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Am Ende des Golfs von Saint Tropez findet sich eine besondere, etwas eigenartige Gemeinde: Grimaud Village und Port Grimaud. Obwohl diese beiden Teile zu einer einzigen Gemeinde gehören, liegen sie nicht nur relativ weit auseinander, sie sind obendrauf in zwei vollkommen verschiedenen Zeitaltern entstanden. Das alte Dorf Grimaud Village basiert auf gallo-römischen Ansiedlungen und wird erstmals in der Mitte des 11. Jahrhunderts urkundlich erwähnt, Port Grimaud hingegen ist eine in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrtausends aus dem Boden gestampfte architektonische Planstadt – auch wenn ihr optisches Bild das auf den ersten Blick nicht vermuten lässt. Ursprünglich lag das alte Grimaud oberhalb eines Hafens aus römischer Zeit, man vermutet, dass dieser Hafen den Namen „Sambracis“ trug. Einstmals drang also der Golf von Saint Tropez weitaus tiefer ins Landesinnere, als das heute der Fall ist. Grimaud war von wichtiger strategischer und militärischer Bedeutung für alle, die sich hier im Laufe der Jahrhunderte etablierten. Aufgrund seiner hohen Lage über dem Meeresspiegel war es Teil eines Frühwarnsystems gegen einfallende Sarazenen und auch Seeräuber, entsprechend wurde der Hügel, auf dem das alte Grimaud liegt, gut gesichert. Die alte Burg, die zwischenzeitlich zu einem Schloss ausgebaut worden war, wurde in den Religionskriegen (1562 – 1598) von dem berühmt-berüchtigten Kardinal Richelieu zerstört, die Überreste, die heute zu sehen sind, bilden die Teile der Burg, die nach den Religionskriegen hier wieder aufgebaut wurde. Die Ruinen stehen unter Denkmalschutz, aber ein Teil der Anlage wird heute noch für Freiluft-Veranstaltungen genutzt.
Das alte Grimaud ist ein sehr anheimelndes Fleckchen! Durchstreunt man die zahlreichen kleinen und zum Teil sehr steilen Gassen, so trifft man immer wieder auf wunderschön begrünte kleine Plätzchen, von denen aus man zum Teil eine fantastische Aussicht über die Umgebung hat. Natürlich trifft man hier auf den einen oder anderen Streuner, der es sich an einem manchmal etwas unmöglichem Ort gut gehen lässt, was den etwas verschlafenen Charakter des alten Grimaud wunderschön unterstreicht. An manch einem der alten Häuser, die hier fast ausnahmslos in jenem warmen Sandstein-Farbton gehalten sind, finden sich uralte Stein-Ornamente, Fassaden aus grobem Stein und glatt geputzten gelben Wänden wechseln sich ab. Es kann hier im Sommer sehr heiss werden, dankenswerter Weise spenden die engen Gassen und so manch ein alter Baum kühlenden Schatten. Das alte Grimaud sollten Sie sich unbedingt ansehen, wenn Sie mal in dieser Ecke der Welt weilen sollten!
Port Grimaud bildet gleich in mehrfacher Hinsicht einen vollständigen Kontrast zu Grimaud Village. Wie bereits angedeutet wurde dieser Teil der Gemeinde in den sechziger Jahren aus dem Boden gestampft, nichts hier ist im klassischen Sinne „alt“, auch wenn bewusst auf alt anmutendes Erscheinungsbild Wert gelegt wurde. Wie der Name vermuten lässt, ist Port Grimaud eine Art Hafen. Aber es ist eine komplett private Hafenanlage! Um dieses eigenartige Ding etwas besser zu erklären: Fährt man durch diese Region, so kann man immer wieder auf zum Teil sehr grosse Areale treffen, die durch hohe Zäune geschützt sind, nicht selten sind vollständige Kamera-Überwachungssysteme und obendrauf auch noch private Sicherheitsdienste zu bemerken. Wer es sich in Frankreich leisten kann, hat hier sein dezidiert abgeschottetes und geschütztes Domizil, eine Welt, in welcher man von der „normalen“ Aussenwelt nichts mitbekommt und auch nicht mitbekommen will. Port Grimaud ist exakt ein solches Areal! Als ich damals dort zugegen war, konnte man als schnöder Tourist noch in so ziemlich jede erdenkliche Ecke des Hafens schlendern und sich all die sackteuren Yachten, sowie die zum Teil hochherrschaftlichen Bauten ansehen. Heute ist der Zugang inzwischen weitestgehend beschränkt, die dort lebenden „reichen“ Anwohner fühlten sich von den Touristenströmen zu sehr bedrängt. Da es sich bei Port Grimaud durchweg um Privatbesitz handelt, war die Umsetzung jener Einschränkung problemlos möglich. Wenn die Reichen unter sich bleiben wollen, so wird das in der Regel nicht nur respektiert, sondern auch zuweilen recht unkompliziert und schnell umgesetzt. Das offenbart die finanzielle Abhängigkeit so manch einer alten Gemeinde von den reichen Menschen, die sich immer noch sehr gerne in dieser Region der Côte d’Azur nieder lassen, obwohl dieser Trend seit Jahren rückläufig ist. Eine auf mich sehr schräg anmutende, recht einseitige „Symbiose“, aber ja, das ist hier üblich und mitnichten ungewöhnlich. Sogar so manch ein Strandabschnitt befindet sich in Privatbesitz!
Gestaltungsgrundlage von Port Grimaud war Venedig und tatsächlich erinnert dieser Teil der Gemeinde von Grimaud ein klein wenig an jene Lagunenstadt in Italien. Jedoch erscheint Port Grimaud nicht einmal im Ansatz vergleichbar lebendig. Natürlich gibt es hier das eine oder andere Restaurant (in entsprechender Preisklasse), trotzdem habe zumindest ich hier das „normale“ Leben einer Ortschaft irgendwie vermisst, da war das alte Grimaud noch weitaus lebendiger, obwohl sich bei der Hitze zur Mittagszeit dort kaum jemand hat blicken lassen. Da hier auch fast ausnahmslos nur Luxus-Yachten liegen und kein einziger Fischkutter anlegt, wird sich das wohl auch nie ändern, Port Grimaud ist in jedweder Hinsicht eine höchst befremdliche Parallelwelt hier an der Küste von Südfrankreich, dennoch sollten Sie sich auch diesen Teil der Gemeinde mal ansehen – sollte das in den kommenden Jahren überhaupt noch möglich sein.Frankreich,Welt