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La version reproduite ici, passablement écourtée, a été élaborée pour la Journée européenne du Patrimoine 2000. Quelques photos proviennent du premier relevé de 1982 et de la deuxième édition de l'année 1993.
Ein geschichtsträchtiger Ort in geschichtsträchtiger Landschaft
In der Drei-Seen-Region liegt Murten unweit des alten Zentrums der Helvetier auf dem Mont-Vully und in unmittelbarer Nähe der römischen Kolonie Aventicum. Hier, am Rand des Broyetals und des Grossen Mooses, verlief seit der Antike die wichtige Alpentransversale über den Grossen Sankt Bernhard in Richtung Rhein. Murten wurde 515 erstmals als "Muratum" urkundlich erwähnt als es nur aus einem Gehöft bestand. Bis zur Jahrtausendwende entwickelte es sich zur befestigten Ufersiedlung. Dieses "castrum Murat" lag im Bereich des heutigen Ortsteils "Ryf" (> 2), dessen Name vom lateinischen "ripa", bzw. vom französischen "rive", herrührt.
Zwischen 1179 und 1191 gründeten die Herzöge von Zähringen die Stadt auf dem Hügel über dem Seeufer (> 1). Diese bestand aus den vier zentralen Gevierten der heutigen Altstadt. Wenig später, nachdem der letzte Zähringer im Jahr 1218 gestorben war, wurde sie um die äusseren Längsgassen sowie um das Schloss erweitert und 1238 mit einer Ringmauer umschlossen. Die Stadtmauer reichte bis an den See und schützte auch die Ufersiedlung Ryf. Die ursprünglichen Holzhäuser gingen beim Stadtbrand von 1416 in Flammen auf. Beim Wiederaufbau waren an der Hauptgasse Steinbauten und Lauben vorgeschrieben. 1475 eroberten Bern und Freiburg die savoyische Kleinstadt und machten sie nach der Schlacht bei Murten im Jahr 1476 zusammen mit der umliegenden Herrschaft zur Gemeinen Herrschaft.
Stadtausbau im 17. und 18. Jahrhundert
Mit der Reformation wuchs der Einfluss Berns auf Kosten Freiburgs. Nach 1530 wurde Deutsch zur dominierenden Sprache; der Ort hatte bis ins 13. Jahrhundert im französischen Sprachgebiet gelegen und anschliessend eine zweisprachige Verwaltung erhalten. Als Marktflecken war Murten von Bedeutung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe und als Seeort wichtig für den Warenumschlag. Die auf Schiffen ankommenden Güter - vor allem Weinfässer aus dem Welschland - wurden auf dem Landweg nach Bern weitergeführt. Im 17. und 18. Jahrhundert erlebte das Städtchen eine Blüte. Die meisten Häuserfronten in den Gassen der Altstadt stammen aus jener Zeit, ebenso wichtige Einzelbauten, wie die Deutsche Kirche, die beiden Pfarrhäuser, das Berntor und die Altstadtbrunnen. Auch die Schiffer-, Fischer- und Lagerhäuser am Ryf erhielten weitgehend ihr heutiges Aussehen. Und ausserhalb der Ringmauern entstanden Gutshöfe (> 0.0.78) sowie ein herrschaftlicher Landsitz (> 0.7.39).
Entwicklung und Stagnation im 19. Jahrhundert
1798 marschierten französische Truppen ein und setzen der alten feudalen Ordnung ein Ende. Die Stadt kam zunächst an den helvetischen Kanton Saane und Broye, dann 1803 - gegen den Willen der reformierten, deutschsprachigen Bevölkerung - an den Kanton Freiburg und wurde Hauptort des neugeschaffenen Seebezirks. Die Umwälzungen gaben der Stadtentwicklung Impulse. Nachdem zwischen 1803 und 1805 das Avenches- und das Ryftor abgetragen waren, wurden 1803 und 1834 zwei Friedhöfe angelegt, 1807 das Waisenhaus gegenüber dem Schlosseingang eröffnet, 1816/23 das Rathaus umgebaut und mit einem Glockentürmchen versehen (> 1.0.3) sowie 1839 das mächtige Schulhaus vollendet (> 0.0.40).
