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|Hersteller:||Jeker, Haefeli et Cie.|
|Ort:||Balsthal|
|Produktion:||1933 – 2013|
|Hersteller:||Jeker, Haefeli et Cie.|
|Ort:||Balsthal|
|Produktion:||1933 – 2013|
Mondia war über Jahre die grösste Herstellerin von Fahrrädern in der Schweiz. Sie verschwand als eine der letzten.
Die Geschichte der Firma geht zurück bis auf das Jahr 1918. Gegründet wurde sie im solothurnischen Balsthal, unter anderem von einem Wirt und einem Schmiedemeister. In den Anfangsjahren handelte sie unter dem Namen «Jeker, Haefeli et Cie» mit importierten Fahrrädern, Nähmaschinen und Schmierölen.
Ab 1933 wurden erstmals Fahrräder in der eigenen Werkstatt montiert und unter dem Markennamen «Mondia» vertrieben. Die ersten Rennräder kamen 1936 ins Sortiment und bescherten der Firma mit den Siegen von Karl Litschi und Giovanni Valetti bereits in den beiden Folgejahren Grosserfolge an der Tour de Suisse. Bekannt wurde Mondia auch durch den Rennfahrer und Bergspezialisten Fritz Schär, der auf dem Sattelrohr der Mondia-Räder als Markenbotschafter fungierte und ein Zeitgenosse von Ferdy Kübler und Hugo Koblet war.
1946 wurde die Produktion mit der Errichtung einer neuen Velofabrik ausgeweitet, im gleichen Jahr kam der Vertrieb von Motorrädern als Geschäftsbereich hinzu. Die folgenden Jahrzehnte brachten weiteres Wachstum.
Die Rahmen wurden aus hochwertigem Reynold 531-Stahl hergestellt und können auch noch heute in Punkto Festigkeit und Verarbeitungsqualität mit modernen Stahlrahmen mithalten. Einige Mondia-Räder haben französische Tretlager und waren für ihre auffälligen Lackierungen bekannt.¹
1985 hatte Mondia eine Jahresproduktion um die 22’000 Fahrräder erreicht. Zu dieser Zeit war sie mit einem geschätzten Marktanteil von zehn Prozent die grösste Herstellerin der Schweiz. Erst in den 90er Jahren lief ihr Cilo diesen Rang ab. Beschäftigt wurden 84 Mitarbeitende. Rund drei Viertel der gefertigten Fahrräder waren Rennsport- und Rennräder. Nur gerade etwa jedes zwanzigste gefertigte Rad war ein Tourenrad. Kinder- und Schulräder machten immerhin etwa einen Fünftel der Produktion aus. Vertrieben wurden die Räder in der ganzen Schweiz ausschliesslich im Fachhandel. Zu dieser Zeit exportierte die Fabrik sogar jährlich mehrere Hundert exklusive Räder in die USA. Die Pläne sahen aber noch mehr Wachstum vor und rechneten sogar mit einem weiteren Exportpotential. So investierte Mondia in den Bau einer neuen leistungsfähigeren Fahrradfabrik, welche die modernste der Schweiz wurde. Ebenfalls in den 80er Jahren wurden zudem die traditionsreichen Firmen Condor, bekannt vor allem als Herstellerin von Ordonnanz- und Posträdern, sowie Allegro übernommen. Neben dem Fahrradgeschäft unterhielt Mondia auch eine Mofa-Sparte, in welcher sie Sachs Mofas vertrieb. Weiter war Mondia zudem als Generalimporteurin von Kawasaki Motorrädern tätig.
Noch in den 90er Jahren hatte man bei Mondia in die Ausweitung der Stahlrahmenproduktion investiert. Nun aber sanken die Absatzzahlen rasant. Die geschichtsträchtigen Marken Condor und Allegra wurden eingestellt. Im Jahr 2000 konnten gerade noch um die 9’000 Fahrräder abgesetzt werden, schon ein Jahr später waren es sogar nur noch etwa 6’000. Daneben fuhr die Firma auch noch grosse Verluste im Immobilienbereich ein. Nach einem Management-Buyout wurde das Fahrradgeschäft an die neue Mondia Fahrrad AG ausgegliedert. Die Produktion wurde reduziert, die Fabrik in Balsthal verkauft. Damit wurde auch die eigene Rahmenproduktion, der einstige Stolz der Firma, aufgegeben. Die Fahrradmontage wurde in die Werkhallen von Titan in Strengelbach im Kanton Aargau verlegt, wo noch 15 Mitarbeiter beschäftigt wurden. Fahrräder wurden nur noch auf Bestellung gespritzt und montiert. Während andere grosse Hersteller wie Cilo oder Tigra längst Konkurs angemeldet hatten, ging Mondia erst 2012 definitiv der Schnauf aus. Im Rahmen des Konkursverfahrens wurde die Montage 2013 endgültig eingestellt und Restbestände liquidiert. Zurück blieb ein Schuldenberg von über einer Million Franken. Ein Jahr darauf kaufte ein anonymer Käufer für 300’000.- die Namensrechte an Mondia. Somit war auch Mondia, die einstige Vorzeigemarke der heimischen Fahrradindustrie, nach 80 Jahren Betrieb als letzte grosse Firma der Branche am Ende.
Quellen:
– Virtuelles Museum «balsthal-collector», Abgerufen am 16.2.17 (https://www.balsthal-collector.ch/balsthal/geschichte-von-balsthal/45-mondia-fahrradfabrik)
– Oltner Tagblatt «Bei Mondia bleibt ein Schuldenberg zurück» (http://www.oltnertagblatt.ch/solothurn/kanton-solothurn/trotz-verkauf-des-namens-bei-mondia-bleibt-ein-schuldenberg-zurueck-128251516)
– Velojournal, «Einzelkampf statt gemeinsamer Aufschwung», 3. Ausgabe 2001 (http://www.velojournal.ch/einzelkampf-statt-gemeinsamer-aufschwung.html)
– Blick «Hoffnung für die Kult-Velomarke» (http://www.blick.ch/news/wirtschaft/kaeufer-fuer-mondia-gefunden-hoffnung-fuer-die-kult-velomarke-id3056077.html)
– NZZ, «Marge kommt vor Marke», 30.1.06 (https://www.nzz.ch/articleDIIIG-1.7299)
– ¹Jonas Wyss