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ETH, Off-Text.
ETH «Von der Praxis zur Theorie des Films»
Off-Text.
(Off-Töne: Töne deren Quelle nicht im Filmbild zu sehen ist.)
Kommentare und Off-Texte.
Nichts gegen einen guten Kommentar bei der Fernsehübertragung eines Fussballmatches oder eines Skirennens. Wenn hingegen ein Text etwas anderes macht, als Bilder zu kommentieren, sollte man ihn auch nicht 'Kommentar' nennen. So meide ich das Wort und schreibe von Off-Texten, die verschiedenartige Beziehungen zu Filmbildern haben können.
O-Ton: Originalton – zusammen mit dem Bild aufgenommen. Oft werden diesem Ton noch weitere Geräusche hinzugefügt, beispielsweise das Miauen einer Katze, die in der Szene zu sehen ist – deren Miauen aber erst Sekunden nach dem gewählten Ausschnitt der Aufnahme zu hören war.
Wenn der Film mal im Kino läuft, ist meist nicht auszumachen, was 'Originalton' ist und was nachträglich dazu gemischt wurde. Oft haben solche Hinzufügungen kaum inhaltliche Bedeutung, dienen nur der Ausschmückung der Ambiance.
Off-Ton und Off-Text.
Es gibt Off-Töne – also Töne von ausserhalb des Bildausschnitts - die Teil der Originalton-Aufnahme sind und es gibt Off-Töne, die hinzugefügt wurden –
beispielsweise Fragmente eines Dialogs aus dem Nebenzimmer, dessen Worte bedeutungsvoll sein können –
andrerseits Fragmente eines Dialogs aus dem Nebenzimmer, die lediglich vermitteln sollen, dass noch andere Leute in der Wohnung sind (was in einem Kriminalfilm wichtig sein kann).
Und es gibt Off-Töne, die sich klar als hinzugefügt zu erkennen geben (Filmmusik oder Sprecherstimme).
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Ist eine Off die Stimme eines Sprechers/einer Sprecherin zu hören, werden diese Aussagen vom Publikum inhaltlich am ehesten dem Autor/der Autorin des Films zugeschrieben. Meist sind solche Texte auch daran zu erkennen, dass sie näher am Mikrophon gesprochen sind als die Dialoge, wodurch sich das Publikum eher direkter angesprochen fühlt – wie von einem Erzähler.
Näher am Mikrophon bedeutet nicht unbedingt lauter, sondern mit einer anderen Klang-Charakteristik. Diese Direktheit des Ansprechens wird auch dadurch unterstützt, dass diese Tonspur im Kino auf dem mittleren Lautsprecher abgespielt wird – nicht der Breite des abgebildeten Raums zugeordnet ist.
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Hinzuzufügen ist, dass es viele Dokumentarfilme gibt, in denen eine zentrale Person im Bild zu sehen ist, deren Aussagen ins 'Off' übergehen und zur durchgehenden Off-Sprache des Films werden.
Off-Text und Filmbilder.
Eine Banalität: eine Fotografie oder eine Filmaufnahme sind immer festgehaltene Momente einer Gegenwart. Wenn ein Off-Text in irgendeiner Form von einem solchen Geschehen spricht, gehört dieses schon der Vergangenheit an.
Auch Off-Texte, die in Gegenwartsform gesprochen sind, vermitteln oft den Eindruck, als würden sie von Vergangenem sprechen. Vielleicht hat es mit der Erfahrung zu tun, dass unser Denken, unser Sprechen, der Realität immer etwas hinterher hinkt. Sobald wir etwas in Worte fassen, ist es schon Vergangenheit – und sei es auch nur seit Sekundenbruchteilen.
Der Autor/die Autorin (deren Texte) erinnert sich an ein Geschehen (Vergangenheit) oder er/sie befasst sich jetzt (in der Gegenwart) mit den vorliegenden Filmaufnahmen, auf denen ein gestriges Geschehen festgehalten ist.
