Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03646.jsonl.gz/946

Der 70-jährige Yadav Chavan arbeitete als Aushilfe in einem Möbelgeschäft – 20 Kilometer von seinem Dorf entfernt. Dahin fuhr er täglich mit seinem alten Fahrrad. Anfang Juni erkrankten er, seine Frau und seine Tochter am Coronavirus. Die Folgen der Krankheit nach 15 Tagen Isolation waren schwerwiegend: Atembeschwerden, Schwäche und Müdigkeit. Yadav konnte nicht mehr arbeiten. Die einzige Einkommensquelle der Familie war das Gehalt seiner Tochter, eine Näherin und Mutter eines kleinen Jungen.
Leider sank mit der Coronakrise die Nachfrage nach Näharbeiten stark. So verdiente Yadavs Tochter nicht mehr genug, um sich und die Familie zu versorgen. «Wegen der Krise will niemand mehr neue Kleider schneidern oder alte flicken lassen», erklärt Yadav verzweifelt. Mit den 2000 Rupien (entspricht 25 Schweizer Franken), die sie jeden Monat vom indischen Staat erhält, hat die vierköpfige Familie kaum genug Geld für Essen. Die Geschichte von Yadav und seiner Familie ist nur eine von vielen. Geschichten von Not, Kummer und Verzweiflung. Geschichten über schwerwiegende Folgen, die die zweite Coronavirus-Welle in Indien diesen Frühling mit sich brachte.
Yadav Chavan, 70, lebt in einem abgelegenen Dorf im Bezirk Osmanabad, Indien. Wie Millionen andere wurden er und seine Familie mit dem Coronavirus infiziert und leiden noch immer unter den Folgen. Mit dem Nothilfeprojekt in Indien versucht SWISSAID, die Lebensbedingungen der verzweifelten Einwohner zu verbessern.
Ein herzliches DANKE für 90'000 Franken
Berührt vom Schicksal von Millionen von Menschen, haben unsere Spenderinnen und Spender im April und Mai ihre Unterstützung gezeigt.
Dank Ihrer Spenden konnten wir ein Nothilfeprojekt zur Unterstützung der Menschen in unseren Einsatzgebieten starten. Dieses wurde auch von der Glückskette unterstützt.
Damit konnten wir rund die Hälfte der Bevölkerung in 140 Dorfgemeinschaften in den Bezirken Osmanabad und Gadchiroli unterstützen. In diesen abgelegenen Gebieten kam es zu Covid-Ausbrüchen aber es gab für die Menschen keine Versorgungsmöglichkeiten. Dank den Spenden konnten wir die Bevölkerung sensibilisieren – mit Broschüren, Plakaten und Informationsanlässen über Hygienemassnahmen und sie über die Impfungen aufklären.
Das war wichtig, denn «es kursieren viele falsche Vorstellungen über das Virus und den Impfstoff», so Sneha Giridhari, Mitarbeiterin von SWISSAID in Indien. Zum Beispiel zirkulierte das Gerücht, dass ein Krankenhausaufenthalt dem Tod gleichkomme, wogegen die Behandlung zu Hause Heilung verspreche. Auch kursierte das Gerücht, dass der Impfstoff Lähmungen, Diabetes und Bluthochdruck verursache. Die fortlaufende Sensibilisierungsarbeit trug jedoch zu einer Verbesserung der Situation bei. Insgesamt wurden dank der Massnahmen etwa 6400 Menschen geimpft.
Menschen wie Yadav, die infolge der Folgen von Corona nicht mehr in der Lage waren, wieder zu arbeiten, wurden medizinisch unterstützt und mit Essen, Medikamenten und anderen dringenden Hilfsmitteln unterstützt. Yadav und seine Familie erhielten ausserdem 5000 Rupien, um die Zeit der Genesung zu überstehen.
Weiter konnten auch die Pflegekräfte an vorderster Front besonders unterstützt werden. Sie wurden mit Schutzausrüstung mit Handschuhen, Masken, Desinfektionsmittel und berührungslosen Thermometern ausgestattet. Rund 80 Prozent der Pflegekräfte wurden darin geschult, wie neue Symptome zu behandeln sind, wie der Gesundheitszustand der Patienten überwacht wird und wie Notfälle zu bewältigen sind. Ein mit Sauerstoff ausgestatteter Krankenwagen wurde für drei Monate zur Verfügung gestellt, um schwere Fälle ins Krankenhaus zu transportieren.