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Buffett, der am Dienstag 92 Jahre alt geworden ist, ist seit über 60 Jahren als Investor aktiv. Nach wie vor achten Millionen von Anlegerinnen und Anlegern weltweit auf die Anlageentscheide des "Orakels von Omaha". Manche sind Buffetts Ratschlägen regelrecht ergeben.
Buffetts Strategie ist, Firmen vor dem Anlageentscheid genau zu durchleuchten und nur in Unternehmen zu investieren, die er wirklich zu verstehen glaubt. Er interessiert sich weiter für Unternehmen, die über einen starken Marktvorteil oder einen "Burggraben" verfügen. Buffett will auch jene genau einschätzen können, die Firmen führen.
Buffett hat stets am Value-Stil festgehalten, aber individuelle Entscheide haben seine "Follower" auch erstaunt. Bisweilen hat der konservative Investor unerwartet erkennen lassen, dass er sich mehr nach dem Wandel richtet, als viele dachten.
Fünf Aktien, die nicht alle automatisch mit Buffett in Verbindung gebracht hätten:
Amazon
Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat 2019 für eine Milliarde Dollar Aktien des E-Commerce- und Technologie-Weltkonzerns gekauft. Amazon war damals bereits eine sehr bekannte Firma und die Aktie kostete bereits 1800 Dollar. Seit dem Börsengang von Amazon 1997 hatte sich der Kurs hundertfach erhöht.
Erstaunlich am Berkshire-Investment in Amazon-Aktien war, dass Buffett zuvor offenkundig nicht viel vom Unternehmen oder dessen Gründer Jeff Bezos hielt. Nach seinem Einstieg sagte Buffett von sich selbst aber, er sei "ein Dummkopf" gewesen, nicht früher in Amazon investiert zu haben. Der Anlageentscheid ging offiziell auf die Fondsmanager Todd Combs und Ted Weschler zurück - doch bei einer Investitionssumme von einer Milliarde glaubt kaum jemand, dass der Kauf der Amazon-Aktien nicht explizit die Zustimmung von Buffett hatte.
Zu den 1800 Dollar pro Aktie sagte Buffett: "Es ist viel besser, eine wunderbare Firma zu einem anständigen Preis zu kaufen, als eine anständige Firma zu einem wundervollen Preis zu kaufen." Dies im Einklang mit Buffetts Weisheit, dass er "grossartige Unternehmen zu anständigen Preisen" kaufe ("fair prices" auf englisch) und nicht umgekehrt.
Aktuell hält Berkshire 10,7 Millionen Amazon-Aktien, die bei 2600 Dollar 44 Prozent mehr wert sind als 2019.
Apple
Definitiv als Überraschung wurde in der Investment-Welt wahrgenommen, als Berkshire Hathaway 2016 Aktien von Apple kaufte. Buffett hatte lange eine Abneigung gegen die grossen Tech-Aktien. Er ging stets davon aus, dass diese bei Marktverwerfungen besonders verwundbar seien und dass rasche Änderungen in der Technologie-Entwicklung sie zurückwerfen könnten. Buffett selbst sah Tech-Aktien auch nicht als Teil seiner Kern-Kompetenz in der Anlagewelt.
Auch bei Apple waren die Anlageestrategen Combs und Weschler am Werk, als es darum ging, Buffett zu überzeugen. Heute hält er 5,44 Prozent an der Firma und ist Apples grösster Anteilseigner. Innerhalb des Berkshire-Portfolios macht Apple rund 40 Prozent der Anlagen aus. Laut Buffett ist Apple im "besten Geschäft, das ich auf der Welt kenne".
Nubank
Dass Buffett in traditionelle Banken und Finanzdienstleister wie Bank of America, Bank of New York, Mellon, Citigroup, US Bancorp oder American Express investiert, ist allgemein bekannt. Aufsehen erregte aber der Entscheid, in das brasilianische Fintech Nubank zu investieren, das eine Kryptoplattform betreibt. Schon mit dem Börsengang Ende 2021 machte Berkshire 150 Millionen Dollar Gewinn. Bei einer Finanzierungsrunde im Juni 2021 hatte Buffett bereits in die Nubank investiert.
Buffett und sein langjähriger Vize Charlie Munger waren davor immer vorsichtig, wenn es um das Mitmachen bei Börsengängen ging. Und sie beide sind vehemente Kritiker von Kryptowährungen, die sie auch schon fast als so etwas wie den Untergang der Zivilisation bezeichneten.
Gemäss eines Filings, mit dem Anlagegesellschaften ihre Beteiligungen gegenüber der Finanzaufsicht offenlegen, hat Berkshire rund 500 Millionen Dollar im brasilianischen Unternehmen angelegt. Diese Summe entspricht allerdings nur 0,1 Prozent des Portfolios.
Occidental Petroleum
Buffetts Investment in die Ölgesellschaft Occidental Petroleum mit Sitz im texanischen Houston geht aufs Jahr 2019 zurück. Ungläubig reagierten manche auf diese Beteiligung, weil der Trend nicht in Richtung traditioneller Ölgesellschaften, sondern in Richtung erneuerbarer Energien ging. Buffett aber geht davon aus, dass der Übergang zu einer Energieversorgung mit "grünen" Produktionsweisen nur langsam vonstatten gehen wird.
Im Zuge der Welt-Energiekrise 2022 und dem russischen Krieg gegen die Ukraine sind die Ölpreise auf ein 13-Jahre-Hoch gestiegen. Berkshire hat immer wieder zugekauft und hat nun vor, sich die Hälfte der Occidental-Aktien anzueignen. Mitte Jahr besass Buffetts Gesellschaft Occidental-Aktien für 14 Milliarden Dollar, was 4 Prozent des ganzen Portfolios entspricht.
Tesco
In Tesco, einer der wichtigsten Detailhandelsketten in Grossbritannien, investierte Berkshire Hathaway 2006. 2012 wurde Buffet nach einer Erhöhung des Anteils auf über 5 Prozent einer der grössten Aktionäre des Unternehmens. Überraschend war, dass Berkshire trotz mehrerer Gewinnwarnungen des Unternehmens zukaufte.
2013 wurde der Anteil etwas abgebaut. Als Tesco ein Jahr später wegen zu positiv dargestellter Finanzergebnisse in die Schlagzeilen geriet, war Buffetts Gesellschaft noch immer der drittgrösste Anteilseigner. Tesco meldete umgerechnet 444 Millionen Dollar Verlust an. Buffett informierte seine Aktionäre mit grosser Reue: "Als aufmerksamer Investor ist es mir peinlich, dies mitteilen zu müssen, und ich hätte die Tesco-Aktien schneller verkaufen sollen. Ich habe bei diesem Investment wegen Trödelei einen grossen Fehler gemacht." Der Vertrauensverlust in das Tesco-Management hätte ihn zu schnellerem Handeln verleiten sollen.
(cash)