Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03637.jsonl.gz/34

„Länger als die meisten anderen Kantone musste Uri auf eine eigene Zeitung warten“, betont Christoph Zurfluh1) in seinem Buch über das Urner Pressewesen und seine Bedeutung für die Urner Politik von der Helvetik bis zum Ersten Weltkrieg. Am 5. April 1838 erschien das erste „Wochenblatt von Uri“, das im Juli 1848 vom „Alpen-Bote von Uri“ abgelöst wurde. Ende 1848 verlor der Kanton Uri auch dieses Blatt.
Erst 1876 erhielt der Kanton Uri wieder eine Zeitung, das „Urner Wochenblatt“. „In allgemeinen Angelegenheiten der konservativen Richtung huldigend, wird es sich zur Aufgabe machen, die kantonalen und eidgenössischen Fragen leidenschaftslos, freimütig und loyal zu besprechen. Nutzen und Wohlfahrt des Kantons zu fördern werden die ausschliesslichen Bestrebungen des Blattes sein“, stand im Ankündigungszettel geschrieben2). „So beginnt also im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die Geschichte der (…) einflussreichsten und grössten Urner Zeitung“, schreibt Christoph Zurfluh3).
Herausgeberin des „Urner Wochenblatts“ war vorerst eine Aktiengesellschaft. 1892 wurde die Aktiengesellschaft in eine Genossenschaft umgewandet, die bis heute Bestand hat. Anfänglich wurde das „Urner Wochenblatt“ bei J.J. Högger in Altdorf gedruckt. 1880 übernahmen die Gebrüder Gisler den Druck und die Spedition der Zeitung. Bis heute erscheint das „Urner Wochenblatt“ beim Verlag Gisler Druck AG in Altdorf. Das „Urner Wochenblatt“, das vorübergehend bis fast 12’000 Exemplare erreichte, ist somit auch die einmalige Erfolgsgeschichte der über 125-jährigen Zusammenarbeit zweier Unternehmungen, einer Genossenschaft und eines Urner Gewerbebetriebes.
1992 hatte die Genossenschaft Urner Wochenblatt auf die Gegebenheiten in der elektronischen Medienlandschaft reagiert und wurde zusammen mit der Gisler Druck AG im Bereich Lokalradio aktiv. Seit 1997 ist die Interessengemeinschaft Urner Wochenblatt/Gisler Druck massgeblich am Urner Aktienkapital der Radio Central AG beteiligt und im Verwaltungsrat vertreten.
Seit 1997 können Artikel des „Urner Wochenblattes“ auch im Internet gelesen werden, unter www.urnerwochenblatt.ch.
Im Jahr 2001 feierten Genossenschaft und Verlag das 125-Jahr-Jubiläum des „Urner Wochenblattes“. Neu erscheint seit Januar 2001 der “pfyyl“. Das neue UW-Magazin verbreitert über das Jubiläumsjahr hinaus das journalistische Angebot, vertieft die öffentliche Kommunikation und präsentiert den Urner Kulturkalender.
Seit 1918 führte das Urner Wochenblatt den Untertitel „Katholisch-konservatives Volksblatt“ und von 1963 bis 1971 den Untertitel „konservativ-christliches Volksblatt“. Ab dem 4. September 1971 wurde auf den Untertitel verzichtet4). Heute wird das „Urner Wochenblatt“ als ordnende, gewichtende und zusammenführende Kraft des Lebensraumes Uri verstanden und steht als Forumszeitung allen Kreisen der Bevölkerung offen5).
Am 26. Juni 2006 hat die Genossenschaft die Statuten geändert und damit einen wegweisenden publizistischen Entscheid gefällt. Die Genossenschaft konzentriert ihr Wirkungsfeld seither auf die Förderung unabhängiger Medien und eines eigenständigen Medienschaffens mit Bezug zum Kanton Uri. Die Genossenschaft hat am 1. Juli 2006 die Redaktion der Gisler Druck AG übergeben und sich aus der operativen Tätigkeit bei der Herausgabe der Zeitung zurückgezogen. Diese Neuausrichtung erfolgte als Massnahme auf die beschleunigten Veränderungen in der lokalen, regionalen und nationalen Medienlandschaft. Das „Urner Wochenblatt“ basiert auf einem von der Genossenschaft und der Verlegerin gemeinsam erarbeiteten publizistischen Leitbild.
Seit dem Jahr 2006 verleiht die Genossenschaft den „Urner Medienpreis“ für herausragende journalistische Arbeiten mit einem Bezug zum Kanton Uri. Daneben fördert sie unter anderem die Weiterbildung von Journalistinnen und Journalisten und unterstützt publizistische Projekte. Am 17. Mai 2011 hat sich die Genossenschaft den neuen Namen „Genossenschaft Pro Journalismus Uri“ gegeben.
1) Zurfluh, Christoph: “Leidenschaftslos, freimütig und loyal“, Altdorf 1993, S. 50
2) Zurfluh S. 111
3) Zurfluh S. 111
4) Muheim Hans, 100 Jahre Urner Wochenblatt, im Urner Wochenblatt vom 27.10.1976
5) F.X. Brun/Tino Steinemann, Uri eine starke Sache, Altdorf 2001, S. 5