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Robbenfelle.
Das artenreiche Geschlecht der Robben (Phoca), unter welchen der gemeine Seehund (Ph. vitulina) in den europäischen Meeren und im Atlantischen Ozean der gewöhnlichste ist, nützt durch seine Haut und seinen Thran (vgl. Thran). Es müßten wenigstens 20 verschiedne Arten aufgezählt werden, von denen jedenfalls Felle an den Markt kommen; der Handel aber unterscheidet, neben sehr vielen Untergattungen, der Hauptsache nach zwei Arten: Haar-Seehunde (Hair Seals) und Pelz-Seehunde (Fur Seals). In der erstern Gattung sind alle diejenigen inbegriffen, die nur ein straff anliegendes kurzes Oberhaar, in der andern diejenigen, die unter diesem die sehr feine dichte Wolle besitzen.
Die meisten Robben werden in den Gewässern des hohen Nordens gefunden; einige Arten kommen aus der Südsee. Viel Robbenschlag ist oder war in den südlichen Meeren bei den Falklandsinseln, an Neuseeland, Südaustralien, den Sandwichinseln etc., doch sind manche ehemals reiche Plätze jetzt verödet durch Ausrottung und Verscheuchung. Die größten und nachhaltigsten Ernten scheinen die Fischer von Neufundland, Neuschottland und Labrador zu machen, welche den Vorteil haben, daß das Wild ihnen aus fernen Gegenden zugetrieben wird. Im März und April treiben mächtige Eisfelder aus den Polarmeeren südwärts, begleitet und bedeckt von großen Heerden Robben.
Die
Fischer, deren Häfen dann in der Regel noch durch
Eis geschlossen sind, sägen sich heraus und gehen nach den Eisfeldern
auf die Suche. Wie überall sucht man die
Tiere zu überraschen, wenn sie bei schönem Wetter auf dem
Eise
schlafen, und ihnen den Rückweg zum Wasser abzuschneiden. Sie sind dann durch einen Knüppelschlag auf die Nase leicht zu
töten. In der Regel sind es aber nur junge
Tiere, die sich in dieser Art überraschen lassen; die alten sind zu schlau und
vorsichtig dazu, und diesen sucht man durch Schießgewehr beizukommen. Den erlegten
Tieren zieht man das
Fell samt dem darunter sitzenden
Speck ab und läßt das übrige liegen. Das Fett wird dann zur Thrangewinnung abgelöst und
die Haut an der Luft getrocknet oder gewöhnlicher eingesalzen. Es gibt Fahrzeuge, die allein zur Robbenjagd tauglich sind;
die Walfischfahrer indes verschmähen das kleine
Wild auch nicht und müssen sich an ihm öfter für den
Mangel des großen schadlos halten. - Die
Robbenfelle kommen in allen Größen von 9 bis 30 dm Länge und 6-18 dm Breite
an den Markt. Die Haupthandelssorten sind: Klappmützen von der Kappenrobbe oder Klappmütze (Ph. cristata) bei Grönland,
20-24 dm lang, schwärzlich mit grauen Flecken, auf dem Rücken sehr dunkel;
Blaumänner, Whitecoats (junge Blaumänner);
Sattler, mit zwei schwarzen Streifen in Form eines Sattels auf dem Rücken;
blauseitige;
bunte oder gesprenkelte;
ordinäre Seehunde. Für den Markt werden die importierten Felle nach ¶
mehr
Maßgabe ihrer Gebrauchsfähigkeit sortiert. Ein größerer Teil verfällt dem Gerber und giebt sehr gutes Schuhleder. Aus gespaltnen Fellen werden die feinsten Damenschuhe gemacht. Andre Arten werden wie der gemeine Seehund mit dem Haar gegerbt, zum Teil gefärbt, und dienen so für Militär- und Sattlerzwecke, zu Koffern, Tornistern u. dgl. Der Wert derselben ist 2-10 Mk.
Einige Arten endlich, und zwar die wertvollsten, zählen zu den eigentlichen Pelztieren und heißen demnach Pelz- oder Biberseehunde. Dahin gehören der Seebär (Ph. ursina) aus dem Meere zwischen Kamtschatka und Nordamerika (Alaskainseln) und die Ohrenrobbe aus der Südsee, wie überhaupt die meisten derartigen Pelztiere von der südlichen Erdhälfte, aus dem Atlantischen, Stillen und Indischen Ozean herkommen, die besten von den Küsten Australiens, von den Lobos- und Falklandsinseln, die geringsten vom Kap. Man unterscheidet die größten als Wigs, von 24-27 dm Länge, kleinere als Pups, 9 bis 12 dm lang.
Diese Pelzfelle unterscheiden sich von den übrigen Robben durch eine seidenartig feine, gelbliche Grundwolle, die sie unter dem straffen und harten grauen Oberhaar tragen. Sie werden abweichend von der gewöhnlichen Pelzbereitung auf der Fleischseite mit Kalk gebeizt, bis das Oberhaar gelockert ist und abgeschabt werden kann. Die Wolle bleibt dabei fest stehen, da sie nicht so tief wurzelt und also durch den Kalk nicht gelockert wurde. Gewöhnlich wird das Unterhaar dunkel kastanienbraun gefärbt; die Engländer verstehen sich auf die Bereitung so gut, daß die Felle dem schönsten braunen Samt gleichen und als Luxusgegenstand zu allerlei Zwecken feiner Bekleidung dienen.
Der Preis der rohen Felle ist 30 bis 120 Mk.; die Alaska Company führt davon jährlich etwa 150000
Stück zur Auktion nach London, die heute bei einem Durchschnittswert von ca. 60 Mk. 9000000
Mk. Kapital entsprechen, das in einer oder zwei Auktionen von wenigen Stunden realisiert wird. -
Zoll: R. zur Rauchwaren- und zur Lederbearbeitung sind zollfrei.
Robbenfelle-leder Nr. 21 a.
Robbenfelle-thran Nr. 26
c 3. Rauchwaren aus R. Nr. 28 a oder 28 b. Schuhmacher- und Sattlerwaren aus
Robbenfelle-leder gem.
Tarif Nr. 21 c oder 21 d.