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14/8/2012
Drei Wochen nach Beendigung des Wimbledon-Turniers 2012 kehrte der Tenniszirkus bereits wieder in den Südwesten Londons zurück, nachdem die Olympischen Sommerspiele am 27. Juli mit einer eindrücklichen Eröffnungsfeier begonnen hatten.
Damen-Einzel
Als amtierende Wimbledon-Siegerin und unter Berücksichtigung ihrer spielerischen Möglichkeiten war Serena Williams die Topfavoritin auf die Goldmedaille. Auf dem Weg zu ihrem 5. Wimbledon-Titel hatte sie jedoch auch einige Schwächen offenbart und einige Partien nur sehr knapp für sich entscheiden können. Wie würde sie sich einige Wochen später bei den Olympischen Spielen präsentieren? Eine olympische Goldmedaille im Einzel war noch das fehlende Element in ihrer Titelsammlung...
Was Serena Williams dann während des olympischen Tennisturniers zeigte, ist wohl etwas vom eindrücklichsten, was es je im Damenbereich zu sehen gab. Von Runde 1 an war sie im Rhythmus und dominierte die Konkurrenz nach Belieben. So gut wie alles funktionierte - es war eine Demonstration auf allerhöchstem Niveau. Einige Zahlen und Fakten belegen die beinahe schon beängstigende Überlegenheit:
Wenn wir davon sprechen auf mentaler Ebene möglichst den idealen Leistungszustand zu erreichen, sind die Auftritte von Serena Williams beim Olympia-Turnier ein Paradebeispiel dafür, wie es aussehen kann, wenn eine Athletin sich darin befindet und in "the zone" ist.
Williams sagte nach dem Turnier, dass sie wohl noch nie besseres Tennis gespielt habe und fügte weiter an: "Ich war einfach wie blind heute und so fokussiert. Es war etwas ganz Spezielles mit diesem Tag und diesem Turnier."
Und auch die Gegnerinnen zeigten sich tief beeindruckt. So sagte bspw. Sharapova, dass es unglaublich sei mit viel Vertrauen Serena gespielt habe ("She's playing incredibly confident tennis").
Herren-Einzel
Im Herren-Einzel sollte es im Finale zu einer Neuauflage des Wimbledon-Finals zwischen Roger Federer und Andy Murray kommen.
Federer bekundete in Runde 1 gegen den Kolumbianer Alejandro Falla grosse Probleme und konnte die Nervosität nie ablegen. Nach glücklich überstandener Startpartie fand er anschliessend besser zu seinem Rhythmus. Zu einem Tennis-Krimi kam es im Halbfinale, als er auf den Argentinier Juan Martin Del Potro traf. Nachdem Federer in extremis den Satzausgleich schaffte, konnte er im Entscheidungssatz mehrere gute Gelegenheiten nicht nutzen, setzte sich schlussendlich aber doch noch mit 19:17 im dritten Satz durch. Mit diesem Erfolg stand bereits fest, dass Federer im vierten Anlauf erstmals eine olympische Medaille im Einzel gewinnen würde.
Murray seinerseits zeigte sich von Beginn weg fokussiert und in guter Form. Keine Spur davon, dass er das verlorene Wimbledon-Finale noch nicht verdaut hätte. Im Halbfinale spielte er gross auf und gewann gegen Novak Djokovic in zwei Sätzen. Auffallend, dass Murray dabei etwas offensiver als sonst agierte und er in den Partien jeweils der Spieler war, der die Grosszahl der Ballwechsel diktierte. Würde ihm dies auch im Finale gelingen und würde er nochmals so unbeschwert auftreten können?
Zum Finale: Im ersten Aufschlagsgame von Murray hatte Federer zwei Breakmöglichkeiten, um gleich vorzulegen. Nachdem Murray diese abwehren konnte, fand er sofort zu seinem Spiel und war fortan in Satz 1 der dominierende Mann. Auch in Satz 2 gelang ihm das frühe Break. Federer hatte in der Folge diverse Chancen zu seinem ersten Break, um wieder heranzukommen, doch die grosse Differenz lag an diesem Tag bei den "Big Points", welche nahezu alle an Murray gingen. Während der Schotte konsequent seine Breakchancen nutzte, gelang Federer bei 9 Breakbällen kein einziges Break und so endete die Partie überraschend klar mit einem 3-Satz-Erfolg für Andy Murray. Bezeichnend auch, wie Murray die Partie beendete. Als er bei 5:4 im dritten Satz für den Matchgewinn aufschlägt, zeigt er keinerlei Nerven. Mit einem abschliessenden Ass genau auf die Mittellinie, gibt er seinem Gegenüber keine Gelegenheit mehr zu einer Reaktion. Beim fünften Anlauf hatte er endlich seinen ersten grossen Titel gewonnen und dies mit einem famosen Auftritt. Federer zeigte sich danach auch nicht gross enttäuscht und musste fair anerkennen, dass Murray an diesem Tag einfach zu gut und der klar bessere Spieler war. Erfreulich auch, dass er nicht der verpassten Goldmedaille nachtrauerte, sondern umgehend davon sprach "Silber gewonnen zu haben".
Bei Murray setzte sich das fort, was in den letzten Monaten bereits zu beobachten war. Im mentalen Bereich hat er sich deutlich gesteigert: Er wirkt fokussierter, ruhiger und entschlossener und seine Körpersprache ist viel positiver als früher. Schon im Wimbledon-Finale war er nahe an seinem ersten ganz grossen Titelgewinn, einen Monat später hat er dies an gleicher Stätte hochverdient erreicht.
Interessant ist noch dies: Inwieweit wurde Andy Murray von der Euphorie getragen, welche in Grossbritannien ausgebrochen war, nachdem die britischen Athletinnen und Athleten die ersten Medaillen eingefahren hatten? Am Tag zuvor gab es gleich 6-mal Gold zu feiern, alleine in der Leichtathletik innerhalb einer Stunde 3-mal. Die Presse schrieb vom erfolgreichsten Tag in der Geschichte des britischen Sports und dieser "Spirit" schien auch Andy Murray auf seinem Weg zu Olympia-Gold zu beflügeln...