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In den ersten Jahrhunderten des Christentums war es wichtig, dogmatisch zu klären, wer Jesus Christus ist: der menschgewordene Sohn Gottes. Zur wahren Menschwerdung gehört es, dass er in einer menschlichen Familie empfangen und geboren werden wollte.
Gemäss jüdischem Gesetz galten Maria und Josef schon seit ihrer «Verlobung» als Mann und Frau; die zweite Stufe der Eheschliessung bestand in der Heimführung der Gattin. Gemäss dem Zeugnis der Bibel erhielt Josef von Nazareth durch einen Engel die Weisung, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen (vgl. Mt 1,20). Denn das Kind Jesus, das sie vom Heiligen Geist empfangen hatte, war der von Gott verheissene Retter und Erlöser der Menschen (vgl. Mt 1,21).
Die Evangelien als Grundlage
Grundlage einer soliden kirchlichen Verehrung des heiligen Josef sind nicht irgendwelche apokryphe Erzählungen (in denen er als Greis und Witwer dargestellt wird), sondern die Berichte der Evangelien (vor allem bei Mt 1–2; Lk 1,27; Lk 2). Dort wird kein einziges gesprochenes Wort von Josef überliefert, wohl aber wird aufgezeigt, dass er ein gerechter Mann war. Sein Leben war ganz auf Gott bezogen, zugleich übte er das Handwerk des Zimmermannes aus. Maria und Josef hatten keine sexuelle Gemeinschaft miteinander, und dennoch liebten sie einander von Herzen. Die liebevolle Annahme und Sorge für das Kind Jesus stand für sie im Mittelpunkt.
Erste Spuren der Verehrung
Ab wann lässt sich eine ausdrückliche Verehrung des heiligen Josef feststellen? Spuren davon gibt es bereits im christlichen Altertum, und zwar immer dann, wenn die Kirchenväter die jungfräuliche Empfängnis Marias verteidigen und dabei auf den ehrenvollen Schutz der Jungfrau durch Josef von Nazareth verweisen. Der Glaubensgehorsam Josefs gegenüber Gott wird als heilsgeschichtlich bedeutsam hervorgehoben. Auch ikonografisch finden sich schon in früher Zeit vereinzelt Darstellungen der Heiligen Familie: In Santa Maria Maggiore (Rom) nehmen Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert Bezug auf die Geburt und Kindheit Jesu.
Eine Wende zu einer verstärkten Verehrung des heiligen Josef erfolgte im Mittelalter. Zugleich wurde die Rolle des heiligen Josef theologisch durchleuchtet. Pioniere in dieser Hinsicht waren der heilige Bernhard von Clairvaux, der Theologieprofessor Johannes Gerson in Paris und der heilige Bernhardin von Siena. Auch Mystikerinnen haben die Verehrung des heiligen Josef angeregt, z. B. Gertrud von Helfta, Birgitta von Schweden oder Teresa von Avila.
Verstärkte Verehrung in der Kirche
Viele Gläubige haben in der Folge den heiligen Josef verehrt, und die Kirche hat seine liturgische Verehrung gefördert. Bruderschaften und Orden, aber auch Länder stellten sich unter seinen Schutz. Der heilige Josef wird verehrt als Pa- tron des guten Todes, als Patron der Handwerker, besonders der Zimmerleute, sowie als Vorbild jungfräulicher Reinheit.
Unter Pius IX. wurde der heilige Josef zum Schutzpatron der Kirche ernannt. Leo XIII. widmete ihm die Enzyklika «Quamquam Pluries». Pius X. approbierte die Litanei vom heiligen Josef. Pius XII. führte zusätzlich zum Hochfest des heiligen Josef (19. März) das liturgische Gedenken Josefs des Arbeiters ein (1. Mai). Johannes XXIII. hat ihn zum Patron des Zweiten Vatikanischen Konzils bestimmt. Johannes Paul II. veröffentlichte das Apostolische Schreiben «Redemptoris Custos». Auch Benedikt XVI. hat ihn sehr verehrt. Papst Franziskus hat die ausdrückliche Nennung des heiligen Josef in allen vier Hochgebeten angeordnet.
Wir brauchen in der Gegenwart das Vorbild und Beispiel des guten Vaters, der für seine Familie da ist und sie im Glauben an Gott begleitet. All dies hat Josef von Nazareth vorgelebt und lässt ihn als wichtigen Fürbitter bei Gott auch für uns erscheinen!
Josef Spindelböck