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Diese lebte damals von der Fischerei. Der See war der Schlüssel zu einer gesicherten Ernährungsgrundlage. Nicht umsonst wurde der Aralsee auch die Oase in der Wüste genannt; fruchtbare Steppen umgaben den See, die Natur war schön und intakt. Viele Dörfer, Häfen und Fischfabriken waren aufgebaut worden, und das Geschäft florierte.
In den 1950er Jahre beschloss die sowjetische Führung zur Realisierung ihrer Vision der Bezwingung der Natur, die beiden Zuflüsse zum ehemals viertgrössten Binnenmeer umzuleiten, um die entstehenden riesigen Baumwoll- und Reisfelder zu bewässern und die Steppen zu prachtvollem Erblühen zu bringen. Mit zunehmender Anzahl Beschäftigter an den Flüssen und der riesigen Produktion von Baumwolle, dem weissen Gold, wurde in der Umgebung der Glaube an den Fortschritt nicht in Frage gestellt. Die wenigen Wissenschaftler, welche das „Spiel" mit der Natur missbilligten, fanden kein Gehör.
Doch schon nach zehn Jahren, Ende der 60er Jahre, war bereits eine Seefläche von 6000 Quadratkilometer ausgetrocknet! Die Ufer des Sees rückten für die Fischer immer weiter weg. Aufgrund des erhöhten Salzgehaltes verschwanden auch immer mehr Fische. Mitte der 70er Jahre wurde das Problem dieser Eingriffe erstmals bewusst wahrgenommen, denn nochmals wich das Wasser drastisch zurück. Innert zwei Jahren entfernte sich das Ufer um weitere 20 Kilometer!
Die Wüste hatte die Menschen eingeholt. Dutzende Fischtrawler lagern auch heute noch inmitten der kargen Landschaft, die einst vom Aralsee bedeckt war.
Die Folgen davon waren katastrophal: die ganze Landschaft drohte auszutrocknen. Durch Stürme wurde immer öfters Sand und Salz aufgewirbelt, Pestizide und Düngemittel verschmutzen die letzten Wasserflächen und die Bevölkerung litt zunehmend unter gesundheitlichen Problemen. Vielen blieb nichts anderes übrig, als umzusiedeln und ihre Dörfer zu verlassen. Einige Fischer beharrten aber darauf, dort zu bleiben, wo ihre Vorfahren gelebt haben und beerdigt sind. Die Wüste hatte die Menschen eingeholt. Dutzende Fischtrawler lagern auch heute noch inmitten der kargen Landschaft, die einst vom Aralsee bedeckt war.
Erst mit der Unterstützung zahlreicher Hilfsorganisationen und dem Errichten eines grossen Dammes wird seit 2003 versucht, die letzten Reste zu retten. Noch ist die grösste ehemalige „Hafenstadt" Aralsk kilometerweit vom Wasser entfernt. Ob sich dies je wieder ändern wird, ist unvorhersehbar.
Der Aralsee ist das beste Beispiel für ein vom Mensch verursachtes Umweltdesaster. Es zeigt, wie sich massive Eingriffe rächen und damit nicht nur die ökologischen, sondern auch die ökonomischen Lebensgrundlagen zerstört werden. Dennoch werden die Ressourcen der Welt weiterhin bis an deren Grenzen ausgenutzt und übernutzt...