Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03476.jsonl.gz/2173

Allgemeines:
Das Maharishi Ayurveda Gesundheitszentrum in Seelisberg kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken.
Ursprünglich wurde es als Grand Hotel Sonnenberg auf dem Seelisberg
(Innerschweiz und oberhalb des geschichtsträchtigen Rütlis) Ende des 19. Jahrhunderts für den englischen Adel gebaut. Das Hotel war beliebt als Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft und verfügte über einen der ersten Spabereiche.
Da die englischen Sommergäste zunehmend ausblieben, kam es zu einem raschen Verfall des pompösen Grand Hotel. In den 1970iger Jahren übernahm die MERU (Maharishi Europen Research University) das Gebäude. Maharishi Mahesh Yogi hatte hier ein Zentrum aufgebaut, in dem Forschung über transzedentale Meditation und Veden betrieben wird.
1987 entstand hier unter der Leitung von Dr. Oliver Werner die erste Ayurveda Praxisräumlichkeit. Leider kam es zu einem grösseren Brand und die Klinik zog in das nebenstehende kleine Chalet um. Ein weiterer Brand zerstörte Teile des Chalet, sodass ein zusätzliches Gebäude erbaut wurde, welches mit dem Chalet verbunden ist. Dieses zusätzliche Gebäude konnte nach den Kriterien des Vasthu (ayurvedische Architektur nach den Kriterien der Natur) erbaut werden und bot die Gelegenheit, die Räumlichkeiten für die Ayurvedakuren zu gestalten und die Klinikräume an optimale Abläufe anzupassen.
Die Patienten können so jederzeit nach den Therapien in ihr Zimmer oder den Essraum gehen, ohne das Haus verlassen zu müssen. Dies ist je nach Behandlung und Wetter sehr wichtig.
Das Zentrum bietet Platz für maximal 16 Patienten, was aber selten der Fall ist. Zwei Behandlungsräume für die Männer sind in einem Stockwerk lokalisiert,in einem anderen befinden sich zwei für Frauen, zusätzlich gibt
es einen Raum für spezielle Behandlungen wie Nasya oder Kalarimassage.
Das Meditationszentrum und die Klinik sind aktuell zwei getrennte Zentren, MERU ist der Vermieter der Liegenschaft.
Das Kernstück der Klinik ist ganz klar das Sekretariat, hier laufen die Fäden zusammen, es wird alles möglichst optimal koordiniert, was ab und zu sehr schwierig ist.
Meist kommen die Anmeldungen von extern und die Wünsche sind unterschiedlich. Viele möchten erst einmal einen Schnuppertag machen, da die wenigsten Erfahrung mit Ayurveda haben. Einige lesen sich etwas ein, sind dann aber oft auch mit dem Maharishikonzept verunsichert.
Es herrscht aber eine völlig entspannte Athmosphäre und es wird betont, dass es um Ayurveda geht und nichts mit den Schlagzeilen zu tun hat, mit denen vor Jahren die Schweizer Presse für viel Emotionen gesorgt hat.
Ein Schnuppertag beginnt in der Regel mit der ärztlichen Konsultation, bei welcher auch die Behandlung festgelegt wird. Da man in einem Tag nicht sehr viel machen kann, wird meist eine Abhyangha-Massage verordnet- je nachdem kombiniert mit Stirnguss oder auch Phadadhara (Fussguss). Ein Schwerpunkt ist das ayurvedische Essen, welches sehr leicht verdaulich ist, da es für Pancakarma Patienten ausgerichtet ist.
Obwohl sich das Haus selbst als Hotel mit integrierter Arztpraxis versteht, wird immer wieder betont, dass hier kein Wellnesshotel ist.
Wer Komfort und Schnickschnack sucht, wird enttäuscht sein.
Die Mahlzeiten sind sehr frisch zubereitet und schmackhaft aus Bioprodukten. Der Koch, ein Engländer und seit Urzeiten hier tätig, besitzt eine grosse Erfahrung in ayurvedischer Kochkunst. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf der leichten Verdaubarkeit der Nahrung.
