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Wie jedes Jahr fand auch Ende Januar 2015 das traditionelle Hallenturnier des FC Glarus in der Buchholz-Turnhalle in Glarus statt. Im Einsatz stand damals auch der E-Junior Rouven Dubacher. Auf der Tribüne sass seine Schwester Shona Dubacher, welche wenige Monate zuvor anlässlich des CS-Cups den Finaleinzug mit ihrem Team knapp verpasst hat.
Shona Dubacher hatte Lunte gerochen. Sie wollte Fussball spielen. Mit diesem Ziel sprach sie am Samstag-Morgen des Hallenturnieres Daniel Moro (damals Junioren-Obmann des FC Glarus) an, ob es eine Möglichkeit gäbe, dass der FC Glarus ein Juniorinnen-Team bilden könnte? Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der FC Glarus noch nie eine Damen-Mannschaft gestellt – lediglich einzelne Spielerinnen begannen bei den F-Junioren ihre Fussball-Karriere, mussten jedoch dann jeweils mit den Knaben zusammenspielen. Im Kanton Glarus hatten sich die Vereine FC Schwanden und FC Linth 04 der Aufgabe verschrieben, Frauen-Fussball anzubieten. Shona Dubacher wollte jedoch nicht nach Schwanden oder Näfels Fussball spielen gehen. Sie wollte in Glarus ihr Hobby ausüben.
Daniel Moro sicherte Shona Dubacher zu, dass er sie bei ihrem Vorhaben unterstützen würde, wenn sie genügend Spielerinnen zusammenbringen würde. Sofort begann sie die Schwestern der FC Glarus Junioren, welche allesamt auf der Tribüne der Buchholz-Turnhalle sassen und ihren Brüdern zuschauen „mussten“, anzusprechen, ob sie Fussball spielen möchten. Sofort fand sie ein paar interessierte Juniorinnen. Vor allem in Tsomo Stähli fand sie eine Partnerin, welche mit ihr zusammen dieses Projekt vorantrieb. Zusammen gestalteten sie während des Wochenendes Werbe-Plakate, welche sie in der Schule aufhängten.
Shona’s und Tsomo’s Eifer war ansteckend. So sicherte noch am gleichen Wochenende der Grossvater von Shona, Guido Zambelli (ein erfahrener Fussball-Trainer), zu, dass er das Trainer-Amt übernehmen würde, wenn genügend Juniorinnen zusammenkämen. In einem Bericht über das erste Juniorinnen-Team des FC Glarus in der „Glarner Woche“ sagte Guido Zambelli: «Wenn Shona (seine Enkel-Tochter) fragt, kann ich doch nicht nein sagen».
Auch Daniel Moro hielt sein Wort und organisierte innerhalb weniger Tage eine Turnhalle, damit das erste Training starten konnte. Sechs Juniorinnen konnte Guido Zambelli im ersten Training begrüssen. Mit seiner tollen Art konnte er die Mädchen von Anfang an begeistern, so dass wenige Wochen später bereits 17 (!) Mädchen das Training besuchten.
Ein weiterer Meilenstein konnte verzeichnet werden, als im Mai 2015 Alessandro Cescato als zweiter Trainer neben Guido Zambelli seine Arbeit bei den Juniorinnen aufnahm. Mit Guido und Alessandro konnte der FC Glarus seinen Juniorinnen die bestmöglichen Trainer zur Verfügung stellen.
Im Frühling 2015 nahm die neu gegründete Mädchen-Mannschaft an ein paar E-Junioren Turnieren in Glarus teil. Dabei schlugen sich die Mädchen nicht schlecht. Einige etablierte Teams bissen sich an den aufopferungsvoll kämpfenden Juniorinnen des FC Glarus die Zähne aus.
