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Im Stadtinnern bemerkt man das 1830 erbaute und 1880 restaurierte Kasino, das Gebäude der Latein- und Industrieschule (1838) und den Spital, dessen heutiges Gebäude aus 1734 datiert. Der 1327 gegründete Spital erhielt von den Bernern zur Zeit der Reformation die Einkünfte des sog. Hôpital de la Madeleine und der drei religiösen Bruderschaften der Stadt zugesprochen, unter der Bedingung freilich, dass er auch die wohltätigen Verpflichtungen dieser charitativen Gesellschaften übernehme.
Seither gibt er an die armen Durchreisenden Almosen ab. Infolge einer grossen Feuersbrunst beschloss man 1731, den Spital an seiner heutigen Stelle neu aufzubauen. Er beherbergt in seinen Räumen das Bezirksgericht. Sein Vermögen ist ansehnlich und besteht hauptsächlich in Reben, aus deren Ertrag bedürftige. Gemeindebürger unterstützt werden. Dieser Spital darf nicht mit dem Hôpital de la Madeleine verwechselt werden, der schon 1147 bestand, dem Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard gehörte und 1550 niederbrannte, aber nicht wieder aufgebaut wurde.
Das unter dem Namen der Cour aux Chantres bekannte Bauwerk war zuerst Eigentum der Herren von Oron, ist 1555 abgebrochen, dann neu erstellt und 1746 zu seiner heutigen Gestalt umgeformt worden. Das heutige Rathaus (Hôtel de Ville) steht an der Stelle des ehemaligen Hôpital du Vieux Mazel und datiert aus 1755; es enthält ein sehenswertes Treppengeländer aus Schmiedeeisen. In der Nähe die Tour de Saint Jean (ehemalige Johanneskapelle) und die an Stelle einer einstigen Klosterkirche der Klarissinnen 1422 erbaute Kirche Sainte Claire, die von Bern 1536 dem reformierten Kultus eingeräumt und 1776, 1783 und 1885 restauriert worden ist.
Das jetzige Hôtel du Château war ehemals Sitz der Familie de Tavel und dann der Bernischen Landvögte; hier hielt sich in der Familie des Landvogtes Lentulus 1783/84 Charlotte von Lengefeld auf, die spätere Gemahlin Schillers. In dem heute durch einen modernen Neubau ersetzten alten Gebäude des Hotel du Lac wohnten die englischen Refugianten Ludlow und Broughton, zwei der Richter, die den König Karl I. von England 1649 zum Tod verurteilt hatten. An ihren Aufenthalt erinnert eine in die Gartenmauer eingelassene Gedenktafel. Das Hôtel des Trois Couronnes endlich ist an die Stelle eines 1840 abgetragenen Herrenhauses getreten, das 1376 im Besitz der jüngern Linie derer von Blonay gewesen war.
Wendet man sich nordwärts gegen die Terrasse von Saint Martin, so kommt man an der russischen Kirche vorbei, die 1878 auf Kosten des Grafen und der Gräfin Peter Schuwaloff zum Andenken an ihre in Vevey gestorbenen und bestatteten zwei Töchtern erbaut worden ist. Unmittelbar darüber erhebt sich die Pfarrkirche Saint Martin, das ehrwürdigste aller Bauwerke von Vevey. Urkundlich erwähnt wird die Kirche zum erstenmal 1174 in einer päpstlichen Bulle. 1496 restaurierte man sie 1581 erhielt sie eine Glocke im Gewicht von 20 Zentnern, 1602 und 1603 zwei weitere Glocken;
1693 wurden Broughton und Ludlow in der Kirche beigesetzt;
1740 erhielt sie eine Orgel, die man 1883 durch ein neues Instrument ersetzte;
im Februar 1871 quartierte man in der Kirche 800 Internierte der französischen Ostarmee ein.
Das jüngste der öffentlichen Gebäude ist das Museum Jenisch, das die Stadt einem Vermächtnis der Frau Senator Jenisch aus Hamburg verdankt. Es enthält eine öffentliche Bibliothek, einen interessanten Gemäldesaal, eine naturhistorische Sammlung und eine Kollektion von Gegenständen aus der geschichtlichen Vergangenheit von Vevey. Es wird auch oft zu privaten Gemäldeausstellungen von schweizerischen oder ausländischen Malern benutzt.
