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Olivia Schmuki
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Sonntag, 3. März 2024
Um seiner Faszination für die Filmproduktion nachgehen zu können, zog Marc Ehrenbold nach London. Nach seinem Abschluss an der renommierten International Film School 1997 arbeitete er bei einer Vielzahl von Formaten für die Kino-, Fernseh-, Werbe- und Musikindustrie für grosse Rundfunkanstalten, Streaming-Dienste und Produktionsfirmen mit.
Film ab Inspiriert von Charlie Chaplin, Harold Lloyd sowie Laurel und Hardy schaffte es Marc Ehrenbold mit 18 an einen Medien- und Videoproduktionskurs in Schottland. Mit dem dort erstellten Showreel bewarb er sich für die Internationale Filmschule in London, an der er mit 22 Jahren den Abschluss machte.
«Ich habe als Kameraassistent und Fokuszieher bei der BBC in den Elstree Studios angefangen», erinnert sich Marc Ehrenbold. Dort arbeitete er zuerst bei einer Kinder- und später bei einer Krankenhaus Dramaserie mit. Ein Freund von der Filmhochschule verschaffte ihm dann einen Job bei National Geographic. Dort zeichnete er für Wildtier- und Naturaufnahmen verantwortlich. «Das war eine spannende, lehrreiche und lustige Zeit», beschreibt Ehrenbold die Monate, in denen er mit einem kleinen Team auf Safari in der Savanne war und bei den Massais in Kenia und den Himbas in Angola verbrachte. Seinen Durchbruch schaffte er mit der Serie «Law and Order» 2004. «Ich begann als Fokuszieher, wurde B-Kameramann und schliesslich Steadicam-Operator», sagt der Auswanderer. Insgesamt arbeitete er bei sechs Serien, einschliesslich der Spin-offs «Law and Order Criminal Intent» und «Special Victims Unit» mit. Das Engagement bedeutete für Ehrenbold nicht nur den Umzug nach New York, sondern vor allem auch die Möglichkeit, innovative Dinge auszuprobieren, seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sein Fachwissen zu vertiefen.
Marc Ehrenbold, der in St.Gallen geboren und aufgewachsen ist, hat sich einen Namen in der Filmbranche gemacht. Das Handwerk von der Pike auf gelernt, wusste er mit seinem Auge für Bildkomposition und technische Raffinesse zu überzeugen. Seine Aufnahmen und Perspektiven machten ihn zu einem gefragten Experten. Der Kameramann wirkte nicht nur bei Filmen wie «Spy Game», «Broken City», «World War Z» oder «Source Code» mit, sondern zu seinen Werbekunden gehören auch «Sony», «Virgin Atlantic», «De Beers» und «Disney». «Heute stehe ich für eine Werbekampagne hüfthoch im Wasser und warte auf das richtige Licht, morgen werde ich für eine bestimmte Aufnahme eines Films hinzugezogen und übermorgen schaue ich das Filmmaterial mit dem Regisseur durch», erklärt Ehrenbold. Kein Tag gleiche dem anderen. Manchmal sei sein Arbeitstag nach wenigen Stunden beendet, manchmal arbeite er die ganze Nacht durch. Nebst der Besichtigung eines Drehortes, dem Testen der Ausrüstung und der Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungen einer Filmproduktion wurde der Verleih von Film- und Lichtequipment zu einem Standbein des Auswanderers. Denn normalerweise sei nicht nur seine Expertise auf dem Set gefragt, sondern auch seine vielfältige und moderne Ausrüstung.
Dank des grossen Erfahrungsschatzes, den er sich über die Jahre angeeignet hatte, war es ihm möglich, sich 2008 als freiberuflicher Kamera- und Steadicam-Operator zu versuchen. Vornehmlich arbeitete er an episodischen TV-Dramen, die auf Film gedreht wurden. Weil diese inzwischen auf die digitale Erfassung umgestellt wurden, musste er sein Wissen anpassen. «Es ist gut, den Blick in verschiedene Richtungen zu lenken, unterschiedliche Fähigkeiten einzusetzen und mit gegensätzlichen Budgets zu arbeiten», weiss Ehrenbold. Neben der Filmproduktion fotografiert der Wahl-Londoner heutzutage eine Vielzahl an Dingen – Tiere, Landschaften, Städte sowie Menschen und bietet seine Fotografien zum Verkauf an. Eine angenehme Nebenbeschäftigung, wie er es formuliert. Ehrenbold ist nicht nur begnadeter Taucher, sondern auch von Elektroautos fasziniert. Während er für Ersteres um die Welt jettet, ermöglichten es ihm seine teils üppigen Einnahmen, Letztere zu kaufen und auszufahren.
Zusätzlich unterrichtet Ehrenbold einen Steadicam-Kurs in New York, lebt aber seit Jahren wieder mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern im Westen Londons und auch in Highgate im Norden Londons. «Das Leben ist kein Test, aber eine Gelegenheit zu lernen», ist der Familienvater überzeugt und fügt schmunzelnd hinzu: «Ich habe immer aus den Fehlern anderer gelernt, die meinen Rat befolgten.» Die Auswanderung hat er nie bereut, schliesslich warte ausserhalb der Schweiz eine grosse Welt, die es zu erkunden galt. Es sei besser, die Dinge zu bereuen, die man getan hat, als die Dinge, die man nicht getan, sich aber gewünscht hat. An London schätzt der 49-Jährige die Offenheit seiner Einwohner, das geschäftige Treiben in den Strassen, das vielfältige kulturelle Angebot ebenso wie die unzähligen kulinarischen Hotspots. Er vermisst die Schweiz nicht, insbesondere den Konservatismus, die Bürokratie und die Mentalität. Dennoch kommt er regelmässig zurück, um Verwandte und Freunde zu besuchen, in den Alpen Ski zu fahren oder ein Original-Fondue zu geniessen. Ob es ihn im Ruhestand zurück in die Schweiz ziehen wird, stehe noch in den Sternen. «Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir der kosmopolitische Lebensstil, den ich derzeit geniesse, fehlen würde», offenbart Ehrenbold. Doch bis es soweit ist, erfreue er sich seines Lebens, geniesse die Zeit mit der Familie und koste die Annehmlichkeiten seines Berufs aus, die ihn an die bezauberndsten Orte dieser Welt führten: «Ich habe viel für meinen Erfolg getan, aber das Leben war auch gut zu mir», resümiert der Auswanderer, «so dass ich stets mit einem Lächeln in den Tag starte.»
Die Tätigkeit des Steadicam Operators stellt einen eigenen Berufszweig innerhalb des Kameradepartements dar. Steadicam (Körperstativ) ist die Bezeichnung für eine mechanische Haltevorrichtung der Kamera mit Ausgleich-systemen, die wackelfreie Kamerabewegungen zulässt und die vom Steadicam Operator direkt am Körper getragen wird.
Von Benjamin Schmid
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