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Muhyiddin Ibn Arabi: Das Erscheinen des Vollkommenen
Ibn Arabis Gedicht Höre, oh Mein Geliebter! nach der Übetragung von Abraham Abadi und Aaron Cass zur Musik des Vastearth Orchestra in einem Video von Zsuzsanna Nyul. Komposition und Violine: Chris Brierly. Sprecher: Aaron Cass. Klavier: Tim Roberts. Bass: David Norland.
Höre, oh Mein Geliebter!
Höre, oh Mein Geliebter!
Du bist der Grund für das Dasein der Welt.
Du bist das Zentrum und die Sphäre.
Du bist ihr Ganzes und ihre Teile.
Du bist der Auftrag, der erteilt wurde zwischen Himmel und Erde.
Ich habe deine Wahrnehmung erschaffen,
nur damit du Mich darin wahrnimmst.
Und wenn du Mich wahrnimmst, nimmst du dich wahr.
Trachte nicht, Mich wahrzunehmen im Wahrnehmen deiner selbst.
Mit Meinem Auge siehst du Mich und dich.
Mit dem Auge deiner selbst siehst du Mich nicht.
Geliebter,
Wie oft habe Ich dich gerufen, und du hörst Mich nicht.
Wie oft stand Ich vor dir, und du siehst Mich nicht.
Wie oft enthüllte ich Mich in Wohlgerüchen, die du nicht einatmest,
und in Aromen, die du nicht schmeckst um Meinetwillen.
Was stimmt nicht mit dir,
dass du Mich nicht spürst, wenn du berührst?
Warum erkennst du Mich nicht im Duft des Moschus?
Warum siehst du Mich nicht? Warum hörst du Mich nicht?
Was ist los mit dir?
Was stimmt nicht mit dir?
Ich bin dein berauschendstes, dein allerhöchstes Entzücken.
Meine Sehnsucht nach dir brennt stärker
als jeder Wunsch nach etwas anderem.
Ich bin besser für dich als jedes andere Gut.
Ich bin der Schöne.
Ich bin die Anmut.
Liebe Mich, liebe Mich. Liebe Mich allein.
Begehre Mich heiß und innig.
Verzehre dich nach Mir,
entsage jedem anderen Anspruch.
Nimm Mich auf. Empfange Mich.
Keinen Vertrauten wirst du finden wie Mich.
Alles will dich für sich selbst,
doch Mir geht es um dich.
Du aber, du meidest Mich.
Geliebter,
du kannst Mich nicht treffen auf halbem Weg zu Mir.
Mein Entgegenkommen reicht hundertmal weiter
als deine Schritte hin zu Mir.
Ich bin dir näher als du selbst.
Und dein Selbst, das all dies tut,
ist anders als Ich – erschaffen.
Geliebter,
Ich bin eifersüchtig auf dich und wegen dir.
Ich ertrage es nicht, dich bei anderen zu sehen oder bei dir selbst.
Sei mit Mir und in Mir.
Sei, so wie du bist, bei Mir.
Dann, Mein Geliebter,
wirst du die Einheit noch nicht einmal fühlen.
Die Einheit!
Und sollten wir auf einen Pfad stoßen, der zur Trennung führt,
dann werden wir uns trennen von der Trennung.
Geliebter,
komm, lass uns Hand in Hand die Wirklichkeit betreten.
Sie soll unser Richter sein
mit dem Urteilsspruch der Ewigkeit.
Geliebtes Gegenüber,
wo Liebende sich streiten, findet sich keine Freude.
Genuss liegt im Beieinandersein.
Wie sagt doch der Dichter:
»Ich wünschte sie tot, so sehr liebe ich sie,
auf dass sie mir gegenübersteht am Jüngsten Tag.«*
Oh, mein Herz!
Oh, mein Herz!
* Sag: Verstehst du den Sinn der Verhandlung vor dem Jüngsten Gericht? Läge das Ergebnis dieser Trennung nur im Erscheinen vor dem Richter, wozu dann die Freude, die du empfandst beim Anblick deiner Geliebten?
Übertragung aus dem Arabischen © Abraham Abadi und Aaron Cass
Deutsche Übersetzung © Robert Cathomas / Chalice Verlag