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Dies Leimgut (welches im großen Durchschnittca. 25 Proz. Leim liefert) wird 15-20 Tage und länger in Kalkmilch geweicht, bisweilen
mit Chlorkalk
[* 5] gebleicht, dann in fließendem Wasser gereinigt und an der Luft getrocknet. So weit vorbereitet,
bildet dies Material als Rohleim oft das Produkt eines besondern Industriezweigs und gelangt nun erst in die Leimsiedereien,
in denen es zunächst in schwacher Kalkmilch maceriert und ausgewaschen und dann durch Versieden in Leim übergeführt wird.
Dies geschieht in offenen Kesseln über freiem Feuer; da aber die Umwandlung langsam erfolgt und anhaltendes
Kochen den Leim verdirbt, so kocht man den Rohleim mit wenig Wasser, läßt die genügend konzentrierte Leimlösung nach 1½-2
Stunden ab und kocht unter Zusatz von reinem Wasser weiter, bis abermals eine konzentrierte Leimlösung entstanden ist etc.
Sehr rationell ist die Darstellung von Dampfleim durch Behandeln des Rohleims in geschlossenen Gefäßen
mit Hochdruckdampf. Vielfach ist die Ansicht verbreitet, daß in Fäulnis übergegangenes Leimgut hellern, bessern Leim liefere,
und jedenfalls wird sehr allgemein ein Material verarbeitet, welches beim Verkochen einen penetranten Geruch entwickelt. Dadurch
werden Leimfabriken oft zu einer großen Plage ihrer Umgebung, während doch die Fäulnis durch wenig
Karbolsäure vollständig verhindert werden könnte.
Die durch Versieden des Leimguts erhaltene Leimlösung bringt man inKufen, die vor Abkühlung geschützt sind, läßt sie
absetzen, klärt sie auch wohl durch Zusatz von 0,75-1,5 pro MilleAlaun
[* 6] und gießt sie dann durch ein Sieb in Holz-
oder Metallformen, in welchen sie zu einer festen Gallerte erstarrt. Die aus den Formen gestürzten Blöcke werden mit feinem
Draht
[* 7] in Tafeln zerschnitten und diese an der Luft auf Bindfadennetzen, besser in heizbaren Trockenräumen, anfangs bei 15-20°,
zuletzt bei viel höherer Temperatur, getrocknet. Schichtet man die gewöhnliche Leimgallerte in Tafeln
mit leicht löslichen Salzen (schwefelsaures, unterschwefligsaures Natron, Bittersalz etc.), so entziehen diese dem Leim Wasser,
in welchem sie sich lösen, und hinterlassen eine Gallerte mit 70-75 Proz. wasserfreiem Leim, welche nicht mehr fault, erst
zwischen 95 und 100° schmilzt, sehr leicht trocknet und an Bindekraft nicht verloren hat.
Dieser Leim besitzt durch einen geringen Gehalt an phosphorsaurem Kalk ein milchiges Ansehen, welches
oft
noch durch einen Zusatz von Barytweiß, Zinkweiß, Kreide,
[* 9] Thon vermehrt wird, und kommt als Patentleim in den Handel. Bei großer
Sorgfalt erhält man aus Knochen einen vollständig farblosen Leim, der in besonders dünnen, glasartig durchsichtigen, farblosen
oder gefärbten Tafeln als Gelatine in den Handel kommt, aber nicht zum Kleben benutzt wird, da er an Klebkraft
von den dunklern Leimsorten weit übertroffen wird.
Man erhält die Tafeln, indem man die Lösung auf Steinplatten gießt und nach dem Erstarren die Gallerte auf Netzen trocknet.
Die Gelatine und eine ähnliche farblose Leimsorte, welche aus den Häuten junger Tiere und aus frischen
Kalbsknorpeln bereitet wird, dienen als Ersatzmittel der Hausenblase, zur Bereitung von genießbaren Gelees und Cremes etc.,
zur Appretur feiner Gewebe,
[* 10] zur Bereitung von englischem Pflaster, künstlichen Blumen, Glaspapier, durchsichtigen Oblaten, Glasur
auf Papeterien und Luxuspapieren, zum Überziehen von Pillen, zur Bereitung der Gelatinekapseln für übelriechende und übelschmeckende
Arzneien, als Klärmittel etc. Auf Spiegelglas hergestellte Gelatinetafeln kommen als Glaspapier zum Durchzeichnen in den
Handel, auch eignen sich blau gefärbte Tafeln sehr gut zu Lichtschirmen. Flüssigen Leim, der bei nicht sehr
bedeutender Einbuße an Klebkraft den Vorteil gewährt, jederzeit zum Gebrauch bereit zu sein und nicht zu faulen, erhält
man durch 10-12stündiges Erwärmen einer Lösung von 3 Teilen Leim in 8 Teilen Wasser mit 0,5 Teilen Salzsäure und 0,75 Teilen
Zinkvitriol auf 80-85° oder durch Auflösen von gutem Leim im Wasserbad mit gleich viel starkem Essig, einem ViertelAlkohol und
wenig Alaun.
