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Überblick Unterengstringer Geschichte
Unterengstringer Geschichte von 1500 v. Chr. bis 2000 n. Chr.
Seit der mittleren Bronzezeit (1500 - 1300 v. Chr.) gibt es Funde, die beweisen, dass auf Unterengstringer Gebiet während 3500 Jahren immer wieder Limmatübergänge - Furten, Fähren und Brücken - existierten, die das Geschehen weit über die Gemeindegrenzen hinaus beeinflussten. Reiche Grabfunde im Hardwald aus der mittleren Bronzezeit und der jüngeren Eisenzeit beweisen zusammen mit Funden links der Limmat, dass die Chräuelfurt - bei der Einmündung des Schäflibaches in die Limmat - bereits damals als Teil der Nord-Süd-Verbindung vom Rhein in die Innerschweiz benutzt worden ist. Die Gräber aus der Hallstattzeit (800 - 500 v. Chr.) oberhalb des Klosters im Sandbühl weisen auf eine erste Besiedelung der Fährstelle hin. Aus der Zeit der Römer sind aus unserer Gemeinde keine Funde bekannt. Eine Siedlung mit einem grossen Gräberfeld am Fusse des Sparrenbergs aus der Zeit der Alamannen (auch Alemannen, um 540 v. Chr.) gab unserer Gemeinde den Namen und hiess um 870 n. Chr. Enstelingon.
Kloster Fahr und Glanzenberg
1130 stiftete der Freiherr Lütold von Regensberg dem Kloster Einsiedeln das Gut Fahr (Vare) mit der Verpflichtung, ein Frauenkloster zu errichten. Bereits damals gehörten zum Gut Fahr eine Kapelle, Weinberge und wohl auch eine Fähre. Die Freiherren von Regensberg waren um 1100 die mächtigsten Grundbesitzer in unserer Gegend und betrieben eine zielgerichtete Machtpolitik. Kurz vor 1250 gründeten sie in der Gegend des heutigen Golfplatzes unterhalb der Burg Glanzenberg (aus dem 11. Jahrhundert) bei der Chräuelfurt das Städtchen Glanzenberg, um den seit der Eröffnung des Gotthardpasses anschwellenden Fernverkehr westlich von Zürich und Schaffhausen vorbei durch eigenes Gebiet an die obere Donau zu lenken. Sie machten damit der Stadt Zürich Verkehr und Zölle an der Limmat streitig. 1257/58 begannen sie beim Städtchen auch einen Brückenbau, der das Fass zum Überlaufen brachte. 1267 zerstörten die Zürcher mit Hilfe von Rudolf von Habsburg Burg und Städtchen Glanzenberg.
Vogtei und unabhängige Gerichtsherrschaft
Mit der Gründung des Klosters Fahr wurde die Vogtei „Vare, Wynigen, die zwei Engstringen und der Hof zu Geroldswile“ geschaffen. 1306 verkauften die verarmten Regensberger die Vogtei. Sie kam 1435 an die Familie Meyer von Knonau, die sie als vom Grundbesitz unabhängige „Gerichtsherrschaft Weiningen“ bis 1798 besassen.
1324 ist in Unterengstringen eine Michaels-Kapelle belegt, von der aber bis jetzt jede Spur fehlt.
Im zweiten Villmergerkrieg (1712) wurde bei der Chräuelfurt die erste Brücke zwischen Zürich und Wettingen errichtet, mit einem befestigten Brückenkopf auf der Unterengstringer Seite. Diese Schiffsbrücke ging aber rasch wieder ein, da keine guten Zufahrtsstrassen bestanden.
Kriegsschauplatz Unterengstringen
1799 wurde die „Zweite Schlacht von Zürich“ zwischen den russischen und den französischen Heeren auf Unterengstringer Boden entschieden. Nach der Besetzung der Alten Eidgenossenschaft waren vom Mai 1798 bis Juni 1799 Franzosen bei uns einquartiert, nachher österreichische Truppen. Am 8. August 1799 lösten die Russen die Österreicher ab und bezogen Stellungen rechts der Limmat. Das Lager eines Kosaken-Regimentes war in der Rüti zwischen Kloster und Hardwald, und ein Genie-Bataillon lag im Niederholz in Bereitschaft. Am Morgen des 25. September 1799 beschoss die Artillerie des französischen Generals Masséna das Kloster Fahr von Schlieren her als Scheinangriff. Praktisch gleichzeitig erfolgte bei der Chräuelfurt eine grossangelegte Übersetzung mit Booten und über eine rasch aufgebaute Schiffbrücke. Der Brückenkopf in der Fahrweid konnte von den Franzosen sofort ausgeweitet und die russische Front so entscheidend durchbrochen werden, sodass sich die Russen nach hartem Kampf zurückzogen und auch die Ostschweiz wieder den Franzosen überliessen.
