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Schutz des LebensDie Vision vom heiligen Jambeshwar offenbart sich in der Straßenbiegung nach Gurah. Das zentrale Thema des Bishnoi-Glaubens, eine Verehrung des Lebens, sieht man im Wäldchen von Khejri-Bäumen, die willkommen grüne Farbtupfer in der ansonsten öden Landschaft liefern, sowie Gazellenherden, die unseren vorbeifahrenden Geländewagen betrachten, ohne Angst und nur mäßig interessiert, und in den Rebhuhnschwärmen, die im Gebüsch, entlang der Straße, Schutz suchen. Eine idyllische, friedliche Szene und eine, die in den Gebieten von Rajasthan vorzufinden ist, wo sich die Bishnoi niedergelassen haben.
Für die Bishnoi bedeutet der Schutz des Lebens eine heilige Verantwortung, die Ihnen von ihrem Gründer, Jambeshwar überliefert wurde, als er vor über 500 Jahren die ersten Bekehrten für seine Philosophie des Schutzes allen Lebens fand. Man bekommt fast ein umheimliches Gefühl, daß die Bishnoi mit den Tier- und Pflanzenarten enger verwandt sind als mit ihrer eigenen Art. Auf jeden Fall haben Sie den selben Feind - den Jäger Mensch.
Jambeshwar wurde 1451 in Pipasar geboren, zur Zeit des Herrschers Marwar. Der junge Jambeshwar, Sohn des Dorfführers, lebte ein ereignisloses Leben, so wie jeder andere Dorfjunge, bis zu seinem 25. Lebensjahr. Er führte täglich die Schaf- und Rinderherden seines Vaters auf die Weide zum Grasen. In diesen Stunden der Einsamkeit vertiefte sich in dem jungen Hirten eine leidenschaftliche Liebe zur Natur und ihren Tieren, die sie nährte. Jambeshwar liebte alle Tiere, insbesondere die Katzen.
Dann mußte er 1476 hilflos mit ansehen, wie das Land von einer Dürre verwüstet wurde. Er ließ die dort lebenden Menschen die Blätter von den Bäumen herunterreißen, um das Vieh füttern zu können.
Er beobachtete, wie Schwarzwild gejagt wurde, um Nahrung zu haben. Der junge, empfängliche Jambeshwar sah, wie sein Heiligtum in eine Wüste verwandelt wurde. Und so erwachte seine Vision - daß der Mensch mit der Natur in Harmonie leben muß, daß Leben nur möglich ist, wenn man leben läßt.
Im Laufe der Jahre entwickelte er eine Lehre, die sich aus 29 Grunddoktrinen zusammensetzt. Deshalb wurden seine Anhänger Bishnoi genannt, von bish, was 20 bedeutet und noi, was 9 bedeutet. Als Wanderprediger, der die Sanddünen von Rajasthan zur Kanzel machte, konnte er eine Reihe von Anhängern gewinnen, die gleichermaßen entschlossen waren, wir er. Heute schätzt man seine Anhängerschaft in Rajasthan auf ca. 300.000 Gleichgesinnte.
Jede Bishnoi-Siedlung stellt ein ausgeprägtes Ökosystem dar - voller Vegetation und Tiere. Sogar Schakale, Wölfe und Füchse sind dort geschützt. Wenn Wölfe oder Schakale aufhören zu heulen, wird dies als schlechtes Omen gedeutet. Dies wird als wichtige Verbindung zum Bishnoi-Ökosystem betrachtet. Die Bishnoi sind ein großes, hübsches und hart arbeitendes Volk, das als Bauern beschäftigt ist. Ihre Kleidung ist weiß. Die harte Arbeit der Bishnoifrauen formt ihr weibliches Aussehen und ihre Gestalt. Sie sind farbenfroh und bleiben die Hüter ihrer Kultur. Sie übertreffen die Männer an Charme und Freude.
Der Ackerbau ist ein Glücksspiel, das sie jedes Jahr spielen. Ihre Felder sind offen und der angerichtete Schaden von Vögeln und anderen Tieren wird als Bestandteil im Anbausystem der Bishnoi betrachtet.
Man darf nicht denken, daß die Bishnoi rückständige Stämme sind und der Umweltschutz nur eine Tradition ihrer Kultur ist. Die Bishnoi sind ein aufgeklärtes Volk. Sie sind die Meister ihres Landes. Viele von Ihnen engagieren sich in der Landes- und Staatspolitik.
Ihr Beitrag zum Umweltschutz ist lebenswert. Die Wüstenwildnis und ihr ausgeprägtes Leben wären verschwunden, gäbe es nicht die Bishnoi. Die Gebiete der Bishnoi sind die besten Beispiele eines biologischen Reservates.