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Oberhallau-Überhürst SH, Lehrgrabung
Hauptziel der 3. Grabungskampagne 2011 war die Klärung des Verlaufes der zwei mittelneolithischen Gräben (Strukturen 4 und 14) in der nordöstlichen Siedlungszone. Beide konnten mittels geomagnetischer Prospektion nicht sichtbar gemacht werden. Ferner wollten wir am Nordostrand dieser Zone eine im Magnetogramm stufenartig NW-SO verlaufende Anomalie (Struktur 46) untersuchen. Aufgrund der 2010 unerwarteten Aufdeckung eines mächtigen latènezeitlichen Grabens (Struktur 30) am Südrand der prospektierten Siedlungszone schien uns die Interpretation dieser Anomalie als moderner Bodeneingriff nun eher zweifelhaft.
Im Abstand von 52 m wurden zwei 32 bzw. 36 m lange Sondierschnitte quer zum erwarteten Verlauf der grossgartacherzeitlichen Gräben angelegt. Ausser neuzeitlichen Leitungsgräben konnte im südlicheren Sondierschnitt G aber nur einer, im Schnitt H keiner der zwei mittelneolithischen Gräben festgestellt werden. In der Erweiterung des Schnittes G gelang es das nördliche Ende oder zumindest ein längerer Unterbruch dieser Längsstruktur zu fassen. Zur Zeit ist nicht bekannt, ob wir im Schnitt G den Graben 4 oder 14 angetroffen haben. Weder ihr bekannter Verlauf noch ihre Masse lassen eine Schlussfolgerung zu. Ebenso bleibt weiter abzuklären, ob der zweite Graben ebenfalls aber früher abbricht oder ob sich sein Verlauf derart stark ändert, dass er mit dem Sondierschnitt G nicht erfasst werden konnte.
Die Struktur 46 wurde mit der 10 m2 grossen Sondage J geschnitten. Im Profil zeigte sich ein U-förmiger Graben von 0,65 m Tiefe und 2,0 m Breite (Abb1). Die Einfüllung lieferte nur wenig Fundmaterial, vor allem Kleinstfragmente verziegelter Lehmbrocken sowie einige latènezeitliche Keramikscherben. Letztere lassen sich aber nicht genauer datieren. Somit liegt am Nordrand der prospektierten Siedlungszone ein weiterer latènezeitlicher Graben vor. Es bleibt aber offen, ob es sich bei diesem Graben 46 um den nordwestlichen Abschnitt desselben Grabensystems handelt, das 2010 knapp 300 m weiter südwestlich entdeckt wurde (Struktur 30) oder ob sich hier eine zweite latènezeitliche Grabenanlage abzeichnet. Weder die Orientierung der beiden Gräben noch die geomagnetische Prospektion geben dazu irgendwelche Hinweise. Rätselhaft bleibt auch der stufenartige Verlauf der Längsstruktur 46. Hier werden nur weitere Grabungen Antworten liefern können.
Die Feldarbeiten in Oberhallau-Überhürst (SH) sind abgeschlossen. Zur Zeit läuft die wissenschaftliche Aufarbeitung der Befunde und des Fundmaterials. Das reiche Fundgut aus dem latènezeitlichen Graben ist Thema der
Masterarbeit:
Johannes Wimmer
Leitung:
Dr. Othmar Wey