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Der gute König, der Nancy den Place Stanislas hinterliess
“Nicht vor der Kälte, vor der Wärme hätte er sich in Acht nehmen sollen”, scherzte “le Bon Roi Stanislas” noch. Kurz vorher war der alte Herr, fast blind, 88-jährig und Pfeife rauchend, nach reichlichem Mahl in seinem Schloss Luneville vom Stuhl direkt in den Kamin gefallen. Am 23. Februar 1766 starb der König der Herzen und grosser Wohltäter für Nancy an den Folgen seiner Brandwunden.
It is having in some measure a sort of wit
to know how to use the wit of others.
– Stanislaus I. Leszczyński
Anfänglich war Stanislas ein unglücklicher König. In den Ränken der damaligen Zeit zog er als mehrfach gewählter Monarch von Polen ebenso mehrfach den Kürzeren. Nach Jahren der Wanderschaft, unter anderem des feuchten Exils in einem Loire-Schloss, erreichte endlich das Glück Stanislas.
Aus politischem Kalkül veranstaltete der König von Frankreich Ludwig XV ein Casting um seine Ehefrau zu küren. Aus 99 Bewerberinnen fiel die Entscheidung auf die Tochter von Stanislas, Maria Leszczynska. So wurde Ludwig XV sein Schwiegersohn. Dieser dachte allerdings, der übergewichtige und gichtkranke Schwiegerpapa werde alsbald das Zeitliche segnen. Daher machte er ihn 1737 durch die Verträge von Wien zum Ex-König von Polen und im Gegenzug zum Herzog von Lothringen auf Lebenszeit. Dieser Schachzug ging nicht ganz auf, der alte Herr lebte noch fast 30 Jahre, und sogar sehr gut.
Stanislas war unverhofft glücklicher Platzhalter ohne Macht, dafür ein teurer Kostgänger der französischen Krone. Er war König ohne Land, ein royaler Schwiegervater mit sehr gutem Appetit und schliesslich ein sehr eifriger Bauherr, der seine Rechnungen zur Begleichung einfach nach Paris weiterreichen konnte.
Der gebildete Humanist Stanislas gab sein Glück auch weiter und hinterliess den Bürgern von Nancy, der Hauptstadt von Lothringen, eine der ersten Bibliotheken Europas. Bedürftige hatten das Anrecht für eine medizinische Versorgung, er schrieb Bücher über Botanik, Politik und Wirtschaft. Und er baute einen Platz, der weit und breit seinesgleichen sucht: die Place Royale!
Die Place Stanislas, wie sie heute heisst, ist in einem Atemzug mit den schönsten Plätzen Europas wie dem Altstädter Ring, der Plaza de España, Place du Vosges oder der Piazza della Signoria zu nennen.
Heute ist der Platz eine wunderschöne Ausgeh- und Flaniermeile. Zum 250-jährigen Jubiläum 2005 wurde das Ensemble, das zum Weltkulturerbe der Unesco gehört, von allem Russ und Staub und dem lästigen Strassenverkehr befreit.
Stanislas setzte mit der „Place Royale“, einem Königsplatz im Stil der Zeit, ein Statement für die französische Krone. Und so war die Statue seines Schwiegersohns, Ludwigs XV., König von Frankreich, das Herzstück des prunkvollen Ensembles. Diese blickte stolz nach Westen in Richtung Paris.
Der König von Frankreich stürzte 37 Jahre später in der Französischen Revolution und in Nancy vom hohen Sockel. Nach Ende der Wirren stellten die Bewohner von Nancy wieder einen Monarchen auf den Sockel inmitten des Platzes – Stanislas, “le Bon Roi”. Dort steht er heute noch.
Seine sterblichen Überreste wurden 1814 nach Polen überführt. Nach verschiedenen Zwischenlagern wurden sie 1938 in der Krakauer Wawel-Kathedrale beigesetzt.
Als der Platz im November 1755 eingeweiht wurde floss aus den beiden Neptun-Fontänen der „Place Royale“ französischer Wein. Bäckereien und Metzgereien der Vorstädte waren angewiesen, fünfmal am Tag zu backen beziehungsweise stets dreierlei Fleisch in ausreichender Menge und Qualität bereitzuhalten.
Wenn man vor einem der goldigen, riesigen Neptun-Fontänen steht, mag man dies sofort glauben. Und so verwundert es kaum, dass “Stan the man” in Nancy immer und überall präsent ist – selbst das Tram heisst hier “Stan” (Réseau Stan).
Stanislaus I. Leszczyński lebte von 1677–1766. Die französische Schreibweise seines Namens ist Stanislas Leczinski. Seine Tochter Maria Leszczynska war durch Heirat mit Ludwig XV. Königin von Frankreich. Ich habe diese kleine Geschichte aus Quellen im Internet (Wikipedia, Reiseberichte, alten Zeitungsberichten, https://beruhmte-zitate.de/, usw.) zusammengeschüttelt. Nichts dazu gereimt, aber einiges weggelassen. So oder ähnlich könnte es gewesen sein.
Die Place Stanislas, wie sie heute heisst, ist einer der schönsten Plätze Europas.
Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise oder sonst irgendwo so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.
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