Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/793

Was ist eine Nervenkompression am Ellbogen?
Der Ellennerv (Nervus ulnaris) reicht auf der Innenseite des Ellbogens von der Schulter bis zur Hand. Er ist dafür zuständig, dass Sie Gefühl haben im kleinen Finger, auf der der äusseren Handkante zugewandten Seite des Ringfingers und in der äusseren Handkante. Ausserdem sorgt er dafür, dass Sie die Muskulatur des Daumenballens und des Handrückens aktivieren können. Das ermöglicht Ihnen zuzugreifen. Der Nervus ulnaris verläuft durch einen knöchernen Kanal, den ein Band aus Bindegewebe überspannt, so dass eine Art Tunnel entsteht, der sogenannte Kubitaltunnel. Auf seinem Weg von der Schulter zur Hand gibt es drei kritische Stellen. Dort kann es zu einer Nervenkompression des Ellbogens kommen, auch Sulcus-ulnaris-Syndrom oder Kubitaltunnelsyndrom genannt, weil verschiedene Strukturen den Nerv einengen:
- Die erste Stelle befindet sich oberhalb des Ellbogens. Dort verläuft der Nerv durch einen Bindegewebsstrang, die „Struthers-Arkade“. Ist dieser Strang verdickt, kann der Nerv Druckschäden erleiden.
- Die zweite Stelle liegt exponiert auf der Innenseite des Ellbogens. Hier durchläuft der Ellennerv die am inneren Oberarm liegende Knochenrinne, den eigentlichen Sulcus ulnaris. Die Region heisst auch Musikantenknochen, landläufig „Mäuschen“ genannt. Sie kennen sicher den Schmerz, wenn Sie sich an der Stelle stossen.
- Die dritte Stelle ist von einer Einengung am häufigsten betroffen. Es ist der Bereich, wo der Ellennerv in Ihre Unterarmmuskulatur eintritt.
Kann der Nerv nicht frei im Kubitaltunnel laufen, wirkt an der verengten Stelle Druck auf ihn. Als Folge kommt es zu Missempfindungen, Kribbeln und Taubheit in den vom Ellennerv versorgten Bereichen der Hand. Bleibt der Druck bestehen, dann beeinträchtigt das die motorischen Fähigkeiten Ihrer Hand.
Nervenkompression am Ellbogen: Ursachen und Risikofaktoren
Da sich der Ellennerv relativ oberflächlich durch Ihren Arm zieht, macht ihn das anfällig für Beeinträchtigungen von aussen. Schuld an der Nervenkompression am Ellbogen ist deshalb oft eine lokale Druckschädigung des Nervs in der Knochenrinne. Oft können Fachleute allerdings die Gründe für die Einengung und Schädigung nicht eindeutig identifizieren.
Mögliche Ursachen sind:
- Veränderungen am Ellbogen nach Frakturen.
- Arthrose des Ellbogengelenks, durch die sich Knochensporne bilden.
- Entzündliche Veränderungen, z. B. durch rheumatoide Arthritis.
- Chronische Druckschädigung des Nervs, wenn Sie häufig Ihren Ellbogen auf eine harte Unterlage aufstützen, etwa einen Tisch.
- Belastung durch einen intensiven Einsatz des Arms, etwa beim Pitching im Baseball.
- Verhärtung des Bindegewebebands, das deshalb den Nervenkanal verengt.
Vielen Risikofaktoren für die Nervenkompression am Ellbogen können Sie nicht aus dem Weg gehen. Sie können lediglich darauf achten, die Arme nicht lange auf einer harten Unterlage aufzustützen und Sportarten meiden, die das Ellbogengelenk belasten.
