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Produktenamen: Ist eine Vegi-Wurst irreführend?
Wissen die Konsumenten, was ein Vegi-Schnitzel ist?
Schon seit Jahrzehnten gibt es Fleischalternativen, deren Namen an die Kennzeichnungen etablierter Produkte anlehnen: Vegi-Nuggets, vegane Schnitzel, veganer Käse usw.
Nie hat dies irgend jemanden gestört. Konsumenten wussten sofort, was sie erwartet, wenn sie solch ein Produkt kauften. Die Produkte ähneln in Geschmack, Konsistenz und Zubereitung den bekannten Produkten, die aus Fleisch oder anderen tierischen Produkten bestehen.
Seit solche Produkte jedoch nicht mehr nur in einem Nischenmarkt verkauft werden, sondern Eingang in grosse Supermärkte gefunden haben, wehrt sich die Fleischindustrie gegen diese leicht verständlichen, intuitiven Bezeichnungen. Sie wünschen sich Fantasiebezeichnungen für vegetarische und vegane Produkte. Haben die Vegi-Produzenten zu wenig Fantasie? Oder weshalb verwenden sie Bezeichnungen, die an Fleisch- bzw. Käseprodukte erinnern?
Interessanterweise hat sich noch nie jemand an anderen Bezeichnungen gestört, die nicht das enthalten, was der Name suggeriert:
- Leberkäse/Fleischkäse: Enthält kein Käse
- Fleischtomaten: enthält kein Fleisch
- Blutorangen: enthalten kein Blut
- Meeresfrüchte: enthalten keine Früchte
- Kakaobutter: enthält keine tierische Butter
- Holzfäller-Steak: enthält keinen Holzfäller
- Zimtschnecken: enthalten keine Schnecken
- Hot Dog: enthält kein Hundefleisch
Auch bei diesen Produkten ist jedem Konsumenten klar, um was es sich handelt. Genauso wie bei einer Vegi-Wurst.
Sind Fantasiebezeichnungen besser?
Die Fleischindustrie argumentiert damit, dass ein Produkt mit einem etablierten Produktenamen, dem ein vegetarisch oder vegan vorangestellt wird, irreführend sei. Die Konsumenten wüssten dann nicht, ob sie ein Fleischprodukt oder ein pflanzliches Produkt kaufen würden.
Diese Argumentationsweise ist absurd. Ein klar als vegetarisch oder vegan deklariertes Produkt kann nicht irreführend sein. Wenn dennoch versehentlich zu einem veg. Produkt gegriffen wird, liegt dies in aller Regel nicht an der Sachbezeichnung, sondern am Erscheinungsbild des Produktes selbst: Ein paniertes vegetarisches Schnitzel lässt sich von einem panierten Schweinsschnitzel optisch nicht unterscheiden, da die Panade bei beiden pflanzlich ist. Auch Würste sind optisch nur schwer zu unterscheiden. Deshalb werden vegetarische Würste auch immer als solche bezeichnet. Eine Verwechslung ist somit nur möglich, wenn jemand ausschliesslich auf das Erscheinungsbild des Produktes achtet, nicht aber auf die Kennzeichnung auf der Packung. Eine andere Bezeichnung würde somit keine Besserung bringen.
Eine Produktebezeichnung soll den Konsumenten darüber informieren um was es sich bei einem Produkt handelt.
Welche Bezeichnung informiert besser "Veganer Fleischkäse" oder "Pfannenquader"?
Da beide Produkte praktisch gleich aussehen, wie ein Fleischkäse mit tierischen Rohstoffen, trägt die Bezeichnung "Pfannenquader" sogar eher dazu bei, dass dieses Produkt von einer Person gekauft wird, die eigentlich kein veganes Produkt wünscht. Die Bezeichnung "Veganer Fleischkäse" verhindert eine solche Verwechslungsgefahr besser.
Wieso ist eine Vegi-Wurst auch rund?
Vielfach wird auch argumentiert, dass man vegetarische Produkte nicht so aussehen lassen sollte, wie Fleischprodukte, da dies inkonsequent sei: auf der einen Seite lehnt man Fleisch ab, auf der anderen Seite macht man aber Fleisch nach.
Auch diese Argumentationsweise ist nicht logisch: Vegetarier/Veganer lehnen Fleisch nicht wegen der Produkteform ab und höchst selten wegen des Geschmackes, sondern aus Gründen der Ethik, des Tierschutzes, des Umweltschutzes usw. (siehe unsere Umfrage: Veg-Umfrage).
Weshalb hat aber eine vegetarisch Wurst auch dieselbe Form wie diejenige aus Fleisch? Dies hat einen einfachen Grund: Die runde Hülle ist die ökonomisch beste Verpackungsform, da man am wenigsten Material benötigt. Ausserdem gibt es dafür schon sehr effiziente Wurstabfüllanlagen. Man muss also nicht extra neue Maschinen erfinden um z.B. die "Würste" in eine Dreiecksform zu pressen.
Seit 1993 setzen wir uns für die Anliegen der Vegetarier und Veganer in der Schweiz ein. Auf politischer Ebene haben wir erreicht, dass die Wörter vegetarisch und vegan in der Schweiz als eines der ersten Länder klar definiert sind und somit nicht mehr willkürlich benutzt werden dürfen. Mit Ihrer Unterstützung kämpfen wir auch weiterhin gegen Vegi-feindliche Gesetze und für die Erleichterung der veg. Lebensweise. Zudem kontrollieren wir für Sie alle mit dem V-Label deklarierten veg. Produkte in der Schweiz. Dies alles wird uns durch unsere Mitglieder ermöglicht.
- Gerichtsurteil vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Benennung von pflanzlichen Produkten: EuGH – „Veggie Cheese“ darf vorerst nicht „Cheese“ heißen (14.06.2017)
- Benennung von Veggie-Produkten: VEBU stellt Antrag an Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission
- Transparente Deklaration mit dem V-Label
- 20Minuten: SVP kämpft gegen die «Vegi-Wurst» (05.04.2017)
- Blick am Abend: Dürfen Vegi-Produkte Steak heissen? (02.05.2018)
- Blick.ch: Namensstreit beim Fake-Fleisch