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Der Ariary ist die offizielle Währung in Madagaskar
(Antananarivo, 19. Okt 2021) Seit 2005 gilt der Ariary (AR) als die offizielle Währungseinheit in Madagaskar, doch der madagassische Franc (FMG) bzw. die alte Währung während der Kolonialzeit wird immer noch sehr oft in den kleinen Krämerladen, auf den freien Märkten, bei den Radfahrern, Taxi- oder Tuktuk-Fahrern benutzt. Die Einheimischen geben den Preis in madagassischen Francs , ohne zu erklären, ob der angegebene Preis in Ariary oder in Franc Malagasy ist. Das ist dann sehr verwirrend und sogar eine Geldverschwendung, wenn es um eine grosse Summe geht, denn 1 Ariary ist eigentlich 5 madagassische Francs wert. So sollte immer nach der Währungseinheit gefragt werden, also abklären, ob die Person den Preis in AR oder in FMG angibt.
Der aktuelle Wechselkurs für 1 Euro ist bei 4‘500 Ariary und für 1 Schweizer Franken rund 4‘200 Ariary. (Stand 2021)
Untenstehend finden Sie die acht madagassischen Banknoten in absteigender Reihenfolge :
Banknoten in Madagaskar: 20’000 AR = 4,44 € oder 4,76 CHF
Es handelt sich um die grösste Banknote in Madagaskar. Das Bild zeigt die Fabrik in Ambatovy. Sie liegt östlich von Antananarivo und zählt zu den grössten Minen für Nickel und Kobalt auf der Welt.
Banknoten in Madagaskar: 10’000 AR = 2,22 € oder 2,38 CHF
Die Vorderseite dieser Banknote zeigt den Hafen von Ehoala in Fort Dauphin an der Südostküste Madagaskars. Dieser wichtige Hafen im Indischen Ozean wurde 2009 primär für den Export von Bergbauprodukten gebaut.
Banknoten in Madagaskar: 5000 AR = 1,11 € oder 1,19 CHF
Das Bild zeigt den Ort „Trou du Commissaire“ am Strand von Manakara, wo man ohne Gefahr schwimmen kann. Eigentlich ist das Schwimmen an vielen Badetränden wegen der starken Meeresströmungen verboten. Die Stadt Manakara ist auch wegen der FCE-Eisenbahnlinie nach Fianarantsoa bekannt.
Banknoten in Madagaskar: 2000 AR = 0,44 € oder 0,48 CHF
Madagaskar ist bekannt für seine endemische Fauna und mehr als 100 Lemurenarten sind heimisch auf der Insel. Die 2000 AR-Banknote zeigt den berühmten Bambuslemuren „Bandro“. Er hat ein graubraunes Fell und ist auf einer kleinen Bambusinsel am Alaotra-See, dem grössten See Madagaskars zu finden.
Banknoten in Madagaskar: 1000 AR = 0,22 € oder 0,24 CHF
Diese 1000 AR Banknote stellt die Hängebrücke in Kamaro an der Nationalstrasse 4 dar. Diese imposante Brücke gebaut von der Firma Gaston Leinekugel Le Cocq überblickt den Kamaro Fluss auf 206,5 Metern beim Kilometerstein PK 406.
Banknoten in Madagaskar: 500 AR = 0,11 € oder 0,12 CHF
Diese kleine Banknote von 500 AR zeigt den Königshügel in Ambohimanga, auch bezeichnet als „der blaue Hügel“. Diese Sehenswürdigkeit liegt 24 km nordöstlich von Antananarivo und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Banknoten in Madagaskar: 200 AR = 0,04 € oder 0,05 CHF
Dieses Bild vom Wasserfall im Nationalpark von Montagne d’Ambre finden Sie auf der 200 AR Banknote. Die Flora und Fauna in dieser üppigen Vegetation nördlich Madagaskar sind so faszinierend, dass die Besucher von der Einzigartigkeit der Natur begeistert sind.
Banknoten in Madagaskar: 100 AR = 0,02 € oder 0,03 CHF
Der kleinste Geldschein von 100 AR zeigt die beeindruckende Kathedrale von Ambozontany, gebaut im 19. Jahrhundert. Dieses Gebäude mit kunstvoller Architektur überragt die Altstadt von Fianarantsoa und hat einen herrlichen Panoramablick auf den kleinen Anosy-See.
Die Insel Madagaskar ist ein kontrastreiches Land mit spektakulären Landschaften, auch seine Bevölkerungsgruppen mit den Besonderheiten ihrer Kultur sind sehr vielfältig. Mit diesen schönen Bilder auf die Banknoten hoffen wir, dass wir doch Ihr Neugier erweckt haben, um unsere facettenreiche Insel bald zu entdecken.
Gern helfen wir Ihnen bei der Reiseplanung Ihrer Madagaskarreise, so werden sie einen unvergesslichen Aufenthalt reich an Begegnungen und Abenteuern auf unsere Insel verbringen.
Wenn Sie Fragen haben oder weitere Informationen benötigen, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren.
Wie in allen Ländern auf der ganzen Welt wählen die Madagassen die Nachnamen ihrer Babies entweder vor oder während der Schwangerschaft. In Madagaskar soll die Bedeutung eines Vornamens für die Zukunft des Kindes entscheidend sein. Der Vorname soll eine positive Bedeutung haben und den Lebensweg des Kindes positiv beeinflussen.
Jedes Kind trägt verschiedene Vornamen, dieser spiegelt den Wunsch der Eltern oder sollte den Charakter des Kinds beschreiben. Hery bedeutet zum Beispiel die Kraft oder die Stärke, Aina heisst das Leben, Mbinina heisst glücklich sein. Faly bedeutet freudig, glücklich, Mirana heisst lächelnd, freundlich, fröhlich.
Die Bedeutung der madagassischen Vornamen kann von Region zu Region variieren. Eine Liste mit den Vornamen und ihrer Bedeutung finden Sie hier. Im Hochland (Antananarivo und Fianarantsoa) beginnen die Vornamen meistens mit dem Präfix Andrian-, dies ist eine Kurzform von Andriana, was königlich nahestehende Personen bezeichnet. Die meisten madagassischen Vornamen beginnen mit dem Präfix Ra-. Der Familienname Rafidy bedeutet zum Beispiel Herr, der auserwählt ist. Rampanarivo heisst jemand, der im Überfluss besitzt oder der Reiche.
Es gibt Vornamen, die sowohl für Mädchen als auch für Jungs benutzt werden.
Die madagassischen Vornamen
Die Mädchen und Frauennamen bezeichnen meistens Naturelemente, Blumen oder Schmuckstücke, oder könnten auch die Schönheit des Mädchens beschreiben. Voahirana bedeutet die Seerose, Vololona oder Fanja bedeutet die Knospe, die Blüte, die Blume. Sahondra heisst die Blüte der Aloe, Hanitra heisst der Duft, das Parfüm. Voahangy ist die Perle und Meva bedeutet himmlisch schön sein.
Die Eltern geben ihren kleinen Buben meistens Vornamen mit positivem Charakter: Lahatra bedeutet das Schicksal, Fanantenana heisst die Hoffnung, Tolotra bedeutet Geschenk vom Gott. Tahiana ist der Gesegnete und Andry ist die Stütze oder die Säule in der Familie.
Wenn das Geschlecht des Babys vor der Geburt unbekannt ist, geben die Eltern gemischte Vornamen, die gleichzeitig für Buben und für Mädchen gelten. Nirina bedeutet ein Wunschkind, Mamy ist süss lieb und nett, Hasina heisst heilig, eingeweiht sein. Fanomezana bedeutet die Gabe, die Spende, das Geschenk.
Der Vorname könnte auch den Rang in der Familie widerspiegeln: Dimby oder Solofo bedeutet der Sohn oder der Nachfolger. Rahely heisst die Nachfolgerin oder der Nachwuchs. Naivo bedeutet der zweite Sohn oder derjenige, der in der Mitte geboren ist. Raivo ist dann die zweite Tochter oder das Mädchen, das in der Mitte geboren ist. Benja heisst der Benjamin oder der jüngste Sohn. Fara ist die letzte Tochter in der Familie.
Die madagassischen Vornamen
Viele Vornamen beschreiben auch das Schicksal des Kindes, also je nach dem Sternzeichnen und der Astrologie zur Zeit der Geburt. Wenn das Kind unter einem sehr glücklichen Sternzeichen geboren ist, trägt es den Namen Mahery (die Kraft), Andrianina bedeutet wörtlich der Adlige, den man lobt oder vergöttert. Manjary heisst erfolgreich sein, Nomenjanahary heisst Gabe von Gott, Njaka bedeutet der Herrscher. Rindra bringt Harmonie und Frieden in der Familie, Tsilavina heisst akzeptiert und anerkannt.
Die kleinen Kinder zwischen 1 bis 5 Jahre bekommen zu Hause meistens einen Spitznamen oder einen Kosenamen. Peta wird öfter gebraucht, wenn das Kind eine Plattnase hat, oder auch Piso, wenn das Baby sich wie eine kleine Katze verhält. Sobald das Kind in die Schule geht, verliert es diesen Kosenamen und wird fortan mit dem richtigen Vornamen – wie im Geburtsschein vermerkt – gerufen.
Wenn das Baby zur Welt kommt, nennen die Eltern es bereits nach seinem richtigen Namen. Falls das Baby frühzeitig geboren bzw. die Mutter eine Fehlgeburt hat, nennt man den Fötus zazarano (Wasserkind).
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben französische Gewohnheiten und Lebensstil Einfluss auf das madagassische Leben genommen. Damals gaben die meisten Küstenbewohner ihren Kindern englische oder französische Vornamen. Diese gemischten Namen haben auch mit der Ankunft der Missionare und dem ersten Bau der Missionsschulen an der Küste zu tun. So wurden viele Kinder an der Küste zum Beispiel als David John genannt.
