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«Alkibiades» (1889)
abfielen. B.s Salonstücke sind wahrhafte gesellschaftliche Gemälde, die das moderne Leben selbst, nicht bloß das beschränkte
bürgerlicher Familienkreise, und die geistige
Bewegung der Zeit widerspiegeln. Die Charaktere sind lebendig gezeichnet, die
Situationen geschickt und theatralisch wirksam durchgeführt. B.s Lieblingshelden sind geistreiche,
blasierte Junggesellen, die nach bewegter
Jugend spät in den
Hafen einer glücklichen
Ehe einlaufen.
Die Gesprächsführung ist äußerst gewandt und
Muster des Konversationstons, geistvoll, elegant und von ungezwungenem Witz,
der auch in B.s
Epigrammen «Zahme
Xenien»
Ausdruck fand. Auf Reichtum der Erfindung und kunstvollen
Aufbau legt
Bauernfeld wenig Gewicht. Er verfaßte auch einige Libretti, so zu
FranzSchubertsOper «Der
Graf von
Gleichen», ferner «Gedichte» (Lpz.
1852: 2. Aufl. 1856),
unter denen aber nur die satirischen Beachtung verdienen, und ein
«PoetischesTagebuch» von 1820 bis 1886 (Berl.
1887). B.s dramat.
Arbeiten sind in seinen «GesammeltenSchriften» (12 Bde.,
Wien
[* 3] 1871-73) vereinigt; der 12.
Band
[* 4] bietet auch die Memoiren «Aus
Alt- und
Neu-Wien». Den «Dramat. Nachlaß» gab von Saar heraus (Stuttg.
1893). B.s echt wienerisches Wesen zeitigte
«Wiener Einfälle und
Ausfälle» (1852) und «Ein
Buch von uns
Wienern in lustig-gemütlichen
Reimlein von Rusticocampius» (1858). Der polit.-doktrinäreRoman «Die Freigelassenen. Bildungsgeschichte
aus
Österreich»
[* 5] (2 Bde., Berl.
1875) besteht im wesentlichen aus
Aphorismen;
Früchte seines
Alters waren das satir. Gedicht «Aus der Mappe des alten Fabulisten»
(Wien 1879) und sein «Novellenkranz» (ebd. 1884). -
im Mittelalter in einigen Gegenden auf dem
Lande Gerichte, welche von einem
Bauernrichter
(Gograf) als
Vorsitzendem, fünf bis sechsBauerngenossen als
Beisitzern und einem Gerichtsschrelber abgehalten wurden;
[* 7] Nach den verschiedenen Gewohnheiten
des
Landes hat das und die es umgebende Hofstätte sehr verschiedene
Gestalt angenommen. In neuerer Zeit hat man der Erforschung dieser hervorragende
Aufmerksamkeit zugewendet,
weil man die kulturgeschichtliche Bedeutung der Fortentwicklung des deutschen und germanischen Bauernhaus, namentlich
auch ihre Bedeutung für die Beurteilung der Stammeseigenarten erkannt hat. Hierbei ging man von der
Beobachtung aus, daß
die Aufteilung der
Äcker an eine Gemeinde eine jener Einrichtungen ist, die dem Wandel wenig unterliegen,
daß man also aus der Dorfanlage und der Fluranordnung erkennen kann, welche Nation, welcher
Stamm ursprünglich am betreffenden
Orte ansässig gewesen ist.
Selbst bei spätern Einwanderungen behielten die neuen
Besitzer meist die ursprüngliche Äckerverteilung bei. Die fränk.
Dörfer, namentlich am Rhein, bilden zumeist einen ungeordneten Haufen (das Wort Dorf hat gleichen
Stamm
mit dem lat. turba, Haufen), in welchem jeder Bewohner nach Willkür sich auf einem der ihm
gehörigen nach
Fluren geteilten Grundstücke so ansiedelt, daß die Häuser dicht aneinander rücken. Das sächs.
Haus steht meist gesondert inmitten des geschlossenen
Ackers, so daß eine Dorfbildung gar nicht erstrebt
wird, in slaw.
Ansiedelungen sind die Grundstücke konzentrisch auf einen Platz zu gerichtet und stehen die Häuser im
Kreise
[* 8] rings um diesen, den
«Ring».
Den Stammeseigentümlichkeiten entsprechend haben sich nun auch die einzelnen Formen des Bauernhaus entwickelt. Die
Urformen festzustellen, ist bisber nur vermutungsweise möglich gewesen. Die altgerman. Bauweise ist
das Zimmern. Bei der verhältnismäßig geringen Widerstandskraft des Holzes gegen das Verfaulen und gegen
Brand sind Bauernhaus aus
älterer Zeit wie dem 16. Jahrh. nicht mehr vorhanden, oder doch nicht nachweisbar. Im allgemeinen
kann man aber erkennen, daß nicht der Blockbau, sondern derStänderbau den meisten german. Häusern
eigenartig war. Inwieweit das altgriech. und altital. Haus (s.
Haus) in
Vergleich zu ziehen ist, das nach neuern Untersuchungen über den Tempelbau der Griechen ursprünglich auch ein Holzhaus
war, muß noch genauern Untersuchungen vorbehalten werden.
