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Das brasilianische “Pantanal” ist ein Biom, das zum grössten Teil aus einer steppenartigen Savanne besteht, sich über eine Fläche von 230.000 Quadratkilometern ausdehnt, deren grösster Teil alljährlich überschwemmt wird und zirka sechs Monate unter Wasser steht – vereinzelte Bodenerhebungen erreichen eine durchschnittliche Höhe von 100 Metern. Lage zwischen dem Süden des Bundesstaates Mato Grosso und dem Nordwesten des Bundesstaates Mato Grosso do Sul – Teile davon erstrecken sich bis in den Norden des Nachbarlandes Paraguay und den östlichen Teil von Bolivien (dort als “Chaco Boliviano“ bezeichnet). Das Pantanal wurde von der UNESCO zum “Welt-Naturerbe und Reservat der Biosphäre“ erklärt.
Die Grösse der Pantanal-Ebene ist eine Schätzung der Wissenschaftler, die erklären, dass eine genaue Vermessung deshalb besonders schwierig, beziehungsweise unmöglich sei, weil man sowohl seinen Anfang, seinen Umfang und sein Ende gar nicht exakt bestimmen kann, denn diese Grenzen sind fliessend und verändern sich durch die wechselnden Zyklen von Trockenheit und Überschwemmung von Jahr zu Jahr.
Die brasilianische Pantanal-Fläche beträgt nach neuerer Schätzung (von 1998) 124.457.145,22 km² (64,64% davon liegen in Mato Grosso do Sul und 35,36% in Mato Grosso. Seine Zusammensetzung ist auf unserem Planeten einzigartig und ein Ergebnis der Trennung vom Meer vor Millionen Jahren. Die Ebene ist leicht gewellt, unterbrochen von seltenen, isolierten Erhebungen, die man als “Morros“ (Hügel) bezeichnet, und reich an flachen Senken. Ihre Grenzen werden von verschiedenen geologischen Formationen markiert, wie Tafelberge, Gebirgsketten und Felswände, die Ebenen durchquert von Flüssen in grosser Zahl und unterschiedlichem Wasservolumen, alle gehören zum hydrographischen Becken des Rio Paraguai. Die bedeutendsten sind: Rio Cuiabá, Rio Piquiri, Rio São Lourenço, Rio Taquari, Rio Aquidauana, Rio Miranda, Rio Paraguai und Rio Apa. Das Pantanal ist auf brasilianischer Seite (Norden, Osten und Südosten) umgeben von Höhenzügen zwischen 600 und 700 Metern – es erstreckt sich im Westen bis zu den Ausläufern der Anden und es verlängert sich gen Süden bis in die Ebenen der zentralen Pampa.
Niederschläge
Alles Leben im Pantanal wird vom Zyklus des Wassers bestimmt: Der Regen teilt alles Leben in zwei deutliche Jahreszeiten ein. Während der trockenen Monate – von Mai bis Oktober in etwa – gehen radikale Veränderungen in der Landschaft vor: Das abfliessende Wasser lässt Grasflächen, Sandbänke und Inseln wieder sichtbar werden, die Flüsse ziehen sich wieder in ihr normales Bett zurück, wobei sie nicht immer dem Verlauf des Vorjahres folgen. Das Wasser fliesst extrem langsam wegen dem äusserst geringen Gefälle der Ebene – durch die “Corixos“ (Kanäle, die den Fluss mit den zahlreichen Lagunen verbinden) entleeren sich die während der Regenzeit entstandenen Lagunen ebenfalls – nur die grössten und tiefsten überstehen die Trockenperiode ohne ganz auszutrocknen.
Das Wasser der überschwemmten “Campos“ (Savannen), die vorherrschend von Gräsern und Cerrado-Vegetation bedeckt sind, fliesst ab und zurück in die Flüsse mit definiertem Verlauf, oder es sammelt sich in den grösseren, permanenten Lagunen im Einzugsbereich der Flüsse, die man “Baías“ nennt, und in kleineren Lagunen, die sich an den tiefsten Stellen der Ebene gebildet haben.
