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Herr Faber, Sie unterstützen die Gold-Initiative, die am 30. November vors Volk kommt. Warum?
Marc Faber: Das Zentralbankensystem ist faul. Die Notenbanken haben enorm viel Macht, werden aber nicht kontrolliert. Von der Gold-Initiative, die einen Mindest-Goldanteil von 20 Prozent der Nationalbank-Reserven vorschreibt, verspreche ich mir da eine gewisse Disziplinierung. Wäre es nach mir gegangen, hätte man den Mindest-Goldanteil sogar bei 50 Prozent der Reserven ansetzen sollen.
Warum?
Was die Akademiker und Professoren bei den Notenbanken derzeit mit dem Papiergeld anstellen, ist sehr gefährlich. Die Tiefzinspolitik und die Geldschwemme werden nicht ohne Folgen bleiben. Es findet eine schleichende Enteignung des Volks statt. Und sie wird in Zukunft eskalieren. Eigentlich müsste die Gold-Initiative weltweit umgesetzt werden. Ein Ja in der Schweiz hätte aber bereits eine gewisse Signalwirkung. Ich bin sicher: Der Tag wird kommen, an dem die Notenbanken wieder namhafte Goldreserven halten.
Wird die Gold-Initiative angenommen, dürfte die SNB kein Gold mehr verkaufen. Ist es gut, der Nationalbank solche Fesseln anzulegen?
Sicher. Darum geht es ja: Wir müssen die Nationalbank in Fesseln legen.
Die Mehrheit der Ökonomen und Politiker ist aber überzeugt, dass die Nationalbank unabhängig sein muss.
Die Nationalbank ist schon heute nicht unabhängig. Sie wird unter Druck gesetzt durch andere grosse Notenbanken, die unablässig Geld drucken. Die oft geäusserte Behauptung, dass eine starke Währung das Wirtschaftswachstum verlangsamt, ist ein Irrtum.
Die Schweizer Industrie ist angewiesen auf Exporte. Ein starker Franken würde dies doch erschweren.
Dieses Problem wird überschätzt. Für viele Branchen macht die Stärke des Frankens nicht so einen grossen Unterschied. Der Tourismus könnte konkurrenzfähig bleiben, wenn man die Preise senken würde. Auch bei der Uhrenindustrie ist der Effekt eines starken Frankens gering: Die Leistungen, die in der Schweiz erbracht werden, machen nur einen Bruchteil des Preises einer Uhr aus.
Sie plädieren also dafür, dass die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgibt?
Ja. Klar würde vorübergehend der Druck auf die Schweizer Wirtschaft steigen. Meine Beobachtung ist aber: Länder mit einer starken Währung sind konkurrenzfähig, Staaten mit einer schwachen Währung nicht.
Gegner der Gold-Initiative sagen, dass vorab Spekulanten von einem Ja profitieren würde.
Das sehe ich nicht. Die Käufe der SNB hätten kaum einen nennenswerten Einfluss auf den Goldpreis.
Unterstützen Sie die Gold-Initiative auch finanziell?
Nein. Ich wohne nicht in der Schweiz. Deshalb will ich mich da nicht zu stark einmischen.
Wie Recherchen zeigen, sind beträchtliche Summen aus dem Ausland in die Kampagne der Gold-Initianten geflossen. Finden Sie das gut?
Es gibt wohl bei allen Abstimmungskampagnen fragwürdige Finanzflüsse. Vielleicht sollte man für die Zukunft aber wirklich festlegen, dass ausländische Gelder in Kampagnen nicht verwendet werden dürfen.