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Nach bereits zwei verlustreichen Vorjahren wies Repower im ersten Semester 2015 einen Verlust von 108 Millionen Franken aus. Die Exponenten der Bündner Repower und der Regierungsrat des Kantons betonen, die Krise des Konzerns sei durch die tiefen Strompreise und den hohen Frankenkurs bedingt. Hauptschuldige sind jedoch der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung. Sie haben mit gescheiterten Investitionen seit 2008 Werte von über 300 Millionen Franken in den Sand gesetzt. Das Geld fehlt nun für die Neuausrichtung des Konzerns. Statt dass die Regierung Graubündens für eine Richtungsänderung personelle Wechsel vornimmt, verlangt der Kanton beim Bund Subventionen.
Obschon sich die Strompreise an der Europäischen Energiebörse im ersten Halbjahr 2015 gegenüber 2014 nur noch unwesentlich nach unten bewegten, präsentierte Repower für das erste Semester 2015 ein spektakulär schlechtes Ergebnis. Man kann mit Grund vermuten, dass Repower bis 2014 bei sinkenden Strompreisen noch im Handelsgeschäft profitieren konnte, wenn Lieferverträge auf altem höherem Niveau abgeschlossen worden waren, Strom aber billiger zugekauft werden konnte. Nun aber ist die Entwicklung des Strompreises auf tiefem Niveau recht flach. Das ist keine gute Situation für Repower, besonders, wenn sie andauert, was absehbar ist. Neu ist auch das operative Ergebnis stark negativ. Die Lage ist besorgniserregend, weil Repower wegen Fehlinvestitionen stark geschädigt wurde und nun kaum Reserven hat, um eine lange Durststrecke zu überwinden oder das Geschäft neu auszurichten.
Repowers ausserordentliche Abschreibungen auf ausgewählte Anlagen und Projekte seit 2008, summieren sich auf 225 Millionen. Diese Summe betrifft:
- Fossil-thermische Kraftwerke: Gaskraftwerk Teverola in Italien (80 Mio.); Projekte für je zwei Kohle- und Gaskraftwerke (54 Mio.)
- Die zwei Pumpspeicherprojekte Lagobianco (50 Mio.) und Campolattaro (4 Mio.).
- Das neue Wasserkraftwerk Taschinas (17 Mio.) und das Projekt Wasserkraftwerk Chlus (20 Mio.).
Die erwähnten 225 Millionen Franken an Wertminderungen auf den diesen neuen und projektierten Kraftwerken entsprechen gut einem Drittel (35%) des am 30. Juni 2015 noch verbleibenden Eigenkapitals.
Werden ausgewählte Sonderabschreibungen auf weitere Anlagen und Projekte auch nichtmaterieller Natur berücksichtigt, beträgt die Summe der Wertberichtigungen (seit 2008) 336 Millionen Franken. Damit wurde ein Drittel des Eigenkapitals der Repower vernichtet.
Verteilt über die siebeneinhalb erfassten Jahre betrugen die erwähnten Summen von Wertminderungen jährlich 30 bzw. 45 Millionen Franken. Dies ist auch gemessen am Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) des Bündner Konzerns sehr erheblich. Im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2014, einschliesslich also vier Blütejahre der Schweizer Stromwirtschaft (2009 bis 2012), betrug Repowers EBIT 65 Millionen Franken — im ersten Halbjahr 2015 jedoch minus 34 Millionen.
Die Liste der Wertminderungen beinhaltet einige Auffälligkeiten. Kraftwerksprojektierungen waren extrem teuer, wenn diese durch die Repower selbst erfolgten:
- Bereits 70 Millionen schrieb Repower auf die noch nicht abgeschlossene Projektierung von 2 Kraftwerken in Graubünden ab: Lagobianco (50 Millionen) und Chlus (20 Mio.).
- Angesichts der Tatsache, dass Repower nur 20 Prozent des Kohlekraftwerks in Saline Joniche hatte besitzen wollen, ist der bis heute von Repower auf das Projekt abgeschriebene Betrag von mindestens 33 Millionen mehr als bemerkenswert. Eher handelt es sich sogar um ca. 40 Millionen. Umgerechnet von 20% auf 100% sind das 165 bis 200 Millionen Franken, oder rund 10% für das ganze Kraftwerk erwarteten Baukosten.
- 2013 schrieb Repower auf dem sich damals in Planung befindlichem Gaskraftwerks Leverkusen 12,5 Millionen Franken ab, ebenfalls ein gigantischer Anteil für die Projektierung eines Kraftwerks, das ingesamt für alle Teilhaber vielleicht 450 Millionen Euro gekostet hätte, wäre es realisiert worden.
Wenn Repower selbst plant, geht die Planung ins Geld. Dabei handelt es sich in den vier oben erwähnten Fällen noch nicht einmal um echte Planung, sondern erst um Projektierung. Keines dieser drei Projekte verfügt über eine umfassende Bewilligung, bei keinem steht ein Bauentscheid an.
Auch bei den Wertminderungen auf anderen Projekten als Kraftwerken gibt es Auffälligkeiten:
- 27,4 Millionen Franken beim Geschäft in Rumänien
- 7,6 Millionen für ein Softwareprojekt wegen „Änderungen in den Anforderungen“ und „geringere Performance“
- 50,2 Millionen für „Anzahlung Herkunftsnachweise und Vorauszahlung für langfristige Strombezugsverträge“
Repower hat Schulden (Fremdkapital) von 1’149 Millionen, und nach dem ersten Halbjahr 2015 ein Eigenkapital von noch 631 Millionen Franken. Daran gemessen sind die 336 Millionen Wertberichtigungen ein sehr hoher Betrag. Hätten die Verantwortlichen der Repower nicht in fehlgeschlagene Projekte und unrentable Anlagen investiert, wäre Repower immer noch kerngesund finanziert. So aber steht der Konzern am Abgrund.
