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Gemeindeprogramm
Wenn das Gemeindeprogramm die Gemeinde verhindert
Wenige Mitarbeiter in Gemeinden bedienen viele. Und nur wenige Menschen
werden von der Gemeinde erreicht. Gründe gibt es viele, entscheidend: Ein
Programm, das Gemeinde verhindert. Eine Polemik.
Eine Weisheit der Dakota-Indianer sagt: "Wenn du entdeckt hast, dass du
ein totes Pferd reitest, steig ab."
Nun ja, die Dakota-Indianer, gibt es sie überhaupt noch? Falls ja, können
es nicht sehr viele sein, und sie werden zugeben müssen: Der weiße Mann
hat sie besiegt. Weil er stärker war und ist und natürlich auch klüger,
intelligenter, effizienter.
Entdeckt ein weißer Mann, dass er ein totes Pferd reitet, steigt er daher
noch lange nicht ab, denn er lebt vom Pferd, hat Familie und ist für den
Stallknecht und verschiedene andere Arbeitsplätze verantwortlich. Also kann
die Lösung nur lauten: weiterreiten. Mach dich zum Vorreiter, sagt er sich,
werde die Nummer eins unter den Reitern toter Pferde, nutze das damit gewonnene
Know-how, um die Marktführerschaft anzustreben.
Der Profi wird sich daher zunächst eine stärkere Peitsche besorgen und Extrafutter
bereitstellen, um die Leistung des Pferdes zu erhöhen. Wenn das nicht sofort
hilft, setzt er eine Enquête-Kommission ein, gibt eine vergleichende Studie
über andere tote Pferde in Auftrag, veranstaltet ein Hearing über totgesagte
Pferde, entwickelt parallel dazu eine Strukturreform, um das Pferd kampagnenfähig
zu machen, und bildet eine Task-Force-Group für die Wiederbelebung des Pferdes.
Anschließend wechselt er den Reiter, eröffnet im Internet eine Homepage
unter der Adresse www.reiten.totpferd.de und gründet eine Newsgroup für
Reiter toter Pferde.
Hilft auch das nicht, ist der Profi noch lange nicht am Ende und verbessert
die Öffentlichkeitsarbeit, indem er den Begriff "Tod" neu definiert und
sagt: Unser Pferd ist quicklebendig, und andere Pferde sind viel toter.
Er initiiert eine Kampagne in Political Correctness mit dem Ziel, den Begriff
"totes Pferd" als diskriminierend aus dem Gebrauchswortschatz zu verbannen
und es durch den Begriff "temporarily handicaptured horse" zu ersetzen.
Vielleicht lässt er auch spektakulär mehrere tote Pferde zusammenschirren,
damit sie schneller werden. Dafür muss er indische Spezialisten anwerben,
die sich dank jahrzehntelanger Meditation auf das Reiten zusammengeschirrter
toter Pferde verstehen. Führt auch das nicht zum gewünschten Erfolg, wird
er die Leistungsstandards für Pferde senken und schrittweise an die Leistungsfähigkeit
toter Pferde anpassen. Danach kann er die letzten seiner Kritiker zum Verstummen
bringen, indem er sagt: Was wollen Sie, wir sind längst am Ziel. Wir brauchen
das Pferd gar nicht. Wir brauchen überhaupt nie mehr ein Pferd.
Stellen sie sich vor, am kommenden Montag fällt der Gebetsabend aus. Am
Dienstag findet kein Hauskreis statt und am Mittwoch wird keine Besprechung
für den all sonntäglichen Kindergottesdienst sein. Die für Donnerstag geplante
Sitzung des Vorbereitungsausschusses für den Gottesdienst "mal anders" ist
abgesagt worden und am Freitag fällt der Kirchenvorstand aus.
Der Referent des Mitarbeiterseminars für Samstag ist krank geworden und
sie können doch den geplanten Familienausflug machen. Kann es sein, dass
in dieser Woche ihre Beziehung zu Gott nicht schlechter geworden oder vielleicht
sogar gewachsen ist?
Wenn sie diese Frage mit "Nein" beantworten, dann lesen sie bitte nicht
weiter!
Sie brauchen das Gemeindeprogramm wie andere ihren Verein. Sollten sich
jedoch irgendwann, die Anzeichen für einen Burnout bei ihnen oder anderen
Gemeindemitarbeitern mehren, ist vielleicht die Zeit gekommen, sich einmal
mit diesen Fragen zu beschäftigen.
Wenn sie aber spüren, dass das gemeindliche Programm sie eher von ihrer
Beziehung zu Gott, von Beziehungen in ihrer Familie, zu ihren Nachbarn oder
auch zu Freunden aus der Gemeinde abhält, dann stellen sie das Programm
doch einmal in Frage, selbst wenn es sie nicht an jedem Wochentag fordert!
Regelmäßig werde ich bei Seminaren in Gemeinde gefragt, an welcher Stelle
in der Bibel von Gemeindeberatung, Gemeindeanalysen, Gabenseminaren u.ä.
die Rede ist.
Dass sie darüber nichts im Buch der Bücher finden, erschwert einigen "bibeltreuen"
Christen den Nutzen solcher Dinge für ihre Gemeinde nachzuvollziehen.
Erschreckenderweise gibt es aber auch keine Bibelstelle, die uns zum Frauenkreis,
zur Bibelstunde, zur Jugendgruppe, zum Kirchenchor (inklusive Lobpreisband)
und den vielen anderen Kreisen (sich im Kreis drehenden Kleingruppen) auffordert.
Und je mehr ich meine Bibel lese, um so unsicherer werde ich, ob die Form,
wie wir Gottesdienst feiern, wirklich eine ist, die Gott segnet.(Alle modernisierten
Formen, die sich momentan in unserem Land entwickeln, eingeschlossen.)
Zu oft erlebe ich Pfarrer, Prediger, Lobpreisleiter und andere Gottesdienstgestalter,
denen die Kraft ausgeht. Kann ein solcher Burnout (Ausbrennen) nicht im
Zusammenhang damit stehen, dass "die Reben nicht am Weinstock sind". "Die
verdorrten Triebe gesammelt, ins Feuer geworfen und verbrannt werden" ?
Gemeinde bedeutet Leib Jesu in unserer Straße, Stadt, Dorf zu sein. Gemeinde
ist ein Ereignis, dass sich aus der Hingabe an Gott, der authentischen Gemeinschaft
der Christen und dem geführten Engagement in ihrem unmittelbaren Umfeld
ergibt.
Wenn die Art, wie wir meinen, Gemeindeleben gestalten zu müssen, uns eher
vom Eigentlichen abhält, dann könnte das möglicherweise bedeuten, dass wir
auf dem "Holzweg" sind. Wir arbeiten in dem stillen Vertrauen darauf weiter,
dass Gott immer mit uns ist und feiern spärlich erlebten Segen als große
Erfolge.
Mindestens 95 Prozent aller Deutschen verstehen Kirche allenfalls noch als
Dienstleister für spezielle Anlässe, nicht jedoch als Gemeinschaft von Menschen
mit einer lebendigen Beziehung zum VATER und untereinander. Gibt uns das
nicht zu denken?
Das Modell, nach dem seit Jahrhunderten Gemeinde gelebt wird, ist kein Wachstumsmodell.
In Zeiten, in denen man Christentum "von oben" verordnen konnte, wurden
christliche Werte in der Gesellschaft gelebt. Kirche gehörte zur Kultur!
Und heute stehen viele Gemeinden in der Gefahr, unheimlich viel Kraft und
Geld in das Erhalten dieser Kultur zu investieren (vielleicht auch in Maßnahmen,
um die religiöse Kultur an das veränderte Umfeld anzupassen).
