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Zugegeben, das Jahr 2020 glänzt nicht mit Bestleistung. Aber das schlimmste Jahr in der Geschichte der Menschheit ist es noch lange nicht. Da haben die folgenden fünf Jahre bessere Chancen auf den Podestplatz.
Einer der absolut ungünstigsten Zeitpunkte, um auf der Welt zu sein, war das Jahr 536 nach Christus. Darüber sind sich auch einige Historiker einig. Die Natur spielte verrückt. Ein mysteriöser Nebel tauchte Europa, den Nahen Osten und grosse Teile Asiens 18 Monate lang Tag und Nacht in Dunkelheit. Der Nebel führte dazu, dass die Temperaturen drastisch fielen. In China schneite es mitten im Sommer. Doch nicht nur das: Überall auf dem Globus gingen die Ernten ein und die Menschen hungerten.
Lange rätselten Historiker darüber, warum 536 eines der dunkelsten Jahre im Mittelalter war. 2018 fanden Forscher bei der Analyse eines Schweizer Gletschers Spuren von Asche im Eis. Offenbar kam es Anfang 536 zu einem massiven Vulkanausbruch auf Island. Die Asche des Vulkans legte sich für eineinhalb Jahre wie ein Schleier um die Erde, hüllte die Länder in Dunkelheit und liess die Menschheit hungern. «Not a really great time to be alive», könnte man also sagen.
Übertragen wurde die hochgradig ansteckende Infektionskrankheit über Flöhe und Tröpfchen. Die Menschen litten je nach Infektion unter anderem an Fieber, Gliederschmerzen, Blutvergiftungen oder eitrigen Beulen. Weil man zu dieser Zeit kaum etwas über Infektionskrankheiten wusste, verbreitete der schwarze Tod Angst und Schrecken. Infizierte Familienmitglieder wurden verstossen und mussten in Zwangsunterkünfte ausserhalb der Städte ziehen.
Neben tödlichen Krankheiten litt die Welt immer wieder unter massiven Vulkanausbrüchen. So auch im Jahr 1816, das auch das «Jahr ohne Sommer» genannt wird. Damals spuckte der Mount Tambora, ein Vulkan in Indonesien, mehrere Millionen Tonnen Asche und Schwefel in die Atmosphäre.
In Europa und Nordamerika fiel mitten im Juni Schnee, die Temperaturen im Juli sanken unter den Gefrierpunkt. Wie schon im Jahr 536 n. Chr. sorgte der Vulkanausbruch für katastrophale Missernten. In der Zentralschweiz war die Hungersnot so gross, dass die Menschen die «unnatürlichsten, oft ekelhaftesten Sachen machten, um ihren Heisshunger zu stillen», beschrieb ein katholischer Priester die Situation. In Ybrig, in Rothenthurm in der Altmatt und in den Berggegenden «haben die Kinder oft im Gras geweidet wie die Schafe, auch Wiesenblumen waren begehrt».
Just vor dem Ende des Ersten Weltkriegs, als die Menschen dachten, nun gehe es wieder bergauf, traf die nächste Pandemie den Globus. Wegen der Spanischen Grippe kletterte die Sterblichkeit in der Schweiz auf ein Rekordniveau. 1918 starben schweizweit mehr als 75'000 Menschen. Weltweit waren es gemäss Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zwischen 20 und 50 Millionen Tote.
Eine Besonderheit der Spanischen Grippe war, dass vor allem junge Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren daran starben. Auf jeden Fall forderte die Grippe mehr Todesopfer als der Erste Weltkrieg. Vermutlich auch, weil zahllose Menschen durch den Krieg und dessen Folgen ohnehin schon geschwächt waren.
Noch nicht allzu lange her und doch ein Tiefpunkt in der Geschichte der Menschheit ist das Jahr 1943. Die Weltbevölkerung befindet sich noch mitten im Zweiten Weltkrieg, der Genozid an den Juden erreichte seinen traurigen Höhepunkt.
In der ersten Hälfte des Jahres wurden mehr als 1,3 Millionen Juden von den Nazis deportiert und getötet. Aufgrund des Krieges importierte England massenhaft Nahrungsmittel aus Britisch-Indien, um Soldaten und Bürger zu ernähren. Das führte in den indischen Kolonien zu einer massiven Hungersnot, an der schätzungsweise drei Millionen Menschen starben.
(ohe)
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