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Gemeinsames Prüfen
Wie halten Sie’s mit der Leistungsbeurteilung?
Streckeisen, Hänzi und Hungerbühler schlagen vor, fünf Deutungsmustertypen im Umgang mit Leistungsbeurteilung zu unterscheiden. Welches davon ist Ihres?
1. «Ich kann frühzeitig und intuitiv richtig einschätzen, welche Schülerinnen und Schüler zu den Besten gehören und verstehe mich als Vollstrecker oder Vollstreckerin des Selektionsauftrags der Schule. Die Besten müssen identifiziert, die Ungeeigneten müssen herausselegiert werden. (Auslese der Besten).»
2. «Ich betrachte schulische Selektion als legitim, sehe sie als bestmögliche Förderung aller Schülerinnen und Schüler und vertraue meiner eigenen Leistungsdiagnostik und der Verlässlichkeit des schulischen Auswahlsystems (Selektion als Platzanweisung).»
3. «Für mich trägt die Leistungsselektion zur moralischen und motivationalen Disziplinierung der Schülerinnen und Schüler bei. Der Druck von aussen führt zu einer Leistungssteigerung bei den Lernenden, da sie ohne Druck andere Interessen als lernbezogene verfolgen würden (Disziplinierung).»
4. «Ich betrachte die schulische Zensierungs- und Selektionspraxis als belastend für Schülerinnen und Schüler und suche nach eigenen Lösungen für das Problem, indem ich Selektionsentscheide so kommuniziere, dass die Schülerinnen und Schüler möglichst wenig Schaden davontragen (Ringen um ein Arbeitsbündnis).»
5. «Ideal wäre für mich eine selektionsfreie, förderorientierte Schule. Ich richte mein pädagogisches Handeln nach den Schwächeren aus und plädiere für eine möglichst späte Selektion (Fördern jenseits der Selektion).»
Die ausführliche Fassung dieser fünf Deutungsmuster können Sie hier herunterladen.
Gemeinsames Prüfen, ein Stellvertreterthema?
Die fünf unterschiedlichen Deutungsmustertypen im Umgang mit dem widersprüchlichen Verhältnis von Förderung und Selektion zeigen das Spannungsfeld, in dem der Dialog über Gemeinsames Prüfen stattfinden kann. Das Thema Beurteilen kann damit als Stellvertreterthema für grundsätzlichere Themen gelten, wie z. B. «Wie verstehe ich meinen Lehrerberuf?», «Wie halte ich es mit der Fachlichkeit?», «Kann ich es mir leisten, hohe Anforderungen zu stellen?»
Bildungspolitischer Hintergrund
2012 gab die EDK fünf Teilprojekte zur langfristigen Sicherung des prüfungsfreien Hochschulzugangs in Auftrag. Im März 2016 wird sie nun entscheiden, wie mit den Teilprojekten weiter verfahren wird. Der Bericht zum Teilprojekt 2 (Unterstützungsangebote zum Gemeinsamen Prüfen) betont wiederholt den Wert des Gemeinsamen Prüfens für die Schul- und Unterrichtsentwicklung.
Gemeinsames Prüfen als Schul- und Unterrichtsentwicklungsthema
Gemeinsames Prüfen kann dann zur Schulentwicklung beitragen, wenn sich ein Kollegium den hinter dem Thema Leistungsbeurteilung liegenden Fragen stellt, diese diskutiert und daraus Massnahmen für die Schule als Organisation ableitet.
Gemeinsames Prüfen kann dann zur Unterrichtsentwicklung beitragen, wenn Lehrpersonen aus den Ergebnissen daraus ihren Unterricht hinterfragen, noch stärker zu reflektierenden Praktikern werden und über den gesamten Beurteilungsprozess diskutieren.
Daher erscheint es sinnvoll, nebst dem Diskurs über die Gütekriterien von Prüfungen auch den förderorientierten Diskurs in den Fokus zu rücken, die Bedingungen für förderndes, prozessorientiertes Beurteilen zu analysieren und auf dieses Ziel hin Weiterbildungsangebote zu entwickeln.
Was wir für Sie tun können
Wir bieten Ihnen deshalb Hand bei folgenden Fragen:
- Wie können wir aus gemeinsamen Prüfungen Handlungsbedarf für den Unterricht erheben?
- Wie können wir uns im Team auf gemeinsame Prüfungskriterien einigen?
- Wie kann ich in der Klasse und im Kollegium das Gespräch über Lernen führen?
- Wie kann ich feststellen, wo meine Schülerinnen und Schüler im Lernprozess stehen?
- Wie kann ich als Schulleitung das Thema Leistungsbeurteilung zum Schulentwicklungsthema machen?
Haben Sie weitere Wünsche und Anregungen? Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihr Mail.
Kontakt
Karin Joachim, Themenverantwortliche Gemeinsames Prüfen