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Baugenossenschaft Milchbuck (bgm)
arc Consulting, 8045 Zürich
Um Projektvorschläge für die Neubauten für die Siedlung Herzogenmühle in Zürich Schwamendingen zu erhalten, beauftragte die Milchbuck Baugenossenschaft (Milchbuck) arc Consulting mit der Durchführung eines Projektwettbewerbs mit Präqualifikation. Das Verfahren wurde anonym und einstufig durchgeführt. Die Auswahl der zehn Planungsteams, bestehend aus Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros, erfolgte aufgrund einer Präqualifikation durch das Preisgericht.
Mit den zehn ausgewählten Planungsteams wurde ein anonymer Projektwettbewerb durchgeführt. Das Verfahren unterlag nicht dem öffentlichen Beschaffungswesen.
Das Preisgericht empfiehlt der Milchbuck Baugenossenschaft einstimmig das Projekt «Cocodrillo» vom Team Zimmermann Sutter Architekten AG und freiraumarchitektur gmbh, unter Berücksichtigung der Hinweise im Projektbeschrieb und der nachfolgenden Punkte zur Weiterbearbeitung und Ausführung:
- Die Zonierungen von öffentlichen und halböffentlichen Bereichen im Freiraum sind sorgfältig weiterzuentwickeln. Die seitlichen Zugänge zum Freiraum sind sorgfältig zu gestalten, dass nicht ein allzu öffentlicher Charakter im Hofraum entsteht. Eine gewisse Durchwegung für die Quartierbewohner sollte möglich bleiben, wobei der Grad der Öffentlichkeit abzuwägen ist.
- Die vorgeschlagene Spiegelung der Grundrisse in der Nord- und Südzeile sind evtl. noch zu differenzieren. Zum Beispiel wäre es wünschenswert, die Küchenbalkone in der Südzeile etwas grösser zu konzipieren.
- Die Gleichbehandlung der Gebäudeköpfe im Osten und Westen wirft bei einigen Wohnungen noch Fragen bezüglich Besonnung auf.
- Die Entréesituation bei den 4.5-Zimmer-Wohnungen ist noch bezüglich mehr Stauraum für die Garderobe zu optimieren.
- Die Etappierbarkeit sollte dahingehend verbessert werden, dass möglichst viele bestehende Wohnungen während der ersten Bauetappe erhalten werden können.
- Das Projekt weist im Kostenvergleich eher hohe Kosten auf. Das Projekt ist hinsichtlich der Kosten zu optimieren; z.B. durch eine Optimierung der Tiefgarage, den Verzicht auf ein 2. Untergeschoss sowie die Reduktion des Verglasungsanteils in der Fassade.
1. Rang «Cocodrillo» (Zimmermann Sutter Architekten)
Die Verfasser schlagen auf dem Areal zwei Gebäudezeilen entlang der Heidwiesen und der Kreuzwiesen vor, die einen attraktiven und grosszügigen Hofraum einschliessen. Dieser öffnet sich östlich und westlich des Areals im Sinne einer Vernetzung mit der Umgebung und verbindet sich subtil mit den angrenzenden Aussenräumen. Dem Entwurf liegt die ortstypische Zeilenbauweise zu Grunde. Entgegen den bestehenden Siedlungen in Schwamendingen mit teils quer und teils längs stehenden, schmalen Zeilenbauten, stehen hier jedoch eine Adressierung an der Strasse und eine klare Raumbildung im Vordergrund. Die abgewinkelten, zu Kopfbauten akzentuierten Stirnseiten der Zeilen bilden einen schön gestalteten Auftakt zum Hofraum. Die zusätzlichen stirnseitigen Eingänge und die spezielle Nutzung im Erdgeschoss vermitteln angemessen zum Alterszentrum und zur Schule...
Das Projekt «Cocodrillo» besticht mit einer städtebaulich klaren Gebäudesetzung, welche einen attraktiven, zusammenhängenden Freiraum generiert. Dieser kann über die Siedlung hinaus für das Quartier eine identitätsstiftende Wirkung entfalten. Sehr überzeugend sind auch die effizienten Wohnungsgrundrisse mit mehrfacher Ausrichtung und spannenden Ausblicken. Bezüglich Wirtschaftlichkeit haben vor allem die Untergeschosse Verbesserungsbedarf.
2. Rang «Maiandros» (A.D.P. Walter Ramseier Partner)
Mit vier schwingenden Längskörpern übernimmt der Projektvorschlag das Motiv der für Schwamendingen typischen Zeilenbebauungen mit zwischen den Grundstücken und Siedlungen frei verlaufenden Freiräumen und Durchblicken. Damit bettet er die Siedlung auf unaufdringliche Art und Weise in das Quartier ein.
Das Bekenntnis zur Weiterentwicklung wird dahingehend umgesetzt, dass auch die Gebäude – in Analogie zur historischem Vorlage – zu einem «Typ» entwickelt werden. Dieser wird aber im Gegensatz zu seinen Vorbildern nicht von einem einheitlichen Abstandsgrün umgeben, sondern als raumdefinierender Körper so verformt, dass unterschiedliche Längsräume entstehen, die mit einer eindrücklichen Vielfalt an freiräumlichen Angeboten für alle Altersklassen ausgestattet sind. Dank einem Kranz von Heckenkörpern werden die erdgeschossigen Wohnungsvorbereiche geschützt und gleichzeitig Nischen für den gemeinschaftlichen Raum geschaffen...
