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Ein neuer «Halloween»-Film will den Killer Michael Myers endgültig begraben – kein Problem, der Produzent dahinter hat sein Erfolgsrezept längst perfektioniert
Ist der Kerl überhaupt kleinzukriegen? Seit er 1978 zum ersten Mal in John Carpenters «Halloween» auftrat, wurde der Babysitterinnen-Mörder Michael Myers unzählige Male am Ende erledigt, erschossen, erstochen, angezündet. Zwecklos. Die Personifizierung des ultimativen Bösen stand jedes Mal wieder auf, kehrte in zwölf Fortsetzungen oder Neuauflagen zurück, um zur Halloween-Feier am 31. Oktober in der fiktiven Kleinstadt Haddonfield in Illinois ein weiteres Gemetzel anzurichten.
Zusammen mit Freddy Krueger, der mit seinen Messerfingern Teenagern in ihren Träumen nachstellt («A Nightmare on Elm Street»-Reihe) oder Jason Voorhees mit Machete und Hockeymaske («Friday the 13th»-Reihe) wurde Michael Myers zu einer äusserst prominenten und profitablen Horrorikone. Sein Markenzeichen: Er ist stumm wie ein Grab und verbirgt sein Gesicht hinter einer weissen Maske, für die im ersten Film noch eine eingefärbte Captain-Kirk-Maske herhalten musste.
Blumhouse: Eine Firma mit gewaltiger Gewinnspanne
Nun kündigt der Titel des jüngsten, dreizehnten Teils den endgültigen Abschluss der Reihe an: «Halloween Ends». Zusammen mit «Halloween» von 2018 und «Halloween Kills» (2021) bildet er eine Trilogie, in der Gegenwart angesiedelt, doch im Retro-Look und mit der weiblichen Hauptrolle aus dem Film von 1978, Jamie Lee Curtis. Eine sanfte Verneigung vor Carpenters Original trifft auf zeitkritische «American Angst».
Als Produzent an diesen letzten drei Filmen beteiligt war der Amerikaner Jason Blum. Gemessen an den Margen ist seine Produktionsgesellschaft Blumhouse Productions eine der erfolgreichsten der Welt. Ihre meist im Horrorgenre angesiedelten Filme kosten höchstens ein paar Millionen Dollar, können also keine gigantischen Verluste machen. Im Gegenteil, manche spielen sogar Hunderte von Millionen ein. So wie 2007 «Paranormal Activity».
Die simplen Aufnahmen aus dem Haus eines Pärchens, in das sich ein Dämon eingeschlichen hat, kosteten gerade einmal 15’000 Dollar. Es wurde ein Sensationserfolg mit Einnahmen von rund 200 Millionen Dollar und etlichen Fortsetzungen. Ebenso wie sechs Jahre später die Blumhouse-Produktion «The Purge», in der Amerika einen jährlichen Tag blutiger Anarchie begeht. Wenn die Marktprognosen nicht völlig danebenliegen, wird «Halloween Ends» ein weiterer Mordserfolg, unabhängig von lauen Kritiken für den Vorgänger.
Ein erzählerisches Durch- und Nebeneinander
Das Finale der neuen Trilogie ist ambitioniert, will gleich mehrere Geschichten erzählen: Von einer Kleinstadt, die sich eine kollektive Heilung nach dem erlittenen Terror erhofft. Von Jamie Lee Curtis‘ Figur Laurie Strode, die für alle als Sündenbock herhalten muss und mit der der Film nichts mehr richtig anzufangen weiss. Und von dem jungen Mann Corey Cunningham (Rohan Campbell), dessen Augen schon so killermässig funkeln. Das alles erzählt «Halloween Ends» konfus durch- und nebeneinander; nichts davon wird wirklich konsequent zu Ende gedacht.
