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HEK Net Works
Im März 2020 startete das HEK die Projektreihe HEK Net Works, für die Künstler:innen eingeladen werden, eigens für die digitalen Kanäle des HEK netzbasierte Projekte zu realisieren. Sie sollen den digitalen Raum auf die Art und Weise besetzen, die ihrer künstlerischen Praxis entspricht
Die Reihe begann während des Covid 19 bedingten ersten Lockdowns im März 2020 im Wochenrhythmus und wurde seit dem Sommer 2020 mit einem monatlichen Beitrag fortgesetzt.
Die Pandemie bedingte Schliessung von Museen weltweit schwächte die ohnehin prekäre Situation von Künstler:innen, die über kein regelmässiges Einkommen verfügen. Mit dieser Initiative unterstützte das HEK die Arbeit von Künstler:innen, die netzbasierte Projekte schaffen. Mittlerweile hat sich die Reihe als fester Bestandteil der Online Aktivitäten des HeK etabliert.
Ed Fornieles
Associations 12#, 08.06.2021
Ed Fornieles jüngstes Projekt Associations ist ein persönlicher Blick auf die kulturelle Umgebung, in der wir leben. Der Künstler hat Bilder aus dem Internet gesammelt und sie durch einen assoziativen Prozess, der von formalen und inhaltlichen Ähnlichkeiten ausgeht, in Bildserien geordnet: Vom Bild einer Hand zu dem einer Familie, das dann zu einem Haus und schliesslich zum Globus der Welt führt.
In anderen Beispielen führt die Assoziation eines händchenhaltenden Paares zu einem leidenschaftlichen Kuss, der Globus zu einem Dinosaurier und die offene Handfläche zu dem von Robert Downey Jr. interpretierten Superhelden Tony Stark. Durch das Erstellen von Assoziationsketten kartographiert Fornieles seine eigenen Vorlieben, Geschmäcker und Voreingenommenheiten sowie die Grenzen eines grösseren Raums von kulturellen Möglichkeiten. Wie in seinen früheren Arbeiten veranschaulicht der Künstler hier seine fortlaufenden Untersuchungen dazu, wie Identität durch die fortwährende Myriade von Zwängen, die das tägliche Leben ausmachen, geformt, reproduziert und aufrechterhalten wird. Ed Fornieles' Associations 12# war vom 08.06. bis 07.07.2021 im Instagram Feed des HEK zu sehen.
Ed Fornieles ist ein in London arbeitender Künstler. Er hat bereits in der Serpentine Gallery, der Chisenhale Gallery, dem Martin Gropius Bau und in verschiedenen anderen Institutionen und Galerien ausgestellt.
Martina Menegon
It feels like home, 11.05.2021
In It feels like home verhandelt Martina Menegon die Wahrnehmung und Formen ihres Körpers. Menegons grob 3D-gescanntes Schlafzimmer wird in orthogonaler Ansicht präsentiert und füllt sich zyklisch mit extrem niedrigen Polygon 3D-gescannten virtuellen Klonen ihrer selbst – jeweils in perspektivischer Ansicht.
Dieser sehr persönliche und intime Raum ist nun online für alle zugänglich, und seine virtuellen Bewohner:innen werden trotz ihrer virtuellen Natur wahrnehmbar, wenn der Cursor sie berührt und mit ihnen interagiert. Zu jeder neuen Stunde oder bei jedem Seitenrefresh kann sich die Schwerkraft des virtuellen Raums zufällig verändern und so eine Verschiebung der Raumwahrnehmung bewirken. Ton von Alexander Martinz. Das Werk war vom 11.05. bis zum 08.06.2021 hier zu sehen.
Die Künstlerin Martina Menegon arbeitet mit interaktiver Mitteln und erweiterter Realität (augmented reality). In ihren Arbeiten schafft sie intime und komplexe Assemblagen aus physischen und virtuellen Elementen, die das zeitgenössische Selbst und seine synthetische Körperlichkeit erforschen. Sie experimentiert mit dem Unheimlichen und Grotesken, dem Selbst und dem Körper sowie dem Dialog zwischen der physischen und der virtuellen Realität, um desorientierende Erfahrungen zu schaffen, die trotz ihrer virtuellen Natur wahrnehmbar werden. Während des Lockdowns schuf sie verschiedene Arbeiten, beispielsweise in Mozilla Hubs, um dabei ihre Auseinandersetzung mit Virtueller Realität und 3D-Bildern weiter zu entwickeln.
Statement der Künstlerin:
«It feels like home ist eine Online-Intervention, die den synthetischen Raum des Browsers als Bühne nutzt, um eine interaktive, performative und generative virtuelle Skulptur zu entfalten. Mit dem Begriff der digitalen Skulptur experimentierend, reflektiert It feels like home die Ortsspezifität innerhalb der virtuellen wie auch der Offline-Räume. Das Werk durchläuft stündliche und algorithmische Transformationen und wird so zu einem performativen Prozess, der kontinuierlich unerwartete und unvorhersehbare Ergebnisse produziert, die von der Offline-Zeitzone der Besuchenden abhängen. Besonders nach mehr als einem Jahr Pandemie – eingeschlossen im Inneren und ständig online – scheinen die Begriffe von Zeit, Zuhause und persönlichem Raum in ständigem Wandel und Widerspruch; hilflos und vergänglich.»
Menegon (*1988) lebt und arbeitet derzeit in Wien, Österreich. Sie ist Universitätsassistentin und Lehrbeauftragte an der Abteilung für Transmediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien, wo sie Digitales Design und Virtualität unterrichtet. Ausserdem unterrichtet sie Multimedia Tools für interaktive Kunst an der IUAV Universität in Venedig (MA Digital Exhibit, BA Multimedia Arts) zusammen mit Klaus Obermaier und Stefano D'Alessio. Derzeit ist sie Leiterin des Bereichs Extended Reality und Kuratorin der Area for Virtual Art, einer von sound:frame und Pausanio gegründeten Plattform für immersive Erfahrungen und Begegnungen. Des Weiteren ist sie Teil des Kuratorenteams des New Media Art Festivals des Wiener CIVAFestivals.
Dirk Koy
Raum, 13.04.2021
Dirk Koy schafft überraschende audio-visuelle Arbeiten, in denen die Wahrnehmung des Betrachters oft herausgefordert wird. Seine Arbeit Raumist eine bewegte, 360°, digitale und analoge Zeichnung, die während des Lockdowns entstand. In dieser Zeit, in der die Bewegungsmöglichkeiten stark eingeschränkt waren, boten nahegelegene Räume in der Natur, der digitale Raum und der eigene Imaginationsraum die Möglichkeit, das Zuhause zu verlassen und andere Orte zu erleben.
