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Chelidonium majus L.
Botanische Familie
Papaveraceae, Mohngewächse
Heimat
Seinen Ursprung hat das Schöllkraut im eurasiatischen Raum. Hierzulande findet das stickstoffliebende Kraut weite Verbreitung in der Nähe von Siedlungen, entlang von Mauern und Schuttplätzen.
Beschreibung
Das ausdauernde Schöllkraut aus der Familie der Mohngewächse kann bis zu 80 cm hoch werden. Aus der zarten, mattgrünen Blattrosette, mit der das Schöllkraut den Winter überdauert, treiben im Frühjahr frische Triebe hervor. Die Blätter sind unregelmäßig gefiedert und die einzelnen Fiederblätter wiederum buchtig gekerbt. Die einzelnen Triebe verzweigen sich stark und bilden an den Spitzen lockere Dolden mit einigen Blütenknospen. Über die Dauer der Vegetationsperiode entstehen immer wieder neue Blüten, die gleichzeitig auf der Pflanze mit den heranreifenden,
3 bis 5 cm langen Schoten zu beobachten sind. Die zarten, gelben Blüten haben 4 Kronblätter. Das Schöllkraut konzentriert sich aber nicht ausschließlich auf das Hervorbringen von Blüten, sondern schiebt ständig neues Blattwerk nach.
Von der Wurzel bis in die unreife Schote ist die Pflanze durchzogen von einem orange-gelben Milchsaft. Die reifen Schoten enthalten Samen, die mit einem Eiweißkörper ausgestattet sind. Dieser ist eine attraktive Nahrungsquelle für Ameisen, die daher die Samen mit sich tragen bis sie den Eiweißkörper verspeist haben, und die Schöllkrautsamen so in allen möglichen Mauerspalten und an sonstigen Orten verbreiten.
Verwendete Pflanzenteile
Wurzel (radix), Kraut (herba) und Blüten (flos)
Inhaltsstoffe
Alkaloide (u. a. Berberin, Chelidonin, Coptisin, Sanguinarin), Chelidonsäure und andere Pflanzensäuren, Flavonoide, Carotinoide.
Wirkung
Die Pflanze wird aufgrund ihres hohen Alkaloidgehaltes therapeutisch in potenzierter oder verdünnter Form angewendet. Orale Anwendungen von medizinischen Zubereitungen des Schöllkrauts wirken auf das Leber-Galle-Pankreassystem indem sie die Stoffwechselprozesse anregen. Anwendungsfehler können allerdings zu Leberentzündungen führen. Daher ist vom Sammeln der Pflanze zur inneren Selbstmedikation abzuraten.
Historisches
Neben seiner Beliebtheit bei Ärzten in der Anwendung bei Leber- und Gallenleiden, fand es auch den Gefallen von Albrecht Dürer (Maler, 1471 – 1528). Er fertigte eine getailgetreue Zeichnung des Schöllkrauts an, die man heute in der Albertina in Wien betrachten kann.
Volksmedizinische Verwendung
Dioskurides (griech. Arzt, 1. Jhd. n. Chr.) beschrieb die Wirkung von Chelidonium bei Gelbsucht und Hautausschlägen. Hildegard von Bingen (1098 – 1179) reichte den Schöllkrautsaft zur „Reinigung von Speichel und Schleim“. Altbekannt sind die Anwendung zur Anregung der Stoffwechselprozesse und die Behandlung von Warzen und frischem Milchsaft.
Schöllkraut in der anthroposophischen Medizin
Das Schöllkraut ist eine sehr angeregte, stoffwechselbetonte Pflanze. Das Kraut steckt seine Energie während der langen Blütezeit nicht nur in die Blüten allein, sondern auch in die andauernde Bildung neuer Blätter. Es bringt immer hervor, bildet seine einzigartigen und eigenwilligen Blattformen, ohne sich dabei jemals zu wiederholen. Chelidonium verfügt über starke Überwindungskräfte, ist eine lebende Polarität zwischen Wachstum und Formgebung, Aufbau (neue Blüten und Blätter) und Abbau (Abblühen), durchzogen von freurigem Milchsaft. Gleich der Leber, die als Drüse zwischen entgiftender, abbauender Aufgabe mit der Gallensaftproduktion und ihren vielfältigen Syntheseleistungen sowie der Speicherfunktion steht. Der starke Bezug des Schöllkrauts zum Stoffwechselsystem lässt sich hier erahnen. Er reicht sogar bis zu den stoffwechsel-aktiven Drüsen am Auge, die für einen gut gleitenden Tränenfilm sorgen.
Schöllkraut bei Weleda
Das Schöllkraut wird bei Weleda im biologisch-dynamisch bewirtschafteten Heilpflanzengarten angebaut und nach der Ernte in der nahe gelegenen Tinkturenherstellung pharmazeutisch aufbereitet.