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Die deutsche Inhaberfamilie erwägt, sich von der Schweizer Luxusmarke zu trennen. Auch Jimmy Choo soll einen neuen Besitzer erhalten.
Lieber Kaffee und Restaurants als Schuhe und Taschen: Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann stellt ihre Luxusmarken Bally und Jimmy Choo zum Verkauf ins Schaufenster. Die Beteiligungsgesellschaft JAB, die das Familienvermögen verwaltet, beabsichtigt, die Schweizer Traditionsmarke Bally und den britischen Luxusschuhhersteller Jimmy Choo zu verkaufen. Man prüfe strategische Optionen, darunter auch einen möglichen Verkauf von Bally, teilte JAB am Montag in Communiqués mit.
Bally nach Verlusten profitabel gemacht
Ein Entscheid über das 1851 von Carl Franz Bally in Schönenwerd SO gegründete Traditionshaus solle bis im zweiten Halbjahr fallen, hiess es weiter. JAB hatte Bally im Jahr 2008 von der amerikanischen Investmentfirma Texas Pacific Group (TPG) gekauft.
TPG hatte mit einer Rosskur der verlustreichen Bally wieder zu Wachstum verholfen und profitabel gemacht. Bally stellt neben Schuhen auch Handtaschen, Accessoires und Kleider her. JAB habe die langfristige Entwicklung des Unternehmens und seiner Marken dann unterstützt, teilte die Beteiligungsgesellschaft mit.
Michelle Obama als Fan
2011 erwarb JAB zusätzlich den Stöckelschuhproduzenten Jimmy Choo, der international unter anderem durch die US-Fernsehserie «Sex and the City» bekannt wurde. Die Highheels haben zahlreiche prominente Fans, darunter Michelle Obama, Victoria Beckham und Lady Gaga. Verkauft werden aber nicht nur Schuhe, sondern auch Handtaschen, Lederwaren, Schals, Brillen und Düfte.
Der in Malaysia geborene Jimmy Choo hatte die Marke 1996 zusammen mit der «Vogue»-Redakteurin Tamara Mellon gegründet. Der in London lebende Designer verkaufte seine Anteile bereits im Jahr 2001, die Marke mit inzwischen 150 Läden weltweit trägt aber weiterhin seinen Namen.
Nun will sich JAB auf andere Bereiche konzentrieren: Man habe in den letzten Jahren signifikante Investitionen im Kaffeegeschäft und anderen Sparten gemacht. Das Luxusgütergeschäft gehöre deshalb nicht mehr zu den Kerngeschäften, schrieb JAB.
Noch keine Angebote
Um eine Wertsteigerung für die Aktionäre zu erreichen, würden die «strategischen Optionen» des Unternehmens überprüft und Kaufangebote eingeholt, erklärte Jimmy Choo. An der Börse ist das Unternehmen derzeit umgerechnet rund 830 Millionen Franken wert. Das ist etwa ein Fünftel mehr als beim Börsengang 2014.
Dem Management zufolge ist das Vorgehen mit dem Hauptaktionär JAB abgestimmt, der zwei Drittel der Jimmy-Choo-Anteile hält. Noch gebe es aber keine Angebote oder Annäherungen an mögliche Interessenten.
Aktie mit Freudensprung
Was mit der britischen Modemarke Belstaff passieren soll, die auch JAB gehört, ist derweil unklar. JAB will jedoch an der Beteiligung am US-Parfumhersteller Coty festhalten. Die Ankündigung liess die Aktien von Jimmy Choo durchstarten: Die Titel schossen am Montag an der Londoner Börse um mehr als 10 Prozent in die Höhe.