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Werkstatt Anton Sohn, Zizenhausen (Baden-Württemberg)
Mitte 19. Jh.
Ton, aus der Form genommen, bemalt
H. 32,7 cm, B. 28,4 cm
Inv. 1957.23.
Ein Bänkelsänger mit Zylinder steht vor der Bildtafel, deren Darstellungen mit Gesten erläuternd. Ein Leierkastenmann unterlegt den Vortrag mit Musik, und eine Frau mit Kleinkind verkauft die gedruckte Version der Geschichten.
Der Knabe im karierten Anzug, der eine Trompete hält und einen Affen an der Leine führt, gehört wohl ebenso zur Gruppe wie das junge Mädchen in der Mitte, das schon vor seinem Auftritt als Tänzerin die Aufmerksamkeit zu fesseln weiss, indem es weitaus mehr von seinen Beinen zeigt, als das im 19.
Jahrhundert üblich und schicklich war.
Als Vorlage für diese Gruppe aus gebranntem Ton diente ein Aquarell des Basler Malers Hieronymus Hess (1799– 1850; Kat. 135) aus dem Jahr 1832, das die Figuren vor den Häusern des Strassenzugs «Nadelberg» zeigt. Bei der Umsetzung in die dreidimensionale Gruppe verzichtete man auf den Hintergrund und konzentrierte damit die Darstellung auf die Figuren und die Schautafel. Schon die Vorlage kombinierte die gleichen Bilder auf der Tafel: oben ein Erdbeben, unten eine Überschwemmung. Es wird darin meist das historische Basler Erdbeben des Jahres 1356 und die im Juli 1830 geschehene Überschwemmung im nahegelegenen Hölstein gesehen.
Doch ist das angesichts der sehr allgemeinen Darstellung nicht zu belegen und auch nicht wahrscheinlich. Denn zur Faszination des Bänkelgesangs trug bei, dass man von zuvor unbekannten und nicht allzu weit zurückliegenden Geschehnissen hörte; waren diese in weit entfernten Gegenden geschehen, so erhöhte das noch den Reiz der Neuigkeit.
Aus dem weiten Feld von Naturkatastrophen, unerklärlichen Geschehnissen oder grauenvollen Mordtaten bezogen die Bänkelsänger ihre Geschichten, an denen sich die Zuhörer schaudernd weideten. Vorgetragen wurden sie in gereimter Form in einer Art von Sprechgesang, meist musikalisch unterlegt.
Zur Verdeutlichung und als visuellen Anreiz präsentierte man die Geschichten auch in gemalter Form. Diese waren in einfachem und eingängigem Stil auf zusammenrollbare und damit gut transportierbare Stoffbahnen gemalt. Damit zogen die Bänkelsänger durch das Land, meist die grossen Menschenmengen bei Jahrmärkten suchend. Durch den Verkauf der gedruckten Texte und durch Spenden erzielten die Bänkelsängergruppen ihr karges Einkommen.