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Novak Djokovic dominiert die Tennisszene wie vielleicht noch nie ein Spieler. Er ist auch an den ATP-Finals in London der haushohe Favorit. Nur erste Herausforderer sind Stan Wawrinka und Roger Federer. Letzterer fordert nun mehr Dopingkontrollen.
Roger Federer und Stan Wawrinka nutzten am Freitagmorgen die Tatsache, dass sie zum dritten Mal zu zweit am Masters dabei sind, weidlich aus und trainierten in der imposanten, über 17'000 Zuschauer fassenden O2 Arena zwei Stunden zusammen.
Im vergangenen Jahr trafen sie in einem epischen Halbfinal aufeinander, den Federer nach Abwehr von vier Matchbällen und Nebengeräuschen eher unsportlicher Natur für sich entschied. Die Episode ist längst aufgearbeitet, doch die Halbfinals müssen für beide – als Nummern 3 und 4 der Welt – erneut das Minimalziel sein.
Federer könnte mit einem siebten Titel nach 2003, 2004, 2006, 2007, 2010 und 2011 seinen Rekord am Jahresend-Turnier der besten acht Spieler weiter ausbauen. Er hat in der Vorrunde die auf dem Papier schwierigere Aufgabe als Wawrinka. Allerdings überstand er bei bisher 13 Teilnahmen nur einmal (2008, als er mit einer Lebensmittelvergiftung kämpfte und gegen Gilles Simon und Andy Murray verlor) die Gruppenphase nicht.
Zum Auftakt trifft Federer am Sonntagabend (21 Uhr) auf Tomas Berdych, gegen den er seit fast drei Jahren (Anfang 2013 in Dubai) nicht mehr verloren hat. Wenn auch Novak Djokovic sein erstes Einzel gegen Kei Nishikori gewinnt, kommt es bereits am Dienstag zum Gigantenduell zwischen Federer und Djokovic.
Schon jetzt sorgt Federer mit klaren Worten zur Doping-Thematik für Aufsehen. Er sei nicht überrascht gewesen vom Skandal um die russische Leichtathletik, der Anfang Woche durch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA aufgedeckt wurde.
Federer verriet, dass er in diesem Jahr etwa fünfmal ausserhalb der Wettkämpfe und nur unwesentlich öfter bei Turnieren getestet worden sei. Er wünschte sich mehr Kontrollen. «Wenn ich ein Turnier gewonnen habe und nicht getestet werde, denke ich jeweils: Wo ist der Doping-Typ?»
Es sei wichtig, dass immer getestet werde, sobald es um viel Geld und viele ATP-Punkte gehe, damit die Spieler nicht auf «dumme Ideen» kämen. Federer hielt auch fest, dass die Dopingbekämpfung in der Schweizer seiner Meinung nach «top» sei. Wie die zusätzlichen Kontrollen finanziert werden sollen, liess der 34-jährige Basler allerdings offen. Der Frage, ob man einen Teil des Preisgelds (am US Open beispielsweise über 3 Mio. Dollar für den Sieger) dafür verwenden könnte, wich er aus.
«Wenn ich ein Turnier gewonnen habe und nicht getestet werde, denke ich jeweils: Wo ist der Doping-Typ?»
Stan Wawrinka kann in seiner Gruppe Ilie Nastase sogar als Favorit bezeichnet werden, obwohl er gegen sämtliche drei Gegner – Andy Murray (6:8 Siege), Rafael Nadal (3:13) und David Ferrer (6:7) – eine negative Bilanz aufweist.
Die erste Partie am Montagabend (21 Uhr) gegen Nadal könnte bereits wegweisend sein. Der Schweizer hat immerhin drei der letzten vier Duelle mit dem Linkshänder aus Mallorca gewonnen, zuletzt vor zehn Tagen beim Masters-1000-Event in Paris-Bercy.
Das grosse Fragezeichen in dieser Gruppe ist Andy Murray. Die Weltnummer 2 zeigte sich zuletzt in Bercy (Finalniederlage gegen Djokovic) in guter Form, seine Priorität liegt aber beim Davis-Cup-Final in zwei Wochen in Belgien. Er trainierte deshalb diese Woche auf einem Sandplatz. Erstaunlicherweise haben Wawrinka und der Schotte seit über zwei Jahren (und einem Erfolg des Romands am US Open 2013) nicht mehr gegeneinander gespielt.
David Ferrer ist der Underdog der Gruppe, hat sich aber bereits zum siebten Mal für die ATP-Finals qualifiziert (ein Final, ein Halbfinal). Er ist nie ein einfacher Gegner, verfügt aber bei weitem nicht über die Möglichkeiten eines Wawrinka.
Die Chancen, dass am Samstag in einer Woche wie in den letzten zwei Jahren gleich zwei Schweizer im Masters-Halbfinal spielen, stehen jedenfalls gut. Um an Überflieger Djokovic vorbeizukommen, braucht es hingegen einen Exploit. (pre/si)