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Einleitung
Bei der Kreditfinanzierung fliesst das Kapital von externen Drittparteien als Fremdkapitalgeber an eine Unternehmung, wozu vor allem Banken, Pensionskassen oder andere Kreditinstitute gezählt werden. Traditionell ist die Fremdfinanzierung eine Unterart der Aussenfinanzierung, die vor allem bei Klein- und Mittelunternehmen (KMU) als vorherrschende Finanzierungsart gilt, weil diesen der Zugang zur Beteiligungsfinanzierung (hierunter versteht man die Finanzierung durch Beteiligungskapital, d.h. durch Kapitalgeber wie Anteilseigner, welche sich am Unternehmen kapitalmässig beteiligen) mehrheitlich nicht möglich ist.
Im Zusammenhang mit der Befürchtung einer sogenannten «Kreditklemme» als Folge der Finanzmarktkrise 2008/09 hatte man deshalb auch in der Schweiz durch das Seco eine Befragung bei 1772 KMU mit bis zu 250 Mitarbeitern durchgeführt und überraschend festgestellt, dass gut zwei Drittel der KMU in der Schweiz weder Bankkredite noch Kreditrahmen in Anspruch nehmen, sodass hier offenbar vor allem die Innenfinanzierung erste und einzige Finanzierungsquelle darstellt.
Die befürchtete Kreditklemme traf allenfalls auf lediglich 8% der KMU zu, die angaben, keine Kredite zu nutzen, weil sie keine erhalten haben. Allerdings erhöhte sich der Bedarf für Fremdfinanzierung vor allem mit zunehmender Unternehmensgrösse sowie bei Exporttätigkeit (Morf, 2009).
Kreditfinanzierung
Kreditfinanzierungen haben generell Fremdkapitalcharakter, weil hier Fremdkapitalgeber als Gläubiger auftreten, die einer Unternehmung einen bestimmten Geldbetrag (= Kreditsumme) für eine im Voraus vereinbarte Dauer (= Laufzeit des Kredits) gegen ein bestimmtes Entgelt (= Kreditzins) überlassen und die Rückzahlung der Kreditsumme entweder ratierlich (= Tilgungsdarlehen) oder bei Ablauf der Laufzeit des Kredits (Fälligkeitsdarlehen) erwarten.
Dabei erhalten die Gläubiger, welche der Unternehmung ihr Geld anvertrauen, keine Eigentumsrechte und in der Regel auch keine Mitspracherechte, womit sie ein explizites Kreditrisiko einnehmen, welches auch Gegenpartei-Risiko genannt wird. Das Gegenpartei-Risiko in einer Kreditbeziehung stellt den Verlust dar, den die kreditgebende Partei im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers erleiden würde.
Die Fremdkapitalüberlassung erfolgt stets für eine im Voraus bestimmte Zeitdauer zu einem festen oder variablen Zins.
Oft wird ein Kreditgeber vom Schuldner Sicherheiten und Bürgschaften einfordern, um sein Gegenpartei-Risiko zu verringern bzw. auch ganz abzusichern. Nach Ablauf der Frist wird der Kreditbetrag zum Nominalwert an den Gläubiger zurückbezahlt. Nachfolgend werden die üblichsten Kreditarten kurz erklärt.
Sicherungsklauseln
Kreditverträge weisen regelmässig Sicherheitsklauseln auf, welche dem Finanzinstitut ermöglichen, bei bestimmten Ereignissen den Kredit zu kündigen. Dies erfolgt in aller Regel durch Verletzung einer Kreditnebenbedingung (Covenant).
Eine sogenannte Default-Klausel kommt zum Tragen, wenn der Kreditnehmer mit den Zinszahlungen und Amortisationen im Rückstand liegt oder die Zahlungen ganz eingestellt hat.
Die Material-Adverse-Change-Klausel regelt das Vorgehen bei einer Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds. Ändert sich das Eigentumsverhältnis beim Kreditnehmer, fällt dies unter die Change-of-Ownership-Klausel.
Die Cross-Default-Klausel informiert den Schuldner über die Konsequenzen bei Nichterfüllen seiner Verpflichtungen gegenüber Dritten. Tritt eines der oben genannten Ereignisse ein, wird in den meisten Fällen der gesamte Kreditbetrag inklusive Zinsen sofort durch das Finanzinstitut fällig gestellt, was für ein KMU eine existenzbedrohende Situation auslösen kann, wenn es nicht binnen kurzer Frist eine neue Bankverbindung aufbauen kann.
Kontokorrentkredit
Der Kontokorrentkredit legt mittels einer vorgegebenen, fixen Limite fest, bis zu welcher Höhe ein Konto oder eine Kundengesamtposition nicht überschritten werden darf. Innerhalb dieser Bandbreite, die auch als Kreditlinie bezeichnet wird, darf der Kredit variabel ausgeschöpft und wieder zurückbezahlt werden. In der Regel sind die Kontokorrentlinien unbefristet und werden für die kurzfristige Finanzierung des Netto-Umlaufvermögens und für die Überwindung von kurzfristigen Liquiditätsengpässen verwendet.
