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«Denver-Clan» und Frauen, die sich prügeln
Obiges Schild habe ich für Sie in einer Migros-Filiale in Zürich gefunden, meine Damen und Herren. Es weist einerseits auf die Spielsachen mit technischem Charakter (wie Legosteine und Spielzeugtrucks) hin, andererseits darauf, dass auch progressive Unternehmen wie die Migros hier und da womöglich noch kleinere Modernisierungslücken aufweisen. Nicht nur, was die Deckenverkleidung angeht.
Das Stichwort «Boy Toys» bringt mich sofort auf den Kulturtheoretiker Klaus Theweleit, der in seinem neuesten Werk («Das Lachen der Täter») unter anderem ausführt, dass Männer in praktisch allen Kulturen qua Sozialisierung dazu angeleitet werden, Emotionen motorisch abzureagieren. (Günstigstenfalls durch Sport – hier möchte ich gerne hinweisen auf den Film «Dessau Dancers», der sich dem Phänomen «Breakdance in der DDR» widmet.)
Wenn wiederum Frauen so verfahren, also: Emotionen motorisch abreagieren – ist ist das Ergebnis in der populärkulturellen Darstellung nicht selten: camp. Also so überspitzt, dass es selbstparodistische Züge trägt. Wie bei diesem Schlammkampf im Seerosenteich. Vielleicht erinnern Sie sich nicht, weil Sie nicht schwul oder nicht alt genug sind: Ich spreche von «Dynasty» (auf Deutsch ein wenig unbeholfen «Der Denver-Clan» tituliert), dieser Primetime-Seifenoper aus den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts, und unlängst las ich in «Vanity Fair» einen interessanten Essay von James Wolcott darüber, wie reiche Leute im Wandel der Zeit im Fernsehen dargestellt wurden, und in diesem Rahmen wurde auch jener legendäre Catfight thematisiert: Alexis gegen Krystle im Seerosenteich, 13. April 1983, «a date that would live forever in the history of camp». So schrieb Wolcott in «Vanity Fair».
Und weiter:
This glossy legacy of manicured hand-to-hand combat lives on in reality-TV series showcasing the unreal «Real Housewives» of Beverly Hills, Orange County, New York City, New Jersey, Atlanta, D.C., and Miami, a cable franchise which eliminates needless fluff such as plot, trained actors, and finely etched dialogue to focus on the riveting essentials of psychodrama: jealousy, scorn, trash talk, and table-flipping, hair-pulling, face-scratching, champagne-flute-flying tantrums – Clare Boothe Luce’s The Women rehatched as a weekly mosh pit. And then there are all those Kardashians, who keep popping out of the luxury clown car –if only The Beverly Hillbillies could be updated so that Kim K. and Elly May could do Rodeo Drive shopping together! That would be the ultimate in crossover TV.
So viel zur popkulturellen Bestandesaufnahme unserer Tage, meine Damen und Herren. Und wenn ich ein bisschen darüber nachdenke, so ist eigentlich auch dieses Schild da oben reichlich camp: Boy Toys. Ist das Absicht? Wer wollte es sagen. Bis übermorn.
Alexis gegen Krystle: Der legendäre Kampf im Seerosen-Teich. Quelle: Youtube