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GG 112
Aristotelous Hapanta
Aristotelis summi semper viri, et in quem unum vim suam universam contulisse natura rerum videtur, opera, quaecunque impressa hactenus extiterunt omnia, summa cum vigilantia excusa. Per Des. Eras. Roterodamum philologou kai bibliopōlou dialogos... Basel: Johannes Bebel 13. Mai 1531. Fol. 2 Bde.
Am 18. Juni 1530 hatte der neue Basler Professor für Griechisch Simon Grynaeus an den führenden französischen Humanisten Guillaume Budé nach Paris voller Bewunderung geschrieben, wie jener zuinnerst in die Philosophie des Aristoteles eingedrungen sei. Er selber habe Schwierigkeiten mit dem Verständnis der Beweisführung, trotz mehrfacher Versuche. Galens Bücher darüber seien nicht vorhanden, wohl zu Grunde gegangen. Seine, Budés, griechische Kommentare habe man kürzlich gedruckt (die Commentarii linguae Graecae waren im September 1529 in Paris erschienen, schon im März 1530 auch bei Bebel, herausgegeben von Grynaeus [GG 41]). Jetzt komme das Gesamtwerk des Aristoteles an die Reihe, eng in einem Band (die erste Ausgabe hat zwar mehrere Seitenzählungen, doch diente das nur der Beschleunigung des Setzens, indem so mehrere Teile gleichzeitig gesetzt werden könnten; die beiden folgenden Ausgaben sind zwar in zwei Bänden gedruckt, doch sind diese in beiden Basler Exemplaren - und wohl überall in der Zeit - sinnvoll und praktisch zusammengebunden worden). Wenn er etwas Nützliches dafür habe, möge er es ihm durch den jungen Boten zukommen lassen. Es werde in die Hände der Studenten gelangen, was bisher nicht der Fall gewesen sei. Denn wie viele hätten das Werk bis jetzt kaufen können? Jetzt würden es alle zu einem ganz geringen Preis erwerben können. Ausserdem sende er ihm ein sehr altes Papier, auf dem er die Teile des Asses (was Budé gerade behandelt hatte) wiederfinde. 1495-1498 war in Venedig die erste griechische Gesamtausgabe der Schriften dieses "grössten Mannes aller Zeiten, in dem allein die Natur ihre gesamte Kraft vereinigt" hat, wie er auf der Titelseite hier 1531 in Basel bezeichnet wird, bei Aldus Manutius erschienen. Für unsere zweite Ausgabe sind nochmals Handschriften beigezogen worden; in Basel hat sie der seit 1529 hier wirkende Gräzist Simon Grynaeus betreut, gerade noch vor seiner gemeinsamen Englandreise mit Bebel, weitere Mitarbeit ist von Erasmus aus Freiburg geleistet worden, der auch für den Jüngeren die Widmung verfasst hat. Auch die beiden folgenden griechischen Aristotelesausgaben sind in Basel erschienen, ebenfalls zweibändig, 1539 (GG 114) und 1550 (GG 115) bei Bebel und Michael Isingrin; erst dann ist — 1551-1553 — wieder eine Ausgabe in Venedig gefolgt bei den Söhnen des Aldus, und erst 158487 die erste Ausgabe im übrigen deutschsprachigen Gebiet (Frankfurt), gar 1590 in Frankreich (Lyon).
