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1969 tauchte eine wilde Truppe am Woodstock Festival auf, und mischte die Menge mit schweisstreibendem Funk auf: «Sly & the Family Stone». Am Elektrobass führte Larry Graham eine neue Spieltechnik vor, die viele wohl zum ersten Mal sahen.
Der Daumen zupfte die tiefste Saite nicht an, sondern hämmerte sie perkussiv aufs Griffbrett. Und der Zeigefinger riss die oberen Saiten so weit in die Höhe, dass sie ebenfalls aufs Griffbrett zurückschnellten.
Das Ganze klang so, als wollte jemand mit einem Instrument Bass und Schlagzeug gleichzeitig spielen. Und genau das war auch die Idee.
Einer für zwei
Seine Mutter, mit der Graham zuvor in «The Dell Graham Trio» spielte, wollte in der Band keinen Schlagzeuger mehr haben.
Und so nahm der gute Sohnemann im Duo eben eine Doppelrolle wahr: Er spielte Bass – und setzte damit auch die Akzente des Schlagzeugs.
Dass später wieder ein Schlagwerker mit von der Partie war, war nicht wirklich ein Problem. Die Rollen im Rhythmusteam waren dann einfach etwas anders verteilt. Der Schlagzeuger agierte schnörkelloser, und der Bassist setzte mit den Slaps die rhythmischen Akzente.
Goldene Jahre für den Slap
In den 1970er-Jahren erlebte das Slap-Bass-Spiel einen regelrechten Boom – vor allem durch kühne Slapper wie etwa Bootsy Collins, der in der Band von James Brown zu frühem Ruhm gelangt war.
Collins setzte eine Vielzahl von Effekten ein, und betonte gerne den ersten Schlag im Takt, wie zum Beispiel bei «Psychoticbumpschool». Noch mehr Breitenwirkung gab es dann durch Louis Johnson, der bei Michael Jackson («Get On The Floor») für das Fundament und den Groove sorgte.
Larry Graham ist übrigens noch heute noch aktiv und tourt fleissig mit seiner Band «Graham Central Station».
Sogar eine Funk-Ikone wie Prince erwies ihm die Reverenz und featurete ihn zeitweise bei Konzerten mit seiner Background-Band «The New Power Generation». Die Slapping-Technik wurde allerdings selbst bei ihm etwas dosierter eingesetzt.
Slapping im Direktvergleich
|Zur Aufnahme der «Jazz Collection» über Larry Graham erschien der Bassist Pascal Kaeser mit umgeschnalltem Fender Jazz Bass und suchte mit dem Kabelende Anschluss im Mischpult. Die Basslinien lieferte er isoliert ab und machte so einen Direktvergleich mit dem Bass im Kontext des Originalsongs möglich. |
In den folgenden Audio-Clips spielt erst Pascal Kaeser eine Slapping-Sequenz ein – im Anschluss daran ist die gleiche Sequenz im Originalstück zu hören: Gerade bei Larry Grahams Groove bei «Thank You» wird klar, wie simpel und gleichzeitig effektiv er beim Slappen agiert.