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Er ist einer der internationalen Stararchitekten. Jetzt wird Peter Eisenman 90 Jahre alt. Hierzulande verbinden die Menschen den Mann mit dem schwarzen Pullover vor allem mit einem Bau mitten in Berlin.
von Leticia Witte
Peter Eisenman und das Holocaust-Mahnmal in Berlin: In Deutschland wird der US-amerikanische Architekt vor allem mit diesem aufsehenerregenden Stelenfeld in Verbindung gebracht. Was daran liegen dürfte, dass das Mahnmal schon vor seiner Errichtung und danach immer wieder Gegenstand erregter Debatten war. Eisenman ist ein internationaler Stararchitekt, Architekturtheoretiker, lehrte an unterschiedlichen Hochschulen und wurde mit vielen renommierten Preisen ausgezeichnet. Am 11. August wird er 90 Jahre alt.
Geboren wurde Eisenman 1932 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey. Der Sohn jüdischer Eltern studierte an mehreren Universitäten. 1967 gründete er das „Institute for Architecture and Urban Studies“ in New York, das er bis Anfang der 1980er Jahre leitete und das sich mit Architektur und Städtebau befasste. Eisenman gehörte wie auch die Architekten Richard Meier und Michael Graves zu der Gruppe „New York Five“ und nahm an diversen Universitäten Lehraufträge an. Das Büro „Eisenman Architects“ hat seine Adresse ebenfalls in New York.
Eisenman gilt unter anderem als Vertreter des Dekonstruktivismus in der Architektur – wie beispielsweise Frank O. Gehry mit seinem Vitra Design Museum in Weil am Rhein und Daniel Libeskind mit dem Jüdischen Museum in Berlin. Eisenman interessierten im Zusammenhang mit dieser architektonischen Richtung auch philosophische Konzepte von Jacques Derrida, mit dem er im Austausch war. Bekannt sind Eisenmans Bauten wie das Wexner Center for the Arts in Columbus, durchnummerierte Häuser an verschiedenen Standorten oder seine Entwürfe zur City of Culture von Galicien.
Und eben das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das im Mai 2005 im Herzen Berlins eröffnet wurde. Die gleichnamige Stiftung versteht es als zentrale Holocaustgedenkstätte in Deutschland zur Erinnerung an die rund sechs Millionen jüdischen Opfer der Schoah. Auf 19.073 Quadratmetern stehen auf einer unebenen Fläche 2.710 verschieden große Betonstelen – sie ergeben aus der Vogelperspektive betrachtet das Bild eines wogenden Feldes. Unter dem Gelände befindet sich zusätzlich ein Ort der Information über die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden in der NS-Zeit. Diesen Ort hatte Eisenman ursprünglich nicht vorgesehen.
In einem Spiegel-Online-Interview zur Eröffnung des Mahnmals sagte Eisenman über das Ergebnis seiner jahrelangen Arbeit: „Ich glaube, es ist ein bisschen zu ästhetisch. Es sieht ein wenig zu gut aus. Nicht, dass ich etwas Hässliches wollte, aber ich wollte nichts, das nach Design aussieht. Ich wollte das Gewöhnliche, das Banale.“ Während seiner Arbeit war er für die eine oder andere Äußerung auch scharf kritisiert worden. Dazu sagte er: „Ich bin Amerikaner und verstehe hiesige Empfindlichkeiten oder den Humor, der hier vorherrscht, nicht. Manchmal war es schwer, all dem gerecht zu werden.“
Das Mahnmal sei für „die Deutschen“, erklärte Eisenman weiter. „Es ist eine wundervolle Geste des deutschen Volkes, dass sie etwas ins Zentrum ihrer Stadt setzen, das sie erinnert – erinnern könnte – an die Vergangenheit.“ Um Schuld gehe es dabei nicht. Und: „Es ist kein heiliger Ort.“ An die Adresse der Menschen hierzulande riet Eisenman: „Hören Sie auf, mir ein gutes Gefühl verschaffen zu wollen. Wenn Sie Antisemit sind, in Ordnung. Wenn Sie mich persönlich nicht leiden können, in Ordnung. Aber behandeln Sie mich als eigenständige Person, nicht als Juden.“
Nicht weit vom Mahnmal entfernt steht ein weiterer Berliner Bau von Eisenman, der oft im schwarzen Pullover oder mit Fliege zu sehen ist: das Haus am früheren Checkpoint Charlie. Geht man von dort noch ein Stück weiter, steht man vor dem Jüdischen Museum mit seinem Neubau von Libeskind, dessen Ausstellungen jüdisches Leben zeigen, aber eben auch an die Schoah erinnern. In dieser Architektur kann man mitunter die Orientierung verlieren, so dass einem ein wenig schwindelig wird – ganz ähnlich wie beim Durchwandern des Eisenmanschen Holocaust-Mahnmals.
KNA/lwi/pko