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Das herrliche Frühlingswetter lockte dieses Wochenende Ballone an den Himmel. Wir konnten eine wunderschöne Fahrt mit sympathischen Passagieren geniessen.
Vor bald vier Jahren durfte ich an dieser Stelle meinen neuen FIBOX-Racer vorstellen. Es handelte sich dabei um einen Kubicek BB22XR, einen Ballon der Serie Super Sport der Tschechischen Firma Kubicek Balloons mit einem Volumen von 2200m³. Nachdem ich meine ersten Wettbewerbe mit einem Ballon desselben Volumens und einer „normalen“ Form absolviert hatte, war der Schritt zum optimierten Wettkampfballon immens. Die Vorteile einer solch speziell für Wettbewerbe designten Hülle überwiegen die wenigen Nachteile. Neben enorm viel höheren vertikalen Endgeschwindigkeiten – zugelassen sind die Racer von Kubicek bis 9 m/s Steig- und Sinkgeschwindigkeit – ist vor allem die Reaktionszeit bei solchen Ballonen durch die aerodynamische Form viel geringer. Wie die folgende Illustration zeigt, ist bei gleichbleibendem Volumen eine Verkleinerung des Durchmessers nur dadurch zu erreichen, dass der Ballon einiges höher wird (in diesem Beispiel handelt es sich um einen Ballon mit einem Volumen von 3000m³).
Im Jahr 2013 war für mich sofort klar, dass ich einen Ballon für zwei Piloten benötige. Mein Vater war damals eine nicht wegzudenkende Grösse in meinem Ballonkorb. Die Frage war 2000m³ oder 2200m³. Ich habe mich für die grössere Variante entschieden, was ich bei einer Hülle für zwei Personen auch heute wieder machen würde. Durch die, im Bezug auf das Verhältnis zwischen Volumen und Oberfläche etwas ungünstigere Eierform der Wettkampfballone, ist das Gewicht der Hülle schon etwas höher. Kubicek hat dazu noch ein Entleerungssystem (das Paralite) konstruiert, bei dem das geöffnete Parachute durch ein Gewicht wieder geschlossen wird. Das ermöglicht, dass die Ventilleinen in einem spitzeren Winkel zur Umlenkrolle geführt werden, was zu einem sehr effizienten Ventil führt. Diese Innovation war nötig, da Kubicek sich dazu entschieden hat, das Parachute am obersten Lastband anzunähen (die schwarzen Punkte auf der folgenden Illustration). Ventilleinen welche das Parachute im gewöhnlichen Rahmen öffneten, erwiesen sich bei schnellen Landungen als ineffizient. Dieses Problem ist mit dem Paralite Geschichte. Ausserdem kann sich das fixierte Paralite bei schnellen Steigmanövern nicht verschieben oder gar öffnen. Mir persönlich gibt das eine enorme Sicherheit.
Die extrem schlanke Form in Kombination mit dem effizienten und leicht bedienbaren Paralite (sogar von leichten Pilotinnen einhändig zu bedienen), welches auch in der Luft total sicher voll geöffnet werden kann, machen die Racer von Kubicek damit meiner Meinung nach zu den besten Wettkampfballonen auf dem Markt. Natürlich hat jedes Produkt im Vergleich mit den Konkurrenten auch Nachteile. Der sehr langlebige Polyester-Stoff ist im Vergleich zu den Nylon-Stoffen etwas sperriger beim zusammenpacken und insbesondere das Auspressen nach der Fahrt gestaltet sich aufgrund des fixierten Paralites oft etwas mühsam (dafür ist das Schliessen desselben beim Aufrüsten umso einfacher).
Als sich meine Eltern im vergangenen Jahr aufmachten, die Weltmeere zu erobern (SY-RONJA), war klar, dass die beiden nicht mehr bei jedem Wettkampf dabei sein würden. Nach dem hervorragenden 5. Rang an der vergangenen Weltmeisterschaft in Japan habe ich mir überlegt, welche Möglichkeiten ich habe, um meine Leistung zu optimieren. Auch wenn dieser 5. Rang auf dem Papier sehr gut aussieht, so fehlt zur absoluten Weltspitze doch noch einiges. Auch dank wertvollen Beobachtungen und Inputs meines Teams bin ich zum Schluss gekommen, dass mein Ballon doch einiges träger ist, als die meist kleineren und leichteren Ballone meiner Konkurrenten. Die logische Konsequenz aus den neuen Gegebenheiten war ziemlich schnell klar. Ich brauchte einen kleineren, auf einen allein fahrenden Piloten, optimierten Racer. Wahrscheinlich hätte ich – nach meinem 5. Rang – bei den Konkurrenten von Kubicek Balloons einen sehr guten (besseren 🙂 ) Preis aushandeln können. Da ich aber vom Tschechischen Produkt absolut überzeugt bin und auf gar keinen Fall einen technischen Rückschritt machen wollte, fing ich an mit Kubicek zu verhandeln. Gleichzeitig lief Ende 2016 mein Vertrag mit der Firma FIBOX aus. So kam es nach einigen Anläufen zu diesem Entwurf:
Das Konzept orientiert sich offensichtlich am ersten FIBOX-Racer. Für mich war nach den gemachten Erfahrungen klar, dass ich wieder zwei volle Reihen mit feuerfestem Nomex (der orange Stoff ganz unten) möchte. Kubicek verkauft übrigens speziell resistenten Nomex-Stoff. Die Verfärbungen dieses Stoffes sind auch bei mehrmaligem Kontakt mit der Flamme des Brenners minim. Auch wollte ich den Ballon wieder mit dem bewährten Paralite ausrüsten. Diese beiden Faktoren erhöhen das Gewicht einer Hülle dieser Grösse zusammen mit der aufgedruckten Werbung jedoch gerne um 15 bis 20 Kilogramm. Um diesem Gewicht entgegenzuwirken habe ich mich in den unteren zwei Dritteln (alles zwischen Nomex und Silber) für den neuen Kubicek Polyester Light entschieden. Der oberste Teil des Ballons besteht aus einem speziell beschichteten silbernen Stoff. Damit verbinden sich in diesem Ballon die zwei innovativsten Stoffe von Kubicek Balloons. Der silberne Stoff sollte dank seiner zusätzlichen metallischen Beschichtung dichter sein und die Wärmeeinstrahlung der Sonne besser aufnehmen während der Leichtstoff zwar etwas schlechtere mechanische Eigenschaften besitzt, aber mit 43g pro m² gut 37% leichter ist als der normale Stoff (68g pro m²).
