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Gismondi eine Bikini-Klasse für sich!
Die 26-jährige Luzernerin Jessica Gismondi durfte am 1. Juni 2019 bei der Schweizer Meisterschaft der «World Amateur Body Building Association (WABBA)» gleich zwei Pokale mit nach Hause nehmen. Sie gewann in Collombey-Muraz in der leichtesten Klasse (Bikini) und holte auch den Gesamtsieg aller Klassen. Auf unserer Redaktion sprach sie über ihren Werdegang, ihr Training und gab nützliche Tipps für den sportlichen Otto Normalverbraucher.
Du bist soeben Schweizer Meisterin des WABBA-Verbands geworden. Würdest Du Dich als Bodybuilderin bezeichnen?
Es ist eigentlich ein falscher Begriff. Bei Bodybuilding hat man breite Muskelprotze im Kopf. Ich bezeichne mich als Fitnessathletin. Aber ich identifiziere mich mit Bodybuilding, weil der Contest selber tatsächlich ein Bodybuilding-Wettkampf ist. Ich reibe mich auch mit dieser braunen Farbe ein. Da ich sehr schlank bin, starte ich in der untersten Kategorie, der sogenannten Bikini-Klasse. Sie bedeutet, dass Du ein trainierter, definierter Körper mit Muskeln hast, der aber noch sehr feminin aussieht. So, wie man ihn sich als Frau wünscht, wenn man am «sönnele» ist. Ob man die Körper der anderen Klassen gut findet, ist letztlich Ansichtssache. Je höher die Kategorie, desto mehr wird die Muskulatur bewertet.
Werden die Klassen, wie beim Boxen, nach Gewicht aufgeteilt?
Bei Frauen nicht. Am Anfang gibt es eine Art Vorrunde, in der bestimmt wird, in welche Klasse man kommt. Bei Männern ist Gewicht und Grösse entscheidend.
Kannst Du eigentlich von Deinem Sport leben oder wie verdienst Du Deine Brötchen?
Nur von der Teilnahme an Wettkämpfen kann ich nicht leben. Das ist ein sehr kostspieliger Sport. Alleine das Bikini, das handgemacht und mit Swarovski-Edelsteinen belegt ist, kostet 1’000 Franken. Man investiert mehr, als man herausholt. Im Optimalfall gewinnt man einen Pokal oder eine Medaille und ein paar Sponsorengutscheine. Was ich aber davon habe, wenn ich gewinne, ist mediale Aufmerksamkeit. Ich habe auf Social Media eine riesige Reichweite. Auf Instagram zum Beispiel habe ich 55'000 Followers. Bei solch einem sportlichen Erfolg, generiere ich wieder neue Kunden.
Du redest von Kunden. Was machst Du genau?
Ich habe zwei Standbeine: Zum einen arbeite ich als Personaltrainerin, Mentalcoach und als Ernährungsberaterin. Alles in allem kann man mich als Sportcoach bezeichnen. Zum anderen mache ich Online-Marketing, vor allem auf Social Media. Da geht es vor allem um Eigenvermarktung, man redet da auch vom klassischen Influencer-Marketing. Aber ich bin auch im Background von Firmen tätig und führe die ganzen Social-Media-Kanäle.
Wie viel trainierst Du pro Tag respektive pro Woche?
Vor dem Wettkampf ist es intensiver, dann trainiere ich jeden Tag. Da kommt auch viel Ausdauertraining dazu, damit die Fettverbrennung angekurbelt wird. Heute bin ich zum Beispiel am Morgen zwei Stunden geklettert und am Abend mache ich noch eineinhalb Stunden Krafttraining. Ich trainiere im Durschnitt etwa zwei Stunden pro Tag. Da kommt dann noch das Training mit den Kunden dazu.
Was ist die Motivation für das Training?
Ich mache das für mich selber. Ich habe einen extremen Bewegungsdrang. Am Abend einschlafen ist relativ schwierig für mich. Ich bin eine sehr aktive Person und deshalb ist es wichtig, dass ich mich bewegen kann. Ich klettere, mache Fitness, spiele Fussball. Meine Motivation ist die permanente Veränderung, die ich sehe: ich werde stärker, kann mehr Gewicht heben, der Körper formt sich, die Taille wird schlanker…
Stellst Du auch an Deinen Partner solche Anforderungen? Muss er sportlich mit Dir mithalten oder könntest Du auch mit einem Couch-Potato zusammen sein?
Bei einer Partnerschaft müssen die gleichen Interessen vorhanden sein. Wenn sich jemand überhaupt nicht für Sport interessiert oder gar keinen Sport treibt, dann ist es nicht die richtige Person an meiner Seite. Ich verlange aber niemals von dieser Person, dass sie so durchtrainiert oder so sportlich sein muss wie ich, aber das Interesse muss vorhanden sein.
