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Die Problematik Papiere und Prozente zu züchten
am Beispiel der Foundation Appaloosa der Double Forest Ranch
Artikel aus dem Jahre 2014, auf der Website www.doubleforestranch.ch veröffentlicht
Ein guter Züchter schaut sich Abstammungspapiere und die Tiere, samt ihrer Ahnen und ihrer Nachzucht an bei seiner Entscheidung, welche seiner Pferde sich zur Weiterzucht eignen und welche eher nicht, oder nicht mehr in der Zucht eingesetzt werden sollten.
Ein gutes Zuchttier sollte die erwünschten Rassemerkmale in höchstem Masse erfüllen, aber auch überdurchschnittlich gute Nachzucht erzeugen, sowie noch andere für die Zucht erhoffte Eigenschaften mit sich bringen.
Das Zuchtziel sollte immer sein, dass die jüngere Generation noch besser wird! Dazu braucht es ein klar definiertes Zuchtziel.
Deshalb muss ein guter Züchter eine strenge Selektion sowohl in der Auswahl seiner Zuchttiere wie auch bei der Nachzucht treffen. Das kann ganz schön „ins Portemonnaie“ gehen. Alles Andere ist reine Vermehrung.
Wir auf der Double Forest Ranch haben auch Pferde, die uns eine gute Zuchttauglichkeit erahnen liessen, gekauft und mussten später feststellen, dass sie sich nicht zum erwünschten Zuchtpferd entwickelt haben, oder, dass sie unsere hochgesteckten Erwartungen in der Durchschnittsbeurteilung ihrer Nachzucht nicht erfüllt haben.
Deshalb ist es mehr als einmal vorgekommen, dass wir uns von einem Pferd getrennt haben; dass wir z.B. einen vielversprechenden Hengst, den wir über drei Jahre aufgezogen haben, wieder verkauft haben, weil dieser in der Folge zu wenig oft eine überragende Nachzucht in den obersten Qualitätsprozenten hervorgebracht hat; oder eine sehr gute Reit-Stute verkauft haben, die einen zu geringen Mutterinstinkt hatte, die nicht ganz die überragenden Sozialisierungsmerkmale anderer unserer Foundation Appaloosa zeigte und diese folglich ihrem Fohlen auch in der Gruppe nicht weitergeben konnte.
Es ist auch vorgekommen, dass uns einer unserer Top Zuchthengste die Entscheidung abgenommen hat, weil er eine gewisse Stute trotz fachgerechter Integrationsversuche nicht in seiner Herde akzeptieren wollte – die Natur selber ist da unserer Lehrer und unsere beinahe 100%ige Befruchtungsrate spricht für sich!
Ein Pferd, das sich nicht zur Zucht eignet, ist nicht automatisch ein schlechtes Pferd. Dieses kann ein überragendes Reitpferd sein, jedoch Eigenschaften entbehren, die ein Zuchtpferd zusätzlich noch mitbringen sollte, um den qualitativ hochwertigen Fortbestand der Rasse sichern zu können.
Falsch finden wir von Double Forest Ranch Foundation Appaloosa aber eine Tendenz bezüglich Foundation Appaloosa Papiere und hohen Prozentzahlen, die sich bei gewissen Züchtern in Amerika und Europa in den letzten Jahren eingeschlichen hat.
Man kann nicht Papiere am Stubentisch paaren und züchten, ohne den Gesamtüberblick von züchterischen Bestrebungen bei den Ahnentieren und den Nachkommen zu berücksichtigen.
Ebenso ist ein Foundation Appaloosa, der eine höhere Prozentzahl an FAHR Prozente, oder auch im FPD Programm 100% mitbringt, nicht automatisch besser, als eines, das weniger Prozente mit sich bringt. Nur die höheren Prozente anzuschauen und zu meinen, dass dies dann für die Zucht ein besserer Foundation Appaloosa sei, ist sachlich falsch, aber leider mehrfach schon angetroffen.
Man kann sicherlich annehmen, dass ein Foundation Appaloosa mit hoher Prozentzahl Foundation Blut, die Rasse-Kriterien über Generationen vermehrt mitvererbt bekommen hat, also gefestigt wurden (als im Vergleich dazu z.B. ein Appaloosa, der mehr als 90% Quarter Horse Blut in den Adern führt). Eine hohe Prozentzahl an Foundation Appaloosa Blut heisst aber leider nicht automatisch, dass es ein hervorragendes Pferd ist und insbesondere nicht, dass es die Kriterien eines überdurchschnittlichen Vererbers erfüllt.
Deshalb Achtung beim Jonglieren mit Prozentzahlen und Abstammungspapieren ohne dabei die zu paarenden Pferde selber und deren Ahnengeschichte (allenfalls auch deren schon vorhandener Nachzucht) zu berücksichtigen!
Eine hohe Prozentzahl wird von gewissen Verkäufern als (alleiniges) Verkaufsargument herangezogen, da diese für den Käufer „messbar“ und nachvollziehbar ist. Sie garantiert jedoch nicht automatisch ein Top Foundation Appaloosa à es liegt im Interesse des Käufers, dass er sich einen vertrauenswürdigen Züchter sucht.
Als wir in den frühen 2000er Jahren begonnen haben Appaloosa zu züchten, gab es in Europa verschwindend wenig altstämmige, „Original“ Appaloosa. Die Zuchtbasis war zu klein, sodass mit den dort erstanden Foundation Appaloosa nicht qualitativ hochwertig gezüchtet werden konnte. Nach intensivem Studium der Geschichte und des Zuchtgeschehens der Foundation Appaloosa in den USA, hatten wir uns entschieden vier Stutfohlen und ein Hengstfohlen von einem renommierten langjährigen Züchter, Milton Decker, aus dem Ursprungsgebiet der Appaloosa/Oregon zu importieren. Die Decker-Zucht selber basiert auf ebenfalls renommierten Zuchten in der Vergangenheit, die versucht haben den authentischen Foundation Appaloosa zu wahren (z.B. Don Ulrich, Alice Pratt usw. (weiterführende Literatur dazu: „The American Appaloosa Anthology“ von Palmer Wagner).
Es kamen noch zwei weitere Importe dazu (Junghengst und tragende Stuten).
Die Foundation Appaloosa aus Europa stehen bei uns nicht mehr in der Zucht. Die streng selektierten Tiere aus den USA (zumeist DREA Zucht) erfüllten beinahe alle unsere hohen Erwartungen. Wir zögerten aber auch nicht uns von einem hochprozentigen Foundation Appaloosa zu trennen, der uns nicht zur weiteren Zucht geeignet schien.
Heute dürfen wir mit Stolz sagen, dass man auf der Double Forest Ranch eine in der Fachwelt und der Foundation Appaloosa Züchterfamilie anerkannte Zucht findet, die sowohl Qualität und hohe Prozentzahlen an Foundation Appaloosa Blut vereint. (2014)