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Wenn Federer, Wawrinka und Konsorten rufen, dann kommen sie in Scharen. Gemeint sind die Zuschauer. Mehr als 8000 waren es in Bern am Wochenende. Die Stimmung in der Postfinance-Arena war gut und der Regen vermochte in der Halle einzig akustisch Auswirkungen zu zeigen – zeitweise gingen die Jubelschreie unter, im Trommeln der Regentropfen. Dem guten Spiel der Schweiz tat dies jedoch keinen Abbruch.
Das Turnier
Der Daviscup ist eine Art Länderspiel im Herrentennis. Gespielt werden pro Partie vier Einzel und ein Doppel, also eine Best-of-Five-Serie, jeweils auf drei Gewinnsätze. Wer gewinnt, kommt eine Runde weiter. Die Idee des Turniers geht auf den Amerikaner Dwight Davis zurück. Dieser war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Mitglied der Tennismannschaft der Harvard Universität. Mit drei Mitspielern forderte er Grossbritannien, das Mutterland des Tennis, zu einem Wettkampf heraus. Die USA gewannen deutlich. In den folgenden Jahren wuchs der Wettbewerb stetig. In den Zwanzigerjahren spielten pro Cup noch zwanzig Mannschaften. Heute nehmen am Anlass 125 Nationen teil. Das Pendant im Frauentennis nennt sich Fed-Cup.
Die Teams
Das Team Schweiz, angeführt von Captain Severin Lüthi, trat in bester Besetzung an. Neben Roger Federer (ATP-Weltrangliste Nr. 3) und Stanislas Wawrinka (ATP 14) waren auch Marco Chiudinelli (ATP 136) und Stéphane Bohli (ATP 210) im Team. Wawrinka spielte zwei Partien sowie das Doppel am Samstag. Federer spielte am Freitag gegen Rui Machado, am Samstag trat er an der Seite von Wawrinka zum Doppel gegen Gil/Tavares an. Chiudinelli bestritt am Sonntag das dritte Doppel gegen João Sousa, Bohli kam nicht zum Einsatz. Die Portugiesen waren aufgrund ihrer ATP-Plätze von Anfang an schwächer einzustufen als das Schweizer Team. Dennoch durfte der Gegner nicht unterschätzt werden.
Die Partie
Marco Chiudinelli verfolgte die erste Partie auf den besten Plätzen. Als allfälliger Ersatz für Roger Federer sass er direkt am Spielfeldrand, wie er sagte. Der Anfang verlief nach Chiudinellis Angaben harzig. Die vielen Zuschauer trieben die Raumtemperatur in die Höhe. Hitze hat weniger einen Einfluss auf die Ausdauer der Spieler als auf das Verhalten der Bälle. Ist es in der Halle wärmer, springen die Bälle höher in die Luft und sind deshalb schwieriger zu kontrollieren. Federer musste zwar den ersten Satz abgeben, konnte das Spiel aber dennoch in vier Sätzen gewinnen. Weniger Mühe mit den äusseren Bedingungen bekundete Stanislav Wawrinka. Er gewann sein Spiel diskussionslos mit 7:5, 6:3 und 6:4. Die Schweiz war auf bestem Weg zum Sieg. Am Samstag machten die Schweizer Olympiasieger Federer und Wawrinka alles klar und gewannen das Doppel in drei Sätzen und knapp zwei Stunden. Die Partien vom Sonntag waren in der Folge nur noch Zugabe. Chiudinelli besiegte João Sousa in zwei Sätzen (6:3, 6:4) und Wawrinka schlug Tavares mit 7:6 (7:1) und 6:0.
Die Halle
Gespielt wurde in der Berner Postfinance-Arena. Im Sporttempel trägt für gewöhnlich der Berner Hockeyclub SCB seine Heimspiele aus. Im vergangenen Frühjahr war die Eiskunstlauf-EM zu Gast (Tink.ch berichtete). Nun wurde in der Halle ein sogenannter Rebound-Ace-Belag verlegt, einer von drei Untergründen, auf denen Tennis gespielt wird. Der Kunststoffbelag gilt als nicht sehr schnell. Dafür springen die Bälle relativ hoch in die Luft, was den Spielern die Möglichkeit gibt, mit dem Schläger über den Ball zu ziehen. Dadurch erhält der Ball einen sogenannten Top-Spin. Das bedeutet, der Ball “rollt” in der Luft und wird bei der Landung in Flugrichtung wegkatapultiert.
Die Aussichten
Mit dem Sieg in der Partie gegen Portugal qualifiziert sich die Schweiz für die Weltgruppen Playoffs im September. Wo gespielt wird und wer der Gegner sein wird, ist noch unklar. Ebenso, ob die Schweiz dann wieder mit Roger Federer wird antreten können. In der Vergangenheit musste er aufgrund seines übervollen Terminkalenders oft auf eine Teilnahme am Davis Cup verzichten. Der Baselbieter liess im Interview mit SF allerdings Hoffnung aufkommen: “Im Normalfall spiele ich”, sagte er. Es ist Federers erklärtes Ziel, die Davis-Cup-Trophäe mit der Schweiz zu gewinnen. Der Titelgewinn ist mit einem Sieg in der nächsten Partie bereits in der nächsten Saison wieder möglich.