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Stadttheater Schaffhausen, Schaffhausen SH
Gastspielbetrieb, alle Sparten
Wandernde Theatertruppen, die an unterschiedlichen Orten in Schaffhausen spielten, lassen sich bereits im 17. Jahrhundert belegen. Die Direktoren der jeweiligen Schauspielergesellschaften führten ein Pacht- und Geschäftstheater. Hatten sie eine Spielbewilligung der Schaffhauser Regierung erhalten, waren sie auf hohe Publikumsfrequenz und gute Einnahmen angewiesen, um ihr Geschäft erfolgreich leiten zu können. Im 18. Jahrhundert betrug die bewilligte Aufführungsdauer rund vier bis sechs Wochen, im 19. Jahrhundert erhöhte sich diese auf durchschnittlich vier Monate. Schon vor dem Bau des Stadttheaters 1867 lässt sich in der Stadt Schaffhausen ein reger Spielbetrieb in temporären (Kabishaus, Zunfthäuser) und semipermanenten Spielstätten ("Gasthaus zum Raben") nachweisen; der Bau der permanenten Spielstätte, des Imthurneums, das eine Musikschule sowie einen Konzert- und Theatersaal beherbergte, sicherte Kontinuität. Ferdinand Stolte, Direktor einer wandernden Schauspielergesellschaft, eröffnete das Imthurneum am 16.1.1867 mit Schillers "Jungfrau von Orleans". Mehr als ein Dutzend Direktoren leiteten daraufhin das Geschick des Theaters. Vor und nach der Schaffhauser Saison traten sie mit ihren Ensembles in anderen Städten auf, häufig in Süddeutschland. Die Namensgebung der Theater zeugen davon: 1878 Vereinigte Theater Kaufbeuren und Schaffhausen, 1886 Vereinigte Theater Kempten, Memmingen, Kaufbeuren und Schaffhausen. Über mehrere Spielzeiten hinweg bespielten die Direktoren Franz August Axtmann und Hans Robert das Schaffhauser Imthurneum, Robert beispielsweise 1901/02 als Leiter der Theater in Lindau in Bayern und in Schaffhausen. 1904/05 Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Passau, ab 1906/07 unter der Direktion von Cornelia Donhoff mit dem Sommertheater St. Gallen. 1909–19 bestand eine Allianz der Vereinigten Stadttheater Schaffhausen-Solothurn, welcher zunächst Donhoff, ab 1912 Ludwig Spannuth-Bodenstedt vorstand. 1919 schloss sich das S. mit dem Casino-Theater Winterthur zu den Vereinigten Stadttheatern Schaffhausen-Winterthur zusammen, die 1919–26 von Otto Schwarz geleitet wurden. Ab 1926/27 war das S. in die Vereinigten Stadttheater Konstanz-Schaffhausen-Winterthur integriert, die bis zur Auflösung im Sommer 1932 unter der Direktion von Hermann L. Mayer standen. Nach einer Saison Gastspielbetrieb führte ab 1933 Direktor Erich Weidner als Pächter und kurz darauf die Stadt als Pächterin unter wechselnder Direktion das Theater während sechs Jahren mit einem eigenen Schauspiel- und Operettenensemble. Zum künstlerischen Personal dieser Zeit zählten unter anderen der Regisseur →Marc Doswald (Direktor 1935/36), der Bühnenbildner Juri Richter sowie die Schauspieler und Schauspielerinnen Suzi Fazan, Peter Pöschl, Erich Ernst Berg, →Ernst Bringolf, →Robert Trösch und →Karl Meier. 1938 trat die Imthurnsche Stiftung als Eigentümerin die Liegenschaft an die Stadt ab, die das Haus als Gastspielbetrieb weiterführte. Besonders enge Beziehungen bestanden ab 1938/39 vertraglich mit dem →Schauspielhaus Zürich und dem →Stadttheater Basel, die während Jahrzehnten regelmässig zu Gast waren. Daneben führte das Musik-Collegium im S. Konzerte durch. Wegen Bauschäden musste das Haus 1952 unmittelbar vor einem Ballettabend geschlossen werden. Am 8.11.1953 gaben die Stimmbürger grünes Licht für einen Neu- und Umbau (Architekten Karl Scherrer & Paul Meyer), bei dem man die alte Aussenmauer und die Kuppel des Zuschauerraums bewahren wollte. Am 13.10.1956 wurde das neue Stadttheater mit Konzert- und Balletteinlagen und einer Festaufführung des Schauspielhauses Zürich von Aischylos’ "Orestie" (Regie: →Oskar Wälterlin) eröffnet. Seit diesem Zeitpunkt wird das S. als reiner Gastspielbetrieb geführt: Von September bis Mai finden jährlich rund achtzig Konzerte, Musik-, Sprech- und Tanztheatervorstellungen von Ensembles aus aller Welt statt. Der Spielplan wird von der städtischen Theaterkommission erstellt, die Gesamtleitung obliegt einem von der Stadt bezeichneten Verantwortlichen. Die Betriebskosten von jährlich etwa 800’000 Franken decken Stadt und Kanton Schaffhausen. Verbandsmitglied: →SBV.
Spielstätte
Herrenacker 22/23, 8201 Schaffhausen. Platzkapazität: 687 Plätze. Bühne: 10,5 m breit, 10 m tief, 7 m hoch. Orchestergraben: 70 Plätze. Literatur: Stadttheater Schaffhausen, herausgegeben vom Stadtrat der Stadt Schaffhausen zur Eröffnung des Stadttheaters am 13. Oktober 1956, 1956. Stadttheater Schaffhausen. In: Proscenium 4/1993.
Autor: Marco Badilatti
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Badilatti, Marco: Stadttheater Schaffhausen, Schaffhausen SH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1729–1730, mit Abbildung auf S. 1729.