Am 26. Juni 1960 wurde Madagaskar zur unabhängigen Republik, zu dieser Zeit orientierte sich Madagaskar stark an Frankreich, da noch zahlreiche Franzosen im Land lebten. Damals gaben die Eltern ihren Kindern gern zwei verschiedene Vornamen: einen französischen und einen madagassischen Vornamen. Viele Eltern glaubten um diese Zeit, dass Madagaskar unabhängig geworden sei. Mit Kindern mit madagassischen Vornamen wollten sie den Franzosen beweisen, dass sie ihren eigenen Weg gehen wollten.
Die madagassischen Vornamen
Die Religion spielt auch eine grosse Rolle bei den Namen. Viele katholische Kinder werden mit französischen Vornamen getauft. Es kommt auch vor, dass einige französische Vornamen einfach madagassisch adaptiert werden. Nehmen wir das Beispiel des Vornamens Emile, der Mil“ hier in Madagaskar geworden ist, der französische Vorname Paul wird madegassisiert als Paoly oder Rapaoly. Aus dem französischen Vornamen François wurde Rafransoa.
Es kommt vor, dass die Eltern ihr Kind nach einem wichtigen Ereignis nennen. Mädchen, die während des schlimmen Zyklons Cynthia im Jahre 1981 zur Welt kamen, wurden von ihren Eltern ebenfalls Cynthia genannt. Es kann auch sein, dass ein Bube im Monat Januar geboren wird und dann auch den Vornamen Janvier erhält. Auf dem Land, wenn das Baby während der Reisernte zur Welt kommt., erhält es oft den Namen Ravokatra.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg waren Zehntausende madagassische Soldaten im Einsatz. Sie gaben den deutschen Truppen einen besonderen Spitznamen. Die Deutschen trugen Regenstiefel (oder „rainboats“ in englisch), so wurden die Deutschen später Rainiboto genannt und dieser Spitzname gilt bis jetzt noch für die Deutschen in Madagaskar.
Die Franzosen wurden auch als Renimalala bezeichnet, wörtlich übersetzt bedeutet dies die liebe Mutter, eigentlich ein Spottname für die französischen Kolonialherren, die uns lange kolonialisiert haben.
Mein kompletter Vor- und Nachname ist Bodomanga ANDRIANTEFIARINESY, Bodo bedeutet kleines Mädchen, Manga heisst blau und in dem langen Familiennamen steht das Wort Tefy. Auf deutsch bedeutet dieses Verb schmieden. Mit etwas Phantasie könnte man mich also als königliche Schmiedin bezeichnen..
Schon immer haben die Gewürze die Welt bewegt und ihretwegen wurden Kriege geführt oder Kontinent entdeckt. Die Insel Madagaskar ist schon lange für seine kostbare Vanille berühmt. Nach Safran zählt dieses Gewürz nämlich zu den teuersten der Welt. Ca. 50% der heutigen weltweit produzierten Vanille kommt aus Madagaskar. Auch die benachbarten Inseln La Réunion, die Komoren und Mauritius produzieren etwas Vanille. Die Vanille aus Madagaskar trägt den Qualitäts-Markennamen “Bourbon Vanille“. Dieses duftende “schwarze Gold“ gehört zu den wertvollsten Exportprodukten von Madagaskar und ist ein Stimulans für Gaumen und Gesundheit.
Vanille in Madagaskar
Ursprünglich stammt die Vanillepflanze aus dem tropischen Mexiko. Erst mit der Entdeckung der “Neuen Welt“ und durch die spanische Landeroberung im Jahr 1510 wurde dieses wertvolle Gewürz in ganz Europa bekannt. Neben Gold und Edelsteine haben die Spanier auch zwei exotischen Pflanzen, den Kakao und ein unbekanntes Gewürz “Vanilla“ von den langen Entdeckungsreisen mitgebracht. Hier in Europa wurden sie dann in vielen Botanischen Gärten angepflanzt. Wegen ihrer Kostbarkeit gehörten sie bald in allen europäischen Herrscherhäusern zu den beliebten aromatischen Gewürzen.
Ab dem 1604 wurde die Vanille nach Frankreich importiert, wo man dieses duftende Gewürz für die Zubereitung von Kaffee und Schokolade verwendete. Später im Jahr 1846 wurde die Mexiko-Vanille in Frankreich monopolisiert. Leider gelang es aber nicht, aus den Blüten die Stängel zu gewinnen, denn zur Bestäubung dieser Orchidee werden spezielle Bienen oder Kolibris benötigt.
Durch die Franzosen fand die Vanille-Pflanze den Weg nach La Réunion und wurde auf dieser Insel angebaut (Insel Bourbon). Hier entwickelte der Sklave Edmond Albis eine manuelle Bestäubungsmethode.
Bauern haben die Vanille aus der Nachbarinsel La Réunion anfangs des 20. Jahrhundert wegen des steigenden Weltmarkbedarfs in den Nordteil Madagaskars eingeführt und schon bald gehörten die französischen Kolonien La Réunion, Komoren und natürlich Madagaskar zu den wichtigsten Vanilleproduzenten.
Vanille in Madagaskar
Tüchtige Geschäftsleute aus China sind im Laufe der Zeit zu sogenannten “Vanille-Baronen“ geworden und haben die SAVA-Region zum wichtigen Produktionsstandort gemacht. Eine Zeit lang lieferte die grosse Insel etwa 80% des Weltmarktbedarfs an Vanille. Total wurden rund 60 Vanillearten registriert. Nur fünf Arten davon kommen auf Madagaskar vor und nur drei sind Kulturpflanzen geworden.
Die bekannteste und kostbarste Art ist die “echte Vanille“ (Vanilla planifolia), die eben aus den mexikanischen Tropen stammt. In Europa, aber auch in anderen Ländern wird diese echte Vanille “Bourbon-Vanille“ genannt. Nur Madagaskar und die Inseln La Réunion, die Komoren und Mauritius dürfen mit diesem Namen werben. Aufgrund ihres intensiven und harmonischen Aromas ist die Bourbon-Vanille die beliebteste Vanillesorte der Europäer. Die mit Vanille gewürzten Süss-Speisen wurden schon zur Zeit von Elisabeth I. sehr geschätzt. Auch die moderne Küche verwendet Vanille noch auf verschiedene Weisen, auch zur Zubereitung von Fleisch- und Fischgerichten.
Die Kletterpflanze aus der Familie der “Orchidaceae“ gedeiht hervorragend an der Nordostküste Madagaskars mit dem feucht-warmen Klima und den enormen Niederschlagsmengen. Dieses landwirtschaftliche Anbaugebiet nennt man die SAVA Region. Der Name leitet sich von den Anfangsbuchstaben der vier regionalen Städte ab: Sambava, Andapa, Vohemar und Antalaha. In diesem fruchtbaren grünen Dreieck des nordöstlichen Teils von Madagaskar wächst ein Grossteil der Weltproduktion an Vanille, neben anderen Exportgütern wie Pfeffer, Gewürznelken etc. PRIORI organisiert natürlich Besuche auf diese Vanilleplantagen, besonders während der Erntezeit ab dem Monat Juli. Man kann hier die traditionelle Bestäubungsmethode oder die komplizierte Verarbeitung miterleben.
Vanille in Madagaskar
Das Umland von SAVA ist durch die Plantagenwirtschaft geprägt. Auf kleineren und grösseren Feldern klettern die Ranken dieser aromatischen Orchideenarten an Bäumen oder an Stützpflanzen empor. Das Hauptanbaugebiet von Vanille liegt um die Vanillestadt Sambava. Diese wurde auch als “Welthauptstadt der Vanille“ bezeichnet. Dreiviertel der weltweit verkauften Vanille werden in dieser Vanillestadt produziert. Dieses “schwarze Gold“ ist so kostbar, dass es zur ersten Einnahmequelle der Stadt- und Dorfbewohner in dieser Region geworden ist. Die Vanilleproduktion bringt seit langem eine Menge Devisen ins Land. Die Ausfuhrmenge liegt um die 2000 Tonnen pro Jahr.
Die Vanilleproduktion ist leider nicht mehr so gut wie einst. Grund sind die Zerstörungen durch die häufigen Wirbelstürme aus dem Indischen Ozean während der Regenzeit in den Monaten Januar bis April. Besonders die Stadt Antalaha litt in den letzten Jahren unter diesen klimatischen Bedingungen. Im Jahre 2004 zerstörte ein Zyklon viele Plantagen, doch die Bauern liessen sich von diesen jährlichen Katastrophen nicht unterkriegen und pflanzten die Plantagen im folgenden Jahr wieder neu an, denn schliesslich geht es um viel Geld. Die Produkte werden ab dem kleinen Exporthafen Antalaha nach der Hafenstadt Tamatave (Toamasina) oder direkt nach Europa, nach den Vereinigten Staaten und nach Japan verschifft.
Vanille in Madagaskar
Die Vanille ist eine starkwüchsige Kletterpflanze mit langen grünen fleischigen Trieben. Die Blätter sind dickfleischig bis 5 cm breit und parallelnervig. Die Blütezeit beginnt, sobald die Regenzeit einsetzt, also zwischen Oktober und Dezember. Während der Bestäubungszeit müssen alle Blüten in den grossen Vanilleplantagen einzeln und vorsichtig von Hand bestäubt werden, denn in Madagaskar sind die natürlichen Bestäuberinsekten nicht heimisch. Nach dem Bestäuben wachsen dann die grünen Schoten heran. Sobald sie eine gewisse Grösse haben, werden die wertvollen Schoten auch bereits mit Einritzungen durch den Plantagenbesitzer gekennzeichnet. Die Arbeitsgänge von der Ernte bis zum Export dauern mehrere Wochen und verlangen einen präzisen Arbeitsablauf. Die frisch geernteten grünen Vanilleschoten werden während 1 bis 3 Minuten (je nach Grösse der Schoten) in 60 bis 70 Grad heissem Wasser gebrüht. Darauf werden sie abwechselnd ca. 3 Stunden an der Sonne und im Schatten zum Trocknen ausgelegt. In der Nacht werden sie dann in grosse Tücher oder dicke Decken zum “Ausschwitzen“ gepackt. Nach diesem mehrmaligen Einpacken und Trocknen an der Sonne erhalten die Vanilleschoten endlich die typische braunschwarze Färbung und entwickeln den süsslichen wunderbaren Vanilleduft. Der in ihnen enthaltene Milchsaft hat sich in dieser Zeit durch Gärung in eine dunkle intensiv duftende Masse verwandelt. Diese verschiedenen Prozessschritte werden von den Arbeitern streng überwacht, um eine falsche Fermentation zu verhindern.
