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(Kt. Waadt,
Bez. Lausanne). Hauptort des Kantons Waadt
und des Bezirkes und Kreises Lausanne. Die Mitte der
Altstadt steht
auf den Ausläufern des
Jorat, 2 km n. vom Ufer des
Genfersees; das Postgebäude 1,4 km n. vom
Hafen. Die Stadt zieht sich ohne
Unterbrechung bis zum
See hinunter, wo
Ouchy eines ihrer
Quartiere bildet. Die Kathedrale liegt in 6° 38' 6" OL. von Greenwich
und in 46° 31' 24,1" NBr.
Die mittlere Höhenlage von Lausanne beträgt 515 m, d. h. 140 m über dem
Spiegel des
Genfersees.
Die
Häuser der Stadt stehen auf fünf verschiedenen Höhenrücken, zwischen denen die beiden
WildbächeFlon und
Louve in tiefen
Tobeln sich ihren Weg gebahnt haben. Die
Louve mündet mitten in der Stadt in den
Flon. Beide flossen einst
offen durch die Stadt und verursachten bei Hochwasser manchmal verheerende Ueberschwemmungen (besonders der
Flon); heute sind
sie in langen Gewölben eingeschlossen, über denen eine Reihe von öffentlichen
Plätzen
(Place du
Tunnel,
Place de la Riponne,
Place du
Pont,
PlaceCentrale,
PlacePépinet und
Place du
Flon) geschaffen worden ist.
Unterhalb der Stadt ist der
Flon kanalisiert, hat 1892-1899 ein gepflastertes
Bett mit gemauertem Ueberfall erhalten und mündet
endlich bei der
Maladière in den
See.
Flon und
Louve sammeln jetzt alle Abwasser der Stadt. Ueber
Lausanne erhebt sich die aussichtsreiche
Höhe des
Signal, auf dessen zum
See sich senkenden südlichen Ausläufer die
Cité steht. Links vom
Flon
liegt die
Höhe des
Bourg, die sich über
Montbenon fortsetzt, und rechts der
Louve die Hohe von
Saint Laurent. Alle diese
Rücken
steigen in einzelnen Stufen zum
See ab, die zwischen sich für verschiedene Terrassenflächen Raum lassen. Nahe
Cour erhebt sich der Hügel von
Mont Riondle Crêt, der seiner Isoliertheit und abgerundeten Form wegen einst als ein von Menschenhand
aufgeschüttetes Gebilde angesehen worden ist.
Die nahezu in der Mitte des Bezirkes liegende Gemeinde Lausanne umfasst mit ihren 3885 ha etwa die Hälfte der Fläche des
Bezirkes und ist, von einigen
Berggemeinden abgesehen, die flächengrösste der Waadtländer Gemeinden.
Sie reicht vom Seeufer bis in den zentralen
Jorat hinein und ist von ihrer SW.-Ecke (Mündung der
Chamberonne, 375 m) bis zur
Montagne du Château (932 m) in der NO.-Ecke 12,3 km lang. Es sind diese beiden
Ecken zugleich die am tiefsten
und höchsten gelegenen Punkte der Gemeinde. Zu ihr gehört noch ein gegen NW. gelegenes, im Kreis
Romanel enklaviertes Landstück
mit der Siedelungsgruppe Les
Vernands.
Andererseits ist die Gemeinde
Épalinges derart in die Gemeinde Lausanne eingekeilt, dass sie diese in zwei nahezu gleich
grosse Hälften, eine untere im SW. und eine obere im NO., zerschneidet. Die Flächengrösse und unregelmässige
Form der Gemeinde sind dadurch zu erklären, dass nach der Reformation alle diese einst zum Bistum Lausanne gehörenden Ländereien
zusammen mit anderem Grundbesitz
(Wald,
Rebbergen etc.) an die Stadt kamen (vergl. die Art.
Dézaley,
Jorat).
