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Die 6 Filmdosen des Bestandes enthielten die beiden längeren Bahnfilme (je 2 Filmrollen) "Der Kampf gegen Schnee und Eis bei der Bernina-Bahn" und "Eine Reise durch Graubünden, nicht der kürzeste, aber der schönste Weg – mit der Rhätischen und der Berninabahn durchs Engadin und über den Bernina Pass nach Italien", einen Film über den "Wintersport im Engadin" sowie 6 Kleinrollen "Ernten" landwirtschaftlichen Szenen aus dem Puschlav.
Der Winterfilm mit der berühmten Dampfschneeschleuder war bereits über eine in den 1980er Jahren überspielte Kopie bekannt und gilt unter Bahnliebhabern als Highlight. Er dokumentiert auch die Anstrengungen der Berninabahn im Bereich der Lawinensicherung, die Bahndirektor Zimmermann in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Lawinenforschung SLF seit den 1920er Jahren vorantrieb. Die Rollen der Kantonsbibliothek weichen nur geringfügig von der bisher bekannten Version ab. Es kann davon ausgegangen werden, dass das Material immer wieder umgeschnitten und mit neuen Aufnahmen aktualisiert wurde. Die Fassung der Kantonsbibliothek ist mit gut 30 Minuten etwas länger als das bisher bekannte Material. Bahnexperte Gion Rudolf Caprez weist darauf hin, dass der Winterfilm inszeniert ist, einige der dokumentierten Räumungstechniken zum Zeitpunkt der Erstellung (1936/37) bereits überholt waren und v.a. die Innovation der Dampfschleuder und des Räumers herausstreichen sollten.
Der Sommer-Werbefilm galt lange als verschollen, seine Existenz war nur durch Zeitungsartikel bekannt. Im Gegensatz zum Winterfilm kommt "Eine Reise durch Graubünden…" in einem Guss daher, mit einheitlichen Layout der Zwischentitel (dt./engl.). Der gut 40-minütige Film zeigt landschaftliche und bahntechnische Höhepunkte entlang der Bahnstrecke von Chur nach Tirano, baut immer wieder Menschen und Lokalkolorit ein und endet mit Bildern aus dem noch sehr landwirtschaftlich geprägten Tirano zur Mussolini-Zeit.
Beim Sommerfilm kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei den beiden erhaltenen Rollen nicht um das vollständige Dokument handelt. Im ersten Teil des Filmes fehlt ausgerechnet der spektakulärste Abschnitt der Albulastrecke von Filisur bis Samedan. Gemäss Rezensionen von Filmvorführungen in Schweizer Städten dauerte der Film über eine Stunde und enthielt auch Aufnahmen von Maloja und dem Borgo von Poschiavo sowie von der alpinen Fauna und Flora. Eine Vermutung geht dahin, dass der Teil der Albula-Nordrampe mit den vielen Brücken, Kehr- und Spiraltunnels für einen separaten Film verwertet worden ist.
"Wintersport im Engadin" zeigt eine Aneinanderreihung verschiedener Sportarten rund um St. Moritz. In diesem Film lässt sich der dokumentierte FIS-Slalom der Frauen zeitlich einordnen als Wettbewerb innerhalb der 4. Alpinen Skiweltmeisterschaften St. Moritz (16.-20. Februar 1934).
Die mit "Ernten" beschriftete Filmdose enthielt 1 Negativ- und 5 Positiv-Kleinrollen mit Ernteszenen aus dem Puschlav. Obwohl es sich dabei offensichtlich um gestellte Szenen handelt, erlauben die Aufnahmen doch Einblick in landwirtschaftliche Arbeitstechniken und Anbaumethoden in den Vorkriegsjahren. Im Bereich des Kreisviaduktes Brusio wird Getreide, Buchweizen und Tabak geernet, unterhalb der Fraktion Cologna bei Poschiavo wird ein Kartoffelacker mit Rindergespann aufgepflügt und die Feldfrüchte von Hand eingesammelt. Die Szenen in Brusio können aufgrund darin identifizierter Personen auf 1935/1936 datiert werden.
Das einzelne Negativ-Element entspricht einem Teil der Positivelemente. Diese wurden für die Erstellung der Erhaltungskopien und die Digitalisierung in zufälliger Reihenfolge montiert.
