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Im Ballonkorb über die Hochalpen.
£nw»il.5'aiittwJZuinikonZHBilder 9-11 ) Mit einem gelben « Fahrschein für eine Sport-fahrt im Freiballon », wie er z.B. von der Ballon-gruppe Bern an Ballonpassagiere vor Besteigen des Weidenkorbes abgegeben wird, kann nicht nur eine Fahrt übers Mittelland ausgeführt werden, sondern auch eine Überquerung der Alpen. Auf dem Fahrschein, der vom Passagier zu unterzeichnen ist, heisst es weiter, dass « der Landeort und allfällige Zwischenlandungen vom Piloten bestimmt werden ». Die « Beförderungsbestim-mungen » für eine Reise im Freiballon mit unbe-stimmbarem Ziel vom Startort aus verweisen im übrigen auf das in der Luftfahrt bekannte « War-schauer Abkommen » aus dem Jahr 1929, wonach die Insassen eines Luftfahrzeugs auch beim Überfliegen von Landesgrenzen einen Versicherungsschutz geniessen. Der Passagier ist aber auch gehalten, an allfällige Kosten für die Bergung des Freiballons nach der Landung in einem wenig zugänglichen Gebiet ( Voralpen oder Alpen ) sowie 1 Die Träne: hier stellvertretend als Symbol und Inbegriff aller Gefühle.
an Landschadenforderungen ( bestellte Felder, Äcker, Baumgärten, Wald ) bis zu Fr. 200.einen angemessenen Anteil zu entrichten. Eine Reise im Weidenkorb über die Alpen kann für einen Passagier - je nach Startort wie Zurzach oder Murren - zwischen 1000 und 4000 Franken kosten, die Spesen für den allfälligen Aufenthalt auf der Alpensüdseite sowie die Rückreise in den Norden nicht eingerechnet.
OHNE FALLSCHIRM Zu Alpenfahrten von peripheren Wasserstoff-Füllplätzen aus, wie Bern, Lenzburg und Zurzach, oder ab zentralen Startplätzen, wie Murren, Interlaken oder Saanen, wo der Wasserstoff auf Camions herangeführt werden muss, kommen Gasballone mit einem minimalen Volumen von 945 m3 zum Einsatz. In der Schweiz waren Mitte Juni 1974 18 Gasballons in dieser oder in höheren Kategorien, wie 1260 und 2200 m3, immatrikuliert. Es gibt da also Zwei- bis Vier-plätzerkörbe, der Pilot eingeschlossen. Da auf eine Alpenfahrt allerhand an Ausrüstungsgegenständen - nur Fallschirme sind verpönt - mitgenommen werden muss, ist der Platz im Weidenkorb beschränkt. Neben den wenigen Instrumenten, wie Barograph, Höhenmesser, Variometer ( zeigt Steigen und Sinken an ) und Bordfunk, muss auf eine Höhenfahrt über 3500 Meter über Meer auch Sauerstoff mitgeführt werden. Dazu sind die Alpinisten im Korb auch für eine Landung in hochalpinem Gelände gerüstet, besonders was das Schuhwerk und die Bekleidung anbetrifft. Auch die Verpflegung ist auf eine Reise von acht bis zehn Stunden sowie auf ein allfälliges Biwak in den Bergen ^auszurichten. Signalhorn, Bordmesser, Kompass und Notsignalraketen gehören zur weiteren Standardausrüstung.
