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Da wir noch noch einmal südwärts gefahren waren, lag es auf der Hand zum Canyon de Celly weiter zu reisen. Steil in die Tiefe abfallende Felsen gaben den Blick auf den auch heute noch landwirtschaftlich genutzten Grund der Schlucht frei, an jedem Aussichtspunkt anders: einmal waren spitze Felsnadeln zu sehen (Spider Rock), dann wieder Felswandsiedlungen, die ca. im 11. Jh. von Anasazi, einem Bauernvolk das Mais, Bohnen und Kürbis kultivierte, gebaut und bewohnt worden waren, dann wieder waren es einfach die Steingebilde und die tief liegenden Felder, die uns zum Staunen brachten.
Den Abstieg zum White House, den einzigen frei zugänglichen Ruinen eines alten Kliff-Dorfes, nahmen wir frühmorgens in Angriff und so waren die Verkaufsstände für Indianer-Kunsthandwerk noch zusammengepackt und verwaist. Solche waren eigentlich – wie auch im Monument Valley – die einzigen Hinweise darauf, dass wir uns in Indianer-Reservaten aufhielten. Auch auf dem Nordrand des Canyons gab es verschiedene Aussichtspunkte, der letzte davon, der Massacre Cave, erinnert an ein Gemetzel, das die Spanier 1805 unter den Navajos, vornehmlich Frauen und Kinder, welche hier Schutz gesucht hatten, angerichtet hatten. Anschliessend fuhren wir nordwärts in den Mesa Verde Nationalpark. Von hier sollen übrigens die früheren Bewohner von Canyon de Chelly migriert sein. Wir fanden einen rustikalen kommerziellen Zeltplatz gleich an der Einfahrt zum Park. Mesa Verde ist übrigens der einzige Nationalpark in den USA der Menschenwerk schützt. Das Gebiet war von etwa 500 n Chr. Bis 1300 n. Chr. von Anasazi bewohnt. Warum die Menschen sich um 1200 n. Chr. entschlossen, ihre Hütten und Häuser auf der Tafelberg-Ebene zu verlassen und die Felsenhäuser zu bauen, ist bis heute ein Rätsel, ebenso kennt man den Grund nicht, der dazu führte, dass sie schon nach kurzer Zeit (nach etwa 75 bis 100 Jahren) das Gebiet verliessen. Einiges deutet darauf hin, dass eine grosse Dürre geherrscht haben musste. Die von einem Rancher geführte Besichtigung von Balkony House, einer Felswandsiedlung unterhalb der Tafelberg-Ebene, war sehr eindrücklich und informativ. Spruce Tree House, konnten wir dann selber erkunden. Die Menschen lebten in recht grossen Gruppen in diesen Siedlungen und wir versuchten uns vorzustellen, wie das ganze Gebiet hier gelebt haben musste vor so vielen hundert Jahren. Unser nächster Tag war ein Haushalt-Fernseh-Internet-Skype- und Schreibtag – die schmachvolle Niederlage unserer Nati gegen Frankreich konnten wir verschmerzen.
Weiter ging es durch fantastisch schöne und stärker landwirtschaftlich genutzte Gebiete – alles was wächst muss bewässert werden – bis zum Needles District des Canyonlands Nationalpark. Die Rundwanderung über Slickrock-Felsen bot einige sehr schöne Ausblicke in die Ferne der Felslandschaft. Der Abend wäre gemütlich gewesen, wenn die Blutsauger nicht wären. Wir waren verstochen als ob wir Flöhe hätten, noch in den Haaren hatten uns die Viecher erwischt. Das Lagerfeuer half dann ein wenig, vielleicht war’s auch einfach die Nacht. Am nächsten Tag wanderten wir zum Chesler Park. Wir mussten immer wieder Felsgebilde durch- und überqueren und erreichten so dicht hintereinander liegende Täler bzw. Hochebenen, die sich bis an den Horizont erstreckten. Es war heiss zum Wandern, aber mit genügend Flüssigkeit im Rucksack und Rastplätzen am Schatten ging es. Und wir hatten uns eine Solardusche bereit gelegt, damit wir bei unserer Rückkehr das Salz mit warmem Wasser herunterspülen konnten. Das bisschen Luxus nach schweisstreibenden Wanderungen geniessen wir jeweils ausgiebig! Und am Abend nahmen wir wieder einmal an einem Campfire-Circle, einem Ranger-Talk teil. Thema waren die frühen Pueblo-People und die Rancherin wusste ganz interessant zu erzählen. Das ist überhaupt eine schöne Geste oder schon eher ein Brauch (geht glaub ich auf das Jahr 1912 zurück), die Ranger halten in fast allen Pärken Vorträge über bestimmte Themen und beantworten selbstverständlich Fragen.
So langsam wurde es heiss, wir hatten das Gefühl, jeden Tag ein bisschen heisser. Wir fuhren Richtung Moab ohne weitere Besichtigungen, denn unser Truckli brauchte neues Oel. Wir gingen davon aus, dass das in Moab kein Problem sein sollte, war es aber doch. Etwa drei Mal fuhren wir durch den ganzen Ort, bis wir schliesslich mit OTR Tire (Empfehlung von einer Frau in einem 4x4 Zubehör Shop) eine Garage gefunden hatten, die das machte. Wir warteten und warteten und warteten und nach mehr als einer Stunde kam der Verantwortliche und teilte uns mit, dass er keinen passenden Oelfilter auftreiben konnte. – Wir hatten einen dabei, holten ihn und dann kam Bewegung in die Sache. Die ganze Garage staunte, wie viel Oel in unser Truckli passte! Wir machten noch ein paar Einkäufe, fuhren dann aus dem Dorf hinaus und bogen auf Strasse 128 dem Colorado River entlang. Da gab es zahlreiche einfache Zeltplätze direkt am Fluss. Die ersten waren schon voll, aber etwas weiter oben fanden wir einen schönen Platz mit einer guten Feuerstelle – den Steaks stand nichts mehr im Weg. Weil es wirklich immer heisser wurde zum Wandern, stellten wir wieder einmal den Wecker und pünktlich um 05.30 klingelte unser iPad – fast wie zu Zeiten beruflicher Herausforderungen! Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir in den Arches Nationalpark (es war alles noch zu) und starteten unsere Wanderung im Devils Garden. Irgendwie haben sie es hier ein wenig mit dem Teufel, vielleicht weil sie so gläubig sind in Utah, uns kam die Gegend eher vor wie der Spiel- und Tummelplatz von Riesen oder so... Zunächst ging es auf einem schön angelegten Weg bis zum Landscape Arch, dann wurde es schwieriger und stotziger und der Pfad führte über Slickrocks, teilweise schmal und abschüssig, so dass mir langsam ungemütlich wurde. Wir machten Abstecher zum Navajo Arch, einem schönen Bogen in einer Felslandschaft, und zum Partition Arch, der eine wunderbare Aussicht auf das umliegende Land freigab. Wieder auf dem Weg, konnte ich irgendeinmal weder vorwärts noch rückwärts und setzte mich erst mal hin. Ich wollte keinen Schritt weiter: links und rechts ging es steil hinunter und der Weg führte über einen schmalen Felsgrat, ich war mittendrauf und sollte noch über eine Spalte springen... Urs überredete mich und der Hinweis, dass der Rückweg ja nicht mehr hier durch ginge, motivierte mich letztlich zum Aufstehen und weiter kraxeln. Ich hatte ja solche Höhenangst, dabei bin ich trittsicher und sollte eigentlich keine Probleme haben. Nach weiteren kritischen Stellen erreichten wir den Double O Arch, einen doppelten Felsbogen. Auch der Rückweg verlief nicht ganz ohne Bauchweh, aber ich schaffte ihn fast müheloser als den Hinweg, obwohl Warnschilder aufgestellt waren. Auf der Rückfahrt bogen wir zur Wolfe Ranch ab, von der ein schöner Weg über einen riesigen Felsrücken (Slickrock) zum Delicate Arch, dem Felsbogen, der überall abgebildet ist, führte. Oben belohnte uns eine wunderbare Schoggi-Mousse-Landschaft mit einem frei stehenden schönen Felsbogen. Die Mühe hatte sich wieder einmal gelohnt und hoch zufrieden machten wir uns an den Abstieg. Auch diese Nacht verbrachten wir am Colorado River, diesmal auf dem Granstaff Campground.
