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Teil 2, Zweidimensionale Betrachtung
1963 veröffentlichen Robert Slutzky und Colin Rowe ihren Aufsatz Transparency Part I, der in Folge im innerarchitektonischen Diskurs, hohe Wellen schlägt.
(…vorher) Rowes und Slutzky’s Kritik an Siegfried Giedions Transparenzbegriff und die damit einhergehende These zweier unterschiedlicher Transparenzarten findet schliesslich als Standartwerk Eingang in die Architekturtheorie. Acht Jahre später folgt Transparency Part II und 1974 schliesslich erscheint mit der deutschsprachigen Übersetzung ein umfangreicher Erläuterungstext von Bernhard Hoesli, einem ehemaligen Mitstreiter an der Universität Texas in Austin.
Transparency Part I ist im Wesentlichen der Entwicklung des Begriffs „Transparenz im übertragenen Sinn“ gewidmet. Dies in Opposition zur Materialeigenschaft der Durchsicht, deren Rowe und Slutzky im Rahmen des Architekturdiskurses wenig gestalterisches Potential beimessen.
Ihr neuer Begriff stützt sich auf die Analyse kubistischer Kompositionen wie zum Beispiel Picassos L’Arsiénne ab, wo die einzelnen Bildflächen nicht mehr nur einem Blickpunkt zugeordnet werden können. Ihre Zugehörigkeit schwankt in diesem Fall zwischen Front- und Seitenansicht eines Kopfes. Die mehrdeutige Lesbarkeit solcher Bildkompositionen sehen sie für die Architektur in raumschichtig gegliederten Gebäuden verwirklicht, wie sie zum Beispiel in Le Corbusiers Oeuvre zu finden sind. Durch Wandscheiben, Brüstungen und Stürze werden hier, trotz grosser offener Bereiche, optisch erfahrbare, zusammengehörige Ebenen gebildet. Wegen dieser grossen Öffnungen sind mehrere hintereinander stehende Ebenen zugleich sichtbar. Rowe und Slutzky sprechen in diesem Zusammenhang von einer Durchdringung der Ebenen und meinen damit das Erkennen, von sich normalerweise verdeckenden Flächen.
Anhand weniger Beispiele werden die visuellen Aspekte des Gebauten und des Gemalten miteinander verglichen. In dem sie den Architekturen frontal gegenübertreten und sie damit mindestens in ihrer Betrachtungsweise den Bildern annähern, wird es ihnen möglich, das bildnerische Konzept der Mehrdeutigkeit ohne Bedeutungsverluste auf den Raum zu übertragen.
Allerdings kann diese Übertragung von bildnerischen Konzepten auf die Architektur nur unter der Vernachlässigung bedeutender Ungereimtheiten gelingen. Picassos Gemälde zeichnet sich zwar durch Mehrfachlesbarkeiten aus, diese entstehen aber durch das Ineinanderarbeiten mehrerer Ansichten desselben Menschen. Es liegt hier das Resultat von überlagerten Blickpunkten aus einem Rundgang um einen Körper vor. Slutzky’s und Rowes Mehrfachlesbarkeit hingegen funktioniert nur in der Frontalansicht. Der betrachtete Gegenstand kann lediglich von einem Standpunkt aus verstanden werden, wohingegen Picasso potenziell alle Standpunkte beizieht um seinen Gegenstand zu zeigen. Rowe und Slutzky lassen diese Differenz ungelöst bestehen und stellen so ihre ganze Argumentationskette in Frage. (Weiter bei…)