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Benoît Piller, hat für Sie ein Jahr vor den nationalen Wahlen die Kampagne schon begonnen?
Sie hat diesen Sommer gemächlich begonnen: Ich traf mich mit den Präsidenten der Bezirkssektionen. In unserer Partei nominieren diese Verbände ihre Kandidaten füreine Wahlkampagne, und dannkonsolidieren wir die Kandidaten auf Ebene Kantonspartei. Die definitive Liste wird vom Parteikongress verabschiedet.
Wie viel Arbeit ist auf Bezirksebene schon geleistet worden?
Unser Ziel ist eine Vertretung auf dem ganzen Kantonsgebiet. Wir haben acht Wahlkreise–auch wenn der Grosse Rat die Regeln etwas geändert hat–, und wir haben sieben Sitze für den Nationalrat zu vergeben. Wir möchten wirklich Vertreter aus allen Regionen, ein gutes Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen; mit diesen Parametern werden wir bis Ende Jahr oder Anfang nächsten Jahres eine definitive Liste erstellen.
Gibt es in den Bezirken schon Kontakte mit möglichen Kandidaten?
Ja, die gibt es. Wir haben viele und gute Kandidaten. Es wird in der Autonomie der Bezirkssektionen liegen, diese zu bestimmen, aber natürlich haben wir auch bilateral Kontakte, um die Liste etwas herauszukristallisieren.
Acht Wahlkreise, sieben Plätze: Eine Region muss also zurückstehen?
Ja, tatsächlich kann es eine Region ohne Kandidat geben. Letztes Mal hat der Glanebezirk niemanden präsentiert. Man hat mit der Gesetzesrevision über die Wahlrechte nun gesehen, dass Glane und Vivisbach gruppiert sein sollten, um eine gewisse Stärke zu erreichen. Dass heisst, es ist gut möglich, dass wir dieselbe Situation wie letztes Mal erleben mit einem Kandidaten für die beiden Bezirke. Aber heute ist noch offen, ob er aus dem Vivisbach- oder dem Glanebezirk kommt.
Die Revision der Wahlrechte hat also grössere Folgen als nur für den Grossen Rat?
Wir müssen die territoriale Struktur neu überdenken. Wir haben eine starke Demografie in den Städten. Der Saanebezirk wird 100 000 Einwohner haben, ein Drittel des Kantons. Und andere Regionen sind sehr klein punkto Bevölkerung. Was wir letzte Woche im Grossen Rat beschlossen haben, ist eigentlich schon eine Tatsache seit 2011.
Ihre Partei ist also bereit, diese bisherigen Strukturen auch intern aufzugeben? Eventuell auch zwei Kandidaten aus der Stadt Freiburg zu nominieren?
Unsere Partei ist bereit, dies zu gegebener Zeit zu tun. Klar, Saane-Stadt und Saane-Land sind zwei grosse Einheiten. Wir sind zumindest offen, solche Gedanken anzustellen.
Sie haben als Präsident die Erfahrung einer Staatsratswahl. Hilft Ihnen dies für das nächste Jahr?
Wir haben eigentlich zwei Wahlen während der Legislatur gemacht: für Christian Levrat in den Ständerat und um der CVP den Posten, den nun Herr Siggen hält, streitig zu machen. Das war für uns auch eine Art Übung. Wir konnten die Mobilisierung von Personen testen, die Organisation. Das hilft.
Steht schon ein Wahlteam?
Nein, vorerst arbeiten wir noch im Büro, vier Vizepräsidenten und ich.
Beim letzten Parteikongress schienen die Finanzen der SP kritisch zu sein. Es hatte keine Reserven mehr. Wie sieht es jetzt aus?
Wir hatten zwei Kampagnen, die uns viel Geld kosteten; gleichzeitig blieb es bei den Einnahmen aus unseren Mitgliederbeiträgen sowie von den Beiträgen der Amtsträger. Somit haben wir immer noch ein limitiertes Budget. Das letzte Jahr schlossen wir mit null Reserven. Jetzt bauen wir wieder auf. Dieses Jahr ist vom Finanziellen her ruhiger. Nächstes Jahr können wir eine rechte Kampagne lancieren.
Die Situation bereitet Ihnen also keine Sorgen?
Nein. Viel Arbeit wird auch auf Freiwilligenbasis geleistet. In der SP haben wir viele sehr aktive Personen, die Plakate kreieren, Flugblätter verteilen … So sind unsere Kampagnen vielleicht auch etwas billiger als in anderen Parteien.
Wie viele Mitglieder hat die Freiburger SP?
Wir sind heute ungefähr 1000 aktive Mitglieder.
Schauen wir auf Ihre Vertreter in Bern. Man kann sich schlecht vorstellen, dass jemand nicht mehr antritt.
