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Nach diesem Wochenende kann man nur mit einem Spiel anfangen: dem NFC-Spitzenkampf zwischen den Philadelphia Eagles und den San Francisco 49ers. Es ist nämlich nicht unwahrscheinlich, dass diese Teams auch in den Playoffs aufeinandertreffen. Und so ist das gestrige Spiel auch ein Indikator, woran vor allem die Eagles bis zur entscheidenden Saison-Phase noch arbeiten müssen.
Denn die Gastgeber wurden regelrecht überfahren. Der Offensive um Quarterback Jalen Hurts gelang lange nur sehr wenig, und die Defensive hatte überhaupt kein Mittel gegen die «Niners» von Trainer-Genie Kyle Shanahan. Im ersten Viertel zwang Philadelphia den Gegner zwar noch zu zwei Punts, die sechs folgenden Drives endeten aber alle in Touchdowns. Die Defensive der Eagles, letztes Jahr noch eine der besten der NFL, ist in diesem Jahr noch nicht auf demselben Level. Gerade für Deebo Samuel, der beim 42:19-Erfolg seines Teams drei Touchdowns und 138 Yards Raumgewinn erzielte, hatte Philadelphia keine Antwort.
Ohnehin ist Philadelphia insgesamt nicht ganz auf dem Niveau der Vorsaison, als es in der Regular Season eine Bilanz von 14 Siegen zu drei Niederlagen aufwies und im Super Bowl nur ganz knapp an Kansas City scheiterte. Im Anschluss an die letzte Saison verliessen mit Shane Steichen (Indianapolis) und Jonathan Gannon (Arizona) sowohl der Offensiv- als auch der Defensivkoordinator das Team für einen Cheftrainer-Job, ihre Nachfolger arbeiten noch nicht mit demselben Erfolg.
Zwar gewannen die Eagles zehn der ersten elf Spiele in dieser Saison, doch täuschte dies über gewisse Mängel hinweg. Gerade die Erfolge aus den letzten Wochen gegen Dallas, Kansas City und Buffalo vermittelten ein falsches Bild der Dominanz Philadelphias. In allen Partien begingen die Gegner in entscheidenden Situationen Fehler, so unterliefen beispielsweise Kansas City zwei Turnover nahe der Endzone der Eagles. Philadelphia hätte sich also auch nicht beschweren dürfen, hätte es statt dreier Siege drei Niederlagen einstecken müssen.
Auch die weiteren seiner Siege waren meist knapp. Es wurde als besondere Qualität angesehen, dass Philadelphia auch gewinnen kann, wenn es nicht hervorragend spielt. Immer funktioniert das aber nicht, wie die deutliche Niederlage gegen San Francisco zeigt. Die 49ers waren in allen Belangen überlegen und dürfen nun als bestes Team der NFL betrachtet werden.
In den neun Spielen, in welchen Trent Williams, der wichtigste Mann der O-Line, sowie Allzweckwaffe Deebo Samuel auf dem Feld standen, gewannen die «Niners» achtmal. Die einzige Niederlage passierte aufgrund eines vergebenen Field Goals in letzter Sekunde. Mit Christian McCaffrey haben die 49ers zudem einen der besten Runningbacks der NFL in ihren Reihen, und auch die Defensive um Linebacker Fred Warner oder Defensive End Nick Bosa ist hervorragend besetzt. Dazu kommt Quarterback Brock Purdy, der sich in der Shanahan-Offense äusserst wohlfühlt und gegen Philadelphia vier Touchdowns warf und ohne Interception blieb.
Was dem Duell die zusätzliche Würze gab, ist die Rivalität, die zwischen den beiden Teams entstanden ist. Schon im Playoff-Halbfinal der letzten Saison gerieten die Eagles und die 49ers aneinander. Während der letzten Woche stichelten beide Seiten gegeneinander, und in der Partie kam es immer wieder zu Gerangel. 49ers-Linebacker Dre Greenlaw wurde gar des Feldes verwiesen, nachdem er den Sicherheitschef der Eagles mit der Hand im Gesicht getroffen hatte. Dieser durfte in der Folge ebenfalls nicht an der Seitenlinie stehen bleiben.
Noch führt Philadelphia die NFC mit zehn Siegen aus zwölf Spielen an, San Francisco folgt gemeinsam mit Dallas und Detroit mit nur einem Sieg weniger direkt dahinter. Mit dem Direktduell gegen Dallas folgt für die Eagles am kommenden Sonntag gleich der nächste Härtetest.
Kommen wir nun noch zu den Highlights der weiteren Partien. Die Houston Texans haben einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Playoffs gemacht. Gegen die Denver Broncos setzten sie sich 22:17 durch und holten damit den siebten Sieg im zwölften Spiel. Daran hatte der 24-jährige Wide Receiver Nico Collins mit 191 Yards und einem Touchdown einen grossen Anteil.
Für die Entscheidung sorgte aber Safety Jimmie Ward, der kurz vor Schluss einen Pass von Broncos-Quarterback Russell Wilson abfing. Zuvor hatte bereits der 22-jährige Derek Stingley zwei Interceptions gefangen, und mit dem gleichaltrigen Rookie Will Anderson, dem zwei Sacks gelangen, glänzte ein weiterer junger Verteidiger der Houston Texans.
