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Das Ende seiner Karriere? Nach zwei Vorwahlen steht Joe Biden mit dem Rücken zur Wand
Der Ex-US-Vizepräsident, 77, landet in New Hampshire auf dem enttäuschenden fünften Platz – und muss sich kritische Fragen anhören.
Wie klingt es, wenn ein Präsidentschaftskandidat versucht, seinen Anhängern Mut einzuflössen? So: «Das war der Beginn – und nicht das Ende – des Kampfes, Donald Trumps Präsidentschaft zu beenden.» Und: «Wir legen erst so richtig los.»
Diese Mutmacher stammen aus einem E-Mail, das der Wahlkampfstab von Joe Biden in der Nacht auf Mittwoch an potenzielle Unterstützer verschickte. Biden hat im Kern recht: Es ist falsch, nach 2 von mehr als 50 Entscheidungen im Wahlkampf um die Nomination zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten bereits vom Ende zu sprechen.
Und trotzdem: Barack Obamas ehemaliger Vizepräsident steht mit dem Rücken zur Wand. Seine schlechten Ergebnisse in Iowa und New Hampshire, wo er gestern nur auf dem fünften Rang landete, stellen die Strategie des ehemaligen Umfrage-Spitzenreiters in Frage. Der 77-Jährige kehrte einzig aus dem Vorruhestand zurück, weil er – und nur er – fähig sei, eine Koalition zu zimmern, die den Amtsinhaber aus dem Weissen Haus vertreiben könne. Während seiner Wahlkampfauftritte sprach Biden deshalb oft und gerne darüber, dass er um die «Seele der Nation» kämpfe und nach einer Reihe von persönlichen Schicksalsschlägen nicht auch noch sein Land an Donald Trump verlieren wolle.
Diese Botschaft zielte auf das Bauchgefühl der Wähler. Gerade ältere Amerikaner fühlten sich angesprochen. Häufig glichen die Biden-Auftritte in Iowa und New Hampshire improvisierten Therapiesitzungen, an denen vom Leben geprüfte Bürger einander zuhörten. Biden gelang es aber nicht, seine oft berührenden Geschichten mit einem programmatischen Überbau zu verknüpfen. Er vermochte es nicht, unentschlossene Wähler zu einer Stimmabgabe für ihn zu motivieren. «Seine Zeit ist abgelaufen», sagte ein Wähler nach einer Veranstaltung in Hudson (New Hampshire). Und seine Frau ergänzte: «Mir war das viel zu negativ und zu traurig.»
Bidens 40-jährige Karriere steht auf dem Spiel
Die Resultate Bidens – in Iowa landete er auf dem vierten, in New Hampshire sogar nur auf dem fünften Rang – könnten dazu führen, dass sich einstige Anhänger auf die Suche nach einem neuen Kandidaten machen – wenn Biden nicht bald in die Gänge kommt. Alle Augen sind deshalb auf South Carolina gerichtet, wo am 29. Februar die Urnenwahl stattfindet. Afroamerikanische Demokraten stellen hier die Mehrheit der Wähler. Dank seiner Arbeit an der Seite Obamas, dem ersten dunkelhäutigen Präsidenten Amerikas, geniesst Biden unter schwarzen Amerikanern einen Vertrauensvorschuss.
Andererseits wird das gute Abschneiden von Ex-Stadtpräsident Pete Buttigieg (zweiter Platz in New Hampshire) und Senatorin Amy Klobuchar (dritter Platz in New Hampshire) dazu führen, dass sich Afroamerikaner noch einmal Gedanken über ihre Stimmabgabe machen. Auch der Sieger von New Hampshire, Senator Bernie Sanders, fischt in South Carolina nach Wählern. Er hat aus den Fehlern seines Wahlkampfes 2016 gelernt und seine Kontakte zu schwarzen Amerikanern ausgebaut. «Es ist Blut im Wasser», sagte der Politstratege Quentin James der Insider-Postille «Politico». Die Resultate Bidens zeigten, dass er unter weissen Demokraten keinen derart grossen Rückhalt besitze, wie er behauptet habe. Das werde dazu führen, dass sich afroamerikanische Wähler nach einem neuen Kandidaten umschauten, der Trump besiegen kann.
Biden scheint sich bewusst zu sein, dass seine lange politische Karriere – die 1970 in Delaware begann – in den nächsten zwei Wochen auf dem Spiel steht. Am Dienstagabend, als in New Hampshire noch die Stimmen ausgezählt wurden, befand er sich bereits in South Carolina.