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Während der Springreiter-WM Mitte August 1978 wurde der Weltcup der Springreiter vorgestellt. Die Monate zuvor war das Reglement von der FEI-Springkommission begutachtet und dem FEI-Präsidenten, Prinz Philip, zur Genehmigung vorgelegt worden. Da man bereits im Oktober 1978 den Weltcup lancieren wollte, konnte das Projekt nicht der im Dezember stattfindenden FEI-GV vorgelegt werden. Im Sommer 1978 waren auch die möglichen Austragungsorte von Weltcupqualifikationsprüfungen angefragt worden. Nach praktisch sämtlichen Zusagen war für Europa und Nordamerika der erste Weltcupkalender erstellt und in Aachen präsentiert worden. Dritter Hauptfaktor für den Start des Springreiter-Weltcups war die Finanzierung. Durch die Zusage von Volvo-Präsident Pehr G. Gyllenhammar von 480000 Schweizer Franken für die erste Saison war auch dies gesichert.
«Wanderpreis»
Nun machten wir uns Gedanken über einen Weltcuppokal. Damals, 1978, vor 45 Jahren, wurde praktisch bei jedem Turnier neben den im Vergleich zu heute noch bescheidenen Geldpreisen als Symbol des Sieges in einem Nationenpreis oder einem Grand Prix ein Pokal offeriert. Nicht, um ihn mit nach Hause zu nehmen, sondern als «Wanderpreis». Dieser wurde bei der Siegerehrung präsentiert und gebührend mit dem Sieger fotografiert. Nur wer ihn dreimal gewonnen hatte, durfte ihn nach Hause nehmen. Bei einigen dieser «Wanderpreise» musste man gar den Pokal dreimal hintereinander oder, als Alternative, total fünfmal gewinnen. Einige dieser endgültigen Gewinner waren über die Jahre zur Legende geworden. So der Gewinn durch das zaristische Russland des ersten derartigen «Wanderpreises» überhaupt, des «King Edward VII Cup» in der Londoner Olympiahalle. Die Russen hatten dort 1912, 1913, 1914 dreimal hintereinander den Nationenpreis gewonnen. Legendär ist der Gewinn der «Coppa Mussolini» durch Deutschlands Springreiter 1933 in Rom. Die Deutschen hatten auf der Piazza di Siena 1931, 1932 und 1933 dreimal hintereinander den Nationenpreis gewonnen. Der Gewinn des Mussolini-Goldpokals machte in Deutschland nationale Schlagzeilen.
«Aga Khan Cup»
Auch die Schweiz trug zur glorreichen Geschichte der Nationenpreiswanderpokale bei. 1930 siegten die Schweizer Springreiter zum dritten Mal (nicht hintereinander) im «Aga Khan Cup» in Dublin. Die Schweiz hatte die erste Austragung von 1926 gewonnen, dann wieder 1927. 1928 siegte Irland, 1929 Frankreich, bis es 1930 zum dritten Schweizer Sieg kam. Sieben Reiter waren daran beteiligt: darunter Henri von der Weid und Charles Kuhn mit je zwei Teilnahmen. Der so gewonnene «Aga Khan Cup» kann im Pferdemuseum La Sarraz bewundert werden.
Kein «Kübel»
Für den Weltcup wollten wir einen derartigen «Wanderpreis». Allerdings keinen «Kübel», wie man respektlos solche Preise nannte. Der Weltcuppokal würde ja nicht von einer Equipe gewonnen und bei der Siegerehrung vom Equipenchef vor seinen Reitern stehend mit beiden Händen gehalten. Der Weltcup sollte an den Sieger zu Pferd übergeben werden und dieser hatte eigentlich nur eine Hand frei. Bevor ich zu «Bijoux Stadelmann» in Bern ging, stellte ich drei Anforderungen für den zu schaffenden Pokal auf: ein Sockel, auf dem die Namen der Sieger graviert werden; eine Schale als Symbol des damals Champagner enthaltenden «Kübels» und zwei Henkel am Pokal, womit der Pokal an den Reiter zu Pferd übergeben werden konnte. Bei «Bijoux Stadelmann» an der Marktgasse traf ich Jürg Stadelmann, den Besitzer. Er war Kavallerieoffizier und sein Vorschlag war, die Schale mit dem Sockel durch einen Bergkristall zu verbinden. Dieser sollte die Welt verkörpern. Goldschmid Jürg Eggenberg entwarf den Pokal und im April 1979 gab es im Scandinavium in Göteborg die ersten Fotos mit dem Weltcupsieger, Hugo Simon. Damals zahlte die FEI aus dem Weltcupkonto 15000 Franken an «Bijoux Stadelmann». Der heutige Versicherungswert ist 50000 Franken.
Silberteller als Andenken
Blieb noch die Frage, was erhält der Sieger als Andenken. Das Logische wäre eine Minikopie des Pokals. Auch diese wurde durch «Bijoux Stadelmann» hergestellt. Der Minipokal war etwa 20 Zentimeter hoch und wurde 1979 an Hugo Simon übergeben. Hugo war nicht begeistert, ja empört – mit so etwas Kleinem könne er nichts anfangen. Da der Sieger von 1980, Conrad Homfeld, auch nicht jubelte, beschlossen wir, ab 1981 stattdessen einen Silberteller mit eingraviertem Weltcuppokal zu übergeben.
Im April 2022 wurde der Weltcuppokal in Leipzig nach der Corona-Unterbrechung im 44. Weltcup-jahr an den 42. Sieger übergeben: Martin Fuchs. Es war nach seinem Onkel Markus (2001), Beat Mändli (2007) und dreimal Steve Guerdat (2015, 2016 und 2019) der sechste Schweizer Sieg!
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 23/2022)
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