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carbonOS
Mo, 20. März 2023, Ralf Hersel
Die meisten GNU/Linux-Distributionen sind nicht unabhängig, sondern stehen auf den Schultern von Debian (z. B. Ubuntu), Red Hat (z. B. Fedora) oder Arch Linux (z. B. Manjaro). Dennoch ist die Liste der unabhängigen Distros nicht kurz. Dort findet man: NixOS, Gentoo, Void, Solus, Mageia, Clear, PCLinuxOS, 4MLinux, Tiny Core, Linux from Scratch, Slackware, Alpine und KaOS, um die bekanntesten zu nennen. Nun taucht carbonOS als neue unabhängige Distribution mit einer frühen Alpha-Version auf.
Über die Vielfalt bei den Distros muss man nicht diskutieren; mehr ist besser. Dies gilt insbesondere, wenn sich Entwicklerteams (?) eine bestimmte Richtung im Auge haben. Genau das ist bei carbonOS der Fall. Das neue OS-Geschöpf gehört nicht nur zu den Unabhängigen, sondern auch zu den Unveränderbaren (immutable).
Hinter dem Projekt steckt ein junger Student, nämlich Adrian Vovk aus Cleveland, Ohio. Adrian stellt sich vor:
Hallo! Ich bin Adrian und studiere im dritten Jahr Informatik und Ingenieurwissenschaften an der Ohio State University. Ich bin ein Verfechter von freier und quelloffener Software und habe Beiträge zu namhaften Open-Source-Projekten wie systemd und GNOME geleistet. Meine Leidenschaft gilt auch der Entwicklung von Betriebssystemen und insbesondere meiner Linux-Distribution carbonOS.
Er hat konkrete Vorstellung, was seine Distribution leisten soll. Sie wurde von ihm von Grund auf neu gebaut und verwendet den GNOME-Desktop. Es handelt sich um eine atomare Distribution, was bedeutet, dass Betriebssystem-Updates immer sicher sind. Das Layout des Systems gewährleistet die Integrität der Systemdateien. Im Gegensatz zu anderen atomaren Distributionen versucht carbonOS nicht, traditionelle Paketverwaltungsfunktionen zu umgehen: carbonOS ist Flatpak-first für die Anwendungen und Container-first für alles andere. Dies ermöglicht carbonOS einzigartige Funktionen, wie Verified/Secure Boot, zu erreichen.
Um das zu erreichen, verwendet carbonOS libostree. OSTree ist ein Upgrade-System für Linux-basierte Betriebssysteme, das atomare Upgrades von kompletten Dateisystembäumen durchführt. Es ist kein Paketsystem, sondern soll diese ergänzen. Die zugrunde liegende Architektur könnte man als "Git für Betriebssystem-Binärdateien" zusammenfassen. Es arbeitet im Userspace und kann auf jedem Linux-Dateisystem eingesetzt werden. Im Kern ist es ein Git-ähnlicher inhaltsadressierter Objektspeicher mit Verzweigungen, um sinnvolle Dateisystembäume innerhalb des Speichers zu verfolgen. Man kann OSTree im reinen Replikationsmodell verwenden; ein anderer Ansatz besteht darin, einen Paketmanager hinzuzufügen und so ein hybrides Baum-/Paketsystem zu schaffen. Genau das macht carbonOS.
Adrian hat einen Traum:
Ich würde gerne den "GnomeBook"-Traum verwirklichen: ein Betriebssystem, das so wartungsfrei wie Chrome OS ist, aber so leistungsfähig wie ein echtes Desktop-Betriebssystem, und das alles, ohne die ultimative Freiheit der Benutzer über ihre Hardware zu beeinträchtigen.
Wem dabei Vanilla OS in den Sinn kommt, hat recht. Beide Projekte verfolgen ähnliche Ansätze, wobei Vanilla OS ein paar Schritte weiter im Lebenszyklus ist. Aufgrund des frühen Entwicklungsstadiums habe ich carbonOS noch nicht ausprobiert. Falls ihr einen ersten Blick auf diese neue Distro werfen möchtet, nur zu, hier ist die Alpha-ISO.
Quelle: https://carbon.sh/
TagsDistribution, GNOME, ostree, atomic, unabhängig
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