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Worüber reden eigentlich Rennfahrer, wenn sie unter sich sind? Beim GP von Tschechien in Brünn haben sich Tom Lüthi und Dominique Aegerter zum gegenseitigen Interview an den Tisch gesetzt.
Zum ersten Mal in der Geschichte (seit 1949) hat die Schweiz zwei Siegfahrer in der zweitwichtigsten Töff-WM. Dominique Aegerter und Tom Lüthi sind in der Moto 2-WM Konkurrenten auf der Rennpiste und privat pflegen sie nur oberflächlichen Kontakt. Was möchten die beiden voneinander eigentlich gerne wissen?
Vor dem GP von Tschechien in Brünn sind die beiden an den Tisch gesessen und haben sich auf den Zahn gefühlt. Ja, es stimmt: Rennfahrer und junge Männer interessieren sich vor allem für Technik, Geld und…Frauen.
Dominique Aegerter: Wie viel verdienst Du eigentlich?
Tom Lüthi: Oh, ich kann ganz gut überleben. Gute Antwort, gell? Und Du, wie viel verdienst Du?
Dominique Aegerter: Oh, ich kann auch ganz gut überleben. Gute Antwort, gell?
Tom Lüthi: Ja, ja, perfekte Antwort.
Dominique Aegerter: Verdienst Du mehr mit dem Salär vom Team oder durch Deine persönlichen Sponsoren?
Tom Lüthi: Es ist ein Mix. Durch die Werbeflächen auf dem Kombi und auf dem Helm, die ich selber vermarkten darf, verdiene ich mehr. Und Du?
Dominique Aegerter: Bei mir ist es ähnlich: Etwa 70 Prozent durch meine persönlichen Sponsoren und ich versuche in den Verhandlungen, mehr Werbefläche zu bekommen.
Tom Lüthi: Was war da eigentlich mit Deinem gelben Kombi und Deinem gelben Töff in Indianapolis?
Dominique Aegerter: Gelb ist meine Lieblingsfarbe und ich wollte schon immer mehr gelbe Farbe auf der Verschalung und auf meinem Kombi. Aber es geht wegen der Sponsoren nicht. Ich habe wohl meinen Teammanager Fred Corminbeuf genervt. Jedenfalls hat er vor zwei Jahren gesagt: Also gut, wenn Du einen GP gewinnst, dann darfst Du das nachfolgende Rennen in Gelb bestreiten. Nach dem Sieg auf dem Sachsenring war es nun in Indianapolis soweit. Und nun sag mal: Wechselst Du jetzt für nächste Saison von der Suter auf die Kalex?
Tom Lüthi: Ich bin noch nicht sicher, bin hin- und hergerissen. Du gewinnst Rennen mit der Suter, ich weiss. Ich denke, es ist immer noch so, dass die Suter besser sein kann.
Dominique Aegerter: Also. was fährst Du jetzt nächstes Saison?
Tom Lüthi: Ich weiss es wirklich noch nicht. Eigentlich sollte ich mich hier in Brünn am Sonntag entscheiden. Aber ich denke, dass wir diese Entscheidung noch etwas hinauszögern können. Und Du, was fährst Du nächste Saison?
Dominique Aegerter: Ja, Ich bin mir auch noch nicht sicher.
Tom Lüthi: Was sind eigentlich mittel- und langfristig Deine Ziele?
Dominique Aegerter: Diese Saison der dritte WM-Gesamtrang, nächste Saison um den WM-Titel fahren und dann ein Platz in einem guten MotoGP-Team. Was hälst Du von der MotoGP-Klasse?
Tom Lüthi: Es weiss eigentlich keiner, wie es weiter geht, ob es weiterhin eine Zweitklassengesellschaft bleibt in die wir Schweizer fast unmöglich reinkommen oder ob es bald eine offenere, ausgeglichenere und für uns realistische Kategorie wird. Mein Traum ist die MotoGP-Klasse nach wie vor. Aber nur auf kompetitiven Maschinen.
Dominique Aegerter: Welche Fragen der Journalisten nerven Dich am meisten?
Tom Lüthi: Diese Fragerei nach meinem Privatleben. Ob ich nicht bald heiraten und Familie wolle und so. Ich gebe dann halt nur vage Antwort.
Dominique Aegerter: Und wie reagierst Du darauf?
Tom Lüthi: Ich gebe unverbindliche Antworten. Und Du, welche Fragen magst Du nicht?
