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Abt OSB in Weltenburg 1713–1743
Herkunft
Der am 14. April 1668 im oberpfälzischen Rötz geborene Sohn des Schmiedemeisters Michael Pächel wird gleichentags auf den Namen Daniel getauft. Wenig ist über seine Familie bekannt. Man kann sie in der begüterten städtischen Bürgerschicht vermuten. Jedenfalls kann der Sohn nach den Schulen in Rötz an der Jesuitenuniversität Prag Philosophie studieren.[2]
Konventuale in Frauenzell
1689 tritt Daniel Bächel in die Benediktinerabtei Frauenzell[3] ein und leistet am 15. Januar 1690 unter dem Klosternamen Maurus Profess. Er studiert in Frauenzell Theologie und wird am 24. Juni 1693 zum Priester geweiht. 1694 wird Placidus Stainbacher als neuer Abt von Frauenzell postuliert.[4] Der gelehrte Abt Placidus fördert den jungen Konventualen nach Kräften. Vorerst Pfarrvikar einer Klosterpfarrei, wird P. Maurus bald Prior und Sekretär des Abtes. In dieser Funktion begleitet er 1707 anlässlich einer ausserordentlichen Visitation Abt Placidus nach Weltenburg. Der Weltenburger Abt Korbinian[5] ist schweren und perfiden Verleumdungen seines Priors und dreier seiner Gefolgsleute ausgesetzt, die schon die Resignation zweier vorheriger Äbte auf dem Gewissen haben. Weil der Visitationsbericht die Konventualen schont und nur vermeintliche Schwachpunkte des Abtes auflistet, tritt der Weltenburger Abt vor allem auf Druck des Präses der bayerischen Benediktinerkongregation 1708 zurück. Dem Sekretär Maurus Bächel dürfte die Verdorbenheit der Konventualen von Weltenburg jedoch kaum verborgen geblieben sein, sicher spätestens bei seinen weiteren Besuchen des Donauklosters. 1709 ist er als Wahlzeuge bei der Neuwahl des Weltenburger Abtes Augustin Mayr anwesend. Im Oktober 1711, inzwischen amtet Abt Placidus Stainbacher von Frauenzell als Präses der bayerischen Benediktinerkongregation, ist P. Maurus für eine erneute Visitation in Weltenburg, diesmal als Sekretär der Kongregation. Er ist zu diesem Zeitpunkt bereits für die verwaiste Stelle des Priors der Abtei Ensdorf postuliert, die vom Reichenbacher Abt Bonaventura Oberhueber administrativ geleitet wird.[6] In Ensdorf wird P. Maurus mit dem laufenden Kloster- und Kirchenneubau konfrontiert, der wegen des Spanischen Erbfolgekrieges seit 1703 unterbrochen ist und nun wieder weitergeführt werden soll. Er leitet stellvertretend für Abt Bonaventura die Leitung des Klosters und der Neubauten mit Bravour, nicht nur zur Zufriedenheit von Abt Bonaventura, sondern auch der kaiserlichen Administration in München.[7] 1713 sind wieder einmal Neuwahlen in Weltenburg. Sie werden von der kaiserlichen Administration verlangt, welche die bewusste Bauverzögerung des seit 1711 eingesetzten Administrators P. Maurus Aicher nicht mehr akzeptiert und mit der Übergabe Weltenburgs in andere Hände droht. Sie fordert deshalb den Präses der Benediktinerkongregation auf, seinen Prior in Ensdorf, dessen gute Wirtschaftsführung offenbar auch in München bekannt ist, als neuen Abt zu postulieren. Nur die dringende Mahnung der beiden kaiserlichen Wahlkommissare anlässlich der am 13. Februar 1713 stattfindenden Wahl, das Kloster bei der Wahl eines eigenen Kandidaten in fremde Hände zu geben, bewirkt im dritten Wahlgang die Wahl von P. Maurus Bächel als neuen Abt, allerdings nur mit der Zustimmung von fünf der acht Stimmen.
