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dern eben (plankonkav). Auch Gläser, die auf einer Seite hohl, auf der andern konvex (konkav-konvex) geschliffen sind (die sogen. periskopischen Gläser), können als Sammellinsen dienen, wenn ihre konvexe Fläche einen kleinern Radius hat als die konkave, also ihre Wölbung stärker ist als ihre Höhlung, wie dergleichen Gläser auch zerstreuend wirken, wenn ihre konkave Fläche einen kleinern Radius hat als die konvexe, also ihre Höhlung stärker ist als ihre Wölbung.
Die Art der Wirkung der Konkavlinse auf das kurzsichtige Auge [* 2] erhellt aus der schematischen [* 1] Fig. 5, in welcher B die brechenden Medien des Auges darstellt, auf welche die parallelen Strahlen nach der Brechung [* 3] durch die Linse [* 4] L divergent auffallen und deshalb auf der Netzhaut C vereinigt werden können. Man bedient sich zur Bezeichnung des Grades der Kurzsichtigkeit der Brüche, ebenso wie man bei optischen Berechnungen die Linsen durch Brüche ausdrückt, deren Zähler 1 ist, und deren Nenner die betreffende Brennweite des Glases in Zollen bildet.
Mit Hilfe der Konkavlinse, deren negative Brennweite in 12 Zoll Entfernung liegt, also der Linse 1/12, wird der Fernpunkt ebenso weit für das an Myopie 1/12 leidende Auge hinausgerückt, wie er für das normale Auge liegt, und es können nun sehr entfernte Objekte deutlich gesehen werden. Zugleich mit dem Fernpunkt wird aber auch der Nahepunkt, d. h. der Punkt, bis zu welchem man kleine Gegenstände dem Auge nähern darf, um sie noch scharf zu sehen, abgerückt, und der Kurzsichtige wird daher, wenn er durch eine Zerstreuungslinse sieht, beim Sehen [* 5] in der Nähe die Gegenstände nicht nur nicht mehr so nahe zu bringen brauchen als ohne jene, sondern auch nicht so nahe bringen dürfen, weil er sonst sein Anpassungsvermögen ungebührlich in Anspruch nehmen und das Auge ermüden würde.
Der Grad der Weitsichtigkeit wird bestimmt, wenn man den Nahepunkt als Nenner eines Bruches mit dem Zähler 1 ansetzt und diese von dem Bruch 1/8 abzieht. Liegt der Nahepunkt in 12 Zoll Abstand, so ist die Weitsichtigkeit = 1/8 - 1/12 = 1/24. Das Konvexglas 1/24 bringt den Nahepunkt auf ungefähr 8 Zoll Abstand. [* 1] Fig. 6 zeigt die Wirkung der Sammellinse L auf konvergente Strahlen: dieselben fallen nach der Brechung parallel in das weitsichtige Auge, können daher auf der Netzhaut C vereinigt werden, während sie ohne die Linse, wie die schraffierten Linien zeigen, zerstreut auffallen müßten.
Betreffs der Benennung ist zu bemerken, daß die den Gläsern eingeschliffenen Nummern nicht ganz ihrer Brennweite entsprechen, sondern dem Radius der Schleifschale, auf der sie angefertigt sind; die eigentliche Nummer müßte ein wenig kleiner sein. Eine Neuerung in dieser Bezeichnung ist durch Einführung des Metermaßes statt der verschiedenen (preußischen, rheinischen, Pariser) Zollmaße entstanden. Früher galt als Einheit die Brennweite von 1 Zoll, jetzt die Brennweite von 1 m; sie führt den Namen der Dioptrie (D). D entspricht der alten Linse 1/40, und die Reduktion des alten Maßes (a) auf das neue (n) ist demnach höchst einfach a x n = 40, z. B. das alte Glas [* 6] 8 (von 1/8 Zoll) entspricht 40/8, d. h. 5 D des Metermaßes; 1/20'' = 2 D, 1/13'' = 3 D, 1/10'' = 4 D etc.
Bezüglich der Anwendung der Sammel- und Zerstreuungslinsen gelten folgende allgemeine Regeln: Der Kurzsichtige hat ein Glas zu tragen, welches die schwächste konkave Linse darstellt, die seinem Auge ein vollkommen genaues Sehen auf weitere Entfernungen gestattet;
jedes schärfere Glas wirkt schädlich auf das Auge. Er hat bei geringern Graden der Myopie die Brille [* 7] während des Lesens und Schreibens abzusetzen oder, falls er die Brille hierbei benutzt, das Sehobjekt auf ungefähr 30 cm entfernt zu halten.