Die Stadt Lausanne steht auf zwei nach Zusammensetzung, geologischem Alter und Entstehung von einander sehr verschiedenen
Bodenarten: Molasse und Glazialschutt. Die aus weichen Sandsteinen, mergeligen Sandsteinen (französ. grappes geheissen)
und Mergeln bestehende Molasse ist miocänen Alters (burdigalische Stufe) und hat sich im süssen Wasser
abgesetzt, das von einem aus den Alpen kommenden grossen Strom einst hierher geführt worden ist. In dieser Molasse sind zahlreiche
Fossilien gefunden worden.
Die Flora dieser entlegenen Zeiten bestand aus Palmen, Kampherbäumen, Akazien etc., was beweist, dass
in unserm Gebiet damals tropische Wärmeverhältnisse herrschten. Die hier gesammelten Knochenreste des Rhinozeros und schönen
Exemplare von Schildkröten werden im kantonalen naturhistorischen Museum zu Lausanne aufbewahrt. Sehr viel später, d. h.
erst nach der vollendeten Aufstauung des Alpengebirges, haben dann die diluvialen Gletscher diesen Molasseuntergrund mehrfach
mit einer mächtigen Decke von Oberflächen- oder auch Grundmoränenmaterial überführt.
Die Molasse tritt in zwei verschiedenen Arten der Lagerung auf, deren jede der Stadt und ihrer unmittelbaren Umgebung ihren
besonderen Stempel aufdrückt. Oestlich einer über Rosemont, den Zentralbahnhof, die schottische Kirche und Bellevue ziehenden
geraden Linie fallen die Schichten alpeneinwärts und gehören damit tektonisch noch diesem Gebirgssystem
an, während die die eigentliche Stadt tragenden Schichten westlich der genannten Linie horizontal gelagert sind.
Diese beiden Arten der Schichtenlagerung lassen sich vom Felssporn des Signal aus mit einem Blick vorzüglich überschauen.
Gegen O. sehen wir hinter dem aus horizontaler Molasse bestehenden Plateau von Béthusy und La Sallaz eine
lange Folge von mit einander abwechselnden Kämmen und kleinen Thälern, gegen W. zeigt die Landschaft dagegen die der horizontalen
Schichtung eigentümlichen grossen Flachformen, wie sie schon der Exerzierplatz der Plaine du Loup aufweist. Auf diesem Flachfeld
hat seinerzeit Karl der Kühne vor dem Aufbruch gegen Murten seine Truppen gemustert.
Dass die Molasse sicherlich bis zum Seeufer reicht, zeigt uns ihr Wiederauftreten bei Ouchy, während sie sonst zwischen dem
See und dem N.-Fuss der Höhe von Montbenon und des Bourg überall von Glazialschutt bedeckt ist und nirgends mehr frei zu Tage
ansteht. Während diese glazialen Ablagerungen in mehr oder weniger mächtigen und vereinzelten Fetzen
um und in Lausanne so ziemlich überall angetroffen werden,
sind sie südlich der Stadt noch als zusammenhängende Decke
erhalten geblieben.
Die eigenartigen topographischen Verhältnisse des Bodens, auf dem Lausanne steht, lassen sich somit auf die Wirkungen der
Gletscher und des fliessenden Wassers zurückführen. Während einer der verschiedenen Phasen der
Eiszeiten schob sich ein Arm des Rhonegletschers von Lausanne an in nördlicher Richtung gegen den Neuenburgersee hin vor.
Dieser Gletscher hat längs seines bogenförmigen Verlaufes den Boden derart aufgeschürft, dass die dadurch entstandenen
Formen auch durch die später wirkenden Kräfte nicht völlig verwischt worden sind, wie wir dies z. B.
noch an den gegen SO. gerichteten Gehängen zwischen La Pontaise, Saint Laurent und dem Flon sehen können.
Nach dem Rückzug des Gletschers sammelten sich dann die Oberflächenwasser des Jorat in zwei Flussrinnen und zerstückelten
durch Erosion allmählig die mächtige Schuttdecke aus der Glazialzeit, ohne sie jedoch völlig abtragen
zu können, so dass sich da und dort heute noch grosse Reste davon erhalten haben (so z. B. über La Pontaise). Die beiden
genannten Flüsse bildeten zunächst jeder für sich sein eigenes kleines hydrographisches System, bis ein seitlicher Zufluss
des kräftiger erodierenden Flon, einem wohlbekannten morphologischen Gesetz folgend, den wasserscheidenden
Kamm zwischen den zwei Flüssen durchschnitt und die Louve zum Flon ablenkte.
