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Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
Kürzlich wurden im englischen Fernsehen William Wordsworth (1770‒1850) und einige anderen Poeten der Romantischen Epoche, worunter Samuel Taylor Coleridge (1772‒1834) und Georg Gordeon Byron (1788‒1824), gewürdigt.
So durchsuchte ich meine Bibliothek nach Gedichten von William Wordsworth – umsonst, bis auf gestern. Im Büchergestell von einem meiner Söhne wurde ich schliesslich fündig. Es war ein Buch aus meiner Sammlung, das dort Unterschlupf gefunden hatte – die Erstausgabe von 1828 seiner „Poetical Works“ als Sammelband von A. & W. Galingnani in Paris, als Raubdruck (ohne Urheberrecht) gedruckt …Wordsworths Porträt als Kupferstich nach einem Gemälde von R. Carruthers, von J. J. Wedgwood graviert, war dem Werk vorangestellt. Mit weichmütigem Ausdruck hält Wordsworth nachdenklich seine Schläfe, von der Hand gestützt.
Am Samstag fand ich zufällig erst noch ein Gedichtband von Lord Byron. Wiewohl Lord Byron ein hochgepriesener englischer Poet war, der immer wieder mit Wordsworth zusammen erwähnt wird, fand ich den Zugang zu Byrons Poesie nicht, was meine Schuld und nicht etwa die seine ist.
So beschränke ich meine Eindrücke auf Wordsworth, nachdem ich Coleridge bereits einen Text gewidmet habe (siehe angefügte Hinweise). Wordsworth und Coleridge waren eng befreundet und unternahmen gemeinsame Reisen u. a. in Deutschland. Als massgebliche Begründer des Romantizismus – als Gegenbewegung des „Age of Enlightment“ – veröffentlichten Wordsworth und Coleridge zusammen die „Lyrical Ballads“, aus dessen Vorwort hervorgeht, dass „gute Poesie ein spontaner Überfluss von mächtigen Gefühlen darstellt“. Die gefühlsbetonten Emotionen wuchsen bei Wordsworth aus seinem ländlichen Leben heraus, weitgehend abgeschirmt von Störungen von aussen. Zwischen 1843 und seinem Tod im Jahr 1850 wurde er als „Poet Laureate“ zum nationalen Schirmherr der Poesie ernannt – eine Würdigung und Anerkennung ersten Rangs.
Ich verzichte hier auf eine Biografie von Wordsworth, die leicht im „Google“ auffindbar ist, und zitiere einige Kostproben aus seiner Poesie auf Englisch, etwas eigenwillig von mir übersetzt.
*
Juvenile Pieces (Aus seiner Jugendzeit)
My Father was a good and pious man,
An honest man by honest parents bred,
And I believe that, soon as I began
To lisp, he made me kneel beside my bed,
And in his hearing the my prayers I said;
And afterwards, by my good Father taught,
I read, and loved the books in which I read;
For books in every neighbouring house I sought,
And nothing to my mind a sweeter pleasure brought.
Mein Vater war ein guter und frommer Mann,
Ein ehrlicher Mann, von ehrlichen Eltern gezeugt.
Und ich glaube, sobald ich zu lispeln begann,
Machte er mich neben mein Bett knien.
Und nachdem ich meine Gebete aufgesagt hatte,
Von meinen guten Vater unterrichtet,
Las ich und liebte die Bücher, in denen ich las,
Suchte Bücher in jedem benachbarten Haus,
Und nichts bescherte mir eine grössere Freude.
On the affections (Zuneigungen) – Aus dem Gedicht „Farewell“
Farewell, thou little Nook of mountain-ground,
Thou rocky corner on in the lowest stair
Of that magnificent Temple which doth bound
One side of our whole Vale with grandeur rare;
Sweet Garden-orchard, eminently fair,
The loveliest spot that man hath ever found,
Farewell! – we leave thee to heaven’s peaceful care,
Thee, and the Cottage which thou dust surround.
Ade, du kleiner Winkel von Berggrund,
Du felsiger Ecke auf der untersten Stufe
Des prächtigen Tempels, der dich umgibt
Auf einer Seite unseres prächtigen Tals;
Süsser Obstgarten, bezwingend licht,
Der lieblichste Fleck, den man je gefunden hat,
Ade! – wir lassen dich der Obhut des Himmels,
Dich und das Häuschen, das dich umgibt.
Of the imagination – 1. Strophe des Prologs zu “Peter Bell, A Tale”
There is something in a flying horse,
There is something in a balloon;
But through the clouds I’ll never float
Until I have a little Boat,
Whose shape is like the crescent-moon.
Es hat etwas in einem fliegenden Pferd,
Es hat etwas in einem Ballon;
Doch durch Wolken werd’ ich nie schweben
Bis ich ein kleines Boot habe,
Das einer Mondsichel gleicht.
Of the imagination – Eine Strophe aus „Peter Bell, A Tale“
Dread Spirits! To torment the good
Why wander from your course so far,
Disordering colour, form and stature!
Let good men feel the soul of Nature,
And see things as they are.
Fürchtet Geister! Die Guten zu quälen
Warum so weit von deinem Weg schweifen,
Die Farben, Form und Statur stören!
Lasst gute Leute die Seele der Natur fühlen,
Und Dinge sehen, wie sie sind.
Miscellaneous sonnets – Aus vermischten Sonnetten
Surprised by joy – impatient as the Wind
I turned to share the transport – Oh: with whom
But thee, deep buried in the silent Tomb,
That spot that no vicissitude can find!
Love, faithful love, recalled thee to my mind –
But how could I forget thee! – Through what power,
Even for the least division of an hour,
Have I been so beguiled as to be blind
To my most grievious loss? – That thought’s return
Was the worst pang that sorrow ever bore,
Save one, one only, when I stood forlorn,
Knowing my heart’s best treasure was no more;
That neither present time, nor years unborn
Could to my sight that heavenly face restore.
Von Freude überrascht – ungeduldig wie der Wind
Wollte ich die Reise teilen – Oh! Mit wem
Ausser mit dir, tief begraben im stillen Grab,
Der Ort, von keiner Fährte auffindbar!
Liebe, treue Liebe, erinnerte ich mich deiner –
Wie konnte ich dich vergessen! – Mit welcher Macht,
Selbst für den letzten Bruchteil einer Stunde,
War ich so betört, um blind zu sein
Zu meinem schmerzlichsten Verlust? – Bedenke
Vom härtesten Schlag des Kummers getroffen,
Ausser einem einzigen, wie ich verlassen stand,
Meines Herzens bester Schatz verloren wissend;
Den weder Gegenwart noch ungeborene Jahre
Mir das himmlische Gesicht vor die Augen führt.
Poems of sentiment and reflection – Gedichte über Sentiment und Reflexion
Sweet is the lore which Nature brings;
Our meddling intellect
Mis-shapes the beauteous forms of things:
We murder to dissect.
Süss ist der Schatz, den die Natur erbringt;
Unser Intellekt mischt sich ein
Verzerrt die Pracht der Formen der Dinge:
Wir ermorden beim Sezieren.
*
Dieser Sammelband enthält William Wordsworths poetisches Œuvre. Es hat sich in kleingedruckten Zeilen auf über 340 Seiten ausgebreitet – zur Freude der anglophilen Liebhaber.
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