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Am 24. September feiert die Städtepartnerschaft Geburtstag. Zeit, sie kennenzulernen.
Am 19. Juli 1979 war es so weit : Das nicaraguanische Volk stürzte die Diktatur der Familie Somoza, der nach damals fast 50 Jahren Herrschaft mehr als das halbe Land gehört hatte.
Die neue sandinistische Regierung bestand aus Guerrilleros, Schriftstellern und Priestern der Befreiungstheologie.
Im sandinistischen Nicaragua war plötzlich fast alles möglich, wofür wir uns in Europa engagiert hatten.
Folglich lernten viele aufmüpfige Linke fleissig Spanisch und gingen zu Tausenden nach Nicaragua.
Dem grossen Bruder im Norden passte dies allerdings nicht, was da in Nicaragua geschah. Die USA begannen einen blutigen Krieg gegen Nicaragua.
In den USA und in Europa entwickelte sich eine riesige Solidaritätsbewegung für das neue Nicaragua.
In Deutschland, England, Frankreich, Holland, Italien, Spanien und in den USA selber entstanden zudem Partnerschaften mit nicaraguanischen Städten.
In Biel wollten wir nicht zurückstehen und gründeten eine Partnerschaft mit San Marcos.
Diese Partnerschaft wurde 1987 gegründet. In diesem Jahr (2017) feiern wir folglich das 30-jährige Bestehen.
Grundsätzlich wollen wir Nicaragua eine autonome Entwicklung garantieren, aber auch einen vielfältigen Austausch zwischen Nord und Süd fördern.
Im Gegensatz zu Europa entstanden in der Schweiz keine offiziellen Städtepartnerschaften. Offenbar hat die Schweiz Mühe, sich gegenüber anderen Kulturen zu öffnen. Einzige Ausnahme ist Delémont mit der Gemeinde La Trinidad in Nicaragua.
Die Städtepartnerschaft Biel/Bienne – San Marcos ist daher ein Verein geblieben, mit vielen Mitgliedern. Der Verein wurde zeitweise auch mehr oder weniger von den städtischen Behörden unterstützt. Unter Hans Stöckli mehr, vor und nach seiner Regentschaft weniger.
Immerhin hat San Marcos zwei sehr offizielle Städtepartnerschaften – die eine mit Jena in Deutschland, die andere mit Helmond in Holland. Die Städtepartnerschaft mit San Marcos ergab für Biel indirekt auch Beziehungen mit Jena und Holland in Europa.
Aber die Ablehnung einer offiziellen Part-
nerschaft war, zumindest für mich, sehr enttäuschend. Die Sandinisten machten nämlich in diesem sehr armen Land genau das, was heute offizielle Doktrin der Entwicklungszusammenarbeit ist: Alphabetisierung der Bevölkerung, Landreform und Förderung der kleinen Bauern, Unterstützung der Frauen, etc. Zum Glück hatte diese negative Haltung der Bieler Behörden kaum spürbaren Einfluss.
Wir haben uns in einem Verein organisiert und diese Solidarität bis heute weiter geführt. Und feiern nun am 24. September den 30. Geburtstag.
Es gibt mindestens drei Erfolge dieser 30-jährigen Städtepartnerschaft : Zum einen entstanden viele persönliche Kontakte zwischen Biel und San Marcos. Der Name « Biel/Bienne » ist in San Marcos so bekannt wie die Namen Omega oder Rolex. Es gibt sogar ein Quartier, das Biel-Bienne heisst. Gibt es einen anderen Ort auf der dieser Welt, wo Biel-Bienne bekannter ist?
Zum anderen können wir die Bevölkerung von San Marcos immer wieder mit mehr oder weniger kleinen Beiträgen unterstützen. Über eine halbe Million Franken ist seit 1987 von Biel-Bienne nach San Marcos geflossen, selbst eine metergrosse Swatch hängt seit einigen Jahren im Bürgermeisterhaus von San Marcos.
Und vielleicht der schönste Erfolg : In San Marcos besteht eine Partnergruppe mit engagierten Jugendlichen, die diese konkrete Solidarität lebt und fördert.
Roland Sidler, pensionierter Zimmermann und Gewerkschaftssekretär. Ist meist in Biel anzutreffen.