Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03354.jsonl.gz/1080

Vitamine halten dilatierte Koronarien offen
BERN/SAN DIEGO. Die Behandlung von Patienten mit Vitaminen, welche den Homocystein-Wert im Serum senken, verbessert die Behandlungsergebnisse nach einer Angioplastie. Dies zeigen Ergebnisse der Swiss Heart Study im amerikanischen Ärzteblatt (2002; 288: 973-79).
Homocystein hat sich in epidemiologischen Studien als unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor erwiesen. Warum die schwefelhaltige Aminosäure die Gefäße beschädigt, ist nicht ganz klar. Man vermutet eine oxidative Wirkung auf die Endothelien, was einer Atherosklerose Vorschub leisten könnte. Nun lässt sich der Serumspiegel von Homocystein durch die Gabe von Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 senken.
An der Universitätsklinik Bern wurden zwischen Mai 1998 und April 1999 insgesamt 553 Patienten in eine randomisierte kontrollierte Studie eingeschlossen. Alle Patienten litten an einer fortgeschrittenen Koronarsklerose und hatten sich einer Angioplastie unterzogen. Die epidemiologischen Studien hatten nahegelegt, dass gerade diese Gruppe durch Homocystein gefährdet ist.
Deshalb wurden den Patienten nach der Angioplastie über sechs Monate lang eine Vitaminbehandlung verordnet, wobei die Hälfte allerdings ein Placebo erhielt. Die ersten Ergebnisse hatte die Gruppe bereits im letzten Jahr veröffentlicht (NEJM 2001; 345: 1593-1600). Sie konnte damals schon eine signifikante Reduktion der Restenose vermelden. Da das Interesse der Amerikaner an Vitaminen bekanntlich sehr hoch ist, durfte sie jetzt erneut über die ersten Langzeitergebnisse publizieren.
Sie zeigt, dass die positive Wirkung auch ein halbes Jahr nach dem Ende der Behandlung anhält. Die Notwendigkeit einer erneuten Revaskularisierung wurde gegenüber der Vergleichsgruppe um 38 Prozent gesenkt. Auch im Composit-Endpunkt Tod, nicht-tödlicher Infarkt oder Revaskularisierung wurde eine Reduktion um relativ 32 Prozent festgestellt (Inzidenz des Endpunktes: 15,4 Prozent mit und 22,8 Prozent ohne Vitamine).
In dem vielleicht wichtigsten Endpunkt, der Sterberate, wurde dagegen kein signifikanter Vorteil gefunden. Wie stark das Thema derzeit die Kardiologen beschäftigt, zeigt eine Aufzählung der Studien, die derzeit den Wert der Vitamin-Behandlung nach Revaskularisierung untersuchen.
Die Gruppe um Guido Schnyder, Universität von Kalifornien in San Diego, und Yvonne Flammer, Bern, nennt hier die Norwegian Vitamin Interventional Trial (NORVIT) und die Western Norway B-vitamin Intervention Trial (WENBIT). Ihr Thema ist die Auswirkung der Homocystein-senkenden Behandlung auf die Koronare Herzkrankheit. Die Vitamin Intervention for Stroke Prevention (VISP) Studie in den USA wird über die Wirkung von Vitamin B auf Schlaganfallrezidive berichten.
Ähnliche Endpunkte hat die Prevention with a Combined Inhibitor and Folate in Coronary Heart Disease (PACIFIC) Studie in Australien und die Study of Effectiveness of Additional Reduction in Cholesterol and Homocysteine (SEARCH) in Großbritannien.