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Journalisten in über 40 Ländern haben gestern die Resultate einer Recherche unter dem Stichwort «Swissleaks» veröffentlicht. Dafür werteten sie Kundendaten des Schweizer Ablegers der Privatbank HSBC aus. Dieser soll Kunden bei illegalen Praktiken geholfen haben.
Informationen über problematische Kunden befanden sich demnach in den Daten, die der Informatiker Hervé Falciani 2007 der HSBC stahl und dem französischen Fiskus übergab. Von dort gelangten sie zur französischen Zeitung «Le Monde», die im letzten September mit der Auswertung der Angaben über rund 106'000 Kunden begann.
In der Folge lancierte die Zeitung Mithilfe des Recherche-Netzwerks «Consortium of Investigative Journalists» (ICIJ) eine weltweite Recherche. Zum Netzwerk gehören 140 Journalisten aus 40 Ländern, die die Resultate nun öffentlich machten. An der Recherche beteiligt waren auch mehrere Schweizer Zeitungen.
Die Auswertung hätte gezeigt, dass Kunden des Schweizer HSBC-Ablegers in Steuerhinterziehung, Terrorfinanzierung, Drogen- und Waffenhandel involviert waren. In einer Stellungnahme, die die Bank online verbreitete, anerkennt HSBC Schweiz, dass die «Kultur der Compliance» und die Standards der Due Diligence bei der HSBC und anderen Schweizer Banken im Jahr 2007 «deutlich tiefer» lagen als heute.
In den Daten sind den neuen Berichten zufolge Konten von mehr als 106'000 Personen aus mehr als 200 Ländern und Territorien zu finden, mit Einlagen von insgesamt über 75 Milliarden Euro im Jahr 2007. Involviert in die dubiosen Geschäfte ist den Enthüllungen zufolge auch eine Reihe von amtierenden und früheren Politiker aus Grossbritannien, Russland, Indien und aus afrikanischen Ländern sowie von Königshäusern arabischer Staaten.
Zu den betroffenen Persönlichkeiten gehören den Angaben zufolge unter anderen ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sowie Verwandte des früheren ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak und des ehemaligen chinesischen Ministerpräsidenten Li Peng.
Die Kundendossiers hätten bestätigt, dass die HSBC 2007 aktiv bei der Hinterziehung von Steuern half, wie andere Banken damals auch, meldete etwa der Tages-Anzeiger vorab. Die weltweiten Steuerermittlungen haben laut den Berichten insgesamt mehr als eine Milliarde Euro an Nachzahlungen und Strafgeldern eingebracht.
HSBC erklärte, die Schweizer Tochter sei nach der Übernahme 1999 nicht vollständig integriert gewesen. Sie habe deswegen deutlich niedrigere Standards erlaubt. Weil Schweizer Privatbanken früher anders gearbeitet hätten, sei es möglich, dass Kunden nicht im vollem Umfang ihren steuerlichen Verpflichtungen nachgekommen seien, hiess es. Die HSBC betone, sie habe seit 2012 in der Schweiz eine «radikale Transformation» vollzogen. Zwei Drittel der Konten seien geschlossen worden. Alle Bargeldbezüge von über 10'000 Dollar unterlägen nun einer «strikten Kontrolle».
(feb/sda/dpa)