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Konsum in reichen Staaten erhöht CO2-Ausstoss in armen Ländern
Die westlichen Industrieländer verantworten indirekt auch den Ausstoß von CO2 in ärmeren Ländern. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Wissenschaftlerteam in seinen Berechnungen.
In reichen Staaten gekaufte Produkte verursachen oft einen hohen CO2-Ausstoss in armen Ländern.
In den reichen Ländern wird immer mehr konsumiert, was in Entwicklungsländern produziert wird. Die Verlagerung von Emissionen in ärmere Länder könne auf Dauer die Wirkung von Emissionsbegrenzungen etwa in Deutschland oder Europa unterlaufen, heißt es. «Wer ein Radio oder eine Hose in Deutschland kauft, verursacht CO2-Emissionen im Herstellungsland, weil die Fertigung nun einmal Energie verbraucht - etwa in China oder Bangladesch», erklärt Jan Christoph Minx von der Technischen Universität Berlin.
Nach dem Kyoto Protokoll haben sich Industrieländer verpflichtet, ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren. Schwellen- und Entwicklungsländer verzichten jedoch auf diese Reduzierung, um ihr Wirtschaftswachstum nicht zu behindern. Die globalen Konzerne verlagern ihre Produktionsstätten dementsprechend in ärmere Länder. Verkauft werden die Waren aber in den reicheren Ländern. «Die meisten Industrieländer haben zu mehr Emissionswachstum in Entwicklungsländern beigetragen, als sie durch Klimaschutz zu Hause einsparen konnten», sagt Minx im Interview mit pressetext.
Politik ist gefordert
Minx plädiert für ein globales Klimaschutzabkommen, das die regionalen Systeme ausweitet. «Das bedeutet nicht, dass man auf regionale Regeln zur Emissionsvermeidung genauso gut verzichten könnte, sondern dass im Gegenteil deren Ausweitung nötig ist», erklärt Professor Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Abgesehen von der grossen Weltpolitik kann jeder Einzelne in den reicheren Ländern auf seinen CO2-Verbrauch achten.
Wichtig sei, dass die Menschen wahrnehmen, dass sie viele Dinge tun können und dafür belohnt werden, befindet Minx. Es sei die Aufgabe der Politik, den Bürgern Anreizsysteme zum umweltbewussten Verhalten zu geben. «Sonst wird das Individuum frustriert, wenn immer gesagt wird, es solle sich umweltfreundlich verhalten, die Anreizsystem aber etwas anderes implizieren», sagt Minx. Es sei etwa einfacher und lohnender Billigflieger für eine Reise innerhalb Europas zu nutzen als etwa die Bahn. «Da ist die Politik gefragt.»Quelle: pressetext.ch