Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03189.jsonl.gz/450

Pflanzen angewiesen, die es aus dem Erdboden aufnehmen und in organisch saures K. (d. h. weinsaures,
zitronensaures, oxalsaures etc. K.) umwandeln. Beim Veraschen der Pflanze entsteht dann wieder
kohlensaures K., dieselbe Verbindung, in welcher das K. nach der Verwitterung der Feldspatteilchen im
Boden zu finden ist
(vgl.
Pottasche). Ein Teil der im Handel befindlichen Kalisalze wird auch aus dem Wollschweiße der Wollwäschereien
bereitet. Seit Entdeckung der großen Staßfurter Kalisalzlager (s.
Abraumsalz) ist man nicht mehr auf die Pflanzen und den
Wollschweiß allein angewiesen, sondern es werden vielmehr viel bedeutendere Mengen von Kalisalzen aus diesem
Abraumsalze
dargestellt, als aus Pflanzen. Man bereitet aus dem
Abraumsalze namentlich
Chlorkalium, Kalisalpeter (mittels
Chilisalpeter) und
Pottasche. Sehr bedeutende Mengen von
Chlorkalium werden jetzt als Düngemittel verwendet, um das K., welches
die Pflanze dem
Boden entzogen hat, diesem zu ersetzen. - Einfuhrzoll:Ätzkali, Ätzkalilauge, Kalihydrat s.
Tarif im Anh. Nr. 5 d;
(frz. calicot; engl. calico) sind buntgedruckte
Kattune feinerer Art, wie sie nach französischem Sprachgebrauch auch Indiennes genannt werden.
Beide Namen erinnern an
Indien (Kalkutta), als dem Stammlande dieser Waren, von wo sie als hochgeschätzte Luxusartikel nach Europa kamen, während
sie jetzt einen Hauptartikel der europäischen Baumwollfabrikation bilden und in ungeheuren Massen sowohl nach Indien selbst,
als nach vielen andern fremden Ländern ausgeführt werden (s.
Kattun). - Gem. Zolltarif im Anh.
(Kalimetall,Potassium); das im
Kali enthaltene metallische Element; es ist auch eine käufliche Ware, die für
wissenschaftliche Zwecke und zur Belehrung angehender Chemiker da sein muß. Weil dasselbe gar nicht luftbeständig ist,
hält und versendet man es in festverschlossenen Gläsern unter Steinöl oder
Benzin, also Flüssigkeiten, die
keinen Sauerstoff enthalten; man erhält es gewöhnlich in Form leichter Kügelchen von etwa Erbsengröße, die durch eine
äußere Oxydschicht weißlich erscheinen.
Man läßt nämlich das geschmolzene Metall tropfenweise durch einen Trichter in die Gläschen fallen und verkorkt und verbindet
diese rasch. Die kurze Berührung mit der Luft während des Fallens bewirkt die Bildung einer Oxydhaut,
indes der Kern metallisch bleibt. Unter der Benzinschicht erscheint das Metall ohne Oxyd, in bläulich silberweißen, glänzenden
Kugeln; es ist weich und knetbar wie
Wachs und sogar leichter als Wasser (spezif. Gewicht 0,865). Ein abgeschnittenes Stückchen,
an die Luft gebracht, verliert alsbald seinen Glanz durch die beginnende Oxydation, die bald, weiter
nach innen gehend, das Ganze in eine zerklüftete Oxydmasse umwandelt, welche begierig Feuchtigkeit und Kohlensäure aus
der Luft anzieht.
Wird
ein Stückchen K. auf Wasser geworfen, so tritt sofort eine heftige Reaktion ein: das Metall zersetzt Wasser, um sich
aus dem Sauerstoff desselben zu oxydieren. Infolge der dabei frei werdenden Hitze schmilzt das Metall
zur heißen Kugel, welche, von den entwickelten Dämpfen getrieben, auf der Wasserfläche hin- und herrennt, gefolgt von
einer schön violetten Flamme; diese aber hat ihren Ursprung darin, daß das bei der Zersetzung frei werdende Wasserstoffgas
sich sogleich entzündet und die Färbung der Flamme rührt von den sich beimischenden und mit verbrennenden
Kaliumdämpfen her.
Dieses Experiment, wobei natürlich die Kaliumkugel kleiner und kleiner wird, endet allemal mit dem Zerspringen des letzten
Restes derselben unter Explosion; das gebrauchte Wasser, in welchem sich das entstandene
Kali, also das Kaliumoxyd, immer
sofort aufgelöst hat, ist nun zur mehr oder weniger starken Ätzkalilauge geworden. Die Darstellung
des K. aus dem kohlensauren
Kali geschieht durch einen Glüh- und Destillationsprozeß, wobei durch Kohle dem
Salze zugleich
die Kohlensäure und derjenige Sauerstoff entrissen wird, der das Metall oxydiert hat; letzteres wird somit isoliert und
geht dampfförmig in eine gekühlte Vorlage über, wo es sich verdichtet und in Steinöl aufgefangen
wird. Man muß beim Umgang mit K. sehr vorsichtig sein und jede Spur Feuchtigkeit fernhalten. - Zollfrei.
