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Zuerst konnte ich es kaum glauben, wie einer so grossspurig daher schreiben kann. Aber Saeed's Überzeichnungen sind so unglaublich, dass ich einfach wissen wollte, was es denn mit diesen facebook posts von Aboud Saeed auf sich hatte. Zudem las ich immer wieder, welch grosse Rolle facebook im Arabischen Frühling gespielt hatte, und dieses Bändlein führt einem nahezu exemplarisch diese Bedeutung vor Augen. Die Auswahl von Anekdoten, Aphorismen und Kommentaren voll schwarzen Humors, die im Zeitraum 2011-2013 entstanden sind, spiegelt auf eindrückliche Weise die Befindlichkeit eines jungen syrischen Mannes in der syrischen Provinz. Sehr interessant ist auch das Nachwort der Übersetzerin Sandra Hetzl zu lesen, und am Ende des Büchleins erklärt ein Glossar die wichtigsten Begriffe und Persönlichkeiten, die in den posts erwähnt werden. Ein rundum gut konzipiertes Textbüchlein im interessanten Kleinstverlag mikrotext erschienen. apKlappentext:
Aboud Saeed erschreibt sich seine persönliche Revolution als Dichter – auf Facebook.
23. Februar 2012 um 21:14
Meine Freundin sagte: "Ich würde gerne mal dein Bücherregal sehen." Ich sagte ihr: "Ein Bücherregal habe ich nicht, nur ein paar Bücher, die hier und da herumliegen. Ich habe kein eigenes Zimmer / Von meinem Zimmer sagt jedes Familienmitglied, dass es seines ist / Und wenn Besuch kommt, wird es zum Wohnzimmer. In meinem Zimmer gibt es kein Bett / Es gibt darin einen Fernseher und einen Heizkörper / Da sitzt meine Mutter immer drauf / lässt ihre Gebetskette durch die Finger gleiten und schaut Nachrichten. Und weil sie nicht lesen kann, fragt sie mich jeden Tag nach der Zahl der Märtyrer. Mich langweilt ihre Fragerei und manchmal denke ich mir einfach eine beliebige Zahl aus.
128 LikesÜber die Autorin / über den Autor:
Aboud Saeed wurde 1983 geboren und lebt derzeit mit politischem Asyl in Berlin. Bis November 2013 lebte er in Manbidsch, einer Kleinstadt im Norden Syriens in der Nähe von Aleppo. Manbidsch wurde 2012 und Anfang 2013 stark von der Assad-Regierung bombardiert. Nach der neunten Klasse ging er von der Schule ab, hat Schmied und Schweisser gelernt und arbeitete in einer Werkstatt. Drei Jahre war er Gastarbeiter in einer Plastikfabrik im Libanon, wo er in einer Blechhütte lebte. 2008 machte er sein Abitur nach und schrieb sich an der Universität für ein Wirtschaftsstudium ein. Sie wurde wegen der politischen Umstände geschlossen. Der klügste Mensch im Facebook ist seine erste Veröffentlichung. 2015 erschien sein zweites Buch Lebensgrosser Newsticker.
Sandra Hetzl wurde 1980 in München geboren und lebt in Beirut. Sie studierte an der UdK Visual Culture Studies, arbeitet als Literaturübersetzerin aus dem Arabischen und macht Videoinstallationen. Ausserdem ist sie der Kopf hinter 10/11, einem Labor für experimentelle Formen arabischer Literatur.Preis: CHF 14.50