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Australien erklärte Novak Djokovic zur «Ikone für Impfgegner» und zur «Gefahr für die öffentliche Sicherheit». Sie entzog Novak Djokovic das Visum und schob ihn ab. Vor Wochenfrist reiste der Tennisspieler über Dubai nach Belgrad, kündigte an, sich erholen zu wollen und sich erst nach Ende der Australian Open wieder zu seiner Visum-Saga zu äussern.
Aus der Öffentlichkeit zog sich Novak Djokovic nicht zurück. Stattdessen begab er sich auf spirituelle Pilgerreise durch Serbien und Montenegro. Zuerst tauchte er in der serbisch-orthodoxen Kirche der Heiligen Petka auf, die in der Festung Belgrads oberhalb der Mündung der Save in die Donau liegt. Die dortige Quelle gilt für orthodoxe Christen als heilendes Wasser. Die heilige Petka lebte im 10. Jahrhundert, zog als 15-Jährige in die jordanische Wüste, um dort als Einsiedlerin ein Leben in Askese zu führen.
Ihre sterblichen Überreste wurden später in die rumänischen Stadt Iasi überführt. In Belgrad verblieben zwei Finger, die der Überlieferung nach zu den Gebeinen der Heiligen gehören und heute als Reliquien gelten.
Novak Djokovic trainierte am gleichen Tag noch einige Stunden in seiner Akademie, in der er am 18. Dezember auch der französischen Sportzeitung «L'Equipe» ein Interview gegeben hatte, bei dem er bereits wusste, dass er an Covid-19 erkrankt war. Danach verliess der 34-Jährige Serbiens Hauptstadt und besuchte das Felsenkloster Ostrog in Montenegro, das als religiöses Gravitationszentrum der serbisch-orthodoxen Kirche gilt.
Das in den Fels des Prekornica-Gebirges gebaute Kloster wurde Mitte des 17. Jahrhunderts vom heiligen Vasijlie gegründet. Ihm werden zahlreiche Wundertaten nachgesagt. Sein Leichnam soll sich seinem Tod 1671 kaum verändert, ein Verwesungsprozess nie eingesetzt haben. Seinen Reliquien, die im Kloster aufbewahrt werden, schreibt man heilende Kräfte zu.
2005 war das Felsenkloster in die internationalen Schlagzeilen geraten – als mögliches Versteck des ehemaligen Führers der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, der später als Kriegsverbrecher verurteilt worden war. Die Klosterleitung wies diesen Vorwurf zurück. Der damalige Metropolit der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro, Amfilohije Radovic, der bis dahin als Karadzics Verbündeter gegolten hatte, forderte ihn öffentlich auf, sich zu stellen, indem er sagte: «Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich nach Den Haag gehen.» Radovic verstarb im Oktober 2020 im Alter von 82 Jahren.
Empfangen wurde Djokovic im Felsenkloster von Joanikije II. Mićović, dem Metropolit der serbisch-orthodoxen Kirche Montenegros. «Wir haben über alles gesprochen, was kürzlich geschehen ist, die Leiden, durch die Novak in den letzten Monaten gegangen ist», liess Joanikije verlauten. Er wünsche sich eine möglichst baldige Rückkehr Djokovics auf den Tennisplatz, wo er «Dinge tun kann, mit denen er nicht nur sich selbst, sondern auch sein Volk und seine Nation auch sein Volk und seine Nation feiern» kann.
Danach reiste Djokovic in den montenegrinischen Küstenort Tivat weiter, der an der Bucht von Kotor liegt und wo Djokovic eine Wohnung besitzt. Auf der Pilgerreise durch Montenegro und Serbien machte der 34-Jährige danach Halt in den Kleinstädten Zabljak und Pljevlja. Auch dort versuchte man, ihm mit religiösen Devotionalien Trost zu spenden. Djokovic wurde ein Bild des früheren serbischen Patriarchen Varnava Rosic überreicht.
Djokovic setzt sich seit Jahren für den Erhalt von Kirchen und Klöstern ein. 2011 spendete er 100'000 Dollar an das Kloster Gracanica im Kosovo und wurde mit dem St.-Sava-Orden ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung der serbisch-orthodoxen Kirche. Danach sagte er: «Dies ist der wichtigste Titel meines Lebens. Bevor ich Sportler bin, bin ich orthodoxer Christ.» Oft trägt er auch während seiner Spiele ein Holzkreuz aus dem griechischen Kloster Hilandar als Zeichen seines Glaubens und soll fast täglich beten.
Gleich selbst in den Stand eines Heiligen erhoben Djokovics Eltern ihren Sprössling. Vater Srdjan erklärte ihn zum «Spartakus der neuen Welt, der Ungerechtigkeit, Kolonialismus und Heuchelei» nicht dulde und verglich ihn mit Jesus, indem er sagte: «Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns. Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen.» Und Mutter Dijana sagte vor anderthalb Jahren: «Novak fühlt sich von Gott auserwählt.»
Djokovic soll sich nach seiner Pilgerreise wieder in Belgrad aufhalten. Wann und wo er in den Tenniszirkus zurückkehrt, ist offen. Für die Einreise in die USA zu den beiden Masters-Turnieren in Indian Wells und Miami im März ist eine Impfung gegen das Coronavirus Voraussetzung. Ob Djokovic auch als Genesener teilnehmen kann, bleibt abzuwarten.
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