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«Es ist eines der grössten planerischen Projekte der Schweiz», sagt der Raumplanungs-, Umwelt- und Baudirektor Jean-François Steiert (SP). Die Rede ist von der Überdeckung eines Sektors der Autobahn A 12 zwischen den Ausfahrten Freiburg-Nord und Freiburg-Süd. Die Nationalstrasse, auf der laut dem Bundesamt für Strassen täglich im Durchschnitt 38 000 Fahrzeuge in beiden Richtungen unterwegs sind, soll auf einer Länge von 1,4 Kilometern eingehaust werden und Platz schaffen für ein komplett neues Quartier mit 60 Hektaren Fläche und 30 000 Menschen, die hier spätestens im Jahr 2050 wohnen oder arbeiten (die FN berichteten). Nun steht ein entsprechender Studienkredit von rund 8,2 Millionen Franken an, den sich diejenigen Körperschaften, die das Land besitzen, untereinander aufteilen: der Kanton, die Stadt und die Burgergemeinde Freiburg, die Gemeinden Granges-Paccot, Givisiez und Villars-sur-Glâne sowie die Freiburger Verkehrsbetriebe (TPF). Fast alle Entscheide darüber fallen in den kommenden Tagen: heute an den Gemeindeversammlungen von Givisiez und Granges-Paccot, am 13. Dezember an der Freiburger Burgerversammlung, am 18. und 19. Dezember anlässlich der Budgetverhandlungen im Generalrat der Kantonshauptstadt. Der Verwaltungsrat der TPF Immo AG hat seiner Tranche bereits zugestimmt. Der Grosse Rat sowie der Generalrat von Villars-sur-Glâne werden ihre Entscheide erst im kommenden Jahr fällen. Etwa zehn Prozent des Landes gehören mehreren privaten Landbesitzern. Sie müssen sich finanziell aber nicht an diesem Studienkredit beteiligen. Die Aufteilung nach Landeignern ist zudem nicht die gleiche wie diejenige nach territorialer Zugehörigkeit: So befindet sich das Land der TPF auf dem Gebiet der Stadt Freiburg, das Land der Burgergemeinde auf dem Gebiet der Gemeinde Villars-sur-Glâne. Daher wird beim eigentlichen Baukredit ein anderer Verteilschlüssel zur Anwendung kommen. Weil es auch um Lärmschutz geht, beteiligt sich auch der Bund mit 33 Millionen Franken an der insgesamt wohl 191 Millionen Franken kostenden Überdeckung. Ein entsprechender Vertrag wurde bereits vor Jahresfrist unterschrieben.
Total vier bis sechs Milliarden
«Die Idee, diese 1971 eröffnete Autobahn zu überdecken, stammt noch aus den 1980er-Jahren», sagt Steiert. «Allerdings ging es ursprünglich um ein relativ kurzes Teilstück von 100 bis 300 Metern, dort, wo sich die überbauten Flächen von Givisiez und Freiburg berühren.» Inzwischen ist das Ganze neu dimensioniert worden. Noch 2016 war von einer 620 Meter langen Überdeckung die Rede. Inzwischen sind es 1,4 Kilometer. «Es ist einfach effizienter, grossflächiger zu planen», so Steiert. «Namentlich auch hinsichtlich der Energiestrategie oder der Mobilität.» Die maximal 1,4 Kilometer seien eine technische Schwelle. «Wenn man eine Distanz von 1,2 Kilometer deutlich überschreitet, braucht man ein anderes Lüftungskonzept – was massiv teurer würde», sagt er. Das Projekt sei für Stadt und Kanton Freiburg vor allem aus raumplanerischer Sicht von entscheidender Wichtigkeit. «Der Kantonale Richtplan verlangt von uns, bis zum Jahr 2050 insgesamt 150 000 zusätzliche Einwohner im Kanton im Sinne der Verdichtung bei maximaler Lebensqualität und guter Verkehrserschliessung unterzubringen», sagt Steiert. «Und auch wenn es 10 oder 20 Jahre länger dauert: Irgendwann werden wir so viele zusätzliche Einwohner haben.» Da stelle das Gebiet Chamblioux-Bertigny eine ideale Gelegenheit dar. Wie viele der künftigen 30 000 Benutzer dereinst dort wohnen und wie viele nur dort arbeiten werden – zu diesem Punkt wolle sich der Kanton bewusst noch nicht festlegen und zunächst einmal die nun anstehenden, grundsätzlichen Weichenstellungen in den involvierten Körperschaften abwarten. Klar ist für Steiert aber: Anzustreben ist eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten. Denn er will weder eine «Schlafstadt» oder ein «reines Arbeitsgebiet, das am Abend tot ist». Im Gegenteil: Hier stellt er sich für das vielleicht bis dann fusionierte Grossfreiburg ein drittes Stadtzentrum neben der Altstadt und dem Perollesquartier vor. Im nächsten Jahr werde der Kanton einen urbanistischen Ideenwettbewerb lancieren. In diesem Rahmen soll auch der Frage nachgegangen werden, wie das neue Quartier an den öffentlichen Verkehr angeschlossen wird. Für dessen nördlichen Teil hat Steiert vor allem einen Anschluss an den Bahnhof Givisiez im Auge. Für den südlicheren Teil stehe indes immer noch die Idee einer Freiburger Stadtseilbahn im Raum, für die mit 30 000 potenziellen zusätzlichen Benutzern die kritische Grösse erreicht werden könnte. Was den Zeitplan betrifft, gelte es, zwischen der Überdeckung und der Überbauung dieses Gebiets zu unterscheiden. Steiert hofft, dass der Start der Arbeiten für die Überdeckung 2023 Tatsache ist und die Phase der Überbauung von der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre bis etwa 2050 dauern wird. Beeinträchtigungen beim Strassenverkehr werde es während des Baus der Überdeckung geben. Steiert rechnet aber nicht mit endlosen Staus. Die Gesamtkosten der Überbauungen schätzt Steiert auf vier bis sechs Milliarden Franken. Dem Kanton komme hier zwar nur eine koordinierende Rolle zu. Dennoch lägen schon Anfragen von Grossinvestoren vor, die man aber noch nicht namentlich nennen wolle.