Einkaufen und Duschen waren unser Programm vor dem WM-Spiel der Schweiz gegen Honduras. Im Restaurant mit einem etwas verspäteten Mittagessen verfolgten wir das Spiel und waren ganz stolz auf „unsere“ Schweizer. Aufgestellt fuhren wir anschliessend in den Canyonlands Nationalpark ins Visitor Center, um ein Backcountry-Permit zu kaufen und unsere Übernachtungsplätze an der White-Rim Road definitiv zu buchen. Wir kamen relativ spät an, konnten aber noch für den gleichen Tag alles reservieren. So entschieden wir uns, sofort zu starten und unsere erste Nacht auf dem ersten möglichen Übernachtungsplatz, dem Shafer Campground zu verbringen. Die Rancherin versicherte uns, dass der Shafer-Trail der schwierigste Teil sei, den wir bewältigen müssten und wenn das geschafft sei, sollte es kein Problem mehr geben. Wir könnten am ersten Aussichtspunkt schauen, wie sich die Strasse in Serpentinen den Felshang hinunter schlängelt. Das taten wir und fanden, dass das zu schaffen sei, den Moki Dugway hatten wir ja absolut problemlos befahren und dies schien ähnlich zu sein. Naja, ein bisschen steiler und enger war’s dann schon, aber problemlos erreichten wir das Tal und damit den White Rim, den weissen Rand, der so heisst, weil hier eine Schicht weisser Felsen liegt, bevor der Canyon – dann wieder mehrheitlich rot und ebenfalls steil – bis zum Colorado River bzw. Green River abfällt. In totaler Einsamkeit und Stille belohnten wir uns mit einem Bier für die Überwindung des schwierigsten Streckenabschnittes, kochten Znacht und sassen noch lange unter dem Sternenhimmel, bevor wir in unser Truckli-Bett, bei diesen Temperaturen mit Blick durch’s offene Dach zu den Sternen, stiegen.
Nach einem gemütlichen Frühstück übernahm ich das Steuer, denn den schlimmsten Teil hatten wir ja hinter uns und Urs war ihn souverän gefahren. Es holperte, war mal steinig, mal sandig, mal felsig aber immer recht gut zu fahren. Ab und zu waren steile Abschnitte zu bewältigen mit Kreten, die uns statt auf die Strasse in den Himmel schauen liessen. Es brauchte manchmal schon ein wenig Überwindung, nicht einfach anzuhalten sondern die Kante quasi blindlings zu überqueren und zu hoffen, dass dahinter a) die Strasse einigermassen weitergeht und b) keiner entgegenkommt. Vor letzterem hatten wir nicht so Angst, wir hatten noch keinen Gegenverkehr bisher. Ich war wieder am Steuer als die Strasse irgendwie verschwand und erst nach einer felsigen Traverse, ziemlich schräg und mit Abhang auf einer Seite, wieder zum Vorschein kam. Ich nahm allen Mut zusammen und mit verbaler Unterstützung von Urs fuhr ich das Stück und erklomm zu guter Letzt wieder eine steile Kante, alles ohne zu kuppeln und ohne im falschen Moment anzuhalten. Erste Mutprobe bestanden! Urs fuhr weiter, bergauf und bergab, manchmal recht steil und holperig, aber im bekannten Stil. Dann wurde es steiler, noch einmal flach und dann sahen wir die Strasse hoch hoch oben am Berghang. Wir hielten an und schauten nach oben: Da müssen wir hinauf? Mit unserem ganzen Haushalt? Schafft unser Truckli das wirklich? Urs schaltete in den L4 und den ersten Gang und fuhr über Steine und Felsen und Schotter den ganzen Berg hinauf, mit Ächzen und Stöhnen zwar, aber unaufhaltsam drückte er auf’s Gaspedal und das Truckli fuhr und fuhr ohne zu murren bis wir oben ankamen. Und hier war auch unser nächster Zeltplatz, der Murphy Hogback auf dem gleichnamigen Bergrücken. Im Windschatten des Trucklis staunten wir noch einmal über unseren Mut und darüber, was uns die Rancherin im Visitor Center erzählt hatte. Offenbar war sie noch nie da unten! Wir hatten eine etwas unruhige Nacht, da der Wind plötzlich gedreht hatte und nun abwechslungsweise von allen Seiten blies und unser Zeltdach knatterte. Als es das Truckli ab und zu schüttelte, zügelten wir nach unten und schliefen dann tief und fest bis die Sonne uns weckte.
Den schwierigen Aufstieg hatten wir ja hinter uns, und etwas bange fragten wir uns, wie es denn nun weitergehen würde, denn wir hatten ja auf einem Felsrücken übernachtet... Urs fuhr los und zunächst sah es noch harmlos aus. Dann aber führte die Strasse über eine Kante quasi in’s Nichts. Man musste fahren, ohne den Boden zu sehen und sich wirklich voll auf das Fahrzeug verlassen denn es ging saumässig steil den Berg wieder hinunter. Auf der rechten Seite in’s Tobel, auf der linken dem Fels entlang und das Ganze wieder als Mischung von Felsen, Steinen und Sand. Das Herz fast in den Hosen, nahm Urs Anlauf, stand aber im falschen Moment auf die Kupplung und bekam Angst. Rückwärtsgang hinein und mit viel Gas und Kraft zurück. Noch einmal und jetzt ohne zu kuppeln. So sicher und stetig wie das Truckli hinauf gefahren war, fuhr es auch wieder hinunter. Wir staunten und gewannen zunehmend mehr Sicherheit. Die nächste anspruchsvolle Steigung mit Abfahrt liess nicht lange auf sich warten. Aber anschliessend war die Strecke wieder einfacher zu fahren, etwas holperig und rauh, wir mussten lediglich aufpassen, dass wir nicht über grosse lose Steine fuhren. Am frühen Nachmittag kamen wir im Potato Bottom an, dem nächsten wieder wunderschönen Übernachtungsplatz, diesmal am Green River und im Tal, mit vielen Bäumen und Sträuchern am Flussufer. Die (eingeschleppten) Tamarisken waren alle abgestorben, denn diese hatten das Gebiet auch entlang des Colorado River überwuchert und die einheimische Pflanzenwelt ernsthaft bedroht. Zur Bekämpfung setzte man einen Käfer aus, welcher Tamarisken zerstört und so sah man in der ganzen Gegend enorm viel abgestorbenes Holz, das die Rancher nach und nach wegräumen wegen der Waldbrandgefahr. Friedlich und schön, allerdings geplagt von vielen Mücken und Fliegen, verbrachten wir den Abend so lange es ging draussen. Auf einem kurzen Spaziergang sondierten wir das Gelände, damit wir es zumindest wüssten, wenn wir wieder einen so heftigen Einstieg hätten in die Weiterfahrt. Aber diesmal schien es einfacher zu sein.
Wir fuhren los, zirkelten an den fast dreissig Zentimeter tiefen knochentrockenen und harten Fahrrinnen vorbei und hatten eine schöne, ruhige Strecke dem Green River entlang. Dann kam die nächste Herausforderung: Urs fuhr den steilen Walker Cut vorsichtig aber sicher hinauf und auf der anderen Seite genauso wieder hinunter. Nun folgte die Strasse wieder dem Fluss, nur kamen die Felsen immer näher, es wurde enger und führte wieder bergauf und bergab, auf der einen Seite relativ weit unten der Fluss, auf der anderen die Felswand... Als ich das letzte Stück unseres Abenteuerweges sah, war ich kurz davor, zu kneifen und Urs wieder an’s Steuer zu bitten: Genauso steil, wie der Shafer Trail, führte die Strasse wieder hinauf zum Horsethief Point. Und genauso wie der Shafer Trail war sie in Serpentinen mit engen Kurven angelegt. Ich fuhr und es ging ohne Probleme, trotz fehlender Schwindelfreiheit. Glücklich und zufrieden erreichten wir gegen Mittag wieder Moab, gönnten dem Truckli eine Dusche (alles war rot vom Staub obwohl wir auf dem White Rim gefahren waren), kauften Brot und luden die Internetseite hoch. Unsere (zumindest vorläufig) letzte Utah-Nacht verbrachten wir auf dem Dewey Bridge Zeltplatz, fast allein, sehr heiss, mit wenig Wind, wenig Mücken und sehr friedlich.
Über eine imposante Strecke durch Berge und entlang tiefer Canyons mit atemberaubenden Aussichten fuhren wir gemütlich bis in den Capitol Reef Nationalpark. Die Gegend wurde früher von Mormonen besiedelt, die hier in einem offenbar dafür bestens geeigneten Klima Obstplantagen anlegten. Neben Apfelbäumen wurden Aprikosen, Kirschen und Pfirsiche gezogen. Konfitüre und Eingemachtes kann man im kleinen Museum kaufen.
