Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/192668

<h2>SubmittedText<h2><p>Das regelmässige Erfassen der Ernährungssituation einer Bevölkerung stellt eine wichtige Grundlage für die Beurteilung des Gesundheitszustands dar und ist für die Ableitung von Massnahmen der Ernährungs- und Gesundheitspolitik bedeutend. In Sachen Ernährungsmonitoring hinkt die Schweiz allerdings anderen europäischen Ländern hinterher. In Deutschland, England, Österreich und in den Niederlanden werden zum Teil seit 20 Jahren regelmässig Erhebungen zur Untersuchung der Ernährungssituation der Bevölkerung durchgeführt. Diese erfassen, detailliert und repräsentativ, die Ernährungsgewohnheiten sowie die Zufuhr an Makro- und Mikronährstoffen und erlauben damit eine fundierte Bewertung des Ernährungsstatus der Bevölkerung. In der Schweiz stehen erst seit der Durchführung der Nationalen Ernährungserhebung "Menu CH" im Jahr 2014 einige Daten zum Ernährungsverhalten der in der Schweiz lebenden Bevölkerung zur Verfügung. Die Erhebung basiert weitgehend auf Daten, die via Befragung gewonnen wurden, und liefert gewisse Informationen über die Energiezufuhr oder den Konsum von Fleisch, Früchten und Gemüsen. Weil die Studie aber nicht sehr umfassend geplant wurde, lässt sich die Nährstoffaufnahme der Schweizer Bevölkerung leider nur sehr begrenzt beurteilen. Über Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Omega-Fettsäuren) liegen gar keine Informationen vor. Auch Gruppen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen, z. B. Kinder oder die ältere Bevölkerung, wurden nicht gezielt untersucht. Ernährungsstudien sollen regelmässig und langfristig angelegt sein. Zudem müssten - neben Informationen via Befragung - auch klinische Daten erhoben werden. </p><p>Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Baustein der Gesundheit. Fehl- und Mangelernährung haben langfristig Konsequenzen und begünstigen die Entstehung von Krankheiten.</p><p>Ich ersuche daher den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt er die Notwendigkeit, die Ernährungserhebung "Menu CH" umfassend weiterzuführen? Welche Studien sind bereits geplant?</p><p>2. Wie viel hat "Menu CH" gekostet? Wie stellt er sicher, dass für diesen wichtigen Forschungsbereich in Zukunft genügend Ressourcen zur Verfügung stehen?</p><p>3. Welche Massnahmen sieht er vor, um die Erkenntnisse aus den Studien zeitnah und mit der erforderlichen Priorität zu adressieren?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Zunahme nichtübertragbarer Krankheiten und die alternde Gesellschaft sind eine Herausforderung für das Sozial- und Gesundheitssystem wie auch für die Wirtschaft. Nichtübertragbare Krankheiten wie auch Krankheiten im Alter werden häufig von Ernährungsfaktoren mitverursacht.</p><p>1. Der Bundesrat teilt die Auffassung, dass Ressortforschung sowie Datenbeschaffung für Monitoring und Evaluation in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und ernährungsabhängige Krankheiten wichtig sind und die Grundlagen für evidenzbasierte Massnahmen bilden. Die Ernährungserhebung "Menu CH" soll deshalb umfassend weitergeführt werden: Ab 2020 soll sie auf Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel Kinder und Jugendliche oder ältere Personen ausgeweitet werden.</p><p>Darüber hinaus sind Studien zum Monitoring des Selen- und Jodstatus sowie zur Salzaufnahme geplant. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) plant überdies eine Total-Diet-Studie (TDS). Dabei soll untersucht werden, in welchen Konzentrationen verschiedenste Stoffe, wie zum Beispiel Vitamine oder Acrylamid und Dioxine, durchschnittlich in Lebensmitteln enthalten sind und welche gesundheitlichen Risiken bei der Verarbeitung und Zubereitung von Lebensmitteln entstehen können.</p><p>2. Die Nationale Ernährungserhebung "Menu CH" hat rund 3 Millionen Franken gekostet. Die Finanzierung der Weiterführung der Ernährungserhebung sowie der in Ziffer 1 erwähnten und geplanten Studien soll mit den im Finanzplan 2020-2022 des BLV enthaltenen Ressortforschungsmitteln erfolgen.</p><p>3. Ressortforschung und Monitoring liefern wichtige Erkenntnisgrundlagen für die Weiterentwicklung und Wirksamkeitsüberprüfung der Schweizer Ernährungsstrategie sowie für die zielführende Ausgestaltung und Umsetzung von Massnahmen. Gestützt auf diese Erkenntnisse kann beispielsweise die Schweizer Bevölkerung spezifisch über bestimmte Ernährungsrisiken informiert oder der Salz- und Zuckergehalt von bestimmten Produkten in freiwilliger Zusammenarbeit mit der Lebensmittelwirtschaft gezielt gesenkt werden. Die Erkenntnisse fliessen zudem in die Publikationen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes ein. Für die Fachöffentlichkeit besteht die Möglichkeit, die Daten für eigene Auswertungen einzusetzen.</p>  Antwort des Bundesrates.