In all dem geht Gemeinden (bzw. ihren Mitarbeitern) immer mehr die Kraft
aus.
An dem Ort der Hoffnung, zu dem Gott Gemeinde bestimmt hat, machen sich
Depressionen breit. Selbst Mitarbeiter von Gemeinden, in denen alles bestens
zu laufen scheint, müssen ab und zu mal raus und erholen sich dann einige
Monate weit weg von ihrer Gemeinde (Indien und U.S.A werden hier besonders
empfohlen).
Schließen sie doch einmal für einen Moment die Augen und stellen sie sich
vor, ihre Gemeinde stellt ihr Programm ganz ein! Was bliebe von ihr übrig,
wenn sie über kein Haus mehr verfügt, ohne Strom auskommen müsste und ohne
Treibstoff fürs Auto? (siehe Neues Testament)
Für die Mekane-Yesu-Kirche in Äthiopien war z.B. die Zeit nach der Konfiszierung
ihrer Gebäude und Inhaftierung ihrer Geistlichen eine des schnellsten Wachstums.
Doch Vorsicht! Dies ist kein Aufruf, es einfach den neutestamentlichen Gemeinden
oder anderen erfolgreichen Gemeindeformen nachzutun. Betreiben sie stattdessen
Ursachenforschung und fragen sie mit aller Offenheit und Bereitschaft nach
Gottes Willen.
Ein erster Schritt auf diesem Wege könnte das Fasten als Gemeinde sein.
Mit Fasten meine ich das Lassen einer Tätigkeit, die man als normalerweise
notwendig erachtet und gewohnheitsmäßig tut, um sich bewusst für Gott zu
öffnen. Nachdem in den vergangenen Jahren viele einzelne Personen für Erweckung
weit mehr als nur eine Woche gefastet haben (nicht an Schokolade, Fernsehen
oder anderen überflüssigen Dingen!), scheint mir jetzt das Fasten als Gemeinde
ein wichtiger Schritt zu sein. Gott will uns wegbringen von unseren guten
und oft professionellen Programmen!
Er will uns befreien von Gemeinde, damit wir frei werden zu lebendigen Beziehungen
mit ihm, untereinander und zu unseren Nachbarn, Mitschülern, Arbeitskollegen,
Verwandten ..., d.h. frei werden, um als Gemeinde zu leben.
Ich bin überzeugt, dass eine solche Gemeinschaft Kraft hat, dass von dieser
Gemeinde Hoffnung ausgeht und sie Zeichen setzt in einer Welt, die vielen
Zusammenbrüchen, persönlich, wie global entgegengeht.
Und der zweite Schritt?
Es gibt auf diesem Weg kein erstens, zweitens, drittens.
Werden sie still vor Gott, suchen sie sein Angesicht und betrügen sie sich
nicht dadurch, dass sie bestimmte Wege und Möglichkeiten, weil ungewohnt
und unvorstellbar, von vornherein ausschließen!
Ich weiß nicht, was Gott genau zu ihnen sprechen wird, aber ich erwarte,
dass es aufregend, liebevoll und anders ist, als sie erwarten. In vielen
Fällen wird es Veränderungen bedeuten, die nicht leicht fallen, aber das
weiß auch unser Vater im Himmel. Vertrauen wir ihm, dass er wenigstens genau
so liebevoll mit uns umgeht, wie sein Sohn mit den Pharisäern ? und sich
ihren Fragen selbst Nachts stellt (Johannes 3). Konzepte, Hilfen, Checklisten,
Programme und 7,10 oder 12-Schritte gibt es zur Genüge. Sie alle können
unterstützen, aber nicht ersetzten was der Geist ihrer Gemeinde sagt.
Wenn man mit dem Auto eine lange Strecke geradeaus gefahren ist, und plötzlich
kommt eine Kurve, dann ist das, was man bisher getan hat, plötzlich nicht
mehr richtig. Wir sind sehr lange geradeaus gefahren ...