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LSD und Kunst
Von der Medizin zur Literatur
Heute wird LSD vor allem mit der Musik und Literatur der Hippie-Bewegung in Verbindung gebracht. Diese Verbindung enstand erst ungefähr zehn Jahre nach der Entdeckung der Droge. Einer der ersten, der eine nicht-medizinische, eher philosophische Betrachtung der Wirkungen von LSD veröffentlichte, war der britische Schriftsteller Aldous Huxley. 1954 schrieb er seine Erfahrungen mit Meskalin und LSD in den Büchern «The Doors of Perception» und «Heaven and Hell» nieder. Darin beschreibt er die Auswirkung von Halluzinogenen auf das menschliche Bewusstsein und, unter anderem, welche Eindrücke Werke der bildenden Kunst und Musikstücke in ihm unter dem Einfluss von LSD hervorriefen. Huxley war sich jedoch den Gefahren der Droge bewusst und mahnte: «Acid [umgangssprachlich für LSD] is not for every brain - only the healthy, happy, wholesome, handsome, hopeful, humorous, high-velocity should seek these experiences. This elitism is totally self-determined. Unless you are self-confident, self-directed, self-selected, please abstain.».
Die Rolle des LSD-Missionars übernahm ein anderer Schriftsteller: der Psychologe und Harvard-Professor Timothy Leary. Als der Initiator des «Psychedelic Research Project» 1963 von der Harvard-Universität entlassen wurde, begann er eine eigentliche Werbeaktion für die neu gefundene Droge.
«Lucy in the Sky with Diamonds»
Die starke Verbindung zwischen LSD und der Popkultur der 1960er- und 1970er-Jahre geht hauptsächlich auf Ken Kesey zurück, einen US-amerikanischen Schriftsteller und Autor von «One Flew Over The Cuckoo's Nest». Als Aushilfe in einer psychiatrischen Klinik konsumierte er 1959 im Rahmen des CIA-Forschungsprojekts «MKULTRA» zum ersten Mal LSD. Fasziniert von den neuen Eindrücken zog er daraufhin mit seinen Freunden, den «Merry Pranksters», in einem bunt bemalten Bus durch die USA. Dabei veranstalteten sie so genannte «Acid Tests», bei denen LSD (dazumals noch legal erhältlich) an das Publikum verteilt wurde. Nicht alle nahmen es, aber LSD traf den Nerv der Zeit.
LSD war überall - an den Universitäten, in den Kommunen und vor allem in der Musik. Die «Doors», deren Namen durch Learys Buch «The Doors of Perception» inspiriert wurde, die «Rolling Stones» und die «Beatles» begannen, LSD-inspirierte Songs zu schreiben, so zum Beispiel der bekannte Beatles-Song «Lucy in the Sky with Diamonds». Doch auch diese farbenfrohe, schrille und unbeschwerte Zeit hatte ihre Opfer: Syd Barrett, Gründer der Band «Pink Floyd», blieb nach fünfjährigem LSD-Konsum in einer drogeninduzierten Psychose «hängen» und konnte sich später weder an seine Songs noch an seinen Ruhm erinnern.
Zu dieser Zeit entstand jedoch nicht nur LSD-inspirierte Kunst: Auch Bestehendes wurde von der LSD-Bewegung neu interpretiert. Zum Beispiel wurde das Kinderbuch «Alice's Adventures in Wonderland» von Lewis Carroll (Veröffentlichung 1865), in den 1970er-Jahren als allegorische Beschreibung eines LSD-Trips gedeutet, da es in der Geschichte eine Vielzahl von Anspielungen gibt, die dem Erleben eines LSD-Trips ähnlich scheinen.
Damals und heute
Und auch heute noch sind halluzinogene Echos aus der Hippiezeit in Film und Literatur zu vernehmen: «Die dunkle Seite des Mondes» des Schweizer Schriftstellers Martin Suter erzählt vom erfolgreichen Wirtschaftsanwalt Urs Blank, dessen Leben durch halluzinogene Drogen aus den Fugen gerät. Und die erfolgreichste Zeichentrickserie «The Simpsons» enthält regelmässige Anspielungen auf die Droge und auf halluzinogene Trips.
LSD ist für die Kunstschaffenden von heute immer noch ein Thema - weniger als Stimulans oder als Inspirationsquelle als vielmehr als Symbol für eine Zeit, die grosse Erwartungen mit dem «Wundermittel» LSD verband, die sich letztlich nicht erfüllen sollten.
Thomas Hägler