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Aktuell berät das Parlament eine Totalrevision des CO2-Gesetzes, die Ziele und Instrumente zur Verminderung des Treibhausgasausstosses für den Zeitraum bis 2030 vorsieht. Gleichzeitig gilt es, die längerfristige Entwicklung über 2030 hinaus vorzubereiten. Der Bundesrat hat deswegen am 28. August 2019 beschlossen, dass die Schweiz bis 2050 ihre Treibhausgasemissionen auf Netto-Null absenken soll.
Zur Konkretisierung dieses Ziels erarbeitet das BAFU aktuell eine langfristige Klimastrategie, die aufzeigen wird, wie die Schweiz dieses Ziel erreichen kann. Die langfristige Klimastrategie schafft gleichzeitig den Rahmen für eine Diskussion der Rolle negativer Emissionstechnologien in der zukünftigen Klimapolitik der Schweiz.
Erläuterung der Zielsetzung
Die Schweiz soll ab 2050 nicht mehr Treibhausgase in die Atmosphäre ausstossen, als durch natürliche und technische Speicher wiederaufgenommen werden kann («Netto-Null-Emissionen»). Dazu müssen hauptsächlich die Emissionen im Gebäudebereich, im Verkehr und in der Industrie umfassend vermindert werden. Nicht oder nur sehr schwierig vermeidbare Emissionen entstehen vor allem in der Landwirtschaft sowie bei gewissen industriellen Prozessen, beispielsweise der Zementherstellung. Diese verbleibenden Emissionen müssen durch den Einsatz natürlicher und technischer Speicher (sog. Senken) ausgeglichen werden.
Das Klimaziel 2050 ist das Ergebnis einer Überprüfung der bestehenden langfristigen Ziele der Schweiz, die der Bundesrat im Herbst 2018 eingefordert hat. Die Schweiz hatte 2015 auf internationaler Ebene ein Verminderungsziel von minus 70 bis 85 Prozent bis 2050 gegenüber 1990 eingereicht, das teilweise mit Massnahmen im Ausland erreicht werden sollte.
Der Sonderbericht des Weltklimarats über eine Erderwärmung von 1,5 Grad Celsius, der im Oktober 2018 erschien, machte deutlich, dass dieses Ziel nicht mehr im Einklang mit den wissenschaftlichen Anforderungen ist. Die Erhöhung der Zielsetzung auf Netto-Null stellt sicher, dass die Schweiz ihren Beitrag zur Begrenzung der weltweiten Klimaerwärmung auf unter 1,5 Grad leistet.
Bedeutung der Zielsetzung
Die Schweiz wird die Zielsetzung im Jahr 2020 über die Anpassung ihrer «nationally determined contribution» (NDC) international eingeben. Die Zielsetzung bleibt weiterhin indikativ; es handelt sich um eine Ankündigung, aus der der Schweiz keine unmittelbaren Verpflichtungen entstehen. Sie ist auch nicht Teil der laufenden Totalrevision des CO2-Gesetzes, die den Zeitraum bis 2030 abdeckt. Die rechtliche Umsetzung der langfristigen Zielsetzung wird über die künftigen Revisionen des CO2-Gesetzes nach 2030 erfolgen.
Als erste Grundlage dafür erarbeitet das BAFU eine langfristige Klimastrategie, die aufzeigen wird, wie die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen auf Netto-Null senken kann und welche Massnahmen dafür erforderlich sind.
Internationale Einordnung der Zielsetzung
Mittlerweile haben rund 20 Staaten (darunter Frankreich, UK, Schweden, Japan oder Chile) sowie die EU Netto-Null-Ziele angekündigt oder diese bereits in den nationalen Gesetzgebungen verankert. Norwegen möchte beispielsweise bereits 2030 klimaneutral sein, Schweden im Jahr 2045, und Grossbritannien 2050. Dazu kommen diverse Bundesstaaten (z.B. Kalifornien) und Städte (z.B. New York, London, Paris oder Zürich) die ebenfalls Netto-Null anstreben; teilweise ebenfalls schon deutlich vor dem Jahr 2050.
Die unten verlinkten Internetseiten von Climate Home News und der Energy & Climate Intelligence Unit geben eine Übersicht über die angekündigten Netto-Null-Zielsetzungen.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 28.08.2019