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Gute Betreuung berücksichtigt neben dem körperlichen auch das seelische Wohl. Immer öfter hilft Home Instead bei Einsamkeit. Doch wie grenzt sich Einsamkeit von Alleinsein ab? Und wie schadet Einsamkeit der Gesundheit? Die Antworten liefert das Gespräch mit der Sozialpsychologin Christiane Büttner von der Uni Basel.
Frau Büttner, wie definieren Sie Einsamkeit?
In der Psychologie sprechen wir von Einsamkeit, wenn eine Person ein Missverhältnis wahrnimmt zwischen der Anzahl sozialer Kontakte, die sie gerne hätte und tatsächlich hat. Wenn sich jemand also mehr soziale Kontakte wünscht, dann fühlt sich diese Person einsam.
Wie grenzt sich einsam fühlen von allein fühlen ab?
Alleinsein ist ein objektiver Zustand: Wenn Sie allein in einem Raum sind, sind Sie allein – aber noch nicht zwingend einsam. Einsamkeit entsteht dann, wenn Sie das Alleinsein als etwas Negatives empfinden.
Gibt es unterschiedliche Ausprägungen von Einsamkeit?
Ja, die gibt es. Eine Form werden die meisten kennen: Wenn man zum Beispiel an einen neuen Ort zieht und dort noch niemanden kennt oder wenn man erstmals allein wohnt, dann kann man sich vorübergehend einsam fühlen. Das ist völlig normal, Menschen brauchen nun mal Kontakt zu anderen Menschen. Wenn dieser Zustand über einen längeren Zeitraum anhält, zum Beispiel Monate oder Jahre, dann wird daraus aber eine chronische Einsamkeit, die sich auf die Gesundheit der Betroffenen auswirken kann.
Wie wirkt sich «chronische Einsamkeit» auf die Gesundheit aus?
Studien belegen, dass einsame Menschen früher sterben. Die möglichen Ursachen klärt man aktuell ab. Ein Erklärungsansatz ist, dass einsame Menschen häufiger rauchen, mehr Alkohol trinken, sich weniger bewegen und schlechter schlafen - das kann zum früheren Ableben der Betroffenen beitragen.
Einsamkeit wird aber häufig auch in Verbindung gebracht mit Herzerkrankungen, Schlaganfällen oder Krebserkrankungen, sowie psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen. Einsamkeit hat also grossen Einfluss auf die psychische und physische Gesundheit.
Wie kann Einsamkeit entstehen? Gibt es besonders häufige Auslöser, die zur Vereinsamung führen?
Es gibt ein paar generelle Auslöser, die häufig zu Einsamkeit führen: Zum Beispiel eine Scheidung, den schon erwähnten Umzug, aber auch Krankheit sowie der Tod des Partners oder der Partnerin. Aber auch wenn man Eltern wird, kann man sich eine Zeitlang einsam fühlen, weil sich die sozialen Kontakte stark verändern. Dazu gibt es generelle Risikofaktoren: Wer allein oder ohne feste Beziehung lebt, ist häufiger einsam.
Besteht bei gewissen Altersgruppen ein höheres Risiko und wenn ja, welche leiden besonders häufig unter Einsamkeit?
Am häufigsten kommt Einsamkeit leider im Alter vor. Vielleicht weil die engen Freundschaften fehlen, weil Partner oder Freunde sterben, oder man wegen des Gesundheitszustandes weniger mobil ist.
Welchen Einfluss hatte die Pandemie auf die Einsamkeit in der Schweiz? Hat dies an der Altersstruktur der Betroffenen etwas geändert?
Eine Schweizer Studie zeigt, dass mit der Einführung der Kontaktbeschränkungen mehr Menschen unter Einsamkeit litten. Mit den schrittweisen Lockerungen ging dies zurück. Bezüglich der Altersgruppen gibt es keine klare Aussage. Manche Studien zeigen aber, dass ältere Menschen stärker betroffen waren. Noch fehlen dazu aber Langzeitstudien, die zeigen unter welchen langfristigen Folgen beispielsweise betroffene Schülerinnen und Schüler leiden.
Können Betroffene selbst aus der Einsamkeit herauskommen?
Es wäre schön, wenn dies funktionieren würde und es wird derzeit tatsächlich viel auf diesem Gebiet geforscht. Man versucht herauszufinden, was Betroffene selbst, Therapeuten oder Angehörige tun könnten. Es gibt bestimmte Interventionen, die teilweise helfen. Eine allgemein funktionierende Therapie hat man noch nicht entwickelt.
Was hilft gegen Einsamkeit? Wer kann Betroffene unterstützen und wie?
Wenn man lang einsam ist, hat man schon ein bestimmtes Denkschema entwickelt: «Mich mag sowieso niemand. Wenn ich wohin gehe, wird es nicht besser.» Hier können professionelle Psychotherapien und kognitives Training etwas bewirken.
Helfen können auch zusätzliche soziale Kontakte. Der Knackpunkt dabei ist, dass es in der persönlichen Wahrnehmung auch ankommen muss. Wenn sie mit einer betreuenden Person jeden Tag spazieren, hilft dass nicht automatisch gegen die Einsamkeit. Es hilft nur, wenn man den Spaziergang als etwas Bedeutungsvolles und Schönes wahrnimmt und es ein gutes Gefühl erzeugt.
Christiane Büttner
Sozialpsychologin an der Universität Basel
Christiane Büttners Forschungsschwerpunkt ist «Soziale Interaktion», speziell Situationen, in denen sich Personen ausgeschlossen und einsam fühlen.