Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03485.jsonl.gz/2544

9/2/2020
20 Jahre «2fast4u»
Der Filippi-Vierer 2fast4u hat den Belvoir verlassen, um neuen Booten Platz zu machen. Der Belvoir hatte das Boot im Jahr vor der Jahrhundertwende gekauft, seither hat dieses treue Boot viele bewegte Jahre Belvoirgeschichte mitgemacht, ich habe die Ehre, für diesen treuen Weggefährten der Werft Filippi einen Nachruf zu schreiben. Denn wir wissen nicht mehr, wer das Boot getauft hat.
1999 war die Bootshalle zwar auch schon gut gefüllt, Schnellverschlüsse kannten wir aber noch nicht. Dementsprechend gab es gerade mal halb so viele Boote und auch keine Verschiebegestelle. Die Bootslagerungen waren aus schwerem, schwarz verzinktem Eisen. Auch die Welt war noch anders: Ruth Dreifuss war die erste Schweizer Bundespräsidentin, Bill Clinton noch amerikanischer Präsident und bei meinem Arbeitgeber, der Swiss Re, hatte man Angst vor dem Y2K Bug.
In dieser fernen Zeit war ich selber Ruderer, und 1999 waren 3 Belvoirruderer in einem einem Lgw 4- Projekt, das an die Olympia in Sydney wollte: Michael Hegetschweiler, Thomas Casparis und ich selbst. Wir durften das neue Kombi-Boot ausprobieren, entschieden uns aber dann, einen Stämpfli-Vierer mit sogenannten Box-Auslegern zu fahren. Diese unglaublich klobigen Ausleger gaben dem Boot viel Stabilität, was eine Neuheit war und wovon ich begeistert war. Ich kann mich erinnern, dass wir versuchten, einen Unterschied zwischen den beiden Booten zu messen, was natürlich nicht gelang, und uns dann mehrheitlich für den Stämpfli entschieden. An der WM 1999 in St. Catharines scheiterten wir dabei, uns zu qualifizieren, doch wir holten zuvor zum ersten Mal seit langem einen Männer-Schweizer Meistertitel für den Belvoir. 2000 bekamen wir den Stämpfli nicht mehr und fuhren in «2fast4u». Wir waren der Überzeugung, dass der Name am Bug uns bremsen würde, weil er unter der Wasserlinie war, und nahmen in Buchstabe für Buchstabe weg. Für ein paar Trainings wurde das Boot «2fat4u», darauf «2fat», dann «fat» ¬- und als wir das Renngewicht hatten, waren alle Buchstaben weg. Es half alles nichts, denn wir hatten eigentlich ganz andere Probleme. Für den zweiten Versuch, uns zu qualifizieren, waren wir erst nur 3 Athleten, erst im Januar 2000 hatten wir vier Ruderer für das Projekt. Auch vor 20 Jahren konnte man mit solchen Voraussetzung keine olympiawürdigen Leistungen erbringen.
2fast4u wurde in der Folge erfolgreich von unseren Frauenteams gefahren, es war fraglos, dass sie SM-Titel gewannen. Ich fuhr 2002 mit einem Männer-Doppelvierer in «Quadriga», wieder einem Stämpfli, und hatte viel Spass, fast ohne Wintertraining mit drei verrückten jungen Kollegen eine SM-Medaille zu holen. Wieder trainierte ich gerne in «2fast4u», aber in einem Stämpfli lief es am Schluss besser. Ich erinnere mich, dass Nathalie Zöllig und ich leidenschaftlich über das Thema Filippi- und Stämpfli-Boote stritten. Nathalie meinte, Stämpfliboote seien «Dubbeliboote», die könne jeder rudern, und die Filippi eben nur für die höheren Niveaus der Rudertechnik. Ich hatte dazu eine andere Ansicht, leider konnten wir diesen Sachverhalt nie abschliessend klären. «2fast4u», Nathalie und ich sollten aber unsere gemeinsame, gute Geschichte noch erleben, nämlich 2005, in meinem ersten Profitrainer-Jahr. Nathalie als eine unserer erfolgreichsten Ruderinnen war nach wie vor dabei und startete – natürlich – in «2fast4u» an der SM. Ich war nervös in der Woche vor der SM. Um mich abzulenken, entschied ich mich, das Boot zu polieren, im Wissen, ob das etwas bringt, kann man nicht sagen. Das Boot glänzte und das SM-Final wurde ein spannendes und unglaublich knappes Rennen gegen Lausanne Sports: «2fast4u» entlöhnte meine Zuwendung in Form der Politur mit einem knappen Sieg bei nur 0,2 Sekunden Vorsprung.
2006 war das Jahr einer neuen Generation: Wir machten einen Juniorinnen-Doppelvierer mit Angelina Casanova, Tiziana Tiberini und Henriette Grimmel in Renngemeinschaft mit Evelyn Lauchli vom CA Vesenaz. Sie gewannen souverän in einem schönen Rennen in «2fast4u», und das Boot, Angelina und ich fuhren drei Wochen später an den Coupe de la Jeunesse nach Groningen. Dort gab es zwar keine Medaille, aber in «2fast4u» fuhr eine Ruderin ihre erste internationale Regatta, die später sehr berühmt werden sollte: Jeannine Gmelin. Die Jahre darauf kauften wir immer mehr Stämpflivierer, die Schnellverschluss-Strategie hatte begonnen und ich kaufte mit Überzeugung und Freude Stämpfliboote. Excellence und Herakles kamen dazu, später eine ganze Reihe von schweren Vierern und Wintech-Booten. «2fast4u» brauchten wir aber immer noch intensiv, aber schon lange nur noch als Skullboot. Es bewährte sich, denn anders als die Stämpflivierer lief es bei höheren Wellen nicht zu schnell voll und die Schnellverschlüsse machten keine Probleme – da es ja keine hat. Schliesslich fanden auch die Breitensportler und die Schülerruderer den Gefallen daran und es war für uns alle ein sicherer Wert.
Wohin es 2fast4u wohl zieht? Ich weiss es nicht. Doch ich wünsche ihm, dass es noch viele erfreuliche, sichere, schnelle und leidenschaftliche Kilometer auf Gewässern zurücklegt.
Camille