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Wechselhafter August
Oft wechselnde Luftmassen brachten wiederholt Gewitter und Fronten und sorgten damit verbreitet für einen niederschlagsreichen August 2019. Einige Regionen wurden von heftigen Regenfällen getroffen. Die Temperatur bewegte sich periodisch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Dennoch schaffte es der August 2019 unter die 15 Wärmsten seit Messbeginn 1864. Es gab auch einige Hitzetage.
Temperatur leicht über der Norm
Berechnet bis zum Monatsende erreicht die Augusttemperatur im landesweiten Mittel 15,1 °C. Das liegt 1,3 °C über der Norm 1981-2010 und entspricht Rang 14 seit Messbeginn 1864. Mild war es vor allem in Berglagen. Das Jungfraujoch und der Grosse St. Bernhard verzeichneten mit 1,6 °C resp. 1,9 °C über der Norm den siebt- resp. fünftwärmsten August seit Messbeginn.
Schon am Nationalfeiertag und dem Tag darauf zeigte sich, was diesen August später schweizweit prägen sollte: Niederschlag. An vielen Messstandorten wurden die Niederschlagsmengen im Vergleich zur Norm 1981-2010 um mehr als 50% übertroffen, so z.B. in Aigle, Güttingen, Disentis und Arosa. Mehr als doppelt so viel Niederschlag wie normal fiel an den Messtandorten Piotta und Magadino im Tessin. Die Sonnenscheindauer erreichte fast überall Werte nahe oder leicht unter der Norm 1981-2010.
Niederschlagsrekord in Arosa
Nach einem sonnigen Intermezzo am 3. und 4. August begann eine erste 3-tägige Phase mit viel Niederschlag. Am 5. August streifte eine Warmfront die Nordschweiz und brachte im Raum Schaffhausen rund 30 mm Regen. Vom 6. bis 7. August war die ganze Schweiz von einer südwestlichen Höhenströmung und einer Kaltfront betroffen. Über die drei Tage ergaben sich an einigen Messstandorten in der Nordostschweiz um 60 mm (Güttingen 57,7 mm, Ehrendingen 60,8 mm, Zürich-Kloten 63,1 mm). An diesen und weiteren Messstationen in der Region kommen solche 3-Tages-Niederschlagssummen etwa alle 1 bis 3 Jahre vor.
Nach einem trockenen 8. August und einem verbreiteten Hitzetag am 9. August folgten die nächsten Niederschläge am Abend des 9. August. Eine Gewitterlinie, die aus Südwesten das Mittelland erreichte und sich an die Voralpen legte, brachte dort bis am 10. August zwischen 10 und 40 mm Regen.
Die heftigsten Regenfälle ereigneten sich dann am 11. und 12. August auf einer breiten Linie vom Centovalli und Bedrettotal bis zum Säntis und die obere Surselva. Etwas abseits der Hauptlinie wurde das Dörfchen Chamoson im Wallis am 11. August nach einem Gewitter von einer Schlammlawine getroffen, genau wie schon im August 2018. In der unteren Leventina wurden am 12. August lokal bis 120 mm gemessen. Im Tessin wurden die starken Gewitter von Hagel und kräftigen Böen begleitet. Ein neuer 2-Tages-Niederschlagsrekord wurde am Messstandort Arosa registriert. Dort fielen innert 48 Stunden 160 mm Niederschlag. Das ist der erste Messwert über 150 mm in der langen Geschichte dieser Station. Die Analyse der Extremwerte zeigt, dass ein Ereignis dieser Grössenordnung in Arosa etwa alle 50 bis 100 Jahre zu erwarten ist.
Rückkehr des Sommers
Dank eines Ausläufers des Azorenhochs folgte vom 13. bis 16. August eine vorübergehende Wetterberuhigung. Die Luft blieb jedoch aufgrund des Nordwindes und der verbreiteten Bewölkung für die Jahreszeit kühl. Die Tagesmitteltemperaturen lagen in dieser Phase mehrheitlich 1 bis 5 °C unter der Norm.
