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Der Ökonom Milton Friedman schrieb einst über eine winzige Insel in der Mitte des Pazifischen Ozeans namens Yap. Obwohl Yap nur ein winziges Stück Land war, ist es zu einem faszinierenden Fallbeispiel unter Ökonomen und Geldtheoretikern geworden, das neues Licht auf eine jahrhundertealte Frage wirft: Wie funktioniert Geld?
Während Gesellschaften weltweit seit Jahrhunderten Salz, Kühe, Tee oder Kakao als Zahlungsmittel verwendeten, schufen die Einheimischen auf Yap ein System des Handelns, das sich nicht auf Geldscheine, Banken oder gar eine zentrale Autorität stützte. Die Knappheit an Steinen auf Yap veranlasste die seefahrenden Ureinwohner, auf andere Inseln zu reisen und dort nach dem seltenen Kalkstein zu suchen. Diesen verarbeiteten sie dann zu grossen, kreisförmigen Scheiben, die sogenannten Rai. Der Wert der Rai lag in der Knappheit der Steine begründet und in der Herausforderung, Tausende Kilo Stein per Kanu über weite Strecken zu transportieren.
Die kollektiv erzählte Geschichte in der Blockchain
Das sperrige Geld bereitete logistische Schwierigkeiten beim Wechsel des Besitzers, beispielsweise für eine Mitgift bei einer Heirat. Anstatt den Rai zu transportieren, merkte sich die Inselgemeinschaft, wer welchen Stein besass und wie oft er den Besitzer wechselte. Je mehr Menschen sich an den Besitzer des Geldes erinnerten, desto stärker wurde das Eigentum von der Gemeinschaft gesichert. In vielerlei Hinsicht war Geld schon immer eine kollektiv erzählte Geschichte darüber, wem was gehört.
Mit der Ethereum-Blockchain-Technologie kann diese Geschichte des Besitzes von Werten und der Transaktionen, die mit ihm durchgeführt werden, mit Hilfe von Computern dokumentiert und erzählt werden. Ethereum ist eine Blockchain, die digitale Aufzeichnungen über jede Transaktion erstellt, die jemals stattgefunden hat, und diese Aufzeichnung auf Tausenden von Computern vervielfältigt und verifiziert. Ähnlich wie die Einheimischen von Yap, die eine kollektive Vertrauensbasis nutzten, um ihr Steinvermögen zu erfassen, schafft Blockchain-Technologie eine Vertrauensbasis, mit der digital repräsentierte Werte übertragen, gespeichert und gesichert werden können.
Teilbare digitale Vermögenswerte
Aber am wichtigsten ist, dass Blockchains existierende Werte (Assets) handelbar machen. Viele der Vermögenswerte der Welt sind illiquide und fast so schwer zu bewegen wie 8‘000 Rais-Steine. Bei der Liquidität geht es darum, die Vermögenswerte leicht handeln zu können. Langwierige papierbasierte Verwaltungsprozesse, komplexe Gebührenstrukturen und die Alles-oder-Nichts-Besitzprinzipien unserer heutigen Märkte machen den Austausch von Assets ineffizient, abschreckend und manchmal unmöglich. Die Möglichkeit, Vermögenswerte auf der Ethereum-Blockchain zu stückeln (zu tokenisieren) bedeutet, dass das Eigentum frei aufgeteilt werden kann und dass Vermögen zwischen den Eigentümern übertragen werden kann.
Zum Beispiel Immobilien
Als Beispiel können hier Immobilien genannt werden. Eigentum und Investitionen waren in der Vergangenheit den wohlhabenden Wenigen vorbehalten. Die Kreditgeber werden aber immer strenger mit potenziellen Hauskäufern, die hoffen, Hypotheken abzuschliessen. Verkäufer werden durch den hohen Aufwand während des gesamten Transaktionszyklus abgeschreckt. Und Mieter, denen die Liquidität fehlt, um eine Anzahlung auf eine ganze Immobilie zu leisten, sitzen fest und zahlen jahrzehntelang Miete, anstatt Eigenkapital aufzubauen.
Genau das ist die Herausforderung, die Meridio durch eine Blockchain-Plattform für den gemeinsamen Besitz von Immobilien löst. Ein Beteiligungsmodell ermächtigt alle Nutzer und setzt Anreize für alle Beteiligten, den Vermögenswert zu erhalten oder gar zu erhöhen. Die Idee ist, dass Beteiligung Verantwortung schafft. Jeder Interessent kann Anteile an einem Objekt sehr einfach erwerben – zum Beispiel Personen, die einen Teil des Einkaufszentrums besitzen, in welchem sie selber einkaufen. Oder Hausverwaltungen, die ein Mehrfamilienhaus, an dem sie selber Anteile haben, gewissenhafter und verantwortungsvoller verwalten.
Das Konzept der Tokenisierung für Menschen und Märkte
Das revolutionäre Konzept der Tokenisierung (Stückelung) lässt sich auch auf die Energiemärkte übertragen. Grid+ nutzt Blockchain-Technologie, um den Zugang zu den Energiegrosshandels-Märkten zu ermöglichen und den Energiehandel zwischen den Nutzern zu erleichtern. Die Internet-of-Things (IoT)-Geräte von Grid+ gleichen nicht nur Lastspitzen im Stromnetz aus, sondern identifizieren auch selbstständig vorhandene Arbitragemöglichkeiten.
Auch andere Typen von Assets, wie Kredite, Unternehmensanteile, Bonds, Derivate und viele weitere Finanzprodukte lassen sich tokenisieren. Das Startup at par ermöglicht mit dem ACTUS Financial Protocol zum Beispiel, die Anrechte auf zukünftige Zahlungen aus Krediten abzubilden. Damit werden diese Anrechte leichter handel- und übertragbar und führen zusätzlich noch zu einer bisher unerreichten Transparenz im Finanzsystem. Dies ist sowohl für Assets möglich, die herkömmliche Finanzprodukte nachbilden, als auch für solche, die allein auf der Blockchain existieren – zum Beispiel Kredite, die in Ether aufgenommen und auch in Ether zurückgezahlt werden, die Blockchain also nicht verlassen.
Die Vorteile digitaler tokenisierter Assets sind äusserst vielfältig. Während bereits heute Menschen mit Tokens für natürliche Ressourcen, Fiat-Währungen, Gold, Musik, Treuepunkte, Tickets zu Madonna-Konzerten, Software, IoT-Geräte-Registrierung, Finanzprodukte und mehr umgehen, entwickelt sich die dazugehörige Technologie weiter und macht die Transaktionen immer handhabbarer. So wie das Internet Kommunikation zum Gemeingut gemacht hat, macht Tokenisierung dasselbe mit dem anteilsmässigen Besitz von Werten.