Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/1017

2. Kapitel
Treffen mit Mr Miesepeter
Eine Handtasche über meine Schulter geschwungen und mit Stöckelschuhen an den Füßen fühle ich mich überhaupt nicht wie ich selbst. In den letzten Jahren habe ich hauptsächlich bequeme Kleidung und Turnschuhe getragen. Ich öffne die Eingangstür vonEllis Technologiesund bemerke sofort das geschäftige Treiben. Das riesige zweistöckige Großraumbüro ist erfüllt von leisem Gemurmel. Zwischen den Arbeitsplätzen gehen Männer und Frauen zielstrebig umher, wie die winzigen Ameisen in den Glasschaukästen, die ich in meinem Klassenzimmer stehen habe, damit meine Schüler sie beobachten können.
»Kann ich Ihnen helfen?«
Ich drehe den Kopf und entdecke einen sehr attraktiven Mann in einer Sicherheitsuniform. Er kommt über die sonnenbeschienenen weißen Fliesen auf mich zu, und ich werfe einen schnellen Blick auf sein Namensschild.Mike.
»Hallo, ich bin die Vertretung von Christy Smith.«
»Penny, richtig?«, fragt er, und ich nicke. »Christy hat dich mir schon angekündigt«, informiert er mich freundlich und deutet dann nach rechts. »Wir müssen da lang. Erst besorgen wir dir einen Personalausweis, dann bringe ich dich zu Christys Schreibtisch und stelle dich Jace vor.«
»Toll.« Meine Absätze klackern über die Fliesen, als ich ihm durch die Halle folge. Das Geräusch zieht die Aufmerksamkeit der emsigen Arbeitsbienen auf sich und lässt einen nach dem andern innehalten. Ich schlucke, als mir bewusst wird, wie sehr ich aus der Menge heraussteche. Nicht nur mit meinen kupferfarbenen Haaren, die ich zu einem hohen Dutt gebunden habe, sondern vor allem wegen meines schicken Business-Outfits. Offenbar wird hier ein lockerer Kleidungsstil bevorzugt, denn die anderen tragen Jeans, Shorts und T-Shirts, als wären sie auf dem Weg in den Supermarkt und nicht an ihrem Arbeitsplatz.
Meine Wangen werden heiß, und ein unangenehmes Gefühl sammelt sich in meiner Brust. So fehl am Platz habe ich mich seit der Highschool nicht mehr gefühlt. Ich vermeide jeglichen Blickkontakt und bleibe dicht hinter Mike.
Wir halten kurz an, um ein Foto von mir zu machen. Mit dem frisch gedruckten Ausweis setzen wir unseren Weg fort. Diesmal geht es eine Treppe nach oben, wo wir bei langen Schreibtischreihen vorbeikommen, die mich an die Tischordnung in meinem Klassenzimmer erinnern. Nur dass hier niemand sitzt. Alle stehen, entweder in kleinen Gruppen zusammengetrottet und in eine Unterhaltung vertieft, oder sie starren auf die riesigen Bildschirme, die an jeder Seite des Raumes angebracht sind. Darauf sind Zahlen und Videospiele zu erkennen.
Vor einer Wand bleibt Mike stehen und drückt einen Knopf. »Du wirst dich hier drin aufhalten«, erklärt er mir über seine Schulter hinweg, bevor eine Milchglastür neben uns aufgleitet und den Blick auf ein großes Eckbüro mit raumhohen Fenstern freigibt. Als ich das Zimmer betrete, bin ich so von der Aussicht eingenommen, dass ich ohne nachzudenken darauf zugehe. Da ich näher an Modesto als an San Francisco wohne, kann ich die Golden Gate Bridge und die grünen Hügel dahinter nie sehen, aber von hier aus ist der Blick einfach atemberaubend.
»Penny, richtig?«, tönt eine tiefe, männliche Stimme durch den Raum und lässt mich zusammenzucken. »Sag mir, wenn du dich an der Aussicht sattgesehen hast, damit wir mit der Arbeit beginnen können.«
Ich drehe mich in die Richtung, wo