Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03488.jsonl.gz/1433

Rosa indica-noisetteana - Noisetterosen und ihre Hybridformen
Die erste Noisetterose entstand nicht etwa in Europa, sondern in Amerika. Insbesondere bei der Wuchs- und Blühfreudigkeit gelang hiermit der grosse Durchbruch bei den Kletterrosen. Angeblich experimentierte der Reisanbauer John Champney aus Charleston/Süd-Carolina Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Chinarose 'Parson's Pink China', auch 'Old Blush' genannt. Aus einer Kreuzung mit einer Moschusrose, 'R. moschata, soll die Uhrform dieser Rosenklasse hervorgegangen sein, dessen vererbte Merkmale Kletterfreudigkeit und die wiederholte Blüte sind. Damals ein enormer Fortschritt in der Rosenzüchtung. John Champney schenkte den Sämling seinem Freund und Nachbarn Philippe Noisette, einem französischen Einwanderer, der ihm seinerseits Parsons Pink China geschenkt hatte. Dieser nannte die Rose 'Champneys' Pink Cluster', vermehrte sie und züchtete mit ihr auch weiter. Er schickte Samen und auch Pflanzen seinem Bruder nach Paris. Dieser gab dem ersten Sämling von 'Champneys' Pink Cluster' den Namen 'Rosier de Philippe Noisette', der später zu 'Noisette' gekürzt wurde und als Noisetterose in den Handel kam. 'Champneys' Pink Cluster' und ihr bekanntester Sämling, 'Blush Noisette', gehören auch heute noch zu den beliebtesten Sorten dieser Klasse.
Besonders hervorzuhebende Eigenschaften der ersten Abkömmlinge sind die Winterhärte, ihre Wuchsfreudigkeit, die grossen, in Büscheln stehenden Blüten und nicht zuletzt die relativ späte Blüte im Jahr, der eine mehrmalige, ja sogar schon fast kontinuierliche Nachblüte folgt. Dies ist wohl die aussergewöhnlichste Eigenschaft, die sich bei vielen Sorten der Noisetterosen bis zum Winteranfang hinzieht. Im Laufe der Zeit wurden diese Sorten vielfach mit anderen Rosenklassen eingekreuzt, im Besonderen mit einer gelben Teerose. Charakteristische Noisettemerkmale, wie die gute Winterhärte, gingen dabei oft verloren. Natürlich dominieren hier fast mehrheitlich Gelbtöne in allen Nuancen. Aber auch pfirsich- und orangefarbene Variationen sind vertreten, alles Farbtöne, welche bei alten Rosen nicht oft vorkommen. Da diese Abkömmlinge leider etwas frostempfindlich sind, eignen sie sich besser für Weinbauregionen. Hier warten sie jedoch mit einem enormen Potenzial an Blühfreudigkeit auf, die nahezu ununterbrochen bis zu Herbstende andauert. Mit diesen neueren 'Tea-Noisetterosen' war das Ideal der damaligen Rosenzüchter erreicht, nämlich die vollkommene Blütenform in Kombination mit einem wunderbar intensiven und hervorragenden Duft.
Noisetterosen, die mit Bourbonrosen eingekreuzt wurden, sind eindeutig winterhärter als 'Tea-Noisetterosen' und zeigen grundsätzlich weisse bis rosafarbenen Blüten. Sorten mit weissen Blüten bestechen durch den Kontrast zu ihrem glänzenden Laub. Allgemein ist zu erwähnen, dass kräftiges Rosa oder gar rote Farbtöne bei den 'Noisetterosen' nur ganz selten zu finden sind. Viele Sorten dieser Klasse sind sehr elegante, starkwüchsige Kletterer, die sogar Bäume erobern können. Sie bringen teilweise sehr lange, glatte Triebe hervor, die nur vereinzelt mit kräftigen, hakenförmigen Stacheln besetzt sind. Die Blattstiele der oft scharf gesägten Blätter sind drüsig und stachelig. Die Blütenstiele sind bei vielen Sorten dünn, und die zart getönten Blüten erscheinen oft in Büscheln. Bei den meisten Sorten sollte der Schnitt zurückhaltend angesetzt werden. Es wird nur überaltertes sowie dünnes Holz entfernt. Hier lohnt sich auch die Vermehrung durch Stecklinge. Gerade 'Blush Noisette' oder 'Mme Alfred Carriere' bringen durchaus gute Ergebnisse.
