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Titel: Die Tochter des Geldes. Roman eines Lebens.
Autorin: Eveline Hasler
Geburtsjahr: 1933
Nationalität: CH
Verlag: Nagel und Kimche
Seiten: 287
Erscheinungsjahr: 2019
Eveline Hasler nimmt uns mit auf eine Reise ins zaristische Russland des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in die Schweiz der Jahrhundertwende und wiederum nach Russland, beim zweiten Mal nach der kommunistischen Revolution. Sie beschreibt das Leben der in ihrem Heimatland weitgehend in Vergessenheit geratenen Mentona Moser (1874-1971), Tochter eines Schaffhauser Uhrenfabrikanten und einer exzentrischen Baronin. Eveline Hasler verfolgt den Lebenslauf von Mentona von ihrer Kindheit an, begleitet sie zunächst auf Schloss Au am Zürichsee, dann nach Zürich, London, Berlin und Moskau. Mentona Moser lernt politisch aktive Menschen kennen und engagiert sich sozial, wird Gründungsmitglied der kommunistischen Partei der Schweiz, und verbringt nach einem ereignis- und entbehrungsreichen Leben ihren Lebensabend in Ostdeutschland, wo sie ein Ehrengrab erhält. Eveline Hasler nimmt einen Besuch in Ost-Berlin in den 1980er-Jahren zum Ausgangspunkt ihrer Recherchen, die nun als geflochtenes Werk im Roman “Die Tochter des Geldes” vorliegen.
Pro
In den 1980er-Jahren wurde Eveline Hasler in Ost-Berlin vor das Grab Mentona Mosers geführt und musste sich beschämt eingestehen, dass sie von dieser Frau noch nie was gehört hatte. Hasler nahm es sich zur Aufgabe, mehr über diese Frau in Erfahrung zu bringen, die in Berlin auf dem Heldenfriedhof beerdigt wurde. 30 Jahre lang arbeitete sie an einer Biografie von Mentona Moser. Hasler ist ein Porträt gelungen, das uns einen Einblick in ein abwechslungsreiches Leben einer starken Frau ermöglicht. Geschickt kombiniert sie Mentonas Autobiografie mit ergänzenden Informationen aus Gesprächen mit Mentonas Enkel Nicolas Bissig, gespickt mit fiktionalen Elementen. Wir erhalten einen Eindruck von Mentonas Wünschen, Sehnsüchten, aber auch Sorgen, da die Armut und die Sorge um ihren behinderten Sohn Edi einen wesentlichen Teil ihres Lebens bestimmten. Mentona durfte namenhafte historische Personen wie Fritz Platten als engen Freund bezeichnen. Dadurch erhalten wir neben den Ereignissen aus Mentonas Leben auch einen neuen Zugang zu prägenden historischen Ereignissen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hasler kreiert Bilder, die uns einzelne Episoden aus Mentonas Leben offenbaren, aber ganz lässt sich diese eigenwillige Frau nicht greifen. Vielleicht war Mentona für viele nur ein Blitzlicht in der kommunistischen Szene Zürichs und Russlands, das nachhaltige Impressionen hinterliess.
Wibke
Contra
Gespannt machte ich mich an die Lektüre von Eveline Haslers neustem Buch – seit Wochen schon auf den Bestenlisten und in den New-Hot-Shit-Regalen der Buchhandlungen und Bibliotheken. Zugegeben, aufgrund der Klappentexte habe ich vielleicht zu viel erwartet von diesem Werk über die „Sozialrevolutionärin und Feministin“ Metona Moser. Ihr Leben ist durchaus spannend und es ist viel passiert, worüber sich erzählen lässt. Leider ist diese Lebensbeschreibung mangelhaft verpackt und umgesetzt. Die Erzählung bleibt oberflächlich, die Sprache und die Dialoge sind meist hölzern. Die Unterhaltung, die Metona zum Beispiel mit dem Vermögensverwalter ihrer Mutter führt, könnte auch aus einer besonders schlechten Schweizer Tatortepisode stammen. Zwar droppt Eveline Hasler immer wieder interessante Namen; weitererzählt, in einen Zusammenhang gestellt und über Metona Mosers Gedanken nachgedacht wird aber nicht. Obwohl man irgendwie sehr viel über die Hauptprotagonistin erfährt, fehlen Innenansichten – sie steht im Zentrum der Geschichte und verschwindet doch darin. Es bleibt der Eindruck, dass der biografische Roman Metona Moser nicht gerecht wird. Ob dies nun an einer dünnen Quellenlage oder der langen Bearbeitungszeit lag – schade ist es allemal.
Tilena