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1919–1982: Ein Gymnasium in Raumnot
Von Anfang an leidet die Akademie unter Platzmangel. Auf der Suche nach Lösungen treffen die Schwestern während Jahrzehnten wiederholt mehr provisorische als definitive Lösungen. Bis zur Mitte der 80er-Jahre halten sie am Gebäude der Akademie als Hauptstandort des Gymnasiums fest.
1919 erwerben die Schwestern nach einigem Zögern die benachbarte Villa Felix und leiten damit die räumliche Erweiterung des Gymnasiums ein. Das herrschaftliche Haus wurde 1902 von Paul Pasquier-Castella, vermutlich nach Plänen von Léon Hertling (1867-1948) erbaut. Im Verlauf der Jahre bauen die Schwestern das im architektonischen Stil der Neorenaissance erbaute Gebäude mehrmals um, bis der mediterrane Stil des Hauses ganz verloren geht. Die mit italienischem Dekor verzierte Konstruktion aus vorgefertigten Stahlbetonelementen wird entfernt. In den 1930er-Jahren kommt ein überdachter Verbindungsgang zwischen der Villa Felix und der Akademie hinzu, und 1951 weicht das Terrassendach einem dritten Stockwerk.
Ab den 20er-Jahren des 20. Jahrhundert nimmt der Lärm im einst abgelegenen Pérolles zu. Die Überbauung des Boulevards und die Eröffnung der Pérolles-Brücke im Jahr 1922 sorgen für ein höheres Verkehrsaufkommen. Infolge dieser Entwicklung wird der Garten der Akademie zu einem Hort der Ruhe und des Friedens, der einen Gegenpol zu der nach Ansicht der Schwestern bedrohlichen Aussenwelt darstellt.
Ungebremst steigende Schülerinnenzahlen führen im Verlauf der 50er-Jahre einmal mehr zu Raumnot und drängen nach Lösungen. Auf der Suche nach zusätzlichen Schlaf- und Arbeitsräumen für die Schülerinnen kaufen die Schwestern 1957 eine weitere Nachbarvilla hinzu: das „Schlössli“. Das bis heute zum Besitz der Menzinger Schwestern gehörende Haus vermag die Aufnahmekapazität nicht grundlegend zu erhöhen. Deshalb erweitert man das Gebäude der Akademie 1958/59 mit einem neuen Flügel. Die Baumassnahme basiert im Kern auf den seit 1938 vorliegenden Bauplänen der Architekten Fernand Dumas (1892–1956) und Denis Honegger (1907–1981) und bringt vorübergehende Entspannung, bricht aber rein äusserlich mit dem Baustil des Gebäudes. Da die Schwestern die Baukosten nicht alleine tragen können, kommt ihnen der Staat Freiburg mit der vertraglichen Regelung entgegen, das kantonale Mädchengymnasium zukünftig mit einem jährlichen Zuschuss zu unterstützen. Im Gegenzug besteht er bei Entscheidungen, die das Gymnasium betreffen, auf mehr Einflussnahme.
Weiterhin ansteigende Schülerinnenzahlen in den 1960er- und 70er- Jahren lassen den Raummangel zu einem immer dringlicheren Dauerproblem werden. Die Situation grenzt an einen Alptraum, doch keine der realisierten Lösungen vermag wirklich zu befriedigen. Beengt in provisorischen, in über die ganze Stadt verstreuten Gebäuden, vollzieht sich der Schulbetrieb unter immer fragwürdigeren Bedingungen. Ein Neubau erweist sich als unerlässlich, und die Schwestern stehen mit dem Staatsrat diesbezüglich in regelmässigen Verhandlungen. Gleichzeitig treffen sie eine Übergangslösung nach der anderen. Unter anderem bauen sie das Gebäude der Akademie in ihrem Inneren um (1970 verliert die Kapelle ihr historisierendes Dekor). 1966 erstellen sie zuerst in den Gärten, dann auf dem Areal der Villa Saint-Jean provisorische Pavillons. In diesem veralteten, 1970 vom Freiburger Staat erworbenen Gebäudekomplex bringen sie die Klassen der Oberstufen unter. Weiterer Unterricht wird verschiedenen Ortes in der Stadt durchgeführt: im kantonalen Technikum, an der Universität, im Haus Odet neben dem Kollegium Sankt Michael und in einem 1971 abgerissenen Pavillon beim ehemaligen Tramdepot am Chemin Ritter.
Die Situation grenzt ans Groteske, als 1978 auf dem Gelände von Saint-Jean das Haus Bossuet einem Brand zum Opfer fällt. Damit reicht es! Die Schwestern entscheiden sich nun definitiv für einen Neubau. Unterstützung erhalten sie von den Lehrpersonen, zahlreichen Eltern, der Presse und vom Grossen Rat, der sich insbesondere für einen Neubau samt Sporthalle ausspricht. Das Projekt wird dem Volk zur Abstimmung vorgelegt und von diesem angenommen, so dass der Prozess im Winter 1979 endlich in Gang kommt. Dem Neubau müssen die veralteten Gebäude der Villa Saint-Jean weichen – mit Ausnahme der denkmalgeschützten Villa Gallia, in der seit dem Jahr 2000 eine Gedenktafel an Antoine de Saint-Exupéry erinnert, der zwischen 1915 und 1917 dort zur Schule ging.