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Folgende Grafiken zeigen die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen des Winters 2014 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt aus der Periode von 1971 bis 2000. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau dargestellt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen des SLF und der MeteoSchweiz sowie den automatischen Stationen des IMIS (Interkantonales Mess- und Informationssystem). Bei der Interpretation muss beachtet werden, dass nur grossräumige Muster aussagekräftig sind. Kleinräumige Muster oder Wertesprünge dürfen nicht zu stark gewichtet werden. Im Abschnitt "Ausgewählte Beobachterstationen" (vgl. unten) ist die zeitliche Entwicklung der Schneehöhe an verschiedenen Stationen dargestellt.
Bereits im Oktober fiel in hohen Lagen und im Hochgebirge in vier Perioden Schnee, Mitte Oktober sogar bis in mittlere Lagen hinunter. In der intensivsten Niederschlagsperiode vom 10. bis 13. Oktober zum Beispiel lag das Niederschlagszentrum am zentralen Alpensüdhang, im Rheinwald und im Avers. Dort fielen 80 bis 120 cm Schnee. Die Schneehöhenmaxima wurden um Mitte Monat erreicht und lagen verbreitet zwischen 20 bis 50 cm, im Tessin und in Graubünden meist zwischen 50 bis 80 cm. Auf vielen Messstationen in allen Gebieten der Schweizer Alpen wurden zwischen dem 11. und 15. Oktober neue Schneehöhenmaxima für diese Tage gemessen. Die Jährlichkeit einer Schneedecke um diese Zeit liegt unterhalb 1600 m bei durchschnittlich 17 Jahren, darüber bei durchschnittlich 8 Jahren.
Auch im November fiel in allen Gebieten wiederholt Schnee. Die intensivste Niederschlagsperiode dauerte vom 19. bis 23. November und brachte im Kerngebiet vom Simplongebiet bis ins westliche Tessin 80 bis 120 cm Schnee. Im Wallis sowie am westlichen und zentralen Alpennordhang erreichten die Schneehöhen für die Jahreszeit überdurchschnittliche Werte (Abbildung 3, oben), am östlichen Alpennordhang und in Graubünden waren sie meist der Jahreszeit entsprechend, im Tessin eher kleiner. Mittlere, aber auch tiefe Lagen, waren relativ gut eingeschneit. Zwischen 500 und 1000 m lag Ende Monat am Alpennordhang verbreitet rund 10 bis 20 cm Schnee. Auf 1500 m betrugen die Schneehöhen verbreitet 20 bis 50 cm, im Engadin und in den Bündner Südtälern weniger. Auf 2000 m lag auf windgeschützten Flachfeldern am Alpennordhang, im Simplongebiet und im Bedretto 50 bis 80 cm, in den übrigen Gebieten verbreitet 30 bis 50 cm Schnee.
Die ersten zwei Dekaden des Dezembers waren von wenig Niederschlag, viel Sonne und oft milden Temperaturen geprägt. Dementsprechend dünn war die Schneedecke. Am 20. Dezember war die Schneehöhe in allen Gebieten für die Jahreszeit stark unterdurchschnittlich. Über die Weihnachtstage schneite es dann endlich, – am Alpensüdhang sogar intensiv. Vor allem die 1-Tages-Neuschneehöhen vom Donnerstag, 26.12. waren ausserordentlich. An der Messstation San Bernardino, Graubünden (6SB, 1640 m) war der Messwert von 120 cm der grösste Wert seit Messbeginn vor 63 Jahren. In Bosco Gurin, Tessin (6BG, 1530 m) war es mit 110 cm der dritthöchste Wert in 65 Jahren. Auch im Oberengadin wurden Fast-Rekorde erreicht: auf der Diavolezza (7DI, 2090 m) mit 82 cm der zweithöchste Wert seit 69 Jahren und in Maloja (7MA, 1810 m) mit 86 cm der dritthöchste Wert. Die Jährlichkeiten für ein solches Ereignis betragen 25 bis 250 Jahre. Die 2-Tages- und 3-Tages-Neuschneesummen des Ereignisses zeigen jedoch nur noch Jährlichkeiten zwischen 6 und 50 Jahren.
Während die Schneehöhen am Alpensüdhang Ende Dezember dank diesem Grossschneefall stark überdurchschnittliche Werte erreichten, blieb die Bilanz über den ganzen Monat (Abbildung 3, unten) doch bescheiden. Die Schneehöhen erreichten in den meisten Gebieten nur unterdurchschnittliche Werte. Für die Jahreszeit am besten schnitten die südlichen Teile des Wallis, das Berner Oberland und das Oberengadin ab.
Im Januar fiel erneut am meisten Schnee in den südlichen Gebieten und sorgte dort für grosse Schneehöhen. Die intensivste Schneefallperiode war vom 02. bis 06. Januar. Die Kerngebiete lagen im westlichen Unterwallis, im nördlichen und mittleren Tessin, im Oberengadin sowie in den Bündner Südtälern, wo 40 bis 60 cm, teilweise bis 80 cm Schnee fiel. Vom Goms über das Tessin und Rheinwald bis ins Oberengadin und in den Bündner Südtälern erreichten die Schneehöhen überdurchschnittliche Werte (Abbildung 4, oben). An einigen Stationen wurden für bestimmte Tage neue Schneehöhenmaxima gemessen. Im Wallis und im Berner Oberland sowie in Nordbünden erreichten die Schneehöhen etwa durchschnittliche Werte, weiter nördlich lagen sie deutlich darunter.
Auch im Februar folgten am Alpensüdhang mehrere Niederschlagsperioden in kurzen Abständen und brachten grosse Schneemengen. Die intensivste Niederschlagsperiode dauerte vom 02. bis 06. Februar und brachte dem Kerngebiet vom Simplongebiet und dem nördlichen und mittleren Tessin 140 bis 180 cm Schnee. Insgesamt fielen im Februar an einigen Stationen im nördlichen und mittleren Tessin 3 bis 3.5 Meter Schnee. Der Februar insgesamt und diese Gebiete im speziellen waren im Winter 2013/14 am neuschneereichsten. Die Schneehöhen im Vergleich zum Mittelwert waren ähnlich wie im Januar, mit dem Unterschied, dass sie vom Goms über das Tessin und Rheinwald bis ins Oberengadin und die Bündner Südtäler noch ausgeprägter überdurchschnittlich waren. Am Alpensüdhang wurde an vielen Tagen eine neue, maximale Schneehöhe gemessen. Besonders den Voralpen entlang blieben die Schneehöhen hingegen markant unterdurchschnittlich (Abbildung 4, unten).
Die Neuschneesummen von November 2013 bis Februar 2014 zeigen an vielen südlich beeinflussten Stationen Rekordwerte. Aber die wenigen Stationen, die bereits 1951 gemessen haben, zeigen die höchsten Werte in diesem bekannten Lawinenwinter. Eine Auszählung der Neuschneetage bis Ende Februar zeigt zudem, dass es in den höheren Regionen des Alpensüdhanges seit Beginn der Niederschläge um die Weihnachtszeit an jedem 2. Tag geschneit hat.
Schnee fiel im März nur zum Monatsanfang und –ende mit Schwergewicht vom Simplongebiet bis ins westliche Tessin sowie am östlichen Alpennordhang, im nördlichen Tessin und im Oberengadin mit je etwa 60 bis 80 cm. Sonst war der März geprägt von sonnigem und mildem Wetter. Die Schneehöhen über den ganzen Monat betrachtet waren im Verhältnis zur Jahreszeit auch im März ähnlich wie im Januar (Abbildung 5, oben). Auch anfangs März traten an Stationen im Süden neue Schneehöhenmaxima auf, dann nahm die Schneehöhe aber vor allem bis in mittlere Höhenlagen durch Schmelze deutlich ab. Am Alpennordhang erreichten die Schneehöhen gegen Ende Monat deutlich unterdurchschnittliche Werte. Einige wenige Stationen mit langjährigen Messreihen verzeichneten dort neue Schneehöhenminima.
Grössere Schneemengen von rund einem Meter in drei Tagen fielen im April nur in einer Niederschlagsperiode Ende Monat. Betroffen war vor allem der Alpenhauptkamm vom Mattertal bis ins Goms. Die Schneehöhen näherten sich in den bisher schneereichsten Gebieten des Südens rasch dem langjährigen Mittelwert an, in den übrigen Gebieten blieben sie deutlich darunter (Abbildung 5, unten).
Im Mai fielen vor allem in hohen Lagen des Wallis, des Alpennordhanges und Graubündens bedeutende Schneemengen. Gleichzeitig setzte sich der Schneehöhenabbau fort, verzögerte sich aber Anfang und Mitte Monat durch ein Absinken der Nullgradgrenze unter 2500 m.
Die über den ganzen Winter gemittelten Schneehöhen sind vergleichbar mit dem Muster von Januar bis April: Am Alpensüdhang und im Oberengadin sowie den direkt nach Mittelbünden angrenzenden Gebieten waren die Schneehöhen deutlich überdurchschnittlich (rund doppelt so gross wie normal), im südlichen Wallis leicht überdurchschnittlich. In den übrigen Gebieten lagen die Schneehöhen unter dem langjährigen Mittelwert, besonders ausgeprägt in den Voralpen und den grossen Alpentälern (Abbildung 6), wo teilweise nur rund 50% des langjährigen Mittels erreicht wurde. Auffällig ist der grosse Gradient in Mittelbünden und im Gotthardgebiet.
