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Außerdem verwendeten die alten
Grammatiker kritische und ästhetisch-rhetorische Zeichen; eine eigentümliche Notenschrift,
die von der abendländischen durchaus verschieden ist und noch am meisten
Ähnlichkeit
[* 3] mit den Neumen
[* 4] (s. d.) des Mittelalters
hat, findet sich in liturgischen Handschriften. Die Neugriechen bedienen sich einer Schreibschrift, die
an die ausgeschriebene Minuskel des 17. Jahrh, erinnert, aber noch weiter entartet ist. –
Vgl. Kirchhoff,Studien zur Geschichte
des griech.
Alphabets (4. Aufl., Berl. 1887);
Wattenbach, Anleitung zur griech. Paläographie (2. Aufl., Lpz.
1877);
Feuer (frz. feu grégeois), Sammelname für gewisse leicht brennbare und stark zündende,
zum
Teil auch explosive Gemenge, wie sie unter der Herrschaft der griech.
Kaiser als wirksames Kampfmittel namentlich im Seekriege
gebraucht wurden. Bereits
vor der christl. Zeitrechnung kannten die
Chinesen und
Inder pulverähnliche Mischungen, deren sie
sich zur Herstellung von
Feuerwerkskörpern bedienten, und die auch von der Priesterschaft zu Kultuszwecken ausgebeutet wurden.
Es ist erklärlich, daß die Kenntnis solcher
Stoffe allmählich weiter nach Westen und so auch zu den Griechen gelangte,
die nach einem
Briefe des
KaisersKonstantin Porphyrogennetos aus dem J. 949 bereits unterKonstantin d. Gr.
das Griechisches Feuer gekannt haben. 671–678 unter
Konstantin IV. Pogonatus sowie 717 unter
Leo III. machten die Griechen nachweislich
einen wirksamen Gebrauch von dem Griechisches Feuer gegenüber den
Angriffen der
Araber auf
Konstantinopel,
[* 5] indem sie denselben damit viele
Schiffe
[* 6] verbrannten und Leute töteten.
Man nimmt gewöhnlich an, ein griech.
Architekt, Kallinikos ans Heliopolis, habe 668 dem
KaiserKonstantinIV. das
Rezept des Griechisches Feuer mitgeteilt, nachdem er es selber wieder von den
Arabern erhalten. Letzteres ist aber um so weniger
anzunehmen, als sich das
Mittel erst viel später in den
Händen der Saracenen befindet, die es vielmehr von den
Griechen erhalten haben können und gegen die Kreuzfahrer und schließlich gegen das oström. Kaiserreich selber anwendeten.
Bei den Griechen war das Griechisches Feuer Staatsgeheimnis, und es sind auch keine authentischen Aufzeichnungen
über die Zusammensetzung desselben erhalten geblieben. Nach den Mitteilungen über sein Verhalten und die Art des Gebrauchs
ist anzunehmen, daß man verschiedene
Mittel unter demselben
Namen gebraucht hat und daß es wohl auch
im Laufe der Zeit Änderungen in der Zusammensetzung erfahren hat. Häufig scheint es weiter nichts als ein flüssiges Ol,
dem Hauptbestandteile nach Naphtha (eine Art
Erdöl,
[* 7] ähnlich dem Petroleum) gewesen zu sein, dann wieder ein Gemenge
von
Pech,
Erdöl mit Schwefel und Salpeter, endlich auch ein ähnlicher
Stoff wie unser heutiges Kaltgeschmolzenzeug
(Grauer Satz
[s. d.] mit
Kolophonium oder einem ähnlichen Harz), das auch noch den
Namen
Griechisches Feuer führt.
Der Gebrauch ist sehr verschieden, bald wird es in irdenen oder in eisernen
Gefäßen mittels Wurfmaschinen brennend
auf den Feind geschleudert, bald an Pfeilen befestigt fortgetrieben, bald in Spritzenschläuchen auf die feindlichen Schiffe
gepumpt, bald in kleinen
Röhren
[* 8] brennend auf den Gegner geworfen. Auch wird das
Mittel ähnlich wie der
Satz der
Raketen
[* 9] im
Sinne einer schwachen treibenden Kraft
[* 10] ausgebeutet. Ganz besonders hebt man die vernichtendeBrennkraft
und die Eigenschaft des Griechisches Feuer hervor, auch unter Wasser fortzubrennen. Allmählich entwickelte sich
aus dem Griechisches Feuer das Schießpulver,
[* 11] und ersteres geriet in Vergessenheit. –
Vgl.
Rud. Schmidt, Die
Entwicklung der Feuerwaffen
und anderer Kriegswerkzeuge (Schaffh. 1868);
M.
Jähns, Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens (Lpz. 1880).
Heerwesen. I. Landheer. Die heutigen Einrichtungen beruhen auf dem Wehrgesetz vom das dem
Frankreichs nachgebildet worden ist. Demnach ist jeder griech.
Unterthan vom 21. bis 51. Jahre wehrpflichtig.
Stellvertretung
ist nicht möglich, eine
Befreiung vom Dienste
[* 12] kann niemals endgültig sein. Nach den auf
Grund der Gemeinderegister geführten
Konskriptionslisten werden in den einzelnen Nomen (Distrikten) jährliche Verzeichnisse der zur
Stellung
Kommenden angefertigt. In jedem Nomos besorgen Stellungskommissionen unter Leitung eines höhern Offiziers die Losziehung
der Stellungspflichtigen, die Feststellung ihrer Tauglichkeit und die Zuteilung derselben zu den verschiedenen Waffengattungen.
Die Dienstzeit beträgt 2 Jahre im stehenden
Heere für alle Waffengattungen, in der Reserve der Infanterie
und
Artillerie 10 und in der
Kavallerie 8 Jahre, in der Landwehr 8 (bei der
Kavallerie 10) und in der Reserve der Nationalgarde 10 Jahre.
Die vom Dienste im Frieden Befreiten dienen 12 Jahre in der Reserve. Das Dienstjahr beginnt in der Regel mit dem1. Okt. Die
im 2. Dienstjahre stehenden Gefreiten und Mannschaften werden am 1. oder 16. Juni zur Reserve beurlaubt, die
Unteroffiziere der
Kavallerie nur, wenn sie sich zum Weiterdienen verpflichten.
Die Reservisten werden in den
Büchern ihrer
Truppenteile weiter geführt und können im 4. und 8. Jahre zu einer 40tägigen
Übung einberufen werden. Die Landwehr ist nach Distrikten organisiert und darf nur im Kriegsfalle, ihre
Reserve nur bei einem feindlichen
Einfalle mobilisiert werden. Die der Landwehr
Angehörigen werden im 4. und 8. Jahre zu 15tägiger
Übung einberufen.
Freiwillig Eintretende müssen tauglich und unbescholten sein und die Zustimmung der Eltern oder des
Vormunds besitzen; dieselben müssen sich bei der Infanterie zu 1–4jähriger, bei den
Specialwaffen und der
Musik zu 2–6jähriger
und bei der Gendarmerie zu 3–4jähriger Dienstzeit verpflichten.
Absolvierte Hörer einer
Universität oder technischen Hochschule sowie die mit Maturitätszeugnis versehenen Gymnasiasten
können mit Unteroffiziersrang freiwillig dienen und sich den
Truppenteil (Infanterie,Kavallerie,
Artillerie)
wählen. Jeder
Soldat, der 10 Jahre aktiv und hiervon mindestens 4 Jahre als
Unteroffizier gedient hat, erhält bei der Entlassung
ein
Certifikat zur Anstellung in durch Gesetz bestimmten Zweigen des öffentlichen Dienstes. Die vom Militärdienst Befreiten
oder Ausgeschlossenen haben eine jährliche
Taxe von 100
Drachmen, die wegen geringerFehler¶
mehr
Befreiten die Hälfte zu zahlen, die zum Erwerben des Lebensunterhalts körperlich und geistig Untauglichen sind gänzlich
frei. ObersterKriegsherr des Landheers und der Flotte ist der König. Höchste Behörde des erstern ist das Kriegsministerium,
bestehend aus dem Bureau des Generalstabes und 10 Verwaltungsabteilungen. Der Armee-Inspektion liegt die Sorge für die
kriegsmäßige Ausbildung der Truppen ob.
Die Gendarmerie (115 Stabs- und Oberoffiziere, 3376 Mann zu Fuß, 256 zu
Pferde) hat 1 Ober- und 3 Inspektionen, ist in 16 Divisionen eingeteilt, die ihren Sitz in den Hauptorten der Nomen haben.
Im Mobilisierungsfalle wird die Infanteriecompagnie auf 250 Mann gebracht, außerdem kann das Kriegsministerium sogleich
die Neubildung von 15 weitern Infanterie- und 1 Evzonen-Bataillon veranlassen, sodaß die Gesamtstärke
der Infanterie 54 Bataillone = rund 54000 Mann betragen würde. Die Kavallerie-Eskadron wird auf 175 Mann und 150 Pferde gebracht
und auf jedes Regiment eine Eskadron neugebildet – im ganzen 15 Eskadrons (2250 Reiter). Bei der Artillerie bestehen 20 Batterien, 10 werden
neu formiert, im ganzen 30 Batterien à 6 Geschütze und rund 130 Mann (zusammen 180 Geschütze und 4000 Mann).
Ferner zwei bestehende und ein neu zu formierendes Geniebataillon (zusammen 3000 Mann). BeimTrain sowie beim Intendanz- und
Sanitätswesen sind für den Kriegsfall keine Maßnahmen getroffen. Es giebt 819 Reserveoffiziere aller
Waffen
[* 20] und 109428 gediente Unteroffiziere und Mannschaften; ferner 311 Reservemilitärärzte und 47 Reservepharmaceuten.