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kam Murten verkehrsmässig ins Abseits. Die Bevölkerung, die sich zwischen 1811 und 1850 von 1012 auf 1957 fast verdoppelt hatte, wuchs in der zweiten Jahrhunderthälfte lediglich auf 2509 Einwohner an.
Die neuen Verkehrsverbindungen zu Schiene und Strasse führten über Freiburg und Romont sowie entlang des Jurasüdfusses über Neuenburg und Yverdon. Die Eisenbahnlinien im Broyetal (Lyss-Murten-Payerne-Lausanne) von 1876, oder nach Freiburg im Jahr 1898 und Ins im Jahr 1903 machten Murten zum Kreuzungspunkt im regionalen Schienennetz, blieben jedoch ohne grosse Bedeutung für den Ort. Eine 1852 gegründete Uhrenfabrik verlegte ihren Betrieb bereits 1859 ins benachbarte Muntelier. Von den für die Uhren-Arbeiterfamilien erstellten vier Mietshäusern, stehen heute noch zwei, als aussergewöhnlich frühe Zeugen des kommunalen Wohnungsbaus (> 4.1).
Die Erstausgabe der Siegfriedkarte zeigt ausserhalb der Altstadt und von Ryf erst wenige Bauten, darunter das Schulhaus, die Villa Beaulieu, der Landsitz Scheuerngut und die Uhrenarbeitersiedlung. Die zwei Jahre später eröffnete Bahnlinie ist - ohne den Bahnhof - bereits eingezeichnet. Noch nicht ablesbar sind die Folgen der Juragewässerkorrektion in den Jahren 1868 bis 89; sie senkte den Seespiegel ab und lies einen breiteren Uferstreifen entstehen (> IV).
Vom Landstädtchen zum regionalen Zentrum
Eine Wachstumsphase kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert brachte dem Ort wichtige Einzelbauten wie die katholische Kirche samt Pfarrhaus (> 0.0.46), die Turnhalle (> 6.0.24) und eine kleine Uhrenfabrik (> 6.0.25), vor allem aber zwei neue Wohnquartiere. Hierhin zog aus der überbevölkerten Altstadt, wer es sich leisten konnte. Das sogenannte Neuquartier (> 4) übernahm im Bebauungsplan von 1893 die Raster der Uhrenarbeitersiedlung und der Bahnhofachse. In der Längmatt (> 5) auf der anderen Seite der Stadt entstanden gemäss Bebauungsplan von 1906 grosse Wohnhäuser und an der Hangkante mit Seesicht eine Reihe vornehmer Villen (> 5.4). Ebenfalls um die Jahrhundertwende wurde der Bahnhofplatz ausgebaut (> 3).
Ein Projekt von 1919, das den Bahnhof durch ein Geleise mit dem Hafen verbinden sollte, wurde genausowenig realisiert wie der geplante Abbruch der mittelalterlichen Ringmauer. Im Gegenteil: Die alte Stadtbefestigung wurde 1908/12 unter Denkmalschutz gestellt - eine Pioniertat moderner Denkmalpflege.
Am Bahnhofplatz und auf der Rotmatte liessen sich gemäss Bebauungsplan von 1917 bald die ersten grösseren Industriebetriebe nieder und in den folgenden Jahrzehnten verdichtete sich hier die Bebauung zum grossflächigen Industriequartier (> 7). Die Wohnquartiere vergrösserten sich. Besonders beliebt war bis 1960 der Chaletbau. Der Fremdenverkehr entwickelte sich zur festen Einnahmequelle.
In der Hochkonjunktur der Sechzigerjahre wurde die unmittelbare und weitere Nachbarschaft der Altstadt in ungeordneter Weise mit Einfamilienhäusern, Wohnblöcken, Lagerhäusern, Autogaragen und Einkaufszentren überstellt. Die 1963 eröffnete Umfahrungsstrasse verstärkte die Zersiedlung des umliegenden Kulturlands. Mit dem Bau der N 1 rückte Murten näher an die Agglomeration Bern. In den Jahren 1975 und 1990 schlossen sich die kleinen Bauerndörfer Burg und Altavilla der Stadtgemeinde an. Im Europäischen Jahr für Denkmalpflege und Heimatschutz 1975 war Murten zu einem der vier schweizerischen Pilotprojekte ausgewählt worden.
