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Die Exportziffern sind sehr schwankend; auch soll gegen früher eine Abnahme der Produktion eingetreten sein. -
Die Türkei hat Seidenbau in Thessalien und Macedonien, Kleinasien, auf Kandia und Cypern. Die S. von dort gehört herkömmlich zu den gröbern Sorten; es kommt aber auch feine Ware an den Markt, die sich neben der chinesischen und italienischen zeigen darf. Die beste ist die von Demirdask aus der Umgegend von Brussa in Kleinasien, dem alten Sitze der orientalischen Seidenindustrie. Durch sorgfältige Auswahl der Kokons und ebenmäßiges Haspeln wird eine hochwertige Ware erzeugt, deren besondere Helle und Glanz dem dortigen guten Wasser zugeschrieben wird. -
Eine ganz ansehnliche Stelle unter den Seidenbauländern nimmt Ägypten ein. -
In Persien herrscht Seidenbau in fünf Provinzen, doch scheint die Seidenkultur, nach den Exportziffern zu beurteilen, im Abnehmen begriffen. Die Qualität ist nach den Provinzen verschieden; die beste gewinnt man in der Provinz Ghilan. Nach Persien ist nie eine Raupenkrankheit gekommen; auch verzärtelt man dort die Tiere durchaus nicht, denn die Zuchtanstalten sind lediglich 3-4 Stock hohe Bretterhütten, die Wind und Wetter offen stehen; die ganze Sorge beschränkt sich auf das Füttern. Die persische Produktion für 1876 betrug 310000 kg, für 1878 200000 kg Rohseide; Hauptabnehmer sind England und Rußland, zu einem kleineren Teil Frankreich. Was sonst noch in Griechenland, Syrien etc. an S. erzeugt werden mag, geht mit der übrigen levantischen S. -
In Europa sind die Hauptproduktionsländer für S. Italien und Frankreich. In Italien erblühten Seidenbau und Seidenmanufaktur, aber nur der erstere hat sich erhalten, während die andre bis auf einige glatte Stoffe nicht mehr besteht und französischen und englischen Waren gewichen ist. Italien erzeugte in guten Zeiten durchschnittlich für 250 Mill. Frcs. S., bis 1857 die Seuche einbrach und den Ertrag auf einen kleinen Bruchteil herabdrückte. Durch die Einführung japanischer Grains haben sich indes die Zustände in letzter Zeit mit jedem Jahre gebessert und es werden jetzt durchschnittlich in guten Jahren zwischen 2-3 Mill. kg Rohseide gewonnen. Jahre mit 1 Mill. kg Produktion, ja selbst darunter, sind aber nicht selten. In Italien sind die hauptsächlichen Seidenbaudistrikte die Lombardei und Venetien, besonders die Umgegend von Verona, Welschtirol, die Marken, Toscana, Piemont, weniger die südlichen Provinzen. -
In Frankreich ist der Süden und Südosten der Sitz des Seidenbaues. Man erntet dort gegenwärtig in guten Jahren 700000-850000 kg., in schlechten 150 bis 250000 kg Rohseide aus 11-12½ Mill. kg Kokons. In den Jahren 1846-53 betrug die jährliche Produktion an Kokons etwa 28 Mill. kg. Lyon ist dort der Hauptmarkt für eigene und fremde Produkte und vertreibt außer französischer auch italienische, levantische, bengalische, chinesische und japanische S. Von chinesischer Ware geht das meiste direkt nach England, um dort im großem Maßstabe verarbeitet zu werden, während England seine Bezüge an italienischer S. zum größten Teil über Frankreich macht. -
Spanien und Portugal sind unbedeutend in ihrer Seidenerzeugung; eher verdient noch das letztere Erwähnung. -
In der Schweiz hat nur der Kanton Tessin einen erwähnenswerten Seidenbau. -
In Deutschland hat es an Anregung und Belehrung über den Gegenstand nicht gefehlt; die ältesten der betreffenden Druckschriften gehen über 100 Jahre zurück. Bedeutende Erfolge können infolge der ungünstigen klimatischen Verhältnisse nicht erwartet werden. Die deutsche Seidenproduktion kommt für den Markt gar nicht in Betracht. -
Die Seidenproduktion des südlichen Europa hat, wie schon erwähnt, einen argen Stoß erhalten durch die Ausartung des Seidenwurms und sein massenweises epidemisches Hinsterben. Verschiedne Krankheiten des Tieres sind immer beobachtet worden und es ist auch keine neue aufgetreten, aber eine und die andre haben sich zu Seuchen entwickelt, zuerst im Rhonethal, von wo sich das Übel rasch über Frankreich und Italien verbreitete. Die Hauptkrankheit wird Gattine oder öfter Pebrine genannt, von dem Provinzwort pébré, gepfeffert, weil sich im infizierten Schmetterling, in der Raupe und schon in den Eiern eine Menge kleiner fremder Körperchen erkennen lassen als sicheres Zeichen des Untergangs.
