Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03101.jsonl.gz/1607

Der konstruktive Spielaufbau von hinten
Spiel und Gegner bestimmen und beherrschen
"Der Torwart muss den Ball beim Abstoß von der Torraum-Linie nicht mehr aus dem Strafraum spielen. Denn wenn der Gegner presst, läuft der Mitspieler zur Ballannahme in den Strafraum, dann wird der Abstoß wiederholt. Das macht keinen Sinn."
ZVONIMIR BOBAN, VIZE-GENERALSEKRETÄR DER FIFA
Regeländerung ermöglicht neue Ansätze im konstruktiven Spielaufbau von hinten
Vorerst eine kurze Erläuterung zum Verständnis der neuen Abstossregel welche seit der Saison 2019/2020 in Kraft getreten ist:
Die Abstossregel besagt, dass es Mannschaften welche einen Abstoss ausführen, nun erlaubt ist, einen Abstoss auch innerhalb des Strafraums anzunehmen. Gleichzeitig darf die gegnerische Mannschaft den Strafraum erst mit dem ersten gespielten Pass betreten.
Wie haben sich die europäischen Top-Clubs damit auseinander gesetzt?
Im Video einige Ausschnitte von Topclubs wie Tottenham Hotspurs,
FC Bayern München und Juventus Turin FC.
Was hat sich verändert?
Bisher kam dem Abstoss nicht eine all zu grosse Bedeutung zu, auch weil die verteidigende Mannschaft im Bezug auf ein mögliches Zustellen eher im Vorteil war. Die erste Linie konnte mittels Manndeckung zugestellt werden, so dass ein Kurzpass kaum möglich war, und daher oft die Option des langen Balls gesucht wurde.
Die Idee, das Spiel konstruktiv vom Torhüter aus aufzubauen, wirkt auf den ersten Blick gegensätzlich zur Zielsetzung im Fussball.
Wahrscheinlich würde ein Ausserirdischer, dem das Spiel zum ersten Mal erklärt wird, vermuten, dass die effektivste Strategie, um ein Tor zu erzielen, der lange Abstoss ist: Man überspielt damit möglichst viele Spieler und ist näher dem gegnerischen Tor.
Es mag vereinfacht und in gewisser Weise auch absurd klingen, aber in Wirklichkeit ist es ein ideologischer Gegensatz, auf dem die unterschiedlichen Spielstile seit jeher basieren:
Ist es effizienter, sich mit einer, von Hinten konstruktiv aufgebauter Aktion das Leben zu verkomplizieren, als vielleicht mit einem langen Ball eine begünstigende Zone mit dem ersten und zweiten Ball zu attackieren?
Diese Aussage wirft die Frage nach der Passgenauigkeit auf:
Die Passgenauigkeit bei einem
-
kurzen Zuspiel (Pässe < 40 m) beträgt 98%
-
langen Abstoss (Pässe > 40 m) beträgt lediglich 42%
Erste Statistiken aus der Vorrunde der Saison 2019/2020 zeigen, dass das kurze Zuspiel vermehrt an Bedeutung gewinnt:
Prozentualer Anteil an kurz ausgeführten Abstössen im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Abstösse. Quelle: Statsperform, OPTA
Was sind möglichen Vorteile des konstruktiven Spielaufbaus?
-
Neue Abstossregel zum Vorteil nützen
-
Dominanz und Selbstsicherheit ausstrahlen
-
Ball- und Spielkontrolle haben (Spiel bestimmen und beherrschen)
-
Kontrolliert den Angriff vorbereiten (eigene TE-Stärken ausspielen)
-
Überzahlsituation in ballnähe schaffen
-
Gegenspieler binden
-
Räume hinter der gegnerischen Abwehr schaffen (Zone 3)
Der konstruktive Spielaufbau von Hinten
am Beispiel von: Manchester City
Manchester City praktizierte in der Vorrunde interessante Ansätze zum Thema konstruktiver Spielaufbau von hinten. Zum einen wiederspiegelt es die Spielkultur von Pep Guardiola, zum anderen schafft es grosse taktische Vorteile und Dominanz wenn die Variabilität gewährleistet ist.
Spielaufbau Manchester City gegen Liverpool mit drei Angreifer
Konstruktiver Spielaufbau gegen zwei Angreifer
Alternative langer Ball
Konstruktiver Spielaufbau dynamisch
Die Spielprinzipien:
-
Optimale Raumaufteilung (Breite nutzen, Tiefe schaffen)
-
Räume schaffen + freigeben, erkennen + attackieren
-
Hohe Laufbereitschaft (ohne Ball)
-
Überzahl in den Zonen (mindestens + 1)
-
Situativ flexible Organisation (Variable Anzahl Angreifer)
-
Initiativ sein, mutig und selbstsicher agieren
-
etc...