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Schon seit Jahrtausenden zieht es den Menschen in die Ferne. Das Buch konnte und musste schon immer auch das Fernweh der Menschen stillen, denn kein Mensch kann all die Länder sehen, die er gerne möchte. Die Bücher, die WYR nachfolgend vorstellen, leben vor allem von der Authentizität. Alle Autoren beschreiben ihre eigenen Reisen und berichten Selbsterlebtes.
Marco Poli: Il milione
Marco Polo (ca. 1254-1324) ist der berühmteste europäische Reisende des Mittelalters. Sein Bercht über seine Reisen, der als "Il Milione" bekannt wurde, wurden von ihm mündlich berichtet und 1298/99 in altfranzösischer Sprache aufgezeichnet. Das ursprüngliche Manuskript existiert nicht mehr und der Bericht Marco Polos ist nur über spätere hergestellten Kopien erhalten. Neuer Ausgaben wie zum Beispiel jene beim Manesse Verlag sind ausgezeichnet bearbeitet und dokumentiert und beruhen auf dem nach den neusten Forschungsergebnissen rekonstruierten Text.
Ibn Battuta: Rihla
Ibn Battuta (1304-1377) wurde in Tanger geboren. Er stammte aus vermögendem Haus und sollte eigentlich die Rechte studieren, doch auf der Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten seines Glaubens erkannte er den brennenden Wunsch in sich, die Welt entdecken zu wollen. Er hat ein mehrbändiges Werk über seine Reisen (1325-1353) hinterlassen, das dem Leser jedoch nicht in seiner Gesamtheit empfohlen werden kann. Es wurden zahlreiche gute Auszüge seiner Reiseberichte herausgegeben, die vom hellen Geist seines Verfassers zeugen. Der besondere Reiz des Buches liegt auch darin, mit den Augen des strenggläubigen Moslems die Welt Indiens und Chinas zu erleben. Der westliche Leser erfährt damit sozusagen eine doppelte Verfremdung. Die Schilderungen Battutas erscheinen Marco Polos Il Milione ebenbürtig. Im Buchhandel sowie auch antiquarisch sind verschiedene Ausgaben mit Auszügen von Battuta's Reiseberichten erhältlich. Empfohlen sei etwa: Ibn Battuta, Reisen ans Ende der Welt, Tübingen Erdmann Verlag 1974.
(Karte aus: Ibn Battuta, Reisen ans Ende der Welt, Tübingen Erdmann Verlag 1974)
Cristoforo Colombo: Cuaderno de bitácora & Cartas
Christoph Kolumbus (ca. 1451-1506) war ein Seefahrer und ein Entdecker, aber kein Dichter. Seine Aufzeichnung sind aber schon nur wegen der historischen Bedeutung seiner Fahrten von grösstem Interesse. Es gibt verschiedene gute und spannende Zusammenfassungen mit Auszügen aus seinem Bordbuch und seinen Berichten und Briefen. Zum empfehlen ist etwa: Christoph Kolumbus, Westwärts nach Indien, Rascher Verlag Zürich 1945.
Antonio Pigafetta: Relation du premier voyage du monde
Antonio Pigafetta (ca. 1491-1534) war einer der achtzehn Überlebenden der Weltumsegelung Magellans. Pigafetta war der Chronist dieser Reise. Nach seiner Rückkehr zeigte er seine Aufzeichnungen König Karl V. und Papst Clemens VII., der auch bewirkte, dass Pigafetta in den Johanniterorden aufgenommen wurde. Der Originaltext ist nicht einfach zu eruieren. Er scheint ursprünglich eine Mischung aus Französisch, Italienisch und Spanisch gewesen zu sein, der später ins Franzöisch übersetzt wurde. Das meiste, was wir über Magellan's Reise wissen stammt aus den Aufzeichnungen Pigafetta's. Auf Deutsch zu empfehlen ist die Ausgabe des Erdmann Verlages von 2009: Antonio Pigafetta, Mit Magellan um die Erde. Ein Augenzeugenbericht der ersten Weltumsegelung.
Bernal Diaz del Castillo, Historia Verdadera de la conquista de la Neuva Espana
Bernal Diaz de Castillo (1492-1581) hatte unter Cortez die Eroberung Mexicos erlebt und im Alter von rund achtzig Jahren darüber noch ein Buch geschrieben. Auch Cortez und andere haben diese Ereignisse geschildert, aber das wahrhaftigste und ehrlichste Werk stammt von Bernal Diaz. Auf Deutsch ist vor allem folgende Ausgabe zu empfehlen, die auch eine Karte enthält: Denkwürdigkeiten des Hauptmanns Bernal Diaz del Castillo oder Wahrhafte Geschichte der Entdeckung und Eroberung von Neuspanien (Mexico), 1965 Steingrüben Verlag Stuttgart.
Jean de Léry: Histoire d'un voyage faict en la terre du Brésil
Jean de Léry (1536-1613) war kein eigentlicher Entdecker im geographischen Sinne, doch sind seine Schilderungen über seinen Besuch in der Gegend des heutigen Rio de Janeiro in Brasilien trotzdem bemerkenswert. Er war einer der ersten, der die Sitten und Gebräuche der dortigen Indianer, bei denen er auch eine Weile lang lebte, niederschrieb und damit eine wichtige Quelle der Anthropologie verfasste. Damals war die Gegend von Rio de Janeiro französische Kolonie, die auch als ein Experiment gedacht war. Es gab einflussreiche Leute in Frankreich, die glaubten, man könne die französischen Neugläubigen, die Hugenotten, nach Brasilien aussiedeln. Und es waren denn auch zahlreiche Neugläubige, die nach Brasilien auswanderten. Doch unter den Alt- und Neugläubigen brach bald Streit aus und Rio de Janeiro wurde daraufhin portugiesisch. Auf Deutsch ist das Werk Jean de Lérys beim Erdmann Verlag unter den Titel "Unter Menschenfressern am Amazonas" erschienen.
James Cook: Logbooks
James Cook (1728-79) ist einer der berühmtesten Entdecker aller Zeiten. Er verstand es, bei seinen Logbüchern nicht nur den Anforderungen der Wissenschaft weitestgehend zu genügen, sondern ausserdem auch noch spannend und unterhaltend zu schreiben. Auf Deutsch empfiehlt sich die beim HorstErdmann erschienene Ausgabe: James Cook, Entdeckungsfahrten im Pacific 1768-1779, 1971 und Neuausgaben.