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Direct Trade vs. Fairtrade Kaffee
Havelaars Max hatte in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eine gute Idee: Die Industrieländer sollten aufhören die dritte Welt auszunützen und den Produzenten und Arbeitern faire Preise für Güter und Dienstleistung zahlen. Fairtrade war geboren.
In den 90er leuchtete das den informierten Konsumenten in der ersten Welt langsam ein. Leider hatte der Max die Idee nicht ganz fertig gedacht, denn dem Max war egal, wie gut das Produkt war – Hauptsache es war fair. Wir sind allerdings davon überzeugt, dass aufgeschlossene Genussmenschen keine mediokren Produkte konsumieren, nur damit ihr Gewissen beruhigt ist und sie die Gewissheit haben, dass den Produzenten einen fairen Preis bezahlt wird.
Die Wende
Mit den drei Wellen des Qualitätsboost beim Kaffee (first, second, third wave) haben sich verschiedene Organisationen gebildet, die das Ziel hatten, den Kaffee von der Plantage bis in die Tasse zu verbessern. Auf der einen Seite ist dies die Organisation «The Cup of Excellence» , die in fast allen Anbauländern von Kaffee Degustationen durchführen, um die besten Kaffees der Länder zu küren. Schliesslich messen sich die Sieger international zum Besten der Besten. Diese Kaffees erzielen Preise, die ein X-faches des normalen Rohkaffeepreises ausmachen. Auf der anderen Seite haben wir die Speciality Coffee Association, die das Rösten und die Zubereitung des Kaffees im Fokus hat und ihrerseits Wettbewerbe überall auf dem Globus veranstaltet, welche dann auch in diversen Weltmeisterschaften enden (zum Beispiel: Barista World Championship).
Fairtrade, Fair (Direct) Trade
Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Gute Preise erzielen die Produzenten nicht mit der Hilfe eines - mittlerweile - Grosskonzerns, der keine Skrupel hat, einen Kaffee aus einem Apartheitsstaat zu zertifizieren. Gute Preise erzielen die Kaffeebauern, wenn sie top Qualität abliefern. Diese Kaffees werden auch nicht an der Börse gehandelt, eine Obszönität für Lebens- und Genussmittel. Diese Kaffees werden in aller Regel direkt von Kaffeescouts (algrano, coffee fellows) den Röstern weltweit angeboten, oder auch von den Röstern direkt aufgekauft.
Direct Trade ist ein allgegenwärtiger Begriff in der Specialityszene, der nicht geschützt ist, bei dem keine Lableorganisation dahintersteht und mit dem auch immer wieder Unfug betrieben wird. Und trotzdem, Direct Trade ist besser als Fairtrade, erzielt für den Produzent die höheren Preise als Fairtrade.
Direct Trade IST Fair Trade.
Konkrete Zahlen
Der Börsenpreis für 453gr. (1US lbs) Arabicabohnen von ungewisser Herkunft liegt zur Zeit (Stand: 17. September 2019) bei 1$. Was davon zum Produzent kommt, will man sich gar nicht vorstellen.
Fairtradepreis
Nach Aussage von Max Havelaar, erziehlen die Farmer mit Fairtrade Label zwischen 8 – 30 Prozent höhere Preise als nicht Fairtarde. 8 – 30% von ziemlich wenig ist nicht viel mehr.
«The producer organisations in this study received higher prices from Fairtrade buyers than the non-Fairtrade buyers to whom they sold. In 2013, when coffee prices declined substantially, Fairtrade farmers received prices that were between eight and 30 percent higher price (the difference was statistically significant) than they would have received from selling to non-Fairtrade buyers, with the price difference being greatest for Fairtrade-organic farmers (12–30 percent higher)»
Quelle: A study to assess the impact of Fairtrade for coffee smallholders and producer organizations in Indonesia, Mexico, Peru, and Tanzania, Max Havelaar 2016
Directtradepreis
Der Roger Wittwer der Kaffeeschmitte in Langnau beschreibt in seinem Transparenzbericht, dass die Produzenten, bei denen er direkt einkauft zwischen 3 und 25 Dollar pro US lbs erhalten.
Bei Algrano sind es $ 1.35 bis $ 3.50 pro 453gr. Grünkaffee aus Brasilien zum Beispiel.
Adrianos Direct Trade – more than fair
Ja und wie sieht es denn nun konkret im Hause Adrianos aus? Seit der Eröffnung von unserer Kaffeebar am Theaterplatz vor über 20 Jahren kaufen wir Kaffee direkt ab Plantage ein, genauer gesagt von der Hacienda Candelaria in Palmares, Costa Rica.
Unser Einkaufspreis setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Dem FOB (Free on Board) und den Kosten für Transport, Logistik und Einfuhr in die Schweiz. Beim FOB trägt der Kaffeeproduzent die Verantwortung und die Kosten für den Rohkaffee bis er auf dem Schiff verladen ist, danach geht das Risiko zum Käufer über.
Wir bezahlen der Hacienda Candelaria $5.65 für 1kg Kaffee (FOB).
Den Transport und die Formalitäten übernimmt ab dem Containerschiff die Trading Firma Coffee Quest und chauffiert ab Hamburg die Säcke direkt zu uns in die Rösterei. Kostenpunkt dafür: Rund 1 Euro pro Kilo.
Summa summarum bezahlen wir schlussendlich knapp CHF 7/kg, was bedeutet das 80% des Endpreises an den Kaffeebauern gehen und so sollte es doch sein, finden wir.
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