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Im allgemeinen Sprachgebrauch umfasst der Begriff «Familie» den Vater und die Mutter, die volljährigen und minderjährigen Kinder, Grosseltern, Geschwister, Onkel und Tanten, häufig auch Cousins und Cousinen sowie Neffen und Nichten. Migrationsrechtliche Regeln definieren die Familie oft als «Kernfamilie». Zu diesem Kern gehören nur das erwachsene Ehepaar und seine minderjährigen Kinder.
So kommt es häufig vor, dass Familien – im weiteren Sinne – während des Asylverfahrens getrennt werden und/oder nicht in der Schweiz bleiben dürfen. Die Trennung und die permanente Sorge um das Schicksal der Angehörigen, die in der Heimat zurückgelassen wurden oder in einen anderen Staat geschickt werden, sind belastend und behindern die Integration der Personen, die sich in der Schweiz aufhalten dürfen.
Einige Rechtsinstrumente tragen der besonderen Situation der Familien im Asylverfahren Rechnung.
International
Europa
- Europäische Menschenrechtskonvention. Das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens ist in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert (Art. 8 CEDH).
- Dublin-Verordnung
National
Die Praxis der Schweizer Behörden ist in vielerlei Hinsicht problematisch.
Familienzusammenführung
Wenn ein Elternteil, Vater oder Mutter, alleine ein Asylgesuch in der Schweiz stellt und einen Schutzstatus erhält, kann er oder sie je nach Rechtsstatus einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen. Die Kriterien für eine Familienzusammenführung sind in der Schweiz streng; eine schnelle und effiziente Wiedervereinigung der Familie ist oftmals nicht möglich. Für Personen, die vorläufig aufgenommen sind (Ausweis F), ist die Familienzusammenführung beispielsweise frühestens drei Jahre nach Gewährung der vorläufigen Aufnahme möglich, allerdings muss die gesuchstellende Person über eine geeignete Wohnung verfügen und darf nicht von der Sozialhilfe abhängig sein (Art. 85 Abs. 7 AIG).
Kindeswohl als ausschlaggebendes Kriterium
Wenn eine Familie gemeinsam in die Schweiz einreist und minderjährige Kinder hat, wird nur selten das Kindeswohl eigenständig und unabhängig vom Wohl der Eltern berücksichtigt, auch wenn die internationalen Richtlinien dies vorschreiben.
Unterbringung von Familien
Die Unterbringung von Familien in den Bundeszentren und kantonalen Wohnheimen ist nicht immer angemessen.
Trennung von Familien
Zuweilen kommt es vor, dass Mitglieder der Familie im weiteren Sinne bei der Zuweisung in einen Kanton getrennt werden. So kann beispielsweise ein junger Mann (20 Jahre) im Kanton Waadt leben, während sein 17-jähriger Bruder in Graubünden untergebracht ist. Es kommt vor, dass einige Mitglieder der Familie in ihrem Heimatland oder einem Drittland bleiben. Möglich ist auch, dass die Familienmitglieder während ihrer Flucht getrennt werden, sodass verschiedene Staaten des Dublin-Systems für ihre Asylgesuche zuständig sind. Die Zusammenführung kann mehrere Jahre dauern und ist nicht immer möglich, falls die strengen Kriterien für ein humanitäres Visum oder für eine Familienzusammenführung – basierend auf der Dublin-Verordnung – nicht erfüllt sind.
Wegweisung von Familien
Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit und das Kindeswohl als ausschlaggebendes Kriterium müssen stets berücksichtigt sein, wenn Familien weggewiesen werden. Mitunter kommt es vor, dass Ehepaare und Familien bei der Ausschaffung auf Grundlage der Dublin-Verordnung getrennt werden. Zudem können Transfers auch stufenweise erfolgen.
- Familienzusammenführung: Wir fordern die Beseitigung wesentlicher Hindernisse für die Familienzusammenführung in der Schweiz, insbesondere für vorläufig aufgenommene Personen. Die Wartefrist von drei Jahren sowie die finanziellen Voraussetzungen für vorläufig aufgenommene Personen müssen abgeschafft werden.
- Ausschaffung: Wir fordern, dass der Grundsatz der Verhältnismässigkeit und das Kindeswohl als ausschlaggebendes Kriterium stets Berücksichtigung finden, wenn Familien weggewiesen werden. Die Familie darf bei einer Ausschaffung nicht getrennt werden.
- Familienbegriff: Wir fordern, dass der Begriff «Familie» erweitert wird, sodass anerkannte oder vorläufig aufgenommene Geflüchtete wieder in völliger Sicherheit mit ihren Eltern, Grosseltern, Geschwistern und Enkeln in der Schweiz leben können oder zumindest mit den Personen, zu denen sie eine enge Beziehung haben.