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Merida
- T’Hó (Yucatan,
Mexico)
Die
erste
Amerikanische Kulturhauptstadt
(Foto links: Ansicht
der Kathedrale von Merida. Es handelt sich um die erste Kathedrale, welche
auf dem amerikanischen Festland erbaut wurde und ist das beste Beispiel
religiöser Architektur von Yukatan. Die Kathedrale datiert aus den
letzten Jahren des 16. Jh. und liegt am Plaza Grande von Merida).
Zum
ersten Mal in der Geschichte ist eine Stadt der 35 amerikanischen Länder für
ein Jahr zur «Amerikanischen Kulturhauptstadt», eine Initiative mit Unterstützung
und Zusammenarbeit der Organisation der Amerikanischen Staaten, ernannt worden.
Das Ziel ist eine bessere Kenntnis und der Zusammenhalt zwischen den Völkern
Amerikas, wie auch die Verbreitung der amerikanischen Kultur in den übrigen Ländern
der Welt. Merida wurde für das Jahr 2000 zur Kulturhauptstadt ernannt.
Beim
Überfliegen der großen Ebene der Halbinsel von Yukatan, welche im tropischen Südosten
Mexikos und im Herzen des amerikanischen Kontinentes liegt, können Sie vom
Himmel aus ein Meer von Wäldern ausmachen. Dies ist die Heimat der alten Mayagötter
Kin, die Sonne, und Chac, der Regen. Sobald sich auf dem internationalen
Flughafen von Meriada die Türen des Flugzeugs öffnen, umhüllt uns die heiße
Luft dieses Landes, welches zwischen der Karibik und dem Golf von Mexiko liegt.
Die Luft ist voller Düfte von Gewürzen und tausenden von Blumen und tropischen
Früchten.
Bekannt
unter dem Namen «weiße Stadt» wegen der traditionellen Farbe, die oft ihre
Fassaden bedeckt, ist Merida eine alte Hauptstadt mit einer großen autochtonen
Bevölkerung, welche tiefgreifende kulturelle Wurzeln besitzt. Es ist die
kosmopolitsche Stadt des Mayab, die Maya-Welt und die strategische
Eintrittspforte in den Kontinent, in das Hinterland und zu Lateinamerika.
Der
besondere Boden, auf dem diese Stadt errichtet wurde, hat keine oberidischen Flüsse,
jedoch viele unterirdische Wasservorkommen, die Stück für Stück die
Kalksteinfelsen unter Bildung von Kavernen und Höhlen auflösen. Manchmal
sammelt sich am Grunde derer Wasser an, wodurch sich Wassergrotten («Cenotes»)
bilden. Dieses Wort wurde von dem Maya-Wort «tz’ono» abgeleitet, mit welchem
«Brunnen» bezeichnet werden, die zur Oberfläche hin offen sind oder die in
den Kavernen verborgen sind.
Merida
steht an zehnter Stelle der antiken Städte in Mexiko. Seine Geschichte läßt
sich bis in die prähispanische Zeit zurückverfolgen, als die Maya-Stadt T’ho,
auch bekannt unter dem Namen Ichcaanzihó oder «Land der großen Sihoes»,
durch den Kaziken Ah-Chan-Caan der Itzá im Jahr 1240 erbaut wurde.
(Foto
rechts: Casa de las siete Muñecas -
Das «Haus der sieben Puppen», ein Maya-Observatorium, erhielt seinen
Namen durch die sieben Figuren, die sich in seinem Innern befinden. Der
Tempel, welcher in den letzten Jahren des Spätaltertums in Dzibilchaltún,
welches im Stadtbereich von Merida liegt, erbaut wurde, diente zur
Registrierung der Sonnenbewegungen).
Als
die Spanier in der Mitte des XVI. Jahrhunderts in Yukatan ankamen, gab es in
diesem Gebiet keine nennenswerten Aktivitäten, und es fanden sich lediglich
Reste dieser antiken Maya-Stadt. Ein historischer Tag war der 6. Januar 1542,
als Don Francisco de Montejo y León, genannt “El Mozo”, auf den Ruinen von
T’ho die neue Stadt gegründet hat. Man sagt, daß einer seiner Soldaten,
Francisco de Almaraz, dem Erbauer den Namen Merida vorgeschlagen hat, da ihn
diese Ruinen an die antiken Ruinen der «Emérita Augusta der Hispania Romana»,
also der heutigen spanischen Stadt Merida erinnerten.
