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Von Kurt Meyer
Jeden Winter wurde das Skifahren in der Mugi beliebter. Ich sorgte auch dafür, dass die Kinder, die keine Skier hatten, solche bekamen. Manche organisierten sich selbst Skiausrüstungen von Bekannten oder Verwandten, deren Kinder grössere Ski brauchten und niemanden mehr in der Familie hatten, der die alten Bretter brauchte.
Eine nützliche Institution: der Klassenrat
Die Kinder wussten, dass sie fünf Sporttage im Jahr zugute hatten und meldeten sich bald einmal, wenn der zweite Skitag noch nicht stattgefunden hatte. Jeden Freitagnachmittag in der letzten Stunde hielten wir Klassenrat. An einer seitlichen Wandtafel hing eine Tabelle, in die sich alle, die etwas auf dem Herzen hatten, eintragen konnten. In der Leitung des Klassenrates wechselten sich die Kinder ab. Zu jedem Traktandum erhielt der Antrag- oder Fragesteller das Wort. So stand einmal das Wort "Skilager?" in der Traktandenliste. Als Fragesteller waren mehrere Knabennamen aufgeführt. Der Sprecher dieser Gruppe bekam das Wort. Gekonnt beantragte er, dass die Klasse auf den freien Mittwochnachmittag verzichten würde, wenn sie drei Tage in ein Skilager mit zwei Übernachtungen in einem Skihaus in Braunwald oder Elm gehen könnten. Dieses Begehren richtete sich an mich. Doch ich musste der Klasse klarmachen, dass ich diesen Antrag wohl begrüsse, dass es aber nicht in meiner Kompetenz läge, diesen Antrag zu bewilligen. Es müsste ein schriftlicher Antrag an den Schulrat gestellt werden, der die Bewilligung für ein Skilager samt Beitrag von Seiten der Schule erteilen müsste.
Der Antrag an den Schulrat
Es vergingen keine zwei Tage, lag der Antrag zur Korrektur vor mir. Wie wir besprochen hatten, stand der Antrag auf drei Skitage an erster Stelle mit der nachfolgenden Begründung. In dieser wurde ausgeführt, dass es für eine Klasse sehr wichtig sei, wenn sie gemeinsam etwas unternehmen und erleben dürfe. Über den letzten Punkt der Begründung musste ich schmunzeln, denn da wurde aufgeführt, dass die Klasse wüsste, dass nur zwei Sporttage im Winter stattfinden dürften. Wenn sie aber auf den freien Mittwochnachmittag zu Gunsten des Skilagers verzichten würden, wären es dann zweieinhalb Tage. Die Stunden des halben Tages würden sie nachholen. Dieses Angebot strich ich bei der Korrektur, denn das Miteinander im Skilager gewichtete ich stärker als die vier Lektionen, die sie an einem Mittwochmorgen verpasst hätten. Das Mädchen mit der schönsten Schrift – Knaben kamen weniger in Frage – schrieb den Antrag nach einer Vorlage ab. Alle Kinder unterschrieben das Schreiben. Dieses landete dann im Fach des Schulpräsidenten im Lehrerzimmer.
Der Schulrat ist einverstanden
Gespannt ging ich als Lehrervertreter an die nächste Schulratssitzung, denn auf der Traktandenliste, die ich vorgängig erhalten hatte, war auch der Antrag meiner
Schüler für ein Skilager aufgeführt. Ich hatte mich vorbereitet und ein Budget erstellt. Dabei hatte ich grosszügig für ein Kind das dreitägige Lager mit Tageskarten, Essen, Leitung und
Unterkunft mit Kosten von 145 Franken voranschlagt. Der junge Schulrat äusserte sich positiv zum Antrag der Schüler und beschloss pro Kind einen Beitrag der Schule von Fr. 55.00 auszurichten. So
blieben für die Eltern noch neunzig Franken zu bezahlen.
Eine Bedingung stellt der Rat noch: In den Genuss eines Skilagers musste auch die Parallelklasse kommen. So konnte ich meinen Schülern mitteilen, dass ab nächstem Jahr alle Sechstklässler von Netstal ein Mini-Skilager von drei Tagen besuchen durften. Mit meinem Kollegen, der die Parallelklasse führte, hatte ich bereits abgemacht, dass die Meyers von Montag bis Mittwoch im Lager wären und die Bolligers vom Mittwoch bis Freitag. Am Mittwoch waren beide sechsten Klassen am Skifahren. Meine Frau hatte auch schon zugesagt, dass sie als Köchin - mit der Kochlehrerin zusammen - für die Verpflegung der Kinder zuständig wäre und war zudem bereit, eine Skiklasse zu übernehmen.
20 Jahre Skilager im Skihaus Vorab in Elm
Die Suche nach einem geeigneten Skihaus verlief etwas harzig, doch nachdem das Lager einmal in Braunwald stattgefunden hatte, fand ich ein Skihaus in Elm, das
jeweils anfangs März für unsere Klassen für eine Woche Platz hatte.
Bis zu meiner Pensionierung leitete ich nun mit meiner Frau zusammen jedes Jahr ein Skilager in Elm. Die letzten zwanzig Lager logierten wir im Skihaus Vorab, das den Sportbahnen gehörte.
Leider wurden die Skilager aus mir unerfindlichen Gründen - ohne mit der Lehrerschaft darüber zu sprechen - nach der Gemeindefusion gestrichen. Schade, dass die Verantwortlichen den grossen Wert eines solchen Lagers nicht erkannten!