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Anfangs des 20. Jahrhunderts gab es etwa ein halbes Dutzend Geigenspieler im Muotathal. Dazu habe ich unlängst den Blogbeitrag „Fakten über die alten Muotathaler Geigenspieler“ aufgeschaltet. Ich erwähnte dabei auch unsere beiden bekanntesten Geiger, welche das Muotathal mit ds Bertholdä Seffi und Predigers Joseb hervorbrachte. Bei jenem Bericht erwähnte ich, dass meine Fakten noch recht dürftig sind. Die habe ich nun in der Zwischenzeit ziemlich ergänzen können. So habe ich in den letzten beiden Einträgen über ds Bertholdä Seffi geschrieben. In diesem Blogbeitrag widme ich mich Predigers Joseb. Meine folgenden Fakten erfuhr ich am 20. Dezember, als ich Stefan Suter (ds Stützlers) besuchte.
Aus dem Gespräch mit Stefan Suter
Josef Imhof (Predigers Joseb, 1896 – 1988) wohnte unter anderem im Hürital, „is Jägers“, und war dort Landwirt. In der Muotathaler Liegenschaftsgeschichte von Alois Gwerder steht geschrieben, dass Joseb auch in einer Hälfte Haus „vos Zenis“ wohnte. Diese Hälfte hat er quasi neu aufgebaut, und durch das war sie dann einen Meter höher als der vordere Teil (das alte Haus „vos Zenis“).
Später wohnte der Muotathaler Geiger zusammen mit seinen Schwestern im Hinterthal, bis er dann ins Altersheim zog.
Man erlebte Predigers Joseb als resoluten, aber auch schweigsamen Mann. Am besten hatte ihn wohl Franz Betschart (ds Jakä Franz) gekannt. Franz lebt leider auch nicht mehr. Joseb spielte seinerzeit meist mit ds Jakä Franz, gelegentlich auch mit seinem Bruder Toni.
Stefan erlebte ihn bei drei- oder vier gemeinsamen Auftritten, zum Beispiel an Hochzeiten, wo sie entweder ein Ständli brachten oder den ganzen Abend zusammen aufspielten.
Auf die Frage, ob er jeweils vorher mit Joseb geprobt habe oder dieser ihm sagte was für Stückli sie spielen werden, sagte Stefan: „Nein. Er hat auch nicht gesagt, was für ein Stückli komme. Er hat einfach begonnen, wie ds Jakä Toni auch. Joseb hat aber auch nicht so schwere Stückli gespielt, dass man sie nicht hätte begleiten können. Gewisse unübliche Harmoniewechsel, die er drin hatte, machten es manchmal schwierig. Er spielte öfters auf einem „gäussenden“ Ton, dass einem nach und nach fast die Ohren wehtaten.“
Joseb spielte auch „stümpelimässige“ Stückli, welche verschiedene Wechsel beinhalteten, so quasi ein hin- und herspringen mit dem Bass. Bei anderen Tänzli musste man wiederum gut zuhören, wenn der Akkord wechselte, denn Joseb spielte ja nur seine Melodie durch.
Der bärtige Mann spielte alte überlieferte Tänzli. Woher diese waren, wusste Stefan nicht. Er meinte, dass sie keine Kompositionen von Joseb waren.
Stefan erzählte auch eine Episode von Joseb. Wann sich diese Geschichte abspielte, konnte er nicht sagen. Da Joseb dabei zu Fuss von Arth heimging, meinte er, dass das schon vor sehr langer Zeit gewesen sein muss.
„Joseb ging eines schönen Tages nach Arth Musik machen. Er wurde von einer Kapelle zum Bassgeige spielen angefragt. Vor dem gemeinsamen Musizieren nahm er seinen Bass hervor, und begann ihn zu stimmen. Dabei überspannte er ihn, und der Hals der Bassgeige riss. Joseb wurde wütend, fackelte nicht lange und packte seine sieben Sachen zusammen. Samt defekter Bassgeige lief der Landwirt zu Fuss über Oberschönenbuch wieder heim.“
Übrigens, gemäss Stefan war Predigers Joseb eigentlich nicht bekannt als Basszüger. Dazu hatte er noch eine zweite Anekdote parat:
„Toni Bürgler habe einmal mit ds Predigers Joseb Musik gemacht, und zwar im Restaurant Sternen. Dies war vermutlich in den Sechzigerjahren. Die Formation hiess Trio Bürgler, und wurde vorgängig vom Wirt angefragt, ob sie am Güdelmontag im Sternen spielen kommen. Toni Bürgler sagte zu.
