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|Smashed (2012)

Land: USA
Regie: James Ponsoldt
Drehbuch: Susan Burke, James Ponsoldt
Darsteller: Mary Elizabeth Winstead, Aaron Paul, Octavia Spencer, Nick Offerman, Nick Offerman, Megan Mullally, Mary Kay Place, u.a.
Kamera: Tobias Datum
Schnitt: Suzanne Spangler
Musik: Andy Cabic, Eric D. Johnson
Laufzeit: 85 Minuten
Kinostart: –
Verleih: Super Crispy Entertainment, Sony Pictures Classics
Weitere Infos bei IMDB
Eine Frau im Kampf gegen den Rausch
von (dap)
Ein überzeugendes Sozialdrama, das mit Elizabeth Winstead eine herausragende Hauptdarstellerin hat. Zwar können ihr die anderen Figuren nicht das Wasser reichen, dafür weiss der Film aufgrund seiner Authentizität und seiner positiven Message zu überzeugen.
Kate hat keinen Grund, dem Alkohol zu verfallen – auf den ersten Blick. Sie ist jung, hübsch, hat einen Job als Lehrerin und ein Zuhause mit ihrem attraktiven Ehemann, der von seiner Familie finanziell unterstützt wird. Ihr Mann, Charlie, aber ist mitverantwortlich, dass Kate jeden Abend und nicht selten auch tagsüber zur Flasche greift. Der erfolglose Schriftsteller hat selbst ein Trinkproblem und mag es am liebsten, mit seiner Frau und ein paar Kumpels in der Stammkneipe Pool zu spielen und Karaoke zu singen, wobei man sich feuchtfröhlich selbst feiert. Trotz nächtlichem Exzess und täglichem Kater geht es den beiden ganz gut; zumindest glauben sie das. Doch dann geschehen zwei Ereignisse in Kates Leben, welche die gute Stimmung kippen lassen. Als sie sich nach einer durchzechten Nacht frühmorgens vor ihrer Schulklasse übergibt, kann sie sich nur mit einer Notlüge aus der unangenehmen Situation befreien: Sie behauptet, sie sei schwanger und hätte deswegen erbrechen müssen. Eine Lüge, die Konsequenzen hat. An einem anderen Abend bietet sie einer unbekannten Frau, die sie vor der Bar antrifft, eine Heimfahrt an. Die beiden kommen ins Gespräch und Kate lässt sich schliesslich dazu verleiten, mit der Unbekannten Crack zu rauchen. Am nächsten Morgen wacht sie unter freiem Himmel in einem heruntergekommenen Viertel von L.A. auf. Da wird ihr bewusst, dass sie etwas verändern und ihr Leben wieder in den Griff bekommen muss. Leichter gesagt als getan, denn ohne Alkohol lebt es sich gar nicht so einfach und ihr Eheleben gerät durch die Nüchternheit in ein Ungleichgewicht.
Mary Elizabeth Winstead kennt man als Cheerleaderin aus Tarantinos Death Proof, als Scott Pilgrims Objekt der Begierde mit kuriosen Ex-Freunden oder aus dem The Thing-Remake, wo sie in die Fussstapfen von Kurt Russel trat. Zum ersten Mal erhält sie in diesem Indie-Film nun die Chance, ihr volles Potenzial als Schauspielerin auszuschöpfen – ohne bombastische Actionsequenzen und Spezialeffekte. Stattdessen: durch authentisches Schauspiel mit echten Tränen und Szenen, die aus dem Alltag gegriffen sind. Winstead scheint erwachsen geworden zu sein und macht sich als ernst zu nehmende Schauspielerin bemerkbar. Regisseur und Drehbuchautor James Ponsoldt bietet ihr dafür die nötigen starken Szenen, die man als Schauspieler dankbar annimmt. Zum Beispiel als Kate einen Rückfall erleidet und Charlie im vertrauten Rausch zur Rede stellt, was in einer intensiven Streitszene mündet, die beinahe zur Vergewaltigung des Ehegatten(!) führt. Winstead dürfte es als Kompliment auffassen, wenn sich der Zuschauer ständig fragt, ob die Darstellerin nicht tatsächlich alkoholisiert am Set erschien.
Smashed erinnert mit seiner starken Frauenfigur, durch seinen glaubwürdigen Realismus, aber auch durch das Thema ‚Alkohol-Problem in einer jungen weissen Familie’ an zwei andere Filme: und zwar an A Woman under the Influence von John Cassevetes und Blue Valentine von Derek Cianfrance. Dabei kann Winstead durchaus mit Gena Rowlands und Michelle Williams mithalten. Dennoch: Verglichen mit diesen beiden Meisterwerken wirkt der Film etwas unausgeglichen, was daran liegen dürfte, dass Winstead keine ebenbürtige männliche Figur zur Seite gestellt wird. Aaron Paul, der den Ehemann spielt, spielt seinen Part zwar souverän, wirkt jedoch zu schwächlich und passiv, als dass er einen allzu starken Einfluss auf seine Frau haben könnte. Auch fühlt man sich bei Paul stets an die hervorragende TV-Serie Breaking Bad erinnert, in welcher er mit Jessie Pinkman einen ähnlichen Verlierer-Typen spielt, der keiner ernsthaften Beziehung gewachsen scheint und sich mit Drogen benebelt. Erst gegen Ende – als auch er sich zu hinterfragen beginnt – weckt seine Figur grösseres Interesse und lässt den Mann durchscheinen, in den sich Kate wohl einst verliebt hat. Währenddessen entpuppt sich der Co-Rektor der Schule, der Kate immerhin auf die richtige Bahn bringt und sie in eine Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker einführt, als komischer Kauz. Er scheint keine Ahnung von Frauen zu haben und beschert dem Film mit einem äusserst merkwürdigen Annäherungsversuch obendrein einen kaum einzuordnenden tragikomischen Moment. Nichtsdestotrotz und gerade wegen ihres Unvermögens verstärken diese Nebenfiguren die eigentliche Message des Films, nämlich dass man sich aus einer solchen Krise nur selbst heraushelfen kann – wenn man es wirklich will.
©Super Crispy Entertainment