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Jahren auf unsern Karten eingezeichneten Flusses nachwies und zugleich die Sperre der den Zwischenhandel zwischen den Binnenvölkern und der Küste monopolisierenden Stämme durchbrach. Im Mai 1890 begab sich Morgen nach der Station zurück und gedachte von dort einen Vorstoß nach Nordosten in das Quellgebiet des Benuë zu unternehmen, von welchem er gegen Ende 1890 nach der Küste zurückzukehren hoffte. An der Küste von Camerun [* 2] nahm der deutsche Kreuzer Habicht Vermessungen vor; das Camerunbecken selbst und seine Zuflüsse nahm 1885-90 der Bauinspektor Schran auf.
Nach Vollendung seiner großen Reise von Camerun über die Wasserscheide nach dem Benuë war Dr. Zintgraff nach Deutschland [* 3] zurückgekehrt, um einige seiner Resultate zu verarbeiten. Doch schon reiste er mit Leutnant v. Spangenberg nach Camerun zurück, um die von ihm auf der Wasserscheide errichtete Balistation zu besetzen. Im Oktober hatte er die Barombistation, welche Dr. Preuß leitet, glücklich erreicht.
Französischer Congo. Erst jetzt sind die Resultate der eingehenden Untersuchungen ans Licht [* 4] getreten, welche der französische Ingenieur Jacob 1887 bis 1888 in betreff der Schiffbarmachung des Kuilu-Niadi und des Baues einer Eisenbahn durch das Thal [* 5] desselben nach dem mittlern Congo angestellt hat; die Frage ist von großer Wichtigkeit hinsichtlich der schnellern Erschließung des nordwestlichen Congobeckens. A. Fourneau unternahm zu Anfang 1890 in Gesellschaft von P. Dolisie eine nur zwei Monate währende Reise vom untern Ogowe aus in das Quellgebiet des Rio [* 6] Campo, an dessen Mündung er die Küste wieder erreichte. Im September erforschte er die Quellen des in den Gabun mündenden Bokowe. Crampel hat zu Anfang Juli 1890 sich mit einer zahlreichen Expedition auf dem Congo nach dem nördlichsten Bogen [* 7] des Ubangi (Uëlle) begeben, um von dort in möglichst gerader Richtung nach dem Tsadsee durchzudringen. Dort angelangt, wird sich die Expedition teilen, indem die eine Hälfte auf dem Benuë zur Westküste zurückkehren, die andre aber durch die Sahara Algerien [* 8] zu erreichen suchen wird.
Congostaat. Ziemlich zahlreich waren in letzter Zeit die Expeditionen im unabhängigen Congostaat, ohne daß sie indessen Bedeutendes in der Erforschung oder Kartierung des Landes geleistet hätten. Nachzutragen ist, daß 1889 die Ausnahme des letzten noch unbekannten, untersten Stückes des Kassai durch Mense ans Licht getreten ist. Ohne wissenschaftliche Resultate blieb die Durchkreuzung des ganzen Gebietes von Westen nach Osten 1889 durch den französischen Kapitän Trivier, der nur auf schon betretenen Wegen zog.
Den unterhalb der Fallsstation mündenden Lomami befuhr im Winter 1888/89 A. Delcommune und stellte seine Identität mit dem von Cameron entdeckten gleichnamigen Flusse fest; dasselbe wiederholte im November 1889 der Generalgouverneur Janssen und im Sommer 1890 Hodister, welcher in den vorhergehenden Jahren wiederholt den nördlichen Congozufluß Mongala und dessen Quellströme befahren und erforscht hatte. Vom Lomami aus erreichte er zu Lande den bekannten Handelsplatz Njangwe am Lualaba, fuhr dann letztern bis Ribariba hinab und ging wiederum zu Lande zum Lomami zurück. Da die Schiffahrt auf dem Lualaba durch Schnellen [* 9] erschwert wird, so führen diese Reisen vielleicht zur Eröffnung eines bequemern Handelswegs nach Njangwe, nämlich auf dem Lomami.
