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erinnerten immer noch an den alten Ausdruck, und sehr oft entsprach auch das französische Wort dem Gedanken nicht genau, sondern erschien entweder als zu farblos oder als zu wenig energisch: in allen diesen Fällen hatten und haben die Welschen immer noch die starke Tendenz, ihre alten Ausdrücke beizubehalten, indem sie dieselben allerdings französieren. Daher stammen Wortformen wie ruper, rebedouler, aguiller, éclafer, piorne, bringue etc. Alle diese Sprachfehler lassen sich aus dem Dialekt erklären und sind dessen letzte Lebensäusserungen.
Diese sog. Provinzialismen werden dank den Anstrengungen der Sprachreiniger, sowie mit der Vertiefung der allgemeinen Bildung und zunehmender Entwicklung der Verkehrsmittel, die zurückgebliebene Individuen in eine besser französierte Umgebung versetzen, allmählig verschwinden. Einem patriotischen Antrieb folgend haben verschiedene Romanschriftsteller ihre Werke mit provinziellen Wörtern und Redewendungen gespickt, um ihnen einen ausgeprägten Erdgeschmack zu verleihen. Doch ist auch diese Zeit bereits vorüber, indem in der neuern Literatur die Provinzialismen mehr nur zur Erzielung eines komischen Effektes Verwendung finden.
Bibliographie. 1. Sprache der Urkunden: Meyer, P. Maître Cudrifin, horloger, et la ville de Romans (in der Romania. Bd. 21). - Girardin, J. Le vocalisme fribourgeois du 15. siècle (in der Zeitschrift für roman. Philologie. 24). - Ränke, H. Ueber die Sprache des französ. Wallis in der Zeit vom 11. bis 14. Jahrh. Halle 1903. - Jeanjaquet, J. Un document inédit du français dialectal de Fribourg (in: Aus roman. Sprachen und Litt. Halle 1905.) - 2. Vitalität der Mundarten: Ritter E. Recherches sur le patois de Genève (in den Mémoires et documents de la Soc. d'hist. et d'archéol. de Genève. 19). - Tappolet E. Ueber den Stand der Mundarten in der deutschen und franz. Schweiz. Zürich 1901. - 3. Hauptsächlichste Sammlungen der Provinzialismen: Humbert, J. Nouveau glossaire genevois. 2 vol. Genève 1852. - Callet, P. M. Glossaire vaudois. Lausanne 1861. - Grangier, L. Glossaire fribourgeois. Fribourg 1864. - Bonhôte, J. H. Glossaire neuchâtelois. Neuchâtel 1867. - Pludhun. Parlons français. - Vergl. auch: Platzhoff-Lejeune, E. Der Kampf mit Herrn Pludhun und der sprachliche Purismus (in den Basler Nachrichten vom anlässlich eines im Foyer Romand für 1905 erschienenen Artikels Parlons clair von Phil. Godet und einer von der Semaine littéraire veranstalteten Enquête).
|Erklärung der in den Dialektproben vorkommenden Zeichen.|
|Vokale:||ę, į, ọ, ų, œ, ü = offene Laute.|
|ẹ, ị, ọ, ụ, œ, ü = geschlossene Laute.|
|ã, ẽ, ĩ etc. = nasalierte Vokale (französ.: an, vin etc.).|
|ä hält die Mitte zwischen a und ę.|
|å hält die Mitte zwischen a und ọ.|
|u hat latein.- (italien.-) deutschen Wert (französ. mou).|
|ə = schwaches e (deutsch: haben; französ.: me).|
|œ ist Mittellaut zwischen œ und ę.|
|ü ist Mittellaut zwischen ü und i.|
|Reduzierte Vokale werden in kleinerer Schrift über der Zeile angegeben.|
|- über einem Vokal bedeutet eine Länge; kurze oder mittlere Vokale werden nicht besonders gekennzeichnet.|
|Der Wortakzent wird nur angegeben, wenn ein Zweifel obwalten kann, und zwar durch einen Punkt hinter dem betreffenden Vokal: vwę.ypa.|
|Halbvokale:||y (französ.: yeux; deutsch: ja), w (französ.: oui), ẅ (französ. puis)|
|Konsonanten:||s ist immer scharf (französ.: place), z ist weich (französ.: rose).|
|š = deutschem sch, französ. ch; ž der entsprechende weiche Laut (französ. jour).|
|č, ğ = italien. cento, gente; ć, ģ dieselben Laute, etwas weiter hinten gebildet.|
