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Als sie damals vor der Kamera steht, macht sie noch in die Hosen: Christina Applegate ist drei Monate alt, als sie im Arm ihrer schauspielernden Mutter Nancy in «Zeit der Sehnsucht» erstmals «Klappe!» hört. «Ich kam raus und begann zu arbeiten», sagt sie selber über ihren Start ins Filmbusiness.
Mit fünf Monaten lächelt sie zahnlos in einem Werbespot für Windeln, «kauft» siebenjährig ihr erstes Haus, spielt in Serien und Filmen, bis sie da landet, wo sie nicht hinwill, da sie sich eher als dramatische Schauspielerin sieht.
Wo? Na klar, in «Eine schrecklich nette Familie» (1987–1997), in der Rolle als «Dumpfbacke» Kelly, Tochter von Al Bundy. «Ich wollte das nicht machen und ging nicht mal zum Casting.» Doch die Produzenten bleiben dran, und sie und ihre Mum schauen den Pilotfilm – mit dem Vorsatz, nicht zu lachen. «Nun, danach war ich dabei …», sagt sie zu dem gescheiterten Versuch.
Es ist die erste Comedyrolle für die damals 15-Jährige, und ihre Mutter bittet Ed O’Neill alias Al Bundy, ihr zu helfen, denn komisch sei nicht die Stärke der Tochter. Ob es nun dessen Verdienst ist oder nicht, Applegate ist so gut als nervig-schrille Blondine, dass mancher sie auch im richtigen Leben nicht für voll nimmt.
Während der 10 Sitcom-Jahre wird ihre Figur erwachsen, wird auch Miss Applegate zur Frau, nur das Dummchen-Image hängt zäh an ihr. Auch wenn sie dann in «Jesse» (1998–2000) als alleinerziehende Mutter Tiefgang zeigen darf. 2002 ergattert sie eine Gastrolle in «Friends», wofür sie gleich einen Emmy kriegt, spielt im selben Jahr mit Cameron Diaz in «Super süss und super sexy», einem belanglosen Buddy-Streifen.
Immerhin einen Schritt weiter in Sachen filmische Emanzipation geht es 2004, als sie in «Anchorman» eine schöne, unterschätzte TV-Moderatorin neben Will Ferrell gibt.
2008 wird bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, wegen eines genetisch erhöhten Krebsrisikos lässt sie sich beide Brüste amputieren. Und dann meint es das Leben wieder gut mit ihr: Im Spital trifft sie Musiker Martyn LeNoble – beide sind als Freiwillige für Kinder tätig –, und 2011 kommt Sadie zur Welt.
Bis heute hilft sie in der Schulbibliothek ihrer Tochter aus, liest den Kids vor. «Ich verleihe jedem Charakter einen anderen Akzent, was mich an meine Grenzen bringt, wenn ich russisch tönen soll.»
Ihr eigenes Schicksal lässt Applegate ins Script von «Dead to Me» einarbeiten: Auch die trauernde Witwe Jen hatte eine Mastektomie. «Ich glaube nicht, dass es viele Charaktere mit einer doppelten Amputation gibt. Das war meine Chance, ein wenig von mir zu erzählen», meint sie. Viel ist es leider nicht.
Ja eben, «Dead to Me», diese schwarzhumorige Netflix-Serie über zwei sehr verschiedene Freundinnen, in der sie zeigen kann, was sie draufhat: die ganze Bandbreite zwischen komisch und dramatisch. Für ihre Darstellung wurde sie unter anderem für einen Emmy und einen Golden Globe nominiert.
Seit dem 8. Mai zeigt sich endlich, wie es weitergeht mit der Leiche im Pool. «Es ist krasser als zuvor», verriet Applegate über die 2. Staffel.
Und was noch?
Applegate litt fast ihr ganzes Erwachsenenleben unter Schlaflosigkeit, hatte mit Brad Pitt eine Miniaffäre. Sie ist Vegetarierin und kennt keinen Schmerz: 2005 trat sie trotz gebrochenem Fuss im Musical «Sweet Charity» auf.