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Ab 13.30 Uhr
James Wade (4) – Mervyn King (21)
Luke Humphries (19) – Gary Anderson (6)
Ab 20 Uhr:
Peter Wright (2) – Callan Rydz
Gerwyn Price (1) – Michael Smith (9)
«The Iceman»
🏴 Nr. 1 der Setzliste | 36 Jahre alt
Weltmeister 2021
3:1 gegen Ritchie Edhouse
4:3 gegen Kim Huybrechts (32)
4:1 gegen Dirk van Dujvenbode (17)
Wer soll diesen Gerwyn Price stoppen? Diese Frage stellte man sich nach dem Achtelfinal-Sieg des Titelverteidigers, als der Waliser seinen Gegner Dirk van Dujvenbode nach verlorenem Startsatz an die Wand klatschte. In vier Sätzen gab Price nicht ein Leg ab und wirkte dabei überhaupt nicht so, als ob er dafür an die Grenzen gehen musste.
Eng wurde es in der Runde zuvor: Erst in der Verlängerung siegte Price gegen Kim Huybrechts. Die beiden Spieler gerieten aneinander, der Verlierer aus Belgien klagte danach: «Er ist auf der Bühne einfach nur nervig. Wenn er auf diese Weise gewinnen will, gut. Aber wie die Engländer sagen: Er ist ein Betrüger.» Die Fans hat Price stets gegen sich, der muskulöse 36-Jährige scheint aus dieser Abneigung Kraft zu schöpfen. Doch sollte es einmal nicht für ihn laufen, könnten Pfiffe und Buhrufe den harten Kern des «Iceman» schmelzen lassen und ihn aus der Bahn werfen. Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Am ehesten kann sich Price selbst stoppen.
«Bully Boy»
🏴 Nr. 9 der Setzliste | 31 Jahre alt
Vize-Weltmeister 2019
3:0 gegen Ron Meulenkamp
4:2 gegen William O'Connor
4:3 gegen Jonny Clayton (8)
Dem «Bully Boy» wird schon länger der ganz grosse Wurf zugetraut. Nahe dran war er mehrmals: Sowohl bei der WM wie beim World Matchplay, beim Masters und in der Premier League wurde er bereits Zweiter. Seinen dritten Vorstoss in die Viertelfinals im «Ally Pally» sicherte er sich in einer engen Kiste gegen Jonny Clayton. «Das war ein grossartiges Spiel, das wäre auch ein würdiger Final gewesen», sagte Smith hinterher. «Ich werde trotz meines Siegs nicht übermütig werden. Es war nur ein Match und ich hatte auch schlechte Phasen dabei.»
In den WM-Viertelfinal gegen Gerwyn Price steigt Michael Smith mit dem Wissen, dass er keineswegs chancenlos ist. In den Direktduellen liegt er gar mit 14:13 Siegen (bei zwei Unentschieden) vorne. In den letzten neun Partien konnte Smith den WM-Topfavoriten jedoch nicht mehr schlagen – ein Zeichen dafür, dass Smith möglicherweise ein wenig stagniert hat, während Price besser und besser wurde. «In der Vergangenheit habe ich es wahrscheinlich zu sehr gewollt, dieses Mal werde ich diesen Fehler nicht begehen», verspricht Smith. «Ich möchte mich einfach auf mein Darts-Spiel konzentrieren und dann sehen wir, was herausschaut.»
«The Machine»
🏴 Nummer 4 der Setzliste | 38 Jahre alt
WM-Halbfinal 2009, 2012 und 2013
3:1 gegen Maik Kuvenhoven
w/o gegen Vincent van der Voort (29)
4:0 gegen Martijn Kleermaker
Nach vier mageren WM-Jahren steht James Wade erstmals wieder in den Viertelfinals. Das gelang der «Machine», ohne auch nur einen einzigen 180er zu werfen. Allerdings bestritt Wade auch erst zwei Partien, bei seinen «holländischen Festwochen» musste mit Vincent van der Voort ein Kontrahent wegen einer Coronaerkrankung forfait geben.
