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Q WIE QUIRINIUS
QUIRINIUS WAR EIN RÖMER.
QUIRINIUS WAR STATTHALTER.
QUIRINIUS WAR MÄCHTIG.
QUIRINIUS IST VERGESSEN. NICHT ABER
DIE FAMILIE AUF DEM BRÜCKCHEN IM Q.
Q wie Quirinius
Namen, die mit Q anfangen, sind ganz selten! Quirinius ist so einer. Muss man den kennen? Keineswegs. Aber man sollte wissen, dass ihn zu seinen Lebzeiten alle gekannt und gefürchtet haben. Er war berühmt. Er war wichtig. Er war mächtig. Er war die rechte Hand des römischen Kaisers in einer der wichtigsten Provinzen seines Reichs. Er war Gouverneur, er war Statthalter in Syrien. Zur gleichen Zeit wurde in dieser Provinz, von der damaligen Welt völlig unbeachtet, ein Kind geboren, dessen Name heute auf der ganzen Erde bekannt ist, während fast niemand mehr weiss, wer denn nun eigentlich dieser Quirinius war. Die Eltern dieses Kindes waren keine berühmten Leute. Der Vater hiess Josef, so hiessen damals viele in Israel. Und die Mutter hiess Maria. Ihr Kind nannten sie Jesus. Ein Name, den viele jüdische Eltern ihren Söhnen gaben. Ein ganz gewöhnlicher Namen, ganz gewöhnliche Leute. Und doch kennt sie jedes Kind! Aus der Weihnachtsgeschichte, natürlich!
Jesus kam zur Welt, als Quirinius Statthalter in Syrien war. Der hatte nämlich zum ersten Mal eine Volkszählung angeordnet. Wenn man in einem Land Steuern erheben will, muss man ja auch wissen, wie viele Leute überhaupt Steuern zahlen müssen. Quirinius brauchte viel Geld, für die Verwaltung und für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in seiner Provinz, für Militär und Polizei; drei Legionen Soldaten musste er ernähren, das war teuer. Zur Volkszählung sollten sich an einem bestimmten Tag alle Leute dort einﬁnden, wo sie herkamen und sich an ihrem Bürgerort in eine Liste eintragen. Weisst du, welches dein Bürgerort ist? Dort stehst du auch in einer Liste eingetragen. Der Bürgerort von Josef war Betlehem in Judäa, weil Josef ein später Nachfahre des grossen Königs David war. Er musste einen langen und beschwerlichen Weg auf sich nehmen von Nazaret im Bergland von Galiläa bis nach Betlehem. Doppelt beschwerlich war die Reise für seine Frau, weil sie zu dem Zeitpunkt schon hochschwanger war. So kamen sie erst spätabends ans Ziel und da war das Städtchen wegen der Volkszählung bereits überfüllt von Menschen. Nirgends mehr war ein Zimmer frei, alle Gasthäuser und Herbergen waren ausgebucht. Und dabei spürte Maria bereits die ersten Wehen, die die bevorstehende Geburt ankündigten. Josef fand einen Stall, in dem es wenigstens warm und trocken war und dort brachte sie dann das Kind zur Welt, dem sie den Namen Jesus gaben. Den hat Josef am nächsten Tag wahrscheinlich auch schon in die Listen der Volkszählung eintragen müssen. Ein zukünftiger Steuerzahler mehr, das war es schliesslich, was für Quirinius zählte.
Für uns aber zählt etwas ganz anderes. Denn dieses Kind von Maria, dieser Jesus, sei Gottes Sohn gewesen, heisst es in der Bibel. Hätte er denn nicht in einem Palast geboren und als Prinz auf die Welt kommen müssen, wo doch geschrieben steht, dass er Herr der Welt und König über allen Königen sei? Dann hätte diese Geburt doch ein ganz anderes Gewicht bekommen! Er hatte aber ganz einfache Leute als Eltern und eine Futterkrippe als erste Wiege. Denn was in unserer Welt Bedeutung hat, zum Beispiel die Macht und das Ansehen eines Quirinius, das interessiert Gott nicht. Vielmehr will er uns zeigen, dass ihm jeder Mensch wichtig ist. Die Ersten, die von der Geburt von Jesus gehört haben, waren Hirten. Hirten waren einfache Leute, die nachts draussen bei den Tieren wachen mussten, während die Besitzer der Herden zu Hause in ihren Betten schliefen. Gerade darum haben sie als Erste den Engel gesehen, der ihnen die gute Botschaft verkündete, haben den Jubel der himmlischen Heerscharen vernommen und sind schnell zum Stall in Bethlehem gelaufen, um das Kind zu begrüssen.
Betlehem ist ein kleines Nest, Palästina kein grosses Land. Und darüber hinaus hat zu jener Zeit wohl kein Mensch etwas von diesem Jesus gehört, der geboren wurde, als Quirinius Statthalter in Syrien war: dieser in der damaligen Welt überaus bekannte, berühmte und berüchtigte, mächtige und gefürchtete Quirinius. Aber heute hat und darf man diesen Quirinius vergessen, während Jesus ganz und gar nicht vergessen ging!
Schau dir doch den Buchstaben Q auf dem Bild noch einmal genau an. Er ist ganz hohl! Er ist nichts mehr als eine grosse Öffnung, durch die hindurch Maria und Josef mit dem Jesuskind aus Betlehem ﬂiehen können. Denn auch der von den Römern eingesetzte damalige König in Palästina, Herodes, hatte erfahren, dass in seinem Reich ein neuer König zur Welt gekommen sei, der von Gott versprochene Sohn Davids. Und weil ihm das gar nicht geﬁel – schliesslich wollte er ganz allein Herrscher im Land sein und bleiben – befahl er seinen Soldaten, alle neugeborenen Knäblein zu töten. Ein Engel Gottes aber hatte Josef im Traum gesagt: «Nimm deine Frau und dein Kind und geh weg von hier.» Und Josef hörte auf die Stimme des Engels und ﬂoh; wegen Quirinius waren sie ja ohnehin schon unterwegs und zogen einfach weiter, Richtung Süden, nach Ägypten. So wurde Jesus zum Flüchtlingskind. Von Geburt an war er eigentlich immer unter den Leuten, die am wenigsten zu verlieren und am meisten zu hoffen hatten. Sie blieben seine Freunde. Vielleicht muss man ihn noch heute zuerst bei diesen Menschen suchen.
Die Weihnachtsgeschichte ist nachzulesen im Lukasevangelium, Kapitel 2, und im Matthäusevangelium, Kapitel 1 und 2.