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Colette, Calvaro und jetzt Clooney. Auch im Schweizer Pferdesport gehören Schimmel zu den populärsten Pferden. Das war bereits in den glorreichen Zwischenkriegsjahren der Fall.
Da war Charles Kuhns Colette, die in ihrer zehnjährigen Karriere von 1924 bis 1934 in allen pferdesportlichen Disziplinen siegte: im Springen, in der Dressur, in Militarys und in «Steeple Chases». Dann gab es damals Royal Gris von Henri von der Weid und Sekretär von Arnold Mettler. Dazu der Hannoveraner Liebling, das Lieblingspferd von Annelies Stoffel, der in jenen Jahren erfolgreichsten Amazone.
Wulf, Corso, Calvaro
Nach dem Krieg kamen Marianne Gossweilers Stephan und Harta von Budapest von Willy Grundbacher als erfolgreiche Dressurpferde. Bei den Springpferden seien Wulf von Paul Weier, Haiti von Max Hauri, Corso von Willi Melliger, Marianka von Arthur Blickenstorfer, Puschkin von Markus Fuchs und Cartier von Rudolf Letter erwähnt. Und nun, nach Calvaro, dem Grössten aller, der 13-jährige Westfale Clooney von Martin Fuchs.
Bold Minstrel, Native Dancer
Meine eigene Faszination mit dem Schimmel begann Ende der 50er-Jahre, als mein Vater, zu aller Überraschung, für unsere Fuhrhalterei zwei Schimmel kaufte. Zuvor hatte mein Vater, seit er um 1925 in die Firma meiner Grosseltern eingetreten war, nur Rappen gefahren, mit denen er von 1946 bis 1955 auch bei Fahrprüfungen in der Ostschweiz startete.
Als ich 1964 nach New York umzog, waren es wieder Schimmel, die mein Interesse weckten: Da war der mächtige Ksar d’Esprit, mit dem Bill Steinkraus von 1958 bis 1960 in Puissances fast ungeschlagen war. Dann Bold Minstrel, mit dem Mike Plumb 1964 die olympische Military bestritt, und der dann mit Bill Steinkraus zum erfolgreichen Springpferd wurde. Noch mehr imponierte Native Dancer, der von 1952 bis 1957 bei 22 Starts auf der Rennbahn 21-mal gewann, und nur einmal, im Kentucky Derby, nach möglicher Behinderung, verlor. Danach wurde der Schimmel zum erfolgreichen Vererber. Die auch zehn Jahre nach seinen Rennsiegen noch anhaltende Popularität verdankte Native Dancer dem Fernsehen. Obwohl Fernsehen in den USA auf die 20er-Jahre zurückgeht, bekam es erst in den 50er-Jahren die heutige Bedeutung. Mitbeteiligt war Native Dancer, der Schimmel von Alfred Vanderbilt mit seinem phänomenalen Finish. Die Übertragungen der grossen Rennen, wie die «Preakness» oder die «Belmont Stakes», die er beide gewann, zeigten, wie der «grey ghost», wie Native Dancer genannt wurde, auf der Zielgeraden aus dem Feld heraus an die Spitze galoppierte. Die Fernsehbilder wurden auch später immer wieder gezeigt.
Aus Circus Rose wird «Miss Budweiser»
Ein weiterer Schimmel hat in den USA Geschichte gemacht: das Springpferd Circus Rose. 1952 wurde die Schimmelstute von der amerikanischen Grossbrauerei Budweiser gekauft, in «Miss Budweiser» umgetauft und Arthur McCashin für den Olympiastart 1952 in Helsinki zur Verfügung gestellt. Dort gewannen die beiden, als Einzel-Zwölfte, die Mannschaftsbronzemedaille. Es war das erste kommerziell gesponserte und umgetaufte Olympiapferd – und niemand im IOC nahm davon Kenntnis!
Milton und Gem Twist
Der grösste Star unter den Schimmeln war zweifellos Milton, zuerst von Caroline Bradley, dann nach ihrem Tod von John Whitaker geritten. Der 1978 geborene Milton wurde 1990 und 1991 Weltcupfinalsieger, 1989 Europameister und 1990 WM-Zweiter. Das US-amerikanische Pendant zu Milton war Gem Twist, Sohn des schnellen Good Twist, seinerzeit im Beritt von Frank Chapot. Gem Twist wurde von dessen Schüler Greg Best geritten. 1988 gab es für die beiden die olympische Silbermedaille – 1990 war Gem Twist das beste Pferd im WM-Pferdewechselfinal. Als Milton in die Jahre kam, 1993/94, sorgte in der Osteuropa Liga des Weltcups ein ungarischer Schimmel für Aufsehen. Wo Randi antrat, gewann er fast jedes Mal, in Sopot, Hortobagy, Bratislava oder Kiskunhalas. Randis Reiter war Attila Szasz. Prompt wurde Randi von einem Engländer gekauft und John Whitaker als Milton-Nachfolger zur Verfügung gestellt. Dazu kam es nicht. Randi hatte in der Osteuropa Liga über 1.40 Meter gewonnen. In der Westeuropaliga mit Parcours von 1.50 Meter im Normalparcours und 1.60 Meter im Stechen war er überfordert.
Calvaro und Clooney
1994 kam Calvaro, der 1986 geborene Holsteiner, zu Willi Melliger. 1995 wurden die beiden Dritte bei der EM in St. Gallen und gewannen mit der Schweizer Equipe Mannschaftsgold. 1996 wurden Melliger/Calvaro Olympiazweite, 1997 EM-Dritte und 1998 WM-Vierte. Bei den Olympischen Spielen von 2000 in Sydney gehörten die beiden zur Schweizer Silberequipe.
Nun, als neuer Schimmelstar, der 2006 geborene Westfale Clooney III. Mit Martin Fuchs 2017 Vierter im Weltcupfinal und Mitglied der Bronzeequipe bei der EM in Göteborg, 2018 GP Sieger beim CSI-W Zürich und beim CSI Basel und 2019 Weltcupsieger in Basel.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 26/19)
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