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Weinwissen
Karaffieren und Dekantieren : bewährte Praktiken
Nun haben Sie nach einer manchmal schwierigen Wahl die perfekte Flasche gefunden, um Ihre Mahlzeit heute Abend zu begleiten. Ihre Gäste werden in wenigen Stunden da sein und Sie möchten sicher sein, dass Sie mit diesem Wein nichts falsch machen. Wann sollten Sie sie öffnen? Sollte der Wein in der Flasche belassen werden oder in ein anderes Gefäss überführt werden? Sie erfahren alles Weitere dazu im Detail in diesem Artikel.
Alles hängt vom ausgewählten Wein ab. Ein erstes unterscheidendes Kriterium ist das Alter des Weins: Junge Weine (einige Monate oder höchstens einige Jahre alt) und ältere Weine (5 bis 10 und mehr Jahre alt). Das zweite Kriterium ist die Struktur des Weins: leichte Weine (wenig Säure, feine Tannine, delikate Intensität der Aromen und ein eher leichter Körper) und strukturierte Weine (guter Säuregehalt, gegenwärtige Tannine, aromatische Intensität und ein kräftiger Körper).
Junge, leichte Weine
Ex. AOC Côtes de Provence
Ein junger, leichter Wein benötigt keine Karaffierung oder Dekantierung. Er wird möglicherweise den Kontakt mit dem Sauerstoff schlecht vertragen und seine delikaten Fruchtaromen verlieren.
Junge, strukturierte Weine
In diesem Fall können die Tannine in ihrer Jugend temperamentvoll und streng wirken, das heisst dass sie Ihrem Wein Adstringenz verleihen und seine Aromen zu maskieren drohen. In diesem Fall ist es oft am besten einige Jahre zuzuwarten, bevor Sie solche Flaschen verkosten. Falls Sie dennoch eine solche Flasche öffnen möchten, ist das Karaffieren hier sehr hilfreich. Der Kontakt mit Sauerstoff wird die Tannine beruhigen und ihnen Weichheit verleihen, die sie integrierter erscheinen lassen. Ihr Wein wird so viel zugänglicher und einladender sein!
Die Vorgehensweise: Öffnen Sie Ihre Flasche und giessen Sie den Wein einfach einige Stunden vor seiner Verkostung in eine Karaffe (z.B zwei bis sechs Stunden). Die Karaffe darf bauchig sein, um den Kontakt des Weins mit dem Sauerstoff zu optimieren.
Vorsicht: Es gibt einige Rebsorten, wie zum Beispiel der Pinot Noir (Blauburgunder), die einen plötzlichen Kontakt mit Sauerstoff nur sehr schwer vertragen. In diesem Fall verzichten Sie vorzugsweise auf ein Dekantieren
Ältere, leichte Weine
Wenn Sie einen älteren Wein mit wenig Struktur gewählt haben, besteht leider kaum Hoffnung, dass er sich mit den Jahren verbessert. Seine geringe Säure, Intensität oder aromatischer Konzentration werden ihm im Laufe der Zeit kaum zusätzliche Komplexität verleihen. Es ist eher wahrscheinlich, dass Ihr Wein Fruchtaromen verloren oder gar Fehler entwickelt hat. In diesem Fall ist es vorzuziehen, sich für eine andere Flasche zu entscheiden!
Ältere, strukturierte Weine
Ex. AOC Saint-Estèphe
In diesem Fall ist eine Karaffierung nicht zu empfehlen: Nach mehreren Jahren Flaschenruhe kann ein brüsker Kontakt mit Sauerstoff für Ihren Wein zerstörerisch sein. Wenn sich in Ihrem Wein, durch den Reifungsprozess Ablagerungen angesammelt haben, empfiehlt es sich ihn zu dekantieren. Diese Geste muss jedoch mit grösster Sorgfalt vorgenommen werden: Denn durch das Dekantieren eines Weines wird er immer einer bestimmten Menge Sauerstoff ausgesetzt und kann möglicherweise sein Profil verändern (insbesondere bei älteren Burgundern ist Vorsicht geboten).
Die Vorgehensweise: Richten Sie Ihre Flasche einen Tag vor dem Öffnen sehr vorsichtig auf, damit sich die Ablagerungen am Flaschenboden festsetzen können. Kurz vor dem Servieren (rund 30 Minuten vorher) giessen Sie den Wein sehr vorsichtig in eine Karaffe. Bitte achten Sie darauf, dass die Ablagerungen nicht in die Karaffe gegossen werden. Der zu verwendende Dekanter sollte schmal sein, und je nach Möglichkeit über einen Stopfen verfügen um den Sauerstoffkontakt zu minimieren.
Welchen Wein Sie auch immer wählen, und sollten Sie Zweifel hegen, ist Folgendes die beste Lösung: Entkorken Sie Ihren Wein etwa 6 Stunden im Voraus, ohne Ihn umzugiessen, und lassen Sie ihn in einem ziemlich kühlen Raum (bei ca. 13° C) ruhen.
Wir wünschen Ihnen eine angenehme Degustation