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Wie so viele nach ihm hegt auch Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) einen tiefen Abscheu gegen die Moden seiner Zeit. So wendet er sich in der Einleitung zu seinem Buch «Geist der Kochkunst», das 1822 noch unter dem Namen seines Kochs Josef König, 1832 dann unter seinem eigenen Namen erschien, mit grosser Entschiedenheit gegen jede Schlemmerei als eine «vergeudende Gefrässigkeit oder gefrässige Vergeudung», zu der es zum Beispiel auch gehört, «durch Seltsamkeit, Wechsel und Mannigfaltigkeit die Esslust anzuregen». Ein ebenso «ungeheures Laster» ist ihm die «Schleckerei» als eine «unregelmässige Begierde nach allerlei zufälligen Reizen des Gaumens».
Als Grund solchen Fehlverhaltens in Gaumendingen sieht er «eine falsche Ansicht der Kochkunst», deren Ursprung er schon im Rom zu Zeiten von Horaz detektiert als man «im Begriffe war, die natürliche Bestimmung der essbaren Dinge zu verkennen und überall in tote, übereinkömmliche Zurichtungen zu verfallen». In ihrer Spätzeit noch mehr hätten die Römer dazu geneigt, «den Charakter jeglicher Speise durch Mischung und Verarbeitung zu vernichten». Als den Höhepunkt aller Dekadenz schliesslich nennt er Apicius mit seinen «überpfefferten Brühen und Gehäckseln», die schliesslich zu einer «vollkommen mumienhaften Ausdorrung und Überwürzung» aller Speisen führen. Als moderne Erben solch spätantiker Verderbtheit in Küchendingen sieht Rumohr die Franzosen an als die «Verbreiter aller Gehäcksel und Vermengungen». In einem weiten Schlag zieht er Parallelen zwischen der Geschichte der Franzosen, zwischen ihrer Revolution («ein kurzer Rausch politischer Schwindelei») und ihrer üblen Entwicklung in Küchendingen - und schreibt sich so in einen anti-französischen Diskurs ein, der seinen Lesern in Deutschland durchaus sympathisch gewesen sein dürfte. Sicher kommt es auch daher, dass der «Geist der Kochkunst» zwar auf Englisch, nie jedoch auf Französisch übersetzt worden ist.
Trotzdem ist vieles auch sehr modern in diesem Werk, das sich als eine Grundlagenschrift guter Küche (und wahrer Tugend) versteht. Zum Beispiel der «Sinn für die eigentümliche Güte und Schmackhaftigkeit der essbaren Naturstoffe» sowie das Lob der «National- und Provinzialgerichte», welche «doch stets in der Volks- und Landesart begründet, und fast ohne Ausnahme schmackhaft und nahrsam sind». Ganz ähnlich könnte das auch in manch modernem Kochbuch stehen.
Für ein kritisches Wort zu Rumohrs «Geist der Kochkunst» vergleiche den Katalog zur Rumohr-Ausstellung im Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck (19. September 2010 bis 16. Januar 2011 – mehr dazu hier).
First Publication: 23-12-2010
Modifications: 13-10-2011