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Blauwale, die größten aller Lebewesen, und ihre Beute, der kleine Antarktische Krill spielen Schlüsselrollen im antarktischen Ökosystem. Australische Wissenschaftler haben untersucht, welche Eigenschaften ein Krillschwarm haben muss, um für die Blauwale als Beute interessant zu sein. Die Forscher haben herausgefunden, dass die Wale nur bei lohnenswerten Schwärmen zuschlagen.
Eine vor wenigen Tagen im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlichte Studie der Australian Antarctic Division, die Antarktis-Forschungsabteilung des australischen Umweltministeriums, bringt erstmals die Anwesenheit von antarktischen Blauwalen mit den Eigenschaften von Krillschwärmen, ihrer Hauptnahrung, in Zusammenhang. Das Besondere an dieser Studie: Es ist gelungen, Schwärme von Antarktischem Krill zu vermessen, während Blauwale in der Nähe waren.
Blauwale sind die größten Tiere, die jemals auf der Erde gelebt haben und sie benötigen große Mengen an Nahrung, um ihren Energiebedarf zu decken, auch weil sie für ihre Jagdmethode, das sogenannte Lunge Feeding, viel Energie aufwenden müssen. Umso erstaunlicher ist es, dass sie sich fast ausschließlich von dem nur wenige Zentimeter kleinen Krill ernähren, der im antarktischen Nahrungsnetz eine zentrale Rolle spielt.
Die Verbreitung von Krill im Südlichen Ozean ist sehr variabel. Sie reicht von großen lockeren Aggregationen bis zu dichten, abgegrenzten Schwärmen. Ihre horizontalen und vertikalen Ausdehnungen sowie die Individuendichte variieren dabei sehr stark, ebenso die Größe der einzelnen Tiere, die Tiefe der Schwärme und die Entfernungen zwischen den Schwärmen. All diese Faktoren haben Einfluss darauf, wie einfach ein Schwarm für Räuber zu erkennen ist und ob dieser eine energiereiche Mahlzeit verspricht.
Nach der 42-tägigen internationalen Forschungsexpedition an Bord der neuseeländischen RV Tangaroa in das Rossmeer in 2015, hatte das Team um Studienleiterin Dr. Elanor Miller ausreichend Daten gesammelt, um Aussagen über die Präferenz der Blauwale in Bezug auf die Eigenschaften von Krillschwärmen treffen zu können: “Wir fanden heraus, dass Blauwale in der Nähe von solchen Krillschwärmen waren, die mehr als 15 Meter hoch und weniger als 30 Meter von der Oberfläche entfernt waren und eine Dichte von mehr als 300 Gramm pro Kubikmeter aufwiesen.”
Somit wird die Theorie gestützt, dass die größten Wale es auf dichte Krillschwärme abgesehen haben, die sich in relativ geringer Wassertiefe aufhalten, um so ihre Energieaufnahme zu maximieren.
Für das Aufspüren der Blauwale während der Expedition wurden passive akustische Instrumente genutzt, sogenannte Sonobojen (Richthydrophone), mit deren Hilfe Wallaute in über 200 Kilometer Entfernung detektiert werden konnten. Nach der Annäherung wurde für die genauere Lokalisation der Tiere die Triangulationsmethode angewendet, bei der gleichzeitig zwei Sonobojen die Signale aufnahmen.
Die Krillschwärme wurden mithilfe eines Echolots, also aktiver Akustik, kartiert und zwar fortlaufend – während die RV Tangaroa zu den Blauwal-Jagdgründen unterwegs war und auch in der Nähe von Gruppen von Blauwalen. Die Eigenschaften der Krillschwärme haben die Wissenschaftler dann miteinander verglichen.
“Die Schwärme, auf die die Blauwale abzielten, waren weder ausgedehnt noch gleichmäßig verbreitet über das Untersuchungsgebiet, was darauf hindeutet, dass es für die Wale energetisch vorteilhaft war diese zu bejagen.”, so Dr. Miller.
Die Suche nach dem “idealen” Krillschwarm und die fleckenhafte Verbreitung der Schwärme könnte auch erklären, warum Blauwale in der Antarktis dazu neigen, sich in Gruppen zusammenzufinden.
Laut Dr. Miller ist die Kombination von visuellen Beobachtungen mit den Fortschritten in der passiven Akustik ein effektiver Weg, mehr über die Ökologie der seltenen und schwierig zu erforschenden antarktischen Blauwale zu erfahren.
Da beide Arten, Blauwale und Antarktischer Krill, Schlüsselrollen im Ökosystem des Südlichen Ozeans spielen, ist es wichtig, die dynamischen Räuber-Beute-Beziehungen besser zu verstehen – nicht nur für die Erholung der stark gefährdeten Blauwalpopulation sondern auch im zukünftigen Management der Krillfischerei und des gesamten antarktischen Ökosystems, vor allem unter dem Einfluss des Klimawandels.
Quellen: Australian Antarctic Division, Scientific Reports