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Puebla – koloniale Perle und Wiege der mexikanischen Revolution
Umgeben von Vulkanen und schneebedeckten Gipfeln, ist Puebla in ganz Mexiko für seine Schönheit berühmt. Nicht nur die einzigartige Lage, sondern auch die prachtvolle koloniale Altstadt trägt ihren Teil zum Charme der Stadt bei.
Mexikos viertgrösste Stadt überrascht mit einer farbenfrohen Mischung aus Traditionen und Moderne. Traditionsreiche Keramikwerkstätten und kunsthandwerkliche Märkte treffen hier auf moderne Industrie; zwischen kachelgeschmückten Wohnhäusern aus der Kolonialzeit laden Künstlerviertel, Szenekneipen und Vergnügungsmeilen zu einem Besuch ein.
Bei all der Vielfalt und einem ausgesprochen internationalen Ambiente hat sich Puebla jedoch auch einen beschaulichen Charakter bewahrt, der bisweilen an eine Kleinstadt erinnert. Die Stadt ist wie viele mexikanische Kolonialstädte weit auseinandergezogen; dichtgedrängte Hochhäuser sucht man im Stadtzentrum vergeblich. Stattdessen laden lauschige Stadtplätze, Fussgängerzonen und koloniale Strassenzüge zu einem Rundgang ein.
Puebla – Schauplatz historischer Ereignisse
Puebla spielte in der mexikanischen Geschichte immer wieder eine bedeutende Rolle. Die Stadt war Schauplatz geschichtsträchtiger Ereignisse wie der Schlacht von Puebla am 5. Mai 1862, in der das mexikanische Heer die französischen Truppen während der französischen Intervention besiegte. Der 5. Mai ist heute einer der wichtigsten mexikanischen Gedenktage, und in praktisch jeder Stadt im Land trägt mindestens eine Strasse den Namen 5 de Mayo.
Gegründet wurde Puebla bereits im Jahr 1531 als Handelsstation zwischen Mexico City und Veracruz. Die junge Stadt entwickelte sich schnell zu einem bedeutenden kirchlichen Zentrum und weist bis heute eine beachtliche Anzahl an bedeutenden kolonialen Kirchenbauten auf. Auch die ersten Märtyrer der mexikanischen Revolution stammten aus Puebla: Die Geschwister Aquiles, Máximo und Carmen Serdán führten im Jahr 1910 die erste Verschwörung gegen das Regime von Porfirio Díaz an.
Koloniales Puebla
Seit 1987 ist die koloniale Altstadt von Puebla Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, und das nicht ohne Grund: Mit mehr als 5000 historischen Gebäuden ist Puebla die lateinamerikanische Stadt mit der zweitgrössten Anzahl an Kolonialbauten nach dem peruanischen Cuzco. Typisch für Puebla sind vor allem die reich geschmückten Kachelfassaden der historischen Wohnhäuser. Viele der bedeutendsten Kolonialbauten sind Kirchen, darunter neben der Kathedrale die Kirchen San Cristobal, Santo Domingo und San Felipe Neri. Das Teatro Principal aus dem 18. Jahrhundert wiederum gilt als das älteste Theater in Nordamerika.
Mittelpunkt der Altstadt ist der zentrale Stadtplatz Zócalo, der bis heute das kulturelle, religiöse und politische Zentrum von Puebla bildet. Rings um den Platz stehen einige der wichtigsten historischen Bauwerke, darunter der Palacio Municipal – der Sitz der Stadtverwaltung -, das historische Anwesen und heutige Museum Casa de los Muñecos sowie die Kathedrale von Puebla. Die zweitgrösste und zugleich höchste Kirche von Mexiko beeindruckt vor allem mit ihrem prächtig geschmückten Innenraum, der unzählige bedeutende Kunstwerke umfasst. Das ehemalige Kloster Santo Domingo stammt ebenso wie die Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert und ist berühmt für seine reichverzierte Kapelle, die Capilla del Rosario. Der Innenraum der Kapelle zählt zu den prachtvollsten Beispielen der barocken Architektur in Puebla.
Puebla: kulturelles Zentrum mit langer Geschichte
Puebla ist traditionell eine kulturreiche, international geprägte Stadt, die neben der kolonialen Altstadt noch viele weitere Attraktionen zu bieten hat. Im Stadtzentrum zeichnet sich das Barrio del Artista, das Künstlerviertel, durch seinen pittoresken Kolonialstil aus. Rund um einen kleinen Stadtplatz mit barockem Brunnen können Besucher Malern und anderen Künstlern bei der Arbeit zusehen, die ihre Werke vor den Augen der Passanten erschaffen. Neben Galerien und kunsthandwerklichen Geschäften ist das Barrio del Artista auch regelmässig Schauplatz kultureller Veranstaltungen, darunter Konzerte und Freilicht-Theatervorstellungen.
Unter Pueblas Museen kann das Museo Amparo eine besonders kuriose Geschichte aufweisen. Das Museum umfasst aktuell zwei Gebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert und diente zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Herberge für Frauen, deren Männer für längere Zeit verreist waren. Wie nicht anders zu erwarten, erfreute sich diese Idee bei den örtlichen Damen keiner besonders grossen Beliebtheit. Die Einrichtung wurde nach wenigen Jahren in eine Herberge für „verlorene Frauen“ umgewandelt, in der Frauen Unterkunft fanden, die sich aus verschiedenen Gründen aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen mussten oder wollten. Heute umfasst das Museo Amparo eine umfangreiche Ausstellung zu allen drei Epochen der mexikanischen Geschichte: der vorkolonialen Zeit, der Kolonialzeit und der Zeit nach der Unabhängigkeit.
Das Revolutionsmuseum von Puebla ist im Haus von Aquiles Serdán untergebracht. Im historischen Wohnhaus der Familie wurde die erste revolutionäre Verschwörung geplant und im ersten Kampf der Revolution niedergeschlagen. Das Museum umfasst neben wichtigen Schauplätzen und Zeugnissen der Revolution auch eine grosse Anzahl an Alltagsgegenständen aus der Zeit der Jahrhundertwende. Geschichtlich bedeutend sind auch die Festungen Fuerte de Loreto und Fuerte de Guadalupe, Schauplätze der Schlacht vom 5. Mai und heute öffentlich zugängliche Museen. Auf dem Stadthügel Cerro de Guadalupe gelegen, bieten die einzigen historischen Militäranlagen der Stadt zugleich einen schönen Ausblick über Puebla.
Im Stadtgebiet von Puebla können Besucher noch eine besondere Kuriosität bestaunen: Der Vulkan Cuexcomate im Viertel La Libertad gilt mit 13 m Höhe und 23 m Durchmesser als kleinster Vulkan der Welt. Der Krater des erloschenen Vulkans kann über eine Wendeltreppe begangen werden.
Oberstes Bild: Zentraler Stadtplatz Zócalo mit der Kathedrale (© Gusvel / Wikimedia / CC)