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Erdöl oder intakte Natur? In einem Referendum befindet die ecuadorianische Stimmbevölkerung am Sonntag über die Ölförderung im Nationalpark Yasuní. Es ist weltweit das erste Mal, dass sich die Stimmbevölkerung per Referendum gegen die Erdölförderung aussprechen könnte – in Ecuador wird dieses Wochenende also vielleicht Geschichte geschrieben.
Der Yasuní Nationalpark im Osten Ecuadors ist ein einer der artenreichsten Regionen der Welt. Fast 600 Vogelarten und über 200 verschiedene Säugetiere leben im Yasuni, über 3000 Pflanzenarten sind dokumentiert. Die letzten isoliert lebenden indigenen Völker Ecuadors leben im Yasuni. Doch die Erdölförderung bedroht den Nationalpark, und alle Wesen, die in ihm leben.
2007 machte die ecuadorianische Regierung der Weltgemeinschaft einen geradezu revolutionären Vorschlag. Zum Schutz des Weltklimas, der indigenen Gemeinschaften und der Artenvielfalt soll das Öl in Yasuní im Boden bleiben. Im Gegenzug soll die internationale Gemeinschaft Ecuador für die daraus entstehenden Verluste kompensieren. Die Idee mit den Kompensationszahlungen war kreativ, ging aber nicht auf. Die entwickelten Länder des globalen Nordens haben zu wenig Geld in diesen Fonds eingezahlt, der es Ecuador ermöglicht hätte, seine Natur zu schützen. Deswegen hat die ecuadorianische Regierung 2013 die Erdölförderung im Yasuni wieder aufgenommen. Schnell regte sich Widerstand. Eine zivilgesellschaftliche Initiative namens Yasunidos gründete sich, eine Verschmelzung des Namens des Nationalparks Yasuní mit dem spanischen Wort für vereint, ‚unidos‘.
Mittels eines Referendums will Yasunidos den Yasuní retten. Dafür sammelte die Initiative über 700 000 Unterschriften, von denen der nationale Wahlrat aber mehr als die Hälfte für ungültig für ungültig erklärte. Während zehn Jahren kämpfte Yasunidos für die Anerkennung der gesammelten Unterschriften. Sie zog den Fall bis vor das Oberste Gericht und kriegten im Mai diesen Jahres recht. Diesen Sonntag wird nun landesweit über das Referendum abgestimmt, zusammen mit den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen. Wenn die Ecuadorianer*innen dem Ende der Erdölförderung im Yasuní zustimmen, könnten sie Geschichte schreiben: für die Biodiversität, für die indigene Bevölkerung, aber auch für das Weltklima und nicht zuletzt für die Bedeutung der direkten Demokratie in der Klimakrise.
Das Interview mit Eduardo Ramos führten unsere Kolleginnen vom Radio Helsinki in Graz.