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von Alexander Andreas Toufexis
Führt Bildung in der Kindheit und im frühen Erwachsenenalter zu einer Verlangsamung der Hirnalterung? Viele Menschen sind davon überzeugt, und auch im akademischen Bereich ist diese Hypothese weit verbreitet. Dennoch liefern die Ergebnisse einiger Studien wenig schlüssige Belege für einen Zusammenhang zwischen Bildung und neurokognitivem Niveau im Alter, und der Einfluss der Bildung auf altersbedingte neurokognitive Veränderungen über die Lebensspanne ist sogar noch schwieriger zu belegen.
Tatsächlich kam eine vor kurzem durchgeführte Untersuchung zum Schluss, dass das Bildungsniveau keinen eindeutigen Einfluss auf die Geschwindigkeit des kognitiven Abbaus im Alter hat. Um einen Beitrag zur noch bescheidenen Forschung zu diesem Thema zu leisten, führte eine Forschungsgruppe mit Forschenden aus ganz Europa einen groß angelegte Studie zu dieser Hypothese durch: In einer Langzeitstudie wurde der Zusammenhang zwischen Bildung und struktureller Hirnveränderung im Alter, gemessen durch strukturelle MRT, genauer untersucht. Wie erwartet widerlegten die Ergebnisse aus zwei großen Datensätzen mit fast 4,500 Beobachtungen und über 2,000 Personen die Hypothese, dass ein höheres Bildungsniveau zu einer langsameren Alterung des Gehirns führt. Stattdessen wurden parallele Veränderungsraten in kortikalen Regionen und im Hippocampus festgestellt.
Gibt es also keinen Unterschied in der Hirnfunktion zwischen gebildeten und nicht gebildeten Personen? Die Resultate ähneln anderen Studien, deren Ergebnisse zeigen, dass es tatsächlich einen Unterschied im Hirnvolumen gibt, jedoch nicht in der Abbaurate mancher kognitiver Funktionen. In anderen Worten gibt es im Gehirn gebildeter Personen eine sogenannte ‚passive‘ Reserve, die besagt, dass Personen mit höherer Bildung einen anfänglichen Vorteil gegenüber Personen mit niedrigerer Bildung haben, den sie während ihres Erwachsenenlebens beibehalten können. Vermutlich ist es diese passive Reserve, und nicht eine abgeschwächte Hirnveränderung im Alter, die die Geschwindigkeit der kognitiven Alterung verlangsamt.
Damit lässt sich sagen, dass Bildung mit vielen Vorteilen verbunden ist. Jedoch widerlegen die vorliegenden Ergebnisse die Behauptung, dass höhere Bildung die Gehirnalterung verlangsamt. Da das MRT Verfahren nicht die Vielzahl an Dimensionen der Hirnalterung erfasst, bleibt die Frage, ob andere Messgrößen der Hirnalterung mit dem Bildungsniveau in Zusammenhang stehen, offen.
Aber eins ist sicher: Lernen lohnt sich!
Literatur
Nyberg, L., Magnussen, F., Lundquist, A., Baare, W., Bartés-Faz, D., Bertram, L., Boraxbekk, C. J., Brandmaier, A. M., Drevon, C. A., Ebmeier, K., Ghisletta, P., Henson, R. N., Junqué, C., Kievit, R., Kleemeyer, M., Knights, E., Kühn, S., Lindenberger, U., Penninx, B. W. J. H., Pudas, S., Sørensen, Ø., Vaqué-Alcázar, L., Walhovd, K. B., & Fjell, A. M. (2021). Educational attainment does not influence brain aging. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 118(18), Article e2101644118. https://doi.org/10.1073/pnas.2101644118
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