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Mit einer Simcard aus Sri Lanka eine SMS in die Schweiz zu schicken, kostet ca. zwei Rupien, ein Betrag, der sich nicht in Rappen umrechnen lässt. Banuka hat alle vier bis fünf Wochen eine geschickt: no water – little water – more water und schlussendlich: Mami very happy!
Alles in abenteuerlichem Englisch, und wir waren gespannt auf den Ziehbrunnen. Weit gefehlt: Als wir zu dem Brunnenloch kamen, war zwar Wasser in der Tiefe, aber darin nur ein graues Plastikrohr, das am Brunnenrand in der Erde verschwand. Auf unsere verständnislosen Blicke deutete er auf das dreissig Meter entfernte Haus und dort thronte ein schwarzer Plastiktank über dem Dach.
Er führte uns weiter in die Küche, wo eine gebrauchte Wasserpumpe dafür sorgte, dass das Wasser vom Brunnen in den Tank gepumpt wurde. Es war sogar ein Chromstahlbecken, wenn auch arg wackelig, an der Wand befestigt, und aus dem Wasserhahn kam tatsächlich Wasser – und Mami lächelte glücklich.
Im Waschraum vor dem Haus war eine Dusche angebracht worden, und Banuka war sichtlich stolz auf sein Werk. Einen Blick in das Outhouse haben wir nicht gewagt. Wir haben Tee getrunken und Banuka hat viel erzählt. Die Schwester ist mit ihrem Mann wieder in ihr eigenes Häuschen zurückgekehrt, weil sein Arbeitsweg nach Colombo zu weit war, und sein sechzehnjähriger Bruder macht ihm Sorgen. Er ist nicht sonderlich gut in der Schule und mit schlechten Noten würde er keine Stelle finden. Der Junge hat die erstaunlichsten Augen, die wir in ganz Sri Lanka je gesehen haben: Sie sind so hell, dass sie fast grünlich erscheinen, und er scheint ein kleiner Träumer zu sein.
Auf unsere Nachfrage, was denn der Bruder für andere Möglichkeiten hätte, sagte Banuka, dass er dann Backsteine herstellen und auf dem Reisfeld arbeiten müsse!
So haben wir auch erfahren, dass die Familie noch ein kleines Reisfeld hat und es für Banuka sehr schwer sei, dieses ohne den Vater neben seiner Arbeit (Banuka war einer der Ersten, der wieder eingestellt wurde) zu bewirtschaften. Die Jungen wollten nicht mehr die harte Arbeit machen und neben den Alten müsse er den ganzen Tag mitarbeiten, sonst würden die unter den Bäumen liegen und Arrak trinken!
Mamis Küchenherd, unten rechts ist die Wasserpumpe
Er zeigte uns in einem kleinen Raum die Reissäcke und erwähnte, wieder nicht ohne Stolz, dass die zwei Ernten im Jahr genug für die Eigenversorgung hergeben würden.
In dem kleinen Raum würde er dann eines Tages ein Badezimmer einbauen.
Wir haben schon im ersten Bericht darauf hingewiesen, dass Banukas Familie im Vergleich zu anderen sehr gut dasteht, aber dafür hat sein Vater und jetzt er sehr hart arbeiteten müssen.
Es ist ein heikles Thema, aber nicht nur in diesem Land gibt es Menschen, die nie etwas hatten und auch nie etwas haben werden, egal wie viel Hilfestellung sie bekommen. Die ihr Karma hinnehmen und sich sicher sind, dass Beten im Tempel schon wieder einen Sack Reis von irgendwo her zaubern wird.
Oder denen es so schlecht geht, dass es weder in unseren zeitlichen noch finanziellen Möglichkeiten liegt, ihnen wirklich helfen zu können.
Was soll man machen, wenn man auf der Strasse von einer Handvoll, im wahrsten Sinne des Wortes, verlausten Kindern angebettelt wird, ausser etwas Essen zu kaufen? Oder von Nachbarn in eine der Obdachlosen-Hütten geführt wird und dort eine Frau auf dem Boden herumrutscht, weil sie gelähmt ist ? Einen Rollstuhl zu kaufen, wäre in dem Gelände wenig sinnvoll, und es bleibt nichts, als später im Schutz der Dunkelheit verschämt ein Kuvert mit etwas Geld zu überreichen, weil es noch so viele andere in derselben aussichtslosen Situation gibt.
Man könnte also sagen, dass wir Menschen helfen, die eigentlich ganz gut dastehen – aber eben auch aus eigener Kraft und auch nur im Vergleich zu diesem Elend.
Wir haben in Erfahrung gebracht, dass ein komplettes Badezimmer ca. 30’000 Rupien kostet (Fr. 360.-). Wir waren so positiv über-rascht worden, was Banuka mit den 8’000 Rupien angestellt hatte (die gesamten Kosten der Wasserversorgung beliefen sich auf ca. 14 000 Rupien) und schliesslich ist auch seine Mutter eine Witwe.
Wir sind mit ihm ins nächste Dorf zu einem Laden gefahren und wurden nicht enttäuscht. Obwohl es im Laden Importware gab, ist er zielstrebig auf die einheimische Ware vor dem Laden losgegangen, die es wahlweise in pink, hellgrau, hellgrün und hellblau gab; wir sollten aussuchen!
Wir haben dies strikt abgelehnt (die Wahl wäre uns auch sehr schwer gefallen) und er hat sich freudig für pink entschieden. Auch bei den Fliesen hielt er sich nicht mit der grossen Auswahl auf, sondern zeigte in die unterste Ecke auf eine einfache Fliese, pink, hellgrau, hellgrün und hellblau.
Der hochgewachsene Banuka und Marie-Luise, die nicht fassen kann, dass es auch rosa Fliesen-Abschlussleisten
aus Plastik gibt. Hinter Banuka das Prachtstück in Pink mit dunklen Konturen.
Er hat nur die Sachen ausgesucht, die er sich irgendwann auch hätte leisten können, und nachdem wir wirklich an alles gedacht hatten, belief sich die Rechnung auf 26 000 Rupien. Weitere 4000 waren nötig für Wasserrohre und Fliesenkleber, die er in seinem Dorf kaufen wollte, und nachdem wir von einem weiteren Besuch in Hambantota zurückgekehrt waren, übergab er uns Kopien von beiden Rechnungen und 150 Rupien Wechselgeld. Wir werden nächsten Frühling den Traum in Rosa bewundern gehen und wir sind uns sicher, dass wir bald wieder eine SMS von ihm erhalten werden, die lautet: Mami very happy!