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Herrengasse 15
Die fahrende Habe
Das Haus Herrengasse 15 stammt aus dem Jahr 1306/1307. Dies beweist die dendrochronologische Untersuchung, die im Jahr 2006/2007 vorgenommen wurde. Damals begann in Steinen das Bewusstsein, dass man wohl noch viel mehr Häuser aus der Zeit des legendären Stauffachers hatte. Da das Dorf im Gegensatz zu vielen Dörfern wie auch Schwyz nie einen Dorfbrand zu beklagen hatte, blieb die alte Bausubstanz in vielen Häusern trotz Umbauten erhalten.
Erbaut wurde das Haus aber nicht an der Herrengasse 15, sondern an einem unbekannten Ort und wohl in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hierher versetzt. Es war früher durchaus üblich, Häuser als fahrende Habe zu betrachten und sogar mehrmals zu versetzen.
Im Vorderhaus befanden sich zwei grosse Kammern, dann ein breiter Mittelgang und im hinteren Teil die Küche mit zwei Eckkammern. Das Obergeschoss bestand aus zwei grossen und zwei kleinen Kammern.
In der Nordwestecke des Vorderhauses wurden Holzkohlen, Eisenfragmente sowie Tonscherben entdeckt. Ausserdem fanden sich Knochen von Schweinen, Rindern, Schafen und Ziegen, was etwas über die Essgewohnheiten der Bewohner aussagt.
Nach der aufwändigen Renovation mit einem Anbau auf der Rückseite, dort wo früher auch noch eine Schreinerei stand, wird das Haus von der Besitzerfamilie selber bewohnt.
Die unverwüstliche Konstruktion und die saubere Verarbeitung zeugen von einer schon damals hohen Qualität der Zimmerleute. Ihnen standen damals nur Äxte zur Verfügung, denn Sägen gab es erst im 16. Jahrhundert. Der mächtigste Balken, den die Wissenschaftler gefunden haben, misst neun Meter. Er ist pfeilgerade und zeigt, mit welcher Umsicht damals Tannenholz ausgewählt und geschlagen wurde.
In der Stube fand man unter der bis dreifachen Übertäferung, auf den blanken Bohlen, Fragmente einer Kreuzigungsgruppe. Sogar die alten Holzböden haben die Jahrhunderte überdauert.