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Der diesjährige IG Nobel Preis von Improbable Research wurde für die 2016 publizierte Studie zum Einfluss von Achterbahn fahren auf die spontane Passage von Nierensteinen an Marc Mitchell und David Wartinger verliehen. Die IG Nobel Preise wurden am 13. September 2018 zum 28. Mal in zehn Kategorien vergeben und zeichnen Forschungsergebnisse und Errungenschaften aus, die uns zuerst schmunzeln lassen und dann zum Nachdenken anregen.
Nachdem ein Patient berichtete, dass er jeweils kurz nach der Fahrt mit dem «Big Thunder Mountain Railroad Roller Coaster» im Walt Disney World, Orlando, Florida, USA drei Mal einen Nierenstein auf natürlichem Weg ausscheiden konnte, entschieden sich Marc Mitchell und David Wartinger, das Phänomen genauer zu untersuchen. Dazu wurde ein transparentes Silikon-Modell der Niere, das anhand der CT-Urographie des Patienten erstellt wurde, mit drei Nierensteinen unterschiedlicher Grösse und Urin befüllt. Das Modell-System wurde in einem gepolsterten Rucksack für insgesamt 20 Fahrten in die Achterbahn geschnallt. Position in der Achterbahn ist entscheidend
Das Nierenstein-Modell wurde während 8 Fahrten in den vorderen Reihen (Reihe 1-7) und während 12 Fahrten in den hinteren Reihen (Reihen 13-15) der Achterbahn positioniert. Unabhängig von der Grösse der Nierensteine und deren Ausgangsposition im Modell wurde in den vorderen Reihen die spontane Passage von 16.67% der Nierensteine (4 von 24 Steinen) beobachtet. In den hinteren Reihen war diese Rate mit 63.89% (23 von 36 Steinen) deutlich höher. Der mit 4.5 mm3 kleinste Nierenstein wurde nach Fahrten in den hinteren Sitzreihen sogar zu 100% ausgeschieden, wenn der Stein zu Beginn ein einem oberen oder mittleren Nierenkelch positioniert war. Achterbahn-Fahren als Therapie
Die Autoren geben zu bedenken, dass die Studie nur mit der Achterbahn «Big Thunder Mountain Railroad Roller Coaster» im Walt Disney World, Orlando, Florida, USA durchgeführt wurde. Dennoch gehen sie davon aus, dass die spontane Passage von Nierensteinen auch durch Fahrten auf anderen Achterbahnen begünstigt werden könnte. Bei der „Achterbahn-Therapie“ müssen jedoch vor der Fahrt die Lokalisation und Grösse der Steine und der allgemeine Gesundheitsstatus des Patienten berücksichtigt werden. Bei kleineren Nierensteinen besteht gemäss den Studienergebnissen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine spontane Ausscheidung im Zusammenhang mit einer Achterbahn-Fahrt. Die Autoren empfehlen jedoch, dass Patienten auch nach erfolgreicher Anwendung weiterhin regelmässige Fahrten unternehmen, um die Ausscheidung von mikroskopischen und sehr kleinen Nierensteinen zu begünstigen bevor erneut Symptome auftreten. Grosse Nierensteine mit einem Durchmesser von mehr als 6 mm werden hingegen nur selten spontan ausgeschieden, wie die klinische Praxis zeigt. Weil sie aber zu Obstruktionen und Nierenkoliken führen können, sollten Patienten mit grossen Nierensteinen auf Achterbahn-Fahrten oder vergleichbare Aktivitäten verzichten.
Im Rahmen einer kurzen Präsentation einige Tage nach der Preisverleihung hielt David Wartinger fest, dass er nach inzwischen 360 «Stein-Fahrten» mit dem Nierenstein-Modell nie mehr Achterbahn fahren wolle. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Vergnügen bei der nächsten Achterbahn-Fahrt, sei sie aus medizinischen Gründen oder einfach zum Spass! Original-Publikation:
Validation of a Functional Pyelocalyceal RenalModel for the Evaluation of Renal Calculi Passage While Riding a Roller Coaster
Marc A. Mitchell & David D. Wartinger
The Journal oft he American Osteopathic Association 2016; 116(10)
PubMed: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27669068
Improbable Research IG Nobel Prize
Gewinner 2018: https://www.improbable.com/ig/winners/#ig2018
Kurzvorträge der Preisträger: The Ig Informal Lectures https://www.improbable.com/ig/2018/#informallectures