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Genau heute vor 20 Jahren war der Song "All The Things She Said" des russischen Duos t.A.T.u. in den Schweizer Charts auf Platz 1. Doch es dauerte mehrere Monate, bevor der Song bei uns in die Charts gelangte. Wir haben heute anhand von mehreren Beispielen herausgefunden, wieso das so war und wie es heute, wo Streams auch zu Chartplatzierungen zählen, aussieht.
Im Fall von t.A.T.u. war es so, dass die englische Version des Liedes schon im August 2002 veröffentlicht wurde. Erst im November desselben Jahres landete der Songs zum ersten Mal in der Schweiz in den Top 100 - im Dezember kam die Platzierung auf der Eins.
Nach stundenlangem Grübeln und recherchieren stiessen wir unter anderem auf einen Zeitungsartikel des Tages-Anzeigers vom 29. November 2002. Worin sie folgendermassen beschrieben werden:
"...Lena und Julia gehören zur angesagten Gattung der «Dreckig und doch irgendwie proper»-Popmädchen. Die verkaufen sich sagenhaft gut und dürfen in Videoclips selbstverständlich so «oversexed» und nackt daherkommen, wie es irgend geht,...".
Der Artikel wurde rund zwei Wochen vor der Nr. 1 Platzierung geschrieben und war grundsätzlich der einzige Zeitungsartikel über die beiden. An einem grossen medialen Aufschrei kann die verspätete Platzierung also nicht gelegen haben.
Es waren ja CD's, logisch!
Schlussendlich traf uns dann der Geistesblitz: CD's! Zu dieser Zeit waren CD-Verkäufe der einzige Massstab dafür, ob ein Song in die Charts kommt, oder nicht. Im Fall von t.A.T.u. war es so, dass die CD erst im November in der Schweiz erhältlich war - 4 Monate nach der Veröffentlichung in Russland. In Deutschland, Österreich und Grossbritannien erschien die CD gar erst im Januar 2003.
Streams erlauben ein Comeback in die Charts
Die Art und Weise welche Konsumformen zu den Charts dazuzählen hat sich in den letzten 20 Jahren aber drastisch verändert. Seit 2014 werden in der Schweiz auch Streams via Spotify, Apple Music und co. zu Chartplatzierungen dazugezählt. Wobei ein Stream nicht gleich schwer gewichtet wird, wie ein Download/Kauf. Hier gilt die Regel: 161 Streams = 1 Download. Ab diesem Jahr zählen sogar Streams via YouTube zu den Schweizer Charts dazu.
Dieser Umstand erlaubt lustige und überraschende Comebacks, wie es bei Tom Odell der aktuell der Fall ist. Der Song "Another Love" erschien im Herbst 2012, im Februar 2012 war er in den Schweizer Charts mittelmässig platziert und flog 2014 endgültig raus. Im Frühling 2021 machte der Songs ein Comeback, nachdem er auf TikTok trendete.
Der Song ist aktuell immer noch in den Top 10, obwohl er mittlerweile wohl kaum noch gekauft, sondern mehrheitlich gestreamt wird.
Eine erste Platzierung in den Schweizer Charts erlangte letzten November auch "Bloody Mary" von Lady Gaga. 2011 auf dem Album "Born This Way" erschienen, landete der Song nie in den Charts, da er nicht als Single, sondern nur auf dem Album erschien. Da Songs heutzutage nicht mehr explizit als Single veröffentlicht werden müssen, oder zwingend Neuerscheinungen sein müssen, um in den Charts zu landen, machte der Song nach dem Netflix Hit "Wednesday" einen Eintritt in die Charts.
Wer weiss, wie die Schweizer Charts in Zukunft funktionieren werden. Um unsere Prognose zu erfahren, höre dir hier den ganzen Beitrag an:
Bonus: lustige Kommentare aus den 2000ern zu t.A.T.u. auf hitparade.ch