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Bei einem schweren Kernkraftwerk-Unfall (KKW-Unfall) kommen Jodtabletten zum Einsatz. Wie Jodtabletten in der Schweiz verteilt werden, in welchem Fall man sie einnehmen muss und welche Wirkung sie erzielen, erfahren Sie hier.
Bei einem schweren Kernkraftwerk-Unfall (KKW-Unfall) kommen Jodtabletten zum Einsatz. Wie Jodtabletten in der Schweiz verteilt werden, in welchem Fall man sie einnehmen muss und welche Wirkung sie erzielen, erfahren Sie hier.
Wirkung von Jodtabletten bei einem KKW-Unfall
Bei einem KKW-Unfall kann radioaktives Jod in die Umgebung austreten. Wenn man dieses einatmet (oder über Essen oder Getränke einnimmt), kann es sich in der Schilddrüse anreichern. Als Folge davon kann langfristig Schilddrüsenkrebs entstehen.
Rechtzeitig eingenommene Jodtabletten schützen die Schilddrüse einzig vor der Aufnahme von radioaktivem Jod. In diesem Fall verhindern sie die Anreicherung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse. Die Einnahme von Jodtabletten würde deshalb nie als einzige Massnahme angeordnet werden, sondern immer zusammen mit anderen Massnahmen, wie dem Aufenthalt im Haus.
Die Jodtabletten haben eine Haltbarkeit von 10 Jahren und müssen nach diesem Zeitraum ausgetauscht werden.
Verteilung der Jodtabletten in der Schweiz
In der Schweiz sind Jodtabletten für die gesamte Bevölkerung vorrätig. Das Verteilkonzept sieht zwei verschiedene Verteilgebiete vor.
Verteilung innerhalb von 50 km um ein Schweizer KKW
Jodtabletten werden alle zehn Jahre an Schweizer Haushalte und Betriebe (inklusive Schulen, Kindergärten und KITAs) abgegeben, die im Umkreis von 50 km eines Schweizer KKW liegen. In den Gebieten ausserhalb dieses Bereichs sorgen die Kantone für die Lagerung der Jodtabletten, damit sie im Ereignisfall die Bevölkerung damit versorgen können (siehe Verteilung ausserhalb von 50 km um ein Schweizer KKW weiter unten). Es handelt sich dabei um eine vorsorgliche Schutzmassnahme für den Fall eines schweren KKW-Unfalls in der Schweiz oder im nahen Ausland.
Die Verteilung der Jodtabletten im Umkreis von 50 km erfolgte letztmals 2014. Damals erhielten Jodtabletten: 4,9 Millionen Personen, in 1,9 Millionen Haushalten und in 1350 Gemeinden (siehe Karte). Die nächste Jodtabletten-Abgabe in diesem Umkreis wird ab Herbst 2023 stattfinden.
Verteilung ausserhalb von 50 km um ein Schweizer KKW
Ausserhalb von 50 km um ein KKW sind die Kantone für die Lagerung der Jodtabletten zuständig. In einem Ereignisfall würden sie innert zwölf Stunden ab Anordnung die Jodtabletten an die Bevölkerung abgeben.
Die letzte Verteilung an die Kantone erfolgte Ende 2020 letztmals. Ausgeliefert wurden: rund 278 Paletten mit 4 122 738 Tabletten, an 55 Lagerstandorte in 18 Kantonen.
Jodtabletten im Falle eines nuklearen Ereignisses im Ausland
Jodtabletten sind für einen möglichen KKW-Unfall in der Schweiz und grenznahen Ausland vorgesehen.
Ob wir in der Schweiz nach einem nuklearen Ereignis im Ausland Jodtabletten einnehmen müssen, ist abhängig von den Umständen des Ereignisses wie Ereignisart und Ort, Umfang und Windverhältnissen. Die Nationale Alarmzentrale würde die Einnahme anordnen. Mehr Informationen unter Krieg in der Ukraine: Radiologische Situation in der Schweiz und Ukraine
Fragen und Antworten zu Jodtabletten:
Bei einem KKW-Unfall kann radioaktives Jod in die Umgebung austreten. Atmet man dieses ein (oder nimmt man es mit Nahrung zu sich), dann reichert es sich in der Schilddrüse an. Sofern die Jodtabletten zum richtigen Zeitpunkt eingenommen werden, verhindern sie die Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse.
Jodtabletten schützen nicht vor direkter radioaktive Strahlung. Sie schützen einzig die Schilddrüse vor radioaktivem Jod, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt einnimmt.
Im Fall eines KKW-Unfall informiert die Nationale Alarmzentrale (NAZ) über die Medien und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz über AlertSwiss, wie sich die Bevölkerung verhalten muss. Mögliche weitere Schutzmassnahmen sind eine Evakuationen aus dem Gebiet (sofern genügend Zeit bleibt) oder der Aufenthalt in Haus oder Keller.
Radioaktives Jod gelangt in die Schilddrüse und kann dadurch zu Schilddrüsenkrebs führen.
Nebenwirkungen von Jodtabletten sind selten und in der Regel harmlos. Personen mit Schilddrüsenproblemen sollten sich beim Hausarzt erkundigen, wie sie sich im Fall eines KKW-Unfalls verhalten müssen.
Jodtabletten soll man ausschliesslich auf Anordnung der Behörden einnehmen.
Das Risiko an Schilddrüsenkrebs durch die Bestrahlung mit radioaktivem Jod geht mit zunehmendem Alter stark zurück. Im Gegenzug steigt das Risiko von Nebenwirkungen nach der Einnahme von Kaliumiodidtabletten. Obwohl die Einnahme einer Jodtablette für Kinder, Jugendliche und Schwangere unbestritten ist, wird in vielen Ländern die Jodblockade der Schilddrüse bei Personen über 45 Jahre nicht empfohlen. Personen über 45 Jahre wird demnach empfohlen, ihren behandelnden Arzt um Rat zu fragen.
Nein, gegen radioaktive Substanzen wie Cäsium oder Strontium helfen Jodtabletten nicht. Diese Stoffe können bei einem KKW-Unfall ebenfalls freigesetzt werden. Man nimmt sie vor allem über Nahrungsmittel zu sich. Entsprechende Schutzmassnahmen würde das Bundesamt für Landwirtschaft anordnen.
Für die Versorgung seiner Bevölkerung mit Jodtabletten ist jedes Land selbst verantwortlich. Internationale Gremien empfehlen den Ländern, eine Strategie für die Jodtabletten-Verteilung bis 100 km zu erarbeiten.
Ausserhalb des 50 km Umkreises lagern die Kantonen die Jodtabletten und verteilen sie im Ereignisfall rechtzeitig. Jodtabletten sind in der Schweiz für die gesamte Bevölkerung vorrätig.
Wenn Sie im Umkreis von 50 km eines Schweizer KKW wohnen, können Sie Jodtabletten (Kaliumiodid 65 AApot Tabletten) zum Preis von CHF 5 in einer Apotheke oder Drogerie kaufen.
Dokumente
Jodtabletten - Neuer Verteilradius 50km (PDF, 6 MB, 09.11.2016)Publiziert: 2014-01-21
Gesetze
Letzte Änderung 16.09.2022