In den langjährigen Aufzeichnungen sind nur wenige Winter zu finden, die zwischen November und April am Alpensüdhang grössere Neuschneesummen verzeichneten als 2013/14. Auf Rang 1 liegt an den meisten Stationen der Winter 1950/51. An den Oberengadiner Stationen waren meistens die Winter 2000/01und 2008/09 noch neuschneereicher. Trotzdem war die Anzahl Neuschneetage im Winter 2013/14 am Alpensüdhang vergleichsweise nicht speziell hoch. So konnten z.B. sowohl in Davos (1560 m), als auch in San Bernardino (1640 m) zwischen November und April gut rund 60 Neuschneetage gezählt werden. Daraus resultierte in Davos aber eine Neuschneesumme von nur 318 cm, in San Bernardino dagegen kamen 994 cm zusammen. Der Grund dafür liegt in der grossen Anzahl intensiver Niederschläge am Alpensüdhang. So verzeichnete San Bernardino diesen Winter 11 Schneefälle von mehr als 30 cm, während der grösste Schneefall in Davos Dorf nur gerade 18 cm betrug. Im Tessin dagegen konnten alleine am Morgen des 26. Dezembers an einigen Stationen mehr als 100 cm Neuschnee gemessen werden.
Die Periode von November 2013 bis April 2014 war gemäss MeteoSchweiz-Daten rund 1 bis 2 °C zu warm. Vor allem der Wärmeüberschuss von Januar und Februar von 2.5 bis 4 °C im Mittelland führte dazu, dass an einigen Orten kein einziger Schneetag (Tage mit einer Schneehöhe von mindestens 5 cm) zu verzeichnen war. Nur gerade der Winter 1989/90 war diesbezüglich im Mittelland noch schneeärmer. Obwohl auch die Tieflagen der Alpensüdseite eine unterdurchschnittliche Anzahl Schneetage erlebten, war die absolute Anzahl in Locarno (7 Schneetage) für einmal mehr als doppelt so gross wie in Zürich (3 Schneetage).
Auf den folgenden Graphiken wird jeweils der Verlauf der täglich gemessenen Schneehöhe im Vergleich zur minimalen, mittleren und maximalen je gemessenen Schneehöhe für jeden Tag dargestellt. Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2014 (n) wird in der Legende erwähnt. Die Beobachter messen in der Regel zwischen dem 1. November und dem 30. April. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2014 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.
Die Schneehöhenentwicklung am Alpennordhang kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Hasliberg, 1825 m (Abbildung 7) verfolgt werden.
Der grösste Neuschneewert des Winters wurde am 11. November mit 58 cm gemessen. Bereits am 09.11. war diese Vergleichsstation eingeschneit und mit ihr die meisten am Alpennordhang. Der Neuschnee vom 11. und 12. Oktober, welcher am Alpennordhang verbreitet erfasst wurde, ist in Abbildung 7 sichtbar. Ausgeapert war das Messfeld am 22. April. Während im November die Schneehöhen noch überdurchschnittlich waren, rutschten die Werte im Dezember unter den langjährigen Mittelwert. Die bedeutenderen Neuschneewerte wurden am 11. November mit 58 cm, am 27. Dezember mit 38 cm, am 02. Februar mit 31 cm, am 23. und 24. März mit 25 resp. 28 cm und am 15. Januar mit 25 cm gemessen. 14 Messungen lagen zwischen 11 und 20 cm, 39 Messungen lagen zwischen „Spuren“ und 10 cm und an 106 (zwei Drittel des Winters) Tagen wurde kein Neuschnee registriert (Tabelle 1). Das Schneehöhenmaximum wurde am 6. März mit 111 cm gemessen. Am 14. und 15. April wurden neue, minimale Schneehöhen für diese Tage gemessen.
Gemäss einer Untersuchung von MeteoSchweiz (Klimabulletin Winter 2013/14) wurden im Winter 2013/14 40 Tage mit einer Südwest- oder Südlage über den Schweizer Alpen registriert. Das ist die grösste Häufigkeit seit dem Beginn der Datenreihe im Winter 1957/58. Diese häufigen Südlagen, welche am Alpensüdhang die grossen Schneemengen zur Folge hatten, führten im Norden mit Föhnlagen, milden Temperaturen und wenig Niederschlag zu schneearmen Verhältnissen.
Der maximale Wasserwert der Gesamtschneedecke erreichte nur gerade die Hälfte des langjährigen Mittels und mit 447 mm den 4. tiefsten Wert an dieser Station in 44 Jahren.
Die Schneehöhenentwicklung im Wallis kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Fionnay, 1500 m (Abbildung 8) verfolgt werden.
Die Schneehöhen im nördlichen Wallis waren meist unterdurchschnittlich: Wie an anderen Stationen fand das Einschneien auf den 10. November statt. Nach überdurchschnittlichen Schneehöhen im November blieben die Werte aufgrund der trockenen Witterung bis zu den Weihnachtstagen deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Die Schneefälle Ende Dezember besserten die Schneelage auf und die Schneehöhen hielten sich bis Mitte Februar gerade so am langjährigen Mittelwert. Bis Mitte März blieben dann die Werte überdurchschnittlich. Das Schneehöhenmaximum wurde am 27. Februar und 1. März mit 140 cm erreicht. Der Schneedeckenabbau erfolgte mit durchschnittlich 4 cm pro Tag zwischen dem 25. März und 25. April relativ rasch. Ausgeapert war das Messfeld am 25. April. (Tabelle 2).
An etwa einem Drittel der Tage wurde Neuschnee gemessen, in vier Fällen 21 bis 30 cm, in 17 Fällen 11 bis 20 cm und in 37 Fällen 10 cm oder weniger (Tabelle 2).
Die Schneehöhenentwicklung in Nordbünden sowie im Unterengadin kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Weissfluhjoch, 2540 m (Abbildung 9) verfolgt werden.
Bereits am 11. Oktober, mit dem ersten Schneefall des hydrologischen Jahres, wurde das Messfeld eingeschneit. Die Schneehöhe erreichte Werte von 36 cm. Für einen Tag, am 29. Oktober, aperte es nochmals aus, schneite aber gleich wieder ein. Im November entsprachen die Schneehöhen meist dem langjährigen Mittelwert, später blieben die Werte bis zum Ende des Winters darunter. Das Schneehöhenmaximum wurde am 24. März mit 189 cm erreicht. Das mittlere Maximum ist am 14. April, also drei Wochen später. Dann ist auch der Zeitpunkt der grössten, minimalen Schneehöhe. Diese wurde nur um 7 cm verfehlt. Der Schneehöhenabbau in der zweiten Hälfte Mai erfolgte zügig. Der letzte Meter schmolz in 14 Tagen ab (ca. 7 cm pro Tag). Am 19. Juni war das Messfeld ausgeapert. Das mittlere Ausaperungsdatum liegt beim 9. Juli – drei Wochen später.
Im Durchschnitt schneite es ungefähr jeden zweiten Tag. Die grösste Neuschneemenge wurde am 11. Oktober, vor dem Einschneien gemessen, betrug aber nur 32 cm. Die meisten Neuschneewerte (40% der Tage) betrugen 10 cm oder weniger, 5% lagen zwischen 11 und 20 cm, 2% zwischen 21 bis 30 cm (Tabelle 3).
Die Schneehöhenentwicklung am Alpensüdhang und im Oberengadin kann anhand der langjährigen Vergleichsstation San Bernardino, 1640 m (Abbildung 10) verfolgt werden.
Nach den Schneefällen im Oktober und November aperte das Messfeld jeweils aus. Erst auf den 20. Dezember schneite es definitiv ein. Markant war die Schneehöhenzunahme auf den 26. Dezember mit einem Neuschneewert von 120 cm. Damit war und blieb die Schneehöhe etwa beim doppelten Wert des langjährigen Mittels und die Schneehöhe erreichte bis in den März hinein immer wieder neue Tagesschneehöhenmaxima. Das Schneehöhenmaximum des Winters 2013/14 wurde am 1. März mit 254 cm erreicht. Das absolute Maximum vom 10. April 1975 (295 cm) wurde bei weitem nicht angetastet. Der Schneedeckenabbau erfolgte ab Anfang März zügig, aber mit kurzen Unterbrüchen. Die Rate der Schneehöhenabnahme war hoch und betrug im März und April 5 bis 6 cm pro Tag. Das Messfeld war am 04. Mai ausgeapert.
An etwas mehr als der Hälfte der Tage wurde Neuschnee gemessen. Neben dem aussergewöhnlich hohen Wert von 120 cm wurden in neun Fällen Neuschneewerte von 31 bis 50 cm, in sechs Fällen 21 bis 30 cm, in 12 Fällen 11 bis 20 cm und in 31 Fällen 10 cm oder weniger gemessen (Tabelle 4).
