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Rebelle (2012)
Rebelle (2012)
Oder: Die Löwin
Als Opfer des afrikanischen Bürgerkrieges wird Komona (Rachel Mwanza) mit zwölf Jahren von der Rebellentruppe des "Great Tiger" gezwungen, ihre Eltern zu töten und aus ihrem Dorf entführt. In knallhartem Training werden sie und andere Kinder zu Soldaten ausgebildet. Schwächen und Eigenwille sind verboten und werden durch Gewalt bestraft. Erst als die Camp-Leader auf Komonas einzigartige Gabe aufmerksam werden, gewinnt sie ein Stückchen Ansehen zurück. Als Hexe gefeiert, wird sie zum Anführer, dem grossen Tiger (Mizinga Mwinga) gebracht, unter dessen Diktat sie nun in die Kämpfe zieht.
Das Mädchen wird darauf getrimmt, jegliche Gefühle zu verdrängen und passiv Befehlen zu folgen. Selbst in diesem surrealen Alltag von Gewalt und Angst kehrt Routine ein. Einzig der fünfzehnjährige "Magician" (Serge Kanyinda) vermag etwas Licht in das dunkel gewordene Leben zu bringen. Dank ihm ist ihre Reise noch lange nicht zu Ende...
Film-Rating
Zehn Jahre hat sich Regisseur und Drehbuchautor Kim Nguyen für das berührende Drama Zeit genommen. Basierend auf einer wahren Geschichte über zwei etwa zehnjährige Kindersoldaten, begann er über deren unfassbare Welt nachzudenken und schrieb Komonas Geschichte Rebelle. Von Anfang an faszinierten ihn die Parallel-Welten der Kinder. Diese verwischten Grenzen von Schein und Realität, die spezielle Atmosphäre fand er in Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo wieder, womit er den perfekten Drehort für die Story gefunden hatte.
So abenteuerlich die Geschichte, so abenteuerlich auch die Art, wie sie entstanden ist; Nguyen entdeckte die Hauptdarstellerin Rachel Mwanza auf der Strasse. Das Mädchen erwies sich als hervorragende Schauspielerin, von fehlender Erfahrung keine Spur. Nicht überraschend wurde ihre Leistung an der Berlinale 2012 mit dem Silbernen Bären für die beste Darstellerin ausgezeichnet.
Zur weiteren Unterstreichung der Echtheit liess der Regisseur die Schauspieler vor ihren Auftritten am Set niemals das Skript lesen, sie wussten ebenfalls nicht über den Szenen-Ablauf Bescheid. Wie die Geschichte ihrer Rollen weiterging, blieb auch für sie eine Überraschung. Eine sehr kluge Lösung, denn nichts ist schlimmer, als tiefgründige Themen durch aufgebauschtes und unnatürlich getriebenes Drama zu verhunzen.
Besonders gelungen ist die Umsetzung des Inhalts in Bildern. Die Darstellung von Übernatürlichkeit in fassbarer Umgebung ist beeindruckend einzigartig und hebt die Schwermütigkeit der Geschichte an zu einem Kunstwerk. Schön kreiert ist auch die Dramaturgie; mit der Idee die Geschichte in direkter Rede an Komonas Baby zu erzählen, wird ein roter Faden gesponnen voller Persönlichkeit und Rührung.
Schwachpunkte sind schwer zu definieren. Bei aller Tragik und Gewalt sind durchaus hoffnungs- oder gar humorvolle Szenen zu finden. Im Allgemeinen ist der Film dennoch nicht als "Unterhaltung" anzusehen, zu ernst und drückend ist die Geschichte und Wahrheit dahinter. Eher kann er als sinnvolle Weiterbildung bezeichnet werden. Nicht zu vergessen ist dabei aber der künstlerisch-kreative Aspekt, der von den Filmschaffenden definitiv nicht in den Hintergrund gerückt worden ist.
OutNow.CH:
02.07.2013 / mar
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