Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03202.jsonl.gz/540

Der Tasmanische Pfeffer wächst hauptsächlich im Hochland der südaustralischen Insel Tasmanien, daneben kommt er auch in Victoria und New South Wales vor. Sowohl die Beeren wie auch die Blätter können als Gewürze dienen. Von der australischen Urbevölkerung allerdings wurde der Pfeffer offenbar weder kulinarisch noch medizinisch verwendet. Laut Gernot Katzer («Picantissimo», S.277) waren es britische Siedler im 17. Jahrhundert, die den Pfeffer als Ersatz für Winterrinde (Drimys winteri) gegen Skorbut einsetzten. Kulinarisch wird Tasmanischer Pfeffer wohl erst seit dem 19. Jahrhundert verwendet – meist als Ersatz für echten Pfeffer, mit dem er biologisch nicht verwandt ist. In Mode gekommen ist Tasmanischer Pfeffer auf jeden Fall erst Ende des 20. Jahrhunderts im Verzug der Ausbildung einer australischen Küche, die sich gewissermassen auf den Busch und seine kulinarischen Tugenden besann (siehe auch Busch-Tomate). Seither wird er auch in einigem Umfang angebaut.
Tasmanischer Pfeffer stammt von einem stark verzweigten Strauch, der unter günstigen Bedingungen 4 bis 5 Meter hoch wachsen kann. Auffälligstes Merkmal ist das dunkle Rot der jungen Zweige. Die Blätter sind lanzettförmig, ganzrandig, kahl, von relativ dunklem Grün und werden 3 bis 13 cm lang. Die weissen Blüten erscheinen endständig in gedrängten Blütenständen. Aus diesen Blüten entwickeln sich grosse, kugelförmige Beeren, die viele Samen enthalten. Die Beeren sind zu Beginn rot und verfärben sich mit zunehmender Reife schwarz.
Tasmanischer Pfeffer wächst in einigen Gebieten Australiens wild, wird heute aber zunehmend auch auf kleineren Plantagen angebaut. Die Früchte werden reif geerntet, Blätter können laufend abgenommen werden. Blätter wie Früchte werden im Schatten getrocknet, die Früchte kommen auch in Lake in den Handel. Nach Ansicht von Ian Hemphill («Spice and herb bible», S.410) haben gefriergetrocknete Beeren das feinste Aroma - sind aber weniger scharf als sonnengetrocknete Exemplare.
Die Blätter haben einen leicht holzigen, nur am Rande pfeffrigen Duft, in dem manche auch eine leichte Zimtnote oder eine Zitrusnote erkennen. Im Mund haben sie zunächst ein fast etwas hölzern-süsslich, auch leicht fruchtig oder vielmehrfruchtgummiartig wirkendes Aroma, aus dem heraus sich nach einigen Sekunden eine helle, pfeffrige Schärfe entwickelt.Die Beeren riechen fruchtiger und auch süsser, fast ein wenig wie Fruchtkaugummi. Im Mund sind sie porös und wirken wie leicht öliger Pfeffer, haben anfangs eine leichte, fruchtige Süsse, dann kann man Noten von Kampfer oder Terpentin ausmachen. Nach einigen Sekunden dann entwickeln die Beeren eine helle, kratzende Schärfe, auf die (wie bei Sichuanpfeffer, wenn auch weniger stark) ein Gefühl der Taubheit folgt. Generell ist das Aroma der Blätter etwas weniger stark als das der Beeren.
Tasmanischer Pfeffer ist gewissermassen ein Gewürz ohne Tradition. Beeren wie Blätter werden oft als feine Alternative zu echtem Pfeffer eingesetzt, wobei sich alle Handbücher einig sind, dass die Dosierung gegenüber echtem Pfeffer stark reduziert werden sollte. Ian Hemphill («Spice and herb bible», S.411) empfiehlt, im Falle von Beeren nur etwa ein Zehntel der Menge zu verwenden, die man bei echten Pfeffer brauchen würde. Unserer Meinung nach sind die tasmanischen Beeren zwar deutlich schärfer als echter Pfeffer, jedoch nicht in dem von Hemphill angedrohten Ausmass – wir würden die Dosierung gegenüber echtem Pfeffer lediglich halbieren (es kann jedoch sein, dass der Australier deutlich schärferen Pfeffer aus Tasmanien degustiert hat als wir).
Am besten eignet sich Tasmanischer Pfeffer (vor allem die Beeren) für Gerichte mit langer Kochzeit, für Eintöpfe mit Fleisch oder Hülsenfrüchten – durch die lange Kochzeit verliert sich die Schärfe und das spezielle Aroma gibt seinen Teil an den Geschmack des Gerichtes ab.Da die Samen ziemlich feucht sind, eignet sich tasmanischer Pfeffer nicht für die Pfeffermühle – er kann jedoch im Mörser zerstossen werden.
Neben dem Tasmansichen Pfeffer kennt man in Australien auch den sehr ähnlichen, sogenannten Dorrigo Pfeffer, dessen Aroma jedoch weniger kräftig sein soll, weshalb er offenbar auch Tasmania insipida heisst (insipida = ohne Geschmack oder Geruch). Mehr zur genauen Unterscheidung zwischen diesern Pfeffern findet sich bei Ian Hemphill («Spice and herb bible», S.408).
Die Insel Tasmanien, die dem Pfeffer ihren Namen gegeben hat, ist nach dem holländischen Entdecker Abel Tasman (1603-1659) benannt. Der lateinische Artname lanceolata bedeutet «lanzettlich» und bezieht sich auf die Form der Blätter.
Vermutlich ist Santa Lemusa der einzige Ort ausserhalb Australiens, wo Tasmanischer Pfeffer in kulinarischer Absicht angebaut wird. Im Jahr 2006 hat die Gemeinschaft von Nepal im Norden von Port-Louis eine kleine Plantage angelegt, auf der sie Tasmanischen Pfeffer (Drimys lanceolata) anbaut. Blätter und Beeren werden auch in Nepal selbst getrocknet und seit 2009 in kleineren Mengen als Tasmanischer Pfeffer «Nepal» verkauft. Die jährliche Produktion liegt im Moment bei etwa 400 kg (Stand 2010).
Der Versuch der Produzenten, das Gewürz unter der Bezeichnung Poivre de Nepal registrieren zu lassen, scheiterte am Widerstand der Behörden. Im Juni 2010 aber erhielt der Pfeffer aus Nepal als Poivre Tasmanien «Nepal» eine AOC-Zertifikation.
Familie: Winteraceae (Zu dieser primitiven Pflanzenfamilie gibt es keinen deutschen Namen)
Wissenschaftlich: Drimys lanceolata
Lemusisch: poivre de Tasmanie
Deutsch: Bergpfeffer, Tasmanischer Bergpfeffer, Australischer Pfeffer
Französisch: poivre indigène
Englisch: Tasmanian pepper, mountain pepper, native pepper
First Publication: 28-7-2010
Modifications: 1-8-2010, 7-10-2011