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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zweites Schreiben des heiligen Hilarius an Konstantius Augustus.

Neuntes Hauptstück.
Aber bedenke doch, daß es keinen Ketzer gibt, welcher jetzt nicht die unwahre Behauptung aufstellt, er lehre nach den heiligen Schriften dasjenige, wodurch er Gott lästert. Denn daher kennt Marcellus das Wort Gottes nicht, wenn er es liest. Daher versteht es Photinus nicht, wenn er Jesum Christum einen Menschen nennt. Daher ist auch Sabellius, indem er die Worte: „Ich und der Vater sind „Eins," nicht versteht, ohne Gott den Vater, und ohne Gott den Sohn. Daher vertheidiget auch Montanus durch seine unsinnigen Weiber einen andern Tröster. Daher haßt auch Manichäus und Marcion das Gesetz; weil der Buchstabe tödtet, und der Weltfürst der Teufel ist. Sie sprechen alle Schriftstellen ohne den in der Schrift liegenden Sinn aus, und schützen einen Glauben ohne den Glauben vor. Denn die Schriften beruhen nicht auf dem Lesen, sondern auf dem Verstehen; sie beruhen nicht auf der Sünde, sondern auf der Liebe.