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© Marcel Burkhardt
Wie entsteht eine obere Verbreitungsgrenze?
Die Umweltbedingungen im Verbreitungsgebiet einer Vogelart ändern sich mit der Höhe über Meer. Sie beeinflussen Einwanderung, Abwanderung, Bruterfolg und Überlebensraten und damit auch die Höhenlage der Verbreitungsgrenze.
In einer Studie des Rauchschwalbenprojektes haben freiwillige Beringer für die Vogelwarte eine Brutpopulation im Prättigau GR über einen Höhengradienten von 700 Metern untersucht. In 14 Jahren wurden an 63 Höfen 1337 Nestlinge und 194 Altvögel beringt. Dank Ringkontrollen liessen sich die für die Populationsdynamik wichtigen Faktoren Einwanderung, Abwanderung und Überlebensrate schätzen. Über 90 % der ins Gebiet zurückkehrenden Jungvögel siedelten sich zum Brüten nicht an ihrem Geburtsort, sondern an einem anderen Hof an. Bei den Altvögeln wechselten dagegen von Jahr zu Jahr nur 17 % ihren Brutort. Sowohl Jung- als auch Altvögel der höchstgelegenen Höfe wanderten bevorzugt an überdurchschnittlich tief gelegene Brutplätze ab. An hochgelegenen Höfen siedelten sich dagegen fast ausschliesslich Jungvögel an.
Die Ergebnisse lassen sich so erklären: Rauchschwalben fressen praktisch nur Fluginsekten. Deren Aktivität ist wärmeabhängig und in Hochlagen wegen Kälteeinbrüchen oft reduziert. Wegen des geringeren Bruterfolgs sind hochgelegene Brutplätze deshalb wenig beliebt. Im Frühling werden daher von Altund Jungvögeln erst die tiefen Lagen besiedelt, bis alle guten Nistplätze besetzt sind. Später eintreffende und schwächere Tiere, meist Jungvögel, müssen dann in höhere Lagen mit geringerer Konkurrenz, aber schwierigeren Lebensbedingungen ausweichen.
Nach Jahren mit gutem Bruterfolg ist durch die Einwanderung von vielen Jungvögeln also ein Anstieg der oberen Verbreitungsgrenze zu erwarten, nach Jahren mit schlechtem Bruterfolg dagegen ein Absinken.
Grüebler, M. U., J. von Hirschheydt & F. Korner- Nievergelt (2021): High turnover rates at the upper range limit and elevational sourcesink dynamics in a widespread songbird. Scientific Reports 11: 18470. doi.org/10.1038/s41598- 021-98100-x.