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Gemeiner Wolfstrapp - Lycopus europaeus
Lycopus europaeus (syn. Lycopus aquaticus, L. vulgaris);
Wolfstrapp (syn. Gemeiner Wasserandorn, Gemeiner Wolfsfuss, Uferwolfstrapp, Zigeunerkraut)
VORKOMMEN
Der Ufer-Wolfstrapp ist in ganz Europa, Teilen Westasiens und den gemässigten Gebieten des östlichen Nordamerikas zu finden. Er wächst ziemlich häufig im Röhricht oder in Seggen-Beständen, an Ufern und Gräben, auch im Erlenbruch. Er kommt auf unterschiedlichen, aber meist zeitweise überschwemmten Böden vor.
MERKMALE
Der Ufer-Wolfstrapp ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 120 Zentimeter erreicht und lange unterirdische Ausläufer bilden kann. Er besitzt grob gesägte Laubblätter, wovon nur die unteren fiederteilig sein können. Stängel und Blätter spärlich behaart oder kahl. Blätter 2,5–5mal so lang wie breit. Die fast radiärsymmetrische, vierzählige Blüte des Ufer-Wolfstrappes besitzt weiss gefärbte Kronblätter, die mit kleinen purpurnen Pünktchen versehen sind.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Lycopi herba (syn. Herba Lycopi, Herba Marrubii aquatici, Lycopi europaei herba);
Lycopus-europaeus-Kraut (syn. Wasserandornkraut, Wolfsfusskraut, Wolfstrappkraut), die zur Blütezeit gesammelten und getrockneten oberirdischen Teile.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Hydroxyzimtsäurederivate, vor allem p-Cumar-, Kaffeesäure und
Rosmarinsäure. Im weiteren sind Flavonoide (Luteolin-7-glucosid und
Luteolin-7-glucuronid sowie Flavonolglykoside) vorhanden.
Cumarine, Gerbstoffe, Triterpene (Ursolsäure), sowie äther. Öl (ca. 0,2 %), mit Bornylacetat, Camphen, Campher, Geraniol, Limonen und Linalool wurden gefunden.
PHARMAKOLOGIE
Verantwortlich für die pharmakologische Wirkung sind vermutlich (unter anderem) die in der Pflanze vorhandenen Phenolcarbonsäuren, genauer die Hydroxy-Zimtsäure-Derivate. Sie wirken antigonadotrop (hemmt die Bildung und/oder die Freisetzung der Gonadotropine LH und FSH) und antithyreotrop (dämpfenden Effekte auf die Schildrüse), was experimentell nachgewiesen werden konnte. Der Prolaktin-Spiegel im Blut wird erniedrigt. Die Behandlung darf aber nicht plötzlich unterbrochen werden, und sie ist bei Unterfunktion der Schilddrüse und bei Schilddrüsenvergrösserung ohne Funktionsstörung kontraindiziert.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):
- Wirkungen: Antigonadotrop, antithyreotrop, Hemmung der peripheren Dejodierung von T4, Senkung des Prolaktinspiegels.
- Anwendungsgebiete: Leichte Schilddrüsenüberfunktion mit vegetativ-nervösen Störungen. Spannungsgefühl und Schmerzen in der Brustdrüse (Mastodynie).
- Gegenanzeigen: Unterfunktion der Schilddrüse, Schilddrüsenvergrösserung ohne Funktionsstörung.
- Nebenwirkungen: Bei Langzeittherapie und sehr hoch dosierter Lycopus-Medikation sind in seltenen Fällen Vergrösserungen der Schilddrüse möglich. Plötzliches Absetzen von Lycopus-Zubereitungen kann zu einer Verstärkung des Beschwerdekomplexes führen.
- Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Nicht bekannt.
Keine gleichzeitige Gabe von Schilddrüsenhormon-Präparaten.
Hinweis: Eine Anwendung von Lycopus-Zubereitungen stört die Durchführung einer Schilddrüsendiagnostik mit Radio-Isotopen.
- Dosierung: Die Dosierung liegt zwischen einer Tagesdosis von 1 bis 2 g Droge für Teeaufgüsse und wässrig-ethanolischem Extrakt entsprechend 20 mg Droge.
Hinweis: Jeder Patient besitzt seinen eigenen optimalen Schilddrüsenhormonspiegel. Es sind allenfalls grobe Anhaltspunkte für die Dosierung bei Schilddrüsenerkrankungen möglich, wobei Lebensalter und Körpergewicht zu berücksichtigen sind.
- Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge, Frischpflanzenpresssaft sowie andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen.
Als Arzneipflanze dienen die kurz vor der Blüte geernteten oberirdischen Pflanzenteile. Die daraus hergestellten Fertigpräparate werden bei leichter Schilddrüsenüberfunktion und deren Begleiterscheinungen wie Nervosität und Herzrasen eingesetzt; ferner bei Mastodynie (Schmerzen und Spannungsgefühl in der Brustdrüse). Die Wirkung bei leichter Schilddrüsenüberfunktion konnte in einer Studie bestätigt werden.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Nur nach Absprache mit dem Arzt verwenden.
In der Schweiz ist eine Urtinktur im Handel (CERES LYCOPUS EUROPAEUS URTINKTUR).
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - Keine Bearbeitung
- HMPC: - Keine Bearbeitung
- Klinische Studien: positiv
HOMÖOPATHIE
Lycopus europaeus HAB 1; die frischen, oberirdischen Teile.
Anwendungsgebiet: Bei Erkrankungen der Schilddrüse und des Herzens, unter anderem Herzklopfen, besonders bei Schilddrüsenüberfunktion.
WOLFSTRAPP IM GARTEN
Auch im Garten fühlt sich Wolfstrapp wohl, hier bevorzugt es einen Standort mit nährstoffreichem Boden, viel Sonne und viel Feuchtigkeut. Er hat es gerne wassernah, z.B. am Gewässerrand. Der Wolfstrapp ist auf Grund seiner auffallenden Blätter sehr gut für den Garten geeignet, zudem ist er absolut winterhart. Jungpflanzen bekommen sie in jeder guten Kräutergärtnerei.
SONSTIGES
Die Geschichte der medizinischen Verwendung des Europäischen Wolfstrapp scheint relativ kurz. Die ersten Hinweise auf die Anwendung bei Herzjagen und Herzschmerzen in Verbindung mit Angstgefühlen finden sich im Mittelalter.
Letzte Änderung: 02.04.2017 / © W. Arnold