So ist es schwierig, Wades tatsächliche Form abzuschätzen. Achtelfinalgegner Martijn Kleermaker konnte nicht an seine Leistungen in den Runden zuvor anknüpfen und den Favoriten ernsthaft bedrängen. Linkshänder Wade gewann schon das Masters, die Premier League, dreimal das UK Open und zahlreiche weitere wichtige Turniere – nur mit der WM stand er bislang auf Kriegsfuss. «Die 500'000 Pfund, die es für den Titel gibt, würde ich natürlich gerne nehmen», sagte er bei «Sport 1». Andererseits will er sich nicht zu viel Druck machen: «Ich habe schon mehr erreicht als viele andere Spieler.» Vielleicht ein gutes Omen: Mit Mervyn King steht zum dritten Mal ein Duell mit einem Spieler mit den Initialen M. K. an – und aller guten Dinge sind bekanntlich drei, nicht nur im Darts, wo man mit drei Pfeilen möglichst viel punkten muss.
«The King»
🏴 Nummer 21 der Setzliste | 55 Jahre alt
WM-Halbfinal 2009, davor beim Verband BDO Vize-Weltmeister 2002 und 2004
3:2 gegen Ryan Joyce
4:0 gegen Steve Lennon
4:3 gegen Raymond Smith (Q)
Dieser König bringt weder Gold, noch Weihrauch oder Myrrhe mit, sondern kübelweise Erfahrung. 1997 nahm Mervyn King an seiner ersten Weltmeisterschaft teil (noch beim Verband BDO), seit 2008 tritt er bei der PDC an. So weit wie jetzt stiess er seither in den all den Jahren nur einmal vor: 2009, als er im WM-Halbfinal an der Darts-Ikone Phil «The Power» Taylor scheiterte. Es folgten seine besten Jahre, bis auf Position 4 der Weltrangliste schaffte er es.
Nach einer längeren Durststrecke spielte King zuletzt wieder gross auf, beim Masters in diesem Jahr verlor er erst im Final gegen Jonny Clayton. An der WM machte King bislang keinen unwiderstehlichen Eindruck, im Achtelfinal beim 4:3-Sieg gegen den australischen Qualifikanten Raymond Smith reichte ihm der magere Schnitt von 87,29 Punkten. Aber dass ein gutes Pferd nur so hoch springt, wie es muss, weiss ein Routinier wie Mervyn King längst. «Wenn es gut läuft, gibt es keinen Grund, warum ich nicht gewinnen kann», gab sich der 55-Jährige für den weiteren WM-Verlauf zuversichtlich.
«Snakebite»
🏴 Nummer 2 der Setzliste | 51 Jahre alt
Weltmeister 2020
3:0 gegen Ryan Meikle
4:2 gegen Damon Heta (31)
4:1 gegen Ryan Searle (15)
Ein Chronist, dessen Name mir soeben entfallen ist, würde Peter Wright ziemlich sicher als Schillerfalter des Darts-Sports bezeichnen. Der 51-jährige Schotte mit dem Spitznamen «Snakebite», der sich übrigens vom gleichnamigen Getränk ableitet, ist mit seinem farbigen Irokesen-Schnitt und den stets wechselnden Outfits DER Hingucker der Szene. Am Board galt die aktuelle Weltnummer 2 dagegen lange als ewiger Zweiter, weil ihm seine Nerven in den wichtigen Spielen einen Streich spielten. Nach dem verlorenen WM-Final 2014 gegen Michael van Gerwen wollte «Snakebite» seine Karriere gar beenden. Gut tat er es nicht: 2020 wurde der Paradiesvogel doch noch Weltmeister.
Seither gehört Wright zur absoluten Weltspitze: 2021 gewann er drei Major-Turniere, nur der bereits ausgeschiedene Jonny Clayton war noch erfolgreicher. Bei dieser WM hinterliess «Snakebite» bislang einen zwiespältigen Eindruck. In der zweiten Runde gegen Damon Heta geriet er mit 0:2-Sätzen in den Rückstand. Wright hatte neue Pfeile ausprobiert, kehrte zu den alten zurück und schaffte locker die Wende. Gegen Geheimfavoriten Ryan Searle drehte er erst nach einem Satzverlust so richtig auf und sagte hinterher: «Ich habe immer noch nicht die richtigen Darts gefunden.»
