Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03287.jsonl.gz/1095

Das Duell zwischen CocaCola und dem ebenfalls amerikanischen Getränkehersteller PepsiCo um die Führungsposition geht in eine neue Runde (siehe rechte Spalte). Offenbar steht Pepsi kurz vor der Übernahme des grössten russischen Fruchtsaftproduzenten Lebedyansky. Als Kaufpreis für ein Aktienpaket von 76,13% ist eine Summe zwischen 1,5 und 2 Mrd Dollar im Gespräch. Das berichtet die Moskauer Zeitung «Kommersant».
Die Übernahme wäre das grösste bislang getätigte Geschäft im russischen Lebensmittelsektor. Die Unternehmen wollten sich nicht äussern. Lebedyansky wird an den Moskauer Börsen MICEX und RTS gehandelt und weist eine Marktkapitalisierung von 1,93 Mrd Dollar auf.
Ausländer gewinnen Einfluss
Das Sagen haben bei Lebedyansky der Duma-Abgeordnete Nikolai Borzow sowie sein Sohn Juri, die zusammen 55,1% der Aktien halten. Dazu gehören den Verwaltungsratsmitgliedern Olga Beljawzewa (18%) und Dimitri Fadejew (2%) noch bedeutende Aktienpakete.
Ausländische Konzerne gewinnen im boomenden russischen Lebensmittelmarkt zunehmend an Einfluss. Coca-Cola übernahm 2005 für 530 Mio Dollar den zweitgrössten russischen Safthersteller Multon. An der Nummer drei, Wimm-Bill-Dann, ist Danone mit rund 18% beteiligt. Der britische Fonds Lion Capital steht zudem vor der Übernahme des viertgrössten russischen Saftproduzenten Nidan.
Von den wichtigen Firmen bleibt bislang nur noch Lebedyansky übrig. Lebedyansky, das Säfte, Babynahrung und Mineralwasser produziert und 2006 insgesamt 935 Mio l (plus 29%) abfüllte, gilt als Konzern mit modernen Produktionslinien und dem stärksten Vertriebssystem in Russland. Der Marktanteil liegt bei Säften über 30%. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen bei einem Umsatz von 709,8 Mio Dollar (2005: 514,6 Mio Dollar) einen Reingewinn von 87,67 Mio Dollar. Der Saftmarkt weist ein jährliches Wachstum von rund 6% auf.
PepsiCo wurde in der Sowjetunion erstmals 1959 bekannt, als die Amerikaner beim Klassenfeind eine Ausstellung organisierten und sich Generalsekretär Nikita Chruschtschow lobend über das Erfrischungsgetränk äusserte. 1972 vereinbarte PepsiCo den Bau von zehn Abfüllfabriken in der UdSSR. Im Gegenzug erhielt PepsiCo das Monopol für den US-Import von Stolichnaya-Wodka. Im vergangenen Jahr setzte PepsiCo mit Softdrinks und Chips 850 Mio Dollar in Russland um.
Zwar ist der Softdrinkhersteller Coca-Cola im Kerngeschäft der kohlensäurehaltigen Getränke mit 43% Marktanteil führend; Pepsi liegt mit 31% auf Platz zwei. Doch das Problem ist, dass der Markt für Sodas seit Jahren rückläufig ist. Zu süss, zu ungesund, zu viele Kalorien. Im Zuge des Wellnesstrends greifen die Konsumenten zunehmend nach stillem Wasser, Säften, Energy Drinks, Tee. All diese Sparten verzeichnen rasante Zuwächse – und in all diesen Sparten ist Pepsi mit einem Marktanteil von 50 oder mehr Prozent führend. Coke steht weit abgeschlagen auf Platz zwei.
Jetzt will Coke das Ruder herumreissen. Die Übernahme von Glaceau ist mit 4,1 Mrd Dollar die grösste in der Firmengeschichte. Mit dem Kauf will Coke sich an die Spitze des Marktes für Vitaminwasser setzen. Zuvor hatte sich Coke bereits mit 225 Mio Dollar beim US-Wasserproduzenten Fuze eingekauft. Mit Blak, einer Mischung aus Brause und Kaffee, will Coca-Cola auf dem Energy-Drink-Sektor punkten. Coke Zero richtet sich an den fitnessbewussten Mann, Tab Energy an die wellnessbewegte Frau. Mit dem beabsichtigen Kauf des grössten russischen Fruchtsaftproduzenten Lebedyansky will Pepsi dagegenhalten.