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Waisenhaus Winterthur
Das Waisenhaus gehört zu den wenigen sozialen Einrichtungen, die eine lange Tradition als städtische Einrichtung haben. Bereits 1676 soll eine Waisenstube mit einem Personalbestand von 30 Personen bestanden haben.
Das städtische Waisenhaus, das Kinderheim Büel und das Mädchenheim Sunnehus waren dann im 20. Jhdt. die wichtigsten drei Einrichtungen für Kinder und Jugendliche in Winterthur.
Das Waisenhaus in Winterthur hat eine lange Geschichte, die aber in frühen Jahren traurige Kapitel hat. Die elternlosen Kinder wohnten damals zusammen mit Alten, Kranken, Geisteskranken und Durchreisenden auf engem Raum in der städtischen Waisenstube im unteren Spital am Neumarkt. Zuchtmütter und Zuchtväter leiteten dieses Haus und waren für diese Kinder, sie wurden zeitlebens Kinder genannt und wurden nie mündig, verantwortlich. Im Jahr 1809 kam eine Wende. Erstmals wurden die Waisenkinder von den Erwachsenen getrennt und in einem eigenen Flügel des Hauses untergebracht. 1835 zog diese Waisenabteilung in das ehemalige Amtshaus am Untertor. In einer neuen Hausordnung wurde der Leiter nun Waisenvater genannt und er wurde angehalten, einen liebevollen Umgang mit den Kindern zu pflegen.
Erst rund dreissig Jahre später wurde dann ein pädagogisch ausgebildeter Waisenvater eingesetzt. Es war der Sekundarlehrer Heinrich Morf und seine Frau Susanna, die 1861 zusammen mit ihren drei Kindern ins Alte Amtshaus zogen. Bis 1893, über dreissig Jahre lang, blieben sie in dieser Aufgabe. Als Susanna Morf verstarb übernahm die Angestellte Katharina Baltensberger ihre Funktionen. In dieser Zusammenarbeit kamen sich die beiden Leitenden näher und heirateten, sodass wieder ein Waisen-Elternpaar dem Kinderheim vorstand. Mit dieser Heirat im Jahre 1876 stand auch ein Umzug an. Für das Alte Amtshaus, das abgebrochen wurde, baute man an der Tösstalstrasse 48 ein neues Waisenhaus.
Der Betrieb des Waisenhauses funktionierte recht gut, bis in die Vorkriegsjahre des 2. Weltkrieges. 1935 beschloss der Gemeinderat, den Waisenhausbetrieb einzustellen und stattdessen die Privatpflege zu fördern. Eine Opposition blieb nicht aus. Es setzte eine umfassende Diskussion ein über die Frage der Heim- und Familienversorgung, über deren Mängel und Fehler, Vorteile und Nachteile vermeintlicher und tatsächlicher Art. Schliesslich entschieden die Stimmbürger, das Waisenhaus weiterzuführen. Einer darauf eingereichten Motion entsprechend wurde die Planung eines Neubaus an die Hand genommen. In der Volksabstimmung vom 8. Dezember 1946 bewilligten die Stimmenden den Kredit für einen Neubau in Oberwinterthur, womit sie sich erneut klar für die Weiterführung des Waisenhauses entschieden. Nach der Inbetriebnahme des neuen Waisenhauses an der Pestalozzistrasse wurde im Gebäude an der Tösstalstrasse ein Mädchenheim eingerichtet.
Im neuen Waisenhaus wurde ab dem Bezug 1951 eine kindergerechte Unterbringung möglich, dies aber immer noch in der Struktur eines Heimes. Mit dem Umbau von 1987 (Architekten Benoit + Juzi) wurde ermöglicht in diesem Heim ein klares Familienprinzip anzuwenden. Es bestehen neu kleine Wohngruppen, in denen Mädchen und Knaben aus allen Altersgruppen, vom Kindergartenalter bis zur Oberstufe und darüber hinaus, selbständig und voneinander unabhängig in Familiengemeinschaften zusammen leben. Es sind 32 Plätze für Kinder und Jugendliche vorhanden. Die Institution bietet einen längerfristigen Lern- und Lebensplatz und eine sichere und fördernde Umgebung. Die Kinder und Jugendlichen besuchen die öffentlichen Schulen in Oberwinterthur.