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Für das 2. Quartal 2009 weist die UBS einen Reinverlust von 1,4 Mrd. Franken aus, verglichen mit 2 Mrd. im Vorquartal. Dieser 7. Quartalsverlust der Grossbank war erwartet worden. Der Geschäftsertrag wuchs von 4,97 auf 5,77 Mrd. Franken.Dieser Inhalt wurde am 04. August 2009 - 08:45 publiziert
Der gegenüber dem 1. Quartal geringere Quartalsverlust sei primär darauf zurückzuführen, so die Bank, dass auf Risikopositionen in Geschäftsfeldern, aus denen sich die Investment Bank derzeit zurückzieht oder bereits zurückgezogen hat, niedrigere Verluste anfielen.
Einen massgeblichen Einfluss hatten Verluste von 1,213 Mrd. Franken auf eigenen Schuldtiteln, die als finanzielle Verpflichtungen zum Fair Value verbucht sind, ausserdem Restrukturierungskosten von 582 Mio. und Goodwill-Abschreibungen in Höhe von 492 Mio. im Zusammenhang mit dem angekündigten Verkauf von UBS Pactual.
Der Reinverlust aus fortzuführenden Geschäftsbereichen betrug 1,115 Mrd. (gegenüber 1,852 Mrd. Fr. im Vorquartal).
Die Bank schätzt, dass sich ihre Kreditwürdigkeit im Lauf des 2. Quartals verbessert habe. Die verbleibenden Risikopositionen seien signifikant abgebaut worden, auch die Wertberichtigungen für Kreditrisiken seien geringer geworden.
Doch sei das Ergebnis massgeblich durch Verluste auf eigene Verbindlichkeiten beeinflusst.
Grübel ist unzufrieden
Der Verlust war erwartet worden; Analysten hatten im Schnitt mit 1,2 Mrd. gerechnet.
Laut UBS-Finanzchef John Cryan werden die Aktionäre erneut auf eine Dividende verzichten müssen.
Der Quartalsabschluss der Grossbank UBS ist für den neuen Konzernchef Oswald Grübel klar unbefriedigend. "Ich hätte gerne einen Gewinn bekannt gegeben", sagte Grübel vor den Medien.
Neugeldabfluss von über 39 Mrd. Fr.
Im Unternehmensbereich Wealth Management & Swiss Bank (Vermögensverwaltung für Reiche und Schweizer Geschäft) flossen 16,5 Mrd. Neugelder netto ab. Im Bereich Wealth Management Americas waren es 5,8 Mrd., und im Bereich Global Asset Management (Vermögensverwaltung für institutionelle Kunden) 17,1 Mrd.
Die verwalteten Vermögen beliefen sich per Ende Juli auf 2250 Mrd., gegenüber 2182 Mrd. Ende März dieses Jahres.
Kleinerer Verlust im Investment Banking
Die Investment Bank wies einen Vorsteuerverlust von 1,846 Mrd. Fr. aus, nachdem dieser im Vorquartal noch bei 3,162 Mrd. gelegen hatte.
Der Geschäftsaufwand ging trotz höherer Personalkosten gegenüber dem Vorquartal zurück, nachdem das Resultat des 1. Quartals eine Goodwill-Wertberichtigung von 421 Mio. im Zusammenhang mit dem angekündigten Verkauf von UBS Pactual enthalten hatte.
Erhöhter Geschäftsertrag
Der Geschäftsertrag erhöhte sich von 4,97 auf 5,77 Milliarden. Verantwortlich dafür waren hauptsächlich geringere Handelsverluste. Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft betrug 220 Mio., verglichen mit minus 630 Mio. im 1. Quartal 2009.
Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft sank von 1,899 auf 1,143 Mio. Im 2. Quartal 2009 verbuchte die UBS Wertberichtigungen für Kreditrisiken in Höhe von 388 Mio., nach 1,135 Mrd. im 1. Quartal 2009.
Der Erfolg aus dem Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft stieg um 6% von 4, 241 auf 4,502 Mrd. Im 2. Quartal 2009 standen dem Anstieg der Erträge im Emissionsgeschäft und der Courtagen rückläufige Erträge in anderen Einnahmenskategorien gegenüber.
Der Übrige Erfolg sank von 595 auf 292 Mio. Franken.
Wealth Management: Etwas schlechter
Der Vorsteuergewinn des Unternehmensbereichs Wealth Management & Swiss Bank betrug 932 Mio., verglichen mit 1,077 Mrd. Franken im Vorquartal: Somit blieb der Geschäftsertrag praktisch unverändert.
Restrukturierungskosten von 321 Millionen im 2. Quartal bewirkten in diesem Bereich einen Zuwachs des Geschäftsaufwands.
Vorsichtiger Ausblick
Nach den roten Zahlen im 2. Quartal bleibt die UBS vorsichtig: Die Marktverhältnisse hätten sich zwar im zweiten Jahresviertel laufend verbessert, eine nachhaltige Erholung sei aber noch nicht in Sicht.
