Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03544.jsonl.gz/706

Erdbeben, Überschwemmungen oder Wirbelstürme verursachen immer wieder enorme Schäden und grosses Leid. Wo gebraucht, ist das SRK im Ausland seit über hundert Jahren mit Nothilfe vor Ort, auch nach kleineren Katastrophen. Bis zu zehn Mal jährlich wird die Katastrophenhilfe des SRK um einen Einsatz gebeten. Folgend eine Auswahl der bedeutendsten Einsätze in der Geschichte des SRK.
1908 – Erbeben von Messina
Es war um 05:21 Uhr in der Früh, drei Tage nach Weihnachten 1908, als die Erde in Messina zu beben begann. Nach wenigen Sekunden waren die Stadt und ein grosser Teil der Umgebung vollkommen zerstört. Kurz darauf folgte ein Tsunami, der weitere Opfer forderte und Schäden verursachte. Dieses Erdbeben war die schwerste Naturkatastrophe Europas im 20. Jahrhundert. Und es führte zum ersten Nothilfe-Einsatz des SRK im Ausland. Die erste Phase im Januar und Februar 1909 bestand aus Nothilfe für die Überlebenden mit Lebensmitteln, Kleidern, Verbandsmaterial und Medikamenten. Beim Wiederaufbau wurden in Messina und Kalabrien zwei sogenannte Schweizerdörfer errichtet, die aus insgesamt 35 Holzchalets für über 400 Menschen bestanden. Als Zeichen der Herkunft trugen die Chalets schweizerische Bezeichnungen wie Wilhelm Tell, Matterhorn oder Pestalozzi.
1953 – Überschwemmungen Niederlande
In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1953 richtete ein Sturm in den Niederlanden verheerende Schäden an. Eine gigantische Sturmflut brachte einen Damm zum Einsturz was zur Überflutung der Provinz Zeeland führte. 1800 Menschen starben und Zehntausende von Häusern wurden zerstört oder schwer beschädigt. Es handelt sich bis heute um die grösste Naturkatastrophe in der Geschichte Hollands, welches am damaligen 2. Februar den Notstand ausrief. Auch die Schweiz kam dem Land zur Hilfe, mit dem ersten Auslandeinsatz ihrer neu gegründeten Luftwaffe. Mit Hilfe des SRK, welches in einem ersten Schritt die Bevölkerung mit Decken, Kleidern und Schuhen versorgte. Danach finanzierte das SRK, mit finanzieller Unterstützung der Glückskette, die Beschaffung von Notunterkünften.
1998 – Hurrikan Mitch in Honduras
1998 fegte Hurrikan «Mitch» über Mittelamerika und hinterliess insbesondere in Honduras eine Spur der Zerstörung. Das SRK sandte sofort Wolldecken, Plastikblachen und Küchensets sowie einen Logistik-Delegierten nach Honduras. Nach der ersten Nothilfe half das SRK auch beim Wiederaufbau und errichtete eine neue Wohnsiedlung für 317 Familien. Auch nach Abschluss des Wiederaufbaus blieb das SRK in Honduras präsent und führt heute noch zahlreiche Projekte im Land, etwa in der Katastrophenvorsorge oder zugunsten von Jugendlichen. Das ist ein typischer Zyklus der humanitären Hilfe des SRK. Oftmals beginnt der Einsatz in einem Projektland mit Nothilfe-Aktivitäten, geht dann in den Wiederaufbau über und endet schliesslich in einem langfristigen Engagement.
