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Das BAK erlässt eine neue Verordnung, um die internationale Präsenz von Schweizer Filmen und den Austausch mit dem Ausland zu verbessern. Eins der neuen Förderinstrumente heisst «Slate Funding».
Von Winnie Covo
Im Bemühen, den Verlust zu kompensieren, der sich durch die Sistierung der Media-Abkommen nach der Abstimmung vom 9. Februar 2014 ergab, wird das Bundesamt für Kultur ab nächstem Jahr eine neue Verordnung zur internationalen Zusammenarbeit erlassen. Die internationale Präsenz und der Austausch mit dem Ausland werden dadurch besser abgestützt.
Die Verordnung (bis Ende Oktober in Vernehmlassung bei der Branche) wird also ab nächstem Jahr die Übergangslösung ersetzen, die der Bundesrat verabschiedet hatte. Zu den Massnahmen gehören auch das Slate Funding und die Unterstützung von Schweizer Filmen an ausländischen Festivals. Zudem sollen ausländische Partner verstärkt über die Entwicklung in der Schweiz informiert und der Export von Schweizer Filmen gefördert werden.
Die erste vorgeschlagene Massnahme, die so genannte Slate-Förderung, eröffnet der Produktion eine interessante neue Möglichkeit: Die Produzentinnen und Produzenten können ihre Projekte nicht mehr nur einzeln vorstellen, sondern einen Katalog von Spiel-, Dokumentar- oder Animationsfilmen unterbreiten. Dieses System gewährt den Produktionsfirmen eine Unterstützung für ganze Projektpakete und soll sie dazu anspornen, ihre Entwicklungsstrategien besser zu strukturieren. «Angesprochen sind hauptsächlich Produktionsfirmen, die ein gewisses Volumen bearbeiten und die Kapazität haben, mehrere Langfilme gleichzeitig zu entwickeln. Was nicht ohne weiteres evident ist», sagt Pauline Gygax, Mitbegründerin von Rita Productions in Genf. Das Ziel dieser Massnahme ist die Förderung audiovisueller Werke, die sich auf dem europäischen Markt behaupten könnten. Die Einführung ist für den 1. Juli 2016 geplant. An diesem Datum sollten die neuen Unterstützungsverordnungen in Kraft treten.
Ein Katalog von Projekten
Doch was ändert sich für die Produktionsfirmen, die ein entsprechendes Gesuch einreichen möchten? «Der grösste Unterschied zwischen dem Slate Funding (für einen Katalog von drei bis fünf Projekten) und einer einzelnen Projektentwicklungsförderung liegt darin, dass beim Slate die Struktur und die Funktionsweise einer Produktionsfirma berücksichtigt werden», erklärt Pauline Gygax. «Wir alle wissen nämlich, dass die Phasen der Projektentwicklung komplex sind; deren Kosten können meist nicht mit den gewohnten Unterstützungsbeiträgen abgedeckt werden oder dann werden sie pauschal plafoniert. Und diese Pauschale von 15% wird oft als Beteiligung eingebracht. Im Gegenzug integriert Media diese internen Kosten in die Projektentwicklungsförderung. Ausserdem wird für das Einreichen eines Slate im Rahmen von Media die Durchführung einer Art Audit für die Firma selbst wie auch für die Projekte verlangt. Das ist immer sehr nützlich und zeigt die Stärken und Schwächen der verschiedenen Projekte und der Produktionsfirma. Und schliesslich hilft die Slate-Förderung, die Arbeitsschritte und die mit jeder Projektentwicklung einhergehenden Kosten zu strukturieren und den Zeitplan unter Kontrolle zu halten. Kurz: Sie trägt wesentlich zur Professionalisierung des Unternehmens bei».
Ein Beispiel: Die Genfer Produzentin hatte 2012 ein Slate I erhalten. Dieses trug in den folgenden zwei bis drei Jahren beträchtlich zur Stärkung ihrer Firma bei. «Wir waren gerade dabei, uns um ein Slate II zu bewerben – ein generell vereinfachtes Verfahren und ein auf europäischer Ebene deutlich weniger belagerter Topf als jener für Slate I –, als wir im Februar 2014 aus dem Media-Programm ausgeschlossen worden sind. Wir sind deshalb froh, im nächsten Jahr wieder ein Gesuch für eine Slate-Förderung einreichen zu können.»
Wiedereinstieg ins Media-Programm bleibt ein Muss
Von Seiten des BAK betont Laurent Steiert, dass das Slate Funding unter denselben Voraussetzungen stattfinden wird wie jene im Rahmen von Media. Die Basiskriterien orientieren sich an den Kriterien von Media, doch müssen sie nun der Schweizer Gesetzgebung angepasst werden, ohne dass Widersprüche entstehen. «Gemäss den Bestimmungen von Media erhält jedes Projekt aus einem Paket eine gewisse Anzahl Punkte. Das mit den meisten Punkten wird dann unterstützt. Doch weil wir in der Schweiz weniger Gesuche haben als auf europäischer Ebene und daher unter den Filmen weniger Konkurrenz um eine Entwicklungsförderung herrscht, wird eine Mindestanzahl Punkte verlangt.»
Die Einzelprojektentwicklung wird jedoch beibehalten. Die kleineren Produktionsfirmen mit geringem Produktionsvolumen werden nach wie vor darauf zurückgreifen können. Es muss jedoch ein Weg zur finanziellen Kompensation zwischen den verschiedenen Instrumenten gesucht werden, im Wissen, dass der verfügbare Gesamtbetrag unverändert bleibt. «Eine Schwierigkeit liegt auch darin, den Übergang zwischen den bis Juli 2016 geltenden Ersatzmassnahmen und dem im zweiten Halbjahr (ab Juli 2016) neu eingeführten System zu schaffen», sagt Steiert.
In Bezug auf die laufenden Verhandlungen erklärt Laurent Steiert, dass das BAK mit der EU weiterhin Gespräche führe im Hinblick auf ein Abkommen, damit die Schweiz am Tag X, wenn die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU allgemein geklärt sind, bereit ist, wieder am Programm teilnehmen zu können. «Wir sind abhängig von der Entwicklung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union: sie setzt die Rahmenbedingungen», fügt er bei.
Pauline Gygax ihrerseits weist darauf hin, dass die Ersatzmassnahmen unerlässlich sind. «Die Sistierung der Abkommen war und bleibt sehr nachteilig für den ganzen Schweizer Film. Für die Vernetzung, die Wettbewerbsfähigkeit, die Verleihförderung und die Sichtbarkeit des Schweizer Films ist der Wiedereinstieg ins Media-Programm mittelfristig ein Muss.»