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Die Umweltorganisation Greenpeace hat den gigantischen russischen «Oil Spill» aus Zehntausenden von winzigen Pipeline-Lecks und anderer Herkunft in Gesprächen mit Betroffenen, Videos und Fotos dokumentiert. Er ist die Folge des Versagens der Regierung, Profitgier, Korruption und Gleichgültigkeit. Das auslaufende Öl versickert in Äcker und vergiftet das Wasser. Ein dicker, schwerer Schlamm breitet sich aus. Tiere und Pflanzen ersticken, Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage.
Vertreter der Öl- und Gasindustrie und ihre PR-Kampagnen wollten die ansässige Bevölkerung von der Wohltat der Ölproduktion überzeugen: Die Bohrvorgänge seien harmlos und wirkten sich positiv für die Entwicklung der Region und ihre Infrastruktur auswirken. Die Realität sieht anders aus. Anhand von Satellitenbildern identifizierte Greenpeace russische Ölpestgebiete; ein Team der Umweltorganisation reiste anschliessend in die Komi-Region am arktischen Kreis. Die Arktis ist im grösseren Rahmen aufgrund der globalen Erwärmung ohnehin dramatischen Veränderungen unterworfen.
Pipeline-Reparatur kostet zu viel
Valery Bratenkov ist als Vorarbeiter auf Ölfeldern ausserhalb von Usinks tätig. Er habe seine Vorgesetzten schon öfters auf Ölaustritte aufmerksam gemacht und verlangt, dass die Pipelines repariert würden, sagt er: «Sie fühlten sich angegriffen und sagten, das koste zu viel Geld.» Ein Fischer in Kolva zeigt seinen mageren Fang: «Vor 40 Jahren kamen sie an, bohrten nach Öl und liessen es einfach in die Landschaft und Flüsse sickern, bis die Fische mit dem Bauch nach oben schwammen. Dann wussten wir, wie die Zukunft aussehen würde.»
Im langen arktischen Winter bleiben Ölaustritte von den zahlreichen unterirdischen Pipelinebrüchen unbemerkt. Mit steigenden Temperaturen im Sommer werden riesige Mengen Öl mit dem Schmelzwasser in die Flüsse gespült. «Im Frühling ist es am Schlimmsten», sagen die Einwohner von Ust›-Usa. «Dann hast Du Öl im Wasser, in der Luft, im Essen, überall.»
Die Rentierzucht verschwindet
Indigene Gruppen im Norden und Fernen Osten Russland sowie in Sibirien, rund 250 000 Menschen, sind am meisten gefährdet. Seit er zwölf war, züchtete Kanev Vyacheslav Vasilyevisch aus Ust›-Usa Rentiere. Sie benötigen ein weites, freies Land. Heute ist das Gebiet von Komi mit 3000 Bohrlöchern, Tausenden von Kilometern Pipelines, Strassen und Einrichtungen der Ölindustrie durchsetzt.
Kanev sagt, dass er seine Tiere immer wieder nach Süden führen muss, um ihnen eine unberührte Weide bieten zu können. Die Rentiere weigerten sich, das Moos und die Flechten aus der kontaminierten Region zu fressen. Das Ausbreiten der Ölindustrie macht das Züchten von Rentieren unmöglich. Es ist keine Lebensgrundlage mehr.
Ölaustritte «fast unmöglich» zu verhindern[
Fünf Millionen Tonen Rohöl laufen pro Jahr auf russischen Öl-Feldern aus. Das ist sieben Mal mehr als bei der Katastrophe der Bohrinsel «Deepwater Horizon» des Ölmulti BP im Golf von Mexiko 2010. Zuvor klassifizierte Regierungsdokumente erklären, dass es «fast unmöglich» sei, mit Ölaustritten in arktischen Gewässern fertig zu werden.
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Greenpeace-Video über die Ölverschmutzung in der Komi-Region:
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine