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Adolf Busch, seit 1935 Riehener Bürger, gehörte zu den bedeutendsten Geigern der Zwischenkriegsjahre. Er lebte von 1932 bis 1939 mit seiner Familie und seinem engsten musikalischen Begleiter Rudolf Serkin in Riehen. Bekannt ist er nicht nur als Musiker und Komponist, sondern auch als Mitbegründer des Lucerne Festival und des Marlboro Music Festival, das er 1951 im amerikanischen Exil ins Leben rief.
Sohn des Wilhelm Busch (Geigenbauer) und der Catharine Henriette, geborene Schmidt (Ladengehilfin). Erste Heirat 1913 mit Frieda Grüters (Nationalökonomin, † 1946). Zweite Heirat 1947 mit Hedwig Elisabeth Vischer (Ärztin). Eine Tochter aus erster und zwei Söhne aus zweiter Ehe.
Adolf Busch wurde am 8. August 1891 im deutschen Siegen geboren. Er wuchs in einer musikalischen Familie auf und kam dadurch schon früh mit der Violine in Kontakt. Im Alter von zehn Jahren trat er sein Musikstudium am Kölner Konservatorium an und schloss dieses sieben Jahre später 1908 ab. Seine Kompositionsausbildung setzte er als Schüler von Hugo Grüters in Bonn fort.
Im Frühsommer 1913 heiratete er dessen Tochter Frieda Grüters. Das Ehepaar lebte in Wien, wo Busch bereits ein Jahr vor der Hochzeit eine Stelle als Konzertmeister angetreten hatte. Als ihm 1918 die Nachfolge von Henri Mateau als Violinlehrer an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin angeboten wurde, zog er mit seiner Ehefrau und der einjährigen Tochter Irene in die deutsche Hauptstadt. Dort gründete er 1922 das Busch-Quartett. Während seiner vier Berliner Jahre lernte er in Wien den Pianisten Rudolf Serkin kennen, der in der Folge sein engster Musikpartner und 1935 auch sein Schwiegersohn wurde. Busch und Serkin traten ab 1926, gemeinsam mit Adolf Buschs Bruder Hermann, als Busch-Serkin-Trio auf.
Im Frühling 1927 zog Adolf Busch mit seiner Familie und Rudolf Serkin nach Basel an die St. Alban-Vorstadt 96. Fünf Jahre später erfolgte der Umzug nach Riehen in das nach Plänen des deutschen Architekten Adolf Abel neu errichtete Doppelwohnhaus am Schnitterweg. Für die Familie Busch war das grössere und für Rudolf Serkin das angrenzende kleinere Wohnhaus bestimmt. Die beiden Musiker beteiligten sich am Riehener Gemeindeleben, indem sie im Rahmen der Aufführungen des Riehener Männerchors Soloauftritte wahrnahmen. Dafür erhielten sie die Ehrenmitgliedschaft des Chors.
Als 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernahmen, entschied sich Busch, keine Konzerte mehr in seinem Heimatland zu geben. Zwei Jahre später erhielt er die Riehener Bürgerschaft und gründete sein eigenes Kammerorchester.
Busch war 1938 am Auftakt der Internationalen Musikfestwochen Luzern (IML, später Lucerne Festival) beteiligt.
1939 wanderte er aufgrund der Bedrohung, die vom Nationalsozialismus ausging, in die USA aus. Dem international ausgerichteten Musiker war auch die schweizerische Musiklandschaft zu begrenzt.
Seine Musikerkarriere konnte Adolf Busch in den USA jedoch nicht wie erwartet fortsetzen. Er arbeitete daher primär als Pädagoge in Vermont.
Nachdem seine Ehefrau Frieda Grüters 1946 gestorben war, kehrte er 1947 für eine Konzertreise nach Europa zurück und heiratete die Basler Ärztin Hedwig Vischer. Sie war die beste Freundin seiner Tochter Irene Serkin-Busch. Das Ehepaar lebte weiterhin in Vermont, kehrte für die Wintermonate aber jeweils nach Riehen zurück, wo es im Neuen Wettsteinhaus des Freundes Jean Jacques Lüscher lebte. 1949 spielte Busch erstmals wieder ein Konzert in Deutschland.
Zusammen mit seinem Bruder Hermann Busch, dem Schwiegersohn Rudolf Serkin sowie Marcel, Louis und Blanche Moyse veranstaltete Busch 1951 das Marlboro Kammermusikfestival. Es zählt bis in die Gegenwart zu den wichtigsten internationalen Festivals der Kammermusik.
Adolf Busch starb am 9. Juni 1952 in Guilford (USA).
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 18.8.2022
Busch hat ein umfangreiches kompositorisches Œuvre hinterlassen, das insgesamt über 70 Werke umfasst, hauptsächlich Kammer- und Orchestermusik. Die umfangreichste Diskografie wurde 2016 von Gert Schäfer und Prof. Dr. Klaus Schöler in Zusammenarbeit mit dem BrüderBuschArchiv im Max-Reger-Institut Karlsruhe erstellt, URL: www.max-reger-institut.de/media/busch_adolf_diskografie.pdf (03.07.2020).
Autographensammlung: Schachtel 42 der Dokumentation: Adolf Busch-Vischer und Hedwig Busch-Vischer: PA 868 C 1.
Sammlung Adolf Busch. Musikmanuskripte. (Inventare der Paul Sacher Stiftung, Bd. 25).
BrüderBuschArchiv Karlsruhe
Ehinger, Hans: Adolf Busch. Kleines Porträt eines grossen Musikers. In: Jahrbuch z’Rieche 1964. S. 5–14.
Gessler, Paul: Erinnerungen an Adolf Busch. In: Jahrbuch z’Rieche 1964. S. 15–20.
Schibli, Siegfried: Der Pianist Rudolf Serkin und seine Riehener Jahre. In: Jahrbuch z’Rieche 1991. S. 57–63.
Seiler, Lukrezia: «Riehen war ihm sehr lieb». Zum 100. Geburtstag von Adolf Busch. Zum Gedenken an Rudolf Serkin. In: Jahrbuch z’Rieche 1991. S. 54–56.
Ehinger, Hans: Adolf Busch und Basel. In: Basler Jahrbuch 1955. S. 64–82.
Rehm, Wolfgang: Busch, Adolf. In: Neue Deutsche Biographie. URL:https://www.deutsche-biographie.de/pnd118876759.html#ndbcontent (20.02.2022)
Potter, Tully: Adolf Busch: the life of an honest musician. London 2010.