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Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Bei Männern der «Jogo», an den Seiten rasiert und oben kurz. Die Männer wollen, was die TV-Stars tragen, vor allem Fussballer. Frauen verlangen Postiche: Kunsthaare, die am Hinterkopf angesetzt werden, oft mit Mèches.
Haben Sie eine spezielle Methode?
Wir schneiden die Haare mit der Tondeuse, der Schermaschine. Seit drei Monaten gibt es im Quartier keinen Strom mehr, ein Transformator ist explodiert, und niemand weiss, wann er ersetzt wird. Jeden Tag bringt einer meiner Angestellten eine geladene Autobatterie in den Salon. So laufen die Tondeusen, und ein bisschen Licht können wir auch anmachen, wenn es dunkel wird. Die Leute können auch ihre Mobiltelefone an meiner Batterie aufladen, ich verlange dafür knapp 20 Rappen.
Warum sind Sie Coiffeur geworden?
Die Arbeitslosigkeit ist seit Jahren hoch. Der Besitzer des Salons, in dem ich gearbeitet habe, trank viel und arbeitete wenig. Am Ende hatten die meisten Kunden das Gefühl, ich sei der Chef. Als er den Salon aufgab, habe ich mein eigenes Geschäft eröffnet. Das war vor sieben Jahren.
Wie haben Sie Ihr Handwerk erlernt?
Von meiner Schwester, die es von unserer Mutter gelernt hat. Und als Angestellter.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Das grosse Geld wird mit dem Abbau von Gold und Coltan im Osten des Landes gemacht. Ich würde gern in einer der Minenstädte einen Salon eröffnen, Kamituga zum Beispiel, da werden täglich Tonnen von Gold gefördert. Die Goldgräber machen gutes Geld, und sie wollen nach der Arbeit in der Mine gut aussehen.
Haben Sie viele Stammkunden?
Zwei Drittel meiner Kunden kommen regelmässig, die meisten aus dem Quartier. Es gibt auch ein paar Leute aus den Hilfswerken, sogar einige Weisse, die sich bei mir die Haare schneiden lassen.
Welche Art Kunde ist die grösste Herausforderung für Sie?
Junge Frauen sind schnell unzufrieden. Sie können schon mal wütend werden und mich anschreien. Ich gehe behutsam vor.
Wem würden Sie gerne die Haare schneiden?
Unserem Präsidenten!
Haben Sie sich schon einmal geweigert, einen Wunsch auszuführen?
Wenn eine Frau möchte, dass ich ihr langes Haar kurz schneide. Das ist schade.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Stadt?
Die Stadt ist in den letzten Jahren explodiert. Wer kann, kauft sich eine Parzelle und baut ein Haus. Früher gab es mehr Pflanzen und Bäume, richtige Wälder. Zu Kolonialzeiten nannte man die Stadt das «Venedig Afrikas». Das ist vorbei.
Warum ist Ihr Salon hier?
Er liegt mitten im Quartier, aber nahe an der Hauptstrasse. In Bukavu gibt es viele Coiffeure. Die Besitzerin des nächsten Ladens ist mit mir in der Coiffeurvereinigung, die ich gegründet habe. Wir treffen uns regelmässig und besprechen uns, was die Preise angeht zum Beispiel.
Wo machen Sie Ferien?
Ich arbeite von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends, auch am Sonntag. Ferien mache ich nicht, aber ich reise regelmässig in die Nachbarprovinz oder nach Uganda. Vor allem Kunsthaar für den Postiche und andere Produkte, um Haare zu strecken, sind dort günstiger. Diese Sachen stehen in meinem Salon unter Verschluss.
Der Osten des Landes befindet sich seit Jahren in einer schweren Krise, was bedeutet das fürs Geschäft?
Die Leute haben genug vom Krieg, sie wollen leben! Am Samstag ist mein Geschäft den ganzen Tag voll, man will mit einer perfekten Frisur zur Messe in der Kirche.