Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03331.jsonl.gz/499

2. Teil: Einzug der Menzinger Schwestern
Wettingen, den 5. Febr. 1909
Wohlwürdige Frau Carmela Motta, Generaloberin in Menzingen Ehrwürdige Frau Mutter!
Verbindlichen Dank für Ihre freundliche Vermittlung in Baldegg. Ich ahnte wohl, dass Entsprechen dort unmöglich sei. Noch mehr Dank für Ihr Anerbieten, ich werde wohl Versprechen sagen müssen, auf den Herbst. Ich lasse nicht gerne für Menzingen andere eintreten; denn meine Sympathien sind alle für das erstere. Bekäme ich Schwestern anderswo her, so könnte ich schwerlich mehr wie bisher die Wettinger Töchter dem Institute zu Menzingen zuleiten, was mir sehr leid täte. Ich nehme daher Ihr freundliches Anerbieten an, in der Voraussetzung, dass auch meine Bürgen, die mit mir die Schuldenlast tragen müssen, damit einverstanden seien. Sollte aber nur der geringste Zweifel an Ausführbarkeit sein, so möchte ich bevorzugen, wenn Sie rechtzeitig in Ingenbohl anklopfen wollten für mich.
in ergebenster Hochachtung grüsst
J. Waldesbühl, Pfarrer
Nachdem das Bergtröttli in ein gastliches Heim umgebaut worden war, zogen im Herbst Menzinger Schwestern ein, nahmen ihren Dienst auf und pflegten und umsorgten die alten Leute mit Liebe, Geduld und viel Geschick. Nach dem Umbau war die Liegenschaft mit Fr. 45'000.–belastet. Später wurden noch zwei Grundstücke hinzugekauft, und das Areal umfasste dann 122 Aren.
1919
Am 4. Januar verkaufte Pfarrer Julius Waldesbühl die Liegenschaft mit den darauf bestehenden Schulden an den katholischen Arbeiterinnenverein Wettingen. Dieser liess das Heim durch seinen Präses, Pfarrhelfer Albert Schönenberger, verwalten. Dem Heim wurde eine Haushaltungsschule angegliedert, die bald in ein anderes Lokal verlegt wurde. Dadurch konnte eine bescheidene Hauskapelle eingerichet werden.
1922
setzte Frau Mutter Carmela Motta in Menzingen die Besoldung der Schwestern vertraglich auf Fr. 300.– pro Jahr fest, wie bis anhin.
1928
An der Kirchgemeindeversammlung vom 15. März wurde der von Gemeindeamman Josef Huser vorgetragene Wunsch «die Kirchgemeinde solle das Altersasyl St.Bernhard ankaufen, damit es seinen bisherigen Bestimmungen erhalten bleibe. Er lädt die Kirchenpflege ein, auf die nächste Gemeinde Bericht und Antrag zu stellen» einstimmig angenommen. Anlass hiezu boten Anzeichen, dass eine gemeinnützige Gesellschaft gewillt sei, das Heim aufzukaufen.
1929
erfolgte eine gründliche Dachreperatur mit Schindel-Unterzug. Im grossen Estrich entstanden sechs Zimmer, die an der Stirnseite mit Lukarnen versehen wurden. Die Verhandlungen der Kirchenpflege mit Pfarrhelfer Schönenberger gestalteten sich mühsam. Merkwürdig, eher unverständlich mutet die Übernahme des Altersasyls im Jahre
1930
durch Pfarrhelfer Schönenberger an. Dieser bürdete sich damit eine weitere Verantwortung und Last auf. Der Kaufpreis betrug Fr. 117'000.–.
1931
Am 13. März wurde die neu gestaltete Hauskapelle durch Dekan Waldesbühl eingeweiht. Über dem Kapelleneingang stand: «Lerne leiden, ohne zu klagen.» Schutzpatron war der heilige Josef. Die Finanzierung erfolgte durch private Spenden. Als Nachfolger für den zurückgetretenen Dekan Waldesbühl wurde am 30. August der bisherige Pfarrerhelfer Schönenberger zum Pfarrer gewählt.
1935
Auf den 15. Januar reichte der neue Pfarrer aus gesundheitlichen Gründen seine Demission ein. Als er bald darauf im thurgauischen Güttingen zum Pfarrer gewählt worden war, nahm sich Bischof Josephus Ambühl des Altersasyls St. Bernhard an. Prälat Schibler hatte die finanzielle Sanierung in die Wege zu leiten. Der Übernahmepreis wurde auf Fr. 154'500.– festgesetzt. Die Aargauische Kantonalbank in Baden war nicht geneigt, die bestehende Hypothek von Fr. 121'700.– zu erhöhen. Die Darlehenskasse Wettingen gewährte Fr. 20'000.– als 2. Hypothek und den Restposten von Fr. 12'800.– sicherte Bischof Josephus Ambühl aus der Stiftung «Basilea» zu. Nachdem die finanziellen Verhältnisse mit Hilfe des Bischofs geregelt waren, wurde der Verein St. Bernhard gegründet.
1936
Das Mutterhaus Menzingen erhöhte die Jahresentschädigung für die Schwestern auf Fr. 400.–. Die Seelsorge oblag Pfarrerhelfer Wicki. Wegen Platzmangel mussten verschiedene Anfragen abschlägig beantwortet werden.
