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Eine SOS-Familie (Foto: MEine SOS-Familie (Foto: M.Mägi)
Weißrussland liegt in Osteuropa und grenzt im Nordwesten an Litauen und Lettland, im Osten an Russland, im Süden an die Ukraine und im Westen an Polen. Die Bevölkerung beträgt 9,6 Millionen (Juli 2011, Schätzung), wovon fast vier Fünftel Weißrussen, 13 Prozent Russen und vier Prozent Polen sind. Als Folge von engen - sowohl historischen als auch gegenwärtigen - Beziehungen zu Russland hat das Land zwei offizielle Landessprachen: weißrussisch und russisch. Weißrussland ist ein hauptsächlich urban geprägtes Land, drei Viertel der Bevölkerung leben in Städten. Die Hauptstadt Minsk hat 1,8 Millionen Einwohner.
Ein großer Teil von Weißrussland wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, ein Viertel der Bevölkerung kam damals ums Leben. Der erste Fünfjahresplan nach dem Krieg half viele Schäden zu beheben und Minsk entwickelte sich zu einem industriellen Umschlagplatz in der UdSSR. Seit 1986 leidet Weißrussland sehr unter den Folgen des Unglücks im Atomkraftwerk Tschernobyl. Zwei Drittel der radioaktiven Verseuchung trafen weißrussisches Gebiet und ca. ein Fünftel des Landes wurde hochgradig verseucht. Die atomare Explosion hatte auch Auswirkungen auf die politische Meinung der Bevölkerung, die sich gegen eine weitere Mitgliedschaft in der UdSSR aussprach.
Am 25. August 1991 verkündete die kommunistische Partei die völlige nationale Unabhängigkeit, aber Weißrussland unterhält weiterhin enge politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Moskau. Alexander Lukaschenko wurde in den ersten Präsidentschaftswahlen zum Präsidenten gewählt und ist seither im Amt.
Präsident Lukaschenko hat begrenzte Wirtschaftsreformen durchgeführt, der Großteil der Wirtschaft ist weiterhin unter staatlicher Kontrolle. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist in staatlichen Betrieben beschäftigt. Fast ein Viertel der Bevölkerung arbeitet in der Industrie, und auch die Landwirtschaft ist von Bedeutung, dort sind 14 Prozent der Bevölkerung beschäftigt. Die offizielle Arbeitslosenquote beträgt ein Prozent.
In den letzten zehn Jahren war ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Das siebenprozentige Wachstum im Jahr 2010 basierte hauptsächlich auf Exportpreisen und der Binnennachfrage. Die Armutsquote wurde von 47 Prozent (ein Höchsttand im Jahr 1999) auf ca. fünf Prozent im Jahr 2010 gesenkt.
Da das Gesundheitssystem unterfinanziert ist, stellen Tuberkulose und HIV/AIDS bedeutende Probleme dar. Weißrussland hat einer der höchsten HIV/AIDS-Infektionsraten in der Region, und die Tuberkulose-Epidemie wird durch die Armut einiger Bevölkerungsteile verschlimmert.
Einige Bevölkerungsgruppen sind in der weißrussischen Gesellschaft besonders benachteiligt. Die Minderheit der Roma wird in allen Lebensbereichen diskriminiert. Es beginnt mit Schwierigkeiten bei der Einschulung, was zu einer höheren Quote von Analphabetismus und dadurch zu hohen Arbeitslosenquoten führt. Menschen in ländlichen Regionen sind auch aufgrund der veralteten Infrastruktur benachteiligt. Die Regierung hat begonnen, den Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen sowie die Bedingungen in Schulen und Krankenhäusern zu verbessern. Landbewohner leben doppelt so häufig von Niedriglöhnen als Stadtbewohner.
Die Beziehungen zur Europäischen Union haben sich verschlechtert, da Vertreter der Europäischen Union den mangelnden Fortschritt beim Schutz der Menschenrechte und dem Demokratisierungsprozess bemängelt haben.