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| Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe

LIII. (Mauriner-Ausgabe Nr. 160)
5.
Diejenigen aber, deren Seele von der schändlichen Leidenschaft geblendet ist, achten nicht einmal auf die Stimme der Natur, die doch längst die verschiedenen Verwandtschaftsbeziehungen kennt. Nach welcher Verwandtschaft werden sie die Kinder benennen? Werden [S. 181] sie die Kinder Brüder oder Vetter nennen? Beide Benennungen werden wegen der Vermischung auf sie passen. Mensch, mach doch nicht die Schwester der Mutter zur Stiefmutter der Kinder, und bewaffne nicht die mit unversöhnlicher Eifersucht, die an Mutter-Stelle pflegen soll! Denn nur das Geschlecht der Stiefmutter treibt die Feindschaft auch über den Tod hinaus. Andere Feinde versöhnen sich mit den Toten; die Stiefmütter aber beginnen mit ihrem Haß nach dem Tode1.
Der Schluß von all dem Gesagten: Wenn einer nach einer gesetzlichen Ehe verlangt, so steht ihm die ganze Welt offen; treibt ihn aber sinnliche Leidenschaft, dann gehört er auch mehr abgeschlossen, „auf daß er sein Gefäß in Heiligkeit und Ehre besitzen lerne, nicht in leidenschaftlicher Lust2”. Mehr zu sagen hindert mich trotz guten Willens der mäßige Umfang des Briefes. Ich wünsche aber, daß unsere Mahnung sich stärker erweist als die Leidenschaft, bzw. daß dies Vergehen nicht in unsere Lande kommt, sondern an den Orten bleibt, wo man sich dazu erfrechte.
1: Bei den Alten eine ganz geläufige Vorstellung — so bei Herodot IV. 154; Euripides, Alcestis 309.
2: 1 Thess. 4, 4.