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TCS MyMed
Autore: Mediscope
Werden durch den Konsum von Alkohol deutlich sichtbare Veränderungen der psychischen und/oder physischen Reaktionen bewirkt, spricht man von Missbrauch.
Wird aus dem Missbrauch ein zwanghaftes Bedürfnis und das Angewiesensein auf bestimmte Substanzen, spricht man von Sucht.
Der Begriff "Sucht" wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch den Begriff der "Abhängigkeit" ersetzt. Es ist zu unterscheiden zwischen psychischer Abhängigkeit, d.h. das übermächtige und unwiderstehliche Verlangen, eine bestimmte Substanz wieder einzunehmen, und körperlicher Abhängigkeit, die durch Dosissteigerung und das Auftreten von Entzugserscheinungen gekennzeichnet ist.
Der Übergang von der psychischen zur physischen (körperlichen) Abhängigkeit ist fliessend. Wird die regelmässige Alkoholzufuhr plötzlich unterbrochen (z. B. durch einen Krankenhausaufenthalt), kommt es zu typischen Entzugssymptomen wie Unruhe, Tremor, Übelkeit und Erbrechen. In schlimmen Fällen kann es auch zu schweren Krampfanfällen und schliesslich zum Alkoholdelir (Delirium tremens) kommen, das sich neben Tremor und Übelkeit in Halluzinationen, Muskelzuckungen und Krämpfen bis hin zum Koma äussern kann.
Alkoholiker sind exzessive Trinker, deren Abhängigkeit vom Alkohol einen solchen Grad erreicht hat, dass sie deutliche (geistige) Störungen und Konflikte in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit aufweisen.
Sie haben Probleme in ihren mitmenschlichen Beziehungen und ihren sozialen und wirtschaftlichen Funktionen; oder sie zeigen Prodome (Vorläufer) einer solchen Entwicklung.
Grundsätzlich schädigt Alkohol in genügend hoher Konzentration jede Körperzelle, weil er den Zellen Wasser entzieht. Es kann hier nur auf die gravierendsten Schäden eingegangen werden.
Bei jedem Rausch sterben Gehirnzellen ab. Bei ständigem Konsum kommt es zu einer allmählichen Schrumpfung des Gehirns (Atrophie). Dies bleibt lange Zeit ohne Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit, da wir ca. 100 Milliarden Hirnzellen haben. Die Aufgaben der abgestorbenen Zellen werden von "Reservezellen" übernommen, die diese Aufgaben jedoch erst "lernen" müssen. Der Vorrat an Reservezellen wird durch Alkoholtrinken systematisch verringert. Hirnschäden durch Alkohol sind die häufigsten und bedeutendsten, sie sind viel ernster zu nehmen als z.B. Leberschäden.
Schon 1 Liter Bier pro Tag erhöht das Risiko für Krebs der Mundschleimhaut, Kehlkopfkrebs und Speiseröhrenkrebs, insbesondere in Verbindung mit Rauchen.
Entgegen weitläufiger Meinung, Alkohol reduziere das Infarkt-Risiko, begünstigen schon relativ geringe Mengen Alkohol bei täglichem Konsum die Entwicklung eines hohen Blutdruckes. Erhöhter Blutdruck ist wiederum ist ein Risikofaktor für Schlaganfälle. Ausserdem erhöht Alkohol die Blutfette (sog. Triglyzeride) und führt wegen des hohen Kaloriengehaltes zu Übergewicht.
Besonders bei regelmässig Trinkenden und bei Alkoholabhängigen besteht fast immer eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis), die zu Magenblutungen führen kann mit "kaffeesatzartigem" Erbrechen oder Erbrechen von hellrotem Blut aus alkoholbedingten Krampfadern der Speiseröhre. Magengeschwüre sind nicht selten durch die Wechselwirkung Alkohol-Stress-Alkohol. Schmerzmittel wie "Aspirin" oder "Alka Seltzer" erhöhen das Risiko noch zusätzlich.
Folgen des langjährigen Alkoholkonsums sind Bauchspeicheldrüsenentzündung, Störung der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse (Diabetes entsteht) und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Die Leber ist das chemische Labor unseres Körpers. Sie muss Giftstoffe und sog. "harnpflichtige Stoffe" umwandeln und abbauen. Wird ihre Leistungskapazität ständig überschritten verlaufen die Schäden über folgende drei Stadien:
Fett als Abbauprodukt des Alkohols kann nicht mehr vollständig abtransportiert werden und wird zwischen den Leberzellen eingebaut. Das Volumen der Leber kann sich verdoppeln. Da die Leber keine Schmerzzellen hat, bleibt dies oft unbemerkt, kann aber an den erhöhten Gamma-GT-Werten erkannt werden (normal ggt 8-28, erhöht über 30 bis über 100-200), der Arzt kann die Vergrösserung ertasten. Bei Abstinenz bildet sich die Fettleber vollständig zurück.
