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3. Friedensbestrebungen. Der Nuntius sagte mir, wir - d.h. er und ich bzw. der Vatikan und die Schweiz - sollten Hand in Hand am Friedenswerke arbeiten; was geschehen könnte, vermöge er noch nicht recht zu beurteilen, es wäre aber gut, wenn wir uns öfters sehen und die Sache besprechen würden. Ich erwiderte, meine Regierung sei selbstverständlich gerne bereit, jeden Schritt, der den Frieden näherbringen könne, zu unterstützen, ein gutes Zeichen sei es, dass überall die Friedensfrage ventiliert werde, indessen sei auch grösste Vorsicht am Platze, indem durch einen voreiligen Schritt der guten Sache mehr geschadet als geholfen werde.
Wenn schon nachmittags (also am Tage nach meinem Besuche) der Nuntius sich zum Gegenbesuche bei mir anmelden Hess, so möchte ich dieses «empressement» nicht allein auf Rechnung seines Wunsches schreiben, die Friedensfrage zu besprechen, sondern der Vertreter des Papstes verband diese Fahrt mit einem Beileidsbesuch bei der Witwe des leider soeben verstorbenen deutschen Botschafters von Tschirschky im Botschaftspalais gegenüber meiner Wohnung. Immerhin kam sehr bald die angebliche Absicht Wilsons zur Sprache, und Mgr. Valfré di Bonzo stimmte mit mir darin überein, dass eine Konferenz in Washington sehr grosse praktische Schwierigkeiten mit sich bringen würde, schon wegen der weiten Entfernung der Regierungen von ihren Vertretern und der Kontrollierung des telegrafischen Verkehrs durch England. Der Nuntius meinte, es sei dem Präsidenten darum zu tun, in Washington oder New York ein Denkmal mit der Inschrift: «Hier hat W. Wilson Frieden gestiftet» zu errichten.
In den Abendblättern erschien sodann die beiliegende, der Basler National-Zeitung entnommene Notiz, wonach die Konferenz eventuell auch nach einem neutralen Lande Europas einberufen werden könnte und die neutralen Regierungen über diese Frage im Meinungsaustausche seien.
Baron Macchio (I. Sektionschef im Ministerium des Äussern, mit dem ich soeben in Ihrem Aufträge die Angelegenheit der diplomatischen Kuriere besprach) erklärte mir auf meine Frage, es seien von seiten der Vereinigten Staaten noch keinerlei offizielle oder offiziöse Schritte wegen Einberufung einer Friedenskonferenz oder Vorkonferenz bei der hiesigen Regierung unternommen worden. Er anerkannte dabei ausdrücklich, dass Österreich-Ungarn prinzipiell, doch natürlich unter gewissen Bedingungen, eine solche Konferenz zu beschicken bereit sei. Baron Macchio versicherte mir, er wisse gar nichts anderes, als was in den Zeitungen stehe, und meinte unter Hinweis auf die beiliegende Notiz, ich könnte sogar besser informiert sein als er, was ich selbstverständlich verneinen musste. Es schien mir, dass der I. Sektionschef eine Schweizer Stadt als Konferenzort sehr gerne in Aussicht nehmen möchte. Vielleicht darf ich mir erlauben, meine unmassgebliche Meinung dahin zu äussern, dass, wenn es sich einmal um die Wahl einer Schweizer Stadt als Konferenzort handeln sollte, mir Luzern als speziell geeignet erscheinen würde, da es mit seinen zahlreichen erstklassigen Hotels genügende Unterkunft und auch grosse Lokalitäten für Plenar- und Kommissionssitzungen, Sekretariate etc. bieten würde. Dazu ist es sehr gut gelegen.
Einstweilen wäre ich Ihnen um baldigste Erteilung von Verhaltungsmassregeln (eventuell telegrafisch, da Briefantworten erst nach ca. 14. Tagen eintreffen) sehr verbunden. Wie soll ich mich namentlich dem amerikanischen Botschafter gegenüber verhalten? Kann ich ihm die Einberufung einer Konferenz durch Wilson, aber nach der Schweiz, nahelegen und soll ich etwa auch schon Luzern erwähnen?
Mr. Penfield ist zwar kein Genie, muss aber doch bei Wilson gut angeschrieben sein. Man darf wohl annehmen, dass sein, oder richtiger gesagt seiner Frau jährliches Einkommen von (wie behauptet wird) 17 Millionen Franken bei der Wahlkampagne eine gewisse Rolle gespielt haben wird. Da Penfield auch nicht wenig eitel ist, könnte angenommen werden, dass Anfragen bei Wilson, die nicht offiziell sein sollen, durch ihn an ihre Adresse gelangen würden. Mit Penfield und seiner Frau stehe ich auf bestem Fusse.
4. Der Tod des deutschen Botschafters von Tschirschky (an einer Embolie in Folge einer an und für sich leichten Bruchoperation) ist für mich ein empfindlicher Verlust, indem ich an ihm stets einen offenen und zuverlässigen Informator und Ratgeber hatte. Wenn wir auch in manchen Punkten nicht harmonierten (sein Ideal wäre, wie Sie wissen, ein Anschluss der deutschen Schweiz an das Deutsche Reich gewesen), so hat er sich uns gegenüber stets wohlwollend und aufrichtig erwiesen. Über seinen Nachfolger vernahm man in diesen drei Tagen natürlich noch nichts. Ob wohl Baron von Romberg, der hier Botschaftsrat gewesen ist, in Frage kommt? Mir wäre es schon recht, da ich immer sehr gut mit ihm ausgekommen bin; wäre es aber nicht unangenehm für Sie, einen ganz neuen Mann zu bekommen?
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