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Weitere Luftaufnahmen von Ortenstein
Am Eingang des Domleschg sieht man am Rande der alten Strasse, die von Rothenbrunnen zu Tumegl führte, die Festung von Ortenstein. Obwohl moderne Terrassen und Gärten den Standort von früher stark verändert haben, erkennt man noch ohne Mühe die ursprüngliche Position des Schlosses auf einer charakteristischen Spore. Vor allem im Westen wird die die Fläche des Schlosses durch eine schroffe felsige Wand abgegrenzt. Hier erkennt man, dass dieser Gebäudekomplex ein Verteidigungswerk darstellte, das kühn an einer fast unzugänglichen Stelle gebaut wurde. Der südlich angelegte Platz, der heute auch von Gärten ziemlich neueren Datums besetzt ist, dehnt sich bis zur Nordflanke einer Hügelkette aus, deren Höhepunkt durch die Kirche Sogn Luregn (Heiliger Laurent) markiert wird. Die Existenz einer Zitadellen-Kirche, die auf diesem Gipfel am Anfang des Mittelalters aufgerichtet wurde, ist von Ausgrabungen bestätigt worden.
Moderne Renovationen haben dem Schloss von Ortenstein seinen mittelalterlichen Charakters genommen. Doch erkennt man klar die Hauptelemente des Originalwerkes: am Ende der Spore das Hauptschloss mit seinem Wachtturm im Zentrum, sowie der Graben, der die Festung an der Südseite schützte und sie vom Vorschloss trennte. Wahrscheinlich wurde dies nur wenig verstärkt und befand sich an der Stelle, an der heute die Gärten liegen. Die Ringmauer, die den Wachtturm einkreist, ist ein leicht verschobenes Rechteck, ein Trapez. Das Aussehen des Schlosses von Ortenstein stammt aus den Renovierungsarbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts.
Es gibt keine genauen Details über den Ursprung dieses Schlosses. Der Turm, das älteste bewahrte Element, erscheint Mitte des 13. Jahrhunderts. Und die Gründer, wer waren sie? Auch hier herrscht Unsicherheit. Die schriftliche Überlieferung betreffend Ortenstein beginnt in 1309. Hier wird bestätigt, dass das Schloss in 1338 aus dem Bischofsgebiet in die Hände von Ursula von Werdenberg überging, eine der Erbinnen von Vaz.
Im 14. Jahrhundert übernahm eine Familie von Ministeriellen von Vaz-Werdenberg den Namen von Ortenstein an, wahrscheinlich, weil die Vogtei, in der sich das Schoss auch befand, in ihren Händen lag. Die Grafen von Werdenberg-Sargans, durch Ursula von Vaz vermittelt, sahen sich als Erben dieser Familie und hielten sich oft in Ortenstein auf. Als in 1437 Graf Henri von Werdenberg das kommunale Recht von Schwytz und von Glaris erwarb, wurde ebenfalls die Festung von Ortenstein in diesem unterzeichneten Vertrag berücksichtigt, ein Vertrag, der ausserdem eine gegenseitige Militärhilfe einführte.
Im Laufe des Volksaufstandes von Schams in 1452 wurde Ortenstein wie viele andere Schlösser, die die Werdenbergs in Domleschg besassen, zerstört. Der Schiedsspruch vom 21. Juli 1452, jedoch, erlaubte dessen Wiederaufbau. Auch wenn es den Werdenbergern verboten war, ihre anderen Schlösser wieder aufzubauen, so setzten sie jenes von Ortenstein schnell wieder in Stand. Der Krieg und seine Folgen hatten allerdings die wirtschaftliche Lage der Werdenberger zu einem Tiefpunkt gebracht, und Graf Jurg war in 1455 gezwungen, eine Hypotheke auf Ortenstein aufzunehmen. Im Laufe der folgenden Jahre musste er mehrmals neue Anleihen sichern, doch behielt er das Recht, lebenslänglich in Ortenstein zu wohnen. Nach seinem Tod in 1505 , wechselten die Eigentumsverhältnisse schnell.
Anfangs blieb die Festung Eigentum von Barbara von Werdenberg, die Witwe von Jurg. Dann gelangte Ortenstein in die Hände von Andreas von Sonnenberg, wenig später ging es an Falzhobel, Reiter von Waldburg und in 1523 an Louis Tschudi von Glaris. Vier Jahre später verkaufte dieser das Schloss und alle herrschaftlichen Rechte an die Gemeinde von Tumegl. Das bedeutete die Auflösung der alten Grundherrschaft, doch die Gemeinde behielt die Souveränitätsrechte, aber verkaufte das Schloss und die angrenzenden Ländereien an Privateigentümer.
1528 wurde die Festung durch Victor von Buhlen erworben, der bereits die Funktionen als Vogt von Ortenstein ausgeübt hatte, damals als die Reiter von Waldburg Eigentümer waren. Seine Tochter Anne brachte es in die Ehe mit Jakob Travers, dessen Familie zu den Patrizierlinien und damit zu den mächtigsten der Drei Bünde gezählt hatte. Das Schloss von Ortenstein, dessen Namen von dem Hauptzweig der Familie Travers angenommen wurde, etablierte sich ursprünglich aus Zuoz, und blieb im Eigentum dieser Linie bis 1846. Die Linie der Travers liess im 18. Jahrhundert wichtige Renovationen durchführen.
Nach dem wirtschaftlichen Ruin seiner Eigentümer, ging das Schloss von Ortenstein in die Hände der Gläubiger über; sie überliessen es in 1856 dem Reverend Vater Theodosius Florentini, der in seinen Räumen ein Kinderheim aufbaute. Nicht lange, denn bald zwangen ihn finanzielle Schwierigkeiten, sein Unternehmen aufzugeben und das Schloss zu verkaufen. Es wurde in 1860 durch W.v.Juvalta erworben und gelangte dann als Erbe zur Familie von Tscharner.
Bibliographie