Die Mahlzeiten werden stets in Buffetform präsentiert, es gibt keinen Tellerservice, im Gegenteil jeder stellt seinen vorgespülten Teller in das Gitter der Geschirrspülmaschine. Da die Patienten aufgrund der Therapien und des persönlichen Rhythmus sehr unterschiedlich essen hat sich dieses System bewährt. Es schien auch für keinen Patienten befremdlich oder unangenehm zu sein.
Persönliches:
Der Schwerpunkt meines Praktikum hier lag ganz klar auf den ärztlichen Konsultationen. Nach der Planung im Sekretariat erhält Frau Dr. Beall am Morgen jeweils den Ablauf für den Tag.
Der eine Teil beinhaltet eine Liste der Patienten und ihren aktuellen Therapien, den Zeitpunkt sowie die dafür verantwortlichen Therapeuten.
Der andere Teil hält die Reihenfolge der Konsultationen und die Zeitdauer fest. Die Krankengeschichte von Patienten, welche bereits einmal da waren, liegen vorbereitet auf dem Schreibtisch.
Es kommen sehr viele Patienten aus unterschiedlichsten Gebieten, bei meinem Besuch waren Geschäftsleute aus England, Amerika und der Türkei dabei. So werden die Konsultationen oft in Englisch oder Französisch gehalten, die Patienten schätzen es sehr, dass Frau Dr. Beall in allen drei Sprachen sehr kompetent ist und ihnen die Dinge jeweils so genau erklären kann.
Grundsätzlich ist das Publikum sehr heterogen, ein Parkinsonpatient, früher ein sehr bekannter Bergführer in einem Walliser Tal, eine quirlige Italienerin und einem Ehepaar mit einem Altersunterschied von über dreissig Jahren sind nur Beispiele.
Gesamthaft konnte ich in dieser Woche über15 Verläufe kennenlernen, was für mich sehr spannend war.
Zuerst wurde in der Konsulation eine allgemeine Bestandesaufnahme gemacht, der Patient konnte über die Erfahrungen mit der gemachten Behandlung berichten. Ein wichtiger Punkt war jeweils die Pulsdiagnose, welcher grosse Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Anders als wie bei der Zungendiagnose kann man im Puls jeweils rasch eine Veränderung der Eigenschaften feststellen. Für mich war äusserst spannend zu fühlen, wie sich die Pulsqualitäten im Laufe der Behandlungen veränderten. Dank der Erfahrung in chinesischer Pulsdiagnostik war es für einfacher, mich in das ayurvedische Pulslesen einzufühlen. Es war sehr spannend meine Eindrücke des Pulses mit den Befunden von Frau Dr. Beall zu reflektieren.
Für die Patienten wurde dies rasch zum wichtigen Ritual. Bevor sie etwas sagten, wurde Frau Dr. Beall zuerst der Arm entgegengestreckt, damt sie den Puls lesen konnte. ‘Frau Doktor, you will know’.
Bei der Erstkonsultation, abhängig vom Problem, wurde je nach Indikation zuerst der grobe Behandlungsplan festgelegt. Da einige der Patienten keine Zusatzversicherung hatten, durfte man auch nicht die Kosten aus den Augen verlieren. Es wurde ehrlich besprochen, was möglich ist, zum Teil auch ein Budget festgelegt, in welchem sich die Behandlungen bewegen sollten. So konnten die Patienten auch entspannen und mussten sich nicht ständing Sorgen um die Finanzen machen.
Die Kuren sind nicht günstig, eine kurze Abhyangha von 30min. kostet 160 Fr, eine lokale Pindasveda 420 Fr., eine ganze Pancakarmakur von 8 Tagen bewegt sich um die 4000 Franken.