Während der Erntezeit zwischen Juli bis Oktober liegen in jedem Dorf entlang der Vanilleküste die langen braunen Vanillen-Schote zum Trocknen, entweder auf einfachen Strohmatten oder auf langen Rosten. Auf keinen Fall sollten die Vanilleschoten nass werden!
Nur die schönen und die duftenden Vanillestängel, die nach der monatelangen Verarbeitung nicht beschädigt sind, gehen in den Verkauf. Die Qualität dieser teuren und kostbaren Gewürze hängt natürlich vom mühevollen und komplizierten Trocknungs- und Fermentationsverfahren ab. Ihres überragenden Aromas wegen hat die Vanille ihre Bedeutung auf dem Weltmarkt gewonnen. Synthetisches Vanillin (zum Beispiel im Coca Cola-Getränk) ist nicht vergleichbar mit dem Aroma der natürlichen Vanille.
Vanille in Madagaskar
In der Likörindustrie wird die Vanille unter anderem bei Kakao- und Kaffeelikören verwendet. Sie ist aber überall in der Nahrungsmittelindustrie verbreitet. Auch bei uns in Madagaskar verleiht sie den madagassischen Gerichten neue Geschmacks- und Geruchsnoten, steigern den Appetit und fördern die Verdauung. Die Madagassen nutzen gerne Vanille bei der Zubereitung ihrer Gerichte. Vanillesosse auf Zebu oder Rindfleisch schmeckt hervorragend, das Gewürz eignet sich natürlich auch für Dessert wie Kuchen oder für Obstsalat. Vanillezucker mit den zahlreichen schwarzen Pünktchen im Zucker ist auch sehr beliebt in den Bäckereien und Konditoreien. Wichtige Abnehmer der Vanille sind auch die Schokoladen- und die Parfumindustrie.
Der eingelegte Rum mit Vanille wird als Aperitif sehr geschätzt. Die Zubereitung ist sehr einfach: die Vanillestange flach drücken, längs aufschneiden oder teilen, dann in eine Flasche oder in ein grosses Gefäss geben und den Rum darüber giessen. Diese Mischung sollte man mindestens 2 bis 3 Monate ziehen lassen – je länger, desto besser. Nach Belieben kann man natürlich weitere Gewürze wie Zimt oder Ingwer benutzen oder auch weitere Zutaten wie frische Früchte. Sehr beliebt sind vor allem die süssen Litschis, Mangos oder Ananas.
Vanille in Madagaskar
Überall auf den Lokalmärkten und in den Supermärkten findet man die teuren Vanillestängel aus Madagaskar mit dem süsslichen Aromas zum Verkauf. Meist werden sie als kleine Bündel oder in Plastiksäcken angeboten. Ein Kilo Spitzenqualität dieser “Königin der Gewürze“ kostet etwa 1.000.000 Ariary (rund 220 Euro). Sie zeichnet sich durch ihre besondere Farbe, Dicke und Länge aus. Je nach Qualität kann man die Vanillestangen bei guten Lagerbedingungen bis zu 2 Jahre aufbewahren.
Juni 2021, geschrieben von Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch
Tulear ist die wichtigste Hafenstadt und Verwaltungshauptstadt der Region an der Südwestküste. Sie liegt am Kanal von Mozambik zwischen dem Fiherenana Fluss und der breiten Flussmündung Onilahy.
Tulear ist auch ein sehr guter Ausgangspunkt zu einigen Badeorten oder auch zu den abenteuerlichen Reiserouten zum „Land der Baobabs“.
Der Stadtname Toliara sei durch ein sprachliches Missverständnis entstanden. Als ein Seefahrer im 19. Jahrhundert zum ersten Mal an die Südwestküste der Insel kam und nach dem Namen der Bucht und des Fischerdorfs fragte, hatte der Einheimische seine Sprache nicht verstanden und dachte, der Fremde wollte wissen, wo er sein Boot ankern dürfte. So hat der Fischer ihm in seinem Mahafaly-Dialekt geantwortet: „Toly eroa“, was wörtlich bedeutet „Mach es da unten fest“, daraus entstand dann der Name “Toliary“. Die Franzosen nannten die Stadt während der Kolonialzeit in “Tulear“ um. Eine andere Version für die Herkunft des Stadtnames Tulear findet man in der Dialektsprache „Tolya ara“, was auf deutsch bedeutet „durch Riffe geschützt“, denn die südlichen und die nördlichen Küstenabschnitte sind tatsächlich von ausgedehnten Korallenriffen umgeben.
Tulear-Toliara
Tulear gehört auch zur geheimnisvollen Region des “Dornenwaldes“, wo die grünen Kakteen sich wie stachelige Finger in den stahlblauen Himmeln erheben und wo die tapferen und kriegerischen Ethnien ihre kunstvollen „Aloalo“ Holzfiguren und Holzstelen auf den Gräbern errichten. Tulears damalige Geschichte ist mit der Ankunft der ersten Piraten in der südlichen Region eng verbunden, die die Bucht Saint Augustin als beliebter Zufluchtsort ausgewählt hatten. Die Piraten trieben dort Sklavenhandel und Silber und Perlen wurden gegen Fleisch und Obst ausgetauscht. Im 16. und im 17. Jahrhundert, als sie sich zunehmend für Gewürze interessierten, wurde die Saint Augustin-Bucht, südlich der heutigen Stadt Tulear, ein bevorzugter und praktischer Landeplatz, um Vorräte und Exportprodukte zu laden.
Heute gilt die Stadt Tulear ebenfalls als die wichtigste Hafenstadt an der Westküste Madagaskars. Im weitläufigen Stadtzentrum befinden sich die Verwaltungsgebäude, Banken, das Postamt, das Büro von Air Madagaskar und verschiedene Läden. Unter dem grossen schattenspendenden Tamarindenbaum sitzen die Fischverkäufer und auf dem Handwerksmarkt werden die hölzernen Kunsthandwerksprodukte angeboten, dabei sind die Baobabs, die Zebus, die Aloalo Stelen und die Chamäleons sehr beliebte Motive. Das wichtigste Handelszentrum des Südens ist auch ein Ort für den Import und Export verschiedener Produkte wie Baumwolle, Mais, Erdnüsse, Fisch und Meersalz.
Tulear-Toliara
Tulear liegt am Wendekreis des Steinbocks in der trockenen Klimazone der Südwestküste mit sehr geringen Niederschlägen. Bei der kurzen Regenzeit zwischen Januar und März beträgt die mittlere Niederschlagsmenge nicht einmal 344 mm, die durchschnittlichen Jahrestemperaturen liegen zwischen 25 und 35° C und wegen des andauernden strahlenden Sonnenscheins bekam Tulear den schönen Spitznamen “die Stadt der Sonne“. Daraus kommt auch der Ausdruck des Mahafaly-Stammes: „Toliary tsy miroro“ wörtlich übersetzt „Toliara schläft nicht“. Bei nur 3 Monaten Regenzeit sind leider die Flüsse und Bäche in der Gegend monatelang ausgetrocknet und die Dorfbewohner haben ständig Schwierigkeiten, sauberes Trinkwasser zu finden, so müssen sie Wasser aus weit entfernten Gegenden holen, wo sich auch ihre Zebuherden und die anderen Tiere aufhalten.
Die Vezo-, Mahafaly-, Sakalava- und Antandroy-Volksgruppen sind die Küstenbewohner an dieser Südwestküste. Die Vezo leben vorwiegend vom Fischfang und im Vergleich zu den anderen Volksgruppen haben sie einen besonderen Hang zum Meer und fahren sehr gern weit hinaus. Sie sind viel unterwegs auf ihren Pirogen aus ausgehöhlten Baumstämmen, die mit einem Ausleger und einem rechteckigen Segel ausgestattet sind. Sie sind auch Nomaden und tauschen oft mit den anderen Ethnien Fische oder Meeresfrüchte gegen andere Lebensmittel wie Mais, Maniok oder Süsskartoffeln.
Die alten und riesigen Bäume in Madagaskar haben immer eine kulturelle Bedeutung für die Madagassen. Die heiligen Banyan-Bäume von Miary, 17 km nordöstlich von Toliara, gehören in die Mythen- und Legendenwelt in der Umgebung von Tulear. Diese beeindruckenden Feigenbäume mit zahlreichen langen Luftwurzeln werden seit Jahrhunderten von den Einheimischen verehrt und sollen heilende Kräfte haben, so dass die Kranken hierher kommen, um sich Linderung vom Übel zu erbitten. Das Areal um diese Bäume darf nur barfuss und in Begleitung des Lokalguides betreten werden und eine Flasche Rum ist ein willkommenes Geschenk für die Vorfahren und die Geister.
Tulear-Toliara
Das Arboretum von Antsokay rund 14 km südlich von Tulear an der RN7 gehört zu den Hauptattraktionen am Stadtrand und erweist sich als ein interessantes Ausflugziel für die Besucher. Das Schutzgebiet umfasst etwa 50 ha, rund 7 ha davon sind für Botaniker besonders interessant. Der Erdboden in dieser Gegend besteht aus Kalk und Sand, daraus stammt der Name der Region “Antsokay“, was wörtlich übersetzt bedeutet “die Gegend mit Kalkboden“. Ein Teil des Kalksteins stammt aus der Kreidezeit, ist also 100 Millionen Jahre alt, so wurden zahlreiche Fossilien und Knochen des legendären ausgestorbenen Riesenvogel „Aepyornis“ in dieser südlichen Region entdeckt.