Hast Du ein (sportliches) Vorbild, dass dich geprägt hat oder immer noch prägt?
Grundsätzlich habe ich schon als Kind aus eigener Motivation trainiert. Aber heute würde ich Michelle Lewin aus den USA nennen. Sie ist absolut top. Lewin hat auch Wettkämpfe gemacht, aber heute wird sie für grosse Fitness-Messen gebucht. Sie ist weltweit eine Fitness-Ikone, die mich mit ihrem Humor, ihrer Leichtigkeit und mit ihrer Einstellung zum Sport inspiriert.
Hast Du auch eine Konkurrentin, die Dir das Leben schwermacht? Gibt es jemand, der Dich pusht?
Es existiert niemand, auf die ich ein besonderes Auge werfen müsste. Jedes Jahr ist es wieder eine neue Jury, die wieder andere Dinge bewertet und andere Kriterien anschaut. Es kann sein, dass ich dieses Jahr die Beste bin und nächstes Jahr jemand anderes vor mir liegt, obwohl ich genau gleich aussehe.
Was genau bewertet die Jury eigentlich? Ist es nur der Körper oder musst Du auch laufen oder Interviews geben?
Das ist bei jedem Wettkampf unterschiedlich. In der Bikini-Klasse muss das Gesamt-Package stimmen. Es muss ein Wow-Effekt da sein, der das Publikum und die Jury umhaut. Es sind Sympathie, Auftreten, Präsenz, Selbstsicherheit und die Art, wie man sich bewegt, entscheidend. Aber natürlich geht es auch darum, wie die Muskeln trainiert sind und dass die Proportionen des Körpers stimmen.
Welche (sportlichen) Ziele hast Du?
Für mich ist es wichtig, dass der Sport ein Hobby bleibt und nicht zum Muss wird, denn ich liebe es zu trainieren. Ich will weiterhin abliefern, ehrgeizig dranbleiben und nicht nur mich motivieren, sondern auch andere Leute inspirieren. Es geht nicht nur um Muskeln und gutes Aussehen, sondern auch um Gesundheit. Ich will auch aufzeigen, dass man viele gesundheitliche Probleme umgehen kann, wenn man Sport treibt.
Hast Du nicht Angst, dass Du Dir mit dem ganzen Training zu viel zumutest? Hast Du Angst vor einer Burnout-Problematik?
Ich mache Sport seit ich fünf oder sechs Jahre alt bin. Für mich ist Sport Leidenschaft, Ausgleich zum Alltag und ich gehe trainieren, weil ich es mir Spass macht. Ich habe nie das Gefühl, dass eine Überforderung da ist, weil ich es liebe, aufzustehen und Sport zu treiben. Ein Burnout passiert wahrscheinlich dann, wenn man sich überfordert und irgendwo ein Druck vorhanden ist, dass man etwas muss.
Gibt es noch etwas an deinem Körper, dass Du verbessern möchtest?
Ich bin sehr zufrieden mit meinem Körper. Man kann sich im Training immer verbessern, zum Beispiel, wenn ich mehr Gewicht heben kann, dann springt vielleicht bei einem Muskel eine zusätzliche Faserung hervor, bei der ich sehe, dass da noch mehr vorhanden ist.
Du bist auch bei «Ninja Warrior» angetreten. Wie hast Du da abgeschnitten?
Ich habe letztes Jahr mitgemacht. Für mich persönlich war es ok. Klar hätte ich besser abschneiden können, denn ich bin nicht ins Ziel gekommen, wie übrigens jede andere Frau auch nicht. Es ist ein superspannender Wettkampf gewesen. Man konnte den Parcours überhaupt nicht trainieren. Das Licht ist angegangen und dann hat man den Parcours das erste Mal gesehen. Ich bin dieses Jahr wieder mit dabei und hoffe, dass ich noch ein bisschen weiter komme.
Zum Schluss eine persönliche Frage: Hast Du jemals etwas künstlich an Dir machen lassen?
Ja, der Busen. Das ist aber ein altbekanntes Thema. Es hat sich aufgrund des vielen Sporttreibens ergeben. Beim Bodybuilding ist bei der Frau klar, dass der Brustmuskel schwindet. Beim Mann wird er grösser, aber bei der Frau reduziert sich beim Training das Fett. Bei mir war es vor allem der ästhetische Aspekt, da ich grosse Brüste schön finde. Beim Bodybuilding-Sport ist ein Eingriff normal. Ich denke, etwa 95 Prozent der Frauen auf der Bühne haben Silikon-Implantate.
Die Fragen stellte: Stefan Kämpfen