Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03595.jsonl.gz/2541

Lesezeit: 7 Minuten
Auf einem Bohnenfeld in Little Belize, der mennonitischen Siedlung im Norden von Belize, treffen wir auf Abraham Krahn, der sich als Abe vorstellt. Er ist 22 Jahre alt, mit der 20-jährigen Maria verheiratet und wohnt mit dem 10 Monate alten Sohn Jacobo in einem kleinen Häuschen auf dem Grundstück seines Vaters im Campo 34. «Ich möchte hier weggehen», erzählt er freimütig. Nach Kanada möchte er, trotz der Kälte, einfach mal was anderes sehen und bei den dort ansässigen Mennoniten leben. Er scheint offen zu sein, ging nach Orange Walk, den nächst grösseren Ort, in den Ausgang, wo er «bastante» (viel) Bier getrunken und Zigaretten geraucht hat. Sein Handy sei leider kaputt gegangen, aber er wolle ein neues kaufen, erzählt der schlaksige Mann und blickt über das Bohnenfeld, wo gerade die heute geernteten Bohnen in einen Anhänger gepumpt werden. Krahn hat Feierabend, und wir bringen ihn nach Hause zu Frau und Kind, als Dank holt er einen Sack voll frisch geernteter roter Bohnen. Zum Abschied schenkt uns seine Maria - die erste «mennona», die uns anlächelt - geröstete Erdnüsse, und wir bekommen Abes Facebook-Kontakt.
Abe Krahn dürfte eine Symbolfigur für die Zukunft sein. «Viele haben Smartphones, die sie vor den Pfarrern und den Eltern verstecken», sagt auch der Ranger Joel Dias. Würde es rauskommen, so würden sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Dass die junge Generation offener ist, sei für ihn nur logisch. «Sie wollen auch in der modernen Welt leben. Ich glaube, dass die mennonitische Art zu leben in den nächsten Jahren auseinander brechen wird», ist er überzeugt. Seit vier Jahren macht er vom Shipstern aus Touren zu Mennoniten.
Langsam fangen auch Projekte zwischen dem Shipstern und den Mennoniten an, zu laufen. «Es war unglaublich, sie haben uns um Hilfe gebeten, weil immer wieder Jaguare ihre Kälber gerissen haben», sagt Dias. Nun würden Elektrozäune ihre Tiere schützen. Diese Zäune würden mit Solarpanels betrieben, was von den Oberhäuptern nur zähneknirschend goutiert werde. Weiter helfen die Ranger auch beim kontrollierten Abbrennen von Feldern. Zwei der Shipstern-Ranger haben eine Feuerwehrausbildung absolviert. Sie können professionell abbrennen, so dass ein Ausweiten auf andere Flächen vermieden wird.
Lodernde Feuer oder Abholzungsarbeiten sehen wir auf der Fahrt durch den Park nicht, aber immer wieder qualmt es noch irgendwo. Die Grenze des Parks lässt sich genau erkennen: Bis dorthin, wo gerodet wurde, ist ein offenes Feld. Für das Jahr 2017 hat das Shipstern ein Ziel vor Augen: «Wir müssen eine Passage für Tiere zwischen den drei Parks haben, um den Genaustausch zu sichern. Das ist auch den Mennoniten klar, die uns ein Stück Land gespendet haben, damit es möglich wird.» Der nächste Schritt liege bei der Regierung, die ein Stück Land besitze, das letzte Puzzleteil zum Korridor.
Der Korridor umfasst 13'000 Hektaren. Zum Vergrössern hier klicken.
Lesezeit: 7 Minuten
Wir fahren zum Camp von Freshwater Creek, wo jedes Jahr 10'000 Mahagonibäumchen gezogen werden. Im Jahr 2014 wurden 3000 im Park gepflanzt, 2015 waren es 5000 und 2016 schon 6500. «Den Rest schenken wir Schulen und auch Mennoniten, die anfangen an ihre Zukunft zu denken, und sie bei sich pflanzen», sagt Dias.
Für Freshwater Creek hat die CSFI eine Konzession bekommen, den Park für weitere 42 Jahre zu bewirtschaften. Im Forst sollen auch Arbeitsplätze entstehen. Ein Förster aus der Schweiz unterstützt die Leute und macht sie mit den FSC-Standards bekannt. Im Forst arbeiten auch Schweizer Zivildienstler bei der Pflege der Mahagonibäumchen mit:
Im März kam ein zweiter Schweizer, der Gründer von IP Suisse. «Gemeinsam haben wir erarbeitet, wie wir den Mennoniten – ohne sie zu belehren – andere Strategien näher bringen können, ihre Felder ohne Gift zu bewirtschaften», sagt Dias.
Zurück im Shipstern machen wir mit Bijleveld einen Spaziergang auf dem Trail Chicletero, den er als 20-Jähriger eigenhändig mit der Machete aus dem Wald gehauen hat. Die Beziehung zu diesem Stück Erde dauert nun schon mehr als sein halbes Leben, was ihn zugleich glücklich und traurig macht:
Wird illegal geholzt, so ist das sichtbar. Doch unsichtbar und damit bedrohlicher sei der Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden und Herbiziden. Nicht nur hier, sondern rund um die Welt. Bijleveld führt den Kampf dagegen auch in der Schweiz. Die Unterschriftensammlung für die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» läuft bereits, und er ist zuversichtlich, dass im Mai 2018 100'000 gültige Unterschriften zusammen sind.
Es ist ein weiteres Langzeitprojekt, das er begleitet. Bijleveld sagt von sich, er stehe für Konsistenz: «Das Belize-Projekt ist langsam zur moralischen Verpflichtung geworden», sagt er. «Es ist wichtig, dass man sich auf etwas konzentriert. Man kann leider nicht die ganze Welt auf einmal retten.»
Dieser Artikel wurde finanziell durch den Medienfonds «real21 - die Welt verstehen» unterstützt.
Bilder: Ephraim Bieri
Kamera/Schnitt: Philipp Eyer
Text: Claudia Salzmann
Umsetzung: Claudia Salzmann