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Hochsensibilität
- Bin ich hochsensibel?
- Hochsensibilität auf dem Lebensweg
- Was kannst du nicht ändern?
- Was kannst du ändern?
"Ich bin jemand. Ich bin ich. Ich bin gerne ich. Und ich
brauche niemanden, der mich zu jemandem macht."
(Louis L'Amour)
Dr. Elaine N. Aron (Psychotherapeutin und Universitätsprofessorin, USA) gilt als die Pionierin im Gebiet der Hochsensibilität. Sie beschrieb das Phänomen 1997 erstmals als ein eigenständiges Temperamentsmerkmal, siehe dazu u.a. das Kapitel "Wissenschaftliches", sowie den Link zu Testmöglichkeiten.
Das Forschungsgebiet ist wissenschaftlich gesehen noch relativ jung. (Im Kapitel "Fragen und Antworten, Frage 1" wird wissenschaftliche Forschung kurz beschrieben).
Als ich 2007 das Thema für mich entdeckte und diese Website gründete, war Hochsensibilität im deutschsprachigen Raum noch kaum bekannt, es existierten in deutscher Sprache erst drei Websites und zwei Bücher. Inzwischen hat sich das Wissen über Hochsensibilität stark verbreitet, und auch die Forschung hat grosse Fortschritte gemacht, siehe den Gastbeitrag "Stand der Forschung".
Es war sehr spannend für mich, mit der ersten Schweizer Website an diesem Thema früh mitarbeiten zu können. (Wie ich zum Thema stiess, beschreibe ich unter 'Autorin'.) Und ich bin froh, dass Hochsensibilität dank wachsender Verbreitung inzwischen kein unbekanntes Thema mehr ist. Besonders freut mich, dass es nun auch immer mehr hochsensible Kinder gibt, die nicht mehr in Unkenntnis über ihre Veranlagung aufwachsen müssen.
Danke für die Lesetreue seit vielen Jahren! Marianne Schauwecker, Dezember 2021
Bin ich hochsensibel?
Zuerst kurz zur Abkürzung HSP - Hochsensible Person/nen (higly sensitive person/s): Diese von Elaine Aron geprägte Abkürzung ist mittlerweile zu einem eigenständigen Begriff geworden. Oft findet man heute zum Beispiel als Plural "HSPs" oder noch häufiger "HSPler", was genau genommen "Hochsensible Personenler" bedeutet:-). Ich verwende hier diese Abkürzung nach ihrer ursprünglichen Bedeutung.
Viele HSP wurden in den letzten Jahren durch die Entdeckung ihrer Hochsensibililtät befreit von einem oft lebenslangen Gefühl: "ich bin anders, ich bin nicht richtig so, wie ich bin". Dies hat sich nun gottseidank geändert, und immer mehr Menschen, hochsensible und normalsensible, wissen inzwischen: Es gibt uns! Nur schon diese Tatsache kann einen erlösenden Einfluss auf einen hochsensiblen Menschen haben: Man fühlt sich vielleicht nicht mehr isoliert, ist gar froh, nicht "verrückt" zu sein - und lernt langsam, die persönliche Sensibilität zu erkennen und zu schätzen. Man liest und hört in Berichten hochsensibler Menschen oft, dass es für sie eine Zeit vor der Entdeckung ihrer Hochsensibilität - und eine Zeit danach gibt - und dass das "Nachher" eine entscheidend positivere Lebensqualität aufweist.
Der heutige Forschungsstand geht von einer angeborenen hochsensiblen Disposition aus, schliesst aber nicht aus, dass es auch Menschen gibt, die auf Grund von Traumatisierungen, Dauerstress, schwierigen Lebensbedingungen etc. hochsensibel geworden sind (erworbene Hochsensibilität, siehe den Gastbeitrag "Wissenschaftlicher Input zum Thema Traumafolgestörung und Hochsensibilität).
