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In Brasilien leben 214 Millionen Menschen auf einer Fläche von über acht Millionen Quadratkilometern. Die Unterschiedlichkeit der Kulturen ist das Ergebnis der verschiedenen Einflüsse der Ureinwohner, der versklavten afrikanischen Völker und der portugiesischen, italienischen, japanischen, arabischen sowie deutschen Einwanderer.
Nicht nur unterschiedliche Kulturen kennzeichnen das Land. Es ist auch ein Land mit grossen Ungleichheiten, wie es auf der Webseite von Monte Azul heisst. Die Mehrheit der Benachteiligten wird sozial ausgegrenzt und lebt in einer Situation hoher Verwundbarkeit.
Unterschiede akzeptieren
Die Lebensumstände, die zu einer solchen Verwundbarkeit führen, sind etwa eine Behausung ohne Sicherheit, eine fehlende sanitäre Grundversorgung, eine hohe Wahrscheinlichkeit, Gewalt zu erfahren, eine schlechte Bildungsmöglichkeit und/ oder eine hohe Arbeitslosenquote. Die soziale Ausgrenzung wird nicht nur durch solche Faktoren begründet. Sie entsteht auch durch Vorurteile der Mitmenschen aus anderen gesellschaftlichen und kulturellen Kreisen, die Barrieren für die Eingliederung sind – selbst wenn finanzielle Mittel und der Schulbildung vorhanden sind.
Um die Lage der Menschen zu verbessern, wurde 1979 der gemeinschaftliche Verein Monte Azul, die Associação Comunitária, gegründet, der auf den theoretischen Grundlagen der Anthroposophie Rudolf Steiners basiert. Monte Azul geht auf die Initiative der deutschen Waldorfpädagogin Ute Craemer zurück, die sich 1971 als Lehrerin an der Rudolf-Steiner-Waldorfschule in São Paulo niederliess. Craemer und andere Mitgründer von Monte Azul luden die von ihren Ursprüngen vertriebenen Bewohner ein, eine integrative Gemeinschaft zu schaffen. Diese sollte in der Lage sein, kulturelle Unterschiede zu akzeptieren, Herkunft sowie Lebenserfahrungen zu respektieren und zu schätzen.
«Rettung» der menschlichen Würde
Der Verein arbeitet heute in drei Favelas in der Südzone der Stadt São Paulo. Um einem Menschen die Möglichkeit zu geben, sich gesund zu entwickeln, sein volles Potential zu entfalten und der zu werden, der er oder die sie sein will, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein. Mit seinen Projekten in den Bereichen Erziehung, Sozialarbeit, Soziale Bildungswerkstatt, Gesundheit, Kultur und Umwelt möchte Monte Azul diese Voraussetzungen schaffen.
Heute arbeiten 250 Mitarbeitende für die Organisation, die meisten davon sind selbst in Favelas aufgewachsen. In den drei Standorten von Monte Azul werden jedes Jahr über 1300 Kinder und Jugendliche pädagogisch betreut sowie ausgebildet. Das eigens errichtete Gesundheitszentrum behandelt jährlich etwa 1000 Menschen. In der Casa Angela, dem Zentrum für humanisierte Geburtshilfe, kommen monatlich bis zu 30 Kinder auf die Welt. So profitieren pro Jahr etwa 20'000 Menschen direkt von der Arbeit des Vereins.
Das Besondere in der Zusammenarbeit ist die Haltung, jeden Menschen mit seinen Fähigkeiten zu sehen und seine Eigeninitiative zu fördern. «Oft hören wir von Bewohnern der Favela: Früher wurde ich auf der Arbeit wie ein Ding behandelt, ich war weniger wert als eine Maschine und musste wie ein Roboter funktionieren. Hier in Monte Azul bin ich zu einer Person geworden, zu einem Menschen.» (Zitat aus einem Interview mit Ute Craemer)
«Mainumby-Kurs»
Um den ursprünglichen Impuls von Rudolf Steiner aufrechtzuerhalten und die ständige Expansion im Bereich Erziehung und soziale Hilfe zu unterstützen, wurde 1980 der «Mainumby-Kurs», eine kostenlose Ausbildung zum Gemeindepädagogen und zur Gemeindepädagogin ins Leben gerufen. Dieser Kurs ist von Steiners Waldorfpädagogik inspiriert und wurde an das Profil der vor Ort arbeitenden Lehrkräfte, die «Monte Azul community educators», angepasst.