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VORGESCHICHTE
Bereits in den 70er-Jahren kamen erste Bestrebungen für alternative Kulturformen und -räume in Wil auf. Alternativ meinte zum einen ergänzend zum bestehenden kulturellen Angebot, dann aber, vor dem Hintergrund der 68-er Bewegung, auch „neue, junge Kultur“. Ab 1972 war es die „Schublade“ und später die „Freie Aktion“ und die IG Freizeitzentrum, die sich für Räume für Bands und Konzerte einsetzte. Unter anderem sollte das alte Gaswerk dazu genutzt werden. Resultiert hat daraus die Obere Mühle als Freizeitzentrum. Ab 1980 wurden durch den „FOCUS“ im Pfarreizentrum Konzerte veranstaltet, später folgten vier Altstadt Open Airs, die vom Verein „PANKRAZ“ veranstaltet wurden.
Aus dem Umfeld dieser Bewegung und den späteren Kulturlöwen formierte sich auch die Partei „prowil“ (heute: GRÜNE prowil), die auch heute im Wiler Stadtparlament vertreten ist. Mit dem Gare de Lion und der Kunsthalle sind zwei kulturelle Anliegen dieser Zeit auch heute noch höchst lebendig.
DIE KULTURLÖWEN
Ab 1985 trat der Verein Kulturlöwe als Sammelbecken der alternativen Kultur in Wil auf. Musiker und Musikerinnen, bildende Künstler und Künstlerinnen, Leute aus den Sparten Kino und Tanz. Kurz: junge Kulturschaffende und Kulturinteressierte fanden hier eine Plattform – und ein gemeinsames Ziel: Die Schaffung eines kulturellen Zentrums in Wil mit Auftritts-, Ausstellungs- und Produktionsmöglichkeiten. 1986 hatte der Kulturlöwe das Löwenbräu-Depot ins Auge gefasst und ersuchte um Umbau und Nutzung des Depots. Das Parlament beschloss jedoch den Abbruch des Gebäudes. Ein Jahr später war ein neues Projekt in Sicht: Das Parlament stimmte dem Umbau des zweigeschossigen Garagentraktes an der Haldenstrasse (auch bekannt als „Stallungen“) zu. Gegen den Kreditbeschluss kam das Referendum zustande, in der Folge lehnten die Wiler Bürgerinnen die Vorlage ab.
Im Jahr 1988 erreichte der Kampf der Kulturlöwen einen denkwürdigen Höhepunkt: Es kam zu den Unruhen beim Garagentrakt; die Stallungen wurden besetzt. In den Zeitungen las man wenig wohlwollende Berichte über die „jugendlichen Vandalen“. Dank der Gesprächsbereitschaft des Stadtammanns Hans Wechsler eskalierte die Angelegenheit knapp nicht; der Dialog zwischen Stadt und Kultur-Löwen brach nicht ab. Sowohl der Bevölkerung, als auch der Stadt wurde allmählich klar, dass der Wunsch nach eigenen Räumlichkeiten keine vorübergehende Wahn-Idee war.
Weitere Projekte wie das Erstellen eines Elementpavillons oder die Räumlichkeiten des Hof konnten aus verschiendenen Gründen nicht realisiert werden. Mit der ehemaligen Lokremise hinter dem Wiler Silo wurde schlussendlich ein geeignetes Lokal gefunden. Mit dem Mietbeginn am 1. März 1989 war der Weg für die Umbauarbeiten in der Remise frei.
VON DER REMISE ZUM GARE DE LION
Die Remise erlebte in den folgenden Jahren verschiedene Höhen und Tiefen und über die Jahre einige Betreiberwechsel. Spätestens ab Mitte der 90er Jahre hatte sich die Remise Wil als über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Konzert- und Partylokal etabliert.
Die frühere Geschichte wiederholte sich ein Stück weit, als 2005 junge Kulturschaffende, welche sich einige Jahre zuvor als Kulturverein SoundSofa organisiert hatten und durch die Organisation diverser Konzerte und Strassenaktionen aufgefallen waren, eine Petition mit rund 2500 Unterschriften bei der Stadt Wil einreichten. Diese zeigten sich mit der Situation in Wil unzufrieden und forderten Raum für alternative Kultur, Kleinkunst und nicht zuletzt Auftrittsmöglichkeiten für junge Bands aus der Region.
Vorgesehen war der Umbau einer alten Werkstatt auf dem leer stehenden Zughausareal zu einem Kulturlokal. Als zukünftige Betreiberin gründete sich der Verein Kulturzentrum Wil. Die Remise hatte sich inzwischen zu einem erfolgreichen Club entwickelt, der hauptsächlich Partys, aber auch vereinzelt Punk-, Hardcore- und HipHop-Konzerte mit international bekannten Bands veranstaltete. Es hatte sich damit aber auch gleichzeitig von den ursprünglichen Ideen der Kulturlöwen entfernt. Das Projekt „Kultur im Zeughausareal“ scheiterte schlussendlich an einer Einsprache.
Kurz darauf löste sich der Verein Remise aus personellen Gründen per Ende 2007 auf und bot dem Verein Kulturzentrum Wil an, die Nachfolge zu übernehmen. Nach einigen Monaten Umbauarbeiten startete der Kulturbahnhof Gare de Lion seinen Betrieb im Herbst 2008. Die programmatischen Schwerpunkte der Remise wurden übernommen, jedoch durch die häufigere Durchführung von Konzerten – auch mit lokalen Bands – Lesungen, Poetry Slam, Comedy, Kleintheater und weiteren Veranstaltungen ergänzt. Der neue Name nimmt sowohl Bezug auf die Remise, auch als frühere Lokremise (französischer Name bleibt), als auch auf die Bewegung der Kulturlöwen (Lion) und den Generationenwechsel („de“, von „Gare de Lyon“ in Bezug auf das Französisch-Lehrmittel „on y va“).