Betroffene Menschen (ca. 15-20 Prozent der Bevölkerung) weisen eine überdurchschnittlich differenzierte Wahrnehmung auf, ebenso wird das subtil Wahrgenommene differenziert verarbeitet. Die hochsensible Wahrnehmung wird von einem Nervensystem verursacht, welches unablässig detaillierte Information aufnimmt und weiterleitet, was sich auf allen Ebenen des Seins - also körperlich, seelisch, geistig - auswirken kann.
Wenn du zu den Menschen gehörst, die im Buchgeschäft oder im Internet immer mal wieder nach Literatur oder Websites über Hochsensibilität suchen, ist der zentrale Punkt eigentlich nicht die Frage: "Bin ich tatsächlich hochsensibel?" - sondern zentral ist viel mehr die Feststellung: "Es hat einen Sinn, dass ich mich für dieses Thema interessiere…" Alles, was uns trifft, anspricht und interessiert, hat auf irgendeine Weise mit uns selber zu tun.
Wie auf der Eingangsseite schon erwähnt, ist Hochsensibilität keine Krankheit und kann sich sehr positiv äussern, z.B. durch eine speziell vielschichtige, fundierte Wahrnehmung, durch erhöhte Differenziertheit und Reflexionsfähigkeit, durch Einfühlungsvermögen, Gewissenhaftigkeit, Intuition, Feinfühligkeit, Kreativität und andere schätzenswerte Eigenschaften. Häufig werden solche Eigenschaften jedoch überdeckt durch gleichzeitig vorhandene hemmende Faktoren wie zum Beispiel Überforderung, Überreizung, Stress, Überreaktionen, Rückzug, Schüchternheit, mangelnde Frustrationstoleranz etc. In der Unkenntnis über die eigene Hochsensibilität fokussieren manche HSP vorwiegend auf die schwierigen, störenden Aspekte in ihrem Leben und erfahren sich selber schliesslich als 'nicht dazu gehörig', wenn nicht sogar als krank oder "gestört".
Das darf nicht mehr sein. Wissen hat einen befreienden Aspekt, und je mehr wir über uns und unsere Hochsensibilität wissen, desto besser können wir uns selber unterstützen auf unserem Weg zu mehr Selbstverständnis und Selbstwert als hochsensible Menschen.
Schauen wir uns zuerst verschiedene Möglichkeiten an, wie sich der Umgang mit Hochsensibilität im Leben manifestieren kann. Vielleicht erkennst du dich in der einen oder anderen Form wieder:
Hochsensibilität auf dem Lebensweg
Den hochsensiblen Menschen nun in einer Kurzzusammenfassung vollständig und umfassend zu beschreiben, ist nicht gut möglich, denn jede HSP ist ein Individuum, welches seine Hochsensibilität auf ganz persönliche Art auslebt. Klar existieren dennoch - in verschiedenem Masse - auch viele Ähnlichkeiten zwischen hochsensiblen Menschen (siehe weiter unten bei "Was kannst du nicht ändern/Was kannst du ändern").
Und natürlich gibt es auch Hochsensible, die während einer geborgenen Jugend die Möglichkeit hatten, so sein zu dürfen, wie sie waren, auch wenn sie sich in verschiedenen Belangen von normalsensiblen Kindern unterschieden und häufig weniger "pflegeleicht" waren. Solche Menschen werden weniger unter ihrer Hochsensibilität leiden und sie auch nicht als Problem wahrnehmen.
Familiäre Umstände, welche ein Kind mit Interesse und Liebe begleiten und es nicht auf seine Schwierigkeiten festlegen (z.B. fortwährend korrigieren, vergleichen oder überfordern), sind aber nicht jedem Menschen gegeben. Und so verläuft jeder hochsensible Lebensweg auf ganz eigene Art, und es besteht wohl zu Recht die Annahme: je unverstandener ein Kind aufwächst, je schwieriger oder traumatischer eine Kindheit verläuft, desto ausgeprägter entwickeln sich Probleme und Schwierigkeiten mit der eigenen Hochsensibilität.
