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Nach einem sonnigen und milden Tag löste Regen bis 2400 m viele Nass- und Gleitschneelawinen aus. Darauf folgte fast nahtlos ein Sturm mit Schnee bis in tiefe Lagen. Beide Ereignisse sorgten im Westen und im Norden gebietsweise für grosse Lawinengefahr. Es gingen zahlreiche mittlere und grosse, vereinzelt auch sehr grosse nasse und trockene Lawinen ab. Weniger kritisch waren die Verhältnisse in Südbünden und im Tessin.
Der Lawinenaktivitätsindex gibt einen guten Überblick über eine ereignisreiche Berichtsperiode (vgl. Abbildung 1).
Freitag, 31.01.: Mit markanter Erwärmung viele spontane Lawinen
In der Nacht auf Freitag fielen im Norden und in Nordbünden oberhalb von rund 2000 m einige Zentimeter Schnee. Nach einem bewölkten Start hellte es im Tessin und aus Westen auf. Aufgrund der bewölken Nacht, Regen, hoher Lufttemperatur und diffuser Strahlung durch die tiefliegenden, sich zögerlich auflösenden Wolken wurden die obersten Schneeschichten stark erwärmt. Diese Erwärmung führte zu vielen spontanen und durch Personen ausgelösten Lawinen. Der Schneedeckenaufbau war offenbar so schwach, dass die Erwärmung und der wenige Regen ausreichten, um die spontanen Lawinen zu verursachen. Die Auswirkungen dieser Erwärmung waren in der Prognose unterschätzt worden. Zwar ging der Lawinenwarndienst davon aus, dass Lawinen leicht ausgelöst werden konnten, spontane Lawinen wurden im Bulletin aber nicht erwähnt (vgl. Abbildung 2 und 3).
Samstag, 01.02.: Zunächst Sonne, dann Regen
In der klaren Nacht auf Samstag, 01.02. konnte die Schneeoberfläche verbreitet gut abkühlen. An der feuchten Schneeoberfläche entstand eine meist brüchige Kruste. Es stellte sich die Frage, wie weit die Erwärmung und Abkühlung die Schneedecke bereits stabilisieren konnten. Es war davon auszugehen, dass die Wärme oberhalb von rund 2000 bis 2200 m und in den inneralpinen Gebieten noch nicht bis in die prominenten Schwachschichten eingedrungen war und Lawinenauslösungen dort noch wahrscheinlich blieben. Mehrere durch Personen ausgelöste Lawinen bestätigten dies (vgl. Abbildung 4). Diese Lawinen hatten einiges gemeinsam: Sektor Nord, fast alle oberhalb von rund 2500 m, Kantone Wallis und Graubünden.
Tagsüber zog aus Westen Niederschlag auf. Die Schneefallgrenze lag erneut bei rund 2000 m. Mit dem Regen setzte im Norden auch starker Westwind ein.
Sonntag und Montag, 02.02. und 03.02.: Der grosse Regen
Bis Sonntagmorgen fielen erst wenige mm Regen. Die Schneefallgrenze sank in der Nacht auf Montag vorübergehend bis 1600 m. Tagsüber intensivierten sich die Niederschläge und die Schneefallgrenze stieg im Westen auf sehr hohe 2400 m, im Osten bis 2200 m. Bis Montagabend kamen beachtliche Niederschlagssummen zusammen (vgl. Abbildung 5). Zusammen mit dem Regen wurde auch Saharastaub in einem Bogen über den Atlantik in die Alpen gebracht.
Regen und Neuschnee waren in dieser Phase nicht die einzigen lawinenbildenden Faktoren. Der Niederschlag wurde begleitet von starkem bis stürmischem Wind aus westlichen Richtungen.
Der Regen löste einen markanten Nassschneelawinen-Zyklus aus (vgl. Abbildung 1). Die meisten Lawinen lösten sich zwischen Sonntagnachmittag und Montagmorgen. Zum einen waren da die Niederschläge sehr intensiv und die Schneefallgrenze am höchsten. Es gingen viele mittlere und grosse, vereinzelt auch sehr grosse Lawinen ab. Dabei stiessen einige Lawinen auch in die Nähe von Strassen vor, die Volumina der Ablagerungen waren aber nicht besonders gross (vgl. Abbildung 6 und 7).
Dienstag, 04.02. und Mittwoch, 05.02.: Schneesturm
In der Nacht auf Dienstag zog eine Kaltfront mit Sturm über die Schweiz. Die Schneefallgrenze sank rasch in tiefe Lagen. Am Mittwoch fiel im Osten noch Schnee, im Westen wurde es ziemlich sonnig. Der starke bis stürmische Nordwind hielt an. Am meisten Neuschnee fiel am Alpennordhang, im Wallis und in Graubünden (vgl. Abbildung 8).
Für Mittwoch, 05.02. wurde im Wallis, am nördlichen Alpenkamm und in Graubünden erneut gebietsweise grosse Lawinengefahr prognostiziert. Nebst spontanen wurden auch sehr viele mittlere und grosse, vereinzelt sehr grosse gesprengte Lawinen gemeldet, diesmal fast ausnahmslos trockene. Eine auf der Belalp (VS) gesprengte Lawine kann sogar als extrem grosse Lawine bezeichnet werden (vgl. Abbildung 9). Einzelne Lawinen wurden auch durch Personen ausgelöst.
Donnerstag, 06.02.: meist sonnig und milder
Mit viel Sonne, schwachem bis mässigem Wind aus Nordost und milderen Temperaturen war der Donnerstag ein idealer Tourentag (vgl. Abbildung 10). Die Lawinengefahr war noch erheblich (Stufe 3).
Im Osten, wo es am Vortag noch bewölkt war, wurden viele Sprengaktionen zur Sicherung von Pisten und Strassen durchgeführt. Dabei wurden einige meist mittlere bis grosse Lawinen ausgelöst (vgl. Abbildung 11).
Durch den starken Regen nahmen die Schneehöhen in tiefen und mittleren Lagen ab. Der Schneefall zum Ende dieser Berichtsperiode konnte diese Abnahme nicht wettmachen. Während die Schneehöhen oberhalb von rund 2000 m verbreitet durchschnittlich, im Wallis und im Tessin sogar leicht überdurchschnittlich waren, lag an den tiefer gelegenen manuellen Messfeldern verbreitet weniger Schnee als im langjährigen Mittel. Einzig im westlichen Wallis, im Goms, in der Region Davos und im nördlichen Engadin entsprachen die gemessenen Schneehöhen dem Durchschnitt.
Am Freitag, 31.01. wurden dem Lawinenwarndienst 6 Lawinenunfälle gemeldet in welchen 13 Personen erfasst und eine ganz verschüttet wurde. Zudem verursachte eine spontane Lawine in der Gemeinde Savièse (VS) einen Sachschaden an einer Brücke. Am Samstag, 01.02. wurden im Raum Davos in 4 Lawinen in Summe 4 Personen erfasst. Eine weitere Lawine mit 2 erfassten Personen ereignete sich am Mittwoch, 05.02. in Bourg-St-Pierre.
Trotz vieler Lawinen gab es diese Woche glücklicherweise keine schwer verletzten Personen oder Todesopfer zu beklagen und es wurden wenig Sachschäden verursacht.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.