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Regional
Wegen der aussergewöhnlich grossen Niederschlagsmengen im Juli blieb die Hochwassersituation über lange Zeit angespannt, wie der Kanton Bern ausführt.
Unter idealen Bedingungen – also bei weitgehend trockenem Wetter – werde der Bielersee in der ersten Hälfte der nächsten Woche einen normalen Sommerwasserstand erreichen. Beim Neuenburgersee werde dies noch zwei bis drei Wochen dauern.
Die Seepolizei stand im Zusammenhang mit dem Hochwasser insgesamt über 3250 Stunden für die Bergung von Schwemmholz im Einsatz. Die Koordination unter den verschiedenen Einsatzkräften habe gut funktioniert.Die Niederschlagsmengen des Monats Juli lagen im Einzugsgebiet der Aare bis 100% über den Normwerten.
Während des Hauptereignisses vom 12. bis 15. Juli 2021 wurden verbreitet Niederschlagssummen von mehr als 100 mm verzeichnet, am Alpennordhang oft gar noch mehr. Dies führte zu einer langdauernden Hochwassersituation in weiten Teilen des Kantons.In der ersten Phase habe der Regulierdienst den Thunersee mit Hilfe des Hochwasserentlastungsstollens mit Blick auf die erwarteten Niederschläge vorsorglich um 20 cm unter den normalen Sommerseestand abgesenkt.
Dank dieser Absenkung konnte zunächst ein Überschreiten der Hochwassergrenze verhindert werden. Wegen der zunehmenden Zuflussvolumina stieg der Thunersee aber im weiteren Verlauf des Ereignisses immer mehr an und überschritt die Hochwassergrenze deutlich.
Dank dem konsequenten Einsatz des Hochwasserentlastungsstollens blieb der Thunerseepegel jedoch 5 cm unter dem definierten Schutzziel. Über dem Schutzziel nehmen die Schäden deutlich zu.Infolge der ungewöhnlich langandauernden grossen Zuflussmengen von Aare und Saane stiegen die Seepegel der Jurarandseen unaufhaltsam an.
Während mehreren Tagen überstieg allein der Zufluss der Aare durch den Hagneckkanal in den Bielersee die Abflusskapazität beim Regulierwehr Port deutlich. Dank der Wiederherstellung und Verbesserung der Hochwassersicherheit am Hagneckkanal in den Jahren 2011 bis 2015 war die Sicherheit vor Überflutungen im Grossen Moos jederzeit gegeben.
Die grossen Wassermassen führten zu einem raschen Ansteigen des Bielerseepegels. Verstärkt wurde der Anstieg, weil der Abfluss aus dem Bielersee beim Regulierwehr Port aufgrund der phasenweise sehr hohen Abflüsse der Emme mehrmals stark reduziert werden musste.
Die grossen zufliessenden Wassermengen in die Jurarandseen in Kombination mit den kurzzeitigen Abflussdrosselungen beim Wehr Port führten schliesslich dazu, dass beim Bieler- und Neuenburgersee die höchsten Seestände seit Abschluss der 2. Juragewässerkorrektion im Jahr 1973 gemessen wurden.Nach dem Erreichen des maximalen Seestandes konnte der Thunersee innerhalb einer Woche wieder auf einen normalen Sommerseestand gesenkt werden. Grund für den schnellen Rückgang waren die rasch abnehmenden Zuflüsse aus den höher gelegenen Gebieten des Berner Oberlandes.
Beim Bielersee und den beiden anderen Jurarandseen dauert dieser Prozess wesentlich länger. Dies liegt daran, dass im Seeland nicht nur Wasser aus einem See, sondern aus allen drei Jurarandseen abfliessen muss.
Das gespeicherte Wasservolumen sei daher um ein Vielfaches grösser als beim Thunersee. Zudem habe die Aare unterhalb des Bielersees nur eine beschränkte Abflusskapazität.
Deshalb könne der Abfluss beim Wehr Port nicht beliebig erhöht werden.Wegen der riesigen Wasservolumina, die in den Jurarandseen gespeichert sind, habe der Regulierdienst bereits am 16. Juli 2021 den Antrag gestellt, die zulässige Abflussmenge in Port von 650 m3/s ausnahmsweise auf maximal 750 m3/s zu erhöhen. Die betroffenen Kantone und das Bundesamt für Umwelt haben diesem Antrag zugestimmt.
Diese Erhöhung des Abflusses sei der einzige grosse Schritt, welcher für die Entspannung der Situation in den Jurarandseen möglich ist.Unter idealen Bedingungen - also bei weitgehend trockenem Wetter - werde der Bielersee in der ersten Hälfte der nächsten Woche einen normalen Sommerwasserstand erreichen. Beim Neuenburgersee werde dies noch zwei bis drei Wochen dauern.
