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Ulm in einem Ulmenwald gegründet hat, können wir finden, wenn wir die abergläubischen Vorstellungen der Alten und andererseits ihre Taten uns in Erinnerung bringen. Die Geschichte der Alten erzählt nämlich, die Amazonen, sehr tapfere aus unserem Böhmen stammende Frauen, haben, als sie unter zornmütiger Führung Asien und nicht den kleinsten Teil von Europa unterworfen hatten, die Gewohnheit ihres verfluchten Aberglaubens gehabt, daß sie an sumpfigen Plätzen zwischen Ulmen und auf Ulmen die Tempel der pfeiltragenden Diana erbauten, in denen sie ihren Gottesdienst nach heidnischem Gebrauch auszuüben pflegten, und sie glaubten, nirgends anders als an sumpfigen Plätzen zwischen Ulmen und in Ulmenhainen können sie die Diana sich versöhnen, von der sie annahmen, daß sie den Mondwagen lenke und überhaupt die Mutter der Gewässer und die Erzeugerin des Kalten und des Feuchten sei, und darum sei auch in sumpfigen Gegenden, nach der Geheimlehre der Mythologie, ihre Verehrung besonders groß.
Während sie aber in Kleinasien herrschten, sanden sie an einer Stelle am Meeresufer einen Ulmenhain, in welchem sie über einem Ulmenstamm zum Staunen und zur Bewunderung für alle Völker und Jahrhunderte einen Tempel von wunderbarer Kunst errichteten, und in der Umgebung desselben gründeten sie die große Stadt Ephesus, welche sie zugleich mit dem Tempel zu beständiger Verehrung der Diana weihten, und dieser blieb von da an bis zu den Zeiten der Apostel, wie aus act. 19 sich zeigt, diesem Dienst gewidmet über 2000 Jahre, denn so lange vor der Menschwerdung (Christi) begann die Herrschaft der Amazonen. Es war aber dieser Tempel der Diana so prächtig, daß, als der Perserkönig Xerxes alle asiatischen Tempel mit Feuer verbrennen ließ, er diesen allem verschonte;
aber nach einiger Zeit steckte Herostratus, um seinen Namen durch die Erinnerung an das Verbrechen auszubreiten, das edle Bauwerk in Brand, wie er selbst bekannte, aus Begierde, weiteren Ruhm zu erlangen, indem er etwas tue, wodurch das Andenken an ihn bei den Sterblichen fortdauere;
aber der Senat (sc. der ionischen Städte) gab den Befehl, daß niemand seinen Namen schriftlich überliefere;
aber man gehorchte durchaus nicht, denn bis auf unsere Zeit ist der Namen des tempelschänderischen Menschen gekommen, aber mit Schmach und Schande, gleichwie Neros und des Verräters Judas Namen niemals die Nachwelt verschweigen wird (pag. 10).
Aber an der Stelle des verbrannten Tempels erbauten sie einen anderen prächtigeren Tempel, zu dessen Zier die Anhängerinnen der Amazonen ihren Schmuck hergaben, und so wurde er sehr prächtig. Aber nicht nur in Asien führten die Amazonen die Verehrung der Diana ein, sondern an allen im Krieg besetzten Orten, daher gehen sie, nachdem sie Asien unterworfen, nach Europa und verwüsten die blühenden Länder Makedonien, Illyrien und Pannonien und von da kamen sie, nachdem sie in die Alpen eingedrungen, nach Schwaben und brachten die Stadt der Vindelicien jetzt Augsburg, in ihre Gewalt, wie die Chroniken dieser Stadt zeigen.
Als sie aber der Plünderung wegen die näheren Gegenden Schwabens durchstreifend an der Stelle, wo jetzt Ulm ist, einen Ulmenhain gefunden hatten, dachten sie, dieser Hain sei für ihren Aberglauben ganz geschickt und weihten ihn alsbald der Diana, indem sie den finsteren Wald einweihten, einen Tempel bauten und zum Priesterdienst Männer verschnitten, zu welchen sie nach der Weise der Verehrung der Diana noch Chöre von Jungfrauen fügten. Überdies besuchten sie die Heiligtümer der Nymphen sowohl bei der Vereinigung der Flüsse als andererseits bei den Höhlen und Verstecken der Quellen in diesem Ulmenwald und luden die gefangenen. ¶
Schwaben zur Beiwohnung mit ihnen in den Hainen und schattigen Orten ein, um nach Empfängnis der Frucht in ihre Wohnsitze zurückzukehren. Sehr groß war auch die Sorge dieser Amazonen, einen berühmten Dienst der Diana und der Nymphen herzustellen und ihre Verehrung besonders in den für ihren Dienst geschickten Gegenden zu vermehren; denn wenn sie dies nicht täten, hätten sie nach ihrer Meinung durchaus nicht die Länder unterwerfen und ihre Königinnen in den Reichen einsetzen können.
