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– 29.05. 2020 –
Erste Verkäufe
Das amerikanische Department of the Navy kaufte am 10. August 2002 in einem einzigartigen «umgekehrten» Foreign Military Sales (FMS)-Verfahren 32 gebrauchte F-5E Tiger II in der Schweiz ein, die alle bis Juni 2008 als F-5N vor allem für realistisches Training bei den Aggressor-Staffeln der U.S. Navy in Dienst gestellt wurden. Die demontierten Maschinen wurden von C-130T Hercules Transportern der Navy Reserve paarweise in Emmen abgeholt und zum Northrop Grumman-Werk in St. Augustine, Florida gebracht. Der letzte dieser Abholflüge erfolgte am 26.10.2007. Bei Northrop-Grumman fand eine komplette Überholung einschliesslich des Austauschs von Strukturteilen und weiterer Modifikationen statt. Drei der Schweizer F-5E wurden mit einer neuen Bugsektion zu Doppelsitzern umgebaut und erhielten danach bei der Navy die Bezeichnung F-5F. Neben der Staffel VFC-13 in Fallon, die ihre erste F-5N am 16. März 2004 übernahm, wurden zwei weitere Staffeln mit den überholten F-5E aus der Schweiz ausgestattet. Ein Dutzend gingen zur Marine-Corps-Einheit VMFT-401 «Sniper» in Yuma, Arizona und etwa ein Dutzend Flugzeuge zur VFC-111 «Sundowners» in Key West, Florida.
Zusätzlich zu den an die USA verkauften Flugzeugen wurden drei weitere F-5E aus unterschiedlichen Gründen liquidiert.
Reportage von René Zürcher
Hinter der Seriennummer 761580 / 20 der USN verbirgt sich die ehemalige J-3055 der Schweizer Luftwaffe. Die Aufnahme wurde am 12. Oktober 2012 auf der Marine Corps Air Station Miramar gemacht. Die Maschine wurde mit Hilfe eines Vorder- und Hinterrumpfes eines alten Navy Doppelsitzers zu einem F-5FN umgebaut.
Zweite Runde
Später wurden von den USA noch weitere 12 Schweizer F-5E Tiger II gekauft, sodass schliesslich insgesamt 44 Tiger für $50 Millionen an die U.S. Navy gingen. Die letzte dieser Maschinen, ein Einsitzer F-5N Tiger II, wurde der Navy am 29. April 2009 in St. Augustine mit einer Zeremonie übergeben. Die bei Northrop Grumman innert fünf Monaten überholten und modifizierten Flugzeuge sollten bei der Navy bis 2015 weiter fliegen.
Das Flugzeug J-3055 wurde am 10. August 2007 an Bord eines C-130 der US Navy von Emmen in die USA überflogen.
J-3055 vor dem Flug nach Emmen – USA
Spezielle Verwendung J-3055
Dieses Flugzeug wurde für die Schiesskampagne 1981 in Vidsel (SWE) mit einer speziellen Telemetrieausrüstung versehen, um alle Parameter der „Hot-Einsätze“ mit Sidewinder -Lenkwaffen minutiös auswerten zu können. Ich habe selbst AIM-9P-3 geschossen.
J-3055 vor dem Unterstand in Vidsel
Nächste Runde
Gemäss einer Meldung vom 15. Dezember 2019 in der NZZ wird die Schweizer Luftwaffe voraussichtlich weitere 22 Tiger-Kampfjets los. Wie die «Sonntags-Zeitung» berichtet, sind im sogenannten President’s Budget von Donald Trump für das Jahr 2020 bei der US Navy 40 Millionen $ für den Kauf eingestellt. Die Auslieferung der betagten F-5 Tiger soll ab Januar 2021 erfolgen. Die Flugzeuge werden in den USA überholt und dann als „Feind-Darsteller“ eingesetzt.
Ein weiterer CH TIGER bei den MARINES
Dieser geplante Handel geht auf die Armee-Botschaft 2018 zurück, in der der Bundesrat die Ausserdienststellung von nicht mehr benötigten Waffensystemen beschlossen hat. Dazu gehören 27 Stück der zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen 53 F-5-Tiger Kampfflugzeuge.
In der Schweiz sollen die verbleibenden 26 Flugzeuge zur Entlastung der F/A-18 Hornet von Nebenaufgaben weiterhin eingesetzt werden, insbesondere für die Zieldarstellung im Training, für die Überwachung der Radioaktivität oder für die Patrouille Suisse. Pläne, die Kunstflugstaffel auf Flugzeuge des Typs F/A-18 Hornet umzustellen oder ganz aufzugeben, wurden nicht weiterverfolgt.
Vier Jahre in Österreich im Einsatz
Um in Österreich die Lücke zwischen der Ausserdienststellung der Saab Draken und der Einführung des Eurofighters überbrücken und die Luftraumüberwachung sicherstellen zu können, schlossen die Schweiz und Österreich im April 2004 einen Rahmenvertrag zur Vermietung von insgesamt zwölf F-5E Tiger der Schweizer Luftwaffe ab. Miete Pro Jahr: 14 Mio €. Der Mietvertrag zwischen Österreich und der Schweiz umfasste neben den 12 F-5E die Logistik für eine Einsatz- und eine Ausweichbasis und regelte die Unterhalts- und Ausbildungsfragen. Unmittelbar nach der Freigabe des Transfers wurde in Dübendorf mit der Umschulung von Piloten und Bodenpersonal aus Österreich begonnen. Am 9. Juli 2004 erfolgte die offizielle Übernahme durch die Luftwaffe von Österreich. Nach vier Jahren wurden die Flugzeuge wieder auf den Schweizer Standard modifiziert und zurückgegeben.
Text: Rudolf Wicki Fotos: René Zürcher, LW, Rudolf Wicki