Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03560.jsonl.gz/297

Interorganisationales Misstrauen führt zu zahlreichen negativen Konsequenzen für die beteiligten Parteien, wie reduzierte Beiträge der Stakeholder zur Wertschöpfung, Reputationsschäden, Leistungsverluste und sogar zur Beendigung der Zusammenarbeit. Wenn sich Misstrauen in einer Beziehung festsetzt, gestaltet sich die Umkehrung seiner Auswirkungen als schwierig – positive Interaktionen werden gehemmt und ausgeblendet. Trotz dieser bedeutenden Konsequenzen fehlt es in der Organisations- und Managementliteratur an Verständnis dafür, wie Misstrauen in interorganisationalen Beziehungen entsteht.
Als Teil des vom SNF finanzierten Projekts zum Thema ‘Krisenerprobtes Stakeholdermanagement’ [Details s.u. Rubrik "Abgeschlossene Forschungsprojekte"] liegt der Fokus dieses Projekts auf die Erforschung des Prozesses der Misstrauensbildung. Wir sind davon überzeugt, dass das Verständnis über die Entstehung von Misstrauen entscheidend ist, um wirksame Interventionen zur Verhinderung oder Eindämmung seines Auftretens zu entwickeln. Um unser Forschungsziel zu erreichen, folgten wir einem zweistufigen Verfahren:
Zu Beginn führten wir eine gründliche Literaturrecherche durch, um vorhandenes Wissen zur Entstehung interorganisationalen Misstrauens zu konsolidieren. Die Überprüfung ergab zwei entscheidende Aspekte: (a) Der Bildungsprozess von Misstrauen umfasst möglicherweise einen kritischen Wendepunkt, dessen Identifizierung entscheidend sein könnte, um präventive Massnahmen umzusetzen. (b) Sensemaking-Prozesse innerhalb und zwischen Organisationen scheinen eine entscheidende Rolle in diesem Prozess zu spielen.
In der zweiten Phase verwendeten wir ein eingebettetes Fallstudien-Design, um tiefer in den Prozess der Misstrauensbildung einzutauchen. Hierbei sammelten wir umfangreiche qualitative Daten aus zwei Hauptquellen:
(a) Eine fokale Organisation - ein multinationales Unternehmen, das für komplexe Stakeholderbeziehungen im Bereich Nachhaltigkeit bekannt ist.
(b) Zehn Stakeholder-Organisationen, die aktiv in Nachhaltigkeitsthemen involviert sind.
Um ein umfassendes Verständnis der Beziehungen sicherzustellen, führten wir Interviews sowohl mit der fokalen Organisation als auch mit den Stakeholdern durch. Dadurch konnte sichergestellt werden, dass die Beziehungsdynamiken von beiden Seiten der Dyade beleuchtet werden. Zusätzlich verwendeten wir Triangulation, indem wir Interviewdaten mit Beobachtungen aus den Interviews und einer umfassenden Dokumentenanalyse kombinierten. Dieser Ansatz ermöglichte es uns, wertvolle Erkenntnisse aus verschiedenen Perspektiven zu gewinnen und unsere Untersuchung zu bereichern.
Unser Forschungsprojekt dient einem doppelten Zweck: das theoretische Verständnis über die Entstehung von Misstrauen zu erweitern und gleichzeitig praktische Massnahmen zur Verhinderung oder Eindämmung interorganisationalen Misstrauens zu entwickeln. Wir freuen uns, Ihnen bald unsere Ergebnisse präsentieren zu können.