Unser nächster Tag war wieder einmal ein Wandertag. Wir besichtigten den Cassidy Arch, einen Felsbogen, der seinen Namen vom berüchtigten Zugräuber Butch Cassidy, der sich mit seiner Bande hier in der Gegend versteckt gehalten haben soll, bekommen hatte. Anstrengend und heiss, aber wunderschön!
Im Visitor Center erkundigten wir uns vergeblich nach dem Zustand der Strasse in’s Cathedral Valley. Da das Wetter strahlend und der Wetterbericht gut war, entschieden wir uns, das Wagnis einzugehen und fuhren zeitig am Morgen los. Es war absolut der Hammer! Die Piste war abgesehen von ein paar wenigen heiklen Stellen nicht schlecht zu befahren und die Landschaft mit ihren Felsformationen, den Monolithen und den Farben wahnsinnig. Wir fuhren, mit vielen Unterbrüchen, bis zum Zeltplatz, das letzte Stück in Serpentinen einen Berg hinauf auf einer Strasse, die eher als Bachbett durchgegangen wäre. Aber für unser Truckli schien das kein Problem zu sein: Mit allen vier Rädern arbeitete es sich mühelos empor. Auf dem Zeltplatz verbrachten wir den Nachmittag mit Schreiben und Lesen und pünktlich zum Sonnenuntergang waren wir an den beiden Aussichtspunkten hier oben. Es war super! Über eine weitere Bachbett-Piste holperten wir zurück, gerade rechtzeitig um den fast-noch-Vollmond (-1 Tag) aufgehen zu sehen. Wir verbrachten wieder einmal eine Nacht in vollster Einsamkeit auf einem Bergrücken in der Wildnis.
Bei Durchsicht unserer Vorräte und der weiteren Planung stellten wir fest, dass wir irgend einmal essensmässig in einen Engpass kommen würden. Nach ausgiebigem Kartenstudium entschlossen wir uns, das Cathedral Valley Richtung Nordwesten zu verlassen und nach Richfield zu fahren, um wieder einmal richtig einzukaufen. Wir stellten uns deshalb auf einen eher langweiligen Fahrtag ein. Nach dem Frühstück verliessen wir also unseren Platz und folgen zunächst wieder einem eher bachbettartigen Weg für ein paar Kilometer, bis wir endlich das Gefühl bekamen, dass sich hier ausser uns auch noch Menschen mit Fahrzeugen bewegten. Die Forststrasse muss während der Schneeschmelze grösstenteils ein Bach sein. Die ganze Strecke war imposant und abwechslungsreich, wir überquerten Bergrücken, fuhren durch Aspen- oder Birkenwälder, passierten Felsformationen wie wir sie bereits kennen und kamen schlussendlich nach Richfield. Als wir alles Nötige erledigt und die Vorräte einigermassen verstaut hatten, fuhren wir auf dem Highway 70 Richtung Green River – eine sehr gute Wahl! Die Strassenführung war wunderschön und wir konnten schon vor Green River auf eine Kies- bzw. Lehmstrasse abbiegen und durch den San Raffel Swell bzw. das San Raffael Reef zum Gobelin State Park fahren. Auch das war eine unvergessliche Strecke, die wir auf keinen Fall missen möchten. Wir machten uns wieder einmal bewusst, wie schön es war, so ohne Stress einfach in den Tag hinein zu tuckern, zu bleiben, wo es uns gefällt und zu fahren, wonach uns gerade der Sinn stand. Juni muss für unsere Pläne auch genau der richtige Monat sein, denn es ist nicht mehr zu kalt (Höhe!) und die Gewittersaison hat noch nicht begonnen. Wir konnten also bis jetzt jede Naturstrasse fahren, die wir wollten. In Gobelin Valley angekommen, freuten wir uns riesig auf richtige warme Duschen, konnten Haare waschen und uns wieder einmal so richtig pflegen. Einzig der Wind machte uns zu schaffen und wir schliefen wieder einmal unten –mit offenem Dach, damit wir genügend frische Luft hatten. Das Gemeine an der Sache: Kaum hatten wir uns unten behaglich eingerichtet, gab es noch ein paar heftige Böen, dann schlief der Wind ein. Je nu, geschehe nichts Schlimmeres.
Wir merkten erst am anderen Morgen, dass wir die Gobelins besser noch am Abend bei Sonnenuntergang besichtigt hätten. Jetzt stand die Sonne „falsch“ und die Steinkobolde präsentierten sich mehrheitlich im Gegenlicht. Aber das Bedürfnis nach Duschen hatte wohl alle anderen Gedanken ausgelöscht... Mit Hanksville erreichten wir wieder den Startpunkt unserer Cathedral-Valley-Runde und zwar gerade rechtzeitig, um die Schweizer Fussballer im Spiel gegen Ecuador gewinnen zu sehen! Anschliessend fuhren wir länger als eigentlich geplant, bis ins Natural Bridges National Monument. Wir wollten am Lake Powell noch einmal Pause machen, aber jede Stichstrasse, die gemäss Karte und Wegweiser an den See führen sollte, endete an verlassenen Infrastrukturen, ohne dass wir das Wasser auch nur von Weitem gesehen hätten. Der akute Wassermangel gibt schon zu denken und die Haltung der USA gegenüber Umweltprojekten, die einschränkende Massnahmen erfordern würden, ist nicht nachvollziehbar.
Unsere Natural Bridges Besichtigung machten wir am frühen Morgen, so waren die Ab- bzw. Aufstiege nicht so heiss und das Licht recht schön. Die Felsen, die durch den Fluss ausgehöhlt worden waren, bilden schöne Bogen, der eine eher filigraner, der andere behäbiger und den dritten haben wir nicht von unten angeschaut... Anschliessend führte die Strasse an den Rand des Plateaus und von dort auf einer abenteuerlichen Serpentinen-Schotter-Strasse in’s Tal hinunter. Wir genossen die Aussicht auf das Valley of Gods und das Monument Valley ganz in der Ferne, bevor wir die Abfahrt in Angriff nahmen. Es sah jedoch schlimmer aus als es war. Unbeschadet erreichten wir das Tal und begaben uns direkt in’s Valley of God’s. Hier gefiel es uns ausnehmend gut, eigentlich wollten wir den Nachmittag und die Nacht hier verbringen. Aber der Wind nahm quasi von Minute zu Minute zu und die ersten Sandschwaden wirbelten durch die Luft. Einen schönen Platz hätten wir gefunden, aber bleiben mochten wir unter diesen Umständen nicht. Also fuhren wir weiter Richtung Monument Valley, wo sich inzwischen ein halber Sandsturm entwickelt hatte. Da die Übernachtungsmöglichkeiten in der Umgebung alle in der offenen Prärie bzw. Wüste und von keiner Seite geschützt waren, fuhren wir zurück bis zum Valley of Gods wo sich uns die gleiche Situation bot und schliesslich noch weiter in die falsche Richtung bis zur Sand Island Recreation Area am San Juan River. Hier war immer noch starker Wind, aber viel weniger Sand in der Luft.
Um fünf Uhr klingelte unser Wecker am nächsten Tag und mit einer Tasse heissen Kaffee im Bauch machten wir uns erneut auf den Weg in’s Monument Valley. Es war relativ ruhig und eine wunderschöne Morgenstimmung lag über der Wüste. Erst nach fast einer Stunde Fahrt stieg die Sonne über den Horizont und tauchte die Landschaft in warmes, rotgoldenes Licht. Nun sahen wir die Monolithen, die das Tal ankündigten. Wir fuhren auf einer holperigen Strasse mit vielen Felsen und groben Sandlöchern in das vielgepriesene, sehr gut vermarktete wunderschöne Tal und genossen es, dass noch fast keine Autos unterwegs waren und wir die Ruhe und Stille, die Erhabenheit und Grösse geniessen konnten. Das Tal hatte uns sehr gut gefallen, aber das Valley of Gods war für uns nicht weniger beeindruckend. Der Wind war schon wieder am Zunehmen und an ein Frühstück draussen nicht mehr zu denken. So machten wir es uns auf einem Parkplatz bequem und holten das Zmorge im Truckli nach.
Früh machten wir uns auf zum Brice Canyon und unsere Sightseeing-Tour fand vornehmlich mit dem Auto statt: Wir machten an jedem Scenic Overlook Halt und schauten in die Tiefe. Erst ganz am Ende der Strasse, am Rainbow Point, stellten wir unser Truckli ab und verschafften uns auf dem Bristlecone Rundweg doch noch etwas Bewegung.