Der Kapitän van Gèle befährt und erforscht seit dem Sommer 1889 den Ubangi (Uëlle), den er nach den letzten Nachrichten bis zur Seriba Abdallahs, Junkers fernstem Punkte, befahren und mit einzelnen Stationen besetzt hat. Die Gegend im Süden des Stanley Pool und am mittlern Kassai erforschte van de Velde, das Gebiet zwischen Sankuru und Lomami Le [* 10] Marinel, den Lokepo, einen Zufluß des Mbura, Leutnant Bodson. Zu magnetischen Beobachtungen und astronomischen Bestimmungen im Congostaat bewilligten die belgischen Kammern 30,000 Frank; die betreffenden Arbeiten haben unter Leitung von Del porte und Gillis am untern Congo begonnen.
Landreisen zwischen dem mittlern Congo und dem Uëlle unternahmen rasch hintereinander Kapitän Roget, welcher an letzterm Flusse, unweit von Junkers schon erwähntem fernsten Punkte, bei der Seriba des Djabbir, eine Station gründete, und Kapitän Becker, welcher von Jambuja am Aruwimi ausging. Den zwischen Ubangi und Likuala in den Congo einströmenden Sanga hat der französische Beamte Cholet bis 4° nördl. Br. befahren, d. h. bis in das Hinterland der deutschen Kolonie Camerun; der Fluß sammelt wahrscheinlich die von Flegel erkundeten Ströme des südlichen Adamaua. In Ausführung begriffen sind augenblicklich drei Unternehmungen nach der kupferreichen Landschaft Katanga oder Garenganse: die eine führt im Auftrag der Kompanie du Congo A. Delcommune (s. oben), begleitet von Håkanson, Briart, Santschow, de Roest u. a., den Lomami aufwärts, soweit derselbe schiffbar ist, dann zu Lande zum obern Lualaba. Vom Süden, dem Nyassasee her, traf in Garenganse der erfahrene englische Afrikareisende Joseph Thomson in Begleitung von Grant ein; seine Aufgabe scheint eine politische zu sein, obwohl jenes Land bisher unbestritten zum Congostaat gerechnet worden ist. Endlich ist eben dorthin der Engländer Sharpe (s. unten) unterwegs.
[Südafrika.]
Deutsch-Südwestafrika. Außer der 1889 erschienenen Routenkarte des Freih. v. Steinäcker über das Hereroland ist hier nur die Reise von E. Hermann von Angra Pequena [* 11] bis Keetmannshoop und Okahandja zu nennen. Schon zum Teil in britisches Gebiet fällt der Zug des Hauptmanns K. v. François im Januar 1890 vom Damaraland nach dem Ngamisee.
Britisches Südafrika. [* 12] Im J. 1888 unternahm Rev. A. H. Stocker die Besteigung einer Anzahl der höchsten Gipfel im Kahlambagebirge, welches die Grenze zwischen Natal und Basutoland bildet, und trug dadurch viel zur Berichtigung der Karte bei. Infolge der Annexion ist das Land der Matabele und Maschona ein beliebtes Ziel britischer Reisender, Goldsucher etc. geworden. Im Gebiet des Mazoëflusses reiste 1889 der in jenen Gegenden schon weit herumgekommene Selous, in demjenigen des Hanjani der Bischof Knight Bruce; eine neue Karte jener Gebiete verdanken wir den Arbeiten und Reisen von Maund und Ellerton Fry. Nördlich des Sambesi und westlich vom Nyassasee, in jetzt gleichfalls von Großbritannien [* 13] beanspruchtem, bisher nie betretenem Gebiet, reiste Sharpe, zuerst 1889, dann zu Anfang 1890; das letzte Mal gelangte er bis zum untern Loangwa, einem nördlichen Zufluß des Sambesi, und befuhr den erstern im Boote.
[Ostäquatorialafrika.]
