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Thomas Naef (zum Teil auf Basis von Artikeln aus der Fachpresse)
Die Geschichte des E-Type begann nicht 1961, sondern schon 7 Jahre vorher, als Jaguar erstmals mit dem D-Type in Le Mans erschien. Der D-Type nahm bereits wesentliche Konstruktionsmerkmale des späteren E-Types vorweg.
Der gesamte Vorbau war in Rohrrahmenbauweise ausgeführt. Dieser Rohrrahmen bildete die Anlenkpunkte für die Vorderaufhängung und den Zweinockenwellenmotor
und war an acht Befestigungspunkten mit dem Karrosseriekörper verschraubt. Die Kontrukteure unter Malcom Sayer hatten diese Konstruktion aus dem Flugzeugbau übernommen. Die Motorhaube war mit den Kotflügeln verschraubt und liess sich als Einheit nach vorne aufklappen.
Im Gegensatz zum Rennwagen D war der E-Type jedoch von Anfang an als Strassensportwagen konzipiert. Ueber die neuentwickelte Hinterachse in Kastenbauweise und mit innenliegenden Scheibenbremsen hatten Sir William Lyons und sein Team eine spektakulär geformte Karrosserie gezeichnet. Der E-Type war sowohl als Coupé (FHC) wie als Roadster (OTS) lieferbar, und er war die Sensation schlechthin am Genfer Automobilsalon 1961. Die Fachpresse riss sich um die Testfahrzeuge und überschlug sich förmlich mit Lobpreisungen über die Neuerscheinung. Der E-Type konkurrierte leistungsmässig mit Sportwagen der höchsten Stärkenklasse, welche jedoch doppelt so teuer waren. Deshalb verzieh man ihm grosszügig die nachlässige Verarbeitung, das schwierig zu schaltende Moss-Getriebe und die für grossgewachsene Fahrer unbequeme Sitzposition. Schon 1962 wurden die nachträglich «Flatfloor» genannten Fahrzeuge abgelöst durch Wagen mit umgestalteter Bodengruppe und grösserem Verstellbereich der Sitze. Etwas früher wurde die Motorhaubenverriegelung in den Innenraum verlegt.
1964 wurde der 3.8 Liter XK-Reihensechszylinder durch eine neue Ausführung mit 4.2 Liter Inhalt ersetzt. Die Leistung blieb unverändert, aber das Drehmoment stieg um 10% auf nahezu 30 mkp. Gleichzeitig wuchs jedoch das Fahrzeuggewicht, somit blieben die Fahrleistungen praktisch unverändert. Gleichzeitig wurde die Moss-«Crashbox» durch ein vollsynchronisiertes Getriebe aus Jaguar-Fertigung ersetzt.
Um ein grösseres Marktsegment abdecken zu können, wurde dem reinen 2-Sitzer 1965 eine 2 + 2 Version zur Seite gestellt. Die Dachlinie war zugunsten des Innenraums erhöht und der Radstand um 23 cm verlängert worden. Diese Aenderung machte den E-Type nicht unbedingt schöner, aber erhöhte den Nutzwert. Das grössere Platzangebot wurde durch die Fans gerne angenommen, und der 2+2 verkaufte sich nicht schlecht. Dank dem längeren Radstand war sogar ein Getriebeautomat lieferbar.
Ende 1967 wurden die Scheinwerferabdeckgläser zugunsten besserer Lichtausbeute weggelassen. Zusammen mit kleineren Aenderungen unter dem Blech (vorallem für verbesserte Kühlung) entstand die Serie 1 _. Aufgrund neuer Vorschriften aus Kanada und den USA wurde 1968 die Stossstangenhöhe geändert. Die Blinker und Rückleuchten wurden grösser und wanderten unter die Stossstangen. Die Serie 2 war geboren. Durch verschärfte Abgasvorschriften mussten die 3 SU-Vergaser (u.a. in den USA) neu 2 Strombergvergasern weichen. Dadurch sank die Motorleistung spürbar.
Als 1971 bereits über einen möglichen Nachfolger des E-Types debattiert wurde, folgte ein wahrer Paukenschlag. Jaguar verwendete den E-Type zur Einführung des brandneuen V12-Motors.
Endlich bot der E-Type wieder die ursprünglichen Fahrleistungen. Zusätzlich wurde die Karrosserie tiefgreifend verändert. Eine breitere Spur, Kotflügelverbreiterungen, Servolenkung und eine nochmals vergrösserte Kühlöffnung mit Gittereinsatz waren äusserlich sichtbare Aenderungen. Vom Coupé wurde nur noch die 2+2 Ausführung gebaut. Gleichzeitig erhielt der Roadster den längeren Radstand des 2+2. Diese Modifikationen zusammen mit dem neuen V12 5.3-Liter-Motor veränderten den Charakter des E-Type grundlegend. Mit der Serie 3 wurde der ehemalige Machosportwagen zum softeren, schnellen GrandTourer. Doch die Zeit kennt keine Gnade. 1973 wurde die Produktion des Coupés eingestellt. Der Roadster blieb noch bis 1974 in Produktion.
Der Begriff Sportwagen hatte sich geändert. Der 1975 präsentierte Jaguar XJ-S gründete auf einem gänzlich veränderten Pflichtenheft, als es noch für den E-Type von 1961 gegolten hatte.