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Der Goldene Ring Russlands, Teil 2: Auf der Reise durch die mittelalterliche Rus
Der Goldene Ring ist in erster Linie die Gesamtheit der ältesten Städte der nordöstlichen Rus. Diese Orte waren in der Regel die Hauptstädte der Teilfürstentümer und standen miteinander nicht selten auf Kriegsfuss. Die Städte des Goldenen Rings sind zwischen dem 10. und dem 17. Jahrhundert entstanden und zum Teil älter als Moskau selbst. Mehr noch: Sie waren Zentren des Handels, weltlicher und vor allem religiöser Macht, als es die heutige russische Hauptstadt noch gar nicht gab.
In der Gegenwart sind sie grössere oder kleinere, aber trotzdem Provinzstädte, die im Schatten des niemals schlafenden Multimillionen-Moskaus wie Relikte aus einer anderen Zeit zu sein scheinen. Aber in früheren Zeiten waren sie Schauplätze bedeutendster Ereignisse in der russischen Geschichte. Als Ausdruck von Macht und Reichtum wurden hier zahlreiche Klöster und Kirchen gebaut, die bis heute die wichtigsten Sehenswürdigkeiten entlang des Goldenen Rings sind.
Dies ist ein Bericht über den Goldenen Ring Russlands in mehreren Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:
Seit jeher übten die Städtchen und Städte des Goldenen Rings eine magische Anziehungskraft auf die Besucher aus: Reisende, Künstler, Maler, Schriftsteller, später auch Fotografen, Wissenschaftler, Historiker, Architekten und Kunstforscher empfanden diesen Teil Russlands auf verschiedene Art und Weise, doch waren und sind sich alle darüber einig, dass eine Reise entlang des Goldenen Rings einen bleibenden Eindruck bei den Gästen hinterlässt.
Einige kommen, um unzählige Klöster zu besuchen. Allein in Suzdal mit seiner Bevölkerung von rund 10’000 Einwohnern gibt es fünf grosse Klöster und eine wahrlich unüberschaubare Zahl an Kirchen aller möglichen Grössen und Bedeutungsgrade. Heutzutage sind sie in ihrer Mehrheit funktionierende religiöse Einrichtungen; in vielen von ihnen haben Museumausstellungen Platz. Leider sind die besonders wertvollen Exponate, Ikonen und Freskenfragmente in die Museen des nahe liegenden Moskaus gebracht worden.
Andere kommen, um vor allem die einzigartigen Denkmäler der Geschichte und Kultur des altertümlichen Russlands zu besichtigen und zu bewundern. Ausserdem sind viele Städte des Goldenen Rings Zentren des eigenartigen volkstümlichen Handwerks.
Im modernen Russland ist das Interesse an diesem Reiseziel im Vergleich zu den sowjetischen Zeiten, als der Ring als Reiseroute entstanden war, nicht nur nicht kleiner geworden, sondern beachtlich gewachsen. Für viele Städte ist der Tourismus zu einer der wichtigsten Einnahmequellen geworden. Es scheint fast, dass die Reisebüros und Vertreter der touristischen Branche vor Ort ein geheimes Komplott gegen die Krise geschmiedet hätten – das Geschäft blüht jedenfalls.
Einerseits verfügen die Städte des Goldenen Rings über eine relativ gute touristische Infrastruktur, die sie als Erbe der ersten sowjetischen Busreisen bekommen haben. Positiv wirkt auch die relative Nähe zur russischen Hauptstadt: Viele Moskauer machen gerne Ausflüge, um sich in der Ruhe der malerischen Provinz vom Grossstadtstress zu erholen. Andererseits wird in den Städten selbst aktiv und dynamisch dazu beigetragen, dass der Goldene Ring sich als immer begehrteres Reiseziel etabliert.
Die historischen Sehenswürdigkeiten werden restauriert und wieder in Betrieb genommen, aber auch neue Hingucker wie Zentren der Kunst und des Volkshandwerks sind entstanden; Hotels und Restaurants wurden eröffnet; man feiert wieder alte orthodoxe und heidnische Feste und neue Feierlichkeiten und Traditionen wie zum Beispiel der Gurkentag in Suzdal wurden ins Leben gerufen.
Der Goldene Ring umfasst die administrativen Bezirke von Moskau, Wladimir, Iwanowo, Jaroslawl und Kostroma. Jede der Städte des Goldenen Rings hat ein reiches geschichtliches Erbe und ein einzigartiges architektonisches Gesicht vorzuweisen. Ausserdem hat jede Siedlung zu ihrer Zeit eine wichtige Rolle in der Bildung des zentralisierten russischen Staates gespielt.
In Sergijew Possad besichtigen die Touristen das Dreifaltigkeits-Sergios-Kloster, dann folgt Alexandrow, wo sich die mittelalterliche Festung Alexandrowskaja Sloboda – der Alexandrower Kreml, der Zarensitz des Ivan des Schrecklichen – befindet. Die Stadt Wladimir, eine der ältesten Städte des heutigen Russlands, war im Mittelalter die Hauptstadt des reichen und mächtigen Fürstentums. In der Nähe von Wladimir liegt das bestens erhaltene Dorf Bogoljubowo – die Residenz des Fürsten Andrej Bogoljubow. In Suzdal denkt man gleich, dass man sich in einem Museum für Geschichte und Architektur unter freiem Himmel befindet. In den etwas ähnlichen Städten Pereslavl-Salesski und Rostow wird man den Eindruck nicht los, dass die Zeit hier irgendwo im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist, und nur zufällig fährt gerade ein Auto und nicht eine Kutsche vorbei. Die Stadt Murom ist bekannt vor allem dank Ilja Muromez – einem der wichtigsten Legendenhelden des mittelalterlichen russischen Epos. Die Wolga-Städte Uglitsch, Kostroma und Jaroslawl liegen etwas entfernter von Moskau, jedoch hält das die Abertausenden von Touristen zu jeder Jahreszeit von einem Besuch nicht ab. Irgendwie erweist sich der Goldene Ring als magisch…
Oberstes Bild: Erlöserkathedrale in Uglitsch (Bild: Michael Clarke Stuff, Wikimedia, CC)