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Carl Albert Loosli: «Ich schweige nicht»
Carl Albert Loosli kam 1877 als uneheliches Kind in Schüpfen im Berner Seeland zur Welt. Er verbrachte dort bei einer Pflegemutter seine ersten zwölf Jahre. Bis zu seiner Volljährigkeit erlebte und überlebte er mehrere Anstalten in der welschen und der deutschen Schweiz, vor allem jene von Trachselwald. Er machte sich als Journalist und freier Schriftsteller einen Namen und engagierte sich im Kampf gegen Anstalten und das Verdingkinderwesen und für ein humanes Jugendrecht ("Anstaltsleben", 1924). Der "Philosoph von Bümpliz" Carl Albert Loosli starb 1959.
Loosli, einer der bedeutendsten Schweizer Autoren und scharfer Kritiker, war seiner Zeit weit voraus; seine Ansichten und Visionen sind aktuell geblieben. Von seiner Denkweise können wir heute noch profitieren.
C.A.Loosli Texte
Anstaltsleben, Carl Albert Loosli; Hrsg: Fredi Lerch/Erwin Marti, Rotpunkt Verlag, 2006 Das Buch ist der erste Band der mehr siebenteiligen, erstmals gesamthaft aufgelegten Werkausgabe von C.A. Loosli. Zehntausende von Anstaltszöglingen und Verdingkindern wurden zu billigen, zum Schweigen gebrachten Knechten und Mägden erzogen, meistens jedoch mehr geprügelt. Jugendliche, die sich wehrten, scheiterten oft am System und wurden dann administrativ „versorgt“. Gegend diese brutale Zwangsdressur und Erziehungsdiktatur trat Loosli als Sachverständiger an. Er selber hatte diese Hölle selber erlebt. Er forderte: Weg mit den Anstalten! Er wollte eine grundlegende Reform des Pflegekinderwesens und des Jugendstrafrechts. Sein Buch bewirkte, dass es endlich Verbesserungen gab und der despotische Direktor entlassen wurde.
Administrativjustiz, Carl Albert Loosli, Fredi Lerch, Erwin Marti, Rotpunkt Verlag, 2007 Zwischen 1850 und 1950 gab es einige hunderttausend Anstalts- und Verdingkinder – die dem Zeitgeist entsprechend zu Untertanen erzogen wurden, und denen man kaum Bildung angedeihen liess. Als Erwachsene blieben viele von ihnen Knechte und Mägde oder Handlanger in den Fabriken. Wer nicht parierte, konnte ohne Gerichtsurteil versorgt und mit Zwangsarbeit in einer entsprechenden Anstalt versorgt und zur Räson gebracht werden. Diese Praxis wurde jedoch erst Ende 1981 – notabene auf ausländischen Druck hin – endlich abgeschafft. Loosli hatte die Nachteile des Verfahrens am eigenen Leibe erfahren und wurde Verfechter eines neuen Rechtsempfindens.
Zur Biografie:
Carl Albert Loosli, Zwischen Jugendgefängnis und Pariser Bohème 1877-1907, Erwin Marti, Chronos Verlag 1996
Carl Albert Loosli, Eulenspiegel in helvetischen Landen 1904-1914, Erwin Marti, Chronos Verlag 1999
Carl Albert Loosli Biografie Band 3 – Im eigenen Land verbannt 1914-1959, Erwin Marti, Chronos Verlag, 2009