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Zumindest hoffen wir, dass es die Krankheiten nicht mehr gibt!
Im 19. Jahrhundert wurden mehrere medizinische Berichte über Zähne, die in den Mündern von Patienten explodierten, veröffentlicht. Der erste bekannte Fall erfolgte 1817, als ein Pastor in Pennsylvania, USA nach tagelangen Schmerzen plötzlich spürte, wie sein Zahn explodierte: «Es gab einen lauten Knall, wie von einem Pistolenschuss, und der Zahn explodierte in kleine Teile». Mit der Zeit wurden immer mehr Fälle von Zahnexplosionen bekannt; in einem Fall wurde die Patientin vom Knall sogar zu Boden geworfen. Ein möglicher Grund für die Explosionen könnten schlecht ausgeführte zahnmedizinische Eingriffe gewesen sein - nämlich wenn Füllungen nicht richtig eingesetzt wurden und so Sauerstofflöcher zwischen Zahn und Metall entstanden. Füllungen bestanden früher aus verschiedenen Metallen wie zum Beispiel Blei und Silber. Die Metall-Mischungen waren potent, sie konnten aufgrund ihrer Zusammensetzung eine Elektrolyse bilden. In anderen Worten: Sie wurden zu einer Art schwacher Batterie. In Kombination mit dem Sauerstoff konnte so ein hoher und sehr schmerzhafter Druck im Zahn entstehen - bis dieser irgendwann explodierte. Für diese Theorie spricht, dass es seit 1920 keine dokumentierten Fälle von Zahnexplosionen mehr gab, da sich die Zahnmedizin seither drastisch weiterentwickelt hat.
Im 18. Jahrhundert verbreitete sich die «Krankheit» Chlorose, auch Bleichsucht genannt, in Europa und Amerika. Junge Damen der Oberschicht konnten sich nicht mehr bewegen, hatten geschwollene Gelenke, die Haut wurde bleich (was von den Ärzten als grün interpretiert wurde) und ihre Regelblutungen blieben aus. Die damaligen Ärzte gingen davon aus, der Grund für die Krankheit sei zu wenig Sex, da Menstruationsblut damals als der «Samen der Frauen» angesehen wurde. Sie zogen den Schluss, die Krankheit hänge mit Keuschheit zusammen, und sie erhielt deshalb bald den Übernamen «Jungfrauen-Krankheit». Erst nach etwa 200 Jahren wurde der wahre Grund für die «Krankheit» herausgefunden: Mangelernährung. Da sich die Damen teils sehr schlecht und unausgewogen ernährten, erlitten sie starke Mangelerscheinungen, vor allem einen Eisenmangel. Dieser hätte mit einer ausgewogenen Ernährung verbessert, wenn nicht sogar geheilt werden können.
Mitte des 19. Jahrhunderts litten mehrere Hundert Menschen an der sogenannten «National Hotel Disease». Auffallend war, dass nur Menschen sie bekamen, die im National Hotel in Washington übernachtet hatten. Die Patienten litten an Magenentzündungen, geschwollenen Zungen, heftiger Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Diese Symptome hielten über Monate, manchmal sogar Jahre an. Insgesamt starben 40 Menschen an der mysteriösen Krankheit. Mysteriös, weil die Ärzte nicht herausfanden, was der Grund für die Krankheit war, und weshalb sie nur in diesem einen Hotel in Erscheinung trat. Die Spekulationen zum Ursprung der Krankheit reichten von schlechter Luft über die Art der Pfannen, die in der Küche benutzt wurden, bis hin zu skurrilen Anschuldigungen, dass die Sklaven des Hotels das Essen der Gäste vergifteten. Heute gehen Experten davon aus, dass die Krankheit durch ein kaputtes Abflussrohr entstanden ist, welches das Trinkwasser des Hotels verschmutzte.
Das Wort «Phosphornekrose» klingt so übel, wie es die Krankheit war: Der Unterkieferknochen der Betroffenen begann, sich zu zersetzen und anzuschwellen, begleitet von eitrigen Entzündungen. Die Krankheit entstellte so die Gesichter von Zündholzherstellern im 19. Jahrhundert und führte in vielen Fällen zum Tod. Schuld daran war die frühe Zündholzherstellung: Um die Streichhölzer herzustellen, wurde hochgiftiger weisser Phosphor verwendet. In den Fabriken war die Luft dermassen mit Phosphor durchsetzt, dass die Wände nachts leuchteten und laut einer historischen Quelle «die Arbeiter oft solche Mengen an Phosphordämpfen einatmeten, dass im Dunkeln ihr Atem leuchtend wurde». Der Phosphor bewirkte in den Körpern der Arbeiter einen Eiweisszerfall. Das wiederum schwächte ihre Knochen und führte ausserdem in vielen Fällen dazu, dass der Kiefer anschwoll und irgendwann vom Körper abgestossen wurde. Doch diese Abstossung erfolgte nicht immer, und in manchen Fällen half nur noch eine Unterkieferamputation. In den meisten Fällen endete die Krankheit im Tod. Die Phosphornekrose verschwand erst, als Anfang des 20. Jahrhunderts die Herstellung von Weissphosphorzündhölzern verboten wurde.
Der griechische Historiker Thukydides beschrieb in seinem Werk zum Peloponnesischen Krieg eine Epidemie, die in Athen in den Jahren 430-426 v. Chr. wütete. Er selber litt nach eigenen Aussagen auch an der Krankheit - im Gegensatz zu den meisten Erkrankten überlebte er sie aber. Die Krankheit entwickelte sich laut Thukydides immer nach einem ähnlichen Muster: Erst erlitten die Erkrankten ein starkes Hitzegefühl im Kopf und hatten ausserdem entzündete Augen. Dann folgten Niesen, Heiserkeit und Husten. Die Krankheit griff danach auf den ganzen Körper über; sie verursachte starke Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Die Krankheit erfasste schliesslich auch noch die Gliedmassen und die Geschlechtsorgane. Die Körper der Betroffenen waren nach Thukydides übersät mit Blasen und Geschwüren, und der Tod trat normalerweise nach etwas sechs bis acht Tagen ein. Schätzungen zufolge starben zwischen 75,000 und 100,000 Menschen, etwa ein Viertel der Bevölkerung Athens, an der Krankheit - und sogar Tiere sollen sich angesteckt haben. Heutzutage wird immer noch erforscht, welcher Krankheitserreger für die Seuche verantwortlich gewesen sein könnte, denn es ist kein weiterer Ausbruch der Attischen Seuche überliefert. Hoffen wir mal, es bleibt dabei. Sicher sein können wir uns nicht - ein Forscher veröffentlichte nämlich vor einem Jahr einen umstrittenen Bericht, der vorschlägt, dass das Ebola-Virus eine Weiterentwicklung des Krankheitserregers der Attischen Seuche sein könnte.