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Ein Haus mit einem besonderen Geist
Rolf Spriessler
Im Jahr 1969 eröffneten Dominikanerinnen an der Albert Oeri-Strasse 7 ein Altersheim und nannten es Dominikushaus. Dieses Jahr feierte das Haus, das inzwischen viele Veränderungen hinter sich hat, sein 50-Jahr-Jubiläum und plant einen Neubau im Dorf.
Die Entstehung des heutigen Pflegeheims Dominikushaus Riehen ist eng verbunden mit der Geschichte der Katholischen Kirche in der Gemeinde Riehen. Im Jahr 1911 wurde der Römisch-katholische Kultusverein Riehen gegründet – im Sinn einer Kirchenbaukommission im Hinblick auf die Errichtung einer eigenen katholischen Kirche. Im Jahr 1914 wurde die vormalige Missionsstation Riehen zu einer eigenen Pfarrei erhoben, mit der Herz-Jesu-Kapelle erhielt Riehen sein erstes katholisches Kirchgebäude und am Chrischonaweg 30 (heute Albert Oeri-Strasse 7) wurde zugleich ein Pfarrhaus errichtet. Die aufstrebenden Riehener Katholikinnen und Katholiken suchten in der folgenden Zeit nach einem Standort für einen grösseren Kirchenbau und errichteten – inzwischen als Teil der Römisch-katholischen Gemeinde Basel – beim Pfaffenloh die St. Franziskus-Kirche, die am 25. Juni 1950 geweiht wurde und bis heute die katholische Kirche Riehens geblieben ist.
EINZUG DER DOMINIKANERINNEN
Mit dem Bezug der St. Franziskuskirche verliess die katholische Kirchgemeinde Riehen die bestehenden Gebäude am Chrischonaweg. Im Hinblick darauf hatte der Römisch-katholische Pfarrverein bereits im Jahr 1948 die Herz-Jesu-Kapelle mit dem dazugehörenden Pfarrhaus erworben, und zwar im Auftrag der Generaloberin der Kongregation der heiligen Katharina von Siena von King William’s Town, Südafrika. Deshalb zogen im Jahr 1950 zehn Dominikanerinnen des damals 800 Schwestern zählenden, 1877 in der Südafrikanischen Kap- Provinz gegründeten Ordens in Riehen ein. So blieb die ‹Wiege› der modernen katholischen Kirchgemeinde Riehens ein Ort, wo der katholische Glaube gelebt und praktiziert wurde. In der Kapelle fanden weiterhin katholische Gottesdienste statt, nun für die dort lebenden Ordensschwestern. «Schon im Jahr 1963, als ich als junge Frau für ein Jahr im alten Pfarrhaus in Riehen weilte, sprachen die Schwestern von ihrem Plan, ein Altersheim zu bauen», schreibt Schwester Josette Müller in der Jubiläums-Broschüre ‹50 Jahre Dominikushaus Riehen›, die im September 2019 erschienen ist. Schwester Josette kehrte später nach Riehen zurück und amtete von 1985 bis 2007 als Leiterin des 1969 eröffneten Altersheims. Sie ist noch heute regelmässig im Heim anzutreffen, wo sie mit den Bewohnerinnen und Bewohnern spricht, das Heimpersonal in der Seelsorge unterstützt und nicht zuletzt dafür sorgt, dass der Geist der Dominikanerinnen weiterhin im Heim präsent ist. Im Lauf der Jahre musste sich das Dominikushaus den sich ständig ändernden Bedürfnissen und Anforderungen anpassen. Zu Beginn als Altersheim konzipiert, verfügte das Dominikushaus beim Amtsantritt von Schwester Josette Müller im Februar 1985 über 55 Altersheimplätze und schon damals über 22 Pflegeheimplätze. Die Pflegebetten waren Bestandteil der Spitalliste, deren Finanzierung wurde durch einen speziellen Vertrag geregelt. Im Heim arbeiteten rund 30 Personen und die Warteliste umfasste etwa 300 Namen. Ab 1989 wurde die Alterspflege in Gemeinde und Kanton zunehmend koordiniert und vereinheitlicht. In diesem Jahr erfolgte die Gründung des Verbands der gemeinnützigen Alters- und Pflegeheime Basel-Stadt (VAP). Die Führung der Warteliste wurde von der Gemeinde übernommen. Die Pflegebedürftigkeit der neu eintretenden Bewohnerinnen und Bewohner aller Altersheime nahm zu, weil die Leute einerseits generell ein immer höheres Alter erreichten und weil sie – dank Pflegeangeboten wie Spitex und der Unterstützung durch Angehörige – zunehmend länger zu Hause wohnen bleiben konnten. Das führte dazu, dass die Altersheime zu eigentlichen Pflegeheimen umgebaut wurden. Diesem Trend folgte auch das Dominikushaus. Im Jahr 1992 erfolgte eine umfassende Sanierung des gesamten Gebäudes. Im Jahr 1996 führte das Heim ein erstes Pflegebedarfssystem ein, unterzog sich 1998 einer externen Qualitätskontrolle und liess sich 2004 erfolgreich ISO-zertifizieren.
VOM VEREIN DER DOMINIKANERINNEN ZUR PRIVATEN STIFTUNG
Nachdem die Zahl der Schwestern, die in den ersten Jahrzehnten den Alltag im Heim in ihrer Ordenstracht noch stark geprägt hatten, infolge von Alter und Nachwuchsproblemen stetig gesunken war, wurde der Verein der Dominikanerinnen, der bis dahin den Betrieb des Heimes getragen hatte, in eine private gemeinnützige Stiftung überführt. Dieser Stiftung Dominikushaus, der seit 2007 Regine Dubler als Präsidentin vorsteht, obliegt es heute, optimale Rahmenbedingungen für den geregelten Betrieb des Dominikushauses zu schaffen, die finanziellen Verbindlichkeiten zu überprüfen, die Beziehungen zu den Behörden zu unterstützen und zu pflegen und die Ausrichtung des Heimes stetig zu überdenken und weiterzuentwickeln. In dieser Hinsicht befindet sich das Dominikushaus gegenwärtig in einer Umbruchphase. Einerseits lebt es bis heute sehr stark von seinem Charme, seiner relativen Abgeschiedenheit am Siedlungsrand – schon fast mitten in der Natur des Moostals –, seiner sehr persönlichen und herzlichen Atmosphäre und ganz allgemein vom gemütlichen Ambiente einer inzwischen etwas veralteten Einrichtung, die von vielen Bewohnerinnen und Bewohnern aber gerade wegen ihrer Antiquiertheit als besonders heimelig empfunden wird. Viele fühlen sich hier mehr ‹zu Hause› als in einem der vielen Heime, die in den letzten Jahren stark modernisiert oder neu gebaut worden sind. Andererseits stellt die ‹Antiquiertheit› von Gebäude und Einrichtungen zunehmend ein Problem dar, weil damit die ständig steigenden Qualitätsansprüche und Leistungsstandards nicht mehr lange eingehalten werden können. Fakt ist, dass das Dominikushaus im Jahr 2019 den Anforderungen zwar noch genügt und auch äusserst beliebt ist, wovon die hohe Belegung zeugt, dass in den bestehenden Gebäuden aber längerfristig kein gesetzeskonformer Heimbetrieb mehr möglich sein wird. Das ist der Heimleitung schon seit einigen Jahren klar. Deshalb wurden bereits 2008 erste Planungsarbeiten für einen Um- und Neubau des Dominikushauses am heutigen Standort in die Wege geleitet. Vorgesehen war zunächst auch ein grösserer Ausbau der Heimplätze. Die entsprechende Erweiterung der Gebäude stiess dann allerdings auf Widerstand bei der Anwohnerschaft und war in der Folge auch politisch zunehmend umstritten. Um sich nicht in zeitraubende Verhandlungen mit ungewissem Ausgang zu verstricken, gab das Dominikushaus im Jahr 2016 die Aufgabe des Ausbauvorhabens am heutigen Standort bekannt und plant seither einen – gegenüber den ursprünglichen Plänen redimensionierten – Neubau auf einem Areal an der Immenbachstrasse in unmittelbarer Nähe zum Dorfkern.
DEN GEIST DES HAUSES INS NEUE HEIM MITNEHMEN
Ziel ist es, am neuen Ort trotz moderner und geräumiger Infrastruktur den Geist und die Atmosphäre des ‹alten› Dominikushauses zu erhalten. Darin sind sich alle einig. Auch Richard Widmer, seit 2015 Geschäftsleiter des Dominikushauses, ist gerade dieser Punkt ein grosses Anliegen. Zu den Besonderheiten des heutigen Heims, das aktuell über 62 Pflegeplätze verfügt, gehört die Beschäftigung eines eigenen Seelsorgers in der Person des katholischen Pastoralbegleiters Matthias Reif, der mit den Bewohnerinnen und Bewohnern in engem Kontakt steht und auch bei Nichtkatholiken und Menschen, denen der Glaube persönlich nichts bedeutet, als Gesprächspartner sehr beliebt ist. Ausserdem wirkt im Dominikushaus der evangelisch-reformierte Seelsorger Lukas Wenk, der im Auftrag der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Riehen-Bettingen in mehreren Heimen tätig ist. Im Dominikushaus finden wöchentlich zwei bis drei öffentliche Gottesdienste statt, insbesondere am Samstag eine katholische Eucharistiefeier und mittwochs ein ökumenisch ausgerichteter Gottesdienst, in dessen Leitung sich die katholische und die reformierte Kirche abwechseln. Gerade in dieser religiösen Ausrichtung des Heims setzt sich die Tradition der Dominikanerinnen fort, die das Heim einst gegründet hatten. Gleichzeitig versteht es sich als für alle offene Institution und fasst den religiösen Rahmen nicht als Pflicht, sondern als Angebot auf. Oft gewinne der Glaube und die Suche nach dem Sinn des Lebens im hohen Alter zunehmend an Bedeutung, sagt Seelsorger Matthias Reiff, und da biete sich das persönliche Gespräch an, ganz unabhängig von Glaube und Religion. Auch sei es wichtig, die Bedürfnisse von Angehörigen, die nahe Verwandte im Heim hätten, nicht ausser Acht zu lassen und auch Hinterbliebene in ihrer Trauer zu begleiten. Das Siegerprojekt eines Architekturwettbewerbs sieht nun den Neubau eines Pflegeheims mit 50 Plätzen sowie 10 Seniorenwohnungen vor. Realisiert werden soll dieses Projekt auf einer rund 3500 Quadratmeter grossen Baurechtsparzelle im Geviert Immenbachstrasse- Eisenbahnweg-Mohrhaldenanlage. Nach heutigem Planungsstand könnte der Neubau 2022 bezugsbereit sein.
Verein, Stiftung und Geschäftsleitung
Die Trägerschaft des Dominikushauses war zu Beginn der Dominikus-Verein, der von 1969 bis 1999 unter dem Präsidium von Jan Bumbacher stand. 2000–2005 war Anita Friedlin Präsidentin des Vereins. Dann ging die Verantwortung für den Betrieb des Heimes an die neu gegründete Stiftung Dominikushaus über, was auch den Rückzug der Dominikanerinnen als alleinige Trägerinnen des Heims dokumentierte. Die vormalige Vereinspräsidentin Anita Friedlin wurde erste Stiftungsratspräsidentin. Dieses Amt übernahm im Jahr 2007 schliesslich die heutige Stiftungsratspräsidentin Regine Dubler. Die ersten fünf Heimleiterinnen waren Schwestern des Dominikanerinnenordens: Sr. Annemarie Strobel (1969–1972), Sr. Hildelitta Ebner (1972–1976), Sr. Helene Lenz (1977–1983), Sr. Adelheid Hofstetter (1983–1984) und Sr. Josette Müller (1985–2007). Danach folgten in der Geschäftsleitung des Heims Helena Adams (2007–2010), Rolf Krüsi (2010–2014) und Richard Widmer (seit 2015).
QUELLEN
Michael Raith: Gemeindekunde Riehen, 2. überarbeitete und
aktualisierte Aufl., Riehen 1988.
Rolf Spriessler: 50 Jahre Dominikushaus Riehen. Jubiläumsbroschüre,
herausgegeben vom Dominikushaus Riehen, Riehen 2019.