Die Euphorie hielt an. Deshalb beschlossen die Trainer und die Vereinsleitung ab August 2015 das Mädchen-Team an der D-Junioren 2. Stärkeklasse Meisterschaft der Knaben anzumelden. Zwar gab es auch Juniorinnen-Meisterschaften – da man jedoch nicht sicher war, ob die Juniorinnen jeden Samstag bereit wären auch ihre Knochen hinzuhalten, entschied man, die erste Saison bei den Knaben in der D-Junioren 2. Stärkeklasse anzutreten, damit man im Notfall auch Aushilfen von den anderen zwei D-Junioren Teams des FC Glarus hinzuziehen konnte, was in der Juniorinnen-Meisterschaft nicht möglich gewesen wäre.
In der ersten Herbst-Saison (2015/2016) mussten die Mädchen Lehrgeld bezahlen. Man merkte, dass sie erst seit einem halben Jahr Fussball spielten und daher taktisch und auch technisch den anderen Knaben-Teams etwas unterlegen waren. Der Einsatz stimmte jedoch in jedem Spiel und so sah man Woche für Woche Fortschritte.
Das erste Meisterschafts-Spiel fand am 15. August 2015 in Rapperswil-Jona gegen das Mädchen-Team aus der Rosenstadt statt. Dieses ging klar mit 7:1 verloren. Das erste Tor in der Geschichte der Juniorinnen-Mannschaft schoss Riana Rhyner (Penalty-Tor). Nebst klaren Niederlagen gegen die Top-Teams gab es auch knappe und ärgerliche Niederlagen. So verlor man gegen den Gemeinde-Rivalen FC Netstal lediglich mit 1:2. Und auch der FC Schwanden konnte lediglich einen 3:1 Sieg feiern.
Das Trainer-Duo holte das Optimum aus ihren Spielerinnen raus. Und von Woche zu Woche hatten die Gegner mehr Mühe zu bekunden. Für die Frühlingssaison 2016 beschlossen die Trainer und die Vereinsleitung, dass man nochmals bei den D-Junioren 2. Stärkeklasse der Knaben antreten wird.
Auch das Auftaktspiel zur Frühlingssaison durfte man wieder gegen das Mädchen-Team des FC Rapperswil-Jona bestreiten. Hatte man ein halbes Jahr zuvor noch 7:1 verloren, so teilte man sich am 02. April 2016 die Punkte bei einem spannenden 0:0. Auch gegen den FC Netstal, gegen welchen man im Herbst noch knapp 1:2 verlor, teilte man sich am 17. Mai 2020 bei einem weiteren 0:0 die Punkte.
Da nun rund 20 Juniorinnen das Training besuchten, beschloss das Trainer-Team, dass man auf die Saison 2016/2017 nun den Meisterschafts-Betrieb bei den C-Juniorinnen bestreiten wird.
Die Erfahrungen, welche man im ersten Jahr gegen die Knaben bei den D-Junioren machen konnte, zahlten sich nun aus. Bei den C-Juniorinnen gehörten die Mädchen des FC Glarus zu den besseren Teams und man konnte sich sofort im vorderen Mittelfeld platzieren.
Das Team um das Trainer-Duo Cescato/Zambelli avancierte über den Winter zu einem richtig guten Hallen-Team. An den Turnieren, an welchen sie antraten, standen sie regelmässig im Finalspiel und konnten auch einige Turniere gewinnen.
Auch die Frühlings-Saison 2016/2017 bei den C-Juniorinnen konnten die Glarnerinnen im vorderen Mittelfeld abschliessen.
Aufgrund der Altersspanne im Team mussten die Juniorinnen des FC Glarus in der Saison 2017/2018 bereits bei den B-Juniorinnen antreten. Zwar hätten lediglich zwei Juniorinnen nicht mehr bei den C-Juniorinnen spielen dürfen, da es sich dabei jedoch um zwei Leaderinnen handelte, entschied das Trainer-Team dennoch bereits bei den B-Juniorinnen anzutreten.
