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Die erste Maihälfte war oft sehr kalt und wiederholt fiel Schnee bis in mittlere Lagen, zeitweise sogar bis ins Mittelland. Die Eisheiligen machten ihrem Namen alle Ehre und die Ausaperung liess in hohen Lagen auf sich warten. So kam es, dass Mitte Mai an vielen Messstationen in hohen Lagen noch deutlich mehr Schnee lag als normal um diese Jahreszeit. Die wiederholten Schneefälle und starker Wind führten in der Höhe zu winterlichen und zeitweise gefährlichen Tourenverhältnissen. Einige Lawinenunfälle im Tourengelände mit einem Todesopfer waren die Folge.
Wiederholte Schneefälle erst bis in tiefe Lagen, dann bis in mittlere Lagen prägten diese Berichtsperiode. Die Lawinengefahr ging in der ersten Maihälfte vielmehr von trockenen Lawinen als von nassen Frühlingslawinen aus. In Abbildung 1 ist der Verlauf der Nullgradgrenze dargestellt. Die roten Pfeile markieren die im Detail beschriebenen Niederschlags- und Lawinenperioden.
Am Freitag setzte im Westen Schneefall ein und die Schneefallgrenze sank von 2200 m auf rund 1600 m. Am Samstag fiel im Norden verbreitet schauerartiger, am Sonntag anhaltender Niederschlag. Nur im Wallis und im Süden war es an beiden Tagen teils sonnig. Die Schneefallgrenze sank in der Nacht auf Sonntag auf 400 bis 800 m. In St. Gallen lagen am Sonntagmorgen 20 cm, in Bern 4 cm Schnee, was Neuschnee-Rekorde für diese Jahreszeit waren. In der Nacht auf Montag fiel im Osten noch etwas Schnee und tagsüber blieb es bewölkt. Im Westen und Süden war es am Montag schon recht sonnig. Insgesamt fielen im Norden vielerorts 40 bis 60 cm Schnee oberhalb von 1600 m, lokal auch mehr (Abbildung 2). Nach Süden nahmen die Neuschneemengen ab.
In der Höhe und im Süden blies zeitweise ein starker bis stürmischer Nordwind, der erst am Montag allmählich nachliess. Die Lawinengefahr stieg an und erreichte am nördlichen Alpenkamm die Stufe 3 (erheblich). In Mittelbünden und im Oberengadin fiel weniger Neuschnee als erwartet. In dieser Periode wurden nur wenige Lawinen und Gefahrenzeichen wie beispielsweise Wummgeräusche gemeldet, was auch an der allgemein abnehmenden Meldedichte im Frühling liegt. Vom Titlisgebiet erhielten wir jedoch Meldung über 60 cm, stark verwehten Neuschnee. Bei Sprengungen zur Sicherung des Skigebietes konnten dort am Sonntag oberhalb von 2000 m viele Lawinen ausgelöst werden.
Am Dienstag, 07.05. war es trotz Wolkenfelder recht sonnig. Die Nullgradgrenze stieg auf rund 2000 m (Abbildung 1) und der Westwind wehte mässig. Es erreichten uns einige Meldungen von Lawinenauslösungen durch Personen. Dabei wurde vor allem an Nordhängen im Hochgebirge der Neuschnee ausgelöst. Auch einzelne nasse Lawinen, die sich im Tagesverlauf spontan lösten oder ausgelöst wurden, und die vor allem dem Neuschnee mitrissen, wurden gemeldet (Abbildung 3).
In der Nacht auf Mittwoch setzte im Westen und Süden Niederschlag ein. Im Osten war es am Mittwoch mit Föhn noch teils sonnig, im Verlauf des Donnerstags zunehmend bewölkt. Die Schneefallgrenze sank von 2200 m auf rund 1700 m. Von Freitag bis Samstag fiel immer wieder etwas Schnee, vor allem im Westen und im Norden (Abbildung 4). Die Schneefallgrenze schwankte zwischen 1700 und 2200 m.
Der West- bis Südwestwind blies zeitweise stark und verfrachtete vor allem den Neuschnee, in den östlichen Gebieten teils aber auch noch den Schnee der letzten Niederschlagsperiode. Die Lawinengefahr stieg an und war am nördlichen Alpenkamm und im Unterwallis gebietsweise erheblich (Stufe 3). Besonders die Neu- und Triebschneeschichten waren störanfällig. In den Hauptniederschlagsgebieten des Westens waren diese mächtig. Dem SLF wurden nur wenige Lawinenabgänge gemeldet (Abbildung 5). Einzelne Wummgeräusche wurden aus dem Wallis und dem Bedretto gemeldet. Am Samstag ereignete sich ein Lawinenunfall im Unterwallis (vgl. „Lawinenunfälle“).
