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geschnittenen oder gravierten Bildern versehene Schmucksteine oder Gemmen
[* 2] (s. d.)
waren vorzüglich bei den Alten beliebt, die im Schneiden der
Steine (s.
Steinschneidekunst)
[* 3] bereits eine große Meisterschaft
erreicht hatten, obgleich sie das
Schleifen der
Steine (s.
Edelsteinschleiferei) noch nicht übten. Die Art, wie die geschliffenen
Steine in
Ringe u.s.w. eingesetzt werden, heißt die Fassung. Diese ist bei ganz fehlerlosen, durchsichtigen
Steinen am besten
à jour (s. d.). In allen andern Fällen setzt man den
Stein in ein der Form des Unterteils angemessenes Kästchen
ein und weiß dabei durch Färbung dieses Kästchens, Unterlage von Zinnfolie,
Gold- und Silberblättchen u. s. w. teils den
Effekt des
Steins künstlich zu erhöhen, teils vorhandene
Fehler (kleine Risse im Innern, wolkige
Trübungen,
Federn genannt u. s. w.) geschickt zu verdecken (s.
Edelsteinimitationen).
GrößereSteine werden oft in der Fassung mit kleinern
derselben oder anderer Art umgeben, damit
Glanz,
Farbe und
Feuer des Hauptsteins besser hervortritt.
Über die betrügerische
Vertauschung der teuern Edelsteine
[* 4] mit ähnlichen, aber minder wertvollen
Mineralien,
[* 5] über die Ersetzung der
Edelsteine durch
Glaspasten sowie die Herstellung der Doubletten s.
Edelsteinimitationen.
Über die künstliche
Bildung von Edelsteine aus demselben
Stoffe, aus dem sie bestehen, s. Edelsteine, künstliche.
Das
Beiwort «orientalisch» bezeichnet nicht die Herkunft, sondern drückt
die echte, teuerste Sorte eines Edelsteins aus.Der Handel mit Juwelen hat besondere Eigentümlichkeiten
und ist großen Schwankungen unterworfen. (S.
Edelsteinhandel.) -
Vgl. Barbot,Traité des pierres précieuses (Par. 1858);
Kluge, Handbuch der Edelsteinkunde (Lpz. 1860);
Emanuel, Diamonds and precious stones (Lond. 1865);
Schrauf, Handbuch der
Edelsteinkunde
(Wien
[* 15] 1869);
King, Natural history of precious stones and metals (neue Ausg., Lond.
1870);
Jannettaz, Vanderheym, Fontenay und Coutance, Diamant
[* 16] et pierres précieuses (Par. 1881);
[* 4]künstliche, solche krystallisierte und zu Schmucksteinen verwendbare
Mineralien, die durch die Hilfsmittel
des Chemikers erzeugt sind. Sie besitzen im Gegensatz zu den
Edelsteinimitationen (s. d.) dieselbe
Substanz
wie der entsprechende natürliche
Stein. Die in den Juwelen enthaltenen chem.
Verbindungen sind an und für sich fast wertlos.
Der
Kohlenstoff im Diamant ist identisch mit jenem, den man im Graphit benutzt oder in der
Steinkohle verbrennt. Im
Rubin und
Saphir findet sich dieselbe
Thonerde, die den Hauptbestandteil der
Töpferwaren, Ziegel ausmacht und deren
Verbreitung eine so große ist,
daß nahe ein Sechstel der ^[] gesamten festen
Erdrinde aus ihr besteht.
Nie verleiht die
Substanz
den Juwelen ihren Wert: nur ihre Molekulargruppierung, ihr Vorkommen in
Krystallen giebt der
Substanz jene Eigenschaften, die
man von Schmucksteinen verlangt.
Die künstliche Erzeugung von Edelsteine, ist daher möglich, wenn es gelingt, die
Substanz des gewünschten Juwels
absolut rein darzustellen und in diesem Zustande das Festwerden derselben in
Krystallen zu veranlassen.
Ohne große Schwierigkeit
kann man beliebige Mengen der in den Schmucksteinen enthaltenen Elemente durch bekannte chem.
