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Inhalt:
Kes erwacht und liegt als alte Frau in der Krankenstation. Sie hat ihr Gedächtnis verloren. Sie weiß nur noch, wie der Holodoc mit anderen Leuten darüber diskutierte, sie in eine temporale Kontaminierungskammer zu legen, um das Morilogium, das Ende des Okampalebens, zu verhindern. Kes erkennt ihren Großenkel Andrew, erinnert sich aber nicht an ihre Tochter Linnis. Sie findet schnell heraus, daß sie mit Tom Paris verheiratet ist, während ihre Tochter die Frau von Harry Kim ist. Plötzlich sinkt ihre Körpertemperatur, und Kes springt zu einem früheren Zeitpunkt ihres Lebens, erinnert sich aber nur an ihre Erlebnisse in der Zukunft. Sie findet heraus, daß sie während des "Höllenjahrs" von einem Chroniton-Torpedo verseucht wurde. Die Behandlung des Doktors hat nun diese Partikel in ihrem System reaktiviert, was ihre Zeitsprünge in die Vergangenheit verursachte. Während des Höllenjahres gelingt es Kes, die genauen Daten des Torpedos zu erhalten. Damit kann der Doktor den Effekt aufhalten. Als Kes bei ihrer Geburt angelangt ist, bewegt sie sich wieder vorwärts durch die Zeit, bis sie in der Gegenwart angelangt ist.
Kritik:
"Before and After" basiert auf einer sehr ungewöhnlichen und einfallsreichen Zeitreise Idee und unterscheidet sich daher erfreulich von den eher mäßigen Episoden der vergangenen Wochen. Leider scheitert die Episode an einer einfallslosen und daher langweiligen Umsetzung.
Es ist zweifellos interessant, wenn eine Story aus der Sichtweise einer rückwärts durch die Zeit springenden Person erzählt wird und man zum Beispiel erst die Schäden auf der Voyager und dann die Raumschlacht sieht. Leider läßt Kenneth Billers Drehbuch einen mitreißenden Spannungsaufbau vermissen. Statt einer packenden Geschichte werden dem Zuschauer unterschiedliche Informationen vermittelt, die dann nur zeigen, wer in Zukunft mit wem verheiratet und wer tot ist.
Im Unterschied zum TNG-Finale "All Good Things..." (dt.: Gestern, heute, morgen) entsteht hier keine Dramatik, die über den "What if"-Blick in die Zukunft hinausgeht. Selbst die Plotauflösung beinhaltet kaum mehr als enttäuschendes Technobabble über temporale Chronitonwerte. Nichts gegen Technobabble, für das phantasievolle "Abheben" in eine ferne Zukunft unterstützt es unter anderem die Glaubwürdigkeit des "Sense of Wonders", den eine gute SF-Serie ja vermitteln sollte. Um so ärgerlicher wird aber dieses nicht unwichtige SF-Element, wenn es den Plot nicht länger unterstützt sondern regelrecht ersetzt.
Um beim Betrachter einer SF-Serie die Illusion zu erzeugen, daß ihm tatsächlich ein Blick in die Zukunft gestattet wird, sind futuristische Elemente unentbehrlich. Meiner Meinung nach kann es gar nicht genug davon in einer SF-Serie geben. Zugleich "brauchen" aber manche Zuschauer (gerade die, die mit SF nicht so viel anfangen können) bestimmte Komponenten der Gegenwart, um durch das Element des Vertrauten einen Zugang zu einer SF-Serie finden zu können. Daher kann man lange darüber streiten, wie viele und welche Gegenwartselemente in einer SF-Serie Sinn machen, sie scheinen zumindest für ein Mindestmaß an Publikumserfolg notwendig zu sein, so daß es sich kaum ein TV-Produzent leisten kann, darauf zu verzichten. Doch jegliches Verständnis hierfür endet abrupt, wenn die Schwelle zum Undenkbaren überschritten wird. Sollen wir wirklich glauben, daß bei den ungeheuerlichen Föderationstechnologien in 400 Jahren die Fotoapparate immer noch aufleuchtende Blitzlichter benötigen? Das in "Before and After" gezeigte Gerät war nur eine Variation einer völlig normalen Polaroid-Kamera mit eingebautem Blitzlicht!
Die Einfallslosigkeit von "Before and After" liegt leider im Detail. Allein der Tod von Janeway und Torres hätte nicht enttäuschender sein können, und man muß sich langsam fragen, wie oft im Protokoll der Sternenflotte "Tod durch explodierende Konsole" vermerkt wird. Da hätte sich Kenneth Biller schon etwas Ungewöhnlicheres ausdenken können. Auch die vereinzelt amüsanten Abschnitte gehen da eher ins Leere. Humoristischer Höhepunkt war eine Szene aus dem Pilotfilm (die hier natürlich einen anderen Verlauf nimmt), als Kes einer verdutzten Janeway mitteilt, daß sie rückwärts durch die Zeit reist. Nach "Projections" (dt.: Das Holo-Syndrom) geschah es hier zum zweiten Mal, daß eine Szene aus dem Pilotfilm in einer neuen Variante gezeigt wurde.
Etwas verkrampft wirkt auch das sprichwörtliche Happy End, das uns nun schon zum wiederholten Male die lachenden Hauptfiguren in einem gemeinsamen Epilog zeigt. So erstrebenswert es für die Autoren sein mag, die Harmonie der Crew untereinander zu betonen und eine für den Zuschauer spürbare familiäre Atmosphäre aufzubauen, so ist das Schlußgelächter ist einfach zu plump. Da fehlt nur noch, daß sich im Finale einer jeden Folge alle gegenseitig über die Kommunikator-Verbindung eine gute Nacht wünschen.
Die Okampa haben offenbar für verschiedene Lebensabschnitte verschiedene Namen. Fortpflanzen können sich die (weiblichen?) Okampa nur im Alter von fünf Jahren, im "Elogium". In dieser Zeit bildet sich am Rücken eine Art Beutel, in dem dann das Kind heranwächst. Die letzte Lebensphase heißt "Morologium".
In der von Kes erlebten Zukunft gibt sich der Doktor unterschiedliche Namen. Nach dem Höllenjahr nennt er sich Mozart, kurz darauf heißt er van Gogh.
Autor Kenneth Biller meinte, er sei von Martin Amis Roman "Time's Arrow" inspiriert worden. Darin bewegt sich der Erzähler der Geschichte rückwärts durch die Zeit.
Das Höllenjahr sollte eigentlich den Cliffhanger der dritten Staffel bilden, doch nach dem großen Erfolg von "Unity" (dt.: Die Kooperative) entschlossen sich die Produzenten von "Star Trek - Voyager", statt dessen einen Zweiteiler mit den populären Borg zu bringen. Das Höllenjahr wurde später in der vierten Staffel im Zweiteiler "Year of Hell" (dt.: Ein Jahr Hölle) nachgeholt. Da Kes zu diesem Zeitpunkt bereits die Serie verlassen hatte, entstanden einige bedauerliche Widersprüche zu "Before and After".
Insgesamt ist "Before and After" eine sehenswerte Episode, mit einer originellen Idee, guten Spezialeffekten und einer mehr als überzeugenden Jennifer Lien. Leider entwickelt sich zu wenig Spannung, um von einem Highlight sprechen zu können.