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12 Survival-Regeln, die uns auch in Alltagssituationen helfen
Kürzlich habe ich das Buch „Deep Survival“ von Laurence Gonzales gelesen. Der amerikanische Journalist analysiert in seinem Werk das Verhalten von Menschen in Extremsituationen. Er sucht nach Gründen dafür, weshalb gewisse Personen lebensgefährliche Ereignisse überleben und andere nicht. Gonzales vereint gekonnt wissenschaftliche Erklärungen und spannendes Storytelling, das Buch wird dadurch sehr spannend und unterhaltsam.
Gonzales Faszination für die Überlebenspsychologie findet seinen Ursprung bei seinem Vater, der 1945 als Pilot einer B-17 über Deutschland abgeschossen wurde und als einziger der Crew den Absturz und die anschliessende Gefangenschaft überlebt hatte. Im Buch finden sich zahlreiche weitere faszinierende Geschichten. Zum Beispiel jene von Steven Callahan, der 76 Tage im atlantischen Ozean trieb, jene von Joe Simpson, der beim Abstieg vom Siula Grande in den Anden abgestürzt war und todgeglaubt und mit gebrochenem Bein den Weg zurück ins Basislager schaffte, jene von Christopher Burney, der das Konzentrationslager Buchenwald überlebte und zwar unter anderem mit Hilfe einer kleinen Schnecke, oder die Geschichte des Feuerwehrmannes Ken Killip, dessen Trip in den Rocky Mountain National Park zum Albtraum wurde.
Die Erkenntnisse, welche Gonzales aus dem Studium der Überlebenden gezogen hat, fasst er am Schluss in 12 Regel zusammen. Ich bin überzeugt, dass diese 12 Regeln auch für alltägliche Herausforderungen, sei es im Beruf, im Sport, in der Schule, in der Familie oder sonst irgendwo ihre Gültigkeit haben.
1. Wahrnehmen, planen, glauben, handeln, anpassen.
Es geht darum, sich den verändernden Begebenheiten bewusst zu werden und diese auch zu akzeptieren. Als erstes gilt es, dass man innehält und die scheinbar unüberwindbare Situation einmal nüchtern betrachtet. Man muss versuchen, eine Lagebeurteilung zu machen. Aufgrund der Erkenntnisse aus der Lagebeurteilung versucht man mögliche Konsequenzen abzuleiten aus welchen man einen Plan schmiedet, einen Plan an den man auch glaubt. Nun gilt es zu Handeln. Der Handelnde muss diesen Prozess permanent wiederholen. Man darf auf keinen Fall stur an seinem Plan festhalten. Will man eine Situation erfolgreich überstehen, dann muss man flexibel sein, das heisst, in der Lage sein, seinen Plan immer wieder den sich verändernden Lagen anzupassen.
2. Ruhe bewahren und humoristisch bleiben
In gefährlichen Situationen gilt es die Ruhe zu bewahren. Die betroffene Person sollte sich nicht durch die Angst leiten lassen, sondern die Angst als sinnesschärfendes Mittel nutzen. Ein typisches Merkmal von Überlebenden ist der Humor. Auch in Angesicht scheinbar unlösbarer Situationen, entdecken Überlebende komische Aspekte.
3. Sich organisieren
Überlebende zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich relativ rasch organisieren, gewisse Routine einrichten und ihre eigene Selbstdisziplin aufrechterhalten. Dies auch wenn die Handlungsfreiheit der betroffenen Personen durch die Situation extrem eingeschränkt ist. Oftmals handelt es sich deshalb um kleine Dinge, kleine Routinetätigkeiten. Ein organisiertes, routinemässiges und diszipliniertes Leben führt nur jemand, der auch daran glaubt, dass Hoffnung besteht. Wer sich gehen lässt, der hat die Hoffnung aufgegeben und beginnt mit dem Sterben.
4. Entscheiden und Ziele setzen
Wenn jemand keine Ziele hat, dann hat er aufgegeben. Auch in scheinbar unüberwindbaren Situationen, die auf den ersten Blick unlösbar erscheinen, können wir eine gewisse Übersicht erlangen, wenn wir die Situation in Teilprobleme herunterbrechen. Genau das tun auch Überlebende. Sie entscheiden sich, welche Ziele, auch wenn dies nur kleine Ziele sind, sie sich setzen und verfolgen diese dann mit der nötigen Beharrlichkeit. Mit jedem Erreichen eines kleinen Zieles steigt die Hoffnung, die Situation heil zu überstehen.
