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DIE BLUMEN DER KLEINEN IDA
Aus "81 Märchen"
von Hans Christian Andersen
Hans Reitzels Verlag, Kopenhagen
"Meine armen Blumen sind ganz tot!" sagte die kleine Ida. "Die waren gestern Abend so schön,
und nun hängen alle Blätter verwelkt herab. Weshalb tun sie das?" fragte sie den Stundenten,
der auf dem Sofa sass. Denn ihn hatte sie sehr gern, er kannte die allerschönsten Geschichten
und konnte so drollige Bilder ausschneiden: Herzen mit kleinen Frauen darin, die tanzten; Blumen
und grosse Schlösser, an denen die Türen geöffnet werden konnten; es war ein lustiger Student!
"Warum sehen die Blumen heute so schlecht aus?" fragte sie wieder und zeigte ihm einen grossen
Strauss, der ganz verwelkt war.
"Ja, weißt du, was ihnen fehlt?" sagte der Student. "Die Blumen waren heute Nacht zum Ball, und
darum lassen sie die Köpfe hängen!"
"Aber die Blumen können doch nicht tanzen!" sagte die kleine Ida.
"Doch", sagte der Student, "wenn es dunkel wird und wir anderen schlafen, dann springen sie
lustig umher; fast jede Nacht gehen sie zum Ball!"
"Können denn Kinder nicht mit auf den Ball kommen?"
"Doch", sagte der Student, "winzig kleinen Gänseblümchen und Maiblumen!"
"Wo tanzen die feinsten Blumen?" fragte die kleine Ida.
"Bist du nicht oftmals zum Tor hinausgegangen bei dem grossen Schloss, wo der König im Sommer
wohnt, wo der wunderbare Garten ist mit den vielen Blumen? Du hast ja die Schwäne gesehen, die
zu dir hinschwimmen, wenn du ihnen Brotkrumen geben willst. Da draussen wird aber Ball
abgehalten, kannst du mir glauben!"
"Ich war gestern mit meiner Mutter da draussen im Garten!" sagte Ida. "Aber alle Blätter waren
von den Bäumen ab, und da waren gar keine Blumen mehr! Wo sind die? Im Sommer habe ich so viele
gesehen!"
"Die sind drinnen im Schloss!" sagte der Student. "Weißt du, sobald der König und alle Hofleute
hier in die Stadt ziehen, laufen die Blumen sogleich vom Garten ins Schloss hinauf und sind
lustig. Das solltest du sehen! Die beiden allerschönsten Rosen setzen sich auf den Thron, und
dann sind sie König und Königin. - All die roten Hahnenkämme stellen sich daneben auf und stehen
da und verbeugen sich, sie sind die Kammerjunker. - Dann kommen all die hübschesten Blumen, und
dann ist grosser Ball, die blauen Veilchen sind kleine Seekadetten, die tanzen mit Hyazinthen
und Krokussen, die sie mit Fräulein anreden! Die Tulpen und die grossen, gelben Lilien, das
sind alte Damen, die passen auf, dass fein getanzt wird und dass es vornehm zugeht!"
"Aber", fragte die kleine Ida, "ist da keiner, der den Blumen etwas tut, weil sie im Schloss
des Königs tanzen?"
"Da gibt es niemanden, der so recht etwas davon weiss!" sagte der Student. "Mitunter, des
Nachts, kommt zwar der alte Schlossverwalter, der dort draussen Acht geben soll. Er hat einen
grossen Schlüsselbund bei sich, aber sowie die Blumen die Schlüssel rasseln hören, werden sie
ganz still, verbergen sich hinter den langen Vorhängen und stecken nur den Kopf hervor. 'Ich
kann es riechen, hier sind Blumen drinnen!' sagt der alte Schlossverwalter, aber er kann sie
nicht sehen."
"Das ist drollig!" sagte die kleine Ida und klatschte in die Hände. "Aber kann ich die Blumen
auch nicht sehen?"
"Doch", sagte der Student, "denk nur daran, wenn du wieder dort hinauskommst, dass du dann durch
das Fenster schaust, dann siehst du sie sicher. Das habe ich heute getan, da lag eine lange,
gelbe Osterglocke auf dem Sofa und räkelte sich, es war eine Hofdame!"