Am nächsten Morgen starteten wir zur Wanderung Navajo-, Peekaboo- und Queens Garden Trail, alles in einer Superkombination aneinander gehängt. Es war anstrengend: Zunächst ganz hinunter in den Canyon, dann wieder hinauf über einen Berg im Canyon drinnen mit atemberaubender Aussicht und schliesslich weiter zu den „Königinnen-Gärten“ mit ihren spitz zulaufenden Steintürmen und -türmchen und Felsen, die aussahen wie groteske Figuren. Und alles in Farben, die immer ein wenig an Desserts aus Aprikosen, Himbeeren (mit viel Rahm), Vanillecrème und Schoggimousse erinnerten, alles schön meliert und nicht ganz durcheinander gerührt und mit dem Dressiersack mit grosser oder kleiner Tülle gespritzt. Es war unglaublich, wir hatten so etwas noch nie gesehen. Was uns am ersten Tage (mit dem Auto) noch einfach „schön“ erschien, wurde plötzlich aus dieser anderen Perspektive etwas vom Eindrücklichsten und Schönsten, das wir bisher gesehen hatten. Verschwitzt und müde, die Seele gefüllt mit grossartigen Bildern, kamen wir zurück auf den Zeltplatz und wuschen uns so gut es ging mit kaltem Wasser aus unserer blauen Plastikschüssel, die für fast alles geeignet ist. Nach Kochen und Abwaschen liessen wir den Tag am Lagerfeuer ausklingen. Welch ein Erlebnis!
Weil wir immer noch nicht genug von Wüste und Steinen hatten, wagten wir uns kurz nach Escalante auf die Hole-in-the-Rock Road mit dem Plan, vom Hurricane Wash aus zum Coyote Gulch (soll eine wunderschöne Schlucht sein) zu wandern. Als wir nach etwa 70 km Waschbrett- und Sandpistenfahrt durchgeschüttelt am Startpunkt ankamen, war schon früher Nachmittag. Wir packten jede Menge Wasser in den Rucksack und starteten trotzdem. Aber nach mehr als sechs Kilometern Marsch im Bachbett mit viel Sand, ab und zu etwas Kies, schöner Aussicht aber ohne den geringsten Schatten, mussten wir die Tour abbrechen und umkehren. Es war zu heiss und zu weit und wir wollten keine unnötigen Risiken eingehen. Also hatten wir die Schlucht halt nicht gesehen, dafür kamen wir noch einigermassen lebendig, jedoch kurz vor einem Hitzschlag, wieder beim Truckli an. So gut hat ein kaltes Bier noch selten geschmeckt! Weil wir noch ein wenig Zeit hatten, wollten wir uns einen noch schöneren Schlafplatz suchen und fuhren ein Stück weiter auf dieser unsäglich holperigen Piste mit prächtiger Aussicht auf die Escalante Canyons. Auf der Fortymile Ridge Road versuchten wir’s zum letzen Mal: Wir hatten traumhafte Plätze gefunden, aber der Wind blies so stark, dass sich das Vergnügen in Grenzen gehalten hätte und so schliefen wir halt in unserer kleinen Senke im Hurricane Wash mit weniger Aussicht, dafür windgeschützter.
Am nächsten Tag fuhren wir ein Stück zurück und bogen auf die Dry Fork Road ab, auf der wir unser Truckli grad ein wenig auf die Probe stellten: Zuerst durch recht tiefen Sand, dann in zünftiger Schräglage, mal auf die eine, dann auf die andere Seite, legten wir die paar Kilometer zurück, die uns zum Wanderweg auf einem Hügelrücken brachten. Auf der anderen Seite ging’s dann zu Fuss grad wieder steil bergab, mit wenigen Steinmännchen-Markierungen, damit man den Abstieg schaffte, in’s trockene Bachbett hinunter. Peek-a-Boo und Spooky Canyon der erste zum Klettern, der zweite extrem eng... Slot-Canyons sind nicht einfach zu begehen und wir hatten doch einigen Respekt. Urs wurde es mulmig im engen Spooky, denn wenn man da stecken bleibt, was nicht unmöglich ist, ist man ziemlich aufgeschmissen. Ich hatten dann Mühe mit der Kletterei im Peek-a-Boo. Trotzdem war’s wunderschön und enorm eindrücklich, einmal mehr zu erleben, was Wasser alles formen und gestalten kann. Auf der Rückfahrt machten wir einen Besichtigungsstop im Devils Garden mit seinen wunderschönen Steinskulpturen und fuhren dann noch einmal nach Escalante, da wir erstens nicht einmal etwas zum Anstossen auf meinen Geburtstag hatten und zweitens auch Lebensmittel einkaufen mussten. In einem Outfitter-Shop bekamen wir den gewünschten Alkohol und dazu noch Internet-Anschluss. Super. Anschliessend fuhren wir weiter bis zum Calf Creek Campground der schon voll war, aber in einer Ecke des Parkplatzes mit Tisch und Bank einen Overflow-Platz hatte. Der Host zeigte uns ein lauschiges Plätzchen am Fluss wo wir endlich auf meinen Geburtstag anstossen konnten. Am nächsten Morgen wanderten wir zu den Lower Calf Creek Falls, wo sich der Fluss über eine riesige bemooste Felswand in ein smaragdgrünes Becken ergoss. Zum Baden war es uns aber dann doch zu kalt... Am Nachmittag waren wir zurück, hatten unsere Solardusche aufgewärmt und so stand, nach einer kurzen Abkühlung im Bach, einer warmen Dusche nichts mehr im Weg. Sauber und eingecremt liessen wir es uns auf unserem Plätzchen, das wir uns am Vorabend gesichert hatten, gut gehen.
Bevor wir an diesem Morgen losfuhren genossen wir die Outdoor-Duschen am Lone Rock und seiften uns noch einmal so richtig ein. Mit einem guten Gefühl von Sauberkeit und Frische machten wir uns auf den Weg. Weit kamen wir nicht, denn im Visitor Center von Big Water entschlossen wir uns kurzerhand für die Wanderung zu den Wahweap Hoodoos, ca. sieben Kilometer Marsch in einem um diese Jahreszeit trockenen Flussbett. Es war saumässig heiss und ohne Schatten, aber es hatte sich gelohnt. Die Geisterhoodoo’s waren eindrücklich. Zum Teil hatten wir das Gefühl, uns in einem versteinerten Pilzgarten eines Riesenlandes zu befinden. Fast alle weissen Steintürme und –türmchen hatten dunkle Hüte wie Lamellenpilze, andere sahen eher aus wie Schopftintlinge. Wir staunten einmal mehr, was unsere Natur zu schaffen in der Lage ist. Es waren nicht nur die Steingebilde selber, sondern die Harmonie, welche die ganze Gegend ausstrahlte und der Gegensatz zu den Slot Canyons, die wir vorher gesehen hatten. Dagegen nahm sich die von Menschen gebaute Staumauer des Glen Canyon irgendwie fremd und plump aus. Wir fuhren anschliessend nicht mehr viel weiter; andere Reisende hatten im Internet einen Platz in der Nähe empfohlen. So übernachteten wir am Ufer des derzeit (leider) trockenen Paria River und teilten unser wunderschönes Plätzchen unter einer Cottonwood-Baumgruppe nur mit ein paar Eidechsen.