5. Erfolge feiern
Überlebende erfreuen sich an den kleinsten Erfolgen. Wenn ein Ziel erreicht wurde, dann nutzen Überlebende dieses um sich selber zu gratulieren, sich selber zu feiern. Dies wiederum stärkt die Motivation um weitere Schritte zu tun, um weitere kleine Ziele zu setzen und diese zu erreichen.
6. Dankbarkeit – Zum Helfer werden
Überlebende sehen in der Regel das Positive in einer Situation. Statt sich selbst zu bemitleiden, erfreuen sie sich daran, dass sie noch am Leben sind, dass sie „nur“ ein Bein gebrochen haben u.s.w. Weil sich Überlebende als privilegiert betrachten und nicht als Opfer, werden sie in extremen Situationen oft zu Helfern. Sie beginnen andere Leute zu unterstützen, ihnen zu helfen, sie zu motivieren. Menschen, die anderen helfen, haben ein übergeordnetes Ziel, dieess wiederum wirkt sich auf die Psyche als Antrieb aus.
7. Spielen
In schwierigen Situationen müssen wir verhindern, dass unser Geist von negativen Gedanken vereinnahmt wird. Einen gesunden Geist behalten wir, indem wir spielen, singen, versuchen Rätsel zu lösen oder uns anderweitig intellektuellen Aufgaben stellen.
8. Das Schöne sehen
Es ist ein faszinierendes Phänomen, dass Überlebende in ihren Situationen immer auch das Schöne wahrnehmen. Schiffbrüchige berichten über die Schönheit, alleine auf dem Meer zu treiben, von der Schönheit der Sterne, oder der Delfine, welche sie beobachteten. Gefangene erzählen von der Schönheit der Käfer, welche in ihren Zellen waren u.s.w.
Damit wir das Schöne sehen, müssen wir die Augen offen haben. Überall gibt es Dinge, welche faszinierend, spannend und schön sind, auch wenn es nur ganz kleine Dinge sind. Überlebende sind in der Lage sich an diesen kleinen Dingen zu erfreuen.
9. An den Erfolg glauben
Es ist wie bei allen Herausforderungen im Leben. Wenn ich nicht daran glaube, dass ich die Herausforderung auch bewältigen kann, dann muss ich sie auch nicht annehmen.
10. Die Situation akzeptieren - Sich dem Schicksal hingeben
Man muss sich Bewusst werden, dass wir nicht alles kontrollieren können. Gewisse Dinge liegen ausserhalb unserer Macht. Gewisse Geschehnisse und Begebenheit müssen wir leben zu akzeptieren. Bei Überlebenden zeigt sich dies oftmals in ihrer Fähigkeit Schmerzen aus Verletzungen zu akzeptieren. Interessant ist die Tatsache, das sogenannte Kontrollfreaks in der Regel keine guten Überlebenschancen haben. Statt die Umwelt und die Gegebenheiten zu kontrollieren, sind Überlebende vielmehr in der Lage sich diesen Gegebenheiten anzupassen.
11. Tue was es braucht
Sich seiner Stärken und seiner Fähigkeiten bewusst sein und diese auch ausnutzen. Überlebende sind in der Regel sehr rational. Sie versuchen nicht Dinge aus, die unmöglich sind, sondern sie rufen ihre Kenntnisse ab und reizen ihre Stärken und Fähigkeiten maximal aus.
12. Gib niemals auf!
Obwohl dies eine Binsenwahrheit ist, so ist es dennoch interessant, wie viele Menschen aufgeben. Nicht nur in Extremsituationen, sondern auch im Alltag. Viele Probleme und Situationen könnten aber gemeistert werden, wenn wir zuweilen etwas mehr Beharrlichkeit und Willenskraft zeigen würden.
Falls Euch das Thema interessiert, dann kauft Euch das Buch "Deep Survival" von Laurence Gonzales. Leider gibt es das Buch nur in englischer Sprache.
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