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Steckbrief
Gefährdungsgrad: verletzlich (VU)
Nationale Priorität: mittel (3)
Merkmale:
- Kopf und Körper abgeflacht
- Rücken mit dunkel bedornten Warzen
- Oberseite bräunlich, grau bis lehmfarben
- Bauch auffällig gelb-schwarz oder gelb-dunkelgrau gemustert
- Schnauze gerundet
- Pupille herz- oder umgekehrt Tropfenförmig
- Trommelfell nicht sichtbar
- Männchen zur Fortpflanzungszeit mit dunklen Brunstschwielen an Unterarmen, Fingern und meist auch an Zehen
- Füsse mit Schwimmhäuten, die bis an die Zehenspitzen reichen
Beschreibung
Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) wird kaum 5 cm gross, hat einen ovalförmigen Körper und eine stark warzige Haut. Mit ihrer lehmbraunen Rückenfärbung ist sie in ihrer typischen Umgebung hervorragend getarnt. Unverwechselbar ist der gelb und schwarz bis bläulich gemusterte Bauch, der eine individuelle Erkennung erlaubt.
Nur während der Paarungszeit sind Männchen mit ihren schwarzen Schwielen an Unterarm und Daumen von Weibchen zu unterscheiden. Der Paarungsruf der Männchen ist ein leises, regelmässiges «uh - uh – uh», das sie oft frei auf der Wasseroberfläche schwimmend ausstossen.
Die Eier werden einzeln oder als kleine Klumpen im flachen Wasser an Pflanzen, Zweige oder direkt auf den Gewässerboden geklebt. Meistens sind die Eier oberflächlich getrübt. Die Kaulquappen sind graubraun gefärbt, eiförmig und haben einen gewölbten Schwanz, dessen Ansatz bis zur Rückenmitte reicht. Auffallend ist besonders bei jungen Kaulquappen eine durchsichtige Aussenhaut. Der Flossensaum ist ausserdem mit netzartigen Linien versehen. Zu verwechseln sind ausgewachsene Tiere und Kaulquappen mit der verwandten Geburtshelferkröte.
Ökologie
Gelbbauchunken können im Freiland mindestens 15 Jahre alt werden. Eine Population kann demnach mehrere Jahre ohne Fortpflanzung überdauern. Die Geschlechtsreife erreichen die Unken in der Regel nach zwei Überwinterungen.
Die Paarungszeit dauert von Ende April bis Anfang August mit einem Höhepunkt im Mai und Juni. Die Männchen halten sich oft längere Zeit im Laichgewässer auf. Weibchen kommen meistens nur nach Regen zur Laichablage ans Wasser.
Ein Weibchen legt pro Sommer bis zu 200 Eier, oft aber weniger als 50. Es kann mehrmals im Sommer Eier ablegen. So wird das Risiko verteilt, das die wenigen Nachkommen gefressen werden oder vertrocknen. Die Entwicklung der Kaulquappen dauert ein bis zwei Monate.
Von April bis September sind immer wieder Unken im Wasser anzutreffen. Es findet aber ein ständiger Individuenaustausch statt. Der überwiegende Teil der Tiere hält sich versteckt an Land auf.
Unken gelten als wanderfreudig und können neue Lebensräume über mehrere Kilometer hinweg besiedeln. Solche Neubesiedlungen erfolgen weitgehend durch Jungtiere. Alttiere erweisen sich dagegen oft als ausgesprochen ortstreu und können jahrelang an einem Ort ausharren, der für die Fortpflanzung nicht mehr geeignet ist.
Oft sind Gelbbauchunken am Tag im Wasser zu beobachten. Die grösste Aktivität findet aber nachts statt. Die Nahrung der Unken besteht aus allerlei lebenden Kleintieren, die sie am Boden finden. Unken verfügen über ein hochgiftiges Hautsekret, das sie vor Bakterien wie auch vor Fressfeinden schützt. An Land sind besonders Vögel und grosse Laufkäfer gefährliche Feinde. Die Kaulquappen sind eine leichte Beute für Fische, Molche, räuberische Insekten und Vögel.
