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John Huston | 1946 | 58 Min. | EN/de
07.05.2020 | Kulturbetrieb Royal, Bahnhofstrasse 39, 5400 Baden | 20.00 Uhr | Facebook Event
Am 5. Mai 2020 zeigt «royalscandalcinema» den äusserst selten in Kinos gezeigten Film «Let there be light» von John Huston. Der Film war eine Auftragsarbeit der US-Army (dort unter dem Titel «PMF 5019»), der dazu gedacht war, ein breiteres Publikum über posttraumatische Belastungsstörungen von Kriegsveteranen aufzuklären. Die schonungslose Darstellung der traumatisierenden Folgen einer Kriegsteilnahme brachte die amerikanische Armee dann allerdings dazu, den von ihr in Auftrag gegebenen Film für Jahrzehnte in den Giftschrank zu verbannen. Eingeführt wird der Film und dessen Wirkungsgeschichte durch den Kultur- und Medienwissenschaftler Johannes Binotto.
Gedacht als Lehrfilm über die zivile Reintegration von aus dem Krieg zurückkehrenden Veteranen, zeigt der Dokumentarfilm reale Behandlungen von Patienten die unter sogenanntem «Shell Shock» litten, der heute als «posttraumatic stress disorder», kurz «PTSD» diagnostiziert wird. Gefilmt wurde im Mason General Hospital auf Long Island, der grössten Armeeklinik der amerikanischen Westküste. Gezeigt werden reale Gespräche zwischen Ärzten und Patienten, Therapiesitzungen und Behandlungsmethoden und die Entwicklung einiger Patienten bis zu ihrer Entlassung aus der Klinik.
Kurz nach seiner Fertigstellung 1946 wurde der Film von der Armee verboten. Erst wenige Kopien waren zu diesem Zeitpunkt erstellt worden, der Film war noch wenig verbreitet. Als der Regisseur «Let there be light» im Museum of Modern Art im kleinen Rahmen zeigen wollte, schritt die Militärpolizei ein und konfiszierte seine Kopie. Die Armee machte geltend, der Film verletze die Privatsphäre der porträtierten Soldaten. Huston meinte, sein Film sei verboten worden, weil die Armee einen demoralisierenden Effekt und Folgen für die Rekrutierung künftiger Soldat befürchete. Er erklärte, dass die Streitkräfte an einem überholten «Kriegermythos» festhielten: Amerikanische Soldaten, die in den Krieg ziehen, heroische Taten vollbringen und durch die Erlebnisse gestärkt in den zivilen Alltag zurückkehren, in ihrem Kampfgeist ungebrochen. Von Befürwortern der «Rassentrennung» in den USA wurde zudem kritisiert, dass der Film die gemeinsame, nicht-segregierte Behandlung von weissen und afroamerikanischen Soldaten zeigte.
Erst 1980 – 34 Jahre nach seiner Fertigstellung – wurde der Film durch den Secretary of the Army freigegeben. 1981 wurde er an den Internationalen Filmfestspielen von Cannes in der Sektion «Un Certain Regard» gezeigt – wenn auch in schlechter Qualität. 2010 wurde «Let there be light» in die Filmsammlung der Library of Congress aufgenommen (eingestuft als «culturally, historically, or aesthetically significant») und in der Folge aufwendig restauriert.
Die Einführung hält der Kultur- und Medienwissenschaftler Johannes Binotto. Er ist Post-Doc-Researcher am Englischen Seminar der Universität Zürich, wo er mit einer Studie zum unheimlichen Raum in Kunst, Literatur und Film promoviert hat. Als Forscher, freier Autor, ehemaliger Redaktor des Filmmagazins «Filmbulletin» und als Redaktionsmitglied von «RISS. Zeitschrift für Psychoanalyse» spürt er den Schnittstellen zwischen Kinogeschichte, Filmtechnik, Psychoanalyse und Raumanalyse nach. Als Dozent für Filmtheorie lehrt er an der Hochschule Luzern Design+Kunst, am Zürcher Lacan-Seminar und an der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli.