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Was uns die Bruchlandung des Freiherrn und Hochstaplers punkto Glaubwürdigkeit lehrt.
Ja, ich habe einen Doktortitel. Nein, ich bin nicht adelig. Und zum Politisieren braucht es auch keinen Doktortitel. Wenn man aber einen hat, ist man gut beraten, ihn ehrlich erworben zu haben. Und als Politiker muss man offen zu Fehlverhalten stehen und gut kommunizieren, ansonsten fällt man tief.
Der Aufstieg
Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg wurde 2002 in den deutschen Bundestag gewählt. 2007 erhielt er für seine Arbeit «Verfassung und Verfassungsvertrag» den Doktortitel der Universität Bayreuth mit der Höchstnote summa cum laude verliehen. 2009 bis 2011 war er deutscher Verteidigungsminister.
Der Fall
Dann wurden erste Vorwürfe laut, Teile der Dissertation von Guttenberg seien abgekupfert. Zuerst bestritt er die Vorwürfe vehement («… abstrus…»). Als jedoch immer grössere Teile seiner Dissertation als Plagiate entlarvt wurden, gab er zuerst «einzelne Ungereimtheiten» zu, anschliessend gröbere Mängel. Dann verzichtete er freiwillig auf den Doktortitel (was man eigentlich gar nicht kann), wollte jedoch als Verteidigungsminister im Amt bleiben. Bundeskanzlerin Merkel verteidigte ihn mit Hinweis, sie habe schliesslich keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter gesucht, sondern einen Verteidigungsminister.
Aus Sicht der Wissenschaft
Die wissenschaftliche Beurteilung des Falls ist einfach: Die Dissertation ist ein Plagiat, der Doktortitel muss deshalb entzogen werden. Dass sich tausende von Doktoranden gegen Guttenberg auflehnten, versteht sich. Wer selber jahrelang mühselig an einer Doktorarbeit bastelt und am Schluss hunderte Fussnoten auf ihre Richtigkeit überprüft, hat keine Freude, wenn jemand mit Abschreiben den gleichen Titel erlangen will. Die akademische Karriere von Karl Theodor zu Guttenberg ist zu Ende.
Aus Sicht der Politik
Das wissenschaftliche Fehlverhalten von Guttenberg hat keinen Einfluss auf seine Arbeit als Verteidigungsminister. Die Drohungen von Korpskommandant Roland Nef gegenüber seiner Ex-Partnerin hatten auch keinen Einfluss auf seine Tätigkeit als Armee-Chef, trotzdem musste er ebenfalls zurücktreten. Für Personen des öffentlichen Lebens gelten andere Spielregeln als für Privatpersonen (ausser vielleicht in Italien). Politiker müssen höheren moralischen Ansprüchen genügen, Privates wird öffentlich, gerade auch im Zeitalter der Personalisierung der Politik. «Plagieren» gehört zwar zur Politik, aber als Betrüger verliert man jede politische Glaubwürdigkeit. Eine bessere Kommunikationspolitik und ein frühzeitiger Rücktritt hätten Guttenberg eventuell ein rasches Comeback ermöglicht. Das wird nun schwierig.
Was lernt man daraus?
Natürlich ist es am Einfachsten, keine Leichen im Keller zu haben. Wer als Politiker seine Steuern frisiert, eine Putzfrau schwarz beschäftigt oder sich einen akademischen Titel erschleicht, muss früher oder später damit rechnen, dass die Sache auffliegt. Wenn etwas Unangenehmes ans Tageslicht kommt, dann empfiehlt sich eine offensive Kommunikation. Wer nur gerade das zugibt, was schon allgemein bekannt ist, wird unglaubwürdig. Besser, man stellt sich hin, macht reinen Tisch und zeigt Reue.