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Die EU hat mit dem Projekt für einen einheitlichen europäischen Luftraum (Single European Sky, SES) eine Initiative lanciert, die den Flugverkehr in Europa in den nächsten Jahren grossräumig verändern wird: Anstatt wie heute mehrheitlich entlang von Landesgrenzen soll die Flugsicherung künftig dem Verkehrsfluss entsprechend organisiert sein. Im Rahmen des SES-Projektes entstand unter dem Namen FABEC die Idee für einen gemeinsam betriebenen Luftraum in Zentraleuropa. Die Schweiz ist seit 2006 am Projekt beteiligt.
Mit der heutigen Vertragsunterzeichnung haben die sechs Staaten den Grundstein zur Bildung von FABEC gelegt. Das Abkommen setzt den Rahmen, um die Dienstleistungen der Flugsicherung effizienter, Kosten sparender, umweltschonender und noch sicherer als heute zu organisieren. Der FABEC umfasst jene Gebiete in Europa mit dem grössten Verkehrsaufkommen und den komplexesten Flugverkehrsknotenpunkten. Über die Hälfte aller Flüge in Europa durchqueren den FABEC. Der heute geschlossene Vertrag muss von den Staaten noch ratifiziert werden. In der Schweiz liegt die Kompetenz dafür beim Bundesrat.
Durch den Vertrag verpflichten sich die Staaten, einheitliche Regelungen zu treffen für die Luftraumgestaltung, die Harmonisierung von Vorgaben und Verfahren für die Flugsicherung, die Zusammenarbeit zwischen ziviler und militärischer Luftfahrt, die Gebühren und die Aufsicht über die Flugsicherung. Um all diese Aspekte regeln zu können, ist ein FABEC-Rat vorgesehen, in dem pro Land je ein ziviler und militärischer Vertreter Einsitz haben werden. In einem ersten Schritt zur Umsetzung von FABEC ist geplant, den beteiligten Flugsicherungen für die Jahre 2012 bis 2014 konkrete Leistungsvorgaben in den Bereichen Sicherheit, Finanzen, Umweltauswirkungen, Verkehrskapazität und militärische Missionen zu geben.
Zur künftigen Organisationsstruktur der Flugsicherung haben die sechs Staaten im vergangenen Juli detaillierte Untersuchungen eingeleitet. Erste Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit, einen klaren institutionellen Rahmen und eine Dachorganisation für die Flugsicherungsdienste zu schaffen, um die mit FABEC anvisierten Ziele erreichen zu können. In den kommenden Monaten sind weitere Abklärungen vorgesehen, insbesondere zu rechtlichen Fragen, dem Einbezug der militärischen Stellen sowie zur Festlegung der Zuständigkeiten und Aufgaben innerhalb der FABEC-Institutionen. Diese Arbeiten sollen durch einen konstruktiven Dialog zwischen den Sozialpartnern begleitet werden. Die Staaten streben eine Regelung bis Mitte 2011 an.
Für die Schweiz stellt der FABEC eine bedeutende Chance dar, um weiterhin in der europäischen Flugsicherung eine zentrale und aktive Rolle spielen zu können. Die Mitwirkung der Flugsicherung Skyguide an einem Luftraumblock über der Schweiz und dem angrenzenden Ausland ist denn auch ein Ziel, das der Bundesrat in seinem luftfahrtpolitischen Bericht von 2004 verankert hat.
Eine 2008 durchgeführte Machbarkeitsstudie hatte ergeben, dass es mit dem FABEC möglich sein wird, die prognostizierte Zunahme des Luftverkehrs in Zentraleuropa um 50 Prozent bis 2018 ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. Gleichzeitig kann damit gerechnet werden, dass die Verspätungen nicht zunehmen und die Emissionen pro Flug als Folge direkterer und damit kürzerer Flugwege zurückgehen.
In der Zwischenzeit haben die an FABEC beteiligten Flugsicherungen erste Optimierungen vorgenommen. Sie starteten 26 Projekte, um die Leistungsfähigkeit des Flugverkehrs zu erhöhen. Ein Beispiel stellt die Einführung des so genannten Nacht-Routennetzes dar. Innert eines Jahres haben die Flugsicherungen neue und direktere Routen für Nachtflüge eingeführt, wodurch die Fluggesellschaften gesamthaft rund 1,5 Millionen Flugkilometer pro Jahr einsparen. Als Folge davon verringern sich der Kerosinverbrauch um 4800 Tonnen und der Kohlendioxidausstoss um 16'000 Tonnen jährlich. 19 der gesamthaft 115 direkteren Flugrouten führen durch den von Skyguide kontrollierten Luftraum.