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Gladiator (nein, nicht das Sandalenepos von Ridley Scott!) ist einer der wenigen Goldsmith Musiken, die es nicht in den Film geschafft haben. Scheinbar traf sein Score nicht den Geschmack von Ex-Wrestler Rowdy Harrington, der darauf Brad Fiedel anstellte um das Boxerdrama zu untermalen. Das Album, das damals erschien, erhielt jedoch nur Songs.
So wie es Goldsmith auch schon getan hat, wenn einer seiner Scores verworfen wurde, sind in Gladiator Motive zu hören, die später, in The Russia House und noch deutlicher ein Jahr nach Gladiator in The Vanishing nämlich, Wiederverwendung fanden. Es sind das jazzig angehauchte Liebesthema des Films, welches in zB. in „Good Luck/The Real Thing“ aber auch „Romano’s Dead“ zu hören ist sowie das Intro zu „I Owe“ oder „No Gloves“. Momente der Suspensemusik sollte er in The Vanishing verwenden.
Überhaupt ist in Gladiator einiges an Jazz und Blues zu hören, so öffnet Goldsmith desöfteren selbst mehr actionorientierte Stücke wie „A Favor“ damit und führt diesen mit deftig Funk weiter, Orchester (Blech und Streicher), Schlagzeug, E-Bass und Synthesizer sowie Synthdrums sind hier zu hören. Diese funkige Seite gibt Gladiator ein wirklich erfrischenden Touch und etwas was man von Goldsmith nicht allzu oft zu hören bekommen hat – insbesondere im Zusammenhang mit elektronischen Beigaben.
Im komplexen Track „My Baby/My House“ etabliert Goldsmith ausserdem in der Mitte des Stücks einen triumphalen Moment, wie er es in Hoosiers mit ähnlichen Mitteln getan hat: Blech, Synthieklänge und Simmonsdrums im Sportfilmgewand. Dieser musikalische Triumph ist in in einer ausführlicheren Version ab Mitte des Stücks „No Gloves/Refund/Get Him“ wieder zu hören.
Anders als es immer durch die Filmmusik-Internetgazetten geisterte, ist Gladiator also kein reiner Synthiescore, sondern ein Mix aus Orchester und Elektronik, wie wir ihn von Goldsmith in den 80ern und um die Jahrzehntewende oft zu hören bekommen haben. So oder so ist Gladiator ein sehr kurzweiliges Vergnügen und zweifellos, wenn man den Mit-92er Mr. Baseball in Betracht zieht (was eigentlich kein Massstab ist), eine gelungene Bereicherung für die Sammlung, sofern man Goldsmiths Einsatz von Simmonsdrums und andere elektronische Beigaben denn mag. Nun fehlt in Sachen rejected! nur noch sein Score zu The Public Eye (Mark Isham) und dann wäre die Liste komplett.
1992 war eines der geschäftigsten Jahre in der Karriere des Filmkomponisten. Inklusive Gladiator hatte er 7 Filme auf dem Programm, darunter Scores wie Basic Instinct, der dem erotischen Thriller für Jahre einen musikalischen Stempel aufdrückte und das Sean Connery/Amazonas Vehikel Medicine Man(die anderen waren Mom and Da to Save the World, Love Field, Forever Young, Mr. Baseball und der TV-Film The Bogie Man).
Schade ist der Score mit 35 Minuten recht kurz ausgefallen, auch wäre es interessant gewesen, hätte man hier Brad Fiedels replacement score beifügen können – wahrscheinlich ist das an rechtlichen Belangen gescheitert (das Booklet gibt darüber leider keine Auskunft). Es gab bezüglich der Länge des Intrada-Albums jedenfalls den ein oder anderen Nasenrümpfer zu vernehmen.
Das Soundtrack Library Bootleg übrigens hat eine Länge von 55 Minuten verteilt auf 26 Tracks. Da ich dieses nicht besitze, kann ich nicht sagen, was dort noch an Musik zu hören ist.