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Seiner Meinung nach verletzt die Herstellung von Biotreibstoff aus Nahrungsmitteln das Menschrecht auf Nahrung. Die Konkurrenz zwischen Nahrungs- und Treibstoffproduktion führe zu mehr Hunger auf der Welt und die Explosion der Nahrungsmittelpreise treibe Hunderttausende von Menschen in den Tod. Deshalb forderte Ziegler ein fünfjähriges Moratorium für die Umwandlung von Nahrungsmitteln in Biotreibstoffe. Laut Ziegler explodierten die Preise für landwirtschaftliche Produkte zwischen Januar 2007 und Januar 2008 um 41 Prozent, die Preise für eine Tonne Getreide sogar um 83 Prozent.
Seit der Erdölkrise anfangs der Siebzigerjahre zogen die Preise für Getreide, die 25 Jahre stagniert hatten oder sogar gesunken waren, zum ersten Mal deutlich an. Auch wenn die Getreideernten in der EU und in Australien 2007 schlecht ausfielen, so war die Weltgetreideernte 2007 insgesamt doch eine Rekordernte. Seit 50 Jahren wächst die Weltbevölkerung stetig, zurzeit jährlich um 80 Mio. Menschen. Der landwirtschaftliche Produktivitätszuwachs genügte jedoch in den letzten 50 Jahren immer, um auch die zusätzliche Erdbevölkerung zu ernähren. Weshalb stieg die Nachfrage nach Getreide plötzlich so rasch und damit die Preise?
Die Maisernte war in den USA 2007 eine Rekordernte. Die USA bauen die Hälfte des weltweit geernteten Mais an. 20 Prozent davon wurden 2007 zum Biotreibstoff Ethanol verarbeitet. Dies sind zehn Prozent der weltweiten Maisernte. Insgesamt wurden 2007 sieben bis acht Prozent der weltweiten Getreideernte als Ethanol in Fahrzeugen verbraucht. Allein diese neue Verwendung von Getreide zur Fortbewegung von Menschen und Gütern hätte ausgereicht, um die Getreidepreise 2007 ansteigen zu lassen. Zusätzlich erhöht die zunehmende Kaufkraft der boomenden Schwellenländer in Asien wie China und Indien die Nachfrage nach Getreide. Die neu entstandene Mittelschicht in diesen Ländern kann es sich nun leisten, vermehrt Fleisch und Milchprodukte zu konsumieren. Um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, braucht es durchschnittlich vier Kilogramm Getreide. Diese in den letzten Jahren steigende Nachfrage nach Getreide liess die weltweiten Getreidevorräte von 30 Prozent des weltweiten Verbrauchs auf 14 Prozent um über 200 Millionen Tonnen schrumpfen. Die Weizenvorräte sind auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren gefallen.
In der Schweiz und in anderen Industrieländern hat in letzter Zeit eine starke Sensibilisierung für den Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelknappheit und dem Anbau von Biotreibstoffen stattgefunden. Für diese Sensibilisierung war höchste Zeit. Josef Achermann, Geschäftsführer der Coop-Mühle Swissmill findet die Tatsache, dass die Schweizer 2006 7,7 Prozent für Nahrungsmittel und 7,8 Prozent für Mobiliät ausgaben, skandalös. "Wenn die Leute mehr für Mobilität als für Nahrungsmittel ausgeben, dann haben wir ein gesellschaftliches Problem", lautet der Befund von Achermann.
Das neue Schweizer Mineralölsteuergesetz befreit nur Biotreibstoffe von der Mineralölsteuer, die strenge ökologische Auflagen erfüllen. Zudem dürfen Biotreibstoffe die Nahrungsmittelproduktion nicht konkurrenzieren, ganz nach dem Prinzip Teller, Trog, Tank.
Selbst die OECD, ein gewichtiges beratendes Gremium der Regierungen der Industrieländer, fordert in ihrem Mitte Juli erschienenen Bericht über die Förderungspolitik der wichtigsten Industrieländern von Biotreibstoffen ein Moratorium für Biotreibstoffe.
Bio- oder Agro-Treibstoffe oder Treibstoffe aus erneuerbaren Rohstoffen?
Die Verwendung des Begriffs "Biotreibstoffe” hat sich in der Schweiz etabliert. Dies hat seine Berechtigung, denn Biotreibstoffe heissen auf englisch durchgehend "biofuels". Im Unterschied zum Sprachgebrauch in der Deutschschweiz wird die Silbe "bio" im englischen Sprachgebrauch vorwiegend mit "biological", also biologisch im Sinne von Biologie der Pflanzen und Tiere assoziiert. Biologisch im Sinne von biologischem oder ökologischem Landbau heisst auf Englisch "organic", biologischer Landbau also organic farming. Auch in Deutschland spricht man eher von ökologischem Landbau als von biologischem Landbau. Das EG-Pendant zur Schweizer "Bio-Verordnung" heisst "Verordnung über den ökologischen Landbau".
Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland gibt es Kreise, die bemüht sind, den Begriff "Biotreibstoffe" möglichst durch den Begriff "Agrotreibstoffe" zu ersetzen. Dass Organisationen wie etwa Bio Suisse die Biotreibstoffe nach Möglichkeit mit
Agrotreibstoffen bezeichnen, ist nahe liegend, da für sie der Begriff "Bio" eine ganz spezifische Bedeutung hat. Aber auch die Eidgenössische Alkoholverwaltung, ein Regiebetrieb des Eidgenössischen Finanzdepartements, legt grossen Wert auf klare begriffliche Abgrenzungen und definiert in ihrer Medienmitteilung vom 24. Juni 2008 die Begriffe Bio- und Agrostreibstoffe so:
"Biotreibstoffe: Mit "Bio" wird die Tatsache benannt, dass diese Treibstoffe auf der Basis von Bio-masse hergestellt wurden. "Biotreibstoff" ist der dazu etablierte Begriff. Im Mineralölsteuergesetz wird auf diesen verzichtet und die Bezeichnung "Treibstoffe aus erneuerbaren Rohstoffen" verwendet.
Agrotreibstoffe: Als "Agrotreibstoffe" werden aus landwirtschaftlichem Anbau stammende Treibstoffe bezeichnet. Für das heute von Alcosuisse zur Beimischung verwendete Bioethanol wäre dieser Begriff jedoch falsch, da dieses ausschliesslich aus Abfällen oder Reststoffen stammt".