Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03152.jsonl.gz/2595

der Zustand der Geschlechtsreife, in welchem der Mensch im stande
ist, seine Gattung fortzupflanzen. Die Pubertät ist eingetreten, sobald die zur Zeugung bestimmten Geschlechtsteile und die damit
zusammenhängenden Organe ihre vollkommene Ausbildung erreicht haben und funktionsfähig geworden sind. Überall tritt beim
weiblichen Geschlecht die Pubertät früher ein als beim männlichen. In unsern Breitengraden fällt der
Eintritt der Pubertät bei dem weiblichen Geschlecht in das 12.-15., bei dem männlichen Geschlecht in das 15. 20. Lebensjahr.
In den heißen Ländern tritt die Pubertät um 2-3 Jahre früher, in den kalten Ländern um ebensoviel später ein. In Mitteleuropa
bleibt das Weib bis etwa in das 43., der Mann dagegen bis in die Mitte der 50er Jahre und länger fortpflanzungsfähig.
In anatomischer und physiologischer Beziehung gehen während der Pubertätsentwickelung mannigfache Veränderungen an dem
Organismus vor sich. Bei Mädchen brechen die Schamhaare hervor; die Brüste bilden sich unter stechenden Gefühlen aus.
Die Beckengegend bekommt eine größere Breite
[* 4] und Fülle, das Unterhautzellgewebe wird fettreicher, der
ganze Körper rundet sich ab. Die Stimme wird bestimmter, fester, ausgiebiger. In denEierstöcken werden nunmehr reife, befruchtungsfähige
Eichen produziert, welche unter den Erscheinungen der periodisch eintretenden Menstruation (s. d.) abgestoßen werden. Zugleich
mit diesen Vorgängen treten auch geistige Veränderungen an dem Mädchen hervor. Im Geiste der reifenden
Jungfrau offenbart sich jene Schamhaftigkeit, welche auf den unverdorbenen Mann einen so bezaubernden Einfluß ausübt;
mit dieser verbindet sich eine tiefinnere Sehnsucht, ein unbewußtes Streben, dem Mann zu gefallen, ein Bestreben, aus welchem
sich je nach den Umständen die edelsten wie die gemeinsten Seiten der weiblichen Natur entwickeln können.
mannigfachen Zeremonien begangen. In der Regel werden die jungen Männer, denen der Bart sproßt, und die Mädchen, sobald sich
die erste Menstruation zeigt, von ihren Angehörigen getrennt und dann bestimmten strengen Prüfungen unterworfen, die meist
in heftigen körperlichen Peinigungen bestehen, welche sie ohne Schmerzensäußerung ertragen müssen. Bei den Australiern
besteht der Hauptakt in dem Ausschlagen und Spitzfeilen der Schneidezähne, anderwärts in blutigen Geißelungen,
Tättowierung, und in vielen Gegenden Australiens und Afrikas wird damit die Beschneidung verbunden.