Am nächsten Morgen stand der Buckskin Gulch auf dem Programm. Unsere Wanderung war absolut der Hammer! Durch ein Bachbett am Wire Pass folgten wir – manchmal gemütlich wandernd, dann wieder eher kletternd – dem Wire Pass Canyon bis zu dessen Einmündung in den Buckskin Gulch und hier wurde dieser fast gänzlich ausgetrocknete Fluss zu unserem Wanderweg. Es wurde enger und schmaler, dann wieder weiter und breiter, mit Felswänden auf beiden Seiten, die schier endlos in den Himmel ragten, aber nicht ganz so eng beieinander standen wie im Antelopes Canyon. Es war ein Marsch durch eine andere Welt, mit angenehmen Temperaturen, Grünpflanzen wo immer genügend Licht den Boden erreichte und wunderschönen Licht- und Schattenspielen. Wir waren überwältigt von dieser Tour. Sie hatte alles was wir uns wünschen konnten. Allerdings darf man schon nicht zu viel überlegen, was denn wäre, wenn irgendwo ein Riesengewitter niederginge – die Canyons wären eine Falle. Der Wetterbericht war aber so gut und stabil, dass wir uns diesbezüglich absolut keine Sorgen zu machen brauchten. Es zeigte sich einmal mehr, dass es durchaus sehr gute Alternativen zu den von allen gerühmten Highlights wie zum Beispiel der „Wave“ in den Coyote Buttes North gab. Nach einer einsamen Nacht auf dem State Line Campground nahmen wir die Cottonwood Road Richtung Brice Canyon unter die Räder. Die Fahrt war ein Erlebnis für sich. Staubig, sandig, wellblechig und dann wieder glatt, windet sich die Piste, die bei Regen nicht befahrbar ist, auch nicht von einem Truckli oder so, durch eine sagenhaft schöne Landschaft. Durch rosarote Felsen mit grünen Pflanzensprenkeln, selten auch graues Gestein, spärliches Gras und viele Kuhfladen – Kühe sahen wir aber lange nicht – holperten wir mit unserem Truckli nordwärts, mal bergauf und mal bergab, mal im tiefen Sand und mal über Waschbrettrillen. Unsere Fahrpause verbrachten wir mit einer Wanderung durch die Cottonwoods Narrows, von unten nach oben und wieder zurück. Es war eindrücklich und wunderschön, wir waren mutterseelenallein. Kurz nach unserem Wanderhalt kam ein bisschen Westernstimmung auf, als eine Gruppe von berittenen Cowboys Kühe mit ihren Kälbern zusammentrieben. Die Kälber waren teilweise ganz klein und noch etwas unsicher im Gelände, wurden aber von ihren Müttern gut beschützt. Je weiter wir nach Norden kamen, desto mehr ähnelte das Land dem, was wir im weitesten Sinn als Weideland bezeichnen würden. Wir besichtigten den Grosvenor Arch und übernachteten zu guter Letzt im Kodachrome Basin State Park, wo wir noch einen der letzten wunderschönen Plätze bekommen hatten. Auf einem ruhigen gemütlichen Abendspaziergang bewunderten wir die – wieder mehrheitlich roten und weissen – Steinformationen im letzten Sonnenlicht. Es war ein abwechslungsreicher, aber auch anstrengender Tag, denn auf solchen Pisten zu fahren ist nicht ganz ohne.
Nach dem Frühstück am Seeufer versuchten wir unser Glück im Lower Antelope Canyon. Wir fuhren hin und konnten mit der neun Uhr Gruppe in den Canyon hinunter steigen. Welch eine Wunderwelt erwartete uns da! Wir hätten den ganzen Tag hier verbringen mögen. So sehen also Slot Canyons aus! Wasser und Wind haben tiefe Einschnitte mit sehr schmalen Öffnungen gegen oben in den rotbraunen Sandstein gefressen und durch diese Öffnungen kommt wenig und meist indirektes Sonnenlicht in diese Spalten. Dieses Licht entfacht an den bizarr geformten Felsen und Wänden ein wahres Feuerwerk aus Farben: von violett über orangerot bis gelb leuchtet es in allen Abstufungen, mit Schattenstellen und Lichtkegeln, die sich durch direktes Licht durch irgend ein Loch in der Höhe bilden, es ist fast unbeschreiblich. Es war ein fantastisches Erlebnis, wir schauten und hörten und staunten und fotografierten.
Fast ein wenig benommen kamen wir wieder ans Tageslicht und glaubten kaum was wir gesehen hatten. Da es gerade Mittag war, die optimale Zeit um auch den Upper Antelope Canyon zu besichtigen, beschlossen wir spontan, es auch dort zu versuchen. Auch hier hatten wir Glück und konnten uns der 12 Uhr Gruppe anschliessen. Diesmal war es aber wesentlich anders: Wir wurden durch den Canyon gehetzt, alles musste schnell und effizient gehen. Die Gruppe vor uns durften wir nicht überholen, jene hinter uns nicht behindern, dem Gegenverkehr musste ausgewichen werden und dazwischen sollten wir dann die durch das Wasser gedrechselten Felsen in allen Pastelltönen wiederum von violett bis gelb leuchtend und die spektakulären Lichtstrahlen, die sogenannten Beams bewundern. Es war schön, aber das Gefühl von Erhabenheit konnte bei dieser Hektik nicht aufkommen. Schade eigentlich.
Müde und glücklich (trotz etwas „abverheitem“ Upper Antelope Canyon) kehrten wir auf unseren Zeltplatz am See zurück und erfrischten uns noch einmal ausgiebig. Und weil diese Slot Canyons fast nicht zu beschreiben sind, haben wir ihnen eine Fotoseite gewidmet.
Da wir wirklich viel Zeit haben, nahmen wir’s gemütlich und fuhren gemächlich Richtung St. George, eigentlich war der Red Cliff Campground unser Übernachtungsziel. Aber da hatten wir das Memorial-Day Wochenende falsch eingeschätzt: Es war alles voll. Also fuhren hoch hinauf in die Berge, Richtung Yant Flat, wo wir die nach Synnatschke benannten Candy Cliffs besichtigen wollten. Die Strasse war recht gut unterhalten und man durfte an bestimmten Plätzen frei campen. Wir fanden einen schönen Platz mit einem Spazierweg zum nahen Bach, inmitten von blühenden Kakteen, Agaven und Wacholderbäumen. Mit der Sonne sanken auch die Temperaturen wieder auf eine erträglichere Höhe bzw. Tiefe und wir hatten eine ruhige Nacht.
Für diese Wanderung hatten wir uns „Üben mit dem GPS“ vorgenommen, denn ausser Koordinaten hatten wir keine Wegbeschreibung. Am Morgen gaben wir den Ausgangspunkt für unsere Wanderung ins GPS ein und das Gerät führte uns wirklich auf Anhieb an den Trailhead von wo aus wir auf einem sandigen Weg durch eine wunderschön blühende Vegetation zu einer Steilkante wanderten. Nun mussten wir nur noch den Abstieg auf das Zwischenplateau finden und auch das war einfacher als gedacht mit den entsprechenden Koordinaten im GPS. Was uns hier erwartete, überstieg bei weitem unsere Erwartungen: Rot- und weiss gestreifte Sandsteinfelsen, einmal wie aus einer Riesentube hingedrückt, ein andermal wie dickflüssig über Hügel gegossen, alles in den Farben rot, weiss, beige und gelblich und dazwischen Pflanzen, welche grüne Kontrasttupfer bildeten, als ob ein Maler sich hier ausgetobt hätte. Es war überwältigend! Nach viel Schwitzen – es war mittlerweile recht heiss geworden – erreichten wir unser Truckli wieder, fuhren zurück bis zum Quail Statepark, wo wir wir den Nachmittag mit Faulenzen und Baden im erfrischenden See verbrachten.
Den Zion Nationalpark wollten wir am nächsten Tag unbedingt noch vor dem Mittag erreichen, denn wir befürchteten, dass die Zeltplätze knapp werden könnten – sie waren es... mit letzter Not bekamen wir noch einen Platz für eine Nacht und staunten schon ein bisschen ob den Menschenmassen, die sich da versammelt hatten. Nachdem wir uns im Visitor Center mit dem nötigen Material und den Infos eingedeckt hatten, fuhren wir mit dem Shuttle Bus bis ans Ende der Strasse beim Temple of Sinawava, einer Talbegrenzung durch riesige Felswände. Dies war der Ausgangspunkt für unsere Wanderung, zuerst dem Virgin River entlang bis der Weg nicht mehr weiter ging, dann mehrheitlich im Fluss durch immer enger stehenden Felswände. Wir folgten dem Wasser bis zum Orderville Canyon, einem Seitenfluss, der an einer sehr schönen Stelle ebenfalls tief in einem Canyon in den Virgin River fliesst. Einen Sturz konnten wir vermeiden, bis zu den Oberschenkeln standen wir aber nicht selten im Fluss. Das Waten und Kraxeln und selten einfach Gehen war faszinierend und am eindrücklichsten war, wie viele Menschen aller Nationen – grosse und kleine, dicke und dünne, alte und junge, einfach absolut bunt gemischt – sich diese Wunderwelt anschauten und die Mühen einer solchen Wanderung auf sich nahmen. Wir waren recht müde am Abend, aber so saubere und schön gekühlte Füsse wie an diesem Tag hatten wir schon lange nicht mehr! Das stundenlange Baden hatte ihnen gut getan.
Am nächsten Morgen nahmen wir den Angels Landing Trail unter die Füsse. Wir hatten nicht den Ehrgeiz, bis ganz nach oben zu steigen, aber bis zum Scout Lookout schafften wir es gut. Ab hier begann dann ein Kletterweg, der zu einem sehr schmalen Grat führte und das traute ich (Barbara) mir dann definitiv nicht zu (und ich war nicht die einzige, denn es kehrten einige um). Wir genossen die wahnsinnig schöne Aussicht und machten uns dann langsam wieder an den Abstieg. Im Virgin River lösten wir unsere Salzkrusten, die sich in den letzten zwei Tagen auf unseren Körpern gebildet hatten, im recht kühlen Wasser auf. Seife getrauten wir uns nicht zu benützen, denn es hatte definitiv zu viele Menschen... Nach einer wunderschönen Fahrt durch den anderen Teil des Zion Nationalparks machten wir nach dem Tunnel eine Wanderpause zum Canyon Overlook: Die Aussicht war noch einmal absolut grandios.
