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Politik, Facebook und ein Job, der sich lohnt
Als ob Facebook nicht schon genug Image-Probleme hätte: Jetzt holt sich das Unternehmen auch noch einen früheren britischen Politiker in die Teppichetage. Dieser kam gerne: Verglichen mit seinem früheren Job verdient er beim Social-Media-Konzern ein Vielfaches (von mehr als fünf Millionen US-Dollar pro Jahr ist die Rede) um das Unternehmen in der Öffentlichkeit gut aussehen zu lassen. Die Frage ist nur: Was spricht dafür, dass ihm das gelingen wird.
Über Nick Clegg sprach man in Grossbritannien nicht mehr so viel – bis heute. Seine Zeit im Rampenlicht endete nach den Parlamentswahlen im Jahr 2015, als seine Partei, die Liberaldemokraten, die für fünf Jahre eine Regierungskoalition mit den Konservativen gebildet hatte, 49 von 57 Sitzen verlor. Mr. Clegg verlor als Folge seinen nicht sehr einflussreichen aber doch gut klingenden Titel als Vize-Premier und seine Rolle als Parteivorsitzender. Bei den Wahlen im Jahr 2017 verlor er schliesslich auch noch seinen Sitz im Parlament an eine Vertreterin der Labour-Partei. Aufgrund dieses Leistungsausweises scheint also nicht ganz klar zu sein, wieso er seinen hochdotierten PR-Posten bei Facebook bekam – auch wenn verschiedene Europäische Medien es völlig selbstverständlich finden, dass ein hohes Regierungsamt zu einem hochdotierten Posten in der Privatindustrie führt – wie zum Beispiel die Zeit:
“Auf den Liberaldemokraten warten große Aufgaben: Seit Bekanntwerden des Datenskandals, bei dem die Analysefirma Cambridge Analytica die Informationen von 87 Millionen Mitgliedern missbrauchte, um im US-Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump zu unterstützen, steht Facebook in der Öffentlichkeit unter Druck. Immer wieder werden Rufe nach einer schärferen Regulierung laut. Mit der Verpflichtung von Clegg überraschte Facebook die Branche. Wie die BBC berichtet, soll das Engagement des Briten auf Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Vorstandschefin Sheryl Sandberg zurückgehen. Auch die Financial Times schreibt, Clegg sei von Zuckerberg und Sandberg monatelang umworben worden. Der Facebook-Gründer habe ihm schließlich zugesichert, dass er massgeblich die Strategie des Online-Netzwerks mitgestalten wird.“
Es gibt allerdings auch Journalisten, vor allem im Vereinigten Königreich, welche die Angelegenheit etwas kritischer sehen. Der Guardian, zum Beispiel, beschuldigt Clegg, geldgierig zu sein und titelt: “Wenn du den Zuckerberg-Schilling nimmst, lässt du deine Prinzipien hinter dir“. Und weiter:
“Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job. Endlich echte Macht. Was war schon stellvertretender Premierminister. Sie sind jetzt Vizepräsident für globale Angelegenheiten und Kommunikation bei Facebook, einem Unternehmen, das, wie Mark Zuckerberg betont, weniger ein traditionelles Unternehmen als ein ausgewachsener Nationalstaat ist. Und nicht irgendein Nationalstaat – der mächtigste Nationalstaat der Welt, der 2 Milliarden Menschen beherbergt und bei keine unbequeme Wahlen gibt, die den „Fortschritt“ bremsen. Wenn Sie dem obersten Anführer in den Arsch kriechen, sind Sie ein gemachter Mann. Betrachten Sie es als eine Art Koalition, gebildet im Jahr 2022 in Pjöngjang…“
So wie es aussieht, hat der zu PR-Mann mutierte Politiker bei Facebook eine schwierige Aufgabe vor sich. Zumindest kann er da nicht abgewählt werden.