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Eine Reise beginnt nicht erst mit dem Abflug, sondern schon viel früher, bei der Vorbereitung. Im Fall von Nepal wurde bald klar, dass ich mich auf zwei Seiten dieses Landes gefasst machen musste.
Ein Nachmittag Ende August in Bern. Ich sitze in der Aarbergergasse und trinke einen Kaffee mit einem Journalisten und einer Journalistin aus Nepal. Sie sind Gäste am Reportagenfestival, das erstmals in Bern stattfindet. Ich erzähle ihnen, dass ich bald nach Nepal reisen und für drei Monate als Stagiaire für die Kathmandu Post arbeiten werde. «What do you think Nepal is like?», fragt mich darauf die Journalistin, leicht besorgt.
Keine einfache Frage, nach all dem, was ich in den letzten Wochen über Nepal gehört und gelesen habe. Die Adjektive decken ein breites Spektrum ab: wunderschön, einzigartig, faszinierend, lärmig, dreckig, schrecklich. Auch die Hauptstadt Kathmandu wurde sehr unterschiedlich beschrieben: eine Perle, eine Schönheit, «Indien Light», eine Expat-Bubble, ein Moloch, ein Graus.
Viele Tipps und ein Gedicht
Während die Beschreibungen über Nepal ambivalent ausfielen, tendierten die Tipps, die mir punkto Packliste gegeben wurden, doch klar in eine wenig erfreuliche Richtung: Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel, noch mehr und noch stärkeres Desinfektionsmittel, Imodium, Chlortabletten. Und: ein Fingerring, um eine allfällige Lüge über meinen Zivilstand glaubhaft untermauern zu können.
Abgesehen von diesen Tipps gab es noch ein paar andere Momente in der Vorbereitung, in denen ich realisiert, wie anders Nepal sein musste. Etwa, als ich meiner Mitbewohnerin, die ebenfalls schon in Nepal war, sagte, ich wolle das Geld für das Visum bei Ankunft am Flughafen abheben. «Da gibt’s keine Bankomaten», klärte sie mich auf. Oder als ich im Internet nach einer Unterkunft suchte und in einer Beschreibung las: «The house is absolutely earthquake-proof. It survived the earthquake in 2015 without a single crack». Aha, dachte ich, kein schlechtes Argument. Auf den Tipp, den ich auf einer Reisewebsite las, ein Erdbebenwarngerät mitzunehmen, werde ich jedoch verzichten.
Mir war klar, dass die Warnungen und dramatischen Tipps nur die eine Seite Nepals betrafen. Eine Ahnung vom Charme und der süssen Seite Nepals vermittelte mir dann ein Gedicht, das ich diesen Sommer einer Lyrikerin an einem sogenannten Textkiosk abgekauft hatte:
Dass ich viel Gutes und viel Schlechtes über Nepal gehört habe und dass dieses Land für mich deshalb noch wie vor unvorstellbar sei, unvorstellbar schön aber auch unvorstellbar herausfordernd, so etwas in der Art sagte ich auf die Frage der nepalesischen Journalistin, damals in der Aarbergergasse. Ihre Antwort: «Ah, well then I’m glad you are prepared».