Description
Unter der Leitung von Direktor Eduard Zimmermann (1887-1959) ergriff die Berninabahn in den 1930er Jahren Marketingmassnahmen zur Förderung des Reiseverkehrs. Dazu gehörten neben touristischen Angeboten (Sommer- und Winterferien im Puschlav, geführten Bergtouren) auch Lichtbild-Vorträge und Filmvorführungen in der ganzen Schweiz und im Ausland. Die Geschäftsberichte der Berninabahn berichten von jährlich 40-50 Vorführungen mit jeweils bis zu 2000 Zuschauern. Zimmermann selbst kommentierte die Stummfilme und erhielt dafür enthusiastische Besprechungen in der Presse.
Für die Werbefilme gewann Zimmermann den technisch versierten Mitarbeiter Christian Gredig (1891-1960) als Kameramann. Gredig war vermutlich in Zusammenhang mit den Dreharbeiten "Das verlorene Tal" 1934 in Kontakt mit dem Film gekommen. Vermutlich war vor und neben Gredig auch ein weiterer Mitarbeiter der Berninabahn, der Chemiker Fritz Muggli, an den Filmprojekten beteiligt.
Die Werbefilme der Berninabahn galten lange Zeit als verschollen, Mitte der Achtzigerjahre tauchte bei der RhB ein 17-minütiger Film von Christian Gredig über die Schneeräumung am Berninapass auf. Angesichts des schlechten Zustandes des Originalmaterials wurden 16mm-Kopien erstellt, von denen je eine an den Bahn-Filmer Mathias Bundi und an die Cinémathèque Suisse gingen. Bundi verwertete Teile von Gredigs Film zusammen mit eigenen Aufnahmen für seine Produktion "Schneeräumung am Berninapass 1937 & 1990", der Cinémathèque wurden 1998 weitere Filme über die Schneeräumung auf der Berninastrecke übergeben, die teilweise auch Gredig zugeschrieben werden. Aus Presse-Inseraten aus den 1930er Jahren geht hervor, dass auch ein Sommer-Werbefilm – "Quer durch Graubünden" – und Dokumente zu sportlichen sowie volkskundlichen Themen gezeigt wurden. 2018 erhielt die Kantonsbibliothek Graubünden 6 Filmdosen unbekannten Inhaltes angeboten. Es handelte sich um Nitratfilme, deren Beschriftungen einen Zusammenhang mit den Werbefilmen der Berninabahn erahnen liessen.
Inzwischen konnte ein Teil der Filme dank Hinweisen von Fachleuten aus dem Bahnbereich und über die Identifikation gefilmter Personen zeitlich genauer eigeordnet werden.
Die Digitalisierung und digitale Restaurierung der Filme erfolgte 2020 (ab neu erstellten Internegativen bzw. Interpostiven) durch Cinegrell GmbH, Zürich.
5 Titel, 11 Filmrollen (1 Negativ, 10 Positiv)
Bearbeitet wurde der gesamte vorliegende Bestand mit 35mm-Nitratfilmen. Ein geplanter Vergleich der verschiedenen Versionen von "Der Kampf gegen Schnee und Eis" und verwandter Titel der Cinémathèque war nicht durchführbar.
Erfassungsregeln AV-Portal, Kantonsbibliothek Graubünden, an KIDS und RDA orientiert. Erschliessung auf Grundlage der digitalen Kopien 2021 in SharePoint-Datenbank.
Nutzungsrechte liegen bei der Rhätischen Bahn AG und der Kantonsbibliothek Graubünden.
Freier Online-Zugang zu digitalen Kopien über das AV-Medienportal der Kantonsbibliothek Graubünden
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/ekud/afk/kbg/online/av-po…
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.00-17.30, Samstag 9.00-16.00
Kantonsbibliothek Graubünden
Karlihofplatz
7001 Chur
Tel. +41 81 257 28 28
Fax +41 81 257 21 53
<email-pii>
www.kantonsbibliothek.gr.ch
Die Originale und Scans werden in der Cinémathèque suisse die 2020 erstellten Internegative bzw. Interpositive in der Kantonsbibliothek Graubünden gelagert.
Digitale Elemente :
Cinémathèque suisse: Scan-Daten: (DPX, 4K, 10 bit) auf LTO LTFS
Kantonsbibliothek Graubünden: Quicktime 4K, H264 MP4 HD, H264 MP4 SD
- Frischknecht, Jürg, Thomas Kramer, Werner Schweizer. Filmlandschaft Engadin, Bergell, Puschlav, Münstertal. Chur: Verlag Bündner Monatsblatt, 2003. S. 119