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Brasilien ist der weltweit grösste Zuckerrohrproduzent. Bild: Werner Rudhart / Greenpeace
In Brasilien könnte bald das weltweit erste genveränderte Zuckerrohr auf den Feldern wachsen. Die lokale Biosicherheitsbehörde gab das Zuckerrohr CTC 20 BT der brasilianischen Firma CTC im Juni für die kommerzielle Verwendung frei. Vereinzelte Feldversuche fanden bislang nur in Australien und Indonesien statt. Mit Brasilien würde jedoch ab 2018 ein Gigant in den Markt für genveränderten Zucker eintreten. Das Land ist der wichtigste Zuckerrohrproduzent der Welt. Mit 600 Millionen Tonnen Zuckerrohr produziert es rund einen Viertel der globalen Zuckermenge. Laut Angaben der Firma CTC soll die neue GV-Sorte für Insekten giftige Bt-Toxine absondern und damit Schädlinge wie den Zuckerbohrer fernhalten. Dem Bt-Zuckerrohres soll in den nächsten Jahren zusätzlich eine Herbizidresistenz hinzugefügt werden.
Vor allem die Zuckerrohrproduzenten im Nordosten des Landes stehen dem GV-Zuckerrohr mehrheitlich positiv gegenüber, da sie sich weniger Ernteverluste durch Schädlinge erhoffen. Augusto Freire von der ProTerra-Stiftung glaubt aber nicht an eine schnelle Verbreitung der GV-Pflanze. Zuckerrohr werde in einem Zyklus von fünf bis sieben Jahren angebaut. Folglich werde jährlich nur 20% der Anbaufläche neu bepflanzt.
Obschon in zwei bis drei Jahren auf den ersten Feldern GV-Zuckerrohr geerntet werden könnte, bleibt es fraglich, ob Brasiliens Bauern und Bäuerinnen tatsächlich auf das neue Produkt umsteigen werden. Denn der weitaus grösste Anteil des Zuckers wird ins Ausland exportiert. Dort müssten zuerst die Genehmigungen für den Export dieser neuen GV-Produkte eingeholt werden – beispielsweise bei der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten.
Die ProTerra-Stiftung befürchtet besonders, dass es zu Verunreinigungen des konventionell hergestellten Zuckers kommen könnte. Solche Verunreinigung sind in der Verarbeitung von Zuckerrohr zu Zucker nur durch vollständig getrennte Ernte-, Transport und Lagerungsprozesse zu vermeiden. Dies führt zu hohen Kosten und wäre daher kaum rentabel.
Ein verbreiteter Anbau von GV-Zuckerrohr könnte zudem die Monopolisierung des Saatgutmarktes vorantreiben. Dies bedeutet für die Bäuerinnen und Bauern eine grössere Abhängigkeit von den Saatgutkonzernen. Anlass zu Besorgnis gäbe auch eine Schädigung von Mikroorganismen im Boden, da die giftbildenden Spitzen des Bt-Zuckerrohres oftmals auf den Äckern als Mulchschicht liegenbleiben.
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