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20.2.1882 Bern, 23.9.1963 Minusio, von Gams. Tochter des Andreas Gottlieb, Telegrafenbeamten, und der Anna-Susanne geb. Blank, Hebamme. ∞ 1) August Faas, 2) Hans Brunner. H. absolvierte auf Wunsch der Eltern eine Lehre als Telefonistin. Mit der Unterstützung ihres späteren Ehemannes August Faas machte sie die Matura und begann an der Univ. Bern ein Rechtsstudium. Ende 1903 war sie Mitbegründerin des Berner Textilarbeitervereins. 1905, nach der Heirat mit August Faas und der Geburt ihrer beiden Töchter, trat sie ihre Stelle als erste Arbeitersekretärin des Schweiz. Gewerkschaftsbunds an. Es folgte eine rastlose agitator. Tätigkeit: H. gründete versch. Gewerkschaftssektionen und Konsumgenossenschaften sowie die Frauenzeitschriften "Die Vorkämpferin" und "L'Exploitée" und kämpfte für eine Mutterschaftsversicherung und das Frauenstimmrecht. Wegen Differenzen über Arbeitsorganisation und polit. Ausrichtung - H. war Anhängerin des Syndikalismus und Antimilitaristin - verlor sie 1909 ihre Stelle. 1908 gründete sie zusammen mit Gustav Landauer den Sozialist. Bund und dessen Organ "Der Sozialist". Differenzen über Fragen der Freien Liebe und der Frauenrechte führten schliesslich zum Bruch, Landauer enthob sie aller Funktionen im Sozialist. Bund. Den Vorwand bildete die Verurteilung von H. 1913 wegen falscher Zeugenaussagen zugunsten des Anarchisten Ernst Frick. 1915 wurde sie wegen Beihilfe zur Abtreibung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 1919 gründete sie eine erste Landkommune in Herrliberg, 1920 die Siedlung Villino Graziella in Minusio. Die Projekte scheiterten an der Armut der Siedler und interner Differenzen; zurück blieb ein Familienunternehmen mit Hans Brunner, der eine Schreinerei betrieb.
Literatur
– I. Boesch, Gegenleben. Die Sozialistin Margarethe H. und ihre polit. Bühnen, 2003
– R. Bochsler, Ich folgte meinem Stern. Das kämpfer. Leben der Margarethe H., 2004
Autorin/Autor: Regula Bochsler