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Energiebündel ohne Pfupf
“Astro Boy” von David Bower
Fans des japanischen Animationsfilms dürften die Haare zu Berge gestanden haben, als sie erfuhren, dass eine der klassischen Animefiguren, Astro Boy, für einen hollywoodschen 3D-Film adaptiert werden sollte. Obwohl Imagi Animation Studios ihren Sitz in Hongkong haben, war klar, dass die Geschichte des Roboterjungen für amerikanische Kiddies aufbereitet würde. Noch fast mehr schmerzt aber, wie viele gute Plotansätze der Film zugunsten von Familienschmalz verschenkt.
Von Lukas Hunziker.
Die Figur des Astro Boy gibt es seit 1952, als der japanische Mangagott Osamu Tezuka den kindlichen Roboter mit Superkräften ins Leben rief. In den 60er Jahren bekam Astro Boy seine erste Fernsehserie, die zweite folgte 1980 und die dritte 2003, kurz bevor auch das dritte Videospiel erschien. Nach Amerika kam Astro Boy 1980 als Comicbuchserie. Erste Pläne, den inzwischen fast 50jährigen Superhelden auf die amerikanischen Leinwände zu bringen, gab es 1999, als sich Sony Pictures die Rechte sicherte, dann aber doch nicht von ihnen Gebrauch machte. 2006 schliesslich nahm sich Imagi Animation Studios des Projekts an und brachte “Astroy Boy” Ende 2009 in 3D ins Kino.
Klon mit Superkräften
Die Handlung von Astro Boys 3D-Abenteuer orientiert sich eher lose am Original. Toby, der hochintelligente Sohn von Dr. Tenma, einem der führenden Köpfe des Ministeriums für Wissenschaft, befindet sich zur Zeit eines missglückten Experiments mit dem neusten Kriegsroboter zufällig in dessen Nähe – und wird von ihm pulverisiert. Am Boden zerstört über den Verlust seines Sohnes baut Tenma aus dessen genetischen Code einen beinahe unzerstörbaren Roboter, der seinem Sohn auf ein Haar gleicht. Der “neue” Toby hat sämtliche Erinnerungen des Originals gespeichert und glaubt daher, er sei tatsächlich der Sohn von Tenma. Dieser jedoch erkennt bald, dass der Roboterjunge seinen Sohn nicht ersetzen kann, und entschliesst sich, ihn zu deaktivieren. Toby jedoch gelingt die Flucht, nachdem er seine Superkräfte kennen und lieben gelernt hat.
Bis zu diesem Zeitpunkt spielt die Handlung in Metro City, einer modernen Metropole, die auf einer Insel einige Kilometer über der Erdoberfläche schwebt. Die Erde ist – Wall.E lässt grüssen – zu einer riesigen Müllhalde verkommen, auf welcher defekte oder veraltete Roboter deponiert werden. Doch auch einige wenige Menschen leben hier, unter anderem eine Gruppe von Waisenkindern, welche Roboterteile für einen Wissenschaftler sammeln – Oliver Twist lässt grüssen – der diese zu neuen Robotern zusammenbaut, die in Gladiatorenkämpfen gegeneinander antreten. Hierher verschlägt es Toby, der sich ab sofort Astro Boy nennt. Von den Waisenkindern herzlich aufgenommen, fühlt er sich schon bald wie zu Hause. Doch er weiss, dass er seine wahre Identität niemals preisgeben darf – denn auch auf der Erdoberfläche sind Roboter nichts weiter als gefühllose Metallmonster.
Harmoniebedürfnis und Mutlosigkeit
Das konfliktgeladene Verhältnis von Mensch und Maschine ist einer der vielen spannenden Aspekte, welche “Astro Boy” genauer hätte thematisieren können. Die kurze Begegnung mit der RRF, der “Robot Revolution Front”, lässt einen Moment lang hoffen, dass aus der lahmen Geschichte des ausgestossenen Roboters ein Thriller mit Anlehnung an “I, Robot” werden könnte. Doch die drei Roboter der RRF entpuppen sich als Timo und Pumba des Films, als klassische Witzfiguren à la Disney, die den Humor auf Kindergartenniveau runterdrücken. Dies ist nur eines der Beispiele, wie “Astro Boy” Storypotential verschenkt. Auch die Ökokrise, unter welcher der Planet unterhalb von Metro City leidet, wird nie zum Thema, und die politische Intrige, welche Astros Gegenspieler Stone anzettelt, wird nur so weit ausgeführt, wie sie der Story dient.
“Astro Boy” steuert damit ungebremst auf das harmonische Happy End zu, das von Anfang an absehbar war. Für Fans des Originals ist der Film enttäuschend, da die Hauptfigur für ein westliches Publikum zurechtgeschnitten wurde – Astro Boy fliegt nicht in Unterhosen, sondern wohlgekleidet, hat kaukasische Gesichtszüge und einen schlussendlich doch ganz lieben Vater. Wer das Original hingegen nicht kennt, dürfte im Film vor allem eine vergebene Chance auf einen Animationsfilm für Erwachsene sehen. “Astro Boy” könnte ein richtig guter Film sein, wenn er sich nur trauen würde, düster zu sein – ein bisschen mehr “Blade Runner” und ein bisschen weniger “Bambi”. In der jetzigen Strampelpyjama-Version jedoch dürfte der Film schnell vergessen sein.
Ausstattung der DVD
Die DVD kommt mit angemessenen Specials auf den Markt. Neben dem dreiteiligen, knapp halbstündigen Making-of gibt es eine Anleitung für eine Astro Boy Frisur, zwei zusätzliche Szenen, animierte Bildgalerien und Trailer.
Seit dem 23. Juli 2010 im Handel.
Originaltitel: Astro Boy (USA 2009)
Regie: David Bower
Darsteller: Fredy Highmore, Kristen Bell, Nicolas Cage, Charlize Theron, Samuel L. Jackson, Bill Nighy, Donald Sutherland
Genre: Drama
Dauer: 90 Minuten
Bildformat: 1:2,35
Sprache: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Making of, animierte Bildgalerien, Featurette, zusätzliche Szenen
Vertrieb: Warner
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