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Dass Cannabis nicht nur Droge und Genussmittel ist, sondern in manchen Bereichen auch zu den wirksamen Heilpflanzen gerechnet werden muss, ist inzwischen gut belegt. So lindert Cannabis oder sein Wirkstoff THC Muskelspastik bei Multiple Sklerose oder Nebenwirkungen von Chemotherapie bei Krebserkrankungen (Übelkeit, Appetitlosigkeit).
Auch über Nebenwirkungen und Risiken des Cannabis-Konsums wurde in den letzten Jahren ausgiebig berichtet, unter anderem auch hier im Pflanzenheilkunde-Blog. Siehe dazu:
Weniger bekannt sind die Wechselwirkungen (Interaktionen), welche Cannabis bzw. THC mit Medikamenten zeigen kann, obwohl dies natürlich auch sehr relevante Informationen sind. Im Newsletter von pharmavista.net erscheint vor kurzen dazu eine gute Übersicht. Hier eine bearbeitete Zusammenfassung:
Als Hauptinhaltsstoff von Cannabis gilt delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Dieser Wirkstoff wird in der Leber über das Cytochrom P450, vor allem über CYP2C9, verstoffwechselt. Nach 5 Tagen sind 80-90% der inhalierten THC-Dosis eliminiert. Bei chronischer Anwendung lassen sich die Metaboliten (Abbauprodukte) noch mehrere Wochen nach dem Konsum nachweisen.
Ähnlich wie Tabak enthält gerauchter Cannabis aromatische Kohlenwasserstoffe, welche als Induktoren von CYP1A2 wirken. Deshalb werden Medikamente, welche hauptsächlich über CYP1A2 verstoffwechselt werden, schneller abgebaut. Bei Cannabisrauchern wurde eine reduzierte Wirksamkeit von Theophyllin, Chlorpromazin und Clozapin festgestellt. Nach einem Rauchstopp von Cannabis kam es vereinzelt zu Symptomen einer Überdosierung.
Beim Konsum von Cannabis kommt es zu einer Tachykardie (Pulsbeschleunigung) und einer peripheren Vasodilatation (Gefässerweiterung). Die kardialen (herzbezogenen) Effekte addieren sich zu denjenigen der trizyklischen Antidepressiva, was das Auftreten von Tachykardien zusätzlich begünstigt. Bei gleichzeitigem Konsum von Cannabis und Sildenafil (Viagra) kam es zu einem Herzinfarkt. Der betroffene Mann hatte zuvor keine kardiovaskulären Beschwerden. Die sedativen (beruhigenden) Effekte von Cannabis werden durch Opioide, Barbiturate und Alkohol verstärkt.
Gemäss einem Fallbericht, kam es bei einem Patienten unter Warfarin nach Cannabis-Konsum zu Blutungen im Verdauungstrakt. Auslöser für diesen Effekt sind eine Hemmung des Metabolismus von Warfarin und eine verminderte Plasmaproteinbindung. Wird Cannabis während einer Warfarin-Therapie angewendet, sollte der INR-Wert regelmässig bestimmt werden. Bei Cannabiskonsumenten ist allenfalls eine Dosisanpassung des oralen Antikoagulans nötig.
Quellen:
_La Revue Prescrire 321/2010/p515
_ E. Williamson, S. Driver; Stockley’s Herbal Medicines Interactions; Pharmaceutical Press 2009; p107
http://www.pharmavista.net
Kommentar & Ergänzung:
Das ist die beste kurze Zusammenfassung, die mir zum Thema „Cannabis und Interaktionen“ bisher unter die Augen gekommen ist.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch