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Hilft Marihuana bei Schmerz wirklich?
Mediziner wie Patienten setzen große Hoffnungen in Marihuana als alternatives Schmerzmittel. Doch hilft medizinisches Cannabis bei chronischen Schmerzen wirklich? Eine Studie der Ohio State University geht dieser Frage nach. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 295 Patienten aus Los Angeles, die medizinisches Marihuana zur Schmerzreduktion nutzen. Durchgeführt wurde die Umfrage im Jahr 2013, im April 2020 stellte das Forscherteam seine Ergebnisse im „International Journal of Drug Policy“ vor.
Patienten mit starken Schmerzen nutzen medizinisches Marihuana häufiger
Für ihre Studie befragten die Wissenschaftler die Studienteilnehmer, wie oft am Tag sie medizinisches Marihuana zu sich nehmen. Außerdem gaben die Probanden an, wie sie ihren aktuellen Gesundheitszustand mit ihrem Befinden von vor einem Jahr vergleichen. Schließlich beantworteten die Teilnehmer noch zwei Fragen zu ihrem Schmerzlevel.
31 Prozent der Studienteilnehmer gaben dabei an, unter starken Schmerzen zu leiden. 24 Prozent beschrieben ihre Schmerzen als moderat, 44 Prozent als leicht. Insgesamt berichteten 45 Prozent der Teilnehmer, Marihuana mindestens einmal am Tag zu nutzen. 48 Prozent greifen dreimal oder mehr zum medizinischen Cannabis.
Unter den Probanden mit hohem Schmerzlevel nutzen 60 Prozent der Befragten Marihuana dreimal oder mehr am Tag. In der Gruppe der Teilnehmer mit moderaten Schmerzen trifft das auf 51 Prozent zu, bei den Probanden mit leichten Schmerzen sind es 39 Prozent.
Ergebnisse lassen keine eindeutigen Schlüsse zu
Je höher das Schmerzlevel, umso größer ist also auch die Wahrscheinlichkeit, medizinisches Marihuana pro Tag dreimal oder häufiger zu nutzen. Patienten mit starken chronischen Schmerzen berichteten jedoch auch, dass sich ihr allgemeiner Gesundheitszustand im Verlauf des vergangenen Jahres verschlechtert habe. Einen direkten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Marihuanakonsums und Veränderungen des Gesundheitszustands konnten die Forscher jedoch nicht feststellen.
Noch sei nicht vollkommen klar, ob Marihuana den Patienten helfe oder nicht, erklären die Studienautoren. Der Zusammenhang zwischen Schmerzen, Marihuanakonsum und der Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands sei komplex. Wer unter starken chronischen Schmerzen leidet, fühlt sich oft auch allgemein weniger gesund. Dass gerade die Studienteilnehmer mit einem höheren Verbrauch von medizinischem Marihuana über einen schlechteren Gesundheitszustand klagen, könnte also auch daran liegen, dass ihr Allgemeinzustand bereits vor Studienbeginn schlechter war.
Marihuana zur Behandlung von Begleiterscheinungen bei chronischen Schmerzen
Marihuana wird bei einer Reihe von unterschiedlichen Schmerzen eingesetzt. So soll medizinisches Cannabis unter anderem Schmerzen in Zusammenhang mit Krebs, HIV, Nervenleiden oder Gelenkerkrankungen lindern. Bislang wissen Mediziner jedoch nicht, ob Marihuana unterschiedliche Effekte auf diese verschiedenen Schmerzarten ausübt.
Die Autoren der aktuellen Studie geben allerdings zu bedenken, dass Marihuana auf die Begleiterscheinungen von chronischen Schmerzen einwirken kann. Chronische Schmerzen führen zum Beispiel oft zu Appetitlosigkeit, Depression oder Angstzuständen. Medizinisches Cannabis kann helfen, diese Auswirkungen zu mildern. Selbst wenn Marihuana nicht direkt die Schmerzen lindert, könnten Schmerzpatienten so von der Behandlung profitieren.