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«Die Taskforce für den Schutz von Rentenkonten wendet sich zum letzten Mal an Sie, weil möglicherweise Ihr Pensions- beziehungsweise AHV-Konto betroffen ist. Aus unseren Unterlagen geht hervor, dass wir im August/September versucht haben, Sie einmal per Post, zweimal per E-Mail und zweimal per Telefon zu kontaktieren. Seitdem haben wir Änderungen an Ihren Kontodaten festgestellt, die über einen Computer im Ausland vorgenommen wurden. Wir müssen überprüfen, ob diese Änderungen autorisiert waren. Wenn dies nicht der Fall war, müssen wir einige Details bestätigen, um Ihre Datei zu sichern und Ihre Rentenleistungen zu schützen.»
So begann sinngemäss ein Brief, den 644 Rentnerinnen und -Rentner erhielten. Nach einer Reihe von Rentenkonten-Betrügen in den Jahren 2018 und 2019 sei nun die Taskforce für den Schutz von Rentenkonten dafür verantwortlich, die Kontodaten der angeschriebenen Person regelmässig zu aktualisieren und die neuesten Sicherheitsmassnahmen umzusetzen, stand in dem Schreiben.
«Während der Covid-19-Krise kam es zu einem sprunghaften Anstieg des Rentenbetrugs, da verschiedene Organisationen, die ältere Bürger betrügen wollten, die Krise als Gelegenheit nutzten», wurden die Adressaten gewarnt.
Darum sei es nun noch wichtiger, dass die Taskforce die nötigen Informationen sammle. Mit dem Schreiben wurden alle Adressaten aufgefordert, eine in dem Brief genannte Telefon-Hotline anzurufen. «Das dauert nur fünf Minuten und stellt sicher, dass ihre Rentenkonten sicher sind.» Alternativ konnten sich die Angeschriebenen auch mit einem im Brief angegeben Sicherheitscode über eine Website einloggen.
Bei gut zwei Dritteln verfing die Masche nicht
Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, wurden rund 220 Personen zusätzlich per E-Mail angeschrieben. Schliesslich rief ein Call-Agent alle 644 Personen an und teilte ihnen mit, dass «verdächtige Aktivitäten» in ihren Rentenkonten festgestellt worden seien und man checken wolle, ob die verlangte Änderung des Kontos rechtens sei.
Was den Adressaten und Angerufenen verschwiegen wurde: Sie waren Teil eines Experiments in der Gegend von Chicago, bei dem es darum ging, herauszufinden, wie viele der angeschriebenen Seniorinnen und Senioren darauf hereinfallen und private Informationen preisgeben würden. Die angebliche «U.S. Taskforce für den Schutz von Rentenkonten» war frei erfunden.
Frage nach der Adresse beantwortet
Wer bisher dachte, dass er oder sie auf Enkeltricks und ähnliche Maschen nicht hereinfalle, wird durch das Experiment eines Besseren belehrt. 68,5 Prozent der Personen verhielten sich zwar vorbildlich und reagierten weder auf den Brief noch beantworteten sie am Telefon gestellte Fragen. 15,1 Prozent riefen die angegebene Hotline an oder nahmen den Anruf des Call-Agenten entgegen, aber sie äusserten immerhin Zweifel, ob alles mit rechten Dingen zugehe.
Aus Sicht der Studienautorinnen und -autoren «alarmierend» war hingegen, dass jeder Sechste (16,4 Prozent) ohne jede Skepsis die angegebene Nummer wählte oder den Anruf des Call-Agenten annahm. 12 Prozent gaben bereitwillig private Informationen wie zum Beispiel ihre Adresse preis. Circa sieben Prozent zeigten sich besorgt, weil ihr Rentenkonto (vermeintlich) gehackt wurde. Und nahezu 5 Prozent nannten der fremden Person am anderen Ende der Leitung sogar die letzten vier Ziffern der eigenen Sozialversicherungsnummer.
Hochgerechnet auf die Schweiz, wären über 80’000 Senioren gefährdet
«Wenn man diese Zahlen hochrechnet auf die Bevölkerung, dann könnte eine sehr grosse Anzahl von älteren Menschen Opfer von Betrügern werden», bilanzieren die Wissenschaftler, die diese Studie durchführten, in «Jama Network Open». Es war das erste derartige Experiment überhaupt.
In der Schweiz leben über 1,6 Millionen Personen, die 65 Jahre oder älter sind. Wenn auch hierzulande etwa 5 Prozent davon auf einen ähnlichen Betrug hereinfallen würden, wären das mehr als 80’000 betrogene Rentnerinnen und Rentner.
Bei den Teilnehmenden an dem Experiment handelte es sich um Menschen zwischen 64 und 105 Jahren mit zumeist hoher Schulbildung (durchschnittlich 16 Jahre). Nur eine kleine Minderheit war dement. Eigentlich nahmen alle an einer anderen Studie zur Altersforschung teil und wurden deshalb regelmässig untersucht. Daher kannte die Studienleiterin ihre Adressen, Telefonnummern und teilweise auch ihre E-Mail-Adressen. Dass die durchschnittlich 86 Jahre alten Probanden auch an diesem Betrugs-Experiment teilnahmen, erfuhren sie erst im Nachhinein, zusammen mit einem «Debriefing», zu dem auch eine Diskussion mit den Studienverantwortlichen gehörte.
In Wirklichkeit würden wohl mehr Personen darauf hereinfallen
Die Zahl derjenigen, die auf den Trick hereinfielen, wäre vermutlich höher ausgefallen, wenn echte Betrüger anstelle einer frei erfundenen Taskforce vorgeben würden, dass wirklich existierende Behörden oder Organisationen hinter den Briefen, E-Mails und Telefonaten stecken. Das vermuten die Studienautoren. Ausserdem hätten sie bei den Anrufen nicht denselben Druck auf die Angerufenen ausgeübt, wie Betrüger dies typischerweise tun. In der Realität sei deshalb damit zu rechnen, dass noch viel mehr Personen als «nur» etwa jede Achte wie in diesem Experiment bei fingierten Anrufen private Informationen preisgeben würden.
Allein im Jahr 2022 erstattete fast eine halbe Million älterer US-Amerikaner wegen eines Betrugs eine Meldung. Der Verlust betrug gesamthaft 1,5 Milliarden US-Dollar. In Wahrheit dürften die Zahlen aber höher liegen. Denn viele alte Menschen, die Opfer von Trickbetrügern werden, würden aus Scham oder Furcht nichts davon berichten. Ein Bericht der amerikanischen Rentnervereinigung AARP schätzt die jährlich durch Fremde ertrogene Summe bei alten Menschen in den USA auf acht Milliarden Dollar.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Übersetzung mit Hilfe von www.deepl.com.
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