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Ein Verband sucht seinen Weg
Drei wesentliche Gründe bildeten die kritische Masse, die am 30. Mai 1920 zur Gründung des Personalverbands des Eidgenössischen Militärdepartements (PV EMD) führte: die Überzeugung, das Militärpersonal stehe in einem besonderen Treueverhältnis zum Arbeitgeber Staat, die daraus folgenden Verunglimpfungen als «gelbe Streikbrecher» und Abweichler von den grundlegenden Anliegen der Arbeiterschaft seitens gewerkschaftlicher Kreise sowie die wirtschaftlichen Probleme mit Lohnabbau und Entlassungen.
Hans-Ulrich Büschi
swissPersona Ehrenzentralpräsident
Von Anfang an bestanden enge Verbindungen zum Föderativverband (FÖV), bedingt durch die FÖV-Zugehörigkeit nicht weniger Verbandsgründer. Der PV EMD bemühte sich deswegen um die FÖV-Mitgliedschaft und einen Sitz in dessen Vorstand. Sein Ziel, diese Dachorganisation zur Aufgabe ihrer gewerkschaftspolitischen Ausrichtung zu bewegen, war allerdings illusorisch, der drei Jahre später in einer Urabstimmung beschlossene Austritt folgerichtig.
Der Weg zum politisch neutralen und unabhängigen Verband war damit offen, wenn auch nicht ganz hindernisfrei: Noch zweimal (1929 und 1956) wurde erfolglos versucht, den PV EMD zum Wiedereintritt in den FÖV zu bewegen. Als an der Delegiertenversammlung 1933 auch die Fusion mit dem Verband der Beamten und Angestellten der Eidgenössischen Zentralverwaltung (VBAEZ), dem heutigen Personalverband des Bundes (PVB), und damit die indirekte FÖV-Mitgliedschaft abgelehnt wurde, kam es zum Eklat: Zentralpräsident und Zentralvorstand demissionierten in globo. Es war am neu gewählten Zentralpräsidenten Ernst Steinmann, die Gegensätze zu glätten und den Verband insgesamt zu konsolidieren.
Die ersten Verbandsjahre waren ferner geprägt durch Auseinandersetzungen um organisatorische Fragen. Der Umstand, dass Zentralpräsident Otto Weber in St. Gallen wohnte, gab den Befürwortern des Vorortsprinzips Aufwind und führte an der Delegiertenversammlung 1924 zur Wahl eines Co-Präsidenten in der Person von Walter Widmer (K+W Thun). Das Experiment wurde allerdings nach bloss einem Jahr abgebrochen und Widmer zum Zentralvizepräsidenten «degradiert». Die Verbandsleitung übernahm er dann 1929.
Sparmassnahmen und Entlassungen
Die Nachkriegsjahre standen im Zeichen drastischer Kürzungen der Rüstungsbudgets. Betroffen waren vorab die Rüstungsbetriebe, die zum Teil gravierende Arbeitsplatzverluste verzeichnen mussten. So reduzierte sich allein bei der K+W Thun der Personalbestand von 1200 Mitarbeitenden bei Kriegsende auf noch 274 im Jahr 1925. Auch die übrigen Betriebe und die Fortwachen wurden vom Personalabbau erfasst. Erst der Aufstieg des «Tausendjährigen Reichs» in Nazi-Deutschland und die energischen Bemühungen von Bundesrat Minger um die Wiederaufrüstung der Armee beendeten die Durststrecke.
Von Anfang an zeigten sich die Verbandsmitglieder solidarisch. Um soziale Härtefälle bei Entlassung und Arbeitslosigkeit zu lindern, schuf der Verband auf freiwilliger Basis eine eigene Arbeitslosen-Unterstützungskasse. Erste bescheidene Beiträge wurden schon 1921 ausbezahlt.
Besoldungsfragen und Beamtengesetz
Zu den ständigen Traktanden gehörten Besoldungsfragen und die Ausarbeitung des Beamtengesetzes. Von ihm versprach man sich sowohl die seit langem geforderte Stabilisierung der Löhne als auch die Verbeamtung aller Personalkategorien. Wegen der stark gesunkenen Teuerung und der dadurch gestiegenen Kaufkraft plante der Bundesrat Kürzungen diverser Sozialzulagen und einen Lohnabbau.
Das Beamtengesetz brachte der Arbeiterschaft nicht die die gewünschte Aufnahme in das Beamtenstatut. Trotzdem wurde es in der Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum des PV EMD «als fortschrittlich und als der bedeutendste anstellungsrechtliche Erfolg in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts» gerühmt.
Die Wirtschaftskrise
Der Börsencrash an der Wall Street von 1929 läutete die grosse Wirtschaftskrise ein. Bald machte sie sich auch in der Schweiz bemerkbar: Einbruch der Exporte, Rückgang der Bundeseinnahmen, zunehmende Arbeitslosenzahlen. Eine unter der Ägide von EVD-Chef Schulthess tagende Konferenz der wichtigsten Arbeitnehmer- und Arbeitsgeberorganisationen markierte im März 1931 den Beginn eines langwierigen, harten Kampfs des öffentlichen Personals gegen den von Bundesrat und Parlament angestrebten substanziellen Lohnabbau. Am 4. Dezember fand eine erste grosse Protestkundgebung in Bern statt, weitere folgten im Jahr darauf.
Der Einsatz der Personalverbände machte sich bezahlt: Gegen das Abbaugesetz kam das Referendum zustande. In der Volksabstimmung vom 28. Mai 1933 wurde die Vorlage abgelehnt. Die Lohnkürzungen wurden in der Folge mit Notrechtserlassen doch noch durchgesetzt, die bis 1938 in Kraft blieben. Der Ausbruch des 2. Weltkriegs verunmöglichte zunächst die Normalisierung der Lohnsituation. Erst 1941 wurden die Kürzungen gemildert und die Lohnverhältnisse stabilisiert.
Der 2. Weltkrieg
Am 4. Juni 1939 stimmten Volk und Stände dem Ausbau der Landesverteidigung und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu. Etwas mehr als zwei Monate später wurde der Grenzschutz aufgeboten, und am 1. September begann die erste Kriegsmobilmachung. Tags zuvor hatte die Vereinigte Bundesversammlung Henri Guisan zum General gewählt.
Unter dem Vollmachtregime des Bundesrats galten für das Bundespersonal neue anstellungsrechtliche Verhältnisse. So wurde unter anderem die Koalitionsfreiheit aufgehoben, das heisst das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Der PV EMD war – mit Ausnahme der Angehörigen des Festungswachtkorps – davon ausgenommen. Er hatte zudem während des ganzen Aktivdienstes einen guten Zugang zum damaligen Chef EMD, Bundesrat Kobelt.
Knapp zwei Monate vor Kriegsende in Europa konnte der PV EMD, dessen Mitgliederbestand mittlerweile die Zweitausendergrenze überschritten hatte, an seinem Gründungsort mit Genugtuung und berechtigtem Stolz seinen 25. Geburtstag feiern. ■ (Bild: Im April 1924 erschien die erste Ausgabe des «Nachrichtenblattes» an die Mitglieder des PV EMD.)