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Es gibt viele Missverständnisse der Menschen mit Autismus (AS) wie z.B. dass sie Savants sind, kein Einfühlungsvermögen besitzen und eine hohe Affinität für alles Technische haben. Es gibt zwar Merkmale, die typisch für Autismus sind. Aber diese Merkmale zeigen sich je nach Person auf verschiedene Weise und in unterschiedlichen Graden. Genau wie jede andere Person sind Menschen mit AS Individuen mit einzigartigen Interessen, Fähigkeiten und Persönlichkeiten und keine zwei Menschen mit AS sind gleich.
In diesem Abschnitt finden Sie persönliche Geschichten von Menschen mit AS. Diese Berichte zeigen nicht nur wie unterschiedlich Menschen mit AS sind; sie beschreiben auch ihre Erlebnisse in der Arbeitswelt.
'Wenn sie eine Person mit Autismus kennen, kennen Sie eine Person mit Autismus' (anon)
Ich heisse Cédric und bin ein Teenager im Autismus-Spektrum. Ich habe dieses Gedicht geschreiben, um zu zeigen, wie es ist, autistisch zu sein. Ich glaube nicht wirklich, dass ich ein Ausserirdischer bin. Es ist nur eine humorvolle Art zu vermitteln, wie ich mich fühle.
Bin ich ein Ausserirdischer?
Ich fühle mich, als ob ich in dieser Welt nicht reinpasse,
Ich verstehe alles, ausser Menschen, die ich trotz nicht hasse.
Plötzlich lachen alle, ich stehe bloss da, was man nicht schnell vergisst.
Und natürlich verstehe ich es, wenn jemand sarkastisch ist.
Ich komme fast ins Schwitzen, wenn jemand mit mir spricht,
Mein Herz schlägt schneller, ich schaue nicht in ihr Gesicht,
Das Atmen fällt mir schwer, ich rede schnell, will hier weg.
Jetzt allein, erleichtert…hier ist niemand, ich will hier weg.
Bin ich ein Ausserirdischer?
Hier geschickt, um über diesen Planeten zu berichten?
Ich will andauernd darüber lernen, über die Länder, die Geschichten,
die Politik, die Natur, wie alles funktioniert,
in einer Welt, die meine Stärken nicht respektiert.
Ich sehe alles, ich höre alles, ich bekomme alles um mir mit,
Das Gespräch dort vorne, der Vogel dort oben, jeder einzelne Schritt;
Ich kann es, nicht ohne Versuch, nie abschalten,
Auch wenn ich die laute Musik möchte weghalten.
Vielleicht bin ich gar kein Mensch
Für Autisten wie mich, wurde die Welt nicht geschaffen,
Könnte ich nur meine Emotionen auch visuell anschaffen,
Um zu zeigen, dass ich auch wie andere fühlen kann,
Und ich meine Gefühle nicht zeigen muss durch Zwang.
Denn eigentlich mag ich es, wenn ich unter Menschen bin,
dies macht, mit allem zusammengenommen, keinen Sinn.
Wenn ich das alles bedenke, habe ich die Tendenz,
zu fragen «Bin ich überhaupt ein Mensch?»
Bin ich ein Ausserirdischer?
Warte bis sie kommen, um mich davon zu heben?
Denn ich bin es mir nicht gewohnt hier zu leben,
bleibe drinnen, um den Stress zu entkommen,
woanders fühle ich mich nicht willkommen.
Alles um mir ist eine Waffe, nicht nur für mein Bein,
An jedem Tag eine neue Gefahr,
Wie als ob ich vor Heute nie da war,
Ich mag es nicht andauernd in Schmerzen zu sein.
Vielleicht bin ich gar kein Mensch
Will mit jemanden sprechen, schaffe es nicht.
Ich probiere es, obwohl es mir sticht.
Auf einmal sage ich etwas, welches nicht passt,
Ein kleiner Fehler für den mich sicher jeder hasst.
«Offensichtlich» das ist ein lustiges Wort,
Ich höre es immer wieder hier und dort,
Es passt zu allen, nicht zu mir,
Vielleicht bin ich ja nicht von hier.
Vielleicht bin ich ein Ausserirdischer
Ich bin nie still, immer in Bewegung,
Damit ich keinen Moment lang ruhe,
Und mein Gehirn wird zu einer Truhe
An Informationen zur Anlegung.
Ich bin nur da, um Wissen aufzunehmen.
Ich kann meine Gedanken nie in Worte fassen,
Aber staue sie in meinem Gehirn in Massen,
Und mit jedem Tag wird dies zunehmen.
Ich glaub ich bin ein Ausserirdischer
Ich studiere alles, um darüber zu berichten,
Beobachten und Lernen sind meine Pflichten.
Ich verstehe Menschen nicht, ich bin nicht wie sie,
Denn ich komme von woanders in der Galaxie.
Wartet ein Schiff da draussen auf meinen Bericht,
um uns dann anzugreifen, weit ausser Sicht?
Vielleicht ist das bald und ich habe das Ende gebracht.
