Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03371.jsonl.gz/3031

Insulaner (Insulaire)
Regie: Stéphane Goël
Mitw.: Pedro Lenz (Sprecher)
Der Lausanner Regisseur und Produzent Stéphane Goël («Fragments du paradis») reiste für seinen neuen Film buchstäblich ans Ende der Welt: zur Isla Robinson Crusoe, der mit 48 Quadratkilometern grössten Insel des Juan-Fernández-Archipels, 700 Kilometer vor der Küste Chiles gelegen. Heute leben knapp tausend Menschen auf der sturmgepeitschten Insel. Ihr erster Bewohner war der 1704 hier ausgesetzte Schotte Alexander Selkirk, der über hundert Jahre später das Vorbild für die Romanfigur Robinson Crusoe abgab. Mehr als für diese Geschichte interessiert sich Stéphane Goël aber für die des Berner Aristokraten und Abenteurers Alfred von Rodt (1843–1905). Dieser war 1877 mit einigen Getreuen auf dem Eiland gelandet, weil er vernommen hatte, dass die chilenische Regierung die Insel zur Pacht ausgeschrieben hatte, obwohl sie kaum bewohnbar war. Doch von Rodt wollte hier leben. Er wurde der Subpräfekt der Insel, baute während 28 Jahren sein kleines Reich auf und nahm zahlreiche Projekte in Angriff, wie etwa das einer Fabrik für Hummerkonserven. Doch die meisten seiner Projekte scheiterten. Von Rodt schrieb immer wieder Briefe in die Heimat, meist um finanzielle Hilfe zu erbitten. Diese von Pedro Lenz gelesenen Briefe bilden einen Hauptstrang des vom Genfer Kameramann Joakim Chardonnens berauschend schön fotografierten Films. Er bietet einen erhellenden Einblick in das Leben der heutigen Bewohner, von denen nicht wenige stolz darauf sind, von Rodts Nachkommen zu sein, so etwa die Besitzer des einzigen Hotels der Insel. Wie die meisten anderen Insulaner, von denen der überwiegende Teil ihr Auskommen in der Fischerei oder der Rinder- und Pferdezucht findet, machen sie sich Sorgen um die Bevölkerungsentwicklung des Eilandes wegen seiner beschränkten Ressourcen. Dies wird dadurch verschärft, dass über 90 Prozent der Inseloberfläche unter Naturschutz stehen und nicht genutzt werden dürfen. So wird «Insulaner» zur vielschichtigen Studie über einen fragilen Mikrokosmos und zu einer bewegenden Erinnerung an eine Epoche, als auch Schweizer auswanderten.