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Man kennt Darwin als den Vater der Evolutionstheorie. Auch die Veranstaltungen am internationalen Darwin Day, http://www.darwinday.org/, die alljährlich am 12. Februar zum Gedenken an Darwins Geburtstag begangen wird, kreisen meist um evolutionstheoretische Themen. Doch Darwin hatte einen grossen Bezugspunkt zur Botanik. Er publizierte sieben grosse botanische Werke, die sich mit den Themen der Bewegung, Blütenbiologie, Kreuz- und Selbstbefruchtung, Blütenformen und Karnivorie befasste.
Die Abbildung zeigt ein Blatt von Drosera rotundifolia, welche von seinem Sohn George Darwin gezeichnet wurde. An der Spitze der Auswüchse, Tentakel genannt, befinden sich Drüsenköpfchen, die einen klebrigen Fangschleim produzieren.
Zum ersten Mal stiess Darwin 1860 auf karnivore Pflanzen und hielt diese Begegnung im Buch Insectivorous Plants fest (Ein Exemplar der Erstausgabe von 1875 befindet sich im Bestand der Alten Drucke unter der Signatur Rar 02):” During the summer of 1860, I was surprised by finding how large a number of insects were caught by the leaves of the common sun-dew (Drosera rotundifolia) on a heath in Sussex. I had heard that insects were thus caught, but knew nothing further on the subject.”
Karnivore Pflanzen stellen eine besondere Form von Pflanzen dar. Sie können Tiere fangen, verdauen und aufnehmen, um sich auf nährstoffarmen Böden wie z.B. Mooren mit Mineralstoffen zu versorgen. Darwin führte viele Experimente am Sonnentau (Drosera) durch und erkannte die Wichtigkeit der Tiere als zusätzliche Nährstoffquelle für die Pflanze. Seine Forschungsergebnisse stellte er im Buch Insectivorous Plants zusammen.
Warum sich Darwin mit dieser speziellen Pflanzenform befasste, kann nur spekuliert werden. Anscheinend waren es vor allem die pflanzenuntypischen, „tierhaften“ Merkmale wie Reizbarkeit, Bewegung und Verdauung, die sein Interesse weckten, und weniger der Umstand, dass Tiere in den Fallen zu Tode kamen (Stöcklin und Höxtermann, 2009, Darwin und die Botanik).
Obwohl Darwin nicht der erste Naturforscher war, der sich mit karnivoren Pflanzen beschäftigte, kann er zurecht als Vater der Karnivorenforschung betrachtet werden. „Darwin was one of the pioneers of work on the physiology of carnivorous plants.” (Heslop-Harrison, 1978, Carnivorous plants, Scientific American 238:104-115)