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Mamma Roma
Regie: Pier Paolo Pasolini
Darst.: Anna Magnani, Ettore Garofolo, Franco Citti, Silvana Corsini, Luisa Loiano, Paolo Volponi, Luciano Gonini, Vittorio La Paglia, Piero Morgia, Lanfranco Ceccarelli u.a.
Nachdem ihr Zuhälter Carmine geheiratet hat, versucht die Prostituierte Mamma Roma, sich eine kleinbürgerliche Existenz aufzubauen. Sie bezieht eine Neubauwohnung, holt ihren Sohn Ettore zu sich in die Stadt und beginnt, Obst und Gemüse zu verkaufen. Doch ihr Traum von einem besseren Leben für sich und ihren Sohn scheitert, als Ettore sich einer Bande Kleinkrimineller anschliesst und Carmine wieder auftaucht … Anna Magnani war bereits 54 Jahre alt, als sie mit Mamma Roma eine ihrer Glanzrollen spielte: temperamentvoll, einfühlsam, hart und zerbrechlich zugleich. Das Melodram nimmt seinen Lauf, als läge ein Fluch auf dem Schicksal dieser einfachen Leute, von deren Leidenschaft und unsentimentaler Leidensfähigkeit Pasolini so mitreissend erzählt. Dahinter wird auch sein Bedauern über das Verschwinden dieser Kultur sichtbar: Für die nonkonformistische Andersartigkeit, die Solidarität und die Gaunereien dieser Menschen ist im neuen, kapitalistischen Italien kein Platz mehr. Pasolinis Drama um bedingungslose Mutterliebe beeindruckt durch die Balance von direkter Sinnlichkeit und strengem Formwillen sowie die kühne Verwendung christlicher Ikonografie. So zitiert Pasolini das berühmte Bild «Beweinung Christi» des Renaissance-Malers Andrea Mantegna und überhöht damit das tragische Ende. Michael Töteberg schreibt im Metzler Film Lexikon: «Was Thematik und politische Moral betrifft, ist ‹Mamma Roma› noch dem Neorealismus verpflichtet, die ästhetischen Mittel weisen jedoch darüber hinaus: Das Leben in der Vorstadt wird von Pasolini stilisiert in langen Kamerafahrten und grossen Tableaus, die an Gemälde alter Meister erinnern. (…) Wie bei ‹Accattone› arbeitete Pasolini mit Laien, für die Rolle der Mamma Roma hatte der Regisseur jedoch eine Schauspielerin verpflichtet: Anna Magnani, die seit ‹Roma, città aperta› als populäre Verkörperung der Frau aus dem Volk galt. Im Rückblick empfand Pasolini diese Wahl als Fehlbesetzung: Sie habe als Kleinbürgerin eine Subproletarierin gespielt, nicht jedoch eine Subproletarierin mit kleinbürgerlichen Sehnsüchten. (…) Trotzdem gehört ‹Mamma Roma› zu den besten Filmen Magnanis – für das Publikum blieb sie immer das Urbild der Römerin: impulsiv, kämpferisch, selbstbewusst und nie auf den Mund gefallen.»