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Klimawandel und Pandemien: Folgen für Innenstädte und Stadtmobiliar
Der Klimawandel wirkt sich rund um den Erdball aus: am Nord- und Südpol schmilzt das Eis, der Meeresspiegel steigt und Hitzewellen nehmen in ihrer Intensität global zu. Gleichzeitig verbreiten sich regelmässig weltumspannende Pandemien. Dies hat Folgen für sämtliche Kontinente und ihre Bewohner. Auch Städte und Gemeinden in der Schweiz sind gefordert, ihre öffentlichen Räume diesen Extrembedingungen anzupassen. Mobiles Stadtmobiliar leistet dabei einen wichtigen Beitrag.
Der Klimawandel ist allgegenwärtig. Die globale Durchschnittstemperatur steigt nicht linear, sondern exponentiell an. So war die Zunahme in den letzten 30 Jahren am höchsten seit Beginn der Messungen 1850. Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten Messinstrumente verfügbar, die eine genügend hohe Genauigkeit aufwiesen, dass sie mit den heutigen Messverfahren vergleichbar sind. Dabei zeigte sich, dass aus globaler Sicht 12 der letzten 14 Jahre die heissesten seit Beginn der Aufzeichnungen waren. In dieser Zeit haben Gletscher zwei Drittel ihres Volumens verloren. Die durchschnittliche Temperatur ist in Europa in dieser Zeit um 1 Grad Celsius gestiegen.
In den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird der Klimawandel zu weiteren extremen Wetterereignissen führen: in Nordeuropa ist mit vermehrten Überschwemmungen zu rechnen, während in Mittel- und Südeuropa häufiger extreme Hitze, Dürren und Waldbrände auftreten. Ballungsgebiete oder städtische Zonen in der Schweiz sind hier keine Ausnahme – auch sie leiden unter den Hitzewellen. Die Menschen bekommen diese insbesondere in den Jahr für Jahr heisser werdenden Sommermonaten zu spüren.
Abbildung 1 zeigt die Temperaturentwicklung in der Schweiz auf anschauliche Weise. Die letzten drei Jahrzehnte war die jährliche Durchschnittstemperatur konstant über dem Durchschnitt von 1961–1990. Gleichzeitig nimmt der rollende Trend über die jeweils letzten 20 Jahre kontinuierlich zu.
Abbildung 1: Durchschnittliche Jahrestemperatur Schweiz, 1864–2019.
Abweichung vom Durchschnitt 1961–1990
Dennoch sehnt sich die Bevölkerung während der warmen Jahreszeit nach frischer Luft und dem Aufenthalt im Freien. In Städten und Gemeinden werden in Schönwetterperioden öffentliche Plätze, Parkanlagen oder Altstadtzonen zu beliebten Aufenthaltsorten. Diese frei zugänglichen Begegnungsflächen fördern das subjektive Wohlbefinden, indem sie Entspannung, Inspiration, Konzentration oder Interaktionen zwischen Menschen ermöglichen.
Verschiedene Städte haben einerseits die Bedürfnisse der Bevölkerung und andererseits die Herausforderungen des Klimawandels erkannt und stellen in öffentlichen Freiräumen mobiles Stadtmobiliar wie Stühle, Sessel oder Liegen zur Verfügung. Diese sind nicht wie klassische Parkbänke fest am Boden verankert, sondern die Besucher selbst platzieren die Sitzgelegenheiten jeweils am gewünschten Standort – sei es innerhalb einer Parkanlage, eines öffentlichen Platzes oder in verkehrsfreien Innenstadtzonen. So lässt es sich im Sommer im Schutz des Schattens eines Baumes ausruhen, in einer Gruppe gemütlich ein Gespräch führen, allein in Ruhe lesen oder diskret telefonieren. Während einer ausgedehnten Shopping-Tour schätzen die Innenstadtbesucher bei einem kleinen Imbiss vom Take-Away nebenan die Erholung auf solchen frei platzierbaren Stühlen. Wer im Frühling oder Herbst etwas Wärme möchte, verlagert seine Sitzgelegenheit an einen sonnigen Platz und geniesst dort die Sonnenstrahlen. Beispiele dafür sind etwa der Sechseläutenplatz in Zürich mit zahlreichen Stühlen aus Stahl oder die Bestuhlungen in den Innenstädten von Basel, Grenchen oder Luzern mit den Stuhlkollektionen Luxembourg oder Miela.
Wechselwirkung der Aufenthaltsqualität in Innenstädten
Innenstädte und Tourismusdestinationen haben sich allerdings nicht nur den Herausforderungen der Klimaerwärmung zu stellen. Für die meisten von ihnen gilt es, ständig ihre Attraktivität zu steigern, um das Image und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Wichtige Indikatoren für die Standortattraktivität ist die Zunahme der Anzahl Besucher und ihre Verweildauer. Dabei spielt das subjektive Wohlbefinden der Bewohner und Touristen in öffentlichen Freiräumen eine entscheidende Rolle – dieses ist ausschlaggebend für die wahrgenommene Aufenthaltsqualität und in der Folge für die Länge der Verweildauer der Besucher.
Eine vielbeachtete Studie¹ des MIT zeigt auf, dass die Verweildauer in einer Einkaufszone einen direkten Einfluss auf die Umsatzentwicklung der dort ansässigen Ladengeschäfte hat. Gelingt es, die Verweildauer von Besuchern in der Einkaufsumgebung nur um 1% zu verlängern, so steigt der Umsatz im umliegenden Einzelhandel im Durchschnitt um 1.3%.
