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Gebiete mit Fischotter-Vorkommen (schwarze Quadrate) in den Nachbarländern der Schweiz.

Wo in der Schweiz befinden sich mögliche Gebiete, in denen Fischotter leben können? Sind diese Gebiete miteinander verbunden oder sind sie isoliert? Aus welchen Gebieten können Fischotter in die Schweiz einwandern? Diese Fragen standen im Zentrum der Modellrechnungen der Biologin Carmen Cianfrani des Teams von Professor Antoine Guisan der Universität Lausanne.
In einem ersten Schritt wurde für den Alpenbogen bestimmt, welche Klimafaktoren die Verbreitung der Fischotter einschränken. Ergänzend wurde geprüft, bei welcher Topographie und bei welchen Landnutzungen in Österreich Fischotter vorkommen. Das daraus resultierende Modell wurde auf die Schweiz übertragen und damit die für die Fischotter geeigneten Gebiete berechnet. Gemäss diesem Modell sind in der Schweiz rund 30% der Flüsse für Fischotter geeignet.
Für eine Wiederbesiedlung ist neben der Topografie und dem Umland der Gewässer die Erreichbarkeit dieser Gebiete für Fischotter entscheidend. Zur Bestimmung der Vernetzung zwischen den Gebieten wurde die Eignung der Gebiete als Fischotterlebensraum gemäss dem erstellen Modell und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fischotter einen bestimmten Lebensraumtyp (z.B. Ackerland, Siedlung, Wald) durchquert, kombiniert. Nach diesen Untersuchungen sind besonders die Einzugsgebiete der Aare und des Rheins gut miteinander vernetzt. Zudem bestehen Verbindungen von der Aare zur Reuss und bedingt auch zur Rhone.
Die gleiche Analyse wurde auch für die Umgebung der Schweiz vorgenommen und ergab, dass die Population im französischen Hochsavoyen am besten mit der Schweiz verbunden ist.
Daraus ergibt sich nach dem Model von Cianfrani et al., dass die Schweiz für Fischotter geeignete Gebiete besitzt und eine Besiedlung von Hochsavoyen aus über die Rhone am wahrscheinlichsten erscheint. Von hier aus könnten Einzugsgebiete der Aare und des Rheins besiedelt werden.
Wichtige Faktoren wie Nahrungsverfügbarkeit, Habitatnutzung und Aktivitätsmuster, aber auch Gewässerverschmutzung und die Akzeptanz der Fischotter in der Bevölkerung wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Diese Faktoren können aber die Besiedlung einer Region entscheidend beeinflussen. Es wird deshalb sehr spannend sein, mit den Felddaten und Erfahrungen aus Lutra alpina das Modell weiter zu entwickeln, um detailliertere Angaben über die potentiellen Fischottergebiete der Schweiz zu erhalten.
Cianfrani, C., Maiorano, L., Loy, A., Kranz, A., Lehmann, A., Maggini, R., Guisan, A., 2013. There and back again? Combining habitat suitability modelling and connectivity analyses to assess a potential return of the otter to Switzerland. Animal Conservation, 1-11.