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Der Generaldirektor des Arktikugol-Trusts, Ildar Neverov, teilte in einem Bericht in der Nachrichtenplattform «Rossiyskaya Gazeta» mit, dass geplant sei, im Herbst 2023 Charterflüge von Moskau und Murmansk nach Spitzbergen aufzunehmen, wodurch russische Touristen die Möglichkeit hätten, den Archipel ohne Visum zu besuchen.
Es ist bekannt, dass Russland gemäss dem Spitzbergenvertrag, der 1935 von der damaligen Sowjetunion ratifiziert worden war, das Recht hat, die Ressourcen des Archipels, vor allem Kohle, abzubauen. Auf dem Archipel wurden in den späten 1920er und 1930 Jahren drei russische Siedlungen errichtet: Grumant, Pyramiden und Barentsburg. Heute ist der einst grosse russische Kohleabbau im Ort Pyramiden jedoch eingestellt, in Barentsburg läuft er noch. Doch auch dort schwächelt das Geschäft, der Ort schrumpft.
Der Spitzbergenvertrag regelt nicht nur, dass Spitzbergen eine demilitarisierte Zone ist. Er sorgt auch dafür, dass Russinnen und Russen kein Visum benötigen, wenn diese direkt von Russland nach Spitzbergen reisen.
Aktuell stehen zurzeit aber nur Flüge ab Tromsø oder Oslo nach Spitzbergen zur Verfügung und für die Reise benötigen russische Staatsbürger ein Schengen-Visum. Wegen den Sanktionen nach dem Einmarsch in die Ukraine ist dieser Weg für russische Staatbürgen so gut wie unmöglich.
Spitzbergen ohne Visum
Für einen Direktflug ab Russland nach Spitzbergen könnte die Visumpflicht im Herbst dieses Jahres aufgehoben werden. Vertreter der Russischen Föderation befassen sich bereits mit diesem Thema. Der Einsatz mit einem kleineren Flugzeug erfordert eine Zwischenlandung in Murmansk. Mit grossen Flugzeugen wäre sogar ein Direktflug ab Moskau möglich.
Gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Novosti erklärte Ildar Neverov, dass insgesamt Investitionen von 10 Milliarden Rubel (110 Millionen Euro) geplant seien. Etwa für Hotels, Skilifte, Restaurants und Museen in Barentsburg und Pyramiden.
Norwegens Aussenministerium weist dagegen darauf hin, dass es russischen Airlines nicht gestattet ist, den norwegischen Luftraum zu nutzen, was auch Spitzbergen betrifft, gemäss den Angaben aus Oslo. Zwar gebe es Ausnahmen, Arktikugol habe bisher aber keine beantragt, heisst es weiter.
Da sich der Flughafen in Longyearbyen befindet, ergeben sich neben den diplomatischen auch logistische Fragen, die den Weitertransport von Passagieren nach Barentsburg und Pyramiden betreffen. Arktikugol hat ihn in der Vergangenheit bereits mit Charterflügen für ihre Arbeiter angesteuert und diese danach per Schiff oder per Hubschrauber weiter nach Barentsburg transportiert. Doch für grössere Gruppen ist die logistische Infrastruktur an keinem der beiden russisch verwalteten Orten geeignet. Ein Ausbau dieser müsste ebenfalls mit Norwegen abgesprochen werden, besonders im Bereich der Umwelteinflüsse.
Spannende Geschichte, da werden noch einige Verhandlungen benötigen. Wir bleiben dran.
Heiner Kubny, PolarJournal