Diese wertvollen Funde, auch schöne Exemplare von Mineralien und kulturelle Gegenstände (zum Beispiel Musikinstrumente, Tracht oder Waffen) der hier lebenden Ethnien Vezo, Mahafaly und Antandroy sind im sehenswerten Museum ausgestellt.
Der verstorbene Schweizer Hermann Petignat hat dieses Areal im Jahre 1980 gegründet und die Flora des trockenen Südens erforscht, kultiviert und vermehrt, da viele der über 900 endemischen Pflanzenarten wegen der ständigen Buschfeuer leider vom Aussterben bedroht sind. In diesem regenarmen Klima gedeihen die Dornensträucher, die Didieraceen, die Aloen, die Pachypodien und Gattungen der Wolfsmilchgewächse wie die Euphorbien. Das merkwürdigste Phänomen sind jedoch die klimaangepassten Umwandlungen von kleinen Blättern zu Dornen, was zu einem fast undurchdringlichen Dornendickicht führt.
Sein Sohn Andry Petignat hat das Werk seines Vaters fortgeführt und somit ist der Besuch des Parks ein Muss für jeden botanisch interessierten Reisenden.
All diese Wunderwerke klimatischer Anpassung sind im Arboretum zu finden, so dass Wissenschaftler und Biologen, sowie Tierfreunde und Vogelkundler von diesem Park sehr begeistert sind. Das Gelände verfügt auch über mehrere, sehr schöne Bungalows und eine Übernachtung in den geschmackvoll eingerichteten Zimmern der „Auberge de la Table“ kann man wärmstens empfehlen.
Kurz vor dem Abendessen, wenn es dunkel wird, kann man den kleinsten Primaten der Welt, den niedlichen Mausmaki mit nur etwa 50 Gramm Gewicht, in einer Astgabel der Dornengebüsche mit einer guten Taschenlampe leicht finden. Auch die Tageswandertouren kurz nach Sonnenaufgang erweisen sich wegen der Vogel- Reptilien- und anderen Tierbeobachtungen als interessant.
Tulear-Toliara
Der Besuch des ozeanografischen Museums “Musée de la Mer“ oder „Station Marine“ ist ebenfalls zu empfehlen. Hier hat man einen Überblick über die faszinierende Meereswelt und das Marineleben im Kanal von Mozambik. Auch findet man einen Bericht über den vor Tulear gefangenen Quastenflosser, der bis zu diesem Fund nur als Fossil von den Küsten der Nachbarländer Komoren und Südafrika bekannt war. Das ausgestopfte Tier ist in diesem Meeresmuseum zu bestaunen.
Das ethnologische Museum über die Volksgruppen Mahafaly, Sakalava und Vezo befindet sich nicht weit vom Tourismusbüro am Marktplatz. Die Studenten der Universität von Tulear hatten die gute Idee, einen Bericht über die einzigartigen Kunstwerke, wie die kunstvoll geschnitzten Statuen, Schnitzereien, Musikinstrumente und Masken zu machen. Sie haben auch die Kultur und die Lebensweise der hier lebenden Volksgruppen erforscht. Die traditionelle Musik und der Tanz spielen immer eine grosse Rolle bei jeder Familienzeremonie, wie bei Hochzeiten, Begräbnissen oder bei einer einfachen Dorfversammlung. Die beherrschenden Instrumente im Süden der Insel sind die kastenförmigen Mandolinen oder „Kabosy“ auf madagassisch, die selbst gebastelten Bambusflöten oder „Sodina“ und vor allem die Trommeln oder „Amponga oder auch „Djembe“, sie erklingen fast überall zur rhythmischen Begleitung von Gesang und Melodieinstrumenten.
Diese afrikanischen Einflüsse findet man vor allem in den Küstenregionen bei den Mahafaly-, Bara-, Sakalava-, Vezo- und Antandroy-Ethnien. Diese Südmadagassen sind zähe dunkelhäutige Menschen mit afrikanischen Gesichtszügen, gewohnt an die Härten des Lebens in einer Region, wo nur selten Regen fällt und wo es eine ständige Herausforderung ist, gegen Zebudiebe zu kämpfen und natürlich Wasser und Weideland für die grossen Zebuherden zu finden.
Tulear-Toliara
Tulear ist ein guter Ausgangspunkt für einen Badeurlaub in Ifaty mit den herrlichen Sandstränden und den vielen Wassersportmöglichkeiten oder zum abgeschiedenen und erholsamen Badeort Anakao, ebenfalls ein Paradies für die Taucher und Schnorchler. Von Tulear aus ist auch ein Binnenflug möglich, so gelangt man aus diesem tiefen Süden sehr rasch zurück in die Hauptstadt.
November 2020; geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch
Heute verabschieden wir uns von der Isalo-Wunderwelt und fahren Richtung Südwestküste bis zum Kanal von Mozambique. Unser heutiges Etappenziel ist die Küstenstadt Tulear, die am Ende der Nationalstrasse RN7 liegt.
Neben der Saphirgräberstadt Ilakaka sind auch die bunt bemalten Mahafaly-Gräber unterwegs zu bestaunen. Die Wandertouren durch den Zombitse-Nationalpark und durch das Arboretum zählen zu den besonderen Ausflügen entlang dieses Streckenabschnitts. Unterwegs erfahren wir viel über die Kulturen, über das Leben und über die Sitten und Bräuche der Bara-, Mahafaly- und Vezo-Volkstämme.
Nach der erlebnisreichen Wandertour durch die trockene Berglandschaft des Isalo Gebirges verlassen wir das kleine Städtchen Ranohira der Bara-Volkstämme und fahren schnurgerade Richtung Südwesten über die gut ausgebaute RN7. Die Luft wird merklich wärmer und feuchter. Nach ein paar Kilometern verändert sich die Landschaft schlagartig: Hinter Ranohira werden die zerklüfteten Berge von Wiesen mit abgeflachten Bergen abgelöst und in den weiten Grassavannen und der Steppenlandschaft wachsen die hohen Büsch- und Kaktuswälder, die in der Regenzeit mit einem kräftigen Grün überzogen sind.
Die endemischen Satrana-Palmen (Bismarkia nobilis) sind sehr widerstandfähig gegen die ständigen Buschbrände in dieser wasserarmen Region. Am Rande der Nationalstrasse gedeihen die schönen, dekorativen Vakaka-Palmen (Pandanus pulcheri) und entlang der wenigen Bachläufe, die das trockene Gebiet durchziehen, wachsen die heimischen Schraubenpalmen.
Isalo – Tulear Nach 30 km erreichen wir die berühmt-berüchtigte Saphirstadt Ilakaka. Nachdem Zebuhirten im Jahre 1990 bei diesem kleinen Dorf zufälligerweise einen wertvollen “Blauen Stein“ gefunden hatten, brach hier der grosse Saphirrausch aus. Aus der ganzen Region kamen alle, um hier ihr Glück bei der Suche nach diesen teuren Edelsteinen zu machen. Seitdem wuchs das unbedeutende Dorf in rasantem Tempo, sogar fremde Aufkäufer aus Europa, aus Asien und vor allem aus Sri Lanka haben sich in der Saphirstadt angesiedelt. Sehr rasch verbreitete sich die Kunde über die Edelsteinfunde, so dass die Einwohnerzahl seitdem fast jedes Jahr um ca. 10’000 anstieg. Heute leben hier mehr als 60’000 Einwohner. Ilakaka selbst gilt als das wichtigste Saphir-Abbaugebiet von ganz Madagaskar. Schliesslich sind Saphire sehr kostbare Steine, ihr Wert liegt auf Rang 2, gleich nach den Diamanten. Viele Verkaufsbuden, Lehmhütten, Garküchen und einfache Unterkünfte reihen sich beidseits der Nationalstrasse und wenn man einen Blick ins Hinterland wirft, entdeckt man eine Mondlandschaft von Erdhaufen und Löchern, gegraben von tausenden von Schürfern.
Auf dem weiteren Weg immer Richtung Südwestküste, rund 80 km vom Dorf Ilakaka entfernt, erreichen wir den grünen Zombitse Vohibasia Nationalpark. Dieser Trockenwald ist ein sehr interessanter Zwischenstopp für Naturfreunde. Das Schutzgebiet umfasst ein etwa 363 km² grosses Gebiet. Es leidet leider unter der fortschreitenden Entwaldung wegen der traditionellen Bandrodung und auch wegen des Saphirabbaus. Der Nationalpark besteht insgesamt aus drei voneinander isolierten Schutzzonen, die bereits seit 1997 bestehen: das Trockenwaldgebiet von “Zombitse“, was wörtlich “dichter Wald“ bedeutet, das Savannengebiet von “Vohibasia“ (“Hügel der Pistolen“) und schliesslich der Bereich “Isoky Vohimena“. Der WWF setzt auf Ökotourismus und bemüht sich, diesen ursprünglichen Trockenwald vor der Abholzung zu bewahren. Erst im Jahre 2002 wurden die beiden Gebiete Zombitse und Vohibasia gemeinsam als Nationalpark deklariert.
Der Vogelbeobachtung ist eine der Hauptattraktion in diesem Schutzgebiet. Fast 47% aller endemischen Vogelarten Madagaskars, mehr als 80 Arten, lassen sich im Park beobachten: darunter die Appertbülbül (Phyllastrephus apperti), der Madagaskarkauz (Ninox superciliaris), der Riesenseidenkuckuck (Coua Gigas), der Hirtenregenpfeiffer (Charadrius pecuarius) und das Madagaskar-Flughuhn. Bei den Wandertouren während der Tagesdämmerung begleitet uns das fröhliche und vielstimmige Gezwitscher der verschiedenen Vögel und mit Hilfe des ortskundigen Führers sind auch die weissen Larvensifaka oder die Braunen Lemuren anzutreffen. Ein Besuch in diesem abgelegenen Nationalpark ist ein unvergessliches und einzigartiges Naturerlebnis. Die Landschaft des Zombitse-Vohibasia Nationalparks zeichnet sich nicht nur durch ihre Fauna und Flora, sondern auch durch ihre geologische Besonderheit aus. Der Park steht an der geologischen Grenze zwischen dem Kalksteingebirge und dem Massiv aus kieselartigem Sandstein, der aus der Isalo-Formation stammt.
