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Geschichte
Gemeindename Interlaken seit 1891
1838 trennte sich das heutige Interlaken von der Gemeinde Matten und wurde unter dem politischen Gemeindenamen "Aarmühle" zu einer selbstständigen Gemeinde. Im Jahre 1891 ersuchte die Einwohnergemeinde Aarmühle den Regierungsrat des Kantons Bern ihr zu gestatten, politischen Ortsnamen in den allgemein gebräuchlichen „Interlaken“ umzuändern. Mit Regierungsratsbeschluss und Schreiben vom 5. Dezember 1891 stimmte der Regierungsrat der Namensänderung zu. In seiner Jubiläumssitzung vom 5. Dezember 2016 erinnerte der Grossen Gemeinderat an diesen historischen Tag. Siehe dazu auch das Referat von Peter Hollinger.
Das Kloster Interlaken
Um das Jahr 1130 baute Freiherr Seliger von Oberhofen auf einem «Matten» genannten Ort zwischen Thuner- und Brienzersee ein Bethaus aus Holz, aus dem das Augustinerkloster Interlaken hervorging. Etwa 30 Mönche und Laienpriester lebten hier nach den strengen Regeln des heiligen Augustins. Im Jahre 1133 nahm Kaiser Lothar III. die Propstei unter seinen Schirm. Hier treffen wir erstmals auf den Namen «Interlacus».
1257 wurde dem Männerkloster ein Frauenkloster angegliedert. Durch eine aktive Bodenpolitik und durch Schenkungen wurde das Kloster Interlaken im Laufe der folgenden 200 Jahre zum grössten Landeigentümer des ganzen Oberlands. Das Kloster nahm eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Bödelis ein. Ein besonderes Verdienst der Mönche war die Urbanisierung des Landes. Im Jahre 1224 wurde das Kloster dem Schutz der Stadt Bern unterstellt. Zerfallserscheinungen innerhalb des Klosters und politische Unruhen führten dazu, dass 1484 das Frauenkloster aufgehoben wurde.
Mit der Reformation verschärfte sich der Konflikt. Die Gotteshausleute (Untertanen des Klosters) hatten sich von der Auflösung der Klosterherrschaft persönliche Nutzen erhofft. Es zeigte sich aber, dass ihnen der Übergang des Klosterbesitzes an die Stadt Bern keine Vorteile bringen würde. Bern forderte nämlich von den Gotteshausleuten nach wie vor Zinsen und Zehnten. Die Gotteshausleute erhoben sich gegen Bern und riefen die Unterwaldner zu Hilfe, die in der Folge das Städtchen Unterseen besetzten. Als die Berner unter Niklaus Manuel ins Oberland vorrückten, zogen sich die Unterwaldner schleunigst zurück. Von nun an dienten die Klostergebäulichkeiten dem bernischen Landvogt als Amtssitz.
In der folgenden Zeit wurde die Klosterkirche zweckentfremdet, diente als Fass- und Wagenscheune und zerfiel. Erst 1909 wurde auf den Grundmauern des ehemaligen Kirchenschiffes die protestantische Kirche errichtet. Zur gleichen Zeit wurde unmittelbar daneben auch die katholische Kirche gebaut.
Vom Kloster zum Fremdenkurort
Die Klöster waren im Mittelalter auch Gaststätten für Pilgerinnen und Pilger und andere Reisende. Das Klostergasthaus in Interlaken genoss besonderes Ansehen, war das Kloster Interlaken in seiner Blütezeit doch das mächtigste und reichste Kloster auf bernischem Boden. Vor der Reformation hatte Bern auf dem Bödeli vier Wirtschaften bewilligt: eine im Neuhaus, eine im Städtchen Unterseen, eine beim Kloster und eine in Matten. 1527 liess Bern die Klosterwirtschaft schliessen, doch kümmerte sich niemand um diesen Beschluss und das Gasthaus erfreute sich weiterhin eines grossen Zuspruchs. Hatten die Gasthäuser lange Zeit vorwiegend als Raststätten für Handelsreisende gedient, nahmen sie im 18. Jahrhundert immer mehr Reisende auf, die zu ihrem Vergnügen oder zur Erweiterung ihres Horizonts auf Reisen waren. Naturwissenschaftler, Alpinisten, Maler, Musiker und Dichter setzten sich mit der imposanten Bergwelt auseinander und weckten so das Interesse bei einem breiten Publikum. Interlaken wurde zu dieser Zeit von so berühmten Leuten wie Johann Wolfgang von Goethe (1790), Lord Byron (1816) oder Felix Mendelssohn-Bartholdy (1822/1847) besucht.
Als 1805 das erste Unspunnenfest durchgeführt wurde, gab es in Interlaken (bis 1891 hiess die Gemeinde amtlich Aarmühle) allerdings erst ein einziges Hotel, das ein Gastwirtschaftspatent besass. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte der Hotelbau im grossen Stil ein. In diese Zeit fallen auch eine Reihe von wichtigen öffentlichen Errungenschaften: Gründung der Sekundarschule (1858), Gründung des Kursaals (1859), Einführung der Gasbeleuchtung (1866), Inbetriebnahme der Trinkwasserversorgung (1870), Inbetriebnahme der Bödelibahn (1872), Inbetriebnahme des Elektrizitätswerks (1893), Bau der Berner Oberland Bahnen (BOB, 1890) und verschiedener Bergbahnen, deren Krönung die Jungfraubahn (1912) bildet. Die Bergbahnen brachten einen enormen Aufschwung und halfen mit, der Region das heutige Ansehen zu verschaffen. Auf dem Interlakner Gemeindegebiet, das 432 ha umfasst, leben heute ca. 5500 Einwohnerinnen und Einwohner.
Das Gemeindewappen
(Auszug aus dem Protokoll des Gemeinderates vom 27.2./17.4.1945)Die kantonale Wappenkommission beabsichtigt, unser Gemeindewappen dem Regierungsrat zur Aufnahme in das amtliche Wappenregister zu empfehlen. Dasselbe entspreche dem Wappen für den Amtsbezirk Interlaken. Die Beschreibung laute: «In Silber ein schwarzer halber Steinbock.» Das Wappen müsse genehmigt sein. Für die Beschreibung eines bisher von der Gemeinde geführten Wappens genüge ein Beschluss des Gemeinderates. Es konnte nicht festgestellt werden und ist nicht bekannt, dass über das Gemeindewappen von Interlaken ein Beschluss durch eine Behörde gefasst wurde, oder eine, von der obigen Beschreibung abweichende Darstellung, besteht. Das Gemeindewappen nach dieser Beschreibung besteht schon seit Gedenken und ist unbestritten. Der Gemeinderat beschliesst deshalb, das bisherige Gemeindewappen unverändert beizubehalten. Die uns unterbreitete Beschreibung dagegen wird mit dem Wort «aufrechtstehender» ergänzt und lautet somit: «In Silber ein halber aufrechtstehender Steinbock.» Die bildliche Darstellung des Wappens ist die folgende:
Der Präsident der Berner Wappenkommission teilt mit Brief vom 6. April 1945 mit, dass die von uns verlangte Ergänzung in der Beschreibung unseres Gemeindewappens nicht gutgeheissen werden könne. Es sei überflüssig das Wort «aufrechtstehender» beizufügen. Dem Regierungsrat werde die Bezeichnung «In Silber ein halber schwarzer Steinbock» zur Genehmigung unterbreitet. Der Gemeinderat schliesst sich dieser Bezeichnung an. Der Beschluss vom 27. Februar 1945 gilt in diesem Sinne als abgeändert.