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Der Wald in Mitteleuropa, wie wir ihn heute kennen, hat sich im Laufe von Millionen Jahren entwickelt und verändert. Die ersten Bäume entstanden vor ungefähr 300 Millionen Jahren. Damals in der Steinkohlezeit wuchsen Bärlapp-, Farn- und Schachtelhalmbäume in einem feuchten und tropischen Klima.
Allmählich veränderte sich das Klima und wurde trockener. Für die nächsten 200 Millionen Jahre dominierten Nadelbäume die Vegetation. In dieser Zeit entwickelte sich auch der sogenannte Ginko-Baum - eine Übergangsart zwischen Nadel- und Laubbäumen.
In den nächsten 100 Millionen Jahren entwickelten sich immer mehr Laubbäume. Auf der Nordhalbkugel herrschte vor 2 Millionen Jahren wieder ein warmes und ausgeglichenes Klima. Damals glichen die Wälder in Mitteleuropa heutigen Regenwäldern. Sie waren immergrün und beherbergten eine vielfältige Vegetation. Neben Lorbeer- und Nussbaumgewächsen gediehen auch Palmen und tropische Farnarten. Nach Norden hin erstreckten sich sommergrüne Laub- und Mischwälder.
Die Eiszeiten
Über längere Zeiträume veränderte sich das Klima erneut. Das Eis der Pole drang immer weiter vor und die uns heute als Eiszeiten bekannten Phasen setzten ein. Pflanzen, die mit dem kalten Klima nicht klar kamen, wanderten immer weiter gegen Süden. Aufgrund der in West-Ost-Richtung verlaufenden Alpen konnten viele Arten nicht weit genug ausweichen und starben aus. Als sich das Eis wieder zurückzog, eroberten die verdrängten Pflanzenarten allmählich ihr Territorium zurück.
Nach den Eiszeiten entwickelten sich verschiedene Urwälder auf der Nordhalbkugel. In Europa dominierten Tundra und Mischwald. In den Tundren herrschten Birken und Kiefern vor. Mischwälder aus Eichen, Ulmen, Eschen und Linden breiteten sich aus.
Aus Waldland wird Kulturlandschaft
Nach den Eiszeiten fand ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte des Menschen und des Waldes statt. Bislang spielten die Menschen eine eher teilnehmende Rolle in der Natur. Dann entdeckten sie den Ackerbau. Dadurch wurden erstmals Bäume gefällt und Waldgebiete in Ackerland umgewandelt. Die Bevölkerung nahm zu, und es wurde immer grösserer Einfluss auf die Landschaft genommen.
Europa wurde also von den Menschen entwaldet. Doch auch die verbliebenen Waldbestände sind grösstenteils keine Urwälder mehr. Ungefähr seit dem Mittelalter hat auch hier der Mensch seine Finger im Spiel. Vor allem die Zusammensetzung der Baumarten wurde verändert. Der Anteil der Nadelbäume nahm zu, denn es wurden viele Fichten gepflanzt. Die Fichte diente als guter Holzlieferant, da sie nicht besonders anspruchsvoll ist und trotzdem schnell wächst. Sogenannte Monokulturen entstanden, in denen die Biodiversität gering ist.
Die Wälder der Zukunft
Die heutige Forstwirtschaft hat verstanden, dass Monokulturen nicht besonders gut sind für die Erhaltung des Ökosystems. So werden bei uns heute mehr Mischbestände aufgebaut. Dennoch besteht ein immer grösser werdender Bedarf an Holz. Um diesen decken zu können, werden künstliche Wälder gepflanzt. So wurde beim Jari-Projekt in Brasilien der für den Holzschlag eher ungeeignete Regenwald mit schnellwüchsigen Pinien ersetzt. Die Zusammensetzung der Wälder wird sich also - durch Eingreifen des Menschen – erneut verändern.