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Kataloge und Verzeichnisse
Bibliothekskatalog (pdf)
Neuere Musikalien, Bücher, Zeitschriften, Serien und Varia
AMG-Archiv und Nachlass Friedrich Hegar
siehe Archiv der AMG bei der Zentralbibliothek Zürich
Digitalisate einer Auswahl wertvoller Musikhandschriften und Briefe sind auf e-manuscripta.ch frei zugänglich.
Die Archivalien sind teilweise in der Datenbank des NF-Projekts Musik in Zürich - Zürich in der Musikgeschichte erfasst.
Benutzung
Die AMG-Bibliothek kann in der Musikabteilung der Zentralbibliothek Zürich genutzt werden.
Bestandesgeschichte
Die Bibliothek der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich (AMG) umfasst auf 92 Laufmetern gut 4000 Musikalien aus drei Jahrhunderten. Sie gelangte 1917 als Depositum in die Zentralbibliothek Zürich, wo sie sich noch heute befindet und von jedermann eingesehen werden kann.
Die Sammlung enthält nicht nur eine grosse Orchesterbibliothek aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, sondern vereinigt auch die Bestände der alten Zürcher «Collegia musica», deren Gründungen teilweise bis in das frühe 17. Jahrhundert zurückreichen. Das Repertoire widerspiegelt über 300 Jahre zürcherischer Musikpflege. Nachdem im Zuge der Reformation das öffentliche Musikleben insbesondere in der Kirche zum Erliegen gekommen war, trafen sich Angehörige der Zürcher Oberschicht zunächst in privatem Rahmen zu wöchentlich einer bis zwei Gesangsproben, wobei vor allem Psalmvertonungen und Motetten, begleitet und a cappella, zur Aufführung gebracht wurden. Als Beispiel einer Psalmvertonung seien hier die 1668 gedruckten Psalmi des Schweizer Komponisten Johann Melchior Gletle genannt, die in ihrer Anlage von sich abwechselnden gemischten Chor- und Solostimmen und dem Instrumentarium aus Zinken, Posaunen, Streichern und Continuo an Claudio Monteverdis Opernkompositionen erinnern. Insgesamt enthält die AMG-Bibliothek aus dem Zeitraum des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gut 700 Drucke italienischer, niederländischer und deutscher Herkunft mit Messvertonungen, Psalmen, geistlichen Konzerten und Motetten.
Weltliche Vokalmusik mit Überschriften wie Musiche da camera, Musikalischer Zeitvertreiber, Neugebackene Tafelschnitz oder Musikalischer Wend-Unmuth kam etwa als festliche Tafelmusik zum Empfang von adligem Besuch aus dem Ausland zum Einsatz. Aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sind gut 20 teilweise umfangreiche Drucke erhalten, welche die wohlhabenden Kollegiumsmitglieder neben den oben genannten «concerti sacri» von ihren zahlreichen Geschäftsreisen mit nach Hause brachten. Dabei beschränkte sich ihr Sammeleifer keineswegs auf ein von ihnen als Amateure spielbares Repertoire; dieses besassen sie bereits privat. Vielmehr schafften sie Noten an, die im Geist der Zeit zu einer repräsentativen Sammlung beitrugen, wobei heute eher unbekannte Namen wie Giovanni Battista Bassani oder Andreas Hammerschmidt mit zahlreichen Kompositionen vertreten sind, während Werke von Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude oder Johann Sebastian Bach in Drucken der Zeit gänzlich fehlen. Auf die beschriebene Weise gelangten zudem rund 100 Triosonaten, 200 Concerti bzw. Concerti grossi und 100 Orchestersuiten nach Zürich. Die grossen Besetzungen waren durchaus von praktischem Interesse, zumal die «Collegianten» neben dem Gesang zunehmend auch das Instrumentalspiel pflegten. Allerdings steigerte sich der technische Anspruch der Orchesterkompositionen, namentlich der immer wichtiger werdenden Sinfonien ab Mitte des 18. Jahrhunderts, sodass vermehrt «Salarierte», bezahlte Musiker, zugezogen werden mussten. Die Bibliothek enthält heute gegen 300 Sinfonien, welche gegen die Wende zum 19. Jahrhundert zunehmend in Partiturform herausgegeben wurden und zu einem grossen Teil, namentlich auch von Mozart und Beethoven, samt Orchestermaterial in Erstdrucken vorliegen. Dazu kommt die grösste erhaltene Sammlung von Orchestermaterialien, die unter Richard Wagner verwendet wurden und noch die von ihm bestimmten Vortragszeichen tragen. An dieser Stelle verdienen auch die mehreren 100 Opernklavierauszüge und -partituren aus der Zeit zwischen 1750 und 1850 Erwähnung, deren scheinbar zufällige Auswahl ein Bild des damaligen Repertoires vermittelt. Der wertvollste Teil der AMG-Bibliothek liegt in der oben beschriebenen Sammlung geistlicher und weltlicher Vokal- und Instrumentalmusik des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wovon etliche Drucke Unikate sind. Einen hohen Stellenwert nimmt auch die Haydn-Sammlung mit knapp 200 Titeln ein.
An Einzelwerken hervorzuheben sind die autographe Partitur des Singspiels Scherz, List und Rache, entstanden aus einer Zusammenarbeit Johann Wolfgang von Goethes mit dem damals in Zürich ansässigen Frankfurter Komponisten Philipp Christoph Kayser (1755–1823), sowie das Prunkstück der Bibliothek, die autographe Partitur der 4. Symphonie e-moll op. 98 von Johannes Brahms. Diese Einzelwerke ergänzen die heutigen AMG-Bestände zu einer Sammlung, die in der Zeit gewachsen ist und gerade dadurch charakteristische Schwerpunkte, aber auch Zufälligkeiten und Lücken aufweist. Sie darf in ihrer Anlage und ihrem Reichtum zu den bedeutendsten Musikaliensammlungen dieser Art gezählt werden.
Heinrich Aerni, Bibliothekar der AMG: Zürichs musikalisches Gedächtnis, in: Sonus - Musikwelt Zürich, Nr. 2 (Februar 2008), S. 23-24