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Folgende Überlegung hat einiges in mir Verändert. Frage: Woher kommt Geld? Vom Arbeitgeber? Von Banken? Vom Staat? Von guten Dingen, die du tust? Von der Zeit, die du in etwas investierst? Während meiner Auseinandersetzung mit meiner eigenen Einstellung zu Geld habe ich wiederholt diesen Satz gelesen: Geld kommt von anderen Menschen. Immer.
OK, und wieso geben mir andere Menschen Geld? Selbe Frage, anders formuliert: Wieso würde ich jemand anderem Geld geben? Geld ist mit Wert verknüpft und deswegen geben wir nur dorthin Geld, wo wir einen Wert wahrnehmen können. Und dieser Wert ist immer mit einer subjektiven Geschichte verknüpft. Mein Vater liebt es, in Restaurants zu gehen – es gibt ihm ein Gefühl von Freiheit und von Selbstwert. Das sind wertvolle Dinge, dafür gibt er gerne Geld aus. Ich gebe dafür Geld aus für Weiterbildungen, um mir immer wieder zu zeigen, dass ich alles lernen kann, was ich lernen will – das gibt mir das Gefühl von Freiheit und von Selbstwert.
Umgekehrt: Ich würde nie Geld für einen Fernseher ausgeben. Weder das Kaufen, noch das Besitzen, noch das Weiterschenken würde irgendein Bedürfnis von mir stillen. Kurz: im Kauf eines TVs liegt für mich persönlich kein Wert. Das wird für viele andere Menschen ganz anders sein (denn im letzten Jahr wurden weltweit über zweihundert Millionen Geräte verkauft).
Und jetzt stelle ich mir vor, wie ich gegenüber dem Fernsehmechaniker sitze und ihm klarmache, dass sein Handwerk für mich wertlos ist. Und im nächsten Augenblick sitze ich den Menschen gegenüber, die z.B. an den Veranstaltungen, die ich organisiere, nicht interessiert sind. Das heisst, es gibt in ihrem Leben keine Geschichte, in die sich z.B. das Männersymposium einfügen lässt. Kein spürbares Bedürfnis, welches von diesem Event in Erfüllung gehen würde.
Diese Überlegung führt mich zu folgender Tatsache: Wenn ich glücklich sein will und Dankbarkeit erfahren will, d.h. wenn ich der Welt dienlich sein will – was etwa in allen Religionen und spirituellen Lehren hoch priorisiert wird – dann muss ich mich mit den Geschichten anderer Menschen befassen. Ich muss herausfinden, was die Menschen, die an meine Veranstaltungen gehen, für Bedürfnisse haben, was sie sich für Geschichten erzählen, wie sich mein Angebot bei ihnen einfügt. Ich kann nicht davon ausgehen, dass wenn ich «tue, was mir Spass macht», die Resultate meines Tuns automatisch für andere Menschen Wert erzeugen. Das ist ein Logikfehler!
Natürlich ist es wichtig für die persönliche Zufriedenheit, Dinge zu tun, die einem Freude bereiten. Doch für die tiefgehende Erfüllung, die erst im Dienen erfahrbar wird, reicht das nicht. Der weit verbreitete Spruch «Mach, was dir Freude macht, und das Geld wird kommen.» ist somit leider Bullsh**. Das Geld kommt von anderen Menschen und folgt der subjektiven(!) Wertempfindung. Und wer bei anderen einen Wert erzeugen will, muss zuerst herausfinden, was für sie wertvoll ist und was nicht. Dienen heisst, sich in Geschichten anderer Menschen einfügen. Indem ich aus allen Taten, die mir Freude bereiten, die auswähle, die für andere Menschen wertvoll sind, lerne ich die Kunst des Dienens, kreiere Wert in Leben anderer – was sich in meinem Einkommen widerspiegeln kann.