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Grosse Rückstände wettgemacht, alle Slaloms der Saison gewonnen und und und...
Vreni Schneider gab ihr Weltcup-Debüt am 4. Dezember 1983 im Riesenslalom von Val-d’Isère. Das erste einschneidende Erlebnis war jedoch der erste Sieg im Weltcup nur ein Jahr später am 17. Dezember 1984 im Riesenslalom von Santa Caterina.
Für Vreni Schneider sei der zweite Sieg (Riesenslalom von Waterville Valley am 17. März 1985) aber um einiges bedeutender gewesen. Immer habe sie sich bestätigen wollen, sagt Vreni Schneider, nur keine Eintagsfliege zu sein, das sei für sie das Wichtigste gewesen.
Mit einem Ski ohne Kanten zu Gold
Ein erster Höhepunkt bildete die Weltmeisterschaft 1987 in Crans-Montana, an der die Schweizer Skifahrer so dominierten wie noch nie. Einen Team-Wettbewerb hätte es hier geben sollen, sagt Vreni Schneider, was in einem solchen nur alles möglich gewesen wäre. Im Riesenslalom gelang es Vreni Schneider, die Goldmedaille zu gewinnen; Zweite wurde die ehemalige Jugoslawin Mateja Svet und Dritte die Teamkollegin Maria Walliser.
«Ich war zweimal Vierte (Super-G/Kombination) geworden; ich war sehr enttäuscht und liess mich auch etwas gehen. Dann sagte ich mir: ‹Nein, das ist der falsche Weg!› Der Servicemann holte noch einen Siegesski von zu Hause, der zwar fast keine Kanten mehr hatte, aber ich wollte unbedingt auf diesem Ski den Riesenslalom fahren. Dass ich dann Weltmeisterin wurde, war für meine Karriere sehr prägend. Man muss zwar kämpfen wie eine Löwin und das Glück spielt auch eine Rolle, aber hier erlebte ich, dass ich zweimal Vierte und dann Weltmeisterin wurde. Ich wusste nun: Wenn ich gesund bin, dann schaffe ich es!»
Schon in der Saison 1985/86 hatte sich Vreni Schneider den Sieg des Riesenslalom-Weltcups gesichert, in der Saison 1986/87 teilte sie sich die kleine Kristallkugel mit Maria Walliser; im Gesamten wird sie fünfmal den Riesenslalom-Weltcup gewinnen. Am 17. Dezember 1986 gewann Vreni Schneider in Courmayeur auch ihren ersten Slalom; der Slalom sollte zu ihrer Lieblings- und Paradedisziplin werden – sechsmal wird sie den Slalom-Weltcup gewinnen. Zunächst wurden aber die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary zu einem grossen Höhepunkt in Vreni Schneiders Karriere: Mit grossem Vorsprung gewinnt sie die Goldmedaille im Riesenslalom und im Slalom und wird Doppel-Olympiasiegerin!
Die beste Saison stand noch bevor
«Der Riesenslalom war unglaublich schwierig; der Schnee war so aggressiv. Ich hatte das Gefühl, ich stehe still und müsse noch mehr Tempo machen als auf anderen Strecken. Blanca Fernández Ochoa führte ja im ersten Lauf, jedoch rutschte ihr im zweiten nach ein paar Toren der Innenski weg. Ich dachte: «Nein, das kann es nicht sein!»
Nach dem Rennen war sie ein Häufchen Elend. Wir trafen uns jedoch im Ziel und sie sagte mir: «Ich habe einen Fehler gemacht, du keinen, darum bist du die verdiente Siegerin.» Das zeigte mir, dass wir Menschen und keine Maschinen sind – sie zeigte Grösse in ihrer grössten Niederlage.
Den Slalom weiss ich praktisch noch auswendig, wie er gesteckt war – Tor für Tor. Die Goldmedaille im Riesenslalom hatte mich beflügelt; allgemein habe ich immer versucht, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Bei der Besichtigung habe ich entsprechend alles akribisch studiert.
«Am Start verspürte ich dann aber viel Anspannung. Nichtsdestotrotz sagte ich mir: «Du gibst dein Möglichstes; es kommt wie es kommt.» In solchen Situationen spürt man auch, dass eine Goldmedaille natürlich schön ist – ich konnte sie ja auch holen –, aber was wirklich zählt, ist die Arbeit und der Willen. Da wird man mit der Zeit auch ein bisschen lockerer.»
Die Saison 1988/89 wurde zu Vreni Schneiders bester Saison. Sie entschied sechs von sieben Riesenslaloms für sich und im Slalom blieb sie das ganze Jahr ungeschlagen – sie gewann sage und schreibe alle Slaloms. Überlegen sicherte sie sich den Riesenslalom- und Slalom-Weltcup und den Sieg im Gesamtweltcup konnte ihr niemand mehr nehmen. An der Weltmeisterschaft 1989 in Vail holte sie sich die Goldmedaille im Riesenslalom und die Silbermedaille im Slalom und der Kombination. Ironischerweise war diese Silbermedaille im Slalom das einzige Slalomrennen der ganzen Saison, das sie nicht für sich entscheiden konnte.