VIER DUTZEND BALLONFAHRER Die rund 50 aktiven Ballonfahrer ( worunter drei Frauen ), die in der Schweiz über den violett- farbenen « Ausweis für Ballonfahrer » verfügen, verteilen sich auf die Ballon(sport)gruppen Ajoie, Basel, Bern, Mittelland, Rapperswil SG und Zürich, die wiederum den regionalen Sektionen des Aero-Clubs der Schweiz angeschlossen sind. Diese Pilotenlizenz erlaubt dem Ballonfahrer den Transport von Passagieren und « an Bord von Freiballonen auf geeignetem Gelände ausserhalb konzessionierten oder bewilligten Flugplätzen zu starten und zu landen ». Ballonfahrer über 40 müssen sich alljährlich einer fliegerärztlichen Untersuchung unterziehen; für jüngere Ballonfahrer dauert die Gültigkeit des Ausweises 24 Monate. Zwei Drittel der Gasballonpiloten sind über vierzig Jahre alt. Unter diesen Piloten gibt es solche, denen noch keine Fahrt über die Viertausender vergönnt war, während es wenige andere gibt, die bald vierzig Alpenfahrten in ihren Bord-büchern haben, wie der Rapperswiler Ernst Krauer oder Fred Dolder in Thalwil, der sich noch als 75Jähriger Pilot über die Berge wagt.
HOCHALPINER FREIBALLONSPORT Kapitän Eduard Spelterini und der Brasilien-Deutsche Victor de Beauclair, der ebenfalls ein Schweizer Ballonbrevet besass, legten die Grundsteine für den hochalpinen Freiballonsport mit ihren Fahrten in den Jahren 1898 bis 1913, als sie von zentralen Startorten ( wie Sion, Zermatt, Interlaken, Chamonix und Murren ) und peripheren Füllplätzen ( wie Bitterfeld bei Leipzig und Gersthofen bei Augsburg ) aus die Hochalpen überquerten. Der berneroberländische Sommerkurort und Wintersportplatz Murren im Schilthorngebiet hat die Tradition der Fahrten ab zentralen Startorten besonders intensiv gepflegt. Allein seit Einführung der I. Hochalpinen Ballonsportwochen im Sommer 1962 sind von Murren oder Stechelberg im Lauterbrunnental aus über hundert bemerkenswerte Fahrten in den Hochalpen erfolgt. So ging z.B. die I 115. Fahrt mit dem Freiballon « Helvetia » am 26.Juni 1973 von Murren über rund 350 Kilometer bis in die Ge- gend von Padua ( Italien ), wo der Augsburger Ballonhersteller Horst Hassold nach fast elfstündiger Fahrt und über eine Maximalhöhe von 4570 Meter eine Hofratslandung machte und dem aufrechtstehenden Korb entstieg, um den verdutzten Einwohnern jener Gegend zu erklären, er sei mit dem Wind über die Alpen gefahren.
« GRAND PRIX SCHILTHORN » Seit einigen Jahren findet im Rahmen der Mürrener Ballonsportwochen ( Internationale Hochalpine Dolder Ballooning Week ) ein Wettbewerb für Ballonfahrer ( Welt-Genauigkeits-wettbewerb für Freiballonführer ) statt, in dem es um den « Grand Prix Schilthorn » geht; in die Barpreise der Schilthornbahn AG Murren teilen sich jene fünf Piloten, die ihren Aerostaten am sichersten über die Gipfel fuhren. Dauer der Fahrt, erreichte Maximalhöhe oder zurückgelegter Weg werden nicht bewertet. In « memoriam Spelterini » wird einer der Zwecke der Ballonsportwochen dahin umschrieben, « den Freiballonsport zu einer alpinistischen Sportdisziplin zu entwickeln ». Die Organisation dieser Veranstaltung liegt heute in den Händen der Internationalen Spelterini-Gesellschaft mit Sitz in Zürich. Ihr Präsident ist Fred Dolder ( Thalwil ). Dem Vorstand dieser Gesellschaft gehören Ballonfahrer aus Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Holland und der Schweiz an.
Unter den Passagieren, die sich ab Murren und Stechelberg in den letzten Jahren über die Viertausender kutschieren liessen, sind Gäste aus allen Erdteilen und aller Herren Ländern. So gibt es z.B. den « Chalet Club New York », der mit einer Gruppe von Mitgliedern in Mürren erscheint, um an den Fahrten über die Alpen teilzunehmen, sich Vorträge über den Ballonsport anzuhören oder Filme von früheren Expeditionen im Ballonkorb anzusehen.
In Murren möchte man « Ballonpiloten, Freunden des Freiballonsportes, Wissenschaftern und Alpinisten aus aller Welt das grandioseste