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von
Stefan Haller
13. Juli 2017
10:55
Der Begriff Jura stammt aus der keltischen Sprache und bedeutet «Waldland». Von Alexander von Humboldt wurde Ende des 18. Jahrhunderts der Begriff «Juragestein» für das Kalkgestein im französisch-schweizerischen Jura eingeführt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dieser Begriff von Alexandre Brongniart zur Benennung der zugehörigen geologischen Gesteinsformation «Jura» übernommen. Der Name Jura umfasst somit gefaltete oder ungefaltete mehrschichtige Gesteinsformationen. Sie stammen genauer gesagt aus den Abschnitten Lias, Dogger, Malm und wurden in einer Zeitspanne abgelagert, welche vor rund 201 Millionen Jahren begann und etwa 56 Millionen Jahre dauerte. Für diese Zeitspanne ist der Gebirgsname Jura übernommen worden.
Eine kleine Zeitreise gefällig? Vor 180'000 Jahren lebten noch keine Menschen im Gebiet von Auenstein oder Veltheim. Damals durchstreiften ganz andere, archaische Lebewesen den Raum des heutigen Steinbruchs Jakobsberg-Egg. Zum Beispiel Mammuts. Eines dieser behaarten Rüsseltiere fiel in eine Gletscherspalte, blieb darin stecken, verendete, und seine Überreste wurden – gut konserviert – in der Neuzeit gefunden. Davon zeugt der imposante Beckenknochen, der heute im Eingangsbereich des Bürogebäudes der Jura-Cement-Fabriken AG (JCF) in Wildegg ausgestellt ist.
Der Jura entsteht
Noch lange vor der Zeit der Mammuts wurde die Basis für die heute im Aargauer Jura vorkommenden Bodenschätze gelegt. Vor rund zehn Millionen Jahren begann die Jurafaltung. Die vor allem aus Meeresablagerungen (Kalk) bestehenden Gesteinsschichten sind durch Druck aus dem Süden, der durch den letzten Schub der Alpenfaltung im Zusammenhang mit der Kontinentalverschiebung verursacht wurde, zu Falten aufgestaucht worden. Während der Faltung und danach setzte die Erosion ein. Der Jura ist bis heute um etwa die Hälfte seiner ursprünglichen Höhe abgetragen worden.
Gefragter Rohstoff – aus der Region, für die Region
Der gleichnamige, heute hier abgebaute Kalk und Mergel bilden die Basis für die Ausgangsstoffe von Zement, welcher wiederum die Grundlage ist für Beton, ohne den weder Gebäude noch Strassen gebaut werden könnten. «Ohne die im Jahr 1890 von Friedrich Rudolf Zurlinden gegründete Zementfabrik in Wildegg wäre unser gesellschaftliches Leben schwer vorstellbar», betont Marcel Bieri, Leiter Produktion von JCF. Das wertvolle Gestein aus dem Steinbruch Jakobsberg-Egg ist in der ganzen Schweiz ein gefragter Rohstoff. Es ist Hauptbestandteil von Zement und liefert damit die Basis für viele unentbehrliche Bauten wie Wohn- und Industriegebäude, Schulen, Brücken und Tunnels. Notabene wird der verarbeitete Kalkstein aus Jakobsberg-Egg nicht exportiert, sondern ausschliesslich für einheimische Bauwerke eingesetzt. Die regionale Wertschöpfung ist hoch, und auch die Transportwege sind möglichst kurz gehalten, was wiederum gut ist für die Umwelt.
Auensteiner und Vältner Kalk stecket zum Beispiel im Campus Brugg-Windisch der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, im Hotel Kettenbrücke Aarau, im Aarauer Aeschbachquartier oder auch im Klinik- und Pflegezentrum Barmelweid.
Der Brecher ist ein «Kraftprotz»
Die Felsbrocken, die immer häufiger nicht mittels Sprengungen, sondern durch eine emissionsarme Bodenfräse (einen sogenannten Surface Miner) abgebaut werden, wandern noch im Steinbruch in eine riesige Maschine. Dieser Brecher ist ein veritabler Kraftprotz. «Pro Stunde zerkleinert er rund 600 Tonnen Kalkstein in faustgrosse Stücke», erklärt Stephan Heiniger, Facharbeiter Steinbruchbetrieb. Über ein Förderband gelangt das Material umweltschonend ins Zementwerk, wo es fein gemahlen und mit weiterem Gesteinsmehl vermischt wird. Bei einer Temperatur von 1450 Grad Celsius entsteht dann in einem 60 Meter langen Drehrohrofen der sogenannte Zement-Klinker. Diese kieselgrossen Nuggets werden zusammen mit Gips und weiteren mineralischen Zumahlstoffen zum fertigen Zement vermahlen.