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Basel, 1921
Glasmaler: Emil Schäfer (1870-1943)
Glasmalerei in Schwarzlot und Silbergelb
auf farbigem Glas, Blei; Holzrahmen
H. 38,2 cm, B. 29 cm (ohne Rahmen)
H. 41,2 cm, B. 32 cm (mit Rahmen)
Inv. 2009.720.
Farbenfroh präsentiert diese historistische Wappen-scheibe des Basler Glasmalers Emil Schäfer aus dem Jahre 1921 einen Seidenfärber, an dessen ausgebreiteten Armen zwei in unterschiedlichen Rottönen gefärbte Bündel von Seidengarn hängen. Er füllt nahezu den gesamten Binnenraum der rahmenden Architektur aus. Zu seinen Füssen erscheint links das volle Wappen von Ernst Rudolf Lindenmeyer, auf dessen Schild ein gelb gekleideter Mann mit drei Rosen in der einen und einem entwurzelten Bäumchen in der anderen Hand dargestellt ist. Die Familie seiner Frau Martha Elisabeth Koechlin führt eine Traube samt Rebmesser im Wappen. Die rahmenden, einen Dreiecksgiebel tragenden Hermenpilaster werden von den Figuren von Kaiser Heinrich II. mit dem Modell des Münsters und dem hl. Georg als Drachentöter bekrönt. Auf dem Gebälk verweist das zentral unter dem Baselstab angebrachte Datum «13. AVGVST 1606» auf das Einbürgerungsdatum der Familie Lindenmeyer in Basel: Der aus Freiburg i. Br. eingewanderte Seiler Georg Lindenmeyer erlangte 1606 das Basler Bürgerrecht. Die Familie Lindenmeyer gehört zu den über hundert Basler Familien, die anlässlich der Eröffnung des Historischen Museums in der Barfüsserkirche 1894 ihre Wappenscheibe stifteten. Diese ist heute im Westfenster der Kirche ausgestellt (Inv.1979.186.). Ernst Rudolf Lindenmeyer (1892–1989), der vermutlich die vorliegende Wappenscheibe in Auftrag gab, war in der St. Johanns-Vorstadt in Basel aufgewachsen, wo sein Vater Jakob Friedrich eine Färberei besass. Nach der Fusion des väterlichen Betriebs mit der Färberei der Gebrüder Clavel zur Clavel & Lindenmeyer AG war er in deren Geschäftsleitung tätig und betreute die internationale Kundschaft. Im Jahre 1918 heiratete er Martha Koechlin, die später als Präsidentin der Schulinspektion in Riehen wirkte. Die Clavel & Lindenmeyer AG färbte neben Seide, Baumwolle und Wolle seit 1910 in zunehmendem Masse auch Kunstseide. Im Entstehungsjahr des Glasgemäldes gründete die Firma zusammen mit den Färbereien Schetty AG und der Lyoner Firma Gillet in Hüningen die Société Alsa- cienne de Teinture S.A., wo Gewebe und Garne gefärbt wurden. Die sich in der Veredelungsindustrie abzeichnende Konzentration führte auch in Basel im Jahre 1948 zum Zusammenschluss der zuvor einzeln geführten Betriebe in die Basler Stückfärberei AG.