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Emil Krebs, Präs. Arbeiterkomm. Sulzer, 1889-1959
Am 18. Mai 2013 wurde innerhalb des einstigen Sulzer/SLM-Areals, hinter der ersten Montagehalle der SLM eine Strasse mit dem Namen Emil-Krebs-Strasse getauft. Damit soll nebst der Robert-Sulzer-Strasse auch die Erinnerung an die Arbeiterschaft in diesem Werkareal hochgehalten werden.
Emil Krebs wurde 1889 als 12. von insgesamt 14 Kindern geboren. Seine Familie gehörte zu den alt eingesessenen Tössemer Familien. Sein Vater Johann Kaspar war von Beruf Kirchensigrist. Mit 18 Jahren wurde Emil Krebs Vollwaise. Leider weiss man wenig über sein Leben. Vermutlich hatte er aber zu diesem Zeitpunkt schon längst im Berufsleben Fuss gefasst. 1918 zog er nach Winterthur, wo er an verschiedenen Adressen wohnte. 1920 heiratete er zum ersten Mal, 9 Jahre später zum zweiten Mal. Zirka 1932 zog er in ein Haus an der Freiestrasse, das die Genossenschaft zur Erstellung billiger Wohnhäuser 1912 gebaut hatte.
Emil Krebs war von Beruf Modellschreiner. Er und seine Kollegen hatten die Aufgabe, aus zweidimensionalen Konstruktionszeichnungen dreidimensionale Modelle als Vorstufe für Gussformen herzustellen. In der Firma Gebrüder Sulzer AG engagierte sich Emil Krebs während insgesamt 11 Jahren als Präsident der Arbeiterkommission – erstmals von 1924-1927 und dann wieder von 1934-1942. In dieser Funktion war es seine Aufgabe, die Anliegen der Arbeiterschaft an die Geschäftsleitung heranzutragen und vorteilhafte Verhandlungsergebnisse zu erzielen.
Auch als die Arbeiterkommission im Juni 1937 bei der Geschäftsleitung für ihre Forderungen kein Gehör fand, blieb Emil Krebs besonnen und trat an der denkwürdigen Betriebsversammlung vom 3. Juli 1937 für ein Schiedsgericht ein. Er appellierte an die Arbeiterschaft in der jetzigen Situation nicht für Streik zu stimmen.
Es gelang ihm zusammen mit der flammenden Rede von Robert Sulzer, der an seine Mitarbeiter appellierte, Uneinigkeiten mit Dialogen und nicht mit Kampf zu lösen. Darum auch die Benennung eines Dialogplatzes 2013. Man entschied sich in letzter Minute nicht für einen Streik, sondern für ein Schiedsgericht.
Diese Schlichtungskommission, der auch der Winterthurer Stadtpräsident Dr. Hans Widmer angehörte, entschied in der Folge, dass eine Lohnerhöhung von vier Rappen, eine Erhöhung der Akkordansätze auf 115 Prozent und eine Erhöhung der Zulagen für Stundenlohnarbeiter um fünf Prozent gewährt werden soll.
Der Lohnkonflikt endete somit mit einem Teilerfolg der Gewerkschaft. Aus diesen Ereignissen heraus entstand kurz darauf auf schweizerischer Ebene das Friedensabkommen zwischen den Metallindustriellen und dem SMUV. Aus einem Protokoll der Winterthurer SMUV-Sektion vom Juli 1940 ist überliefert, dass die Einschränkung der Versammlungsfreiheit durch den Bundesrat scharf kritisiert wurde, worauf Emil Krebs die Kollegen mahnte und erklärte, „dass Hitler durch die Uneinigkeit der Arbeiterschaft an sein Ziel gekommen sei, was bei uns unbedingt verhütet werden müsse, die Gewerkschaften hätten als eine der grössten Aufgaben diejenige der Zusammenhaltung in gegenwärtiger Zeit.“
Als Emil Krebs 1959 starb, erschien in der Arbeiterzeitung eine kurze Würdigung seiner Verdienste: „Mit ihm sinkt ein Mann ins Grab, der für die Winterthurer Arbeiterbewegung grosse Arbeit geleistet hat. Emil Krebs war in kritischen Jahren Präsident der Arbeiterkommission von Gebrüder Sulzer AG und bewährte sich in dieser Funktion als unerschrockener Kämpfer zu Zeiten, wo die Gewerkschaft noch nicht Vertragspartner war. Als tüchtiger Sänger und flotter Gesellschafter schätzte man Emil Krebs besonders auch in Kreisen der Arbeitersänger.“ Diesem unerschrockenen und vermittelnden Kämpfer für die Arbeiter ist künftig also die Emil-Krebs-Strasse gewidmet.
(Nach einem Text von Marlis Betschart, Leiterin Stadtarchiv Winterthur)
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