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Dubai, 2012
Non il n’a pas besoin d’ami. Il ne veut pas de compagnie Il veut rester seul dans son coin. Avec son verre et son chagrin.
Stephan Eicher, 2012
Zurück im Flugzeug, um den xten Langstreckenflug in drei Wochen zu absolvieren. Noch am Flughafen war ich den Tränen nahe, weil ich nicht wusste, ob es richtig war, einen Tag früher abzureisen als geplant. Ich weiss immer noch nicht, ob es richtig ist. Mich quält das Gefühl, mich aus Müdigkeit dem Abenteuer verweigert zu haben. Du hast für die Emiraten gearbeitet, die mich nach Dubai geflogen hatten. Du bist aus Sydney und lebst in Dubai. «I love it». Du hast Dich eine Stunde zu spät gemeldet. Ich hatte den Flug bereits verschoben, die Möglichkeit mit Dir zu schlafen, mit Dir einzuschlafen bereits verworfen. Jetzt trauere ich der verpassten Möglichkeit nach.
Dubai. Die absurdeste Destination, die ich bisher besucht habe. Mitten in der Wüste stehen Wolkenkratzer und Hotelgefängnisse, die unvernünftig Wasser und Energie verschwenden. Dubai hat sich durch die Emiraten und seinen Flughafen zu einem Hub der Interkontinentalflüge entwickelt, das offenbar immer mehr Touristen nutzen, um ein paar Tage im künstlichen Paradies zu verbringen. Das merkwürdigste ist die Abwesenheit der Araber. Betritt man den Flughafen, so sieht man ein paar Scheiche, die andächtig durch die hohen Hallen wandeln. Weissgekleidete Polizeiprinzen suchen gleichzeitig zum Scannen der Identitätspapiere einen kleinen Schwatz. Ausserhalb des Flughafend betreten die Arbeit- und Hoffnungsuchenden Arbeitenden von den südasiatischen Inseln (prüfen) und vom indischen Subkontinent die Dienstleistungsbühne, ohne sie bis zum Abflug wieder zu verlassen.
Die Hitze ist drückend. Auch deshalb fühlt man sich genötigt, die Taxis für die Überwindung der Distanz zu benutzen. In den kurzen Fahrten erhält man Einblick in die Schicksale, die in bizarrem Kontrast zu den in den Malls und Hotelanlagen verkauften Träumen stehen. Grimmige Gesichter. Unmut über den Reichtum der reisenden Europäer. Ein Pakistaner, der Taxi fährt, um seine Familie zu ernähren, die er einmal im Jahr zweimonatelang besucht. Überall wird das unverbindliche Englisch gesprochen, das nicht unter die Oberfläche reicht. Ich fahre zu einer Moschee, wo ich an einer religonenvermittelnden Führung teilnehme und mich frage, ob der Kapitalismus die Individualisierung der Religion tatsächlich vollendet wird. Ich gehe durch die Wüste, bin ob der tiefen Preise im Supermarkt überrascht, weiss nicht, ob das Trinken des Mangosaftes in der Öffentlichkeit regelkonform ist. Ich streife angewidert durch eine Mall. Ich warte auf Deine Kurznachrichten, gebe mich ihren Phantasien hin, gehe dann trotzdem um 21 Uhr schlafen.
24 Stunden. Warum diese Schwermut? Vielleicht hätte ich gestern ausschlafen sollen, um einen zweiten Tag zu überstehen, um statt in der Hitze in der Dämmerung durch Dubai zu streifen, um dem arabischen näher zu kommen, um vom vorgetäuschten Luxus zu profitieren, um das sexuelle Abenteuer nicht zur denken sondern tatsächlich zu erleben, um in Deinen Armen einzuschlafen,um durch eine kleine Illusion aus der Einsamkeit auszubrechen. Vielleicht war es richtig, die Reise um einen Tag zu verkürzen, nach Hause, zur Arbeit, zu den Katzen und zu den sichereren Routinen zurückzukehren. Vielleicht. Die Zerrissenheit des Vielleichts erhält die Spannung des Ichs. Im Nebel über Zürich, wo zwischendurch der farbige Herbst leuchtet, stellt sich die Ruhe der Heimat ein.