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Liebhaber sakraler Architektur sind gut beraten, dem Städtchen Laufen einen Besuch abzustatten. Diese Vielfalt kennt hier vorallem einen Schuldigen: die Kirche selbst. 1525 entschied sich Laufen eigentlich für die Reformation, wurde aber bereits 1588 wieder rekatholisiert. Ein Kulturkampf zwischen Christkatholiken und der römisch-katholischen Kirchgemeinde führte dazu, dass neben der in die Stadtmauer gebaute Pfarrkirche St. Katharina eine zweite Kirche erstellt werden musste. Den Entscheid dazu fasste man 1904. Nachdem die Christkatholiken St. Katharina drei Jahre darauf für sich übernahmen, kamen die nun obdachlosen römisch-katholisch Gläubigen erst in einer Notkirche unter, durften aber nach der nur eineinhalbjährigen Bauzeit 1914 die umso prachtvollere Kirche Herz Jesu an der Röschenzstrasse einweihen.
Der ansehnliche Bau im Stile einer späten Neogotik stammt vom Luzerner Architekten Wilhelm Hanauer. Die Kirche umfasst einen dreischiffigen Sakralraum mit Vorhalle, ein Querschiff mit oktogonalen Abschlüssen, einen eher kleinen Chor, dafür einen grossen Turm mit zwei ebenfalls oktogonalen seitlichen Kapellen. Ein sternförmiges Rippengewölbe spannt sich via Pfeiler über eine Grundfläche von 60 Metern Länge und 28 Metern Breite. Die Bestuhlung des Mittelschiffs ist konventionell, die Seitenschiffe sind freigehalten. Im Bereich des Querschiffes sind die Kirchenbänke allseitig um die Mitte angeordnet.
Die Orgel wurde erst 1918 eingebaut und auf einer Empore über dem Haupteingang des Mittelschiffes platziert. 1981 ist sie ersetzt worden. Die Kanzel besteht aus Eichenholz. Bei einer Restaurierung 1975/76 ersetzte man unter anderem den gesamten Bodenbelag des Innenraumes durch lokalen Laufener Kalkstein. Diese Aktion wurde zudem zum Anlass genommen, das Querschiff mit einer Krypta zu unterkellern. 2012 ist der Innenraum letztmals renoviert worden.
Mit einem kleinen Trick rückte Wilhelm Hanauer die ohnehin schon hohe Kirche noch etwas näher gen Himmel. Das spitze Kegeldach des 65 Meter hohen Turms ist vor allem deshalb schon von weither sichtbar, weil das ganze Bauwerk zusätzlich auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel steht…
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Römisch-katholische Kirche Herz Jesu
Adresse: Röschenzstrasse 29, 4242 Laufen
Architektur: Wilhelm Hanauer
Baujahr: 1913/14
Restaurierung: 1975/76 (Guiseppe Gerster)
Renovation: 2012
Funktion: Sakralbau
Fotos:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0