Klima.
Dank ihrer voll zur Sonne exponierten Lage und dem die kalten N.-Winde abhaltenden Gebirgskranz erfreut sich die Stadt Vevey eines mildern Klimas als die benachbarten Ortschaften am Genfersee (Montreux ausgenommen). Dazu kommt im Winter der einer Warmwasserheizung zu vergleichende Einfluss des Sees, dessen Temperatur nicht unter 4 °C. sinkt. Nebel ist trotz der Lage am Seeufer verhältnismässig selten. Mittlere Zahl der Tage mit Regen oder Schnee 68, der klaren Tage 91 und der Tage mit bedecktem Himmel (aber ohne atmosphärische Niederschläge) 206. Es betragen die monatlichen Mitteltemperaturen:
|°C.||°C.|
|Januar||-4,1||Juli||18.69|
|Februar||2.16||August||18.71|
|März||5.16||September||15.45|
|April||9.04||Oktober||11.87|
|Mai||12.25||November||5.09|
|Juni||17.53||Dezember||1.01|
|:||Jahresmittel||9.78|
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Bevölkerung.
Im Jahr 1900 zählte man 11781 Ew. Davon waren 8277 Reformierte, 3424 Katholiken, 56 Israeliten und 24 Andre; 8878 französischer, 1919 deutscher, 833 italienischer und 151 andrer Sprache; 502 Bürger der Wohngemeinde, 4181 Bürger andrer Gemeinden des Kantons, 4483 Bürger andrer Kantone und 2615 Ausländer. 1908 war die Zahl der Bewohner auf 14010 angestiegen. Den verschiedenen Konfessionen stehen die Pfarrkirchen Saint Martin und Sainte Claire (reformierte Staatskirche), die Kapelle der freien evangelischen Kirche, die deutsche evangelische Kirche, eine katholische, englische und russische Kirche zur Verfügung. Daneben bestehen noch Kultlokale andrer Gemeinschaften, wie der Darbysten, Sabbatisten, Methodisten, Heilsarmee etc.
Verkehrsmittel.
Vevey ist eine Station der Simplonbahn, die 19 km onö. Lausanne und 33 km nw. Saint Maurice liegt. Drei Dampfschiffstationen der Dampfboote auf dem Genfersee: Vevey-Marché, Vevey-La Tour und Vevey-Grand Hôtel. Kopfstation der elektrischen Strassenbahn Vevey-Chillon, der Linie Vevey-Station Chexbres, der Drahtseilbahn auf den Mont Pèlerin und der elektrischen Linien Vevey-Châtel Saint Denis und Vevey-Blonay-Chamby. Von Vevey führen Strassen nach Lausanne, Chexbres, Châtel Saint Denis, Blonay und Villeneuve.
Die Einnahmen des Zentralbahnhofes Vevey (S. B. B.) übersteigen jährlich die Summe von 1 Mill. Fr. und stellen Vevey in den 6. Rang von allen 245 Stationen des einstigen Netzes der Jura-Simplonbahn. Von diesem Verkehr können nachfolgende Zahlen vom Jahr 1906 einen Begriff vermitteln: Ausgegeben hat der Bahnhof Vevey 58599 einfache Billete, 268892 Retourbillete und 101373 Abonnemente, was ein Total von 428864 Reisenden ausmacht und Vevey in den 17. Rang der schweizerischen Bundesbahnstationen stellt. An Gütern gingen 30526 Tonnen ab (womit Vevey den 18. Rang der Stationen der S. B. B. einnimmt) und kamen 91853 Tonnen an. An den Gesamteinnahmen der Dampfschiffgesellschaft auf dem Genfersee beteiligte sich der Hafen von Vevey mit 6,42%, welches Verhältnis bloss von den Häfen von Montreux (7,44%), Évian (8,95%), Ouchy (18,57%) und Genf (26,75%) übertroffen wurde. An allen diesen Zahlen beteiligen sich die Ausländer in ganz beträchtlichem Mass. Postbureau, Telegraph, Telephon.
