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AUTHOR: Sascha Roesler
CONTEXT: Book “Weltkonstruktion“, in "arch+", 221, 2015, p. 14-15
Hassan Fathys Diktum, Architektur beschäftige sich nicht mit Gebäuden, sondern mit Gebäuden und Menschen – »Architecture deals with human beings and buildings, not just buildings« – bringt emblematisch ein Architekturverständnis auf den Punkt, das bereits mit Gottfried Sempers Projekt einer »vergleichenden Baulehre«, dem lange angekündigten aber unrealisierten dritten Band des Stils, seine konzeptionellen Anfänge genommen hatte. Die Korrelierung von Gebäuden mit Menschen kann ganz allgemein als anthropologischer Begründungsversuch von Architektur begriffen werden, der von einem inhärenten, von physikalischen Gegebenheiten ausgehenden Begründungsansatz unterschieden werden muss. Ein anthropologisches Verständnis von Architektur zieht wechselweise Bauen und Menschsein zu ihrer Bestimmung heran. Dieses anthropologische Verständnis wird von einer Intuition getragen, die im Bauen ein generelles Vermögen des Menschen erkennt, das dem Wissen architektonisch-baulicher Experten (Architekten, Ingenieure) epistemisch vorausgeht. »Jeder Mensch« – und nicht etwa »der Architekt« – wäre demnach das zentrale handelnde Subjekt der Architektur und damit im Mittelpunkt einer konstruktiven Forschung dieser Disziplin.