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Ansteckung.
Die epochemachendste Entdeckung der letzten Jahre auf dem Gebiet der Kenntnis der ansteckenden Krankheiten ist die Auffindung des Erregers der asiatischen Cholera durch die im J. 1883 vom Deutschen Reich zur Erforschung der Cholera nach Ägypten [* 2] und Indien entsandten Kommission ^[richtig: Kommissionen]. Beim Typhus ist, wie die meisten Forscher heute anerkennen, der Weg der der durch den Darmkanal, sei es vermittelst aufgenommenen Trinkwassers, welches den Infektionsstoff enthält, sei es bei Gelegenheit irgend welcher Nahrungsaufnahme.
Bezüglich der Wege für das Eindringen der
Ansteckungsstoffe weiß man jetzt durch experimentelle Untersuchungen,
daß eine
Übertragung des Infektionserregers des
Milzbrandes nicht bloß direkt durch Einverleibung in die Blutbahn, sondern
auch durch Einatmung stattfinden kann. Auch
Infektionen durch
Fütterung mit Milzbrandsporen haltendem
Material sind da und
dort sicher beobachtet sowie experimentell erwiesen. Die Dauerfähigkeit der Infektionsstoffe hängt
im wesentlichen von der Fähigkeit der betreffenden
Bakterien, »Dauerformen« zu bilden, ab; doch weiß man jetzt, daß
auch manche Mikrokokken und Bacillen, bei welchen niemals Sporenbildung beobachtet worden ist, monate- und jahrelang ihre
Entwickelungsfähigkeit, bez.
Ansteckungsfähigkeit zu bewahren vermögen.
Die noch vor wenigen Jahren verteidigte Ansicht, daß die krankheitserregenden (pathogenen) Organismen durch Kultur sich in unschädliche (nicht pathogene) umwandeln lassen, ist jetzt verlassen, und man steht heute auf dem Boden der Annahme einer Beständigkeit der Art in demselben Sinn, wie wir eine solche in der ganzen Welt organisierter Wesen kennen (unbeschadet dem Darwinschen Prinzip, welches das Variieren ja auch nur im Verlauf von Jahrtausenden annimmt).
Bei gewissen streng parasitisch lebenden Bakterien (z. B. Rotzbacillen) findet allerdings durch Kultur auf künstlichem Nährboden ein Verlust der pathogenen Eigenschaften statt, aber mit Erhaltung der Art, dies ist also als Degenerationsvorgang, nicht als Umzüchtung in eine andre Art aufzufassen.
Vgl. »Arbeiten aus dem kaiserlichen Gesundheitsamt«, Bd. 3; Buchner in der »Münchener medizinischen Wochenschrift«; »Zeitschrift für Hygiene«, Bd 1, 4 u. 5.