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Retinopathia centralis serosa (RCS)
Wer ist von der Erkrankung betroffen?
Die Retinopathia centralis serosa (Chorioretinopathia centralis serosa, RCS) betrifft vor allem Männer zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr. Die Patienten, die an dieser Erkrankung leiden, sind oft entweder im Berufs- oder im Privatleben grossem Stress ausgesetzt.
Symptome der Retinopathia centralis serosa
Die Patienten klagen in der Regel über folgende Symptome:
- Verschlechterung der Sehschärfe
- Grauer Fleck im Zentrum des Gesichtsfeldes
- Verzerrtes Bild (Metamorphopsie)
- Die Gegenstände erscheinen kleiner, als in der Realität
Die Patienten haben das Gefühl, dass ihre Sehkraft sich nach heller Beleuchtung langsam erholt (als hätte er/sie in die Sonne geschaut).
Augenschmerzen begleiten diese Erkrankung in der Regel nicht. Farbwahrnehmungsstörungen und Kontrastverlust kommen bei vielen Patienten vor.
Wie entsteht die Erkrankung?
Die genaue Ursache dieser Erkrankung ist immer noch unbekannt. Flüssigkeitsansammlung zwischen der neurosensorischen Netzhaut und dem darunter liegenden retinalem Pigmentepithel (RPE) drückt die neurosensorische Netzhaut nach oben.
Wie genau diese Flüssigkeitskollektion entsteht, ist fraglich. Es wird vermutet, dass die Barriere- und Pumpfunktion der Aderhaut (Choroidea) aufgrund eines bisher unbekannten molekularbiologischen Vorgangs verändert wird, wobei Kortison eine wichtige Rolle spielt.
Eine Fehlfunktion der Aderhautgefässe (Choriokapillaris), die erhöhte Durchlässigkeit der Aderhautgefässe und die Aderhautdicke begünstigen die Entstehung der Krankheit.
Manchmal bilden sich neben der subretinalen Flüssigkeitskollektion auch sogenannte Pigmentepithelabhebungen. Retinopathia centralis serosa (RCS) liegt häufig beidseits vor mit asymmetrischen Befunden.
Die Krankheit kann in eine akute, eine chronische und wiederkehrende Phase aufgeteilt werden.
Klinische Befunde
Die Sehschärfe des Patienten kann in unterschiedlichem Masse herabgesetzt sein. Die Ausprägung der Symptome hängen mit der Lokalisation und Ausmass der Flüssigkeitskollektion zusammen.
Eine grosse Flüssigkeitskollektion in der Makula (Stelle des schärfsten Sehens) kann zu erheblichen Bildverzerrungen und einer starken Verringerung der Sehkraft führen.
Bei Lecks, die sich ausserhalb der Makula befinden, können exzentrische Ringe oder Flecken vom Patienten wahrgenommen werden.
Aufgrund einer Flüssigkeitsansammlung wölbt sich die neurosensorische Netzhaut vor und dies führt zur Weitsichtigkeit wegen der Verringerung der Augenachse.
Diagnosestellung bei RCS
Bei der biomikroskopischen Untersuchung der Netzhaut an der Spaltlampe ist die Netzhautabhebung zu sehen. Bei der Erstuntersuchung und den Verlaufskontrollen ist unser wichtigstes Untersuchungsgerät das OCT (optische Koherenztomographie).
Das OCT ist eine Schichtaufnahme der Netzhaut, die ein genaues morphologisches Bild über die Netzhaut an der ausgewählten Stelle gibt. Mit Hilfe des OCT können wir die Lokalisation und Form der Flüssigkeitskollektion beobachten und dokumentieren.
Die Auderhautdicke kann ebenfalls mit dem OCT beobachtet werden. Bei der Retinopathia centralis serosa zeigt sich das OCT eine domförmige Netzhautabhebung manchmal mit Pigmentepithelabhebungen.
Zur Bestätigung der Diagnose führen wir in der Regel eine Fluoreszenzangiographie durch. Die Fluoreszenzangiographie ist eine Farbstoffuntersuchung der Netzhautgefässe.
