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Der weltberühmte Pianist Karl Ulrich Schnabel, am nördlichen Friedhofrand zu Schwyz begraben, wäre gestern 100-jährig geworden.
Karl Ulrich Schnabel, der jetzt da am grauen Gemäuer der Schwyzer Friedhofsterrasse liegt, wurde in den gülden glänzenden Konzertsälen des ganzen blauen Planeten beklatscht und bejubelt, nahm Platten auf und machte Radiosendungen. Auch musizierte er zusammen mit andern grossen Künstlern. Unter anderem spielte er vierhändig zusammen mit seiner Frau Helen oder mit seinem Vater Artur. Seine Mutter, die SängerinTherese Behr, begleitete er bei Liedern.
Jugend in Berlin
Überhaupt: Seine Familie wird ihn geprägt haben. In der väterlichen Zwölfzimmerwohnung an der Berliner Wielandstrasse wurde musiziert. Auch diskutierten dort berühmte Gäste aus internationaler Musikkultur, die Dirigenten Klemperer oder Furtwängler etwa oder auch der Komponist Schönberg. Mit dem späteren Komponisten Paul Hindemith baute «Karuli» häusliche Eisenbahnspiele auf.
Leider funkte dann die böse Geschichte der Dreissigerjahre ins Familienleben: Als Hitler 1933 an die Macht kam, riet Karl Ulrich seiner Familie, Deutschland zu verlassen. Das hat sie denn auch getan. Karl Ulrich lebte nach seiner Emigration bis zu seinem Tod vor allem in New York und am Comer See. Er war aber auch wieder zuweilen in Berlin.Vater Artur hingegen kehrte nie mehr dorthin zurück. Nicht zuletzt darum bot sich ihm 1951, als er im Axenstein in den Ferien weilte, ein Grab auf dem Schwyzer Friedhof als letzte Ruhestätte an. Inzwischen ist das ein Familiengrab.
Pianistische Eigenständigkeit
So sehr die politische Geschichte Vater Artur und Sohn Karl Ulrich ein ähnliches Schicksal aufbürdete, pianistisch kamen die beiden aus verschiedenen Welten. Artur Schnabel lebte in einer Umbruchszeit. In seiner Ära waren noch grossartige Freiheiten einer virtuosen pianistischen Spontaneität aus dem 19. Jahrhundert präsent. Zugleich aber war auch zunehmend Werktreue gefordert. Gerade Artur Schnabel setzte sich vehement für sie ein.
Karl Ulrich Schnabel spielte die grossen klassischen und romantischen Meister bereits nach diesem Umbruch. Seine ersten Konzerte gab er in Berlin 1926, in London 1931 und in New York 1937. Da waren auch Schallplattenaufnahmen bereits zusehends en vogue. Bezeichnend für den Umbruch auch hier: Karl Ulrich Schnabel machte Schallplattenaufnahmen noch vor seinem Vater. Er war es zudem, der seinen Vater überzeugen konnte, Platten einzuspielen.
Exzellenter Pianist und Lehrer
Vergleiche zwischen Artur und Karl Ulrich Schnabel geraten aufgrund dieser verschiedenen Zeitumstände allzu schnell ins Hinken. Die beiden wussten das selber: Wenn Vater Artur und Sohn Karl Ulrich gemeinsam ihr vierhändiges Spiel auf Platten aufnahmen, wollten sie nicht sagen, wer den oberen und wer den unteren Klavierpart gespielt hat.
Wie sehr zur Zeit Karl Ulrichs andere Fragen in der Luft lagen, zeigt sein Unterricht, der viele hochberühmte, noch heute auftretende Pianisten formte. Karl Ulrich systematisierte zum Beispiel den Gebrauch des Pedals systematischer als sein Vater. Über Fragen der modernen Pedalisierung gibt es ein berühmtes, in mehrere Sprachen übersetztes Buch aus seiner Feder.
Karl Ulrich Schnabel hatte überhaupt zur Technik mehr zu sagen als sein Vater Artur. Das freilich hat nicht nur mit den verschiedenen Zeitumständen zu tun, sondern mit menschlichen Bedingungen: Während Artur Schnabel offensichtlich ein Wunderkind gewesen war, musste sich sein Sohn Karl Ulrich Schnabel die Technik erarbeiten. Das tat er freilich mit Erfolg. Seine Technik ist nicht nur Technik, sie strahlt auch exzellente Ausdruckskraft aus, wie viele von ihm bespielte CDs belegen.
Wanderer-Fantasie
Schuberts «Wanderer-Fhantasie» diene als Beispiel anstelle von vielen anderen Aufnahmen. Sie ist auf der CD zu hören, die kürzlich zu Ehren des 100. Geburtstags Karl Ulrich Schnabels erschienen ist. Schubert gestaltet die Motive dieser Fantasie als ein Echo auf sein eigenes Lied «DerWanderer ». Dessen Text sagt klar: Es tost und dampft und braust den Wanderwegen entlang. Die Blumen blühen und vergehen. Der Wanderer s
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Musik
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/3mDmXW