Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03586.jsonl.gz/49

Die Bewohner beschäftigen sich hauptsächlich mit Viehzucht und Milchwirtschaft. Im Thale sind fruchtbare Wiesen und an den
Berghängen schöne Alpweiden. Käse- und Butterfabrikation liefern gute Einnahmen, ebenso die Nachzucht
von Jungvieh. Auch die Pferdezucht gewinnt an Bedeutung. Die grossen Waldungen repräsentieren ein bedeutendes Kapital und
liefern nicht geringe Einnahmen. Mit allen diesen Landesprodukten wird Handel getrieben, und der daherige Verkehr beschäftigt
viele Leute. In neuerer Zeit hat man auch angefangen, die Wasserkräfte nutzbar zu machen. Die Mineralquellen
und die gesunde Luft werden von Kurbedürftigen aufgesucht. Die Fremdenindustrie und Kurwirtschaft im Lande ist nicht unbedeutend.
Als Kurorte sind zu nennen: Heiligkreuz (1126 m, Luftkurort), SchimbergBad (1425 m, Schwefelquelle), Flühli (893 m, Luftkurort
und Schwefelquelle), Sörenberg (1165 m, Luftkurort und Schwefelquelle) u. Escholzmatt (858 m, Luftkurort).
Die Bevölkerung des Entlebuch unterscheidet sich in Sprache, Sitten, Gebräuchen und Charakter ganz merklich von derjenigen
des übrigen Kantonsteiles. ^[Note:] Pfarrer Stalder sagt in seinen Fragmenten von 1797: «Wie
im Physischen Stärke des Körpers von zwar mittelmässigem, aber gedrungenem, nervichtem Wuchse, Behendigkeit der Glieder,
Geschicklichkeit im Schwingen und Mannheit im Handgemenge den Entlebucher von allen luzernischen Einwohnern
unterscheiden, so
im Moralischen Ehrstolz in hohem Grade, Freiheitssinn fast bis zur Ausschweifung, Anhänglichkeit an ihr
Land und ihresgleichen, Frohmut und lachende Munterkeit oft bis zum Leichtsinn gepaart, trauliche Geselligkeit im Umgang
mit Fremden, Witz, Empfänglichkeit für viel Schönes und Gutes - Eigenschaften, die von einem freien
Berg- und Alpenbewohner fast unzertrennlich sind und die sich eher verstärken müssen, je mehr äusserlicher Wohlstand unter
ihnen blüht und je weniger der Staat ihre Freiheit beeinträchtigt, als insoweit es seine eigene mit dem Wohle des ganzen
Körpers zusammenhängende Wohlfahrt erheischt.» Konfessionell sind die Entlebucher katholisch.
Wie jedes Bergvolk, so hängen auch sie zäh am Alten. Von Natur aus sind sie gut veranlagt, anstellig, im Handel und Verkehr
klug ihren Vorteil wahrend. Viele Entlebucher müssen auswandern, da infolge ihrer starken Vermehrung das Land nicht alle
zu ernähren vermag. Vergl. auch den Art. Emme (Kleine).
«Von den Gebirgen an, welche die Quellen der Emmen und Ilfis umgeben, zieht sich zusammenhängend die alte Herrschaft der Freien
von Wolhusen heraus durch das Thal der Waldemme bis zu dem Pass, wo in schmalem, von steilem Fels umgrenzten Thalgrund der MarktWolhusen liegt, von dem und seinen beiden Vesten das Land innerhalb und ausserhalb im 14. Jahrhundert
seinen Namen trug. Das innere Land hiess nachmals Entlebuch. Nach der Vermutung neuerer Geschichtsforscher waren Rotenburg
und Wolhusen ursprünglich dasselbe Haus. Schon vor der Mitte des 13. Jahrhunderts war die Scheidung von Rotenburg und Wolhusen
vollendet.» (Dr. Segesser.) Ende des 13. Jahrhunderts (nach Dr. Cas. Pfyffer 1299) kam Entlebuch in den
Besitz des Hauses Oesterreich, dessen Herzog Rudolf es an Peter von Thorberg verpfändete. 1358 wurde die Pfandschaft wieder
aufgehoben und vom Herzoge versprochen, das Entlebuch nie mehr zu verpfänden; aber 1363 kam es schon wieder an
einen neuen Pfandherrn, nämlich an Peter von Grünenberg und 1373 nochmals an Peter von Thorberg. 1375 zogen die Entlebucher
mit den Luzernern und Unterwaldnern in den Guglerkrieg (Buttisholz) und 1386 in die Schlacht bei Sempach. 1395 schloss Entlebuch
mit Luzern
ein Burgrecht. Es nahm auch hervorragenden Anteil am Bauernkriege (1653), dessen Führer Emmenegger
und Schibi ihm entstammten.