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Von Prof. Dr. Josef Spindelböck
Zu einem bestimmten geschichtlichen Zeitpunkt trat Johannes der Täufer am Jordan auf. Lukas beschreibt genau, wann das war, um auszudrücken, dass es sich beim Propheten und Vorläufer Johannes nicht um eine erfundene, sondern um eine wirklich historische Gestalt handelt: Es war «im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius», d.h. im Jahr 28 nach Christi Geburt. Das Land Palästina und die angrenzenden Gebiete waren nach dem Tod Herodes’ des Grossen (40–4 v. Chr.) in eine sogenannte «Tetrarchie» (d.h. in ein Vierfürstentum) aufgeteilt worden. Die damaligen politischen Machthaber werden im Lukas-Evangelium aufgezählt: «Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene». Für die religiöse Situation der Juden galt: «Hohepriester waren Hannas und Kajaphas».
Johannes wiederum war der Sohn des jüdischen Priesters Zacharias aus der Priesterklasse des Abija, und der Elisabet aus dem Geschlecht Aarons (Lk 1,5). Elisabet war noch in hohem Alter schwanger geworden, und dies, obwohl sie als unfruchtbar galt. Als Johannes geboren wurde, freuten sich viele. Gottes Huld war auf ihm. Als junger Mann zog sich Johannes dann in die Wüste zurück, wo er sich als Einsiedler von Heuschrecken und wildem Honig ernährte. Dann aber rief ihn Gott als seinen Propheten, um die Menschen auf die Ankunft des Erlösers Jesus Christus vorzubereiten. Johannes trat nun machtvoll auf und rief die Menschen zu Umkehr und Busse auf. Als Zeichen dieser Umkehr empfingen die Menschen von ihm die Taufe am Jordan. «Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Strassen!» Dies war der Bussruf des Johannes. Wenn der Herr kommen würde, sollten sich alle darauf vorbereiten und ein neues Leben beginnen. Die Verheissung lautete ja: «Alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.» In dieser adventlichen Erwartung predigte Johannes seine Botschaft der Umkehr und der Busse.
Auch uns ruft die Kirche durch das Evangelium und mit den Worten des Johannes jetzt im Advent zu: «Bereitet dem Herrn den Weg!» Jesus Christus will kommen. Er will ankommen bei uns, und zwar nicht nur in der äusseren Feier der Geburt Christi, wenn wir das Jesuskind in der Krippe verehren, sondern er will ankommen in unseren Herzen. Dieser Vorbereitung auf das Weihnachtsfest dienen äussere Zeichen: der Adventskranz mit seinen Kerzen, adventliche Lieder, geistliches Brauchtum verschiedener Art. All dies soll uns eine Hilfe sein zur inneren, geistlichen Vorbereitung auf das Kommen Christi. (…)