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Tam-Tam/Tam, Tam-Tam/Tam, selbst die streunenden Hunde am Strassenrand gehen diesen unverwechselbar schlurfenden Gang, mit 2-4 betonten Schritten und 1-3 Streckung des Halses. Die Haare ihrer Felle verheddern sich zu Rollen, die lässig im Rhythmus ihres Ganges mitschwingen. Die Leute hier haben meist dunkelschwarze Haut, gehen mit demselben Gang und tragen Rastas. Tam-Tam/Tam, Tam-Tam/Tam, Tam-Tam/Tam – Calypso und Reggae tönt aus dem Radio des Lokalsenders. «Take it easy man», kommt hinter der Reihe schneeweisser Zähne aus dem Gesicht des Mannes im Kaffee hervor, als ich mich beim Bezahlen mit der neuen Währung schwertat. Von den Banknoten schauen uns nicht mehr die strengen, bärtigen Männergesichter von Guatemaltekischen Revolutionsführer an, sondern das steinerne Gesicht der Queen Elisabeth II. Sie ist auf sämtlichen Banknoten der Belize-Dollar abgebildet. Es wird nicht mehr in Tausender gerechnet, zwei Belize-Dollar entsprechen einem US-Dollar – fixer Umrechnungskurs, einfache Arithmetik.
Take it easy man, werde ich in den nächsten Wochen noch des Öfteren hören, und zwar immer in Situationen, in denen es bei uns eher nach Problemen riecht: Hey man, take it easy, we are in Belize! Wir müssen uns erst wieder ans Englisch gewöhnen, jetzt, wo das Spanisch so langsam in unsere Träume gekrochen ist. Kreolisch, der Mix aus Englisch und einer afrikanischen Sprache, wäre noch eine neue Herausforderung, aber tönt noch schlimmer als Chinesisch, für uns jedenfalls – take it easy man!
Belize, oder British-Honduras wie das Land bis 1973 hiess, war eine britische Kolonie und erlang erst im Jahr 1981die Unabhängigkeit. Heute ist es ein ethnischer Cocktail. Im Landesinnern findet man noch traditionell lebende Mayas und viele Mestizos. Als Mestizos werden Leute bezeichnet, die ein Gemisch von Maya und Spanischen Vorfahren haben. An der Karibischen Küste leben vor allem Garifunas, deren Vorfahren westafrikanische Sklaven waren, sowie pensionierte Engländer, viele immigrierte Amerikaner und Chinesen. Interessanterweise anerkennt Belize als einer von wenigen Taiwan als souveräner Staat. Deshalb sahen wir vor allem im Westen des Landes einige Entwicklungsprojekte, vor allem im Ernährungsbereich, die von Taiwan finanziert werden. Eine Hand wäscht die andere! Wir Schweizer waschen ja auch gerne dreckige Hände mit anderen, mit denen wir (Waffen-) Geschäfte machen können (Saudi-Arabien).
Wir halten uns nicht lange im Landesinnern auf, zu heiss und zu feucht ist uns das tropische Klima, und die verschiedenen Mayastätten im Westen zu besuchen reizt uns weniger als die Aussicht auf den karibischen Strand und das Tauchen in den vorgelagerten Korallenriffen. Erst durch das Studium verschiedenen Unterlagen lernte ich, dass dieses Barriere-Riff weltweit das zweitgrösste Riff ist! Wir sind mal gespannt.
So fahren wir in wenigen Tagen durch die üppigen Regenwälder in Richtung Hopkins an der Karibik. Je näher wir uns der Küste nähern, desto bunter wurden die auf Stelzen gebauten Holzhäuser. Karibische Pastellfarben scheinen hier mit dem Calypso-Sound verheiratet zu sein. Tam-Tam/Tam, Tam-Tam/Tam, wir schlurfen durch die Strassen und suchen im Regen eine Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeit. Ton-Wu und Dong-Lee sind die Optionen zum Einkaufen, die Lebensmittelläden scheinen in chinesischen Händen zu sein. In pünktlichen, geschäftigen, umtriebigen Händen, Rot, Gelb, nichts Pastelliges.