Wie viel unternehmerischer Spielraum verbleibt?
Die Eigenkapitalquote beträgt noch 35%. Sie ist damit „am unteren Ende des Zielbereichs“ (NZZ). Sie wäre noch solide, wenn Repower über Werte verfügte, die das Unternehmen zu veräussern bereit wäre, um eine Neuausrichtung des Konzerns zu finanzieren oder eine absehbar lange Durststrecke mit tiefen Strompreisen durchzustehen. Ausser Aktiven in Rumänien, Italien und Beteiligungen an Atomkraftwerken in Frankreich dürften nicht mehr viele Werte wirklich zur Disposition stehen, denn der Verkauf von Wasserkraftwerken scheint für Repower tabu zu sein.
Die Südostschweiz schrieb zum Halbjahresergebnis 2015: „In den nächsten Jahren sind laut Finanzchef Kessler Investitionen von bis zu 500 Millionen Franken geplant. Davon sollen 50 bis 100 Millionen in die Entwicklung und Lancierung neuer Dienstleistungen fliessen, der Rest in bestehende Netze und Kraftwerke.“
50 Millionen pro Jahr während 10 Jahren sind für Repower in der heutigen Verfassung sehr viel Geld. Es ist fraglich, ob die bisherige mit Investitionen kläglich gescheiterte Führung der Repower Investitionsabsichten dieses Ausmasses umzusetzen noch in der Lage sein wird. Und es ist zweifelhaft, ob die Absicht, vernünftig ist, denn bis 40 Millionen Investitionen pro Jahr in bestehende Netze und Anlagen sind eine beträchtliche Summe. Statt weiterhin viel Geld für die Erneuerung bestehender Wasserkraftwerke auszugeben, sollte sich die Repower überlegen, in welche bestehenden Anlagen sie unbedingt weiter investieren will und welche Anlagen stillgelegt werden, wenn sich erhebliche Erneuerungen von Wasserkraftwerken bei anhaltend tiefen Strompreisen nicht mehr rechnen. Auch für die Wasserkraft braucht es ein Ausstiegsszenario.
In den USA ist der Rückbau der Wasserkraft Realität. Trotz bundesrätlichem Wunschdenken hin zu einem weiteren Ausquetschen des früher als „ausgequetscht“ bezeichneten Wasserkraftpotentials wäre es weise, sich auch in der Schweiz auf einen Rückbau bestehender Werke einzustellen, statt sie alle weiterhin bedingungslos zu erneuern. Ist Repower dafür weitsichtig genug? Dass die Unternehmung trotz der Perspektive fehlender Kreditwürdigkeit weiter in Wasserkraftprojekte investiert und noch während weiteren 10 Jahren primär in die Erneuerung bestehender Werke investieren will, lässt daran zweifeln. | Trailer des Films DamNation.
10 bis 20 Millionen pro Jahr für Investitionen in neue Geschäfte sind dagegen sehr bescheiden; zu wenig, um einen echten Umbau der Unternehmung in Richtung Dienstleistungserbringer zu finanzieren. Es fehlen dazu die über 300 Millionen Franken, welche die Repower Verwaltungsräte und die Geschäftsleitung während der letzen etwa 10 Jahre in den Sand setzten. Giorgio Müller beschrieb in der NZZ die Nöte der Repower („ein besonders krasser Fall“) so: „Für die beabsichtigten Investitionen in weniger von der absoluten Höhe des Strompreises abhängige Geschäfte bleibt wenig übrig.“
Die von Repower gelisteten Kreditratings lassen nichts Gutes ahnen. Kürzlich, am 17. September 2015, hat auch die Credit Suisse die Bonitätsbewertung der Repower weiter nach unten korrigiert, von mid BBB auf low BBB.) Als Grund wird die weitere Verschlechterung des operativen Resultats angegeben. Bei einer noch tieferen Einschätzung von Repowers Kreditwürdigkeit dürfte es für das Unternehmen schwierig werden, weiter zu investieren. Sogar für die Refinanzierung bestehender Anleihen könnte es eng werden, oder teuer — es sei denn, die Graubündner Kantonalbank GKB springt in die Bresche. Dieses Jahr (2015) sind rund 80 Millionen Franken zur Rückzahlung fällig, 2016 werden es 250 Millionen sein, wobei die GKB freundlicherweise die Erneuerung eines 50 Millionen Festgeldkredits bereits zugesagt hat — zu günstigen Konditionen, ungeachtet der Kreditratings. Vielleicht ist dies der erste Schritt eines Bailouts der Repower durch den Kanton Graubünden.
Im Zusammenhang mit dem Halbjahresergebnis 2015 wurde berichtet, die Strategie der Repower werde nun überprüft. Dies ist schon lange überfällig. Eine neue Strategie zu definieren, ist jedoch nicht einfach, denn unabhängig davon, ob Repower eine progressive Umbaustrategie oder eine eher konservative Aussitz- und Bewahrungsstrategie fährt: Es fehlt das Geld, das eine übermütige Repower-Führung in den vergangenen 10 Jahren verschwendet hat. Erst recht fehlen die Mittel, um beide Strategien — umbauen und bewahren — zu verwirklichen. Repower wäre gut beraten, auf den Umbau zu einem Dienstleister weitgehend zu verzichten, sich auf eine lange Durststrecke einzustellen und folgerichtig auch die bestehenden Wasserkraftwerke nur bedingt und beschränkt zu bewahren — oder manche zu verkaufen. Repower scheint sich jedoch bereits für das vielleicht Unmögliche entschieden zu haben: Bestehende Werke mit bis 40 Millionen Investitionen pro Jahr bewahren und gleichzeitig den Konzern zu einem Dienstleister um- bzw. ausbauen — mit nur bis 20 Millionen pro Jahr, wegen der Beschränktheit der verbleibenden Mittel.
