Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03202.jsonl.gz/1030

Als Danny Trejo 14 Jahre alt war, so geht die Legende, brachte ihm sein Onkel Gilberto bei, wie man mit einer Schusswaffe einen Raubüberfall begeht. Zu diesem Zeitpunkt, erzählt der 69-jährige Action-Darsteller heute, geht er davon aus, dass er sein 15. Lebensjahr nicht überlebt.
Aufgewachsen ist Danny Trejo im Latino-Stadtteil Echo Park in Los Angeles. Mit besagtem Onkel Gilberto, einem Junkie und Kleinganoven, als Mentor und Vorbild. Der war immer schick gekleidet, hatte coole Freunde, schöne Frauen und dicke Autos – so wollte klein Danny auch mal werden. Der einzige Weg, dieses Ziel zu erreichen, war ihm schnell klar: eine erfolgreiche Karriere als Ganove.
Auf der Brust: Eine Frau mit Sombrero
Zielstrebig geht Trejo zu Werk. Und eifert seinem Onkel auch beim Drogenkonsum nach. Mit 8 habe er seinen ersten Joint geraucht, mit 12 den ersten Schuss Heroin gesetzt. Mit 14 schliesslich geht er für Raubüberfälle mit dicken Knarren auf die Strasse. Und in sämtlichen Strafanstalten Kaliforniens ein und aus.
Seinen ersten Filmauftritt hat er, wenn man so möchte, seiner Zeit hinter Gittern zu verdanken: Während seinen Gefängnisaufenthalten lernt er boxen. Auch die grosse, ziemlich verruchte Tätowierung auf seiner Brust, eine Frau mit Sombrero, stammt aus seiner Knacki-Zeit.
Just diese beiden Dinge wecken die Aufmerksamkeit des Regisseurs Andrey Konchalovskiy auf dem Set des Films «Runaway Train»; einem Actiondrama von 1985 mit Jon Voight und Eric Roberts in den Hauptrollen. Konchalovskiy besetzt Danny Trejo vom Fleck weg, als Gegenpart von Eric Roberts in einer Boxszene.
Adrenalin-Kick wie vor einem Raubüberfall
Mittlerweile ist Danny Trejo Medienprofi durch und durch. Er weiss seine knackige Lebensgeschichte an den Mann zu bringen. Wenn er Journalisten aus seinem Leben erzählt, tut er dies stets in identischen Sätzen, mit identischen Pointen. Zum Beispiel der, dass er nur auf dem Filmset von «Runaway Train» aufgetaucht ist, weil er, mittlerweile Drogen-Berater, einen seiner Paten betreuen wollte. Der hatte ihn spät abends verzweifelt angerufen und um seelische Unterstützung gebeten.
«Ich dachte, dass wir wieder einmal auf irgendeinem Parkplatz im Dunkeln nebeneinander im Auto sitzen und ein bisschen quatschen würden. Und dass uns wieder jeder für zwei Schwule halten würde.» Stattdessen beginnt an diesem Abend seine Karriere als Schauspieler. «Als der Regisseur das erste Mal ‹Action› rief, ehrlich, da spürte ich den gleichen Adrenalin-Kick wie vor einem Raubüberfall. Boom, die totale Kontrolle. Völlig unwirklich. Bang!»
Namenloser Ex-Knacki
Danny Trejo ist kein Mann der distinguierten Redekunst. Er hat ein Faible für den derben Männerwitz und setzt sein raues, schallendes Räuber-Hotzenplotz-Lachen wirkungsvoll in Szene. Doch entgegen seinem Raubein-Image äussert er sich in den Medien kritisch zu gesellschaftspolitischen Fragen. Er engagiert sich in Schulen für Drogen-Aufklärung und für die Anliegen der Latino-Gemeinde in den USA.
Er selbst ist mittlerweile seit 45 Jahren clean, sagt er. Und sogar Nichtraucher. Als Trejos Gross-Cousin, Regie-Bad-Boy Robert Rodriguez, ihn 1995 in seinem Film «Desperado» besetzt, kommt Danny Trejos Schauspielkarriere richtig in Schwung. Vor diesem Film hat er meist namenlose Ex-Knackis gespielt. Nach «Desperado» werden ihm plötzlich tragende Rollen angeboten.
Rächer-Geschichte im Weltall
Auch die Figur des «Machete» geht auf Robert Rodriguez zurück. Und zwar nicht auf seinen gleichnamigen Film von 2010, der Danny Trejo endgültig zum Star machen sollte. Auch nicht auf den Grindhouse-Fake-Trailer von 2007, wie es oft verkürzt heisst. Sondern auf Rodriguez' Familienfilm-Reihe «Spy Kids», in der die Figur «Machete Cortez» das erste Mal auftritt.
Und so ist das vorsätzliche Action-Trash-B-Movie «Machete» im Grunde ein Prequel, das die Vorgeschichte dieser Figur erzählt. Und nun eine neue, eigene Reihe begründet.
Denn nach dem zweiten Teil, «Machete Kills», der jetzt in den Schweizer Kinos startet, kündet ein Trailer schon den dritten Teil an. Dieser befördert die Rächer-Geschichte vollends ins Absurde, nämlich ins Weltall: «Machete Kills Again… In Space!», heisst es dann.
Dicke Waffen, schöne Frauen
Nach mässigen Einspielergebnissen für Teil eins anno 2010 ist die Fortsetzung «Machete Kills» in den USA richtiggehend gefloppt. Danny Trejo kann das egal sein: Der unkaputtbare Buschmesser-Virtuose ist die Rolle seines Lebens. Die kultige Figur, die besser ist als die dazugehörigen Filme, hat seiner Karriere noch einmal einen kräftigen Schub verpasst. Rund ein Dutzend weiterer Projekte hat Hollywoods schönstes Narbengesicht für nächstes Jahr in der Pipeline.
In über 200 Filmen ist der Vielarbeiter dann insgesamt zu sehen, immer in seiner Paraderolle als gnadenloser Gesetzesbrecher. Mit dicken Waffen und schönen Frauen. Fast so, wie er sich das als kleiner Junge in Echo Park einst erträumt hat.