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13.09.2018
Im Frühjahr 2018 versteckten Schulklassen in sieben europäischen Ländern über 3000 Raupen aus Knetmasse in Eichen. Damit konnten sie herausfinden, ob Räuber wie Vögel, Insekten, Spinnen oder Säugetiere versuchten, diese Raupen zu fressen. Mit Hilfe dieser Beobachtungen untersuchen Wissenschaftler den Einfluss des Klimas auf die Baumabwehr und die Räuber.
Die Forscher der WSL rufen erneut Schulkinder auf, sich nächstes Jahr an diesem umfangreichen Projekt zu beteiligen.
Die Eiche ist in Europa eine der Baumarten, welche die grösste Vielfalt an pflanzenfressenden Insekten beherbergt. Meistens fressen diese Insekten nur einen kleinen Teil der Blätter, aber auch diese scheinbar harmlosen Angriffe können die Eichen schwächen und ihr Wachstum verlangsamen, wenn sie Jahr für Jahr geschehen. Massive Ausbrüche bestimmter Schädlinge wie des Schwamm- oder Prozessionsspinners, die es in manchen Jahren gibt, können Eichen sogar töten, wenn sie mit anderen Stressfaktoren oder Krankheiten zusammenfallen.
Der Feind meines Feindes ist mein Freund
Die Eichen sind jedoch nicht wehrlos. Sie produzieren in ihren Blättern abstossende oder giftige chemische Substanzen, dank denen ihre Blätter für Pflanzenfresser schlecht verdaulich sind. Vor allem aber haben sie Verbündete: Pflanzenfressende Insekten stehen auf dem Speisezettel anderer Tiere wie Vögel, Raubinsekten, Spinnen oder Säugetiere. Sie schützen somit die Bäume. Ökologen nennen diese Abfolge von Fressenden und Gefressenen eine trophische Kaskade.
Verschiedene Teams von Wissenschaftlern haben diese Kaskade bei mehreren Arten von Bäumen und Kräutern untersucht, und dabei ist ihnen etwas aufgefallen: Pflanzenfressende Insekten richten in wärmeren Regionen mehr Schaden an als in kalten. Warum wohl?
Die Fachleute sind sich darüber nicht einig. Einige schlagen als Erklärung vor, dass sich die Pflanzen in wärmeren Klimazonen weniger gut verteidigen. Aber oft ist das Gegenteil der Fall! Könnte es sein, dass die Räuber in kalten Regionen aktiver sind? Oder die pflanzenfressenden Insekten warmen Gegenden, weil ihre Körpertemperatur von der Umgebungswärme abhängig ist? Vermutlich enthält die Wahrheit ein bisschen von allen diesen Erklärungen.
Diese Fragen sind nicht nur für Experten wichtig. Denn das Klima der Erde verändert sich. Die gemässigten Regionen werden wärmer, und kalte Regionen werden weniger kalt. Viele Lebewesen werden damit ihre Gewohnheiten ändern, sie werden andere Regionen besiedeln und im Frühling oder Sommer früher oder im Herbst länger aktiv sein. Es ist anzunehmen, dass sich die trophische Kaskade ebenfalls ändern wird. Das könnte die Eichen schwächen – nicht nur im Süden, sondern auch im Norden Europa, oder in der Schweiz - vor allem, wenn es immer wieder sehr heisse und trockene Sommer wie dieses Jahr gibt.
Forschende von Portugal bis Schweden wollen die Wechselwirkungen zwischen Eichen, pflanzenfressenden Insekten und Raubtieren in verschiedenen Klimazonen erkunden. Aber Europa ist gross, und deshalb brauchen sie Hilfe von dir und deiner Schulklasse.
Um bei diesem Forschungsprojekt mitzumachen, kann sich deine Lehrerin oder dein Lehrer anmelden. Deine Klasse wird dann Knetmasse und Draht erhalten, um eure Raupen zu basteln. Im Frühling 2019 werdet ihr diese in einer Eiche (Quercus robur) in der Nähe eurer Schule ansetzen.
Damit täuscht ihr die Räuber: Sie werden diese Köder angreifen, als ob sie echte Beute wären. Dabei hinterlassen sie Spuren mit ihrem Schnabel, ihren Zähnen oder Mandibeln (den Mundwerkzeugen von Insekten).
Jeweils nach zwei Wochen und nach einem Monat wird eure Schulklasse die Eiche besuchen, um die Spuren der Räuber zu zählen und zu beobachten. Danach werdet ihr die Raupen sowie einige Eichenblätter an den Projektleiter in Frankreich schicken. Er wird das Ausmass des Blattfrasses und den chemischen Inhalt der Blätter analysieren.
Somit wird es mit deiner Hilfe und der anderer Schulklassen in den verschiedenen Ländern möglich sein, chemische Verteidigung, Insektenfrass und Angriffe durch Räuber abhängig vom Klima zu vergleichen, und das von Süd- bis nach Nordeuropa.
Möchtest du mitmachen? Sprich deine Lehrerin oder deinen Lehrer an. Sie oder er kann deine Klasse anmelden. Falls sie oder er Fragen hat, wird Martin Gossner sie gerne beantworten. An der WSL erforscht er Insekten und ist für dieses Projekt verantwortlich.