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Häuser berühmter Küsnachter
Wo die Berühmten einst in Küsnacht lebten
In Küsnacht stehen noch heute viele Häuser, in denen grosse Schriftsteller, Dichter, Maler, Denker und Politiker wohnten und wirkten. Wo einst diese Persönlichkeiten lebten und arbeiteten, zeigen die nachfolgenden Bilder.
Lux Guyer (1894–1955), Itschnacherstich 1, Haus Sunnebüel: Lux Guyer war die bedeutendste und erfolgreichste Schweizer Architektin des 20. Jahrhunderts. Als erste Frau in unserem Land eröffnete sie schon als Dreissigjährige an der Zürcher Bahnhofstrasse ihr eigenes Architekturbüro. Das originelle, von einem malerischen Garten umgebene Haus Sunnebüel erbaute sie – wie weitere 15 Häuser in Küsnacht – nach ihren eigenen Plänen und lebte hier zusammen mit ihrem Mann, dem Ingenieur Hans Studer, und Sohn Urs.
Thomas Mann (1875–1955), Schiedhaldenstrasse 33: Ende September 1933 zog der berühmte Schriftsteller mit seiner Frau Katia in dieses von der Architektin Lux Guyer erbaute Haus ein, nachdem ihm klar geworden war, dass er nie mehr an seinen bisherigen Wohnsitz in München würde zurückkehren können. Infolge der Machtergreifung Hitlers im Januar 1933 waren die Manns zu Emigranten geworden. In seinen fünf Küsnachter Jahren entstehen unter anderem zwei Bände der «Joseph» Tetralogie sowie der Roman «Lotte in Weimar».
Carl Gustav Jung (1875–1961), Seestrasse 228: Der Seelenforscher C. G. Jung, dem an seinem 85. Geburtstag die Küsnachter Ehrenbürgerschaft verliehen wurde, hat im Lauf seines langen Lebens Weltruhm erlangt. Mit seiner Frau Emma Jung, geborene Rauschenbach, war er im Frühjahr 1909 in das mit grosser Hingabe errichtete Haus am Heslibacher Seeufer übersiedelt – seither ein magischer Anziehungspunkt für Ratsuchende, Studierende und Verehrer aus aller Welt. Das Haus ist seit 2002 im Besitz der Stiftung C. G. Jung.
Ferdinand August Bebel (1840–1913), Seestrasse 176: In diesem aus Eigenmitteln erbauten Haus, «Villa Julie», wohnte während einiger Jahre vor 1900 eine der profiliertesten Persönlichkeiten der deutschen Politik: der Sozialistenführer und zähe Gegenspieler des deutschen Kanzlers Otto von Bismarck. Der unerschütterliche Glaube des gelernten Drechslers an das nahe Totenglöcklein des bürgerlichen Kapitalismus brachte ihm manchen Erfolg, aber auch Haftstrafen wegen Hochverrats und «Bismarck-Beleidigung» ein.
Ignaz Thomas Scherr und C.F. Meyer: Seehof, Hornweg 28: Dieses Haus hat eine lange und ruhmvolle Geschichte. Es war seit alter Zeit Besitz der aus Küsnacht stammenden Stadtzürcher Offiziersfamilie Lochmann. Von 1832 bis 1834 nahm hier unter Leitung des genialen Pädagogen Ignaz Thomas Scherr die offizielle zürcherische Lehrerbildung ihren Anfang. Während der Jahre 1868–72 bewohnte das Haus der im Anfang seiner Dicht erlaufbahn stehende C. F. Meyer mit Schwester Betsy. Seit 1979 ist das C.-G.-Jung-Institut darin untergebracht.
Ludwig Snell (1785–1854), Theodor-Brunner-Weg 7: Das Engelberger Amtshaus nächst der Zehntenhaab gelangte im 19. Jahrhundert in den Besitz der alteingesessenen Familie Brunner. Dr. med. Rudolf Brunner, der hier ein Erholungsheim gründete, schloss in den 1820er Jahren Freundschaft mit dem deutschen Emigranten Ludwig Snell, unter dessen Federführung hier in der Folge das «Küsnachter Memorial» entstand, eine wirkungsvolle Publikation, die 1830–32 zu einer tiefgreifenden Demokratisierung des Kantons Zürich führte.
Meinrad Lienert, Ursula Isler-Hungerbühler und Frieda Wyss-Peyer, Hornweg 14/16: Die aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammenden Hornweg-Häuser gehörten während Jahrhunderten dem Stadtzürcher Patriziergeschlecht der Grebel. Im unteren Haus verbrachte Dichter Meinrad Lienert (1865–1933) seine letzten Lebensjahre. Daselbst lebte seit ihrer Kindheit auch die Kunsthistorikerin und Schriftstellerin Ursula Isler-Hungerbühler (1923–2007). Im oberen Haus wohnte Frieda Wyss-Peyer (1881–1969), Pionierin des Verbands Volksdienst.
Konrad Schmid (1477–1531): Konrad Schmid entstammte einer Küsnachter Bauernfamilie. Als Junge dürfte er die Schule des Küsnachter Johanniterhauses (heutige Kantonsschule) besucht haben; später war er an den Universitäten Tübingen und Basel als Student eingeschrieben. Krönung seiner Laufbahn war 1520 seine Ernennung zum Komtur (Vorsteher) des Ordenshauses in Küsnacht. Hier wirkte er, ein Freund Zwinglis, mit Überzeugung für die Sache der jungen Reformation. Zusammen mit dem Reformator fiel er in der Schlacht von Kappel.
Richard Weiss (1907–1962), Obere Wiltisgasse 35: Hier wohnte in den späten vierziger Jahren mit seiner jungen Familie Richard Weiss-Steinbrüchel, ehe er den Wohnsitz in ein Eigenheim auf der Allmend verlegte. Der durch einen tragischen Bergunfall früh Abberufene war ein Pionier der schweizerischen Volkskunde und schweizweit erster Professor für dieses Fach an der Uni Zürich. Seine Publikationen, etwa «Häuser und Landschaften der Schweiz» gelten nach wie vor als Standardwerke dieser Wissenschaft.