"Können auch die Blumen vom Botanischen Garten da hinauskommen? Können sie den langen Weg gehen?"
"Ja, das kannst du mir glauben!" sagte der Student. "Wenn sie nämlich wollten, dann könnten sie
fliegen. Hast du nicht die hübschen Schmetterlinge gesehen, die roten, gelben und weissen, die
sehen fast so aus wie Blumen, sie sind auch welche gewesen, die sind vom Stängel hoch in die
Luft gesprungen und haben da mit den Blättern geschlagen, als ob es kleine Flügel wären, und
dann sind sie geflogen. Und da sie sich gut betragen haben, durften sie auch am Tag
umherfliegen, brauchten nicht wieder nach Hause zu kommen und still auf dem Stängel zu sitzen,
und so werden aus den Blättern zuletzt richtige Flügel. Das hast du ja selber gesehen Es kann
im Übrigen gut möglich sein, dass die Blumen im Botanischen Garten niemals draussen im Schloss
des Königs gewesen sind oder wissen, dass es nachts dort so lustig ist. Darum will ich dir jetzt
etwas sagen, dann wird er sich sehr wundern, der botanische Professor, der nebenan wohnt.
Du kennst ihn ja wohl? Wenn du in seinen Garten kommst, musst du einer von den Blumen erzählen,
dass draussen auf dem Schloss grosser Ball ist, dann sagt die es all den anderen weiter, und
dann fliegen sie davon. Kommt dann der Professor in den Garten, dann ist keine einzige Blume
mehr da, und er kann gar nicht verstehen, wo sie geblieben sind."
"Aber wie kann die Blume es den anderen erzählen? Die Blumen können doch nicht sprechen!"
"Nein, das können sie allerdings nicht!" antwortete der Student. "Aber dann machen sie
Pantomime! Hast du nicht schon gesehen, wenn es windig ist, dann nicken die Blumen und bewegen
all die grünen Blätter; das ist genauso deutlich, wie wenn sie sprächen!"
"Kann denn der Professor die Pantomime verstehen?" fragte Ida.
"Ja, das kannst du glauben! Er kam eines Morgens in seinen Garten hinunter und sah eine grosse
Brennnessel dastehen und vor einer schönen roten Nelke mit den Blättern Pantomime machen. Sie
sagte: 'Du bist so reizend, und ich habe dich so gern!' Aber dergleichen mag der Professor nun
gar nicht, und er schlug der Brennnessel gleich über die Blätter, die sind nämlich deren
Finger, aber da verbrannte er sich, und seit der Zeit getraute er sich niemals wieder, eine
Brennnessel anzufassen."
"Das ist drollig!" sagte die kleine Ida und lachte.
"Was soll das heissen, dem Kind so etwas weiszumachen!" sagte der grämliche Kanzleirat, der zu
Besuch gekommen war und auf dem Sofa sass; er konnte den Studenten gar nicht leiden und murrte
immer, wenn er sah, wie dieser die wunderlichen, lustigen Bilder ausschnitt: bald einen Mann,
der an einem Galgen hing und ein Herz in der Hand hielt, denn er war ein Herzensdieb, bald eine
alte Hexe, die auf einem Besen ritt und ihren Mann auf der Nase hatte; das mochte der Kanzleirat
nicht, und dann sagte er, ebenso wie jetzt: "Was soll das heissen, dem Kind so etwas
weiszumachen! Das ist die dumme Phantasie!"
Aber die kleine Ida fand es trotzdem so drollig, was der Student von ihren Blumen erzählte, und
sie dachte viel darüber nach. Die Blumen liessen den Kopf hängen, weil sie müde waren, nachdem
sie die ganze Nacht getanzt hatten, sie waren bestimmt krank. So ging sie mit ihnen zu all
ihrem anderen Spielzeug, das auf einem feinen Tischchen stand, und die ganze Schublade war
voller prächtiger Dinge. Im Puppenbett lag ihre Puppe, Sophie, und schlief, aber die kleine Ida
sagte zu ihr: "Du musst nun aber aufstehen, Sophie, und dich damit begnügen, heute Nacht in der
Schublade zu schlafen, die armen Blumen sind krank, und darum müssen sie in deinem Bett
schlafen, vielleicht werden sie dann gesund!" Und dann hob sie die Puppe hoch, aber die sah so
eigensinnig aus und sagte kein Wort, denn sie war böse, weil sie nicht in ihrem Bett bleiben
durfte.