1937
Am 9. Januar trat Fräulein Magdalena Steimer, geboren 1860, alt Arbeitslehrerin, mit einem Pfrundkapitel von Fr. 6'000.– ein. Sie starb bereits am 13. November des gleichen Jahres. Das Steueramt begann sich für unsere soziale Institution auf rein privater Basis zu interessieren und forderte erstmals an Staats- und Gemeindesteuern den Betrag von Fr. 221.90.
1940
Die eidgenössische Preiskontrollstelle bewilligte auf den 1. Oktober eine generelle Taxerhöhung für alle Anstalten um 10%. Unser Verein blieb seiner sozialen Grundhaltung treu und machte vorderhand von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch.
1942
Auf den 1. April sah sich der Verein nun doch genötigt, den vor anderthalb Jahren bewilligten Aufschlag auch in unserem Altersheim einzuführen.
1943
Diskussionen über Pensionspreise endeten in der einstimmigen Beurteilung «auf soziale Abstufung soll geachtet werden».
1944
Die Pensionärin Ida Morat – im Dorf bekannt unter dem Namen «s’Tröttli Idi» – war bereits über 30 Jahre im St. Bernhard. Der Pensionspreis war stets sehr bescheiden gewesen. Nun ergaben aber Ermittlungen, dass Ida Morat in Aarau ein Vermögen von Fr. 150'000.– versteuerte. Der Aarauer Stadtrat und die Preiskontrollstelle waren mit unserem Aufschlag von Fr. 4.80 auf Fr. 8.– pro Tag einverstanden. In einem ähnlich gelagerten Fall mussten auf drei Jahre zurück Fr. 2.– pro Pensionstag nachbezahlt werden. Für Neueintritte wurde die Taxe von Fr. 3.50 auf Fr. 3.90 angehoben.
Für die im Dorf tätigen Krankenpflegerinnen und für die Schwestern an der Kleinkinderschule, die als Menzingerinnen im St. Bernhard untergebracht waren, wurden für Kost und Logis Fr. 3.– pro Tag erhoben.
1946
Der Verein erhöhte von sich aus die Entschädigung für die Schwestern auf Fr. 500.– pro Jahr.
1948
stieg unser Verein ins Immobiliengeschäft ein. Er erwarb am 21. Mai vom Sebastiansverein das sogenannte Vereinshaus an der Dorfstrasse 2, bekannt auch unter dem Namen Brühlmeier-Haus , für Fr. 25'000.–. Bei der Aargauischen Kantonalbank in Baden wurde eine 1. Hypothek über Fr. 15'000.– errichtet, Fr. 10'000.– liess der Verkäufer stehen. Die baufällige Scheune wurde abgebrochen, und an ihrer Stelle wurden zwei Kindergärten errichtet. Zudem mussten die beiden Wohnungen im alten Wohnhaus gründlich renoviert werden. Über einen weiteren Liegenschaftenbesitz zitiere ich aus dem Jahresbericht 1948: «Unser Besitz an Liegenschaften hat sich nicht nur in unserer Gemeinde vergrössert, wir haben nun solche sogar in Italien. Fortunato Andreatti hatte nämlich noch ein Haus mit Land in Italien und hat uns durch Testament zu seinem Erben eingesetzt. Was sich noch bei der Liquidation aus diesem Besitz für uns realisieren lässt, wird die Zukunft zeigen.»
1949
Dem 15. Jahresbericht entnehme ich: «Dass das Geschäftsjahr sehr gut abschliesst, haben wir in erster Linie unserer Ehrw. Schwester Oberin zu verdanken. Sie führt nun bereits 15 Jahre unsere Anstalt in vorzüglicher Weise, war es doch in dieser Zeit möglich, unsere Schulden von Fr. 154'500.– auf Fr. 80'000.– abzuzahlen und viele bauliche Verbesserungen vorzunehmen und grössere Anschaffungen zu machen. Mit grossem Eifer und Verständnis wird von unserem Gärtner unser Garten und das Pflanzland bewirtschaftet und trägt auch viel zur guten Rendite bei. Über unsern Bedarf hinaus konnten noch für Fr.311.– Gemüse, Beeren und Obst sowie für Fr. 270.– Eier verkauft werden.»
1950
Zur Arrondierung unseres Grundstückbesitzes erwarben wir von Dr. Alfred Huser ein Rebgrundstück für Fr. 2'500.–.
1952
Ein Blick auf das Protokoll vom 7. Februar mag die strenge Haltung des Mutterhauses Menzingen seinen Schwestern gegenüber beleuchten: «Es wurde konstatiert, dass Schwester Oberin seiner Zeit die Reise nach Rom, deren Kosten wir übernehmen wollten, nicht ausgeführt hat, da die Erlaubnis von Menzingen nicht zu erhalten war. Schwester Oberin wird nun aufgefordert, die Erlaubnis für eine Reise nach Lourdes, mit dem nächsten Pilgerzug, einzuholen und dieselbe dann auch auszuführen, was sie in den 17 Jahren ihrer ausgezeichneten Tätigkeit in unserer Anstalt mehr als verdient hat».
1956
begannen die Vorarbeiten für den grossen Neu- und Umbau.
1957
genehmigte der Verein neue Statuten, datiert vom 15. April. Anlass zur Statutenrevision gab der Wunsch, auch Andersgläubige, die Mitgliedschaft zu ermöglichen.
1959
50 Jahre Altersasyl St. Bernhard – 25 Jahre Verein St. Bernhard.
Verwaltung und Kassawesen lagen seit der Vereinsgründung in den Händen von Josef Zehnder-Egloff, 1883-1973. In all den Jahren war ihm das Altersheim St. Bernhard sehr ans Herz gewachsen.