Als der Auftritt vor der Tür stand, musste Tonis Bruder Fridolin (Bassist) ins Militär, in den WK. Sie standen deshalb plötzlich ohne Basszüger da. Toni fragte den Wirt, ob dieser für einen Bassgeiger schauen könne. Der Wirt meinte, dass er schon einen finden werde.
Als sich das Trio Bürgler am besagten Güdelmontag im Sternensaal vorbereitete, stand Joseb unter der Tür und kam zu ihnen auf den Giigäbank.
Es gilt noch zu erwähnen, dass der Wirt vor dem Auftritt zu Joseb sagte, dass er seinen wilden Vollbart etwas stutzen solle. Toni meinte später, dass Joseb „himmeltraurig“ dreinschaute. Er habe wohl nur mit einer Schere notdürftig seinen Bart gestutzt.
Sie begannen dann zu spielen. Toni stellte bald fest, dass irgendetwas einfach nicht stimmte. Es klang miserabel, und Josebs Bass stimmte einfach nicht mit den anderen überein. Der Wirt liess Richtung Giigäbank verlauten: „Joseb, das tönt ja miserabel!“. Joseb erwiderte: „Es ist hier drin kein einziger, der es besser kann als ich.“ Sie spielten noch eine Weile, aber es passte gar nicht.
Da Fasnacht war, herrschte buntes Maskentreiben und es kamen Maschgraden in den Saal. Einer davon konnte sehr gut bödelen und mit einer Kiste samt passendem Deckel wunderbar den Takt klopfen. Der Rhythmiker gab sich irgendwann zu erkennen: Es war Fridolin, der Urlaub vom WK bekam. Dieser löste dann Joseb am Bass ab.
Irgendjemand sagte zu Joseb, dass er doch seine Geige holen soll. Toni war skeptisch: „Wenn das bloss so getönt hat mit dem Bass, was will er mit der Geige?“
Nach einer Weile kam Joseb tatsächlich mit der Geige und begann zu fiedeln. Toni war überrascht, und musste mit Erstaunen feststellen, dass Joseb sehr schön spielen konnte. Es wurde angeblich noch ein galanter und schöner Abend.
Toni sagte hinterher, dass er Joseb damals eigentlich gar nicht wirklich kannte, und ihn vorher auch nie spielen hörte.“
Wo Joseb sein Geigenspiel erlernte, ist nicht bekannt. Vermutlich von seinem Vater. Joseb sagte nämlich einmal, dass schon sein Urgrossvater Geige gespielt habe. Ds Predigers sind von der Muotathaler Abstammung her aus der Sippe der „Jägglig“, und die „Jägglig“ waren bekannt als Musikanten im Hürital.
Im Mülirad-Verlag wurde ein Notenheft mit dem Namen „Geigentänze und Jüüzli aus Muotathal und Illgau“ (eingerichtet und bearbeitet von Maria Gehrig) veröffentlicht.
Im Nachlass von Ernst Ott (Zürich) kamen die Noten der „Prediger Tänze“ wieder zum Vorschein. Ernst Ott von der legendären Kapelle Rundum ist vermutlich auch der Verfasser dieser Manuskripte. Nebst zwei traditionellen Ländlern aus Illgau sind die meisten Tänze Überlieferungen von „Predigers Joseb“.
(Quelle: http://www.muelirad.ch)
(Bildquelle: http://www.giigaebank.ch)
Voranzeige: Der Giigäbank Muotathal führt am kommenden 2. Mai im Restaurant Alpenrösli (Muotathal) einen Abend unter dem Motto „Luschtig tönts vom Giigäbank“ durch. Dabei werden „Giigä-Tänz“ von „unseren“ beiden Muotathaler Geigern Predigers Joseb und Bertholdä Seffi aufgeführt.
Wie ich meine, dürfen wir nun gut vorbereitet am 2. Mai ins Alpenrösli. Um den Melodien unserer beiden Muotathaler Geigen-Legenden zu lauschen, welche sie vor vielen Jahren nachspielten. Ich freue mich jetzt schon darauf!
feldwaldwiesenblogger