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Schon Ende des vorletzten Jahrhunderts machte sich in den Gemeinden Aeschi und Spiez das Bedürfnis nach vermehrtem Trinkwasser
bemerkbar. Durch den Bau von Gaststätten, Wohn- und Geschäftshäusern wurde der Ruf nach einer gut funktionierenden Hydrantenanlage immer lauter. Die Durchtunnelung des Hondrichhügels liess bei
der Bevölkerung von Spiez die Befürchtung, die übrigens nicht unbegründet war, aufkommen, die privaten Brunnen und Quellen könnten zurückgehen oder versiegen. Die geographische Lage von Aeschi
und Spiez legte einen Zusammenschluss auf dem Gebiete der Wasserversorgung sowohl aus hydraulischen wie auch aus finanziellen Gründen nahe. Das Versorgungsnetz musste so angelegt werden, dass
sowohl für Aeschi wie für Spiez günstige Druckverhältnisse geschaffen wurden. Als Quellgebiet dachte man zuerst an das Suldtal, doch kam man sehr bald wieder von diesem Gedanken ab und
konzentrierte sich auf das Quellgebiet oberhalb Faltschen und Scharnachtal, wobei die Überquerung des Suldgrabens mit der syphonartigen Leitungsführung in Kauf genommen wurde. Bahnbrechend ging
Herr Nationalrat A. G. Bühler, Frutigen, in der Förderung dieses Projektes voran, indem er zwei ergiebige Quellen oberhalb Faltschen und Scharnachtal erwarb, um sie später den Gemeinden Aeschi
und Spiez zur Verfügung zu stellen.
Am 27. Mai 1900 fand in Spiez eine denkwürdige Versammlung von Interessenten statt, um die Erstellung einer gemeinsamen Wasserversorgungsanlage zu besprechen. Die Einladung ging von den beiden Gemeinderatspräsidenten Chr. Barben, Spiez, und Chr. Häsler, Aeschi, aus. Nationalrat Bühler hielt das einleitende Referat an dieser gut besuchten Versammlung; er muss es verstanden haben, die Versammlung von der Notwendigkeit und Zweckmässigkeit seines Projekts zu überzeugen, denn es wurde einhellig beschlossen, das Studium einer gemeinsamen Wasserversorgung an die Hand zu nehmen. Die Versammlung wählte eine 15gliedrige Kommission, bestehend für Aeschi aus den Herren Hotelier Häsler, Gemeinderat Bühler, H. Hofstetter, Sohn, Heustrich, Obmann Müller, Gemeinderat Reber und Gemeindeschreiber von Känel. Für Spiez aus den Herren Gemeindepräsident Regez, Gemeinderatspräsident Ch. Barben, den Gemeinderäten Wildbolz, Lörtscher und Durtschi, ferner R. von Erlach, Ingenieur, Amtsschwellenmeister von Känel, Rudolf Wenger, Wirt, und den Hoteliers Bassler und Mützenberg. Als Sekretär amtete Herr Hans Itten, Oberlehrer.
Um den Gedanken einer gemeinsamen Wasserversorgung möglichst ins Volk hinauszutragen, wurde das Gründungskomitee noch erweitert. Anhand der Protokolle ist festzustellen, dass äusserst zielbewusst und grosszügig ans Werk gegangen wurde. Neben Projekt- und Finanzierungsfragen hatte sich das Gründungskomitee auch mit solchen organisatorischer Natur zu befassen. Die im Komitee befindlichen Gemeindevertreter waren der Ansicht, dass die auf Fr. 270000.- errechneten Baukosten für die Gemeinden nicht tragbar seien.
Am 23. November 1900 fand wieder eine entscheidende Sitzung des Komitees statt. Es ging um die Gründung einer Genossenschaft. Den Zeitgeschehnissen vorausschauend, beantragte damals Gemeinderat Durtschi von Faulensee die Ausführung und Finanzierung der projektierten Wasserversorgungsanlage den Gemeinden Aeschi und Spiez zu offerieren, und zwar mit dem Hinweis, dass sich das Komitee vor einem späteren Vorwurf, den Gemeinden ein gutes Geschäft vorenthalten zu haben, schützen müsse. Zuhanden einer vom Gemeinderat von Spiez auf den 27. Dezember 1900 einberufenen ausserordentlichen Gemeindeversammlung wurden vom Initiativkomitee folgende Anträge eingebracht:
a) Die Gemeinde habe die ganze Werkanlage zu übernehmen und auf ihre Kosten und Gefahr die Trinkwasserversorgung und Hydrantenanlage sofort auszuführen, ferner sei der hierzu notwendige Kredit zu beschliessen, wobei sich Aeschi mit einem Viertel und Spiez mit drei Vierteln an den Kosten zu beteiligen habe.
b) Bei eventueller Ablehnung dieser Anträge habe die Gemeinde einen Beitrag von Fr. 25'000.- für die Erstellung des Hydrantennetzes zu bewilligen.
Beschlossen wurde vom Initiativkomitee auch, dass, wenn diese beiden Anträge von der Gemeindeversammlung verworfen würden, die Wasserwerkanlage gleichwohl erstellt werden solle, aber vorläufig ohne Hydranten.
