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1900-1975, geboren in Magdeburg, gestorben in Locarno
Schüler an den Konservatorien in Frankfurt und Berlin. Er begann als Stummfilmorganist, schrieb Operetten, Filmmusik, Orchestersuiten, Chansons und Klavierwerke. Avancierte zu einem poulären Radiokomponisten, dessen Musik auch von Promenaden- und Kurkapellen gerne gespielt wurden. "Südlich der Alpen", 1936 komponiert, war sein grösster internationaler Erfolg. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Ronco s/Ascona.
Ferien-Journal von September 1975: Zum Hinschied des Komponisten Ernst Fischer, Ronco. Ernst Fischer ist nicht mehr. Der Schöpfer heiterer Musik starb am 10. Juli des Jahres völlig unerwartet in seinem schönen Haus in Ronco sopra Ascona. Der Mann, dessen bekanntestes Werk „Südlich der Alpen“ heisst, wohnte 13 Jahre lang mit seiner Frau im Tessin. Ernst Fischer wurde vor fünfundsiebzig Jahren in Magdeburg geboren. Seinen ersten Walzer „Elfenreigen“ komponierte er im Alter von sechs Jahren. „Als ich 14 Jahre alt war“ – so Fischer in einem Brief – „führte mich Albert Mattausch in den Zwang von Harmonielehre und Kontrapunkt ein. Dann aber verkomponierte ich alles, was mir in die Finger kam. „Des Sängers Fluch“, „Napoleons Tod“ und Sonaten à la Beethovenmit einem Spritzer Puccini“. Für seine Mutter stand fest, dass ihr Junge Komponist werden sollte. So besuchte er das Hoch’sche Konservatorium für Musik in Frankfurt am Main. Er wurde mit 16 Jahren Kompositionsschüler von Waldemar von Baussern, der ihn einer fortgeschrittener Kontrapunktklasse von Bernhard Sekles zuteilte. Wenn Kollege Paul Hindemith, der zu jener Zeit im Militär weilte, auf Urlaub kam, spielten Fischer und er oft vierhändig Wiener-Walzer am Klavier, die sie beide auswendig konnten. Später studierte Ernst Fischer bei Breithaupt in Berlin und konzertierte darauf einige Jahre als Pianist. Aber fast unbemerkt begann er, sich der leichteren Muse zuzuwenden. Die grossen Filmtheater besassen bereits Orchester, aber keine geeignete Literatur. So begann Fischer, „Kinotheken“ zu schreiben. Auch der Rundfunkt hatte schon eine Million Hörer, aber keine spezifische Unterhaltungsmusik (dies im Sinne von gehobener Unterhaltungsmusik). So schrieb er das Werk, welches ihn bekannt und berühmt machte; die viersätzige Suite „Südlich der Alpen“. Die Aktualität dieser neuen Aufgaben faszinierte Fischer so, dass er seine atonalen Kompositionen und Konzerte bald vergass. Er begann auch als Arrangeur für viele namhafte Komponisten zu arbeiten, welche Musik für Bühne, Konzerte und Film schrieben. Sein Schaffen weist einen ihm eigenen Stil auf. Die Geteilte Streicher-Gruppe, die markanten Horneinsätze, aber vor allem die Verbindung von klassischen und modernen Rhythmen geben seinen Werken ein eigenes Gepräge. Werke wie: „Klingende Wochenschau“, „Tutto va bene“, „Heute bin ich gut gelaunt“ oder die Suiten „Spanische Novellen, „Gamsjagd im Tirol“, „Kleinigkeiten“, „In Vino veritas“, legen davon Zeugnis ab. Auch der Volksmusik, vor allem aus südlichen Ländern, fühlte er sich stets geneigt und war ausserdem einer der wenigen Komponisten, die noch originelle und gute Chorlieder schreiben konnten. Auf seinem Klavier lagen aber auch immer Werke von Debussy und Ravel. Fischers spätes Schaffen ist von dieser Musik beeinflusst. Ein Leben voll Melodie und neuen Ideen liessen Ernst Fischer, den Aristokraten der heiteren Muse, einen Stil prägen, der unbedingt Beachtung finden sollte.
Als Mensch war Ernst Fischer wie seine Musik: er war Lebenskünstler mit Freude an den schönen Künsten, an Reisen und an seinem Hobby, dem Filmen. Seine beschwingten und heiteren Werke werden noch viel gespielt werden und den Hörer fröhlich lauschen lassen. „Aber“ – so Ernst Fischer in einem Brief an seinen Verleger – „ich habe sie immer verteufelt ernst genommen, die heitere Muse“.
Reto Parolari, Brissago