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Nachdem die Fora der großen Städte vergleichsweise gut erforscht sind, ist der Kenntnisstand zu ihren Pendants in den vici wesentlich geringer. In ihnen finden sich ebenfalls Platzanlagen, die eine Vielzahl vergleichbarer Funktionen wie in den Städten übernommen hatten. Versucht man den Begriff Forum aber auf diese zu übertragen, offenbart sich eine Problematik der direkten Übertragbarkeit, welche mit Methoden der Archäologie, der Archäoinformatik, der naturwissenschaftlichen Archäologie und der Alten Geschichte interdisziplinär angegangen werden soll. Das Forschungsprojekt beruht dabei auf Vorarbeiten der lead agency (Universität zu Köln, Archäologisches Institut) in Bregenz-Brigantium
Die Archäologie der Römischen Provinzen versucht Charakteristika dieser Platzanlagen herauszuarbeiten und ihre Funktion im Vergleich zu den Fora der Städte zu beleuchten: Administrative, kultische und merkantile Aspekte weisen auf ein multifunktionales Konzept hin, welches bedarfsorientiert angepasst wurde. Zur Überprüfung der architektonischen, althistorischen und chronologischen Spezifika dienen integrativ durchgeführte Fallstudien aussagekräftiger key-sites, wie z.B. Aachen-Aquae Granni, Kempten-Cambodunum oder Bregenz-Brigantium. Damit können auch Indikatoren zum Nachweis einer wie auch immer gearteten Selbstverwaltung dieser Gemeinwesen herausgearbeitet werden.
Althistorische Analysen erörtern die Rolle und Bedeutung der Platzanlagen für das jeweilige Gemeinwesen. Dabei stehen die (Neu-) Bewertung der ausgewählten Fundstellen und die Einbettung von kleinstädtischen Siedlungen in die sozio-kulturellen und politischen Prozesse im Fokus. Der Blick geht dabei auf die Regionen mit einer ausreichenden Zahl an althistorischem Quellmaterial.
Computergestützte Methoden werden für einen multiskalaren Ansatz zur Untersuchung von Plätzen in sekundären Ballungsräumen eingesetzt. Auf der innerörtlichen Ebene zielen sie darauf ab, sozio-symbolische Aspekte von Plätzen zu erforschen, insbesondere solche, die mit Sichtbarkeit und Bewegung im Raum zu tun haben. Auf regionaler Ebene werden Computersimulationen (räumliche Interaktionsmodelle) eingesetzt, um die menschlichen Interaktionen zwischen Siedlungen zu untersuchen und so die wirtschaftlichen und administrativen Funktionen von vici weiter zu beleuchten.
Im Hinblick auf die tatsächliche Nutzung dieser Platzanlagen durch die damaligen Bewohner*innen versprechen archäozoologische und geoarchäologische Untersuchungen durch den Schweizerischen Projektpartner in Basel wesentliche neue Erkenntnisse. Diese können die tatsächlichen Nutzer dieser Anlagen durch Nahrungsabfälle und Hinterlassenschaften kultischer Handlungen besser fassbar werden lassen. Mehrheitlich kaum befestigte Plätze weisen eine erhebliche Akkumulation von Umwelteinflüssen auf, weshalb die Mikromorphologie die Biografie dieser Anlagen präzisieren kann.