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Eine Selve ist eine Hochstammobstanlage aus veredelten Edelkastanien. Die Bezeichnung ist unter anderem auf der Alpensüdseite und auf Korsika verbreitet, sie leitet sich vom italienischen selva
(vgl. lateinisch silva) für „Wald“ ab. Meist handelt es sich um lockere Haine, die umfriedet sind und oft kleinbäuerlich oder genossenschaftlich genutzt und gepflegt werden.
Die Selven wurden vielfältig genutzt. Unter den Bäumen mähte man das Gras im späten Frühjahr, im Sommer weidete man dann das Vieh im Schatten der großen Bäume. Hoch oben wuchsen die Maroni ungestört heran, um im September und Oktober zu reifen. Zum Herbst hin waren die Selven dann „sauber“, sodass die herabfallenden Kastanien als sogenannte „Plumpsfrüchte“ problemlos aufgelesen werden konnten.
Quelle: Wikipedia.de
Die Edelkastanie, botanisch “castanea sativa”, ist ein Buchengewächs und nicht verwandt mit der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), die ähnliche, aber ungeniessbare Früchte aufweist. Letztere
ist ein im 16. Jahrhundert wegen seiner Blütenpracht aus dem Balkan eingeführter Zierbaum, während die Edelkastanie seit der Römerzeit bei uns vorkommt.
Die Edelkastanie stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und wurde – neben ihrer natürlichen nacheiszeitlichen Wanderung aus den glazialen Refugien weiter nach Westen - durch die Römer vor über 2.000 Jahren innerhalb des Römischen Imperiums intensiv verbreitet. So gelangte sie auch in das Gebiet von Visp-Eyholz. Für die Römer war insbesondere die Frucht der Edelkastanie bedeutend, stellte sie doch eine wichtige Nahrungsgrundlage für die römischen Soldaten dar.
Die Früchte der Edelkastanie haben einen ausserordentlichen Nährwert. Die Esskastanie, wie sie auch genannt wird, war in den vergangenen Jahrhunderten für die Menschen in den Gebirgsregionen Südeuropas das Grundnahrungsmittel.
Wenngleich die Kastanie erst seit der Römerzeit bei uns heimisch geworden ist, so ist sie doch seit je mit ihren Blüten, Früchten und ihrem Holz, mit der von ihr ausgehenden Kastanienkultur ein wichtiger Begleiter des Menschen über die Generationen hinweg geblieben und wird es in Zukunft als edle Baumart, die Menschen, Kulturen und Landschaften verbindet, vermehrt bei uns sein.
Die Edelkastanie ist ein „Allrounder“, der viele Besonderheiten vereinigt. Waren diese Eigenschaften eine kurze Zeit in „Vergessenheit“ geraten, stellen wir sie heute wieder in den Focus unseres Waldbaus. Sie bereichert insbesondere zur Blüte im Juni das Landschaftsbild, ihre schattenspendenden Kronen laden in Sommer zum Spaziergang ein, ihre Holzeigenschaften erlauben die Verwendung eines natürlichen Rohstoffes in sensiblen Bereichen.
Quelle: Infoflora.ch
Die Rinde der Edelkastanie wandelt sich von einer glatten Spiegelrinde in der Jugend mit zunehmendem Alter zu einer ausgeprägt grobborkigen Rinde, die hervorragende Kleinstrukturen für die
Besiedlung durch Algen, Moosen, Flechten sowie eine Vielzahl von Insektenarten bildet. Bereits in einem geringen Durchmesserbereich von ca. 20 cm können Edelkastanien im Bereich von Astnarben
Höhlen des Buntspechts aufweisen. Dies ist vor allem bei ursprünglich an Waldrändern und Säumen stehenden Bäumen nach der Astreinigung zu beobachten.
Mit zunehmendem Alter wird eine Vielzahl weiterer ökologisch wertvoller Biotopholzstrukturen ausgebildet. Fast alle Edelkastanien-Veteranen haben einen mehr oder weniger hohlen Stamm, primär bedingt durch das Kernholz abbauende Pilze nach Eindringen über Verletzungen an Rinde und Wurzeln.
Offene Großhöhlen an der Stammbasis finden sich bei sehr vielen alten Edelkastanien als Spätfolge ihrer Entstehung aus Stockausschlag, da durch den Stockhieb Eintrittspforten für Pilze und Insekten geschaffen werden. Derartige Großhöhlen sind in den Wirtschaftswäldern sehr selten und können auch größeren Säugetieren Unterschlupf bieten.
