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Die Meldung über das Auftauchen einer neuen Corona Mutation hat die Märkte verschreckt. Die angeblich hohe Übertragbarkeit sorgt für Besorgnis. Die Meldung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da die Fallzahlen in Europa bereits stark ansteigen. Noch ist es allerdings zu früh, um die Gefährlichkeit der neuen Variante zu beurteilen. Erste Auswertungen dazu liegen in circa zwei Wochen vor.
Beschreibung Basisszenario
Wir erwarten in unserem Basisszenario eine graduelle Rückkehr zur Normalität. Virusmutationen schwächen sich im Zeitablauf ab. Rückschläge und weitere Einschränkungen seitens Staaten sind jedoch jederzeit möglich. Das Wirtschaftswachstum fällt im Basisszenario im 2021 sowie im 2022 überdurchschnittlich aus. Anschliessend flacht der Wachstumstrend ab.
Lieferengpässe bleiben in kurzfristig bestehen, lösen sich mittelfristig jedoch auf. Die Inflation erreicht global Ende 2021 den zyklischen Höhepunkt. Danach reduzieren sich die Raten in Richtung der Notenbankziele. Eine strukturelle Veränderung der Inflationstreiber und damit eine längerfristig hohe Inflation erwarten wir indes nicht. Die Situation am Arbeitsmarkt verbessert sich kontinuierlich.
Nun besteht die Möglichkeit, dass Omikron zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität führen kann. Kurzfristig bleibt die Situation angespannt. Nachfolgend sind drei mögliche Szenarien beschrieben.
Im schlechtesten Fall - Worst Case - stellt sich heraus, dass Omikron sich schneller überträgt und die Krankheitsverläufe schwerer ausfallen als bei den bestehenden Mutationen. In diesem Szenario reagieren die Staaten mit weitreichenden Einschränkungen und die Nachfrage nach Dienstleistungen sinkt. Die wirtschaftliche Aktivität geht zurück. Eine Entspannung ist erst möglich, wenn die Impfstoffe angepasst sind. Das Wirtschaftswachstum fällt in den nächsten Monaten tiefer aus als im Basisszenario. Rückläufige Energiepreise dämpfen die Inflation. Ein Anstieg bei den Neuinfektionen könnte jedoch die Bereitschaft der Menschen an den Arbeitsmarkt zurückzukehren verringern. Die Fortschritte am Arbeitsmarkt verlangsamen. Eine solche Entwicklung könnte die Inflation weiter befeuern und Druck auf die Notenbanken ausüben.
Im Non-Event Szenario zeigt sich, dass Omikron sich weniger rasch überträgt als die Delta-Variante. Daraus lassen sich keine Veränderungen zum Basisszenario feststellen. Die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft bleiben intakt. Die Unternehmen können ihre Gewinne weiter steigern und die Margen verteidigen. Die Normalisierung der Geldpolitik geht weiter.
Im besten Fall - Best Case - stellt sich heraus, dass Omikron sich zwar schneller überträgt, aber mehrheitlich milde Verläufe mit sich bringt. Es sind keine zusätzlichen Einschränkungen seitens Staaten notwendig und die Wachstumsaussichten bleiben intakt. In diesem Fall könnte das abgeschwächte Omikron die neue dominante Variante werden und die gefährlicheren verdrängen. Die Inflation geht, aufgrund der Normalisierung der Lieferengpässe, stärker zurück als im Basisszenario skizziert. Die Geldpolitik wird rascher zurückgeführt als erwartet.
Die möglichen Auswirkungen aufs Wirtschaftswachstum durch Omikron sind immens. Die Unsicherheiten für den Inflationsausblick bleiben erhöht. Die Wahrscheinlichkeit für das Worst Case Szenario ist jüngst angestiegen. Nichtsdestotrotz ist es derzeit noch zu früh, um die Auswirkungen verlässlich beziffern zu können. Wir nehmen deshalb keine Veränderung an unserem Basisszenario vor und rechnen mit dem Non Event Szenario.
Mögliche Szenarien im Überblick
Auswirkungen auf Anlageklassen
Obligationen
Worst Case
Non Event
Best Case
Zinsen
Die Zuspitzung der Pandemie treibt die Anleger in sichere Staatsanleihen, was zu tieferen Zinsen führt.
Das eintrübende konjunkturelle Umfeld unterstützt diesen Trend.
Überdurchschnittlich hohes Wirtschafts-wachstum sorgt für Aufwärtsdruck bei den Zinsen.
Die Notenbanken kehren von der extrem expansiven Geldpolitik ab.
Hohe Inflationsraten unterstützen höheren Zinsen.
Überdurchschnittlich hohes Wirtschafts-wachstum sorgt für Aufwärtsdruck bei den Zinsen.
Die Notenbanken kehren schneller als erwartet von der extrem expansiven Geldpolitik ab und beginnen den Zinserhöhungszyklus.
Aktien
Worst Case
Non Event
Best Case
Aktien global
Das tiefere Wirtschaftswachstum als Folge von neuen Lockdowns und Lieferengpässen führt zu sinkenden Unternehmensgewinnen.
