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Edgar Schwyn ist Zürichs einziger Schlossherr. Sein Anwesen liegt mitten in der Stadt. Es gehörte einst der Brauerei-Familie Hürlimann: Nachdem Albert Heinrich Hürlimann die Bierbrauerei von Feldbach in die Enge verlegte, liess er 1898 in unmittelbarer Nähe zum Fabrikgelände das Schloss Sihlberg errichten. Mehrere Jahrzehnte lang lebte die Dynastie auf knapp 1800 Quadratmeter.
Mehrere Jahrzehnte lang lebte die Hürlimann-Dynastie auf knapp 1800 Quadratmeter.
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«Das Haus war aber eigentlich viel zu pompös für die Familie Hürlimann. Sie hat ja sehr volksnah gelebt», sagt Edgar. Es sei ein Potpourri der verschiedensten Epochen. «Alles eine Kopie unterschiedlichster Architektur-Stile, oder modern ausgedrückt: eine reine Fake-Architektur.» Für die Denkmalpflege ist das Schloss Sihlberg ein erhaltenswertes Historismus-Bauwerk.
Als Edgar das Haus Mitte der Nullerjahre kaufte, war es in einem desolaten und unbewohnbaren Zustand.
Als Edgar das Haus Mitte der Nullerjahre kaufte, war es in einem desolaten und unbewohnbaren Zustand. «Doch von aussen, immer wieder saniert, sah es äusserst herrschaftlich aus», sagt Edgar. Das Anwesen stand ab 1950 grösstenteils leer. Nachdem die Familie Hürlimann das Haus verlassen hatte, mietete die Rudolf Steiner Schule für ein paar Jahre die Räumlichkeiten. Später lebte Martin Hürlimann einige Zeit im ersten Geschoss. Als er im Jahr 2000 starb, wollten die verbliebenen Erben das Anwesen loswerden.
«Das Schloss wurde immer mehr zum Ballast.» Das Hürlimann-Areal war bereits von Feldschlösschen übernommen worden. Vier Jahre lang war das Haus auf dem Markt. Schliesslich schalteten die Hinterbliebenen ein Zeitungsinserat: «Alte Dame sucht solventen Schlossherrn» lautete die Überschrift. «Ich fühlte mich sofort angesprochen», erinnert sich Edgar.
Auch die anderen Ideen von Edgar, wie er das riesige Haus und den Garten nutzen könnte, scheiterten jeweils an der Denkmalpflege.
Selbst im Schloss Sihlberg zu wohnen, war jedoch nicht Edgars Plan. Seit vierzig Jahren renoviert der Architekt und Betriebsökonom Häuser und vermietet danach die Wohnungen als «serviced apartments». Auch im Schloss Sihlberg sollten rund zwölf «Suiten» entstehen. «Eigentlich ist alles parat», sagt Edgar. «Aber die Denkmalpflege stellt sich quer dagegen.» Auch die anderen Ideen von Edgar, wie er das riesige Haus und den Garten nutzen könnte, scheiterten jeweils an der Denkmalpflege. Edgar darf jedoch die Gallery Schloss Sihlberg betreiben.
Wer Edgar googelt, findet etliche Artikel über ihn und das Schloss. Meistens geht es um Auseinandersetzungen mit der Stadt und der Denkmalpflege – hauptsächlich um einen sogenannten einvernehmlichen verwaltungsrechtlichen Vertrag, erklärt Edgar. «Dieser bestimmt, dass die Denkmalpflege alleiniger Herr über die Gestaltung, den Unterhalt und die Nutzung von Schloss Sihlberg ist, die Kosten aber vom Besitzer zu tragen sind», führt Edgar aus. Er spricht von einem «Entmündigungsvertrag», der für ihn «völlig inakzeptabel» sei.
Edgars Sohn lebt noch mit ihm auf der obersten Etage, die Tochter ist schon länger ausgezogen. «Alleine möchte ich hier aber nicht wohnen.» Zu unheimlich? «Nein, zu gross!» Mehrere Zimmer hat er für sich und seine Familie hergerichtet: verschiedene Schlafräume, ein Büro und eine kleine Wohnküche.
Einiges erinnert noch an diese vergangenen Zeiten: die Stuckaturen, die Deckenbemalungen und die Wandverkleidungen.
Der Prunk der unteren zwei Etagen fehlt hier. «Das waren früher die Zimmer für die Bediensteten», so Edgar. Im ersten Stock lebte die Familie Hürlimann und im Parterre wurden Gäste empfangen. «Herr und Frau Hürlimann konnten sich auf keinen bestimmten Stil einigen. So wurden auch die Zimmer unterschiedlich gestaltet.» Einiges erinnert noch an diese vergangenen Zeiten: die Stuckaturen, die Deckenbemalungen und die Wandverkleidungen. Im ersten Stock ist gar ein Bad aus dieser Zeit erhalten: Edgar hat es wieder voll funktionsfähig restauriert.
Die verschiedenen Räume betritt man durch ein grosszügiges, von Baumeister Gull im Stil der Zürcher Amtshäuser gestaltetes Treppenhaus. «Im Winter zieht es durch das ganze Schloss», erzählt Edgar. Gerne würde er eine schützende Verglasung einbauen. Er erhält aber keine Genehmigung. «Ich verstehe nicht, wieso die Denkmalpflege unbedingt den Ist-Zustand wahren will», sagt Edgar. Er als Eigentümer möchte, dass das Haus genutzt werden kann – auch wenn das bauliche Veränderungen verlangt. Doch er versichert: «Ich liebe die alten Details und würde sie niemals zerstören.» Er wolle nur, dass das Haus auch noch in hundert, zweihundert Jahren stehe. «Das ist doch das wahre Erbe.»