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Frédéric Haenni, Düdingen II konnte wegen des Meisterschaftsabbruchs das entscheidende Abstiegsduell nicht austragen. Bedeutet das, dass Ihr 1.-Liga-Team den Klassenerhalt schafft?
Swiss Volley hat noch nicht entschieden, wie es die Saison werten will. Aber ich gehe davon aus, dass es wie im Eishockey weder einen Meister noch Auf- und Absteiger geben wird.
Dann nähme eine schwierige Saison doch noch ein gutes Ende.
Zum Glück. Anfang Saison habe ich unsere Chancen auf den Ligaerhalt auf etwa fünf Prozent geschätzt. Jetzt haben wir den Klassenerhalt geschafft, wenn auch unter besonderen Umständen. Für einen Trainer ist es aber immer angenehmer, wenn er sich mit dem Ligaerhalt verabschieden kann anstatt mit einer Relegation.
Was waren die Gründe, weshalb Düdingen II in Abstiegsnot geraten ist?
Da haben zwei Dinge eine entscheidende Rolle gespielt. Erstens hatten wir nicht genug eigene Spielerinnen und mussten mit Gibloux und Muri Bern zusammenarbeiten. Die Spielerinnen von Gibloux waren sehr jung und unerfahren, wie auch der überwiegende Teil von uns. Die Zusammenarbeit mit Muri bestand darin, dass wir drei unserer Spielerinnen ausgeliehen haben, aber keine Spielerin den umgekehrten Weg gegangen ist. So hatten wir nur drei Spielerinnen mit 1.-Liga-Erfahrung, alle anderen kamen aus der 2. oder 3. Liga. Das Team hat im Verlauf der Saison zwar grosse Fortschritte gemacht, aber der Abstand zur Konkurrenz war zu gross, als dass man ihn in einer Saison hätte aufholen können.
Und der zweite Grund für die ungenügenden Resultate?
In Anbetracht unserer Unerfahrenheit habe ich gehofft, dass uns der Verein Unterstützung aus der 1. Mannschaft bietet. Das hat Anfang Saison einigermassen funktioniert, danach aber kaum mehr. Das war ernüchternd, da hatte ich mehr Hilfe erwartet.
Die Unterstützung im Abstiegsspiel gegen Volley Oberdiessbach, als Düdingen ein Satzgewinn zum Ligaerhalt fehlte, bestand aus einer NLA-Spielerin. Zu Beginn der Saison waren es vier, die in der 1. Liga aushalfen. Warum gab es in den entscheidenden Momenten nicht mehr Beistand?
Das weiss ich nicht, das war der Entscheid des Präsidenten. Ich könnte mir vorstellen, dass Christian Marbach, der ja auch Präsident der Swiss-Volley-League-Konferenz ist, darauf verzichtet hat, weil er den anderen Clubs auf moralischer, ethischer Ebene keine Angriffsfläche bieten wollte in dem Sinne, dass Düdingen die Meisterschaft verfälsche, wenn NLA-Spielerinnen in der 1. Liga auflaufen. Ich bin da etwas anderer Meinung. Das Reglement erlaubt solche Spieleraustausche unter gewissen Bedingungen, andere NLA-Teams wie Franches-Montagnes oder Cheseaux nutzen dies auch aus. Warum sollte Düdingen da zurückstehen?
Muss man die Tatsache, dass der Verein seine zweite Mannschaft nicht intensiver unterstützt hat, dahingehend interpretieren, dass es für Volley Düdingen nicht relevant ist, wo die zweite Garde spielt?
So würde ich es nicht ausdrücken. Düdingen hat sich bei Swiss Volley für das Label eines nationalen Nachwuchsvereins beworben. Diese nationalen Nachwuchsvereine übernehmen ab kommender Saison im neuen Talentförderungsprogramm von Swiss Volley eine zentrale Rolle. Um Chancen auf den Erhalt dieses Label zu haben, muss Düdingen ein 1.-Liga-Team ausweisen können.
Welche Folgen hätte ein Abstieg in die 2. Liga für die Nachwuchsbewegung von Volley Düdingen?
Die 2. Mannschaft ist im Prinzip das Sprungbrett für in die 1. Mannschaft. Der Sprung von der 1. Liga in die NLA ist aber so riesig, dass es fast unmöglich ist, ihn zu meistern. Insofern hat es für Düdingen keine allzu grosse Relevanz, wo das «Zwü» spielt. Für Düdingen ist es sowieso sehr schwierig, die eigenen Nachwuchsspielerinnen auf NLA-Niveau zu bringen.
Inwiefern?
Düdingen hat eine sehr gute Nachwuchsförderung, aber auf kantonaler Ebene tut sich nichts. Die SAR-Bewegung, dank der früher die ambitionierten Mädchen in den Auswahlteams des Regionalverbands von guten Trainern, guten Mitspielerinnen und einem hohen spielerischen Niveau profitiert haben, ist quasi tot. Und nur über die eigene Nachwuchsarbeit ist es für Düdingen fast unmöglich, Spielerinnen mit NLA-Niveau hervorzubringen. Die Vereine in anderen Regionalverbänden haben viel mehr Förderungsmöglichkeiten. Freiburg riskiert, den Anschluss weiter zu verlieren.