Durch die zwischenzeitliche Trockenperiode sind die lokalen Bewohner gezwungen, sich ihr Trinkwasser vom Grundwasserspiegel mittels artesischer Brunnen hoch zu pumpen – entweder mit manuellen oder durch windbetriebene Vorrichtungen – auch ihr Vieh muss bei heftigen Trockenperioden auf diese Weise versorgt werden.
Die ersten Regenfälle der Saison fallen dann auf einen völlig ausgetrockneten, porösen Boden und werden erst einmal gierig absorbiert. Zwischen November und April nehmen die Niederschläge am Oberlauf der Flüsse des Paraguai-Beckens sintflutartig zu. Mit der konstanten Bewässerung des Bodens verwandelt sich die ausgetrocknete Ebene fast “über Nacht“ in eine herrlich grüne, blühende Landschaft, denn jetzt erwachen die Knospen unzähliger Spezies, die der Trockenheit während der vergangenen Monate getrotzt haben, zu neuem Leben. Diese periodische Zunahme des hydrographischen Netzes im Pantanal, das geringe Gefälle dieser Ebene und der behinderte Abfluss des Wassers durch die Bodenbeschaffenheit, sind verantwortlich für die Überschwemmungen der tiefer liegenden Areale – es bilden sich Lagunen von Hunderten Quadratkilometern Fläche, die diese Region scheinbar in ein immenses inneres Meer verwandeln.
Die Flut lässt den Wasserpegel der Lagunen kontinuierlich steigen, die Flüsse treten über die Ufer und überschwemmen ihr Umfeld, neue Lagunen bilden sich, die wenigen isolierten Hügel erheben sich aus dem Wasser wie grüne Inseln – auf denen sich die Tiere zusammendrängen, um nicht zu ertrinken.
In dieser Zeit des Jahres ist es schwierig, das Pantanal zu bereisen, denn viele Strassen und Pisten sind überschwemmt und deshalb unpassierbar. Der Transport von Menschen, Haustieren und Gütern kann nur auf Packpferden bewältigt werden oder per Boot. Viele Fazendas und manchmal auch ganze Siedlungen, die sich in tiefer gelegenen Gebieten befinden, sind während der Überschwemmungsmonate von der Aussenwelt abgeschnitten – einzige Verbindungen sind dann Boot oder Kleinflugzeug.
Mit dem Ansteigen des Wassers wird eine grosse Menge organischen Materials von der Strömung fortgetragen und auf die Ebene verteilt. Sie besteht vorwiegend aus schwimmender Vegetation und ertrunkenen Tieren – diese Reste sammeln sich dann bei abfliessendem Wasser an den Ufern und Stränden der Flüsse und Lagunen, wo sie nach einer schnellen Verwesung dem Boden wichtige Nährstoffe zuführen, die jene enorme Vielfalt der Pantanal-Flora erklären.
Hier erfahren Sie kurz und bündig erst einmal alles Wissenswertes über das Nord-Pantanal. Kurzinfos über die Landschaft, die Fauna und Flora, die Bevölkerung, die lokale Küche, das Kunsthandwerk, die Volksfeste, die Unterkunft und auch die wichtigsten Entfernungen.
Das Nordpantanal
Lage: Im Bundesstaates Mato Grosso
Biom: Überschwemmungsgebiet
Park: Parque Nacional do Pantanal Matogrossense
Die Uhr der Menschen des Pantanal hängt am Himmel – genauer gesagt, in den Wolken. Regenfälle bestimmen den Alltag aller Lebewesen in dieser Tiefebene, die von zahlreichen Flüssen durchquert wird, die von den Gebirgszügen herunterstürzen, von denen sie eingerahmt wird. Während eines grossen Abschnitts des Jahres bedeckt Wasser die Savannenlandschaft und zwingt Mensch wie Tier, sich auf schmalen Streifen erhöhten Bodens einzurichten. Während der Trockenperiode fliesst das Wasser ab und verdunstet – die wilden Tiere ziehen sich wieder in ihre angestammten Lebensräume zurück und auch der Mensch kann sich wieder voll und ganz um seine Fazenda und sein Vieh kümmern, das sich auf dem neuen Gras der abgetrockneten Weiden weiträumig verteilt und mit den wilden Tieren in Harmonie koexistiert.
