Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03242.jsonl.gz/860

«Ich will, dass man schreibt, dass ich im Mondlicht ertrunken und von meinem BH erwürgt wurde.» Diesen Nachruf wünschte sich Carrie Fisher (†60) in ihrer Autobiografie «Wishful Drinking» und momentan erfüllen zahlreiche Fans auf den sozialen Medien ihren Wunsch.
Die Geschichte dahinter erstaunt: Nachdem George Lucas (72) sie am Set von «Star Wars: A New Hope» darauf aufmerksam gemacht habe, dass sie unter ihrem weissen Kostüm keine Unterwäsche tragen dürfe, habe sie gefragt warum. «Star Wars»-Mastermind Lucas hätte ihr geantwortet, dass sich der Körper durch die Schwerelosigkeit im All ausdehne, der BH aber nicht, und dass man dadurch von seinem BH erwürgt werden könne. Die absurde Idee gefiel Fisher.
Drogensucht und psychische Probleme
Dies ist nur ein Beispiel von Fishers selbstironischem Witz, der sie von vielen ihrer Zunft unterschied und zu einer wichtigen Gegenstimme von Hollywoods Traumfassade machte.
Am bekanntesten war die Amerikanerin natürlich als Schauspielerin, vor allem in ihrer Rolle als Prinzessin Leia. Doch Fisher war weitaus mehr, als die rebellische Prinzessin mit der ausgefallenen Frisur. In kleinen, doch feinen Rollen war sie in über 40 Filmen zu sehen, darunter in «Blues Brothers», «Harry und Sally» oder «Hannah und ihre Schwestern».
Zahlreiche Filme tragen ihre Handschrift
Fisher war aber auch eine talentierte Autorin. Was viele nicht wissen: Die Schauspielerin war eine zeitlang eine der gefragtesten Script-Doktoren von Hollywood. Nach der Fertigstellung eines Drehbuches kam sie ins Spiel, überarbeitete Dialoge und Handlungen und holte so das beste aus den Geschichten heraus. «Sister Act», «Hook», «Lethal Weapon 3» oder sogar «Star Wars: Episode I» - Sie alle gingen über den Schreibtisch der talentierten Autorin und wurden mit ihrem Witz angereichert.
Sie schrieb ausserdem acht Bücher, darunter drei Memoiren, in denen sie von verrückten Hollywood-Geschichten und Begegnungen erzählte. Fisher schilderte aber auch die Schattenseiten der Traumfabrik, sprach über ihre Drogensucht und psychischen Probleme. In Interviews sagte sie, wie schwer der Druck der Unterhaltungsindustrie auf ihr lastete. Für diese Offenheit erhielt sie viel Zuspruch, sie geriet dadurch aber im oberflächlichen Hollywood, in dem Schein oft wichtiger als Sein ist, immer mehr ins Abseits. Fisher war es egal, sie machte sich weiterhin für Dinge stark, die ihr am Herzen lagen.
Rebellin bis zum Schluss
Jetzt ist ihre Stimme verstummt, doch durch ihre Kunst lebt sie weiter. Zum letzten Mal wird sie in «Star Wars Episode VIII» auf der grossen Leinwand zu sehen sein, erneut in ihrer berühmtesten Rolle als Leia. Aus der Prinzessin wurde inzwischen ein General, Leia steht an der Spitze der Rebellen. Genau wie Fisher bis zu letzt im echten Leben. (klm)Publiziert am 28.12.2016 | Aktualisiert am 04.01.2017