Wir fuhren weiter nach Kanab, um uns mit Infomaterial zu den nächsten Highlights zu versorgen (Grand Staircase Escalantes National Monument) und um herauszufinden, wie das mit der Verlosung für die Wanderung zur „Wave“ in den Coyote Buttes North funktioniert. Wir konnten wieder einmal waschen und im Visitor Center bekamen wir unsere Infos: Die Verlosung erfolgt jeweils um 9 Uhr am Morgen und einschreiben dafür kann man sich ab 8.30 Uhr. Mit Wecker standen wir um sechs Uhr auf, um ja rechtzeitig da zu sein. Viele Menschen möchten die Wave sehen, nur wenige dürfen – und wir gehörten leider nicht zu den Glücklichen...
Wir liessen uns jedoch die Laune nicht verderben und fuhren weiter zum Nordrand des Grand Canyon. Die Strecke führte ganz ungewohnt durch eine Hochebene, die von Waldbränden heimgesucht worden und nun am sich Regenerieren war. Junge Birken sprossen zu hunderten an den sanften Hügeln, die wenigen Föhren, die das Feuer überstanden hatten, wirkten fast ein wenig deplatziert. Der Nordrand des Grand Canyon war zunächst nicht ganz so eindrücklich wie der Südrand, als wir aber zum Cape Royal Aussichtspunkt kamen, war die Aussicht durch das „Engelsfenster“ auf den Colorado River umwerfend. Auf der Rückfahrt entschieden wir uns, von den Duschen beim Zeltplatz im Park zu profitieren und kamen dann „gputzt und gstrählt“ im DeMotte Campground ausserhalb des Nationaparks an, gerade richtig für einen Apéro. Es wurde kühl am Abend, wir glaubten es kaum, und wir mussten lange Hosen und Pullover anziehen! Gerade richtig, um ein schönes Risotto zu kochen und Würste zu braten.
Wir genossen die wunderschöne Fahrt zurück über die Hochebene, die hellen frischen Blätter der Birken, die erst zaghaft blühenden weissen und rosaroten „Pölsterli“ am Strassenrand, die noch etwas zerdrückten Wiesen, die wahrscheinlich noch nicht allzu lange schneefrei waren, bis an die Abzweigung nach Page und dann entlang der Vermilion Cliffs. Es war unglaublich, wie sich die Landschaft veränderte. Im einen Moment waren wir in Wäldern, dann völlig unvermittelt in der Wüste, umgeben von Felsen in allen Rottönen. Wir passierten Felsungetüme, riesige Steinbrocken, die teilweise zu kleinen Wohnungen „umgebaut“ waren oder aussahen wie gigantische Steinpilze. Auf der Zufahrt zu Lee’s Ferry kamen uns Ingeburg und Stefan entgegen, unverwechselbar in ihrem grossen fahrenden Haus. Sie waren mit Freunden unterwegs und passen ihre Reisepläne entsprechend an. Wir hoffen, wir treffen sie später noch einmal an. In Lee’s Ferry machten wir einen Spaziergang entlang des Colorado River, beobachteten Vorbereitung und Abfahrt der Grand Canyon Raftingboote, die, je nach Buchung, bis zu 13 Tagen auf dem Fluss unterwegs sein werden und für unseren Geschmack in sehr grossen Gruppen reisten. Eindrücklich muss es ja schon sein, sich mit einem Boot durch diese Fluss-Fels-Canyon-Landschaft treiben zu lassen. Wir verbrachten den restlichen Tag am Colorado River, der eigentlich zum Baden eingeladen hätte, aber so kalt war, dass keines von uns tiefer als bis zu den Oberschenkeln hinein ging. Offenbar ist der Fluss immer etwa 8°C, seit der grosse Glen Canyon Staudamm, hinter dem sich der Lake Powell staut, gebaut worden war. Der Abend war wieder einmal so windig, dass wir uns entschieden, kalt zu essen. Unser Truckli stand aber so gut, dass wir keine Probleme hatten und spät am Abend wurde es auch merklich ruhiger.
Eigentlich hatten wir uns vorgestellt, dass es bis Page und an den Lake Powell nur ein Katzensprung wäre – weit gefehlt! Die Strasse war gesperrt und wir mussten einen riesigen Umweg – zumindest durch eine sehr schöne Gegend – fahren. Am Horseshoe Bend machten wir Pause und wanderten zum Aussichtspunkt hoch über dem Fluss. Page selber war nicht wirklich beeindruckend, aber ein guter Ort um Vorräte zu ergänzen und sich ein bisschen über die Gegend zu orientieren. Anschliessend machten wir uns auf die Suche nach einem Platz zum Schlafen, fuhren über den Glen Canyon Staudamm und dann mehr oder weniger dem dahinter gestauten Lake Powell entlang bis zum Lone Rock Campground, einem schönen Platz direkt am See mit Stellplätzen am Ufer, welches man auf einer ziemlichen sandigen Piste erreichte. Oh tat das Bad im kühlen Wasser gut! Wir genossen die Erfrischung nach einem doch anstrengenden und vor allem heissen Tag.
29. April bis 25. Mai
Nach einer schönen Woche als „Care Taker“ und einem letzten gemütlichen Frühstück auf der Terrasse mit Guge und Jane fuhren wir am 12. Mai definitiv wieder los. Der Pinnacles Nationalpark, der fast genau vis à vis von Big Sur liegt, nur eben mit einem Tal dazwischen, war unsere erste Station. Wir nahmen’s gemütlich und tuckerten bei wunderschönem Wetter durch eine schon wieder trockene Landschaft. Am Ziel angekommen, studierten wir das Kärtchen und entschieden uns für die Wanderung durch die Bärenschlucht und die Höhlen hinauf zum Reservoir, von dort über den Rim-Trail zum High Peaks Trail, dem wir bis zur Abzweigung Condor Gulch folgten und dort über den Overlook wieder in’s Tal abstiegen. Nach etwa vier Stunden hatten wir’s geschafft! Unsere Füsse brannten und die kalte Dusche auf dem Zeltplatz kam gerade recht – einzig dass wir dafür noch extra bezahlen mussten, war fast ein bisschen übertrieben...
Unser nächster Tag war ein Fahrtag – wir fuhren bis in den Kings Canyon bzw. Sequoia Nationalpark. Am späteren Nachmittag richteten wir uns auf einem schönen Plätzchen ein und genossen die etwas kühlere Temperatur, die uns problemlos an der Sonne sitzen liess. Wir waren das Fahren definitiv nicht mehr gewohnt, denn schon früh begannen wir zu gähnen und verzogen uns dann bezeiten in den oberen Stock. In der Nacht kühlte es merklich ab, wir waren halt schon wieder auf ca. 2'000 m Höhe und das wirkte sich entsprechend aus.
Zeitig am Morgen, mit Zmorge in Pullover und Jacke und mit dicken Socken an den Füssen, besichtigten wir zunächst den General Grand Tree, einen riesigen Sequoia inmitten von anderen, nicht minder imposanten Mammutbäumen. Es ist wirklich kaum vorstellbar, wie aus einem haferflockengrossen Samen ein solcher Baum entstehen kann, aber er kann... Am Hume Lake vorbei machten wir den nächsten Stopp beim Dorst Campground, der noch geschlossen war, aber von dem aus der Muir Cove Trail startete. Der Weg war abwechslungsreich und führte durch Fichten- und Föhrenwälder. Leider war es noch ein wenig zu früh für die Lupinen – wir sahen nur deren Stauden. Als wir dann endlich im Sequoiawäldchen anlangten waren wir tief beeindruckt. Wie eine Kathedrale standen die uralten riesigen Bäume in einem grossen Kreis. Die Stämme dick und schnurgerade, die Kronen knorrig und mit dicken Ästen, die ein schützendes Dach bildeten. Hier liess es sich gut ausruhen und sitzen, schweigend und andächtig und fast ein bisschen ungläubig, dass es so etwas überhaupt gibt, und das in den USA... Naja niemand sonst käme wohl auf die Idee, die Bäume nach Generalen zu benennen und die Strasse, die durch den Park führt, heisst dann halt folgerichtig Generals Highway... Unsere nächste Wanderung starteten wir mit dem General Shermann Tree, einem Touristenmagneten, aber eben dem grössten und ältesten Baum der Erde. Ab hier machten wir eine fast vierstündige Wanderung durch den immer wieder mit ganzen Sequoia-Gruppen bestandenen Wald. Zum Abschluss des Tages stand der Moro Rock auf unserem Programm, ein riesiger Fels vulkanischen Ursprungs, den man über unzählige Treppen und Treppchen ersteigen kann (nicht ganz einfach für Leute, die nicht schwindelfrei sind) mit einer grandiosen Aussicht über Wälder, Täler, Berge. Im eiskalten Kaweah Bergbach wuschen wir uns nach all den Anstrengungen so gut es eben ging, und wärmten uns anschliessend an der schon bald untergehenden Sonne wieder auf.
