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Kaninchen mit der Zeichnung der heutigen Holländerkaninchen sind seit mehreren Jahrhunderten bekannt. Darstellungen solcher Kaninchen finden sich auf historischen Gemälden, zu den ältesten gehören wohl das Bild «Frettchen und Kaninchen» von Hänslein von Hagenau aus dem Jahr 1401 und «Anbetung des heiligen Kindes» von Torro von 1450. Auch im Bilderzyklus «Die vier Erdteile» des Malers Jan van Kessel, der um 1660 herum entstanden ist, findet sich ein fast standardgerechtes Holländerkaninchen. In die Schweiz gelangten die Holländerkaninchen laut Joppich um 1880 herum. Anerkannt sind sie in der Schweiz seit 1885.
Das Holländerkaninchen ist eine kleine Rasse mit einem Idealgewicht von 2,7 bis 3,1 Kilogramm. Die Rasse ist reinerbig bis auf den Farbenschlag eisengrau, der allerdings sehr selten zu sehen ist. In der Regel werden die Holländer in sechs Farbenschlägen gezüchtet. Schwarz, Madagaskar und Japaner haben den grössten Anteil, die blauen, havanna und grauen sind wesentlich weniger vertreten. Das Holländerkaninchen ist eine Schecken-Rasse (Plattenzeichnung) mit
einer sehr regelmässigen, symmetrischen Zeichnung. Der Typ entspricht einer kleinen Rasse mit guter Haltung und einem schön geformten Körperbau. Ursprungsland ist Holland – daher auch der Name. Das Holländerkaninchen wird in der Schweiz in sieben Farbenschlägen gezüchtet.
Hohes Zuchtniveau
Der Holländer Klub wurde 1907 gegründet und zählt heute mit seinen rund 200 Mitgliedern zu einem der grössten Klubs der Schweiz. Unterteilt ist dieser in die Gruppe Basel, Ostschweiz, Westschweiz und Zentralschweiz. Präsidiert wird der Klub von Martin Hollenstein aus Bütschwil SG. Alljährlich führt der Klub eine schweizerische Ausstellung durch mit rund 500 bis 550 Tieren. Die Konkurrenz untereinander verläuft sportlich und fair – und auf hohem Niveau. Grosse Diskussionen und das Feilschen um Punkte gehören – wie bei anderen Schecken-Rassen auch – zu jeder Klubschau selbstverständlich dazu.
Zentrales Merkmal der Holländerkaninchen ist die Zeichnung. Diese ist in der Bewertung in Kopf- und Rumpfzeichnung mit je 15 Punkten unterteilt. Die Kopfzeichnung besteht aus den beiden Kopfplatten, die von den ebenfalls eingefärbten Ohren ausgehend die Nase einfassen und die Augen breit umfassend in guter Rundung um die Backen bis zum Genick verlaufen, ohne dabei die Spürhaare zu erfassen. Die durch die Kopfzeichnung entstehende Blesse endet spitz vor den Ohren. Die Rumpfzeichnung umfasst den hinteren Körperteil als scharf abgrenzender Ring in der Mitte des Körpers. Die Hinterläufe sind nur etwa bis zur Mitte zwischen Sprunggelenk und Zehen gefärbt, den Rest des Fusses bilden die Manschetten.
Wie bei allen Zeichnungstieren stellt die Zucht auch bei den Holländern grosse Anforderungen an den Züchter. Ohne Basiswissen sind kaum Zuchterfolge möglich. Obwohl Holländer reinerbig sind, ist es zwar richtig, dass aus Holländer-Paarungen wieder Holländer hervorgehen; ihre Zeichnungen können aber wesentlich voneinander abweichen.
Geduldig eigene Zuchtlinie aufbauen
Genauso falsch ist es, nach Bewertungskarten zu züchten. Die Zucht mit 96er-Tieren garantiert noch lange keinen Spitzen-Nachwuchs. Eine gelingende Zucht geht in kleinen Schritten vonstatten und bedingt eine weitsichtige Planung. Wer zu viel auf einmal will, fällt mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die Nase. Vielmehr geht es darum, geduldig eine eigene Zuchtlinie aufzubauen (ohne viele Zukäufe) und dabei jeden Schritt zu dokumentieren. Spitzenzüchter züchten meistens nur mit selbst gezüchteten Rammlern, um Überraschungen bestmöglich zu vermeiden.
Wie bei kaum einer anderen Rasse wird bei den Holländern gerne mit grossen Beständen gezüchtet. Es wird auf Teufel komm raus gedeckt, um am Ende des Jahres einen Stamm oder eine Kollektion ausstellen zu können. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Züchterinnen und Züchter, die mit kleinen Beständen und viel Erfahrung immer wieder Spitzenresultate erreichen.
Für einen Experten ist es jedes Mal eine grosse Herausforderung, eine Holländer-Klubschau zu bewerten. Insbesondere die Abstufung der Zeichnung erfordert viel Fingerspitzengefühl. Jedes Tier ist ein Unikat, keines sieht genau gleich aus wie das andere – obwohl die Zeichnung im Standard genau definiert ist. Dabei sind sich die Expertinnen und Experten sehr wohl bewusst, dass manche Züchter ihre Tiere vor der Schau präparieren und etwaige Zacken und Unregelmässigkeiten kurzerhand «verschwinden lassen». Ein Vorgehen, das sich vielleicht beim Verkauf auszahlen kann, für die gute Zucht aber mit Sicherheit keinen Nutzen bringt.