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Es folgt ein weiterer Reisebericht unseres Tierarztes, Peter Müller:
Ko Lanta ist eine Insel, welche der südlichen Andamanenkueste Thailands vorgelagert ist. Da die Insel muslimisch geprägt ist, fehlen hier die unschonen Seiten des thailändischen Tourismus fast vollständig. Nach dem Tsunami von 2004 beherbergte Ko Lanta viele Arbeiter zum Wiederaufbau der Infrastruktur. Viele dieser Arbeiter brachten junge Hunde und Katzen als Haustiere mit sich - welche, entsprechend der etwas laschen Auffassung gegenüber den Verantwortlichkeiten als Tierhalter, bei der Abreise auf der Insel zurückgelassen wurden.
Lanta Animal Welfare (LAW, www.lantaanimalwelfare.com) ist eine gemeinnützige Organisation, welche sich um Streunertiere und Heimtiere auf der Insel kümmert. Die Gründerin, Junie Kovacs, trägt mit dem Gewinn aus dem Betrieb der Kochschule und des Restaurants "Time for Lime" die finanzielle Hauptlast des Betriebs. Ausserdem ist LAW von Donatoren und Volontären abhängig.
Auf einer Inseltour treffen wir auf das Gebäude von LAW und sprechen mit Sian, der britischen momentanen Hauptverantwortlichen für den Betrieb des Tierheimes. Als sie erfährt, dass ich Tierarzt bin, führt sie mir einen etwa einjährigen Kater vor, welcher seit etwa 2 Monaten eine starke Lahmheit der linken Hintergliedmasse aufweist. Mangels erfahrenem Tierarzt und weitergehender Infrastruktur konnte bislang weder Ursache noch Therapie für die Lahmheit gefunden werden.
Das linke Sprunggelenk des Tieres ist stark derb geschwollen und deutlich schmerzhaft. Das Bein zeigt weiter mehrere beinahe verheilte Wunden und eine starke Kontraktur der Muskulatur und deutlichen Muskelschwund. Der Kater belastet das Bein praktisch nicht.
In Frage kommen als Ursache für die Lahmheit eine Fusswurzelgelenks-Fraktur oder aber eine chronische bakterielle Arthritis des Gelenks. Mangels Röntgenapparat entfällt eine genauere Diagnostik. Wir beschliessen, das Bein zu amputieren, um eine Schmerzfreiheit zu erlangen.
Die Katze wird (zweckmässig, aber nicht unbedingt den modernsten und sichersten Anästhesieregeln entsprechend) narkotisiert, das OP-Feld mangels Schermaschine mit einer Rasierklinge ausgeschoren.
Die Amputation erfolgt in der Mitte des Oberschenkelknochens - so wird gewährleistet, dass die Katze nicht versucht, auf dem Stumpf zu gehen und sich an die neue anatomische Situation gewoehnen kann. Die grossen Venen und Arterien werden abgebunden, die Muskulatur durchtrennt, und der Oberschenkelknochen mit einer sterilen Säge durchtrennt. Anschliessend wird die Muskulatur ueber dem Stumpf vernäht und die Haut verschlossen. Zuletzt wird der Kater noch kastriert.
Er erholt sich gut von der schweren Operation und wird möglicherweise von einer Mitarbeiterin von LAW adoptiert.
Die Amputation eines Beines ist bei Katzen bei schweren Frakturen, Gelenksfrakturen und schweren Infekten eine valable, relativ einfach durchführbare und kostengünstige Alternative zu einer Optimalversorgung mit Platten, Gelenksversteifungen etc. Insbesondere Amputationen eines Hinterbeines werden von Katzen in der Regel sehr gut toleriert, die Tiere gewöhnen sich gut an die neuen Verhältnisse und können ein normales Leben (Klettern auf Bäume, Jagen von Maeusen, Balancieren auf Geländern) führen.
Obwohl die Gründerin fuer einen gewisse konstante finanzielle Unterstützung garantieren kann (was in einer verhältnismässig luxuriösen Ausstattung wie z.B. Dampfautoklav und Klimaanlage im Operationsraum zum Ausdruck kommt), ist LAW wie alle gemeinnützigen Tierhilfsorganisationen zu einem grossen Teil abhängig von Spenden und Volontären. Donationen oder Tieradoptionen sind deshalb sehr willkommen und können von mir herzlich empfohlen werden. Alle weiteren Informationen finden Sie auf der Website von LAW: www.lantaanimalwelfare.com