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Clariden
(Kt. Uri und Glarus). Ebenso grossartige wie schöne Gebirgsgruppe; zwischen dem Schächenthal u. Urnerboden einerseits und dem Maderanerthal u. Sandalpthal andererseits, jene verbunden durch den Klausenpass (1952 m), diese durch das Firnjoch der Planura (2940 m). Die W.-Grenze wird gebildet durch das Reussthal von Amstäg bis Bürglen, die O.-Grenze durch das Linththal von der Pantenschlucht bis zur Mündung des Fätschbachs (vom Urnerboden) nahe bei Linthal.
Die Länge beträgt 28 km, die Breite 5 km im ö. Teil bis 12 km am W.-Rand und im Mittel etwa 7 km, die Grundfläche also etwa 200 km2. Der Rückgrat der Kette verläuft von WSW. nach ONO. von der kleinen Windgälle (2988 m) zum Kammerstock (2125 m) und ist im allgemeinen dem S.-Rand näher als dem N.-Rand, namentlich im w. Teil. Genau in der Mitte des Kammes liegt das Scheerhorn, das mit 3296 m zugleich der höchste Punkt desselben ist. Gleichwohl wird die Kette seltener nach diesem mathematischen Mittelpunkt benannt, als nach dem etwas östlichem Claridenstock (3270 m), den man wohl als den orographischen Mittelpunkt bezeichnen darf, insofern als die Wasserscheide zwischen Reuss und Linth vom Klausenpass zur Planura über ihn zieht und auch die grössten Gletscher der Gruppen sich an ihm scheiden.
Der zwischen beiden stehende, aber mit dem Claridenstock enger als mit dem Scheerhorn verbundene Kammlistock ist mit 3238 m auch an Höhe der dritte im Bund. Ausser diesen dreien erreicht kein Punkt der Gruppe 3200 m. Uebrigens stehen sich alle ihre Hauptgipfel an Höhe sehr nahe. Keiner sinkt auf 2900 m herunter und keiner erreicht völlig 3300 m. Nö. vom Claridenstock folgen der Bocktschingel (3049 m), die Zackenreihe der Teufelsstöcke, dann der Gemsfayrenstock (2974 m), sw. vom Scheerhorn der Klein Ruchen (2949 m), der Gross Ruchen (3136 m), die Grosse Windgälle (3192 m) u. die Kleine Windgälle (2988). Auch die Scharten sind wenig tief eingeschnitten.
Die tiefste ist der
Ruchkehlenpass (2679 m) hart sw. vom
Klein Ruchen, dann folgt der
Scheerhorn
Griggeli Pass (2798
m) w. vom kleinen
Scheerhorn (das übrigens nur eine Schulter des grossen ist), dann die
Kammlilücke (2848 m) zwischen
Scheerhorn
und
Kammlistock. Alle drei sind Gletscherpässe, zu denen es von der
N.-Seite sehr steil ansteigt und die nur von Touristen
gelegentlich benutzt werden, am meisten die
Kammlilücke als Zugang vom
Klausenpass zur
Hüfihütte u. zur
Claridenhütte und zum Zentrum der Gruppe. Die gleichmässige Gipfelhöhe ist eine Erscheinung, die auch sonst in so
geradlinig verlaufenden
Kämmen, wie der
Claridenkamm einer ist, mehrfach
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beobachtet wird. Hier ist sie aber insofern etwas auffällig, als die w. Gipfel (Ruchen-Windgällen) aus Hochgebirgskalk (Malm), die ö. (Scheerhorn-Gemsfayrenstock) aus eocänen Schichten, also aus Gesteinen eines höheren geologischen Horizontes bestehen. Der durch Verwitterung und Abtragung in der Gipfelregion entstandene orographische Horizont stimmt also nicht mit dem geologischen überein. Die Erklärung hiefür liegt nach Albert Heim in Folgendem: Im W., im Reussthal, kommen unter den Kalkschichten Gneiss und andere krystalline Silikatgesteine in bedeutender Mächtigkeit zum Vorschein, am Ostende dagegen, im Linththal, zeigen sich diese nirgends u. Jura und Eocän gehen bis in den Thalgrund. Es liegt also die geologische Basis, das zentralmassivische Grundgestell, dort tiefer als im Reussthal.
Diese wurde samt allem was darüber liegt gleich uranfänglich bei der Gebirgsfaltung im O. weniger hoch erhoben als im W., so dass dort das Eocän nur etwa so hoch zu liegen kam, wie der Malm hier. Würden dem Windgällen-Ruchen Kamm die Eocänschichten noch aufliegen, so würde er eine Höhe von etwa 4000 m erreichen. Die Abtragung muss dann auch im hohen W. rascher gearbeitet haben als im niedrigern O. und konnte darum allmählich das Gipfelniveau nahezu ausgleichen.
W.- und O.-Ende der
Claridenkette unterscheiden sich auch sonst noch von einander. Am O.-Ende zerfasert
sie sich in drei Arme dadurch, dass das Altenoren- und Fisitenthal in dasselbe einschneiden. Der mittlere Arm zwischen diesen
beiden Thälchen setzt die gerade Richtung über den Gemsfayrenstock hinaus fort zum Rothstock und Malor; der n. Arm biegt vom
Gemsfayrenstock zuerst etwas nach N. aus, nimmt dann aber bald wieder die NO.-Richtung an und endigt
mit dem Kammerstock.
Der s. Arm endlich bildet den S.-Rand des Claridenfirns, über den er sich nur wenig erhebt, während er tief und steil nach der Sandalp abfällt. Ihm gehören der Hintere und vordere Spitzalpelistock, der Geissbützi-, Becki- und Zutreibistock und endlich der Altenoren- und Gemsistock an. Nach NO. erniedrigen sie sich allmählich, so dass der Hintere Spitzalpelistock noch 3003 m, der Gemsistock nur noch 2432 m hat. Im W. findet keine solche Zerfaserung statt. Dagegen lehnt sich nw. an die Grosse Windgälle die Gruppe des Hoh Faulen als ein selbständigerer Gebirgsstock an, mit diesem verbunden durch den Seeweligrat und das Schwarz- und Weissstöckli.
Abgeschnitten wird dieser Stock vom übrigen
Claridengebiet durch das von Unterschächen nach S. einschneidende Brunnithal,
dann durch das w. ansteigende bachlose Griesthal und die Scharte «Im Stich» unmittelbar s. vom Hoh Faulen, über welche man
nach Erstfeld oder Silenen hinüber steigen kann. Von Schattdorf, Bürglen und Spiringen schneiden einige
kleine Thäler in diesen Stock ein und geben ihm eine strahlenförmige Gliederung. Die Hauptgipfel sind, ausser dem Hoh Faulen
(2518 m), der spitze Rinderstock (2476 m), der breite Belmeten (2423 m) und der Schwarzgrat (2023 m) gegen das Reussthal, dann
der Sittliser (2450 m), der Blinzi (2464 m) und der Gross und Klein Spitzen (2403 u. 2312 m). Auch hier sind
also die Gipfelhöhen nicht sehr verschieden von einander.
Wenn man vom Klein Spitzen als einem blossen Vorgipfel des Gross Spitzen und vom Schwarzgrat als einem blossen Ausläufer des Belmeten absieht, halten sich alle Gipfelhöhen zwischen etwa 2400 und 2500 m. Es ist hier eine ähnliche Beobachtung zu machen wie in der Hauptkette. Auch hier vereinigt sich mit gleicher Gipfelhöhe eine ungleiche Höhe der geologischen Basis. Im Schächenthal sieht man vom Fuss bis zu den Gipfeln hinauf nichts als Eocän; im Reussthal dagegen beginnt gleich hinter Schattdorf ein Kalkstreifen, zuerst nur als schmales Band unten an der Thalsohle, von Eocän überlagert.
Bald aber steigt es rasch an und verbreitert sich, um schliesslich die hohen Wände am Schwarzgrat, Belmeten, Rinderstock und Klein Windgälle zu bilden. Der obere Rand steigt bis auf etwa 2400 m. Hie und da liegt darüber noch eine dünne Kappe von Eocän, z. B. am Rinderstock und Hoh Faulen. Besonders interessant ist aber der untere Rand, der von der Thalsohle n. von Erstfeld in schön geschwungener Linie erst rascher, dann langsamer ansteigt, so dass er unter dem Belmeten etwa 1500 m und unter der Windgälle nahe an 2000 m erreicht. Darunter liegen krystalline Schiefer. Die Schichten fallen also SN., und die krystalline Basis liegt bei Amstäg etwa 1500 m über der Thalsohle, erreicht dieselbe bei Erstfeld und sinkt dann bald unter dieselbe. Aehnliches zeigt sich im Brunnithal. Dasselbe hat sich von Unterschächen her durch die ganze, wohl 1500-2000 m dicke Eocändecke hindurch und noch einige hundert Meter tief in den obern Jura (Malm) hinein geschnitten. Der untere Rand ¶
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desselben ist hier noch nirgends zu sehen, aber der obere Rand und damit der untere des Eocäns, die Kontaktlinie, steigt von etwa 1300 m am Ausgang des Brunnithals bis auf 1600 m in der Sittliser Alp, dann w. durch das Griesthal hinauf bis zum Stich am Hoh Faulen auf etwa 2400 m.
Wir werfen von da weg einen Blick auf die geologischen Verhältnisse der
Claridengruppe überhaupt. Da sich das Ansteigen
wie im W. auch im O., z. B. auf der Linie von Linthal nach der Sandalp, beobachten lässt, während in dieser Alp und im Maderanerthal
mehr die Schichtköpfe sich zeigen, so erscheint das Gebirge im ganzen als ein Isoklinalkamm. Das Aufsteigen
der Schichten ist aber nicht eine ganz einfache Aufrichtung wie etwa an den Churfirsten, sondern geschieht in Form von mehreren
Falten.