Der Weitsichtige hat die stärkste Konvexlinse zu gebrauchen, welche seinem Auge noch ein vollkommen gutes Sehen auf weite Entfernungen erlaubt. Der Presbyopische muß mit verschiedenen Konvexgläsern ausgerüstet sein, nämlich mit ganz starken für die nächsten und weniger starken für etwas entferntere Objekte.
Andre Anforderungen hat man an die Brille zu stellen, wenn man den fehlerhaften Zustand des Auges korrigieren will, den man Astigmatismus nennt. Diese Anomalie [* 8] beruht auf einer fehlerhaften Krümmung der Hornhautfläche und zwar nicht in ihrer Totalität, sondern in einzelnen Meridianen. Die Lichtstrahlen, welche auf diese Stellen fallen, werden in fehlerhafter Richtung gebrochen, so daß auf der Netzhaut zerstreute Bilder entstehen, die bei höhern Graden des Astigmatismus erheblich störend wirken.
Die undeutlichen Bilder dieser Art lassen sich, besonders wenn zwei einander rechtwinkelig kreuzende Meridiane, z. B. der vertikale und horizontale, eine sehr abweichende Krümmung haben, dadurch korrigieren, daß man entweder dem zu stark gekrümmten Meridian durch Vorsetzen eines entgegengesetzt gekrümmten Glases entgegenwirkt, oder die Brechung des zu schwach gekrümmten durch ein gleichartig gekrümmtes Glas vermehrt. Dies ist die Wirkungsweise der cylindrischen Brillen, deren Krümmungsflächen nach der Oberfläche einer Walze, eines Cylinders geschliffen sind, während die der Konkav- oder Konvexgläser Kugelabschnitte darstellen. Auch lassen sich die cylindrischen Gläser mit je einem dieser letztern kombinieren, indem sie gleichzeitig erhaben oder vertieft ausgeschliffen werden. Die Auswahl dieser Brillen geschieht durch den Augenarzt mittels einer Probierbrille, welche in festem Gestell Drehung der Gläser zuläßt.
[* 1] ^[Abb.: Fig. 4. Linsenformen. Bikonvex, Plankonvex, Konkav-konvex, Bikonkav, Plankonkav, Konvexkonkav.]
[* 1] ^[Abb.: Fig. 5. Wirkung der Konkavlinse auf das kurzsichtige Auge.]
^[Abb.: Fig. 6. Wirkung der Konvexlinse auf das weitsichtige Auge.] ¶
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Unrichtige Einstellung der Sehachsen beim Schielen [* 10] erfordert zur Ablenkung der Lichtstrahlen auf entsprechende Stellen der Netzhaut, d. h. um Doppelbilder zu vermeiden, die Anwendung prismatischer Brillen. Man gebraucht sie am meisten bei Schwäche der innern Augenmuskeln und kann sie gleichzeitig durch konkave oder konvex geschliffene Oberflächen für kurz- und fernsichtige Augen anpassen. Eine Art prismatischer Brillen ist die Dissektionsbrille, welche, wie das Stereoskop, [* 11] gleichzeitig vergrößernd wirkt.
Bei Trübung der brechenden Medien, Hornhautflecken und besonders beim Nachstar wendet man stenopäische Apparate, welche gewöhnlich nur zur Untersuchung für den Augenarzt dienen, auch als tragbare von Donders angegebene stenopäische Lorgnetten an, welche aus einer dunkeln Scheibe bestehen und dem Licht [* 12] nur durch ein enges Loch oder einen Schlitz Zugang ins Auge gestatten. Eine solche Brille kann mit beliebigen Brillengläsern verbunden werden. Einfache Lochbrillen für Schielende sind veraltet.
