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| Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)

Fünfzehnte Unterredung, welche die zweite des Abtes Nesteros ist, über die göttlichen Gnadengaben.
8. Daß es wunderbarer sei, aus sich selbst die Laster ausgestoßen zu haben, als aus einem Andern die Teufel.
Und in der That ist es ein größeres Wunder, aus dem eigenen Fleische den Zunder der Lust herauszureissen, als die unreinen Geister aus fremden Körpern zu treiben; und es ist ein herrlicheres Zeichen, durch die Tugend der Geduld die wilden Bewegungen des Zornes im Zaume zu halten, als den Herrschaften der Lust zu gebieten. Ebenso ist es mehr, die so gefräßigen Krankheiten der Traurigkeit aus dem eigenen Herzen ausgeschlossen zu haben, als die Krankheit eines Andern und die körperlichen Fieber zu ver- [S. 136] treiben. Endlich ist es eine um viele Grade erhabenere Tugend und höherer Erfolg, die Schwächen der eigenen Seele zu heilen, als die eines fremden Körpers. Denn um wie viel jene höher ist als das Fleisch, um so viel werthvoller ist ihr Heil: und um wie viel kostbarer und ausgezeichneter ihre Substanz ist, um so viel schwerer und verderblicher ist ihr Ruin.