Aimée Vibert
Syn.:'Bouguet de la Mariée'
Vibert 1828
Mann muss sich bei dieser öfterblühenden Sorte schon etwas in Geduld üben, bis sie zum ersten Mal ihre Blütenpracht zeigt. Gelegentlich kann dies drei bis vier Jahre dauern. Dieser Strauch bringt viele, kleine herabhängende Büschel von rosa überhauchten Knospen hervor, die sich zu nicht sehr grossen, gut gefüllten, reinweissen und duftenden Blüten öffnen. Sie sind von vollendeter Form und zeigen im Zentrum gelbe Staubgefässe. Die fast stachellosen Triebe sind mit unglaublichen Mengen an schmalblättrigem, hell- grünem Laub bedeckt, das fast immergrün ist. Die sehr wuchsfreudige, gut winterharte Sorte blüht bei idealen Bedingungen im Weinbauklima mehrmals und kann hier auch als Rambler gezogen werden, wobei sie eine Höhe von 300 cm und mehr erreichen kann.
Blush Noisette
Syn.: 'Rosier de Philpppe Noisette', 'Noisette Carnée'
Sämling von 'Chapneys' Pink Cluster' entstanden um 1814, eingeführt um1818
Diese ausgesprochen gesunde Sorte gehört ganz klar zu meinen Favoriten. Die zunächst becherförmigen, gut gefüllten, lilarosa Blüten erscheinen in grossen Büscheln. Im fortge-schrittenen Blühstadium sind sie fast weiss, wodurch die einzelnen Blütenbüschel im Zusammenspiel mit den rosaroten Knospen und den aufgehenden lilarosa Blüten sehr attraktiv wirken. Währen des ganzen Sommers und bis hin zum ersten Frost bringt sie weitere, reichhaltige Blütenschübe hervor. Dabei verströmt sie einen würzigen Moschusduft, der an warmen Herbsttagen besonders willkommen ist. Dichtes, weiches, graugrünes Laub bekleidet die fast stachellosen Triebe der frostharten Pflanze, die einen gut verzweigten, kräftigen Strauch von 150 cm Höhe bildet, und der in Einzelstellung mit seiner leicht überhängenden Form sehr anmutig wirkt. 'Blush Noisette' kann auch gut als kleine Kletterrose eingesetzt werden, wobei sie an Holzwänden besonders gut zur Geltung kommt.
Céline Forestier
Syn.: 'Liesis','Lusiades'
Trouilliard, Frankreich 1842
In Rosenkatalogen wird diese ausgezeichnete und gut winterharte Sorte oftmals unter den mehrmalsblühenden Kletterrosen aufgeführt. Dicke, kugelige Knospen öffnen sich zu grossen, schalenförmigen, gevierteilten Blüten, die in ihrer Mitte ein Knopfauge tragen. Sie leuchten in einem wunderbaren Zitronengelb, das manchmal Orange oder Rosa überhaucht oder gar gerandet ist. Zuweilen wirken die Blüten etwas verwaschen. Sie zeigen sich während des ganzen Sommers und verströmen einen wunderbar intensiven Teerosenduft. Mit ihrem hellgrünen Laub eignet sich diese sehr leicht zu kultivierende Kletterose wunderbar zum Begrünen von Holzwänden, wobei die gut bewehrten Triebe eine Länge von 300 cm erreichen können. Ein weiterer Vorzug ist ihr buschiger Wuchs, wodurch sie auch gut als Strauch gehalten werden kann.
Crépuscule
Dubreuil, Frankreich 1904
Früher fand diese prächtige Rose oft in der Blumenbinderei Verwendung. Besonders auffallend sind die schmetterlingshaften, seidigen und locker gefüllten Blüten, die aus schlanken bernsteinfarbenen Knospen hervorgehen und einen fruchtigen Duft ver- strömen. Voll geöffnet sind sie von einem schönen Aprikosengelb und leuchten anmutig aus dem gesunden, sattgrünen Laub hervor. Sie zeigen sich den ganzen Sommer über an nahezu unbewehrten, starkwüchsigen Trieben, die im Austrieb einen Bronzestich aufweisen. 'Dämmerung', wie sie von Dubreuil genannt wurde, wirkt besonders reizvoll über Pavillons und Lauben, ist sehr wärmeliebend und benötigt deshalb unbedingt geschützte Lagen im Weinbauklima.
