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Wie bereits in der Vorwoche war die Lawinensituation über das Wochenende noch mehrheitlich günstig. Eine ungünstige Altschneedecke, Sturm und verbreitet grosse Neuschneemengen führten dann zu einem markanten Anstieg der Lawinengefahr und einer kritischen Lawinensituation. Ganz unbehelligt blieben lediglich das mittlere und südliche Tessin und das Puschlav. Im Süden lag weiterhin ausserordentlich wenig Schnee.
Am Freitag und am Wochenende war es weiterhin mehrheitlich sonnig. In der Nacht zum Freitag und in der Nacht zum Sonntag fiel jedoch im Nordosten wenig Schnee: Auf Freitag waren es am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie im Prättigau 5 bis 10 cm bis in tiefe Lagen. Sonst, und auf den Sonntag schneite es nur ein paar Flocken. Der Wind aus Nordwest wurde stärker. Er blies am Alpensüdhang und in den zentralen und östlichen Gebieten in der Höhe oft stark, zeitweise stürmisch.
Mit dem starken bis stürmischen Wind aus West bis Nordost wurde vor allem der wenige Neuschnee verfrachtet (vgl. Abb. 1). An schattigen, windgeschützten Lagen und allgemein dort, wo an der Schneeoberfläche aufbauend umgewandelter, lockerer Schnee vorhanden war, wurde auch Altschnee vom Wind mitgerissen. Insgesamt war aber nur wenig verfrachtbarer Schnee vorhanden.
Die Triebschneeansammlungen waren vor allem dort störanfällig, wo sie auf lockere Altschneeoberflächen abgelagert wurden, welche sich in der Schönwetterperiode der zweiten Januarhälfte aufbauend umgewandelt hatten. Über die drei Tage wuchsen die Triebschneeansammlungen allmählich an und vermehrt konnten kleine bis mittelgrosse (Grösse 1-2) Lawinen ausgelöst werden (vgl. Abb. 2).
Abb. 2: Video – Die Tourenfahrer fahren zuerst über eine harte Schneeoberfläche (wahrscheinlich die Kruste der Altjahreswoche) und holperige Erosionsformen (Zastrugi). Dann erreichen sie eine Triebschneeansammlung mit glatter Oberfläche, die tragfähig ist. Hier ist es am angenehmsten zum Abfahren. Eine Spur ist bereits vorhanden. Wahrscheinlich beim ersten Schwung des zweiten Fahrers wird die Schneebrettlawine ausgelöst – jedenfalls scheint sich der Bruch in Fahrtrichtung auszubreiten. Unter dem Triebschnee war offenbar eine Schwachschicht vorhanden. Die Triebschneeansammlung war nur dünn und die ausgelöste Fläche nur klein. Alles gut gegangen (Video: M. Solymosi, Spitzmeilen, SG).
In den meisten Gebieten wurde die Lawinengefahr im Lawinenbulletin weiterhin als gering (Stufe 1) eingeschätzt. Mit zunehmender Triebschneebildung stieg sie aber über die drei Tage etwas an. In Teilen des zentralen und östlichen Alpennordhanges sowie im nördlichen Prättigau und in der Silvretta galt an West- Nord und Osthängen die Stufe 2 (mässig). In diesen Gebieten war am meisten verfrachtbarer Schnee vorhanden, wenn man den oberflächennah aufbauend umgewandelten und lockeren Schnee, den Niederschlag vom Donnerstag, 20.01. bis Samstag, 22.01. und denjenigen auf den Freitag, 28.01. berücksichtigt.
Steile Südhänge waren verkrustet und vor allem in den inneralpinen Gebieten und am Alpensüdhang teils bis in hohe Lagen aper. In der Höhe, sowie allgemein in Kamm- und Passlagen war die Schneeoberfläche oft vom Wind aus nördlichen Richtungen geprägt. Tiefer in der Schneedecke waren im Jura, am Alpennordhang und im westlichen Unterwallis bis in hohe Lagen teils mächtige Regenkrusten von der Altjahreswoche vorhanden. Diese mächtigen Krusten stabilisierten in diesen Gebieten den unteren Teil der Schneedecke. Vom zentralen Wallis über das nördliche Tessin bis nach Graubünden war hingegen oft die ganze Schneedecke aufbauend umgewandelt und nur von dünnen Schmelzharschkrusten durchzogen. Vermehrt sank man mit den Skis bis zum Boden durch.
