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Cartographica Helvetica
Zusammenfassung
Franz Reitinger:
Der Kartograph als Erdenwaller. Zu einer «physischen» Karte des Berliner Kartenstechers Johann Karl Mare
Cartographica Helvetica 27 (2003) 13–26
Zusammenfassung:
Der vorliegende Beitrag zeichnet am Beispiel der ungewöhnlichen Karriere von Johann Karl Mare (1773–1835) die Entwicklung der preussischen Kartographie und der daran beteiligten Institutionen am Ende der Napoleonischen Ära nach. Die Umstände seiner Ernennung zum «Professor der geographischen Künste» an der Akademie der Künste im Jahr des Russlandfeldzugs trugen dem in Berlin ansässigen Stecher, Kartographen und Verleger hugenottischer Herkunft neben manchen Privilegien auch den Neid seiner Kollegen ein. Seine Loyalität gegenüber dem preussischen Königshaus bewahrte ihn indessen nicht davor, dass seine kleinmeisterlichen Arbeiten nach seinem Tod rasch in Vergessenheit gerieten.
Die scheinbar gesicherte Position von Mare täuschte im Grunde darüber hinweg, wie prekär seine auf fachlicher Spezialisierung beruhende Existenz als «Künstler» war: Nicht länger wurde die Entwicklung der Kartographie nach den Napoleonischen Kriegen von der preussischen Administration bestimmt, der Mare so vieles verdankte. An die Stelle des Militärkartographen trat als Leitbild für seine Tätigkeit nunmehr der wissenschaftlich versierte Geologe, der in der neugegründeten Universität Unter den Linden über ein öffentliches Forum zur wirkungsvollen Präsentation seiner Theorien verfügte.
Mit der Entstehung erster Lithographie- und Kunstdruckanstalten änderte sich zudem in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts das klassische Berufsfeld des Kupferstechers auf dramatische Weise. Vor allem aber stand Mare mit seinem Lehrstuhl der Ausdifferenzierung von Wissenschaft und Kunst im Wege, die beide für sich den Status der Autonomie anstrebten. Der Widerspruch, in den Mare dadurch zu seiner Epoche geriet, schlug sich nicht zuletzt in dessen Vorliebe für hybride Ausdrucksformen wie der Allegorie nieder. Mit Hilfe des modernen Kartenbildes gelang es ihm, den von Goethe geprägten Begriff des «Erdenwallens» zu thematisieren und in eine zeitgemässe visuelle Form zu bringen.