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Die Seilbahn entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Befestigungsanlagen auf dem Passo di San Giacomo, der das italienische Val Formazza mit dem Val Bedretto im Tessin verbindet. Nachdem Italien 1929 eine Fahrstrasse auf den Passo di San Giacomo fertig gestellt hatte, legte das Schweizer Militär 1931 ein Projekt zur Befestigung des Übergangs vor. Die Bauarbeiten begannen um 1935 und setzten sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Neben weiteren Festungsbauten entstand das Infanteriewerk San Giacomo mit einer kleinen einfachen Kaserne (Blockhaus), einer kleinen Kapelle und einer Seilbahnstation sowie weiteren unterirdischen Anlagen mit Maschinengewehr-Stellungen.
Von der zur Versorgung der Sperrstelle 1948 errichteten Pendelbahn ist nur noch die untere Sektion erhalten. Die untere Sektion führt von All'Acqua über das Val Cavagnolo bis auf einen Geländerücken am Fuss eines Ausläufers des Gebirgszugs Grandinagia. (Das Artilleriewerk Grandinagia ist heute vollständig ausgeräumt).
Im unteren Teil verläuft die Strecke der Bahn durch leicht bewaldetes Gebiet, im oberen Teil durch karge Berglandschaft. Von der heutigen Bergstation, der ursprünglichen Mittelstation, führte die gegenüber der unteren Sektion leicht abgewinkelte obere Sektion zum Infanteriewerk San Giacomo.
Bei der erhaltenen Sektion handelt es sich um eine zweispurige Pendelbahn, die von der Firma Oehler in Aarau geliefert wurde. Als Spannsystem für Trag- und Zugseil wurde eine feste Abspannung gewählt.
Der in der Talstation untergebrachte Antrieb wirkt auf den offenen Zahnkranz der Antriebsscheibe. Der Motor, das Getriebe und die Betriebsbremse stammen wie die Steuerung und die Fernüberwachung aus dem Umbaujahr 1986. Die filigranen Fachwerkstützen und die beiden offenen Fahrbetriebsmittel sind original erhalten. Als Fahrbetriebsmittel dienen einfache Lastbarellen mit kurzen Gehängen und Laufwerken mit je zwei Rollen.
Die Talstation erscheint als ins Gelände integrierter, eingeschossiger Massivbau unter begrüntem Satteldach. Die Bergstation ist eine langgestreckte, aus Mauerwerk, Beton, Stahl und Holz konstruierte Baracke. Sie setzt sich bergseitig als Kaverne in den Hang hinein fort.
Die noch bestehende untere Sektion der militärischen Transportbahn soll für die private Nutzung erhalten bleiben.
Die Sperrstelle San Giacomo besitzt im Rahmen ihrer Zugehörigkeit zum Befestigungsdispositiv Gotthardpass nationale Bedeutung. Die Militärseilbahn bildet einen wichtigen Bestandteil dieses Festungswerks, auch wenn nur noch die untere Sektion der Bahn erhalten ist. Sie stammt bezüglich Linienführung, Stützen, Fahrbetriebsmittel und Stationsbauten weitgehend aus der Erstellungszeit 1948. Die zweispurige Pendelbahn verfügt noch über zahlreiche Bestandteile der ursprünglichen Oehler-Anlage. Eine zurückhaltende Nachrüstung der Bahn erfolgte 1986 durch die Firma Garaventa. Die untere Sektion der militärischen Seilbahn soll erhalten bleiben und allenfalls durch Private weiter betrieben werden.