Im Park kommen auch Pflanzenliebhaber auf ihre Kosten. Neben den seltenen Madagaskar-Palmen, den zahlreichen Sukkulenten und der Heilpflanze Aloe Vera lassen sich auch unterschiedliche Orchideen bestaunen. Die riesigen und dickstämmigen Baobabs sieht man schon vom weiten und wegen ihrer eindrucksvollen Erscheinung werden diese Riesenbäume auch die “Verkehrtherum-Bäume“ genannt. Sie sind Wahrzeichen von Madagaskar und an der Südwestküste werden sie in der Nähe der Mahafaly-Gräber gepflanzt und gelten als besonders heilig. Im Schatten dieser “Reniala“ (“Mutter des Waldes“) breitet sich immer eine angenehme Kühle aus und so können wir hier am Mittag unser Picknick geniessen.
Auf der Insel Madagaskar findet man sechs endemische Baobabarten. Ihre gigantischen Stämme können Unmengen Wasser speichern, sodass die Baobabs bei extremer Trockenheit bis zu drei Jahre ohne Wasser überleben können. Die Einheimischen in den abgelegenen Dörfern benutzen dann diese sogenannten “Flaschenbäume“ als Wasserreservoir und verzehren die schmackhaften und nussartigen Früchte, die sehr reich an Vitamin C sind. Viele Baobabarten sind vielseitig verwendbar: Sie dienen als Rohmaterial für die Herstellung von Seilen, Körben, Hüten und Saiten für Musikinstrumente. Aus den frischen Blättern erhält man schmackhaftes Gemüse und aus den Samen werden wertvolles Öl und herrlich erfrischende Getränke hergestellt.
Isalo – Tulear Die bunt bemalten Mahafaly-Gräber am Rand der Nationalstrasse stechen sofort in die Augen und unser Fahrer weiss genau Bescheid, welche Grabstätten am Rand der Strasse fotografiert werden dürfen. Die Mahafaly-Volkstämme bedeuten wörtlich “die glücklich Machenden“ oder “die Tabus machen“ oder “aus der verbotenen Gegend“. Die meisten sind Bauern und während der kurzen Regenperiode pflanzen sie hautsächlich Mais, Maniok und Süsskartoffeln in dieser trockenen Gegend an. Wegen des Wassermangels sind sie noch heute Nomaden und bewegen sich von Zeit zu Zeit, je nach der Erntezeit und je nach dem ersten Einsetzen des Regens. Im Gegensatz zu ihren Nachbaren, den Bara-Volkstämmen, ist die Aufzucht von Zebus für die Mahafaly weniger von Bedeutung.
Die Mahafaly-Ethnien sind besonders bekannt für ihre individuellen, bunt bemalten Grabmäler, so dass ihre eindrucksvollen Gräber am Rand der Nationalstrasse immer reges Interesse bei den Reisenden wecken. Es handelt sich um rechteckige grosse Grabstätten, die mit kunstvoll geschnitzten Grabstelen und Holzfiguren oder “Aloalo“ und mit vielen Zebuhörnern geschmückt sind. Die aufwendigen Malereien geben häufig Auskunft über das Leben oder über die Vorlieben des dort Bestatteten, vielleicht auch über seine Träume, denn auf den Grabstätten sind manchmal Bilder von Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen dargestellt.
Im irdischen Leben wohnt der Mahafaly-Volkstamm erstaunlicherweise in ärmlichen und windschiefen Hütten, nach dem Tod errichtet die Familie für den Verstorbenen ein aufwendiges Grabmal, denn das irdische, materielle Leben als Mensch ist für ihn unbedeutend, wichtig ist, dass wenn er stirbt, er auf dem Weg zu einem “gottähnlichen Geisteswesen“ wird, das seine lebenden Nachfahren vor Unglück bewahrt. Bei der Beerdigungsfeier gibt es ein richtig üppiges Festmahl, so dass viele Zebus für die ganze Familie, sogar für das ganze Dorf geschlachtet werden. Die vielen Zebuhörner, die später die Grabstatt des Verstorbenen schmücken, zeigen seinen Rang, sein Ansehen und vor allem seinen Reichtum.
Nach einer grossen Linkskurve taucht endlich am Horizont das Blau des Ozeans auf. Die modernen und fest gebauten Häuser erscheinen nun auch beidseits der Strasse. Rund 17 km nordöstlich von Tulear begrüsst uns vom Weiten ein auffälliger Tafelberg am Eingang der Stadt. Das interessante Arboretum, ein kleines Naturparadies für Botaniker, hat der Schweizer Naturfreund Hermann Petignat im Jahre 1980 gegründet, hier kann man sich einen Einblick auf die artenreichen Sukkulenten, Aloen, Dornensträucher, Didieraeceen und Euphorbien verschaffen, die dem dürren und trockenen Klima im Südwesten Madagaskars ausgesetzt ist.
Es ist nicht mehr weit bis zur Hafenstadt Tulear, ein bedeutendes Handelszentrum am Kanal von Mozambique. Der Stadtname Toliary bedeutet im madagassischen Dialekt: “wo man ankern kann“ oder “wo man das Boot festmachen kann“. In der Kolonialzeit haben die Kolonisten diesen Namen später als Tulear ins Französische übersetzt.
Isalo – Tulear Tulear selbst hat leider keinen Strand, nur Mangrovensümpfe und Schlick. Nördlich der Stadt befindet sich der berühmte Strand von Ifaty und in rund einer Stunde Bootsfahrt Richtung Süden der Hafenstadt erreicht man die erholsame und wunderschöne Bucht von Sarodrano und Anakao. Beide Badeorte haben feine weisse Sandstrände und sind durch ein ausgedehntes Korallenriff geschützt. Diese Orte sind natürlich auch gute Orte für abwechslungsreiche Aktivitäten wie Tauchen, Schnorcheln, Baden, Surfen. Buckelwalbeobachtungen zwischen Juli bis September sind an dieser Südwestküste ebenfalls möglich. An diesen palmengesäumten Stränden am Kanal von Mozambique erleben wir die glühenden Sonnenuntergänge und geniessen endlich die Ruhe nach einer wochenlangen, erlebnisreichen Tour!
Vor dem herrlichen Sandstrand breitet sich klares Wasser wie ein blauer Teppich aus.
Diese Nebeninsel von Nosy Be ist ein wahres Schnorchel- und Tauchparadies mit glasklarem türkisfarbenem Wasser, mit gut erhaltenem Korallenriff unmittelbar vor dem feinen weissen Sandstrand.
Nosy Tanikely liegt rund sieben Kilometer von Andoany (Hell Ville), der Hafenstadt der Hauptinsel Nosy Be oder auch vom lebhaften Fischerdorf Ambatoloaka entfernt. Von dort fahren regelmässig Ausflugsboote zu den traumhaften Stränden südlich der Parfüminsel.
Tanikely auf Madagassisch oder “Tanihely“ im Sakalava-Dialekt bedeutet wörtlich “die kleine Insel“. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und gehört seit September 2011 zu den kleinsten Marineparks Madagaskars mit nur rund 200 ha Fläche. Das klare Wasser rund um dieses wunderschöne Marine Schutzgebiet ist ein absolutes Paradies für Schnorchler und Taucher. Rund um die Insel sieht man die einzigartige Meeresflora und -fauna. In dieser Traumwelt wimmelt es von tropischen, bunten Fischen wie die Feuerfische, aber auch Grossfische und viele Krabben oder Lobster. Selbst beim Schnorcheln sieht man die schönen Seesterne und die verschiedenen Korallen lassen einem staunen. Mit etwas Glück kann man auch grosse Meeresschildkröten lautlos dahingleiten sehen.
Dank der klaren und ruhigen Unterwasserwelt kommen auch Anfänger, die noch nie geschnorchelt haben oder getaucht sind, wirklich auf ihre Kosten. Auch die vorgelagerten Riffe mit ihren Fischschwärmen sind ein ideales Gebiet zum Tauchen und Schnorcheln. Die Unterwasserwelt steht unter strengem Naturschutz, so sind Fischen und Harpunieren natürlich strikt verboten, damit die natürliche Vielfalt erhalten bleibt.
Nosy Tanikely
Auch von der Nachbarinsel Nosy Komba (wörtlich die Lemureninsel) kann man diese Schnorchel- und Tauchinsel in wenigen Minuten erreichen. Daher kommen Leute gern mit dem Boot als Tagesausflügler nach Nosy Tanikely. Ein typisches Ausflugsprogramm sieht dann so aus: nach dem Frühstück besuchen die Reisegäste die possierlichen Mohrenmakis in der Nähe des Fischerdorfs auf Nosy Komba, gegen 10 Uhr verlassen sie Nosy Komba und fahren mit dem Motorboot weiter nach Nosy Tanikely. Gegen Mittag nehmen sie das Picknick am Strand ein und tauchen oder schnorcheln den ganzen Nachmittag, bevor sie nach Nosy Be zurückfahren. Das reichliche Picknick wird unter schattenspendenden Bäumen serviert und gehört zum Highlight dieser Exkursion. Hier können die Gäste die schmackhaften madagassischen Grilladen kennenlernen. Die Köche zaubern aus den frisch gefangenen Fischen, Krabben, Langusten oder Garnelen vielfältige Gerichte mit frischen Gewürzen.
