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La Spezia – Marinestadt, Kulturmetropole, künstlerische Inspiration
Im äussersten Osten der Riviera di Levante bildet die pulsierende Hafenstadt La Spezia einen auffälligen Kontrast zu den beschaulichen Küstenorten der Umgebung. Umgeben von Hügeln mit dem Monte Poeti als höchstem Punkt, zieht sich die Stadt über eine Vielzahl von Anhöhen hin, die das Stadtbild von La Spezia mit seinen Tunneln, Stadthügeln und Steigungen charakterisieren.
Die Lage an einem tiefen Naturgolf hat La Spezia früh zu ihrer Bedeutung als Hafen- und Marinestadt verholfen, die die Stadt bis heute prägt. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts befindet sich in La Spezia einer der grössten Marinestützpunkte Italiens, und das Ein- und Auslaufen der imposanten Schiffe ist bis heute ein fester Bestandteil des Stadtbildes.
La Spezia ist aber auch eine aussergewöhnlich kulturreiche Stadt, die schon vor mehreren Hundert Jahren Schaffensort bedeutender Künstler war und heute über eine Vielzahl von Museen und kulturellen Einrichtungen verfügt, darunter einige der bedeutendsten Kunstmuseen der Region. Prachtvolle öffentliche Gebäude und aufwendig restaurierte historische Bauwerke, lebhafte Marktviertel und weitläufige Promenaden verleihen La Spezia ein ganz besonderes Flair, das zum Geniessen und Verweilen einlädt.
La Spezia – traditionsreiche Hafen- und Marinestadt
Schon in der Eisen- und Bronzezeit war die Region um La Spezia besiedelt, entwickelte sich jedoch erst ab dem 12. Jahrhundert von einem unbedeutenden Fischerdörfchen zu der geschäftigen Hafenstadt, die heute das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Region Ligurien bildet. Als Teil der französisch regierten Ligurischen Republik erhielt La Spezia zu Beginn des 18. Jahrhunderts nicht nur den grossen Militärhafen, sondern auch viele repräsentative zivile Gebäude wie das Teatro Civico, bis heute das bedeutendste Theater der Stadt.
Ihren wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung verdankt La Spezia in besonderem Masse dem Marinearsenal, einem weitläufigen Stützpunkt, in dem schaulustige Besucher noch heute Zerstörer, U-Boote und Flugzeugträger beim Ein- und Auslaufen beobachten können. Wenngleich ein Teil der stationierten Einheiten in den letzten Jahrzehnten ins süditalienische Tarent verlegt wurde, stellt das Marinearsenal immer noch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für die Region dar. Gelegenheit, einen Blick auf die italienischen Kriegsschiffe zu werden, bietet der traditionelle Tag der offenen Tür, den das Marinearsenal alljährlich zum Fest des Schutzheiligen San Giuseppe am 19. März durchführt.
La Spezias Stadtkultur im Laufe der Geschichte
In der Altstadt von La Spezia zeugen historische Verteidigungsanlagen wie das Castello San Giorgio von den wechselnden Herrschaftsverhältnissen, Angriffen und Eroberungen, die die ligurische Hauptstadt im Laufe der Jahrhunderte prägten. Auf einer Anhöhe über der eigentlichen Altstadt gelegen, ist die Festung mit ihren Grundmauern aus dem 12. Jahrhundert das älteste der heute erhaltenen historischen Bauwerke in La Spezia. Auch die einstige Kathedrale Santa Maria Assunta entstand bereits im 13. Jahrhundert, wurde jedoch im Jahr 1454 neu errichtet und nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs von Grund auf restauriert. Mit ihren Altaren, Gemälden und Skulpturen aus verschiedenen Epochen bildet die Kirche einen auffälligen Kontrast zur neuen Kathedrale Cristo Rei, einem markanten Nachkriegsbau im funktionalistischen Stil.
Das moderne La Spezia vereint die Zeugnisse der langen Stadtgeschichte mit einer Fülle von Museen, kulturellen Einrichtungen und Veranstaltungen, die die Stadt zu einem lebendigen und modernen Kulturzentrum machen. Als Mitglied der Vereinigung der Kunst- und Kulturstädte beherbergt die Stadt weit über die Region hinaus bekannte Museen wie das Museo Amedeo Lia, eine gestiftete Gemäldesammlung, die unter anderem bekannte Werke aus der Renaissance- und Barockzeit umfasst. Ganz andere Eindrücke vermittelt das Schiffstechnische Museum am Marinearsenal mit historischen Schiffsmodellen und Galionsfiguren, nautischen Geräten und einer Übersicht über die Geschichte der italienischen Kriegsmarine. Höhepunkt des kulturellen Jahres ist das Jazzfestival von La Spezia, das jeden Sommer Musiker und Besucher aus aller Welt an die ligurische Küste lockt.
Der Golfo dei Poeti: Schaffensort und Inspiration weltbekannter Künstler
Rund um La Spezia erstreckt sich eine faszinierende Kultur- und Naturlandschaft: der Golfo dei Poeti, zu Deutsch Golf der Poeten. Seinen Beinamen verdankt der Golf seiner Bedeutung als Schaffensort zahlreicher grosser Künstler, darunter D. H. Lawrence, Lord Byron und Percy Shelley. Auch der Schweizer Maler Arnold Böcklin zählte zu den regelmässigen Gästen am Golfo dei Poeti.
Zwischen den beiden Badeorten Porto Venere und Lerici umfasst der Golfo dei Poeti eine aussergewöhnlich reizvolle Landschaft voller faszinierender Felsküsten und einsamer Sandstrände, mittelalterlicher Städte und malerischer Fischerdörfchen. Vor der Kulisse der Apuanischen Alpen wird die Region bereits von der Küche und Kultur der nahegelegenen Toskana geprägt, und die naturbelassenen Buchten, die weiten Täler und mittelalterlichen Burgen im Landesinneren machen dem Besucher schnell begreiflich, wieso diese Landschaft seit Jahrhunderten Künstler und Reisende als aller Welt fasziniert.
La Spezia und der Golfo dei Poeti dienen ausserdem als Ausgangspunkt für Ausflüge in den Nationalpark Cinque Terre, der sich nördlich von La Spezia an der ligurischen Küste entlangzieht. Auf einem Gebiet von 3.860 Hektar umfasst der Nationalpark eine artenreiche und vielerorts spektakuläre Küstenlandschaft, die seit 1997 Teil des UNESCO-Weltnatur- und -kulturerbes ist. Das sensible Ökosystem im Nationalpark Cinque Terre wird seit Längerem gezielt geschützt und gefördert und ist heute bekannt für seine vielen Agrotourismus-Betriebe.
Oberstes Bild: Blick auf das Marinearsenal von La Spezia (Bild: William Domenichini / Wikimedia / CC)