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Morteratsch (Fortsetzung)
Hier geht es weiter mit vielen Fotos und Postkarten von Morteratsch aus der Zeit der selbständigen Berninabahn.
Seltene Aufnahme von Morteratsch.
Schade, dass der Triebwagen teilweise abgeschnitten ist - vielleicht ist der dem Fotografen unter dem Tuch einfach aus dem Bild gefahren :-)
Gut sichtbar das hölzerne Aufnahmegebäude Morteratsch.
Es ist Sommer und das Hotel hat für seine Gäste den riesigen Sonnenschutz ausgefahren.
Top-Karte in jeder Hinsicht!
Diese Karte wurde nur 10 Tage nach Eröffnung (1.8.1908) der Strecke Pontresina - Morteratsch abgestempelt. Entweder wurde die Aufnahme noch während dem Probebetrieb gemacht, oder der Fotograf und die Druckerei waren extrem "tifig". Anderseits ist das Schild "Morteratsch" montiert, was auf einen Regelbetrieb hinweist. Der Lyrabügel ist, im Gegensatz zum Schild, bereits gewendet, die Fahrt geht wieder nach Pontresina zurück.
Bereits am 18.8., also wenige Tage später, wurde die Strecke nach Berninahäuser (heute Bernina Suot) verlängert.
Der hier abgebildete Triebwagen BCe4 10 wurde übrigens ebenfalls kurz vorher in Betrieb genommen, das Dach erscheint sehr helle. Aber wer weiss: Da im Vordergrund die Hand des Retoucheurs zu erkennen ist könnte er auch versucht gewesen sein, den schönen BB-Triebwagen aufzuhellen.
Die Brücke über den Ova da Morteratsch (Morteratschbach)
Der manchmal reissende Bach wird nur auf der Strecke Gletscher - Morteratsch so benannt. Nur wenige Meter weiter heisst er dann Berninabach (Ova da Bernina); diesen Namen behält er, bis er in den Inn fliesst.
Zeitlich interessante Aufnahme: Wir erkennen die Station Morteratsch als Endstation, weil die Fahrleitung nicht weitergeführt ist. Die beiden Männer können also seelenruhig auf dem Gleis zur Arbeit schreiten. Da ein Triebwagen in der Station steht, ist vielleicht schon die erste Strecke eröffnet (Pontresina - Morteratsch am 1. August 1908 )
Wir haben somit einen Blick auf die erste Brücke. Es ist eine sogenannter "Schwedlerträger", benannt nach dem gleichnamigen Ingenieur. Aus Wikipedia: "Die Diagonalen des sogenannten Schwedlerträgers sollten nur auf Zug beansprucht werden. Deshalb wechselt die Diagonalenrichtung in Brückenmitte, und einige Felder in Brückenmitte haben wegen der veränderlichen Belastung durch Verkehrslasten kreuzweise Doppeldiagonalen."
Die Diagonalen sind bei der vergleichsweise kleinen Brücke hier nur beim vierten Feld ausgeführt und gut auf den nächsten Postkarte erkennbar.
Absolute Perle! Hier finden wir eine fantastische Aufnahme von Morteratsch. Der kurze Zug hat die Station gerade in Richtung Süden verlassen. Der Glanz der noch ganz neuen Metallbrücke ist gut zu sehen.
Anhand folgender Fakten lässt sich die Foto zeitlich ziemlich genau einordnen:
- Im Oktober 1911 wurde diese zweite, stärker gebaute Brücke eingeschoben. Die erste war für die Schneeschleudern zu schwach gebaut. Diese wurde dann zwar deswegen mit Holzpfählen gestützt, diese wären jedoch im Bild sichtbar (siehe sep. Postkarte)
- Die Schneeschleudern wurden 1910 und 1912 angeschafft
- Die beiden Güterwagen wurden erst 1911 in Betrieb genommen.
- Neben dem Bahndamm und an der Bergflanke liegt Schnee, die Lärchen haben ihre Nadeln schon verloren.
- Also muss die Foto Ende 1911 oder im Frühjahr 1912 gemacht worden sein, länger wird der Hochglanz wohl nicht überlebt haben...
Danke an Beni Staible, der mich auf die ursprünglich falsche Information aufmerksam gemacht hat.
