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1. Die Western-Landschaft
«Mein Name ist John Ford. Ich mache Western.» So lautet das berühmteste Zitat des Regisseurs (1894 – 1973). Von seinen rund 130 Filmen waren 54 Western. Egal wo sie spielten, Ford drehte sie im Monument Valley (in Arizona und Utah) und kreierte dadurch die ultimative Landschaft des Wilden Westens.
Deshalb wollte der Italiener Sergio Leone seinen legendären Spaghetti-Western «Spiel mir das Lied vom Tod» (1968) auch dort drehen. Als ob erst das Monument Valley mit seinen charakteristischen Felsformationen einen Film zum Western machen würde.
2. Der edle Wilde
Den von Rousseau geprägten «edlen Wilden» gibt es im frühen Western nur in einer Form: Wenn sich ein amerikanischer Ureinwohner, im politisch unkorrekten Genre-Jargon ein Indianer, auf die Seite der weissen Einwanderer schlägt.
Dass ein solches Individuum aus der Sicht seines eigenen Volkes zum Verräter wird, interessierte die ethnozentrischen, weissen Filmemacher nicht. Für sie galt ein Indianerfreund als Verräter.
3. Das Indianerbild Hollywoods
Für Hollywood waren Amerikas Ureinwohner lange bloss «rote Teufel», die den Fortschritt hemmen. Mit dieser Haltung glaubten die weissen Eroberer, den Genozid rechtfertigen zu können.
Erst in den 1960er-Jahren fing Hollywood an, die sogenannten «Red Indians» differenzierter zu zeichnen. Interessanterweise begann gleichzeitig der Niedergang des Westerns, dieses uramerikanischen Filmgenres.
4. Das Indianerbild in John Fords Western
In seinen frühen Western wie «Stagecoach» (1939) stellte John Ford die nordamerikanischen Ureinwohner als blutrünstige Wilde dar. Meist attackieren sie die Weissen aus nicht näher erläuterten Gründen.
Später machte Ford gewisse Zugeständnisse. So schrieb etwa der «Evangelische Filmbeobachter» 1965 über «Fort Apache» (1948): «Fords Film ist der erste Western, der das Recht des Indianers zur Sprache bringt und gleichzeitig die falsche Politik Washingtons anklagt.»
5. Das Indianerbild in «Cheyenne Autumn»
In «Cheyenne Autumn» (1964) gibt John Ford den Indianern ein Gesicht, viele zeigt er in ruhigen Nahaufnahmen. Den langen Marsch zurück in ihre Heimat schildert Ford aus ihrer Perspektive.
Mit diesem Film machte der Regisseur bewusst, dass der Völkermord an den Ureinwohnern auf wirtschaftlichen und rassistischen Gründen fusste. So klar hatte Ford das Verhalten der weissen Einwanderer nie zuvor kritisiert.
6. Die historische Grundlage von «Cheyenne Autumn»
1878 war Little Wolf der «Sweet Medicine Chief» der Cheyenne. Von über 1000 Stammesmitgliedern hatten im kargen Reservat in Oklahoma nur 286 überlebt. Als Hilfe aus Washington ausblieb, wollten er und der Häuptling Dull Knife den Stamm zurück in ihr Heimatland in Wyoming führen. Hunderte von Kavallerie-Soldaten versuchten, sie davon abzuhalten.
Dieses Ereignis wurde «Cheyenne Autumn Trail» genannt und bildet die Basis für Mari Sandoz’ Roman «Cheyenne Autumn». Auf diesem Buch basiert John Fords Film. Die Wanderung erstreckte sich über 1500 Meilen. Trotzdem scheinen die Indianer im Film das Monument Valley – ausser in den wenigen Winterszenen – nie zu verlassen.
7. Navajo spielen Cheyenne
Die Cheyenne im Film sind in Wahrheit Navajo. Denn John Ford drehte fast alle seiner Western im Monument Valley, wo eben Navajo leben. Wenn sie in ihrer eigenen Sprache reden, machen sie oft schmutzige Witze, die nichts mit dem Film zu tun haben.
Etwa wenn ein Indianer sich über den winzigen Penis des weissen Filmhelden mokiert. Für das Navajo-Publikum waren Ford-Western darum primär Lachschlager und entsprechend beliebt. Gut möglich, dass dies die Rache der Navajo dafür ist, dass die amerikanischen Ureinwohner in den meisten Ford-Western schlecht wegkommen.
8. Mexikaner spielen Cheyenne
Dass Navajo Cheynne spielen, störte die Gemeinde der amerikanischen Ureinwohner nicht. Sie kritisierte jedoch, dass Ford die wichtigsten Rollen, die Häuptlinge Little Wolf und Dull Knife, den Mexikanern Ricardo Montalban und Gilbert Roland gab.
Auch die Häuptlingssquaw Spanish Woman wird von einer Mexikanerin gespielt: Dolores del Rio. Und Sal Mineo, der Red Shirt verkörpert, war Italo-Amerikaner. Zu Fords Entschuldigung muss gesagt werden, dass das Filmstudio auf dieser Besetzung beharrte.
9. Die Gemeinschaft
Die Gemeinschaft war John Fords Kernthema. Sein Sinnbild dafür war die Armee. Männer, die zusammenhalten und durch Pech und Schwefel gehen. Mehrfach glorifizierte der Regisseur die berittenen Soldaten und ihre Offiziere als Helden.
Im Vergleich dazu wirken Fords Indianer oft wie eine Horde Dummköpfe. In «She Wore a Yellow Ribbon» (1949) etwa überlistet der von John Wayne gespielte Captain die Ureinwohner mit simplen Tricks, denen wohl kein realer Ureinwohner je zum Opfer gefallen wäre.
10. Frühe Rezeption
Die Kritiken waren gemischt. Die «New York Times» nannte «Cheyenne Autumn» wohlwollend «einen schönen und kraftvollen Film (…), eine fundierte und leidenschaftliche Geschichte über die schlechte Behandlung der Indianer».
Die «Variety» war deutlich weniger angetan: «Der Film ist eine weitschweifige, episodenhafte Schilderung eines historisch wenig bekannten 1500-Meilen-Marsches von Cheyenne-Indianern.»
11. Weitreichende Erfolge
John Ford hat vier Regie- und zwei Dok-Oscars gewonnen sowie zwei weitere Oscar-Nominierungen erhalten. 1960 erhielt er auf dem Hollywood Walk of Fame einen Stern. «Cheyenne Autumn» war 1965 zudem für einen Kamera-Oscar nominiert.
1973, im Jahr seines Todes, erhielt Ford den ersten «Lifetime Achievement Award» des American Film Institute. Als man Orson Welles nach seinen Vorbildern fragte, antwortete der berühmte Schöpfer von «Citizen Kane» (1941) bloss: «John Ford, John Ford und John Ford.»
12. Anfänge als Schauspieler
Ford kam am 1. Februar 1894 als zehntes von elf Kindern zur Welt. Seinen bürgerlichen Namen Sean O’Feeny änderte er, um nicht gleich als Nachkomme irischer Einwanderer erkannt zu werden.
Ford folgte seinem älteren Bruder Frank, der sich Francis Ford nannte, nach Hollywood. Zwischen 1914 und 1916 spielte er in insgesamt 15 Filmen seines Bruders mit. 1917 führte John Ford beim Kurzfilm «The Tornado» erstmals selbst Regie. Der Rest ist Geschichte.