Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03462.jsonl.gz/2348

Das Leichtmetall Aluminium wird in Madagaskar nicht hergestellt, sondern recycelt. Aus dem Metall werden Töpfe und Figuren gegossen. Das Upcycling hat eine lange Tradition.
Der Grossvater von Stéphanie Ramanantoanina war, wie 50’000 seiner Landsmänner auch, im 2. Weltkrieg auf Seiten der Franzosen in Europa. Dort lernte Soldat Randrianantoanina, Metall zu schmelzen. Er stammte aus dem kleinen Städtchen Ambatolampy südlich von Antananarivo und kehrte dorthin zurück. Als Kriegsveteran erhielt er eine Pension, doch der rüstige Mann war initiativ und begründete die nunmehr landesweit bekannte Alugiesserkunst von Ambatolampy. Dort gibt es nun mehrere Betriebe, die dieses Handwerk ausüben und inzwischen werden die mattsilbernen Töpfe auch in wenigen anderen Städten hergestellt.
Das Rohmaterial ist Aluminium, das von Autos, Getränkedosen und alten Flugzeugteilen stammt.
Die Alugiesser formen erst den Kern aus feuchtem Sand und verbinden den Hohlraum mit Einflussrohren. Dort hinein giesst man die glührote, 660 Grad heisse Aluschmelze, die sich im Schwerkraftverfahren in den Hohlräumen verteilt. Gearbeitet wird barfüssig, weil das Gefühl für die Konsistenz der Sandform mit Schuhen verloren ginge. Nach Erstarrung wird der Sandkern zerstört. Das Gussstück wird geputzt und fertig ist der Alutopf, der landesweit für das Kochen von Speisen benutzt wird. Es werden Kochtöpfe in verschiedenen Grössen gegossen. Im normalen Haushalt, der ja weiterhin auf Holzkohle beruht, wird ein Marmite – wie der Kochtopf in französischer Anlehnung bezeichnet wird – der Grösse 28 benutzt. Die Zahl gibt den Durchmesser in Zentimetern an. Gegossen werden Grössen von 80 und gar bis 100. Wohl nichts ist mehr verbindend in der madagassischen Kultur als der ‘vilany gasy’, wie der Alutopf auf dem Land und in vielen Sprichwörtern genannt wird.
Die Alufabrikanten stellen auch Besteck her, Gabel und Löffel zumeist, weil in Madagaskar traditionellerweise mit diesen beiden Essenswerkzeugen gegessen wird und ein Messer nicht auf den Tisch kommt. Zunehmend werden auch künstlerische Objekte gemacht wie Figuren, Herze, Zeburinder.
Stéphanie hingegen, die Enkelin des Alupioniers, hat sich in der Agglomeration von Tana niedergelassen und betreibt eine eigene Alu-Schmelzerei. Sie hat sich auf die Kreation von raffinierten Schmuckstücken und dekorativen Figuren spezialisiert. Ihre Kunden sind oft auch Hotels, die Tischdekorationen oder die Nummern der Zimmer in besonderer Weise haben möchten.