Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03314.jsonl.gz/1430

Die nationalkonservative Regierung begründet die Massnahme unter anderem mit der Bekämpfung des Borkenkäfers und der Vorbeugung von Waldbränden. Wissenschafter, Umweltschützer sowie die Europäische Union sehen dagegen eine massive Bedrohung der Umwelt.
Der Chef von Greenpeace Polen, Robert Cyglicki, sagte, es finde ein "Verbrechen gegen unser Erbe vor unseren Augen" statt. "Man muss nur auf Satellitenfotos schauen, um zu sehen, dass Europas letzter Urwald in eine Baumplantage verwandelt wird", sagte er während des Protestmarschs durch das Warschauer Stadtzentrum. "Wir wollen, dass das aufhört."
Die Demonstranten zogen bis zum Umweltministerium. Vor der Tür überreichte ihnen ein ranghoher Beamter Bonbons und sagte, diese seien ein Geschenk des Umweltministers. Anschliessend setzten sich die Demonstranten auf den Boden und lauschten einer Aufnahme, auf der Geräusche des Waldes wie Vogelgezwitscher immer wieder vom Lärm von Motorsägen überdeckt wurden.
Die EU-Kommission hatte Ende April eine "letzte Mahnung" an Warschau gerichtet und mit einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gedroht, wenn das Land die Abholzung in dem Naturschutzgebiet nicht einstellt. Auch die UNESCO äusserte sich besorgt.
Polens Umweltminister Jan Szyszko forderte dagegen vor wenigen Tagen, den Wald von der UNESCO-Liste zu streichen. Die Einstufung als Weltnaturerbe enthalte die Auflage, dass menschliche Eingriffe nur sehr eingeschränkt erlaubt sind. Besucher dürfen sich nur auf bestimmten Routen bewegen.
Der Wald von Bialowieza erstreckt sich über 1500 Quadratkilometer entlang der Grenze zwischen Polen und Weissrussland. Im gesamten Wald sind 20'000 Spezies zu Hause, darunter 250 Vogel- und 62 Säugetierarten - wie zum Beispiel Europas grösster Säuger, der Wisent. Auch Europas grösste Bäume, 50 Meter hohe Tannen, stehen in Bialowieza.
(SDA)