Es war bereits die dritte Interception für den 35-jährigen Wilson, der nach starken Wochen mit fünf Siegen in Serie wieder etwas auf den Boden der Tatsachen geholt wurde. Ganz ohne Highlight blieb aber auch Wilson nicht, neben einem selbst erlaufenen Touchdown warf er nämlich auch einen weiten Pass zu Courtland Sutton, der dabei seinen neunten Touchdown der Saison erzielte.
Die Miami Dolphins setzen ihren Siegeszug fort und holen sich im zwölften Spiel den neunten Sieg. In Washington lenken die Gäste die Partie bereits früh in die richtige Bahn, dank eines Touchdowns vom flinken Wide Receiver Tyreek Hill sowie einer in die Endzone getragenen Interception von Andrew van Ginkel steht es bereits nach dem ersten Viertel 17:0 für die Dolphins. Auch in der Folge nimmt Miami den Fuss gegen die Commanders nicht vom Gas und siegt am Ende 45:15.
Die Carolina Panthers verlieren auch im ersten Spiel nach der Entlassung von Trainer Frank Reich. Unter Interimstrainer Chris Tabor halten die Gäste in Tampa Bay aber lange mit und führen im dritten Viertel zwischenzeitlich gar 10:7. Dank eines 75-Yard-Touchdowns von Mike Evans hält diese Führung aber gerade einmal acht Sekunden an. Evans knackt dank 162 Yards in diesem Spiel auch in seiner zehnten Saison in der NFL die 1000-Yard-Marke. Nur Receiver-Legende Jerry Rice (14 Saisons mit mindestens 1000 Yards) schaffte dies häufiger.
Später erhöht Chris Godwin noch für die Tampa Bay Buccaneers, die Panthers vermögen nur noch auf 18:21 zu verkürzen, Quarterback Bryce Young besiegelt die Niederlage mit einer Interception.
Zwischenzeitlich tat sich Jordan Love als Quarterback der Green Bay Packers schwer, doch in den letzten Wochen kristallisierte er sich immer stärker als legitimer Nachfolger für Aaron Rodgers heraus. Zwar ist nicht vorherzusehen, ob Love die Packers auch einmal zum Titel führen kann, doch gehörte er in den letzten fünf Wochen, in denen Green Bay fünf Siege einfuhr, zu den besten Quarterbacks der NFL.
Dies stellte er auch beim 27:19-Erfolg gegen die favorisierten Kansas City Chiefs unter Beweis. Drei Touchdowns warf der 25-Jährige in der Partie und blieb wie schon beim Sieg gegen Detroit in der Vorwoche ohne Interception. Zweimal war gegen Kansas City Christian Watson der Empfänger – besonders spektakulär sein zweiter Touchdown.
Doch auch sonst glänzte Love mit starken Würfen und vor allem auch damit, dass er in den entscheidenden Situationen einen kühlen Kopf bewahrte und die richtigen Entscheidungen traf. Wie bei einem vierten Down, als er einen tiefen Pass auf Romeo Doubs perfekt platzierte. Da musste für einmal gar Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes einschauen. Es sieht also danach aus, als würden die Packers wie schon vor 15 Jahren, als Rodgers auf Hall-of-Famer Brett Favre folgte, nahtlos in die nächste Quarterback-Ära übergehen.
Nach zwei schwachen Leistungen mit je drei Turnovers reagierte Jared Goff, Quarterback der Detroit Lions, mit einem hervorragenden ersten Viertel gegen die New Orleans Saints. In diesem warf er zwei Touchdown-Pässe und sorgte für eine 21:0-Führung der Gäste. Rookie-Tight-End Sam LaPorta setzte seiner ersten Saison in der NFL mit 140 Yards und einem Touchdown ein weiteres Highlight.
Doch die Saints gaben sich nicht geschlagen und kamen im dritten Viertel zwischenzeitlich bis auf zwei Punkte heran. Am Ende sorgte Jameson Williams, der die ersten sechs Spiele der Saison aufgrund einer Sperre wegen Glücksspiels verpasst hatte, mit einem Touchdown-Lauf für die entscheidenden Punkte. New Orleans konnte lediglich noch auf 28:33 verkürzen. Detroit holte sich den neunten Sieg im zwölften Spiel.
Einen wichtigen Sieg im Playoff-Rennen feierten auch die Indianapolis Colts, die sich gegen die Tennessee Titans in der Verlängerung 31:28 durchsetzten. Hauptverantwortlich dafür waren Alec Pierce, der einen weiten Pass von Gardner Minshew fing und erst kurz vor der Endzone zu Boden gerissen wurde …
… sowie Michael Pittman, der anschliessend den siegbringenden Touchdown erzielte. Tennessee war in der Verlängerung zuvor durch ein Field Goal in Führung gegangen.
ÖSV-Cheftrainer Walter Mayer ist fassungslos, während im Ziel der TV-Reporter Robert Seeger als Platzspeaker derart laut ins Mikrofon brüllt, dass die Lautsprecheranlage den Geist aufgibt. Was ist da bloss geschehen?