Die
neugegründete Stadt wurde dann gradlinig und rechtwinklig mit Schnüren
abgesteckt und nach dem konventionellen hispanischen Vorbild wurden Straßen
angelegt und auch im Zentrum ein Exerzierplatz, umgeben von den wichtigsten öffentlichen
Gebäuden, einschließlich der Kathedrale, welche die erste ist, die auf dem
amerikanischen Festland erbaut wurde. Diese Gebäude wurden mit den Steinen der
Ruinen der Maya-Stadt T’ho errichtet, die den wenigen spanischen Einwohnern,
welche begannen, in der Stadt zu wohnen, als Baumaterial dienten. Noch heute
kann man die Steine in einigen Gebäuden im historischen Zentrum der Stadt sehen.
Desweiteren erhoben sich, wohin man auch kam, Lehm- und Strohhütten, bedeckt
mit Palmdächern, die diesem primitiven Merida sicherlich einen ländlichen und
bäuerlichen Aspekt verliehen.
Nach
ihrer Unabhängigkeit, welche sie zusammen mit Yukatan am 15. September 1821 erhält,
erlebt Merida eine Etappe besonderen Aufschwungs während der sogenannten Blütezeit
der «Henequén»-Faser, auch «grünes Gold» genannt, als die Zuckerrohr- Mais-
und Viehzuchtfarmer in den letzten Jahren des XIX. Jahrhunderts das Potential
der Agave, bekannt als «Henequén» erkannten, dessen Resistenz diese zu einem
idealen Rohmaterial zur Herstellung von widerstandsfähigen und vielseitig
verwendbaren Naturfasern machte. Diese Nutzung brachte Yukatan großen Reichtum
und wirtschaftlichen Aufschwung, wodurch sich Merida in den letzten Jahren des
XIX. Jahrhunderts und selbst noch in den ersten Jahren des XX. Jahrhunderts
unglaublich entwickelte. Ungefestigte Straßen und vernachläßigte Gebäude überließen
ihren Platz prächtigen Häusern, kirchlichen Gebäuden und anderen Bauten,
welche an prächtige und glohrreiche Zeiten vergangener Epochen erinnern.
Nach
der Blütezeit des Henequén ist Merida in sein ruhiges Provinzleben zurückgefallen.
Langsam entwickelt es sich zu einer kleinen, pitoresken Stadt ohne größeren
Anspruch auf Universalität.
Nach
seinem fünfhundertjährigen geschichtlichen Werdegang entwickelt sich Merida zu
Beginn des XXI. Jahrhunderts stark weiter. Einerseits bewahrt die Stadt ihre
Konzeption und Tendenz zur flachen Ausbreitung, auf der anderen Seite integriert
sie auf geschickte Art und Weise moderne Bauten, Geschäftsgebäude, Kongreßhallen,
Hotels und große Alleen und Wohnviertel, wodurch sie sich in den letzten Jahren
zu einer der vielversprechendsten Städte Mexikos verwandelt hat.
Obwohl Merida fast 800.000 Einwohner umfaßt, hat die Stadt eine
erstaunliche Ausbreitung in der Horizontalen: es gibt wenig Gebäude mit mehr
als 2 Etagen und die Häuser besitzen große Innenhöfe. Dank der Tatsache, daß
das Stadtgebiet sehr flach ist, sind die Straßen nummeriert und es ist sehr
einfach, sich in der Stadt zurecht zu finden.. Jedoch gibt es im historischen
Zentrum viele Straßenecken, an denen Tafeln mit Zeichnungen und dem Namen des
Stadtviertels aufgehängt sind: z.B. «der Leguan», «der Bär», «die Sonne»,
«die zwei Gesichter», «der Boxer». Die Leute beziehen sich hier sehr oft auf
Namen von Straßenecken, wie z.b. der Bus kommt von der Straßenecke des «kleinen
Hirsches» oder eine Person wohnt in der Nähe des «Cocoyol».