Wie steht es bei den Juniorinnen um das spielerische Niveau im Kanton?
Das lässt sich an Düdingens U19 verdeutlichen: Obwohl das Team grösstenteils aus 14-jährigen Mädchen besteht, hat es diese Saison nur ein einziges Spiel verloren. Vor ein paar Jahren konnten die U19-Teams niveaumässig problemlos in der 2. Liga oder gar noch höher mithalten. In unserem Kanton wären die heutigen U19 in der 5. Liga überfordert.
Es gibt durchaus einige Freiburger Volleyballerinnen, die in der NLA spielen, sei es in Düdingen oder bei anderen Vereinen.
Das ist richtig. Diese Spielerinnen sind aber gross geworden, als es die kantonalen SAR-Strukturen noch gab. Einige von ihnen waren zudem in der Freiburger Volleyball-Akademie. Die gibt es heute auch nicht mehr. Ich war jahrelang SAR-Trainer und TK-Chef des kantonalen Verbands. Wenn ich heute etwas kritisiere, dann heisst es sofort, «der Alte meint wieder, alles besser zu wissen». (lacht) Tatsache ist aber, dass es noch 2015 im Kanton Freiburg 75 Leute gab, die in den verschiedenen Auswahlteams gefördert wurden: Es gab die Talent Schools I und II, die SAR und sogar ein Fördergefäss für Quereinsteigerinnen aus anderen Sportarten.
Besteht denn in Freiburg überhaupt das Bedürfnis nach kantonalen Förderteams? Es gibt nur wenige Vereine, die sich zum Leistungsvolleyball bekennen.
Das ist das Problem. Ausser bei Düdingen und Gibloux und mit Abstrichen bei Sense spüre ich nicht bei vielen Vereinen den Willen, nach vorne zu gehen. Während in anderen Regionen die Nachwuchsteams der verschiedenen Clubs Qualifikationsturniere bestreiten müssen, wenn sie an der Schweizer Meisterschaft teilnehmen wollen, reicht es in Freiburg, sich anzumelden. Qualifikationsspiele sind bei uns meistens hinfällig, weil es zu wenig Interessenten gibt.
Das hört sich nicht sehr zuversichtlich an …
Das Freiburger Volleyball steht aktuell dort, wo das Männer-Volleyball vor 15, 20 Jahren stand. Es gibt wenige Mädchen, die mit Volleyball anfangen, und viele, die wieder aufhören. Es ist leider ein bisschen die Philosophie vieler Jugendlicher, manches anzufangen, aber wenig richtig durchzuziehen. Da spielt man fünf Jahre Volleyball, dann spielt man ein paar Jahre Tennis, später tut man dies, dann das. Die Geduld, sich hochzuarbeiten, fehlt oftmals, man will zu schnell zu viel.
Können Sie das erläutern?
Eine gute Förderung sollte in drei Schritten erfolgen: Du steigst in eine höhere Liga auf, dann spielst du dort, bis du dominierst, und erst dann unternimmst du den nächsten Schritt in eine höhere Liga. Weil es zu wenig Spielerinnen für zu viele Clubs hat, sind die Volleyballerinnen sehr umworben, und die Versuchung ist gross, einen Schritt zu überspringen. Die Clubs müssen den Spielerinnen nur genügend Honig ums Maul streichen, dann wechseln sie in eine höhere Liga, obwohl sie dafür noch gar nicht bereit sind.
Ist das der Grund, warum es in Düdingens 1.-Liga-Team in den letzten Jahren stets so viele Wechsel gegeben hat?
Das hat eine grosse Rolle gespielt, aber es gibt noch andere Gründe dafür. Ich habe das Gefühl, dass Düdingen heute zu wenig unternimmt, um die jungen, talentierten Spielerinnen an die NLA heranzuführen. Spielerinnen wie Lea Zurlinden oder Flavia Knutti, die aus der Region sind, haben für meinen Geschmack in dieser Saison zu wenig Einsatzzeit in der NLA erhalten. Zum Glück hat Sarina Brunner viel Spielzeit erhalten und zeigen können, dass es auch für eine «lokale» Spielerin möglich ist. Düdingen sollte dennoch stärkere Signale in diese Richtung aussenden.
Sie verlassen Düdingen nach vielen Jahren als Nachwuchstrainer und gehen zu Köniz. Welche Funktion werden Sie bei den Bernern übernehmen?
Zusammen mit Martin Rostetter werde ich verantwortlich sein für die Juniorenbewegung bis U17. Ich freue mich auf die Aufgabe, in Bern gibt es gute Nachwuchsstrukturen, und das spielerische Niveau ist sehr hoch. Und mir gefällt die Philosophie des Clubs. Der Verein will nicht um jeden Preis möglichst schnell in die NLA zurückkehren. Er hätte diese Saison die Möglichkeit dazu gehabt, aber er entscheid sich, noch ein Jahr in der NLB zu bleiben. Köniz will mit den eigenen Jungen etwas aufbauen und nicht wie die meisten NLA-Vereine ein Import-Export-Geschäft führen, bei dem die Spielerinnen alle zwei, drei Jahre ausgetauscht werden. In Köniz steht nicht nur das Resultat im Vordergrund.