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Der schwedisch-schweizerische Elektrotechnikkonzern ABB macht einen weiteren Schritt zur finanziellen Gesundung. Er vollzieht den geplanten Verkauf von großen Teilen der Division Öl, Gas und Petrochemie (OGP).
Der Kaufpreis beträgt 925 Mio. Dollar (ca. 1,15 Mrd. Franken).
Wie schon bekannt war, wird die Division von OGP Upstream, einer neu gegründeten Gesellschaft des privaten Investorenkonsortiums Candover Partner Ltd., 3i und JP Morgan Partners gekauft.
Die Vereinbarung umfasse die Möglichkeit einer zusätzlichen Zahlung von bis zu 50 Mio. Dollar, hiess es. Nach der Bewilligung der zuständigen Behörden erwartet ABB den Abschluss Mitte Jahr.
Die Beteiligten hatten bereits im Oktober einen Vorvertrag abgeschlossen.
Verschuldung abbauen
Der Verkauf ist das letzte größere Element der Devestitionsstrategie von ABB, mit der der Konzern seine Verschuldung abbauen will.
Der durch zahlreiche Übernahmen verursachte Schuldenberg belief sich Ende September 2003 auf rund 8,4 Mrd. Dollar (rund 10,3 Mrd. Franken).
ABB-Konzernchef Jürgen Dormann will das ABB-Geschäft auf Energietechnik und Automation konzentrieren. ABB rechnet damit, dass der Verkauf Mitte 2004 endgültig abgeschlossen werden kann.
Voraussichtlich wird der Konzern auf dem Verkaufspreis einen kleinen Kapitalgewinn erzielen, hiess es.
Lummus Global nicht dabei
Im Verkauf nicht enthalten ist das ABB-Unternehmen Lummus Global. Verhandlungen mit mehreren Interessenten seien im Gang. ABB rechnet mit einem Abschluss des Verkaufs noch im laufenden Jahr.
Der Grund warum dieses Unternehmen noch nicht verkauft werden konnte, ist, dass die mit Asbestrisiken behaftete Lummus Global kein Käufer übernehmen will.
Finanzsituation verbessert sich
Der Verkauf der OGP-Division hatte sich im vergangenen Jahr immer wieder verzögert. Im Oktober war zwar eine Vorvereinbarung geschlossen worden, doch war der Vertragsabschluss wegen Korruptionsvorwürfen blockiert gewesen.
Finanziell verbessert sich die Situation für ABB nun laufend. Die dünne Kapitaldecke war bereits im zweiten Halbjahr 2003 durch die Ausgabe einer Wandelanleihe und von Obligationen sowie durch Unternehmensverkäufe um über 4 Mrd. Dollar gestärkt worden.
Zudem hatte eine Bankengruppe dem Konzern einen Kredit von einer weiteren Milliarde Dollar zugesichert, der aber nur im Notfall beansprucht werden soll.
ABB drückt jedoch eine Schuldenlast, die Ende 2003 über 7 Mrd. Dollar betragen haben dürfte.
Ob der Konzern 2003 schwarze Zahlen schreibt, ist unsicher. Nach neun Monaten hatte der Verlust 379 Mio. Dollar betragen.
2002 hatte der schwedisch-schweizerische Konzern einen Rekordverlust von 787 Mio. Dollar erlitten, verursacht durch die Rückstellungen für den Asbest-Vergleich und unprofitable Unternehmensbereiche.
Asbestfrage bleibt
Seit bald einem Jahr versprüht ABB bei der Asbestfrage in den USA zwar Optimismus, weit über 100'000 Asbestklagen gegen die US-Tochter Combustion Engineering mit einem Vergleich zu erledigen.
Im Juli 2003 genehmigte ein Bezirksgericht in den USA dem Konzern den Asbestvergleich, der Zahlungen von 1,3 Mrd. Dollar an Asbestopfer vorsieht.
Im Oktober 2003 hat ABB dann einen Dämpfer erhalten: 13 verschiedene Klägergruppen, darunter amerikanische Versicherungskonzerne, haben Rechtsmittel gegen den Vergleich eingelegt. Sie ziehen den Fall an die nächsthöhere Instanz weiter.
Bis der Appeals Court in Philadelphia über ihre Beschwerden entscheidet, können Monate verstreichen. Klägeranwälte lassen zudem durchblicken, dass sie das höchste US-Gericht anrufen, wenn die Richter in Philadelphia gegen sie entscheiden.
Ein Verfahren vor dem Supreme Court kann, so Experten, bis 18 Monate lang dauern.
swissinfo und Agenturen