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Das Staatsarchiv und die Rechtsquellenstiftung des Schweizerischen Juristenvereins haben in einem mehrjährigen Projekt rund 900 Dokumente zur Geschichte des alten Stadtstaats Zürich in einer kommentierten Quellenedition aufbereitet. Die Quellentexte bieten Zugänge zu einer Vielzahl von Themen sowie reiches Anschauungsmaterial für Untersuchungen zur Zürcher Geschichte vom Mittelalter bis 1798. Neben der Online-Publikation erscheinen sie auch in Buchform.
Für das Editionsprojekt haben sechs Historikerinnen und Historiker in den vergangenen Jahren die Bestände des Staatsarchivs, der Stadtarchive Zürich und Winterthur sowie weiterer Gemeindearchive gesichtet und rund 900 Dokumente aus dem Zeitraum von 1180 bis 1798 für die Quellenedition ausgewählt, transkribiert und kommentiert. Finanziert wurde das Projekt durch den Gemeinnützigen Fonds sowie von den Städten Zürich und Winterthur.
Stadt und Landschaft
Die publizierten Zürcher Quellen umfassen fünf Editionseinheiten, die verschiedene Gebiete des heutigen Kantons Zürich abdecken. Sie stehen exemplarisch für das Gesamtgebiet des alten Stadtstaats Zürich, der neben der Stadt Zürich als Herrschaftszentrum die abhängige Landschaft und die Stadt Winterthur umfasste. Konkret bieten die Editionseinheiten Quellenmaterial zur Stadt Zürich vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zur Reformation, zu den stadtnahen Obervogteien, die heute ins Stadtgebiet integriert sind, sowie zur Landvogtei Greifensee und zur Stadt Winterthur im Zeitraum vom Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert. Dazu kommt eine Editionseinheit mit gedruckten Mandaten, also obrigkeitlichen Erlassen, die sonntags vom Pfarrer von den Kanzeln verlesen wurden.
Vielfalt der Themen
Wer konnte in der spätmittelalterlichen Stadt Zürich das Bürgerrecht erwerben? Wie versuchten die Nutzungsgenossenschaften auf der Landschaft in der Frühen Neuzeit, die natürlichen Ressourcen wie Wälder, Weiden und Gewässer nachhaltig zu bewirtschaften? Was musste man tun, um in Winterthur für ein gesichertes Auskommen im Alter zu sorgen? Welche Kleidervorschriften musste die Bevölkerung beachten?
Auf solche und viele andere Fragen geben die nun publizierten Zürcher Quellen Antworten. Die Einleitungen zu den fünf Editionseinheiten und die ausführlichen Kommentare zu den einzelnen Quellenstücken erleichtern den Zugang zu den Dokumenten, von denen die meisten in deutscher Sprache verfasst sind, einige aber auch in Latein. So bieten die Dokumente nicht nur reiches Anschauungsmaterial für wissenschaftliche Untersuchungen, sondern erlauben der geschichtsinteressierten Öffentlichkeit einen niederschwelligen Einstieg in die Beschäftigung mit der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Zürcher Geschichte.
Digitale Publikation
Das Projekt wurde von Beginn an auf eine digitale und archivbasierte Publikation ausgerichtet. Auf der Grundlage der digitalen Daten erscheinen die fünf Editionseinheiten zugleich auch in Buchform, und zwar in der 1898 begründeten Reihe der «Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen».
Die Online-Publikation erlaubt vielfältige Suchabfragen und ermöglicht einen raschen Zugriff auf die edierten Dokumente, stellt aber auch Querbezüge her. In vielen Fällen ist der Text zudem von einem Bild des Originals begleitet, was die Vielfalt der Bestände der ausgewerteten Archive veranschaulicht. Einen Mehrwert stellt auch die Verlinkung der Quellenstücke mit den Archivkatalogen der beteiligten Archive dar. Dort sind die ausgewählten Dokumente in den Kontext der Gesamtüberlieferung zur Zürcher Geschichte bis 1798 eingebettet. Die Literaturangaben schliesslich stammen aus der Bibliographie der Schweizergeschichte (BSG) der Schweizerischen Nationalbibliothek.
Technisch basiert die Online-Publikation auf einer Standardlösung für Editionsprojekte. Zudem werden die Quellen mit weiteren Online-Editionen unter dem Dach von «Sources Online» zusammengeführt. Dieses Quellenportal gehört zum Angebot von «Archives Online» und stellt die Vernetzung mit weiteren digitalen Ressourcen sicher.