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John Taylor brach am Freitag auf offener Bühne während des Konzerts mit dem Quartett des französischen Bassisten Stéphane Kerecki zusammen. Trotz sofortiger Reanimationsversuche verstarb Taylor kurze Zeit später im Spital. Ein solcher Abgang korrespondiert überhaupt nicht mit dem musikalischen Schaffen des Pianisten, der meist diskret aus dem Hintergrund agierte.
Spiel mit ungeraden Metren
Der Pianist war, was man unter Jazzern einen «Musician’s Musician» nennt: einer, der als Begleiter in Kleinformationen geschätzt wird, aber nie im grellen Scheinwerferlicht steht. Taylor führte das harmonische Vokabular eines Bill Evans weiter und entwickelte seinen persönlichen Stil aufgrund der gesamten Jazztradition und Einflüssen aus der klassischen Musik. Auffallend war seine Arbeit mit ungeraden Metren.
In den 1970er- und 1980er-Jahren war John Taylor vor allem mit dem Trio Azimuth unterwegs, mit Trompeter Kenny Wheeler und seiner damaligen Frau, der Sängerin Norma Winstone. Der englische Kritiker Richard Williams, der ab diesem Jahr als künstlerischer Leiter des Jazz Fest Berlin amtet, beschrieb die Musik von Azimuth, als eine der «feinst austarierten Kammer-Jazz-Gruppen». Azimuth produzierte eine Reihe von exemplarischen Aufnahmen für das renommierte Label ECM Records.
Lehrer und Vorbild
Neben seiner Tätigkeit als Musiker war John Taylor ein geschätzer Pädagoge. Während 14 Jahren unterrichtete er an der Hochschule für Musik in Köln Jazzpiano und hat dabei viele jüngere Musikerinnen und Musiker wie etwa den Pianisten Pablo Held beeinflusst.
In der Schweiz trat John Taylor letztmals im Herbst 2014 mit der Gruppe der dänischen Perkussionistin Marilyn Mazur am Unerhört-Festival in Zürich auf.
Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Nachrichten, 20.7.2015, 6:00 Uhr