Nun legte Ida die Blumen ins Puppenbett, zog die kleine Decke um sie herum hoch und sagte, sie
sollten hübsch stille liegen, dann würde sie ihnen Tee machen, damit sie wieder gesund würden
und morgen aufstehen könnten. Und sie zog die Vorhänge dicht um das kleine Bett zusammen, damit
die Sonne ihnen nicht in die Augen schiene.
Den ganzen Abend musste sie an all das denken, was der Student ihr erzählt hatte, und als sie
selbst ins Bett gehen sollte, musste sie erst hinter die Vorhänge schauen, die vor den Fenstern
hingen, wo ihre Mutter die schönen Blumen stehen hatte, sowohl Hyazinthen als auch Tulpen, und
dann flüsterte sie ganz leise: "Ich weiss wohl, ihr geht heute Nacht zum Ball!" Aber die
Blumen taten so, als verstünden sie nichts, und rührten kein Blatt; aber die kleine Ida wusste,
was sie wusste.
Als sie ins Bett gekommen war, lag sie lange wach und dachte daran, wie wunderschön es sein
müsste, die herrlichen Blumen draussen im Schloss des Königs tanzen zu sehen. "Ob meine Blumen
wirklich mit dabei gewesen sind?" Aber dann schlief sie ein. Mitten in der Nacht wachte sie
wieder auf, sie hatte von den Blumen und dem Studenten geträumt, auf den der Kanzleirat schalt
und sagte, er mache ihr etwas weis. Im Schlafzimmer, wo Ida schlief, war es ganz still; das
Nachtlämpchen brannte drüben auf dem Tisch, und ihre Eltern schliefen.
"Ob meine Blumen nun in Sophies Bett schlafen?" sagte sie bei sich. "Wie gerne wüsste ich das!"
Sie richtete sich ein wenig auf und sah zur Tür, die halb offen stand, dort drinnen lagen die
Blumen und all ihr Spielzeug. Sie horchte, und da war ihr, als hörte sie, dass drinnen in der
Stube Klavier gespielt wurde, aber ganz leise, und so hübsch, wie sie es nie zuvor gehört hatte.
"Jetzt tanzen sicher alle Blumen da drinnen!" sagte sie. "O Gott, wie gern würde ich das doch
sehen!" Aber sie traute sich nicht aufzustehen, dann weckte sie ihre Eltern. "Wenn sie doch nur
hier hereinkämen!" sagte sie, aber die Blumen kamen nicht, und die Musik fuhr fort, so hübsch
zu spielen, da konnte sie es gar nicht lassen, denn es war zu herrlich, sie schlüpfte aus ihrem
Bettchen und ging ganz leise zur Tür und guckte in die Stube. Nein, wie war es lustig, was sie
da erblickte.
