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Du mein süsses Schätzchen,/ mein Herz, mein heiss geliebtes Kind,/ das du, nach kurzer Frist,/ da deine Sterne günstig standen,/ zum zweiten Mal zur Welt gekommen bist!/ Tochter einst, nun Sohn zum Glück genannt, / der du aus meinem Bauch,/ mein Sohn, geboren bist,/nackend zwar, doch starken Stolz als Kleid -/ ich sehe mit Erstaunen,/gegen die Natur,/ nun deine Seele voller Männlichkeit!
Christine Wunnicke, die grosse Rechercheurin und sprudelnde Erzählerin unbekannter, grossartiger und exzentrischer Lebensgeschichten hat wieder eine Entdeckung gemacht: Die Barockdichterin Margherita Costa, geboren 1600 in Rom und daselbst ca. 60 Jahre später verstorben. In der Einleitung zur Werkauswahl steht, sie habe fünfzehn Bücher verfasst: „Bändeweise Gedichte, Opernlibretti, den Bericht von einer Reise, an der sie nicht teilnahm, eine surreale Sexkomödie, (…), fiktionale Liebesbriefe, die bald nach ihrem Tod auf dem Index landeten (…); damit war sie eine der produktivsten Schriftstellerinnen ihrer Zeit.“
Costa muss eine Frau voller Widersprüche gewesen sein. Sie war wandlungsfähig in ihrer Rolle als gesellschaftliche Aussenseiterin, eine eigenständige Denkerin, die über Altersdiskriminierung gleichermassen klagte, über geschlechterfluide Befreiung nachdachte oder pornografische Gedichte verfasste. Sie tat dies mit Knall und Effekt, immer darauf bedacht, die Grenzen der Sprache, der zeitlichen Zwänge und der gesellschaftlichen Werte zu überschreiten. Sie war Hure (eine sogenannte meretrice, die dem damals steuerpflichtigen Gewerbe nachging), Nonne, Mutter, Banditenbraut (sie lebte jahrelang in wilder Ehe mit einem Auftragskiller), Sängerin, Hausfrau und Dichterin. Alle sich daraus ergebenden Lebensprobleme sind Gegenstand ihres literarischen Schaffens. Damit überzeugte sie die Medici ebenso wie diverse Papstfamilien. Eine virtuosa nannten sie ihre Zeitgenossen – damit war ein höherer Dilettantismus gemeint, bei dem stets eine anarchistische Lebenslust mitschwingt.
Der Berenberg Verlag hat ein wiederum wunderbar gestaltetes Buch daraus gemacht, die Werkauswahl zum ersten Mal überhaupt zweisprachig italienisch-deutsch gesetzt und es ist zu hoffen, dass Costas Werke auch bald auf der Bühne erscheinen oder in Lesezirkeln rezitiert werden! Die erste wissenschaftliche Monografie ist jedenfalls in Arbeit und wird weitere Vertiefung mit Costas Werk ermöglichen.
Priska Friedli