Hinter der städtischen Fassade Meridas hat jedes Viertel seine ihm
eigene Charakteristik unterschiedlicher Aspekte bewahrt. Das Zentrun, in zurückhaltendem
Kolonialstil, vermittelt eher einen schmucklosen, jedoch gelassenen Eindruck.
Aus den Bezirken des historischen Zentrums führen große Alleen heraus, wie die
«Avenida Colon» oder der «Paseo de Montejo», deren, nach französischen
Vorbild erbaute Herrensitze aus den letzten Jahren des XIX. Jahrhunderts der
Stadt einen herrschaftlichen und vornehmen Charakter verleihen. Einer dieser
Herrensitze ist der «Palacio Canton», welcher eine vollständige Sammlung von
Kunstobjekten der alten Mayas beherbergt. Im nördlichen Teil der Stadt jedoch,
findet man nach Osten wie auch nach Westen auslaufend, ein Städtebild, welches
dem XXI. Jahrundert würdig ist. Große, majestätische Hotels wechseln sich ab
mit Wohnvierteln und großen Einkaufszentren. Man findet hier moderne Kinos,
Ausstellungshallen, Supermärkte, wie auch das gerade fertiggestellte Kongreßzentrum
«Siglo XXI» (XXI. Jahrhundert). Auf dem Weg zum Hafen von Progreso, auf eine
Entfernung von 30 km hin, findet man Reitclubs, einen enormen Golfplatz und ein
modernes Industriegebiet.
Im
«Paseo de Montejo» gibt es ein Monument jüngeren Datums, welches
besondere Aufmerksamkeit verdient: das «Monumento a la Patria» Es ist eine
enorme Skulptur aus gewaltige Steinen, das Meisterwerk des Bildhauers Rómulo
Rozo. Das Monument, welches 1956 eingeweiht wurde, stellt in seinen Mauern alle
Wappen der Länder der Republik Mexiko und auch wichtige Persönlichkeiten aus
der Geschichte Mexikos dar.
Im Herzen der Stadt befindet sich der «Plaza Grande», bzw.
Exerzierplatz, um welchen herum sich die fünf wichtigsten Gebäude Meridas
erheben: die Kathedrale von San Ildefonso, erbaut zwischen 1561 und 1598, die «Casa
de Montejo», erbaut zwischen 1543 und 1549 vom Begründer der Stadt, Francisco
de Montejo, genannt “El Mozo”, und mit einer prächtig verzierten Fassade,
das einzigste Kleinod ziviler Architektur im Plastereskstil, welches in ganz
Mexiko existiert: das Rathaus. Es wurde auf den Resten der antiken Stadt T’ho
erbaut und seine Fassade datiert aus den letzten Umbau- und Renovierungsarbeiten
des Jahres 1928. Desweiteren finden wir hier den Regierungspalast von Yukatan
mit seinen auffallenden neoklassischen Linien, welcher eine Sammlung von
Wandbildern des yukatanischen Malers Fernando Castro Pacheco beherbergt, und
letztendlich gibt es noch den alten Palast Arzobispal, welcher heute ein Museum
für zeitgenössische Kunst ist. An einer der Ecken des Plaza Grande befindet
sich das Olimpo, das modernistische städtische Kulturzentrum, welches täglich
Ausstellungen, Konferenzen, Konzerte, Theateraufführungen und Sitzungen
anbietet, bis hin zu einem Planetarium, welches kurz vor seiner Eröffnung steht.
Nicht weit von hier befindet sich auch das alte Kolonialgebäude, erbaut
im Jahre 1711, welches als Sitz der Autonomen Universität von Yukatan fungiert,
sowie auch das elegante Theater José Peón Contreras im Renaissance-Stil,
welches aus dem Jahre 1908 datiert, in den 70er Jahren aus der Vergessenheit
hervorgeholt und 1981 wiedereröffnet wurde.
Einer
der Hauptanziehungspunkte Meriadas ist seine zentrale Lage. Es ist ein idealer
Ausgangspunkt zum Kennenlernen der Strände der Karibik vom Hafen von Progresso
aus, hin zum Luxus von Cancún oder den Hütten von Tulum, zu den Ruinen von
Uxmal, Mayapán oder Chichén Itzá, der bekanntesten und einflußreichsten
Mayastadt der Halbinsel, deren mytologischer Name «die Stadt der Wasserhexen»
bedeutet, sowie zu den Kolonialstädten Valladolid und Campeche, Zufluchtsstätten
von Piraten und Fischerparadise, den Franziskanerklöstern von Izamal oder Maní,
zum Reservat der Flamencos von Celestún oder zum Naturschutzgebiet von Sian
Ka’an.
