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Das Knochensarkom gehört zu den sehr seltenen Tumorerkrankungen: Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, da Knochenkrebs häufig während der Wachstumsphase auftritt.
Bösartige Tumore können fast überall im Körper wachsen. Wenn Zellen in Ihrem Knochengewebe entarten und sich unkontrolliert vermehren, entsteht Knochenkrebs. Die Medizin unterscheidet die sogenannten primären Knochentumoren, die vom Knochengewebe ausgehen, von den sekundären, die sich als Tochtergeschwulste einer anderen Tumorerkrankung bilden, etwa wenn Brustkrebs, Lungenkrebs, Prostata- oder Schilddrüsenkrebs in den Knochen streuen.
Knochenkrebs macht sich zuerst durch Schmerzen im betroffenen Teil des Skeletts bemerkbar. Sie treten oft unregelmässig auf und verstärken sich, wenn Sie den Knochen belasten. Wächst der Tumor weiter, verursacht er eine sichtbare Schwellung, die auf Berührung schmerzt. Zum Teil wird der Knochen brüchig, es kommt zu Frakturen. Wird ein Knochensarkom frühzeitig erkannt und behandelt, haben Sie eine gute Chance, geheilt zu werden.
Es gibt drei Formen des Knochenkrebses:
Chondrosarkome kommen hauptsächlich im Erwachsenenalter vor. Osteosarkome und Ewing Sarkome betreffen Menschen in der Kindheit und Jugend – in dieser Phase wächst der Knochen am stärksten.
Das Osteosarkom (griech. osteon = Knochen) ist der verbreitetste primäre bösartige Tumor im Skelett. Es handelt sich um eine seltene Krebsart, in der Schweiz erkranken pro Jahr etwa 10 bis 15 Menschen daran. Die meisten Erkrankungen entstehen in der Altersgruppe zwischen zehn und 25 Jahren. Jungen und Männer sind etwas häufiger betroffen als Mädchen und Frauen. Eine weitere Patientengruppe erkrankt um die 60 Jahre.
Die Ursachen des Osteosarkoms sind weitestgehend ungeklärt.
Wenn Sie an einem Osteosarkom erkranken, wachsen im Knochen bösartige Tumorzellen, die unreifes, schnell wucherndes Knochengewebe bilden. Es entwickeln sich Tumoren, die gesundes Knochengewebe verdrängen und zerstören. Die bösartigen Geschwülste entstehen vorwiegend in den langen Röhrenknochen von Oberschenkel, Oberarm und Schienbein in Gelenknähe. Etwa die Hälfte der Osteosarkome bildet sich beim Knie, etwa ein Zehntel beim Schultergelenk.
Das Chondrosarkom (griech. Chondron = Knorpel) entsteht typischerweise im Becken, im Rumpf oder in den rumpfnahen langen Röhrenknochen. Die Tumorzellen vermehren sich unkontrolliert, bilden dabei Knorpel, aber im Gegensatz zum Osteosarkom keine Knochensubstanz. Die wuchernden Knorpel verdrängen allmählich den gesunden Knochen. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter und erreicht um das sechste Lebensjahrzehnt seinen Höhepunkt. Das Chondrosarkom spricht auf Chemo- und Strahlentherapie nur sehr schlecht an. Die Therapie besteht daher vorwiegend in der chirurgischen Entfernung des Tumors.
Auch am Ewing Sarkom erkranken vorwiegend Kinder und Jugendliche. Es ist der zweithäufigste Knochenkrebs, der junge Menschen betrifft. Vorwiegend erkranken männliche Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren. Im Prinzip kann sich das Sarkom an jedem Knochen bilden, vorwiegend aber am Becken und am Oberschenkelknochen.
Die Ursache des Ewing Sarkoms ist noch nicht geklärt. Es sind weder erbliche noch äussere Einflüsse bekannt, die das Erkrankungsrisiko erhöhen. Allerdings findet sich in den Tumorzellen eine typische, aber nicht erblich bedingte Chromosomenveränderung. Ihr Nachweis ermöglicht die Diagnose der Erkrankung.
Ewing Sarkome wachsen bevorzugt, aber nicht ausschliesslich im Knochengewebe. Sehr selten entstehen sie im Weichteilgewebe (Binde-, Fett- oder Muskelgewebe oder Gewebe peripherer Nerven) – entweder mit oder ohne Beteiligung von Knochengewebe.
Diese Form des Knochenkrebses macht sich oft durch Schmerzen bemerkbar und ist hochgradig bösartig. Wird sie konsequent behandelt durch Chemotherapie, eine OP, die den Tumor radikal entfernt, und Bestrahlungen, steigen die Überlebenschancen der Patienten und Patientinnen auf etwa 70 Prozent.
