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Saatkrähen in Meilen
Saatkrähen haben sich auch in Meilen angesiedelt. Die geselligen Vögel brüten in Kolonien und lassen sich oftmals in Siedlungsnähe nieder. Von manchen Anwohnenden werden die lauten Rufe der kommunikativen Vögel als störend empfunden.
Saatkrähen sind keine gewöhnlichen «Krähen»
Die Saatkrähe unterscheidet sich von der Rabenkrähe durch einen unbefiederten, hellgrauen Schnabelgrund, einen geraden und spitzigen Schnabel, sowie ein violett schimmerndes Gefieder. Ursprünglich im offenen Kulturland lebend, haben die Saatkrähen nach massiver Bejagung durch den Menschen den Siedlungsraum für sich entdeckt. Sie wurden in den urbanen Raum gedrängt, weil dort aus Sicherheitsgründen keine Bejagung stattfindet. Im Gegensatz zu den Rabenkrähen brüten die Saatkrähen in Kolonien. Da sie auf natürliche Weise ihr Verbreitungsgebiet in der Schweiz ausgedehnt haben, gelten sie als einheimisch. Seit etwa 20 Jahren nimmt der Bestand stark zu. Mit einer weiteren Vermehrung ist zu rechnen. Rund 60 % der Saatkrähen brüten im urbanen Raum, im Winter ziehen sie sich teilweise in den Süden zurück, wobei Wintergäste aus Nordeuropa dann bei uns überwintern.
Saatkrähen sind kommunikativ und laut
Saatkrähen sind ausserordentlich intelligent, sehr kommunikativ und zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Der Tag einer Saatkrähe beginnt morgens etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang und endet meist mit dem Eindunkeln. Ihren Ehepartnern bleiben sie ein Leben lang treu und erkennen diese schon von weitem an der Stimme. Besonders beim Füttern von Jungvögeln wird es laut, weil deren Bettelrufe mit Begrüssungsrufen sowie mit Warn- und Störungsrufen zusammenkommen. Die vielfältigen, lauten Rufe werden von manchen Anwohnenden als Lärm empfunden. Saatkrähen halten ihre Nester sauber. Dies kann zu Kotverschmutzungen direkt unter einer Kolonie und damit verbundenen Reklamationen führen.
Wo es möglich ist: Toleranz
Saatkrähen gehören zur heimischen Fauna. Die Randzonen der Gemeinde gelten nicht nur als Naherholungsgebiet für die Menschen, sie sind auch ein wichtiger Lebensraum für Tiere. Es ist der Gemeinde Meilen nicht möglich, die Bestandsgrösse dieser Vogelart zu beeinflussen. Vertreibungsversuche führen immer zu einer Verlagerung des Problems. Die Saatkrähen besiedeln dann Bäume in der nächsten Umgebung, die so entstandenen Lücken werden von «Neuzuzügern» geschlossen und die Kolonien vergrössern sich dadurch massiv. Während der Schonzeit, zwischen dem 16. Februar und dem 31. Juli, sind sämtliche Störungen der Vögel strafbar. Dazu gehört auch das Stören des Brutgeschäfts.
Saatkrähen sind Allesfresser und ernähren sich etwa zu gleichen Teilen von pflanzlicher und tierischer Nahrung. Besonders gerne fressen sie Regenwürmer, bodenbewohnende Insekten und deren Larven aber auch Mäuse. Deshalb gelten Saatkrähen als für die Landwirtschaft nützliche Tiere. Daneben fressen sie Abfälle, Aas, Obst, Feldfrüchte und ab und zu auch ein paar Körner.
Sind erfolgreiche Massnahmen zur Eindämmung von Saatkrähenkolonien bekannt?
Obwohl viele Spezialistinnen und Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen nach neuen Lösungen im Umgang mit den Saatkrähen suchen, ist bisher kein Massnahmenpaket langfristig und nachweislich erfolgreich. Eingriffe im Bereich der Neststandorte führen mittel- und langfristig zu einer ungewünschten Ausdehnung und Vergrösserung der jeweiligen Kolonie. Einzelne Brutpaare lassen sich nach erfolgter Störung in der Umgebung der bestehenden Kolonie nieder. Die dabei entstandenen Lücken ziehen im Folgejahr weitere Brutpaare an und die Kolonien vergrössern sich. Erfahrungsgemäss liegt der Wachstumsfaktor nach Eingriffen beim zweieinhalbfachen Wert der ursprünglichen Kolonie.
Die Gemeindeverwaltung Meilen lässt die Entwicklung der Kolonie in der Wampflen regelmässig von einer Fachperson überprüfen. Eine Möglichkeit zur Eindämmung der bestehenden Kolonie oder zur Vertreibung der Saatkrähen existiert aufgrund fehlender bewährter Massnahmen und gesetzlicher Vorgaben leider nicht. Die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner können durch konsequente Vermeidung von Nahrungsangeboten (z.B. Kehrichtsäcke im Freien) wenigstens das Anlocken der Rabenkrähen verhindern. Im Gegensatz zu den Saatkrähen sorgen die Rabenkrähen durch das Aufpicken der Kehrichtsäcke und anderen Schabernack, den sie auf Balkonen und Dächern treiben, für Ärger. Die Platzierung eines Unterflurcontainers, falls machbar, bietet eine gute Möglichkeit, den Kehricht unerreichbar für Tiere zu entsorgen.
Diese Vögel stellen die Geduld und Toleranz der Nachbarn oftmals auf die Probe. Die intelligenten Tiere lassen sich nicht aus dem Gemeindegebiet vertreiben und gehören zur heimischen Fauna.