Erasmus hat die Ausgabe in Freiburg am 27. Februar 1531 Johannes Morus, dem Sohn des Thomas Morus, gewidmet. In seiner Widmung geht er vom aristotelischen Vergleich der Ungebildeten mit den Toten aus und weist darauf hin, dass der junge Morus nun beginne, mit der Beredsamkeit die Weisheit zu verknüpfen. Deshalb widme er ihm diesen Fürsten der ganzen Philosophie bei seiner Wiedergeburt (d.h. den neuen Druck). Er habe die Fragmente seiner Vorgänger geordnet und in einem System gefestigt. Und Lucius Syllas einziges Verdienst sei, sein Werk gerettet zu haben. Doch danach seien dennoch zahlreiche seiner über dreihundert Bücher zugrunde gegangen. Es folgt die Aufzählung — in vier Klassen (Rhetorik, Dialektik, Ethik, Physik) — der griechisch erhaltenen Schriften, mit kurzen Bemerkungen zur Überlieferung, und, wieder in die vier Klassen eingeteilt, eine umfangreichere Aufzählung der dem Titel nach bekannten verlorenen. Beide Aufzählungen sollten die Grösse der Verluste aufzeigen und zur Nutzung und besseren Bewahrung des Erhaltenen anregen, auch wenn mehr Schriften in Übersetzungen als im Original erhalten seien. Worauf Erasmus auf Echtheitsfragen zu sprechen kommt: Fehlen bei Diogenes Laertius spreche auch bei gelehrtem Inhalt eher gegen Echtheit, andere Schriften seien Werke eines Christen bzw. eines Arabers. Durch Verwendung in den Vorlesungen zur aristotelischen Philosophie seien sie unter seine Schriften geraten. Die "grosse Ethik" scheine aus der Nikomachischen kompiliert, ähnlich die späteren Bücher der Eudemischen. Nicht geklärt sei die Überlieferung der Problemata. Von den Oeconomica kenne Laertius nur ein Buch, während Leonardo Aretino deren zwei übersetzt habe, das zweite sich aber nicht finden lasse (auch die Aldina enthält deren zwei, wie auch der erste griechische Einzeldruck von Krakau 1537). Aldus habe an seine Stelle ein fremdes Fragment aus den Stratagemata gesetzt, aber auch das zweite Buch des Leonardo habe nichts mit dem ersten zu tun und sei nicht aristotelisch. Anders bei de anima: hier habe wohl ein Gelehrter das eine Buch des Laertius in drei unterteilt. Gegen die Echtheit der Rhetorik an Alexander hinwieder spreche ihre für Aristoteles ungewöhnlich rednerartige Einleitung und ihr Fehlen bei Laertius, was Erasmus auch gegen weitere Titel anführt, doch er überlasse es jedem, selber zu urteilen. zuletzt weist er auf Neues in Bebels Ausgabe hin, nach Dank an Aldus, der das Werk als erster griechisch gedruckt habe, nachdem zuvor nur Übersetzungen zur Verfügung gestanden hätten, die ausser denen Theodorus Gazas und Leonardo Aretinos völlig unverständlich seien. Denn Argyropulos (Johannes Argyropulus Byzantius) habe erst nach Erscheinen der Aldina zu übersetzen begonnen (Übersetzungen von ihm zuerst in der Ausgabe Venedig 1496). Doch die Aldina (5 Foliobände) sei teuer gewesen, ärmeren Kandidaten der Philosophie unerschwinglich, zudem fast nur in Italien erhältlich und jetzt vergriffen (in Basel besassen sie Johannes Amerbach und dann seine Söhne). Nun habe Bebel es fertig gebracht, dass auch die diesen Schatz in schönster Ausführung erwerben könnten, zudem um vieles fehlerfreier dank der Arbeit des jungen allseitig gelehrten Simon Grynaeus und zuverlässiger Handschriften (exemplaria): für die dialektischen Schriften eines Codex, der auf jeder Seite Wesentliches gebracht habe, für andere Schriften des Kommentars des Simplicius bzw. der Übersetzung Gazas. Zwar habe es leider in vielen Schriften immer noch Lücken, doch der Text des Aldus liege hier stark verbessert vor und billiger, da Bebel nicht wie andere Drucker mit frivolen Eintagsbüchlein leicht sein Geld verdienen wolle, sondern es wage, den Druck von Ausgaben bester Autoren auf sich zu nehmen, wie auch des Erasmus iambischer Dialog zwischen einem Philologen und einem Buchhändler auf der Titelseite das Verdienst Bebels hervorhebt. Alle um die Geisteswissenschaften Bemühten müssten ihn durch raschen Kauf unterstützen und dadurch andere zu gleichem Mut mitreissen. Der Peripatetiker Johannes Morus aber werde, nach dem Vorbild seines Vaters und seiner älteren Schwestern Margarete, Aloisia und Cecilia, diesen besseren Aristotelestext umso lieber benützen.
Aus Besitz Heinrich Pantaleons von 1556, dann Maximilian Pantaleons, dann Remigius Faeschs: mit zahlreichen Notizen Heinrich Pantaleons: Bc I 1
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Signatur: Bc I 1