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Es gab eine Zeit, vor etwa 20 Jahren, in welcher der Internet Explorer (IE) einen Marktanteil von über 90% hatte. Microsoft hatte damit die Webentwicklung (z.B. mit ActiveX) lange Zeit vorangetrieben und quasi «eigene» Standards gesetzt. Der Firefox von Mozilla hatte dieses Monopol Mitte der 2000er Jahre aufgebrochen. Er war der erste Browser gewesen, der verschiedene Webseiten in Tabs im selben Fenster darstellen konnte.
Heute dümpelt die aktuelle Version des IE 11 bei etwa 3% Marktanteil herum und Microsoft hat die Weiterentwicklung des IE schon vor einer Weile eingestellt. Trotzdem ist der IE noch immer integraler Bestandteil des Windows Betriebssystems. Warum ist das so?
Damals state-of-the-art – heute rückwärtskompatibel
Dies hatte hauptsächlich mit früheren Entscheiden im Design des IE zu tun. Mit der ActiveX Komponente konnten damals die ersten Webapplikationen entwickelt werden, die Code clientseitig ausführen konnten. Diese sind jedoch eine Sicherheitslücke. ActiveX Komponenten laufen nicht in einer Sandbox wie z.B. Java-Applets. Sie haben im Browser volle Rechte und können somit auch sensible Daten von der Festplatte des Benutzers lesen.
Einschränkend kommt hinzu, dass diese Komponenten nur auf Windows Betriebssystemen ausgeführt werden können. Daher kamen sie hauptsächlich in Intranets von Unternehmen zum Einsatz, die nur Windows Rechner mit vorinstalliertem IE im Einsatz hatten.
Zusätzlich wurden beim IE die HTML- und CSS-Standards nicht korrekt implementiert. Als der IE noch der dominante Browser war, wurden viele Webseiten so programmiert, dass sie vom IE korrekt dargestellt wurden. Dies hatte dann aber den Effekt, dass sie auf allen anderen Browsern, die den Standard besser implementiert hatten, fehlerhaft aussahen. Das hatte zur Folge, dass in öffentlichen Webseiten sogenannte Browserweichen eingebaut werden mussten.
Bei Webseiten, die nur für ein Intranet gebaut wurden, musste dieser Zusatzaufwand nicht betrieben werden. Die Unternehmen konnten die Benutzer zwingen, den IE zu benutzen. Anscheinend gibt es immer noch viele Enterprise-Applikationen, die von den Eigenheiten des IE ausgehen oder immer noch ActiveX verwenden. Denn diese Rückwärtskompatibilität ist der einzige Grund, weshalb IE noch am Leben gelassen wird.
Zahlreiche heutige Standards werden nicht unterstützt
Moderne Webapplikationen lassen sich für den IE nicht mehr entwickeln. Hier nur eine kleine Liste von aktuellen Funktionalitäten, die nicht mehr in den IE eingebaut werden werden:
- Web Authentication API
Schnittstelle für kryptografisch sichere Authentifizierung von Benutzern
- Permission API
Hier kann programmatisch überprüft werden, ob der Benutzer einer Webseite den Zugriff auf gewisse Schnittstellen gewährt hat, z.B. das Recht, den Standort abzufragen oder Nachrichten an den Browser zu schicken.
- Credential Management API
Über diese Schnittstelle kann ein Single Sign On im Browser einfacher implementiert werden.
- Upgrade Insecure Requests
Mit diesem HTTP Header kann ein Browser einer Webseite mitteilen, dass eine sichere Verbindung, z.B. https, gewünscht ist.
- ECMAScript 2015 (ES6) only partial
ES6 ist die JavaScript Version, die 2015 spezifiziert und ab 2016 von Browsern unterstützt wird. Sie führte unter anderem viele Verbesserungen bezüglich Variablen- und Funktionsdeklaration sowie die Unterstützung von Klassen ein. IE unterstützt dabei nur einige, aber nicht alle Neuerungen.
- ES6 Number extensions
ES6 hat auch viele Erweiterungen gebracht, die den Umgang mit Zahlen vereinfachen.
- JavaScript modules: dynamic import()
Mit dieser Verbesserung in der JavaScript Sprache lassen sich Module auch dynamisch, also zur Laufzeit des Programms, laden.
- JavaScript modules via script tag
Mit dieser Funktionalität können Browser JavaScript Module auch direkt im HTML-Code über das «script» Tag geladen werden.
- ES6 classes
Eine der wegweisendsten Neuerung von ES6 wird von IE nicht unterstützt: der Einsatz von Klassen.
[Quelle: CanIUse]
Microsoft Edge – Eine Alternative?
Seit 5 Jahren versucht Microsoft mit dem neuen Browser Edge Marktanteile zurückzugewinnen, allerdings mit bescheidenem Erfolg. Der Marktanteil liegt mit rund 4% nur unwesentlich über dem des IE. Dabei hat der Edge einige Features, die ihn von anderen Browsern abhebt. So können z.B. (handschriftliche) Notizen direkt auf den Webseiten gemacht und mit anderen geteilt werden.
Zudem hat Microsoft kürzlich entschieden, Chromium als Rendering Machine zu verwenden. Chromium ist die als Open-Source verfügbare Basis von Googles Chrome Browser. Somit hat Edge dieselben Fähigkeiten wie der Browser von Google. Sogar alle Plugins für Chrome können in Edge installiert werden. Die so frei gewordenen Ressourcen können nun in die Entwicklung neuer Funktionalität und das Chromium Projekt gesteckt werden.
Rückwärtskompatibilität als letzte Daseinsberechtigung
Es gibt also weder für Firmen, deren Mitarbeitende noch für Entwickler*innen einen Grund, sich weiter mit dem Internet Explorer zu beschäftigen. Dieser wird nur noch für die Rückwärtskompatibilität von sehr alten Intranet Applikationen am Leben erhalten. Wir bei Leuchter werden die Unterstützung von IE bei unseren Webapplikationen einstellen. Nur so können wir moderne und schnelle Applikationen entwickeln, die auf neuen Technologien aufbauen. Zusätzlich müssen wir uns nicht um die Eigenheiten von IE kümmern und können unser Augenmerk auf moderne Standards, die Funktionalität und die Stabilität der Applikationen legen.
Haben Sie in Ihrem Unternehmen auch noch alte Intranet-Applikationen, die zwingend den unsicheren Internet Explorer voraussetzen? Wir helfen Ihnen gerne weiter bei der Entwicklung von sicheren Alternativen! Hinterlassen Sie hier einen Kommentar oder kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Beratungsgespräch: