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Albrecht von Haller (1708–1777). 300. Geburtstag eines Gelehrten
Albrecht von Haller ( 1708–1777 )
Der Berner Gelehrte mit internatio- nalem Ruf und Hauptfigur der Aufklärung in der Schweiz, Albrecht von Haller, prägte in seiner Zeit viele Bereiche des Wissens. Er war Naturforscher, Arzt und Anatom, schrieb aber auch das berühmte Gedicht mit dem Titel « Die Alpen ». Am 16. Oktober jährt sich sein Geburtstag zum 30O. Mal. 1
1732 erschien in einer Gedichtsamm-lung der drei Jahre zuvor verfasste Text « Die Alpen ». Er trug zusammen mit der « Nouvelle Héloïse » von Jean-Jacques Rousseau wesentlich zur Formung eines Idealbilds der Schweiz und ihrer alpinen Landschaften bei. Das Gedicht ist zwar kein realistisches Abbild des Alpenraums und seiner Bevölkerung, aber immerhin hatte Haller die Schweiz im Sommer 1728 einen Monat lang bereist. Über diese Jugendreise – Haller war noch nicht einmal 20 Jahre alt, als er sie unternahm – und über andere, kürzere Reisen durch die Alpen schrieb er ebenfalls Berichte. Diese waren weniger poetisch, sondern deskriptiver und befassten sich mit Gipfelbesteigungen in den Berner Voralpen, der Überquerung des Gemmi- und des Grimselpasses, aber auch mit den Aufenthalten in den Orten entlang seiner Reiseroute. 2 Albrecht von Hallers Gedicht « Die Alpen » ( 1729 ) löste in ganz Europa eine romantische Begeisterung für die Berge und ihre Bewohner aus. Er idealisierte darin auch den Alltag der Alpenbewohner.
Kupferstich von D. Herrliberger. Aus: Albrecht von Haller: « Die Alpen » ( zweisprachig ) 1773 Knapp 20-jährig war Albrecht von Haller, als er sein berühmtes Gedicht über die Alpen veröffentlichte.
Ölgemälde, 1730, von J. R. Huber 1 Mehr über Haller unter www.haller30O.ch 2 Die Berichte von Hallers Reisen in der Schweiz und in den Alpen wurden aus Anlass des Geburtstages in einem Band in französischer Sprache zusammengefasst: Albrecht von Haller: Premier Voyage dans les Alpes et autres textes ( 1728–1732 ), Genève, Slatkine, 2008
Haller – Naturforscher und Universal gelehrter
Vor seiner Alpenreise studierte Haller mehrere Jahre in Tübingen, Leiden und Paris. Er kehrte im Frühling 1728 in die Schweiz nach Basel zurück, um seine universitäre Ausbildung abzuschliessen und Vorlesungen beim berühmten Mathematiker Johann Bernoulli ( 1667–1748 ) zu besuchen. Beeinflusst vom intellektuellen Umfeld in Basel, entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse für die Botanik, nachdem er sich zuvor vor allem mit Anatomie beschäftigt hatte. Die Premier Voyage dans les Alpes, ursprünglich in Französisch erschienen, widmet sich in erster Linie der Beschreibung der Gegenden, durch die er reiste. Im Iter Alpinum erzählt Haller von der Besteigung des Stockhorns ( Simmental ) und erwähnt die angetroffenen Schwierigkeiten, bevor er den Gipfel erreicht: Der « schreckliche » Weg, der ihn dorthin führt, endet mit in den Fels gehauenen Tritten, was den Berner tief beeindruckt. Seine Anstrengungen werden jedoch belohnt: vom Ausblick, der sich ihm vom Gipfel bietet, und von den Blumen, die er unterwegs antrifft. Die Aufzählung und Beschreibung der Pflanzen, die er vor allem in den Voralpen findet, nimmt denn auch breiten Raum im Buch ein. Haller interessierte sich aber auch für Thermalquellen und ihre heilende Wirkung. Anlässlich der Überquerung des Gemmipasses widmete er sich mit den verfügbaren rudimentären Mitteln der Analyse der Leukerbader Thermal-wasser.