Bei der Detailansicht erkennt man gut, wie der Triebwagen noch glänzt. Der gedeckte Güterwagen trägt die Nummer K 213 oder 218, beim Hochbordwagen handelt es sich um den L 354. Er ist mit Weinfässern beladen, diese werden wohl im Süden wieder mit Veltliner aufgefüllt. Bei genauer Betrachtungsweise erkennt man sogar, dass die Fässer beschriftet sind. Leider ist die Foto nicht besser aufgelöst. Weitere Wagen mit Weinfässern finden sich auf einer anderen Karte, auch hier in Morteratsch.
Der kurze BB-Zug hat gerade die Station Morteratsch verlassen und nimmt die 70 0/00 Steigung Richtung Berninafall in Angriff. LInks erkennen wir Pferdefuhrwerke und im Bachbett tummeln sich die Touristen.
Dies ist die Rückseite der Karte. Abgeschickt von Morteratsch am 7.8.13 und bereits einen Tag später in Palanzo angekommen - einem Nest hoch über dem südwestlichen Ende des Comersee. Dieses Tempo ist heute nicht mehr realistisch.
Morteratsch hatte gemäss offiziellem Poststellen-Verzeichnis eine eigene Poststelle vom 1.8.1909 bis 1.1.1978. Übrigens werden Poststempel von Morteratsch oft als Bahnstempel bezeichnet, das ist falsch.
Hier eine interessante Aufnahme der Brücke aus der selben Perspektive wie oben: Es handelt sich um die erste Brücke, erkennbar an der Form der Obergurte. Diese Brücke hielt dem Gewicht der später beschafften Dampfscneeschleudern nicht Stand und musste bald schon ersetzt werden.
Interessant auf diesem Bild sind die Holzpfähle, welche die Brücke offenbar zusätzlich stützen. Vielleicht ist die erste Fahrt mit der 1910 beschafften Schneeschleuder R 1051 schon erfolgt?
Die Vergrösserung bringt noch weitere Detail zu Tage, so auch die angelehnte Leiter.
Und dann staune ich noch, dass ein Fotograf so ein Motiv wählt... Zum Glück für uns Bernina-Fans!
Der rätselhafte Generator
Eine interessante Foto, die wohl zwei Geschichten verknüpft!
Diese Aufnahme aus dem Jahr 1929 zeigt den bekannten Regisseur Arnold Fanck (ganz rechts), wie er dem Umlad eines Generators auf einen Schlitten beiwohnt.
Der Generator wurde sicher mit der Berninabahn angeliefert.
Die Frage stellt sich Matthias Fanck, (seinem Enkel) ob der Generator wohl etwas mit dem Drehort an einer Felswand zu tun hat. Dieser befindet sich etwa drei- bis vierhundert Meter in Richtung Gletscher. Hier wurden Szenen des Films "Die weisse Hölle vom Piz Palü" gedreht. Der Standort wurde gewählt, weil man für die Beleuchtung Strom von der Berninabahn dorthin legen konnte.
Es war für den berühmten Flieger Udet eine Herausforderung, in geringer Höhe aus dem Tal hinaus (!) zu fliegen und so kam es, dass das Hotel Morteratsch wohl ein paar Mal in sehr geringer Höhe überflogen wurde.
Matthias stellt sich die Frage, ob der Generator überhaupt etwas mit den Filmaufnahmen zu tun hat. Selbst bin ich der Meinung, dass es sich hier um einen Generator für die Stromproduktion zu tun hat:
- Das Kraftwerk Morteratsch befindet sich ganz in der Nähe und nutzt das Gefälle des Ova da Bernina. Es wurde 1890 in Betrieb genommen. Vielleicht wurde 1929 (also nach fast 40 Jahren) ein Ersatz notwendig oder es wurden leistungsstärkere Generatoren eingebaut. Zählt man nochmals 40 Jahre dazu, landet man im Jahr 1968, als das Kraftwerk wiederum modernisiert wurde. Der Schlittentransport über die kurze Distanz auf dem flachen Strässchen ist realistisch. Das wäre also plausibel.
- Für die Filmproduktion wurde der Standort in der Nähe der Bahn gewählt, weil sie - gemäss Matthias - Strom von der Bahn bis zum Drehort legen konnten, weshalb also ein Generator?
- Wie gross müsste ein (Benzin-)Motor dimensioniert sein, um diesen Generator anzutreiben?
Meinungen und zusätzliche Informationen gerne hier.
Arnold Fanck hat 1930 und 1933 noch weitere Filme in unmittelbarer Umgebung der Berninabahn gedreht, kurz hat auch eine Dampfschneeschleuder einen Auftritt im Spielfilm, Details siehe unbedingt hier
Weitere Informationen:
weiter zur Steilstrecke zur Berninabach-Brücke