|Konzeption|
|Erschliessungsidee (Vision)||in Zusammenhang mit dem Befestigungssystem des Passo San Giacomo, der Italien (Domodossola) mit dem Val Bedretto verbindet, erstellt; Versorgung der Sperrstelle/Infanteriewerk San Giacomo; Element der Gotthard-Festung; Sperrstelle All'Acqua|
|Linienführung: Planung, Umsetzung||untere Sektion der auf den Passo San Giacomo führenden zweiteiligen Anlage (obere Sektion vor kurzem demontiert); im unteren Teil der Strecke über Einschnitt des Val Cavagnola auf die Krete des Gebirgszugs Grandinagia zwischen dem Val Cavagnola u. dem dem Val d'Olgia; Bergstation ursprünglich Mittelstation; ehemalige Linienführung der zweiten Sektion gegenüber der unteren Sektion abgelenkt|
|Seilbahntechnik|
|besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||zweispurige Pendelbahn ZP 500 (?) mit einem Trag- u. einem Zugseil/Spur für Material; feste Abspannung von Trag- u. Zugseilen; Antrieb mit offenem Zahnkranz auf Antriebsscheibe in Talstation; pro Fahrzeug zwei Laufwerke mit kurzen Gehängen; offene Lastbarelle; filigrane Fachwerkstützen; sichtbare Teile in Tarnfarben ausgeführt; Typ Versorgungsbahn|
|seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Hersteller||repräsentativer Vertreter einer in Zusammenhang mit dem Ausbau der Zentralstellung (Reduit) errichteten festen Versorgungsbahnen (wohl S.P. ZP 500) mit aussagekräftigem Grundbestand der Firma Oehler in Aarau, die für die Schweizer Armee zahlreiche Anlagen realisieren konnte; typischer Oehler-Bausatz|
|Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten|
|Ingenieurbau||-||-|
|Architektur||einfache, aber zweckmässige Schutzbauten für die Stationseinrichtungen; Bemühung um gute Integration in baulichen u. landschaftlichen Kontext|
|besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||Talstation: niedriger u. vergleichsweise breitgelagerter eingeschossiger Massivbau unter begrüntem Pultdach; Bergstation: langgestreckte Baracke in Mischkonstruktion (Stahl, Holz, Mauerwerk, Beton) unter Satteldach u. bergseitig in den Hang hinein gebaut (militärisch genutzte Kaverne)|
|bautypologische Bedeutung||die Stationsgebäude sind integraler Bestandteil der ersten Bauetappe von 1948 u. zählen aufgrund ihres Alters u. dem militärischen Hintergrund zu den wichtigsten Anlagekomponenten|
|Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung|
|Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponenten||untere Sektion in repräsentativem Masse aus der ursprünglichen Erstellungszeit 1948 überliefert: insbesondere Linienführung, Stationsgebäude, Stützen, Fahrbetriebsmittel u. Kopierwerk|
|Qualität der Nachrüstungen||Antrieb u. Betriebsbremse sowie Steuerung u. Fernüberwachung 1986 erneuert|
|funktionale Unversehrtheit||obere, zum Pass führende Sektion abgebaut; untere soll für private Nutzung erhalten bleiben|
|Kulturgeschichte|
|Personen, Firmen, Institutionen||Alfred Oehler als DER Spezialist für militärischen Seilbahnbau|
|Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militär||bedeutend in Zusammenhang mit der Stellung San Giacomo, in die auch der Talboden, i. e. All'Acqua, einbezogen war (errichtet ab 1935); Ziel: Feuerschutz für den San Giacomo-Pass; wichtigste Bauphase während der Kriegsjahre, Modifikationen, insbesondere auch die Erstellung nach dem Aktivdienst|
|Räumliche Situation|
|Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontexts||relativ nah am Gelände (Bodenabstand; kurze Gehänge); Tarnfarben: aufgrund des militärischen Ziels, so wenig wie möglich aufzufallen, in Bezug auf die Sichtbarkeit vergleichsweise diskret; im unteren Teil durch leicht bewaldetes Gebiet, im oberen Teil durch karge Berglandschaft|
|Infrastruktur|
|touristische/betriebliche Infrastruktur||Infanteriewerk bei San Giacomo mit kleiner Kaserne, MG-Stellungen u. kleiner Kapelle|
|Verkehrsnetze||in unmittelbarer Nachbarschaft Seilbahn TI-BED-1 auf Stabbiascio; Zubringerstrasse Val Bedretto/Nufenen-Pass|