Zum Leimen erhält man eine brauchbare Leimlösung am sichersten durch Erweichen von Leim in kaltem
Wasser und Schmelzen im Wasserbad. Leimtöpfe mit Wasserbad sind in den Buchbinderwerkstätten allgemein gebräuchlich und den
Leimtiegeln der Tischler weit vorzuziehen. Die Lösung muß eine bestimmte Konsistenz besitzen. Sie wird heiß aufgetragen,
und die zu leimenden Stücke müssen bis zum vollständigen Trocknen scharf aneinander gepreßt werden. Sehr weiches und
poröses Holz tränkt man am besten zuerst mit schwachem Leimwasser; sollen Hirnflächen zusammengeleimt werden, so legt man
ein Stückchen Gaze dazwischen; etwas rauhe Flächen halten besser als sehr glatte.
Soll der Leim der Feuchtigkeit widerstehen, so versetzt man ihn in der Wärme
[* 15] mit etwas Leinölfirnis; bisweilen kann man die
Haltbarkeit des Leims durch Zusatz von Schlämmkreide oder Asche erhöhen. Über Klebleim für Etiketten,
Marken etc. s. Klebleim. Einen wasserdichten Leimanstrich erhält man durch Tränken des gewöhnlichen Leimanstrichs mit einer
konzentrierten und filtrierten Abkochung von Galläpfelpulver, wobei der Leim vollständig erweichen
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muß. Löst man gleiche Teile und Glycerin in Wasser, so erhält man bei gehöriger Konzentration nach dem Erkalten eine Masse,
die stets elastisch und weich bleibt und nicht fault; dieselbe kann zu Buchdruckerwalzen, Stempeln, elastischen Formen etc.
benutzt werden. Gewöhnliche Leimlösung schützt man durch einen TropfenKarbolsäure oder Kreosot vor
Fäulnis, welcher sie sonst sehr schnell unterliegt. Mit chromsaurem Kali gemischt, wird der Leim unter dem Einfluß des Lichts
unlöslich in Wasser.
(frz. colle; engl. lime oder glue). Diejenigen Gebilde
des Körpers der Wirbeltiere, welche die Eigenschaft haben, sich durch Kochen mit Wasser in Gallerte
aufzulösen und daher als leimgebende bezeichnet werden, machen einen sehr beträchtlichen Teil des Ganzen aus, denn sie
begreifen das ganze Knochengerüst, die knorpeligen Teile, die äußere Haut und die innern häutigen Gebilde, Därme, Blase,
Schleimhäute, Bindegewebe, den ganzen Apparat der Sehnen, Bänder, Kapseln, Röhren etc. Stoffe dieser
Art bleiben bei den meisten Verwendungen von Tierkörpern als Abfälle übrig und verfallen als sog. Leimgut der Leimsiederei,
die also ihren Rohstoff größtenteils von Fleischern, Gerbern und Abdeckereien bezieht in Form von Hautabschnitzeln und
Schabsel, Flechsen, Gedärmen, Kalbs- und Hammelfüßen, Ohrlappen und andern Resten.
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Auch die Felle von Hasen und Kaninchen, denen das Haar für die Hutmacherei abgeschoren worden, sind Leimgut, kommen aber in
der Regel nicht in die allgemeine Masse, sondern müssen schon Pergamentleim geben. Aus andern Werkstätten kommen Abfälle
von Pergament, Weiß- und Handschuhleder als Material zu Leim, und aus dem fremden Handel kommen eine
Menge Suronen, havarierte Häute und andres hinzu. Man unterscheidet von dem leimgebenden Gewebe zwei Arten, das Kollagen
und das Chondrogen oder chondringebende Gewebe; ersteres liefert die eigentliche Leimsubstanz (Kolla oder Glutin), letzteres
den Knorpelleim (Chondrin, tierische Gallerte).
