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Das Hafenkarussell wäre längst schon pleitegegangen, wenn nicht der in das malerische Fischerdorf ausgewanderte Hobbyphilosoph Wertenstein darin eine Parabel für sein eigenes Denken gesehen hätte, das sich ebenfalls im Kreise drehte. Weil er als ausgewachsener, schon bald alter Mann nicht selber mitfahren konnte, ohne den letzten Rest des ohnehin geringen Wohlwollens, das ihm die lokale Bevölkerung entgegenbrachte, zu verspielen, hatte er eine Reihe verschachtelter Tarnorganisationen gegründet, die pausenlos Preisausschreiben veranstalteten, bei denen ohne die geringste geistige Leistung Unmengen von Freifahrten gewonnen werden konnten. Der Karussellbetreiber erkannte darin ein Sinnbild der Fortkommenswahrscheinlichkeit in der postkapitalistischen Gesellschaft, was er Wertenstein wohlweislich verschwieg.
Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben. Es ist ebenso wie «Mordgarten» unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich. www.stpoertner.ch