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30.10.2018 – Die ausgeprägte Niedrigwasserlage in den Schweizer Gewässern hielt im Oktober an und die Pegel vieler Flüsse und Seen und des Grundwassers in der ganzen Schweiz lagen deutlich unter dem langjährigen Mittelwert für diesen Monat. Die Niederschläge der letzten Oktober-Tage haben die Niedrigwassersituation im Tessin entschärft und sogar zu Hochwasser geführt. Auch in anderen Regionen der Schweiz sind die Pegel der Gewässer zeitweise etwas angestiegen. Für eine Normalisierung der Lage in den Flüssen, den Seen und insbesondere im Grundwasser im Mittelland und im Jura ist eine längere Phase mit Regen nötig. Eine Zwischenbilanz.
Am 19. Oktober 2018 musste die Grossschifffahrt auf dem Rhein bis Basel weitgehend eingestellt werden. Grund dafür war der sehr tiefe Abfluss des deutschen Mittelrheins. Aber auch bei der Messstation Basel-Rheinhalle floss mit rund 410 m3/s weniger als halb so viel Wasser vorbei als im langjährigen Oktober-Durchschnitt. Im Vergleich mit den niedrigsten Abflüssen der letzten Jahre lag dieser Wert in einem ähnlichen Bereich wie im Januar 2017, leicht tiefer als im September 2003, aber höher als im Februar 2006.
Während der Monate September und Oktober war es in der Schweiz fast durchgehend trocken und sonnig. Der Monat September gehörte zu den zehn wärmsten der über 150-jährigen Messperiode von MeteoSchweiz. Aufgrund des Niederschlagsdefizits und der überdurchschnittlich hohen Herbsttemperaturen hielt die aussergewöhnliche Niedrigwassersituation im Oktober vielerorts an.
Flüsse so tief wie sonst im Winter
Im Oktober gingen die Abflüsse in den meisten Fliessgewässern im Vergleich zum September weiter zurück. Am stärksten vom Niedrigwasser betroffen waren die Westschweiz, der Jura und das zentrale Mittelland. Dies galt insbesondere für kleine und mittelgrosse Fliessgewässer. Jedoch wiesen auch grosse Flüsse wie die Aare unterhalb des Bielersees und der Rhein unterhalb des Bodensees tiefe Abflüsse auf. Die Tessiner Fliessgewässer führten bis am 26. Oktober ebenfalls wenig Wasser
In Gewässern mit alpinen Einzugsgebieten sind die Abflüsse in den Spätherbst- und Wintermonaten generell die tiefsten im Jahr. In nicht oder gering von Gletscherschmelze beeinflussten Gewässern bewegten sich die Oktoberwerte jedoch deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt und teilweise bereits auch unter den im Winter üblichen tiefen Abflüssen und Wasserständen. In stark von Gletscherschmelze beeinflussten Fliessgewässern wie beispielsweise der Massa im Oberwallis hingegen waren die Abflüsse bis in den Oktober hinein überdurchschnittlich hoch (siehe Grafik). Grund dafür waren die hohen Herbsttemperaturen, die zu einem starken Abschmelzen der Gletscher führten.
Ein Blick in die Niedrigwasserstatistik zeigt, dass fast ein Fünftel der Messstationen des BAFU im September und Oktober Abflusswerte aufwiesen, wie sie nur alle zehn Jahre oder noch seltener auftreten. Besonders hohe Jährlichkeiten wurden bei den Stationen Doubs-Le Noirmont, Allondon-Dardagny, Les Granges und Ilfis-Langnau beobachtet. Bei grösseren Flüssen wie beispielsweise der Aare bei Brugg oder dem Rhein bei Rheinfelden wurde Mitte Oktober ein 5- bis 10-jährliches Niedrigwasser gemessen. Auffallend ist, dass auch bei alpinen Fliessgewässern, die normalerweise im Winter die extremsten Niedrigwasser aufweisen, Jährlichkeiten von mehr als zwei Jahren berechnet wurden, wie beispielsweise beim Glenner bei Castrisch.
Eine detaillierte Zusammenstellung der niedrigsten Abflusswerte von Juli 2018 bis zum 25. Oktober 2018 ist untenstehender Tabelle zu entnehmen.
Auch Seewasserstände blieben tief
Bei vielen Seen herrschten im Oktober sehr tiefe Wasserstände. Im Bodensee und Vierwaldstättersee ging der Wasserstand im Oktober weiter zurück, im Brienzersee wurde gar das bisher gemessene Oktoberminimum unterschritten. Im Walensee stieg der Wasserstand leicht an, er befand sich jedoch für Oktober immer noch auf unterdurchschnittlichem Niveau. Der Wasserstand des Zugersees und des Zürichsees hatte sich im Verlauf des Septembers leicht erholt, im Oktober setzte wieder ein sinkender Trend ein.