Abt in Weltenburg
Klosterneubau
Erst nach der Zusicherung von Unterstützung und Assistenz aus München willigt Maurus Bächel in die Wahl ein. Seitens der Konventualen, die ihn mehrheitlich nicht gewählt haben, kann er kein Entgegenkommen erwarteten. Die rigorose Härte in der Durchsetzung der Klosterdisziplin lässt ihn allerdings manchmal über das Ziel schiessen. Vor allem die Behandlung des seit seiner Resignation 1708 noch bis 1719 im Kloster lebenden Abtes Korbinian Winhardt zeigt eine fehlende Empathiefähigkeit des Abtes.[8] In den ersten Jahren der Regierung von Abt Maurus scheinen sich aber die Konventualen mit dem neuen Abt abzufinden. Dieser setzt vom ersten Moment an alle Kraft in die Finanzierung und Durchführung des unter Abt Augustin schon vorbereiteten Klosterneubaus. Als erstes, auch wegen der noch immer fehlenden Anfangsfinanzierung, lässt er die Frauenbergkirche 1713 als Ausweichmöglichkeit für die geplante neue Klosterkirche weitgehend neu bauen.[9] 1714 beginnt er mit dem Klosterneubau nach neuen Plänen des Franziskaner-Ordensbaumeisters Fr. Philipp Plank und knüpft damit an eine schon 1709 erstellte Planung an.[10] Die Finanzierung der durch Plank berechneten Baukosten von rund 30 000 Gulden allein für die Konventflügel ist nur zum kleinsten Teil gesichert, denn es sind erst 8340 Gulden Baugelder vorhanden, was den wagemutigen Bauherrn aber nicht am Baubeginn hindert. Bei Baubeginn zeichnet sich zudem eine Rückkehr des Kurfürsten ab, was die kaiserliche Administration in München nicht unbedingt zur Einhaltung ihres bei der Wahl 1713 abgegeben Versprechens ermuntert. Bis 1716 sind die dreistöckigen Konventflügel um den Kreuzgang bezugsbereit, der 21 Achsen lange Donauflügel kragt dabei um neun Achsen nach Westen aus. In diesem Jahr kann auch die Grundsteinlegung der neuen Klosterkirche stattfinden, die als vierter Flügel bündig mit den Konventflügeln an alter Stelle gebaut wird. Im Gegensatz zur alten, schmalen Kirche ist sie ein gegen die Felsen verbreiterter Zentralbau mit Kuppeltambour. Dass der Abt schon diesen Bauentwurf von Cosmas Damian Asam erstellen lässt, ist eine unbelegte Annahme der «Kunstwissenschaft». Die Vorgabe des Zentralbaus dürfte von Abt Marius stammen,[11] der beratende Beizug und vielleicht ein Gegenvorschlag des Malers zur Planung Plank ist möglich. Die Kirche wird 1718 geweiht und mit vermutlich alten Altären provisorisch in Betrieb genommen. Erst 1721 beginnen die Brüder Asam mit der Innenausstattung und erstellen dazu einen neuen apsidialen Ostabschluss. Inzwischen, 1718–1719, lässt der Abt das Bräuhaus an und in die Felsen des westlichen Klosterhofs bauen.[12] Der Neubau des westlichen Hofabschlusses mit dem Tor, der Klosterstadel, folgt 1721. 1724 lässt der Abt entsprechend der Planung von Fr. Philipp Plank durch den Vorarlberger Baumeister Franz Beer II den dreistöckigen westlichen Donauflügel mit 21 Fensterachsen als Pendant zum Donau-Konventflügel bauen.[13] Er dient der Klosterökonomie und ist heute Gastronomie und Gästetrakt. Damit kann Abt Maurus die Klosterneubauten gemäss der Gesamtplanung Plank abschliessen, auch wenn die Kirche erst um 1735 fertig ausgestattet ist.
Besuch des Kurfürsten 1721
In den Klosterannalen wird ein überraschender Besuch des Kurfürsten Max II. Emanuel und seines Jagdgefolges in der Jahresmitte 1721 erwähnt. Der seit 1715 wieder in Bayern regierende Fürst frönt im Geisenfelder Forst seiner Hauptleidenschaft und macht einen Abstecher stromabwärts nach Weltenburg. Dieser Besuch wäre eigentlich nicht erwähnenswert, denn der Kurfürst nutzt seine Klöster gerne als Absteige. Seit 1720 schätzt er aber den Weltenburger Abt als Vermittler von geheimen Anleihen, an welche der Abt mit 10 000 Gulden selbst einen Beitrag leistet. Mit dem Jagdbesuch vertieft sich das Vertrauensverhältnis zwischen dem inzwischen wegen der hohen Staatverschuldung kaum mehr handlungsfähigen Fürsten und Abt Maurus. Dies äussert sich in der Kirche Weltenburg in einem ungewöhnlich grossen kurfürstlichen Wappenschild über der aus der Helligkeit tretenden Reiterstatue des hl. Georg im Hochaltar. Die Berechnung des Abtes mit dieser devoten Ehrung zielt in Kenntnis der unglaublichen Schulden des Kurfürsten nicht auf vermehrte Finanzhilfe des Hofes, sondern auf eine bevorzugte Behandlung seiner Anliegen. Die Rechnung geht auf. Dazu zählt auch der Erwerb der Hofmark Affeckting, für die er den Konsens des Kurfürsten 1725 in München persönlich und mit einer anschliessenden «Gefälligkeit» von 5000 Gulden einholt.[14] 1720 und 1722 bewirbt er sich als Prälatensteurer der Landschaft und erreicht das Ziel schliesslich dank kurfürstlicher Empfehlung.[15] 1731 rückt er als Landsteurer nach und wird 1740 bis 1744 auch Verordneter des Rentamts Straubing.[16] Die Ämter sind nicht nur wegen der Verbindungs- und Einflussmöglichkeiten, sondern auch wegen der guten Gehälter begehrt.[17]
Weitere Investitionen und die Finanzierung
Nebst den Leistungen von Abt Maurus als Bauherr der Neubauten von Frauenbergkirche und Kloster sind auch seine Investitionen in Ökonomiebauten ausserhalb des Klosterareals von Bedeutung. 1714 sind es die Neubauten des Klosterhofs Kleingiersdorf in Saal an der Donau. Stromaufwärts baut er in Stausacker 1715 die Klostermühle mit vier Mahlgängen. 1726 ist es der Bau von Ochsen- und Kuhställen im Buchhof bei Weltenburg. 1727 folgt der Zentstadel in Deisenhofen bei Neustadt an der Donau.
Eine gewagte Investition des Abtes ist der Erwerb der Hofmark Affecking, die er nach dem Konsens des Kurfürsten 1726 tätigen kann. Die stolze Kaufsumme summiert sich mit allen Auslagen auf rund 61 000 Gulden. Sie ist höher als die Neubauten der Konvent- und Ökonomieflügel zusammen.[18] Die volle Summe muss vom Abt völlig fremdfinanziert werden. Auch dieser Kauf zahlt sich später aus, denn die Einkünfte aus der Hofmark erhöhen die Jahreseinnahme der Abtei um die Hälfte und am Ende der Regierung Bächel sind vier Fünftel des Darlehens von 1726 beglichen.
Erfolgen die erwähnten Investitionen aus ökonomischem Interesse, so ist dies 1726 beim Bau einer neuen Dorfschule in Weltenburg durch Abt Maurus die Sorge um die Bildung der ländlichen Jugend. Er stellt den Schulmeister auf Klosterrechnung. Dieser muss gleichzeitig Musiker sein, denn im gleichen Jahr gründet Bächel auch eine Schule für Singknaben, in der zusätzlich auch Latein unterrichtet wird. Die Weltenburger Schule ist das Signal für weitere derartige Einrichtungen in der Klosterhofmark.
Erstaunlich sind diese Bauleistungen und Investitionen des Abtes im ersten Vierteljahrhundert seiner Regierung vor allem in Bezug auf die Finanzierung. Die Jahreseinnahmen kann der Abt zwar steigern. Betragen sie unter Abt Korbinian noch rund 2000 Gulden, sind sie 1731 auf 9545 Gulden gewachsen. Für Bauvorhaben dieser Grössenordnung ist aber der erzielte Überschuss viel zu klein. Dass der Abt am Ende seiner Regierung einen ausgeglichenen Haushalt übergeben kann, erstaunt deshalb noch heute. Vieles ist seiner Beobachtungsgabe zu verdanken, mit der er die Einkünfte des Klosters auf jede erdenkliche Art vergrössert und sein «Talent, aus allem den grösstmöglichen Nutzen zu ziehen und dabei stets den passenden Zeitpunkt des günstigsten Augenblicks zu wählen».[19] Er setzt alles daran, um die Zahl der Konventualen zu vergrössern. Die Aufstockung bringt als willkommenen Nebeneffekt durch Mitgift und Erbschaften die gewaltige Summe von 44 488 Gulden, hauptsächlich durch den Neueintritt von zwei Brüdern aus vermögendem Haus. Die meisten Gelder sind aber Schenkungen. Im verständnislosen und vom Abt über die Finanzierung im Dunkeln gelassenen Konvent bezeichnet man den umtriebigen Vorsteher deswegen als Bettler.
Die Resignation
Unter der Regierung von Abt Maurus Bächel treten zwanzig junge Leute in das Kloster Weltenburg ein, der Konvent vergrössert sich von acht bis neun Konventualen auf das Doppelte. Weil die Neueintretenden aber vorerst zum Studium nach Ingolstadt geschickt werden und die meisten erst nach der Fertigstellung der Neubauten eintreten, sind im Konvent noch immer die alten destruktiven Kräfte wirksam. Diesen setzt Abt Maurus, offenbar kein Abt des Ausgleichs, eine rigorose Härte entgegen. Die verhärteten Fronten, immer wieder genährt durch Verleumdungen einzelner Konventualen bei den führenden Personen der Benediktinerkongregation, enden zwar 1738 mit einer klaren Verurteilung der Ankläger durch den Geistlichen Rat und die Benediktinerkongregation. Die jahrzehntelange Auseinandersetzung führt aber trotzdem zum seit 1721 klar avisierten Ziel der Ankläger, den Abt zur Resignation zu zwingen. Auslöser sind nun nicht mehr die inzwischen zum Stillehalten verpflichteten rebellischen Konventmitglieder, sondern der vom grössenwahnsinnigen Kurfürsten Karl Albrecht losgetretene neue Krieg gegen Österreich.[20] Weltenburg wird durch hohe Kontributionen und Truppeneinquartierungen in den Krieg hineingezogen. Vier Mönche im Kloster sterben durch eingeschleppte Krankheiten. Der inzwischen 75-jährige Abt sieht durch die Kriegswirren sein Lebenswerk gefährdet und reicht 1743 seine Resignation beim Heiligen Stuhl ein, die umgehend bewilligt wird. Er hinterlässt mit 21 000 Gulden Schulden und Aktiven von 22 000 Gulden ein ausgeglichenes Klostervermögen.
Nachfolger wird 1744 sein 44-jähriger Prior Maurus Kammermacher, der 1731 noch einer der führenden Oppositionellen im Kloster ist. Er wird als Prälat der Verschwendung bezeichnet, ist grosszügiger Gastgeber und wirtschaftet gleichzeitig schlecht, so dass sich die Vermögensbilanz schnell ins Gegenteil verkehrt. Der resignierte Abt Maurus Bächel lebt inzwischen in bitterster Armut im Kloster, weil ihm der neue Abt alle Geldmittel streicht. Er stirbt am 20. April 1749 im Alter von 81 Jahren.
Wappen
Das persönliche Wappen des Abtes Maurus Bächel zeigt einen Vogel Strauss mit einem Hufeisen im Schnabel. Derart ist es im Dreierschild auf dem Stich von Michael Wening 1726 dargestellt. Das Wappen Bächel ist unter den beiden Wappen des Klosters zu sehen. Das Abteiwappen ist das rote Georgskreuz im silbernen Feld, während im Konventwappen der hl. Georg gegen den Drachen kämpft. In den Neubauten des Abtes sucht man vergebens nach einem derartigen Schild, offenbar hat er kein Bedürfnis nach Zeichensetzung.
|Abt Maurus Bächel in Bildwerken|
|Das angebliche Porträt im Klostermueseum. Siehe den beschreibenden Text in der Bildlegende oben.

Foto:Bieri 2019.
|Im Deckenlfresko (Südseite) ist Abt Maurus Bächel und sein Konvent in Gesellschaft von Heiligen dargestellt.

Foto: Bieri 2019.
|Der hl. Maurus, rechts neben dem Reiterstandbild des Hochaltars, ist vermutlich auch ein Abbild des Abtes.

Foto: Mattana in Wikipedia
Pius Bieri 2019
|Literatur

Riess, Otmar: Die Abtei Weltenburg zwischen Dreissigjährigem Krieg und Säkularisation (1626–1803). Regensburg 1975.
|Schwaiger, Georg (Hrsg.): Kloster Weltenburg. Geschichte und Gegenwart. Weissenhorn 2014.|
[2] Die Pfarrei Rötz wird seit 1630 im Zuge der Rekatholisierung der Oberpfalz wieder von Augustinerpatres betreut. 1669 wird dem Orden das nahe Augustiner-Eremitenkloster Schönthal zurückgegeben. Vielleicht kann der junge Bächl hier die Klosterschule besuchen und wird dann an das Klementinum in Prag vermittelt. Ein Gymnasiumbesuch in Rötz oder Schönthal ist um 1680 nicht möglich.
