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Bei der zweiten Abstimmung hat das ursprünglich von Microsoft entwickelte Office-Fileformat die ISO-Hürde genommen - fast.
Microsoft kann aufatmen: Bei der zweiten Abstimmung der Länderorganisationen der "International Organisation for Standardisation" (ISO) wurde das Fileformat "Office Open XML" (ooXML) als internationaler Standard ISO/IEC DIS 29500 abgesegnet. ooXML soll damit nun den gleichen Status erhalten, wie das bereits 2006 von der ISO als Standard anerkannte
"Open Document Format" (ODF), das vor allem in Open Source-Produkten verwendet wird.
Die Anerkennung des bisher hauptsächlich von Microsoft verwendeten Fileformats als internationaler, offener Standard ist für den Softwareriesen sehr wichtig. Immer öfter wird von den Informatik-Abteilungen von Behörden verlangt, dass sie keine proprietären Fileformate mehr verwenden sollten, weil dadurch die Bürger gezwungen sein könnten, Software eines bestimmten Herstellers zu kaufen, um für sie bestimmte oder öffentliche Dokumente einsehen zu können. Ohne die ooXML-Anerkennung wäre es daher für Behörden langfristig schwierig geworden, den Einsatz von Microsoft-Produkten als Standard-Software zu rechtfertigen.
Microsoft hatte die ooXML-Spezifikationen 2006 der ECMA, einer Standardisierungsvereinigung der IT-Industrie, übergeben. Diese machte sie zum eigenen Standard ECMA 376 und legte diesen im Dezember 2006 der ISO zur Anerkennung im sogenannten "Fast Track"-Schnellverfahren vor. Das Fast-Track-Verfahren wird bei Standards aus der IT-Industrie häufig angewendet, da diese sonst oft schon obsolet wären, bevor sie das mehrere Jahre dauernde normale Verfahren durchlaufen hätten.
Bei der ersten Abstimmung der in der ISO vertretenen Länderorganisationen war ooXML noch an beiden notwendigen Mehrheiten gescheitert
(Mindestens 66,66 Prozent Ja-Stimmen und weniger als 25 Prozent negative Voten). Wie üblich nach einer Ablehnung wurde danach ein sogenanntes "Ballot Resolution Meeting" angesetzt, bei welchem die rund 3500 eingereichten Einwände und Kommentare behandelt wurden. Bei der nun durchgeführten zweiten Abstimmung gab es gemäss ISO 75 Prozent positive Voten, und nur noch 14 Prozent der Ländervertretungen sprachen sich dagegen aus. Die Schweizer Vertretung, die Schweizerische Normenvereinigung (SNV), stimmte wie schon bei der ersten Abstimmung für die Anerkennung.
Allerdings gibt es auch jetzt wieder, wie schon bei der ersten Runde
. Ausserdem wird von Kritikern bemängelt, dass beim Ballot Resolution Meeting viele der Einwände nur oberflächlich behandelt und schnell vom Tisch gewischt worden seien.
Die Ländervertretungen haben nun zwei Monate Zeit, um offiziell Einspruch zu erheben, bevor der Standard endgültig offiziell publiziert wird. Angesichts der erwähnten Polemiken scheint es recht wahrscheinlich, dass diese Gelegenheit auch benutzt wird. (hjm)