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Unter dem Begriff Gestose oder Schwangerschaftstoxikose versteht man Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen, die durch Veränderungen im Stoffwechsel und in Körperstrukturen der werdenden Mutter, also durch die Schwangerschaft selbst, bedingt sind.
Die Unterscheidung erfolgt aufgrund des zeitlichen Auftretens. Bekanntes Beispiel einer Frühgestose ist das meistens harmlose morgendliche Erbrechen in den ersten drei Monaten. Schwerwiegender sind die gegen Ende der Schwangerschaft auftretenden Spätgestosen. Weil sie Vorboten einer Eklampsie sein können, bezeichnet man die Spätgestosen auch als Präeklampsie.
Der Ausdruck bezeichnet eine gefährliche, mit epilepsieähnlichen Anfällen einhergehende Form von Spätgestose. Als unmittelbare Auslöser eines Anfalls werden krampfartige Verengungen von Arterien in vielen Organen vermutet.
Diese Spätgestose geht einher mit Störungen der Leberfunktion und der Blutgerinnung sowie Bluthochdruck.
Der Ausdruck Toxikose geht auf die frühere Annahme zurück, die Krankheit würde durch ein in der Schwangerschaft produziertes Gift (Toxin) ausgelöst. Die genauen Ursachen sind auch heute unklar, doch wird der Organismus durch eine Schwangerschaft tatsächlich in mancherlei Hinsicht belastet: durch hormonale Umstellung, psychische Neuorientierung – auch Wunsch- und Ablehnungshaltungen –, Auflockerung der Bindegewebsstrukturen, Vermehrung der zirkulierenden Blutvolumens bis zu 30% (oft zusammen mit Anämie), Gewichtszuwachs, höhere Kreislaufleistung.
Diese allen schwangeren Frauen gemeinsamen Phänomene bewirken an sich noch keine Gestose, begünstigen aber ihr Zustandekommen, wenn weitere Risikofaktoren dazu treten, wie:
Vom 2. bis zum Ende des 4. Monats sind Übelkeit und Erbrechen am Morgen häufig. Das Symptom ist meistens harmlos und verschwindet von selbst wieder. Seltener sind Übergänge zu exzessivem und bedrohlichem Erbrechen, das ein Austrocknen des Körpers, Fieber, Störungen der Nieren- und Leberfunktion und Bewusstseinstrübung zur Folge haben kann.
Im mittleren Drittel der Schwangerschaft sind Gestosen selten
Bei voller Ausprägung der oben aufgelisteten Symptome spricht man von Präeklampsie, einem potentiell bedrohlichen Zustand für Mutter und Kind. Unbehandelt kann daraus die schwerste Form einer Spätgestose, die Eklampsie, entstehen.
Die unmittelbar lebensgefährliche Eklampsie ist charakterisiert durch:
Sinn der regelmässigen Schwangerschaftskontrollen ist es unter anderem, Gestosen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Treten Symptome einer Spätgestose auf, ist auch zwischen den regulär vereinbarten Terminen eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.
Die Behandlung der Spätgestosen erfolgt vornehmlich im Spital und besteht in blutdrucksenkenden und weiteren medikamentösen Massnahmen sowie Ruhe.
Durch vorzeitiges Beenden der Schwangerschaft mittels Kaiserschnitt lässt sich die Gestose heilen. Der gewählte Zeitpunkt richtet sich nach der Reife des Kindes und dem Befinden der Mutter.
Bei Eklampsie oder HELLP-Syndrom ist dagegen ein sofortiger Kaiserschnitt nötig, da das Leben von Kind und Mutter unmittelbar gefährdet ist.