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Darmkrebs verursacht oft über lange Zeit keine Symptome. Deshalb ist die Früherkennung so wichtig. Denn bei frühzeitiger Therapie ist Darmkrebs in vielen Fällen heilbar.
Der Darm ist ebenso wichtig für die Immunabwehr wie für die Verdauung. Im drei bis vier Meter langen Dünndarm «zerlegen» Verdauungssäfte die Speisen. Eiweissstoffe, Fette und Kohlenhydrate sowie Mineralstoffe und Vitamine werden hier aufgenommen. Das geschieht mit Hilfe von Verdauungssäften.
Der Dickdarm entzieht dem Speisebrei das Wasser und verdickt das noch übrig Gebliebene. Er beherbergt ebenso Billionen von Bakterien, die nützliche Substanzen produzieren.
Anatomisch gegliedert, besteht der Dickdarm aus mehreren Teilen:
In der Schweiz erkranken jedes Jahr über 4000 Menschen an Darmkrebs. Von 100 Frauen sind hier zu Lande im Lauf ihres Lebens fast fünf betroffen, von 100 Männern sind es etwa sechs. Der Dickdarmkrebs gehört damit bei beiden Geschlechtern zu den häufigsten Tumorerkrankungen.
Fast immer handelt es sich dabei um Dickdarm- oder Mastdarmkrebs (Kolorektalkarzinom), Dünndarmkrebs ist selten. Bei etwa jeder fünften betroffenen Person hat der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits sichtbare Ableger gebildet (Stadium IV).
Darmkrebs ist auf der linken Seite des Darms häufiger als auf der rechten Seite. Für die Diagnostik und Behandlung ist wichtig: Die meisten Darmtumore, nämlich rund 60 bis 70 Prozent, befinden sich auf den letzten dreissig Zentimetern dieses Organs: Im absteigenden Teil des Kolons, im Sigmoid oder im Rektum.
Fast immer entsteht Darm- und Mastdarmkrebs aus (noch gutartigen) Vorstufen, die eines Tages entarten. Diese Vorstufen werden als «Polypen» bezeichnet, feingeweblich handelt es sich in der Mehrzahl um Adenome, gutartige drüsige Wucherungen. Etwa eines von fünf Adenomen entwickelt sich im Verlauf weiter und kann gefährlich werden. Werden Adenome rechtzeitig entdeckt und entfernt, z.B. im Rahmen einer Vorsorgekoloskopie, so lassen sich bis zu 80 Prozent der kolorektalen Karzinome verhindern.
Wird Darmkrebs diagnostiziert, hängen die Art der Therapie und auch die Heilungschance von vielen Faktoren ab. Wichtig ist das Tumorstadium, das angibt, wie tief der Tumor in die Darmwand eingedrungen ist, ob Lymphknoten befallen sind und ob Metastasen vorliegen. Jeder Betroffene wird deshalb genau und ausführlich untersucht.
Nur eine Minderheit der Darmtumoren wird im Stadium I entdeckt, da hier fast nie Symptome auftreten. Die meisten werden erst im Stadium II oder III diagnostiziert. Dann hat der Krebs bereits alle Wandschickten des Darm befallen (Stadium II) oder auf benachbarte Lymphknoten übergegriffen (Stadium III).
Darmkrebs kann über die Blutbahn vor allem in Leber und Lunge metastasieren. Über die Lymphgefässe gelangen die Krebszellen primär in nahe gelegene Lymphknoten und durch direkte Ausbreitung ins Bauchfell. Unter dem Mikroskop betrachtet, sind diese Metastasen aber ähnlich beschaffen wie der sogenannte Primärtumor im Darm, von dem sie ursprünglich stammen.
Die Behandlungsergebnisse sind an spezialisierten Zentren mit vielen Patienten und Patientinnen in der Regel besser als an Kliniken mit wenigen Patienten und Patientinnen. Zertifizierte Krebszentren müssen vorgegebene Qualitätsstandards erfüllen.
Ideal ist, wenn sich ein multidisziplinäres Team mindestens einmal pro Woche trifft und gemeinsam eine Behandlungsstrategie für jeden Patienten und jede Patientin festlegt. An diesen sogenannten «Tumorboards» bringen Spezialistinnen und Spezialisten aus der Bauchchirurgie, Radiologie, Gastroenterologie, Radioonkologie und der medizinischen Onkologie, sowie weiteren Fachgebieten ihre Erfahrung ein. Studien haben gezeigt, dass dieses Vorgehen den Betroffenen Vorteile bringt.
Das Alter, die Gene, Umweltfaktoren, Darmpolypen und chronische Darmentzündungen – diese fünf Risikofaktoren können Darmkrebs mehr oder minder stark begünstigen. Der Risikofaktor, der meist am stärksten wiegt, ist das Alter. Ab etwa 50 Jahren steigt das Erkrankungsrisiko bis zum circa 80. Lebensjahr steil an. Allerdings wird Darmkrebs auch bei jungen Menschen (<40-50 Jahre) häufiger, verdächtige Symptome müssen auch bei jungen Erwachsenen konsequent abgeklärt werden.
Hellhörig sollte man werden, wenn Adenome bereits vor dem 50. Lebensjahr auftreten. Denn dann ist das Darmkrebsrisiko nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für seine Eltern und Geschwister deutlich höher. Adenome, die erst nach dem 60. Lebensjahr auftreten, sind für die Verwandten hingegen meist ohne Belang. Auch wenn sich andere Krebserkrankungen in der Familie häufen, beispielsweise Magenkrebs oder Gebärmutterkrebs, ist es sinnvoll, dies beim Arzt anzusprechen.
