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Die Firma des Tessiner Ingenieurs Giovanni Lombardi plant einen Eisenbahntunnel, der künftig Afrika und Europa durch die Meerenge von Gibraltar verbinden soll.
Bis 2008 soll die Planung für dieses äusserst komplexe spanisch-marokkanische Projekt abgeschlossen sein.
Offiziell lautet der Auftrag der spanischen und marokkanischen Auftraggeber, eine "feste Verbindung" zwischen Europa und Afrika zu bauen, erklärt der Tessiner Ingenieur Giovanni Lombardi.
Damit steht die Firma des 80-Jährigen, die sich gegen 14 Konkurrenten durchgesetzt hat, vor ihrer bisher grössten Herausforderung.
Etliche Lösungen wurden in den vergangenen Jahren diskutiert und dann wieder verworfen. Weil die Meerenge bis zu 300 Meter tief ist, können beispielsweise keine Brückenpfeiler errichtet werden.
Vorgefertigte Tunnelelemente wiederum können nicht im Meer versenkt und verankert werden, weil der Untergrund unregelmässig ist. Zudem herrscht eine starke Strömung. Deswegen und wegen dem Schiffsverkehr kann man auch keine schwimmende Brücke errichten.
An der Grenze des Machbaren
Lombardi hat schon über 1000 Tunnelkilometer projektiert, darunter auch den Gotthard-Strassentunnel. Er möchte das Problem mit einem 40 Kilometer langen Tunnel zwischen Tarifa und Tanger in 400 bis 600 Metern Tiefe lösen: "Es handelt sich nicht um die kürzeste, aber um die idealste Linie." Das Projekt liege an der Grenze des technisch Machbaren.
Die Planung enthält viele Unbekannte. Zwar wurden Sondierbohrungen vorgenommen, um die Geologie des Untergrundes zu erforschen. Doch länger als eine Woche schafften es die Schiffe wegen der starken Strömung nicht, am selben Ort zu verbleiben. Ein einziger Bohrmeter kostete bis zu 15'000 Euro.
Finanziert wird das Projekt von zwei Firmen, die sich im Besitz des spanischen respektive des marokkanischen Staates befinden. Die Endkosten für einen Servicestollen und eine Röhre schätzt Lombardi auf 4 bis 5 Mrd. Euro (6,3 bis 7.9 Mrd. Franken).
Problem: Eindringendes Wasser
Für präzise Preisangaben sei es jedoch noch zu früh, sagt der Ingenieur. Am 11. September erhielt er den Auftrag. In einem Jahr sollen die Pläne abgeliefert werden. Der eventuelle Baubeginn des Tunnels ist für das Jahr 2025 vorgesehen.
Derzeit beschäftigen sich die Ingenieure mit praktischen Fragen. So soll zuerst ein Servicestollen mit einem Durchmesser von 4,8 Metern gebaut werden, der dereinst in der Mitte von zwei parallel verlaufenden Röhren liegen wird.
Beim Bau dieses Stollens wird man auch erfahren, wie viel Wasser eindringt. "Im alten Gotthard-Bahntunnel beispielsweise dringen 200 Liter Wasser pro Sekunde ein", sagt Lombardi.
In der Meerenge von Gibraltar herrsche ein Wasserdruck von 500 Tonnen pro Quadratmeter. Deshalb müsse ein effizientes Pumpwerk installiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zone erdbebengefährdet ist. So kamen 1755 beim Erdbeben von Lissabon über 50'000 Menschen ums Leben.
"Wenn man nicht optimistisch ist, realisiert man nichts"
Im Vergleich zu Gibraltar war der Bau des Ärmelkanaltunnels, an dem Lombardis Firma ebenfalls beratend tätig war, beinahe ein Kinderspiel. "Der Eurotunnel ist weniger tief, der Wasserdruck geringer und der Fels einheitlich."
Die feste Verbindung durch die Meerenge von Gibraltar beschreibt er als seine bisher "anspruchsvollste Aufgabe". Lombardi ist aber überzeugt, dass sich das Projekt realisieren lässt: "Wenn man nicht optimistisch ist, realisiert man nichts", sagt der 80-jährige.
swissinfo und Agenturen
Giovanni Lombardi
Der 1926 in Lugano geborene Giovanni Lombardi gilt als einer der renommiertesten Bauingenieure. Sein Name ist eng mit dem Gotthard-Strassentunnel verknüpft, dessen Bau auf seinen Plänen basiert.
Als Präsident der Ingenieurfirma Lombardi SA in Minusio mit 85 Mitarbeitern ist der 80-Jährige viel unterwegs. Seine Firma ist unter anderem auch an der Bauleitung des Gotthard-Basistunnels beteiligt.
Bekannt ist der Vater von CVP-Ständerat Filippo Lombardi auch als Konstrukteur zahlreicher Staumauern wie jene von Contra TI, Zimpan in Mexiko oder Ridracoli in Italien. Das Polytechnikum von Mailand verlieh ihm 2004 die Ehrendoktorwürde.