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Die ältesten Nachrichten über die Anlage der erweiterten Stadtbefestigung stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert. Im Spätjahr 1206 wird in einer bischöflichen Urkunde die St. Leonhardskirche erstmals als innerhalb der Stadtmauer gelegen bezeichnet. 1219 schloss das Stift St. Peter mit den Johannitern einen Vergleich ab wegen der Ausübung geistlicher Funktionen in der St. Niklauskapelle im Pfarrsprengel von S. Peter „innerhalb der Stadtmauer“. Da sich beide Angaben offensichtlich auf Teile der Stadtbefestigung längs der so genannten inneren Gräben beziehen, wird allgemein angenommen, dass der Mauerzug am St. Albangraben, Steinenberg, Kohlenberg, St. Leonhards- und St. Petersgraben im späten 12. Jahrhundert begonnen und in den beiden ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts vollendet worden sei. Ein Hochrelief am 1878 abgerissenen St. Albanschwibbogen bestätigt diese Annahme, ist sein Stil ist jenem aus dem 12./13. Jahrhundert doch am nächsten verwandt. Das Werk befindet sich heute im Historischen Museum.
Auch bei dieser Mauer stellte sich ein Grössenproblem: je länger eine solche Mauer in ihrem ganzen Umkreis war, umso mehr Leute brauchte man für ihre Verteidigung. Zu eng durfte der Mauerring jedoch nicht gezogen werden, da noch Platz frei bleiben musste, wo sich der Zuwachs der Bevölkerung nach und nach ansiedeln konnte. Man musste also schon damals sowohl für den Augenblick wie auch für die Zukunft sorgen. Die Innere Stadtmauer erwies sich bald als zu eng für das Wachstum der Stadt, denn bald entstanden vor den Toren Vorstädte.
Durch die zahlreichen Abbildungen der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Tore und teilweise schon früher aufgefüllten Gräben ist wenigstens in den allgemeinen Zügen die Beschaffenheit der ganzen Wehranlage noch erkennbar. Sie wies eine Frontlänge von 1660m auf und war an den Enden und Ecken der Ringmauer mit grösseren Vierecktürmen verstärkt. Zum Schutz der vier Stadteingänge dienten das Kunos-, Eschemars-, Spalen- und Kreutor, die „Schwibbogen“; zusätzlich gab es am Ringgraben zwischen Kohlen- und Steinenberg das so genannte "Eselstürlin". Zur Verteidigung der Ringmauer waren – vorausgesetzt, dass die am Petersgraben erhaltenen die Regel illustrieren – in Abständen von jeweils 55m etwa zwanzig in den Stadtgraben vorspringende halbrunde Türme bestimmt. Die ganze Anlage entstammt einem klaren Geist; in erster Linie wurden mit dem Mauerbau bereits vorhandene oder im Ausbau begriffene Stadtteile in den gemeinsamen Schutz aufgenommen. Nur dort, wo die strategischen Interessen es verlangten, wurde auch offenes Land in die Befestigung einbezogen, im Übrigen aber deren Umfang der verfügbaren städtischen Streitmacht angepasst. Die bereits vor dem Spalen- und St. Johanns-Schwibbogen vorhandenen Siedlungen blieben ausserhalb der Stadtmauer, gehörten jedoch teilweise zu städtischen Pfarrsprengeln. Dieser Ausschluss war vermutlich bestimmt durch das begrenzte Leistungsvermögen der Stadtgemeinde und die geringe Siedlungsdichte der Vorstädte.
Das Werk ist entstanden zur Behauptung der eigenen Macht, zum Schutz der nächstgelegenen Interessen, zur Bewahrung von Leben und Gut der damaligen Bürger. Es hat aber auch stets den Kompromiss gesucht zwischen militärischer Notwendigkeit und dem Schutz des Handels, welcher der Stadt so viel gebracht hat, und der Bürger. In der Beschränkung auf das unmittelbar Notwendige unterscheidet es sich von der bewusst weit ausgreifenden spätmittelalterlichen Stadtbefestigung nach dem Erdbeben. Die verwirklichten Absichten sind jenem Denken verwandt, welches das bisherige Wachstum der Stadt bestimmte. Die Entwicklung vollzog sich in kleinen, überschaubaren und mit den eigenen Kräften erfüllbaren Einheiten.
In Basel sind einige Teile dieser Stadtbefestigung bis heute erhalten geblieben: Am Rheinbord bei der Wettsteinbrücke der Unterbau zweier Türme; längs des Leonhardsgrabens ist der Verlauf der Mauer durch Fundamentreste an verschiedenen Stellen gesichert; detaillierte Auskünfte bieten natürlich die am Petersgraben noch erhaltenen Reste; als weitere Bestandteile dieser Stadtbefestigung gelten schliesslich noch das Mauerstück unterhalb des Pfarrhauses von St. Peter und der im Seidenhof eingebaute Eckturm am Rhein. Wohl die eindrücklichste Vorstellung von der Mächtigkeit dieser Stadtbefestigung vermitteln Teile der heutigen Stützmauer des Lohnhofs auf der äusseren Strassenseite. Über das wohl ausgebaute Verteidigungssystem des Stadttores am oberen Ende des Spalenbergs sind 1923 anlässlich der Legung eines Telephonkabels sehr interessante Aufschlüsse gewonnen worden. Der 1230 erstmals bezeugte und 1838 abgebrochene Spalenschwibbogen war unterirdisch mit den beiden Flankierungstürmen der Zugbrücke jenseits des Grabens durch einen gewölbten Gang verbunden.