Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/214554

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, zu untersuchen, inwieweit man Daten über das Wohlbefinden der Bevölkerung und über den Beitrag der Wirtschaft und der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure zu diesem Gemeinwohl sammeln und veröffentlichen könnte. Damit könnte einerseits das Wohlbefinden auf andere Weise als mit den bestehenden Indikatoren beurteilt und andererseits der Beitrag der verschiedenen Akteure an das Gemeinwohl ermessen werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Einschätzung, dass die Messung der Wohlfahrt von grosser Wichtigkeit ist. Er ist jedoch der Ansicht, dass die Bildung eines entsprechenden Indexes aus folgenden Gründen derzeit nicht notwendig ist.</p><p>a) Die Wohlfahrt der Bevölkerung ist ein komplexes, multidimensionales Konzept. Im Unterschied zum BIP, wo alles zu Marktpreisen, d.h. in Franken gemessen werden kann, haben die verschiedenen Dimensionen der Wohlfahrt unterschiedliche Einheiten. Zum einen ist die Interpretation eines Indexes, der aus völlig unterschiedlichen Dimensionen zusammengesetzt ist, sehr schwierig. Zum anderen setzt die Bildung eines solchen Indexes voraus, dass die verschiedenen Aspekte der Wohlfahrt in eine gemeinsame Einheit umgerechnet werden. Schliesslich ist es fraglich, ob ein solcher Index international vergleichbar wäre.</p><p>b) Dazu kommt, dass zum Aspekt der Wohlfahrt das Bundesamt für Statistik (BFS) seit 2014 das Indikatorensystem Wohlfahrtsmessung unterhält, in dem die verschiedenen Aspekte der Wohlfahrt der Bevölkerung abgebildet sind, wie z.B. soziales Netzwerk, Partizipation, Umweltqualität oder subjektives Wohlbefinden. Die Evaluation der Wohlfahrt wurde bereits im Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulates 14.3578 Hêche vom 14. Juni 2014 anhand dieses Indikatorensystems untersucht. Dieses Indikatorensystem wird jährlich aktualisiert.</p><p>c) Neben dem Indikatorensystem Wohlfahrtsmessung, das einen Überblick über die Wohlfahrt liefert, liegen weitere vertiefte Informationen zu den vom Postulanten geforderten spezifischen Aspekten zum grössten Teil bereits vor. So können die "finanziellen Beiträge der gesellschaftlichen Akteure" und die "nichtfinanziellen Beiträge zum Gemeinwohl" anhand bestimmter Satellitenkonten wie dem Satellitenkonto Haushaltsproduktion und der Umweltgesamtrechnung gemessen werden.</p><p>Im Rahmen des Satellitenkontos Haushaltsproduktion werden in einer makro-ökonomischen Perspektive das gesamte geleistete Zeitvolumen für unbezahlte Haus-, Familien- und Freiwilligenarbeit und der "fiktive" Geldwert pro Jahr geschätzt. Zudem weist das BFS seit 1997 regelmässig alle 3 bis 4 Jahre Indikatoren zur Freiwilligenarbeit auf Personenebene aus (Beteiligungsquoten und durchschnittlicher Zeitaufwand für institutionalisierte und informelle Freiwilligenarbeit).</p><p>Die Umweltgesamtrechnung liefert statistische Informationen zu den Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt in Zusammenhang mit der nachhaltigen Entwicklung und der grünen Wirtschaft (z.B. Ausgaben, Steuern, Materialflüsse, Luftemissionen).</p><p>Zu den Arbeitsbedingungen hat das BFS ein Indikatorenset entwickelt, das über die Situation in der Schweiz und deren Entwicklung in den letzten zehn Jahren Auskunft gibt. In Übereinstimmung mit den internationalen Empfehlungen können die verschiedenen Dimensionen dieses Themas (z.B. Arbeitssicherheit, Arbeitszeit, Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, Arbeitsplatz- und soziale Sicherheit, sozialer Dialog, Beziehungen am Arbeitsplatz und Arbeitsmotivation) anhand der vielfältigen Daten der öffentlichen Statistik gemessen werden. Auf europäischer Ebene sind ausgewählte Indikatoren beim Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) erhältlich.</p><p>Aus dem Gesagten ergibt sich, dass viele Informationen zur Wohlfahrt bereits vorliegen. Die Bildung eines Index zur Evaluation der Wohlfahrt erachtet der Bundesrat wegen der schwierigen Interpretation und der mangelnden internationalen Vergleichbarkeit als problematisch und nicht zielführend.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.