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Norwegens Beachhandballerinnen sind nach einer Protestaktion bei der Europameisterschaft im bulgarischen Warna gegen die Kleidervorschriften des Dachverbands mit einer Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro belegt worden. Die Spielerinnen hatten im Duell um Platz drei mit Spanien statt der vorgeschriebenen Bikini-Höschen etwas längere Sporthosen getragen.
Die Disziplinarkommission der Europäischen Handballföderation (EHF) bewertete dies am Montag als «Fall unangemessener Bekleidung». Der Wechsel auf die etwas längeren Hosen sei eine «spontane Aktion» gewesen, berichtete Nationalspielerin Katinka Haltvik dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK.
Der Weltverband IHF schreibt vor, dass Männer während ihrer Beachhandballspiele Shorts tragen müssen, die «mindestens zehn Zentimeter» über dem Knie enden. Spielerinnen müssen hingegen Bikinihosen tragen, die eng anliegend sind und eine Seitenbreite von «maximal zehn Zentimetern» aufweisen:
Beachhandball ist keine olympische Disziplin. Doch die Aktion wirft zum Start der Spiele in Tokio ein Schlaglicht auf eine Debatte, die seit Jahren schwelt: Sind die Kleidervorschriften in diversen Sportarten sexistisch?
Für die ehemalige SRF-Sportjournalistin und Leichtathletin Jeannine Borer machen Kleidervorschriften dann Sinn, wenn sie bei der Ausübung des Sports hilfreich sind: So etwa der Kimono beim Judo, den die Athletinnen und Athleten greifen können. Oder aber die Beinfreiheit beim Sprinten, wo lange Hosen hinderlich wären. Schliesslich sei es beim Teamsport geboten, dass alle gleich gekleidet sind.
Hier wurde eine sehr sexistische Regelung getroffen. Denn warum müssen die Männer keine knappe, enge Schwimmhose tragen, wenn es um Bewegungsfreiheit gehen würde?
Aber: Dass Frauen im Beachhandball Bikini-Hosen und Männer Shorts tragen müssen, ist für Borer unverständlich. Claudia Koller von «100 Prozent Sport», dem österreichischen Zentrum für Genderkompetenz im Sport, pflichtet bei: Beim Turnen etwa könne ein frei hängendes Röckchen zum Sicherheitsproblem werden. Und schliesslich gebe es auch Regularien, die der Chancengleichheit geschuldet seien.
Aber: Aus Sicht der Gleichberechtigung mache der «Bikini-Zwang» im Beachhandball keinen Sinn. «Hier wurde eine sehr sexistische Regelung getroffen. Denn warum müssen die Männer keine knappe, enge Schwimmhose tragen, wenn es um Bewegungsfreiheit gehen würde?»
Dass der Frauenkörper im Sport immer wieder Anlass zu Diskussionen gibt, liegt für Koller auch daran, dass die Leistungen von Sportlerinnen tendenziell «trivialisiert» würden. «Dagegen werden die Körper von Sportlerinnen tendenziell sexualisiert.»
Im Beachvolleyball spielen die meisten Frauen trotz inzwischen gelockerter Regeln noch immer knapp bekleidet. Wie erklärt sich das? Der Frauensport habe schon immer als minderwertig gegolten, erklärt Borer. «Die Frau musste dieses ‹Manko› kompensieren – und das tat sie oft mit ihrem Aussehen.» Bei einem Mann reiche es, wenn er gut und erfolgreich sei – die Frau hingegen müsse dazu auch noch gut aussehen. «Dazu kommt, dass die Norm, wie eine Frau auszusehen hat, viel enger ist als beim Mann.» Dies werde auch bei den Kleiderreglements im Sport sichtbar.
Für Koller sind viele Sportlerinnen in der Kleiderfrage nach wie vor zwischen dem Erwünschten und dem Nicht-Erwünschten gefangen – und die eigentliche sportliche Leistung tritt allzu oft hinter diese gesellschaftlich geprägten Rollenbilder zurück. «Das Schöne ist aber, dass Veränderungen nun gerade auch von den Sportlerinnen selbst eingefordert werden. Das hat eine wichtige Vorbildfunktion», schliesst Expertin für Genderfragen im Sport.
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