Es ist angesichts des Halbjahresergebnisses und der mangelnden Hoffnung auf eine baldige Verbesserung ein geringer Trost, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können, nämlich, wenn die Entscheidungsträger bei Repower nach Plan hätten investieren können. An der Generalversammlung 2010 stellten der neue Präsident des Verwaltungsrats, Eduard Rikli, und der CEO Kurt Bobst die damals geplanten Investitionen dar:
- 700 – 1’000 Millionen Franken Investitionen in Wasserkraftwerke („4 Projekte im Kanton Graubünden“; unter ‚Wasserkraftwerke‘ kategorisierte Repower zweifellos auch Pumpspeicherwerke)
- 700 – 800 für Windkraftwerke
(„Projekte in Italien, Deutschland und CEE“)
- 300 – 400 für Gaskraftwerke
(„Italien, Deutschland“)
- 400 – 500 für Kohlekraftwerke
(„Deutschland, Italien“)
2,1 bis 2,7 Milliarden Franken wollten Rikli und Bobst in den damals nächsten 10 bis 15 Jahren investieren. Hätte das Unternehmen auch nur annähernd in geplantem Ausmass investieren können, etwa bei schnelleren Bewilligungsverfahren, wäre der Konzern heute insolvent oder müsste gerettet werden — wahrscheinlich vom Kanton Graubünden. Es wurde auch so ein grosser Schaden angerichtet. Mit dem Bau neuer Kraftwerke setzte Repower 106 Millionen Franken „in den Sand“, mit nicht realisierten Projekten für Kraftwerke weitere 140 Millionen.
Die Repower-Führung hätte die Entwicklung ahnen können, sie ahnen müssen
Natürlich erscheint es als einfach, die Einstellung und das Vorgehen von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung im Nachhinein zu kritisieren. Die Zeichen der Veränderung waren aber schon lange wahrnehmbar und Kritik wurde schon vorher so geäussert, dass die obersten Verantwortlichen der Repower sie nicht verpassen konnten.
„[2010] Noch drei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten [im Oktober 2007] soll Vattenfall geprüft haben, ob es nicht billiger komme, das fast fertige Milliardenprojekt wieder abzureissen, als es in Betrieb zu nehmen“, da es schon dann „unrentabel“ und „ein Desaster“ war, schrieb ‚Die Zeit‘ über Vattenfalls Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg. Derweil verteidigte Repower das Kohlekraftwerk Brunsbüttel noch durch alle Böden hindurch, obschon das unterdessen aufgegebene Projekt in Brunsbüttel dem zwischenzeitlich eingeweihten Kraftwerk Hamburg-Moorburg ausgesprochen ähnlich war.
Man kann sich nur darüber wundern, wie sehr verschieden Repower und Vattenfall die energiewirtschaftliche Entwicklung und die Aussicht auf einen rentablen bzw. unrentablen Betrieb ihrer jeweiligen neuen Steinkohlekraftwerke an der deutschen Nordseeküste einschätzten.
Auch im Nachhinein zeigt der CEO keine Bereitschaft zu Einsicht. Kurt Marti zitierte und kommentierte Aussagen von Kurt Bobst im April 2014 so:
[Kurt Bobst:] «Wir haben uns nicht verspekuliert. Wir haben aufgrund der Bedingungen, die auf diesem Märkten vorgeherrscht haben, Entscheidungen getroffen.» Diese Marktbedingungen hätten sich in den letzten Jahren so verändert, wie man das «vor einigen Jahren nicht in dieser Klarheit» habe voraussehen können. Im Übrigen habe man immer darauf hingewiesen, dass diese Projekte «mit einem gewissen Risiko verbunden» seien.
Trotz Millionen-Verlusten ist Bobst «der festen Überzeugung», dass die damaligen Entscheidungen «richtig gewesen» seien. Aber er gibt zu: «Heute ist die Beurteilung eine andere». Also doch verspekuliert — aus heutiger Sicht.
Seit dieser Aussage hat Repower bei den Wertberichtigungen nochmals kräftig nachgebessert. Man kann sich nur darüber wundern, wie Bobst behaupten konnte, die „damaligen Entscheidungen“ seien, aus damaliger Sicht, „richtig gewesen“.
Firmen wie Repower oder Vattenfall setzen Marktmodelle ein, welche die Entwicklung des Strommarkts mit Computern simulieren, um die Rentabilität ihrer Projekte zu prognostizieren. Die Modelle liefern aber nur dann nützliche Resultate, wenn die Entwicklung von politisch bedingten Rahmenbedingungen bei den Eingaben berücksichtigt wird. Repower wollte aber noch viel länger als andere Energieunternehmen nicht wahrhaben, dass es bei der Veränderungen der Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft einen Klimawandel gibt.
