Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03414.jsonl.gz/2437

1) Totale Farbenblindheit (Achromatopsie), das Spektrum erscheint farblos, die Stelle des Grüngelb ist die hellste und wird nach beiden Seiten
hin dunkler. Ein farbiges Gemälde erscheint wie eine Photographie. Mitunter werden die verschiedenen Grade der Lichtintensität
in Einer Farbe (z. B. Gelb) wahrgenommen, zu welcher jede andre Farbenvergleichung fehlt. Kommt einseitig
angeboren vor, während das andre Auge normal farbensichtig ist.
2) Blaugelbblindheit (Erythrochloropie), das Spektrum besteht nur aus Rot undGrün, seine blauviolette Seite ist meist stark
verkürzt. Kommt
¶
4) Unvollständige Farbenblindheit, herabgesetzter Farbensinn, ein Zustand, in welchem die Feinheit der Farbenempfindung fehlt, so daß
die Farben z. B. nur an größern Objekten oder nur in der Nähe wahrgenommen werden, auch beim Vermischen mit Weiß alsbald
nicht mehr als solche erscheinen. Ein gewisser Grad dieser Form ist häufig, insofern viele Grünblau
oder Blaugrün nicht zu unterscheiden vermögen. Die Farbenblindheit ist meist angeboren, und die Grünblindheit erbt
oft von dem Großvater auf den Sohn der farbenkräftigen Tochter.
Bei Hysterischen kommt bisweilen periodische Farbenblindheit vor, ebenso beobachtete man sie bei Hypnotisierten (vgl.
Metallotherapie). BeimSehen
[* 6] durch Fuchsingläser nehmen Farbenblinde wohl Farben wahr, welche sie sonst
nicht unterscheiden, ohne indes den richtigen Farbenton zu empfinden. Die Farbenblindheit wurde zuerst 1777 von Huddart
erwähnt sowie von Dalton, der selbst rotblind war, 1794 genauer beschrieben und seitdem von Prevost als Daltonismus bezeichnet.
Seebeck machte 1837 methodische Untersuchungen, und Holmgren fand, daß von 1000 Männern etwa 30, von 1000 Frauen
etwa 3 farbenblind sind.
Man glaubte dies auffallende Verhältnis darauf zurückführen zu können, daß von Beginn des Menschengeschlechts an die
Beschäftigung mit farbigen Objekten hauptsächlich den Frauen zugefallen ist, und verstieg sich zu der Vermutung, daß das
Auge der primitiven Menschen für eine Reihe von Farben unempfindlich gewesen sei (vgl. Farbensinn). Holmgren
hat zuerst auf die Bedeutung der Farbenblindheit für das praktische Leben aufmerksam gemacht und gezeigt, wie notwendig es sei, daß kein
Eisenbahnbeamter oder Schiffslenker angestellt werde, ohne sich vorher über die Zuverlässigkeit seines Farbensinns ausgewiesen
zuhaben, da ein Farbenblinder unmöglich rote und grüne Signallichter richtig erkennen könne.
NachCohn und Magnus fanden sich unter 2318 Schülerinnen nur 11, unter 2761 Schülern 76 Farbenblinde. Unter den Schülern fand
sich Farbenblindheit doppelt so häufig bei Juden wie bei Christen. Es zeigte sich, daß Farbenblindheit auch vorübergehend nach großer Abspannung
oder Krankheit eintreten kann. Mace und Nacati haben gefunden, daß ein Rotblinder grünes Licht
[* 7] viel heller empfindet als ein
Normalsichtiger, während beim Grünblinden eine übermäßige Empfindlichkeit für Rot undViolett vorhanden ist. Es scheint
also, daß Farbenblinde das, was ihnen für die
eine Farbe an Wahrnehmungsvermögen abgeht, für andre Farben
reichlicher besitzen.
Zur Prüfung der Augen auf Farbenblindheit benutzt man das Aussuchen farbiger Wollfäden, doch ist für wissenschaftliche Zwecke die Benutzung
von Spektralfarben vorzuziehen.
Vgl. Holmgren, Über in ihren Beziehungen zum Eisenbahn- und Seedienst (deutsch, Leipz. 1877);