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Am 19. März 2020 ist Dr. iur. Bernardo Lardi, ehemals Regierungsrat, nach kurzer Krankheit im Kantonsspital Graubünden verstorben. Im Jahr 1936 mit seinem Zwillingsbruder Massimo geboren, wuchs er in Le Prese im Schosse einer Bäckersfamilie mit 12 Kindern auf. Seine Jugendzeit verbrachte er während des ganzen zweiten Weltkrieges. Bereits im Jahr 1954 verlor er seinen Vater. Es sind solche sicher schwierigen Umstände, welche den Charakter und die Eigenschaften einer Person, wie Eigenverantwortung, Freundschaft und Dienstfertigkeit prägen. Nach der Maturität im Jahre 1957 an der Kantonsschule in Altdorf und nach einer Studienpause um seine Familie zu unterstützen, studierte er Jura an der Universität Zürich, wo er das Lizenziat erwarb und zum Dr. iur. promovierte. Anschliessend wurde er Untersuchungsrichter, für ein Jahr in Chur und von 1966 bis 1971 in Samedan. Er erwarb sowohl das Anwalts- als auch das Notariatspatent und eröffnete sein eigenes Anwalts- und Notariatsbüro in Samedan und in Poschiavo. In jenen Jahren gründete er mit Angela Lazzarini seine eigene Familie, welche mit den vier Kindern Ursina, Mauro, Francesca und Michela beschenkt wurde. Ihnen galt zeitlebens seine Liebe und väterliche Fürsorge.
Als Mitglied der CVP wurde Bernardo Lardi von 1972 bis 1976 zum Podestà von Poschiavo gewählt. Anschliessend verblieb er in der Gemeindeexekutive als Luogotenente. Gleichzeitig vertrat er als Grossrat seine Talschaft im kantonalen Parlament in Chur. Im Jahr 1979 wurde er auf Vorschlag der CVP in die kantonale Regierung gewählt. Er übernahm als Regierungsrat die Führung des ihm als Juristen nahe liegenden Justiz- und Polizeidepartementes. Er betrachtete die acht Jahre in der Regierung als die interessantesten und besten seines Lebens. Im Jahre 1983 stand er als Regierungspräsident der Bündner Regierung vor. Nach acht Jahren in der Regierung ist er zur Wiederwahl für das dritte Mandat nicht mehr angetreten. Er betrachtete im Nachhinein seine Zeitspanne von 16 Jahren in der aktiven Politik folgendermassen: „ Eine Periode von 16 Jahren, welche wie ein Werk von Caravaggio betrachtet werden kann, ein Bild mit vielen Lichtern, aber auch einigen kleinen Schatten.“
Dr. iur. Bernardo Lardi war ein Mann voll Tatendrang und mit weitreichendem Horizont. In den Gremien, in welchen er mitwirkte, verteidigte er mit Überzeugung und Durchhaltewillen die Interessen seines Kantons, von Italienischbünden und seines Heimattals Poschiavo. Er war jahrelang im Aufsichtsrat der damaligen RTSI tätig, wo er auf die Notwendigkeit der Präsenz auf allen Stufen von Mitarbeitenden aus Italienischbünden bestand. Von 1973 bis 1976 gehörte er dem Verwaltungsrat der Rhätischen Bahn und von 1993 bis 1998 jenem der Schweizerischen Bundesbahnen an. Er war ein überzeugter Verfechter des Splügenbahntunnels als direkte Verbindung zwischen der Lombardei und Bayern durch den Kanton Graubünden. Er setzte sich auch konkret für die Realisierung des Eisenbahntunnels Vereina der RhB ein. Um seiner Talschaft Poschiavo nach dem verheerenden Unwetter von 1987 zu helfen, wirkte er bei der Gründung und Führung des Solidaritätsfonds Valposchiavo mit. Er war auf Grund seiner Leistungen für Italienischbünden als Ehrenmitglied der Pro Grigioni Italiano gewählt worden. Bernardo Lardi besass ein behutsames und verstehendes Verhältnis zu seiner heimatlichen Herkunft. Das innige Verhältnis zu seinem Tal, zur Sprache der Einheimischen und den Traditionen begleiteten ihn durch sein vielseitiges gesellschaftliches Leben. Auf jeden Fall verlor er sich nicht in kleinen Details, sondern bevorzugte die Visionen im Rahmen des massgebenden Gesamtzusammenhanges, unter Berücksichtigung des Allgemeinwohls und der Bedürfnisse der Bürger. Mit seinem Zwillingsbruder Massimo verband ihn das humanistische Menschenbild und die Liebe für Kunst und Kultur. Als begnadeter Kunstmaler besass er das gute Auge für das Gegenständliche und das Unsichtbare.
Wir nehmen dankbar Abschied von einer Persönlichkeit, deren Heimat und die Familie das ganze Leben war.
Stefan Engler und Agostino Priuli