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Die Gegner der Gesundheitsreform haben ein leichtes Spiel. Die Vorlage ist nicht nur kompliziert und unverständlich, sie kommt auch so daher: Dank dem Titel «Managed Care».
Umfragen zeigen, dass viele Stimmberechtigte nicht wissen, was «Managed Care» ist. Eine ältere Dame ärgert sich beispielsweise über «Management Care», dem sie keinesfalls zustimmen werde. Jemand fragt: «Warum hat man kein deutsches Wort genommen, das man versteht?»
In der Zwischenzeit hat das Parlament «Managed Care» etliche Male durchgekaut, hin- und hergeschoben, abgelehnt und die Beratung darüber wieder aufgenommen.
Ja, warum eigentlich? Die Parlamentarier hat die vom US-amerikanischen Gesundheitsmodell abgeschaute Wortkreation offenbar nicht gestört. In den USA begannen Krankenversicherer ab den Neunzigerjahren unter wachsendem Konkurrenzdruck die Kosten zu kontrollieren. Sie taten dies durch Abmachungen mit Ärzten und Spitälern. Europäische Gesundheitspolitiker fanden das interessant, ähnliche Modelle wurden auch diesseits des Atlantiks realisiert. Im eidgenössischen Parlament tauchte der Begriff «Managed Care» 1997 erstmals auf.
Das war vor 15 Jahren. In der Zwischenzeit hat das Parlament «Managed Care» etliche Male durchgekaut, hin- und hergeschoben, abgelehnt und die Beratung darüber wieder aufgenommen. Kommissionen brüteten unzählige Stunden darüber. Und niemand ist auf die Idee gekommen, den Titel auszudeutschen? Doch, man habe bemerkt, dass dieser nicht gut sei, sagt CVP-Nationalrätin Ruth Humbel, eine Befürworterin der ersten Stunde. Die Gesundheitskommission habe sich deshalb auf die Bezeichnung «integrierte Versorgung» geeinigt – und damit allerdings nur den Begriff «Managed Care» im Gesetzestext ersetzt. Den Titel habe man schlichtweg vergessen.
Die Einigungskonferenz vom Herbst 2011 wäre die letzte Gelegenheit gewesen, den Titel der Vorlage zu ersetzen. Das hätte deren Chancen sicher um ein paar prozente Stimmenanteil erhöht. «Integrierte Versorgung» wäre auch nicht sehr attraktiv, aber wenigstens Deutsch. Besser wäre: «Ärztenetze». Oder noch besser: «Tiefere Prämien». Der Titel einer Vorlage muss deren Inhalt nicht unbedingt zweifelsfrei wiedergeben. Das zeigt die «Bonussteuer», die zusammen mit der Abzocker-Initiative vors Volk kommt. Der Titel suggeriert, Empfänger von exorbitanten Löhnen würden verstärkt zur Kasse gebeten, was aber nicht stimmt.
Ehrlichkeit währt nicht immer am längsten, sondern wird oft bestraft. Und Schummeln wird belohnt. In der Politik jedenfalls.