Die Verwendbarkeit der Knochen zu L. ist eine neure, erst seit 1812 verwertete Entdeckung, das Leimsieden
aus weichen tierischen Stoffen eine sehr alte Industrie. Aus passenden Knochen nebst einigen andern auserlesenen Stoffen wird
die Gelatine (s. d.) bereitet; übrigens gehen Knochen mit in die gewöhnliche Leimfabrikation ein und zwar gewöhnlich im
Gemisch mit dem andern Leimgut. Es werden ihnen dann zuvor die Kalkteile durch Mazerieren in verdünnter
Salzsäure völlig entzogen, sodaß nur die reine Knorpelmasse übrig bleibt, die sich leicht zu L. zerkocht.
Aus den ganzen, vorher entfetteten Knochen läßt sich durch gespannten Dampf im geschlossenen Cylinder zwar auch der L. ausziehen,
jedoch ist er dann, durch Wirkung der hohen Hitze, von geringer Qualität, und mehr oder weniger schon
in kaltem Wasser löslich. Das Kochen darf nicht zu lange fortgesetzt und muß eine zu hohe Temperatur vermieden werden,
damit die Bindekraft des L. nicht leidet. Je nach der Art der Rohstoffe muß der L. verschieden an Qualität ausfallen, und
dann können noch bei der Herstellung, dem Trocknen, Aufbewahren so manche Umstände die Güte, d. h.
die Bindekraft desselben beeinflussen, sodaß der L. in der That eine Ware ist, über deren Gütegrad man mit Bestimmtheit
nur durch praktische Erprobung sich unterrichten kann.
Die Bestandteile des Leimgutes unterliegen natürlich sehr leicht der Fäulnis, weshalb sie da, wo sie
nicht auf der Stelle verarbeitet werden können, eine vorbeugende Behandlung erfahren müssen. Hierzu dient Einlegen in Kalkmilch
und Trocknen ohne Auswaschen, oder Behandlung mit Karbolsäure. In der Siederei selbst wird das Leimgut auf alle Fälle auf
längere Zeit in Kalkmilch eingelegt, je nach der Jahreszeit ein bis zwei Monate, währenddes die Kalkbrühe
einige Mal erneuert wird.
Der Kalk hindert einesteils die Fäulnis, andrerseits entzieht er dem Leimgut das Fett und andre lösliche Teile. Für die
Bildung und Beschaffenheit des L. selbst aber ist er verderblich und muß daher erst gründlich wieder entfernt werden. Man
packt das Leimgut in Weidenkörbe und hängt diese in einen Fluß oder wäscht das Gut in Ermangelung
dessen mehrmals mit vielem Wasser aus. Nach erfolgter Wässerung breitet man die Masse in dünner Schicht an der Luft aus
und läßt sie unter öfterm Wenden einige Tage liegen.
Hierdurch werden die noch darin verteilten Kalkteilchen unschädlich gemacht, indem
sie durch die Kohlensäure
der Luft aus dem ätzenden Zustande in den kohlensauren übergeführt werden. Zuweilen und in Frankreich gewöhnlich gibt
man dem Leimgut auch eine Art Bleiche, indem man es noch ein paar Tage in Wasser legt, das mit schwefliger Säure geschwängert
ist. Das Lüften wird dadurch unnötig. Das Versieden des Leimgutes mit Wasser erfolgt in älterer Weise
in Kesseln über offenem Feuer.
Die Kessel haben über dem eigentlichen Boden einen zweiten, durchlöcherten, auf welchem die zu verkochende Masse ruht, sodaß
sich in dem Zwischenraume nur klare Lösung sammeln kann. Ist diese konzentriert genug geworden, so läßt
man sie durch einen Hahn ab und auf Klärkufen laufen, wo sie, mit etwas Alaunpulver versetzt, noch einige Stunden heiß
erhalten wird, damit Unreinheiten sich absetzen können. Durch wiederholtes Aufgießen heißen Wassers erhält man dann noch
dünnere Leimbrühen.
Bei dem heutigen Betriebe größerer Anstalten erfolgt die Extraktion des Leimgutes durch Dampf, der
in die untere Partie eines geschlossenen Cylinders geleitet wird, in welchem auf mehreren Siebböden das Leimgut liegt. Der
die Masse durchdringende Dampf verdichtet sich größtenteils zu Wasser, das den gelösten L. nach unten führt, indes der
nicht kondensierte Dampf durch ein oberes Rohr entweicht. Die entstandene Leimlösung wird periodisch
abgezapft und eingedampft. In den großen Leimfabriken Nordamerikas hat sich das Verdampfen der Leimbrühen in Vakuumapparaten
außerordentlich gut bewährt.
