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Zentraler Untersuchungsgegenstand des Forschungsprojekts ist die Entwicklung der schweizerischen Wäscheindustrie im 20. Jahrhundert. Von den wärmenden Leibchen und Korsettüberzieher („cachecorsets“) der Jahrhundertwende über die funktionalen Miederwaren der 1950er-Jahre bis hin zum heutigen laufend sich verändernden Angebot stylingrelevanter Bodywear zeigen sich markante Veränderungen bei der Materialverwendung und Formgebung, in Produktion und Vermarktung, die sich mit den Stichworten „Technisierung“ und „Customizing“ etikettieren liessen. Versteht man die Körperwäsche zudem als zentrales Mittel der Körpermodellierung und als Kommunikationsgrundlage für die Konstituierung von Identität und Geschlecht, so haben sich auch in dieser Hinsicht die Parameter im Verlauf des 20. Jahrhunderts paradigmatisch verschoben: Während sich die Miederwaren der ersten Jahrhunderthälfte wie Panzer um den Körper legten, erscheint die textile Körpermodellierung seit den 1970er-Jahren als Teil eines aufwändigen Sets aus Fitness-, Ernährungs- und Stylingpraktiken, als von verschiedenen Medien popularisierte Form der Körperkontrolle, welche ein neuartiges, symbiotisches Zusammenspiel von Körper und Wäsche erzeugen. Der gestylte und gebuildete Body des ausgehenden 20. Jahrhunderts verhüllt die Wäsche nicht mehr: Er stellt sie zur Schau und bringt sich zur Geltung.
Die Frage nach der Genese des „second skin“-Konzepts als Leitvision heutiger Bodywear scheint ein geeignetes Analyseraster zu bieten, um die beobachteten Veränderungen im Wäschesektor zu befragen und gleichzeitig die breite Quellenlage zu bündeln. Um die komplexe, die diskursiven und technischen Herstellungsbedingungen wie auch die Konsum- und Selbstpraktiken umfassende Entwicklung der Körperwäsche vom schützenden Panzer hin zur technisch erzeugten zweiten Haut und das damit verbundene Verhältnis von Textilgestaltung und Körpermanagement verstehen zu können, müssen die Verschiebungen in den Diskursformationen und Handlungsräumen bestimmt werden. Die Forschungsarbeit geht in einer Arbeitshypothese davon aus, dass sich wesentliche Transformationen und Umdefinierungen in den semiotischen, praxeologischen und schliesslich auch performativen Möglichkeitsräumen von Bodywear am Beispiel zweier grosser technischer Entwicklungsschübe aufzeigen lassen – erstens im Siegeszug der Kunstfasern mit ihrer glanzvollen Herstellung von Elastizität und Passgenauigkeit mittels Elasthanen seit den 1940er-Jahren sowie zweitens in der Renaturierung von Körperwäsche, der kleidsamen Herstellung von Atmungsaktivität mittels Funktionstextilien seit den 1970er-Jahren.