Klar, die Autonomie liegt in den Bezirken. Aber unsere vier Vertreter machen in Bern ei- ne ausgezeichnete Arbeit, und ich sehe kein Zeichen, dass sie nicht wieder kandidieren werden. Sie können also da- von ausgehen, dass unsere Sektionen die Bisherigen wieder aufstellen.
Ist es so noch motivierend für neue Kandidaten, gegen Etablierte anzutreten?
Es ist nicht schwieriger, unter diesen Umständen Kandidaten zu finden. In dieser Legislatur gab es einen Wechsel, so dass die vier Ersten unserer Liste nun in Bern im Amt sind. Fast wäre noch die fünfte Person der Liste ins Parlament gerutscht, wenn Jean-François Steiert in den Staatsrat gewählt worden wäre. Wir hätten also fast fünf von sieben in Bern haben können, das ist doch sehr motivierend für zukünftige Kandidaten.
Ein Jahr nach den Wahlen muss die Partei den Sitz von Erwin Jutzet im Staatsrat neu besetzen. Haben die kantonalen Wahlen bereits einen Einfluss auf die nationalen Wahlen?
Nicht direkt. Es vergeht doch eine gewisse Zeit bis 2016. Derzeit konzentrieren wir uns ganz auf die nationalen Wahlen. Klar, wir führen Diskussionen, man kann Politik nicht nur kurzfristig machen. Aber lassen wir vorerst die Gewählten ihre Arbeit fortsetzen.
Für die Kontinuität in Ihrer Partei ist die Situation komfortabel: Sie haben Kandidaten mit guten Wiederwahl-Chancen und ein Reservoir, wenn es Sitze zu ersetzen gilt.
Ja klar, aber das ist nicht eine kalkulierte Strategie.
Im bürgerlichen Lager sind die Wahlbündnisse für die nationalen Wahlen wohl nicht die gleichen wie bei den kantonalen. Wie sieht es im linken Lager aus?
Für uns gibt es eine Strategie: Links im Plural. Für den Nationalrat sind linke Listenverbindungen möglich und angestrebt, wie schon bei den letzten Wahlen. Wir haben bei der Wahl von Jean-Pierre Siggen gesehen, dass die Rechte mit einer Basis von 70 Prozent knapp 50 Prozent der Stimmen schaffte. Vielleicht treiben die künstlichen bürgerlichen Allianzen uns von der CVP noch einige Wähler in die Arme. 2011 waren wir für den Nationalrat schon die stärkste Partei, und wir werden weiter Fortschritte machen. Da versuchen wir natürlich, mit dieser erweiterten Linken einen zusätzlichen Sitz zu gewinnen.
Wie sieht die Ausgangslage für den Ständerat aus?
Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass das Duo Schwaller/Levrat funktioniert. Sie widerspiegeln den Kanton sehr gut und sind in Bern sehr effizient. Für den Kanton ist es wichtig, dass diese Vertretung bleibt. Mein Wunsch ist es, dass dieses engagierte Duo weitermacht.
Ein Jahr vor den nationalen Wahlen blicken die FN mit den Kantonalpräsidenten der im Bundeshaus vertretenen Parteien voraus. Bereits erschienen ist das Gespräch mit CVP-Präsident André Schoenenweid (4.9.).
Jungsozialisten: Präsidentin gewählt
A n ihrer Versammlung vom Montagabend ha ben die Jungsozialisten des Kantons Freiburg Mélanie Correia ins Präsi dentenamt gewählt. Die Gym nasiastin wird nächste Woche 18-jährig, stammt aus Lully, hat zuletzt ein Austauschjahr an einem Aargauer Gymnasium verbracht und spricht deshalb fliessend Deutsch. Wie sie gestern an einer Pressekonferenz verriet, möchte sie nach der Matura Recht studieren.
Correia ist seit acht Monaten im Juso-Vorstand und möchte gemäss ihren eigenen Worten in Zukunft verstärkt an Konkretem arbeiten. So sieht sie eine stär- kere Bindung zum Sensebezirk, das Lancieren einer thematisch noch nicht bestimmten Initiative und das Erstellen einer Liste für die Nationalratswahlen 2015. Die Jungsozialisten wollen dabei wiederum eine Listenverbindung mit der Mutterpartei eingehen.
Correia übernimmt das Amt von Simon Zurich, der nach drei Jahren als Präsident persönliche Veränderungen als Grund für seinen Rücktritt angibt. Er mache aber weiter im Vorstand mit und werde sich weiter politisch engagieren.
Simon Zurich sagte gestern, er habe bei den Jusos zuerst eine neue Equipe aufgebaut, und dann habe die Jungpartei rund 25 Prozent auf neu 77 Mitglieder zulegen können. Einen grossen Er- folg seiner Amtszeit sieht er darin, dass die Apothekenkette Benu unter anderem auf Druck der Juso Frei- burg ihren Ausbildungsstopp rückgängig gemacht hat. uh