Dabei sind die tektonischen Verhältnisse in W. und O. sehr verschieden. Im W. besteht das Gebirge aus einer einzigen grossen, nach N. übergelegten Falte, im O. aus mehreren kleinern, ebenfalls n. überliegenden Falten. Der Uebergang geschieht allmählich etwa in der Gegend des Scheerhorns durch Auflösen der einen grossen Falte in mehrere kleinere. Besonderes Interesse erregt die grosse liegende Falte im W., am Windgällen-Ruchen Kamm. Es sind aber nirgends alle Teile derselben in ununterbrochenem Zusammenhang zu sehen.
Einzelne liegen in der Tiefe verborgen, andere sind abgetragen. Was man sieht sind immer nur kleinere oder grössere Stücke, ein Schenkel, eine Biegung, manchmal mehrere übereinander, deren Zusammenhang man sich in Gedanken konstruieren muss, wozu freilich die Natur dem forschenden Blick reichliche Anhaltspunkte bietet. Vom Klein Ruchen bis zum Scheerhorn z. B. ist der Gewölbeschenkel noch vorhanden und auch die in Eocän gehüllte Gewölbebiegung noch zu sehen.
Das Uebrige aber, der Mittel- und Muldenschenkel mit der verbindenden Muldenbiegung, liegt in der Tiefe vergraben. Weiter w. ist der Gewölbeschenkel abgetragen, aber Mittel- und Muldenschenkel und zum Teil auch die beiden Biegungen sind vorhanden und der Beobachtung zugänglich. Den Muldenschenkel erkennt man an der normalen, den Mittelschenkel an der umgekehrten Lagerung der Schichten. Zudem liegen beide Schenkel annähernd horizontal, oder es steigt der tiefer liegende Muldenschenkel langsam nach S., der höher liegende Mittelschenkel langsam nach N. an. Die Biegungen dokumentieren sich durch die steile Aufrichtung der Schichten, wie man sie z. B. an den gewaltigen N.-Wänden aus Hochgebirgskalk der Grossen Windgälle und des Gross Ruchen beobachtet. An der Kleinen Windgälle sind auch die beiden Biegungen abgetragen, aber umso deutlicher erkennt man den Mulden- und den Mittelschenkel.
In einem Profil von Silenen oder Amstäg bis auf die Spitze trifft man daher die Schichten zuerst in normaler (im Muldenschenkel), dann in umgekehrter (im Mittelschenkel) Reihenfolge an, nämlich von unten nach oben: Gneiss (bis ca. 2000 m), Rötidolomit, Dogger, Malm (als hohe Kalkwand), Eocän (als schmales Nummulitenband), dann wieder Malm (als zweite hohe Kalkwand) und Dogger. Darauf sitzt dann noch ein Klotz von Quarzporphyr. Auf dem Nummulitenband kann man den Berg von N. über W. nach S. umgehen und steigt dabei von etwa 2100 auf 2500 m. Man muss sich also vorstellen, dass bei der Gebirgsfaltung die ursprünglich horizontal liegende Schichtenreihe vom Rötidolomit oder Dogger an sw. etwas aufgerichtet, dann auf der Seite des jetzigen Maderanerthals vollständig umgebogen und auf sich selbst zurückgelegt wurde, so dass nun das oberste zu unterst, Eocän auf Eocän, zu liegen kam und bei dem ungeheuren Gebirgsdruck zu einem schmalen Band zusammengepresst, resp. ausgezogen wurde.
Was unter diesem Band liegt, ist der Unter- oder Muldenschenkel mit normaler, was darüber liegt, der Mittelschenkel mit verkehrter Schichtenfolge. Dieser nordwärts zurückkehrende Mittelschenkel wurde dann auf der Seite der Seewelialp noch einmal umgebogen u. noch einmal auf sich selber zurückgelegt. So entstand der Ober- oder Gewölbeschenkel mit wiederum normaler Schichtenfolge. Dieser wurde aber mit der Zeit an der Kleinen Windgälle vollständig abgetragen, ebenso beim Einschneiden des Maderanerthals u. des Thälchens der Seewelialp die beiden Biegungen, während diese weiter ö. an Grosser Windgälle u. Gross Ruchen noch erhalten sind: die Gewölbebiegung als N.-Wand diese mächtigen Gipfelbauten, die Muldenbiegung im Maderanerthal unter den sog. Alpnoverplatten u. anderwärts verhüllt oder am Hüfigletscher auch wieder abgetragen.
Die Erhaltung schreitet nach O. fort, so dass vom Klein Ruchen bis Scheerhorn auch der Ober- oder Gewölbeschenkel noch in grossen Stücken vorhanden, das ganze Faltensystem aber von da nach O. hin weniger hoch gehoben ist und sich, wie oben bereits gesagt, in eine Reihe kleinerer Falten aufgelöst hat. Ein merkwürdiges Vorkommnis ist der erwähnte Porphyr der Windgällen. Er ist ein ächtes Eruptivgestein. Da gerundete Gerölle desselben im Dogger und eckige Stücke in Karbonschiefern vorkommen so muss die Eruption älter als der Dogger sein und vielleicht in alt- oder vorkarbonischer Zeit stattgefunden haben. Mit der Hebung und Faltung des Gebirges ¶