Der nördliche Teil der Pantanal-Ebene wird erst seit zirka drei Jahrzehnten von Touristen besucht, obwohl er zu seiner Hauptstadt Cuiabá näher gelegen ist als der südliche Teil (zur Hauptstadt Campo Grande). Vor dieser Zeit war der Norden sozusagen Exklusivität der Sportangler, die dort die fischreichsten Flüsse des Landes antreffen.
Heutzutage, selbst mit der Präsenz einiger Hotels in den Randstädten und Pousadas inmitten der Wildnis, ist jener nördliche Teil, der zum Staat Mato Grosso gehört (ein Drittel der gesamten Fläche), immer noch etwas schwierig in Bezug auf die Anfahrt, durchquert von einer einzigen und prekären Erdstrasse, der mystischen „Transpantaneira“. Seine 147 Kilometer per Fahrrad oder mittels eines 4×4 Allradfahrzeugs zu erleben, umgeben von Tieren auf beiden Seiten (und oft auch mitten auf der Piste) ist eins der vielen Abenteuer, die Das Nord-Pantanal dem Besucher bietet.
Die Landschaft
Zwischen der vielgestaltigen Vegetation kann man unzählige Spezies der Fauna beobachten, die sich dieser Region und ihren so gegensätzlichen Aspekten vollkommen angepasst haben. Diese aussergewöhnliche Vielfalt des Lebens, die sich in einer konstanten Bewegung der Formen, Farben und Tönen präsentiert, gehört zu den schönsten Darbietungen der Natur überhaupt. Wegen diesem Wechsel zwischen trockener und feuchter Periode ist die Landschaft des Pantanal niemals dieselbe – sie verändert sich Jahr um Jahr: Die Flüsse verlagern ihren Verlauf – die grossen Lagunen ändern ihre Formen.
Die Fauna
Sie ist von einer ungewöhnlichen Üppigkeit und Anzahl der Arten – wahrscheinlich die reichste Fauna unseres Planeten. Hier existieren 650 Vogelarten (in ganz Brasilien sind insgesamt 1.800 Vogelarten katalogisiert). Die spektakulärste Spezies ist der “Arara-azul-grande“ (Hyazinth-Ara), eine vom Aussterben bedrohte Spezies.
Unter den vielen anderen sind besonders erwähnenswert: Der “Tuiuiú – Jabiru mycteria (Lich.“ (Jabiru-Storch – der Wappenvogel des Pantanal), die “Periquitos – Brotogeris tirica“ (Tirikasittich), Garças-brancas – Ardea alba“ (Silberreiher), Beija-flores (Kolibris, deren kleinste Spezies nicht mehr als zwei Gramm wiegt), Socós, z.B. der “Socó Boi – Tigrisoma lineatum“ (Marmorreiher), “Jaçanãs – Jacana jacana“ (Rotstirn-Blatthühnchen), “Nandus – Rhea americana“, “Seriemas – Cariama cristata“ (Rotfussseriema), Papagaios (Papageien), “Colhereiros – Platalea leucorodia“ (Löffler), Gaviões (Falken), “Caracarás – Polyborus plancus“ (Schopfkarakara) und “Curicacas – Theristicus caudatus“ (Weisshalsibis).
Im Pantanal hat man bereits über 1.100 Schmetterlingsarten katalogisiert. Man hat mehr als 80 Säugtierarten gezählt, die bedeutendsten sind: der “Onça-pintada – Panthera onca“ (gefleckter Jaguar – er erreicht 1,2 m Körperlänge, 0,85 cm Schulterhöhe und wiegt bis zu 150 kg), das “Capivara – Hydrochoerus hydrochaeris“ (Wasserschwein – grösstes Nagetier der Welt), “Veado-campeiro – Ozotoceros bezoarticus“ (Pampashirsch), “Veado-catingueiro – Mazama gouazoubira“ (Spiesshirsch), “Lobo-guará – Chrysocyon brachyurus“ (Mähnenwolf).
