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Er hat weder Augen, Ohren noch eine Nase und gräbt metertiefe Gänge: der Regenwurm. Auch wenn sein Name anderes vermuten lässt, kann der Regen jedoch sogar gefährlich für ihn werden. Problematisch ist vor allem Staunässe. «Wenn sich die Hohlräume im Boden mit Wasser füllen und der Sauerstoffgehalt abnimmt, flüchtet er an die Erdoberfläche, damit er nicht ertrinkt oder erstickt», sagt Rebekka Wyss vom Landwirtschaftlichen Institut in Grangeneuve.
Staunässe kommt vor allem bei Böden mit Verdichtungsproblemen vor: Je weniger Hohlräume bestehen, desto verdichteter ist der Boden. Gerade bei Starkregen erweist sich das unterirdische Röhrensystem als nützlich. Durch die Hohlräume kann das Wasser abfliessen: ein erosionsmindernder Effekt. «Ist der Boden dagegen verdichtet, kann der Regenwurm nicht mehr wirken», sagt Bio-Landwirt Hansruedi Schlegel aus Ulmiz. «Der Boden ist dann hart wie Beton.» Schlegel achtet bei seinem Traktor auf eine optimale Bereifung und auf den Reifendruck: Das schwere Fahrzeug soll den Hohlräumen möglichst wenig Schaden zufügen.
Fünf Herzen, 200 Muskeln
Ob der Regenwurm wegen der Flucht vor dem Regen zu seinem Namen kam, ist nicht bewiesen. «Reger Wurm» wurde das umtriebige Tier mit den fünf Herzen und bis zu 200 Muskeln vor Jahrhunderten angeblich genannt. Lange wurden seine Qualitäten verkannt: Noch im 19. Jahrhundert glaubten die meisten Wissenschaftler, dass er ein Pflanzenschädling sei. «Der britische Naturforscher Charles Darwin verfasste als einer der ersten Beiträge über die Nützlichkeit des Regenwurms», sagt Schlegel. Der deutsche Agrarwissenschaftler Ewald Wollny habe die These 1890 bewiesen. «Mit Hilfe von Experimenten zeigte er, dass die Erträge in den Gefässen mit Würmern grösser waren als diejenigen in den Gefässen ohne Würmer.» Rund 40 Arten leben in der Schweiz; am bekanntesten ist der Tauwurm. Er gräbt mit seiner kräftigen Muskulatur bis zu drei Meter tiefe Röhren, in die er abgestorbenes Pflanzenmaterial hineinzieht, welches er nach der Verrottung frisst. Die mit Wurmkot ausgekleideten Gänge haben rundum positive Eigenschaften: Sie stabilisieren die Bodenstruktur und sorgen für eine gute Durchlüftung und Wasserversorgung. Auch den Pflanzen dient das Hohlraumsystem: Ihre Wurzeln können ohne Behinderung in die Tiefe wachsen. Der Wurmkot an der Oberfläche versorgt das Erdreich mit Stickstoff, Phosphor und Kalium: einem Dünger, der zu humusreicher und stabiler Feinerde führt. Am liebsten mag das nachtaktive Tier feuchten Boden, etwa Weideland. Bis zu 500 Würmer leben auf einem Quadratmeter. «Auf einem Hektar Dauerweide leben zwei Kühe mit einem Gewicht von 1000 Kilogramm: Unterirdisch ernährt dieses Stück Land die doppelte Biomasse an Regenwürmern», erklärt der 63-Jährige.
Schneckenwetter: Manche mögen es nass
D as regnerische Wetter gefällt besonders den Schnecken: Auffallend viele Weichtiere waren in dieser Saison zu sehen. «Wir nennen das ‹Schneckenwetter›», sagt Rebekka Wyss vom Landwirtschaftlichen Institut des Kantons Freiburg in Grangeneuve. «Die Lebensbedingungen sind bei Regenwetter ideal für Schnecken: Die Tiere mögen es feucht», sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin. Zum Beispiel vermehren sich die Weichtiere bei diesen Bedingungen rasch. «Ein Grund dafür ist, dass die Schneckeneier nicht austrocknen», so Rebekka Wyss. «Dadurch pflanzen sich die Tiere sehr schnell fort.» ea