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Mehr als 18‘000 Personen haben sich im letzten Monat mit ihrem Namen für faire Arbeit in den Fabriken der Spielwarenindustrie eingesetzt. Gestern hat Solidar Suisse die Petition dem Spielwarenkonzern Mattel am europäischen Hauptsitz in Amsterdam übergeben. Von Mattel wurde eine Überprüfung der im Report untersuchten Fabriken angekündigt. Solidar Suisse wird die Aktivitäten von Mattel weiterhin dokumentieren und kritisch begleiten.
Dank dem Engagement von 18'000 Menschen und der grossen medialen Aufmerksamkeit hat Mattel bereits gegenüber allen drei beteiligten Organisationen (Solidar Suisse, Action Aid France und China Labor Watch) Stellung genommen. Der Konzern zeigt sich dialogbereit und hat eine Überprüfung der im Report genannten Fabriken angekündigt. Diese Überprüfung wird in Zusammenarbeit mit ICTI Care, dem Zertifizierungsprogramm für die Einhaltung von Sozialstandards in der Spielwarenindustrie, bis Ende Januar 2017 durchgeführt.
Branchenleader mit einer Geschichte der mangelnden Verantwortung
Mattel war im Jahr 1997 der erste Spielwarenkonzern, der einen Verhaltenskodex für seine globale Lieferkette (Mattel’s Responsible Supply Chain Standards) einführte und ein Programm für unternehmerische Verantwortung etablierte. Doch dieser Verhaltenskodex zeigte in den 20 vergangenen Jahren nur wenig Wirkung. Die im Jahr 2009 etablierte Zusammenarbeit mit ICTI Care führte aus Sicht von Solidar Suisse sogar zu einer Verschlechterung der Standards: Es wurden zwar Projekte für ArbeiterInnen mit Kindern lanciert, sowie ein Runder Tisch für Markenhersteller, Detailhändler und Produzenten durchgeführt. Doch bei ICTI Care zeigen sich sowohl strukturelle als auch operative Mängel. Obwohl sich ICTI Care als unabhängige NGO betitelt, sitzen vor allem Vertreter der Spielwarenindustrie im Verwaltungsrat. Zudem werden von verschiedenen Seiten Vorwürfe hinsichtlich der Audits (Fabriküberprüfungen) geäussert. Die Guangdong Toy Association wirft ICTI Care vor, dass die Audits – durchgeführt von akkreditierten Drittparteien – käuflich sind. ICTI Care bestreitet die Vorwürfe, nimmt sie aber dennoch ernst. Dies zeigt sich daran, dass sich alle Audit-Firmen für die Periode 2017 bis 2019 neu bewerben müssen.
Kontinuierlicher Druck der Öffentlichkeit zeigt Wirkung
Ohne öffentlichen Druck läuft in der Spielwarenbranche sehr wenig zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die Rolle von NGOs und von KonsumentInnen ist also entsprechend klar: Um für positive Veränderungen zu sorgen, müssen wir aktiv und kritisch bleiben. Dies zeigt auch das folgende Beispiel von China Labor Watch: Die Organisation publizierte 2016 eine Recherche zu zwei Fabriken, welche für Disney Produkte herstellten. Die drauffolgende Überprüfung durch Disney führte dazu, dass die Zusammenarbeit mit einer der beiden betroffenen Fabriken gekündigt wurde, denn diese hatte bereits mehrfach gegen die Richtlinien und Auflagen von Disney verstossen und zeigte keinerlei Fortschritte. In der zweiten Fabrik wurde ein Korrekturplan zur Verbesserung der Situation der ArbeiterInnen erstellt.
Und Mattel?
Was Mattel in seinen Fabriken konkret unternimmt, ist derzeit noch völlig offen. Solidar Suisse wird die Aktivitäten kritisch dokumentieren und damit im besten Fall für ein Umdenken bei den Konzernen und für verbesserte Arbeitsbedingungen in den Spielzeugfabriken sorgen. Wir halten Sie diesbezüglich auch 2017 auf dem Laufenden.