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Mit der Ablehnung der Berner Cannabis-Studie durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist die Durchführung von ähnlichen Forschungsvorhaben in anderen Städten ungewiss. Betroffen sind etwa Projekte in Genf, Basel-Stadt oder Zürich.
Eigene Studie anpassen
Der Forschungsleiter des Genfer Projekts hofft nach dem negativen BAG-Entscheid zum Berner Versuch, seine Studie trotzdem durchführen zu können. «Wir wissen jetzt, auf welche Argumente wir achten müssen, damit unser Projekt vom BAG akzeptiert wird», sagt Sandro Cattacin. Deshalb studiere man die Begründung nun sehr genau, bevor man das eigene Projekt bei den Behörden einreiche.
Das BAG hat in einer sehr politisierten Situation einen sehr juristisch begründeten Entscheid getroffen.
Der Genfer Soziologe geht davon aus, dass auch das Berner Cannabis-Projekt nach einer Überarbeitung innert kurzer Zeit nochmals beim BAG eingereicht wird. Dieses störte beim negativen Entscheid vor allem die Motivation der Studie, man wolle den Freizeit- und Genusskonsum untersuchen. «Das BAG hat in einer sehr politisierten Situation seinen Entscheid sehr juristisch formuliert», stellt Cattacin fest. Seiner Meinung nach wäre auch ein positiver Behördenentscheid durchaus möglich gewesen.
Bevölkerung steht hinter Cannabis-Versuchen
Cattacin führt mehrere Gründe an, wieso die Zeit reif sei, in der Schweiz mehr über das Konsumverhalten der Cannabis-Raucher zu wissen: Eine breit angelegte Umfrage im Sommer habe gezeigt, dass eine grosse Mehrheit der Bevölkerung dafür sei, solche Versuche mit hohen Hürden und enger Begleitung durchzuführen. Ebenso unterstütze das eidgenössische Parlament solche Projekte mit grosser Mehrheit. Und: «Die Cannabis-Liberalisierungsinitiative 2008 wurde in grösseren Schweizer Städten angenommen.»
Der Gesetzgeber stützt sich immer eher auf Experimente, wenn er neue Gesetze formuliert.
Die jetzt geplanten Versuche gingen alle viel weniger weit als das Volksbegehren von 2008, seien professionell aufgezogen und von Ethik-Kommissionen begleitet, betont Cattacin. Etwa sein Genfer Projekt: Hier sei das Ziel der Studie, dass die Leute lernten, mit der Droge vernünftig umzugehen. Der Versuch sieht den Cannabis-Konsum im Rahmen eines Vereins vor, dabei gehe es vor allem um Risiko-Reduktion. «Wir sprechen bei unserem Versuch deshalb auch nicht von ‹Freizeit-Konsum›», so der Genfer Studienleiter.
Damit Cannabis-Projekte nun doch noch vom BAG zugelassen werden, sieht Cattacin zwei Möglichkeiten: Entweder ändert der Bundesrat die Verordnung zum Betäubungsmittelgesetz, was relativ rasch machbar wäre. Oder die eingereichten Studien werden angepasst und stellen beispielsweise die Gesundheit der Cannabis-Konsumenten ins Zentrum der Untersuchung. So glaubt Cattacin, werde das BAG eher auf ein solches Experiment eingehen.
Mit Experimenten mögliche Vorschriften testen
Was aber bringen diese Cannabis-Versuche der Gesellschaft überhaupt? «Wir Forscher wollen mögliche Regulierungen von Cannabis testen», sagt der Soziologe. Niemand wisse derzeit, welches die besten Vorschriften im Umgang mit Cannabis und den Konsumenten sei.
Grundsätzlich sollten Gesetzesbestimmungen in der komplexen Gesellschaft zuerst getestet werden, damit man sehe, ob sie die erwünschten Wirkungen hätten. «Der Gesetzgeber bezieht sich heute eher auf Experimente, wenn er neue Gesetze formuliert», stellt Cattacin fest. So könne aufgezeigt werden, wo die Risiken eines neuen Gesetzes lägen.
Mögliche Vorschriften austesten
|Weltweit haben sich die Ansichten über Cannabis und den Umgang mit der Droge in den letzten zehn Jahren stark verändert: In zahlreichen US-Bundesstaaten ist der Konsum inzwischen legal, ganze Länder wie Paraguay haben den Cannabis-Konsum legalisiert. In vielen weiteren Ländern ist der Konsum aus medizinischen Gründen inzwischen zugelassen. Da liegt es auf der Hand, dass auch die Schweiz ihre Gesetzgebung der veränderten gesellschaftlichen Realität anpasst. Die geplanten Cannabis-Versuche der Schweizer Städte könnten deshalb eine Richtung aufzeigen, in die eine Gesetzesrevision gehen könnte.|