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Demenz: Zunahme depressiver Symptomatik nach Absetzen von Antidepressiva
Demenz und Depression sind die beiden häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Bislang liegen zur Wirksamkeit von Antidepressiva bei dementen Patienten nur wenige Studien vor, die zudem widersprüchliche Ergebnisse lieferten. Die norwegische DESEP-Studie untersuchte die Folgen des Absetzens einer antidepressiven Therapie bei Patienten mit Demenz und neuropsychiatrischen Symptomen.
An der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie beteiligten sich 16 Studienzentren in Norwegen. Insgesamt wurden 128 Patienten mit verschiedenen Demenzen (Demenz bei Alzheimer, vaskuläre Demenz, Demenz bei anderen Erkrankungen) und neuropsychiatrischen Symptomen (aber keine Depressive Erkrankung) eingeschlossen. Alle Patienten waren seit mindestens drei Monaten mit Escitalopram, Citalopram, Sertralin oder Paroxetin antidepressiv behandelt worden. Bei 63 Patienten wurden die Antidepressiva innerhalb einer Woche ausgeschlichen, 68 Patienten setzte die antidepressive Medikation fort. Primäre Endpunkte waren Änderungen in der Depressionsskala CSDD (Cornell Scale of depression in dementia) und im NPI (Neuropsychiatric inventory) nach 25 Wochen. Als sekundäre Endpunkte wurden verschiedene weitere Punkeskalen (clinical dementia rating scale, unified Parkinsons's disease rating scale, quality of life-Alzheimer's disease scale, Lawton and Brody's physical self maintenance scale und severe impairment battery) herangezogen.
Nach 25 Wochen hatten Patienten, die ihre Antidepressiva abgesetzt hatten, einen im Schnitt um 2.89 Punkte höheren Score im CSDD als jene, die ihre Antidepressiva fortsetzten (p=0.003). Auch im NPI wurde eine Verschlechterung der depressiven Symptome gesehen, der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant (p=0.068). Bestätigt wurde die Verschlechterung auch in der Nonrespons-Analyse: Signifikant mehr Patienten in der Gruppe mit abgesetzter antidepressiven Therapie zeigten eine Verschlechterung gegenüber der Vergleichsgruppe (54% vs. 29%, p=0.006). Keine Unterschiede ergaben sich bei den anderen Messskalen (sekundäre Endpunkte).
Konklusion der Autoren: Bei Patienten mit Demenz und neuropsychiatrischen Symptomen verschlechterte sich nach Absetzen der antidepressiven Medikation die depressive Symptomatik im Vegleich zu Patienten, die ihre antidepressive Medikation fortsetzten.
Link zur Studie
BMJ 2012;344:e1566 - Bergh S et al.
13.03.2012 - gem