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Er hat zwei Oscars gewonnen. Zählt nicht nur zu den bekanntesten Regisseuren Irans, sondern zu den wichtigsten der Welt. Jetzt erhebt eine ehemalige Studentin Plagiatsvorwürfe gegen ihn.
Asghar Farhadis neunter Spielfilm «A Hero» schien vielversprechend. Am Filmfestival in Cannes 2021 gewann er den zweitwichtigsten Preis. Der Iran schickte das Drama ins Rennen um einen Oscar.
«A Hero» handelt von Rahim (Amir Jadidi), der wegen Schulden im Gefängnis sitzt. Rahims neue Freundin Farkhondeh (Sahar Goldoust) findet eine Handtasche voller Münzen und überreicht ihm diese bei einem Ausgang.
Statt das Geld zu behalten, gibt Rahim die Tasche der Besitzerin zurück. Als diese gute Tat ans Licht kommt, wird er als Held gefeiert. Vor allem von den Vorstehern des Gefängnisses, die ihn als strahlendes Beispiel der Verdienste ihrer Institution preisen.
Doch schon bald wendet sich das Blatt. In den Sozialen Medien kommen Zweifel an Rahims Ehrlichkeit auf.
Wer ist der Bösewicht?
SRF führte ein Interview mit dem Regisseur im Rahmen des Filmfestivals in Cannes 2021. Damals sagte er über «A Hero»: «Normalerweise gibt es in einer Heldengeschichte immer einen Bösewicht. Wer das hier ist, muss man sich selbst fragen. Warum wird eine eigentlich ganz normale Tat so in den Vordergrund gerückt und hochgejubelt? Zu welchem Zweck?»
Der spannende und emotionale Film vereint viele unterschiedliche Themen und fordert die Zuschauenden. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, die bereits einmal verfilmt wurden.
Die Studentin recherchierte 8 Monate lang
Azadeh Masihzadeh war Studentin bei Asghar Farhadi, als sie 2014 den Dokumentarfilm «All Winners, All Losers» drehte. Sie recherchierte acht Monate lang und machte so den Protagonisten selbst ausfindig.
Asghar Farhadi habe ihre Idee als seine eigene ausgegeben, sagt sie nun. Und ging deshalb vor Gericht.
Farhadi wiederum verklagte Azadeh Masihzadeh wegen Verleumdung. Die Sache ist kompliziert. Farhadi lässt verlauten, dass es kein Recht an Kriminalgeschichten gibt. Ausserdem habe Azadeh Masihzadeh eine Einverständniserklärung unterschrieben.
Vom Dozenten unter Druck gesetzt
Die Filmemacherin wiederum sagte dem Magazin «The Hollywood Reporter», sie habe sich von ihrem Dozenten unter Druck gesetzt gefühlt, das Dokument zu unterschreiben. Bezahlt wurde sie dafür nicht. Sie wird im Zusammenhang mit «A Hero» auch nirgends erwähnt.
Auf Asghar Farhadis Aussage, er habe die Geschichte aus Zeitungsartikeln, entgegnet seine ehemalige Studentin gegenüber dem «Hollywood Reporter»: «Die Geschichte war nie in den nationalen Medien oder online. Ich habe sie gefunden und selbst recherchiert.»
Gefängnis oder Peitschenhiebe
Ein Gericht gab Azadeh Masihzadeh Recht. Doch das Urteil ist noch nicht definitiv. Der Fall wird nun einem zweiten Richter vorgelegt.
Im «Hollywood Reporter» spricht Azadeh Masihzadehs Anwalt über die potenziellen Strafen: Wird Asghar Farhadi schuldig gesprochen, muss er alle Einnahme von «A Hero» an Azadeh Masihzadeh abgeben. Es könnte ihm zudem eine Gefängnisstrafe drohen.
Azadeh Masihzadeh wurde vom Vorwurf der Verleumdung bereits freigesprochen. Hätte das Gericht sie für schuldig befunden, wäre sie mit zwei Jahren Gefängnis und 74 Peitschenhieben bestraft worden.
Kinostart 5.5.2022