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Multiple Sklerose, kurz MS, wird auch als die Krankheit mit den 1`000 Gesichtern beschrieben. Derzeit sind in der Schweiz circa 10`000 Menschen, also jeder Siebenhundertste davon betroffen, wobei Frauen doppelt so häufig daran erkranken wie Männer. Bei achtzig Prozent der Erkrankten tritt MS im Alter zwischen zwanzig und vierzig Jahren auf und ist in diesem Alter die häufigste, neurologische Erkrankung.
Die Diagnose MS zieht häufig Gefühle von Angst, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit mit sich. Gerade bei anhaltenden körperlichen Schmerzen gehört Depressivität häufig als Begleiterkrankung dazu. Psychische Störungen können sich auch in einer Verstärkung der Symptome niederschlagen, oder es können unerklärlich scheinende Symptome hinzukommen. Die Patienten fühlen sich in ihrem Leben eingeschränkt und müssen häufig erst mit psychologischer Hilfe lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen. Hilfreich sind hier kombinierte Therapien, einschliesslich Funktionstherapien und dem Austausch mit anderen Betroffenen innerhalb von Selbsthilfegruppen.
MS zu diagnostizieren erweist sich häufig als schwierig, da die Erkrankung viele Symptome aufweist. Die gute Nachricht ist, dass MS weder tödlich, noch ansteckend ist und dass das viel gefürchtete Leben im Rollstuhl auch keine zwangsläufige Folge der Krankheit ist.
Was passiert im Körper?
Die Multiple Sklerose ist eine Entzündung des Nervensystems, die meist im frühen Erwachsenenalter beginnt. Wenn das Gehirn Signale über das Rückenmark zum Körper sendet oder von dort welche empfängt, so werden diese durch verschiedene Nervenfasern geleitet, die ähnlich wie ein elektrisches Kabel von einer Isolierschicht umgeben sind. Die Isolierung besteht hier nicht aus Gummi oder Silikon, sondern aus Myelin. Eine Entzündung in diesem Bereich führt dazu, dass die Nervenimpulse nicht (mehr) richtig übertragen werden. In der Folge entstehen dadurch häufig Missempfindungen, Kribbeln oder Sehstörungen. Auch stolpern, Nervenschmerzen bis hin zu Muskellähmungen können mögliche Folgen im Verlauf von Multipler Sklerose sein.Warum es zu diesen Entzündungen kommt, ist noch nicht bekannt. Vermutet wird, dass unter anderem das Immunsystem der Patienten stellenweise falsch «programmiert» ist, Mediziner sprechen von einer Autoimmunerkrankung. Umwelteinflüsse, aber auch erbliche Komponenten werden als Ursachen diskutiert.
Die Krankheit ist kaum planbar
Typisch für MS ist ihr schubweises Auftreten. Dabei können die Beschwerden innerhalb weniger Tage plötzlich zunehmen und sich innerhalb einiger Wochen wieder zurückbilden, oder aber sie sind über einen langen Zeitraum schleichend und nehmen dabei weiter zu. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung, können die Schübe reduziert werden. Bei später Diagnose können die Schübe hingegen häufiger vorkommen und die Symptome weiter zunehmen.
Diagnostiziert wird MS anhand einer gründlichen, körperlichen, wie auch neurologischen Untersuchung. Eine Untersuchung mittels EEG überprüft bestimmte Muster bei der Rücksendung von Impulsen, zum Beispiel an Hör- und Sehnerven, die auf MS hinweisen können. Aber auch Verfahren wie MRT oder Liquoruntersuchungen helfen dabei, den Verdacht auf MS zu bestätigen oder auszuschliessen.
Eine ursächliche Therapie ist derzeit noch nicht möglich, wobei die Forschung an neuen Medikamenten auf Hochtouren läuft. So behandelt man zurzeit die Schübe mit ihren Symptomen, wie auch die langfristigen Symptome. Dabei helfen kurzfristig wirksame Entzündungshemmer, auch Kortison und langfristig kann die Zahl der Schübe durch Beta-Interferone reduziert werden. Begleiterkrankungen wie spastische Lähmungen oder Blasenenstörungen müssen begleitend immer ganz individuell behandelt werden.