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Reisebericht von Christian Mundwiler
Der Funakoshi Gichin World Cup wird alle drei Jahre im Wechsel mit Japan ausgetragen. In diesem Jahr war die Stadt Limerick in Irland ca. 200 km südwestlich von Dublin entfernt vom 18. - 20. August Austragungsort dieser „JKA Weltmeisterschaft“, die aus der IAKF (International Amateur Karate Federation) entstanden ist und unter dem Namen „Shoto World Cup“ zum ersten mal 1985 in Tokyo durchgeführt wurde. Seit 2006 trägt die Meisterschaft den Namen „Funakoshi Gichin World Cup“.
Die SKR Delegation flog am 17. August von Zürich nach Dublin und von dort mit dem Bus nach Limerick und umfasste die folgenden Sportler: Leoni Isenegger, Alma Polozani, Drenusha Sejdijaj, Sanne Dokter, Benjamin Lüthi, Tobias Müller, Kobi Yoganathan und Kurt Wyler. Zum ersten Mal für eine derart grosse internationale Meisterschaft selektioniert wurden die Nachwuchsathleten Selin Bagderelli, Marc Reinbold und Kron Osmani. Betreut wurden unsere Sportler von den SKR Kadertrainern Andrea Isenegger-Kennel, Zoran Ivetic, Daniel Lopez und Hanspeter Rütsche. Ebenso war Beni Isenegger als TK-Kaderverantwortlicher, unser SKR Präsident Stephan Läuchli sowie als Begleiter Tommaso Mini, Stefan Schönenberger und Christian Mundwiler mit dabei. Leider konnte die Schweiz keine Schiedsrichter für die Meisterschaft stellen, da sie noch nicht über die nötigen Qualifikationen verfügten.
Unser JKA Chef Instruktor Sugi Sensei war bereits einige Tage vor der Delegation nach Irland gereist, um am JKA-Gasshuku im Vorfeld der Meisterschaft teilzunehmen und seine JKA-Prüferlizenz zu erneuern. An diesen Meisterschaften sind immer alle ranghohen Karatemeister und Führungspersönlichkeiten der JKA anwesend und Sugi Sensei nutzte die Zeit, um wichtige Gespräche mit den Verantwortlichen der JKA zu führen und Kontakte zu knüpfen.
Bei typisch irischem Wetter mit Regen und Sonnenschein waren alle Teilnehmer der Meisterschaft im Gelände der University of Limerick untergebracht. Die Unterkunft oder besser gesagt die Studentenbuden waren zwar nicht zu vergleichen mit einem ***** Hotel, aber für uns reichte es allemal. Zudem bot das Universitätsgelände den Vorteil, dass sowohl Trainings- und Wettkampfhallen, Kongressraum und Busstation in ein paar Minuten bequem zu Fuss zu erreichen waren.
Die Sportarena der Universität bot zwar Platz für 8 Kampfflächen, jedoch kamen die Zuschauerränge dabei etwas zu kurz, was zur Folge hatte, dass sich viele Zuschauer direkt an den Kampfflächen aufhielten um das Geschehen aus der Nähe zu verfolgen. So herrschte während den ersten beiden Tagen ein wahres Gedränge an den Tatamis und die Sportler hatten kaum Platz, sich für ihren Einsatz optimal vorzubereiten. Aus Sicht der Zuschauer muss man allerdings sagen, dass es viel spannender ist, die Kata- und Kumite-Kämpfe statt aus 50 Meter Entfernung aus nächster Nähe zu erleben und die Dynamik der Techniken und die Spannung in den entscheidenden Momenten hautnah mitzuverfolgen. Generell kann man sagen, dass das gezeigte Niveau von den Kinder-Kategorien bis hin zu den Senioren als sehr hoch bezeichnet werden darf. Dabei vermochten sich die japanischen Wettkämpfer speziell bei den Kata Disziplinen noch etwas vom Rest der Welt abzuheben.
Freitag, 18.08.2017 – sämtliche Kategorien bis U21
Am Freitag standen unsere jüngeren Wettkämpfe im Einsatz. In der Kategorie Einzel Kata Herren U16 schaffte es Kron Osmani nach einer guten Heian Shodan in die zweite Runde, wo er auf einen japanischen Kontrahenten traf und wie bereits erwähnt war dies kein leichtes Unterfangen. Kron zeigte eine solide Heian Nidan, musste sich aber mit 1 : 2 geschlagen geben. Eine Trostrunde gibt es bei den Turnieren der JKA nicht, deshalb war für Kron das Kata Turnier somit zu Ende.
In seiner Kumite-Kategorie, die selbstverständlich alle im Ippon-Shobu System ausgetragen wurden, schaffte Kron es noch eine Runde weiter. Nachdem er seine ersten beiden Begegnungen jeweils vorzeitig mit je zwei Waza-ari für Gyaku-zuki für sich entscheiden konnte, stand er im Viertelfinale wiederum einem Japaner gegenüber (da war doch was!). Nach zwei Minuten konnte kein Kämpfer eine Wertung erzielen und der Kampf musste in die Verlängerung, hier war der Japaner bei einer Aktion um einen Bruchteil schneller als Kron und erhielt die entscheidende Wertung. Ein fünfter Schlussrang ist dennoch eine tolle Leistung, auf die sich aufbauen lässt. Bravo!
