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«Das ist der Mann», wisperten die Bewohner, die um Johann herumstanden und beäugten ihn skeptisch. Johann, der gerade frisch in die kleine Stadt hergezogen war, fühlte sich sehr unwohl, wollte es sich aber nicht anmerken lassen. Er ging auf eine Frau mit einem kleinen Kind zu und fragte: «Wieso schauen mich alle so an?» Die Frau erwiderte: «Es wird über Sie gemunkelt, dass Sie in das verlassene Haus am Waldrand ziehen wollen.» «In der Tat, das ist korrekt», erwiderte der Mann, «was ist daran so aussergewöhnlich?» Die Frau antwortete nicht mehr, da sie sich wieder ihrem Kind zugewandt hatte. Er verabschiedete sich von ihr und wandte der Menge den Rücken zu.
Er ging auf den Wald zu, indem sich sein neues Zuhause befinden sollte. Nach einer Weile kam er vor einer grossen, alten Villa an und zog sein Schlüsselbund aus der Tasche. Langsam ging er auf das Haus zu und steckte den Schlüssel ins Schloss. Als er die Villa betrat, spürte er eine kalte Brise, die ihm einen Schauer über den Rücken jagte und er hörte das Knarren alter Holzböden. Er beschloss erst einmal die Villa zu erkunden. Als er sich vor dem Zubettgehen noch einen Tee zubereitete, hörte er plötzlich ein seltsames Knarzen. Er schüttelte den Kopf und dachte er würde schon verrückt werden, so wie die Bewohner des Dorfes. Mit seinem Tee in der Hand ging er die Treppen hinauf ins Schlafzimmer und legte sich in sein frisch bezogenes Bett. Es brauchte eine Weile, bis seine Augen zu fielen, aber schliesslich hörte man nur noch das ruhige Atmen von Johann.
Doch plötzlich war da noch ein anderes Geräusch; das Knarzen der Treppe und ein leises Flüstern. «Johann, wach auf! Ich bin es der Geist des alten Greises», flüsterte die Stimme leise. Johann schreckte hoch und riss die Augen auf. Das hatte er nicht geträumt. Er erhob sich langsam vom Bett und öffnete die Tür seines Schlafzimmers. Zur Sicherheit steckte er sein Handy in die Tasche seiner Pyjamahose. Da! Er hörte das Knarzen wieder. Er folgte dem Geräusch und hörte abermals ein leises Flüstern. Er ging der Stimme nach, von der er in den Bann gezogen wurde. Da kam er an einem Spiegel vorbei. Er warf einen Blick hinein und erstarrte. Im Spiegel sah er nicht sich selber, sondern einen alten Greis. Er drehte sich um, doch da stand niemand hinter ihm. «Du hast schon richtig gesehen, ich stehe vor dir im Spiegel, du brauchst keine Angst zu haben, ich tu dir nichts», meinte der Alte mit einem schelmischen Grinsen auf dem Gesicht. Johann war nicht überzeugt von den Worten des Greises, denn als dieser seinen Arm hob, sah er etwas Glänzendes, scharfes in seiner Hand aufblitzen.
Johann bekam es mit der Angst zu tun und wollte so schnell wie möglich von dem verrückten Spiegel und diesem durchgeknallten Greis weg. Er lief immer schneller und schneller bis er schliesslich rannte. Als er über seine Schulter zurückblickte sah er wie der alte Greis aus dem Spiegel herausstieg und die Verfolgung aufnahm. Johann ging auf eine Tür zu, von der er dachte, dass es sein Schlafzimmer sei. Doch es war nur ein weiterer Gang. Er wusste nicht mehr, wohin er laufen sollte, aber er wollte auf keinen Fall zurück in die Richtung des alten Greises. Als er am Ende des Ganges eine Tür aufriss befand er sich im Treppenhaus. «Endlich, raus hier!» Er raste die Treppen hinunter und wollte die Haustüre aufreissen. Doch sie liess sich nicht öffnen. Er konnte noch so fest daran ziehen und rütteln, aber er brachte die Türe nicht auf. Auf der Treppe hinter ihm erschien der Greis. «Du wirst die Türe nicht aufbringen, hahahaha!» «Was willst du von mir, bitte tu mir nichts!» Doch der Greis ging nicht auf seine Bitte ein und kam weiter auf ihn zu. Johann wich nach hinten aus, doch da war nur die Türe, gegen die er knallte. Der Greis kam näher und näher, Johann wich zur Seite aus. Plötzlich gab es keinen Ausweg mehr für ihn. Er war in einer Ecke gefangen.
Nun stand der Alte vor ihm und packte ihn am Hals. Seine Hand war eiskalt und Johann spürte, wie sein Herz bis zu seinem Hals schlug. Der Greis legte die kalte Klinge an den Hals seines Opfers. Plötzlich hatte er noch eine letzte Hoffnung, denn ihm fiel wieder ein, dass er vorhin doch sein Handy eingesteckt hatte. Er tastete seine Hosentasche ab und fand es tatsächlich. Blind tippte er darauf herum und glaubte die Nummer des Notrufes gewählt zu haben. Irgendwie schaffte er es und es ertönte eine Stimme aus dem Mobiltelefon: «Feuerwehr- und Notrufzentrale, wo genau ist ihr Unfallort?» Der Greis erschrak für einen kurzen Moment, doch er hatte sich schnell wieder gefasst. Er riss Johann das Telefon aus der Hand und schmetterte es durch das Zimmer. Johann konnte nur noch «Hilfe» schreien, bevor sein Handy an der Wand zerschellte. Er versuchte sich zu wehren und sie landeten beide auf dem Boden. Das letzte, was Johann spürte, war der kalte Atem des Greises, bevor dieser ihm das Messer in den Bauch rammte. Danach verschwand der Alte wieder hinter dem Spiegel im Obergeschoss, um auf sein nächstes Opfer zu warten.
Kurze Zeit später hörte man Sirenen und es fuhren ein Krankenwagen und Polizeiautos vor. Als diese die Tür aufbrachen lag Johann bereits regungslos am Boden. Ein Sanitäter trat zu ihm und konnte noch einen schwachen Puls erkennen. In dem Moment, als sie ihn an die Geräte anschlossen, hörte sein Herz jedoch auf zu schlagen. Auch nach langer Reanimation schlug es nicht wieder. Der Notarzt brach schliesslich die Stille: «Todeszeitpunkt 04:13 Uhr»
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