Wo Michael Myers steckt, erfährt man übrigens erst nach langatmigen 45 Minuten, in denen nichts passiert, was einen aus dem Sessel reissen würde. Am Ende wird der Antichrist zuerst mit Messern an den Küchentisch genagelt, um anschliessend ganz profan im Schrotthäcksler entsorgt zu werden. Eine Rückkehr ist selbst nach diesem garstigen Garaus freilich nie ausgeschlossen.
Doch womöglich wäre es gut, wenn der Boogeyman ein Weilchen ganz abwesend bleiben würde. Selbst Blum, der bereits Hunderte von Produktionsbeteiligungen in seiner Vita stehen hat, erkennt die Gefahr, dass sich das Genre mit seinen ewigen Sequels erschöpfen kann: «Die Geschichte des Horrorfilms funktioniert seit mindestens 30 Jahren zyklisch. Bei einem Erfolg ziehen alle nach, bis irgendwann der Moment kommt, an dem es für das Publikum zu viel wird und die Flaute einsetzt.»
Die Kalkulation von Erfolg
Steht man Jason Blum leibhaftig gegenüber, sind Gruselgeschichten kaum das Erste, das einem in den Sinn kommt. Der 53-Jährige sieht aus wie ein ehemaliger Surfer, breites Grinsen, blau getönte Sonnenbrille. Es ist Sommer, Blum hat am Locarno Film Festival den «Best Independent Producer Award» erhalten. Er hat die stets souverän auftretende, unverbindliche Art von einem, der gelernt hat, Erfolg zu kalkulieren.
Ein Schlüssel dazu: Es ist ihm verhasst, grössere Summen für seine Produktionen in die Hand zu nehmen. «Grosse Budgets sind der Tod für die Kreativität», sagt er. Oder: «Mehr Geld, mehr Leute, weniger Spielraum.» Daher arbeitet er auch am liebsten mit routinierten Regisseuren, die genau wissen, was sie benötigen. Dafür erhielten sie grosse kreative Freiheiten. Das sei viel effizienter, denn ein Debütant müsse während der Arbeit noch dazulernen – und das koste.
Eine Ausnahme sei Jordan Peele gewesen, der bereits viel Erfahrung am Set durch seine TV-Produktionen mitbrachte. Der Regisseur bescherte Blumhouse mit seinem Kinodebüt «Get Out» 2017 nicht nur einen riesigen finanziellen Erfolg, sondern auch vier Oscarnominierungen in den wichtigsten Kategorien. Blum ist überzeugt, dass die Academy nach diesem Film über einen Afroamerikaner, der in die Fänge einer scheinbar progressiven weissen Familie gerät, das Horrorgenre anders wahrnimmt: «Wäre ‹Get Out› heutzutage für den besten Film nominiert, würde er gewinnen.»
Brad Pitt kommt Jason Blum sehr ungelegen
Trotz regelmässiger Erfolge inszeniert sich Blum immer noch als Hollywood-Rebell, der mit kaum besuchten Arthouse-Filmen seine Karriere anfing und nur deshalb zum Horror wechselte, um Zuschauer zu gewinnen. Streaming betrachtet er als Antithese zu seinem Geschäftsmodell, für Superstars hat er praktisch keine Verwendung: «Horror ist das einzige Genre, das sogar davon profitiert, dass man keinen grossen Star braucht. Bei Brad Pitt in der Hauptrolle weiss man doch, dass er nicht sterben wird.»
Jetzt, wo Michael Myers erst einmal beerdigt ist, stehen die nächsten Ausgrabungen alter Horrorklassiker an. Sagenhafte 81 Projekte werden derzeit in der Online-Filmdatenbank IMDb für Jason Blums zukünftige Produzententätigkeit gelistet, darunter auch die Neuauflage von «The Exorcist» von «Halloween Ends» Regisseur David Gordon Green. Zwei Dinge sind klar: Angst bringt sicheres Geld. Und das Böse kommt gewiss nicht auf leisen, dafür auf preiswerten Sohlen.