für alle Teilstreitkräfte entwickelten die Luftverteidigungskräfte ab 1967 das System S300P.
1979 wurde dieses System in Dienst gestellt und in den darauffolgenden Jahrzehnten immer weiterentwickelt.
Ab 1985 folgte die Einführung der S300PS, die als Exportversion die Bezeichnung S300PMU erhielt.
Die Lenkwaffen dieses Systems erreichen gegen Kampfflugzeuge dank dem Feuerleitradar eine Einsatzdistanz von 75 Kilometern. Gegenüber ballistischen Flugkörpern des Kurzstreckenbereiches (unter 500 km) wirkt das System auf 30 km.
Der NATO-Code der S300PS/PMU lautet SA-10B Grumble. (1) Interessanterweise sind die slowakischen Streitkräfte (2), vermutlich ab Ende der achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, mit diesem System ausgerüstet worden.
Die ukrainischen Streitkräfte erhielten aus der Erbmasse der sowjetischen Landstreitkräfte das System S300W (NATO-Code SA-12A Gladiator beziehungsweise SA-12B Giant). (3)
Dieses System wurde ursprünglich nur für die sowjetischen Landstreitkräfte für die Abwehr von Kampfflugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Flugkörpern entwickelt.
Die ukrainischen S300W werden aufgrund des Alters als nicht operabel bezeichnet. (4) Das Fehlen eines Abwehrsystems gegen die ballistischen Flugkörper dürfte der Grund sein, warum die USA heute S300PMU (vermutlich aus slowakischen Beständen) an die Ukraine liefern.
Im Nachhinein stellt sich die Frage, warum die USA nicht bereits vor dem Krieg der Ukraine Abwehrsysteme des Typ Patriot PAC-3 geliefert haben.
Mit PAC-3-Feuereinheiten hätte von Beginn an eine wirksame Abwehr gegenüber den ballistischen Boden-Boden-Flugkörpern Iskander der russischen Landstreitkräfte errichtet werden können.
Der Einsatz von Boden-Boden-Flugkörpern durch russische Streitkräfte war aufgrund deren Militärdoktrin bekannt. Niemand hat offenbar damit gerechnet, dass Putin seine Drohungen wahr machen würde.
Die russische Militärdoktrin ist auch eine Informationsquelle über den Einsatz von Nuklearwaffen des Kurzstreckenbereichs durch russische Streitkräfte in einem Krieg.
1 https://de.wikipedia.org/wiki/S-300P, 23.03.22, S. 8
2 The Military Balance 2020, The International Institute for Strategic Studies, London, 2020, S. 144
3 The Military Balance 2020, S. 212
4 https://e.wikipedia.org/wiki/S-300W, 24.03.22, S.12