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Asahi-Zeitung berichtete am 31. Dezember, dass einige radioaktiv kontaminierte Autos ausserhalb des AKW-Areals in Verkehr gebracht wurden.
Als die Erde in Nordjapan bebte, arbeiteten gerade 6’415 Menschen im AKW Fukushima I. Der Betreiber Tepco weiss aber nicht, wie viele PKWs damals auf dem Parkplatz waren und wie viele davon aus dem Areal gebracht wurden.
Im Juni merkte ein Garagist in der Präfektur Fukushima bei der Reparaturarbeit eines Wagens, dass er mit einer hohen Strahlen verseucht war. Der Wagen hat tatsächlich im Areal gestandenen, als der Unfall sich ereignete. Danach wurde wieder ein kontaminierter Wagen zu ihm gebracht. Er gehörte einem Tepco-Angestellter. Der Wagen, dessen Reparatur der Garagist verweigert hatte, steht heute auf dem Parkplatz vor dem Haus des Besitzers. Die Nachbarschaft der Stadt Iwaki reklamierte bei der Familie und Behörde, aber die Situation änderte sich bis jetzt nicht.
Die Familie offenbarte jedoch dafür, dass ein Verwandter, ebenfalls Tepco-Angestellter, ein verseuchtes Auto verkauft hat. Nach Recherchen der Asahi-Zeitung wurde der Wagen bei einer Gebrauchtwagen-Auktion in der Präfektur Chiba versteigert und schliesslich durch einen ahnungslosen Händler nach Südostasien exportiert.
Laut Tepco’s Informationsabteilung hätte der AKW-Betreiber am 23. März mit einer Untersuchung der Fahrzeuge angefangen. „Wir gehen davon aus, dass sie schon vorher vom Areal gebracht wurden.“ Tepco hätte noch keine Massnahme dazu getroffen.
Über die scharfe Kritik an Tepco durch eine Expertenkommission haben die Medien des deutschsprachigen Raums auch berichtet. In der japanischen Nikkei-Zeitung war einige Reaktionen der betroffenen Menschen zu lesen.
Zum Beispiel empört sich eine 48-järige Frau, die aus dem Dorf Iidate in die Stadt Fukushima samt ihrer Familie flüchtete. Sie verliessen das Dorf erst am 18. April. „Das Amt gab uns keinerlei Anweisungen, ich beurteilte die Situation selber, durch TV-Nachrichten. Mit Anweisungen hätten wir aber viel früher evakuieren können.“ Eine ihrer Enkeltöchter ist sieben Jahre alt. Sie hat bis zur Evakuierung draussen gespielt. Die Grossmutter ist heute wegen der Strahlenbelastung von den Enkelkindern besorgt.
Die Wut eines 57-jährigen Mannes aus der Gemeinde Futaba, die nur ca 3.5 km vom AKW liegt, lässt auch nicht nach. Am 12. März hat er vom Katastrophenschutz-Funk vernommen, dass man entweder zu Hause bleiben oder mit dem eigenen Auto in die Gemeinde Kawamata flüchten soll. Er wohnt mit seiner Familie und seine Mutter hat Demenz. Deshalb zog er vor, zu Hause zu bleiben. Nach dem Sonnenuntergang war aber im Amthaus sowie im Evakuierungsgebäude menschenleer. Zufällig kam da ein Wagen von den Selbstverteidigungsstreitkräften vorbei und er erfuhr, dass aus dem AKW Cäsium aussickert. „Wenn ich vom Unfall gewusst hätte, wären wir sofort geflüchtet. Mir kommt es gleich vor, als ob sowohl der Statt als auch die Gemeinde uns einfach sitzen liessen. Das kann ich nie verzeihen.“
Frauen in Rikuzentakada stellen Schlüsselanhänger „Gare:Keyholder“ aus Schutt und Trümmer her, die der Tsunami vom 11. März auf dem Lande hinterliessen. „Gare“ kommt von „Gareki“, das heisst auf Japanisch Trümmer, Keyholder bedeutet auf Englisch Schlüsselanhänger.
Im Trümmer suchen die Frauen von der Präfektur Iwate mit der Hilfe von Katastrophenhilfsorganisationen Waren für den täglichen Bedarf wie Eimer oder Sieb. Die gesammelte Plastik wird sorgfältig gewaschen und mit der Schere und Laubsäge zu einem 3 bis 4 cm grossen Stückchen geschnitten. An einen Beschlag werden mehrere Stücke aus verschiedenen Farben angelegt.
Der Schlüsselanhänger wird an Restaurant und Coiffeur in Präfekturen Okayama und Hokkaido für 600 Yen (ca. 7 Franken) pro Stück verkauft. Jede Frau, die ihn herstellt, erhält 100 Yen pro Stück.
Laut Asahi-Zeitung haben im November rund 15 Frauen 3’700 Stück produziert und versandt können, bis Ende Dezember wird es 10’000 Stück werden.
Initiiert hat das Projekt Hajime Nakata aus Hokkaido. Er zog nach der Katastrophe nach Rikuzen-Takada ein.
Er wollte für die Frauen, die durch den Tsunami ihre Hab und Gut verloren haben, eine Arbeit finden.
http://11shokunin.com/keyholder/ (Japanisch)
Gemäss einer Berechnung von der Asahi-Zeitung sind nach dem Atomunfall von Fukushima bis heute mindestens rund 462 Billionen Strontium ins Meer gelangt. Für die Berechnung wendete der Verlag vor allem Daten von Tepco an.
In den 70er Jahren wurden von der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield schätzungsweise 500 Billionen Bq/J Strontium 90 als verschmutztes Wasser ins Meer geleitet. Die Werte von Fukushima ist auch fast so hoch wie jene von England.
Eingenommenes Strontium wird kaum aus dem Körper ausgeschieden, sondern oft in Knochen eingelagert. Untersuchungen von Fischen und Meeresfrüchten, eine wichtige Nahrungsquelle für Japaner, wären deswegen notwendig. Sie durchzuführen ist jedoch nicht einfach, weil eine Messung schon einige Wochen fordert und Strontium meistens mit Cäsium zusammen vorkommt. Das japanische Fischereiamt überprüft eine Intensivierung des Stichprobenverfahrens.
Zur Zeit sind 90% der gesamten AKWs in Japan vom Netz. Japaner müssen während des Winters wieder Strom sparen.
Kepco, der Stromversorger von Osaka, rechnet mit einem Strom-Mangel von 8% im Februar und 6.1% im März am Maximalbedarf, weil im Februar alle von ihr betriebenen AKWs wegen einer Revision abgestellt werden müssen. Bei Kepco kommt die Hälfte des Stroms aus Kernenergie.
Auch auf der südlichen Insel Kyushu, sowie im Norden muss man sparsam mit Strom umgehen. In der Region Tohoku stehen seit dem Erdbeben vom März alle Kern- und einige Wärmekraftwerke still. Viele Wasserkraftwerke nahmen beim starken Regen vom vergangenen Juli grosse Schaden und die Reparaturarbeiten kommen nur langsam voran.
Das Klima im Norden ist sehr rau. Momentan klettert das Quecksilber nur knapp über den Gefrierpunkt.