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Afghanistan? Damit verbinden wir schon länger Krieg, Zerstörung und Gewalt. Wofür das Land historisch und kulturell steht, wissen viele Menschen nicht.
Paul Bucherer hat Ende der 1990er-Jahre in der Schweiz das «Afghanistan Museum im Exil» eingerichtet und auf diese Weise Kunstgegenstände vor der Zerstörung gerettet. Das sei wichtiger denn je, sagt Bucherer.
Paul Bucherer
Paul Bucherer studierte Architektur und reiste für mehrere Forschungsaufenthalte nach Afghanistan, wo er den persischen Dialekt Dari lernte. Zusammen mit seiner Frau gründete er die «Bibliotheca Afghanica», eine Sammlung von Büchern und anderen Dokumenten aus und über Afghanistan. Ende der 1990er-Jahre hat er in der Schweiz das «Afghanistan Museum im Exil» eingerichtet und so Kunstgegenstände vor der Zerstörung gerettet. Alle diese Schätze wurden inzwischen zurückgeführt.
SRF: Haben Sie Angst, dass Ihre Arbeit der vergangenen Jahre umsonst war, wo die Taliban Kabul eingenommen haben?
Paul Bucherer: Es ist nicht gesagt, dass ganz Afghanistan völlig umgekrempelt wird. Ich glaube, dass die Afghaninnen und Afghanen versuchen werden, ihren Weg zu gehen. Dafür sind sie auf ihre Kultur und Traditionen angewiesen.
Einige Kulturschätze kamen Ende der 1990er-Jahre auch auf Wunsch der Taliban in die Schweiz, um geschützt zu werden. 2007 wurden sie nach Afghanistan zurückgeführt. Wo befinden sie sich jetzt?
Alle zurückgeführten Kulturgüter sind im afghanischen Nationalmuseum untergebracht. Zum Teil sind sie eingelagert, zum Teil werden sie ausgestellt. Sie werden in Kabul von gut ausgebildeten Fachleuten betreut.
Sind nicht Brücken, Brunnen und Schulen wichtiger als Kulturgüter oder der Wiederaufbau von Museen?
Das habe ich auch geglaubt. Ich wurde von der afghanischen Bevölkerung aber eines Besseren belehrt. Die Leute sagten, ein Brunnen könne zwar verschüttet, aber auch wieder gegraben und aufgebaut werden. Wenn unsere Kultur zerstört ist, ist sie für immer verloren.
Die afghanische Bevölkerung hat mich eines Besseren belehrt.
Viele im Westen assoziieren Afghanistan mit Krieg. Warum wissen wir so wenig über Kultur und Geschichte dieses Landes?
Die falschen Vorstellungen resultieren in erster Linie aus dem Umstand, dass die meisten ausländischen Besucher, Politikerinnen, Journalisten und Touristinnen immer nur mit einer kleinen gebildeten Elite in Kontakt kommen, die eine Fremdsprache spricht.
Mit der Bevölkerung auf dem Land kommen sie hingegen kaum in Kontakt. Aber dort sieht das Leben völlig anders aus.
Können Sie ein Beispiel für diese typisch afghanische Kultur nennen?
Da sind etwa diese speziellen Wiegen, die in jedem Haushalt existierten, aber in diesen 40 Kriegsjahren in den meisten Fällen als Brennholz verheizt worden sind.
Einige wenige dieser Exemplare haben wir mit dem «Afghanistan Museum im Exil» gerettet. Sie befinden sich jetzt in Kabul im Nationalmuseum.
Das Gespräch führte Katrin Becker.