Gibt es wieder stärkere Niederschläge und seien weitere Abflussreduktionen beim Regulierwehr Port notwendig, werde die Absenkung entsprechend länger dauern.Die Seepolizei der Kantonspolizei Bern habe in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wasser und Abfall innerhalb eines Monates fast 5000 Kubikmeter Holz aus dem Brienzer-, Thuner- und Bielersee geborgen. Dies entspreche einem Volumen von fünf Millionen Litern beziehungsweise von über 6200 800-Liter-Abfallcontainern.
Mit den Arbeiten war bereits vor der eigentlichen Hochwassersituation begonnen worden, da die Niederschläge und die dadurch angeschwollenen Bäche und Flüsse bereits zuvor viel Treibholz in die Seen geführt hatten. Insgesamt stand alleine die Seepolizei zwischen den 20. Juni und dem 26. Juli über 3250 Stunden für die Bergung von Schwemmholz sowie zur Ereignisbewältigung der Hochwassersituation im Einsatz.Die Hochwassersituation forderte auch den Berner Zivilschutz: Im ganzen Kantonsgebiet waren zwölf Zivilschutzorganisationen mit insgesamt mehr als 320 Schutzdienstleistenden im Einsatz.
Sie unterstützten die Feuerwehren, errichteten Verbauungen mit Sandsäcken oder betrieben Pumpen. Zudem überwachten die Schutzdienstleistenden Dämme und Hänge, wurden zur Führungsunterstützung der Führungsorgane eingesetzt oder betrieben Hotlines und Infopoints für die Bevölkerung.
Die Feuerwehren ihrerseits verzeichneten in den vergangenen 30 Tagen rund 1400 Alarmierungen im Zusammenhang mit den Unwettern. Fast alle der gut 150 Feuerwehren leisteten Einsätze, was zu Tausenden von Diensttagen führte.
Seitens des Zivilschutzes waren während des Hochwasserereignisses rund 1200 Schutzdiensttage zu verzeichnen. Zur Koordination der Ereignisbewältigung und der Einsatzkräfte sowie zur Unterstützung der politischen Behörden waren insgesamt zehn zivile Regionale Führungsorgane (RFO) im Einsatz.Aus Sicht des zuständigen Amtes für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär (BSM) haben die Alarmierung des Zivilschutzes, die Absprachen mit den Feuerwehren sowie deren Unterstützung durch den Zivilschutz sehr gut funktioniert.
Es habe sich gezeigt, dass die eingesetzten regionalen Zivilschutzorganisationen rasch einsatzbereit sind.Nicht zuletzt dank den Erfahrungen aus früheren Ereignissen, den vorbereiteten Planungen, der zweckdienlichen personellen Besetzung und des guten Ausbildungsstands haben die betroffenen RFO und Einsatzkräfte richtig reagiert und konnten das Ereignis besonnen und gut bewältigen. Gerade bei den Feuerwehreinsätzen waren dabei auch die in den vergangenen Jahren erstellten Notfallplanungen Naturgefahren hilfreich, da die neuralgischen Punkte gut ausgewiesen wurden.
Eine Herausforderung für die Feuerwehren war hingegen die Priorisierung der Einsätze zugunsten Privater. Hier leisteten die Führungsorgane wesentliche Unterstützung.Der Regierungsrat dankt allen Beteiligten, die in den letzten Wochen zur Bewältigung des Hochwassers beigetragen haben.
Dank der gemeinsamen Anstrengungen und der Solidarität der Bevölkerung konnte das Ereignis bewältigt werden, das zwar teils beträchtliche Sachschäden verursacht, aber glücklicherweise keine Menschenleben gefordert hat.Bewährt haben sich namentlich auch die weitreichenden Hochwasserschutzmassnahmen, die nach den Hochwassern von 2005 und 2007 im ganzen Kanton Bern umgesetzt wurden. So habe der Kanton Bern beispielsweise für den Entlastungsstollen Thun, die Sanierung des Hagneckkanals und die Anpassung und Optimierung der Steuerungen für die Seeregulierung insgesamt rund 105 Millionen Franken eingesetzt.Seit 2005 wurden im Hochwasserschutz im gesamten Kantonsgebiet Hochwasserschutzmassnahmen mit insgesamt 400 Millionen Franken Kantonsbeiträgen unterstützt.
Bund und Gemeinden investierten je nochmals die gleiche Summe. Alle diese Massnahmen haben wesentlich dazu beigetragen, den Sachschaden zu begrenzen..
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