Noch im Stadtbereich von Merida befindet sich ca. 15 Minuten von der
Stadt entfernt die alte prähispanische Stadt Dzibilchaltún, deren Name
"Ort, wo es Inschriften auf den Steinen gibt» oder «wo es Inschriften auf
flachen Steinen gibt», bedeutet. Diese Maya-Siedlung, welche vom 500. Jh. v.
Chr. bis hin zum Jahre 1500 unserer Zeit bestand, ist eine der ältesten Maya-Siedlungen.
Unter ihren Monumenten ragt die «Casa de las Siete Muñecas» (Haus der sieben
Puppen) hervor, wo man zu jedem Jahreszeitenwechsel am 21. März und am 21.
September das Phänomen der Tagundnachtgleiche sehen kann, wenn die Sonne
zwischen den Pforten des Monumentes aufsteigt.
Die Tatsache, daß die Menschen von Merida noch ihren freundlichen
provinziellen Charakter bewahrt haben, bedeutet nicht, daß es immer einfach ist,
mit ihnen auszukommen.. Mit seinem frohgemuten, friedfertigen und
gastfreundlichen Charakter braucht jedoch den Bewohner der Stadt nicht darauf
aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, den Touristen gut zu behandeln: jener
wird immer mit der Behandlung seitens der Stadtbewohner zufrieden sein.
Viele Frauen tragen immer noch das «Hipil», die typische Mestizentracht,
welche in leuchtenden Farben bestickt ist. Auch die Männer, einschließlich der
Führungskräfte, tragen das traditionelle «Guayabera» (Buschhemd), ein Hemd
aus Leinen oder Baumwolle, aus der Tradition der Karibikbewohner übernommen,
welches in den zentralamerikanischen Ländern und natürlich auch in der Karibik
weitverbreitet ist. Obwohl es auch Einwanderer aus China, Korea und überwiegend
aus dem Libanon gab, gibt die Bevölkerung von Yukatan ein gutes Beispiel des
amerikanischen Mestizen ab, denn sie besteht hauptsächlich aus Nachkommen von
Verbindungen zwischen Spaniern und Mayas. In ihren Gesichtszügen spiegeln sich
unzweifelhaft die Rasse der Mayas wie auch spanisches Blut wider.
In
Merida, wie auch überall in Yukatan und Mexiko wird spanisch
gesprochen. Jedoch in den kleinen Dörfern in der Umgebung der Stadt, wo viele Häuser
immer noch Mauern aus Steinen, Holz und Lehm haben und bedeckt sind mit Palmdächern,
sprechen die Leute weiterhin die Sprache der Mayas, die auch gelegentlich auf
dem Markt zwischen den Verkäufern zu hören ist. Außerdem sind in der
Umgangssprache der Menschen aus Yukatan häufig Wörter aus der Maya-Sprache zu
hören, was die Unterhaltungen bereichert, und ihnen einen gewissen Charakter
sowie Charme verleiht.
Reichhaltig, abwechslungsreich und stark gewürzt, ist die Gastronomie
von Yukatan nicht nur ein Genuß für den Gaumen, sondern auch für das Auge und
gleichzeitig eine Huldigung an das Mestizentum. In den typischen Gerichten
spiegelt sich zum einen die einheimische Vergangenheit wider, verdeutlicht durch
die vorrangigen Bestandteile dieser Küche, und zum anderen auch eine wirklich
elegante Anpassung an den Geschmack und die Grundprodukte der europäischen und
karibischen Gastronomie. Das Endergebnis ist eine charakteristische Speisekarte,
abwechslungsreich und sehr schmackhaft.
Eine besondere Erwähnung verdienen Früchte wie der Honigapfel, die
Pflaume oder auch die Guajavabirne, welche die Yukataner von heute ebenso genießen,
wie es auch schon ihre Maya-Vorfahren taten.