Ein Off-Text – wie ich ihn mag – spricht selten von dem, was im Film in diesem Moment zu sehen ist (er 'kommentiert' nicht). Die Worte können mit einer späteren Szene einen Sinn ergeben, vielleicht auch erst in einem grösseren Zusammenhang, doch ich erwarte, dass sie auf eine vage Weise mit dem Ganzen des Films verbunden sind.
Es sind Texte, die auf die Aktivität/Produktivität der Zuschauer setzen.
Ein Off-Text könnte sich auch an ein Du wenden. Beispielsweise wie die Sätze in einer Folge von Briefen – Texte, denen der Zuschauer zuhören kann, wie er den Filmbildern zuschaut.
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Oder ein Gedicht, das vom Autor hingestellt wird, um auch als solches betrachtet zu werden, zusätzlich zu seiner Funktion als Kommentar.
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Die Off-Stimme wird dem Filmautor zugeordnet, auch wenn sie nie Ich sagt. Das Ich der sprechenden Person vermittelt sich im Film durch die sinnliche Präsenz der Stimme, ob sie nun eine Bemerkung macht, ein Gedicht rezitiert, den Satz eines Philosophen zitiert oder aus einem Tagebuch vorliest – immer ist es das Materielle, dieser besondere Klang – auch wenn es eine fiktive Person ist.
Die Off-Texte im Film «Sans soleil» von Chris Marker: fiktive Briefe eines fiktiven Kameramannes («Er schrieb mir ...»), der die verschiedenartigsten Aufnahmen gemacht haben soll. Und erst noch von einer Frauenstimme gesprochen (der Autor ist ein Mann, der fiktive Kameramann ein Mann).
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Im Film «Mad Max II» ist am Rande einer Anfangsszene ein kleiner Knabe zu sehen. Ein Off-Text setzt ein, die erzählende Stimme eines alten Mannes. Nach kurzer Zeit ist die Stimme dem Publikum ganz selbstverständlich geworden – eine Erzählerstimme, wie man sie aus der Literatur kennt. Erst am Ende des Films sieht man den Sprechenden, kommt diese brüchige Stimme mit dem Bild des Erzählers zusammen, der uns an seinen Erinnerungen hat teilhaben lassen. Und erst jetzt erinnere ich mich an den Knaben am Anfang des Films, der nicht in das brutale Geschehen involviert war, der erlebt hat, was damals und in der Folge geschah – all das, was ich in diesem Film gesehen habe.
In Off-Texten kann das Ich der sprechenden Person vorkommen, kann der Autor von sich und seinem Erleben sprechen. Es wäre jedoch zu einfach, wenn wir den Text einfach als Autoren-Aussage nehmen würden. Das, was man als Zuschauer zu erkennen glaubt, kann auch eine Fiktion sein. Und meistens ist es ergiebiger und anregender von einer solchen Fiktion auszugehen, statt ständig nach der Wahrheit des Erlebten zu fragen.
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Der Text kann auch in einem ironischen Verhältnis zum Bild stehen, wie er auch einen Text im Nachhinein als Zitat entlarven kann und dadurch seine Distanz zu diesem betonen «… sagte General X bei solchen Gelegenheiten.» Und es gibt ja auch die Möglichkeit der direkten Ironie des Autors (auch wenn er nicht hinzufügt): «… pflege ich bei solchen Gelegenheiten zu denken».
Die Wirkung eines zitierten Textes verändert sich stark, wenn der Autor des Textes genannt wird – eine Schriftstellerin, ein Politiker, eine Wissenschafterin, ein Bauer. Und sie wirkt ganz anders, wenn der Name des Autors vor oder nach dem Zitat genannt wird.
Man hört einem Text (mehr oder weniger aufmerksam) zu, macht sich vielleicht eine Meinung dazu und erfährt danach, dass es ein Zitat von X war, was den Text nun in einem ganz bestimmten Licht erscheinen lässt.
In einer Kurzgeschichte: Eine ausführliche Schilderung einer sehr schweren Geburt. Der Arzt hofft, dass das schwächliche Kind überleben wird und er fragt die Mutter, wie es denn heissen soll. Frau Hitler sagt 'Adolf'.
