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Das Jahr: 1983. Der Ort: die Lombardei. Wichtig ist aber vor allem die Jahreszeit: Sommer. Ein norditalienischer Sommer unter tiefblauem Himmel. Das Gelato schmilzt, die Italianità trieft von der Leinwand – es ist fast zu viel des Guten.
In dieser Idylle ist der 17-jährige Elio – die Durchbruch-Rolle von Newcomer Timothée Chalamet – mit «dolce far niente» beschäftigt. Der Sohn eines amerikanischen Kunsthistorikers schlägt sich die Ferien um die Ohren.
Im Garten liest er abgegriffene Taschenbücher und pflegt eine nicht sonderlich verbindliche Beziehung zu einem Mädchen. Nach dem Baden im Swimming Pool gibts Disco unter freiem Himmel und manchmal Nacktschwimmen.
Wenig Begeisterung für den Neuen
Ein neues Kapitel in Elios subtil beschriebener Langeweile tut sich auf, als ein US-Student ins abgelegene Familienheim einzieht. Elio ist nicht begeistert: Aus Platzmangel muss er dem amerikanischen Gast sein Bett überlassen und in die Nebenkammer ausweichen.
Entsprechend schnippisch begrüsst er den Neuankömmling: «Darf ich die Koffer in Ihr Zimmer hochtragen? Beziehungsweise: in mein Zimmer?»
«Unser Heim ist dein Heim», begrüsst hingegen Elios Vater den attraktiven Mann namens Oliver, gespielt von Armie Hammer. Er hat Oliver als temporären Assistenten für seine historische Forschung angeheuert.
Worauf es wirklich ankommt
Der Ton zwischen den beiden jungen Männern bleibt vorerst kühl: Elio lässt Oliver indirekt wissen, dass er selbst weit besser qualifiziert wäre für diese Arbeit. Wo er nur kann, prahlt er mit seinem Wissen, während sich Oliver wie ein Tourist verhält – unwissend etwa, dass die Region ein Schauplatz des Ersten Weltkriegs war.
«Gibt es eigentlich irgendwas, worüber du nicht Bescheid weisst?», fragt Oliver. «Ich wüsste nur zu gern über die Dinge Bescheid, auf die es im Leben wirklich ankommt», erwidert Elio vieldeutig.
Schon wird die Diskussion persönlich: Die Männer sprechen über das Anbandeln beim anderen Geschlecht und Elio versucht, Oliver mit einem befreundeten Mädchen zu verkuppeln. «Verzeih mir, aber sowas regle ich gerne selbst», blockt Oliver ab.
Spätestens jetzt liegt es in der Luft: Elio und Oliver fühlen sich gegenseitig angezogen. Von da weg erzählt «Call Me By Your Name» die klassische Geschiche einer ersten Liebe. Dabei steht nicht die Homosexualität im Zentrum – sondern schlicht das Neuland, das man betritt, wenn man sich erstmals körperlich näherkommt.
Das Unperfekte macht's aus
Es sind kleine, köstliche Schönheitsfehler, die dieses Postkarten-Italien aufbrechen und erst sinnlich erfahrbar machen: Die Unfähigkeit Olivers etwa, ein Drei-Minuten-Ei sauber auszulöffeln. Die klobigen Shorts, die alle tragen. Die weissen Socken in ausgetretenen Converse-Sneakers, die verschwitzten Hemden und die aus heutiger Sicht grotesken Tanzbewegungen der Achtziger.
Ungelenk wirkt das – genau so ungelenk, wie sich wohl fast alle fühlen, wenn sie zum ersten Mal richtig verliebt sind. Das alles übersetzt der Film eins zu eins. Gerade dieses Auge für das leicht lächerliche Detail in der Szene macht aus einer eher banale Love Story eine hinreissende Erfahrung.
«Call Me By Your Name» ist am 4. März für vier Oscars nominiert – als bester Film, für das beste adaptierte Drehbuch, den besten Filmsong und den besten männlichen Hauptdarsteller Timothée Chalamet. Der Film hätte noch eine zusätzliche Oscarnominierung für die beste Ausstattung verdient.
Kinostart: 1.3.2018
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