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Jackie Kennedy gilt heute noch als eine der beliebtesten First Ladys aller Zeiten. Die Bilder von ihr und ihrem Kleidungsstil prägten die Sechziger. Eine wahre Stil-Ikone, die fürs Kino und TV schon von Katie Holmes oder Jaclyn Smith gespielt worden ist. In dieser Fassung übernimmt Natalie Portman die Rolle, und es ist alles andere als ein gewöhnliches Biopic. Denn eigentlich ist wenig über Jackie persönlich bekannt.
Konstruiert um eine Interview-Situation auf dem Kennedy-Anwesen in Massachusetts, mixt das Drehbuch von Noah Oppenheim Fakten mit Vermutungen zu Jackies Wesen in nicht-chronologischer Weise. Ihr Gespräch mit dem Priester, bei dem es auch um Todessehnsüchte und den Sinn des Lebens geht, wurde zum Beispiel komplett erfunden.
Verbürgt ist hingegen, dass sie das blutüberströmte Chanel-Kostüm noch den ganzen Tag trug, auch als der Vizepräsident für Amt eingeschworen wurde. Weniger bekannt ist wohl, wie sie ihren Kindern die traurige Nachricht überbrachte. Oder wie genau sie auf den heute widerlegten Vergleich von JFK mit König Arthur und dem mystischen Schloss Camelot kam, den sie einem Journalisten des Time-Magazins einflötete. All dies spielt Natalie Portman sehr facettenreich mit immer anderen Nuancen: vom starken Kontroll-Freak zur liebenden Mutter, beim "Beichten" ihrer zerrütteten Ehe oder schlicht im Schockzustand, wenn sie sich das Blut ihres Mannes aus den Haaren duscht.
Die Kamera oft ganz nah bei ihr, ist es durch und durch Portmans Film. Beängstigende Ähnlichkeit zum Vorbild geben die 1:1 nachgespielten Szenen der berühmten Führung durch das frisch renovierte Weisse Haus, für das sie mit dem Emmy ausgezeichnet wurde. Getragen wird Portman von einem ungewöhnlichen Score, den Mica Levi komponierte, die schon Scarlett Johansson in Under The Skin mit gespenstischen Klängen untermalte.
Einmal im Film fragt die First Lady unbeteiligte Dritte, ob sie William McKinley oder James A. Garfield kennen - andere US-Präsidenten, die während ihrer Amtszeit erschossen wurden. Da man verneint und nur Abraham Lincoln nennen kann, ist für sie klar, wie es nach dem Tod ihres Mannes weiterlaufen soll. Das öffentliche Bild muss gesteuert, das Vermächtnis des Ehemanns beflügelt werden. Natalie Portman spielt Jackie als Frau, die zu funktionieren hat, mit Gefühlskälte in Momenten höchster Emotionalität. Sie wollte eigentlich gar nie berühmt werden, wurde dann aber zur Kennedy - dies weiterer brillanter Satz aus dieser Charakterstudie einer Frau, die sich ihr öffentliches Bild zimmerte, obwohl sie eigentlich trauern wollte.