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Frauen unterschätzen oft ihr Risiko für Herzerkrankungen. Beim Herzinfarkt ist dies besonders fatal. Daher ist die Prävention und Früherkennung von Herzkreislauferkrankungen bei Frauen besonders wichtig, insbesondere bei wesentlichen Risiken wie Rauchen, Diabetes, Übergewicht und Depressionen.
Die Ursachen für Herzerkrankungen sind vielseitig. Als klassische Risikofaktoren gelten erhöhte Blutfette (Cholesterin), Übergewicht, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen in der Familie. Auch hierbei gilt es, wichtige Unterschiede zwischen Frauen und Männern zu beachten: Frauen haben ein besonders erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkrankheit, wenn ein weibliches Familienmitglied, z.B. Mutter oder Schwester, einen Herzinfarkt hatte. Auch steigt das Risiko für einen Herzin¬farkt bei Raucherinnen und Frauen mit Diabetes oder Bluthochdruck deutlich höher an als bei Männern mit gleichem Risikoprofil. Ebenso ist die Verteilung der Risikofaktoren bei Männer und Frauen unterschiedlich: während Diabetes, Übergewicht, körperliche Inaktivität und hoher Blutdruck öfters bei Frauen vorkommt, rauchen Männer öfters als Frauen und leiden öfters an Fettstoffwechselstörungen. Hierbei ist zu beachten, dass das Rauchen in den letzten Jahren bei Frauen deutlich zugenommen hat. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, liegt bei Frauen, die rauchen, um 25 Prozent höher als bei Männern. Deshalb sollte die Prävention, die veränderbaren Risikofaktoren angehen und reduzieren, z. B. durch den Stopp von Zigarettenkonsum oder eine Gewichtsabnahme. Doch Frauen fällt es schwerer als Männern mit dem Rauchen aufzuhören, da Massnahmen zur Rauchentwöhnung stark auf Männer ausgerichtet sind und die Sorgen der Frauen (z.B. Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp) wenig Beachtung finden. Auch steigt der Blutdruck mit dem Alter bei Frauen stärker an als bei Männern, da sich die kleineren Gefässe der Frauen altersbedingt mehr versteifen. Da bei Frauen bereits niedrigere Blutdruckwerte als bei Männern die Blutgefässe schädigen können, sind regelmässige Blutdruckkontrollen sehr wichtig, um Herz-Kreislauferkrankungen verhindern zu können. Auch leiden Frauen häufiger als Männer unter Nebenwirkungen cholesterinsenkender Medikamente mit der Folge, dass diese Medikamente abgesetzt werden ohne nach Alternativen zu suchen. Es ist daher nicht erstaunlich, dass Fettstoffwechselstörungen und hohes Cholesterin bei Frauen häufiger unbehandelt bleiben.
Auch junge Frauen können schon einem kardialen Risiko ausgesetzt sein. In der Schwangerschaft sind Bluthochdruck und Diabetes keine Seltenheit. Beides begünstigt deutlich ein erhöhtes Risiko für eine spätere Herz-Kreislauferkrankung. Auch ist eine Chemotherapie und/oder Bestrahlung von Brustkrebs oder anderen Krebserkrankungen eine Belastung für das Herz. Hier sollte eine engmaschige Kontrolle mittels Herzultraschall und mit Blutkontrollen erfolgen. Studien zeigen allerdings eine Unterversorgung gerade der Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen oder nach Brustkrebs in der Nachbetreuung. Fer¬ner haben Studien gezeigt, dass Erkrankungen, die nur Frauen betreffen, wie das polyzystische Ovarialsyndrom oder ein vorzeitiges Einsetzen der Menopause mit einem er¬höhten kardiovaskulären Risiko einhergehen. Autoimmunerkrankungen und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises betreffen Frauen deutlich häufiger als Männer und verdoppeln das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Auch sind erwachsene Frauen doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Männer, und Herz-Kreislauferkrankungen treten bei Erwachsenen mit Depression drei Mal so häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung. Familiärer Stress, Angst und Depressionen wirken sich bei Frauen stärker auf die Herzgesundheit aus als bei Männern. Bei Männern spielt hingegen Stress am Arbeitsplatz und körperliche Überlastung eine grössere Rolle bei Herz-Kreislauferkrankungen. Gewisse soziokulturelle Risikofaktoren für Herz-kreislauferkrankungen sind zudem häufiger bei Frauen anzutreffen. Hierzu zählen ein geringes Einkommen und Armut, ein niedriger Bildungsstatus und soziale Isolation.