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Das hoch-pathogene H5N1-Virus ist auf dem Vormasch in Richtung Süden und nicht mehr weit von der Antarktis entfernt. Der Nationale Dienst für Landwirtschaft und Viehzucht in Chile meldete vergangene Woche die ersten vier bestätigten Fälle von Vogelgrippe bei Humboldt-Pinguinen in den Regionen Tarapacá, Antofagasta und Coquimbo. Am Freitag, dem 10. März, strandeten in Chañaral in der Atacama-Region weitere 67 Humboldt-Pinguine, deren Untersuchung noch aussteht.
Die ersten Fälle von H5N1 traten in Peru und Chile Ende letzten Jahres auf, wo insbesondere Pelikane massenhaft starben. Es war somit nur eine Frage der Zeit, wann das Virus auch die in Chile heimischen Humboldt-Pinguine (Spheniscus humboldti) infiziert. Möglicherweise sind auch Magellan-Pinguine (Spheniscus magellanicus) betroffen, die im südlichen Chile vorkommen, aber auch auf den Falklandinseln, in Argentinien und Uruguay.
Einer Auflistung des Nationalen Dienstes für Fischerei und Aquakultur (SERNAPESCA) zufolge, wurden entlang der chilenischen Küste Proben von insgesamt 76 gestrandeten Humboldt-Pinguinen und 16 Magellan-Pinguinen genommen, deren Analysen noch nicht abgeschlossen sind. Zwei der Magellan-Pinguine wurden in der südlichsten Region Magallanes gefunden. Sollten sich dort Infektionen mit der Vogelgrippe bestätigen, ist zu befürchten, dass eine Übertragung auf Seevögel, die zwischen dem Süden Südamerikas, den Falklandinseln, Südgeorgien und der Antarktis unterwegs sind, vermutlich nicht mehr lang auf sich warten lässt.
Humboldt-Pinguine gelten wegen der Überfischung und des intensiven Abbaus von Guano im 19. Jahrhundert als gefährdet. Zusätzlich bedrohen El Niño-Ereignisse die bis zu 65 Zentimeter großen Pinguine. Und in diesem Sommer steht möglicherweise nach einer langen La Niña-Phase wieder eine El Niño-Periode bevor, wie die jüngste Analyse des US-amerikanischen National Weather Service Climate Prediction Center prognostiziert. Ein beinahe zeitgleiches Auftreten eines tödlichen Viruses und von El Niño könnte die Humboldt-Pinguine in arge Bedrängnis bringen.
Laut SERNAPESCA sind jedoch nicht nur Vögel, sondern auch marine Säugetiere betroffen. Die Behörde meldete drei bestätigte Infektionen bei Südlichen Seelöwen (Otaria flavescens) und eine beim Chilenischen Fischotter oder Chungungo (Lontra felina). In Peru fielen dem Virus fast 600 Seelöwen zum Opfer.
Eine Übertragung des Virus durch weit ziehende Seevögel auf (sub-)antarktische Arten scheint mit den neuen Fällen immer näher zu rücken. Sollte es soweit kommen, könnte die einzigartige Tierwelt mit zahlreichen Pinguin- und Robbenarten auf den Falklandinseln, auf Südgeorgien und weiteren subantarktischen Inseln sowie in der Antarktis vor einer Katastrophe stehen. In dem Fall bleibt nur zu hoffen, dass die Umweltbedingungen dann einigermaßen günstig sind und nicht noch weitere Stressfaktoren auf die ohnehin bereits teilweise stark beanspruchten Populationen einwirken.
Julia Hager, PolarJournal