Der maximale Wasserwert der Gesamtschneedecke erreichte in diesen Gebieten an einigen Stationen etwa das Doppelte des langjährigen Mittelwertes. So erreichte zum Beispiel San Bernardino (1640 m) mit 686 mm den dort in 42 Jahren dritthöchsten Messwert (höchster Wert: 765 mm, Winter 1974/75). In Splügen (1457 m) wurde mit 471 mm der dort in 50 Jahren zweithöchste Messwert erreicht (höchster Wert: 626 mm, Winter 1974/75). Neue Höchstwerte erreichte die Station Corvatsch (2690 m, 20 Jahre) mit 1100 mm und Sta. Maria (1415 m, 46 Jahre) mit 281 mm. Im Süden und insbesondere im Südosten der Schweizer Alpen, d.h. in den südlichen Gebieten Graubündens waren die Schneehöhen und Wasserwerte der Schneedecke in diesem Winter extrem hoch oder nahe bei den Extremwerten. Am meisten überdurchschnittlich waren die Schneelasten (=Wasserwerte) wahrscheinlich im Februar in den nördlichen Tessiner-Haupttälern in einer Höhenzone zw. 600 und 1000 m ü.M. In dieser Höhenzone mussten vereinzelt Dächer vom Schnee befreit werden, weil die maximal erlaubte Schneelast übertroffen wurde. Dies sollte eigentlich nur alle 50 Jahre passieren. Wahrscheinlich war die Schneefallgrenze in diesen für die Hauptanströmung offenen Tälern durch Niederschlagsabkühlung teilweise erniedrigt, so dass sich trotz der eher geringen Höhenlage viel Schnee anhäufen konnte. Spätere Niederschläge durchnässten möglicherweise diese Schneedecke, so dass z.B. in Prato-Sornico im Verzascatal am 7. Februar auf 750 m Höhe 1 Meter Nassschnee mit einem Wasserwert von 370 mm gemessen werden konnte. Eine genauere Analyse ist schwierig, weil es praktisch keine langjährigen Messreihen aus dieser Höhenzone gibt. Unsere Analysen deuten aber darauf hin, dass die gemessenen Schneehöhen-Maxima in dieser Höhenzone tatsächlich eine Jährlichkeit von ca. 50 Jahren aufweisen könnten.
Der Schneedeckenaufbau war vor allem anfangs Winter ungünstig (Abbildung 11). Bereits Ende Dezember und Mitte Januar erreichte er für die Jahreszeit normale Güte und wurde in der Folge noch günstiger. Diese generelle Betrachtungsweise in Abbildung 11 muss durch regionale Unterschiede differenziert werden: Die Verbesserung des Schneedeckenaufbaus war in erster Linie die Folge der grossen Schneemengen in den südlichen Gebieten, die dort rasch zu einer günstigen Schneedecke führten. Aber auch die sehr häufigen Föhnlagen am Alpennordhang trugen, insbesondere in den typischen Föhngebieten, zu einer Verbesserung des Schneedeckenaufbaus bei. Über die längste Zeit ungünstig blieb der Schneedeckenaufbau in den Gebieten mit eher weniger Neuschnee und weniger Föhneinfluss, namentlich im südlichen Wallis und in den nördlichen Gebieten von Graubünden. In der Folge sind die wichtigsten regionalen Aspekte beschrieben.
Bis Weihnachten 2013 war die Entwicklung der Schnee- und Lawinensituation in allen Gebieten der Schweizer Alpen vergleichbar. Der Schnee, welcher im Oktober und November gefallen war, wandelte sich besonders bei klarer Witterung in grosse, kantige Kristalle um, besonders an Nordhängen. Dieser Prozess wurde durch die dünne Schneedecke noch begünstigt. Bereits Ende Oktober und im November war der ältere Schnee aufbauend umgewandelt, so dass Neu- und Triebschnee jeweils auf diesem abglitten. Nach den ersten zwei sonnigen, milden Dezemberdekaden
Diese ungünstige Ausgangslage war in allen Gebieten der Schweizer Alpen ähnlich. Im Weiteren entwickelte sich die Situation regional unterschiedlich.
Die Schneedeckenentwicklung am Alpensüdhang kann aufgrund der Station San Bernardino verfolgt werden (Abbildung 14). Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass an diesem Standort der Schnee von Oktober und November bis Mitte Dezember geschmolzen war. An anderen Standorten resp. in höheren Lagen war auch hier diese kantig aufgebaute und weiche Altschneeschicht vorhanden.
Obwohl am 25., 26. und 27. Dezember in diesem Gebiet nur wenige Lawinen beobachtet und gemeldet wurden, muss davon ausgegangen werden, dass während der ausserordentlich intensiven Niederschlagsperiode zahlreiche kleine und mittlere Schneebrettlawinen spontan abgegangen waren. Meist waren die Anrisshöhen wohl nicht gross, die Lawinen dürften aber in vielen Fällen grossflächig gewesen sein. Viele Hänge wurden wohl auch mehrmals entladen. Damit wurde das schwache Schneedeckenfundament vielerorts ausgeräumt.
Die grossen Neuschneemengen setzten und verfestigten sich deutlich. Die Schichten waren mächtig genug, dass sie die schwache Altschneedecke, wo sie nicht durch Lawinen ausgeräumt war, tief begruben und die Auslösebereitschaft von Lawinen nach Niederschlagsende rasch abnahm. Die deutliche Setzung und Verfestigung ist auch an den Schneeprofilen von San Bernardino (Abbildung 14) gut ersichtlich: Der Rammwiderstand war in den tieferen Schneeschichten schon Mitte Januar deutlich fester geworden – und nahm noch bis im März weiter zu.
Am meisten Schnee fiel im Süden im Februar. Durch die bereits günstige Schneedeckenentwicklung Ende Dezember und im Januar (Abbildung 15) war die Schneedecke vor den neuen Niederschlägen im Februar günstig aufgebaut - Schwachschichten fehlten weitgehend. Wo noch vorhanden war die bodennahe, kantig aufgebaute Herbst-Schneeschicht dünner und fester geworden und mächtig überlagert. Für die Beurteilung der Situation ex ante war diese Schicht jedoch noch relevant – nicht für die Auslösung durch Personen, aber verbunden mit der Frage, ob sie bei zusätzlicher Auflast durch weitere Schneefälle stellenweise brechen und sehr grosse Lawinen entstehen konnten. Des Weiteren konnte günstig gewertet werden, dass höhere Niederschlagsintensitäten (mehr als 3 cm pro Stunde) nur über kurze Zeit auftraten und die Niederschläge immer wieder von Pausen unterbrochen wurden. Schneefälle mit mittleren Intensitäten von 5 cm pro Stunde oder mehr über längere Zeit (z.B. einen oder mehrere Tage) können zu grossen oder sehr grossen Lawinen und Katastrophensituationen führen. Ferner beeinflussten die, für hochwinterliche Verhältnisse relativ milden Temperaturen die Setzung der Schneedecke positiv.
Mit zunehmender Überlagerung nahm die Festigkeit der Schichten auch im Februar und März weiter zu. Durch die Last der gut verfestigten Schichten wurde auch das Fundament allmählich fester.
In Abbildung 14 kommt gut zum Ausdruck, wie die Schneekristalle sich von Neuschnee über Filz zu runden Körnern entwickelten. Die in hellblau als „kantig“ bezeichneten Schichten im März sind Mischformen aus „kantigen“ und „runden“. Ende März und im April war die Schneedecke bis zum Boden 0 °C isotherm und von Schmelzformen dominiert. Der Schneedeckenabbau erfolgte im März und April rasch und mit kurzem Unterbruch Ende März in ca. 2 Monaten.
Am Alpennordhang, insbesondere in den typischen Föhngebieten, wurde der Schneedeckenaufbau durch aussergewöhnlich viele Föhnlagen (Abbildung 16) beeinflusst. Gemäss einer Untersuchung von MeteoSchweiz (Klimabulletin Winter 2013/14) traten in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar in den Schweizer Alpen 40 Tage mit einer Südwest- oder Südlage auf, so viele wie noch nie seit Beginn der Datenreihe im Winter 1957/58. Zudem waren die Temperaturen etwa 2 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt (Norm 1961‒1990).
Der Einfluss des Föhns auf die Schneedecke kann wie folgt positiv gewertet werden:
Die Schneedeckenentwicklung am Alpennordhang kann anhand der Station Hasliberg verfolgt werden (Abbildung 17).
Die Schneedeckenuntersuchung Mitte Dezember zeigt, dass die dünne Schneedecke auch hier vollständig umgewandelt war und aus kantigen Formen bestand. Ab Anfang Januar bestand diese Schicht dann aus Schmelzformen und an der ehemaligen Oberfläche hatte sich eine Kruste gebildet (hoher Rammwiderstand). Der Neuschnee von Dezember hat sich in runde Körner umgewandelt. Im weiteren Verlauf blieb in etwa der unterste halbe Meter dieser Schicht bestehen. Die Schneetemperaturen lagen immer nahe bei null Grad. Insgesamt fiel nur wenig Neuschnee, der in runde oder kantige Formen umgewandelt wurde. Teilweise waren dünne Schichten (Krusten, Eislamellen) eingelagert. Mit der Durchfeuchtung Ende März und im April nahm der Rammwiderstand deutlich ab.
