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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

34. Vortrag
2.
Wenn der Herr sagt: „Ich bin das Licht der Welt“, so ist das, glaube ich, denen klar, die Augen haben, wodurch sie dieses Lichtes teilhaft werden; die aber nur Augen haben im Leibe allein, wundern sich über das, was der Herr Jesus Christus gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt“. Und vielleicht sagt wohl auch einer bei sich selbst: Ist etwa Christus der Herr die Sonne, die durch Auf- und Untergang den Tag bewirkt? Denn es hat nicht an Häretikern gefehlt, welche dies meinten. Die Manichäer hielten dafür, daß diese mit den Augen des Fleisches wahrnehmbare Sonne, die nicht bloß für die Menschen, sondern auch für die Tiere öffentlich zum Sehen hingestellt ist, Christus der Herr [S. 524] sei. Aber der rechte Glaube der katholischen Kirche verwirft ein solches Phantasiegebilde und erkennt darin eine teuflische Lehre, und nicht bloß daß sie dies im Glauben erkennt, sondern sie widerlegt es mittels solcher, die dazu fähig sind, auch durch Gründe. Verwerfen wir also einen solchen Irrtum, den die heilige Kirche von jeher verurteilt hat. Glauben wir nicht, der Herr Jesus Christus sei diese Sonne, die wir aufgehen sehen im Osten und untergehen im Westen, auf deren Vorübergang die Nacht folgt, deren Strahlen durch eine Wolke verdunkelt werden, die in einer bestimmten Bewegung von einem Orte zum andern wandert; dies ist nicht Christus der Herr. Nicht ist Christus der Herr die Sonne, die gemacht ist, sondern derjenige, durch den sie gemacht ist. Denn alles ist durch ihn gemacht, und ohne ihn ist nichts gemacht1.
1: Joh. 1, 3.