Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03312.jsonl.gz/396

Fotos: K. Leuenberger
Erzählnachmittag vom 17. Januar 2023
Erzählnachmittag vom 17.01.2023
Daniela Moser-Tamburini
Einwanderung der 1960er-Jahre
Daniela Moser begann ihre Erzählungen mit ihrem Vater, welcher bereits 1950, also zwei Jahre vor ihrer Geburt, als Gastarbeiter in die Schweiz kam. Die Familie lebte in der Toscana. Ihr Vater hat gut Deutsch gelernt und später auch Mundart gesprochen. So beantragte er nach zehn Jahren die Niederlassungsbewilligung. Eine Anstellung bei Contraves, bei welcher er u.A. auch Sprecher für die Gastarbeiter wurde, war der verdiente Lohn. 1961 war die Zeit für den Familiennachzug gekommen.
Daniela, damals 10-jährig kam zusammen mit ihrem Bruder Stefano (8) ohne ein Wort Deutschkenntnis nach Richterswil. Die Familie wohnte zuerst in der Kaserne, bevor später der Umzug an die Dorfstrasse 38 erfolgte. Zu Beginn besuchten beide beim pensionierten Lehrer Frei Deutsch-Unterricht. In der Klasse hat Daniela rasch Freundinnen gefunden. In der Rückblende habe sie eine sehr schöne Schulzeit erlebt.
Ihre Mutter war Hausfrau und arbeitete zuerst in der Pension Ruppeiner, bevor sie sich viele Jahre als Tagesmutter für italienische Kinder engagierte. Natürlich galt es zu Beginn die teils markanten Unterschiede der beiden Kulturen kennen zu lernen. Aber als junger Mensch lernt man schnell.
Der Berufswunsch Sekundarlehrerin zu werden konnte aufgrund der finanziellen Verhältnisse nicht realisiert werden. So machte Daniela eine KV-Lehre.
In der Schweiz war die Angst vor der Überfremdung gross. So wurde am 7. Juni 1970 über die Schwarzenbach-Initiative abgestimmt. Diese hätte verlangt, den Anteil der ausländischen Bevölkerung auf 10% einzuschränken. Für 350‘000 Gastarbeiter hätte dies die Rückkehr in ihre Heimat bedeutet. Glücklicherweise wurde die Initiative mit 54% Nein-Stimmen abgelehnt.
Ihr privates Glück hat Daniela ebenfalls an der Dorfstrasse 38 gefunden. Ihr Ehemann Robert Moser ist aus beruflichen Gründen bereits 1970 ins Wallis gezogen. Seit über 50 Jahren leben die beiden in Steg.
Mit der Bemerkung, dass es mit vielen Emotionen verbunden war, sich wieder in diese Zeit zurückzuversetzen schloss Daniela ihre Erzählungen und bedankte sich für die Aufmerksamkeit.