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- Behindertenrechte
- Inklusive Bildung
Der 23. September ist der internationale Tag der Gebärdensprache. Und obwohl sich mehr als 70 Millionen Menschen weltweit mit Gebärdensprache verständigen, können viele von uns kaum ein Wort gebärden.
Wir nutzen den Tag der Gebärdensprache, um auf die Vielfalt und Notwendigkeit von dieser Sprache aufmerksam zu machen. Denn ähnlich wie bei Lautsprachen gibt es unterschiedliche Gebärdensprachen mit Dialekten und Jugendsprache. Dabei kommen die Hände, die Augen, der Mund, der Gesichtsausdruck und die Körpersprache zum Einsatz.
Ohne Gebärdensprache keine inklusive Bildung
Mehr als 80% aller gehörlosen Menschen leben in Entwicklungsländern. Zu ihnen zählt auch Betselot aus Äthiopien. Sie verlor schon früh aufgrund einer Ohreninfektion ihr Gehör. Und obwohl ihre Eltern sie ins Krankenhaus gebracht haben, erfolgte die Behandlung zu spät. Betselots Zukunft stand auf dem Spiel, als sie aufgrund ihrer Gehörlosigkeit keinen Schulplatz fand.
Gebärdensprache lernen – Inklusive Bildung in Äthiopien fördern
Licht für die Welt arbeitet gemeinsam mit Partnerorganisationen daran, inklusive Bildung in Schulen zu ermöglichen. Dazu zählt die Ausbildung von Lehrpersonal, das Bereitstellen von unterstützenden Technologien, barrierefreie Zugänge zu Klassenzimmern sowie Unterrichtsmaterialen, welche die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen erfüllen.
In Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba hat Betselots Mutter eine Schule gefunden, die mit einer Partnerorganisation von Licht für die Welt zusammenarbeitet. Bevor Betselot mit dem regulären Unterricht beginnen kann, muss sie erst Gebärdensprache lernen.
Sie ist die Grundlage für eine erfolgreiche Teilnahme an einem inklusiven Unterricht. Betselot ist beeindruckt und fest entschlossen, eines Tages gehörlosen Kindern dabei zu helfen, Gebärdensprache zu lernen.
Einheitliche Gebärdensprache fördert friedliches Zusammenleben im Südsudan
Aufgrund einer fehlenden gemeinsamen Gebärdensprache im Südsudan hat Licht für die Welt gemeinsam mit der Gehörlosengemeinschaft 2016 mit der Arbeit an einem Basislexikon begonnen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Gemeinschaft der Gehörlosen auf Gebärden aus Kenia, Uganda sowie arabische und lokale Gebärden zurückgegriffen. Die fehlende gemeinsame Sprache schwächte nicht nur das fragile nationale Gefüge, welches aus zahlreichen Ethnien besteht, sondern auch die Gemeinschaft der gehörlosen Südsudanes*innen.
Fünf Jahre lang haben mehr als sechs Gebärdensprachen Dolmetscher*innen und 4 Sozialarbeiter*innen den Wissensschatz der Gehörlosen Community gesammelt und zu einem Lexikon zusammengefasst. Es umfasst 810 Gebärden und 1454 Bilder, welche in 26 Themen wie Essen und Trinken, Körperteile oder politische Gebärden gegliedert sind.
Mit diesem Buch arbeitet auch unsere Inklusionsexpertin Esther aus dem Südsudan. Sie unterrichtet Gebärdensprache für Kinder in einem Flüchtlingscamp für Binnenvertriebene.
In diesem Camp leben verschiedene Ethnien zusammen. Eine einheitliche Gebärdensprache trägt zum friedlichen Zusammenleben bei und stärkt das Selbstbewusstsein der Gehörlosengemeinschaft im Camp und im gesamten Land.
Gebärdensprachen die Anerkennung zu geben, die sie verdienen, hat vor allem positive Auswirkungen auf Kinder mit Behinderungen, deren Bildungsweg gerade erst startet. Dank des Gebärdensprachenlexikons kann Esther heute Kinder wie Betselot unterrichten. Damit fördert sie nicht nur einen inklusiven Unterricht, an dem alle Kinder teilnehmen können, sondern auch ihr Selbstbewusstsein und damit eine inklusive Gemeinschaft.