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Das Schwert ist so viel mehr als eine Waffe, die früher dem Angriff und der Verteidigung diente. Nicht zu vergessen ist sein ideeller Wert. Kein Germane durfte ein Schwert tragen, wenn es ihm nicht in einer öffentlichen Versammlung übergeben worden war.
Kein Fürstenkind der Langobarden durfte am väterlichen Tisch sitzen, solange ihm noch kein Schwert von einem anderen Fürsten übergeben wurde. Nicht zu vergessen ist die Geste des Ritterschlags, die bis heute symbolisch im Vereinten Königreich praktiziert wird.
Kaum einer anderen Waffe kam und kommt so viel Bedeutung zu wie dem Schwert. Doch warum ist das eigentlich so? Wo hat es seinen Ursprung? Wie hat es sich entwickelt und wie ist es aufgebaut? All diese und weitere Fragen werden im Folgenden beantwortet.
Beim Schwert handelt es sich um eine Hieb- und Stichwaffe, die bereits vor Beginn unserer Zeitrechnung zum Einsatz kam. Der Begriff stammt von den althochdeutschen Wörtern «swert» beziehungsweise «swerd» ab, die eine Blankwaffe mit gerader Klinge bezeichneten. Aus historischen Quellen geht hervor, dass der Begriff «Degen» zeitweise als Synonym genutzt wurde.
Welche Arten von Schwertern gibt es?
Bereits in der Eisenzeit unterschied man zwischen ein- und zweischneidigen Schwertern, wie zahlreiche Funde beweisen. Einige Exemplare wiesen lange zweischneidige Klingen und kurze Griffe auf, während andere kurze einschneidige Klingen und lange Griffe besassen.
Über die Jahrtausende haben sich unzählige verschiedene Arten herauskristallisiert, darunter beispielsweise:
- Kopis: Hiebschwert aus der Antike mit asymmetrischer, nach vorn abfallender und breiter werdender Klinge (älteste Funde aus dem fünften Jahrhundert v. Chr.)
- Spatha: zweischneidiges Schwert mit gerader Klinge, verbreitet unter Römern und Germanen (erstes Jahrhundert v. Chr. bis elftes Jahrhundert n. Chr.)
- Sax: einschneidiges Kurzschwert der Germanen für Hiebe und Stiche (viertes Jahrhundert v. Chr. bis zehntes Jahrhundert n. Chr.)
- Wikingerschwert: längere und schwerere Weiterentwicklung der Spatha, häufig mit eingeprägten Buchstaben versehen (siebtes bis elftes Jahrhundert)
- Ritterschwert: Einhandschwert mit 90
bis 130 Zentimetern Gesamtlänge (zehntes bis 15. Jahrhundert)
- Katana: einschneidiges japanisches Langschwert mit leicht geschwungener Klinge (ab 14. Jahrhundert)
- Jagdschwert: speziell für die Jagd gefertigt (15. bis 16. Jahrhundert)
- Ochsenzunge: mit überbreiter Klinge (15. bis 16. Jahrhundert)
- Panzerstecher: zum Durchdringen von Rüstungen (ab dem 16. Jahrhundert)
- Reiterschwert: mit schlanker Klinge (15. bis 17. Jahrhundert)
Wie ist ein klassisches Schwert aufgebaut?
Die Hieb- und Stichwaffe besteht im Grunde aus zwei Teilen: dem Heft und der Klinge. Als Heft wird das Handstück bezeichnet, während die Klinge den Teil beschreibt, der das Schwert letztendlich in eine Waffe verwandelt.
Das Heft setzt sich aus dem Knauf, dem Griff und der Parierstange zusammen. Der Knauf markiert den hinteren Teil des Hefts. Er ist für die richtige Gewichtsverteilung verantwortlich. Liegt das Hauptgewicht der Waffe beispielsweise an der Spitze der Klinge, wirkt der Knauf diesem Ungleichgewicht entgegen. Zudem verhindert der Knauf, dass das Schwert der führenden Hand entgleitet. Bei vielen Schwerttypen ist der Knauf deshalb verhältnismässig gross gehalten, um auch bei der Verwendung von Panzerhandschuhen einen guten Halt zu gewährleisten.
Es schliesst sich der Griff an. Er fungiert als Verbindungspunkt zwischen Hand und Schwert, damit es quasi zum verlängerten Arm werden kann. Die Griffschalen bestehen in der Regel aus Holz und werden mit Draht umwickelt oder mit Leder überzogen. Die Oberfläche entscheidet darüber, wie gut die Waffe in der Hand liegt und wie sicher sie demzufolge geführt werden kann.
Den Abschluss des Hefts bildet die Parierstange. Sie verhindert, dass die Führhand nach vorn abrutscht, und schützt sie so vor der scharfen Klinge.
