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Moung Moung Shing engagiert sich mit seinem Hilfswerk Humanitarian Foundation für die Angehörigen ethnischer Minderheiten in Bangladesch. Welches sind seine Erfahrungen mit der Entwicklungszusammenarbeit und welche Verbesserungen schlägt er vor?
Wie beurteilst Du die Entwicklungszusammenarbeit ganz allgemein?
Die Entwicklungszusammenarbeit bringt positive Veränderungen ins Leben extrem armer Menschen. Daher sehe ich sie durchaus positiv. Mir persönlich bereitet es grosse Freude, den bedürftigen und notleidenden Menschen zu helfen, die keinen Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten haben, und deren Ernährung und Unterkunft nicht gesichert sind.
Welche Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit kennst Du aus eigener Erfahrung?
Mit wenigen Ausnahmen gab es keine Schulen in den Dörfern der ethnischen Minderheiten in den Chittagong Hill Tracts in Bangladesch. Infolgedessen war die Alphabetisierungsrate fast gleich Null. Daher gründeten wir, einige gleichgesinnte Studenten, nach dem Studium die Hilfsorganisation Humanitarian Foundation (HF), um Bildungsmöglichkeiten in den Dörfern zu schaffen. Seither arbeiten wir in unterprivilegierten, unzugänglichen und armutsbetroffenen Gebieten, ab 2009 finanziell und technisch unterstützt von CO-OPERAID.
Inzwischen lernen Kinder aus diesen Dörfern in Grund-, Sekundar-, Berufs- und Hochschulen. Junge Menschen aus unseren Bildungsprogrammen haben heute eine Anstellung gefunden oder sind selbständig tätig. Unsere Aktivitäten haben viele positive Veränderungen in der indigenen Gemeinschaft bewirkt, vor allem im Bereich Bildung und Lebensstandard. Diese positiven Veränderungen wurden nur durch die Entwicklungszusammenarbeit möglich. Wären die Menschen in diesen Dörfern auf Leistungen der Regierung angewiesen, müssten sie noch weitere 50 Jahre auf Entwicklung warten.
Welche kritischen Punkte siehst Du? Was muss verbessert werden?
In meiner Wahrnehmung teilt sich die Entwicklungszusammenarbeit in die Arbeit der grossen und der kleinen Organisationen. Die Budgets der grossen Organisationen sind riesig. Ein grosser Teil davon wird für Gehälter, Fahrzeuge, Spesen etc. ausgegeben. Infolgedessen bleibt wenig Geld für die Begünstigten des Projekts. In Bangladesch hat sogar die Regierung ihre Unzufriedenheit bezüglich der Hilfe für die Rohingya ausgedrückt und gesagt, dass ein grosser Teil der Budgets nicht für die Begünstigten verwendet würden.
Bei kleinen Organisationen sind die Gehälter und weiteren Kosten niedrig, schätzungsweise 20-30 Prozent. Manchmal ist das gesamte Projektbudget nicht höher als allein die Fahrzeugkosten eines Projekts einer grossen Organisation. Dies ist der Punkt, der sich meiner Meinung nach ändern muss. Es sollten Schritte unternommen werden, um qualifizierte, für die Entwicklung engagierte Personen zu moderaten Löhnen zu beschäftigen.
Siehst Du auch methodischen Verbesserungsbedarf?
Gute Entwicklungszusammenarbeit bedeutet für mich, realistisch zu arbeiten. Projektpläne müssen an die Bedürfnisse der bedürftigen und notleidenden Menschen angepasst werden. Die lokale Bevölkerung muss einbezogen werden und ihre Beteiligung an der Projektplanung und -durchführung sollte erhöht werden.
Moung Moung Shing, Direktor Humanitarian Foundation
Humanitarian Foundation verfolgt die Vision einer „gerechten Welt des Mitgefühls, die frei von Unterdrückung, Hunger und Armut ist und in der jeder Mensch, unabhängig von Rasse, Hautfarbe und Glaube, in Frieden und Würde lebt.“