Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03130.jsonl.gz/2809

Auf der Ostseeinsel Rügen und deren unmittelbarer Umgebung existieren besonders viele große Findlinge. Zum einen gilt Rügen (speziell die Halbinsel Jasmund) als Gletscherstromscheide zwischen dem Belt- und dem Oderstrom der Weichseleiszeit, wodurch sich ein für Mittelmoränen typisches Geröllband entwickelt hat. Zum anderen wurden Findlinge durch Küstenerosion (besonders durch die Brandung) freigelegt und sind an Stränden vor der Steilküste anzutreffen. Hier fielen sie im Laufe der Zeit aus der Geschiebemergelschicht, die während der Eiszeit an vielen Stellen von der mächtigen Kreideschicht überlagert wurde. Die Hauptrichtung des Gletscherstroms kam von der relativ nahe gelegenen Insel Bornholm, weshalb einige der besonders großen Findlinge Rügens von dort stammen.
Findlinge, bei denen aus der innerer Struktur und Zusammensetzung ihr Ursprungsgebiet bestimmbar ist, nennt man Leitgeschiebe. Die Herkunft lässt sich durch Angaben in der Geschiebebestimmungsliteratur, aber auch durch Vergleich mit Gesteinsproben aus dem Anstehenden ermitteln. Für Rügen existiert solch eine Nordische Sammlung an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Durch die Bestimmung der Herkunft dieser Großgeschiebe ließen sich die Richtungen der einzelnen Gletscherströme ermitteln.
Zu den gesetzlich geschützten Geotopen gehören auf Rügen solche Findlinge aus kristallinem und metamorphem Gestein, die ein Mindestvolumen von 10 m³ haben. Von den meisten Findlingen lässt sich allerdings das Volumen nicht genau bestimmen, da sie normalerweise zum Teil im Boden verborgen sind. Die Größenangaben in der Liste beruhen daher auf den überlieferten Schätzungen, die auch von den meisten Geologen in ihren Veröffentlichungen verwendet werden. In der Liste ist zusätzlich das oberirdisch vermessene Volumen angegeben; der im Erdreich verborgene Teil ist hierbei also nicht berücksichtigt. Der Näherungsfaktor 0,6 korrigiert hierbei erfahrungsgemäß die Abweichung von der Quaderform.
Ein Findling ist ein heute meist einzeln liegender, mindestens einen Kubikmeter umfassender Steinblock, der durch Gletscher während der Eiszeiten in seine heutige Lage transportiert wurde.
Vor der Etablierung der Eiszeittheorien rankten sich um die riesigen „Erratischen Blöcke“ viele Geschichten und Sagen. Auf Rügen befindet sich wegen der speziellen Lage der Insel während der Eiszeiten und durch die andauernde Küstenerosion eine Menge interessanter Großfindlinge. In der Jungsteinzeit errichteten die Menschen aus Findlingen Großsteingräber, die auf Rügen noch zahlreich erhalten sind. Bis ins 19. Jahrhundert wurden große Findlinge als „Steinbruch“ benutzt, um aus ihnen Baumaterial für Denkmäler (z. B. 1854 die Preußensäulen bei Neukamp und Groß Stresow oder für den Ernst-Moritz-Arndt-Turm auf dem Rugard, für Küsten- und Hafenbefestigungen, Pflaster- und Mühlsteine zu gewinnen. Der Entwicklung fielen auf Rügen unzählige Findlinge zum Opfer. Heute gelten Findlinge als erhaltenswerte Naturdenkmäler und haben einen anderen Stellenwert.