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Was für den FC Barcelona eine reine Pflichterfüllung hätte werden sollen, wurde zu einem Debakel. Der spanische Meister, in der laufenden Champions League-Saison bis am Dienstagabend noch ungeschlagen, verspielte seinen scheinbar sicheren Vorsprung aus dem Heimspiel. Der FC Liverpool provozierte mit seiner intensiven und druckvollen Spielweise die Fehler von Barcelona.
Nach weniger als sieben Minuten gingen die Engländer durch Divock Origi 1:0 in Führung und machten dann innerhalb von drei Minuten durch den zur Pause eingewechselten Georginio Wijnaldum (54. und 56.) den Rückstand wett.
Entscheidendes 4:0
Wie sehr Barcelona im Verlauf der Partie aus dem Tritt geriet, beweist das entscheidende 4:0 in der 79. Minute: Trent Alexander-Arnold konnte einen Eckball flach in den Strafraum spielen, wo der freistehende Divock Origi problemlos seinen zweiten Treffer erzielte.
Der FC Liverpool vollendete mit seinem vierten Tor, dem dritten in der zweiten Halbzeit, eine der spektakulärsten Wenden der Europacup-Geschichte und wird am 1. Juni 2019 in Madrid den neunten Champions League-Final bestreiten, den zweiten in Folge nach der letztjährigen Niederlage gegen Real Madrid.
Kämpferisches Liverpool
Der FC Liverpool machte von der ersten Minute an klar, dass er sich nicht kampflos geschlagen geben werde. Er setzte den Gegner speziell zu Beginn beider Halbzeiten mit hoher Intensität unter Druck und machte es den Spaniern so bei jedem Ballkontakt schwer, einen Passempfänger zu finden. Barcelona war beeindruckt, produzierte viele Fehlpässe, etwa jener von Jordi Alba, der zum 0:1 führte, oder jener von Ivan Rakitić, der dem 0:2 vorausging. Mit Wucht und überdurchschnittlicher physischer Präsenz brachte Liverpool die Katalanen zunächst ins Wanken.
Barcelona fand besser ins Spiel
Doch bis in die 50. Minute deutete trotz aller Liverpooler Bemühungen wenig daraufhin, dass der FC Barcelona fallen würde. Die Mannschaft von Ernesto Valverde fand nach einer Viertelstunde besser ins Spiel, schaffte es, das Tempo mit seinen Ballstafetten etwas zu reduzieren, das Geschehen zu kontrollieren und spielte sich bis zur Pause sogar ein Chancenplus heraus.
Liverpools brasilianischer Goalie Alisson musste viermal entscheidend eingreifen, ehe Georginio Wijnaldum das 2:0 gelang. Und er war auch zur Stelle, als Lionel Messi in der 68. Minute abschloss. Danach blieb er aber erstaunlich wenig beschäftigt.
Keine idealen Voraussetzungen
Die Voraussetzungen für einen Exploit dieser Grössenordnung waren für den FC Liverpool eigentlich alles andere als ideal. Mit Mohamed Salah, Roberto Firmino und Naby Keita fehlten gleich drei entscheidende Spieler.
Trainer Jürgen Klopp musste also umdisponieren und vertraute Xherdan Shaqiri und Divock Origi, die zusammen am letzten Wochenende den 3:2-Siegtreffer in Newcastle bewerkstelligt hatten und damit den FC Liverpool im Meisterrennen hielten. Für Shaqiri war es in diesem Jahr erst der fünfte Einsatz in der Startformation.
Xherdan Shaqiri mit Assist zum 3:0
Der Basler konnte lange Zeit seine fehlende Spielpraxis nicht verbergen. Doch auch er leistete schliesslich Entscheidendes mit der Flanke auf Georginio Wijnaldum, der mit dem Kopf das 3:0 erzielte.
Der Niederländer Wijnaldum avanciert derweil zum überraschende Matchwinner. Im Hinspiel war er als Mittelstürmer aufgelaufen und offensiv wirkungslos geblieben. Nun war er Doppel-Torschütze und sorgte dafür, dass dem FC Barcelona fast das gleiche widerfuhr wie im letzten Jahr. Damals waren Messi und Co. nach einem 4:1-Heimsieg durch ein 0:3 bei der AS Roma in der Champions League gescheitert.