Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03344.jsonl.gz/1843

Die Befindlichkeit der Bewohner einer Stadt hängt davon ab, wie sie sich von deren öffentlichen Räumen umschlossen und beschützt fühlen, sie sich aber gleichzeitig frei darin bewegen können. Urbane und architektonische Räume dienen dem Aufenthalt, dem Durchgang und der Erschliessung. In der Hierarchie dieser Trias zeigt sich der Grad von Öffentlichkeit oder Privatheit und dies wiederum definiert die gebaute Stadt bis weit ins 20. Jahrhundert. Der architektonische Raum, der durch Wiederholung erschliessender und filternder Funktionen geprägt ist, überlagert sich gleichsam mit dem urbanen Raum. Die Stadt, ist ein Organismus, in dem alles miteinander zusammenhängt. Solche Organismen sind geprägt durch stabile Prozesse der Permanenz und instabile der Veränderung und Wandlung. Die Koppelung von stabilen und instabilen Prozessen sind grundlegend für die Entwicklung einer Stadt. Damit im Falle des Weiterbauens am “Zentrum Neumatt“ diese Thesen des Stadtbegriffs nicht im Konjunktiv verharren, schlagen wir eine erweiterte Betrachtungsweise vor. Das Element der Landschaft kommt ins Spiel. Der gegen Süden vorgelagerte, domestizierte Landschaftsraum umschliesst gleichsam die grosse Figur mit dem Sockel des Einkaufszentrums und den vier mächtigen, angelagerten Hochbauten. Dieses Element der Landschaft wird zum unabdingbaren, räumlichen und sozialen Aspekt im Zusammenhang mit der Definition des Begriffs “Zwischenstadt“.
Nicht die “äusseren“ Bilder ersetzten die “inneren“, sondern die kritische Reflexion auf die Tatsächlichkeit der vorhandenen sozialen und räumlichen Defizite und der daraus resultierenden Erweiterung des Denkens im Planen und Handeln. Die baulichen Erweiterungen, die in diesem Falle erheblich sind und in der Setzung der Voluminas weitgehend vorgegeben wurden, verlangen nach einer Rückbesinnung auf eine Architektur, die sich in der Frage der Gestaltung der Wände von Aussenräumen als Gemeinschaftsaufgabe versteht. Die individuelle Objektarchitektur soll in der Gesellschaft anderer Architekturen aufgehen, sich nicht aufspielen, sondern einen Mehrwert im städtebaulichen Klang erzeugen, der sich im kollektiven Gedächtnis als Ganzes einprägt und nicht als “Aneinanderreihung einzelner Objektarchitekturen“ (Georg Franck). Die Aufgabe besteht überdies aber auch darin, Verlagerungsprozesse so vorauszudenken, dass mit geeigneten Massnahmen der Pendelverkehr in der Agglomeration soweit reduziert wird, dass die Zwischenstadt Spreitenbach in Teilen auch zu einer fussläufigen Stadt wird. Wir verstehen in diesem Fall den Begriff von Stadt nicht in seiner Definition aus dem 19. Jahrhundert, die sich auf eine gemeinsame Produktion von guten Adressen, innerhalb einer geschlossenen Bauweise stützte, sondern als eine, deren städtebauliche Ordnung zwar den Sechzigerjahren verpflichtet bleibt, die sich auf den Ebenen der Fussgänger öffnet, ein Geflecht von verschieden bespielten Plätzen und Höfen bildet und sich über einen differenzierten Landschaftsraum ganz dem bestehenden Siedlungsgebiet von Spreitenbach zuwendet. Es entsteht neu eine Dualität von zwei unterschiedlichen “Geschwindigkeiten“. Industrie, Dienstleistung, Produktion, Einkauf und Freizeit auf der einen Seite mit Anschluss an die Limmattalbahn, Autobahn und Erschliessungsachsen und den Wohnbauten auf der Süd- und Westseite des Shoppingcenters mit ihren neuen, öffentlichen Räumen des Durchgangs und des Aufenthalts und deren velo- und fussläufigen Erschliessungen. In der Verknüpfung beider Teile entsteht durch die Überlappung von unterschiedlichen Öffentlichkeiten eine andere Form von Stadt, deren Wahrnehmung sich verändert. So soll doch aus dem Frosch ein König werden ….!