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Gerecht gesprochen aber wird ein Mensch aufgrund seines Glaubens, nicht aufgrund seiner Taten.Römer 4:5
Paulus leitet von der Geschichte Abrahams her, dass wir aufgrund unseres Glaubens gerecht gesprochen werden, nicht aufgrund von Werken.
Auf der anderen Seite steht bei Jakobus:
So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein.Jakobus 2:24
Jakobus leitet dies von genau derselben Aussage her:
Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.1. Mose 15:6
Wer hat jetzt recht? Zum Glück sagt Jakobus „nicht durch Glauben allein„. Das lässt ein Türchen offen. Und doch bleibt ein schaler Nebengeschmack.
Schon Luther hatte Probleme damit. Jakobus schien ihm zu werkorientiert, auf eine Art zu katholisch. Eigentlich wollte Luther den Brief aus dem Kanon kippen.
Viele Erklärungsversuche wurden unternommen. Was ganz klar zu sein scheint: Jakobs sieht eine Zusammenarbeit von Glaube und Werken, aber erst beide zusammen führen dazu, gerecht zu sein. Paulus aber sieht den Glauben als notwendige und hinreichende Voraussetzung an.
Das ganze scheint zu funktionieren, wenn wir den beiden Männern ein unterschiedliches Verständnis von Glauben zugestehen:
Für Paulus scheint es klar zu sein, dass Glaube immer Taten nach sich ziehen wird, während Jakobus vom tatenlosen, akademischen, theoretischen Glauben, vielleicht sogar von einem Lippenbekenntnis spricht.
Problematisch ist, dass beide dasselbe Wort verwenden. Noch problematischer, dass eine Annahme, dass beide unter dem Wort etwas anderes verstehen, einige theologische Konzepte zum Wanken bringt. Wir können dann nicht ein homogenes Verständnis des Wortes Glauben im neuen Testament voraussetzen.
Wie können wir dann voraussetzen, dass wir heute unter einem Wort, einem Gedanken dasselbe verstehen? Wenn wir aber unterschiedliche Interpretationen desselben Wortes haben, werden wir in unserer Theologie deutliche Unterschiede haben, und trotzdem die gleichen Worte verwenden.
Es wird demnach sehr schwierig, eine einheitliche, absolute Wahrheit abzuleiten.
Doch verfolgen wir den Gedanken des unterschiedlichen Verständnisses mal. Was sagen die beiden dann aus?
Für Paulus bedeutet Glauben Vertrauen. Er grenzt also ab: es sind nicht unsere Taten, die uns gerecht sprechen, sondern unser Vertrauen in Gott.
Für Jakobus bedeutet Glauben ein Glaubenssystem. Er grenzt anders ab: es ist nicht unser Befolgen irgendwelcher Glaubenssätze, welches uns gerecht spricht, sondern es müssen daraus auch Taten fliessen.
Für Paulus ist es die Beziehung, für Jakobus sind es die Früchte, die wir bringen.
Wie heisst es bei den zehn Geboten:
Ich bin der Gott, der Euch aus Ägypten gebracht hat. Bleibt in einer Beziehung mit mir, und ihr werdet keine anderen Götter neben mir haben, nicht morden etc.
Wie heisst es bei Jeremia: ich werde mein Gesetz auf Euer Herz schreiben.
Eine Beziehung verändert mich, und das zeigt sich in meinen Gewohnheiten und Reaktionen.
Ein Wort noch zu diesen Handlungen. In 1. Petrus 4:10-11 legt uns Petrus nahe, dass wir alle entsprechend unserer Begabungen handeln. Es geht also nicht darum, dass wir alle die gleichen Früchte bringen, ja nicht einmal darum, dass wir alle praktische Taten vollbringen.
Ein Lehrer wird lehren, ein Forscher forschen, ein Pastor betreuen, ein Leiter leiten, ein Apostel wird gründen, ein Fürbitter beten, ein Lobpreiser anbeten. Andere werden praktische Dienste anbieten.
Natürlich gibt es Dinge, die wir alle tun werden.
Doch was heisst es nun eigentlich, gerecht gesprochen zu sein.
Die Aussage ruht auf einem Vers im alten Testament, also auf einem hebräischen Text.
Das Wort heisst eigentlich nicht „Gerechtigkeit“. Es heisst „auf dem Weg sein“. Gerechtigkeit hat etwas von einem Ziel, während „auf dem Weg sein“ ein wachstümliches Voranschreiten beinhaltet. Den Weg eben. Und wie nannte sich Jesus? Der Weg. Dieser Weg also ist Gott.
Das Wort, welches mit „anrechnen“ übersetzt wird, heisst eigentlich „durchweben“.
Was heisst es nun, gerecht gesprochen zu werden? Es bedeutet, dass Gott seine Gedanken mit unseren durchwebt und durchdringt, während wir den Weg gehen.
Was aber heisst jetzt „Glauben“? Das Wort amen ist hier in der Zeitform Hifil. Es bedeutet, sich selber bauen oder etablieren.
Also könnten wir etwa das sagen: Abrahams Reaktion auf Gottes Worte war, sich selber zu etablieren in den Gedanken Gottes auf dem Weg.
Oder anders: Abraham übernahm, was Gott über ihn glaubte, und so blieb er auf dem Weg.
Und was glaubte Gott von Abraham? Gott nannte Abraham seinen Freund in Jesaja 41:8.
Das Wort für Freund wird 209 mal in der Bibel mit Liebe übersetzt, und 9 Mal mit Freund. Gott sagt also zu Abraham, dass er seine Liebe sei. Und die zwei werden eins.
Wenn wir also Gottes Gedanken über uns glauben, dann heisst das: wir sind er. Wir sind eins mit Gott.
Dies hat natürlich Konsequenzen. Wenn wir glauben, dass wir eins mit Gott sind, dann werden unsere Handlungen entsprechend sein. Wir werden auf dem Weg gehen, denn der Weg ist Gott. Ja wir werden sogar zum Weg für andere, den wir sind eins mit Gott.
Gott ist eine Person. Gott ist aber auch ein Prinzip, und Gott ist eine Kraft.
Wenn wir aber eins mit Gott sind, sind wir eine Person. Eine Person mit individuellen Begabungen und Berufung.
Wir sind ein Prinzip. Wir sind in Partnerschaft mit Gott. Wie sagt Gott zu Mose am Roten Meer? Warum fragst Du mich? Strecke den Stab aus, verwende die Autorität, die ich Dir gegeben habe. Wie sagt Jesus zu den Jüngern? Warum weckt ihr mich? Sprecht doch einfach zu dem Sturm, das könnt ihr.
Denn wir sind eine Kraft.
Ich selber habe das noch nicht begriffen, aber ich bin auf dem Weg. ich habe meine Gedanken noch nicht verwoben mit Gottes Gedanken, aber ich habe das Denken Christi. Ich glaube noch nicht, was Gott von mir glaubt, aber ich vertraue ihm.
Glauben und Werke sind eins, genauso wie Gott und wir eins sind. Aus dem Glauben fliessen Werke, und aus Gott fliessen wir.
Glaube also ist das Hineinwachsen in die Tatsache, dass Gott und ich eins sind. Das ist der Weg, und das zeigt sich eindeutig in meinem Handeln.
Paulus und Jakobus haben recht, und es steckt so viel mehr in dieser Aussage, als nur das Befolgen von Glaubensgrundsätzen und Gehorsam, das Richtige zu tun und Busse.
Ach, wie klein ist doch unser Denken.