Vevey erscheint in erster Linie als Handels- und Industriestadt, liegt zugleich aber in einer vom Fremdenstrom hervorragend begünstigten Landschaft. Es spielt daher das Hotelwesen eine grosse Rolle. Man zählt: in Vevey und La Tour de Peilz 14 Hotels und Pensionen mit 1250 Betten, am Mont Pèlerin und in dessen Umgebung (Baumaroche, Corseaux, Chardonne, Jongny) 725 Betten, in Saint Légier und Blonay etwa 250 Betten, zusammen also rund 2000 Betten für Vevey und seine unmittelbare Umgebung. Dazu kommen noch zahlreiche Familienpensionen und Pensionnate für Knaben und Mädchen.
Industrie und Handel.
Wie Vevey Fremde jeder Nationalität gastfreundlich bei sich aufnimmt, sendet es andrerseits die Erzeugnisse seiner Industrie in die ganze Welt. Zu nennen sind da in erster Linie die Fabrik Nestlé für Kindermehl und kondensierte Milch und die sehr umfangreiche Fabrik der «Société générale Suisse des Chocolats». In Vevey befanden sich zuerst auch die Anlagen der Schokoladenfabrik Cailler, die nun seit einigen Jahren nach Broc im Greierz übergesiedelt ist. Ferner: Fabrik der Société des Biscuits Bussy (1898 gegründet) mit Filialen in Pontarlier und im Elsass, eine Magenbitterfabrik, die Zigarrenfabrik Ormond (1848 gegründet; 780 Arbeiter; jährliche Produktion 160 Mill. Zigarren) und drei andere Zigarrenfabriken (gegründet 1859, 1860 und 1866), die 1830 gegründeten «Ateliers de constructions mécaniques», deren Spezialität im Bau von Turbinen (1500 bis Ende 1907) und der Erstellung von eisernen Brücken und Metallgerüsten besteht;
zwei Schuhwarenfabriken;
eine grosse Buchdruckerei, die den mehr als 200 Jahre alten Almanach Le Messager boîteux de Berne et Vevey herausgibt;
eine Buch- und Kunstdruckerei, eine Baumaterialienhandlung, Bildhauergeschäfte.
Die Stadt Vevey veranstaltet alljährlich im Winter für Lehrlinge und Liebhaber beider Geschlechter eine Reihe von gewerblichen und kommerziellen Lehrkursen, die z. B. im Winter 1906/1907 von 624 Teilnehmern in 39 Klassen besucht worden sind und für deren erfolgreiche Absolvierung 320 Zeugnisse ausgestellt werden konnten.
Schulwesen.
Die Gemeinde unterhält eine Primarschule mit 24 Klassen, 4 Kleinkinderschulen, ein Progymnasium (Collège) mit klassischer und industrieller Abteilung, dessen Schüler ein Kadettenkorps bilden, sowie endlich eine 1848 gegründete höhere Töchterschule. Das Budget der Gemeinde Vevey für das Unterrichtswesen belief sich 1906 auf Fr. 157186. 1906 besuchten neben 277 Schülern der Kleinkinderschulen 1376 Kinder die öffentlichen Schulen von Vevey, die unter der Aufsicht einer Schulpflege (Commission scolaire) stehen.
Von privaten Erziehungs- und Bildungsinstituten steht im ersten Rang das Institut Sillig im Quartier Bellerive, das seit seiner Gründung im Jahr 1836 von mehr als 1500 Jünglingen aus aller Herren Ländern besucht worden ist. Zahlreiche Mädchenpensionnate, 7 Privatschulen mit 94 Schülern und eine katholische Schule mit 8 Klassen und 271 Schülern vervollständigen das Bild des Schulwesens von Vevey. Um die Schuljugend zum Sparen anzuleiten, hat man eine Schulsparkasse eingerichtet, in welcher im Jahr 1906 817 Einleger ein Kapital von Fr. 27042 besassen.
Vereinswesen und öffentliche Wohltätigkeit.
Gleich den übrigen Schweizerstädten findet man natürlich auch in Vevey zahlreiche Vereine und Gesellschaften. Auf philanthropischem Gebiet sind tätig: Das 1858 gestiftete Hospice ¶