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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Dritte Rede
11.
Da nun also auch diese ihre Ansicht als unziemlich und unvernünftig sich erweist, so muß man die Ähnlichkeit und Einheit auf die Substanz des Sohnes selbst beziehen. Denn wollte man sich nicht für diese Auffassung entscheiden, dann wird man ihn weder den geschaffenen Wesen gegenüber im Vorteil finden, wie [S. 257] wir gesagt haben, noch wird er dem Vater ähnlich sein, sondern er wird in den Lehren dem Vater ähnlich sein1. Er unterscheidet sich vom Vater, weil der Vater Vater ist, die Lehren und der Unterricht vom Vater sind. Wenn also nur hinsichtlich der Lehren und des Unterrichts der Sohn dem Vater ähnlich ist, so wird nach ihrer Ansicht der Vater nur dem Namen nach Vater sein; der Sohn aber wird nicht als unverändertes Bild erscheinen, ja vielmehr überhaupt nicht als dem Vater eigen oder ähnlich. Denn wo kann bei ihm die Rede sein von Ähnlichkeit und Eigenheit, wenn er vom Vater verschieden ist? Denn auch Paulus, der ähnlich wie der Heiland lehrte, war ihm der Substanz nach nicht ähnlich. Sie gehen also in die Irre, wenn sie diese Anschauung haben. Der Solm und der Vater sind vielmehr so Eins, wie wir gesagt haben, und der Sohn ist in der Weise ähnlich und stammt aus dem Vater selbst, wie man den Sohn in seinem Verhältnis zum Vater sehen und erkennen und den Abglanz im Verhältnis zur Sonne sehen kann. Bei dieser Stellung des Sohnes ist nämlich, wenn der Sohn wirkt, der Vater der Wirkende, und wenn der Sohn zu den Heiligen kommt, so ist es der Vater, der im Sohne kommt, wie er selbst verheißen hat in den Worten: "Ich und der Vater werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen"2. Denn im Bilde wird der Vater geschaut und im Abglanz ist das Licht. Deshalb gibt, wie wir kurz zuvor bemerkt haben, wenn der Vater Gnade und Friede verleiht, dies auch der Sohn, wie Paulus zu verstehen gibt, wenn er in allen Briefen schreibt: "Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus"3. Denn eine und dieselbe Gnade ist es, die vom Vater im Sohne gegeben wird, wie das Licht der Sonne und des Abglanzes Eines ist und die Sonne nur durch ihren Abglanz leuchtet. So hat er auch wieder im Segenswunsch für die Thessalonicher: "Er aber, unser Gott und Vater und der Herr Jesus Christus, lenke unsern Weg zu euch"4 [S. 258] die Einheit des Vaters und des Sohnes gewahrt. Denn er sagte nicht: "Sie mögen lenken", wie wenn von beiden, von diesem wie von jenem, die Gnade doppelt verliehen würde, sondern: "Lenke", um zu zeigen, daß der Vater sie durch den Sohn schenkt. Auf dies hin könnten die Gottlosen wenigstens erröten; doch sie wollen nicht.
1: Sieh im vorausgehenden Kapitel.
2: Joh. 14,23.
3: Röm. 1,7; 1 Kor. 1,3; Ephes. 1,2 u. a.
4: 1 Thess. 3,11.