Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03170.jsonl.gz/1244

Norina Mooser vom SC Edelweiss Jaun war eine der hoffnungsvollsten Skifahrerinnen Freiburgs. An den Schweizer Nachwuchsmeisterschaften hat die 19-Jährige aus Charmey im Februar bei den U21 die Goldmedaille im Slalom und Silber in der Kombination gewonnen. Ende November hatte sie beim FIS-Slalom von Adelboden triumphiert und ihre Konkurrenz regelrecht deklassiert. Als Sahnehäubchen der erfolgreichen Saison konnte sie an den Junioren-Weltmeisterschaften in Norwegen starten.
Entsprechend gross war die Überraschung, als Mooser am Montag ihren Rücktritt vom Rennsport bekannt gegeben hat.
Norina Mooser, was hat Sie zum Rücktritt bewogen?
Ich hatte eine gute Saison, die beste gar, seit ich FIS-Fahrerin bin. Ich wurde Schweizer Junioren-Meisterin, fuhr Podestplätze heraus, nahm an der WM teil, und trotzdem wurde ich von Swiss Ski nicht ins C-Kader berufen. Das war mein grosses Ziel, das habe ich nun zum dritten Mal in Folge verpasst. Da musste ich über die Bücher.
«Weshalb man mir die anderen Fahrerinnen vorgezogen hat, darauf konnte man mir keine richtige Antwort geben.»
Norina Mooser
ehemalige Skirennfahrerin
Was hat gefehlt, damit Sie den Sprung ins C-Kader geschafft hätten?
Das ist eine gute Frage, die stelle ich mir auch. An sich waren die Kriterien klar: An der Junioren-WM hätte ich einen Platz unter den ersten 16 herausfahren müssen. In der Kombination wurde ich nur 17., mir fehlten 10 Hundertstelsekunden. Der Slalom, meine Paradedisziplin, wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Rein von den Resultaten her ist es in Ordnung, dass ich nicht ins C-Kader aufgenommen wurde.
Aber?
Drei Jahre lang sagte man mir bei Swiss Ski, ich sei nahe dran am C-Kader, ich stünde als Nächste auf der Liste. Vor drei Jahren hiess es, man nehme niemanden ins Kader auf, der die geforderten Resultate nicht erfülle. Das war okay für mich. Letztes Jahr sagte man mir, ich hätte die Anforderungen nicht erfüllt, weshalb ich nicht berücksichtigt werden könne. Gleichzeitig hat Swiss Ski aber fünf andere Fahrerinnen ins C-Kader aufgenommen, die die nötigen Resultate ebenfalls nicht erbracht haben. Und dieses Jahr dasselbe: Ich wurde nicht ins Kader aufgenommen, während zwei andere, welche die Kriterien ebenfalls nicht erfüllt hatten, trotzdem aufgenommen wurden. Ich habe das als ungerecht empfunden, und Ungerechtigkeiten kann ich nicht ausstehen. Wenn ich mehr gegen Swiss Ski kämpfen muss als gegen meine Gegnerinnen auf der Piste, dann läuft etwas falsch. So macht es keinen Sinn mehr.
Mit welcher Begründung wurden die anderen Fahrerinnen vorgezogen?
Der Cheftrainer meinte, es habe zu wenig Platz im C-Kader. Es ist schon so, dass bereits 14 Athleten dazugehören, das ist relativ viel. Aber wenn ich an der WM zehn Hundertstelsekunden schneller gefahren wäre, hätte der Verband auch für mich Platz haben müssen. Und weshalb man mir die anderen Fahrerinnen vorgezogen hat, darauf konnte man mir keine richtige Antwort geben. Ich kann es nur vermuten.
Wie lautet Ihre Vermutung?
Die möchte ich lieber nicht öffentlich machen. Nur so viel: Dass nicht allein die sportlichen Resultate ausschlaggebend sind, das hatte ich schon früher von anderen Fahrerinnen gehört, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Der Verband hat mir angeboten, dass ich mit dem C-Kader trainieren kann, so wie ich es bereits in den vergangenen Jahren durfte. Aber ich wollte nicht mehr nur halb dazugehören, zumal es auch finanziell einen Unterschied macht, ob man Teil eines Kaders ist oder nicht. Also habe ich mich entschieden, mit dem Skirennfahren aufzuhören.
