Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/1665

Alles spricht über Merinowolle. Diese Webseite soll umfassend über Merinowolle, deren Vor- und Nachteile, verschiedene Verwendungsmöglichkeiten und Bezugsquellen für Merino-Produkte informieren.
Das Merinoschaf
Das Merino, bzw. Merinoschaf stammt ursprünglich aus dem nördlichen Afrika und zählt zur Rasse der Feinwoll-Schafe. Grosse wirtschaftliche Bedeutung erlangten die Merinoschafe wegen ihrer begehrten Wolle ein erstes Mal, als sie im Hochmittelalter nach Spanien gelangten. Dennoch sollte es noch bis ins 19. Jahrhundert dauern bis grosse Herden Merinoschafe den Weg in weitere Länder fanden. Heute ist Australien der Hauptproduzent und –Lieferant von Merinowolle.
Herkunft der Merinos
Namensgebend für die Merinos ist mit grosser Wahrscheinlichkeit die Berberdynastie der Meriniden, welche Viehzucht betrieben. Die Berber drangen in der Zeit von 1150 bis 1300 nach Spanien vor und dürften dabei Zuchttiere mit nach Spanien gebracht haben. Heute noch finden sich in den Küstenebenen im Westen Marokkos dem Merino ähnliche Rassen.
Bis zu 800 km legen Herden von Merinoschafen auf der sogenannten Transhumanz – der halbjährlichen Wanderung zwischen Winter- und Sommerweiden – zurück. Bereits damals wusste man den Wert eines Monopols zu schätzen. So untersagte das spanische Königshaus bei Todesstrafe die Ausfuhr von Merinoschafen. Spanien konnte dadurch bis zum 18. Jahrhundert mit der beliebten Merinowolle – der sogenannten „spanischen Wolle“ - konkurrenzlos weltweiten Handel betreiben.
Verbreitung der Merinoschafe
Es muss dann doch wohl irgendwann einen todesmutigen Helden gegeben haben, welcher trotz angedrohter Todesstrafe Merinos aus Spanien ausgeführt hat. Denn im 18. Jahrhundert gelangten Merinoschafe nach Deutschland (Sachsen 1766, Preußen 1783, Württemberg 1786). In Deutschland sind die Merinoschafe mit einheimischen Rassen gekreuzt worden. Das Merinofleischschaf und Merinolandschaf wurden auf diese Weise herangezüchtet. Noch heute ist das Merinolandschaft die häufigste Rasse in Deutschland (fast 30% des gesamten Schafbestandes). In Bayern macht das Merinolandschaft sogar rund 70% des gesamten Bestandes aus.
Europäische Siedler waren es schlussendlich, welche die Merinoschafe schlussendlich nach Australien und Neuseeland eingeführt haben. Diese beiden Länder entwickelten sich bis in die heutige Zeit zu den weltweit grössten Wollproduzenten.
Am weltweiten jährlichen Wollumsatz gemessen beträgt der Anteil Merinowolle etwa 40%. Davon stammen beinahe 100% von australischen Merinoschafen.
Das geschorene, noch vollständig zusammenhängende Wollkleid wiegt 3 bis 5 kg, wobei die Hälfte des Gewichts Schmutz, Wollfett, Schweiß und Pflanzenreste sind.
Nutzung Heute
Bereits in vergangenen Zeiten wurden die Merinoschafe in Spanien nur in geringem Umfang als Fleischlieferanten genutzt. Viel zu wertvoll waren sie wegen ihrer feinen Wolle.
Geschoren werden die Merinoschafe bis auf die Haut (Video: Merino wird geschoren). Das noch vollständig zusammenhängende geschorene Wollkleid wiegt 3-5 kg. Rund die Hälfte des Gewichts sind jedoch Schweiss, Pflanzenreste, Wollfett und Schmutz. Ausgewaschen geben die Merinos durchschnittlich zwischen 2 und 4 Kilogramm Wolle 4 pro Jahr. Von Spitzentieren können bis zu 10 kg Merinowolle gewonnen werden.
Mulesing / Tierschutz
Immer wieder – und zurecht – taucht in der industriellen Produktion von Merinowolle der Vorwurf der Tierquälerei auf. Denn um mehr brauchbare Wolle gewinnen zu können werden insbesondere in Australien z.T. grausame Methoden (Mulesing) angewendet. Beim Mulesing wird ein Stück Haut rund um den Schwanz der Schafe entfernt um dem Befall von Fliegenmaden entgegenzuwirken. Weder während dem Verfahren noch danach werden dem Schaf Schmerzmittel verabreicht. Entwickelt wurde das Verfahren vom Schafzüchter John H. Mules (deshalb Mulesing).
Das Mulesing ohne Betäubung wird von Tierschützern wohl zurecht als unnötig und unmenschlich kritisiert. Das Mulesing verhindere des weiteren, dass sich eine natürliche Resistenz gegen den Fliegenbefall bilden kann. Zudem gäbe es schmerzlose Alternativen:
Unbedenklich für Schafe, bzw. deren Fleisch und Wolle wären z.B:)
- sichere Insektizide
- biologische Fliegenbekämpfung
- Plastikclips für die Schafhaut (breech clips)
- proteinhaltige Behandlung (intradermale Injektionen)[
Natürlich gibt es auch Befürworter des Mulesing – und ebenso natürlich stammen diese meist aus Australien. Dem Land, in welchem beinahe 100% des weltweiten Merinowoll-Bedarfs gedeckt wird, und wo es häufig zu starkem Fliegenbefall kommt. Begründet wird damit, dass es wohl Alternativen zum Mulesing gebe, dass diese jedoch unwirtschaftlich seien. Eine wirtschaftliche Alternative sei aber aufgrund der grossen Zahl der Schafe in Australien unbedingt notwendig.
Das amerikanische Modeunternehmen Abercrombie & Fitch war es schliesslich, welches im Oktober 2004 auf Druck von PETA reagierte und australische Merinowolle wegen Mulesing boykottierte. Weitere Unternehmen schlossen sich diesem Boykott an, darunter mehr als 60 britische Firmen. Dadurch erlebte die australische Wollindustrie grosse Umsatzeinbrüche.
Die auf unserer Webseite unter Herstellerverzeichnis aufgeführten Unternehmen bekämpfen Mulesing und garantieren, dass die von ihnen verwendete Merinowolle aus Betrieben stammt, in welchen Mulesing nicht angewendet wird. Diese Garantie der Lieferanten wird durch unabhängige Prüfer überwacht.