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Hauptbeschäftigung der Bewohner im
Rheinwald und
Avers sind Alpwirtschaft, im
Schams daneben noch etwas Ackerbau. Früher baute
man imSchamsMinen ab. Einst beschäftigten im
Rheinwald der Waaren- und Personenverkehr über den
Splügen
und Bernhardin zahlreiche Leute; seit der Eröffnung der Gotthardbahn ist diese Einnahmequelle stark zurückgegangen. Es
hat auch die Bevölkerungszahl durch starke Auswanderung beständig abgenommen. Der Bezirk zählte 1850: 3701 Ew.;
1860:
3512;
1870: 3458;
1880: 3155;
1888: 2822;
1900: 2601. Vergl. Lechner, E.
Thusisund die Hinterrheinthäler.
2309 m. Gipfel, in der Kette der Churfirsten
zwischen dem Käserrugg (2266 m) im O. und dem Scheibenstoll (2238 m) im W. Nach S. fällt der ein dreikantiges Prisma bildende
Hinterrugg mit unzugänglichem Steilhang zur langen Neocomterrasse «Auf den Kämmen» ab.
Besteht aus einem Schichtfetzen von
Kreide, der vom Kreidelappen des Käserrugg durch den Felsenzirkus des Kamm (Käsernalp) und vom Urgonlappen
des Scheibenstoll durch den Einschnitt des Gluristhales getrennt wird.
Durch die Furche des Jonathales, die sich nach N. ins Tössgebiet hinüber verlängert, werden die Berge
in zwei Reihen geschieden, die «Hörnlikette» an der O.-Grenze des Kantons
mit dem Tössstock (1152 m),
Hörnli (1136 m) u. a., und in die «Allmannkette» mit dem Bachtel (1119 m),
Allmann (1083 m) u. a. Zwischen den beiden Ketten fliesst nach N. die Töss, nach S. die Jona. Die letztere
wird im grössten Massstab zum Betrieb der Fabriken benutzt. Der W.-Hang der Allmannkette gehört fast ganz dem Glattgebiete
an, indem hier die Wasser entweder dem Pfäffikersee oder dem Greifensee zufliessen.
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Die Gesteinsschichten, aus denen diese Berge aufgebaut sind, gehören der Miocänperiode an; es sind kalkigtonige Mergel,
ziemlich weiche Sandsteine und in allergrösster Masse Nagelfluh. Im nördl. und mittlern Gebiet liegen die Schichten waagrecht;
im SO. fangen sie an schwach gegen S. anzusteigen. Dadurch entstehen in der Gegend von Rüti und südlicher
die zahlreichen kleinen Hügelzüge, die alle parallel WSW.-ONO. verlaufen und je einer härtern Nagelfluhschicht entsprechen.
Ueber diese Grundlage ausgebreitet finden wir dann namentlich im s. und w. Teil viel glazialen Schutt, der am Bachtel bis zu
einer Höhe von 1100 m reicht.
Die Bevölkerung des Bezirks betrug 1900 in 5542 Häusern und 8014 Haushaltungen dass 33752 Ew., so auf 1 km2 190 Ew.
kommen. Gegenüber 1888 zeigt der Bezirk eine Zunahme von 6%, während der ganze Kanton um 27,4% zugenommen hat. Von der
Gesamtbevölkerung sind 28927 Reformierte und 4793 Katholiken; 850 Ew. sind italienischer Zunge. Infolge der Höhe
über Meer und der sehr bedeutenden Regenmenge treten Wein- und Getreidebau ganz zurück, während der Wiesenbau vorherrscht.
Das ergibt sich aus folgenden Zahlen:
Damit stimmt auch das Vorwiegen der Viehzucht überein. Der Bezirk
hatte:
1886
1896
1901
Rindvieh
10738
13026
13221
Pferde
410
519
672
Schweine
1857
2753
2970
Schafe
23
33
65
Ziegen
1930
1731
1642
Bienenstöcke
2613
3282
2725
Neben der Viehzucht und der Waldwirtschaft spielt die Industrie eine ganz hervorragende Rolle:
Baumwollspinnerei und Weberei, sowie
Stickerei findet man fast in allen Gemeinden;
Seidenweberei ist eine sehr verbreitete Hausindustrie.
Am bedeutendsten ist die industrielle Tätigkeit in Rüti (Maschinenfabrik), Hinwil, Wald, Wetzikon, etc. Trotz der grossen
Höhenunterschiede hat der Bezirk Hinwil ein ganz bedeutendes Netz von Bahnlinien: an die erste Linie Zürich-Uster-Rapperswil
schlossen sich später die Abzweigung Rüti-Wald mit Anschluss an die Tössthalbahn (Wald-Winterthur)
und die Linie Wetzikon-Hinwil an;
Der Bezirk besitzt ausser manchen
gemeinnützigen Instituten in den Gemeinden auch eine «Gemeinnützige Bezirksgesellschaft»,
welche unter anderem durch die Gründung einer Sparkasse sich ein grosses Verdienst erworben hat.
Eine erste Kirche bestand schon 747; die heutige Kirche 1787 eingeweiht. Die Freiherren von Hinwil waren
ein sehr altes, schon 1044 genanntes Geschlecht von hohem Rang. Im Anfang des 14. Jahrhunderts sanken sie, vermutlich wegen
unebenbürtiger Heirat, zu blossen Ministerialen herab, wohnten seit 1321 auf Greifenberg, später zu
Elgg und erloschen 1588. Sie verkauften 1451 ihre Stammgüter zu Hinwil mit Leuten, Gerichten und aller Zubehörde an
die Johanniter zu Bubikon. 1408 kam Hinwil an die Stadt Zürich, die den Ort ihrer Landvogtei Grüningen zuteilte. Die Steine
der ehemaligen Burg wurden nach Stumpf's Chronik zu Anfang des 15. Jahrhunderts zum Neubau der Kirche
verwendet. Die Burg stand auf dem sog. Burgbühl nö. über der jetzigen Kirche. Vergl. Näf, Arn. Geschichte der KirchgemeindeHinwil.Zürich
1869. - Zeller-Werdmüller, H. Zürcher. Burgen. I. (Mitteilungen der antiquar. Gesellsch. inZürich.
58). Zürich
1894. - Strickler,
G. Das ZürcherOberland. Zürich
1902.
(Kt. Graubünden,
Bez. Hinterrhein).
2857 m. Gipfel; in der kurzen Kette, die vom Surettahorn nach NO. auszweigt, dann gegen die Rofna nach
N. umbiegt und die Thäler von Suretta und Ferrera von einander trennt; 4,5 km sw. über Ausser Ferrera,
von wo aus er in 3½ Stunden leicht bestiegen werden kann. Das Hirli und seine Umgebungen waren früher der Schauplatz eines
regen Bergbaues, der an verschiedenen Stellen betrieben wurde. Man sieht heute noch in 2100-2130 m (1,5
km ö. vom Gipfel) den Eingang zu einer solchen Mine.
Das geförderte Erz wurde in der Thalsohle 3 km oberhalb Ausser Ferrera
verhüttet.
Die ehemalige Bedeutung dieses Betriebes erhellt aus den hier heute noch sichtbaren beträchtlichen Ruinen.
Die
Erze liegen in Kalkschichten, die im grünen Gneisporphyroid der Rofna und in Gneis eingekeilt sind. Es
sind Roteisenstein, Roteisenocker und Eisenspat. An dem zum Surettathal absteigenden W.-Hang des Hirli baute man auch silberschüssiges
Blei und kupferschüssigen Pyrit ab.
Das Eingehen
dieser Bergwerke beruht wie überall im Kanton Graubünden
auf dem wegen unsinniger Waldverwüstung eingetretenen Mangel
an Brennmaterial, auf den schwierigen Transportverhältnissen und endlich auch auf der einer Raubwirtschaft gleichkommenden
irrationellen Führung der Betriebe.
(LagoDa) (Kt. Graubünden,
Bez. Hinterrhein).
2549 m. Kleiner See, am N.-Hang des Hirli, 1 km nnö. unter dem Gipfel in wilder und schuttbedeckter
Landschaft; 3-4 Stunden nw. über Canicül. Sö. unter dem Gipfel liegen noch zwei weitere kleine Seen,
die unbenannt sind.
(Kt. Aargau,
Bez. Aarau).