Anpassung, Unterdrückung:
Bis zur Entdeckung des Phänomens hatte Hochsensibilität keinen einheitlichen Namen, was ungezählte Menschen - meist unbewusst - dazu gebracht hat, sich der 'normalsensiblen Lebensweise' anzupassen und die, aus der Hochsensibilität wachsenden Bedürfnisse als "unpassend" wahrzunehmen und zu unterdrücken. Oft gehen HSP beim Versuch der Anpassung lange Zeit 'gnadenlos' über sich hinweg und 'pushen' sich mit Verhaltensweisen, die dem eigenen Wesen widersprechen und schliesslich schaden. Daraus kann dann mit der Zeit irgendeine Symptomatik resultieren (wie z.B. psychische oder körperliche Reaktionen auf Dauerstress, depressive Verstimmungen etc.).
Das Leiden unter einer Symptomatik kann trotz allem eine Chance bedeuten, denn aus Leiden heraus führt häufig ein Weg zu mehr Bewusstsein und Lebensqualität, wenn man den Schritt schafft, Leiden nicht unbewusst als "Selbstzweck" (z.B. Opferhaltung, Krankheitsgewinn) zu brauchen. Nicht selten finden solche Menschen einen Weg zu ihrem Lebenspotenzial - oder auch eine neue Verwurzelung in einer individuell erlebten Form von Spiritualität.
HSP, die sich dem Weg der Anpassung widersetzen und ihre Bedürfnisse besser wahrnehmen, finden oft einen Weg, sich im Leben einzurichten, ohne an ihrer Hochsensibilität sehr zu leiden oder sie überhaupt richtig zu erkennen. Dabei ist das individuelle Empfinden ausschlaggebend: die gewählte Lebensform (z.B. eine zurückgezogene Lebensweise oder ein künstlerischer Beruf) mag für andere nicht attraktiv wirken, das spielt keine Rolle. Hauptsache, der betreffende hochsensible Mensch findet darin seine Grundlage und Stabilität.
Fokus auf ein Lebensgebiet
Dann gibt es HSP, oft mehr sachlich-intellektuell oder künstlerisch orientierte Menschen, die ihre ganze Energie - oft mit Leidenschaft - auf ein bestimmtes Gebiet (oder bestimmte Gebiete) in ihrem Leben lenken und weniger auf ihre emotionale Befindlichkeit. Diese Menschen findet man auch weniger auf Websites wie dieser, weil ihnen das, was sie tun, oft wichtiger ist als das, was sie sind.
Künstlerinnen, Künstler
Künstlerisch begabte HSP (und davon gibt es viele) finden in ihrer Form von Kreativität manchmal ein Ventil, durch welches sie ihre Sensibilität pflegen und ausleben können. Eine hochdifferenzierte Wahrnehmung ist für viele Kunstformen wichtig. Sogar Leiden kann manchmal zu Ausdruck - und dadurch zum "Ventil" werden.
Helfersyndrom
HSP begeben sich häufig auch auf den "Helfertrip": oft unbewusst suchen sie dadurch nach Zuwendung, machen sich verdient und beliebt - und finden doch nicht die wahre innere Heimat, in welcher sie sich erkennen können als einen Menschen, der nicht zuerst etwas leisten muss, bevor er sich selber akzeptieren darf.
Erkranken
Schliesslich möchte ich noch diejenigen hochsensiblen Menschen nennen, die - obwohl Hochsensibilität an sich ja keine Krankheit ist - durch die Umstände des Lebens (z.B. Traumatisierungen) wirklich erkranken. Dies kann sich bis hin zu psychiatrischen Erkrankungen entwickeln, aber auch körperliche Formen annehmen.
Reaktivität
Hochsensibilität und die daraus resultierende erhöhte Verletzlichkeit finden manchmal auch Audruck in reaktiven Verhaltensweisen, welche auf Anhieb nicht mehr als "sensibel" erkennbar sind, manchmal sogar ins Gegenteil ausufern: Z.B. extreme Leidenschaftlichkeit bis zu radikalen oder fanatischen Reaktionen, Jähzorn, "zurück verletzen", wann immer möglich ("Ping-Pong-Gespräche", nicht zuhören können, sofort reagieren, immer bereit sein, zu widersprechen).
