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FN-Artikelserie über die Strassenprostitution an der Grand-Fontaine in Freiburg – diverse Ausgaben
Ich finde es ausgezeichnet, dass Sie zum Thema «Prostitution in der Grand-Fontaine» verschiedene Perspektiven zu Wort kommen lassen. Allerdings scheint mir, dass Sie von den Mitgliedern der Association de la Grand-Fontaine, die sich gegen die negativen Folgen der Strassenprostitution wehren, ein allzu einseitiges Bild zeichnen. Wir wohnen in der Siedlung Pertuis, besitzen kein Ledersofa, tragen im Winter Faserpelz statt «feine Strickpullis» und wohnen nicht «seit kurzem», sondern seit 16 Jahren an der Grand-Fontaine. Damit passen wir nicht in das Klischee, das in einigen Ihrer Artikel beschrieben wird. Wir sind Mitglied der Association, weil wir wie viele Anwohner der Meinung sind, dass die «Immissionen» an unserer Strasse zugenommen haben und das Zusammenleben beeinträchtigen. Das ist nicht den Prostituierten zuzuschreiben, sondern den Freiern, deren Profil und Benehmen sich in den letzten Jahren verändert haben, sowie der Zunahme von «Besuchern», die auf der Strasse vor den Salons Bier trinken und oftmals laut werden. Das Profil und die Anzahl der Prostituierten haben sich ebenfalls verändert; sie wechseln heutzutage alle paar Wochen oder Monate. Der gegenseitige Respekt besteht jedoch weiterhin, auch wenn die Prostituierten den Quartier-Kindern nicht mehr wie früher auf dem Schulweg über die Strasse helfen. Aus Solidarität backen etwa Kinder von Mitgliedern der Association seit Jahren Weihnachtsguetzli für die Frauen.
Es geht uns keineswegs um die Vertreibung der Prostituierten aus der Grand-Fontaine! Aber das Herumhängen und Benehmen von Freiern und «Zuschauern» auf der Strasse stört – trotz einigen lobenswerten Massnahmen seitens der Stadt. Wenn sich die Frauen nicht mehr auf den Trottoirs anbieten, sondern stattdessen Kontakte direkt im Inneren der Häuser, zum Beispiel an einer Rezeption, organisiert würden, könnte dieses Problem–wie an anderen Orten auch – professionell gelöst werden. Ihr Augenschein vor Ort erfolgte im tiefen Winter; wegen der Kälte ist in dieser Saison nicht viel los auf der Strasse. Im Frühling wird sich das, wie jedes Jahr, wieder ändern. Wir hoffen, dass bis dann eine Lösung gefunden ist, die allen Perspektiven in respektvoller und fairer Weise gerecht werden kann.