Naja, das sind so die Gedanken, die man hat bei Nacht…
Cédric Rüfenacht
Ich heisse Patrick Samuel. Ich bin Künstler und Redner und wohne in London. Relativ spät in meinem Leben wurden bei mir Asperger-Syndrom und ADHS diagnostiziert. Im Dezember 2016 begann ich mit einer täglichen Kunsttherapie, zunächst um Bewältigungsmechanismen zu entwickeln und Sozialkompetenz aufzubauen. Inzwischen sehe ich die Malerei und das Zeichnen als meine Berufung und meine Neurodiversität als Geschenk und nicht als Behinderung. Normalerweise stelle ich ein Wert pro Tag fertig; so habe ich ein recht grosses Portfolio mit einer breiten Palette von Stilen und Techniken gestaltet.
Seit ich wieder künstlerisch tätig bin, hatte ich fünf Einzelausstellungen. Ich bin mit meinem Betreuer durchs ganze Lang gereist und habe in Autismus-Shows, Konferenzen, Schulen und Gemeindezentren Vorträge darüber gehalten, wie ich meinen Autismus und die Welt erlebe. In meinen Ausstellungen erzähle ich auch etwas über meine Verfassung. Als Synästhetiker komponiere ich zudem Musik; das passt sehr gut zu meiner Kunst.
Bevor ich meine formelle Diagnose und Unterstützung erhielt, hatte ich versucht, einen wichtigen Teil meiner selbst zu leugnen, weil andere das mir gegenüber lange getan hatten. Jetzt akzeptiere ich, dass Autismus und ADHS Teil meiner Persönlichkeit sind; aufgrund der Reaktionen der Menschen, die ich auf Ausstellungen und Konferenzen getroffen habe, und der Berichterstattung in den Medien ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, hinzustehen und offen zu kommunizieren. Viele Menschen haben wie ich Mühe, Unterstützung zu bekommen; die Vorstellung, autistisch zu sein, macht ihnen Angst oder sie verstehen es einfach nicht.
Eine Behinderung muss kein Nachteil sein. Sie kann uns einzigartige Perspektiven eröffnen, die wir zu unserem Vorteil nutzen können; das drucke ich durch Kunst, Musik, Poesie und in meinen Vorträgen aus.
Mein Name ist David Breslin. Ich bin 29 Jahre alt und wurde im Alter von elf Jahren mit Asperger-Syndrom diagnostiziert. Ich habe 10 Jahre lang in der Administration gearbeitet. Zudem habe ich mein eigenes Geschäft "Speaking Literally" aufgebaut, das ich eigenständig führe und vermarkte. Aufgrund meiner tiefen, persönlichen und aufschlussreichen Kenntnisse meines Zustandes sowie einer Leidenschaft dafür, mein Wissen zum Ausdruck zu bringen und es anderen Menschen zu vermitteln, halte ich jetzt Vorträge und führe Workshops für Firmen zum Thema Asperger-Syndrom. Gleichzeitig bin ich dabei, ein Bachelors-Diplom zum Thema Geschichte und Klassische Literatur abzuschliessen.
Wie viele Menschen mit Autismus musste ich unzählige Hindernisse überwältigen, um in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. Zu wenige Arbeitgeber wussten, was Asperger-Syndrom ist. Ich erlebte nicht nur versteckte Diskriminierung, sondern auch ganz offensichtliche Diskriminierung. Ich bin entschlossen und strebe an zu verhindern, dass junge Menschen mit Asperger-Syndrom Opfer von mangelndem Verständnis und falschen Vorstellungen über den Zustand werden. Arbeitgeber müssen nicht nur darüber aufgeklärt werden, was Asperger-Syndrom ist, sondern sie müssen auch darauf aufmerksam gemacht werden, welche Vorteile und welchen Nutzen es für ihr Geschäft bringt, wenn sie Personen mit dem Syndrom beschäftigen. Diese Personen sind oft sehr hochfunktional und haben Fähigkeiten, die nicht genutzt und nicht geschätzt werden. Durch meine Arbeit möchte ich das Profil von Menschen mit Asperger-Syndrom auf positive Art und Weise erhöhen.
David Breslin
Ich heisse Juraj und wohne in der Schweiz. Meine Eltern stammen aus der ehemaligen Tschechoslowakei und verliessen Anno 68 ihre Heimat um ein neues Leben in der Schweiz anzufangen. Viele Stationen führten mich durchs Leben. Schule, Studium, Jobs, Heiraten und Vaterwerden formten meinen Charakter, aber mein Herz schlägt für das Schreiben. Bereits als Sechzehnjähriger habe ich damit angefangen und inzwischen habe ich mehrere Bücher geschrieben, von Science-Fiction bis hin zu historischen und Phantasie-Romanen, Novellen und Essays sowie eine Autobiographie. Mein neuestes Buch, ‚Mein Leben in einer anderen Welt‘, ist 2016 erschienen. Durch mein Schreiben setze ich mich mit Thema wie die Sklaverei, den Krieg oder den Sinn des Lebens auseinander, oder lass mich einfach von einer märchenhaften Welt bezaubern.