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Kühler Mai, durchschnittlicher Frühling
Der Mai 2019 zeigte sich anhaltend kühl und regional sehr sonnenarm. Mit einem landesweiten Mittel von 6,0 °C war es der kühlste Mai der letzten rund 30 Jahre. Die Ostschweiz registrierte verbreitet reichlich Niederschlag. Die Alpensüdseite erhielt hingegen in einigen Gebieten weniger als 50 % der normalen Mai-Niederschläge. Der Frühling 2019 brachte im landesweiten Mittel insgesamt durchschnittliche Witterungsverhältnisse. Der März zeigte sich mild und überaus sonnig. Im April fielen regional Rekordschneemengen, und der Mai liess den Frühling ungewohnt kühl und trüb ausklingen.
Anhaltende Mai-Kälte
Vom 1. bis am 22. Mai blieb die Tagesmitteltemperatur landesweit beharrlich unter der Norm 1981‒2010. Selbst Hochdruckperioden lieferten keine überdurchschnittlichen Werte. Nur ganz wenige Messstationen zeichneten vereinzelt überdurchschnittliche Tagesmitteltemperaturen auf, dies vor allem im Wallis und auf der Alpensüdseite. Im landesweiten Mittel sank die Maitemperatur 2019 mit nur gerade 6,0 °C auf das tiefste Niveau der letzten rund 30 Jahre. Ähnlich kühl präsentierte sich nur der Mai 2013 mit 6,2 °C. Letztmals kühler war der Mai 1991 mit einem landesweiten Mittel von 4,1 °C.
Erwärmung trotz Kälte
Der ungewöhnlich kühle Mai 2019 ist ein seltenes Ereignis im heutigen Maiklima. Seit der schnellen Erwärmung ab Ende der 1980-er Jahre lieferten die meisten Maimonate landesweit gemittelt 8 °C oder mehr, einige sogar 10 °C oder mehr. Der Mai wurde in kurzer Zeit rund 2 °C wärmer. Das ist ein deutliches Signal der Klimaerwärmung. Mit dem aktuell kühlen Mai hat dieses Erwärmungssignal nicht an Bedeutung verloren. Denn typisch im unserem heutigen Klima im Vergleich zur gesamten Messreihe sind milde Maimonate.
Schnee bis in tiefe Lagen
Nach einem Zwischenhoch am 1. Mai waren bis zum 6. Mai Tiefdrucklagen mit häufigem Niederschlag wetterbestimmend. Polarluft aus Norden brachte vom 4. auf den 5. Mai nochmals Schnee bis in tiefe Lagen. Bern registrierte mit 4 cm Neuschnee den spätesten Neuschnee in der seit 1898 ununterbrochen Messreihe.
Während sich die Alpennordseite häufig trüb und nass zeigte, sorgte der Nordföhn auf der Alpensüdseite ab dem 3. Mai vor allem am Vormittag oft für recht sonnige Verhältnisse. Die Tageshöchstwerte stiegen auf 18 bis knapp 20 °C. Am 3. und 4. Mai entwickelten sich am Nachmittag regional Schauer und Gewitter.
Kräftige Westwindströmung
Nach einem erneuten Zwischenhoch am 7. Mai und einem Frontendurchzug am 8. Mai, lag die Schweiz vom 9. bis am 11. Mai in einer kräftigen Westwindströmung. Häufige Schauer- und Gewitteraktivität bestimmte im Norden den Gang der Witterung. Die Windspitzen erreichten am 11. Mai in den tiefen Lagen 60 bis 90 km/h, an etwas erhöhten Lagen bis 120 km/h. Die Alpensüdseite zeigte sich am 9. und 10. Mai recht sonnig. Der 11. Mai war wie in der übrigen Schweiz geprägt von Schauern und Gewittern.
Bise im Norden, Nordföhn im Süden
Vom 12. bis am 16. Mai verschob sich ein Hochdruckgebiet von den Britischen Inseln über die Nordsee nach Skandinavien. An seiner Südflanke löste es auf der Alpennordseite eine klassische, zum Teil kräftige Bisenlage aus. Einiges an Sonnenschein lieferte das Hoch am 13., verbreitet reichlich Sonnenschein am 14. Mai.
Auf der Alpensüdseite blies derweil oft der Nordföhn durch die Täler, am 13. mit Windspitzen bis 70 km/h. Er verwöhnte die Alpensüdseite mit viel Sonnenschein.
Von Tiefs umzingelt
Vom 17. bis am 21. Mai waren über Zentral- und Südeuropa mehrere Tiefdruckgebiete aktiv. Die Schweiz lag im Einflussbereich von feuchter Mittelmeerluft, welche zunächst aus Südwesten und Süden, später aus Südosten und Nordosten heranfloss. Die feuchten Luftmassen brachten bis am 19. Mai eine angeregte Schauer- und Gewittertätigkeit, zu Beginn mit Schwerpunkt Alpensüdseite, dann auch in den übrigen Landesteilen.
Mit der Winddrehung auf Nordost gab es am 20. und 21. Mai auf der Alpennordseite anhaltende Niederschläge. In der Ostschweiz erreichten die 2-Tagessummen 40 bis 80 mm, in der Westschweiz noch 10 bis 30 mm. Meist unter 10 mm blieben die 2-Tagessummen im Wallis und in weiten Teilen Graubündens. In der Ostschweiz führten einige Bäche und Flüsse Hochwasser.
Im Tessin und im Misox blieb es am 20. und 21. Mai vielerorts niederschlagsfrei. Am 21. gab es zudem viel Sonnenschein und die Tagesmaximum-Temperatur stieg auf 23 bis 26 °C.
Endlich Sonne für die ganze Schweiz
Vom 22. Bis am 24. Mai verschob sich ein Hochdruckgebiet von West- nach Zentraleuropa. Es brachte zunächst der Westschweiz und der Alpensüdseite viel Sonne. Am 23. Mai erlebte die ganze Schweiz einen sonnigen Tag. Neben dem 1. Mai war es erst der zweite Maitag mit landesweitem Sonnenschein von früh bis spät. Die sonnige Periode endete am 24. mit regionalen Schauern und Gewittern am Abend.
Höhenkaltluft aus Norden löste am 25. in der zweiten Tageshälfte verbreitet Schauer und Gewitter aus. Bewölkt ging es in den Alpen und auf der Alpensüdseite auch am 26. Mai weiter, während es nördlich der Alpen recht sonnig war.
Die Vegetationsentwicklung wurde gebremst
Im Mai trieben die Buche ihre Blätter in Höhenlagen oberhalb von rund 800 m. Im April betrug der Vorsprung der Blattentfaltung noch 4 Tage auf das Mittel der Periode 1981‒2010. Die kalte Witterung im Mai verlangsamte die Weiterentwicklung, so dass die Buchen in den höheren Lagen zu einem normalen bis späten Zeitpunkt austrieben. Der durchschnittliche Rückstand auf das Mittel betrug jedoch nur 2 Tage. An einzelnen Orten führten die Spätfröste Anfang Mai an den frisch austreibenden Buchen in Lagen um rund 1000 m zu Frostschäden.
Dieselbe zeitliche Entwicklung zeigten auch Fichten und Lärchen. Im Mai wurden die junge Fichtetriebe vom Flachland bis gegen 1000 m beobachtet, ziemlich genau zu einem mittleren Datum, wobei gegen Ende Monat immer mehr späte und sehr späte Daten auftraten. Die Lärchen trieben im Mai in grösserer Höhe, so zum Beispiel im Engadin bis 1750 m ebenfalls zu einem normalen bis verspäteten Zeitpunkt.
Der Mai ist der Monat der Blüte vieler Pflanzen. Blühende Wiesenmargeriten, Rosskastanien und Vogelbeeren wurden bisher rund 1‒5 Tage früher beobachtet als im Mittel. Blühender Löwenzahn konnte oberhalb von 1000 m ziemlich genau zu einem mittleren Zeitpunkt beobachtet werden. Mit der Blüte des Schwarzen Holunders und der Robinie beginnt der phänologische Frühsommer. Der Blühbeginn des Schwarzen Holunders wurde im Flachland vermehrt ab Mitte Mai beobachtet, was etwa einem mittleren Zeitpunkt entspricht. Zum Blühbeginn der Robinie sind bis jetzt erst wenige Meldungen eingetroffen.
Der definitive Bericht zum Mai 2019 ist ab dem 11. Juni 2019 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.
Durchschnittlicher Frühling
Zwei milde, ein kühler Frühlingsmonat
Die Frühlingstemperatur 2019 lag im landesweiten Mittel im Bereich der Norm 1981‒2010. Auf der Alpensüdseite wurde die Norm um rund ein halbes Grad überschritten, während in den Bergen regional leicht unterdurchschnittliche Werte registriert wurden.
Die Märztemperatur 2019 lag in der ganzen Schweiz über der Norm von 1981‒2010. Vom Jura bis nach Basel betrug die Abweichung um die 2 °C, ebenso in der Ostschweiz und in der Region Zürichsee. In der übrigen Schweiz war es verbreitet zwischen 1 bis 2 °C über der Norm. Im landesweiten Mittel lag der März 1,5 °C über der Norm 1981‒2010.
Die Apriltemperatur stieg nördlich der Alpen verbreitet 0,1 bis 0,7 °C über die Norm 1981‒2010. In den Alpen bewegte sich die Monatstemperatur verbreitet zwischen 0,6 und 1,0 °C über der Norm. Die Alpensüdseite registrierte Werte von 0,2 bis 0,9 °C über der Norm. Im landesweiten Mittel lag der April 0,6 °C über der Norm 1981‒2010.
Der Mai 2019 zeigte sich anhaltend kühl. Mit einem landesweiten Mittel von 2,5 °C unter der Norm 1981‒2010 war es der kühlste Mai seit 1991. Auf der Alpensüdseite bewegte sich der Mai 1,0 bis 1,5 °C, auf der Alpennordseite 2 bis 3 °C unter der Norm.
Viel Niederschlag in den Ostalpen
Der Frühling 2019 lieferte in den Ostalpen verbreitet Niederschlagssummen zwischen 110 und 150 % der Norm 1981‒2010. In Davos war der Frühling mit 157 % einer der zehn niederschlagsreichsten seit Messbeginn 1867. Der Säntis registrierte mit 159 % den drittniederschlagsreichsten Frühling seit Messbeginn 1883. In der übrigen Schweiz lagen die Frühlingsmengen mit 70 bis 90 % meist unter der Norm. Im landesweiten Mittel ergibt sich eine Frühlings-Niederschlagsumme im Bereich der Norm 1981‒2010.
Im März erreichten die Niederschlagsmengen am Alpennordhang, im südlichen Wallis und im Tessin 65 bis 100 % der Norm 1981‒2010. In Nord- und Mittelbünden sowie entlang des westlichen Jura fielen regional 100 bis 140 % der Norm. Die Niederschläge traten landesweit nur in der ersten Monatshälfte auf, die zweite Monatshälfte blieb durchwegs niederschlagsfrei.
Viel Niederschlag lieferte der April auf der Alpensüdseite, in Graubünden, in den Zentralalpen und im Oberwallis mit verbreitet 130 bis 200 %, lokal auch mit über 200 % der Norm 1981‒2010. Lokal gab es Rekordschneemengen für den Monat April. In den übrigen Gebieten fielen meist 60 bis 90 % der normalen Aprilsummen.
Im Mai registrierte die Zentral- und Ostschweiz reichlich Niederschlag mit verbreitet 110 bis 150 % der Norm 1981‒2010. In der West- und Nordwestschweiz lagen die Werte meist zwischen 60 und 90 % der Norm. Auf der Alpensüdseite und im Wallis erhielten einige Gebiete weniger als 50 % der normalen Maimengen.
Durchschnittliche Frühlingssonne
Der Frühling 2019 brachte in den meisten Gebieten der Schweiz eine Sonnenscheindauer zwischen 90 und 110 % der Norm 1981‒2010, das heisst weitgehend normale Werte.
Der März zeigte sich verbreitet sehr sonnig mit einer Sonnenscheindauer zwischen 125 und 150 % der Norm 1981‒2010. Beidseits der Alpen war es vielerorts einer der zehn sonnigsten Märzmonate seit Messbeginn 1961. Besonders in der zweiten Monatshälfte wurde in allen Landesteilen an vielen Tagen die maximal mögliche Sonnenscheindauer erreicht. Im Wallis bewegte sich die Sonnenscheindauer im Bereich der Norm, in den Alpen und im östlichen Graubünden lagen die Werte zwischen 115 und 125 % der Norm 1981‒2010.
Im April erreichte die Sonnenscheindauer in vielen Gebieten der Schweiz zwischen 80 und 110 % der Norm 1981‒2010. Nördlich der Alpen gab es lokal bis 120 % der Norm. Auf der Alpensüdseite und im Engadin blieb die Sonnenscheindauer generell unterdurchschnittlich mit Werten zwischen 70 und 90 % Norm 1981‒2010.
Der Mai war landesweit sonnenarm. Die Sonnenscheindauer bewegte sich verbreitet zwischen 60 und 80 % der Norm 1981‒2010. Nur ganz im Westen und auf der Alpensüdseite stieg die Sonnenscheindauer regional über 90 % der Norm.
Der definitive Bericht zum Frühling 2019 ab dem 11. Juni 2019 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.