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Unter dem unverfänglichen Titel „Schreinerei Voellmy möchte doch bauen“ wurde in der aktuellen Ausgabe der Quartierzeitung „Quart“ die brisante Botschaft verkündet: Das „Burkhardt`sche Landhaus“, ein Barockbau aus dem 18. Jahrhundert, soll abgebrochen werden. Nach langem hin und her wurde das Haus aus dem Inventar der schützenswerten Bauten gestrichen. Das wirft Fragen auf.
Wir befinden uns Im Surinam 65. Hier steht eines der letzten verbliebenen Landhäuser Kleinbasels. Ein schmuckes, kleines Barockhäuschen. Das sogenannte „Burkhardt`sche Landhaus“, das als Wohnhaus Teil des ehemaligen Schorenguts war. Als Bauherr fungierte der Industrielle Christoph Burckhardt-Merian. Erbaut wurde das Haus im späten 18. Jahrhundert. Es gibt keine Quellen, die den Architekten benennen; anhand des Baustils wird der Basler Barock-Architekt Samuel Werenfels (1720-1800) als Urheber vermutet, aus dessen Feder unter anderem das Blaue und das Weisse Haus am Rheinsprung stammen. Das „Burkhardt`sche Landhaus“ befand sich damals viele hundert Meter ausserhalb der Stadt, wie der Blick auf den historischen Löffelplan aus dem Jahre 1862 beweist.
Das Landhaus lag einst am Riehenteich. Dessen Wasser wurde – wie der Name es sagt – bei Riehen auf der deutschen Seite von der Wiese abgeleitet. Der Kanal bot Wasserkraft für Mühlen und Fabriken. Ein Stück Industriegeschichte: Auf den nahegelegenen Bleichematten in den Schoren errichtete Leonhard Burckhardt zur Goldenen Münz ab 1759 eine Indiennefabrik, eine Manufaktur zur Herstellung bedruckter Baumwolltücher. Die unmittelbar neben dem „Burkhardt`schen Landhaus“ gelegene Schorenbrücke erschloss die Schorenmatten nördlich des Riehenteichs.
Auf dem Areal droht doppeltes Ungemach: Nicht nur das Landhaus ist vom Abbruch bedroht, auch das Schreinereigebäude aus dem Jahre 1959 soll abgerissen werden. Es handelt sich um einen bemerkenswerten Bau der Architekten Vischer in enger Zusammenarbeit mit dem bedeutenden Basler Ingenieur Heinz Hossdorf (1925-2006). Das Tragwerk ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Die „unterzugslos unter den Tragrippen durchlaufende“ Faltwerkdecke der Überdachung des ursprünglich offenen Holzlagers im obersten Geschoss war in den späten 1950er-Jahren eine bautechnische Innovation. Auch das Tragwerk der darunterliegenden Werkhallen ist bemerkenswert. Dank vorgespannten Stockwerksrahmen konnten die Hallen stützenfrei errichtet werden. Das Schreinereigebäude ist ein hervorragender Industriebau seiner Epoche, der als Baudenkmal ebenfalls zu erhalten ist.
Die heutige Eigentümerschaft sieht das anders. In der Kundeninformation der Schreinerei Voellmy vom vergangenen Dezember war folgendes zu lesen: „Nach langwierigen Gesprächen wurde von Seiten der Basler Denkmalpflege entschieden, dass das Wohnhaus nicht schützenswert ist. In der Folge wurde das Wohnhaus wieder aus dem „Inventar schützenswerter Bauten“ gestrichen.“ Stimmt das? Gemäss verschiedenen Quellen hat sich der Denkmalrat und Denkmalpflege bis zuletzt für den Erhalt, insbesondere des Schreinereigebäudes von Hossdorf, eingesetzt. Es ist fraglich, ob von einer einvernehmlichen Streichung der Bauten aus dem Inventar die Rede sein kann. Das wirft Fragen auf: Wie konnte es passieren, dass ausgerechnet in der Architekturstadt Basel, wo Baukultur und Denkmalpflege einen vergleichsweise hohen Stellenwert haben, zwei erhaltenswerte Baudenkmäler zum Abriss freigegeben werden? War die Lobby für den Erhalt der Bauten zu klein? Welche Rollen spielten das Planungsamt und die Denkmalpflege?
