Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/1498

Für Bäume ist das Gas Kohlendioxid (CO2), das den Treibhauseffekt einheizt, ein Lebensmittel. Über winzige Poren in den Blättern, den sogenannten Spaltöffnungen, nehmen sie es aus der Luft auf und produzieren daraus Kohlenhydrate für ihr Wachstum, wie das Forschungsinstitut für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) am Montag mitteilte.
14 bis 22 Prozent effizienter
Durch die Spaltöffnungen entweicht aber auch Wasserdampf - über 100 Kilogramm Wasser pro produziertes Kilogramm Kohlenhydrate. Steigt der CO2-Gehalt in der Luft, können die Poren so reguliert werden, dass noch genügend Kohlenstoff aufgenommen wird, aber weniger Wasser verlorengeht. Die Wassernutzungseffizienz der Bäume steigt.
Ein grosses, internationales Forscherteam um David Frank von der WSL hat nun untersucht, wie Wälder an 23 Standorten zwischen Norwegen und Marokko darauf reagieren, dass der CO2-Gehalt in der Luft seit Jahren ansteigt. Dazu kombinierten die Forschenden Messungen von Kohlenstoffmolekülen in Jahrringen von Bäumen mit Computermodellen, die die globale Vegetationsentwicklung simulieren.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts stieg den Resultaten zufolge bei Laubbäumen die Kohlenstoffaufnahme bei gleichbleibendem Wasserverbrauch um 14 Prozent, bei Nadelbäumen um 22 Prozent. Die Simulationen zeigen aber, dass der Wasserverbrauch der Wälder in Europa trotz der höheren Wassernutzungseffizienz nicht gesunken ist.
Wasserdampf ist wichtiges Treibhausgas
Im Gegenteil: Wegen der längeren Wachstumsperioden und grösseren Kronenflächen der Bäume sowie der höheren Temperaturen nahm die Verdunstung im Lauf des 20. Jahrhunderts sogar zu. Es sei daher sehr unwahrscheinlich, dass die Bäume die Menge an Wasserdampf in der Atmosphäre vermindern werden, erklärten die Forschenden. Wasserdampf ist ebenfalls ein wichtiges Treibhausgas.
Auch der Wassergehalt im Boden oder die Wassermenge in Flüssen werde wohl nicht massgeblich beeinflusst werden, berichtete das Team am Montag im Fachjournal «Nature Climate Change». Die Erkenntnisse dieser Studie lieferten wichtige Informationen, um die Simulation des Kohlenstoff- und des Wasserkreislaufs in globalen Klimamodellen zu verbessern.
Rekordwert überschritten
Erst vergangene Woche hatten US-Forscher von einem Rekordwert beim CO2 in der Atmosphäre berichtet. Erstmals seit Beginn der Messungen hatte der weltweite monatliche Durchschnittswert bei 400 ppm (parts per million, Teilchen pro Million) überschritten. Seit dem vorindustriellen Zeitalter sei die Konzentration des Treibhausgases um mehr als 120 ppm angestiegen. Die Hälfte davon sei nach 1980 hinzugekommen.