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Ein moderates Hintergrundgeräusch, etwas Unordnung und Licht: Das Geheimnis für Innovation liegt in einigen einfachen Umgestaltungen des Arbeitsplatzes.
J. K. Rowling, die Autorin der erfolgreichen Harry-Potter-Bücher, hat alle ihre Romane in der unruhigen Atmosphäre eines Cafés geschrieben, da sie diese Umgebung als kreativitätsfördernd empfand. Eine Studie der University of British Columbia in Kanada scheint diesen intuitiven Eindruck zu bestätigen. Die Forscher liessen 65 Studierende kreative Aufgaben lösen und spielten ihnen dabei in unterschiedlichen Lautstärken Tonbandaufnahmen aus einem Restaurant vor. Das Ergebnis: Das Arbeiten in einer Umgebung mit moderaten Hintergrundgeräuschen - etwa 70 Dezibel - fördert abstraktes Denken. Die schlechte Nachricht: Am besten funktioniert eine regelmässige zeitlich begrenzte Beschallung. Es bringt nichts, ganze Tage so zu verbringen, da das Kreativitätslevel dann letztlich abnimmt.
Ein Hoch auf das Chaos
Ein unaufgeräumter Schreibtisch kann für den Erfindergeist stimulierender sein als eine Arbeitsfläche, auf der alles perfekt geordnet ist. Alexander Fleming erfand 1928 zufällig das Penicillin dank eines Schimmelpilzes, der sich in einer nicht weggeräumten Petrischale gebildet hatte. Wer weiss, wann ohne diese Unordnung die ersten Antibiotika auf den Markt gekommen wären? Bei Microsoft werden die Ingenieure sogar dazu aufgefordert, im allergrössten Chaos neue Programme zu entwickeln.
Jia Liu, Dirk Smeesters und Debra Trampe, Forscher an der Universität Groningen in den Niederlanden, wollten wissen, wie Unordnung die Kreativität fördern kann. Sie setzten ihre Testpersonen verschiedenen Arten von Chaos aus. Diese sollten zum Beispiel in einem unordentlichen Büro arbeiten oder in einem Geschäft einkaufen, in dem die Waren unlogisch sortiert waren. Ihre Leistungen wurden mit denen von Personen in einer "normalen" Umgebung verglichen und es zeigte sich, dass die Chaosgruppe sich besser konzentrieren konnte, strukturierter überlegte und innovativere Lösungen fand.
Einige Forscher unterstützen die These, dass äusseres visuelles Chaos dazu führt, dass man seine Gedanken besser strukturiert. Darüber hinaus könne es begünstigen, dass man unerwartet auf neuen Input stösst, beispielsweise ein Papier, das man zufällig mitten in einem Stapel findet und das die Lösung für ein Problem enthält, über dem man seit Stunden brütet.
Natürliches Licht
Eine Studie von Psychologen der University of British Columbia weist darauf hin, dass Kreativität durch natürliches Licht und offene Räume ohne Trennwände angeregt wird. Wenn der Blick in die Ferne schweifen kann und nicht durch ein visuelles Hindernis gestoppt wird, können die Gedanken freier fliessen und so mehr Kreativität entwickeln.
Doch Vorsicht: Auch wenn einige Menschen gerne mit Hintergrundgeräuschen oder Musik arbeiten und andere nur im Chaos nachdenken können, gilt das nicht für alle. Eine gelungene Einrichtung der Büroräume muss jedem die Möglichkeit bieten, seinen Arbeitsplatz an seine persönlichen Bedürfnisse anzupassen, sodass daraus ein einzigartiger Ort wird, der seine individuelle Kreativität fördern kann.
Quelle: Imagine: How Creativity Works, Jonah Lehrer, Houghton Mifflin Harcourt.