2012 zeigte der stellvertretende Geschäftsführer und Verantwortliche für Kraftwerke, Felix Vontobel, ein Resultat einer Marktmodellanalyse. Demgemäss würde bis 2050 aus fossilen Energieträgern fast gleich viel Strom produziert wie heute. Die Stromproduktion aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle würde bei dieser Berechnung mit Repowers Annahmen praktisch nicht zurückgehen. Ein solches Resultat, bzw. die getroffenen Annahmen sind nur für Menschen plausibel, die Klimawandel für nahezu irrelevant halten. Um den Temperaturanstieg in einigermassen vernünftigen Grenzen zu halten, muss in Industrieländern wie in der EU der Einsatz von fossilen Energieträgern bei der Stromerzeugung bis 2050 auf nahezu null zurückgehen.
Überraschenderweise glaubt oder glaubte die Führungscrew der Repower, es gäbe noch sehr lange Zeit nahezu keinerlei politische Reaktion auf Klimawandel, also keine wesentliche Beschneidung des Einsatzes von fossilen Energien zur Stromproduktion. Bereits drei Jahre nach Vontobels Präsentation spitzt sich die politische Auseinandersetzungen genau darüber zu. Weil die Wirkung des EU Emmissionshandelssystems, über das Deutschland nur mit Zustimmung aller anderen beteiligten Ländern bestimmen kann, für die in Deutschland angestrebte CO2-Reduktion im Stromsektor nicht ausreicht, versucht die deutsche Regierung sogar, Stromunternehmen viel Geld zukommen zu lassen, damit diese ihre alten Braunkohlekraftwerke frühzeitig vom Netz nehmen — trotz Einwänden, das EU Marktrecht stehe diesem Entscheid im Weg. Der Schritt erfolgt, nachdem die Stromkonzerne eine zu diesem Zweck vorgesehene, volkswirtschaftlich vorteilhaftere Klimaabgabe abgewehrt haben. Bürgerproteste gegen bestehende Kohlekraftwerke erreichen eine neue Dimension und das offizielle Deutschland bestätigt die Notwendigkeit des Kohleausstiegs vor 2050.
Die Anzeichen zum Wandel hin zur Energiewende hätten schon lange auch für die Energiewirtschaft unübersehbar sein sollen:
- In Deutschland war das Stromeinspeisungsgesetz schon 1991 eingeführt worden.
- 2000 — also vor 15 Jahren — wurden die Grundsätze der Kostendeckung und der Einspeisepriorität durch das Erneuerbare Energien Gesetz verstärkt. (Investitionswillige, die Geld hatten oder welches auftreiben konnten, profitierten davon gewaltig; vgl. weiter unten, Video mit Matthias Willenbacher).
- Das Kyoto-Protokoll wurde am 11. Dezember 1997 beschlossen und trat am 16. Februar 2005 in Kraft.
- 2007 beschloss die EU die 20-20-20 Ziele. Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen umd 20% reduziert werden; 20% der Energie soll aus erneuerbaren Quellen stammen (dieses „Erneuerbare-Energien-Ziel dürfte nach Einschätzung zahlreicher Studien locker übertroffen werden“); Die Energieeffizienz soll um 20% verbessert werden: („Das entspricht einer Außerbetriebnahme von 400 Kraftwerken“, EU Rechtsakt)
Repower hätte es also wissen müssen. Mit ihrer „Lebenslüge“ („Der Klimawandel betrifft uns nicht“, Manager Magazin), belog sich ein grosser Teil der Energiewirtschaft selbst, Repower ganz besonders. Repower und der zuständige Bündner Regierungsrat Mario Cavigelli beliessen es nicht beim Selbstbetrug: CO2 werde auch von Menschen ausgeatmet, erklärten sie, wohl um zu suggerieren, das Treibhausgas sei nicht schädlich. Im Video, mit dem Repower das Kohlekraftwerk in Saline Joniche beliebt machen wollte, heisst es nicht nur, CO2 werde von Menschen ausgeatment, sondern sogar, es werde auch von Pflanzen produziert. (Ganz streng genommen stimmt sogar die letztere Aussage. Angesichts der Systematik beim Verbreiten von Halbwahrheiten und Lügen mag man der Repower dieses kleine Missgeschick gerne verzeihen.)
Mario Cavigelli, 2013: „Per noi è decisivo il fatto che paesi come la Germania continuano a puntare sul carbone.“ Übersetzung der Aussage Cavigellis aus der deutschen Sprache durch den Sender. (Für uns ist entscheidend, dass Länder wie Deutschland weiterhin auf Kohlekraftwerke setzten.) Entweder log Cavigelli — einmal mehr — oder er war fehlinformiert, weil bewusst in die Irre geleitet worden. | Auszug aus einer Sendung der RSI, Beitrag von Nicola Zala, vom 10. September 2013.
Es war vor der Abstimmung über die Volksinitiative ‚Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft‘ („Anti-Kohle Initiative“) am 22. September 2013 schon seit Jahren kein Geheimnis mehr, dass die deutschen Kohlekraftwerke der letzten Welle nicht nur umweltschädlich sind: Sie sind auch unrentabel, die meisten waren es schon vor ihrer Betriebsaufnahme. Und das Problem betraf auch Schweizer Energieunternehmen bereits heftig:
- Die Regio Energie Solothurn RES und die Tessiner AET sind am 750 Megawatt Steinkohlekraftwerk in Lünen beteiligt. Die AET hält stattliche 15,8 Prozent an diesem neuen Steinkohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen. Im Frühjahr 2013 wurde durch die Medien bekannt, dass die Betreibergesellschaft des Kraftwerks mit einem Verlust von 140 Millionen Euro im ersten Betriebsjahr rechnete.
