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von Sandro Danilo Spadini
Man kann es ja mal versuchen mit dem etwas anderen Ansatz: Sean Penn etwa besorgte sich den Stoff für sein Regiedebüt damals aus einem Bruce-Springsteen-Song. Das hörte sich kaum filmreif an; doch «The Indian Runner» war ein kleines Meisterwerk. Jonathan Lynn wiederum schrieb mal eine Mysterykomödie auf der Basis eines Brettspiels. Das konnte eigentlich nichts werden; aber «Clue» war dann ziemlich cool. Roger Corman schliesslich drehte einst einen Film über Edgar Allen Poe beruhend auf einem Gedicht. Das schien abwegig; von «The Raven» wird allerdings noch fast 50 Jahre später geschwärmt. Es besteht also Hoffnung, wenn nun der Engländer Kirk Jones («Waking Ned Devine») aufkreuzt mit dem Plan, einen Schwangerschaftsratgeber als Ensemblefilm zu adaptieren. Verwegen, ja absurd klingt das; doch «What to Expect When You’re Expecting» stellt sich dann weder als verwegen noch absurd heraus – sondern einfach als eine sehr schlechte Idee.
Diaz und Lopez
Für den spleenigen Einfall begeistern konnten dessen Urheber gleichwohl eine Reihe von Stars. Dass Cameron Diaz und Jennifer Lopez dazu gehören, überrascht freilich nicht wirklich. Denn die beweisen bei der Wahl ihrer Rollen ja seit je ein ähnlich sicheres Gespür wie monegassische Prinzessinnen beim Aussuchen ihrer Männer. Und ihre Karrieren, die allzu einseitig auf optischen Reizen fussen und daher synchron mit diesen welken, haben ohnehin bald ihr Verfallsdatum erreicht: Die diesen Monat 40 werdende «Cami» und die 43-jährige «J.Lo» dürfen im jugendlichkeitswahnsinnigen Hollywood mithin nicht mehr wählerisch sein. Seis drum. Diaz jedenfalls kotzt als schwangere TV-Fitnessinstruktorin zum Start gleich mal in den Pokal, den sie bei einer dieser Promi-Tanzshows errungen hat – eine Kinozukunft ohne die Strahleblondine scheint da grad recht appetitlich. Lopez wiederum tut als adoptionswillige Fotografin auch nicht viel, um die geringe Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie in ihrer Teilzeitfunktion als Mimin dereinst gross vermisst wird. Schon eher zu trumpfen vermag da Elizabeth Banks: jene 38-Jährige, die erst unlängst so richtig durchgestartet ist und sich nun umso drehfreudiger zeigt. Sie spielt in einer weiteren unverknüpften Parallelhandlung eine nicht unsympathische Hysterikerin, die Babybücher schreibt, einen Schwangerschaftsladen führt – und nun erstmals selbst in Erwartung ist. Zwar spasst das Drehbuch von Shauna Cross («Whip It») und Heather Hach («Freaky Friday») bei ihr einmal zu oft mit schwangerschaftsbedingten Fehlfunktionen des Körpers. Doch stellt es ihr auch die besten Typen zur Seite: als Gatten Ben Falcone aus «Bridesmaids»; als Angestellte Rebel Wilson ebenfalls aus «Bridesmaids»; und als Schwiegerpapa einen kindsköpfig kompetitiven Dennis Quaid samt Trophäenfrau mit Jahrgang 86 (Brooklyn Decker). Bei diesen Gesellen blüht bisweilen denn auch der Flachs.
Wie neun Monate
Ebenfalls halbwegs erspriesslich ist der Auftritt Anna Kendricks und Chace Crawfords als Vertreter der jüngeren Generation und Träger des tragischen Elements: ungewollte Schwangerschaft, Fehlgeburt, Trennung. Freilich stehen ihre Episoden eher quer in diesem lottrigen Vergnügungspark – wiewohl es hier in puncto Totquatschen mitunter durchaus zugeht wie in einem deutschen Betroffenheitsfilm: etwa wenn Lopez an ihrem Lover (Rodrigo Santoro) mäkelt oder Diaz mit ihrem Beau (Matthew Morrison) uneins ist. Noch strapaziöser ist es indes, wenn «Weisheiten» abgesondert werden. Denn noch strapaziöser als die überbesorgten werdenden Mütter sind die überforderten seienden Väter, die ebendies tun im Dienste des anvisierten Rundumblicks zum Thema: ein von Chris Rock angeführter Haufen von Jammerlappen, die radikal humorfrei über unterdrückte Männerbedürfnisse plappern. Natürlich ist es nicht das erste Mal, dass komplizierte Kino-Amerikaner mit Schwangerschaftsschaden die Nerven testen; doch ein ganzer Film über diese Eltern-Zombies stellt eine geradezu gesundheitsgefährdende neue Dimension dar. «Sie sagen, wenn alles vorbei ist, vergisst man es», bemerkt Banks‘ Figur mal zu ihrem Graviditätsgraus. Hoffentlich gilt das auch für diesen Film, dessen 110 Minuten sich anfühlen wie 9 Monate.