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Die SeeroseDas Haus Seerose an der Seestrasse 227 ist eines der geschichtsträchtigsten Häuser in Männedorf. Hier befand sich spätestens ab Mitte des 17. Jahrhunderts die erste nachweisliche Schule des Fischotterdorfes. Bis 1811 wird in einem Zimmer des Hauses Unterricht gegeben, dann zieht die Schule in ein neues Gebäude. Das Haus diente nicht nur als Schule, sondern auch als Gemeindehaus und Gemeindemetzgerei. Zuvor war darin der Gasthof Löwen untergebracht, der in Männedorf viele Jahre lang das Tavernenrecht inne hatte.
Seiner heutigen Funktion als Altersheim wird das Haus Seestrasse 227 im Jahr 1896 zugeführt. Damals spendete der wohlhabende Männedörfler Hans Conrad Meier der reformierten Kirche insgesamt 300'000 Franken, verbunden mit dem Wunsch, seinen Lebensabend in einem Altersasyl verbringen zu können. Diesem Wunsch kann nicht mehr entsprochen werden, stirbt der Wohltäter doch noch im selben Jahr. Gleichwohl will die reformierte Kirche dem Willen des Spenders nachleben. Der ehemalige Gasthof Löwen bietet sich als Standort an. Aber die Besitzverhältnisse des Löwen sind etwas komplex. Zur einen Hälfte gehört er dem reichen Industriellen H. Spörry-Manz, der im Elsass lebt und in Männedorf zahlreiche Liegenschaften besitzt. Die andere Hälfte gehört einem H. Pestalozzi, auch er ein angesehener Männedörfler Bürger. Spörry-Manz schenkt seinen Anteil der Kirchgemeinde, Pestalozzi verkauft seinen Teil zu einem sehr günstigen Preis. So kommt der ehemalige Löwen in den Besitz der evangelischen Kirchgemeinde, die ihn zu einem Altersasyl umbaut. Fast 100 Jahre lang führt sie die Institution. Die Seerose kann sich über einen Mangel an Pensionären nie beklagen: Günstige Mieten, die attraktive Lage und der Komfort sorgen dafür, dass das Haus stets ausgebucht ist.
Als im 20. Jahrhundert in der Gemeinde verschiedene weitere, viel grössere Altersheime entstehen, scheint das Ende der Seerose trotzdem gekommen. Die Kirchgemeinde kann sich die Weiterführung nicht mehr leisten. Stattdessen bildet sich eine private Trägerschaft, die zunächst die Verantwortung für den Betrieb übernimmt. Zehn Jahre später erwirbt sie die Liegenschaft.
Aus dem Buch „Historische Momentaufnahmen“, von Hans-Rudolf Galliker, erschienen im Th. Gut Verlag, 2009
Im Jahr 2012 wurde die Seerose umgebaut und den heutigen Bedürfnissen der Bewohner angepasst. Die Seerose ist ein Juwel geworden und die Lage mit wunderbarem Ausblick auf den See lädt zu wohnen und verweilen ein.