Am ungünstigsten entwickelte sich die Schneedecke in den Gebieten, die nicht den stärksten Niederschlägen oder Winden ausgesetzt waren: Im südlichen Wallis und in den nördlichen Teilen von Graubünden (Nordbünden, nördliche Teile Mittelbündens, nördliche Teile des Unterengadins). Die Entwicklung kann beispielhaft am Profil auf dem Weissfluhjoch verfolgt werden (Abbildung 18).
Das Schneeprofil Mitte Dezember zeigt die kantig aufgebaute, ca. 50 cm dünne Schneedecke des Frühwinters (vergleichbar mit Abb. 12). Die orange Linie markiert die Obergrenze dieser Schicht über den ganzen Winter. Wie deutlich zu sehen ist, bleibt der Rammwiderstand unterhalb dieser Linie bis Ende Februar fast unverändert klein und ist auch bis Ende April noch relativ gering. Die Kornformen bestehen aus kantigen Formen oder Schwimmschnee, anfangs Januar waren sie sogar angeschmolzen.
Der Rammwiderstand oberhalb der Altschnee-Linie nimmt im Verlauf der Zeit allmählich zu, d.h. die Schichten darüber haben sich gesetzt und verfestigt. Die Festigkeitszunahme ist aber deutlich kleiner als in San Bernardino (Abbildung 14). Die Schmelzformen zeigen ab Mitte März die oberflächennahe Anfeuchtung der Schneedecke. Ende April war die Schneedecke durchfeuchtet.
Während am Alpensüdhang Mitte Januar das schwache Schneedeckenfundament schon 1.5 Meter mit Schnee überlagert war (Abbildung 14), erreichte die Überlagerung in den hier beschriebenen Gebieten nur etwa einen Meter und das erst Mitte Februar. Die Überlagerung und die Festigkeit des überlagernden Schnees nahm also im Gegensatz zu den Gebieten am Alpensüdhang nur langsam zu. Über längere Zeit betrug sie 50 bis 80 cm. Das bedeutete bei gegebener Festigkeit kritische Voraussetzungen für die Auslösung von Lawinen durch Personen (Abbildung 19). Mit der Veränderung der Schneeeigenschaften des „Schneebrettes“ nahm die Auslösebereitschaft jeweils etwas ab oder wieder zu (z. B. mit Neuschnee). Das Schneedeckenfundament veränderte sich in dieser Zeit kaum und trug als Schwachschicht seinen Teil zur hohen Auslösebereitschaft bei (Abbildung 20).
Die hohe Lawinenaktivität mit Personenbeteiligung über die Weihnachtstage und anfangs Februar war nicht nur der ungünstigen Schneedecke zuzuschreiben, sondern auch den hohen Begehungszahlen bei sonnigem Wetter in den Bergen während der Weihnachtsferien. Zudem war in vielen Gebieten erstmals diesen Winter die Schneelage für Touren- und Varianten ausreichend. Somit waren sehr viele Personen abseits der Pisten unterwegs und viele Touren oder Varianten wurden zum ersten Mal in diesem Winter befahren. Besonders am 05.01. und 06.01. genügten teils kleinste Störungen der Schneedecke für die Auslösung von gefährlich grossen Lawinen. Wummgeräusche, Rissbildungen und Fernauslösungen deuteten vielerorts auf die sehr instabile Situation hin.
Mit sonnigem und sehr mildem Wetter begann die Durchfeuchtung der Schneedecke ab dem 07.03. Besonders an Südhängen schritt diese zügig voran und etablierte sich ab Mitte März unterhalb von etwa 3000 m. Ost- und Westhänge waren unterhalb von rund 2700 m 0 °C-isotherm. Mit der nächtlichen Abstrahlung bildete sich jeweils eine tragfähige Kruste. Steile Nordhänge waren in hohen Lagen und darüber noch trocken.
Diese Frühjahrssituation wurde in der dritten Märzdekade mit ergiebigen Schneefällen von einer hochwinterlichen Situation für kurze Zeit unterbrochen. Lockerer Neuschnee und Nordwind führten in Teilen des Alpensüdhanges zu spontaner Lawinenaktivität.
Auch der April war vor allem von frühlingshaften Verhältnissen geprägt. Ergiebige Niederschläge im Westen und Süden führten aber zum Monatsende kurzzeitig zu einer heiklen Lawinensituation. Besonders in den Hauptniederschlagsgebieten im südlichen Wallis und im westlichen Tessin lösten sich Lawinen im Hochgebirge in den Neu- und Triebschneeschichten. In hohen Lagen rutschte der feuchte Neuschnee meist auf der harten Altschneeoberfläche ab.
In der ersten Maihälfte waren im Hochgebirge im Wesentlichen Neu- und Triebschnee relevant. Eine nachhaltige, weitere Durchfeuchtung der Schneedecke fand erst in der zweiten Maihälfte statt. Regen bis auf 3000 m, bedeckte Nächte und milde Temperaturen durchfeuchteten die Schneedecke auch an Nordhängen bis ins Hochgebirge.
Mit starker, südlicher Höhenströmung wurde wiederholt Saharastaub zu den Schweizer Alpen geführt und dort abgelagert. Die markantesten Tage waren der 18. Februar und 22. Mai.
Der Lawinenaktivitätsindex (Abbildung 21) erreichte im Winter 2013/14 die höchsten Werte am 26./27. Dezember, 5. Januar und am 14. Februar. Der Lawinenaktivitätsindex ist für den Alpensüdhang nicht repräsentativ und fällt daher im Vergleich mit anderen Jahren zu tief aus. Das liegt vor allem daran, dass die Gebiete und die Beobachtungsdichte in diesen Gebieten relativ klein sind und deshalb auch die Anzahl beobachteter Lawinen relativ tief ist. Der Lawinenaktivitätsindex gibt diesen Winter also eher einen schlechten Überblick und Eindruck.
Die Lawinenperiode um die Weihnachtstage war die erste des Winters 2013/14 und betraf alle Gebiete der Schweizer Alpen. Von da weg blieb es bis Mitte Februar gebietsweise sehr heikel für Schneesportler. Verbunden mit intensiven Schneefällen fielen auch die Perioden hoher Lawinenaktivität am Alpensüdhang in diese Zeit. Der Übergang zur Aktivität von Nassschneelawinen war anfangs März. Eine letzte, in die ordentliche Beobachtungszeit fallende Periode mit nassen Lawinen war Ende April. Auch um den 23. Mai und über das Pfingstwochenende waren nochmals grössere Nassschneelawinen an Nordhängen zu beobachten.
Lawinenabgänge sind von mehreren Faktoren abhängig: Stabilität der Schneedecke, die sich mit der Zeit verändert, Neuschnee, Wind, Temperaturschwankungen, Zusatzbelastungen auf die Schneedecke z.B. durch Personen oder Sprengungen, etc. Dadurch ergibt sich, dass die Lawinenaktivität von Tag zu Tag schwankt, was in Abbildung 21 deutlich zu sehen ist. Die bemerkenswertesten Perioden des Winters 2013/14 sind in Abbildung 21 mit Nummern markiert und werden im Folgenden beschrieben.
Die Lawinensaison startete im Oktober verbunden mit den wiederholten Schneefällen. Weil der Boden nicht gefroren war, lösten sich bereits nach der ersten Schneefallperiode vom 09. bis 12.10. die ersten Gleitschneerutsche. Im Hochgebirge wurden die ersten Schneebrettlawinen beobachtet.
Im Oktober wurden vier situationsbezogene Lawinenbulletins publiziert (10.10., 12.10., 15.10., 22.10.).
Wiederholte Niederschlags- und Windereignisse führten auch im November zu Lawinen. Die Hauptgefahr bildete meist Triebschnee, wo dieser bereits auf einer zusammenhängenden Altschneedecke lag. Diese war zum Monatsanfang oberhalb von 2500 m an Nordhängen und im Hochgebirge verbreitet vorhanden und bereits meist kantig aufgebaut. Mit der Summe der Niederschläge erreichten die Lawinen, welche bereits in diesem kantigen Fundament abgingen, im vergletscherten Hochgebirge gegen Ende Monat vereinzelt bereits beachtliche Grösse.
Im November wurden zunächst 10 Textbulletins herausgegeben (02., 05., 08., 11., 14., 18., 20., 22., 24. und 26.). Ab Donnerstag, 28.11. erschien das Lawinenbulletin mit Karte und täglich.
Bis zu den Schneefällen über die Weihnachtstage war die Lawinensituation im Dezember mehrheitlich günstig (Abbildung 30). Wegen der knappen Schneelage waren die Skitourenmöglichkeiten noch stark eingeschränkt und es waren erst wenig Schneesportler unterwegs. Die wenigen Lawinen, die dem Lawinenwarndienst gemeldet wurden, waren entweder im Triebschnee ausgelöst worden oder waren Gleitschneelawinen. Dann aber veränderte sich die Lawinensituation grundlegend.
