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Die Besatzung der Vagabond, die seit über 20 Jahren im Auftrag der Wissenschaft die Arktis durchquert, nimmt ein Team von Geologen der Université de Bretagne Occidentale in Südgrönland an Bord.
Am vergangenen Dienstag machte sich Eric Brossier, Kapitän des Segelschiffs Vagabond, planmäßig auf den Weg zum internationalen Flughafen von Narsarsuaq, einem 120-Seelen-Dorf in Südgrönland. Ein vom Französischen Polarinstitut unterstütztes Geologenteam sollte sich ihm anschließen, um den Gardar-Fels zu untersuchen und dabei sein Segelboot als schwimmendes Basislager zu nutzen. Wir konnten ihn telefonisch erreichen, als er sich in das WLAN-Netzwerk des Flughafens einloggte, da seine Satellitenverbindung in der übrigen Zeit eingeschränkt war.
Éric Brossier und France Pinczon du Sel segeln an Bord der Vagabond seit über 20 Jahren in der Arktis. „Ich habe das Französische Polarinstitut kontaktiert, das mich im Rahmen meines Nationaldienstes nach Kerguelen geschickt hatte, und sie haben mir sofort vertraut“, erklärte er auf dem Kolloquium über die Navigation im Eis, das die französische Organisation Pôles Actions im vergangenen Juni in Marseille veranstaltet hatte.
Dadurch dienten sie als logistische Unterstützung für zahlreiche Forschungsprogramme, durchquerten z. B. 2003 die Nordost- und Nordwestpassage, erlebten 12 Überwinterungen in der Arktis und bekamen zwischen 2007 und 2009 zwei Töchter.
Seit 1999 ist das Segelschiff schon öfter im Eis gefangen gewesen, trieb auf die Küste zu, wurde von Wind und Wellen umtost, aber abgesehen von einigen Schrecksekunden verträgt sich ihre Route gut mit dem Eis und den Bewohnern der Gegend.
Nachdem sie den Rumpf gegen Algen behandelt und den Anstrich der Unterwasserteile ausgebessert hatten, legten Brossière und seine Frau am 3. Juli von Saint-Pierre et Miquelon ab und segelten zu keltischer Musik nach Grönland. Während der Überfahrt kamen einige Weißseitendelfine vorbei und begleiteten die Segler.
Als sie zwischen Eisschollen in Narsaq ankamen, legten sie neben dem Segelschiff Pangaea von Mike Horn an. „In Südgrönland ist es sicher weniger anstrengend, aber man muss auf Windböen achten und auf Eisberge, die auf dem Radar nicht zu sehen sind, weil sie von der Brandung verdeckt werden“, erklärt er am Telefon, während er das Flugzeug mit den Geologen an Bord landen sieht.
Dieser Teil Grönlands ist ein Paradies für Touristen, die die zum Weltkulturerbe zählenden Ruinen des Bischofspalastes von Gardar besuchen. Wenn ein Kreuzfahrtschiff anlegt, verdreifacht sich die Bevölkerung des Dorfes. Auch Schafe fühlen sich auf den Wiesen in der Region Narsaq wohl, wo jährlich 18’000 Tiere für ihr Fleisch geschlachtet werden.
Die Vegetation hilft den Geologen, die nach Gesteinsaufschlüssen suchen, nicht unbedingt weiter. Sie beschäftigen sich mit der Plattentektonik und den Magmabewegungen. Vor etwas mehr als einer Milliarde Jahren riss der unter starken Zugkräften stehende Gesteinsmantel auf und hinterließ „ungewöhnliche“ Räume von bis zu 1’000 Metern Breite für das unter Druck stehende Magma, das über Dutzende von Millionen Jahren in vertikale Risse injiziert wurde.
Geologen wie Laurent Geoffroy von der Université de Bretagne Occidentale untersuchen die mechanischen Eigenschaften dieses aus längst vergangenen Zeiten stammenden Kontinents, um die Geschwindigkeit der permanenten Abkühlung der Erde genauer abschätzen zu können.
Das Projekt Protero-Litho2 wird noch mindestens drei Jahre lang weitergeführt. Dieses erste Jahr beginnt mit der Standortbestimmung und ersten Experimenten. „Wir verbringen ziemlich viel Zeit im Gelände, um Verwerfungen zu identifizieren, nächstes Jahr werden wir uns vielleicht der Gletscherfront nähern“, erklärt uns Eric Brossier, bevor das Gespräch zu Ende geht.
Die nächste Sommersaison der „Vagabond“ sieht die Erforschung von Korallenalgen vor, die in den arktischen Fjorden kleine Riffe aus Kalkstein bilden. Zu diesem Zweck wird Eric Brossier eine für kalte Gewässer geeignete Tauchausrüstung tragen. Wieder einmal wird das Segelschiff eine Plattform für die Wissenschaft der Polarregionen sein, so wie es das schon so lange ist.
Camille Lin, PolarJournal
Link zur Website von Vagabond
Lien vers le site de l‘Institut Polaire Français
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