Dank der grosszügigen Unterstützung der Firma FIBOX und dem technischen Know-how von Kubicek Balloons konnte diese Woche der neue, 83 kg (gegenüber 125 kg bei meinem BB22XR) leichte FIBOX-Racer mit einem Volumen von 1700m³ (aka Fiböxli) in Tschechien zum ersten Mal gefüllt werden.
Ich werde in Zukunft, je nach Gegebenheiten, mit dem einen oder anderen Racer an Wettbewerben starten. Natürlich werde ich bei schlechten Leistungen behaupten, für die vorherrschenden Bedingungen wäre jeweils der andere Racer besser geeignet gewesen 😉 doch im Moment erhoffe ich mir durch den kleineren, leichteren Ballon eine weitere Möglichkeit zu meiner persönlichen Verbesserung. Spätestens nach der Europameisterschaft im August 2017 werde ich dazu ein erstes Fazit ziehen können. Die ersten Fahrten mit dem neuen Gerät hoffe ich beim Training der Nationalmannschaft anlässlich der Emmentaler Ballonwoche machen zu können. So wie es aussieht wird dort übrigens auch Kubicek vertreten sein um die neuen Stoffe vorzustellen. Von all diesen Abenteuern werde ich hier wie gewohnt berichten.
So sieht er jetzt also aus, der neue FIBOX-Racer:
Gestern Abend fand in feierlichem Rahmen die Abschlussfeier der 22. Heissluftballon Weltmeisterschaft statt, bei der die zehn besten Piloten geehrt wurden. Gleichzeitig wurde mit dem österreichischen Gross-Siegharts der Austragungsort der nächsten Weltmeisterschaft vorgestellt. Während der Grossteil meines Teams zusammen mit dem Team Zeberli bereits morgen nach Hause fliegt, sind Helen und ich nach Nagasaki gereist und werden noch bis nächsten Dienstag die südlichste Insel Japans, Kyushu, erkunden. Leider ist das Wetter im Moment nicht gerade schön, aber wir sind ja nicht hier um Ballon zu fahren… 🙂
Lange hat es gedauert und wir haben nervös die Entwicklung der verschiedenen Resultatpublikationen verfolgt. Jetzt sind die Ergebnisse Final und damit ist es definitiv. Rhett Heartsill (USA) ist der 22. FAI Heissluftballon Weltmeister vor Rimas Kostiuskevicius (LTU) und Stefan Zeberli. Wir belegen trotz den Patzern von heute Morgen den sensationellen 5. Rang. Vielen Dank an Stefan, sein gesamtes Team und die ganze Nationalmannschaft für die grossartige Zusammenarbeit. Danke an die Fans zu Hause für die Kommentare und das Mitfiebern. Herzlichen Dank an die Firma Fibox für die finanzielle Unterstützung ohne die so eine Unternehmung für mich nicht möglich ist! Und das Allerwichtigste: Danke an meine Eltern Elsbeth und Christian, ohne die ich nicht wüsste was Ballone sind. Danke an Helen und Boris und danke an Kanako, die uns mit ihrer fröhlichen Art jede Erlaubnis der Landwirte entlockt hat. Für heute gehören wir zu den fünf besten Ballonteams der Welt!
FIN, JDG, PDG, JDG und FON gab es zum Abschluss der Weltmeisterschaft. Nach der sehr guten Fahrt von gestern Abend lagen wir auf dem vierten Platz. Am Fly In drehte der Wind gleich bei unserer Anfahrt nach rechts und wir verpassten das Ziel. Ich markerte zwar noch auf etwas über 20 Meter, das wird heute nur zwischen 200 und 300 Punkte wert sein. Am ersten JDG wurde ich von einem Pulk Ballone bedrängt. Der Markerwurf auf etwas über sechs Meter hört sich zwar nicht schlecht an, ist aber in etwa gleich viel wert wie derjenige beim ersten Ziel. Das PDG hatten wir auf der Linie zwischen den beiden JDGs gelegt. Das Ziel war schwierig zu erreichen und alles ausserhalb 100 Meter wird No Result geben. Hier konnte ich auf 70 Meter markern. Die 100 Meter Regel wurde heute vom Event Director bei einigen Zielen so gesetzt. Vermutlich soll damit die Auswertung der Resultate beschleunigt werden. Am zweiten JDG erreichte ich nochmals ca. sechs Meter und am FON etwas über drei Meter. Grundsätzlich hat sich die Fahrt nicht schlecht angefühlt, von dem was die anderen Piloten erzählen, könnte es uns noch ordentlich zurück spülen, was natürlich eine Enttäuschung sein wird. Trotzdem haben wir hier einen guten Eindruck hinterlassen und meine Crew und ich haben eine Woche lang unser Bestes gegeben und etwas unerwartet an der absoluten Weltspitze unter den ersten Plätzen mitkämpfen können.