(1) 24.12. bis 27.12.:
Die grossen Neuschneemengen der Weihnachtstage fielen auf eine stark aufbauend umgewandelte Altschneedecke. Dementsprechend hoch waren die Auslösebereitschaft und die Lawinenaktivität in allen Gebieten der Schweizer Alpen. Lawinen lösten sich spontan oder schon bei kleinster Störung der Schneedecke. Sie breiteten sich oft flächig aus und verursachten sekundäre Auslösungen. Die Spitze der spontanen Lawinenaktivität wurde im Süden während der intensiven Schneefälle am 25./26.12. erreicht. Teils lösten sich grosse Lawinen, die bis in die Tallagen vorstiessen und zu Sachschäden führten. Es ist anzunehmen, dass viele spontane Lawinen in unbesiedelten Gebieten unbeobachtet blieben und überschneit wurden (Abbildung 22).
Am 27.12. wurden viele Lawinen bei Sicherungssprengungen künstlich ausgelöst. Für den Alpenhauptkamm vom Mattertal bis ins Puschlav, das nördliche und mittlere Tessin sowie das Moesano wurde für den 25. und 26.12. die Gefahrenstufe 4 (gross) prognostiziert.
Die Grösse der gemeldeten Lawinen wurde in 80% der Fälle als „Rutsch“ oder „kleine Lawine“, in 19% als „mittlere Lawine“ und in 1% als „grosse“ oder „sehr grosse Lawine“ klassiert.
Die Auslösebereitschaft von trockenen Lawinen blieb vor allem in den Gebieten mit weniger Neuschnee, besonders im südlichen Wallis und in Graubünden weit über den Jahreswechsel hinaus hoch. Oft reichte schon die Berührung mit der Skispitze für eine Auslösung.
Um zum Jahreswechsel speziell auf die sehr heikle Lawinensituation für Wintersportler hinzuweisen, informierte der Lawinenwarndienst zwischen Weihnachten und Neujahr vermehrt in Radio und Fernsehen und am 31. Dezember mit einer speziellen Zeitungsmeldung.
Abgesehen von der gebietsweise anhaltend heiklen Lawinensituation für Schneesportler, waren im Januar diese zwei Lawinenperioden bedeutend:
(2) 04.01. bis 06.01.:
Nach kurzer Beruhigung folgte die zweite Lawinenperiode vom 04.01. bis 06.01. verbunden mit Schneefällen vor allem im Westen und Süden. Sehr kritisch mit der Gefahrenstufe 4 (gross) war die Lawinensituation im Oberengadin, Bergell und Puschlav in der Nacht vom 04.01. auf den 05.01. und am 05.01. tagsüber. Die Niederschlagsintensität war hoch und zeitweise stieg die Schneefallgrenze bis auf rund 2100 m. Zahlreiche Lawinen gingen spontan ab, vereinzelt auch grosse. Besonders im Unterwallis fiel der Neuschnee auf eine sehr schwache Altschneedecke. Spontane Lawinen, vor allem am 04.01., waren die Folge. Am 05.01. wurden dann zahlreiche Lawinen durch Personen ausgelöst, teilweise auch als Fernauslösungen über mehrere 100 Meter. Für Personen blieb die Lawinensituation gebietsweise sehr gefährlich.
(3) 13.01. bis 20.01.:
Während einer Woche (Montag, 13.01. bis Montag, 20.01., Abbildung 4) fiel in Teilen des Tessins und der Bündner Südtäler teils 100 bis 150 cm Schnee, verteilt auf drei Niederschlagsphasen. Zwischen diesen gab es jeweils Pausen von ein bis zwei Tagen. Trotz dieser gesamthaft gesehen grossen Neuschneemengen, wurden kaum grosse Lawinenabgänge gemeldet. Es ist aber davon auszugehen, dass viele kleine und mittlere Lawinen abgegangen sind, aber nicht beobachtet werden konnten. Einzig eine grosse Lawine ging am Montag, 20.01. auf die Strasse zwischen Peccia und Piano di Peccia (Bavorca-Lawine, Val Lavizzara/TI) nieder, wobei sie über und an der dortigen Galerie vorbei floss. Grund für das Ausbleiben einer grösseren Aktivität war der günstige Schneedeckenaufbau in diesen Gebieten. In Schneeprofilen und mit Stabilitätstests konnten keine ausgeprägten Schwachschichten erkannt werden.
Vor allem am Alpensüdhang traten jedoch vermehrt Gleitschneelawinen auf.
Am 06. Januar wurde auf der Webseite des SLF eine spezielle Newsmeldung publiziert, um auf die anhaltend heikle Situation für Wintersportler zusätzlich aufmerksam zu machen.
Dank dem günstigen Schneedeckenaufbau am schneereichen Alpensüdhang wurden grosse Tallawinen sehr selten beobachtet. Die folgenden zwei Perioden standen im Vordergrund:
(4) 31.01. bis 14.02.:
Die erste Hälfte des Februars war immer wieder lawinenaktiv. So herrschte in den Hauptniederschlagsgebieten von den Maggiatälern bis ins Bedrettotal in der ersten Februarwoche verbreitet Gefahrenstufe 4 (gross). Wie bereits in der Periode vom 13.01. bis 20.01. gingen vor allem kleine und einige mittlere spontane Lawinen in oberflächennahen Schneeschichten ab, die aber teilweise wieder eingeschneit waren, bevor Sicht in die Anrissgebiete möglich war. Tallawinen wurden selten beobachtet. Am 11.02. ging z.B. wieder die Bavorca-Lawine (vgl. oben) gross ab. Dieser Abgang und der Abgang vom 20.01. waren die bedeutendsten von rund 20 Abgängen dieser Lawine in diesem Winter. Die Strasse ins Valle di Peccia war während mehrerer Tage geschlossen.
In den Gebieten mit dem „Altschneeproblem“ (südliches Unterwallis, Nord- und Mittelbünden, Unterengadin) waren Auslösungen im Altschnee vorübergehend seltener.
Am 14.02. waren die Lawinensprengungen vor allem im Unterwallis sehr erfolgreich. Mittlere und grosse Lawinen konnten an West-, Nord- und Osthängen im schwachen Altschneefundament ausgelöst werden. Damit erreichten die Anrisshöhen ca. 2 Meter. Lawinen lösten sich teilweise auch von selbst oder wurden sekundär ausgelöst (Fernauslösungen). Mit dem Neuschnee und Wind hatten sich die Eigenschaften des „Schneebrettes“ so verändert, dass sich Brüche in der stark aufgebauten Altschneeschicht wieder über grössere Distanzen ausbreiten konnten.
(5) 17.02. bis 20.02.:
Wiederholte Erwärmungen am 15.02., 18.02. und 20.02. führten zu Gleit- und Nassschneelawinen (Abbildung 23).
Der aktivste Lawinentag dieser Periode war der 17.02. Erneut wurden die grössten Lawinen aus dem Unterwallis gemeldet, die Lawinenaktivität betraf aber im Gegensatz zum 14.02. fast alle Gebiete der Schweizer Alpen. Etwa ein Drittel der Lawinen wurde als nass, zwei Drittel als trocken klassiert. Ausgelöst wurde vor allem der Neu- und Triebschnee. Auslösungen im schwachen Altschneefundament wurden nur vereinzelt gemeldet.
Am schneereichen Alpensüdhang öffneten sich wieder zunehmend Gleitschneerisse.
Anfangs März erfolgte der Übergang zur Frühjahrssituation mit einem Anstieg der Gefahr für nasse Lawinen im Tagesverlauf. Vom 09.03. bis 21.03. und vom 29.03. bis 14.04. sowie am 25.04. wurden Lawinenbulletins mit einer Doppelkarte publiziert. Aufgrund der teilweise schwachen Schneedeckenbasis wurde für den März und April nochmals eine prägnante Aktivität von nassen Lawinen erwartet. Sie blieb dann aber unter den Erwartungen.
(6) 07.03. bis 21.03.:
Mit zunehmender Durchfeuchtung nahm die Aktivität von Nass- und besonders von Gleitschneelawinen deutlich zu. In tiefen und mittleren Lagen waren mit Ausnahme von steilen Nordhängen alle Expositionen betroffen. In hohen Lagen wurden feuchte oder nasse Lawinenabhänge aus steilen Südhängen bis unterhalb von rund 3000 m, aus steilen West- und Osthängen unterhalb von etwa 2500 m bis 2700 m beobachtet. Am 08. März zerstörte eine Gleitschneelawine einen Skilift am Cimetta, TI (Abbildung 28).
Zwischen dem 14. und 20. März wurden durch Personen einige Lawinen bei oberflächlich tragfähig gefrorener Schneedecke ausgelöst, vorwiegend in den Gebieten mit ungünstigem Schneedeckenaufbau (Abbildung 24).
Eine oberflächlich tragfähig gefrorene Schneedecke wird unter Tourengehern gemeinhin als 'sicher' eingestuft. Bei einer sehr ungünstig aufgebauten Schneedecke kann die hart gefrorene Schneeoberfläche wie gewöhnlich auch den Eindruck von Stabilität und Sicherheit vermitteln. Bricht diese harte Schicht aber in der darunter liegenden, weichen Schicht ein, kann sich so eine Schneebrettlawine lösen. Solche Fälle sind aber zum Glück recht selten.
