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Sie begannen 2011 ein Informatikstudium an der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) und arbeiten heute im Silicon Valley. Wie hat diese Geschichte begonnen?
Roland Heusser: Während meines Bachelorstudiums absolvierte ich ein Auslandsemester in Michigan, USA. Damals hatte ich keine Absicht, länger im Ausland zu bleiben. Als ich jedoch zurück in die Schweiz kam, um mein Bachelorstudium in Computer Science abzuschliessen, bekam ich aus Michigan eine Stelle als Graduate Assistant offeriert. Dabei arbeitete ich für lokale Firmen und Start-ups und absolvierte parallel den Master of Computer Information Systems. Dies hat mir gut gefallen und ich habe sehr viel gelernt. Während der Sommerpause gelang es mir, ein Internship, sprich ein Praktikum, im Silicon Valley zu machen, welches mir schlussendlich zur aktuellen Stelle verhalf.
Welche Hilfe bekamen Sie, um an der Grand Valley State University (GVSU) in Michigan ein Austauschsemester machen zu können?
Heusser: Die ZHAW startete eine Partnerschaft mit der GVSU, wobei ich einer der ersten Ingenieursstudenten war, der dieses Angebot beanspruchte. Die Hilfe war limitiert und gewisse Prozesse mussten zuerst noch definiert werden. Es gab einige Hürden, aber die konnten alle überwunden werden.
Wie ist das Niveau an amerikanischen Hochschulen, konnten Sie mit Ihren fachlichen Voraussetzungen mithalten?
Heusser: Das ist ein interessantes Thema, vor allem, weil es Unterschiede zwischen Bachelor- und Masterstudiengängen gibt und je nach Universität variiert. Im Bachelorstudiengang ist das Lernmodell unterschiedlich: An der ZHAW hatte ich fast die ganze Woche von früh morgens bis abends verplant mit Vorlesungen, Präsentationen und Übungen. An der GVSU waren es nur sechs bis sieben Doppel- oder Dreifach-Lektionen, in welchen meist nur Theorie vermittelt wurde. Sowohl die Vorbereitung wie auch die praktischen Übungen waren Selbststudium. Ich denke, in der Schweiz sind die Studenten etwas fleissiger, wo hingegen in den USA mehr Kontrolle auf das eigene Studium ausgeübt werden kann. Ich persönlich habe sehr viel Energie in meine Ausbildung gesteckt, aber ich weiss von anderen Studenten, dass man auch mit weniger Aufwand ein Austauschsemester bestehen kann. Das Masterprogramm war sehr intensiv und interessant. Die Klassen waren mit 8 bis 18 Studenten relativ klein und ich konnte enorm von direkten Gesprächen mit den Dozenten profitieren. Zudem gaben viele Dozenten den Studenten die Flexibilität, gewisse Aufgaben etwas anzupassen oder eigene Projekte vorzuschlagen, was wiederum zu einem guten Lerneffekt führte.
Wie kam es zum Kontakt mit dem Silicon Valley?
Heusser: «Connection is everything». Das sage ich ungern, da öfters gehofft wird, dass die Qualität des CV der Hauptfaktor ist. Fakt ist, dass es entscheidend hilft, wenn bereits eine Verbindung zu einer Firma besteht. Meine Verbindung war ein Dozent an der GVSU, der mich empfohlen hat.
Es gibt viele bekannt Firmen im Silicon Valley. Sie arbeiten bei SRI International in Menlo Park. Was macht diese Firma?
Heusser: Die Non-Profit-Organisation hat ein sehr breites Aufgabenfeld von Biowissenschaften über Robotik bis zum Bildungswesen. Unser Ziel ist, die Lücke zwischen einer Idee und deren Kommerzialisierung zu überbrücken – das gelingt uns sehr gut. Meist entwickeln wir Prototypen für Kunden und zeigen, dass etwas funktionieren kann. Diese entwickeln daraus das fertige Produkt. Oft entstehen aus vielversprechenden Projekten und Ideen auch eigene Firmen. Nennenswerte Firmen und Produkte hierunter sind: Nuance, Siri, Casisto, die Computer Maus, Malaria-Medizin, DaVinci-Roboter, Exoskelette, Meer-entsalzung, Altersforschung.
Fast täglich erfahre ich von interessanten Projekten, von denen ich noch nie gehört habe oder nicht wusste, dass SRI involviert ist. Zum Beispiel wird das Arecibo Radio Teleskop in Puerto Rico auch von SRI International betrieben. Darüber hinaus gibt es noch viele Projekte, von denen ich nichts weiss. Schliesslich ist unser grösster Auftraggeber das US Department of Defense.
In welchem Bereich sind Sie tätig?
