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Es hätte für Vettel und Ferrari der perfekte Abschluss eines optimal verlaufenen Grand-Prix-Wochenendes werden können. Mit der Eroberung der Pole-Position am Samstag hatte sich der Wahl-Thurgauer die bestmögliche Ausgangslage geschaffen, um die Roten endlich wieder einmal zum Sieg zu führen und um der gesamten Scuderia die Hoffnung auf wieder bessere Zeiten zurückzugeben. Es wäre ein enorm wichtiger Erfolg gewesen nach den vergangenen Wochen, in denen sich die Enttäuschungen im Zwei-Wochen-Rhythmus folgten und der Druck und die Kritiken mit jedem verpatzten Auftritt mehr wurden.
Es war denn auch alles wie am Schnürchen gelaufen für Vettel im Rennen - bis zur 47. der 70 Runden, bis zu jener Szene, die schliesslich die Entscheidung zu seinen Ungunsten bringen sollte. Vettel war nach einem Fahrfehler vom Weg abgekommen und knapp vor Hamilton auf die Strecke zurückgekehrt. Die Rennkommissäre betrachteten den Wiedereintritt als gefährliches Manöver und belegten den Deutschen mit einem Zuschlag von fünf Sekunden, der auf die Fahrzeit aufgerechnet wurde. Weil sein Vorsprung auf Hamilton am Ende lediglich 1,342 Sekunden betrug, reichte dies dem Briten zum Sieg.
Vettel konnte den Schiedssprung selbstredend nicht nachvollziehen und tat dies über Funk noch während des Rennens kund. "Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich hatte doch keine andere Chance. Wo sollte ich denn hin? Sie klauen uns das Rennen. Die müssen doch blind sein."
Hamilton hielt sich diplomatisch zurück. "So wollte ich natürlich nicht gewinnen. Es ist etwas schade, doch so ist der Rennsport. Und das Reglement besagt, dass man nach einem Ausrutscher nicht direkt wieder auf die Rennlinie zurückkehren darf."
Dieser eine Fehler und das Urteil der Stewards machten aus dem vermeintlichen Sieger Vettel den niedergeschlagenen Verlierer Vettel, der sich auch nach Rennschluss nicht die Mühe nahm, seine grosse Enttäuschung zu verbergen. Die Siegerehrung liess er mit versteinerter Miene über sich ergehen. Der Aufforderung Hamiltons, sich mit ihm auf die oberste Stufe des Podiums zu stellen, kam er nur widerwillig und nur für zwei, drei Sekunden nach, um dann wieder auf den Platz für den Zweitklassierten zurückzukehren.
Hamilton gewann den Grand Prix von Kanada zum siebenten Mal, womit er die Bestmarke von Michael Schumacher egalisierte. Noch wichtiger dürfte für den Weltmeister sein, den Vorsprung als Führender in der WM-Gesamtwertung weiter ausgebaut zu haben. Nach einem Drittel des Saisonpensums hat er 29 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Teamkollegen Valtteri Bottas, was mehr als dem Gegenwert für einen Sieg entspricht. Der Finne zog wie schon im Qualifying einen schwachen Tag ein und musste sich hinter dem Monegassen Charles Leclerc im anderen Ferrari mit Platz 4 zufrieden geben.
Die Fahrer des Teams Alfa Romeo gingen zum dritten Mal in Folge leer aus. Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen waren ohne reelle Chance, zu Punkten zu kommen. Der Italiener und der Finne beendeten den 50. Grand Prix von Kanada auf den Plätzen 13 und 15.
(sda)