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Mit Blick auf einen künftigen zivilen Friedensdienst können bestehende Nichtregierungsorganisationen NGOs wie die Peace Brigades International (PBI) oder das Balkan Peace Team International (BPT-I) interessante Erfahrungen beisteuern. Ihre internationalen Friedensinterventionen in Konfliktgebieten erschliessen Neuland. Dabei steht nicht die Linderung der Kriegsfolgen im Vordergrund, sondern die präventive Gewaltverhinderung.
Die Peace Brigades International wurden 1981 in Kanada gegründet, um im Sinne Gandhis gewaltfreie Friedenseinsätze in Konfliktzonen zu realisieren. Heute sind in Guatemala, Kolumbien, Sri Lanka, Nordamerika (Indianische Landkonflikte) und Haiti internationale Teams mit insgesamt etwa 30 Freiwilligen permanent im Einsatz. Seit 1994 ist in Ex-Jugoslawien als gemeinsames Projekt verschiedener Friedensorganisationen das Balkan Peace Team International tätig, wobei zwei Dreierteams in Kroatien (Zagreb und Split) und ein Team in Belgrad und Kosova aktiv sind. Ähnliche Erfahrungen haben aber auch der Service Civil International (SCI) und die GSoA in ihrem Aufbauprojekt in Pakrac gemacht.
Mögliche Friedensaufgaben
Präventive Friedensarbeit kann verschiedenste Formen annehmen:
- Schutzbegleitung
Die Hauptaufgabe von BPI besteht darin, bedrohten einheimischen Friedensgruppen durch unbewaffnete internationale Präsenz einen gewissen Schutz zu gewähren. Dadurch wird ihnen das Überleben, das Ausharren im eigenen Land und damit die politische Weiterarbeit ermöglicht. In Guatemala zum Beispiel konnten bekannte Menschenrechtlerinnen wie Nineth del Garcia oder Gewerkschafter wie Amilcar Mendez, welche heute im Parlament sitzen, den Terror der Militärdiktatur und die ständigen Todesdrohungen nur dank dem Begleitschutz internationaler Eskorten überstehen. Auch die Nobelpreisträgerin Rigoberta Menchu wurde bei den Friedensverhandlungen in Guatemala von PBI-Leuten begleitet.
- Ermutigung
Aktive Friedensarbeit fängt schon dort an, wo in einem Konfliktgebiet wie Sri Lanka oder Ex-Jugoslawien die Wellen des Nationalismus, des Hasses und der Angst hochschlagen. In einem spannungsgeladenen Klima haben es Stimmen der Besonnenheit, der gegenseitigen Achtung und der Dialogbereitschaft schwer. Friedenswillige, die für Verständigung und multikulturelles Zusammenleben eintreten, werden als Verräter gebrandmarkt. Sie fühlen sich isoliert und ohnmächtig. Internationale Kontakte und Präsenz sind für solche Friedenskräfte deshalb Ermutigung und «Enpowerment».
- Vernetzung
Ein weiterer internationaler Beitrag ist die Vernetzung. In einer von Einschüchterung und Angst geprägten Situation herrscht oft sogar unter den aktiven MenschenrechtlerInnen Misstrauen. Nicht vorbelastete internationale FriedensdienstlerInnen können helfen, Kontakte zwischen den Friedensgruppen zu knüpfen. Sie können aber auch im Konfliktland zwischen unten und oben vermitteln und nicht zuletzt ein Scharnier zur Internationalen Gemeinschaft darstellen.
- Friedenstraining
Immer wieder erhält PBI Anfragen von lokalen Gruppen für Workshops zur gewaltfreien Konfliktlösung, zum demokratischen Gruppenaufbau, zum Umgang mit Angst- und Gewalttraumata, zur Durchsetzung der Menschenrechte, zu Dialog und Vermittlung usw. Damit wollen sich die Betroffenen befähigen, wirksam am Friedensprozess in ihrem Land mitarbeiten zu können.
