Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03506.jsonl.gz/492

Es ist ein dystopisches Weltbild, das in Alita: Battle Angel gezeichnet wird. Sci-Fi-Mastermind James Cameron spannte für die Verfilmung von Yukito Kishiro's Manga "Battle Angel Alita" mit dem Gorehound Robert Rodriguez zusammen, welcher die Regie übernehmen durfte. Cameron selbst ist seiner eigenen Aussage nach auf Lebzeiten mit den Avatar-Fortsetzungen beschäftigt, was erklärt, weshalb er nicht selbst im Regiestuhl Platz nahm, sondern "nur" als Produzent in Erscheinung trat.
Das Problem an Alita: Battle Angel ist die Laufzeit. Die Manga-Verfilmung will zu viel Geschichte in 122 Minuten hineinpressen. Dies führt zu einem teilweise ziemlichen Durcheinander, die Figuren werden schlecht bis gar nicht eingefüht; es ist nicht nachvollziehbar, welcher Charakter auf welcher Seite kämpft oder aus welchen Gründen die Seite wechselt. So wirkt alles sehr gehetzt!
Durchaus zu überzeugen wissen jedoch die Action-Kampf-Sequenzen, wenn Alita in bester Capoeira-Manier um die Gegner herumtanzt, um sie mit gezielten Schlägen ausser Gefecht zu setzten. Dabei dreht sie sich in einer Szene spiralförmig in der Luft, zwischen den ausgefahrenen tödlichen Tentakel-Fingern von Grewishka. Hier kommen Slow-Motion-Aufnahmen zur Verwendung, um den Szenen die nötige Dramaturgie zu verschaffen. Die Rollerball-Sequenzen sind fantastisch inszeniert, eine klare Kameraführung verschafft - trotz Dynamik - stets Übersicht darüber, welcher Cyborg-Körper gerade auf welchen trifft. Sie erinnern etwas an Death Race, denn wie dort winkt bei einem Sieg ein Aufstieg aus der Gesellschaftsschicht in eine höhere. Grossartig inszeniert ist die Szene, in der Alita Dr. Ido bei einer nächtlichen Tour folgt und die Kamera aus der Vogelperspektive einfängt, wie an einer Strassenecke auf der einen Seite Dr. Ido bewaffnet auf die an der anderen Seite heraneilende Nyssiana wartet, während Alita auf einer Terrasse steht und die ganze Szenerie von oben beobachten kann.
Die dystopische Welt wird durch die Kamera ebenso bei Nacht beeindruckend eingefangen. Wenn sich Neonlichter in den Pfützen der dunklen Gassen spiegeln, fühlt man sich beinahe an Watchmen erinnert.
Unterlegt mit einem epischen Soundtrack, welcher die Kampfszenen umschmeichelt, weiss Alita: Battle Angel optisch und audiovisuell durchaus zu gefallen, die Mängel im Storytelling können leider nicht ganz überdeckt werden.