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Einige der wichtigsten Alben der 1980er-Jahre entstanden in George Martins AIR-Studio auf der Karibikinsel Montserrat, wie «Brothers In Arms» von den Dire Straits oder «Synchronicity» von The Police, aber auch Phil Collins, Black Sabbath, Elton John, die Rolling Stones und Michael Jackson fanden den Weg in die Karibik. Der Hurrikan Hugo zerstörte das Studio am 17. September 1989.
vom Pianisten zum Produzenten
Geboren wurde George Henry Martin am 3. Januar 1926 in der Nähe von London. Als achtjähriger nahm er die ersten Klavierstunden. Von 1943 bis 1947 diente er als Flugzeugbeobachter im Fleet Air Arm der Royal Navy. Danach immatrikulierte er in der Guildhall School Of Music And Drama, wo er Klavier und Oboe studierte. Seine musikalischen Vorlieben waren Sergei Rachmaninow, Maurice Ravel und Cole Porter. Nach seinem Abschluss 1950 arbeitete Martin in der Klassikabteilung der BBC, ehe er zu EMI Records als Assistent des Parlophone-Direktors Oscar Preuss wechselte. 1955 übernahm Martin von Preuss Parlophone.
Zunächst produzierte er Comedyaufnahmen von Peter Sellers, aber auch Aufnahmen von klassischen Orchestern. In den späten 50er-Jahren erweiterte er den Katalog um englische Volksmusik. 1959 nahm er mit Matt Monroe die englische Antwort auf Frank Sinatra unter Vertrag. Während Jahren suchte er nach einer talentierten Rock’n’Roll Band, und obwohl er vom Demotape der Beatles nicht überzeugt war, lud er sie 1962 zum Vorspielen ein, weil ihm die Stimmen von John Lennon und Paul McCartney gefielen.
George Martin posiert 1965 im Studio. Das Foto wurde den Filmsoundtrack des zweiten Beatles-Films, «Help», verwendet, den er mit dem George Martin Orchestra eingespielt hat.
Die AIR Studios
Martin gab den Beatles den üblichen Vertrag von einem Penny pro verkaufter Platte. 1963, nach dem Erfolg von «From Me To You», änderte er den Vertrag auf zwei Pennys, worauf er bei EMI als Verräter behandelt wurde. Der Frust darüber und die Tatsache, dass nicht für seine effektive Arbeit als Arrangeur und teilweise auch Mitmusiker entlohnt wurde, liessen bei ihn 1965 bei EMI kündigen und er gründete mit geliehenen 5000 Pfund die Produktionsgesellschaft Associated Independent Recording AIR. Fortan konnte Martin seine Dienste anderen Künstlern anbieten. 1970 eröffnete George Martin das AIR Studio in London, 1977 verliebte er sich in die Insel Montserrat und eröffnete 1979 das Studio. 1996 eröffnete er zusammen mit Paul McCartney das Liverpool Institute For Performing Arts.
Seit den frühen 60er-Jahren komponierte und arrangierte George Martin Filmmusik, neben der Musik zu den Beatlesfilmen produzierte er die Bondsongs «Goldfinger», «From Russia With Love» und schrieb die Filmmusik zu «Live And Let Die», die auf Paul McCartneys gleichnamigen Song basiert. In den 70er- und 80er-Jahren produzierte er u.a. Jeff Beck, die Kings Singers, Ultravox und UFO. George Martin produzierte 4836 Titel, es dürften wohl aber über 5000 sein. In England hatte er 30 Nummer 1 Hits, in den USA 23. Der letzte von ihm produzierte Nummer 1 Hit war Elton Johns «Candle In The Wind ’97», der Schwanengesang auf die verstorbene Prinzessin Diana.
George Martin in den 80er-Jahren hinter dem Mischpult im AIR Montserrat Studio.
Foto: Corbis
Der 5. Beatle
Zusammen mit den Beatles entwickelte er neue Aufnahmeverfahren: 1963 führte er das Doubble-Tracking, die Verdoppelung einer Spur ein. Ab 1966 kamen rückwärts eingespielte Elemente hinzu, aber auch zwei verschiedene Takes mit verschiedenen Geschwindigkeiten zu einem einzigen Song zu verschmelzen («Strawberry Fields Forever»), schreckten Martin nicht ab. Als Arrangeur prägte er massgeblich die Musik der Beatles, so komponierte Martin auch die Arrangements von «Yesterday» und «Eleanor Rigby» und «All You Need Is Love».
Nach der Trennung der Beatles blieb er mit Paul McCartney verbunden und produzierte neben «Live And Let Die» seine Alben «Tug Of War» (1982) und «Pipes Of Peace» (1983), die grösstenteils in Montserrat entstanden. Mitte der 90er-Jahre war Martin verantwortlich für die «Beatles-Anthology» und produzierte zusammen mit seinem Sohn Gilles 2006 das Remix-Album «Love». 1996 wurde er als Sir geadelt. 1998 zog er sich, sein Gehör verlierend, in den Ruhestand zurück.
Paul McCartney, George Martins eifriger Schüler, und George Martin, 1983 bei den Aufnahmen zum Album «Pipes Of Peace». – Foto: Linda McCartney.
Das grösste Verdienst von George Martin war bei all seinen produzierten Aufnahmen, dass er das beste aus seinen Künstlern herausholte. Auch hier stehen die Beatles exemplarisch dafür: Dem Multitalent Paul McCartney entlockte er Aussergewöhnliches, John Lennon führte er aus der Beschränktheit von dessen kurzen Aufmerksamkeitsspanne zu komplexen Höchstleistungen, das Mauerblümchen George Harrison brachte er als Songwriter und Komponist zum Blühen und Ringo Starr mit seinem bescheidenem Stimmvolumen und der mangelnden Gesangstechnik klingt auf den von Martin produzierten Alben wie ein Profi. Sein Abschiedsalbum «In My Life», auf dem u.a. Phil Collins, Bobby McFerrin, Vanessa Mae, Sean Connery, Goldie Hawn und Jim Carrey Beatlessongs neu interpretieren, setzt einen heiteren Schlusspunkt.

Leonard Cohen (1926-2016). Hinter dem Mischpult vollbrachte er manches Wunder.
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