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Polit. Gem. ZH, Hauptort des Bez. H. Die im Zürcher Oberland am Bachtel gelegene 1798 aus der gleichnamigen Kirchgemeinde entstandene polit. Gem. H. umfasst die vier auf selbstständige Nutzungsgenossenschaften zurückgehenden Dörfer H., Ringwil, Wernetshausen und Hadlikon, die Weiler Bossikon, Erlosen und Girenbad sowie rund hundert Höfe, von denen die Hälfte vor 1798 entstand. 745 Hunichinwilari (Schenkungsurkunde der Beata-Landolt-Sippe). Diese sowie weitere Schenkungen an das Kloster St. Gallen (u.a. 775 Hadaleihinchova, 829 Pozinhova, 837 Rimolteswilare zusammen mit einer Kirche, ferner 867 Werinholveshusa) belegen eine alemann. Besiedlung. 1637 (nach Bevölkerungseinbruch) 624 Einw.; 1794 2'112; 1850 2'697; 1900 2'864; 1950 3'623; 1980 7'554; 2000 9'157.
In H. bestehen Grundmauern einer röm. Villa aus dem 1. Jh. n.Chr. unter einer frühma. Kirche, die in der 2. Hälfte des 8. Jh. erstmals erwähnt wird. Im HochMA gehörte H. zur Landvogtei Grüningen. Konflikte um Besitzansprüche führten um 1280 zur Liquidation der Herrschaft der Ritter von Bernegg (Burg nachgewiesen) und vermutlich auch von Teilen des Besitzes der Nobiles von H. (Burg nicht nachgewiesen), die zusammen mit weiteren Gütern, insbesondere dem Meierhof des Klosters St. Johann im Thurtal an die Johanniterkommende Bubikon und in geringerem Masse auch an das Kloster Rüti kamen. Nachdem die Johanniter 1451 in H. alle Rechte der Greifenberger Ritter von H. erworben hatten, verfügten sie neben Grundbesitz, Zehntrechten und dem Kirchensatz auch über die Niedergerichtsbarkeit in den Dörfern H. und Ringwil und im Gebiet der nachmaligen Wacht Unterholz. Der Grundbesitz des Klosters Rüti lag hingegen v.a. entlang des Bachtels bis nach Hadlikon. Mit der Verpfändung der Herrschaft Grüningen 1408 und der Säkularisation der Klöster während der Reformation 1525 gelangte der grösste Teil der Herrschaftsrechte in H. an Zürich, diejenigen der Johanniter gingen 1532 an den Orden zurück, der sich aber verpflichtete, nur ref. Zürcher als Statthalter einzusetzen. Als usschidlinge gehörten die Wernetshauser in die freie Dingstatt Binzikon, waren unter Zürich jedoch weitgehend den übrigen Untertanen gleichgestellt. Während der Reformation war H. von den Unruhen um die Täufer besonders stark betroffen.
Um 1600 beschränkten einzelne Dörfer die Zahl der Nutzungsberechtigten (Gerechtigkeiten). Nach einem Bevölkerungseinbruch kamen in den 1640er Jahren Einzugsgebühren für Fremde hinzu. Neben Ackerbau und ländl. Handwerk entstand in der 2. Hälfte des 16. Jh. eine regionale Leinwandproduktion. Ab dem 17. Jh. breitete sich gemeinsam mit der Viehhaltung das Zürcher Verlagswesen aus, vorerst v.a. Seiden-, im 18. Jh. hauptsächlich Baumwollverarbeitung, und beschäftigte 1776 knapp 60% der Bevölkerung. Durch H.s Lage an den Wasseroberläufen blieb die Industrialisierung im 19. Jh. hinter benachbarten Gem. zurück. Viehwirtschaft in Verbindung mit Heimarbeit - Seidenverarbeitung und nach 1880 auch Stickerei - brachte nach dem Eisenbahnanschluss 1876 zusammen mit dem Tourismus eine bis zum 1. Weltkrieg andauernde wirtschaftl. Blüte. Danach trugen mehrere Webschützen-, eine Zuckerwaren- und die Traktorenfabrik Bührer dazu bei, dass H. nicht gänzlich zum Bauerndorf wurde. Die öffentl. Bautätigkeit ab der Mitte der 1950er Jahre (Armeemotorfahrzeugpark, Bezirksgebäude und Kehrichtverbrennungsanlage) und die Bemühungen um neue Industriebetriebe in den 60er Jahren brachten mehrere Unternehmen, namentlich die Ferag AG (Förder- und Verarbeitungssysteme), nach H. Sie bewirkten ein starkes Wachstum im Dorf, während die umliegenden Dörfer und Weiler, ausgenommen Hadlikon, bis in die Mitte der 1970er Jahre noch einen Bevölkerungsrückgang verzeichneten.
Literatur
– M. Brühlmeier, H., 1995
Autorin/Autor: Markus Brühlmeier