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Er ist ein Jäger. Wenn sich die Grösste der Eulen in der Dämmerung in die Lüfte erhebt und seine mächtigen Schwingen mit einer Spannweite von 1,8 Metern ausstreckt, ist er eine Gefahr für viele kleinere Tiere. Die orange-roten Augen dieses majestätischen Raubvogels stechen sofort hervor. Ebenso markant sind seine grossen Federohren, der Hakenschnabel und seine kräftigen gefiederten Beine.
Trotz diesem imposanten Erscheinungsbild ist der Uhu in der Vogelwelt nicht sonderlich beliebt. Angriffe von anderen Raubvögeln, wie von Bussarden oder Habichten, aber auch von Krähen oder Singvögeln stehen an der Tagesordnung. Zum Glück ist meist die Mutter der kleinen Uhus in der Nähe, um die Jungen zu beschützen.
Die Uhus sind Standvögel, d.h. sie sind uns auch im Winter treu. Sie benutzen dann lediglich andere Schlafplätze. Den ganzen Winter über kann man die Rufe der Uhus in den Wäldern hören, doch die eigentliche Balz beginnt erst im Februar. Während dieser Zeit und auch während es die zwei bis fünf Eier ausbrütet, wird das Weibchen von ihrem Gefährten mit Nahrung versorgt. Da die Uhus selbst keine Nester bauen, benutzen sie als Brutplätze gerne Habicht- oder Bussardnester, Kirchtürme, Steinbrüche, Mulden am Boden, Flachdächer, Terrassen oder für sie eingerichtete Nisthilfen.
Wenn die kleinen Uhus geschlüpft sind, werden sie 150 Tage lang von den Eltern mit Ratten, Mäusen, Igeln, Eichhörnchen, Kaninchen, Krähen oder auch mal Aas gefüttert. Diese Beute wird dann teilweise an bestimmten Rupfplätzen erst mal von ihrem Gefieder oder Fell befreit. Es wird einige Tage vor dem Schlüpfen ein Vorrat im Nest angehäuft, damit die Jungen gleich gefüttert werden können. Dies geschieht dann zuerst nur mit Muskelfleisch. Den Rest des Tieres frisst die Mutter selbst. Alle unverdaubaren Bestandteile, wie die Felle und die Knochen, würgen die Tiere dann als kleine „Bällchen“, sogenannte Gewölle, wieder hervor. Bei der Fütterung geht es immer sehr gesittet und ordentlich zu und her. Unter den Jungtieren herrscht kein Futterneid, selbst dann nicht, wenn die Nahrung knapp ist. Die Tiere warten immer schön brav, bis ihr Geschwister mit Fressen fertig ist und sie an der Reihe sind. Ende September/Anfang Oktober verlassen die Jungen ihre Eltern und sind von nun an auf sich alleine gestellt.
Feinde der jungen Uhus sind unter anderem Habichte und Bussarde. Doch der grösste Feind der Uhus ist der Mensch. Es gibt immer wieder Fälle, bei denen Uhus mit Schrotflinten aus ihren Nestern geschossen werden. Auch Fälle von illegaler Greifvogelvergiftung treten immer wieder auf. Die meisten Uhus sterben allerdings an Stromleitungen, im Verkehr oder an Stacheldrähten.
Da Uhus auch am Boden brüten und sich die Tageseinstände der Junguhus am Boden befinden, werden sie oft gestört durch die Arbeiten in den Kiesgruben oder durch Freizeitaktivisten, die aus Unwissenheit oder aus mangelnder Rücksicht die Brutplätze zerstören oder die Tiere aufschrecken, welche dann in Panik zu einer überstürtzten Flucht gezwungen werden.
Viviane Winter