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Moradosorten sind südamerikanische, an unser Klima wenig bis gar nicht angepasste Sorten. Da sie in den Anden oft bis auf über 3000 M.ü.M angebaut werden, zeigten sie in der Schweiz bisher eine sehr gute und schnelle Jugendentwicklung mit einer guten Toleranz gegenüber kalten Temperaturen.
Die neu entstandene Sorte Rio Morado wächst und blüht noch uneinheitlich. Die frühen Pflanzen blühten im 2017 Ende Juli bis Anfang August und somit immerhin knapp 2 Monate früher als die Sorte Cuzco Morado. Neben fast schwarzen Kolben gibt es immer noch eine grosse Menge etwas weniger stark moradofarbener Kolben. Der Anteil Kolben, die Rio Lucio ähnlich gefärbt sind, betrug im 2017 etwa 20%. Diese können bereits vor der Blüte ausselektiert werden, da diesen Pflanzen die violette Farbe fehlt.
Neben der früheren Reife werden von der Sorte Rio Lucio auch vereinzelt Mehrfachkolben vererbt, die ausselektiert werden müssen. Daneben stammt jedoch auch die Genetik für grosse und lange Kolben, mit eingebuchteten Körnern von der Sorte Rio Lucio. Auch hat die Tageslänge nicht mehr entscheidenden Einfluss auf die Blühinduktion.
Die bei Cuzco Morado hohe Produktion an Biomasse kann auch bei Rio Morado beobachtet werden, obwohl die Pflanzen etwas weniger hoch wachsen und dünnere Stängel haben. Auch die Anpassung an kühle Witterung im Frühling ist weiterhin gut. Die Vererbung der dunkelvioletten bis schwarzen Kolbenfarbe scheint nicht nur mit einem Gen vererbt zu werden. Daher finden sich viele Farbabstufungen von purpurrot bis fast schwarz.
Die vom Verein Landmais angebaute Sorte Cuzco Morado hat vier verschiedene Herkünfte. Ein Teil des ursprünglichen Saatguts stammt von Anhalonium.com. Der Rest stammt aus Peru (Touristensouvenir, Esswaren und Dekorationsware). Zum Moradomais gehören anthocyanhaltige, violett-schwarze Weichmaissorten aus Peru und Bolivien, die vermutlich alle von einer ursprünglichen Sorte mit Namen Kculli (oder Kulli) abstammen.
Rio Morado wird von Landmais.ch bereits seit 2014 jährlich angebaut. In den ersten zwei Jahren nach der Kreuzung wurden die Pflanzen mit sich selber bestäubt (Selbstung) und die Nachkommen der besten Kolben separiert ausgesät. Seit 2016 werden die Pflanzen kontrolliert mit 10-12 weiteren Pflanzen bestäubt. Wichtigste Züchtungsziele sind die schwarze Kolbenfarbe, die Frühreife, sowie ein gutes Ertragspotenzial.
In der Landwirtschaft wird mit einem Reihenabstand von 75cm und einem Pflanzabstand von ca. 12-14cm gesät, was einer Saatdichte von rund 10 Körner pro Quadratmeter entspricht. Alternativ kann der Reihenabstand auch 50cm und der Pflanzenabstand 18-20cm betragen. Wir säen die Sorte Rio Morado etwas weniger dicht, so dass etwa 8 Pflanzen pro Quadratmeter stehen. Das erhöht die Standfestigkeit und ergibt im Normalfall grössere Kolben.
In den Büchern Races of Maize in Peru (Grobman et al., 1961) und Races of Maize in Bolivia (Ramirez et al., 1960) wurden viele Sorten dieser beiden Länder beschrieben. Grobman geht davon aus, dass die andinen Sorten mit violett-schwarzen Körnern von einer alten, ursprünglichen Sorte namens Kculli abstammen (Grobman et al. 1961, 302). Sie dürfte identisch sein mit der Sorte Kulli aus Bolivien (Ramirez et al. 1960, 58).
Kculli wird vermutlich seit 1000-2000 Jahren in Peru und Bolivien auf einer Höhe von 2300 bis 3300 M.ü.M.) angebaut (ebd., 117). Sie braucht in den Anden 137 Tage bis zur Blüte und wird durchschnittlich 92cm hoch (ebd.).
Weitere beschriebene Morado-Sorten, die von Kculli abstammen
Die bei Landmais.ch angebaute Moradosorte zeigt grosse Ähnlichkeiten mit der Sorte Cuzco Morado. Einige Kolben entsprechen eher der Sorte Morado oder Pagaladroga.
Die bei Landmais.ch angebaute Moradosorte zeigt grosse Ähnlichkeiten mit Abbildungen der Sorte Cuzco Morado. Einige Kolben entsprechen eher der Sorte Morado oder Pagaladroga.
Die Kolben müssen nach der Ernte getrocknet werden, bis sie nur noch maximal 14% Wasser enthalten (86% TS). Rio Morado ist ein Weichmais. Beim Mahlen entsteht nur Mehl und kein Griess. Aufgrund der violetten Samenhülle entsteht ein schön violett gefärbtes Mehl, das z.B. für Brot (ca. 30%-Anteil), Omeletten oder Tortillas verwendet werden kann. In Bolivien wird mit dem Mehl das beliebte Heissgetränk Api hergestellt. In Peru das Dessert Mazamorra und das kalte Nationalgetränk Chicha Morada.
Für die Ernährung sehr interessant ist die hohe Konzentration von Anthocyanen in den Körnern. Anthocyan ist ein purpurroter Farbstoff, der in vielen Nahrungsmitteln vorkommt (z.B. Rande, Brombeere, etc.). Anthocyane können im Körper sogenannte „freie Radikale“ binden, die uns Menschen sonst schaden würden. Gemäss Studien wirken sie vorsorglich gegen Krebs, Diabetes und Fettleibigkeit. Sie schützen ausserdem die Netzhaut und regen die Blutzirkulation an . Zur Gewinnung der Anthocyane für medizinische Anwendungen, gibt es Extraktionsverfahren, die den Anthocyangehalt aus den leeren Spindeln verwendet.
Genug Gründe, um dieser Maissorte für die menschliche Ernährung mehr Beachtung zu schenken. Auch deshalb engagiert sich Landmais.ch für die Anpassung dieser Sorte auf das Klima in Mitteleuropa.
Quellen
- Grobman A, Salhuana W, Sevilla R, 1961. Races of Maize in Peru. National Academy of Science – National Research Council, Washington, 374 S.
- Ramírez R, Timothy D, Díaz E, Grant U, 1960. Races of Maize in Bolivia. National Academy of Science – National Research Council, Washington, 159 S.
- Risco Mendoza M, 2007. Conociendo la cadena productiva de maíz morado en Ayacucho. Solid Perú, 88 S.