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Im Unterschied zum Film Blissed aus dem Jahr 2005 etwa, der ebenfalls zur Sammlung der Stiftung Kunsthalle Bern gehört, bewegen sich die Protagonisten jedoch nicht mehr als Bewohner und aktive Nutzer der Infrastruktur im städtischen Raum, sondern sind als Zugreisende durch Wände und Fensterscheiben sowie durch die Geschwindigkeit der Fortbewegung abgetrennt von der städtischen Umgebung. Die Aussicht aus dem Zugfenster bietet eine psychologisch aufgeladene Varietät urbaner Landschaften: Vorstädte, Baugelände, Brachgebiet, Geschäfts- und Wohnhäuser sowie institutionelle Bauten. Die von Åsdam inszenierten Gespräche der jungen Menschen – über die Wirtschaftskrise, Mitfahrende oder Politik– können dabei als Reaktion auf die vorbei ziehende Umgebung verstanden werden, als ein Versuch, sich in einer komplexen Situation des Wandels zu positionieren. Die durchaus metaphorisch verstehbare Orientierungsschwierigkeiten finden sich auch im Titel der Arbeit formuliert (englisch „oblique“ bedeutet schief, schräg), welcher auf das diffizile Verhältnis der Personen zu Ihrem Umfeld verweist.
Der Film Tripoli von 2010 wiederum bezieht sich auf einen konkreten, wieder erkennbaren Ort, die gleichnamige Grosstadt im Norden Libanons. Die 24-minütige halbdokumentarische Arbeit richtet den Fokus auf das im Jahr 1966 vom brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entwickelte Bauvorhaben eines internationalen Marktplatzes, welches an seinen monumentalen Ansprüchen einerseits und am Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 1975 andererseits scheiterte. Als Wahrzeichen einer optimistischen Vergangenheit wird die ehemalige Stätte grosser Ambitionen mit ihren nach wie vor unvollendeten Gebäuden heute umzingelt und kontrastiert von einer monotonen Architektur aus Betonhochhäusern.
"Blissed" ist ein grosses, neues Filmprojekt, das die Grenzen erforscht zwischen erzählerischem Film und der Diskussion über Platz und Raum im Zusammenhang mit der Kunst anhand des Themas der Freundschaft. Das Hauptaugenmerk ist auf eine räumliche und architektonische Platzierung des Sprachgebrauchs der Protagonisten gerichtet, die lineare Erzählung spielt eine untergeordnete Rolle. In einem eindringlichen Prozess beginnen die vier Hauptdarsteller von "Blissed" sich selber und ihre Umgebung zu verneinen, abzulehnen. Dies alles in Szenen, welche teils durch Architektur und teils durch sprachliche Interaktion strukturiert sind. Åsdam nähert sich seinem Ziel einer neuen Art des Kinos, indem er die Grundlagen von raum- und platzorientierten Diskursen in der Kunst als Strategie innerhalb des Films verwendet.
E. S. (Elfriede Schalit)