(7) 23.03. bis 25.03.:
In der Nacht auf den 24.03. gingen zumindest im Oberengadin an allen Expositionen teils grosse Lawinen spontan ab. Der Zeitpunkt kann nur geschätzt werden: auf das Ende der Schneefälle, vermutlich mit dem einsetzenden, starken Nordwind. Der Schnee war sehr locker, und die Lawinen flossen teils weit, bildeten aber oft nur weiche Ablagerungen. Die prognostizierte Gefahrenstufe 4 (gross) war in diesen Gebieten bestätigt.
Auch im Norden, von der Reuss bis in die Glarner Alpen, fiel wie im Süden stellenweise 1 m Schnee. Weil hier der Nordwind nur schwach und im Hochgebirge mässig wehte, war die Situation nicht so heikel. Grosse Lawinenabgänge wurden nur sehr vereinzelt gemeldet.
Im April wurde nur noch geringe Lawinenaktivität beobachtet. Folgende zwei Perioden sind erwähnenswert:
(8) 05.04. bis 08.04.:
Erstmals im Winter 2013/14 wurden die Nordhänge unterhalb von 2200 m 0°C-isotherm. Schlechte nächtliche Abstrahlung, teilweise etwas Regen bis in Höhenlagen um 2200 m und sonniges Wetter bedeuteten einen grossen Energieeintrag in die Schneedecke. So gingen Lawinen vor allem in Nordhängen ab. Südhänge waren abgesehen von der Schmelzharschkruste an der Schneeoberfläche bereits unterhalb von rund 3000 m, West- und Osthänge unterhalb von 2700 m durchfeuchtet und oft entladen.
(9) 28.04. bis 29.04.:
Am 28.04. und in der Nacht zum 29.04. intensivierten sich die Niederschläge und waren im südlichen Wallis und im westlichen Tessin ergiebig. Am meisten Schnee fiel am Oberwalliser Alpenhauptkamm mit 90 bis 120 cm. Die Lawinenaktivität war vor allem an diesen beiden Tagen erhöht. Lawinensprengungen waren sehr erfolgreich. Die Lawinen waren meist kleiner bis mittlerer Grösse und überwiegend feucht oder nass.
Im Mai nimmt aufgrund deutlich weniger Beobachter im Gelände die Zahl der Lawinenmeldungen markant ab. Anfangs Mai wurde im Hochgebirge eine Reihe von Lawinen durch Personen ausgelöst. Im Zusammenhang mit der Erwärmung sei an dieser Stelle ein Tag speziell erwähnt:
23.05.:
Am 23. Mai wurden besonders in Nordhängen unterhalb von etwa 2800 m einige Lawinen beobachtet, die wie erwartet, in bodennahen Schichten ausgelöst wurden (Abbildung 25). Die Lawinen erreichten beachtliche Ausmasse. Während der Tage zuvor lag die Nullgrandgrenze bei 3000 m, zwei Tage zuvor sogar bei aussergewöhnlichen 3600 m. Am Vortag regnete es bis auf 3000 m hinauf. Die nächtliche Abstrahlung war reduziert. Die Durchfeuchtung der Schneedecke erreichte in Nordhängen erstmals knapp 3000 m.
Das letzte tägliche Lawinenbulletin mit Gefahrenkarte wurde am Samstag, 03.05. ausgegeben. Danach erschienen alle 2 Tage sporadische Lawinenbulletins in Textform. Das letzte wurde am 24.05.2014 publiziert.
Bis am 31. Mai 2014 wurden dem SLF für den Winter 2013/14 insgesamt 111 Lawinen mit 176 erfassten Personen gemeldet (Abbildung 26). 19 Personen wurden in Lawinen verletzt und 17 Personen haben bei 13 Lawinenunfällen ihr Leben verloren (Stand 31.05.2014). Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2014 dauert, liegt der Mittelwert der letzten 20 Jahre bei 22 Lawinentoten (Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen. Hydrologisches Jahr 2012/13).
Zwei Personen starben bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 1 (gering) beim Abbruch einer Wechte und anschliessender Lawinenauslösung, 14 Personen bei Stufe 3 (erheblich) und eine Person bei Stufe 4 (gross). Bei 15 Unfällen verunglückte jeweils eine Person, bei einem Unfall zwei und bei einem Unfall vier Personen. Die meisten tödlichen Unfälle (9) ereigneten sich zwischen dem 26. Dezember und 5. Januar. Die Kombination von schwachem Schneedeckenaufbau mit hoher Auslösebereitschaft von Lawinen und sonnigem Wetter mit vielen Tourenfahrern und Freeridern während der Weihnachtsferien führte fast täglich zu Unfällen mit Personenbeteiligung. Drei tödliche Unfälle mussten im Februar und ein Unfall im März verzeichnet werden.
Im Touren-Bereich starben 13 Personen in Lawinen, im Varianten-Bereich vier Personen. Neun Unfälle mit insgesamt 13 Todesopfern ereigneten sich im Wallis, zwei Unfälle mit insgesamt zwei Todesopfern in Graubünden, ein Unfall mit einem Todesopfer im Kanton Uri und ein Unfall mit einem Todesopfer im Kanton Waadt (Abbildung 27).
Bei 28 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt (Abbildung 28).
Durch Schneelast entstanden am Alpensüdhang gebietsweise grosse Waldschäden, indem Bäume geknickt, entwurzelt oder entastet wurden (Abbildung 29).
Der detaillierte Bericht zu Lawinen mit Personen- und Sachschäden erscheint in der Regel nach Erfassung und Auswertung aller Daten im folgenden Jahr (2015) in der Publikation „Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen 2013/14“.
Wie in Abbildung 30 (oben) ersichtlich ist, wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) in der Abendeinschätzung an zehn Tagen prognostiziert, in der Morgeneinschätzung noch zusätzlich am 31.01., 02.02. und 01.03.) (in Abbildung 30 nicht ersichtlich).
Am 25. und 26.12.2013 erreichte die Lawinengefahr erstmals im Winter 2013/14 die Stufe 4 (gross). Betroffen waren im Wesentlichen der Alpenhauptkamm vom Mattertal bis ins Puschlav, das nördliche und mittlere Tessin sowie das Moesano. Am 05.01.2014 erreichte die Lawinengefahr in den Gebieten am Alpenhauptkamm des Engadins, im Bergell, Puschlav und Münstertal die Stufe 4 (gross).
Am Morgen des 31.01.2014 wurden die Gebiete vom Bergell bis ins Puschlav mit Gefahrenstufe 4 (gross) eingeschätzt und diese Einschätzung auch für den 01.02.2014 beibehalten. In der Morgeneinschätzung vom 01.02.2014 wurde sie dann aber auf Stufe 3 (erheblich) zurück genommen. In der Einschätzung am Morgen für den 02.02.21014 musste von den Maggiatälern bis in die Surselva von Stufe 4 (gross) ausgegangen werden. Bis zum 06.02.2014 hielt die angespannte Situation in den Maggiatälern und im Bedretto an, am 04.02.2014 erstreckte sie sich auch am Alpenhauptkamm vom Simplongebiet bis ins Goms.
Auch am Morgen des 01.03.2014 wurde im Simplongebiet sowie in den oberen Maggiatälern und im Bedretto die Gefahr mit Stufe 4 (gross) eingeschätzt.
Eine letzte Periode mit Stufe 4 (gross) dauerte vom 23. bis 24.03.2014. Sie begann im nördlichen und mittleren Tessin sowie im Moesano und erweiterte sich Richtung Oberengadin.
Im langjährigen Vergleich wurde die Stufe 4 (gross) weniger häufig (1%) verwendet als in einem durchschnittlichen Winter (Abbildung 31). Erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3) wurde in 32% der Zeit prognostiziert, was etwa dem langjährigen Durchschnitt entspricht. Mässige Lawinengefahr (Stufe 2) wurde mit 35% weniger häufig, geringe Lawinengefahr (Stufe 1) mit 33% häufiger prognostiziert als normal. Die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) wurde nie angewendet.
Nach den Schneefällen von Oktober und November war die Situation bis Mitte Dezember von einer mehrheitlich günstigen Lawinensituation geprägt. Der für die Jahreszeit wenige, aber bereits aufbauend umgewandelte Schnee sowie - vor allem im Süden - ergiebige Schneefälle und Sturm führten zu einem markanten Anstieg der Lawinengefahr um zwei bis drei Gefahrenstufen in zwei Tagen (Abbildung 30 oben). Von da an blieb die Situation gebietsweise sehr heikel, vor allem in den südlichen Gebieten des Wallis. Die Gebiete Génépi, Martigny-Verbier, Haut Val de Bagnes, Val d'Hérens, Val d'Anniviers, Mountet, Turtmanntal, untere Vispertäler erreichten über den ganzen Winter einen Anteil an Gefahrenstufe 3 (erheblich) von rund 47%. Für das Gebiet Martigny-Verbier zum Beispiel galt vom 25.12.2013 bis 22.02.2014 (60 Tage) ununterbrochen die Stufe 3 (erheblich). Auch in den nördlichen Gebieten Graubündens hielt die erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3) rund 50 Tage ununterbrochen an. In den schneereichen Gebieten des Südens verlor die schwache Basisschicht mit zunehmender Überdeckung an Bedeutung und die Schneedecke stabilisierte sich zwischen den Schneefällen immer wieder, weshalb sich die Lawinengefahr in dieser Zeit zwischen den Stufen 4 (gross) und 1 (gering) bewegte.
Im März und April entwickelte sich die Gefahr von trockenen Lawinen günstig – vor allem bedingt durch oft sonniges und mildes Wetter. Die Stufen 1 (gering) und 2 (mässig) dominierten erneut. Ausnahme waren die Perioden vom 23. bis 26.03.2014 anlässlich einer Niederschlagsperiode vom zentralen Alpensüdhang und Oberengadin über Mittelbünden bis zum östlichen Alpennordhang sowie vom 27. bis 30.04.2014 mit Neuschnee aus Süden vor allem am Walliser Alpenhauptkamm.
Eine erste Nassschneelawinenperiode (Abbildung 30 unten) begann am 09.03.2014 und endete am 21.03.2014, eine zweite, weniger intensive, dauerte vom 29.03. bis 14.04.2014.
Wie die Verteilung der Gefahrenstufen (Abbildungen 31 und 32) zeigt, war der Winter 2013/14 weniger gefährlich als ein Winter, der dem langjährigen Mittelwert entspricht. Seit dem Winter 1997/98 (17 Winter) wurde die Stufe 1 (gering) noch nie so häufig (27% im Winter 2006/07), die Stufe 2 (mässig) erst ein Mal (Winter 2008/09) so selten verwendet. Diese Verteilung, insbesondere die Häufigkeit der Stufe 1 (gering), ist der lange anhaltenden, günstigen Situation in der ersten Dezemberhälfte sowie im März und April zuzuschreiben.
Während des hydrologischen Jahres 2013/14 wurden 189 Lawinenbulletins veröffentlicht. Davon erschienen 157 als tägliche Lawinenbulletins vom 28.11.2013 bis zum 03.05.2014. Die übrigen 32 erschienen als situationsbezogene Lawinenbulletins in den Winterrandmonaten oder im Sommer.
Zwischen dem 20.12.2013 und 06.04.2014 wurden an 108 Tagen Lawinenbulletins auch am Morgen publiziert.
Tabelle 5: Ausgabedaten der Lawinenbulletins im Winter 2013/14 (Stand 30. September 2014).
|Produkt||Ausgabedatum|
|Situationsbezogene Lawinenbulletins im Herbst 2013 (14)||10.10., 12.10., 15.10., 22.10., 02.11., 05.11., 08.11., 11.11., 14.11., 18.11., 20.11., 22.11., 24.11. und 26.11.|
|Erstes tägliches Lawinenbulletin||28.11.2013|
|Erste Morgeneinschätzung||20.12.2013|
|Letzte Morgeneinschätzung||06.04.2014|
|Letztes tägliches Lawinenbulletin||03.05.2014|
|Situationsbezogene Lawinenbulletins zu Winterende und im Sommer (18)||04.05., 06.05., 08.05., 10.05., 12.05., 14.05., 16.05., 18.05., 20.05., 22.05., 24.05., 06.06., 28.06., 07.07., 09.07., 11.07., 21.07. und 28.07|
Nachfolgend sind die bemerkenswerten schnee- oder lawinenrelevanten Perioden zwischen Juni und September, die in Abbildung 33 nummeriert sind, kurz beschrieben:
1: Markante Erwärmung mit Nullgradgrenze deutlich über 4000 m
Vom 01.06. bis 05.06. fielen im Hochgebirge am Alpenhauptkamm, am Alpensüdhang, in den Voralpen und in Nordbünden 10 bis 20 cm Schnee. Vom 05.06. bis 07.06. erfolgte eine markante Erwärmung. Die Nullgradgrenze stieg zum ersten Mal im Frühjahr deutlich über 4000 m. In Lagen oberhalb von 2800 m wurde die Schneedecke auch an allen Nordhängen stark durchnässt. Bei hohen Nachttemperaturen gefror auch die Schneeoberfläche unterhalb von rund 3500 m kaum noch tragfähig. Vor allem an Nordhängen oberhalb von rund 2800 m gingen nasse Rutsche und Lawinen nieder. In den inneralpinen Gebieten wurde teilweise die gesamte Schneedecke ausgeräumt. Aufgrund dieser Entwicklung wurde für das Pfingstwochenende ein Lawinenbulletin publiziert.
2: Vor allem im Hochgebirge teilweise viel Neuschnee
Am 28.06. setzten zuerst im Süden teils intensive Stauniederschläge mit Gewittern ein, später auch im Norden. Die Schneefallgrenze sank im Süden auf rund 2500 m, im Norden auf 2000 m, lokal bis auf 1600 m. Mit teils über 100 mm fiel am meisten Niederschlag im Süden. Oberhalb von rund 3200 m fiel im westlichsten Unterwallis, am zentralen Alpenhauptkamm und in Teilen Graubündens 25 bis 50 cm Schnee, sonst weniger. Auf 2500 m lagen am östlichen Alpennordhang und in Graubünden rund 20 cm Schnee. Es wurde ein Lawinenbulletin publiziert.
3: Viel Schnee im Hochgebirge
Nachdem bereits vom 01.07. bis 07.07. oberhalb von 3500 m immer wieder etwas Schnee gefallen war, war die Periode vom 08.07. bis 14.07. erneut niederschlagsreich. Die Schneefallgrenze sank am 09.07. bis gegen 2000 m, sonst lag sie meist bei rund 3000 m. Oberhalb von rund 3200 m fiel am nördlichen Alpenkamm 100 bis 150 cm Schnee, in den übrigen Gebieten rund 50 cm. Es wurden drei Lawinenbulletins publiziert.
4: Markante Erwärmung
Am 19.07. stieg die Nullgradgrenze ein zweites, und für den Sommer 2014 letztes Mal auf rund 4500 m. Mit der Erwärmung rutschte vielerorts der Neuschnee in Form von Lockerschneelawinen ab. Schneebrettlawinen führten am 18.07. und 19.07. im südlichen Wallis zu insgesamt vier Lawinenunfällen, bei welchen zehn Personen mitgerissen wurden. Vier Bergsteiger verloren am 19.07. ihr Leben. Diese Unfall-Häufung ist für einen Sommermonat sehr ungewöhnlich.
5: Wieder viel Schnee im Hochgebirge
Die letzte Juliwoche war erneut geprägt von Schneefällen im Hochgebirge. Die Niederschläge waren teils intensiv. Die Schneefallgrenze lag meist zwischen 3000 m und 3500 m. Bis zum Monatsende fiel im Hochgebirge des Berner Oberlandes sowie des westlichen und nördlichen Wallis 80 bis 120 cm Schnee, im Hochgebirge des südlichen Oberwallis 60 bis 80 cm. Am 21.07. und am 28.07. wurde je ein Lawinenbulletin publiziert.
6: Markante Abkühlung aber nur wenig Schnee in hohen Lagen
Am 16.08. erreichte die Nullgradgrenze ihren Tiefpunkt im August. Es fiel aber nur wenig Schnee bis gegen 2000 m. Zuvor verursachte am 13.08. und 14.08. eine Südwestlage Starkniederschläge im Tessin und in Graubünden, die aber nur in den Gipfellagen des Berninagebietes einen Neuschneezuwachs von etwa 50 cm brachte.
7: Teilweise wieder viel Schnee im Hochgebirge
In der Nacht auf den 24.08. brachte eine Kaltfront am Alpennordhang Schneeflocken bis auf rund 2000 m. Mit 7 cm wurde auf dem Säntis am meisten Schnee gemessen.
Mehr Schnee fiel im Hochgebirge des Alpennordhanges am 26.08. und 27.08. mit verbreitet 30 bis 50 cm Schnee, im Westen mit gebietsweise bis 70 cm Schnee.
8: Vor allem im Osten winterlicher Start in den September
Der erste Kaltlufteinbruch im September erfolgte am 01.09. Am zentralen und östlichen Alpennordhang fiel oberhalb von 2500 m 10 bis 20 cm Schnee.
9: Schneefallgrenze vorübergehend bei 2000 m
Am 12.09. sank die Schneefallgrenze im Osten für kurze Zeit auf 1900 m bis 2100 m. Auf 2500 m fielen in den Hauptniederschlagsgebieten am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie in Nordbünden 10 bis 20 cm Schnee.
10: Abermals vor allem am zentralen und östlichen Alpennordhang Schnee in hohen Lagen
Zwei weitere, kurz aufeinander folgende Kaltlufteinbrüche führten erneut vor allem am zentralen und östlichen Alpennordhang zu jeweils 10 bis 20 cm Schnee oberhalb von etwa 2500 m.