Ebenfalls der “Macaco-prego – Sapajus apella“ (Kapuzineraffe), “Cervo do pantanal – Blastocerus dichotomus“ (Sumpfhirsch), “Bugio-Preto – Alouatta guariba“ (Brauner Brüllaffe), “Porco do mato – Tayassu tajacu“ (Pecari oder Wildschwein), “Tamanduá – Tamandua tetradactyla“ (Ameisenbär), “Cachorro-do-mato – Speothos venaticus Lund“ (Waldhund), “Anta – Tapirus terrestris“ (Flachlandtapir) “Bicho-preguiça – Bradypus infuscatus“ (3-Finger-Faultier), “Ariranha – Pteronura brasiliensis“ (Riesenotter), “Suçuarana – Puma concolor“ (Puma), “Quati – Nasua nasua“ (Nasenbär), “Tatu – Dasypodidae Tolypeutes“ (Kugelgürteltier) und viele, sehr viele andere.
Das Pantanal ist ausserdem extrem fischreich – bisher hat man 263 Fischarten katalogisiert: Piranha (Fleischfresser – extrem gefrässig), Pacu, Pintado, Dourado, Cachara, Curimbatá, Piraputanga, Jaú und Piau sind einige der bekanntesten Spezies.
Auch eine Unzahl von Reptilien leben in der Pantanal-Region, die bedeutendsten sind: Der “Jacaré – Melanosuchus Paleosuchus“ (Brillenkaiman – auch als “Jacaré-do-pantanal auch als bezeichnet), “Jararaca – Bothrops jararaca“ Jararaca-Lanzenotter), “ Sucuri-amarela – Eunectes notaeus“ (Gelbe Anakonda) “Jiboia – Boa constrictor“ (Abgottschlange), “Lagartos“ (Leguanarten) und “Quelônios“ (Schildkrötenarten).
Die Vegetation des Pantanal ist eine Mischung aus fünf verschiedenen Regionen: aus dem Amazonas-Regenwald, dem Cerrado, der Caatinga, dem Atlantischen Regenwald und dem Chaco (aus Paraguay, Argentinien und Bolivien). Während der Trockenperiode vertrocknen die Grünflächen und werden gelbbraun – die Temperaturen sinken über Nacht, manchmal unter den Gefrierpunkt, ausgelöst von arktischen Winden, die vom Süden her über den Kontinent fegen.
Die Flora
Die Vegetation im Pantanal ist keineswegs homogen – sie variiert entsprechend der jeweiligen Bodenbeschaffenheit und Höhenlage. Die tiefstgelegenen Stellen werden von den Gräsern beherrscht, natürliche Weideflächen für die Rinder – die Viehzucht ist die bedeutendste wirtschaftliche Aktivität der “Pantaneiros“. Die Vegetation des “Cerrado“, mit mittelgrossen, verkrüppelten Bäumen, unterbrochen von Büschen und niedrigem Bewuchs, ist auf den mittleren Höhen der Hügel verbreitet.
In höheren Lagen (am Rand der Pantanal-Ebene) wird die Landschaft durch das heisse, trockene Klima der “Caatinga“ ähnlich – hier wachsen “Mandacaru – Cereus jamacaru“ (Felsenkaktus), “Piuva – Tabebuia impetiginosa“ (Lapacho-Baum aus der Ipê-Familie, mit rosa und gelben Blüten), Palmen, Orchideen, Feigenbäume und Aroeira-Bäume – Astronium fraxinifolium (Hortipedia).
Die aquatische Vegetation ist für das Leben im Pantanal von herausragender Bedeutung: Riesige Flächen sind bedeckt von schwimmenden Pflanzen wie dem “Aguapé – Eichhornia crassipes“ (Dickstielige Wasserhyazinthe) und der “Salvínia – Salvinia auriculata“ (Büschelfarn). Diese Pflanzen werden vom Wasser der Flüsse transportiert und bilden zusammen riesige grüne Inseln, denen die Einheimischen den Namen “Camalotes“ gegeben haben. Aber auch dichte, schattige Waldareale kann man im Pantanal antreffen.
