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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

19. Buch
22. Ist denn der Gott, dem die Christen dienen, der wahre, dem allein man zu opfern hat?
Ich höre fragen: Wer ist dieser Gott oder wie lässt sich erweisen, er allein sei würdig, daß ihm die Römer hätten gehorchen sollen, ohne einen Gott außer ihm durch Opfer zu verehren? Man muß schon sehr blind sein, um noch zu fragen, wer dieser Gott sei. Der ist es, dessen Propheten vorhergesagt haben, was wir mit Augen schauen. Der ist es, von dem Abraham den Bescheid erhielt1 : „In deinem Samen sollen alle Völker gesegnet werden;“ daß sich dies in Christus erfüllt, der dem Fleische nach aus Abrahams Samen hervorgegangen ist, erkennen, ob sie wollen oder nicht, selbst die, die Feinde seines Namens geblieben sind. Der ist es, dessen göttlicher Geist gesprochen hat durch Menschen in Vorhersagungen, die ich samt ihrer Erfüllung in der, wie wir sehen, über die ganze Erde ausgebreiteten Kirche in früheren Büchern angeführt habe. Der ist es, den Varro, der gelehrteste Römer, für Jupiter hält, obwohl er nicht weiß, was er sagt; ich wollte gleichwohl darauf hinweisen, deshalb, weil ein Mann von so umfassendem Wissen diesen Gott nicht in Abrede zu stellen und auch nicht für einen geringen zu erachten vermochte. Denn ihn hielt er für den, der ihm als der höchste Gott galt2 . Es ist endlich der Gott, den der Gelehrteste unter den Philosophen, obwohl der erbitterste Feind der Christen, Porphyrius, als den großen Gott sogar auf Grund der Aussprüche derer bekennt, die er für Götter hält.
1: Gen. 22, 18.
2: Vgl. oben IV 31 [1. Band 231 f.].