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„Lassen Sie den Eisbrecher «Arktika» lieber in St. Petersburg, bis der defekte Motor repariert ist.“ Dies fordert der Atom-Experte Andrey Zolotkov. Die einzige Möglichkeit, den fehlerhaften Motor zu reparieren, besteht darin, ihn aus dem Rumpf zu heben und durch einen neuen zu ersetzen. Diese Arbeiten werden die Inbetriebnahme Russlands neuem prestigeträchtigem Eisbrecher mit Atomantrieb um ein weiteres Jahr verzögern.
Während der Probefahrten in der Ostsee im Februar 2020 verursachte ein Kurzschluss schwere Schäden an der Wicklung eines der drei Elektromotoren an Bord des Eisbrechers «Arktika». Die Probefahrt wurden danach mit nur zwei funktionierenden Motoren fortgesetzt.
Wie die russische Zeitung Kommersant berichtete, kann der defekte Motor gemäss einer Untersuchungskommission nicht an Bord der «Arktika» repariert werden. Die einzige Möglichkeit, den Motor auszutauschen, besteht darin, ein Loch in den Aufbau zu schneiden. Dies ist ein umfassender Vorgang, der nur ausgeführt werden kann, wenn das Schiff angedockt ist. Laut einem Artikel auf Bellonas Portal beträgt das Gewicht des 20-MW-Elektromotors 300 Tonnen. Ein Austausch des Motors kann jedoch nicht vor 2021 passieren.
In der Zwischenzeit stellt sich die Frage, wie mit den Seeversuchen fortgefahren werden soll. Nach dreijähriger Verspätung sollte die «Arktika» diesen Mai endlich von der Werft Baltic Yard in St. Petersburg nach Murmansk überführt werden.
Wenn der Eisbrecher noch in diesem Jahr an Skandinavien vorbei nach Norden fahren würde, würden nur zwei der drei Antriebs-Propeller mit Strom versorgt. Jedenfalls müsste die «Arktika» dann nächstes Jahr wieder zur Werft in St. Petersburg zurückkehren.
„Würden Sie ein Auto mit einem fehlenden Rad kaufen?“, fragt Andrey Zolotkov rhetorisch auf die Frage von Barents Observer nach dem Schicksal des Eisbrechers.
Zolotkov ist Direktor von Bellona in Murmansk, einer Gruppe, die sich mit der nuklearen Sicherheit im russischen Norden befasst. Zuvor war er als Ingenieur bei Atomflot tätig, der Servicebasis für die Flotte von Eisbrechern mit Atomantrieb.
„Ein neuer Eisbrecher der Baltic Yard-Werft sollte von Rosatomflot nicht unter solchen Bedingungen in Betrieb genommen werden“, erklärt Zolotkov.
Er glaubt, dass es möglich ist, das Schiff nach Murmansk zu überführen, um die Seeversuche fortzusetzen, vielleicht sogar in die Nordseeroute. Aber wie er es ausdrückt: „Was ist die Notwendigkeit dafür und warum? Es fällt mir schwer, die Notwendigkeit zu beurteilen, die unvollendete «Arktika» in die Gerichtsbarkeit von Rosatomflot zu überführen und sie als „experimentelle Operationen“ zu bezeichnen.“ Zolotkov stellt die Manövrierfähigkeit eines Schiffes in Frage, wenn einer von drei Propellern nicht funktioniert.
„Andere Eisbrecher mit Atomantrieb haben immer Ersatz-Antriebs-Schrauben an Bord, um beschädigte zu ersetzen, während sie in der Arktis unterwegs sind.“
„Um alle Risiken zu verringern, ist es ratsam, den Eisbrecher «Arktika» in St. Petersburg zu lassen und auf die Reparatur des Motors zu warten“, schließt Andrey Zolotkov.
„Dann kann die «Arktika» zusammen mit dem zweiten Eisbrecher derselben Klasse, die «Sibir», die im Sommer 2021 in Dienst gestellt werden soll, nach Norden nach Murmansk fahren“, fügt er hinzu.
Ein dritter Eisbrecher der Klasse, die «Ural», soll 2022 ausgeliefert werden. Es wird beschlossen, die Eisbrecher Nr. 4 und 5 in einem ähnlichen Design zu bauen, die Bauarbeiten stehen jedoch noch aus.
Die Aufrüstung der Eisbrecher-Flotte spielt eine Schlüsselrolle in Putins Plänen für die Arktis. Der Warentransport per Schiff entlang der russischen Nordostpassage wurde von ihm zur Chefsache erhoben und soll bis 2025 80 Millionen Tonnen erreichen. Dies ist eine 8-fache Steigerung gegenüber 2017, als 10,7 Millionen Tonnen durch die arktischen Gewässer Russlands verschifft wurden.
Heiner Kubny, PolarJournal