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Preissprung zum Handelsauftakt – Produktionsausfälle in Libyen und Irak.
Am Wochenende fand in Berlin eine Friedenskonferenz für Libyen statt, bei der es eine gemeinsame Erklärung zur Befriedung des Landes gab. Der Waffenstillstand soll verlängert werden und einen politischen Prozess ermöglichen.
Dass dies allerdings nicht unmittelbar zu einer stabileren Ölversorgung führt, zeigen die Geschehnisse in Libyen vor Ort. General Haftar, der mit seiner Libyen National Army (LNA) weite Teile des Landes kontrolliert, hat die Hamada-Zawiya Pipeline abschalten lassen, wodurch nun keine Rohöllieferungen vom grössten libyschen Ölfeld Sharara und dem damit verbundenen Ölfeld El Feel an den Exporthafen bei Tripolis gelangen.
Zudem hatte Haftar die Firmen, die mit dem Ölexport an den Häfen Brega, Ras Lanuf, Hariga, Zueitina und Sidra involviert sind, dazu aufgefordert den Export einzustellen, so die Berichte der National Oil Company (NOC). Die NOC hatte daher nun ein Force Majeure für die meisten Rohöllieferungen ausgesprochen und einen starken Einbruch der Ölförderung angekündigt.
Laut dem letzten OPEC Monatsbericht hatte Libyen zuletzt etwa 1,14 Mio. B/T gefördert. Diese werde nun wohl um 0,8 Mio. B/T sinken. Bleiben die Pipelines weiter abgeschaltet, würden die Vorratstanks binnen Tagen voll sein, womit die Förderung schliesslich auf 72.000 B/T einbrechen könnte, so ein Sprecher der NOC. Dann können nur noch die Offshore-Ölfelder und das Wafa Ölfeld weiterproduzieren.
Auch im Irak gibt es Förderschwierigkeiten, wenn auch nicht ganz so umfangreich wie in Libyen. Hier sind Sicherheitskräfte, die dauerhafte Verträge verlangen, in einen Streik getreten. Die Produktion am Ahdab Ölfeld ist daher nun ausgefallen sein und auch die Produktion am Badra Ölfeld soll gefährdet sein. Die Produktion der Ölfelder soll zuletzt bei etwa 70.000 B/T bzw. 50.000 B/T gelegen haben.
Die Monatsreports von EIA, OPEC und IEA haben in der letzten Woche aufgezeigt, dass man in 2020 zunächst mit einer deutlichen Überversorgung zu rechnen hat. Die IEA schätzt den Bedarf an OPEC Öl in der ersten Jahreshälfte auf 28,5 Mio. B/T (16.01.2020 IEA Monatsreport). Im Dezember förderte die OPEC mit 29,44 Mio. B/T, wobei die Produktion vermutlich mit den aktuellen Kürzungen weiter sinken dürfte. Aber selbst, wenn die Förderung noch um weitere 0,3 Mio. B/T abnimmt, ergäbe sich für das erste Halbjahr noch immer eine Überversorgung von 0,64 Mio. B/T. Diese Woche blickt der Markt also besonders auf die weiteren Entwicklungen im Nahen Osten.