(lat. Calcaria, frz. chaux, engl.
lime). - Unter dem Namen K. versteht man in der Chemie stets die Sauerstoffverbindungen oder das Oxyd
des Calciummetalls, das Calciumoxyd, wie es, allerdings gewöhnlich in unreiner Form, als gebrannter K. in den Handel gebracht
wird. Der ungebrannte K., wie er im gewöhnlichen Leben genannt wird, ist kein K., sondern kohlensaurer K., der erst durch
Brennen, wodurch er seine Kohlensäure verliert, zu K. wird. Dieser kohlensaure K. kommt in der Natur
in sehr verschiedner Form vor, am reinsten als Kalkspat und weißer
Marmor, dann als
Kreide, Kalkstein, Kalktuff, Kalksinter
etc. Aus allen diesen Gesteinen kann man durch Brennen K. erhalten, gewöhnlich geschieht dies
jedoch nur aus dem Kalkstein, von dem man wieder verschiedne Arten unterscheidet, so z. B.
Urkalkstein, Muschelkalk, Jurakalk, Plänerkalk, Süßwasserkalk etc. -
Die festeren dieser Gesteine werden auch in ungebranntem Zustande als Bausteine benutzt. Wenn Kalkstein in einem geschlossenen
Raume, z. B. in einem verstopften Flintenlaufe, geglüht wird, so schmilzt er und bildet
nach dem Erkalten eine krystallinische Masse, die nach wie vor kohlensaurer K. ist. Anders gestaltet
sich die Sache, wenn die Kohlensäure Gelegenheit hat zu entweichen; sie geht dann mit dem Wassergehalt des Steins beim Glühen
fort und hinterläßt den Stein in so veränderter Beschaffenheit, daß er eine mürbe Masse bildet, an Gestalt kleiner und
über die Hälfte leichter geworden ist als früher. Es ist nun gebrannter oder Ätzkalk. Das Brennen
der Kalksteine geschieht in gemauerten Öfen, nach alter Art mit unterbrochenem Betrieb, sodaß ein Ofen mit Steinen
¶
mehr
und Brennmaterial vollgeschichtet, abgebrannt, nach dem Erkalten geleert und von neuem beschickt wird. Neuere verbesserte
Öfen gestatten, da sie ihre Feuerstellen an der Seite haben und daher Flamme und Hitze von da aus in den Ofen hineinschlägt,
einen kontinuierlichen Betrieb, sodaß beständig oben Steine eingestürzt werden und unten gebrannter K. herausgezogen
wird. Beim Brennen können zwei Mißstände eintreten, indem Portionen der Beschickung zu viel oder zu wenig Hitze erhalten
können; dies gibt im ersten Falle tot gebrannten, im zweiten ungaren K., die sich beide schlecht oder gar nicht löschen,
sondern als Klumpen oder Grus übrig bleiben. Das Totbrennen besteht in einer teilweisen Schmelzung oder
Verglasung des K. und findet nur bei solchen Kalksteinen statt, die unrein sind und noch Thon oder andre Beimengungen enthalten.
Solche, beim Löschen unlösliche Stücke sind begreiflich stets schwerer, als die gut gebrannten, und es ist darum rationell,
daß der gebrannte K. durchgängig nach dem Maße verkauft wird, da beim Handel nach Gewicht der Ausschuß
gerade am teuersten zu bezahlen wäre. -
Der gebrannte K. muß für weitere Versendung in Fässer geschlagen werden; für den Transport auf Eisenbahnen hat man jetzt
besondere, mit einem Deckel verschlossene Lowries (Kalktransportwagen). Der gebrannte K. hält sich nicht lange unverändert
an der Luft, indem er die ihm beim Brennen entzogene Kohlensäure nebst Wassergehalt successiv aus der Atmosphäre wieder
anzieht und dabei endlich, ohne merkbare Erwärmung, in den Zustand eines mürben, trocknen Pulvers übergeht.
Dieser mild gewordene, sog. zerfallene K. hat für einzelne Zwecke Verwendung, ist namentlich
als Düngmittel ganz passend, taugt aber nicht mehr zu einem gut bindenden Mörtel. In Benutzung dieser
Anziehungskraft dient gebrannter K. häufig als ein sehr wirksames Austrocknungsmittel. Mit Wasser übergossen, schluckt
der K. dasselbe bekanntlich mit Begierde ein, bläht sich auf und erhitzt sich so bedeutend, daß anstehendes Holzwerk in
Brand geraten kann. Die Erhitzung ist Folge der chemischen Bindung des Wassers; das Calciumoxyd hat Hydratwasser
aufgenommen und man hat nun den gelöschten K. (Kalkhydrat, Calciumhydroxyd), dessen Ätzkraft durch das gebundene Wasser
nicht gemildert ist; er bildet ein lockeres Pulver.
