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Basaliome und Spinaliome haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie trotz Behandlung oft rezidivieren – besonders bei Patienten mit vorgeschädigter Haut. In einer Studie wurde untersucht, ob das Auftragen einer 5-Fluorouracil-haltigen Salbe im Gesichtsbereich das Risiko für ein Rezidiv senken kann.
Basaliome und Plattenepithelkarzinome (Spinaliome), auch als weisser Hautkrebs bezeichnet, sind die häufigsten Krebsarten überhaupt. In dieser aktuellen Studie wurde untersucht, ob die Anwendung von topischem Fluorouracil im Gesichtsbereich verhindern kann, dass nach der chirurgischen Therapie eines weissen Hautkrebes ein Rezidiv auftritt. Die 932 Teilnehmer der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie wurden zwischen Mai 2009 und September 2011 in den USA in zwölf Veterans Affairs Medical Centers rekrutiert und bis Juni 2013 nachkontrolliert. Die Patienten hatten alle eine Vorgeschichte von mindestens zwei Basaliomen oder Spinaliomen in den letzten fünf Jahren. 98% waren Männer (US-Armeeveteranen), 99% hatten eine helle Hautfarbe; das Durchschnittsalter betrug 70 Jahre. Die Studienteilnehmer behandelten ihr Gesicht und die Ohren während zwei bis vier Wochen zweimal täglich mit einer Salbe auf der Basis von 5-Fluorouracil (5%). Endpunkte waren erneute, chirurgisch behandelte weisse Hauttumoren im ersten Jahr nach der Anwendung der Salbe und die Zeitdauer bis zu dieser chirurgischen Therapie. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 2,8 Jahre.
In den ersten vier Jahren nach der Anwendung der Salbe trat bei 108 Teilnehmern ein neues Plattenepitelkarzinom auf, davon bei 25 im ersten Jahr. Von diesen 25 Personen hatten fünf (1%) die Salbe mit 5-Fluorouracil angewendet, 20 (4%) hatten die Placebo-Salbe erhalten. Dieser Unterschied war signifikant: Das Risiko für ein erneutes Spinaliom wurde durch die Anwendung der 5-Fluorouracil-Salbe um 75% gesenkt.
299 Teilnehmer erkrankten in den ersten vier Jahren erneut an einem Basaliom, davon 95 im ersten Jahr. Von diesen 95 Basaliomen traten 45 (10%) in der Fluorouracil-Gruppe auf, 50 (11%) in der Placebo-Gruppe. Diese Risikosenkung war statistisch nicht signifikant. Bei den Patienten, die mit 5-Fluorouracil-Salbe behandelt worden waren, mussten sich bei einer erneuten Hautkrebs-Erkrankung aber signifikant weniger einer sogenannten Mohs-Chirurgie unterziehen als bei den Patienten ohne 5-Fluorouracil-Anwendung.
Das Fazit der Autoren: Das Auftragen einer 5-Fluorouracil-haltigen Salbe im Gesicht und an den Ohren kann bei Personen, die ein erhöhtes Risiko für hellen Hautkrebs haben, das Risiko für ein erneutes Auftreten eines Plattenepithelkarzinoms im ersten Jahr nach der Therapie senken. In der Studie liess die präventive Wirkung nach dem ersten Jahr nach, daher müsste die Anwendung der Salbe vermutlich in regelmässigen Abständen wiederholt werden. Das Risiko für Basaliome lässt sich mit der Salbe vermutlich nicht senken. (ee)
Quelle: Weinstock MA, et al.: Chemoprevention of Basal and Squamous Cell Carcinoma With a Single Course of Fluorouracil, 5%, Cream: A Randomized Clinical Trial. JAMA Dermatol 2018 Jan 3. doi: 10.1001/jamadermatol.2017.3631. [Epub ahead of print]
Kommentar von PD Dr. med. Severin Läuchli
5-Fluorouracil in Cremeform wird seit vielen Jahren als wirksame Behandlung von aktinischen Keratosen und oberflächlichen spinozellulären Karzinomen (in situ) eingesetzt. In den letzten Jahren hat sich zunehmend das Konzept der Feldkanzerisierung durchgesetzt, das beinhaltet, dass prämaligne Veränderungen aufgrund einer grossflächigen UV-Belastung meistens in subklinischer Ausprägung an zahlreichen Orten vorhanden sind. Da bei Patienten mit vielen spinozellulären Karzinomen meistens eine solche Feldkanzerisierung vorliegt, erstaunt es nicht weiter, dass durch eine grossflächig angewendete Therapie nach chirurgischer Exzision das Auftreten weiterer Karzinome reduziert werden kann. Die Resultate dieser Studie zeigen aber auch, dass relativ viele Patienten behandelt werden müssen, um ein Karzinom zu verhindern (NNT). Da die Anwendung von 5-FU-Creme abgesehen von den Kosten auch beträchtliche, teils sehr unangenehme Nebenwirkungen hat, sollte eine solche prophylaktische Behandlung vorwiegend Patienten mit zahlreichen spinozellulären Karzinomen und ausgeprägten aktinischen Hautschäden vorbehalten sein.
PD Dr. med. Severin Läuchli Leitung Dermatochirurgie Dermatologische Klinik Universitätsspital Zürich