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In diesem Plan von 1924 sind die Häuser der protestierenden Hinteralbis-Bauern rot eingefärbt.

Als es Adliswiler Bauern nach Langnau drängte
«Zwey Höfe an dem Albis werden von der Gemeinde Adlischweil getrennt und mit der Gemeinde Langnau vereinigt.» So lautet ein Regierungsratsbeschluss von 1819. Um welche Höfe es sich dabei handelt, wird nicht erklärt. Autor Bernhard Fuchs hat sich in der Langnauerpost 116 auf Spurensuche begeben.
So einfach es ist, Regierungsratsbeschlüsse früherer Zeiten im Zürcher Staatsarchiv auf dem Irchel nachzuschlagen, so kompliziert war es herauszufinden, welches denn die aufmüpfigen Bauern gewesen waren.
Alles begann am 17. November 1817. In einem Brief an den Zürcher Regierungsrat äusserte Adliswil (damals Adleschweil) den Wunsch, die sogenannten Ansässengelder zu erhöhen. Zur Erläuterung: Die damaligen Gemeinden waren keine Einwohnergemeinden, sondern Bürgergemeinden. Einerseits gab es die Gemeindebürger, die alle politischen Rechte und Mitsprache bei Geschäften hatten und anderseits die niedergelassenen Anwohner, die Ansässen. Diese «Nichtbürger» bezahlten jährlich eine Ansässengebühr, also eine Art Steuer, die von der Regierung festgelegt wurde.
Die Erhöhung wurde den Adliswilern zugestanden. Doch damit waren einige Gemeindebürger und Ansässen nicht einverstanden, und sie weigerten sich kurzerhand, die neuen Summen zu bezahlen. «Nun sind wir im Fall, dass 4 Ansäss auf dem Albis die Bezahlung verweigern.», heisst es in einem Brief der Adliswiler Behörden, die deshalb vom Regierungsrat Hilfe erbaten.
Im April 1819 erhielten die protestierenden Bauern die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge zu schildern. Mit der Begründung der Albisbauern erfahren wir nun die Namen der Beteiligten und ihren geografischen Wohnbereich: Es handelt sich um die Häusergruppe des Hinteralbis. Die Namen der Bewohner tauchen auch in den entsprechenden Einträgen der Lagerbücher der Brandassekuranz als Eigentümer der Liegenschaften auf. Sie argumentierten offensichtlich erfolgreich: Mit Beschluss vom 29. Mai 1819 übernahm der Kleine Rat die Vorschläge der Kommission des Innern und stimmte der Landübertretung von Adliswil nach Langnau zu. Gleichzeitig verpflichtete er aber auch die Langnauer, die nun neu im Gemeindegebiet wohnenden ehemaligen Adliswiler als vollwertige Gemeindsangehörige aufzunehmen.
Der Siegeszug der Sihltalbahn
Zwei «alte Bekannte» tauchen in den andern beiden grossen Geschichten auf. Da ist einerseits die Sihltalbahn, die heuer 125 Jahre alt wird. Und ein gewisser «Fred von Langenberg», der schon als Ferdinand Klostermann in einer Geschichte der Langnauerpost 109 eine glamouröse Rolle spielte.
Die Idee, eine Bahn durchs Sihltal zu bauen, existierte schon 35 Jahre vor der Realisierung. Die Initianten waren aber keineswegs die Einzigen, die in der Gegend auf das neue Verkehrsmittel setzen wollten. So musste man sich dann bis 1892 gedulden, ehe die ersten Passagiere befördert werden konnten. Heute ist die Sihltalbahn Teil der SZU, und sie beförderte im letzten Jahr gewaltige 9,5 Millionen Passagiere.
Ferdinand Klostermann: In der Nummer 109 tauchte er in der Hausgeschichte über das Objekt Giebelweg 2 als dessen zeitweiliger Mieter auf. Neue Dokumente zeigen nun, dass er ein Hochstapler der Sonderklasse war, mit mehreren Pseudonymen, so eben auch demjenigen des «Fred von Langenberg». Seine Karriere in der Schweiz endete erst durch ein Gerichtsurteil von 1914 (Zuchthaus und Landesverweis). Typisch für Klostermann-von Langenberg: Das Urteil musste in Abwesenheit des Angeklagten gefällt werden. (rr)
Werner Zuber, Redaktionsleiter