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Der historische Hintergrund zum Wai
Der konkrete historische Hintergrund ist beim Wai nicht wirklich bekannt. Wissenschaftler vermuten aber, dass er durch beide gezeigten Hände mindestens auf Brusthöhe auch die hehren Absichten des Begrüssenden bekunden sollte in seiner ursprünglichen Bedeutung, also das Signalisieren von friedvollen Absichten ohne jegliche Waffen oder dergleichen. Bei den traditionellen Tänzen, in Thailand wie auch in Kambodscha Apsara genannt, lässt sich die traditionelle Form des Wais ebenfalls noch gut erkennen. Die Hände werden nicht abrupt, sondern fast schon in Zeitlupe vor Brust oder Kopf geführt, die Fingerspitzen deuten dabei gleichzeitig etwas nach innen, während der Kopf leicht nach vorne gesenkt wird. Die Form der gefalteten Hände stellt dabei eine Lotusblüte dar, Phanom Mue genannt.
Begrüßung vor der Brust, dem Gesicht, der Stirn oder über dem Kopf
Wie und ob der Wai gemacht wird, hängt von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich sind vier wichtige Formen des Wais in Bezug auf unterschiedliche Personengruppen für ausländische Gäste wichtig zu verstehen. Gegenüber Fremden, unter von Freunden, Familie sowie Respektspersonen, Mönchen gegenüber sowie dem König und Königshaus. Fremden gegenüber erfolgt der Wai vor der Brust, die Fingerspitzen reichen nicht weiter als bis zum Kinn. Auch die Verbeugung fällt kaum auf oder wird nicht gemacht. Bei Freunden, Familie und Respektspersonen fällt die Verbeugung deutlich aus und signalisiert auch Ergebenheit. Der Wai wird vor dem Gesicht präsentiert, wobei die Daumen in etwas auf derselben Höhe wie die Nasenspitze ist – keinesfalls aber höher. Denn die Daumen auf Höhe der Nasenwurzel mit dem Wai vor der Stirn ist den Mönchen vorbehalten. Über dem Kopf folgt nun der ehrfürchtigste aller Wais, der für den König. Das ist mit dem Buddhismus vertretbar, denn der König ist auch zugleich höchster buddhistischer Vertreter.
Wai erwidern oder nicht?
Aber nicht nur die Position des Wais ist wichtig. Ebenso die Erwiderung folgt recht strengen Prinzipien. Kindern und Bediensteten gegenüber erwidert man den Wai keinesfalls, ebenso nicht der netten Verkäuferin im Geschäft oder der Bedienung im Restaurant. Im Grossen und Ganzen lassen sich also all diejenigen ausschliessen, die für jemanden arbeiten oder Dienstleistungen erbringen. Würde ein Thailänder solche Wais erwidern, er würde sich bis auf die Knochen blamieren, selbst derjenige, der den Wai gemacht hat, verlöre das Gesicht. Unter Gleichgestellten wird der Wai erwidert, nicht jedoch von Höhergestellten. Ebenso erwidern den Wai auch die Mönche nicht. Nicht einmal dem König, wobei dieser Mönche durchaus mit einem Wai begrüsst. Jetzt wurde auch schon eine Situation angesprochen, die ausserordentlich wichtig ist – die soziale Stellung. Auch wenn hier unter Umständen ein Wai erwidert wird, gilt es zu wissen, wer die Begrüssung zuerst durchführt. Prinzipiell ist das der Jüngere dem Älteren bzw. Kinder ihren Eltern gegenüber oder eben der sozial niedriger stehende Mensch dem Höhergestellten gegenüber.
Was der Wai aussagen kann oder auch nicht
Selbst wenn der Wai als Ehrerbietung gesehen wird, kann er doch versteckt etwas über die Sympathie oder Antipathie eines Menschen aussagen. Ebenso gibt das „Wie“ Auskunft darüber, wie ein Dritter jemanden sehen kann. Für viele Ausländer sind diese Feinheiten aber nur schwer zu sehen oder sogar schwer zu verstehen. Ein Wai vor der Brust kann nicht nur die Erwiderung der Begrüssung eines Gleichgestellten bedeuten, ebenso ist es durchaus möglich, dass hier auch nicht direkt Verachtung, aber zumindest Desinteresse zum Besten gebracht wird. Dasselbe ist zu beobachten wenn der mit dem Wai Begrüsste diesen Wai augenscheinlich nur nebenbei zurückgrüsst. Er kann aber auch durchaus auf die sozialen Unterschiede hinweisen. Weil das aber so schwierig ist, sollte ein Ausländer hier niemals fälschlich etwas hinein interpretieren, denn meist liegt man sowieso falsch mit seiner Einschätzung – gerade wenn es darum geht, Asiaten richtig oder überhaupt einschätzen zu können.
Die Bedeutung für Ausländer
Neben der Begrüssung fungiert der Wai auch noch als eine Entschuldigung sowie als Ehrerbietung gegenüber Buddha und beim Gebet. Hat man nicht beide Hände frei, kann der Wai auch mit einer Hand, vorzugsweise der rechten, durchgeführt werden. Das gilt für die zuerst grüssende als auch die erwidernde Person gleichermassen. Als aussenstehender Tourist oder auch als in Thailand lebender Ausländer ist es oftmals so, dass man nicht als Teil der sozialen Gefüge gesehen wird. Jedoch kann es durchaus ebenso vorkommen, dass man doch nach der vermeintlichen sozialen Stellung begrüsst wird. Das hängt stark von Stadt- oder Landregion ab, aber auch, ob man intensiver mit Thailändern zu tun hat oder nicht. Als ein guter Freund einer Familie kann es sogar passieren, dass man nicht ausschliesslich mit einem Wai begrüsst wird.
In welchen Ländern es den Wai noch gibt
Es kann durchaus passieren, dass man einen Handschlag angeboten bekommt.Greift sich der die Hand anbietende Asiate mit der anderen Hand an das Handgelenk der zum Handschlag vorgestreckten Hand und verbeugt sich leicht, bedeutet das ebenfalls eine sehr respektvolle Begrüssung. Doch vornehmlich wird man in Thailand mit dem Wai gegrüsst oder verabschiedet werden. Allerdings kann es im Nachbarland Kambodscha passieren, dass man anstelle des Wais diesen Handschlag angeboten bekommt. Dort kennt man den Wai zwar auch, aber er besitzt nicht die tiefe Bedeutung wie bei den Thailändern. Eine ähnlich ernste Bedeutung dürften innerhalb Asiens wohl nur noch die japanische ehrfürchtige Verbeugung und das indische Begrüssungsritual besitzen. Eine Ausnahme stellt Laos dar, sehen sich die Laoten doch als die Brüder Thailands. Das gilt übrigens umgekehrt für Thailänder ebenso.
Als Nicht-Thailänder einen unverfänglichen Wai erbringen
Als Ausländer fährt man am besten, wenn man den Wai so macht, dass die Fingerspitzen auf der Höhe der Nasenspitze sind und man sich ganz leicht nach vorne beugt. Denn wie schon erwähnt, liegen Ausländer oft ausserhalb der sozialen Hierarchie. Ausserdem sind die Thais auch sehr flexibel und tolerant, es ist ihnen also durchaus bewusst, dass Ausländer den Wai höchstwahrscheinlich falsch machen werden. Einzig – erwidert man ihn eben bei Kindern, Bediensteten oder gegenüber Verkäufern etc., dann kann man davon ausgehen, sich doch etwas lächerlich gemacht zu haben.
(Beitrag aus der Internet-Platform: „http://www.little-thailand.de“)