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Dieser Blog ist ein überarbeiteter Auszug aus:
Bansal-Tönz, Scharmila: Untersuchungen der Lieder Purandaradāsas (1484 – 1564) und ihrer modernen Rezeption im indischen Tanz Bharata Natyam. Zürich : Universität, 2018.
Dissertation an der Universität Zürich, 2017
© Copyright by Sharmila Bansal-Tönz. Alle Rechte vorbehalten.
Bharata Natyam ist ein Tanz-Stil, der sich einerseits in kraftvollen Bewegungskombinationen mit komplexen Koordinationselementen der verschiedenen Körperglieder, und andererseits in der Erzählung von Bedeutungsinhalten und der Entladung von Emotionen ausdrückt. Er ist in seiner heutigen Form nicht mehr eindeutig in bestehende Kategorien wie ‚Ritualtanz‘ oder ‚weltlicher Tanz‘ einzuteilen,1Vgl. LIECHTENHAN (2000:9). da er sich ideologisch zwar auf einen rituellen Ursprung beruft, in seiner zeitgenössischen Form aber den Status einer formalisierten Bühnenkunst beansprucht. Der Inszenierung sind immer noch einzelne rituelle Aspekte eigen, wie z.B. die Begrüssung und Ehrerbietung an Gott Naṭarāja und an die Muttergöttin. Dies sind jedoch Elemente, die dem Tanz durch sein Revival Mitte des 20. Jahrhunderts künstlich beigefügt wurden. Insofern kann man von einer rekonstruierten Ritualkunst sprechen. Ausserdem hat Bharata Natyam durch seine Vergangenheit der letzten 150 Jahre den Charakter eines Heimattanzes entwickelt.2LIECHTENHAN (2000:19) benutzt diesen Begriff im Zusammenhang mit der Charakterisierung von Volkstänzen. Im Fall des Bharata Natyam kann diese Charakterisierung durchaus auch für diese «klassische» Tanzform übernommen werden. Obwohl er als südindischer Tanzstil gilt, stellt er ein identifikationsstiftendes und identitätsverleihendes Brauchtum dar: «[…] bharata natyam appears to conjure images of quintessential Indianness.»3O’SHEA (2007:70)