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Jean-Marie Leclair wurde 1697 in Lyon geboren und verbrachte fast sein ganzes Leben in Paris, wo er 1764 unter mysteriösen Umständen starb. Er war Mitglied in der königlichen Kapelle, verliess aber diesen Posten nach nur wenigen Jahren, um sich an verschiedenen Höfen in Europa als Virtuose feiern zu lassen.
Wenn Leclair auch zweifellos einer der bedeutendsten Virtuosen seiner Zeit war, so liegt jedoch sein wesentliches Verdienst in seinen Violinkompositionen, die dem Aufbau der geigerischen Spieltechnik entscheidende Impulse vermittelten.
Trotz der instrumentalen Zweckgebundenheit sind alle Werke von solch glutvoller und vitaler Musikalität sowie durchsichtiger Thematik erfüllt, dass das künstlerische Moment gegenüber dem pädagogischen Faktor stets dominiert.
Jean-Marie Leclair (1697-1764) und Jean Baptiste Lully (1632 – 1687) gelten als Mitbegründer der französischen Violinschule. Italien war bis um 1750 die führende Geigennation mit Carlo Farina, Arcangelo Corelli, Antonio Vivaldi, Franceso Geminiani, Giuseppe Tartini, Maria Veracini und Pietro Nardini. Spätestens um 1782, mit dem Eintreffen des berühmten italienischen Geigers Gian Battista Viotti in Paris war die virtuose Parität mit Italien – mit Ausnahme der singulären Erscheinung von Niccolò Paganini – hergestellt.
Gleich mehrere bedeutende Künstler wirkten um diese Zeit in der französischen Metropole: Rodolphe Kreutzer (1776 – 1881), Pierre Rode (1774 – 1830) Pierre M.F. Baillot (1771 – 1842), Charles Dancla (1818 –1907) und Jacques Féréol Mazas (1782 – 1849). Sie alle waren komponierende Virtuosen und Pädagogen.
Die französische Violinschule war streng hierarchisch aufgebaut und kannte schon früh das System des Wettbewerbes. Es ist daher nicht erstaunlich, dass besonders in Frankreich das Violinduo hoch im Kurs stand und die Ausbildung der Studierenden stufenweise begleitete.