Risikobehaftete Anlagen wie Aktien werden verkauft (Risk-off).
Eine weniger restriktive Geldpolitik (Aufschieben des Tapering) wird die Aktienmärke stützen.
Das Gewinnwachstum bei den Unternehmen hält an, wenn auch auf tieferem Niveau als in 2021.
Die Geldpolitik geht den Weg der Normalisierung weiter, ohne den Wirtschaftsaufschwung auszubremsen.
Der Aufwärtstrend der Aktienmärkte hält an, wird aber weniger steil und etwas volatiler.
Das Wirtschafts-wachstum verliert an Dynamik, bleibt jedoch überdurchschnittlich hoch.
Das Gewinnwachstum bei den Unternehmen sinkt im Vergleich zu 2021 weniger stark als erwartet.
Die Notenbanken agieren zusehends restriktiver, was an den Aktienmärkten zu Gegenwind führt.
Globale Nebenwerte
Kleinkapitalisierte Unternehmen leiden stärker unter den Folgen der Pandemie als grosskapitalisierte.
In einem «Risk-off»-Umfeld werden Small Caps deutlich unter Druck geraten und schlechter abschneiden als Large Caps.
Kleinkapitalisierte Unternehmen profitieren von der graduellen wirtschaftlichen Erholung.
Die Zinsen steigen nur moderat, womit die Finanzierungskosten tief bleiben und die Margen der Unternehmen nicht gefährden.
Kleinkapitalisierte Unternehmen profitieren einerseits vom anhaltend hohen Wirtschaftswachstum, andererseits sorgen höhere Zinsen für höhere Finanzierungskosten und begrenzen das Aufwärtspotenzial.
Minimum Volatility
Aktien mit tiefer Volatilität entwickeln sich zwar negativ, halten sich aber besser als der Gesamtmarkt.
Sinkende Langfristzinsen unterstützen dieses Segment zusätzlich.
Aktien mit tiefer Volatilität sind in einem positiven Umfeld weniger gefragt als zyklische Werte mit höherer Volatilität.
Sie setzten die Underperformance von 2021 auch im neuen Jahr fort.
Aktien mit tiefer Volatilität entwickeln sich schwächer als Zykliker.
Steigende Zinsen sorgen in defensiven Sektoren wie Basiskonsum, Kommunikation und Versorger für Gegenwind.
Growth ggü. Value
Wie bereits in der ersten Pandemiewelle werden sich Growth-Aktien besser entwickeln als Value-Aktien.
Sie profitieren von sehr tiefen Realzinsen und dem Trend zu «Stay-at-Home» bzw. «Work-from-home».
Zyklische Value-Aktien geraten aufgrund der schwächeren wirtschaftlichen Aussichten und sinkender Zinsen stärker unter Druck.
Wachstumswerte werden aufgrund ihrer nach wie vor hohen Bewertung unter gelegentlich auftretenden Gewinnmitnahmen leiden, entwickeln sich aber aufgrund der hohen Gewinnmarge weiterhin positiv.
Positive Wirtschaftsdaten beflügeln (zyklische) Value-Aktien.
Die Notenbanken werden noch stärker auf die Bremse treten und die Leitzinsen schneller als erwartet anheben.
Dies für zu starken Gewinnmitnahmen bei Growth-Aktien.
Das beste Szenario für Value-Aktien, welche von Umschichtungen von Growth in Value – insbesondere in den Sektoren Finanzen und zyklischer Konsum - profitieren.
Realwerte
Worst Case
Non Event
Best Case
Gold
Unsicherheiten werden eingepreist, sichere Häfen werden gefragt sein.
Tiefe US-Realzinsen führen zu tiefen Opportunitätskosten von Goldpositionen.
Gold steht in der Gunst der Anlegenden.
Guter Wirtschaftsausblick lässt Nachfrage nach sicheren Häfen zurückkommen.
Das Halten von zinslosem Gold wird bei steigenden Zinsen unattraktiver.
Absicherung des Portfolios ist nicht mehr gefragt – der Goldpreis korrigiert nach unten.
Wie in Szenario 2 werden steigende Zinsen auf dem Goldpreis lasten.
Immobilien
Wohnliegenschaften mit defensivem Charakter bleiben gefragt.
Kommerzielle Liegenschaften – insbesondere Retail und Restauration - kommen aufgrund von Lockdowns unter Verkaufsdruck.
Immobilien bleiben weiter in der Gunst der Anlegenden.
Wohnliegenschaften werden bevorzugt.
Positionen in kommerziell genutzten Liegenschaften werden schrittweise aufgebaut – insbesondere im Büro- und Food Bereich.
Wohnliegenschaften verlieren aufgrund von höheren Refinanzierungskosten und in etwa gleichbleibenden Mieten an Attraktivität.
Die Nachfrage nach Kommerzliegenschaften steigt.
Mieten sind an die Inflation gebunden (indexiert) und Mehrkosten auf Fremdkapitalseite können damit weitergegeben werden.