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Flugvorbereitungen beschränken sich nach ein paar Flugjahren auf das Überprüfen der Wettervorhersagen an der Destination. Kleiner oder grosser Koffer? Badehose oder Winterstiefel? Regenschirm oder Sonnenhut? Fragen, die mich am Vortag des Abfluges unglaublich beschäftigen.
Steht mir ein Einsatz in eine Krisenregion, ein Kriegsgebiet oder eine besonders gefährliche Stadt bevor, studiere ich noch zusätzlich das von meiner Firma sorgfältig zusammengestellte Informationsblatt voll gepackt mit Sicherheitshinweisen. Ich tue gut daran, mich in diesen Ländern daran zu halten.
Neben diesen geschriebenen Gesetzen, existieren in der Fliegerei auch viele ungeschriebene. Diese werden über Fluggenerationen weitergegeben und sind im täglichen Einsatz fast ebenso wichtig, wie die oben beschriebenen.
Jetzt, wo endlich wieder junge Flight-Attendants, frisch ausgebildete Piloten und neu zum Langstreckenpiloten geschlagene Kapitäne zu uns stossen, ist es wichtig, dass diesen ungeschriebenen Gesetzen die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Beiliegende Liste kann ausgeschnitten, und in den Flugunterlagen mitgeführt werden.
tun:
mindestens einen Caipirinha in Sao Paulo trinken; das Firstclass Flight-Attendant mit Komplimenten überhäufen; den Hostessen vor dem Einkaufsrausch beim Tragen der Koffer helfen; die Cockpittüre vorsichtig schliessen; Nespressokapseln auf den Tel Aviv Flug mitnehmen; gelesene Zeitungen anständig hinterlassen; den Copiloten für die schöne Landung loben; Trost spenden nach harten Aufsetzern; am Linecheck Hut mit Grösse 62 auf Kopf mit Grösse 64 setzen, auch wenn es lächerlich aussieht; Cockpitbesuch während Nachtflug; beim Eiscrèmeservice an die zwei Kollegen in der Kanzel denken; sms Eingang auf lautlos stellen; selber ausrechnen, was man beim Abendessen konsumiert hat; nicht - oder dezent parfümieren; gemäss Gewerkschaften: Eis im Bauch haben; am Simulatorcheck wissen, wann die seitliche Pistenbeleuchtung auf Rot wechselt (seit 15 Jahren werde ich das zwei Mal im Jahr gefragt);
lassen:
mehr als zwei Caipirinhas in Sao Paulo trinken; einem, der immer wieder betont, dass er sehr viel Wert auf ein ehrliches Feedback legt, ein ehrliches Feedback geben; den Hut am Linecheck vergessen; den Hostessen nach dem Einkaufsrausch beim Tragen der Koffer helfen; das Cockpit besuchen, wenn frisch parfümiert; einer 22-Jährigen widersprechen, denn diese Damen scheinen die Weisheit gepachtet zu haben; den Pass vergessen; am Funk schöne Weihnachten wünschen; am Schluss eines Schulungstages Fragen stellen; Passagieransagen auf der Tower-Frequenz machen; mein Kreuzworträtsel lösen; den Copiloten nach einer harten Landung tadeln; im Cockpit furzen; sich im Ausland auf das Orientierungsvermögen der Piloten verlassen; Hoteltüre zuknallen; vor der Crewbunktüre die Einkaufsliste mit der Kollegin besprechen; Fragen, wie lange die Turbulenzen noch anhalten; Träger von Schuhen mit Grösse 48,5 wegen ausgelatschten Tretern tadeln, denn Träger von Schuhen mit Nummer 48,5 können fast nirgends uniformtaugliche Flossen in der Grösse 48,5 kaufen; Träger mit Hutgrösse 64 kritisieren, dass sie den Hut mit Grösse 62 ausser am Linecheck nie tragen; Witze über alte Copiloten machen; vor Antritt des Rückfluges aus Tokio fragen, wie viel man geschlafen hat; im Crewbus das Handy läuten lassen; nach einem Raucherzimmer fragen, wenn der Rest der Besatzung einchecken möchte; Apple User mit Windowsproblemen belästigen;