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Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, hat überraschend ihren Rücktritt angekündigt. Haley werde ihr Amt zum Jahresende niederlegen, sagte US-Präsident Donald Trump am Dienstag nach einem Treffen mit der Botschafterin im Weissen Haus.
Die 46 Jahre alte Haley hatte den Posten als Uno-Botschafterin im Januar 2017 fast ohne jegliche diplomatische Vorkenntnisse angetreten. Zuvor war sie Gouverneurin des Südstaats South Carolina und hatte dort nur vereinzelt mit ausländischen Delegationen zu tun. Bei den Vereinten Nationen trat sie stets resolut auf und setzte Trumps Kurs einer schlankeren Uno mit geringeren Beiträgen der USA zu Budget und Friedenseinsätzen konsequent um.
Schon vor gut einem Jahr war darüber spekuliert worden, ob Haley ihr Amt als Uno-Botschafterin aufgibt. Seinerzeit war ihr ein mögliches Interesse am Posten des damaligen US-Aussenministers Rex Tillerson nachgesagt worden. Anders als der eher wortkarge Tillerson trat Haley eloquent auf und nahm in politischen Verhandlungen häufig eine führende Rolle ein.
Haley habe ihm bereits vor rund sechs Monaten angekündigt, dass sie zum Jahresende - rund zwei Jahre nach Trumps Amtsübernahme - eine Pause einlegen wolle. «Sie hat einen fantastischen Job gemacht und wir haben zusammen einen fantastischen Job gemacht.» Haley dankte dem Präsidenten. «Es war eine einmalige Ehre im Leben.»
Trump sagte, er freue sich für Haley, sei aber traurig, sie als seine Botschafterin bei den Vereinten Nationen zu verlieren. «Wir werden Sie vermissen.»
Haley selbst hatte Trump in dessen Wahlkampf im Jahr 2016 zunächst offen kritisiert, sich dann aber auf seine Seite geschlagen. Die in South Carolina geborene Republikanerin ist Tochter indischer Einwanderer. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Haley sagte, sie habe derzeit keine konkreten Pläne für eine neue Aufgabe. Die Arbeit als Uno-Botschafterin der USA sei eine grosse Ehre für sie gewesen. «Es war ein Segen.» Haley fügte hinzu: «Die USA sind wieder stark. Das sollte alle Amerikaner stolz machen.» Haley betonte: «Andere Länder mögen vielleicht nicht immer, was wir tun. Aber sie respektieren, was wir tun.»
Es seien sehr intensive Jahre gewesen, sagte Haley weiter. Es sei wichtig zu verstehen, wann es an der Zeit sei, zur Seite zu treten und die Aufgabe an jemand anderen zu übergeben. «Es war ein Segen, jeden Tag in die Uno zu gehen – in einer Rüstung, um Amerika zu verteidigen.»
Abschliessend gab Haley bekannt, dass sie eine Kandidatur für das Präsidentenamt nicht in Betracht ziehe. Allerdings werde sie Trump für dessen Wiederwahl unterstützen.
Haley hatte sich kurz vor ihrer Rücktrittserklärung mit Vorwürfen wegen der Annahme teurer Geschenke konfrontiert gesehen. Die Nichtregierungsorganisation CREW hatte am Montag den Generalinspektor des US-Aussenministeriums zu Untersuchungen aufgefordert, ob Haley die Geschenke korrekt gemeldet habe.
Hintergrund seien sieben Flugreisen von Haley und ihrem Ehemann in Privatjets von Geschäftsleuten, teilte Crew mit. In dem Schreiben der Organisation an das Aussenministerium hiess es, Haley habe die Flüge zwar angegeben, deren Wert aber womöglich viel zu niedrig deklariert.
Es gab keinen Hinweis darauf, dass ihre Entscheidung zum Rücktritt in Zusammenhang mit der Annahme von Geschenken stehen könnte. Bei dem Auftritt Trumps und Haleys vor Journalisten im Weissen Haus am Dienstag spielten die Flüge keine Rolle.
Trump sagte, es gebe mehrere Anwärter für den Posten. Er brachte seine Ex-Sicherheitsberaterin Dina Powell als eine mögliche Kandidatin für die Nachfolge ins Gespräch.
Sie werde für den Posten in Betracht gezogen, sagte Trump am Dienstag auf die Frage eines Journalisten. Powell, eine in Ägypten geborene frühere Investmentbankerin von Goldman Sachs, war bis Anfang des Jahres stellvertretende nationale Sicherheitsberaterin im Weissen Haus. Sie galt als prägend für die Nahost-Politik der Regierung. Powell hat ein gutes Verhältnis zu Ivanka und deren Mann Jared Kushner.
In einem Interview nannte Donald Trump auch seine Tochter Ivanka Trump als mögliche Nachfolgerin: «Ich glaube, Ivanka würde unglaublich sein. Aber das bedeutet nicht, dass ich sie wähle.» Er würde sich mit dem Verwurf der Vetternwirtschaft konfrontiert sehen, zitiert «CNN».
Allerdings schloss der Präsident Ivanka als Kandidatin nicht explizit aus. Später fügte er an, dass seine Tochter eine «Bombe» für diesen Job sein würde. Er werde die Nachfolge voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen verkünden. (sda/dpa/afp/vom)