In dieser Arbeit wird ein Raum geschaffen, der die Benutzer:innen an die Schnittstelle zwischen Realität und Virtualität führt. Klang und Bewegung schaffen eine immersive Erfahrung in einer Umgebung, die sich bewegt und organisch anfühlt, aber in ihrer Form nur im digitalen Raum existieren kann. Raumwar vom 13.04.2021 bis zum 11.05.2021 online auf der Vimeo-Seite des HEK sowie auf unseren sozialen Medien zu erleben.
Statement des Künstlers:
«Bleistift-Zeichnung, Fotografie, digitale Textur und Bewegung verschmelzen zu einem grossen Ganzen. Alles scheint in Bewegung versetzt. Der/die Betrachter:in wird Teil des Geschehens und entscheidet welchen Standpunkt er /sie einnehmen will. Die einzelnen Medien-Schichten beginnen untereinander zu korrespondieren und lassen den/die Zuschauer:in in eine unkontrollierte, poröse Welt abtauchen. Unten und oben löst sich auf, einzelne Bild-Schichten brechen auf, scheinbar Untergründiges kommt an die Oberfläche: Unberechenbar, sprunghaft, mit grossen Pausen, dann wieder kontinuierlich. Vertrautes wird fremd, fremdes vertraut.»
Dirk Koy ist ein Schweizer Künstler und Dozent an der HGK FHNW Basel für Time-based-Media. Ursprünglich als Grafiker ausgebildet, arbeitet Koy hauptsächlich mit audiovisuellen Medien. In seinen preisgekrönten Arbeiten experimentiert er mit Alltagsbildern und Umgebungen, die er sowohl in analogen wie digitalen Techniken umsetzt.
Ted Davis
GLITCH.ext, 09.03.2021
Ted Davis GLITCH.ext ermöglichte es Besucher:innen, die virtuelle Fassade des HEK und die Website hek.ch zu glitchen. Bilder, Texte und alle HTML-Elemente, die die Struktur der Website bilden, konnten von Besucher:innen per Mausklick geglitched werden. Wurde die Maus über das gewählte Element bewegt, war es möglich, den Ausgang des Glitches zu beeinflussen. Aufbauend auf p5.glitch (2020) – einer Glitching-Bibliothek auf Byte-Ebene innerhalb von p5.js – ermöglicht eine dazugehörige Browser-Erweiterung für Chrome die Nutzenden, auch den Rest des Webs zu glitchen. GLITCH.ext war vom 09.03.2021 bis 13.04.2021 auf der Website hek.ch zu sehen.
Statement des Künstlers:
«Da sich die Kultur im vergangenen Covid-19-Jahr vom Physischen ins Virtuelle verlagert hat, ist GLITCH.ext eine Hommage an Glitches im analogen und digitalen Bereich: Erstens an der geglichten Fassade des HEK, dem Werk H3333333K (2015) der !Mediengruppe Bitnik , ein architektonisch umgesetzter JPEG-Glitch. Zweitens angeregt durch das Glitchen von Webseiten wie den Glitch Browser (2005) von Dimitre Lima (DMTR), Ant Scott (BEFLIX) und Iman Moradi, der alle Bilder einer bestimmten Webseite via Proxy-Server JPEG-glitchte. Während meines Masterstudiums hier in Basel (2007-2009), das in einer Diplomarbeit über das Glitching des JPEG-Dateiformats resultierte, Precise Mishandling of the Digital Image Structure, trugen der virtuelle Austausch mit den Künstler:innen hinter Glitch Browserund lokale Video-Sniffing-Workshops der !Mediengruppe Bitnik dazu bei, meine sich entwickelnde Praxis zu formen. Sie fügten sich ein in eine wachsende Auseinandersetzung mit den Begriffen der Enthüllung des Unsichtbaren, der Nutzung digitaler Medien unterhalb der Oberfläche und der vernetzten Kunst. Angefangen mit TEXT2IMAGE und HEADer_REMIX (2009), über die letzten zehn Jahre hinweg, findet der Glitch weiterhin seinen Weg in meine Arbeit, mit seinem endlosen Strom an überraschenden Bildern und einzigartigen Artefakten, die es zu entdecken gilt.»
Ted Davis ist ein Medienkünstler, Designer und Pädagoge, der ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammt und in Basel (Schweiz) lebt. Seit 2010 unterrichtet er Interaktionsdesign am Institut für Visuelle Kommunikation der Hochschule für Gestaltung Basel HGK FHNW. Seine Arbeit und Lehre erforschen die Volatilität digitaler Medien durch Glitches und die Reaktivierung älterer ‚neuer Medien’ durch neuere Programmiermittel. Seine Open-Source-Projekte (basil.js, XYscope, P5LIVE) ermöglichen es Designer:innen, in Adobe InDesign zu programmieren, Vektorgrafiken auf Vektordisplays zu rendern und kollaborativ live kodierte Visuals zu erstellen.
Rosa Menkman
The BLOB of Im/Possible Images, 09.02.2021
The BLOB of Im/Possible Images von Rosa Menkman zeigt einige besondere und kaum wahrnehmbare Bilder, die die Künstlerin während ihrer laufenden Forschung gesammelt hat. Während ihres Aufenthalts bei Art@CERN untersuchte Menkman unmögliche Bilder, indem sie Wissenschaftler bat, sich «unmögliche»Bilder von jedem Objekt oder Phänomen vorzustellen, das sie für wichtig halten. Als Ergebnis dieser Untersuchung schuf Menkman eine niedrig aufgelöste Polygon-Wiedergabe des nicht quantifizierbaren Kleckses möglicher und unmöglicher Bilder, die aufgrund der Beschränkungen in den Möglichkeiten unserer Bildverarbeitungstechnologien nur sehr schwer oder gar nicht aufzulösen sind.
Einige dieser Bilder hätten wir sonst nie zu sehen bekommen – sie bleiben unmöglich oder existieren nur in den hypothetischen Ecken des BLOB, der als Archiv der Im/Possible-Bilder fungiert. Die Arbeit enthält auch einen offenen Aufruf für das Zuschicken unmöglicher Bilder mittels eines im Projekt inhärenten Formulars. Menkman lädt die Benutzer:innen dazu ein, neue Bilder für das Archiv beizusteuern. The BLOB of Im/Possible Images war vom 09.02.2021 bis 09.02.2021 zu sehen: newart.city/show/menkman-blob-of-im-possibilities.
Rosa Menkman setzt sich mit dem Ergebnis von Fehlern in digitalen und analogen Medien auseinander. Ihre Arbeit greift gängige visuelle Elemente digitaler Bilder auf, wie Glitches, Verzerrungen und Farbfehler, die in verschiedenen Formaten, darunter Installationen, Videoarbeiten und Online-Projekte, neu kontextualisiert und inszeniert werden. Die Videoarbeit The Collapse of PAL (2010) verwendet verschiedene Glitches zusammen mit einer Audiospur als erzählerische Mittel, um die Geschichte des mittlerweile veralteten PAL-Signals zu erzählen. Auch in verschiedenen Arbeiten wie DCT:SYPHONING (2015-2017) beschäftigt sich die Künstlerin mit der Geschichte der Verarbeitung und Archivierung von digitalen Bilddaten. Unter dem Titel Glitch Moment(um) veröffentlichte sie 2011 ein Buch, das sich mit der ästhetischen und kulturellen Relevanz von Glitch Art auseinandersetzt und diese als Genre etabliert.
Statement der Künstlerin:
«Meine Arbeit konzentriert sich auf Noise-Artefakte, die durch Fehler in analogen und digitalen Medien entstehen (wie z.B. Glitch und Encoding- und Feedback-Artefakte). Ich denke, dass die aus diesen Zufällen resultierenden Artefakte einen wichtigen Einblick in die ansonsten undurchsichtige Alchemie der Standardisierung von Datenauflösungen ermöglichen können. Die Standardisierung von Auflösungen ist ein Prozess, der unseren Technologien generell Effizienz, Ordnung und Funktionalität auferlegt. Sie beinhaltet nicht nur die Erstellung von Protokollen und Lösungen, sondern auch die Verschleierung von Kompromissen und das Blackboxing von alternativen Möglichkeiten, die dadurch in Gefahr sind, für immer ungesehen oder sogar vergessen zu bleiben. Durch diese Forschung, die sowohl praxisbezogen als auch theoretisch ist, versuche ich, diese anti-utopischen, verlorenen und ungesehenen oder einfach 'zu gut, um umgesetzt zu werden' Lösungen aufzudecken, um neue Wege zu finden, unsere Technologien zu verstehen, zu nutzen und wahrzunehmen.»
Marc Lee
Bobi Wine vs Museveni, 12.01.2021
Die für die Reihe HEK Net Works konzipierte Arbeit Bobi Wine vs Museveniist eine Variation von Marc Lees früherer Arbeit Political Campaigns. Was heute zählt, sind Likes und Retweets, die als Stars (Museveni) und Herzen (Wine) über den Bildschirm wandern und um den Sieg kämpfen. Wie auch immer die Präsidentschaftswahlen ausgehen, sie werden historisch sein. Bobi Wine vs Museveni war vom 12.01.2021 bis 09.02.2021 hier mit diesen Einstellungen zu sehen.
Die Online-Arbeit Bobi Wine vs Museveni filtert aktuellste Twitter- und Youtube-Meldungen heraus, welche die Namen «Bobi Wine» und «Yoweri Museveni» enthalten und verwebt diese zu einer wilden TV-Nachrichtensendung (24/7). Die Arbeit ist eine netzbasierte TV-Show, die uns mit Meinungen konfrontiert, die nicht stets unseren entsprechen. Robert Kyagulanyi Ssentamu, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Bobi Wine ist für die Jugend in Uganda ein Star. Er rappt, macht Politik und ist als aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat für Ugandas Langzeit-Präsident Yoweri Museveni bedrohlich. Die Wahl fand am 14. Januar 2021 statt. Bobi Wine ist in der digitalen Revolution aufgewachsen, hat Zugang zu politisch-aktivistischen Strategien und kreativen Ausdrucksmöglichkeiten. Er benutzt das Internet als virtuellen öffentlichen Raum, wo seine Anhänger:innen zusammenkommen, um sein Leben und seine Ideen zu teilen – offen für Kommentare und Auseinandersetzungen. Es gibt mehrere Ugandas in diesem Land. Mit Plattformen wie Twitter und YouTube können wir einen Blick darauf werfen, wie das wirkliche Uganda aussieht und was es denkt. Was sagen die Menschen in Uganda wirklich? Welche Ideen treiben sie an? Welche Art von Diskurs findet auf diesen Plattformen rund um die Präsidentschaftswahlen statt? Kann das Zusammenspiel von künstlerischer und politisch-aktivistischer Strategie zur Demokratie in Uganda führen? Was bedeutet dies für die Zukunft des Landes?
Der Schweizer Künstler Marc Lee schafft netzwerk-basierte interaktive Werke. In seinen Arbeiten experimentiert er mit den Daten und Methoden der Informations- und Kommunikationstechnologien, um deren kulturelle, soziale und politische Auswirkungen kritisch zu untersuchen.
Gysin & Vanetti
24 times, 08.12.2020
Die Arbeit 24 times, die für die HEK Net Works Reihe geschaffen wurde, ist Teil der Serie Clock und besteht aus 24 Variationen rund um das Thema Uhrzeit. Jede dieser 24 Uhren zeigt die Tageszeit in Echtzeit an, jedoch in unterschiedlichen und ungewöhnlichen Formaten. Das Ergebnis sind rhythmische Kompositionen aus Zahlen, Buchstaben und Zeichen, wie z.B. die Summe aller Zahlen, aus denen sich die Stunden, Minuten und Sekunden eines bestimmten Augenblicks zusammensetzen, oder das Erscheinen eines Kuckucks alle halbe Stunde.
24 times (aus der ClockSerie) war vom 08.12.2020 bis 12.01.2021 zu sehen: https://24times.gysin-vanetti.com
Tipp: Sie können die Website auf Ihrem Mobiltelefon öffnen, eine der 24 Uhren auswählen und sie zu Ihrem Home-Bildschirm hinzufügen, um Ihre persönliche Uhr zu erhalten!
In der Tradition, die von der sogenannten Konkreten Kunst bis zur kinetischen und programmatischen Kunst reicht, entwickeln die Tessiner Künstler Andreas Gysin und Sidi Vanetti Projekte, die oft auf rekuperierte mechanische Systeme zurückgreifen. Die Arbeit Zürich HB Flap (2016) ist ein spektakuläres Beispiel dafür. Gysin & Vanetti haben die monumentale mechanische Beschilderungstafel des Zürcher Hauptbahnhofs, bestehend aus 452 Split-Flaps-Elementen –, die 2015 durch eine digitale Tafel ersetzt wurde, – neu programmiert, um eine kinetische Installation zu schaffen. Die Transformationen, die von den Künstlern als «gefundene Geometrien»bezeichnet werden, nehmen oft einen spielerischen und manchmal absurden Charakter an. So schufen sie beispielsweise eine Videomapping-Projektion für die Fassade einer Barockkirche in Locarno (S.Antonio, 2007), choreographierten eine Reihe von beweglichen Scheinwerfern (Fari, 2014-16) oder programmierten eine Sand-Zeichenmaschine, um geometrische Kompositionen zu erzeugen (Sabbia, 2017).
