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Die Filme des Christopher Nolan: «Interstellar»
Nolan hebt ab! In seinem Sci-Fi-Film sucht Matthew McConaughey nach einem neuen Zuhause für die Menschheit. Ein faszinierendes Werk, welches auch dank Hans Zimmers Musik in Erinnerung bleibt.
Dieser Artikel ist Teil unserer grossen Christopher-Nolan-Retrospektive, in welcher wir jeden Film des Regisseurs etwas genauer beleuchten. Da Nolan in seinen Filmen gerne mit der Zeit spielt, unterteilen wir die zusammengetragenen Informationen nach der Produktionsphase («Vor dem Dreh», «Während des Drehs» und «Nach dem Dreh»), sagen euch, was für Verbindungen es mit den anderen Filmen des Regisseurs gibt und wo ihr euch den jeweiligen Film ansehen könnt.
Worum geht es?
Auf der Erde verschlechtert sich die Luft zunehmend, sodass es in ein paar Jahren unmöglich sein wird, auf dem blauen Planeten zu überleben. Der Astronaut Cooper (Matthew McConaughey) soll deshalb in einer anderen Galaxie nach einem neuen Zuhause für die Menschheit suchen. Doch im Weltall ticken die Jahre anders. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Vor dem Dreh
Eigentlich mal ein Steven-Spielberg-Projekt
Produzentin Lynda Obst und der Astrophysiker Kip Thorne erdachten die Prämisse für Interstellar bereits Jahre bevor Christopher Nolan in das Projekt involviert wurde. Steven Spielberg zeigte im Juni 2006 Interesse an dem Stoff und wollte es mit seinem Studio DreamWorks für Paramount umsetzen, weshalb im Mai 2007 dann Jonathan Nolan, der Bruder von Christopher, für das Drehbuch an Bord geholt wurde. Nachdem Spielberg jedoch im Jahr 2009 mit DreamWorks zu Disney ging, brauchte Paramount einen neuen Regisseur für das Projekt, woraufhin Jonathan seinen Bruder vorschlug.
South Park und Friday the 13th
Seit Insomnia hat Christopher Nolan jedes seiner Projekte für das Studio Warner Bros. umgesetzt. Damit Nolan nicht fremdgehen musste, schloss Warner mit dem Rivalen Paramount einen Deal ab: Warner beteiligte sich an den Produktionskosten von Interstellar und bekam dafür die internationalen Distributionsrechte an dem Film, während Paramount für den Vertrieb in den USA und Kanada zuständig war. Teil des Deals war auch, dass Paramount und Warner einen kommenden Film der Friday the 13th-Reihe und den zweiten Kinofilm der TV-Serie South Park zusammen umsetzen - zwei Projekte, die bis heute aber immer noch nicht realisiert wurden.
Maaatt Daaaamoooon
Dem im April 2020 verstorbenen Irrfan Khan wurde die Rolle des abtrünnigen Dr. Mann angeboten, doch musste der indische Schauspieler wegen anderen Verpflichtungen absagen. Matt Damon wurde schliesslich für den Part verpflichtet. Dies wurde im August 2013 auch offiziell bestätigt, doch danach hielt man den Oscarpreisträger komplett aus dem Marketingmaterial heraus, weshalb sein Auftritt in der Mitte des Filmes für viele eine Überraschung war.
Während des Drehs
Ein bisschen Schweiz
Seit Memento hatte Nolan immer mit Kameramann Wally Pfister zusammengearbeitet. Da Pfister jedoch 2013 an seinem Regiedebüt Transcendence arbeitete, konnte er bei Interstellar nicht dabei sein. Nolan sicherte sich deshalb die Dienste des niederländischen Kameramannes Hoyte Van Hoytema, welcher übrigens in Horgen (ZH) auf die Welt gekommen ist. Seither hat Nolan nur noch mit Van Hoytema gedreht.
The Dust Bowl
Die im Film zu sehenden Interviews, in denen ältere Leute über die Auswirkungen der Luftverschlechterungen berichten, stammen aus der Dokumentar-Miniserie The Dust Bowl. Darin geht es um eine Dürre, die Nordamerika in den 1930ern heimgesucht hatte und wie sich diese auf die «Great Depression» auswirkte.
CASE und TARS
Die beiden Roboter CASE und TARS wurden dem Monolithen aus 2001: A Space Odyssey nachempfunden, einem von Christopher Nolans Lieblingsfilmen. Gespielt wurden die beiden Roboter von Bill Irwin. Jawohl, gespielt. Nolan verzichtet - wo möglich - auf Computereffekte und so wurden die beiden Roboter von Irwin von Hand bedient. In der Nachbearbeitung wurde der für die Bewegungen ganz in grau gehüllte Schauspieler dann aus dem Film genommen.
Im Weltall kann dich niemand explodieren hören
Nolan wurde während der ganzen Produktionsphase vom Astrophysiker Kip Thorne beraten, damit der Film so realistisch wie nur möglich sein konnte. Den Realitätswunsch entsprechend hört man bei Explosionen im Weltraum keinen Ton, da es dort keine Schallübertragung gibt.
Hathaway wäre fast erfroren
In der Szene auf dem Wasserplaneten erlitt Star Anne Hathaway beinahe eine Hypothermie. Der Raumfahreranzug, welcher Hathaway in der Szene trägt, war an einer Stelle nicht ganz dicht. So füllte sich der Anzug immer mehr mit Wasser. Aus einem Interview mit dem Hollywood Reporter: «Wir alle hatten an diesem Set kalt und ich war bestimmt nicht die einzige, die leiden musste. Aber ab einem gewissen Punkt fragte ich den ersten Assistent-Regisseur, ob er die Symptome einer Unterkühlung kenne. Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich meine Füsse spürte.» Daraufhin rannte der Assistent zu Nolan, welcher die Szene dann so schnell es ging abdrehte.
Nach dem Dreh
Ein Zettel für Hans
Hans Zimmer komponierte die Musik für Interstellar ohne das Drehbuch gelesen zu haben. Zimmer bekam von Nolan lediglich einen vom Regisseur selbst verfassten Text auf einem Stück Papier. In dem Text ging es um einen Vater, der arbeiten gehen und deshalb sein Kind zurücklassen muss. Ziel von Nolan war es, so die Kreativität des Komponisten anzuregen.
Grösser, aber kürzer in der 70mm-IMAX-Version
Nolan hat Interstellar teilweise mit IMAX-Kameras gedreht. So gibt es im fertigen Film 72 Minuten in dem Format zu sehen, welches in IMAX-Kinos die ganze Leinwand ausfüllt. Doch wegen der Gesamtlaufzeit von 169 Minuten musste sich Nolan etwas einfallen lassen. Denn die drehenden Platten, auf welche man eine analoge 70mm-IMAX-Kopie eines Filmes legt, waren nur für Filme bis 167 Minuten ausgelegt - diese Zahl wurde von James Cameron vorgegeben, dessen Avatar-Special-Edition genau diese Laufzeit hatte. Damit nicht alle IMAX-Kinos grössere Platten anfertigen mussten, passte Nolan einfach den Abspann von Interstellar an. In der IMAX-Version läuft der Abspann nicht traditionell von unten nach oben, sondern flimmert in der Form einer «Slideshow» über die Leinwand. So konnte Nolan den Film um die benötigten Minuten kürzen.
Der grosse Erfolg
Weltweit spielte Interstellar 690 Millionen Dollar ein und liegt somit auf Platz vier der Nolan-Filme, die am meisten Geld umgesetzt haben. Mehr Umsatz generierten nur Inception (829 Mio.), The Dark Knight (1.004 Mrd.) und The Dark Knight Rises (1.081 Mrd.).
Awards
Nachdem The Dark Knight Rises für keinen Academy Award nominiert wurde, konnten die Fans des Regisseurs in der Oscar-Nacht 2015 wieder ihre Daumen drücken. Interstellar war für fünf Oscars nominiert - jedoch nur in Nebenkategorien. Gewonnen hat der Film schliesslich den Award für die besten visuellen Effekte.
Interstellar im Nolan Cinematic Universe
- Glücksbringer Michael Caine durfte natürlich auch in Interstellar nicht fehlen. Caine tritt hier zum bereits sechsten Mal hintereinander in einem Film des Regisseurs auf.
- Weil alle Nolan-Filme seit Batman Begins in den USA die Freigabe PG-13 hatten, musste der Regisseur grösstenteils auf unflätige Sprache verzichten. Laut den Regeln der US-Freigabebehörde dürfen PG-13-Filme jedoch einmal das Wort «Fuck» verwenden - ein Umstand, den sich Nolan bei Interstellar zu Nutze machte und so das böse Wort nach dem R-Rated-Film Insomnia mal wieder in einem seiner Filme fällt.
Wo kann man den Film schauen?
Interstellar ist auf DVD, Blu-ray sowie VoD erhältlich und kann momentan auch auf Netflix gestreamt werden.