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Lindenblüten, Linde - Tilia
Tilia cordata (syn. Tilia europaea, T. micriphylla, T. parviflora, T. sylvestris);
Winterlinde (syn. Spätlinde, Steinlinde, Waldlinde);
Tilia platyphyllos (syn. Tilia grandiflora, T. officinarum); Sommerlinde (syn. Frühlinde, Graslinde).
Tilia cordata - Winterlinde
Tilia platyphyllos - Sommerlinde
VORKOMMEN
Die Winterlinde ist in Europa weit verbreitet. Sie kommt vorwiegend in den Mittelgebirgen vor, im nördlichen Tiefland ist sie seltener. Sie ist ziemlich zerstreut in sommerwarmen Eichen-Hainbuchen-Wäldern auf frischen und meist tiefgründigen Böden zu finden.
MERKMALE
Die Winterlinde ist ein sommergrüner Laubbaum, der Wuchshöhen bis
ungefähr 30 Meter erreichen kann und maximal 1000 Jahre alt wird. Seine
Krone ist hochgewölbt und oft leicht unregelmässig gestaltet. Das Kronendach der Sommerlinde schliesst dicht, dasjenige der Winterlinde schliesst weniger dicht.
Die Sommer- und die Winterlinde lassen sich primär an der Blattbehaarung unterscheiden: Die Blätter der Sommerlinde sind rundum behaart, die Blätter der Winterlinde sind hingegen oberseits und am Stiel kahl.
Jeweils vier bis zwölf Blüten befinden sich an einem hängenden oder allseits abstehenden Blütenstand. Bei der Sommerlinde sind es 2 bis 5 Blüten. Linden blühen erst nach der vollständigen Belaubung, die Sommerlinde im Juni, die Winterlinde erst im Juli.
Die Kelch- und Kronblätter sind weisslich. Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Die kugelige, kahle Kapselfrucht ist ungefähr 6 Millimeter gross und hat keine hervorstehenden Rippen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Als Heildroge dienen die getrockneten Blütenstände (Tiliae flos). Handelsdroge stammt vor allem aus dem Balkan.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Flavonoide: über 1 % Flavonoide, fast ausschließlich Glykoside der Flavonole Quercetin und Kämpferol wie Tilirosid.
Schleimstoffe (ca. 12 %), komplex zusammengesetzt (Arabinogalactane).
Vorhanden ist ätherisches Öl (bis zu 0.1 %) mit Linalool, Germacren und α-Farnesen, Geraniol, Carvon, Anethol , Eugenol und weitere Verbindungen..
Gerbstoffe: ca. 2 % vom Catechin-Typ.
Im Weiteren Hydroxycumarine (Scopoletin, Fraxin) und Zimtsäurederivate (Kaffeesäure).
PHARMAKOLOGIE
Für die schweisstreibende Wirkung konnten bisher keine Inhaltsstoffe identifiziert werden. Die Wirkung gegen Hustenreiz kann durch den Gehalt an Schleimstoffen erklärt werden und ist plausibel. Für die leicht sedierenden Wirkungen wird eine aromatherapeutischer Effekt diskutiert. Ein Extrakt der Sommer-Linde hat in vitro eine hemmende Wirkung auf die Pankreaslipase gezeigt (siehe Links).
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen:
- Kommission E: bei Erkältungskrankheiten und damit verbundenem Husten.
- ESCOP: bei einer fiebrigen Erkältung und erkältungsbedingtem Husten, bei Katarrhen der oberen Luftwege und Unruhezuständen
- HMPC - Lindenblüten wurden als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Lindenblüten
können bei Erkältungskrankheiten und zur Linderung leichter Stresssymptome
angewendet werden.
Teezubereitungen aus Lindenblüten werden bei Erkältungskrankheiten und damit verbundenem Hustenreiz eingesetzt.
Lindenblüten sind in vielen Erkältungstees vorhanden, oft in Kombination mit. z.B. Weidenrinde, Holunder, Königskerze, Pfefferminze, Kamille, Löwenzahn, Thymian, Hagebutte, Anis, Melisse und Fenchel.
Anwendung in der Volksheilkunde
Lindenblüten werden als schweisstreibendes Mittel bei fieberhaften Erkrankungen, Rheuma, Nierenentzündung und Ischias verwendet. Auch zur Behandlung von Krämpfen, Magenbeschwerden, Unruhezuständen, Hysterie, Migräne und Arteriosklerose wird die Lindenblüte eingesetzt.. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist nicht belegt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Zur Teezubereitung (Einzeldosis) verwendet man 1 Teelöffel (ca. 1,8 g) feingeschnittene Lindenblüten. Diese werden mit einer Tasse heissem Wasser übergossen und 5 Minuten stehen gelassen. Als Tagesdosis werden 2-4 g Droge empfohlen.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
HOMÖOPATHIE
Tilia europaea (syn. Tilia) HAB 34; die frischen Blüten von Tilia cordata oder Tilia platyphyllos.
Anwendungsgebiete: Infekte mit vermehrter Schweissbildung.
LINDEN IM GARTEN
Lindenarten sind schnellwüchsig und langlebig. Sowohl bei der Winter- als auch bei der Sommerlinde handelt es sich um sehr grosse Bäume, die bis zu 40 m hoch werden können. Die Sommerlinde bildet eine dichtere Krone als die Winterlinde.
Die Standortansprüche der Linden sind gering - wenn sie also einen sehr grossen Garten haben können sie eine Linde pflanzen.
SONSTIGES
Noch heute ist in vielen Dörfern eine alte Linde der zentralen Treffpunkt. Mit der Lindenblüte beginnt der eigentliche Hochsommer. Der süssliche Duft der Lindenblüten betört nicht nur Bienen und Hummeln, sondern wohl auch den Menschen. Der Linde werden noch heute gute Eigenschaften zugeschrieben, denn sie gilt als Kraftort, Liebesbaum, Gerichtsbaum, Tanzbaum und Schutzbaum. Die Linde war schon in der Antike von den Griechen verehrt worden, auch bei den Slawen, Kelten und den germanischen Völkern galt die Linde als heiliger Baum.
Letzte Änderung: 30.01.2017 / © W. Arnold