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"Zum Abschluss ein Schatz aus meiner Kiste"
Der Schlüssel zum Himmel
Als Gott die Welt schuf, waren die Menschen noch alle bei ihm in seinem himmlischen Reich. Aber Gott wollte, dass sie sich auf die Erde begaben, die er für sie bestimmt hatte. „Was können wir tun“, fragte der Erzengel Gabriel, „damit sie nicht immer wieder hierher zu uns in den Himmel kommen? Sie sollen dort leben, wo sie hingehören – auf der Erde.“ Gott und die Erzengel berieten.
Der Engel Michael sagte: „Wir müssen den Himmel verschliessen.“ „Aber wo lassen wir den Schlüssel?“ fragte Gabriel.
Michael: „Wir müssen ihn verstecken. An irgendeinem Ort, wo die Menschen ihn nicht finden.“
Einer der Engel schlug vor: „Wir könnten den Schlüssel im Meer versenken.“ Darauf Gott: „Ich kenne die Menschen. Sie werden ihn finden.“
Ein anderer Engel: „Dann verstecken wir ihn im Schnee der höchsten Berge.“ Gott: „Sie werden ihn finden.“
Der Engel Esekiel, der auch ein moderner Engel ist: „Wir schiessen ihn in den Weltraum.“ Gott: „Sie werden ihn finden.“
Da meldete sich Gabriel: „Ich hab’s gefunden. Wir verstecken den Schlüssel im Herzen der Menschen.“ Darauf Gott: „Ja, lass uns das tun, sie finden ihn leichter im Meer und im Weltraum als in ihrem eigenen Herzen, aber wenn sie ihn dort finden, dann sollen sie ihn auch benutzen dürfen."
Seesterne retten
Ein alter Mann spazierte jeden Tag dem Meer entlang. Eines Tages sah er einen kleinen Jungen, der vorsichtig etwas aufhob und es ins Wasser warf.
«Was machst du denn da?» fragte der Mann. Der Junge richtete sich auf und antwortete: «Ich werfe Seesterne ins Meer zurück. Es ist Ebbe und die Sonne brennt herunter. Wenn ich es nicht tue, dann sterben sie.»
«Aber Junge», erwiderte der Alte, «ist dir eigentlich klar, dass hier Kilometer um Kilometer Strand ist? Und überall liegen
Seesterne. Du kannst unmöglich alle retten. Was du da tust, macht doch keinen Sinn»
Der Junge bückte sich, nahm einen Seestern auf und warf ihn lächelnd ins Meer: «Aber für diesen Einen macht es Sinn»
Diogenes und das Linsengericht
Eines Tages sass Diogenes auf der Schwelle eines Hauses und ass einen Teller Linsen. In ganz Athen gab es kein billigeres Essen als dieses Linsengericht.
Anders gesagt, einen Teller Linsen zu essen bedeutete, dass man sich in einer äusserst prekären Situation befand. Ein Minister des Kaisers sagte zu ihm: „Wie bedauerlich für dich Diogenes! Wenn du lernen würdest, etwas unterwürfiger zu
sein und dem Kaiser ein bisschen mehr zu schmeicheln, müsstest du nicht so viele Linsen essen.“
Diogenes hörte auf zu essen, hob den Blick, sah den wohlhabenden Gesprächspartner fest an und antwortete: „Bedauerlich für dich, Bruder. Wenn du lernen würdest, ein paar Linsen zu essen, müsstest du nicht so unterwürfig sein und dem Kaiser ständig schmeicheln.“
Wo ist dein Regenschirm?
Der Schüler eines Zen Meisters hatte sieben Jahre meditiert. Nun durfte er wieder zum Meister. Wie so oft in der Tempelstadt Kyoto, goss es in Strömen. Unter einem Regenschirm ging der Schüler zur kleinen Klause des Meisters.
Er war aufgeregt. Voller Spannung trat er ein, verneigte sich tief und erwartete ein Gespräch über die grossen Dinge des Himmels und der Erde.