Das zuerst fallende Produkt, durch die kürzeste Einwirkung der Hitze erhalten, ist das hellste und beste, die Primasorte;
das weitere Kochen oder Dämpfen ergibt braunere Lösungen von geringerer Qualität; je länger die Leimmasse
der Siedhitze ausgesetzt bleibt, desto geringer ist die Bindekraft des erhaltenen Leims. Die auf die eine oder andre Weise
erhaltene und durch Stehen geklärte Lösung wird dann in hölzerne Kästen überfiltriert und in einem kühlen Lokal dem
Gerinnen überlassen.
Die erstarrte Masse wird ausgestürzt und der Leimblock mit gespannten Messingdrähten mehrfach und so
weit geteilt, daß die Schnitte nach dem Trocknen die bekannten Tafeln ergeben. Das Trocknen erfolgt auf Rahmen, die mit
einem weiten Drahtgeflecht oder sich kreuzenden Bindfaden überspannt sind, und ist bei kleinem Betriebe mit ärmlichen Mitteln
eine sehr prekäre Sache, denn zu hohe Luftwärme macht die Tafeln auf den Horden wieder halbflüssig;
Frost, Nebel, zu rasch trocknende Winde, Gewitter sind nachteilig für die Qualität, resp.
das gute Aussehen der Ware.
Heutzutage, wo das Leimsieden mehr in fabrikmäßigem Zuschnitt betrieben wird, kann man sich in Trockensälen größtenteils
vor ungünstigen Witterungseinflüssen sichern; doch läßt man immer auch für die Zeit der Sommerwärme
die Fabrikation ruhen. Die Trockenräume sind gewöhnlich mit einströmender warmer Luft geheizt und es kommen die frischen
Tafeln zunächst in die kühleren, und mit dem Fortschreiten der Trocknung in wärmere Räume. Auch wo bloße Lufttrocknung
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gebräuchlich ist, muß schließlich künstliche Wärme in Anwendung kommen, da an der Luft allein die Tafeln nicht ihre
volle Härte erreichen. Um denselben schließlich Glanz zu geben, taucht man sie einen Moment in heißes Wasser oder überbürstet
sie mit solchem und bringt sie dann wieder in einen heißen Trockenraum. Die Tafeln werden dann in Bündel
geschnürt und in Fässer von 250-500 kg oder Körbe von 100 kg Inhalt verpackt. - Der L. variiert bekanntlich im äußern
Ansehen sehr und ist bald nur schwach gelblich oder bräunlich gefärbt und fast durchsichtig, bald mehr oder minder dunkelfarbig,
trüb bis ganz undurchsichtig.
Klarheit und Helle empfiehlt natürlich die Ware und zu manchen Zwecken können nur solche möglichst
farblose Sorten gebraucht werden. Daß solchen aber immer die meiste Bindekraft innewohne, ist nicht zu behaupten; manchmal
erweist sich gerade eine dunkle und schlecht aussehende Sorte als ein vorzüglich bindender Holzleim. Für den Gebrauch wird
der L. bekanntlich durch mehrere Stunden in kaltem Wasser gequellt, da er sich in heißem Wasser nie
vollständig lösen läßt.
Erscheint er nach dem Quellen durch starke Wasseraufnahme um das Mehrfache seines ursprünglichen Volumens vergrößert und
dabei noch im Zustande einer gewissen Prallheit und Elastizität, so wird er für gut gehalten. Im Grunde
aber erfährt man dadurch nur, daß ein Knochenleim oder ein mit solchem gemischter vorliegt; aus bloßen Weichteilen gezogener
L. quillt zu einer weichen Gallerte, kann aber dabei recht gut bindend sein. Nur wenn eine Ware an das Quellwasser trübende
Teile abgibt, ist sie für schlecht zu halten.
Solcher L. ist auch schon an sich gewöhnlich feucht und übelriechend. Manche wollen auch aus dem Bruch
auf die Qualität schließen und wünschen ihn nicht glasig, sondern mehr sehnig. Es ist aber leicht zu erproben, daß eine
so brechende Sorte nach weiterer warmer Austrocknung glasig bricht, daher das letztere eher als ein gutes
Zeichen gelten müßte, weil es weniger Wassergehalt andeutet. In chemischer Hinsicht unterscheiden sich Knochenleim (Glutin)
und Knorpelleim (Chondrin) dadurch, daß nur der letztere, nicht aber der erstere durch verdünnte Mineralsäuren gefällt
wird; ferner bewirkt schwefelsaures Eisenoxyd in Glutinlösung keine Fällung, in Chondrinlösung entsteht dagegen eine starke
Fällung, die im Überschusse in der Kälte nicht, wohl aber beim Kochen löslich ist. Durch Gerbsäure
werden dagegen beide Leimsorten ausgefällt. - In vielen deutschen Städten wird jetzt L. fabriziert, sodaß manchmal Mangel
an gutem Rohstoff ist.
