Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03608.jsonl.gz/2166

Entweder ist diese 1:7-Pleite in Bern eine missglückte Premiere der SCL Tigers. Oder sie ist der Anfang vom raschen Ende für Trainer Benoit Laporte.
Langnaus Trainer Benoit Laporte personifiziert nach der 1:7-Klatsche beim SC Bern mit einer aufgekratzten Ratlosigkeit die Situation seiner Mannschaft. Er redet schnell und viel.
Als ihn ein vorwitziger Chronist mit der Zwischenbemerkung provoziert, es hätte nicht erstaunt, wenn einer seiner Jungs während eines Spielunterbruchs einen der grossen SCB-Tenöre um ein Autogramm gebeten hätte, wird er nicht einmal zornig. Er sagt lediglich resigniert: «Das ist eine harte Analyse, der ich nicht zustimmen kann.» Dann bläst er den Gegner bis auf Übergrösse auf: «Wenn der SCB einmal mit zwei oder drei Toren führt, dann ist diese Mannschaft unglaublich stark und fast unbesiegbar. Da waren wir überfordert.»
Aber entscheidend ist nicht, was der SCB nach dem 3:1 oder 4:1 noch zelebrierte. Entscheidend ist, dass die Langnauer schon beinahe ohne Gegenwehr die ersten drei Treffer kassierten. Es folgen schliesslich vom Trainer noch die üblichen Ausreden, die in einem Satz so zusammengefasst werden können: Man müsse als Aufsteiger eben lernen.
Durchwegs schwache Ausreden. Von einem Lernprozess in der höchsten Liga kann nicht nur wegen der intensiven Vorbereitung gar keine Rede sein. Die meisten Spieler haben ausreichend NLA-Erfahrung aus über 100 Partien in der höchsten Liga. Und am 15. Dezember des vergangenen Jahres haben die Langnauer als NLB-Team im Cup dem SCB im Viertelfinale (1:4) alles abverlangt und kassierten das 1:3 in der 59. und das 1:4 in der 60. Minute.
Die Langnauer verloren nicht gegen einen spielerisch klar überlegenen Gegner. Sie verloren gegen einen Gegner, der härter arbeitete. Das macht diese Startpleite besonders bitter. Der SCB war das bessere Langnau. Der SCB demütigte die SCL Tigers mit emmentalischen Mitteln und Tugenden. Also nicht mit spielerischem Tingeltangel, was angesichts des viel grösseren Potenzials zu erwarten gewesen wäre.
Der SCB spielte nicht Eishockey. Der SCB arbeitete Eishockey. Die Langnauer wurden unerbittlich vom Eis gearbeitet, vom Eis gerumpelt, vom Eis gehobelt, vom Eis geschubst. In der Torschützenliste finden wir deshalb mit Alain und Pascal Berger oder Marc Reichert auch Namen von Handwerkern. Mit diesem einfachen Hockey gelang dem SCB eine starke Reaktion auf die Startpleite (3:5) gegen die ZSC Lions.
Dieses raue, intensive, simple Hockey behagte den Emmentalern überhaupt nicht – dabei will Benoit Laporte mit genau diesem Hockey die Liga erobern. Aber die Langnauer kamen nie richtig ins Spiel. Bereits zu Beginn des zweiten Drittel erlosch der Widerstand des Aussenseiters.
Torhüter Damiano Ciaccio glänzte mit einigen tollen Paraden – aber erst als es bereits 1:6 stand. Der Aufstiegsheld war die tragische Figur dieses Spiels. Ist Ivars Punnenovs, der Abstsiegsgoalie der Lakers, besser? Wenn nicht, steht schon im Oktober ein Ausländer im Tor und Verteidiger Kevin Hecquefeuille sitzt auf der Tribüne.
Nicht das Resultat alleine ist für die SCL Tigers beunruhigend. Sondern die Art und Weise, wie der Aufsteiger nicht nur die Partie, sondern auch seinen Stolz verloren hat. Zwischen dem Aufstieg von 1998 und dem Abstieg von 2013 waren die Langnauer in einem Derby gegen den SCB nie so weich und schwach und chancenlos. Nullkommanull Selbstvertrauen! Keine Leidenschaft! Viel zu viele verlorene Zweikämpfe! Die Emmentaler wirkten so selbstsicher und charismatisch wie ein Eunuch beim ersten Date mit Angela Jolie.
Waren die Langnauer nach guten Vorbereitungspartien (u.a. Siege gegen die ZSC Lions und Lugano) gar überheblich? Die Einstellung stimmte bei den SCL Tigers jedenfalls von allem Anfang an nicht. Dafür ist der Trainer verantwortlich. Heute ist beim ersten Heimspiel gegen Servette eine heftige Reaktion gefordert. Nun wird auch Leitwolf Chris Di Domenico wieder dabei sein. Er hat in Bern noch eine Sperre abgesessen, die er sich im letzten Spiel der vergangenen Saison eingehandelt hatte.
Entweder geht die gestrige Schmach als eine missglückte Premiere in die Geschichte ein. Dann ist dieses 1:7 bald vergeben und vergessen. Oder diese «Schmach von Bern» ist der Anfang vom raschen Ende der Amtszeit von Trainer Benoit Laporte. Langnaus «Kriegskasse» ist randvoll. Das Geld wird kein Grund sein, einen Trainer, der ohnehin nur einen Einjahresvertrag hat, im Amt zu halten.
Trost spendet die Geschichte. Am 9. September 2005 hat Aufsteiger Basel mit Trainer Kent Ruhnke in Ambri das Startspiel 0:6 verloren, am nächsten Tag mit einem 3:1-Heimsieg gegen Fribourg reagiert und am Ende die Playoffs geschafft.