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Zum Buch:
Diese Analyse des Zweiten Weltkrieges beschreibt nicht nur "wie es gewesen ist", sondern "warum es so geschehen ist". Hauptthema und Kern der Darstellung sind daher die grundlegenden politischen und militärischen Entscheide des Zweiten Weltkrieges. Das Schwergewicht liegt dabei nicht auf dem Gebiet der ideologischen Auseinandersetzung, sondern auf dem Gebiet staatlicher Machtpolitik. Die grossen strategischen Entscheidungen sind im Mittelpunkt der Darstellung. In einfacher und klarer Art gelingt es Hans Simmler, einem interessierten Leser das Zustandekommen der politischen und militärischen Entscheidungen darzulegen, die vor über 50 Jahren die Welt erschütterten und bis heute nachwirken.
Zum Autor:
Hans Simmler, 20. Oktober 1919 bis 28. Juni 1998, Dr. oec. publ., arbeitete nach seinem Studium als Redaktor der Wirtschaftszeitung "Finanz und Wirtschaft". Er befasste sich mit Währungs- und Konjunkturpolitik und schrieb Kommentare zum Zeitgeschehen, denen oft internationales Echo beschieden waren. Sein Interesse am 2. Weltkrieg entstand im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung, die er sich im Aktivdienst 1939 bis 1945 zuzog.
Vorwort von Dr. Richard Allemann
Mit dem 19. Jahrhundert endet die Phase der weltweiten Expansion der grossen Mächte. Die Welt ist politische und wirtschaftlich verteilt. Mit dem 20. Jahrhundert beginnt die historische Epoche der eliminatorischen Kriege.
Waren es zu Beginn des Jahrhunderts neun um die Macht und Existenz kämpfende grosse Staaten, so bewirkte der Erste Weltkrieg die Elimination des Osmanischen Reiches, von Österreich-Ungarn, von Italien und von Frankreich. Der Zweite Weltkrieg bewirkte das Ausscheiden von England, von Deutschland und von Japan. Der Dritte Weltkrieg - in der Form des Kalten Krieges (Korea, Vietnam, Afghanistan und Wettbewerb im Bereich der Kernwaffen und der Raketen) - bewirkte den Abgang der Sowjetunion. Er eröffnete die weltweite Dominanz der USA.
Die "Eliminationskriege" erreichten eine bisher kaum gekannte Intensität. Sie fanden ihren Ausdruck der ethnischen Säuberung auf rassischer Grundlage, in der Elimination sozialer Minderheiten im Klassenkampf, in Hunger-Blockaden, in Fleckenbombardierungen und in atomaren Einsätzen. Das klassische Völkerrecht - als Mittel zur Begrenzung der Kriegsführung - wurde abgelöst durch den Anspruch auf Barbarei. Von diesen drei Auseinanderstetzungen des 20. Jahrhunderts hat der Zweite Weltkrieg Leben und Denken von Hans Simmler persönlich am stärksten betroffen. Er war seine prägende, historische Erfahrung. Sie hat ihn bewogen, die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges in dreissigjähriger Arbeit neben den Anforderungen einer strengen journalistische Berufstätigkeit nicht nur zu beschreiben "wie es gewesen ist", sondern vor allem zu analysieren und ihre Ursachen und Zusammenhänge aufzudecken, um zu erklären, "warum es so geschehen ist". Hauptthema und Kern einer Darstellung und seiner Analyse sind daher die grundlegenden politischen und militärischen Entscheide des Zweiten Weltkrieges. Das Schwergewicht der Darstellung liegt nicht auf dem Gebiet der ideologischen Auseinandersetzung, sondern auf dem Gebiet staatlicher Machtpolitik. Die grossen strategischen Entscheidungen sind Mittelpunkt seiner Darstellung.
Sein Wissensstand ist der Stand des Jahres 1975. Neue Aktenfunde bewirken keine Änderung des Konzeptes. Sein Werk bedarf keiner modischen Ergänzungen. Die Massstäbe, die der Verfasser vertritt, sind die Massstäbe eines humanistisch gebildeten Mitteleuropäers.
In der schweizerischen Geschichtsschreibung zum Zweiten Weltkrieg dominieren die auf die Schweiz bezogenen Themen. Selten sind jene Autoren, die es wagen, aufgrund eigener Forschung und eigener Archivstudien welthistorische Zusammenhänge zu analysieren und darzustellen. Dass der Autor dieses Werkes dies wagt, macht den besonderen Wert seiner Darstellung aus. Sie ist ein Zeitdokument. Zeitpunkt der Abfassung und der Standort, vor allem aber gedankliche Schärfe und Gestaltung, erheben das vorliegende Werk weit über den Durchschnitt.
Der Arbeit des Verfassers blieb der publizistische Erfolg versagt. Die Auffassung eines schweizerischen Autors war für potentielle Leser in Deutschland kaum von Interesse. Kritische Haltung gegenüber den Entscheiden der Alliierten im Zweiten Weltkrieg war - im Höhepunkt des Kalten Krieges - wenig erwünscht. Nun soll, 25 Jahre nach der Erstellung das Werk des Verfassers im Druck erscheinen und über Buchhandel, Bibliotheken und Universitäten interessierten Lesern zugänglich gemacht werden. Der Entschluss der Angehörigen und Freunde von Hans Simmler, sein Werk zu publizieren, verdient hohe Anerkennung.
Der Quellennachweis des Manuskriptes des Verfassers konnten in seinem Nachlass leider nicht mehr gefunden werden. Was er in seinem Werk zum Zweiten Weltkrieg erwähnt, ist nach dem Wissensstand von 1975 quellenmässig belegt. Dass der Verfasser die wissenschaftlich historische Arbeit beherrscht, hat er in seiner noch heute lesenswerten Dissertation: "Bauer und Arbeiter in der Schweiz" (Zürich 1964), eindrücklich bewiesen.
Sein Werk ist eine Bereicherung der schweizerischen Geschichtsschreibung. Es ist aber auch ein würdiges Gedenken an einen faktengetreuen Darsteller, an einen schafsinnigen Analysten und an einen spannend zu lesenden Historiker.
Dr. Richard Alleman
Zürich, im Frühjahr 2001
kartoniert - broschiert | 652 S. | 2001