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Vier Fragen an Marc-André Bünzli, Chef der Fachgruppe Wasser und sanitäre Versorgung des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe. Was er sagt rüttelt auf. Zum Beispiel, dass wir werden lernen müssen, ohne das Schmelzwasser der Gletscher zu leben, und aufhören sollten, uns wie ein Bakterienvoll zu verhalten.
Die Schweiz verfügt, wie andere Länder auch, über grosse Wasservorräte. Wäre ein Wassermangel-Szenario wie im Libanon hier vorstellbar?
Im Jahr 2018 haben wir eine verlängerte Phase der Hitze aber auch der sehr schwachen Regenmessung gehabt, der Fluss Doubs ist sogar während einigen Wochen verschwunden. Wenn es in der Schweiz während sechs Monaten nicht regnen würde, würden wir mit einer schrecklichen Dürre konfrontiert, auf die wir schlecht vorbereitet sind. Kein Land ist also vor den Ungewissheiten des Klimas geschützt, auch wenn die Wassernetzwerke professionell verwaltet werden. In nächster Zukunft werden wir auch lernen müssen, ohne das Schmelzwasser der Gletscher, welche bald aus der Schweiz verschwunden sein werden, zu leben.
Und wie werden wir dieses Problem angehen?
Im Moment haben wir in Bezug auf diese Frage relativ wenige Ideen, denn die Wahrnehmung, dass die Gletscher verschwinden werden, scheint in den Köpfen langsamer fortzuschreiten als der Gletscherrückgang selbst. Weil der Pegelstand der Flüsse im Sommer und im Herbst tiefer sein wird, werden wir die landwirtschaftliche Produktion anpassen müssen, um Kulturen zu haben, die schneller Erzeugnisse abliefern. Dies wird mit frühzeitigen Frühlingen und Sommern möglich sein, sofern der Regen zum richtigen Zeitpunkt fällt. Hingegen werden die Obstgärten und Wälder an Wassermangel leiden, was eine gründliche Veränderung der Umwelt mit sich ziehen wird.
Die einzige Lösung für die Menschheit wäre, damit aufzuhören, sich wie ein Bakterienvolk zu verhalten, das blind seine Ressourcen ausbeutet, und stattdessen ein Verhalten anzunehmen, das dem « Homo sapiens », dem weisen Menschen, würdig ist. Dies würde implizieren, dass wir unseren Platz in den grossen Kreisläufen des Wassers, der Luft und des Lebens wiederfinden. Wenn wir damit zögern, dies zu tun, wird uns der Planet wegfegen, gleichermassen wie sich unser Körper der Bakterien entledigt, die seine Unversehrtheit nicht respektieren.
Könnte die Schweiz, vom Standpunkt ihrer Wasserkapazität betrachtet, es sich erlauben, mehr Flüchtlinge aufzunehmen als sie dies derzeit tut?
Als ich im Jahr 2003 für das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen arbeitete, haben wir berechnet, welche Wasserplatte dem Genfersee entnommen werden müsste, um die Bedürfnisse aller Flüchtlinge auf der Welt zu befriedigen, und die Antwort lautete weniger als 10 Zentimeter. Heute würden vielleicht 25 Zentimeter benötigt. Die Schliessung unserer Grenzen kann ganz klar nicht durch einen Wassermangel gerechtfertigt werden, die Antwort muss anderswo gesucht werden, vielleicht in unseren verschlossenen Herzen.
Gibt es noch Etwas, das Ihnen besonders am Herzen liegt, den Leserinnen und Lesern der Vision 2035 sagen zu können?
Die vorzüglichste humanitäre Handlung ist, einem Durst leidenden Menschen Wasser zum Trinken zu geben. Die wahre Schwierigkeit besteht darin, den Wasserkreislauf zu schliessen und das Wasser so zu reinigen, dass es gefahrenlos von Pflanzen, Tieren und anderen Menschen wieder konsumiert werden kann. Wer erinnert sich noch daran, dass es in den 1960er Jahren unmöglich war in den Schweizer Seen zu baden, weil sie zu stark verschmutzt waren? Wenn wir stetig dran bleiben an dieser Aufgabe, könnten wir Wunder vollbringen, wie zum Beispiel Kloaken in sauberes Wasser verwandeln.
Übersetzung: Laurent Barras
Emmanuelle Houlmann a travaillé de nombreuses années dans le domaine de la communication für die Entwicklungszusammenarbeit et l’Aide humanitaire de la Suisse. Sie lebt in Biel et il y a des jours où elle se demande, wer sie eigentlich ist. Dann schliesst sie die Augen und stellt fest : je suis, ici et maintenant, c’est tout.