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Weltweit älteste Siedlung im Hochgebirge entdeckt
Die älteste, regelmässig bewohnte Stätte in einer Hochgebirgsregion liegt in den „Bale Mountains“, in Äthiopien. Vor rund 40‘000 Jahren siedelten hier Jäger in der Nähe von Gletschern. Dies zeigen archäologische Funde.
Im Südosten Äthiopiens liegen die „Bale Mountains“. Die Gipfel des Gebirges erreichen eine Höhe von bis zu 4300 Metern. Bis vor kurzem ging die Wissenschaft davon aus, dass die Region erst in jüngster Zeit besiedelt worden ist. Doch nun beweisen archäologische Funde das Gegenteil: Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Bern hat dort die bisher älteste längerfristig genutzte Wohnstätte im Hochgebirge entdeckt. Radiometrischen Datierungen zufolge ist sie in der Zeit vor 31‘000 bis 47‘000 Jahren wiederholt besiedelt worden.
Sie befand sich unter einem Felsüberhang auf rund 3500 Metern Höhe, dem Fincha-Habera-Unterstand. Hier fanden die Wissenschaftler vielfältige Knochen- und Holzkohlereste aber auch Werkzeuge aus Obsidian. Das Vulkanglas dürfte von den Obsidian-Abbau-Stellen stammen, die die Forscher in der Region auf 4200 Metern Höhe ebenfalls entdeckt haben. Zudem legen weitere Funde nahe, dass sich die Menschen, die in den „Bale Mountains“ zu Hause waren, von Riesenmaulwurfsratten ernährten, weil diese über das ganze Jahr gejagt werden konnten.
Wohnen am Rand des Gletschers?
Wegen ihrer Lage in den Inneren Tropen oder vielmehr am Äquator gibt es in den „Bale Mountains“ trotz der Höhe des Gebirges kein ewiges Eis. Als die steinzeitlichen Jäger dort siedelten sah es anders aus: „Moränenwälle und andere glaziale Hinterlassenschaften zeugen davon, dass das äthiopische Hochland während der letzten Kaltzeit intensiv vergletschert war“, sagt Alexander Groos vom geographischen Institut der Universität Bern, der zusammen mit zwei weiteren Kollegen – Heinz Veit ebenfalls vom Geographischen Institut und Baki Akçar vom Insitut für Geologie - an den Untersuchungen beteiligt war.
Mittels einer Laboranalyse von Gesteinsproben von Moränen aus Tälern in den Bale Mountains konnte der Zeitpunkt der verschiedenen Vergletscherungsphasen bestimmt werden. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es in den Bale Mountains vor etwa 40’000 Jahren deutlich kälter war als heute und die steinzeitlichen Jäger unweit der Gletscher siedelten“, sagt Groos.
Ökosystem im Klimawandel
Die Untersuchung fand unter Beteiligung von Fachleuten aus Bayreuth, Halle und Rostock sowie aus Äthiopien, Frankreich und den USA statt und wurde im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht. Die Wissenschaftler gehören der Forschungsgruppe 2358 der Deutschen Forschungsgemeinschaft an, die erkundet, wie Steinzeitmenschen im östlichen Afrika das Ökosystem des Hochgebirges erschlossen, als sich das Klima wandelte. Die Untersuchungen der Berner Arbeitsgruppe wurde vom Schweizerischen Nationalfond SNF unterstützt. (mai/mgt)