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Die vorliegende Ausgabe des Afrika-Bulletins befasst sich mit der jüngeren Entwicklung Guineas. Dieses westafrikanische Land stand bis jetzt nie im Fokus des Afrika-Bulletins. Doch die Entwicklung Guineas ist spannend. Als Frankreich 1958 in seinen afrikanischen Kolonien Volksabstimmungen über den künftigen Status durchführte, optierte Guinea als einzige Kolonie für die vollständige Unabhängigkeit. Mit der Ausrufung der Republik am 2. Oktober 1958 kam es zum Bruch mit Frankreich. Unter Sékou Touré verfolgte der junge Staat eine panafrikanische, nationalistische Politik. Zahlreiche Befreiungsbewegungen und Oppositionelle fanden in Guinea eine neue Heimat oder zumindest einen vorübergehenden Aufenthaltsort. Doch wirtschaftlich zeichnete sich trotz reichhaltiger Bauxitvorräte ein Niedergang ab. Das Land wurde auch zunehmend politisch instabil. Beides zeichnete Guinea in den letzten zwei Jahrzehnten. Heute scheint sich eine gewisse Stabilität eingestellt zu haben – nicht zuletzt auch nach (endlich) freien und fairen Wahlen.
Editorial
Hans-Ulrich Stauffer
«Guinée is back»?
Ein Land zwischen Wandel und Kontinuität
Guinea hat in den letzten Jahren tiefgreifende Veränderungen erlebt: Mehr als fünfzig Jahre nach der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich fanden 2010 Präsidentschaftswahlen statt, die viele BeobachterInnen erstmals als demokratisch einstuften. Doch nebst Veränderungen ist das Land auch von Kontinuität geprägt – beides führt mitunter zu politischen aber auch sozialen Spannungen, wie Carole Ammann und Michelle Engeler beobachten.
Politische Konflikte in Conakry
Orte der Macht und die Macht der Orte
In den letzten Jahren hat sich die Politik in Conakry vermehrt auf die Strasse verlagert, nicht zuletzt weil das Parlament leer stand. Dabei hat sich neben dem Machtzentrum Kaloum ein weiterer politischer Knotenpunkt entwickelt: die Route Le Prince, wahlweise auch «Achse des Bösen» oder «Achse der Befreiung» genannt. Wie Joschka Philipps aufzeigt, beleuchten beide Orte die Konfliktlinien, die auch nach der Parlamentswahl eine wichtige Rolle spielen werden – in der Hauptstadt und darüber hinaus.
Reform des Sicherheitssektors
«Die Sicherheit scheint sich ihrer selbst nicht mehr so sicher»
Im Frühjahr 2010 evaluierte eine gemeinsame Mission der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS), der Afrikanischen Union (AU) und der Vereinten Nationen (UN) Guineas Sicherheitsbereich. Ihre Empfehlungen sahen eine ganzheitliche Reform vor, inklusive Justiz, Polizei und Militär. Heute ist bei Polizei und Justiz alles beim Alten. Das Militär war Gegenstand von Reformen. In grosser Eile implementiert, sind sie jedoch von fraglicher Nachhaltigkeit. Alena Mehlau erläutert, warum Guineas Sicherheitssektorreform ist, wie sie ist.
Professionalisierung des artisanalen Goldabbaus
Formalisierung des Sektors führt zu Widersprüchen
In Westafrika boomt die nicht-industrielle Förderung von Gold. Die zunehmende Professionalisierung des Sektors ist mit einer massiven transnationalen Mobilität verbunden. Die Regierung Guineas hat diese Aktivitäten lange als marginal wahrgenommen. Ihre zaghaften Versuche der Regulierung haben zum Teil negative Folgen, wie Matthieu Bolay darlegt.
Afrika in Kürze
Eine Übersicht über aktuelle Themen
Susy Greuter und Hans-Ulrich Stauffer
Rohstoffreichtum und Selbstbestimmung
Wer hat das Sagen?
Bis vor kurzem gab es einen positiven Medienhype um Afrika. Aus dem «Kontinent des Hungers» wurde kurzzeitig wieder der «Kontinent der Hoffnung». «Bis vor kurzem», weil dieser Hype vor allem auf hohen Rohstoffpreisen basierte, die mit der Weltwirtschaftskrise einbrachen, und «wieder», weil eine ähnliche Entwicklung zuletzt in den 1960ern und 1970ern stattgefunden hat, schreibt Johannes Knierzinger.
Literatur, Film und Musik. Besprechungen von Neuerscheinungen
Pius Frey, Mariusz Lukasiewicz, Pascal Schmid, Hans-Ulrich Stauffer und Henri-Michel Yéré
Aktualität:
Unsere Gäste und ihre Verbindungen – auch in Guinea
Susy Greuter über den ONYX Skandal um Bergbaukonzessionen in Guinea und die Rolle der Schweiz.