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Zwischen 1990 und 2001 sind vier archäologische Plätze südlich der Gemeinde Alle ausgegraben worden (Les Aiges, Pré au Prince 1 und 2, Sur Noir Bois), sowie ein fünfter westlich der Stadt Porrentruy (L'Etang). Diese Arbeiten wurden auf ziemlich begrenzten Flächen (120 bis 2800 m2), vorgängig zum Bau der Autobahn A16 (Jura, Schweiz) durchgeführt.
Südlich von Alle entwickeln sich im Laufe der Latène- und römischen Zeit ländliche Einrichtungen. Im Anschluss an den Weiler von Alle, Noir Bois, der an den Beginn der Latène-Zeit datiert, sind vereinzelte ländliche Siedlungen belegt (Pré au Prince 1 und 2, Sur Noir Bois, Les Aiges), welche im Laufe der Latène-Zeit mit Versetzungen und veränderten Anordnungen der räumlichen Organisation auf einander folgen. Diese Organisation ist schwer nachvollziehbar, da die Ausdehnung der Ausgrabungen nur einen Teil dieser Betriebe erfassten.
Die Gesamtheit der latènezeitlichen Funde des Juras ergibt ein Bild seiner Besiedlung. Wie im Schweizer Mittelland oder im nördlichen Frankreich sind die Ebenen dicht bevölkerte Gebiete in einer offenen Landschaft mit verstreuten landwirtschaftlichen Betrieben, die offen oder durch Gräben begrenzt sind, vorzugsweise in kleinen Tälchen, manchmal am Fuss eines Abhangs.
Mit Ausnahme des einzigen bekannten Weilers von Noir Bois, zählen diese Niederlassungen nur einige viereckige Pfostenbauten, mit einer Fläche von 6 bis 65 m2; kleine, hochliegende Getreidespeicher und Wohnbauten sind am einfachsten zu erkennen. Die Einrichtungen weisen keinen besonderen Luxus auf, genauso wie der Hausrat, welcher im Wesentlichen lokalen Ursprungs ist. Im Vergleich mit den benachbarten Gebieten kann eine Besonderheit hervorgehoben werden: das Anpflanzen von Hirse und das Züchten von Schafe und Ziegen wird klar bevorzugt.
Neben dem Ackerbau und der Viehzucht sind die üblichen häuslichen Tätigkeiten nachgewiesen : das Mahlen von Getreide, Spinnen und Weben, sowie Keramikherstellung und Schmiedearbeit.
Auf einigen Fundplätzen kann eine Kontinuität zwischen der Spätlatène- und dem Beginn der Römerzeit beobachtet werden; einzig in Les Aiges besteht jedoch die Tätigkeit bis Mitte 4. Jh. fort.
Die Ausgrabung des Platzes hat nur einen Bruchteil der pars rustica einer Villa geliefert, in welchem in einer aufgrund von Geländebeobachtungen in vier Hautphasen unterteilten Periode drei Speicher aufeinander folgen. Zahlreiche verkohlte Getreidekörner veranschaulichen die Entwicklung der Agrarproduktionen während den letzten drei Phasen.
Die Phase 1 (50/15 v. Chr. - 50/75 n. Chr.) wird gegenständlich dargestellt durch ein Pfostengebäude von 48 m2, anhand von typologischen Vergleichen mit anderen, ähnlichen Bauten als Speicher (Bau 1) interpretiert. In der Phase 2 (50/75 - 180/200 n. Chr.), wird das ursprüngliche Gebäude durch einen neuen Speicher (Bau 2) ersetzt; diese Konstruktion (282 m2) besteht aus einem Steinfundament, aufgehenden Lattenmauern, sowie einem mit Ziegeln gedeckten Dach. Später wurde sie durch ein Anbau (110 m2) ergänzt. Südlich davon zeugen Pfosten- und Pfahllöcher von anderen Einrichtungen, vermutlich einem Wohnbereich.
Die Phase 3 (180/200 - 250/275) ist durch einen neuen, viel grösseren Speicher (544 m2) gekennzeichnet, welcher ein Steinbau ist (Bau 3) und den durchs Feuer zerstörten Bau 2 ersetzt. Die Lagerung der Ernten erfolgte auf einem auf Kurztrieben gelegten Boden. Danach wurden an der Sudfassade zwei Anbauten angefügt, welche die Gesamtfläche des Gebäudes auf 710 m2 erhöhten.
Im Laufe der Phase 4 (250/275 - ca. 350) wurde der erneut abgebrannte Bau 3 wieder aufgebaut um weiterhin als Speicher zu dienen. Als Neuheit wird jedoch mit Hilfe von niedrigen Mauern die den Boden unterstützen ein Sanitärleerraum angelegt. Gegen das Ende dieser Phase wird das Gebäude nicht mehr als Speicher verwendet. Der Grund dieses grundlegenden Wechsel scheint die Zerstörung der pars urbana zu sein: die Wohnzone zieht sich in den Wirtschaftsbereich zurück. Gleichzeitig werden südlich und westlich des Baus Holzbauten errichtet, ohne Zweifel für die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Ein Speicher mit kleinen Ausmassen und einem Steinfundament wurde nördlich des Baus angelegt.
Über 56000 Pflanzenresten ermöglichen es am Platz Les Aiges ein diachronisches Bild der gepflanzten Arten zu erhalten. Während der Phase 1 ist Hirse vorwiegend, wie bei den anderen Latènezeitlichen Plätzen im Jura. Ab der Mitte des 1. Jh. n. Chr. überwiegt Gerste; ihre Anteil nimmt jedoch ab, von 86 % in Phase 2 bis auf 27 % in Phase 4. Für Hafer kann die gleiche Abnahme festgestellt werden. Im Gegensatz dazu gewinnen Nacktweizen und Dinkel schrittweise an Bedeutung.
Die archäozoologische Untersuchung belegt gleichfalls eine Entwicklung in der Viehzucht. Während den Phasen 2 und 3 sind die Ziegen am häufigsten, gefolgt von Rind und Schwein. In der Phase 4 belegt das Rind den ersten Platz, danach kommt das Schwein. Möglicherweise ist die Entwicklung des Viehbestandes mit derjenigen der Landwirtschaft verbunden. Der Nachweis von Falkenknochen (Phase 4) im Tierknochenspektrum ist auch von Interesse. Es handelt sich dabei um eines der selten Zeugnisse von Jagd mit Vögeln in Westeuropa im 4. Jh.
Schliesslich zeugt in Porrentruy, L'Etang eine Steinsetzung um eine schlammige Zone am Hangfuss mit Bauüberresten von einer Einrichtung welche weiter oben im Gelände liegen müssten, wovon jedoch wegen der Erosion jegliche Spur verschwunden ist.
Übersetzung: Ludwig Eschenlohr
Zwischen 1990 und 2001 sind vier archäologische Plätze südlich der Gemeinde Alle ausgegraben worden (Les Aiges, Pré au Prince 1 und 2, Sur Noir Bois), sowie ein fünfter westlich der Stadt Porrentruy (L'Etang). Diese Arbeiten wurden auf ziemlich begrenzten Flächen (120 bis 2800 m2), vorgängig zum Bau der Autobahn A16 (Jura, Schweiz) durchgeführt.