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Als Differenz bezeichne ich im Kontext der Differenztheorie ein Konzept zur Vereinbarung des Sprachgebrauches. Ich vereinbare darin Worte, indem ich die Unterscheidung explizit mache, die ich mit den Worten bezeichne.
Beispiel:
System als Differenz zwischen System und Umwelt.
Man kann das etwa so lesen: Wenn ich System sage, meine ich den Unterschied zwischen System und Umwelt. Diese Art der Vereinbarung von Ausdrücken zitiert also eine Unterscheidung, die als Beobachtungs-Operation beschrieben werden kann. So muss ich nicht über das System an sich, also nicht über eine "ontologische Wesenheit" sprechen, der ich Eigenschaften zuordne, sondern spreche über "Beobachtungen", die eine Differenz einführen.
Man kann sich dann die beiden Seiten der Unterscheidung, also nicht nur die bezeichnete, ansehen, oder die Unterscheidung selbst, oder die Sache, der durch die Unterscheidung getrennt wird. Sagt jemand "Frau" (und meint damit "nicht Mann") ist die Unterscheidung Frau/Mann im Spiel, die auf die Einheit "Mensch" angewendet wird. Die Unterscheidung schliesst das nicht bezeichnete (hier Mann) und alles, was nicht im Unterscheidungsraum liegt (hier etwa Pflanzen oder Kühlschränke) aus.
siehe Differenztheorien
Beispiele für Differenzen
Das Denken in Differenzen hat in der neueren Zeit insbesondere J. Derrida durch seine Différance bekannt gemacht.
Reflexion:
Der gesunde Menschenverstand, der in der Philosophie als Abwehr von Ontologie durchschlägt, vermeidet Begriffe in der Theorie. Differenzen nehmen quasi dialektisch vorweg, dass jedem Begriff widersprochen wird.
aus einer Diskussion:
> Worin besteht die Differenz (=Unterschied) zwischen folgenden beiden Fällen,
> in welchen Bank A eine bestimmte Geldmenge an Bank B überweist:
> 1) Die Bank A schickt eine Banknote (bedrucktes Papier) an die Bank B
> 2) Die Bank A macht online-banking, schickt also der Bank B ein Signal,
> das bei Der Bank B eine Datei auf einem Comuter verändert.
Ich schreibe also was gleich ist und was verschieden ist.
Gleich ist:
In beiden Fällen hat die Bank B einen Beleg dafür, dass sie von der Bank A
einen (Tausch)Wert bekommen hat. Der Beleg ist in beiden Fällen materiell.
Verschieden ist:
das Material des Beleges:
einmal eine Banknote (=bedrucktes Papier),
das andere Mal einen Eintrag in einer Computerdatei (=gleich beschriebener Harddisk)
Gleich ist:
in beiden Fällen wurde eine Symbol für (Gebrauchs)Wert von A nach B geschickt
Verschieden ist:
die Form des Symbols:
im einen Fall ist das Symbol durch einen materiellen Zeichenkörper (Banknote) repräsentiert
im andern Fall ist das Symbol durch ein Signal repräsentiert, also durch (hier elektrische)
Energie, die beim Empfänger die Herstellung eines materiellen Zeichenkörpers (Zeichenkörper
auf der Harddisk) steuert.
Die Bewandtnis als Differenz (im Sinne der Differance) besteht darin, dass ein Symbol eine Differenz zwischen strukturierter Energie (=Signal) und einem Mechanismus, mit welchen die Energie strukturiert wird, ist.
Wenn Du mir am Telefon zugestehst, dass Du mir 100 Euro schuldest, kriege ich ein Signal (moduliert elektrisch/akustisch). Und die Struktur dieses Signals erzeugst Du durch den materiellen Mechanismus Deiner Stimme, also unter anderem durch Deine materiellen Stimmbänder. (Verstehst Du diese Differance? Kein Unterschied, sondern ein Symbol ist die Einheit der Unterscheidung.)
Diese Differance wird manifest, wenn ich materielle Zeichenkörper (Schrift, Banknote) oder ein Signal (elektrisch durch das Telefonkabel) schicke. Das ist überhaupt nicht, an Computertechnik gebunden, kommt aber auch dort zum Ausdruck (zB. e-mail).