Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03327.jsonl.gz/3741

Umsetzung schrittweise zwischen 2018 und 2035
Seit 2016 verpflichtet der Bund die Kantone, eine Planung zu erstellen und jene Abwasserreinigungsanlagen (ARA) zu bezeichnen, die eine Behandlungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen (MV) einbauen müssen. Nach den geplanten ARA-Zusammenschlüssen soll diese Nachrüstung im Aargau auf acht regionalen ARA erfolgen. Die Umsetzung ist schrittweise zwischen 2018 und 2035 geplant.
Mikroverunreinigungen finden sich in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens, so etwa in Medikamenten, Reinigungsmitteln oder Kosmetika, aber auch in Pflanzenschutzmitteln und industriellen Erzeugnissen. Diese gelangen unter anderem über gereinigtes Abwasser in die Gewässer. Bereits in sehr tiefen Konzentrationen können Wasserlebewesen sowie Trinkwasserressourcen beeinträchtigt werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Einträge von Mikroverunreinigungen durch Massnahmen in den Abwasserreinigungsanlagen (ARA) deutlich verringert werden können.
Seit 1. Januar 2016 sind die Kantone durch das Gewässerschutzgesetz (GSchG) und die Gewässerschutzverordnung (GSchV) verpflichtet eine Planung zu erstellen und jene ARA zu bezeichnen, die eine Behandlungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen einbauen müssen. Gemäss den Bundesvorgaben sind ARA massnahmenpflichtig, die folgende Kriterien erfüllen:
- ARA mit mehr als 80'000 angeschlossenen Einwohnern;
- ARA mit mehr als 24'000 angeschlossenen Einwohnern im Einzugsgebiet von Seen;
- ARA mit mehr als 8'000 angeschlossenen Einwohnern an Fliessgewässern mit einem Abwasseranteil von mehr als zehn Prozent;
- ARA mit mehr als 8'000 angeschlossenen Einwohnern umgeben von besonderen hydrogeologischen Verhältnissen;
- ARA mit mehr als 1'000 angeschlossenen Einwohnern mit Vorflutern in ökologisch sensiblen Gebieten.
Die nötigen Massnahmen sind bis Ende 2040 umzusetzen.
Aufrüstung auf acht regionalen ARA
Die Abteilung für Umwelt des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hat den Handlungsbedarf in Bezug auf Mikroverunreinigungen bei allen ARA im Kanton Aargau nach den oben beschriebenen Kriterien bewertet. Daraus ergibt sich, dass 19 ARA im Kanton mit einer MV-Stufe nachgerüstet werden müssen. Durch die geplanten ARA-Zusammenschlüsse gemäss Richtplanauftrag beziehungsweise dem kantonalen Konzept Abwasserreinigung aus dem Jahr 2014 wird nicht jede ARA eine eigene MV-Stufe realisieren müssen.
Die Nachrüstung kann nach geplanten Zusammenschlüssen effizienter auf acht regionalen ARA erfolgen. Es sind dies die regionalen ARA Aarau, Aarburg (gemeinsam mit der ARA Erzo Oftringen), Baden, Hallwilersee/Seengen, Lenzburg, Muri, Oberes Surbtal/Ehrendingen und Reinach. Bei den ARAs Baden und Aarburg ist die Voraussetzung, dass bis 2035 die Schwelle von 80'000 angeschlossenen Einwohnern erreicht wird. Falls die ARA Hallwilersee/Seengen an die ARA Lenzburg angeschlossen wird, ist dort keine eigene MV-Stufe erforderlich. Die Massnahmen in den betroffenen ARA werden nach ökologischen Prioritäten und in Abstimmung auf den Erneuerungsbedarf oder den Zeitpunkt der ARA-Zusammenschlüsse schrittweise zwischen 2018 und 2035 umgesetzt. Nach der Umsetzung der kantonalen Planung wird das Abwasser von rund 430'000 Einwohnerinnen und Einwohner (zwei Drittel der Bevölkerung) über eine MV-Stufe gereinigt, dadurch werden die Gewässer massgebend entlastet.
Die Mitfinanzierung des Bundes geht für die zusammengeschlossenen ARA nicht verloren. Sie wird im gleichen Rahmen für die Anschlussleitungen ausgerichtet. Die Investitionen werden vom Bund zu 75 Prozent mitfinanziert. Ein entsprechender Fonds wird über eine Abwasserabgabe von 9 Franken pro Person und Jahr gespeist, die der Bund seit 2016 bei den ARA erhebt.
Im Kanton Aargau wurde bereits Pionierarbeit geleistet
Auf der ARA Reinach wurde im Herbst 2016 im Zuge der Gesamterneuerung die MV-Stufe bereits realisiert. Das realisierte Verfahren umfasst eine Ozonung (Behandlung des Abwassers mit Ozon, siehe Grafik in der Beilage) mit anschliessender Sandfiltration. Es handelt sich um die zweite Ozonung, welche in der Schweiz in Betrieb steht. Die Anlage erreicht eine sehr gute Eliminationsrate und stösst auf grosses Interesse bei der Forschung, den Kantonen, den Planern und anderen ARA, welche ebenfalls ausgerüstet werden müssen.