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Für feinere Mauersteine wird der Thon geschlämmt, um alle Beimischungen zu entfernen und ihn völlig homogen zu machen. In größern
Ziegeleien wird der geförderte Thon sofort auf einem Brechwerk zerkleinert und passiert dann Walzwerke, auf denen er zerquetscht,
zerrissen und in ein dünnes Band
[* 10] verwandelt wird. Man befeuchtet ihn dann mit Wasser, setzt Sand etc. zu
und mischt im Thonschneider. Sollen die aus Thonpulver hergestellt werden, so trocknet man den Thon und pulverisiert ihn auf
der Kugelmühle oder dem Desintegrator.
[* 11]
Die geformten Steine werden an freier Luft oder in Trockenschuppen getrocknet; größere Ziegeleien, die sich von der Witterung
unabhängig zu machen streben, benutzen heiz- und ventilierbare Räume und verwerten soviel wie möglich überschüssige
Wärme
[* 17] der Ziegelöfen. Auch hat man Kanalöfen konstruiert, bei welchen die nassen Ziegel auf Wagen, die sich auf Schienen bewegen,
durch einen geheizten und ventilierten Kanal
[* 18] befördert werden. Für jeden eintretenden Wagen mit nassen Ziegeln verläßt den
Kanal ein Wagen mit trocknen Ziegeln.
gleichmäßigen Brand, liefern die Öfen,
[* 21] von denen die offenen auf den an einigen Stellen erhöhten Umfassungsmauern ein leichtes
Dach
[* 22] tragen. Die gewöhnlichen überwölbten Öfen, denen die erstern in der Konstruktion ähnlich sind, haben am Boden mehrere
Schürgassen von Mauer zu Mauer und Zuglöcher im Mauerwerk zur Regulierung des Feuers. In den ersten 4 Tagen
heizt man gelind und gibt dann erst starkes Feuer, so daß die Mauersteine in 7-8 Tagen gar sind. Nun werden alle Öffnungen verschlossen
und der Ofen 5-6 Tage sich selbst überlassen, worauf er entleert werden kann.
Man hat auch kontinuierliche Öfen nach demselben Prinzip wie die oben erwähnten kontinuierlichen Trockenapparate (PariserÖfen)
konstruiert; weitaus die größte Wichtigkeit besitzt aber der Ringofen von Hoffmann u. Licht,
[* 25] welcher eine völlige Neugestaltung
des Ziegeleigewerbes herbeigeführt hat. Ein oblonger, ringförmiger überwölbter Ofenkanal
[* 20]
(Fig. 3 und
4) besitzt 12-24 Einsatzöffnungen in der äußern und ebenso viele Rauchabzugsöffnungen in der innern Wand; letztere stehen
durch Kanäle mit dem in der Mitte befindlichen Schornstein in Verbindung.
Ein durch einen Schlitz im Gewölbe herabgelassener Schieber unterbricht den Kanal an einer beliebigen Stelle, dabei werden dann
aber alle Einsatzöffnungen bis auf die unmittelbar hinter dem Schieber befindliche vermauert und alle
Rauchabzüge mit Ausnahme desjenigen unmittelbar vor dem Schieber, welcher mit dem Schornstein in Verbindung steht, ebenfalls
geschlossen. Das Feuer befindet sich dem Schieber diametral gegenüber und wird durch Öffnungen im Gewölbe gespeist.
Die Feuerungsgase ziehen nach der Abzugsöffnung und erhitzen die noch nicht gebrannten Mauersteine, während
die Luft durch die offene Einkarrthür streicht, die schon gebrannten Steine abkühlt und deren Wärme für das Feuer nutzbar
macht, so daß eine bedeutende Ersparnis (60-70 Proz.) an Brennmaterial entsteht. Nach 12-24 Stunden wird der Schieber durch
den folgenden Schlitz herabgelassen, die folgenden Einsatz- und Rauchöffnungen werden geöffnet, und
das Feuer wandert nach der nächsten Abteilung.
Auskarren der gebrannten und abgekühlten und Einkarren der frischen Ziegel geschieht ununterbrochen durch die jeweilig offene
Einkarrthür. Der Ringofen verbraucht pro Tausend hart gebrannter Mauersteine kaum 3 Ztr. Steinkohle, und man kann auch geringwertiges
Brennmaterial benutzen; er liefert je nach seiner Größe 2-20,000 Mauersteine pro Tag. Auch baut man etwas modifizierte
Ringöfen für noch kleinern Betrieb und partielle Ringöfen, die leicht in vollständige umgebaut werden können. Um beim
Brennen von Verblendsteinen die Ware mit dem Brennstoff, mit Asche und Schlacken nicht in Berührung zu bringen,
hat man den Ringofen mit permanenten Heizschächten versehen, welche vom Gewölbe aus mit Brennmaterial versorgt werden.
Escherich hat den Ringofen mit Gasfeuerung
[* 26] versehen. Das Gas tritt aus den Generatoren in den Gaskanal, der im Gewölbe des Ofens
dem Brennkanal folgt. In der Entfernung
der Heizlochreihen im Gewölbe des Brennkanals befinden sich im
Gaskanal Öffnungen, die für gewöhnlich durch eine Glocke verschlossen sind. Durch Blechröhren wird das Gas in die reihenweise
angeordneten Heizlöcher und durch diese in vertikale Röhren
[* 27] aus feuerfestem Thon geleitet. Letztere reichen bis zur Sohle des
Brennkanals und sind mit Ausströmungsöffnungen für das Gas versehen. Im übrigen ist der Betrieb der
Gasöfen derselbe wie der der gewöhnlichen Öfen.
Die Ziegeleien liefern sehr verschiedenartige Ware. Die gewöhnlichen Feldbacksteine, Russensteine, Hintermauerungssteine,
aus gewöhnlichem Material ohne besondere Sorgfalt hergestellt, besitzen verschiedene Formate, die zuweilen durch gesetzliche
Vorschriften festgestellt sind. Das deutsche Normalformat hat 0,25 m Länge, 0,12 m Breite
[* 28] und 0,065 m
Dicke. Klinker sind stark gebrannte gewöhnliche oder solche aus besonderm Thon mit Zusatz schwer schmelzbarer Substanzen (Ziegelmehl).
Sie dienen vielfach zum Straßenpflaster (Holland). Für Rohbau benutzt man Blend- oder Verblendsteine (Klopfsteine, Preßsteine).
Diese werden aus sorgfältig zubereitetem Thon, oft zur Erzielung bestimmter Farbentöne aus Mischungen verschiedener Thone
hergestellt und zwar, wie bisweilen auch gewöhnliche als Lochsteine, die sich leichter durchbrennen,
weniger Frachtkosten verursachen und die Wände trocken und warm erhalten. Die Verblendsteine erfordern sehr exakt arbeitende
Abschneideapparate, werden auch bisweilen auf Nachschneideapparaten und nach dem Trocknen nachgeputzt.
Man taucht sie auch mit der Verblendfläche in dünnen Schlamm aus gleichem oder anderm Thon und erzielt,
da sich der Überzug mit der Grundmasse völlig vereinigt, gute und jede beliebige Färbung (Engobieren). Oft werden Verblendsteine
auch farbig glasiert. Ölsteine, Schneidsteine werden aus feinem Material und in mit Öl bestrichenen Formen hergestellt und im
lederharten Zustand nach Schablonen geschnitten, häufiger werden Façonsteine in Formen gepreßt.