Durch den Kontakt abgestorbener Stammbereiche mit dem feuchten Boden bildet sich eine Vielfalt unterschiedlicher Kleinlebensräume, insbesondere für Totholzkäfer. Die reiche Blüte der Edelkastanien bietet im späten Frühjahr einer Vielzahl von Insekten (Bienen, Schwebfliegen, Käfern etc.) eine reiche Nahrungsquelle.
Quelle: waldwissen.net
Der Kastanienrindenkrebs wird durch den Pilz Cryphonectria parasitica (früher Endothia parasitica), verursacht. Ursprünglich stammt der Erreger aus Ostasien, wo er als schwacher Parasit auf der
resistenten Japanischen (Castanea crenata) und Chinesischen Kastanie (Castanea mollissima) vorkommt. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde der Pilz mit Pflanzenmaterial aus Asien in die USA
eingeschleppt und führte dort zu einer dramatischen Epidemie. Innerhalb von 30 Jahren zerstörte er die ausgedehnten Kastanienwälder in den östlichen USA fast vollständig.
1938 entdeckte man die gefährliche Baumkrankheit auch in Europa, im Hinterland von Genua. Darauf breitete sie sich schnell in Italien und den angrenzenden Ländern aus. In der Schweiz wurde der Kastanienrindenkrebs erstmals 1948 im Tessin gefunden. Heute sind fast alle Kastanienbestände in Europa betroffen.
Der Pilz befällt die Rinde von Stamm und Ästen der Edelkastanie. Die befallene Stelle verfärbt sich rot, sinkt ein und springt später auf. Als Reaktion darauf versucht der Baum, das zerstörte Gewebe zu überwallen und es entwickeln sich sogenannte Rindenkrebse. Sobald ein Rindenkrebs den ganzen Ast oder Stamm umwachsen hat, stirbt die Pflanze oberhalb der Befalls Stelle ab. Die Blätter welken, werden aber nicht abgeworfen. Welke Blätter während der Vegetationszeit oder braune, hängende Blätter im Winter sind ein typisches, von weitem sichtbares Verdachtssymptom für den Kastanienrindenkrebs.
Unterhalb der Befalls Stelle treiben meist Wasserreiser aus. In der Rinde und im Kambium bildet der Pilz gelbliche Myzelfächer, welche ein zuverlässiges Befalls Merkmal sind. Schliesslich entwickeln sich auf der abgestorbenen Rinde oder in Rindenrissen die gelborangen bis roten Fruchtkörper. Hypovirulente C. parasitica-Stämme wachsen in den Äusseren Rindenteilen und erzeugen nur oberflächliche Krebse, welche rasch ausheilen. Viele der oberflächlichen, ausgeheilten Krebse weisen eine typische, schwärzliche Verfärbung auf.
Quelle: waldwissen.net
Im Mai 2009 wurde die ursprünglich aus China stammende Edelkastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus) erstmals in der Schweiz entdeckt. Seitdem hat sie sich auf der Alpensüdseite ausgebreitet
und tritt punktuell auch nördlich der Alpen auf.
Ein Baumbesitzer stellte im Mai 2009 in seinem Garten in Mendrisio (Kanton Tessin) einen ungewöhnlichen Insektenbefall an einer Kastanie fest. Der Tessiner Forstdienst und der kantonale Pflanzenschutzdienst bestimmten die Edelkastanien-Gallwespe als Verursacherin der auffälligen Symptome. Das aus Asien eingeschleppte Insekt gilt als invasiv. Eine Nachsuche ergab, dass die Gallwespe zu dieser Zeit bereits in weiten Teilen des Mendrisiottos und im Luganese vorkam.
Seitdem hat die Kastanien-Gallwespe praktisch die ganze Südschweiz besiedelt. Von Frankreich herkommend erreichte sie auch die Kantone Wallis und Waadt, wo sie sich im unteren Rhonetal und im Genfersee-Gebiet rasch ausgebreitet hat. Auch in der Deutschschweiz tritt die Edelkastanien-Gallwespe bereits punktuell auf.
Ob sich im Mittelland eine Ausbreitung verhindern lässt oder ob sich die Gallwespe auch bei geringer Kastaniendichte etablieren kann, ist derzeit noch ungewiss. Bisher ist unklar, ob die Gallwespen all die sehr zerstreut vorkommenden Kastanienbäume auf der Alpennordseite finden werden. Zum Ausbreitungsverlauf in Regionen mit nur geringem Edelkastanienvorkommen fehlen bisher Erfahrungen.
Quelle: Waldwissen.net