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Es schiene uns sehr wünschenswert, wenn der Apostel ausführlich von den Dingen gesprochen hätte, die Er in den ersten Versen dieses Kapitels erwähnt, aber hinzufügt: «worüber jetzt nicht im Einzelnen zu reden ist.» Man kann sich denken, wie wertvoll die Unterweisung des Apostels über alle die verschiedenen Gegenstände der Stiftshütte gewesen wäre. Zweifellos hat er zu den Hebräern, denen er schrieb, sehr oft davon geredet, aber Gott hat es nicht für gut befunden, diese Reden für uns aufzubewahren. Dagegen sind wir selbst aufgerufen, uns mit diesen Dingen zu beschäftigen, und wir finden im Wort alle nötigen Hilfsquellen, um die Bedeutung der Vorbilder zu erfassen, die es enthält.
Die Stiftshütte war nichts anderes als das Abbild des Musters, das Gott Mose auf dem Berg gezeigt hatte. In den Gedanken Gottes stellten das Heiligtum und die Gegenstände, die es enthielt, die himmlischen Dinge dar, und nicht das, was auf der Erde war. Das Volk war unfähig, sich darüber Rechenschaft zu geben, weil es unter dem Gesetz war und noch nicht die Verwirklichung dieser Vorbilder sehen sollte, wogegen wir uns darüber freuen können, weil wir in der Person und in dem Werk des Herrn Jesus die Erfüllung dessen sehen, was sie darstellen.
In diesen ersten Versen finden wir reichlich Stoff zur Betrachtung. Wollten wir versuchen, alle Schätze der Gnade und der Liebe, der Gerechtigkeit, der Heiligkeit und der Herrlichkeit zu ergründen, die unter diesen Schatten verborgen sind, müsste man Bände schreiben. Handelt es sich um die Person des Herrn Jesus selbst, sagen wir mit dem Apostel Johannes, dass «die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen würde» (Joh 21,25).
Ich will daher nicht versuchen, hier von allen Einzelheiten zu reden, sondern nur einige Worte darüber sagen, was mir vor allem aufgefallen ist.
Nehmen wir die Stiftshütte als Ganzes, so können wir sagen, dass sie drei Bedeutungen hat:
a. Christus
Vor allem, und dies ist von grösster Wichtigkeit, stellt sie Christus selbst dar, als Er hier auf der Erde, als ein auf der Erde erniedrigter Mensch, in Johannes 14,10, sagen konnte: «Der Vater ist in mir.» Er war also die Wohnung des Vaters, die Stiftshütte, in der sich der Vater befand. So ist es auch jetzt in der Herrlichkeit. Treten wir in das Heiligtum ein, sehen wir den Vater in seinem Haus, das unserem Glauben schon jetzt geöffnet ist, das wir aber bald mit den Augen schauen werden. Wir sehen den Vater im Angesicht Jesu Christi. In Ihm allein hat sich Gott, der unsichtbare Gott, sichtbar gemacht. Treten wir dann in Wirklichkeit in das Vaterhaus ein, werden wir uns vor Christus befinden, diesem Menschen, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist. Das Vaterhaus wird für uns in der Tatsache verwirklicht sein, dass wir uns auf immerdar in der Gegenwart des Herrn befinden werden.
b. Die Versammlung
Die Stiftshütte stellt auch die Versammlung dar. Wir sehen dies im Epheser-Brief. Wir sind das Haus Gottes, seine Behausung im Geist. Und am Schluss der Offenbarung, wo man das neue Jerusalem vom Himmel herabkommen sieht, wird gesagt: «Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen» (Off 21,3). In dieser heiligen Stadt wird es keinen Tempel geben, denn Gott und das Lamm werden ihr Tempel sein. In den Gedanken Gottes ging die jüdische Stiftshütte weit über das hinaus, was der fromme Israelit erfassen konnte. Gott sah darin im Voraus die Versammlung als die Braut Christi.
c. Der Himmel
Schliesslich finden wir in der Stiftshütte ein Bild des Himmels. Der Vorhof war der Ort, wo sich der kupferne Altar befand, in dem wir das Symbol des Kreuzes sehen; er ist noch nicht der Himmel, sondern sozusagen sein Eingang. Der Herr sagte: «Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.» Aufgrund des Opfers Christi ist uns das Heiligtum aufgetan.
