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Anführungszeichen werden auch «Tüttelchen» genannt, damit wir uns die «Peinlichkeit» ersparen, sie am Ende des Satzes «Abführungszeichen» nennen zu müssen. Dieser Satz (aus naheliegenden Gründen ohne die besagten Zeichen zitiert) stammt aus Rudolf Walter Leonhardts «Auf gut deutsch gesagt».
Alle Schweizer Leser, die nun überlegen, ob sie sich die «Tüttelchen» merken müssen, können beruhigt sein: müssen sie nicht. Der Ausdruck ist ziemlich veraltet, man hört ihn höchstens noch mit der Bedeutung «Kleinigkeit», z.B. etwas «aufs Tüttelchen erledigen».
Und die Abführungszeichen? Hielt ich für einen mässig gelungenen Witz, weil mir dazu sofort Abführmittel einfiel. Teilweise scheint es den Ausdruck aber tatsächlich zu geben, vgl. eine diesbezügliche Debatte auf Leo.
Dass ein Zitat im Deutschen nicht mit dem gleichen Zeichen beginnt und endet, dass nehmen Deutschschweizer jedenfalls genauer als Deutsche: «In Anführungs-und Schlusszeichen», so viel Genauigkeit muss hier selbst mündlich sein, egal ob Mundart oder Hochdeutsch. Prompt liefern die Schlusszeichen, die ich hauptsächlich aus der Schweiz kenne, auf Google mehr Ergebnisse als Tüttelchen und Abführungszeichen zusammen.
Übrigens sehen die Dinger mit den vielen Namen in der Schweiz typischerweise auch anders aus als die deutschen Gänsefüsschen. Hatte ich mich sonst mit den Zeichen begnügt, die Word mir liefert, habe ich sie in diesem Text aus aktuellem Anlass und zu Ehren des berühmten Schweizer Schriftsetzers Adrian Frutiger entsprechend angepasst. (Wer hätte es gemerkt?)
Egal wie sie aussehen und wie genau man sie bezeichnet, häufig tauchen sie an Stellen auf, an die sie definitiv nicht gehören. Meine Lieblingsgeschichte erzählt von einem Waschsalon in einer amerikanischen Universitätsstadt, im dem jemand den Satz: «Please use very little soap» überflüssigerweise zu einem scheinbaren Zitat gemacht hatte. Prompt hatte jemand das Bedürfnis, die Quelle anzugeben, und ergänzte als angeblichen Autor: Karl Marx.
Quelle für die Abbildung: prezentation.chby
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