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Welche Zukunft für den französischen Schienengüterverkehr?
SNCF im Gütersturm
In Frankreich ist der Güterverkehr im dauerhaften Rückgang. Die französische Regierung hat nun angekündigt, dass sie 7 Milliarden Euro einschiessen will, um den Schienengüterverkehr neu anzustossen. Die Gewerkschaften lehnen den Plan ab, weil er die Hauptlinien durch die Gründung privater Transportgesellschaften forciert, aber die Verteilung in der Region aufgibt.
Die Eisenbahner der SNCF machen Reorganisation um Reorganisation durch, genau wie jene der SBB auch. Die Gewerkschaften warnen vor einem Verlust an Lebensfreude, der sich im Unternehmen ausbreite. Viele Mitarbeitende haben ihre «Heimat » verloren. SNCF-Chef Guillaume Pepy hat das Problem erkannt und für November Gespräche mit den Gewerkschaften angekündigt, um diese Stresssymptome zu diskutieren.
Güterverkehr vor dem Ruin
Allerdings werden die französischen Eisenbahner nicht um eine tief greifende Reorganisation des Güterbereichs herumkommen. Dieser befindet sich praktisch im freien Fall. In den letzten zehn Jahren ist die transportierte Menge von 54 auf 33 Milliarden Tonnenkilometer zurückgegangen (– 40 %). Und für 2009 rechnet die Gütersparte der SNCF mit einem Verlust von 600 Millionen Euro. Eine Überprüfung hat vor kurzem den Wagenladungsverkehr, also Züge mit Wagen unterschiedlicher Kunden, als Hauptverantwortlichen der Einbussen herausgehoben. Die Einzelwagen machen 40 Prozent des Verkehrs aus, fahren aber 70 Prozent der Verluste ein.
Der Reformplan
Mitte September haben die französische Regierung und die SNCF einen Reformplan angekündigt, der den Staat 7 Milliarden Euro kosten wird. Er sieht die Streichung von zwei Dritteln des Wagenladungsverkehrs vor. Dieser Schlankheitskur stehen Entwicklungspläne für Hochgeschwindigkeitsgüterzüge (TGV fret) und Rollende Landstrassen gegenüber.
Liberalisierung
Weiter sieht der Reformplan vor, private Filialen zu gründen, um den Ertrag des Güterverkehrs durch Wettbewerb zu verbessern. Wobei zu bemerken ist, dass Frankreich bereits reichlich Wettbewerb im Güterverkehr kennt. Neben der SNCF sind sieben weitere Unternehmen aktiv: Veolia, EuroCargoRail, Colas Rail, B-Cargo, Europorte 2, CFLCargo und VFLI. Der Marktanteil der neuen Firmen steigt laufend, von 8,3 % im Dezember 2008 auf 12 % im Mai 2009, gemäss den Zahlen des Infrastrukturbetreibers Réseau Ferré de France RFF.
Gewerkschaften ablehnend
Die Reaktionen der Gewerkschaften auf diese Pläne sind verschieden. Die CFDT hat erklärt, «dass man die Zukunftsprojekte zwar begrüssen kann, wobei aber der Stellenabbau und die Sicherung der sozialen Gerechtigkeit innerhalb des Schienengüterverkehrs problematisch sind». Die CGT ihrerseits findet, «die Güterverkehrsprojekte dürfen nicht dazu dienen, 60 Prozent des Wagenladungsverkehrs zu streichen; 6000 Eisenbahner werden zurückgestuft oder ausgelagert ».
Am 20. Oktober haben CGT, CFDT und SUD Rail das Bahnpersonal zum Streik aufgerufen, um von der SNCF echte Verhandlungen über die Güterverkehrsreform zu fordern.
AC / pmo