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Wie machiavellistisch war Machiavelli?
Volker Reinhardt:
Machiavellismus bedeutet, dass jemand für ein Ziel über Leichen geht und vor keiner Grausamkeit zurückschreckt. Dieses Gedankengut ist in Machiavellis Schriften angelegt. Allerdings rechtfertigt aus seiner Sicht nicht jeder Zweck skrupelloses Vorgehen. Auch kann man seine Ideen nicht einfach auf die Wirtschaft übertragen.
Inwiefern?
Die Wirtschaft interessierte Machiavelli nicht besonders. Ihm ging es immer und ausschliesslich um den starken Staat. Alles hatte sich seinem Zweck unterzuordnen. Machiavellis Ideal war die kriegerische Republik, die sich durch ständige Expansion gesund hält. Schwache Führer waren Machiavelli ein Dorn im Auge. Er war davon überzeugt, dass die Menschen von Natur aus destruktiv sind. Deshalb sollte ein starker Fürst oder eine kluge Republik die zerstörerischen Kräfte im Inneren bündeln und nach aussen lenken. Will man diese Ideen nun auf die Arbeitswelt von heute übertragen, muss man sich bewusst sein, dass man sich damit von dem historischen Machiavelli entfernt.
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Doch wenn man sich auf das Gedankenspiel einlässt?
Historisch wäre man dann sicher nahe an Machiavelli, wenn man sein Gemeinwohlideal mit dem Unternehmenswohl gleichsetzt.
Und den absolutistischen Fürsten mit dem Manager?
Gewissermassen ja. Allerdings muss auch hier beachtet werden, dass Machiavelli nie das Privatwohl des Fürsten im Auge hatte, sondern immer den stabilen Staat. Der Staat ist von der Moral freigesprochen. Der Einzelne jedoch nicht. Hier wird Machiavelli oft missverstanden. Der Fürst war letztlich auch nur Mittel zum Zweck. Zieht man nun die Parallele zur Arbeitswelt, wäre sein Ideal sicher kein Manager, der sich auf Kosten der Firma einen individuellen Vorteil verschafft. Von ihm hätte Machiavelli nichts gehalten. Im Gegenteil geisselt er Ehrgeiz und Gier als zerstörerische Kräfte für das Gemeinwohl.
Ein Manager im Sinne von Machiavelli wäre also ein verantwortlicher Chef?
Auf jeden Fall wäre es ein Chef, der alles dem Firmenzweck unterordnet. Alles andere wäre zweitrangig, auch Moral und Gesetzestreue. Wenn es dem Unternehmen nützt, würde der Manager moralisch handeln. Wenn es jedoch das Unternehmen stärker voranbringen sollte, Kunden zu bestechen, würde er dies tun.