Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03458.jsonl.gz/1243

Wo Wassertürme sich erheben
Vier Wassertürme in der Region Basel sorgen für den nötigen Druck in den Wasserleitungen der Haushalte und der Industrie: Bruderholz, Allschwil, Schönenbuch und St. Chrischona.
«Vom Wasser haben wir’s gelernt ...» Im Volkslied singt der Müller von seiner Lust beim Wandern am Lauf des Wassers, das Tag und Nacht keine Rast hat und stets auf Wanderschaft bedacht ist.
Wasserwege sind weit verzweigt. Für die Nutzung wird das köstliche und lebenswichtige Nass an der Quelle gefasst oder aus dem Grundwasser geschöpft. Die Gemeinde Schönenbuch fasst ihr Trinkwasser aus eigenen Dorfquellen. Die Nachbargemeinde Allschwil hat das Quellwasser auch abgeleitet, bis ihr die verseuchte Deponie Im Letten am Lörzbach zum Problem wurde. Seither lässt Allschwil das Grundwasser ableiten, das aus der Birsfelder Hard und den Langen Erlen gepumpt wird.
Wasser fliesst nicht ohne Druck aus der Leitung. Diesen Druck muss man zuerst aufbauen. Wassertürme funktionieren nach dem physikalischen Prinzip von kommunizierenden Röhren, die den Druck in einem U-förmigen Behälter gleichmässig verteilen. Die Einheit des hydrostatisch erzeugten Drucks ist das Bar. Sie entspricht einem Zehntel der Wasserhöhe in Metern. Ein 30 Meter hoher Turm ergibt einen Druck von 3 Bar, was für eine Wasserleitung zum Verbraucher hoch genug ist.
Wasser ist ein heikles und kostbares Gut. Die Verbindung von zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom (H2O) muss von der Quelle bis zum Verbraucher rein gehalten werden. In den Tanks der Wassertürme herrscht denn auch strenge Hygiene. Chemische Zutaten sind hierzulande verpönt. In Schönenbuch wird dem Wasser höchstens eine Prise Kalk zugemischt. Worin unterscheiden sich die weithin sichtbaren Wassertürme in der Region?
Wassertanks im Fernsehturm
Der Fernsehturm St. Chrischona steht an der Landesgrenze, auf der höchsten Erhebung des Kantons Basel-Stadt, auf 500 Metern über Meer; der Turm selbst ist bis zur Spitze 250 Meter hoch. In diesem Turm wird das Grundwasser aus den Langen Erlen 100 Meter bis auf die Höhe der Parabolantennen hochgepumpt. Es erreicht so den nötigen Wasserdruck und versorgt die Brüder und Schwestern der benachbarten Pilgermission sowie die Patienten der REHA-Klinik.
Das Denkmal Wasserturm Bruderholz
Einem Leuchtturm ohne Sturmwarnscheinwerfer gleicht der 1926 erbaute, denkmalgeschützte Wasserturm auf dem Bruderholz. Er ist 36 Meter hoch und überragt mit seinen 430 Metern über Meer bis zum Dachkranz den dominanten Roche-Turm immer noch um 50 Meter. Die beiden Tanks fassen 1140 m3 Wasser. Architektonisch ist der neunzigjährige Wasserturm mit seinem runden Treppenhaus auch inwendig eine Augenweide. Er ist frei zugänglich und bei Ausflüglern sehr beliebt. Für den Aufstieg über die 115 Stufen wird man mit einem freien Weitblick über das Dreiland belohnt.
Aussichtsturm Allschwil mit Lift
Der Allschwiler Wasserturm überragt im gleichnamigen Wald mit seinen 42 Metern über Boden die Baumkronen. Er ist mit 119 Meter langen Betonpfählen tief im Lössboden verankert und wurde im Jahre 1973 eingeweiht. Er enthält zwei Reservoire mit 990 Kubikmetern, also fast einer Million Liter Trinkwasser. Der Turm ist sonntags für Besucher geöffnet. Ein Lift führt auf die 30 Meter über Grund liegende Plattform, von der aus man an schönen Tagen in die Ferne bis zu den Vogesen, in den Schwarzwald und zu den Jurahöhen sieht.
Wasserturm Allschwil
Von den Quellen hinauf zum Wasserturm
Der jüngste im Dreierbund der eigenständigen Wassertürme ist derjenige von Schönenbuch. Die 1500-köpfige Gemeinde ist 700 Jahre alt und wird als am äussersten Kantonszipfel gelegenes Dorf im Baselbieter Lied «Vo Schönebuech bis Ammel» mit einem lüpfigen Auftakt begrüsst. Es ist von französischen Grenzsteinen eingekreist und auf der Strasse nach Allschwil und Basel mit der 33er-Buslinie der BVB an das öffentliche Netz angebunden.
Die Schönenbucher zapfen ihr Trinkwasser in den eigenen Quellen ab und pumpen es in den 30 Meter hohen Wasserturm hoch. Den 1990 eingeweihten, an der Neuwiller Grenze stehenden Turm erklimmt man auf 160 Stufen bis zur 430 Metern über Meer hohen Plattform. Beim Aufstieg erkennt man die Auf- und Abstiegsrohre, die Sender der mobilen Telefonanbieter und den dicken Kupferdraht, der die Blitze in den Boden ableitet.
In den beiden Kavernen stehen 600000 Liter 2 Grad kaltes Wasser. Die Fallhöhe garantiert für die Haushalte und Industrie des Dorfes einen Druck von ca. 3 Bar. Die Öffnung zur Wasserkammer gibt den Blick frei in die Untiefen des reinen Trinkwassers, was das Sprichwort assoziiert, wonach stille Wasser tief gründen.
Text: Jürg Erni