- Information
Eine äusserst wichtige Funktion ist schliesslich die unabhängige Information durch internationale BeobachterInnen vor Ort, sei es, um Propaganda und Zensur im Konfliktland entgegenzuwirken, sei es, um die Weltöffentlichkeit möglichst unvoreingenommen und kritisch zu informieren.
- Dialog und Vermittlung
Häufig brechen in Konflikten alle Kontakte zwischen den Kriegsparteien ab. Wie kann man die Kluft von Misstrauen und Angst überwinden, die zerrissenen Fäden der Kommunikation wieder knüpfen? Die Anwesenheit und Vermittlung einer unabhängigen internationalen Kraft kann Vertrauen schaffen, und – wie das Beispiel der Quäker im Indien-Pakistan-Konflikt zeigt – durch informelle Kontakte einen Dialog in Gang bringen. Gerade dieser Friedensbeitrag erfordert besonders viel Erfahrung und menschliche Kompetenz. Er ist daher nur in Ansätzen entwickelt worden.
Lokale Friedensprozesse stärken
Das hinter diesen Aktivitäten stehende Friedenskonzept geht von der Annahme aus, dass nur der Aufbau einer zivilen Gesellschaft mit demokratischer Kontrolle und gewaltfreier Konfliktaustragung einen dauerhaften Frieden schaffen kann.
- Ansatz von unten
Ein echter Friedensprozess muss von der betroffenen Bevölkerung selber gewollt und getragen sein. Voraussetzung dafür ist die Entwicklung demokratischer Bewegungen und Institutionen und die Schaffung eines Friedensklimas – im Gegensatz zur einseitigen Beschränkung auf Friedensverhandlungen auf Regierungsebene.
- Präventive Friedensarbeit
Ziel dieser aktiven Schutzpräsenz ist es, weitere Gewalt zu verhindern, und vor allem einen Prozess in Gang zu bringen, der die Ursachen der Gewalt anpackt und zwar im Dialog der Betroffenen selber und mit gewaltfreien Mitteln. Dies wird bei der sicher auch notwendigen humanitären Not- und Wiederaufbauhilfe, auf der bisher das Schwergewicht liegt, vernachlässigt.
- Menschliche Befähigung
Vorrang vor der allzu starken Betonung der materiellen und technischen Hilfe hat die Stärkung der friedenswilligen Menschen und ihrer Bemühungen.
- Einheimische Initiative
Letztlich müssen die Betroffenen selbst ihre Konflikte lösen. Auf ihre Art und Weise. Bei ihnen liegt die Hauptverantwortung. Internationale Friedensmissionen sollen lokale Autonomie fördern und respektieren. Ein wichtiger Grundsatz von PBI ist deshalb die Nichteinmischung. PBI greift nur auf konkrete Anfrage hin ein, mit dem Ziel, möglichst rasch wieder überflüssig zu werden.
Voraussetzungen
Die Erfahrung zeigt, dass Kontinuität wichtiger ist als Quantität. Eine langfristige Anwesenheit weniger FriedensaktivistInnen erlaubt es, die lokale Sprache, die Leute und Gegebenheiten kennenzulernen, was erst die Voraussetzung für Vertrauen und sinnvolles Handeln schafft. Dies kann mehr bewirken als viele Kurzzeiteinsätze (zum Beispiel Wahlbeobachter). An die Einsatzwilligen werden aber hohe Anforderungen gestellt: Teamfähigkeit, kulturelles und politischen Fingerspitzengefühl, Eigeninitiative, Mut und innere Stabilität, um nur einige zu nennen. Das erklärt auch, warum das Mindestalter für PBI auf 25 Jahre festgelegt ist, was im Hinblick auf einen zivilen Friedensdienst für zwanzigjährige Stellungspflichtige Probleme aufwirft.
Fazit: Angesichts der eindrücklichen Resultate, die die PBI-Teams mit ihren wenigen Kräften aufweisen können, ist es ein Gebot der Stunde, die nötigen Mittel für aktive, präventive Konfliktlösung durch erfahrene, zivile Friedenskontingente bereitzustellen.