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Piper methysticum (Kava kava) ist ein auf den Inseln Polynesiens wachsender Strauch. Von den Einheimischen wird Kava traditionell als entspannedes und sedierendes Mittel verwendet. Kava wird auch als “Rauschpfeffer” bezeichnet. Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe (Kavapyrone oder Kavalactone) sind hinsichtlich der beruhigenden und angstlösenden Wirkung untersucht und zeigen untereinander synergistische Effekte.
Kava-Extrakte sind bezüglich ihrer Wirksamkeit mit Benzodiazepinen vergleichbar, führen jedoch im Gegensatz zu diesen nicht zu Abhängigkeit. Allerdings stehen alkoholische und Aceton-Extrakte im Verdacht eine leberschädigende Wirkung zu haben und zugelassene Präparate mussten vom Markt genommen werden. In einem 2007 publizierten WHO-Report zu Kava wird empfohlen, Präparate mit wässrigen Extrakten zu entwickeln und hinsichtlich ihrer Hepatotoxizität (Giftigkeit auf die Leber) zu überprüfen. Eine bisherige Studie im Tiermodell ergab keine Veränderung der Leberparameter bei der Anwendung solcher Extrakte.
In einer randomisierten, placebo-kontrollierten cross-over Studie (KADSS) wurde über drei Wochen ein standardisierter wässriger Extrakt an 60 Patienten mit Angststörungen und Depressionen untersucht. Nach einer einwöchigen Eingangsphase, in welcher alle Teilnehmer Placebo bekamen, wurde eine Einteilung in Placebo- und Verum-Gruppe vorgenommen, wobei die Verum-Gruppe in der folgenden Woche 250mg Kavalactone täglich erhielt, danach kam es zum cross-over beider Gruppen.
Die Auswertung geschah mittels HAMA (Hamilton Anxiety Scale), MADRS (Montgomery-Asberg Depression Rating Scale) und BAI (Beck Anxiety Inventory). Es konnte mit dieser Studie gezeigt werden, dass auch wässrige Kava-Extrakte eine angstlösende Wirkung und möglicherweise auch antidepressive Effekte haben. Negative Auswirkungen auf die Leberfunktion wurden nicht festgestellt.
Als Kritikpunkte an der vorliegenden Studie gelten allerdings die kurze Studiendauer, die geringe Probandenzahl, und dass es vor dem cross-over keine wash-out Phase gab.
In diesem Sinne empfehlen die Wissenschaftler auch die Durchführung von Langzeitstudien mit standardisierten wässrigen Kava-Extrakten.
Quelle: PHYTOTherapie 3|09
(PHYTOTherapie ist die Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie)
Originalpublikation:
The Kava Anxiety Depression Spectrum Study (KADSS): a randomized, placebo-controlled crossover trial using an aqueous extract of Piper methysticum
J. Sarris, D.J.Kavanagh et al.; Psychopharmacology doi : 10.1007/s00213-009-1549-9
Kommentar & Ergänzung:
Kava-Kava ist die am besten dokumentierte Heilpflanze mit anxiolytischer (= angstlösender) Wirkung.
Bei generalisierten Angststörungen haben sich Heilpflanzen-Extrakte aus Kava-Kava in Studien tatsächlich als ähnlich gut wirksam erwiesen wie Benzodiazepine (dazu gehören Tranquilizer wie Valium, Lexotanil, Seresta, Temesta). Es stimmt aber trotzdem nicht ganz, wenn die Zeitschrift “PHYTOTherapie” schreibt, Kava-Extrakte seien “bezüglich Wirksamkeit mit Benzodiazepinen vergleichbar”. Kava-Extrakte wirken langsamer als Benzodiazepine. Die volle Wirkung tritt bei der üblichen Dosierung in der Regel nach 10 – 14 Tagen ein. Und bei starken und akuten Angstzuständen wie zum Beispiel bei Panikattacken sind Bezodiazepine effektiver.
Das fehlende Risiko der Abhängigkeit ist aber bei leichteren Angststörungen, welche sich über längere Zeit hinziehen, ein grosser Vorteil für die Kava-Präparate.
Darum war der Rückzug der Kava-Extrakte vor ein paar Jahren infolge von Meldungen über Leberschädigungen, welche in ihrer Bedeutsamkeit nie wirklich geklärt wurden, ein Verlust für die Phytotherapie. Die derzeitigen Bemühungen um die Entwicklung von wässrigen Extrakten und ihre Prüfung auf Wirksamkeit und Sicherheit sind darum sehr zu begrüssen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch