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In einem Gemeinderatsprotokoll vom 28. Mai 1893 wird im Zusammenhang mit der Verlegung des bisherigen Seebacher Schiessplatzes eine Waiddorfstrasse erwähnt. Und zwar steht dort: "Der Schiessplatz wird mit Standort für die Schützen in die Wiese des Herrn Daniel Sieber im Stählimatt mit Schusslinie gegen die Waiddorfstrasse verlegt."
Eine Strasse dieses Namens hat es in Seebach aber nie gegeben. Der Protokollführer, damals meist der Gemeinderatsschreiber, war 1893 Rudolf Meier, ein einheimischer Landwirt, was daher etwas erstaunen mag, erwartet man doch von einem einheimischen Landwirt, dass er die Strassennamen 'seines' Dorfes kenne. Doch genau das ist eine ziemlich irrige Annahme, wie die 'Waiddorfstrasse' sehr schön zeigt. Irrig deshalb, weil es gerade die alten, einheimischen Landwirte waren, welche noch sehr stark an der Jahrhunderte langen Tradition hingen, dass man die Strassen nicht benennt, sondern nur die Orte, wo jemand wohnt. Wer beim Restaurant Frohsinn wohnte, hatte als Adresse 'zum Frohsinn'. Es war auch üblich, dass man den Häusern Namen gab. Dann galt dieser Hausname als Adresse. Noch heute findet man an älteren Seebacher Häuser die früher üblichen Hausnamen (Apollo, Iris, Säntisblick, Neubühl, Eggbühl, Villa Selina, Sonnenhof usw.). Oder man benützte die Flurnamen. Damit wussten die Bauern dann sehr präzise, was wo lag und wer wo wohnte.
Seebach hat erst um etwa 1915 nach einer behördlichen Mahnung begonnen, sehr zögerlich die Strassennamen einzuführen und man hatte grosse Mühe, für jede Strasse den im Volksmund herausgebildeten Namen zu ermitteln. Bis dann die Hausnummern folgten, vergingen noch einmal 10 Jahre. Lange benützte man die Assekuranznummern und hatte keine Lust, noch eine separate Hausnummer lernen zu müssen. Das Phänomen findet man in der Ostschweiz bis heute: In den Kantonen St. Gallen, den beiden Appenzell und im Thurgau ist man heute noch daran, Strassennamen einzuführen, manchmal sogar gegen heftigen Widerstand der ländlichen Bewohner.