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Meine allererste Begegnung mit Akupunktur habe ich nie vergessen. Nach der Anamnese und der Pulsmessung musste ich Christina Aubert meine Zunge herausstrecken – was in unserer westlichen Welt schon Kleinkindern untersagt ist, ist in der chinesischen Medizin ein Muss für die Diagnose. TCM-Therapeuten sehen in der Zunge das Spiegelbild des Körpers, eine Art Gegenstück zu den bildgebenden westlichen medizinischen Mitteln. Störungen im körperlichen Mechanismus manifestieren sich in der Zunge in den fünf Aspekten Farbe, Form, Belag, Feuchtigkeit sowie Geist.
Eine gesunde Zunge, so heisst es, ist frei beweglich, zittert nicht, ist leicht feucht und glänzend, sie hat einen dünnen, weissen, gleichmässigen Belag, weist keine Flecken auf und der Zungenkörper hat eine schöne, leicht rötliche Farbe. Meine Zunge sah, man kann es sich vorstellen, ganz anders aus: weisslich, schlaff und rissig, kurz: aus dem Lot. Die TCM-Fachfrau hatte diesen berühmten Blick, von dem man ahnt, dass er nichts Gutes verheisst. Ihr Urteil: «Oje.» Mein Körper war nicht im Gleichgewicht. In der TCM-Fachsprache heisst das: Yin und Yang in Disharmonie.