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Zur Erforschung antiker Gusstechniken wurde 1994–1997 ein Forschungsprojekt zum «Betenden Knaben» durchgeführt, in Kooperation mit Uwe Rohnstock-Peltz von den Staatlichen Museen zu Berlin, Edilberto Formigli vom Instituto Centro di Restauro Rom und mit dem Gießerei-Institut Aachen. 1995 wurde im italienischen Murlo eine Giessgrube rekonstruiert. Eine weitgehende Annäherung an antike Bedingungen sollte Aufschluss über das antike Gussverfahren geben. Zunächst wurde das Giessen am Computer simuliert, die so gewonnenen Daten bestätigten sich später im Experiment.
Anschliessend konzipierte der Museumspädagogische Dienst der Staatlichen Museen zu Berlin mit Jürgen Mrosek einen Film über Guss- und Nachbearbeitungstechniken an antiken Grossbronzen. Gerade die Erforschung antiker Schweiss- und Flicktechniken gibt Aufschluss über den Stand der damaligen Technologien und ihre Verbreitung. Eine wichtige Informationsquelle sind die Darstellungen auf der «Erzgiesserschale», einer Keramik von ca. 480 v.Chr. Darauf sieht man unter anderem die damals übliche Teilung der Figur für den Guss, die auch der «Betende Knabe» zeigt: Die Figur wurde in drei Teilen gegossen; Kopf und Plinthe mit vorderer Hälfte der Füsse wurden nachträglich angesetzt.
Über vormalige Methoden des Schweissens gab es bislang nur Vermutungen. Die heutigen Schweisstechniken sind erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt, bis dahin wurden Metallverbindungen vorwiegend in der sogenannten Überfangtechnnik (Vascetta-Technik) ausgeführt: Die beiden zu verbindenden Teile wurden eingekerbt und mit einem Metall vergossen. Dieses Verfahren ist jedoch keine Schweissung, bei der das Metall eine homogene Verbindung mit dem Schweissgut eingeht. Der «Betende Knabe» weist indes an seinen Fügestellen echte Schweissverbindungen auf; sie sind wahrscheinlich in Tiegelschweissung ausgeführt. Bei der Tiegelschweissung wird ein Gusskanal um die Nahtstellen angelegt und dieser mit Bronze gespült, bis das umliegende Metall gleichmässig erhitzt ist und sich mit dem Giessmetall verbindet.
Die Kunstgiesserei führte verschiedene Proben durch, um Vorstellungen über diese Technik zu verifizieren. Für einen Dokumentarfilm wurden der Guss und alle Nachbearbeitungstechniken wie Patinierung, Schweissung und Kaltarbeit in der antiken Technik ausgeführt.