Es besteht eine grosse Bandbreite von relativer Beschwerdelosigkeit über Gelbsucht (Hepatitis) bis zum lebensbedrohlichen Leberversagen durch das giftige Abbau-Zwischenprodukt Acetaldehyd. Leberzellen sterben ab und werden nicht wieder ersetzt. Anstieg mehrerer Leberwerte (sog. Transaminasen). Bei Abstinenz Stillstand, jedoch keine vollständige Heilung.
Durch Weitertrinken entwickelt sich aus einer Leberentzündung eine Leberzirrhose (Leberschrumpfung) mit massiven Absterben von Leberzellen und Ersatz durch hartes Narbengewebe, Leberschrumpfung. Weitere Folgen: Krampfader-Bildung in der Speiseröhre (Blutsturz beim Aufplatzen), Wasserstau, dadurch Entwicklung eines "Wasserbauches", Selbstvergiftung des Körpers durch Ammoniak im Blut, qualvoller Tod. Einzige Überlebenschance: Strikte Abstinenz! (ca. 18'000 Tote jährlich durch Zirrhose!)
Als Zellgift schädigt Alkohol direkt das Nervenmark. Durch den bei Abhängigen häufigen Vitamin-B-Mangel kommt es ausserdem zu Schädigungen der Nervenscheide. Folge: Polyneuropathie, Schmerzen in den Beinen und Oberarmen, Wadenkrämpfe, Kribbeln oder Ausfall des Hautgefühls, Unsicherheit beim Gehen, Lähmungserscheinungen. Diese Schäden können sich bei Abstinenz erst nach vielen Monaten zurückbilden. Einzige Therapie: Gabe von Vitamin-B-Präparaten.
Auch Lunge, Darm, Haut, Knochen und Gelenke werden geschädigt.
Die Therapie muss individuell an den Alkoholkranken angepasst werden. Den Rahmen bildet ein mehrphasiges Modell:
Meist wendet sich der hilfesuchende Patient an einen niedergelassenen Arzt oder an eine Beratungsstelle. Die Situation des Patienten, seine Einsicht und Motivation zum Alkoholentzug werden abgeklärt. Die erfolgreiche Therapie setzt voraus, dass der Alkoholabhängige selbst gesund werden will. Weiter muss abgewogen werden, ob mit Entzugserscheinungen zu rechnen ist und ob die Behandlung stationär oder ambulant durchgeführt werden soll.
Unter ärztlicher Kontrolle (zumeist stationär) wird beim Vorliegen einer körperlichen Abhängigkeit innerhalb von etwa 10 Tagen eine Entgiftung durchgeführt. Oft ist eine medikamentöse Unterstützung dafür notwendig.
Um die Gefahr von Rückfällen (rund 50% werden innerhalb der ersten 3 Monate rückfällig) zu verringern, wird die Therapie in den ersten Monaten teilweise auch medikamentös unterstützt. Dabei wird vor allem der Wirkstoff Acamprosat eingesetzt, der das Verlangen nach Alkohol unterdrücken soll.
Die stationäre bzw. ambulante Entwöhnung umfasst auch eine Beschäftigungstherapie und soziale Betreuung. Zudem leisten Psychologen in Einzel- und Gruppengesprächen Aufklärungsarbeit, um den Patienten zu helfen trocken" zu bleiben. Wichtig ist ebenso das Miteinbeziehen der Familienangehörigen.
Langfristig kommen alkoholabhängige Menschen aber nicht darum herum, die persönlichen Probleme anzugehen, die zu ihrer Alkoholabhängigkeit geführt haben. Bis das wirklich geschafft ist, können Jahre vergehen.
Nach der Entwöhnungsphase wird meist eine gewisse Stabilität erreicht. Der Patient ist überzeugt, abstinent bleiben zu können. Zurück in der vertrauten Umgebung wird er aber oft von den Problemen eingeholt, die zur Alkoholsucht geführt haben. Langfristig kommen alkoholabhängige Menschen nicht darum herum, diese Probleme anzugehen. Bis das wirklich geschafft ist, können Jahre vergehen. Oft bedarf es eines lebenslangen Engagements.
In der Allgemeinbevölkerung werden die Erfolge einer Alkoholikerbehandlung meistens als sehr gering angenommen. Wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen, aber positiveren Ergebnissen. Nach einer abgeschlossenen Alkoholtherapie (Entwöhnung) sind ein halbes Jahr später noch ca. 65% trocken, nach 1 1/2 Jahren leben noch ca. 50 bis 60% alkoholabstinent.
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