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Zentralasiatische Reitertruppen hielten sich mit Ballspielen fit, vermutet ein Wissenschaftlerteam der Universität Zürich. 3000 Jahre alt sind diese ältesten Lederbälle Eurasiens. Sie wurden in Reitergräbern der Stadt Turfan gefunden.
Ballspiele gehören heute zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen, Tennis oder Fussball sind weltweit Sportarten zur Massenunterhaltung. Aber wer erfand überhaupt Bälle, wo und wann? Die ältesten, derzeit bekannten Bälle wurden aus Leinen vor ungefähr 4500 Jahren in Ägypten gemacht. Mittelamerikaner spielten Bälle seit mindestens 3700 Jahren, wie aus monumentalen Stadien aus Stein und Darstellungen von Ballspielern zu schliessen ist. Ihre ältesten Bälle waren aus Gummi. Bisher glaubte man, dass Europa und Asien erst viel später folgten: Griechenland vor rund 2500 Jahren und China etwa 300 Jahre später.
Älteste bekannte Bälle in Eurasien
Wissenschaftler der Universität Zürich haben nun zusammen mit deutschen und chinesischen Forschenden drei Lederbälle mit Durchmessern zwischen 7,4 und 9,2 cm in Gräbern des alten Friedhofs Yanghai in der Nähe der Stadt Turfan im Nordwesten Chinas genauer untersucht. Die Forschungsergebnisse enthüllen ein Alter zwischen 3200 und 2900 Jahren für diese Bälle. «Damit sind diese Bälle etwa fünf Jahrhunderte älter als die bisher bekannten antiken Bälle und Darstellungen von Ballspielen in Eurasien», sagt Patrick Wertmann vom Asien-Orient-Institut der Universität Zürich. «Leider reichen die zugehörigen archäologischen Informationen jedoch nicht aus, um die Frage zu beantworten, wie diese Bälle genau eingesetzt wurden.»
Diese drei Lederbälle mit Durchmessern zwischen 7,4 und 9,2 cm aus den Gräbern der Stadt Turfan sind die ältesten Eurasiens. (Bild: UZH)
Die frühesten Bilder aus Griechenland zeigen laufende und die aus China reitende Spieler mit Stöcken. Vergleichbare gebogene Stöcke wurden zwar auch in Yanghai gefunden, jedoch nicht in direkter Verbindung mit den Bällen. Zudem sind sie auf einen jüngeren Zeitraum datiert. «Daher erweitern die Yanghai-Lederbälle weder die Geschichte von Hockey noch von Polo, auch wenn zwei der Bälle in Gräbern von Reitern gefunden wurden», so Wertmann.
Neue Ära der zentralasiatischen Reitertruppen
In einem der Reitergräber haben sich die Überreste eines Kompositbogens und von Hosen (1) erhalten, die damals in der Region hergestellt wurden und zu den ältesten der Welt gehören. Beides sind Anzeichen für eine neue Ära des Reitens, des Kampfes zu Pferd und grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen, die damals mit zunehmenden Klimaveränderungen und steigender Mobilität im östlichen Zentralasien einhergingen.
Simon Koshin: Polospiel in St. Moritz. Aquarell auf Papier, 2006. Wann und wo wurde das Reiterspiel mit Ball und Stock wohl erstmals gespielt?
Die aktuelle Studie zeigt, dass Bälle und Ballspiele als eine Form der körperlichen Ertüchtigung und des militärischen Trainings von Anfang an dazugehörten. Genau wie heute war Sport aber auch zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und diente der allgemeinen Unterhaltung. Die Studienergebnisse unterstreichen einmal mehr, dass diese Region vor mehreren Jahrtausenden eines der innovativen Zentren Eurasiens war.
Titelbild: Ähnlich wie heute in Kirgisien waren vor 3000 Jahren auch die Reiter aus der Region Turfan im Nordwesten Chinas unterwegs. (Bild: istock.com/Katlekk2)
Hier finden Sie den wissenschaftlichen Beitrag im Original (englisch).
Diese Forschungsarbeit ist Teil des internationalen Projekts Sino-Indo-Iranica rediviva, Asien-Orient-Institut der UZH.