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Die Reise, die Herr Ehrenberg, Herr Gustav Rose und ich im letzten Jahr unter den Auspizien des Kaisers von Rußland zu den Bergwerken des Ural und des Altai unternommen haben, an die Grenzen der chinesischen Dsungarei und an das Kaspische Meer, hatte eine Vielfalt von Beobachtungen zum Gegenstand, deren Ergebnisse in einzelnen Abhandlungen und Werken dargestellt werden. Wir sind im Besitz geologischer Sammlungen, die wir selbst zusammengetragen haben und die vollständiger sind als diejenigen, welche bisher aus diesem Teil Asiens nach Europa gebracht werden konnten. Von Herrn Rose geordnet, werden sie im Museum zu Berlin neben der geognostischen Ausbeute aus Mexiko, Quito, dem südlichen Brasilien, den Kanarischen Inseln und verschiedenen Regionen Europas aufbewahrt. Ich bin dabei, die wichtigsten Resultate unserer Arbeiten in einem physischen Tableau der Gegenden, die wir durchreist haben, zusammenzufassen. Dieses Werk wird unter dem Titel Geognostische, magnetische und astronomische Beobachtungen erscheinen. Herr Ehrenberg, der auf seinen früheren Reisen in Nubien, Dongola und Abessinien Vergleichsmaterial gewonnen hat, das viele neue Erkenntnisse ermöglichte, wird in einem gesonderten Band das geographische Verhältnis der Pflanzen zwischen der Wolga, dem Irtysch und dem Ob, zwischen dem nördlichen Ural und der Steppe der Kirgisen behandeln. Darin wird er auch die zoologischen Beschreibungen versammeln, vor allem diejenigen der Süßwassermuscheln, der Insekten und der Fische, die in den großen Flüssen und im Kaspischen Meer in Fülle vorkommen. Ich werde die Ehre haben, der Akademie in einer anderen Sitzung einen Auszug aus einer noch ungedruckten Abhandlung vorzustellen, in der Herr Ehrenberg zunächst die Varietät des großen indischen Königstigers beschreibt, die sich im Norden der großen Kette des Himmelsgebirges (Thianchan), sogar nördlich des Tarbagatai und der Region der Dioptase zeigt. Er stellt die Unterschiede dar zwischen Felis pardus von Cuvier, Felis chalybeata von Hermann, welcher der Felis pardus von Temmink ist, und Felis Irbis (dem langhaarigen Panther), den Pallas mit dem afrikanischen Felis pardus verwechselt hatte und von dem wir ein schönes Fell in Semipalatinsk an den Ufern des Irtysch erworben haben. Herr Rose hatte das Glück, Zinnerz im südlichen Ural oder Baschkir zu entdecken sowie eine Verbindung aus Silber und Tellur in einem Mineral aus Sawodinski, nahe dem Altai. Die Existenz von Zinn und Tellur war vor unserer Reise, vor dem Jahr 1829, im asiatischen Rußland so unbekannt wie die Existenz von Diamanten im europäischen Rußland.
Herr Gustav Rose, dessen Genauigkeit in den chemischen Analysen von Frankreichs Chemikern hoch geschätzt wird, ist zur Zeit mit einer umfangreichen Arbeit über das Waschgold und das Grubengold aus den noch nicht zerstörten Gängen beschäftigt sowie über die Verhältnisse, in denen das Gold Sibiriens, dessen Jahresprodukt zur Zeit 6.000 Kilogramm überschreitet, mit Silber vermengt ist. Der Gelehrte wird die Ergebnisse dieser umfangreichen oryktognostischen und chemischen Untersuchungen an den im Lauf unserer Reise gesammelten Substanzen in einem gesonderten Werk veröffentlichen, dem er alle Einzelheiten über die geognostischen Positionen beifügen wird. Es gibt kaum eine Gegend auf dem Erdball, in der die Gebirgsarten und Adern eine erstaunlichere Vielfalt an Mineralen aufweisen, gleichermaßen bemerkenswert in ihrer Schönheit wie in ihrer chemischen Zusammensetzung. Ich bin sicher, daß die rasche Ankündigung dieser Arbeiten, die aus meiner letzten Reise (von mehr als 4.500 Meilen) durch den alten Kontinent hervorgegangen sind und von denen die wichtigsten ausschließlich meine Freunde durchgeführt haben, der Akademie in Erinnerung rufen wird, daß ich seit meiner Abreise aus Paris keine Gelegenheit versäumt habe, mein Leben in den Dienst des Fortschritts der Naturwissenschaften zu stellen, und daß ich auch fern von Ihnen einem Weg treu geblieben bin, der die reinsten und nachhaltigsten Freuden bietet. Da der gegenwärtige Stand der Wissenschaften eine hohe Geschwindigkeit der Kommunikation erfordert, sind Herr Rose, Herr Ehrenberg und ich übereingekommen, in dem Maße, wie wir mit der schriftlichen Ausarbeitung unserer Beobachtungen vorankommen, die wichtigsten Ergebnisse in einzelnen Abhandlungen zu veröffentlichen.
