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Die Wissenschaft zeigt, dass Trauer nicht nur ein menschliches Gefühl ist. Andere Säugetierarten und auch Vögel zeigen spezifische Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Verlust von nahen Verwandten – in der Regel Partnern oder Nachkommen, und sogar Freunden. Obwohl es dieses Gefühl bei Pflanzen scheinbar nicht gibt, leben einige Spezies dieser Gruppe in einer Art permanenter evolutionärer Trauer um den Verlust ihrer Partner, mit denen sie sich über Tausende oder Millionen von Jahren gemeinsam entwickelt haben.
Sie haben vielleicht noch nie darüber nachgedacht, aber Blütennektar ist ein „Leckerbissen“, den viele Pflanzen den Insekten, Vögeln, Säugetieren und anderen Bestäubern anbieten, damit sie Pollen von Blüte zu Blüte tragen und die Pflanzen bei der Fortpflanzung unterstützen. Wenn alles gut geht, entsteht nach der Befruchtung der Blüten der Samen, der den Embryo enthält, der dann einen geeigneten Platz zum Keimen finden muss.
Idealerweise sollte dieser Platz weit von der Mutterpflanze entfernt sein, um eine Konkurrenz um Licht und Platz oder gar eine Vermehrung unter nahen Verwandten zu vermeiden. Um die Samen weit zu verbreiten und in manchen Fällen auch organische Stoffe (in Form von Kot) freizusetzen, welche die Entwicklung der Samen unterstützen, bieten viele Pflanzen den Tieren ein weiteres „Leckerli“ – ihre Früchte.
Viele Früchte bestehen nicht nur aus einem oder mehreren Samen, sondern auch aus nahrhaften Substanzen, die den Samen umgeben. Das „Verpacken“ der Früchte in eine essbare und für Tiere attraktive Hülle verlangt den Pflanzen zwar viel Energie ab, ist aber eine wichtige Investition, um die Zukunft der Art zu sichern.
In wissenschaftlichen Büchern werden häufig ganz bestimmte Beziehungen zwischen Blumen und ihren Bestäubern als Beispiel für eine Symbiose angeführt, d. h. eine Beziehung, bei der zwei Arten voneinander profitieren. Die genaue Größe des Schnabels einer bestimmten Kolibriart, im Verhältnis zur Blumenkrone einer bestimmten Blume, ist ein klassisches Beispiel dafür. Aber auch die Beziehungen vieler Pflanzen und ihrer Früchte zu bestimmten Ausbreitern, liefern phantastische Beispiele für Symbiosen, die uns sogar eine Reise in die Vergangenheit ermöglichen.
Die meisten Säugetiere – mit Ausnahme bestimmter Primaten – sehen eine weit weniger farbenfrohe Welt, als wir Menschen. Außerdem haben Säugetiere in der Regel einen ausgeprägten Geruchssinn, und viele von ihnen sind sehr groß. Daher wissen wir, dass Früchte, die im reifen Zustand nicht sehr farbenfroh sind – in der Regel braun, gelb oder sogar grün – die einen starken Geruch verströmen, groß sind und vom Baum fallen, sobald sie reif sind, neben anderen Merkmalen, von Säugetieren verbreitet werden.
Die Avocado ist ein hervorragendes Beispiel für eine Frucht, die für die Verbreitung durch Säugetiere geeignet ist. Wenn sie reif ist, ist sie dunkelgrün, fällt vom Baum und verströmt einen sehr charakteristischen Geruch. Sie hat noch eine weitere Eigenschaft: Ihr klebriges und weiches Fruchtfleisch macht es den Tieren leicht, die ganze Frucht (mit Samen und allem) praktisch ohne zu kauen zu verschlucken. Aber welches Tier wäre in der Lage, einen ganzen Avocadokern zu verschlucken und auszuscheiden?
Sie haben wahrscheinlich an einen Elefanten gedacht… gute Idee! Allerdings gibt es hier ein geografisches Problem: Die Avocado ist eine in Mittelamerika, insbesondere in Mexiko, heimische Art, und auf dem amerikanischen Kontinent gibt es keine einheimischen Elefanten. Oder besser gesagt, es gibt sie nicht mehr….