Die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs steigt stärker, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen. Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko wieder verringern.
Zu diesen beeinflussbaren Faktoren zählen nach bisherigem Wissensstand:
Das beste Rezept gegen Darmkrebs lautet: Genügend Bewegung (am besten täglich 30 bis 60 Minuten), vernünftiges Körpergewicht, gesunde Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen (am besten mindestens 30 Gramm täglich), wenig Alkohol und Nichtrauchen. Mit diesem Lebensstil lassen sich statistisch etwa sieben von zehn Darmkrebserkrankungen bei Männern und vier von zehn bei Frauen verhindern.
Jede körperliche Erkrankung kann auch mit psychischen Belastungen verbunden sein. Diese kann sich unter anderem in Sorgen, Anspannung, Gedankenkreisen oder Schlafstörungen zeigen und den Behandlungsverlauf erschweren. Falls Sie oder Ihre Angehörigen den Wunsch nach psychiatrisch-psychologischer Beratung und Unterstützung haben, stehen Ihnen unsere Fachleute im USZ gerne zur Verfügung.
Das Tückische am Darmkrebs ist, dass diese Tumoren meist lange «im Stillen» wachsen, die Betroffenen merken also nichts. Wenn sich Darmkrebs bemerkbar macht, ist der Tumor oft schon Jahre lang unbemerkt gewachsen. Deshalb sind Früherkennungsuntersuchungen so wichtig.
Mit diesen Symptomen kann sich Darmkrebs bemerkbar machen:
Natürlich hat jeder Mensch einmal Verdauungsprobleme. Halten sie aber an oder kehren sie wieder, sollte man sie ernst nehmen. Gehen Sie bei Warnzeichen für Darmkrebs zum Arzt und schieben Sie diese Konsultation nicht auf die lange Bank – es kann lebensrettend sein. Werfen Sie nach jedem Stuhlgang einen Blick ins WC. So bemerken Sie etwaige Blutungen eher.
Auch wenn sich Darmkrebs meist über lange Zeit nicht bemerkbar. Trotzdem kann man sowohl die Vorstufen der Erkrankung als auch den Darmkrebs mit fast 100-prozentiger Sicherheit finden – vorausgesetzt, man sucht danach. Das geschieht bei der «Früherkennung». Die Darmkrebs-Früherkennung wird in der Schweiz allen Personen zwischen 50 und 69 Jahren empfohlen. Risikogruppen (familiäre Belastung, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen) müssen deutlich früher untersucht werden.
Von den Darmtumoren, die anlässlich einer Früherkennungsuntersuchung entdeckt wurden, sind viele noch in einem frühen Stadium und gut behandelbar. Dann ist die Chance für eine Heilung gross.
Zwei Methoden zur Früherkennung werden in der Schweiz zur Früherkennung empfohlen: Der Blut-im-Stuhl-Test und die Darmspiegelung (Koloskopie). Diese Früherkennungsmethoden bringen den grössten Nutzen und sind wissenschaftlich gut geprüft.
Aus der Sicht vieler Expertinnen und Experten sprechen sehr gute Argumente für die Darmspiegelung. Der Stuhltest auf verstecktes Blut ist zwar weniger belastend, gerade bei Frühstadien und Vorstufen aber nur wenig empfindlich, Die Darmspiegelung ist die Methode mit dem insgesamt besten Leistungsausweis. Etwaige Darmpolypen können bei der Darmspiegelung fast immer gleich entfernt werden. Was die Kosten betrifft, sind beide Früherkennungsmethoden über die Jahre gerechnet vergleichbar.
Auch die beste Früherkennungsmassnahme nützt jedoch nichts, wenn sie nicht regelmässig angewendet wird. Für welche auch immer Sie sich entscheiden: Führen Sie sie in den empfohlenen Abständen durch: Alle zwei Jahre beim Test auf Blut im Stuhl und alle zehn Jahre bei der Darmspiegelung. Wurden Polypen gefunden oder liegen Risikofaktoren vor, empfiehlt die Magen-Darm-Spezialistin oder-spezialist (Gastroenterologie) engmaschigere Kontrollen.
Es besteht auch die Möglichkeit einer begleitenden komplementärmedizinischen Behandlung.
Wenn immer möglich werden Patientinnen und Patienten mit Darmkrebs operiert. Das Ziel dabei ist, den Tumor vollständig zu entfernen, während gesundes Gewebe so weit als möglich geschont wird. Dafür gibt es drei Methoden:
Seit etwa 1990 hat sich die Prognose beim Darmkrebs ständig verbessert, und dieser Trend setzt sich aktuell fort. Im Stadium I kann die Erkrankung bei mehr als neun von zehn Betroffenen geheilt werden. Auch bei fortgeschrittenem Darmkrebs haben sich die Überlebenschancen in den letzten Jahrzehnten verbessert.
Bessere und mehr Früherkennungsuntersuchungen haben dazu ebenso beigetragen wie verbesserte Diagnosemethoden, neue Operationstechniken, Medikamente und weitere, neue Behandlungsmethoden. Die Schweiz zählt bei Darmkrebs zu den Ländern mit den höchsten Überlebensraten.