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Raw Frand zu Parschat Wa‘etchanan 5773
Das Gegenmittel zur Eifersucht
"Du sollst nicht gelüsten die Frau deines Nächsten; du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, sein Feld, seinen Sklaven, seine Magd, seinen Ochsen, seinen Esel oder jegliches, was deinem Nächsten gehört." (5:18).
Eines der Gebote, die am schwersten zu verstehen sind - geschweige denn zu erfüllen – ist jenes von "Lo tachmod" (Gelüste nicht, begehre nicht).
Der Ibn Esra fragt (Schemot 20:14), wie die Torah von uns verlangen kann, eine Emotion abzuschalten, die vollkommen natürlich daherkommt, wenn jemand etwas besitzt, was wir ebenfalls gerne hätten. Wenn der Nachbar sein Haus renoviert und ein Schwimmbecken baut - wie kann man von einem Menschen erwarten, nicht ebenfalls ein Schwimmbecken besitzen zu wollen?
Der Ibn Esra beantwortet diese Frage mithilfe einer Parabel:
Man stelle sich einen Mann aus dem Volke vor, der den königlichen Palast besucht. Während er das schöne Besitztum besichtigt, sieht er die Prinzessin, wie sie in ihren königlichen Gewändern hervorkommt. Obwohl er von ihrer Schönheit überwältigt ist, denkt er etwa für einen einzigen Moment, dass er sie heiraten will?
Die meisten Menschen würden nicht eine Sekunde lang diesen Gedanken pflegen. Sie sehen ein, dass die Tochter des Königs für sie unerreichbar ist. Menschen begehren etwas, das im Rahmen des Vorstellbaren ist - nicht etwas, das völlig unrealistisch ist.
Dasselbe sollte für die Besitztümer eines anderen gelten, sagt Ibn Esra. Wir sollten an uns arbeiten, zu begreifen, dass wenn Haschem das Schwimmbecken dem Nachbarn gegeben hat, es etwas ist, was Er den Nachbarn besitzen lassen wollte - nicht uns. Als solches sollte es nicht innerhalb des Spektrums unserer Begehrlichkeiten sein.
Der Ansatz des Ibn Esra ist im Judentum die klassische Antwort auf diese Frage, doch Raw Simcha Sissel Broide leitet vom Rambam (Maimonides) eine andere Erläuterung ab.
Der Rambam zitiert den folgenden Midrasch: Die zehn Gebote werden allesamt - in der einen oder anderen Form - in Parschat Kedoschim wiederholt. Zum Beispiel der Vers "Ani Haschem Elokechem" (Ich bin Haschem, Euer G-tt) [Wajikra 19:3] entspricht dem ersten Gebot - und "We'elohej massecha lo ta'assu lachem" (und selbstgemachte [in Stein gegossene] Götter sollt Ihr Euch nicht machen) [Wajikra 19:4] entspricht dem zweiten Gebot.
Die Parallele zu "Lo tachmod", sagt der Rambam, sei "We'ahawta le'Reacha kamocha" (Liebe deinen Nächsten wie dich selbst) [Wajikra 19:18].
Raw Broide erklärt den Zusammenhang zwischen den beiden Versen:
Hat man jemals von einem Vater oder einer Mutter gehört, die sich wünschen, ihre Kinder hätten weniger materiellen Besitz als sie selbst - nur weil auch der Vater oder die Mutter weniger besassen, als sie im selben Alter waren? Nein. Eltern sind entzückt, wenn ihre Kinder mehr besitzen, als sie selber hatten. Warum? Weil sie ihre Kinder genauso lieben wie sich selbst - wenn nicht mehr. Deshalb freuen sie sich darüber, wenn sich ihre Kinder alles leisten können, was sie wollen.
Wenn wir tatsächlich "We'ahawta le'Reacha kamocha" erfüllen und jeden Juden wie uns selbst lieben würden, sagt Raw Broide, wären wir nicht eifersüchtig auf die Besitztümer der Anderen, die wir uns selbst nicht leisten können. Wir würden uns für sie freuen, genau wie wir uns für unsere Kinder freuen, wenn sie mehr haben, als wir selbst.
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