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Am 17. August 1886 morgens um fünf weckten vier Kanonenschüsse die Bevölkerung und eröffneten die dreitägigen Einweihungsfestivitäten. Die Schulkinder zogen von den Schulstuben in die Kirche und bekamen vom Pfarrer einige kurze, mahnende Worte zu hören. Der strömende Regen verhinderte den geplanten Festumzug. Stattdessen ging man direkt ins neue Schulhaus. Die Niederschläge führten zu einer Änderung des Programms: «Immer deutlicher zeigte der Regenspendende, dass er heute keine Festrede an dieser Stätte dulde, nur die Übergabe und Entgegennahme des Hausschlüssels sowie die allernötigsten Worte der Herren Müller und Pfarrer Bartholdi wurden nicht verhindert.» Am Abend fand in der Schützenhalle ein Festbankett statt. Der darauffolgende Sonntag brachte schönes Wetter, so dass Umzug mit kostümierten Kindern doch noch stattfinden konnte. Die lokale Zeitung beschrieb den Anlass: «Am Anfang des Zuges erschien eine ansehnliche Schar urkräftiger Zuckerbäcker, welche auf den Schultern das von unserem Konditor meisterhaft ausgeführte Schulhaus-Modell samt seinem Festkuchen-Fundament (800 Portionen) trugen. Darauf folgte die flotte «Thalwiler Kapelle». Ihr reihten sich in einzelnen Abteilungen «edle Spanier, Bogenschützen, Knaben im Turnerkostüm, Indianer, Neger und sonstige wild aussehende Kerlchen, ehrwürdige Zwerge, altdeutsche Herren etc.» an. […] Die lieblichen Mädchen hielten in den Händen Girlanden, Blumensträusse und Blumenkörbchen.»
Schon in den 1870er-Jahren hatte Thalwil zwei neue Schulhäuser gebaut: Gattikon (1870) und Oelwiesli (1874). Das Anwachsen der Bevölkerung in den 1880er-Jahren zwang die Behörden erneut zum Handeln. Die Baukommission schlug 1884 auf dem Schwandelareal den Bau eines Schulhauses mit Turnhalle vor. An der Gemeindeversammlung im Januar 1885 stimmten die Stimmberechtigten dem Kredit des Schulhauses zu, verweigerten aber denjenigen für eine Turnhalle. Der Plan sah sechs Schulzimmer und drei Wohnungen (zwei für Lehrer, eine kleinere für den Abwart) vor, die bei Bedarf in zusätzliche Unterrichtsräume hätten umgewandelt werden können. Zur Finanzierung der benötigten Fr. 150’000.– gab die Gemeinde Obligationen heraus. Am 1. August 1885 wurde der Grundstein gelegt.
Der dreigeschossige prägnante Späthistorismus-Bau ist ein typischer Vertreter der sogenannten Gründerzeit. Sein palastartiger Charakter mit der repräsentativen strassenseitigen Fassade zeugt vom Wohlstand der Gemeinde. Die Fassade und das Treppenhaus sowie die bauzeitliche Grundrissdisposition sind weitgehend erhalten geblieben. 1977 erfolgten Renovationsarbeiten und 2007 der Einbau eines Mehrzwecksaals im Dachgeschoss samt grosser Dachgaube.