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«Ich danke Afrika, dass ich einer von ihnen werden durfte,
im Namen und in der Kraft Jesu.»
(aus Loisls Testament)
Auf dem Testaments-Couvert von Alois Graf (volksmündlich) Loisl genannt steht: «Im Todesfall: macht es kurz!» Ich glaube, das gelingt dem Sprecher nicht so einfach. Wenn ich das Foto von Loisl sehe, erlaube ich mir zu sagen: ein Mann, der nachdenkt, verschmitzten Humor zeigt, Bauernschläue ausdrückt und geistig wach ist. Woher kommt Loisl?
Hirsenegg in Luthern, Luzerner Hinterland.
Die Hirsenegg liegt oberhalb von Luthern, in der Landwirtschaftszone zwei und drei, ein strengwerchiger Hof. Hier wächst Loisl auf mit einer Schwester und fünf Brüdern. Eine echte Bauernfamilie mit wenig Geld und grosser Einfachheit. Als Loisl bekanntgab, er möchte Priester und Missionar werden, musste er Kollektieren gehen. Das war nicht so angenehm. Sein Berufswunsch wuchs sicher immer stärker am Wallfahrtsort Luthern Bad und Pfarrer Schürmann, genannt Götti, half ihm, sein Ziel zu erreichen. Loisl ging ins Gymi, machte die Studien im Seminar und empfing 1964 die Priesterweihe.
Auf der Hirsenegg gab es nicht nur einfaches Glück; es gab auch dunkle Zeiten: Sein Vater verstarb früh infolge eines Velounfalls auf der Wallfahrt im Bramboden. Später brannte die Scheune nieder, weil der Grossvater im Heustock die Pfeife rauchte. Auch Röösli, die einzige Schwester von Loisl, starb früh an Krebs. Schicksalsschläge, die Loisl tragen musste.
Im Land der Vashona und Amandabele.
Nach dem Englischstudium in London reiste Loisl 1965 nach Südrhodesien, dem heutigen Zimbabwe aus. Loisl liebte die Sprache Shona und lernte sie schnell. Als kontaktfreudiger Missionar fand er in kurzer Zeit den Zugang zu Volk und Kultur. Bischof Alois Häne spürte, dieser junge Mann kann organisieren und hat eine eigene Meinung. Es wurden ihm mehrere Stationen in Verantwortung übergeben. Chinyuni, St. Alois Mission, Zhombe, Bondolfi, Matibi, Rutenga. Im Krieg musste er, auf Befehl des Smith Regimes und des weissen Militärs, Zhombe verlassen. Das tat ihm sehr weh. In Rutenga baute er eine neue Pfarrei auf mit einem Begegnungszentrum. Gleichzeitig war er auch Dekan und einige Jahre lang Schulmanager. Für alle diese Bereiche war er ein fähiger Mann.
Loisl war ein guter Redner und erlebte viele Geschichten aus dem Leben in Afrika, also sehr geeignet für den Informationsdienst in der Heimat. Zwei Jahre arbeitete er im Infodienst in Immensee und schaffte viele wertvolle Kontakte für ihn und die SMB. Dreimal war er Delegierter von Afrika am Generalkapitel.
Machaze in Mosambik
1996 vertrat er Alex Stoffel in Mussurize (Mosambik) für eine kurze Zeit. Das bewog ihn, seine Kraft und seinen missionarischen Eifer in diesem verarmten Nachbarland von Simbabwe zur Verfügung zu stellen. In Portugal besuchte er einen Schnellkurs in Portugiesisch und übernahm 1997 die verwahrloste, kriegszerstörte Pfarrei Machaze in Mosambik, begleitet von drei SJI Schwestern aus Simbabwe. Ein Beginn auf Ruinen. Loisl lebte fast zwei Jahre in der Sakristei der beschädigten Kirche, die Schwestern in einem Häuschen. Einmal schreckte Loisl auf in seinem engen Zimmerchen. Er sah eine Kobra, die aber im Gewühl der Kisten verschwand. Vorsichtig musste er alle Kisten und Schachteln nach draussen zügeln, bis er die Kobra fand.
Loisl hat in diesen 25 Jahren Machaze wieder aufgebaut und erweitert mit einem Kindergarten und einem Begegnungszentrum. Mit viel Fleiss und Durchhaltewillen hat er Machaze und die vielen Aussenzentren zum Blühen gebracht. Loisl, ein Missionar mit Herzblut sprach Englisch, Shona, Portugiesisch und Chindau. Darum war er so verbunden mit dem Volk und die Menschen liebten ihn. Er schreibt in seinem Testament: «Ich danke Afrika, dass ich einer von ihnen werden durfte, im Namen und mit der Kraft im Geiste Jesu.»
Loisl als Mensch, Freund und seine Hobbies
Loisl pflegte jahrelange Freundschaften mit lieben Menschen, aber nicht mit Briefe schreiben. Das lag ihm offenbar nicht. Er schreibt: «Ich bitte alle um Verzeihung, die ich beleidigt habe, vor allem durch meine Schreibfaulheit gegenüber meinen Verwandten und meinen vielen Freunden. Ich selber habe oft darunter gelitten.»
Loisl liebte auch gemütliche Zeiten, natürlich ständig mit der Tabakpfeife im Mund. Er war passionierter Fischer im Shashe Dam in Driefontein oder unten im Lundi mit Bischof Häne oder auf der Göschener Alp mit
Dr. Mark Albisser im Urlaub. Er jasste gerne und mit Leidenschaft, hatte aber Mühe, wenn er verlor. In Driefontein holte er den feinen Honig von den Bienenwaben und im Urlaub gesellte er sich zu den Jägern in Luthern, hielt für sie den Hubertus-Gottesdienst und ging dann mit ihnen für einen Tag auf die Treibjagd. Einmal schoss er einen Rehbock.
Vor allem war Loisl ein angenehmer Gastgeber. Er konnte sehr gute, vor allem gewürzte Menüs kochen und zum Apéro gab es immer ein Bier oder einen Whisky. Das war Loisl: Das Leben mit andern teilen in gemütlicher Runde. «Ä chli höckele!» sagte er jeweils, «das tued mier rüüdig guet!» – Recht hatte er.
Loisl kämpfte oft mit dem Leben: Autounfälle, Nierenkoliken und Rippenbrüche hat er überstanden. In Machaze baute er eine kleine Animal Farm auf: Hühner, Hasen und Enten und eine Katze. Theologisch war Loisl interessiert, hatte Fragen, konnte auf eigenen Ideen fast stur beharren, liebte Fussball, vor allem Manchester United und Liverpool, war informiert in der Weltpolitik und rühmte den «Willisauer Bote» als einer der besten Schweizer Zeitungen. Das alles gehört zu Loisl und vieles mehr.
Wir sagen heute: Danke Dir Loisl für all das, was Du für uns gewesen bist: Missionar, Mensch und Freund. Wir vermissen Dich sehr, Ciao Loisl, auf Wiedersehen im Land über den Wolken. Tichazo onana Chisara zvakanaka!
Josef Christen