Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03345.jsonl.gz/2264

Unternavigation der aktuellen Seite
Häufige Fragen
- Mitgliederbefragungen können zwar durchgeführt werden, sie dürfen jedoch nicht als verbindlich angesehen werden. Das Berufsvorsorgerecht weist die Definition der Anlagestrategie und -politik unzweifelhaft dem obersten Organ der Vorsorgeeinrichtung zu (vgl. Art. 51a BVG). Das oberste Organ trägt die Verantwortung für die Entscheide. Diese Verantwortung kann nicht auf die Gesamtheit der Destinatäre abgewälzt werden, auch dann nicht, wenn z.B. eine «Urabstimmung» o.ä. durchgeführt wurde. Es gilt zu beachten, dass das oberste Organ im Interesse der Versicherten handeln muss. Die Auslegung, welches das Interesse ist, kann nicht durch eine blosse Befragung zu Nachhaltigkeitspräferenzen abgehandelt werden, sondern hat im Gesamtkontext durch das oberste Organ zu erfolgen. So ist es z.B. auch denkbar, dass das oberste Organ für ein fehlerhaftes Handeln verantwortlich gemacht wird, selbst wenn dieses Handeln sich auf Wünsche der Versichertengemeinschaft beruht.
- Würde man «zu recht» Mitgliederbefragungen verlangen, so ergäben sich sofort weitere Abgren-zungsfragen: Weshalb sollen die Mitglieder «nur» und ausgerechnet bezüglich Nachhaltigkeitspräferenzen befragt werden? Befragungen zur Höhe der Arbeitnehmerbeiträge, zur Verzinsung der Altersguthaben, zur Wahl des Vorsorgeplans, zur Höhe des Umwandlungssatzes, zur Gestaltung von Sanierungsmassnahmen usw. wären wohl genauso angezeigt, da sie die Versicherten schliesslich direkt betreffen. Auch hier gilt, dass das heute geltende System der 2. Säule diese «direktdemokratischen Elemente» nicht enthält (dafür wählen die Versicherten Ihre Vertretenden). Solange dies so gilt, ist es u.E. verfehlt, systemfremde – man könnte auch sagen systemwidrige – Elemente über die Hintertür eines öffentlich zugänglichen Ratings zu verlangen.
Im Geschäftsbericht von PUBLICA sind sämtliche Mandate und deren Anlagestil aufgeführt. Da die Mandate mehrheitlich indexiert sind oder indexnah investiert werden, sind die Anlagen im Aktienportfolio mit der Zusammensetzung des jeweiligen Indexes nahezu identisch. Die Aktien-Benchmarks sind sechs Regionen- bzw. Länder-Indices von MSCI. In intransparente Anlagen wie strukturierte Produkte, Hedge-Fonds oder Private Equity investiert PUBLICA nicht.
Die Brundtland-Kommission hat eine weltweit anerkannte Definition von Nachhaltigkeit formuliert. Diese besagt, dass eine nachhaltige Entwicklung die Befriedigung der Bedürfnisse der Gegenwart zulässt, ohne damit zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.
Die Hauptaufgabe für PUBLICA ist die Absicherung bzw. Abfederung der wirtschaftlichen Folgen von Alter, Invalidität und Tod für die Versicherten unter Berücksichtigung der gesetzlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen (Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge BVG, Mindestzins- und Umwandlungssatz, Entwicklung an den Finanzmärkten). Da sich auch PUBLICA am Brundtland-Ansatz von Nachhaltigkeit orientiert, integriert PUBLICA ESG-Kriterien in ihren Anlageprozess, was die explizite Berücksichtigung von ökologischen, sozialen sowie Corporate-Governance-Risiken in der Umsetzung der Anlagestrategie bedeutet. Im Rahmen ihrer Anlagetätigkeit spricht PUBLICA, wenn es um Nachhaltigkeit geht, von verantwortungsbewusstem Investieren.
Der Nachhaltigkeitsansatz von PUBLICA berücksichtigt die in folgender Darstellung aufgeführten Nachhaltigkeitsstrategien:
Der Nachhaltigkeitsansatz von PUBLICA zeichnet sich wie folgt aus:
- Er ist ganzheitlich gefasst, damit möglichst alle Anlageklassen berücksichtigt werden können.
- Er ist integriert und damit Bestandteil des Anlageprozesses.
- Er folgt möglichst objektiven Kriterien.
- Er ist transparent und nachvollziehbar.
