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Johann Otto Polter war ein Leipziger Kaufmann und ein begeisterter Segler. Wie so viele Abenteurer im 19. Jahrhundert hoffte er, auf seinen zahlreichen Reisen über die Weltmeere noch unbekannte Landschaften zu entdecken. Im Jahre 1884 segelte er tatsächlich an einer Insel vorbei, die er für unentdeckt hielt und die er – als Bildungsbürger, der er war – auf den Namen Kantia taufte. Auf der von ihm für Kantia angegebenen Position aber lag bis 2011 eigentlich Santa Lemusa. Seltsamerweise gelang es Polter nicht, sein Kantia auf nachfolgenden Expeditionen wiederzufinden.
In seinem Logbuch beschreibt Polter die Insel wie folgt: «Im Osten schlägt der atlantische Ozean mit wilder Wucht seine Gischt gegen eine felsenreiche Küste. Im Süden und Westen aber plätschert die See mit zartem Grün über strahlend-weissen Sand. Der Norden der Insel wird von einem Gebirge beherrscht, der Süden ist eher flach und überall scheint die Erde äusserst fruchtbar. Die Wilden gehen nackt wie Gott sie geschaffen und sind von guter Statur – auch scheinen sie wohl gesonnen. Es ist ein Paradies auf Erden – zum Ruhme unseres grössten Denkers will ich es Kantia taufen.»
Axel Bojanowski weiss in der «Süddeutschen Zeitung» vom 17. Mai 2010 noch etwas mehr: «Von 1884 bis 1909 unternahm Polter auf eigene Kosten vier weitere Expeditionen, um Kantia wiederzufinden – vergeblich. Dennoch honorierte Kaiser Willhelm II. Polter mit einer Urkunde als Entdecker von Kantia.»
Ironischerweise emigrierte ein Grossneffe von Johann Otto Polter in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg nach Santa Lemusa – zufällig eher, sollte die Reise doch eigentlich nach Buenos Aires gehen. Er begründete in Palmheim jenen Zweig der Familie Polter, dem auch der Reporter Peter Polter angehört, der heute manches Abenteuer auf dem Planeten erlebt (vergleiche Episoda).
Das Logbuch befindet sich im Nationalarchiv.
First Publication: 12-3-2004
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