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Blues wird vernachlässigt
Der Blues wird von der «Recording Academy» weiterhin stiefmütterlich behandelt. Unter den 83 Kategorien, in denen die Grammys verliehen werden, gibt es nach wie vor nur die eine Kategorie «Best Blues Album». Dass es dennoch etwas mehr Blues zu hören, zu sehen und zu feiern gab, ist eine Freude, aber es kann nicht über das Ärgernis hinwegtäuschen, dass der gesamte Blues in einer einzigen Kategorie abgehandelt wird. Während es in früheren Jahren noch eine Aufteilung in Traditional und Contemporary Blues gab, wird seit zwei Jahren nur noch ein Blues Award abgegeben. Die Award-Show wird am Montagabend, 15.2. auf dem US-Sender CBS gezeigt.
Im ersten Grammy Award nach dem Tod B.B. Kings gibt es einen Tribute-Auftritt, den Chris Stapleton, Gary Clark Jr. und Bonnie Raitt bestreiten. Keine Dankesrede ist zu erwarten von Ruth Brown, die mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichet wurde, aber bereits 2006 diese Erde verlassen hat. Nachdem Buddy Guy im vergangenen Jahr ausgezeichnet worden war, hat die Academy offenbar erkannt, dass es nicht mehr genügend Bluesmusiker gibt, die zu Lebzeiten ausgezeichnet werden können. Ruth Brown war bereits mit einem Grammy ausgezeichnet worden – in der Kategorie «Best Female Jazz Artist».
Die Blues-Nominationen in diesem Jahr sind: die Formation Cedric Burnside Project mit ihrem Album Descendants of Hill Country. Herz der Truppe ist Drummer Cedric O. Burnside, der Enkel von R.L. Burnside (1926–2005), sein Vater war Schlagzeuger Calvin Jackson (1961-2015).
Weitere Nominationen gingen an Shemekia Copeland für Outskirts Of Love und Worthy von Bettye LaVette. Eine vierte Nomination ging an den Sampler Muddy Waters 100, für den John Primer namentlich verantwortlich zeichnet, auf dem aber auch andere Performer zu hören sind.
Gleich doppelt nominiert ist Buddy Guy, nämlich einmal für sein jüngstes Album Born To Play Guitar und dann noch in der Kategorie «Best American Roots Performance» für den Titelsong des Albums.
In der Kategorie «Best Folk Album» wurde u.a. Tomorrow Is My Turn von Rhiannon Giddens nominiert. Wie schon unsere Rezension klar machte, ist dies die musikalische Entdeckung des Jahres 2015, aber bei den grossen Kategorien wie «Album of the Year» oder «Song of the Year» hat dies natürlich keine Chance gegen Branchen-Schwergewichte wie Bruno Mars, Taylor Swift oder Ed Sheeran. Diese verkaufen sich besser, und letzen Endes sind all diese Awards ein Mittel, den Verkauf anzukurbeln.