- Schon im Jahr 2011 schrieb die Berner BKW 318 Millionen auf die neuen fossil-thermischen Kraftwerke ab. Bis Ende 2013 betrug die Wertberichtigung der BKW für ihre 33-Prozent Beteiligung am sich im Bau befindlichen 720 Megawatt Kohlekraftwerk Wilhelmshaven allein 300 Millionen Franken, rund die Hälfte von BKWs Investition in dieses Kraftwerk.
All dies hinderte Graubündens Regierungsrat nicht daran, noch 2013 zu behaupten, Deutschland setze auf Kohle und sogar auch von der EU behauptete er es. Es sei für die von der Regierung vorgeschlagene Ablehnung der Anti-Kohle Initiative „entscheidend, dass Länder wie Deutschland weiterhin auf Kohle setzten“, behauptete Mario Cavigelli (Video oben). Deutschland setzte nicht auf Kohle und die EU auch nicht. Fehlgeleitete Energiekonzerne wie Repower, BKW, AET und RES taten es, ebenso wie deutsche und französische Konzerne. 2013 bereuten sie ihre Investitionen aber längst bitter, denn Deutschland setzte tatsächlich auf erneuerbare Energie. Repower und Mario Cavigelli wussten das alles sehr wohl, oder hätten es wissen müssen.
Nach der Generalversammlung 2010 strahlte Tele Südostschweiz meine Feststellung aus, die geplanten Kohlekraftwerke seien nur scheinbar gute Investitionen.
2011 erklärte ein Experte aus Deutschland den obersten Chargen der Repower, dass es für neue Kohlekraftwerke im Strommarkt keinen Platz mehr gebe, allzu markant war damals schon der Zubau von Wind- und Sonnenenergieanlagen. Derweil sprach Repower, wenn es um das Kohlekraftwerk Brunsbüttel ging, immer noch von einem sehr guten Projekt. (Von Saline Joniche sprach kaum jemand, da die Gegner dieses Kohlekraftwerks lange glaubten, das Projekt in Kalabrien sei sistiert. Repower hatte sie seit 2008 erfolgreich getäuscht.)
Trotz der Überkapazität wegen des Zubaus der Erneuerbaren erklärte an der Generalversammlung 2012 Repowers CEO Kurt Bobst, er erwarte schon bald ein erneutes Ansteigen der Strompreise. Der Aktionär (und Aktionärsaktivist) Ekkehard Wenger, gemäss Wikipedia Physiker, Ökonom und „seit 1987 […] Professor für Betriebswirtschaftslehre, Bank- und Kreditwirtschaft an der Universität Würzburg“, fragte den CEO aus dem Publikum heraus, worauf er diese Zuversicht stütze. Bobst wusste auf die Frage keine nützliche oder korrekte Antwort zu geben. Repower hätte die Anregung von Professor Wenger, Repower solle Investitionen in Produktion „aussetzen“, mit Vorteil aufgenommen, statt seinen Vorschlag „ganz dezidiert zu verneinen“. (vgl. Auszug des Protokolls:)
Schon vor dem rasanten Ausbau der Solarstromproduktion verfügte Italien über fast doppelt so viel Stromproduktionskapazität, wie in Spitzenzeiten benötigt wird — nicht zuletzt dank Gaskraftwerken von Axpo, Repower und BKW. Etwa zur gleichen Zeit, als Repower schliesslich auch in der Schweiz für die projektierten Kohlekraftwerke scharf kritisierte wurde, setzte Italien dazu an, das von der EU vorgegene Ausbauziel für Erneuerbare Energie zu erreichen und übererfüllte die Vorgaben fast im Handumdrehen. In kurzer Zeit entstanden dort mehr Solaranlagen, als irgendwo sonst. Sonnenkraftwerke erschweren den wirtschaftlichen Betrieb von Bandenergiekraftwerken massiv. Spätestens in diesem Moment hätte der Repower klar werden müssen, dass eine Investition in ein Kohlekraftwerk auch in Italien zu riskant ist.
Repower aber verteidigte das Projekt in Saline Joniche noch jahrelang, bis es nicht mehr anders ging — mit sehr zweifelhaften Methoden. Nach der knappen Annahme der Initiative ‚Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft‘ im September 2013 suggerierten die Kohlebefürworter zuerst sogar noch, Repower solle das Abstimmungsresultat nicht akzeptieren. Der Regierungsrat, der sich gegen die Anti-Kohle Initiative einsetzte, verfasste nach der Annahme der Initiative aber schliesslich eine Eignerstrategie, welche der Repower den Verzicht auf Kohlekraftwerke nahe legt. Repower versprach anschliessend, dieser Vorgabe der Regierung zu entsprechen und bis zum Ende des Jahres 2015 aus dem Projekt in Saline Joniche auszusteigen.
Der CEO und der Präsident des Verwaltungsrats welche die expansive Strategie der Repower einführten. Karl Heiz und Luzi Bärtsch.
Geradezu wie eine Parodie wirken heute die Worte von Karl Heiz, der für den Fall der Annahme der Initiative den Verlust von Arbeitsplätzen in Aussicht stellte, weil Repower dann nicht in das Kohlekraftwerk im kalabrischen Saline Joniche investieren könne. Heiz gleiste als CEO die nun gescheiterte Strategie auf und er verteidigte sie bis lange über seinem Rücktritt hinaus. Er ist mehr für die missliche Lage der Repower verantwortlich als irgendwer sonst — abgesehen wohl von Luzi Bärtsch, der dem Verwaltungsrat der Repower von 2000 bis 2010 vorstand.
