Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03354.jsonl.gz/3041

1. Von der Ordensschwester zur Missionarin der Nächstenliebe
Eine kleine Gestalt, ein blau-weiss gestreiftes Gewand, ein zerfurchtes Gesicht: Dieses Bild entsteht sofort vor dem inneren Auge, wenn der Name Mutter Teresa fällt. Mutter Teresa ist heute als «Mutter der Armen» aus den Slums von Kalkutta weltweit bekannt.
Geboren wird Mutter Teresa 1910 in Skopje im heutigen Mazedonien, als Agnes Gonxha Bojaxhiu. Sie wächst in einer albanischstämmigen katholischen Familie auf. Mit 18 Jahren zieht sie als Missionsschwester nach Indien und arbeitet als Lehrerin in Kalkutta. Das Elend in den Slums bewegt sie zutiefst. Das Schicksal von Menschen ohne Obdach, von Kindern, Kranken und sterbenden Menschen auf der Strasse lässt sie nicht mehr los.
«Gott rief mich», wird sie später sagen. 1948 verlässt sie ihr Kloster und gründet eine eigene Ordensgemeinschaft, die «Missionarinnen der Nächstenliebe». Sie widmen sich fortan den ärmsten Menschen, den Sterbenden auf der Strasse und den Findelkindern. 1979 wird Mutter Teresa mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Am 5. September 1997 – nur wenige Tage nach Lady Diana – stirbt Mutter Teresa im Alter von 87 Jahren.
2. Der Weg zur Heiligsprechung
Bereits sechs Jahre nach ihrem Tod spricht Papst Johannes Paul II. Mutter Teresa selig. Der Papst bewundert ihr Engagement. Die Regel, wonach das Verfahren der Seligsprechung erst fünf Jahre nach dem Tod eingeleitet werden kann, setzt er für Mutter Teresa ausser Kraft. Es ist eines der kürzesten Verfahren der Kirchengeschichte. Für Papst Johannes Paul II. ist Mutter Teresa «ein Geschenk an die Kirche und an die Welt».
Nun, 13 Jahre später, folgt die Heiligsprechung. Dafür anerkennt der Vatikan ein zweites Wunder, das der Ordensfrau zugeschrieben wird: die wissenschaftlich nicht erklärbare Heilung eine Brasilianers, der an einem Hirntumor erkrankt war.
3. «Alles andere als eine Heilige»
In einer umfangreichen Studie zum Leben von Mutter Teresa aus dem Jahr 2013 kommen drei kanadische Wissenschaftler zum Schluss, dass in den Armenhäusern des Ordens von Mutter Teresa katastrophale hygienische Zustände geherrscht hätten. Sterbenden seien teilweise Medikamente und Schmerzmittel verwehrt worden. Bezüglich der Verwendung von Millionen von Spendengeldern habe totale Intransparenz geherrscht.
Mutter Teresa sei «alles andere als eine Heilige». Zu diesem Schluss kommt der Leiter der Studie, Psychologieprofessor Serge Larivee von der Universität Montreal. Die Wissenschaftler halten jedoch auch fest: Das Image von Mutter Teresa habe dennoch viele positive humanitäre Initiativen ausgelöst. Der Heiligsprechung stehen die Vorwürfe offenbar nicht im Weg.
4. Mutter Teresa und die Schweizer
Unterstützung hat Mutter Teresa auch aus der Schweiz erfahren: 43 Millionen Franken sind in knapp 30 Jahren gespendet worden. Das hat Albert Ramaj errechnet, der ein inniges Verhältnis zu Mutter Teresa hat. Ein Verwandter von ihm hat Mutter Teresa in Skopje getauft. Der Kosovo-Albaner Ramaj lebt seit 2001 in der Schweiz und leitet das Albanische Institut in St. Gallen.
Vor einigen Jahren ist er im Staatsarchiv Luzern zufällig auf eine Schachtel mit Briefen von Mutter Teresa gestossen. Briefe, die sie an spendable Schweizerinnen und Schweizer geschrieben hat. Darunter auch Schulkinder, die für sie Geld sammelten.
Eine Spende der «Blick»-Leser verdankte Mutter Teresa in einem Brief etwa mit den Worten: «Gott möge euch lieben für die Zuneigung, die ihr mit eurer Spende unseren Armen bekundet habt. Mein Dank bestehe in einem Gebet für euch alle – dass wir einander mögen, so wie Jesus Christus jeden von uns lieb hat. Und dass durch diese Liebe Frieden in die Welt einkehre.»