Von Montag bis in die Nacht zum Donnerstag war Frau Holle im Einsatz – und mit ihr viele Lawinensicherheitsverantwortliche. Der Niederschlag setzte am Montag im Tagesverlauf ein. Am intensivsten waren die Schneefälle in der Nacht zum Dienstag und - nach einer Niederschlagspause am Dienstag - am Mittwoch. Bis am Dienstag lag die Schneefallgrenze in tiefen Lagen, am Mittwoch stieg sie am Alpennordhang und im Unterwallis auf rund 1400 m, im Oberwallis und in Graubünden lag sie bei 1000 m. Der Wind blies meist stark bis stürmisch aus nordwestlichen Richtungen, am Dienstag allgemein mässig bis stark, im Westen schwach bis mässig. In Summe fielen die in Abbildung 3 dargestellten Neuschneesummen. Die Eintagesneuschneesummen sind in Abbildung 4 dargestellt.
Mit dem meist starken bis stürmischen Wind wurde viel Schnee verfrachtet. Je mehr Neuschnee fiel und je länger und stärker der Wind blies, desto mehr Schnee wurde verfrachtet (vgl. Abb. 5).
Der lange ersehnte Neuschnee und die umfangreichen Triebschneeansammlungen wurden auf eine ungünstige Unterlage abgelagert. An den Expositionen West über Nord bis Ost waren die Schneeoberflächen verbreitet aufbauend umgewandelt und locker. Vom zentralen Wallis über das nördliche Tessin bis nach Graubünden war vielerorts sogar die ganze Schneedecke kantig aufgebaut und locker (vgl. Abb. 6). Sowohl am Übergang zum Altschnee als gebietsweise auch in den tiefen Altschneeschichten waren Lawinenauslösungen zu erwarten.
Es war davon auszugehen, dass Lawinen leicht durch Personen ausgelöst werden können und spontane Lawinen abgehen, zunehmend auch grosse und sehr grosse (vgl. Abbildung 7).
Weil vor den Schneefällen allgemein wenig Schnee für die Jahreszeit lag, waren vor allem Schneesportler und hoch gelegene Verkehrswege von der Gefährdung betroffen. Die Lawinengefahr stieg in den Hauptniederschlagsgebieten in der Nacht auf Dienstag auf die Stufe 4 (gross) an und war sonst verbreitet erheblich (Stufe 3).
Vermehrt wurden Gleitschneerisse und -lawinen beobachtet, vor allem wo der Schnee auf aperen Boden fiel.
Eine definitive Bilanz der Lawinenaktivität war bis zum Redaktionsschluss noch nicht möglich. Vom Montag, 31.01. bis Donnerstag, 03.02. wurden ca. 750 Lawinen gemeldet. Davon waren 4% sehr grosss, 22% gross, 47% mittelgross und 24% klein (vgl. Abb. 8).
In der Nacht auf Donnerstag fiel im Norden und Osten noch letzter Schnee. Die Schneefallgrenze lag bei 1200 m bis 1400 m. Tagsüber war es im Norden nach Abzug der Restwolken im Osten teils sonnig. In den inneralpinen Gebieten und im Süden war es recht sonnig. Der Wind wehte tagsüber noch schwach bis mässig aus westlichen Richtungen.
Der erste «schöne» Tag nach einer Schneefallperiode gilt als besonders unfallträchtig weil
Die Lawinengefahr wurde im Lawinenbulletin weiterhin als gross (Stufe 4) eingeschätzt, wobei sich die Gefahr v.a. auf alpines Schneesportgelände bezog. Einzelne spontane Lawinen waren noch möglich.
Am Donnerstag wurden etliche, durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet (vgl. Abb. 9 und 11).
Mit dem Neuschnee lagen die Schneehöhen im Vergleich zum langjährigen Mittelwert im Norden oft im Mittel oder in den östlichen Gebieten leicht darüber. Der Süden ist es nach wie vor ausgesprochen schneearm (vgl. Abb. 10).
In dieser Berichtsperiode wurden 30 Lawinen durch Personen ausgelöst (Stand Redaktionsschluss, vgl. Abb. 11).
In Scuol am Mot da Ri verunfallte 1 Person tödlich.
Am Mittwoch, 02.02. wurde der hinterste Wagen eines leeren Zuges unterhalb des Col des Bouquetins (Ollon, VD) von einer Lawine getroffen und aus den Schienen gehoben. Es wurde niemand verletzt.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.