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Der belgische Maler James Ensor liebte alles Bizarre. Das Gemälde «Les masques intrigués» vereint viele seiner liebsten Motive. Nun widmet ihm das Kunstmuseum Basel eine Ausstellung.
Er habe sich in seinem Spätwerk nur noch selber kopiert, sagen böse Zungen über den belgischen Maler James Ensor – nichts Neues mehr erfunden, sondern sich zurückgelehnt. Doch ist das Variieren bereits erprobter Motive nur schlecht? Es kann auch zum Vorteil gereichen, wenn man so in einem einzigen Werk alles vereint findet, was das Œuvre eines Malers ausmacht.
Ein solches Beispiel ist Ensors Gemälde «Les masques intrigués», zu Deutsch «Die beunruhigten Masken». 1930 entstand das Werk, das 16 Jahre später als Geschenk von Maja Sacher-Stehlin in die Emanuel Hoffmann-Stiftung gelangte. Es wird in der Ensor-Ausstellung, welche dieses Wochenende im Kunstmuseum Basel eröffnet wird, zu betrachten sein.
33 Figuren sind darauf auszumachen, eine bunt gemischte Partygesellschaft. Sie sind wie auf einer Bühne angeordnet – ein Herr in einer Art Pierrot-Kostüm und mit Zylinder in der Mitte, die restlichen Figuren halbkreisfömig um ihn herum. Eine Dame in grünem Kleid schmiegt sich an ihn, ihr Gesicht ist bedeckt von einer Halbmaske. Und der Herr, trägt er sein wahres Gesicht?
Maskenfeste in Ostende
Die Masken wurden zu Ensors Markenzeichen, schon lange, bevor er dieses Bild malte. Der Künstler wurde 1860 geboren, in Ostende, einem Badeort an der belgischen Küste, der unter anderem für seine Maskenfeste berühmt war. Seine Eltern führten ein Kuriositätengeschäft, in dem neben allerlei Krimskrams auch Masken verkauft wurden. Ensor stand dort an der Kasse und liess sich inspirieren.
Im Alter von 16 Jahren hatte Ensor das Studium an der Kunstakademie in Ostende aufgenommen, setzte es dann fort an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Brüssel. Für die Akademie hatte er am Schluss nur Häme übrig, wie auch für die zeitgenössische Kunst überhaupt: Die Schule nannte er «Gehäuse für Kurzsichtige», die künstlerische Epoche brachte er mit der «Stunde, da der fette realistische Käse in voller Blüte stand» auf den Punkt.
Anpassung kam für Ensor nicht in Frage, was wiederum nicht jedem passte. Die Reaktionen auf seine Werke fielen oft leidenschaftlich ablehnend aus. Er zahlte es seinen Kritikern zurück, indem er einerseits dem Schönheitsideal der westlichen kunsthistorischen Tradition eine klare Absage erteilte und seinen eigenen Stil erfand und indem er andererseits der Gesellschaft den Spiegel vorhielt.
Dieser Spiegel zeigte die Fratzen, die sich hinter der Oberfläche der – Zitat Ensor – «Spiessbürger» verbargen. Laut Ensor waren die echten Gesichter der Menschen ihre Masken – indem er sie mit Masken verhüllte, offenbarte er ihr eigentliches Gesicht. «So konnte ich die scheinheiligen, heuchlerischen, berechnenden und trügerischen Gesichter der Feiglinge, die durch meine verächtlichen Veränderungen vernichtet wurden, philosophisch betrachten», erklärte er.
Japan und Skelette
In den «Masques intrigués» lassen sich reale Gesichter und Masken nicht in jedem Fall klar unterscheiden. Die Gesellschaft ist undurchschaubar geworden. Das Gemälde nimmt jedoch noch andere Motive Ensors mit auf. So tauchen etwa am rechten Bildrand japanische Masken auf.
Der Japonismus lag in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Trend, nicht nur in der Malerei. Japanische Masken fanden sich auch im Ladensortiment der Familie Ensor, ebenso chinesisches Porzellan, das Ensor gerne in seine Bilder einfügte. Er war anfänglich vor allem von japanischen Holzschnitten fasziniert, die er auch mehrfach zu kopieren versuchte.
Auch die Skelette, die Ensor oft als Personal verwendet und von denen eines auch links oben in «Les masques intrigués» Einzug gehalten hat, entstammen nicht der europäischen Tradition des Memento mori, sondern der fernöstlichen Erzählkunst. Sie ergänzen sein bizarres Personal analog zu japanischen Geschichten von Erscheinungen und Gespenstern. Skelette tanzen, musizieren oder prügeln sich in Ensors Bildern.
Und auch sich selber stellte er im Jahr 1888 als Skelett dar, in einem «Ich im Jahre 1960» betitelten Selbstporträt. Der beste Beweis dafür, dass er – Zyniker, der er wohl war – nicht nur die anderen auf die Schippe zu nehmen wusste. Ensor starb 1949.
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«Die überraschten Masken: James Ensor», Kunstmuseum Basel, 16. Februar bis 25. Mai 2014. Vernissage am Samstag, 15. Februar, 17 Uhr.
Artikelgeschichte
Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 14.02.14