Innenstädte und Gemeinden, die die Aufenthaltsqualität in öffentlichen Zonen fördern, verstärken damit das positive Stadt- und Einkaufserlebnis bei den Besuchern. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Stadt als Tourismusdestination und das umliegende Gewerbe sowie den Einzelhandel aus:
Abbildung 2: Wechselwirkungen von hoher Aufenthaltsqualität in Innenstädten und Gemeinden
Eine Studie von Fussverkehr Schweiz² kam zum Ergebnis, dass sich Menschen durchschnittlich längere Zeit in einer öffentlichen Zone aufhalten, wenn Sitzgelegenheiten vorhanden sind. Mobiles Stadtmobiliar ist dabei besonders effizient, da es sich ohne Installationsaufwand platzieren lässt. Für die Bestuhlungskonzepte in der Innenstadt haben einzelne innovative Städte Ladenbesitzer miteinbezogen: diese stellen die von der Stadt beschafften Sitzgelegenheiten jeweils morgens vor ihre Läden in die öffentliche Zone und versorgen sie nach Ladenschluss jeweils in ihren Geschäftsräumlichkeiten. Auf diese Weise bleibt der logistische Aufwand für die betroffenen Städte oder Gemeinden tief und die Ladengeschäfte profitieren von der höheren Verweildauer der möglichen Kunden vor ihren Lokalen und damit von steigenden Umsätzen.
Abbildung 3: Mobiles Stadtmobiliar «Luxembourg»
vor einem Ladengeschäft der Luzerner Innenstadt.
Bild: Cityvereinigung Luzern
Kriterien der Aufenthaltsqualität: Sitzgelegenheiten gefragt
Das Centre of Public Health Research in Kopenhagen hat unter der Leitung des renommierten Stadtplaners und Architekten Jan Gehl ein Instrument³ mit zwölf Kriterien entwickelt, um die Qualität von öffentlichen Freiräumen zu bewerten. Die Kriterien gruppieren sich um die Themen Schutz, Komfort und Genuss. Bei drei der zwölf Kriterien geht das Instrument auf die Verfügbarkeit und Eignung von Sitzgelegenheiten in öffentlichen Zonen ein. Dazu stellt es folgende Fragen zur Bewertung der Standortqualität:
- Sitzgelegenheiten für körperlichen Komfort
Können sich die Besucher der öffentlichen Zone auf frei verfügbare Sitzgelegenheiten setzen, ohne dafür bezahlen zu müssen (z.B. weil nur Gastronomiebetriebe Stühle anbieten) und sind genügend davon verfügbar?
- Sitzgelegenheiten für den visuellen Komfort
Sind die Sitzgelegenheiten in einer für die sitzende Person interessante Blickrichtung platziert?
- Sitzgelegenheiten, um das Mikroklima zu geniessen
Sind Stühle oder Bänke so platziert, dass sie während verschiedenen Jahreszeiten sowohl Platz an der Sonne als auch Schattenplätze bieten? Sind die Standorte vor Wind geschützt?
Mobile Stühle, Sessel oder Liegen, die sich in frei zugänglichen Aussenräumen individuell durch die Nutzer platzieren lassen, sind dank ihrer Flexibilität und Mobilität die passende Antwort auf die aufgelisteten Qualitätskriterien. Sie leisten damit einen substanziellen Beitrag, um die Aufenthaltsqualität und die Standortattraktivität zu fördern. Gleichzeitig erfüllen sie die Bedürfnisse von Bewohnern und Touristen, sich trotz Klimawandel und Sommerhitze in den öffentlichen Freiräumen wohl zu fühlen.
Vereinfachtes Social Distancing
Um zu verhindern, dass sich ein Virus wie Covid-19 mit exponentieller Geschwindigkeit verbreitet, lautet das Gebot der Stunde während einer Pandemie bekanntlich Social Distancing. Das aktive, selbstverantwortliche Abstand Halten von Mensch zu Mensch hat sich als wirksames Instrument zur Virenbekämpfung bewährt. Damit sinkt das Ansteckungsrisiko weitgehend, ohne dass Behörden eine strikte landesweite Quarantäne für alle Bewohner verordnen müssen. Mobile Sitzgelegenheiten in Innenstädten lassen sich von den Besuchern so positionieren, dass sie auf einfache Weise die Vorgaben von Social Distancing (z.B. 2 Meter Abstand zur nächsten Person) auch in der Innenstadt oder im Park einhalten können. Die eingesetzten mobilen Stühle oder Sessel müssen sich allerdings für die öffentliche Nutzung eignen und daher über die erforderliche Robustheit und Witterungsbeständigkeit verfügen. Ihr Gewicht soll es ermöglichen, dass sie sich durch eine Person umplatzieren lassen und dennoch sollen sie bei starken Winden eine hohe Standfestigkeit aufweisen. Spezifisch für öffentliche Aussenräume gestaltete Stühle wie etwa die Kollektion Luxembourg erfüllen diese Anforderungen.
Quellen:
1 Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Zusammenarbeit mit Path Intelligence: «Time is Money»
2 Fussverkehr Schweiz: Methoden zur Beurteilung der Aufenthaltsqualität
3 Gehl Institute: Twelve Quality Criteria for Public Spaces