Von früher her ist man gewohnt, die Sorten nach gewissen Städten zu benennen, und man spricht demnach
von Kölner, Breslauer, Nördlinger, Reutlinger, Kahlaer, Mühlhäuser L. etc., ohne daß dieselben
immer von den genannten Orten kommen müßten. Französischer, englischer, holländischer, flandrischer L. u.
dgl. kommen jetzt auch nur noch nominell vor. Indes rangiert man den Leim auch
in hell, fein, mittelfein, mittel und ordinär. Die Farbe an sich besagt über die Bindekraft der Ware
gar nichts, wogegen
es allerdings einer solchen zur Empfehlung gereicht, wenn sie, gegen das Licht betrachtet, rein und fleckenlos
erscheint, da bei manchen Verwendungen des L. auf die Färbung desselben Rücksicht zu nehmen ist.
Dunkle Sorten, wenn sie nur sonst gut sind, werden dahin verwendet, wo sie nicht ins Auge fallen, also
von Tischlern und andern Holzarbeitern, Buchbindern etc.; helle und halbhelle dienen zu Weberschlichte,
zur kalten Vergoldung und zu Leimfarben, für Hutmacher, zum Appretieren von Strohhüten, zur Papierleimung, Weinklärung
und zum Ausfällen des Gerbstoffs aus Farbholzabkochungen. Man findet im Kleinverkauf gewöhnlich nur
den ordinären Tischlerleim und etwa noch eine hellbräunliche, glasige Sorte, die dann Kölner heißt; es werden jetzt aber
auch an andern Orten Deutschlands so helle Sorten fabriziert, daß sie sich an die Gelatine anschließen, oder eine geringere
Sorte derselben bilden können. Es kommt hierbei nur auf die Auswahl des Rohstoffs an. So geben z. B.
die Kopfstücke von Kalbfellen für sich abgekocht fast farblose Gelatine, und dies Material wird zugänglicher, jemehr die
Gerber sich der neuen Praxis zuwenden, Köpfe und Klauenstücke nicht mehr mitzugerben.
Weißer L. heißt im Handel gewöhnlich diejenige Ware, welche sonst auch russischer genannt wird. Es ist
dies nichts andres als gewöhnliche Leimmasse, der man bei der Fabrikation im noch heißen Zustande eine weiße Mineralfarbe,
gewöhnlich schwefelsaures Bleioxyd, Bleiweiß, Zinkweiß eingerührt hat; auch weißes (gefälltes) Bleioxydhydrat ist gefunden
worden. Solche Ware ist durch den Zusatz undurchsichtig und hat ein gelbliches, knochenähnliches Aussehen. Ob durch solche
Zusätze die Bindekraft des L. wirklich erhöht wird, wie die Holzarbeiter meistens glauben, dürfte
wohl zu bezweifeln sein. - Durch Zusätze bereitet man aus gewöhnlichem L. den elastischen, flüssigen und Mundleim.
Eine elastische Masse wird erhalten durch Zusammenschmelzen von Leimgallerte mit Syrup; es bestehen daraus die Schwärzwalzen
der Buchdrucker, welche heiß in einer Blechform um einen Kern gegossen werden. Eine ähnliche, jetzt
wohl allein gebräuchliche Masse wird erhalten mit gleichen Teilen L. und Glycerin. Man benutzt solche elastisch bleibende
Massen neuerdings auch zu Formen für die Galvanoplastik und Gipsgießerei. Durch Zusätze von Säuren, Salpeter-, Salz-, Essigsäure
verliert der L. seine Gerinnbarkeit und bleibt in Gefäßen mehr oder weniger kaltflüssig, trocknet
aber in dünnern Schichten. Es sind indes diese Produkte von wenig Gebrauchswert, da sie für Holz nicht bindend genug sind
und wegen ihrer sauren Beschaffenheit auch in solchen Fällen nicht taugen, wo sie Farben zerstören könnten. Was unter
der Firma flüssiger L. oder Comptoirleim ausgeboten wird, ist auch gar kein solcher, sondern bloße
Lösung von arabischem Gummi. Mundleim endlich, der, wie sein Name besagt, schon durch Speichel auflöslich ist, wird einfach
dadurch hergestellt, daß man guten L. in wenig Wasser auflöst, etwa 1/10 seines Gewichts Zucker zusetzt und
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