|k = am weichen Gaumen gebildete reine Fortis (gg).|
|ќ = alemannisches, am harten Gaumen gebildetes k.|
|χ = Laut des deutschen ach.|
|ж = Laut des deutschen ich.|
|ŋ = Laut des deutschen Angel.|
|ł, ñ = mouilliertes l oder n (italien.: famiglia, vigna).|
3. Geschichte der französischen Mundarten.
Wenn wir von den ligurischen Theorien absehen, die noch wenig sicher fundamentiert sind, so war die älteste westschweizerische Bevölkerung, die man einer linguistischen Gruppe zuzuteilen vermag, gallischen Stammes. Es ist unmöglich, den Zeitpunkt des Erlöschens der keltischen Sprache festzustellen. Die fortschreitende Romanisierung ist in gewissen Zentren auf Widerstand gestossen (wie dies z. B. die Erzählung von Julius Alpinus beweist) und muss in den am weitesten abgelegenen Alpenthälern auch nur unvollkommen gelungen sein.
Das Lateinische ist von den Kelten mit einem besondern Akzent gesprochen worden, doch hat man bis jetzt keine sichern Ueberreste davon in den modernen Mundarten nachzuweisen vermocht. Solange man den westschweizerischen Wortschatz nicht vollständig gesammelt haben wird, wird es unmöglich sein, die von der Sprache des siegreichen Rom herstammenden Ausdrücke von solchen zu scheiden, die aus keltischen Dialekten stammen mögen. Das darf man aber heute schon versichern, dass alle zur Bezeichnung der hauptsächlichsten täglichen Arbeiten und Beschäftigungen dienenden Wörter rein lateinischer Herkunft sind. In dieser Beziehung beschränkt sich in den Mundarten, wie im Französischen der keltische Einschlag auf einen verschwindend kleinen Anteil.
Die Erinnerung an die ältesten Zeiten hat sich am besten erhalten in den Ortsnamen, die gleichsam eine abgekürzte Geschichte unseres Wortschatzes darstellen. Obwohl sie heute zum grossen Teil als rätselhafte Benennungen erscheinen, hatten sie doch ehemals eine ganz bestimmte Bedeutung, deren Sinn im Laufe der Zeiten verloren gegangen ist. Streng wissenschaftliche Forschungen werden uns diesen Sinn wieder enträtseln. Die von Prof. E. Muret in Genf geleitete systematische Ortsnamen-Untersuchung berechtigt zu den schönsten Hoffnungen.
Ein neues Element haben der gallo-romanischen Sprache die Einfälle der Germanen hinzugefügt, durch welche die Lautgebung von neuem modifiziert und die ganze Sprache vom 5.-9. Jahrhundert von Grund aus umgestaltet worden ist. Dieser Epoche gehören u. a. an: die Palatalisierung des c vor e, i (centum = kyentu, heute sã, sẽ, θẽ etc.), sowie des c vor a (vacca = vakya, heute vatš[ə], vętš, vatsə, vaθ);
ferner die Diphthongierung der betonten Vokale in offenen Silben (habere = aveir, heute avāe, avę etc.; nepote = nevout, heute nevāo, nęvœ etc.).
1) [1) Siehe die Erklärung der verwendeten Zeichen in der Tabelle.]
Die fränkische Oberherrschaft (532-888) hat ein gemeinsames Band um alle Dialekte Mittel- und Nordfrankreichs, sowie des alten Burgunderreiches geschlungen. Die sprachliche Entwicklung war für diese Länder dieselbe, und irgendwo in diesem weiten Ländergebiet aufgekommene mächtige phonetische Tendenzen haben sich unmerklich bis an dessen Grenzen fortgepflanzt.
Mit der Wiederherstellung des Burgunderreiches erhob sich im Westen und im Norden eine Schranke; die Beziehungen zu Frankreich lockerten sich, und die Weiterentwicklung der Sprache gestaltete sich hüben und drüben in selbständiger Weise. In die Zeit nach 888 fallen sprachliche Umänderungen, die nur unserm ¶
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Gebiet angehören und unsere modernen Mundarten vorbereiteten. Als Beispiel hiefür erwähnen wir die Reduktion der Lautgruppe mn auf blosses n (somnum = soňo etc.; vergl. dagegen den französischen Ausdruck somme). Unsere Mundarten gehören der von Ascoli als franko-provenzalisch bezeichneten Gruppe an, welche Bezeichnung sich aus dem gleichzeitigen Auftreten von französischen und provenzalischen Spracherscheinungen herleitet. Der hauptsächlichste provenzalische Lautzug in unsern Dialekten besteht in der Erhaltung des lateinischen a: prā (le pré), tsãtā (chanter) etc. Nicht zu der genannten Gruppe gehören die Dialekte des Berner Jura, die è an die Stelle des a setzen. Das franko-provenzalische Sprachgebiet umfasst ausser der französischen Schweiz noch Savoyen, die Franche Comté südlich Besançon, das Département de l'Ain, einen Teil des Lyonnais und die nördliche Dauphiné in Frankreich, sowie das Aostathal und das Val Soana in Italien. Die Dialekte all' dieser Gegenden sind unter sich eng verwandt.
