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Das Wichtigste in Kürze
- In der Waadt beherben Freiwillige Senioren während der Weihnachtszeit.
- Dies im Rahmen eines Pilotprojektes der Weihnachtsische von Pro Senectute.
In der Waadt beherbergen Freiwillige während der Festtage Seniorinnen und Senioren. Das Pilotprojekt der Weihnachtstische von Pro Senectute Waadt läuft bis am 29. Dezember. In Vuarrens empfing die Familie Sciuscio Montagna an Heiligabend den 90-jährigen Louis Golay.
«Für mich ist es eine Freude, ältere Menschen zu bewirten. Wir haben hier keine nahen Verwandten. Mein Vater lebt in Apulien, in Süditalien, die Familie meines Mannes Danilo ebenfalls«, sagte Natascha Sciuscio Montagna der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
«Gelegenheit, ein wenig Freiwilligenarbeit zu leisten»
«Es ist auch eine Gelegenheit, ein wenig Freiwilligenarbeit zu leisten. Da ich Vollzeit arbeite, habe ich nicht die Möglichkeit, mich regelmässig als Freiwillige zu engagieren», erklärte sie am Donnerstag am dekorierten Tisch.
Louis Golay, ein Bewohner des Dorfes, der von sich sagt, dass er «100 Jahre minus 9» sei, hielt sich nicht zurück mit seiner Freude über das Festmahl, das die Familie zusammengestellt hatte. Zwei befreundete pensionierte Ehepaare, die als Freiwillige bei der Altersstiftung Pro Senectute tätig sind, waren ebenfalls eingeladen.
«Ich gehe sehr wenig aus. In dieser besonderen Zeit des Jahres fühlt man sich manchmal einsam, auch wenn ich sehr gut versorgt bin», sagte der 90-Jährige, der drei Kinder und acht Enkelkinder hat.
Der seit 2014 verwitwete ehemalige Käser erzählte den interessierten Kindern des Paares aus seine Kindheit während des Zweiten Weltkrieges im Vallée de Joux, von seiner Molkerei-Niederlassung in Penthéréaz und von der Übernahme des Betriebs durch seinen Sohn. Er erinnerte sich auch an die Alzheimer-Krankheit seiner Frau, die er acht Jahre lang zu Hause betreut hatte.
«Unvorstellbar, jemanden an den Feiertagen allein zu lassen»
«Diese Lebenserfahrungen faszinieren mich», sagte Danilo Montagna. Der Familienvater berichtete seinerseits von den Bräuchen in Apulien, wo die Festtage nicht nur auf den 24. und 25. Dezember beschränkt sind und «wo es unvorstellbar ist, jemanden an den Feiertagen allein zu lassen».
Die Traditionen sind noch sehr lebendig und die Treffen dauern mehrere Wochen«, sagte seine Frau. »Dort ist man die ganze Zeit am Essen. Und wenn man nicht isst, spricht man übers Essen«, bestätigte der 15-jährige Matteo.
«Alles, was zählt, haben wir heute Abend an unserem Tisch», sagte die Gastgeberin. «Ihr seid mein Geschenk.» Und sie hoffte, dass die Weihnachtstische zu einer jährlichen Tradition werden.
Der 11-jährige Alex fand den Abend «cool, aber ... Mama hat uns für den Abend stark eingespannt», sagte er auf Nachfrage. Er und sein Bruder halfen den ganzen Abend über mit.
«Diese einfache Aktion ermöglicht einen wunderbaren Austausch. Da sie einen Schneeball bildet, können Verbindungen entstehen, die über das Fest hinaus bestehen bleiben», sagte Natascha Sciuscio Montagna.
Weihnachtstische auf ganzen Kanton ausgeweitet
Sie ist Animatorin bei Pro Senectute in Renens und hat das Pilotprojekt ins Leben gerufen: «Die Idee, Senioren punktuell während der Feiertage aufzunehmen, kam mir von einem Ehepaar, das dies tun wollte. Sie ging mir durch den Kopf und ich habe sie dann der Organisation vorgeschlagen», erklärte die 40-Jährige.
Die vor drei Jahren in Gros-de-Vaud eingeführten Weihnachtstische wurden 2021 angesichts des enormen Erfolgs auf den gesamten Kanton ausgeweitet. Dieses Jahr finden sie vom 19. bis 29. Dezember statt, wobei die Gesundheitsvorschriften wegen der Pandmie eingehalten werden müssen.
Fast 40 Senioren meldeten sich für ein Essen bei Freiwilligen aus ihrer Region an, während sich rund 70 Organisatorinnen und Organisatoren zur Verfügung stellten, wie Mehregan Joseph, die Koordinatorin der Veranstaltung, sagte.
Das Projekt ist Teil eines umfassenderen Konzepts, nämlich der «Tables conviviales» von Pro Senectute Waadt, bei denen Freiwillige und Senioren das ganze Jahr über zusammenkommen, um gemeinsam eine Mahlzeit zu geniessen.