IOCOSE
Moving Tasks Forward, 10.11.2020
Die Arbeit Moving Tasks Forward, die die italienische Künstlergruppe IOCOSE für die HEK Net Works Reihe realisiert hat, gehört zu einer Serie von Werken, die sich auf die Idee konzentrieren, die Welt voranzubringen und die oft ironisch mit der doppelten Bedeutung des Konzepts des Vorankommens spielen. Moving Tasks Forward war vom 10.11. bis 8.12.2020 zum Herunterladen für die webbasierte Trello-Applikation hier verfügbar.
IOCOSE wurde 2006 von vier Künstlern (Matteo Cremonesi, Filippo Cuttica, Davide Prati, Paolo Ruffino) gegründet und untersucht, wie die Narrative um die Zukunft von Gesellschaft und Technologie Spuren in der Gegenwart hinterlassen. Unter Verwendung einer Vielzahl von Medien werfen sie einen besonderen Blick auf die Medienkultur und die digitalen Communities. Sie haben Fiktionen geschaffen, die bestehende Phänomene kritisch kommentieren, wie etwa videospielbedingte Pathologien (Game Arthritis, 2011), die kollektive Schaffung von Verschwörungstheorien (A Crowded Apocalypse, 2012) oder Online-Dienste zum Verkauf personalisierter Proteste (Instant Protest, 2017).
Statement der Künstler: «Moving Tasks Forwardist ein Skript, das die lange Liste von Aufgaben lösen kann, die unsere täglichen To-Do-Listen überschwemmen. Online-Aufgabenlisten sind ein gebräuchliches Werkzeug, um jede Art von Arbeitstätigkeit in einem bestimmten Zeitrahmen zu organisieren. Normalerweise wird eine Liste mit der Bezeichnung «Zu erledigen», die noch zu erledigende Aufgaben enthält, auf der linken Seite des Bildschirms platziert. Wenn der/die Benutzende eine Aufgabe erledigt hat, wird sie von dem/der Nutzer:in auf der rechten Seite des Bildschirms vorwärtsgeschoben, normalerweise unter einer beruhigend benannten Spalte wie «Done», «Erledigt», «Fatto». Das Skript Moving Tasks Forward automatisiert und rationalisiert diesen Prozess. Sobald das Skript im Browser gestartet ist, schiebt es die Aufgaben in regelmässigen Abständen automatisch vorwärts, unabhängig davon, ob sie tatsächlich erledigt wurden oder nicht. Das Ergebnis ist ein zweifacher positiver Effekt: die drastische Verringerung des durch unerledigte Aufgaben verursachten Stresses, gepaart mit einem unbezahlbaren Gefühl der Genugtuung darüber, dass wir unseren Teil geleistet haben, was dazu beiträgt, die ganze Welt, eine Aufgabe nach der anderen, voranzubringen. Mit Moving Tasks Forward setzt IOCOSE die Bewegung der Welt ungebremst fort, ein Objekt nach dem anderen.»
Michael Mandiberg
Virtual Background, 13.10.2020
Während des Lockdowns malte der amerikanische Künstler Michael Mandiberg den Hintergrund seiner Gesprächspartner:innen während Videoanrufen und übersetzte diese virtuelle Szenerie in etwas haptisches. Für die HEK Net Works Serie stellte Mandiberg einige von diesen Bildern als virtuellen Hintergrund zur Verfügung, die man sich per Download auf den eigenen Computer spielen konnte. Die Virtual Backgrounds von Mandiberg konnten vom 13.10. bis 10.11.2020 hier heruntergeladen und als virtueller Hintergrund für Online-Videoanrufe verwendet werden.
Michael Mandiberg ist ein interdisziplinärer Künstler, der in seiner Arbeit die sozio-politischen Dimensionen der Informationstechnologie wie auch ihre poetischen Ausdrucksformen reflektiert. Er entwickelte beispielsweise eine Software, die alle Preise auf einer beliebigen Webseite in ihren Äquivalenzwert in Ölfässern umrechnet und damit auf eine anhaltende ökologische Krise aufmerksam macht (Oil Standard, 2005). Mandiberg ist ausserdem Mitbegründer der Initiative Art+Feminism (ab 2013), die darauf abzielt, die Präsenz von Frauen in der Online-Enzyklopädie Wikipedia zu fördern. Mandiberg schrieb auch eine Software, die die gesamte Online-Enzyklopädie zwischen 2009 und 2016 in 7.473 Bände mit 700 Seiten umwandelte und damit die Inkongruenz einer solchen Operation unterstreicht (Print Wikipedia, 2009-16). Sein jüngstes Werk, Postmodern Times (2016-18), besteht aus Kurzfilmen, die auf der Online-Plattform Fiverr.com in Auftrag gegeben wurden um einen Film zu schaffen, der das Thema von Charlie Chaplins berühmtem Film Modern Times aufgreift und ein aktuelles Porträt der Arbeit im digitalen Zeitalter vorschlägt.
Statement des Künstlers:
«Als New York während COVID-19 pausierte, hörten meine menschlichen Kontakte und meine Kommunikation auf. Wie viele Informationsarbeitende fand ich mich in stundenlangen täglichen Videoanrufen wieder. Ein Wechsel von bekannten Gesichtern, die mir in unbekannten Räumen gegenüber sassen, unterbrach meinen Arbeitstag. Ich besuchte behelfsmässige Büroräume, die Küchen der Mitarbeitenden und die Kinderschlafzimmer meiner Studierenden und beobachtete die Art und Weise, wie Menschen ihre Umgebung für einen Anruf gestalten oder völlig vernachlässigen. Als Reaktion darauf habe ich eine Reihe von Gemälden begonnen, die diese Interaktionen festhalten und sammeln. Jedes Bild entspricht einem der Videoanrufe, die ich während der Quarantäne gemacht habe und zeigt das Zimmer der Person, die ich angerufen habe. In der Grösse von 6" x 11" spiegelt jedes Bild die 9:16-Proportionen des Zoom-Aufrufs wider. Wenn möglich, habe ich versucht, jedes Bild in der Zeitspanne des Videoanrufs fertigzustellen, aus der es stammt. Wenn die Anforderungen meines Aufrufs mich jedoch vom Malen abhielten, liess ich die Gemälde nachträglich fertig stellen. Ich male diese Räume ohne die Person, die vor der Kamera sitzt. Dabei dient diese Serie als Aufzeichnung von Interaktionen, die durch Abwesenheit gekennzeichnet sind. Eine Abwesenheit vermitteln auch minderwertige Objektive, Kompressionsalgorithmen und abgehackte Verbindungen, die off-weisse Farben in hell-rosa, gelbe und kühle Blautöne verwandeln. Diese Malpraxis hat mir geholfen, mit der kognitiven Erschöpfung durch all die Videoanrufe und der Angst vor der Selbstisolation fertig zu werden, während die Sirenen durch die Strassen um mich herum heulten. Ich weiss, dass Isolation ein Privileg ist, aber für mich ist sie ein notwendiges Privileg, da ich immungeschwächt bin. Das Malen dieser Leinwände war ein Versuch, die Erinnerung zu protokollieren, so sehr es auch eine Praxis der Selbstpflege und Bewahrung ist. Die Zeit hat sich in Ermangelung einer regelmässigen Routine verschoben, und ich habe den Überblick verloren, welcher Tag heute ist. Diese Gemälde helfen mir, den Überblick über digitale Erfahrungen zu behalten, die mir eher entgleiten und vergessen werden. Sie sind Erinnerungen und Mahnmale.»