Glücklicherweise fand man in der Zucht aus japanischen Grains vom Maulbeerspinner einen Ausweg. Hierdurch haben Frankreich und Italien ihren Seidenbau wieder zu gesunden Zuständen zurückgeführt, freilich unter der Bedingung, alljährlich neue Grains beziehen zu müssen, denn die Fortzucht im Inlande ergibt sogleich einen bedeutenden Rückschlag in Qualität des Produktes und Sicherheit des Erfolges, da die Nachkommen leicht absterben. Es hat sich demnach ein bedeutendes Geschäft in Grains zwischen Japan und dem südlichen Europa entwickelt.
Früher war die Ausfuhr von Grains aus Japan bei Todesstrafe verboten; die ersten Partien für Europa konnten nur in waghalsiger Weise beschafft werden. Bei dem jetzt freien Handel schätzt man die Ausfuhr auf 2 Mill. Kartons. Der Karton gilt in Japan 5-6 Franken; 2-3 Franken kommen als Transporkosten ^[richtig: Transportkosten] hinzu und in Europa werden sie mit 13-20 Franken verkauft. Die Kokons der japanischen Zucht sind grünlich und kleiner als gewöhnlich, aber schwer und von guter Qualität. Es wird auch sehr über unechte, untergeschobene Grains geklagt, die entweder gar nicht japanischen Ursprungs sind oder, wenn dies der Fall, aus den besondern Racen bivoltini und trivoltini bestehen, d. h. solchen, die sich 2- und 3mal im Jahre vermehren.
Diese Schnellleber machen nur schlechte schwache Kokons oder ganz monströse, unbrauchbare Gespinste. Die große Empfindlichkeit der Seidenraupe, namentlich aber das heftige Auftreten der Seuchen sind Veranlassung gewesen, Versuche mit der Zucht andrer, gegen klimatische Einflüsse widerstandsfähigerer und noch nicht von Krankheiten befallener, spinnender Raupen anzustellen. Wesentliche Erfolge hat man damit in Europa nicht erzielt, obgleich verschiedne der eingeführten Raupen in ihrem Heimatlande ein ¶
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recht gutes, viel verwendetes Gespinst liefern. Die Versuche sind auch, nachdem die Epidemie unter den Seidenraupen als in der Hauptsache erloschen betrachtet wird, meist wieder aufgegeben worden. Man hat auch noch keine Art gefunden, deren Gespinst gleiche Feinheit, Weichheit und Glanz besitzt, wie das des Maulbeerspinners. In Asien werden neben Kokons von Bombyx mori auch solche von Bombyx militta, dem Tussahspinner, und Bombyx selene, beide in Indien die Tussahseide liefernd, in China und Japan von Bombyx oder Saturnia cynthia = Fagara oder Ailanthus-Raupe, welche auf dem Götterbaume (Ailanthus gladulosa) lebt, in Ostindien noch von der Ricinusraupe (B. arryndia) verwendet. Auch ein Eichenblattspinner (B. Pernyi), welcher im nördlichen China und Japan heimisch und in Nordamerika gezüchtet wird, liefert etwas S. Ein japanesischer Eichenspinner, dessen Einführung man in Europa vielfach angestrebt hat, führt den Namen B. yama-maï. -
Es sei an dieser Stelle noch eines Fasermaterials gedacht, welches der Abstammung nach allerdings nicht hierher gehört, aber seiner Eigenschaften wegen neben die S. gestellt zu werden verdient, d. i. die Muschelseide von Pinna nobilis, welche von Italien aus in den Handel gebracht wird. Ans der bis 300 mm langen und 120 mm breiten Muschel hängt ein Faserbart heraus, welcher anfänglich, durch Pflanzenreste und Sand verunreinigt, sehr unscheinbar aussieht, aber bei der Bearbeitung durch Kämmen immer glänzender wird und schließlich einen großen Glanz und goldgelbe Farbe erhält und in der Sonne wie Goldstaub schillert. Die Fasern sind äußerst weich und zart und werden versponnen; sie dürften am geeignetsten für Stickereien und Posamenterien sein, während man sie jetzt zu groben plumpen Strümpfen und Handschuhen verarbeitet. Die ganze Jahresproduktion ist übrigens sehr klein. -
