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Die Rohkostdiät gibt es bereits seit den 1800er Jahren, hat jedoch in den letzten Jahren wieder an Popularität gewonnen. Die Meinungen von Befürwortern und Experten über diese Diät sind weit gespalten. Doch was genau ist diese Diät und wieso ist man besonders so kritisch dieser Ernährung gegenüber?
Disclaimer:
Dieser Artikel basiert hauptsächlich auf Recherchen und diversen Informationsquellen.
Falls ihr eure Ernährung und Diät umstellen lassen wollt, rate ich euch mit einer qualifizierten und ausgebildeten Ernährungsberaterin oder einem Ernährungsberater Kontakt aufzunehmen.
Was ist die Rohkost-Diät?
Die Rohkostdiät, oft auch als Rohköstlertum oder Rohveganismus bezeichnet, besteht aus überwiegend oder vollständig rohen und unverarbeiteten Lebensmitteln. Ein nie über 40-48°C erhitztes Lebensmittel gilt als roh. Die Lebensmittel sollte auch nicht raffiniert, pasteurisiert, mit Pestiziden behandelt oder anderweitig verarbeitet worden sein.
Die Diät erlaubt stattdessen mehrere alternative Zubereitungsmethoden, wie beispielsweise Entsaften, Mischen, Dehydrieren, Einweichen und Keimen.
Die Rohkostdiät ähnelt sehr stark der veganen Ernährungsweise. Ähnlich wie der Veganismus ist die Rohkosternährung in der Regel pflanzlich und besteht hauptsächlich aus Obst, Gemüse, Nüssen und Samen.
Obwohl sich die meisten Rohköstler rein pflanzlich ernähren, verzehren manche Menschen aber auch rohe Eier sowie auch Milchprodukte. Eher seltener wird auch roher Fisch und rohes Fleisch von Rohköstlern verzehrt.
Durch diese verschiedenen Präferenzen wird die Rohkostdiät daher in drei verschiedenen Varianten gespalten:
- Vegane Rohkosternährung schließt alle tierischen Produkte aus und konzentriert sich ausschließlich auf pflanzliche Lebensmittel.
- Vegetarische Rohkosternährung umfasst pflanzliche Lebensmittel sowie rohe Eier und unverarbeitete Milchprodukte
- Omnivore (alles verzehrende) Rohkosternährung umfasst pflanzliche Lebensmittel, rohe tierische Produkte und rohes oder getrocknetes Fleisch
Ganz anders wie beim Veganismus wird bei der Rohkostdiät die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in der Regel abgeraten. Die Befürwortert behaupten oft, dass man durch diese Ernährung alle benötigten Nährstoffe erhält.
Zusammenfassung:
Die Rohkostdiät besteht hauptsächlich aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Nüssen und Samen. Die Lebensmittel werden nicht verarbeitet und nie über 40-48° Celsius erhitzt.
Einige Rohköstler verzichten auf die rein pflanzliche Rohkosternährung und verzehren rohe Eier, Milchprodukte, roher Fisch oder rohes Fleisch. Die Rohkosternährung kann daher in drei Ernährungsgruppen eingeteilt werden.
Was sagen die Befürworter?
Viele Menschen, die sich rohköstlich ernähren, glauben, dass der Körper dadurch besser in der Lage ist, Krankheiten vorzubeugen und zu bekämpfen.
Die Rohkostdiät ist in der Regel reich an Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten, die alle zu einer gesunden Ernährung gehören. Der Verzehr dieser Lebensmittel den Befürwortern nach reichlich Vitamine, Mineralstoffe, gesunde Fette und Eiweiß.
Nicht nur behaupten die Befürworter, dass alle Nährstoffe, wie zum Beispiel wasserlösliches Vitamin B und Vitamin C, durch diese Ernährung erhalten werden. Sie glauben auch, dass durch das Kochen von Lebensmitteln die natürlichen Enzyme in den Lebensmitteln zerstört und ihren Nährstoffgehalt verringert.
Die Idee ist, dass die Natur jedem Lebensmittel eine einzigartige, perfekte Mischung gegeben hat. Diese lebenswichtigen Enzyme sollen es dem Menschen ermöglichen, seine Lebensmittel vollständig zu verdauen. Befürworter behaupten, dass nur rohe Lebensmittel „lebendige“ Lebensmittel sind.
Was sind die Risiken und Kontra Argumente?
Einige Lebensmittel können nicht ungekocht verzehrt werden. Durch den Kochvorgang werden giftige Chemikalien in einigen Lebensmitteln abgebaut. Somit kann die Gefahr einer Lebensmittelvergiftung durch Rohkost bestehen.
Nach Angaben der Centers for Disease Control (CDC) sind ungekochte tierische Produkte am ehesten geeignet, Lebensmittelvergiftungen zu verursachen. Dazu gehören:
- rohes und nicht durchgegartes Fleisch, einschließlich Hühnerfleisch
- rohe oder nur leicht gekochte Eier
- rohe (unpasteurisierte) Milch und daraus hergestellte Produkte
- rohe Schalentiere
Eine Lebensmittelvergiftung kann aber auch durch rohes Obst und Gemüse verursacht werden.
