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Die beiden grössten Banken der Schweiz, Credit Suisse und UBS, präsentieren sich gerade wie Tag und Nacht. Letzte Woche vermeldete die UBS den höchsten Jahresgewinn seit 2006. Während bei ihr ein Gewinn von über 7,6 Milliarden zu Buche steht, verlor die CS im selben Jahr 7,3 Milliarden Franken. Damit verkündet die angeschlagene CS am Donnerstag das schlechteste Jahr seit 2008. Eine Übersicht über die Zahlen und die Gründe:
Die Credit Suisse schrieb im vergangenen Jahr 7,3 Milliarden Franken Verlust.
Von den vier grossen Sparten lief es in drei davon schwach, besonders im letzten Quartal:
Das Wealth Management (die Vermögensverwaltung für reiche Kunden) sowie das Asset Management (die Vermögensverwaltung für institutionelle Anleger, wie Pensionkassen) schrieben im vierten Quartal einen Verlust. Und im Investmentbanking vergrösserte sich der Verlust massiv. Einzig im Geschäft mit Schweizer Kunden (Swiss Bank) konnte die CS noch einen Gewinn ausweisen.
Insbesondere das Wealth Management fügte der CS also erhebliche Verluste zu: Vor Steuern machte sie von Oktober bis Dezember einen Verlust von 155 Millionen. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum erzielte die CS im Jahr vorher einen Vorsteuergewinn von 138 Millionen. Im ganzen Jahr 2022 konnte sie in dieser Sparte zwar noch einen Gewinn von 249 Millionen ausweisen – was allerdings einem Rückgang von 86 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht, wie die Bank in ihrer Medienmitteilung schreibt.
«Wir verfügen über einen klaren Plan zur Schaffung einer neuen Credit Suisse», heisst es in der Medienmitteilung. Die «neue Credit Suisse» soll deutlich schlanker und mit dem Abstossen von volatilen Sparten wie dem Investmentbanking weniger risikoanfällig werden.
Insgesamt sind es radikale Umbaupläne, insbesondere des Investmentbankings, welche die Grossbank, die seit den 80er Jahren zu den ganz grossen im US-Investmentbanking gilt, schon jetzt und in den nächsten Jahren vornimmt. Um diese Pläne zu finanzieren, nahm die CS bei Investoren aus den Golfstaaten einen Kredit von vier Milliarden auf. Das hat die Geschäftsleitung der CS bereits im letzten Jahr kommuniziert.
Für den Umbau im Investmentbanking will die Bank diesen Teil in eine dafür neu gegründete Investmentbank auslagern: CS First Boston. Sie wird im Prinzip denjenigen Teil der CS beinhalten, von dem man glaubt, dass er praktisch keinen Wert mehr hat – oder gar zur Belastung wurde. Am Donnerstag kam nun die Information dazu, dass sie dafür die Investmentbank des US-Finanzunternehmers Michael Klein (M. Klein & Company) erworben hat. Die CS zahlte dem Unternehmer dafür 175 Millionen Dollar.
Klein erhält dafür eine Beteiligung an der CS First Boston. Ausserdem wurde der US-Amerikaner zum CEO of Banking und zum CEO of the Americas der Credit Suisse sowie zum CEO der CS First Boston ernannt – de facto steht der Finanzunternehmer also nun an der Spitze von dem, was bei der CS vom Investmentbanking noch übrig bleibt, respektive neu gebildet werden soll. Die CS erhofft sich so, das Investmentbanking wieder aufzupäppeln. In einigen Jahren soll die CS First Boston ausserdem an die Börse.
Der Deal mit Klein ist allerdings nicht ganz unumstritten, weil Klein bereits vorher im Verwaltungsrat der Credit Suisse sass – und damit eigentlich mitbestimmte, wie die Bank saniert werden soll.
In ihrer Medienmitteilung schreibt die Grossbank: Der Kauf sei «ein weiterer Meilenstein beim Carve-out der CS First Boston als unabhängige führende Bank für Kapitalmärkte und Beratung».
An ihrer Medienkonferenz teilte die Credit Suisse am Donnerstag ausserdem mit, dass die CS-Angestellten für das vergangene Jahr deutlich tiefere Boni erhalten würden. Im Vergleich zum Jahr 2021 betrage der Bonuspool für das letzte Jahr 50 Prozent weniger.
Aufgrund der schlechten Quartalszahlen in den letzten drei Monaten 2022 wurde das Minus ungefähr in dieser Höhe antizipiert. Es ist allerdings schon der zweite Milliardenverlust der CS in Folge: Schon 2021 wies die Bank einen Jahresverlust von 1,6 Milliarden aus. In besagtem Jahr trafen die CS vor allem die beiden Skandale rund um den Hedge-Fonds Archegos und die Greensill-Lieferkettenfonds.
Der Verlust im letzten Jahr von 7,3 Milliarden Franken ist der höchste seit 2008, als die Finanzkrise mit voller Wucht zuschlug. Damals machte die Credit Suisse sogar 8,2 Milliarden Franken rückwärts.
Der schlimmste Verlust für die CS ist allerdings derjenige, der einer Bank am meisten schmerzt: die Kunden. Diese haben zwischen Oktober und Ende Dezember 111 Milliarden Franken abgezogen. Insgesamt verlor die CS im ganzen Jahr 123 Milliarden.
Zwar lässt die CS verlauten, dass die Kundenabflüsse im neuen Jahr bereits deutlich zurückgegangen sind. Trotzdem dürften sich die klar niedrigeren Kundeneinlagen auch im laufenden Jahr spürbar machen und so einen negativen Effekt auf den diesjährigen Gewinn haben – mit weniger Geld lässt sich auch weniger erwirtschaften.
Auch die Grossbank selbst erwartet ein weiteres schwieriges Jahr. In ihrer Medienmitteilung schreibt sie: Berücksichtige man die Aufwände für die grosse Restrukturierung und die Kosten für den Ausstieg aus dem Investment Banking, dann «erwartet die Credit Suisse zudem für 2023 einen erheblichen Vorsteuerverlust für die Gruppe.»
Die Gründe sind zweierlei: Einerseits war 2022 aufgrund des schwierigen Marktumfelds wie sinkender Börsen kein gutes Jahr für Finanzinstitute. Andererseits, und das fiel weit stärker ins Gewicht, ist der Verlust eine Folge mehrerer kapitaler Fehler der Grossbank.
Dass die Credit Suisse aber an einem besonders wunden Punkt getroffen wurde – der grosse Kundenabfluss –, hat mit der Angst zu tun, die Bank habe grosse Liquiditätsprobleme, die im Herbst 2022 umherging. Insbesondere in den Sozialen Medien wurde damals wild spekuliert, worauf sich viele Anleger massiv gegen Verlust versicherten. Das wiederum befeuerte die Gerüchte erneut, und die Aktie verlor massiv an Wert.
Diese Episode spiegelt sich denn auch in den oben genannten Jahreszahlen wider: Die grössten Verluste kamen allesamt im letzten Quartal zustande.
Nach Eröffnung der Börse verlor die CS-Aktie, die mit 3.18 Franken eröffnete, an Wert – zwischenzeitlich bis zu fünf Prozent. Vor dem Mittag schwankt sie zwischen 3.05 und 3.10 Franken.
Innerhalb des letzten Jahres verlor die CS-Aktie rund 65 Prozent an Wert. Im Februar 2022 stand sie noch bei 8.75 Franken. Zum Vergleich: 1998, 2000 und kurz vor der Finanzkrise hatte die Aktie der Credit Suisse jeweils einen Wert von knapp über 80 Franken.