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In den nächsten fünf Jahren werden 1,4 Mrd Fr. in Ersatzanlagen von Schweizer Seilbahnen investiert», sagt Felix Maurhofer, Verbandssprecher von Seilbahn Schweiz. «Denn viele Skilifte, Sesselbahnen und Gondelbahnen müssen von Gesetzes wegen ersetzt werden, um wieder eine Konzession zu erhalten.»
Die Schweiz hat im Vergleich zu Österreich im Seilbahnbau einen grossen Nachholbedarf. Seit Jahrzehnten leben viele Bergbahnen von ihrer Substanz und haben ihre Anlagen kaum erneuert. Hauptgrund: Die finanziellen Mittel fehlen. Zudem werden auch neue Anlagen diskutiert oder projektiert, etwa Verbindungsbahnen zwischen Arosa und Lenzerheide oder Titlis, Frutt und Hasliberg. Allein dieses Projekt würde 60 Mio Fr. kosten.
Übernahmen und Fusionen
«Rund alle 30 Jahre müssten Seilbahnen ausgewechselt werden», meint Maurhofer. Die Boomphase des Seilbahnbaus lag Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. Damals existierten in der Schweiz noch zahlreiche Seilbahnbauer wie Habegger, von Roll, Städeli, Garaventa, Küpfer, um nur die wichtigsten zu nennen. Heute teilen sich die beiden Giganten Garaventa/Doppelmayr und Leitner/Poma den Weltmarkt auf. Einzig ein paar Nischenplayer können sich daneben halten.
Das heutige Duopol ist das Produkt eines dramatischen Konzentrationsprozesses. Als letzte grosse Fusion hat die Südtiroler Leitner um die Jahrtausendwende den Franzosen Poma erworben, und 2002 fusionierte die Schweizer Garaventa mit der österreichischen Doppelmayr unter dem Holdingdach der Ropetrans mit Sitz in Goldau. Der Holdingsitz wurde wohl auch aus steuerlichen Gründen in der Schweiz gewählt, aber auch als Ausgleich dafür, dass der Schweizer Partner nur ein Drittel am Unternehmen hält. Über eine Stiftung beherrscht die österreichische Familie Doppelmayr das Unternehmen. Wichtige Beteiligte sind der Zürcher Multimillionär Beat Frey, laut «Bilanz» einer der reichsten Männer der Schweiz, sowie Garaventa-Familienmitglieder und die Pensionskasse der Siemensgesellschaften in der Schweiz.
2003/04 erzielte Garaventa/Doppelmayr einen Umsatz von 464 Mio Euro, einen Cashflow von 46 Mio Euro und beschäftigte weltweit 2102 Mitarbeitende (Geschäftsabschluss März). Leitner/ Poma setzte 2003 427 Mio Euro um und beschäftigte 1523 Personen. Nachdem Leitner den Umsatz innerhalb von sechs Jahren verdreifacht hatte, soll der Umsatz 2004 auf 500 Mio Euro explodieren (Abschluss Ende Januar). Hauptaktionär ist der Südtiroler Bauunternehmer Michael Seeber, der Ende der 80er Jahre die Aktienanteile von zwei Leitner-Brüdern gekauft hat. Ein Drittel der Aktien hat der dritte Bruder, Kurt Leitner, behalten. Er ist letzten Oktober gestorben. Seither wacht sein Familie über seinen Aktiendrittel.
In der Schweiz tritt Garaventa/Doppelmayr unter dem Namen Garaventa auf und beschäftigt 285 Angestellte, rund 200 davon in der Produktion. Garaventa beherrscht rund 80% des Schweizer Seilbahnmarkts. Konkurrent Leitner/Poma dagegen produziert nicht in der Schweiz. Trotz der wettbewerbsfeindlichen Situation wollen beide Konkurrenten nichts von Preisabsprachen oder einer Aufteilung der Weltkarte wissen: «Es ist ein heilloser Kampf bis aufs Blut», sagt Beat Musfeld, Garaventa-Projektleiter für die Innerschweiz, das Engadin, Asien und Afrika. Dass Garaventa/Doppelmayr in Österreich und in der Schweiz Marktführer ist und Leitner/Poma die Märkte in Italien und Frankreich dominiert, habe mit den Firmengeschichten zu tun.
Als Privatperson im VR
Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl: Soeben hat der Verwaltungsrat der Bergbahnen Beckenried-Emmetten sich für eine Sesselbahn von Garaventa statt von Leitner entschieden, wie Garaventa-Mann Musfeld bestätigt. Pikantes Detail: Er selbst sitzt im Verwaltungsrat des Bahnunternehmens Beckenried-Emmetten. «Ich sitze als Privatperson im Verwaltungsrat und bin beim Entscheid in den Ausstand getreten», rechtfertigt er sich. Es sei übrigens kein Ziel von Garaventa, Betreiber von Seilbahnen zu sein. Nur äusserst selten sei die Firma an Seilbahnen beteiligt, etwa wenn diese ihre Rechnungen nicht bezahlen konnten. Den Ausschlag für Garaventa bei der Sesselbahn Chälen auf der Klewenalp habe das preiswertere Angebot gegeben: Garaventa konnte eine Occasionsbahn andienen, die in Engelberg ausgemustert wurde.
Auch bei der Weissen Arena in Flims/Laax/Falera haben die beiden Konkurrenten je eine Offerte für den Bau einer Sechser-Sesselbahn eingereicht. «Wir haben uns für Garaventa entschieden, weil sie ein attraktives Angebot eingereicht hat und wir bereits früher mit Garaventa gearbeitet haben. Wir sind eben kundentreu», sagt Armin Tanner, Direktor der Weissen-Arena-Bergbahnen.
Obwohl im Seilbahnbau bei nur zwei Anbietern kaum ein echter Wettbewerb spielt, hat die Wettbewerbskommission diesbezüglich nie Klagen erhalten.