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Gemeinsam mit einem grossen internationalen Team wurde ein umfassender Datensatz von 1816 Zeitreihen analysiert, die zwischen 1968 und 2020 in Flusssystemen in 22 europäischen Ländern gesammelt wurden und 714’698 Beobachtungen von 2’648 Arten aus 26’668 Proben umfassen. Die Auswertungen zeigen, dass ausgehend von tiefen Werten in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl die Artenvielfalt mit 0,73 Prozent pro Jahr als auch die funktionelle Diversität mit jährlichen 2,4 Prozent und die Häufigkeit der Arten mit 1,17 Prozent im Jahr über den Zeitraum der 53 Jahre deutlich angestiegen ist.
«Diese Zuwächse traten jedoch hauptsächlich vor 2010 auf und haben sich seitdem leider auf einem mehr oder weniger gleichbleibenden Niveau eingependelt. Während die Zunahme der biologischen Vielfalt in den 1990er und 2000er Jahren wahrscheinlich die Wirksamkeit von Wasserqualitätsverbesserungen und Renaturierungsprojekten widerspiegelt, deutet die sich anschliessende stagnierende Entwicklung auf eine Erschöpfung der bisherigen Massnahmen hin», so Peter Haase.
Laut den Studienergebnissen erholten sich Süsswassergemeinschaften vor allem flussabwärts von Staudämmen, städtischen Gebieten und im Einflussgebiet von Ackerland weniger schnell. Die Fauna an Standorten mit schnellerer Erwärmung verzeichneten zudem geringere Zuwächse in der Artenvielfalt, der Häufigkeit der Individuen und der funktionellen Diversität.
«Die Gemeinschaften haben nicht mehr die Diversität erreicht, die sie ursprünglich hatten, und vor allem Arten frei fliessender grosser Flüsse sind europaweit ausgestorben oder stark gefährdet», sagt Florian Altermatt. «Wir schliessen daraus, dass ein Teil der Bemühungen zum Schutz der Biodiversität genützt hat, diese aber noch nicht ausreichend waren – zumal aktuell neue Herausforderungen bestehen, wie zum Beispiel der Klimawandel.»
Grundsätzlich gelten diese Erkenntnisse auch für die Schweiz, sagt er. «Es kann aber lokal schon auch andere Muster geben, zum Beispiel ist in der Schweiz die Landnutzung oft intensiver, was auf die Landwirtschaft und die Urbanisierung zurückzuführen ist.» Ein grosser Unterschied zu vielen anderen Ländern sind zudem die alpinen Gewässer, die zum Beispiel durch die Stromproduktion und die Klimaerwärmung stärker beeinflusst werden als Flüsse im Tiefland.