Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03536.jsonl.gz/1117

Nachrichtenagentur sda: Herr Siber, welches ist ihr ältestes Exponat?
Hans-Jakob Siber: «Ein 450 Millionen Jahre alter versteinerter Baumstamm aus Russland. Anders als man meint, gibt es versteinertes Holz nicht nur in den USA und Madagaskar, sondern weltweit. Wir haben Exponate von allen Kontinenten.»
Gibt es auch in der Schweiz Fundstellen?
«Sehr selten. Einige Stücke scheinen aus dem süddeutschen Raum 'runtergeschoben' worden zu sein. Wir haben in der Schweiz ja keine Vulkane.»
Und Vulkane sind notwendig für die Versteinerung von Holz?
«Nach einem Vulkanausbruch gelangt Asche ins Grundwasser. In Sediment luftdicht eingelagerte Pflanzen saugen das mineraliengesättigte Wasser wie ein Schwamm auf und ersetzen das organische Material des Holzes allmählich durch Siliziumdioxid, je nach Kristallisationsform beispielsweise Opal oder Achat. Das Holz wird so hart, dass es nur mit einer Diamantsäge geschnitten werden kann. Geschliffen offenbaren die Holzscheiben ihre Schönheit, oft sieht man noch die Jahrringe.»
Und woher kommen die Farben?
«Durch Metalloxide: Eisenoxide färben rot, gelb oder braun, Mangan violett, Chrom - sehr selten - blau oder grün. Alle die Faktoren führen dazu, dass jede Fundstelle ganz charakteristische Hölzer hervorbringt. Die meisten Stücke lassen sich einer bestimmten Fundstelle zuordnen, das macht das Sammeln so spannend.»
Was kostet so ein Stück versteinertes Holz?
«Kleinere, unauffällige Stücke gibt es schon für ein paar Franken. Spezialitäten und Raritäten, wie wir in der Ausstellung einige zeigen, kosten von 10'000 Franken an aufwärts.»
Sind versteinerte Hölzer schwierig zu finden?
«Nein, allein in den USA gibt es 40 bis 50 versteinerte Wälder. Einige sind heute Nationalparks, die meisten liegen aber unter ausgedehnten Privatländereien. Die Besitzer baggern die Hölzer aus, schneiden und schleifen sie und handeln damit. Wir zeigen in der Ausstellung zwei kurze Dokumentarfilme über die Gewinnung versteinerter Pflanzen in Madagaskar und Arizona.»
Material gibt es also noch genug?
«Ja, aber einige der Raritäten aus der frühen Zeit meiner Sammlungstätigkeit sind heute nicht mehr zu finden. Das ausserordentlichste Stück in der Ausstellung etwa, ein nur walnussgrosses Astloch, umrahmt von Edelopal und Farbflocken in allen Regenbogenfarben.»
Die versteinerten Hölzer waren ja ursprünglich Pflanzennahrung für die Dinosaurier. In den Unterlagen zur Ausstellung tönen Sie an, Sie hätten das Rätsel um die Leibspeise der pflanzenfressenden Dinosaurier gelöst.
«Wissenschaftlich gelöst ist es noch immer nicht. Denn im Gegensatz zu versteinertem Kot von Fleischfressern, der oft noch Knochen von verspeisten Tieren enthält, ist versteinerter Kot der Pflanzenfresser nicht sehr aussagekräftig. Forscher haben nun den Energiewert von prähistorischen Pflanzen eruiert, deren Nachfolger es heute noch gibt: Schachtelhalme, Farne, Zykadeen (Palmfarne) und Araukarien. Dafür haben sie die Pflanzen pulverisiert, mit Magensäure der Kuh versetzt und dann den daraus gewonnenen Nährwert gemessen.»
Und was war denn nun die Leibspeise der Vegi-Dinos?
«Jedenfalls nicht die Zykadeen, die immer wieder in Illustrationen neben Dinosauriern erscheinen, die haben nämlich den geringsten Nährwert. Am wahrscheinlichsten sind Araukarien, eine sehr hohe Form von Nadelbäumen. Deshalb haben die grossen Pflanzenfresser lange Hälse: Um an die Baumkronen zu gelangen. Und dicke Bäuche hatten sie, weil sie Unmengen dieser Pflanzen essen mussten, die bis zur Ausscheidung drei Tage lang im Magen lagen.»