Das Konzept «Verantwortungsbewusst investieren» von PUBLICA (PDF, 66 KB)
Das gesamte Aktien- und Unternehmensanleihenuniversum von PUBLICA wird von einem externen Partner nach festgelegten Kriterien analysiert und auf halbjährlicher Basis bewertet. Dabei wird auf die Wahl möglichst objektiver Kriterien geachtet. Die problematischen Unternehmen werden genauer untersucht. Auf der Basis der Resultate werden dem Anlageausschuss Handlungsempfehlungen zur Genehmigung vorgelegt.
Die rund 100’000 Versicherten und Rentenbeziehenden von PUBLICA dürfen als repräsentative Gruppe der Schweizer Bevölkerung betrachtet werden. Der Wille der Schweizer Bevölkerung findet in Form von politischen Wahlen, Gesetzesinitiativen, Referenden und letztlich in der Bundesverfassung und in weiteren rechtlichen Erlassen sowie in international ratifizierten Konventionen Ausdruck.
Die normative Basis zur Festlegung von Nachhaltigkeitskriterien umfasst daher:
- Die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft und die schweizerische Gesetz-gebung, die das Fundament der in der Schweiz akzeptierten Normen und Werte darstellen.
- Die von der Schweiz ratifizierten internationalen Konventionen, die sich weitgehend mit den 10 Prinzipien des «UN Global Compact» decken.
Diese Basis gewährleistet grösstmögliche Objektivität der Kriterien, die für die Analyse und die Bewertung des Aktien- und Unternehmensanleihenuniversums verwendet werden.
Mit den Firmen, die bei der Analyse als problematische Anlagen identifiziert werden, wird ein Dialogprozess in Erwägung gezogen. Generell wird der Dialogprozess nur dann in Gang gesetzt, wenn die Aussicht auf eine positive Veränderung des Verhaltens des Unternehmens ausreichend gross ist.
Mit der Führung der Dialoge werden spezialisierte externe Anbieter beauftragt. Diese bringen das erforderliche Netzwerk und Erfahrung im Führen der Gespräche mit den Unternehmen mit. Im Falle der von PUBLICA gehaltenen grossen Schweizer Unternehmen nimmt die externe Firma Inrate AG den Dialog für PUBLICA auf. Für internationale Firmen arbeitet PUBLICA mit dem Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen, SVVK-ASIR zusammen.
Firmen, bei denen nach einem Dialogprozess keine Aussichten auf eine positive Veränderung bestehen, oder die aufgrund ihrer primären Geschäftstätigkeit nicht in der Lage sind, auf ihre kontroversen Aktivitäten zu verzichten, werden auf eine Ausschlussliste gesetzt.
Die Ausschlussliste wird periodisch, mindestens einmal jährlich, überprüft und aktualisiert. Der Entscheid über den Ausschluss eines Unternehmens aus dem Portfolio liegt in der Verantwortung von PUBLICA. Er hängt unter anderem davon ab, ob ein Ausschluss technisch umsetzbar ist. Ein Ausschluss von Firmen aus dem Portfolio kann auch aufgrund der jährlich durchgeführten ESG-Risikoanalyse erfolgen. So wurden nach einer Analyse der möglichen Folgen des Klimawandels und einer möglichen Besteuerung von Kohlestoff-Emittenten alle Kohleproduzenten aus den Aktienportfolios ausgeschlossen.
Nehmen wir ein europäisches Textilunternehmen, das in einem Schwellenland Kleider produziert, die mit Hilfe von Kinderarbeit hergestellt werden. Das Unternehmen wird bei der Überprüfung als kritisch eingestuft, weil Kinderarbeit in der Schweiz gemäss dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes (SR 0.107) verboten ist. Nachdem die Informationen über die Verletzung dieser Norm plausibilisiert und verifiziert worden sind, wird das Unternehmen kontaktiert und auf die Verletzung aufmerksam gemacht. Im Rahmen des Dialogs gelingt es PUBLICA, das Unternehmen von den Anliegen zu überzeugen, worauf dieses wirksame Massahmen zur Verbesserung der Produktionsbedingungen ergreift. Der Prozess ist damit erfolgreich abgeschlossen und die Firma bleibt im Wertschriftenportfolio.
Die Umsetzung des von PUBLICA verfolgten Ansatzes ist mit Aufwand verbunden. Der Hauptzweck des Vereins besteht denn auch darin, den Aufwand der einzelnen Mitglieder möglichst gering zu halten, indem möglichst viele Aufgaben kollektiv getätigt werden. Eine weitere wichtige Aufgabe des Vereins ist der Wissenstransfer zwischen den Mitgliedern und zwischen dem Verein und anderen grossen Investoren im In- und Ausland.