Ann Hirsch
What A Cutie, 08.09.2020
What A Cutie ist ein Video, dass das iPhone der in Los Angeles lebenden Künstlerin Ann Hirsch aus einer Sammlung von Fotos und Videos erstellt hat, die sie von ihrer vier Monate alten Tochter Elisheva aufgenommen hat. Diese Geste untersucht die technologische Automatisierung in einer Zeit der öffentlichen sozialen Identität. Genauer gesagt, wie grosse Medienkonzerne wie Apple oder Facebook unsere Informationen stehlen, aber den Schlag abmildern, indem sie uns kleine Geschenke wie gezielte Werbung, Wortvorschläge per E-Mail oder vorgefertigte Videos geben, die wir mit Freunden teilen können.
Statement der Künstlerin:
"Wie dem auch sei, wir fanden, dass das iPhone eine wunderbare Arbeit geleistet hat, die besten Inhalte aufzugreifen und auf eine Weise zusammenzustellen, die die Tochter der Künstlerin wirklich feiert und unsere Herzen höher schlagen lässt. Dieses Video ist wahrscheinlich genauso gut, wenn nicht sogar besser, als das, was Hirsch selbst machen würde .
Wir sind so oft mit ‚Überwachung,’ ‚der Blockchain’ und ‚Online-Sichtbarkeit’ beschäftigt, dass wir manchmal keine Zeit haben, die Schönheit der kleinen Babys zu würdigen. Nun haben wir zugegebenermassen ein gewisses Schuldgefühl, dieses Video zu teilen (auch wenn die Künstlerin darauf bestand), weil wir an Jeff Bezos und die Zuckerbergs denken und uns fragen, ob sie diese Bilder dieses armen Babys stehlen und an Babyfirmen verkaufen werden? Oder an die Regierung? Sie für den Rest ihres Lebens verfolgen? Aber dann haben wir beschlossen, uns nicht mit all dem aufzuhalten, was nebensächlich ist, denn die Priorität ist, dass die Leute das Baby der Künstlerin sehen. Ausserdem werden wir dieses Video nur für einen Monat oder so zeigen, und dann wird es wieder vom Netz genommen, so dass wir Elisheva nicht zu viel aussetzen.
Es ist lustig, letztendlich hat uns dieses Kunstwerk zum Nachdenken gebracht! Ist ist wichtiger, dass die Leute das Baby der Künstlerin sehen oder dass sie ihre Kunst sehen? Hmmm, wir sind nicht sicher. Die Egos von Künstlern sind so zerbrechlich, dass sich ihr Selbstwertgefühl oft in ihren ‚Babys’ verfängt, seien es nun ihre Kunstwerke oder ihre eigentlichen Kinder. Es ist wirklich ein bisschen traurig, dass sie sich nicht von ihnen trennen können, aber als Kunstinstitution ist es unsere Aufgabe, das Selbstwertgefühl der Künstler zu stärken und sie wissen zu lassen: «Du bist wichtig!»
Wie auch immer, schauen Sie sich dieses gottverdammte Baby an und sagen Sie mal, dass Sie nicht vernarrt sind!!! Sie ist etwas Besonderes!!!!"
Ann Hirsch ist eine in Los Angeles lebende Künstlerin, die sich damit beschäftigt, wie Identität in der Populärkultur und im Web dargestellt wird. Sie beschäftigt sich oft mit kultureller Scham und deren Anwendung auf das Geschlecht.
Molly Soda
Cutting My Bangs At Home!, 11.08.2020
Molly Soda (alas Amalia Soto), eine Puerto-ricanische Künstlerin, die derzeit in New York lebt und arbeitet, ist Dank ihrer Auftritte im Internet über Social-Media-Plattformen zu einer Internet-Berühmtheit geworden. Für die HEK Net Works Reihe schuf sie die Arbeit Cutting My Bangs At Home!, eine ironische Referenz auf populäre Internet-Phänomene.
Als Künstlerin hinterfragt sie die Konstruktionen von persönlicher Identität und deren Rezeption und dekonstruiert spielerisch die Räpresentation von Frauen in der Populärkultur. Zu ihren Werken gehören Tween Dreams, eine humorvolle Serie für Teenager, in der sie jede Figur spielte, Me and My Bear,in der sie ihre Verlobung mit einem zwei Meter grossen Tedybären dokumentiert, und Should I Send This?, eine Leseaufführung aller Botschaften aus ihrem Tumblr-Konto. 2017 gab sie zusammen mit Arvida Byström das Buch Pics or It Didn't Happen: Images Bannend From Instagramheraus. Sie wurde als Anthropologin für kulturelle soziale Medien bezeichnet und ihre Arbeit wurde in Museen und Galerien auf der ganzen Welt präsentiert. Cutting My Bangs At Home! war vom 11.08-08.09.2020 zu sehen: https://vimeo.com/446837667
Statement der Künstlerin: «In diesem Video habe ich versucht, verschiedenen YouTube-Haarschneide-Tutorials zu folgen, speziell für eine Art von Haarschnitt, der als «curtain bangs»bezeichnet wird. Viele dieser Videos wurden in den letzten Monaten des Lockdowns hochgeladen, da die meisten Menschen keinen Zugang zu einem Friseur hatten und viele privat mehr Zeit zur Verfügung hatten. Das Video fungiert sowohl als persönliches Archiv als auch als Zeitkapsel dieses sehr spezifischen Moments in der Zeit, in der man Zuhause alleine einen Haarschnitt schneidet. Die Webcam fungiert für mich als Spiegel um mir die Haare zu schneiden.»
