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«Oft bewundern wir Leute, die wenig schlafen. Dabei sollten wir vielmehr den Schlaf wertschätzen als eine Zeit, während der wichtige Prozesse geschehen.» Dies sagte Björn Rasch gestern am Kollegium St. Michael in Freiburg. Die Schulmediation des Kollegiums hatte den Freiburger Schlafforscher eingeladen, um über das Thema «Lernen im Schlaf» sowie seine Forschungen zu berichten.
Lernen im Schlaf?
Dass Schlaf–insbesondere der Tiefschlaf–nicht nur wichtig für die körperliche und mentale Erholung und das Immunsystem sei, sondern auch die Festigung und langfristige Speicherung von Gelerntem fördere, sei schon länger bekannt, sagte Rasch. Ihn beschäftigten nun die Fragen: «Können wir im Schlaf lernen? Und können wir die Schlafphase nutzen, um Informationen besser abzuspeichern?»
In den 1970er-Jahren habe es mehrere Untersuchungen gegeben, um herauszufinden, ob das Vorspielen von Informationen in der Schlafphase etwas nütze. Dabei habe sich gezeigt, dass die Möglichkeit, im Schlaf neue Informationen aufzunehmen, sehr begrenzt sei, sagte Rasch. «Wir haben uns aber gefragt: Kann das Lernen vor dem Schlaf kritisch sein für das Lernen im Schlaf?»
Um dies zu testen, haben Rasch und sein Team ein Experiment durchgeführt, bei dem alle Probanden 120 holländische Vokabeln auswendig lernen mussten. Einem Teil der Leute wurden zudem 60 Vokabeln während der Nacht vorgespielt–und zwar so leise, dass sie davon nicht aufwachten.
Am nächsten Morgen habe sich gezeigt: Von den nicht abgespielten Worten wussten die Testpersonen noch etwa 95 Prozent der Vokabeln, die sie schon am Vorabend nach dem Lernen gewusst hatten. «Bei den abgespielten Worten zeigte sich am nächsten Morgen eine signifikante Verbesserung von zehn Prozent», so Björn Rasch. Die Leute wussten also mehr Worte als noch am Vorabend. «Man kann also in der Nacht eine Verbesserung erreichen. Das Problem dabei ist: Man muss am Abend davor lernen», sagte Rasch. Keinen Einfluss habe das Abspielen von Vokabeln hingegen am Tag–weder dann, wenn die Testpersonen mit anderen Aktivitäten beschäftigt sind noch dann, wenn sie passiv sind und einfach zuhören.
Tiefschlaf durch Hypnose?
Weiter beschäftigt sich Rasch mit der Frage, ob sich rein durch eine Vorstellung der Schlaf beeinflussen und ob er sich durch Hypnose objektiv verbessern lässt.
In einem Experiment haben die Forscher Personen, die sich normalerweise mittags keine Siesta gönnen, zu einem Mittagsschlaf eingeladen. Der einen Gruppe haben die Forscher ein Tape mit Entspannungsübungen und einer Hypnose vorgespielt. Dabei mussten sich die Testpersonen einen Fisch vorstellen, der immer tiefer und tiefer schwimmt. Danach durften sie rund 90 Minuten schlafen, mit Elektroden massen die Forscher die Tiefschlafphasen. «Der zweiten Gruppe haben wir einen Wikipediaeintrag über Mineralöllager vorgespielt», so Rasch. Eine Woche später mussten die Personen erneut ins Schlaflabor kommen; die gleichen Texte wurden der jeweils anderen Gruppe vorgespielt. Beim Vergleich der Ergebnisse der einzelnen Personen zeigte sich: Wenn die Personen die Hypnose-CD gehört hatten, verlängerte sich der Tiefschlaf um rund 80 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet dies: Ohne Hypnose dauerte der Tiefschlaf durchschnittlich 18 Minuten, mit Hypnose 25 bis 30 Minuten.
Um auszuschliessen, dass bereits die Entspannungsübungen einen Effekt haben, hörten einige Personen auch die Hypnose-CD, jedoch mit einem Unterschied: «Sie mussten sich nicht einen Fisch im Wasser vorstellen, sondern ein Brot, das auf dem Wasser schwimmt», so Rasch. Mit dieser CD habe sich der Anteil des Tiefschlafs nicht verändert.