Insgesamt zeigt «Maiandros» eine vertiefte und sorgfältige Auseinandersetzung mit der quartiertypischen Bebauungstypologie. Er folgt dem Prinzip des «durchgrünten Stadtkörpers mit offener Siedlungsstruktur» und es gelingt, trotz der sich aus der Arealüberbauung ergebenden Verdoppelung der Dichte, den Freiräumen verträgliche Dimensionen zuzumessen, die gut nutzbar sind.
3. Rang «Armadillo» (Chebbi Thomet Bucher Architektinnen)
Ausgehend von einem aufgebrochenen Blockrand schlagen die Verfasser vier mehrfach geknickte Zeilenbauten vor, die von der Strasse losgelöst einen begrünten Hofraum umschliessen. Den Zeilenbauten angehängte «Gebäudefinger» zonieren den Freiraum, gliedern die Baukörper und vermitteln am Rand der Siedlung zu den angrenzenden Gebäuden. Es entsteht eine spezifische, in sich stimmige Siedlungsanlage, die sich mit den umliegenden Siedlungen verzahnt und selbstverständlich ins Quartier verortet. Hingegen wirkt der Freiraum eher in sich geschlossen und nur bedingt offen zum umgebenden Quartier...
Das Projekt «Armadillo» überzeugt mit einer differenzierten Gebäudesetzung, die sich selbstverständlich mit der umliegenden Bebauungsstruktur verwebt, und der Freiraum birgt einige räumliche Qualitäten. Prägend ist auch der feingliedrige Ausdruck, welcher einen Bezug zur frühen Bebauung von Schwamendingen sucht. Leider vermögen die Grundrisse sowohl räumlich als auch funktional nicht ganz zu überzeugen.
4. Rang «otto» (Adrian Streich Architekten)
Der Projektansatz basiert auf einer sorgfältigen und überzeugenden Weiterentwicklung und Transformation des Steiner'schen Städtebaus. Prägend sind kurze Gebäude ohne dominierende Ausrichtung, ein gefasster Freiraum mit guter allseitiger Vernetzung, keine Fassung des öffentlichen Raumes. Mit diesen einfachen Spielregeln entsteht ein nach allen Richtungen offenes, überzeugend im Gesamtkontext des Quartiers liegendes Gerüst von acht abgewinkelten, gedrungenen Gebäuden. Ihre durchgehende Fünfgeschossigkeit wirkt human – auch wenn der verbleibende Freiraum verglichen mit anderen Projekten limitiert ist...
Das Projekt verspricht in seiner Gesamtheit einen robusten, zukunftsfähigen Städtebau. Es hat einen hohen Identitätswert und beinhaltet viele Voraussetzungen für einen gut funktionierenden sozialen Organismus. Es ist robust und anpassungsfähig und hat dank der durchgehenden Fünfgeschossigkeit einen sehr humanen Touch.
5. Rang «Gleichklang» (ARGE KLP Architekten AG mit ERP Architekten)
Die Bebauung von Schwamendingen lebt vom sorgfältig austarierten Gleichgewicht zwischen den Binnen-Formen der einzelnen Siedlungen und dem grossen Zusammenhang des durchgrünten «Stadtkörpers». Dieses Gleichgewicht ist fragil, weshalb die starke Verdichtung einer Siedlung innerhalb dieses «Patchworks» folgenreich für das Gesamtgefüge ist. Wie sich eine solche Operation unaufgeregt und selbstverständlich bewerkstelligen lässt, zeigt das Projekt «Gleichklang»: Die Arealränder des Siedlungsgevierts werden hier von sieben Baukörpern begrenzt. Vier von ihnen sind Zeilen, drei bilden Winkel, deren einer Arm jeweils in die Arealmitte vorstösst. Weil sich die Gebäude nirgends zu nahe kommen und weil das Arealinnere gegliedert ist, wirkt das Bebauungsmuster durchlässig und das Schwamendinger Freiraumgerüst intakt. Das Angebot an Sekundärwegen ist vielleicht noch etwas knapp und sollte zugunsten einer besseren fussläufigen Durchlässigkeit einfach erweitert werden. Das an sich grosse Bauvolumen wird durch Versätze in Grundriss und Schnitt wirkungsvoll gebrochen, so dass die Einbettung in den Kontext von Gebäuden und Freiraum gut gelingt...
Das Projekt «Gleichklang» löst auf der Ebene der Wohnungen wenig Euphorie aus. Umgekehrt beeindruckt es in der Professionalität, mit der hier die Forderungen der Aufgabenstellung erfüllt werden: beste Kennzahlen in der Ökonomie, keine Mängel im Baurecht, im Wohnungsspiegel, in der Nachhaltigkeit, eine effiziente Tiefgarage. Es ist kein Projekt der grossen Erfindungen, sondern der bewährten, kenntnisreich angewandten Lösungen.
(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)
Weitere Informationen zum Wettbewerb auf www.konkurado.ch