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Martha von Castelberg-von Orelli
Am 5. April 1892 kam Maria Martha als Tochter von Beatrice (geborene von Reding-Biberegg) und von Privatbankier Paul Carl Eduard von Orelli in Zürich zur Welt. Die grossbürgerliche Familie bewohnte den «Hintern Thalhof» in unmittelbarer Nähe zum Alten Botanischen Garten am Schanzengraben. Das Herrschaftshaus gehörte zum «Thalhof», einem Gebäudekomplex mit grosser Gartenanlage. Der Familiensitz der von Orellis stand mitten in der schnell wachsenden und sich verändernden Stadt.
Marthas Vater hatte 1882 zum Katholizismus konvertiert, wohl auch, um seine Verlobte Beatrice aus einer illustren und streng katholischen Innerschweizer Familie heiraten zu können. Die von Orellis lebten fromm und erzogen ihre sechs Kinder nach den Sitten des Grossbürgertums von Zürich: Auf Bildung in Wissenschaft und Kunst wurde hoher Wert gelegt. Um Sprachen zu lernen, wurden der jungen Martha prägende Aufenthalte in Belgien und England ermöglicht.
Auch musikalisch erfuhr sie früh Förderung und bekam Violinunterricht bei Joseph Ebner, Mitglied des Zürcher Streichquartetts, später bei Alexander Schaichet, Dirigent und Gründer des Kammerorchesters Zürich. Das Klavierspiel lernte Martha autodidaktisch. Sie improvisierte regelmässig und begann schon früh, ihre Musik auch aufzuschreiben. Bekannte Musiker pflegten den Kontakt zur Familie. Möglicherweise unterstützte Walther Reinhart Martha bei den Grundlagen des Komponierens. Ihre Lehrer und Mentoren erkannten, wie talentiert die junge Frau war. Aber einer professionellen Ausbildung und musikalischen Berufung gegenüber waren ihre Eltern skeptisch und so blieb ihr ein Musikstudium verwehrt.
Im späten Alter von 28 Jahren heiratete Martha von Orelli 1920 den Rechtsanwalt Victor von Castelberg und wurde Mutter von zwei Söhnen, Carlo und Guido. Die von Castelbergs stammen aus Disentis/Mustér. Über Generationen prägten Mitglieder der Familie als Äbte das Benediktinerkloster und bekleideten weitere bedeutsame Ämter.
In Luven bei Ilanz steht noch heute die Ruine der Burg Castelberg aus dem 13. Jahrhundert. Durch die Heirat wurde Martha Bürgerin von Disentis und das Dorf in der Bündner Surselva zu ihrer zweiten Heimat. Im Jahr 1928 bezog die junge Familie eine freistehende Villa an der Rieslingstrasse in Zürich-Fluntern.
Martha von Castelberg war tiefgläubig und spirituell interessiert. Zusammen mit ihrem Mann Victor setzte sie sich für den im zwinglianischen Zürich bedrängten Katholizismus ein. Ihr geistliches Zuhause war die Kirche St. Martin Zürich-Fluntern, deren Bau das Ehepaar mitfinanziert hatte.
Zeit ihres Lebens war Martha von Castelberg als Komponistin tätig. Ihre tiefe Religiosität führte sie zur Vertonung kirchlicher Texte: Geistliche Vokalmusik wie Lieder und Motetten stellen einen gewichtigen Teil ihrer über 70 Werke dar. Ihre Verbundenheit mit der Kultur der Surselva widerspiegelt sich in den weltlichen Liedern auf Gedichte namhafter rätoromanischer Schriftsteller. Im Œuvre Martha von Castelbergs befinden sich zudem eine Messe und eine Klaviersonate.
Auch der persönliche Kontakt zu Dichtern (Pater Maurus Carnot, Carli Fry) und Musiker*innen (Peter Willi, Olga Kalliwoda, Alice Hoigné, Elsa Cavelti und Walther Reinhart) waren für ihr künstlerisches Selbstverständnis prägend.
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1957 lebte sie zurückgezogen. Nur selten trat sie öffentlich in Erscheinung, so zum Beispiel 1958 an der Saffa, der «Schweizer Ausstellung für Frauenarbeit», wo ihre Musik aufgeführt wurde.
Martha von Castelberg starb am 1. Oktober 1971 im Alter von 79 Jahren in Zürich.