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Wer kennt die Enttäuschung nicht? Da tanzt ein Haushaltgerät durch sein elegantes Design aus der Reihe, verspricht viele Vorteile, ist natürlich teurer als alle langweiligen Kenn-ich-schon-Marken im Regal und kaum zu Hause geht der Ärger mit dem unbekannten Gerät so richtig los. So geschehen letzthin mit einem High-Tech-Staubsauger: Das akku-angetriebene Gerät verfügt über kein Kabel, keinen Staubsack, ist klein und leichtgewichtig, sieht sexy aus. Nur nach einer halben Stunde tüchtigem und lautem Saugen ist Schluss. Der Akku muss neu aufgeladen werden. Und irgendwie sind bei diesem Gerät alle mechanischen Teile anders angeordnet. Da kann es passieren, dass ein mittelmässig begabter Hausmann die Prinzipien des Geräts im ersten Moment nicht versteht und meint, dass der Schmutzbehälter unmittelbar unter dem Motor demontierbar sein müsste. Ein fataler Fehler, der mit dem Gang zum Kundendienst endete. Nach einer weiteren Lernschlaufe weiss ich, dass der Behälterdeckel unten angebracht ist und so schnell aufspringen kann, dass der aufgesaugte Dreck nicht im Eimer, sondern auf dem Boden landen kann.
Der britische Erfinder, der 1980 sein erstes Patent anmeldete, beobachtete in den 1970er-Jahren, dass die damals erhältlichen Staubsaugermodelle zunehmend an Saugkraft verloren. In einer Sägemühle entdeckte er einen Fliehkraftabscheider und machte sich dieses Prinzip für die Entwicklung neuartiger Staubsauger zunutze. So genial die Innovation, so unausgereift im Detail das marktfähige Produkt?
Aus einem Wikipedia-Eintrag zum Unternehmen erfahre ich, dass rund 500 Mitarbeiter in der Abteilung Research, Design & Development in der westenglischen Kleinstadt Malmesbury ständig an der Verbesserung der Produkte arbeiten, die Produktfertigung seit 2002 nach Malaysia verlagert wurde, also ziemlich weit weg vom «User» – angeblich aus Kosten- und Expansionsgründen.
Vielleicht passt das Geschäftsmodell der Herstellerfirma geradezu in die wirtschaftspolitische Option Grossbritanniens nach dem Brexit; ohne vertiefte wirtschaftliche Integration nur lose über einen Freihandelsvertrag mit der Europäischen Union verbunden, die industrielle Produktion vernachlässigen, mit dem Commonwealth und auf dem ganzen Globus irgendwie gut Geschäfte machen, ausblenden, dass immer noch die Hälfte der britischen Exporte in die EU gehen.
So viel Realitätsferne wünscht man sich der Schweizer Politik nicht. Noch immer verfügt unser Land über industrielles Know-how, d. h. über gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte, die dafür sorgen, dass die guten Ideen der Ingenieure in zuverlässig funktionierende Produkte umgesetzt werden. Ja, vieles wird importiert. Aber es gibt auch noch Waschmaschinen, Lüftungstechnik-Komponenten, Wärmespeicher und Stückholzheizungen «made in Switzerland», manche schaffen es in den Export.
Viele dieser Geräte überzeugen weniger durch extravagantes Design, sondern durch solide Technik, sehr hohe Zuverlässigkeit und graduelle Verbesserungen da und dort.
Übrigens: Ziemlich unbemerkt vom politischen Lärm pro oder contra EU sind Fachleute aus zahlreichen Ländern und auch aus der Schweiz in Gremien eingebunden, die an zahlreichen Normen und Richtlinien arbeiten, damit Geräte funktionellen sowie gesundheits- und umweltrechtlichen Anforderungen genügen. Diese mühselige Arbeit gehört eben auch zum europäischen Binnenmarkt; sie wird ja zuweilen auch als innovationsfeindlich kritisiert.
Doch zurück zu meiner Erwartungshaltung: Ich will das Gerät im Detail nicht verstehen müssen, sondern es soll einfach tadellos funktionieren und mir dienen.
Manuel Fischer, Redaktor