Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03556.jsonl.gz/471

An der Pressekonferenz in Zürich am späten Dienstagnachmittag nahmen Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der CS, Tidjane Thiam, der neue CEO der CS, und der scheidende Chef Brady Dougan teil. Es sollte der Eindruck entstehen, der Abgang von Dougan erfolge in Minne. Am Dienstagmorgen hatte die Credit Suisse angekündigt, dass Dougan Ende Juni nach acht Jahren zurücktreten werde.
Dougan und Thiam teilten sich an der Medienorientierung zuerst gegenseitig Nettigkeiten aus. Thiam sprach in sehr gutem Deutsch mit französischem Akzent und produzierte viele Lacher. Sein Handy läutete schon kurz nach Beginn seiner Rede. Thiam sagte, er sei stolz, künftig für die CS tätig sein zu können. Thiam lacht während des ganzen Anlasses viel.
Befragt nach der Kapitalausstattung der CS sagte Thiam: Dazu müsse er zuerst etwas Zeit haben, um sich dies detailliert anzuschauen. Aber aus heutiger Sicht sei er glücklich über die Kapitalausstattung der CS. Über die künftige Strategie der CS sagte Thiam nichts. Er wird mit seiner Familie von London in die Schweiz ziehen.
Dougan hingegen machte einen müden Eindruck. Er ist vom Charakter her das genaue Gegenstück von Thiam. Hier der Spröde und Asketische, dort der Joviale und Gesprächige. Dougan und Thiam würden sich seit sechs Jahren kennen und seien Freunde, sagte der abtretende CS-Chef. Über seine persönlichen Zukunftspläne wollte sich Dougan nicht äussern.
Auch Urs Rohner wollte keine Auskunft geben über die künftige Strategie der CS. Ein fundamentaler Strategiewechsel sei aber nicht vorgesehen. Er bestätigte die zuletzt gemachten Aussagen zur Zukunft der Bank. Gemäss Rohner soll Thiam eine branchenübliche Entschädigung für eine solche CEO-Position erhalten.
Das kräftige Plus der CS-Aktie am Dienstag nach der Bekanntgabe des CEO-Wechsels (plus acht Prozent) bezeichnete Rohner als Zeichen der "Klarheit über die Transformation" der CS. Diese Klarheit der Anleger werde der CS in Zukunft sicher helfen. Rohner sagte überdies, es habe keinen Druck von Aktionären gegeben, dass die CS einen neuen CEO suche solle. Die Entscheidung sei gemeinsam mit Dougan getroffen worden. Das dürfte ziemlich sicher, wie bei solchen Abgängen üblich, mehr als nur die halbe Wahrheit sein.
Nach der Medienkonferenz nahm sich Thiam relativ viel Zeit für Journalisten. Seine Aussagen beinhalteten zwar wie zuvor keine "hard facts" für die Medienleute, er gab aber viel privates preis und versprühte dabei erneut viel Charme. Fazit: Wenig wirkliche News, der Neue verkauft sich sehr gut, die Erwartungen sind hoch. Affaire à suivre.