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Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit
1947 Geboren - 1948 Läufig - 1949 Gegründet
Ja so war's halt damals. Keine Guggenmusikantin und kein Guggenmusikant der ersten Stunde machte sich so kurz nach dem Kriege irgendwelche Gedanken darüber, dass das was sie tun, später irgendjemanden brennend interessieren könnte. Die damals 20 bis 40 Jährigen bewegten sich wohl schon ab 1946, in der ersten Fasnacht nach dem Kriege, mit schrägen Aktionen in der Stadt umher. Die Erzählungen und Erinnerungen sind denn auch sehr vielseitig. Dies spiegelt sich in über hundert Zitaten, die in der Zeit von 1947 bis 2015 in verschiedenen Publikationen und sonstigen Medien zu finden sind.
Eine Basler-Gugge war in Luzern. Diesen Besuch sehen dreizehn „Zeugenaussagen“ im Jahre 1947, elf erst 1948. Sie wird mal Crazy Horse genannt und an anderer Stelle als Guggenmusig der Kasino-Gesellschaft-Basel bezeichnet. Sodann wird 21 Mal berichtet, dass von dieser Basler-Gugge der entscheidende Funken zur Entstehung der Luzerner Guuggenmusiglawine ausging. Dieses wurde erstmals 1962 behauptet und dann, vor allem in der jüngeren Zeit, etwa 20 mal nacherzählt. Sepp Ebinger selbst, der gebürtige Basler, der Tambourmajor der ersten Stunde, hatte in seinen 24 aktiven Fasnachtsjahren und bis zu seinem Tode 1983, nie von einem solchen Funken durch eine Basler-Gugge gesprochen.
Die Basler-Gugge beteiligte sich am 5. Februar 1948 am Fritschiumzug und zwar auf Einladung des damaligen Fasnachtskomitees. Diese Aussage macht Franz Bossart im Buch 50 Jahre Fasnachtskomitee, 2001. Dabei beruft er sich auf ein Protokoll des Fasnachtskomitees vom 16. Januar 1948, das die Einladung an die Guggemusig der Kasino-Gesellschaft-Basel festhält. Diese Aussage wird durch die Meldung im Luzerner Tagblatt vom 6. Februar 1948, zum Fritschiumzug zeitgenössisch und rüttelfest bestätigt: „...sorgte nun die echte Basler Guggenmusig für Töne, über deren Dissonanzen vor Lachen kein Auge trocken blieb…“.
Das Luzerner Tagblatt vom 14. Februar 1947 meldet dagegen zum verflossenen Schmutzigen Donnerstag : „Der (Fritschiumzug) gab sich jetzt wieder einmal ganz nach Luzerner Art… Wir hatten uns also unsere Fasnacht nicht von Basel zurückholen müssen…“. Damit ist die Teilnahme einer Basler-Gugge am Umzug 1947 eigentlich auszuschliessen. Weitere, zum Teil abstruse, aber auch amüsante Zitate zum Thema Basler-Gugge und ihrem Auftritt in Luzern, müssen aus Platzgründen, weg gelassen werden.
1946/1947/1948/1949/oder ab1950?
Wenn Sepp Ebinger von der Geburtsstunde der Guggenmusik sprach, was er oft tat, so auch in zwei Radiosendungen 1979, so setzte er dieses freudige Ereignis immer auf den Abend eines Güdisdienstag. In der einen Radiosendung wird Sepp gefragt, wann denn dies gewesen sei und er rechnet dann laut denkend: „Ah, vor genau, aso anno, jetzt isches 31 Johr, schletscht Johr hämmer s’drissg-jöhrig Jubiläum gha, das wär also 78-48, wärs gsii.“ Hier irrt selbst Ebinger mit dem Jahr, denn hätte der folgenreiche Dienstagabend erst 1948 stattgefunden, hätten andere, zum Beispiel Fugi Fuchs, ab dem Schmutzigen Donnerstag die erste Luzerner Guggenmusig durch Luzerns Gassen geführt. Wie Max Baumann nicht der Gründerbappe der Chatzemusig und Pöldi Häfliger nicht der der Bohème war, wäre Sepp Ebinger schlicht und einfach nicht der Initiant der späteren Luzerner Original Guggenmusig 4711 gewesen und somit auch nicht von der ganzen Guuggenmusigszene in Luzern.
Auch dazu finden sich in den genannten, über hundert Aussagen, die unterschiedlichsten Meinungen. Sechs Zitate bringen bereits die Jahre 1946 und gar 1945 ins Gespräch. Eine Aussage sieht dann den Geburtsdienstag 1946. 30 Meldungen entscheiden sich für das Jahr 1947. Sechs Zitate sehen den bewussten Dienstag aber gar klar erst 1948 und zwei 1950 oder eine gewisse Zeit danach.
Da für das Jahr 1948 wenigstens fünf Zeitungsmeldungen die Existenz der Luzerner Guggenmusik belegen und es zwei zeitgenössische Aussagen gibt, die das Zusammensuchen von Musikanten auf den Schmutzigen Donnerstag bezeugen, gibt es keinen Zweifel mehr, dass der Beginn der Guuggenmusigszene in Luzern 1947 anzusetzen ist.
Neun Schreiber nennen das Dienstag-Ereignis als Gründungsakt, weitere neun Geburt/Geburtsstunde oder Initialzündung. Von 33 Zitaten, welche die Luzerner Guggenmusig im Jahre 1948 als Existierend erwähnen, nennen deren elf diese Tatsache gleichzeitig auch Gründung.
Am 22. Dezember 1949 wurde die Luzerner Guggenmusik im Handelsregister als Verein eingetragen, um ihren Namen zu schützen. Sie hielt dazu vorgängig, am 19. Dezember 1949 die erste Generalversammlung ab. Der Anlass dazu war die „Gründung der Luzerner Guggenmusik.“
Zusammenfassend kann als Ergebnis festgehalten werden: Die Luzerner Guggenmusik - heute Luzerner Original Guggenmusig 4711 - wurde am 18. Februar 1947 geboren, am 5. Februar 1948 einjährig läufig und am 19. Dezember 1949 zu guter Letzt auch noch gegründet.
Das macht doch Spass!
Toni Hofmann Luzerner Original Guggenmusig 4711