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Exoten beziehen seit Anbeginn der Zeiten (seit 1924) bei olympischen Turnieren hohe Niederlagen. So gesehen können wir nach dem 0:8 der Chinesen gegen die Amerikaner sagen: Na und?
Aber der Unterschied zu Exoten wie anfänglich die Schweiz, später Belgien, Bulgarien, Australien, Ungarn oder Japan, die einfach nicht gut genug waren, um seit 1924 zweistellige Niederlagen abzuwenden, ist China drauf und dran, eine einmalige Chance kläglich zu vergeben.
China ist zwar knapp hinter Spanien nur die Nr. 32 in der Weltrangliste und hat noch nie ein olympisches Turnier bestritten, war international noch nie erstklassig und seit 1994 bei der WM drittklassig oder noch schwächer.
Eine der kuriosesten Geschichten des modernen Hockeys hat dazu geführt, dass China trotzdem kein Exot ist.
Das Protokoll schreibt vor, dass der Gastgeber beim Eishockeyturnier gesetzt ist. Das war schon vor vier Jahren in Südkorea eine delikate Sache.
Doch die Südkoreaner, in der Weltrangliste nur auf Position 19, haben sich wacker geschlagen: 1:2 gegen Tschechien, 0:4 gegen Kanada, 0:8 gegen die Schweiz.
China als Gastgeber hat den internationalen Verband (IIHF) lange umgetrieben. Die Befürchtungen: Blamage. Nur wenige Tage nach seiner Wahl zum IIHF-Boss und Nachfolger von René Fasel sagte Luc Tardiff im September: «Zu sehen, wie eine Nationalmannschaft 15:0 besiegt wird, ist für niemanden gut – weder für China noch für den Eishockey-Sport.» Lange Zeit wird der Ausschluss Chinas vom Hockeyturnier aus sportlichen Gründen ernsthaft erwogen.
Aber das ist politisch nicht machbar. Und so wird nachgeholfen. 13 Spieler des Teams sind in Kanada geboren, drei in den USA und einer in Russland. Zwei Drittel der Nationalmannschaft eines Landes mit den weltweit strengsten Einbürgerungsgesetzen stammen also nicht aus China. Anfang Dezember hat der Weltverband die Teilnahme Chinas offiziell bewilligt.
So kommt es, dass erstmals seit die Kitchener-Waterloo Dutchmen Kanada 1956 in Cortina vertreten haben, wieder ein reines Klubteam beim olympischen Turnier antritt. Bis 1956 ist es Usanz, dass die Kanadier einfach ihr bestes Amateurteam zur WM und zu den Olympischen Spielen schicken. Bis die Sowjets bei der WM 1954 erstmals die internationale Bühne betreten und gleich Weltmeister werden, dominieren Kanadas Amateure das Welthockey fast nach Belieben.
Die chinesische Nationalmannschaft ist in Tat und Wahrheit also eine Klubmannschaft: Das komplette KHL-Team der Kunlun Red Stars Peking. Wegen der enorm erschwerten Einreisebedingungen nach China werden die Heimspiele seit zwei Jahren nicht mehr in Peking ausgetragen. Sondern in einem Vorort nördlich von Moskau (Mytischtschi).
Seit 2016 spielen die Chinesen in der KHL. Inzwischen ist Kunlun allerdings zum Ajoie der KHL verkommen: Das schwächte der 24 KHL-Teams hat zuletzt 14 Niederlagen in Serie kassiert. Die Pleite gegen die USA war Niederlage Nummer 15. Der Rekord von Ajoie steht bei 18 Pleiten de suite.
Ein eingespieltes Klubteam aus der KHL – immerhin nach der NHL die zweitwichtigste Liga der Welt – müsste eigentlich dazu in der Lage sein, gegen jeden Gegner in diesem Turnier mehr oder weniger auf Augenhöhe zu spielen. Zumal sich die verschiedenen Nationalteams wegen der Pandemie nicht richtig aufs Turnier vorbereiten konnten. Die Schweizer haben beispielsweise kein einziges Vorbereitungsspiel bestritten.
Chinas Nationalmannschaft bzw. das Team bzw. Kunlun ist also mit einem klaren, einem grossen Wettbewerbsvorteil ins Turnier gestartet. Deshalb ist dieses 0:8 gegen die USA so peinlich. Keine Leidenschaft, keine Ordnung, keine Disziplin. Nichts funktionierte. Ein Verliererteam aus der KHL mit Auflösungserscheinungen. Oder kommt es nun zu einer heftigen Reaktion?
Die bange Frage ist längst: Was wird nach dieser Saison aus diesem Klub? Gibt es in China nach den Olympischen Spielen noch ein Interesse, ins Profihockey zu investieren?
Irgendwie ist der miserable Auftakt halt logisch. An der Bande steht nämlich Ivano Zanatta (61). Der italienisch-kanadische Doppelbürger hat im Windschatten der Verantwortung als Assistent in Lugano (2000 bis 2007) eine erstaunliche Karriere gemacht.
Mag sein, dass er über Eishockey fast alles weiss. Aber als Führungsperson ist er schon ein wenig überfordert. In Lugano wird er nach der Beförderung vom Assistenten zum Cheftrainer gefeuert. In Ambri als Sportchef abgesetzt. Und so tourt der schlaue Netzwerker und Selbstdarsteller seit 2017 wiederum als Assistent durch die KHL. Auf diese Saison ist er Cheftrainer bei Kunlun und Nationaltrainer der Chinesen geworden. Als charmante Mischung aus Marco Polo und Vico Torriani.
Und so endet die historische Premiere, die erste Partie der Eishockey-Weltgeschichte bei einem Titelturnier zwischen China und den USA mit einer 0:8-Pleite.
Dabei hätten die Chinesen genug Talent, um ein sportlicher Farbtupfer in diesem Turnier zu sein. Gut trainiert, clever gecoacht und straff geführt hätten sie gegen dieses zusammengewürfelte US-Team auf Augenhöhe spielen können. Aber sie waren völlig chancenlos und liessen ein Torschussverhältnis von 29:55 zu. Pausenplatzhockey eben. Im besten Sinn des Wortes.
Jedes Spiel der Chinesen verspricht hier beste Unterhaltung und wir sollten keines verpassen: Es ist mit ziemlicher Sicherheit das erste und zugleich für Jahrzehnte das letzte chinesische Gastspiel auf höchster internationaler Ebene.
P.S. Sollten es die Kunlun Red Stars auch nächste Saison noch geben, so sollten sie für den nächsten Spengler Cup eingeladen werden. Ihr unterhaltsames «Pausenplatz-Hockey» würde gut zum Turnier in der Altjahrswoche passen.
Angeblich möchte Bayern Münchens wechselwilliger Superstar Robert Lewandowski schon länger nach Spanien wechseln. Das sagt zumindest sein Ex-Berater Cezary Kucharski zum spanischen Sport-Radiosender «Cadena SER». Demnach sei es schon immer der Karriereplan Lewandowskis gewesen, früher oder später nach Spanien zu wechseln.