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Schnee- und Gletscherbeobachtungen 1938 (Zusammenfassung)
Von Paul L. Mercanton. Zusammenfassung.
Das nivometrische Jahr 1. Oktober 1937 bis 30. September 1938 zeichnete sich in den höheren Lagen der Alpen durch ein beträchtliches Defizit an Niederschlägen aus, so dass die winterliche Aufspeicherung von Schnee kleiner als durchschnittlich war. Besonders der Frühwinter war zu trocken, Januar und Februar allerdings niederschlagsreicher. Auch der März, der mit einem Wärmeüberschuss von mehr als vier Graden sich als der wärmste Märzmonat unserer langjährigen Beobachtungsreihen erwies, war zu trocken, ebenso April und Mai. Einzig der Juli brachte starke Niederschläge, aber nun auch für die Hochregionen als Regen, der für die unteren Gletscherteile immer starke Abschmelzung bedingt. Der Firnzuwachs im Herbst 1938 war daher sehr klein, stellenweise, wie bei den beiden Silvrettabojen, sogar leicht negativ ( ca. 0,15 m ). An den beiden Schneeskalen Eiger 3100 m und Diablerets 3030 m wurde eine Senkung des Firns von 4 resp. 2 Metern gegenüber 1937 beobachtet. Überall war die maximale Schneehöhe des Winters 1937/38 kleiner als Die Alpen — 1939 — Les Alpes.15 gewöhnlich und trat die Ausaperung früher als durchschnittlich ein. Wichtige Lawinenniedergänge waren nicht zu verzeichnen. Natürlich blieben auch die in den Totalisatoren aufgespeicherten Jahresbeiträge beträchtlich unter denjenigen des Vorjahres.
Die Vermessung der Gletscherenden, welche in der Hauptsache durch die Organe der kantonalen Forstverwaltungen, durch die Gletscherkommission der S. N. G. und ihre getreuen Mitarbeiter durchgeführt wird, hat sich in diesem Jahre auf 81 Gletscher erstreckt. Wir halten darauf, allen Beteiligten unseren wärmsten Dank auszusprechen. Die Messungen haben eine sehr starke allgemeine Tendenz für Gletscherrückzug nachgewiesen: von 100 schweizerischen Gletschern haben nur 4 eine Zunahme gezeigt, 8 sind stationär geblieben und 88 sind zurückgewichen. Trotz zeitweiligem Vorstoss einiger Gletscher, wie besonders des oberen Grindelwaldgletschers, hält das Rückzugsstadium seit mehr als 40 Jahren an. Billwiller hat unsere Prozentzahlen der wachsenden Gletscher von 1906-1937 verglichen mit der mittleren Sommertemperatur der betreffenden Jahre vom Säntis 2500 m: je tiefer die Sommertemperaturen, um so grösser der Prozentsatz der wachsenden Gletscher. Das Resultat ist wichtig, weil es darauf hinweist, dass der Einfluss der Sommertemperaturen auf den Stand der Gletscher grösser ist als der Betrag der gefallenen Niederschläge.
Seit man das Ende des Rhonegletschers vermisst und photographiert, hat derselbe nie eine so kleine Ausdehnung gehabt; seine schmale, dünne und stark zerfurchte Zunge erreicht den Talboden von Gletsch überhaupt nicht mehr.
Gegenwärtig sind die Untersuchungen, welche das Kraftwerk Oberhasli durch Ingenieur Flotron und die seismische Sondierungsgruppe der Gletscherkommission am Unteraargletscher veranstalten, das Aktuellste von den Arbeiten der schweizerischen Gletscherforschung. Flotron hat nachgewiesen, dass 1937/38 die ganze Gletscherzunge sich gesenkt, gleichzeitig aber die Oberflächengeschwindigkeit zugenommen hat. Die Sondierungsgruppe hat eine ganze Reihe von Gletschertiefen ermittelt, besonders eine Maximaltiefe von 368 Metern auf dem Profil der Lauteraarhütte ( vormals Pavillon Dollfus ). Sie bestimmte die Lage und Form des Gletscherbettes. Da in dieser Gegend des Gletschers die Reflexion der seismischen Wellen eine sehr gute ist, geht daraus hervor, dass der anstehende Fels des Untergrundes erreicht wurde; weiter abwärts, näher dem Gletscherende, scheint eine dicke Schicht von Moränenschutt zwischen Fels und Eis gelagert zu sein. Wiederum hat besonders die Weitsicht des S.A.C. und die dankenswerte Mithilfe der Kraftwerke Oberhasli die Ausführung der Sondierungen im Jahre 1938 erlaubt und eine dreiwöchige Schönwetterperiode hat sie sehr fruchtbar gestaltet.
Corrigendum: In der Legende zum Bild 48 ( Aprilheft ) soll es heissen: Grande Sagne-Barre des Ecrins-Pic Lory-Dôme de Neige.