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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Erstes Buch
37.
Hiermit glaube ich nun so ziemlich bewiesen zu haben, nicht nur, dass unser Heiland aus einer Jungfrau geboren werden sollte, sondern dass es auch Propheten unter den Juden gab, die nicht nur das allgemein Wichtige über die Zukunft voraussagten, wie über Christus und die Weltreiche und die künftigen Geschicke Israels und den Glauben der Heiden an den Erlöser und viele andere Dinge, die über ihn gesagt worden sind, sondern auch solche Dinge, die nur einen einzelnen angingen, z.B. über "die verlorenen Eselinnen des Kis" und "wie sie wiedergefunden werden würden"1 , und über "die Krankheit des israelitischen Königssohnes"2 oder über irgendeine andere derartige Begebenheit, die in der Heiligen Schrift aufgezeichnet ist.
Ferner müssen wir den Griechen, die an die Geburt Jesu aus der Jungfrau nicht glauben wollen, noch sagen, dass der Schöpfer in der Entstehungsart der verschiedenen lebenden Wesen gezeigt hat, es steht in seiner Macht, das, was er bei einem Wesen getan, auch bei andern und selbst bei den Menschen zu tun, wenn er nur wollte. Es gibt nun unter den Tieren einige Weibchen, die sich nicht mit einem Männchen verbinden wie die Tierschriftsteller dies von den Geiern behaupten; und zwar pflanzt dieses Tier ohne geschlechtliche Vermischung seine Gattung fort3 . Warum soll es also unglaublich sein, dass Gott in der Absicht dem Menschengeschlecht einen göttlichen Lehrer zu schicken, diesen auf eine andere Weise ins Leben hat eintreten lassen, als die übrigen Menschen, die ihre Geburt der Verbindung von Mann und Weib verdanken? Und nach Ansicht der Griechen selbst sind ja nicht alle Menschen aus der Verbindung von Mann und Weib entstanden. Ist nämlich die Welt geschaffen worden, wie auch viele Griechen annehmen, so verdanken die ersten Menschen ihr Dasein notwendigerweise nicht der Verbindung von Mann und Weib, sondern den zeugenden Kräften, die sich in der Erde verbanden. Dies ist aber nach meinem Dafürhalten viel unwahrscheinlicher als die Geburt Jesu, welche der Geburt der anderen Menschen zur Hälfte ähnlich ist. Weil wir es aber mit Griechen zu tun haben, so dürfte es nicht unangemessen sein, auch griechische Erzählungen anzuführen, damit es nicht den Anschein hat, als ob nur unsere Geschichte von einer solchen wunderbaren Tatsache berichte. Es wollten nämlich einige Schriftsteller, nicht da, wo sie alte und dem Heldenzeitalter angehörige Geschichten, sondern wo sie Tatsachen aus der jüngsten Vergangenheit erzählen, es als möglich hinstellen, dass auch Plato von Amphikitone geboren wurde, nachdem Ariston gehindert worden war, ihr beizuwohnen ehe sie den von Apollo empfangenen Sohn geboren hätte. Es sind dies offenbar Fabeln, die Veranlassung gaben, etwas Derartiges über einen Mann auszudenken, der, wie man glaubte, die meisten an Weisheit und Geisteskraft übertraf, und von dem man darum annahm, er verdanke sein leibliches Dasein einem höheren und göttlicherem Ursprung als die übrigen Menschen, weil dies solchen zukäme, die über das gewöhnliche menschliche Maß hinausragten. Da aber Celsus seinen Juden mit Jesus sich unterreden und dessen Geburt aus der Jungfrau als eine Erdichtung -dafür hält er sie- verspotten und dabei die griechischen Sagen von "der Danae, Melanippe, Auge und Antiope"*] vorbringen läßt, so müssen wir sagen, dass solche Reden sich wohl für einen Possenreißer schickten, nicht aber für einen Mann, der es mit seinem Bericht ernst meint.
1: vgl. 1 Kön 9,1-20
2: 3 Kön 14,1-18
3: vgl. Ambr. Hex V 27