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Ein Dampfer ist in Seenot geraten. Doch die Passagiere weigerten sich, die Rettungsboote zu besteigen. Dann schritt der Kapitän zu ihnen und vermochte alle Nationalitäten davon zu überzeugen, sich in die Schlauchboote zu retten. Wie hat er das auch nur geschafft?
Den Japanern sagte er, das mache sie stark; den Engländern erklärte er, das sei sportlich; den Deutschen machte er deutlich, das sei ein Befehl; den Italienern bemerkte er, das sei verboten und den Schweizern beteuerte er, sie seien versichert.
Über 6000 Franken zahlen Schweizer jährlich für Versicherungsprämien, weit mehr als die Nachbarn. Soll man sich doch bis über den Kopf versichern, wenn man sich dadurch besser fühlt. Objektiv lässt sich nur Folgendes sagen: Zwingend zu versichern sind Ereignisse, die einen ruinieren könnten, etwa Haftpflicht- oder Gebäudeschäden.
Die Versicherung «Einfacher Diebstahl auswärts» ist so eine Versicherung, die man einfach hat. Braucht man sie auch wirklich? Sicher wird man Bekannte finden, die mit Stolz zu erzählen wissen, wie der gestohlene Drahtesel von der Versicherung vergütet wurde. Wer mit einem 2000-fränkigen Bike zur Arbeit fährt, ist gut beraten, den einfachen Diebstahl zu versichern. Das gilt auch für Boarder und Skifahrer, die sich nur das Teuerste anschnallen. Was könnte sonst noch geklaut werden? Das Auto ist über die Teilkasko versichert; das im Wagen befindliche Reisegepäck ebenfalls; was aus dem Haus geklaut wird, ist mit dem Hausrat versichert und echter Pelz wird eher besprayt denn gestohlen.
Addiert man die jährlich bezahlten Prämien mit dem Selbstbehalt von 200 Franken, so wird man in den meisten Fällen auf einen Betrag kommen, der höher ist als der von der Versicherung vergütete Schaden.
Noch fragwürdiger sind Versicherungen mit einer mickrigen Deckung. Es gibt Zahnversicherungen mit einer maximalen Deckung von 300 Franken pro Jahr. Dies ist eine Wette, keine Versicherung. Sie lautet: Wetten, dass Prämien und Kostenbeteiligung tiefer sind als der vergütete Schaden? Anders als bei Gottschalk geht diese Wette meistens verloren.
Erschienen in der BZ am 9. Juni 2009