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Die beiden Partnerorganisationen, Caatinga und Sabiá, welche dieses Vorhaben gemeinsam durchführen, haben nahezu drei Jahrzehnte Erfahrung in der Zusammenarbeit mit vulnerablen Bauernfamilien im semiariden Lebensraum. Beide Organisationen waren mehrmals erfolgreich in der Umsetzung von Lobbying-Aktionen und verfügen über grosse Erfahrung bei der Durchführung von innovativen Wasserprojekten.
Im vorliegenden Projekt werden die Lebensbedingungen von 100 Kleinbauernfamilien (rund 500 Personen) im semiariden Lebensraum verbessert. Die begünstigen Bauernfamilien besitzen in der Regel kleine Grundstücke zwischen einem und zwanzig Hektaren. Auf Grund ihres geringen Einkommens erhalten jedoch die meisten eine finanzielle Unterstützung durch das staatliche Sozialprogramm «Bolsa Familia». Durch die Einführung von Agroforstsystemen und Technologien zum Aufbereiten von Haushaltsabwasser wird die Wasserverfügbarkeit erhöht und die landwirtschaftliche Produktion gesteigert.
Eine Komponente des Vorhabens ist die Einführung einer Technologie zum Sammeln und Aufbereiten von Grauwasser, das heisst von gering verschmutztem Haushaltsabwasser. Dabei wird in Zusammenarbeit mit den beteiligten Bauernfamilien in jedem der 100 Haushalte eine Anlage installiert, die aus einem vierstufigen biologischen Filter, einer Zisterne zur Sammlung des aufbereiteten Grauwassers sowie einem einfachen Bewässerungssystem besteht. Die Anlage reicht für die tägliche Aufbereitung von bis zu 500 Litern Grauwasser. Die Familien nutzen das rezyklierte Wasser für die Produktion von Gemüse, Früchten, Grünfutter und Heilpflanzen. Auf diese Weise verbessern sie ihre Ernährung und sind in der Lage kleinere Überschüsse zu erwirtschaften, die sie auf dem lokalen Markt verkaufen und damit ihr Einkommen aufbessern.
Gleichzeitig leitet das Projektteam die Kleinbauernfamilien dazu an, sogenannte Agroforstsysteme anzulegen – Landnutzungssysteme, bei denen auf der gleichen Fläche Ackerkulturen mit Bäumen und/oder Tierhaltung kombiniert werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Systeme die Fähigkeit haben, grössere Mengen Kohlendioxid zu binden und somit zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen. Darüber hinaus führen Agroforstsysteme zu einer Verstärkung und Verdichtung der Flora, wodurch eine Verlangsamung der Wüstenbildung bewirkt wird. Dadurch können die Produktionsgrundlagen der Kleinbauernfamilien langfristig erhalten werden.
Das Projekt beschränkt sich jedoch nicht ausschliesslich auf die direkte Unterstützung der Bauernfamilien. Ein weiterer Fokus der beiden Partnerorganisationen ist die Beeinflussung der staatlichen Politik für semiaride Gebiete. In gezielten Veranstaltungen sollen Vertreterinnen und Vertreter staatlicher Behörden für den Mehrwert und die Verbreitung der sozialen Technologien gewonnen werden, damit diese Eingang in öffentliche Politiken finden. Darüber hinaus sind Caatinga und Sabiá in regionalen, nationalen und internationalen zivilgesellschaftlichen Netzwerken aktiv, um die Herausforderungen des semiariden Lebensraums, Massnahmen zur Desertifikationsbekämpfung und zur Anpassung an den Klimawandel sowohl in Brasilien als auch in Lateinamerika zu verbreiten. Zu diesem Zweck produzieren sie Informationsbroschüren sowie Radio- und Social Media-Programme, in denen die Problematik der Region und die angewandten Lösungsansätze publiziert werden.