Die Bewertungen seien zwar im 2. Quartal gestiegen, da die Anleger an vielen Kredit- und Aktienmärkten allmählich wieder Vertrauen gefasst hätten. Trotz dieser positiven Zeichen herrsche in den meisten Regionen, in denen die UBS tätig sei, nach wie vor ein rezessives Umfeld.
Das Anlageverhalten der Kundschaft im Wealth Management scheine zunehmenend risikofreudiger zu werden, was das Ertragspotenzial der Wealth- und Asset-Management-Einheiten erhöhen dürfte.
Die derzeit positive Dynamik an den Aktienmärkten schaffe auch im Investment Banking eine gute Grundlage für eine Verbesserung in der Equities- und Investment-Banking-Sparte. Doch behält sich die Bank eine konservative Risikohaltung im Rahmen des Wiederaufbaus dieser Bereiche vor.
Die UBS schätzt, dass die geringe Kreditschöpfung und die strukturell schwache Haushaltslage von Konsumenten und Staaten die wirtschaftliche Erholung einschränken werden.
Zum laufenden Steuerstreit mit den US-Behörden gab die UBS keinen Kommentar ab.
Die UBS-Aktie hat am Dienstag trotz des neuerlichen Quartalsverlusts fest eröffnet. Der Titel lag zur Handelseröffnung bei 16,13 Franken oder 0,8% höher als am Vorabend.
Unter dem Eindruck der Grundsatzeinigung in der Steueraffäre in den USA hatte die UBS bereits an den vergangenen beiden Handelstagen deutlich zugelegt.
swissinfo.ch und Agenturen
Nettogeldabfluss gestoppt
Von April bis Ende Juni haben nicht mehr so viele Schweizer Kunden ihr Geld von der UBS abgezogen wie in den Monaten zuvor.
Der Nettogeldabfluss von Schweizer Kunden betrug gemäss UBS-Informationen noch rund 200 Mio. Franken.
Im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres hat die UBS damit fast keine Gelder von Schweizer Kunden mehr verloren.
Im 1. Quartal hatte der Nettogeldabfluss mit 10,2 Mrd. Fr. noch ein Mehrfaches betragen.
UBS Personal und Vermögen
Der Personalbestand ist auf Ende Juni 2009 um 4400 auf 71800 Mitarbeitende verringert worden.
Bis 2010 soll der Bestand nochmals auf rund 67'500 gesenkt werden.
Verwaltete Vermögen Ende des 2. Quartals: 2250 Mrd. Franken.
Die Bilanzsumme nahm um 261 auf 1600 Mrd. Fr. ab.
Die risikogewichteten Aktiven (gemäss Basel II) verringerten sich um 11% auf 248 Mrd. Fr.
Finma Leverage Ratio (Eigenkapitalquote): 3,5% per Ende 1. Halbjahr.
Kernkapitalquote: 13,2% (Vorquartal: 10.5%).
Fakten
Im Mai 2008 war den US-Behörden ein Fisch ins Netz gegangen, auf den sie lange gewartet hatten: Eine Untersuchung der Steuerbehörde IRS zu den Tätigkeiten des russischen Immobilienhändlers Igor Olenicoff trug den Ermittlern den Namen seines Privatbankiers Bradley Birkenfeld ein.
Dem ehemaligen Direktor der Private-Banking-Abteilung konnte nachgewiesen werden, im Ausland betrügerische Anlagefonds und Firmen gegründet zu haben, um rund 150 Mio. Dollar an Vermögen reicher Klienten wie Olenicoff zu verbergen.
Im Februar 2009 beugte sich die UBS dem Druck. Nach einer Finma-Verfügung übergab die Bank Daten von rund 250 Kunden, die des Steuerbetrugs verdächtigt wurden. Zudem zahlte sie eine Busse von 841 Mio. Fr.
Danach doppelten die US-Behörden mit der nun hängigen Zivilklage nach. Sie verlangen von der UBS Angaben zu 52'000 Konten, deren Besitzer der Steuer-Hinterziehung verdächtig werden.
Die UBS argumentierte, mit einer Herausgabe der Daten würde Schweizer Recht(Bankkundengeheimnis) verletzt. Die Klage sollte daher aus Respekt vor Rechtssprechung und Souveränität eines anderen Staates nicht weiter verfolgt werden.
Dies vertritt auch die Schweizer Regierung, die selber juristisch nicht Prozesspartei ist.
Am 13. Juli erreichten die Parteien im Rechtsstreit einen Aufschub des Prozessbeginns bis am 3. August. Dieser sollte eine aussergerichtliche Einigung erleichtern.
Am 31. Juli traf Aussenministerin Micheline Clamy-Rey in Washington mit ihrer US-Amtskollegin Hillary Clinton zusammen. Dabei ging es unter anderem um den Rechtsstreit.
Ende dieser Woche soll mehr über die aussergerichtliche Einigung, die die Schweizer Regierung und die UBS mit der US-Steuerbehörde aushandeln, bekannt werden.
Käme sie wider Erwarten nicht zu Stande, würde nächste Woche der Prozess beginnen.
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