«Das Draufgängerische ist nun mal mein Stil, den kann ich nicht einfach ändern.»
Norina Mooser
ehemalige Skirennfahrerin
Ist Ihnen der Entscheid schwergefallen?
Ja und nein. Zum einen war für mich von Saisonanfang an klar, dass ich aufhöre, wenn ich es dieses Jahr wieder nicht ins Kader schaffe. Insofern war ich darauf vorbereitet. Den Schritt dann aber zu vollziehen, war nicht so einfach. Mein Trainer vom Nationalen Leistungszentrum in Brig, wo ich die KV-Matura mache, hätte gerne gehabt, dass ich noch ein Jahr weitermache. Aber ich habe gemerkt, dass meine Motivation gelitten hat. Und wenn ich nicht mit ganzem Herzen dabei bin, dann hätte es auch nichts gebracht. Ich wollte lieber nach einer guten Saison selbst aufhören, als noch ein schlechtes Jahr anzuhängen und dann aufhören zu müssen.
Gibt es etwas, dass Sie im Nachhinein anders machen würden?
Das habe ich mich schon oft gefragt, aber ich wüsste nicht, was. Ich war eine Fahrerin, die im Rennen immer 120 Prozent gegeben hat. Entweder habe ich das Ziel erreicht, dann war das Resultat gut, oder ich bin ausgeschieden. Vor zwei Jahren hatte ich viele Ausfälle, dieses Jahr aber deutlich weniger. Vielleicht hätte ich weniger Risiko nehmen sollen, dann hätte ich mehr Resultate ausweisen können. Aber das Draufgängerische ist nun mal mein Stil, den kann ich nicht einfach ändern.
Ihr Traum vom Weltcup wird sich nun nicht erfüllen. Die zahlreichen Strapazen und Entbehrungen der letzten Jahre haben sich nicht ausbezahlt. Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten: Würden Sie nochmals so viel ins Skifahren investieren?
Unbedingt, Sport ist eine Lebensschule. Vor vier Jahren bin ich von zu Hause weggezogen, um nach Brig in die Sportschule zu gehen. Dadurch bin ich viel selbstständiger geworden. Ich habe viele interessante Leute kennengelernt und Freundschaften haben sich entwickelt. Von den Erfahrungen, die ich mit dem Skifahren machen konnte, kann ich ein Leben lang profitieren.
Was war die schönste Erfahrung, die Sie in Ihrer Karriere machen durften?
Die Junioren-Weltmeisterschaften im hohen Norden von Norwegen waren ein tolles Erlebnis. Nicht unbedingt resultatmässig, aber vom ganzen Drum und Dran. Mein sportliches Highlight war der Gewinn des Junioren-Schweizermeistertitels im Slalom. Da waren einige Swiss-Ski-Fahrerinnen am Start, die Konkurrenz entsprechend gross, und dennoch konnte ich mich durchsetzen.
«Wenn ich mehr gegen Swiss Ski kämpfen muss als gegen meine Gegnerinnen auf der Piste, dann läuft etwas falsch.»
Norina Mooser
ehemalige Skirennfahrerin
Und was war Ihre grösste Enttäuschung?
Die Nicht-Selektion für das C-Kader, ganz klar. Ich habe immer mein Bestes gegeben, immer vollen Einsatz gezeigt. Aber es gibt Dinge im Leben, die man nicht beeinflussen kann. Das muss ich akzeptieren.
Verkaufen Sie nun Ihre Rennskis?
Nein, nein (lacht). Ich habe nach wie vor sehr viel Spass am Skifahren. Ich werde gerne die Rennen des Freiburger Cups fahren. Ich werde auch weiterhin viele Skirennen im Fernsehen anschauen. Und ich werde weiterhin die anderen Freiburger Skifahrerinnen und Skifahrer unterstützen, die versuchen, ihren Traum vom Profi zu realisieren. Nun habe ich wieder mehr Zeit für mich, ich werde die nutzen, um viele andere Sportarten auszuprobieren. Und ich freue mich auf das kommende Praktikumsjahr, ehe ich nächsten Sommer meine KV-Ausbildung abschliesse. Mir wird nicht langweilig.