Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03461.jsonl.gz/1955

Komma – das Vielgeschmähte
Bewegen wir uns beim Punkt in ruhigen Gewässern, ändert das Klima beim Komma um 180 Grad. Es ist das umstrittenste aller Satzzeichen der deutschen Sprache. Warum das so ist?
Weil …
- rein quantitativ das Fehlerpotenzial hoch ist, da Kommas das am häufigsten vorkommende Satzzeichen sind;
- vielen Menschen bei den Kommaregeln der Durchblick fehlt (was nicht verwundert – bei dem Regelwerk);
- nach der Rechtschreibreform für (zu) viele Fälle die Kommasetzung freigestellt wurde, was mehr Verwirrung stiftete als Klarheit brachte;
- das Komma auf sehr vielen Hochzeiten tanzt: unter anderem trennt es Hauptsätze von Haupt- oder Nebensätzen, es steht in Aufzählungen und bei Hervorhebungen, es grenzt Zusätze ab, es steht bei Partizip- oder Infinitivgruppen.
Viele erwachsene Menschen kriegen es mit der Kommasetzung nicht mehr auf die Reihe. Sie haben resigniert oder finden die Zeit nicht, sich intensiver mit den Vorgaben zu befassen. Allen, die sich jetzt angesprochen fühlen, gebe ich eine Faustregel mit auf den Weg, die für die meisten Fälle etwas Sicherheit bietet:
Die Kommasetzung lehnt sich an die Sprechpausen beim Reden an. Setzen Sie also da ein Komma, wo Sie im natürlichen Sprachfluss eine Pause einlegen.
Diese Faustregel ist übrigens auch mein Gradmesser in Fällen, in denen der Duden die Kommasetzung freistellt. So setze ich in verbundenen Hauptsätzen mehrheitlich kein Komma vor das «und» («er liest die Kommaregeln und sie wendet das Regelwerk an»), wähle aber in Formulierungen mit Partizip oder «zu»-Infinitiv meist die Version mit Komma («von der Lehrerin animiert, setzte sie sich mit den Kommaregeln auseinander»; «er hatte vergessen, ein Komma zu setzen»). Häufige Fehlerquelle ist das verbotene Komma nach einer Wortgruppe, die mit einer Präposition (z.B. «trotz», «infolge», «aufgrund») eingeleitet wird: «Trotz eines unerklärbaren Drangs setze ich hier kein Komma.»
Generell lege ich Ihnen ans Herz: Betrachten Sie das Komma nicht als Schikane, sondern als sinnvolle Unterstützung, die Ihnen hilft, Sätze und Texte besser zu strukturieren. Machen Sie sich das Komma zum Freund, denn es kann mitunter über Leben oder Tod entscheiden:
«Begnadigen, nicht hängen will ich ihn.»
«Begnadigen nicht, hängen will ich ihn.»
Und wenn Sie zu den Unerschütterlichen gehören – hier können Sie die Kommaregeln nachlesen: https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/komma.