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Geschichte
Gründung und Entstehung des Obwaldner Patent-Jäger-Vereins
An der Landsgemeinde 1917 stand als Traktandum: Antrag des Kantonsrat auf Erlass eines Gesetzes über die freiwillige Einführung der Jagdpacht seitens der Gemeinden.
Wie diese Ankündigung auf die Gemüter unserer seit Jahren an die Freiheit der Patentjagd gewöhnten Nimrode wirkte, können sich alle vorstellen. Aus der Presse war zu vernehmen, dass bei der Einführung der Revierjagd, grosse Jahreseinnahmen für den Kanton und die Gemeinden zufliessen werden. Der Moment schien günstig für die Ausrottung der Patentjagd. In Anbetracht der Kriegsjahre rechnete man, dass das Volk wenig Interesse für die Jagdfreiheit habe, mehr aber für angeblich neue grosse Einnahmen.
Beiderseits hatte man sich verrechnet, da dem Volke durch früher gemachte Erfahrungen wohl das Vertrauen, nicht aber der ererbte Freiheitsdrang genommen worden war. An einer Sitzung unter gleichgesinnten Kämpen traf man sich am 1. April 1917 in Sachseln zur Beratung. 50 Männer beschlossen die Vorlage mit Energie zu bekämpfen, um eine der letzten noch gebliebenen Freiheiten der Väter, wenn irgendwie möglich noch zu retten. Die beiden Zeitungen „Volksfreund“ und „Unterwaldner“ demonstrierten in bunter Sprache den Mitbürgern die Notwendigkeit der Patentjagd und die alten freiheitlichen Rechte in einer Weise, dass selbst die Anhänger des neuen Systems in ihren sogenannten Grundsätzen wankend wurden. Auch die Plakatanschläger haben tatkräftig mitgewirkt und mit guten Schriften eine nicht zu unterschätzende Arbeit geleistet.
Der Sieg am darauffolgenden Sonntag war ohne Übertreibung ungeahnt überwältigend, denn selbst im Kantonsrat fanden sich nur noch 11 Stimmen, für die von ihnen fast einstimmig verfasste Vorlage. Das Komitee erarbeitete darauf einen Statutenentwurf zur Vereinsgründung des Obwaldner Patent-Jäger-Vereins. Am 9. September 1917 wurde an einer konstituierenden Versammlung der Obwaldner Patent-Jäger-Verein gegründet und mit Karl Gehrig, Bahnhofsvorstand Giswil, der erste Vereinspräsident gewählt.
Die Jahre danach
Ein Jahr nach der Gründung zählte der Verein 62 Mitglieder aus allen Gemeinden. Im Jahre 1920 konnte die Jagd wegen einer Viehseuche nicht geöffnet werden. Bereits zu dieser Zeit setzte man sich im Verein mit der Anschaffung von Schweisshunden auseinander. 1923 kostete das Hochjagdpatent 50 Franken und jenes der Niederjagd war für 25 Franken erhältlich. In diesen Jahren nahm die Wilderei stark zu. In Giswil erhielt man öfters „Besuch aus dem Entlebuch“. Bereits 1926 wurde in Obwalden der Drilling erlaubt. 1927 wurden aus dem Berneroberland neun Stück Murmeltiere zur Aussetzung am Pilatus und am Giswilerstock eingeführt. 1932 wird vom Verein ein Fonds für Wildaussetzungen gegründet, wobei jedes Mitglied einen Beitrag von 2 Franken zu zahlen hatte. Die Wildbestände verringerten sich in diesen Jahren trotzdem zusehends.
1938 wurde unter dem damaligen Kassier Paul von Flüe und 16 Mitunterzeichnern der nächste Anlauf zur Einführung der Revierjagd gestartet. Alle unterzeichnenden Mitglieder wurden an der darauf folgenden GV aus dem Verein ausgeschlossen. Ebenso endete 1950 ein erneuter Anlauf auf das Freiheitsrecht der Patentjagd erfolglos.
Am 2. September 1951 konnte der Obwaldner Patent-Jäger-Verein seine erste und bis jetzt einzige Vereinsfahne in Lungern einweihen.