Joana Moll
Ultimate solvers, 07.07.2020
Ultimate solvers, Joana Molls Beitrag zur Reihe HEK Net Works, entlarvt die techno-utopische Philosophie internationaler Designfirmen durch ihre zynischen Slogans. Ultimate solvers war vom 7.7. bis 14.7.2020 zu sehen: www.janavirgin.com/HEK/
Joana Moll ist eine Künstlerin, die in Barcelona und Berlin lebt und arbeitet. In ihren Werken analysiert sie die Auswirkungen des Techno-Kapitalismus auf die soziale Dynamik und die Entwicklung digitaler Technologien. Themen wie Überwachung, die lukrative Ausbeutung persönlicher Daten und die ökologischen Auswirkungen digitaler Technologien sind in ihrer Arbeit wiederkehrend. Sie hat netzbasierte Installationen geschaffen, die in Echtzeit die CO2-Produktion anzeigen, die durch die globale Suche der Google-Nutzer entsteht. Sie hat auch aktuelle Praktiken von Online-Dating-Seiten und deren zweifelhafte Nutzung privater Daten aufgedeckt.
Statement der Künstlerin:
«Die COVID-19-Krise hat ein massives soziales, ökologisches, politisches und wirtschaftliches Systemversagen offenbart. Auch wenn die Ursachen und Folgen dieser Krise sehr komplex und tiefgreifend sind, wurde uns wiederholt gesagt, dass sie mit einer weiteren App gelöst werden kann. Dieser technische Problemlösungsansatz wird allgemein als Techno-Solutionismus bezeichnet. Der Techno-Solutionismus neigt dazu, die verschiedenen Realitäten, die die jeweiligen Probleme auslösen, die er zu lösen versucht, zu vereinfachen und zu verschleiern; er ist einfach nicht in der Lage, Probleme zu bewältigen. Auch wenn sich gezeigt hat, dass Techno-Solutionismus nicht funktioniert, wenn es darum geht, hochkomplexe Ereignisse wie die aktuelle globale Pandemie zu beheben, wird er wieder einmal enthusiastisch als die einzig mögliche Antwort auf eine kritische Situation angenommen. Aber wer definiert und implementiert diese technologischen Fixes? Ultimate solverssammeln eine Reihe von Slogans, Markenidentitäten und unterstützenden grafischen Materialien, die von den wichtigsten Unternehmen verwendet werden, die zur Ankündigung ihrer Produkte technologische Lösungen vorschreiben. Interessanterweise neigen diese Unternehmen dazu, eine recht präzise Sprache zu verwenden, um auf sehr unpräzise Weise zu definieren, was sie tatsächlich tun. Nichtsdestotrotz verstehen diese Unternehmen genau, wie sie von den Realitäten profitieren können, die ihre Technologien schaffen und aus denen sie ihre Produkte extrahieren werden. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, was die langfristigen Auswirkungen der Lösung hochkomplexer systemischer Probleme mit reduktionistischen Technologielösungen sein werden. Die Zukunft sieht nicht rosig aus.»
exonemo
Realm, 02.06.2020
Die neue Arbeit Realm des japanischen Künstlerduos exonemo lädt zur Erkundung einer Website ein, die je nachdem, ob die Nutzer:innen die Desktop- oder die mobile Version des Browsers nutzen, unterschiedlich dargestellt wird und unterschiedliche Interaktionsmodi besitzt – Berührung oder Sehen ermöglicht. Realm war vom 26.5. bis 2.6.2020 hier zu sehen: exonemo.com/realm/
exonemo wurde 1996 gegründet und besteht aus Sembo Kensuke und Akaiwa Yae. Sie erforschen digitale Technologien auf spielerische und unterhaltsame Weise und haben seit den Anfangsjahren des World Wide Web Arbeiten online geschaffen. Insbesondere untersuchen sie in ihren Werken die Widersprüche zwischen analogen und digitalen Werkzeugen und zwischen physischer und virtueller Realität. Sie organisieren auch kollektive Veranstaltungen, wie z.B. den Internet Yami-Ichi, einen Flohmarkt für netzbasierte Dinge.
Statement der Künstler:
«Wir wissen, dass wir uns zwischen hier und dort, dem Natürlichen und dem Menschgemachten, oder der Zukunft und der Vergangenheit befinden. Und werden dort immer einen Raum sehen. Jemand mag behaupten, dass man ihn berühren könne, aber niemand hat ihn je berührt, und niemand weiss von ihm.»
Faith Holland
Touchscreen, 19.05.2020
Für die HEK Net Works Serie hatte die in New York lebende amerikanische Künstlerin Faith Holland ein neues GIF kreiert, das sich mit dem Thema der Distanz durch Isolation und der Sehnsucht bzw. Frustration des Tastsinns, der durch virtuelle Online-Begegnungen ersetzt wird, auseinandersetzt. Das GIF war vom 19.5. bis 26.5.2020 zu sehen: http://faithholland.com/touch/touch.html
Hollands Arbeit fokussiert auf die Dekonstruktion von Bildern sexueller Körper in der Populärkultur. Insbesondere praktiziert Holland eine feministische Wiederaneignung von pornografischen Bildern durch eine Fetischisierung von Technologie als performativen und subversiven Akt. Ihre Arbeit umfasst Performances, Videos, Installationen und thematische Websites. GIFs sind ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, wofür die Serie Visual Orgasmsbeispielhaft ist. Diese sind eine farbenfrohe und freudige metaphorische Visualisierung von Orgasmen in vielfältigen Formen, wie z.B. einer Fülle von Wasserfällen und Feuerwerken.
Statement der Künstlerin:
«In Touchscreenstrecken sich mehrere Hände der Kamera entgegen, um sie zu berühren. Es scheint, dass sie sich am Bildschirm selbst reiben, aber die Berührung wird nur simuliert. Mit diesen Liebkosungen werden die Betrachter:innen und der Bildschirm zueinander in Beziehung gesetzt. Wir werden aufgefordert, uns mit diesem flachen, gefühllosen Stück Glas zu identifizieren. In dieser neuen Umgebung, in der Berührung gefährlich geworden ist, akzeptieren wir diese Simulation bereitwilliger, genau wie die Simulationen von Partys, Meetings und Zusammenkünften.»
Lauren Huret
Kimey’s feed, 12.05.2020
Für die HEK Net Works Reihe produzierte die Genfer Künstlerin Lauren Huret eine Woche lang Geschichten auf Instagram und verwendete dabei Inhalte von Prominenten – insbesondere der Posts der Familie Kardashian-West-Jenner –, die eine beeindruckende Anzahl von Followern haben und daher das tägliche Leben von Millionen von Menschen begleiten und definieren.
Huret untersucht in ihren Werken die von den Medien, insbesondere den sozialen Netzwerken produzierten Glaubenssysteme, die unsere Gewohnheiten und Verhaltensweisen beeinflussen. Die Künstlerin nutzt auf intelligente Weise verfügbare technologische Werkzeuge. Bilder und Videos überlagert sie mit grafischen Elementen wie Smileys, Icons und Texten.
