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Kultur
Gabriel García Márquez\' journalistische Arbeiten
Gabriel García Márquez ist uns vor allem durch seine Romane bekannt. Eine Auswahl aus seinem journalistischen Werk enthält das vorliegende Buch, das bisher in Europa unveröffentlichte Reportagen des Literatur-Nobelpreisträgers über einschneidende politische und gesellschaftliche Ereignisse der letzten 25 Jahre enthält.
Ob der Putsch in Chile, der Tod von Miguel Enríquez, die Befreiung Portugals, Che im Kongo, der Coup der Sandinisten, die Blockade gegen Kuba, die Drogenfrage in Lateinamerika oder ein Besuch beim Papst, García Márquez' Berichte brillieren nicht mit gekonnten Hirnwindungen sondern mit der Kunst, die Leserin, den Leser direkt in die Geschehnisse eintauchen zu lassen. Für einmal lesen wir nicht die "schönen" Worte Amerikas. Es sind dies die Berichte eines Zeitzeugen, der aus nachvollziehbaren Gründen nicht gerade ein Freund der Politik der Hegemonialmacht geworden ist. Mit einem kurzen Vortrag von 1993 nimmt er beispielsweise Stellung zur amerikanischen Drogenpolitik, die von Reagan 1982 initiiert und von Bush weitergeführt worden ist. García Márquez legt dar, was tatsächlich hinter dieser Form der Drogenbekämpfung steckt: "Nach den Erfahrungen der vergangenen elf Jahre gibt es jede Menge Gründe, um anzunehmen, dass beide Präsidenten nur die Interessen ihrer Regierungen im Auge hatten und dass ihr Krieg gegen die Drogen - ähnlich wie gewisse wirtschaftliche und humanitäre Hilfeleistungen oder das Eintreten für Menschenrechte - nur ein Mittel zur Intervenierung in Lateinamerika war." (Seite 343f). Er plädiert für die Befreiung vom amerikanischen Diktat und für Schritte hin zu einer Legalisierung mit gleichzeitiger und gleichberechtigter Zusammenarbeit u.a. mit den Vereinigten Staaten.
Es ist ein Lesebuch mit spannenden Anekdoten und Berichten über Siege, Schicksale und Niederlagen von Persönlichkeiten der Linken. Ab und zu verwundern die etwas holprigen Satzkonstruktionen, die einem in seinen Romanen eigentlich nicht begegnen. Sie müssen wohl durch die Übersetzung entstanden sein. Trotzdem: Unbedingt lesen!