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In unseren letzten Beiträgen zum Thema “Ernährung und Gehirn” haben wir bereits gesehen, dass unsere Ernährung nicht nur unseren Körper, sondern auch die Gesundheit unseres Nervensystems beeinflusst, unter anderem durch die Interaktion der Darms mit dem Gehirn. Aber können wir auch unsere psychische Gesundheit, unser seelisches Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit durch eine optimale Lebensmittelauswahl beeinflussen? Ist es sogar möglich, psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen zu beeinflussen?
Neuro-Nutrition und Brainfood
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt versuchen, Antworten auf diese Fragen zu finden. Neuro-Nutrition heisst der Wissenschaftszweig, der sich mit der Schnittstelle zwischen Neurologie und Ernährungswissenschaft beschäftigt. Hier wird erforscht, wie sich bestimmte Lebensmittel auf das Gehirn auswirken, welche Lebensmittel und Ernährungsformen ideal für die Funktion des Gehirns sind und vor dem Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen schützen.
Unser Gehirn verbraucht etwa 20 Prozent unseres täglichen Energiebedarfs. Die tägliche Zufuhr bestimmter Nährstoffe ist daher von grosser Bedeutung. Eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen, Obst und Gemüse, auch "Brainfood" genannt, kann nach heutigem Wissensstand zu einer deutlichen Verbesserung der Hirnleistung, der Stimmung, Konzentration und Kreativität führen. Die richtige Ernährung kann ausserdem Stress mindern und den Schlaf verbessern.
Aggressiv wegen Mangelernährung?
Ungesunde Ernährung oder dauerhafte Mangelernährung wirken sich ausserdem negativ auf das Gehirn und das Verhalten aus. Dr. Ap Zaalberg vom Forschungsinstitut des niederländischen Justizministeriums erklärt dies in der Fernsehdokumentation “Unser Hirn ist, was es isst”. Seine Untersuchungen haben gezeigt, dass Jugendliche, deren Mütter während des Zweiten Weltkrieges in den Niederlanden schwanger waren und das ungeborene Kind aufgrund der Hungersnot mangelernährt auf die Welt brachten, diese im Alter von 18 bis 19 Jahren häufiger antisoziale Persönlichkeitsstörungen aufwiesen als Gleichaltrige, die zu einem anderen Zeitpunkt geboren wurden.
Eine andere Studie mit Gefängnisinsassen in den Niederlanden ergab, dass Häftlinge, deren Ernährung reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Fettsäuren war, weniger aggressives Verhalten zeigten. Die Anzahl von aggressiven Konflikten sank um ein Drittel. Weitere Studien mit Häftlingen bestätigen diese Ergebnisse. Dr. Ap Zaalberg betont: "Mit industriell produzierten und stark verarbeiteten Lebensmitteln, die keinerlei Nährstoffe mehr enthalten, füttern wir das Monster in uns." Deshalb ist es wichtig, sich ausgewogen zu ernähren, um Gehirn und Verhalten positiv zu beeinflussen.
Ernährung und psychische Erkrankungen
Ausserdem kann ein Zusammenhang hergestellt werden zwischen emotionalen Störungen, Impulsivität, Aggression und Gewalttätigkeit mit dem Konsum von zu vielen Schnellgerichten. Insbesondere ungünstige Fette und Zucker tragen dazu bei, dass die Nervenzellen nicht mehr richtig zusammenarbeiten, die für das Lernen, die Erinnerung und die räumliche Orientierung verantwortlich sind. Uma Naidoo, Psychiaterin am Massachusetts General Hospital und Ernährungsexpertin, untersucht in ihrem Buch "Ernährung für die Psyche" anhand von verschiedenen wissenschaftlichen Studien, welche Lebensmittel und Nährstoffe förderlich und welche schädlich sind. Sie ist überzeugt, dass eine ausgewogene Ernährung das eigene Wohlbefinden stärken und psychische Erkrankungen zu einem gewissen Grad sogar lindern kann.
Naidoo betont, dass es dabei keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen gibt, weil die Mikroflora im Darm von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Um so wichtiger sei es, die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben zu berücksichtigen und in enger Zusammenarbeit mit der Ärztin oder dem Ernährungsberater eine hilfreiche und sinnvolle Ernährungsstrategie zu entwickeln.
Naidoo sagt ausserdem, dass eine Umstellung der Ernährung nicht als alleinige Lösung für die Behandlung einer psychischer Erkrankungen gesehen werden sollte, sondern als Teil einer umfassenden Behandlung, die weitere Therapien und Medikamente umfassen kann. Dennoch kann eine ausgewogene Ernährung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Risiko einer psychischen Erkrankung zu verringern und den Behandlungserfolg zu verbessern.
Eine gesunde Ernährung ist also kein Allheilmittel für psychische Erkrankungen oder Verhaltensstörungen. Wer sich aber reich an frischen, pflanzlichen und wenig verarbeiteten Lebensmitteln ernährt, kann dazu beitragen, Darmgesundheit, Gehirn und Psyche zu stärken. Die mediterrane Ernährung ((interner Link)) mit viel Gemüse, Getreide, Nüssen, Käse, Hülsenfrüchten, Obst und Omega-3-Fettsäuren wird in diesem Zusammenhang empfohlen. Der Verzehr von verarbeiteten Lebensmitteln, Fast Food, Backwaren und Süssigkeiten sollte reduziert werden.
Das Gehirn isst mit
Es gibt auch Lebensmittel, die sich positiv auf die Produktion von Neurotransmittern auswirken und die Bildung des Glückshormons Dopamin fördern: zum Beispiel Bananen, Avocados, Nüsse, Paprika und Karotten. Bei Serotoninmangel können Kartoffeln, Fenchel, Feigen, Mandeln, Walnüsse, Sesam, Kürbiskerne und Spinat helfen, da sie Vorstufen dieses Botenstoffs enthalten. Insgesamt sollten wir bei unserer Ernährung immer daran denken, dass unser Gehirn mitisst und die richtige Ernährung Gesundheit und Wohlbefinden unterstützen kann.
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Quellen:
https://utopia.de/ratgeber/ernaehrung-gegen-depressionen-macht-essen-gluecklich/
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bibliothek/koerper/darmflora-uebersicht/darm-emotionen
https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/lifestyle/effiziente-ernaehrung-brainfood-gegen-das-monster-in-uns-was-das-gehirn-wirklich-braucht/25315288.html
https://ch.galileo.tv/food/neuro-nutrition-warum-dein-hirn-ist-was-du-isst/
https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/angst-traumata-depressionen-diese-lebensmittel-staerken-die-psyche_id_92929513.html
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