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Online-Beratung: Mittelmeerdiät gegen Herzinfarkt?
Herz-Kreislauf, Gefässe
Frage:
Stimmt es, dass man mit Olivenöl im Rahmen einer sogenannten Mittelmeerdiät das Herzinfarktrisiko vermindern kann?
m, 58-jährig
Antwort:
Mit Mittelmeerdiät oder Kreta-Diät ist die Ernährung der alten Griechen gemeint, mit über 30 % der Energie in Form von Fett, und davon über 90 % in Form von Olivenöl, vielen komplexen Kohlenhydraten (Mehrfach- und Vielfachzucker), Früchten und Gemüse. Sie ist reich an ω-3-Fettsäuren, Antioxidantien und Pflanzenfasern. In der bekannten Lyon Diet Heart Study konnte tatsächlich gezeigt werden, dass sich bei Teilnehmern, welche einen ersten Herzinfarkt erlitten hatten, unter Mittelmeerdiät nach vier Jahren sowohl weniger Herztodesfälle als auch weniger nichttödliche Herzinfarkte ereignet hatten als bei Teilnehmern unter Normalkost, und zwar beides um den Faktor drei. Insgesamt konnte das Risiko für Herztod und nicht tödliche Herzinfarkte um 72 % gesenkt werden, die Gesamtsterberate wurde um 56 % verringert. Den Studienteilnehmern mit mediterraner Kost (Mittelmeerdiät) wurden folgende Vorgaben beim Essen gemacht: mehr Brot, mehr Wurzelgemüse, mehr grüne Gemüse, mehr Fisch, weniger Fleisch (und wenn, Geflügel anstatt Lamm, Schwein, Rind), kein Tag ohne Frucht, Margarine auf Rapsölbasis statt Butter und Rahm, Oliven- und Rapsöl als Öle, mässiger Alkokolkonsum.
In zahlreichen weiteren Studien konnten diese Studienergebnisse bestätigt werden. Die Mittelmeerdiät vermag auch die Sterberate bei bisher herzgesunden Personen zu senken. Weiter konnte nachgewiesen werden, dass ein hoher Obst- und Früchtekonsum auch das Schlaganfallrisiko senkt.
Interessanterweise ist die Wirkung nicht auf eine entscheidende Veränderung des Cholesterinspiegels zurückzuführen, dessen Erhöhung ja ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten darstellt. Eine medikamentöse cholesterinsenkende Therapie vermag die Sterblichkeit auch zu senken, die Mittelmeerdiät ist aber diesbezüglich noch wirksamer. Es handelt sich wie oben aufgeführt auch nicht um eine fettarme Ernährung, wie man erwarten würde bei herzgesunder Kost. Aber es kommt eben auf die Art der Fette an. Die Effekte der mediterranen Ernährung sind unter anderem durch die reichlich enthaltenen einfach ungesättigten Fettsäuren (Ölsäure) und die ω-3-Fettsäuren beziehungsweise ihre Vorstufe, die alpha-Linolensäure, sowie Antioxidantien erklärbar. Olivenöl ist reich an Ölsäure, ebenso das Rapsöl, das ausserdem noch reichlich alpha-Linolensäure enthält. Diese Fettsäure findet sich sonst noch in Nüssen, Leinsamen und dunkelgrünem Blattgemüse und gilt als besonders herzgesund. ω-3-Fettsäuren sind vor allem in Fischen enthalten, insbesondere den fetten Meeresfischen. Zu den Antioxidantien gehören unter anderen Vitamin E und Polyphenole, welche ebenfalls in Olivenöl enthalten sind, aber auch Vitamin C, Carotinoide und gewisse Spurenelemente. Sie sind wertvolle Inhaltsstoffe vieler Früchte und Gemüse und des Weins (Polyphenole). Vereinfacht ausgedrückt können sie gewebsschädigenden Einflüssen und dem Alterungsprozess entgegenwirken.
Für eine gesunde Ernährung ist auf eine ausgewogene Mischkost zu achten, die ausreichend Energie und die lebensnotwendigen Nähr- und Schutzstoffe zur Verfügung stellen kann. Sie sollte möglichst abwechslungsreich sein und schonend verarbeitet und zubereitet werden. Auch Genuss und Freude am Essen sollen nicht zu kurz kommen. ω-6-Fettsäuren sollten zurückhaltend konsumiert werden, das Verhältnis zu den ω-3-Fettsäuren beträgt idealerweise weniger als 5:1 (unter unserer gängigen Kost 10:1). Beide Fettsäuregruppen sind aber wichtig, da es sich um essentielle Fettsäuren handelt, die der Körper nicht selber herstellen kann, die ihm also zugeführt werden müssen. In die Gruppe der ω-6-Fettsäuren gehören die Linolsäure (in Distel- und Sonnenblumenöl) und die Arachidonsäure (in tierischen Produkten). Mit Zurückhaltung sollten sie konsumiert werden, weil sie die Bildung von Blutgerinnseln und Entzündungsprozesse fördern können und sich ungünstig auf den Cholesterinspiegel auswirken. Wichtig ist schliesslich eine genügende Trinkmenge, also circa eineinhalb bis zwei Liter täglich. Ungesüsste Getränke, insbesondere Wasser und Tee, sind zu bevorzugen.
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10.05.2012 - dzu