Der Gemeinderat von Spiez schloss sich zuhanden der auf den 27. Dezember 1900 einberufenen Gemeindeversammlung dem Antrage des Initiativkomitees an. Die Gemeindeversammlung war anderer Meinung. Die damals gefassten Beschlüsse waren für die Weiterentwicklung des Unternehmens und für das Verhältnis zwischen WVG und Gemeinde Spiez von derart weittragender Bedeutung, dass es sich lohnt, den Wortlaut des Protokolls jener Versammlung wiederzugeben:
Verhandlungen: Wasserversorgungs-Angelegenheit
Ein Projekt für die Wasserversorgung mit Hydrantennetz in der Gemeinde Spiez liegt vor und bildet das Haupttraktandum zu den heutigen Verhandlungen. Der Gemeindepräsident spricht sich über die Wichtigkeit dieses Traktandums gründlich aus und bringt die Sache zur freien Diskussion. Der Präsident des Initiativkomitees stattet über die Verhandlungen des engeren und weiteren Komitees Bericht ab, beleuchtet die projektierte Anlage und empfiehlt sie der Gemeinde zur Subventionsbeteiligung mit Fr. 25000.-.
Der Gemeinderatspräsident rapportiert über die Verhandlungen des Gemeinderates, wonach das Wasserversorgungsprojekt zur Subventionierung ebenfalls empfohlen wird.
Die Idee, dass die Gemeinde den Ankauf und die Kosten der ganzen Wasserwerkanlage übernehme, wird einstimmig abgewiesen.
Die Subvention von Fr. 25000.- zur Erstellung der Werkanlage mit den im Pflichtenheft angeführten Bedingungen wird einstimmig angenommen.
Vorsitz:
Rudolf Regez, a.
Amtsrichter
Anwesende Einwohner: 127
Sekretär: Gottfried Itten
Die Ausrichtung einer Subvention von Fr. 25'000.- wurde an die Bedingung geknüpft, dass in der Gemeinde Spiez 40 Hydranten zu erstellen seien und dass die Trinkwasserleitung bis zum Kreuzweg beim Rüdligut in Einigen und nach Faulensee erstellt werden. Auch handelte die Gemeinde Spiez bei dieser Gelegenheit das Stimmrecht in der Genossenschaftsversammlung für 15 Stimmen ein, was unter der Geltung des alten OR noch möglich war. Im gleichen Sinn wie Spiez hat auch Aeschi an lässlich der Gemeindeversammlung vom 28. Dezember 1900 beschlossen; die Ausführung des Projekts durch die bei den Gemeinden wurde auch von Aeschi abgelehnt, dagegen beschlossen, die der Gemeinde Aeschi zugemutete Subvention von Fr. 10'000.- zur Verfügung zu stellen.
Nachdem die Übernahme der Wasserversorgungsanlagen von beiden Gemeinden abgelehnt worden war, kam nur noch die Verwirklichung des Projektes auf privatem Boden in Frage. Von Anfang an war man sich darüber einig, dass das Werk auf genossenschaftlichem Boden zu erstellen sei.
Die Finanzierung wurde in der Weise bewerkstelligt, dass rund Fr. 200'000.- durch Verkauf von Wasseranteilen zu decken wären, während die restlichen Fr. 70'000.- durch Subventionen beschafft werden sollten.
Der Gründung der Genossenschaft ging die Zeichnung der Anteilscheine voraus. Die Nachfrage nach Versorgungswasser, wie man es damals etwa nannte, war gross, und in kurzer Zeit wurden 813 Minutenliter von Interessenten erworben. Unter Zugrundelegung der voraussichtlichen Baukosten wurde der Ankaufspreis pro Minutenliter auf Fr. 250.- festgelegt. Die konstituierende Versammlung fand am 6. Januar 1901 im Bahnhofrestaurant Spiez statt. Die vorbereiteten Statuten wurden angenommen und die «Wasserbedürftigen» wurden eingeladen, beim Sekretär ihre Unterschrift zum Beitritt zur Genossenschaft zu geben. Es unterzeichneten 136 Leute beider Gemeinden.
Nun ging es um die Verwirklichung des vom Initiativkomitee zur Verfügung gestellten Projektes. Nationalrat Bühler stellte in uneigennütziger Weise die von ihm erworbenen Quellen ob Faltschen und Scharnachtal zum Selbstkostenpreis zur Verfügung. Eine ganz besondere Anerkennung gebührt dem Initiativkomitee, das seinem Namen alle Ehre machte. Innerhalb eines Jahres gelang es ihm, ein Projekt vorzulegen, die Finanzierung zu sichern und die Genossenschaft zu gründen. Der Vorstand der neu gegründeten Wasserversorgungsgenossenschaft Aeschi und Spiez setzte sich wie folgt zusammen:
Präsident:
Rudolf von Erlach, Ingenieur, Spiez
Vizepräsident: Hans Hofstetter, Hotelier, Heustrich
Sekretär: Hans Itten, Oberlehrer, Spiez
Mitglieder: A. Wildbolz, Einigen, Chr. Häsler, Aeschi
Statutengemäss ordneten die Gemeinden Aeschi und Spiez je einen Vertreter des Gemeinderates und der Brandkommission in den Vorstand ab, es waren:
Für Aeschi:
Gemeinderat Samuel Reber, Vizebrandmeister Aellig, kurz darauf ersetzt durch Obmann H. Müller
Für Spiez:
Gemeinderatspräsident Chr. Barben, Vizebrandmeister H. Regez