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Grundsätzlich können viele Faktoren als Auslöser oder als aufrechterhaltende Bedingungen dafür verantwortlich sein, dass eine substanzgebundene Abhängigkeit entsteht und allenfalls bestehen bleibt. Dies ist bei der Abhängigkeit von Benzodiazepinen nicht anders. Benzodiazepin-spezifische und allgemeinere Aspekte, welche die Entwicklung einer Abhängigkeit begünstigen und beeinflussen können, werden nachfolgend erläutert.
Bio-psycho-sozial
Ein Erklärungsmodell, das eine grosse thematische Breite abdeckt und einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, ist das bio-psycho-soziale-Modell. Ausführlich wurde in einer früheren Blogreihe zum Thema Abhängigkeiten, ohne Fokus auf eine spezifische Substanz, auf dieses Modell eingegangen.
Der biologische Aspekt wurde insbesondere anhand des Belohnungseffektes in Zusammenhang mit neurologischen Vorgängen bei der Entstehung einer Abhängigkeit erklärt. Weiter kann das Risiko einer Abhängigkeitserkrankung auch genetisch bedingt sein.
Es gibt eine Vielzahl an psychologischen Aspekten im Leben eines Menschen, die als prädisponierende Faktoren für eine Abhängigkeit in Frage kommen. Generell ist übermässiger Substanzkonsum als eine dysfunktionale Reaktion auf jegliche Form von körperlicher oder mentaler Belastung zu verstehen. Im Falle von Benzodiazepinen ist dies in der Regel die mangelnde Fähigkeit, sich zu entspannen und ein hohes Stresserleben mit eigenen körperlichen oder mentalen Ressourcen zu regulieren.
Soziale Aspekte betreffen sämtliche Lebensfacetten im Umfeld des Patienten oder der Patientin. Dazu gehören zum Beispiel die Ursprungsfamilie, die Schulbildung sowie Arbeits- und Wohnverhältnisse. Auch hier können viele mögliche Faktoren zu einer Suchterkrankung oder auch spezifisch zu einer Benzodiazepinabhängigkeit führen.
Funktion
Um Risikofaktoren für die Abhängigkeit von einer konkreten Substanz zu eruieren, bietet es sich an, dies anhand der Wirkung der Substanz zu tun. Dies basiert auf der Idee, dass der Konsum dieser Substanz eine gewisse Funktion erfüllen soll, welche die betroffene Person nicht oder nur mangelhaft selbst erfüllen kann. Im Falle von Benzodiazepinen sind häufig Personen betroffen, die grosse Schwierigkeiten damit haben, sich zu entspannen, zu schlafen oder auch psychischen und/oder körperlichen Schmerz auszuhalten. Insbesondere bei traumatischen Erlebnissen ist der letztgenannte Aspekt von grosser Wichtigkeit. Eine Steigerung der fehlenden Entspannung kann sich in einem so genannten Gedankendrehen oder Ruminieren äussern. Die Unfähigkeit, dieses zu stoppen, ist ein häufiges Symptom von Depressionen. Grundsätzlich sind Personen mit den beschriebenen Schwierigkeiten einem überdurchschnittlich hohen Risiko ausgesetzt, von Benzodiazepinen abhängig zu werden.
Entstehung der Benzo-Abhängigkeit
Bereits im ersten Teil dieser Blogreihe wurde die so genannte low-dose-Abhängigkeit erwähnt. Sie verkörpert Risikofaktoren für eine Benzodiazepinabhängigkeit für Personen, die sich üblicherweise nicht im Drogenmilieu aufhalten und vorgängig keine Schwierigkeiten mit Substanzkonsum hatten. In bestimmten kritischen Lebensphasen (z.B. Tod eines Angehörigen, Jobverlust) verschreiben Ärzte eine geringe Dosis eines Benzodiazepines im Sinne einer Krisenintervention und zur Verhinderung chronifizierter Probleme (z.B. Schlafschwierigkeiten). Dabei kann bereits nach vier bis sechs Wochen eine Abhängigkeit entstehen, die es der betreffenden Person massiv erschwert, ihr Leben wieder unabhängig von der Medikamentenwirkung zu führen.
Neben dem Risiko, dass sich aus einer ärztlichen Verschreibung eine Abhängigkeit entwickelt, gibt es auch das Risiko einer high-dose-Abhängigkeit. Von einer hohen Dosis wird gesprochen, wenn eine Person pro Tag mindestens 20mg Valium oder eine Dosis dieser Äquivalenz einnimmt. Besonders gefährdet, eine solche Abhängigkeit zu entwickeln, sind Personen, die bereits an einer anderen stoffgebundenen Abhängigkeit leiden. Weiter findet sich im Zuge einer Benzodiazepinabhängigkeit häufig eine psychiatrische Komorbidität. Durch die Einnahme eines Benzodiazepins kann es passieren, dass die entsprechende Symptomatik leicht gelindert und damit nicht erkannt wird, womit eine adäquate Behandlung ausbleibt.