Statement der Künstlerin:
«Seit Jahren fasziniert mich die vollständige Schaffung einer öffentlichen, theatralisierten Selbstinszenierung der Privatsphäre von Prominenten durch den Einsatz neuer Technologien und sozialer Netzwerke. Diese totale ikonische Inszenierung, vollständig mediatisiert, wird für mich durch die Figur des Kardashian-West-Jenner vollkommen verkörpert. Sie produzieren eine neue Ökonomie und neue Medienrituale, erzeugen ein gemeinsames Imaginäres, das dank sozialer Netzwerke nah und fern erscheint (und vermitteln mitunter problematische Werte). Als ich diese Woche den HEK Instagram-Account durchstöbert habe, beschloss ich, "Stories" zu posten, die vollständig aus dem Bildmaterial der Kardashian-West-Jenner Instagram stammen, und sie neu zu erfinden, zu arrangieren und neu zusammenzustellen. Wie ein Maler, der eine Landschaft malt, die er vor sich hat, werde ich diese Bilder nur mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen komponieren, die auf meinem Telefon installiert sind, und mit Werkzeugen, die von sozialen Netzwerken zum Erstellen von Bildern eingerichtet wurden. Als eine Art Forschungszeitschrift könnten die in dieser Woche entstandenen "Geschichten" eine Gelegenheit sein, die Verehrung, den Einfluss und die Bilderwelt zu überdenken, die von Stars als neue religiöse und politische Ikonen entwickelt wurden.»
:: vtl :: aka Dimitry Morozov
Under pressure, 05.05.2020
Für die HEK Net Works Reihe schuf der russische Künstler ::vtol::: aka Dmitry Morozov eine kleine Maschine, die automatisch die Blasen einer Luftpolsterfolie aufbricht, so dass das Publikum den Prozess geniessen und sich während des Lockdowns bei der Beobachtung eines doch vielen bekannten Entertainments zu entspannen. Die Installation war per Live-Stream vom 5.5. bis 12.5.2020 zu sehen: vtol.cc/filter/works/under-pressure
Dmitry Morozov ist ein transdisziplinärer Künstler und Forscher. Er konzentriert sich auf zeitgenössische Medienkunst, darunter Sound, Robotik und Installation, und legt besonderen Wert auf die Verbindung zwischen neu entstehenden Systemen und neuen Arten technologischer Synthese. Er baut unter anderem Roboterinstallationen, die Themen wie Ökologie, Informationsgesellschaft und zwischenmenschliche Beziehungen thematisieren.
Statement des Künstlers:
«In diesen turbulenten Zeiten fehlt uns wirklich allen, an den üblichen Ritualen und Handlungen teilzuhaben, die eine gewisse Harmonie ermöglichen. Eine der Lieblingsbeschäftigungen vieler Menschen ist das Zerplatzen der Blasen einer Luftpolsterfolie. 'Unter Druck' ist ein Mechanismus, der dies automatisch tut: eine nutzlose Maschine, deren einzige Funktion darin besteht, Blasen in der Folie zu zerdrücken. Die Maschine ist in meiner Werkstatt installiert, und durch die Live-Übertragung auf YouTube kann sie sich jeder ansehen und so Stress abbauen. Die Idee zu dieser Maschine entstand vor vielen Jahren und anfangs hatte ich sie als eine sehr gross angelegte Maschine konzipiert. Die Umstände führten zu einem anderen Ergebnis: Einerseits erwies es sich als wichtig und dringend, diese Arbeit zu diesem Zeitpunkt durchzuführen; andererseits musste die Maschine in kleinerer Dimension und mit zufälligen Materialien hergestellt werden, die ich in meiner Werkstatt vorfand.»
Jonas Lund
I just stare at my computer waiting for something to happen, 28.04.2020
Für die Website des HEK erstellte der schwedische Künstler Jonas Lund für die Zeitspanne von sieben Tagen ein Skript, das die Anwesenheit anderer Benutzer:innen in Echtzeit anzeigt. Jede Mausbewegung hinterlässt Spuren auf dem Bildschirm, in Form von Grafiken, die von einer Online-Community generiert wurden und an die Ästhetik der Neunzigerjahre erinnern. Die digitale Arbeit I just stare at my computer waiting for something to happen konnten die Besucher:innen der Website des HEK ausschliesslich vom 28.04. bis zum 05.05.2020 auf www.hek.ch ausprobieren. Durch sein Werk wurde die Präsenz von anderen Benutzer:innen in der Zeit des Lockdowns auf wunderbare Weise sichtbar.
Lund experimentiert mit verschiedenen Formaten der Kunstproduktion und -distribution und stellt dabei auf spielerische Weise die bestehenden Modelle der Kommerzialisierung von Kunst in Frage. Insbesondere untersuchte er die Entstehung neuer Gepflogenheiten in der Kunstwelt mit dem Aufkommen neuer digitaler Werkzeuge. So konzipierte er zum Beispiel die Ausstellung Critical Mass (2017), die sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verändert, abhängig von einer Online-Umfrage, die es Benutzer:innen ermöglicht, ihre Präferenzen bezüglich des Ausstellungsdesigns auszuwählen. Darüber hinaus hat er 100’000 Aktien in Form von Tokens von Kryptowährungen geschaffen, die es den Aktionären ermöglichen, über seine künstlerische Karriere und seine zukünftige Praxis mitzubestimmen.
Statement des Künstlers:
«Seit das HEK mich vor zwei Wochen eingeladen hat, etwas auf ihrer Website zu machen, habe ich darüber nachgedacht und fand es überraschend schwierig, die richtige Herangehensweise oder Ansatz zu finden. Im Moment dreht sich alles ganz natürlich um Covid-19, so dass es sich nicht allzu relevant anfühlt, über etwas anderes zu arbeiten, während es sich bei der Arbeit speziell zu Covid-19 als zu früh oder zu viel anfühlt. An den meisten Tagen des Lockdowns starre ich nur auf meinen Computer und warte darauf, dass etwas passiert. Für Menschen, die es gewohnt sind, zu Hause zu arbeiten, sollte das kein grosser Unterschied sein, aber es fühlt sich völlig anders an. Ich frage mich, ob mehr Menschen so empfinden, wenn wir alle durch diesen Moment verbunden sind. Was wäre, wenn ich sehen könnte, wie Sie sich bewegen, wenn ich mich bewege? Synchronisierte, zufällige Bewegungen im Raum. In I just stare at my computer waiting for something to happen ist jede Spur, die Benutzer*innen hinterlassen mit allen Besucherinnen und Besuchern der Website synchronisiert – alle sehen die Cursorspur von allen. Der Cursor wird nach dem Zufallsprinzip aus dem vollständigen Archiv der Cursors der RealWorld Graphics Website ausgewählt und ist für jede Person einzigartig. So ist das Aufdecken der Einsamkeit und der Zusammengehörigkeit zur gleichen Zeit durch ein zufälliges Treffen auf der HEK-Website möglich.»
