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(aus dem Skript zum Talk, Shift Festival Basel, 24.10.2009)
Sprachlichkeit
Mich interessiert am Programmieren besonders die Sprachlichkeit der Codes.
Ich habe den gesammten Quellcode des Algorithmus (der Raumbeschreibung) als sprachliches Material verwendet, welches von einer Text-to-Speech Engine vorgelesen wird. Hier gibt es nun verschiedene Brüche: erstens die der Sprache. Programmiersprachen lehnen sich in verschiedenen Graden an die normale Sprache an, sind jedoch vorwiegend im Englischen angesiedelt und das hat wiederum Gründe in der Grammatik der englischen Sprache.
Als deutschsprachige Programmiererin ergibt sich daher eine eigenartige Mischung aus deutschen Benennungen und englischen Ausdrücken, welche die deutsche Sprachsynthese zu einem wunderbaren Gehaspel bringt. Das Ergebnis der Sprachsynthese wächst hier über die Normalsprache heraus – es gibt Passagen im Code, die ich nie fertigbringen würde regelmässig auszusprechen. Ausserdem ist der Code auch nicht zum Sprechen gedacht und gehorcht eher einer Ökonomie des Schreibens, daher die z.T. unaussprechlichen Abkürzungen.
Vorlesen ist eine Prozessierung von Schrift und die gesprochene Sprache ist wie wir alle wissen, ein anderes Universum als die geschriebene Sprache. Indem ich also die Codes sprechen lasse, starte ich eine Prozessierung des Codes auf einer zweiten Ebene zu der interpretierenden Prozessierung des Computers, welche die generative Projektion hervorbringt.
Selbstgespräch
Hier kommt das zweite Bild ins Spiel: das Selbstgespräch. Wenn wir Computer als sprachverarbeitende Maschinen betrachten, dann stehen sie in einem dauernden Selbstgespräch mit sich selber, mithilfe dessen sie dann aussersprachliche Dinge tun können, wie z.B. ein Treppenhaus generieren, welches dann auf die Wand projiziert werden kann.
Dieses Selbstgespräch ist ein eigenartig intimes Verfahren, zu dem nicht mal die Programmierer Zutritt haben, denn es spielt sich in der Black Box des Computers ab.
Die Leere
Ich habe mir über die Speech-Prozessierung des SourceCodes einen Zugang zur Sprachlichkeit der Maschine verschafft. Wir können ihr zuhören und uns an der eigenartigen Rhythmik erfreuen, über die kruden Verwicklungen zwischen deutsch und englisch lachen und uns an den kurzen Aufblitzen von verständlichen Bruchstücken erfreuen. Wir belauschen die Maschine und die Programmiererin zugleich.
Die Maschine selber belauscht sich ebenfalls, erstens indem sie ihre interne Sprachverarbeitung vollzieht und daraus die Projektion generiert und zweitens, indem sie über ein Mikrofon ihrer sprachlichen Prozessierung des Codes zuhört. Hier ist das Scharnier zwischen den zwei angesprochenen Prozessierungen von Sprache, und dies ist der wichtigste Punkt in der Installation: der Angelpunkt zwischen gesprochener Sprache und Rückwirkung auf die Prozessierung ist leer, offen, eine lose Koppelung über Luft und Raum.
Es ist mir wichtig, diese Leere nicht zu erklären (sie ist auch nicht geklärt – Semiotiker sind sich nicht einig darüber, ob man den sprachlichen Vorgängen innerhalb eines Computers semiotische Eigenschaften zugestehen soll oder nicht), sondern sie zum Knotenpunkt zu machen, wo die Sache kompliziert und interessant wird. Ich denke, dass diese Leere der Ort ist, an dem Kommunikation und Information erst stattfinden kann (und auch scheitern kann). Es ist der mediale Raum, der von der Informationstheorie als Kanal mit Eigenbedingungen beschrieben wird: Rauschen, das Verhältnis von Information und Redundanz. Da Computer in ihrem Selbstgespräch so isoliert sind, passiert darin natürlich und absichtsvoll möglichst wenig – sonst wären sie nicht halb so nützlich. Durch die Öffnung des Kanals – oder besser die Legung eines Bypasses um die BlackBox herum – können wir eintreten in den sprachlichen Raum des digitalen, daran teilhaben und sogar ein wenig eingreifen. Wir können uns die Sprechpausen als Raum nehmen und sie füllen, und so die Installation daran hindern, ihr bildliches Gedächtnis zu leeren, zu vergessen.
Das Bild des Treppenhauses ist das Bild des Gedächtnisses oder des mentalen Raumes, welcher durch Sprache geschaffen wird und zum Kontext der Sprache wird, auf die sie sich beziehen kann. Alles in ihn Eingespeistes akkumuliert sich, von der Spur zu einer verdichteten Struktur bis hin zu einem Objekt, welches skulpturale Eigenschaften aufweist. Das Schweigen löst diese Informationsakkumulation langsam wieder auf.