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Maximilian Schroff – Wöchentlicher Bericht Nr. 4
Aufgrund der Festtage hatten die Schüler eine ganze Woche lang Ferien und gingen zu Verwandten. Nur sieben von ihnen mussten dableiben, da es entweder niemanden gibt, der sie abholen könnte, oder niemand sie abholen wollte. So etwas trifft die Kinder dann besonders hart, denn egal wie gut es ihnen hier geht oder wie gut sie hier in der Großfamilie von St.Johns aufgenommen wurden, kann dies niemals den Platz der Eltern einnehmen. Aus diesem Grund versucht Father Jose den übriggebliebenen Kindern eine schöne mögliche Zeit zu bescheren. Und das ist ihm in dieser Wochen richtig gut gelungen. Wenn man so will wurde auch ich wie die Kinder behandelt, sodass ich bei einigen Programmen dabei war. Es wurden Touren zu wunderbaren Orten geplant, Spiele gespielt, Filme geschaut etc.
Zum Beispiel waren wir auf einem nahegelegenen Berg auf dem ein kleiner Tempel stand. Von dort aus gab es eine bis an den Horizont reichende wunderbare Aussicht auf die Landschaft Indiens. Wir haben einen Tempel besichtigt, wo kleine bis mittlere Affen gefüttert werden. Außerdem waren wir bei einem Guru (Natürlich nicht direkt getroffen), seinen Gefolgsleuten und ihrem riesigen Lotusblumen-Tempel ‚Santhigiri Ashram‘. Auf den Guru und seine Geschichten möchte ich nicht genauer eingehen, da ich kein Befürworter von solchen ‚Sekten‘ bin. Dagegen möchte ich viel lieber auf Swami Vivenkananda, einen indischer Mönch und Philosoph, dessen Denkmal ich besuchen durfte, eingehen. Dieses Denkmal befindet sich am Kap Komorin, der Südspitze Indiens, im Bundesstaat Tamil Nadu. Berühmteste Rede war vor dem Weltparlament der Religionen 1893 in Chicago, wo er darüber sprach.
„Ich werde Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Sie haben den eloquenten Redner, welcher seine Rede soeben beendet hat, sagen hören:“ Wir müssen damit aufhören und gegenseitig zu missbrauchen.“, und er war sehr traurig darüber, dass es immer so viel Streit gibt.
Aber ich denke ich sollte Ihnen eine Geschichte erzählen, um Ihnen den Grund von Streitereien aufzuzeigen.
Ein Frosch lebte in einer Quelle. Er lebte dort schon sehr lange. Er ist dort geboren und aufgewachsen, nun ist er ein kleiner Frosch. (…) Er reinigte jeden Tag das Wasser von Würmern und Bazillen, welche dort lebten(…). So nahm alles seinen Lauf und er wurde dick. An einem Tag kam ein Frosch, welcher im Meer lebte, und fiel in die Quelle.
„Woher kommst du?“
„Ich komme vom Meer.“
„Vom Meer! Wie groß ist es? Ist es so groß wie meine Quelle?“ und der Sprang vom einem Ende der Quelle zum Anderen.
„Mein Freund,“, sagte der Frosch vom Meer, “wie kannst du nur das Meer mit deiner kleinen Quelle vergleichen?“
Dann machte der Frosch erneut einen Sprung und fragte, „Ist dein Meer wirklich so groß?“
„Was redest du für einen Schwachsinn, das Meer mit deiner Quelle vergleichen zu wollen!“
„Gut, also dann“, sagte der Frosch von der Quelle, „Nichts kann größer sein als meine Quelle. Es kann nichts Größeres geben. Du bist ein Lügner, also musst du sterben!“
Das ist schon die ganze Zeit das Problem.
„Ich bin Hindu. Ich sitze an meiner kleinen Quelle und denke es sei die ganze Welt. Die Christen sitzen an ihrer kleinen Quelle und denken das sei die ganze Welt. Und die Muslime sitzen an ihrer kleinen Quelle und denken das sei die ganze Welt.“ – Swami Vivenkananda.
Ich bin auf jeden Fall sehr froh darüber nach Indien gekommen zu sein. Ich habe viel Neues gesehen und gehört, was meinen Horizont definitiv erweitert hat.
Mit freundlichen Grüßen aus Indien,
Maximilian Schroff