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Nr. 15: Waghalsiger Ausland-Immobilienkauf - vor dem Schweizer Verkauf
Jenes halbe Jahr zwischen dem Erwerb unseres Anwesens am Fuss der Südvogesen in der Franche-Comté und dem Verkauf des Hauses in Lugano-Castagnola möchte ich nicht nochmals durchstehen. Meine langjährige Hausbank, die Schweizerische Bankgesellschaft, finanzierte damals keine Liegenschaften im Ausland. Unsere Nachfolger, zufällig ebenfalls Kunden der inzwischen zur UBS mutierten Bank, erhielten ihren Hypokredit elf Jahre später problemlos.
Wir benötigten also einen Überbrückungskredit, der für einen Freiberufler mit Frau und zwei kleinen Kindern, ohne gesichertes Einkommen und einer noch unverkauften Liegenschaft nicht leicht zu ergattern war. Hier sprang nun mein Verlagsautor ein - nicht ohne Hintergedanken, wie sich später zeigte. Sein Darlehen verzinsten wir zum damaligen Lombard-Kreditsatz von 8 %.
Am 21. Juli 1989 empfing uns am Rasenflugfeld Sermamagny nördlich von Belfort der französische Partner des Schweizer Maklers. Mit ihm und seiner Frau blieben wir noch Jahre freundschaftlich verbunden. Die Fahrt ging zum ersten Objekt in Grosmagny („magny“ bedeutet Ort, Flecken), einer Mühle, deren Grundmauern auf die Zeit vor der Französischen Revolution zurückreichten. Wieder aufgebaut worden war sie 1876.
Was uns jedoch als erstes ins Auge stach, waren die Lage abseits des 500-Seelen-Dorfes und die Dimensionen: fast 11‘000 Quadratmeter, 14 Mal grösser als unser Umschwung im Tessin. Das Grundstück wirkte aus zwei Gründen sogar noch grösser. Es zog sich bananenförmig über 300 Meter hin mit stellenweise kaum 40 Metern Breite. Dies fiel allerdings überhaupt nicht auf, da es in der Landwirtschaftszone lag und die vollständige Einzäunung meist durch Gebüsch und Gehölz verborgen blieb.
Gleich neben der Pforte zur langen Anfahrt erblickten wir einen Teich, der unsere damals acht- und fünfjährige Kinder sofort in Bann schlug. Noch mehr den Hund des Verlagsautors, der zu dessen Schrecken hineinsprang, aber auch wieder herausfand. (Dieser ältere Zahnarzt hatte uns Nichtautomobilisten hingefahren.) Vom Teich führte ein Bach hinter der Mühle durch, allerding trieb das Mühlrad längst ein Sägewerk der näheren Umgebung an. Ein zweites Gewässer speiste teils den Teich, teils floss es daran vorbei und bildete streckenweise die Grenze zur Wiese des Nachbarn. Wie gefährlich es anschwellen konnte, sollten wir bald erleben.
Das Gelände war zu zwei Dritteln leicht abfallend, zu einem Drittel steil und bewaldet. Zuoberst befand sich eine 200 Meter lange Tannenallee mit geradezu feierlicher Wirkung. Sie konnte von weither gesehen werden und gehörte zum Ortsbild. Wie durch ein Wunder trotzte sie Ende 1999 den Lothar-Sturmwinden.
Als Mühle lag das Gebäude ideal im Schatten des Abhangs und war erst gegen Abend besonnt, vom energetischen Standpunkt aus weniger ideal, wie wir beim Heizölverbrauch zu spüren bekommen sollten. An diesem strahlenden Hochsommertag lagen uns solche Überlegungen fern. Die Kaufentscheidung war in der Familie bereits gefallen.
Der guten Form halber hielten wir am andern Tag noch zwei weitere Verabredungen ein. Das neuere Einfamilienhaus mit grossem Umschwung in der Nähe der Le-Corbusier-Kapelle in Ronchamp hätte nur etwa die Hälfte der Mühle gekostet, war aber zu abgelegen. Die protzige Fabrikantenvilla aus der Jahrhundertwende mitten im Bezirkshauptort Giromagny wurde zum selben Preis wie „unser“ Objekt angeboten. Dessen Besitzer hatten wir noch nicht kennengelernt. Unseren Makler beauftragten wir, den Kontakt herzustellen.