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Ist es möglich, dass Lob sich negativ auf die Psyche des Mitarbeitenden auswirkt?
Loben ja, aber wie?
Sicher ist die Aussage «Nichts gesagt ist genug gelobt» völlig falsch. «Hervorragend, Marion!» — Alle freuen sich über das Erreichen des geplanten Umsatzes. Als Vorgesetzter gratulieren Sie Marion für das tolle Ergebnis. Marion ist stolz und lächelt. Uns allen ist bekannt, dass ein Lob des Chefs ermutigend wirkt und manchmal eine grössere Wirkung hat als eine finanzielle Belohnung. Doch ist jede Art des Lobens zielführend? Ist es möglich, dass Lob sich negativ auf die Psyche des Mitarbeitenden auswirkt?
Professorin Carol Dweck (1) hat vor einiger Zeit eine interessante Untersuchung durchgeführt. Das Experiment wurde zuerst mit Zehnjährigen und später mit Erwachsenen durchgeführt. Es wurden zwei Gruppen gebildet.
In der Gruppe 1 waren die Menschen, die für ihre Intelligenz gelobt wurden. In der Gruppe 2 waren die Menschen vertreten, die Lob für Einsatz und Anstrengung erhielten. Das Experiment ging über vier Runden, welche aus Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bestanden. Nachfolgend die Resultate:
Gruppe 1 – Lob für ihre Intelligenz
Die Menschen litten immer mehr unter Versagensangst, ihre Leistungen wurden immer schlechter und sie resignierten schneller. Dies obwohl sie oft leichtere Aufgaben ausgesucht hatten.
Gruppe 2 – Lob für Anstrengung, Mühe und Engagement
Die Menschen gehen mit viel Enthusiasmus und Freude an die Arbeit und erledigen diese um einiges besser als die Gruppe 1. Durch das Lob haben sie eine Begeisterung entwickelt, die sie an Aufgaben herangehen liess, welche ihre angenommenen Fähigkeiten weit überschritten.
Gelobt für ihre kaum kurzfristig veränderbare Intelligenz, fürchteten die Mitgliederinnen und Mitglieder der Gruppe 1, dass sie durch eventuell schlechtere Resultate anders bewertet werden könnten. Sie dachten ein Scheitern bedeute, dass sie nicht mehr als intelligent eingestuft würden. Sie wählten den sichereren Weg mit den einfacheren Aufgaben. Gruppe 2, bei deren Teilnehmenden weniger das Ergebnis als vielmehr der Einsatz gelobt wurde, widmete sich mit Spass an der Sache den neuen Herausforderungen. Dadurch erzielten sie von Runde zu Runde bessere Ergebnisse und entwickelten ein derart grosses Selbstbewusstsein, dass sie sich sogar an unlösbar geglaubte Aufgaben heranwagten.
Es ist offensichtlich, dass die Art des Lobens einen enormen Unterschied macht. Man könnte denken, der Vorgesetzte von Marion hätte ihr gerade eine Freude bereitet. Das Lob, so wissen wir jetzt, kann enorme negative Auswirkungen haben. Wenn bewusst oder unbewusst der Eindruck entsteht, die Anerkennung bestehe nur, wenn man Erfolg hat und keine Fehler begeht, ist der Weg zu Versagensangst, Stress und Druck geebnet.
Mit den folgenden vier Tipps gelingt das Loben:
- Loben Sie Ihre Mitarbeitenden für Ihren Einsatz und nicht für das erzielte Ergebnis.
- Loben Sie Ihre Mitarbeitenden während gut laufenden, wie auch während schlecht laufenden Phasen, damit die Begeisterung hoch bleibt und keine Angst vor dem Versagen entsteht.
- Schaffen Sie eine Kultur in Ihrem Unternehmen, die ein angstfreies Arbeiten ermöglicht, indem Fehler angesprochen, aber nicht bestraft werden.
- Stellen Sie klar, dass es kein Versagen gibt, sondern aus Fehlern gelernt wird. Ganz nach dem Motto «Ich kann nie scheitern, entweder ich gewinne oder ich lerne.» (2)
Ein Mail an [email protected], und Sie erhalten unverbindlich weitergehende Informationen. Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit mir. Ich bin gespannt.
Viel Erfolg und richtiges Lob wünscht Ihnen
Barbara Fitze
(1) Carol Dweck – Buch, Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt
(2) Christian Bischoff