«Es ist einfach effizienter, grossflächiger zu planen, namentlich auch hinsichtlich der Energiestrategie oder der Mobilität.»
Jean-François Steiert
Staatsrat (SP)
Zahlen und Fakten
Die sieben Hauptakteure
Der Kanton besitzt zwei Prozent des Perimeters und soll rund 4,1 Millionen Franken an den Studienkredit von total 8,2 Millionen bezahlen. Die Burgergemeinde Freiburg besitzt 48 Prozent und hat rund 2,3 Millionen Franken beizusteuern. Die involvierten Gemeinden besitzen zusammen rund 22 Prozent des Landes. Der finanzielle Anteil von Givisiez soll rund 1,1 Millionen Franken betragen, derjenige der Stadt Freiburg 245 000 Franken, derjenige von Granges-Paccot 235 000 Franken und der von Villars-sur-Glâne 100 000 Franken. Die TPF beteiligen sich mit 205 000 Franken am zur Diskussion stehenden Studienkredit.
Stimmen aus den Gemeinden
Die Bevölkerung in Givisiez bleibt etwas skeptisch
«Das ist ein sehr wichtiges Projekt, das bei uns ganz oben auf der Traktandenliste steht», sagt Antoinette de Weck, Freiburger Vize-Syndique (FDP) und Direktorin für Burger-Angelegenheiten. Es betreffe etwa 30 Hektaren, die der Burgergemeinde gehören und auf dem Gebiet der Gemeinde Villars-sur-Glâne liegen. «Persönlich unterstütze ich das Projekt», so de Weck, «aber es ist keine persönliche Angelegenheit; der ganze Burgerrat steht dahinter.» De Weck rechnet fest mit der Zustimmung der Burgergemeinde.
«Das Projekt bringt unserer Stadt einen klaren Mehrwert», sagt auch der Freiburger Syndic Thierry Steiert (SP). «Es hebt den städtebaulichen Bruch auf, der sich durch den Bau der Autobahn ergab.» Zur Frage, wie sich der Generalrat zum entsprechenden Kreditbegehren stellen werde, könne er sich im Moment allerdings nicht äussern.
Gemäss dem Syndic von Granges-Paccot, René Schneuwly, betrifft der Faktor der Urbanisierung seine Gemeinde weniger, da der sich dort befindliche Teil des Perimeters bereits weitestgehend urbanisiert sei. «Für uns steht der Aspekt des Lärmschutzes im Vordergrund», sagt er. Wie sich die Gemeindeversammlung entscheiden werde, sei im Vorfeld immer schwierig zu beurteilen. «Ich sehe aber nicht, was man gegen Lärmschutz haben kann», so Schneuwly. Beim Gemeinderat und der Finanzkommission habe das Projekt jedenfalls einstimmige Zustimmung gefunden.
Auch die Syndique von Villars-sur-Glâne, Erika Schnyder, unterstützt die Pläne des Kantons. «Es gilt aber, festzulegen, wie lange der überdachte Abschnitt dann auch wirklich sein wird», sagt sie. Offen ist für sie noch die raumplanerische Frage nach einer sogenannten gemischten Zone im Gebiet Bertigny-West. «Das wäre für uns keine gute Idee, weil dann der Bereich der möglichen Aktivitäten eingeschränkt wird», so Schnyder.
«Für uns ist das Projekt sehr interessant», sagt TPF-Sprecher Stéphane Berney. Momentan befänden sich auf dem TPF-Areal in diesem Perimeter noch Garagen für Busse. Diese würden aber ab dem kommenden Jahr alle in Givisiez zentralisiert, so dass das alte Areal dann umgenutzt werden könnte.
Überall eitel Sonnenschein also – wäre da nicht Givisiez. Der Gemeinderat unterstützt das Projekt zwar, wie Syndic Vladimir Colella bestätigt. Allerdings sei es schwierig, bei der Bevölkerung Begeisterung dafür zu wecken, weil das Projekt in seinem jetzigen Stand der Planung insgesamt noch zu viele Fragen bezüglich der künftigen Nutzung offenlasse. Er spüre zwar keine ausgesprochene Ablehnung bei der Bevölkerung, aber eine gewisse «Reserviertheit».