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Mit zunehmender Industrialisierung wuchs das Bedürfnis der Stadtbewohner, Gehölze und Grünflächen zu sehen. Heute bilden Parkanlagen einen integralen Bestandteil der Städte. Die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen, wird rege genutzt. Noch im Mittelalter und der frühen Neuzeit wurde die «wilde» Natur als bedrohlich empfunden, was sich erst mit dem Zeitalter der Romantik, dem Sturm und Drang und dem Biedermeier geändert hat. Mit Ausnahme des Münster- und Petersplatzes entstanden öffentliche Grünanlagen in Basel erst im 19. Jh..
Grünanlagen entstanden an Stelle alter Befestigungsanlagen, durch Ankauf zusätzlicher Flächen sowie durch eine Umnutzung der Stadtteilgottesäcker Kannenfeld und Horburg. Die Schützenmatte wurde nach der Auslagerung des Schiessplatzes im Jahre 1899 zur Parkanlage umfunktioniert. Eine wichtige Rolle spielen städtische Parkanlagen auch als Lebensraum für einheimische Tiere und Pflanzen – ein Aspekt, der bei deren Errichtung nicht zentral war. Auch deswegen wird der erhaltenden Pflege der Anlagen durch die Stadtgärtnerei Basel grosse Aufmerksamkeit geschenkt.
Der Englische Garten entstand als Reformbewegung gegen den Barockgarten und versuchte, die durch streng geometrische Formensprache verlorene Natürlichkeit wieder hervorzuholen. Der Landschaftsgarten sollte die Formen der Natur aufnehmen und zum Ausdruck bringen. Der Barockgarten symbolisierte für die mehrheitlich liberal eingestellten Gründerväter des Englischen Gartens gleichsam die Beschneidung der Freiheit des Menschen unter der absoluten Monarchie. Der Englische Garten wollte als weltanschauliches Statement auch die Natur in ihrer Ursprünglichkeit aufwerten. Er verstand den Gartenbau als eigene Kunstform und gab der Natur einen hohen Selbstwert.
Der Englische Garten wurde im 18. und 19. Jh. zu einer Art Trend, was sich daran zeigte, dass eine grosse Zahl von Landsitzen in der Umgebung Basels mit Englischen Gärten ausgerüstet wurde. Beispiele sind die Merian Gärten in Brüglingen/Münchenstein, das Gut Ebenrain in Sissach, der Wenkenpark in Riehen oder der Margarethenpark in Binningen. Die meisten dieser ehemaligen Landgüter sind heute als Naherholungsgebiete öffentlich zugänglich und können besucht werden. In manchen Landgütern war der Landschaftsgarten eine Ergänzung zum bereits bestehenden Barockgarten. Im Wenkenpark, im Bäumlihof und in vielen anderen Anlagen sind heute noch beide Gartenformen nebeneinander zu sehen.
Im Englischen Garten liegt das Schwergewicht nicht auf Pflanzen, die ihrer Blumen wegen kultiviert werden, sondern vielmehr auf Formenvielfalt und -gegensätzen verschiedener Gehölze. Es soll ein grossflächiges, begehbares Landschaftsgemälde entstehen, das vergleichbare Erlebnisse hervorruft. Die Anlage selbst soll sich harmonisch in die übrige Landschaft integrieren. Eine dichte Hecke aus oft einheimischen Straucharten dient zum Lenken des Blicks auf einen bestimmten Ausschnitt. Einzelstehende, hohe Bäume lassen den Blick unter dem Kronendach durch. Auch die Lebensraumvielfalt der Natur wird nachgestellt. Am Ufer eines Weihers entwickelt sich ein Röhricht und die Wasseroberfläche ist von Seerosen bedeckt. Daneben kann sich ein Rasen über eine sanfte Anhöhe bis zum Horizont ausbreiten. Oftmals handelt es sich auch hier um einheimische Pflanzenarten, die zur Gestaltung eingesetzt werden. Wasservögel oder Amphibien finden im Landschaftsgarten einen Lebensraum ebenso wie Baumbrüter unter den Singvögeln.
Mit verschiedenen Tricks und Kniff's vermochten die Gartenarchitekten in beinahe jeder Landschaftssituation den Anschein von Ursprünglichkeit zu vermitteln. Ein wichtiges Element ist dabei das sogenannte «Ha-Ha», ein jäh abfallender Begrenzungsgraben, der den Eindruck vermittelt, dass der Garten übergangslos mit der restlichen Landschaft verschmilzt. Der Name Ha-Ha rührt im Übrigen von der üblichen Reaktion der Besucher des Gartens im Augenblick des Entdeckens der Täuschung her. Zum Motiv «Zurück-zur-Natur» wurde häufig eine Einsiedlerhütte oder -höhle («Eremitage») in den Garten integriert. Der Reiz des Eremiten als Ausstellungsobjekt lag in seiner Unverdorbenheit, seiner vollen Natürlichkeit. In Stelleninseraten wurden, gegen Kost und Logis, Eremiten gesucht. Die Eingestellten mussten sich im Gegenzug dazu verpflichten, sich weder Haare noch Finger- und Zehennägel zu schneiden. Ein wichtiger Einfluss war diesbezüglich die Philosophie Jean-Jacques Rousseaus. Er stilisierte die natürliche Ursprünglichkeit zum Ideal und begriff die Zivilisierung als Verfallsform menschlichen Daseins. Das Ziel von Erziehung und Staat sah er darin, die Natur sich so unverfälscht wie nur möglich entfalten zu lassen.
DK / MS