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Haben Gründer, die bereits ein Firmen lancierten, beim zweiten Mal bessere Chancen als Anfänger? Die Daten sagen: Ja – es lohnt sich eher, auf Serial Entrepreneurs zu setzen.
Die Gründung und Finanzierung eines neuen Unternehmens ist mit erheblichen Risiken behaftet. Viele Start-Ups erweisen sich als nicht überlebensfähig und verschwinden nach kurzer Zeit wieder. Welche Neugründungen haben die grössten Erfolgschancen und sollen Kapital erhalten? In einer 2010 veröffentlichten Arbeit gehen Paul Gompers, Anna Kovner, Josh Lerner und David Scharfstein dieser Frage nach. Sie stellen die unternehmerische Erfahrung des Gründers in den Mittelpunkt ihrer Analyse.
Manche Unternehmer werden zu Seriengründern, indem sie nach Gründung eines Start-ups ein weiteres Projekt beginnen. Dies kann unabhängig davon geschehen, ob die erste Gründung erfolgreich war oder nicht. Die Forscher untersuchen, ob solche Seriengründer erfolgreicher sind als jene Unternehmer, die zum ersten Mal ein Start-up gründen.
Steiler Anstieg der Gründungen
Die Wissenschaftler untersuchen Neugründungen in den USA zwischen 1986 und 2000, welche mit Risikokapital finanziert wurden. Ihr Datensatz enthält Informationen zu 3’796 Unternehmen mit 8’753 Gründern. Der Unternehmenserfolg wird daran gemessen, ob ein Start-Up bis Dezember 2007 an die Börse gegangen ist beziehungsweise die notwendigen Unterlagen bis zu diesem Zeitpunkt eingereicht hat. Zudem zeigen die Daten, ob es sich bei einem Unternehmen um eine Seriengründung handelt, das heisst, ob mindestens einer der Gründer schon vorher über Erfahrung mit einer risikokapitalfinanzierten Gründung verfügte.
Die Initiative Next Generation
Das Projekt Next Generation informiert über aktuelle Forschungsergebnisse zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen und über die Arbeit der Studierenden in den volkswirtschaftlichen Lehrprogrammen der Universität St. Gallen.
Hier: Korbinian Wester über: Paul Gompers, Anna Kovner, Josh Lerner und David Scharfstein (2010): «Performance Persistence in Entrepreneurship», in: «Journal of Financial Economics» 96, 18-32.
Herausgeber Next Generation: Prof. Christian Keuschnigg.
Die Anzahl der Unternehmer ist von 1980 bis 1994 langsam, aber stetig angewachsen. Danach stieg sie rapide an, wobei sich die Zahl zwischen 1994 und 1995 fast verdoppelte. Die Wissenschaftler sehen darin die Auswirkungen des Internet-Booms. Insgesamt hat sich zwischen 1980 und 1990 die Zahl der Gründer, die Risikokapital erhalten haben, von 11 auf 1’661 vervielfacht.
Auch der Anteil von Seriengründern hat über die Jahre leicht zugenommen. Waren es im Jahr 1985 nur 7,1 Prozent, so hatten im Jahr 1999 bereits 9,5 Prozent aller Gründer Erfahrung aus vorangegangenen Projekten.
Erfolgswahrscheinlichkeit: ein Drittel
Die Erfolgschancen von Unternehmensgründungen streuen stark. Im Durchschnitt schafften 25,7 Prozent aller erfassten Gründungen den Börsengang. Seriengründer waren dabei besonders erfolgreich. Ihre Erfolgswahrscheinlichkeit lag bei 36,7 Prozent für ihr erstes Start-up und bei 29,1 Prozent für nachfolgende Gründungen.
Die ökonometrischen Schätzungen, die auch eine Reihe anderer Einflussgrössen berücksichtigen, zeigen ähnliche Ergebnisse. Start-Ups von Seriengründern haben eine um vier Prozentpunkte höhere Erfolgswahrscheinlichkeit als jene von Erstgründern, welche ihr Unternehmen in 20,9 Prozent der Fälle an die Börse bringen.
Die höhere Erfolgswahrscheinlichkeit im Durchschnitt ist hauptsächlich auf jene Serienunternehmer zurückzuführen, die bereits früher mit ihrem Start-up Erfolg hatten. Bei ihnen liegt die Erfolgswahrscheinlichkeit einer weiteren Neugründung bei 30,3 Prozent. Dagegen haben Seriengründer, die in der Vergangenheit scheiterten, nur eine 21,8 prozentige Chance. Erstgründern gelingt es nur zu 20,9 Prozent, ein Unternehmen erfolgreich aufzubauen.
Wichtig: Der Zeitpunkt
Die empirische Evidenz zeigt eine Beständigkeit bei erfolgreichen Unternehmensgründungen auf. Als Ursache dafür sehen die Wissenschaftler zwei Faktoren. Erfolg spiegelt zum einen die unternehmerischen Fähigkeiten. Diese umfassen sowohl die Managementqualitäten als auch das richtige Gespür, ein bestimmtes Produkt zur richtigen Zeit auf den Markt zu bringen.
