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«Meine Einstellungen waren immer progressiv»
Hannes Thöni blickt zufrieden auf seine Zeit als Lehrer zurück
Der in Interlaken aufgewachsene Lehrer unterrichtete im Obersimmenthal und in Barcelona, bevor er zwanzig Jahre lang als Schuldirektor der OS Kerzers wirkte. Sein Ziel war überall dasselbe: Er wollte, dass die Schüler an ihre Chancen glauben.
Von ELISABETH SCHWAB-SALZMANN
Eine naturwissenschaftliche Ausbildung hätte sich Hannes Thöni auch vorstellen können, er wurde aber Lehrer. Dann zog es ihn mitsamt seiner Familie in die Ferne. Zurück in der Schweiz, packte er wieder Neues an. Er leitete die Orientierungsschule Kerzers.
Diesen Frühling profitierte er vom Angebot des Kantons Freiburg, sich frühzeitig, mit 62 Jahren, pensionieren zu lassen. Konkrete Pläne für die Zukunft hat Thöni noch keine, zuerst will er sich an die neue Situation gewöhnen, vieles zu dürfen, aber nichts mehr zu müssen.
Den Entscheid, Lehrer zu werden, bereut er nicht. «Es war damals eine Möglichkeit, die Mittelschule zu besuchen. Das war eine gute Entscheidung», sagt er. Anschliessend studierte er in Bern Deutsch, Französisch, Geschichte, Kunstgeschichte und Zeichnen.
In St. Stephan im Kanton Bern unterrichtete er als Sekundarlehrer, danach, 1966, in Unterseen. Schon damals reizte ihn ein Abstecher ins Ausland. Florenz lockte ihn. Da er kurz vorher aber einen Arbeitsvertrag in der Schweiz unterzeichnet hatte, verzichtete er auf Italien. Als dann 1971 eine Stelle an der Schweizerschule in Barcelona frei wurde, packte er die Gelegenheit und verpflichtete sich vorerst für drei Jahre.
Aus drei wurden zehn Jahre
Mit seiner Frau Esther, die Kindergärtnerin war, und der ersten Tochter fuhr er nach Spanien. Aus den drei Jahren wurden fünf. «Wenn man fünf Jahre lang zufrieden an einem Ort ist, kann man genauso gut nochmals fünf anhängen», meint Thöni.
Auch seiner Frau gefiel Katalonien. Zwei weitere Töchter wurden geboren. Kommt man da nicht in Versuchung, für immer im Ausland zu bleiben? Auch das wäre eine Möglichkeit gewesen, meint der Lehrer, aber für die weitere Ausbildung der drei Kinder wählte das Ehepaar wieder die Schweiz. Das spanische Schulsystem sei eher einseitig auf den universitären Weg ausgerichtet, eigentliche Berufslehren fehlten, und so habe man sich für die Rückkehr in die Heimat entschieden.
Spanische Kollegen setzen
andere Schwerpunkte
Der spanischen Sprache und Kultur ist die Familie immer noch sehr verbunden. Die älteste Tochter unterrichtet an einer Schule in Mexiko City, die zweitälteste studiert in Barcelona und die jüngste arbeitet in einer Bank im Kanton Freiburg.
Die weltoffene Fröhlichkeit der Katalanen hat allen Thönis gefallen. Diese könnten aber auch streng und herb reagieren, meint der Lehrer rückblickend. «Viele Spanier sind noch von der Kreuzritter-Mentalität geprägt», meint er lachend. Sehr positiv erlebte Thöni das schulische Umfeld: «Mich beeindruckte die Zusammenarbeit unter den spanischen Kollegen. Sie setzen einfach andere Schwerpunkte.»
In den ersten Wochen nach der Rückkehr in die Schweiz mussten sich Thönis wieder aufdatieren. «Uns fehlten zehn Jahre Information über Politik, Geschichte und das Alltagsgeschehen in der Schweiz.» Erstaunt stellten sie fest, dass die Schweizer unterdessen auch unkomplizierter geworden waren.
Mit Freude stellten sie fest, dass in Freiburg das durchlässige Oberstufensystem installiert worden war, als die Berner noch lange darüber diskutierten. «In meinen Einstellungen war ich immer progressiv. Mich interessierte schon immer die Durchlässigkeit im Schulsystem. Ich wollte vor allem, dass die Schüler an ihre Chancen glauben, wo immer sie auch standen», meint Thöni.
Sein Hauptanliegen war es, nicht nur die Schüler der Oberstufe als Team zu sehen. Auch deren Lehrer, aus welchen Stufen sie auch kommen, als Kollegen ernst zu nehmen und sie auf einem gemeinsamen Weg zu begleiten war ihm wichtig.
Keine grossen Unterschiede
zwischen Stadt und Land
Als Schuldirektor sei man doch sehr fremdbestimmt, meint er: Die Programme sind gegeben, Konflikte zwischen Schülern und Lehrern müssen gelöst und die Beziehungen zwischen dem Elternhaus und der Schule definiert werden.
Dass sich Oberstufen-Schüler auf dem Land von den Städtern stark unterscheiden, glaubt er eher nicht. In diesem Alter müssten Grenzen abgetastet werden, der Gemeinschaftssinn erprobt und die neuen Freiheiten getestet werden. Dies geschehe auf dem Land auf die gleiche Weise wie in der Stadt.
Unkonventionelle Zukunftspläne
Der Privatmann Hannes Thöni wird auch in Zukunft unkonventionelle Wege beschreiten – die Details mochte er nicht verraten.