Auch Selin Bagderelli machte einen super Wettkampf. Sie gewann ihre erste Begegnung souverän und musste sich erst in Runde zwei geschlagen geben.
Sanne Dokter und Marc Reinbold standen beide in den Kumite Kategorien U18 im Einsatz. Marc hatte Probleme für seine Kizami-zuki eine Wertung zu erzielen und musste sich leider bereits in der ersten Runde vom Wettkampf verabschieden. Sanne machte es da besser, sie gewann ihre ersten beiden Begegnungen mit sauberen Zukis souverän und musste erst in der dritten Runde die Segel streichen – und wieder ein 5. Platz. Herzliche Gratulation – Sanne ist momentan auf internationalem Niveau sehr stabil und zeigt stets hervorragende Leistungen.
Leoni Isenegger war an diesem Tag die einzige Starterin in der Kata Kategorie U21 und nach ihrem Erfolg an den JKA Europameisterschaften im April dieses Jahres, als Leoni in den Final vordringen konnte, durfte man sich aus Schweizer sich Hoffnungen auf ein Weiterkommen machen. Leoni zeigte eine solide Heian Nidan. Das Aus in der ersten Runde war dann doch für alle mitgereisten Eidgenossen eine leise Enttäuschung, war aber angesichts der Gegnerin – die spätere Gewinnerin aus Japan – verkraftbar.
Die meisten Teilnehmerinnen stellte die SKR Delegation in der Kumite Kategorie U21 der Damen. Mit Drenusha Sejdijaj, Leoni Isenegger und Alma Polozani stellte die SKR drei Sportlerinnen, die bereits jetzt über viel Wettkampferfahrung und ein grosses Kämpferherz verfügen. Leider gibt es in dieser Kategorie kein Team Kumite Bewerb, weshalb die Damen ihr Können ausschliesslich in der Einzeldisziplin zeigen konnten.
An fehlendem Kampfgeist hatte es im ersten Kampf von Drenusha sicherlich nicht gefehlt. Allerdings klappte es einfach nicht, die richtige Distanz zu ihrer Gegnerin zu finden und so kam für Drenusha leider bereits in der ersten Runde das Aus.
Nach dem verpassten Kata Erfolg, wollte es Leoni nun wohl im Kumite richten. Sie holte jeweils den ersten Punkt, dominierte den Kampf und schlug sich sicher bis in den Viertelfinale durch, wo sie auf eine deutsche Gegnerin treffen sollte. Die Begegnung gegen die Deutsche verlief ausgeglichen, dann eine Aktion bei der die Deutsche Leoni geworfen hatte und sich dabei selbst schwer am Knie verletzte. Ein Weiterkämpfen war nicht möglich, und dann die Entscheidung der Schiedsrichter – Hansoku für Leoni. Die Schiedsrichter entschieden, dass Leoni vom Boden aus nachgetreten haben sollte und dabei die Verletzung ihrer Gegnerin verursachte. Zoran als ihr Coach hatte die Aktion jedoch mit dem Handy gefilmt und legte bei den Schiedsrichtern Protest ein. Nach dem Betrachten des „Video-Beweises“ wurde die Entscheidung revidiert und Leoni zur Siegerin erklärt. Hier muss man dem Deutschen Coach-Team ein grosses Kompliment machen. Sie hatten von Anfang an den Protest der Schweiz unterstützt und sich für ein Weiterkommen von Leoni eingesetzt – Kompliment!
Alma fegte in ihrem Pool förmlich alle Gegnerin mit ihrem gewohnt aggressiven Kampfstil vom Platz. Ein Ellenbogenschlag ihrer Gegnerin verursachte eine blutige Nase, die einfach nicht aufhören wollte zu bluten und einen längeren Kampfunterbruch zur Folge hatte. Das konnte sie aber auch nicht auf ihrem Weg in den Halbfinale stoppen. Und so kam es zum erfreulichen, rein schweizerischen Halbfinale unserer beiden Kumite Ladys. Die Begegnung war durch einen verhaltenen Kampfstil der beiden Schweizerinnen geprägt. Es war augenfällig, dass sich die beiden aus vielen Turnieren in der Schweiz gut kannten. Letztendlich konnte Alme sich den Sieg und den Einzug in den Finale sichern. Im Kampf um Platz eins gegen eine belgische Gegnerin war bei Alma dann aber die „Luft raus“, sie hatte wohl in den Runden zuvor zu viel Energie verbraucht und musste sich mit dem 2. Schlussrang begnügen. Aber was heisst „begnügen“: Ein 2. und 3. Schlussrang für Alma und Leoni an einer solchen Meisterschaft ist ein toller Erfolg.
