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Der Klimawandel scheint eine kleine Fischart nach Norden zu treiben – direkt in den Schlund von Walen, die sich normalerweise grössere Fische bevorzugen. Doch es sind nicht nur die Wale, die sich an den kleinen Fischen genüsslich halten, auch die ehemalige Beute der Wale profitiert von der neuen Nahrungsquelle.
Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Manitoba David Yurkowski erklärt, dass Belugas im Norden teilweise von grönländischem Heilbutt wegkommen und sich auf Lodden konzentrieren, ein kleiner, glänzender Fisch, der aufgrund der wärmeren Gewässer in der Arktis immer häufiger vorkommt. „Beide Arten nutzen diese Futtergrundlage wirklich aus und stellen Teile des Nahrungsnetzes auf den Kopf.“ Belugas hatten sich seit den 1980er Jahren bis in die 2000er Jahren vermehrt auf Heilbutt nahe Grönland konzentriert. Doch Yurkowski meint nun, dass in seinem Forschungsgebiet im Cumberland Sund, ein Bereich am südöstlichen Ende der Baffin-Insel, die Belugas mehr die vergleichsweisen kleinen Lodden fressen würden. Bis anhin seien Polardorsche die Hauptnahrungsquelle gewesen, doch diese werden immer seltener. Gemäss Yurkowski würden die Dorsche durch die Lodden und andere südliche Fischarten verstärkt Nahrungskonkurrenz erhalten, da diese immer weiter nach Norden ziehen. Was aber ebenso wahrscheinlich sein könnte, ist, dass die Dorsche selber weiter nach Norden ausweichen und ein Loch hinterlassen, das von den Lodden dann gefüllt wird. Umso besser für den Heilbutt, dessen Population gemäss Daten der kanadischen Fischereibehörden stabil oder sogar wachsend ist. Dies könnte eine gute Neuigkeit für die nördlichen Inuit-geführten Fischereiverbände sein, meint Yurkowski. Denn die Belugas, die einen grossen Druck auf die Heilbutt-Population ausgeübt hatten, fressen mehr Lodden und die Heilbutte tun es ihnen gleich und scheinen so besser zu gedeihen.
Wissenschaftler wissen nicht wirklich, wieviele Lodden es um die südöstliche Spitze der Baffin-Insel gibt. Doch Fischer und Leute in den abgelegenen Gemeinden sagen, dass sie die Zahl der Lodden explodieren sehen. Yurkowski meint: „Lodden sind eine Art mit einem hohen Kolonisierungsgrad und einer hohen Plastizität beim Laichhabitat und –temperatur. Der Klimawandel kann der Lodde wirklich hilfreich sein.“ Andere Fischjäger scheinen auch die Lodde zu bemerken. Beispielsweise haben Forscher die Lodde als Nahrung bei Seevögeln in er Hudson Bay nachgewiesen, erklärt Yurkowski weiter. Und solche Veränderungen in der Ernährung deuten auf dramatische Veränderungen in der Arktis hin. „Seevögel und Meeressäugetiere können als Zeigerarten für Ökosystemveränderungen dienen,“ sagt der Forscher. „Diese Arten sind normalerweise Opportunisten. Wenn sich eine grosse Änderung in ihrer Ernährung zeigt, dann gab es eine Veränderung in der Beutebasis.“ Er erklärt auch, dass das wärmere Wasser weniger Meereis bedeutet und längere Zeitabschnitte, in denen der arktische Ozean offen da liegt. Wenn sich durch den Klimawandel neue Fisch- und Räuberarten nach Norden aufmachen, könnte dies durchaus auch Auswirkungen auf die Lebewesen unter der Oberfläche haben. „Das Nahrungsnetz und die Art und Weise, wie die Arten sich verhalten, verändern sich und ich glaube, wir können sicher sagen, dass dies durch den Klimawandel verursacht wird,“ meint Yurkowski. „Dies kann endemische Arten beeinflussen, was zu Erschütterungen im gesamten arktischen Nahrungsnetz führen kann.“
Quelle: Bryce Hoye, Canadian Broadcast Company
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