Rund um die höher gelegenen Ufer von Flüssen kommt die “Acuri-Palme – Attalea phalerata“ (Attalea) vor, meist in Form eines Galeriewaldes, zusammen mit anderen Bäumen, wie dem “Pau-de-novato – Triplaris brasiliana“ (Triplaris), dem “Embaúba – Cecropia glaziovi“ (Ameisenbaum), dem “Genipapo – Genipa americana“ (Jenipapo-Baum) oder den “Figueiras – Ficus carica“ (Echte Feige).
Die Bevölkerung der Region
Die unterschiedliche Herkunft der einst eingewanderten der Pantanalbewohner (sie nennen sich “Pantaneiros“) bilden ein grosses, kulturelles Mosaik, angefangen vom ersten Kontakt der indigenen Bevölkerung mit den ersten Einwanderern, später mit den “Bandeirantes“ aus São Paulo, bis zu den Abenteurern, die in der Gegend von Poconé Gold schürften. Ab dem 18. Jahrhundert beginnt die intensivere Besetzung der Pantanal-Region auf der Suche nach Mineralien im zentralen Norden des antiken Mato Grosso. Im zentralen Süden drangen viele Einwanderer-Familien ins Pantanal ein, um dort ihre Viehzucht-Fazendas einzurichten, von denen die Pantanal-Kultur massgeblich beeinflusst worden ist – basierend auf dem Umgang und der Aufzucht von Rindern, mit indigenen und paraguayischen Einflüssen.
Im Lauf der letzten zweihundert Jahre entstanden riesige Fazendas im Pantanal, denn die Ebene bot den Viehzüchtern perfekte Naturweideflächen für eine extensive Viehhaltung – oder mit anderen Worten, frei auf der Weide. In diesem Zusammenhang haben sich grosse Kontraste zwischen der rustikalen Kultur der “Peões“ (eingeborene Rinderhirten) und der bürgerlichen Tradition ihrer “Patrões“ und deren Familien herausgebildet.
Das Leben im Pantanal ist nicht einfach, trotz seinem paradiesischen Image. Es ist schwer, sich der jährlich wiederkehrenden Überflutung anzupassen und der Abgeschiedenheit durch das Wasser. Die Bewohner der Ebene kennen heilkräftige Pflanzen und verstehen sich auf die Wettervorhersage – auch ohne Fernseher. Besonders der eingeborene Rinderhirte kennt die gesamte Pantanal-Dynamik von Kindesbeinen an – ein notwendiger Lernprozess für jene, die sich mit der Führung der Herden im Pantanal beschäftigen. Viele “Peões Pantaneiros“ stammen aus Paraguay, nach dem Krieg mit Paraguay (1864-1970) wanderten sie ein auf der Suche nach Arbeit – zu ihren Fertigkeiten gehören unter anderem auch die Zähmung wilder Pferde und die Herstellung von Leder-Artefakten.
Was die Musik betrifft, gibt es Aufzeichnungen von einzigartigen Rhythmen der Pantanal-Region, wie zum Beispiel der “Siriri“ (Volkstanz) und der “Cururu“ (Volkstanz), ein unvergleichlicher Sound der “Viola-de-cocho“, einem rustikalen Saiteninstrument, das aus einem Baumstamm gefertigt und früher mit Darmsaiten vom Brüllaffen bespannt war. Gross ist der Einfluss paraguayischer Musik, wie zum Beispiel die “Guarânia“, die Polka oder der “Rasqueado“. Bälle mit dieser Musik, vereint mit dem “Vanerão“ und dem “Xote“ der Gaúchos, kann man häufig in den Pantanal-Munizipien erleben. Ausserdem hat man zahlreiche “Lasso-Clubs“ und landwirtschaftliche Ausstellungen eingeführt.
Die “Pantaneiros“ feiern nur zu gern – wie alle Brasilianer. Geburtstage und religiöse Feiertage waren schon immer Anlässe zu grossen Festen auf den weit verstreuten Fazendas, zu denen sich die Familien zu Pferd und mit Ochsenkarren einfanden. Einige Fazendeiros (Fazenda-Besitzer) pflegen weiterhin diese Tradition mit ein paar moderneren Details. Viele Feste katholischen Ursprungs finden in der Pantanal-Ebene statt, wie zum Beispiel die “Mascarados de Poconé“ (Nord Mato Grosso) oder das “Festa do Divino Espirito Santo de Coxim (Mato Grosso do Sul). Auch von Paraguay und Bolivien übernommene Feste finden statt, wie der “Touro Candil“ in Porto Murtinho, die “Festa de Nossa Senhora de Caacupé“ in Bela Vista, Caracol und Porto Murtinho – Munizipien im Staat Mato Grosso do Sul.