Manchmal handelt es sich hierbei um Menschen, die tiefe, unbearbeitete Verletzungen in sich tragen, mit denen sie sich gar nicht befassen wollen oder können. Für solchermassen geprägte HSP ist es nicht einfach, sich der verdrängten hochsensiblen Seite zuzuwenden, da sie Sensibilität mit Schwäche verwechseln und drum als bedrohlich empfinden.
Wie bei allen Extremen, können auch beide Seiten (in verschiedenen Ausprägungen und im Wechsel) bei derselben HSP vorkommen: "Implosion" (sich ganz nach innen zurückziehen) und "Explosion" (sich ausbreiten). Ein einfaches Beispiel: Beruflich nach aussenhin Erfolg haben und innerlich dennoch unter ausgeprägtem Selbstwertmangel leiden und sich dauernd in Frage stellen. Dazu eine Erinnerung der Website-Autorin: ich war ein schüchternes, introvertiertes, schnell kränkbares Kind. Doch wenn ich von aussen allzu sehr bedrängt wurde, konnte ich auch trotzig, dickköpfig und jähzornig werden. Ebenso konnte ich aus meiner Schüchternheit ausbrechen und plötzlich den Clown oder die Anführerin sein...
Was kannst du nicht ändern?
- Deine Veranlagung, welche beinhaltet, dass deine Wahrnehmung und die Art deines Temperaments nicht der Norm entsprechen, sondern einer hochsensiblen Minderheit (ca. 15-20 Prozent der Menschen). Ebenso kannst du leider deine Vergangenheit nicht mehr ändern, falls diese traumatische, belastende Erfahrungen beinhaltet, die dich zu einem hochempfindlichen Menschen machten.
- Aus diesem Grund kannst du somit schneller eine Reizschwelle erreichen und dich schneller von Reizen (äusseren oder inneren) überflutet, überstimuliert und nervlich übererregt fühlen als Normalsensible, weil dein Gehirn weniger gut in der Lage ist, Reize, welche normalerweise als unwichtiger erkannt werden, herauszufiltern. Es ist nicht so, dass Normalsensible nie überreizt sind, - ihre Reizschwelle ist lediglich höher angesetzt.
- Eventuell sind auch einige deiner Körpersinne (z.B. Augen, Ohren, Geruchsinn, Tastsinn...) und deine Fähigkeit, unterschwellige Reize wahrzunehmen, differenzierter - und führen dich daher oftmals zu Überstimulation und Stress.
- Vielleicht funktioniert auch dein Körper nicht so, wie du es gerne hättest: vielleicht erträgt er diverse Genussmittel nicht, hat Mühe mit Schlafen... Oder du musst bei deiner Ernährung sorgfältiger sein als deine normalsensiblen Freunde. Vielleicht leidest du auch unter Allergien und Überempfindlichkeiten...
Was kannst du ändern?
Wichtige Vorbemerkung: Die Vorstellung, "sich zu ändern" ruft bei vielen Menschen schon Gefühle der Überforderung und daher Abwehr hervor: "ich soll mehr rauskommen, als ich in der Lage bin", "ich soll Dinge tun, die mir widerstreben", "ich soll..." So ist dies natürlich nicht gemeint. Es geht in keiner Weise darum, sich selber zu stressen und das frühere Gefühl von Überforderung und Überreizung aufrecht zu erhalten. Wandel kann nur stattfinden, wenn wir den Weg dazu mit unserem individuellen Naturell in Einklang bringen. Vielleicht ist es auch wichtig, sich zuerst einmal wertfrei zu fragen: Will ich mich überhaupt verändern? Bin ich bereit dazu? Und was möchte ich tatsächlich verändern? Nie soll "sich ändern" zusätzlichen Stress zur Folge haben!!
- "Ich bin richtig, so wie ich bin!" Du kannst dein Gefühl langsam verändern, du würdest dauernd etwas "falsch machen", wenn du dich schneller überstimuliert, überfordert und "am Rand der Nerven" fühlst als normalsensible Menschen.
