Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03250.jsonl.gz/657

(Zuschrift des renommierten Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Peter Zweifel.)
Wie wäre es, wenn man in die Debatte um das Corona-Virus ein wenig ökonomischen Sachverstand einbringen würde?
Auf Grund der bisherigen Entwicklung sagt Joel Hay (University of Southern California) für die USA ungefähr 4000 zusätzliche Todesfälle voraus. Doch wenn die Regierung die von der EU empfohlenen Massnahmen umsetzen würde und damit alle diese 4000 Todesfälle vermeiden könnte, würden sich wegen der wirtschaftlichen Schäden die Kosten pro gerettetes Leben auf sage und schreibe 4 Mrd. (nicht Millionen) US$ belaufen. Das ist rund 1000-mal mehr als der Wert eines statistischen Lebens, der je nach Land auf eine bis fünf Mio. US$ geschätzt wird.
Da sich jedoch die medizinische Profession nach wie vor dagegen sträubt, den Wert eines Menschenlebens in Geld auszudrücken, werden im folgenden Leben gegen Leben aufgerechnet. Eine japanische Untersuchung an über 65-Jährigen (Aida et al., BMC Public Health 2011) brachte deren Sterblichkeit mit der Aussage „ich treffe Freunde selten“, einem wichtigen Indikator des sog. Sozialkapitals, in Verbindung:
Die Autoren kommen auf einen Anstieg der Sterblichkeit von 1,4% auf 1,82%. Unter der (konservativen) Annahme, dass 10% der 1,4 Mio. über 65-Jährigen in der Schweiz von der Isolation betroffen werden, bedeutet dies 588 (=1,4 Mio. ∙ 0.1 ∙ 0.0042) zusätzliche Todesfälle (bis zum 19. März 2020 gab es wegen Corona deren 43). Die von der Landesregierung beschlossenen Einschränkungen laufen damit Gefahr, unter den besonders schützenswerten älteren Einwohnern mehr Leben hinzuraffen als zu retten ….
Peter Zweifel
Professor of Economics em.
Dept. of Economics
University of Zurich