«The Riot»
🏴 Ungesetzt | 23 Jahre alt
3. WM-Teilnahme, bisher 2x out in Runde 2
3:0 gegen Yuki Yamada (Q)
3:0 gegen Brendan Dolan (23)
4:0 gegen Nathan Aspinall (10)
4:1 gegen Alan Soutar
Rydz ist einer der grossen Aufsteiger des Jahres. Auf der PDC-Tour gewann er zwei Turniere, als Nummer 13 qualifizierte er sich für die Players Championships Finals, wo er in der zweiten Runde knapp an Routinier James Wade scheiterte.
Im «Ally Pally» trumpfte der 23-Jährige aus Newcastle derart auf, dass man ihn guten Gewissens als brandheissen Aussenseiter bezeichnen kann. «Im Moment läuft es gut für mich», meinte Rydz, «es liegt an mir, dass das auch so bleibt.» In den ersten drei Partien gab der Highspeed-Spieler nicht einen Satz ab und als dies dem Schotten Alan Soutar im Achtelfinal als erstem Gegner gelang, drehte Callan Rydz auf und gewann locker 4:1. «Mit jedem Sieg steigt mein Selbstvertrauen», sagte der Underdog, dem vor der WM wohl kaum einer so ein Turnier zugetraut hätte.
«Cool Hand Luke»
🏴 Nummer 19 der Setzliste | 26 Jahre alt
5. WM-Teilnahme, bisher 2x out im Viertelfinal
3:0 gegen Rowby-John Rodriguez
w.o. gegen Dave Chisnall (14)
4:3 gegen Chris Dobey (30)
Der Engländer verhinderte ein potenzielles Familienduell im Halbfinal. Denn Callan Rydz und Chris Dobey, den Luke Humphries eliminierte, sind Cousins. Der Achtelfinal gegen Dobey war ein Thriller: «Cool Hand Luke» gewann ihn nach einem 0:2- und 1:3-Rückstand noch mit 4:3, wobei er den entscheidenden siebten Satz erst in der Verlängerung holte. «Am Ende war es ein Nervenkrieg. Meine Hand zitterte und mein Herz pochte laut», gab Humphries zu. «Ich war schon zweimal in einem WM-Viertelfinal, aber da war ich noch neu auf der Tour. Diesmal habe ich viel mehr Ehrgeiz, weiterzukommen.»
Humphries etablierte sich in den vergangenen Jahren als Spieler der zweiten Garde, der nun zum nächsten Schritt ansetzen könnte. In diesem März gelang ihm sein bislang wertvollstes Resultat: An den UK Open stiess er bis in den Final vor, nachdem er im Halbfinal Michael van Gerwen eliminiert hatte. Falls du übrigens dessen Namen in dieser Aufzählung vermisst: Der dreifache Weltmeister musste das WM-Turnier wegen eines positiven Coronatests aufgeben.
«The Flying Scotsman»
🏴 Nummer 6 der Setzliste | 51 Jahre alt
Weltmeister 2015 und 2016
3:1 gegen Adrian Lewis
4:3 gegen Ian White (27)
4:3 gegen Rob Cross (11)
Seit rund einem Jahrzehnt gehört der Schotte zur Crème de la Crème seines Sports. Zwei WM-Titel, drei weitere Final-Teilnahmen sowie ein Halbfinal gehören zur eindrücklichen Bilanz Andersons am wichtigsten Event des Jahres. Dass einer mit den Berufen Bauarbeiter und Pub-Besitzer im Lebenslauf bei den Fans gut ankommt, versteht sich von selbst.
Die Auslosung meinte es in diesem Jahr nicht gut mit dem «Flying Scotsman», der diesen Nick vom gleichnamigen Schnellzug zwischen Edinburgh und London hat. Mit Adrian Lewis und Rob Cross bekam er gleich zwei ehemalige Weltmeister vorgesetzt. Doch «Jackpot» Lewis hat seine besten Zeiten hinter sich und «Voltage» Cross konnte seinen phänomenalen WM-Triumph 2018 seither auf der grossen Bühne des «Ally Pally» nie bestätigen. So hatte Anderson am meisten Mühe gegen Ian White, den er nach einem 0:3-Rückstand noch 4:3 niederrang. Auch gegen Cross geriet er nach scheinbar komfortabler Führung ins Schlingern – unter anderem, weil er sich wieder einmal verrechnete.