So waren beispielsweise 52 Prozent der Computerunternehmen, die 1983 gegründet wurden, erfolgreich. Zwei Jahre später war der Zeitpunkt bereits nicht mehr so günstig. Nur 18 Prozent der im Jahre 1985 gegründeten Computerunternehmen hatten Erfolg. Die unternehmerischen Fähigkeiten und das Gespür für den Markteintritt im richtigen Zeitfenster sind entscheidend für die Erfolgschancen eines Start-Ups.
Vergangene Erfolge gleich leichtere Finanzierung
Früherer Erfolg erhöht zudem das Vertrauen potentieller Investoren, Zulieferer und Kunden. Da es für diese oft schwierig ist, die tatsächlichen Fähigkeiten eines Gründers einzuschätzen, vertrauen sie auf die unternehmerische Erfahrung, wie sie anhand vergangener Erfolge nachgewiesen ist. Seriengründern gelingt es daher eher, zusätzliche Ressourcen für ihr Start-Up aufzutreiben, was ihre Erfolgschancen neuerlich steigert.
Während nur 46 Prozent der Erstgründungen in einem frühen Stadium Risikokapital aufnehmen können, sind es bei späteren Gründungen 62 Prozent der Unternehmen. Zudem erhalten Erstgründer die erste Finanzierung erst nach 37 Monaten, während erfahrene Gründer diese bereits nach 20 Monaten erhalten.
Erfahrung gleich Vertrauen
Eine vertrauensbildende Wirkung geht auch von der Erfahrung des Risikokapitalgebers aus, welcher das Unternehmen (mit-)finanziert. Zulieferer, weitere Investoren und Kunden vertrauen stärker auf das Urteil eines erfahrenen Risikokapitalgebers und sind dann eher bereit, ein Unternehmen zu unterstützen. Zählt der Risikokapitalgeber zu den 25 Prozent der erfahrensten Investoren, so ist die Erfolgswahrscheinlichkeit eines von ihm mitfinanzierten neuen Unternehmens mit 21,7 Prozent um circa 5 Prozentpunkte höher als bei anderen Gründungen, deren Risikokapitalgeber zu den 25 Prozent der unerfahrensten Investoren gehört.
Diese höhere Erfolgswahrscheinlichkeit kommt vor allem zwei Gruppen zu Gute, nämlich Erstgründern und solchen Seriengründern, die bisher nicht erfolgreich waren. Erstgründer mit einer Finanzierung von erfahrenen Risikokapitalgebern sind zu 20,9 Prozent erfolgreich, während jene mit unerfahrenen Finanziers nur eine Chance von 14,3 Prozent haben, erfolgreich zu sein. Bei Seriengründern, bereits einmal scheiterten, ist der Unterschied mit 25,9 gegenüber 17,7 Prozent sogar noch grösser.
Schliesslich schätzen die Forscher, wie sich die «market timing» Fähigkeiten eines Unternehmers, also das Gespür für den Markteintritt zur richtigen Zeit, auf die Erfolgschancen des Start-ups auswirken.
Dazu messen sie den Erfolg der gesamten Branche. Hat ein Gründer sein erstes Unternehmen in einem für die Branche sehr guten Jahr gegründet, verfügt er demnach über gute «Market timing»-Fähigkeiten. In diesem Fall beträgt seine Erfolgswahrscheinlichkeit bei der zweiten Gründung 30,5 Prozent. Ein Unternehmer, der sein erste Gründung in einem branchenweit eher erfolglosen Jahr auf den Weg brachte, ist hingegen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 23,7 Prozent erfolgreich.
Die Studie zeigt, dass es eine gewisse Beständigkeit in der erfolgreichen Gründung von Unternehmen gibt. Nicht nur unternehmerische Fähigkeiten, sondern auch der Erfolg in der Vergangenheit zählen. Erfolgreiche Gründer haben bessere Chancen, später ein neues Start-Up zu gründen.
Das liegt zum einen daran, dass sie im Durchschnitt bessere Managementqualitäten, aber auch ein besseres Gespür für den Markteintritt zum richtigen Zeitpunkt mitbringen. Zum anderen liegt es auch daran, dass sie durch ihre Erfahrung und ihren bereits einmal bewiesenen Erfolg besseren Zugang zu Finanzierung haben und auf mehr Vertrauen bei Kunden und Zulieferern stossen.
Das Wichtigste in Kürze
Amerikanische Forscher gingen der Frage nach, ob Serien-Unternehmer grössere Erfolgschancen haben als Gründer, die erstmals ein Startup lancieren. Das scheint tatsächlich der Fall zu sein. Dabei unterschieden sich Unternehmer, die erfolgreich ihre erste Firma aufgebaut haben, nochmals als erfolgreicher denn Unternehmer, die beim ersten Mal gescheitert waren.
Eine Rolle für die höheren Erfolgsquoten spielte wohl die Fähigkeit gewisser Unternehmenspersönlichkeiten zum «Market Timing» – sowie die Tatsache, dass Kapitalgeber eher auf «sichere Werte» setzen.