Die heutige Altstadt, Musterbeispiel einer Zähringerstadt (> Plan:1)
Durch ihre einfache, strenge Anlage und ihre Geschlossenheit hebt sich die mittelalterlich, ummauerte Altstadt von den übrigen Siedlungsteilen ab. Mit den Hofstätten von 60 mal 100 Fuss, dem Gassenmarkt, der Kreuzgasse sowie der Seitenstellung von Rathaus und Kirchen ist sie das Musterbeispiel einer Zähringergründung. Doch im Gegensatz zu den Zähringerstädten Bern und Freiburg dominiert hier kein Sakralbau das Stadtbild, sondern das später unter den Savoyern erbaute Feudalschloss (> 1.0.2). In Anlage und Befestigungswerk hat die Altstadt ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt, im Gassenbild hingegen zeigt sich (ausser an wenigen spätgotischen Hausfassaden) das 17. und 18. Jahrhundert, in einigen Fassaden an der Rathaus- und Schlossgasse ist das 19. und frühe 20. Jahrhundert präsent. Nicht zuletzt wegen der Lauben an der breiten Hauptachse gemahnen die Gassen an die Stadt Bern, auch wenn hier verputzte Fassaden und Fensterrahmen aus gelblichem Neuenburgstein vorherrschen.
Die Lauben verweisen die grossflächigen Schaufensterbauten im Erdgeschoss in eine rückliegende Flucht, der einstige Stadtgraben verhilft der mittelalterlichen Stadtmauer mit ihren Türmen zu Geltung.
Er beeindruckt durch teilweise terrassierte und von mehreren Mäuerchen durchzogene Gärten im Süden (> II), als baumbestandene Zufahrtsrampe im Westen (> III) oder als prägnanter Platzraum im Osten (> I). Der weiträumige, gegen den See hin offene Platzraum vor dem Berntor erinnert mit der Villa Sonnegg (> 0.0.41) an den Historismus, der ehemalige Friedhof mit alter Umfassungsmauer und schattigen Bäumen (> 0.0.42) an den früheren Stadtgraben.
Ufersiedlung "Ryf" am See (> Plan: 2)
Die kompakte und mehrfach leicht geschwungene Zeile von zwei- bis viergeschossigen Häusern mit Lagerräumen im Erdgeschoss ist aussergewöhnlich homogen, räumlich prägnant und intakt. Hingegen hat sich die im Osten anschliessende Lager- und Gewerbehauszeile (> 0.5) zusammen mit der gegenüberliegenden Strassenbebauung zu einem Auto-Gewerbe-Quartier gewandelt. Erst der anschliessende Strandboden - er ist eine Folge der Juragewässerkorrektion und teilweise durch Aufschüttungen verbreitert - wirkt trotz punktueller Überbauung (> 0.0.54) wieder als durchgehend grüner, mehrheitlich öffentlich genutzter Grünbereich (> IV).
Quartiere des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts (> Plan: 3 bis 7)
An den ehemaligen Stadtgraben schliessen in loser Folge mehrere Quartiere an. Das Neu- und das Längmattquartier (> 4, 5) lassen wegen der regelmässigen Anlage und der homogenen Parzellenbebauung deutlich ihren Ursprung als geplante Erweiterungen erkennen. Sie heben sich von den jüngeren Wohnquartieren ab und verraten mit den architektonisch besonders wertvollen Villengruppen, umzäunten Gärten und Pärken die für den Mittelstand adaptierten Ideen der Gartenstadtbewegung (> 4.2, 5.4).
Im Südosten des weiträumigen Platzes (> 3) stehen der schmucke spätklassizistische Bahnhof und der langgestreckte Güterschuppen (> 3.0.10, 3.0.11). Die Westseite gegenüber dominiert das Saia-Fabrikgebäude mit seiner elegant geschwungenen Fassade (> 3.0.15); es wird am Rand durch mehrere Landwirtschaftsdepots und zwei hochragende Silos abgeschlossen.
