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| Gregor der Grosse († 604) - Vier Bücher Dialoge (Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum)

Viertes Buch
V. Kapitel: Zu der Frage, ob eine Seele, die unsichtbar scheidet, überhaupt existiere, da man sie nicht sehen kann
Petrus. Ich war gerade einmal anwesend, als ein Bruder starb. Plötzlich, während er noch redete, hauchte er den Lebensodem aus; während ich ihn vorhin noch mit mir reden sah, sah ich ihn nun mit einem Male tot vor mir. Ob aber seine Seele davongegangen ist oder nicht, das habe ich nicht gesehen; und es scheint sehr schwer, an eine Sache zu glauben, die niemand zu sehen vermag.
Gregorius. Warum wunderst du dich, Petrus, daß du die Seele bei ihrem Scheiden nicht siehst, da du sie auch nicht siehst, solange sie im Körper weilt? Hältst du mich vielleicht eben jetzt in dem Augenblick, wo du mit mir redest, für entseelt, weil du meine Seele in mir [S. 193] nicht sehen kannst? Die Seele ist ihrer Natur nach unsichtbar, und sie verläßt den Körper ebenso unsichtbar, wie sie im Körper unsichtbar weilt.