Zudem wird die Rohkosternährung abgeraten, da gewisse nährreiche Enzyme bei Lebensmittel erst durch den Kochvorgang freigesetzt werden. Gekochte Tomaten enthalten zum Beispiel drei- bis viermal mehr Lycopin als rohe Tomaten. Der Gehalt von Sulforaphan, eine Substanz in Brokkoli, maximiert sich erst dann, wenn der Brokkoli vor dem Verzehr gedämpft wird.
Es mag einfach scheinen, sich nur von rohen Lebensmitteln zu ernähren. In Wirklichkeit erfordert es im Alltag viel Zeit und Mühe, die Lebensmittel so zuzubereiten, dass sie unbedenklich roh verzehrt werden können. Es kann auch teuer sein, nur natürliche und biologische Lebensmittel zu kaufen. Ausserdem können solche restriktiven Diäten eine ungesunde Beziehung zu gesunden Lebensmitteln aufbauen und zu Essstörungen führen.
Eine Studie (1) mit Menschen, die sich rohköstlich ernährten, ergab, dass sich der „gesunde“ HDL-Cholesterinspiegel gesenkt hatte und bei vielen zu einem Vitamin-B12-Mangel führte.
Eine andere Studie (2) ergab, dass vegetarische Rohköstler ein erhöhtes Risiko für Zahnerosion entwickelt haben. Dieselbe Studie ergab, dass Teilnehmer, die sich roh-vegan ernährten, eine geringe Knochenmasse aufwiesen, was möglicherweise auf die geringe Kalorien- und Proteinzufuhr zurückzuführen ist.
Insgesamt kann eine Rohkostdiät zu einer Gewichtsabnahme führen und einige Gesundheitsmerkmale verbessern. Die erheblichen Risiken negativer gesundheitlicher Auswirkungen überwiegen dennoch die möglichen Vorteile.
Links zu einigen Studien:
Langfristiger Verzehr einer Rohkostdiät (1): https://academic.oup.com/jn/article/135/10/2372/4669843?login=true
Knochenmasse bei vegetarischen Rohköstlern: (2):
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15795346/
Auswirkungen langfristige Rohkostdiät auf Körpergewicht und Menstruation:
https://www.karger.com/Article/Abstract/12770
Was muss ich wissen, falls ich mich rohköstlich ernähren möchte?
Da die Diät einige Nachteile hat wie oben erwähnt das Risiko einer Lebensmittelvergiftung durch Rohkost, gibt es einige wichtige Dinge die du vorab wissen musst.
- Das Kochen macht einige Lebensmittel für den Verzehr sicherer. Viele Giftstoffe und Bakterien werden durch den Kochvorgang abgetötet.
- Die Ernährung ist kalorienarm, was bedeutet, dass du möglicherweise häufiger essen solltest. Da die Ernährung jedoch reich an sättigenden, ballaststoffreichen Lebensmitteln ist, wirst du möglicherweise nicht so hungrig sein. Es kann einigen Menschen daher schwer fallen, mehr und häufiger zu essen.
- Rohe tierische Produkte und einige Erzeugnisse solltest du mit Vorsicht geniessen.
- Informiere dich, welche Lebensmittel roh verzehrt werden können, bevor du sie probierst.
- Durch Kochen können wertvolle Nährstoffe wie Lycopin und Betakarotin aus dem rohen Gemüse freigesetzt werden.
- Es können Verdauungsprobleme wie Blähungen oder Krämpfe auftreten, die sich jedoch nach einiger Zeit bessern können.
- Eine Gewichtsabnahme ist nicht für jeden gesund, und manche Menschen müssen hart arbeiten, um die benötigte Kalorienzahl zu erreichen.
- Wie bei anderen Diäten ist auch bei der Rohkostdiät eine gute Organisation und Vorbereitung erforderlich, um eine ausreichende Zufuhr von wichtigen Nährstoffen zu gewährleisten. Informiere dich vorher also ausführlich.
- Die Ernährung ist für den Alltag sehr restriktiv und unpraktisch.
Ob du die Rohkosternährung ausprobieren möchtest, liegt an dir selber. Es ist aber empfohlen, dass du vorher einen Ernährungsberater oder eine Ernährungsberaterin kontaktierst oder dich mit deinem Arzt absprichst. Dies ist wichtig, damit beispielsweise eine ausreichende Nährstoffzufuhr gewährleistet werden kann und vielleicht bereits bestehende Mängel sich nicht verschlechtern.
Wenn du mehr pflanzliche Rohkost essen möchtest, aber keine komplette Rohkostdiät machen willst, fang langsam an, indem du eine oder mehrere Portionen Rohkost in deine Mahlzeiten integrierst und finde die Balance, die für dich am besten funktioniert.
Die beste Ernährung ist immer diejenige, die ausgewogen ist und zu deinem Lebensstil passt.