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Sicher hast du schon Jahrringe auf einem Stumpf gezählt, um das Alter eines Baumes festzustellen. Jahrringe verraten aber noch viel mehr über die Geschichte eines Baumes. Forschende, die Jahrringe untersuchen, sind also richtige "Baum-Detektive".
Bäume benötigen für ihr Wachstum Wärme, Licht und Feuchtigkeit. Nach ihrer Ruhephase im kalten Winter beginnen sie wieder zu wachsen, wenn es im Frühjahr wärmer wird. Jeder Baum bildet jedes Jahr einen Jahrring. Wenn der Baum gefällt wird, kann man diese Jahrringe in seinem Stumpf zählen und jedem Ring eine Jahreszahl zuordnen. Oder Wissenschaftler - sogenannte "Dendrochronologen" - entnehmen dünne Bohrkerne aus dem Stamm, damit sie den Baum nicht fällen müssen.
Jahrringe verraten viel mehr als das Alter eines Baumes
Nicht nur die Anzahl der Jahrringe gibt uns Auskunft, sondern auch deren Breite. Diese zeigt nämlich, wie viel der Baum in diesem Jahr gewachsen ist. In guten Jahren, wenn der Baum genau genügend Licht und Feuchtigkeit bekommt, wächst er viel und der Ring wird breit. Ist nicht genügend Wasser vorhanden oder ist es zu heiss, kann der Baum nicht gut wachsen und bildet nur einen schmalen Ring. Ausserdem kann das Wachstum gestört werden, z.B. durch Schädlinge, Feuer, Steinschlag, Lawinen oder Wildverbiss.
An der oberen (z.B. in den Alpen) oder an der nördlichen Waldgrenze (z.B. in Norwegen oder Sibirien) sind Bäume sehr stark von der Sommertemperatur beeinflusst. Dort bedeuten breite Ringe warme Wetterverhältnisse in der Vegetationsperiode, und schmale Ringe, dass es relativ kalt war. In diesen Gegenden lassen sich also vergangene Temperaturen ideal aus den Jahrringen nachvollziehen. In eher trockenen Gegenden hingegen, z.B. im Wallis oder in Marokko, sind Bäume durch Trockenheit "gestresst". Dort bedeuten deshalb breite Ringe, dass die Wachstumsperiode (im Frühling und im Sommer) feucht war, und schmale Ringe, dass sie trocken war.
Bei lebenden Bäumen kann man das Klima natürlich nur soweit zurückverfolgen, wie alt der Baum ist. Wenn man allerdings alte Bäume untersucht, die vor langer Zeit gewachsen sind und deren Stämme nun zum Beispiel in Häusern verbaut oder in Mooren eingeschlossen sind, kann man das Klima bis zu mehr als 1000 Jahren zurückverfolgen. Dafür suchen die Forschenden nach gleichen "Mustern" in Jahrringen aus verschiedenen Holzproben (lebendige Bäume, tote Bäume, alte Gebäude).
An der WSL...
... gibt es seit über 30 Jahren das grösste Jahrringforschung-Labor Europas. WSL-Jahrringforschende nehmen in der Schweiz und an vielen Orten in der ganzen Welt Proben aus alten oder fossilen Bäumen bzw. aus alten Holzgebäuden oder -gegenständen. Sie messen die Breite dieser Proben und oft auch die Holzdichte der Jahrringe. Damit können sie vergangene Ereignisse wie Waldbrand, Frost, Trockenheit, Steinschlag, Hochwasser oder Insektenbefall rekonstruieren.