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Ein Interview aus der Schweizer Familie aus dem Jahre 2009
Elisabeth Schnell, als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich?
Ich konnte mich morgens nie an meine Träume erinnern. Das war mir peinlich, also erfand ich Geschichten.
Es gibt nicht nur Nachtträume.
Mit zwölf wollte ich mit Delfinen schwimmen. Davon träume ich heute noch.
Stimmt es, dass Sie als Kind ins Kloster gehen wollten, um mehr Ruhe beim Lesen zu haben?
Daheim hiess es immer: «Was machst du?» Wenn ich antwortete, «Ich lese», hiess es: «Mach doch etwas Richtiges.»
Was lasen Sie denn?
Alles, was mir unter die Augen kam. Einmal brachte ich meine Eltern deswegen in Verlegenheit. Im Estrich hatte ich Bücher gefunden, die ich im Antiquariat verkaufen wollte – unter anderem die «Die vollkommene Ehe» des holländischen Gynäkologen Theodoor Hendrik van de Velde. Meine Eltern sassen in ihrem Restaurant, als ich vor allen Gästen fragte: «Braucht ihr dieses Ehe-Buch noch?»
Sie träumten vom Theater, aber Ihre Eltern wollten, dass Sie zuerst «öppis rechts» lernen.
Ich bin froh, dass ich auf sie hörte und zuerst das Handelsdip-lom machte. So konnte ich mir das Theaterstudium selber verdienen.
War die Büroausbildung eine Qual?
Nein. Aber ich schwänzte manchmal, wenn eine spannende Generalprobe am Schauspielhaus Zürich stattfand.
Wie kamen Sie eigentlich zum Radio?
Am Theater wollte ich Charak-terrollen spielen. Nachdem ich jedoch im Film «Ueli der Knecht» als das «strübschte Meitschi» im Dorf besetzt worden war, wurde ich nur noch für solche Rollen gebucht. Darunter litt ich. Bis die Anfrage von Radio Beromünster kam, ob ich als Ansagerin arbeiten möchte.
Später entschieden Sie sich ganz fürs Radio.
Ein bekannter Radiomann meinte, ich hätte eine perfekte Stimme. Deshalb habe ich mich für das Radio entschieden – und es nie bereut.
Erinnern Sie sich an die erste «Nachtexpress»-Sendung vom 2. Juli 1969?
Wir waren alle sehr aufgeregt.
Wie waren die Reaktionen?
Einige meinten, der «Nachtexpress» könne kein Erfolg werden, weil die Schweizer um zehn Uhr im Bett seien.
Wissen Sie noch, welche Stücke Sie am meisten spielten?
Oft gewünscht wurde das «Kufsteiner-Lied», genauso wie «Der Skilift» vom Cabaret Rotstift.
Was ist Ihr Lieblingslied?
Ich liebe Chansons, mag Yves Montand und Jacques Brel. Edith Piaf habe ich sogar auf der Bühne gesehen.
Der «Nachtexpress» läuft in der Nacht. Hat die Sendung Sie in Ihre Träume verfolgt?
Nein. Wenn es auch Begegnungen am Telefon gab, die mich länger beschäftigten.
Wenn Sie sich selber beurteilen müssten: Sind Sie mehr Träumerin oder Realistin?
Ich bezeichne mich als Mischung. Ich träume gerne im Wachzustand und habe als Wassermann einen grossen Freiheitsdrang. Wenn man jedoch wie ich alleine lebt, ist man gezwungen, realistisch zu sein.
Möchten Sie nochmals 20 sein?
Nein. Unter anderem deshalb, weil ich es traurig finde, was wir unseren Kindern für eine Welt hinterlassen.
Wie fühlt sich das Leben mit 79 an?
Irgendwie hat mein Altersgefühl mit 60 aufgehört. Aber natürlich merke ich es in den Knien, wenn ich Treppe hochsteige. Und ich kann nicht mehr zwei, drei Sachen gleichzeitig machen.
Kommt Ihnen Ihr Leben traumhaft schön vor?
Wenn das Leben ein Traum ist, dann ist es ein schöner Traum. Und ich hoffe, dass auch das Erwachen schön ist.