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In der Schweiz und in Europa ist man dabei, den Lockdown zu lockern, die Schulen zu öffnen und die Wirtschaft allmählich wieder hochzufahren. Die milliardenschweren Rettungspakete der Regierungen sollen dazu beitragen, die Auswirkungen der Pandemie auf die Volkswirtschaften abzufedern. Gleichwohl stellt sich die Fragen, in welchem Zustand sich unsere Welt befinden wird, nachdem eine wirkungsvolle Impfung die Covid-19-Pandemie gebannt haben wird. Wird alles so wie zuvor?
Nach der Spanischen Grippe hat sich Wirtschaft schnell wieder erholt
Blickt man zurück in die Vergangenheit, darf man hoffnungsfroh sein. Die Geschichte zeigt, dass die volkswirtschaftlichen Krisen nach Pandemien nur von kurzer Dauer waren. Der Vizepräsident der Federal Reserve von St. Louis, Thomas Garrett, publizierte 2007 eine Studie, in der er die Bulletins der US-Notenbank (Fed) während der Spanischen Grippe auswertete. In Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas, schreibt er, verzeichneten 1918 nur Bettenfachhändler und Apotheker einen Umsatzanstieg. Theater, Schulen, Kirchen und Versammlungsorte waren in vielen Gegenden geschlossen. In Alabama wurden 30 Kohleminen stillgelegt.
Das Leben verändert sich für immer
Im Jahr 1919 ging jedoch die Zahl der Hinweise auf die Spanische Grippe in den Monatsbulletins der Fed stark zurück, als ob die Bedrohung verschwunden wäre. Die zur Bekämpfung der Epidemie verhängten Verbote für Unternehmen wurden in den meisten Fällen aufgehoben. «Kaufhäuser, Theater usw. funktionieren jetzt wie gewohnt, und Schulen, Kirchen, Pavillons usw. sind wieder geöffnet», schreibt die Fed und berichtet, dass sich die Kohlebergwerke und die Wirtschaft erholten. Eine Pandemie, die weltweit 50 Millionen Menschen tötete, scheint praktisch keinen wirtschaftlichen Fussabdruck hinterlassen zu haben, so das Fazit der Untersuchung. Garrett: «Die Gesellschaft als Ganzes erholte sich von der Grippe von 1918 schnell, aber die Grippe hat das Leben der Einzelpersonen, die davon betroffen waren, für immer verändert.»
Die Armut vergrössert sich
Das dürfte auch in der jetzigen Krise der Fall sein. Die internationale Hilfsorganisation Oxfam warnt davor, dass eine durch Covid-19 verursachte Rezession eine halbe Milliarde Menschen – 8 Prozent der Weltbevölkerung – zusätzlich in die Armut treiben könnte, wenn nicht umgehend Massnahmen ergriffen würden. Die vom King's College London und der Australian National University durchgeführte Studie bewertet die kurzfristigen Auswirkungen der Eindämmung des Coronavirus auf die weltweite monetäre Armut. Laut der Analyse würde das globale Armutsniveau in allen drei Szenarien (Armutsgrenze mit 1,90, 3,20 und 5,50 Dollar pro Tag) zum ersten Mal seit 1990 ansteigen. Gleichzeitig ginge bis zu einem Jahrzehnt an Fortschritt verloren. Noch schlimmer wären die Auswirkungen in einigen schwer betroffenen Teilen der Welt wie Nordafrika, Afrika südlich der Sahara und dem Nahen Osten, wo bis zu 30 Jahre Fortschritt zunichte gemacht werden könnten.
In Entwicklungsländern werden 10 bis 30 Jahre Fortschritt zunichte gemacht
Das gravierendste Szenario beinhaltet einen 20-prozentigen Einkommensrückgang, der dazu führen würde, dass weitere 548 Millionen Menschen weniger als die Armutsgrenze der Weltbank von 5,50 Dollar pro Tag verdienen würden. Die Vereinten Nationen haben davor gewarnt, dass 2,5 Billionen Dollar benötigt würden, um die Entwicklungsländer während der Krise zu unterstützen, und dass fast die Hälfte aller Arbeitsplätze in Afrika verloren gehen könnten. Die Minister der G20, die Weltbank und der IWF befassen sich mit dem Schuldenerlass für ärmere Länder.