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Christina Viragh kam 1953 in Budapest zu Welt. Sie verliess 1960 mit ihrer Familie die ungarische Heimat in Richtung Schweiz, wo sie in Luzern aufwuchs. Während langer Zeit blieb ihr Bezug zu Italien auf die Präsenz von Gastarbeitern reduziert, die wenigen Italienreisen waren touristischer Natur, Christina Viragh orientierte sich eher nach Frankreich und der französischen Sprache. Ende der 1980er-Jahre begann es sie zu stören, dass sie die dritte Landessprache nicht beherrschte. Einen ersten Italienischkurs besuchte sie an der Universität von Manitoba in Winnipeg, wo sie 1983/84 als teaching assistant für Französisch arbeitete.
Erste intensivere Reisen mit ihrem zukünftigen zweiten Mann Hanno Helbling, einem ausgewiesenen Italienkenner, führten sie zu den norditalienischen Städten und nach Rom. Der Blick nach Süden von der Ferienwohnung am Lago Maggiore aus liess das Bedürfnis nach italienischer Lebensweise und Atmosphäre wachsen. Ein Stipendium des Schweizer Instituts in Rom im Jahr 1994 löste sofort das Gefühl aus, dass dies für sie die richtige Stadt sei; es stellte sich eine Art Wiedererkennen einer vergessenen Lebensweise ein.
Christina Viragh blieb in Rom. Weitere Reisen folgten: Nach Apulien, in die Marche, die Abruzzen, in die Campagna und Basilicata, nach Kalabrien, Sizilien und Sardinien, natürlich auch in die Toscana, nach Umbrien und Ligurien. Gemeinsam mit Hanno Helbling bezog sie eine Wohnung unweit des Schweizer Instituts – mittlerweile lebt sie seit 25 Jahren dort. Nach Hanno Helblings Tod (2005) war ihr klar, dass sie in Rom bleiben und weiterhin als Schriftstellerin und Übersetzerin in dieser Stadt arbeiten wollte. Mit Rom und seiner Umgebung verbindet sie eine grosse Liebe – Sommermorgen am Meer und Herbstwanderungen in den nahen Bergen sind die Stichwörter dazu.
Seit Jahrzehnten dringt Christina Viragh immer tiefer in die italienische Mentalität ein und macht Fortschritte in der italienischen Sprache. Sie pflegt einen Freundeskreis weitgehend jenseits des Italiener-Klischees: Es sind der Natur und der Stille zugetane, sich und das Leben gern und oft reflektierende Menschen.
In ihren fiktionalen Texten scheinen Italien und besonders Rom immer wieder auf. Auch in zahlreichen Essays hat sich Christina Viragh zur kulturellen und politischen Situation ihrer Wahlheimat oder zur Mentalität der Italiener geäussert.
Christina Viragh hat freundlicherweise die Angaben zu den vorliegenden Informationen zusammengestellt.
Quellen
- Mutters Buch, Stuttgart: 1997.
- Eine dieser Nächte, Zürich: 2018.