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Fotos von der South Bronx
Do Not Give Way To Evil
"Do Not Give Way to Evil" der Fotografin Lisa Kahane versammelt Fotos aus der South Bronx, aufgenommen zwischen 1979 und 1987.
Wüsste man nicht, dass diese Bilder in einem Stadtteil New Yorks gemacht worden sind, käme man wohl nicht drauf - ausser natürlich man kannte die Gegend in den 70ern und 80ern. Sie hätten auch (nicht alle, nein, doch viele) in irgendeinem Ghetto auf dieser Welt entstehen können. Bei einigen Aufnahmen fragt man sich unwillkürlich, so schlimm ist die Zerstörung, ob dies möglicherweise in Bagdad oder vielleicht in New Orleans (nach Katrina) sei.
Das Beste an diesen Aufnahmen der Verwüstung sei, schreibt Kahane in einer informativen, persönlichen und berührenden Einführung, dass man sie nicht mehr machen könne.
Es sind Bilder eines amerikanischen Albtraums, die dieser Band zeigt. In den Worten von Lisa Kahane: "Change is a constant in New York City and it’s usually considered progress. In the Bronx, it was extraordinarily brutal."
Wie kam es dazu? In den 70er Jahren wurde die South Bronx weitgehend sich selbst überlassen: bundesstaatliche Fördergelder wurden abgezogen, die Leistungen der Stadt gingen zurück, immer mehr Menschen wurden abhängig von der Wohlfahrt
"Anger and frustration turned to cruelty, and boredom to loss of hope. Drugs were easy to get. Widespread fires, unknown since the early nineteenth century, made a comeback. Counterproductive government response made arson profitable for landlord and tenant. In the 70’s the borough averaged 12,000 arson fires a year, over thirty a day."
Wenn man, mit diesen Informationen im Hinterkopf, sich diese Fotos anschaut, versteht man, was man sieht und sieht gleichzeitig mehr als einem die Bilder zeigen (und Bilder zeigen können). Und wenn man dann noch Lisa Kahanes Einsicht: "Fewer things than one imagines are coincidences. What is made to seem the inevitable process of history is often the interplay of money and power" an sich heranlässt, dann kriegen diese Aufnahmen gerade noch einmal eine andere, weitere Dimension.
Speziell beeindruckend sind die Strassenszenen. "Despite the official cynicism about street photography, the people I met in the neighborhood were happy to have their picture taken. They stopped their cars in the middle of the street (very Bronx!) and got out to pose for me. They were proud and generous. No one I met had more than a passing thought about taking my camera away from me." Diese Strassenbilder sind voller Leben, sie sind eine wahre Freude: man sieht den Spass, den die Porträtierten am Sich-in-Szene-Setzen haben, nicht nur, man spürt ihn geradezu. Und versteht wieder einmal, wie nahe beieinander die Dinge (alle Dinge) im Leben doch liegen.