- "Ich muss mich nicht mit andern vergleichen." Du kannst ein wachsendes Bewusstsein darüber entwickeln, wer du eigentlich wirklich bist. Lerne also, dich nicht mehr mit anderen zu vergleichen und nicht mehr zu versuchen, dich an eine 'fremde Realität' anzupassen. Dieser neue Weg braucht vielleicht viel Geduld. Deine jahrelangen Gewohnheiten kannst du meistens nicht nullkommaplötzlich ändern, und wahrscheinlich ist dies noch vermehrt der Fall ist, wenn du nicht mehr ganz jung und flexibel bist (obwohl hier positiv mitwirkt, dass HSP häufig "SpätzünderInnen" sind und sich auch im höheren Alter noch als recht "jung" wahrnehmen.)
- "Wie nehme ich die Welt wahr?" Du kannst damit beginnen, kontinuierlich deine Art der Wahrnehmung zu studieren und zu akzeptieren. Unsere persönliche Wahrnehmung kommt uns immer als die "richtige Sicht" vor: frage dich daher, ob andere Menschen eine Situation vielleicht einfach nur anders wahrnehmen: vielleicht wollten sie dich ja gar nicht brüskieren und verletzen? Wir müssen lernen, sowohl unsere wie fremde Wahrnehmungen als das zu sehen, was sie sind: einfach nur persönliche Wahrnehmungen.
- "Ich habe keine Lust mehr, mich immer zu stressen." Wenn du vom Leistungsstress langsam wegkommst und dich dafür vielmehr um deine wachsende Selbstachtung kümmerst, kann dies eine wunderbare Erleichterung zur Folge haben!
- "Ich werde mein eigener Manager, meine eigene Managerin..." Beginne damit, ein gesundes Selbstmanagement zu entwickeln, was viel mit Selbstverantwortung zu tun hat. Vielleicht fragst du dich einmal, ob du bisher vielleicht noch nicht wirklich die Verantwortung für dich übernommen hast, weil du dich dazu nicht in der Lage gefühlt hast?
- "Wie fühle ich mich eigentlich?!" Kennst du eigentlich deine eigenen Gefühle, oder schaust du mehr nach den Gefühlen anderer aus? Vielleicht um dich "richtig" zu verhalten? Manchmal braucht es professionelle Begleitung, um seine tiefer liegenden Gefühle kennenzulernen, gerade, wenn man leicht von Gefühlen überwältigt wird. Darum ist es wichtig, sein Gefühlsleben kennenzulernen und die Verantwortung für sich zu übernehmen. Es könnte sein, dass du deine Gefühle gar noch nicht richtig kennst und einmal einen geschützten Rahmen brauchst, um sie kennen zu lernen.
- "Ich entdecke meine starken Seiten..." Mach dich also auf einen, dir entsprechenden Weg, deine Energien nicht mehr in Gefühle des Andersseins, in Scham- und Schuldgefühle, Wut und Groll, Angst und Leiden, Rückzugstendenzen, Opferbewusstsein, Hilflosigkeit oder Unsicherheit ... zu investieren, sondern zu entdecken, was deine Stärken sind!
- "... und ich nehme meine Schwächen an." Versuche aber unbedingt auch, vorhandene Schwächen anzunehmen. Sich selber annehmen wie man ist, kann für HSP zum wichtiger Lernprozess werdem. Als Angehörige einer hochsensiblen Minderheit pflegt man sich selber gegenüber leider häufig negative Gefühle - bis hin zum Selbsthass: Man scheint eben irgendwie nicht in diese "normale Welt" zu passen. Alles, was dich bis jetzt vielleicht auf vielfältige Weise gequält und blockiert hat, besitzt ein anderes Extrem: nämlich eine positive Seite, ein Potenzial, welches entdeckt werden will. Dein "Anderssein" hat einen Grund, und es lohnt sich, diesen zu erforschen!
