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Hörgeräte machten ihn reich, Sportsponsoring populär. Andy Rihs hat jahrzehntelang für Schlagzeilen gesorgt - als Milliardär ohne Berührungsängste, als innovativer Unternehmer und als Sportverrückter, der alles mit Leidenschaft tat und sich von Rückschlägen nicht beirren liess.
Rihs wurde am 2. November 1942 in Stuttgart geboren. Nach der Schule liess er sich zum Kaufmann ausbilden, dann verbrachte er zwei unbeschwerte Jahre in Paris.
Sein wirtschaftlicher Aufstieg begann 1966. Zusammen mit einem befreundeten Techniker übernahm Rihs die konkursite Hörgeräte-Firma seines Vaters. Etwas später stiess Bruder Hansueli dazu. Die drei verwandelten Phonak in den nächsten Jahrzehnten zu einem der grössten Hörgerätefirmen der Welt.
Andy Rihs führte das Unternehmen lange Zeit als oberster Firmenchef und zugleich als Verwaltungsratspräsident. Seit 2007 befinden sich Phonak und andere Kernmarken unter dem Dach der Sonova Holding AG, die mehr als zwei Milliarden Franken Umsatz pro Jahr macht.
Rihs verdiente ein Vermögen mit den Hörgeräten, die «Bilanz» nahm ihn in die Liste der 100 reichsten Schweizer auf. Die Sonova galt unter seiner Führung als Vorzeige-Unternehmen, doch es gab auch Rückschläge. 2011 wurde Sonova von einem Skandal um unsaubere Börsengeschäfte erschüttert. Strafrechtlich blieb dieser folgenlos.
Mit jedem per Du
Andy Rihs war der Self-Made-Man zum Anfassen, so sahen ihn jedenfalls viele Porträt-Schreiber. Für den «Tages-Anzeiger» war er «der Milliardär, der mit jedem sofort per Du ist».
Das lag auch an Rihs' volksnahen Hobbys. Als Radsportfan erklomm er selber die spektakulären Pässe der Tour de France, zudem finanzierte er 2000 bis 2006 das Radsportteam Phonak. Nach einem Doping-Skandal entschloss sich der menschlich schwer enttäuschte Rihs zum Ausstieg.
Später fand er mit dem BMC Racing Team zum Profi-Radsport zurück. Und 2016 holte er zusammen mit dem Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät die Tour de France nach Bern. Auch als Besitzer der Fahrradmarke BMC machte er sich einen Namen.
Gelbschwarze Ringelsocken
Das Schweizer Fussballgeschäft mischten Rihs und sein Bruder ebenfalls auf, als sie um die Jahrhundertwende Besitzer des neuen Stade de Suisse und des Fussballklubs BSC Young Boys wurden. Als Fans fieberten sie im Wankdorf mit, wie YB Jahr für Jahr einen Titel zu ergattern versuchte.
Andy Rihs blieb dem Verein auch in schwierigen Zeiten treu. Zwar verhehlte er nicht, dass er offen wäre für einen Verkauf von Stadion und Klub - aber nicht an irgendjemanden, sondern am liebsten an solide Berner Unternehmer, die YB mit dem Herzen verbunden seien.
Rinderfirma und Weingut
Fündig wurde Rihs nicht, so blieb er Besitzer und lebte seine Begeisterung für YB mitunter auch in gelbschwarzen Ringelsocken aus.
Andere «Hobbys» pflegte der Vater zweier erwachsener Söhne von seinen Wohnsitzen in der Schweiz und in der Provence aus ebenso hingebungsvoll, so kümmerte er sich um sein Weingut in Neuseeland und eine Rinderfirma in den USA.
(sda/mlo)