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Aarauer Prostituierten-Mörder bleibt in Lenzburg in Haft
- Freitag, 11. April 2014, 17:08 Uhr
2008 hatte er als Minderjähriger eine Prostituierte ermordert. Nun bleibt der heute 23-jährige in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, obwohl er seine Strafe verbüsst hat. Die vom Bundesgericht angeordnete Verlegung in eine andere Institution ist derzeit nicht möglich.
Alle angefragten geschlossenen Institutionen hätten die Aufnahme des Mannes abgelehnt, teilten die Aargauer Gerichte am Freitag mit. Das Familiengericht Lenzburg, das sich mit dem Fall beschäftigt hatte, könne andere Institutionen nicht zu einer Aufnahme verpflichten.
Das Bundesgericht hatte am 22. November 2013 gewünscht, dass alles daran gesetzt werden müsse, damit der Mann so rasch als möglich in einer psychiatrischen Klinik, einer anderen Einrichtung oder an einem anderen Ort untergebracht werden kann, wo die erforderliche Therapie gewährleistet werden könne.
Das Bundesgericht habe nicht explizit eine Verlegung in eine andere Institution verlangt, sagte Nicole Payllier, die Medienverantwortliche der Aargauer Gerichte, auf Anfrage. Die Vorgabe habe lediglich darin bestanden, dass der junge Mann künftig die notwendige Therapie erhalte.
Das Bundesgericht hatte die Aargauer Justizbehörden aber verbindlich angewiesen, die psychiatrische Behandlung auf drei Sitzungen pro Woche auszudehnen. Diese Forderung wurde inzwischen erfüllt. Der Betroffene erhalte in Lenzburg die erforderliche Psychotherapie, heisst es in der Mitteilung der Aargauer Gerichte. Gleichzeitig könne dort auch dem Sicherheitsrisiko begegnet werden.
Täter kann nicht in die Freiheit entlassen werden
2008 hatte der damals 17-jährige Schweizer in Aarau eine 40-jährige deutsche Prostituierte vergewaltigt und sie anschliessend erwürgt. Das Jugendgericht Lenzburg sprach ihn im November 2011 des Mordes schuldig und verhängte die Höchststrafe für Jugendliche von vier Jahren Freiheitsentzug.
Um die Öffentlichkeit darüber hinaus vor dem psychisch gestörten Täter zu schützen, wurde für die Zeit nach Verbüssung der Haft eine fürsorgerische Freiheitsentziehung (FFE) angeordnet. Das Bundesgericht wies eine dagegen erhobene Beschwerde des Mannes ab.
Laut den Richtern in Lausanne steht fest, dass der Betroffene wegen seiner psychischen Erkrankung in Form von sexuellem Sadismus an einem «Schwächezustand» leidet, wie er für die Anordnung einer FFE vorausgesetzt wird. Es bestehe ein erhebliches Rückfallrisiko.
Täter bleibt weiter verwahrt
Die FEE wurde ab Anfang 2013 rechtlich in fürsorgerische Unterbringung (FU) umbenannt. Das Familiengericht Lenzburg verlängerte die fürsorgerische Unterbringung diese Woche bis zur nächsten periodischen Überprüfung im April 2015 und wies ein Gesuch um Entlassung ab.
Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig und kann an das Obergericht weitergezogen werden. Von Gesetzes wegen hat eine allfällige Beschwerde gegen den Entscheid jedoch keine aufschiebende Wirkung.