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Fachtagung SGGF 2021
Frauen*wahlrecht und Demokratie: Kritik, Erinnerung, Visionen
26. - 27. November 2021, Universität Zürich
Anlass und Hintergrund des Konferenzthemas 2021 ist das 50jährige Jubiläum der Einführung des Frauen*wahl- und -stimmrechts für Schweizer*innen im Jahre 1971. Die Konferenz behandelt das Thema „Frauen*wahlrecht und Demokratie“ aus demokratie- und geschlechtertheoretischer, intersektionaler, postkolonialer und transnationaler Perspektive sowohl mit Blick auf die Schweiz als auch bezogen auf die Situation in anderen Ländern und Kontexten. Im Zentrum stehen erstens kritische Analysen zu Konzeptionen von Demokratie, politischer Partizipation und Citizenship im Hinblick auf ihre Ein- und Ausschlüsse, zweitens historische und aktuelle Formen der Erinnerungskultur in Bezug auf verweigerte und erkämpfte politische Rechte in der Schweiz und weltweit und drittens Visionen einer geschlechtergerechten Gesellschaft und Politik sowie Konzeptionen umfassender politischer Rechte und gesellschaftlicher Partizipation. Es können aus allen wissenschaftlichen Disziplinen Beiträge eingereicht werden, die sich auf einen oder mehrere Schwerpunkte des Konferenzthemas beziehen.
Kritik: Der erste Schwerpunkt widmet sich der kritischen Analyse von Konzeptionen von Demokratie, politischer Partizipation und Citizenship im Hinblick auf ihre systematischen Ein- und Ausschlüsse sowohl in der Schweiz als auch in anderen Ländern und Kontexten. Dabei geht es u.a. um folgende Fragen:
- Wie wurden und werden der politische Aus- resp. Einschluss von Frauen* im 20. Jh. demokratietheoretisch analysiert und reflektiert?
- Welche Demokratiemodelle wurden und werden zu deren Rechtfertigung herangezogen?
- Welches Verständnis von Demokratie, politischer Partizipation und Citizenship lässt sich aus historischen und aktuellen Ausschlüssen in kritischer Perspektive entwickeln?
- Welche demokratietheoretischen Spannungsverhältnisse und Paradoxa lassen sich in liberalen, nationalstaatlichen Demokratien identifizieren?
- Gibt es theoretische Ansätze einer emanzipatorischen Überschreitung von Demokratie oder eines alternativen Verständnisses von Demokratie und Politik, Partizipation und Citizenship aus queer-feministischer, intersektionaler und postkolonialer Perspektive?
- In welchen Formen wurde und wird Geschlecht zu einem Gegenstand demokratischer Politik und was bedeutet es in unterschiedlichen Kontexten, Geschlecht zu politisieren?
Erinnerung: Der zweite Schwerpunkt befasst sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Erinnerung des (historischen) Unrechts bezogen auf das verweigerte und erkämpfte Frauen*wahlrecht. Dabei geht es u.a. um folgende Fragen:
- Wie lässt sich der politische Ausschluss von Frauen* weltweit und in der Schweiz im Besonderen als Unrecht fassen und erinnern?
- Wie wurde und wird der politische Ausschluss von Frauen* in Literatur, Kunst und Medien thematisiert?
- Welche Protestformen, Propagandamittel, Bildsprachen wurden in den feministischen Kämpfen für das Frauen*wahlrecht national und international eingesetzt?
- Welche historischen und aktuellen Beispiele gibt es für eine queer-feministische, intersektionale und postkoloniale Erinnerungskultur im Umgang mit dem verweigerten und erkämpften Frauen*wahlrecht?
- Welches Verständnis von Demokratie wird in der Schweiz und in anderen Ländern kulturell gepflegt und erinnert?
- Wie hängen Stimmrechtsbewegungen und spezifische Protestformen historisch und transnational zusammen und wie werden sie tradiert und archiviert?
Visionen: Der dritte Schwerpunkt beschäftigt sich mit normativen, emanzipatorischen und aktivistischen Ansätzen zur Bestimmung politischer Grundrechte und den Visionen einer geschlechtergerechten Politik und Gesellschaft. Dabei geht es u.a. um folgende Fragen:
- Welche Bedeutung hat das demokratische Wahlrecht heute auf dem Hintergrund aktueller globaler Migration, eines transnationalen Kapitalismus und supranationaler Institutionen, aber auch von nationalistischen und autoritären Politiken?
- Welche Formen politischer Partizipation lassen sich für das 21. Jahrhundert erkennen und entwickeln?
- Wie effektiv sind Frauen*- und Minderheitsquoten für politische Ämter zur Erreichung von Gleichstellung und Diversität?
- Was bedeuten politische Einschlüsse von Frauen* für bestehende und zukünftige Geschlechterverhältnisse und –ordnungen?
- Wie hängen unterschiedliche Kämpfe und Forderungen nach Gleichberechtigung und politischen Teilhaberechten auf transnationaler, intersektionaler und sozio-ökonomischer Ebene zusammen und wo liegt ihr normatives Potential?
- Welche Konsequenzen lassen sich aus den historischen Unrechtsstrukturen und feministischen Kämpfen für eine Vision politischer Gerechtigkeit ziehen?
- Welche neuen Aspekte – etwa bezogen auf Umwelt, spätere Generationen und nicht-menschliches Leben, aber auch bezogen auf selbstbestimmte Arbeit und gerechte Wirtschaftsstrukturen – müssen in politische Visionen von Demokratie einbezogen werden?
- Wie verändern aktuelle Politiken im Anschluss an die Covid-19-Pandemie das Verständnis, den Wirkungsbereich und die Praktiken demokratischer Partizipation und substantieller Formen von Ein- resp. Ausschluss? Welche Freiheiten stehen dabei zur Disposition und welche werden geschützt und verteidigt?
- Welche gesellschaftlichen Bereiche müssen in Zukunft stärker demokratisiert werden und wie?
Vorgaben für die Einreichung: Es können sowohl ganze Panels als auch einzelne Papers für die Tagung eingereicht werden. Wir freuen uns über Beiträge von Akademiker*innen, Praktiker*innen und Aktivist*innen weltweit. Insbesondere Nachwuchswissenschaftler*innen und Doktorand*innen sind herzlich zur Mitwirkung eingeladen. Die Beiträge können aus allen Disziplinen kommen, sie sollten aber einen klaren Bezug zum Konferenzthema aufweisen. Die Beiträge können auf Deutsch, Französisch oder Englisch eingereicht werden.
Eingabefrist: 1. Februar 2021
Kooperation: Die Tagung der SGGF findet in Kooperation mit der Tagung des Schweizerischen Instituts für feministische Rechtswissenschaft und Gender Law (FRI) vom 9.-11. September 2021 zum Thema „Frauen*wahlrecht und Demokratie: Mechanismen des (Un-)Rechts“ statt. Die beiden Konferenzen ergänzen sich inhaltlich, legen aber jeweils eigenständige Schwerpunkte.