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Zuletzt aktualisiert: 03.07.2015
Hintergrund:
Die Kamaya, von der Armut ins Elend
Die Mehrheit der Kamaya gehört zum Volk der Tharu, also den historischen Bewohnern des Terai im Süden Nepals. Die Tharu bezeichnen sich selbst als Menschen des Waldes. Sie lebten lange Zeit überwiegend in den Urwäldern im Grenzgebiet zwischen Indien und Nepal, wo sie eine relativ eigenständige Kultur entwickelten. Sie konnten in der von der Malaria stark betroffenen „Fieberhölle“ Nepals überleben dank einer natürliche Resistenz gegen Malaria.
Seit dem 17.Jahrhundert gibt es im Terai das System der Kamaya, der Leibeigenen. Kam ist das nepalesische Wort für Arbeit, Kamaya sind diejenigen, die die Arbeit machen. Kamalari ist die weibliche Form davon. Heute nennt man vor allem die „Sklavenmädchen“ so, von welchen es auch heute noch Tausende gibt.
Ursprünglich konnten sich arme Tharu Familien bei Grossgrundbesitzern für ihren Lebensunterhalt Geld leihen um zu überleben. Im Gegenzug musste die ganze Familie für den Landbesitzer ohne Lohn arbeiten. Exorbitante Schuldzinsen trieben diese jedoch immer mehr in Abhängigkeit. Schliesslich wurden sie wie Sklaven behandelt.
Nach der Ausrottung der Malaria in den 1950-1960er Jahren und der Abholzung von Urwaldgebieten wurde das Terai zum fruchtbarsten Gebiet von ganz Nepal. Immer mehr Migranten aus dem Kathmandu Tal strömten ins Terai und besetzten das Land der noch freien Tharu, welche weder Identitäts- noch Eigentumspapiere über das Land besassen, obwohl dieses über Jahrhunderte von ihren Vorfahren bebaut worden war. Vor allem im Südwesten wurden diese Tharu zunächst als Landarbeiter der neuen „Landlords“ angestellt. Doch bald wurden auch sie zu Kamaya und in die unterste Kaste, den Dalits, den Unberührbaren eingestuft.
Wegen der extremen Armut und den grossen Schulden sahen sich Kamaya Familien oft gezwungen, ihre Mädchen gegen ein kleines Entgelt als Kamalari, „Sklavenmädchen“, als Hausangestellte in reiche Familien ausserhalb des Dorfes, ja bis nach Kathmandu, zu verkaufen. Eine solche Ex-Sklavin, Urmila Chaudhary, beschreibt sehr eindrücklich ihr Leben bei einer reichen Politikerin in Kathmandu, an welche sie in ihrem 5.Lebensjahr verkauft wurde, in ihrem Buch „Sklavenkind“.
Im Jahr 2000, unter dem Druck des Bürgerkrieges, erklärte die Regierung das Kamaya-System als illegal, die Kamaya als frei und auch ihre Schulden wurden als nichtig erklärt. Doch viele Kamaya wurden danach von ihren Landlords verstossen. Ohne Bildung, Arbeit und Geld gerieten sie noch mehr ins Elend. Auch wenn die Kamaya jetzt als frei gelten, werden sie wohl noch lange zu den etwa 40% Menschen in Nepal gehören, die unter dem Existenzminimum leben müssen.
Zwar hat die Regierung allen Kamaya Familien ein Landstück von etwa sechs Aren und Baumaterial für ein kleines Lehmhaus versprochen, das Versprechen wurde jedoch nur langsam eingelöst. Unterstützung bekommen die Kamaya vor allem von ausländischen Hilfsorganisationen.
Hilfe für die Kamaya
von Shanti Med Nepal
Im Frühjahr 2012 hatte ich Gelegenheit im Bezirk Bardya in der grossen Mainapokari-Municipality einige neue Siedlungen der „befreiten Kamaya“ zu besuchen. Ich war erschüttert von der grossen Armut in diesen Siedlungen und beschloss, dort ein Dorf mit zwei Dorfteilen von je 102 und 104 Lehmhütten pro Familie in Zukunft zu unterstützen.
Erst seit 2011 durften Kamaya endgültig auf diesem schwierigen Gelände siedeln, nachdem sie zuvor verschiedene nicht bewirtschaftete Gebiete besetzt hatten, aber immer wieder vertrieben worden waren. Viele Hütten mussten in einem Waldstück gebaut werden, das nicht bepflanzt werden konnte, weil die früheren Besitzer die Bäume noch nicht zum fällen frei gegeben hatten. Für alle ihre Hütten zusammen hatten die Menschen hier gerade mal eine einzige Wasserpumpstelle. Von weit her mussten die Frauen das Wasser für den täglichen Gebrauch und die Bewässerung des wenigen Landes rings um ihre Hütten holen. Die einzige Schule für die beiden Dörfer war ein strohbedeckter Unterstand. Die einzige Lehrerin gab nicht nur den Kindern, sondern auch den lernbegierigen Frauen zweimal wöchentlich Unterricht. Männer hatte ich dort wenige angetroffen, viele waren als Wanderarbeiter unterwegs und konnten ihre Familien nur selten besuchen. Das kleine Stück Land, welches jede Familie nun hat, reicht bei weitem nicht aus für die Ernährung.
Dank einer grossen Spende eines Freundes in eine "Notfallkasse" konnte ich im Frühjahr 2012 den Frauen genügend Geld für weitere sechs Pumpen geben. Bei meinem zweiten Besuch im Herbst 2012 haben sie voll Stolz die sechs neuen Brunnen gezeigt. Unsere kleine Gruppe wurde mit Tanz und einem Kamaya-Essen empfangen. Seither besuche ich die Siedlung zweimal im Jahr und inzwischen haben wir das Baumaterial für ein Zweizimmer-Versammlungs- und Schulhauses gespendet, die Arbeit wurde von den Dorfbewohnern selbst gemacht. Schliesslich war ihr grösster Wunsch, dass wir ihnen eine PV Anlage bauen, denn noch immer lebten diese Menschen völlig ohne Strom. und deshalb ist nun ihr grösster Wunsch, dass wir ihnen eine PV Anlage bauen. Mit einem Spezialisten der Solarfirma Ghampower waren wir im Oktober 2014 dort, haben mit den Leuten diskutiert und schliesslich beschlossen, eine PV Anlage auf dem Dach des Gemeinschaftshauses zu bauen, sowie 175 Solar Home Systems. Dank des Erlasses eines Teils unseres Darlehens von Solarspar konnten wir diese ganze Arbeit finanzieren und im Frühjahr 2015 mit einem wunderbaren Fest einweihen. Gleichzeitig haben wir über 50 LittleSun Lampen (http://www.littlesun.com/) mitgebracht, welche uns ein Freund gesponsert hatte.
Unsere Unterstützung für diese Kamaya geht nun weiter. Als nächstes wünschen sie sich einen Ausbildungsfonds für ihre Kinder, welche eine weitergehende Schule oder eine Ausbildung machen möchten und/oder ein weiteres Versammlungs-/Schulhaus im zweiten Dorfteil, welcher etwa eine halbe Stunde zu Fuss vom ersten Dorfteil entfernt ist.