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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VI.
30.
Da nun der Logos und die Zoe selbst sahen, daß der Nus und die Aletheia den Vater des Alls durch die vollkommene Zahl verherrlicht hatten, so wollte der Logos selbst durch die Zoe seinen Vater und seine Mutter verherrlichen. Weil aber der Nus und die Aletheia erzeugt waren und nicht das vollkommene Väterliche, die Nichterzeugtheit, hatten, so verherrlichen der Logos und die Zoe ihren Vater, den Nus, nicht durch die vollkommene Zahl, sondern durch die unvollkommene; der Logos und die Zoe bringen nämlich dem Nus und der Aletheia zwölf Äonen dar. Nach Valentinus sind die ersten Wurzeln der Äonen der Nus und die Aletheia, der Logos und die Zoe, der Mensch und die Kirche, zehn gibt es vom Nus und von der Aletheia, zwölf von dem Logos und der Zoe, achtundzwanzig insgesamt; man benennt die zehn so: Bythios und Mixis, Ageratos und Henosis, Autophyes und Hedone, Akinetos und Synkrasis, Monogenes und Makaria1. Dies sind jene zehn Äonen, welche die einen vom Nus und von der Aletheia, die anderen vom Logos und der Zoe [S. 166] herleiten. Andere wieder leiten die zwölf vom Menschen und der Kirche ab,andere vom Logos und der Zoe; es werden ihnen diese Namen beigelegt: Parakletos und Pistis, Patrikos und Elpis, Metrikos und Agape, Aeinus und Synesis, Ekklesiastikos und Makariotes, Theletos und Sophia2.
Da der zwölfte von den zwölf und der jüngste der achtundzwanzig Äonen, ein weiblicher, Sophia genannt, überdachte, wie zahlreich und mächtig die Äonen seien, die gezeugt hatten, eilte sie hinauf in die Tiefe des Vaters und erkannte, daß die anderen Äonen alle, erzeugt, durch Paarung zeugen, daß der Vater allein ohne Verbindung erzeugt hat. Sie wollte es dem Vater nachtun und für sich ohne Gatten zeugen, auf daß sie ein Werk setze, das dem des Vaters nicht nachstehe; sie wußte eben nicht, daß der Unerzeugte, der da Prinzip und Wurzel und Tiefe und Höhe des Alls ist, allein imstande sei, zu zeugen, daß sie, die Sophia aber, da sie erzeugt und später als mehrere andere (Äonen) entstanden ist, die Kraft des Unerzeugten nicht haben könne. In dem Unerzeugten nämlich ist alles vereinigt, in den erzeugten Dingen ist das Weibliche das Substanzhervorbringende, das Männliche das, was der vom Weiblichen hervorgebrachten Substanz die Form gibt. Die Sophia vermochte also nur etwas ihrem Vermögen Entsprechendes hervorzubringen, eine formlose und ungeordnete Substanz. Und davon soll Moses sagen: „Die Erde aber war unsichtbar und ungeordnet“3. Diese ist das gute, „das himmlische Jerusalem“4, in das die Söhne Israels zu führen Gott mit den Worten versprochen hatte: „Ich will euch in ein gutes Land führen, das von Milch und Honig fließt“5.
1: Der Tiefe und die Mischung, der Nichtalternde und die Einheit, der Selbstwerdende und die Freude, der Unbewegte und die Vermengung, der Eingeborene und die Selige.
2: Der Tröster und der Glaube, der Väterliche und die Hoffnung, der Mütterliche und die Liebe, der ewige Verstand und die Geisteskraft, der Kirchliche und die Seligkeit, der Wille und die Weisheit.
3: Gen. 1, 2.
4: Hebr. 12, 22.
5: Exod. 33, 3; 3, 8.