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Die Wahlen vom 6. Dezember 1970, an denen die Frauen erstmals teilnahmen, fielen für diese enttäuschend aus. Unter den insgesamt 172 Kandidierenden waren 30 Frauen, doch wurden sie von den Parteien zu wenig prominent ins Licht gerückt. Bezeichnend war die Erklärung im «Thuner Tagblatt» im Vorfeld der Wahlen, wonach die Zahl der Kandidatinnen auf der freisinnigen Liste beschränkt sei, weil die Wählerinnen «sorgsam und Schritt für Schritt» in die Politik «hineinwachsen» sollten.80 Lediglich zwei Frauen schafften schliesslich die Wahl in den Stadtrat, nämlich die Sozialdemokratin Käthi Hänni (1920–2003) und die Jungfreisinnige Barbara König-Ziegler (geb.1936). Letztere präsidierte 1980 als erste Frau den Stadtrat.
Die SP-Politikerin Katrin Barben war 1995–2002 als erste Frau im Thuner Gemeinderat.
Fotografie von Werner Wanzenried, 21. Januar 1994.
Obschon in den folgenden Wahlkämpfen allmählich mehr Frauen auf den Parteilisten standen, stieg ihr Anteil bei den Gewählten nur langsam, ab 1995 stagnierte er auf längere Sicht gesehen. Es waren besonders die bürgerlichen Frauen, die an Terrain verloren; nur dank der SP, den Grünen und den kleinen Parteien sank der Frauenanteil im Stadtrat nicht dramatisch. Zum Vergleich: Im stadtbernischen Parlament besetzen die Frauen seit den 1990er-Jahren zwischen 37,5 und 51,5 Prozent der Sitze. Die erste Partei, die eine Frau für den Gemeinderat präsentierte, war 1986 die Freie Liste Thun. Danach vervielfachten sich die Gemeinderatskandidaturen von Frauen aus allen Parteien, aber erst 1994 wurde die SP-Politikerin Katrin Barben (geb. 1943) als erste Frau in die Thuner Exekutive gewählt. Seither übten insgesamt lediglich vier Frauen ein Exekutivamt aus, neben Katrin Barben, die bis 2002 amtierte, waren dies 1999–2014 Ursula Haller (geb. 1948) für die SVP/BDP, 2007–2010 Jolanda Moser (geb. 1969) für die FDP und 2011–2018 Marianne Dumermuth (geb. 1955) für die SP.81
Frauen und Männer im Stadtrat (oben) und im Gemeinderat (unten): 1971 nahmen die ersten zwei Frauen im Stadtrat Einsitz. Der Frauenanteil bewegte sich vorerst auf einem niedrigen Niveau, 1991 lag er über 30 Prozent, sank später aber wieder.
Noch schwieriger gestaltete sich für die Frauen die Eroberung der Exekutive: Erst 25 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts errang die erste Frau Ende 1994 einen Sitz im Gemeinderat.