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Als die Arbeiter-Kolonie Herdern am 1. November 1895 ohne Feierlichkeiten eröffnet wurde, war dies das Ereignis eines sich über mehrere Jahre erstreckenden Gründungsprozesses, der im Jahre 1892 begann. Am 15. März 1895 erfolgte schliesslich die Gründung des Vereins für eine Arbeiter-Kolonie, der bis heute die Institution trägt.
Der Ausdruck Arbeiter-Kolonie bezeichnet die Ende des 19. / Anfang 20. Jahrhunderts entstandenen sozialen Einrichtungen für arme Wanderarbeiter, Obdachlose und Strafentlassene. Durch den stationären Aufenthalt im Männerheim wollte man diese Menschen wieder an ein geregeltes Leben gewöhnen, um sie anschliessend in ein festes Arbeitsverhältnis zu vermitteln.
In seinem 1. Jahresbericht schrieb Prof. Dr. H. Kesselring, erster Präsident der Grösseren Kommission: «Es erfordert Mut und Vertrauen auf die Hülfe Gottes, sowie auf die nimmermüde Bereitwilligkeit unseres Volkes zur Unterstützung einer guten Sache, um die Gründung der Kolonie zu beschliessen in einem Zeitpunkte, wo das nur schon für den Ankauf des Gutes erforderliche Kapital noch bei weitem nicht zur Hälfte gezeichnet, nicht zum Viertel einbezahlt war.»
Aus diesen Anfängen der Arbeiter-Kolonie entwickelte sich in nunmehr 125 Jahren die heutige soziale Institution Schloss Herdern. Sie umfasst ein breitgefächertes Angebot von Wohn-, Arbeits- und auch Ausbildungsplätzen für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen oder Problemlagen.
Im Jahre 1904 klärte Pfarrer Benz, Basel mit seinen öffentlichen Vorträgen in verschiedenen Schweizer Städten die Bevölkerung über die Arbeiterkolonien auf und sorgte für Wohlwollen. In der Schweiz gab es damals drei Arbeiterkolonien: Tannenhof, Dietisberg und Herdern. In Genf war eine solche Einrichtung geplant. Pfarrer Gustav Benz veröffentlichte die Broschüre «Aus dem Leben einer Arbeiterkolonie». Sie kostete 40 Cts., der Erlös war zu Gunsten von der Arbeiter-Kolonie Herdern.