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Nicht nur die künftigen Beziehungen zur EU auch die Aussagen Joe Bidens zum Thema Steueroasen und die Auflistung der Schweiz als Währungsmanipulator liessen in den letzten Wochen aufhorchen. Im Quartals-Bericht des US-Schatzamts zuhanden des US-Kongresses ist ein ganzer Abschnitt der Schweiz gewidmet. Zwar ist die Schweiz in der jüngsten Ausgabe nicht (mehr) als Währungsmanipulator klassifiziert, es wird aber festgehalten, dass alle Kriterien dafür sprechen: Aktivität der SNB, Handelsvolumen mit den USA, sowie Handelsbilanz – und Leistungsbilanz-Überschuss mit den USA.
Offenbar konnten die Gespräche mit den Schweizer Behörden für eine Glättung der Wogen sorgen. Es muss auch betont werden, dass die Absicht dieser Berichterstattung ursprünglich darin lag, China als Währungsmanipulator zu klassifizieren. Dies ergab sich ironischerweise durch einen deutlich aufwertenden Yuan-Reminbi am Ende aber doch nie. Dass die Schweiz jetzt mit einem 4-seitigen Abschnitt in diesem Bericht auftaucht, ist eher ein unerwarteter und aus Schweizer Sicht wohl unglücklicher Nebeneffekt. Darin kann man auch nachlesen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie für die Schweiz, zumindest aus US-Sicht, als ausgesprochen gering eingeschätzt werden.
Für mehr Aufregung sorgte hingegen Joe Bidens erste feierliche Rede im US-Kongress zum Zustand der Union Ende April. Darin bezeichnete er die Schweiz zusammen mit den Bermudas und den Cayman Inseln als eine Steueroase, die von vielen US-Unternehmen zu Unrecht ausgenutzt werde. Diese Aussage wurde postwendend durch die Schweiz entschieden kommentiert und präzisiert, indem man darauf hinwies, dass die Schweiz steuerlich alle internationalen Abkommen heute schon erfülle.
Dennoch ist Joe Bidens Vorstoss für einen weltweiten Mindeststeuersatz für Unternehmensgewinne von 21%, für die Schweiz ein Vorschlag, der bei Umsetzung zu deutlichen Anpassungen führen würde. Im Durchschnitt liegt der Steuersatz in der Schweiz bei etwa 15%.
Das Scheitern des Rahmenabkommens und die Beispiele, wie globale Interessen der USA mit traditionellen Standortvorteile eines kleinen Landes wie der Schweiz in Konflikt geraten könnten, zeigen, dass die aussenpolitischen Abhängigkeiten für die Schweiz in den nächsten Jahren eher zunehmen könnten. Insbesondere dann, wenn es wirtschaftliche Fragen in Zusammenhang mit Freihandel oder Steuerharmonisierung betrifft. Die EU hat durch den Austritt der Briten und durch einige Krisen aussenpolitisch an Gewicht gewonnen. Joe Biden setzt auf gute Beziehungen zur EU auch um US-Interessen gegenüber China und Russland wirkungsvoller vertreten zu können. Langfristig wird dieser Umstand auch für Investoren grosse Bedeutung haben. Wie sich die Schweiz in dieser komplizierter gewordenen Welt positionieren will, bedarf offenbar noch einiger Reflektion.
Die Aktienmärkte eröffnen heute in der Schweiz und in Europa wenig verändert. Der SMI verliert aktuell etwa 0.25 %. In den USA wird heute Memorial Day gefeiert und die Börsenaktivität ist dadurch reduziert. Unverändert halten wir in unserer Anlagestrategie - vorerst noch - an unserer deutlichen taktischen Übergewichtung von Aktien fest. (Stand ca. 14:25 31.5.2021 Basel Zeit)