Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/2644

Knorpelschaden
Was ist Gelenkknorpel?
Knorpel ist ein elastisches Gewebe, welches die Knochen des Gelenkes überzieht. Er sorgt für eine möglichst geringe Reibung der Oberflächen und eine optimale Stossdämpfung.
Das drei bis fünf Millimeter dicke Gewebe enthält weder Nerven noch Blutgefässe. Versorgt werden die Knorpelzellen durch ein System, das Diffusion heisst. Nährstoffe aus dem Blut werden über die Gelenkschleimhaut in die Gelenkflüssigkeit abgegeben. Poren an der Knorpeloberfläche nehmen diese Nährstoffe auf. Bewegung begünstigt diesen Prozess: So wird bei jedem Schritt Gelenkflüssigkeit ausgepresst und bei Entlastung wieder aufgenommen. Der Gelenkknorpel bleibt auf diese Weise gesund, da es zu einer permanenten Gewebeversorgung kommt.
Wie kommt es zu einer Verletzung des Knorpels?
Grundsätzlich ist Gelenkknorpel dafür ausgelegt, lebenslang ein optimales Aufeinandergleiten der Gelenkflächen zu ermöglichen. Zu Schäden kommt es auf Grund von Sportverletzungen, Überlastung durch Fehlstellung, Übergewicht oder Verlust des Meniskus oder der Bandstabilität. Auch Stoffwechselstörungen wie Gicht, Infektionen durch Bakterien und Immunerkrankungen wie Rheuma sind Ursachen für Knorpelschäden.
Kann sich der Knorpel selbst reparieren?
Die selbständige Reparatur eines Knorpelschadens ist bei einem Erwachsenen unmöglich. Daher sollten Knorpelverletzungen behandelt werden, um schwerwiegende Folgen wie eine Arthrose zu vermeiden.
Wie der Organismus auf eine Knorpelverletzung reagiert, ist abhängig vom Ausmass der Verletzung. Dabei sind chondrale Defekte (nur die oberen Knorpelschichten betreffend) von osteochondralen Defekten (Schädigung des Knorpels und des darunter liegenden Knochens) zu unterscheiden. Eine Verletzung, die grösser ist als zwei Millimeter, hat bei einem Erwachsenen kaum Heilungschancen, so dass im Laufe der Zeit eine Arthrose des betroffenen Gelenks entstehen kann. Ist auch der unter dem Knorpel liegende Knochen von der Verletzung betroffen, kann sich aus dem austretenden Knochenmarkblut ein faseriger Ersatzknorpel bilden. Dieser Ersatzknorpel ist allerdings nicht so belastbar wie der Gelenkknorpel, so dass auch hier ein Prozess der Arthrose einsetzt. Bei Kindern ist der Ersatzknorpel deutlich hochwertiger da sie einen hohen Anteil an reparierenden Stammzellen im Knochenmark besitzen und somit über eine gute Selbstheilungsfähigkeit verfügen. Sollte eine Operation erforderlich werden, kann in der Regel ein Ersatzgewebe erwartet werden, welches dem natürlichen Knorpel ähnlich ist.
In der Behandlung bedeutet das, dass man zunächst den Schaden mittels Kernspintomographie (MRI) diagnostiziert und, wenn möglich, eine konservative Therapie beginnt. Sollte dies nicht Erfolg versprechend sein, wird die Empfehlung ergehen, operativ vorzugehen.
Wie stellt Ihr Arzt einen Knorpelschaden fest?
Mit der Kernspintomographie kann sich der Arzt einen Überblick über das Ausmass von Knorpel- und Begleitverletzungen wie Kreuzband- und Meniskusriss verschaffen sowie Veränderungen in operativ unzugänglichen Gelenkabschnitten einsehen. Daneben kommen nach wie vor die Röntgenuntersuchungen zum Einsatz, dies vor allem bei frischen Verletzungen oder zur Abschätzung einer Achsfehlstellung (X- oder O-Bein).
Wie werden Knorpelverletzungen behandelt?
Die Bandbreite an Behandlungsmethoden bei Knorpelschäden ist vielfältig und variiert je nach Grösse des Schadens. Hat die Knorpelverletzung nur eine geringe Grösse, muss meist nicht operiert werden. Hier können konservative Therapiemassnahmen wie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln helfen.
Bei einer etwas grösseren Schädigung wird üblicherweise eine Knorpelglättung im Rahmen einer Gelenkspiegelung vorgenommen. Dringend behandlungsbedürftig sind grosse Knorpelschäden. Eine Defektgrösse bis maximal 2 cm2 ist meist mittels einer sog. Mikrofrakturierung (siehe entsprechende Seite) erforlgreich zu behandeln. Defektgrössen zwischen 3 und 10 cm2 werden im Idealfall mit der so genannten Autologen Chondrozyten-Transplantation (ACT) behandelt und zwar mit guten bis sehr guten Ergebnissen über einen langen Zeitraum.
Die Problematik der Knorpelzelltransplantation liegt in der Kostenübernahme durch die Versicherer. Unfallversicherungen übernehmen im Rahmen eines individuellen Einzelfallentscheides nicht selten die Kosten, welche sich im fünfstelligen Bereich bewegen. Die Krankenversicherer hingegen erteilen so gut wie nie eine Kostengutsprache, wenngleich die Wirksamkeit und auch die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens inzwischen gut belegt sind. Eine alternative Behandlungsmethode ist in solchen Fällen die sog. AMIC (siehe entsprechende Rubrik bei "Behandlungsmethoden").
Ist das Gelenk durch eine Arthrose schwer geschädigt, kann nur noch ein künstlicher Gelenkersatz Abhilfe schaffen. Moderne Endoprothesen haben eine Lebensdauer von über 15 Jahren. Bei Grenzfällen hinsichtlich Verschleissgrad und / oder Alter ergibt sich eventuell die Möglichkeit der Achskorrektur eines X- oder O-Beines. Diese Therapieform bedarf der umfassenden Erläuterung durch den behandelnden Chirurgen, da viele individuelle Faktoren wie Rauchen, Beruf, Gewicht und Nebenerkrankungen auf den Therapieentscheid grossen Einfluss haben.