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Eine Skoliose ist durch eine laterale Krümmung bei gleichzeitiger dreidimensionaler Rotation der Wirbelsäule charakterisiert.
Symptome
Die Skoliose ist mit eindeutigen physischen Merkmalen verbunden. Man sieht eine abormale Form und Symmetrie des Rückens, unter Umständen verbunden mit einer vorstehenden Rippe bzw. Skapula. Auch Hügel auf dem Rücken können bei einer Skoliose entstehen. Im Rahmen der klinischen Untersuchung scheint die Körperhaltung verkrümmt und auch die Länge der Extremitäten kann unterschiedlich erscheinen. Ramirez et al. untersuchte am Texas Scottish Rite Hospital mehr als 2400 Patienten mit Skoliose und fand, dass etwa 23% (560 von 2442 Patienten) bei der Vorstellung über Rückenschmerzen klagten [7]. Manche Patienten können auch unter Lungenhypoplasie, Kompression der unteren Atemwege bzw. anderer thorakoabdominaler Organe leiden.
Muskuloskeletal
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Rückenschmerz
Macht die Instabilität aufgrund der Rückenschmerzen einen wesentlichen Teil des Leidensdrucks aus, so ist sie auch unabhängig von der Progredienz mittels Fusion zu adressieren. [eref.thieme.de]
Skoliose erhöht die Wahrscheinlichkeit, Rückenschmerzen zu bekommen, nicht. Skoliose erhöht zwar die Wahrscheinlichkeit für einseitige Rückenschmerzen. [wiki.yoga-vidya.de]
Während des Wachstums kommen Rückenschmerzen bei Skoliosepatienten nicht häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung. [apotheken.de]
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Beinlängendifferenz
Durch Prüfung der Höhe der Beckenkämme kann das Ausmaß der Beinlängendifferenz klinisch recht genau abgeschätzt werden. [eref.thieme.de]
Größere Beinlängendifferenzen sind meist Folge eines Unfalles. Durch die natürliche Beinlängendifferenz entsteht ein Schiefstand des Beckens. Dadurch verbiegt sich die Wirbelsäule in der Regel mit der konvexbogigen Seite zum verkürzten Bein hin. [vitanet.de]
Funktionelle Skoliosen treten immer kompensatorisch bei Beinlängendifferenzen auf und erreichen nie die hohen Krümmungsgrade idiopathischer Skoliosen. [drgarten.de]
Diagnostik
Labortests
Ein Skoliometer kann für die Erstellung der Diagnose verwendet werden. Bei Bedarf können auch genetische Tests durchgeführt werden. Weitere durchzuführende Tests betreffen die Bestimmung der Hämoglobin- bzw. Hämatokrit-Werte, der alkalischen Phosphatase im Serum bzw. des Vitamin D Werts.
Bildgebung
- Magnetresonanztomografie (MRT)
- Laterale bzw. sagittale Radiografie der Wirbelsäule
- Gesamtradiografie der Wirbelsäule aus anteroposteriorer Position (AP) bzw. ein Koronar-CT.
Testergebnisse
Eine Skoliose kann auf Basis einer klinischen Untersuchung und bildgebender Verfahren diagnostiziert und die vorliegende Wirbelsäulenrotation bewertet werden.
Therapie
Konservative Behandlung
Dieser Ansatz fußt auf dem Einsatz von Schienen, Abgüssen und Analgetika. Im Rahmen einer bald abgeschlossenen Studie der Scoliosis Research Society konnten Nachemson et al. zeigen, dass das Tragen einer Schiene - i.e. einer Plastikfixierung, die täglich mindestens 16h am Unterarm getragen werden muss - in 74% der Fälle zu positiven Behandlungsergebnissen führt (95%-Konfidenzintervall: 52-84%) [8]. Ein weiteres Ergebnis einer anderen Studie, die an Kleinkindern mit Skoliose durchgeführt wurde, legt nahe, dass Körperabgüsse bei geringeren und flexiblen Wirbelsäulenkrümmungen nützlich sein können. Bei stärkeren Krümmungen bieten vertikal expandierbare Titan-Rippenprothesen (VEPTR) eine weitere gute Behandlungsoption [9].
Chirurgie
Im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs wird am häufigsten eine Wirbelsäulenfusion durchgeführt. Im Fall einer thorakalen Krümmung mit geeigneter Flexibilität greift man auf eine instrumentengestützte posteriore Fusion zurück. Ist die Krümmung stark und unflexibel, wird bei einer anterioren Korrektur eine Diskektomie zusammen mit einer Knochentransplantation durchgeführt. Große Knochenschrauben, Pedikelschrauben und Haken werden verwendet um die Wirbelsäule chirurgisch in eine normale Position zurück zu rotieren. Endoskopische Eingrifftechniken wurden ebenfalls bereits getestet und werden weiter verbessert [10].
Prognose
Eine Skoliose ist durch einen schleichenden Beginn ausgezeichnet und wird lebenslang bestehen, außer sie wird chirurgisch korrigiert. Sie ist eine chronisch-progrediente Erkrankung, die unter Umständen auch fatale Sequelae zeitigen kann. Die klinischen Resultate nach der Behandlung einer idiopathischen Skoliose hängen stark vom Ausmaß der diagnostizierten Wirbelsäulenkrümmung ab [6]. Die Mortalitätsrate ist mit "Krümmungsnebeneffekten" verbunden, da die verzerrte Körperhaltung und gekrümmte Wirbelsäule unter Umständen zu Schädigungen an den respiratorischen und kardiovaskulären Organsystemen führen kann. Durch eine professionelle Behandlung kann die Mortalitätsrate merkbar reduziert und die Lebensqualität der Patienten stark verbessert werden.
Ätiologie
Die idiopathische Skoliose ist die am häufigsten angetroffene Wirbelsäulenanomalie für Orthopäden [2]. Für ihre Entstehung können mehrere Gründe eine Rolle spielen, unter anderem kann wurde eine Beteiligung des CHD7-Gens bei der Skolioseentstehung nachgewiesen. Eine angeborene Skoliose kann auch durch intrauterin erworbene Wirbelsäulenfehlbildungen des Embryos zwischen der dritten und sechsten Schwangerschaftswoche entstehen. Viele neuromuskuläre Erkrankungen wie Poliomyelitis, Zerebralparese, spinomuskuläre Atrophie, Ehlers-Danlos-Syndrom, Marfan-Syndrom oder Neurofibromatose können einen Hauptgrund oder eine Erkrankung darstellen, die die Entwicklung einer sekundären oder neuromuskulären Skoliose begünstigen.
Epidemiologie
Inzidenz
Die infantile Skoliose ist eine sehr seltene Erkrankung, die nur ein 1% der diagnostizierten Fälle in Nordamerika ausmacht. Die idiopathische Skoliose ist auf der anderen Seite ein ziemlich häufiges Krankheitsbild, das 2-3% der US-Amerikaner betrifft, was etwa 5-9 Millionen Fällen entspricht [3].
Die Skolioseprävalenz ist mit 1.2% bei Patienten zwischen 12 und 14 Jahren am größten [4].
Geschlecht
Früh beginnende infantile Skoliose betrifft etwa 60% der Jungen, die spät einsetzende infantile Skoliose hingegen 90% der Mädchen. Bei der idiopathischen Skolioseform besteht eine Dominanz der Frauen.
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie der Skoliose ist bisher unklar. Die charakteristische Wirbelsäulenkrümmung kann eine Folge von intrauterinen Fehlentwicklungen sein, was zur Diagnose einer infantilen Skoliose führt. Diese Form manifestiert entweder direkt bei der Geburt oder in den ersten drei Lebensjahren. Die infantile Skoliose ist - neben den bekannten genetischen Faktoren - ebenso verbunden mit der Stillhaltung der Mutter und mit der Richtung der lateralen Wirbelsäulenkrümmung.
Die neuromuskuläre Skoliose kann eine Folge anderer primärer neurmuskulärer Erkrankungen wie z.B. des Ehlers-Danlos-Syndroms, Marfan-Syndroms, der Neurofibromatose etc. sein. Die Skolioseposition ist über den Wirbelkörper definiert, der am stärksten lateral von der Mittellinie abweicht bzw. rotiert ist - dieser wird als apikaler Wirbel bezeichnet [5].
Unabhängig vom vorliegenden Skoliosetyp ist allgemein anerkannt, dass Wirbelsäulenteile bei dieser Krankheit fehlerhaft angehört sind. Diese Fusionsdefekte führen zur Entwicklung einer Wirbelsäulenkrümmung in eine bestimmte Richtung. Danach setzt eine dreidimensionale Rotation der Wirbelsäule und die Ausbildung der charakteristischen "S"-förmigen Wirbelsäule ein.
Prävention
Eine idiopathische Skoliose kann durch verstärkte Aufmerksamkeit auf eine gute Körperhaltung, tägliches Training und eine gesunde Ernährung vermieden werden. Auf der anderen Seite kann eine angeborene Skoliose nicht verhindert werden. Die Progression kann jedoch durch passende Behandlungsstrategien eingebremst oder zum Stillstand gebracht werden. Eine neuromuskuläre Skoliose kann dann verhindert werden, wenn die zugrundeliegende Primär- oder Begleiterkrankung, die zur Skoliose führen kann, mit adäquater medikamentöser Behandlung und passender Physiotherapie behandelt wird.
Zusammenfassung
Die Skoliose ist charakterisiert durch eine laterale Krümmung der Wirbelsäule, meist tritt zusätzlich auch eine Rotation auf. Eine Skoliose liegt konventionsgemäß dann vor, wenn eine Krümmung von 10 Grad (über den Cobb-Winkel definiert) gemessen wird [1]. Wirbelsäulenkrümmungen unterhalb dieser Grenze werden der Einfachheit halber Wirbelsäulenasymmetrien genannt. In der Bildgebung erscheint diese Anomalie mit einer charakteristischen "S"-Wirbelsäulenform. Die Skoliose kann angeboren, idiopathisch oder infolge neuromuskulärer Erkrankungen auftreten. Jede Form wird im Haupttext erklärt.
Patientenhinweise
Definition
Die Skoliose wird durch eine seitliche (laterale) Krümmung und Verdrehung der Wirbelsäule definiert. Die Wirbelsäulenkrümmung muss stärker als 10 Grad sein um als Skoliose klassifiziert zu werden. Sie kann von Geburt an vorhanden sein - infantile Skoliose genannt - oder sich im späteren Leben entwickeln. Eine spät einsetzende Skoliose ist oft eine Folgeerscheinung anderer Erkrankungen, die die Entstehung einer Skoliose begünstigen.
Ursache
Am häufigsten tritt die Skoliose idiopathisch, i.e. ohne bekannte Ursache, auf. Die Entstehung der neuromuskulären Skoliose kann die Folge anderer Krankheiten sein, die die Anatomie des Körpers verändern. Die infantile Skoliose ist normalerweise genetisch determiniert, kann in seltenen Fällen aber auch durch Schwangerschaftstraumata entstehen.
Symptome
Eine Skoliose manifestiert als abnormal geformte Wirbelsäule mit auffälliger Asymmetrie, die zu Haltungsstörungen und auch zu einem Buckel führen kann. Auch Rippen oder Schulterblätter können vorstehen, Arme können unterschiedlich lang erscheinen. Patienten leiden oft unter Rückenschmerzen, der bei körperlicher Betätigung heftiger wird, sodass sportliche Aktivitäten eingeschränkt werden.
Behandlung
Die Skoliose kann mit Körperabgüssen, Schienen und Schmerzmitteln konservativ kontrolliert werden. Bei einer stark ausgeprägten Skoliose muss die vorliegende Wirbelsäulenkrümmung im Rahmen eines operativen Eingriffs korrigiert werden, was den Einsatz von Schrauben und Stäben notwendig macht, um die Wirbelsäulenposition zu normalisieren. Postoperative Physiotherapie hilft danach bei der Entspannung und beim Wiederaufbau der Rückenmuskulatur.
Quellen
- Kane WJ. Scoliosis prevalence: a call for a statement of terms. Clin Orthop Relat Res. 1977;126:43-46.
- Lonstein JE. Idiopathic scoliosis. In: Lonstein JE, Bradfordn DS, Winter RB, Ogilvie J, eds. Moe's Textbook of Scoliosis and Other Spinal Deformities. 3rd ed. Philadelphia, PA: WB Saunders Co; 1995:219-256.
- Negrini S, Aulisa AG, Aulisa L, et al. 2011 SOSORT guidelines: Orthopaedic and Rehabilitation treatment of idiopathic scoliosis during growth. Scoliosis. 2012;7(3):1-35.
- Stirling AJ, Howel D, Millner PA, et al. Late-onset idiopathic scoliosis in children six to fourteen years old. A cross-sectional prevalence study. J Bone Joint Surg Am. 1996;78(9):1330-1336.
- Tachdijan MO. The Spine. In: Clinical Pediatric Orthopedics: The Art of Diagnosis and Principles of Management. Stanford, CA: Appleton & Lange; 1997:p325.
- Tsutsui S, Pawelek J, Bastrom T, et al. Dissecting the effects of spinal fusion and deformity magnitude on quality of life in patients with adolescent idiopathic scoliosis. Spine. 2009;34(18):E653-E658.
- Ramirez N, Johnston CE, Browne RH. The prevalence of back pain in children who have idiopathic scoliosis. J Bone Joint Surg Am. 1997;79(3):364-368.
- Nachemson AL, Peterson LE. Effectiveness of treatment with a brace in girls who have adolescent idiopathic scoliosis. A prospective, controlled study based on data from the Brace Study of the Scoliosis Research Society. J Bone Joint Surg Am. 1995;77(6):815-822.
- Smith JR, Samdani AF, Pahys J, et al. The role of bracing, casting, and vertical expandable prosthetic titanium rib for the treatment of infantile idiopathic scoliosis: a single-institution experience with 31 consecutive patients. J Neurosurg Spine. 2009;11(1):3-8.
- Picetti G 3rd, Blackman RG, O'Neal K, Luque E. Anterior endoscopic correction and fusion of scoliosis. Orthopedics. 1998;21(12):1285-1287.