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Prof. Dr. Vittorio Magnago Lampugnani, Rainer Schützeichel
Die Architektur der Stadt im 20. Jahrhundert
Die traditionsreiche Disziplin des Städtebaus hat sich in den letzten Jahrzehnten in falsch verstandenem Spezialisierungswahn aufgesplittet in Stadtplanung und Architektur. Erstere hat sich auf die Analyse der Zustände, auf die Erfüllung der Verkehrsanforderungen und auf die Ausweisung der Nutzflächen konzentriert, ohne dafür räumliche oder gar ästhetische Vorstellungen zu entwickeln. Letztere ist in die Lücke gesprungen und hat begonnen, nicht nur einzelne Bauwerke, sondern ganze Ensembles zu gestalten, dabei allerdings oft die Analyse der Bedingungen vernachlässigt. Die Spaltung zwischen Analyse und Entwurf, zwischen Zahlen und Poesie muss und wird rückgängig gemacht werden. Mit dieser Perspektive stellt sich die Untersuchung ihrem Gegenstand.
Ihr Ziel ist eine umfassende Darstellung jener Tendenzen, die für die Entwicklung der Architektur der Stadt im 20. Jahrhundert massgeblich waren. Dabei geht es nicht um die Stadt an sich, sondern um ihr Projekt. Es geht um jene Entwurfsstrategien, die das Ziel verfolgen, aufgrund von bestimmten Voraussetzungen, von theoretischen Annahmen und gestalterischen Entscheidungen urbane Orte zu schaffen. Eine zeitliche Begrenzung auf das 20. Jahrhundert bietet sich insofern an, als damit eine Periode umrissen ist, die als abgeschlossen betrachtet werden kann. Deren zeitliche Grenzen sind recht präzise einzuhalten; jedoch werden dort Ausnahmen zu machen sein, wo die Behandlung vorausgegangener Entwicklungen unerlässlich ist, um Phänomene des 20. Jahrhunderts zu erklären, oder aber dort, wo es Auswirkungen auf jene des 21. Jahrhunderts aufzuzeigen gilt.