Wissenschaftler haben bereits gewisse Veränderungen in der Lebensweise der Pantanal-Bevölkerung entdeckt. Die Invasion von Radio und Fernsehen provoziert ein neues Konsumverhalten. Die grosse Mehrheit der Fazendeiros wohnt heutzutage nicht mehr auf ihren Fazendas, und der Kontakt ihrer Angestellten, der “Peões“, mit dem städtischen Ambiente nimmt zu – durch die schnelle Verbindung mittels Strassen und die durch wirtschaftliche Relationen geschaffenen Notwendigkeiten. Und neue Arbeitsmöglichkeiten sind besonders durch die Einführung des Pantanal-Tourismus entstanden – jetzt haben es diese “Pantanal-Kenner“ in der Hand, sich als “Piloteiros“ (Bootspiloten für Besuchergruppen) oder als “Isqueiros“ (Führer für Sportangler) zum Beispiel, als Profis des Tourismus zu qualifizieren.
Die lokale Küche
Der richtige “Pantaneiro” lässt sich nicht lange bitten – wenn der Hunger ihn plagt, bestellt er am liebsten einen typischen Churrasco der Region, was in der Praxis bedeutet, dass man ihm ein ordentliches Stück Rindfleisch mit einem leichten Geschmack vom “Angico-vermelho – Parapiptadenia rigida“ (Schmetterlingsblütengewächse) serviert – einem Baum, aus dessen Holz man vorzugsweise den Grillspiess anfertigt.
Die fischreichen Gewässer haben die Kultur der Fischerei in der gesamten Region beeinflusst. Der Pantanal-Fischer ist ein respektierter Kenner des Verhaltens der Fische durch eigene Beobachtung. Er weiss, in welchen Flussabschnitten sich die aquatische Fauna zu verstecken pflegt – und durch Beobachtung des Wasserstandes kann er voraussagen, ob ein Fischzug Erfolg haben wird oder nicht.
In der regionalen Küche sind Fischgerichte sehr häufig – und gut – wie zum Beispiel der “Peixe na brasa” (Fisch in der Glut), das “Ensopado” (Kochfisch), der “Pirão” (mit Fischsud gebundens Maniokmehl) und der “Caldo de piranha“ (Piranha-Sud), der “Arroz carreteiro feito de carne seca“ (Reis mit Trockenfleisch gemischt), die “Banana da terra com farinha“ (Bananensorte mit Maniomehl), das “Guisado de mandioca“ Maniokmehl mit Rindfleisch), die “Galinhada“ (gekochtes Huhn) und die “Mandioca cozida“ (gekochte Maniokwurzel), serviert mit einem “Churrasco pantaneiro“ (Rinderbraten vom Grill) – auf Holzspiessen über der Holzkohlenglut in einer Erdgrube gegart. Die aus Paraguay und Bolivien stammenden Einwanderer brachten ihre Küchenrezepte mit, wie zum Beispiel die “Sopa paraguaia“ (Paraguay-Suppe), eine Art Maiskuchen mit Zwiebeln und Käse – die “Chipa“, die “Saltanha“ und den “Puchero“.
Der “Tereré“ – geeister, grüner Mate-Tee – stammt aus dem Gebrauch der paraguayischen Guarani-Indios und wurde zum Symbol der Pantanal-Region. Freunde pflegen sich zu einer Tereré-Runde zutreffen, um zu quatschen und sich zu erfrischen. Inzwischen hat sich dieser Brauch sogar bei einem Grossteil der urbanen Bevölkerung in Mato Grosso do Sul eingebürgert. Auch der “Chimarrão“ (heisser, grüner Mate-Tee) wird inzwischen im Pantanal genossen, er hat sich mit der Einwanderung der “Gaúchos“ (aus Südbrasilien) ebenfalls in die Kultur integriert.
