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von Lea Mörsdorf, MSc
Dass wir Informationen zu Angebot und Nachfrage nutzen, um uns ein Bild von verschiedenen Gütern zu machen, ist in vielerlei Hinsicht sinnvoll: So können wir häufig nicht nur Geld sparen, sondern auch Zeit, da wir nicht selbst jedes Produkt ausprobieren müssen. Doch ab wann sind Menschen in der Lage, Informationen zu Angebot und Nachfrage für ihre Einschätzungen zu nutzen?
Huh und Friedman von der University of Waterloo sind dieser Frage auf den Grund gegangen und haben dazu 5- bis 7-jährige Kinder untersucht. In diesem Alter verstehen Kinder bereits, dass eine erhöhte Nachfrage zu mehr Verkäufen eines Produktes führt, aber noch nicht, dass ein erhöhtes Angebot die Verkäufe jedes Anbieters verringert. Daher interessierten sich die Autoren dafür, ob Kinder Informationen zu Angebot und Nachfrage (getrennt und in Kombination) berücksichtigen, um die Begehrtheit bestimmter Güter einzuschätzen. Dazu bekamen die Kinder jeweils Geschichten zu verschiedenen Sandwich-Verkäufern erzählt und sollten danach einschätzen, wie lecker die Sandwiches einzelner Verkäufer waren (Studien 1-3) bzw. ob die vorgegebenen Sandwiches von einem guten oder schlechten Verkäufer stammten (Studie 4).
In Studie 1 bekamen die Kinder entweder die Information, dass viele Käufer Sandwiches kauften und hinterher nur wenige Sandwiches übrig waren (hohe-Nachfrage-Bedingung) oder die umgekehrte Information (nur wenige Käufer kamen und es blieben viele Sandwiches übrig; geringe-Nachfrage-Bedingung). Kinder in der hohen-Nachfrage-Bedingung schätzten die Sandwiches als leckerer ein im Vergleich zu Kindern in der anderen Bedingung. In Studie 2 wurde die Anzahl der Käufer gleich gehalten und nur die Anzahl übrig gebliebener Sandwiches variiert. Auch hier zeigte sich, dass die Kinder die Sandwiches als leckerer bewerteten, wenn nur wenige übrig blieben. In Studie 3 wurde anstelle der Nachfrage das Angebot variiert: Ein Sandwich-Verkäufer produzierte viele Sandwiches, der andere wenige. Die Anzahl an Käufern blieb gleich, sodass sie im ersten Fall geringer ausfiel als das Sandwich-Angebot, im zweiten Fall höher als das Sandwich-Angebot. Hier bewerteten die Kinder die Sandwiches als leckerer, wenn die Nachfrage das Angebot überstieg, also nur wenige Sandwiches produziert wurden. In Studie 4 sahen die Kinder vier verschiedene Sandwich-Verkäufer. In zwei Fällen überstieg die Nachfrage das Angebot, in zwei Fällen verhielt es sich umgekehrt. Zudem war in jeweils einem Fall die Gesamtanzahl an Käufern und Sandwiches hoch, im anderen niedrig. Es zeigte sich, dass die Kinder glaubten, die Sandwiches stammten von einem guten Verkäufer, wenn die Nachfrage das Angebot überstieg sowie in den Fällen, in denen insgesamt mehr Käufer und Sandwiches gezeigt wurden.
Insgesamt schlussfolgern die Autoren, dass 5- bis 7-jährige Kinder sowohl Informationen zu Nachfrage als auch Angebot berücksichtigen, wenn sie die Begehrtheit eines Produktes einschätzen. Anhand welcher Regel(n) genau die Kinder zu ihrem Schluss kommen (z.B. ob die Rarität eines Produktes eine Rolle spielt), muss in nachfolgenden Studien überprüft werden.
Literatur:
Huh, M., & Friedman, O. (2019). Young children use supply and demand to infer desirability. Developmental Psychology, 55, 2483-2490. http://dx.doi.org/10.1037/dev0000833
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