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«Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und ass; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er ass.» (Gen 3,6)
Schelmisch nach links zur Mutter schielend, führt mein Töchterlein das Speisemesser, an dem Nutella klebt, sachte Richtung Mund. «Nein! Habe ich gesagt», wiederholt die Mutter. Das Messer entfernt sich wieder, nur um kurz nachher wiederholt zum Kindermund zurückzukehren. «Nimm das Messer aus dem Mund!» Mutters Schimpfen und Mahnen nützen nichts. Ich nehme meiner Tochter das Messer weg.
Gerade noch erfreut über die volle Aufmerksamkeit der Eltern, beginnt die Kleine kurz danach zu klagen. Die Eltern haben beinahe wütend vor Sorge und unerwartet reagiert. Sie glauben, dass die Durchsetzung des Verbots nötig sei, um das Kind zu schützen. Um zu reifen aber, muss sich das Kind den Eltern widersetzen. Ein nervenzehrender, manchmal schmerzlicher Prozess.
Das Verbotene zu tun, hat deswegen seinen besonderen Reiz. Grenzen auszuloten und zu überschreiten, gehören notwendig zur Entwicklung von Mensch und Menschheit. Das Kind steht irgendwann auf und geht los. Der Mensch umsegelte irgendwann die Welt, anstatt an ihrem Ende ins Nichts zu stürzen. Nietzsche schrieb: «Jedes Verbot verschlechtert den Charakter bei denen, die sich ihm nicht willentlich, sondern gezwungen unterwerfen.»
Nachdem seine Verbote bei Adam und Eva nichts zu fruchten schienen, versuchte es Gott bei Mose mit Geboten anstelle von Verboten. Zuletzt versuchte er es mit seiner übergross und Mensch gewordenen Liebe.
Pfarrer Lenz Kirchhofer