Am weitesten verbreitet in
Deutschland
[* 9] ist das fränkisch-thüringische Bauernhaus (s.Tafel: Bauernhäuser I,
[* 1]
Fig. 1
u. 2). Seine Grenze gegen N. zieht sich von der Maas bei
Venlo bis zur Ruhrmündung, die
Ruhr hinauf bis zur westfäl.
Grenze, längs des Raumes des Rothaargebirges bis südlich von Olpe und nördlich weiter bis nach
Osterburg, wendet sich dann
nördlich des
Habichtswaldes über Zierenberg nach Münden an der Weser und Hildesheim
[* 10] und trifft die
Elbe bei
Tangermünde.
Weiterhin wird die Grenze, die sonst sich ziemlich genau mit jener zwischen mittel- und niederdeutschen Dialekten deckt,
immer ungenauer. Das fränkisch-thüringische Bauernhaus zeichnet sich zunächst dadurch aus, daß es einen
Teil einer geschlossenen
Hofstätte bildet. Es steht mit der Schmalseite gegen die
Straße zu; an erstere legt sich ein Doppelthor
für Fußgänger und Wagen, weiterhin die Auszüglerwohnung. Dem Bauernhaus gegenüber befindet sich ein gesondertes
Stallgebäude, dem
Thor gegenüber die Scheune. Mitten im
Hofe befindet sich die Dungstätte und der
Brunnen,
[* 11] hinter der Scheune
der Obst- und Gemüsegarten. Das Bauernhaus selbst ist in drei
Teile geteilt: in der Mitte befindet sich die Küche
(der alte Herdraum), von der zumeist vorn
¶
mehr
ein Teil als Flur«Eren» abgetrennt ist. Von hier gelangt man nach dem Stall und nach der Stube. Ursprünglich dürfte der ganze
Van in Holz
[* 13] ausgeführt gewesen sein, früh begann man Küche und Stall, später das ganze Erdgeschoß in Stein auszuführen.
An der Stube behielt man der Wärme
[* 14] wegen lange den Blockbau zwischen Ständern. Dagegen blieb das Obergeschoß
bis in die neueste Zeit hinein meist Holzbau und zwar hier in der neuern Bauform des Riegelwerks. Die Stube, das heißt der
Ofenraum (vom neulat. stufa, der Ofen), zeigt die typische Form aller deutschen Bauernstuben.
In der Ecke, in welcher nach der Straße und nach dem Hof
[* 15] zu Fenster sich befinden, steht die Bank (der «Hofsitz»),
davor der Tisch, gegenüber der Ofen und die Betten. Wenn das Haus größere Verhältnisse annimmt, wird der Bettraum durch
eine Wand abgetrennt und erscheint somit als besondere Kammer.
Das Schweizer Bauernhaus (Fig. 3, 4 u. 5) ist auf denselben Typus zurückzuführen wie das fränkische. Nur sind
der Almwirtschaft entsprechend die Hofanlagen anders gestaltet, sind vor allem die Ställe in Wegfall gekommen. Es besteht
der dargestellte Grundriß demnach nur aus dem Herdraum b mit dem über dem Herde sich aufbauenden großen Rauchmantel und
der durch eine Klappe verschließbaren Esse und einem gesonderten Kochherd. Vom Herdraum ist die Kammer
e abgetrennt; zu ihm führt ein überdeckter Gang
[* 16] (Laube) a. Die Stube c zeigt die Fensterbank in verlängerter Form, den Tisch
und Ofen sowie links am Eingang einen Tellerschrank auch hier ist eine Kammer d abgetrennt. Während beim fränkisch-thüringischen
Bauernhaus das Obergeschoß aufgebaut erscheint, ist es hier durch eine wagerechte Teilung aus dem ursprünglich einheitlichen Raum
entstanden und wird «Gadem» genannt. Die Erwärmung des obern Geschosses geschieht dann auch durch die Ritzen der Bohlendecke
des untern.
Ähnlich ist das alamannische Bauernhaus gestaltet
[* 12]
(Fig. 6, 7 u. 8). Doch wurde im vorliegenden Beispiele der Eren
a zu Gunsten der Stube b beschränkt, ebenso wie der Herdraum d eine größere Ausdehnung
[* 17] auf Kosten der Kammer c erhielt.
Die Obergeschosse sind ebenso wie im Schweizerhaus von den untern abgetrennt, der Herdraum allein hat die volle Stockwerkshöhe.
Die Räume e f g werden in gleicher Weise wie im Frankenhaus zu Ställen und Wirtschaftsräumen benutzt.
Der Schweinestall h, der Keller i, der Abortk und der Brunnen 1 dagegen sind außerhalb des Hauses angeordnet. Das bezeichnende
Merkmal der Anlage ist die Anlehnung an einen Hügel, derart, daß der Bodenraum über eine Brücke
[* 18] von der
Rückseite des Hauses, in großen Bauernhaus mit dem Erntewagen, befahren und als Speicher benutzt werden kann. Es ist also hier das
ganze Hauswesen des Bauern unter ein Dach
[* 19] gebracht. Ursprünglich fehlt dem Herd die Esse und zieht der Rauch durch den Speicher
und durch die Ritzen der Dachdeckung
[* 20] ab.