Knochenkrebs zeigt sich nicht durch charakteristische Symptome, weswegen sie oft spät erkannt werden. Die Betroffenen klagen über Schmerzen, die abhängig von der Belastung an- und abschwellen, dabei aber nachts bestehen bleiben. Oftmals treten sie anfangs im Zusammenhang mit einer Verletzung auf. Deshalb werden sie häufig erst einmal als Sportverletzung, Knochenentzündung oder – bei Kindern und Jugendlichen – als Wachstumsschmerzen eingestuft. Doch während Wachstumsschmerzen in der Regel nur nachts auftreten, nehmen die Beschwerden bei bösartigen Knochentumoren stetig zu und bleiben auch tagsüber bestehen. Hinzu kommen Schwellungen und Rötungen an der betroffenen Region, die Betroffene nicht selten fälschlich als Prellung oder Entzündung interpretieren.
Die unspezifischen Hinweise auf den Knochentumor erschweren die frühzeitige Diagnose. Das ist fatal, denn je früher ein Knochentumor festgestellt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose. Wie Knochenkrebs verläuft und ob der Patient oder die Patientin wieder gesund wird, ist vor allem von der Art des Tumors und dem Stadium der Erkrankung abhängig.
Haben wir den Verdacht, dass Sie an einem Knochensarkom leiden, ist eine Röntgenaufnahme das Diagnoseverfahren der ersten Wahl. Auf dem Bild können wir beispielsweise wucherndes Knochengewebe (Osteosarkom), mottenfrassartige Schäden am Knochen (Ewing-Sarkom) oder wuchernde Knorpel (Chondrosarkom) erkennen.
Mit weiteren bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie (CT), der Magnetresonanztomografie (MRT), der Skelettszintigrafie oder dem Ultraschall können wir feststellen, ob es sich um eine gutartige Geschwulst oder tatsächlich um einen Tumor handelt.
Mittels einer Gewebeuntersuchung (Biopsie) können wir dann bestimmen, welche Art des Tumors vorliegt. Ausserdem fahnden wir in Ihrem Körper nach Tochtergeschwülsten, um das Stadium der Krebserkrankung zu beurteilen. Fachleute sprechen vom “Staging”.
Jede körperliche Erkrankung kann auch mit psychischen Belastungen verbunden sein. Diese kann sich unter anderem in Sorgen, Anspannung, Gedankenkreisen oder Schlafstörungen zeigen und den Behandlungsverlauf erschweren. Falls Sie oder Ihre Angehörigen den Wunsch nach psychiatrisch-psychologischer Beratung und Unterstützung haben, stehen Ihnen unsere Fachleute im USZ gerne zur Verfügung.
Die Ursachen für Knochensarkome sind weitestgehend nicht bekannt. Deshalb können Sie nicht vorbeugen.
Da Knochensarkome unspezifische Symptome verursachen, ist eine Früherkennung schwierig. Betroffene sollten Knochenschmerzen, vor allem im Kniegelenk, nach spätestens vier Wochen vom Arzt oder von der Ärztin mittels einer Röntgenaufnahme abklären lassen.
Die Prognose hängt davon ab, an welcher Art Knochensarkom Sie erkrankt sind und wie frühzeitig die Therapie beginnt. Bei einem bösartigen Knochentumor handelt es sich immer um eine gefährliche Erkrankung, an der Betroffene ohne wirksame Behandlung innerhalb weniger Jahre sterben.
Die Behandlung bösartiger Knochentumoren ist ein Fall für die hochspezialisierte Medizin. Sie sollte bei uns, in einer auf Knochensarkome ausgerichteten Klinik, erfolgen. Die Behandlungsschritte richten sich nach Art und Ausbreitung des Knochensarkoms. Üblicherweise orientieren wir uns an standardisierten Protokollen und setzen auf eine Kombination mehrerer Behandlungsoptionen: Operation, Chemo- und Strahlentherapie sollen den Knochentumor komplett beseitigen. Für jede Knochensarkomform existiert ein eigenes Protokoll, das Behandlungsschritte vorsieht, die nach aktuellem medizinischem Wissen am effektivsten gegen dieses Sarkom helfen.
Müssen wir während der OP grosse Teile des Knochens entfernen, setzen wir stattdessen biologische Rekonstruktionen oder Implantate ein. Für Kinder und Jugendliche stehen “mitwachsende” Prothesen zur Verfügung.
Bei einem operativen Eingriff wird vom Institut für Anästhesiologie das individuell auf Sie angepasste Anästhesie-Verfahren ausgewählt.