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Fehlernährung im Kindesalter führte zu Skorbut
"Mäkeligkeit", also eine restriktive Essstörung führte bei einem 14-Jährigen dazu, dass er sich fast ausschliesslich von Pudding ernährte. Ein Fallbericht zeigt, wie eine Fehlernährung in Extremfällen zu Skorbut führen kann.
Ein 14-jähriger Junge wurde aufgrund von Beinschmerzen und einem ungewöhnlichen Gang von seinem Hausarzt ins Krankenhaus eingewiesen. Bei den Laboruntersuchungen wurden unter anderem eine normozytämische Anämie und eine schwere Gingivitis mit Zahnfleischbluten festgestellt.
Es stellte sich heraus, dass der Junge seit mindestens einem Vierteljahr fast ausschliesslich Schokolade-Vanille-Pudding gegessen hatte. Bereits seit dem dritten Lebensjahr lehnte er rohes Obst und Gemüse komplett ab und ass gekochtes Essen nur selten, zum Beispiel als Pizzabelag.
Der Junge wies einen BMI von 14,4 kg/m2 auf und hatte Hämatome an den Knien sowie einen beidseitigen Spitzfussgang und Wadendruckschmerzen. Die Knie konnte er nicht vollständig durchstrecken und die Füsse nur eingeschränkt heben. Die Labortests ergaben einen stark erniedrigten Vitamin-C-Spiegel, einen niedrigen Folsäurewert, einen erhöhten Homocysteinwert und einen niedrigen Hämoglobinwert. Die Diagnose war eindeutig: Der Teenager litt an Skorbut, der durch eine restriktive Essstörung (avoidant restrictive food intake disorder ARFID) verursacht wurde.
Kostaufbau begann parenteral und vorsichtig
Aufgrund der durch Mangelernährung bedingten Kachexie war zunächst eine parenterale Ernährung erforderlich. Um das Refeeding-Syndrom zu vermeiden, wurde die Nahrungszufuhr langsam und mit niedriger Kalorienzufuhr gesteigert. Zusätzlich erhielt der Junge verschiedene Lebensmittel oral, was aufgrund seiner Ablehnung von allem ausser Schokopudding schwierig war. Durch eine hochdosierte intravenöse Vitamin-C-Gabe über eine Woche und die Einnahme eines Multivitaminpräparats verschwanden die Symptome fast vollständig.
Anschliessend begann eine multidisziplinäre Therapie der Essstörung, um den Patienten schrittweise an eine ausgewogene Ernährung heranzuführen. Er lernte, mit seiner starken Abneigung gegen verschiedene Lebensmittel umzugehen und benötigte keine Nahrungsergänzungsmittel mehr.
Skorbut wird heute oft erst spät erkannt
Skorbut ist heutzutage selten geworden und wird aufgrund seiner vielfältigen Symptome oft erst spät erkannt. Es kommt auch häufig zu Fehldiagnosen wie Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder Krebserkrankungen. Besonders gefährdet sind Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung oder Autismus. Eine frühzeitige Diagnose kann schwere, möglicherweise sogar tödliche Komplikationen verhindern.