Kunsthandwerk
Die Kunst der Herstellung einer “Viola-de-cocho” wurde als “Patrimônio Imaterial do Brasil“ im Jahr 2005 anerkannt. Seine Herstellung gehört zum Erbe der ersten paulistanischen Kolonisten. Das Saiteninstrument wird aus einem einzigen Stück “Sarã“ -, “Ximbuva“ – oder Zedernholz gefertigt – ausgehöhlt wie ein Trog für Viehfutter (Cocho) – daher der Name. Selbst wenn man kein Musiker ist, ist eine “Viola-de-cocho“ als Souvenir aus Brasilien eine Art lebendiges Fossil der Vorgänger von Geigen und Gitarren. Die Kunsthandwerker dieser Region fertigen ausserdem verschiedene Objekte aus Keramik, Holz, Stroh, Fasern und Bambus.
Volksfeste
Der “Dança dos Mascarados” (Tanz der Maskierten) hat Tradition im Ort Poconé. Nur Männer nehmen daran teil. Das Spektakel besteht aus 12 Paaren und 3 Pfahlträgern, die der maskierten Gruppe einen geschmückten Mast vorantragen. Tradition hat in Poconé auch die „Cavalhada“, die jedes Jahr in den ersten Juniwochen stattfindet – dieses Fest stammt aus der portugiesischen Tradition der mittelalterlichen Turniere – simuliert wird ein Schlachtfeld, auf dem sich maurische und christliche Reiter bekämpfen.
Entfernungen: (bis Poconé)
Von Cuiabá (Mato Grosso): 102 km
Von Cáceres (Mato Grosso): 185 km
Von Campo Grande (Mato Grosso do Sul): 800 km
Nationalpark: “Parque Nacional do Pantanal Matogrossense”
Estação Ecológica de Taiamã
Diese “ökologische Forschungsstation” umfasst die Flussinseln “Taiamã“ und “Sareré“ – 1.200 Hektar umgeben vom Rio Bracinho und bestehend aus Buchten und überschwemmbarem Land. Die Anfahrt per Automobil führt über “Morrinhos“ und weiter per Boot auf dem Rio Paraguai. Lokalität: Zirka 180 km von “Caceres“ entfernt.
Cachoeira da Piraputanga
Dieser Wasserfall von drei Metern Höhe befindet sich auf dem Hügel der “Dolina Água Milagrosa“ – das Wasser fällt in einen Natur-Pool. Lokalität: 26km vom Ort “Caceres“.
Transpantaneira
Angelegt wurde diese weitgehend auf Dämmen konstruierte und durch 126 Brücken verbundene Piste in der Absicht, die Stadt Cuiabá mit der Stadt Corumbá auf dem Landweg durch das Pantanal zu verbinden.
Aber die Überschwemmungen zur Zeit ihrer Konstruktion (70er Jahre) waren so häufig und zerstörerisch, dass das Projekt nach seiner halben Durchführung stecken blieb: bis heute endet die “Rodovia Transpantaneira“ am Ufer des Rio Cuiabá, der natürlichen Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten von Mato Grosso, in einem kleinen Fischernest mit Namen “Porto Jofre“.
Heute dient die Piste in erster Linie den Besuchern, die sich auf ihr der phantastischen Landschaft und der vielgestaltigen Fauna auf Schrittlänge nähern können. Man braucht nur ein kleines Bisschen Abenteuergeist, um die Unbilden der prekären Piste auf sich zu nehmen und die vielen Holzbrücken zu überqueren – wofür man dann allerdings reichlich durch die fotogenen Begegnungen mit Säugetieren, Reptilien und Vögeln entschädigt wird. Von dieser zentralen und einzigen durchgehenden Piste hat man die Möglichkeit, zu Pousadas und Fazendas abzuzweigen, um sich dort ein paar Tage einzuquartieren.
Die “Transpantaneira“ kann per Allrad-Fahrzeug, per Fahrrad und in der Trockenperiode auch mit normalem Auto befahren werden. Lokalität: Die “Transpantaneira“ beginnt in Poconé, einem Ort, der von Cuiabá aus auf asphaltierter Strasse zu erreichen ist (100km).
