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Freier Rhythmus
Obwohl der Rhythmus der Sprache von vielen Faktoren abhängt (s. Rhythmus) und aus sich selbst viel Schwebepotenzial oder Auftrieb hat, gibt es auch noch den freien Rhythmus oder die freien Rhythmen, die der Emanzipation des Verses von der Regelstrenge förderlich sind. Der freie Rhythmus grenzt sich von der Prosa durch eine gewisse Regelmäßigkeit der Hebungen und den Zeilenfall deutlich ab. Hier öffnet sich, wie auch beim freien Vers, eine große Spielwiese, auf der Dichter den Versen ein andauerndes Changieren zwischen Regelgehorsam und Regelverstoß erlauben können. Obwohl der freie Vers wie auch der freie Rhythmus eigentlich reimlos sind, ist ein gelegentliches Reimen oder gar Madrigal-artiges Reimen über mehrere Verse hinweg ein zusätzlicher lyrischer Effekt für den Feinschmecker.
Beispiel: In Goethes ‹Prometheus› sind die ersten fünf Verse fast lupenrein jambisch; im sechsten Vers bricht diese Regelmäßigkeit auf (Musst mir meine Erde / Doch lassen steh’n = v v v v / v , / v v /). Die Ambivalenz, das oben angesprochene Changieren zieht sich dann durch das Gedicht hindurch (Und meine Hütte, / Die du nicht gebaut = v / v / v oder v v v / v, v / v v / oder v / / v /). Der Meister zeigt hier zudem sehr schön auf, wie nah am Reim der Dichter spielen kann: köpft / Höh’n, gleich / Glut, Herd / Erde, wären / Toren, usw.