Dominique Aegerter: Ich mag auch alle diese Fragen rund um Frauen gar nicht. Aber es nimmt mich schon wunder, wie es möglich ist, dass Du schon so viele Jahre mit Fabienne zusammen bist (seit 2006 – die Red.) Wie machst Du das?
Tom Lüthi: Hast Du denn immer noch keine Freundin?
Dominique Aegerter: Nein, noch nicht. Deshalb ja meine Frage, wie Du das schaffst, so lange mit der gleichen Frau zusammen zu sein.
Tom Lüthi: Denkst Du, dass das so schwierig ist? Wird Dir eine Frau so schnell langweilig? Dann hast Du halt noch nicht die richtige kennen gelernt.
Dominique Aegerter: Na ja, unser Sport bringt es halt mit sich, dass wir, wie soll ich es ausdrücken, na ja, dass wir eben viele Frauen kennen lernen.
Tom Lüthi: Es passt bei uns einfach. Es ist nicht leicht, ich bin viel unterwegs. Fabienne hat mich schon mit diesem Job kennen gelernt und muss in Kauf nehmen, dass ich so viel weg bin. Sie hat auch ihre Karriere und ihre Arbeit und wir arbeiten ja auch zusammen. Sie hilft mir bei der Vermarktung. Das gibt eine gute Balance.
Dominique Aegerter: Ja, wenn das so gut passt, ist das natürlich okay.
Tom Lüthi: Glaubst Du nicht, eine Freundin würde auch Dir für Deine Karriere als Rennfahrer gut tun?
Dominique Aegerter: Gut für was? Für meine Kondition?
Tom Lüthi: Nein, nein, aber als Rückhalt.
Dominique Aegerter: Na ja, ich habe auch schon gedacht, dass es schön wäre, eine Freundin zu haben. Aber ich kann einfach nicht treu sein. Es wird wohl schon so sein, dass ich noch nicht die Richtige gefunden habe. Das ist halt irgendwie unser Leben: Rennen fahren und Frauen. Und bei Dir ist es Rennen fahren und eine Frau.
Tom Lüthi: Ja, ja, schon gut. Wie trainierst Du eigentlich? Ich höre immer wieder, dass Du vor allem sehr viel fährst. Aber hast Du auch ganz spezielle, aufs Motorradfahren ausgerichtete Trockentrainings? Ich arbeite mit meinem Fitnesstrainer an solchen Übungen.
Dominique Aegerter: Ich versuche im Winter gezielt die Muskeln zu trainieren, die während der Saison schmerzen. Aber während der laufenden Saison ist nicht mehr viel gezielt zu machen. Da geht es vor allem um die Grundkondition. Nun etwas ganz anderes: Hast Du Dir eigentlich schon Gedanken gemacht, was Du nach Deiner Karriere machen willst?
Tom Lüthi: Ja ich habe schon oft darüber nachgedacht. Ich bin mir bewusst, dass es auch ein Leben nach dem Rennsport geben wird. Aber ich weiss einfach noch nicht, was ich dann tun soll. Entweder werde ich in irgendeiner Funktion mit dem Rennsport verbunden bleiben oder ganz was anderes machen.
Dominique Aegerter: Was denn zum Bespiel?
Tom Lüthi: Vielleicht Hubschrauberpilot oder etwas rund um Hubschrauber. Das interessiert mich sehr.
Dominique Aegerter: Was wärst Du eigentlich heute, wenn Du nicht Rennfahrer geworden wärst?
Tom Lüthi: Nichts.
Dominique Aegerter: Was nichts?
Tom Lüthi: Ich wollte unbedingt Rennfahrer werden und wusste, als ich aus der Schule kam nicht, was ich sonst noch hätte werden können. Ich habe mal mit einem Kollegen eine zweitätige Schnupperlehre in einer Schreinerei gemacht. Aber das war nichts für mich. So setzte ich auf den Rennsport und sagte mir: Wenn es mit 20 nicht geklappt hat, bleibt mir noch genug Zeit um noch eine Lehre zu machen. Und Du?
Dominique Aegerter: Habe eine Lehre als Motorradmechaniker in der Garage meines Papas angefangen.
Tom Lüthi: Ach ja?
Dominique Aegerter: Ja sicher. Ich habe die Lehre dann nach drei Monaten abgebrochen, als ich meinen ersten Vertrag in der WM bekommen habe.