Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03356.jsonl.gz/257

Finnland wird 2025 das weltweit erste geologische Tiefenlager «Onkalo» für ausgediente Brennelemente auf der Halbinsel Olkiluoto im Südwesten Finnlands in Betrieb nehmen. Das Tiefenlager wird die radioaktiven Abfälle dauerhaft aufnehmen und besteht aus einer Verpackungsanlage für die ausgedienten Brennelemente an der Erdoberfläche sowie dem Lagerbereich im Kristallingestein in rund 400 Meter Tiefe. Vor dem Einlagern der Abfälle unter Tage werden sie in der Verpackungsanlage in Endlagerbehälter aus Kupfer umverpackt. Die ausgedienten Brennelemente stammen aus den finnischen Kernkraftwerken Olkiluoto und Loviisa.
Am 30. Dezember 2021 stellte Posiva beim finnischen Ministry of Economic Affairs and Employment (TEM) einen Antrag auf Betriebsbewilligung für die Verpackungsanlage und das Tiefenlager für die Zeitspanne von 2024 bis 2070. Posiva muss erfolgreich einen Probelauf absolvieren, bevor sie den Betrieb aufnehmen kann. Der Probelauf findet in der letzten Phase der Vorbereitung auf den Tiefenlagerbetrieb 2023 statt. Er soll aufzeigen, dass das Entsorgungsunternehmen den gesamten Entsorgungsprozess im Griff hat und in der Lage ist, den industriellen Betrieb von Onkalo aufzunehmen.
So läuft der Probelauf ab
Beim Probelauf wird der gesamte Entsorgungsprozess getestet mit allen Anlagen, Maschinen und Betriebsabläufen, die auch im Normalbetrieb zum Einsatz kommen. Allerdings werden nur Brennelement-Attrappen anstelle von hochaktiven ausgedienten Brennelementen verwendet.
Zuerst werden die Attrappen vom Zwischenlager in die Verpackungsanlage Onkalo transportiert. Dort erfolgt das Umverpacken in dickwandige Endlagerbehälter aus Kupfer, welche verschweisst werden. Nach dem Transport in den Demonstrationsstollen des Tiefenlagers unter Tag werden die Kupferbehälter in kurzen vertikalen Bohrlöchern platziert und diese mit dem Tonmaterial Bentonit verfüllt. Dann wird auch der Demonstrationsstollen selbst mit Bentonit verfüllt und einem Siegel abgedichtet.
Beim Probelauf werden zudem das Rückholen, Reparieren und erneute Einlagern einer beschädigten Behälterattrappe getestet. Als Rückholen wird das Bergen eines bereits eingelagerten Endlagerbehälters bezeichnet.
Auch Schweiz profitiert von Erkenntnissen
Laut Posiva sollen auch andere Länder am Testlauf teilnehmen können. Bei der Entsorgung von radioaktiven Abfällen gibt es weltweit eine intensive Zusammenarbeit unter den Forschungsinstitutionen und Entsorgungsorganisationen. Auch die Schweizer Entsorgungsorganisation Nagra kann von den Fortschritten der anderen Länder profitieren und eigene Erkenntnisse beisteuern.
Die Nagra muss dereinst bis zum Einreichen des Betriebsbewilligungsgesuchs für ihr Tiefenlager ebenfalls einen Demonstrationsversuch unter realistischen Bedingungen durchführen. Dabei muss sie aufzeigen, dass sie eingelagerte Endlagerbehälter wieder erfolgreich zurückholen kann.
Quelle
B.G. nach Posiva, Medienmitteilung, 18. Januar 2022, und TEM, Medienmitteilung, 30. Dezember 2021
Verwandte Artikel
Endlagerung in Finnland: Trocknungsstation für ausgediente Brennelemente ist betriebsbereit28. Nov. 2022•News
Finnisches Tiefenlager: Ausbruch der ersten fünf Entsorgungsstollen abgeschlossen8. Juli 2022•News
Geologische Tiefenlager: erfolgreicher Einlagerungsversuch im Grossmassstab in Kanada15. Juni 2022•News
Finnland: Überprüfung der Unterlagen zum Betriebsbewilligungsgesuch läuft24. Mai 2022•News
Finnland: Grundwasserchemie im Untergrund eines Tiefenlagers modellieren9. Mai 2022•News
Nachhaltige Lösungen für den sicheren Umgang mit radioaktiven Abfällen14. Apr. 2022•News
«Da der Klimawandel so kritisch ist, ist die Kernenergie die Lösung, die wir als Option beibehalten sollten»8. März 2022•News
Antrag auf Betriebsbewilligung für finnisches Tiefenlager7. Jan. 2022•News
Finnland: Grabarbeiten für erste Lagerstollen beginnen11. Mai 2021•News
Grundsteinlegung für finnische Verkapselungseinrichtung30. Sep. 2019•News