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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Viertes Buch
IV. Kapitel
14.
1. Ein solcher wird nicht aus Furcht des Gebotes wegen sich davor hüten, Christus zu verleugnen, so daß er nur aus Furcht ein Blutzeuge würde.1 Indessen verkauft er seinen Glauben auch nicht in der Hoffnung auf bereitgehaltene Geschenke, vielmehr aus Liebe zum Herrn wird er sich aufs bereitwilligste von diesem Leben lösen; vielleicht wird er sogar dem, der die Verfolgung gegen ihn in die Wege leitete, Dank wissen, da er auf diese Weise einen triftigen Grund, den er selbst sich nicht hätte beschaffen können, dazu erhielt, sich als den zu erweisen, der er wirklich ist, und zwar jenem gegenüber durch seine Standhaftigkeit, dem Herrn gegenüber aber durch seine Liebe, durch die er dem Herrn offenbar wurde, der den Vorsatz des zum Martyrium Entschlossenen schon vor dessen Geburt kannte.
2. Getrosten Mutes kommt er also zu dem Herrn als zu seinem Freund, für den er auch den Leib willig dahingegeben hat2 und dazu auch die Seele, wie die Richter erwartet hatten, und er darf die Begrüßung "lieber Bruder",3 [S. 20] um das Dichterwort zu benützen, von unserem Heiland hören wegen der Ähnlichkeit seines Lebens.
3. Daher nennen wir das Martyrium Vollendung, nicht weil der Mensch in ihm das Ende seines Lebens gefunden hat, wie die übrigen es (im Tode) finden, sondern weil er ein vollkommenes Liebeswerk4 gezeigt hat.
4. Auch die alten Griechen preisen das Ende der im Kriege Gefallenen,5 nicht als ob sie zu einem gewaltsamen Tode raten wollten, sondern weil, wer im Kriege fällt, ohne Furcht vor dem Tode aus dem Leben geschieden ist, indem er plötzlich von seinem Leibe losgerissen wurde und nicht vorher seelisch zu leiden hatte und nicht zermürbt wurde, wie es den Menschen in der Krankheit geht. Denn mit weibischen Klagen und voll Verlangen nach längerem Leben scheiden diese von hinnen.
1: Vgl. Mt 10,33.
2: Vgl. Joh 15,13 f.
3: Vgl. Hom. Il. 4,155; 5,359; 21,308.
4: Vgl. vielleicht Jak 1,4.
5: Vgl. z.B. Thukydides II 35-46; Platon, Menexenos p. 234 C ff.