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(Kt. Graubünden,
Bez. UnterLandquart, Kreis
Fünf Dörfer). 564 m. Gem. und Pfarrdorf, am O.-Fuss
des
Calanda, am linken Ufer des
Rhein und 4 km n.
Chur. Am rechten Ufer des
Rhein die Station Haldenstein der
Rätischen Bahn
(Chur-Landquart-Davos). Postablage, Telegraph, Telephon. 74
Häuser, 464 reform. Ew. deutscher Zunge.
Wiesen- und Obstbau. Viehzucht.
Fruchtbare Gegend und schöne Lage. Das Dorf verschiedene
Male durch Feuer zerstört, so u. a. im 18. Jahrhundert
und 1825. Das neue
Schloss Haldenstein, heute Eigentum eines der Zweige des Geschlechtes von
Salis, ist im 16. Jahrhundert
von J. J.
Castion, dem französischen Gesandten bei der Republik der 3
Bünde, erbaut worden.
Ueber dem Dorf die alten Burgruinen Haldenstein,
Grottenstein und Lichtenstein. Haldenstein bildete bis
zur französischen Revolution eine selbständige
Herrschaft, der das Recht zustand, Münzen zu schlagen, wovon sie reichlichen
Gebrauch machte. In der
alten Burg befand sich 1761-71 das von
Martin Planta und H. Nesemann gegründete
Rätische Seminar,
das von zahlreichen jungen Leuten aus der
Schweiz und dem Ausland besucht und später nach
Marschlins verlegt
wurde. Vergl.
Bott. Die ehemal.HerrschaftHaldenstein.Chur 1864. - Keller, A. Das rät. Seminar in Haldenstein-Marschlins
(im 10. Jahresbericht über das Töchterinstitut und Lehrerinnenseminar inAarau). - Trachsel, C. F. Die Münzen und MedaillenGraubündens. 3 Lief.
Berlin 1866-69. - Geigy, A. HaldensteinundSchauenstein-Reichenauund ihre Münzprägungen
(im
Bull. de la Soc. suisse de numismat. 1889).
320000 Fr. Getreide-, Futter- und Kartoffelbau, Viehzucht. Baumschulen und Gartenbau. Ein an der Wutach stehendes Elektrizitätswerk
versorgt Hallau seit 1895 mit Kraft und Licht. Verschiedene Gesellschaften und Vereine. Armenhaus, 1833 erbaut. Seit einigen
Jahren geht die Einwohnerzahl von Hallau wegen ziemlich starker Auswanderung in die übrigen Schweizer Kantone zurück.
Die Hallauer sprechen einen eigenartigen Dialekt, der sich von dem der Nachbarn u. a. durch die Substitution von o für u
(Bronne für Brunne) und die gutturale Aussprache des r unterscheidet.
Hallau gehörte kirchlich zuerst zu Neunkirch und erhielt 1424 eine Kaplanei; 1508 wurde die Kapelle zur Pfarrkirche umgewandelt
und Hallau zur eigenen Kirchgemeinde erhoben. Die Kirche 1751 umgebaut. Der Taufstein stammt von 1613. Eine
zweite, 1491 erbaute Kapelle ist jetzt zur Hauptkirche geworden; ihr in schönem gotischem Stil aus Stein gehauener Taufstein
stammt von 1509, die einstigen Glasmalereien sind verschwunden. Zur Zeit der Reformation ging beinahe die ganze Bevölkerung
zu den Wiedertäufern über, kehrte aber bald zur reformierten Staatskirche zurück. Schon 1508 ward
eine Schule eingerichtet, die man in einem alten Turm der Befestigungswerke unterbrachte. Dieser Turm trägt heute noch folgende
Inschrift: «Lernung ist besser dann Haus und Hof, dann wann Haus und Hof hin ist, ist Lernung noch vorhanden.»
Das heutige Schulhaus schön gelegen. Stattliches Rathaus. Kleine Sammlung von Altertümern.
