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Wie verläuft eine Anhörung
Im folgenden Text geht es nicht um Anhörungen von „Kampf“-Anträgen, sondern nur um Anhörungen von Anträgen im gegenseitigen Einvernehmen.
Das Paar muss bei der Anhörung physisch anwesend sein. Es gibt normalerweise keine Scheidung oder Trennung durch Bevollmächtigte. Dasselbe gilt für einen Antrag unverheirateter Eltern auf Änderung eines Urteils oder auf Ratifizierung eines Abkommens, welches Kinder betrifft.
- Wenn einer der beiden Partner nicht physisch bei der Verhandlung anwesend sein kann, kann er oder sie von einem Anwalt oder einer Anwältin vertreten werden (BGE 131 III 182). Doch einerseits mögen es die Gerichte nicht, wenn die betroffene Person nicht anwesend ist, und andererseits wären die Anwaltskosten mit Sicherheit höher als die Kosten einer Reise, um in der Schweiz anwesend zu sein.
- Wenn ein Partner nicht anwesend oder vertreten ist, entscheidet das Gericht nicht über den Antrag und verschiebt ihn auf eine andere Anhörung (oft mehr als zwei Monate später), bis beide anwesend oder vertreten sind.
Merkwürdigerweise kann ein Partner oder eine Partnerin im Falle eines Antrags auf Auflösung einer eingetragenen Partnerschaft beantragen, aus „gerechten Gründen“ von der Teilnahme an der Anhörung befreit zu werden, insbesondere wenn er oder sie jetzt in einem fernen Land ansässig ist (Art. 307 und 278 ZPO). Der Antrag auf Befreiung muss grundsätzlich schriftlich nach Erhalt der Ladung zur Anhörung und vor dem Termin der Anhörung gestellt werden. Wenn dem Antrag auf Befreiung stattgegeben wird, entscheidet das Gericht ohne weitere Schwierigkeiten über den Antrag auf Auflösung der eingetragenen Partnerschaft.
Nach dem derzeitigen Stand der Zivilprozessordnung (Änderungen sind in Vorbereitung) kann eine Anhörung nicht von Skype, Cloud, Team etc. durchgeführt werden (4A_180/2020).
Mittels einer Verordnung hat der Bundesrat diese Art von Anlagen in der Zeit der COVID-Pandemie zugelassen (siehe hier).
Die Vorladung erhalten Sie durch einen eingeschriebenen Brief, welcher an beide der Ehegatten adressiert ist. Dieser Brief gibt Ihnen die Nummer Ihres Dossiers an. Falls einer der Ehegatten am vorgesehenen Datum nicht verfügbar ist, können Sie dem Gericht schreiben, die Nummer Ihres Dossier angeben und beantragen, dass das Datum der Anhörung später stattfindet.
Achtung: Wegen der Überlastung der Gerichte kann die Anhörung um 2 bis 3 Monate verschoben werden.
Die Ehegatten, die ein gemeinsames Scheidungsbegehren eingereicht haben, werden vom Richter einberufen. Die Zeitspanne zwischen dem Einreichen des Begehrens und dem Vorladen der Gatten zur Anhörung variiert von Kanton zu Kanton und ist von der Arbeitsbelastung der Gerichte abhängig. Die Vorladung legt Datum, Uhrzeit und Ort Ihrer Anhörung fest.
Wenn sich die Gatten über die Scheidung als solche sowie die Scheidungsfolgen einig sind, so gibt es in der Regel nur eine Anhörung.
Zu Beginn der Anhörung hört der Richter beide Parteien schnell an. Das Gericht vergewissert sich durch die getrennte Anhörung, dass sich die Parteien aus freiem Willen scheiden möchten (Sicherstellung, dass kein Zwang oder unerlaubter Druck ausgeübt wird). Der Richter überprüft dann die Scheidungskonvention. Grundsätzlich hört das Gericht die Ehegatten nur separat an, wenn der eine der Ehegatten dies verlangt.
Falls keine Kinder vorhanden sind, so überprüft der Richter nur ob die Scheidungskonvention im Grossen und Ganzen ausgeglichen ist. Er fragt nicht nach näheren Details. Falls die Eheleute Kinder haben, so überprüft das Gericht genauer was für sie vereinbart wurde und vergewissert sich, dass dies dem Kindeswohl entspricht.
Das Gericht ist frei, eine Abmachung bezüglich der Teilung der beruflichen Vorsorge oder des Verzichts auf die Teilung zu ratifizieren oder nicht.
Wenn der Richter am Ende der Anhörung mit den Bedingungen des Scheidungsbegehrens und der Scheidungskonvention zufrieden ist, weist er die Parteien darauf hin, dass ihnen demnächst das Scheidungsurteil per Post zugestellt wird.
Die Anhörung dauert ungefähr 30 Minuten.
Spricht man den Richter an, so sagt man nicht „Euer Ehren“ (wie das in den USA der Fall ist), sondern vielmehr „Herr/Frau Vorsitzende/r“.
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