Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03532.jsonl.gz/2051

Hier ist Regen an den Vortagen die erste gute Voraussetzung. Folgt darauf eine klare und kalte Nacht mit Temperaturen von -1 bis -5 Grad, könnte Haareis entdeckt werden.
Zu kalt sollte es nicht werden, das Wasser im Totholz darf nämlich nicht vollständig gefrieren. Ideal ist es auch, wenn der Wind nur schwach weht und die Luft nicht allzu trocken ist. Ansonsten sublimiert das Haareis, es geht also direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über.
Sind alle Bedingungen erfüllt, lohnt es sich, keine Zeit zu verlieren und bei Sonnenaufgang im Wald zu sein. Mit den ersten Sonnenstrahlen wird das Haareis schön in Szene gesetzt. Die filigranen Haare schmelzen bei direkter Sonneneinstrahlung rasch wieder ab.
Warum bildet sich Haareis?
Nun aber noch zur schwierigen Frage, warum Haareis überhaupt entsteht.
Alfred Wegner hat bereits im Jahr 1918 das Entstehen von Haareis beschrieben. Mittlerweile ist bekannt, dass es nur auf Totholz entsteht, auf dem ein Winterpilz (Exidiopsis effusa) aktiv ist. Warum das so ist, ist noch nicht abschliessend geklärt.
Erklärt werden kann, dass Flüssigwasser in den Holzporen eine geringere Oberflächenspannung und einen tieferen Schmelzpunkt aufweist, als freies Wasser. Gefriert nun das unterkühlte Wasser aus dem Holz an der Oberfläche, wird weiteres Wasser aus dem Holz nachgesaugt und das filigrane Haar wächst in die Länge.
Weitere Erklärungen von Christian Mätzler, Haareisforscher (Interview ab S. 5).