Vorgänge aus andern wertlosen
Mineralien gewinnen. Man erhält aber durch die üblichen Prozesse diese
Substanzen meist nur als derbe, gestaltlose, amorphe
Massen, nicht in
Krystallen, die zu Schmucksteinen verschleifbar wären.
Krystallbildung ist selten und nur unter gewissen
Bedingungen möglich. Nur
Gase,
[* 17] Flüssigkeiten oder geschmolzene
Massen können
beim Erstarren gesetzmäßige Formen annehmen.
Je langsamer das Erkalten der Flüssigkeiten oder das Abscheiden der gelösten
Stoffe erfolgt, desto reiner
und größer sind die
Krystalle. Die Schönheit und
Größe der Schmucksteine ist nur eine Folge der unbeschränkten Zeit,
die der Natur für das Werden und Entstehen der
Mineralien zu Gebote steht. Aber gerade die Langsamkeit der natürlichen Bildungsprozesse
macht diese unverwendbar, wenn
Substanzen künstlich erzeugt werden sollen. Es müssen schnell und kräftig
wirkende Reaktionen angewendet werden, die das angestrebte Resultat in möglichst kurzer Zeit liefern.
Eine Anleitung hierzu giebt die synthetische Mineralogie. Ihrem Ziele nach ist diese Wissenschaft verwandt der synthetischen
organischen
Chemie. Namentlich franz. Chemiker haben seit vier Dezennien die
Mineralsynthese gefördert, und ihre Methoden zur Erzeugung der künstlichen Edelsteine, sind bereits so vervollkommnet,
daß es nur des Zusammentreffens von
Kapital und Unternehmungslust bedarf, um in der That die Versuche der Gelehrten fabrikmäßig
auszubeuten.
Dann wird die Frage gestellt werden: welche
Steine sind echt? Die Wissenschaft wird in den seltensten
Fällen an dem bereits geschliffenen Juwel zu erkennen vermögen,
ob derStein in den Schichten der Erde oder im Laboratorium
[* 18] entstanden ist. Da die künstlichen
Steine dieselbe
Substanz, Härte, Doppelbrechung
[* 19] u. s. w. wie die entsprechenden natürlichen
Mineralien besitzen, wird das Wort «echt» für sich allein nicht mehr
genügen, wenn auch das ursprüngliche Vorkommen des Schmucksteins in der Erde angedeutet werden soll;
man wird das Wort: «natürlich» hinzusetzen müssen.
Die Schmucksteine lassen sich nach ihren chem. Eigenschaften in vier Gruppen sondern:
2) die
Verbindungen des Siliciums mit erstern, d. h. die Kalk-,
Magnesia-,
Eisen-, Thonerdesilikate; es
sind dies meist Schmucksteine niedern Ranges, mit Ausnahme des
Smaragds, dessen künstliche
Darstellung neuerdings Hautefeuille
vortrefflich gelang;
4) reiner
Kohlenstoff: Diamant. Das Hauptinteresse aller Forscher ist der ersten und vierten Gruppe zugewendet, da ein
glückliches Resultat in diesen Fällen nicht bloß theoretische Wichtigkeit, sondern auch technische Bedeutung und Wert
hat. Die
¶
mehr
Schmucksteine der zweiten Gruppe wurden von Daubrée und Ebelmen durch das Schmelzen ihrer Bestandteile erzeugt. Doch die
entstandenen Produkte sind nur mikroskopisch klein und für den Handel mit diesen ohnehin billigen Steinen von keiner Bedeutung.
Die Darstellung der zur Gruppe 3 gehörigen SteineTürkis und Opal hat keine besondern Schwierigkeiten,
da hier die Krystallisation wegfällt. Diamant, wenn auch bisher nur in sehr kleinen und meist schwarzen Krystallen, erhielt
Moissan aus mit Kohlenstoff gesättigtem flüssigen Eisen
[* 21] oder Silber, wenn diese Metalle beim Erstarren einem sehr hohen Druck
ausgesetzt wurden. Näheres über die künstlichen Darstellungsmethoden s. Diamant, Korund, Spinell, Türkis, Opal. -