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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Viertes Buch
12. Kapitel: Die Gebote des Alten und des Neuen Testamentes
1.
Die Überlieferung ihrer Vorsteher, die sie nach dem Gesetze zu beobachten vorgaben, war dem Gesetze des Moses entgegengesetzt. Deswegen sagt auch Isaias: „Deine Wirte mischen Wein mit Wasser“1 , indem er dadurch anzeigte, daß die Ältesten dem herben Gesetze Gottes ihre verwässerte Tradition beimischten und ein falsches, dem Gesetze widersprechendes Gesetz aufstellten. Das tut auch der Herr kund, indem er zu ihnen spricht: „Warum übertretet ihr das Gesetz Gottes wegen eurer Tradition?“2 Aber sie vereitelten nicht nur das Gesetz Gottes durch ihre Übertretung, indem sie Wasser mit Wein mischten, sondern bildeten sogar einen Gegensatz mit ihrem Gesetz, das bis heute das pharisäische genannt wird. Darin wird einiges fortgenommen, anderes hinzugefügt, einiges nach ihrem Willen ausgelegt, welcher Stellen sich ihre Lehrer besonders bedienen. Indem sie auf diese Überlieferungen besonderes Gewicht legten, wollten sie sich dem Gesetz nicht unterordnen, das sie für die Ankunft Christi erzog, und tadelten noch den Herrn, daß er am Sabbat heilte, was, wie wir vorher gezeigt haben, das Gesetz nicht verbot. Heilten sie doch selbst in gewisser Hinsicht, indem sie den Menschen am Sabbat beschnitten, und tadelten sich selber nicht, wenn sie auf Grund ihrer Tradition und des vorgenannten pharisäischen Gesetzes das Gesetz Gottes übertraten und die Vorschrift des Gesetzes nicht hielten, d. h. die Liebe Gottes.
1: Jes. 1,22
2: Mt. 15,3