An der Küste kann man die Gerichte auf der Basis von Meeresfrüchten
genießen. Typisch sind Gerichte wie «Ceviche» (roher Fisch, mariniert in
Limettensaft), das köstliche «Tikinxik» mit Riesen-Zackenbarsch oder «Esmedregal»,
zubereitet mit «Achiote» (eine in Yuakatan hergestellte Paste auf der
Grundlage der Samen des Orleanstrauches) und serviert mit Gemüse, Bier, «Xcatic»-Chillis
bzw. «Güeros»-Chillis und sauren Apfelsinen. Es gibt auch leckere Cocktails
mit Garnelen, Austern, “Chivita”-Schnecken, Oktopus und Tintenfisch. Der
bekannteste dieser Cocktails mit dem Namen «Zurück zum Leben» enthält alle
der aufgezählten Zutaten und kann in der Tat «Tote zum Leben erwecken».
Über Mittag ist es immer eine gute Idee, in eine Bar zu gehen und Tapas
oder «Botanas» zu bestellen. Wird hierzu dann ein gut gekühltes Bier bestellt,
gibt es dies vom Gastwirt gratis dabei und wird immer vor dem Essen serviert.
Auf der ganzen Halbinsel sind die sogenannten «Antojitos» (pikante Vorspeisen)
weitverbreitet: z.B. «Anuchos», dies sind Tortillas, gefüllt mit getrockneten
schwarzen Bohnen, bedeckt mit kleingeschnittenem Salat, Tomatenstücken,
kleingeschnittenem Hühnerfleisch und Jalapa-Chilli. Ebenfalls köstlich sind
die «Papadzules», deren Hauptzutat «Pepitas» (Kürbiskerne) sind oder auch
die Mais-Tortilla-«Taquitos», welche gefüllt sind mit zerhackten hart-gekochten
Eiern, dann eingeweicht werden in einer Soße aus zerkleinerten Pepitas, in
welcher sie dann auch schwimmen und die mit gemahlenen Pepitas und Chillitomaten
garniert werden.
(Foto links: Der «Palacio Cantón», ein prachtvoller Wohnsitzaus dem 19. Jh. beherbergt heute herrliche Werke der antiken Maya-Kultur).
Das wahrscheinlich beste Beispiel aus der Mestizenküche ist «Queso
relleno» (gefüllter Käse). Es ist ein Block holländischer Käse, gefüllt
mit fein zerkleinertem Schweinefleisch und garniert mit Oliven und Kapern. Ein
anderes erlesenes Gericht ist «Poc-chuc». Es wird mit gekochtem Scheinerücken
zubereitet, welcher nach dem Kochen noch gegrillt wurde und wird serviert mit
Tomaten und violetten Zwiebeln, die in Glut gegart wurden. Nach der Tradition
wird dieses Gericht mit zerstoßenen schwarzen Bohnen gereicht. Das bekannte «Cochinita
Pibil» (Ferkel), mit Tacos oder auf «Tortas» (mexikanisches Sandwich)
serviert, bedarf keiner besonderen Erklärung. Es ist wohlschmeckendes und
saftiges Schweinefleich, eingewickelt in Bananenblätter, welches auf
traditionelle Art in einem besonderen Blechbehälter für mehrere Stunden unter
der Erde gegart wird. Die ideale Beilage hierzu sind gehackte Zwiebel mit saurem
Organgensaft und gemahlenen Chillis.
Geflügel darf natürlich auch nicht fehlen. Hier empfiehlt sich die köstliche,
wie auch nahrhafte «Sopa de Lima» (Limettensuppe). Es ist eine Bouillon mit
zerkleinerten Hühnerflügeln, fritierten Tortilla-Streifen und einer
Limettenscheibe, die der Suppe das gewisse Etwas verleiht. Natürlich kann man
diese Palette an gastronomischen Gerichten auch mit dem wohlschmeckendem
Havanna-Chilli servieren, welches der Hit der yukatanischen Küche ist.
Und nun noch ein Abschnitt über die Desserts. Einerseits gibt es die
alten Hausrezepte zum Herstellen eingekochter Früchte, wie Papaja, «Ciricote»
und «Nancen»; anderseits findet man die typischen Süßspeisen wie Breiäpfel
oder Kernfrüchte, «Melcocha» aus Honig und Eiern, die «Piñonatas» aus
Kokos und Pepitas und letztendlich das europäische Erbe, umgewandelt in
erlesene Versionen internationaler Desserts, wie z.B. Süßigkeiten aus Mandeln,
die «Himmelstorte», «Pasteles» (Kuchen), Meringe und Eis aus «alter Vanille»
oder «Mantecado». Und zum Schluß noch ein Gläschen «Xtabentún»-Anis.