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Die Bedeutung eines zitierten Textes verändert sich, wenn er im 20. oder im 16. Jahrhundert geschrieben wurde, von einem Unbekannten oder einer Berühmtheit, von einem Mann oder einer Frau (wenn ich das erfahre, davor oder danach). Oder anonym, zeitlich festzumachen an der Wortwahl einer bestimmten Epoche.
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Wo im Film, in einer Szene? Bei jedem Text stellt sich die Frage, ob er gleich am Anfang einer Einstellung platziert werden soll. Oder ob wir mit einem unkommentierten Bild konfrontiert werden, zu dem nach einiger Zeit ein Text hinzu tritt, durch den unsere Betrachtungsweise plötzlich verändert werden kann. Wobei gerade dieses Verändern unserer Betrachtungsweise das entscheidende (ästhetische) Erlebnis sein kann.
Oder ein Off-Text steht am Ende einer Einstellung, sodass man ihn auch mit dem folgenden, vielleicht auch ganz unerwarteten Bild in Beziehung bringt.
Wo genau? Es kann bei der Platzierung eines Off-Textes um Sekunden gehen. Im Zusammenhang zu einer Person, zu einer bestimmten Handlung wird sich eine besondere Bedeutung ergeben.
Eine Handlung kann eine bestimmte Bedeutung bekommen, die ihr ohne den Text nie zugekommen wäre.
Der Text kann im Zusammenhang mit einer Handlung eine Bedeutung bekommen, die ihm sonst nie zugekommen wäre.
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So weit Formen zum konventionellen Umgang mit Off-Texten.
Doch was wäre, wenn …
Was wäre, wenn ein Text mitten in einer Einstellung abbricht? oder mitten in einem Satz am Ende der Einstellung? Was wäre, wenn in einem Film alle Texte Fragmente wären, mitten im Satz beginnend und endend, abbrechend? Gefundene Fetzen eines Briefs in der Asche – das wäre eine mögliche naturalistische Deutung. Doch sind solche literarische Formen ja auch ohne einen solchen erklärenden Hintergrund vorstellbar, einfach weil der Film selbst etwas von einem Fundstück hat.
Was wäre, wenn ein Text leiser wird, bis er nach und nach unter Geräuschen unverständlich wird, verschwindet? Das Wissen, dass der Text eigentlich weitergeht, könnte ihm einen besonderen Gehalt geben, denn während den nun folgenden Szenen wäre er ja insgeheim immer noch da (sozusagen hinter den Bildern).
Oder was wäre, wenn ein Text während eines Bilds langsam lauter und verständlich wird? als wäre er schon immer da gewesen?
Das mag etwas experimentell klingen, doch sind uns wohl schon viele solcher Formen von Off-Texten begegnet, ohne dass sie uns aufgefallen wären – sinnvoll (und daher unauffällig?) in einem Film eingesetzt.
Es geht mir nur darum, zu betonen, dass man nicht nur Ansprüche an die Texte haben kann, dass es ebenso wichtig ist, in welcher Form sie in einen Film eingesetzt sind – und dass diesen Formen keine Grenzen gesetzt sind.
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Ich muss ja kaum betonen, dass ich Filme nicht mag, die die Zuschauer bei der Hand nehmen und durch den Film führen wollen.
Ich mag Off-Texte, die die Bilder nicht in ihren Dienst nehmen, aber ihnen auch nicht dienen wollen. Ich mag Off-Texte, die man nicht nickend zur Kenntnis nimmt, sondern die Lust machen, sich mit ihnen zu befassen. (Und wenn man diese Art aufmerksamen Hinhörens an einer Stelle des Films erlebt hat, prägt dies vielleicht auch die Art der der Zuwendung, der Wahrnehmung für den ganzen Film.)
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Manchmal fassen Off-Texte etwas so gut in Worte, dass man den Eindruck bekommt, alles werde so überzeugend auf den Punkt gebracht, dass sich ein aufmerksames Hinschauen und Hinhören erübrige.
