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Bewertung der Dissertation | Was bedeutet die Note?
Nach der erfolgreichen Einreichung der Doktorarbeit folgt im nächsten Schritt deren Bewertung. Diese wird in der Regel von drei unabhängigen Gutachterinnen und Gutachtern durchgeführt, die nach dem Lesen der Arbeit ein schriftliches Gutachten erstellen, an dessen Ende sich eine Note befindet. Eine bzw. einer der Begutachtenden ist immer diejenige Professorin oder derjenige Professor, die bzw. der die Arbeit betreut. Weitere Gutachterinnen und Gutachter können je nach Universität auch von der oder dem Promovierenden selbst vorgeschlagen werden.
Das Benotungssystem, das bei der Bewertung von Doktorarbeiten zum Einsatz kommt, entspricht nicht dem aus der Schule oder dem Studium bekannten Notensystem. Es gibt weder Noten noch Teilnoten, sondern eine Bewertung in Form einer lateinischen Bezeichnung. Diese Bezeichnungen und deren Bedeutungen sind nicht normiert oder gesetzlich vorgegeben, sondern variieren je nach Promotionsordnung der Universität, an der promoviert wird. Die jeweilige Bedeutung der verwendeten Termini lehnt sich oftmals an Begrifflichkeiten an, die bereits aus Schule und Studium bekannt sind – wie die folgende exemplarische Übersicht mit möglichen Bewertungen einer Doktorarbeit zeigt:
- magna cum laude: Die Bewertung ‚magna cum laude‘ entspricht einem ‚sehr gut‘ und würde demnach im regulären Notensystem der Note 1 gleichkommen.
- cum laude: Auf die Note 1 folgt bekanntlich die 2 – sie steht, wie auch im Schulsystem, auch im Falle eines ‚cum laude‘ für ‚gut‘.
- rite: Mit ‚rite‘ wird eine 3 oder die Einschätzung ‚genügend‘ bzw. ‚bestanden‘ ausgedrückt. Allerdings fällt, ausgehend von dem deutschen Schulsystem, auch die Note 4, also das Prädikat ‚ausreichend‘, unter ‚rite‘ – denn eine schlechtere Bewertung als ‚rite‘ bedeutet ein Durchfallen der Dissertation.
- non sufficit: Diese Bewertung wird auch als ‚insufficienter‘ oder ‚non probatum‘ bezeichnet und bedeutet auf das Schulnotensystem übertragen eine 5 bzw. 6 – also ‚mangelhaft‘ oder ‚ungenügend‘.
Dieses Prädikat bedeutet somit, dass die abgegebene Doktorarbeit nicht bestanden worden ist.
Mit der eigenen Dissertation nach jahrelanger Arbeit und den vielen Strapazen und Entbehrungen durchfallen zu können, mag zwar im ersten Moment erschreckend klingen. Allerdings ist dieser Fall in der Realität eine Ausnahme. Nur vergleichsweise selten erhalten abgeschlossene Doktorarbeiten schlechte Bewertungen oder fallen sogar durch – wie auch eine Auswertung des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2017 (ab S. 181) zeigt.
Ergänzend zu den erläuterten vier möglichen Bewertungen einer Doktorarbeit kann auch das Prädikat ‚summa cum laude‘ vergeben werden, das dem ‚magna cum laude‘ noch übergeordnet ist. Dieses Prädikat wird nachfolgend im Zusammenhang mit dem Rigorosum und der Verteidigung erklärt.
Rigorosum, Verteidigung und Veröffentlichung der Doktorarbeit
Nach der Bewertung – sofern die Prädikate in den Gutachten nicht zu stark voneinander abweichen und die Dissertation übereinstimmend mit ‚bestanden‘ bewertet wurde – folgt das Rigorosum. Dieser Begriff ist dem Wortsinne nach als ‚strenge Prüfung‘ zu definieren, was in der akademischen Praxis nicht in jedem Fall wörtlich zu nehmen ist. Auch ist das Rigorosum heutzutage nicht mehr an allen Universitäten Teil des Promotionsverfahrens. An einigen Universitäten folgt direkt auf die Abgabe der Doktorarbeit – nach positivem Ausgang des Bewertungsprozesses – deren Verteidigung.
Hinweis
Wenn alle Bewertungen – also sowohl die von der Dissertation selbst als auch jene von Rigorosum und Verteidigung – sehr gut sind, so kann auf Vorschlag der Gutachterinnen und Gutachter hin die Auszeichnung ‚summa cum laude‘ vergeben werden.
