Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03286.jsonl.gz/582

Novak Djokovic hat das Gericht am Montagmorgen überzeugt. Die Annulierung seines Visums wurde aufgehoben. Doch was genau hat dazu geführt?
Dass Novak Djokovic nun doch nach Australien einreisen darf, wurde am Montagmorgen von vielen Medien als kleine Sensation vermeldet. Doch ist es das wirklich? Immerhin hatte Djokovic eine Bescheinigung über seine positive Covid-Erkrankung vom Dezember, welche seine Sondergenehmigung als Genesener rechtfertigt.
Entscheidend war während der Befragung aber noch etwas anderes, wie aus dem Anhörungsprotokoll hervorgeht. Dort stellt man nämlich fest, dass die Grenzbeamten dem Serben zu wenig Zeit einräumten, auf seine Visums-Annulierung zu reagieren. Nachfolgend das aufgezeichnete Gespräch am Flughafen.
Das Versprechen ...
Beamter 1: Das Interview wird also um 5.20 Uhr fortgesetzt. Okay, ich habe Ihnen bereits mitgeteilt, dass wir in Erwägung ziehen, Ihr Visum zu annullieren. Im Moment brauchen Sie … was Sie mir mitgeteilt haben, ist, dass Sie Ruhe brauchen, und zwar bis etwa 8/8.30 Uhr. Dann könnten Sie wieder mit Ihrem Anwalt sprechen.
Djokovic: Ja.
Beamter 1: Um mehr Informationen zu bekommen.
Djokovic: Ja.
Beamter 1: Das ist absolut in Ordnung, denn ich habe mit meinen Vorgesetzten gesprochen und sie sind einverstanden damit, ...
Djokovic: Okay, gut.
Beamter 1: ... dass Sie sich ausruhen können. Haben Sie noch irgendwelche Fragen?
Djokovic: Im Moment keine weiteren Fragen.
Beamter 1: Also, ich werde meine Schicht beenden und diesen Fall an ein anderes Team übergeben. Ein anderer Sachbearbeiter wird zu Ihnen kommen und mit Ihnen sprechen. Er wird sich Ihnen vorstellen ...
Djokovic: Okay.
... und die nicht eingehaltene Frist
Diese Frist wird in der Folge nicht eingehalten, wie in der Befragung festgestellt wird. Schon um 06.07 Uhr beginnt der nächste Grenzbeamte seine Schicht und behauptet, dass man jetzt schon eine Entscheidung auf der Grundlage der vorliegenden Informationen treffen könne. Er teilt Djokovic mit, dass er in ein Quarantäne-Hotel gebracht wird und fragt, ob er noch was hinzufügen möchte. Djokovics Antwort:
Djokovic: Nun, wie ich bereits sagte ... Ich bin überrascht, dass es unzureichende Informationen darüber gibt, warum mir die medizinische Ausnahmegenehmigung vom unabhängigen medizinischen Gremium des Bundesstaates Victoria erteilt wurde. Das Gremium bestätigt, dass ich die Kriterien für die Einreise nach Australien erfülle ... was nicht auf dem Papier steht, das Sie mir vorgelesen haben, und das ist, wenn Sie in den letzten sechs Monaten einen positiven Covid-PCR-Test hatten oder haben, und Sie können den negativen PCR-Test und die ausreichende Menge an Antikörpern nachweisen, dann wird Ihnen die Einreise gewährt, und genau das ist in dem ganzen Prozess passiert.
Also legten wir vor … ich legte medizinische Unterlagen vor. Am 16. Dezember war ich positiv auf PCR, PCR-Test positiv auf Covid-19, am 22. war ich negativ.
Ich schickte die Blutanalyse für meine Antikörper ein, ich hatte eine ausreichende Menge. Mir wurde die Einreise nach Australien gewährt, und ich erhielt die Unterlagen, die meine medizinische Genehmigung und die Reiseerklärung von der Bundesregierung bestätigten.
Beamter 2: Okay. Gibt es noch etwas, das Sie hinzufügen möchten?
Djokovic: Nein.
Als das Interview später fortgeführt wird, teilen die Beamten Djokovic mit, dass sein Visum annuliert worden sei. Unberechtigterweise, wie der Richter am Montagmorgen feststellt.
Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen
In der Anhörung teilt Djokovic erstmals auch klar und deutlich mit, dass er nicht gegen Covid geimpft ist, bejaht aber die Frage nach einer Erkrankung, welche auch mit einem PCR-Test nachgewiesen wurde.
Ob dies nun ausreicht, um nächste Woche seinen 21. Grand-Slam-Titel ins Visier zu nehmen, ist aber trotzdem noch nicht sicher. Denn noch könnte der Einwanderungsminister Alex Hawke das Visum nochmal annullieren lassen, auch aus anderen Gründen. Das hat er auch bereits angedeutet.
Würde er das tatsächlich tun, wäre die Annulation auch ein dreijähriges Einreiseverbot mit sich ziehen und politisch nochmal hohe Wellen schlagen. Es sieht nach einem politischen Kräftemessen aus, bei welchem Novak Djokovic längst zum Spielball wurde. Ob er sich bewusst darauf eingelassen hat, bleibt hingegen fraglich.