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Sebastian Beck, an der WM Ende Juli starten 48 Teams pro Geschlecht. Wie ist das Niveau einzuschätzen im Vergleich zu Gstaad, Olympischen Spielen oder der EM?
Man muss die WM in zwei Teilen betrachten. Grundsätzlich ist dieser Event für die Topnationen ein Zielwettkampf, die besten Teams der Welt sind am Start und werden mit ihrem besten Beachvolleyball um den Titel kämpfen. Seitdem der Weltverband bei WMs im Elite und Nachwuchsbereich eine Kontinentalquote eingeführt hat, gibt es im ersten Teil, also in der Gruppenphase, diverse Teams, welche noch nie auf diesem Level gespielt haben und demnach überfordert sein werden. Ich bedaure diese Regelung etwas. Denn die Entwicklung einer Sportart sollte auf den Kontinenten geschehen, nicht über Quoten. Nico Beeler/Marco Krattiger, welche bisher eine gute Saison spielen, verpassen dadurch leider die WM und können sich nicht an einem Grossanlass mit den Besten messen. Das System ist aber so und es geht darum, diese Challenge anzunehmen. Nach der Gruppenphase werden wir ein spannendes Turnier auf höchstem Niveau erleben. Die Weltspitze ist sehr nahe beieinander und in Gstaad wird sich zeigen, wer sich in die Favoritenrolle zu spielen vermag.
Die Schweiz nimmt mit zwei Frauen-Teams teil. Wer ist aus deiner Sicht Favorit für einen Platz auf dem Podest?
Meiner Meinung nach sind die Favoritenrollen vergleichbar mit denen an den Olympischen Spielen in Rio. Brasilien ist mit den arrivierten Larissa/Talita sowie den aufstrebenden Agatha/Duda am Start und wird komplettiert mit Barbara/Fernanda und Carol/Maria Antonelli. Ich gehe davon aus, dass auch die Olympiasiegerinnen Ludwig/Walkenhorst ihre Formkurve Richtung WM deutlich ansteigen lassen werden – sie spielen derzeit noch unter Wert. Spannend ist die Ausgangslage im amerikanischen Lager. Nachdem sich Walsh-Jennings/Ross zu Beginn der Saison getrennt haben, gehen sie nun mit anderen Partnerinnen an den Start. Beide Spielerinnen gehören zur absoluten Weltspitze – wie sich die neuen Partnerschaften entwickeln, wird man unter anderem in Gstaad sehr genau verfolgen. Dahinter gibt es einige Duos, welche die Fähigkeiten besitzen diese Teams zu schlagen. Ich denke, dass wir Schweizer in diese Gruppe gehören.
Wie schätzt du die aktuelle Formkurve von Hüberli/Betschart ein? Was dürfen wir von diesem Duo in Wien erwarten?
Nina und Tanja haben an einigen Turnieren ziemlich konstant gespielt und sind bereit für die WM. Auch wenn es für Nina die erste Teilnahme an einer Elite-WM ist, so hat sie mit Gold an den European Games und der U21-WM gezeigt, dass sie mit Grossanlässen sehr gut umgehen kann. Ohne die Auslosung zu kennen ist eine Prognose ein Wagnis, ich bin aber überzeugt, dass die beiden aus dem Pool kommen und es dann in der K.O.-Phase um Auslosung und Tagesform gehen wird. Wir wollen wie bei jedem Turnier in die Top10. In Den Haag hatten die beiden den Pool gewonnen, dann aber mit Agatha/Duda ein Topteam erwischt. Dies zeigt, dass nicht alles berechenbar ist. Fakt ist: Wer weit nach vorne will, wird Top-Teams eliminieren müssen – früher oder später.
Und wie steht es um das neu formierte Duo Heidrich/Vergé-Dépré?
Die Automatismen und die Abstimmung bei Joana und Anouk kommen immer besser in Gang. Während wir zu Beginn der Saison viel Beachvolleyball denken mussten, kommen wir jetzt immer mehr ins spielen. Wenn sie befreit, mutig und aggressiv auftreten, dann hat man in Den Haag gesehen, zu was die beiden im Stande sind und über welche Möglichkeiten sie im Angriff verfügen. Dann sind sie ein sehr gefährliches Team. Sie werden dieses Level noch nicht in jedem Spiel abrufen können, was auch völlig in Ordnung ist. Die Turniere in Porec und Gstaad werden uns bei der Standortbestimmung helfen. Dank ihrer Erfahrung beschäftigen sie sich jetzt anders mit einer WM als noch vor 2 oder 4 Jahren. Es wird spannend sein dies zu beobachten.
Mit welchen Zielen reist die Schweizer Delegation nach Wien?
Wir sind keine Freunde der Tiefstapelei und wir sind auch kein Projekt, welches wild mit Zielen um sich wirft. Faktisch ist die bisherige Saison strukturell keine Wunschsaison. Es gibt viel zu wenige Turniere und Spiele auf höchstem Niveau, das lässt noch keine genaue Standortbestimmung zu. Wir freuen uns, bei den Majors von Porec und vor allem Gstaad auf Top-Niveau spielen zu können und endlich in einen Wettkampfrhythmus zu kommen. Wir wollen in die Top10 und sind bereit, alles in die Waagschale für mehr zu werfen, wenn sich uns die Gelegenheit bietet.
Warum sollen Schweizer Beachvolleyball-Fans in einem Monat nach Wien kommen?
Wer schon an einem Major-Event zu Gast war, der weiss, dass es sich nicht nur um ein sportliches, sondern auch um ein organisatorisches Highlight handelt. Hinter der WM stecken die Macher des Events von Klagenfurt. Wer also Beachvolleyball nicht nur sehen, sondern auch fühlen möchte, für den ist Wien eine Reise wert. Zudem gehört die Stadt zu einer der Metropolen in Europa, die kulturell ungeheuer viel bietet. Was gibt es also Schöneres als Beachvolleyball vom Feinsten auf der Donauinsel und Erkundungstouren durch die hippsten Stadtviertel zu kombinieren. Und natürlich sollen die Fans unsere Schweizer Duos nach vorne treiben und unterstützen. Wir freuen uns auf die WM mit euch!
©Swiss Volley