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Musik entdecken von A bis Z: B
Bach und die Instrumente
«Wenn sich Bach doch nur besser mit dem Klavier ausgekannt hätte ...», hört man allenthalben im Zusammenhang mit Bachs Werken. Aber: Bach hat nun einmal nicht für das moderne Klavier komponiert. Natürlich haben Pianistinnen und Pianisten das Recht, Bachs Werke für Cembalo auf ihrem Instrument zu interpretieren – sie zu ignorieren, wäre geradezu bedauerlich. Aber dann müssen sie auch zugeben, dass es ebenso legitim ist, Bachs Cembalo-Werke auf dem Akkordeon, mit Saxophon-Quartett oder Synthesizer zu spielen. Denn Bach schrieb für die Instrumente seiner Zeit, und er feilte etliche Male zusammen mit den Instrumentenbauern an einem bestimmten Sound.
Ein wichtiger Teil des Wesens von Bachs Musik geht verloren, wenn sie auf modernen Instrumenten gespielt wird. Ein Beispiel: Die moderne Flöte wurde entwickelt, um in allen Dur- und Moll-Tonarten einen gleichbleibenden Klang sicherzustellen. Bachs Traversflöte hingegen klang in G-Dur anders als in B-Dur. In seinen Kantaten verwandte Bach einen hellen Flötenklang, wenn er den Himmel besingen liess, einen dumpferen hingegen, wenn es um die Hölle ging – ein Effekt, der mit modernen Instrumenten so nicht erzielbar ist. Und wenn etwa das Zweite Brandenburgische Konzert auf modernen Instrumenten gespielt wird, wird die Blockflöte Schwierigkeiten haben, sich klanglich gegen Oboe und Trompete durchzusetzen; ein weitaus kleineres Problem haben hier historische Instrumente.
Bach verwandte wiederholt Instrumente wie das Violoncello piccolo (es tritt solistisch in 11 Solokantaten in Erscheinung), die Oboe da caccia, Oboe d'amore, Viola d'amore etc. Partien, für die Bach die Oboe da caccia anstatt die Oboe tenore wählte (letztere setzte Bach aber in anderen Kontexten durchaus ein), werden in Interpretationen auf modernem Instrumentarium durch das Englischhorn ersetzt.
Ein wunderbares Beispiel für solche Fragen nach Klangfarben ist die Ouvertüre zur zweiten Kantate des Weihnachtsoratoriums:
https://www.youtube.com/watch?v=3CXsN91oOHg&ab_channel=EuroArtsChannel
Bach und die Singstimme
Zu Bachs Zeiten sangen seine Kantaten nur Knaben. Nicht aus religiösen Gründen, auch wenn Bach ein Lutheraner war. Sondern weil Bach in der Leipziger Thomasschule nur Jungen zur Verfügung standen. Die Knaben, die noch keinen Stimmbruch hinter sich hatten, sangen Sopran und Alt, die übrigen Tenor und Bass. Ebenso wurden die Sopransoli von Jungen gesungen, die Alt-Soli übernahmen entweder ebenfalls Jungen oder aber Countertenöre (das variierte je nach Sonntag, wie dem Taufregister der Zeit zu entnehmen ist).
Nun stehen Befürworter einer wahren historischen Aufführungspraxis vor einem ernsten Problem: Zu Bachs Zeit bekamen die Jungen erst mit ungefähr 17 Jahren den Stimmbruch. Heute beginnt die Pubertät bereits mit ca. 12 oder 13 Jahren. Der derzeitige Leiter des Thomaschores nimmt diese Entwicklung mit Sorge zur Kenntnis: Die Jungen werden im Alter von 9 Jahren rekrutiert, können aber nur ungefähr eineinhalb Jahre im Sopran mitsingen. Eine kurze Zeit also, bis diese hohen Knabenstimmen bei den bereits viel zu zahlreichen jugendlichen Tenören und Bässen mitsingen müssen (da herrscht also sozusagen das umgekehrte Problem wie bei vielen heutigen gemischten Chören).
Falls jemand denkt, ein Junge habe weder die Stimme noch die nötigen Emotionen, um Bach zu interpretieren, dem sei das folgende Video empfohlen (das Solo startet nicht sofort, aber das Rezitativ von Kurt Equiluz und das Solo der Viola da gamba, gespielt von Christophe Coin, belohnen das Warten).
https://www.youtube.com/watch?v=S3CMQFDpaKA&ab_channel=artgo2000
Zeitgenössische Hommage
Der Komponist Mauricio Kagel (1931-2008) schrieb in seinem Vorwort zu seiner «Sankt-Bach-Passion»: «Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch glauben alle.»
Wenn Sie sich eine Vorstellung dieser zeitgenössischen Bach-Hommage machen möchten, einem Werk für drei Solisten, Sprecher, Orgel, Chor und Orchester, dann klicken sie hier:
https://www.youtube.com/watch?v=65xLkTU7JWA&ab_channel=WelleszTheatre
Humor
Bach hatte Kinder – viele Kinder. 21 Kleinkinder tummelten sich unter dem Cembalo von Papa Johann Sebastian. Im zwanzigsten Jahrhundert erfand der amerikanische Komponist Peter Schickele einen weiteren Bach-Sohn: P.D.Q. Bach wird am 1. April 1742 in Leizpig geboren und stirbt am 5. Mai 1807 in Baden-Baden-Baden. P.D.Q. Bach komponierte unter anderem ein «Pervertimento» für Dudelsack, Fahrrad und Luftballons, die Kantate «Iphigenie in Brooklyn», eine «Missa Hilarious», eine «Unbegun Symphony» und «Eine kleine Nichtmusik»:
https://www.youtube.com/watch?v=SAMB01JK5pY&ab_channel=1712Overture