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Bei Lichte betrachtet:
Karte des Erdmondes, Hallwag, 1967
Dank des Raumfahrtprogramms der USA nahm das Interesse an Mondkarten in den 1960er- und 1970er-Jahren enorm zu. In der Schweiz bediente die Firma Hallwag diesen wachsenden Markt mit einer Mondkarte von 69 cm Durchmesser. Die gewählte Kartenprojektion bildet den Mond so ab, wie er von der Erde aus sichtbar ist. Der Mondrand wird also perspektivisch stark verzerrt, die Rückseite gar nicht gezeigt. Einige hundert der grössten Krater sind angeschrieben. Diese Namen wurden ab dem frühen 17. Jahrhundert von Astronomen und Kartografen vergeben, wobei sie gerne Fachkollegen (und sich selbst) verewigten. Auf dem Bildausschnitt sind beispielsweise der grosse Krater Ptolemaeus nach dem antiken Astronomen und Kartografen Claudius Ptolemaeus benannt, der deutlich kleinere Krater Rhaeticus nach Georg Joachim Rheticus aus Feldkirch. Rheticus war Schüler des Kopernikus und auch als Kartograf tätig. Ebenfalls auf dem Bildausschnitt befindet sich der selenografische Nullmeridian, der den Mondäquator einige Kilometer südwestlich des Kraters Bruce in der Bucht der Mitte (Sinus Medii) schneidet. Noch ein Wort zum künstlerischen Aspekt: Das Licht für die anschauliche Reliefschummerung kommt durchgehend von Westen. Allerdings gibt die Karte gleichzeitig vor, es sei Vollmond. Auf dem Nullmeridian wäre also Mittag. Beim Krater Bruce stünde die Sonne senkrecht im Zenit, Schatten würde man vergeblich suchen. Tatsächlich ist dieser Widerspruch kein Lapsus, sondern Absicht. Zum Vergleich: Auf Schweizer Landeskarten ist die schräge Nordwestbeleuchtung üblich, die ja in der Realität auch nie vorkommt, jedoch am besten lesbar ist.
Bibliografische Angaben:
Der Mond = The moon = La luna = La lune. Bern: Hallwag, 1967.
Bildauswahl und Text
Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich