Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/653

Teenager-Schwangerschaften
Teenager, d.h. junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren, sind meist nicht geplant schwanger geworden und deshalb weniger bereit, sich für das Wohl des Kindes in der Schwangerschaft einzuschränken.
Teenager rauchen häufiger vor und während der Schwangerschaft als erwachsene Schwangere. Gesunde Ernährung ist ihnen nicht so wichtig ("Junk Food"). Nicht selten nehmen sehr junge Schwangere noch in den ersten Schwangerschaftswochen Aknepräparate mit Vitamin-A-Säure (Tretinoin) ein, was eine ernste Gefährdung des Embryos bedeuten kann. Teenager haben auch häufiger Genitalinfektionen (z.B. Herpes genitalis), die sich negativ auf den Schwangerschafts- und Geburtsverlauf auswirken können.
Oft wird der Beginn der Schwangerschaft bei unregelmässigem Zyklus nicht wahrgenommen und die erste Schwangerschaftskontrolle findet relativ spät statt. Daher ist es in der Regel schwierig, das exakte Schwangerschaftsalter zu ermitteln. Meist ist dann schon das erste Drittel, in dem die Folsäure-Einnahme zur Verhinderung von Neuralrohrdefekten so wichtig ist, verpasst.
Generell verkraften sehr junge Frauen aber Schwangerschaft und Geburt körperlich sehr gut. Ernsthafte biologische Risiken sind äusserst selten. Dass Risiken wie niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburten oder Totgeburten dennoch häufig vorliegen, hat nicht so sehr mit dem Alter der Schwangeren, sondern eher mit ihrer sozialen Benachteiligung, mangelnder Unterstützung der Umwelt und schädlichem Verhalten wie Rauchen oder Fehlernährung zu tun. Jugendliche, die einen festen Partner und eine Ausbildung haben, nicht rauchen, rechtzeitig mit der Schwangerenvorsorge begonnen haben und keine Abtreibungen oder gynäkologische Krankheiten aufweisen, bekommen nicht häufiger kranke oder untergewichtige Babys als erwachsene Frauen.
Leider bekommen sehr junge Mütter dreimal so häufig eine Wochenbett-Depression als Frauen über 20 Jahren. Und die Kinder von Teenager-Müttern tragen ein deutlich höheres Erkrankungs- und Unfallrisiko. Auch schneiden sie bei Intelligenztests im Durchschnitt schlechter ab als die Kinder etwas älterer Mütter.
Die Schweiz weist im internationalen Vergleich eine sehr niedrige Zahl von Teenagergeburten auf, Tendenz weiter fallend. 2004 waren nur noch 3 von 1000 Müttern unter 20 Jahre alt. In den meisten europäischen Ländern liegt diese Zahl zwischen 10 und 20, in den Ländern des ehemaligen Ostblocks sogar zwischen 30 und 60 pro 1000 Geburten.
Kostenlose und unabhängige Beratung bei gewollter oder ungewollter Schwangerschaft gibt es bei den anerkannten Beratungsstellen, welche vom Gesetz her (gemäss SR 311.0, Art. 120c: spezialisierte Beratungsstelle für unter 16-Jährige bei Schwangerschaft und Konfliktschwangerschaften) den Auftrag haben, Beratung für Teenager anzubieten. Des Weiteren können die anerkannten Beratungsstellen an weitere Fachstellen vermitteln, z.b. für finanzielle und rechtliche Hilfe.
Eine andere Möglichkeit, sich beraten und helfen zu lassen, besteht bei der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind, die rund um die Uhr auch telefonisch unter der Help-Line 0800 811 100 erreichbar ist.
Newsticker
Anti-Baby-Pillen gratis | 03.04.2017
Auf den Philippinen sollen mehrere Millionen arme Frauen die Antibabypille und anderen Verhütungsmittel künftig gratis erhalten. Präsident Rodrigo Duterte begründete seine Politik damit, dass mit besserer Familienplanung auch die Armut besser bekämpft werden könnte. Nach einer Studie der Vereinten Nationen ist der Inselstaat das einzige Land in der Region, in der die Zahl der Teenager-Schwangerschaften noch steigt. Verhütungsmittel werden von der katholischen, zutiefst gläubigen Bevölkerung weitgehend abgelehnt. Nach Schätzungen könnten mindestens sechs Millionen Frauen die Hilfen in Anspruch nehmen.
Letzte Aktualisierung : 11.2018, BH