Wenn mir Kollegen die Rohmontage eines Films zeigten, kam es vor, dass ich dachte (und manchmal auch sagte), dieser Film brauche gar kein Publikum, sein Text erledige alles selbst.
Oft führten diese Gespräche dazu, dass der Off-Text auf die Hälfte gekürzt wurde. Und dass am Aufbau des Films noch gearbeitet wurde, wodurch ohnehin einige Off-Texte wegfielen.
Das halte ich mit meinen Filmen nicht anders. Es gibt bei mir immer selbst gesprochene Entwurf-Versionen des Off-Texts. Und beim hundertsten Anschauen des Films entdecke ich ein Wort, das weggelassen werden kann – eine Wendung, die unnötig kompliziert geraten ist.
Alles was man sagen kann, kann man auch beiläufig sagen. (Elfriede Gerstl)
Aufnahmen der Off-Texte.
Wer spricht?
Mann, Frau, Knabe, Mädchen?
Welches Alter soll die Stimme vermuten lassen?
Art der Stimme, hoch, tief, weich, hart, melodisch, heiser?
Deutsch oder ...?
Sog. Hochsprache (Bühnendeutsch). Standarddeutsch mit leichter Dialekt-Färbung? mit Färbung aus einer anderen Sprache?
Dialekt, welcher Dialekt?
Verschiedene Stimmen in einem Film? deren unterschiedliche Funktionen?
Spricht der Autor/die Autorin oder spricht ein professioneller Sprecher/eine professionelle Sprecherin?
Im Internet sind viele Angebote von Sprecherstimmen mit kurzen 'Text-Mustern' zu finden. Gleich ausgeschieden habe ich all die primitiven Werbetexte, die mit Überzeugung vorgetragen wurden und – was mir schlimmer schien – die Texte wurden hier ja im Hinblick auf weitere solche Aufträge präsentiert.
Ich verstehe ja, dass Schauspieler irgendwie überleben müssen, doch wenn es um meine Texte geht, hoffe ich schon, dass der Sprecher nicht nur seine schauspielerischen Fähigkeiten einsetzt, um (neben all dem Schund) auch diesem Text eine optimale Form zu geben.
Wie sprechen?
Als Filmautor (Laien-Sprecher) ist es schwierig, sich eine besondere Art des Sprechens vorzunehmen – leicht wirkt das Resultat des bewussten Entscheids etwas gekünstelt.
Die Melodie der Sätze sollte sich aus ihrem Ganzen ergeben. Wenn einzelne Worte durch Betonungen herausgehoben sind, weiss man, dass man es mit einem Laien zu tun.
Laien (Filmautoren ohne Sprech-Ausbildung) sollten sich nicht bemühen, dem Text Ausdruck zu verleihen, sondern ihn mit diskreter Gestik begleiten und sich darauf verlassen, dass ihre Gestik auf den Klang Einfluss hat, dass die Gestik auf eine selbstverständlich wirkende Weise den Ausdruck formen wird. (Wenn man auf seine Gestik achtet und einen erhobenen Zeigefinger bemerkt, sollte man den Text vielleicht noch einmal genauer ansehen.)
Wenn ich meine Texte selbst gesprochen habe, geriet mir der Anfang des ersten Satzes oft zu laut. Also habe ich mir angewöhnt, dem Text einen mir geläufigen Satz (aus diesem inhaltlichen Zusammenhang) voranzustellen. Damit war ich am Reden, am unaufgeregten und selbstverständlichen Reden, wenn ich zu diesem ersten Satz kam.
Auch achte ich darauf, wie meine Stimme klingt, an diesem Tag, zu dieser Tageszeit – habe meine persönlichen Konsequenzen daraus gezogen.
In welcher Weise soll der Text gesprochen werden:
In welcher Haltung? Sitzend, Stehend?