„Il danno che si farebbe a Repower Italia sono minacciati [sic]. Andrebbero perso tanti posti di lavoro in Italia della Repower. E anche quello che è importante, anche nel cantone dei Grigioni e sopratutto danneggio [sic], posti di lavoro messi a rischio in una valle periferica come Poschiavo che è gravissimo e senza nessun buona ragione.“ (Der Schaden, welcher der Repower Italien entstehen würde [wenn die Antikohle-Initiative angeommen wird und damit der Repower die Investition in ein Kohlekraftwerk in Kalabrien verboten wird] sind bedroht [sic]. Es gingen viele Arbeitsplätze der Repower in Italien verloren. Und, was auch wichtig ist, auch im Kanton Graubünden und vor allem Schaden [sic: ich schade], [es würden] Arbeitsplätze in Gefahr gebracht in einem peripheren Tal wie dem Puschlav, was äusserst schwer wiegt, ohne irgendeinen guten Grund.) Karl Heiz, Grossrat, Vize im Gemeinderat von Poschiavo und von 1991 bis 2008 CEO der Repower bzw. ihrer Vorgängergesellschaften. | Ausschnitt aus einem Beitrag von Nicola Zala. Sendung der RSI vom 10. September 2013.
Obschon ihre Vorgänger die gescheiterte Strategie einführten, wäre es falsch, die jetzige Leitung der Repower zu entlasten. Eduard Rikli und Kurt Bobst weigerten sich stets und weigern sich immer noch, die Zeichen der Zeit zu erkennen und die Repower dem politisch gewollten Wandel des Energiesektors anzupassen. Es ist die Aufgabe der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats, die Entwicklung des Strommarkts richtig abzuschätzen. Der politisch gewollte Umbau der Energiewirtschaft war und ist keine unvorhersehbare Entwicklung.
Die zweite Garde der ausgesprochen und direkt Schuldigen an der Krise der Repower. Kurt Bobst, seit 2008 CEO der Gruppe und Eduard Rikli, seit 2010 Präsident des Verwaltungsrats.
Durch die Fehlinvestitionen ist die ehemalige Rätia Energie nun in ihrer «Investitionsfähigkeit massiv eingeschränkt» wie sich Kurt Bobst, gegenüber der NZZ ausdrückte. Der „von 2,6 auf 4,0 gestiegene Verschuldungsfaktor limitiert den strategischen Spielraum“, wusste die NZZ zu berichten. Kürzlich, am 8. September (2015), erklärte die Repower den Verzicht auf ihre Handelsniederlassung in Prag. Schon zuvor hatte Repower das Endkunden-Energiegeschäft in Deutschland, die Anteile an Swissgrid und das Projekt für ein Gaskraftwerk in Leverkusen verkauft, letzteres mit dieser Erklärung: „Repower […] möchte einer erfolgreichen Umsetzung des Vorhabens nicht im Wege stehen.“ Der Bündner Energiekonzern dürfte gezwungen sein, weitere Werte zu veräussern, „um liquide zu bleiben“ (NZZ). Aus dem Verkauf des Geschäfts in Rumänien dürfte kaum Cash zu generieren sein. Die 2010 als Elcomex gekaufte heutige Repower Furnizare România steigerte ihren Umsatz bis 2013 stetig, warf aber als „Cash Generating Unit“ nie nennenswert Ertrag ab. Nach einem verlustreichen Jahr 2011, also schon ein Jahr nach dem Erwerb, minderte Repower den Wert der Furnizare România um 27,5 Millionen Franken.
Repowers Italiengeschäft ist gefährdet
Repower könnte sich schon bald gezwungen sehen, das umtriebige Italiengeschäft zu verkaufen. Das ehemalige Bündner Musterunternehmen würde damit eine weitere kostspielige Investition aufgeben und wäre wieder fast am gleichen Ort angelangt, wo die Firma vor der ehrgeizigen und teuren Expansion in die europäischen Märkte war — abgesehen davon, dass Repowers Geschäftsaussichten wegen der Investitionen in gescheiterte Projekte und unrentable Kraftwerke stark getrübt sind. Ob der angeschlagene Konzern mit dem Verkauf von Geschäftsbereichen in Italien viel Cash generieren kann, ist jedoch fraglich. Repowers Geschäftsvolumen in Italien ist rückläufig und der operative Ertrag ist stark defizitär. Der EBIT des Segments Italien betrug im ersten Halbjahr minus 23 Millionen Franken, dies obschon „Umsatzerlöse aus Energieabsatz zwischen Segmenten“ beim Italiengeschäft mit 16 Millionen positiv verbucht werden konnten.
Mehr zum Thema gibt es im speziellen Beitrag «Kann Repower das Italiengeschäft halten?»
Repowers Probleme sind personeller Natur
Die Verantwortlichen der Repower und ihre politischen Fürsprecher scheinen weit davon entfernt zu sein, den Fehler bei sich zu erkennen.
Auch die Presse Graubündens geht mit der Führungsmannschaft der Repower erstaunlich wohlwollend um, wie zum Beispiel aus der Berichterstattung nach Repowers Bilanzmedienkonferenz im März hervorgeht, obschon Stefan Bisculm in der Südostschweiz das Jahresergebnis 2014 auf der Frontseite unter dem treffenden Titel „Schuld sind nicht immer die anderen“ kommentierte. Die Verantwortung und die klägliche Rolle der Bündner Regierung bezüglich der Krise der Repower, wurde von den Medien des Bergkantons noch nie thematisiert.
