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Die Selbsttests erleben ein Revival, erzählen Apotheker. Sie sind sehr gefragt, obwohl man sie selber bezahlen muss. Ein Fünferkarton kostet rund 20 Franken. Den Befund bestätigt auch der Zulieferer Galenica der «Handelszeitung». Die Nachfrage nach Selbsttests in ihren Apotheken habe sich in der Woche vor Weihnachten verdreifacht verglichen mit der Woche davor. Und sie ist seither hoch geblieben.
Der wahrscheinlichste Grund: Die Leute wollen zwar Gewissheit, ob sie ansteckend sind. Aber sie wollen nicht den Staat einbeziehen. Man will nicht die Umtriebe für einen offiziellen Test – registrieren, anstehen, warten aufs Testresultat; und man will definitiv nicht eine Quarantäne oder Isolation aufgebrummt bekommen, sollte der Test positiv ausfallen. Lieber machen sie einen Selbsttest.
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Dies ist einer der Hauptgründe, warum Economiesuisse sich für die Reduktion der Quarantäne starkgemacht hat. Der Wirtschafts-Dachverband schreibt, die Motivation, sich «bei Symptomen tatsächlich testen zu lassen», würde steigen, sofern der Staat die Quarantäne verkürzt.
Man kennt das Phänomen aus der Verhaltensökonomie. Das Tun eines Menschen kann auf egoistischer, altruistischer oder auch selbstverantwortlicher Motivation basieren.
- Die Motivation ist egoistisch, wenn eine Person lediglich ihren Nutzen maximiert und versucht, persönliche Einschränkungen zu vermeiden.
- Die Motivation ist altruistisch, wenn eine Person vermeiden möchte, dass durch die Erwähnung einer Kontaktperson diese ebenfalls zu Einschränkungen gezwungen wird.
- Die Motivation ist selbstverantwortlich, wenn die Person auf der Basis der neuesten wissenschaftlichen Studien zur Erkenntnis gelangt, dass er nach fünf Tagen freiwilliger Isolation und keinen Symptomen, ohne andere zu gefährden, wieder ausser Haus gehen kann und eine zehntätige Isolation bei Omikron nicht wirklich nötig ist.
Bei allen drei Motivationsgründen gelte das Gleiche, sagt der Chefökonom von Economiesuisse, Rudolf Minsch: «Eine Verkürzung der Isolation- und Quarantänezeit erhöht die Motivation beziehungsweise reduziert die negativen Anreize, sich bei einer offiziellen Stelle testen zu lassen.»
Epidemiologisch sinnlos geworden
Dieses Verhalten kommt auch den Behörden entgegen. Sie beklagen, dass nur noch ein Teil der Infizierten sich offiziell testen lässt. Damit verschwindet die Sicht auf das wahre Infektionsgeschehen. Oder wie es Bundespräsident Ignazio Cassis sagte: Wir sollten uns testen lassen, um die Gewissheit zu haben, dass wir andere nicht anstecken.
Jetzt, mit dem Beschluss des Bundesrates, die Quarantäne- und Isolationszeit auf fünf Tage zu senken, kommen wir diesem Ziel ein bisschen näher. Noch besser wäre es, die Quarantäne ganz aufzuheben. Diese Diskussion hat der Bundesrat nun angestossen. Der Beschluss fällt in zwei Wochen.
Zumal die Wissenschaft am Dienstag (12.1.) eine Entwarnung gab: Es gibt bei einer so starken Verbreitung der Infektion in der Bevölkerung keinen Grund mehr, Leute zu Hause festzusetzen, die nur potenziell gefährdet sind.
Erstens heilt Omikron schneller ab als bisherige Virenstämme wie Delta. Zweitens dauert es derzeit fünf bis sieben Tage ab dem Zeitpunkt der Ansteckbarkeit, bis ein PCR-Test positiv ausgewertet ist und damit eine Quarantäne auslöst. Dann ist die Krankheit schon fast vorbei. Drittens ist die Wahrscheinlichkeit, andere anzustecken, für Leute in Quarantäne fast so hoch wie im Durchschnitt der Bevölkerung. Dies sagte gestern die Präsidentin der Task-Force, Tanja Stadler. Und viertens braucht man etliche Leute, die sich in Quarantäne befinden, um wichtige wirtschaftliche Funktionen ausführen.
Isolation für Symptomlose aufheben
Die schiere Zahl zeigt, wie schnell Angestellte in der Wirtschaft fehlen: Von Montag auf Dienstag wurden 70’000 Personen zusätzlich in Quarantäne gesetzt. Dies zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Für diese Menschen bedeutet der Beschluss des Bundesrates ab Donnerstag eine sofortige Verkürzung. Ab Montag können sie wieder frei aus dem Haus gehen und arbeiten.
Ob die Isolation für Infizierte ohne Symptome ganz aufgehoben wird, ist offen. Es gibt wissenschaftliche Stimmen, die bezweifeln, dass Isolationen jetzt noch viel nützen. Die Lage ähnle zunehmend eher einer starken Grippewelle wie im Jahr 2015. Damals hatte die Regierung auf eine Isolationspflicht verzichtet, trotz etlichen Grippetoten.
Doch darauf ist der Bundesrat nun noch nicht eingestiegen. Gesundheitsminister Alain Berset fürchtet, dass man der Regierung sonst später «das freie Herumlaufen von Infizierten» vorwerfen könnte. So sagte er es an der Pressekonferenz am Mittwoch.
Es wird noch etwas Zeit und einige echte Notlagen an der kritischen Infrastruktur brauchen, bis der Bundesrat so weit ist. Immerhin hat er den Kantonen die Kompetenz gegeben, einzelne Leute mit wichtiger Funktion von der Quarantäne und Isolation ganz zu befreien.