445 m. Gem. und Dorf, im Suhrenthal, am rechten Ufer der Suhr, an der Strasse
Aarau-Sursee-Luzern und 1,5 km n. Schöftland. Station der elektrischen Strassenbahn Aarau-Schöftland. Postbureau, Telegraph,
Telephon. Gemeinde, mit Thal: 68 Häuser, 522 reform. Ew.; Dorf: 40 Häuser, 325 Ew. Ackerbau, Viehzucht und Milchwirtschaft.
Woll- und Hanfgarnspinnerei. 893: Hyrgtale.
(Kt., Bez. und Gem. Zürich,
Stadtkreis V). 452 m. Quartier; ehemalige Aussengemeinde der Stadt Zürich, seit mit
dieser vereinigt, sö. der Altstadt. Kirchgemeinde Neumünster. Bei der Burgwies Funde von Bronzegegenständen. Refugium Biberlinsburg;
im Degenried Funde aus der Eisen- und Römerzeit; bei der Klus Ueberreste eines römischen Bauwerkes. 946:
Hirslanda = Land, auf dem Hirse angebaut wird. Das Gemeindewappen zeigt einen goldenen Hirsstengel im blauen Felde.
Vergl. die Art. Zürich
(Stadt) und Burghœlzli. Grundeigentümer in Hirslanden waren im 13. Jahrhundert vorzüglich die Abtei und
zum Teil auch die Propstei Zürich.
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts kauften sich hier auch das Kloster
Oetenbach und der Spital in Zürich
Grundbesitz. Zehntenherr in Hirslanden war das Chorherrenstift Zürich
als Kollator der Pfarrkirche Grossmünster,
zu der Riesbach, Hirslanden und Hottingen gehörten. Die vereinigte hohe und niedere Vogtei stand wie in der
ganzen Umgegend von Zürich
ursprünglich dem Reichsvogte über die Stadt zu und kam später als Reichslehen in den erblichen Besitz
der Familie Mülner, die auch bereits das
Meieramt inne hatte.
Die Entstehung der Gemeinde Hirslanden rührt von der Bildung einer Wacht her, die 1408 zum erstenmal genannt wird. Die Gemeinde
bis 1798 der Landvogtei Küsnacht zugeteilt, während Geldstreitigkeiten dem städtischen Gericht zur Schlichtung unterstanden. 1893 zusammen
mit den übrigen Ausgemeinden mit der Stadt Zürich vereinigt. Vergl. Nüscheler, Arn. Ein historischerGangdurch die Nachbargemeindender StadtZürich (in Salomon Vögelin's Werk: Das alteZürich.
2. Aufl. Zürich
1890).
(Kt. Glarus).
1644 m. Begraster Gipfel, in der zwischen den Thälchen des Niederurnerbachs und Biltnerbachs von O.-W. ziehenden
Kette. Besteht aus miocäner Nagelfluh und damit wechsellagernden Sandstein- und Mergelschichten, die
ziemlich steil nach S. gegen den den N.-Fuss der n. Kreideketten begleitenden Flysch einfallen. Der mit Alpweiden bestandene
S.-Hang des Berges ist demnach weniger steil und gleichmässiger geböscht, als der von den Schichtköpfen gebildete stufenförmige
N.-Hang, der zum grossen Teil mit Wald bestanden ist. Der Gipfel kann von Bilten oder Niederurnen aus in 3 Stunden
erreicht werden und wird seiner schönen Aussicht auf Mittelland und östl. Schweizeralpen wegen oft besucht. Mächtiger und
ausgezeichnet typischer Schuttsturz am Das Ereignis wird von Prof.
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heim (UeberBergstürze. Zürich
1882) wie folgt beschrieben: Der Hirzliberg ob Bilten ist aus festen Nagelfluhbänken und aus damit
abwechselnden Sandstein- und Mergelschichten gebildet. Die Schichten fallen in den Berg hinein und ziehen sich aussen am
Abhang schief gegen O. abwärts. Die Mergel- und Sandsteinschichten sind wegen ihrer geringen Festigkeit
zu kleinen Thälchen ausgewittert, welche von den vorspringenden widerstandsfähigeren Nagelfluhrippen nach Aussen begrenzt
werden.