Zur Feudalzeit hatte die Zerstückelung des Bodens in eine grosse Anzahl von kleinen Herrschaften eine Einschränkung der gegenseitigen Beziehungen innerhalb Burgunds und ebensoviele linguistische Spaltungen zur Folge. Einer grossen Interessengemeinschaft entspricht eine relative Gleichmässigkeit der sprachlichen Entwicklung, dem politischen Partikularismus dagegen der Zerfall der gemeinsamen Sprache in einzelne Dialekte. In Landschaften, die sich stets einer gewissen Unabhängigkeit erfreut und als politische Einheit erhalten haben, weisen die einzelnen Dialektgruppen sehr ähnliche Merkmale auf, während umgekehrt die Sprache in solchen Gegenden, die ihren Oberherrn oft wechselten und nicht beständig nach demselben Mittelpunkte hin konvergierten, ein weniger einheitliches Gepräge erhielt. Isolierung begünstigt die Entstehung von eigenartigen, individuellen Charakterzügen. Auf diese Art sind unsere Mundarten entstanden.
Mit Bezug auf die alten Zentren wie Avenches, Nyon etc. lässt sich behaupten, dass die modernen Dialekte in gerader Linie auf das Lateinische der gallo-romanischen Zeit zurückgehen. Man darf dabei aber alle die linguistischen Strömungen nicht vergessen, die von Lausanne, Genf etc. her einwirken konnten und den Mundarten der genannten Städte mehr und mehr einen gemischten Charakter verliehen haben. Die umliegende Landschaft vermochte ihre sprachlichen Eigenarten oft reiner zu erhalten, verfiel aber auch ebenso oft dem Einfluss der Umwälzungen in der Sprechweise der städtischen Zentren.
Noch verwickelter gestaltet sich die geschichtliche Entwicklung der Sprache in den erst spät besiedelten Gegenden, wie im Jouxthal, Val de Travers etc. In erster Linie erhebt sich da die Frage, woher die ersten Ansiedler gekommen seien und welches Idiom sie zu jener Zeit gesprochen. Jede Verschiebung der Bevölkerung bedingt zugleich eine Verschiebung der Grenzen der einzelnen mundartlichen Charakterzüge und ebenso der Dialektgrenzen, die die Summe aller individuellen Merkmale darstellen.
Ehe wir versuchen, unsere Mundarten in Haupt- und Nebengruppen einzuteilen, müssen wir uns von der räumlichen Ausdehnung der wichtigeren Merkmale derselben Rechenschaft ablegen. Erst nach Anwendung der kartographischen Methode auf jeden einzelnen dieser Charakterzüge ist es gestattet, auf Grund der gegenseitigen räumlichen Verbreitung der beobachteten Erscheinungen eine Gruppierung vorzunehmen. Obwohl diese Arbeit für die französische Schweiz noch nicht vollständig durchgeführt ist, darf doch jetzt schon folgendes als feststehend gelten: Als die stärkste linguistische Grenze der welschen Schweiz erscheint diejenige, welche die Neuenburger Mundarten von den Berner Mundarten scheidet.
Nördlich dieser Linie, die in La Ferrière von der Landesgrenze gegen Frankreich abzweigt und dem Kamm des Chasseral folgt, um nahe bei Biel ihr Ende zu finden, entsprechen die linguistischen Charakterzüge denen der obern Franche Comté und setzen den Berner Jura mit der Gruppe der lothringisch-wallonischen Dialekte in Verbindung. Die stark voneinander abweichenden Dialekte des Kantons Neuenburg bilden das Verbindungs- und Uebergangsglied dieses eben genannten Typus mit demjenigen, der in den Dialekten Freiburgs und des Gros de Vaud verkörpert erscheint.
Als Ganzes ist der Dialekt des Berner Jura ziemlich einheitlich gestaltet, mit Ausnahme von Tramelan und Malleray-Court, die mehrere lokale Eigenarten aufweisen, und der Montagne de Diesse oder des Tessenberges, dessen Sprache diejenige des Neuenburger Weinlandes ist. Eine starke Grenze scheidet das Neuenburger Val de Travers ab und weist es, besonders in seinem obern Abschnitt (Les Verrières-Les Bayards-La Côte aux Fées), der Franche Comté zu.
