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Um die bisherige Entwicklung der Corona-Epidemie in verschiedenen Ländern zu vergleichen, ist die Statistik der «an oder mit» oder «in Verbindung mit» Covid-19 Verstorbenen am verlässlichsten. Denn die sogenannten Fallzahlender positiv Getesteten sind wenig aussagekräftig, da sie stark davon abhängen, wie intensiv in einem Land getestet wird und welche Testmethoden zur Anwendung kommen.
Die Johns Hopkins-Universität, welche die nationalen Statistiken zusammenträgt, gibt die Zahlen der an oder mit Corona Verstorbenen mit Stand vom 11. Dezember wie folgt an:
Doch auch diese Zahlen der Verstorbenen sind nur bedingt miteinander vergleichbar. Denn die Todesursache «Covid-19» wird nicht überall gleich erhoben. Einige grosse Spitäler in der Schweiz testen einfach sämtliche aufgenommenen Patientinnen und Patienten auf Sars-Cov-2. Wenn einige der positiv Getesteten sterben, weist die Statistik der Gesundheitsbehörden sie als Corona-Tote aus, auch wenn sie an einem Herzinfarkt, einer Lungenentzündung oder an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben sind. In Gegensatz dazu zählte Grossbritannien – ein Extremfall – während der ersten Corona-Welle die Todesfälle in Spitälern gar nicht mit.
In Alters- und Pflegeheimen wiederum werden Todesfälle ebenfalls unterschiedlich erfasst. In Belgien wurden dort anfänglich nicht nur alle Verstorbenen mitgezählt, welche auf Covid-19 positiv getestet wurden, sondern sogar alle jene, bei denen auch nur ein Verdacht bestand, es könnte einen Zusammenhang mit dem Virus bestehen.
Am aussagekräftigsten wäre ein Vergleich der Übersterblichkeiten in den verschiedenen Ländern. Doch eine Statistik mit den absoluten Zahlen pro Million Einwohner war nicht zu finden.
Trotz den genannten Einschränkungen sind die nationalen Statistiken der Covid-19-Todesfälle vergleichbarer als die sogenannten Fallzahlen der positiv Getesteten.
Ursachen der grossen Unterschiede
Die enormen Unterschiede der Sterblichkeit an Covid-19 sind nur zu einem kleinen Teil auf das Virus zurückzuführen, weil sich dieses von Land zu Land nur wenig verändert und sich unterdessen überall – wenn auch mit zeitlichen Unterschieden – verbreitet hat. Auch die unterschiedliche Qualität des Gesundheitswesens kann eine Rolle spielen, jedoch ebenfalls eine untergeordnete. Zu den wichtigsten Faktoren, welche die Sterblichkeit beeinflussen, gehören folgende:
- Der Anteil der über 70-Jährigen in der Bevölkerung. Unter allen Verstorbenen waren in der Schweiz bisher 92 Prozent im Alter von 70 und höher. In Deutschland waren es 87 Prozent. Im obigen Vergleich werden Länder verglichen, die alle eine eher überalterte Bevölkerungspyramide haben. Trotzdem bestehen zwischen den Ländern natürlich Unterschiede.
- Der Anteil der Menschen, die in prekären Verhältnissen und an stark umweltbelasteten Orten leben, beispielsweise in städtischen Vororten. Die dort Lebenden sind gesundheitlich meist stark vorbelastet. (Beispiele Deutschland, Grossbritannien, USA)
- Die Bevölkerungsdichte kann ebenfalls eine Rolle spielen. So leben pro Quadratkilometer in Norwegen nur 16 Personen, in Schweden 22, in den USA 33, in Finnland 118, in der Schweiz 206, in Deutschland 231 und in Belgien 367. Entscheidend wäre jedoch, wie viele Einwohner in Städten und Stadtagglomerationen leben. Diese Vergleichsstatistik ist nicht erhältlich.
Norwegen und Finnland mit sehr wenigen Todesfällen
In Skandinavien kam es bisher zu äusserst wenigen Todesfällen wegen Covid-19. Eine Ausnahme ist Schweden mit 748 Verstorbenen pro Million Einwohner. Das sind sechs Prozent weniger als in der Schweiz und über zwanzig Prozent weniger als in den USA oder in Grossbritannien.
Reporterinnen der Bild-Zeitung wollten in Finnland erfahren, weshalb es dort pro Million Einwohner bisher nur 600 positiv Getestete und nur 83 Todesfälle gab. Selbst bei den über 70-Jährigen kam es in Finnland bisher wie zu erwarten zu keiner Übersterblichkeit.
Geschäfte, Restaurants und Bars (bis 23.00 Uhr) waren die meiste Zeit und auch gegenwärtig geöffnet. Allerdings wurde im Frühjahr die Hauptstadt während drei Wochen abgeriegelt, wie die NZZ berichtete. Bis heute gab es in Finnland keine Demonstrationen, weder von Querdenkern noch Impfgegnern. Lehrerinnen der deutschen Schule in Helsinki erklärten, Finninnen und Finnen würden Abstandsempfehlungen der Regierung diszipliniert befolgen und seien ohnehin nicht so gesellig und kussfreudig wie andere. Die Finnen seien auch sehr stark bei der Online-Verfolgung von Ansteckungsketten. Die Soziologin Marina Lindell meinte in der NZZ, in der finnischen Gesellschaft herrsche eine starke soziale Kontrolle, so dass Empfehlungen sehr gut eingehalten würden.
Die Behörden des Flughafens Helsinki präsentierten speziell dressierte Hunde, die Einreisende identifizieren, die das Virus tragen. Die Hunde seien im Aufspüren von Virusträgern ebenso effizient wie der sonst verwendete PCR-Test, meinte eine Verantwortliche. Ankommende Passagiere brauchen nur mit einem Tuch den Hals abzustreichen. In einem separaten Raum beschnüffeln die Hunde das Tuch. Es ist das erste Pilotprojekt dieser Art in Europa.
Für Schulen nur Empfehlungen
Die Regierung belässt es weitgehend bei Empfehlungen, auch für Primar- und Mittelschulen. Doch diese Empfehlungen würden in ganz Finnland sehr gut eingehalten, erklärt die Leiterin der deutschen Schule in Helsinki.
Was Länder wie Deutschland oder die Schweiz von Finnland möglicherweise lernen könnten, müssten unsere Behörden und grosse Medien vor Ort gründlich abklären.
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine.