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Zwei Mal schaffte er es nicht über den Atlantik zu rudern. Nun hofft der Schotte Mark Agnew einer der ersten Menschen zu werden, der die Nordwestpassage mit dem Kajak durchfährt. Mark Agnew gehört einem vierköpfigen Team an, das sich im Juli auf die knapp 3’000 Kilometer lange Reise von der Baffin Bay zur Beaufortsee begeben wird. Nach einer schweren Motivationskrise im Jahr 2018 infolge seiner gescheiterten Überquerungen des Atlantiks will Mark Agnew nun im Norden Geschichte schreiben.
Mark Agnew wird gemeinsam mit drei weiteren Abenteurern der Route der zum Scheitern verurteilten Expedition von Sir John Franklin im Jahr 1845 folgen. Beide an dieser Erkundung beteiligten Schiffe gerieten ins Eis. Franklin und seine Besatzung von 129 Mann auf der «HMS Erebus» und der «HMS Terror» kamen ums Leben. Lange blieb das Schicksal der Franklin-Crew verborgen. Letzte Spuren der Expeditionsteilnehmer wurden erst viele Jahre später nahe King William Island entdeckt. 2014 fand man das Wrack des Schiffs «HMS Erebus» in der Victoria Strait. Die Überreste der «HMS Terror» wurden 2016 südlich der King-William-Insel, in der Terror Bay, entdeckt.
Das Team wird der historischen Arktis-Route folgen, die den Atlantik und den Pazifik verbindet und hofft darauf, die Passage das erste Mal mit dem Kajak zurückzulegen. Das würde das erste Mal sein, dass die Nordwestpassage in einem einzigen Sommer allein mit menschlicher Kraft und in Motor- und segellosen Wasserfahrzeugen bewältigt wurde.
Mark Agnew meint dazu: „Vor hundert Jahren wäre die Nordwestpassage fast das ganze Jahr über zugefroren, aber jetzt werden wir in der Lage sein, die 2’000 Meilen in einer einzigen Saison mit dem Kajak zurückzulegen. Ein ziemlich verheerendes Beispiel dafür, wie sehr sich der Klimawandel auf den Planeten ausgewirkt hat.“
Das Expeditionsteam für diese Arktisreise wird aus Mark und zwei Amerikanern und einer Amerikanerin bestehen – Expeditionsleiter West Hansen, Jeff Wueste und Eileen Visser. Wuest und Hansen hatten bereits letztes Jahr gemeinsam mit Rebekah Feaster einen Versuch unternommen, die Wasserstrasse zwischen Atlantik und Pazifik zu durchqueren. Doch die Expedition wurde von den beiden nach 17 Tagen und 418 zurückgelegten Kilometern abgebrochen. Verspätungen durch schlechtes Wetter und zu spät geliefertem Material und am Ende auch noch der Ausfall von Rebekah waren die Gründen für das Aufgeben.
Gescheiterte Atlantik-Überquerungen
Auch Mark Agnew weiss, was es bedeutet, bei Expeditionen aufgeben zu müssen. Er und sein Team versuchten erstmals 2016 und 2018 einen Weltrekord im Rudern über den Atlantik aufzustellen. Die beiden Atlantiküberquerungen wurden aus unterschiedlichen Gründen abgebrochen: Bei der ersten, weil sich herausstellte, dass das Ruderboot nicht vollständig wasserdicht war, was bedeutete, dass das Team in mehreren Zentimetern tiefem Wasser rudern musste. „Es wurde unhaltbar und wir wurden schliesslich mit dem Hubschrauber abgeholt“, meinte Mark Agnew. Auch die zweite Expedition 2018 mussten aus technischen Gründen frühzeitig abgebrochen werden und Mark wurde von Hubschraubern gerettet. Die danach folgenden teilweise hämischen Kommentare und Zeitungsberichte, die ihn als „Captain Calamity“ (Kapitän Unheil) bezeichneten, nagten schwer an ihm. Dies führte dazu, dass er eine psychische Krise erlitt und sich wertlos und unmotiviert fühlte.
Der schlechte Zustand hielt zwölf Monate lang an, weil er davon überzeugt war, dass seine Tage als Abenteurer vorbei seien. Jetzt hat er jedoch seine Einstellung geändert und ist gut motiviert für dieses nächste Abenteuer. Doch nicht nur die Abenteuerlust treibt den Schotten zu dieser Expedition an. Er möchte auch Spenden für die Wilderness Foundation UK sammeln und hofft, am Ende mehr als UK£ 25’000 (rund € 30’000) zusammenzubringen. Die Stiftung arbeitet mit Menschen, die unter Angststörungen leiden, und bietet Therapien und Programme besonders im Outdoorbereich für diese an.
Die Gruppe ist zurzeit noch am Startpunkt Button Point auf Bylot Island, am Eingang zur Nordwestpassage. Eisschollen machten es für die vier Kajaker bisher schwierig, zu starten. Einen neuen Start wollen sie heute bzw. morgen Donnerstag nochmals wagen. Geplant ist, bis Ende September nach Tuktoyaktuk in den Nordwestterritorien zu kommen und so das zu erreichen, was Franklin und vielen anderen verwehrt geblieben ist: die Nordwestpassage zu bezwingen.
Die Redaktion von PolarJournal wünscht den Arctic Cowboys und dem Arctic Girl gute Wetterverhältnisse, eine hoffentlich eisfreie Nordwestpassage und viel Glück zum Gelingen der Expedition.
Heiner Kubny, PolarJournal