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Solchermassen geschichtlich aufdatiert, lustwandeln wir gedanklich durch die königlichen Parkanlagen. Hier werden Sie dann auf Postensuche gehen:
"Eng und heruntergekommen", sei der Arenenberg, meinte Hortense nach dem Kauf, "aber sehr schön gelegen"!
Damit meinte sie sicherlich die Aussicht von der Schlossterrasse, nicht nur bei Sonnenuntergang.
Ach ja, nicht vergessen: Nach dem OL machen Sie wie alle durchlauchten Herrschaften in Ermangelung eines königlichen Hofmalers ein Selfie auf der Terrassenmauer!
Die ehemalige Hauskapelle hatte Hortense zu einem Billardzimmer für ihren Sprössling umbauen lassen; als Ersatz liess sie 1832 diese Schlosskapelle errichten - nur fünf Jahre später wurde sie selbst nach ihrem Krebstod in dieser Kapelle aufgebahrt.
Die Abdankungsfeier mit 4'000 (!) Trauergästen fand dann in der Kirche Ermatingen statt, bevor der Leichnam nach Rueil bei ihrem ehemaligen Schloss Malmaison in der Nähe von Paris überführt wurde.
Für die erwähnte Abdankungsfeier wurden übrigens alle Häuser an der Strasse vom Arenenberg zur Kirche Ermatingen mit schwarzen Tüchern verhüllt, aus denen dann noch jahrelang die Konfirmandenkleider geschneidert wurden...
Während der napoleonischen Zeit wurde dieser "potager" als Hausgarten für die Küche genutzt.
Schon vor der Zeit der napoleonischen Familie , als man den Arenenberg noch "Narrenberg" nannte, wurde hier Rebbau betrieben.
Hortense behielt den Weinbau bei. In diesem Weinkeller sollen 24 grosse Weinfässer mit 70'000 Liter edlen Inhalts gelagert haben. Das grösste dieser Fässer hatte ein Fassungsvermögen von 9'000 Litern, also 9 Kubikmetern!
Wenn man sich dann noch die tausenden von importierten Flaschen dazu vorstellt...
Diese zwei abgebildeten Flaschen sind solche importierten aus Bordeaux, die Louis Napoleon anlässlich seines Besuches 1865 mit einigen hundert anderen mitgenommen hatte und natürlich nicht auszutrinken vermochte.
Jaja, ich weiss schon, Sie würden jetzt gerne einen Posten neben diesem Weinregal anlaufen, im liebsten im Dunkeln - aber das kann ich Ihnen nicht versprechen!
In den letzten Jahren wurde die gesamte Anlage des Schlossparkes wieder möglichst in den ursprünglichen Zustand versetzt, dieses Herzstück mit dem Springbrunnen im Jahre 2008.
Halten Sie hier für eine kurze Verschnaufpasse inne und .Sie sich den schönen Ausblick über den Untersee zur Reichenau.
Louis Napoleon beschäftigte sich übrigens gerne mit Waffen und pröbelte an der Konstruktion von Kanonen, mit denen er immer wieder Probeschiessen auf die Reichenau veranstaltete. Dann schickte er jeweils einen Diener, um die Reichenauer zu warnen: "Attention, heute Nachmittag wird im Fall wieder geschossen!" - Zum Glück gab's damals noch nicht so viele Treibhäuser auf der Reichenau!
Dieses "Einsiedlerhäuschen" scheint keinen sakralen Bewohner beherbergt zu haben, wie man meinen könnte - es diente vielmehr als Gartenhäuschen.
Allenfalls hatten die Vorbesitzer und Kartäuser-Mönche aus Buxheim bei Memmingen hier ein kleines "Klösterle" errichtet.
Der Eiskeller - wie viele Schlösser einen hatten - wurde im Winter mit Eis gefüllt. Dieses wurde zur Kühlung von Speisen oder Getränken verwendet, aber auch in Form von Eisblöcken für Vorgängerarten von "Kühlschränken".
Das Eis hier hielt scheinbar jeweils bis in den Sommer hinein.
Einen besonders eindrücklichen, frisch restaurierten und durchgehend geöffneten finden Sie auf Schloss Wolfsberg - der Besuch lohnt sich!
Der lebenslustige Jüngling Louis Napoleon dürfte wohl kaum durch diese Tunnelgrotte in den Ausgang nach Konstanz entwischt sein - vielmehr diente sie der unterirdischen und unbemerkten Entsorgung der Fäkalien.
Das Amt für Archäologie hat den Neubau dieses Pavillons mitverfolgt:
Der "Pavillon" war der Lieblings-Aufenthaltsort von Königin Hortense für Mussestunden und kleinere Gartenfeste. Der Blick gleitet über Ermatingen und Konstanz zu den Vorarlberger Alpen.
Scheinbar liebte Hortense den Sonnenuntergang aus diesem Pavillon aus zu bewundern - in der "verkehrten" Richtung, nicht in den Hegau, wo die Sonne untergeht, sondern zu den Vorarlberger Alpen mit dem Abendrot.
Also so:
Der Serpentinenweg "Avenue d'Ermatingen" war die ursprüngliche Zufahrt zum Schloss - wir Einheimischen sind uns solche noblen und fremdländischen Strassennamen nicht gewohnt und nennen ihn einfach "Zickzackweg".
1835 baute Louis Napoleon diese neue Brücke Richtung Ermatingen, wenn's stimmt sogar "eigenhändig". Na ja, etwas Hilfe wird er sich schon geholt haben...
Nun können Sie einmal an einem OL durch einen richtigen Schlosspark "lustwandeln"!