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Beobachter: Herr Schläpfer, ich zitiere: «Es besteht eine absolute Garantie, dass bei Einsatz von Streptomycin in Obstplantagen keine Spuren davon in Äpfeln und Apfelsaft sein werden.» Das war im Februar. Nun hat man doch Rückstände gefunden. Überrascht?
Kaspar Schläpfer: Ja. Meine Darstellung im zitierten Interview entsprach dem damaligen Wissensstand. Auch die Fachleute sind überrascht, dass nun doch Spuren - wenn auch nur geringste - nachweisbar sind.
Beobachter: Trinken Sie trotzdem noch Apfelwein?
Schläpfer: Ja, natürlich.
Beobachter: Was sagen Sie den verunsicherten Konsumenten?
Schläpfer: Für eine Verunsicherung besteht kein Anlass. Die gefundenen Spuren liegen weit unter dem Wert, der gesundheitlich gefährdend sein könnte. Konkret: Auch wenn man ein Leben lang täglich 210 Kilogramm Äpfel essen würde, läge der Wert noch unter der Grenze, die die Weltgesundheitsorganisation als schädlich angibt. Die höchste gefundene Konzentration betrug neun Mikrogramm pro Kilogramm Äpfel. Das ergäbe auf eine Million Kilogramm Äpfel lediglich neun Gramm.
Beobachter: Die Umweltverbände befürchten einen Imageverlust für die Ostschweizer Obstplantagen. Zu Recht?
Schläpfer: Nein. Wenn ein Imageverlust stattfindet, dann kann dieser nicht auf eine Gesundheitsgefährdung zurückgeführt werden. Eine solche besteht - wie erwähnt - nicht.
Beobachter: Pro Natura fordert nun den vollständigen Verzicht auf den Antibiotika-Einsatz bei der Feuerbrandbekämpfung. Ist diese Forderung berechtigt?
Schläpfer: Aus lebensmittelrechtlicher oder gesundheitlicher Sicht ist die Forderung nicht berechtigt. Ohne die Möglichkeit, Streptomycin in Niederstammkulturen kontrolliert einzusetzen, wären die Obstbauern dem Feuerbrand praktisch wehrlos ausgesetzt. Die Folgen wären für die Thurgauer Obstwirtschaft gravierend. Hier geht es auch um eine Güterabwägung.
Beobachter: Sie befürworten also weiterhin den Einsatz von Streptomycin?
Schläpfer: Die Züchtung von resistenten Apfelsorten ist noch nicht gelungen. Auch alternative Bekämpfungsarten sind noch nicht ausreichend entwickelt. Niemand hat Freude an Streptomycin. Aber es ist das einzige Mittel, das wirkt.
Antibiotika in Äpfeln«Auch die Fachleute sind davon überrascht»
Obstbauern setzten das Antibiotikum Streptomycin gegen Feuerbrand ein. Nun fand man Spuren davon in den behandelten Äpfeln. Kaspar Schläpfer, Thurgauer Landwirtschaftsdirektor, befürwortet den Einsatz weiterhin.
Von Gian Signorell
Veröffentlicht am 22.11.2008
Veröffentlicht am 22.11.2008