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/ Kongresshaus Biel
Konzert 2013: Mozart & Rossini
W.A. Mozart: Drei geistliche Hymnen, KV 345
G. Rossini: Stabat mater
W.A. Mozart: Drei geistliche Hymnen, KV 345
für Chor, Soli und Orchester
nach den Chören aus der Schauspielmusik zu Thamos, König in Aegypten
Zwischenaktmusiken aus KV 345
Die Musik zu den Drei geistlichen Hymnen war ursprünglich Teil einer Schauspielmusik für das freimaurerische Drama Thamos, König von Aegypten des Freiherrn von Gebler. Mozart schrieb sie in einem ersten Anlauf im Jahre 1773. 1779 wurde sie von ihm überarbeitet und ergänzt. Nachhaltigen Erfolg hatte dieser höchst ambitionierte einzige Beitrag Mozarts zur Gattung der Schauspielmusik nicht. Das Schauspiel, welches im ägyptischen Priester- und Königsmilieu spielte, wurde, wiewohl von literarischen Grössen wie Wieland und Ramler gelobt, vom Publikum nicht angenommen und nach wenigen Aufführungen abgesetzt. Enttäuscht spekulierte Mozart in einem Brief an seinen Vater vom Februar 1783: "es müsste bloss der Musik wegen aufgeführt werden – aber das wird wohl schwer gehen – schade ist es gewiss." Die vergebliche Mühe scheint Mozart jedoch nicht rohen gelassen zu haben. In seinem Nachlass fanden sich Abschriften von drei Chören mit neuen, nunmehr christlich-geistlichen Texten. Ob Mozart, der Übung der Zeit entsprechend, diese Parodien selbst gefertigt hat, ist nicht bekannt. Da sich die Abschriften aber in seinem Besitz befanden, kann davon ausgegangen werden, dass es nicht ohne seine Zustimmung geschah.
Die Musik der Thamos-Chöre zeigt Mozart auf einem frühen Höhepunkt seiner musikdramatischen Meisterschaft. Chor und Orchester werden erstmals völlig selbständig geführt und tragen so ja auf ihre Weise kommentierend zum musikalisch-dramatischen Geschehen bei. Dadurch entsteht eine neue Werkform von faszinierender Komplexität. Dass Mozart die Musik der Thamos-Chöre zu schade für die Ablage war, zeigt im Übrigen die Tatsache, dass er später auch in anderem Zusammenhang darauf zurückgriff. Elementen daraus begegnen wir in der Zauberflöte, was mit dem ebenfalls freimaurerischen Inhalt dieser Oper zu tun haben mag. Aber auch der Steinerne Gast aus Don Giovanni ist hier vorgezeichnet.
Mozart und Rossini sind Opernkomponisten! Wie keiner zuvor hat Mozart die Charaktere/Rollen musikalisch gestaltet und entwickelt. Ganz besonders in den Schlussszenen und Akt-Finale. Dieser Kunst begegnet man auch bei Rossini. Die Opern-Arbeit durchdringt bei beiden das Schaffen in anderen Gattungen in hohem Masse.
G. Rossini: Stabat mater
für Soli, Chor und Orchester
Das Stabat Mater ist oft von klassischen Komponisten vertont worden. Nicht immer wurde der gesamte Text dabei verwandt, je nach Anlass oder persönlicher Prägung der Komponisten wurden Akzente auf Themen wie Leid, Trost oder Klage gesetzt. Bereits im 16. Jahrhundert wurde das Gedicht polyphon vertont. Die Komposition von Gioachim Rossini für Soloquartett, Chor und Orchester war überaus populär, da sie im Gegensatz zu der Franz Schuberts und Antonin Dvoraks (der seine Vertonung als Reaktion auf den Tod seiner Töchter komponiert hatte) mit typisch italienischem Pathos ausgestattet ist. Nach der Uraufführung von Rossinis überarbeiteter Stabat Mater 1842 in Paris schrieb Heinrich Heine eine begeisterte Kritik, in der er das Werk mit der "gutvollen Malerei der italiensischen und spanischen Schule" vergleicht. "Das ungeheure erhabene Martyrium wurde hier dargestellt, aber in den naivsten Jugendlauten, Klagen der Mater dolorosa ertönen, aber wie aus unschuldig kleiner Mädchenkehle, ... das Gefühl der Unendlichkeit umwogte und umschloss das Ganze wie blauer Himmel, der auf die Prozession herableuchtete wie das blaue Meer, an dessen Ufern sie singend und klingend dahinzog!"
Das Stabat Mater (nach dem Anfang "Stabat Mater dolorosa ...", lat. "Es stand die Mutter schmerzerfüllt ...") ist ein mittelalterliches Gedicht, das die Gottesmutter Maria in ihrem Schmerz um den gekreuzigten Sohn besingt. Das Gedicht ist im 13. Jahrhundert vermutlich in Frankreich oder Italien entstanden. Der tatsächliche Autor ist unbekannt, als mögliche Verfasser gelten die Franziskaner Jacopone da Todi († 1306) oder Johannes Bonaventura († 1276). Das Stabat Mater wird am Fest der "Sieben Schmerzen Mariä" (15. September) sowie am Freitag nach dem ersten Passionstag als Sequenz gebetet oder gesungen. 1727 wurde es in das Brevier der katholischen Kirche aufgenommen und gehört seitdem zur katholischen Liturgie.
Gioachinos Vater war ein bekannter Hornist, seine Mutter Opernsängerin. So erlernte Rossini schon früh Violine und Cembalo und sang schon als Kind in Kirchen und Opernhäusern. 1806 trat er mit nur 14 Jahren in das Conservatorio de Bologna ein und erhielt dort Unterricht in den Fächern Klavier, Violoncello, Horn, Gesang und Komposition. Mit Abschluss seiner Ausbildung 1810 hatte er bereits seine Oper Demetrio e Polibio komponiert sowie zwei Symphonien und eine Kantate. Im selben Jahr debütierte er in Venedig und wurde schon bald zum gefragten Opernkomponisten an zahlreichen italienischen Häusern. Auch in London und Paris wurde er umjubelt. Rossini komponierte 39 Opern. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Die Italienerin in Algier (1813), Der Barbier von Sevilla (1816), La Cenerentola (1817), Semirade (1823) und Wilhelm Tell (1829). Mit 37 Jahren kehrte Rossini der Opernkompositon den Rücken, acht Jahre später verliess er Paris, um in Italien zu leben. 1836 bis 1848 lehrte er am Conservatorio de Bologna. Während dieser Zeit, gesundheitlich bereits angeschlagen, komponierte er die meisten seiner religiösen Werke, darunter das Stabat Mater (1842).
Unsere Solisten
Corinne A. Sutter, Sopran
Bettina Weder, Mezzo-Sopran
Ricardo Mirabelli, Tenor
Ulrich S. Eggimann, Bass