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In der Schweiz war Wasser zur Produktion von Strom immer in genügender Menge verfügbar, sodass der Betrieb von elektrischen Bahnen möglich war. Was lag da näher, als die vorhandenen Ressourcen zu nutzen?
Die Elektrizität bildete damit die Grundlage, um die dampfbetriebenen Züge zu ersetzen. Das hatte den Vorteil, dass die von weit her angeschaffte Kohle für den Betrieb der Dampfzüge wegfiel. Ende des 19. Jahrhunderts verkehrten in der Schweiz auf den rund 3'000 Kilometern Bahnlinie ausschliesslich dampfbetriebene Züge, die nach und nach durch elektrische Züge ersetzt wurden.
Strom statt Dampf
1895 testeten Mitarbeitende der Firma Brown Boveri zwischen Lugano und Paradiso einen mit Drehstrom angetriebenen Tramwagen. Die Technologie wurde auch beim Gornergrat-Projekt verwendet, wo die Firma Haag & Greulich eine leistungsfähige reine Zahnradbahn mit dem System Abt sowie mit elektrischem Betrieb baute. Die Bauingenieure entschieden sich für den Drehstrommit 725-Volt Drehstromversorgung.
Voraussetzung dafür war unter andern eine ausreichende Stromproduktion. Diese sicherte sich August Haag am 11. Oktober 1895 für 100’0000 Franken, als er das beschränkte Nutzungsrecht des Findelbaches von der Gemeinde Zermatt erwarb. Das Turbinenhaus Zentrale Findelbach wurde am Fusse der Findelbachbrücke gebaut und versorgte die Gornergrat Bahn mit der nötigen Energie.
Am 24. November 1897 wurde der erste Motorwagen der Gornergrat Bahn mit der Visp-Zermatt Bahn angeliefert. Im Anschluss wurden auf den bereits bestehenden zwei Kilometern Geleise erste, erfolgreiche Tests durchgeführt.
Energieeffizienz dank Rekuperation
Charakteristisch für den Drehstrombetrieb sind zwei Fahrleitungsdrähte und zwei zweipoligen Bügel, welche die Bahn mit den Fahrleitungsdrähten verbinden. Die Konstruktion erlaubt durch Rekuperation, dass die Bahn eigenen Strom produzieren kann. Dafür dient der Motor bei der Talfahrt als Generator und speist die gewonnene Energie direkt ins Netz zurück. Auf der Bergfahrt kann die Bahn die erzeugte Energie dann wieder einsetzen.
Die Gornergrat Bahn nutzt diese umweltfreundliche Technik bereits seit der ersten Fahrt am 20. August 1898. 3 talwärts fahrende Züge der Gornergrat Bahn produzieren auch heute noch genügend Strom für eine bis zwei bergwärts fahrende Kompositionen. Die Zentrale Findelbach liefert seit vielen Jahrzehnten den restlichen Strom für die Gornergrat Bahn aus Wasserkraft. Aktuell wird die elektrische Energie zu 100 Prozent beim Elektrizitätswerk Zermatt bezogen.
Die ehemalige Zentrale Findelbach wird heute als Eventlokal «Turbina» betrieben. Dort können Gäste die historischen Turbinen noch heute bestaunen.