Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/105548

<h2>SubmittedText<h2><p>Die erneuerte Autobahn A1 im Kanton Aargau weist bereits nach wenigen Jahren erhebliche Schäden auf und muss aus Sicherheitsgründen in Kürze wieder erneuert werden. In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen:</p><p>1. Aufgrund von welchen Erkenntnissen, Studien oder Erfahrungen ist bei der genannten Erneuerung die Variante "Flüsterbelag" (offenporiger, lärmoptimierter Bitumenbelag) gewählt worden?</p><p>2. Welche Konsequenzen werden beim Astra aus dieser Fehlleistung gezogen?</p><p>3. Wer war für diese Variantenwahl verantwortlich?</p><p>4. Wie viel kostet diese erneute Reparatur? </p><p>Erneuerungs- und Unterhaltsinvestitionen auf nationalen Verkehrsrouten stehen im Fokus der Öffentlichkeit und haben hohen Anforderungen zu genügen. Bauarbeiten auf diesen Verkehrsträgern stellen immer wieder Verkehrsbehinderungen und Unfallgefahren dar. Aus diesen Gründen müssen die eingesetzten Mittel für bewährte und möglichst langlebige Techniken und Produkte verwendet werden, dies nicht zuletzt aus Gründen des Ansehens der Tief- und Strassenbaubranche.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Es trifft zu, dass das Ende der Lebensdauer des Deckbelags im Abschnitt Rothrist-Lenzburg der A1 im Kanton Aargau bereits erreicht ist. Die Porenasphalte - auch Drain- oder "Flüsterbelag" genannt - haben nach heutiger Erfahrung eine Lebensdauer von rund sieben bis zwölf Jahren. Die letzten beiden Winter haben dem Porenasphalt zudem überdurchschnittlich stark zugesetzt. So mussten aufgrund der Schäden aus Sicherheitsgründen zeitweise einzelne Fahrstreifen für den Verkehr gesperrt werden. Diese Schäden wurden im Rahmen von Sofortmassnahmen provisorisch behoben.</p><p>Zu den Fragen im Einzelnen:</p><p>1. Variantenwahl</p><p>Bei der Ausarbeitung des Ausführungsprojekts für den Lärmschutz lagen erst wenige Erfahrungen mit Porenasphalt auf hochbelasteten Strecken vor. Umwelt- und sicherheitstechnische Vorteile eines porösen Belags gaben den Ausschlag für den Einbau: Durch die Lärmbekämpfung an der Quelle konnte über weite Strecken auf Lärmschutzwände, Lärmschutzdämme oder auch Geschwindigkeitsreduktionen verzichtet werden. Allerdings ist dieser Belag im Winterdienst anfälliger auf Schneeglätte und erfordert deutlich grössere Streusalzmengen als ein geschlossenporiger Belag. Die seinerzeitigen Aussagen über die Lebensdauer waren unterschiedlich. Man setzte für einen Porenasphalt im Mittel sieben bis zwölf Jahre an, im Vergleich zu rund 20 Jahren für einen konventionellen, geschlossenporigen Deckbelag. Dieser Wert hat sich inzwischen in etwa bestätigt. Je nach Rezeptur der Porenasphalt-Beläge überdauerten diese zwischen fünf und zwölf Jahre. Internationale Erfahrungen (z. B. aus den Niederlanden) belegen eine Lebensdauer von sieben Jahren. Durch die Optimierung von Belagsrezepturen und Einbauverfahren ist anzustreben, dass sich diese Lebensdauer verlängert.</p><p>2. Konsequenzen</p><p>Aufgrund der inzwischen vorliegenden Erfahrungen über die gesamte Lebensdauer der Porenasphalt-Deckschichten nimmt das Bundesamt für Strassen (Astra) heute schweizweit als lärmmindernden Belag grundsätzlich einen geschlossenporigen, feinkörnigen Belag in seine Projekte auf. Er weist gegenüber einem Porenasphalt bezüglich Lärm nur leicht ungünstigere Eigenschaften auf. Er ist damit lärmtechnisch der zweitbeste gegenwärtig verfügbare Belagstyp und hat zudem eine vergleichsweise lange durchschnittliche Lebensdauer von ungefähr 20 Jahren.</p><p>Bei Lärmschutzprojekten auf Nationalstrassen sind stets Güterabwägungen zu treffen zwischen Verkehrsfluss, Verfügbarkeit, Verkehrssicherheit und Wirtschaftlichkeit auf der einen und Schutz der betroffenen Bevölkerung auf der anderen Seite. Der Bundesrat stimmt dem Interpellanten zu, dass die begrenzten finanziellen Mittel für die Nationalstrassen für Systeme eingesetzt werden sollten, welche die Schutzansprüche der Bevölkerung so weit wie möglich sicherstellen und deren Unterhalt gleichzeitig möglichst wenig Verkehrsbehinderungen während der Lebensdauer verursacht.</p><p>3. Frühere Verantwortlichkeiten</p><p>Das Projekt im Kanton Aargau wurde in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Rollenteilung entwickelt: Werkeigentümer und Bauherr war der Kanton, die Oberaufsicht erfolgte durch das Astra.</p><p>4. Kosten</p><p>Für die Sofortmassnahmen zwischen Dezember 2009 und März 2010 fielen Kosten von rund 250 000 Franken an. Der geplante Deckbelagsersatz auf der 13-Kilometer-Streckenlänge zwischen Rothrist und Lenzburg, der zwischen Mai und Oktober 2010 in sechs Etappen erfolgen wird, ist auf rund 12 Millionen Franken veranschlagt.</p>  Antwort des Bundesrates.