Übernachtungsoptionen sind noch schwieriger zu finden, da wir wieder mal ausserhalb der Touristensaison sind. Mit Glück finden wir ein kleines Häuschen für ein paar Tage und ein bisschen entfernt eine Tauchbasis im teuren Hamanas Adventure & Dive Resort, wo wir zwei Tagesausflüge mit je drei Tauchgängen buchen. Hurtig suchen wir zwischen zwei Regenschauern in unserem Estrich (Dachbox auf dem Auto) alles Tauchmaterial zusammen und stellen beim Zusammensetzen fest, dass Monis Inflater für die Tarierweste fehlt. Haben wir sie irgendwo liegen gelassen?
«Gib das Suchen auf, Mann, ich werde schon eine Lösung finden!» meint der Tauchbasisleiter, ein baumlanger, muskulöser Schwarzer in einem zwei Nummern zu kleinem T-Shirt über einem knackigen Arsch, der auf zwei baumstammdicken Oberschenkel sitzt. Tam-Tam/Tam, Tam-Tam/Tam kommt er aus seiner Werkstatt heraus, ‘Scheiche wi Eiche, Haar dra wie Welospeiche’ kommt mir in den Sinn. Das Bild stimmt nicht ganz, denn seine Eichen sind haarlos. Meine Hand fühlt sich nach seiner Begrüssung noch immer wie ein Mus an und jetzt kommt noch sein Schulterschlag, der mich wie ein Blitzschlag von oben trifft und einen Hustenreiz auslöst: «Go Home man, take it easy we will fix it! See you tomorrow.» Jeder Einwand meinerseits hätte wahrscheinlich weitere blaue Flecken irgendwo auf meiner Haut hinterlassen und so verlassen wir die Basis fluchtartig mit der Gewissheit, dass er für diese italienische Frauenweste bestimmt kein Ersatzmaterial finden wird. Aber äbe, es kam anders: We are in Belize! Pünktlich um 7, mit einem angepassten Inflator an Monis Weste fahren wir hinaus über das wilde Wasser zum äusseren Riff. Erster Tauchgang traurig, zweiter etwas besser, dritter wieder traurig. Wetter- und saisonbedingt sind die Sichtweiten lediglich etwa acht Meter, immer noch gut genug für uns, jedoch sind die Riffs in einem schlechten Zustand. Die Korallenbleiche ist schon recht weit fortgeschritten, wie wir sie noch nie gesehen haben. Die Korallen sind in grosser Zahl abgestorben, weitgehend ist nur noch das helle Korallenskelett sichtbar. Als Hauptursache dieses Phänomens gelten erhöhte Wassertemperaturen. Unser Tauchguide bestätigt unsere Beobachtung und sagt, dass die Korallenbleiche vor etwa zwei Jahren langsam begann, aber dass das Absterben jetzt so schnell vor sich ginge, dass er fast von Tauchgang zu Tauchgang eine Verschlechterung feststellen könne. Anderseits sehen wir wenigstens einige Rochen, Ammenhaie, Muränen und Schildkröten. Anderntags wiederholen sich unsere Eindrücke, wir sehen im Großen und Ganzen dasselbe Bild. Deshalb ist es ein leichter Entscheid weiterzuziehen und das Tauchen hier an dieser Küste aufzugeben und weiterhin von den Highlights in Indonesien und Palau zu träumen. Baden am Strand ist auch nicht wirklich schön, denn riesige Braunalgenteppiche müssen zuerst mit zugehaltener Nase überwunden werden, damit man in die blaue Karibik eintauchen kann. Wobei in dieser Saison die Karibik eher grau, rau und wild ist. Goodbye Belize, wir fahren zurück nach Mexiko!
21. – 26. August