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Die Tabakpflanze – Nicotiana tabacum
Die Tabakpflanze Nicotiana gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der z. B. auch Kartoffeln, Tomaten und andere gehören.
Die Tabakpflanze ist einjährig und wird 0,60 bis 3 Meter hoch. Der rispenförmige Blütenstand in den Farben rot, rosa, weiss, creme, gelb oder grün. Die Blätter sind rundoval bis lanzettenförmig, ganzrandig, meist nicht deutlich gestielt und an Ober- und Unterseite mit Drüsenhaaren besetzt.
Die meisten der ca. 60 Tabakarten sind auf dem amerikanischen Kontinent heimisch. Die beiden kultivierten Tabakarten hat man allerdings noch nie wild gefunden. Es sind einjährige Pflanzen mit grossen Blättern, die für ihre Entwicklung viel Wärme und reichlich Niederschläge benötigen.
Die attraktiven Blüten von Nicotiana Tabacum sind fleischrot, die kleineren unscheinbaren von Nicotiana rustica grünlich-weiss gefärbt.
Das Alkaloid Nikotin wird in den Wurzeln produziert und in die Blätter transportiert. Je nach Verwendungszweck wird der Tabak in unterschiedlichen Entwicklungszustand geerntet, getrocknet, fermentiert und in Ballen gepresst.
Nikotin wird bereits in kleinsten Mengen anregend auf das Nervensystem und bewirkt über die Ausschüttung von Adrenalin eine Blutdrucksteigerung.
Die Verbreitung als Heil- und Zierpflanze
Jean Nicot de Villemain (1530-1600), französischer Gesandter am portugiesischen Hof in Lissabon, war nach botanischen und therapeutischen Versuchen im Jahre 1560 von der Heilkraft des Tabakkrauts überzeugt und wollte die medizinische Nutzung fördern. Er probierte die grünen Blätter zunächst gegen Hautkrankheiten aus und hatte überraschende Erfolge. Und als er seiner Königin, Katharina von Medici, die ihn wegen Migräne konsultierte, auch noch das Schnupfen der zerstossenen Blätter empfahl und es tatsächlich wirkte, da gab es kein Halten mehr: Auch als Zierpflanze in Gärten gelang es der Tabakpflanze starke Verbreitung besonders in den gehobenen Gesellschaftschichten zu verschaffen.
In ganz Europa begannen Weise, Gelehrte und königliche Leibärzte den Tabak zu studieren, und man darf ohne Übertreibung von einer neuen medizinischen Schule sprechen, die alles mit Tabak zu kurieren suchte.
Er wurde zu einem Allheilmittel emporstilisiert, das von Magenbeschwerden und Verstopfung über Schwindsucht, Syphilis und Epilepsie bis zur Pest alle Leiden heilen sollte.
Es soll aber auch nicht verschwiegen werden dass sich die Gegner des Tabaks langsam sammelten und gegen diese neue "Geißel der Menschheit" zu Felde zogen. Im Jahre 1614 wütete die Pest aufs Neue in London und gab denen die dem Tabakgenuss frönten neuen Auftrieb. Es soll nämlich beobachtet worden sein dass Menschen die rauchten von der Pest weniger ereilt wurden als diejenigen die sich dieses Krautes enthielten. Anscheinend war man der Meinung dass der Tabak ein ausgezeichnetes Mittel zur Seuchenprophylaxe und zur Desinfektion sei. "Mäßig angewendet gibt es in der ganzen Welt kein dem Tabak vergleichbares Medikament, alles am Tabak ist heilsam". schrieb William Barkley im Jahre der Pest 1614.
1636 begann die Pest in Holland, genauer gesagt in Nymwegen, die Menschen heimzusuchen und wieder erwies sich der Tabak als gutes Mittel dagegen. Ein holländischer Arzt, Isbrand van Diemerbrook, schreibt darüber: " Sobald mir die Ausdünstungen der Kranken unerträglich wurden, ließ ich augenblicklich alles liegen und rauchte Tabak. Der Tabak ist das wirksamste Mittel gegen die Pest, doch muß das Blatt von guter Beschaffenheit sein". In seinen weiteren Ausführungen bezieht sich der Arzt noch mehrmals auf die stärkende und seine Gesundheit fördernde Wirkung des Tabakrauches.
Die Pest die im 17. Jahrhundert in Europa unzählige Menschenleben forderte trug in entscheidenden Maße mit dazu bei dass sich das Rauchen von Tabak immer weiter verbreitete. Die Angst der Menschen vor einem jähen und schrecklichen Tod ließ sie zum Tabak greifen wie der sprichwörtlich "Ertrinkende nach dem Strohhalm". Ob nun tatsächlich der Tabak so eine krankheitsverhindernde Wirkung hatte kann ich nicht sagen, statistische Untersuchungen gab es in der damaligen Zeit noch nicht. Sicherlich mag es auf die Konstitution, auf individuelle Sauberkeit und Hygiene des Einzelnen angekommen sein ob er der Pest entkam oder nicht. Sicherlich wird dann einer der fleißig Tabak konsumierte und von der Pest verschont wurde dies auf den Tabak zurückführen und ihn fortan nicht missen möchten.
Zwei Jahre später, am 18. August 1667 war Pepys Zeuge eines besonderen Vorfalls: "Auf dem Rückweg bekam eines unserer vier Kutschpferde einen Krampf und drohte umzufallen. Daraufhin blies der Kutscher dem Pferd etwas Tabak in die Nase, der Gaul nieste und erholte sich sofort". An diesem Beispiel sehen wir dass der Tabak nicht nur in der Human-sondern auch in der Veterinärmedizin mit Erfolg angewendet wurde.
Nicot zu Ehren gab der französische Botaniker Delechamp der Pflanze 1586 den Namen herba nicotiana, und 1828 bezeichnete Reimann und Posselt das von ihnen entdeckte Alkaloid der Tabakpflanze als Nikotin.
In Europa hielt der Tabak also nicht als „Religionskraut“ und auch nicht als Genusskraut Einzug, sondern als Heilkraut.
Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass noch im 18. Jahrhundert und bis in die heutige Zeit hinein aus überlieferten Hausmitteln zu erkennen ist, dass Tabaksaucen zum Abtöten von Läusen in Pferdefesseln, zum Beizen von Hölzern und zum Giessen gegen Schädlinge mit Erfolg Verwendung fanden. Eine Bestätigung dafür, dass bei dem damaligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis in der Medizin, die von Jean Nicot gepriesene heilsame Wirkung bis zu einem gewissen Grade ihre Berechtigung gehabt haben muss.
Der Tabak findet als Heilmittel auch in unserer Zeit noch Verwendung und zwar in der Volksheilkunde und in der Homöopathie. Die Homöopathie ist ein Heilverfahren bei dem den Kranken die Mittel in stark verdünnter Form eingegeben werden die bei Gesunden die gleichen Symptome hervorrufen. So wird zum Beispiel für Migräne, Übelkeit und Erbrechen und bei Durchblutungsstörungen der Glieder eine stark verdünnte Dosis Nicotiana tabacum verabreicht. Auch in der Schädlingsbekämpfung wird der Tabak genutzt.