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Thomas Meier: Ich bin etwas überrascht. Unsere Botschaft in der Medienmitteilung war klar: Wir wollen mit neuen strategischen Ansätzen in absehbarer Zeit für das Unternehmen Wert schaffen. Diejenigen, die heute Morgen Aktien verkauft haben, sehen vielleicht auch nicht genug gut, dass wir in der Kommerzialisierung unserer Produkte Erfolg haben. Sie haben vermutlich mehr auf die Kosten geschaut.
Der Verlust hat sich im Halbjahr in der Tat ausgeweitet. Was hat die Kosten bei Santhera in die Höhe getrieben?
Mit den Forschungen zu POL-6014 (Anm. d. Red: Eine Wirkstoffentwicklung gegen neutrophile Elastase, in Lizenzvereinbarung mit Polyphor) haben wir seit Februar neue Investitionen vorgenommen, dies hat zu Buche geschlagen. Wir sind im Moment als Gesamtunternehmen sicherlich nicht in der Lage, profitabel zu werden. Wir betonen aber, dass wir mit dem Medikament Raxone für die Augenkrankheit LHON die Profitabilitätsschwelle erreichen und dass dort die internen Kosten durch Einnahmen gedeckt sind.
Santhera könnte enorm profitieren, wenn der Wirkstoff Idebenon, der als Raxone kommerzialisiert wird, auch gegen die Erbkrankheit Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) eingesetzt werden könnte. Da hat es aber mehrere Rückschläge in der Zulassung gegeben. Warum geht es mit der Zulassung nicht voran?
Ich möchte entschieden zurückweisen, dass wir da nicht vorankommen! Wir werden im Frühjahr nächsten Jahres dazu neue Daten einreichen. Die Behörden haben neue Daten von uns verlangt, und diese haben wir jetzt. Wir können mit Messungen der Atemfunktion zeigen, wie sich Idebenon in einen echten Nutzen für den Patienten übersetzt. Wir können dank Langzeitstudien auch nachweisen, dass der Behandlungseffekt über vier Jahre bestehen bleibt.
In welchem Markt werden Sie die Daten einreichen und können sie einen Zeitraum nennen, in dem eine Zulassung möglich ist?
In der EU werden wir die Daten im ersten Quartal 2019 einreichen, und dann dauert es ein Kalenderjahr. Wir haben diese Daten bereits, müssen sie aber in den nächsten Wochen mit mehreren nationalen regulatorischen Behörden vorbesprechen. Wir möchten von diesen Behörden Feedbacks, um die Daten dann optimal präsentieren zu können. Daher geht es bis nächsten Frühling.
Wie ist es in den USA?
Dort ist der zeitliche Ablauf nicht so klar. Es kommt drauf an, wie sich die US-Behörde FDA verhält, wenn wir sie im Lauf des Herbsts noch einmal kontaktieren. Wenn die FDA es uns erlaubt, die jetzigen Daten einzureichen, könnte es mit der Zulassung sogar noch schneller gehen als in Europa. Ich will dies im Moment aber noch nicht in Aussicht stellen.
Wir hatten bei cash.ch einige Leserkommentare, die aussagten, dass Santhera bald das Geld ausgehe. Was können Sie zur weiteren Finanzierung sagen?
Dieses Thema mag auch ein Grund sein, warum heute die Anleger aus meiner Sicht etwas überreagieren. Natürlich kennen wir unsere Bilanzzahlen, und natürlich bin ich mir bewusst, dass Santhera weiter finanziert werden muss. Wir möchten dies mit unserer Strategie koppeln. Diese besteht aus drei Punkten: Erstens, der Verkauf wird in weitere Länder ausgeweitet, beispielsweise Südkorea. Zweites: Mit POL-6014 haben wir gezeigt, dass wir weitere Produkte einlizenzieren können. Und drittens können wir uns auch vorstellen, mit kommerziellen Partnern Produkte auf den Weg zu bringen.
Spielt der neue Anlauf zur Zulassung von Raxone bei DMD eine wichtige Rolle?
Wir möchten abwarten, bis die breite Anlegerschaft auch wieder den Wert von DMD anerkennt. Ja, es gab da Rückschläge, aber jetzt haben wir die neuen Daten und sehen den regulatorischen Weg vor uns. Im Laufe des Herbsts werden wir mehr über dieses Thema sprechen können. Dann sollte sich auch der Aktienkurs erholen. Dann können wir an eine Finanzierung denken.
Eine Kapitalerhöhung ist also weiter wahrscheinlich?
Von den Zahlen her werden wir es nicht bis zum ersten Quartal 2020 schaffen, also bis zum Zulassungsentscheid der EU-Behörde. Das ist aber nichts Neues. Trotzdem haben wir POL-6014 einlizenziert, um für das Unternehmen mehr Wert zu schaffen.
Aktionäre von Santhera haben innerhalb von drei Jahren einen Kursrückgang von knapp 140 auf unter 16 Franken hinnehmen müssen...
… Moment! Wenn Sie das sagen, müssen Sie auch sagen, dass der Kurs vorher von 3 Franken auf 140 Franken gestiegen ist.
Absolut richtig, und dies dürfte ein Grund sein, weswegen die Aktie von Santhera viele Anleger und auch die Leserschaft von cash.ch so stark interessiert. Aber nichtsdestotrotz: Was ist ihre Botschaft an die Investoren?
Den Aktionären sage ich, dass unsere Strategie mit den drei genannten Punkten weiteren Wert für das Unternehmen schaffen wird. Das DMD-Asset wird wieder zur Zulassung gebracht, zuerst in Europa. Da ist der Weg klar. Zudem haben wir auch Möglichkeiten, auch ausserhalb der klassischen Eigenkapitalfinanzierung über den Aktienmarkt an Mittel zu kommen. Wir reden da etwa von Lizenzgebühren oder der Abgabe von Rechten, beispielsweise in Asien.