Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/1897

Wohin man schaut, stets fällt der Blick auf Donald Trump. Gern kaufte man ihm einen Fahrschein zu einem der Jupitermonde («Ganymed, einfache Fahrt, 2. Klasse bitte»), doch Trump dächte nicht daran, dorthin auszuwandern. Da ist ja niemand. Obendrein müsste er von seinem kleinen Mond auf den viel grösseren Jupiter schauen, was unerträglich wäre: Er kreiste auf seinem Mini-Trabanten um einen Planeten, der womöglich im Besitz von jemand anderem wäre. Und dieser andere besässe mehr als er, Donald Trump!
Die Selbstbeweihräucherung des New Yorkers erreichte einen neuen Höhepunkt, als Trump nach seinen drei Wahlsiegen in Michigan, Mississippi und Hawaii eine TV-Pressekonferenz im noblen Clubhaus eines Golfplatzes anberaumte. Selbstverständlich gehört der Golfplatz ihm. Er umgab sich dort mit amerikanischen Fahnen, um präsidial auszusehen, eigentliches Ziel der Veranstaltung aber war neben der Abrechnung mit seinen Feinden («Little Marco») eine ausgefuchste Produktplatzierung. Wie in einem James-Bond-Film.
Statt für Seiko-Uhren und Bollinger-Champagner warb Trump natürlich für Trump. Neben ihm auf der Bühne im Clubhaus grüssten Steaks sowie Wein- und Wasserflaschen der Marke Trump. Amerikanische Medien behaupteten, Trump habe so den Vorwurf entkräften wollen, sich jede Menge unternehmerischer Fehlzündungen geleistet zu haben. In Wahrheit aber gab Trump seinen Fans eine Vorschau auf seine Präsidentschaft: Produktplatzierung, Schleichwerbung und mächtig Kasse!
Deshalb verwies er bei seiner Pressekonferenz immer wieder auf die Steaks und den Wein, ja sogar ein «Trump-Magazin» hielt er in die Kameras. Man stelle sich einen Präsidenten Trump bei der alljährlichen «Rede zur Lage der Nation» live im Kongress vor, neben sich Trump-Plastikeimer und Trump-Gartenschläuche, dazu auf der Nase eine Trump-Sonnenbrille («nur so gehen Gentlemen durch UV-Strahlen!») und im Revers eine Plastikblume aus Trumps Fabrik im Industriebezirk 5 in Guangdong.
Bei seiner ersten Auslandsreise zu Wladimir Putin in Moskau brächte er Trump-Wodka mit. Den gab es wirklich. «Destillierter Erfolg» stand auf der Flasche. Putin wäre gewiss entzückt, und Trump könnte seinen «Destillierten Erfolg» von Smolensk bis Wladiwostok massenweise absetzen. Geht Präsident Trump auf dem «Trump National Golfclub» in Washington Bälle schlagen, ist die Presse natürlich zugegen und vermeldet penibel Trumps Accessoires: Schuhe der Marke Trump, Golfschläger aus Trumps Designerwerkstatt sowie dank eines Joint Venture einen Golfkart der Marke Mercedes-Trump. Und so weiter.
Was übrigens die Steaks auf der Pressekonferenz in Florida betrifft, so prangte auf dem Label der Verpackung nicht der Name Trump. «Bush Brothers» war da zu lesen. Angeblich sind die Brüder Bush Fleischhändler in Florida. Aber vielleicht verkaufte Trump sein Schlachthaus an George W. und Jeb Bush? «Bush Brothers» klingt ziemlich verdächtig. Doch Trump ist nicht beizukommen. Der Mann serviert Bullshit wie andere Leute Kaffee und Kuchen. Und niemand verwertet sich besser als er. Seine Präsidentschaft gliche einer gewaltigen Brandingkampagne. Vom Dach des Weissen Hauses würde es neonrot und in riesigen Buchstaben leuchten: Donald Trump, Amerika GmbH and Co KG.