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Im November enthielt mein Manuskript bereits 43 Bilder und 43 Texte. Jeden Tag sass ich im Atelier und schrieb. Zu Beginn meiner Arbeit hatte ich die Bilder des Alten nach deren Datum in den Katalog aufgenommen. Doch dann begann ich sie so zu wählen, dass die Geschichten, die ich dazu erfand, einen Zusammenhang erhielten. Viele seiner Werke zeigten dieselben Sujets: die vielfältigen Landschaften der Insel, Fräulein Mö oder die Fischerboote im Ozean. Doch er hatte auch die Menschen gemalt.
Ich fand zurück in meinen Schreibfluss, auf den ich lange gewartet hatte.
Ich hatte selten unter dem Zwang gelitten, mir zu überlegen, wie ich meine Zeit verbringen würde. Wenn ich nicht schlief oder schrieb, beobachtete ich.
Doch jetzt war ich eine Genesene auf einer kleinen, immergrünen Insel mitten im Ozean. Genesen von einer Krankheit, die mein Gedächtnis und meine Fantasie aufs Schlimmste bedroht hatte.
Ich beobachtete nach wie vor, doch das Einzige, was ich schrieb, waren diese Notizen, die ich nach und nach ins Reine brachte. Eine Arbeit, die mich schnell ermüden liess. Darum begann ich, als sich der Winter langsam über die Insel legte, seine Bilder zu katalogisieren. Stundenlang sass ich im Atelier, fotografierte sie und ordnete alle neu nach dem Datum, welches er sorgfältig mit einem feinen Pinsel auf der Rückseite angebracht hatte. Dann verfasste ich zu jedem Bild eine kleine Geschichte, die einzig und allein meiner Fantasie entsprang.
Ich hatte mich mit dem Sohn des Krabbenfischers im Hafen-Café verabredet, um über das Angebot des Maklers zu sprechen. Draussen tobte ein Sturm, dessen Vorläufer schon seit Tagen auf der Insel spürbar gewesen waren. Jetzt warfen sich die vom Wind gepeitschten Wellen gegen die Hafenmauer und hinterliessen eine Gischt, die wütend nach der Insel griff.
Die Fähre würde heute nicht mehr fahren. Ich war der einzige Gast.
Durch das Fenster beobachtete ich, wie er in seinem Ölzeug in meine Richtung eilte. Als er mich sah, hob er kurz die Hand und lächelte. Ich konnte das Haus nicht verkaufen.
Ich erwachte, aufgeschreckt von den Bildern, die gewaltsam in meinen Schlaf eindrangen. Die Träume waren schlimmer geworden: Ich sass im Boot des Alten, mein Körper gehorchte mir nicht mehr. Das Blau des Himmels verschmolz mit dem Blau des Ozeans und aus meiner Kehle drangen konturlose Laute, die keiner hören konnte. Ich war verloren.
An diesem Morgen vereinbarte ich mit dem Schafbauern, dass Lola und die anderen Schafe bis im Frühjahr bei mir bleiben konnten.
Später rief der Makler an – er hatte einen Käufer für das Haus gefunden.