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Konrad Ernst Theophil Kreidolf, Selbstbildnis,1889, Verein Ernst Kreidolf im Kunstmuseum Bern
Ernst Kreidolf in seinem Atelier in München, um 1900, Burgerbibliothek Bern
Ernst Kreidolf, um 1890, Burgerbibliothek Bern
Der Hof des Grossvaters in Tägerwilen
Der Grossvater Johann Konrad Kreidolf, um 1900, Burgerbibliothek Bern
Primarschule Tägerwilen , um 1873
Ernst Kreidolf am Kreidolf-Kinderfest in Davos, um 1927
v.r.n.l. Julie Meister, seine Haushälterin, Ernst Kreidolf, seine Nichte Emma Knittel und Marguerite Büchner-Paris, Bern 1953
Konrad Ernst Theophil Kreidolf wird als zweitältestes Kind der Familie Kreidolf am 9. Februar 1863 in Bern geboren. 1868 übersiedelt die Familie nach Konstanz, wo der Vater ein Spielwarengeschäft eröffnet. Kreidolf wächst bei den Grosseltern im nahe gelegenen schweizerischen Tägerwilen auf, weil er dazu bestimmt wurde, den Hof des Grossvaters zu übernehmen. 1879 beginnt er eine Lithografenlehre in der Lithografischen Anstalt Schmidt-Pecht in Konstanz und nimmt nebenher Zeichenunterricht. Nach dem Abschluss der Lehrzeit 1882 bleibt Kreidolf noch ein Jahr als Gehilfe bei Schmidt-Pecht, um seine Eltern nach dem Konkurs des Geschäftes zu unterstützen. Der Verkauf seiner Lithografie Tägerwilen schafft den finanziellen Grundstock für eine künstlerische Ausbildung. Von 1883 bis 1885 besucht Kreidolf die Kunstgewerbeschule in München und hat als lithografischer Zeichner einen Nebenverdienst. Erst beim zweiten Versuch gelingt ihm 1887 die Aufnahme an die Münchner Kunstakademie. Nebenher besucht er die private Kunstschule von Paul Nauen. In München befreundet er sich u.a. mit den Künstlern Albert Welti, Wilhelm Balmer und Cuno Amiet.
1888 wird Kreidolf in die Malklasse von Ludwig von Loefftz aufgenommen, muss das Studium jedoch im Winter 1889 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Er zieht sich für sechs Jahre nach Partenkirchen zurück. Dort entstehen vor allem Phantasiebilder mit sagenbezogenen und märchenhaften Motiven.
Zwischen 1890 und 1896 erteilt Kreidolf der Erbprinzessin Marie von Schaumburg-Lippe Unterricht in Landschaftsmalerei. 1892/93 hat er eine erste Ausstellung im Kunstverein München. 1894 malt er auf Anregung von Ferdinand Avenarius Aquarelle zu dem späteren Bilderbuch Blumenmärchen, die 1897 in der Galerie Arnold (Dresden) ausgestellt werden und das Interesse verschiedener Verlage erregen. Doch erst ein Darlehen der Fürstin von Schaumburg-Lippe ermöglicht 1898 die Publikation des Buches im Kommissionsverlag Piloty & Löhle mit den von Kreidolf selbst lithografierten Bildern.
Das Buch wird positiv aufgenommen und der Kunsthistoriker Josef August Beringer macht den Dichter Richard Dehmel auf Kreidolf aufmerksam. In der Folge kommt es zur Zusammenarbeit für den Versband Fitzbutze von Paula und Richard Dehmel, der 1900 mit den Illustrationen von Kreidolf im Insel-Verlag erscheint und aufgrund seiner gesellschaftskritischen Texte kontrovers diskutiert wird.
Der Verleger Hermann Schafstein (ab 1904 Schaffstein) gewinnt Kreidolf für seinen Kinder- und Jugendbuchverlag und bindet ihn exklusiv an sich. Nacheinander erscheinen Kreidolfs berühmten Bilderbücher - 1901 Die schlafenden Bäume, 1902 Die Wiesenzwerge und 1903 Schwätzchen für Kinder. 1904 ist Kreidolf maßgeblich am Buntscheck, einem Sammelbuch für Kinder von Richard Dehmel beteiligt, 1905 kommen Alte Kinderreime heraus, 1908 die von Hermann Hesse hoch gelobten Sommervögel und 1911 Der Gartentraum.
Kreidolf lebt weiterhin in München und tritt 1904 der Vereinigung Die Walze bei – ein Zusammenschluss Schweizer Künstler, dem nahezu alle in München lebenden namhaften helvetischen Maler und Graphiker angehörten. Bereits 1901 wird Kreidolf Mitglied im Bund zeichnender Künstler. 1905 unternimmt er eine Studienreise nach Italien, 1906 hat er eine große Ausstellung im Künstlerhaus Zürich. Kreidolf, der inzwischen von der Kritik anerkannt wird und durch seine Bilderbücher weit bekannt ist, malt aber auch Landschaften, Bilder mit spirituellen Themen und Portraits.
1917 kehrt Kreidolf in die Schweiz zurück und lässt sich in Bern nieder. Wilhelm Fraenger verfasst die erste Monografie über ihn. In St. Moritz lernt er Emil Roniger kennen, der wenig später den Rotapfel-Verlag gründet und sein Verleger wird. Zwischen 1920 und 1935 erscheinen zahlreiche neue Bilderbücher nahezu im jährlichen Rhythmus: Blumen: Ritornelle (1920), Alpenblumenmärchen (1922), Ein Wintermärchen (1924), Lenzgesind (1926), Das Hundefest (1928), Bei den Gnomen und Elfen (1929), Grashupfer (1931), Aus versunk´nen Gärten (1932) und Die Himmelreich-Wiese (1935).
1922 wird Kreidolf Mitglied der Berner Kunstgesellschaft und der Kommission für Neuerwerbungen des Kunstmuseums Bern. 1923 hat er eine grosse Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich, 1933 eine umfangreiche Retrospektive in der Kunsthalle Bern und erhält den Ehrendoktor der Universität Bern. 1934 erscheint Kreidolfs letztes Kinderbuch, Die Himmelreich-Wiese. 1955 wird ihm der Jugendbuchpreis der schweizerischen Lehrerschaft zugesprochen.
Ernst Kreidolf stirbt am 12. August 1956 in Bern.
Kreidolfs Kinderbücher werden auch nach dem II. Weltkrieg immer wieder neu aufgelegt und sind unvermindert populär. Kreidolfs Bedeutung für die künstlerische Entwicklung des Kinderbuchs ist in verschiedenen Ausstellungen herausgestellt worden, seine Position im Rahmen der Schweizer Kunst des 20. Jahrhunderts behandelte die Ausstellung Ernst Kreidolf und seine Malerfreunde 2006 in Bern.
Der literarische Nachlass von Ernst Kreidolf wird in der Burgerbibliothek Bern verwahrt, seinen künstlerischen Nachlass betreut das Kunstmuseum Bern als Depositum des Kreidolf-Vereins.