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Sie sei schon immer einseitig sprachlich begabt gewesen, antwortet Susanne Lötscher auf die Frage, wie sie auf die Idee gekommen sei, Übersetzerin zu werden, «aber eigentlich bin ich einfach so in diesen Bereich hineingerutscht.» Die gebürtige Deutsche musste sich im Rahmen ihres Französisch- und Lateinstudiums in München nebenbei noch Altgriechisch aneignen. Dies weckte ihr Interesse an der zeitgenössischen griechischen Sprache. Während zweier längerer Sprachaufenthalte in Thessaloniki konnte Susanne Lötscher einige Brieffreundschaften knüpfen und so die neuen Sprachkenntnisse vertiefen. Wenig später ging sie mit einem Freund für ein halbes Jahr nach Brasilien und eignete sich dort ebenfalls die Landessprache an. Damit beherrschte sie insgesamt schon sechs Sprachen: Englisch und Französisch aus der Schule, Italienisch hatte sie an der Volkshochschule gelernt sowie ihre Muttersprache Deutsch.
Doch bevor die Untersiggenthalerin, die vor vielen Jahren durch Heirat in die Schweiz kam, ihre Berufung in der Welt der Texte fand, arbeitete sie noch mehrere Jahre als Exportsachbearbeiterin in der Elektrobranche.
Sprungbrett Buchmesse
Als Besucherin einer Buchmesse unterhielt sich Susanne Lötscher im Jahr 1992 an einem der Ausstellungsstände mit einer Literaturagentin, die gerade einem deutschen Verlag die Übersetzungsrechte eines brasilianischen Buchs verkauft hatte. Auf einmal hörte sich die sprachlich versierte Sachbearbeiterin sagen, dass der Verlag in diesem Fall doch sicherlich jemanden für die Übersetzung des Buches benötige. «Dabei hatte ich zu dem Zeitpunkt null Erfahrung als Übersetzerin», erinnert sich Lötscher mit einem Schmunzeln.
Prompt erhielt sie den Auftrag zur Übersetzung des Buches und stürzte sich voller Elan in die Arbeit. Nach dem erfolgreichen Abschluss erhielt sie vom Verlag eine Anfrage, ob sie sich auch als Korrektorin betätigen würde, und auch hier sagte Susanne Lötscher trotz fehlender Erfahrung aus dem Bauch heraus zu. «Ich habe mir sehr viele dieser Fähigkeiten selbst erarbeitet», erinnert sie sich, «das war zwar hart, hat mir aber auch grossen Spass gemacht.» Mit diesen ersten Referenzen im Gepäck bewarb sich Lötscher für weitere Aufträge dieser Art und gründete 1993 ihr eigenes Übersetzungs- und Korrekturunternehmen «transkorrekt».
Niederländisch gelernt
Obwohl es anfangs nicht einfach war, sich auf diesem Markt zu etablieren, liess sie sich nicht entmutigen. Schliesslich wurde ihre Beharrlichkeit mit Erfolg belohnt. «Irgendwann erhielt ich eine Anfrage von einem Verein, ob ich einen Auftrag als Lektorin übernehmen könne», erzählt sie. Nach anfänglichem Zögern nahm Susanne Lötscher auch diese Herausforderung an. Bis heute sind Lektorat, Korrektorat und Übersetzungen die drei Standbeine ihres Einzelunternehmens, das dieses Jahr sein 30-Jahr-Jubiläum feiert. Vor drei Jahren ergänzte sie ihr Sprachenportfolio um Niederländisch. In weniger rosigen Zeiten nahm sie eine Teilzeitstelle als Korrektorin an. Inzwischen wäre es allmählich an der Zeit, sich Gedanken über den Ruhestand zu machen. «Momentan bringe ich es aber noch nicht übers Herz», gibt Susanne Lötscher zu.