Desprez à Fleurs Jaunes
Syn.: 'Jaune Desprez', 'Noisette Desprez'
Desprez, Frankreich 1830
Leider gehört diese wunderbare Rose zu den etwas frostempfindlicheren Sorten und eignet sich deshalb besser für geschützte Standorte in milden Gegenden. Mit ihren bis zu sechs Meter langen, biegsamen, stachellosen und dünnen Trieben erklimmt sie willig Bögen und Spaliere, ja sogar Bäume. Aus in kleinen Büscheln zusammen stehenden rosa Knospen entwickeln sich wohlgeformte, gefüllte, flache Blütenschalen von einem warmen Gelbton mit apricot-, pfirsich- oder orangefarbene Schattierungen. Je nach Boden- und Klimaverhältnissen variiert der Farbton. Sie verströmen einen bananen-artigen Duft und harmonieren wunderbar mit dem hellgrünen Blattwerk. Nach einem langen Hauptflor erscheint im Herbst gelegentlich eine Nachblüte.
Gloire de Dijon
Syn.: Old Glory
Jacotot, Frankreich1853
Diese sehr beliebte, winterharte Sorte, die aus einer Noisetterose und einer Bourbonrose hervorging, macht ihrem Namen wirklich alle Ehre. Auch sie finden wir in Rosenkatalogen unter den öfterblühenden Kletterrosen, und sie gehört hier auch zu den Klassikern. Aus rot gerandeten, kugeligen Knospen öffnen sich langsam grosse, stark gefüllte und im Zentrum gevierteilte Blüten von 8 cm Durchmesser, die einen intensiven Duft ver-strömen. Ihre Blütenfarbe kann je nach Standort und Wetter stark variieren. Oft sind sie in der Mitte apricot bis hellorange getönt und hellen zum Rande hin hellcremegelb auf. Manchmal sind sie in der Mitte rosagetönt. Der Herbstflor fällt bescheidener aus, die Blüten sind jedoch oft grösser und farbenprächtiger. Bei kühlem Wetter legen sich zusätzlich rosa Schattierungen darüber, was ihre Schönheit noch steigert. Die rötlichen, starken und aufrechtwachsenden Triebe sind mit mattgrünem Laub und hakenförmigen, gebogenen Stacheln versehen. Die überaus wuchsfreudige Kletterin erreicht mühelos eine Höhe von 300 bis 400 cm und kommt besonders gut vor Holzwänden zur Geltung. Da sie im unteren Bereich gerne verkahlt, kann ihr Fuss mit Stauden oder Kletterpflanzen, wie z. B. Clematis, kaschiert werden. 'Gloire de Dijon' gedeiht auch gut in halbschattiger Lage. Ein kontinuierlicher Pflanzenschutz sowie gute Standortbedingungen sind in jedem Falle unerlässlich, da sonst Sternrusstaubefall droht.
Mme Alfred Carrière
Schwartz, Frankreich 1879
Vielseitige Einsetzbarkeit, Winterhärte, Gesundheit und nicht zuletzt ihre Blühfreudigkeit zeichnen diese sehr dankbare Rose aus, welche sich mit ihren bis zu fünf Meter langen Trieben wunderbar zum Beranken von grossen Rosenbögen, Pergolen und Hauswänden eignet. Auch für Nord- und Schattenlagen ist sie zu empfehlen. Elegante, rosa über- hauchte, wohlgeformte Knospen öffnen sich zu locker gefüllten, grossen Blüten, die anfänglich mit einem rosafarbenen Schimmer überhaucht sind, jedoch zunehmend einen rahmweissen Farbton annehmen. Sie verströmen einen frischen, teeartigen Duft und erscheinen bei guten Bedingungen den ganzen Sommer über. Das mattglänzende, graugrüne Laub ist äusserst robust und bedeckt dicht die bogenförmigen Triebe, welche nur spärlich mit Stacheln bewehrt sind. Ihr ausladender, dichter und etwas unordent-lichen Wuchs kann erstaunliche Ausmasse annehmen. Die Pflanze benötigt im Frühjahr unbedingt einen guten Rückschritt, da sonst Blühwilligkeit und Ordnung leiden.