Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03272.jsonl.gz/995

Schnabelprothese rettet Adler
Sie ist eines der wenigen verbliebenen Exemplare ihrer Spezies: der Harpyien-Adler Queenie aus einem US-Zoo. Sie hätte fast ihren Schnabel verloren – was ihren sicheren Tod bedeutet hätte.
Als die Tierärzte des Zoo Fort Worth im amerikanischen Texas entdeckten, was bei ihrem Harpyien-Adler Queenie vor sich ging, war es fast schon zu spät: Der mächtige Vogel litt an einer Knocheninfektion, die bereits dazu geführt hatte, dass der Schnabel des Tiers auf der oberen Seite stellenweise erodiert war. Ein Arzt des Zoos erklärt: «Nun, da der Defekt offen dalag, hatten wir Bedenken, dass Queenie ihren Knochen ohne schützenden Schnabel irgendwo anstossen und ganz verlieren könnte.»
Ohne Schnabel hätte das 27 Jahre alte Tier nicht mehr essen können und hätte wahrscheinlich euthanasiert werden müssen. Das wäre ein herber Rückschlag gewesen, denn der in Südamerika ansässige Adler ist auf der Liste der gefährdeten Spezies und gilt als vom Aussterben bedroht.
Die Zoo-Leitung in Texas kontaktierte die University of South Florida, die bereits einem anderen Adler per 3D-Druck einen neuen Schnabel hatte anfertigen können. Ein CT-Scan von Queenie wurde gemacht und in Florida ein digitaler Schnabel konstruiert, der dann wiederum per 3D-Drucker seine physische Form erhielt.
Auf den Bildern sieht man, wie die Ärzte die betroffene Stelle auf dem Schnabelrücken zurechtfeilen und dann dem sedierten Vogel das Ersatzstück aus Florida mit einem besonders lang haftenden Kleber festmachen. Der Prothese den letzten Schliff zu geben, dauerte gerade mal eine Stunde.
«Das alles war nur möglich, weil wir der anfänglichen Entzündung des Knochens – von der wir nicht wissen, wie sie zustandekam – mit viel Aufwand Herr wurden», sagt der Arzt des Zoos. «Ohne die anfängliche Behandlung, die den Knochen wieder stabil machte, wäre es nicht möglich gewesen, eine Prothese zu montieren.» Zudem hätte die Gefahr bestanden, dass der Knochen noch mehr zerbröckelt, mit den bereits erwähnten Konsequenzen. Laut dem Arzt ist nicht zu erwarten, dass der Knochen von sich aus nachwächst. Die Prothese war also die einzige Option, die Queenie hatte.
Inzwischen hat sich der Harpyien-Adler vom Eingriff erholt und ist wieder in seiner Unterkunft. «Queenie ist vollkommen genesen und zeigt das normale Verhalten eines Adlers ihrer Art. Sie benutzt die Prothese wie einen normalen Schnabel, kann damit kauen, essen, schlucken und Laute von sich geben», erzählt Avery Elander, der sichtlich erleichterte Direktor des Fort Worth Zoos.