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Falbeispiel: Der Bandscheibenvorfall, der auch ohne Operation verschwand
Dieser Fallbeispiel wird erwähnt im Artikel «Kontroverse um zervikale Nervenwurzeltherapie»
Anamnese und Diagnostik
Eine 47 jährige Patientin klagte über konstante, teilweise sehr starken Brennschmerzen im Schulterblatt und Arm links. Auch verspürte sie häufig ein Kribbeln in der Hand, im Daumen und Zeigefinger („wie taub“). Unter Belastung und bei gewissen Positionen nahmen die stechenden, einschiessenden Schmerz zu (teils extreme Schmerzen im Liegen). Schliesslich trat auch eine Schwäche im linken Arm auf. Die Bewegung in der Halswirbelsäule war schmerzbedingt praktisch nicht mehr möglich. Die Beschwerden hatten ca. drei Monaten zuvor mit einem stechenden, brennenden Schmerzen im linken Schulterblatt begonnen. Ursächlich wurde zunächts eine Muskelverspannung angenomen. Wiederholte Massagen, Triggerpunktinfilrationen und Akupunktur bleiben erfolglos. Als die Schmerzen dann zunhemend in den Arm ausstrahlten, wurde eine MRI-Untersuchung veranlasst. Diese zeigte eine Bandscheibenhernie, welche auf den Nerv drückte und diesen reizte (Wurzelreizung C 6/7 links bei grossvolumiger Bandscheibenhernie
Abbildungen 1 und 2: Grossvolumige nach kranial reichende Bandscheibenhernie C6/7 mit Nervenwurzelkompression medio-links-lateral sowie Einengung des Spinalkanals und Dorsalverlagerung des zervikalen Myelons.
Abb. 1: Sagittalschnitt
Abb. 2: Transversalschnitt
Die Beruteilung beim Neurochirurgen ergab eine klare Indikation für eine raschen Operation. Bei einem derart grossen Bandscheibenvorfall sei ein operatives Vorgehen wohl unumgänglich.
Verlauf
Nach Einholen einer Zweitmeinung entschied sich die Patientin für einen Behandlungsversuch mit einer gezielten, röntgengesteuerten Kortisoninfiltration an die betroffene Nervenausstrittstelle. Nach eingehender Aufklärung über Risiken und Erfolgsaussichten wurde der minimal-invasive Eingriff nach den vorgegebenen Regeln auf Höhe C6 und C7 links durchgeführt. Als Begleittherapie folgten insgesamt sechs chiropraktische Behandlungen mit wiederholten vorsichtigen Traktionen. Innerhalb von einer Woche kam es zu einer 100%igen Schmerzreduktion und rascher Erholung der Kraft.
Wegen erneuter Nackenschmerzen links zwei Jahre später wurde die MRI-Unteruchung zwecks Verlaufrskontrolle wiederholt. Der anfänglich dargestelle Bandscheibenvorfall konnte nicht mehr nachgewiesen werden. Diesmal lag die Ursache in einer aktivierten Arthose der kleinen Wirbelsäulengelenke. Auch diese Beschwerden verschweden nach einer gezielten Behandlung.
Bemerkung
Dieses Beispiel bestätigt, dass auch eine grosse Diskushernie sich spontan zurückbildung kann. Wichtig ist, dass bis dahin eine adäquate Schmerztherapie durchgeführt wird.
Bleiben Physiotherapie, Chiropraktik und die gezielte Infiltrationstherapie erfolglos, kann eine Operation immer noch in Betracht gezigen werden. Bei zunehmender Nervenschädigung (z.B. Lähmungserscheinungen) ist aber eine rasche Operation unumgänglich.
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