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Aktuelle Forschung in Kürze
Wo bleiben eigentlich die Mitarbeitenden?
Die Forschung zur tiergestützten Intervention (TGI) hat sich lange nur auf die Sicht der Patient*innen konzentriert. Inzwischen wird auch der Effekt auf die involvierten Tiere stärker beforscht. Aber Forschung zum Einfluss auf Therapeut*innen und andere involvierte Personen ist besonders selten. In dieser Ausgabe von «Aktuelle Forschung in Kürze» werden zwei erste Studien vorgestellt, die sich mit den in TGI involvierten Personen auseinandersetzen.
Wie stehen die Mitarbeitenden zu TGI?
Wenn ein tiergestütztes Projekt startet, ist die Einstellung des Personals entscheidend für das Gelingen des Projekts. In der Studie von Hediger und Hund-Georgiadis wurde vor und nach dem Einzug der Tiere in den Tiergarten der Rehabilitationsklinik REHAB Basel das Personal (Therapeut*innen, Ärzt*innen, Pflegende, Hausdienst) befragt, welche Einstellungen und Bedenken gegenüber der tiergestützten Therapie (TGT) bestünden.
Vor Projektstart hatten 91.1% der Befragten ein positives Gefühl und 81.3% erwarteten sogar, dass ihr Job durch die TGT bereichert werde. Mit 89.6% erwartete die Mehrheit keine grössere Arbeitsbelastung durch TGT. Es wurden aber von etwa einem Drittel verschiedene Bedenken geäussert. Die Bedenken waren, dass sich Patient*innen während der TGT verletzen könnten, dass sie sich vor den Tieren fürchteten oder dass es hygienische Probleme geben könnte.
Eineinhalb Jahre später, als die Tiere schon in den Tiergarten eingezogen waren und die TGT gestartet hatte, wurde die Befragung wiederholt. Es zeigte sich, dass sich die positive Einstellung des Personals kaum verändert hatte. Die Bedenken gegenüber der TGT hatten hingegen signifikant abgenommen. Weniger als 10% äusserten noch Bedenken. In der Aufschlüsselung der Antworten nach Berufsgruppen zeigte sich, dass die Therapeut*innen öfters angaben, dass sie durch die TGT eine höhere Arbeitsbelastung hätten und sie zeigten ein etwas grösseres Wissen über TGT.
Können die Mitarbeitenden auch etwas von den TGI profitieren?
In der Studie von Jensen und Kolleg*innen wurde untersucht, wie sich die Präsenz und die Arbeit mit Besuchshunden auf Angestellte in Kinderspitälern auswirkt. Angestellten aus Kinderspitälern mit und ohne Besuchshunden wurden Fragen zu Arbeitszufriedenheit, psychischer Gesundheit und Stimmung gestellt. Die Antworten von 65 Personen, die mit Besuchshunden arbeiteten, wurden mit den Antworten von 65 Personen, die nicht mit Besuchshunden arbeiten, verglichen. Dabei zeigte sich, dass die Anwesenheit von Besuchshunden mit einem stärkeren Gefühl von Erfüllung, einer positiveren Wahrnehmung des Jobs im Allgemeinen, einer kleineren Absicht, den Arbeitsort oder die Position zu wechseln, einhergehen. Auch zeigte sich, dass die Personen, die mit Besuchshunden arbeiten, weniger depressive Symptome und eine bessere psychische Gesundheit im Allgemeinen angaben. Sie berichteten auch von mehr positiven und weniger negativen Stimmung sowie einer besseren Stimmungsbalance.
Erstaunlicherweise gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen bezüglich emotionaler Erschöpfung. Die Autor*innen erklären sich diesen Befund damit, dass die Personen, die mit Hunden arbeiten, sehr gefragt sind und deshalb eine höhere Arbeitsbelastung erfahren.
Fazit
Die beiden Studien zeigen auf, dass das Personal in Kliniken positiv gegenüber TGI eingestellt ist, dass die effektive Erfahrung Bedenken zerstreut und dass es sich positiv auf die psychische Gesundheit und die Arbeitszufriedenheit der Angestellten auswirken kann, wenn tiergestützten Interventionen durchgeführt werden. Aber diese beiden Studien stehen erst am Anfang der Forschung zu in TGI involvierten Personen und werfen gleich neue Fragen auf. Zwei dieser Fragen sind, ob Personen in der TGI eine höhere Arbeitsbelastung erfahren und ob diese durch die höhere Arbeitszufriedenheit ausgeglichen wird. Dieser und anderen Fragen wird sich die Forschung in Zukunft noch annehmen müssen.
Quellen
- Hediger K, Hund-Georgiadis M. Animal-assisted therapy in the view of staff members before and after implementation in a rehabilitation clinic. Human-Animal Interact Bull. 2017;5(2):61-73.
- Jensen CL, Bibbo J, Rodriguez KE, O’Haire ME. The effects of facility dogs on burnout, job‐related well‐being, and mental health in pediatric hospital professionals. J Clin Nurs. 2021. doi:10.1111/jocn.15694