Am Ende war es wohl eine politische Frage. Der Regierungsrat entschied sich in einer Güterabwägung für die unternehmerische Freiheit der Voellmy AG – und damit gegen die Denkmalpflege und gegen den Erhalt der Baukultur. Das Anliegen von Inhaber Beat Voellmy, seine Firma in Zeiten von „rauen wirtschaftlichen Bedingungen“ in eine sichere Zukunft führen zu wollen, ist aus unternehmerischer Sicht nachvollziehbar. Dass dafür Baukultur geopfert werden soll, ist jedoch bedenklich. Insbesondere im Wissen, dass es der Firma nicht nur um die Entwicklung des Schreinerei-Betriebs geht. Gemäss Kundeninformation sind auf dem Areal neben der neuen Schreinerei auch „Wohnungen“ geplant, die erwiesenermassen im Vergleich zu Gewerbeflächen eine bessere Rendite abwerfen.
Dass dafür bedeutende Baudenkmäler zerstört werden sollen, ist ein (zu) hoher Preis. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Vielleicht ergibt sich ja doch noch eine Lösung. Dafür müsste die Regierung aktiv werden. Wie wäre es, wenn der Kanton der Firma Voellmy auf einem Transformationsareal, wie dem Klybeck, Wolf oder Lysbüchel, eine Parzelle zum Tausch anbieten würde? Einfach mal laut drauflos gedacht…
Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel
Quellen:
– Heinz Hossdorf – Das Erlebnis Ingenieur zu sein. Birkhäuser-Verlag, Basel, 2003.
– Das verschwundene Basel: eine Basler Kultur- und Baugeschichte in Bildvergleichen. Pharos-Verlag, Basel, 1968.
– Basler Bauten: „Riehenteich“. Link: https://www.basler-bauten.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=189:riehenteich&catid=55&Itemid=139
Replik von Eigentümer Beat Voellmy
„Unseren Wohlstand hier in Basel haben wir der grossen Pharma zu verdanken und die vielen Arbeitsplätze den KMU-Betrieben. Um in einer Zeit zu überleben, bei der viele von uns nicht mehr bereit sind die Handwerker mit fairen Preisen für ihre Leistungen zu entgelten und eine „Geiz ist Geil-Mentalität“ leben oder gleich über die Grenze für den Einkauf rennen, ist es für einen 125-jährigen Schreinereibetrieb wichtig, effizienter arbeiten zu können.
Die Sensibilität dieser Bauten ist mir als Eigentümer durchaus bekannt. Das bestehende Werkgebäude ist marode und muss von Grund auf saniert werden. Das heisst nichts weniger als das Gebäude zu verlassen und anderweitig eine Bleibe zu suchen. Leider scheitert dies an den zu hohen Mieten, die anderswo bezahlt werden müssen. So ist es naheliegend, dass ich als verantwortungsvoller und sozialdenkender Unternehmer mir Gedanken mache, wie die eigene Parzelle genutzt und die Arbeitsplätze erhalten werden können. Dass dabei in einem Gewerbehaus noch Wohnungen darüber geplant sind, hat einzig damit zu tun, dass der Schreinereibetrieb mit der Vermietung noch einen zusätzlichen Ertrag generieren kann, um die Gesamtkosten besser zu verteilen.
In Sachen altes Wohnhaus – bei diesem ist es mir als Besitzer auch klar, dass es sich hier um ein schönes altes Barockhaus handelt. Nur steht dieses auf einem Industrieareal, eingepfercht zwischen dem Sauter AG Gebäude und unserer nicht mehr genutzten Ausstellung. Die Umgebung hat Nichts mehr mit der damaligen ländlichen Situation zu tun und die alte Schorenbrücke wurde schon lange abgetragen. Das schöne Barockhaus steht schlicht und einfach am falschen Ort – und genau hier ist der Punkt, bei dem ich das „gierige“ Schlagzeilen schreiben komplett verachte und die Kommentare nur aufzeigen, wie traurig und kurzsichtig einige von unserer Gesellschaft geworden sind. Dass ein Ideenprojekt besteht, welches andenkt, dass das alte Barockhaus fein säuberlich abgetragen wird und an einem sinnvolleren Ort im Bereich „Landschaftspark Lange Erlen“ möglicherweise wiederaufgebaut werden könnte, sei hier nur am Rande bemerkt.“
Basel, am 1. Februar 2019