In der Nacht auf Sonntag setzte im Norden intensiver Niederschlag ein. Die Schneefallgrenze sank rasch von 1800 m auf 1200 m. Im Verlauf des Sonntags liess der Schneefall nach, hielt aber im Osten noch schwach bis Montagmorgen an. Oberhalb von rund 2200 m fielen am nördlichen Alpenkamm und in Nordbünden verbreitet 30 bis 50 cm Schnee, nur ganz im Süden blieb es trocken (Abbildung 6). Im Westen und im Süden war es am Sonntag bereits aufgehellt. Am Montag war es verbreitet recht sonnig, nur im Nordosten hielt sich die Bewölkung mit der Bise hartnäckig. Am Dienstag und Mittwoch war es im Westen und Süden meist sonnig und mit Mittagstemperaturen um +6 °C auf 2000 m frühlingshaft. Im Osten war es mit Bise weiterhin kalt und oft bewölkt mit einzelnen Schneeschauern oberhalb von rund 1000 m.
Der Wind blies meist mässig bis stark, am Sonntag im Norden stark bis stürmisch aus Nord bis Nordost. Er verfrachtete den Neuschnee und teils auch den noch lockeren Schnee aus der vorangegangenen Niederschlagsperiode (Abbildung 7). Es entstanden störanfällige Triebschneeansammlungen und einmal mehr bildeten Neu- und Triebschnee die Hauptgefahr. Seltene Wummgeräusche und Lawinenabgänge wurden dem SLF besonders aus dem Wallis gemeldet.
In hohen Lagen und im Hochgebirge blieben damit die Schnee- und Lawinenverhältnisse winterlich. Die Neu- und Triebschneeschichten der zweiten Maiwoche waren vor allem an Nordhängen in der Höhe auch Mitte Mai noch störanfällig. Die Schneedecke an Nordhängen war oberhalb von rund 2400 m noch trocken. In den übrigen Expositionen und Höhenlagen stabilisierte sich die nasse Schneedecke während der kalten Nächte, und weichte im Tagesverlauf bei Sonneneinstrahlung oberflächlich jeweils etwas auf. Es wurden nur einzelne Nass- und Gleitschneelawinen gemeldet (vgl. Bildstrecke).
Mitte Mai lag in der Höhe dieses Jahr deutlich mehr Schnee als normal. An Flachfeldern auf 2000 m lagen am Alpennordhang vom östlichen Berner Oberland bis Liechtenstein, im Gotthardgebiet und in Nordbünden noch 2 bis 3 m Schnee. Sonst waren es verbreitet 1 bis 2 m, vom südlichen Oberwallis über das mittlere Tessin bis ins Engadin weniger. Die Schneehöhe im flachen Messfeld auf dem Weissfluhjoch, GR (2536 m, Messungen seit 1937) lag am 15. Mai mit 279 cm auf Rang 1, zwar ein neuer Rekord, aber sie lag damit nur knapp vor den Jahren 1970 (278 cm) und 1937 (274 cm). Darum ist es nicht verwunderlich, dass auch von den 59 IMIS Stationen mit mindestens 20 Jahren Messdauer 51 % Mitte Mai noch nie so viel Schnee gemessen haben wie dieses Jahr. 85 % aller Stationen zeigten entweder Rang 1, 2 oder 3. Darunter waren auch viele Stationen auf der Alpensüdseite und im Engadin (Abbildung 8). Nur gerade 5 dieser Stationen haben Mitte Mai 1999 mehr Schnee gemessen. Allerdings ist im Jahr 1999 bis zum 22. Mai nochmals 30 bis 70 cm Schnee dazugekommen.
In dieser Berichtsperiode ereigneten sich drei Lawinenunfälle mit Personenbeteiligung, wobei am Samstag, 11.05. im Gebiet des Col du Tournelon Blanc (Bagnes, VS) auf 3350 m eine Gruppe von sieben Personen von einer Lawine betroffen war. Dabei verunglückte eine Person tödlich und drei Personen waren verletzt.
Das letzte Lawinenbulletin mit Gefahrenkarte erschien am Montag, 13.05. Am Dienstag, 14.05. erschien ein Textbulletin mit Gültigkeit bis Donnerstag, 16.05. Bis auf weiteres erscheint das Lawinenbulletin als Textbulletin und kann wie gewohnt über www.slf.ch oder die App WhiteRisk abgefragt werden. Zudem sind die Messwerte der automatischen Stationen zu Schneehöhe, Neuschnee, Wind und Temperatur ganzjährig über https://www.slf.ch/de/lawinenbulletin-und-schneesituation/messwerte.html sowie über die App WhiteRisk und verfügbar.
Der nächste Wochenbericht erscheint am 3. Juni 2019.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.