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Die frei verfügbaren Einkommen der Privathaushalte in der Schweiz sind höchst unterschiedlich. Sie werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst.
Wie eine Studie der Credit Suisse zeigt, schnitt Appenzell-Innerrhoden am besten, Genf am schlechtesten ab.
Das frei verfügbare Einkommen ist laut der am Dienstag in Zürich veröffentlichten Studie das zentrale finanzielle Kriterium für die Wohnortswahl.
Es bezeichnet jenen Betrag, der unter Berücksichtigung sämtlicher Einkommens-komponenten (Erwerbseinkommen, Vermögenserträge, Prämienverbilligungen, Familienzulagen) und nach Abzug aller Zwangsabgaben (Steuern, Sozialversicherungs- und Pensionskassen-Beiträge, Krankenkassenprämien) sowie Wohn-, Neben- und Stromkosten für den Konsum frei bleibt.
Unterschiede auf engem Raum
Die Unterschiede sind bereits auf engem Raum deutlich, wie die Untersuchung der rund 2900 Schweizer Gemeinden zeigt. So kommt eine vierköpfige Familie in einem Einfamilienhaus mittleren Standards in Avully im Kanton Genf mit jährlich 150'000 Franken Erwerbseinkommen und 300'000 Franken Vermögen auf ein frei verfügbares Einkommen von 49'500 Franken. Zöge die Familie nach Nyon im Kanton Waadt, wären es 56'800 Franken oder 15% mehr.
Ein kinderloses Tessiner Ehepaar in einem Einfamilienhaus hohen Standards mit 250'000 Franken Erwerbseinkommen und 600'000 Franken Vermögen kommt in Locarno auf 73'500 Franken, im nahe gelegenen Gordola aber auf 95'600 Franken oder 30% mehr frei verfügbares Einkommen.
Gemeinden im Umfeld von Grosszentren profitieren
Die Unterschiede werden damit erklärt, dass die finanzielle Attraktivität der Wohnregionen auch von kleinräumig abgegrenzten Märkten bestimmt wird, etwa bei Immobilien, Krankenkassenprämien oder Strompreisen. Deren Kräfte könnten der finanziellen Wohnattraktivität entgegenwirken.
So habe die Bodenknappheit in steuerlich attraktiven Regionen zu überdurchschnittlicher Verteuerung der Wohnimmobilien geführt, besonders in Grosszentren wie Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf, wo auch andere Kosten generell höher seien. Die Gemeinden in deren Umfeld könnten sich als finanziell attraktive Wohnorte positionieren.
Welten zwischen Appenzell-Innerrhoden und Genf
Im Kantonsvergleich schnitt Appenzell-Innerrhoden dank attraktiver Steuerbelastung, tiefen Immobilienpreisen, mässigen Gesundheits- und günstigen Stromkosten vor Schwyz und Nidwalden am besten ab, was die frei verfügbaren Einkommen betrifft. Glarus verwies Zug auf Rang 5, weil im Kanton Zug die Wohnkosten hoch sind.
Die Bergkantone Wallis und Graubünden können sich dank günstiger Immobilien im Mittelfeld halten, ebenso wie der Jura, wo das Wohnen landesweit am günstigsten ist.
Am wenigsten von ihrem Einkommen bleibt unter dem Strich den Einwohnern der Zentrumskantone Zürich, Bern, Basel-Stadt und Genf, wo hohe Wohnkosten das Budget belasten. Schlusslichter im Credit Suisse-Ranking sind die Kantone Basel-Stadt und Genf mit ihrer im Schweizer Vergleich hohen Steuerbelastung.
Im Kanton Genf, der auf dem letzten Platz liegt auf, sorgen neben der überdurchschnittlichen Steuerbelastung und den hohen Wohnkosten auch die landesweit höchsten Krankenversicherungs-Prämien für die niedrigsten frei verfügbaren Einkommen der Schweiz.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Im Vergleich zu den Nachbarländern sind die Durchschnittslöhne in der Schweiz höher. Das hat eine kürzlich publizierte Studie der Fachhochschule Solothurn.
Nach Abzug der Steuern, Sozialversicherungs- und Pensionskassenbeiträgen sowie Krankenkassenprämien ist der Unterschied nicht mehr so markant. Das bestätigt das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), obwohl präzise Vergleiche mit den Nachbarländern schwierig sind.
Auch nach den Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) figuriert die Schweiz unter jenen Ländern, in denen die Lebenshaltungskosten am höchsten sind.
Im Vergleich zu Deutschland sind die Löhne der Arbeitnehmer in der Schweiz zwar 20% höher, die Lebenshaltungskosten aber 28% höher.
Fakten
Je nach Wohnort in zwei verschiedenen Gemeinden, aber im gleichen Kanton, kann das verfügbare Einkommen um 30% höher sein.
Bei gleichem Lohn ist das verfügbare Einkommen im Kanton Appenzell-Innerroden am höchsten, im Kanton Genf am tiefsten.