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Zur Abwechslung einmal etwas ganz anderes: eine aktuelle Veröffentlichung aus dem Gebiet der Musikwissenschaften … 🙂 Vor kurzem ist oben genannter Artikel in The Horn Call erschienen, der Zeitschrift der International Horn Society.
Der Autor: Olivier Huebscher, *1987, ist ein junger Schweizer, der in den USA lebt und studiert. Nach dem Bachelor-Diplom an der Redland-University in Kalifornien bereitet er sich aktuell auf das Master-Diplom an der Indiana-University, Bloomington IN, vor. Er spielt selber Waldhorn.
Der Komponist: Johann Sebastian Bach (1685-1750) gilt heute als einer der bedeutendsten Musiker. Das war nicht immer so – zu Lebzeiten war er mehr als performender Virtuose und Orgelspieler bekannt, danach herrschte lange Stille um ihn, erst die sog. „Wiener Klassik“ (ca. 1780–1827) entdeckte den Komponisten Bach. Heute gehört er weltweit zum festen Repertoire der klassischen Musik.
Das Werk: Die h-Moll-Messe (BWV 232), so ihr bekanntester deutscher Name, entstand 1733 als Missa mit den Teilen „Kyrie“ und „Gloria“. Gegen Ende seines Lebens fügte Bach – teilweise aus schon existierendem Material – die übrigen Sätze hinzu: Symbolum Nicenum (1748/49), Sanctus (1725) und Osanna, Benedictus, Agnus Dei, Dona nobis pacem (1748/49). Sie gilt heute als eine der bedeutendsten geistlichen Kompositionen Johann Sebastian Bachs.
Der Artikel: Der Artikel von Olivier Huebscher beschäftigt sich mit einem kleinen Ausschnitt aus der Missa. Es geht um den 11. Teil (nach BWV), Quoniam tu solus sanctus, gegen Ende der Missa. Es gelingt dem Autor aufzuzeigen, dass, was allgemein als Solo für eine Bass-Stimme gilt, bei genauerem Betrachten ein komplexes Widerspiel zwischen der menschlichen Stimme und dem (eben nicht nur) begleitenden Waldhorn darstellt. Während das Waldhorn zu Beginn des Ritornellos die menschliche Stimme nicht aufnimmt, ändert das gegen Ende, wo Horn und Bass sich die Ritornellos sozusagen aufteilen. Das Horn stellt Gott dar, der Bass Jesus – und so kann Bach die beiden als einander gleichwertig, nicht sich ergänzend sondern quasi austauschbar, vorstellen. Somit ist dann auch der Übergang zum folgenden und abschliessenden Teil der Missa, Cum Spirito Sancto, zum dritten Part der Trinität also, gegeben. (Vielleicht – und das ist nun meine Meinung – eine bessere Darstellung der Trinität als sie je einem Theologen oder einem Dichter gelungen ist.)
Der Artikel stellt eine, wie ich finde, gelungene Interpretation eines kleinen Abschnitts aus einem grossen Werk dar, eine Interpretation, die wieder einmal zeigt, dass es sich auch und gerade bei grossen Werken lohnt, den Blick auf kleine Details zu werfen.