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Drehen wir das Rad der Zeit um 50 Jahre zurück: 1973 bekam Billy Cobham einen Vertrag beim Label Atlantic und veröffentlichte sein erstes Album «Spectrum», das vom Billboard Magazine prompt als beste Jazz-Platte ausgezeichnet wurde. Die Scheibe gilt weithin als eines der wichtigsten stilbildenden Alben des Jazzrock. Im selben Jahr landete er an der Seite von Eumir Deodato (Keyboards) und Stanley Clarke (Bass) mit dem Titel «Also sprach Zarathustra» (Filmmusik für Stanley Kubriks «2001: A Space Odyssee») in den USA und in Grossbritannien einen Top-10-Erfolg.
Von den Schlagzeug-Sticks zum Squash-Racket
Als er Ende der 70er mit dem Mahavishnu Orchestra in Zürich weilte, überzeugte ihn unsere Stadt durch ihre ruhige und friedliche Art. Er nahm sich eine Wohnung unterhalb des Klusplatzes und trat dem Grasshopper Squash Club bei. Der schnelle Racketsport war für ihn die ideale Betätigung, um fit zu bleiben und die teils langen Welttourneen in bester Form antreten zu können. Den meisten Mitgliedern von GC Squash werden Billys Club-Konzerte noch als absolute Highlights in Erinnerung sein. Es gab in den 90ern ein paar legendäre Abende, an denen der Drum-Maestro vor einem stolzen Publikum spielte und seine persönlichen Fans musikalisch verwöhnte. Cobham ist ein Star zum Anfassen geblieben und gab sich auch bei Interviews sehr redselig, ohne je auf die Uhr zu schauen.
Mit neuen Hüften und altbewährten Stücken
Zum fünfzigjährigen Jubiläum von «Spectrum» formierte er nun die «Spectrum 50 Band». Das erste Konzert dieser Tour-Reihe fand am 6. Mai im Jazzclub Moods statt. Cobham trat im Quartett mit Rocco Zifarelli (Gitarre), Gary Husband (Keyboards) und Michael Mondesir (Bass) auf. Er begann den Gig mit «Crosswinds», das dem Schweizer Fernsehpublikum noch als Titelmusik der Sendung Rundschau (Mitte 70er- bis Ende 80er-Jahre) bekannt sein dürfte. Immer noch auf Tour zu gehen, gehört für Billy zum Lifestyle. Er möchte so lange Schlagzeug spielen und Konzerte geben, «bis seine Lichter ausgehen», wie er meinte. Dabei behindern ihn auch die nicht mehr so geölten Hüften kaum («my hips are very unhip right now»), welche er nun eine nach der anderen mit einem künstlichen Hüftgelenk stützen möchte. Eines wurde bereits eingesetzt, weshalb er mithilfe eines Stocks auf die Moods-Bühne kam. Seinen schnellen und präzisen Schlägen auf den gut 20 Töpfen und Cimbales tat dies indes keinen Abbruch. Noch immer ist der spieltechnische Unterschied zwischen rechter und linker Hand bei ihm aufgehoben – ein Hinweis auf Cobhams hohes Niveau. An die Ausübung seines geliebten Golfsports ist aber zurzeit kaum zu denken und «Squash is history».
Späte Ehre in Panama
Sonst überall ein Weltstar, hat ihn sein Geburtsland Panama bisher noch nicht allzu sehr gefeiert. Dies soll sich Anfang des nächsten Jahres ändern, wenn Billy zu Ehren in seinem achtzigsten Altersjahr eine Konzertreihe organisiert wird. Einer der programmierten Leckerbissen wird ein Auftritt neben Ron Carter (Bass) und Danilo Perez (Piano) sein.
Marco Valpiani