Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03470.jsonl.gz/1264

März unter Hochdruck
Die Märzwitterung war überwiegend hochdruckbestimmt. Durch die unterschiedliche Lage der Hochdruckgebiete floss zunächst über längere Zeit milde Meeresluft, dann aber frostig kalte Festlandluft zur Schweiz. Die Märztemperatur stieg im landesweiten Mittel 0,8 °C über die Norm 1981−2020. Die Niederschlagsmengen blieben verbreitet unter der Norm. Die Sonnenscheindauer lag vielerorts über der Norm, auf der Alpensüdseite regional etwas darunter.
Häufiger Wetterwechsel
In den ersten zehn Märztagen wechselten Tiefdrucklagen und Hochdrucklagen im zwei Tages Rhythmus. Vom 2. auf den 3. März fiel entlang des Alpensüdhangs Schnee bis in tiefe Lagen. Der Neuschnee erreichte auf den Talböden unter 500 m zwischen 5 und 10 cm. In Höhenlagen zwischen 500 und 900 m gab es 10 bis 20 cm Neuschnee. Oberhalb von 900 m waren es 20 bis 40 cm, in den Bündner Südtälern auch 50 cm. Im Tessin beendete das Niederschlagsereignis eine Trockenperiode von 70 Tagen, in der Lugano und Locarno Monti weniger als 10 mm erhielten.
Am Alpennordhang fielen vom 2. auf den 3. März 10 bis 35 cm Neuschnee. Die Schneefallgrenze blieb oberhalb von 1000 m.
Milde Atlantikluft
Vom 11. bis am 20. März waren vom Atlantik nach Europa reichende Hochdruckgebiete das bestimmende Wetterelement. West- und Südwestströmungen führten milde Luftmassen zur Schweiz.
Im ersten massiven Wärmeschub vom 11. und 12. März stieg die Tagesmitteltemperatur 5 bis 7 °C, lokal auch 8 bis 10 °C über die Norm 1981−2010. Während des zweiten Wärmeschubs vom 16. bis am 20. März mit überall viel Sonnenschein stieg die Tagesmitteltemperatur verbreitet 4 bis 7 °C und lokal bis 8 °C über die Norm.
Kalte Bise
Auf den 21. März installierte sich über Skandinavien ein kräftiges Hochdruckgebiet. Es bewegst sich in den folgenden Tagen langsam Richtung Südosten. Entlang seiner Südflanke floss kalte Festlandluft zur Schweiz. Die Tagesmitteltemperatur sank beidseits der Alpen 3 bis 5 °C, lokal auch 5 bis 7 °C unter die Norm 1981−2010.
Kräftigste Abkühlung im Winterhalbjahr
In der Schweiz fiel die Tagesmitteltemperatur während des ganzen Winterhalbjahrs 2019/2020 nie derart weit unter die Norm. Besonders markant kommt die Abkühlung auf der Alpensüdseite zum Ausdruck (Abb. 1). In den Tieflagen beidseits der Alpen gab es mehrere Frostnächte. Die Minimumwerte in 2 m Messhöhe bewegten sich gebietsweise 3 bis 6 °C unter dem Gefrierpunkt. Direkt über dem Boden sanken die Werte vielerorts 7 bis 10 °C unter Null.
Grösste Winterkälte im Süden
Auf der Cimetta oberhalb Locarno und auf dem Monte Generoso wurde die tiefste Tagesmitteltemperatur des ganzen Winterhalbjahrs registriert. Am 25. März meldete die Cimetta -7,2 °C und der Generoso -6,7 °C. In den übrigen Monaten des Winterhalbjahrs 2019/2020 sank hier die Tagesmitteltemperatur nicht unter -5,0 °C.
Extrem mildes Winterhalbjahr
Mit dem März endet das Winterhalbjahr. Es verlief extrem mild. Mit einem landesweiten Mittel von 2,3 °C war das Winterhalbjahr 2019/2020 das zweitmildeste seit Messbeginn 1864. Geringfügig mehr Wärme brachte nur das Winterhalbjahr 2006/2007 mit 2,6 °C. Alle übrigen Winterhalbjahre blieben im landesweiten Mittel unter 2,0 °C, vor 1989 sogar unter 1,0 °C.
Regional auf Rekordkurs
Am zentralen Alpennordrand von Altdorf über Luzern bis Meiringen, sowie in Château-d’Oex und Genève-Cointrin, bewegt sich die Temperatur des Winterhalbjahrs 2019/2020 auf Rekordkurs. Recht deutlich überschiesst es den bisherigen Rekordwert in Château-d’Oex mit einem Plus von 0,5 °C und in Meiringen mit einem Plus von 0,4 °C. Die folgende Tabelle zeigt die erwähnten rekordverdächtigen Messstandorte mit den fünf mildesten Winterhalbjahren.
Sehr frühe Frühlingsvegetation
Die Blüte der Hasel war im März fast zu Ende. Nur noch in Höhenlagen, oberhalb von 1200m, konnten blühende Haselsträucher beobachtet werden. Insgesamt blühte die Hasel 31 Tage früher als im Mittel der Periode 1981-2010. Der Huflattich begann schon ab Anfang Februar zu blühen. Im März blühte er vom Tiefland bis in Höhen von 1500m. Im Durchschnitt blühte der Huflattich 18 Tage früher als im Mittel. Auch das Buschwindröschen blühte mit einem Vorsprung von 20 Tagen auf das Mittel. Die ersten Buschwindröschen wurden ab dem 20. Februar entdeckt. Im März blühten sie in der ganzen Schweiz. Die höchstgelegene Meldung kam aus Leysin (1250 m), wo das Buschwindröschen am 17. März 37 Tage früher aufblühte als im Mittel der Beobachtungsreihe der Station.
Einzelne Stationen meldeten bereits die Blüte von Löwenzahn und Wiesenschaumkraut und die Blattentfaltung des Haselstrauchs. Alle diese Beobachtungen sind für die Alpennordseite sehr früh, mit fast drei Wochen Vorsprung, für das Tessin sind sie ebenfalls früh bis sehr früh, aber mit etwas geringerem Vorsprung auf das Mittel.
Im Tessin und der Nordwestschweiz blühten ab dem 19. März die ersten Kirschbäume. Aus dem Tessin liegen schon Meldungen zur Blüte der Birnbäume, zum Nadelaustrieb der Lärchen und Blattentfaltung der Vogelbeere vor. Die sehr frühe Entwicklung der Obstbäume macht sie anfällig auf Nachtfröste, wie sie vom 23. bis 27. März auftraten. Je weiter die Knospen entwickelt sind, umso geringer ist ihre Frosthärte. Wenn die Knospen angeschwollen sind, grün werden aber noch geschlossen sind, halten sie bis -4 °C aus, sind die Blüten geöffnet, dann höchstens noch -2°C für kurze Zeit.
Durch den Kälteeinbruch in der letzten Märzdekade wurde die Weiterentwicklung der Vegetation etwas gebremst.
Der definitive Bericht zum März 2020 ist ab dem 9. April 2020 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.