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Das Dissertationsprojekt mit dem Arbeitstitel Fahndung nach dem Raster analysiert, wie sich die Produktion von Sicherheit zwischen 1961 und 1984 transformierte. Es untersucht, wie sich technisch-organisatorische und gesellschaftlich-epistemische Veränderungen gegenseitig beeinflussten. Im Fokus stehen dabei die kriminalpolizeilichen Informationssysteme der Bundesrepublik.
Die Konzepte von Verbrechen und Sicherheit änderten sich ab den 1960er-Jahren grundlegend. Im Kontext eines epistemischen Wandels – die Zeitgenossen fassten ihn mit Begriffen wie „Postmoderne“ oder „postindustrielle Gesellschaft“ – konstituierten Massenproteste, organisierte Kriminalität und Terrorismus neue Probleme des Sicherheitsdiskurses. Aber nicht nur sie: Auch das scheinbar veraltete Informationssystem der Kriminalpolizei wurde als potenzielle Gefahr für die Sicherheit identifiziert. Unter den diversen um 1970 erfolgten Reformen erwies sich die Digitalisierung des kriminalpolizeilichen Informationssystems als besonders radikaler Bruch: Als digitale Daten wurden nun immer mehr Informationen in der Zentrale gespeichert und sämtlichen Polizeistellen in der Peripherie zugänglich gemacht. Dabei mauserte sich das Bundeskriminalamt (BKA) von einer befugnisarmen Nachrichtenzentrale zur führenden Stelle der Terrorismusbekämpfung. Ende der 1970er-Jahre beschäftigte die Wiesbadener Behörde mehr als dreimal so viele Mitarbeiter wie zu Beginn der Dekade. Ihr Budget hatte sich sogar versiebenfacht. Die Produktion von Sicherheit befand sich im Umbruch.
Die elektronische Datenverarbeitung interagierte mit diesem Wandel. Ausgehend von einer langwierigen Planungsphase in den 1960er-Jahren, über die Inbetriebnahme des BKA-eigenen Rechenzentrums 1972, bis zum alltäglichen Betrieb des „Informationssystems der Polizei“ (INPOL) Mitte der 1980er-Jahre veränderte die EDV die Arbeitsroutinen der Kriminalbeamten. Das Forschungsprojekt Fahndung nach dem Raster untersucht den Zusammenhang zwischen technisch-organisatorischem und gesellschaftlich-epistemischem Wandel, indem mehrere analytische Ebenen verschränkt werden: Während das Bundeskriminalamt die digitale Datenverarbeitung plante, einführte und aufbaute, veränderten sich mit der Technologie auch die Verfahren der Polizeiarbeit, die Organisationsstruktur der bundesdeutschen Polizei, das politische Feld der inneren Sicherheit und die gesellschaftliche Debatte um Computer, Technokratie und den staatlichen Umgang mit privaten Daten.
In diesem Prozess, so die Arbeitshypothese, veränderte sich nicht nur die Suche nach Verbrechern, sondern auch die Position der Polizei im gesellschaftlichen Geflecht. Entsprechend suchte die Polizei mit der Rasterfahndung, dieser berüchtigten elektronischen Fahndungsmethode, nicht nur nach Verbrechern, sondern die Gesellschaft auch nach einer neuen Rolle für ihre Polizei.
Das Forschungsprojekt wird mit einem ETH Zurich Research Grant gefördert.