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Noch verdurstet in Kalifornien niemand - doch der Gouverneur Jerry Brown spricht Klartext: "Der Klimawandel ist kein Scherz", erklärt der 76jährige im Interview mit dem Fernsehsender ABC. "Wir haben hier damit zu kämpfen, und die Lage ist verdammt ernst."
In Gegenden wie Porterville im Central Valley sind bereits einige hundert Haushalte von Wasserlieferungen in Kanistern abhängig. Ihre privaten Brunnen sind seit Monaten ausgetrocknet. Auch die Schneeschmelze, die Kalifornien ansonsten durch den Sommer bringt, fällt dieses Jahr aus. Der Schnee, der sich im Winter in den Höhenzügen der Sierra Nevada sammelt, schmilzt normalerweise im Frühling. Dieses Jahr jedoch fiel statt Schnee sintflutartiger Regen, den der ausgetrocknete Boden sogleich verschluckte. Die Wasserreservoire, Flüsse und Seen können sich unter diesen Umständen nicht auffüllen.
Dürre - ein Ausnahmezustand?
Dürren sind an sich nichts aussergewöhnliches in den USA. Wasserknappheit kennen vor allem diejenigen Menschen, die im Südwesten, im Mittleren Westen und im Süden des Landes leben. Anhaltende Dürren haben in der Vergangenheit zu grossflächigen Waldbränden, Wassernot und ökonomischen Einbussen von bis zu 349 Milliarden US-Dollar geführt.
Dennoch wird die Kalifornische Dürre, die seit 2012 in Gange ist, als eine der bislang schlimmsten bezeichnet. Bestätigt haben dies Forscher um Daniel Griffin vom renommierten US-Meeresforschungsinstitut Woods Hole und Kevin Anchukaitis an der University of Minnesota anhand Analysen an Blaueichen. Nach Meinung der Forscher ist die Kombination extremer Hitze und langanhaltender Regenpausen eine fatale Mischung, die es so seit 1200 Jahren nicht mehr gegeben hat.
Doch weshalb entstehen immer wieder solche Dürren über Kalifornien und was führt zu der derzeitigen, verstärkten Dürreperiode? Modelluntersuchungen haben einen klaren Zusammenhang zwischen den nordamerikanischen Niederschlagsmengen und den Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik nachgewiesen. Durch die wärmeren Wassertemperaturen bauen sich grössere und stärkere Hochdruckgebiete vor der Kalifornischen Küste auf. Diese Hochdruckgebiete lenken pazifische Stürme, die den Regen bringen sollen, nach Alaska und dem kanadischen British Columbia ab.
Wasserverbrauch soll um 25 Prozent reduziert werden
Der kalifornische Gouverneur verordnet den fast 39 Millionen Bürgerinnen und Bürgern im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA ab 2015 drastische Wassersparmassnahmen: Im Vergleich zum Jahr 2014 soll der Wasserverbrauch um 25 Prozent verringert werden. Zum ersten Mal kommt diese Forderung nicht als Wunsch oder Empfehlung, sondern verpflichtend. Wer sich nicht an die Wassersparmassnahmen hält, zahlt saftige Bussen bis zu 500 Dollar.
Momentan verbraucht ein durchschnittlicher Kalifornier – die Industrie nicht mit eingerechnet – bis zu 340 Liter Wasser pro Tag. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Schweizer benötigt etwa 160 Liter pro Tag (Angaben nach BAFU). Eine Wasserreduktion um 25 Prozent würde den Kalifornien also trotzdem mehr Wasser zur Verfügung stellen, als ‘Sepp Bünzli’ hierzulande verbraucht.
umweltnetz-schweiz hat mit einem ausgewanderten Schweizer und seiner Frau aus San Diego gesprochen: „Zurzeit ist unser Leben wegen dem Wassermangel noch nicht gross eingeschränkt. Klar, wir waschen unser Auto nicht mehr zuhause mit dem Wasserschlauch, da angeblich die Waschanlagen sparsamer mit dem Wasser umgehen. Wir wässern auch unseren Garten nicht mehr so oft wie früher, aber unsere Pflanzen brauchen sowieso nicht so viel Wasser.“
Diese Einstellung haben nicht alle Kalifornier. Zeitgesteuerte Bewässerungsanlagen sind typisch für die Region, der grüne Rasen vorm Haus ein bürgerliches Statussymbol. Dabei liegt zum Beispiel Los Angeles auf demselben Breitengrad wie Tunis in Nordafrika. Rasen hat hier eigentlich nichts zu suchen, auch nicht auf den vielen Golfplätzen.
Wer trotzdem einen grünen Rasen vor dem Haus haben möchte, kann auf neue Erfindungen, wie sie die Firma LawnPaint anbieten, ausweichen: Mit einem Truck rückt die Firma an und besprüht den braunen Rasen einfach mit grüner Farbe. Die Farbe basiert auf pflanzlicher Basis, ist ungiftig und hat eine geheime Zutat, die den Rasen ‘natürlich’ aussehen lässt. Etwas mehr als 200 Franken kostet das Sprühfärben von 1.000 Quadratmetern Rasen. Es soll drei Monate halten.
Wassersünder von der Sparmassnahme ausgenommen
Für die Landwirtschaft gilt die Sparvorgabe nicht, da sie in Kalifornien von entscheidender ökonomischer Bedeutung ist. Im zentralen Tal des Westküstenstaats wird auf einer Länge von 700 Kilometern das meiste Obst und Gemüse in den USA produziert. 80 Prozent aller Mandeln der Welt kommen aus dem Central Valley. Mehr als 40 Milliarden Dollar bringt der Verkauf der Agrarprodukte aus dem “Golden State” jährlich ein.
Dabei ist die Landwirtschaft für bis zu 75 Prozent des Wasserverbrauchs verantwortlich. Auch Schweizer Firma Nestlé muss sich bei der Nase nehmen:
Das amerikanische Riverside County ist für seine Trockenheit bekannt. Das hält den Schweizer Nahrungsmittelkonzern nicht davon ab, das spärliche Grundwasser für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Die Ökologie des betreffenden Gebiets nimmt dadurch beträchtlichen Schaden.
- Waldbrände: von Rauch erfüllte Skyline von San Diego, Quelle: Kat Miner
- Kahle Bäume nach Waldbrand, San Diego, Kalifornien, Quelle: pixabay.com
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