Hallau erscheint urkundlich zum erstenmal 1064 als Hallaugia, Hallowa, dessen etymologische Deutung unsicher ist. Seit dem 11. Jahrhundert
war das 1050 gegründete Kloster Allerheiligen in Schaffhausen
der grösste Grundbesitzer in dieser Gegend. Der Bischof von Konstanz erwarb 1302 die
hohe Gerichtsbarkeit über das Dorf; doch kümmerten sich die Bewohner von Hallau nie viel um ihren Oberherrn. Im Schwabenkrieg
nahmen die Hallauer wacker Partei für die Eidgenossen und zeichneten sich besonders am aus, an welchem Tage sie
während 10 Stunden gegen eine 20 fache schwäbische Uebermacht Stand hielten und sie schliesslich noch
in die Flucht schlugen.
Schon zu dieser Zeit war in Hallau und Neunkirch der lebhafte Wunsch nach Anschluss an die Eidgenossenschaft vorhanden, konnte
aber wegen des Widerstandes des Bischofes noch nicht verwirklicht werden. Die Reibereien zwischen den Hallauern und ihrem
Oberherrn und die Unentschlossenheit des Abtes von Allerheiligen ermöglichten es der Stadt Schaffhausen,
sich 1521 der Ortschaft zu bemächtigen. Der durch die Bauernbewegung jener Zeit beunruhigte Bischof verkaufte dann 1525 die
kleine Staat Neunkirch und seine Hoheitsrechte über Hallau an Schaffhausen.
Da
in der Folge die Schaffhauser Obrigkeit sich wie in andern
Städten zu einer despotischen Aristokratie auswuchs, entstanden auf der Landschaft und somit auch in
Hallau öfters Unruhen und Unzufriedenheit, die aber zu keinem Ergebnis führten.
Dann kamen die bewegten Zeiten von 1790 und der folgenden Jahre. Am fand bei Hallau ein Kampf gegen die Franzosen
statt. Neue Wirren entstanden während der Restaurationszeit und dann besonders 1831, in welchem Jahre
die Bauern des Klettgaus unter Führung der Männer von Hallau und Schleitheim gegen die Stadt Schaffhausen marschierten. Am ergriffen
die Hallauer aus eigener Initiative die Waffen, um die schweizerische Neutralität gegen ungebührliche Uebergriffe der damaligen
badischen Regierung zu schützen.
Als Zeichen der Anerkennung für die von Hallau während Jahrhunderten stets gezeigte patriotische Gesinnung statteten die
Mitglieder der schweizerischen Bundesversammlung dem Ort bei Anlass des eidgenössischen Schützenfestes in Schaffhausen
1865 einen offiziellen
Besuch ab. Von Hallau ist auch 1825 die Bewegung ausgegangen, die zur Umgestaltung des Schulwesens im
ganzen Kanton geführt hat. Leiter dieser Bewegung waren der Pfarrer und Schulinspektor Johannes Schenkel und der Lehrer Adam
Schlatter, der damals eine nach den Grundsätzen von Pestalozzi geleitete höhere Schule einrichtete.
Hallau ist die Heimat einer Reihe von hervorragenden Männern, von denen wir nennen: die zwei eben erwähnten Schulmänner
Pfarrer J. Schenkel († 1828) und Lehrer A. Schlatter († 1831), ferner Georg Schottli, den Anführer
der Hallauer im Jahr 1790, dann den Staatsmann Johann Georg Grieshaber († 1839) und seinen Sohn, den Juristen Martin Grieshaber,
dessen Votum den Grossen Rat des Kantons veranlasste, die aktive Mitwirkung an der Auflösung des Sonderbundes
zu beschliessen; den Obersten Johann Konrad Bringolf († 1890), den Ingenieur und Kartographen Karl Auer († 1898), sowie
den Archivar J. G. Pfund († 1903), den Geschichtsschreiber Hallaus, dem wir unsere historische Skizze über Hallaus Schicksale
verdanken. Pfund hat zur Geschichte seines Heimatortes folgende 6 Broschüren veröffentlicht: DieBehauptungder schweizer. Neutralität durch die Gemeinde Hallau denSchaffhausen
1884. - Ueber das Schützenwesen in Hallau aus alterund neuer Zeit. Hallau 1886. - DieHallauerBergkircheSt. Moritz. Hallau 1893. - Historisches über dasHallauerForstwesen.
Hallau 1902. - Etwas aus derHallauerSchulgeschichte. Hallau 1902. - Verzeichnis der majorennen Bürgerschaftder Gemeinde Hallau. Hallau 1900.
Im Hallau hat man viele Funde aus der Vorzeit gemacht: Auf Breitelen ein Kupferbeil und eine keltische
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