Schnell, langsam, flüssig, nachdenklich, flüsternd, objektivierend (Nachrichtensprecher), optimistisch, melancholisch, entspannt, gemütlich, zögernd, nach Worten suchend, eindringlich, interessiert, ablesend, vorlesend – aus einem Tagebuch, einem Buch, der Zeitung?
Und: am Text zweifelnd? den Text ironisierend? Soll ich mir den Text 'zu eigen machen' oder soll er mir etwas fremd bleiben?
Wobei ich eher an eine durchgehend ähnliche Einstellung für das Ganze des Films denke und auf das vertraue, was die Worte in den einzelnen Szenen des Films noch fordern werden.
Meine Erfahrung ist, dass eine solche Grundhaltung dem Text gegenüber eher zu stark zum Ausdruck kommen wird. Also halte ich mich etwas zurück.
Am Ende der ganzen Sprach-Aufnahmen, den ersten Abschnitt nochmals aufnehmen. Es besteht die Chance, dass nun eine ganz selbstverständlich wirkende Variante entsteht – anders als zu Beginn, als man noch auf der Suche nach der richtigen Stimmung, Sprechweise war.
Ton-Aufnahme.
Das Mikrophon vor dem Gesicht des Sprechers, etwa auf Scheitelhöhe, schräg nach unten auf den Kehlkopf gerichtet (habe ich vor Jahrzehnten vom Tonmeister Christian Beusch gelernt, der seit langem die Tonmischungen meiner Filme macht).
Wenn geflüstert wird, wenn Intimität vermittelt werden soll, das Mikrophon nahe am Mund, doch nicht frontal, weil sonst direkte Schallwellen auf das Mikrophon treffen könnten, beispielsweise beim Buchstabens P.
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Sprechproben mit der grössten Lautstärke machen, die man sich für den anstehenden Teil eines Textes vorstellen kann. Den Lautstärken-Pegel entsprechend einstellen.
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Ob laut oder leise gesprochen wird, beides mit optimaler Aussteuerung aufnehmen. Wenn eine Regel, dann: je leiser gesprochen wird, desto höher die Aussteuerung der Aufnahme, damit der Ton bei der Mischung sicher nicht angehoben werden muss und das elektronische Grundrauschen hörbar wird.
Es geht vorerst um perfekte Tonaufnahmen; über die Lautstärke der Sprache wird erst bei der Tonmischung entschieden.
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Selbstverständlich muss jemand das Auge auf der Pegelanzeige haben und die Aufnahme über die Kopfhörer mithören. Es ist ärgerlich, wenn niemand das Geräusch während des Sprechens gehört hat – im schlimmsten Fall ein wiederkehrendes Geräusch: Kleiderrascheln, Papier (das Manuskript), Knarren eines Stuhls, eines Schuhs, eines Leder-Gürtels oder ein Magen der knurrt. Und auch in einem Tonstudio hört man manchmal auf einer Aufnahme ein Fremdgeräusch, das sich niemand erklären kann.
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Wenn der Film vor ein grösseres Publikum kommen könnte, lohnt es sich, für die Sprachaufnahmen ein besonders geeignetes Mikrophon zu mieten (abklären, ob dessen Leistung dem Eingang des Tonbandgeräts entspricht).
Ton-Aufnahme (der Raum).
Die Qualität der Sprachaufnahme, der gute Klang der Stimme, hängt vom Raum ab, in dem die Aufnahme gemacht wird. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Je weniger Echo, desto besser die Aufnahme.
Heutzutage gehört zu jeder Aufnahme des Films ein dazu gehörender O-Ton – nicht nur Diaolg und Geräusche, sondern auch den besonderen Klang des Raumes. So wäre es störend (seltsam irritierend), wenn durch die Sprachaufnahme noch ein zweiter Raumklang dazu käme – wenn sich (im Ton) zwei Räume überlagern würden. Also muss die Aufnahme der Off-Sprache möglichst 'trocken' sein (wie man das nennt, wenn möglichst wenig vom Klang des Raumes zu hören ist).
