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MIRIAM
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Freiburg,
März 2018
»Sie spricht wieder.«
Miriam hielt das Handy dicht an ihr Ohr und spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Achtlos warf sie einen Blick aus dem Fenster, sah auf das gegenüberliegende dunkelrote Backsteingebäude der ehemaligen Universitätsbibliothek und atmete tief durch.
Was für eine wunderbare Nachricht! Eine, die Miriams Panik vor Hiobsbotschaften im Zusammenhang mit ihrer Großmutter für einen Moment verdrängte. In der Bibliothek des Deutschen Seminars der Albert-Ludwigs-Universität schien es mucksmäuschenstill zu sein.
»Wirklich?«, flüsterte Miriam ungläubig.
Schräg hinter ihr raschelte jemand mit Papier.
»Ja«, sagte Miriams Großtante Lotte. »Die Stationsleitung hat angerufen. Sie konnten dich nicht erreichen. Klara spricht wieder.«
Gleich nach der Diagnose vor sechs Wochen hatten die Ärzte Miriam erklärt, man müsste Geduld haben, und ob Klara nach ihrem Schlaganfall jemals wieder sprechen würde, sei ungewiss.
»Was sagt sie?«, fragte Miriam leise und sah sich um.
In der Präsenzbibliothek hatten sich an diesem kalten Märztag nur einige Studierende eingefunden.
Miriam hatte ihren Lieblingsplatz am Fenster bekommen, vor ihr lagen drei aufgeschlagene Bücher mit Post-its, ein Notizbuch, ein Füllfederhalter. Wann immer es ging, ließ sie den Laptop im Büro und schrieb von Hand.
Fontane. Die Berliner Romane. Effi Briest. Eine literaturgeschichtliche Abhandlung über die Standesunterschiede im ausgehenden 19. Jahrhundert und der fragwürdige Versuch, ihn durch amouröse Abenteuer zu überwinden. Nahezu ausschließlich waren Frauen die Verliererinnen dieser Grenzüberschreitung und die Schöpfer jener Werke Männer.
»Ist sie bei klarem Verstand?«, flüsterte Miriam weiter, klappte ihre Bücher zu, klemmte sie zusammen mit den anderen Unterlagen unter den Arm und stand auf.
»Warum sprichst du denn so leise? Ich verstehe dich kaum«, hörte sie die vorwurfsvolle Stimme ihrer Großtante.
»Ich bin an der Uni«, flüsterte Miriam, während sie an den meterhohen Bücherregalen vorbeiging.
Der Geruch von bedrucktem Papier streifte ihre Nase.
Im Flur empfing sie die Geräuschkulisse eines aus dem Winterschlaf erwachenden Universitätsbetriebs. In zwei Wochen war Semesterbeginn. Das Echo der Stimmen mischte sich mit Geraschel, Schritten und Zurufen der Studierenden. M