Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/136439

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Bevölkerung unseres Landes ist von verschiedenen Krebsarten betroffen. Besonders häufig kommt der Dickdarmkrebs vor, der sich mithilfe der Darmspiegelung zuverlässig feststellen lässt. Diese Früherkennungsmethode erlaubt nicht nur eine sichere histologische Diagnose, sondern führt auch zu sehr wenigen Falsch-negativ-Resultaten - im Gegensatz zur Untersuchung des Stuhls auf Blut. Hier besteht nämlich ein hohes Risiko, dass Vorstufen von Krebs nicht erkannt werden (falsch negativ), das Resultat aber aus anderen Gründen positiv ausfällt, z. B. wegen Hämorrhoiden. Vor allem aber ermöglicht es die Darmspiegelung, fast alle so entdeckten Vorstufen von Krebserkrankungen endgültig zu heilen. </p><p>Eine Eigenheit des Dickdarmkrebses ist es, dass er sich aus einem gutartigen Polypen entwickelt, der sich im Verlauf mehrerer Jahre - oft nach acht bis zehn Jahren - mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zunächst zu einer Krebsvorstufe und schliesslich zu einer Krebserkrankung entwickelt. </p><p>Wird der Polyp frühzeitig entfernt, lässt sich das Problem lösen. </p><p>Die Mammografie zur Brustkrebsvorsorge oder das PSA-Screening zur Prostatakrebsvorsorge sind Methoden, die mit ergänzenden Untersuchungen verbunden sind, wenn ein verdächtiges Resultat vorliegt. Der Anteil falsch positiver Resultate solcher Untersuchungen ist hoch. Hinzu kommen zahlreiche unnötige Tests und Eingriffe. Die Früherkennung von Dickdarmkrebs hingegen ist besonders effizient, weil man direkt Zugang zur erkrankten Stelle hat, histologische Untersuchungen durchgeführt werden können und behandelnde Eingriffe möglich sind. </p><p>Nicht ausser Acht gelassen werden dürfen jedoch die Kosten, und der Untersuch ist keine Bagatelle. Wenn es aber darum geht, Leiden, verursacht durch Darmkrebs, und den damit einhergehenden Verlust von Lebensqualität zu vermeiden, ist kein Preis zu hoch. Die Behandlung von Darmkrebs führt überdies zu hohen Folgekosten (Chirurgie, Chemotherapie, Pflege, Palliativbehandlung). </p><p>Ich stelle dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Ist der Bundesrat der Meinung, dass die Wirksamkeit, die Zweckmässigkeit und die Wirtschaftlichkeit bei der Früherkennung von Darmkrebs erfüllt sind? </p><p>2. Wenn ja, im Rahmen welcher Art von Früherkennung? Durch die Untersuchung des Stuhls auf Blut, gefolgt von einer Darmspiegelung bei einem positiven Resultat, oder durch eine flächendeckende Einführung der Darmspiegelung?</p><p>3. Was steht der flächendeckenden Einführung der Darmspiegelung allenfalls entgegen, wenn der Bundesrat den Nutzen der Methode anerkennen sollte? Die Kosten einer solchen Früherkennung? Ein Mangel an Magen-Darm-Spezialistinnen und -Spezialisten, die eine Darmspiegelung vornehmen können?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat erachtet die Früherkennung von Dickdarmkrebs als eine wirksame, zweckmässige und wirtschaftliche Leistung. Solche Untersuchungen können Krebserkrankungen rechtzeitig entdecken und ermöglichen eine erfolgreichere und kostengünstigere Behandlung im Frühstadium, dies bei geschätzten Nettokosten von 3 bis 8 Millionen Franken pro Jahr (Kosten der Untersuchung abzüglich der eingesparten Kosten dank frühzeitiger Therapie). Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) hat deshalb gestützt auf einen Antrag der Schweizerischen Krebsliga entschieden, dass seit dem 1. Juli 2013 bei Personen im Alter von 50 bis 69 Jahren die Kosten folgender Untersuchungen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) übernommen werden: Nachweis von Blut im Stuhl alle zwei Jahre mit nachfolgender Koloskopie, falls Blut nachgewiesen wird, oder primäre Koloskopie alle zehn Jahre. Dieser Schritt entspricht auch den Zielen der Strategie Gesundheit 2020 des Bundesrates, die der Prävention und Früherkennung einen hohen Stellenwert zuweist.</p><p>2. Zur Früherkennung von Darmkrebs werden international drei Methoden eingesetzt: der Nachweis von Blut im Stuhl, die Spiegelung des letzten Abschnittes des Dickdarms (Sigmoidoskopie) und die Spiegelung des ganzen Dickdarms (Koloskopie). Die Sigmoidoskopie wird in der Schweiz kaum zur Früherkennung verwendet. Die beiden anderen Methoden haben je Vor- und Nachteile: Der Nachweis von Blut im Stuhl ist sicher und einfach durchzuführen. Unter Umständen werden aber Krebsvorstufen, die noch nicht bluten, verpasst. Deshalb muss dieser Nachweis alle zwei Jahre wiederholt werden. Zudem besteht die Möglichkeit von falsch positiven Befunden durch kleine Blutungen anderer Ursache. Die Koloskopie ist empfindlicher, und Krebsvorstufen können gleichzeitig entfernt werden. Eine Wiederholung ist erst nach zehn Jahren nötig. Sie erfordert aber ein vorgängiges Abführen und in der Regel eine Sedierung, und es besteht ein kleines Risiko, dass die Darmwand verletzt wird. Gemäss Erkenntnissen aus Pilotstudien ist die Bereitschaft der Bevölkerung, Stuhluntersuchungen durchzuführen, grösser, als sich einer Koloskopie zu unterziehen. Mit der seit 1. Juli 2013 gültigen Regelung besteht die Wahlfreiheit der Versicherten. Falls Kantone die Untersuchung im Rahmen von Früherkennungsprogrammen (ähnlich wie die Screening-Mammografie) anbieten wollen, können sie ebenfalls beide Methoden als primäre Untersuchungsmethode vorsehen. In solchen Programmen besteht zudem die Möglichkeit für das EDI, die Untersuchung von der Franchise zu befreien.</p><p>3. Mit der Einführung der Leistungspflicht sind die Voraussetzungen geschaffen worden, dass sich die Bevölkerung zulasten der OKP frühzeitig auf das Vorliegen einer Dickdarmkrebs-Erkrankung untersuchen lassen kann, dass die Ärzte ihren Patienten diese Untersuchungen anbieten und die Kantone entsprechende Früherkennungsprogramme etablieren können. Nach Angaben von Krebsliga und Fachgesellschaften sind die Kapazitäten für die Durchführung der Koloskopien vorhanden.</p>  Antwort des Bundesrates.