Handelt es sich nicht um die Besserung des Sehvermögens, sondern nur um Schutz des Auges gegen grelles Sonnenlicht, wie bei Gebirgstouren und auf Schneefeldern, oder gegen Licht und Hitze der Hochöfen oder gegen Staub bei Fabrikarbeitern, Steinhauern, Müllern und andern Gewerbtreibenden, so bedient man sich großer, meist blau oder rauchgrau gefärbter, uhrglasähnlich gewölbter oder winkelig gebogener Gläser oder Glimmerplatten. Werden gefärbte Gläser, um zugleich der Kurz- oder Weitsichtigkeit abzuhelfen, konvex oder konkav geschliffen, so steht ihrem Gebrauch der Übelstand entgegen, daß die dickern Stellen derselben das Licht stärker abschwächen als die dünnen. Diesem Mangel sucht man dadurch zu begegnen, daß man ungefärbte Gläser mit durchsichtigem Lack überzieht, oder daß man farblose Gläser mit gefärbten auf die Art verbindet, daß sie zusammen ein gleichmäßig gefärbtes Glas darstellen und die Linse ihre Sammel- oder Zerstreuungskraft unvermindert behält. Dies die sogen. isochromatischen Brillen. - Konservationsbrillen gibt es nur in dem Sinn, daß in der That gut ausgewählte und richtig angewandte Augengläser die Nachteile der verschiedenen Refraktionsanomalien in vielen Fällen ausgleichen, ja selbst das Zunehmen derselben verhüten oder sehr hintanhalten können.
Brillen dagegen, welche eine geschwächte Sehkraft wiederherzustellen im stande wären, gibt es nicht. Die gewöhnlichen Brillengläser werden aus Kronglas (Crownglas) verfertigt, weil es das wohlfeilste ist; dasselbe ist jedoch selten rein und hat gewöhnlich eine ins Meergrüne spielende Farbe. Bei weitem vorzüglicher, dichter und reiner ist das Flintglas und verdient daher besonders bei Gläsern, welche für Kurzsichtige bestimmt sind, unbedingt den Vorzug. Die reinsten und dauerhaftesten Gläser gewinnt man aus sogen. brasilischem Kiesel oder Bergkristall.
Die Gestelle der Brillen sind aus Metall oder Schildpatt gefertigt, mit einer Fassung für die Gläser, einer ^[?]förmigen Stütze für die Nase [* 13] und zwei Stangen zur Befestigung hinter jedem Ohr. [* 14] Als Anschmiegebrillen hat Clément (Berlin) [* 15] ganz besonders gut sitzende Gestelle konstruiert, welche das häufige Abgleiten verhindern und fest und weich ansitzen. Die Benutzung von Lorgnetten, welche dem Auge vorgehalten werden, und Nasenklemmern (Pincenez) für zeitweise Korrektion ist in ihrer Wirkung der Brille gleichzusetzen. Die einseitige Korrektion durch ein Monokel ist nur bei besonderer Ungleichheit der Augen zuweilen ratsam, meist aber sehr schädlich.
Die außerordentliche Häufigkeit, mit welcher man heutzutage Personen begegnet, welche Brillen tragen, findet außer in den Fällen, wo das Augenleiden angeboren ist, ihre Erklärung in der heutigen Erziehungsmethode. Besonders unter den gebildeter Ständen findet man außerordentlich häufig Erwachsene, welche als Kinder völlig normal sahen, später aber zur Brille greifen mußten. Dies liegt zum Teil an der langen Schulzeit, vom 6. bis 18. Jahr, in welcher durch vieles Lesen und Schreiben die Akkommodationsthätigkeit überangestrengt wird, namentlich aber an mangelhafter Beaufsichtigung der Kinder, welche in den Dämmerstunden bei ungenügendem Licht lesen, häufig aber auch an der fehlerhaften Angewöhnung, behufs bequemen Krummsitzens das Schreibheft zu nahe und so unzweckmäßig zu halten, daß der Augapfel bei den zum scharfen Sehen notwendigen Drehungen einer fortwährenden Zerrung ausgesetzt ist.
Der Name Brille rührt von Beryllium her, das im Mittelalter gleichbedeutend mit Glas war. Die Erfindung der Brillen fällt in eine sehr frühe Zeit. Die erste Spur von Vergrößerungsbrillen kommt in der Optik des Arabers Alhazan im 11. Jahrh. vor, und Roger Bacon (gest. 1294) spricht ziemlich weitläufig von dieser Vergrößerung. Die eigentlichen Brillen aber scheinen 1280-1320 erfunden worden zu sein. In einer Grabschrift von 1317 zu Florenz [* 16] wird ein Salvino degli Amati als Erfinder genannt, obgleich von dem Mönch Alexander von Spina (gest. 1313 in Pisa) [* 17] gerühmt wird, daß er die Brillen gekannt und andern gern mitgeteilt habe. Im J. 1482 werden Brillenmacher in Nürnberg [* 18] erwähnt. - Sprichwörtlich bedeutet »durch jemandes Brille sehen« s. v. w. seiner Meinung sein.
Vgl. Szil, Die Brille (Berl. 1882);
Florschütz, Auge und Brille (4. Aufl., Koburg [* 19] 1884).
Weiteres s. Augenpflege.