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Karenz
Hierunter versteht man die Vermeidung des Allergieauslösers. Dazu muss
dieser natürlich zunächst identifiziert werden.
Die Karenz ist theoretisch die beste Therapie, da ohne Kontakt zum Auslöser keine allergischen Beschwerden auftreten, sie nichts oder wenig kostet und keine Nebenwirkungen hat.
Sie ist jedoch nicht bei jeder Allergie möglich. Es kann schwierig oder unmöglich sein, einen Allergieauslöser selbst zu identifizieren, insbesondere bei ganzjährig anhaltenden Beschwerden. Mitunter sind selbst ergriffene Maßnahmen wirkungslos, teuer und aufwändig (z.B. Wohnraumsanierungen) oder ungesund/gefährlich (ungeeignete Diäten oder Medikamente).
Medikamente
Medikamente lindern die Symptome, ohne allerdings die allergische Grunderkrankung selbst zu beeinflussen. Eine Pollenallergie beispiels-weise ist mit Medikamenten gut behandelbar, tritt aber in den Folgejahren erneut auf.
Die Medikamentenbehandlung bei Allergien
Spezifische Immuntherapie
(Hyposensibilisierung)
Allergien verlaufen chronisch über Jahrzehnte, die meisten Patienten machen eine "Karriere" mit Ausweitung des Allergie-Spektrums und der Symptome durch (z.B. Entwicklung eines Asthmas bei Pollen- oder Hausstaubmilben-Allergie).
Die Spezifische Immuntherapie ist die einzige Kausalbehandlung, die den Langzeitverlauf verbessern kann. Sie wird mit dem schuldigen Allergieauslöser (nicht mit Medikamenten) durchgeführt, greift ursächlich in die allergologischen Steuermechanismen ein und führt bei den meisten Patienten zu jahrelang anhaltender Symptomlinderung, Senkung des Medikamenten-bedarfs und Verbesserung der Lebensqualität. Kinder, die eine Immuntherapie durchgeführt haben, entwickeln 45% weniger Asthma als unbehandelte Kinder (PAT- & GAP-Studie, durchgeführt über 10 bzw. 5 Jahre).
Die Chance für ein Ansprechen auf die Immuntherapie liegt für Pollen bei 85-90%, für Hausstaub-milben bei 80%, eine
akkurate allergologische Abklärung vorausgesetzt. Bei Pollen- und Milben-allergien werden durchschnittliche Symptomreduktionen um 2/3 oder mehr erreicht, mit entspre-chendem Rückgang des
Medikamentenbedarfs. Der Schutz beträgt bei Bienengiftallergie 84-96%, bei Wespengiftallergie 96-99%.
Die Immuntherapie kann nicht bei jeder Allergie durchgeführt werden. Bspw. wird sie in den aktuellen Leitlinien für Hund und Katze nicht empfohlen. Sie soll aus o.g. Gründen nur nach allergologischer Abklärung erfolgen; dies ist auch die Voraussetzung für die Erstattung der Kosten durch die Krankenversicherung (Limitation).
Je nach Allergen werden Injektionen unter die Haut (subkutan) verabreicht, oder es ist eine Behandlung in Tablettenform zuhause möglich.
So werden Pollen-Extrakte für die Immuntherapie hergestellt: Grafik
Biologika
Biologika revolutionieren viele medizinische Fachbereiche und gewinnen auch in der Allergologie zunehmend an Bedeutung. Sie wirken hoch-spezifisch auf einzelne Botenstoffe oder Zellen. Mit ihnen gelingt die Therapie bestimmter Erkrankungen sehr erfolgreich, bei denen man bislang nur ungenügend helfen konnte oder Erfolge mit einem hohen Behandlungsrisiko erkaufen musste. Die Behandlungsrisiken der nachfolgend genannten Biologika sind klein.
Damit die Kosten von der Grundversicherung übernommen werden, sind Limitationen einzuhalten.
Diäten und Ernährungsumstellungen
sind nur sinnvoll, wenn tatsächlich eine Nahrungsmittelallergie oder -Into-leranz vorliegt. Alle übrigen Erkrankungen aus dem allergologischen Formenkreis können mit Diäten nicht behandelt werden, insbesondere nicht Asthma oder Neurodermitis.
Allzu oft werden unnütze oder gar schädliche Diäten aufgrund von Inter-net-Recherchen, vermeintlichen Zusammenhängen oder Ratschlägen von Paramedizinern durchgeführt. Wegen des naturgemäß wellenförmigen Verlaufes der Grund-erkrankung haben Diäten große Placeboeffekte (>40%), weshalb sich ihre Unwirksamkeit oft erst nach längerer Zeit herauskristallisiert.
Insbesondere sollte ohne medizinischen Grund (Allergie oder Zöliakie) keine glutenfreie Diät erfolgen. Die Existenz der sogenannten Nicht-Zöliakie-Gluten-Intoleranz (NCGI) ist umstritten und nicht hinreichend nachgewiesen. Glutenarme Ernährungen haben verschiedene Nachteile (soziale Einschränkung, hohe Kosten, unsichere Glutenfreiheit, mögliche erhöhte Schwermetallaufnahme, z.T. ungünstige Ernährungsmuster).
Auch von der routinemäßigen Anwendung von Probiotika oder "Bakteriencocktails" muss zurzeit noch abgeraten werden.
Weitere Maßnahmen
Allergien sind genetisch bedingt und deshalb grundsätzlich lang-fristige (chronische, oft Jahrzehnte anhaltende) Erkrankungen.
Die Betroffenen haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand, wie stark sie unter ihren Beschwerden leiden.
(Selbst-) Hilfe kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Diagnose bekannt ist. Gutgemeinte Ratschläge von Bekannten oder Internet-Recherchen führen oft zu mehr Verunsicherung als Klarheit. Insbesondere vor Internet-Recherchen muss abgeraten werden wegen der Unzahl unseriöser Inhalte.
Eine exakte Diagnose zu stellen und die Behandlungsstrategie individuell anzupassen, ist Aufgabe der allergologischen Abklärung. Sie ermöglicht den Betroffenen weitgehendes Selbstmanagement.
Behandlungserfolge und -misserfolge
Allergien sind heute gut behandelbar. Viele Misserfolge sind auf Fehldiagnosen (es wird eine Allergie diagnostiziert, wo gar keine vorliegt - oder umgekehrt), falsche Beratungen, unnütze Behandlungen, vorzeitige Behandlungsabbrüche oder ungünstige Medikamente zurückzuführen.
Gerade bei Allergien gibt es einen riesigen Markt nutzloser Tests, Therapien und Heilsver-sprechungen. Es ist für den medizinischen Laien schwierig, zwischen seriösen und unseriösen Angeboten zu unterscheiden und die Informationsflut zu interpretieren. Der Selbstinformation via Internet, Bekannte, Erfahrungsberichte usw. sind Grenzen gesetzt.
Informationsangebote finden Sie unter Links.