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Für viele Migranten vom Land bietet der selbst organisierte Handel auf der Strasse die attraktivste Verdienstmöglichkeit.
Foto: Alexis Malefakis 2016
Strassenhandel ist in vielen Städten Afrikas weder ein seltenes, noch ein neues Phänomen. Zwar wird der selbst-organisierte Handel mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern des täglichen Gebrauchs häufig als informelle Wirtschaft bezeichnet und damit angedeutet, dass dieser Handel eine abweichende Form der richtigen, formalen Wirtschaft sei. In Städten aber wie Dar es Salaam in Tansania ist formale Arbeit mit Arbeitsvertrag, Urlaubsanspruch und geregeltem Einkommen aber die Ausnahme, nicht die Regel. Von den 4.5 Millionen Einwohnern verdienen mindestens 60 Prozent einen Teil ihres Einkommens oder aber ihr gesamtes Einkommen durch selbst-organisierte Arbeit. Und die Zahl der Strassenhändler wird auf zwischen 700 000 und 1.2 Millionen geschätzt.
Dar es Salaam ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Zur Zeit ihrer Gründung Ende des 19. Jahrhunderts lebten in einer kleinen Siedlung am Indischen Ozean etwa 5000 Menschen. Heute leben über 4.5 Millionen Menschen in der Stadt. In zehn Jahren werden es über 10 Millionen sein. Ein Grund für das rapide Wachstum der Stadt ist der ungebrochene Zuzug von Menschen aus den verarmten Dörfern des Landes, die in der Stadt auf eine bessere Zukunft hoffen.
Das ländliche Leben in Tansania ist von Armut gekennzeichnet: Die landwirtschaftliche Arbeit ist hart und die Erträge sind niedrig. Oft reichen sie nur für die Selbstversorgung der Menschen aus. Überschüsse, die auf Märkten verkauft werden könnten, können oft nicht erwirtschaftet werden. Alternative Einkommensmöglichkeiten gibt es oft nicht. Viele Menschen sind unterernährt. Weiterführende Bildungsmöglichkeiten und Gesundheitseinrichtungen kosten oft Geld und sind für viele Menschen unerschwinglich.
Im Heimatdorf der Schuhhändler in Südtansania gibt es nur Wasser aus dem Wasserloch zu trinken. Foto: Alexis Malefakis 2012.
Im Gegensatz dazu lockt die Stadt mit dem Versprechen bescheidenen Wohlstands: sauberes Trinkwasser, Elektrizität, Bildung und ärztliche Versorgung. Jedes Jahr kommen an die 200 000 Menschen nach Dar es Salaam. Das schnelle Wachstum der Stadt geht mit dem Wachstum eines selbst organisierten Wirtschaftssektors einher. Da die ländlichen Migranten oft kaum Bildung genossen haben und formale Arbeit in der Stadt rar ist, schaffen viele von ihnen sich selbst organisierte Einkommensmöglichkeiten. Durch persönliche Netzwerke mit ihren Nachbarn, Verwandten, Freunden und Menschen aus ihren Heimatregionen finden sie Arbeit als Bauarbeiter und Handwerker, transportieren Waren auf dem Markt, verkaufen Wasserflaschen und Snacks und Bushaltestellen oder vertreiben Sonnenbrillen, elektronische Geräte, Feuerlöscher, Autozubehör, Zigaretten, Kleider und Schuhe als mobile Strassenhändler. Während Männer häufig als Handwerker und Verkäufer arbeiten, bereiten Frauen oft Speisen zu und verkaufen sie in den Strassen und auf Märkten.
Trotz der grossen Bedeutung der selbst organisierten Arbeit für grosse Teile der Stadtbevölkerung gilt diese Wirtschaftsform jenseits offizieller Regulierungen als illegal. Strassenhändler, die ohne Lizenz beim Verkauf von Waren erwischt werden, riskieren, dass ihre Waren konfisziert werden oder gar Gefängnisstrafen.
Weiterführende Literatur:
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