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SRF «Tagesschau»-Beitrag «Flug-scham? Nicht in den Sommerferien!» beanstandet
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Mit Ihrer Online-Eingabe vom 16. Juli 2019 haben Sie den «Tagesschau»-Beitrag «Flugscham? Nicht in den Sommerferien!» beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
Der Beitrag von Andrea Vetsch verstösst gegen das Sachgerechtigkeitsgebot, da im Beitrag suggeriert wird, dass die Luftfahrt Hauptfaktor für den Klimawandel ist. Zitat: «Es braucht spürbare Handlungskonsequenzen, erst wenn wir merken, dass der Klimawandel vor unserer Tür angekommen ist und unser Leben bedroht, würden wir weniger fliegen». Unerwähnt bleibt, dass die weltweite Zivilluftfahrt nur 2.7% der CO2-Emissionen, der innereuropäische Anteil sogar nur 0.52% ausmacht. Ausgeblendet werden die Faktoren, die 97.3% der CO2-Emissionen verursachen. Der Beitrag vermittelt - auch durch Suggestivfragen wie "Fliegt das schlechte Gewissen mit?" den Eindruck, dass der Klimawandel durch den Verzicht aufs Fliegen gestoppt werden könnte. Tatsachen werden somit nicht sachgerecht dargestellt.
B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Franz Lustenberger, ehem. stv. Redaktionsleiter der «Tagesschau»-Redaktion, schrieb:
Mit Mail vom 16. Juli 2019 hat Herr X eine Beanstandung gegen die Tagesschau vom 13. Juli eingereicht. Es geht um den Beitrag zum Thema “Fliegen in die Ferien im Zeichen der Klimademonstrationen”.[1]
Der beanstandete Beitrag hat nicht die Höhe der CO2-Emmissionen des Flugverkehrs zum Thema. Es geht also auch nicht um einen Vergleich verschiedenster Emittenten. Der Beitrag suggeriert auch nicht, dass der Klimawandel durch den Verzicht aufs Fliegen gestoppt werden könnte. Unbestritten aber ist, dass durch das Verbrennen von Flugbenzin oder Kerosin CO2 ausgestossen wird, welches für die Erwärmung des Klimas mitverantwortlich ist.
Für den Beitrag gab es zwei Aktualitäten: Zum einen die Protestaktion von Klimaaktivisten im Flughafen Zürich, zum anderen der Ferienbeginn in vielen Kantonen mit vielen Menschen, welche genau an diesem Tag mit dem Flugzeug verreisen. Die Reportage geht der Frage nach, inwieweit die aktuelle Klimadiskussion das Verhalten der Menschen beeinflusst. Das ist der Fokus der Reportage aus dem Flughafen Zürich. Neben Reisenden mit ganz unterschiedlichen Ansichten kommt auch eine Umweltpsychologin zu Wort. Sie hält schlicht fest, dass eine Verhaltensänderung der Menschen erst eintritt, wenn die Folgen des vorherigen Verhaltens gravierend sind und das Leben praktisch bedrohe. Im zweiten Quote sagt sie, dass die Menschen nach Rechtfertigungen suchten, um ihr Gewissen zu beruhigen.
Die Aussagen der Reisenden bestätigen diesen Befund: Man weiss zwar um die Folgen der Verbrennung fossiler Energieträger, aber man sucht für sich eine “Entschuldigung”. Es gebe Leute, die viel mehr fliegen würden oder der Verweis auf Fabriken in China – das sind zwei Argumente, die auch in der politischen Diskussion immer wieder benutzt werden.
Die Reportage nimmt sachgerecht die Stimmung unter den Reisenden auf, welche auf dem Flughafen Zürich in die Ferien aufbrechen. Diese erklären ihr Verhalten in der aktuellen Klimadiskussion. Die befragte Psychologin ordnet die persönlichen Aussagen ein. Die Reportage erklärt den Flugverkehr in keiner Art und Weise zum “Hauptschuldigen” für den CO2-Ausstoss.
Das Publikum kann sich unvoreingenommen eine Meinung zu den Beweggründen für Flugreisende am Ferienbeginn machen.
Ich bitte Sie, die Beanstandung in diesem Sinne zu beantworten.
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung des Beitrags. «Flugscham? Nicht in den Sommerferien!» so lautet der Titel des von Ihnen kritisierten «Tagesschau»-Beitrages. Die Verantwortlichen von SRF nahmen dabei zwei aktuelle Ereignisse als Aufhänger, nämlich einerseits den «Flash-Mob» am Flughafen Zürich, bei dem gegen den Klimawandel und für das klimafreundliche Nichtfliegen demonstriert wurde und andererseits den Sommerferienbeginn in vielen Kantonen. Getreu dem Beitragstitel gingen die Verantwortlichen der Frage nach, wie Menschen, die mit dem Flugzeug in die Ferien fliegen, mit der Flugscham umgehen. Es geht im Beitrag also nicht, wie Sie meinen, um die Höhe des Ausstosses von CO2-Emmissionen im Flugverkehr, sondern ganz klar um das Verhalten der Reisenden wohl im Wissen darum, dass das Fliegen zu den klimaschädlichsten Reisevarianten gehört. Insofern ist die Frage nach dem schlechten Gewissen alles andere als suggestiv.
Den befragten Reisenden sind die Gefahren des Klimawandels durchaus bekannt, sie versuchen ihr eigenes Verhalten zu erklären oder durch Ausflüchte zu rechtfertigen. Die Einordnung, warum die Reisenden sich das Fliegen selber «erlauben» oder weshalb sie sich verteidigen, ordnet die Umweltpsychologin, Cathérine Hartmann, fürs Publikum verständlich ein. Sie fasst ihre Beobachtungen treffend zusammen, in dem sie sagt: «Es braucht mehr Zeit und es braucht mehr spürbare Handlungskonsequenzen, erst wenn wir merken, dass der Klimawandel vor unserer Tür angekommen ist und unser Leben bedroht, praktisch, dann würden wir wahrscheinlich weniger fliegen». Damit bringt sie nachdrücklich auf den Punkt, wie viel es braucht, dass Verhaltensveränderungen überhaupt in Gang kommen.
Im Beitrag erfolgt an keiner Stelle eine Verurteilung des Flugverkehrs als Hauptschuldiger für CO2-Emissionen; der Fokus des Beitrags lag eindeutig auf dem Verhalten der Reisenden. Das Publikum konnte sich beim Betrachten des «Tageschau»-Beitrags frei eine eigene Meinung bilden, denn der Beitrag war in allen Punkten sachgerecht. Aufgrund des Gesagten ergibt sich, dass ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen kann.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.Mit freundlichen Grüssen,
Manfred Pfiffner, stv. Ombudsmann
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