Merida feiert im Jahr 2000 ein Fest nach dem anderen. Die Stadt hat die
Nominierung zur amerikanischen Kulturhauptstadt mit Stolz aufgenommen. Merida
bietet ein permanentes Kulturprogramm an mit kostenloster Unterhaltung und
zahlreichen Aktivitäten. Es ist die ideale Festival-Stadt. Die ganze Stadt
befindet sich in einem Fesitval-Taumel, welcher täglich überall sichtbar ist,
ohne daß jedoch hierdurch das alltägliche städtische Leben behindert wird.
So werden von Montag bis Sonntag stündlich und für jeden
Publikumsgeschmack in den Theatern, auf den Bühnen, öffentlichen Plätzen und
Galerien von Merida hautpsächlich kostenlos unzählige Aufführungen und
Darbietungen angeboten. Das reichhaltige Angebot geht von Folklore-Musik, wie
auch Musikdarbietungen aus der ganzen Welt, klassischem Tanz, Jazz, zeitgenösischem
und klassischem Theater, Konzerten für die Jugend, Konferenzen, Kongresse,
Modeschauen, Paraden, Buchmessen, Ausstellungen von Kunstwerken internationaler
Künstler, Sportveranstaltungen, religiöse Wanderungen und Pilgerfahrten,
Literatur- und Kunstwettbewerbe, bis hin zu Vorstellungen von Büchern und
anderen Sonderausgaben im Hinblick auf das Kulturjahr. Das vollständige Angebot
ist überwältigend. Merida hat die Absicht, vor Ablauf des Kulturjahres 2000
auf die beeindruckende Zahl von 3000 kulturellen Ereignissen zu kommen und hofft
daneben, daß diese Nominierung zur Kulturhauptstadt an der Stadt wie auch an
der städtischen Geschichte dauerhafte Spuren hinterläßt.
Jeden Sonntagabend wird auf der Plaza Grande ein großes Fest
veranstaltet. In diesem Rahmen hat man die Möglichkeit, artisanale Produkte und
Geschenke zu kaufen und die typischen Gerichte zu kosten. Musik benötigt man
hierbei nicht und die Leute spazieren ruhig durch die Sträßen, die für den
Verkehr gesperrt sind. Die Trios der Trobadore hoffen auf dem Plaza Grande auf
verliebte Romantiker, welche sie zum Haus ihrer Verlobten begleiten können, um
ihnen schöne Liebeslieder zu singen. Typisch sind Serenadenabende, wie z.B. die
Dichter-Musikabende, welche man Donnerstagabends auf dem Plaza de Santa Lucia
vorfinden kann. Die Yukataner sind echte Liebhaber von Liebesliedern. Yukatan
ist ein Land, in dem man ausgezeichnete Musiker, Komponisten und Sänger findet.
Am bekanntesten ist zur Zeit Armando Manzanero.
Das kulturelle Erbe der Stadt Merida ist immer noch gewaltig, obwohl ein
Großteil seines Reichtums an prähispanischer, kolonialer und zeitgenössischer
Architektur mangels Schutz und offzieller Verwaltung verloren ging. Merida war
und wird immer eine Hauptstadt des Mayab und des amerikanischen Kontinents sein.
Volk und Landschaft spiegeln einen ausgeprägten Sinn für Identität wider.
Für die modernen Mayas ist Merida immer noch die einflußreiche Stadt
T’ho, sowie sie auch gleichzeitig für die Nachkommen der Weißen niemals
ihren alten Kolonialstolz verloren hat. Es ist eine prächtige Stadt voller
Leben, mit exotischem und berauschendem Zauber und starken Kontrasten. Zur
gleicher Zeit weiße, grüne und blaue Stadt, begeistert diese Stadt und raubt
uns in jedem Augenblick das Herz. Dies ist die Amerikanische Kulturhauptstadt
des Jahres 2000.
Artikel von María Teresa Mézquita Méndez und Josep Ligorred