Die Klinge des Schwerts
Die Klinge selbst ist meist zweischneidig. Einschneidige Modelle sind vergleichsweise selten anzutreffen. Sie beginnt mit einem eigentlich unsichtbaren Teil: dem Erl. Er ruht im Inneren des Hefts. Er ist dort entweder verschraubt oder vernietet und sorgt so für die unverzichtbare Stabilität des gesamten Konstrukts.
Bei vielen Schwertern folgt zunächst eine Fehlschärfe, den sogenannten Ricasso. Dabei handelt es sich um den obersten sichtbaren und ungeschliffenen Teil der Klinge. Er bildet die Basis und ermöglicht je nach Grösse sogar den Einsatz von Zweihandtechniken. Dabei ruht eine Hand am Griff, während die andere das Ricasso ohne Verletzungsgefahr umschliesst. Somit ist für eine erhöhte Stabilität sowie eine intensive Kraftübertragung gesorgt.
Die Spitze bildet das Ende der Klinge. Anders als es ihr Name vermuten lässt, ist sie jedoch nicht immer spitz. Sie kann auch abgerundet sein.
Die Klinge kann eine sogenannte Hohlkehle aufweisen. Dabei handelt es sich um eine längliche Aussparung, die mittig entlang der Klinge verläuft. Sie reduziert hauptsächlich das Gewicht der Waffe. Hohlkehlen gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen, viele Klingen kommen aber auch ohne eine solche aus.
Wie trägt man ein Schwert richtig?
Ein Schwert wird in einer Scheide aufbewahrt und mitgeführt. Dort ist es sicher vor äusserlichen Einflüssen und die Gefahr, dass es bei Nichtbenutzung Schaden nimmt, wird minimiert. In der Regel besteht eine Schwertscheide aus Leder. Sie ist mit zwei Blechen ausgestattet: dem Mund- und dem Ortblech.
Das Mundblech befindet sich am oberen Teil der Scheide und erleichtert das Einführen des Schwerts. Das Ortblech ruht am unteren Teil und sorgt dafür, dass die Schwertspitze die Scheide nicht zersticht. Andernfalls besteht die Gefahr, dass diese Schaden nimmt. Modelle, die vollständig aus Metall gefertigt sind, sind eher selten anzutreffen.
Die Griechen und Römer führten ihre Schwerter lediglich zu Kriegszeiten mit. Die Germanen, Gallier, Skandinavier und Perser trugen sie hingegen jederzeit bei sich. Langschwerter, also Modelle mit besonders langen Klingen, wurden auf der linken Seite am Gürtel getragen. Für Halbschwerter, also Exemplare mit kürzeren Klingen, wie zum Beispiel dem Sax, war dagegen die rechte Seite vorgesehen.
Als die Ritterzeit begann, trug man allerdings immer seltener zwei Schwerter mit sich. An die Stelle des Halbschwerts trat nun ein Dolch oder ein Messer.
Eine Reise durch die Geschichte des Schwerts
Bei nahezu allen Völkern der Erde ist das Schwert bekannt. Das erste Exemplar wurde vermutlich im vierten Jahrhundert vor Christus angefertigt. Die ältesten bekannten Funde stammen aus Arslantepe, was sich in der heutigen Türkei befindet. Sie bestehen aus einer Kupfer-Arsen-Mischung.
In der Bronzezeit wiesen die Waffen auffällig kurze Griffe auf. Vermutlich wurden sie ähnlich wie Dolche geführt und vorrangig für Stiche und weniger für Hiebe genutzt. Trotz zweischneidiger und sehr spitzer Klingen fehlte die Parierstange noch. In Südskandinavien waren zu dieser Zeit auch gekrümmte Varianten keine Seltenheit.
In der ersten Eisenzeit sowie der späten Hallstattzeit bestanden Schwerter teils noch aus Bronze. Doch Eisen war als neues Hauptmaterial auf dem Vormarsch. Es entstanden Hieb- und Stichwaffen mit breiteren und schwereren Klingen sowie abgeschnittenen Spitzen.
Auffällig waren die grossen Knäufe, die in ihrer Form an die Fühler von Insekten erinnerten. Sie wurden später vom charakteristischen Pilzknauf abgelöst. Unterhalb des Griffes verfügte die Klinge ausserdem über kleine Einschnitte.
In der Latènezeit kamen geschwungene Parierstangen auf. Betrachtet man die Waffen in diesem Zeitabschnitt der jungen römischen Eisenzeit, dann wird die unterschiedliche Entwicklung der europäischen Schwerter deutlich. Sie ging von mindestens zwei kulturellen Zentren aus, deren Einfluss sich überkreuzte: das antike Rom und der Orient.
