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Der Wirbelsturm «Matthew» hat die Küste der USA erreicht. Der Weltraumbahnhof in Cape Canaveral trug Schäden davon.
Ausläufer des Hurrikans «Matthew» sind über den Nasa-Weltraumbahnhof in Cape Canaveral hinweggezogen und haben dort Schäden angerichtet. Nach ersten Erkenntnissen seien die Dächer mehrerer Gebäude im Kennedy Space Center beschädigt, Strom- und Wasserversorgung seien unterbrochen, erklärte ein Nasa-Sprecher.
Auf dem Gelände des Kennedy Space Centers stehen Raketen, Raumfähren und andere Ausrüstungsgegenstände des US-Raumfahrtprogramms sowie privater Raumfahrtunternehmen. Eine Rumpfmannschaft von 116 Arbeitern sollte während des Wirbelsturms auf dem Gelände ausharren, um im Notfall eingreifen zu können.
Unterdessen meldeten die Behörden von Florida ein erstes Todesopfer in Folge des Hurrikans. Im Landkreis St. Lucie erlag eine Frau einem Herzstillstand, weil die Rettungskräfte sie wegen des Wirbelsturms nicht rechtzeitig erreichen konnten.
Zuvor hatte «Matthew» in der Karibik eine Spur der Verwüstung zurückgelassen. Mindestens 400 Menschen starben auf Haiti, die Nachrichtenagentur Reuters spricht von 842 Todesopfern. Tausende Gebäude wurden zerstört.
Die Zahlen seien noch vorläufig, viele betroffene Gebiete seien sehr schwer zugänglich, sagte Senator Hervé Fourcand.
Vor allem der Süden Haitis war von «Matthew» verwüstet worden. Laut dem Uno-Büro für humanitäre Hilfe (Ocha) ist die Hälfte der elf Millionen Einwohner in dem Karibikstaat von dem Wirbelsturm betroffen.
Angesichts der Not bat die Regierung von Haiti um internationale Unterstützung. Die Schweiz hilft den Opfern des Hurrikans «Matthew» mit Geld und Experten. Fürs erste stünden zwei Millionen Franken bereit, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Freitag mit. Zudem sei ein Team des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) am frühen Morgen nach Haiti abgereist.
Die Betroffenheit auf der ganzen Welt ist gross. «Meine Gebete gehen an alle, die durch Hurrikan Matthew betroffen sind», twitterte US-Schauspielerin Reese Witherspoon. Sängerin Pink verlinkte einen Spendenaufruf der Hilfsorganisation Unicef, und das deutsche Model Heidi Klum schrieb zu einem älteren Foto von sich in Haiti: «2012 habe ich die Kinder auf Haiti besucht. Sie brauchen unsere Hilfe.»
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Welchen Verlauf der Sturm nimmt und vor allem, ob er ins US-Hinterland dreht, war nach Angaben der US-Behörden noch unklar. Das Nationale Hurrikan Zentrum in Miami erklärte, das Auge des Sturms werde in der Nacht zum Samstag «entlang oder über die Küste Floridas» ziehen und dann weiter entlang der US-Küste in Richtung Norden nach Georgia und South Carolina. Voraussichtlich werde sich «Matthew» in den kommenden 48 Stunden abschwächen. Von der Sturmwarnung betroffen waren rund zwölf Millionen US-Bürger.
Nach den Zerstörungen in der Karibik bewegt sich der Sturm momentan eng an der Küste von Floridaentlang. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass er ab Sonntagabend Ortszeit durch eine Kaltfront über dem Nordosten der USA hinaus auf den Atlantik geschoben wird.
«Bringt euch in Sicherheit, dies ist eure letzte Chance. Bleibt weg von den Stränden», appellierte Gouverneur Scott an die Küstenbewohner Floridas und warnte eindringlich: «Dieser Sturm wird euch töten.» Wegen des Hurrikans fiel in Florida in 600'000 Haushalten der Strom aus. «Matthew» nannte Scott ein «Monster».
US-Präsident Barack Obama verkündete, der Sturm werde an Florida vorüber ziehen. Die grösste Sorge gelte nun der Gegend nördlich von Jacksonville und Georgia. Bewohner seien aufgerufen, offiziellen Warnungen Folge zu leisten. «Wir können Eigentum immer ersetzen, aber keine Leben.»
Zuvor hatte Obama den Ausnahmezustand für die drei Bundesstaaten Florida, South Carolina und Georgia ausgerufen, was die unmittelbare Freigabe von Bundesmitteln für Notmassnahmen ermöglichte. Auf den Strassen bildeten sich lange Staus, das Benzin an den Tankstellen wurde knapp.
Nach Schätzungen von Experten könnte «Matthew» der zweitteuerste Wirbelsturm aller Zeiten für die amerikanischen Versicherer werden. Forscher von Kinetic Analysis rechnen mit versicherten Schäden des Hurrikans von rund 25 Milliarden Dollar. Damit würde der Hurrikan hinter «Katrina» landen, die 2005 unter anderem die Stadt New Orleans zerstört hatte.
Die Experten von RMS hatten Anfang der Woche auf Basis ihrer Datenmodelle eine Wahrscheinlichkeit von 42 Prozent für einen Schaden von 20 Milliarden Dollar errechnet, mit einer Wahrscheinlichkeit von 26 Prozent könnten es auch 30 Milliarden Dollar werden. RMS-Manager Ben Brookes sagte, die Schätzungen würden laufend aktualisiert, weil sich die Lage verändert habe. Marktteilnehmer machen sich darauf gefasst, dass die Schadenbilanz noch steigen könnte.
Das trifft vor allem die amerikanischen Versicherer: Sie müssen nach Schätzungen der Investmentbank JPMorgan mit Einbussen von einem Viertel ihrer Gewinne rechnen. 20 Milliarden Dollar Schaden hatten sie zuletzt 2012 zu verkraften, als der Sturm «Sandy» knapp am Nordwesten der USA vorbeigeschrammt war, ohne direkt die Küste zu treffen.
cnn/dpa/AP/AFP/Reuters