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Es ist klar: Die deutsche Grammatik muss in den Dienst des Geschlechterkampfs gestellt werden, weil Eingriffe, die die „Geschlechtergerechtheit“ (sic!) fördern, in andern Schulfächern, wie beispielsweise der Mathematik oder Physik, bisher leider gescheitert sind, sowie auch, weil der Unterschied in der Bedeutung von grammatischem und biologischem Geschlecht für viele AkademikerInnen ja wirklich kaum erkennbar ist.
Nach der erfolgreichen Einführung des Binnen-I mit generischem Femininum konnte nun endlich die nächste Etappe zur Förderung der Geschlechtergerechtheit angegangen werden: Die Bekämpfung und gnadenlose Ausmerzung der „Femineutra“. Worum geht es hier? Die NZZ am Sonntag vom 5. April 2016 titelte zu diesem Thema folgendermassen: „Ist, wer «s Heidi» sagt, ein Sexist?“.
Puuh. Nun ist Ihnen sicher alles klar, denn diese rhetorische Frage erklärt ja schon einiges. Ganz offensichtlich diskriminiert die sächliche Form die Frau. Sicher haben auch Sie schon immer die fehlende Geschlechtergerechtheit gespürt, wenn Johanna Spyri in ihrem Roman an diversen Stellen ein Femineutrum anwendete, indem sie jeweils „s Heidi“ schrieb, statt „d Heidi“. Sicher haben auch Sie schon immer vermutet, dass Johanna Spyri somit gemäss diesem Zeitungstitel ein Sexist gewesen sein muss. (Hinweis: Der Sexist.)
Aus dem erwähnten Zeitungsartikel geht hervor, dass Linguistinnen von der Universität Freiburg das Phänomen der Femineutra in einem dreijährigen Projekt eingehend erforscht haben. Leider geht aus dem Artikel nichts über die Finanzierung der drei Jahre dauernden Arbeit dieser Linguistinnen hervor. Der staunende Leser erfährt: Wer in der Standardsprache über Frauen im Neutrum spreche, entweibliche und entmenschliche sie. Vom herablassenden Neutrum sei es dann auch nicht mehr weit zur Degradierung zum Sexualobjekt (das Luder, das Stück). Andererseits könne das Neutrum aber sogar durchaus liebevoll gemeint sein, erfährt man da, allerdings müsse es dann im Dialekt angewendet werden, idealerweise auf Berndeutsch. Trotzdem stecke dahinter ein tradiertes Rollenbild, denn meist seien solche Frauen grammatisch gezähmt, damit ungefährlich und im Kontrollbereich des Mannes.
Ganz starker Tobak also. Es ist daher dringend nötig, unsere Sprache auch nach fehlender Geschlechtergerechtheit gegenüber den Männern zu überprüfen. Nach eingehender Analyse von 50‘000 deutschen Wörtern fanden wir denn auch sofort einen groben Verstoss gegen die Geschlechtergerechtheit, durch den auf unserem Planeten vier Milliarden Männer tagtäglich auf fürchterlichste Weise diskriminiert werden:
Es heisst die Person! Männliche Personen werden dadurch herabgesetzt und entmenschlicht!
Höchste Zeit also, unsere Sprache zu ändern. Schliesslich wollen wir der Gesellschaft zeigen, was für Themen uns persönlich wichtig sind und was uns gerade beschäftigt. Und vielleicht haben wir ja gerade sonst nichts zu tun. Bei der Lösungsfindung war beim ersten Hinschauen klar: Das grammatische Geschlecht muss Gender-neutral sein, also muss es ab sofort weltweit „das Person“ heissen. Leider hatten aber die Linguistinnen der Universität Freiburg in jahrelanger, knochenharter Forschungsarbeit bewiesen, dass dies nicht geschlechtergerecht wäre, da „das Person“ im Falle weiblicher Personen ja auf ein Femineutrum hinauslaufen würde, siehe weiter oben. „Das Person“ durfte also leider doch nicht sein. Eine neue Lösung musste her, es musste dringend gehandelt werden.
Daher orientierten wir uns am erfolgreichen, bewährten Muster des Binnen-I mit generischem Femininum. Auf der Suche nach einer vergleichbaren maskulinen Konstruktion wurden wir rasch fündig: In der lateinischen Sprache gibt es haufenweise Endungen auf -ator, die immer männlich sind, z.B. der Imperator, der Diktator, der Alligator und auch der Terminator (Anmerkung der Redaktion: oder auch der IGM-Redaktor). Einige von uns haben das wahrscheinlich schon damals im Latein-Unterricht gelernt, und die andern haben das sicher im Kino mitbekommen.
So entstand das „Binnen-A mit generischem Maskulinum“, mit dem die männliche, einen würdigen und erhabenen Wohlklang aufweisende Endung -ator eingeleitet wird. Und zur Kompensation des seit Jahrhunderten erlittenen Unrechts wird fortan beim Wort „Person“ nur noch die männliche Form mit „der“ verwendet. Neu heisst es somit weltweit ab sofort „der PersonAtor“ statt „die Person“, so wie es ja auch geschlechtergerecht „die RichterIn“ statt „der Richter“ heisst, wenn Richterinnen und Richter gemeint sind.
Wir fordern, dass das Binnen-A mit generischem Maskulinum von einem mehrköpfigen, männlichen Linguistiker-Team der ETH Zürich in einem weiteren knapp dreijährigen Projekt auf Staatskosten hinsichtlich Geschlechtergerechtheit überprüft wird und dass danach in sämtlichen Dokumenten der Bundesverwaltung der Begriff „Person“ durch „der PersonAtor“ ersetzt wird. Als Termin für die Präsentation der Forschungsergebnisse halten wir den 1. April 2019 für angemessen, und wir sind sicher, dass sich zu diesem Zweck viele interessierte PersonAtoren an diesem Tag auf dem Bundeshausplatz einfinden werden.
Leseempfehlungen:
• NZZ am Sonntag, 5. April 2016: Ist, wer «s Heidi» sagt, ein Sexist?
• NZZ vom 7. April 2016: Liebe/r Leser*in (Ist eine «geschlechtergerechte» Sprache möglich?)