Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/227093

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, durch eine Änderung von Artikel 10 des Tierschutzgesetzes, Qualzuchten in der Hühnermast zu verbieten.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Bei der Zucht von Mastgeflügel wird zwischen schnell und langsam wachsenden Zuchtlinien unterschieden. Die Produktion von Geflügelfleisch von schnell wachsenden Tieren ist sehr effizient und weist eine günstige Umweltbilanz aus. Das Fleisch entspricht den qualitativen Ansprüchen der Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten und ist markant kostengünstiger zu produzieren als langsam wachsende Poulets. 92 Prozent des in der Schweiz gehaltenen Mastgeflügels gehören zu schnell wachsenden Linien. Die übrigen 8 Prozent gehören zu den langsam wachsenden Linien, die im Rahmen des RAUS Programms, d.h. Haltung mit regelmässigem Auslauf im Freien, oder nach den Richtlinien der Bio Suisse gemästet werden.</p><p>Die genetische Selektion hat nicht nur das Wachstum des Mastgeflügels, sondern auch dessen Wohlbefinden zum Ziel. So wurden dank Anpassung der Zuchtziele in den letzten Jahren bezüglich Lebensfähigkeit, Skelett- und Stoffwechselgesundheit sowie Robustheit der Tiere wesentliche Verbesserungen der Gesundheit von Mastpoulets erreicht.</p><p>Bereits heute sind die gesetzlichen Vorgaben zur Geflügelhaltung (z.B. Limitierung der Besatzdichte) und deren Kontrolle in der Schweiz strenger als bspw. in der EU oder in Brasilien, einem der grössten Exportländer für Geflügel. 2019 wurden 97 Prozent der Mastpoulets nach BTS-Standards, d.h. in besonders tierfreundlichen Stallhaltungssystemen gehalten, die über die Mindestanforderungen der Tierschutzverordnung (TSchV; SR 455.1) hinausgehen. Ein Verbot des schnell wachsenden Mastgeflügels in der Schweiz würde zu einer Verteuerung des Geflügelfleischs führen. Die Preisfrage bleibt ein wichtiges Argument beim Kaufentscheid: Die Konsumentinnen und Konsumenten haben bereits heute die Möglichkeit, teureres Bio-Geflügel mit langsam wachsenden Rassen zu kaufen, wobei sie dieses Angebot heute noch nicht vollumfänglich ausschöpfen. Eine Verteuerung des schweizerischen Pouletfleisches durch das vorgeschlagene Verbot würde daher voraussichtlich zu einem erhöhten Bedarf von - kostengünstigerem - importiertem Geflügelfleisch führen. Dieses muss bezüglich Haltung und Kontrolle im Ausland nicht der strengen Schweizer Gesetzgebung entsprechen. In der Konsequenz würde den Aspekten des Tierschutzes daher in vielen Fällen weniger Rechnung getragen.</p><p>Es entspricht jedoch einer Tatsache, dass die Haltung dieser schnell wachsenden Mastpoulets zu Tiergesundheitsproblemen führen kann. Daher werden die Mindestanforderungen für deren Haltung im Rahmen der nächsten Überarbeitung der Tierschutzverordnung erneut überprüft. Zudem werden in der Geflügelbranche auch Mehrwertstrategien auf privater Basis entwickelt. Eine entsprechende Positionierung der langsam wachsenden Rassen am Markt und damit deren breiterer Einsatz könnte demnach bereits heute umgesetzt werden.</p><p>Schliesslich werden die kantonalen Veterinärdienste die Tierschutz-Grundkontrollen von Geflügelhaltungen von Januar 2021 bis Ende 2023 mit einem Schwerpunktprogramm ergänzen (BLV &gt; Tiere &gt; Tierschutz &gt; Nutztierhaltung &gt; Geflügel). Das Programm soll den Nachweis erbringen, dass die Haltungsbedingungen für Geflügel den minimalen Anforderungen der Tierschutzgesetzgebung entsprechen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.