Samstag, 19.08.2017 – Vorausscheidungen Senioren
Leider waren an diesem Tag keine Kumite Teilnehmer der Schweiz am Start. Bei den Damen wird diese Lücke demnächst geschlossen werden, aber bei den Herren werden wir wohl noch längere Zeit brauchen, bis wir in dieser Altersklasse wieder eine schlagkräftige Truppe stellen können.
Hingegen hat sich unser Kata Team mit Benjamin Lüthi, Tobias Müller und Kobi Yoganathan in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert und speziell für diese Meisterschaft wurde mit den verantwortlichen Kata Trainern wieder viel gearbeitet. Insgesamt waren 18 Teams am Start, die gleichmässig auf zwei Pools verteilt wurden in denen sich die jeweils 4 besten für den Finale qualifizierten. Das erklärte Ziel der Schweizer Mannschaft war die Finalteilnahme. Unser Team zeigte dann auch eine solide Gojushiho-sho. Mit 40.5 erhielt unser Team die gleiche Punktzahl wie die zuvor gestarteten Ungarn. Das ungarische Kata Team war in den letzten Jahren international sehr erfolgreich und so durften wir auf eine Finalteilnahme hoffen. Das Losglück meinte es jedoch nicht gut mit der Schweiz, denn mit Japan, Frankreich, Canada und Deutschland waren die am Ende vier Erstplatzierten im selben Ausscheidungs-Pool wie unser Schweizer Team und so reichte es leider nur für den undankbaren 5. Platz der Vorrunde. Die Finalteilnahme wurde somit verpasst. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, das SKR Team hat deutliche Fortschritte gemacht und ein Weiterkommen an einem solchen Wettkampf ist eine Frage der Zeit.
In den Kata Einzelbewerben griff mit Kurt Wyler ein vierter Schweizer Karateka ins Geschehen ein. Der SKR konnte somit in dieser Kategorie das Maximum an Teilnehmern stellen. Kurt bekam es in der ersten Runde mit einem Sportler aus Norwegen zu tun. Beide grossgewachsene Sportler zeigten eine in technischer Hinsicht ebenbürtige Heian Yodan, wobei sich der Norweger eine kleine Unsicherheit leistete, dies änderte jedoch nichts daran, dass sich die Schiedsrichter dem Nordländer den Sieg zusprachen. Selbstkritisch hat Kurt mit dem Kata-Coachteam jedoch sofort analysiert, was verbessert werden soll und kann.
Nicht viel besser erging es Tobi, nach einem Freilos in der ersten Runde unterlag er in der zweiten Runde einem starken Deutschen. Ebenso schaffte auch Benjamin den Sprung eine Runde weiter nicht. Nach einem Unentschieden überzeugt seine Stichkata Tekki Shodan nicht und so waren bereits ¾ der Schweizer Kata Teilnehmer ausgeschieden.
Blieb nur noch Kobi. Dieser gewann die ersten beiden Runden mit Bravour und Überzeugung und musste sich erst kurz vor der Halbfinalteilnahme geschlagen geben – wieder einmal mehr gegen einen japanischen Sportler, der das Turnier dann später mit einer hervorragenden Sochin gewinnen wird. Eine grosse Leistung für unseren Sportler aus Klingnau, der sich somit unter den besten 30 von weit über 100 Teilnehmern platzierte.
Sonntag, 20.08.2017 – Finale Senioren
Sämtliche Finale der Senioren Kategorien wurden auf nur einer Fläche ausgetragen. Den Zuschauern wurde es erlaubt bis nahe an die Tatami heran zu sitzen, was für eine tolle Atmosphäre und Stimmung sorgte. Da sich keine Schweizer Athleten der Senioren-Kategorie für die Finals qualifizieren konnten, durfte sich die SKR Delegation auf die sportlichen Höhenpunkte konzentrieren und obwohl schweizerisch neutral, hatte jeder seine eigenen Favoriten ausgemacht. Es wurde untereinander viel ob der gezeigten Leistungen der Finalisten diskutiert und wie in anderen Sportarten auch wussten es die Zuschauer immer besser. Die Leistungen der Schiedsrichter waren am Finaltag sehr gut. Obwohl mehrheitlich japanische Schiedsrichter auf der Tatami standen, waren die Entscheidungen korrekt, was jedoch nicht über die gesamten drei Wettkampftage gilt.
Einen Höhepunkt aus Schweizer Sicht gab es an diesem Tag doch noch. Sugi Sensei, unser JKA Chef Instruktor, wurde für seine langjährige Arbeit für die JKA in der Schweiz (endlich) geehrt und somit hatten wir doch noch einen Grund zu jubeln.
Zum Schluss gilt der Dank unseren Sportlerinnen und Sportlern für ihren Einsatz, sowie den Kadertrainerinnen und -trainern für die Vorbereitung und Betreuung der Sportler am Wettkampf.