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In einem ersten Blogbeitrag "Manipuliermasse im Spezialtiefbau (Teil 1)" wurde dargelegt, dass eine verlässliche Prognose zum Baustellenende sich meist als illusorisch darstellt und dies grosse Bewertungsrisiken für die Bewertung angefangener Arbeiten im Spezialtiefbau sich bringt. In diesem zweiten Blogbeitrag werden die Mehrkosten bei einer Verzögerung eines Spezialtiefbauprojektes genauer analysiert und eine Lösung vorgeschlagen, wie diese frühzeitig in die Bewertung angefangener Arbeiten mit einfliessen können.
Projektzeitverlauf – aufgepasst!
Um das gewünschte Ziel zu erreichen - nämlich eine verlässliche Prognose zum Baustellenende - muss der Projektzeitverlauf unbedingt zur Bewertung herangezogen werden. Diese Überlegung ist essentiell, denn es ist eine zentrale Erkenntnis, dass sich die Kosten bei fortschreitender Zeitdauer erhöhen, während der Erlös unverändert gleich hoch bleibt und zwar ungeachtet dessen, ob es sich um einen Pauschal- oder um einen Einheitspreisvertrag handelt.
Fatale Kostenentwicklung bei Projektverzögerung
Dieser Aspekt lässt sich anhand der untenstehenden Grafik verdeutlichen: In der Kalkulation wurde die Leistung so ermittelt, dass das Projekt am 26. September 2014 enden sollte. Die Arbeitskalkulation (Budget des Projektleiters) war bereits weniger optimistisch und korrigierte das Enddatum auf den 14. Oktober 2014, die Prognose aufgrund der vorangegangenen Leistung auf den 11. November 2014. Schon allein aufgrund dieser Erkenntnis muss mit erheblichen Mehrkosten gerechnet werden als ursprünglich in der Kalkulation vorgesehen.
Abbildung 1: Projektzeitverlauf
Problem der zeitabhängigen Kosten
Eine quantifizierte Kostenprognose kann nur erreicht werden, wenn die aufgelaufenen IST-Kosten in zeitabhängige und zeitunabhängige Kosten gegliedert werden. Während sich die zeitunabhängigen Kosten wie Beton, Stahl usw. bei fortschreitender Zeitdauer nicht erhöhen, steigen die Kosten für Personal und Gerätemieten bei jeder weiteren Verzögerung. Werden die Kosten in zeitabhängige und zeitunabhängige Bestandteile zerlegt, kann nachfolgende Grafik erstellt werden: Bei der Prognose steigen die zeitabhängigen Kosten bis zum 11. November stetig an. Die zeitunabhängigen Kosten sind bereits bei Projektbeginn berücksichtigt, die Grafik beginnt daher bereits bei fast CHF 400‘000 Kosten.
Abbildung 2: Quantifizierte Kostenprognose
Lösung für Bewertung angefangener Arbeiten bei Projektverzögerung
In welchem Mass sich der Endtermin verzögert, hängt im Spezialtiefbau in erster Linie von der Leistung ab (z.B. Pfahlmeter pro Tag). Die fortschreitende Digitalisierung ermöglicht es bereits, die geleisteten Bohrmeter elektronisch zu erfassen und sogleich auch dem Controlling zur Verfügung zu stellen (1). Sinnvoll wäre, diese Daten direkt in ein Bewertungssystem einfliessen zu lassen, so dass sich eine Bauzeitverlängerung automatisch berechnen liesse. Mit einer logischen Verknüpfung mit den zeitabhängigen Kosten könnten in Zukunft elektronische Auswertungen mit verschiedenen Szenarien Tatsache werden und ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Eine Abstimmung der IST-Daten wäre zwar nach wie vor nötig, doch die Prognose könnte teilautomatisiert werden und wäre aufgrund der gewonnenen Daten genauer und weniger fehleranfällig.
1 Vgl. BAUER, S. 31.
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Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Masterarbeit von Herrn David Notter, Absolvent des MAS FH in Controlling.