Fazenda Jacobina
Eine antike Fazenda, die bereits im 18. Jahrhundert die Städte São Paulo und Rio de Janeiro mit Trockenfleisch und Zucker belieferte – ausserdem exportierte sie diese Produkte nach Europa. Ihre Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Lokalität: Zirka 40 km von “Caceres“ entfernt.
Marco do Jauru
Dieser Obelisk wurde zur Feier des “Tratado de Madrid“ errichtet (Vertrag von Madrid, 13. Januar 1750 – mit ihm wurden die Grenzen der spanischen und portugiesischen Kolonien neu festgelegt). Unter Denkmalschutz des “IPHAN“ (Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional) wurde das Denkmal an der Mündung des Rio Jauru im Jahr 1754 aufgestellt und fast 130 Jahre später ins Zentrum von “Caceres“ transferiert. Lokalität: Zentrum des Ortes “Caceres“.
Praia do Daveron
Die Bewohner von “Caceres” haben das Privileg, sich an ein paar Flussstränden erfreuen zu können, die vom Rio Paraguai gebildet werden – nicht weit vom Ort. Dieser Strand “Daveron“ befindet sich noch innerhalb des urbanen Bezirks. Lokalität: Wenige Meter von der „Sematur“ Tourismus-Agentur) entfernt – noch im Ortszentrum.
Praia do Julião
Dieser Strand liegt am Rio Paraguai ein wenig oberhalb des Ortes und ist ein idealer Badeplatz – mit Campingplatz und beliebt bei Anglern. Die Zufahrt kann per Auto oder Boot erfolgen. Lokalität: 3 km von “Caceres“ entfernt.
Praia da Baía da Palha
So wie die “Praia do Julião” wird dieser Strand ebenfalls von Badegästen, Camping-Fans und Sportanglern aufgesucht. Im Gegensatz zu Ersterem befindet sich dieser Strand allerdings unterhalb von “Caceres“. Lokalität: Ebenfalls nur 3 km vom Ort.
Hier erfahren Sie allgemeine Informationen über das Nord-Pantanal: wann die beste Reisezeit ist, um den Pantanal zu besuchen, Informationen über Unterkünfte, was diese kosten, wie man das Kolonialstädtchen erreicht, was eine Unterkunft kostet und interessante Links und Adressen.
Beste Zeit
Zweifellos die Trockenperiode zwischen Mai und September – kein Regen, ideal zur Beobachtung der Fauna – und kaum Mosquitos. Andererseits hat die Regenperiode (Oktober bis April) insofern ihre Reize, als man dieses grösste Überschwemmungsgebiet der Erde dann in seiner ganzen blühenden Schönheit erleben kann.
Unterkunft
Die Hotelstruktur des Nord-Pantanals konzentriert sich auf die Orte “Cáceres“ und “Poconé“ – in ihrem Umfeld gibt es auch viele Fazendas, die sich dem Empfang von Touristen geöffnet haben. Einige sind nur per Boot erreichbar. In der Region von Poconé findet man praktisch alle Fazendas und Pousadas (oder “Lodges“, wie sie im Tour-Jargon heissen) entlang der “Transpantaneira“.
So kommt man hin
Per Flugzeug
Der Flughafen von Cuiabá wird täglich von den bedeutendsten Hauptstädten Brasiliens aus angeflogen. Der Ort Poconé hat allerdings nur ein Flugfeld für Kleinflugzeuge.
Per Auto
Die Zufahrt zum Nord-Pantanal beginnt in Cuiabá. Von dort nimmt man die Strasse MT-060 bis Poconé (asphaltiert) oder die BR-070 bis Cáceres (ebenfalls asphaltiert).
Per Omnibus
Vom Busbahnhof (Rodoviária) in Cuiabá fahren täglich Busse nach Poconé und auch nach Cáceres.
Sites und Telefonnummern
Regionale Vorwahl (DDD): 65
Präfektur von Poconé: 3345 – 1952
Hospital von Poconé: 3345 – 1963
Militärpolizei von Poconé: 190 / 3345 – 1806
Busbahnhof von Poconé: 3345 – 1677
Präfektur von Cáceres: 3223 – 1500
Hospital in Cáceres: 3221 – 0200