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Ich lese wieder mehr als auch schon:
- Ismail Kadare: Die Dämmerung der Steppenwölfe
Empfehlung von Max Biller im Literarischen Quartett. Beschreibt Kadares Zeit am Maxim-Gorki Literaturinstitut im Moskau der 50er Jahre und damit das Leben in einem totalitären System. Präzise und illusionslos geschildert. Für meinen Geschmack ein wenig zu kurz, kaum kommt man in der Geschichte an, schon ist sie vorbei.
- John Fante: 1933 war ein schlimmes Jahr
Fand ebenfalls die Zustimmung von Biller, deshalb bestellt. Ein schmales Büchlein, das die Geschichte von Dominic Molise erzählt, aus armen Verhältnissen stammend, der auf eine Baseball-Karriere hofft. Grossartige Milieustudie, wunderbare Sprache, tragisch und humorvoll. Leider viel zu kurz. Trotzdem ein Buch, das nachhallt.
- Richard Flanagan: Der schmale Pfad durch Hinterland
Beschrieben wird die Hölle auf Erden: ein japanisches Kriegsgefangenenlager in Siam (heute: Thailand) während des 2. Weltkriegs, in dem australische Soldaten unter unmenschlichen Bedingungen eine Bahnlinie bauen sollen. Sie sterben wie die Fliegen. Folgende Worte bleiben in Erinnerung: Tod, Dreck, Kot, Verrecken, Blut. Damit ist alles gesagt. Darum herum gebaut eine Liebesgeschichte, die ich ein wenig seltsam fand.
Momentan lese ich Wolf Biermanns Autobiographie Warte nicht auf bessre Zeiten!. Viel mehr als eine Biographie, eher ein grosser Deutschlandroman. Einblicke in eine totalitäres Staatssystem: Biermann, der überzeugte Kommunist, dessen Vater in Auschwitz starb und den seine Mutter in jugendlichem Alter von Hamburg in die DDR schickt, um beim Aufbau des gelobten Sozialismus mitzuhelfen. Trotz des repressiven Staates hört Biermann nicht auf, an den Sozialismus jenseits der menschlichen Irrungen zu glauben, den er unter den Trümmern eines kranken Überwachungsstaates freilegen will. Und scheitert.