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Gleich mehrere Errungenschaften feiern dieses Jahr ihren fünfzigsten Geburtstag. Mit von der Partie sind das E-Mail, die Global Trade Item Number, das Schweizer Frauenstimmrecht und die Sendung mit der Maus. Sie alle wurden 1971 begründet, dienen der Kommunikation, vermitteln Wissen und stellen auf dessen Basis die Mitsprache ins Zentrum. Alle haben auf ihre Weise die Welt nachhaltig verändert.
Heute wird gemailt, gescannt und das Frauenstimmrecht in der Schweiz ist so selbstverständlich wie die Sendung mit der Maus, die kindlichen Fragen mit ihren Lach- und Sachgeschichten auf den Grund geht. Das war aber nicht immer so.
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Vor 50 Jahren erhielt der Informatiker Raymond Tomlinson den Auftrag, das Arpanet aufzubauen – den Vorgänger des Internets. Dafür entwickelte er ein Protokoll, mit dem Dateien zwischen verschiedenen Computersystemen verschickt werden konnten. Er kombinierte die Programme SNDMSG und CPYNET zu einem eigenen Programm. Um den Empfänger und den Computer unterscheiden zu können, wählte Tomlinson als eindeutiges Trennzeichen das @-Zeichen. Dieses wurde bis dahin kaum verwendet.
Das erste E-Mail schrieb Tomlinson 1971 an einem Computer, der sich im selben Raum befand wie der empfangende Computer. Beide Rechner, übrigens so gross wie Kleiderschränke, waren via Arpanet verbunden. Eine Reihe von Testnachrichten mit banalem Inhalt wurden hin und her geschickt. An den genauen Wortlaut konnte sich Tomlinson nicht mehr erinnern. Wahrscheinlich so etwas wie QWERTYUIOP, was der obersten Buchstabenreihe auf der Tastatur entspricht.
Raymond Tomlinson spielte auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Definition der ersten E-Mail-Standards. Als Co-Autor gestaltete er den RFC- 561 Standard für E-Nachrichten-Formate massgeblich mit. 2012 wurde er in die Internet Hall of Fame aufgenommen. Raymond Tomlinson verstarb 2016 im Alter von 74 Jahren.
Dann kam die GTIN
Nicht so bekannt wie das At-Zeichen, aber trotzdem von enormer Bedeutung für Handel und Industrie ist die Global Trade Item Number, kurz GTIN, die Nummer unter dem Barcode. Auch sie hat ihren Ursprung in Amerika. Am 31. März 1971 beschlossen Vertreter der damals grössten Namen im Lebensmittel-, Einzelhandels- und Konsumgüterbereich, darunter Heinz, General Mills, Kroger und Bristol Meyer, Produkte künftig mit einer eindeutigen Nummer zu identifizieren. So entwickelten sie die Global Trade Item Number. Diese Entscheidung legte vor 50 Jahren den Grundstein für die Digitalisierung im weltweiten Handel. Die Idee der Produktidentifikation ist bis heute genial und revolutionär. Früher war der Lebensmitteleinkauf umständlich. Für Fleisch und Wurst ging es zum Metzger, Brot und Kuchen gab es beim Bäcker, und andere Lebensmittel für den täglichen Bedarf führte der Tante-Emma-Laden um die Ecke. Die Produkte wurden einzeln geholt, abgewogen, verpackt und bezahlt.
In Zürich eröffnete die Migros 1948 den ersten Selbstbedienungsladen Europas. Die Idee dahinter: Man geht in den Laden, nimmt sich aus dem Regal, was man braucht, und bezahlt an der Kasse. Kleine Einkäufe kommen ins Körbchen, und für den grossen Einkauf stehen seit 1958 Einkaufswagen zur Verfügung. Preiskleber auf dem Produkt geben Auskunft über den Verkaufspreis. An der Kasse werden der Preis und die Warengruppe manuell erfasst. Nach anfänglicher Skepsis verbreitete sich das Modell der Selbstbedienung in der ganzen Schweiz. Auch die Supermarktidee stammt aus Amerika.
