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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch X.
19.
Markion, der Pontier, und Kerdon, sein Lehrer, definieren, es gebe drei Prinzipien des Alls, den Guten, den Gerechten und die Materie; einige ihrer Schüler fügen ein viertes Prinzip hinzu und sprechen vom Guten, vom Gerechten, vom Bösen und von der Materie. Alle aber lehren, der Gute habe gar nichts geschaffen, die einen nennen den Gerechten den Bösen, die andern aber nennen ihn nur den Gerechten; sie sagen, er habe das All aus der vorhandenen Materie gemacht; er habe es nicht in Güte, sondern ohne Vernunft geschaffen; es müßten ja die geschaffenen Dinge dem Schöpfer ähnlich sein. Und so wenden sie auch die evangelischen Parabeln an: „Nicht kann ein guter Baum schlechte Früchte tragen usf.“1, und er behauptet, damit würden seine eigenen verkehrten Ansichten ausgedrückt. Christus sei der Sohn des Guten und sei von ihm zur Rettung der Seelen gesandt worden; Markion nennt ihn den innerlichen Menschen und behauptet, er habe Mensch geschienen, obwohl er es nicht war, und habe scheinbar Fleisch angenommen und sei doch nicht Fleisch geworden; er habe sich nur dem Scheine nach gezeigt und habe weder Geburt noch Leiden auf sich genommen, sondern alles nur dem Scheine nach. Nach Markion soll das Fleisch nicht auferstehen; er sagt, die Ehe sei Unzucht und hält seine Schüler zu einem Leben, genau wie das der Kyniker ist, an und meint, er ärgere den Demiurg, wenn er sich der von ihm geschaffenen und zum Gebrauch bestimmten Dinge enthalte.
1: Matth. 7, 18.