Dieser Einschnitt, La Barre oder Le Tunnel geheissen, hat den Hügel der Cité vom übrigen Gebiet des Jorat abgetrennt, so
dass er jetzt einen wirklichen Auslieger oder Zeugen bildet, wie solche an den Rändern von Tafelländern oft
angetroffen werden. Die in der n. Fortsetzung der Cité sich erhebende Höhe des Signal ist einer der südlichen Vorsprünge
der Peneplain des Jorat. Die einst in tiefen Tobeln fliessenden beiden BächeFlon und Louve vereinigen sich heute unter der Place
de Pépinet miteinander.
Von da an ging der Flon einst direkt zum Genfersee durch ein Thal, von dem heute nichts mehr erhalten geblieben
ist und das etwa in der Richtung des Eisenbahntunnels zwischen Lausanne undOuchy verlief. Reste dieser eben geschilderten
alten topographischen Verhältnisse sind also 1. das QuartierLa Pontaise und die Hänge gegen den Flon, 2. die Cité, 3. der
Sporn des Signal und 4. die sanft geböschten Quartiere Bugnion, Mont Repos und die Umgebung des Spitales. Später machte der
Rhonegletscher einen neuen, diesmal aber auf die Genferseewanne beschränkten Vorstoss, blieb hier lange Zeit stationär
und lagerte die prachtvolle Seitenmoräne ab, die heute als langgestreckter Hügelzug die QuartiereBourg,
Saint François und Montbenon trägt. Dadurch wurde
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mehr
nun auch dem Flon sein bisheriger direkter Weg gegen den See hin versperrt, sodass er gezwungen war, so lange hinter der Moränenbarre
entlang zu fliessen, bis er endlich bei Malley einen neuen Durchpass zum See fand. Zu den vier bereits genannten topographischen
Einzelformen gesellte sich jetzt also noch ein fünftes, in seiner Längsrichtung senkrecht auf jene
gestelltes Glied. Dieser fünfte Höhenzug zeigt alle die einer Moräne eigentümlichen Erscheinungen. Zu oberst auf seinem
Rücken liegen die Kiese und Sande, in die die Fundamente der Häuser an der Rue de Bourg und über Montbenon eingelassen sind,
während die Gehänge aus Geschiebelehm bestehen, einem leicht zu Rutschungen geneigten Gebilde, das
von den Ingenieuren erst nach langjährigen Anstrengungen hat verfestigt werden können. (So drohte z. B. bei der Anlage
der Avenue de la Gare ein ganzes Quartier abzurutschen, wie auch beim Durchbruch der Avenue Ruchonnet ganz besondere Vorsichtsmassregeln
getroffen werden mussten).
Ein zweiter, allerdings weit weniger gut markierter Moränenzug, der die Vuachère in gleicher Weise von
ihrem direkten Lauf in den See abgelenkt hat, wie wir dies am Flon schon gesehen haben, geht von Pully aus und bildet die kleinen
Hügelzüge von Château Sec und Mont Choisi. Auch die runde Kuppe von Mont Riond, die so regelmässig geformt
ist, dass sie gewisse Historiker als mächtigen, von Menschenhand aufgeschütteten Grabhügel angesprochen haben, ist nichts
anderes als ein Ueberbleibsel einer alten Seitenmoräne.
Die gegen Ouchy absteigenden Hänge tragen einen dicken Ueberzug von Grundmoränenmaterial, während die Kiesbänke w. des
Hügels von Mont Riond von den in einen kleinen Seitensee abfliessenden Schmelzwassern des Gletschers
abgelagert worden sind. Durch dreimalige Senkung des Spiegels des Genfersees um zusammen 30-35 m sind endlich drei in verschiedenen
Höhen gelegene Terrassen entstanden, von denen heute allerdings nur noch die oberste (Beau Regard und Beau Rivage links und
rechts von Ouchy) sichtbar ist. Auf diesem einstigen Seestrand liegt jetzt der Friedhof Montoie.
