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Suspense und Engagement: Eric Ambler (28. Juni 1909 - 22. Oktober 1998)
Marseille, Herbst 1934. Der junge Brite, der Tags zuvor den letzten Penny verpokert hat, sitzt abgebrannt und hungrig auf dem Zimmer und stellt sich vor, draussen vor dem Hotel ereigne sich ein Attentat. Und staunt nicht schlecht, als am 9.Oktober dann an eben dieser Stelle Aussenminister Barthou und der jugoslawische König Alexander ermordet werden!
Eric Ambler heisst der phantasievolle Engländer, der nach einem abgebrochenen Ingenieurstudium bis dahin weder als Song-Schreiber noch als Dramatiker, sondern bloss als Werbetexter für Abführmittel Erfolg gehabt hat. Nach diesem «Urerlebnis» abersteht fest: er wird Thriller schreiben, politische. Und er wird das Genre nach Kräften «intellektualisieren». «The dark Frontier» und «Uncommon Danger» heissen 1936/37 Roman eins und zwei. Während Nr.1 drei Jahre vor der ersten Atomspaltung die Erfindung der Atombombe beschreibt, entlarvt Nr.2 den Deal zwischen Big Business, Hitler und Mussolini. Ein erster Höhepunkt aber ist 1939 «The Mask of Dimitrios»: Der Schriftsteller Latimer gerät bei den Recherchen nach dem Schicksal des ermordeten Dimitrios Makropoulos selbst in jenes alptraumhafte kriminelle Gefüge hinein, wo der Zufall sich als wahrer Herrscher des Weltgeschehens erweist. Der Biograf Stefan Howald hat 2002 belegt, dass die parallel zu einer Reihe von Hollywood-Drehbüchern ab 1951 entstandenen 12 Romane Amblers Möglichkeiten erst voll zur Geltung brachten. In «The Night-Comers» z.B. rechnete er 1956 mit dem Kolonialismus ab, in «The Intercom Conspiracy» brachte er 1970 die Wirtschaftskriminalität, in «The Levanter» 1972 den Nahost-Konflikt aufs Tapet. «Verlust der Unschuld» ist das Hauptthema dieses Autors, der seine Bücher, ganz Gentleman, in Anzug und Krawatte schrieb. In London, in den USA, am Genfersee und, nach einem Unfall auf der N 1, wieder in London, wo er am 22.Oktober 1998 89jährig starb.