Nosy Tanikely
Ausser einem Leuchtturm gibt es auf dieser unbewohnten Insel keine weitere Infrastruktur. Der historische Leuchtturm steht, wie auf der Nachbarinsel Nosy Iranja, in der Mitte von Nosy Tanikely. Er wurde im Jahr 1908 auf dem 47 Meter hohen Hügel erbaut. Von hier aus hat man einen Panoramablick über die vorgelagerte Insel Nosy Be und die Schönheit der Inselwelt. Bei der kurzen Wanderung zu diesem Leuchtturm trifft man meist ein paar Gruppen von tagaktiven Lemuren. In der Nähe des Leuchtturms stehen auch grosse Bäume, die ein beliebter Schlafplatz zahlreicher Flughunde sind.
Historisch interessant ist, dass auf Nosy Tanikely Ziegelsteine gefunden wurden, die in Indien hergestellt worden waren und zwar von einem Unternehmen der Basler Mission.
Bei Ebbe können die Gäste die schöne Insel zu Fuss umrunden und die Sehenswürdigkeit am Strand entdecken.
Mit seinen hervorragenden Schnorchelgründen und seinem weissen Sandstrand eignet sich diese idyllische Insel Nosy Tanikely für die Sonnenhungrigen. Deswegen gehört sie unter den vielen Nebeninseln rund um Nosy Be zu der am meisten besuchten Insel.
November 2020, geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch
Nosy Be ist der touristische Hotspot in Madagaskar, mit allen Licht- und Schattenseiten
Nach einer langen Madagaskarreise ist man reif für diese erholsame Parfüminsel: „Pures Inselfeeling“! Nosy Be ist 325 km2 gross: zu gross, um klein zu sein und zu klein, um gross zu sein. Die Vulkaninsel hat etwa die Fläche von München oder etwas mehr als jene des Kantons Schaffhausen.
Die Insel Nosy Be ist per Boot ab dem nahen Festland oder aber per Flugzeug ab Diego Suarez oder auch ab der Hauptstadt Antananarivo erreichbar. Viele Reisende bevorzugen die Überfahrt mit dem Fährschiff ab dem Kleinstädtchen Ankify (ca. 15 km nördlich von Ambanja).
Nosy Be ist die Insel vor der Insel: also eine kleine Insel in Sichtweite von der Hauptinsel Madagaskar.
Nosy Be, die “Perle im Kanal von Mozambik“, liegt nur etwa 10 km von der Nordwestküste des Festlandes entfernt. Die Abfahrtszeit der Fähre oder des Schnellbootes hängt jeweils von den Gezeiten ab. Die Bootsfahrt bis zur Insel ist vormittags bei Ebbe eher möglich, da das Meereswasser nachmittags unruhig ist. Unterwegs trifft man öfter die Einbäume der einheimischen Sakalava-Fischer, die an ihren kleinen Netzen herumnesteln und auswerfen.
“Nosy“ heisst auf Madagassisch “die Insel“ und das Wort “be“ bedeutet “gross“ oder “viel“. Tatsächlich ist Nosy Be mit einer Fläche von 325 km² die grösste Nebeninsel Madagaskars. Rund um die Hauptinsel liegen die Nachbarinseln Nosy Komba, Nosy Tanikely, Nosy Sakatia, Nosy Iranja oder Nosy Mitsio: Schnorcheln, Tauchen, Hochseefischen, Windsurfen, kurze Wandertouren durch die üppige Vegetation oder einfach relaxen und faulenzen sind die verschiedenen Freizeitmöglichkeiten bei den Tagesausflügen auf diese traumhaften Inseln.
Nosy Be Im 16. Jahrhundert war Nosy Be ein bevorzugter Schlupfwinkel der Piraten im Indischen Ozean, denn hier fanden sie alles was sie brauchten: Trinkwasser, fruchtbaren Boden, Lebensmittel und Holz zur Reparatur ihrer Schiffe. Im 19. Jahrhundert wurde die Insel zum Zufluchtsort des Sakalava-Volkstamms aus der Region Mahajanga (Nordwestküste Madagaskars) während des Verteidigungskriegs gegen die Armee des Merina-Königs Radama I. aus dem Hochland. Gegen diese vielen Angriffe bat die junge Königin Tsiomeko von der Insel Nosy Be im Jahre 1840 Kapitän Passot um Hilfe und so wurde die Insel Nosy Be unter französischen Schutz gestellt. Ein Jahr später kolonisierte der Gouverneur de Hell. Die Insel wurde zur Produktionsstätte für die wichtigen Exportprodukte wie Vanille, Gewürznelken, Pfeffer, Zuckerrohr und die Essenz der Ylang-Ylang Blüte. Gouverneur Hell vergrösserte auch die Hafenstadt im Süden der Insel. So wurde der Hafen und das Verwaltungszentrum der Insel in Hell Ville umbenannt. Schon während der Kolonialzeit wurde Nosy Be zum wichtigsten Plantagenanbaugebiet im Norden von Madagaskar.
Sicherlich kennen fast alle deutsch sprechenden Leute das berühmte Lied „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord.“ Text und Musik stammen von einem russischen Soldatenlied aus der Zeit, als die Russen einen Krieg gegen die Japaner in den Jahren 1904/1905 führten. Die russische Kriegsflotte – auf ihrem langen Weg von der Ostsee nach Ostasien – fand Unterschlupf in einer versteckten Bucht an der Nordwestküste Madagaskars und wartete vergeblich auf ein Kohleversorgungsschiff. Über 100 Soldaten starben an Typhus und nicht an der Pest, wie es im Lied erzählt wird. Im Friedhof von Hell Ville befinden sich noch heute Gräber von russischen Soldaten. Auch in Andoany gibt es noch einen Friedhof aus dieser Zeit. Mehr als 100 Jahren später heisst die versteckte Bucht an der Nordwestküste Madagaskars noch immer “die russische Bucht“ oder “La Baie des Russes“.
Nosy Be
Die tropische Insel Nosy Be mit vulkanischem Ursprung hat landschaftlich sehr viel zu bieten: Grüner Regenwald, fruchtbares Land mit üppiger Vegetation und exotische Früchte, geschützte Buchten, menschenleere Palmenstrände und ein strahlend blauer Himmel. Zwischen August und Dezember ist die Reifezeit der leckeren Mangos und das ganze Jahr werden süsse Bananen und saftige Papayas auf der Insel geerntet. Die Insel hat weite, ebene Flächen, auf denen seit vielen Jahrzehnten Kaffee-, Vanille- und Ylang Ylang-Plantagen gepflegt werden.
Die Ylang Ylang-Pflanze (Cananga Odorata), die aus den Philippinen stammt, führten die Kolonialherren auf dieser tropischen Insel ein. Viele der Ylang Ylang-Felder liegen auf dem Weg zum Flughafen und bereits nach der Landung riechen die Besucher den süsslichen, aromatischen Duft dieser schönen gelben Blüten. Diese “Parfüm-Pflanze“ gedeiht sehr gut auf der vulkanischen Insel mit dem feucht warmen Klima. Der Baum mit knorrig verschlungenen Ästen darf nicht mehr als zwei Meter hoch wachsen, damit die Blütenernte ohne Leiter erfolgen kann. Das ganze Jahr über sieht man Sakalava-Frauen in den Feldern, wie sie sternförmige Blüten bei Sonnenaufgang ernten, aus denen eine Essenz als unentbehrlicher Grundstoff für die Parfümindustrie gewonnen wird. Madagaskar exportiert die beste Qualität dieses teuren ätherischen Ylang-Öls, hauptsächlich nach Frankreich und nach Amerika. Nicht umsonst hat Nosy Be den schönen Spitznamen “die Insel der Düfte“. Die teure Essenz der Ylang Ylang-Blüten hat den Bewohnern einen ungewöhnlich hohen Lebensstandard gebracht. Diese devisenbringenden Exporte haben leider auch ihre negativen Seiten und Auswirkungen auf das Leben der Einheimischen, die man nicht unterschätzen darf.
Nosy Be
Bei einer eindrucksvollen Rundfahrt um die Insel ist der Besuch einer Parfümdestilliere etwa einen Kilometer nördlich des Hafens lohnenswert. Die Inselbewohner mischen ihr Haaröl mit der wertvollen Ylang Ylang-Essenz. Sie wird auch zur Behandlung von Rheumatismus und für einige Hautkrankheiten verwendet. Dieses hochwertige Öl ist auch ein schönes Mitbringsel jeder Madagaskarreise.
Der Tier- und Pflanzenpark Lemurialand liegt inmitten von Ylang Ylang-Feldern und unweit einer Destillerie. Bei einem Besuch von fast drei Stunden sieht man nicht nur das Destillieren von Ylang Ylang-Blüten, sondern gewinnt auch einen kurzen Überblick über die endemischen Tiere und die Pflanzenwelt Madagaskars.
Der Park beherbergt einige Lemurenarten, auch Reptilien wie Chamäleons, Krokodile, Schildkröten, Eidechsen und gleicht einem kleinen zoologischen Garten. Auch die Botanik und die Vielfalt der endemischen Sukkulenten und andere Pflanzen in Madagaskar ist gut vertreten. Ebenso wird hier die Herstellung einiger traditioneller Handwerksgegenstände wie Korbwaren, Matten oder Dekorationen aus Vetiverwurzeln wird hier gezeigt. Ein Rum-Museum erklärt die Verarbeitung von Zuckerrohr.
Nosy Be
Nicht weit des grossen Dorfs Dzamandzary an der Westküste von Nosy Be sieht man riesige Zuckerrohrplantagen. Der Name dieses Dorfes stand dem berühmten Rum Dzama Pate. Rum – oder eigentlich einfach Rohalkohol – wird hier und in zwei weiteren Regionen Madagaskars produziert. Besonders in den Monaten Mai und Juni blühen die auffallend weissen Federbüschel der Zuckerrohrpflanzen. Die Zuckerrohrpflanze wächst sehr rasch und braucht keine besondere Pflege. Die Fabrik produziert Zucker und Rohalkohol. Daraus entstehen weisser und brauner Rum in unterschiedlichen Qualitätsstufen.