... und es macht Biep
Bis zum bekannten Biep an der Kasse dauerte es allerdings nochmals ein paar Jahre. 1973 wurde das UPC-Symbol (Uniform Product Code) als Träger der Identifikationsnummer ausgewählt und ein Jahr später scannte Sharon Buchanan im Marsh Supermarket in Troy, Ohio, als erste Kassiererin einen Barcode. Gedruckt war dieser auf einer Zehner-Packung Wrigley’s Juicy Fruit Kaugummi. Preis: 67 Cent. Weitere zwei Jahre später beschlossen Vertreter der europäischen Industrie, das amerikanische System zu erweitern, und ermöglichten so den weltweiten Einsatz der GTIN.
Die Kaugummipackung befindet sich heute im National Museum of American History der Smithsonian Institution in Washington und ist für alle Welt sichtbar ausgestellt. «Stellen Sie sich vor, es gäbe keinen Strichcode», sagt Miguel Lopera zur Bedeutung der unscheinbaren schwarzen Striche. Lopera ist Präsident und CEO von GS1, der neutralen, globalen, nicht gewinnorientierten Organisation mit Sitz in Brüssel. GS1 hat Mitgliedsorganisationen in mehr als 140 Ländern weltweit, mit GS1 Switzerland auch in der Schweiz. «Können Sie sich die Schlangen an den Kassen vorstellen? Und aus unternehmerischer Sicht machen Sie sich bitte bewusst: Nur weil der Strichcode in jedem Land gelesen werden kann, ist es einem Hersteller in Indien möglich, sein Produkt überall auf der Welt zu verkaufen.»
In der Schweiz beginnt die Geschichte des Barcodes im Jahr 1976. Damals wurde unter der Bezeichnung SACV die Schweizerische Artikelcode Vereinigung gegründet. Vier Jahre später war es dann so weit: Als erstes Unternehmen führte der Abholgrosshändler Prodega Cash+Carry 1980 das Scanning des gesamten Sortiments ein. Zu Beginn mussten weit über 90 Prozent aller Produkte von Hand mit Strichcode- Etiketten ausgezeichnet werden. 40 Jahre später spart man mit Selfscanning- Kassen Zeit und Geld.
Reine Magie
Die Gründer glaubten daran, dass die GTIN auch über den Lebensmittelladen hinaus positive Auswirkungen haben würde – von den Lagerhallen bis ans Krankenhausbett. Sie waren überzeugt davon, dass sie die Geschwindigkeit und Effizienz von Transaktionen und Prozessen steigern und von den Lieferketten bis zu den Erfahrungen der Konsumenten alles verändern könnte. Sie einigten sich darauf, gemeinsam ein System zu schaffen, von dem Unternehmen und Konsumenten gleichermassen profitieren würden. «Man kann es sich heute kaum vorstellen, aber vor 50 Jahren war das alles noch reine Magie », sagt Sanjay Sarma, EPC-Pionier vom Massachusetts Institute of Technology und Vorsitzender des GS1 Innovation Board.
Die Magie von damals wurde Realität. Mit der GTIN und den GS1 Standards wurden weitere Puzzleteile für die Digitalisierung gelegt. So tragen heute die GS1 Standards wie der Barcode dazu bei, dass die enorm komplexen und globalen Geschäfte schnell, effizient und sicher ablaufen, und vereinfachen alle Arten von Geschäftsprozessen. Im Gesundheitswesen verbessern sie die Patientensicherheit und unterstützen die Branche im Kampf gegen Fälschungen von Medikamenten und Medizinprodukten.
Mehr Informationen, mehr Innovation
«Der Barcode hat die Wirtschaft geprägt und wesentlich zur Vereinfachung ihrer Prozesse beigetragen», sagt Jörg Mathis, CEO von GS1 Switzerland. «Was an der Kasse im Supermarkt angefangen hat, ist heute weltweit die Grundlage für die Steuerung von Waren- und Informationsflüssen.» Und die Entwicklung ist längst nicht abgeschlossen.
Da Konsumenten und andere Marktteilnehmer immer mehr und bessere Produktinformationen verlangen, wurde die nächste Generation von Strichcodes entwickelt. So enthalten GS1 DataMatrix und GS1 QR-Code weitaus mehr Informationen, die genutzt werden können, um den Konsumenten die gewünschten Informationen zu liefern. Auch bei den neuen Strichcodes ist das zentrale Element die GTIN. Mit dem Einsatz der GS1 Standards sind die Branchen Konsumgüter, Gesundheitswesen, Transport & Logistik sowie Technische Industrien zukunftssicher aufgestellt, resümiert Mathis.
Joachim Heldt