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Die Studienfinanzierung jüdischer Flüchtlinge in der Schweiz, 1933-45. Anmerkungen zu Praktiken und Diskursen des Stipendienwesens.
Die Mehrheit geflüchteter jüdischer Student*innen während des Nationalsozialismus lebte in prekären Verhältnissen. Die Möglichkeit, an einer Hochschule zu studieren, war deshalb meist abhängig von der Gewährung eines staatlichen, kantonalen oder durch Hilfswerke vermittelten Stipendiums. Die wenigen jüdischen Studenten, die sich unter den 12'000 polnischen Militärinternierten in der Schweiz befanden, wurden gemeinsam mit ihren nicht-jüdischen Kollegen in spezielle Lager verbracht, wo sie unter militärischer Bewachung von Hochschuldozenten unterrichtet wurden. Ihre Finanzierung war militärisch organisiert, die Möglichkeit eines regulären Studiums aber anfänglich nicht gegeben; sie blieben laut Befehl vom 8.12.1940 «in erster Linie Soldaten». Dagegen hatten mittellose Zivilflüchtlinge, die sich für ein Studium interessierten, ein Stipendium zu beantragen, um sich dann an einer Hochschule immatrikulieren zu können. Die meisten dieser Stipendien vermittelte – unter oft beträchtlichem bürokratischem Aufwand – der Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF). Häufig entstand dabei ein Austausch mit Behörden, privaten Initiativen und anderen Hilfswerken - jüdischen (Joint, WJC) wie nicht-jüdischen (FESE, Rockefeller Foundation).
Innerhalb dieser Aushandlungsprozesse können Vorurteile, Widersprüche und Auseinandersetzungen um Geld, Reichtum, Armut, Wohlstand und Bereicherung auf eine Weise nachvollzogen werden, die neue Forschungsperspektiven im Spannungsfeld von historischer Reichtums- und Armuts- sowie Flüchtlings- und Hochschulforschung eröffnet. Der Blick auf die Studienfinanzierung ziviler und militärischer jüdischer Flüchtlinge verweist auf vielfältige Fragestellungen: Welche Vorstellungen von Wohlstand, Reichtum und Kapital brachte die prekäre Existenz mit sich? Welche finanziellen und solidarischen Netzwerke versuchten die Student*innen selbst anzuzapfen? Woher stammten die Mittel, die tatsächlich an geflüchtete jüdische Student*innen ausbezahlt wurden? Und zuletzt: Wem wurde ein Studium ermöglicht, wem nicht?