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Clymene-Delfin
Stenella clymene
© 2009 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Artwork © Owen Bell
Die Ordnung der Waltiere (Cetacea) umfasst weltweit rund achtzig Arten. Sie werden in zwölf verschiedene Familien gegliedert. Die formenreichste derselben ist die Familie der Delfine (Delphinidae) mit ungefähr 32 Arten, welche über sämtliche Meere und Ozeane unseres Planeten verbreitet sind und teils auch in Süssgewässern, etwa im Amazonas-Flusssystem, vorkommen.
Ein rassiger Hochleistungsschwimmer des offenen Meers und damit sozusagen ein «Musterbild» der Delfinfamilie ist der Clymene-Delfin (Stenella clymene). Er ist allerdings ein recht kleines Waltier: Die erwachsenen Männchen weisen eine Länge von 176 bis 197 Zentimetern auf, die erwachsenen Weibchen eine solche von 171 bis 190 Zentimetern. Das Gewicht liegt bei etwa 90 Kilogramm.
Der Begriff «Clymene» entstammt der griechischen Sagenwelt. Clymene war eine der 3000 Töchter des Meeresgotts Oceanus und dessen Frau, der Meeresgöttin Tethys. Die Töchter, gemeinsam als «Oceaniden» bezeichnet, herrschten als Nymphen über die Meere (mit Ausnahme des Mittelmeers, das den Nereiden gehörte). Der englische Anatom John Gray, der den Clymene-Delfin 1846/50 als erster beschrieb, griff bei der Benennung neuer Arten gern auf altgriechische Gottheiten zurück.
Das Verbreitungsgebiet des Clymene-Delfins erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Bereiche des Atlantiks, von New Jersey, Mexiko und Südbrasilien im Westen bis nach Mauretanien und Gabun im Osten. Nur selten streift der rassige Hochleistungsschwimmer in untiefen Küstengewässern umher. Sein bevorzugter Lebensraum sind tiefgründige Hochseebereiche. Unseres Wissens geht er dort tagsüber in 200 und mehr Metern Tiefe auf die Jagd nach frei schwimmenden Fischen und Tintenfischen.
Wie alle Delfine ist der Clymene-Delfin ein geselliger Meeressäuger. Gewöhnlich streift er in Gruppen von ein paar wenigen bis mehreren Dutzend Individuen umher. Es wurden aber auch schon Verbände von rund tausend Individuen beobachtet. Neben gemischtgeschlechtlichen «Fortpflanzungsgruppen», die sich aus Männchen, Weibchen und Jungtieren zusammensetzen, scheint es auch «Junggesellengruppen» zu geben.
Über das Fortpflanzungsverhalten des Clymene-Delfins ist wenig bekannt. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass es sich nicht wesentlich von dem des nah verwandten, besser bekannten Spinnerdelfins (Stenella longirostris) unterscheidet. Bei jenem finden Geburten zu allen Jahreszeiten statt. Die Tragzeit dauert 10,5 Monate. Es wird jeweils ein einzelnes Junges geboren, das bei der Geburt etwa 70 bis 80 Zentimeter lang ist. Das Junge wird ungefähr 15 Monate lang gesäugt. Die jungen Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit vier bis sieben Jahren, die jungen Männchen mit sieben bis zehn. Die Lebenserwartung dürfte irgendwo zwischen dreissig und fünfzig Jahren liegen.
Es ist nicht bekannt, wie gross die Population des Clymene-Delfins ist und wie sich die regionalen Bestände entwickeln. Hierbei spielt die Schwierigkeit der sicheren Identifikation des Clymene-Delfins auf hoher See eine wichtige Rolle. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) führt die Art in ihrer Roten Liste seit 1994 in der Kategorie «Daten mangelhaft», und in ihrem Aktionsplan für Waltiere aus dem Jahr 2003 steht, dass der Clymene-Delfin als nirgendwo häufig eingeschätzt wird.
Wie alle Delfine werden die Clymene-Delfine in geringem Ausmass, beispielsweise in der Karibik und bei Senegal, zwecks Nahrungsbeschaffung gezielt mittels Harpunen bejagt. Ihre Bestände dürften hierdurch aber kaum geschwächt werden. Schwerer wiegt wahrscheinlich, dass sie sich mitunter - beispielsweise in den Gewässern Venezuelas und Brasiliens - in den kilometerlangen Wandnetzen verfangen, welche zum Fang diverser Hochseefische und -tintenfische eingesetzt werden, und dass sie gelegentlich - beispielsweise im Golf von Guinea - in die heimtückischen Beutelnetze geraten, welche beim Tunfischfang verwendet werden. Die hierdurch hervorgerufenen Ausfälle haben bei verschiedenen Mitgliedern der Delfinfamilie einen merklichen Einfluss auf die Bestände. Dies könnte regional durchaus auch auf die Clymene-Delfine zutreffen.
Leider ist anzunehmen, dass die Clymene-Delfine noch weiteren, weniger offensichtlichen Gefahren ausgesetzt sind. Zu nennen ist insbesondere die Anreicherung von schwer abbaubaren Pestiziden und anderen, vom Menschen freigesetzten Giftstoffen in ihren Körpergeweben, wie dies bei vielen Endgliedern von Nahrungsketten zu beobachten ist. Diese Chemikalien können eine Schwächung des Immunsystems und eine Verminderung der Fortpflanzungsfähigkeit hervorrufen.
Besorgnis erregen ferner die leistungsfähigen Sonaranlagen, welche von den modernen Hochseeschiffen bei der Navigation eingesetzt werden. Man befürchtet, dass der durch sie verursachte «Unterwasserlärm» die Kommunikation zwischen den Delfinen wie auch ihre Suche nach Beutetieren massiv beeinträchtigt.
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