[Prof. Dr. Maurice Lugeon.]
Klimatische Verhältnisse.
Meteorologische Beobachtungen sind in Lausanne 1763-1772 und 1783 von Dr. Fr. Verdeil, 1841-1847 von Wartmann und 1854-1886
in der Blindenanstalt von Professor Marguet und Direktor Hirzel ausgeführt worden. Seit 1887 hat die hoch über
der Stadt befindliche und unter der Direktion von Prof. Dr. Henri Dufour stehende meteorologische Station des Champ de l'Air
diese Aufgabe übernommen (Beobachter: D. Valet). Der mittlere Barometerstand beträgt 716,5 mm; Maximum am mit
738,8 mm und Minimum am
mit 690,8 mm, absoluter Unterschied also 48 mm. Die Monatsmittel schwanken
zwischen 712,8 mm (April) und 718,6 mm (Januar), also um nur 5,8 mm. Die grössten Schwankungen fallen auf den Winter, die
kleinsten auf den Sommer.
Die jährlichen Temperaturmittel, aus 25jährigen Beobachtungen (1874-1898) berechnet, betragen in Champ de l'Air (554 m)
9,07°, im QuartierSaint François (498 m) 9,4° und in Ouchy (376 m) 10,6° C. Die gegen den Genfersee
zu gelegenen Quartiere von Lausanne stehen unter dem mildernden Einfluss dieser grossen Wasserfläche, deren Wärmestrahlung
beträchtlich genug ist, um das Klima der Uferlandschaften merklich zu beeinflussen. (Mittlere Jahrestemperatur des Seewassers
12,1°; Schwankungen zwischen 5,6°-20°.) Folgendes sind die Mittel für die einzelnen Jahreszeiten:
Winter 0,5°, Frühling 8,6°, Sommer 17,6° und Herbst 9,3°. Absolute Extreme -17,5° und 35°
Unterschied also 52,5°. Das Temperaturminimum kann während sieben Monaten des Jahres unter 0° sinken;
dies ist gewöhnlich
der Fall im Dezember, Januar und Februar, in der Regel im März und November und ausnahmsweise im Oktober
und April.
Unter 10° sinkt es im Mai; im Juni und September hält es sich zuweilen und im Juli und August während der meisten
Jahre immer über 10°. Das Maximum übersteigt im Dezember und Januar hie und da 10°, bleibt im April
über 20° und im Mai über 25°. Auf der Station Champ de l'Air zählt man durchschnittlich 75 Tage, an denen die Temperatur
unter 0° sinkt und 25 Tage, an denen sie über 20° steigt. Im allgemeinen vollziehen sich die Temperaturschwankungen nicht
in schroffer Weise.
Der erste Winterfrost tritt durchschnittlich am 9. November, der letzte am 3. April auf; der Zeitraum, in dem Fröste
eintreten können, schwankt zwischen 106 und 178 Tagen und beträgt im Mittel 145 Tage; frostfrei sind 181-272 oder im Mittel 220 Tage.
Während 11-29 oder im Mittel 22 Tagen pro Jahr bleibt das Thermometer ständig unter 0°. Die längste
bis jetzt beobachtete Frostperiode mit einem Tagesmittel unter 0° dauerte 49 Tage (5. Dezember 1890-22. Januar 1891). Die durchschnittliche
relative Feuchtigkeit der Luft beträgt 78,1%; sie schwankt monatlich von 70,4% im April und 70,6% im Juni und Juli bis 89,1%
im Dezember (Beobachtungen 1874-1892). Am geringsten war sie am mit nur 19%. Einen sehr stark
austrocknenden, aber meist nur kurze Zeit andauernden Einfluss übt die Vaudaire (SO.-Wind oder Föhn) aus, die sich in Lausanne
allerdings nur selten fühlbar macht, da sie die Gegend von Lavaux meist nicht überschreitet. Die Regenmengen für
Lausanne nähern sich auffallend den
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