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05.12.2018 – Die Niederschläge von Anfang Dezember haben zur Entspannung der Niedrigwassersituation im Schweizer Mittelland, in der Westschweiz und im Jura beigetragen. Einige Flüsse sind deutlich angestiegen. Bei den Seen sowie im Grundwasser braucht es aber länger, bis sich die Pegel normalisieren. Die Niedrigwasserlage auf der Alpennordseite hatte im November angehalten und sich in einigen Gewässern gar weiter verstärkt. Im Tessin befanden sich die Pegel der Gewässer bereits seit den starken Niederschlägen Ende Oktober wieder auf einem für die Saison durchschnittlichen Niveau.
Ende Oktober fielen im Tessin, im Wallis und in den Bündner Südtälern starke Niederschläge, die im Tessin zu Hochwasser führten. Auch auf der Alpennordseite regnete es und es kam zu kurzzeitigen Pegelanstiegen in den Gewässern. Im November jedoch gab es auf der Alpennordseite nur wenig Regen. Zudem fiel der Niederschlag in höheren Lagen vermehrt als Schnee und gelangte daher nicht oder verzögert zum Abfluss. Die Fliessgewässer und Seen im Mittelland und im Jura führten deshalb im November weiterhin Niedrigwasser.
In den ersten Dezembertagen fielen auf der Alpennordseite und im Wallis zwischen 20 und 50 mm Niederschlag, im westlichen Jura waren es über 50 mm, Schnee fiel nur in höheren Lagen. Der Regen führte zu einem Anstieg des Abflusses in den Fliessgewässern in den betroffenen Regionen und damit vielerorts zu einer Entspannung der Niedrigwassersituation.
Ausgeprägte Niedrigwasserlage in den Fliessgewässern im November
Die Regenfälle Ende Oktober führten in den Fliessgewässern auf der Alpennordseite nur zu einem vorübergehenden Anstieg der Pegel. Anfang November sanken sie bereits wieder. Am stärksten vom Niedrigwasser betroffen waren das zentrale und östliche Mittelland, der Jura sowie die Voralpen im Kanton Bern und in der Zentralschweiz.
Einige Fliessgewässer erreichten im November ihren bisherigen Tiefststand des Niedrigwasserjahres 2018, so z.B. kleinere Gewässer wie die Areuse bei Boudry, die Glatt bei Rheinsfelden oder die Sitter bei St. Gallen. Auch die Aare und der Rhein unterhalb des Zuflusses der Aare erreichten im November ihr bisheriges Minimum des Jahres 2018. Weiter flussaufwärts waren die tiefsten Abflusswerte im Rhein bereits im Oktober gemessen worden, im November stiegen dort die Werte wieder leicht an.
Im Niedrigwasserjahr 2018 wurden bisher bei 57 von 207 Messstationen des BAFU an Fliessgewässern Werte gemessen, die statistisch gesehen nur alle 10 Jahre oder seltener auftreten. Bei 11 dieser Stationen werden die Abflussmengen gar nur alle 100 Jahre oder seltener beobachtet.
Die ergiebigen Niederschläge der ersten Dezembertage führten nun zu einem Anstieg der Pegel in fast allen Fliessgewässern der Alpennordseite. Vor allem kleinere oder mittelgrosse Flüsse wie beispielsweise die Kander, die Emme und die Thur reagierten schnell mit einem starken Abflussanstieg. Der Abfluss des Rheins bei Basel stieg Anfang Dezember zeitweise auf über 1000 m3/s an, was fast einer Verdreifachung der gemessenen Menge von Ende November entspricht.
Im Tessin wurden bereits seit dem Hochwasser von Ende Oktober für diese Jahreszeit durchschnittliche Abflüsse gemessen. Auch im Oberwallis und in Graubünden bewegten sich die Abflüsse in einem für diese Jahreszeit normalen Bereich.
Jährlichkeit des Ereignisses abhängig von der Messperiode
Die statistische Berechnung der Jährlichkeit eines Niedrigwasserereignisses ist stark davon abhängig, wie weit zurück die Messungen für eine Station vorliegen. Dies zeigt sich bei den Stationen an der Aare und am Rhein: An der Aare bei Untersiggenthal und am Rhein bei Basel reichen die Abflussbestimmungen bis zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert zurück. Dort ergibt sich für den niedrigsten Abfluss im November 2018 eine Wiederkehrperiode von 2 bis 5 Jahren für die Aare und von 5 bis 10 Jahren für den Rhein. Grund dafür sind einige Jahre mit ausgeprägten Niedrigwasserereignissen am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts. Würde man diese Ereignisse in der Statistik nicht berücksichtigen, wäre die Jährlichkeit des tiefsten im Jahr 2018 gemessenen Wertes bei beiden Stationen höher. Bei Stationen an denselben Flüssen aber mit kürzeren Messperioden (z.B. Aare-Brugg oder Rhein-Rheinfelden) ergibt die statistische Einordnung denn auch eine Wiederkehrperiode von 10 bis 30 Jahren.
Eine detaillierte Zusammenstellung der niedrigsten Abflusswerte von Juli bis zum 2. Dezember 2018 sowie der berechneten Jährlichkeiten und der Länge der Auswertungsperiode ist untenstehender Tabelle zu entnehmen.
Niedrigwasserdauer als zusätzliche Kenngrösse
Zur Charakterisierung eines Niedrigwasserereignisses ist nebst der niedrigsten erreichten Abflussmenge die Niedrigwasserdauer eine wichtige Kenngrösse. Die Niedrigwassersituation, die bis Ende November 2018 anhielt, ist auch in dieser Hinsicht aussergewöhnlich. Bei der Station Aare-Brugg beispielsweise dauerte das Ereignis bis Ende November rund 90 Tage an. Für eine statistische Auswertung der Niedrigwasserdauer muss jedoch noch abgewartet werden, bis das Niedrigwasserereignis definitiv vorüber ist, das heisst, bis sich die Abflüsse dauerhaft normalisiert haben.
