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Bläsitor und Riehentor in Kleinbasel

Frau Z. / 01. Februar 2005 (Antwort überarbeitet Mai 2018):
Ich bin per Zufall auf Ihre Website gestossen und bin hell begeistert. Danke für Ihre Bemühungen und Informationen. Da ich mich seit einiger Zeit mit der Familiengeschichte befasse, stiess ich auch darauf, dass mein Ur-ur-Grossvater Sperrer am Bläsi- und Riehentor war. Leider fand ich zu diesen beiden Stadttoren keine Informationen. Haben Sie sowas?
Antwort von altbasel.ch:
Das Amt Ihres Ur-ur-Grossvaters ist heute im Name der "Sperrstrasse" verewigt. Die Geschichte der beiden Stadttore umreisse ich nachfolgend kurz.
Das Bläsitor
Dort wo heute die Klybeckstrasse auf die Klingentalstrasse trifft stand einmal das Bläsitor. Die Bezeichnung geht auf den benachbarten Hof des Basler Gutsverwalters des Klosteres St.Blasien im Schwarzwald zurück. Erstmals 1256 erwähnt, hatte das Stadttor noch weitere Bezeichnungen. Eine davon lautete "Isteinertor", wohl da der Weg in diese badische Ortschaft über das Tor führte.
Man sprach auch vom "St.Annator", wegen der St.Anna-Kapelle die um 1407/08 im Vorhof des inneren Tores erbaut wurde. Eine ortsbezogene Bezeichnung war hingegen "niederes Tor", womit man vom rheinaufwärts gelegenen "oberen Tor", also dem Riehentor, unterschied, dem anderen Stadttor Kleinbasels. Das Bläsitor hob sich durch seine besondere Lage von anderen Toren ab.
Üblicherweise befand sich ein Tor in der geraden Flucht der Stadtmauer. Beim Bläsitor wurde indes rund zwanzig Jahre nach seiner ersten Erwähnung die Stadtmauer ausgebaut, um das neue Kloster Klingental schützend zu umfangen. Durch diese Erweiterung stand das Tor fortan an der Ecke eines rechten Winkels, von dem aus ein Weg bis zur neuen Mauerecke führte.
Das Bläsitor im Mauerwinkel beim Klingental um 1640. Rechts unten das kleinere Tor. Dahinter die St.Anna-Kapelle von 1407/08 (Eingetragen zur Orientierung die heutigen Strassennamen) | Stich von Matthäus Merian
An der äusseren Ecke dieser Mauererweiterung wurde ein zusätzliches zweites Tor errichtet. Es war kleiner und wachte über den äusseren der beiden Gräben, die bis in die Neuzeit vor der Kleinbasler Stadtmauer verliefen. Das äussere Bläsitor verschwand wohl nachdem man um 1810 den Stadtgraben aufüllte. Zusätzliche Bedeutung erlangte das Bläsitor zur Mitte des 18. Jahrhunderts.
Im Jahr 1747 baten die Anwohner der Webergasse den Rat von Basel, in den Torturm eine Uhr einzubauen. Die Begründung war, dass man wegen des Lärms der vielen Mühlen an den Armen des Riehenteichs die entfernteren Schlaguhren nicht höre und somit oft über die Uhrzeit im Unklaren sei. Der Rat entsprach dem Wunsch. Das Tor bekam eine Schlaguhr mit Zifferblatt auf der Feldseite.
Beim Einbau dieser Uhr ist auch zu erfahren, dass das Bläsitor im 18. Jahrhundert als Gefängnis genutzt wurde. Erwähnt wird das Haftlokal "Flädermauss", in dem die Uhr eingebaut wurde, die alle 24 Stunden aufgezogen werden musste. Diese Uhr sollte dann auch ein Thema werden, als man sich in den 1860er Jahren anschickte, die alten Stadtmauern und ihre Tore abzureissen.
Obschon 1864 das Baukollegium der Stadt den Abriss des Tores verlangte, trat der Kleine Rat für dessen Erhalt ein. Ein Jahr später entschied des Rat sich anders und gab das Bläsitor zum Abriss frei. Im Mai 1867 bekam das Baukollegium den Auftrag das Tor abzubrechen. Als im Juni darauf der Abbruch begann, wurde der Verlust der wichtigen Turmuhr sehr beklagt.
Das Riehentor
Das Riehentor war bis ins 19. Jahrhundert der Stadteingang am Weg nach Riehen. Es stand dort wo heute die Riehentorstrasse auf den Claragraben trifft. Die beiden Strassennamen legen Zeugnis vom Stadttor wie auch vom Stadtgraben an dieser Stelle ab. Das Riehentor wird erstmals 1265 urkundlich erwähnt und hatte im Laufe der Zeit, wie das Bläsitor, verschiedene Bezeichnungen.
Als das weiter rheinaufwärts gelegene der beiden Kleinbasler Stadttore, nannte man das Riehentor auch "oberes Tor". Wegen der nahen Kirche St.Theodor war auch der Name "St.Theodorstor" (oder als sprachliche Variation "St.Joderstor") gängig. Vor der Reformation war eine bemalte Tafel die eine Kreuzigungsdarstellung zeigte auf der Feldseite des Riehentors angebracht.
Diese Bildtafel wurde vom Torwächter jeweils bei schlechtem Wetter abgehängt und ins Trockene gebracht. Darüber hinaus erhob an der nahen Landstrasse ins Wiesental ein von der Bevölkerung sehr verehrtes Wegkreuz, während direkt vor dem Stadttor seit 1403 die Kapelle "zum elenden Kreuz" stand. Damit erklärt sich die im Mittelalter übliche Bezeichnung "Heiligkreuztor".
