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Aktualisiert: Okt 26
Text: Sylvia Hobbs-Unternährer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Tibet Museum
Dieser Stupa, in Nepal als Chaitya bekannt, wurde von Alain Bordier, dem Gründer des Tibet Museums, in Auftrag gegeben. Der Chaitya wurde zwischen 2011 und 2013 in Nepal vom Bildhauer Santalal Dyahkhah Jyapu aus Khokana im Kathmandutal erschaffen.
Der erste Entwurf stammt von Ulrich von Schroeder, der die Herstellung überwachte. Er bat seinen Freund, den Wissenschaftler Sukra Sagar Shrestha in Kathmandu, ihn bei der Suche nach einem geeigneten Künstler zu unterstützen und alle Arbeitsschritte in Nepal zu beaufsichtigen.
Die Suche nach einem geeigneten Stein für die Skulptur dauerte sogar länger als die Suche nach dem Bildhauer. Es brauchte sieben Monate, bis der perfekte Stein in einem Steinbruch vier Kilometer westlich von Pharping gefunden wurde. Der endgültige Entwurf für den Chaitya stammt von Rajan Shrestha aus Bhaktapur. Dann brauchte es fast zwei Monate, um den Stein von unnötigen Teilen zu befreien und ihn in eine Rohfassung zu bringen. Etwa zwei Jahre nach Beginn des Projekts war der in mehreren Teilen gefertigte Chaitya mit einer Höhe von 1,8 Metern und einem Gewicht von etwa 2000 kg vollendet und bereit, per Luftfracht in die Schweiz transportiert zu werden.
Er wurde vor Ort zusammengebaut und eingeweiht, wobei mehrere kostbare Opfergaben im Inneren des Chaitya platziert wurden. Diese beinhalteten das Navaratna, welches aus neun Kostbarkeiten besteht: Rubin, Perle, Koralle, Smaragd, gelber Saphir, Diamant, blauer Saphir, Hessonit und Katzenauge. Ausserdem wurde eine prächtige, vergoldete Kupferstatue des primordialen Buddha Vajradhara des 17. Jahrhunderts aus Zentral-Tibet im Chaitya eingemauert (siehe Photos unten). Die Einweihungszeremonie fand am 1. Juli 2014 statt (am Geburtstag von Alain Bordier und zum fünften Jubiläumsjahr des Museums). Der tibetische Mönch Lama Lodreu Rabsel Rimpoche (begleitet von Khenpo Losak), ein Praktizierender der Kagyü-Tradition, leitete die Zeremonie (siehe Photos oben).
In Tibet ist die Konstruktion von Stupas ein fester Teil der gelebten Spiritualität. Grosszügigkeit ist die Erste unter den 10 Tugenden. Ein Stupa repräsentiert den befreiten, erleuchteten Geist, und deshalb ist das Spenden eines Stupa zugleich auch das Spenden der Lehre Buddhas, was als besonders verdienstvoll gilt. Dieser spezifische Stupa ist eine dreidimensionale Darstellung der Lehre des Vajrayana-Buddhismus. Jeder der fünf siegreichen Buddhas präsidiert über eine der vier Himmelsrichtungen, sowie über das Zentrum. Sie werden "die Siegreichen" genannt, weil jeder dieser fünf Buddhas den Weg zum Sieg über eine der Emotionen zeigt, die Leid erzeugt. Stupas werden in Ehrerbietung immer im Uhrzeigersinn umrundet.
Vairochana weilt unsichtbar im Zentrum des Stupas. Seine Farbe ist weiss. Er formt das Mudra der höchsten Erkenntnis (bodhyagri-mudra), denn er repräsentiert den Sieg über die Unwissenheit, die er in die höchste Intelligenz (dharmadhattu-jnana) verwandelt.
Im Osten weilt Akshobya. Er sitzt in der Meditationshaltung und nimmt die Erde zur Zeugin seiner Konzentration (bumisparsa-mudra). Seine Farbe ist blau, er transzendiert Hass und Aggression in unerschütterliche, spiegelgleiche Weisheit und Ruhe.
Im Süden sitzt Ratnasambhava. Seine Farbe ist Gelb, und er zeigt die Geste des Gebens (varada-mudra). Er transzendiert den Stolz durch die Erkenntnis der Wesensgleichheit aller Lebewesen.
Oben im Westen finden wir Amitabha. Seine Farbe ist rot und er befindet sich im Zustand tiefer Meditation (dhyana-mudra). Er steht für den Sieg über die Begierde und die Anhaftung. Die Freiheit von dieser Emotion ist ein Zustand des makellosen, reinen Friedens.
Im Norden finden wir Amoghasiddhi. Seine Farbe ist dunkelgrün und er hält seine rechte Hand in der Schutzgeste (abhaya-mudra). Er triumphiert über den Neid, indem er ihn zu einer Quelle von Tatkraft umwandelt.
Auf symbolischer Ebene umfassen diese fünf Buddhas alle Facetten des Erwachens. Sie bringen die Dynamik dieser Transformation zum Ausdruck, in der sich leiderzeugende Emotionen in Weisheit, und Illusionen in positive Haltungen verwandeln.
Jeder der siegreichen Buddhas wird von unten durch einen Yaksha (Wächter/ Atlanten) gestützt, und ist von einem Torbogen aus Fabelwesen (Makaratoranas) umgeben. Den oberen Abschluss bildet jeweils ein Kirtimukha (das "glorreiche Gesicht").
Bibliografie:
Beer, Robert (2010): Die Symbole des tibetischen Buddhismus. München: Diederichs, S. 331-332.
Gutschow, Niels (1997): The Nepalese Caitya: 1500 Years of Buddhist Votive Architecture in the Kathmandu Valley. Stuttgart / London: Edition Axel Menges.
von Schroeder, Heidi (2006): Schritte zur Erkenntnis: Neuzugänge der Tibet-Sammlung der Berti Aschmann-Stiftung im Museum Rietberg Zürich. Zürich: Museum Rietberg, S. 21-22.
Thrangu Rimpoche (1998): The Five Buddha Families. In: Namo Buddha Seminar, Boulder Colorado.