Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03317.jsonl.gz/504

Barbara Pfaffen hat einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Kinderkrippen in Zürich geleistet und zusammen mit Bruno Manser die Waldpädagogik entwickelt. Heute arbeitet sie als Bildhauerin und Malerin in ihrem Zürcher Atelier. Am Freitag-Frauen-Apéro vom 29. September erzählt sich aus ihrem bewegten Leben und beanwortete uns im Vorab ein paar Fragen.
Barbara Pfaffen, sie haben viele bekannte Persönlichkeiten wie Friedrich Dürrenmatt, Helmut Schmidt, Federico Fellini oder den Dalai Lama kennengelernt. Wie sind Sie mit Bruno Manser in Kontakt gekommen?
Verheiratet und mit kleinem Kind, hatte ich Ende der 1980er Jahren begonnen, als Tagesmutter zu arbeiten und leitete eine Spielgruppe. Eines Tages hörte ich im Radio ein Interview mit Bruno Manser, und dass er am Folgetag einen Stand in Basel habe. Ich bin dann dorthin gefahren und blieb den ganzen Tag. Wir verstanden uns prächtig. In der Folgewoche begann ich mit dem Projekt «Kinder in den Wald» und tauschte mich mit Bruno regelmässig aus. Ich hatte mich schon früher dafür interessiert, wie Kinder in anderen Kulturen aufwuchsen, beispielsweise bei den Ynomami. Ich kannte auch die Zigeuner in St. Marie-de-la-Mer oder fuhr während meiner Bekanntschaft mit Fellini an freien Nachmittagen aus Rom hinaus, um zu sehen, was Kinder, welche nicht zur Schule gehen, den ganzen Tag machen.
Was zeichnet das Konzept der von Ihnen initiierten Kindertagesstätten aus?
Mein Vater arbeitete in der Wirtschaft und ich bekam mit, wie finanzielle Planung funktioniert. Das half mir, als ich mich später für die Einrichtung von Kindertagesstätten einsetzte und die Krippen in der Schweiz erforschte sowie alle anderen Angebote mit Kindern. Ich machte ein Inventar und erhielt so die Kosten, welche später vom Sozialamt übernommen wurden und noch heute als Basis Gültigkeit haben. Ausserdem war mir von Anfang an Kunst und Kultur wichtig. Das fehlte in meinen Augen in allen vorgängigen Angeboten.
In Ihrer Biografie verweisen Sie auf den Einfluss der Sterne. Welche Bedeutung haben diese für Sie?
Ich hatte zwei schwere Operationen und war im Alter von 23 zweimal auf der Intensivstation. Es war nicht sicher, ob ich überleben würde. Da hatte ich – während des Komas – eine Erfahrung, wie sie Erich Neumann oder Carl Gustav Jung beschreiben. Sie war oder fühlte sich wie ein grosser Segen an, wie eine Aufforderung zur Kooperation mit den Sternen, dem himmlischen Licht oder mit Engelwesen. Die Kraft dieser Sternenlichter begleiten mich bis heute und bringen mein Wesen und mein Herz zum Leuchten. Aus diesem Grund habe ich mein Leben nicht nur mit und durch meine eigenen Augen gesehen, sondern mit den Augen der Sternenwesen, zu denen wir wohl alle gehören.
Beteiligt waren Sie auch am Aufbau des Theaterprojekts «Herzbaracke». Wie ist es dazu gekommen?
Das Theaterkonzept habe ich für den Regisseur Federico Pfaffen, meinen Mann, entworfen. Er war damals seit ein paar Jahren arbeitslos, und man weiss, wie schwierig es für eine Familie ist, ohne Geld und staatliche Unterstützung auszukommen. Es war eine Tragödie. Ich erfuhr von einer Theatergruppe im Ausland, die ein schwimmendes Theater betrieb. Dorthin lud ich meinen Mann ein, um ihn das Ambiente erleben zu lassen und das Projekt vorzustellen. Ich versuchte dann während Monaten, ihn zu überreden, ein entsprechendes Boot zu bauen. Er war zu Beginn gar nicht überzeugt, brachte viele Gegenargumente auf. Ich versuchte es weiter, entwarf das zukünftige Theater-Budget, schneiderte die ersten Kostüme, malte ihm buchstäblich alles ganz fellinesk aus und rieb es ihm so lange unter die Nase, bis auch er es sich vorstellen konnte. Dann fing er an zu zeichnen, gemeinsam haben wir alle Skizzen korrigiert.
An welchen Projekten arbeiten Sie heute?
Ich habe ein grosses Atelier im Seefeld, wo ich male, modelliere, fotografiere, gestalte und Galeristen empfange. Der Atelierbetrieb ist kostspielig und zeitaufwändig, es ist aber auch toll, sich mit Leib und Seele über die Sprache der Kunst ausdrücken zu dürfen. Für 2024 ist dann eine Ausstellung in Zürich geplant.
Interview: Robin Ziltener
Freitag-Frauen-Apéro, Fr. 29. September 23, ref. KGH, Türöffnung: 19.00 Uhr, Referat: 19.30 Uhr. Anmeldung bis 26. September über www.refkilch.ch/anmeldung oder Tel. 44 715 56 51
Barbara Pfaffen
Barbara Pfaffen überraschte mit neuen und bahnbrechenden Ideen im pädagogischen Feld, die Trends auslösten. Wie zum Beispiel der Waldpädagogik, welche sie mit Bruno Manser entwickelte. Ihre Pläne, eine Kinderkrippe mit kreativem Angebot und Kulturfeldern zu gründen, verwirklichte sie. Ihre Ideen wurden auch andernorts aufgegriffen und leben heute mit rund 480 Krippen in der Stadt Zürich weiter. Barbara Pfaffen sagt: «Glück, Erfolg und Scheitern gehören alleweil zu jedem Leben». Nach 35 Jahren selbständiger Arbeit in Kinderprojekten und als Pionierin, ist sie als Künstlerin mit eigenem Atelier hinter dem Opernhaus Zürich tätig. Ihre Ölbilder und Skulpturen handeln vom Leben, ihrer Leidenschaft und dem guten Glauben, den sie stets behielt.