Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03549.jsonl.gz/2698

Lecturer
Prof. Dr. Armin Selbitschka (LMU München)
Date and Time
December 15, 2022, 4:15 - 6 pm
Abstract
Diplomatie im vormodernen China wird gerne als sog. «Tributsystem» verstanden: Die ausländischen Partner leisteten nur wegen der wertvollen Gegengaben Tribut und dachten nicht im geringsten daran, sich dem Willen des Kaiserhofs zu fügen. Die chinesischen Kaiser gaben sich damit zufrieden, exotische Dinge aus allen Ecken der Welt zu empfangen und damit ihre Herrschaft über «alles unter dem Himmel» bestätigt zu sehen.
Doch so einfach war die Sache nicht. Überlieferte Quellen aus dem 4. Jh. v. bis ins 5. Jh. n. u. Z. zeichnen ein deutlich komplexeres Bild früh-chinesischer Aussenbeziehungen. Das vermeintliche Tributsystem der frühen Kaiserzeit (ab 221 v. u. Z.) unterschied sich nicht wesentlich von früheren diplomatischen Praktiken. Tribut und Geschenke spielten eine wichtige Rolle, jedoch erfüllten beide sehr wohl politische Funktionen. Diplomatie im frühen China war demnach keine inhaltslose Scharade, deren Regeln von beiden Seiten stillschweigend akzeptiert wurde. Ganz im Gegenteil, in den meisten Fällen verhinderte sie Kriege und sicherte damit (vorübergehend) Frieden.
Venue
University of Zurich, Institute of Asian and Oriental Studies, Room RAA E08, Rämistrasse 59, 8001 Zürich
Contact
Organisation
Institute of Asian and Oriental Studies - Chinese Studies