Man setzt ihm aber allmählich so viel Wasser zu, daß eine dünne Suppe entsteht, die man in die Grube
einfließen läßt. Hier gesteht die Masse, wird speckig und nimmt allmählich an Güte zu, da sich immer noch kleine Teilchen
nachträglich löschen und aufschließen. Ist K. in der Grube mit einer Sandschicht überdeckt und für Abhaltung der Wettereinflüsse
gesorgt, so bleibt derselbe für unbeschränkte Zeit gut und man hat Beispiele, daß in hundertjährigen
Gruben noch guter K. gefunden wurde. Je reiner ein K. ist, desto mehr nimmt er Wasser auf und die Masse kann nach dem Löschen
dann 2½-3 mal mehr betragen als vorher.
Solcher K. heißt fett; mager dagegen einer, der aus Anlaß vieler fremder Bestandteile nach dem Brennen
nicht die rechte Leichtigkeit hat,
sich träge löscht, weniger Wasser und also geringe Schwellung annimmt. Fetter K. ist
immer Luftkalk, d. h. in Vermischung mit Sand zu Luftmörtel dienlich, während magerer sich
zu Wassermörtel eignen kann, im Fall nämlich seine fremden Bestandteile hauptsächlich Thon sind (wenigstens 8-10%,
vgl. den Art. Zement). Magerer K. dient nur zu baulichen Zwecken; der reinere fette außerdem noch zu einer Menge andrer Verwendungen
in der Technik, teils gebrannt und gepulvert, teils schon gelöscht, als Kalkbrei oder Kalkmilch.
Man gebraucht ihn zum Reinigen des Leuchtgases und zum Raffinieren des Zuckers, bei der Glasfabrikation,
zur Darstellung des Chlorkalks und chlorsauren Kalis, der Seifensiederlauge, in der Stearinfabrikation, in der Gerberei als
Enthaarungsmittel, zum Wegschaffen von Schwefelsäure aus Lösungen, bei der Weinstein-, Citronensäure- und Essigsäurefabrikation
etc. Roher, ungebrannter Kalkstein wird dagegen in der Sodafabrikation, Zementfabrikation und
beim Ausschmelzen der Eisenerze als Zuschlag verwendet. -
Reiner Ätzkalk zu chemischen Zwecken wird erhalten durch Glühen von Stückchen weißen Marmors in einem
Thontiegel. Der gebrannte K. ist nicht ganz unlöslich in Wasser; er nimmt bei gewöhnlicher Temperatur etwa 1/700 auf. Wird
etwas K. in einer verstopften Flasche mit reinem Wasser geschüttelt und bis zum Klarwerden stehen gelassen, so hat
man das Kalkwasser (Aqua calcarea) der Apotheker, das deutlich nach K. schmeckt und sich beim Stehen an der Luft fast zusehends
mit einem feinen Häutchen von kohlensaurem K. überzieht. -
Gebrannter K., wenn er die erforderliche Beschaffenheit hat, gibt auch ein ausgezeichnetes Schleif- und Poliermittel für
Metalle ab. Der hierzu zu verwendende Stein muß rein, besonders sandfrei und zart sein, Thon- und Bittererdegehalt
sind unschädlich. Bekannt und beliebt ist in dieser Hinsicht der Wiener K., der in verpichten Flaschen in weite Fernen versandt,
aber auch anderwärts nachgemacht wird. Der Putzkalk verliert in längerer Berührung mit der Luft seine Brauchbarkeit, ist
daher unter gutem Verschluß zu halten und davon immer nur so viel zu entnehmen, als sofort verbraucht werden soll. Die Stückchen
werden rasch zerrieben und das Pulver für Messing mit Öl, für Stahl und Eisen mit Spiritus gemischt. -
Eine besondere Form des kohlensauren K. ist der Kalktuff, Tuff- oder Grottenstein, ein Mineral, das sich
aus kalkreichen Gewässern noch fortwährend absetzt und in solchen an Pfählen, Mühlrädern etc.
anwächst. Die Schichten, aus denen es gebrochen werden kann, befinden sich immer dicht unter der Oberfläche. Diese gesinterte
Masse zeichnet sich durch eine eigentümliche, röhrige, blasige Struktur und blumenkohlartige Oberfläche aus und
ist demnach beliebt zur Ausschmückung von Grotten, Aquarien, zu Beeteinfassungen, künstlichen Felspartieen u.
dgl. Man bezieht diese Steine meist aus Thüringen, namentlich aus der Gegend
von Weimar. - Zollfrei.