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Hallenradsport
Hallenradsport ist ein Sammelbegriff, der zwei Sportarten umfasst, die auf den ersten Blick einzig den Fakt gemein haben, wonach sie in Hallen betrieben werden: Kunstradfahren und Radball.
Der zweite Blick, jener in die Historie, führt eine weitere Verbindung zutage: Als Erfinder des Radballs gilt Nicholas Edward Kaufmann. Der Sohn eines in die USA ausgewanderten Schweizers war im ausgehenden 19. Jahrhundert einer der erfolgreichsten Kunstradfahrer. Überlieferungen zufolge soll er 1893 im US-Bundesstaat New York gegen seinen Kunstrad-Partner John Featherly die erste Radball-Partie bestritten haben.
Im Kunstradfahren
gibt es Kategorien für Solisten, Duos, Quartette und Sextette. Die Verbreitung ist überschaubar, an Weltmeisterschaften nehmen 20 bis 25 Nationen teil. Die Fahrfläche ist bei internationalen Wettkämpfen 14 Meter lang und 11 Meter breit – was der Grösse des Radball-Spielfelds entspricht und somit einer weiteren Parallele gleichkommt. Die Vortragsdauer beläuft sich auf maximal sechs Minuten, als Zeiteinteilungshilfe ertönt im Minutentakt ein Signal. Eine Kür umfasst 28 Übungen, jede Übung wird ihrem Schwierigkeitsgrad entsprechend mit einer Basispunktzahl versehen. Diese Ziffer wird von den Wertungsrichtern in das Urteil einbezogen. Die Wahl der Begleitmusik ist den Teilnehmern überlassen.
Im Radball
wird mit einem 600 Gramm schweren Ball in Mannschaften auf Tore gespielt. Jeder Spieler sitzt auf einem speziellen Velo, befördert wird der Ball in der Regel mit dem Vorderrad. In der populärsten Radball-Variante besteht eine Equipe aus zwei Spielern; es gibt jedoch auch 5er- und 6er-Radball. Eine Zweier-Radball-Partie dauert zweimal sieben Minuten. Wer sich im eigenen Strafraum aufhält, was pro Team stets nur einem Spieler erlaubt ist, darf den Ball mit den Händen fangen. Ansonsten darf nur spielen, wer die Hände am Lenker und die Füsse auf den Pedalen hat.
Hallenradsport in der Schweiz
Der Kunstradsport hat in der Schweiz eine lange Tradition. An der ersten WM 1956 sicherte sich Arnold Tschopp den ersten von sechs Titeln. Dank steter, vornehmlich ehrenamtlich verrichteter Nachwuchsarbeit gehört die Schweiz auch 60 Jahre nach der WM-Premiere zu den führenden Nationen. Dominiert wird die Sportart im 21. Jahrhundert von den Deutschen, die Schweizer und Österreicher folgen gleich dahinter – mehr oder weniger auf Augenhöhe. Die Ausnahme findet sich in der Vierer-Kategorie: 2014, 2016 und 2017 gewann das Quartett vom RV Sirnach Gold.
Die Schweizer Radballer gehören seit der WM-Ouvertüre von 1930 zur Weltspitze. An den 81 globalen Titelkämpfen, die bis 2017 stattfanden, standen die helvetischen Duos 64 Mal auf dem Podest. Erfolgreichster Athlet war Walter Osterwalder; der St. Galler liess sich zwischen 1946 und 1956 sieben Mal Gold umhängen. Hierzulande existieren ungefähr 170 lizenzierte Teams in 30 Vereinen, wobei die Sportart vorwiegend von Männern und ausschliesslich im deutschsprachigen Teil der Schweiz betrieben wird. Neben Sektionen, die aktiv in einer der 9 Spielklassen an der Schweizer Meisterschaft teilnehmen, gibt es diverse Vereine, welche den Radballsport als Freizeitvergnügen ausüben.