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Weg-Wort vom 19. August 2021
Der legendäre Philosoph Laotse soll im China des 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben. Er gilt als Begründer der Lehre des Taoismus und als Verfasser des Tao Te King. Von ihm werden Geschichten wie die folgende erzählt.
«Einst ging der weise Laotse mit seinen Schülern an einem Hain vorbei, wo sie Holzfäller bei der Arbeit beobachteten. Bereits hatten sie eine grosse Fläche des Waldes abgeholzt. Ein einzelner Baum stand allerdings weiterhin zwischen den Stümpfen. Die Schüler wandten sich an ihren Meister und fragten ihn, was das zu bedeuten habe. Laotse antwortete ihnen: ‘Geht und fragt die Holzfäller selbst.’
Die jungen Männer wandten sich also an die Arbeiter und stellten ihnen die Frage, warum sie diesen einen Baum stehengelassen hätten? Die Holzfäller erwiderten: ‘Schaut ihn nur an! Das ist ein völlig nutzloser Baum. Er hat so viele Knorpel und Löcher, dass man aus ihm keine vernünftigen Bretter machen kann. Zum Schnitzen ist sein Holz viel zu zäh. Und als Feuerholz taugt er ebenfalls nicht. Beim Verbrennen entsteht nämlich ein so unangenehmer Rauch, dass es nicht zum Aushalten ist. Darum lassen wir den Baum einfach dort, wo er ist.’
Nach diesem Gespräch kamen die Schüler zu Laotse zurück und berichteten, was sie gehört hatten. Der Meister hörte aufmerksam zu und nickte bedächtig. Dann schaute er seine Schüler an und sagte: ‘Seid wie dieser Baum.’»
Was tun Menschen nicht alles, um von anderen anerkannt und positiv beurteilt zu werden. Der untaugliche Baum mag ein Vorbild sein, auch dann aufrecht und stark verwurzelt zu stehen, wenn wir links liegen gelassen werden.