Die Auszahlung der Geldbeträge wird generell auf die Liquiditätsbedürfnisse des Kreditnehmers abgestellt. Die Kreditlinien werden im Normalfall quartalsweise abgeschlossen. Die Verzinsung erfolgt auf dem zu diesem Zeitpunkt effektiv benutzten Teilbetrag. Zusätzlich wird vierteljährlich eine Kreditkommission auf dem höchstbenutzten Schuldsaldo oder der durchschnittlichen Kredithöhe belastet. Die Verzinsung von entsprechenden Guthaben wird dem Kunden gutgeschrieben.
Wird die Kontokorrentlimite überschritten, erhebt die Bank auf dem Überzug Sollzinsen und Kommissionen, welche in der Regel erheblich höher sind als die Konditionen innerhalb der vertraglich geregelten Bandbreite bzw. Kreditlinie. Der Vorteil dieser Kreditart ist, dass der Schuldner nicht jede einzelne Kreditbeanspruchung beim Finanzinstitut beispielsweise durch den Abschluss eines Kreditvertrags formal beantragen muss, sondern diesen Kredit formlos in Anspruch nimmt und nur die effektive Beanspruchung zu verzinsen hat. Auch die Vereinbarung mit der Bank über diesen Kredit ist jederzeit ohne Kündigungsfrist auflösbar. Diesen Flexibilitätsvorteil bezahlt der Kunde jedoch durch einen für ihn deutlich höheren Kreditzins.
Darlehen
Darlehen haben die Eigenschaft, dass sie zu Beginn als fixer Geldbetrag ausbezahlt und über eine im Voraus bestimmte Zeitdauer mittels festgelegter Raten abbezahlt werden. Die Verzinsung des Darlehens erfolgt in der Regel viertel- oder halbjährlich sowie mit variablem Zinssatz.
Anders als beim Kontokorrentkredit können getätigte Rückzahlungen bzw. Tilgungen nicht wieder ohne Einwilligung der Bank bezogen werden.
Die Begleichung des Darlehens erfolgt beispielsweise über eine Amortisation oder eine Annuität. Bei der Amortisation bleibt der jeweilige Rückzahlungsbetrag über die Laufzeit konstant. Durch die stetige Verminderung der Schuldsumme wird die Verzinsung mit jeder Tilgungsrate kleiner, sodass die Gesamtbelastung für den Kreditnehmer mit zunehmender Dauer abnimmt.
Im Gegensatz zur Amortisation weist die Annuität über die gesamte Vertragsdauer eine konstante Gesamtbelastung für den Schuldner auf. Die Annuität enthält einen Tilgungsanteil und einen Zinsanteil, wobei sich aber das Verhältnis zwischen Zinszahlung und Tilgung über die Laufzeit entsprechend verschiebt: Während die Tilgungsrate zu Beginn des Kredits klein und die Zinsbelastung hoch ist, ist die Zusammensetzung gegen Ende der Laufzeit gerade umgekehrt.
Die übliche Kündigungsfrist beträgt für normale Darlehen sechs Wochen und für grundpfandgesicherte Darlehen drei bis sechs Monate.
Fester Vorschuss
Beim festen Vorschuss erhält der Schuldner über eine bestimmte Laufzeit, in der Regel drei bis zwölf Monate, einen fixen Kreditbetrag ausbezahlt. Dieser ist am Rückzahlungsdatum vollständig und inklusive Zinsen zu tilgen.
Es findet folglich zwischenzeitlich keine Amortisation des Darlehens statt. In der Praxis werden feste Vorschüsse ebenfalls verwendet, um Engpässe in den flüssigen Mitteln zu überbrücken. Die Verzinsung des Kredits ist allerdings über die Laufzeit fix und nicht kündbar.
Weitere wichtige Aspekte bei einer Fremdfinanzierung
Kreditrating
Bei der Vergabe von Krediten im Rahmen einer Fremdfinanzierung wird ein zukünftiger Schuldner einem Ratingprozess unterzogen. Ein solches Kreditrating entspricht einer Einschätzung, ob die Verpflichtungen durch den Kreditnehmer vertragsgemäss erfüllt werden könnten.
Die Beurteilung der Kundenbonität kann durch interne Kreditexperten einer Bank oder durch eine externe Ratingagentur durchgeführt werden und hat einen Einfluss auf die Höhe des Zinssatzes. Aus Sicht von KMU kommt ein externes Rating schon aus Kostengründen nicht infrage, weshalb dieses hier nicht weiter beschrieben wird.
In der Praxis finden drei unterschiedliche Kreditrating-Verfahren Anwendung. Aufgrund der zum Teil hohen Komplexität der einzelnen Rating-Verfahren werden diese hier nur kurz vorgestellt.
Kreditnebenbedingungen (Financial Covenants)
Die Kennzahlen sind als Mindestanforderung zu verstehen und sollten für das Unternehmen erreichbar sein. Mit der Unterzeichnung von affirmativen Kreditklauseln akzeptiert der Kreditnehmer bestimmte Verhaltensregeln zur Krediterhaltung.
Im Folgenden sollen die wichtigsten Pflichten kurz erläutert werden:
Mit der Ausschliesslichkeitsklausel wird der Schuldner dazu gezwungen, seine gesamten finanziellen Geschäfte sowie die Führung der Konti über das kreditgebende Finanzinstitut abzuwickeln. Dadurch erhält das Kreditinstitut einen umfassenden Überblick über die finanzielle Situation und die Geschäftstätigkeit des Kreditnehmers.
Durch sogenannte Informationspflichten erhält eine Bank Zugang zu den Jahresabschlüssen des Schuldners. Die Bank kann je nach Vertragsausführung auch eine detaillierte Einsicht in diese verlangen oder anderweitige Informationen über das Unternehmen einfordern. Diese Auskünfte sind dem Finanzinstitut termingerecht zu erteilen. Auch muss der Kreditnehmer wesentliche Änderungen in seinem Unternehmen dem Kreditgeber mitteilen.
Die negative Investitions- bzw. Finanzierungsklausel erlaubt der Bank die Einflussnahme bei Finanzierungsentscheidungen des Kreditnehmers. Dieser kann somit ohne Zustimmung des Kreditgebers keine Investitionen oder Finanzierungen mehr eingehen. Dies beinhaltet insbesondere grössere Investitionen oder Akquisitionen, die weitere Kreditaufnahme bei Dritten, den Rückzug eines Aktionärsdarlehens durch einen Hauptaktionär, die Festlegung von Dividendenausschüttungen und -erhöhungen sowie die Verwendung des Kredits als Intercompany-Darlehen.
Negative Sicherstellungsklauseln befassen sich mit der Sicherstellung des Kredits. Dabei wird zwischen Negativbescheinigung, negativer Verpfändungsklausel, negativer Hypothekenklausel und Gleichbehandlungsklausel unterschieden. Erstere soll sicherstellen, dass der Kreditnehmer für eigene oder fremde Schulden keine Sicherheiten gegeben hat. Falls dem so ist, muss er die Bank davon in Kenntnis setzen.
Die negative Verpfändungsklausel setzt für die Belastung von Vermögenswerten mit Pfandrechten zugunsten Dritter die Zustimmung des Finanzinstituts voraus. Im Allgemeinen umfasst sie alle Vermögenswerte inklusive Immobilien. Der negativen Verpfändungsklausel ähnlich ist die negative Hypothekenklausel. Diese erstreckt sich jedoch nur auf Grundstücke. Sie stellt sicher, dass der Schuldner auf seinen Immobilien ohne Bankzustimmung keine weiteren Grundpfandrechte zugunsten Dritter errichtet und bereits bestehende Grundpfandrechte nicht erhöht. Die Gleichbehandlungsklausel bzw. Pari-passu-Klausel beinhaltet die Gleichstellung der gegenwärtigen und zukünftigen Verpflichtungen in der Rangfolge.
Ebenfalls kann der Schuldner dazu angehalten werden, bestimmte Personen im Unternehmen zu beschäftigen oder die Lohnauszahlung gewisser Mitarbeiter zu beschränken. Hierbei spricht man von Managementklauseln, die ebenfalls Bestandteil von Kreditnebenbedingungen sein können.
Fazit
Die Fremdfinanzierung ist und bleibt eine wichtige Finanzierungsquelle für die KMU, welche nicht durch die Möglichkeiten der Innenfinanzierung, insbesondere den Cashflow aus der Geschäftstätigkeit, ihre Wachstumsinvestitionen decken können. Dies vor allem auch, weil die Kosten für Fremdkapital im Vergleich sehr niedrig sind.
Dass eine Fremdfinanzierung nicht immer nur ein Bankkredit sein muss, sondern auch hier verschiedene Formen von Darlehen und Modalitäten zur Verfügung stehen, ist stets auch im Zusammenhang mit der Bonität bzw. dem Kreditrisiko zu sehen, welche/welches ein Unternehmen für die kreditgebende Institution darstellt.
Dieser Beitrag stammt aus der Online-Lösung Finanzbuchhaltung.
Literaturhinweise
Bernet, Beat: Pricing von KMU-Krediten bei Schweizer Banken, in: Der Schweizer Treuhänder, 11/2003, S. 947–951.
Morf, Peter: KMU nicht in Kreditklemme, in: Finanz und Wirtschaft, 10.06.2009.