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Wir sind auch Menschen!
Sie besetzten drei Monate lang eine Strasse in La Paz. Nun hat der Staat endlich eingewilligt.
Nach 36 Tagen und einer Strecke von 379 Kilometern kamen sie am 25.April 2016 in der Stadt La Paz an: Mary, Marta, Juana, Dolores, Daniel, Mijail, Roberto, Wilson und viele mehr. Mit ihrem Marsch wollten die physisch oder psychisch beeinträchtigen Menschen aus Bolivien auf ihre Forderung nach einer Erhöhung der Unterstützungsgelder durch den Staat aufmerksam machen. Bisher erhielten sie 2000 Bolivianos pro Jahr, was in etwa einem monatlichen Betrag von 167 Bolivanos (24 Franken) entspricht. Sie forderten die Zahlung von monatlich 500 Bolivanos (72 Franken), da ihr gesundheitlicher Zustand es ihnen nicht ermögliche einer Arbeit nachzugehen, die so entlöhnt wird, dass das Einkommen reicht, um eine Familie zu ernähren und ihre Gesundheitskosten zu decken. Die Fotografin Cecilia Fernandez portätierte einige von ihnen.
Weil der Staat nicht gewillt war, auf ihre Forderung einzugehen, besetzten sie mit Zelten während drei Monaten einen Teil der Stadt. Der Staat befürchtete, dass ein solch hoher Betrag die Wirtschaft des Landes destabilisieren würde. Ihr Aufenthalt war von Repression seitens der Polizei geprägt und irgendwann, als die Tage kälter wurden und die Hoffnung schwand, verliessen sie den Ort ohne ihre Ziele erreicht zu haben. Zwei Jahre sind seitdem vergangen. Inzwischen wurde doch noch ein neues Gesetz erlassen. Seit Februar erhalten schwer beeinträchtigte Menschen nun immerhin 250 Bolivianos (36 Franken) monatlich. Ein fast noch wichtigerer Teil der neuen Regelung ist, dass staatliche Arbeitgeber nun gesetzlich verpflichtet sind 4 Prozent Menschen anzustellen, die körperlich oder psychisch beeinträchtigt sind. Für private Firmen gilt ein Wert von zwei Prozent. Der Protest scheint also doch etwas bewirkt zu haben.
Cecilia Fernández wurde 1976 in der bolivianischen Stadt La Paz geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Kuratorin entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Fotografie. Einige Jahre lebte sie in Madrid. Dort studierte sich an der Kunsthochschule und bildete sich weiter. Der nächste Zwischenhalt in ihrem Leben war Moçambique. Dort arbeitet sie mit verschiedenen NGOs zusammen und beginnt sich für die Porträtfotografie zu begeistern. Es folgen veschiedene Projekte zur Gesundheit von Frauen und Kindern. Im Jahr 2012 kehrt Fernandez zurück in ihre Heimat Bolivien und eröffnet ihr eigenes Fotostudio. Daneben arbeitet sie für Zeitungen und Magazine und macht freie Fotoreportagen.