Symptome: Kribbeln, Taubheit, Griffstörungen in den Händen
Die Verengung des Kubitaltunnels verursacht vor allem Symptome in Ihrer Hand:
- Sie spüren Missempfinden, Kribbeln, Einschlafen der äusseren Handkante, des kleinen Fingers und an der dem kleinen Finger zugewandten Seite des Ringfingers. Diese Symptome treten anfangs nur bei bestimmten Bewegungen auf oder wenn Druck von aussen auf den Nerv einwirkt. Hält die Einengung der Nervenbahn aber an, bleiben die Missempfindungen bestehen.
- Bleibt die Kompression des Nervus ulnaris bestehen, verliert Ihre Hand an Kraft. Sie spüren diese Einschränkung beim Schreiben, wenn Sie den Drehverschluss einer Flasche öffnen wollen oder sogar, wenn Sie Ihre Finger spreizen.
- Mit der Zeit schwinden die Muskeln in der Hand. Es bildet sich eine sogenannte Krallenhand.
- Die meisten Betroffenen haben zudem Schmerzen in der Hand, im Unterarm und im Ellbogen.
Schreitet die Krankheit fort, können die Beschwerden bis zur Arbeitsunfähigkeit führen.
Nervenkompression am Ellbogen: Diagnose bei uns
Wir werden Sie zuerst nach Ihren Beschwerden fragen, wann und wo genau die Probleme auftreten. Typisch ist, dass Ihr kleiner Finger immer wieder einschläft und dass im späteren Stadium Ihre Hand immer schwächer wird. Besteht nach Ihrer Schilderung der Verdacht auf eine Nervenkompression am Ellbogen, kann eine elektrophysiologische Untersuchung ihn erhärten. Dabei messen wir, wie gut der Nerv die elektrischen Impulse noch leitet (NLG). Die Untersuchung stellt objektiv fest, ob eine Einengung oder Leitungsstörung des Nervs vorliegt und wie schwer sie ist. Vermuten wir, dass ein Gelenksporn, ein Ganglion oder eine degenerative Veränderung des Ellbogengelenks (etwa durch eine Arthrose) das Kubitaltunnelsyndrom auslöst, können wir eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung durchführen.
Nervenkompression am Ellbogen: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose
Die einzigen Möglichkeiten, einer Verengung des Kubitaltunnels vorzubeugen, bestehen darin, dass Sie Belastungen durch einseitige Bewegungen oder das dauerhafte Auflegen des Ellbogens auf einer harten Unterlage vermeiden.
Eine Früherkennung ist möglich, wenn Sie uns bei den ersten Gefühlen von Taubheit an der Handaussenfläche, dem kleinen Finger und der ihm zugewandten Seite des Ringfingers aufsuchen.
Die Prognose einer Behandlung der Nervenkompression des Ellbogens hängt davon ab, wie weit der Nerv schon geschädigt ist. Bestehen noch keine irreversiblen Schäden, ist die Prognose relativ gut. Beschwerden wie das Kribbeln unter der Haut, verschwinden relativ rasch wieder. Schwerere Sensibilitätsstörungen brauchen aber oft eine sehr lange Zeit, um sich zu verbessern. Als Leitregel können Sie davon ausgehen, dass sich der Nerv von seiner Einengungsstelle bis zu den Fingern etwa 1 mm pro Tag erholt. Es erstaunt deshalb nicht, dass Sie bis zu einem Jahr oder sogar länger noch Verbesserungen der Nervenfunktion beobachten können.
Nervenkompression am Ellbogen: Behandlung durch eine OP
Nerven sind empfindliche Strukturen. Besteht der Druck auf den Nervus ulnaris bereits zu lange, kann seine Funktion irreparabel gestört sein. Dann kommt es neben der Sensibilitätsstörungen zu einer zunehmenden Schwächung der Handmuskulatur. Im frühen Stadium, wenn die Beschwerden und elektrophysiologischen Veränderungen nur gering sind, kann eine konservative Therapie helfen.
Bei einem operativen Eingriff wird vom Institut für Anästhesiologie das individuell auf Sie angepasste Anästhesie-Verfahren ausgewählt.