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Früher benutzte man zum Ziehen und Stossen der Wagen Pferde und sogar die Menschen selbst. Bereits in der Antike wurde beobachtet, dass der Deckel eines Kochgefässes bei Erhitzung des Inhalts vom dabei entstehenden Wasserdampf angehoben wird. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Gelehrte des Altertums mit diesem Phänomen beschäftigten. Erste diesbezügliche Experimente wurden etwa im ersten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung durchgeführt. Bei einem dieser Versuche wurde eine mit Wasser gefüllte und mit düsenförmigen Austrittsöffnungen versehene Kugel erhitzt, was zur Folge hatte, dass sich die Kugel zu drehen begann. Diese Erfindung fand unter dem Begriff „Heronsball“, nach dem Erfinder Heron von Alexandria, Eingang in die Geschichtsbücher. Was aus heutiger Sicht verwundert, dass noch einmal rund 1‘600 Jahre vergehen mussten, ehe sich weitere Wissenschaftler mit dem Dampf und seinen nutzbaren Eigenschaften auseinandersetzen sollten.
Als dann im Zuge der Industrialisierung und der damit verbundenen beschleunigten Entwicklung von Technik, Produktivität und Wissenschaften in England die Dampfmaschine erfunden wurde, wurde diese innerhalb kurzer Zeit zur wichtigsten Arbeitsmaschine in verschiedensten Bereichen und schliesslich zum Motor der Fortbewegung, sei es auf dem Wasser (Schiffahrt) oder auf dem Land (Eisenbahn). Die erste Dampfmaschine, deren Einsatz in Bergwerken zum Abpumpen von Wasser sich rentierte, war eine Erfindung aus dem Jahre 1712. Ihr Konstrukteur war der Engländer Thomas Newcomen.
Abb.: Elemente einer frühen Dampfmaschine aus Rar 4755 “Bernoulli, Anfangsgründe der Dampfmaschinenlehre für Techniker und Freunde der Mechanik”
Einer der ersten Wissenschaftler, welcher sich theoretisch mit der Dampfmaschine befasste, war Christoph Bernoulli, Professor für industrielle Wissenschaften in Basel und ein Vordenker seiner Zeit. Als Anhänger der Ideen der französischen Revolution übertrug er seinen unbedingten Fortschrittsglauben auf die Technik. Sein 1833 erschienenes Grundlagenwerk zur Dampfmaschinenkunde richtet sich an Techniker, denen Bernoulli vor allem die Praxis nahe bringt. Dies macht das Werk aus einer Zeit, deren Bücher eher theoretisch als praktisch geprägt waren, zu einer Ausnahmeerscheinung und wird zum Standardwerk für alle, die mit Dampfmaschinen zu tun haben.
Allein die Vorbemerkung des Verfassers unterstreicht die Leidenschaft, mit welcher sich dieser dem Thema widmete: „Das Vergnügen, das ich mehr und mehr bei einem nähern Studium der Dampfmaschine fand, und die Wahrnehmung, dass es unserer Literatur noch an einem umfassenden Werke über diese merkwürdigste aller Maschinen fehle, bewogen mich vor neun Jahren, eine Darstellung derselben unter dem Titel „Anfangsgründe der Dampfmaschinenlehre für Techniker und Freunde der Mechanik“ herauszugeben, und dieses kleine Werk wurde so wohlwollend beurtheilt und aufgenommen, dass ich mich vor mehreren Jahren schon zur Veranstaltung einer neuen Auflage aufgefordert sah.“ In der Einleitung betont Bernoulli die Bedeutung der Erfindung der Dampfmaschine für die ganze Menschheit, dass mit deren Einführung eine neue Zeitrechnung beginne und dass die Folgen für die ganze menschliche Gesellschaft und Zivilisation unabsehbar seien. Wie recht er doch hatte!
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Literaturhinweise:
- Christoph Bernoulli, Anfangsgründe der Dampfmaschinenlehre für Techniker und Freunde der Mechanik, Basel, Neukirch,
1824
- Christoph Bernoulli, Bernoullis Dampfmaschinenlehre, 8. Aufl., Stuttgart, Bergsträsser, 1900