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In den letzten 30 Jahren nahm die Zahl der Kunstmuseen in Westeuropa deutlich zu. Was die öffentlichen Träger dazu bewegt, Kunstmuseen zu finanzieren, ist nicht unmittelbar ersichtlich.
Es sind in erster Linie die Kommunen, die an den Kunstmuseen interessiert sind. Die Städte sind gezwungen, Arbeitskräfte anzuziehen und müssen entsprechend auch ein attraktives Arbeitsplatzimage schaffen, das nicht nur Theater und Kino umfasst.
Die Kunstmuseen dienen daher in der Großstadt der Aussöhnung „gehobener“ Bürger mit der Unbewohnbarkeit der Kommune. Wenn heute die Städte plötzlich bereit sind, große Museumsprojekte zu finanzieren, so steckt dahinter auch der Wunsch, das Wohnen in der Stadt attraktiv zu machen.
Wie große Unklarheit über andere als ökonomische Funktionen des Kunstmuseums tatsächlich herrscht, lässt sich am klarsten an der Museumsarchitektur ablesen. Neuerdings prägt eine effekthaschende Konfusion die Museumsarchitektur.
Der Unklarheit über die architektonische Umsetzung einer Funktion des Kunstmuseums entspricht das Desinteresse des Staates an der Art und Weise, wie die bestehenden Sammlungen ergänzt und neue angelegt werden.
Der Staat hat auch in der Funktion des Mäzens versagt: einerseits, weil er mit dem Arbeitsfeld der Kulturpolitik seine kulturelle Verantwortung auf Bereiche eingrenzte, die nur einen kleinen Teil der Kultur ausmachen, und alles andere den Gesetzen der ökonomischen Verwertung unterwarf, die keine kulturellen Kriterien tradiert hat.
Und andererseits, weil nicht einmal in der übrig gebliebenen Kultur die mäzenatische Verantwortung wahrgenommen worden ist, weil sich die Kulturbürokratie darauf beschränkte, due übernommenen Institutionen und ihre Arbeitskräfte weiter zu finanzieren, aber die Kulturproduzenten, deren Werke in diesen Institutionen aufgeführt oder gezeigt wurden, auf dem Markt und damit oft genug dem Ruin überlassen hat.
Dieses Versagen des bürgerlichen Staates in seiner Rolle als Gesamtmäzen wird umso deutlicher, wenn man sich daran erinnert, dass es Versuche gegeben hat, diesen Bankrott aufzuhalten. Diese Versuche sind von einem der wenigen Industriellen unternommen worden, der den Ruf eines Mäzens tatsächlich verdient hat – von Karl Ernst Osthaus, dem Begründer des Folkwang-Museums.
Die Legitimität des Kunstmuseums steckt in der Verhältnismäßigkeit des Aufwandes im Rahmen des Kulturhaushaltes, eine strikt immanente Legitimierung ist nicht zu vertreten, eine populistische nicht glaubwürdig. Der Erfolg des Kunstmuseums liegt nicht in den messbaren Besuchermassen, denn diese sprechen genauso wenig für die Legitimität eines Kunstmuseums wie sie für die eines Atempalastes sprechen würden, noch viel weniger sagen sie etwas darüber aus, ob der Besuch tatsächlich eine kulturelle Teilhabe im Sinne der Institution geboten hat.
Denn für die meisten Kunstmuseumbesucher sind diese im Großen und Ganzen gewärmte Orte, an denen man sich versammelt und Begegnungen haben kann. Den Kunstwerken kommen dabei nur Statisten-Rollen zu – sofern sie überhaupt bewusst wahrgenommen werden.