Wenn ein Rigorosum auf die Bewertung der Doktorarbeit folgt, dann werden die Inhalte dieser mündlichen Prüfung im Regelfall zwischen der bzw. dem Promovierenden und der betreuenden Professorin bzw. dem betreuenden Professor abgestimmt. So ist es etwa je nach Universität und jeweiliger Promotionsordnung möglich, dass ein bis zwei Fachgebiete, die an der Fakultät angeboten werden, an der promoviert wird, für das Rigorosum festgelegt werden. Das Wissen, das in diesem Fachgebiet bzw. diesen Fachgebieten vermittelt wird, dient dann als Lernstoff für das Rigorosum. Diese mündliche Prüfung bezieht sich also nicht explizit auf das Themengebiet, das in der Dissertation bearbeitet wird – Anknüpfungspunkte gibt es aber im Normalfall.
Wurde das Rigorosum bestanden oder ist keine solche Prüfung vorgesehen, folgt als nächster Schritt die Verteidigung der Dissertation, die auch als Disputation oder Kolloquium bezeichnet wird und öffentlich ist, sodass beispielsweise andere Promovendinnen und Promovenden der Fakultät ebenfalls anwesend sein können. Im Laufe der Verteidigung werden der wissenschaftliche Stellenwert der Arbeit und der Beitrag, den die Dissertation innerhalb des Forschungsgebiets leistet, dargelegt. In diesem Rahmen werden auch offene Fragen beantwortet und es können Diskussionen geführt werden. Zudem können die Gutachterinnen und Gutachter hier (letztmalig) Änderungswünsche und Korrekturbedarf mitteilen, den sie in Bezug auf die eingereichte Doktorarbeit sehen. Sofern vorhanden, wird der besprochene Überarbeitungsbedarf dann in Form von Auflagen dokumentiert, die vor Veröffentlichung der Dissertation zu berücksichtigen sind.
Die Veröffentlichung ist der letzte Schritt im Promotionsverfahren, der nach der Abgabe der Doktorarbeit noch nennenswertes aktives Zutun vonseiten der bzw. des Promovierenden bedarf. Bei der Veröffentlichung der Dissertation geht es darum, die Arbeit der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Erforderlich hierfür ist im Wesentlichen die Abgabe einer bestimmten Anzahl an Pflichtexemplaren von der Arbeit, wobei die genaue Anzahl und die Einreichungsmodalitäten in der Promotionsordnung der Universität festgelegt sind.
Unterschieden wird dabei häufig zwischen den Möglichkeiten der gedruckten und der elektronischen Veröffentlichung. Während die elektronische Veröffentlichung im Wesentlichen Anforderungen an die einzureichende PDF-Datei stellt und nur eine begrenzte Anzahl Pflichtexemplare erfordert, bedarf es im Falle einer gedruckten Veröffentlichung mehr Pflichtexemplaren, die der Bibliothek der Universität zur Verfügung gestellt werden müssen. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, mit einem gewerblich tätigen Verlag zusammenzuarbeiten, der die Dissertation regulär veröffentlicht und dann unter anderem auch die Bereitstellung der Pflichtexemplare übernimmt. Voraussetzungen für eine Verlagsveröffentlichung sind je nach Verlag oftmals eine gute bis sehr gute Gesamtbewertung und dass die Arbeit thematisch in das Verlagsportfolio passt. Wir bieten Ihnen auch aktive Hilfe bei Ihrer Veröffentlichung an.
Nach der Übergabe der Pflichtexemplare gilt die Dissertation als veröffentlicht. Daraufhin wird alsbald der Doktortitel mit einer Promotionsurkunde verliehen, häufig im Rahmen der nächstfolgenden Absolventenfeier der Universität. Ab dem Tag des Erhalts der Promotionsurkunde darf der Doktortitel, der damit verliehen wurde, offiziell geführt werden.
Kurz zusammengefasst gestaltet sich das weitere Verfahren nach der Einreichung der Dissertation im Regelfall wie folgt:
Verfahrensschritte nach Abgabe der Doktorarbeit – von der Note bis zur Urkunde
- Bewertung der Arbeit, Benotung
(Notenfindung individuell, meist drei Begutachtende, schriftliches Gutachten)
- Rigorosum
(nichtöffentliche mündliche Prüfung(en), ggf. in mehreren Fachgebieten)
- Disputation / Kolloquium
(öffentliche Verteidigung der Dissertation)
- Veröffentlichung
(Einreichung von Pflichtexemplaren, ggf. unter Berücksichtigung von Auflagen)
- Übergabe der Promotionsurkunde
(offizielle Verleihung des Doktortitels, etwa im Rahmen einer Absolventenfeier)
Psychologische Folgen nach Einreichung der Doktorarbeit
Während der Bearbeitung der Dissertation gibt es keine schönere Aussicht, als die Einreichung der komplett fertiggestellten Arbeit erfolgreich gemeistert zu haben. Endlich können all die Dinge, die während des Schreibens liegen geblieben sind, nachgeholt werden. Endlich ist wieder Zeit für andere Aktivitäten. Endlich kann wieder Hobbys nachgegangen werden.