Auf der Weiterreise Richtung Death Valley fuhren wir durch wunderschöne Bergfrühlingswiesen so bunt, wie wir sie schon lange nicht mehr gesehen hatten. In besiedeltem Gebiet blühten Oleanderhecken in allen Farben, Agaven streckten ihre Blumenstängel gen Himmel und später im Tal reihten sich Plantagen mit Zitrusfrüchten an solche mit Oliven, Trauben, Aprikosen oder Kirschen... Dann ging’s wieder in die Höhe, vorbei an den California Hot Springs und in die Berge.
Bergfrühling fanden wir auch über den Sherman Pass: Blauviolette Lupinenfelder, blühende Bäume und Büsche, gelbe Sternblümchen und überhaupt kein Verkehr. Wir genossen die einsame Fahrt durch die Sierra Nevada und merkten erst im Tal, wie angenehm kühl es oben war. In der Ebene war schon fast Sommer geworden und die Temperaturen lagen entsprechend hoch. So wollten wir eigentlich auch im Death Valley lieber ein bisschen in der Höhe übernachten und fanden eine gute Route von Süden her zum Wildrose Campground. Als wir an die entsprechende Abzweigung kamen, stellten wir ein bisschen frustriert fest, dass die Zufahrt gesperrt, die Strasse geschlossen war. So mussten wir wohl oder übel den Umweg über den uns bereits bekannten Highway 190 machen. Wir fuhren bis zum Emigrant Campground, genossen das Wasser und nützten die Zeit, um wieder einmal unsere Solardusche in Betrieb zu nehmen. Das funktionierte in zweierlei Hinsicht prächtig: erstens kam das Wasser schon recht warm aus der Leitung und zweitens waren wir ganz allein und konnten die Dusche am Autodach befestigen, so dass wir uns bequem einseifen und abspülen konnten. Ein wunderbares Gefühl nach der Schwitzerei. Einzig der Wind machte uns zu schaffen, Kochen war wieder einmal fast gar nicht möglich und schlafen konnten wir auch erst relativ spät, als es endlich aufhörte zu blasen... Dafür weckte uns dann die Sonne am Morgen und wir konnten ohne warme Hosen und Pullis draussen frühstücken. Auch stellten wir fest, dass es hier keine gute Idee mehr ist, die Butter am Abend aus dem Kühlschrank zu nehmen, damit man sie am Morgen streichen kann...
Auf dem 20 Mules Drive durch die farbigen Felsen, die sich plastisch voneinander abhoben, staunten wir einmal mehr über die Vielfalt von Farben und Formen, die dieses Tal zu bieten hat. Bezeichnenderweise wurde es von den Einwanderern Death Valley getauft, der hier seit Urzeiten ansässige Shoshone Stamm nennt das gleiche Gebiet „Tal des Lebens“... Vom Dantes View Aussichtspunkt genossen wir den herrliche Blick auf die Badwater-Ebene, die riesige Salzfläche, die einen grossen Teil des Death Valley ausmacht. Und dann kam der für uns noch gänzlich unbekannte Teil des Death Valley durch die Badwater Road. Zuerst wanderten wir durch den Golden Canyon bis zu den leuchtend roten Cathedral Felsen und bewunderten anschliessend auf dem Artists Drive die vielen verschiedenen Farben mit denen das Gestein hier aufwartete. Die Strecke durch das eigentliche Death Valley, das eben auch – und dies völlig zurecht – Tal des Lebens heisst, über den Jubile- und den Salsberry Pass nach Shoshone war traumhaft schön. Von hier aus war der Weg für uns bekannt: Wir peilten wieder die Tecopa Hot Springs an (eine richtige Dusche!!!) und hatten gerade noch Glück: Kurz bevor sie für diesen Tag schlossen, konnten wir noch schnell baden und duschen. Dann verbrachten wir einen gemütlichen Rest an der Sonne und erinnerten uns an den Aufenthalt vor mehr als sechs Monaten hier...
Diesmal konnten wir den Red Rock Canyon oberhalb von Las Vegas wirklich besuchen: Alles war geöffnet und das Visitor Center hatte eine super informative Ausstellung über das ganze (BLM-) Gebiet. Mit einer guten Karte ausgerüstet, machten wir uns auf die Wanderung zu den Calico Tanks. Es ging relativ steil über Felsen und Felsbrocken und war anstrengend, aber es hatte sich gelohnt: Oben war wirklich ein Teich, der noch ein bisschen Wasser hatte. Aber das war eigentlich gar nicht der Hauptpunkt: Die Gegend mit ihren roten Felsen war wunderschön, es hatte noch grüne Büsche und Pflanzen, die Aussicht in die Schlucht war beeindruckend und wir hatten Freude am Wandern.
Wir liessen Las Vegas links liegen, fuhren in’s Erholungsgebiet des Lake Mead, suchten uns ein schönes Plätzchen zum Übernachten und genossen den Abend und die Stille, die nur durch die startenden und landenden Flugzeuge in Las Vegas und durch vereinzelte Boote auf dem See unterbrochen wurde.
Bevor wir uns weiter Richtung Wildnis bewegten, mussten wir dringend die Sachen kaufen, die wir für diverse Reparaturen bzw. Instandhaltungen benötigten. Das Oel für unsere Pumpe am Benzinkocher war partout nirgends zu bekommen, also halfen wir uns mit hundskommunem Nähmaschinenöl und hoffen, dass das funktioniert. Die Stangen unserer Sonnenstore müssten auch wieder befestigt werden, dazu benötigten wir sogenannte Rivets und das entsprechende Werkzeug, wir brauchten ein Mittel um unseren Wassertank zu reinigen und zu desinfizieren und dann leckte unsere Benzinflasche auch schon wieder ein bisschen... Als alles erledigt war, fuhren wieder an den Lake Mead, diesmal aber weiter nordöstlich, fast vis-à-vis des Valley of Fire. Auch hier war der Platz wunderschön und ruhig, wir konnten sogar zum Seeufer hinunter steigen. Nur war es da so matschig, dass Urs bis fast zu den Knien versank, als er die Füsse baden wollte. Erst als wir ein Stück Stand mit Kieselsteinen fanden, hielt der Boden unser Gewicht aus.
Unsere nächste Etappe war nicht lang. Schon relativ früh am Morgen waren wir im Valley of Fire und hofften, diesmal einen Zeltplatz zu bekommen. Welch eine Überraschung: Es war überhaupt kein Problem. Vereinzelte Gäste waren erst am Abfahren und es hatte viele leere Plätze. Und was natürlich super war: Der Zeltplatz hatte heisse Solarduschen (aber ein bisschen professioneller als wir...)! So konnten wir ohne Stress alle Plätze, die wir beim letzten Mal nicht besucht hatten, besichtigen, nach dem Schwitzen schön duschen und die Sauberkeit geniessen.
Die Besichtigungen von Felsensiedlungen und Canyons waren nicht immer ganz einfach, vor ellem wenn man Höhenangst hat... Aber die Strapazen lohnten sich bisher wirklich immer! Wer weiss, vielleicht wird es ja mit genügend Training wieder besser. Ich hoffe es jedenfalls.
Am Aussichtspunkt des Chesler Park Trails mussten wir uns grad mal auf der Karte orientieren. Wenn man so hinunter schaute, wurde einem schon klar, wie schnell man sich in diesen Felslabyrinthen verirren könnte. Zum Glück gab es auch hier Steinmännchen, die uns den Weg wiesen!
Wenn es die Temperaturen zuliessen - und das taten sie in Utah oft - gaben wir uns nicht mit einer 5-Stern-Übernachtung zufrieden, sondern hatten freie Sicht auf Millionnen von Sternen. Es gibt fast nichts schöneres, als mit offenem Dach unter tausenden von Sternen im warmen Bett zu liegen und zu träumen...
Die fett schwarz gestrichelte Linie ist unsere White Rim Tour, die bisher abenteuerlichste Strecke, die wir mit unserem Truckli, sprich unserem ganzen Haushalt, gefahren waren. Unser Vertrauen in unseren Toyota Landcruser ist immens gewachsen!
