Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/232387

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird eingeladen, angesichts der guten Erfahrungen im In- und Ausland mit der Modularisierung der beruflichen Grundbildung zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten, mit der Anerkennung von Teilqualifizierungen den Zugang von Personen mit persönlichen Vermittlungshindernissen zu beruflicher Bildung und in das Berufsleben zu erleichtern.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Ein eidgenössisch anerkannter Berufsabschluss erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und ermöglicht die Teilhabe am lebenslangen Lernen. Gemäss Bundesamt für Statistik verfügten 2019 rund 91 Prozent der bis zu 25-Jährigen in der Schweiz über einen Abschluss auf Sekundarstufe II. Bei den 25 bis 64-Jährigen der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz besassen 2020 knapp 90 Prozent mindestens einen Bildungsabschluss auf Sekundarstufe II.</p><p>Die Nach- und Höherqualifizierung von Erwachsenen ist aus wirtschafts-, gesellschafts- und sozialpolitischer Sicht von grosser Bedeutung. In der beruflichen Grundbildung (Sekundarstufe II) kann gemäss Berufsbildungsgesetz (BBG; SR 412.10) die Lehrdauer für besonders befähigte oder vorgebildete Personen oder Personengruppen verkürzt oder für Personen mit besonderen Bedürfnissen verlängert werden (Art. 18 Abs. 1 BBG). Ebenso ist eine Aufteilung der Bildungsinhalte in Module sowie eine Aufteilung des Qualifikationsverfahrens in Teilprüfungen möglich (sogenannt "anderes Qualifikationsverfahren mit aufgeteilter Prüfung"). In der höheren Berufsbildung (Tertiärstufe) sind berufsbegleitende Angebote, welche flexibel auf die individuellen Bedürfnisse der meist berufstätigen Bildungsteilnehmenden abgestimmt werden können, ebenfalls Standard.</p><p>Der Berufsabschluss für Erwachsene ist seit 2014 ein Handlungsschwerpunkt der Verbundpartner der Berufsbildung. Erwachsenen stehen verschiedene Wege offen, einen Berufsabschluss der beruflichen Grundbildung zu erreichen: Sie machen eine reguläre oder eine verkürzte berufliche Grundbildung, lassen ihre Bildungsleistungen validieren oder ergänzen ihr Fachwissen und ihre berufsspezifischen Kompetenzen mit Kursen und melden sich anschliessend direkt an die Abschlussprüfung an. Auch gibt es die erwähnten Teilprüfungen ("andere Qualifikationsverfahren mit aufgeteilter Prüfung").</p><p>Die Organisationen der Arbeitswelt beobachten die Entwicklungen in ihrer Branche und entwickeln bei Bedarf adäquate Angebote für Erwachsene. Bund und Kantone sorgen unter Berücksichtigung ihrer Zuständigkeiten für gute Rahmenbedingungen, entwickeln diese weiter und begünstigen dadurch Berufswechsel und berufliche Mobilität Erwachsener. So sind im Rahmen der Initiative "Berufsbildung 2030" verschiedene Projekte im Gange. Die Verbundpartner gehen in diesen Projekten beispielsweise die Optimierung der Prozesse der Anrechnung von Bildungsleistungen an oder prüfen, wie mehr erwachsenengerechte Angebote bereitgestellt werden können. Mit der Annahme des Postulats 21.3235 hat sich der Bundesrat zudem bereit erklärt, in einem Bericht darzulegen, wie weit die Etablierung von "anderen Qualifikationsverfahren" wie der Validierung von Bildungsleistungen oder der "Qualifikationsverfahren mit aufgeteilter Prüfung" in der Schweiz ist und was für Instrumente andere Länder in diesem Bereich kennen.</p><p>Der Bundesrat erachtet das Anliegen des Postulanten aufgrund der bestehenden Rechtsgrundlagen und der laufenden Arbeiten als erfüllt.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.