Vom Distrikt Regensdorf bis zum Bezirk Dietikon
1798 kam Unterengstringen zum Kanton Zürich und wurde dem Distrikt Regensdorf zugewiesen. 1803 wurde es dann für die Mediationszeit dem Bezirk Bülach zugeteilt und schliesslich in der Restauration von 1815 dem Oberamt Zürich, das seit 1831 Bezirk Zürich heisst. Seit 1998 gehört Unterengstringen zum neu geschaffenen Bezirk Dietikon.
In der Zeit der Gerichtsherrschaft Weiningen war Unterengstringen quasi eine Filialgemeinde von Weiningen. 1834 wurde dann aus der Dorfgenossenschaft die Politische Gemeinde Unterengstringen und aus den Dorfgerechtigkeiten die Holzkorporation, die auch heute noch den Gubristwald pflegt.
Herrschaftssitze und Strassendörfchen
Ausser den beiden Herrschaftssitzen Sparrenberg und Sonnenberg - und ab 1711 auch der Weid - gruppierten sich um 1700 die 14 Bauern- und Kleinbauernhäuser entlang der Dorfstrasse zu einem eigentlichen Strassendörfchen. Dazu kam das Fischerhaus beim Schinzbrünneli und der Weidhof. Insgesamt hatte Unterengstringen damals 145 Einwohner. Diese Struktur blieb bis zum Bau der ersten funktionsfähigen Limmatbrücke zwischen Zürich und Wettingen im Jahre 1844 erhalten. Von 1876 bis 1912 wurde der wild mäandrierende Lauf der Limmat korrigiert und in künstliche Dämme gezwängt. Schwere Überschwemmungen gab es aber trotzdem noch. Das Dorffest „Mittefasten“ erinnert auch an die „Beschwichtigung der Flussgeister“.
Später Aufschwung
Die erste Siedlungserweiterung kam erst 1910 - 1926 an der unteren Hönggerstrasse. Mit dem Bau der von 1901 bis 1931 bestehenden Tramlinie Schlieren - Unterengstringen - Weiningen erhoffte man sich einen Aufschwung, der aber nie recht startete. Einzelne Bauten an und oberhalb der Zürcherstrasse waren das Resultat. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde das gesamte Gebiet zwischen der Autobahn N1 und dem Grüngürtel am Gubristwald fast vollständig überbaut.
Bis ins 20. Jahrhundert war Unterengstringen sehr arm, und die Bauern - meist Kleinbauern - mussten neben dem Rebbau einen zusätzlichen handwerklichen Beruf ausüben, um überleben zu können. Erst mit dem Bau einer Schaumweinfabrikation 1890 begannen sich immer wieder Gewerbebetriebe bei uns anzusiedeln, wobei allerdings der Grossteil leider wieder verschwand. Da Unterengstringen seit dem Bau der neuen Brücke (1935) mit Bussen an das städtische Verkehrsnetz angebunden ist und Zürich mit dem Auto gut erreichbar ist, orientierte sich Unterengstringens Bevölkerung weitgehend an Arbeitsplätzen in Zürich
Bildung und Kultur
Unterengstringen besass ursprünglich keine eigene Schule. Die Vorläufer der heutigen Primarschule waren ab 1789 im Privathaus des Lehrers, ab 1790 im ersten Schulhäuschen an der Dorfstrasse 11 und seit 1838 im sogenannten alten Schulhaus untergebracht. 1951 wurde die erste Etappe der Schulanlage Büel eingeweiht. Für die Oberstufe wurde 1831 Schlieren als Schulort bestimmt, und seit 1874 ist Unterengstringen Teil der Oberstufenkreisschulgemeinde Weiningen.
Bedeutende Künstler wohnten in Unterengstringen oder hatten hier ihr Atelier: Max Gubler, Otto Baumberger, Johannes Itten, Hermann Hofmann, Markus Ginsig, Hans Brunner sowie im Kloster Fahr Maya Armbruster.
Dr. Jakob Meier
Ausdruck (mit zusätzlichen Bildern) unter: