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Silberschmied/in
Silberschmiede und Silberschmiedinnen stellen aus Silber kunstvolle Geräte und Gefässe wie Kannen, Becher, Schalen oder Besteck her. Auch Schmuck und Zierobjekte gehören zu ihrem Repertoire. Sie entwerfen eigene Modelle, realisieren individuelle Kundenwünsche oder richten sich nach bestehenden Vorlagen und Mustern. Neben der Neuanfertigung reparieren, ändern und restaurieren Silberschmiede und Silberschmiedinnen auch bestehende Silberschmiedearbeiten.
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Da reines Silber sehr weich und deshalb schwierig zu verarbeiten ist, verwendet der Silberschmied* praktisch ausschliesslich Legierungen. Am häufigsten sind Silber-Kupfer-Legierungen.
Der Silberschmied beherrscht zahlreiche verschiedene Methoden zur Bearbeitung von Edelmetallen. Grundlegend sind seit den frühesten Tagen des Handwerks das Treiben und Schmieden. Hierbei wird, stark vereinfacht, das Metall mit dem Hammer auf einem Amboss in die gewünschte Form geschlagen. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die verschiedenen Techniken des Treibens, da diese einerseits bei der Fertigung von Hohlkörpern, andererseits bei der Gestaltung von Reliefs zentral sind. Um aus einem Silberblech beispielsweise ein gewölbtes Gefäss herzustellen, geht man, erneut stark vereinfacht, folgendermassen vor: Man bohrt in einen Holzklotz eine Mulde, die in ihrer Wölbung der gewünschten Gefässwand entspricht, legt ein Blech darauf und hämmert dieses mit einem Kugelhammer in die Mulde, bis das Metall dem Holz anliegt.
Die Oberfläche eines Werkstückes kann durch Ziselieren, Punzieren, Gravieren oder Stanzen verziert werden. Wichtige, handwerklich sehr anspruchsvolle Ziertechniken sind auch Filigran und Granulation.
Wenn ein Objekt aus mehreren Einzelteilen besteht, werden diese miteinander verlötet, vernietet, verstiftet, verschraubt oder durch Scharniere verbunden; moderne Werkstoffe erlauben heute auch ein Verkleben von Metallen.
Ist ein Werkstück fertig gestaltet, wird die Oberfläche gefeilt, geschmirgelt, geschliffen und poliert, um Unebenheiten und kleine Fehler zu korrigieren und dem Metall Glanz zu verleihen. Silberne Werkstücke können abschliessend ganz oder teilweise vergoldet werden.
Das Handwerk des Silberschmieds ist heute als eigene Fachrichtung in den Beruf des Goldschmieds integriert. Die Ausbildung zum Goldschmied, Fachrichtung Silberschmieden dauert vier Jahre und schliesst mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis. Der zukünftige Silberschmied muss über feinmotorisches und manuelles Geschick verfügen, gestalterisch kreativ sein und ein gutes dreidimensionales Vorstellungsvermögen haben. Bei der Arbeit an kleinen und kleinsten Schmuckobjekten sind Konzentration, Geduld, Sorgfalt und Ausdauer vonnöten.
Innerhalb des Berufes „Goldschmied“ können bei der Ausbildung neben dem Silberschmieden als weitere eigenständige Fachrichtungen Goldschmieden (Goldschmied) und Edelsteinfassen (Juwelenfasser) gewählt werden.
Geschichte
Gold- und Silberschmiede nahmen unter den Handwerkern seit jeher eine besonders hervorgehobene Stellung ein: Sie hantierten mit kostbaren Edelmetallen und verarbeiteten diese zu prachtvollen Kleinodien. Ihre Kundschaft bestand von der frühesten Zeit bis in die jüngste Vergangenheit hinein überwiegend aus Herrschern, Fürsten und hohen Amtsträgern. Der Glanz ihrer Erzeugnisse und die Vornehmheit ihrer Kunden übertrugen sich auf die Gold- und Silberschmiede und verliehen ihnen Ansehen und nicht zuletzt häufig Reichtum.
Der Übergang von der Steinzeit zu den Metallzeiten begann von ca. 7000 v. Chr. an in Westasien. Die ersten Metalle, die der Mensch bearbeitete, waren Kupfer und Gold. Beide sind relativ weich und lassen sich auch in kaltem Zustand durch Hämmern verformen. Diese Methode wird als Treiben bezeichnet. Das Handwerk des Schmiedes wurde geboren, als Menschen auf die Idee kamen, einen Klumpen Metall für die Bearbeitung im Feuer zu erwärmen. [Im Goldschmiedehandwerk werden „Treiben“ und „Schmieden“ allerdings weniger scharf unterschieden: Man spricht hier generell von „Schmieden“, ob die mechanische Verformung nun im kalten oder im erwärmten Zustand erfolgt, während „Treiben“ im Allgemeinen die plastische Modellierung von dünneren Blechen meint.] Die frühen Schmiede waren Universalschmiede und stellten von Waffen über Werkzeuge und Gefässe bis hin zu Schmuck alles her (s. auch Schmied). Die Spezialisierung auf einzelne Metalle oder einzelne Erzeugnisse erfolgte an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten, so dass sich eine genaue Geburtsstunde für das spezifische Handwerk des Edelmetallschmieds nicht angeben lässt. Der heutige Silberschmied bildete zunächst im Allgemeinen kein eigenständiges Handwerk, sondern die Bezeichnung „Goldschmied“ umfasste die Verarbeitung von Gold, Silber und anderen Edelmetallen wie auch von Edelsteinen und Perlen zu Schmuck und verschiedensten Gerätschaften.
In Mesopotamien und in Ägypten erreichte das Goldschmiedehandwerk eine erste hohe Blüte. Herrscher und Adlige demonstrierten ihre Position gerne mit kostbarem Schmuck. Auch reich verzierte Pokale, Schalen, Krüge und weitere Gerätschaften wurden den Goldschmieden in Auftrag gegeben und aus Edelmetallen gefertigt. Zahlreiche erhaltene Objekte zeugen von handwerklicher und künstlerischer Meisterschaft.
Im antiken Griechenland entwickelte sich das Goldschmiedehandwerk weiter. In klassischer Zeit war Athen nicht nur für seine Töpferwaren weitherum berühmt, sondern auch für seine Goldschmiedekunst. Im Römischen Reich wurden die handwerklichen Traditionen bewahrt, wenn auch die römischen Goldschmiede den griechischen Errungenschaften wenig Neues hinzuzufügen hatten.
In Europa hatten währenddessen auch die Germanen ihre eigene Goldschmiedekunst entwickelt. Durch diese eigenständige Tradition konnte das Handwerk der Goldschmiede in Europa den Zusammenbruch des Römischen Reiches überdauern, im Gegensatz zum weitaus grösseren Teil der antiken Kenntnisse.
Neben den Herrschern der wichtigste und insgesamt grösste Auftraggeber der Goldschmiede war im europäischen Mittelalter die Kirche; die Goldschmiede, die ihre Werkstätten in Klöstern hatten und vielfach selber Mönche waren, stellten Altarschmuck und Kultgeräte her, die der Ehrung Gottes dienten. Erst mit dem Aufstieg der Städte und des Bürgertums begann sich ab ca. dem 12. Jahrhundert wieder eine weltliche Goldschmiedekunst zu entwickeln. In vielen Städten schlossen sich die Handwerker eines Berufes schon bald zu Bruderschaften zusammen, aus denen schliesslich die Zünfte hervorgingen. Die Goldschmiedezunft spielte allerorts eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben der Stadt: Ihre Mitglieder gehörten im Allgemeinen zu den wohlhabendsten und politisch einflussreichsten Bürgern.
In der Eidgenossenschaft verlief die Entwicklung grundsätzlich gleich wie im übrigen Europa. Ein besonderes Problem war hier die Beschaffung des Rohmaterials: Die Schweiz verfügt über keine nennenswerten Edelmetallvorkommen und war stets auf Importe angewiesen. Edelmetalle waren aber vor der Entdeckung Amerikas mit seinen bedeutenden Silberminen in ganz Europa rar und entsprechend teuer. Auch waren lange Transportwege mit vielerlei Gefahren verbunden. Die schweizerischen Goldschmiede überliessen den Import daher grösstenteils dem staatlichen Münzwesen und deckten ihren eigenen Materialbedarf hauptsächlich durch das Einschmelzen von Bruchgold und Bruchsilber.
Die Entdeckung Amerikas mit seinen reichen Silberminen im Jahr 1492 und die ungefähr zeitgleichen Entdeckungen neuer Silberadern in einigen Teilen Europas führten zu einer eigentlichen Silberschwemme und in deren Folge zu einem drastischen Preisabfall für Silber. Silberschmuck und silberne Gerätschaften begannen für weitere Kreise der Bevölkerung erschwinglich zu werden. Dies führte im 16. Jahrhundert zu einem grossen Aufschwung des europäischen Goldschmiedehandwerks.
Ab dem 16. Jahrhundert setzte auch allmählich eine Spezialisierung innerhalb des Goldschmiedehandwerks ein; man begann, zwischen Goldschmieden, Silberschmieden und Juwelenfassern zu unterscheiden. Eine strikte Trennung in eigene Berufe mit jeweils eigenen Ausbildungen erfolgte aber nur sehr langsam.
In der Schweiz, wo es keine Fürstenhöfe gab und nach der Reformation in grossen Teilen des Landes auch der kirchliche Prunk abgeschafft wurde, bestand eine vergleichsweise bescheidene Nachfrage nach luxuriösem Schmuck und Ziergerätschaften. Die schweizerische Goldschmiedekunst erlangte deshalb keine nennenswerte internationale Bedeutung. Die Einschränkung auf eine bürgerliche Kundschaft und deren Ansprüche führte allerdings in einem Teilbereich des Handwerks auch in der Eidgenossenschaft zu Meisterschaft: Die Silberschmiede fertigten Geschirr, Trinkgefässe und andere silberne Gerätschaften von grosser künstlerischer Vollendung. Insbesondere die Zünfte mit ihrer Forderung nach reich verzierten und individuellen Pokalen regten die Silberschmiede an, stetig neue Formen zu entwickeln, woraus ein einzigartiger Formenreichtum resultierte.
Im 19. Jahrhundert wurden überall in Europa die Folgen der Industrialisierung spürbar. Auch das Silberschmiedehandwerk war betroffen: Mit den neu entwickelten industriellen Methoden konnten Gefässe, Platten und anderes Geschirr seriell hergestellt werden. Selbst Schmuck liess sich nun, als billiger Imitationsschmuck, auf diese Weise in grossen Mengen produzieren. Höchste Ansprüche – an Qualität des Materials, handwerkliche und künstlerische Vollendung und nicht zuletzt Einzigartigkeit des Werkstücks – konnten und können industriell aber nicht erfüllt werden. Das Handwerk der Gold- und Silberschmiede, seit jeher ausgesprochenes Kunsthandwerk, seit jeher ausgerichtet auf eine anspruchsvolle Kundschaft, wird auch in Zukunft durch Maschinen nicht ersetzt werden können.
* Für bessere Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.
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Literatur
Berufsverzeichnis des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, www.bvz.admin.ch/bvz/berufe → Eintrag Goldschmied EFZ / Goldschmiedin EFZ, http://www.bvz.admin.ch/bvz/grundbildung/index.html?detail=1&typ=EFZ&item=1109&lang=de, abgerufen am 31.12.2015.
Brepohl Erhard: Theorie und Praxis des Goldschmieds, München/Wien 2003.
Fitzenreiter Martin: Metall und Kultur – Eine kurze Geschichte der „thermischen Revolution“, in: Fitzenreiter Martin (Hg.): Gegossene Götter. Metallhandwerk und Massenproduktion im Alten Ägypten, Rahden/Westf. 2014.
Lösel Eva-Maria: Das Zürcher Goldschmiedehandwerk im 16. und 17. Jahrhundert, Zürich 1974.
Steingräber Erich: Der Goldschmied. Vom alten Handwerk der Gold- und Silberarbeiter, München 1966.
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