Von Djamanjary führt die Strasse bis zur höchsten Erhebung von Nosy Be, dem Mont Passot mit 239 m über dem Meeresspiegel. Oben auf der Bergkuppe hat man einen fantastischen Blick und ein umfassendes Bild von den Schönheiten der Insel, über die Westküste, die heiligen Kraterseen, die nahe gelegenen Nachbarinseln und bei schönem Wetter sogar auf das grosse Festland. Die Ausblicke sind traumhaft und die Beobachtung des Sonnenuntergangs mit seiner ganzen Schönheit vom Gipfel ist einzigartig. Die grünen Farben der Kraterseen unterscheiden sich je nach der Wassertiefe. Fischen und Baden sind in diesen heiligen Seen verboten. Es wäre auch gefährlich, denn sie sind von Krokodilen bevölkert. Die Sakalava-Bevölkerung betrachten diese Reptilien als die Verkörperung der Totengeister.
Der Hafen und die Hauptstadt Hell Ville oder Andoany auf madagassisch liegen im Süden der Insel und der Flughafen Fascene ist rund acht Kilometer entfernt. Die zerfallenen Prunkbauten im Stadtzentrum von Hell Ville sind noch Zeugen der einstigen Aktivitäten der französischen Kolonialzeit. Viele der Kolonialvillen sind inzwischen renoviert worden. Auf einem Spaziergang durch die Markthalle des „Bazary Be“ bekommt man einen Eindruck vom Alltagsleben der Sakalava-Bevölkerung. Die Verkaufsstände sind schön bunt mit den zahlreichen Gemüsesorten, den tropischen Früchten, den frischen und geräucherten Fischen, Garnelen und Tintenfischen. Reis, Gemüse und viele Lebensmittel kommen mit dem Schiff vom Festland und wegen den Transportkosten sind die Produkte doppelt teuer. Die Reisenden kaufen hier die frischen Gewürze wie Vanille, Zimt, Pfeffer, Muskatnüsse als Mitbringsel für die Lieben zu Hause. Entlang der Hauptstrasse bis zum Hafen erhält man abends viele Eindrücke über die Lebensweise der Insulaner. Am Strand werden gegrillte Zebu- oder Fisch-Brochettes mit scharf gewürzten Mangos oder Papaya (Spezialität der Insel) angeboten.
Eine Wandertour durch den Nationalpark von Lokobe ist ein besonderes Erlebnis für Naturfreunde. Dieses Reservat erstreckt sich über 740 ha und liegt auf etwa 450 m Meereshöhe. Es befindet sich östlich der Hauptstadt Andoany (Hell Ville) auf einer Halbinsel und ist per Boot oder mit einer Piroge vom Dorf Ambatozavavy aus erreichbar. Bei der Pirogenfahrt erläutert der lokale Reiseführer die Besonderheiten und die Vielfalt des Mangrovenwaldes an diesem Küstenabschnitt. Die dreistündigen Wanderungen beginnen an der Anlegestelle des Boots. Zusammen mit der Lemureninsel Nosy Komba gehört dieser Primärwald zum Refugium der Mohrenmakis (Eulemur Macaco). Auch die nachtaktiven Wieselmakis, ein paar Chamäleons, darunter die Pantherchamäleons, die Erdchamäleons und die Boa madagascariensis sind hier in ihrem natürlichen Habitat anzutreffen. Dieses Naturschutzgebiet besteht aus Tieflandregenwald, wo man noch einige gigantische Bäume wie den “Ramy-Baum“ bewundern kann.
Nosy Be
Im Jahre 2012 wurde eine Vereinigung der Tauchschulen und Bootsvermieter auf Nosy Be gegründet. Schwerpunkt und Ziel dieser Vereinigung sind in erster Linie der Schutz der Unterwasserwelt und der Korallenriffe, auch die korrekte Abwicklung und Sicherheit der Ausflüge zu den verschiedenen Ausflugszielen. Die vielen kleinen Inseln rund um Nosy Be sind denn auch ein wahres Paradies für Wassersportler. Zwischen den märchenhaft schönen Korallengärten schwimmen faszinierende Meeresbewohner wie Walhaie, Buckelwale, Delphine, Mantas und die ganze Vielfalt der tropischen Meere. Vor allem sind dabei die Meeresschildkröten ein Highlight, eine einzigartige Erfahrung, die man nicht verpassen sollte!
Auch die Strände von Orangea Plage bei Ambaro und Andilana sind weitere Traumorte für Sonnenhungrige. An diesen Badeorten gibt es eine reiche Auswahl an Unterkünften der verschiedenen Kategorien, vom gehobenen Hotel bis zum kleinen Gasthaus. Auf der Speisekarte stehen viele Spezialitäten mit Meeresfrüchten: frisch gefangene Fische, Krabben, Garnelen, Hummer, Langusten, Tintenfisch.
Je nach Interesse und je nach Reiseprogramm können die Reisegäste ihre Madagaskarreise ab der Insel Nosy Be starten. Hier können die Gäste in aller Ruhe die Entdeckungstouren vorbereiten. Oder sie können die Parfüminsel Nosy Be als erholsamen Badeabschluss ihrer Reise planen, um die vielen Reiseeindrücke zu verarbeiten, die sie auf der Madagaskarreise gesammelt haben.
Oktober 2020, geschrieben von Fanasina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker Madagaskarhaus Basel
Der kleine Naturwald von Kalambatritra liegt im tiefen Süden Madagaskars in der Nähe der Stadt Betroka.
Betroka durchfährt man auf der RN13, die von Ihosy als staubige Piste nach Ambovombe führt. Von dort gelangt man nach Fort Dauphin.
Die erste Stadt rund 200 km südlich von Ihosy ist Betroka: eine Kleinstadt mit ländlichem Charme. Der Ort hat, gerade wegen seiner unaufdringlichen Natürlichkeit, für schnelle Augen nicht viel mehr zu bieten und die meisten Autoreisenden trinken allenfalls einen Kaffee während einer kurzen Fahrpause. Kaum ein Reisender verbringt eine Nacht im Hotel Ombilahy, obwohl die soliden Bungalows tolerabel ok sind. Das Logo des Hotels zeigt zwei kämpfende Zebu (Ombilahy bedeutet Stier).
Die Zone ist bevölkert von der Ethnie der Bara, die weitgehend Viehzüchter sind. Vieh bedeutet in Madagaskar auch Viehdiebe (Dahalo genannt) und daher haben die Gendarmerie und das kleine Spital immer mal unerwartete Arbeit. Es gibt in Betroka auch eine Missionsstation und ebenso Freikirchen von Sekten aller Art. Ansonsten ist Betroka ein ruhiger Ort.
Kalambatritra Naturreservat
Betroka ist jedoch der Ausgangspunkt zum Réserve spéciale de Kalambatritra. Das Naturreservat findet sich knappe 60 km östlich von Betroka und ist nur streckenweise mit geländegängigen Fahrzeugen erreichbar. Der Rest ist zu Fuss zu machen. Vor Ort gibt es keinerlei Infrastruktur, dafür ungestörte Natur.
Der fast 300 km2 grosse Park von der Grösse des Schweizer Kantons Schaffhausen bietet eine fotogene Hügelwelt, aber nur zu Fuss zu erkunden ist. Kalambatritra liegt entlang der Wasserscheide zwischen Indischem Ozean im Osten und dem Kanal von Mozambique im Westen. Die Hügel liegen zwischen 1300 und 1500 m.ü. M, dazwischen mäandrieren kleine Wasserläufe mit Mikrobiotopen, die wohl noch einige biologische Entdeckungen erwarten lassen.
Doch im Nationapark finden sich sechs Lemuranarten ( microcebus, lepilemur mustelinus, eulemur collaris, hapalemur griseus, avahi laniger und cheirogaleus). Überhaupt sind im Naturpark Kalambatitra fast 700 Tierarten erfasst, wovon 29 endemisch sind. Darunter findet sich die Madagaskarente (anas melleri). 72 Vogelarten wurden gezählt, wovon fast Zweidrittel endemisch sind.
Kalambatritra Naturreservat
Touristen gelangen kaum je nach Kalambatritra: es sind keine zehn pro Jahr. Wilddiebe eher. Sie suchen nach seltenen Schildkröten, denn dafür gibt es im Export nach China einen unersättlichen Markt. Das kaum zugängliche und wenig besiedelte Gebiet ist auch ideal für den Anbau von Cannabis. Die Hanfsträucher ergeben eine gute Ernte, die die Märkte in Madagaskar beliefern bis hin nach Nosy Be. Dies verursacht immer mal wieder den Einsatz von Gendarmerie und Militär.
Schweren Herzens verlassen wir das Kleinstädtchen Ambanja und fahren auf der Nationalstrasse 6 bis zur Hafenstadt Antsiranana (Diego Suarez) an der Nordspitze Madagaskars.
Diese Reiseroute ist besonders abwechslungsreich, denn die Insel zeigt viele ihrer Gesichter auf engem Raum: dazu zählen das Sonderreservat von Ankarana mit seinen spektakulären, grauen Karstformationen, die rotgefärbten Tsingy Rouge und der grüne Bergnebelwald von Montagne d’Ambre mit seinen Kaskaden und Kraterseen.
Wegen seiner schönen Lage in einem fruchtbaren Agrargebiet mit vielen Ausflugsmöglichkeiten und wegen seines milden Klimas an der Nordwestküste ist das interessante Kleinstädtchen Ambanja (wörtlich bedeutet dies “die Stadt mit Kanonenpulver“) ein paar Tage Aufenthalt wert. Heute verlassen wir dieses Zentrum des Kakaoanbaus und fahren auf der Nationalstrasse bis zur Nordspitze der Insel weiter. Wer seinen Badeurlaub auf der berühmten Parfüminsel Nosy Be verbringen will, fährt 25 km westlich von Ambanja bis Ankify weiter. Dieses grosse Dorf ist der Ausgangspunkt der Bootsfahrt zu den beliebten Urlaubsorten auf Nosy Be. Die Abfahrtszeit des Motorbootes oder der Fähre in diesem kleinen Hafen hängt hauptsächlich von den Gezeiten ab.
