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„Falsche Versprechungen, überrissene Schätzungen, grosse Enttäuschung.“
Unter diesem Titel hat das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH am vergangenen Donnerstag eine Pressemeldung verschickt, um ihre Studie über die Bilanz der Fussballweltmeisterschaft vom vergangenen Sommer in Südafrika publik zu machen.
Ausser der WOZ, der das SAH das 14-Seiten Papier aus Südafrika offenbar vorgängig zur Verfügung gestellt hatte, berichtete kein Medium über die Resultate der Studie mit dem Titel „A Preliminary Evaluation of the Impact of the 2010 FIFA World CupTM: Southafrica“ (Download hier).
Mögliche Gründe:
- Verschwörungstheorie: Wer will es als Journalist oder Medium schon mit der FIFA verderben.
- Die Studie bestätigt nur das, was von Beginn an zu erwarten war.
- Die PR-Abteilung des SAH hat irgendetwas falsch gemacht bei der Verbreitung der Inhalte der Studie (die Vorabveröffentlichung der Inhalte in der WOZ?).
Theoretisch ist es auch möglich, dass die Redaktionen die Studie für unglaubwürdig halten. Dann hätte ich aber zumindest ein SAH-Bashing erwartet. Man hätte zum Beispiel kritisch anführen können, dass die Soft-Effekte „PR für Südafrika und Afrika“ (Tourismus, Investitionsstandort,e tc.) , „Identitätsstiftung Südafrika ud Afrika“ („Schaut her, wir können das!“, „Wir sind wieder wer.“) nicht eingerechnet wurden. Oder: Eine Schätzung der Besucherzahlen vom April ist doch etwas dünn, nachdem das Ereignis inzwischen 2 Monate zurückliegt.
Was auch immer der Grund für die Nicht-Multiplikation der SAH-Studie sein mag, hier sind die wichtigsten Ergebnisse (Zusammenfassung ebenfalls pfannenfertig geliefert durch die SAH-Medienstelle (Download hier):
- „Die Kosten für die südafrikanische Regierung sind um 1709% höher als erwartet – nämlich 39.2 Milliarden Rand (5.5 Milliarden Schweizer Franken) statt 2.3 Milliarden (CHF 321 Millionen)
- Statt des prognostizierten Gewinns von 4.9 Milliarden Rand (CHF 700 Millionen) resultierte für Südafrika aus der WM ein Netto-Verlust von mindestens 20 Milliarden Rand (CHF 2.8 Milliarden) – bei optimistischen Schätzungen. Die FIFA hat gleichzeitig ihre Einnahmen gegenüber der WM 2006 in Deutschland um 50 % gesteigert. Auf Druck der FIFA hat die südafrikanische Regierung die Gewinne der FIFA und ihrer Partner steuerbefreit. Adrian Lackay, Sprecher der südafrikanischen Steuerbehörde meint sogar: „Die Privilegien und Konzessionen, welche wir der FIFA zugestehen mussten, waren schlicht zu hoch und zu erdrückend, als dass für uns monetärer Nutzen hätte entstehen können.“
- Entgegen den Prognosen führte die WM nicht zu neuen, dauerhaften Jobs. Bereits auf Ende Juli 2010 nahm die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr wieder um 4.7% ab. Auf dem Bau gingen zwischen Juni 2009 und Juni 2010 111’000 Jobs verloren.
- Von den 10 für die WM gebauten oder erweiterten Stadien sind mindestens 3 sogenannte „White elephants“, das heisst diese Stadien sind viel zu gross und viel zu teuer, als dass sie nach der WM je kostendeckend weiter betrieben werden könnten. Entgegen den Einwänden des südafrikanischen Fussballverbands und der Vertreter der Fussball- und Cricket-Ligen wurden die Stadien auf Druck der FIFA trotzdem gebaut.
- Anstatt wie 2007 vorausgesagt, kamen nicht 483’000 Touristen nach Südafrika, sondern 373’000 (Schätzung April 2010). Das ist ein Minus von 23%.“
Der offizielle Schlussbericht der FIFA wird übrigens im Dezember erwartet.