Der für das Energiedossier zuständige Regierungsrat Mario Cavigelli schlug als Reaktion auf Repowers Halbjahresergebnis Subventionen des Bundes für Grosswasserkraftwerke vor, statt sich Gedanken über die primären Ursachen der Krise zu machen und die personelle Besetzung der Unternehmensleitung in Frage zu stellen.
Die erste Garde der Lobbyisten für Subventionen zu Gunsten der Repower und des Kantons Graubünden. Ehemalige Bündner Regierungsräte Martin Schmid und Stefan Engler, heute Ständeräte. Engler war im Regierungsrat der Vorgänger von Mario Cavigelli. Er leitet die Grischelectra. Schmid ist auch im vierköpfigen Verwaltungsratsausschusses der Repower. Genauso wie die Bündner Grossräte in CVP, FDP, BDP und SVP wollen Schmid, Engler und Cavigelli möglichst wenig politische Kontrolle über Repower. Bezahlen soll dafür der Bund.
FDP Ständerat Martin Schmid, er ist seit 2008 Verwaltungsrat der Repower, setzte sich ausgesprochen für Subventionen zu Gunsten der „Wasserkraft“ ein. Sogar neue Kraftwerke sollen nach seinem Vorschlag mit Krediten des Bundes gefördert werden. Der andere Bündner Ständerat, Stefan Engler, CVP, will besonders hohe Subventionen für die bestehende „Wasserkraft“, 240 Millionen pro Jahr „per Giesskannenprinzip“. Beide Bündner Ständeräte, wie auch der in Graubünden dominante Mitte-Rechts-Block, den sie in Bern repräsentieren, setzten sich stets dafür ein, dass die Politik der Repower möglichst keine Auflagen macht, egal wie verheerend die Projekte des Konzerns für die Umwelt und die Zukunft des Unternehmens waren.
Dabei hatte sich die Führung der Repower jahrelang vehement gegen Subventionen für Wind- und Sonnenkraftwerke geäussert. Für das Gaskraftwerk in Leverkusen wünschte sich die Bündner Firma dagegen staatliche Beihilfen. Im Zusammenhang mit der Verlustwarnung für das erste Semester 2015 hiess es: „Repower arbeitet schliesslich daran, einen Teil der bestehenden Wasserkraftanlagen so anzupassen, dass sie in den Genuss von Fördergeldern kommen können.“ Die NZZ wunderte sich über den Gesinnungswandel hin zu Subventionsgelüsten, als sie schrieb: „Wie gross der Leidensdruck geworden ist, zeigt das paradoxe Verhalten des Managements. Konzernchef Kurt Bobst, ein langjähriger und vehementer Kritiker einer durch falsche Anreize verzerrten Förderung der neuen erneuerbaren Energien, ist mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem er sagt, allfällige Neuinvestitionen würden «nur bei definitiv gesicherter, massgeblicher Förderung» gemacht.“
Anderswo wird auch gebettelt, aber nicht nur. Die Probleme werden dort angegangen, wo sie sind und gelöst werden können. Bei ENEL, BKW, Alpiq oder Axpo — alle diese Beispiele sind wie Repower Aktiengesellschaften in staatlichem Besitz — wurden die Spitzen der Geschäftsleitung ausgewechselt, oft auch der Präsident des Verwaltungsrats. Mit der Spitze der Geschäftsleitung wechselt oft auch die Einsicht und die Strategie, besonders auffällig bei ENEL. Bei der ebenfalls am Abgrund stehenden RWE ist endlich auch die Einsicht reif, dass es an der Spitze des Unternehmens einen Wechsel braucht. Die beiden Grossaktionäre der Repower drücken sich schon zu lange vor dieser längst überfälligen Erkenntnis. Schuld daran ist die Bündner Regierung, die den Präsidenten des Verwaltungsrats nominierte, nun aber nicht abberuft, obschon Rikli es weiterhin verpasst, die Geschäftsleitung neu zu besetzen.
Die Axpo, der andere Grossaktionär der Repower, würde den Ersatz von Eduard Rikli zweifellos begrüssen. Schon im Oktober 2012 liess Axpos Chefstratege, Niklaus Zepf, seinem Missmut über Rikli an einer Veranstaltung mit dem Titel «Wie denkt die Stromwirtschaft?» vor grossem Publikum freien Lauf: „Wenn Ihnen das [Repowers Projekt in Saline Joniche] nicht passt, wenden sich bitte an den Verwaltungsrat [der Repower]“, sagte er, „am besten an den Präsidenten!“ Die Axpo habe sich in der Repower gegen die Fortsetzung des umstrittenen Projekts für ein Kohlekraftwerk in Kalabrien gewandt, sei aber im Verwaltungsrat unterlegen, erklärte Zepf. Die Axpo scheint sich für eine Neubesetzung des Repower Präsidiums bei Mario Cavigelli nicht durchsetzen zu können.
Soll die Restschweiz für das Versagen und die Gleichgültigkeit der Bündner Politik bezahlen?
Gemäss Aussagen von Repower an der Generalversammlung 2012 (Auszug) flossen dem Kanton Graubünden von Repower in den vergangenen Jahren jeweils rund 30 Millionen Franken an Dividenden, Konzessionsgebühren und Steuern zu. Durch Rückführen dieser Einnahmen könnte der pro Kopf mit grossem Abstand reichste Kanton des Landes die Fehler der Repower-Führung wieder gutmachen. Es wäre eine Art, das Verursacherprinzip anzuwenden.
