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Vor dreißig Jahren riefen ägyptens Regierung und einige windige Westeuropäer das Urlaubsparadies Hurghada auf den Plan.
Doch um die unwegsame und unübersichtliche Gegend für Touristen nutzbar zu machen, bedurfte es großer Anstrengungen.
So musste die gesamte Küstenlinie zwischen Suez, der nördlichsten Stadt am Roten Meer und Hurghada sorgfältig von den Überresten militärischer Kampfhandlungen befreit werden.
Über Jahrzehnte hinweg war die Rotmeerküste nämlich potenzielles Frontgebiet kriegerischer Auseinandersetzungen gewesen. Die Konflikte zwischen Ägypten und Israel hinterließen auf ägyptischer Seite unzählige Minen und sonstigen explosiven Kampfstoff an den nördlichen Stränden des Roten Meeres, von denen Räumungstrupps nur Bruchteile wieder fanden.
Über diese kriegsbedingten Aufräumarbeiten hinaus galt es noch Probleme ganz anderer Art zu bewältigen, um zukünftigen Urlaubern ein tropisches Domizil zu schaffen.
Das Fischerdorf welches Hurghada einst war, und nur aus ein paar windschiefen Fischer-Hütten und unschönen Baracken bestand, musste mit einer anspruchsvollen Infrastruktur versorgt werden.
Die ärmliche Kulisse mußte um jeden Preis der Welt ein orientalisches Flair erhalten.
Das war auf dem Papier anfänglich leichter geplant als machbar, denn da waren schließlich Menschen im Spiel.
Menschen die man man nicht einfach in die Wüste schicken konnte, weil hier nun Hotels und “orientalische Paläste” als Hotelburgen wie Pilze aus der Erde schießen sollten.
Man hatte viel vor. Zunächst sollte der Ortskern ein anderes Aussehen bekommen. Der in hohem Tempo berufene Tourismusminister in Kairo war sofort der Meinung, dass die verfallenen und schmutzigen Häuser abschreckend auf die Urlauber wirken.
Also wurden die armseligen Hütten und Baracken aus dem Weg geräumt und innerhalb von wenigen Tagen einfach wegplaniert.
Die Bewohner bekamen schnell “moderne” Wohnungen zugewiesen, die man eiligst, billig und demendsprechend dafür vorab gebaut hatte. Schließlich sollte es sich ja in einer Fertigmietskaserne besser leben, als in so einer schäbigen Fischer-Hütte!
Darüber stritten sich aber sehr viele Leutchen, denn dieses neue Leben war nicht “Jedermanns” Sache.
Waren doch alle bisher allein in ihren Hütten, so mußte man plötzlich lernen mit Lärm und Gerüchen der Nachbarn zu leben.
Allzu nahe an den touristischen Zentren sollten die neuen Unterkünfte auch nicht stehen. Man wollte nicht den fremden und neugierigen Einblick in die “Gute Stube”.
Und umgedreht mußte es schon sehr befremdend für eine Ägypterin, die voll bekleidet schwimmen geht wirken, wenn sie Westeuropäer, ob männlich oder weiblich halbnackt und all zu lustig am Strand sieht.
Heute fast problemlos, aber in den Anfangsjahren sicher ein riesiger gegenseitiger Kulturschock.
Ein restaurierter Ortskern und ein paar gefällige Ureinwohner waren dem Erlebnistouristen jedoch noch nicht genug. Zum Erlebnisurlaub am Roten Meer gehörten schließlich Wind-Surfen, Wasserski, Tiefseetauchen und sonstige Erlebnisse.
Für tropisches Flair mußten Unmengen von Palmen her. Rasen und sonstige Flora fehlte ebenfalls in der einstigen Wüste am Meer.
Ein klimatisiertes Hotelzimmer und eine gut funktionierende Trinkwasserversorgung war ein Muss.
Man ließ nichts aus und bemühte sich um das Wohl der Touristen.
Genauer gesagt um die daraus enstehenden Einnahmen – also um das Anlocken der Touristen.
Dieses Ziel mit der Brechstange im Auge und seine Devisen schon fast in der Tasche, erbauten die ägyptische Regierung und ausländische und heimische Investoren rasend schnell unzählige Hotels und Betonburgen.
Installierten ein paar Palmen, etwas Rasen und Strauchwerk mit Blüten und eröffneten genauso viel unzählige Tauchstationen.
Und zwischen all dem Baulärm und Bauschutt, Müll und Dreck, hatte sich tatsächlich das ehemalige Fischerdorf zum größten Badeort am Roten Meer entwickelt.
Als eines der wichtigsten Devisenbringer Ägyptens, verzeichnete Hurghada in den letzten Jahren bis 2008 rund 800.000 Übernachtungen pro Jahr.
Ein gewaltiges Urlauberghetto mit viele, viele Kilometer umzäunten Badestrand und All-inklusive, wenn man es wünscht.
Moderne Technik macht heute die Rotmeerküste und die Touristenhochburgen wie Hurghada, was sie einst mangels Infrastruktur – für den westlichen Touristen – nie waren, bewohnbar.
Der Urlauber merkt wenig von dem Aufwand, den das künstliche Paradies in sich hat.
Während er sich in den Hotelboutiquen mit Figuren von Tutanchamun, Papyrus und sonstigen Souvenir’s eindeckt, oder schnorchelnd und tauchend die Unterwasserwelt des Roten Meeres erkundet, schaffen noch immer neben der neuen Nil-Wasserpipeline aus Luxor, riesige Tankwagen Wasser heran und hunderte LKWs bringen Lebensmittel aus dem Nildelta und ganz Ägypten.
Wenn der große Rest dann auch “Made in China” ist, hat man es zumindest fast verstanden, Touristen hier zu empfangen.
Ägyptenkenner haben Hurghada ins Herz geschlossen und andere jedoch diesen Ort als Reiseziel indes längst abgeschrieben.
Zu überfüllt und zu kommerziell ist ihnen diese Urlaubsmetropole geworden. Auch die Ideen der Investoren zieht es jetzt eher wieder zu verschlafeneren Küstenstädtchen und Regionen im Süden am roten Meer, oder im Norden an den Küsten des Mittelmeer’s.
Sicher aus ganz anderen Gründen, denn dort sollen in Zukunft neue Touristenziele der gehobenen Klasse entstehen. Man möchte zu gern an das ganz große Geld.
Letzten Endes doch nichts weiter als Kopien von Hurghada, oder womit will man die gehobene Klasse anlocken, wenn man es bis heute nicht verstanden hat seine “verlockenden Angebote” geschickt unter das Touristenvolk zu bringen.
Der unqualifizierte Basar-, oder Shopverkäufer wird auf jeden Fall dafür sorgen, die Laufkundschaft beim Bummel durch die Geschäftsmeilen zu vergraulen, da sein unqualifiziertes Mundwerk und seine dummen Sprüche einen entspannten Urlaub erst gar nicht zulassen.
Gehobene Klasse ohne feinste Infrastruktur und ehrliche Preise, ist doch genau so wie Monaco ohne Glamour und Champagner.
In der Hoffnung, dass Sie einen entspanten Urlaub in dieser schönen Küstenregion verbringen, wird jeder um ihr Wohlergehen bemüht sein. Und wenn es dann doch einmal nicht zu trifft, dann nehmen sie es einfach mit ägyptischer Gelassenheit.
Die lautet ja bekanntlich “Insha’ Alah” – “Wenn Gott will” ! Und wann hat Gott schon mal Urlaub – Augenzwinkernd, … Nie !