Das Allgäuer Bauernhaus (Fig. 9) zeigt eine weitere Ausgestaltung der fränk.. Anlage und mag als Beispiel für
die größern in dieser Bauform gelten.
Während allen diesen hochdeutschen Hausformen die Querteilung eigen war, ist das bezeichnende Merkmal für das sächsische
und für die aus diesen entwickelten Typen die hallenförmige Längsteilung, wie sie der Querschnitt des
westfäl. Hauses (s. Taf. II,
[* 12]
Fig. 7) verdeutlicht. Der Flurraum ist die
«Diele», welche ursprünglich den ganzen Bau durchzieht, so daß der Erntewagen diesen durchfahren kann,
ohne gewendet oder
zurückgeschoben werden zu müssen.
In den Nebenräumen finden sich die Ställe und Vorratsräume, welche gleichfalls vielfach durch Einschieben
einer wagerechten Teilung in zwei Geschosse
[* 21] zerlegt werden, deren oberer meist «Hille» heißt. Der Herd
befand sich ursprünglich an einer Seitenwand der Diele, die Ernte
[* 22] wird in dem «Speicher» unter dem Dach untergebracht, der
Rauch durchzieht wieder ohne Esse aufsteigend den Dachraum und sucht sich seinen Ausweg. Im Laufe der Zeit
fand das sächsische Bauernhaus vielfache Umgestaltung. Zunächst wurde eins der Thore in der Achse durch den Herd versetzt und ein
besonderer Herdraum (das «Fleet») geschaffen, welcher mit den Nebenräumen
für den Aufenthalt der Familie (der «Utlucht») und für die häusliche Wirtschaft bestimmt war. An das Fenster der
Utlucht rückte man auch die Bank und den Tisch in üblicher Anordnung. In weiterer Entwicklung ergaben sich Hausformen, von
welchen das dithmarsische Haus (s. Taf. II,
[* 12]
Fig. 3 u. 4) als Beispiel dienen soll. An die vordere Hälfte der Diele k legt sich
die Stallanlage 11, links der Stall für das Rindvieh, rechts für Pferde,
[* 23] je mit einem Wirtschaftsgange
m m und einer kleinen Thür zur Abfuhr des Mistes.
Das Vieh ist stets so gestellt, daß die Köpfe in die Diele schauen. An die Ställe schließt sich die Gesindestube d mit den
feststehenden Betten (Buchten) e e. Die Utlucht ist zur Küche g geworden, an die sich die Speisekammer
h h anschließt, der Wirtschaftsraum gegenüber wurde als tiefer gelegter Molkereikeller c ausgebildet. Von der Diele ist
ein großer Raum a abgetrennt, der «Piesel» oder «Pösel» (neulat. pisalis; mittelhochdeutsch phiesel, wohl von piso, stampfen,
weil mit Estrich versehen), an den sich die Stube f und die für die Auszügler bestimmten Nebenräume b b
b anschließen. In verschiedenen sächs. Gegenden entwickelt sich der Piesel mit seinen Nebenräumen zu einem selbständigen
Gebäude von wechselnden Formen.
Das holsteinische Bauernhaus (Fig. 1 u. 2) entstand in seiner besondern Form dadurch, daß der Herd nicht an die
Hinterwand, sondern an eine Seite der Diele j gerückt wurde, dadurch wurde der Raum d zur Küche und c zur Stube, an welch
letztere sich die Kammer b und der Molkereikeller a anschließen. Die Speisekammer e schließt diese Räume gegen den Pferdestall
k ab. Auf der andern Seite liegt die Gesindestube h, die Backstube g und der Kornspeicher f, den Pferdeställen
gegenüber der Kuhstall i mit dem Gänsestall m. Diese Hausformen sind reizvoll durch die Weiträumigkeit,
Übersichtlichkeit und trauliche Vereinigung von Herrn, Gesinde und Vieh.
Eine Übergangsstufe vom sächs. zum fränk. Haus bildet das
hessische Bauernhaus (Fig. 5 u. 6). Die Diele a ist in der Breite
[* 24] verkümmert, durchschneidet aber immer noch die
beiden Stockwerke der Nebenräume, von welchen b die Stube, c die Küche, d die Speisekammer und f die zweite Kammer, f eine
Auszüglerstube oder einen Vorratsraum, g den Stall mit dem seitlichen Ausgang in den Hof bildet. Vielfach
wird an der Vorderseite auch die Diele in zwei Geschosse zerlegt, so daß über dem Thore eine «Hängestube» erscheint. Zwischen
die altsächs. Hausanlage und das Dach wird vielfach noch ein besonderes Geschoß eingebaut, so daß das Bauernhaus nach außen dreigeschossig
erscheint, wie
[* 12]
Fig. 5 zeigt.
Die Mitte zwischen dem hess. und dem holstein.
Haus nimmt das westfälische Bauernhaus (Fig. 7)
¶