Hinter dem Altar befanden sich die erste Hütte und, durch einen Vorhang davon getrennt, noch eine abgesonderte Hütte, deren Eingang verschlossen war. Die Priester, die den Dienst verrichteten, durften in die erste Hütte eintreten. In die zweite aber konnte allein der Hohepriester einmal im Jahr eingehen. Dieser Zustand der Dinge besteht jedoch nicht mehr, weil der Vorhang zerrissen worden und Christus ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen ist (V. 12). Als Folge davon haben wir direkten Zugang in die Gegenwart Gottes. Das Allerheiligste ist nicht mehr getrennt vom Heiligen. Wir finden also hier ein Bild des Himmels, der uns jetzt aufgetan ist.
Die Gegenstände der Stiftshütte
Aber was mich in dieser Stelle vor allem beeindruckt ist dies, den darin zu finden, von dem das Herz des Apostels erfüllt war: Christus selbst. Wenn wir im Einzelnen auf die Gegenstände der Stiftshütte eingehen, so finden wir, wenn ich mich so ausdrücken darf, dass der Herr uns dreimal ganz allein vorgestellt wird, und alle anderen Male in Verbindung mit uns. Das ist ein kostbarer Gedanke.
Der zweite Vorhang
Da ist der zweite Vorhang. In diesem Vorbild besteht keine Verbindung zwischen uns und dem Herrn Jesus; der Vorhang ist sein Fleisch, das für uns geopfert wurde und uns so den Eintritt in das Heiligtum geöffnet hat; Er wurde als Mensch geopfert. Wir haben keinerlei Platz in diesem Werk, das Er allein vollbringen konnte.
Die Bundeslade
Gehen wir weiter zur Lade. Sie stellt Christus dar, so wie Er uns im 40. Psalm beschrieben wird. Sie enthielt die Tafeln des Gesetzes. Noch nie war ein sündiger Mensch fähig, es zu erfüllen; aber Christus sagte: «Dein Gesetz ist im Innern meines Herzens.» Hier wird der Herr als Mensch vorgebildet. Er hat das ganze Gesetz erfüllt, wozu wir absolut unfähig waren. Er hat es zur Verherrlichung Gottes getan. Er ist der einzige Mensch, der in dieser Lade des Heiligtums gesehen werden kann.
Der Sühndeckel
Auch im Sühndeckel sehen wir Christus allein, ohne jede Verbindung mit uns als den sündigen Menschen. Er wurde «dargestellt zu einem Sühnmittel» (Röm 3,25). Wir haben freien Zugang zum Heiligtum durch die Tatsache, dass das Blut auf den Sühndeckel gesprengt wurde und Gott dieses Opfer angenommen hat. Diese Stelle (Heb 9,1-5) endigt mit der Erwähnung der Cherubim der Herrlichkeit, die den Sühndeckel überschatteten. Das ist Gnade. Wenn ich so sagen darf, befindet sich das Sühnmittel für uns unter dem Schatten des Gerichts Gottes. Die Cherubim waren ein Ausdruck Gottes als Richter. Sie waren da, um den Sühndeckel zu überschatten. Die Gnade ruhte unter dem Schatten des Gerichts. Gott hat seine Gerechtigkeit dadurch erwiesen, dass Er in der Person Christi uns gegenüber seine vollkommene Gnade kundgetan hat.
In allem, was wir bis dahin betrachteten, haben wir Christus allein gesehen:
- der Mensch Christus, die Wohnung des Vaters,
- der Mensch Christus, der für uns das Gericht Gottes erduldet hat,
- der Mensch Christus, als die Lade, die das Gesetz des HERRN enthielt,
- der Mensch Christus als Sühndeckel.
Wenn wir uns dagegen mit den anderen Gegenständen der Stiftshütte beschäftigen, so sehen wir, dass wir mit Ihm im Himmel, in der Herrlichkeit, völlig und innig verbunden sind, und dass es unmöglich ist, uns von Ihm zu trennen.
