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Gründer der Stadt Lenzburg waren vor 1241 die Grafen von Kyburg. Sichtbarer Ausdruck des von den Habsburgern 1306 verliehenen Stadtrechts sind die letzten, heute unter Denkmalschutz gestellten Stadtmauerteilstücke an der Promenade und am Graben.
Die Altstadt weist einen hufeisenförmigen Grundriss auf, mit einer breiten Hauptgasse (Rathausgasse) und je einer parallelen Nebengasse im Süden und Norden sowie der am unteren Ende quer zur Rathausgasse verlaufenden Kirchgasse.
Die charmante Altstadt mit ihren Gassen, Plätzen und Brunnen ist nicht nur Wohn- und Lebensraum, sondern hat ihren Charakter als gewachsenes Einkaufs- und Dienstleistungszentrum bewahrt.
Seit der Umgestaltung 1989 präsentiert sich die verkehrsfreie Rathausgasse wieder als grosszügiger Gassenmarkt im Zentrum der Stadt, wie sie es bis Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen war. Damals passte man die mitten durch die Altstadt führende Bern-Zürich-Strasse den Erfordernissen des zunehmenden Verkehrs an: Das Obere Tor beim Kronenplatz wurde bereits 1823 abgebrochen, das Untere Tor in der Kirchgasse 1841; nach Plänen des Ingenieurs Alois Negrelli (Erbauer des Suez-Kanals) erhielt die Rathausgasse 1856 eine ausgeglichene Steigung und wurde um bis zu drei Stufen tiefer gelegt als die vorhandenen Hauseingänge.
Dadurch entstanden die das Gassenbild während mehr als eines Jahrhunderts prägenden hohen Trottoirs mit der wie ein Kanal wirkenden Fahrbahn in der Gassenmitte.
Stadtkirche
Lenzburg gehörte bis 1565 zur Kirche auf dem Staufberg. In der Stadt gab es lediglich eine Kapelle. Diese wurde nach dem Stadtbrand von 1491 in der Nordwestecke der mit Mauer und Graben umgebenen Stadt neu errichtet.
1667/68 wurde die Kapelle durch die heutige frühbarocke Saalkirche ersetzt, in deren Ostmauer der bereits 1601/02 errichtete Kirchturm schiefwinklig hineinragt. 1760/63 Einbau der Empore sowie der Orgel von Johann Konrad Speisegger mit Rokokoprospekt. Zugleich versah Jacob Mäusburger die Stadtkirche mit einer Stuckdecke im Stil zwischen Régence und Rokoko.
1973 wurde die Orgel im bestehenden Prospekt durch ein neues Instrument ersetzt. An der Nordwand finden sich Grabdenkmäler für im zweiten Villmergerkrieg von 1712 gefallene bernische Offiziere. 1938 wurden die Fenster in der Ostwand mit Glasmalereien von Paul Zehnder geschmückt. Der Taufstein von 1763 aus Marmor stammt vom Berner Möbelschreiner Mathäus Funk, der Abendmahlstisch um 1670 in Alabaster von Hans Henz.
Die Stadtkirche steht seit 1960 unter eidgenössischem und kantonalem Denkmalschutz.
Rathaus
Wohl seit der Stadtgründung (1306 wurde Lenzburg das Stadtrecht verliehen) stand an dieser Stelle das Rathaus. Das beim Stadtbrand von 1491 zerstörte und wieder aufgerichtete Rathaus war bereits im 17. Jahrhundert wieder baufällig.
Das Rathaus wurde 1676/77 und 1692 ff. in zwei Etappen an der Stelle seines mittelalterlichen Vorgängers nach einheitlichen Plänen errichtet. Zuerst 1677 der Ostflügel samt Mittelteil und Turm, von 1692 bis 1700 der Westflügel. Der barocke Bau ist bündig in die Häuserfassade eingefügt. In der Mitte wird das Rathaus durch einen in die Gasse ragenden schlanken Turm geteilt.
Diese Unterbrechung durch die Verlängerung des auf jedem Stockwerk vorhandenen Mittelgangs verdeutlicht die in zwei Etappen gebauten Gebäudehälften.Die Fassade zu beiden Seiten des Turms wird durch den Dreierrhythmus der hohen Doppelfenster bestimmt, deren Fenstergewände, mit Ohren und wulstig profilierten Bänken, von rahmenden Leisten umfasst und von einem flach geschwungenen Segmentgiebel bekrönt sind. Während die Fenster die waagrechten Linien am Bau hervorheben, betont der Turm die Senkrechte: Die Traufhöhe des Hauses um ein Geschoss überhöhend, endet er in einem barocken Helm mit vier volutenumsäumten Uhrgiebeln, aus denen sich, durch eine offene Laterne durchbrochen, eine schlanke achtseitige "welsche Haube" hebt.