So verlockend das auch während des Arbeitsprozesses erscheinen mag: Nach der tatsächlichen Abgabe der Doktorarbeit fühlen sich viele Promovendinnen und Promovenden ausgebrannt, leer und antriebslos. Dieses Gefühl von Leere kann fortan jeden einzelnen Tag dominieren, denn vermeintlich sind alle Tätigkeiten, die nicht einem wichtigen Zweck dienen, nämlich der Fertigstellung der – jetzt abgeschlossenen – Dissertation, nicht bedeutsam genug, um sie in Angriff nehmen zu können. Hinzu kommt, dass nach dem oft wochenlangen oder gar monatelangen intensiven Schreiben an der Dissertation in der Endphase eine ausgeprägte Antriebslosigkeit besteht – die sich auch anfühlen kann wie ein Burnout. Doch das ist völlig normal.
„Danach spüren viele eine Leere. Am besten konzentriert man sich dann wieder auf Dinge, die während der Promotion in den Hintergrund getreten sind.“
Helga Knigge-Illgner, Psychologin und Promotionscoach (Quelle)
Auch wenn es schwerfällt, sollte in dieser Situation versucht werden, die Dinge in Angriff zu nehmen, die während der Bearbeitung der Dissertation in den Hintergrund gerückt sind. Ob es nun Haushalt, die Steuererklärung, der vernachlässigte Sport oder die Weiterbearbeitung eines vor der Dissertation begonnenen Romans ist – Tätigkeiten, auf die (notgedrungen) verzichtet wurde, sollten in dieser Zeit bewusst wieder aufgegriffen werden. Eine weitere hilfreiche Möglichkeit ist es, sich mit Bekannten, Freunden und Familie zu umgeben, die nach der Abgabe der Dissertation, wenn die Gedanken nur um dieses Thema kreisen, eine andere Sicht auf das Leben geben und somit zu einer gewissen Ablenkung und Auflockerung beitragen. Daneben treten auch weitere Aufgaben wieder mehr in den Vordergrund – etwa familiäre Verpflichtungen innerhalb einer Beziehung und ggf. mit Kindern sowie auch banale Aspekte des Alltags wie Einkäufe und Haushalt. Diese alltäglichen Notwendigkeiten treten mehr und mehr zurück in den Vordergrund und lösen die wichtige Aufgabe ab, die mit der Abgabe der Doktorarbeit erledigt wurde.
Und so endet der Zustand der Leere und Antriebslosigkeit oftmals nach wenigen Wochen und das Leben, das sich über mehrere Jahre in einer Art Ausnahmezustand befand, verläuft nach und nach wieder mehr in geregelten Bahnen. Darüber hinaus stehen irgendwann nach der Abgabe der Dissertationen auch die Verteidigung und die anderen noch zu erledigenden Schritte vor dem tatsächlichen Ende des Promotionsverfahrens an.
Nach Abschluss des Promotionsverfahrens
Das Promotionsverfahren endet mit der Verleihung des Doktortitels und dem Erhalt der Promotionsurkunde. Abgesehen von den Änderungen im Alltagsleben, die sich mit einem Doktortitel ergeben – zum Beispiel die Möglichkeit der Anpassung des Klingelschildes und der Aktualisierung persönlicher Ausweise und Versicherungskarten –, stellt sich für frischgebackene Doktoren, die noch keine feste Anstellung (in Aussicht) haben, die Frage, wie es beruflich weitergehen soll.
Hinweis
Nur rund ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland verfügt über einen Doktortitel. Das entspricht einer Anzahl von rund einer Dreiviertelmillion Personen.
Eine Möglichkeit ist, der akademischen Umgebung treu zu bleiben, indem eine Karriere im Bereich Forschung und Lehre angestrebt wird. Zum Beispiel könnte im Kontext einer Postdoc-Anstellung intensiv geforscht oder eine Lehrtätigkeit forciert werden – und langfristig könnte eine Habilitation angestrebt werden. Alternativ bietet der Doktortitel auch die Option, in die Wirtschaft einzusteigen, also – auch als Berufsanfänger – verstärkt praktische Erfahrungen zu sammeln und durch eine Anstellung in einem wirtschaftsstarken Unternehmen auch finanziell von dem erlangten Wissen zu profitieren. Denn je nach gewähltem Beruf verbessern sich die Verdienstaussichten mit einem Doktortitel enorm, wie die folgende Infografik zeigt: