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S. den Feldmarschallsstab, die Würde eines Staatsministers und in sein Wappen
[* 2] den Stephansturm. Später befehligte S. in
Ungarn
[* 3] die Infanterie unter dem König von
Polen. Nachdem er, vor Ofen verwundet, den Heerbefehl aufgegeben hatte, kehrte er
nach
Wien
[* 4] zurück, wo er zum Hofkriegsrats-Präsidenten ernannt wurde. Er starb zu Bösendorf.
Seinen
Namen erhielt 1888 das österr. Infanterieregiment Nr. 54. -
Guido,
Graf, österr. Feldmarschall, Vetter des vorigen, geb. zu Graz,
[* 5] nahm als Hauptmann
und
Adjutant seines Vetters 1683 an der Verteidigung
Wiens teil und zeichnete sich auch weiter im Türkenkriege
aus, besonders 1686 beim
Sturm auf Ofen, bei Mohacs, vor
Belgrad
[* 6] und Vidin. Er verteidigte Essegg, befehligte den rechten Flügel
in der
Schlacht bei Slankamen 1691 und that sich bei Großwardein
[* 7] und bei Zentha 1697 hervor. 1692 wurde S.
Feldmarschalllieutenant, 1696 Feldzeugmeister.
BeimAusbruch des
Spanischen Erbfolgekrieges kämpfte er in
Italien
[* 8] unter Eugen, der ihm 1703, als er nach
Wien ging, den Oberbefehl
übertrug. Er hinderte den franz. Feldherrn
Vendôme, in
Tirol
[* 9] einzudringen, schlug ihn am
Bormio und bewirkte 1704 die
Vereinigung
des österr.
Heers mit dem des
Herzogs von Savoyen. 1706-7 unterdrückte er den
Aufstand in
Ungarn. Zum Feldmarschall
ernannt, übernahm er 1708 den Oberbefehl des in
Spanien
[* 10] kämpfenden
Heers und führte einen lebhaften Kleinkrieg mit überraschenden
Märschen und schlauen
Überfällen, wie z. B. dem von
Tortosa (1709). Nach den
Siegen,
[* 11] die er über Philipps von
AnjouHeer
bei Almenara und bei Saragossa
[* 12] 20. Aug. erfochten hatte, eroberte er Madrid
[* 13] und ließ daselbst den Erzherzog
Karl
zum König ausrufen. Allein
Mangel und Verrat nötigten ihn, sich zurückzuziehen. Bei Villa Viciosa überrascht, wurde er von
Vendôme besiegt. Als
Karl 1711 nach
Deutschland
[* 14] zurückkehrte, blieb S. als Vicekönig in
Barcelona
[* 15] zurück,
das er infolge des Neutralitätsvertrags vom räumen mußte. Seitdem lebte er als Hofkriegsrats-Vicepräsident
in
Wien, wo er starb. Seinen
Namen erhielt 1888 das österr. Infanterieregiment Nr. 13. -
auch Stärke,Kraftmehl,
Amylum,
Amylon, C6H10O5, eins der ersten Assimilationsprodukte in der
lebenden
Pflanze; es findet sich in den verschiedensten Geweben und Organen der
Pflanze als Reservestoff aufgespeichert und
zwar in mikroskopischen Körnchen in Pflanzenzellen eingelagert. Es tritt in den Samen
[* 19] der Cerealien (Weizen, Roggen, Gerste,
[* 20] Hafer,
[* 21]
Mais), in den Kastanien, in den Kartoffeln, in den
Stämmen mancher Palmenarten, in
Wurzeln u. s. w.
auf.
Die Stärkemehlkörner haben teils schwach elliptische, teils unregelmäßig rundlich gestreckte, teils eckige Form und lassen
unter dem Mikroskop
[* 22] schalig aneinander gelagerte Schichten erkennen, von welchen der innerste
Kern seitlich zu liegen pflegt.
Das S. löst sich in langsam wirkenden Agentien wie in kalten verdünnten Säuren nur teilweise; man
nennt den sich lösenden
StoffGranulose, den zurückbleibenden Stärkecellulose oder Farinose. Erstere macht etwa 95 Proz.
des Gewichts des S. aus. In kaltem Wasser ist die
Stärke unlöslich; mit heißem (55-70°) bildet sie durchscheinende
Gallerte,
die man
Kleister nennt.
Die Kleisterbildung ist eine Aufquellung; sie kommt bei der Bereitung von Mehlspeisen und beim
Kochen von Kartoffeln deshalb
nicht zu stande, weil das gerinnende
Eiweiß die Stärkekörnchen einhüllt
und sie am Aufquellen hindert. Mit
Jod nimmt die
Stärke eine tiefblaue Färbung an. Das S. ist im allerhöchsten
Grade hygroskopisch und hält aufgenommenes
Wasser hartnäckig gebunden. Zu seiner völligen Entwässerung ist eine
Temperatur von 130° C. erforderlich.
Erhitzt man das S. bis zur braungelben
Farbe, so verändert es sich, indem es sich in das wasserlösliche Dextrin (s. d.)
oder Röstgummi umwandelt. Durch Behandeln von S. mit Salpetersäure bildet sich eine explosiveVerbindung,
das
Xyloidin (s. d.). Durch die Einwirkung verdünnter siedender Schwefelsäure
[* 23] auf S. bildet sich Dextrin und Stärkezucker (s.
Traubenzucker). Mit Malzauszug zusammengebracht, geht das S. bei 60-75°
in Dextrin und Maltose (s. d.) über.
Außer dem gewöhnlichen S. finden sich in einigen
Pflanzen zwei besondere Stärkemehlarten:
das
Inulin (s. d.) und das Lichenin oder die Flechtenstärke
(s. d.).
Die
Stärkefabrikation gebraucht als Rohmaterialien besonders Kartoffeln, Weizen (auch als Mehl),
[* 24]
Reis und
Mais. Die aus
Roßkastanien
gewonnene
Stärke ist
nur für technische Zwecke verwendbar, da ihr ein
Bitterstoff anhaftet, der durch Behandlung mit kohlensaurem
Natrium nur unvollkommen beseitigt wird. Außerhalb Europas wird auch aus exotischen Gewächsen
Stärke
gewonnen. (S.
Arrow-Root.) Das Weizenmehl enthält 56-67 Proz.,
Reis 85-86, Kartoffeln nur 10-23 Proz. S. Bei der Gewinnung
des S. aus den Rohmaterialien kommt es darauf an, dieses in Wasser so gut wie unlösliche
Kohlenhydrat von den dasselbe in der
Knolle oder dem Samen umhüllenden organischen
Stoffen, wie
Cellulose,
Proteïnstoffe, Fette, zu befreien
und in handelsübliche Form zu bringen.
Die Stärkekörnchen sind in den verschiedenen Rohstoffen mehr oder weniger fest von den genannten Körpern umschlossen,
so daß bei einigen, wie bei der Kartoffel und (nach neuerm
Verfahren) beim Weizen, eine vorzugsweise mechan.
Trennung genügt,
während bei
Mais und
Reis zum
Aufschließen des Getreidekorns chem.
Mittel zur Anwendung kommen. Die verhältnismäßig
einfachsten Hilfsmittel und Arbeitsweisen erfordert die Fabrikation der Kartoffelstärke (Kartoffelmehl). Das Rohprodukt
wird gewaschen und dann der Zerkleinerung unterworfen. Man bedient sich hierzu der Kartoffelreibe, in welcher durch eine
rotierende, mit Sägeblättern armierte
Trommel ein feiner Brei hergestellt wird. Durch diesen Prozeß
werden die Zellenwandungen der Kartoffeln so weit zerrissen, daß das S. leicht mit Hilfe einer entsprechenden
¶
mehr
Vorrichtung, in der Regel durch Ausspülen oder Auswaschen mittels energisch wirkender Wasserstrahlen, von der Cellulose, hier
Pulpe genannt, getrennt werden kann. Bei dem zu dieser Operation benutzten Bürstensieb oder Bürstenextracteur wird der von
der Reibe kommende Brei mit Wasser aufgerührt, in das Sieb gepumpt und in demselben unter stetem Zufluß
von Wasser (aus einem Spritzrohr) mittels rotierender Bürsten durchgearbeitet, wobei das Wasser die Stärkekörnchen durch
das Sieb schwemmt, während die ausgewaschene Pulpe, von der Stärke getrennt, durch die Maschine
[* 26] ausgeworfen wird.
Zwei andere Extraktionsapparate sind das Siemenssche Kataraktsieb und das Kastensieb. Das nun folgende Raffinieren der Stärke
besteht in wiederholtem Sieben und Schlämmen, indem man die vom Extraktionsapparat kommende Stärkemilch
(d. h. das die Stärke mit sich führende Wasser) in Bottichen oder gemauerten Bassins, den Sedimenteurs, unter Umständen
mehreremal sich absetzen läßt und dann mit Wasser wieder aufrührt. Als Siebe kommen sowohl Rüttelsiebe als Cylindersiebe
zur Anwendung.
Nach dem Raffinieren kommt die Stärke in eine Centrifuge, entweder um vollends raffiniert und zugleich
entwässert zu werden, oder nur zu letzterm Zweck. Die aus der Centrifuge ausgestochene sog.
grüne Stärke kommt zur Trocknung auf Hürden in gut geheizten Kammern, oder in speciell zu diesem Zweck konstruierte Trockenapparate.
Die getrocknete Kartoffelstärke, welche unregelmäßige, leicht krümelnde Brocken bildet, wird entweder
in dieser Form auf den Markt gebracht, oder zu Kartoffelmehl vermahlen. Letzteres geschieht auf der sog.
Schlagmühle, die Kombination einer Zerkleinerungs- und einer Sichtvorrichtung.
Bei der Darstellung der Weizenstärke verfolgt man zwei Verfahren. Die ältere, weniger rationelle Fabrikationsmethode ist das
sog. Hallesche oder saure Verfahren, bei welchem ein wichtiger Bestandteil des Weizens, der Kleber, verloren
geht; bei dem neuern, süßen Verfahren wird dieser Stoff unzersetzt, von dem Stärkemehl getrennt, als wertvolles Nebenprodukt
gewonnen. Nach dem sauren Verfahren überläßt man eingeweichten zerquetschten Weizen längere Zeit sich selbst und ruft
dadurch eine saure, den Kleber lösende Gärung hervor.
Nach einiger Zeit kann man die Stärke mit Wasser herausspülen. Nach dem süßen Verfahren wird der gehörig gereinigte Weizen
zunächst einige Tage in Wasser eingequellt und so das Gefüge desselben gelockert, damit durch das nun folgende Quetschen,
welches auf einem Walzenstuhl mit glatten eisernen Walzen geschieht, die Samenhülsen sich leicht derart
öffnen lassen, daß die Stärke aus denselben ausgewaschen werden kann. Der gequetschte Weizen wird unter starkem Wasserzufluß
in dem Stärkeextracteur geknetet, wobei die ausgewaschene Stärke durch den Siebmantel des Apparats tritt und unten abgezogen
werden kann, während oben frisches Wasser kontinuierlich durch ein Spritzrohr zufließt.
Infolge des Knetens wäscht sich nicht nur das S. aus, sondern es ballt sich auch der aufgelockerte Kleber
zusammen. Nach dem Extrahieren kommen die Hülsen und der Kleber in die Kleberwaschmaschine. In der durchlöcherten Trommel
derselben, in welcher radial stehende Stifte angebracht sind, wird der Kleber dadurch von den Hülsen getrennt, daß, während
die Trommel im Wasser rotiert, die Hülsen durch die
Löcher fortgespült werden, wogegen die Stifte in der Trommel den Kleber
festhalten, der schließlich als zusammenhängender Ballen herausgenommen wird.
Die ausgewaschene Stärke bedarf jetzt noch der Reinigung, die durch Sieben und Waschen mit frischem Wasser erreicht wird. Man
bedient sich hierzu der obenerwähnten Cylindersiebe. Da die beste Stärke diejenige ist, welche aus den
größten Stärkekörnchen besteht, benutzt man zur Trennung der guten Stärkesorten von den geringern und von den noch beigemengten
Proteïnstoffen, Schlamm, Pflanzenfasern u. s. w. solche Apparate, durch die eine Trennung der im Wasser aufgerührten Stärke
nach der Schwere erfolgt; es ist dies die Absetzrinne und die Centrifuge.
Die Absetzrinne besteht gewöhnlich aus mehrern tafelförmigen, 15 -30 m langen Holzrinnen. Läßt man die Stärkemilch mit
geringer Geschwindigkeit über die nur ganz schwach geneigt liegende Rinne strömen, so setzen sich die schweren Stärkekörnchen
nach und nach auf der Rinne ab, während die Fasern, Schlamm-und Kleberteile fortschwimmen und am Ende
der Rinne in einem Bottich aufgefangen werden. Man erhält auf diese Weise nach einigen Stunden eine starke und feste Schicht
Primastärke.
Die zu einem Brei wieder aufgerührte Stärke wird in die Kästen oder Formen des Entwässerungsapparats (SystemUhland) gegossen;
durch den Druck komprimierter Luft, die durch die Deckel der Formkästen eintritt, wird das Wasser aus
der Stärke herausgepreßt, indem dasselbe durch das mit Filtertuch belegte Sieb abläuft, welches den Boden jedes Formkastens
bildet. Die so hergestellten Stärkewürfel werden kurze Zeit bei hoher Temperatur vorgetrocknet, wodurch sich außen eine
gelbliche Kruste ansetzt, die abgeschabt werden muß.
Die geschabten Würfel werden entweder ganz getrocknet, indem man sie in Papier einpackt und in Trockenkammern längere Zeit
aufspeichert, oder sie werden in Stücke zerbrochen und bei niedriger Temperatur, gewöhnlich an der Luft, getrocknet. Im erstern
Fall erhält man die bekannte Strahlenstärke, im letztern die sog. Brockenstärke. Auch bei der Fabrikation
der Weizenstärke bedient man sich der Centrifugen, und zwar vorwiegend zum Raffinieren, selten zum Entwässern der Stärke.
Die hier verwendete Centrifuge hat eine geschlossene, d. h. nicht durchlöcherte Trommel, welche gewöhnlich in 6-8 Abteilungen
geschieden ist. Während der Rotation der Trommel sondert sich die specifisch schwerere Weizenstärke von
den ihr beigemischten leichtern Teilen, wie Kleber, Pflanzenfaser u. s. w., und setzt sich als feste Schicht an die Innenwandung
der Trommel an. Die leichtere Kleberschicht bedeckt die Stärke und ist so scharf begrenzt, daß sie von derselben abgeschabt
werden kann, während das Wasser, vollständig von Stärke und suspendiertem Kleber befreit, abfließt.
Bedeutend einfacher als die Darstellung der Stärke aus Weizenkörnern ist die Fabrikation der Stärke aus Weizenmehl, weil
es sich bei dieser, wo Hülsen und Keime nicht vorhanden sind, nur um die Scheidung der Stärke vom Kleber handelt. Zu diesem
Zweck wird das Mehl mit wenig Wasser zu einem festen Teig geknetet und dieser Teig unter Wasserzufluß
im Mehlextracteur ausgewaschen, wobei die Stärke, im Wasser suspendiert, fortfließt und der Kleber als teigige Masse in der
Maschine zurückbleibt.
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