Eben diese Überlegung gibt mir heute auch Anlaß, der Akademie einige der Gedanken zu unterbreiten, die in einem kleinen Werk dargelegt sind, das Herr Ehrenberg soeben auf deutsch veröffentlicht hat. Der Titel lautet: Organisation, Systematik und geographische Verbreitung der Infusionstierchen in Nord-Afrika und West-Asien. Die Zahl der im Lauf unserer Reise zwischen dem Kaspischen Meer, dem Ural und dem Altai beobachteten Arten betrug 113, von denen 8 neue Gattungen bilden. Indem er jene durchsichtigen, gallertartigen Wesen mit Indigo und Karmin fütterte, konnte Herr Ehrenberg den außerordentlich komplexen Bau ihrer Organe erkennen. Er färbte ihren Mund, ihre Mägen, das Ende ihres Nahrungskanals sozusagen innen blau und rot. Bei einem Blick auf die acht von Herrn Ehrenberg gezeichneten Tafeln sieht man sofort die erstaunliche Komplexität dieser Wesen, von denen mehrere jedoch nur 1/9000 Linie lang sind. Der Autor hat ein Mikroskop von Chevallier und im allgemeinen eine Vergrößerung von 800mal im Durchmesser verwendet. Er präsentiert die Ergebnisse von Beobachtungen aus zehn Jahren, die um so zuverlässiger sind, als die Anatomie der Mollusken des Roten Meeres ihn bereits mit der Verwendung der Mikroskope und Mikrometer vertraut gemacht hat. Die kleinsten Infusorien, die man für die einfachsten gehalten hat, haben alle einen Mund und Ernährungsorgane, manchmal dreißig bis vierzig Mägen. Sie vermögen alle, ihre Beute zu packen und sich von festen Stoffen zu ernähren. Bei Monas termo, nur 1/1.500 Linie lang, erkennt man vier Mägen, einen Mund und Wimpern, die den Mund umgeben. Vorticella, Leucophrys, die Paramaecien sind komplizierter organisiert. Bei den Rädertierchen, in den Gattungen Euglena und Eosphora, variiert die Zahl der Augen; aber die größte Aufmerksamkeit der Naturforscher, die sich mit mikroskopischer Anatomie befassen, wird die Komplexität des Muskel- und Nervensystems, des mit knorpeligen Zähnen versehenen Mundes und der Ernährungs- und Fortpflanzungsorgane von Hydatina senta (Vorticella senta Müller) auf sich ziehen, die auf der achten Tafel dargestellt ist. Sicherlich wird die Akademie den anatomischen Teil dieser Abhandlung sowie die Systematik der Infusorien nach ihrer inneren Organisation, vor allem den Parallelismus der nuda und loricata (der nackten und der gepanzerten), der diese gesamte Tierklasse charakterisiert, besprechen lassen wollen. Herr Ehrenberg diskutiert die Gattungen, die nach anderen Grundsätzen bestimmt worden sind, und stellt fest, daß die Tiere derselben Art in verschiedenen Stadien ihres Wachstums, je nachdem, ob sie Nahrung bekommen hatten oder nicht, als unterschiedliche Gattungen beschrieben wurden. Herr Ehrenberg hat oft Infusorien aus dem Ei hervorkommen sehen, und keinerlei unmittelbare Beobachtung hat ihn veranlaßt, eine Generatio spontanea anzunehmen oder auch eine Agglomeration von Infusorien, die vegetabilische oder animalische Rudimente bildet. Er glaubt, daß alle Infusorien sich während ihres Lebens fortbewegen und einzeln ihre Nahrung suchen. Von den 113 auf unserer Reise beobachteten und beschriebenen Arten gehören 31 Arten zu Europa und 82 zu Asien, aber zwei Drittel von den in Asien gesammelten Arten sind auch in Mitteleuropa beobachtet worden. Kolpoda cucullus scheint die allgemein am weitesten verbreitete Art zu sein. Herr Ehrenberg hat sie vom Berg Sinai bis nach Dongola gefunden, nahe Berlin, von Sankt-Petersburg bis in den nördlichen Ural und am Fuß des Altai. In den Gruben Sibiriens (Soimonofskoi und Schlangenberg) findet man drei Arten von Monaden, auch Kolpoda cucullus, in 56 Toisen Tiefe, an Orten ohne jedes Licht. Die Infusorien bilden nach ihrer Struktur zwei natürliche Klassen von Tieren, die das Meer und die Kontinente bewohnen. Man findet einige Arten, die (wie die Kryptogamen) in den unterschiedlichsten Zonen identisch sind. Sie scheinen je nach den Klimaten zu variieren, zwischen Europa und Dongola mehr als von Ost nach West, zwischen Berlin und dem Altai. Die Salzgewässer der asiatischen Steppen weisen keine sehr eigentümlichen Formen auf. Der mit äußerster Sorgfalt untersuchte Tau in den Wüsten Afrikas hat keine Infusorien gezeigt, während sich in den Brunnen der Oase von Jupiter Ammon acht verschiedene Arten tummeln.
Die während der letzten Reise von Herrn Humboldt durchgeführten Forschungen über Infusorien erstrecken sich über mehr als 50° Länge und 14° Breite.
Notiz über die Reise von Herrn von Humboldt nach Sibirien und Forschungen von Herrn Ehrenberg über die Organisation und die geographische Verbreitung der Infusorien im nördlichen Asien