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Beim wiederholten Durchlesen von Jeremia 36 hat mich das Kapitel so richtig gepackt. Vor einiger Zeit habe ich über den Text gepredigt. Die überarbeitete Fassung ist in Bekennende Kirche Nr. 65 erschienen.
Haben Sie sich schon jemals redlich Mühe gegeben, jemanden, der Ihnen wichtig ist, von einer guten Sache zu überzeugen? Ein Kind, einen Enkel, einen Freund, einen Arbeitskollegen, einen Mitarbeiter oder einen Vorgesetzten? Womöglich haben Sie sich zur Unzeit eingesetzt, Eifer bewiesen, gute Argumente eingebracht, Hingabe gezeigt oder gar Tränen vergossen. Sie mussten sich mit dem Resultat begnügen, dass alles vergeblich war. Verfolgen Sie mit, was Jeremia ungefähr im Jahr 600 vor Christus erlebte. Ich gebe zuerst die Ereignisse des Kapitels in eigenen Worten wieder.
Über 20 Jahre nach seiner ersten Botschaft erhielt der Prophet Jeremia den Auftrag zur Niederschrift sämtlicher Prophezeiungen. Er hielt sie mit dem Ziel schriftlich fest, dass sie dem untreuen Volk Juda im Gedächtnis bleiben. Es sollte sich um eine der letzten Gelegenheiten zur Buße handeln, bevor Jerusalem eingenommen wurde. Nachdem Gott den Auftrag, die Weissagungen aufzuzeichnen, gegeben hatte, erfolgte eine mühsame, über Wochen oder gar Monate sich hinziehende Niederschrift auf eine Buchrolle: Zeichen für Zeichen, Wort für Wort mussten aufgezeichnet werden.
Da Jeremia mit einem Zugangsverbot zum Tempel belegt worden war, sandte er Baruch zum Verlesen der Buchrolle. Baruch machte sich immer wieder auf, um im Tempel die Schriftrolle dem vorbeieilenden Volk vorzulesen.
An einem von der Regierung ausgerufenen Fasten, wahrscheinlich angesichts der drohenden Kriegsgefahr von Seiten der Babylonier, verlas Baruch die Prophezeiungen Jeremias vom Balkon des königlichen Schreibers in der Tempelanlage. Der aufmerksame Sohn des Beamten brachte die Botschaft zu dem Gremium, das für die Regierungsgeschäfte mitverantwortlich war.
Angesichts der klaren Gerichtsbotschaften wurden diese Männer von einem großen Unbehagen erfasst. Obwohl sie sich denken konnten, wie der König auf eine solche Gerichtsbotschaft reagieren würde, schickten sie einen Diener des Königs zu ihm, damit ihm ebenfalls der Inhalt der Schriftrolle zur Kenntnis gebracht würde. Aber das darin angekündigte Gericht durch die Babylonier passte nicht in das Konzept des verblendeten Monarchen. Stück für Stück zerschnitt er die Rolle und warf sie ins Feuer. Der außerdem vom König gegen die Verfasser ausgesprochene Haftbefehl blieb wirkungslos, denn Gott hielt seine beiden Diener verborgen.
Jeremia bekam von Gott einen zweiten Schreibauftrag. Nur wenige Monate später eroberten die Babylonier Jerusalem.
Wir lernen aus diesem Abschnitt, dass Gottes Wort ausrichtet, wozu es gesandt ist – entweder zum Segen oder zum Fluch. Wir stellen uns unter das Kapitel, indem wir es aus zwei Blickwinkeln betrachten: erstens aus der Sicht von fünf Beteiligten, zweitens geben wir Acht auf die drei Phasen, die die Botschaft Gottes durchläuft.