[3] Östlich Regensburg bei Brennberg.
[4] Placidus Stainbacher OSB, auch Steinbacher, Stainpacher (1642–1720) aus Straubing. Profess von Mallersdorf. Studien in Dillingen und Salzburg. 1680–1684 Regens am Konvikt in Salzburg. 1684–1694 Professor am «Studium commune» der Benediktinerkongregation in Prüfening. 1694 wird er im Amt des Priors von Mallersdorf als Abt nach Frauenzell postuliert. Abt 1694–1720. Präses der bayerischen Benediktinerkongregation 1711–1717.
[5] Korbinian Winhardt (1651–1719) aus Regensburg, Profess 1671, Abt in Weltenburg 1696–1709. Guter Ökonom. Perfide Verleumdungen der Konventualen, verbunden mit einem katastrophalen Rechtsverständnis der bayerischen Benediktinerkongregation (Präses Abt Quirin von Tegernsee) führen 1708 zur Abdankung des fähigen Abtes. Er bleibt nach der Resignation in Weltenburg und leitet 1709 im Auftrag des Geistlichen Rates noch die Bauvorbereitungen.
[7] Die kaiserliche Administration in München verwaltet an Stelle des in Reichsacht und Exil befindlichen Kurfürsten Ober- und Niederbayern von 1704–1714 auch alle Baugeschäfte und hat für den Neubau von Weltenburg Baukredite zugesagt. Die Gelder für den Neubau werden aber von P. Maurus Aicher eigenmächtig zur Schuldentilgung verwendet.
[8] Der ehemalige Abt und Initiator des Klosterneubaus muss sich noch im letzten Lebensjahr vom Prior Geld erbetteln, um ein Glas Wein zu kaufen.
[9] An der Einweihung im September 1713 stürzt das Gewölbe der Unterkirche unter der Last von 300 Personen ein, was zwar keine Toten fordert, aber für den Kelheimer Maurermeister Kasper Öttl den Verlust der Bauausführung des Klosterneubaus bedeutet. Die Frauenbergkirche wird deshalb erst 1714 fertig gestellt.
[10] Fr. Philipp Plank OFM (~ 1660–1720) aus Kelheim, Ordensbaumeister der Franziskaner. Die ersten Planungen zu Weltenburg arbeitet er unter Abt Augustin 1709 aus. Sie umfassen immer die ganze Anlage mit Konventbauten, Kirche, Ökonomie und Bräuhaus. Mehr zu Fr. Philipp Plank siehe in der Biografie dieser Webseite.
[11] Die Lage der Kirche zwischen Klosterflügel und Felswand ist für eine seitliche Belichtung denkbar ungünstig, die Idee zu einem von einer Tambourkuppel belichteten Kirchenraum ist auch einem architekturinteressierten Bauherrn des Barocks zuzumuten. Weiteres zum Bauverlauf, den Künstlern und den kunstwissenschaftlichen Spekulationen zur Kirche siehe den Baubeschrieb in dieser Webseite.
[12] Der Abt wartet die Kirchenvollendung ab, um das alte Bräuhaus abzubrechen. Er erreicht mit dem Bierverkauf an die Handwerker einen guten Gewinn und will für die kommenden Bauphasen gerüstet sein.
[14] Dass ein Benediktinerabt für die Erwirkung einer Bewilligung zum Kauf einer Hofmark in München am Hof vorstellig werden muss, ist nur ein Beispiel für die Abhängigkeit der bayerischen Benediktinerklöster von den Entscheidungen des Geistlichen Rats oder der Administration in München, sei diese unter österreichischer oder kurfürstlicher Herrschaft. Für Abteien in Schwaben oder in der Schweiz sind derartige Staatseingriffe fremd, ihnen werden die Finanzmittel vom Staat zudem nicht derart abgeschröpft wie in Bayern.
[15] Die erste Bewerbung mit kurfürstlicher Hilfe reicht Abt Maurus schon im Juni 1720 ein, also vor dem Besuch des Kurfürsten in Weltenburg.
[16] Zu den Karriereschritten des Prälatensteurers, des Landsteurers und des Verordneten siehe die «Die bayerische Landschaftsverordnung zur Zeit der Kurfürsten» im Einschub.
[17] Die Entschädigungen betragen für Abt Maurus rund 8200 Gulden, die er für die Neubaufinanzierung einsetzt.
