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Warum und wie schrieb Freud «Jenseits des Lustprinzips» (1920)?
Informationen
Unter Berücksichtigung der bisher unbekannten Vorfassung von 1919.
Jenseits des Lustprinzips (1920) gehört zu den schwer verständlichen und umstrittensten Arbeiten Freuds. Im Freud-Archiv in Washington liegt eine bisher unbekannte und unveröffentlichte Vorfassung dieses Texts. Sie entstand im Frühjahr 1919 und ist nur etwa halb so lang wie die bekannte Endfassung. Es wird versucht, den Weg von der Vorfassung, dem «Ur-Jenseits» sozusagen, zur publizierten Fassung nachzuvollziehen. Dabei ergeben sich neue, überraschende Einsichten in Freuds Konzeptualisierung des «Todestriebs» und der Sexualtriebe.In einem zweiten Schritt wird Jenseits des Lustprinzips als ein Projekt der «Eroberung der Biologie» gekennzeichnet, das Freud mit Ferenczi betrieb. Es wird gezeigt, dass sich Freud eng an Diskussionen innerhalb der Biologie anlehnte, und dass eine Reihe von Formulierungen im Jenseits den Schriften biologischer Autoren entnommen oder nachempfunden sind. Dadurch verliert das Jenseits einen Teil seines irritierenden Charakters.Schliesslich soll mit Nachdruck an die klinisch-analytisch-empirische Basis des Jenseits erinnert und der Vorschlag vorgetragen werden, diese Schrift unter anderem als eine Arbeit über die Grenzen der Wirksamkeit der Psychoanalyse zu lesen.Ulrike May ist Psychoanalytikerin in eigener Praxis in Berlin und Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung. Seit 1990 zahlreiche Arbeiten zur Geschichte der psychoanalytischen Theorie, zuletzt über Freuds Praxis und die Geschichte der Oral- und der Analerotik.Buchveröffentlichungen: Freuds frühe klinische Theorie (1996); zusammen mit Elke Mühlleitner: Edith Jacobson. Sie selbst und die Welt ihrer Objekte (2005).