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Wer sein Gegenüber verändern will, überschreitet Grenzen.
Ein Mann im Rentenalter kommt in die AHG zur Gewaltberatung. Er hat seine Frau gestossen. Im ersten Gespräch habe ich ihm mitgeteilt, dass er seine Frau nicht ändern könne, auch wenn ihm ihr verhalten nicht passe. Er könne bei sich schauen, wie er mit diesem Verhalten der Frau einen Umgang finden könne, ohne dabei gewalttätig zu werden. Er wollte also von mir mit Handlungsansätzen und Verhaltenstheorien gefüttert werden.
Nach einigen Beratungen hat er mir mitgeteilt, dass das ganze Wissen ihm einfach nicht helfe. In den Situationen mit seiner Frau kam er trotz allem Wissen an seine Grenzen. Ich habe dann mit ihm das Wahrnehmungsmodell der Phaemoberatung angeschaut und konkrete Lebenssituationen besprochen. Als wir uns auf die Suche gemacht haben, was er in diesen Situationen fühlte, wurde ihm immer mehr klar, dass er sehr oft versuchte, die Verhaltensweise seiner Frau zu verstehen oder zu «entlarven». Wie es ihm aber in diesen Situationen gefühlsmässig ging, war ihm nicht bewusst. Er merkte jedoch, dass er sehr viel Zeit damit verbrachte, zu überlegen, wie er sich verhalten soll, damit seine Frau sich verändert und nach seinen Vorstellungen verhält.
Wieder gab ich ihm zu verstehen, dass er diesbezüglich auf verlorenem Posten stehe. Er war jedoch nicht mehr grenzüberschreitend und wollte seiner Frau auch nicht mehr vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen habe. Und dennoch versuchte er, sie zu manipulieren.
Wir alle kennen es doch auch, dass wir manchmal versuchen, unser Gegenüber zu ändern, nur weil wir damit keinen Umgang finden können und es als ein Fehlverhalten bewerten.
Berater, Dezember 2020
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