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Fondation Beyeler – die Wurzeln und der Wandel
Vorwärts schreiten, aber immer mit einem Blick zurück – das ist die Philosophie der Fondation Beyeler unter der Führung von Sam Keller.
Shirley L. Kearney, Deutsch von Martin Pütter, Bild Front: Ernst Beyeler mit Sam Keller (l.)
Die Stadt Basel – und vor allem ihre Kunstszene – verdankt Ernst Beyeler viel. Viele betrachten ihn als grössten Kunsthändler nach dem Zweiten Weltkrieg, unter seinen Freunden waren Künstler wie Picasso, Cezanne, Monet, Giacometti, Lichtenstein, und er liess durch den bekannten italienischen Architekten Renzo Piano das Gebäude in Riehen entwerfen, welches seine berühmte Sammlung beherbergt.
Die Wurzeln
Geboren in Basel 1921, studierte er Wirtschaft und Kunstgeschichte an der Universität Basel – gleichzeitig arbeitete er Teilzeit in einem Buchantiquariat und Druckgeschäft an der Bäumleingasse 9. Nach dem Tod des Eigentümers übernahm er den Laden, samt Büchern, Drucken und Zeichnungen. 1947 führte er seine erste Ausstellung durch. 1948 heiratete er Hildy Kunz, die mit ihm auch Kunst sammelte und seine Finanzen verwaltete.
In den fünfziger Jahren zog die kleine Gallerie zunehmend amerikanische Kunden an – und Beyeler machte den Schritt vom örtlichen Buchverkäufer zum Kunsthändler. Seine Berühmtheit stieg, als ihm Sammler G. David Thompson aus Pittsburgh seine sagenhafte Sammlung moderner Kunst verkaufte – mit 100 Werken von Paul Klee, 340 von Cezanne, Monet, Picasso und anderen, sowie 80 Werken Giacomettis. Einige davon verkaufte Beyeler über die Zeit an Museen und untermauerte damit seinen Ruf als Händler und Museumskurator. In dieser Zeit [NH1] kaufte er auch Vassily Kandinskys «Improvisation» für die damals stolze Summe von 4‘500 US-Dollar – heute würde es bei einer Auktion mindestens 25 Millionen Dollar bringen. Es bleibt aber bei der Fondation Beyeler.
1970 war er Mitbegründer der internationalen Kunstmesse Art Basel und bis 1992 half er bei der Organisation mit. 1972 erwarb er von Kandinskys Witwe Nina eine beeindruckende Sammlung von 100 Ölbildern, Aquarellen und Zeichnungen. 1982 gründeten er und Hildy die Fondation Beyeler. Seine Fähigkeiten für herausragende Ausstellungen und beachtliche Kataloge liessen nie nach. Sein Verlangen, dass Kunst auf ihren wahren Platz kommt und dem Betrachter Vergnügen bringt, fasste er so zusammen: «Kunst muss Dich berühren.»
Zwei internationale Ausstellungen fanden 1980 und 1984 statt: Teil 1, Skulpturen im 20. Jahrhundert, im Riehener Wenkenpark, mit Werken von Rodin bis Serra; Teil 2 im Merian Park (an der Grenze zwischen Basel und Münchenstein), mit Werken von Bourdelle bis Beuys. Damals ahnte keiner, wie enorm die Sammlung ist – das kam erst 1989 mit der vollständigen Ausstellung im Königin Sofia Museum in Madrid zum Vorschein.
1994 begann die Arbeit am Gebäude der Fondation Beyeler, mit dem Ziel, dort die Sammlung der rund 150 klassischen Werke von Modernisten aus Afrika und Ozeanien unterzubringen. Die Eröffnung folgte 1997, wodurch die Sammlung permanent der Öffentlichkeit zugänglich wurde.
2008 starb Hildy Beyeler, 2010 Ernst, im Alter von 88 Jahren.
Die Metamorphose:
2008 wurde Sam Keller eigens von Beyeler ausgewählt, um das Geschäft zu übernehmen, und damit kam ein Generationenwechsel. Was für Beyeler die Modernistenbewegung, ist für Keller der Rummel um die zeitgenössische Szene. Sam Keller kam 1966 in Basel zur Welt und studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Basel. Von 2000 bis 2007 leitete er die Art Basel und wurde ihr Direktor. 2001 wurden alle Register für eine Messe in Miami, Florida, gezogen – heute die Art Basel Miami Beach.
Die Ausstellungspolitik der Stiftung ehrt die gegenwärtigen Kunsttrends und will das Museum nicht zum Mausoleum machen. Was einst Picasso und Giacometti, sind Gerhard Richter und Richard Serra heute. Nach Kellers Konzept können Kunst und Mensch im Museum unter idealen Bedingungen Einst und Jetzt erleben und mit Hilfe von Bildern und Skulpturen Gefühle freisetzen, um unsere Welt zu verstehen. Dazu gehört auch, der nächsten Künstlergeneration (z. B. Jenny Holze, Jeff Koons, Thomas Schütte, um nur einige zu nennen) eine Plattform zu geben.
Das Museum fügt weiter hochwertige Werke der Sammlung bei, aber die Finanzquellen und das persönliche Netzwerk eines Ernst Beyeler sind nicht mehr in Reichweite – das Tempo des Marktes hat zugenommen, und auch das des Menschen. Neueinkäufe setzen dort an, wo Beyeler aufgehört hatte. Beyeler sammelte Kunst des 20. Jahrhunderts; Keller «hütet»die Sammlung, ist Meister auf dem Feld zeitgenössischer Kunst, und will alles ins 21. Jahrhundert bringen. Werke von Louise Bourgeois und Wolfgang Tillmans gehören zu den jüngsten Erwerbungen.
In Picassos Worten: «Kunst ist dazu da, unsere Seelen vom Staub des Alltags zu reinigen. Sie weckt unseren Enthusiasmus, denn Enthusiasmus brauchen wir am meisten – für uns und auch für die junge Generation», soll Picasso gesagt haben.Foto: Gerhard Richters Dom in Mailand. Die Ausstellung zu diesem wohl bedeutendsten Künstler unserer Zeit ist die bisher grösste in der Schweiz und dauert noch bis 7. September 2014.
Weitere Ausstellungen in der Fondation Beyer unter: www.fondationbeyeler.ch