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Um zu verstehen, welche Blutwerte sich in den Wechseljahren verändern, muss man zuerst die Zusammenhänge im Wechselspiel der weiblichen Hormone kennen. Wichtig sind vor allem das Östrogen, das Progesteron (auch Gelbkörperhormon genannt), das luteinisiernde Hormon (kurz LH) und das Follikel-stimulierende Hormon (kurz FSH). In der fruchtbaren Phase einer Frau sorgen sie zusammen für den Zyklus. Monat für Monat stimulieren LH und FSH zusammen die Eierstöcke so, dass sich in einem ein Eibläschen (Follikel) mit einem befruchtungsfähigen Ei bildet. Dieses Eibläschen wächst in den ersten 14 Zyklustagen. Seine Wand ist der Hauptproduzent von Östrogen. Nun ist es einfach, sich vorzustellen, dass das Eibläschen umso mehr Östrogen bilden kann, je grösser es wird.
Vor den Wechseljahren misst man zu Beginn des Zyklus, also zum Zeitpunkt der Blutung, im Blut einen Östrogenspiegel von ca. 30 ng/l (Nanogramm/Liter). Kurz vor dem Eisprung sind es im Schnitt 250 bis 300 ng/l. Der Spiegel vom FSH liegt bei 2,5 bis 10 IE/l (Internationale Einheiten/Liter).
Der steigende Östrogenspiegel sorgt dafür, dass die Schleimhaut in der Gebärmutter anwächst, um sich auf die mögliche Einnistung eines befruchteten Eis vorzubereiten. Ausserdem regt die erhöhte Östrogenmenge die Hirnanhangdrüse dazu an, LH auszuschütten. Dieses Hormon löst dann den Eisprung aus. Ist der erfolgt, wandelt sich das leere Eibläschen s um in den sogenannten Gelbkörper. Er produziert nun auch Progesteron. Östrogen wird weiterhin gebildet, aber in geringeren Mengen.
Nach dem Eisprung pendelt sich der Östrogenspiegel auf rund 120 bis 180 ng/l ein. Progesteron wird in deutlich grösseren Mengen gebildet, es sind rund 5000 bis 12000 ng/l. Der Spiegel des FSH liegt um den Eisprung herum bei 3,5 bis 33 IE/l und sinkt danach auf 1,5 bis 9 IE/l.
Tritt eine Schwangerschaft ein, erhöhen sich die Spiegel von Östrogen und Progesteron weiter. Passiert das nicht, sinken die Werte sehr deutlich. Die des Progesterons gehen gegen Null. Das löst die Monatsblutung aus.
Beginnen die Wechseljahre, lässt die Funktion der Eierstöcke langsam nach. Zuerst führt das dazu, dass pro Zyklus ein Eibläschen verzögert oder nicht richtig heranreift. Das hat mehrere Folgen: Der Östrogenspiegel steigt zu langsam und wird auch nicht hoch genug. Typische Symptome dafür sind Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen. Nach dem Eisprung ist auch die Produktion von Progesteron vermindert. Dadurch stimmt die Balance zwischen Östrogen und Progesteron nicht. Das Östrogen bekommt ein Übergewicht. Wenn der Eisprung dann im weiteren Verlauf der Wechseljahre immer häufiger ganz ausbleibt, fehlt das Progesteron fast ganz. Das Problem dabei: Das nicht geplatzte Eibläschen bildet immer weiter und immer mehr Östrogene. Der Spiegel ist jetzt bei vielen Frauen gegen Zyklusende viel höher als in den Jahren vor den Wechseljahren. Dadurch wird deutlich mehr Gebärmutterschleimhaut aufgebaut. Das führt sehr oft zu viel stärkeren und manchmal auch längeren Blutungen als gewohnt. Der erhöhte Östrogenspiegel macht die Frauen dazu reizbar. Viele werden sehr empfindlich, könnten bei Kleinigkeiten in Tränen ausbrechen. Auch der Geruchssinn ist jetzt oft stärker. Dazu kommen häufig vermehrte Wassereinlagerungen und Spannungsgefühle in der Brust.
Noch ein weiteres Hormon spielt jetzt wieder eine Rolle. Der Körper versucht, durch die verstärkte Bildung von FSH die Arbeit der Eierstöcke wieder anzukurbeln.
Zu Beginn der Wechseljahre kann der Östrogenspiegel phasenweise übermässig ansteigen, Werte von bis zu 500 bis 600 ng/l sind möglich. Aber je nach Termin der Blutabnahme können die Östrogenwerte auch genauso hoch sein wie vor den Wechseljahren. Das Progesteron kann noch normale Werte zeigen oder auch gegen Null gehen. Die FSH-Werte steigen während des ganzen Zyklus auf 10 bis 20 IE/l.
Schreiten die Wechseljahre weiter fort, kommt es nach und nach zu einem Östrogenmangel, denn es bilden sich jetzt immer seltener Eibläschen. Typische Symptome sind nun Hitzewallungen und Schweissausbrüche. Irgendwann kommt es dann zur letzten Blutung, der Menopause. Die lässt sich aber erst rückblickend ausmachen, nämlich dann, wenn es ein Jahr lang zu keiner weiteren Blutung gekommen ist.
In den Wechseljahren sinken die Östrogenwerte auf unter 25 ng/l in der ersten Zyklushälfte und unter 80 ng/l in der zweiten. Der Progesteronspiegel ist sehr niedrig, er tendiert gegen Null. Das FSH hingegen steigt auf Werte von über 12 IE/l.
Nach den Wechseljahren ist das Auf und Ab der Hormone vorbei, sie pendeln sich auf einem Wert ein. Auch die Beschwerden lassen jetzt immer mehr nach und sind bald ganz vorbei. Wie lange das dauert, ist individuell sehr unterschiedlich. Bei der einen Frau dauert der ganze Prozess nur zwei, drei Jahre. Andere Frauen haben zehn und mehr Jahre Probleme.
Durchschnittswerte nach den Wechseljahren: Der Östrogenspiegel liegt unter 20 ng/l, Progesteron ist kaum noch messbar. Der FSH-Wert ist gestiegen auf 23 bis 116 IE/l.
Alle diese Werte sind Referenzwerte, die für den Durchschnitt der Frauen zutreffen. Individuelle Abweichungen gibt es häufig. Bei der Bestimmung kann es ausserdem von Labor zu Labor kleine Unterschiede geben. Findet nach dem Beginn der Wechseljahre noch eine Blutung statt, ist eine Blutuntersuchung nicht leicht zu interpretieren, da die Werte im Verlauf des Zyklus schwanken. Ein Laborwert ist dann immer eine Momentaufnahme.
Möchte eine Frau genau wissen, ob sie in den Wechseljahren ist, kann der FSH-Wert am genauesten darüber Auskunft geben. Doch auch er ist in der Zeit, in der die Eierstöcke noch arbeiten, Schwankungen unterworfen. Erst wenn die Wechseljahre vorüber sind, ist ein konstant erhöhter FSH-Spiegel dafür ein klares Indiz. Weil die Blutwerte so kompliziert einzuschätzen sind, sollten sie immer nur im Zusammenhang mit den Beschwerden einer Frau gesehen werden. Denn diese sind in der Regel der deutlichste Hinweis auf die Wechseljahre.