Heusser: Ich arbeite hauptsächlich in der Softwareentwicklung, wo wir unsere eigene Microservices Platform entwickeln. Zudem bin ich auch im Bereich Forschung & Entwicklung von Präventivmassnahmen für die Gesundheit von Senioren tätig. Da wir ein kleines Team sind, arbeite ich zudem an diversen kleineren Projekten von UI/UX Design bis hin zur Organisation von firmeninternen Anlässen.
Beschreiben Sie uns bitte kurz, wie es ist, im Silicon Valley zu arbeiten und zu wohnen. Was ist speziell?
Heusser: Das Silicon Valley ist eine schöne Region und das Klima sehr angenehm. Für die Freizeit ist dies ein sehr positiver Punkt. Und anders als viele vermuten, habe ich auch wirklich Freizeit. Wenn möglich strebe ich die 40-Stundenwoche an. Dies wäre bei Start-ups und vielen anderen Firmen nicht möglich. Die Leute im Silicon Valley empfinde ich als sehr weltoffen und tolerant, die mehrheitlich Chancen und nicht Risiken bzw. Gefahren sehen.
Im Vergleich zur Schweiz vermisse ich den gut funktionierenden öffentlichen Verkehr. Am besten funktioniert noch CalTrain, das ist die Zuglinie zwischen San Francisco und San Jose. Die Preise hingegen sind vergleichbar oder noch teurer als in der Schweiz – für mein Zimmer bezahle ich 1300 Dollar pro Monat.
Im Mai 2017 machte SwissEngineering eine Studienreise ins Silicon Valley. Sie haben die Delegation zu SRI International eingeladen. Wie kam es dazu?
Heusser: In einem Newsletter hatte ich von der Studienreise erfahren. Zuerst wollte ich selber daran teilnehmen, als ich dann jedoch eine Festanstellung bei SRI hatte, erübrigte sich das. Zu Beginn der Studienreise kontaktierte ich den Leiter Theodor Klossner und hoffte, ein Treffen mit den Teilnehmern zu ermöglichen. Dieser berichtete, dass ein Besuch bei einer Firma ausfalle und so organisierte ich mit Hilfe einiger Mitarbeiter ad-hoc eine Besichtigungstour durch SRI.
Welches sind Ihre Gründe, Mitglied bei Swiss Engineering zu sein?
Heusser: Für mich schien es eine gute Entscheidung zu sein bei einem «like minded»-Verein dabei zu sein. Ich habe bereits ein paar Präsentationen und Workshops besucht und denke, es ist ein hilfreiches Netzwerk, um den Kontakt mit Schweizer Ingenieuren zu pflegen.
SwissEngineering ist dabei, eine neue Fachgruppe «International Swiss Engineers» zu gründen. Was halten Sie von dieser Idee?
Huesser: Ich finde das eine tolle Idee und habe mich beworben, da mitzuwirken. Die Schweiz ist eine Drehscheibe für internationale Projekte. Ich empfehle jedem, in seiner Karriere Auslanderfahrung zu sammeln. Neben dem Fachwissen lernt man viele Menschen kennen und erfährt interessante Aspekte über fremde Kulturen.
Viele junge Ingenieure träumen von einem Karrierestart, wie Sie ihn gemacht haben. Was können Sie diesen mit auf den Weg geben?
Heusser: Das hört sich vielleicht etwas wie aus dem Lehrbuch an, aber in der Retrospektive hat mir geholfen, dass ich mich nicht wirklich auf meine Karriere fokussiert habe, stattdessen wollte ich mehr lernen. Ich habe mich für die Materie interessiert, nicht um andere zu beeindrucken, sondern für mich selbst. Ich habe überall versucht, mein Bestes zu geben, Initiative zu ergreifen, mit konstruktiver Neugierde Lehrmaterial zu hinterfragen und ehrlich zu sein. Die Menschen, mit denen ich in Kontakt kam, haben das offensichtlich so geschätzt, dass sie mir weitere, faszinierende Chancen boten.
Übrigens war mein Start nicht so glänzend. Die ZHAW war die zweite Uni, an welcher ich ein Studium in Informatik begonnen habe. Dazwischen verbrachte ich ein Jahr in der Softwareentwicklung in einer Bank in Zürich, was mir zu guten und interessanten Lebenserfahrungen verholfen hat. Des Weiteren habe ich in den USA um die 50 Bewerbungen für Internships versendet. Wichtig ist, sich nicht entmutigen zu lassen.
FAEL: Swiss Engineering Fachgruppe für Elektronik und Informatik
Mitglieder: 1046
Gründung: 1978
Präsident: Michael Pichler, Dipl. El. Ing. FH
Wann? Was? Wo?
08.11.2017 FAEL-Herbstanlass: Game Design Zürich