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Es gibt fast keinen Beitrag, keine Präsentation zur Digitalisierung, in welchen die wundersame Abkürzung VUCA nicht vorkommt. Meist wird der Begriff dazu verwendet, um Angst vor den im Zusammenhang mit VUCA stehenden Umbrüche zu schüren und so auf die Dringlichkeit der digitalen Transformation hinzuweisen. Die zahlreichen Digitalisierungsberater versuchen die Kunden zur Veränderung zu motivieren, indem sie die Folgen einer passiven Reaktion, Trägheit und Beharren auf dem Status quo aufzeigen. Sie zeichnen ein schwarzes Bild, ein Monster, das auf uns zukommt und auffrisst, wenn wir uns jetzt nicht bewegen.
Für viele Menschen und Organisationen ist es wichtig, ihre Umwelt in Schubladen einzuteilen, um sich sicher zu fühlen. Die Veränderung hat aber auch viele positive Folgen, welche neue Möglichkeiten für die aktive Gestaltung der Zukunft und für Unternehmertum bieten. Beginnen wir doch mal damit, den Begriff VUCA besser zu verstehen.
VUCA ist ein Akronym für die englischen Begriffe volatility, uncertainty, complexity und ambiguity (deutsch Volatilität (Unbeständigkeit), Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit). Wie so häufig bei Management-Begriffen wurde auch VUCA aus dem Militär (U.S. Army War College) entliehen um die Veränderung der Welt nach dem Kalten Krieg neu einzuordnen.
Volatility bezieht sich auf die Geschwindigkeit und die Stärke der Veränderung. Für Unternehmen kann das bedeuten, dass die Kunden von heute möglicherweise nicht mehr die Kunden von morgen sein werden und neue Wettbewerber auftreten.
Uncertainty beinhaltet das Fehlen von Informationen über die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Konsequenzen von Ereignissen. Man hat keine Kenntnisse über die Variablen und die kausalen Beziehungen zwischen ihnen.
Complexity bedeutet, dass es eine Vielzahl von Zusammenhängen in einem Netzwerk von Informationen und Prozessen gibt, welche es schwierig machen, die Konsequenzen einer Handlung abzuschätzen. Die Verflechtung und Verzahnung von globalen Wirtschaftskreisläufen führen zunehmend zu mehr Komplexität.
Ambiguity bezieht sich auf das Fehlen von Klarheit über Ursachen, Konsequenzen und Bedeutung eines Ereignisses. Häufig wird fehlinterpretiert, wodurch eigentlich erfolgreiche Geschäftsmodelle ihre Wirkung verlieren.
Wenn wir uns die Bedeutung der Begriffe bewusst machen, stellen wir fest, dass wir uns eigentlich schon immer in einer VUCA-Welt bewegt haben. Durch neue Technologien, die damit verbundene digitale Transformation und die fortführende Globalisierung wird der Veränderungsdruck grösser und die VUCA-Dimensionen bedeutender.
Veränderung in der Wirtschaftswelt bedeutet immer auch Chancen für neue Dienstleistungen, Produkte und Geschäftsmodelle. Es entstehen Start-ups, welche die Gunst der Stunde nutzen und sich dank schlanken und flexiblen Strukturen in der VUCA-Welt gut zurechtfinden. Für etablierte Unternehmen ist es oft schwieriger, sich den verändernden Marktstrukturen anzupassen. Aber sie haben den grossen Vorteil von einem bestehenden Kundenstamm, bewährten Produkten und Dienstleistungen, langjährigem Know-how und umfangreichen Ressourcen. Organisationen sind also meist in einer guten Situation, um sich den Herausforderungen der VUCA-Welt zu stellen und die neuen Chancen zu packen.
Wichtig ist vor allem die Denkweise. Sieht man das Glas halbvoll oder halbleer? Wichtig ist, was einem dazu einfällt – man kann es ja nachfüllen. Es ist ein grosser Unterschied, ob man Angst vor der bösen, unsicheren und unberechenbaren Welt hat, oder ob man Spass daran hat, neue Dinge kennenzulernen oder Lösungen für komplexe Probleme auszutüfteln. Flexible Organisationsstrukturen, das richtige Verhältnis von strukturierten Prozessen und agilen Teamstrukturen, neue Zusammenarbeitsformen und moderne Arbeitsinstrumente helfen die Unternehmung auf die VUCA-Welt auszurichten. Packen wir es an. Wichtig ist die eigene Haltung – und an der kann man arbeiten…