Der Leuchter
Im zweiten Vers lesen wir: «eine Hütte wurde zugerichtet, die vordere, in der … der Leuchter war.» Was stellt dieser Leuchter dar? Christus, der in der Kraft des Geistes überall das Licht Gottes verbreitet. Der Herr war hier auf der Erde das Licht der Welt, Er war der Leuchter, dessen Lampen «gerade vor Ihm hin schienen» (2. Mo 25,37). Der Leuchter hatte sieben Arme. Der erste dieser Arme war Christus. Drei Arme gingen von seiner einen Seite und drei Arme gingen von seiner anderen Seite aus. Die Lampen der Arme beleuchteten den Leuchter selbst, und der Leuchter schien vor sich hin. Das ist ein Zeugnis des Heiligen Geistes; wir sind berufen, den Fuss des Leuchters selbst zu beleuchten, Christus Zeugnis zu geben, sein Licht um uns zu verbreiten, damit jeder sehen kann, nicht nur was das Licht ist, sondern auch was der Leuchter ist, der es trägt.
Der Schaubrottisch
Im Heiligtum stand auch der Tisch mit den Schaubroten. Er war mit Gold überzogen und hatte eine Leiste von Gold ringsum. Das Gold ist ein Bild der Gerechtigkeit Gottes, und diese Gerechtigkeit findet sich nur im Heiligtum. Auf den Tisch wurden die zwölf Schaubrote gelegt, darstellend die zwölf Stämme Israels. In den Augen Gottes vermochte nichts diese Brote vom Tisch zu trennen. Das redet von unserer Verbindung mit Christus. Christus stellt uns Gott dar, gemäss der Vollkommenheit der göttlichen Gerechtigkeit, die Er besitzt, und Er hält uns beständig vor Gott. Wenn die Augen Gottes auf Christus gerichtet sind, sind sie auch auf uns gerichtet, und wir sind in Christus Ihm angenehm gemacht worden.
Das goldene Räucherfass
Im dritten Vers lesen wir: «Hinter dem zweiten Vorhang war eine Hütte, die das Allerheiligste genannt wird, die ein goldenes Räucherfass hatte.» Da haben wir wiederum Christus, der den Weihrauch der Anbetung, der sich zu Ihm erhebt, vor Gott trägt, und auch da ist es unmöglich, dass wir von Christus getrennt werden. Unser Lobpreis ist ein ausgebreiteter Wohlgeruch, wie der des goldenen Räucherfasses.
Der goldene Krug
Erwähnen wir noch den goldenen Krug, der das Manna enthielt. Was war dieses Manna? Christus, vom Himmel herabgekommen in seiner vollkommenen Menschheit, der dem Volk auf der Wüstenreise als Nahrung dient. Dieses Manna wurde im goldenen Krug gesammelt, das heisst in einem auferstandenen und verherrlichten Leib. Der goldene Krug ist allezeit in der Lade unter den Augen Gottes. Ein Erinnerungsmal von Christus, der einst litt und jetzt verherrlicht ist. Wir haben Teil daran, darum lesen wir in Offenbarung 2,17: «Ich werde ihm von dem verborgenen Manna geben.» Die Verheissung ist dem gegeben, der überwindet, dem, der nicht dem Zeitlauf der Welt folgt. Diesem sagt der Herr Jesus: «Dem, der überwindet, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben», mit anderen Worten: Ich werde ihn nähren mit allem, was vom Köstlichsten ist in meinem Heiligtum. Dieses Manna ist Christus, der einst in Niedrigkeit gekommen ist, aber jetzt in der Herrlichkeit lebt. Wir sehen in dieser gesegneten Person den, der gelitten hat und der jetzt droben den ersten Platz einnimmt.
Wir können uns zurückversetzen und Ihm auf seinem Wandel mit seinem Volk durch die Wüste folgen bis zum Augenblick, wo wir Ihn nur noch finden können, wenn wir ins Allerheiligste eintreten. Gott gibt uns die Freimütigkeit, dorthin zu gehen, um in der Lade die ganze Vollkommenheit seiner Menschheit und seiner Göttlichkeit zu ergründen.
Das sei unser Teil! Unsere Seelen haben in den ernsten Zeiten, durch die wir gehen, so nötig, uns von dem im goldenen Krug verborgenen Manna zu nähren, das in der Lade unter dem Sühndeckel enthalten war. Dahin ist unser Hoherpriester gegangen, um unseren Eingang in die Gegenwart Gottes auf ewig zu sichern, aufgrund der Vollkommenheiten unseres Herrn und Heilandes.