Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/2084

Ein normaler Mensch sieht etwa zehn Millionen verschiedene Farben, doch die Künstlerin Concetta Antico ist kein normaler Mensch. Die junge Frau aus Kalifornien ist ein sogenannter «Tetrachromat» und sieht 100 Millionen Farben. Wissenschaftler versuchen, ihre Fähigkeit zu verstehen und sehen es als enormen evolutionären Vorteil.
Wenn Concetta Antico in den Nachthimmel blickt, sieht sie nicht einen schwarzen Hintergrund mit Sternen, sondern ein Gemisch aus Blau-, Violett- und Grüntönen. Anders als bei uns ist der Nachthimmel für Antico pulsierend und lebendig. Der Grund für dieses erweiterte Farbspektrum liegt in ihren Genen. Antico wurde von Wissenschaftlern untersucht und man stellte fest, dass die Frau eine sogenannte «Tetrachomatin» ist.
Die meisten Menschen besitzen drei Farbrezeptoren (Trichromat) und können rund zehn Millionen verschiedene Farben damit erkennen, etwa acht Prozent der Menschheit ist jedoch farbenblind und hat nur zwei Farbrezeptoren (Dichromat). Das Bild unten ist eine ungefähre Darstellung, wie farbenblinde Menschen sehen. Eine etwas detailliertere und kommentierte Version, findet ihr hier.
Aber was ist nun ein «Tetrachomate»? Ein «Tetrachomate» besitzt vier Farbrezeptoren und sieht zehn Mal mehr Farben als ein normaler Mensch, also 100 Millionen verschiedene Farben. Das Farbspektrum eines «Tetrachomaten» verhält sich zu dem eines normalen Menschen etwa so wie das eines normalen Menschen zu einem Farbenblinden. Es wird geschätzt, dass nur etwa zwei Prozent der Menschen «tetrachomat» sind und nur eine Hand voll dieser zwei Prozent die genetische Veranlagung besitzt, um das erweiterte Farbspektrum zu verarbeiten.
Ein solcher Mensch ist Concetta Antico. Gegenüber «Upvoted» beschreibt sie ihr Sehen wie folgt: «Die Haut hat zum Beispiel keinen einheitlichen Ton, sondern ist unterteilt in verschiedene Bereiche. Anhand der Hautfarbe, die manchmal bis in ein graues Gelb wechselt, erkenne ich etwa, wenn jemand krank ist.»
Kimberly Jameson, eine Wissenschaftlerin, die Antico studiert hat, sieht darin einen enormen Vorteil. In ihrer Studie erkennt sie, dass Ärzte, die «tetrachomat» sind, Patienten anders diagnostizierten, als Ärzte die normal sehen. Wissenschaftler glauben, dass nur Frauen «Tetrachromaten» sein können, weil sie zwei X-Chromosomen besitzen, welche grüne und rote Zapfenzellen bereitstellen. Sie vermuten, dass die extrem seltene Krankheit durch eine Mutation im X-Chromosom verursacht wird.
Dennoch sehen «Tetrachromaten» Farben nicht automatisch anders als normale Menschen. Vielmehr empfinden sie die vielen Farben wie einen Wirbelsturm. Deshalb müssen auch die Augen eines «Tetrachromaten» erst geschult werden, um die Eindrücke richtig aufnehmen und verarbeiten zu können. Wie die Welt durch die Augen einer «Tetrachromatin» aber genau aussieht, wird sich dem Normalsichtigen wohl nie so recht erschliessen.
Wie Antico beschreibt, hat es allerdings nicht nur Vorteile, ein erhöhtes Farbspektrum aufzunehmen. Supermärkte findet sie beispielsweise langweilig: «Alles ist so einfach und flach, die Farben sind grob und gekünstelt.» Am schönsten findet die Künstlerin dagegen Blumen: «Die Farben sind unendlich und überraschend, vor allem in Rosen verstecken sich unzählige Farben. In einer, für normale Menschen, pinken Rose erkenne ich blaue, grüne, violette und gelbe Tupfer».