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Bevölkerung
Bevölkerungsstand, Bevölkerungsbewegung und Migration
Informationen über die Wohnbevölkerung des Kantons Aargau stammen aus kantonalen Quellen sowie aus Quellen des Bundes. Dabei werden verschiedene Aspekte der Bevölkerung beleuchtet, die mit unterschiedlichen Methoden erhoben werden.
Die Bevölkerungszahlen können sich aufgrund der verschiedenen Datenquellen leicht unterscheiden.
Beschreibung der Datenquellen
- Die Kantonale Bevölkerungsstatistik basiert auf dem kantonalen Einwohnerregister, welches die Gemeinden nachführen. Als ständige Wohnbevölkerung zählen seit dem 31.12.2012 die Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der jeweiligen Gemeinde und einer schweizerischen Staatsangehörigkeit oder einer ausländischen Staatsangehörigkeit und einer (kumulierten) Aufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten (Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung: Ausweis B, C, F oder EDA-Ausweis bei internationalen Funktionären, Diplomanten und ihren Familienangehörigen; Kurzaufenthaltsbewilligung: Ausweis L; Personen im Asylprozess: Ausweis N).
- Informationen zur Bevölkerung und den Haushalten basieren auf der Registererhebung des Bundes (STATPOP) sowie auf Stichprobenerhebungen des Bundes (Strukturerhebung). In der STATPOP werden Informationen aus dem kantonalen Bevölkerungsregister und der ZEMIS sowie der BEVNAT kombiniert (s. unten).
- Die Statistik der ausländischen ständigen und nicht ständigen Wohnbevölkerung aufgeschlüsselt nach Staatszugehörigkeit stammt aus dem Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) des Staatssekretariats für Migration SEM.
- Die Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung beinhaltet Informationen über Todesfälle, Geburten sowie Eheschliessungen und stammt aus der gleichnamigen Bundesstatistik (BEVNAT).
Bevölkerungsprojektionen
Hintergrundwissen Bevölkerungsentwicklung
Mit Bevölkerungsprojektionsmodellen werden Annahmen über die zukünftige Entwicklung der demographischen Parameter (das heisst Fruchtbarkeit, Sterblichkeit, Zu- und Wegwanderung) getroffen. Die modellierten Entwicklungen werden meist anhand von drei Zukunftsszenarien dargestellt. Dabei wird das plausibelste Szenario als Referenzszenario bezeichnet (die durchgezogenen Linien in der Abbildung). Die Bandbreite der möglichen Entwicklung wird oft von zwei gegensätzlichen Szenarien mit besonders starkem beziehungsweise schwachem Wachstum begrenzt (die transparenten "Trichter" um das Referenzszenario).
Die Abschätzung der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung ist mit Unsicherheiten behaftet. So haben die älteren Modelle der Jahre 2002, 2009 und 2010 die Bevölkerungsentwicklung des Kantons Aargau zum Teil stark unterschätzt: Der aktuelle Bevölkerungsbestand des Kantons (2019: ca. 685'400 Einwohner/innen) wurde vom AG-2002-Modell um ca. 89'900 und vom BFS-2002-Modell um ca. 98'200 Einwohner/innen unterschätzt. Nur das wachstumsfreundlichste Szenario des BFS-2010-Modells kommt der effektiven Bevölkerungsentwicklung nahe. Die später entwickelten Modelle der Jahre 2013 und 2015 zeigen für das Referenzszenario bisher eine gute Übereinstimmung mit dem realisierten Aargauer Bevölkerungswachstum, allerdings ist die Vergleichsperiode mit 5 beziehungsweise 7 Jahren relativ kurz.
Lernen aus der Vergangenheit
Ein Modell kann immer nur eine Annäherung an eine mögliche Zukunft sein, die von der Realisierung der zugrundeliegenden Annahmen abhängt. In Krisenzeiten reichen vergangene Trends jedoch nicht immer aus, um daraus Annahmen abzuleiten und zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.
Von allen demographischen Modellparametern ist die Migration derjenige, der am schwierigsten abzuschätzen ist. Paradoxerweise ist es auch der Parameter, der den grössten Einfluss auf das Bevölkerungswachstum hat: So kann das Aargauer Bevölkerungswachstum der letzten 10 Jahre zu 77 Prozent durch Zuwanderung aus dem Ausland sowie aus anderen Kantonen erklärt werden.
Aufgrund der durch COVID-19 verursachten Wirtschaftskrise ist im Jahr 2020 mit einem Rückgang der Migration zu rechnen. Da es sich jedoch um ein Grossereignis ohne Vergleich in der jüngeren Geschichte handelt, ist der Verlauf der Pandemie und ihr Effekt auf die Wirtschaft und Bevölkerungsdynamik (noch) nicht "datengetrieben" zu modellieren. Die Daten für die erste Hälfte des Jahres 2020 werden helfen, die Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung besser zu verstehen und das Modell je nach Verlauf der Pandemie und ihren Effekt auf die Wirtschaft und die Bevölkerungsdynamik flexibel anzupassen.
