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Zeit ist kostbar. Und vergänglich. Die International Watch Company (IWC) in Schaffhausen drückt das Zeitgeschehen auf eine besonders edle Weise aus: Die Schweizer Uhrenmanufaktur hat seit mehr als 150 Jahren den Anspruch, hochpräzise Zeitmesser von bleibendem Wert herzustellen.
von Ruth Eberhardt
Fotos: IWC Schaffhausen und
Adrian Bretscher/Getty Images for IWC
Die Geschichte von IWC beginnt zur Zeit der industriellen Revolution, die mit tiefgreifenden Umwälzungen der wirtschaftlichen, technischen und sozialen Verhältnisse verbunden war. Der amerikanische Uhrmacher Florentine Ariosto Jones erkannte die Zeichen seiner Zeit und hatte ein klares Ziel vor Augen: Er wollte Taschenuhren von höchster Qualität für den amerikanischen Markt produzieren. Mit Pioniergeist gründete er 1868 die International Watch Company in der nördlichsten Stadt der Schweiz: in Schaffhausen am Hochrhein. Diesen Standort in der Nähe des Bodensees hatte Jones mit Bedacht gewählt: In Schaffhausen konnte er sowohl die Wasserkraft des Rheins als auch das Potenzial an Fachkräften nutzen. Hier konnte er Schweizer Handwerkskunst und Jahrhunderte alte Uhrmachertradition mit moderner amerikanischer Fertigungstechnik verbinden.
Vom Hochrhein in alle Welt
In kurzer Zeit schuf Jones in Schaffhausen eine stark industrialisierte Produktionsinfrastruktur für die Herstellung von über 10.000 Uhrwerken pro Jahr. Zunächst mietete er Werkstatträume. Später, in den Jahren 1874/75, entstand am Rhein ein neues IWC-Werk, in dem noch heute das Stammhaus des Unternehmens untergebracht ist. Allerdings sah sich Jones 1875 zur Rückkehr nach Amerika veranlasst, weil er die hohen Erwartungen seiner Aktionäre nicht erfüllen konnte. Sein Vermächtnis wurde zunächst von dem amerikanischen Uhrenmanager Frederick Francis Seeland fortgeführt. 1880 kaufte die Schaffhauser Industriellenfamilie Rauschenbach das komplette Unternehmen, das jahrzehntelang von Familienmitgliedern geführt wurde. 1978 wurde IWC von dem deutschen Unternehmen VDO Adolf Schindling AG übernommen.
Teil eines grossen Konzerns
Zur Jahrtausendwende begann eine neue Ära: Die Richemont-Gruppe übernahm IWC. „Teil eines der erfolgreichsten Luxusgüterkonzerne der Welt zu sein, hat es der IWC überhaupt erst ermöglicht, so erfolgreich und global tätig zu werden, wie wir es nunmehr sind“, sagt Henrik Ekdahl, Nord- und Osteuropa-Managing-Direktor „Der Konzern unterstützt und verschafft der IWC die finanziellen und personellen Freiräume, um uns auf das zu fokussieren, was wir am besten können: faszinierende Uhren zu entwickeln und zu vermarkten.“
Sechs Uhrenfamilien
Die Faszination, die von diesen Uhren ausgeht, gründet sich auf technische Präzision, ein klares Design und ein ausgeprägtes Markenbewusstsein. Die Uhren der Kollektion „Portugieser“ spiegeln klassische Eleganz wider. Die „Pilot’s Watches“ wurden mit ihrem Instrumentenlook das Vorbild für klassische Fliegeruhren. Die „Portofino“-Uhren wiederum stehen für Understatement und für die Leichtigkeit mediterraner Lebensart. Die Kollektion „Da Vinci“ zeichnet sich durch extravagante Formensprache aus. Robustheit, Sportlichkeit und Technikfaszination prägen die „Ingenieur“-Familie. Die „Aquatimer“-Kollektion umfasst professionelle Taucheruhren. Und schliesslich gab es im vergangenen Jahr zum 150-jährigen Bestehen des Unternehmens eine Jubiläumsedition mit 29 Modellen.
Manufakturzentrum als Meilenstein
Im Jubiläumsjahr wurde ein neues Manufakturzentrum mit einer Fläche von 13.500 Quadratmetern eröffnet. „Das Gebäude bietet aber nicht nur optimale Voraussetzungen für die Fertigung und hervorragende Arbeitsplatzbedingungen für unsere Mitarbeiter – es verkörpert auch den Geist der Marke IWC und ermöglicht Besuchern aus aller Welt, die Fertigung unserer Manufakturwerke und Gehäuse hautnah zu erleben“, stellte damals Christoph Grainger-Herr fest. Er ist seit Frühjahr 2017 CEO von IWC Schaffhausen. Die Zeit bleibt freilich auch nach dem 150. Geburtstag nicht stehen. Im Jahr 2019 widmet sich IWC ihren Pilotenuhren. Zu den Neuheiten gehören hier laut Unternehmensangaben eine neue Spitfire-Linie, eine neue Top-Gun-Linie sowie „Le Petit Prince“-Sondereditionen.
Uhren vor allem für Männer
Innerhalb der sechs Kollektionen, etwa in der Da-Vinci und Portofino-Linie gibt es inzwischen auch Damenuhren. Gleichwohl spricht IWC überwiegend eine männliche Klientel an. „Der enge Bezug zum männlichen Kunden stammt noch aus der Historie der Marke IWC Schaffhausen“, erklärt Nord- und Osteuropa-Managing-Direktor Henrik Ekdahl. So habe IWC beispielsweise bereits 1936 Spezialuhren für Piloten gebaut. 1939 wurde nach Armbanduhren mit der Genauigkeit von Schiffschronometern gefragt, was die Geburtsstunde der „Portugieser“ war. „Mit dem Laufe der Zeit hat sich nicht nur stetig die Technologie und Ingenieurskunst verfeinert, sondern zudem die bisherige Klientel weiter verfestigt.“
Dynamik und Kontinuität
So pflegt IWC die Tradition ihrer Uhrenfamilien und entwickelt sie zugleich stetig weiter. Die Schaffhauser Uhrenmanufaktur bezeichnet sich heute selbstbewusst als „eine der weltweit führenden Marken im Luxusuhrensegment“. Die IWC-Marketing-Experten geben keine Eckdaten zum Unternehmen bekannt, begründen den Erfolg von IWC jedoch auf der IWC-Website gerne mit der „Passion für innovative Lösungen und technischen Erfindergeist“. Henrik Ekdahl nennt noch weitere Erfolgsfaktoren: „IWC holt sich viel Inspiration aus der Vergangenheit: die Markenpositionierung, die inneren und äusseren Werte unserer Uhren wie auch die Markenwelten, mit denen wir unsere Produktlinien umgeben.
Wir haben eine starke und deutliche Markenidentität, der wir stets treu bleiben. Gleichzeitig sind wir dynamisch und fortschrittlich, beispielsweise in der Kommunikation oder der Erforschung und dem Einsatz neuer Materialien und Uhrwerke. Es gelingt uns, Kontinuität und Wiedererkennungswert zu wahren, obwohl sowohl wir als auch die Welt, in der wir agieren, sich ständig verändert. Das übergeordnete Ziel – Zeitmesser höchster Qualität für Liebhaber mechanischer Uhren herzustellen – verlieren wir dabei nie aus den Augen.“
Weitere Informationen: www.iwc.com