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Eine Patientin macht bei ihrer Ärztin einen Bluttest, diese schickt das Blut ins medizinische Labor von Viollier. Weil die Patientin die «My Viollier»-App mit Push-Funktion eingestellt hat, bekommt sie abends den Laborbefund direkt auf ihr Handy geschickt. Der Wert der Leukozyten ist gelb markiert, ein Pfeil zeigt nach oben. Die Patientin googelt «erhöhter Leukozyten-Wert»: «Sind die Werte zu hoch, könnte das ein Anzeichen für Infektionskrankheiten oder Leukämie darstellen.» Die Patientin erschrickt, doch sie kann ihre Ärztin abends nicht mehr erreichen und den Befund so auch nicht einordnen.
Patientenorganisation möchte Verzögerung beim Verschicken des Befundes
Daniel Tapernoux, beratender Arzt bei der Patientenorganisation SPO, versteht die Sorge der Patientin und sagt, es sei wichtig, dass eine medizinische Fachperson einen solchen Befund einordne, am besten die behandelnde Ärztin. Am Abend oder am Wochenende sei dies jedoch schwierig.
Eine Möglichkeit wäre es, dass Viollier eine medizinisch geschulte Ansprechperson hätte.
«Eine Möglichkeit wäre es, dass Viollier eine medizinisch geschulte Ansprechperson hätte, die man auch ausserhalb der Bürozeiten kontaktieren kann, um einen solchen Befund einzuordnen.» Sei dies nicht möglich, sollte Viollier seine Befunde nicht schon am Abend, sondern mit einer Verzögerung verschicken. So habe man als Patientin die Möglichkeit, zuerst mit dem Arzt zu sprechen.
Abgesehen von einem Coronabefund spiele es meistens keine grosse Rolle, wenn ein Befund verspätet bei der Patientin eintreffe.
Frühzeitig über Umgang mit der App sprechen
Auch Yvonne Gilli, Präsidentin des Dachverbandes der Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz FMH, fände eine Verzögerung beim Verschicken des Befundes eine gute Option.
Wenn ich als Ärztin die Laborresultate bei Viollier beziehen würde, würde ich schon bei der Blutentnahme mit der Patientin die App thematisieren
«Wenn ich als Ärztin die Laborresultate bei Viollier beziehen würde, würde ich schon bei der Blutentnahme mit der Patientin die App thematisieren und wie man damit umgehen soll, wenn die Resultate da sind.»
Aber es sei auch Selbstbestimmung der Patientin, wenn sie via App informiert werden möchte. Dies entspreche auch den Möglichkeiten der heutigen Zeit. Wichtig sei auf jeden Fall, den Befund mit der eigenen Ärztin zu besprechen.
Patientin entscheidet über Push-Meldung
Viollier ist ebenfalls der Meinung, dass der behandelnde Arzt den Befund mit der Patientin besprechen soll. Man weise an mehreren Stellen darauf hin, heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme. Ein gelb oder rot markiertes Ergebnis bedeute ausserdem nicht automatisch, dass jemand krank sei.
«Espresso» ist an Ihrer Meinung interessiert
Einen Befund nur zu Bürozeiten zu verschicken, sei nicht nachvollziehbar. Jede Patientin und jeder Patient entscheide selbst, ob sie oder er das Resultat überhaupt bekommen möchte – und wenn ja, ob per Brief, E-Mail oder App. Wenn man sich für die App entscheide, könne man immer noch wählen, ob man die Push-Funktion nutzen wolle oder nicht.
Keine Auskunft vom Labor
Das Labor könne keine Auskunft zu Befunden geben, schreibt Viollier weiter, da man nicht alle Informationen zum Gesundheitszustand der Patientin habe. Bei pathologischen Befunden wie Krebs oder nicht-invasiven Pränataltests im mütterlichen Blut, gebe es eine verzögerte Befundübermittlung von 72 Stunden.
Es gibt ausserdem noch eine Hürde, bevor die Resultate aufs Handy geschickt werden: Der Arzt oder die Ärztin muss die App zuerst für die Patientin freischalten.