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Oft geht bei uns vergessen, dass die Schweiz lange nicht so demokratisch war, wie viele vermuten. Der versierte Historiker, Dr. Josef Kunz, zeigt den steinigen Weg von der Alten Eidgenossenschaft ab 1798 zur «Vorzeige-Demokratie» von heute auf. Es war ein mühsamer, ja sogar kriegerischer Kampf, bis aus der alten, aristokratischen Schweiz, wo die Untertanen nichts zu sagen hatten, die Schweiz 1848 zur ersten demokratischen Nation Europas wurde. Aber trotz der Bundesverfassung von 1848 blieb die Schweiz ein elitäres System. Der Bundesrat setzte sich aus 7 liberal-radikalen Mitgliedern zusammen. Die andern Parteien hatten nichts zu sagen!
Erst die Einführung des Referendumsrechtes 1874 und des Initiativrechtes 1891 führten zu einer neuen Machtverteilung, auch wenn die liberal-radikale Partei im Parlament infolge des Majorzwahlrechtes bis 1919 über eine absolute und dominierende Vormachtstellung verfügte. Der Landessstreik von 1918 erschütterte das System einer liberal-elitären Demokratie. Erst in der grossen Bedrohungslage des 2. Weltkrieges erhielt die SP 1943 ihren ersten Bundesratssitz.
Für die Frauen dauerte es noch viel länger. Obwohl die kleine Wallisergemeinde Unterbäch schon 1957 als erste Gemeinde das Frauenstimmrecht auf Gemeindeebene einführte, dauerte es noch bis 1971, als das Frauenstimmrecht schweizweit eingeführt wurde, in Appenzell erst 1991 durch einen Bundesgerichtsentscheid.
Es war ein langer und steiniger Weg. Würden Sie dazu einen Einbürgerungstest bestehen? Zum Beispiel: Warum erhält der Kanton Zürich bei den Nationalratswahlen 2023 neu 36 Sitze, der Aargau 16 und Glarus nur 1 Sitz? Oder warum erhielt die SVP im Kanton Aargau 2019 nur 6 Nationalratssitze, obwohl sie 31,5 Prozent Wähleranteil erreichte? Oder warum erhielt die EVP im Kt. Zürich einen Nationalratssitz, obwohl ihr Wähleranteil nur 0,81 Prozent ausmachte?
Viele Fragen zum schweizerischen Demokratieverständnis. An drei Abend erläutert der Historiker, Dr. Josef Kunz, diese in verständlicher Sprache.