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Verwendungszweck des Bewegungsablaufes
Bei diesem Bewegungsablauf handelt es sich um eine Beeinflussung des Luftstromes im Mundraum. Der Name impliziert ein Einströmenlassen von Luft in den Mundraum. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Lenkung des ausströmenden Luftstromes, deren Ziel es ist, möglichst wenige Luftverwirbelungen zu erzeugen beziehungsweise die Luft möglichst geradlinig aus dem Mund zu lenken. Die ist möglich durch ein Überstülpen der unteren Lippe über die untere Zahnreihe bei der Emission des Vokales oder durch eine minime Öffnungsbewegung des Kiefers während seiner Haltedauer.
Propriozeptive Erkennungsmerkmale und Eigenhören
Der Bewegungsablauf ist nach dem Gefühl benannt, das er erzeugt. Eine sichere Erkennung durch Eigenhören ist hingegen nicht so einfach möglich, da der Bewegungsablauf lange geübt werden muss, bis er den Stimmklang verändert; Mit der Zeit wird noch durchgehender und noch glänzender.
Stimmtheoretische Hypothesen der Autorin
Hypothese 1: Mit dem Inalare la voce kann die Verwirbelung des Luftstromes in den oberen Atemwegen verkleinert werden, was einen direkten Einfluss auf die Stimmlippenschwingungen hat.
Hypothese 2: Das Inalare la voce hilft beim Glattstreichen eines grobschlägigen Vibratos, weil es die Mitbewegungen von Zunge, Gaumen und anderer Strukturen eindämmt. Diese Eindämmung geschieht ohne willkürliche Muskelkontraktion in den betroffenen Strukturen und ist daher frei von Fehlspannungen.
Hypothese 3: Das Inalare la voce dient als Kontrollinstrument zur Verhinderung von Pressphonation, da ein Pressen das Einströmgefühl sofort vernichtet.
Aussagen anderer Autoritäten
Wie bereits im Abschnitt zum sorriso ausgeführt, spricht der “italienisch-schwedische” Gesangeslehrer Jones davon, dass der Unterkiefer nach jedem Konsonant zurückbewegt werden muss, was mit einem Überstülpen der Unterlippe über die untere Zahnreihe aufgefasst werden kann (2002, 18). Er impliziert damit zusätzlich eine Bewegung, die mit der umschriebenen verglichen werden kann (ebd.)
Der deutsche Sänger und Lehrer Brünner verbindet den Begriff „inalare la voce“ mit der Atemstütze (2001, S. 18). An anderer Stelle spricht er von einem Einsaugen des Tones als fiktive Hilfestellung zur Entwicklung der Atemstütze (ebd., S. 20). Eine Bewegung der unteren Lippe oder des Kiefers erwähnt er in diesem Zusammenhang nicht. Der Begriff „inalare la voce“ steht für ihn also in erster Linie für das Verhindern des Pressens.
Der selbsternannte Belcanto-Erbverwalter Reid ist der Meinung, dass beim „inalare la voce“ im Mundraum eine Stehwelle produziert wird (2009, S. 24). Er beschreibt das Manöver nicht, welches zu dieser Stehwelle führt. Da eine Stehwelle durch Reflektion von Schallwellen erzeugt wird, also von der Ausformung des Mundraumes abhängt, stellt sich jedoch die Frage, inwiefern sich das von Reid umschriebene Manöver von der Artikulation unterscheidet? Unklar ist zudem, warum eine Ausformung des Mundraumes als Einströmen von Luft wahrgenommen und bezeichnet wird?
(Vgl. Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Stehende_Welle [14.01.2013]
Die Logopädin Hammer schreibt, dass die Glottisfunktion von Veränderungen des Luftstroms bei der Artikulation beeinflusst wird (Hammer, 2003, S. 32). Sie gibt für diese Erkenntnis keine Quelle preis.