[18] Die Gesamtbaukosten des Klosterneubaus sind nicht bekannt und in der Folge auch nie geschätzt worden. Der vorsichtige Abt Maurus führt keine eigentliche Baurechnung, um Diskussionen im Konvent über die Herkunft der Gelder oder über «unnötige» Ausgaben zu vermeiden. Die Gesamtkosten von Konvent- Ökonomie-, und Kirchenneubau dürften bei 100 000 Gulden liegen.
[19] Otmar Riess 1975, Seite 256.
[20] Der Sohn von Max II. Emanuel setzt die Grossmachtambitionen seines Vaters fort. Aus den Fehlern des Vaters hat er nichts gelernt. Er eröffnet mit Unterstützung der Franzosen 1741 den Krieg gegen Österreich und der Kaiserin Maria Theresia, lässt sich 1742 selbst zum Kaiser krönen, verliert in der Folge an allen Fronten und gibt Bayern 1743–1745 wieder einmal der österreichischen Besatzung preis.
Ein bescheidenes und schlecht erhaltenes Ovalporträt, auch ohne die sonst üblichen Angaben auf Äbteporträts, stellt einen ungefähr 50 Jahre alten Prälaten dar, erkennbar nur am Priesterkragen und am Scheitelkäppi. Es soll sich um das Porträt des Abtes Maurus Bächel handeln. Der Abgebildete blickt den Betrachter prüfend an. Vergleicht man ihn mit den beiden glatzköpfigen hl. Maurus im Kuppelfresko und auf dem Hochaltar, die beide den zu diesem Zeitpunkt 53-jährigen Abt darstellen sollen, sind einige Ähnlichkeiten vorhanden. Nur dürfte das Porträt mit dem stirnrunzelnden, mit tiefen Augenringen skeptisch dem Betrachter zugewandten Prälaten das realistischere Konterfei sein. Original im Klostermuseum.
Foto: Bieri 2019
|Maurus Bächel (1668–1749) Abt OSB in Weltenburg 1713–1743|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|14. April 1668||Rötz (Oberpfalz, Bayern) D||Kurfürstentum Bayern|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Benediktinerabtei Weltenburg||1713–1743|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|20. April 1749||Weltenburg Niederbayern D||Kurfürstentum Bayern|
|Kurzbiografie|

Maurus Bächel wird 1713 zum Abt in Weltenburg postuliert, nachdem er als Prior in Ensdorf die dortigen Neubauten zur allgemeinen Zufriedenheit geleitet hat. Er ist für die Abtei Weltenburg ein Glücksfall, sie verdankt ihm Neubeginn und Fortbestand. Dieser ist gefährdet, weil sich der disziplinlose kleine Konvent selbst nicht erhalten, aber auch nicht unterordnen kann. Auch der notwendige Klosterneubau wird bekämpft. Abt Maurus bringt das Kunststück fertig, die Klosterdisziplin durchzusetzen, den Neubau ohne grössere Neuverschuldung durchzuführen, eine leistungsfähige Klosterökonomie einzurichten und die Mitgliederzahl des Konvents zu verdoppeln. Trotzdem resigniert auch er nach 30 Jahren Regierung.
|PDF (nur Text)||Biografie||Bildlegende|
Die bayerische Landschaftsverordnung zur Zeit der Kurfürsten
Landschaft und Landtag
Wie in allen gefürsteten Ländern des Alten Reichs bilden sich im Spätmittelalter auch in den Teilherzogtümern Ober- und Niederbayern Zusammenschlüsse der drei Stände (Prälaten, Adel, Städte und Märkte) der Landschaft zur Wahrung ihrer Interessen gegenüber den Landesfürsten. Sie organisieren sich in den sogenannten Landständen. Zwar haben sie auch nach der Wiedervereinigung des Herzogtums Bayern 1505 noch immer grossen Einfluss auf die Regierungsgewalt, aber im weitern Verlauf des 16. Jahrhunderts versuchen die Herzöge, diese Einflussmöglichkeiten systematisch zu unterbinden. Als der bayerische (und erste) Kurfürst Maximilian I. im Dreissigjährigen Krieg die Oberpfalz erwirbt, schafft er sofort die dortigen Landstände ab. Nur in Altbayern bleiben ihre Strukturen erhalten. Sie sind derart effizient, dass sie von den frühen Kurfürsten nicht in Frage gestellt und selbst von der zehnjährigen österreichischen Administration während des Spanischen Erbfolgekriegs als unabhängiges Gremium übernommen werden. Obwohl die Einberufung eines Landtags unter Kurfürst Maximilian nur noch 1605 und 1612 erfolgt und unter Kurfürst Ferdinand Maria 1669 gar der letzte Landtag im Kurfürstentum abgehalten wird, nutzen die Landschaftsverordneten die neue Situation von 1704–1714 nicht, um mit österreichischer Hilfe alte Privilegien zurückzuholen. Zu stark ist inzwischen ihre Bindung an das absolutistische Kurfürstentum, das am Anfang des 19. Jahrhunderts die Landschaft in mehreren Schritten als mitbestimmendes Gremium abschafft.
