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Als ich 21 Jahre alt bin, gehe ich spontan zu einem Tätowierer auf dem Hamburger Kiez. An einem heissen Sommertag im Juli lasse ich mir ein chinesisches Schriftzeichen auf die rechte Schulter stechen. Es ist das Zeichen für Courage.
Später kann mir niemand genau sagen, warum sich die Tätowierung entzündet hat. Vielleicht war es keine gute Idee, sich im Hochsommer stechen zu lassen. Vielleicht tat es sein übriges hinzu, dass ich damals in einem Croque-Laden jobbte und täglich vor glühenden Öfen stand. Vielleicht zeigte meine Haut eine allergische Reaktion auf die Tätowierungsfarbe. Vielleicht war aber auch die Nadel des Tätowierers nicht steril.
Auf letztere Möglichkeit macht mich mein Arzt aufmerksam, während er mir das Tattoo wie ein Pflaster von meiner Haut zieht. Das Schriftzeichen hat sich aus meiner Haut heraus gearbeitet, nur die Umrisse sind geblieben, sie wurden eine Hautschicht tiefer gestochen. Nach einer Batterie von Tests (Hepatitis, HIV, …), die erfreulich negativ verlaufen, verabschiedet mich der Doc mit einem „Shit happens“ und tätschelt lächelnd meinen Arm.
Jetzt laufe ich mit diesen verschwommenen Umrissen durch mein Leben. Um das Tattoo noch einmal anzugehen, es vielleicht mit einem anderen Motiv überstechen zu lassen, dazu fehlt mir seit 25 Jahren die Courage.