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Wie der Hochwasserschutz unterging14.09.2023 Kultur&Natur, Romanshorn
Es war eine jahrelange Auseinandersetzung, die zur Verpflichtung der Behörden führte, Abflussregimes am Bodensee zu unterlassen. Redaktor Thomas Wunderlin erzählte im Museum.
Anfang der 1960er-Jahre hatten sich im Thurgau nur die Befürworter der Güterschifffahrt auf dem Hochrhein für ein Regulierwehr am Bodensee eingesetzt. Mit niedrigen Sommerwasserständen wollten dies auch Fremdenverkehrsvertreter. Ein Hochwasserjahr löste eine entsprechende Planung aus, denn «Hochwasser bringen erhebliche Schäden mit sich». Kantonale Ämter erachteten eine Regulierung als wünschbar. Gleichzeitig ging es um die Rheinschifffahrt und deren mögliche Erweiterung über Basel hinaus, hin zum Bodensee.
Hin und her
In den Folgejahren organisierten sich Befürworter und Gegner: So trat die Schweizerische Binnenschifffahrt auf den Plan, ebenso Politiker des Seegebiets als «Komitee für die Regulierung». Aus Sicht des Thurgauer Rheinkomitees bedrohten Wehr, Hochrheinschifffahrt, ein mögliches AKW bei Rheinklingen und Wasserableitungsprojekte die schützenswerte Landschaft am Bodensee und Rhein. 1971 wurde in Frauenfeld ein Initiativkomitee gegründet: Mit einem Verfassungszusatz sollte der Staat verpflichtet werden, sich für die Erhaltung des natürlichen Abflusses der beiden Seen und des Rheins einzusetzen. Zwei Jahre später engagierten sich Biologen und Ornithologen gegen das Wehr. Letztlich sagten die Stimmbürger am 26. August 1973 mit einem Anteil von 87% Ja zum Wehrverbot.
Und heute?
Damit wurde die Volksabstimmung über die Bodenseeregulierung zu einem Entscheid über Güterschifffahrt und Wasserverschmutzung. Durch die Klimaerwärmung und der damit verbundenen Gletscherschmelze könnte allerdings eine Regulierung wieder aktuell werden. Denn damit könnte der Seespiegel im Sommer und Herbst häufiger als bisher absinken. Die Ausflugs-, Freizeit- und Güterschifffahrt würde leiden.
Markus Bösch