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Von bösen Tanten, weissen Hauben und Kommandanten
«Der Report der Magd» (1985) und «Die Zeuginnen» (2019) von Margaret Atwood
Es gibt Bücher, die werden millionenfach gelesen: «Der Report der Magd» von Margaret Atwood gehört bestimmt dazu. Zuerst ging der Hype von 2017 jedoch an mir vorbei. Damals erlebte der Roman, vermutlich wegen der gleichnamigen Serie, ein Revival. Als eine Kollegin und ich uns zwei Jahre später entschieden, gemeinsam ein Buch zu lesen, fiel unsere Wahl auf Atwoods Roman aus dem Jahr 1985. Auch wir konnten uns der Neugier auf diese andere Welt nicht entziehen: Was für eine Geschichte hatte die Autorin geschrieben, die irgendwie in aller Munde schien?, fragten wir uns.
Die Dystopie spielt in der Republik Gilead, auf dem Land der heutigen USA. Auf Grund von radioaktiven und chemischen Versuchen sind viele Frauen und Männer unfruchtbar. Hinzu kommt, dass der weibliche Teil der Bevölkerung dem männlichen untergeordnet und besitzlos ist. Ihr einziger Zweck ist es, Kinder zu gebären. Ist eine Frau eines ranghohen Mannes jedoch unfruchtbar, was nicht selten der Fall zu sein scheint, gibt es eine Lösung: eine Magd. Eine Frau im roten Kleid mit weisser Haube. Sie wird zur Gebärmaschine und soll dem Paar zu ihrem Glück verhelfen.
In Gilead herrschen zahlreiche Regeln und Gesetze. Durch Hinrichtungen sorgen die hohen Männer des Regimes dafür, dass diese auf keinen Fall vergessen werden. Es ist eine trostlose, monotone Welt, in der wir uns mit Desfred, der Hauptperson bewegen.
Das Buch ist keines, dass ich verschlungen habe, weil ich es vor Spannung nicht aus der Hand legen konnte. Die Geschichte machte mich aber wütend: All diese gepeinigten Frauen, die lediglich auf ihre Fähigkeit der Fruchtbarkeit reduziert werden. Desfred, der nicht einmal mehr einen eigenen Namen zugestanden wird. Sie ist nur noch der Besitz «des Fred», des Kommandanten, dem sie ein Kind schenken soll.
aGanz anders erging es mir hingegen beim Lesen des Fortsetzungsromans «Die Zeuginnen», der 2019 erschien und gemeinsam mit dem Buch «Girl, Woman, Other» von Bernardine Evaristo den Booker Prize erhielt. Der Witz und die Leichtigkeit des zweiten Teils überraschten mich. Ein Grossteil der Geschichte spielt in Gilead, ein anderer handelt vom Leben im angrenzenden Kanada.