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Weltweit sind 65 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Mehr als die Hälfte sind Kinder
Weltweit lebten Ende vergangenen Jahres 65,3 Millionen Menschen als Vertriebene und Flüchtlinge. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den das UNHCR, die für diesen Personenkreis zuständige Hilfsorganisation der Vereinten Nationen, am 18. Juni veröffentlichte. Das ist ein Anstieg von 9,75 Prozent, zwölf Monate zuvor hatte die Zahl bei 59,5 Millionen gelegen. Fast die Hälfte der neu Hinzugekommenen, 2,5 Millionen Menschen, entfällt auf den Jemen. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate führen dort seit März 2015 einen von den USA unterstützten Interventionskrieg.
40,8 Millionen Menschen sind Vertriebene in ihrem eigenen Land, hauptsächlich aufgrund von Bürgerkriegen. Hinzu kommen 24,5 Millionen, die gezwungen sind, außerhalb ihres Heimatlands zu leben. Nur diese werden vom UNHCR als »Refugees«, Flüchtlinge, bezeichnet. Lediglich 3,2 Millionen von ihnen befinden sich auf dem Gebiet der EU, der USA oder in anderen Industrieländern. Das sind gerade mal 4,9 Prozent der Gesamtzahl.
Im Gegensatz dazu leben 86 Prozent aller vom UNHCR registrierten Flüchtlinge und Vertriebenen »in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, die in der Nähe von Krisensituationen liegen«. Der Anteil erhöht sich auf mehr als 90 Prozent, wenn man die palästinensischen Flüchtlinge hinzurechnet. Unter den zehn Ländern, die am meisten Flüchtlinge aufgenommen haben, sind fünf afrikanische Staaten mit ausgesprochen niedrigem Pro-Kopf-Einkommen. An ihrer Spitze liegt Äthiopien, gefolgt von Kenia, Uganda, der Demokratischen Republik Kongo und dem Tschad. Weltweit betrachtet, hat kein anderes Land so viele Flüchtlinge aufgenommen wie die Türkei, die von der deutsch geführten EU in die Rolle eines Pufferstaats für die »Festung Europa« gedrängt wird: 2,5 Millionen Menschen sind es nach Angaben des UNHCR. Im Verhältnis zur Bevölkerung leben am meisten Flüchtlinge im Libanon, dort kommen 183 Schutzsuchende auf 1.000 Einwohner.
Unter den Herkunftsländern der Flüchtlinge liegen Syrien mit 4,9 Millionen, Afghanistan mit 2,7 Millionen und Somalia mit 1,1 Millionen an der Spitze. Zudem sind auch innerhalb dieser drei Länder viele Menschen auf der Flucht. Die meisten solcher »Binnenvertriebenen« gibt es mit 6,9 Millionen in Kolumbien, gefolgt von Syrien mit 6,6 Millionen und Irak mit 4,4 Millionen. 51 Prozent aller Flüchtlinge und Vertriebenen weltweit sind nach Angaben des UNHCR Kinder.
Fakten und Prognosen zur Lage von Kindern und Jugendlichen insbesondere in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara enthält ein am Dienstag vergangener Woche veröffentlichter Bericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF). Zwar sei es seit den 1990er Jahren weltweit gelungen, die Kindersterblichkeit und den Anteil der Menschen, die in »extremer Armut« leben müssen, um fast 50 Prozent zu senken. Aber die Lage und die Zukunftssaussichten sind immer noch erschreckend und für die vergleichsweise reichen Industrieländer beschämend. Falls nicht massive Verbesserungen umgesetzt werden, würden UNICEF zufolge zwischen 2016 und 2030 fast 70 Millionen neugeborene Kinder »aus verhinderbaren Gründen« sterben, ohne das fünfte Lebensjahr zu erreichen. Insgesamt 167 Millionen Kinder würden 2030 in »extremer Armut« leben. Derzeit haben Angola, der Tschad und Somalia weltweit die höchste Kindersterblichkeit. 15,7 Prozent, 13,9 Prozent bzw. 13,7 Prozent aller Neugeborenen werden in diesen Ländern nicht einmal fünf Jahre alt.
UNICEF weist auch darauf hin, dass gegenwärtig ungefähr 124 Millionen Kinder im entsprechenden Alter keine Schule besuchen. Darüber hinaus hätten in einigen Regionen 40 Prozent der Kinder, die die Grundschule absolviert haben, trotzdem nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen gelernt. Für Babys von Müttern ohne Schulbildung sei das Risiko, vor dem fünften Lebensjahr zu sterben, fast dreimal so hoch wie für andere Kleinkinder. Um die Situation entscheidend zu verbessern, wären riesige Investitionen erforderlich. Derzeit fehlen laut UNICEF jährlich 8,5 Milliarden Dollar, um die Schulbildung von 75 Millionen Kindern in den am schlimmsten betroffenen Krisengebieten zu finanzieren.