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Geschichte der Fotografie - Teil 4:
Die Entdeckung des Farbfilms 1936
Das erste Patent für einen Farbfilm wurde bereits 1912 angemeldet. Im Jahr 1932 wurde dann der erste Kleinbildfilm für Farbaufnahmen entwickelt. Doch dieser konnte lediglich für die Leica und Contax verwendet werden und war mit speziellen Farbstreifen-Filtern versehen. Erst Ende der 1930er war es dann endlich möglich: „Die Farbfotografie für jedermann“. Doch der Weg dahin war durch Unsicherheit und einer langen Entwicklungsphase geprägt.
Es wurde bunt…
Schon seit 175 Jahren gibt es die Foto-Kolorierung. Ihre lange Entwicklung war von Empörung bis hin zur vollen Begeisterung geprägt. Bis zur Entwicklung der Foto-Kolorierung waren die Bilder schwarz-weiss. So wurden Stimmen in der Öffentlichkeit laut, die Farbe würde das Foto verfälschen und ihm die Authentizität nehmen. Doch schon bald konnte sich das Farbfoto als wahres Statussymbol etablieren. Im Jahr 1839, nach der Bekanntmachung des fotografischen Verfahrens der Daguerreotypie, benannt nach dem Maler Louis Daguerre, kolorierte der Schweizer Maler und Druckgrafiker Johann Baptiste Isenring Fotos mit der Hand. Hierfür pauste er das Bild auf eine durchsichtige Oberfläche und erstellte für jede Farbe eine eigene Schablone. 1861 gelang es dem schottischen Mathematiker und Physiker James Clark Maxwell, das erste Farbfoto ohne Handkolorierung zu erzeugen. Dieses war alles andere als perfekt, jedoch war es das erste Foto dieser Art. Inzwischen konnte sich das manuelle Kolorieren auch in Japan durchsetzen. Yokoyama Matsusaburo erschuf das
erste fotografische Ölgemälde, wofür das Trägerpapier des Fotos weggeschnitten und Pigmente auf die verbleibende Emulsion aufgetragen wurde. Mit der Erfindung der Ferrotypie in den 1860er Jahren, einem Direktpositiv-Verfahren, wurden Fotos endlich für die Allgemeinheit erschwinglich. Die anfängliche Empörung wurde schnell durch volle Begeisterung abgelöst. Insbesondere die Jahre zwischen 1900 und 1940 können als Jahre der Kolorierung bezeichnet werden. Mit dem Autochromverfahren in den 1950er Jahren wurden Farbfotos auch wirtschaftlich tragbar. Ab den 1970er Jahren schliesslich war die Farb-Kolorierung nicht mehr wegzudenken.
Im kleinen Wolfen fing alles an
Im Jahr 1909 gründete die Agfa AG die Filmfabrik Wolfen, wo die Anfänge des Farbfilms liegen. Neben Filmen für die Fotografie wurden hier auch Kinofilme und Röntgenfilmmaterial hergestellt. Die Abkürzung Agfa steht dabei für „Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation“. Agfa konnte sich jahrzehntelang gegen die Konkurrenten Kodak und Fujifilm durchsetzen und gilt als einer der grössten europäischen Hersteller von fotografischem Zubehör.
Unter Akkord-Arbeit stellten der Physiker und Chemiker John Eggert und 26 weitere Mitarbeiter von April 1935 bis Oktober 1936 im kleinen Wolfen in der Filmfabrik Agfa den weltweit ersten modernen Colorfilm „Agfacolor Neu“ her. Insbesondere den Chemikern Dr. Gustav Wilmanns und Dr. Wilhelm Schneider war es hierbei gelungen, ein universelles Agfacolor-Verfahren für Dias, Negative, Papierbilder und Kinofilme zu erschaffen. Das entstandene Agfacolor-Verfahren basiert auf dem von Rudolf Fischer bereits 1912 entwickelten Grundgedanken der subtraktiven Dreifarbenfotografie mit den Komponenten Blau, Grün und Rot mittels farbgebender Entwicklung. Die bis dahin entwickelten Farbfilme waren zwar noch nicht perfekt, aber es war ein Wettlauf gegen die Zeit, insbesondere gegen den US-amerikanischen Konkurrenten von Eastman Kodak. Im Januar 1936 war der erste Farbfilm fertiggestellt und konnte im August bei den Olympischen Spielen in Berlin erstmals getestet werden. Der Prototyp „Agfacolor-Neu-Film“ wurde schliesslich im Oktober 1936 in Form eines Farbdiafilms für Tageslicht und einem Schmalfilm der Öffentlichkeit vorgestellt. Von 1936 bis 1939 wurde darüber hinaus noch das Agfacolor Negativ/Positiv-Verfahren ausgearbeitet. Mithilfe von Farbkupplern, damit sind farblose oder mit Azo-Farbstoffverbindungen versehene Substanzen gemeint, war es nun möglich, die in fotografischen Mehrschichtenfilmen der drei Grundfarben Rot, Blau und Grün nach der subtraktiven Farbmischung zu erzeugen. Dies gelang durch eine Reaktion der Farbkuppler mit dem Oxidationsprodukt der Entwicklersubstanz. Eine weitere Sensation ereignete sich 1941, als der erste Spielfilm der Welt nach dem farbigen Positiv-Negativ-Verfahren, gedreht auf Agfacolor-Film, in die Kinos kam. Er trug den Titel "Frauen sind doch bessere Diplomaten". Ein Musikfilm, der vom deutschen Regisseur Georg Jacoby gedreht wurde und von der Tänzerin Marie-Luise handelt, die ihrem Onkel, einem Spielbankdirektor, dabei hilft, das auf Beschluss der Frankfurter Nationalversammlung schliessende Spielkasino zu retten.
Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Doch der Ruhm der Agfa-Filmfabrik hielt nicht lange an. Im zweiten Weltkrieg wurde die Agfa-Filmfabrik Wolfen durch US-amerikanische Truppen besetzt. Die bis dahin streng geheim gehaltenen Rezepte zur Farbfilmherstellung mussten nun preisgegeben werden. Nach dem zweiten Weltkrieg griffen weitere Hersteller in Europa, Japan und den USA das Verfahren von Agfa auf und entwickelten dieses weiter. Wenig später bot der Konkurrent Kodak einen Farbfilm an, der auf dem Wissen von Agfa beruhte und darüber hinaus noch weiterentwickelt worden war. Schnell stellte sich heraus, dass sich die von Kodak entwickelte Technik immer stärker durchsetzte und den Prototypen von Agfa mehr und mehr verdrängte. Nach dem Krieg musste sich die Filmfabrik Wolfen der sozialistischen Planwirtschaft unterwerfen. 1964 erfolgte dann die Warenzeichenumstellung von Agfa auf ORWO (Original Wolfen), es wurde aber weiterhin das Verfahren von Agfa angewendet. Die westdeutsche Agfa-Konkurrenz stellte bald auf das weiterentwickelte Verfahren von Kodak um und setze sich damit endgültig von der ostdeutschen ORWO ab. Die Wolfener verloren bis zu den 1970er Jahren endgültig den Anschluss an die Weltspitze und meldeten 1994 Insolvenz an.Der nächste Teil unserer Geschichte beschäftigt sich mit der Entwicklung der Spiegelreflexkamera, die immerhin stolze 320 Jahre dauerte.
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