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Heute wählen die 55 Mitgliedsverbände der UEFA in Athen den neuen UEFA-Präsidenten. Der Slowene Aleksander Ceferin ist der Favorit, der Niederländer Michael van Praag der Aussenseiter.
Der europäische Fussball lebte seit mehreren Monaten in einem Machtvakuum. Im vergangenen Oktober war Präsident Michel Platini von der FIFA-Ethikkommission suspendiert worden, Ende Februar stieg UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino zum FIFA-Präsidenten auf. Die Geschäfte führte seither der Spanier Angel Maria Villar Llona. Er wollte sich zunächst ebenfalls zum Präsidenten wählen lassen, zog seine Kandidatur allerdings vor wenigen Tagen zurück.
Nun treten der Slowene Aleksander Ceferin und der Niederländer Michael van Praag gegeneinander an. Beide sind Präsident ihres nationalen Verbandes; Van Praag ist zudem seit sechs Jahren Mitglied der UEFA-Exekutive. Obwohl der Niederländer über mehr Erfahrung als Fussball-Funktionär und über ein grösseres Netzwerk verfügt, gilt er bloss als Aussenseiter. Viele kleine Verbände sehen im Slowenen Ceferin eher einen Verbündeten, andere wollen keinen Mann der Exekutive ins höchste Amt hieven.
Die Programme der beiden unterscheiden sich kaum. Sie präsentieren die gewohnten Punkte. Mehr Transparenz, weniger Kosten, besserer Infrastruktur für kleine Verbände, Amtszeitbeschränkung für Präsident und Mitglieder der Exekutive, Festhalten an einer EM mit 24 Teams. Zum einzigen Streitpunkt zwischen den beiden Kandidaten wurde in den letzten Tagen die Reform der Champions League hochgeschaukelt, die zum Vorteil der vier grossen Verbände Spaniens, Deutschlands, Englands und Italiens gereicht (diese sollen je vier fixe Startplätze erhalten).
Doch eigentlich sind auch hier der Anwalt Ceferin und der Unternehmer Van Praag im Grundsatz gleicher Meinung: Sie treten als Interessenvertreter der kleinen und mittleren Verbände auf. Einen kleinen, nicht zu unterschätzenden Unterschied gibt es jedoch: Im Gegensatz zu Ceferin war Van Praag an der Ausarbeitung der (geheimen) Pläne durch die Grossklubs aus den grossen Ligen beteiligt.
Ceferin nützte diesen Umstand zu einer Spitze gegen den Gegenkandidaten: "Ich war in das Konstrukt nicht involviert, und wenn ich gewählt werde, kann ich es nicht ändern." Dass er die neue Champions League (ab 2018/19) nicht toll findet, machte er klar: "Für kleine Länder wie Slowenien ist es keine gute Sache."
Van Praag wiederum stellt sich als Retter einer wenigstens einigermassen offenen Champions League dar. Er habe verhindert, dass sich die grossen Klubs in einer geschlossenen "Super-Liga" zusammentun. "Es gab diese Bedrohung wirklich, und ich bin stolz auf mich, dass ich zweimal nach München gefahren bin, um mit Karl-Heinz Rummenigge zu reden und sicherzugehen, dass das nicht passiert. Ich habe ihm gesagt: Mehr Geld ist okay, aber im Fussball und in der UEFA geht es nicht ohne den Solidaritätsgedanken." Ob solche Aussagen reichen, um bei der Wahl doch noch die Mehrheit der Stimmen zu erlangen?
sda-ats