Drinnen war gar keine Nachtlampe, und trotzdem war es ganz hell, der Mond schien durch das
Fenster mitten ins Zimmer hinein, es war fast so, als wäre es Tag. Die Hyazinthen und Tulpen
standen alle in zwei langen Reihen in der Stube, es waren gar keine mehr im Fenster, dort
standen leere Töpfe; unten auf dem Fussboden tanzten alle Blumen reizend im Kreise herum, machte
eine richtige Kette und hielten einander an den langen grünen Blättern, wenn sie sich
herumdrehten. Aber drüben am Klavier sass eine grosse gelbe Lilie, die die kleine Ida im Sommer
bestimmt gesehen hatte, denn sie erinnerte sich noch genau, wie der Student sagte: "Nein, wie die
Fräulein Line ähnlich sieht!" Aber da lachten sie ihn alle miteinander aus; nun fand Ida
wirklich auch, dass die lange, gelbe Blume dem Fräulein ähnlich sah. Und sie machte es beim
Spielen auch genau so, bald legte sie ihr längliches gelbes Gesicht auf die eine Seite, bald
auf die andere und nickte den Takt zu der wunderbaren Musik. Die kleine Ida bemerkte gar
niemand. Jetzt sah sie einen grossen blauen Krokus mitten auf den Tisch springen, wo das
Spielzeug stand, zum Puppenbett gehen und die Vorhänge beiseite ziehen, dort lagen die kranken
Blumen, aber diese erhoben sich sogleich und nickten zu den anderen hinunter, dass sie auch
mittanzen wollten. Das alte Räuchermännchen, dem die Unterlippe abgebrochen war, stand auf und
verbeugte sich vor den feinen Blumen, sie sahen gar nicht krank aus, sie sprangen hinunter
mitten unter die anderen und waren sehr vergnügt.
Da war es, als fiele irgend etwas vom Tisch. Ida schaute hin, es war die Fastnachtsrute, die
heruntergesprungen war, die meinte auch, sie gehöre mit zu den Blumen. Sie war auch sehr
hübsch, und oben dran sass eine kleine Wachspuppe, die hatte genau solch einen breiten Hut
auf dem Kopf, wie ihn der Kanzleirat trug. Die Fastnachtsrute sprang auf ihren drei roten
Holzbeinen mitten unter die Blumen und stampfte tüchtig, denn sie tanzte Mazurka; und diesen
Tanz konnten die anderen Blumen nicht, weil sie so leicht waren und nicht stampfen konnten.
Die Wachspuppe auf der Fastnachtsrute wurde mit einem Male gross und lang, wirbelte über den
Papierblumen im Kreise herum und rief ganz laut: "Was soll das heissen, dem Kind so etwas
weiszumachen! Das ist die dumme Phantasie!" Und dann sah die Wachspuppe ganz genauso aus wie
der Kanzleirat mit dem breiten Hut, sah ganz genauso gelb und grämlich aus. Aber die
Papierblumen schlugen ihr über die dünnen Beine, und da schrumpfte sie wieder ein und wurde
eine winzigkleine Wachspuppe. Es war drollig anzuschauen! Die kleine Ida konnte sich das Lachen
nicht verbeissen. Die Fastnachtsrute tanzte immer fort, und der Kanzleirat musste mittanzen,
es nützte nichts, ob er sich gross und lang machte oder die kleine gelbe Wachspuppe mit dem
grossen schwarzen Hute blieb. Da legen die anderen Blumen Fürbitte für ihn ein, besonders die,
die im Puppenbett gelegen hatten, und nun liess die Fastnachtsrute es sein. Im selben
Augenblick klopfte es ziemlich kräftig drinnen in der Schublade, wo Idas Puppe Sophie neben
so vielem anderen Spielzeug lag. Der Räuchermann rannte zur Tischkante, legte sich längelang
auf den Bauch und konnte die Schublade ein klein wenig herausziehen. Da richtete Sophie sich
auf und sah sich ganz erstaunt im Kreise um. "Hier scheint Ball zu sein!" sagte sie. "Weshalb
hat mir keiner was gesagt?"
"Möchtest du mit mir tanzen?" fragte der Räuchermann.
"Na, du bist mir gerade fein genug um Tanzen!" sagte sie und kehrte ihm den Rücken. Dann setzte
sie sich auf die Schublade und dachte, dass sicher eine von den Blumen kommen und sie auffordern
würde, aber es kam keine, da hüstelte sie: "Hm, hm,hm!" aber trotzdem kam nicht eine. Der
Räuchermann tanzte nun ganz allein, und das war nicht so schlecht.
