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In zwei Wochen stimmen die Reformierten über einen Bau-kredit von 1,8 Mio. Franken ab für den Umbau und die Sanierung des Pfarrhauses neben der reformierten Kirche.
Das Pfarrhaus könnte viele Geschichten erzählen. Generationen von Pfarrfamilien wohnten darin. Platz für die kinderreichen Familien und die Amtsräume war ausreichend vorhanden. Das Haus hat 11,5 Zimmer. Die Zeiten haben sich geändert: Die Familien sind kleiner geworden, die Pflicht für Pfarrpersonen, im Pfarrhaus zu wohnen, besteht nicht mehr.
Während der letzten zehn Jahre bewohnten Studentinnen das Haus. Ende Januar zogen sie aus. Die Kirchenpflege nahm den Wegzug zum Anlass, die Zukunft des Hauses zu planen. Die Mieterträge der letzten Jahre hatten nicht ausgereicht, um das Haus zu unterhalten. Der Unterhalt musste aus Steuermitteln mitfinanziert werden.
Im Mittelpunkt des gut erhaltenen Wädenswiler Ortskerns liegt der vielseitig gestaltete Kirchenbezirk. Er besteht aus der Kirche und dem Pfarrhaus, samt Umgebung. Das schöne, klassisch gebaute Pfarrhaus ist 260 Jahre alt. Es steht im regionalen Inventar schützenswerter Gebäude. Aussen ist das Haus in einem guten Zustand. Innen besteht ein grosser Sanierungsbedarf. Die letzte Renovation liegt 35 Jahre zurück. Die grosse Zimmerzahl entspricht nicht mehr den heutigen Bedürfnissen. Der wertvolle Raum soll besser genutzt werden. Verschiedene Nutzungen wurden geprüft. Als beste Variante erwies sich die Unterteilung in zwei Wohnungen. Dieses Konzept und der generelle Sanierungsbedarf wurden in einem Vorprojekt genauer untersucht.
Mit wenigen strukturellen Veränderungen ist es möglich, das Haus in zwei Wohnungen umzubauen: eine 4,5-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss mit einer Wohnfläche von 135 m2 und eine 7,5-Zimmer-Duplex-Wohnung im Ober- bzw. im Dachgeschoss mit einer Wohnfläche von 220 m2. Die Küchen und Nasszellen werden neu erstellt. Die baugeschichtlichen Bodenbeläge werden möglichst freigelegt und aufgefrischt. An der Westseite werden zwei feingliedrige Balkone angebaut. Sie sind von der Schönenbergstrasse aus nicht sichtbar. Die Balkone werten die Wohnungen auf. Sanitär- und Stromleitungen werden rundum erneuert, die Radiatoren ersetzt. Der Estrichbo-den, das seitliche Unterdach und die Aussenwände werden lückenlos von innen gedämmt, die Fenster durch Isolierglasfenster ersetzt. Zwischen den Wohnungen wird eine Schallschutzdecke eingezogen.
Die Stadt Wädenswil erachtet das Vorprojekt als grundsätzlich bewilligungsfähig. Mit der Denkmalpflege wurden die Eckwerte eines Unterschutzstellungsvertrags auf der Basis des Vorprojektes vereinbart.
Die Projektkosten für die tiefgreifende Sanierung und den Umbau belaufen sich auf 1,76 Mio. Franken. Darin enthalten ist eine Reserve von rund 10%. Den Reformierten vorgelegt wird ein Baukredit von aufgerundet 1,8 Mio. Franken. Die Finanzierung erfolgt aus eigenen Mitteln sowie aus einem Darlehen.
Es ist vorgesehen, die renovierten Wohnungen zu Quadratmeterpreisen im mittleren Segment zu vermieten. Die Kirchenpflege rechnet mit jährlichen Einnahmen von rund 95 000 Franken. Sie erwartet, dass sich das Pfarrhaus künftig selbst trägt und einen kleinen Beitrag an die Liegenschaftenrechnung leistet. Auch eine Pfarrfamilie könnte in eine der neuen Wohnungen einziehen.
Die Sanierung und der Umbau des Pfarrhauses sind sinnvoll. Das Projekt sichert die historische Bausubstanz, verbessert den ökologischen Fussabdruck des Hauses und schafft attraktiven Wohnraum. Ohne Umbau müssten die Unterhaltskosten weiterhin aus Steuermitteln mitfinanziert werden.
Seit Mitte März ist das Pfarrhaus wieder belebt. Drei ukrainische Flüchtlingsfamilien wohnen darin. Die Kirchgemeinde wird die Situation rechtzeitig vor dem geplanten Baubeginn Anfang April 2023 neu beurteilen. (e)