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Bei den Franzosen stösst das auf gemischte Gefühle - manche fürchten sogar schon um das kulturelle Erbe der Grande Nation.
Das Interesse der Chinesen am Bordeaux kommt nicht von ungefähr. "Das wichtigste in China ist die gesellschaftliche Stellung", sagt die chinesische Weinexpertin Li Lijuan. "Bordeaux zu trinken bedeutet, die schönen Dinge im Leben zu schätzen zu wissen. Ein eigenes Weingut zu besitzen kommt also fast der Aufnahme in den Hochadel gleich."
Mehr als 50 Winzerbetriebe wechselten in den vergangenen fünf Jahren in der Region Bordeaux in den Besitz von chinesischen Getränkekonzernen, Grundstücksmagnaten oder bekannten Persönlichkeiten. Obwohl diese Verkäufe an Chinesen nur einen Bruchteil der rund 8000 Weingüter in der Region betreffen, sorgt die Entwicklung für Aufsehen in Frankreich.
Manche Medien rücken die chinesische Kauflust schon ins Licht einer militärischen Invasion. Je grösser die Ambitionen der Chinesen, desto grösser die Klagen jener Franzosen, die um ihr kulturelles Erbe fürchten. "Werden wir in einigen Jahrzehnten noch in Frankreich heimisch sein?", fragte sich etwas ein Leser vor einiger Zeit in einem Beitrag auf der Webseite der Regionalzeitung "Sud Ouest".
Die Chinesen werden aber auch verteidigt: Sie seien lediglich die Nachfolger von Iren, Belgiern, Holländern und anderen Ausländern, die über die Jahrhunderte verteilt nach Frankreich kamen und deren Namen sich noch immer auf den Etiketten einiger der besten Bordeaux-Weine wiederfinden, heisst es dann.
Schwierigkeiten mit französischen Angestellten
Eines der grössten Weingüter in chinesischem Besitz ist das Château du Grand Mouëys im Gebiet Entre-deux-Mers. Der neue Besitzer, Zhang Jinshan, kam mit ambitionierten Plänen, um das Anwesen samt seiner Rotweine weiter nach vorne zu bringen. Doch er hat bereits Abstriche machen müssen. Einen Golfplatz etwa wird es nun doch nicht geben.
"Es war kein leichtes Jahr", sagt Yang Chen, der 28-jährige Geschäftsführer des Weingutes. Heftige Sommerstürme mit Hagelkörnern so gross wie Tischtennisbälle haben rund ein Drittel der Ernte zerstört. Ein Teil der Belegschaft begehrte auf. Für Yang alles eine Frage der Anpassungsfähigkeit.
"Die französischen Arbeiter haben eine sehr eingeschränkte Denkweise. Sie wollen einfach keine Veränderungen", klagt der neue Besitzer.
Eigene Nachfahren kein Interesse an Weingut
Nur 16 Kilometer weiter, auf dem Château Mylord, treten die Gebrüder Michel und Alain Large ihr 44 Hektar grosses Weingut an einen Geschäftsmann aus Hongkong ab. Mit ihnen findet nun die vierte Generation von Winzern ihr Ende auf diesem Land.
"Wir hatten hier einige grossartige Momente und wir sind ganz sicher nicht stolz darauf jetzt zu verkaufen", sagt der 67-jährige Michel mit leiser Stimme. Er selbst hat keinen Nachwuchs und die beiden Kinder seines Bruders haben kein Interesse am Weinbau.
Zu schwierig ist das Überleben, wenn man als Winzer nur in kleinem Massstab produziert. Und so finden sich die meisten an Chinesen verkauften Weingüter auch in diesem Segment, in dem die Preise unter fünf Millionen Euro liegen.
Allerdings richtet sich das Interesse der Chinesen zunehmend auf vornehmere Weingüter in Gebieten wie Saint-Émilion und Médoc. So kaufte ein Investor aus dem Reich der Mitte im vergangenen Jahr ein Weingut, das Wein der Klasse Cru classé in Saint-Émilion produziert. Gerüchten zufolge soll er dafür einen Preis im Bereich von 40 Millionen Euro bezahlt haben.
(SDA)