Es war schon ein komisches Gefühl, so steil hochzufahren, dass man den Boden zeitweise nicht mehr sah und zu spüren, dass die Vorderräder trotzdem griffen - und dann ebenso steil wieder hinunter zu rollen mit all dem Gewicht quasi im Nacken, das drückte und stiess.
...im Windschatten des Trucklis auf dem Murphy Hogback. Noch völlig entspannt ahnten wir nicht, wie steil sich uns die Strasse in ein paar Minuten präsentieren würde und welchen Mut wir für die Abfahrt brauchen würden! Ist ja manchmal auch besser so!
Das Einzige was nicht wirklich lustig war in Utah, waren der starke Wind und die „No-see-’em“, winzige schwarze Fliegen, die man fast gar nicht sieht, dafür aber spürt! Sie stechen überall, am liebsten in und um die Ohren, am Haaransatz oder in den Haaren bzw. an den Fussknöcheln, sie fliegen einen in Augen und Nasenlöcher und hinterlassen grausam beissende Stiche!
Die Wanderwege in diesem steinigen kargen Gebiet führen oft über ausgedehnte glatte Felsrücken, auf denen sich weder Weg noch sonstige Fussspuren abzeichnen können. So sind sie fast immer mit solchen Steinmännchen gekennzeichnet, denen man einfach folgen kann. Praktisch und sehr zuverlässig!
Auf dem Weg ins Monument Valley wurde der Wind immer stärker, fotografieren war bald einmal ziemlich sinnlos und aussteigen jedes Mal eine Herausforderung. Die grossen Felsen, die eigentlichen Wahrzeichen des Tales, waren nur verschwommen erkennbar, obwohl wir uns fast am Eingang des Navajo Tribal Parkes befanden.
Wir waren so früh am Morgen im Monument Valley, dass noch nicht einmal John Wayne auf dem Pferd aufgestanden war, um am John Ford’s Point für fünf Dollar pro Foto zu posieren...
Immer wieder auf unseren Wanderungen in Felsen, Steinen, Geröll und Sand, ohne Wasser, nur mit ausgetrockneten Flussbetten wenn überhaupt, müssen wir innehalten und einfach nur staunen. Staunen über das Leben, das sich mit einer Kraft und einer Schönheit in den für unsere Begriffe lebensfeindlichsten Gegenden durchsetzt und in die Welt hinaus leuchtet.
Immer wieder finden wir Pflanzen, manchmal Bäume, von denen wir uns nicht vorstellen können, wie sie hier Wurzeln schlagen und wachsen konnten. Ganz offensichtlich übersteigen die Möglichkeiten der Natur unser Vorstellungsvermögen!
Urs hatte vor langer Zeit dunkelbraune Wanderschuhe gekauft, meine waren hellbraun. Seit wir aber in diesen staubigen sandigen Gegenden unterwegs sind, bevorzugen wir Einheitslook. Dieser setzt sich manchmal auch über die Socken und Hosen fort, je nachdem wie tief die Sandlöcher und wie intensiv deren Färbung war...
... können sich nach wie vor sehen lassen! Hier im Bild der Koch entspannt und mit vollem Bauch. Nach anstrengenden Wanderungen und bei heissem Wetter gibt es statt lauwarmem Rotwein ein Bier! Und die Sonnenblumen von Markus begleiten uns nach wie vor, sie sind ein willkommener Farbtupfer und eine schöne Erinnerung.
Wir hatten unglaublich Glück mit unserem Führer. Er war sehr ruhig, freundlich, liess uns Zeit zum Staunen und zum Fotografieren, hatte seine Flöte dabei und ermöglichte es uns so, den Canyon mit langgezogenen, sanften Klängen auch akustisch zu erleben.
Endlich einmal war es windstill und wir konnten die Reparatur unserer Sonnenstore in Angriff nehmen. Im ersten Anlauf hatten wir die falschen Rivets, aber eine richtige Zange gekauft und mittlerweile sind wir auch mit den richtigen Rivets ausgestattet. Und was so schwierig ausgesehen hatte, gelang uns auf Anhieb. Die „Sonnenstoren-Beine“ sind wieder festgemacht, lassen sich in’s Rohr schieben und sollten wieder funktionstüchtig sein. Für weitere sonnige Tage sind wir wieder gerüstet!
Jeden Morgen um halb neun beginnt das Auswahlverfahren mit dem Einschreiben für die Lotterie, nicht ohne vorher noch einmal darauf aufmerksam gemacht worden zu sein, dass die Wanderung streng sei, es keinen Schatten gäbe, die Sonne heiss vom Himmel herunter brenne und es sich nicht um einen Sonntagsspaziergang handle. Es nützte nichts: Alle achtundachzig Menschen, die diese sagenhafte wellenförmige Felsformation sehen möchten, schrieben sich ein. Je Gruppe durfte ein Formular ausgefüllt werden, dieses bekam eine Nummer und eine entsprechende Kugel wurde ins "Hamsterrad" gelegt. Punkt neun Uhr begann der Ranger mit der Ziehung: Drehen, Kugel herausnehmen, Gewinner ermitteln. Wenn der Gewinner eine Familie mit zwei Kindern war, waren vier der insgesamt zehn Tickets weg. So war das Prozedere schnell vorbei und wir verabschiedeten uns innerlich von der Welle - ohne Groll und mit einem Augenzwinkern...
... sieht es zwar schon aus, war es aber überhaupt nicht. Die Klippen, von denen aus man eine wunderbare Aussicht auf den sogenannten Horseshoe Bend hatte, haben nirgends eine Abschrankung oder ein Geländer. Die schönsten Fotos machen also nur jene, die schwindelfrei sind. Mir (Barbara) wurde fast schlecht beim hinunter schauen. So richtig ging’s nur sitzend und schon das hatte grosse Überwindung gekostet ... Wir hatten beide unsere lieben Mühe mit Fotografieren. Die Zeit, als wir noch schwindelfrei waren, sind für uns beide wohl vorbei, das stellen wir immer wieder fest.
Wir hatten wieder einmal eine Wanderung auf dem Programm, aber schon nach einigen Metern, auf einer saftig grünen Wiese durch die ein Bächlein sprudelte, war ein Schwarzbär am grasen. Er schaute kurz auf, liess sich jedoch nicht stören und wir entschieden uns, unsere geplante Wanderung dennoch zu machen. Vor einem Jahr in Kanada hätten wir wohl noch Angst gehabt und unser Vorhaben abgebrochen...
Die bis zu 3'000 Jahre alten Bäume waren ausserordentlich eindrücklich, vor allem wenn man bedenkt, dass sie sich den immer wieder vorkommenden Waldbränden widersetzen können, ja solche Brände sogar brauchen, damit die eigrossen Zäpfchen in der Hitze aufgehen und sich die Samen lösen können. Gleichzeitig schaffen solche Feuer Raum für Sonnenlicht, Düngen mit der Asche den Boden und fördern so das Gedeihen neuer Sequoias. Diese Bedingungen erklären auch, warum diese Bäume meistens in Gruppen gleicher Grösse vorkommen: Sie wurden anlässlich des gleichen Waldbrandes „gesät“, wenn man das so sagen kann.
Wir hatten keine Lust, in der Oase auf dem windigen staubigen Zeltplatz zu übernachten und folgten deshalb der Schotterpiste in’s Echo Valley. Frei campen war erlaubt, sofern man eine Distanz von zwei Meilen ab der Teerstrasse einhält. Das war für uns kein Problem, unser Truckli ist ja genau dafür gemacht. Nur meinte es der Wind nicht so gut mit uns – als wir unsere Sonnenstore montierten, dauerte es genau drei Minuten und der Stoff flatterte im Wind, das Gestänge war ausgerissen und wir hatten unsere liebe Mühe, das Ganze noch einigermassen heil zu versorgen. Auch in der Nacht hatten wir keine Ruhe: Irgendeinmal drehte der Wind und kam genau von hinten, böig und viel zu stark, also zügelten wir halt nach unten... Naja, wir hätten es uns ruhiger vorstellen können...
Unser Platz am Lake Mead - ein ganzes Stück vom See entfernt, obwohl unser GPS uns anzeigte, dass wir schon bös nasse Füsse hätten haben sollen... Der Wasserspiegel des Reservoirs für Las Vegas war extrem tief und dies wohl nicht erst seit Kurzem. Es gab uns zu denken, wie sorglos man in der Stadt mit dem kostbaren Wasser umgeht und wie dramatisch es aussieht, wenn man den riesigen Stausee so geschrumpft sieht.