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Clinical Infectious Diseases
Borges et al.
HIV-infizierte Personen haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein höheres Risiko an Krebs zu erkranken. Die Entstehung einiger Krebsarten wird durch das gleichzeitige Vorliegen von HIV klar begünstigt, man nennt diese Krebsarten deshalb auch HIV-bezogene Krebse. Dazu gehören bestimmte Lymphdrüsenkrebse, der Gebärmutterhals- und der Analkrebs und das Kaposi Sarkom.
In der Strategic Timing of Antiretroviral Treatment (START)-Studie hat der frühe Beginn einer antiretroviralen Therapie bei einer CD4-Helferzahl >500 Zellen/µl bei den Teilnehmern das Risiko an Krebs zu erkranken um 64% gesenkt im Vergleich zu Personen, welche die antiretrovirale Therapie erst bei einer CD4-Helferzahl <350 Zellen/µl begonnen haben. Die Autoren in dieser Studie haben nun untersucht, ob diese Reduktion hauptsächlich durch einen Rückgang der HIV-bezogenen Krebsarten bedingt war und welches die Faktoren waren, welche zu dieser Reduktion beigetragen haben. Sie haben dabei herausgefunden, dass eine frühe HIV-Therapie insbesondere die Entstehung von zwei bestimmten Krebsarten zu senken vermag und dabei weitere wichtige Erkenntnisse gewonnen
Insgesamt wurden 4'685 HIV-infizierte Personen aus 35 Ländern in die START-Studie eingeschlossen und die Teilnehmer per Zufall in eine Gruppe mit einem unmittelbaren ART-Beginn bei >500 CD4-Zellen/µl oder mit einem verzögerten Beginn bei <350 CD4 Zellen/µl zugeteilt. Bereits nach drei Jahren wurde die Studie gestoppt, da sich für Personen, welche die antiretrovirale Therapie bei einer hohen CD4-Anzahl begonnen hatten, eine klare Reduktion von AIDS- und nicht-AIDS-bedingten Erkrankungen gezeigt hatte. Der unmittelbare Beginn der antiretroviralen Therapie reduzierte das Risiko an HIV-bezogenen Krebs zu erkranken um 74%. Bei Personen mit unmittelbarem Therapiebeginn traten insgesamt 14 Krebsfälle auf und bei Personen mit einem verzögerten Therapiebeginn 39 Krebsfälle. Risikofaktoren für die Entstehung von HIV-bezogenen Krebsarten waren hohes Alter, Übergewicht, Regionen mit einem tiefen oder mittleren Einkommen sowie eine hohe HIV-Viruslast und eine hohe CD8 (nicht CD4!)-Zellzahl bei Studieneinschluss.
Der unmittelbare Beginn einer antiretroviralen Therapie führte insbesondere zu einer Risikoreduktion für Kaposi Sarkome und Lymphdrüsenkrebse, währenddessen der Effekt bei anderen Krebsarten weniger eindrücklich war. Überraschend war, dass eine tiefe CD4-Helferzahl nicht mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Krebs vergesellschaftet war, stattdessen eine hohe CD8-Helferzahl als möglicher Ausdruck des chronischen Entzündungszustandes bei HIV-infizierten Personen. Ebenso fand sich nur ein kleiner Effekt einer hohen HIV-Viruslast bei Studieneinschluss auf die Entstehung von Krebs.
Die START-Studie hat viele wichtige Erkenntnisse geliefert, welche heutzutage bei der Behandlung von HIV-infizierten Personen berücksichtigt werden. So wird heute der frühe Beginn einer antiretroviralen Therapie bei allen HIV-infizierten Personen unabhängig von der Höhe der CD4-Zellzahl empfohlen. Der unmittelbare Beginn einer HIV-Therapie während der Frühphase der HIV-Infektion vermag das Risiko für die Entstehung von Krebsarten stark zu reduzieren. Der positive Einfluss dieser frühen HIV-Therapie auf die Krebsentstehung ist dabei nicht nur durch eine hohe HIV-Viruslast oder durch das schwache Immunsystem erklärt. Andere Faktoren wie die Reduktion des chronischen Entzündungszustandes und die Hemmung von anderen Krebs verursachenden Viren (zum Beispiel Herpesviren oder das humane Papilloma Virus) durch die unmittelbare antiretrovirale Therapie scheinen ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen.