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Gottfried Semper (1803 bis 1879)
Professor für Architektur am Eidgenössischen Polytechnikum
Leben
Gottfried Semper wird am 29. November 1803 in Hamburg-Altona geboren und wächst in finanziell sicheren Verhältnissen auf. Er studiert Mathematik in Göttingen und schreibt sich 1825 für das Architekturstudium an der Kunstakademie in München ein. Ein Jahr später reist er nach Paris. Er arbeitet mit Unterbrechungen im Atelier des kulturell sehr interessierten Franz Christian Gau. Nach der Juli-Revolution 1830, mit der Semper sympathisiert, bricht er im Herbst zu einer dreijährigen Studienreise nach Italien und Griechenland auf. Die Ergebnisse seiner Studienreise veröffentlicht er 1834 in seiner Schrift "Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architektur und Plastik bei den Alten". Die darin vertretene Ansicht, die Bauten und Plastiken der Antike seien nicht, wie bisher angenommen, marmorweiß, sondern farbig gewesen, greift in die aktuelle Debatte um die Farbigkeit antiker Architektur ein. Der Pariser Akademiestreit wird zu Gunsten eines neuen Antikenbildes entschieden.
Im selben Jahr ernennt ihn das sächsische Ministerium des Innern zum Professor für Architektur und Vorsteher der Dresdner Kunstakademie. In Zusammenhang mit seiner Lehrtätigkeit entstehen die Ansätze zu seinem umfangreichen theoretischen Werk. Vor allem aber ist er praktisch tätig. Infolge seiner aktiven Beteiligung am Mai-Aufstand 1849 in Dresden muss er fliehen. Über Paris kommt er nach London, wo er das Manuskript "Die vier Elemente der Baukunst" abschliesst. 1852 erhält er eine feste Anstellung als Lehrbeauftragter am Department of Practical Art. Dort erreicht ihn ein Schreiben Richard Wagners, das von einer möglichen Tätigkeit Sempers am neu gegründeten Polytechnikum in Zürich berichtet.
Am 7. Februar 1855 ernennt der Schweizer Bundesrat Semper zum Professor auf Lebenszeit. Er siedelt nach Zürich über und nimmt seine Arbeit als Direktor der Bauschule auf. Er baut in Zürich u. a. das Hauptgebäude der Lehranstalt und die Sternwarte sowie das Stadthaus in Winterthur. Sein theoretisches Hauptwerk "Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten oder Praktische Ästhetik" entsteht ebenfalls in Zürich. Er entwirft das Richard-Wagner-Festspielhaus in München und erhält Aufträge aus Wien und Dresden. Als 1871 seine Anwesenheit beim Bau der Hofmuseen in Wien unumgänglich wird, entbindet der Schweizer Bundesrat ihn von der Lehrtätigkeit am Zürcher Polytechnikum. Semper zieht nach Wien, wo ihm und Carl Hasenauer auch die Verantwortung für den Bau der Hofburg und des Hofburgtheaters übertragen werden. Unstimmigkeiten zwischen den beiden Architekten sowie seine Gesundheit veranlassen Semper, sich aus der Bauleitung zurückzuziehen. 1877 verlässt er Wien und zieht nach Rom. Er stirbt am 15. Mai 1879 in Rom.
Handschrift
Werke
Bauten:
- Erstes Hoftheater in Dresden (1838–41, 1869 abgebrannt, 1871–78 verändert wieder aufgebaut, 1945 zerstört, 1985 rekonstruiert)
- Synagoge Dresden (1838–40)
- Villa Rosa Dresden (1839–46)
- Gemäldegalerie Dresden (1847–55)
- Polytechnikum Zürich (1859–68)
- Sternwarte Zürich (1861–64)
- Stadthaus Winterthur (1865–70)
- Neubau des zweiten Dresdner Hoftheaters (1871–78), heute bekannt als "Semper-Oper"
- Hofmuseen Wien (mit Carl Hasenauer, 1871–91)
- Hofburgtheater Wien (1874–88)
Schriften:
- Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architektur und Plastik bei den Alten (Link verlässt diese Seite) (1934)
- Die vier Elemente der Baukunst (Link verlässt diese Seite) (1851)
- Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten oder Praktische Ästhetik. Ein Handbuch für Künstler und Kunstfreunde (1860 Band 1, 1863 Band 2)
Bestand
Das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (Link verlässt diese Seite) (gta) an der ETH Zürich bewahrt den Nachlass von Gottfried Semper.
Weitere Dokumente befinden sich in den Sammlungen und Archiven der ETH-Bibliothek: Die Sammlung Alte und Seltene Drucke verfügt über Originalausgaben der Schriften Gottfried Sempers. Diese können im Wissensportal recherchiert und reserviert werden.
Im Hochschularchiv der ETH Zürich findet man Manuskripte und Korrespondenz; Ein Verzeichnis (Link verlässt diese Seite) kann online eingesehen werden. Ausserdem führt das Hochschularchiv der ETH Zürich in seiner Biographica-Sammlung ein Dossier mit Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln zu seinem Leben und Werk.
Im Bildarchiv der ETH-Bibliothek befinden sich Porträts sowie Ansichten von Gebäuden Sempers in der Schweiz. Sämtliche Dokumente der Sammlungen und Archive können im Lesesaal Sammlungen und Archive konsultiert werden.