Tiefe Pegel an den Jurarandseen
Die Wasserstände der Seen auf der Alpennordseite blieben im November sehr tief. Bemerkenswert sind die Pegel der Jurarandseen – Bielersee, Murtensee und Neuenburgersee –, die ab Mitte November unter dem Novemberminimum der 36-jährigen statistischen Auswertungsperiode lagen. Die Wiederkehrperiode der Pegel des Neuenburger- und Bielersees betrug 10 bis 30 Jahre, beim Murtensee waren es 5 bis 10 Jahre.
Im November fiel auch der Pegel des Walensees auf das diesjährige Minimum und befand sich auf einem Niveau, das dort statistisch gesehen nur alle 2 bis 5 Jahre auftritt. Der Pfäffikersee erreichte Ende November den tiefsten Wasserstand seit Messbeginn 1987.
Der Blick in die Statistik der niedrigsten im Jahr 2018 gemessenen Pegel zeigt für weitere kleinere Seen im Mittelland und am Jurarand Wiederkehrperioden von über 10 Jahren. Bei den grösseren Seen erreichten der Lago Maggiore und der Untersee des Bodensees im Jahr 2018 Pegelstände mit einer Wiederkehrperiode von 2 bis 5 Jahren.
Die anderen grösseren Seen Lac Léman, Lago Maggiore, Lago di Lugano sowie Vierwaldstätter-, Zürich, Thuner- und Brienzersee hatten in den Sommer- und Herbstmonaten im Vergleich zu anderen Jahren zwar ebenfalls sehr tiefe Wasserstände. Die statistische Einordnung zeigt jedoch, dass solche Wasserstände bei diesen Seen fast in jedem Jahr auftreten. Diese alljährlich tiefen Wasserstände treten normalerweise aber nicht im Sommer bzw. Herbst, sondern im Winter auf.
Aussergewöhnlich war im Jahr 2018 die Situation am Lac des Brenets: Aufgrund des geringen Zuflusses des Doubs und des verkarsteten Untergrundes sank der Pegel dieses Sees im Jura bis im November täglich um mehrere Zentimeter. Der Tiefststand wurde am 23. November erreicht und betrug 735.89 m ü. M. Der tiefste Wert, der beim Lac des Brenets je gemessen wurde, betrug 734.66 m ü. M. (5. Oktober 1906).
Die Seepegel sind aufgrund des Niederschlags von Anfang Dezember leicht angestiegen. Sie reagieren jedoch nicht so schnell wie die Fliessgewässer: Die Pegel der Jurarandseen, des Zuger-, Zürich- und Bodensees sind noch immer deutlich unterdurchschnittlich für diese Jahreszeit.
Die Tessiner Seen Lago Maggiore und Lago di Lugano wiesen nach dem starken Anstieg Ende Oktober und Anfang November wieder für die Jahreszeit durchschnittliche und leicht sinkende Wasserstände auf.
Eine detaillierte Zusammenstellung der niedrigsten Seewasserstände von Juli 2018 bis zum 3. Dezember 2018 ist untenstehender Tabelle zu entnehmen.
Anhaltende Niedrigwassersituation im Grundwasser
Infolge der anhaltend unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen gingen Grundwasserstände und Quellabflüsse im Laufe des Monats November weiter zurück. Lediglich im Tessin und in Graubünden liessen die intensiven Niederschläge von Ende Oktober und Anfang November die Grundwasserstände und Quellabflüsse ansteigen. Auf der Alpennordseite konnten von den ergiebigen Niederschlägen von Anfang Dezember vor allem oberflächennahe Lockergesteins- und Karst-Grundwasserleiter vorübergehend profitieren. Derzeit liegen hier verbreitet tiefe Grundwasserstände mit uneinheitlicher Tendenz vor. Auf der Alpensüdseite sind derzeit sinkende Grundwasserstände im Normalbereich zu verzeichnen.
80% des Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen. Lokal gab es in den letzten Monaten Versorgungsengpässe, die zu Aufrufen zum Wassersparen geführt hatten. Derzeit sind keine neuen Einschränkungen bekannt. Die Trinkwasserversorgung ist, auch aufgrund bestehender Verbundlösungen, weiterhin landesweit gesichert.
Wann ist das Niedrigwasser vorbei?
In den Tessiner Gewässern hatte sich die Situation bereits infolge der starken Niederschläge von Ende Oktober und Anfang November entspannt. Auf der Alpennordseite führten die Regenfälle von Anfang Dezember zu einem markanten Anstieg der Abflüsse und einer Entspannung der Niedrigwassersituation in den Flüssen. Die Seepegel befinden sich zwar noch auf unterdurchschnittlichem Niveau, steigen aber aufgrund der höheren Zuflüsse ebenfalls an. Im Grundwasser kann sich eine ausgeprägte Niedrigwassersituation aufgrund der verzögerten Reaktion auf Niederschläge auch länger hinziehen.
Generell braucht es eine längere Phase mit regelmässigen, ergiebigen Niederschlägen, um das Wasserdefizit in den Böden und insbesondere im Grundwasser wieder auszugleichen und die Pegel in grösseren Flüssen und Seen wieder ganz zu normalisieren. Sinkende Temperaturen führen zudem dazu, dass allfälliger Niederschlag in höheren Lagen vermehrt als Schnee fällt und deshalb nicht oder erst verzögert als Abfluss in die Gewässer gelangt.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 05.12.2018