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Notturno d’après une Romance de François Liszt
Opus 039
Nachdem Raff im Juni 1845 Franz Liszt im Basler Casino kennen gelernt hatte, wurde er auf der Stelle als Assistent engagiert. Der junge Lachner, der zuvor ein halbes Jahr in Zürich in grosser finanzieller Not gelebt hatte, kam nun bei seiner Rückkehr in die Limmatstadt als Liszts Sekretär im luxuriösen Baur au Lac unter. In diesen Tagen besuchte Liszt den im Exil lebenden Dichter Ferdinand Freiligrath in Rapperswil und spielte ihm seine Vertonung von dessen Gedicht «O Lieb» vor – mit der sprichwörtlichen Liszt’schen Energie, wie der Freiligrath-Biograph Wilhelm Buchner überliefert: «Der zum Mobiliar des Hauses gehörende jammervolle Rappelkasten hauchte unter des lachenden Künstlers Händen seinen letzten Seufzer aus». Ob Raff Liszt in die Rosenstadt begleitete, in der er einen grossen Schuldenberg hinterlassen hatte, darf in Zweifel gezogen werden. Doch das Liszt’sche Manuskript fand den Weg in seine Hände. Zwei Jahre später versuchte er also, seinem Verleger Ferdinand Freiligrath eine «Romance inedite de F. Liszt transcrite pour le Piano» zu verkaufen. Dieser biss jedoch erst an, als ihm Raff auch das Original überliess – beide erscheinen gegen Ende des Jahres 1847. Drei Jahre später veröffentlichte Liszt eine überarbeitete Fassung des Liedes sowie eine eigene Transkription für Klavier, die als «Liebestraum Nr. 3» noch heute zu seinen beliebtesten Stücken gehört.
Severin Kolb
Bereitgestellt durch Joachim-Raff-Archiv