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Dies ist der Film, für den Grace Kelly 1955 ihren Oscar erhielt. Und das notabene als zweite Wahl und nur, weil die ursprünglich vorgesehene Jennifer Jones schwanger wurde und deren mächtiger
Ehemann David O. Selznick sich in seiner Funktion als Produzent am Ende doch noch davon abbringen liess, seine Gattin trotzdem zu besetzen. Für Kelly, die zu dieser Zeit gerade zur
Lieblingsschauspielerin von Alfred Hitchcock avanciert war und bereits in «Dial M for Murder» und «Rear Window» mitgespielt hatte («To Catch a Thief» sollte noch folgen), war die
(Charakter-)Rolle der desillusionierten Gattin eines alkoholkranken einstigen Broadway-Stars (Bing Crosby) die grosse Chance, sich zur ernst zu nehmenden Mimin weiterzuentwickeln. Und in der Tat
ist George Seatons «The Country Girl», die
Adaption des gleichnamigen Theaterstücks von Clifford Odets, am Ende zuvörderst ein Fest der Schauspielkunst, zu dem neben Kelly aber auch Crosby als weinerlicher notorischer Lügner ebenso einen
gewichtigen Teil beiträgt wie Hauptdarsteller Sterling Hayden als Broadway-Regisseur, der dem schon vor langer Zeit abgestürzten Traumtänzer gegen alle Widerstände eine letzte Chance geben
möchte.
Gehörig zu beeindrucken weiss dieses siebenfach Oscar-nominierte Drama indes auch durch seine für die damalige Kinozeit recht unverblümten Dialoge und den ziemlich ungeschminkten Umgang mit schwierigen Themen. Direkt als kontrovers lässt sich «The Country Girl» zumal aus heutiger Sicht zwar nicht taxieren; doch gibt es hier immer wieder Momente von beinahe überrumpelnder Intensität. Dass der Film am Ende auch mal auf Soap-Opera-Terrain abdriftet, fällt dann insofern kaum ins Gewicht, als Seaton, der anderthalb Jahrzehnte später mit dem Katastrophenthriller «Airport» nochmals einen Riesenhit landen sollte, auch diese Momente eher delikat und nüchtern inszeniert. Eher auf der pikanten, um nicht zu sagen gepfefferten Seite findet sich derweil eine dieser typischen wilden Hollywood-Anekdoten, die «The Country Girl» umrankt. So sollen Kelly und Crosby während der Produktion eine Affäre miteinander unterhalten haben. Als Kelly dann den Oscar erhielt, soll Cosby sie in Erwartung, die Nacht mit ihr zu verbringen, in ihrem Hotelzimmer aufgesucht haben – nur um dort Marlon Brando, der ihm früher am Abend den Oscar weggeschnappt hatte, in ihrem Bett zu anzutreffen...