Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/210354

<h2>SubmittedText<h2><p>Im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Psychopharmaka bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Laut dem Suchtmonitoring Schweiz haben 200 000 Personen einen problematischen Konsum von starken Schlaf- und Beruhigungsmitteln, beurteilt der Bundesrat diese Zahl als kritisch?</p><p>2. Wo sieht er im Zusammenhang mit dem Konsum von Psychopharmaka einen Handlungsbedarf im Bereich seiner Suchtpräventionspolitik und der "Nationalen Strategie Sucht"?</p><p>3. Wie erklärt er sich die Zunahme in den letzten Jahren?</p><p>4. Wo sieht er Handlungsbedarf in der Schule, um die Sucht frühzeitig zu erkennen und zu handeln?</p><p>5. Wie steht er zu einem systematischen Monitoring bezgl. Konsumgewohnheiten von Jugendlichen wie dies beispielsweise Island vorsieht? </p><p>6. Braucht es aus der Sicht des Bundesrates mehr finanzielle Mittel um die neueren Herausforderungen im Bereich der Psychopharmaka wirksam angehen zu können?</p><p>7. Braucht es aus Sicht des Bundesrates strengere Abgaberichtlinien für Benzodiazepine, kodeinhaltige Medikamente und Ähnliches?</p><p>8. Wie kann der Bund die Kantone bei der Sensibilisierung und Weiterbildung von Fachbereichen in Bezug auf Medikamentenmissbrauch unterstützen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1./3./6. Der Bundesrat verfolgt die Entwicklung des problematischen Konsums von Schlaf- und Beruhigungsmitteln aufmerksam. Der Anteil der Betroffenen ist nach aktuellem Kenntnisstand jedoch gering und eine Zunahme ist nicht zu beobachten. Bei der jüngsten verfügbaren Erhebung im Jahr 2018 gaben rund 2 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren an, in den letzten drei Monaten beinahe täglich Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingenommen zu haben, während es 2011 noch 3.5 Prozent gewesen waren. (Quelle: Schweizer Monitoring System Sucht und nichtübertragbare Krankheiten; Bundesamt für Gesundheit (BAG) und obsan; <a href="http://www.monam.ch">www.monam.ch</a>). In Anbetracht dieser Entwicklung hält der Bundesrat einen Einsatz von zusätzlichen finanziellen Mitteln nicht für erforderlich.</p><p>2. Der Bericht "Auslegeordnung problematische Einnahme von psychoaktiven Medikamenten" des BAG aus dem Jahr 2019 hat gezeigt, dass der problematische Konsum von Schlaf- und Beruhigungsmitteln weniger bei jungen Menschen, sondern eher bei Menschen ab 60 Jahren verbreitet ist. Ebenso wurde eine leichte Zunahme des Konsums opioidhaltiger Schmerzmittel durch chronische Schmerzpatientinnen und -patienten festgestellt. Im Rahmen der Strategie Sucht verfolgt und beobachtet das BAG diese Entwicklungen und prüft entsprechende Massnahmen. Unten diesen gegebenen Umständen erachtet der Bundesrat zusätzliche Massnahmen als nicht erforderlich.</p><p>4. Für die Planung und Umsetzung der suchtpräventiven Massnahmen im Schulbereich sind primär die Kantone und Gemeinden zuständig. Das BAG unterstützt diese bei Bedarf bei der Entwicklung und Umsetzung spezifischer Programme und Konzepte. Wie dargelegt manifestiert sich das Problem des missbräuchlichen Konsums von psychoaktiven Medikamenten jedoch weniger bei jungen Menschen.</p><p>5. Die Schweiz führt verschiedene periodische Erhebungen zum Konsum psychoaktiver Substanzen unter Jugendlichen durch, darunter die Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB) und die HBSC-Studie (Health behaviour of school children). Weiter untersuchen z.B. auch die Studien der "Groupe de Recherche sur la Santé des Adolescents" das Gesundheitsverhalten von Jugendlichen. Die aktuell verfügbaren Daten vermitteln ein ausreichend klares Bild der Situation. Der Bundesrat sieht keinen zusätzlichen Monitoring-Bedarf.</p><p>7. Die Fachgesellschaften sind für die Entwicklung von Richtlinien und Leitfäden für die Ärzteschaft bezüglich des angemessenen Gebrauchs von Psychopharmaka verantwortlich. Wie der Bundesrat schon in seiner Stellungnahme zur Motion 19.4305 Estermann "Die Abgabe von Antidepressiva in der Schweiz muss massiv gesenkt werden" ausgeführt hat, ist er der Ansicht, dass diese Zuständigkeit bei diesen Organen verbleiben sollte. Durch ihre Nähe zur Praxis sind sie am besten in der Lage, die Relevanz neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu beurteilen und ihre Empfehlungen entsprechend anzupassen.</p><p>8. Das BAG steht in ständigem Austausch mit den zuständigen kantonalen Stellen, Fachverbänden und Dachorganisationen im Bereich Sucht und unterstützt diese mit koordinativen Dienstleistungen. Im Auftrag des BAG erbringen die Fachverbände, die suchtmedizinischen Netzwerke und die Schweizerische Gesellschaft für Suchtmedizin Leistungen zu Gunsten von Institutionen und Berufsgruppen der medizinischen Grundversorgung. Zudem bietet die im Auftrag des BAG geführte Homepage www.praxis-suchtmedizin.ch Informationen zum Thema Sucht und Medikamente.</p>  Antwort des Bundesrates.