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Ethos bedauert Nestlés Mangel an Informationen im Fall der Buitoni-Pizzen, die 2022 in Frankreich zwei Todesopfer forderten. Ethos nahm die am 17. April angekündigte Einigung zwischen Nestlé und den Familien der Opfer zur Kenntnis, erachtet aber die im Jahresbericht enthaltenen Informationen zu diesem Fall als höchst ungenügend. Ethos ist zudem der Ansicht, dass die Transparenz des Vergütungsberichts weit hinter der Marktpraxis zurückbleibt. Schliesslich ist Ethos enttäuscht über den Entscheid des Verwaltungsrats, den Klimabericht den Aktionären nicht proaktiv zur Abstimmung vorzulegen.
Ethos empfiehlt, sich an der heutigen Generalversammlung in Lausanne gegen die Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung (Traktandum 2) auszusprechen, da das Unternehmen im Zusammenhang mit der Buitoni-Affäre in Frankreich zu wenig Informationen offengelegt hat. Zwar wurde am Montag eine Einigung zwischen Nestlé und den Familien bekannt gegeben, die das Zivilverfahren aussetzt, doch das Strafverfahren in diesem Fall ist noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund ist Ethos der Ansicht, dass der Verwaltungsrat verantwortlich bleiben muss und für das Jahr 2022 nicht entlastet werden kann.
Zur Erinnerung: Im März 2022 erkrankten in Frankreich rund fünfzig Personen, mehrheitlich Kinder, nachdem sie Pizzen der Marke Buitoni gegessen hatten. Die Marke befindet sich seit 1988 im Besitz von Nestlé. Zwei Kinder starben aufgrund des Vorhandenseins des Bakteriums Escherichia coli. Ethos bedauert insbesondere die fehlenden Informationen, die Nestlé in ihrem Jahresbericht und ihrer Jahresrechnung 2022 zu diesem Fall liefert. Die genauen Rückstellungen für diesen Rechtsstreit werden in der Jahresrechnung nicht spezifisch ausgewiesen und der Fall wird nicht einmal erwähnt.
Transparenz des Vergütungsberichts höchst ungenügend
Ethos empfiehlt den Aktionärinnen und Aktionären, die Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht (Punkt 1.2) sowie die Abstimmung über die Vergütung der Geschäftslei-tung (Punkt 5.2) abzulehnen. Ethos ist der Ansicht, dass die Transparenz des Berichts unge-nügend ist, insbesondere im Vergleich zu anderen in der Schweiz kotierten Grossunternehmen.
So legt Nestlé die Leistungsziele, die für den jährlichen Bonus gelten, nicht rückwirkend offen, was eine Analyse der Angemessenheit zwischen den ausbezahlten Beträgen und der Unternehmensleistung nicht möglich macht. Nestlé weist zwar darauf hin, dass bei der Berechnung der Boni neu auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden, gibt aber nicht an, welche Leistung bei jedem dieser Indikatoren erreicht werden muss.
Ethos fordert eine reguläre "Say on Climate"-Abstimmung
Ethos bedauert ausserdem, dass Nestlé beschlossen hat, ihren Aktionärinnen und Aktionären an der Generalversammlung 2023 nicht über ihren Klimabericht abstimmen zu lassen. Es zur Best Practice, dass Unternehmen, die sich bis 2050 eine Netto-Null-Emission von Treibhausgasen (Net Zero") zum Ziel gesetzt haben, ihren Klimabericht regelmässig den Aktionärinnen und Aktionären zur Genehmigung vorlegen. Auf diese Weise kann das Aktionariat die Wirksamkeit der Strategie beurteilen und gegebenenfalls den Verwaltungsrat auffordern, weitere Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels zu ergreifen.
Nestlé, der zweitgrösste Treibhausgas-Emittent unter den börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz, legte seinem Aktionariat erst an der Generalversammlung 2021 eine Klima-Roadmap zur Abstimmung vor, nachdem Ethos und andere Aktionärinnen und Aktionäre einen entsprechenden Antrag gestellt hatten. Seither hat sich der multinationale Konzern gegen weitere Vorlegungen entschieden mit der Begründung, dass ab 2024 eine Abstimmung über den Nachhaltigkeitsbericht gesetzlich vorgeschrieben sein wird.
Für Ethos ist es jedoch entscheidend, dass Nestlé ihren Aktionärinnen und Aktionären den Klimabericht spezifisch und regelmässig zur Abstimmung vorlegt. "Es geht darum, dass das Aktionariat die Fortschritte oder Nichtfortschritte des Unternehmens in Bezug auf die 2021 vorgelegte Klima-Roadmap messen können und dass der Verwaltungsrat für diese Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem 'Net Zero'-Ziel verantwortlich ist", betont Vincent Kaufmann, Direktor von Ethos.
Fortschritte bei der Transparenz über den Nährwert von Lebensmitteln
Schliesslich begrüsst Ethos, dass Nestlé sich bereit erklärt hat, den Nährwert ihres globalen Produktportfolios im Jahresbericht 2022 zu veröffentlichen. Dabei wird das Health Star Rating System verwendet, ein anerkannter und unabhängig berechneter Nährwert-Score. Darüber hinaus erwähnt Nestlé in ihrem Nachhaltigkeitsbericht 2022 den Nährwert ihrer Portfolios in dreizehn Ländern mithilfe von Kennzeichnungssystemen auf der Vorderseite der Verpackung, die von den lokalen Behörden genehmigt wurden.
Diese Entscheidung folgte auf eine von ShareAction geleitete Engagement-Kampagne mehrerer Investoren (darunter Ethos), die von Nestlé mehr Transparenz über den Nährwert der Produkte in ihrem Portfolio forderte. Obwohl diese Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung darstellt, muss Nestlé noch klare Ziele und begleitende Massnahmen festlegen, um den Anteil gesunder Produkte am Umsatz zu erhöhen und die Transparenz gegenüber den Konsumentinnen und Konsumenten zu verbessern. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, ein Ziel für die Menge an Produkten mit einer Bewertung von mehr als 3,5 von 5 Sternen im Kalenderjahr 2023 festzulegen.