Gliederung der Landschaft
Die Landstände Altbayern gliedern sich in die je zwei Rentämter des Ober- und Unterlands (Oberbayern und Niederbayern). Rentämter des Oberlands sind München und Burghausen, Rentämter des Unterlands sind Landshut und Straubing.
Die Landschaftsverordnung
Sie ist trotz des Namens keine Verordnung, sondern ein Leitungs- und Entscheidungsorgan der Landschaft, wie die Vertretung der Stände gegenüber dem Landesfürsten genannt wird. Der Landschaftsverordnung werden am letzten Landtag von 1669 alle Kompetenzen der Landschaft übertragen. Die Verordnung besteht aus 16 Mitgliedern. Jedes Rentamt ist durch zwei Mitglieder des Prälatenstandes, vier Adeligen (auch Ritterstand genannt) und zwei Mitgliedern der Städte und Märkte vertreten. Sie treffen sich jedes Jahr zum «Universale» in München. Die Session dauert im Normalfall einen Monat.
Die Verordneten der Landschaft sind das eigentliche Finanzgewissen der Kurfürsten. Sie beschliessen alle Finanzausgaben. Für die beiden Kurfürsten Max II. Emanuel und seinen Sohn Karl Albrecht ist es vor allem die Schuldenverwaltung. Ihre Treue zu den Kurfürsten ist allerdings derart, dass sie sich zwar gegen die Finanzpraktiken der beiden Schuldenmacher und Kriegstreiber wehren, aber in Staatsinteresse dann immer einen Kompromiss suchen. Die Landschaft wird so zum wichtigsten Bankier des Kurfürsten. Dieser Kooperationsbereitschaft der Landschaft ist es zu verdanken, dass Bayern und seine Kurfürsten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts überhaupt kreditwürdig und damit politisch handlungsfähig bleiben.
Herkunft und Wahl der Verordneten
Am ersten Tag der «Universale» in München finden die Neuwahlen statt. Sie sind eher ein Nachrückvorgang, denn fast immer werden bereits als Land- oder Standsteurer tätige Personen an den Platz von verstorbenen (bei Prälaten auch resignierten) Mitgliedern gewählt. Dies, weil das Vorschlagsrecht beim Orden, respektive bei der Familie des Verstorbenen liegt. Selbst versuchte Beeinflussungen durch den Kurfürsten haben in der Regel keinen Erfolg. Die Laufbahn zum Verordneten beginnt deshalb beim Land- oder Standsteurer.
Land- und Standsteurer
Das Kollegium der Land- und Standsteurer ist der Landschaftsverordnung untergeordnet. Ihre Zuständigkeit erstreckt sich nur auf das jeweilige Rentamt. Jedem Rentamt sind vier Vertreter in gleicher Zusammensetzung wie in der Landschaftsverordnung zugeordnet. Der Landsteurer ist für die direkten Steuereinnahmen der nicht privilegierten Bevölkerung des jeweiligen Rentamts gemäss den Beschlüssen der Landschaftsverordnung verantwortlich. Der Standsteurer ist für die privilegierten Stände der Prälaten (Prälatensteurer), der Adeligen (Rittersteuer), sowie der Städte und Märkte zuständig. Die Steuereinnahmen der Stände betragen kaum einen Fünftel derjenigen des Landes. Das Amt des Standsteurers bedeutet die unterste Stufe der landschaftlichen Karriere, die via Landsteurer in das Gremium der Landschaftsverordnung führen kann. Es ist deswegen und auch wegen der Besoldung von rund 300 Gulden sehr gesucht. Die Wahl erfolgt durch die Landschaftsverordnung und unterliegt strengen Kriterien. Absolute Voraussetzung ist die Begüterung in einem Rentamt, bei Prälaten und Stadtbürger zudem die Ausübung eines Vorsteheramts. Entscheidend für die Aufnahme dürfte bei den vielen Bewerbungen in fast allen Fällen die Empfehlung wichtiger Persönlichkeiten, vorzugsweise aus den die Mehrheit bildenden Adelskreisen sein.