Regelmässig erhält der Bergkanton eine pro Einwohner rekordverdächtig hohe Summe aus dem nationalen Finanzausgleich und auch die von Repower verabscheute Förderung der neuen erneuerbaren Energien schlägt für die Bündner positiv zu Buche. Das Drängen der Bündner Lobbyisten und Politiker, einschliesslich der Ständeräte Engler und Schmid, um Subventionen für die „Wasserkraft“ muss vor diesen Hintergrund beurteilt werden. Dass der Bund, also die übrige Schweiz, wegen des Versagens und der Gleichgültigkeit der Mehrheit der Bündner Politiker bezahlen sollte, ist nicht einzusehen.
Der Deal mit der Grischelectra
Etwa die gleiche Menge Strom, den die Repower selbst in Wasserkraftwerken produziert, übernimmt sie zusätzlich von der Grischelectra zur Vermarktung. Präsident und Geschäftsführer des administrativen Konstrukts ist Ständerat Stefan Engler. Vizepräsident der Grischelectra ist Repowers CEO Kurt Bobst. In den Boomjahren, 2007 bis 2012, als die Schweizer Energiewirtschaft Milliarden an Gewinnen einstrich, war die Vereinbarung mit der Grischelectra für Repower vorteilhaft gewesen. Jetzt belastet sie Repowers Ergebnis zusätzlich. Die Grischelectra sammelt Strom aus Bezugsrechten von Bündner Gemeinden und des Kantons. Sie liefert Graubünden ein sogenanntes Aufgeld von 0,8 Rappen pro Kilowattstunde ab. Zwischen 2008 und 2013 flossen so jährlich zwischen etwa 4 und 5 Millionen Franken an Graubünden, davon einige hunderttausend Franken an einige Gemeinden, fast alles aber an den Kanton. Repower übernimmt von der Grischelectra gemäss einem langfristigen Vertrag den Strom zu Gestehungskosten der Kraftwerksgesellschaften plus „Aufgeld“. In den Jahren zwischen 2011 und 2014 bezahlte Repower für diesen Strom rund 5,8 Rappen pro Kilowattstunde. Das „Aufgeld“ des Kantons und der Grischelectra-Partnergemeinden beträgt stolze rund 15%. Von solchen Renditen kann Repower im Moment und bis auf lange Frist nur träumen. Die Grischelectra beschreibt den Sachverhalt in ihren Geschäftsberichten etwa so: Der Partnervertrag überträgt das kommerzielle Risiko ganz auf die verwertende Gesellschaft — also Repower. Der Kanton gewinnt, Repower verliert. (Die Axpo ist zwar auch an der Grischelectra beteiligt, die Grischelectra bezahlt aber in absoluten Zahlen praktisch keine Dividenden. Würde Repower Gewinn erwirtschaften und Dividenden zahlen können, gingen 33,7% dieser Dividenden an die Axpo-Kantone des Mittellandes. So aber bleiben stolze Gewinne aus der Wasserkraftnutzung im Kanton Graubünden.) Repower steht besonders schlecht da und kann in Bern als Beispiel für das Leiden der Wasserkraft als Ganzes dargestellt werden — wenn Repower nicht emblematisch für das angebliche Leiden des ganzen Kantons Graubünden dargestellt wird —, mit freundlicher Unterstützung der Bündner Medien (vgl. Bildausschnitt oben).
Wer nicht extrem hohe Gewinne mit Risiko wollte, sondern sich mit sehr hohen aber sicheren Renditen zufrieden gab, wie die Energiegenossenschaften oder der Unternehmer Matthias Willenbacher, verdiente mit frühen Investitionen in Wind- und Sonnenstromanlagen richtig viel Geld, mit Staatsgarantie für Jahrzehnte. Die Produktion des Tesla Roadster begann ernsthaft im Frühjahr 2008. Repowers Gaskraftwerk in Italien ging 2006 in Betrieb. Repower hätte bei Investitionen in Wind- und Sonnenenergie die Nase vorne haben können und wäre heute ein extrem profitables, von den tiefen Strompreisen praktisch unberührtes Unternehmen. Repower würde bewundert, nicht kritisiert oder verachtet. | Mit neuer erneuerbarer Energie richtig viel Kohle gemacht. Ausschnitt aus dem Film «Die 4. Revolution».
Tiefe Strompreise sind nicht das Hauptproblem und jedenfalls keine Entschuldigung
Die tiefen Strompreise wären auch ohne die nun nachteilige Vereinbarung mit der Grischelectra wegen Repowers eigenen Wasserkraftwerken und Beteiligungen lästig. Noch lassen sich abgeschriebene Wasserkraftwerke aber meist rentabel betreiben, kein grosser Reparatur- oder Erneuerungsaufwand vorausgesetzt. Auf ihren schon länger bestehenden Kraftwerken hat die Repower bisher auch nur gerade 3,5 Millionen ausserordentlich abgeschrieben.
Repower produziert nur knapp 800 Gigawattstunden aus eigenen Wasserkraftwerken und Beteiligungen. Selbst wenn Repower bei dieser Produktion viel drauflegen müsste, bliebe der Schaden bei wenigen Millionen Franken pro Jahr eng begrenzt. Der Verlust betrüge bei einer Unterdeckung von 1 Rappen pro Kilowattstunde nur gerade 8 Millionen Franken. Einen solch bescheidenen Aderlass hätte Repower ohne die verlustreichen Investitionen sehr lange durchstehen können. Vor allem aber: Einen solchen Verlust könnte das Unternehmen leicht mehrfach kompensieren, hätte Repower (wie zum Beispiel Matthias Willenbacher, vgl. Video oben) in die saubere Energietechnologie von morgen investiert, statt in Technologie von gestern.