Mithilfe der Fluoreszenzangiographie können wir genau sehen, wo der Farbstoff aus den Gefässen austritt. Der Farbstoffaustritt, der in der Fachsprache Leckage genannt wird, kann einem Tintenklecks oder einer Rauchfahne ähneln.
Es ist sehr wichtig, dass wir bei der Fluoreszenzangiographie sogar eine halbe Stunde lang Aufnahmen machen, da wir die Leckage nicht selten erst nach 30 Minuten sehen. Die chronische RCS weist eine diffuse Hyperfluoreszenz auf.
Die Indocyanin-Grün Angiographie kann abnormale Aderhautgefässe, Durchlässigkeit der Auderhautgefässe und Füllungsverzögerungen in der Aderhaut aufdecken.
Differenzialdiagnostik
Der Augenarzt muss die RCS von anderen, ähnlich aussehenden Netzhautkrankheiten unterscheiden.
In erster Linie müssen wir die RCS von der altersbedingten Makuladegeneration, der idiopatischen polypoidalen Vaskulopathie, der Grubenpapille, dem Aderhauttumor, der rissbedingten Netzhautablösung und diversen Aderhautentzündungen unterscheiden.
Die OCT- und Fluoreszenzangiographie-Bilder, das biomikroskopische Bild an der Spaltlampe und die typischen Symptome des Patienten bestimmen die Diagnose eindeutig.
Therapie der Retinopathia centralis serosa
Ca 85-90% der Fälle heilen innerhalb von 3-4 Monaten spontan, ohne Behandlung ab. Deswegen ist es wichtig, alle Patienten mit RCS nach spätestens 3 Monaten erneut zu untersuchen.
85% der Patienten erreichen nach der Heilung eine Sehschärfe von 100%. Die Erkrankung kehrt in 30-50% der Fälle leider zurück. Eine chronische oder zurückkehrende RCS hat eine schlechtere Prognose.
Wenn der Patient unter Kortison-Therapie steht, muss das Kortison nach Rücksprache mit dem behandelndem Arzt rasch abgesetzt werden. Physischer oder emotionaler Stress erhöht den Kortison-Level des Körpers.
Deswegen empfehlen wir unseren Patienten die Reduktion der Arbeitsbelastung und einen längeren Urlaub.
Wenn eine spontane Abheilung nach 3-4 Monaten nicht eintritt, dann haben wir mehrere Behandlungsmöglichkeiten in unserer Hand: Falls sich die Leckage ausserhalb der Makula befindet, kann die Leckage mit dem Laser verödet werden.
Dies führt zu einer schnellen Verringerung der subretinalen Flüssigkeit und Verbesserung der Sehschärfe. Die photodynamische Therapie (600 mW/cm2) dient ebenfalls zum Verschluss der Leckage.
Die halb-dosierte Version der photodnamischen Therapie (300 mW/cm2) gewinnt heutzutage an Beliebtheit. Damit wir eine photodynamische Therapie durchführen können, müssen wir vorderhand eine Kostengutsprache bei der Krankenkasse des Patienten (in der Schweiz) einholen.
Der Mikropulslaser (Unterschwellen-Laser) kann beim Verschliessen der Leckage in chronischen Fällen helfen. In den letzten Jahren wurden verschiedene Medikamente ausprobiert, welche den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können.
Aldosteron-Antagonisten, Ketokonazol (Pilzmedikament) und Charboanhydrasehemmer können die Resorption der Flüssigkeitsansammlung in der Netzhaut beschleunigen.
Zusammenfassung
Die Retinopathia centralis serosa betrifft vor allem jüngere Männer, die viel Stress ausgesetzt sind.
Mit unseren modernen diagnostischen Geräten (OCT, Fluoreszenzangiographie, Indocyanin-Grün Angiographie, Fundusautofluoreszenz) können wir die Erkrankung diagnostizieren und verfolgen.
In den meisten Fällen heilt die Erkrankung spotan ab. Bei chronischen oder zurückkehrenden Fällen haben wir mehrere Behandlungsoptionen.
Wenn Sie die oben beschriebenen Symptome haben und eine fachärztliche Beurteilung wünschen, können Sie gerne bei unserem Augenarzt in Opfikon neben Zürich Oerlikon einen Termin vereinbaren.