Professor in Göttingen
Weil Haller 1736 zum Professor für Botanik, Anatomie und Chirurgie an der neu gegründeten Universität Göttingen ernannt wurde, wo er bis 1753 blieb, lebte er während mehrerer Jahre weit weg von den Alpen. Er setzte aber seine botanischen Bemühungen fort. So gründete er in der Stadt einen botanischen Garten, der viel zum Ruf der Universität beitrug, und veröffentlichte 1742 Enumera-tio stirpium Helvetiae indigenarum, einen Vorläufer unserer heutigen Flora Helvetica und die erste Bestandesaufnahme der Schweizer Flora auf wissenschaftlicher Basis. Haller wollte jedoch wieder zurück nach Bern und erhielt einen Magistrats-posten; er wurde 1758 Direktor der bernischen Salinen von Roche im Waadtländer Chablais. Damit kehrte er in eine Region zurück, die er 30 Jahre zuvor anlässlich seiner ersten Reise schon einmal besucht hatte. Wegen verschiedener gesundheitlicher Gebresten konnte er sich nicht mehr selber dem Sammeln von Pflanzen widmen. Er arbeitete aber weiter am Studium der Schweizer Flora, indem er andere für sich sammeln liess. So schickte zum Beispiel der junge Horace-Bénédict de Saussure ( 1740–1799 ), der wenige Jahre später durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und die Drittbesteigung des Montblanc berühmt werden sollte, mehrere Pflanzen nach Roche. Sie kamen allerdings bei Haller in einem wenig zufriedenstellenden Zustand an.
Zurück in Bern
1764 verliess Haller Roche und kehrte nach Bern zurück. Hier nahm er am politischen Leben seiner Stadt teil und setzte gleichzeitig seine wissenschaftliche Tätigkeit fort. Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren, von 1757 bis 1766, erschien sein Opus Magnum, die Ele-menta physiologiae corporis humanae, ein Physiologiewerk in acht Bänden. 1768 folgte eine neue Schweizer Flora ( Storia stirpium indigenarum Helvetiae ichoata ), die bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts ein Standardwerk blieb, und dies trotz der Tatsache, dass sich Haller nicht ans Nomenklatursystem von Carl von Linné ( 1707–1778 ) hielt.
Der ebenso produktive wie polyvalente Haller trug massgeblich zur Aus- Der von Haller auf seiner Alpenreise von 1739 im Gantrischgebiet entdeckte « Astragalus » ( heute Hallers Spitzkiel, Oxytropis halleri ), links ein Steinbrech ( Saxifraga androsace ) und rechts ein Koboldmoos ( Diphyscium foliosum ).
Kupferstich, 1740, von C. F. Fritsch nach Zeichnungen von C. J. Rollin. Aus: Tafel 2 aus Hallers Iter helveticum anni MDCCXXXVIIII. Göttingen, 1740 strahlung der Stadt Bern ins aufgeklärte Europa bei, wie seine ausgedehnte Korrespondenz und seine Mitarbeit an der Encyclopédie d'Yverdon sowie am Supplement der Encyclopédie de Paris zeigt. Über 200 Artikel zu den Themen Anatomie und Physiologie hatte Haller überarbeitet, ergänzt oder geschrieben. Auch der Dictionnaire von Diderot und d' Alembert, das Werk der Aufklärung schlechthin, enthält Beiträge des grossen Schweizer Gelehrten. a Aurélie Luther, Neuenburg Die Esparsette war als stickstoffbindende Futterpflanze eine von Hallers bevorzugten Nutzpflanzen. Und sie diente Haller als Argument gegen seinen grossen weltanschauli-chen Gegner Voltaire.
Esparsette. Kupferstich, Künstler unbekannt. Aus: Christian Reichart, Land- und Gartenschatz, 6 Bände, 1753–1755 Kaiser Joseph II. besuchte 1777 auf seiner Durchreise den frommen Haller und nicht den Freigeist Voltaire.
Lithografie um 1850 von G. Balder Göttingen, vorne der von Haller aufgebaute Botanische Garten, in der Mitte das Gebäude der Anatomie und dahinter Hallers Wohnhaus.
Kupferstich, 1747, von G. D. Heumann
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