Die Verarbeitung der S. zu den verschiedenartigsten Webereiartikeln ist bekanntlich nicht in den Grenzen der Seidenerzeugung geblieben, sondern besteht auch in Gegenden, die wenig oder keinen Seidenbau haben. England mit seiner großartigen Seidenindustrie erzeugt keine Rohseide; Italien dagegen ist genötigt, sein Produkt roh oder gesponnen auszuführen und bezahlt an Frankreich und England jährlich große Summen für façonnierte Seidenstoffe, da es selbst nur noch glatte Ware erzeugt und damit etwa 20000 Menschen beschäftigt, die meistens in Como und Genua arbeiten. Die Ursache dieser Zustände wird dem Mangel an Zollschutz zugeschrieben, da infolge der Handelsverträge nur ein Eingangszoll von 1½% des Wertes besteht. -
In Frankreich bildet die Seidenfabrikation bekanntlich eine sehr großartige Industrie und hat dieses Land namentlich in façonnierten Stoffen wegen der Schönheit und Mannigfaltigkeit der Muster noch immer ein bedeutendes Übergewicht, indes in glatten Stoffen andre Länder, namentlich die Schweiz, Deutschland und England, mit Erfolg konkurrieren können. Der älteste und bedeutendste Sitz der Fabrikation ist Lyon; die übrigen Hauptorte sind Paris, Nismes, Avignon, Tours etc. Den Wert der jährlich in Frankreich erzeugten Seidenwaren hat man auf 500 Mill. Francs veranschlagt, die Ausfuhr auf 380-460 Mill.; das Geschäft ist aber von Zeitumständen und Moden so abhängig und unterliegt daher solchen Schwankungen, daß sich nichts Bestimmtes aufstellen läßt. In Lyon hat nach eigenen Aufstellungen, die Seidenweberei von 1856-1865 so abgenommen, daß sich das letzte Jahr zu dem ersten verhielt wie 11 zu 74. Schwere Jahre für die Lyoner Seidenindustrie folgten auch auf den Krieg 1870/71; nur erst die letzten Jahre haben eine Besserung gebracht.
In der Schweiz und Deutschland geht die Seidenindustrie einen steteren Gang. Im ersten Lande sind Zürich und Basel die Hauptsitze derselben. Es wird besonders in glatten Stoffen gute Ware zu billigen Preisen geliefert. Es gehen dort etwa 40000 Webstühle und es werden für 150 Mill. Francs Seidenwaren produziert. Ziemlich dieselbe Ausdehnung hat die Industrie in Österreich oder vielmehr in Wien. In Deutschland findet sie sich in und um Crefeld, für halbseidene Sachen in Elberfeld. In Sachsen werden die schönsten, den Lyoner ebenbürtigen Waren in Annaberg fabriziert; außerdem bestehen Seidenwebereien in Frankenberg, Penig, Lößnitz. Auch in Berlin werden zum Teil schöne Seidenwaren, daneben aber mehr solche gearbeitet, bei denen Wohlfeilheit die Losung ist. In Bayern ist Augsburg ein Sitz der Seidenindustrie. Man schlägt die in Deutschland beschäftigten Webstühle auf 60000, den Wert ihrer Produkte auf etwa 100 Mill. Mk. an. -
Ein spezielles Eingehen auf die zahlreichen Waren, bei denen die S. ganz oder zum Teil das Material bildet, ist hier nicht thunlich. Die hauptsächlichsten Branchen und Arten sind an den betreffenden Stellen besonders aufgeführt. Die Menge der halbseidenen oder gemischten Waren ist nicht allein ungemein groß, sondern auch so wechselnd, einzelne Artikel sind so kurzlebig und die ihnen beigelegten Namen so willkürlich, daß ihre Aufstellung sehr schwierig wäre und doch wenig Nutzen haben würde. Nach der Art ihrer Herstellung scheiden sich die Seidengewebe, wie andre, in 1) glatte, 2) geköperte, 3) gemusterte, 4) Gaze, 5) Samt.
Unter den glatten oder leinwandartig gewebten Stoffen sind die gewöhnlichsten die Taffte, leichtere und schwerere Zeuge aus entschälter S. mit Organsinkette und Einschlag von Tramseide. Ganz leichte Gewebe bilden den Futtertafft (Avignon, Florence), etwas schwerere den Kleidertafft. Bei diesen ist die Kette ein-, der Einschuß ein- bis dreifädig. Doppeltafft (Marcelline) hat durchaus zweifädige Kette und zwei- bis dreifädigen Einschuß. Die dichtesten tafftartigen Zeuge heißen Gros mit vielen Beinamen, de Naples, de Tours, de Berlin, d'Orleans u. a. Sie haben zweifädige Kette und zwei- bis sechsfädigen Schuß, sind daher zum Teil sehr stark im Faden und zeigen deshalb eine Art von regelmäßiger Körnung auf der Oberfläche oder erscheinen gerippt, wenn dicke mit dünnen Fäden wechseln.
Zu den geköperten Stoffen gehören die verschiednen Sergen (Croisé, Levantin, Drap de Soie, Bombasin etc.) und der Atlas ¶