Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03165.jsonl.gz/1939

Die beiden letzten Filme des Ex-Monty Python Terry Gilliam, der u.a. bei solch exzellenten Filmen wie Brazil, The Meaning of Life (Der Sinn des Lebens), Time Bandits, The Life of Brian (Das Leben des Brian) Regie geführt hat, haben einiges gemeinsam. Zum einen sind seine beiden letzten Werke extrem zäh und teilweise auch etwas langweilig, bedienen sich aber einer faszinierenden Bildsprache, die eigentlich die ganze Story des Films erzählen soll, dies aber nicht so recht tut und zum anderen die musikalische Ebene, die dies, zumindest in diesem Fall, etwas besser tut. Dafür verantwortlich waren die kanadischen Brüder Jeff und Mychael Danna.
Der Film erzählt die Geschichte des unsterblichen Dr. Parnassus (Christopher Plummer), der die außergewöhnliche Gabe besitzt die Menschen mit seinem Spiegelkabinett der Alltagswelt entfliehen und in fantastische Welten eintauchen zu lassen. Das Geheimnis seiner Langlebigkeit beruht auf einer von vielen Wetten mit dem Teufel in der Gestalt von Mr. Nick (Tom Waits), in der der unermüdliche Spieler ihm die Seele seiner hinreißenden Tochter Valentina (Lily Cole) zu ihrem 16. Geburtstag versprochen hat. Bei der Tour des antiquierten Zirkuswagens durch London finden sie unter einer Brücke den an einem Seil aufgehängten Gauner Tony (Heath Ledger, Johnny Depp, Colin Farrell, Jude Law) in den sich Valentina verliebt. Dr. Parnassus versucht durch eine weitere Wette mit dem Teufel seiner Tochter zu helfen: Wer zuerst fünf Seelen verführt, dem solle auch jene Valentinas gehören.
Wie sich der Film und das Script wirklich ursprünglich entwickelt hätten, werden wir wohl kaum erfahren, denn der Hauptdarsteller Heath Ledger verstarb während der Dreharbeiten und seine Rolle wurde von einem Schauspielerkollegium (Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law) übernommen. Das endgültige Ergebnis ist als Film eher enttäuschend. Herausragend bleiben die visuellen Effekte und der durchaus passende und stilistisch abwechslungsreiche Score.
Das angenehm zu hörende, zentrale Thema mit dem Zusammenspiel von Cello, Cembalo und Violine, kommt am Besten im Track 1: Once Upon a Time und noch einmal zum Ausklang im Track 22: Parnassus Alone zur Geltung.
Zwischen dem ersten und dem letzten Track – manchmal sogar innerhalb einzelner Tracks (Four Through the Mirror) – bekommt man eine sehr breite Mischung aus verschiedenen Stilen zu hören, darunter einen Tango (Track 12), in dem die Solovioline den Teufel zu einem Tanz mit dem Budapest Film Orchestra einlädt und einen etwas moderneren Tango (diesmal mit dem typischen Akkordeon als Lead-Intsrument) in Track 20 (The Devil’s Dance).
Modern Jazz Elemente sind hingegen in den Tracks 5 (The Monastery) und Track 8 (The First to Five Souls), Zirkusmusik im Track 14 (Four Through the Mirror) und dynamische Actionmusiken in den Tracks 9 (Escape from the Pub) und Track 15 (The Ladder World), sowie Track 19 (Tony’s World Collapses) zu hören.
Die Texte zu den Songs We Love Violence – eine Hommage an die Monty Python Songs der 1970er – und We are the Children of the World– eine Persiflage von Michael Jacksons We are the World – stammen vom Regisseur Terry Gilliam. Zu den schönsten und lyrischsten Momenten des Scores gehört sicherlich Track 7 (Sympathy for the Hanged Man). Großorchestrales Flair bietet noch der vorletzte Track 21: Tony’s Salvation.
Der Score ist meines Erachtens sicherlich nicht weltbewegend oder gar der Beste des letzten Jahres, aber eine durchaus interessante Mischung, die viele angenehme und hörenswerte Tracks bereit hält, aber genauso viele Cuts, die nicht nach meinem Geschmack sind. Was soll’s: schlussendlich bleiben sowieso eher die Melodien in Erinnerung, die einem gefallen haben.
The Imaginarium of Doctor Parnassus ist eigentlich mehr ein Score, der den Kopf als das Gefühl anspricht und bei dem man durch mehrmaliges Hören immer wieder andere Details wahrnimmt.
So wie im Film wird wohl jeder selbst sein eigens Imaginarium beim Hören des Scores betreten und seine eigenen musikalischen Vorstellungen bzw. Präferenzen mitbringen und sich daraus ein eigenes Urteil bilden – egal ob die Bilder des Films dabei nun im Kopf präsent sind oder nicht.