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Glarus den 5. Dezember 1852.
Mein theurer Freund!
Indem ich Dir Deine Antwort auf meine letzte Anfrage auf's wärmste verdanke, will ich Dir heute nur mit wenigen Worten mittheilen, daß die Eisenbahnversammlung, welche auf heute einberufen worden, zwar nicht zahlreich, jedoch von sehr achtbaren u. einflußreichen Männern besucht war u. daß sich im Allgemeinen sehr viel Eifer kund gab, eine Eisenbahnverbindung von Wallenstadt an den Zürichsee, wo immer möglich mit einer Zweigbahn nach Glarus, zu Stande zu bringen. Sehr gehoben wurde der Muth dadurch, daß man aus den letzten Verhandlungen in Ragaz, denen Landammann Jenni beigewohnt hatte, vernahm, daß eine sehr solide französische Gesellschaft sich bereit erklärt habe, das für die Südostbahn mit Verlängerung nach Rapperschwyl nöthige Kapital von circa 22 Millionen herzugeben, jedoch nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß bis an den Zürichsee gebaut werde. Es ist nun ein Comite niedergesetzt worden, welches die erforderlichen Schritte thun soll, damit für die Bahn Wallenstadt–Zürichsee, welche die Südostbahngesellschaft vorerst wenigstens nicht in ihr Programm aufnehmen will, eine eigne Gesellschaft sich bilde. Das Comite hat für nöthig gefunden, allervorderst über die in Zürich herrschende Stimmung durch eine Abordnung sich nähern Aufschluß zu verschaffen, u. hat zu Abgeordneten Hrn. Rathsherr P. Jenni u. mich bezeichnet, – meinen Collegen wegen seiner vielen Verbindungen mit dem dortigen Handelsstande, mich wegen meiner Bekanntschaft mit den Regierungsgliedern, | insbesondere wegen meines freundschaftlichen Verhältnisses zu Dir. Leider können wir nun wegen einer auf nächsten Donnerstag angesetzten Landrathssitzung u. aus andern Gründen unsre Mission erst zu Ende dieser Woche ausführen, u. ich möchte Dich daher ersuchen, wenn inzwischen in Zürich irgend welche, auf unser Bahnprojekt bezügliche Vorgänge stattfinden sollten, mich davon in Kenntniß zu setzen. Bei den vielen Geschäften, welche Dir dermalen obliegen, ist dieses Ansuchen von mir vielleicht etwas unbescheiden, allein ich hoffe mich nicht zu irren u. schließe es auch aus der Ermunterung zum Vorwärtsschreiten, die sich am Ende Deines Briefes findet, daß du die günstige Gesinnung, welche Du seiner Zeit für die Wallenseestraße bezeigtest, nun auch auf die beabsichtigte Eisenbahnverbindung Zürich's mit Chur übertragen werdest. Man hofft hier in Zürich, um dessen nächste u. natürlichste Interessen es sich handelt, sey es bei der Regierung, sey es bei Privaten, Unterstützung zu finden; man wünscht dies um so mehr, weil wir mit Dir der Ansicht sind, daß nicht Alles fremden Spekulanten überlassen, sondern dem Inlande der ihm gebührende Einfluß gesichert werden sollte.
Ich breche für heute ab, indem ich bald das Nähere mündlich mit Dir besprechen zu können hoffe. Empfange die freundschaftlichsten Begrüßungen
von Deinem
J J Blumer.