Pius Bieri 2019
|Literatur:|
|Hüttl, Ludwig: Max Emanuel, der Blaue Kurfürst. München 1976.|
|Paringer, Thomas: Die bayerische Landschaft. München 2007.|
|Igelsbacher, Alois: Die staatliche Finanzkontrolle in Bayern. München 2012. Onlinefassung.|
Anmerkungen:
Die drei Stände bilden keineswegs eine demokratische Vertretung der Bevölkerung. Sie repräsentieren nur den Herrschaftsbesitz. Der Prälatenstand verfügt über 56 Prozent des gesamten Eigentums an Grund und Boden Altbayerns und übt Herrschaftsrechte über 50,4 Prozent aller in Bayern ansässigen Familien aus. Der Adel verfügt zwar nur über 26 Prozent des Bodens und entsprechend weniger direkter Untertanen, ist aber in der «Landschaft» trotzdem mit 50 Prozent vertreten. Die Städte und Märkte (um die 14 Prozent) vertreten nebst den Untertanen und Stadtbürgern die regierenden Patrizierfamilien und die Zünfte. Von den 34 Städten und 74 Märkten sind im 18. Jahrhundert nur die Städte Burghausen, München, Landshut und Straubing durch ihre Bürgermeister vertreten. Der Kurfürst selbst verfügt lediglich über 10 Prozent des Eigentums an Grund und Boden. Von den 1,1 Millionen Einwohnern Altbayerns (inklusive der Oberpfalz) sind zudem rund 700 000 Bauern, denen jegliches Mitspracherecht abgesprochen wird. Sie dienen ausschliesslich der Sicherstellung des Lebensstandards der Standespersonen und werden von Teilen des Adels dem Vieh gleichgestellt. Quelle: Ludwig Hüttl. Die Zahlen betreffen das dritte Viertel des 18. Jahrhunderts.
Kurfürst Max II. Emanuel erbt 1680 von Kurfürst Ferdinand Maria einen schuldenfreien Staat. Schon 1687 muss die Landschaft einen Staatbankrott wegen seiner immensen Aufwendungen für die Türkenkriege abwenden und Zwangsanleihen verfügen. Dauernd in Kriegszügen abwesend und 1692–1701 mit doppelter Hofhaltung in Brüssel und München, übernimmt sich der Kurfürst weiterhin. Österreich begleicht während der zehnjährigen Besatzung Bayerns selbstverständlich keine seiner Schulden, führt alle bayerischen Einnahmen nach Wien ab und belegt die gutgläubigen Stände und damit die Bevölkerung mit neuen hohen Abgaben. Der Verzweiflungsaufstand der Bauern von 1705 ist eine Folge dieser Belastungen. Nach seiner Rückkehr 1715 vergrössert der Kurfürst die Schuldenlast, die 1720 schon 20 Millionen Gulden beträgt, nochmals. Er ist jetzt finanziell völlig von der Landschaft abhängig und eher Bittsteller als Landesfürst. Das neue Schuldentilgungswerk der Landschaft führt aber nur dazu, dass der Hofstaat die zur Tilgung vorgesehenen Beträge sofort für die Neuaufnahme weiterer Schulden an die Kreditgeber verwendet. So hinterlässt Max II. Emanuel seinem Sohn Karl Albrecht 26 Millionen Gulden an Staatschulden, was 700 Prozent der Staatseinnahmen bedeutet. Das landschaftliche Tilgungswerk erleidet nach dem grössenwahnsinnigen Kaiserabenteuer von Karl Albrecht 1742 einen Rückschlag. Erst unter seinem Nachfolger Max III. Joseph, der sich aus allen Kriegsabenteuern heraushält, können die Schulden Karl Albrechts von inzwischen 35 Millionen Gulden auf 9 Millionen getilgt werden. Diese Summen können nur verstanden werden, wenn man das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Handwerkermeisters von 100 bis 200 Gulden (brutto) in Vergleich zieht. Mehr zum damaligen Geldwert siehe im Glossar «Geld und Mass» in dieser Webseite.