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Angetrieben durch eine Welle des Klimaaktivismus wurde von den nationalen Staats- und Regierungschefs erwartet, dass sie neue, ehrgeizigere Pläne vorlegen, wie sie die Emissionen im nächsten Jahrzehnt senken wollen. Die COP26-Klimakonferenz in Glasgow, Schottland, sollte der erste wirkliche Test ihrer Entschlossenheit sein, das zu tun, was sie im Rahmen des bahnbrechenden Pariser Abkommens versprochen hatten. Doch die Coronavirus-Pandemie hat diesem Vorhaben anlässlich des fünften Jubiläums des Pariser Abkommens einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Konferenz in Glasgow wurde abgesagt. Die Prioritäten verschoben sich; die Nationen kämpften um die Stabilität ihrer Volkswirtschaft. Währenddessen schreitet der Klimawandel immer weiter voran.
Ein Jahr der Rekorde
Das Jahr 2020 hat uns wiederholt daran erinnert, wie ernst die Klimakrise ist, mit der wir konfrontiert sind: Eine rekordverdächtige atlantische Hurrikansaison, die verheerendsten Waldbrände der letzten Jahrzehnte und Dürren, Überschwemmungen und Hitzewellen, die über die Welt hinwegfegten und Tod und Zerstörung hinterliessen. Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) war 2020 das drittwärmste Jahr nach 2016 und 2019. Somit ist der Zeitraum zwischen 2011 und 2020 das wärmste Jahrzehnt seit Beginn der Aufzeichnungen.
Das Internal Displacement Monitoring Centre in Genf (IDMC) gab an, dass es in den ersten sechs Monaten des Jahres fast 10 Millionen klimabedingte Flüchtlinge gab, da Menschen durch Katastrophen, die entweder durch den Klimawandel verursacht oder verschlimmert wurden, aus ihren Häusern vertrieben wurden. Für einige war der Umzug nur vorübergehend, aber viele mussten ihr Zuhause für immer verlassen. Die Bevölkerungen in Indien, Bangladesch und den Philippinen waren mit zusammengenommen 6 Millionen Klimaflüchtlingen am schwersten betroffen. Das vergangene Jahr hat ausserdem gezeigt, dass auch Menschen in Industrienationen nicht gegen die Folgen des Klimawandels immun sind. Geschätzte 53’000 Personen in den USA und 51’000 in Australien mussten vor Waldbränden, Stürmen und Überschwemmungen fliehen.
Ein kleiner Lichtblick…
Die Pandemie hat der Welt aber auch gezeigt, dass zuvor undenkbare Veränderungen möglich sind. Trotz des globalen Umbruchs haben einige der grössten Umweltverschmutzer der Welt ihre langfristigen Klimaziele verschärft — allen voran China, die im September bekannt gaben, ihre Emissionen vor 2060 auf „netto-null“ senken zu wollen. Südafrika, Japan, Südkorea und Kanada haben ebenfalls neue Netto-Null-Ziele für 2050 angekündigt, nachdem China, die EU und Grossbritannien ihre Versprechen gemacht hatten.
Auch die Zahlen sahen zunächst vielversprechend aus. So zeigte eine Studie des Harvarder Klimawissenschaftlers Zhu Liu und seines Teams, die im Journal Nature Communications veröffentlicht wurde, dass die globalen CO2-Emissionen allein im ersten Halbjahr 2020 um 8,8% im Vergleich zu 2019 sanken. Das hatten wir aber nur dem Corona-Virus zu verdanken, welches die Weltwirtschaft zu einem abrupten Stillstand zwang.
…erlosch
Doch die Freude hielt nicht lange an. Nach der Lockerung des ersten Lockdown kehrte man allmählich zur Normalität zurück. Besonders in China erholten sich Wirtschaft und Industrieproduktion schnell wieder, nachdem das Land den ersten Virus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht hatte — ihre Gesamt-CO2-Emissionen für 2020 übertrafen sogar diejenigen von 2019.
Der jüngste Klimawandel-Leistungsindex (CCPI) — der die Klimaschutzleistungen jener 57 Länder bewertet, die zusammen mit der EU für 90% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind — ergab: Kein Land tut genug, um die Erderwärmung in Schach zu halten. Auch die Schweiz erreichte ihre Klimaziele nicht: Vor sieben Jahren wurde festgelegt, dass die Schweiz bis 2020 den Ausstoss von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 20% reduzieren muss. Erreicht wurde jedoch nur eine Reduktion von rund 14%, auch wenn die Coronakrise vorübergehende Einsparungen brachte.
Laut dem Emissions Gap Report (Emissionslücken-Bericht), der letzte Woche vom UN-Umweltprogramm (UNEP) veröffentlicht wurde, ist die Welt immer noch auf dem besten Weg zu einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf über 3°C bis Ende des Jahrhunderts.
Zum krönenden Abschluss des Jahres verpassten einige der weltweit grössten Verschmutzer die Frist des Pariser Abkommens, bis zum 31. Dezember ihre Klimaziele für das angebrochene Jahrzehnt zu verschärfen. Einige grosse Emittenten — darunter Grossbritannien und die EU — haben ihre Ziele rechtzeitig registriert, die USA, Indien und China gaben noch keinen Laut von sich.
Doch die Hoffnung sollte noch nicht aufgegeben werden. Denn gerade der Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie bietet eine perfekte Gelegenheit, um den Wechsel in eine kohlenstoffarme Zukunft zu vollziehen.
Quellen und weitere Informationen:
WMO: 2020 on track to be one of three warmest years on record
CCPI 2020
IDMC
Liu et al. (2020): Near-real-time monitoring of global CO2 emissions reveals the effects of the COVID-19 pandemic
BAFU: CO2-Statistik
UNEP: Adaptation Gap Report 2020
Climate Action Tracker