Aber der Meister fragte: „Wo hast du deinen Regenschirm gelassen?“ Der Schüler: „Draussen vor deinem Haus.“ Darauf der Meister: „Wie hast du ihn hingelegt – mit der Spitze zum Haus – oder nach aussen – oder zur Seite? Zu welcher Seite? Links oder rechts?“ Der Schüler – enttäuscht, dass der Meister eine so unwichtige Frage stellte: „Ich weiss nicht. Ich habe an die Fragen gedacht, die ich dir stellen will.“ Darauf der Meister: „Gehe hin und meditiere weitere sieben Jahre und wenn du dann wieder zu mir kommst, wirst du es wissen.“ (Zen)
Stille
Ein Mönch hatte sich in die Einsamkeit zurückgezogen, um in der Abgeschiedenheit vom lärmenden Leben seine Zeit der Meditation und dem Gebet widmen zu können. Einmal kam ein Wanderer zu seiner Einsiedelei und bat ihn um etwas Wasser. Der Mönch ging mit
ihm zur Zisterne, um das Wasser zu schöpfen. Dankbar trank der Fremde. Etwas vertrauter geworden bat er den Mönch, ihm eine Frage stellen zu dürfen: „Sag mir, welchen Sinn siehst du in deinem Leben in der Stille?“
Der Mönch wies mit einer Geste auf das Wasser der Zisterne und sagte: „Schau auf das Wasser! Was siehst du?“
Der Wanderer schaute tief in die Zisterne, dann hob er den Kopf und sagte: „Ich sehe nichts.“
Nach einer kleinen Weile forderte der Mönch ihn abermals auf: „Schau auf das Wasser der Zisterne. Was siehst du jetzt?“
Noch einmal blickte der Fremde auf das Wasser und antwortete: „Jetzt sehe ich mich selber!“
„Damit ist deine Frage beantwortet“, erklärte der Mönch. „Als du zum ersten Mal in die Zisterne schautest, war das Wasser vom Schöpfen unruhig und du konntest nichts erkennen. Jetzt ist das Wasser ruhig – und das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht sich selber!“
Der Adler
Ein Mann fand das Ei eines Adlers und legte es in das Nest einer Hinterhofhenne. Das Adlerjunge schlüpfte mit der Kükenbrut und wuchs mit ihnen auf. Sein Leben lang tat der Adler, was die Hinterhofhühner auch taten, denn er dachte, er sei ein Hinterhofhuhn. Er scharrte auf der Erde nach Würmern und Insekten. Er gluckste und gackerte. Und schlug mit den Flügeln, um ein paar Meter in die Luft zu flattern.
Die Jahre vergingen und der Adler wurde sehr alt. Eines Tages sah er weit über sich am wolkenlosen Himmel einen prachtvollen Vogel, der anmutig und majestätisch auf dem kräftigen Wind dahinsegelte und dabei kaum seine grossen goldenen Schwingen bewegen musste. Der alte Adler sah in ehrfürchtigem Staunen auf.
„Wer ist das?“ fragte er. „Das ist der Adler, der König der Vögel“, sagt sein Nachbar. „Er gehört dem Himmel. Wir gehören dem Boden
– wir sind Hühner.“ So lebte und starb der Adler als Huhn, denn das war das, wofür er sich hielt.
Das Geschenk
Eine weise Frau fand, auf Ihrer Wanderung durch die Berge, in einem Bachlauf einen sehr, sehr wertvollen Stein. Am nächsten Tag traf sie auf einen anderen Wanderer. Der Mann war hungrig und die weise Frau öffnete ihre Tasche, um mit ihm ihr Brot zu teilen. Der Wanderer sah den wundervollen Stein in ihrer Tasche.
"Gib mir den Stein" sagte er. Ohne jedes Zögern reichte die Frau dem Mann den Stein. Der machte sich schnell davon, denn ihm war klar, dass der Stein sehr, sehr wertvoll war und dass er nun den Rest seines Lebens sorgenfrei verbringen konnte. Einige Tage später kam er jedoch zurück zu der weisen Frau und gab ihr den Stein wieder. "Ich habe nachgedacht" sagte er. "Ich weiss, wie wertvoll dieser Stein ist. Aber ich gebe ihn dir zurück in der Hoffnung, dass du mir dafür etwas viel Wertvolleres schenken kannst. Bitte gib mir etwas davon, das es dir
möglich machte, mir diesen Stein zu schenken."