Was den Patienten meiner Meinung nach zuwenig kommuniziert wurde, war, dass die Therapien sehr aufwendig sind. Es wird bei den Präparaten in der Regel auf Organic Qualität geachtet und viele der Ayurvedaöle werden individuell im Haus mit den Kräutern in einem grossen Topf aufgekocht. Ebenso werden zum Beispiel die Dekokt-Einläufe in aller Früh frisch mit den Kräutern zubereitet und ausgekocht.
Aus diesem Grund nimmt das Zentrum nach Möglichkeit auch nicht mehr als je sechs Frauen und sechs Männer.
Das Therapeutenteam arbeitet sieben Tage die Woche und es sind immer je zwei Therapeutinnen und Therapeuten anwesend. Zusätzlich gibt es eine Springerin, sie arbeitet als Therapeutin, Sekretärin und Yogalehrerin.
Abschliessend an die Konsultation wurde die Behandlung für den nächsten Tag festgelegt und erklärt.
Vor dem Abreisetag wird Wert auf eine ausgiebige Konsultation gelegt.
Hier wird vor allem das weitere Vorgehen besprochen, wie die eingeleitete Reinigung im Gesundheitsalltag weiterzuführen wäre und wie das neu erlangte Gleichgewicht gehalten werden kann.
Die Patienten sollten sich Notizen machen und Fragen stellen. Es war schön zu sehen puttygen , wie viele nach sehr kurzer Zeit wieder Glanz in die Augen bekamen, wie die Haut mehr leuchtete und die Leute eine wunderbare Ruhe ausstrahlten. Ich hoffte für jeden einzelnen, dass er sich dieses gute Gefühl möglichst lange bewahren kann- fürchte aber, dass der Alltag darauf keine Rücksicht nehmen wird. Aber vielleicht geling es dem einen oder anderen dieses postive Gefühl zu verankern und sich in schwierigen Situationen daran zu erinnern.
Es bestand immer ein herzliches Verhältnis zwischen Arzt und Patient, sowie generell unter dem ganzen Team. Man konnte gut spüren, dass alle Mitarbeiter schon lange Jahre miteinander zusammenarbeiten und gegenseitig ein grosses Vertrauen herrscht. Frau Dr. Beall bringt eine 25jährige Erfahrung in Ayurveda mit sich, der Koch ist seit mehr als 10 Jahren hier (er meinte seit 60 Jahren…und sei eh ein Seelisberger Urgestein) ebenso arbeiten die Therapeuten schon jahrelang zusammen.
Dies ist vor allem in der Synchronmassage zu spüren und zu sehen, die beiden Damen arbeiten wie eine Hand. Bei den Männern sei es ebenso, wie mir ein Patient berichtete.
Dieses positive und ruhige Grundgefühl ist sicher eine der Stärken der Klinik, man fühlt sich vom ersten Moment an aufgehoben und umsorgt.
Das Angebot der ayurvedischen Therapien ist praktisch vollständig. Sämtliche Massageformen, daneben alle Arten von Bastis, Beutelanwendungen, Fuss und Gesichtsmassagen, ölige Stirn-oder andere Güsse, aber auch kosmetische Anwendungen werden angeboten und auch sicher ausgeführt. Dieses grosse Spektrum an Therapien ermöglicht es Frau Dr. Beall natürlich sehr spezifische Schwerpunkte zu legen. Gerade diese Individualität ist eine grosse Stärke des Ayurveda und ich habe selten ein Zentrum gesehen, in welchem dies alles angeboten wurde.
Bei Eintritt wird jeweils die Toxinsituation evaluiert und gegebenenfalls muss vor dem Ausleiten gereinigt werden. Dank des vorab verschickten Fragebogens kann Frau Dr. Beall oft schon abschätzen, ob viel Giftstoffe im Körper vorhanden sind.
