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«Aerial Anarchist» wird Raphael Pirker auch genannt, zu deutsch «Anarchist der Lüfte». Der Schweiz-Österreicher, der von Hongkong aus Drohnen und Zubehör vertreibt, war bisher bekannt für seine aussergewöhnlichen Luftaufnahmen. Die New Yorker Freiheitsstatue, das Wrack der Costa Concordia und die französischen Alpen hat er beispielsweise mit den Flugrobotern aufgenommen. Doch nicht alle sind davon begeistert: Die amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA hatte Pirker vor drei Jahren 10'000 Dollar Strafe auferlegt, weil er eine Drohne «rücksichtslos» über den Campus der University of Virginia gesteuert habe.
Die FAA warf Pirker damals vor, dass die dabei entstandenen Aufnahmen später für einen Werbefilm verwendet wurden - und jegliche kommerzielle Nutzung der unbemannten Flugsysteme ihren Regeln zufolge untersagt sei. Es gebe jedoch kein anwendbares Gesetz dafür, befand ein US-Richter vergangene Woche. Also muss Pirker nicht zahlen.
Mit ihm freuen können sich unzählige weitere Unternehmer, die Drohnen gerne für ihre eigenen Zwecke nutzen möchten. Denn bisher untersagte ihnen die FAA dies noch mit Verweis auf diese eigene Richtlinie von 2007. Seitdem war es der Behörde nicht gelungen ein vernünftiges Gesetz zu entwerfen und einzuführen.
«Gewaltiges Interesse»
Derweil vermehrten sich die Anwendungsmöglichkeiten mit dem technischen Fortschritt: Zur Überwachung landwirtschaftlicher Anbauflächen oder Ölpipelines, für Kommunikations- und Lieferdienste wie auch bei Such- und Rettungsaktionen. «Es gibt ein gewaltiges Interesse an dieser Technik. Jeden Tag höre ich von einer neuen Idee, die Phantasie der Menschen kennt kaum Grenzen», sagt Pirkers Anwalt Brendan Schulman von der Kanzlei Kramer Levin in New York. «Die Technologie ist den Aufsichtsbehörden weit voraus.»
Erst vergangene Woche berichteten US-Medien unter Berufung auf informierte Kreise, dass Facebook an einer Übernahme des US-Drohnenhersteller Titan Aerospace interessiert sei, um mithilfe der unbenannten Flugsysteme Internetzugänge in Entwicklungsländern zu ermöglichen. Ende des vergangenen Jahres hatte Amazon-Chef Jeff Bezos Drohnen bereits für einen Premium-Lieferservice von Online bestellten Produkten ins Spiel gebracht. Waginskapitalgeber stürzen sich bereits auf die Branchen - auch wenn umfassende Regeln der FAA bisher noch ausstehen.
Berufung
Gegen das Gerichtsurteil will die FAA zwar Berufung einlegen, kündigte die Behörde umgehend an. «Diese Entscheidung könnte den sicheren Ablauf des nationalen Luftfahrtsystems und die Sicherheit von Menschen und Eigentum am Boden beeinträchtigen», teilte das Amt mit. Nicht ganz zu Unrecht, sollte doch die Sicherheit oberste Prämisse bleiben.
Allerdings dürfte sich nun der Druck auf die FAA erhöhen, dass sie endlich umfassende verbindliche Regeln für die kommerzielle Drohnennutzung festlegt. Denn der aktuelle «Graubereich», wie viele bemängeln, hemme den Durchbuch der Branche. Das Potenzial ist heute aufgrund der vielen Unsicherheiten noch schwer abzuschätzen. Doch der Branchenverband «Association for Unmanned Vehicle Systems International» hat eine Prognose gewagt: Eine vollständige Integration von Drohnen in den US-Flugraum könnte in den Jahren von 2015 bis 2025 einen Umsatz von rund 82 Milliarden Dollar generieren und mehr als 100'000 neue Arbeitsplätze schaffen.