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7. Juli 1985: Ein unbekümmerter 17-jähriger Junge mit roten Haaren und Sommersprossen begeistert die Massen in Wimbledon und schreibt Tennis-Geschichte, als er in vier Sätzen den Südafrikaner Kevin Curren im Finale bezwingt.
Der Teenager aus Leimen, der mit sieben Jahren im Verein Tennis zu spielen beginnt, übersteht die ersten beiden Runden mehr oder weniger souverän. Das ändert sich in Runde 3, als er auf Joakim Nyström, den an Nummer 5 gesetzten Schweden trifft. Erst im Entscheidungssatz behält Becker mit 9:7 die Oberhand.
Noch dramatischer wird das Achtelfinale gegen den US-Amerikaner Tim Mayotte. Becker knickt wie im Vorjahr bei seiner ersten Wimbledon-Teilnahme um und will bereits wieder aufgeben, wird aber von Bosch und Tiriac zum Weiterspielen überredet. Er beisst die Zähne zusammen und siegt erneut in fünf Sätzen.
Im Viertel- und Halbfinal braucht der damals aktuelle Juniorenweltmeister jeweils «nur» vier Sätze, um seine Gegner zu besiegen. Im Final wartet mit dem Südafrikaner Kevin Curren, der später aufgrund ständiger Visa-Probleme die US-Staatsbürgerschaft annimmt, ein grosser Brocken. Schliesslich hat Curren die letzten beiden Wimbledon-Champions Jimmy Connors und John McEnroe (beide USA) aus dem Turnier geworfen.
In der Heimat sind die Strassen leergefegt wie sonst nur bei Fussballspielen oder Fernsehkrimis, wie der «Stern» schreibt. Mehr als elf Millionen Deutsche fiebern vor den Bildschirmen mit, als aus einem 17-jährigen Tennisspieler die Sport-Ikone Deutschlands werden sollte.
Der blasse Jüngling mit dem stechenden Blick hat einen Schlachtplan in petto, um seinen erfahreneren Kontrahenten zu bezwingen. Bereits beim Einlaufen markiert er sein Revier: «Ich überhole Curren beim Gang auf den Platz, das war mir wichtig, da schon Entschlossenheit zu zeigen, vor meinem Gegner den Platz zu betreten, und ich wollte mir den Stuhl beim Schiedsrichter aussuchen können.»
Nachdem Kevin Curren die Wahl des Aufschlags gewinnt, wählt der damals «weltbeste Aufschlagspieler» (Zitat Becker) Rückschlag. Becker denkt sich nur: «Was für'n Schwächling», wie er 25 Jahre später gegenüber der «Welt» offenbart und merkt, dass auch der zehn Jahre ältere Curren nervös ist.
Auch im Match gegen den jungen Deutschen spielt er ungewöhnlich fahrig. «Curren konnte keinen Druck machen», beschreibt der damalige Teamchef des Deutschen Tennis Bund, Niki Pilic den Match. Nicht einmal 50 Prozent seiner ersten Aufschläge kommen ins Feld. Der Anfang vom Ende für den bedauernswerten Curren, dem es in seiner Laufbahn nie gelang, ein Grand-Slam-Turnier im Einzel zu gewinnen.
Nach drei Stunden 18 Minuten tütet Becker den Sieg ein. Kurz vor dem möglichen Triumph wurde aber auch er nervös, wie Becker im Interview gesteht: «Die Arme wurden schwer, die Beine wurden schwer - fast Angst vorm Sieg hatte ich.»
Tennis-Deutschland wurde an diesem Juli-Tag noch einmal geboren. Der weisse Sport boomte im ganzen Land - und der Deutsche Tennis Bund (DTB) begann dank unglaublicher Millionen-Summen aus Sponsoren- und TV-Verträgen im Geld zu schwimmen. Allein die Daviscup-Rechte brachten binnen fünf Jahren 125 Millionen Mark, von denen die Landesverbände allein gut die Hälfte kassierten, wie der «Stern» schreibt.
Im Leben des inzwischen 46-Jährigen ging nicht alles so glatt wie am 7. Juli 1985 auf dem berühmtesten Centre Court der Welt, den Becker später nur noch «sein Wohnzimmer» nennt.
«Er glaubte, jetzt alles zu wissen», sagte der ehemalige Trainer Günther Bosch rückblickend. «Er hätte das Welttennis viel länger dominieren können. Er hätte öfter als drei Mal Wimbledon gewinnen und viel länger die Nummer eins sein können», so Bosch, der jedoch keinen Groll hegte gegen seinen ehemaligen Schützling.
Mehr also als die 49 Einzeltitel, die zwölf Wochen an der Tennisspitze, die sechs Grand-Slam-Siege, zwei Davis-Cup-Erfolge, Master-Gewinner, Olympia-Gold im Doppel mit Erzfeind Michael Stich und zig weiteren Auszeichnungen.
Privat macht «Bumm-Bumm-Boris», so sein Spitzname aufgrund seines druckvollen Spiels nach seinem Rücktritt 1999 weniger positive Schlagzeilen: Scheidung, verschiedene Prozesse (u.a. Steuerbetrug) und missglückte Investitionen lassen sein Vermögen deutlich schrumpfen. Heute lebt der Deutsche in Zürich, als Trainer von Novak Djokovic ist Becker wieder mit dem Tour-Tross auf der ganzen Welt unterwegs.