Ein solches Thälchen von etwa 300 m Länge, 50 m Breite und 15-20 m Tiefe, wohl über 450 m über dem Dorfe Bilten gelegen,
hatte sich seit undenklichen Zeiten mit Abwitterungsschutt der gleichen Gesteine angefüllt. Das ganze
Gehänge war gut bewaldet und ebenso teilweise der Schutt in dem Thälchen. Im Winter 1867 stürzte eine Lawine und blieb
an dieser Stelle liegen. Ihr langsames Schmelzen, das bis weit in den Frühling 1868 hineinreichte, erzeugte eine anhaltende
gründliche Durchtränkung des Schuttes.
Endlich geriet derselbe ins Fliessen, traf bald auf eine Stelle, wo die äussere Rippe von Nagelfluh eine
Bresche hatte und stürzte nun dort über die Nagelfluhwand und durch den steilen Wald über 100 m tief hinab. Der tonige
Brei, mit zahlreichen bis zu mehreren Kubikmetern grossen Nagelfluhblöcken gemischt, bewegte sich wie ein schmutziger
donnernder Wasserfall. Seitlich abfliegende Steine schlugen fast fussdicke Tannenstämme durch, und alles
wurde hier mit Kot bespritzt.
Im Wald, der krachend zusammenbrach, wurde eine früher kaum merkliche Furche zu einem 6-10 m tiefen und 10-20 m breiten
Sturzweg in wenigen Augenblicken ausgeschürft. 100-200 m hinter dem Dorf Bitten stand ein gut gepflegtes Wäldchen, welches
nun auf dem hier schon viel weniger steilen Untergrund wie ein Sieb wirkte. Zwar wurde es grösstenteils geworfen, vermochte
aber doch zum Glücke des Dorfes die Blöcke zurückzuhalten, so dass nur der Schlamm in Gestalt eines einhalb bis zu drei
Meter hohen, breiten Stromes langsam bis über die Strasse auf den flachen Boden hinabfloss. Es war zur
Flucht Zeit genug.
Die Bewegung des Schlammes hielt 48 Stunden lang an. Zwanzig Gebäulichkeiten wurden dadurch beschädigt oder teilweise zerstört,
der Schlammstrom drückte Mauern ein, verschob Ställe oder drang durch Fenster und Türen in die Erdgeschosse und ersten
Stockwerke einiger Häuser. 25 Haushaltungen mussten ausziehen, und der Schaden an Wald, Wiesen, Pflanzland
und Gärten, etwa 40 Jucharten gross, war bedeutend. Die niedergestürzte Schuttmasse beträgt etwa 180000 m3. Im Schuttsturz
von Bilten haben wir ein Beispiel für Trennung des Ablagerungsgebietes in Blockgebiet und Schlammstrom.
(Kt. Zürich,
Bez. Hinwil,
Gem. Wald). 870 m. Kleines Dorf, auf einer Terrasse links über dem Thal der
Jona, 2 km nö. der Station Wald der Tössthalbahn (Winterthur-Wald). Telegraph, Telephon. 21 Häuser, 93 reform. Ew. Etwas
ö. vom Dorf die kantonale zürcherische Heilstätte für Lungenkranke (Lungensanatorium). «Die
Anstalt liegt 907 m über Meer, auf einer freien Terrasse des Faltigberges, bei Hittenberg. Zustandegekommen
durch zahlreiche freiwillige Beiträge von Gemeinden, Gesellschaften, Vereinen und Privaten, ganz besonders durch einen hohen
Beitrag der Regierung des Kantons Zürich,
wurde die Anstalt um die Totalsumme von Fr. 550000 nach dem Pavillonsystem erbaut, kam im Herbst 1897 unter
Dach und konnte im November 1898 eröffnet werden. Die grosse Reinheit der Luft, das herrliche Panorama,
die windgeschützte Lage, die idyllische Umgebung sprechen sehr zu Gunsten dieser Anstalt, die über die Wintermonate so
viel Sonnenschein hat wie Davos; und wenn in der kalten Jahreszeit im Tiefland ein dichter Nebel lagert, lacht da oben ein
klarblauer Himmel ins Menschenherz hinein und erreicht die Temperatur nicht selten diejenige von Lugano
und Locarno.» Die Anstalt besteht aus drei mit einander verbundenen Gebäuden mit total 90 m Frontlänge. Auf der
S.-Seite drei Liegehallen, auf der N.-Seite Glasgallerien. 38 Krankenzimmer mit 90 Krankenbetten. Sehr günstige Heilerfolge.
Vergl. Strickler, G. Das ZürcherOberland. Zürich
1902.