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Geschichtliches über den Salbei Salvia officinalis
Der Salbei in der Antike
Salbei wurde schon im 4. Jahrhundert von Theophrast nach der Geburtsgöttin als elelisphakos und von Dioskurides als elelisphakon beschrieben, was Speise der Gebärenden bedeutete.
Die Pflanze war also schon den Griechen der Antike bekannt und wurde dort wahrscheinlich als erstes kultiviert. In der Antike sollen die Philosophie-Schüler jeweils zur Erfrischung des Geistes und zur Erlangung von Weisheit, Zufriedenheit und Erkenntnis ein Salbeiblatt gekaut haben.
Der Römer Plinius nannte ihn im 1. Jahrhundert nach Christus das erste Mal salviam.Dieser Namen wurde aber nicht nur für den Gartensalbei, sondern auch für andere als Heilpflanzen angesehene Arten (z.B. den Muskateller-Salbei (Salvia sclarea) benutzt. Die Bezeichnung wurde im deutschsprachigen Raum dann mit salvator (Erlöser) assoziiert.
Den betörenden Duft soll der Salbei angeblich von der Göttin Aphrodite persönlich als Dank erhalten haben. Diese versteckte sich vor Zeus unter dem Salbei. Als dieser davon erfuhr, liess er die Sonne auf den Salbei herunterbrennen und Aphrodite schützte den Salbei mit samtig dicken Blättern davor.
Capitulare de Villis
Der Salbei kam wahrscheinlich schon zur Zeit der Römer über die Alpen nach Mitteleuropa, wo er dann im 9. Jahrhundert im capitulare de villis von Karl dem Grossen zum Anbau empfohlen wurde und von da an in keinem Klostergarten fehlen durfte. Bald einmal erbettelten die Menschen aus der näheren Umgebung sich Salbeistecklinge und zogen das würzige und heilkräftige Kräutlein im eigenen Garten.
Der Salbei im Hortulus
Der Abt Walafrid Strabo schrieb um 840 in seinem Hortulus:
“Leuchtend blühet Salbei ganz vorn am Eingang des Gartens, Süss von Geruch, voll wirkender Kräfte und heilsam zu trinken. Manche Gebresten der Menschen zu heilen, erwies sie sich nützlich, Ewig in grünender Jugend zu stehen hat sie sich verdient. Aber sie trägt verderblichen Zwist in sich selbst: denn der Blumen Nachwuchs, hemmt man ihn nicht, vernichtet grausam den Stammtrieb, Lässt gierigem Neid die alten Zweige ersterben.”
Auch Hieronymus Bock empfahl ihn im Mittelalter als die edelst Teutsch wurtz.
Und weiter meinte er:
“Unter allen Stauden ist kaum ein Gewechs über die Salbey, denn es dienet dem Arztet, Koch, Keller, Armen und Reichen”.
Im 14. Jahrhundert wurde die Pflanze von der berühmten medizinischen Schule in Salerno so gelobt:
“cur moriatur homo, cui salvia crescit in horto?”
(Warum sollte ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?).
Dieses Sprichwort soll abgewandelt auch bei den Arabern gelten (Wie kann ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?).
Der Salbei im Volksglauben
Es entwickelte sich dann im 15. bis 18. Jahrhundert in Mitteleuropa ein Aberglaube, der dem Salbei magische Wirkungen zuschrieb. So glaubte man, dass das Essen von 3 oder 9 mit Beschwörungsformeln beschriebenen Salbeiblättern vor Fieber und Dämonen schütze. Vor allem in Frankreich und England glaubte man, dass der Salbei als ambrosia deorum unsterblich machen könne.
Aber auch im christlichen Glauben wird der Salbei als Marienpflanze bezeichnet und sogar die heilige Familie soll auf der Flucht nach Ägypten unter einem Salbeistrauch Schutz vor den Verfolgern gefunden haben.
Als Schutz gegen Hexen hängte man früher in gewissen Gegenden ein Büschel Salbei an den Türstock. Bei sich getragen sollte dieses Salbeibüschel auch gegen den bösen Blick, gegen Wetterunbill und anderes Übel, ja sogar gegen die Kraft des Teufels oder böse Gedanken, helfen. Und ein Sträusslein Salbei soll die tapferen Kirchgänger vor dem Einschlafen während der Predigt bewahrt haben.
Heilwissen
Ärzte empfahlen früher eine Salbeikur gegen ein schlechtes Gedächtnis oder ein schwaches Hirn. Und in einem frühmittelalterlichen Rezept gegen Magenschmerzen (ad stomachi dolorem) hiess es: „Salbei und Pfeffer und Salz in altem Weine getrunken heilt.“
Vor der Erfindung der Zahnbürste rubbelten sich die Menschen mit Salbeiblättern die Zähne und das Zahnfleisch ab und im Wäscheschrank sollte der Salbei die Motten fern halten.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass gewisse ätherische Öle des Salbeis tatsächlich helfen können, dass man weniger vergisst. Wer weiss, vielleicht das Alzheimer-Medikament der Zukunft?
Die Chinesen sollen den Holländern einst in einem regen Tauschhandel das 3fache an bestem Tee gegen europäischen Salbei geboten haben.
Redensarten rund um den Salbei
“Pflanze Salbei im Mai und er wird immer wachsen.”
“You'll never die, if you eat sage in May”.(Salbei isst im Mai, wer ewig leben will - Sprichwort aus England)
“Treibt der Salbei üppig aus, herrscht der Mann nicht mehr im Haus.”
“Wo der Salbei gedeiht, ist eine starke Frau im Haus.”
“Damit Salbei gut gedeiht, sollte man ihn am Karfreitag vor Sonnenaufgang beschneiden.”
“Salbei im Garten, der Tod kann warten.”
Weiter hiess es, dass wenn der Salbei gut gedeihe, auch die Geschäfte des Hausherrn gedeihen würden, kümmere der Strauch aber, dann bleibe auch der geschäftliche Erfolg aus.
Ein alter Brauch aus Northamptonshire, England:
Wenn eine junge Frau am Heiligen Abend mit dem Mitternachtsschlag 12 Blätter von einem Salbeistrauch pflücken kann, ohne dass die Pflanze verletzt wird, wird sie den Schatten ihres zukünftigen Ehemannes im Mondlicht sehen.