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1. Kapitel
»Wunderbar«, murmelte Tante Claire und strich ein letztes Mal mit den Zinken einer Gabel durch die Schokoladencreme, die den Kuchen rundum bedeckte. »Schau,ma chérie, das ergibt ein hübsches Muster. Jetzt sieht unsere Biskuitrolle aus, als sei sie der Ast eines Baumes. Meinst du nicht auch?«
»EinBûche de Noël«, flüsterte Helga, »ein Baumstammweihnachtskuchen.«
Der heutige Heilige Abend war der achte, den sie in Frankreich verbrachte, und immer noch verschlug es ihr beim Anblick der Köstlichkeiten, die Tante Claire zu diesem Anlass zauberte, den Atem.
Seit dem frühen Morgen standen sie in der großen Küche im Kellergewölbe des alten Herrenhauses und bereiteten das Festmahl für den Abend vor. Linette, das Küchenmädchen, hatte wie alle anderen Bediensteten an diesem Tag frei. Sie würden erst am Nachmittag wiederkommen, zum gemeinsamen Kirchgang. Helga genoss diese stillen Stunden mit Tante Claire über alle Maßen. Niemand, der sie hinter vorgehaltener Handboche schimpfte, dickschädelige Deutsche. Und Tante Claire ganz für sich allein.
Mit vor Eifer geröteten Wangen flitzte Helga zwischen dem bullernden Herd und der Speisekammer hin und her und brachte alles herbei, was Tante Claire benötigte. Sie fachte das Feuer an und spülte die kupfernen Töpfe und Schüsseln, bis sie blitzblank glänzten. Sie probierte die Buttercreme und die Maronenfüllung für den Braten, durfte ein wenig von den Crevetten naschen und sogar eine kleine Auster. Und obwohl Helga dafür eigentlich schon zu groß war