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von Dr. Torsten M. Scheyer, Paläontologisches Institut und Museum UZH
Aus 40-34 Millionen Jahre alten eozänen Karstspaltenfüllungen in den jurassischen Lägernkalken bei Dielsdorf im Kanton Zürich wurde vor kurzem eine neue Schlangenart mit dem wissenschaftlichen Namen Palaeopython helveticus beschrieben.
Während des mittleren bis späten Eozäns, also vor mehr als 34 Millionen Jahren, herrschte ein feuchtwarmes, tropisches Klima in und um Zürich. In diesem Zeitraum kam es zur Verkarstung inklusive Spalten- und Höhlenbildung der ca. 155 Millionen Jahre alten Lägernkalke im Untergrund, während darüber eine reichhaltige Fauna inklusive Urpferden, Krokodilen, kleinen Lemuren der Gattung Necrolemur, sowie Schlangen in üppigen Wäldern und Gewässern lebten. Überreste all dieser Tiere sind in den Dielsdorfer Karstspaltenfüllungen zu finden, wobei Zähne, Kieferreste und Einzelknochen von Säugetieren, wie etwa solche der Huftiere und der kleinen baumbewohnenden Lemuren, besonders häufig sind. In den Karstspaltenfüllungen sind Überreste von Schlangen und Echsen dagegen eher selten zu finden. Deren Fossilien liegen hauptsächlich in Form von vereinzelten Schlangenwirbeln und einem Unterkieferrest von einem Verwandten der heutigen Varane vor. Ein Teil der schon früher beschriebenen Schlangenwirbel sowie neues Fossilmaterial liess sich letztlich einer bisher unbekannten Art von ungiftiger Würgeschlange der Gruppe «Booidea» zuordnen: der so genannten Palaeopython helveticus. Zur Gruppe der «Booidea» gehören auch die Abgottschlange / Königsboa (Boa constrictor) und die Anakondas aus Südamerika.
Die Wirbel von Palaeopython helveticus hatten vergleichsweise sehr hohe und gewölbte Neuralbögen, welche in hohen Neuralfortsätzen enden – sie sind damit gut von Wirbeln anderer Arten zu unterscheiden. Mittels hochauflösender Computertomographie-Aufnahmen (micro-CT) konnten auch Einblicke ins Innere der Knochen gewonnen werden. Die micro-CT Aufnahmen von mehreren Wirbeln unterschiedlicher Grösse zeigen, dass äusserliche Unterschiede in der Wirbelform auf ontogenetische Variation, also altersbedingte Unterschiede innerhalb der neuen Art Palaeopython helveticus zurückzuführen sind, anstatt Merkmale verschiedener Würgeschlangenarten darzustellen.
Palaeopython helveticus wurde am 05. Juni 2019 in der Fachzeitschrift Swiss Journal of Geosciences online publiziert:
Georgalis, G.L. and Scheyer, T.M. 2019. A new species of Palaeopython (Serpentes) and other extinct squamates from the Eocene of Dielsdorf (Zurich, Switzerland). Swiss Journal of Geosciences [doi: 10.1007/s00015-019-00341-6].