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Beschreibung
Immacolata Saulle Hippenmeyer: Nachbarschaft, Pfarrei und Gemeinde in Graubünden 1400-1600
Chur 1997.
Bürger und Bauern und ihr Verhältnis zur Kirche sind in den letzten Jahren öfter Gegenstand der historischen Forschung gewesen. Zahlreiche Tagungen nahmen das Niederkirchenwesen in den Blick und die Reformationsforschung entdeckte diese Personengruppe als lohnenden Studiengegenstand. Die vorliegende Arbeit reiht sich in diese Untersuchungen ein, indem sie methodisch auf den Forschungen von Peter Blickle aufbaut und hinsichtlich des Aspekts der Stiftungen darüber hinausgeht. In einem geographisch abgeschlossenen Raum, Graubünden, wird das Zusammenwirken von Kirche und Gemeinde bei der Ausgestaltung des Niederkirchenwesens in der Zeit zwischen dem frühen 15. Jahrhundert bis ca. 1620 untersucht. Schon in der Auswahl der Zeitspanne liegt eine der Stärken der Arbeit. Die aktive Stiftungsphase des Spätmittelalters wurde als Vorbedingung für die Prozesse während und nach der Reformation bis in die Zeit der Rekatholisierungsversuche in Graubünden erkannt. Die Betrachtung der Phänomene Laienstiftung, Dismembration und Gestaltung der finanziellen Situation der Stiftungen über eine solch lange Zeitspanne ermöglicht strukturelle Einsichten in das Verhalten und die Motivation der Landbevölkerung (die Stadt Chur wird in der Untersuchung ausgeklammert).
Die Erschliessung der Ergebnisse, auch in Form der Tabellen, ist übersichtlich und ansprechend. Den Tabellen sind ausführliche Erläuterungen beigegeben, die weitere Informationen zum Einzelfall zur Verfügung stellen. Für nicht mit Graubünden vertraute Leser wäre indes die Beifügung einer Karte wünschenswert gewesen. Im Ganzen betrachtet, schliesst sich mit dieser Untersuchung eine Lücke nicht nur in der schweizerischen Kirchengeschichte, sondern, durch den epochenübergreifenden Ansatz zwischen Spätmittelalter und Frühneuzeit, auch ein Desiderat der allgemeinen Forschung zum Niederkirchenwesen.
(Auszug Besprechung Elke von Boeselager, Bonn)
ISBN 3-905-241-73-0