Damit aber der an dem Ort begonnene Gottesdienst ewig bleibe, gründeten sie daselbst eine Stadt, indem sie ihr von dem Gattungsnamen des Ortes und der Bäume den Eigennamen ließen. Das Regiment dieser Frauen begann vor den Zeiten Abrahams und dauerte bis aus die Zeiten Alexanders des Großen. Als aber endlich ihr Laus in der Welt gehemmt ward und zum Stillstand kam, lebten sie auf einer Insel bis auf die Zeiten des hochberühmten Königs der Briten Artur, der im Jahr 489 nach des Herrn Menschwerdung lebte, und leben vielleicht heute noch fort. An. den Hof des genannten Königs kam nämlich ein sehr schöner Jüngling. der unter den Amazonen 15 Jahre lang als Frau aufgezogen worden war, aber da sein Geschlecht nicht weiter verborgen werden konnte, (pag. 11) wurde er aus der Insel vertrieben und kam an den vorgenannten Hof, und als er ein Kriegsmann geworden, führte er die schwierigsten Taten aus, da er der Erbe der Kriegslust seiner Mutter geworden war.
Man glaubt aber, daß zur Zeit der Amazonen das größte Heiligtum in Ulm bei der Quelle gewesen sei, die zu den alten Röhren (ad antiquas cannas) genannt wird, und daß daselbst ehemals ein sehr dichter Hain gewesen sei; denn bei dem Hervorbrechen der Gewässer und bei der Vereinigung der Flüsse übten sie Zeichendeutung aus und befragten die Götter um Orakel, weil sie mit dem Philosophen Thales irrend glaubten, das Wasser sei der Anfang der Dinge und der Ozean aller Wesen Vater und Gott, und alle Flüsse und Quellen seien seine Söhne und Töchter und das Wasser habe eine Seele und Leben und es wohne ihm ein göttlicher Verstand inne, denn sie sahen, daß in allem beim Aufhören der Feuchtigkeit und behn Nachlassen des Wassergehalts das Leben aufhörte und ohne Feuchtigkeit nichts erzeugt werden und wachsen könne.
Darum sagten sie, alles beruhe auf der Macht der Feuchtigkeit. Deshalb standen sie, wie gesagt, an den Ausbrüchen der Gewässer und redeten das herausfließende Wasser wie die lebendige Tochter eines Gottes an und baten um Orakel, die sie zuweilen auf Betreiben des Teufels erhielten, und sahen Erscheinungen. Daher versichern, um von den Irrtümern der Alten zu schweigen, in unserer Zeit verrückte Dirnen, ohne im Gesicht zu erröten, aus der Öffnung der Quelle der alten Röhren kommen sehr schöne Frauen hervor und steigen bei Nacht die Stufen herauf, sie ziehen durch Ulm, aber wohin sie gehen und was sie treiben, sagen sie nicht öffentlich, sondern dichten mit geheimnisvoller Glaubwürdigkeit, sie wandern im Dienste des Vaters Bacchus an seinen Lagern herum, um, wenn sie des Bacchus Manneskraft geschwächt finden, durch Lieferung von Feuchtigkeit seiner Liebeslust nachzuhelfen. Aber obgleich diese Dirnen die poetischen Geheimnisse nicht so deutlich ausdrücken, erklären sie doch die Sache noch häßlicher. Diese Frauen, sagten die Alten, seien Töchter des Nereus und der Doris, die Nachkommen des Oceanus. Und die Nymphen, welche von den Amazonen, wie gesagt, verehrt wurden, hießen Nereiden. Hievon also nimmt man den natürlichen Anfang der Stelle der Stadt Ulm an und den Beginn der Stadt selbst. Ferner nahmen manche einen ¶