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Der Engländer Paul Potts (James Corden) hatte sein ganzes Leben lang nur einen Traum: Er möchte Opernsänger werden. So sang er schon in jüngsten Jahren die schwierigsten Arien nach, was ihm von den Gleichaltrigen vor allem Prügel einbrachte. Sogar seinem Vater (Colm Meaney) ging die Singerei irgendwann auf die Nerven. Vielmehr sieht er die Zukunft seines Sohnes bei ihm in der Schmiederei und nicht auf der Bühne. Doch Paul lässt sich nicht beirren und hat irgendwann genug Geld für den Besuch an einer Opernschule in Venedig zusammen.
Dort läuft alles wunderbar und seine Lehrer erkennen das Talent des leicht dicklichen Burschen. Doch als er die Gelegenheit hat, vor Luciano Pavarotti vorzusingen, kommt er aus Nervosität völlig aus dem Konzept, sodass ihm der Maestro persönlich die Eignung zum Opernsänger abspricht. Niedergeschlagen kehrt Paul in sein altes Leben als Handyverkäufer zurück - bis zu jenem Zeitpunkt, als er von der Castingshow "Britain's Got Talent" hört und einen letzten Versuch wagt.
Die Geschichte des Paul Potts ist gemacht fürs Kino. Als er bei "Britain's Got Talent" zuerst auf die Bühne stand, wurde er von den Juroren und einem Millionenpublikum noch belächelt. Hatte er seine Version von Giacomo Puccinis Nessun dorma beendet, sah er sich staunenden Augen und Applaus gegenüber, was bis zum Finale der Sendung so blieb und er am Ende die Castingshow auch gewann. Seither ist der Brite ein Star und durfte auch schon für die Queen singen. One Chance von David Frankel (The Devil wears Prada) erzählt nun die Vorgeschichte und dabei deckt sich der Regisseur mit allen Elementen ein, welche die Kassenhits des britischen Kino so hergeben.
Gut geklaut ist zwar immer noch besser als schlecht erfunden, aber bei One Chance wollen die, nennen wir sie mal geborgten, Teile irgendwie kein überzeugendes Ganzes ergeben. Zu berechnend wirken die Bausteine, wie der Zwist mit dem Vater, welcher den Sohnemann eigentlich lieber als Arbeiter sehen möchte (à la Billy Elliot) und der nicht sehr gepflegte beste Freund, der zwischendurch auch noch wertvolle Lebenstipps gibt (Hallo, Rhys Ifans in Notting Hill). Wer gegen diese Klischees nichts hat, muss dann einfach noch den Kitsch aushalten. Der gute Paul Potts braucht hier seine Stimme nicht nur auf der Bühne, sondern auch um die Liebe seines Lebens zurückzugewinnen.
Immerhin geben James Corden und Alexandra Roach ein putziges Paar ab. Sie sind es, die den Film erträglich machen. Auch ein immer wiederkehrender Arzt, dem die blöden Bemerkungen nie auszugehen scheinen, sorgt für einige Lacher. Und auch wenn die Venedigszenen eindeutig zu lange dauern und zwischendurch mehr an einen Werbefilm für die Stadt erinnern, ist es lustig, wenn der Brite seiner Freundin vom Essen schwärmt, wir ihn dann aber mit einer Tüte von Burger King sehen.
Schlecht gemacht ist dann der Schluss des Filmes, der den ersten Auftritt bei "Britain's Got Talent" zeigt. Da werden Aufnahmen des Comedian Corden mit jenen von der damals aufgenommen Sendung vermischt, was dem Ganzen wegen der unterschiedlichen Bildqualität die Kraft nimmt. Wäre es nicht möglich gewesen, die damaligen Juroren und ein paar Zuschauer ans Set zu holen und dann alles nachzuspielen? Immerhin fungierte Chefjuror Simon Cowell - der Dieter Bohlen der Sendung - hier als Produzent.
Fazit: One Chance trifft nicht alle Töne gleich gut (sorry, für das offensichtliche Wortspiel) und hält sich zu sklavisch an die Zutaten, welche die britische Kassenhits vor 10 Jahren so erfolgreich machten. Diese Geschichte hat man so einfach schon zu oft gesehen, und so dürfte der Film schneller in Vergessenheit geraten, als es Überproduzent Harvey Weinstein, welcher mit diesem Biopic sicherlich mit einigen Filmpreisen liebäugelte, recht sein dürfte.
Chris Schelb [crs]
Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.