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um 130 v.Chr. , nach 58 v.Chr. Anführer der helvet. Tiguriner, der gemäss Caesar ("De bello Gallico" 1.12-14) sowohl 107 wie auch 58 v.Chr. eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Tiguriner drangen Ende des 2. Jh. v.Chr. mit den germ. Kimbern, den Ambronen und den Teutonen in die bis nach Genf ausgreifende Provinz Gallia Narbonensis ein. 107 besiegten sie unter D. ein röm. Heer unter dem Konsul Lucius Cassius in der Schlacht bei Agen. Nach einem weiteren, gemeinsam errungenen Erfolg bei Orange 105 drangen die vier Stämme gegen Italien vor; das von Gaius Marius angeführte röm. Heer vernichtete aber 102 bei Aix-en-Provence die Ambronen sowie die Teutonen und schliesslich 101 bei Vercelli (in der Nähe von Novara) die Kimbern. Daraufhin zogen sich die Tiguriner, die im Brennergebiet in Wartestellung verblieben waren, nach Norden zurück. Das weitere Schicksal des Stammes und seines Führers bleibt bis ca. 60 v.Chr. im Dunkeln.
In diesem Jahr beschlossen die Helvetier, in das bereits einmal erreichte Gebiet zwischen Toulouse und Bordeaux auszuwandern. Ein Motiv für diese Entscheidung war der zunehmende germ. Druck; daneben dürften aber auch Subsistenzprobleme eine Rolle gespielt haben. Unklar ist, ob die Helvetier 58 v.Chr. geschlossen auswanderten oder ob ein kleiner Teil derselben im Mittelland zurückblieb. Caesar hinderte sie am Übergang über die Rhone und zwang sie zum Ausweichen nach Norden. Nachdem Caesar die Tiguriner beim Übersetzen über die Saône, wahrscheinlich bei Trévoux nördlich von Lyon, angegriffen hatte, führte D. als Leiter einer Gesandtschaft mit ihm Verhandlungen. Er bot an, als Gegenleistung für einen Friedensschluss in von Rom zugewiesene Gebiete zu ziehen. Schadenersatz- und Garantieforderungen wies er mit dem in Caesars "De bello gallico" überlieferten Satz zurück, die Helvetier stellten keine Geiseln, sondern seien gewohnt, solche zu nehmen. Nach Abbruch der Gespräche wurden die Helvetier in der Schlacht bei Bibracte vernichtend geschlagen und zur Rückkehr sowie dauerhaften Ansiedlung im Gebiet zwischen Genfersee, Jura, Rhein und Bodensee verpflichtet.
Im 19. Jh. erhob die nationale Geschichtsschreibung die Helvetier zu den Vorfahren der Schweizer. Patriotisch gesinnte Historienmaler wie Charles Gleyre und Dichter wie Conrad Ferdinand Meyer feierten den Führer der Tiguriner als ersten Nationalhelden. Dieses Bild D.s hielt sich in Schülbüchern und der populären Geschichtsliteratur bis weit über die Mitte des 20. Jh.
Literatur
– F. Staehelin, Die Schweiz in röm. Zeit, 31948, 57-60, 75-83
– L. Flutsch, A. Furger-Gunti, «Recherches archéologiques sur le site présumé de la bataille de Bibracte», in ZAK 44, 1987, 241-251
– L. Flutsch, «La localisation de la bataille de Bibracte», in ZAK 48, 1991, 38-48
Autorin/Autor: Daniel Nerlich