Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/186333

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird aufgefordert, in einem Synthesebericht darzulegen, wie es in der Schweiz um die Verschmutzung von Innenraumluft steht, sowie die verschiedenen Ursachen des Problems und seine Auswirkungen auf das Gesundheitswesen aufzuzeigen. Es sollen zudem die verschiedenen möglichen Massnahmen zur Verringerung dieser Luftverschmutzung beleuchtet und jeweils deren Vor- und Nachteile beurteilt werden.</p><p>Bei der Verschmutzung von Innenraumluft handelt es sich um ein Problem, dessen man sich gerade erst bewusstwird. Eine kürzlich in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlichte Studie verdeutlicht seine Komplexität: Kosmetika, Raumdüfte, Beschichtungen, Klebstoffe und Farben geben flüchtige organische Verbindungen ab, die unserer Gesundheit schaden. Aus gewissen Textilien und Kunststoffen mit einer Brandschutzbeschichtung entweichen zudem hormonaktive Stoffe, die an den Staubpartikeln der Raumluft haften bleiben. Auch Schimmelpilze und Radon beeinträchtigen unsere Gesundheit. Die französische Agentur für Gesundheitssicherheit hat die sozioökonomischen Kosten der Verschmutzung von Innenraumluft in einem Bericht aus dem Jahre 2014 mit 19 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Zeitgleich bestätigte ein Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit in der Presse, dass in unserem Land jährlich etwa 3700 vorzeitige Todesfälle auf diese Art der Luftverschmutzung zurückzuführen seien.</p><p>Der Bundesrat wird aufgefordert, in seinem Bericht die Daten bereitzustellen, die für ein klares Verständnis dieses Problems notwendig sind, insbesondere aus Sichtweise des Gesundheitswesens. Die Situation für bestimmte besonders anfällige Gruppen, wie Kleinkinder, ist darzulegen. Der Bericht soll die unterschiedlichen Quellen der Verschmutzung und Möglichkeiten zu ihrer Verringerung analysieren. Auch die Frage, zu welchem Grad die Konsumentinnen und Konsumenten über die Emissionen aus verschiedenen betroffenen Produkten informiert werden (Baustoffe und Bauweisen, Möbel, Kunststoffgeräte, Raumdüfte, Kerzen, ätherische Öle, Kosmetika, Reinigungsprodukte usw.), muss behandelt werden. Wie kann eine erhöhte Transparenz über die Auswirkungen dieser Produkte gewährleistet werden? Wie kann die Verwendung der am wenigsten schädlichen Produkte gefördert werden? Gibt es für die verschiedenen betroffenen Produkte weniger schädliche Alternativen? Falls nicht, wie kann deren Entwicklung angeregt werden? Gibt es Bereiche, in denen bessere Information, die Förderung spezieller Labels, Anreize oder Verbote Wirkung zeigen könnten? Welche Massnahmen bestehen hinsichtlich dieser Problematik in anderen Ländern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Fast 90 Prozent der Zeit halten wir uns in Innenräumen auf. Die Qualität der Innenraumluft ist von grosser Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden. Sie kann durch verschiedene Quellen belastet sein: durch Schadstoffe aus der Aussenluft, aus dem Baugrund, aus Gebäudematerialien, Einrichtungen und Geräten sowie durch die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Aktivitäten. Für den Einfluss der Aussenluftverschmutzung und für Radon liegen sowohl Messreihen der Belastung wie auch Daten aus grossen epidemiologischen Studien vor (Belastung der Aussenluft: etwa 3000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr; Radon-Belastung: etwa 200 bis 300 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr). Für die vielfältigen anderen Belastungen in Innenräumen ist es zurzeit kaum möglich, quantitative Abschätzungen zu den möglichen Gesundheitsfolgen zu machen.</p><p>Vonseiten des Bundes sind in den vergangenen Jahren indes bereits verschiedene Massnahmen zur Identifizierung und Verringerung der Schadstoffbelastung in Innenräumen ergriffen worden. Dazu gehören der Aktionsplan Radon, der Aktionsplan Radium, die chemikalienrechtliche Beschränkung der Verwendung von besonders besorgniserregenden chemischen Stoffen, die Entwicklungen im Bauprodukterecht betreffend Emissionen aus Bauprodukten, die Lancierung eines Pilotprojekts zu einem schweizweiten Human-Biomonitoring-Programm sowie insbesondere auch die Empfehlungen des BAG zur Vermeidung oder Verminderung der Belastungen in Innenräumen (<a href="http://www.wohngifte.admin.ch">www.wohngifte.admin.ch</a>).</p><p>Diese Massnahmen werden im Rahmen der bundesrätlichen Strategie Gesundheit 2020 evaluiert. Der Bundesrat erachtet einen zusätzlichen Synthesebericht darum als nicht zielführend.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.