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Michelle Brunners* (Name geändert) grösster Wunsch ist eigentlich ganz klein. Sie will mit ihrem Mann und ihren drei Kindern eine Familie sein. «Mehr nicht.» Da ist Traurigkeit in ihrem Satz, und ihre Hand zeichnet ruhige Kreise auf den Bauch des zwei Monate alten Noah*. Er ist gerade eingeschlafen, hier in der Innerschweizer Wohnung. Seine Halbgeschwister Matteo*, 6, und Lea*, 4, fehlen. Sie wohnen 46 Autominuten entfernt, bei einer Pflegefamilie. Beide wurden nach ihrer Geburt fremdplatziert.
Noah atmet tief, und Michelle Brunner nimmt wieder Platz am Tisch. Sie ist 29. Ihre rotbraunen Haare hat sie aus dem Gesicht gebunden, ihre Stimme ist leise und ihre Geschichte keine einfache. Zerrüttete Kindheit, eine Schulzeit im Heim. Bis zur Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung half nur der Alkohol gegen die Traumata von früher. Neben ihr sitzt ihr Schwager. Er erzählt, sie nickt. Die Erinnerungen tun weh.