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Es gibt anscheinend diesmal keinen Favoriten unter den teilnehmenden Karnevals-Paraden, eine Schule, die von vornherein die Auswertung von heute Mittwoch Abend (18.02.) beeinflussen könnte. Auf alle dürfte die Bezeichnung “Fast“ zutreffen.
Salgueiro, Beija-Flor, Imperatriz Leopoldinense und Unidos da Tijuca präsentierten Paraden, die man vom technischen Gesichtspunkt als perfekt bezeichnen kann. Aber das allein wird nicht reichen.
Das “Fast“ der Salgueiro war ihr schwacher Themen-Samba, der mit ihrer Tradition nicht konform ging. Die Schule stützte sich allein auf die Effizienz des Karnevalisten Renato Lage, als vierfachem Champion.
Schön, aber ohne zu begeistern, präsentierte die Beija-Flor zwei ihrer Handelsmarken: eine genaue Parade und ein afrikanisches Thema. Ihr “Fast“ ist das Ergebnis durch den Sponsor Äquatorialguinea, ein Land, das seit 1979 unter der Diktatur von Teodoro Obiang Nguema steht, angeklagt wegen Mordes, Folterpraktiken und Devisenschmuggel.
Die Imperatriz vereinte Luxus mit politischer Botschaft. Ihr Thema über Afrika und den Rassismus war das aggressivste. Aber die Mode der Karnevals aus den Jahren 1980 und 1990 verwechselte Schönheit mit Übergewicht und überstrapazierte die warmen Kostüme.
Ohne Paulo Barros, der ihr drei Titel in den letzten fünf Jahren einbrachte, paradierte die Unidos da Tijuca mit adäquater Präzision innerhalb ihres Themas über die Schweiz. Aber das kühle Thema und der schlechte Samba könnten fatal werden.
Die grössten Erwartungen liegen auf der Portela, Inhaberin von 21 Titeln, jedoch seit 31 Jahren ohne Sieg. Sie hat ihren gegenwärtigen Zustand als “Chapa-branca“ (ohne Titel) akzeptiert – der Präfekt Eduardo Paes ist einer ihrer glühendsten Fans der Schule – sie präsentierte sich unter dem Thema der 450 Jahre Rio de Janeiro.
Der Karnevalist Alexandre Louzada setzte auf den Surrealismus. Der “Cristo Redentor“ bekam Kopf und Flügel eines Adlers, dem Symbol der Schule, und der Zuckerhut wurde zu einer Meerjungfrau. Ausserdem setzte er auf Effekte, die eigentlich kaum zur Tradition der Portela zu passen scheinen: Allegorien mit LED-Projektionswänden und Drohnen.
Das “Fast“ ergab sich aus Lichtern an den Wagen, die nicht funktionierten, wie beim “Botanischen Garten“ und an verschiedenen Kostümen. Punkte gehen verloren.
Die União da Ilha schwankte zwischen dem Lachen über ihr Thema Schönheit, oder es ernst zu nehmen. Anfänglich tat sie sich schwer, verbesserte sich dann im Verlauf der Parade, mit den Satiren über die Mode.
Der Karnevalist Alex de Sousa, so wie Paulo Barros, bevorzugt Fragmente, die insgesamt einen guten Eindruck der Parade hinterlassen. Nicht besonders glücklich war er 2014, als die Ilha nur den vierten Platz errang.
Barros gelang es nicht, auch nur ein einziges “OH“! aus dem Publikum zu bekommen. Sein Äusserstes an Wagemut riskierte er mit den halbnackten Personen auf den allegorischen Wagen. Da er heute der Star der Paraden ist, könnte es vielleicht um den Titel bei ihm gehen, aber seine Arbeit 2015 ist nichts weiter als ein grosses “Fast“!
Mangueira, Vila Isabel und Grande Rio riskierten wenig. Der grössere Charme ging von der São Clemente aus, mit dem die vielfach prämierte Karnevalistin Rosa Magalhães Leichtigkeit mit Eleganz verband zur Huldigung des Maestros Fernando Pamplona, eines Karnevalisten, der dem Gigantismus der Samba-Schulen von Rio kritisch gegenüber stand.