Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03253.jsonl.gz/3118

von Marino Viganò
Das Rivellino der Burg von Locarno ist eine fünfeckige Bastion, bestehend aus zwei Seiten, zwei Flanken und einer Kehle. Die Mauern, ca. 18 m hoch, heute aber nur ca. 10 m hoch sichtbar, sind zu 9/10 geneigt. Lediglich der oberste Teil des Brustmauer ist senkrecht erbaut und die beiden Teile sind durch einen Kordon getrennt. In den Mauern befinden sich insgesamt 4 Schiessscharten. Oberhalb jeder Schiessscharte ist ein Kamin eingerichet, durch den der Pulverdampf abziehen konnte.
Die ausgedehnten Recherchen in den Archiven erlauben eine genauere Datierung der Bauzeit dieser Bastion. Danach ist das Rivellino von Locarno unter französischer Besetzung von Locarno (1499-1513) erbaut worden, und zwar im Jahr 1507. Auftraggeber war Charles II d'Amboise, der Statthalter der französischen Königs Louis XII. Das Bauwerk von Locarno ist von der mittelitalienischen Festungsbauschule von Francesco di Giorgio Martini beeinflusst.
Zahlreiche Indizien deuten nun darauf hin, dass Leonardo da Vinci den Entwurf für das Rivellino von Locarno zeichnete, denn auch er war ein Schüler Giorgio Martinis. 1506 nach Mailand berufen, wurde Leonardo von Charles II. d'Amboise 1507 als königlicher Festungsbau-Ingenieur bezeichnet. Im selben Jahr ist von Leonardo eine Skizze für eine Festung überliefert, die sich nach Meinung der Spezialisten an der Schweizer Grenze befinden müsse. Der Grundriss der skizzierten Bastion ist demjenigen von Locarno sehr ähnlich.
(Christian Saladin, Origlio/Basel)
, Marino : Das Rivellino der Burg von Locarno (1507): Leonardo da Vinci im Tessin?
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 5. Jahrgang 2000, Heft 1, 33 - 41.