- "Was verbirgt sich hinter meinen Schwächen?" Reflektiere einmal: Könnte es z.B. sein, dass deiner bis jetzt so ungeliebten "Überempfindlichkeit" oder "Hysterie" oder "Schüchternheit" oder "Pingeligkeit bis zur Zwangshaftigkeit" ... vielleicht ganz andere Eigenschaften zugrunde liegen? Zum Beispiel eine hohe Feinfühligkeit, eine tiefe Intuition, unterschwellige Wahrnehmungsfähigkeiten bis zur 'Hellsichtigkeit', empathische Fähigkeiten, ein hoher Grad an Gewissenhaftigkeit, eine starke "kreative Ader"? (um nur ein paar Eigenschaften zu nennen...)
- "Eigentlich habe ich einen klaren Durchblick!!" Mach dir auch klar, dass ein schneller Überreizungszustand theoretisch wahrscheinlich auch Fähigkeiten zur Differenzierung und Selbstreflexion enthält, welche über das "normale" Mass hinausgehen.
- "Wie kann ich mir helfen?" Wichtig ist auch zu lernen, dass bedrohliche Gefühle wie zum Beispiel erhöhte Verletzlichkeit, Angst, Panik, Konkurrenzgefühle oder Schuldgefühle... nicht unwiderruflich zu deinem Leben gehören müssen, sondern mit deiner bisher nicht erkannten Hochsensibilität im Zusammenhang stehen könnten. Bleibe bei der Erforschung dieser Punkte ausdauernd, hole dir Hilfe wenn nötig - und vergiss deine bisherige Ausdauer in Eigenschaften wie dich selber kleiner und hilfloser zu machen als du tatsächlich bist.
- "I am 'somebody' - ich bin 'jemand' - durch meinen Körper..." Der englische Ausdruck "somebody" (ein Körper) für "jemand" zeigt sehr schön, dass es für uns eigentlich genügt, einen Körper zu haben, um 'daseinsberechtigt' zu sein. Kennst und akzeptierst du deinen Körper? Sorgst du für ihn in jeder Lebenslage? Die Zuwendung zu deinem Körper ist ein ganz wichtiger Punkt. Viele "benutzen" ihn einfach, um auf dieser Erde zumindest irgendwie "sichtbar" und einigermassen handlungsfähig zu sein. Oder es gibt sogar selbstzerstörerische Tendenzen. Erinnern wir uns drum an den alten Spruch aus der Antike über die "Einheit von Körper, Seele und Geist". Unsere Seele und unser Geist brauchen einen möglichst gesunden Körper. Kümmern wir uns also um ihn, anstatt uns an Defizite zu gewöhnen, den Körper vielleicht sogar abzulehnen oder ihn hilflos an verschiedene ÄrztInnen oder HeilerInnen zu "delegieren". Auch falls reale Behinderungen oder Krankheiten vorhanden sind, sollte uns das nicht daran hindern, uns zumindest unserem 'bestmöglichen Befinden' zuzuwenden.
Diese Aufzählungen sind nicht vollständig. Füge für dich selber das hinzu, was für dich zusätzlich noch wichtig ist - und fasse den Mut, dich auf den Weg zu machen, um belastende Umstände nicht mehr einfach zu dulden und hinzunehmen. Es gibt viele kleine und grosse Schritte und Möglichkeiten, aus deiner Hochsensibilität eine Kraft zu machen und das innewohnende Potenzial zu entdecken. Nimm dir die Zeit, die du dazu brauchst.
Wichtig: Falls du beim Lesen dieser Zeilen den Eindruck gewonnen hast, es werde hier eine "Leistung" von dir gefordert, die du eh nicht erbringen kannst: Lies den Text nochmals durch - und diesmal mit der Überzeugung, dass es hier nicht um Leistung geht. "Für sich selber zu sorgen" heisst nichts anderes, als sich selber wirklich wahrzunehmen und zu akzeptieren.
Und noch einmal möchte ich dir sagen: Falls du dich in einer aktuellen Krise befindst - oder falls du auf deinem Weg "stecken bleibst": suche dir sorgfältig Hilfe. Du verdienst das. Nicht alles ist im Alleingang machbar.
Letztes Update: 5.1.2022