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Leserfragen Verkehrsregeln - 120 rechte Spur, links langsamer
Leser Fragen, Ernst Bühler antwortet
27.06.2015 00:00 (Bühler)
Hallo Ernst Ich fahre mit meinem Motorrad auf dem rechten Autobahn-Fahrstreifen mein Tempo von 120 km/h. Die Fahrzeuge links verlangsamen ihr Tempo. Muss ich jetzt mein Tempo auch drosseln oder darf ich rechts an diesen Fahrzeugen vorbeifahren? Gibt es da klare Regeln für diese alltägliche Situation? Martin Freudiger, Neuenburg
Und jetzt zur Frage mit der Autobahn:
Rechts vorbeifahren ist gestattet beim Fahren in parallelen Kolonnen. Hier allerdings die Erklärung zu «parallelen Kolonnen»: Von Kolonnenverkehr redet man bei dichtem Verkehr auf beiden Fahrstreifen; Kolonnenverkehr ist dann vorhanden, wenn ein längeres Nebeneinanderfahren von mehreren, sich in gleicher Richtung bewegenden Fahrzeugreihen stattfindet; kein Kolonnenverkehr liegt vor, wenn auf der Überholspur der Mindestabstand eingehalten wird und auf dem rechten Fahrstreifen ein doppelt so grosser Abstand herrscht (diesen Satz mehrmals lesen, bei den Kindern die Spielzeugautos holen und es aufstellen); Kolonnenverkehr liegt vor, wenn auf beiden Fahrstreifen etwa die gleiche Geschwindigkeit und Dichte herrscht, also eine gleichförmige Fortbewegung der Kolonnen besteht; es ist auf eine natürliche Betrachtung abzustellen.
Die oben erwähnten Merkmale können bei einer Geschwindigkeit von 115 bis 125 km/h kaum vorliegen. Für die Schlauen, die es jetzt mit 114 km/h versuchen wollen, folgende Wiederholung: «Es ist auf eine natürliche Betrachtung abzustellen», also nein, tu es nicht! Stillstand bzw. Schritttempo ist aber auch nicht vorausgesetzt! Somit wäre das Märchen von Stop-and-go-Betrieb auch einmal gestrichen! Stop-and-go muss tatsächlich nicht vorliegen.
Es lohnt sich schon, sich mit diesem Thema zu befassen und sich daran zu halten. Wer unerlaubterweise rechts überholt, kann von einer hohen Busse ausgehen und muss in der Regel mit einem Führerausweisentzug von mindestens drei Monaten rechnen. Wenn das Überholmanöver zu «einer ernstlichen Gefährdung» führt, muss im Extremfall gar mit einer Freiheitsstrafe gerechnet werden.Ernst Bühler*