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Kreuz und quer streifen die langen Wolkenstriche durch den Luftraum. Besonders bei gutem Wetter stechen sie einem ins Auge. Auch wenn man sich schon lange an die Kondensstreifen gewöhnt hat, kennen viele dessen Entstehungsgründe nicht. Aus diesem Grund sind schon viele kuriose Theorien dahinter entstanden, obwohl die Bildung der künstlichen Wolken logische, physikalische Gründe hat.
Hier eine kurze Erklärung, mit der du deine Freunde beeindrucken kannst
Roger Perret von Meteonews erklärt es wie folgt: «Kondensstreifen sind künstliche Wolken, die sich hinter Flugzeugen bilden können. Sie bestehen hauptsächlich aus Wasser in Form von Eiskristallen. Die Kombination von genügend Luftfeuchtigkeit und tiefen Temperaturen auf Reiseflughöhe führt zur Entstehung von Kondensstreifen.» Die weissen Streifen bestehen also wie Wolken hauptsächlich aus kleinen Wassertröpfchen beziehungsweise Eiskristallen.
Die Verschwörung «Chemtrails»
«Chemtrails» ist die englische Kurzform von «chemical trails», was so viel heisst wie «chemische Pfade». Verschwörungstheoretiker interpretieren die natürlichen Erscheinungsformen der Kondensstreifen als bewusstes Versprühen von Chemikalien. Diese sollen zur Wettermanipulation, militärischen Zwecken oder gar Bevölkerungsreduktion dienen.
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt dementiert diese Anschuldigen aber vehement. Diese Behauptungen seien unhaltbar: «Die Bildung von Kondensstreifen in den unterschiedlichsten Ausprägungen ist ein natürlicher Vorgang, welcher durch Flugzeuge ausgelöst wird. Dies konnte seit den frühen Tagen der Luftfahrt beobachtet werden», schreibt das BAZL in einer Erklärung. Ein Flugzeug wäre gar nicht in der Lage, genügend Substanzen zu transportieren, die so grosse, sichtbare Wolkenvolumen entstehen lassen könnten. Ausserdem: «Das systematische Versprühen von Chemikalien durch geheime Flugmissionen ist aufgrund der permanenten Kontrolle des Luftraums praktisch unmöglich.»
Theorie hält sich hartnäckig
Sozialwissenschaftler Marko Kovic erklärt, wieso die Theorie sich trotz logischer Erklärung weiter verbreitet: «In Verschwörungstheorien gerät man nicht über logische Fakten, sondern Emotionen. Wenn sich jemand mit Emotionen in eine Überzeugung stürzt, ist es schwierig, der- oder diejenige mit Fakten dort wieder rauszuholen – vor allem bei einem komplexen Thema. Dazu kommt, dass die Chemtrails-Theorie eine hollywoodreife Verschwörungstheorie ist. Dies sorgt für Begeisterung und ist spannend zu verfolgen.» Das Gemeinschaftsgefühl und der Austausch im Internet gäbe den Theoretikern das Gefühl, sie hätten gemeinsam das Böse entdeckt. «Was bei vielen Verschwörungstheorien zum Tragen kommt, ist das Gefühl von Kontrolle. Wenn es die Chemtrails gäbe, wären wir alle ständig betroffen. Wenn nun jemand denkt, er habe die ‹Wahrheit des Verschwörungssystems› erkennt, bekommt er das Gefühl, er sei weniger fremdbestimmt.»