Neues Aargauer Bevölkerungsmodell
Während das Bundesamt für Statistik seine Projektionen für die gesamte Schweiz und für jeden Kanton erstellt, projiziert Statistik Aargau die Bevölkerung unseres Kantons auch auf kleinräumiger regionaler Ebene. Die am schwierigsten zu schätzende demografische Komponente ist die Migration und ihre Verteilung innerhalb des Kantons. Statistik Aargau entwickelt ein neues Modell für die räumliche Feinverteilung der Migration.
Weiter wird für 2020 der Effekt der wirtschaftlichen Abkühlung auf den Wanderungssaldo geschätzt. Die Annahmen über die wichtige zukünftige Wanderungsentwicklung und allenfalls weitere Modellparameter sollen neu jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, um auch in unsicheren Zeiten möglichst verlässliche Schätzungen zu ermöglichen. Das neue Modell wird voraussichtlich im Herbst 2020 verfügbar sein.
Kantonale Bevölkerungsstatistik 2019
Altersstruktur verschiebt sich zu den höheren Altersklassen
Der Kanton Aargau ist im Jahr 2019 bevölkerungsmässig um 8'037 Personen oder 1,2 Prozent gewachsen. Von den 211 Gemeinden wiesen deren 34 eine Bevölkerungszunahme von 3,00 Prozent und mehr auf. In 17 Gemeinden betrug sie 2,00 bis 2,99 Prozent, in 46 Gemeinden 1,00 bis 1,99 Prozent und in 56 Gemeinden 0,00 bis 0,99 Prozent. Ein Bevölkerungsrückgang ist in 58 Gemeinden zu verzeichnen, wobei dieser in deren 29 nur klein ist und zwischen 0,99 und 0,01 Prozent lag. In den anderen 29 Gemeinden wurde eine Bevölkerungsabnahme von über einem Prozent registriert.
Ein klares räumliches Muster des Bevölkerungswachstums ist in der Karte nicht zu erkennen. Es erreichte nicht nur in einer Zentrumsgemeinde einen hohen Wert, sondern lag auch in zahlreichen ländlichen Gemeinden bei 2,00 Prozent und darüber.
Kantonale Bevölkerungsstatistik – erstes Halbjahr 2019
Die Bevölkerung im Kanton Aargau nahm im ersten Halbjahr 2019 um 3'684 Personen zu (0,54 Prozent). Per 30.06.2019 erreichte der Bestand der ständigen Wohnbevölkerung im Kanton Aargau 681'071 Personen.
Der Bezirk mit dem höchsten Wachstum war wie im Vorjahr Lenzburg (+735 Personen, +1,17 Prozent). Die am stärksten wachsenden Gemeinden sind Geltwil (+7,41 Prozent), Staufen (+6,74 Prozent) und Wislikofen (+4,40 Prozent). Erneut ist Rheinfelden der einzige Bezirk mit einem Bevölkerungsrückgang im ersten Halbjahr (–104 Personen, –0,22 Prozent), wobei dieser Bezirk eine positive Wachstumsbilanz für das ganze Jahr 2018 aufwies.
Der höchste Rückgang auf Gemeindeebene im ersten Halbjahr 2019 wurde in Habsburg (–3,86 Prozent), Kaiserstuhl (–3,43 Prozent) und Besenbüren (–3,35 Prozent) verzeichnet. In den Gemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnerinnen und Einwohnern wurden die grössten Zuwächse in Lenzburg (+1,86 Prozent), Spreitenbach (+1,43 Prozent) und Oftringen (+1,25 Prozent) beobachtet, während die Bevölkerung in Rheinfelden (–0,25 Prozent), Wettingen (–0,24 Prozent) und Möhlin (–0,23 Prozent) geringfügig abnahm.
Kanton Aargau
Quelle: Kantonale Bevölkerungsstatistik und weitere, siehe Quellenangaben im jeweiligen Dokument
Gemeinden
Quelle: Kantonale Bevölkerungsstatistik
Bevölkerung und Haushalte
Quelle: STATPOP und Strukturerhebung, Bundesamt für Statistik
Bestand ausländische ständige und nicht ständige Wohnbevölkerung
Quelle: ZEMIS, Staatssekretariat für Migration SEM
Natürliche Bevölkerungsbewegung
Quelle: BEVNAT, Bundesamt für Statistik
Weitere Daten und Veröffentlichungen
- Jahrespublikation
- Halbjahresstatistik
- Bevölkerungsprognose
- Grafiken und Karten