Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03420.jsonl.gz/541

Unsere Schwesterorganisation ContrAtom veranstaltete am 26 April 2019, dem 33ten Tschernobyl- Jahrestag, eine Versammlung vor der Französischen Botschaft in Genf welche sich gegen den Betrieb des AKW Bugey (F) richtet. Das AKW Bugey ist nur 70 km von Genf entfernt.
Fokus Anti-Atom war an die Versammlung eingeladen
Als Präsident des Komitees «Mühleberg Verfahren/Objection» wurde ich angefragt ob ich euch etwas über das Uralt-AKW Mühleberg erzählen kann. Wir reichten gegen den unbefristeten Betrieb des AKW Mühleberg eine Klage ein, dabei wurden wir von der Stadt Genf kräftig unterstützt. Deshalb bin ich dankbar euch am Tschernobyl Gedenktag hier in Genf ein Dankeschön aus der Deutschschweiz überbringen zu können.
Brand in Mühleberg
Das AKW Mühleberg ist vom selben Typ wie das AKW Fukushima Daiichi 3. Ein Reaktor dessen Nuklearteil Anfang der 70er Jahre von der US Firma General Electric geliefert wurde.
1971 ging das AKW in erstmals in Betrieb. Jedoch nicht für lange, bei der Inbetriebnahme gab es einen Brand, ausgetretenes Öl entzündete sich in der Maschinenhalle. In Folge breitete sich der Brand bis in die Kabelschächte aus. Der Reaktor schien den Technikern zu entgleiten.
Glücklicherweise war der Reaktor noch nicht auf Leistung und der Brand weitete sich nicht ins Reaktorgebäude aus. Das AKW wurde danach repariert und nahm dann erst ein Jahr später seinen Betrieb auf. Das AKW brachte es in die Lehrbücher. Spätere konstruierte AKW wurden zur Minderung des Risikos in Brandabschnitte unterteilt. Mühleberg jedoch hat noch heute eine Mangelnde Brandtrennung.
Filterpanne in Mühleberg
1986 im Tschernobyljahr kam es in Mühleberg zu einer Filterpanne, dabei wurde Radioaktivität aus dem AKW über ein Abluftkamin an die Umwelt abgegeben. Ein von AKW Gegnern betriebenes unabhängiges Netzwerk erkannte den Radioaktivitätsanstieg. Der Betreiber gab die Umweltverseuchung erst Wochen nach dem Vorfall zu, die um das AKW verteilten Zerfallsprodukte sind noch immer nachweisbar.
Nein zur Unbefristeten Betriebsbewilligung
Da das AKW in den ersten Jahren einige Pannen erlebte erhielt es bis Anfang der 90er Jahre immer nur für wenige Monate und einzelne Jahre befristete Betriebsbewilligungen.
Anfang der Neunziger Jahre verlangte die BKW für ihr AKW eine unbefristete Betriebsbewilligung. Gegen diese Bewilligung reichten wir eine Beschwerde ein. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Kernmantel ein Blech innerhalb des Reaktors Risse aufweist.
Der Kernmantel hält im Falle eines schweren Unfalles das Kühlwasser im Reaktor zurück und bildet die letzte Chance zur Kühlung des Reaktorkerns. Über die Jahre sind diese Risse weitergewachsen, soweit dass sie heute die 6cm starke Stahl Wandung durchdringen. Trotzdem erhielt das AKW immer wieder befristete Betriebsbewilligungen.
Klage gegen unbefristete Betriebsbewilligung für das AKW Mühleberg
2009 fragte die BKW erneut nach einer unbefristeten Bewilligung. Dazu wurde nach neuem Kernenergierecht ein Einsprache Verfahren eröffnet, innert Monatsfrist reichten über 1600 Menschen eine Einsprache ein.
Seit Mitte der 2000er Jahre herrscht bei Bundesrat und Aufsichtsbehörde die Idee «AKW dürfen solange weiterlaufen wie sie sicher sind». So erhielt Mühleberg erhielt Anfang 2010 seine unbefristete Betriebsbewilligung. Gegen diese reichte der Verein Mühleberg Ver-fahren eine Klage ein.
Mühleberg ein Fukushima Reaktor
Nachdem aber im März 2011 im hochindustrialisierten Japan die Fukushima Reaktoren einer nach dem anderen explodierten wurde es für Mühleberg eng. Schließlich ist Mühleberg vom genau selben Typ wie die Fukushima AKW.
In mehreren Etappen wurden in Mühleberg Notmaßnahmen getroffen. Notfall-Generatoren wurden im Kanton Aargau eingelagert, in Mühleberg wurde eine Notwasserfassung in der Aare installiert, eine provisorische Wasserleitung ins Brennelemente-Becken installiert. Ein nur eine Flussbiegung oberhalb des AKW gelegenes erbebengefährdetes Wasserkraftwerk aus dem Jahre 1914 wurde zum Schutz des AKW im Talboden verankert. All diese Maßnahmen kamen spät und täuschten Sicherheit vor.
Radioaktive Spuren im Bielersee
2013 wurden im Bielersee radioaktive Rückstände im Seeboden gefunden, nach kurzem konnte bewiesen werden, dass die Radioaktiven Rückstände aus dem AKW Mühleberg stammen.
Am 20. Dezember 2019 wird das AKW abgeschaltet. Was bleibt ist Radioaktiver Müll, radioaktive Rückstände im Bielersee und der Umgebung.
Die AKW Technologie geht nicht spurlos an uns vorüber ihr Abfall begleitet uns noch Jahre.
2004 werden die letzten Brennstäbe das AKW in einem Castor verlassen. Dann beginnt der Rückbau, erst mit dem zerlegen der radioaktiven Reaktorteile dann mit der Dekontamination der Gebäudeteile. Wenn alles nach Plan geht soll das AKW 2035 nicht mehr strahlen und dann abgerissen oder Gebäude umgenutzt werden.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, die BKW akzeptiert keine unabhängige Begleitgruppe zum Rückbau des AKW wie wir sie fordern. Sie will sich nicht auf die Finger schauen lassen.
Und die anderen AKW, das AKW Beznau welches 1969, 2 Jahre vor Mühleberg ans Netz ging ist das drittälteste AKW der 450 AKW Weltweit und es hat noch immer kein Abschaltdatum. Trotzdem sein Reaktorbehälter durch Einschlüsse geschwächt ist, seine Schutzhülle rostet und das Reaktorprinzip überaltert ist. Kein Schweizer AKW hat einen „Corecatcher“ wie er im EPR eingeplant ist.
Kein Schweizer AKW würde nach dem heutigen Stand der Technik eine Baubewilligung erhalten.
1986 starteten wir als Aktion Mühleberg stilllegen, im Jahr 2003 änderten wir den Namen zu Fokus Anti-Atom. Wir haben die Atomindustrie im Fokus. So wie unsere Schwesterorganisation Contratom lassen wir nicht locker. Wir fordern die Schließung aller Atomanlagen!
Für Mühleberg Verfahren / Fokus Anti-Atom Jürg Joss