«Sie verloren ihre engsten Angehörigen und hatten kaum Zeit für die Trauerarbeit. Trotzdem waren diese Frauen und Männer bereit, sich aktiv am Aufbau zu beteiligen. Dieser Überlebenswille und Optimismus haben mich beeindruckt.» Karl Schuler, Verantwortlicher SRK-Aufbau nach Hurrikan Mitch
2004 – Tsunami Südostasien
Eine riesige Flutwelle erfasste die Küstenregionen von Indonesien, Thailand, Indien und Sri Lanka und riss 230 000 Menschen mit in den Tod. 1,7 Mio Menschen verloren ihr Zuhause. Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 stellte eine neue Dimension plötzlich eintretender Katastrophen dar. Die Unterstützung sämtlicher Rotkreuz-Organisationen weltweit war gefragt. Das SRK berief sofort eine Task Force ein und entsandte ein erstes Team mit medizinischem Personal. Für das SRK handelte es sich um den grössten Katastropheneinsatz in seiner Geschichte. Nach der Nothilfe folgte der Wiederaufbau in Indien, Indonesien und Sri Lanka unter dem Motto «Build Back Better». Rund 100 Millionen Franken. wurden eingesetzt. Dank dem SRK wohnen heute viele der damaligen Opfer in einem stabileren Eigenheim, die Kinder besuchen eine sichere Schule und Patienten werden in Kliniken versorgt, die zeitgemässen Ansprüchen angepasst wurden.
«Die Nothilfe nach dem Tsunami war die belastendste Phase meiner Zeit beim SRK. Wir standen unter enormem Druck. Alles was menschenmöglich war, musste getan werden.» Martin Fuhrer, damaliger Leiter Internationale Zusammenarbeit SRK
2005 – Überschwemmungen Schweiz
Im August 2005 führten tagelange Regenfälle zu heftigen Überschwemmungen und Erdrutschen in der ganzen Schweiz. In Brienz forderten die Unwetter gar Menschenleben. Das Dorf wurde durch die Schlammmassen während Tagen unpassierbar und die Infrastruktur wurde weitgehend zerstört. Die Schwerstbetroffenen erhielten vom SRK Soforthilfe. Beim Wiederaufbau unterstützte das SRK schwergeschädigte Privatpersonen und finanzschwache Berggemeinden, deren Budget durch hohe unversicherbare Restkosten stark belastet wurde. Es setzte dafür zweckbestimmte Spenden und Gelder der Glückskette ein.
«Bei einer Grosskatastrophe in der Schweiz reise ich vor Ort. Mit dem jeweiligen Krisenstab prüfe ich, wer unsere Hilfe am nötigsten hat. In Härtefällen hilft das SRK schnell und unbürokratisch.» Josef Reinhardt, Leiter Katastrophenhilfe Schweiz SRK
2015 – Erdbeben Nepal
Der jüngste Grosskatastrophen-Einsatz des SRK erfolgte in Nepal. Nachdem das Nepalesische Rote Kreuz nach dem verheerenden Erdbeben vom 24. April 2015 um internationale Unterstützung gebeten hatte, schickte das SRK umgehend ein Logistik-Team vor Ort und leistete während drei Monaten Nothilfe. Danach hat es in Hinblick auf den Wiederaufbau rasch mit der Ausbildung von mehr als 500 lokalen Handwerkern begonnen. In Kursen und Workshops lernten sie, wie mit einfachen Techniken Häuser erdbebensicherer erstellt werden können. Unterdessen ist der Wiederaufbau in vollem Gang. Das SRK errichtet in der Bergregion Dolakha, die vom Erdbeben besonders stark betroffen war, vorerst 500 Häuser für besonders bedürftige Familien.
Die Bereitschaft des SRK Fast in jedem Land – konkret in 190 Ländern – gibt es nationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften. Im Katastrophenfall kommen zuerst die lokalen Organisationen zum Einsatz. Verlangt das Ausmass der Katastrophe nach zusätzlicher Hilfe, ruft die Internationale Föderation nach Verstärkung. Gemeinsam wird entschieden und koordiniert, um effizient zu helfen. Das SRK ist auf die Hilfsgüterverteilung und den Einsatz von medizinischem Personal spezialisiert. Damit im Krisenfall noch rascher gehandelt werden kann, hat das SRK in Panama, Malaysia und Ghana regionale Hilfsgüterlager eingerichtet. Im Warenlager am SRK-Hauptsitz in Wabern bei Bern stehen ebenfalls Zelte und andere Hilfsgüter für rund 200 Familien bereit. Auch finanziell hat das SRK Reserven bereit, um im Notfall schnell und unbürokratisch Soforthilfe zu leisten.