Bis vor ein paar tausend Jahren lebten die riesigen Säugetiere in Südamerika, darunter Riesenfaultiere, Gürteltiere von der Größe eines VW-Käfers, Toxodonten (Tiere, die Hypopotamus und Nashörnern ähneln) und viele mehr. Diese Tiere entwickelten sich hier, als Südamerika noch eine riesige Insel war. Später, nach der Entstehung Mittelamerikas, der Landbrücke, die den Kontinent verband, kamen weitere große Säugetiere hinzu, darunter Pferde, Gonphoteren und Mastodonten (die beiden letzteren sind enge Verwandte der heutigen Elefanten).
Die Avocado und Hunderte anderer Früchte aus Amerika weisen Merkmale auf, die zeigen, dass sie für den Verzehr durch die Megafauna des Pleistozäns (geologischer Zeitraum von vor etwa 2,6 Millionen Jahren bis vor etwa 11.000 Jahren) geeignet sind und sich folglich durch sie verbreiteten. Fast die gesamte Megafauna des Pleistozäns in Südamerika ist ausgestorben, und viele Pflanzen, die sich in Partnerschaft mit diesen Tieren entwickelt haben, leben noch heute in einer Art evolutionärer Trauer.
Im Jahr 2008 veröffentlichten Forscher von“ UNICAMP“ und “UNESP Rio Claro“ eine wissenschaftliche Studie, aus der hervorging, dass von 1361 untersuchten brasilianischen Früchten 103 Merkmale aufweisen, die darauf hindeuten, dass sie von der pleistozänen Megafauna verbreitet wurden. Sie fanden diese Merkmale bei afrikanischen Früchten, die vor allem von Elefanten verbreitet werden. Sie sind in der Regel zwischen vier und zehn Zentimeter lang und enthalten wenige große Samen, oder sie sind größer als 10 Zentimeter und enthalten viele kleine Samen.
Darüber hinaus weisen Studien anderer Forscher auf verschiedene Merkmale von Pflanzen hin, die es noch gibt, die aber von großen Säugetieren verbreitet wurden, die heute ausgestorben sind. Ihre Früchte sammeln sich beispielsweise unter den Mutterbäumen an und verrotten dort, wo sie von Insekten und anderen Kleintieren gefressen werden, ohne dass der Samen verbreitet werden kann. Diese Früchte werden gerne von Kühen und Pferden gefressen, großen Tieren, die aber erst mit den Europäern hierher kamen.
Kakao, Ananas, Cashew, Cupuaçu, Pequi, und mehrere andere sehr wichtige brasilianische Früchte, stehen auf dieser Liste von 103 Arten. Richtig, wenn Sie Schokolade oder eine dieser Früchte mögen, müssen Sie den Riesenfaultieren, Toxodonten, Mastodonten, Gonphoteren, einheimischen Pferden und anderen großen Säugetieren danken, die bis vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren in Brasilien lebten.
Ein weiteres Ergebnis dieser Studie ist, dass der Cerrado und das Pantanal eine größere Anzahl von Megafauna-Früchten aufweisen, als Waldgebiete wie der Atlantische Regenwald. Dieses Ergebnis macht Sinn, da große Säugetiere in anderen Regionen der Welt hauptsächlich in Savannen und anderen offenen Biomen zu finden sind.
Ohne ihre ursprünglichen Verbreiter konnten diese Pflanzen nur überleben, indem sie von uns Menschen kultiviert und/oder durch mechanische Ausbreitungsprozesse verbreitet wurden, z. B. indem sie von Bächen getragen oder von Hügeln hinuntergerollt wurden – eine Situation, die es aus evolutionärer Sicht nicht rechtfertigt, dass Pflanzen so viel Energie investieren, um eine nahrhafte „Hülle“ für ihre Samen zu produzieren. Doch viele dieser Pflanzen, vor allem jene, die nicht kultiviert werden, leiden buchstäblich unter den Auswirkungen des Verlusts ihrer evolutionären Partner.
Anders als in den meisten katholisch geprägten Ländern, und aufgrund des Einflusses der aztekischen Kultur, ist der Tag der Toten in Mexiko, dem Ursprungsland der Avocado, kein Tag der Trauer, sondern ein Tag großer Feierlichkeiten und Feste. Es ist der Tag, an dem die Toten unbemerkt ihre lebenden Verwandten besuchen, um sich zu amüsieren und zu feiern.
Ich wünschte, ich könnte heute durch mexikanische Wälder spazieren und, wenn auch nur durch „Spuken“, einige Vertreter der ausgestorbenen Megafauna Amerikas finden, die beim Verzehr von Avocados feiern.