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Der Begriff „Wikinger“ kommt von angelsächsischen Begriff „wicing“ für Pirat, Räuber und wurde ursprünglich für die auf Raubfahrt gehenden nordischen Männer verwendet. Später und bis heute wurde und wird das Wort „Wikinger“ fälschlicherweise oft für alle Bewohner von Skandinavien verwendet. Es gibt allerdings auch andere Herleitungen, z.B. von „vicus“ – Handelsplatz oder „vik“ = Bucht (Reykjavík = rauchende Bucht).
Ebenso verschiedene Erklärungen gibt es über die Gründe für das plötzliche Erscheinen der Wikinger an den europäischen Küsten gegen Ende des 8. Jahrhunderts, wie Abenteuerlust, Handel, Suche nach Lebensraum. Auf den letzten Auslöser weist auch die Erklärung von George Philipps in seinem Werk Englische Reich- und Rechtsgeschichte, Berlin 1827 hin:
„Was zunächst die Veranlassung zu diesen kriegerischen Unternehmungen der Dänen gegen Frankreich und überhaupt gegen beinahe alle europäischen Küsten betrifft, so geht die Sage, dass bei den Dänen die Vielweiberei sehr im Schwange gewesen und dadurch das Land übervölkert worden sey.
Darum sey es alte Gewohnheit bei ihnen gewesen, dass der Vater alle seine Söhne bis auf einen, den er zu seinem Erben machte von sich stiess, so dass sie in fremde Länder auswandern mussten.“
Tatsächlich sah das Erbrecht der mittelalterlichen Skandinavier vor, dass der älteste Sohn den Hof des Vaters erbte. Aufgrund der Knappheit an bewirtschaftbarem Land und der grossen Anzahl an überlebenden Kindern war dies wohl auch unumgänglich. So blieb den Söhnen Nr. 2 & ff. nichts anderes übrig, als entweder auf dem Hof des Erben als recht- und besitzloser Mann mitzuhelfen oder eben sein Glück als Räuber, Händler oder Siedler in fremden Ländern zu suchen. Bei den weiblichen Nachkommen war es ähnlich, sie konnten nur als Ehefrau eines Hofbesitzers „Karriere“ machen, sonst zählten sie wenig.
Sicher ist, dass die Wikinger mit ihren Raubfahrten starteten, als eine unabdingbare Voraussetzung erfüllt war: Die Entwicklung und Perfektionierung der beeindruckenden technischen Wunderwerke, der Wikingerschiffe. Von diesen Schiffen gab es zwei grundlegende Typen:
- das Langschiff (auch Drachenschiff) das Kriegsschiff der Wikinger mit Segel und teilweise mit über 20 Ruderpaaren, also über 40 Ruderern
- die Knorr oder Knarren = Handelsschiff, Lastschiff mit Segel und nur einem oder zwei Ruderpaaren. Der Knorr war der „Truck“ der Wikinger und wurde vor allem für den Handel und für die grossen Siedlungsreisen ganzer Familien mit Hausrat und Vieh nach Island und Grönland eingesetzt. Die Knorr war vom Zweck und von der Anzahl her sicher der wichtigere Typ.
Beide Schiffstypen wurden meistens gesegelt. Die Ruder benötigte man nur zum Überfall auf Küsten bzw. zur Flucht (Langschiff) bzw. zum Manövrieren und Anlanden, allenfalls noch um Windflauten zu überbrücken (beide Typen).
Eine zweite Voraussetzung für die Reisen der Wikinger waren die Kenntnisse der Navigation. Solange die nordischen Seefahrer „nur“ in den Küstengewässern blieben, kann man die navigatorischen Mittel und Fähigkeiten gut erklären: es ging um Erfahrung, um das „Lesen“ von Meeresströmungen und das Merken von Landmarken. Dieses Wissen wurde über Generationen weitergegeben.
Die späteren Reisen über den Nordatlantik bis nach Island und Grönland sind da etwas anderes und die Wissenschaft blieb bis heute glaubwürdige Erklärungen oder gar Beweise schuldig. Die oft zitierte Verwendung der „Sonnenscheibe“ und des „Sonnensteines“ sind jedenfalls zweifelhaft und nicht glaubwürdig erklärt. Meine Aussage über die Frage, wie die Wikinger auf ihren weiten Reisen über den offenen Nordatlantik navigiert haben ist deshalb klar: „Wir wissen es nicht!“. Bestimmt und teilweise auch in den Sagen erwähnt sich hohe Verluste an Menschen und Schiffen bei den transatlantischen Überfahrten.
Gokstad Schiff – Langschiff
©Kulturhistorisk Museum Oslo
Die Wikinger kümmerten sich je nach Nation um verschiedene geographische Ziele, ich nenne dies die Geschäftsmodelle der Wikinger.