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Mehr als zwei Jahrzehnte - 1860 bis 1882 - war nichts geschehen in Sachen Befestigungsbau in der Schweiz - ausser jede Menge Planungen. Erst im Jahr 1885 nach der Eröffnung des Gotthardeisenbahn-Tunnels
beendete der Bundesrat diese Phase und löste die erste Bauetappe in Sachen Gotthardbefestigung aus. Eines der ersten Werke, welches ab 1886 errichtet wurden, war das
Fort Airolo. Die verschärfte politische Lage in Europa des Jahres 1886 führten aber dazu, dass, noch bevor das Fort Airolo fertig
gebaut war, schnell erstellbare Lösungen gefunden werden mussten.

Motto Bartola
Oberstdivisionär Pfyffer hielt in einer Lagebeurteilung im Dezember 1886 einen Kriegsausbruch im kommenden Frühjahr durchaus für möglich. Da das Fort Airolo allerdings erst im Herbst 1889 bezugsbreit sein
würde, beantragte die Befestigungskommision den Bau eines innert 4 bis 8 Wochen zu erstellenden provisorischen Werkes auf Motto Bartola. Es sollte die Strasse von Airolo hinauf zum Gotthard decken, den
Bau des Forts Airolo schützen und nach seiner Vollendung dieses ergänzen.
Der Kostenrahmen von 120'000 CHF liess sich aber nicht halten und ein Bau quasi aus dem Stand heraus war ebenso unrealistisch. Also konnte auch hier nach einer langen Planungsphase erst 1888 mit dem
Bau einer offenen Batterie für vier 12 cm Kanonen und einiger Stellungen für Feldgeschütze begonnen werden. Um im Kostenrahmen zu bleiben, musste man sich - mit Ausnahme der Geschützstellungen - mit einem
schusssicheren Munitionsmagazin, ein paar betonierten Unterständen und den Schützengräben begnügen. Es mag erstaunen, dass man zu dieser Zeit - trotz fortschreitender Waffentechnik - noch offene Anlagen
baute. Pfyffer wies aber darauf hin, dass ein durch die Leventina vorstossender Gegner in der ersten Staffel nur leichte Artillerie mit begrenzter Reichweite mit sich führen kann. Von Motto Bartola aus
könne man diesen Gegner mit 12 cm Kanonen erfassen und bekämpfen, noch bevor dieser in der Lage sein, die Stellungen selber unter Feuer zu nehmen.
Bis zum 1. Weltkrieg erfolgten verschiedene weitere Um- und Ausbauten, so dass die ersten Anlagen heute nicht mehr als solche zu erkennen sind. Der projektierte Bau eines Panzerforts auf Motto Bartolla
wurde nicht mehr realisiert. Dafür ergänzte man während des 1. Weltkriegs das Dispositiv mit offenen Stellungen für Feldgeschütze beim daneben liegenden Cassina. Zur Verbesserung der Sturmfreiheit der
Terrasse von Motto Bartola entstanden östlich und westlich je eine mit Maschinengewehren ausgerüstete Flankieranlage in permanenter Bauart. Ebenso errichtet man bei Cassina, Stuei und im Fortareal von
Gaspei Stellungen und Unterstände für 90cm Scheinwerfer.
Plan von Motto Bartola aus der Zeit des 1. Weltkriegs [ Friends only ]
Die Kaserne von Motto Bartola wird heute noch genutzt und dient Schulen und Kursen als Unterkunft. Wie gut die Wahl der Stellung bei Motto Bartola ist, bezeugen Kampfanlagen, die bis in die Neuzeit hinein
in der Umgebung errichtet wurden.
Artilleriewerk A8350 Stuei
Das Fort Airolo hatte zahlreiche schusstote Winkel. Um in diese zu wirken, wurde 1891 ein Vorprojekt für eine Flankiergalerie bei Stuei durchgeführt. Ab 1893/94 wurde die Anlage als vollständiges in
Fels gehauenes Werk erstellt, welches nicht nur die toten Winkel von Airolo abdeckte, sondern auch die linke Flanke von Motto Bartola schützte. Es bestand aus einer Geschützkasematte mit zwei 8.4 cm
Kanonen und einer Unterkunftskaverne. Zusätzlich war das Werk noch mit einem 60 cm Scheinwerfer ausgerüstet. Obwohl es beim Bau Probleme mit der Geologie gab, galt das Werk mit seinen dem Feind
abgewandten Scharten als eines der besten Forts am Gotthard.
Pläne des Artilleriewerks A8350 Stuei [ Friends only ]
Da die Kaverne zu klein war, wurde diese ab 1910 mit zwei neuen Kavernen für Munition und Maschinen ergänzt. Die Stellung bewährte sich dermassen, dass noch nach dem Zweiten Weltkrieg (1950 - 52) das
Werk um eine weitere Geschützkasematte mit 2 Geschützen, Stollen und Kavernen ergänzt wurde. Die alten 8.4 cm Kanonen mussten moderneren 7.5 cm Kanonen auf Hebelafetten weichen. Da ab Mitte der 70er
Jahre alle 7.5cm Kanonen wegen Problemen mit der Munition ausser Dienst genommen wurden, ist 1977 auch diese Anlage als Artilleriewerk aufgehoben worden.
Panoramablick von Motto Bartolla in Richtung Stuei

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Motto Bartola
Batterie Cassina
Flankiergallerie A8316
Motto Bartola West Aussen
Flankiergallerie A8316
Motto Bartola West Innen
Artilleriewerk A8350 Stuei