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Der Unterschätzte: Als Philippe vor vier Jahren das Amt von seinem Vater Albert II. übernahm, war man ihm gegenüber skeptisch. Anders als sein leutseliger Vater galt er als unbeholfen und schüchtern. «Er wird sich die Sympathie der Belgier hart erarbeiten müssen», schrieb zum Beispiel das Magazin «Der Spiegel». In der Zwischenzeit habe er aber überzeugen können, sagt Roger Pint. Er ist Journalist beim deutschsprachigen, öffentlich-rechtlichen Radiosender BRF in Brüssel.
Der Fettnäpfchenfreie: «Es gab sehr viele Menschen, auch innerhalb der Politik, die sagten, er könne das nicht. Weil ihm das Charisma fehle, weil man ihn für teilweise nicht fähig erachtete», sagt der Journalist. Diese Leute hätten sich den Mann nach seinem Amtsantritt ganz genau angeschaut. «Und man muss sagen: In das Fettnäpfchen, auf das diese Leute gewartet haben, ist er bisher nicht getreten. König Philippe hat einen ziemlich fehlerfreien Parcours hingelegt.»
Der Puffer: Philippe ist das Staatsoberhaupt Belgiens, vergleichbar mit einem Bundespräsidenten. «Nur: In einer parlamentarischen Demokratie im 21. Jahrhundert geht es nicht mehr, dass ein Mensch aufgrund der Wiege, in der er lag, in ein Amt kommt», erklärt Roger Pint.
Dementsprechend spielt der König heute keine massgebende politische Rolle mehr und erfüllt in allererster Linie repräsentative Aufgaben. «Es gibt einige wenige Fälle, in denen er auch eine gewisse politische Rolle spielt. In einem Land wie Belgien ist es wichtig, dass es eine Form von Puffer gibt.»
Der Unparteiische: In Belgien herrscht ein kompliziertes Parteiensystem. «Das ist eine Folge der Tatsache, dass es Flamen und Wallonen gibt, die sich nicht immer gut verstehen.» Um eine Regierung zu bilden, muss der König einen Informator benennen.
«Das ist derjenige, der mögliche Koalitionen auslotet», erläutert Pint. Ausserdem benenne Philippe den künftigen Premierminister. Allerdings dürfe man sich auch keine Illusionen machen, so der Journalist aus Belgien: «Es ist nicht so, als könnte er irgendwen benennen.» Er müsse in die Parteienlandschaft hineinhorchen und den wählen, der am ehesten konsensfähig ist.
Es sei ein diskretes Zusammenspiel zwischen den Parteien und dem König: «Gerade in Belgien ist es wichtig, dass es ein unparteiischer Schiedsrichter ist, der eine Entscheidung trifft.» Er sei somit der Garant für die Einheit des Landes.