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Wie wir wohl alle festgestellt haben, verändert sich die Welt immer schneller. Früher war die Norm die Konstanz, heute ist der immer schneller werdende Wandel die neue Konstanz. In Medien wird von Big Data, Industrie 4.0, IoT und Automatisierung unserer Arbeitsplätze gesprochen, als wäre es eine Selbstverständlichkeit für uns alle.
Fragen wir uns jedoch wie die Digitalisierung auf uns einwirkt und wie wir die daraus entstehenden Chancen möglichst positiv nutzen können, werden wir doch einige Schwierigkeiten bekommen, diese Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Eine interessante Betrachtung bietet dazu unter anderem das Buch «Digitale Transformation im Unternehmen gestalten» welches zeigt, wie der digitale Wandel aktiv gestaltet, Chancen genutzt und die digitale Transformation gewinnbringend gemeistert werden kann. Der nachfolgende Bericht greift einzelne Inhalte dieses hoch interessanten Buches auf.
Eine zentrale Herausforderung der Digitalisierung ist der Umgang mit den exponentiell wachsenden Daten und den daraus entstehenden, gigantischen Informationsmengen. Der Umgang mit exponentiellen Entwicklungen ist für den Menschen schwierig zu fassen, da unser Gehirn nicht in der Lage ist, sich solch enorme Entwicklungen vorzustellen. Das Beispiel von Sissa Ibn Dahir, der Legende zufolge der Erfinder des Schachspiels, verdeutlicht dies.
Der indische Herrscher Shihram tyrannisierte seine Untertanen und stürzte sein Land in Not und Elend. Um die Aufmerksamkeit des Königs auf seine Fehler zu lenken, ohne seinen Zorn zu entfachen, schuf Dahirs Sohn, der weise Brahmane Sissa, ein Spiel, in dem der König als wichtigste Figur ohne Hilfe anderer Figuren und Bauern nichts ausrichten kann. Der Unterricht im Schachspiel machte auf Shihram einen starken Eindruck. Er wurde milder und ließ das Schachspiel verbreiten, damit alle davon Kenntnis nähmen. Um sich für die anschauliche Lehre von Lebensweisheit und Unterhaltung zugleich zu bedanken, gewährte er dem Brahmanen einen freien Wunsch. Dieser wünschte sich Weizenkörner: Auf das erste Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf das zweite Feld das Doppelte, also zwei, auf das dritte wiederum die doppelte Menge, also vier und so weiter. Der König lachte und war gleichzeitig erbost über die vermeintliche Bescheidenheit des Brahmanen. Als sich Shihram einige Tage später erkundigte, ob Sissa seine Belohnung in Empfang genommen habe, musste er hören, dass die Rechenmeister die Menge der Weizenkörner noch nicht berechnet hätten. Der Vorsteher der Kornkammer meldete nach mehreren Tagen ununterbrochener Arbeit, dass er diese Menge Getreidekörner im ganzen Reich nicht aufbringen könne. Auf allen Feldern eines Schachbretts zusammen wären es 264-1 oder 18.446.744.073.709.551.615 (≈ 18,45 Trillionen) Weizenkörner. Nun stellte er sich die Frage, wie das Versprechen eingelöst werden könne. Der Rechenmeister half dem Herrscher aus der Verlegenheit, indem er ihm empfahl, er solle Sissa ibn Dahir ganz einfach das Getreide Korn für Korn zählen lassen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Sissa_ibn_Dahir)
Ähnlich wie in dieser schönen Geschichte, lässt sich die exponentielle Entwicklung der Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft von uns ebenfalls kaum erfassen. Genauso wie die Menschen, haben sich auch bisher die wenigsten Organisationen den neuen Gegebenheiten und Herausforderungen angepasst. Die meisten Organisationen sind nach wie vor klassisch hierarchisch strukturiert und die Prozesse ähneln denen aus dem Zeitalter der industriellen Revolution. Diese Situation gilt es möglichst schnell zu verändern und dadurch die Führung der digitalen Transformation in den Unternehmen auf die kommenden tiefgreifenden Veränderung vorzubereiten. Geschieht dies konsequent und mit einer zukunftsgerichteten Strategie, so können die Stärken der alten Welt erfolgreich in die digitale Welt übernommen werden. Sollte diese Transformation jedoch scheitern, werden immer mehr Unternehmen ihre klassischen Geschäftsmodelle an die digitale Welt verlieren. Digitalisierung ist nicht eine Frage des «Ob», sondern nur «mit Wem».
Erfolgsfaktoren einer digitalen Transformation:
- Daten generieren
- Daten, Prozesse verknüpfen
- Daten analysieren und visualisieren
- Nutzen generieren aus den Daten
Transformations-Projekte können selbstverständlich jeweils auch nur einzelne der aufgeführten Schritte tangieren, wichtig ist jedoch die Gesamtsicht auf das Geschäftsmodell, mit welchem ein Mehrwert generiert werden soll.
Um die Herausforderung der digitalen Transformation meistern zu können, braucht es mehrere Schritte. Mit den folgenden 14 Punkten erfolgt die Transformation deutlich erfolgreicher:
Punkt 1: Der Kunde und seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt
Start und Ende eines jedes Digitalisierungsprojekts ist die Wertschöpfung. Dabei ist es wichtig, den Kunden, seine Bedürfnisse und sein Umfeld zu kennen.Punkt 2: Eine starke Vision
Um Teams zu mobilisieren helfen oft starke Visionen mehr als Projektpläne. Visionen stärken, bündeln Energien auch über Unternehmensgrenzen hinweg und schaffen ein gemeinsames Ziel. Weiter nützen Visionen in dynamischem Umfeld wo Planung und Orientierung meist schwierig sind.
Punkt 3: Digitale Geschäftsmodelle gemeinsam entwickeln
Ein Geschäftsmodell sollte auf folgende Fragen Antwort geben: Wer ist der Kunde? Welchen Nutzen versprechen wir uns davon? Wie wird dieses umgesetzt? Warum ist das Geschäftsmodell profitabel?
Punkt 4: High-Performance Teams bilden und fördern
High-Performance Teams sind zielorientiert und haben eine ausgeprägte Konflikt- und Kommunikationskultur. Zu einem High-Performance Team gehört auch der Sponsor. Dieser stellt sicher, dass die Projektinteressen gewahrt werden und die Entscheidungswege kurz sind.
Punkt 5: Eine konstruktive «Try & Error» Kultur fördern
Lernen heisst auch Fehler machen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Fehler machen auch rasches Lernen ermöglicht. Mit Prototypen können wir rasch aus Unsicherheiten neue Erkenntnisse und aus Annahmen fundierte Fakten schaffen.
Punkt 6: Agile Entwicklungsmodelle fördern
In Digitalisierungsprojekten weiss man oft nicht von Anfang an wohin die Reise gehen wird. Eine agile Entwicklungsmethode mit engem Kundenkontakt trägt diesem Fakt Rechnung und hat den positiven Effekt, dass rasch Erfolge vorgezeigt werden können.
Punkt 7: Silos überwinden
Digitalisierungsinitiativen sind meist funktions-, bereichs- und unternehmensübergreifend. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Gelingen dieser Projekte liegt im überwinden dieser Silos.
Punkt 8: Begeistern der gesamten Organisation
Oft reicht es nicht, nur die Teams welche in angesprochenen Projekten arbeiten, zu begeistern, sondern die gesamte Organisation. Hierzu können folgende Strategien von Heike Bruch helfen:
- «Winning the Princess» - Aufzeigen welche neuen Perspektiven und Erlebnisse durch das Digitalisierungsprojekt ermöglicht werden.
- «Killing the Dragon» - Besiegen einer gemeinsamen Bedrohung z.B. ein Konkurrenzunternehmen, welches das eigene Geschäftsmodell bedroht.
Punkt 9: Zelte anstatt Paläste
Es ist besser, rasch Zelte auf- und bei Erfolglosigkeit wieder abzubauen, als Paläste zu bauen. Es ist wichtig eine Zielvorstellung mit dem Wissen zu haben, dass es nie komplett sein wird. Agilität, Lernen und Flexibilität ersetzen die klassische Langfristplanung.
Punkt 10: Eine Start-up Mentalität fördern
Zeiten wo Budget einzig für monatelange Planungen gesprochen werden, sollten vorbei sein. Das Denken wie ein StartUp, wo Design-Build-Test Zyklen viel kürzer sind und das Kundenfeedback im Mittelpunkt steht, wird immer wichtiger.
Punkt 11: Strategische Partnerschaften
Die Digitalisierung für immer stärker zu einer Konzentration, man gewinnt alles oder verliert. In Märkten mit absoluter Transparenz ist es schwierig, noch was vom Kuchen ab zu bekommen. Darum gilt das Motto: «The winner takes it all». Daher ist es von grösster Bedeutung, den richtigen Partner zur Seite zu haben.
Punkt 12: Kampf um die Talente
Wie es der Titel bereits sagt, ist eine der grossen Herausforderungen Talente zu finden und an das Unternehmen zu binden. Dabei zeichnet sich bereits seit Jahren die Tendenz ab, dass immer mehr hochqualifizierte IT Experten und Programmierer nicht mehr bereit sind, die klassischen Wege von Grossunternehmen zu gehen.
Punkt 13: Quick-Wins realisieren und Erfolge feiern
Gerade in langfristigen Projekten ist es wichtig, schnelle Erfolge zu präsentieren um Kritikern die Machbarkeit aufzuzeigen und auf allen Unternehmensebenen das Kommittment zu stärken. Zudem ist es wichtig, Teil-Etappen zu feiern, damit das Feuer und der Enthusiasmus weiter brennt.
Punkt 14: Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren
Es reicht nicht aus eine Ankündigung zu machen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit ist das «Was», das «Wohin» und das «Warum» des Digitalisierungsprojektes zu erklären. Bei einer korrekten Kommunikation ist nicht vordergründig was oder wie man es sagt, sondern was vom Gegenüber Verstanden wird. Das Warum sollte einen wichtigen Stellenwert einnehmen.