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Es war im Jahr 79 nach Christus: Die Menschen in Pompeii werden überrascht beim Mittagessen, beim Flanieren auf der Strasse, die Tiere auf der Weide. Dank der Asche, die sie bedeckte, wissen wir heute, wie der Alltag der Römer war, als der Vesuv ausbrach. Die Eruption war verheerend.
Es könnte aber viel schlimmer kommen, denn auf der anderen Seite von Neapel schlummert ein noch viel grösserer und viel gefährlicherer Vulkan als der Vesuv. Es handelt sich um das Gebiet um die phlegräischen Felder, ein Gebiet in dem heute anderthalb Millionen Menschen wohnen.
Die Erde dort hebt und senkt sich. In der Küstenstadt Pozzuoli zum Beispiel hob sich die Erde Anfang der 80er-Jahre innerhalb von zwei Jahren um fast zwei Meter. Die Häuser bekamen Risse. Tausende von Einwohnerinnen und Einwohner wurden evakuiert – doch der Vulkan kam nicht.
Kessel- statt Vulkanform
Wie gross dieser Vulkan ist, sieht man fast nur vom All aus, denn er hat nicht die uns vertraute Vulkanform. Er hat die Form eines flachen Kessels, einer sogenannten Caldera. Diese entsteht, wenn ein riesiger Vulkan sehr viel Material ausstösst und danach das ganze Gebiet einsackt.
Mehr als zehn Kilometer misst die Caldera im Durchmesser. «Solche Calderen sind ein Merkmal sogenannter Supervulkane», sagt Gianfilippo De Astis vom nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie in Rom. «Davon gibt es ein gutes Dutzend weltweit, darunter etwa der Tambora in Indonesien oder eben die Campi Flegrei.»
Weltweite Auswirkung
Ausbrüche von Supervulkanen haben weltweite Auswirkungen. So erlebte Europa nach der Eruption des Tambora 1816 wegen der vielen Aschepartikel in der Luft ein Jahr ohne Sommer. Es gab grosse Ernteausfälle und in der Folge eine Hungersnot.
Die letzten grossen Eruptionen der phlegräischen Felder waren vor 39'000 und vor 15'000 Jahren. Eine viel beachtete Studie vom letzten Winter zeigt, dass sich die unterirdischen Magmakammern wieder aufbauen. Damit ist für die Experten klar: Dieser Vulkan ist einer der gefährlichsten der Welt.
Rund um die Uhr überwacht
Der Vulkan wird unterdessen rund um die Uhr am Vesuv-Observatorium in Neapel überwacht. Der Vesuv sei ruhig, sagt die Direktorin Francesca Bianco. «Bei den phlegräischen Felder hingegen haben wir Stufe Orange, weil verschiedene Messdaten nicht normal sind.»
Die Erde hebt sich weiter, die Zusammensetzung der Gase, die aus dem Boden strömen, verändert sich und die Temperatur der heissen Tümpel auf den phlegräischen Felder erhöht sich. Trotzdem haben die Menschen vor Ort noch immer das Gefühl, der Vesuv sei viel gefährlicher.
Früher oder später
Vulkanologe De Astis hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung besser zu informieren. Wenn er das Rad zurückdrehen könnte, würde er zahlreiche Wohnüberbauungen, die in den letzten Jahrzehnten westlich von Neapel errichtet wurden, nicht mehr bauen. «Aber diese dicht besiedelten Gebiete jetzt zurückzubauen und die Leute wegzuschicken, das ist undenkbar.»
Wann der Vulkan wieder ausbricht, können die Fachleute derzeit nicht sagen. Es kann in 10, es kann aber auch erst in 10'000 Jahren sein. Sicher ist nur, dass er irgendwann ausbrechen wird.
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