In die Hände klatschen und in dem behelfsmässigen Raum auf das Echo achten. Alles tun, um das Echo zu reduzieren. Einen Vorhang vor Glasscheiben und sonstige glatte Flächen. Stoff, Kleider, Matratzen helfen in einem allzu kahlen Raum. Und nichts im Raum, das durch die Sprache zum Klirren gebracht werden kann. Selbstverständlich kein eingeschalteter PC.
Sich für die Aufnahme auf einen Tag, eine Zeit festlegen, nachdem man auf die Gewohnheiten im und ums Haus geachtet hat: das Knarren des Bodens und die WC-Spülung im oberen Stock, die Wasserleitung, ein übender Musiker im Nachbarhaus. Sich nicht auf einen Zeitpunkt festlegen, in dem der Verkehr ums Haus am grössten ist, an das Läuten der Glocken denken und vielleicht an den Pausenplatz eines Schulhauses. Manchmal muss man sich auch bei Arbeitern erkundigen, wann sie Pause machen.
Stille im Film.
Es gibt die Stille eines Raumes, die Stille einer Landschaft und es gibt das totale akustische Nichts.
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O-Ton – Originalton (der Ton zum Bild).
Im Prinzip hat jede Landschaft, hat jeder Raum einen Ton, doch ich empfinde es als Stille, wenn auch noch etwas ganz Leises zu hören ist.
Meine Vorstellung von Stille in einer Landschaft: Es ist ganz ruhig, nur in der Ferne ist leise das Bellen eines Hundes zu hören.
Stille in einem Zimmer: Es ist ganz ruhig, nur das leise Ticken eines Weckers ist zu hören.
Wenn gar kein Ton da ist, ist es ein Stummfilm.
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Mit den Bildern des Films ist es nicht anders:
Wenn sich die Gräser bewegen, ist es eine stille Landschaft.
Wenn sich die Gräser nicht bewegen, ist ein Standbild, etwas wie eine Fotografie.
Stille (rund um die Off-Sprache).
Auch im Aufnahme-Raum eines Tonstudios gibt es kein absolutes akustisches Nichts.
Bei einer Sprachaufnahme ist zwischen zwei Sätzen die Stille des Raums zu hören, in dem die Aufnahme gemacht wurde.
Wenn bei der Montage knapp hinter einem aufgenommener Satz geschnitten werden muss (z.B. weil der nächste Satz zu schnell folgt), kann die Stille zwischen zwei Sätzen verloren gehen – ein Tonloch ist entstanden.
Wenn Amateure Sprachaufnahmen in einem bestmöglich eingerichteten Raum Aufnahmen machen, ist die Stille dieses Raumklangs wesentlich lauter, als in einem professionellen Tonstudio. Also werden auch eventuelle Tonlöcher in einem Text mehr auffallen, das Abbrechen des Raumtons.
Professionelle Tonstudios sind sehr gut isoliert und die Wände so beschaffen, dass möglichst wenig Ton reflektiert wird (früher mit Eier-Kartons ausgekleidet). Doch auch da gibt es kein absolutes akustisches Nichts. So ist es üblich, dass zu den Sprachaufnahmen auch noch eine Minute Stille aufgenommen und geliefert wird – dieser spezifische Studio-Raumklang inklusive der Sprecheranwesenheit.
Wenn also bei der Montage zwischen zwei Sätzen ein Tonloch entstanden ist, wird dort ein Stück dieses Raumklangs eingesetzt.
Ich bin mir bewusst, dass meine Hinweise über das hinaus gehen, was ihr in dieser kurzen Zeit nutzen könnt. Doch gerade, wenn ich an das Rattern des S-8-Projektors in unserem Arbeitsraum denke, ist man froh um eine möglichst gute Tonaufnahme. Und 'gut' meint ja nicht nur die technische Qualität, sondern auch, dass die Sätze von ihrem Ausdruck her so klingen, wie ihr euch das vorgestellt habt – und sei es auch nur, um möglichst genau zu erkennen, was ihr ein nächstes Mal anders machen würdet.