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Führung durch die Sammlung Rosengart
Die aus Platzgründen maximale Teilnehmerzahl von 20 war schnell erreicht. Mit spürbarer Begeisterung, ja Leidenschaft für die Kultur führte uns die Kuratorin Frau Dr. Martina Kral durch die Sammlung. Sie konzentrierte sich dabei auf wenige Künstler und zeigte uns an meist einem einzigen ausgesuchten Bild, welchen Herausforderungen sich der jeweilige Künstler stellen musste.
Gleich zu Beginn zeigte uns Frau Kral einen Künstler, den der Alkohol schon im Alter von 12 Jahren fest im Griff hatte. Maurice Utrillo hat nie erfahren, wer sein Vater war. Seine Mutter, angeleitet von einem Arzt, zeigte ihm die Welt der Malerei. Diese half zwar nicht gegen seine Alkoholabhängigkeit, aber er war schnell erfolgreich damit. Utrillo malte mal intensiv, um gleich darauf wieder betrunken auf dem Gehsteig vorgefunden zu werden.
Chaim Soutine wiederum, das Kind eines Flickschneiders, wollte kein Handwerker werden. Stattdessen wanderte er von seiner Heimat, einem kleinen Dorf in Litauen, aus nach Paris. Er lebte bitterarm und gab sein Geld eher für Malereibedarf aus als für das Essen. Er malte auf Wände und kleine Papierfetzen, wenn er nichts anderes fand. Und dann plötzlich, nach vielen Jahren, verkaufte er auf einen Schlag eine grosse Anzahl Bilder. Von da an gab es eine Nachfrage nach seinen Bildern und er lebte unter finanziell besseren Verhältnissen.
Amedeo Modigliani ist mit 35 Jahren an Tuberkulose gestorben und war schon als Junge krank. Ob er wirklich in einem Fiebertraum zur Malerei kam, ist nicht belegt, aber mindestens eine interessante Legende. Modigliani wurde von seiner Mutter finanziell unterstützt. Berühmt berüchtigt wurde er durch seine Aktbilder. Sie wurden in der damaligen Zeit als skandalös empfunden.
Marc Chagall hingegen war zuerst sehr erfolgreich und lebte wie viele Künstler in Paris. Während eines Aufenthaltes in seiner Heimat, der eigentlich nur für wenige Wochen geplant war, brach der Erste Weltkrieg aus, wodurch die Grenze geschlossen und eine baldige Rückkehr nach Paris unmöglich wurde. Es gelang ihm schliesslich, nach Berlin zu kommen. Dort machte er einen Teil seiner Bilder zu Geld, um es aber gleich wieder zu verlieren. Die damalige Inflation liess den Erlös seiner Bilder buchstäblich in Luft aufgehen.
Der letzte vorgestellte Künstler war Paul Klee. Er geriet in die Wirren des 1. Weltkriegs und wurde ins Militär eingezogen. Glücklicherweise überstand er den Krieg unverletzt. Er erlang eine gute Position als Professor an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Aber dann ergreifen die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht. Klee wurde denunziert und fristlos entlassen. Teile seiner Bilder wurden als «entartete Kunst» konfisziert. Kurz darauf erkrankte er und musste deswegen seine Arbeit phasenweise ganz einstellen.
Die Ausführungen von Frau Dr. Kral zu diesen Bildern war so lebendig, dass es über fast 90 Minuten hinweg mucksmäuschenstill war. Alle hörten den Geschichten gebannt zu. Beim anschliessenden leckeren Mittagessen im Restaurant Bellini war eine angeregte Unterhaltung zu hören und die Teilnehmer äusserten sich begeistert von der Führung.
Text und Bilder Daniel Stirnimann