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Der Steinkauz ist eine 22cm kleine Eule, welche unsere Obstgärten, Scheunen und Ruinen bewohnt. Erst mit der Besiedlung des Menschen liess sich der kleine Vogel im Mittelmeerraum bis in die Halbwüsten Asiens nieder. Durch die extensive Bewirtschaftung des Landes verkleinerte sich der Bestand des Steinkauzes jedoch ab den Fünfzigerjahren rasant. Von den mehr als 800 Brutpaaren blieben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nur noch etwa 50-60 Paare übrig. Heute kommt die gefährdete Eule in der Schweiz nur noch in kleinen Gebieten des Tessins, des Kanton Genf und des Jura vor. Durch intensive Schutzaktivitäten von BirdLife - wie etwa dem Pflanzen von Jungbäumen in Obstgärten und der Bereitstellung von Nisthilfen - ist der Bestand im Jahr 2020 wieder auf 149 Reviere angestiegen. Da der Steinkauz nicht mehr unmittelbar vom Aussterben bedroht ist, konnte er von der roten Liste der Schweizer Brutvögel in die Kategorie «stark gefährdet» aufsteigen.
BirdLife International
BirdLife International ist eine Vereinigung globaler Naturschutzorganisationen, darunter auch BirdLife Schweiz, die sich für den Erhalt von Vögeln, ihrer Lebensräume und der Artenvielfalt einsetzen und auf eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen hinarbeiten.
Die Organisation BirdLife ist weithin als weltweit führend im Vogelschutz anerkannt. Wissenschaftliche Erkenntnisse ermöglichen es ihr, erfolgreiche Schutzprogramme für Vögel und die gesamte Natur umzusetzen.
Totenvogel – Mythos oder Realität?
Bereits im alten Griechenland war der knapp 200g leichte Vogel berühmt. In der griechischen Mythologie galt er als Sinnbild der Göttin Athene, welche eine besondere Vorliebe für die Schlauesten unter den griechischen Helden hatte. Die kleine Eule erhielt dadurch den entsprechenden lateinischen Namen «Athene noctua». 525 v. Chr. wurde das Käuzchen auf die Rückseite von griechischen Münzen geprägt, während die Vorderseite der Kopf der Göttin der Weisheit zierte. Auch heute noch ist der Steinkauz auf dem Eypo, der griechischen 1-Euro-Münze abgebildet.
In den Eypo, die griechische 1-Euro-Münze, wird noch immer ein Steinkauz graviert. Chloe MM S, flickr
Im deutschen Volksaberglauben galt der Steinkauz mit seinen gelben, stechenden Augen als Totenvogel. Diesen Namen sowie die Bezeichnung als Leichen- oder Kirchenhuhn verlieh man ihm einerseits aufgrund seiner Nistpräferenz auf Friedhöfen und Kirchenplätzen. Ausserdem lockten die nachts beleuchteten Zimmer von kranken und sterbenden Menschen Insekten und dadurch den im Finsteren jagenden Räuber an. Sein «Kuwitt»-Ruf wurde als «Komm mit»-Aufforderung ins Jenseits interpretiert.
Seine Zukunft in unseren Händen
Beeinträchtigt wird die kontinuierliche Erholung des Steinkauzes von der industriellen Landwirtschaft. Obwohl sich viele Bauern und Bäuerinnen offen für den Schutz des Vogels aussprechen, fliessen aus der Agrarpolitik zu viele biodiversitätsschädigende Subventionen. Noch werden Lebensräume zu wenig konsequent geschützt und aufgewertet. Vor allem Vernetzungsgebiete, die einen Austausch zwischen den Populationen ermöglichen, gibt es bisher kaum. Da gepflanzte Bäume erst nach Jahrzehnten für die Eulen attraktiv werden, müssen geeignete Lebensräume langfristig in Bau- und Nutzungsplänen gesichert werden.
Auch privat kann man sich der Zukunft des Steinkauzes annehmen. Neben Spenden an die involvierten Organisationen können wir durch den Konsum von regionalen Produkten wie beispielsweise Apfelsaft unseren Beitrag zum Erhalt seines Lebensraumes und der Artenvielfalt leisten.