Am 17.-18. August meldete sich die Hitze zurück. Im Mittelland, aber auch am Genfersee, im Unterwallis und im Rheintal zwischen Chur und Bodensee stieg das Tagesmaximum am 18. August über 30 °C.
Erneut kräftige Gewitter
Am Abend des 18. August ereigneten sich am Nordrand der Schweiz bereits wieder einige heftige Gewitter mit Hagel und Sturmböen. Weitere Gewitter und eine Kaltfront brachten am 19. und 20. August zum Teil heftige Regenfälle. Dabei kamen im Waadtland stellenweise über 110 mm Niederschlag innert 72 Stunden zusammen. In Aigle wurden 117,1 mm erreicht, in Bex 112,5 mm. Ähnlich wie einige Tage zuvor in Arosa ist eine solche Regenmenge am Messstandort Bex etwa alle 50 bis 100 Jahre zu erwarten. Benachbarte Stationen (z.B. Le Moléson, La Valsainte oder Château-d‘Oex) zeigten ähnlich hohe Niederschlagssummen. Im Raum Appenzell lösten die Starkniederschläge Erdrutsche aus. Die höchsten Tagessummen registrierten am 20. August Piotta mit 85 mm und einige Partnerstationen im Tessin mit über 100 mm.
Warmes Monatsende
Nach den turbulenten Gewittertagen beruhigte sich das Wetter auf der Alpennordseite. Mit Bise und Hochnebel war es am 21. und 22. August kühl. In den Alpen und auf der Alpensüdseite blieben Schauer oder Gewitter bis am 24. August weitgehend wetterbestimmend.
Erst am 25. August brachte ein Hoch mit Zentrum über dem Baltikum den Sommer zurück in die ganze Schweiz. Das sonnige Wetter sorgte beidseits der Alpen für Höchstwerte um 26 bis 29 °C. Äusserst knapp reichte es vom 26. bis 28. August für drei Hitzetage an einzelnen Stationen im Mittelland, z.B. im Aargauischen Würenlingen mit 30,0 °C bis 30,7 °C. In Basel kletterte das Thermometer erst am 27. August über 30 °C, am Genfersee und an den Tessiner Seen blieben die Temperaturen knapp unter dem Schwellenwert für einen Hitzetag.
Die grössten Abweichungen zur Norm von +5 °C und mehr wurden in dieser Phase vor allem im Jura und in Berglagen registriert. Für das Monatsende ist weiterhin mit sommerlichen Temperaturen zu rechnen.
Fruchtreife des Schwarzen Holunders zum normalen Zeitpunkt
Im Vergleich zum letzten Jahr, dem Hitzesommer 2018, in dem die Holunderbeeren an vielen Stationen extrem früh reiften, verläuft die Fruchtreife des Schwarzen Holunders im aktuellen Jahr ungefähr im normalen zeitlichen Rahmen. Die Fruchtreife des Schwarzen Holunders wird seit 1996 beobachtet. Im Mittel dieser Periode waren die Holunderbeeren unterhalb von 600 m zwischen Mitte und Ende August reif. Nachdem an wenigen Stationen die Fruchtreife schon in der ersten Augusthälfte beobachtet wurde, nahmen die Beobachtungen ab Mitte August deutlich zu. Davor fand bereits die Blüte des Schwarzen Holunders in diesem Jahr zu einem mittleren Zeitpunkt statt. Dies ist vermutlich mit ein Grund, warum sich die Fruchtreife trotz hoher Sommertemperaturen im Vergleich zum Mittel nicht stärker verfrühte.
Auch bei den Vogelbeeren liessen sich reife Früchte beobachten, ebenfalls meist zu einem normalen Zeitpunkt. Auffällig war jedoch, dass an den Beobachtungsstationen im Engadin (Zuoz, Pontresina und St. Moritz) die Fruchtreife der Vogelbeere früh bis sehr früh stattfand. Blühende Herbstzeitlosen wurden erst an ganz wenigen Standorten entdeckt, rund eine Woche früher als normal.
Der definitive Bericht zum August 2019 ist ab dem 10. September 2019 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.