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Was können wir nach der 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen – der COP26 – für eine Bilanz ziehen? Leider war es ein Gipfel der Enttäuschung! Der grosse handfeste Durchbruch, der uns ermöglichen würde, die Klimaerwärmung wie im Pariser Abkommen vorgesehen auf unter 1,5 °C zu begrenzen, blieb aus. Laut einem Bericht, der die Klimaversprechen verschiedener Länder ausgewertet hat (Climate Action Tracker), steuert unser Planet auf eine Erwärmung von 2,4°C zu. Ein katastrophales Szenario für Hunderte Millionen Menschen, die auf Inseln, an Küsten oder in Trockengebieten leben. Denn jedes Zehntelgrad zählt: Jedes zusätzliche Zehntelgrad erhöht den Meeresspiegel und führt vermehrt zu Überschwemmungen, zu heftigeren Wirbelstürmen, zu häufigeren Dürreperioden und Hitzewellen. Jedes Zehntelgrad vergrössert das Leiden von Millionen von Menschen auf diesem Planeten und verursacht zusätzliche Tausende Todesfälle, jetzt und mehr noch für künftige Generationen….
Die Schweiz enttäuscht in mehrfacher Hinsicht. Sie müsste ihre Treibhausgasemissionen schnell reduzieren, weil unser Land aufgrund der hohen CO2-Emissionen in der Vergangenheit eine historische Verantwortung trägt. Gemäss einem BAFU-Bericht, welcher der Presse zugespielt wurde, ist die Schweiz weder bei der bis 2030 angestrebten Halbierung der Emissionen noch bei Netto-Null bis 2050 auf Kurs, da keine wirksamen politischen Massnahmen ergriffen werden, um diese Ziele zu erreichen. Darüber hinaus hat die Schweiz mit Peru, Ghana und Senegal Verträge abgeschlossen, um ihre CO2-Emissionen im Ausland zu kompensieren, statt sie im Inland zu reduzieren. Dadurch werden die notwendigen Anstrengungen, die es in der Schweiz braucht, weiter verzögert… Für eines der reichsten Länder der Welt ist das eine Schande!
Fehlende Finanzierung
Was die Klimafinanzierung anbelangt, fehlen noch 20 der 100 Milliarden US-Dollar, die die reichen Staaten den Ländern des Südens versprochen haben, um die Anpassung an den Klimawandel und die Reduktion der Treibhausgasemissionen zu finanzieren. Sogar in diesem Bereich kommt die Schweiz ihrer Aufgabe nicht nach: Aufgrund eigener Berechnungen kommt sie auf einen Beitrag von 554 Millionen Franken, obschon ihr Teil eigentlich eine Milliarde betragen müsste. Zudem – und das ist der eigentliche Skandal – wird dieser Betrag aus dem Budget der Entwicklungszusammenarbeit angerechnet, statt dass zusätzliche Gelder fliessen. Der Kampf gegen den Klimawandel darf nicht auf Kosten der Armutsbekämpfung gehen!
Weitere Blockade
Einen wichtigen Punkt haben die ärmsten Länder zusammen mit der Zivilgesellschaft (darunter auch unsere in Glasgow anwesenden Partnerorganisationen) in die Agenda eingebracht: das Thema Schäden und Verluste. Es geht dabei um durch den Klimawandel verursachte Schäden wie die Zerstörung von fruchtbarem Land, Häusern oder Wasserquellen. Menschen, die ihr Eigentum und ihre Lebensgrundlage verlieren, müssen entschädigt werden: Die grossen Verursacher (Länder und Unternehmen) sollten für diese Verluste aufkommen. Viele Länder, darunter auch die Schweiz, haben sich dagegen gewehrt und auch in diesem Bereich gab es keinen Fortschritt…
Das Versagen
Viele zivilgesellschaftliche Beobachterinnen und Beobachter aus dem Süden hatten Schwierigkeiten, die erforderliche Impfungen und Visa für die Teilnahme an der COP26 zu erhalten. Gleichzeitig wurde eine äusserst beunruhigende Nachricht bekannt: Die fossile Industrie erhielt grosses Gewicht und war mit über 500 Vertretern in Glasgow vor Ort. Kein Wunder, dass die Abschlusserklärung keinen Zeitplan für den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen enthält. Und es erstaunt auch nicht, dass junge Aktivistinnen wie Greta Thunberg aus Schweden, Vanessa Nakate aus Uganda oder Mitzi Tan von den Philippinen von einem Versagen sprechen und eine Änderung des Systems fordern.
Unsere Arbeit geht weiter
Für unsere Partnerorganisationen und für uns bei Brot für alle – bald unter dem Dach von HEKS – geht die Arbeit für mehr Klimagerechtigkeit auch nach Glasgow weiter. Als Mitglied der Klima-Allianz werden wir weiterhin die Schweizer Klimapolitik genau unter die Lupe nehmen und darüber informieren. Auch im kommenden Jahr fokussiert unsere Ökumenische Kampagne auf Klimagerechtigkeit und die Förderung erneuerbarer Energien. Ebenso werden wir uns weiterhing mit unseren Partnern im Süden dafür engagieren, dass Menschen, die wegen des Klimawandels ihr Land, ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage verlieren, entschädigt werden. Wir müssen solidarisch sein mit diesen leidenden Menschen, ihren Schreien Gehör schenken und ihnen helfen, ihre Rechte zu schützen. Jetzt mehr denn je!
Weitere Blogbeiträge
Blogbeitrag vom 30.12.2021
Ortstermine in Afrika, Teil 2
Im zweiten Teil berichtet Nina Burri über die vom Schweizer Theaterautor Milo Rau durchgeführten Kolwezi-Hearings.