Nach ca. 100 km ab Ambanja Richtung Norden erreichen wir die nächste geschäftige Stadt in dieser Nordwestregion. Durch die intensive Bewässerung am Delta des Mahavavy Flusses gehört Ambilobe zu einem fruchtbaren Anbaugebiet mit riesigen Plantagen: die Parfümpflanze Ylang Ylang, verschiedene Obst- und viele Gemüsesorten gedeihen hier sehr gut, ausserdem stammt der Grossteil der Zuckerproduktion Madagaskars aus dieser Region. Die madagassische Zuckerfirma SIRAMA war lange Zeit der wichtigste Arbeitgeber.
Die Stadt Ambilobe bedeutet wortwörtlich “wo man häufig den „Bilo“ tanzt“. Bilo ist ein typischer Freudentanz der Antakarana-Volksgruppe, die an die Wiedergeburt und die Reinkarnationen der Ahnen in Form verschiedener Lebewesen glaubt, egal ob Pflanzen oder Tiere, wie Krokodile oder Lemuren. Hier siedelt eine grosse muslimische Gemeinde, Nachfahren von arabischen Einwanderern. Deswegen gilt dieses hübsche Städtchen als das kulturelle Zentrum der Ethnie der Antakarana und gleichzeitig der Sitz der Nachfahren der Antakarana-Könige. Der 2017 verstorbene ehemalige Staatspräsident Dr. Zafy Albert stammte aus einer angesehenen Antakarana-Familie aus der Stadt Ambilobe.
Ambanja – Diego Suarez
Von hier zweigt auch die schlammige Piste RN 5a in Richtung Ostküste bis Vohemar ab und für die Reisenden gilt der Ort als ein wichtiger Zwischenstopp auf der Strecke nach Antsiranana. Ambilobe ist auch Ausgangspunkt für die interessanten Ausflugsziele zum Ankarana-Reservat oder zum Bergregenwald von Montagne d’Ambre.
Etwa 20 km von Ambilobe entfernt befindet sich der Eingang zum Ankarana Naturreservat am Rand der Nationalstrasse 6. In diesem faszinierenden Trockenwald wächst die seltene und endemische „Euphorbia ankarensis“, ein Wolfsmilchgewächs mit stacheligem Stamm und rosa Blüten. Auch viele Schraubenpalmen, Feigenbäume und viele Sukkulentenpflanzen wie Pachypodien, Baobabs, usw. gedeihen sehr gut in dieser abgelegenen ökologischen Nische zwischen den Tälern, Schluchten und Canyons der Karstformationen. Hier kann man mehrtägigen Wanderungen durch die einmalige Felsenlandschaft mit erodierten Kalknadeln (Tsingy) unternehmen.
Antakarana bedeutet wörtlich das Volk aus dem “Gebiet mit spitzen Kalksteinnadeln“. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich zwischen Antsiranana und der Region um das Tsaratanana-Gebirge. Sie sind mit Ihren Nachbarn, der Sakalava-Ethnie eng verwandt. Die Antakarana-Küstenbewohner leben als Fischer und jene im Binnenland sind Viehzüchter oder Bauern.
Ambanja – Diego Suarez
Nach einem erlebnisreichen Aufenthalt im Ankarana Schutzgebiet setzen wir die Autofahrt fort und nach einer Stunde erreichen wir das grosse Dorf Anivorano. Es liegt am Fusse des Nationalparks von Montagne d’Ambre und etwa 75 km südlich von Antsiranana. Anivorano bedeutet wörtlich übersetzt „in der Mitte des Gewässers“. Jeden Dienstag findet in diesem Dorf der lebhafte und reichhaltige Wochenmarkt statt.
Etwa 4 km östlich der RN 6 liegt eine besondere Attraktion dieses Dorfes, und zwar der heilige See “Antanavo“, dessen Entstehung in ähnlicher Form auch über andere Seen auf der Insel Sainte Marie oder in Vohemar an der Nordostküste Madagaskars erzählt wird. Mündlich wird eine Geschichte eines durstigen und erschöpften Zauberers überliefert, der vor langer Zeit zum Dorf kam. Da er fremd war und unheimlich wirkte, weigerten sich die Dorfbewohner, ihm Wasser zu geben. Eine alte Frau am Rand des Dorfes hatte jedoch Mitleid mit ihm und gab ihm Trinkwasser. Überrascht von dieser gastfreundlichen Geste, gab er seiner Retterin und ihrer Familie den Rat, das Dorf sofort zu verlassen. Weil es die unhöflichen Leute abgelehnt hatten, ihm einen Schluck Wasser zu geben, würde er ihnen mehr davon geben. Es begann also in der folgenden Nacht heftig zu regnen und wo das Dorf lag, senkte sich die Erde, und das ganze Regenwasser sammelte sich dort. Das ganze Dorf mit allen Bewohnern versank im See und diese verwandelten sich in Krokodile. Die Frau siedelte später mit ihrer Familie nahe am See im heutigen Dorf Anivorano und glaubte, dass die Krokodile die Reinkarnationen ihren Ahnen seien, so opferte sie den Raubtieren von nun an Zebus. Als Beweis für die Blutverwandtschaft zwischen Menschen und Krokodilen gilt, dass die Fischer an diesem heiligen See nie von diesen Tieren angefallen wurden. Gegen eine geringe Gebühr und in Begleitung eines Lokalführers ist es möglich, diesen See Antanavo zu besuchen.
Ambanja – Diego Suarez
Die nächste Sehenswürdigkeit liegt 23 km nördlich von Anivorano. Vom Dorf Sadjoavato zweigt eine schlechte Piste (nur befahrbar in der trockenen Zeit) ab, sie führt zum nächsten Dorf Ankarongana. Hier beginnen die Fusspfade, die z.T. durch Flussläufe führen, bis zum Spezialreservat von Analamerana, deswegen ist dieses Naturschutzgebiet nur sehr schwer zugänglich. Landschaftlich ist es aber sehr interessant, da es in der Übergangszone zwischen der feuchtwarmen Regenwaldlandschaft und der Trockenwaldvegetation an der Küste liegt. Dieses abenteuerliche Ausflugsziel hat aber viel zu bieten: Seen, Höhlen und ein höher liegendes bewaldetes Gebiet, sehr reich an Tier- und Pflanzenarten und mit einem fantastischen Panoramablick auf den Indischen Ozean. Das Reservat ist auch sehr bekannt wegen der hier lebenden und sehr bedrohten Perrieri-Sifakas (Propithecus Perrieri). Daneben haben hier auch andere Lemurenarten und zahlreiche Vögel, sowie Reptilien und Amphibien ein Refugium gefunden.
Ein sehenswertes Highlight auf dieser Nordroute sind auch die „Tsingy Rouge“, die rot gefärbten Gesteinsformationen. Rund 16 km ab der RN 6 führt eine schwierige Piste (nur mit Allradfahrzeug befahrbar) bis zu dieser weiteren geologischen Attraktion in der Nähe des Fischerdorfs Irodo. Anders als die anderen Tsingy unterscheiden sie sich in den Farben der Steinnadeln. Sie bestehen aus feinem Sandstein mit rotgefärbtem Laterit und sind erst spät am Anfang des 20. Jahrhundert entdeckt worden, da diese geologische Formation durch die allgegenwärtige Brandrodung oder “Tavy“ entstanden ist. Sie sind durch die ständige Erosion in dieser Gegend bedroht.
Zurück auf der Nationalstrasse fahren wir Richtung Norden und nehmen die Abzweigung zum Dorf Joffreville (Ambohitra auf madagassisch). Joffreville wurde im Jahr 1902 von den Franzosen errichtet . Das Dorf liegt auf rund 1200 m ü. M. und war ein begehrter Erholungsort für die französischen Militärs und Administratoren im brütend-heissen Diego Suarez. Joffreville wurde bald auch zum Erholungsort der französischen Legionäre. In den herrschaftlichen Villen liessen es sich die Franzosen während der Kolonialzeit gut gehen und eingewanderte Bauern aus der Nachbarinsel La Réunion siedelten hier gern an und pflanzten verschiedene Gemüsesorten und tropisches Obst an.
Ambanja – Diego Suarez
Wenige Kilometer südlich von diesem kleinen Dorf liegt die Grenze des Bergnebelwaldes von Montagne d’Ambre oder “die Bernsteinberge“. Der ca. 18’200 ha grosse Park umfasst das Gebiet eines vulkanisch entstandenen Gebirges in einer Höhe zwischen 800 m bis 1’475 m. Die beeindruckenden Wasserfälle, die kreisrunden Kraterseen, der vielfältige “Botanische Weg“ durch das dichte und artenreiche Waldgebiet zählen zu den faszinierenden landschaftlichen Schönheiten des Naturparks, deshalb gehört es auch zu den am meisten besuchten und beliebtesten Attraktionen in dieser Region.
Nach diesem erlebnisreichen Aufenthalt mit den vielen anderen interessanten Ausflugszielen entlang der Nationalstrasse 6 erreichen wir endlich die Hafenstadt Antsiranana, wörtlich bedeutet dies “der grosse Hafen“. Die Franzosen nannten diese schöne Hafenstadt mit internationalem Flair “Diego Suarez“, zu Ehren des Portugiesen Diego Diaz, der am 10. August 1500 offiziell die Insel Madagaskar an dieser Nordspitze der Insel betrat. Die Stadt wird heutzutage noch immer kurz Diego genannt. Die verschiedenen madagassischen Bevölkerungsgruppen, die Einwanderer aus Europa, aus Indien und den Nachbarinseln tragen zur schönen Atmosphäre in dieser Hafenstadt mit buntem Völkergemisch bei. Dazu tragen auch die Nachkommen der ehemaligen senegalesischen Schützen der Kolonialarmee bei und jene der somalischen Hafenarbeiter.
November 2020, geschrieben von Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch