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Dialektik heisst gemeinhin die Lehre von der Aufhebung des Widerspruches. Die Formel These - Antithese - Synthese soll diese Aufhebung ausdrücken.
In der griechischen Philosophie gibt es verschiedene Variationen der Dialektik, die zum als Rhetorik gelingende Gespräche organisiert (bis hin zu Plato), dann aber auch als Methode aufgefasst wird, um zu Wahrheit zu kommen (Aristoteles). Bei Sokrates geht es im Sinne Platos darum, falsche Argumente aufzudecken. In einer Art Renaissance habe die deutschen Idealisten (Kant, G. Hegel) die Dialektik Platos als Weg zu einer "dialektischen" Wahrheit begriffen, die K. Popper später als Grund einer Irrationalität begriffen hat, weil er die Verwendung von Widersprüchen im Beweisverfahren vermeinte.
K. Marx stellte die Dialektik als Ausdruck sich widersprechenden Interesse dar. Dabei geht es nicht mehr um Ueberzeugung oder Wahrheit, sondern um Perspektiven. Allerdings hat F. Engels in einer vulgären Veriante des Materialismus einfache Ueberlagerungen von Ursachen als dialektisch bezeichnet.
3 Grundgesetze
Ich verstehe die Dialektik als Theorie des Dialoges. Die Dialektik beschreibt dann die Formen des Dialoges. In bezug auf Sokrates etwa, dass er seine Dialogpartner durch geschickte Strategien die Resultate aussprechen liess, die er von ihnen hören wollte. In bezug auf Marx etwa, dass er zeigte, wie die Menschen in den sich widersprechenden Klassen im Kapitalverhältnis sprechen, und so die Widersprüche auf andere Ebenen transportieren.
Die dialektische Aufhebung ist ein zentraler Begriff der Philosophie G. W. F. Hegels. Er bezeichnet den Vorgang der überwindung eines Widerspruchs, wobei die positiven, wertvollen Elemente erhalten und fortgeführt werden und die negativen entfallen. Hegel sah in dem deutschen Wort Aufhebung den spekulativen Geist der Sprache, der in der Lage ist, gegensätzliche Bedeutungen in einem Wort zu vereinen. Er stellte die drei Momente der dialektischen Aufhebung folgendermaßen dar:
- die Beendigung, überwindung einer Entwicklungsstufe (Negation, tollere)
- das Erhalten ihrer zukunftsträchtigen Seiten (Aufbewahrung, conservare)
- die Integration dieser Seiten in die höhere Stufe der Entwicklung, wodurch sie eine neue Funktion erlangen (Erhöhung, elevare)
1864 wurde postum die Eristische Dialektik des deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer veröffentlicht. Die Arbeit trägt den Untertitel Die Kunst, Recht zu behalten. Zu ihr gehören auch 38 Kunstgriffe, rhetorische Tricks, die den Leser befähigen sollen, in einer Diskussion oder Debatte zu bestehen. Das Buch ist eher ironisch und nicht als tatsächliches Lehrbuch der Rhetorik zu verstehen.
"Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil. Für Hegel ist der Denkprozeß, den er sogar unter dem Namen Idee in ein selbständiges Subjekt verwandelt, der Demiurg des Wirklichen, das nur seine äußere Erscheinung bildet. Bei mir ist umgekehrt das ideelle nichts andres als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle. Die mystifizierende Seite der Hegelschen Dialektik habe ich vor beinah 30 Jahren, zu einer Zeit kritisiert, wo sie noch Tagesmode war. Aber grade als ich den ersten Band des »Kapital« ausarbeitete, gefiel sich das verdrießliche, anmaßliche und mittelmäßige Epigonentum, welches jetzt im gebildeten Deutschland das große Wort führt, darin, Hegel zu behandeln, wie der brave Moses Mendelssohn zu Lessings Zeit den Spinoza behandelt hat, nämlich als »toten Hund«. Ich bekannte mich daher offen als Schüler jenes großen Denkers und kokettierte sogar hier und da im Kapitel über die Werttheorie mit der ihm eigentümlichen Ausdrucksweise. Die Mystifikation, welche die Dialektik in Hegels Händen erleidet, verhindert in keiner Weise, daß er ihre allgemeinen Bewegungsformen zuerst in umfassender und bewußter Weise dargestellt hat. Sie steht bei ihm auf dem Kopf. Man muß sie umstülpen, um den rationellen Kern in der mystischen Hülle zu entdecken."[Marx: Das Kapital, S. 26. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 3335 (vgl. MEW Bd. 23, S. 27-28)] /p>
"In ihrer mystifizierten Form ward die Dialektik deutsche Mode, weil sie das Bestehende zu verklären schien. In ihrer rationellen Gestalt ist sie dem Bürgertum und seinen doktrinären Wortführern ein ärgernis und ein Greuel, weil sie in dem positiven Verständnis des Bestehenden zugleich auch das Verständnis seiner Negation, seines notwendigen Untergangs einschließt, jede gewordne Form im Flusse der Bewegung, also auch nach ihrer vergänglichen Seite auffaßt, sich durch nichts imponieren läßt, ihrem Wesen nach kritisch und revolutionär ist. Die widerspruchsvolle Bewegung der kapitalistischen Gesellschaft macht sich dem praktischen Bourgeois am schlagendsten fühlbar in den Wechselfällen des periodischen Zyklus, den die moderne Industrie durchläuft, und deren Gipfelpunkt - die allgemeine Krise. Sie ist wieder im Anmarsch, obgleich noch begriffen in den Vorstadien, und wird durch die Allseitigkeit ihres Schauplatzes, wie die Intensität ihrer Wirkung, selbst den Glückspilzen des neuen heiligen, preußisch-deutschen Reichs Dialektik einpauken." [Marx: Das Kapital, S. 27. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 3336 (vgl. MEW Bd. 23, S. 28)]