Auch bei den B-Juniorinnen gehörten die Glarner-Spielerinnen zu den Besten. Obwohl sie mit Abstand das jüngste Team stellten, konnten sie an der Tabellenspitze mitspielen.
Auch bei den B-Juniorinnen gehörten die Glarnerinnen zu den besten Hallenteams und konnten wiederum über den Winter einige Final-Spiele an den Hallenturnieren bestreiten und auch gewinnen.
Bereits im Winter 2018 war klar, dass das Projekt „Juniorinnen Fussball beim FC Glarus“ in einem halben Jahr zu Ende gehen würde. Der Verband hatte angekündigt den Juniorinnen-Fussball per August 2018 neu zu organisieren und eine U12, U15 und U19 Meisterschaft einzuführen. Dies hätte bedeutet, dass die Juniorinnen des FC Glarus ab August 2018 aufgrund der Altersstruktur bei den U19 (FF19) antreten mussten. Da die meisten Spielerinnen jedoch erst 15 Jahre alt waren, würde dieses Unterfangen keinen Sinn machen. Zumal im FF19 11er Fussball gespielt würde und der FC Glarus dafür klar zu wenig Juniorinnen hatte. Da einige Juniorinnen jedoch bereits zu alt für eine U15 (FF15) Mannschaft waren, konnte auch keine FF15 Mannschaft gestellt werden. Somit war bereits vor dem Saisonstart zur Frühlings-Meisterschaft 2017/2018 klar, dass diese tolle Zeit mit dem Saisonende 2017/2018 zu Ende gehen würde.
Die Frühlings-Saison 2017/2018 wurde dann dafür zu einer Macht-Demonstration der Glarnerinnen. Acht Spiele, sieben Siege. Ausgerechnet das allerletzte Spiel am 02. Juni 2018 in Bütschwil wurde bei einem Tor-Spektakel mit 8:6 verloren. Da zuvor der Gruppensieg bereits auf sicher war, tat dies der Freude über diese tolle Saison jedoch keinen Abbruch.
Die zwei ältesten Spielerinnen, Tsomo Stähli und Ada Galluccio, wechselten im Sommer 2018 in die 2. Liga Mannschaft des FC Linth 04, in welcher beide gleich Stammspielerinnen wurden. Delia Cescato, Riana Rhyner und Sabrina Hodel wechselten in das C-Junioren-Team des FC Glarus, in welchem alle drei zentrale Rollen einnehmen konnten. So war Delia Cescato der unbestrittene Captain dieses Teams. Mit den drei genannten Juniorinnen gelang den C-Junioren im Frühling 2019 der Aufstieg von der 2. Stärkeklasse in die 1. Stärkeklasse. Andere Juniorinnen wechselten in das FF15 Team des FC Schwanden.
Heute spielt neben Ada Galluccio und Tsomo Stähli auch Riana Rhnyer in der 2. Liga Mannschaft des FC Linth 04. Delia Cescato wechselte im Sommer 2019 zum FC Rapperswil-Jona und gehört dort der U16 Mannschaft an.
Es waren dreieinhalb tolle Jahre, in welchen der FC Glarus ein Juniorinnen-Team hatte. Eine Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte ist jedoch aktuell nicht in Aussicht. Der Hauptgrund dafür ist, dass in Schwanden (FC Schwanden) und in Näfels (FC Linth 04) bereits seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich Frauenfussball betrieben wird. Die Gefahr würde bestehen, dass alle drei Projekte nicht funktionieren würde, wenn nun auch der FC Glarus versuchen würde, eine Frauen-Fussball-Abteilung auf die Beine zu stellen. Beim FC Schwanden und beim FC Linth 04 hat sich der Frauen-Fussball etabliert.
Man soll „niemals nie“ sagen. Vielleicht gibt es ja in ein paar Jahren wieder eine „Shona Dubacher“, welche ein solches Projekt beim FC Glarus aufgleist?