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Es war im arabischen Sultanat Oman im April 2001, als ich das erste Mal von Swissinfo hörte, knapp ein halbes Jahr vor den Terroranschlägen in den USA. In der feuchten Hitze der Hauptstadt Maskat schwärmte die Presseverantwortliche des Informationsministeriums von der Schweizer Internet-Plattform, die damals seit zwei Jahren existierte. „Eine ausgezeichnete Informationsquelle in neun Sprachen, darunter Arabisch”, sagte die Frau.
Misstrauen und Vertrauen. Obwohl selbst britischer Herkunft, pries sie nicht etwa die berühmte BBC an, die seit 1938 mit einem arabischen Radiosender in der Region präsent war, inzwischen auch mit Fernsehen und Internet. Denn BBC hat ein Problem, das Swissinfo nicht kennt: Es ist der Sender einer einstigen Gross- und Kolonialmacht. Dies weckt bis heute Misstrauen. Das Gleiche gilt für die Auslandsender der USA und Frankreichs, Voice of America und France 24, denen man implizit Machtansprüche unterstellt.
Swissinfo geniesst im Nahen Osten die höchste Glaubwürdigkeit. Dies bestätigte mir später ein syrischer Schriftsteller, der keinerlei Beziehung zur Schweiz hatte. Er sei beim Lesen arabischer Medien im Netz wiederholt auf den Link von Swissinfo gestossen, seither klicke er regelmässig auf die Schweizer Website und finde dort immer wieder spannende Hintergrundberichte und Analysen auf Arabisch. „Mich und viele andere in der Region interessiert vor allem, wie man in der Schweiz die Geschehnisse im Nahen Osten beurteilt”, sagte er. Die meisten Länder der Region kennen eine strenge Zensur, daher weichen sie gerne aufs Internet und ausländische Medien aus – gerade wenn sie sich über den Nahen Osten informieren wollen.
Wichtige Informationsquelle. Jahre später in Kairo. Ich besuchte das Büro von Pro Helvetia. Die ägyptische Leiterin war in heller Aufregung und streckte mir zwei Seiten eines ausgedruckten Artikels entgegen. Swissinfo hatte gerade berichtet, dass die Hirschhorn-Affäre schmerzhafte Konsequenzen für die Schweizer Kulturstiftung haben werde. Im kommenden Budget soll eine Million Franken gestrichen werden. Möglicherweise werde davon auch der Kulturaustausch mit der arabischen Welt betroffen sein. Swissinfo ist das einzige Schweizer Medium, das auch auf Arabisch über die Schweiz und die Welt berichtet. Wie wichtig dies ist, hat erst kürzlich die Debatte um das Minarett-Verbot gezeigt. Für die Medien im Nahen Osten sei die arabische Site von Swissinfo die wichtigste Informationsquelle gewesen, wie die libanesische Zeitung „Al-Akhbar” schreibt: „Dank ihrer präzisen und ausgewogenen Berichterstattung sind die Reaktionen der arabischen Massen auf die Minarett-Abstimmung so moderat ausgefallen.”
Nicht zuletzt die hitzige Debatte um Minarette und die Integration von Muslimen in der Schweiz hat augenfällig gemacht, wie dringlich der Dialog zwischen westlichen Staaten und denjenigen des Nahen und Mittleren Ostens ist.
Schweiz als Vermittlerin. Zahlreiche Länder haben dies erkannt und stecken viel Geld in ihre Auslandsender. Die Deutsche Welle betreibt, finanziert aus Steuergeldern, neben einem Fernseh- und einem Radiosender eine Internetplattform in 30 Sprachen. Dabei beschäftigt sie rund 1500 Mitarbeiter, zehn Mal so viel wie die Schweizer Internet-Plattform. Das jährliche Budget ist 15 Mal grösser als das von Swissinfo.
Die Schweiz engagiert sich als Vermittlerin im Palästinenserkonflikt, zwischen Iran und den USA oder Armenien und der Türkei. Swissinfo sollte nicht reduziert, sondern im Gegenteil erweitert werden – um eine türkische und eine persische Redaktion.
Susanne Schanda ist Autorin und arbeitet als freie Journalistin mit Themenschwerpunkt Nahost u.a. für NZZ, „Bund”, Swissinfo und Schweizer Radio DRS. 2006-2009 war sie in der deutschsprachigen Redaktion von Swissinfo angestellt.
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