Das Riehentor um 1640 mit seinen Eckerkern in der Turmkrone. Vorne am Riehenteich das kleinere Tor. Zwischen beiden die Kapelle von 1403 (Eingetragen zur Orientierung die heutigen Strassennamen) | Stich von Matthäus Merian
Von anderen Basler Stadttoren unterschied sich das Riehentor dadurch dass sein Turm einen besonderen Zinnenkranz hatte, dessen Ecken mit Erkern versehen waren. Als Basel sich während des Alten Zürichkriegs bedroht sah, erscheinen 1443/44 Ausgaben die mit dem Bau eines Vorwerks zusammenhängen könnten. Vor diesem Werk floss der Riehenteich auf dem Weg in die Stadt.
Aus der Wiese abgeleitet, und von Riehen her kommend, verlief der Teich bis zum Riehentor direkt auf Kleinbasel zu, um dort im rechten Winkel nach Westen geleitet zu werden. Vor der Stadtmauer floss er danach bis zum Clarabollwerk, wo er sich mit einem anderen, kleineren Gewässer vereinigte und durch ein Wassertor in die Stadt gelangte, um Wasser zu bringen und Mühlen anzutreiben.
Möglicherweise in der Zeit um 1600 entstand beim Winkel des Riehenteichs ein zweites kleineres Tor. Es war etwas schlichter gestaltet als jenes beim Bläsitor und verfügte auf der Feldseite über eine Fallbrücke die den vom Riehenteich gespiesenen Wassergraben überspannte. Die marode Fallbrücke wurde im Jahr 1808 saniert, aber offenbar nicht fachmännisch.
Unter der Last eines Fuhrwerks brach die Brücke 1812 ein. Daraufhin beschloss man, da der Graben an dieser Stelle ohnehin nicht tief war, ihn dort als Ersatz für die Brücke aufzuschütten. 1840 bekam der Torturm ein neues Dach mit zwei Treppengiebeln. An der Stelle der Giebel verschwand der alte Zinnenkranz und schuf stadt- wie feldseits Raum für zwei Zifferblätter.
Diese Zifferblätter gehörten zur neu eingebauten Uhr. Die Anwohner hatten zuvor um eine solche gebeten, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte das obere Kleinbasel keine öffentliche Uhr. Im selben Arbeitsgang entfernte man auf der Feldseite einen alten Erker in der Fassade, und ersetzte ihn durch eine schlichte Schiessscharte. 1852 begann das Zuschütten des übrigen Stadtgrabens.
Das Auffüllen des Grabens war der Auftakt zum Abriss der Stadtmauer, der in Kleinbasel ab 1859 etappenweise begann. In jener Zeit führt man auch eine Zählung durch, die ergab dass das Riehentor ein Nadelöhr für starken Durchgangsverkehr ist. Neben 430 Kutschen passierten 2653 Transportfuhrwerke innerhalb von acht Tagen den Torbogen auf der wichtigen Verkehrsroute.
Die Forderung wurde lauter, das hinderliche Tor als lästiges Relikt vergangener Zeiten abzureissen. Schliesslich wurde dem Wunsch im Mai/Juni 1864 mit dem Abriss der Riehentors entsprochen. Freunde historischer Baudenkmäler betrauerten es als das schönste Basler Tor nach dem Spalentor. Wie später auch beim Bläsitor wurde darüber hinaus der Verlust der Turmuhr beklagt.
Zusammenfassung
Das 1256 erstmals erwähnte Bläsitor war eines der zwei mittelalterlichen Stadttore Kleinbasels. Es war nach dem benachbarten Blösihof benannt, hatte aber auch andere Bezeichnungen wie "St.Anna-Tor" oder "niederes Tor". Der auch als Gefängnis genutzte Turm bekam Mitte des 18. Jahrhunderts eine Uhr, die für die Quartiersbewohner bis zum Abriss des Tores 1867 wichtig blieb.
Das zweite Kleinbasler Stadttor des Mittelalters war das Riehentor, durch welches man nach Riehen gelangte. Auch die Namen "St.Theodorstor" und "Kreuztor" waren gebräuchlich. Es hob sich von anderen Toren durch seine Erker am Zinnenkranz des Turmes ab, und stand am vorbeifliessenden Riehenteich. Bei einer Umgestaltung 1840 bekam das Tor eine Uhr. 1864 wurde es abgerissen.
Beitrag erstellt 01.02.05 / überarbeitet 26.05.18
Quellen:
Emil Blum / Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seiten 108 (Bläsitor) und 122 (Riehentor)
Sabine Braunschweig / Mertin Meier, "Der Aufbruch ins Industriezeitalter", in Leben in Kleinbasel 1392, 1892, 1992, Christoph Merian Verlag, Basel, 1992, ISBN 3-85616-051-5, Seite 56 (zum Bläsitor)
Andreas Fischer, Abschnitt "Kleinbasel - Eine Stadt vor der Stadt", in Mauern, Schanzen, Tore, Christoph Merian Verlag, Basel, 2007, ISBN 978-3-85616-332-7, Seiten 39 bis 41
Rudolf Kaufmann, Basel das alte Stadtbild, Birkhäuser Verlag, Basel, 1936, Beitrag 21 (Bläsitor) und 23 (Riehentor)
Eugen Anton Meier, Basel Einst und Jetzt, Buchverlag Basler Zeitung, 3. Auflage 1995, ISBN 3-85815-266-3, Seiten 324 bis 325 (Bläsitor) und 300 bis 301 (Riehentor)
Christian Adolf Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, Teil 2, 134. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1956, Seiten 65 bis 67 (Riehentor) und 70 bis 72 (Bläsitor)