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Wörterbuch
der Sozialpolitik
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Sozialplanung

Sozialplanung im engeren Sinn ist die gebiets- und zielgruppenbezogene Entwicklung sozialer Einrichtungen (Hilfsangebote) und Maßnahmen (Programme) im Hinblick auf sozial- und gesellschaftspolitische Zielvorstellungen. Zentraler Ansatzpunkt ist die planvolle Ausgestaltung des öffentlichen Sozialwesens; Träger sind vor allem Gebietskörperschaften (Staat, Kantone, Gemeindeverbände oder Gemeinden).
Im weiteren Sinn kann Sozialplanung auch als sozial bewusste Planung in Wirtschaftspolitik, Bildungswesen, Stadtplanung usw. verstanden werden. Die soziale Situation einer Gesellschaft bemisst sich nicht nur am Sozialwesen und lässt sich somit nicht nur über dessen Ausgestaltung steuern. Dieser Begriff der Sozialplanung ist in der Praxis wenig verbreitet. Er ersetzt Sozialplanung im engeren Sinn nicht, ergänzt sie aber sinnvoll.
Sozialplanung entstand in den USA als Reformansatz auf lokaler Ebene, an der Schnittstelle von Sozialarbeit und Stadt-, Gemeinde- oder Quartierplanung (z.B. Slum-Sanierungsprogramme). Ihre Geschichte ist deshalb eng mit der Entstehung der Gemeinwesenarbeit verknüpft. Die Anfänge im deutschsprachigen Raum gehen auf die Schaffung zentralstaatlicher Wohlfahrtsbürokratien seit Bismarck zurück. Später kamen spezialisierte Einrichtungen der öffentlichen, kirchlichen und privaten Wohlfahrt auf kommunaler, regionaler und überregionaler Ebene hinzu, was seit den 1950er-Jahren zum Ruf nach systematischer Sozialplanung führte.
Nach heutigem Verständnis ist Sozialplanung systematisch bevölkerungsbezogen, das heißt, sie zielt auf die Versorgung ganzer Einzugsgebiete nach einheitlichen Grundsätzen und Standards. Dies unterscheidet sie vom früheren institutionszentrierten Ansatz, der sich an den Bedürfnissen einzelner Anbieter ausrichtete. Die Altersplanung liefert ein Beispiel: Ihr Anspruch geht heute dahin, allen älteren Personen des Planungsgebiets ein Netz von Spitexdiensten, medizinischen und pflegerischen Betreuungsangeboten, altersgerechten Wohnformen usw. zu gewährleisten, wobei Anspruchsberechtigung, Qualitätsstandards und finanzielle Abgeltung einheitlich geregelt sind.
Hauptinstrumente sind Bedarfsanalysen mittels statistischer und empirischer Verfahren (Bedarfsplanung), die Definition geografischer Einzugsgebiete und auf sie bezogener Versorgungskonzepte (Konzeptplanung) sowie deren Umsetzung in konkrete Hilfsangebote und Maßnahmen (Angebots- bzw. Programmplanung).
Starre Richtwertplanung, etwa für den Betten- und Personalbedarf in Alters- und Pflegeheimen, wird zunehmend durch flexible und partizipative Planung mittels Leitbildern, Rahmenplanungen und Planungsleitfäden abgelöst. Die Umsetzung erfolgt durch befristete Leistungsaufträge, was eine Trennung von Leistungsfinanzierung und -erbringung bedingt. Leistungs- statt Defizit-Abgeltung schafft Anreize zu mehr Effizienz. Qualitätssicherung, Evaluation und gebietsbezogene Jahresberichte (Sozialberichterstattung) erhöhen die Transparenz. Das Instrumentarium der Sozialplanung wächst so mit jenem der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung im Zeichen des New Public Management (NPM) zusammen.
Die theoretischen und methodischen Grundlagen der Sozialplanung bleiben dennoch ungenügend. Der Verweis auf NPM und wissenschaftliche Instrumente greift zu kurz, denn er kann die Wertprämissen und Konsequenzen der Planung nicht zureichend begründen. Nötig sind Ansätze, die Beteiligten und Betroffenen geeignete kritische Kompetenzen vermitteln (Ulrich 1994).
Dass die Sozialplanung neuer Grundlagen bedarf, heißt nicht, dass ihr Anliegen überholt sei. Die Gefahr besteht, dass aus berechtigter Skepsis gegenüber bisherigen Planungsansätzen falsche Schlüsse gezogen werden. So wird die Sozialplanung zurzeit aus dem Vokabular und den Ausbildungsprogrammen sozialer Berufe verdrängt und durch "Sozialmanagement" ersetzt. Am realen Problemdruck ändert dies wenig; planendes Denken im ursprünglichen Sinne des Wortes - des vorausschauenden Ebnen des Weges - bleibt eine Herausforderung, zu der es letztlich keine Alternative gibt.
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