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In diesem Text befassen wir uns mit der Entfremdungstheorie und deren Kritik am Kapitalismus.
Entfremdung vom Produkt
Die erste Dimension der Entfremdungstheorie von Marx besagt, dass der/die Arbeiter_in sich vom Produkt, welches er/sie herstellt, entfremdet. Da das Produkt nicht ihm/ihr gehört, sondern dem/der Kapitalist_in, obwohl er/sie dieses, oder einen Teil davon, selbst gemacht hat.
Entfremdung von der Tätigkeit
Da der/die Arbeiter_in von der Ware die er/sie herstellt durch das Eigentum getrennt ist, wird ersichtlich, dass seine/ihre Arbeitskraft nur Mittel zur Produktion für eineN fremdeN Besitzer _in ist. Der /die Arbeiter_in verkauft lediglich ihre/seine Arbeitskraft an eineN Kapitalist_in, somit wird, was er/sie tut, fremdbestimmt. Die Tätigkeit des/der Arbeitenden entsteht also nicht aus seinem/ihrem Bedürfnis, sondern nur aus Zwang. Folglich entfremdet er/sie sich auch von seiner/ihrer Arbeit.
Entfremdung vom Mitmenschen
Durch die ständige Konkurrenz um Lohn und Arbeitsplätze, entfremdet sich der/die Arbeiter_in von seinen Mitmenschen. Die Menschen werden bei der Arbeit nur dann gemeinschaftlich tätig, wenn dies von dem/der Arbeitgeber_in befohlen wird und seinen/ihren Interessen dient.
Entfremdung von seiner selbst
Als Konsequenz von den vorherigen Punkten, entfremdet sich der Mensch von sich selbst. Er entfernt sich von seinem Gattungswesen und wird vielmehr zu einem abgestumpften Arbeitswesen.
Dies sieht im Alltag etwa so aus:
6:30 der Wecker klingelt, wir ringen mit uns ob wir jetzt wirklich aufstehen, duschen, essen und zur Arbeit fahren wollen. Doch wir müssen unsere Arbeitskraft verkaufen, da wir auf den Lohn angewiesen sind. Wir arbeiten in der Fabrik, produzieren Ware, oder sitzen an der Kasse um die Ware zu verkaufen, damit der Laden bestehen kann und Profit abwirft. Wir verkaufen Call-Zentren Tag für Tag unsere Stimme um Werbung möglich zu machen, betreuen im Minutentakt pflegebedürftige Menschen ohne die nötige Zeit zu haben um sie wirklich als Menschen zu behandeln, oder wir verbringen unsere Zeit an der Universität, einerseits um Wissen zu erlangen an dem wir uns sortieren lassen, andererseits um ein attraktiveres Profil für den Arbeitsmarkt zu haben.
Jedoch merken wir, dass die Dinge, welche wir produzieren, herstellen, erarbeiten oder verkaufen, gar nicht uns gehören. Somit ist zu sehen, dass es nicht wir sind, die Dinge für uns produzieren, sondern dass wir nur unsere Arbeitskraft, an den Produzenten verkaufen. Dazu kommt die Konkurrenz unter den Mitarbeiter_innen, da jede_r mehr, besser und schneller arbeiten will als der/die andere, damit er/sie den Job behalten kann.
Arbeit gegen Lohn ist in der kapitalistischen Gesellschaft absolut notwendig. Mensch arbeitet also nicht, um sich selber zu verwirklichen, sondern weil er sonst gar nicht überleben kann.
Die meiste Zeit unseres Lebens verbringen wir damit unsere Arbeitskraft einem/einer Kapitalist_in zu verkaufen, uns wird diktiert, was wir zu arbeiten und was wir zu unterlassen haben. Kreativität und Solidarität werden so gut es geht unterdrückt und bewusst von der herrschenden Klasse vernachlässigt oder gezielt verlangt für fremde Zwecke wie Werbung, Kultur, Forschung u.s.w.. Konkurrenz und die Angst vom sozialen Abstieg, vom Verlust der Arbeitsstelle und somit vom Entzug unserer Lebensgrundlage (Lohn) zwingen uns, unsere Bedürfnisse und Wünsche in den Hintergrund zu stellen und in erster Linie dafür zu sorgen, dass am Ende des Monats von irgendwo Geld kommt. Wie wir zu diesem Geld kommen, spielt höchstens eine zweitrangige Rolle. Es ist egal, wo die persönlichen Vorlieben und Fähigkeiten jedes/jeder einzelnen liegen. Es wird klar, dass am Ende des Tages nur für den Lohn gearbeitet wird, all das Geschwätz von Spass an der Arbeit und Berufung für diesen Job sind höchstens karrierefördernde Lügen. Alles, was wir leisten, produzieren und erarbeiten, bringt unseren Chef_innen mehr Profit.
Kritische Würdigung
Die Entfremdungstheorie ist eine Kritik am kapitalistischen System, die sich auf den Menschen bezieht.
Obwohl die Entfremdungstheorie bereits aus dem 19. Jahrhundert stammt, ist sie immer noch aktuell und voll zutreffend. Auch wenn man sie nicht wahrhaben will, ist nicht zu bestreiten, dass wir uns vom „uns selber sein“ entfremden. Das ganze Leben lang, bereits von klein auf zielt die ganze Bildung und Entwicklung auf die Karriere in der kapitalistischen Produktion ab.
Entfremdung ausserhalb der Arbeit
Doch die Entfremdung betrifft nicht nur die Arbeit, auch die Freizeit, Ferien, Freund- und Liebschaften, Ausgang usw. sind von der Entfremdung durchdrungene Lebensbereiche. Der Mensch im Kapitalismus wird sich immer fremder. Medien, Information, Politik, Konsum, Sucht und Religion sind nur einige Punkte bei denen klar wird, wie wir uns von uns selbst entfremden. Die Medien vermitteln uns ein Bild vom „guten Leben“ z.B. der Stars oder der Reichen. Es wird vermittelt, dass ein solches Leben erstrebenswert sei und glücklich mache. Durch Werbung sehen wir, wie ein erfülltes Leben aussehen sollte. In der Politik entscheiden einige privilegierte Menschen über unsere Lebensbedingungen, obschon unser Leben unser Leben sein sollte. Durch die Religion geben Menschen ihre ganze Verantwortung einem angeblich übernatürlichen Wesen/einer höheren Macht ab. Durch die wirtschaftlichen Verhältnisse und der daraus entstehenden stetigen Entfremdung von sich selbst sind wir unfähig geworden unsere existenziellen Bedürfnisse und Wünsche zu stillen oder sie überhaupt zu erfahren.
Um frei von Entfremdung und Zwängen zu werden brauchen wir eine weltweite Revolution die jegliche Herrschaftsverhältnisse auflöst. Nur so können wir zu einer neuen Form von Arbeit gelangen, zu einer nach unseren Bedürfnissen organisierten Produktion, ohne Ausbeutung, Trennung von schaffen und verbrauchen, Entfremdung von uns selbst und ohne Konkurrenzkampf. Wir wollen, dass wir nach unseren Bedürfnissen produzieren und nicht für den Profit der Chef-innen, und der Konzerne. Wir wollen nach unseren Fähigkeiten, Gelüsten und Interessen tätig sein.