Portugiesisch-Ostafrika. Am Neujahrstag 1889 hat der schottische Missionar R. Cleland von seiner Station Tschiradzulo aus den Westabhang des 2800 m hohen Milandschigebirges bis zu einer Höhe von 2300 m erstiegen. Auch sind 1890 die Ergebnisse von J. T. Lasts ¶
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großer Expedition nach dem Namuligebirge, welche er 1885-87 auf Kosten der Londoner Geographischen Gesellschaft unternommen hatte, erschienen. Im Auftrag der portugiesischen Regierung hat sich der Ingenieur Angelvy in das Gebiet zwischen den Flüssen Rovuma, Msalu und Ludschenda begeben, um weiter nach Steinkohlen zu suchen, deren Existenz er schon im J. 1884 dort nachgewiesen hat.
Deutsch-Ostafrika. Von August bis Oktober 1888, also noch vor Ausbruch der Feindseligkeiten mit den Arabern, hat der Zoolog F. Stuhlmann die Landschaften Ukuëre, Useguha, Nguru oder Ungu und das südliche Usambara durchzogen und wertvolle topographische und geologische Beobachtungen gemacht. Im Sommer 1889 haben zwei Engländer, der Konsul H. H. Johnston und Kerr Croß, das östliche Ende des Rikwa- oder Leopoldsees besucht und festgestellt, daß sich derselbe, zuletzt 1882 von Kaiser gesehen, viel weiter nach Süden und Osten erstreckt, als man bisher angenommen hatte.
Der ganz abflußlose See war seit einigen Jahren infolge Regenmangels in starkem Rückgang begriffen und sehr salzig; in seinem zum Teil von hohen Bergen [* 15] umgebenen Becken herrschte arge Hitze, und die früher zahlreichen Elefanten hatten sich gänzlich von dort zurückgezogen. Anfang Januar 1890 begab sich O. Baumann im Auftrag der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft nach Deutsch-Ostafrika und hat dort 8 Monate lang an der Küste zwischen Wanga und Pangani, in Usambara und Pare bis zum Kilima Ndscharo hin, sowie im nördlichen Ungu geographische Aufnahmen gemacht. Im Frühling d. J. trat Emin Pascha in deutsche Dienste [* 16] und begab sich mit einer militärisch organisierten Karawane, zu welcher auch der oben genannte Stuhlmann gehört, nach dem Victoria Nyanza, [* 17] an dessen westlichem Ufer in Bukoba er eine deutsche Station errichtete; die Ausnahme seiner Route von der Küste bis Tabora ist bereits in Berlin [* 18] eingetroffen. Ehlers, welcher Geschenke des deutschen Kaisers an den Häuptling Mandara in Moschi (Kilima Ndscharo) überbracht hatte, machte Anfang März 1890 den leider mißlungenen Versuch, von dort zu dem bisher nur erkundeten Natronsee Manjara vordringen; in Aruscha zwangen ihn die Eingebornen und die Erkrankung einiger Begleiter zur Umkehr.
Britisch-Ostafrika. In ihrer ersten Hälfte auf jetzt britischem, in ihrer zweiten auf deutschem Gebiet verlief die Expedition Peters', welche ihren eigentlichen Zweck, Emin Pascha in Wadelai Hilfe zu bringen, freilich ganz verfehlte. In Band [* 19] 17 hatten wir dieselbe bis in die Gegend des Kenia begleitet. Hier, am obern Tana, wo sie in Oda Borru Ruwa eine Station errichtete, hatte sie unerforschtes Gebiet gekreuzt; weiterhin aber bewegte sie sich seit November 1889 durchweg auf schon bekanntem: sie zog vom Baringosee nach Uganda, fuhr an der Westküste des Victoria Nyanza hin bis zu dessen Südspitze und zog dann durch Unjamwesi, Ugogo und Deutsch-Ostafrika nach der Küste. Am traf der Reisende in Sansibar [* 20] ein.
Die Britisch-Ostafrikanische Gesellschaft sandte 1889 unter Swayne und Jackson Expeditionen nach dem Baringosee aus, welche aber ihr Ziel nicht erreichten, jedoch eine Anzahl Punkte zu Stationen auswählten. Auf einer zweiten Reise, seit August 1889, erreichte Jackson Uganda. Im Dienste derselben Gesellschaft reiste Pigott 1889 am mittlern Tana und zur Küste zurück durch Ukamba und Ulu, hauptsächlich zu Handelszwecken und um Verträge mit den Eingebornen abzuschließen.
