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«Wir leben heute in einem doppelten System aus gewählter und informeller Regierung.» Dies ist das Fazit des deutschen Autors Paul Schreyer in seinem Buch «Wer regiert das Geld?». Auf der sichtbaren Seite der politischen Realität wählen wir Parlamente und Regierungen, die Gesetze erlassen und umsetzen, damit wir mit dem knappen Geld irgendwie zurechtkommen. Auf der unsichtbaren Seite der Realität geniesst das globale private Bankensystem das potente Privileg der Geldschöpfung und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Politik dieses Privileg aufrecht erhält und die Austerität legitimiert, die es erzwingt.
Die Ereignisse seit Ausbruch der Finanzkrise haben das Bewusstsein für den Konflikt zwischen der legitimen, aber schwachen Macht der Demokratie und dem informellen, aber starken Einfluss der Geldinteressen etwas geschärft, aber noch nicht für seine Ursachen. Dazu leistet Paul Schreyers verständlich und flüssig geschriebenes Buch einen wichtigen Beitrag. Es zeigt: «Alle Entscheidungsgewalt und Souveränität einer Gesellschaft läuft auf zwei simple Fragen hinaus: Wer darf das Geld erschaffen? Und wer entscheidet über seine Verteilung?»
Diese Fragen müssen wir heute beantworten, wenn die Welt nicht im Schuldensumpf ertrinken soll. Aber, dies zeigt Paul Schreyer überzeugend, sie beschäftigen Politik und Wirtschaft, seit die Menschheit die Selbstversorgung hinter sich gelassen hat. Das Recht der Geldschöpfung war immer eine existenzielle Frage, von den Anfängen der Zivilisation im Zweistromland über die Antike und das Mittelalter bis in die Moderne. Aber während in früheren Zeiten die Herrscher als souveräne Mächte das Geldregal genossen, sind es seit den Anfängen der modernen Demokratie um 1700 die privaten Banken, die das Geldschöpfungsprivileg schrittweise an sich rissen. Das Resultat: «ein doppeltes System aus gewählter und informeller Regierung».
Im ersten Teil seines Buches erklärt Schreyer die Mechanismen der Geldschöpfung und wie sie es den Banken erlauben, sich mit aus dem Nichts erschaffenen Zahlungsmitteln immer mehr Werte anzueignen. Im zweiten Teil beschreibt der Autor, wie sich die Kräfte im Kampf um das Geldschöpfungsprivileg immer mehr zu den Banken verschoben und wie sie über ein vor demokratischer Einflussnahme geschütztes Netzwerk aus globalen Institutionen die Politik in ihren Dienst stellen. Eine unangenehme Geschichte, deren Ausgang glücklicherweise noch nicht feststeht.
Für Schreyer ist klar: Die Geldschöpfung gehört in die öffentliche Hand, wie es beispielsweise die Vollgeld-Initiative fordert.
Paul Schreyer: Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung. Westend-Verlag, 2016. 224 S. Fr. 26.90/€ 18.–
Weitere Bücher des Autors:
Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren. (Zusammen mit Mathias Bröckers). Westend-Verlag, 2014.
Faktencheck 9/11 – eine andere Perspektive zwölf Jahre danach. Compact, 2013