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Weitsprung-Meister verhalf zum Höhenflug
Der 1943 gegründete HC Romanshorn leistete im Schweizer Handball Pionierarbeit, in dem er das allererste Damenteam stellte. Als erfolgreichste Mitglieder gehen die Nationalspieler Ernst Züllig (Aufbau), Simon Osterwalder (Tor) und Roman Brunner (Aufbau) aus der Vereinsgeschichte hervor. Aktuell zählt der HCR um die 300 Mitglieder und das Fanionteam der Herren spielt in der 1. Liga.
Von Mike Gadient
Eines der bleibenden Erlebnisse in der Historie des Handballclub Romanshorn liegt nicht weit zurück. Im Dezember 2008 durfte in der Kantonsschulturnhalle Romanshorn im Cup-Sechzehntelfinale St.Otmar St.Gallen empfangen werden. Vor 250 Zuschauern sorgte der NLA-Vertreter bereits zur Halbzeit (23:13) für klare Verhältnisse und gewann gegen den Erstligisten schlussendlich 47:23.
Die erfolgreichste Phase erlebten die Handballer vom südlichen Ufer des Bodensees unter der Regie von Ernst „Zulu“ Züllig in den 70er Jahren. Damals trat man in der NLB-Grossfeldmeisterschaft an. Züllig demonstrierte seine Sprungkraft derweil nicht nur im Handballtrikot, sondern startete im Weitsprung für den LC Brühl St.Gallen. 1970 errang er mit einer Weite von 7.50 Metern den nationalen Meistertitel. Der sprunggewaltige Aufbauspieler nutzte Romanshorn als Sprungbrett, um seinen Torriecher im weiteren Karriereverlauf bei Pfadi Winterthur und dem GC einzusetzen. Über mehrere Spielzeiten war er Torschützenkönig im Schweizer Handball und bestritt als Internationaler 176 Partien für die Schweiz (748 Tore erzielt). Höhepunkt war für Ernst Züllig die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1980, als die Schweiz den achten Schlussrang belegte.
Abspaltung vom TV Romanshorn
In Romanshorn wurden die Hände bereits 1937 mit Harz eingeschmiert, da die Handballsektion des TV Romanshorn entstand. Nur fünf Jahre später wurde aufgrund von Querelen und Unstimmigkeiten an einer ausserordentlichen Generalversammlung beschlossen, dem Mutterverein TV Romanshorn die Gründung eines unabhängigen HC Romanshorn vorzuschlagen. 1943 hob man unter Anwesenheit von 24 Aktivmitgliedern den HCR aus der Taufe. Besonders stolz sind die Romanshorner darauf, dass auf das gestiegene Handballinteresse der Frauen reagiert wurde. Als erster Handballverein der Schweiz gründete der HCR 1947 ein Damenteam.
Die Vereinsabteilungen wuchsen in der Folge stetig. Heute ist die Hallenbelegung ein akutes Thema, da in Romanshorns Kantonsschulturnhalle und Pestalozzi-Turnhalle wöchentlich (mehrmals) Teams trainieren (J+S Kids, U9, U11, U13, MU/FU15, MU17, FU17inter, Damen 4. Liga, Herren 4./3./1. Liga). Trotzdem hätten Romanshorns Handballer gerne weiterhin Hallenengpässe zu beklagen, weil dies mit einem stetigen Juniorenzuwachs zusammenhängen würde. Momentan wird zwar viel in den eigenen Nachwuchs investiert, aber in der Gemeinde muss für neue Junioren ordentlich Werbung betrieben werden.
Zwei illustre Nationalspieler
Der HC Romanshorn kann auf seine Talentschmiede stolz sein. Neben Ernst Züllig starteten auch Torhüter Simon Osterwalder und Aufbauer Roman Brunner ihre Karriere beim HCR. Brunner streifte sich das Dress der Nationalmannschaft 125mal über und erreichte mit ihr den sensationellen 4. Platz an der WM 1993 in Schweden. Mit Pfadi Winterthur zog er zwischen 1990 und 1999 zweimal in das Viertelfinale der Champions League ein.
Osterwalder stand ab 1998 für Pfadi Winterthur und ab 2001 für den GC Zürich zwischen den Pfosten. Elf Jahre nach seinem NLA-Debüt trat der einstige Nationalmannschaftstorhüter mit keinem Titel aus neun Finalspielen zurück.