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Erik sah in den Rückspiegel. Sofia fuhr mit dem Finger auf der Scheibe den Weg einer Schneeflocke nach, die schmelzend und immer mehr von sich selbst preisgebend in ruckartigen Bewegungen über die Scheibe rutschte, bis sie schließlich ganz verschwunden war.
Als er sich wieder der Straße zuwandte, wusste er, dass Sofia seinen Blick bemerkt hatte, und schaute erneut in den Spiegel. Ihre Blicke trafen sich einen kurzen Moment lang, dann sah sie wieder zum Fenster hinaus, zu einem alten Bauernhaus aus rot gestrichenem Holz mit seinen Nebengebäuden hinüber, die im Schneetreiben nur schemenhaft erkennbar an ihnen vorbeizogen.
Mit Sofias Schwester hatte er sich früher immer einen Spaß daraus gemacht. Er schaute Emilie an, und sie sah sofort weg. Ob Sofia jetzt auch daran dachte, während sie die schneebedeckten Kiefern und die schmutzigen Verwehungen an sich vorbeiziehen sah? Er war überzeugt davon.
Dem Navi zufolge würden sie das Ziel in sechzehn Minuten erreichen. Sie würden den Kofferraum mit Vorräten vollpacken und sich auf den Weg zur Hütte machen. Elise wollte vor dem Schlafengehen unbedingt noch gemeinsam zu Abend essen. Behagliche Kleidung. Kerzenschein. Er würde Feuer machen. Ein wenig Musik. Ein gemütliches Familienessen. Die erste Nacht in den Bergen. Der Beginn von etwas Neuem.
Die Fahrt von Tromsø hierher war problemlos verlaufen. Zweieinhalb Stunden, die kurze Pinkelpause, der kleine Imbiss und die halbstündige Überfahrt mit der Ullsfjord-Fähre von Breivikeidet nach Svensby eingerechnet. Auf der ruhigen Überfahrt hatte er sich im Anblick der Gipfel und höhergelegenen Hänge der schneebedeckten Berge verloren, die in den violetten Schimmer der Dämmerung getaucht waren. Der Himmel hatte das unvergleichliche Blau von azuritischem Kupfererz angenommen. Das Wasser vor dem Bug der Fähre hingegen war schwarz und unergründlich, ein dunkler Spiegel zwischen den Welten.
Seit drei Tagen hatte es immer wieder geschneit. Die Schneepflüge hatten den geräumten Schnee am Straßenrand zu Schluchten aufgetürmt, während die Menschen schliefen. Er hatte wach gelegen und zugehört, dankbar für die Unterbrechung der Grabesstille in der Nacht. Jetzt trieb der Wind den restlichen Schnee in geisterhaften Verwirbelungen vor den Autoscheinwerfern über den schwarzen Asphalt.
Die Idee, in die Lyngenalpen zu fahren, war dem Wunsch entsprungen, die letzten zehn Monate hinter uns zu lassen. Nicht um zu vergessen – wer könnte das schon? –, sondern um etwas anderes zu spüren. Um wieder atmen zu können. Und das hatten sie bitter nötig. Elise hatte ihm das immer wieder gesagt und zweifellos recht damit. Sie hatte meistens recht.
Ihr Arbeitgeber, die norwegische Sektion vonFriends of the Earth, hätte nicht verständnisvoller sein können. Sie hatten Elise ein herzliches Willkommen bereitet, als sie zurückkam, und ihr sogar diese Reise organisiert, um ihr den Wiedereinstieg zu erleichtern. Und hatte nicht Erik selbst vorgeschlagen, eine Hütte zu mieten, weit weg von allem und jedem? Frische Luft. Skitouren. Polarlichter.
Immer wieder hatte er Elises Blick zum Spiegel beobachtet und gesehen, wie sie den leeren Platz Sofia gegenüber auf dem Rücksitz ansah.
»Heute wird einiges los sein«, mischte Elise sich in seine Gedanken ein. Sie waren inzwischen in der Stadt angekommen.
»Dass hier so viel Betrieb ist, hätte ich nie gedacht«, sagte er über das Lenkrad gebeugt, während