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Wohl Innerschweiz, Anfang 19. Jh.
Lindenholz, leicht mit Ölfarben bemalt
H. 31,5–33 cm
Inv. 1882.210.
Die fünf Lindenholzstatuetten stellen Vertreter einer grossen Gruppe der Gesellschaft dar: Arme, Heimatlose, Bettlerinnen und Bettler, die in grosser Zahl durch die Lande zogen. Bei den Figuren sind es die Wanderstäbe, die Barfüssigkeit und die zerrissene Kleidung, die sie als Angehörige der nicht sesshaften Unterschicht erkennbar machen.
Die junge Mutter hat eine Stielpfanne am Gürtel befestigt, und die andere junge Frau hat ein Paar durchlöcherter Strümpfe daran gebunden. Die alte Frau hält ein Gefäss mit zwei Henkeln in der Hand, die durch ein Band verbunden sind, so dass es dadurch einen provisorischen Tragegriff bekommt. Einer der Männer trägt eine Umhängetasche, ein anderer einen einfachen Rucksack. So sind sie alle als Angehörige der besitzlosen Schicht gekennzeichnet, die nichts hatten ausser dem, was sie am Leibe trugen. Und auch das stammte wohl nicht aus erster Hand: Die Kleidung ist modisch stark veraltet, was darauf schliessen lässt, dass sie aus dem Altkleiderhandel stammte oder durch Tausch oder Zufall erworben wurde.
Heimatlose waren trotz der Tatsache, dass sie auf Fussmärsche angewiesen waren, von erstaunlicher Mobilität und legten beträchtliche Strecken zurück, um irgendwo als Tagelöhner Arbeit zu fi nden oder an einen Ort zu gelangen, wo viele Gaben beim Betteln zu erwarten waren. Die Übergänge zwischen diesen Formen des Unterhalts waren fl iessend, und für viele mögen sich auch die Grenzen zur Kriminalität verschliffen haben. Vorausgegangene Konfl ikte mit den Gesetzen waren für viele der Grund für ein nichtsesshaftes Leben: Uneheliche Geburt eines Kindes führte in vielen Fällen zum Verlust der heimatlichen Bindungen, und die zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr zahlreichen Deserteure vermehrten das Heer der Umherziehenden. Auch wurden schon geringfügige Straftaten mit Verweisung aus dem jeweiligen Ort bestraft. Bei der Figur des Mannes mit dem verzerrten Gesicht wird angedeutet, dass auch Krankheiten und Behinderungen zu einem nicht sesshaften Leben führen konnten. Von einer realistischen Sicht auf die Ärmsten der Armen sind diese Figuren dennoch weit entfernt; das Elend wird abgeschwächt und für bürgerliche Augen verträglich dargestellt.