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Einer unter vielen Schätzen im Bestand der ETH-Bibliothek ist Francesco Tensinis „La fortificatione guardia difesa et espugnatione delle fortezze esperimenta in diverse guerre“ vorliegend als Ausgabe von 1624. Es handelt sich um ein Buch über verschiedene Aspekte des Militärwesens. Die Erläuterungen beziehen sich im Wesentlichen auf den Bau von Befestigungen sowie Strategien und Taktiken in Angriff und Verteidigung. Tensini (1581 bis 1630) erwarb seine Kenntnisse wohl im Dienste Maximilians I., welcher von 1597 Herzog von Bayern, ab 1623 Kurfürst im Heiligen Römischen Reich war und sich auf entscheidende Weise für die katholische Seite einsetzte. Das vollständig in Italienisch verfasste Werk enthält 44 Stiche von Odoardo Fialetti (1573-1638), welcher sein Handwerk vor allem bei Jacopo Tintoretto in Venedig erlernte.
Befestigungstechniken, aus: Francesco Tensini: La fortificatione guardia difesa et espugnatione delle fortezze esperimenta in diverse guerre, Taf. [33]
Es ist wohl kein Zufall, dass Tensinis Buch während dem Dreissigjährigen Krieg (1618 bis 1648) entstand. In diesen langen, dunklen Kriegsjahren war jede neue Erkenntnis und Innovation, die Vorteile in Verteidigung und Angriff versprachen, gewünscht und gefragt. Neue Techniken konnten sofort in der Praxis erprobt werden. Es liegt auf der Hand, dass vor diesem Hintergrund der Druck auf Militärexperten (wie z.B. Festungsbauer) ebenso zugenommen hat wie die Konkurrenz zwischen denselben. Im vorliegenden Werk findet sich eine Textstelle, welche diesen Umstand andeutet.
In Kapitel 32 räumt Tensini die Ähnlichkeit seiner Erkenntnisse mit denjenigen von Alexander Freiherr von Groote ein, welche vermutlich 1617 in Grootes „Neovallia“ publiziert wurden, um sofort zu erwähnen, dass „alles Gute“, was dieser geschrieben habe, einst von ihm gelernt und übernommen wurde:
Parmi d’udire alcuno à dire, che questo mio modo di Fortificare, habbi alcuna simiglianza, con quello che ne ha scritto, quattro anni sono, il Colonello Alessandro die Grotte, Generale dell’ Artiria del Sereniss. Duca die Baviera; però mi è parso di far sapere, che quanto di buono esso hà scritto, hà imparato da me, & tirato da miei discorsi; havendoli io in Linghen, Fortezza in Frisa, l’anno 1605 […]
Sollte es sich nicht um eine direkte Anschuldigung, um einen eigentlichen Plagiatsvorwurf gegen den Generalfeldzeugmeister in bayerisch-ligistischen Diensten handeln, dann wollte Tensini eventuell künftigen Plagiatsvorwürfen gegen seine eigene Person zuvorkommen. Jedenfalls erklärt und untermauert Tensini seinen Anspruch auf Urheberschaft einiger zentraler Erfindungen in einem eigenen, nur für diesen Zweck verfassten Kapitel. Bedenkt man, dass die beiden Herren einst zusammengearbeitet haben, kann man sich den Konkurrenzdruck gut vorstellen. Offen bleibt aber, wer was zuerst erfunden hat und wer zurecht des Plagiierens hätte beschuldigt werden können.
Das vollständige Werk kann online via e-rara abgerufen werden unter: http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-11915
Literatur
Tensini, Francesco: La fortificatione guardia difesa et espugnatione delle fortezze esperimenta in diverse guerre. Venetia 1624