Von Saint Blaise bis Bevaix scheidet der Neuenburger See die Neuenburger Dialekte scharf von den Mundarten Freiburgs und der Waadt, während die Sprache der Béroche mit derjenigen des Waadtlandes verschmilzt. Das Jouxthal erscheint stark isoliert, während die übrigen Dialekte der Waadt und auch diejenigen des Kantons Freiburg leicht auf eine gemeinsame Grundlage zurückgeführt werden können und nur in nebensächlichen Punkten voneinander abweichen. Im Westen der Waadt kündigen sich staffelweise die Kennzeichen der Genfer Mundarten an, die unter sich nur geringe Abweichungen aufweisen und sich kaum vom Savoyer Dialekt unterscheiden.
Die Waadtländer Alpen zeigen von Montreux-Blonay an schon Anklänge an die Sprache des Wallis. Die Rhone bildet keine scharfe Sprachgrenze. Im Wallis lassen sich hauptsächlich zwei Gruppen von Dialekten unterscheiden: diejenigen der Bezirke Sitten, Hérens und Siders einerseits und die des Unterwallis andererseits. Beide werden voneinander geschieden durch den Lauf der Morge und die das Bagnesthal von der Vallée d'Hérémence trennende Bergkette. Im Unterwallis, d. h. dem einst savoyischen Einflüssen unterliegenden Landstrich von Saint Gingolph bis Sitten weichen die Dialekte in den Einzelheiten stark voneinander ab. Die Vallée d'Entremont zeigt schon einige auf das Aostathal hinweisende Eigentümlichkeiten. Die Bedeutung der schweizerischen Landesgrenze als mundartlicher Grenzscheide ist bis jetzt noch nicht eingehend untersucht worden.
Die Nähe der deutschen Sprachgrenze und die Durchdringung des Welschlandes mit germanischen Elementen haben den Wortschatz unserer Dialekte wesentlich bereichert. Wir stossen auf verhältnismässig wenige der Wörter fränkischen Ursprungs, die von den französischen Wörterbüchern verzeichnet werden. Haben die Westschweizer diese Wörter einst gekannt, so sind sie ihnen wieder abhanden gekommen. Unsere Dialekte unterscheiden sich aber vom Französischen wesentlich dadurch, dass sie seit dem 15. Jahrhundert bis in unsere Tage hinein eine Masse von deutschen Ausdrücken aufgenommen haben, während die im Verlauf der nämlichen Zeit dem französischen Sprachschatz angegliederten germanischen Wörter sich auf einen schwachen Bruchteil beschränken. Zu beachten bleibt in dieser Hinsicht jedoch, dass sich im Wallis, wo die romanische Sprache vom Deutschen eher zurückgedrängt als beeinflusst worden ist, die Dialekte ziemlich rein erhalten haben.
Das nämliche gilt für den Kanton Genf, infolge seiner von der Sprachgrenze entfernten Lage. Je weiter wir gegen Norden gehen, umso stärker erscheint die sprachliche Mischung. Die Dialekte des Val de Ruz zeigen sich reicher an deutschen Ausdrücken als diejenigen des Kantons Freiburg. Am stärksten vom Deutschen beeinflusst und umgeformt sind die längs der Sprachgrenze hin gesprochenen Mundarten des Berner Jura, so z. B. diejenigen von Plagne, Romont und Vauffelin, wo man Formen wie šurts (Schürze), basgīg (Bassgeige), šmarọtsē (schmarotzen) etc. und selbst halbwelsche und halbdeutsche Wortbildungen, wie fərkõtē (compter + verzählen) oder deštōpfē (dé + stopfen), antrifft.
Bibliographie:
1) Ortsnamenforschung: Gatschet, A. Ortsetymologische Forschungen ... Bd. 1 [nicht mehr erschienen]. Bern 1867. - Gatschet, A. Promenade onomatologique sur les bords du lac Léman. Berne 1867. - Egli, J. J. Der schweizerische Anteil an der geographischen Namenforschung. Programm. Zürich 1881. - Stadelmann, J. Etudes de toponymie romande. Fribourg 1902. - Jaccard, H. Les noms des végétaux dans les noms de lieux de la Suisse française (im Bulletin de la Murithienne. 1903 und 1904). - Jaccard, H. Essai de toponymie; origine des noms de lieux... de la Suisse romande. (Mémoires et documents publ. par la Soc. d'hist. de la Suisse ¶