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HIV-Primoinfektion: Wichtige Diagnose für HIV-Sekundärprävention
Die Gefahr, HIV zu übertragen, ist besonders während der HIV-Primoinfektion gross. In einem mathematischem Modell haben Kollegen aus Chapel Hill HIV-RNA Daten aus Spermaproben von Patienten mit Primoinfektion analysiert und daraus den zeitlichen Ablauf der Viruskonzentration während der Primoinfektion abgeleitet.
In dieser im JID publizierten Arbeit wurden Spermaproben von Patienten mit HIV-Primoinfektion analysiert. Wir hatten im Rahmen einer von Glaxo unterstützten Studie (QUEST) Spermaproben von insgesamt 33 Männern mit HIV-Primoinfektion in St. Gallen untersucht. Zusammen mit den Resultaten von Patienten aus einer Primoinfektionsstudie aus North-Caroline konnte nun gemeinsam eine grosse Zahl von Messresultaten in dieses Mathematische Modell eingeführt werden. Das Modell sagt voraus, dass während der HIV-Primoinfektion die Viruslast (freies Virus) in der Samenflüssigkeit auf gut das Zehnfache ansteigt. Die Maximale Infektiosität ist ungefähr 20 Tage nach Symptombeginn erreicht.
Diese Arbeit gibt Auskunft über den Verlauf der HIV-Konzentration im Sperma. Sie gibt aber indirekt auch Informationen über die Dauer der Infektiosität. Während einer Zeitspanne von ca. 6 Wochen, also weit länger als die Dauer der symptomatischen Phase der HIV Infektion, ist Infektiosität der frisch infizierten Person noch deutlich erhöht. Dies ist ein wichtiges Argument für die Früherkennung von Patienten mit akuter HIV-Infektion. Diese Phase der Infektion sollte unbedingt häufiger erkannt werden.
Die hohe Infektiosität während der HIV-Primoinfektion wurde schon lange vermutet und in den letzten Jahren mit verschiedenen Methoden erhärtet. Eine interessante Studie ist auch die Arbeit von Sabine Yerly aus Genf, welche von kürzlich infizierten Patienetn Virussequenzen untersuchte und miteinander verglich. Dabei fand sie heraus, dass ca. 30% aller frisch infizierten Personen ein Virus hatten, welches ebenfalls bei einer anderen Person mit frischer Infektion zu finden war. Mit anderen Worten, etwa ein Drittel aller sexuell übertragenen HIV-Infektionen in der Schweiz geschehen mit einem Partner, der gerade kürzlich infiziert wurde, resp. eine Primoinfektion aufweist. (Yerly et al, AIDS 2001).
Obwohl wir wissen, dass etwa 70% aller HIV-Infektionen ein akutes Krankheitsbild zur Folge haben, erkennen wir in der Schweiz nicht einmal 5% aller HIV-Infektionen während dieser Phase. Dies ist sicher eine „missed opportunity“, die wir durch eine bessere Information der Ärzteschaft noch verbessern können.