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Die Wittnauer Hauptstrasse im Jahr 1911 (► Zeitungsartikel)
Der Verkehr von und nach Wittnau bewegt sich über die Strasse.
Das war früher so und ist heute nicht anders.
Weil die Hauptstrasse um 1900 wegen der Kienberger Gipsfuhrwerke in einem bedenklichem Zustand war, suchte man nach Alternativen. Die beiden Eisenbahnprojekte von 1897 und 1911 wurden aber aus Kostengründen nie realisiert.
unter dem Thema "Arbeit".
Autos
Eines der ersten Autos im Fricktal besass der in Frick wohnhafte Wittnauer Arzt Dr. Simon Schmid. Welche Automarke und welcher Typ hier zu sehen sei, darüber herrschte lange Unklarheit. Nun hat das Rätselraten ein Ende. Findige "Wittnau-einst"–Besucher haben den Wagen identifizieren können. Es ist ein NSU 5/15 hp, wie er ab 1914 produziert wurde. Mit seinem 1,2-Liter-Motor erreichte das Auto eine Spitzengeschwindigkeit von 60 km/h bei einer Leistung von 15 PS.
Das nächste Auto-Foto ist möglicherweise noch älter, wurde aber gewiss nicht im Fricktal
aufgenommen. Trotzdem ist ein Wittnauer abgebildet, der "Krone"-Wirt Friedrich Businger
(im Vordergrund rechts, mit hellem Anzug, Schirm und Zigarre).
Bei welcher Gelegenheit die Aufnahme vor dem Restaurant "Vögelinsegg" gemacht wurde,
ist nicht überliefert. Es fällt aber auf, dass alle Männer am Revers ein gleiches Festabzeichen
tragen.
Am Auto springt der überdimensionierte Scheinwerfer ins Auge und das St. Galler Nummernschild.
(Leider kann das Strassenverkehrsamt St. Gallen heute keine Angaben mehr machen über den damaligen Autohalter.)
Auch hier gilt: Wer kennt die Automarke? Danke für Tipps und Hinweise!
Um 1950, als der Besitz eines Autos noch keine Selbstverständlichkeit war, hatte Max Brogle (Talfridlis) bereits einen eigenen Wagen, einen IFA F9, der hier blumengeschmückt bei einem Corso des Motoklubs mitfuhr.
Der F9 war vor dem 2. Weltkrieg von der Firma DKW (Dampf-Kraft-Wagen) konstuiert worden.
Ursprünglich war geplant, dieses Modell 1940 in den Verkauf zu bringen. Doch dann kam der Krieg. Nach dem Weltkrieg nahm in der DDR der Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) die Produktion auf. Gebaut wurde der Wagen mit Dreizylinder-Zweitaktmotor im VEB* Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau.
* VEB = Volkseigener Betrieb (verstaatlichte Firma in der DDR)
Traktor mit Holzvergaser
Um nicht auf Treibstoff aus dem Ausland angewiesen zu sein, setzte man im 2. Weltkrieg vereinzelt Holzvergaser ein. Ein Nachteil war, dass der Holzgasgenerator etwa eine Viertelstunde vor dem Losfahren entzündet werden musste.
ÖV (Öffentlicher Verkehr)
Wann die Personenbefördung mit Postkutschen eingeführt wurde, ist mir nicht bekannt.
Die Strecke führte von Frick über Wölflinswil - Oberhof nach Wittnau. Als Postillion amtete der Landwirt Adolf Mösch aus Frick.
Postkutschen-Bilder aus Wittnau existieren wohl nicht, darum hier ein Bild aus Wölflinswil.
Das Postauto ersetzte ab 1928 die Postkutsche.
Karl Kläy, Spiez, mit dem ersten Postauto, Marke Steyr, auf dem Fricker
Bahnhofplatz.
Jakob Reimann, Postautohalter von Wölflinswil, mit seinem hellgelben Bus,
Marke Berna, auf dem Bahnhofplatz in Frick.
Am 25. Mai 1979 wurde die Postautolinie über das Benkerjoch
nach Aarau eingeweiht.
Motorrad
Junge Wittnauer, die von Motoren fasziniert waren, sich aber noch kein Auto leisten konnten, schafften sich gerne ein Motorrad an. Einige von ihnen organisierten sich im Motoklub.
Herzlichen Dank an Thijs Lempens aus Nederweert NL, der mir Auskunft geben konnte über den eher unbekannten Fahrzeug-Typ.
Töffli / Mofa
Für die "Töfflibuebe" der späten 1960er- und der 1970-Jahre bedeutete ihr Fahrzeug viel mehr als ein banales Transportmittel. Ein Töffli zu haben, war ein Zeichen von Freiheit und Rebellion; Statussymbol, Zusammengehörigkeitsgefühl und Freizeitbeschäftigung in einem.
vlnr.: Sepp Müller, Heinz Uebelmann (Chruusi), Werner Rüetschi, Thomas Erb, Stefan Fricker
Velo
Das Fahrrad war bei Wittnauerinnen und Wittnauern ein beliebtes Verkehrsmittel.
Viele benutzten es, um täglich zur Arbeit zu gelangen.
Karl Husner (s Schryners) besuchte 1908 die allererste Radfahrer-RS der Schweiz.
Das Fahrrad – ein alltagstaugliches Transportmittel:
Auch in der Freizeit war das Fahrrad beliebt.
Im Mai 1920 wurde der Veloclub Wittnau gegründet.
Zur ► Legende des obigen Gruppenbildes
Über das "Eierfahren", eine spezielle Variante des Eierlesen-Brauches, wird an anderer Stelle berichtet. Hier bloss ein Bild von diesem Anlass, der im März 1936 stattfand.
Zu Fuss
Per pedes (zu Fuss) ist der Mensch unterwegs seit es den aufrechten Gang gibt.
Was heute als Langsamverkehr und auf Fernwanderwegen wiederentdeckt wird, war einst schlichtweg die einzige Möglichkeit von A nach B zu gelangen.
Ein überliefertes Beispiel:
Der Wittnauer Konrad Brogli (1835 - 1892) war Mitglied des Grossen Rates. Um an den Sitzungen des Kantonsparlaments teilzunehmen, musste er jeweils früh aufstehen. Den Fussweg über den Benken nach Aarau legte er in der Regel gemeinsam mit seinem Ratskollegen Ackermann aus Wegenstetten zurück. Dieser klopfte frühmorgens um 4 Uhr bei Brogli an den Fensterladen.
(mitgeteilt ca. 1985 von Ida und Flora Brogli, Enkelinnen von Konrad Brogli)
Freizeit-Wanderungen waren, ausser auf Schulreisen oder Vereinsausflügen, eher die Ausnahme.
Wer schon vor 100 Jahren mit Kollegen ausgedehnte Bergtouren unternahm, war der damalige Kronenwirt Friedrich Businger.
Das unten stehende Erinnerungsbild zeigt ihn zusammen mit Arnold Walde (links), Bäcker Wasser (Frick? Aarau?) und Prof. Dr. Gustav Rüetschi, St. Gallen (rechts). Die ausgedehnte Bergtour führte die vier Freunde von Siders - Zinal - Triftjoch (3'540 m) - Triftgletscher - Zermatt nach Visp.