Der Winter 2013/14 zeichnete sich aus durch eine dünne Schneedecke bis Weihnachten, ausserordentlich viel Schnee am Alpensüdhang, über lange Zeit einen ausgeprägt ungünstigen Schneedeckenaufbau im südlichen Wallis und im nördlichen Graubünden sowie eine stabile Schneedecke besonders am schneereichen Alpensüdhang. Dort war die durchschnittliche Schneehöhe oberhalb 1000 m rund doppelt so gross wie normal. An vielen Stationen im Tessin, Oberengadin und in den Bündner Südtälern konnten im Januar und Februar neue Schneehöhen-Tagesrekorde verzeichnet werden. Die absoluten Höchstwerte früherer Winter wurden allerdings an keiner Station überboten. Die Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen im Winter 2013/14 unterscheidet sich deutlich vom langjährigen Mittelwert. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt war der letzte Winter etwas weniger gefährlich. Über den Jahreswechsel ereigneten sich viele Lawinenunfälle. Die Gesamtopferzahl aber lag bis Mitte April mit 17 Todesopfern leicht unter dem langjährigen Mittelwert.
Bereits im Oktober und November fiel in allen Gebieten wiederholt Schnee bis in mittlere Lagen. Trotzdem war die Schneedecke bis zu den Weihnachtstagen in allen Gebieten dünn. Diese dünne Schneedecke wandelte sich zu grossen, kantigen und kohäsionslosen Kristallen um. So entstand eine ungünstige, schwache Schneeschicht in der Basis der Schneedecke. Diese blieb gebietsweise über den ganzen Winter für die Lawinenbildung relevant.
Mit wiederholten Südstaulagen wurde der Alpensüdhang vor allem ab den Weihnachtstagen reichlich mit Schnee versorgt (200 bis 250 % der normalen Niederschlagssummen). Zwischen Ende Dezember und anfangs Februar wurden an einigen Messstationen an mehreren Tagen neue Schneehöhen-Tagesrekorde gemessen. Die Werte lagen zwischen 2 und 3 Metern.
Das südliche Wallis und das nördliche Graubünden, die weitgehend „inneralpinen Gebiete“, sind für einen ungünstigen Schneedeckenaufbau bekannt. In diesem Winter war dieser sehr ausgeprägt, besonders in den Gebieten des Wallis. Der gefallene Schnee ab Weihnachten überlagerte die schwache Basisschicht vom Frühwinter. Damit verschärfte sich die Lawinengefahr deutlich und blieb ungewöhnlich lange – gebietsweise während zwei Monaten – mit erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) für Schneesportler angespannt.
Mit den grossen Schneemassen am Alpensüdhang stabilisierte sich die Schneedecke schon im Januar. Die schwache Basisschicht vom Frühwinter wurde dick überlagert und verlor damit in diesen Gebieten an Bedeutung. Lawinen gingen vor allem bei wiederholten, intensiven Niederschlägen in den oberen Schneeschichten ab. Die Nass- und Gleitschneeaktivität war kleiner als befürchtet.
Ebenfalls günstig entwickelte sich die Schneedecke in den Föhngebieten des Nordens. Wiederholte Föhnstürme bliesen die schwache Basisschicht vom Frühwinter teilweise weg und erhöhten die Variabilität der Schneedecke.
Der vergangene Winter (November 2013 bis März 2014) war gemäss MeteoSchweiz-Daten rund 1 bis 1.5 °C zu warm. Die grosse Wärme führte dazu, dass vor allen im Mittelland an einigen Orten kein einziger Schneetag (Tage mit einer Schneehöhe von mindestens 5 cm) zu verzeichnen war. Nur gerade der Winter 1989/90 war diesbezüglich noch schneeärmer. Obwohl auch die Tieflagen der Alpensüdseite eine unterdurchschnittliche Anzahl Schneetage erlebten, war die absolute Anzahl in Locarno (7 Schneetage) für einmal fast doppelt so gross wie in Zürich (3 Schneetage).
In den langjährigen Aufzeichnungen sind nur wenige Winter zu finden, die zwischen November und März auf der Alpensüdseite grössere Neuschneesummen verzeichneten. An den meisten Stationen liegt der Winter 1950/1951 auf Rang 1, im April 1951 schneite es aber zusätzlich nochmals rund 100 cm. Trotzdem war die Anzahl Neuschneetage in diesem Winter auf der Alpensüdseite nicht speziell hoch. So konnten z.B. sowohl in Davos (1560 m), als auch in San Bernardino (1530 m) zwischen November und März je rund 60 Neuschneetage gezählt werden. Daraus resultierte in Davos eine Neuschneesumme von 396 cm, in San Bernardino 981 cm. Der Grund dafür liegt in der grossen Anzahl intensiver Niederschläge am Alpensüdhang. So verzeichnete San Bernardino diesen Winter 11 Schneefälle von mehr als 30 cm, während der grösste Schneefall in Davos nur gerade 18 cm betrug. Im Tessin dagegen konnten alleine am Morgen des 26. Dezembers an einigen Stationen mehr als 100 cm Neuschnee gemessen werden.
An vielen Stationen im Tessin, Oberengadin und in den Bündnern Südtälern konnten im Januar und Februar neue Schneehöhen-Tagesrekordwerte verzeichnet werden. Die absoluten Höchstwerte früherer Winter wurden allerdings an keiner Station überboten. Über den ganzen Winter betrachtet war die durchschnittliche Schneehöhe oberhalb 1000 m auf der Alpensüdseite rund doppelt so gross wie normal, im südlichen Wallis leicht überdurchschnittlich und in den übrigen Gebieten unterdurchschnittlich. Die Voralpen erreichten teilweise nur rund 50% des langjährigen Mittels.
Die Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen im Winter 2013/14 unterscheidet sich deutlich vom langjährigen Mittelwert (vgl. Abbildung 1).
Die Gefahrenstufe 1 (gering) wurde deutlich häufiger prognostiziert als im langjährigen Durchschnitt der letzten 16 Jahre, die Gefahrenstufe 2 (mässig) dagegen deutlich weniger. Die Gefahrenstufe 3 (erheblich) wurde normal häufig angewendet. Die Gefahrenstufe 4 (gross) wurde in der Abendeinschätzung an zehn Tagen prognostiziert, allerdings jeweils nur in wenigen Gebieten der Schweizer Alpen, vor allem in den südlichen Regionen im Zusammenhang mit Starkschneefällen.
Mit erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) war die Lawinensituation in Teilen des südlichen Wallis etwa zwei Monate lang am Stück für Schneesportler heikel, und in Teilen Graubündens knapp eineinhalb Monate lang. Die Tage mit geringer Lawinengefahr (Stufe 1) konzentrierten sich im wesentlichen auf die Zeit vor Weihnachten sowie den März und April.
Bis am 15. April 2014 wurden dem SLF für den Winter 2013/14 104 Lawinen mit 152 erfassten Personen gemeldet. 17 Personen wurden in Lawinen verletzt und 17 Personen haben bei 13 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. Zwei Personen starben bei einer prognostizierten Gefahrenstufe 1 (gering) beim Abbruch einer Wechte und anschliessender Lawinenauslösung, 14 Personen bei Stufe 3 (erheblich) und eine Person bei Stufe 4 (gross). Bei 15 Unfällen verunglückte jeweils eine Person, bei einem Unfall zwei und bei einem Unfall vier Personen. Die meisten tödlichen Unfälle (9) ereigneten sich zwischen dem 26. Dezember und 5. Januar, drei Unfälle im Februar und ein Unfall im März. Im Touren-Bereich starben 13 Personen in Lawinen, im Varianten-Bereich vier Personen. Neun Unfälle mit insgesamt 13 Todesopfern ereigneten sich im Wallis, zwei Unfälle mit insgesamt zwei Todesopfern in Graubünden, ein Unfall mit einem Todesopfer im Kanton Uri und ein Unfall mit einem Todesopfer im Kanton Waadt (vgl. Abbildung 2).
Die Gesamtopferzahl liegt für den 15. April 2014 mit 17 Todesopfern leicht unter dem langjährigen Mittelwert. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2014 dauert, liegt der Mittelwert bei 22 Lawinentoten.
Bei 28 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt.
Die Herausgabe der täglichen Lawinenbulletins wurde am 28. November 2013 gestartet. Eine Morgeneinschätzung wurde vom 20. Dezember 2013 bis zum 06. April 2014 publiziert. Der Jura wurde an drei Tagen mit einer Einschätzung und damit mit Gefahrenstufe 3 (erheblich) bedient.
Das Lawinenbulletin mit der Prognose der Lawinengefahr und allgemeinen Informationen zur Schneesituation in den Schweizer Alpen erscheint bis auf Weiteres täglich. Es kann über www.slf.ch und die SLF App „White Risk“ abgerufen werden. Zudem können RSS-Feeds und ein SMS-Service abonniert werden, welche auch in Winterrandzeiten und über den Sommer auf die Herausgabe eines Lawinenbulletins hinweisen (Service abonnieren: SMS mit Inhalt „START SLF SOMMER“ an 9234, Service stoppen: SMS mit Inhalt „STOP SLF SOMMER“ an 9234, 0.20 CHF/SMS).
Des Weiteren verweisen wir auf den Alpenwetterbericht der MeteoSchweiz www.meteoschweiz.admin.ch, Fax 0900 162 338 (2.00 CHF/Min.) oder Telefon 0900 162 138 (1.20 CHF/Min.).