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Irgendwann wurde ich zum Berufsberater beordert. «Ich bin recht geschickt mit den Händen», antwortete ich auf die Frage, was ich besonders gut könne. «Und gerne an der frischen Luft.» Der Mann hielt triumphierend eine Broschüre hoch: «Dann werden Sie Dachdecker.»
Ich aber wollte mir alle Optionen offenhalten, entschied mich für die Sek und gegen den Königsweg. Der Rest ist schnell erzählt: Ich besuchte die Handelsmittelschule, absolvierte eine Banklehre – und wurde Journalist. Bis heute habe ich keine Matura – und kenne die Uni nur von öffentlichen Vorlesungen. Glauben Sie mir, ich habe mich deswegen keinen Tag schlecht gefühlt.
Unsere Gesellschaft gründet auf einem grossen Versprechen. Jeder kann alles erreichen. Viele Eltern versuchen nachzuhelfen, indem sie Tausende Franken für private Vorbereitungskurse ausgeben und ihre Kinder ins Gymnasium quälen. Die Folge: Familien im Ausnahmezustand. Ich weiss von Müttern, die ihre Arbeit reduziert haben, um mit dem Sohn für die Prüfung zu pauken. Und ich kenne Väter, die beim Thema Gymiprüfung laut aufstöhnen: «Es war die Hölle. Aber wir mussten da durch.»