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Kaffeesurrogate.
Es sind dies verschiedne Pflanzenstoffe, die man als billigen Ersatz für Kaffee verwendet und die in ähnlicher Weise, wie Kaffee, geröstet in den Handel gebracht werden. Die dem Kaffee am nächsten verwandten Stellvertreter wären jedenfalls die von der Kaffeepflanze selbst entnommenen, aber keine Handelsartikel bildenden, nämlich einerseits die Samenhülsen, wie sie in Arabien verbraucht werden, anderseits die getrockneten Blätter, welche namentlich auf Sumatra Beifall finden und deren Ingebrauchnahme auch in Europa schon mehrfach in Anregung gebracht worden ist.
Auf jener Insel pflanzt man in den feuchtheißen Niederungen den Kaffeestrauch nicht mehr der Früchte wegen, die, wie wir wissen, nur auf höhern Standpunkten zur Perfektion kommen, sondern man benutzt die gerösteten Blätter zu einem Aufgußgetränk gleich dem chinesischen Thee. Die Plantagenarbeiter halten bei ihrer ungesunden Arbeit Wasser wie Spirituosen für verderblich und genießen fast nichts als gekochten Reis und Kaffeeblätterthee. Das Blatt wird dort selbst der Bohne vorgezogen; es soll mehr bittere Stoffe enthalten und nahrhafter sein als diese.
Die Chemiker haben seinen Kaffeïngehalt größer befunden als den der Bohnen. Der Gebrauch dieses Kaffeeblätterthees scheint keine weitere Ausdehnung nehmen zu wollen und nicht einmal auf dem benachbarten Java Anklang zu finden. Die für uns in Betracht kommenden Surrogate sind inländische Pflanzenstoffe, da ja hauptsächlich Wohlfeilheit angestrebt werden muß, und man hat eine ganz beträchtliche Anzahl von Pflanzenstoffen, teils Wurzeln, teils Früchte und Samen herbeigezogen, die, wenn sie geröstet und gemahlen sind, Aufgüsse geben, welche wenigstens in der Farbe, in der Bitterkeit, auch zum Teil infolge der entstandenen Röstprodukte, in der Wirkung auf den Körper dem echten Kaffee ähnlich sind, freilich ohne daß ein einziges ihn ganz zu vertreten vermöchte.
Die größte Verbreitung hat die Zichorie (s. d.) gefunden, die sich ja zu einem wirklichen Fabrik- und Handels-, selbst Exportartikel emporgearbeitet hat, und es gibt selbst nicht wenig Leute, die darauf bestehen, daß in guten Kaffee etwas Zichorie notwendig hineingehöre. Möhren, Runkelrüben, Skorzoneren etc. werden ebenso wie die Zichorien behandelt und benutzt und die käufliche Zichorie ist wohl selten ganz frei von Rüben- und Möhrenzusatz. Man vermutet öfter noch manche andre, geringwertige Dinge darunter.
Ein andres, regelmäßig im Handel befindliches Surrogat ist der Erdmandelkaffee (s. d.);
etwas antiquiert scheint der schwedische oder Stragelkaffee aus den Samen des spanischen Traganth, einer
wickenartigen Pflanze (Astragalus baëticus) zu sein. Überhaupt liefern die Pflanzensamen ein starkes Sortiment von
Kaffeesurrogaten,
von denen manche vielleicht namenlos auch in die käuflichen Gesundheitskaffees eingehen mögen. Hierzu sind namentlich
Lupinen
(Bering'scher K.) zu rechnen.
Ferner sind anzuführen Eicheln, Nüsse, Roggen, Gerste, Kichererbsen, die Samen von Spargel, der gelben Wasserlilie, dem Besenginster, dem Johannisbrot etc. Die Spargelsamen sind neuerdings wieder sehr gerühmt worden als das beste aller Surrogate. Man soll die reifen Beeren zur Entfernung der Hülsen stampfen, die Masse einige Tage gären lassen, durch ein Sieb reiben, damit Fleisch und Kerne getrennt werden, die letztern waschen, trocknen und brennen. Beim Rösten sollen sie einen täuschenden Kaffeegeruch entwickeln und der Geschmack des Absuds dem des Kaffees unter allen Surrogaten am nächsten kommen. In neuerer Zeit sind Feigenkaffee und Dattelkaffee sehr in Aufnahme gekommen. Im allgemeinen leisten diese Sparkaffees, vor allem die beliebten Cichorien, kaum mehr, als daß sie einen sonst zu dünnen Kaffeeabsud dunkler färben und ihm einen strengern Geschmack geben, was dann als ein Zeichen von Stärke gilt, das Kaffeearoma kann aber nicht ein einziges ersetzen. - Zoll: Mit Ausnahme von Cichorie (s. d.) gem. Tarif im Anh. Nr. 25 m 1.