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Adissa ist zehn Jahre alt. Sie strahlt über das ganze Gesicht, weil ihr Lehrer ihr gerade gratuliert hat. Ihre schulischen Leistungen sind ausgezeichnet. Doch Adissa hat einen langen Weg hinter sich. Sie ist erst in diesem Jahr eingeschult worden, obwohl die Primarschule in der Elfenbeinküste seit 2015 ab dem Alter von sechs Jahren obligatorisch ist.
Adissa ist das zweitjüngste von neun Kindern. Ihre Eltern sind beide Bauern. Sie haben Mühe, über die Runden zu kommen. Obschon die Schule gratis ist, fallen Kosten für Schulmaterial an, die das schmale Familienbudget belasten. Aus diesem Grund konnten die Eltern von Adissa sie vorher nicht zur Schule schicken. Da es nicht in Frage kam, sie im Dorf allein zu lassen, begleitete das kleine Mädchen seine Mutter ganz selbstverständlich bei der Feldarbeit. Doch als Adissa älter wurde, übertrug ihre Mutter ihr Aufgaben, ohne zu merken, dass einige davon für ein Kind sehr gefährlich waren.
Adissa hat es unbeschadet überstanden. Ihre Eltern haben gemerkt, welchem Risiko sie ihre Tochter unwissentlich ausgesetzt haben. Sie waren auch einverstanden, sie für eine Übergangsklasse anzumelden. Dabei handelt es sich um eine Klasse mit Kindern, die nie zur Schule gegangen sind oder ihre Schulausbildung unterbrochen haben. Sobald sie genug Wissen erworben haben, sind sie bereit, in die «richtige» Schule in eine ihrem Niveau entsprechende Klasse zu gehen.
Adissa freut sich. In der Übergangsklasse hat sie es geschafft, innerhalb von neun Monaten zwei Jahre des nationalen Schulstoffs aufzuholen. Ihr Traum wird endlich wahr: Sie wird zur Schule gehen. Diejenigen, die sagten, sie sei zu alt, um zur Schule zu gehen, hatten sich geirrt.Warum fängt man nicht bei den Eltern an?
Wie kann man Eltern davon überzeugen, dass ihr Kind in die Schule gehört und nicht aufs Feld? Viele Eltern hatten in ihrer Kindheit nie die Chance auf einen Schulbesuch und mussten auf den Feldern arbeiten. Sie finden deshalb nichts dabei, wenn ihr Kind ihnen bei der Feldarbeit hilft.
Es ist daher notwendig, die Eltern mit viel Fingerspitzengefühl zu sensibilisieren und ihnen zu erklären, dass die Schule die beruflichen Erfolgschancen ihres Kindes erhöht, sei es, um ihre Arbeit weiterzuführen oder um einen anderen Beruf zu ergreifen.
Aber letzten Endes besteht eine der wirksamsten Massnahmen darin, den Eltern die Möglichkeit zu bieten, eine Schule für Erwachsene zu besuchen. Genau das hat Beatrice, eine Näherin, getan. Nun kann sie schreiben, die Masse ihrer Kunden notieren und ihrem Sohn bei den Hausaufgaben helfen. Ihr Beispiel zeigt uns, dass ein Erwachsener, der unterrichtet wird, vollkommen davon überzeugt ist, dass sein Kind durch den Schulbesuch viel mehr erreichen wird als durch Arbeiten. Und wer weiss besser als die eigenen Eltern, was gut für das eigene Kind ist?