Addie Wagenknecht
The perfect cat eye with your zoom date, 21.04.2020
In ihrem neuen Video The perfect cat eye with or without your Zoom date für die HEK Net Works Reihe übernimmt die amerikanische Künstlerin Addie Wagenknecht (*1981) das beliebte Make-up-Tutorial-Format, das auf Medienkanälen wie YouTube üblich ist, um den Zuschauer in ihre Beauty-Routine einzuweisen. Während sie sich mit Wimperntusche und Lippenstift schminkte, nutzte sie die Gelegenheit, um über Sicherheitslücken in Videokommunikationsplattformen wie Zoom zu sprechen – vor allem, wenn sie für intime und erotische Gespräche genutzt werden – und alternative Lösungen vorzuschlagen.
Gerade in der Zeit des Lockdowns, in der die digitale Interaktion den Live-Kontakt ersetzt hat, werden durch neuer Kommunikationsformen wieder einmal Fragen zum Schutz der Privatsphäre aufgeworfen. Anhand des Formats der Beauty-Video-Tutorials spricht Wagenknecht über die digitale Privatsphäre und den Datenschutz, der bei Plattformen wie Zoom oder Whatsapp eine Rolle spielt.
Addie Wagenknecht beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit Fragen der Netzkultur und Cybersicherheit. Liminal Laws, ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz, die 2016 im HEK präsentiert wurde, untersuchte die Auswirkungen der Medientechnologie auf die Gesellschaft und thematisierte dabei auch die ungleiche Verteilung des Zugangs zu Informationen in der Bevölkerung. Sie lebt und arbeitet in Innsbruck, Österreich.
Keiken
Ozone, 14.04.2020
Für die HEK Net Works Reihe hat das Künstlerkollektiv Keiken Ozone veröffentlicht, einen neuen Filter – sowie eine Reihe von kurzen performativen Videos, Posts, Geschichten und einen Live-Stream auf dem Instagram-Account des HEK. Ozone führt eine neue fiktionale und augenzwinkernde, digital-spirituelle Praxis namens «Ozonschichtung» ein, die während des Lockdowns entstanden ist. Die Benutzer:innen können sanfte, langsame Bewegungen machen, während sich ihre Umgebung verändert. Der Filter bildet dann die Umgebung auf den Gesichtern der Benutzer:innen ab und stellt so eine persönliche Verbindung her. In dieser neuen Arbeit spielt Keiken mit Trends, Ritualen und der Sprache, die auf Instagram und den sozialen Medien verwendet wird.
Ozone-Schichtungsverfahren:
Step 2:
Once you have found the filter, take three deep breaths and then press record. Film yourself standing still or with slow movements with the filter on (this can either be a short 15 second session or a longer one, I like to go no longer than a 5 minute livestream).
Step 3:
Post the Ozone Layering session either through stories or posts, don’t forget to post a caption to spread the Ozone Layering spiritual message and gain more followers.
Step 4:
Once lockdown is over, we will practice faster movements, the speed of these movements will be organic and dependant on whether capitalism resumes its normal speed or whether other forces will change this rhythm.
Joan Heemskerk (JODI)
GOL and NBKM, 07.04.2020
Joan Heemskerk, ein Teil des Netzpionier-Kollektivs JODI realisierte zwei Werke für die HEK Net Works Reihe: GOL und NBKM. Die URLs http://x20xx.com/nbkm und http://x20xx.com/gol sind grafisch visuelle Settings im unverwechselbaren Stil des Künstlerduos JODI, die beide auf die Bedrohung durch den Corona-Virus anspielen.
GOL (Game of Life) und NBKM (no body knows me) sind Teil des übergreifenden Werkkomplexes x20xx (http://x20xx.com/), einer Reihe von visuellen Szenarien zu persönlichen, wissenschaftlichen oder aktuellen Ereignissen, die in losen Abständen erweitert und fortgeführt werden.
JODI (JoanHeemskerk und DirkPaesmans) gehörten seit Mitte der 1990er Jahre zu den Pionier:innen der Netzkunst. Von Anfang an haben sie in ihren Arbeiten die Konventionen, Strukturen und Protokolle des Internets untersucht und subversiv unterlaufen. Sie arbeiten mit Computerprogrammen, Computerspielen und Video und greifen aktiv in die Sprache und den Code dieser Systeme ein. Mit ihren radikalen Eingriffen lenken sie die Aufmerksamkeit auf die Mechanismen dieser Systeme und unsere Nutzung und Beziehungen zu ihnen.
Maria Guta
Day of my Life, 31.03.2020
Die Künstlerin Maria Guta war während des ersten Lockdowns der Covid 19 Pandemie in Bukarest in Rumänien (ihrem Geburtsland) gestrandet und konnte monatelang nicht zurück in die Schweiz reisen, wo sie in Neuchatel lebt. Für die HEK Net Works Reihe realisierte sie ein Video, das sie in der Wohnung in Bukarest zeigt, in der sie sich als gelangweilte Hausfrau inszeniert. Mit der ironischen Brechung ihrer Situation thematisierte Guta einerseits ihre Erfahrungen im sogenannten Ostblock aufgewachsen zu sein, wie auch die aktuelle Situation der sozialen Distanzierung und Vereinsamung während der Pandemie.
Statement der Künstlerin: «In an age where the idea of a totalitarian, restrictive regime is mostly a somber reminder of a pre-1989 era (or material for dystopian scenarios) it’s interesting to observe how the world – starting with some of the most democratic countries – is suspending «voluntarily a couple of the most basic human rights and freedoms by imposing the first nationwide lockdowns since World War II. And, although the causes are of a very different nature today, I can’t stop myself from drawing a line between the current restrictions and those experienced by prior generations (me included, as a kid growing up in Romania in the late 80s) under totalitarian regimes.
During Ceausescu’s dictatorship but also a while after (through the harsh transitional period that followed the “89 revolution), the greatest form of escapism were Hollywood movies (in communism only available through the VHS black market). Because of my then early age and a certain naivety, I initially became fascinated with American „cheap” cinema, soap operas and later on Latin-American telenovelas, where everyday life was blending in a fantasy world and reality was basically represented as illusion. This fictional form of escapism was very “first-degree” rewarding for eyes and senses, and most comforting in times of discomfort. That’s also when I started impersonating different characters, which is a big part of my practice today.
All the best from Bucharest!»
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