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Gemäss einer Studie haben viele Konsumentinnen und Konsumenten falsche und unrealistische Vorstellungen von den momentanen Möglichkeiten des automatisierten Fahrens. Dafür sind insbesondere irreführende Werbebotschaften der Autoindustrie verantwortlich.
Eine von den NGOs Thatcham Research, Euro NCAP und Global NCAP in Auftrag gegebene Konsumentenstudie (TestingAutomation) kam zum Schluss, dass die Befragten ein falsches Bild von vermeintlich autonomen Neuwagen und von Fahrassistenztechnologien auf Autobahnen haben. Vor allem Bezeichnungen wie «Autopilot» oder «Pro Pilot» sorgen für Verwirrung. Die Studie kam zu folgenden zentralen Erkenntnissen:
- 7 von 10 (71 %) Fahrern weltweit (53% in Grossbritannien) glauben, bereits jetzt ein selbstfahrendes Auto kaufen zu können.
- Rund jeder fünfte (18 %) Autofahrer in Grossbritannien ist der Meinung, dass ein Auto, das selber steuert, bremst und beschleunigt, es ihm erlaubt, sich zurückzulehnen, zu entspannen und das Fahren dem Auto zu überlassen.
- Viele Befragte gaben an, bei aktiviertem Fahrassistenzsystem in Versuchung zu geraten, ein SMS zu schreiben (34 %), einen Anruf mit dem Mobiltelefon zu tätigen (33 %) oder ein kurzes Nickerchen zu machen.
- Nur die Hälfte (51 %) der Fahrzeuglenker glaubte, dass die Haftung bei einem Unfall mit aktiviertem Fahrassistenzsystem bei ihnen läge.
Die Gründe für diese Fehlwahrnehmung aufseiten der Befragten ortet Matthew Avery, Direktor von Thatcham Research, in der Art und Weise, wie Automobilhersteller ihre Fahrzeuge vermarkten. Durch Bezeichnungen wie «selbstfahrend» oder «teilautonom» in der Werbung erhoffen sie sich Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren Konkurrenten. Dadurch glaubten Fahrzeuglenkende, bereits autonom unterwegs zu sein und die Kontrolle im Auto abgeben zu können. Dieser Eindruck verstärke sich weiter durch Systeme, die viele Fahraufgaben des Fahrers übernehmen und ihn von der aktiven Fahraufgabe ausschliessen.
Ein weiteres Problem liegt darin, dass Fahrassistenzsysteme in der Fahrausbildung kaum thematisiert werden. Die Fahrschüler lernen nicht, was die Systeme können und was eben nicht. Ebenfalls verwirrend sind laut Avery die unterschiedlichen Bedienelemente, Symbole und Namen der Systeme. Die meisten Fahrzeuglenkenden (74 %) in der Studie waren der Meinung, dass alle neuen Automodelle einheitliche Standards für Funktionen wie adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC) und Spurhaltehilfen (LKA, LDW) haben sollten. Darüber hinaus äusserten 77 % den Wunsch, sich ein kurzes Trainingsvideo anzusehen oder einen Online-Kurs zu besuchen, um die Funktionalität und Grenzen der Technologien hinter den Fahrassistenzsystemen besser zu verstehen.
Avery betont ausdrücklich, dass die heutigen Technologien den Fahrer lediglich unterstützen. Fahrzeuglenkende dürfen sich nicht auf Kosten ihrer Aufmerksamkeit auf die Fahrassistenzsysteme verlassen. Der Lenkende hat die Kontrolle und muss immer wachsam bleiben. Bei richtiger Anwendung werden die auf Autobahnen ausgelegten Fahrassistenzsysteme die Verkehrssicherheit verbessern und die Zahl der Verkehrstoten verringern. Das sei aber ausgeschlossen, wenn die Autowerbung den Automobilisten vorgaukle, das Auto könne bereits autonom fahren.