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Die Gletscherschwankungen in den Alpen
Schweizer Alpenvo„m.oc.
In diesem Heft unserer « Alpen » findet der Leser den 75. Bericht über « Les variations des glaciers des Alpes suisses », verfasst von Prof. P.L. Mercanton, Ehrenmitglied des Ge-samt-SAC, und Prof. A. Renaud. Ihm entnehmen wir, dass die seit 1950 beobachtete leichte Zunahme eines vermehrten Firnzuwachses auch im Berichtsjahr 1954 angehalten hat. Bei den Gletschern vermag sich dies aber noch nicht auszuwirken, vermochte doch der nasse Sommer denselben hart zuzusetzen, so dass sich nach den Zusammenstellungen von Mercanton und Renaud, mit der Hilfe zahlreicher Mitarbeiter unter Forstleuten, Glaziologen und Touristen, auf 100 Gletscher bezogen ergibt, dass 7 Gletscher im Vorstoss waren, 4 stationär blieben und 89 sich zurückzogen. Bei 60 Gletschern, die sich im Rückzug befanden, beträgt die Zungenabnahme im Mittel 16,5 m Länge. Der Bericht von 1954 gibt im besondern auch einen Überblick über den Stand des Endes des Rhonegletschers, von dessen Position man eine erste genauere Angabe aus dem Jahre 1602 besitzt. Der Rhonegletscher verzeichnete dann bis 1777 einen Rückzug von ca. 450 m, dem bis 1818 ein Vorstoss von rund 380 m folgte. 1934 stand die Gletscherzunge bereits wieder um rund 260 m zurück, glitt bis 1856 wieder um ca. 150 m vor, um dann bis 1954 einen Rückzug anzutreten, der die Gletscherzunge um rund 2000 m gegenüber dem Stand von 1602 zurücksetzte, mit einer kurzen Vorstossperiode, von ca. 120 m, um 1921. Stand vor 350 Jahren das Gletscherende nahe bei der Talenge bei Gletsch, so ist heute der ganze Gletscherboden freigegeben und das Gletscherende steht auf ca. 2050 m ü. M., so dass, hält der Rückzug an, der Gletscher in zwei, drei Jahrzehnten die Kante der Felsbarriere, die sich von Furka-Belvédère zum Grimsel-Grätli hinüberzieht, erreicht haben wird. Beachtenswert ist heute die Verlagerung des Gletschertors auf die Westseite des Steilabfalles, während ein Gletscherlappen in der Mitte des Absturzes ca. 100 Meter tiefer greift.
Mit diesem 75. Bericht setzen « Jahrbuch » und « Die Alpen » des SAC eine wertvolle Publikationsreihe fort, die für die Glaziologie, aber ganz besonders auch für die Elektrizitäts-industrie ( Kraftwerkbauten in den Gebirgstälern ) von grösster Bedeutung geworden ist. An der Jahresversammlung des SAC 1868 stellte Prof. Rambert die Motion, der SAC solle die Initiative für eine systematische Beobachtung und Untersuchung der Gletscher ergreifen. Zusammen mit der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft wurde dann eine besondere « Gletscher-Kommission » bestellt, welche die Angelegenheit zu prüfen hatte und in der Folge ein Programm aufstellte, besonders für die topographische Aufnahme des Rhonegletschers, für das Legen von « Steinreihen » auf demselben und die Vermessung seiner Fortbewegung etc. ( Siehe: L. Rütimeyer: « Ein Blick auf die Geschichte der Gletscherstudien in der Schweiz » und « Die Hauptresultate der Rhonegletscher-Vermessung », Jahrbuch SAC, 16. Jg., 1880-1881. ) A. Forel ergriff dann die Initiative zur regelmässigen Kontrolle von einer Auswahl der Gletscher unserer Alpen und veröffentlichte 1881 im Echo des Alpes den ersten Bericht, daselbst 1882 den zweiten, und ab 1883 im « Jahrbuch » regelmässig den Rapport « Les variations périodiques des glaciers des Alpes ». Bis 1911 blieb Forel der « Hauptredaktor » des Berichtes; M. Lugeon und E. Muret standen ihm zur Seite, und bereits 1907 auch P.L. Mercanton, der ab 1914 allein den Bericht zeichnete; seit 1950 stand ihm A. Renaud zur Seite. Die Gletscherkommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft hat seit den 80er Jahren des verflossenen Jahrhunderts mitgearbeitet und seit Jahrzehnten die Gletscherforschung auf breitere Basis gestellt.
Wir dürfen uns freuen, dass der SAC nun volle 75 Jahre fördernd und helfend der wissenschaftlichen Gletscherforschung zur Seite stand und seine Periodika zur Verfügung stellte, um eine einzig dastehende lückenlose Berichterstattung über unsere Alpengletschef festzuhalten.