Als nun keine von den Blumen Sophie zu sehen schien, liess sie sich von der Schublade auf den
Fussboden nieder plumpsen, und das machte grossen Lärm; alle Blumen kamen auch rund um sie
herum angelaufen und fragten, ob sie sich weh getan habe, und sie waren alle so reizend zu
ihr, besonders die Blumen, die ich ihrem Bett geschlafen hatten; aber sie hatte sich gar nicht
weh getan, und Idas Blumen bedankten sich alle für das schöne Bett und waren so nett zu ihr,
zogen sie in die Mitte des Zimmers, wo der Mond schien, tanzten mit ihr, und alle anderen
Blumen bildeten einen Kreis um sie. Nun war Sophie zufrieden; und sie sagte, sie dürften
gern ihr Bett behalten, es mache ihr gar nichts aus, im Schubkasten zu schlafen.
Aber die Blumen sagten: "Wir danken dir vielmals, aber wir können nicht so lange leben! Morgen
sind wir ganz tot; aber sag der kleine Ida, sie soll uns draussen im Garten begraben, wo der
Kanarienvogel liegt, dann wachsen wir im Sommer wieder und werden viel schöner!"
"Nein, ihr dürft nicht sterben!" sagte Sophie, und dann küsste sie die Blumen. Im selben
Augenblick ging die Saaltür auf, und eine grosse Menge wunderschöne Blumen kamen hereingetanzt.
Ida konnte gar nicht begreifen, wo sie hergekommen waren, es waren bestimmt all die Blumen
draussen vom Königsschloss. Allen voran gingen zwei herrliche Rosen, und die hatten goldenen
Krönchen auf, das waren ein König und eine Königin, dann kamen die reizendsten Levkojen und
Nelken, und die grüssten nach allen Seiten. Sie hatten Musik mit dabei, grosse Mohnblumen und
Päonien bliesen auf Erbsenschoten, so dass sie ganz rote Köpfe hatten. Die blauen Glockenblumen
und die kleine weissen Schneeglöckchen läuteten, als hätten sie Schellen um. Es war eine
lustige Musik. Dann kamen sehr viele andere Blumen, und die tanzten alle miteinander, die
blauen Veilchen und die roten Massliebchen, die Gänseblümchen und die Maiglöckchen. Und alle
Blumen küssten sich, es war lieblich anzuschauen!
Schliesslich sagten die Blumen sich gute Nacht, da schlich auch die kleine Ida wieder in ihr
Bett, wo sie von allem träumte, was sie gesehen hatte.
Als sie am nächsten Morgen aufgestanden war, ging sie geschwind zu dem kleine Tisch, um
nachzusehen, ob die Blumen noch da waren, sie zog die Vorhänge an dem kleinen Bett beiseite.
Ja, da lagen sie alle miteinander, aber sie waren ganz verwelkt, viel mehr als gestern. Sophie
lag in der Schublade, wo sie sie hingelegt hatte, sie sah sehr verschlafen aus.
"Weißt du noch, was du mir sagen solltest!" sagte die kleine Ida, aber Sophie sah ganz dumm aus
und sagte kein Wort.
"Du bist gar nicht lieb" sagte Ida, "und dabei haben sie doch alle mit dir getanzt." Dann nahm
sie eine kleine Pappschachtel, auf der niedliche Vögel gezeichnet waren, die machte sie auf und
legte die toten Blumen hinein. "Das soll euer niedlicher Sarg sein", sagte sie, "und wenn
nachher die norwegischen Vettern herkommen, dann sollen sie mithelfen euch draussen im Garten
zu begraben, damit ihr im Sommer wachsen könnt und noch viel schöner werdet!"
Die norwegischen Vettern waren zwei frische Jungen, sie hiessen Jonas und Adolf. Ihr Vater
hatte ihnen zwei neue Flitzbogen geschenkt, und die hatten sie mitgebracht, um sie Ida zu
zeigen. Sie erzählte ihnen von den armen Blumen, die gestorben waren, und dann durften sie
sie begraben. Beide Jungen gingen voraus mit den Flitzbogen über der Schulter, und die kleine
Ida ging intendrein mit den toten Blumen in der niedlichen Schachtel. Draussen im Garten wurde
ein kleines Grab geschaufelt; Ida küsste zuerst die Blumen, legte sie dann mit der Schachtel
in die Erde, und Adolf und Jonas schossen mit den Flitzbogen über das Grab, denn Gewehre oder
Kanonen hatten sie nicht.