Verbreitung
Die Gelbbauchunke ist von den Pyrenäen über Mitteldeutschland und Italien bis nach Griechenland und ans Schwarze Meer verbreitet. Es werden mehrere Unterarten unterschieden. Im Norden und Osten wird sie in tieferen Lagen von der nahe verwandten Rotbauchunke abgelöst.
In der Schweiz ist die Gelbbauchunke auf der ganzen Alpennordseite bis gegen 700 m ü. M. verbreitet. In Einzelfällen wurden Tiere bis auf 1600 m ü. M. gefunden
Gefährdung und Schutz
Die Gelbbauchunke ist in der Schweiz gefährdet, regional sogar stark gefährdet und hat im letzten Vierteljahrhundert einen starken Bestandesrückgang erlitten. Bereits im 19. Jahrhundert haben die grossen Flusskorrektionen zu einem Verlust von Lebensräumen geführt. Dramatisch war der Rückgang von Vorkommen aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem seit den 80er Jahren.
Die wichtigsten Ursachen für den Verlust von Lebensräumen der Unken sind die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Verbauung von Flüssen, die Technisierung der Landwirtschaft und der Bauindustrie sowie die Ausräumung von Randstrukturen und Brachland.
Vorrangig sind räumlich vernetzte Vorkommen zu erhalten, in denen langfristig günstige Bedingungen gewährleistet werden können. Dabei sind auch kleine Vorkommen mit weniger als 20 Tieren von Bedeutung. Bereits geringfügige Nutzungsänderungen können die Vermehrung der Unken unterbinden. Eine regelmässige Kontrolle der Vermehrung ist die Voraussetzung für rechtzeitige Eingriffe zur Bestandeserhaltung.
Zur Förderung von Gelbbauchunken ist den Flüssen wieder mehr Raum und ihre natürliche Dynamik zurück zu geben. Im Kulturland sind wieder vermehrt sonnige, ständig offen gehaltene Feuchtstellen mit temporären Kleingewässern sowie versteckreiche, feuchte Krautfluren und Gehölze anzubieten. Angebot und Dauer-haftigkeit der Laichgewässer können von Jahr zu Jahr durchaus schwanken, wenn mehrere verschiedene Wasserstellen nahe beieinander vorhanden sind.
Lebensraum
Natürliche Lebensräume der Gelbbauchunke sind Flusstäler, Auen, Riedgebiete, feuchte Wälder und Rutschgebiete. In der Kulturlandschaft besiedelt sie heute vor allem Abbaugebiete sowie Bau- und Deponiegelände mit Feuchtstellen. Früher scheint sie häufig in der Umgebung von Bauernhöfen, auf Weiden sowie an Fahrwegen mit wassergefüllten Karrengeleisen und Gräben vorgekommen zu sein.
Als Laichgewässer eignen sich warme, flache Kleingewässer. Die Kaulquappen ertragen sehr hohe organische Belastung des Wassers wie auch hohe Temperaturen bis zu 36 °C und sogar kurzfristige Trockenheit. Günstige Laichgewässer führen im Sommer mindestens 3 Monate lang Wasser, trocknen aber jedes Jahr aus oder werden ausgespült. Durch das Austrocknen werden potenzielle Fressfeinde eliminiert.
Die Unke vermeidet kühle, tiefgründige und dauernd wasserführende Weiher, wo ihre Kaulquappen von Feinden aufgefressen werden. Sie geht dafür das Risiko ein, dass die Kaulquappen in einem austrockenden Gewässer sterben. Die Laichgewässer können Regentümpel, stehende Pfützen in Rinnsalen oder gelegentlich ausgespülte Tümpel am Rand von Fliessgewässern sein. Gern werden sonnige, wenig befahrene Radspurtümpel zur Laichablage genutzt.
Landlebensräume müssen ganzjährig genügend Bodenfeuchtigkeit und Verstecke aufweisen. Dazu eignet sich die Streuschicht von Krautfluren, liegendes Holz oder Gras sowie lockerer Waldboden.