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Der Protest der Ferraristi ist gewiss: Warum nicht Alonso? Ja, natürlich war der Spanier mit seinem Ferrari der Beste! Klasse, wie er den Fehlstart von Räikkönen nutzte, um sich an Leader Hamilton anzusaugen und ihn zu zermürben. So sehr, dass die Reifen des Polesetters schon nach 5 Runden hinüber waren. Alonso kam nach seinem Stopp in Runde 6 vor dem Briten auf die Strecke und war von da an der überlegene Mann. Funkspruch des Tages: «Fernando, Du brauchst nicht so zu pushen, Du bist 3 bis 4 Zehntel schneller als die andern!» - «Aber ich pushe doch gar nicht!»
Alonso war der Beste, und Räikkönen, wie vom Spanier angekündigt, sein härtester Rivale, obwohl der Finne am Start stehenblieb und von einer roten Lawine überrollt wurde.
Hamilton konnte die Pole nicht in einen Sieg verwandeln (im Gegensatz zu Rosberg vor einem Jahr), weil ihm gegen Alonso und Räikkönen schlicht die Pace fehlte.
Schön war die kleine Aufholjagd von Vettel, von 9 auf 4 und beinahe aufs Podest, aber Vierter ist für einen Weltmeister (und WM-Leader) doch etwas dürftig.
Ein Highlight war die Leistung von Button, der beste Karten hat, neuer Pirelli-Botschafter zu werden. Er zog die von Pirelli angekündigte, aber sonst von niemandem für möglich gehaltene Zweistopp-Strategie ganz locker durch. Dafür gibt's den Pirelli-Reifenschoner-Award - aber keine «Man of the Race»-Trophäe.
Ricciardo: Je länger, je besser
Die gehört Daniel Ricciardo im Toro Rosso. Sein 7. Rang im Qualifying hatte gestern schon Jenson Button ein «Wow!» entlockt, und auch Sauber-Neuling Nico Hülkenberg war beeindruckt.
Im Rennen gab der Australier aber seinen Vorteil wegen einer Touche mit Nico Rosberg und dem nötigen Frontflügel-Wechsel wieder preis. Nach dem ersten Stopp fiel der Australier auf Rang 15 zurück, während Hülkenberg das Rennen anführte. Doch Ricciardo und sein deutlich verbesserter STR-8 (gebaut von Ex-Saubermann James Key) hatten die Pace, je länger, je mehr.
Je leichter das Auto wurde, umso konkurrenzfähiger wurde der Toro Rosso. Ricciardo rang Grosjean im Lotus nieder. Den letzten Stint begann er als Zehnter, dann überholte er Pérez, Hülkenberg, Di Resta und beinahe noch Massa. Persönliche Bestleistung! Der Underdog hat alle verblüfft.
Nico Hülkenberg – ein Punkt ist immerhin ein Punkt
Dennoch war das Rennen für Sauber ernüchternd. Lassen wir Rookie Esteban Gutierrez mal beiseite, er ist nach diesem Wochenende voller Fehler und einer Rückversetzung um 5 Ränge in der Startaufstellung von Bahrain gestraft genug.
Nico Hülkenberg startete stark, lag 8 Runden lang in Führung, doch dann kam der erste Boxenpatzer und ein Platzverlust an Vettel. Auch beim zweiten Stopp lief nicht alles nach Plan, hier zeigte sich Hülkenberg selbstkritisch: «Da war ich wohl mitschuldig, weil ich nicht ganz präzise herangefahren war, so verlor das Team etwas Zeit.» Diesmal ging ein Rang an Massa verloren. Doch die Boxenstopps waren letztlich nicht entscheidend, sondern ein rätselhafter Leistungsverlust im letzten Stint.
Während alle anderen ihre schnellste Runde kurz vor dem Ziel herausfuhren (mit beinahe leerem Tank), fuhr Hülkenberg seine Bestzeit auf den harten Reifen (1.40.764) in Runde 38 von 56 Umgängen, also mit fast 50 kg Sprit im Tank. Das entspricht einem Gewichts-Handicap von ca. 1,5 Sekunden gegenüber einem Auto mit leerem Tank. Während die Konkurrenz immer schneller wurde, fuhr Hülkenberg im letzten Stint fast nur noch hohe 1.41er und tiefe 1.42er-Runden. Weshalb das Auto an Leistung verlor, wird noch untersucht.
Und übrigens, die zahlreichen Untersuchungen wegen DRS-Gebrauchs bei gelber Flagge wurden alle eingestellt.