Bei Unsicherheit wird zuerst mit dem Patienten telefonisch besprochen, wie die Situation aussieht. Frau Dr. Beall ist sehr vorsichtig und gewissenhaft, sie möchte auf keinen Fall irgendein Risiko eingehen. Die klassische Pancakarma ist ein drastisches Ausleitungsverfahren und wird oft von den Patienten unterschätzt. Bei meinem Aufenthalt waren einige überrascht von der Intensität, obwohl sie stets gut instruiert und vorgewarnt worden waren.
Bei Patienten, welche durch einen vorhergehenden Aufenthalt in der Klinik bekannt waren, gleichzeitig auch sehr diszipliniert und achtsam waren, gab es die Möglichkeit einer Vorbehandlung zu Hause.
Sie bekamen die ärztliche Verordnung für die Gheemenge, welches sie trinken sollten in aufsteigender Dosierung, danach wurde eine sanfte Virecana durchgeführt (therapeutisches Abführen mit Rizinusöl).
Mit dieser Vorbereitung konnten die Patienten gleich bei Ankunft in der Klinik in den klassischen Pancakarma Therapien weiterfahren. Dies erforderte, dass sie sich vorab schon mit leichter vegetarischer Kost ernährten, ebenso auf Wein und Kaffee verzichteten.
Vamana (therapeutisches Erbrechen) wird in der Klinik nicht durchgeführt, es wurde von Maharishi untersagt.
Den Patienten wird zudem regelmässig eine Stunde Yoga am Vormitttag angeboten, zudem gibt es abends oft die Möglichkeit an Kurzvorträgen teilzunehmen. Es werden verschiedene Themen behandelt wie zum Beispiel die Grundprinzipien des Ayurveda, die Dosha Lehre, oder auch die ayurvedische Bauweise (Vasthu).
Zudem gibt es im Dorf Seelisberg noch den Veda- Shop. Hier werden verschiedene Produkte angeboten von Dhalgewürzmischungen über Oele, interessante Bücher zum Thema Ayurveda (auch Kochbücher), vedische Musik und Kosmetik. So können die Patienten sich Inspirationen und auch Beratung für den Alltag holen, sich mit den geeigneten Gewürzmischungen versorgen und sich auch mit dem Thema des Ayurveda zu befassen.
Ebenso hat die Aromatherapie hier im Haus einen grossen Stellenwert und Tradition, es wird häufig zusätzlich mit Aromaölen gearbeitet, die Patienten schätzten dies sehr.
Viele dieser Substanzen haben eine starke Wirkung auf den Geist und rufen eine sofortige Veränderung der Stimmungslage herbei.
Zusammenfassung:
Die Woche in dieser Klinik hat mir sehr viele spannende Einblicke gewährt.
In einer phantasischen Landschaft eingebettet, der wunderbaren Kombination vom Vierwaldstättersee und noch schneebedeckten Bergen, allein dies ist schon ein erster Schritt für viele Patienten in Richtung Gesundheit und Wohlbefinden.
Die Ruhe des Hauses und der darin arbeitenden Menschen überträgt sich sofort. Die Sprechstunden werden ohne Hektik abgehalten und die Zusammenarbeit zwischen Frau Dr. Beall und der Sekretärin Frau Amann funktioniert wunderbar, auch schwierige Situationen werden elegant aufgefangen.
Für mich war einmalig zu erleben, wie sich die Patienten durch die Behandlungen und Konsultationen verwandelten, viele konnten nur eine Woche, wie ich bleiben- die Schlusskonsultation mitzuerleben war toll. Die Motivation aller, etwas in ihrem Leben zu verändern, war gross und die einfachen Tipps von Frau Dr. Beall punkto Ernährung und Lebensstil
wurden emsig notiert und ich bin sicher, dass dies oft besser umgesetzt wird, als das vielleicht in meiner Praxis der Fall ist.
Das eigene, direkte Erleben der Veränderungen nach einer Kur führte zu einer starken Motivation.
Vielleicht werde ich mir noch mehr zum Ziel setzen einfach zu bleiben in den Veränderungsvorschlägen, aber auf diesen zu bestehen.