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«Ich holte den Zeichnern und Autoren ihr Mittagessen, las ihre Texte gegen und entfernte die Bleistiftreste von den fertigen Seiten», erzählte Stan Lee der Los Angeles Times über seine Anfänge in den 1950er-Jahren beim Schmuddelheftchen-Verlag Timely Comics. «Im Moment ist er wahrscheinlich sogar grösser als Disney», lobte ihn vor Kurzem «Game of Thrones»-Autor George R. R. Martin. Rund 25 Milliarden Dollar spielten die Filme «Iron Man», «Hulk», den «Avengers» oder «Spider-Man» in den vergangenen zehn Jahren ein.
Der Sohn rumänischer Einwanderer träumte eigentlich davon, irgendwann die «Great American Novel», einen epischen Roman zu schreiben. Zu seinem ersten Job beim Comic-Verlag war er über Beziehungen gekommen, seine Cousine Jean war verheiratet mit dem Timely-Herausgeber Martin Goodman. Was dann aber folgte, war eine steile Karriere und die Entstehung eines Superhelden-Universums, dessen Protagonisten trotz übernatürlicher Fähigkeiten von Zweifeln geplagt werden – die erst lernen müssen, mit ihren Kräften umzugehen, und die auch mal von Egoismus und anderen niederen Instinkten getrieben werden. Menschen halt. Stan Lee ist am 12. November mit 95 Jahren in New York gestorben – nach einem Leben wie nach dem Drehbuch des American Dream: vom «Tellerwäscher zum Millionär». Seine Geschichten aber blieben trotz Superhelden alltagstauglich und bodenständig. Deshalb werden sie auch nach dem Tod ihres Schöpfers weiterleben.
John Micelli