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In der Übersicht
Historisch und kulturell sind die beiden Bedeutungen der Wendung «Asyl wahrnehmen» eng und häufig konfliktiv miteinander verschränkt. Um die Rolle von Dissens und Protest in der Geschichte des Asyls zu untersuchen, erarbeiten wir uns im Seminar die Grundlagen des politischen Denkens des unorthodoxen Philosophen Jacques Rancière. Darin spielt der griechische Begriff «Aisthesis» (Sinneswahrnehmung) eine zentrale Rolle, um das Verhältnis von Konsens, Dissens und Politik zu bestimmen.
Rancières Denken bildet die Klammer, um uns in Bild und Text mit Szenen aus verschiedenen Epochen und kulturellen Zusammenhängen zu beschäftigen. Die Fallstudien reichen vom ältesten überlieferten Theaterstück der griechischen Antike (Die Schutzflehenden von Ayschilos, ca. 466 v.Chr.), über die für eine liberale Asyl- und Pressepolitik abgehaltenen Volksversammlungen in der Schweiz der 1830er-Jahre und das «dunkle Kapitel» der Schweizer Flüchtlingspolitik von 1933 bis 1945 bis hin zu Protesten in jüngerer und jüngster Zeit, die weltweit von und für Menschen auf der Flucht stattfanden und -finden.