[Nordostafrika.]
Somalgebiet. Von Obia an der Ostküste aus unternahm der Ingenieur L. Bricchetti-Robecchi eine größere Reise, welche in Halule an der Nordküste, unweit des Kaps Guardafui, ihr Ende erreichte; es ist das die erste größere derartige Unternehmung im Osten des Somallandes. Im April und Mai 1890 machte der italienische Hauptmann Baudi de Vesme einen Ausflug von Berbera in das Innere des Somalgebiets, welcher ihn noch über den fernsten Punkt der Brüder James (1884) hinausführte. Auf dem Rückweg schlug er eine östlichere Richtung ein, als jene Engländer vor ihm.
Abessinien. Die Zeit vom September 1885 bis November 1888 erfüllte die Reise von Jules Borelli im südlichen Äthiopien, deren Resultate unlängst erschienen sind. Von Obok aus ging er nach Ankober und Antotto, dann nach Harar, schließlich nach den Gallaländern im Südwesten von Schoa, wo er den Omofluß bis etwa 7° 22' nördl. Br. verfolgte. Derselbe ergießt sich schließlich in den von Teleki und Höhnel entdeckten Rudolfsee. Diejenigen Gebiete, wo Borelli Neues bietet, liegen südöstlich von den Routen d'Abbadies und Cecchis.
[Inseln.]
Madagaskar. [* 21] Die von der französischen Regierung entsandte Expedition des Marinearztes Catat und des Ingenieurs Foucart (vgl. Bd. 17, S. 13), denen sich Maistre anschloß, während Foucart später ausschied, hat 2. Jahre lang, 1889-90, die Insel durchzogen, namentlich die östliche Hälfte, von der Bai Antongil im Norden [* 22] an bis Fort Dauphin im Süden, also fast in ihrer ganzen Erstreckung. Auch kreuzten sie die ganze Breite [* 23] der Insel, indem sie die Westküste in Modschanga berührten. Sie haben namentlich wichtige geographische Entdeckungen, naturwissenschaftliche und ethnographische Beobachtungen gemacht. Endlich unternahm der englische Missionar F. O. Mc Mahon im J. 1888 zwei Reisen zu dem Sakalawenstamm der Betsiriry im westlichen Madagaskar durch bisher ganz unerforschte Gebiete; doch waren beide, wissenschaftlich wie vom Missionsstandpunkt aus, erfolglos.
II. Forschungsreisen in Asien.
[Sibirien.]
Unlängst beendete J. Makerow seine zweijährigen geologischen Forschungen im Sajanischen Gebirge, dem Grenzgebirge zwischen Sibirien und der Mongolei, wobei er sein Augenmerk besonders auf das Goldvorkommen gerichtet hat. Im Sommer und Herbst 1889 bereiste Jelissejew das russische Ussuriland und Teile der benachbarten Mandschurei zu anthropologischen Zwecken und namentlich zur Untersuchung knochenführender Höhlen. Im Ussurigebiet fand er über 16,000 russische Ansiedler, meist Kleinrussen aus den Gubernien Poltawa und Tschernigow, die sichtlich gedeihen. - Die Bestrebungen, einen Seeweg nach der sibirischen Nordküste zu eröffnen, sind 1890 erfolgreich gewesen; die von England ausgefahrenen Schiffe [* 24] haben den Jenissei erreicht.
[Kaukasien.]
Hier wird der Hochgebirgsforschung, wie sie jüngst namentlich von englischen und einzelnen magyarischen und italienischen Alpinisten in Angriff genommen worden ist, seit 1886 kräftig von den offiziellen Mappeuren unter General Shdanow vorgearbeitet, nachdem die Fehlerhaftigkeit der ältern Karte (in 1:210,000) im Hochgebirge erkannt und eine Neuaufnahme seitens des Generalstabs angeordnet worden war. Die Aufnahmen (in 1:42,000) umfassen bis jetzt die südlichen und östlichen Abhänge des Elbrusmassivs, das nördliche Gebiet des gletscherreichen obern Bessingithals mit den mächtigen ¶