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Der Song «Self Harm» beginnt mit einem melodischen Gitarrensample und sich überlagernden Gesangsschnipseln. Darüber spricht Navy Blue: Selbstverletzung sei zwar die falsche Strategie, aber in letzter Zeit halt doch eine Form von Bewältigung gewesen. Wenn der 23-Jährige dann zu rappen beginnt, packt einen vor allem die Stimme: «Self harm by the pound». Der Ton ist nachdenklich, doch er klingt eher hoffnungsvoll als traurig. Es finden sich darin schon die Elemente, die die Grundstimmung des zweiten Albums des Rappers und Skateboarders ausmachen.
Die düsteren, langsam schleppenden Beats harmonieren mit Navy Blues klarer Stimme. Die Texte erzählen hauptsächlich vom Innenleben eines jungen Afroamerikaners, seinen Ängsten und Schicksalsschlägen, etwa vom Tod des Vaters, aber auch von Lichtblicken. Manchmal scheint es, als würde er direkt zur Hörerin sprechen. «Let me know», heisst es am Schluss von «Self Harm», nachdem Navy Blue von der Selbstzerstörung gerappt hat. Es ist, als habe der Künstler durch Rappen seine Seele erleichtert und würde gleichzeitig zu einem sagen: Lass mich wissen, wenn du zu lange alleine dasitzt und grübelst, lass mich dir mit Musik helfen.
Navy Blue betont auf dem Album, dass er für sein eigenes Umfeld Musik mache: «I write for those who know me», er schreibe für die, die ihn kennten. Aber immer wieder fallen auch Themen auf, die über sein Inneres hinausgehen oder sich mit diesem verbinden. Vor allem bei «1491», wo es heisst: «I used to kiss my Saint Christopher, fuck Christopher Columbus.» Einerseits geht es hier um einen Schutzheiligen, von dem der Rapper als Kind womöglich eine Kette um den Hals hängen hatte, im gleichen Atemzug verflucht er den «Entdecker» Kolumbus als Inbegriff der Landnahme Amerikas – ein Verweis auf die eigene Verletzlichkeit in der Kindheit und zugleich ein antikolonialistisches Statement, verdichtet in einer einzigen Zeile.