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Schon die Römer der Antike produzierten grössere Mengen Messing, ohne zu wissen, dass sie das noch nicht entdeckte Zink dem gut bekannten Kupfer zulegierten. Messing ist heute noch die wichtigste Kupferlegierung. Es ist unter anderem im Uhren- und Schmucksektor unentbehrlich, wird dann aber vernickelt, verchromt oder vergoldet.
Über die Herkunft des eigentümlichen Wortes „Messing“ gibt es mehrere Hypothesen; am wahrscheinlichsten ist, dass die Mossynoiken der Legierung ihren Namen gaben. Es handelt sich um ein Volk, das in prähistorischer Zeit an der Ostküste des Schwarzen Meeres und am Südabhang des Kaukasus angesiedelt war.
Die Mossynoiken schürften nachweislich schon im vierten vorchristlichen Jahrtausend Kupfererz, darunter auch Kupfer-Zink-Mischerz. Es fiel bald auf, dass man daraus einen dem unlegierten Kupfer deutlich überlegenen Werkstoff erhielt. Das Ursprungsland gab ihm logischerweise seinen Namen. Das englische “brass“ andererseits ist etymologisch leicht als Verballhornung von „bronze“ zu deuten, während das französische „laiton“ von „latun“ abgeleitet ist, dem arabischen Wort für Kupfer.
Gewissenlose Händler
In die Geschichte trat Messing mit dem griechischen Gelehrten Aristoteles (384-322 v.Chr.) ein. Zwei Jahrhunderte später ärgerte sich der römische Politiker, Redner und Schriftsteller Markus Tullius Cicero (106-43 v.Chr.) über gewissenlose Händler, die Messing anstelle von Gold verkauften. In den Schriften des Naturwissenschafters Plinius d.Ä. (23-79 n.Chr.) findet man genaue Anleitungen zur Herstellung von Messing.
Doch erst im zwölften Jahrhundert wurde klar, dass man Messing aus Kupfer gezielt durch Zugabe des Zinkcarbonat-Minerals Galmei erhalten konnte. Die wallonisch-belgische Stadt Dinand, in deren Nähe eine Galmei-Lagerstätte lag, entwickelte sich zum wichtigsten europäischen Zentrum des Messinghandwerks. Das benötigte Kupfer wurde aus Schweden und der Harzregion Deutschlands importiert. Der Metallurge Georg Agricola (1494-1555) nannte Zink „Conterfei“, weil man damit Messing herstellt, das in Bezug auf die Farbe niederkarätigem Gold gleicht.
Vielfältige Anwendungen
Im industriellen Massstab wurde Messing ab dem 17. Jahrhundert auch in Frankreich produziert und verarbeitet. Nach der Aufhebung der Toleranzedikte von Nantes flohen Tausende von Hugenotten in die protestantischen Teile Deutschlands und brachten die Messingtechnologie in die neue Heimat. Die wichtigsten Anwendungen des gegossenen Messings waren damals Leuchter, Beschläge, Mörser, Zapfhähne und Grabplatten. Aus getriebenem Messingblech fertigte man eine breite Palette von Haushaltgeräten wie Kessel, Bettpfannen, Schüsseln und Dosen.
Die heutigen Messingsorten bestehen aus Kupfer mit bis zu 40 Prozent Zink. Die Farbe der Legierung hängt stark vom Zinkgehalt ab. Messing mit nur 20 Prozent Zink ist rötlich-braun; mit steigendem Zinkgehalt wird die Legierung goldgelb, hellgelb, schliesslich weissgelb. Messing mit 30 Prozent Zink ist besonders gut plastisch formbar. Bei höherem Zinkgehalt muss die Legierung bei mindestens 600 Grad Celsius warm verformt werden.
Das spanabhebende Bearbeiten von Messing geht sehr glatt. Darum werden Prototypen neuer Maschinen und Geräte aller Art oft aus Messing gefertigt, fertig entwickelt und erst dann in den wesentlich anspruchsvolleren aber auch viel festeren Stahl oder Edelstahl umgesetzt. Der sogenannte Zerspanungsmessing oder Automatenmessing enthält knapp 39 Prozent Zink sowie 0,5 bis 3,5 Prozent Blei in der Form fein verteilter Partikeln, die als Spanbrecher wirken. Darum kann das Material mit hoher Geschwindigkeit verarbeitet werden, die Späne sind winzig klein. Auch Armaturenmessing für Sanitärinstallationen enthält zwei Prozent Blei. Aus Messing mit 37 Prozent Zink bestehen die Pins von Steckern für Elektrogeräte.
Messing für Blasinstrumente, Uhrwerke und Munition
Messingsorten mit über 67 Prozent Kupfer werden als Tombak bezeichnet. Aus dem Goldtombak mit 72 Prozent Kupfer werden Blasinstrumente gefertigt. Billiger Schmuck besteht aus sogenannten Talmigold, das heisst Messing mit Zusätzen von Zinn und Blei. Aus Messingblech mit 70 Prozent Kupfer werden durch Stanzen und Fräsen Zahnräder und Platinen für Uhrwerke produziert.
Um das unansehnliche Anlaufen an der Luft zu verhindern, werden Uhrenbestandteile vernickelt, vergoldet oder sogar rhodiniert. Aus einer Kupfer-Zinklegierung mit 70 Prozent Kupfer bestehen auch die Patronenhülsen von Gewehr- und Pistolenmunition. Die früher weit verbreiteten Uhrgehäuse aus vernickeltem und verchromtem Messing werden kaum noch produziert, denn sie können Nickelallergien auslösen.
Siliciumtombak mit vier Prozent Silicium weist eine hohe Festigkeit auf und wird für den Druckguss bevorzugt. Sondermessinge können auch Eisen, Nickel, Mangan und/oder Aluminium enthalten. Messing mit 40 Prozent Zink und zwei Prozent Aluminium wird als Lagermetall eingesetzt. Neusilber ist ein nickelhaltiges Messing.