Besonders tiefe Wasserstände wiesen zudem kleinere Seen im Mittelland auf: Beim Hallwilersee, Pfäffikersee, Baldeggersee und Sempachersee lagen die Pegel Ende Oktober so tief, wie es statistisch gesehen nur alle 10 bis 30 Jahre beobachtet wird. Und der Pegel des Lac des Brenets sank wie schon im September täglich um über 15 Zentimeter und lag Ende Oktober mehr als 5.5 Meter unterhalb des bisherigen Minimums der Messperiode seit 1964 (742.51 m ü.M. im Dezember 1978).
Auch die Tessiner Seen Lago Maggiore und Lago di Lugano wiesen für Oktober unterdurchschnittlich tiefe Wasserstände auf. Im Lago Maggiore befand sich Anfang Oktober so wenig Wasser, wie dies statistisch gesehen nur alle 2 bis 5 Jahre vorkommt. Aussergewöhnlich tief war auch der Wasserstand des Untersees bei Berlingen (Bodensee): Sein bis zum 25. Oktober erreichter Tiefstwert wurde bisher statistisch gesehen nur alle 2 bis 5 Jahre beobachtet.
An den regulierten Seen Thuner-, Neuenburger-, und Genfersee wurden für den Monat Oktober durchschnittliche Wasserstände gemessen, da diese noch von der Gletscherschmelze profitieren konnten.
Eine detaillierte Zusammenstellung der niedrigsten Seewasserstände von Juli 2018 bis zum 25. Oktober 2018 ist untenstehender Tabelle zu entnehmen.
Grundwasserstände verbreitet tief
Infolge der bereits seit Juni unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen gingen die Grundwasserstände und Quellabflüsse landesweit weiter zurück. Im Oktober waren weiterhin verbreitet tiefe Grundwasserstände und Quellabflüsse mit sinkender bis stagnierender Tendenz zu verzeichnen. Dies galt vor allem für die an kleine Flüsse gebundene Lockergesteins-Grundwasserleiter im Mittelland bzw. auf der Alpensüdseite und für Grundwasserleiter ohne Flussanbindung mit geringem Flurabstand. Auch in den Talschotterebenen entlang der grossen Flusstäler mit Einzugsgebieten in den Alpen sanken die Grundwasserstände bis Mitte Oktober infolge der fehlenden Schmelzwasser- und Niederschlagsmengen zunehmend auf ein tiefes Niveau. In den Karst- und Kluft-Grundwasserleitern wurden normale bis tiefe Quellabflüsse mit sinkender bis teils stagnierender Tendenz gemessen.
80% des Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen. Lokal gab es in den vergangenen Wochen Versorgungsengpässe, die zu Aufrufen zum Wassersparen geführt hatten. Die Trinkwasserversorgung ist jedoch, auch aufgrund bestehender Verbundlösungen, weiterhin landesweit gesichert.
Wassertemperaturen im Oktober leicht überdurchschnittlich
Im Vergleich zum September sanken die Wassertemperaturen in der ganzen Schweiz merklich. Trotzdem bewegten sich die Temperaturen im Oktober in vielen Flüssen auf einem für diese Saison leicht überdurchschnittlichen Niveau. Am Rhein beispielsweise lag die Wassertemperatur deutlich über dem Oktober-Durchschnitt, aber nicht mehr in einem für Wasserlebewesen kritischen Bereich.
Wie lange braucht es für eine Normalisierung der Lage?
Die Niederschläge der letzten Oktobertage haben im Tessin und auch in einigen anderen Regionen der Schweiz die Trockenheit entspannt. Auf der Alpennordseite (Mittelland und Jura) herrscht aber weiterhin eine Niedrigwassersituation vor. Wann sich die Lage landesweit wieder normalisieren wird, hängt von der weiteren Wetterentwicklung ab.
Generell braucht es eine längere Phase mit regelmässigen, ergiebigen Niederschlägen, um das Wasserdefizit in den Böden und insbesondere im Grundwasser wieder auszugleichen und die Pegel in Flüssen und Seen wieder zu normalisieren. Zudem führen die sinkenden Temperaturen sowie die abnehmende Sonneneinstrahlung zu einer reduzierten Gletscherschmelze, sodass deren Beitrag zum Abfluss weitgehend wegfallen wird. Allfälliger Niederschlag fällt im Herbst und Winter in höheren Lagen vermehrt als Schnee und gelangt deshalb nicht oder erst verzögert als Abfluss in die Gewässer.
Aktuelle Informationen zur Hochwassersituation im Tessin und Wallis sind dem Naturgefahrenbulletin des Bundes zu entnehmen.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 30.10.2018