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Eine der grössten Bausünden
Gegenüber der Clarakirche steht bekanntlich eine der grössten Bausünden der Basler Geschichte, ein erdrückendes Gebäude, das die Atmosphäre des Platzes bestimmt – und dies alles andere als positiv. Früher stand hier der prächtige Äbtische Hof, ein fantastisches Gebäude aus dem Barock. Der Abbruch dieses Baudenkmal war wirklich eine Tragödie. Die Regierung, die 1951 diese Idee hatte, muss von allen guten Geistern verlassen gewesen sein.
Einen Geist gab es auch
Ja. Einen Geist gab es im Äbtischen Hof auch. Der Mann, dessen Phantom hier spukte, war der Basler Unternehmer Joseph Schetty. Ein Mann, der aus einfachsten Verhältnissen stammte. Er war als Sohn eines Fabrikarbeiters aus der Tabakbranche, der jung gestorben war, im Kleinbasel aufgewachsen.
Seidenfärber
1837, gerade erst 13 Jahre alt geworden, begann der junge Joseph eine Lehre als Seidenfärber. Sein Lehrmeister war Johann Rudolf Wegener, der seine kleine Fabrik am Claraplatz hatte, gleich hinter dem Äbtischen Hof, den der junge Lehrling auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag passierte und bestaunte.
Eigene Färberei
Nach der Lehre gründetet Schetty mit seiner Frau Verena zusammen eine eigene Färberei. Die beiden arbeiteten Tag und Nacht mit Eifer und grossem Fleiss. Aus der kleinen, anfangs einfachen Färberei wurde eine der grössten der Stadt, die im Rappoltshof domiziliert war. Schetty erwies sich als geschickter Geschäftsmann, kam zu Reichtum – und kaufte im Jahr 1873 jenen Äbtischen Hof am Claraplatz, den er als Lehrling so bewundert hatte.
Technische Innovationen
Joseph Schetty war ein Freund der technischen Erfindungen. In seiner Freizeit betätige er sich bei der Feuerwehr, wo er diverse Innovationen einführte. Er liess in seiner Firma bereits in den 1890er Jahre elektrisches Licht installieren und richtete eine der ersten Telefonleitungen Basels ein, zwischen dem Beobachtungsposten auf dem Martinsturm des Basler Münsters und der Feuerwache.
«Schettyhäuser»
Bald nannte die Bevölkerung den Äbtischen Hof «die Schettyhäuser». 1892 stiftete der Unternehmer dem Kleinbasel jenes prächtige Wetterhäuschen, das heute noch am Claraplatz steht, mit seiner grünen Farbe und den herrlichen Details. Anlass der Schenkung war das Jubiläum der Vereinigung des Gross- und Kleinbasels, die im Jahr 1392 stattgefunden hatte.
Das einzige Überbleibsel
Die Eisengiesserei Johann Friedrick Mack aus Frankfurt am Main war auf derartige Anfertigungen spezialisiert. Und ebendort bestellte der wohlhabende Basler das hübsche Häuschen. Heute ist es das einzige Überbleibsel, das hier an den einst so prachtvollen Äbtischen Hof erinnert.