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Das landwirtschaftliche Institut von Grangeneuve bietet Landwirten im letzten Jahr ihrer Ausbildung die Möglichkeit ein Praktikum in einem europäischen Land zu machen. Ich habe mich entschlossen, diese Chance zu ergreifen. Ich habe mich für Deutschland entschieden, weil ich bereits zwei Lehrjahre in der deutschsprachigen Schweiz absolviert habe und die Sprache bereits kenne. Wenn ich nochmals die Entscheidung treffen müsste, würde ich es ohne zu zögern tun, weil ich denke, dass es wichtig ist, andere Kulturen und andere Arbeitsweisen kennenzulernen. Dies auch um Klarheit zu bekommen was man in Zukunft tun möchte. Ich würde jungen Menschen raten diese Chance, die das Erasmus-Programm bietet zu nutzen, denn es ist eine einzigartige Erfahrung in beruflicher und sozialer Hinsicht.
Die Familie
Mein Chef und seine Frau arbeiten zusammen auf dem Bauernhof. Sie haben zwei Kinder: ein 18-jähriges Mädchen und einen 21-jährigen Jungen. Das Mädchen macht eine Ausbildung in einer Kindertagesstätte und der Junge arbeitet ebenfalls auf dem Bauernhof. Er hat im vergangenen Jahr seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen und beginnt in diesem Winter den Meisterkurs. Es ist ein Bauernhof, auf dem die Arbeit gemeinsam in der Familie erledigt wird. Sie hatten noch nie einen Arbeiter, aber sie stellen normalerweise Praktikanten für die Sommersaison von April bis November ein, obwohl es immer schwieriger wird, diese Arbeitskräfte zu finden. Sobald der Sohn zum Meisterlandwirt ausgebildet ist, kann er Lehrlinge einstellen und diese auf dem Hof ausbilden.
Die Region
Ich habe drei Monate lang in Bayern gelebt. Es ist eine hügelige Region, die wie eine typische Schweizer Landschaft aussieht. Die österreichische Grenze ist nicht weit entfernt, und man kann die Berge dieses Landes von meinem Standort aus sehen. In der Region gibt es viele kleine Seen, die in den Sommermonaten viele Touristen anziehen. Es gibt viele Viehzuchtbetriebe, die Landwirtschaft ist recht gut entwickelt. Es gibt auch Industrien, die größte ist das Werk des AGCO-Konzerns. In diesem Werk werden Fendt-Traktoren für ganz Europa produziert und vertrieben.
Der Betrieb
Mein dreimonatiges Praktikum verbrachte ich auf einem typischen Bauernhof in der Region mit Milchproduktion. Meine Chefs führen einen Betrieb mit 120 Milchkühen auf etwa 100 Hektar. Die Kühe sind Fleckvieh und Brown Swiss, von jeder Rasse gibt es die Hälfte. Mein Chef hat das Fleckvieh vor etwa 20 Jahren eingeführt, weil es im Vergleich zum Braunvieh widerstandsfähiger und kräftiger ist. Die Kühe in der Laktation gehen aus praktischen Gründen nicht auf die Weide, da das Melken mit zwei Lely-Robotern erfolgt. Die Galtkühe und das Jungvieh verbringen jedoch ihre Zeit auf der Weide. Die Kälber sind einen Monat lang in Einzelboxen untergebracht, dann ziehen sie für zwei Monate in ein Strohbett um und dann werden sie in Liegeboxen untergebracht. Die Färsen verbringen den Sommer auf einer Alm. Die Kühe geben pro Laktation etwa 9’700 Kilo Milch. Ich denke, dass ist ein gutes Ergebnis, da das Futter hauptsächlich aus Grassilage besteht. Mais kann nicht angebaut werden, da die Parzellen meiner Chefs alle auf nassem, schwarzem Boden liegen. Meine Chefs haben beschlossen aus arbeitsrechtlichen Gründen auf Robotermelken umzustellen. Denn es wird immer schwieriger, Auszubildende zu finden. Ein weiterer Grund besteht angesichts der Löhne und Arbeitszeiten, die die Industrie bietet, will niemand mehr in der Landwirtschaft arbeiten. Ausserdem musste der alte Melkstand renoviert werden sowie die Kraftfutterverteilungsstationen mussten erneuert werden, was ebenfalls zu der Entscheidung führte auf Robotermelken umzustellen.
Mein Chef ist gut mit Maschinen ausgestattet. Das Wetter in der Region ist ziemlich launisch, und daher sind die Zeitfenster mit gutem Wetter für die Ernte kurz. Man muss also schnell und effizient sein, um das Futter rechtzeitig einzubringen. Dies rechtfertigt eine Menge mechanischer Geräte. Von den 100 Hektar des Anwesens sind 30 Hektar Weideland und der Rest ist für das Mähen reserviert. Es werden etwa 5 Schnitte in einer Saison durchgeführt. Die Graserträge sind dank der hohen Niederschlagsmenge (1600 mm Wasser pro Jahr) gut, was eine gute Futtermittelautonomie des Betriebs gewährleistet. Der größte Teil der Ernte wird zu Silage verarbeitet, die in Fahrsilos gelagert wird. Wenn das Wetter es zulässt, trocknen meine Chefs einen Teil des dritten und vierten Schnitts. Dieses Trockenfutter wird zu großen Quaderballen gepresst, damit es praktisch zu handhaben ist.