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17 Prozent der Haushalte leben mit geringen bis sehr geringen finanziellen Mitteln
Bern, 22.02.2022 - 17 Prozent der Schweizer Haushalte mussten im Jahr 2015 mit geringen bis sehr geringen finanziellen Mitteln auskommen. Bei Personen im Erwerbsalter waren es 15 Prozent, im Rentenalter 22 Prozent. Das zeigt eine breit angelegte Analyse von Steuer-, Register- und Erhebungsdaten von 4,5 Millionen Personen, die das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV am 22. Februar 2022 publiziert hat.
Im Jahr 2015 betrug das Medianäquivalenzeinkommen eines Haushalts 63 470 Franken pro Jahr. Das bedeutet, dass die eine Hälfte der Haushalte über ein höheres, die andere Hälfte über ein tieferes Einkommen verfügte. Beträgt das Einkommen weniger als 50 Prozent des Medianwerts, liegt ein sehr geringes Einkommen vor. Bei 8,6 Prozent der Haushalte war das im Jahr 2015 der Fall. Mehr als 50, aber weniger als 60 Prozent des Medianwerts bedeuten ein geringes Einkommen. Das traf bei 8,2 Prozent der Haushalte zu.
Rund zwei Drittel (69,6 Prozent) der Haushalte verfügten 2015 über mittlere wirtschaftliche Ressourcen mit Einkommen zwischen 60 und 180 Prozent des Medians. Bei 13,6 Prozent der Haushalte lagen die wirtschaftlichen Ressourcen darüber.
Risikogruppen und Risikofaktoren
Die Analyse, die im Auftrag des BSV von Professor Philippe Wanner und Roxane Gerber von der Universität Genf durchgeführt wurde, zeigt die Risikogruppen und die Risikofaktoren, die zu geringen bis sehr geringen finanziellen Mitteln führen.
Betroffen sind insbesondere Einelternhaushalte, ganz speziell diejenigen von Frauen und insbesondere dann, wenn die Kinder noch klein sind. Auch längere Erwerbsunterbrüche nach der Geburt eines Kindes erhöhen das Armutsrisiko beträchtlich. Wichtige Risikofaktoren sind zudem Bildung, Erwerbssituation und Herkunft: Geringe bis sehr geringe Mittel finden sich überdurchschnittlich häufig bei Selbstständigerwerbenden, Beschäftigten in der Landwirtschaft, Personen mit geringer Bildung und aus einem nicht europäischen Land.
Vermögenssituation
Das mediane Nettovermögen der Haushalte im Rentenalter war höher als jenes der Haushalte im Erwerbsalter. Es stieg bis zur Altersgruppe 60 bis 64 auf rund 140 000 Franken und nahm dann bei den 65- bis 69-jährigen sprunghaft auf rund 250 000 Franken zu, was wahrscheinlich auf den Bezug von Kapitalleistungen der Altersvorsorge zurückzuführen ist.
Einkommensmobilität
Die Daten der Jahre 2012 bis 2015 zeigen auch, welche Faktoren zu einer Zu- oder Abnahme der Einkommen führen. Während sich rund ein Viertel der Personen aus einer Situation mit geringen und sehr geringen Mitteln befreien konnten, war bei 11 Prozent die gegenteilige Bewegung zu beobachten. Bei Personen im Rentenalter veränderte sich die Einkommenslage im Verlauf der drei Jahre kaum.
Wichtige Faktoren für die Einkommensmobilität sind insbesondere Herkunft und Erwerbssituation. Personen aus nicht europäischen Ländern erlebten im Vergleich zu Personen aus der Schweiz oder einem EU/EFTA-Land häufiger eine Verschlechterung und seltener eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation. Der Wechsel von einer unselbstständigen zu einer selbstständigen Erwerbstätigkeit geht in 26 Prozent der Fälle mit einer Verbesserung, aber ebenso häufig mit einer Verschlechterung der Situation einher.
Zunehmende Erwerbstätigkeit im Rentenalter
Der Vergleich mit einer früheren Analyse auf der Basis von Steuerdaten aus dem Jahr 2003 zeigt unter anderem eine zunehmende Flexibilisierung des Ruhestands. 2015 verfügten 35 Prozent der unverheirateten und 45 Prozent der verheirateten Männer im 66. Altersjahr über ein Erwerbseinkommen. 2003 lagen diese Anteile erst bei 30 und 34 Prozent. Bei den 65-jährigen Frauen stiegen diese Anteile von 23 auf 30 Prozent (unverheiratete) und von 16 auf 27 Prozent (verheiratete Frauen). Das Erwerbseinkommen nach dem ordentlichen AHV-Alter lag mehrheitlich unter dem Freibetrag, ab dem AHV-Beiträge zu entrichten wären.
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