Im 19. Jahrhundert war es Mittelpunkt der aufblühenden Theater- und Konzertkultur, bevor 1844 der Alte Gemeindesaal errichtet und 1864 zu einem Theatersaal erweitert wurde. Eine besondere kunstgeschichtliche Rarität ist die Rixheimer Tapete von 1815 im Sitzungszimmer im 2. Stock. Es ist eine handbedruckte Tapete aus der Manufaktur Jean Zuber in Rixheim, Elsass, welche eine Schweizer Landschaftsphantasie zeigt. Im Übrigen sind die Innenräume von der Renovation von 1940/41 geprägt. Das Rathaus steht seit 1960 unter kantonalem Denkmalschutz.
Einige Häuser der Rathausgasse sind von den spätgotischen Bauformen des 17. Jahrhunderts gekennzeichnet, andere sind von barocken Formen geprägt. Speziell erwähnt sei hier das Haus Rathausgasse 31, ein dreiachsiger Bau aus dem Jahre 1728 mit einem in der Mitte vorgebauten Erker und einer aus Muschelkalkplatten gefügten Fassade.
Stadtbibliothek
1638 wurde an dieser Stelle zusammen mit dem Turm des Unteren Tores der Spittel für Kranke und Gebrechliche errichtet. Dieses offenbar baufällige Gebäude wurde 1792/93 im Übergang Barock-Klassizismus durch den heutigen Bau ersetzt.
Die lateinische Inschrift über der Tür asylum si cogit egestas (Zuflucht, wenn die Not zwingt) verweist auf den Zweck des Gebäudes, das in einer Zeit ohne AHV, IV und Krankenversicherung den Gebrechlichen und Notleidenden eine Bleibe bot. Nachdem die ersten Bauten des Alterszentrums "Obere Mühle" zur Verfügung standen, wurde das Gebäude 1964 für die Stadtbibliothek umgebaut, die vordem im KV-Schulhaus untergebracht war.
An die geschlossene Mauerfläche rechts der symmetrisch mit Fenstern versehenen Fassade zur Kirchgasse war das 1841 abgebrochene Untere Tor angebaut. Von diesem stammt die hier angebrachte steinerne Löwenfratze. Das Haus steht seit 1960 unter kantonalem Denkmalschutz.
Ehemaliges Amtshaus
Das Amtshaus wurde in den Jahren 1844/45 an Stelle der städtischen Metzg (Schlachthaus) errichtet. Diese war 1844 im Erdgeschoss des Alten Gemeindesaals am Metzgplatz neu erstellt worden. Das Amtshaus diente fast ein Jahrhundert lang den Bezirksbehörden (Kantonspolizei, Bezirksamt, Bezirksgericht).
Später beherbergte es die Galerie Rathausgasse sowie die Büros der Amtsvormundschaft der Stadt und des Bezirks. Heute wird das Erdgeschoss von der Stadt als Forums- und Ausstellungsraum angeboten. Die Obergeschosse sind als Büros und Wohnungen vermietet.
Das spätklassizistische viergeschossige Haus mit drei Fensterachsen ist in der Gebäudemitte mit einer quer durchgehenden Halle mit dreiläufiger Treppe aufgeteilt. Der öffentlichen Bedeutung entsprechend ist das Erdgeschoss mit einer Vorhalle gegen die Hauptgasse geöffnet, zudem ist seine Dachtraufe gegenüber den angrenzenden Bürgerhäusern deutlich höher angesetzt. Das Gebäude steht seit 1976 unter kantonalem Denkmalschutz.
Alter Gemeindesaal
1843 fielen die Ringmauern, um dem im Jahre 1844 erbauten Theater-, Metzg- und Spritzenhaus Platz zu machen. Es war der erste empfindliche Eingriff in die bis dahin geschlossene Stadtanlage. 1864 Erweiterung des Mehrzweckgebäudes nach Süden mit Saaleinbau im Obergeschoss im romantischen Münchner Klassizismus mit einer dekorativ bemalten Decke. Sie wurde bei der Renovation des Gebäudes 1983 wieder entdeckt und restauriert und steht seit 1984 unter kantonalem Denkmalschutz.
