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«Gefangenschaft ist der Zustand, der seinem Wesen am radikalsten widerspricht», sagt die Journalistin Clare Gillis über ihren Berufskollegen James Foley. Dessen fast zweijährige Gefangenschaft in den Händen der IS-Terrorbande fand diese Woche ein Ende. Nicht mit der Freilassung, wie Angehörige und Freunde gehofft hatten, sondern mit einem unsäglich grausamen Tod.
«Mein Freund James Foley» lautet Gillis' Blogeintrag vom Mai 2013, als noch Hoffnung auf seine Freilassung bestand. Sie hatte den Fotojournalisten 2011 im libyschen Bürgerkrieg kennengelernt, über den beide berichteten. Von dem erfahrenen Kriegsfotografen – er hatte schon im Irak und in Afghanistan gearbeitet – lernte sie schnell. «Bevor ich ihn einen ganzen Monat kannte, hatte er mir schon zweimal das Leben gerettet», so die Harvard-studierte Reporterin. Er sagte ihr, wann sie in Deckung und wann sie wegrennen musste.
Als die beiden in Tripolis in Gefangenschaft gerieten, teilten sie sich eine Zelle. Foley erstellte Listen mit Gesprächsthemen: Top 10 Lieblingsfilme? Top 10 Lieblingsbücher? Welche Person würdest du gerne einmal treffen? Wie hat dich der Krieg verändert? Als Gillis nach einer sechsstündigen Befragung in Tränen ausbrach, baute er sie auf: «Es ist ihre Aufgabe, dich zu brechen. Heute haben sie es geschafft, morgen bin ich dran. Geh schlafen.»
Foley habe eine unbändige Energie besessen. Als sie aus der Zelle in ein komfortableres Haus verlegt wurden, sagte er sofort: «Wir haben Papier, Kugelschreiber, Nikotin und Kaffee. Es gibt keinen Grund, nicht alles Erlebte aufzuschreiben.»
Beliebt sei er gewesen, wo immer er auftauchte. Bei den Männern für seinen Humor und seine Zugänglichkeit, bei den Frauen war es das Lächeln, die breiten Schultern und überhaupt. «Wo auch immer er jetzt ist, ich muss davon ausgehen, dass er seine Bewacher für sich gewonnen hat und mit ihnen Tee trinkt und Zigaretten raucht», gab sich Gillis letztes Jahr sicher.
Manchmal habe sie ihn auf seiner Mobilnummer angerufen, um seinen Beantworter zu hören. «Ich warte auf den Tag, an dem er abnimmt». Inzwischen besteht traurige Gewissheit, dass dieser Tag nie kommen wird.
(kri)
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