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Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Bakterien im Süsswasser unterschiedliche, wohldefinierte Nischen besetzen, beispielsweise ihre biogeographischen Verteilungsmuster, ihr Auftreten in unterschiedlichen Jahreszeiten, oder ihre spezifischen physiologischen Merkmale. Gleichzeitig zeigt sich aber zenehmend, dass rein zufällige (stochastische) Prozesse u.U. ebenfalls entscheidend die Zusammensetzung mikrobieller Gemeinschaften mitprägen. Da Bakterien die wichtigsten Konsumenten des gelösten organischen Materials sind, ist es naheliegend, dass dieselben Prozesse, welche die genotypische Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaften definieren, auch ihre Funktion entscheidend beeinflussen. Wir finden im Zürichsee eine ausgeprägte kleinräumige Variabilität in den Konzentrationen derjenigen organischen Substrate, welche von Bakterien bevorzugt genutzt werden. Mikroorganismen können auf diese ungleichen Verteilung entweder mit schneller Änderung des Wachstums reagieren («Opportunisten»), oder sie können eine Strategie des langfristigen Durchschnittes verfolgen.
Das Projekt untersucht die Hypothese, dass diese zwei bakteriellenWachstumsstrategien verknüpft sind mit den eingangs erwähnten Selektionsprozessen auf der Ebene der Gesamtgemeinschaft. Speziell soll getestet werden ob «opportunistisch» wachsende Mikroorganismen stärker durch zufällige Faktoren ausgewählt werden. Wir nehmen an, dass zahlreiche «opportunistische» Bakterien mehr oder weniger ähnlich funktionelle Eigenschaften aufweisen (funktionellen Redundanz), und dass sich die daraus resultierenden Unterschiede in den Gemeinschaften am besten in ihren kleinräumigen Verteilungsmustern zeigt. Ausserdem wollen wir diese Annahme auch experimentell überprüfen, indem wir die Zusammensetzung von Bakteriengemeinschaften untersuchen, welche sich in zahlreichen parallellen Mikrokosmen unter identischen Wachstumsbedingungen bilden.