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PISA Bericht 2018 Schweiz
Worum geht es?
Am 3.12.2019 ist der Bericht zum Abschneiden der Schweiz in der PISA-Untersuchung 2018 publiziert worden. In Kapitel 5 wird über Ergebnisse im Zusammenhang mit digitalen Medien berichtet. Unter anderem ist dort zu lesen, dass Schülerinnen und Schüler, die Computer im Unterricht nutzen, schlechtere Leistungen gezeigt hätten im PISA-Test 2018 als Schülerinn und Schüler, bei denen keine Computer zum Einsatz gekommen sind.
Das Kapitel muss mit Vorsicht gelesen werden
Das Kapitel 5 des Berichts muss mit Vorsicht gelesen werden. Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass vor der Publikation die für eine Publikation dieser Bedeutung notwendige Qualitätssicherung nicht betrieben wurde.
- Unprofessionelle Übersetzung ins Deutsche aus dem italienischen Original
- In der Zeitdimension rückwärts gerichtete Kausalitäten
- Zweifelhafte Zahlen zur Computerausstattung in der Schweiz und Deutschland
- ...
Unprofessionelle Übersetzung ins Deutsche aus dem italienischen Original
Das Kapitel 5 wurde ursprünglich auf italienisch verfasst und anschliessend auf deutsch übersetzt. Danach hat kein genügendes Lektorat durch eine fachlich kompetente Person stattgefunden. Das Kapitel hat mindestens drei Sprachprobleme:
- Das Modul "Medien und Informatik" des Lehrplans 21 wird fälschlicherweise als "Medien und Informationstechnologie" bezeichnet.
- In allen Grafiken wird Mathematik ohne h geschrieben.
- Im Literaturverzeichnis wurden die Titel aller Publikationen auf Deutsch übersetzt (ein absolut unübliches Verfahren, welches das Auffinden der Originalliteratur unnötig erschwert).
In der Zeitdimension rückwärts gerichtete Kausalitäten
Auf Seite 40 wird argumentiert, in den Gymnasien sei ein stärkerer Fokus auf ICT als in der Volksschule. Das zeige sich daran, dass auf das Jahr 2022/23 das Fach Informatik obligatorisch eingeführt werde:
Rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler, die an der PISA-Studie 2018 in der Schweiz
teilgenommen haben, besuchten jedoch bereits die Sekundarstufe II. Obwohl die Pflichtschule und damit der
Einfluss des dort gültigen Lehrplans für diese Schülerinnen und Schüler nur einen kurzen Zeitraum zurückliegt,
ist dieser Aspekt nicht zu vernachlässigen. Vor allem auch deswegen, weil in der Sekundarstufe II ein stärkerer
Fokus auf ICT liegt. Dies wird durch die jüngsten Gesetzesänderungen für die Gymnasien deutlich, denen
zufolge das Fach Informatik bis zum Schuljahr 2022/23 als Pflichtfach eingeführt werden muss (Bundesrat &
Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement, Bildung und Forschung, 2018).
Dass auf der Volksschulstufe in allen drei Sprachregionen im Jahr 2018 ICT bereits verbindlich erwähnt ist, in Gymnasien das Fach Informatik aber erst auf das Jahr 2022/23 obligatorisch eingeführt wird, lässt aber mindestens genau so gut die gegenteilige Einschätzung zu, Gymnasien seien im Vergleich zur Volksschule spät dran mit der Integrationen des Digitalen als Unterrichtsthema.
Zweifelhafte Zahlen zur Computerausstattung in der Schweiz und Deutschland
Auf Seite 43 des Berichts steht:
Im Vergleich zu den anderen Referenzländern ist die Anzahl an verfügbaren Computern pro Schülerin
und Schüler in der Schweiz ähnlich wie in Deutschland (M = 0.80, SD = 1.60), Frankreich (M = 0.83, SD
= 0.68) und Belgien (M = 1.09, SD = 0.95), während in Österreich, Luxemburg und Kanada jeweils
mehr als ein Computer pro Schülerin und Schüler zur Verfügung steht (M = 1.40, 1.57, 1.58, SD =
1.23, 2.91, 1.54). Im Gegensatz dazu ist in Italien und Finnland das Verhältnis zwischen Computern
und Schülerinnen bzw. Schülern geringer. Dies bedeutet, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler
Zugang zu einem Computer haben (M = 0.64 und 0.66, SD = 0.70 und 0.52). Auch in den
Referenzländern sind fast alle Computer mit dem Internet verbunden (Mindestquote in Deutschland
mit M = 0.95, SD = 0.15 und Höchstquote in Kanada mit M = 0.99, SD = 0.04).
Diese Zahlen sind absolut unerklärlich:
Weder kommen bei Schweizer 15-Jährigen auf fünf SchülerInnen vier Computer, noch verfügen Österreich, Luxemburg und Kanada in dieser Altersstufe in der Schule über eine flächendeckende 1:1-Ausstattung (oder gar mehr!).
-- BeatDoebeli
- 04 Dec 2019