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Saudi-Arabien lässt erstmals eine Anwältin zu
Juristinnen konnten in Saudi-Arabien nicht als Anwältin tätig sein. Nach zähem Kampf ist der Weg zum Anwaltsberuf nun endlich frei.
Das saudische Justizministerium hat erstmals eine Frau als Referendarin registriert. Nach Abschluss des Praktikums wird Arwa Al-Hujaili als erste Frau in Saudi-Arabien die Zulassung als Anwältin erhalten. Das gilt als Sensation, da im stockkonservativen Saudi-Arabien Frauen für die meisten juristischen Angelegenheiten immer noch das Einverständnis eines Mannes brauchen. «Es ist eine grosse Verantwortung. Von nun an werden die Leute auf alles schauen, was ich tue», sagte die 25-Jährige dem Nachrichtensender CNN.
Justizministerium stellte sich taub
Erst seit 2005 dürfen Frauen in Saudi-Arabien Rechtswissenschaft studieren. Die ersten beendeten ihr Studium 2008. Viele verliessen das Land, weil sie nicht Anwältin werden konnten. Arwa Al-Hujaili hat ihr Studium 2010 abgeschlossen. Das Justizministerium verweigerte auch ihr die Zulassung zum Referendariat. Damit konnte sie lediglich als juristische Beraterin tätig sein.
Immer wieder beantragte sie die Zulassung zum Referendariat. Über soziale Netzwerke wie Twitter, YouTube und Facebook erhielt sie Unterstützung für ihr Recht auf Berufsausübung. Saudische Juristinnen sammelten für eine Petition 3000 Unterschriften. Schliesslich erlaubte König Abdullah es letzten Herbst, dass Frauen Anwältinnen werden können. Doch das Justizministerium blieb untätig.
In diesem Frühjahr appellierte Hanouf Al-Hazzaa in einem Zeitungsartikel an den König, endlich einzuschreiten. Hanouf Al-Hazzaa gehörte zu den ersten Frauen, die in Saudiarabien Rechtswissenschaft studiert haben. Sie arbeitet heute in den USA.
Konservative Richter könnten zum Problem werden
Kurz darauf akzeptierte die Behörde den Antrag von Arwa Al-Hujaili. Sie wird etwa in zwei Jahren ihre Zulassung als Anwältin erhalten. Dann will sie sich auf Familienrecht spezialisieren, um saudische Frauen zu unterstützen.
Für die Gesellschaft seien Anwältinnen etwas völlig Neues, sagt sie. Auch für die Justiz werde es eine Herausforderung sein, mit einer Anwältin zu kooperieren. Adam Coogle, Nahost-Experte der Menschenrechtsorganisation «Human Rights Watch», spricht von einer Herausforderung für die Anwältinnen. «Sie könnten mit Richtern konfrontiert werden, die ihren Rechtsbeistand ablehnen oder nicht erlauben zu sprechen, vor allem, wenn diese Richter konservativ sind und nicht wollen, dass Frauen überhaupt vor Gericht sprechen.»
König Abdullah bietet Fundamentalisten die Stirn
Die Zulassung von Anwältinnen gilt als weiteres Indiz dafür, dass König Abdullah, der seit 2005 regiert, gegen den Widerstand fundamentalistischer Religionsgelehrter den Frauen in kleinen Schritten mehr Rechte zugestehen will. Anfang dieses Jahres hat er erstmals 30 Frauen in den beratenden Schura-Rat berufen. Seit diesem Frühjahr dürfen Frauen und Mädchen in abgeschirmten Parks und Gärten Fahrrad fahren und in privaten Mädchenschulen Sportunterricht besuchen. Zuletzt sorgte die allererste Plakat-Kampagne gegen häusliche Gewalt über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen. Bereits vor zwei Jahren hat der König Frauen das Wahlrecht für die nächsten Kommunalwahlen im Jahr 2015 versprochen.
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine
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