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Unter Komplexitätsmanagement versteht man den Umgang mit wirtschaftlicher, organisatorischer und technischer Komplexität. Stell‘ dir beispielsweise einen Lieferdienst vor, der die Arbeitszeiten seiner Angestellten mit den verfügbaren Autos und den erfolgten Bestellungen planen muss.
Bei zwei Angestellten, einem Auto und 10 Bestellungen ist das etwas anderes als bei 800 Angestellten, 376 Autos und 7,562 Bestellungen.
- Sollten die Angestellten Vollzeit arbeiten, oder Teilzeit, oder nur bei Bedarf?
- Soll es überhaupt Angestellte geben oder besser nur Freiberufler?
- Stehen die Autos alle an einem Ort, sind sie Eigentum oder angemietet?
- Nehmen wir Fahrräder gehen oder gar Drohnen?
- Wieviele Autos sind gerade zu Wartungsarbeiten, wieviele Angestellte sind krank?
- Wie ist eigentlich das Wetter in Bezug auf Winterbereifung, Anfahrtszeiten und Arbeitskleidung in Relation zu den Krankmeldungen?
- Wie werden Arbeitszeiten erfasst und ausgewertet?
Komplexitätsmanagement sollte immer eine Reduzierung der Komplexität als Ziel haben. Das Wort Komplexität kann auch mit dem Wort Kosten gleichgesetzt werden.
Was früher nur für grosse Firmen und Organisationen galt wird zunehmend auch für die Bewältigung des Alltags kleinerer Firmen und im privaten Bereich wichtig. Menschen, die sich mit „dem Internet“ beschäftigen oder „etwas mit Medien/Social Media“ machen, können ein Lied davon singen. Die bewusste Wahl zwischen vielen optionalen Services stellt immer grössere Herausforderungen.
Ein kleines Beispiel:
Verwalte ich meine Passworte selbst oder zahle ich für einen Passwortverwaltungsservice?
Bei einer Person ist die Antwort einfach. Bei einer Firma mit 12 Entwicklern, 15 Designern, diversen Projektmanagern und als Sahnehäubchen noch 4 Freiberuflern wird es schon schwieriger zu erfassen welche Kosten die Suche nach Passworten erzeugt.
Vor 15-20 Jahren wurden Websites mit HTML erstellt, um nicht zu sagen „handgeklöppelt“. Das Prinzip funktioniert noch immer, aber auch dieses Jahr wird es wieder viele neue Techniken, Methoden und Services geben, um bereits existierende ältere Techniken, Methoden und Services NOCH effizienter zu machen. Der folgende Tweet aus dem Jahr 2014 illustriert ein wenig was ich meine.
"What's bower?"
"A package manager, install it with npm."
"What's npm?"
"A package manager, you can install it with brew"
"What's brew?"
…
— Stefan Baumgartner (@ddprrt) November 5, 2014
Zur Erläuterung:
- Bower ist ein Open Source Paketverwaltungstool. Es ermöglicht das einfache Installieren und Aktualisieren von Programmbibliotheken und Frameworks, mithilfe eines in Node.js geschriebenen Kommandozeilentools.
- Der Node Package Manager (npm) ist ein Paketmanager für die JavaScript-Laufzeitumgebung node.js.
- (Home)brew ist ein Open Source Paketverwaltungstool für die Installation von Software auf Apples macOS Betriebssystem.
Die drei Paketmanager sind nur exemplarisch genannt und sie vereinfachen natürlich das Leben erheblich wenn du weisst was du willst und was du tust. Für viele Leser stellt sich allerdings die Frage
Wofür brauche ich denn überhaupt Paketmanager?
Jede zusätzliche Programmbibliothek und jedes zusätzliche Framework haben einen gewissen Verwaltung- und Pflegeaufwand. Sie müssen installiert, konfiguriert und gewartet werden. Wenn alles gut läuft, sparen diese zusätzlich installierten Software Pakete Zeit und Geld. Die Verwaltung kann man selbst manuell erledigen oder eben einem Paketmanager überlassen. Da der Paket Manager die Verwaltung tatsächlich erheblich vereinfacht, werden mehr Programmbibliotheken und mehr Frameworks benutzt. Ein direkte Folge dieser häufigen Nutzung ist bei falscher Konfiguration beispielsweise die Grösse einer Website. Von 2011 bis 2015 hat sich die durchschnittliche Grösse einer Website von 750 KB auf 2 MB etwa verdreifacht.
In about 7 months average web page size will be same as Doom install image.
Well done us! Onwards & upwards! pic.twitter.com/xtSAtZjPGl
— ronan cremin (@xbs) July 30, 2015
In 2017 werden wohl oft 3 MB (3,000,000 Byte) Daten notwendig sein um eine einzige Seite einer Website darzustellen. Auf dieser Seite stehen dann manchmal weniger als 400 Worte. Nun sollte man denken, dass der Rest der Seite dann vielleicht aus schönen Bildern und Videos besteht. Weit gefehlt!
Dieser Text hier (Bloat) benötigte beispielsweise 1,200,000 Byte (1.2 MB) Daten um 400 Worte darstellen. Bilder und Videos sind nicht vorhanden.
Hatte ich bereits erwähnt, das es zahlreiche Zusatztools gibt, die die Grösse von Websites reduzieren?
Komplexität = Kosten
Du hast bei deinem Telefonvertrag vermutlich ein Traffic Limit. Nach n MB oder gar GB musst du mehr bezahlen oder die Geschwindigkeit wird gedrosselt. Wenn die durchschnittliche Website, das durchschnittliche Bild oder das durchschnittliche Video immer grösser werden, benötigst du mehr Datenvolumen, mehr Speicher, ein schnelleres Telefon, mehr Zeit und mehr Geld. Gerade die letzten beiden Begriffe werden oft verdrängt. Von Firmen genauso wie von Privatleuten.
Eine Reduzierung von Komplexität spart Zeit UND Geld!
Ein Beispiel: Die Deutsche Bahn hat gerade kostenloses WLAN in ihren Zügen eingeführt mit einer Beschränkung des Datenvolumens auf 200 MB pro Tag. Die Geschwindigkeit des WLANs beträgt ein Megabit. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht und sehr lobenswert. Bei einer durchschnittlichen Website Grösse von 3 MB im Jahr 2017 entsprechen
200 MB Datenvolumen dann etwa 70 durchschnittlichen Website Aufrufen. Jeder Aufruf dauert bei einem Megabit Bandbreite gut 20 Sekunden! Ich weiss nicht, für welche Nutzungsdauer so ein ICE WLAN System geplant ist, für meine Anforderungen wäre es vermutlich bereits heute zu wenig.
Wenn du das nächste Mal eine weisse Website mit schwarzer Schrift erstellst und dann 357,000 Byte JavaScript und 76,000 Byte CSS Code auslieferst, dann versuche doch bitte mal, dir den Code anzusehen und zu verstehen, was er tut und woher er kommt.
Oft ist er überflüssig, kostet Zeit UND Geld und kann gelöscht werden.
Wenn wir das alle machen in 2017, dann können wir in der eingesparten Zeit mit dem eingesparten Geld viele tolle Dinge tun!
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein von Komplexität reduziertes Jahr 2017.