Der Gemeindesaal war bis Mitte des 20. Jahrhunderts politisches und kulturelles Zentrum der Stadt. Nach der Einweihung des neuen Kronensaals im Oktober 1953 verfiel das Gebäude zusehends, diente nur noch als Lager und wäre beinahe abgerissen worden.
1983/84 wurde der Alte Gemeindesaal restauriert, die Arkaden im Erdgeschoss wurden geöffnet. Seither wird das Gebäude von der Öffentlichkeit, von Vereinen und Privaten wieder rege für Konzerte, Theater und Veranstaltungen genutzt. Die Arkaden beherbergen in den Wintermonaten den Wochenmarkt.
In der Aavorstadt wuchs Lenzburg im 18. Jahrhundert aus den engen Mauern des historischen Stadtkerns heraus. So finden wir auch hier viele historische Bauten. Besonders zu erwähnen sind:
Das Hünerwadelhaus, heute Handelsschule KV, Aavorstadt 2, wurde 1759/60 für Markus Hünerwadel als Handelshaus erbaut. Er ist der grösste Bau eines Handelshauses, den wir aus dieser Zeit im Aargau kennen. Das viergeschossige Gebäude mit acht Fensterachsen erscheint als übergrosses Bürgerhaus mit eigenartiger Verbindung von Stadt- und Landarchitektur.
Es wird von einem noch einmal so hohen Satteldach mit einem Gerschild von halber Dachhöhe überragt. Im zweiten Stock ist eine Rokoko-Stuckdecke von Jakob Mäussburger erhalten geblieben.
Das Privathaus Aavorstadt 1 wurde 1852 an einer städtebaulichen Schlüsselstelle erbaut. Der spätklassizistische Monumentalbau erhält seinen Hauptakzent durch einen vierstöckigen Eckturm, der an italienische Quattrocento-Palazzi erinnert.
Das Haus im Hof, Grabenweg 4, ist ein 1780/81 in den Übergangsformen vom Barock zum Klassizismus erbautes Wohnhaus.
Das Wirtshaus zum alten Landgericht, Aavorstadt 18, wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als gemauerter Unterbau mit leicht vorragendem Fachwerk-Oberbau und geschweiften Zierhölzern erbaut. An die abgeschrägte Gebäudedecke fügt sich ein schmucker polygonaler Erker.
Wohl selten findet man eine so vollständig erhaltene reizvolle Vorstadtanlage aus dem 18. und 19. Jahrhundert wie an der Lenzburger Schützenmattstrasse. Mit der Pflästerung, den die Gärten abschliessenden steinernen und geschmiedeten Einfriedungen und der bergseitigen Stützmauer atmet schon die Strasse selbst ein Stück Geschichte, und die aus ihrer wohlgestalteten Umgebung grüssenden Villen runden das Bild ab.
Von der Altstadt her gesehen bildet das Gasthaus zur Krone, Kronenplatz 20, den markanten Auftakt zur Schützenmattstrasse. Das 1760/70 errichtete Gasthaus ist in mehreren Etappen erbaut und umgestaltet worden. An der frontseitigen Giebelfassade beeindrucken figürlich geschnitzte Büge und ein reich geschmiedetes Tavernenschild den Betrachter.
Auf der Bergseite der Strasse grüssen, oberhalb der Stützmauer, etwas zurückversetzt, ein zweigeschossiges klassizistisches Wohnhaus, und bei der Abzweigung des Steinbrüchliweges das um 1735 errichtete Gebäude Steinbrüchliweg 2.
Das stolzeste und prächtigste Gebäude an der Schützenmattstrasse ist das bergseitig gelegene dreigeschossige Haus Steinbrüchliweg 1, erbaut 1767/68, dessen Gestalt mit dem Hünerwadelhaus an der Aavorstadt 2 und dem sogenannten Heumannhaus an der Schlossgasse 2 verwandt ist.
Ihm folgt einige Schritte weiter das 1768 vorerst als Tabakfabrik errichtete, später zum Wohnhaus umgebaute Haus Schützenmattstrasse 6.
Linker Hand vollenden die 3 klassizistischen Villen das städtebauliche Ensemble, nämlich die 1837/38 errichtete Villa Alice, das Rosenhaus (1840, Nr. 5) und die Villa Malaga (1840, Nr. 7).