Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03513.jsonl.gz/1401

Lukas Gasser, Geschäftsführer der Arcadis, der damals den Fall in der Überwachungsphase betreute, und Dr. Jörg Egestorff, stellvertretender Sektionsleiter der Sektion Altlasten beim AWEL ZH, führten den Fall im Detail vor. Sie schilderten den Hergang und erklärten welche Massnahmen die involvierten Akteure ergriffen, um der kritischen Lage Herr zu werden.
Die verheerenden Schäden kamen nach dem Unfall nach und nach zum Vorschein und erforderten vollen Einsatz von der Berufsfeuerwehr Zürich, der Stadt Zürich, dem kantonalen Arbeitsinspektorat sowie dem AGW (heute AWEL). Sekundäre Explosionen führten zur Zerstörung des Regenrückhaltebecken Reckenholz und die Druckwellen schleuderten Kanalisationsabdeckungen bis zu 30 m hoch in die Luft. Diese Eindrücke, genauso wie das laute Pfeifen der Überdruckventile der Kesselwagen, haben die damaligen Feuerwehrleute bis heute geprägt. Die explosionsbedingten Erschütterungen wurden vom Erdbebendienst der ETH registriert.
Die Referenten erläuterten die Prozesse und die Zusammenarbeit zwischen dem AGW, dem heutigen Grünstadt Zürich, der SBB, den Grundeigentümern, den Gutachtern und den Sanierungsunternehmen. Sie erklärten ebenfalls die technischen Daten und Analysen wie auch die einhergehende Risikobewertung. Basierend auf dieser Risikoanalyse mussten die Sanierungszielwerte hergeleitet werden, weil es damals noch keine Altlastenverordnung gab, aus der man die Zielwerte hätte entnehmen können. Die Störfallverordnung war zum Zeitpunkt des Unfalls erst knapp dreijährig. Das Katastrophen-Dispositiv wurde 1993 professionalisiert, was zur Schadensminderung beitrug.
Da keine gesetzliche Grundlage für die Sanierungszielwerte vorlag, beschlossen die Entscheidungsträger, dass der Schadstoffgehalt auf ein Mass zurückzuführen sei, welches dem natürlichen Stoffhaushalt beziehungsweise der Hintergrundbelastung entsprach. Die Sanierung durfte nicht zu einer höheren Umweltbelastung führen, als durch sie behoben wurde. Diese Beschlüsse führten zu einem Variantenstudium, mit dem die Fachleute die Entscheidungen für die zu ergreifenden Massnahmen fällen konnten. Zum Schluss wurde auch die wichtige Frage nach der Wiederherstellung und Nutzungsmöglichkeit des betroffenen Wohnorts angegangen.
Im Unfallbereich wurden die grössten Belastungen in 6 m Tiefe gemessen. Der Untergrund war bis auf den Wasserspiegel belastet. Daraus folgend wurde eine Bodenluftabsaugung vorgenommen, gekoppelt mit einer Nachbehandlung, zuerst über Aktivkohle-Adsorption, dann über Verbrennung (Abfackelung) und schlussendlich über katalytische Nachverbrennung. Im Abströmbereich mussten keine Massnahmen zum Schutz der Wohnbevölkerung ergriffen werden. Eine Gefährdung des Bachs konnte ausgeschlossen werden. Von 80‘900 kg versickerter Menge an Benzin konnten am Ende der Sanierung im Jahr 2006, nach der Ausschaltung der Bodenluftabsaugung, insgesamt 73‘500 kg entfrachtet werden: 44‘400 kg abgesaugt, 27‘800 kg abgebaut, 1‘300 kg mit Grundwasser ausgetragen. Im Jahr 2014 wurde die Grundwasserüberwachung eingestellt.