Die Antike
Die antike römische Kultur brachte zu dieser Zeit einfache und schwerfällige Schwertformen hervor. Sie waren gerade geformt und für Hiebe und Stiche gleichermassen geeignet. Krieger, die ein Schild mitführten, trugen die Waffe an der rechten Seite, Feldherren und Hauptleute hingegen an der linken.
In der römischen Kaiserzeit war die Spatha immer häufiger anzutreffen. Dabei handelte es sich eigentlich um eine nordische Waffe mit sehr breiter Klinge. Die Waffen der Gallier eigneten sich hingegen nur für Hiebe, denn sie waren sehr lang und wiesen keine Spitze auf.
Derart lange Klingen waren bei den Germanen zu dieser Zeit sehr selten anzutreffen. Sie griffen lieber auf kurze und einschneidige Waffen zurück.
Gegen Ende der Antike hatten sich kurze, schwere Klingen in ganz Europa durchgesetzt. Sie wiesen eine durchschnittliche Länge von rund 45 Zentimetern auf. Etwa ab dem zweiten Drittel verbreiterte sich die Klinge und ermöglichte so eine erhöhte Hiebwucht. Auch die spitzen Enden sowie zwei Schneiden hatten sich etabliert.
Das Mittelalter
Im Mittelalter galt das Schwert als ritterliche Waffe und wurde als etwas sehr Vornehmes wahrgenommen. Die Funde aus dieser Zeit sind vergleichsweise spärlich, doch zahlreiche Pergamentgemälde geben Auskunft über ihr Wesen.
Im Frühmittelalter verbreiteten sich Stahlschwerter immer weiter. Sie wiesen eine erhöhte Elastizität auf, wovon auch eine Anekdote über König Ludwig den Deutschen berichtet.
Dieser soll Schwerter vom Normannenkönig als Geschenk erhalten haben. Er selbst, der für seine starken Hände bekannt war, habe die Klingen mit blosser Hand auf ihre Elastizität getestet. Während eine in seiner Hand zerbrach, habe er die andere vollständig zusammen biegen können. Danach sei sie wieder in ihre ursprüngliche Gestalt zurückgesprungen.
Im Hochmittelalter entwickelte sich schliesslich das allseits bekannte Ritterschwert. Bis dato wiesen die Waffen keinen Schutz vor Verletzungen für den Träger auf. Das änderte sich ab den ersten Kreuzzügen und der Faustschutz entstand. Daraus entwickelte sich langsam, aber sicher die breite Parierstange, die Schutz vor der kurzen, breiten Klinge bot. Auch auf einen starken Knauf legte man verstärkt Wert.
Im Spätmittelalter setzte man auf Schwerttypen, die beidhändig geführt werden konnten. Exemplare mit verlängerten Griffen kamen auf, die die zweihändige Führung deutlich sicherer gestalteten. Schnell entwickelten sie sich zum charakteristischen Merkmal der ritterlichen Hieb- und Stichwaffen. Doch genauso rasch standen sie vor einer neuen Herausforderung: die immer robuster werdenden Rüstungen der Ritter.
Deutlich stärkere Klingen waren also gefragt, um diese zu durchdringen. Man verzichtete zunehmend auf den Hohlschliff, der die Klingen schmaler werden liess und ihnen somit die Robustheit nahm.
Ab dem 14. Jahrhundert zeigte sich vor allem ein verstärkter Einfluss Italiens auf das Waffenwesen. Grund dafür war die Ausbildung der Fechtkunst, die sich schnell auch in Deutschland und Frankreich etablierte.
Die Renaissance
Gebogene Parierstangen und lappenförmige Schwertknäufe waren charakteristisch für die Hieb- und Stichwaffen der Frührenaissance. Das Kriegswesen wurde immer weiter verfeinert, weshalb sich auch die Anforderungen an die Schwerter veränderten. Es war nicht mehr nur das Angriffsmoment der Waffe, das von Bedeutung war. Man begab sich auf die Suche nach Wegen, wie sich die Schwertführer vor ihren Gegnern schützen konnten.
Die Griff- und Faustschutzbügel waren geboren. Es handelte sich dabei um geschlossene, runde oder offene, gebogene Schutzelemente, die an den Parierstangen und Griffen angebracht wurden. Auch die Klingen wurden länger.
Das Ende der Hieb- und Stichwaffe auf dem Schlachtfeld
Schon im 14. Jahrhundert hielten die ersten Schusswaffen Einzug in kriegerische Unterfangen. Schnell kristallisierten sie sich als effektivere Waffen heraus, die ausserdem einem deutlich geringeren Verschleiss unterlagen. Zudem ermöglichten sie Angriffe aus weiterer Entfernung. Das Schwert verlor aufgrund dessen immer mehr an Bedeutung, bis es schliesslich völlig von den Schlachtfeldern verschwand.
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