Im Industriequartier jenseits der Bahngeleise (> 7) stehen einige in den 1910er-Jahren begonnene Fabrikkomplexe, beidseits flankiert von Wohnhausreihen (> 7.0.30, 7.0.35). Die östliche dieser Wohnachsen besteht aus sehr einheitlichen Bauten (> 7.0.35), denn die lokale Grosssägerei (> 0.0.71) erstellte hier ab 1934 eine grössere Anzahl von Chalets.
In Nutzung und Entstehungszeit stark gemischte Bauten haben die beiden Vorstadtensembles (> 6 und 0.6) im Osten der historischen Stadt. Ihre Bedeutung liegt vorab in ihrer Lage unmittelbar am Grüngürtel um das mittelalterliche Städtchen. Der anschliessende Park der Villa Beaulieu (> V) fungiert als "Pufferzone" zu den neueren Quartieren. Die Villa selber ist als romantisches, allerdings purifiziertes Werk der Neugotik ein frühes Beispiel für einen herrschaftlichen Wohnsitz ausserhalb der Stadtmauern (> 0.0.61).
Zersiedelte Umgebungen
Die nähere Landschaft um das Städtchen zeigt die Folgen der Boden- und Bauspekulation seit der Hochkonjunktur der Sechzigerjahre. Ein ungeordnetes Geflecht von Einfamilienhäusern, Wohnblöcken, Fabriken, Garagen, Geschäftshäusern und Umfahrungsstrassen legt sich um die historische Siedlung. Das äussere Ortsbild hat sich dadurch in den vergangenen dreissig Jahren völlig verändert.
Insbesondere im Süden stossen die neuen Überbauungen immer weiter ins umliegende Kulturland vor und verunklären langsam den traditionellen Bezug von kompakter Stadt zu umliegendem Agrarland. Besonders gravierend sind die chaotisch überbauten Hänge für den prächtigen Kranz alter Gutshöfe, der seit Jahrhunderten die Stadt umschliesst (> 0.0.78).
Vergleichsweise unangetastet zeigt sich das äussere Ortsbild nur noch vom See her. Von hier aus scheint selbst der Ortshintergrund mit seinen beiden seitlichen Hügeln, dem Aderahubel und dem Bois Domingue, relativ unverbaut (> VIII), vom Mont-Vully aus hingegen konkurrenzieren die grossen Mehrfamilienhaussiedlungen am Hinterhang die historische Bebauung.
Wir empfehlen
Wir bewerten
**/ Lagequalitäten
*** Räumliche Qualitäten
*** Architekturhistorische Qualitäten
Besondere Lagequalitäten hat das historische Murten durch die leicht erhöhte Situation über dem Ufer des Sees und die Ufersiedlung Ryf durch den engen Bezug zum Wasser. Die geschlossene Silhouette wirkt auch landeinwärts dank der selten gut erhaltenen turmbewehrten Ringmauer und dem distanzhaltenden ehemaligen Stadtgraben. Die ursprünglich enge Verknüpfung mit dem umliegenden Kulturland oder, mit den charakteristischen Hügeln und dem Kranz alter Gutshöfe ist heute etwas beeinträchtigt.
Die hohe räumlichen Qualitäten der Altstadt rühren von der klaren orthogonalen Anlagestruktur. Reizvoll ist der mit öffentlichen Bauten durchsetzte Grünring rund um die Stadtmauer. Dazu kommen die gartenreichen, wohnlichen Strassenzüge der beiden in der Jahrhundertwende geplanten Wohnquartiere, im Gegensatz zu der strengen, baulichen Ordnung in der Ufersiedlung Ryf.
Die besonderen architekturhistorischen Qualitäten beruhen auf der Bedeutung von Murten als typische Gründungsstadt der Zähringer, als Kleinstadt mit lehrbuchhafter Ablesbarkeit der späteren Entwicklungsphasen. Diese belegen wertvolle Einzelbauten aus allen Epochen; vom mittelalterlichen Schloss bis zum modernen Fabrikbau.
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