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Geld und mehr
Von Mäusen, Märkten und Moral
Erstes Experiment: Ihnen wird eine Labor-Maus zugeteilt. Sie erhalten 10 Euro, wenn Sie sie töten lassen. 56 Prozent verzichteten auf das Geld, 44% der Mäuse starben: Im zweiten Experiment wurde ein Markt simuliert: Eine Gruppe erhielt 20 Franken, die andere Gruppe je eine Maus - die man gegen Geld töten lassen kann. In dieser Anordnung starben 75% der Mäuse. Der Preis für ein Mäuseleben sank auf 5 Franken.
Das Experiment zeigt: Märkte schwächen die Moral. Sie verändern Wertvorstellungen, und zwar deshalb, weil sie die Schamgrenze senken: Man muss nicht mehr selbst mit seinem Gewissen ins Reine kommen, sondern kann die Verantwortung teilen: Die anderen tun es ja auch. Es gibt einen Markt, da wird es wohl erlaubt sein.
Der Autor der Studie, Ökonomie-Professor Armin Falk, zieht daraus folgenden Schluss: «Wir müssen als Gesellschaft vermehrt darüber nachdenken, wozu Märkte gut sind, und wo wir andere Formen von sozialen Beziehungen brauchen.» Das wäre eine Revolution. Bisher haben sich Ökonomen leider immer nur dafür interessiert, wie Märkte möglichst reibungslos funktionieren.