Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03169.jsonl.gz/847

Was ist Bindegewebe?
Unter dem Begriff versteht man verschiedene Gewebetypen. Ihnen gemeinsam ist das sie aus Bindegewebszellen und Intrazellulärsubstanz bestehen. Bindegewebe verbindet alles im Körper. Es verbindet Organe des Körpers miteinander und umhüllt diese. Mit der neuzeitlichen „Faszien-Forschung“ wird auch der Begriff „Faszie“ zunehmend synonym für das Bindegewebe verwendet. In der Medizin wird jedoch zwischen Faszie und Bindegewebe unterschieden. Hier zählen zum Bindegewebe auch die Knochen, der Knorpel sowie das Blut. Die Knochenhaut, das Periost, zählt zu den Faszien.
Was ist Schmerz?
Nach Descartes Zeichnung (1596-1650) führt eine Gewebeschädigung zu einem Zug an feinen Fäden welche direkt ins Gehirn ziehen und dort den Schmerz melden. Nach seinem Model der „Schmerzentstehung“ besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Gewebeläsion und dem Schmerz. Der Schmerz ist so groß wie die Läsion.
Diese sehr einfache Sichtweise des Schmerzes als Signal einer Läsion hat sich bis in die 60ziger Jahre des 20. Jahrhunderts gehalten. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich die Sichtweise der Schmerzentstehung verändert und ist differenzierter geworden. Es ist die Einsicht gewachsen das es neben einer Gewebeläsion noch andere Faktoren geben muss, welche den Schmerz und sein Erleben bestimmen.
Die Schmerzwächter: Nozizeptoren
Schmerz ist ein Zustand welcher durch die Reizung bestimmter Rezeptoren verursacht wird. Nozizeptoren sind spezialisierte afferente Nervenfasern, zuführende Nervenfasern. Es sind freie Nervenendigungen die sich überall im Körper in den Organen, den Gelenken und den Muskeln befinden und direkt in der Haut angesiedelt sind. Die höchste Dichte der Schmerzrezeptoren befindet sich in der Knochenhaut. Jeder Mensch weiß um die Schmerzhaftigkeit der Schienbeine.
Das Frühwarnsystem:
Als Frühwarnsystem besteht im menschlichen Körper die Aufgabe darin, die höheren Hirnfunktionen unverzüglich auf akute potentiell schädliche Einflüsse von außen hinzuweisen. Die Nozizeptoren sind multimodal, das heißt, sie reagieren auf thermische Reize, Hitze, Kälte mechanische Reize (Dehnung, Druck) und auf chemische Reize (Verätzung). Je stärker der Reiz, desto heftiger die Reaktion. In der Umgebung von Schädigungen etc. Gefahrenquellen werden je nach Stärke mehr Schmerzrezeptoren gereizt.
Theorien der Schmerzentstehung
Der Ulmer Faszienforscher Dr. Schleip: „Es gibt vermehrt Hinweise , das Verletzungen und Mikrorupturen im muskulären Bindegewebe eine häufige Rolle als Schmerzauslöser spielen. Im Hinblick auf Rückenschmerzpatienten erklärt Dr. Schleip weiterhin: „Beim längeren Sitzen in gebeugter Haltung oder beim vorgebeugten Arbeiten werden diese Strukturen leicht überfordert und anfällig, drohen vorübergehend etwas auszuleiern. Bei anschliessenden Bückbewegungen kann es dann leicht zur segmentalen Instabilität und zu Zerrverletzungen mit anschliessenden Entzündungen dieser Strukturen kommen“.
Diese Sichtweise stützt sich auf die besonders große Zahl von Myofibroblasten in der Lumbal-Faszie. Genau in der Bindegewebsschicht zwischen Rückenmuskulatur und Haut sind Forscher auf eine besonders hohe Anzahl gestoßen. Eine amerikanische Forscherin namens Helene Langevin hat diese Faszie bei Rückenschmerzpatienten mit Ultraschall untersucht und eine vermehrte Dicke gegenüber schmerzfreien Menschen festgestellt.
Kürzlich hat Prof. Mense in Heidelberg eine große Zahl von Schmerzrezeptoren in dieser Faszie entdeckt. Daraus schliesßen die Forscher das diese Faszie ein häufiger Schmerzauslöser sein dürfte!
Aber sind das wirklich die „Schmerzverursachenden Gründe“?
Prof. Dr. med Paul Vogler, Prof. Dr. med. Herbert Krauß Der Krankengymnast und Schulmediziner Prof. Vogler sowie der Schulmediziner und Wissenschaftler Prof. Krauß vermittelten uns angehende Physiotherapeuten zur Ausbildung auf der Prof. Vogler Physiotherapie-Academy schon in den 80ziger Jahren in Berlin die hypertone quergestreifte sowie glatte Muskulatur als die hauptverantwortlichen Schmerzauslöser.
Durch die zu hohe Spannung in der Muskulatur kommt es zu einer Durchblutungsverminderung und Anhäufung saurer Stoffwechselprodukte welche wiederum ihrerseits schmerzverursachende Vorgänge in die Wege leiten.
Durch diese Vorgänge werden „Krampfzustände“ in der Muskulatur verursacht. Eine ungünstige Verkettung von Ursache und Wirkung wird vorangetrieben und kann nur unterbrochen werden durch die Ausschaltung von Schmerzen.
In der Anthropologie gibt es bereits viele klinische und experimentelle Erfahrungen. Eine primäre Funktionsstörung eines Organs oder Gewebes verursacht ein „leibliches Störungsfeld“. Dies führt zu synneurische Störungen im Segment und zum Aufbau von Störungssegmente und zur Strömungsverlangsamung.
Die wissenschaftliche Frage schließt sich an: Ist es das Bestreben des menschlichen Organismus synneurische Störungen durch Zerstreuung aufzulösen?
Prof. Vogler entwickelte die Periostmassage (Knochenhautmassage). Durch die Reize der Periostmassage wird eine künstliche Bahnung zur Verlagerung der Störungsfelder unterstützt sowie das der Heilung dienende Geschehen.
Ich war schon als junger Student in den frühen 80zigern von der hohen Wirksamkeit dieser Technik vollends überzeugt. In den letzten 30 Jahren habe ich mich mit vielen Fachleuten und Wissenschaftlern austauschen und lernen können. Dadurch konnte ich diese Technik verbessern, erweitern und zur ganzheitlichen Methodik entwickeln. An dieser Stelle möchte ich meinen Dank an allen Fachleuten ausrichten welche mich zu dieser Arbeit inspiriert haben.
Im nächsten Blog erfahren Sie meine persönliche Meinung zur Schmerzentstehung. Ein Denkmodell das durch meine 30 jährige therapeutische Arbeit entstanden ist.
Nächster Blog:
Thema: Das Bindegewebe: „Ursachen der Schmerzentstehung und wirkungsvolle, heilende Therapie“ Teil 2
Ihr Axel Daase
Quellen:
- Junquera LC, Caneiro J (2000) Histologie, 5. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York Tokyo
- Löffler G, Petrides PE (1998) Biochemie und Pathobiochemie, 6. Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York Tokyo
- Frans van den Berg, (2000) Organsysteme verstehen und beeinflussen, 1. Aufl. Georg Thieme Verlag, Stuttgart New York