Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03118.jsonl.gz/612

Einleitung
Schulterbeschwerden bei Sportlerinnen und Sportlern haben zum Teil andere Ursachen wie die ansonsten bekannten Schultererkrankungen. In der Sportmedizin wurden daher eigene Begriffe wie Schwimmerschulter oder Werferschulter eingeführt.
Während die meisten klassischen Schultererkrankungen entweder auf unfallbedingte Verletzungen (z.B. Schulterluxation, Sehnenrisse, Knochenbrüche) oder Verschleissprozesse (z.B. Kalkschulter, Sehnendegeneration, Arthrose) zurückzuführen sind, entsteht die Sportlerschulter durch eine chronische sportbedingte Überlastung bestimmter Schulterstrukturen.
Welche Sportarten sind am meisten betroffen?
Allgemein sind es die Überkopfsportarten, bei welchen die Sportlerschulter auftritt. Vor allem gefährdet sind Wurfsportarten wie Speer- und Diskuswerfer, Baseball und Softball, aber auch Schwimmer, VolleyballerInnen, HandballerInnen und Rückschlagsportarten wie Tennis, Badminton, Squash sind betroffen. Gelegentlich kann auch einmal ein Fussballgoalie oder ein American Football Quarterback durch intensive Abwurfübungen eine Sportlerschulter entwickeln.
Was passiert bei der Sportlerschulter?
Bei Überkopfsportarten wird die Beweglichkeit der Schulter enorm strapaziert und das Schultergelenk wird immer wieder über die Grenzen seiner normalen Gelenkbeweglichkeit hinaus belastet. Teilweise erfordern bestimmte Techniken im Sport (z.B. Aufschlag beim Tennis, Speerwerfen) auch gezielt eine erlernte Überbeweglichkeit der Schulter, um maximale Leistung auf Wettkampfniveau erzielen zu können. Dadurch kommt es immer wieder zu Einklemm-Phänomenen des Oberarmkopfes und der Schultersehnen unter und gegen den Schulterdachknochen (Akromion). Auch inwendig kommt es im Schultergelenk selber zum Einklemmen des Oberarmkopfes und der intraartikulären Sehnenanteile gegen die knöcherne Gelenkpfanne und die knorpelige Gelenklippe. Das Vorliegen einer Übergeweglichkeit der Schulter verstärkt diese Einklemm-Phänomene, indem der Oberarmkopf in der Bewegung zu weit nach vorne wegrutschen kann.
Wie äussern sich die Beschwerden?
Beim Sport verspüren die betroffenen Athleten ein Stechen, Ziehen oder Brennen in der Schulter, welches teilweise auch nach der sportlichen Aktivität fortdauern kann. Die Schmerzen entstehen im betroffenen Gewebe, welches durch die Einklemm-Phänomene chronisch gequetscht wird, sich entzündet und vernarbt. Zudem wandern vermehrt Schmernervenfasern in die verletzten Gewebestrukturen ein. Ist es unter dem Schulterdach bereits zu einer chronischen Schleimbeutelentzündung gekommen, können Ruhe und Nachschmerzen auftreten und einfache alltägliche Schulterbewegungen können auch ausserhalb der sportlichen Aktivität Beschwerden verursachen.
Wie wird eine Sportlerschulter diagnostiziert?
In den meisten Fällen ergibt eine ausführliche Anamnese und eine konkrete Schilderung der sportlichen Aktivitäten, welche die Schmerzen verursachen, bereits schon klare Hinweise auf die zugrundeliegende Diagnose. Die klinische Untersuchung testet die Schulterfunktion und untersucht, ob eine Überbeweglichkeit vorliegt und wo möglicherweise Bewegungen eingeschränkt sind (z.B. Innenroration beim Werfer). Bildgebende Massnahmen wie Röntgen, Ultraschall und MRT helfen verschleissbedingten Differentialdiagnosen (z.B. Sehnenrisses, Kalkschulter, Arthrose) auszuschliessen. Zumeist finden sich bei der Sportlerschulter nur dezente Befunde in der Bildgebung wie Verdickungen des Schleimbeutels, der Sehnen oder indirekte Hinweise auf ein inwendiges Einklemmen.
Wie wird eine Sportlerschulter behandelt?
Im Gegensatz zu den klassischen unfall- oder verchleissbedingten Schultererkrankungen erfordert eine Sportlerschulter nur selten eine operative Therapie. Anlagebedingte Einengungen unter dem Schulterdach oder gewisse Instabilitäten können gelegentlich eine arthroskopische operative Therapie erfordern. In der Mehrheit der Fälle ist die Behandlung jedoch konservativ:
Was können Sie selber vorbeugend unternehmen?
Leider können Sie das Auftreten einer Sportlerschulter nie ganz hundertprozentig verhindern. Wichtig ist die Durchführung eines konsequenten Ausgleichstrainings bei einseitiger sportspezifischer Schulterbelastung. Muskelgruppen, welche in der ausgeübten Sportart wenig beansprucht werden, sollten zusätzlich trainiert werden. Verkürzte Schultermuskeln müssen gedehnt werden. Auch ist eine Begrenzung der schulterbelastenden Trainingsinhalte sinnvoll. Im Baseball konnte durch eine Reduzierung der Würfe je Training eine Verringerung der Verletzungsanfälligkeit an Schulter und Ellenbogen nachgewiesen werden. So macht es auch bei anderen Wurfsportarten und im Tennis Sinn, die Anzahl der Würfe/Aufschläge pro Trainingseinheit zu begrenzen.
Wichtig ist es in jedem Fall, dass Sie als Sportlerin/Sportler ein gutes Körpergefühl entwickeln und beginnende Schulterschmerzen im Training nicht ignorieren.
In der Klinik Impuls sind wir in unserer schulterchirurgischen und sportmedizinischen Sprechstunde auf die Behandlung von Schulterbeschwerden bei Sportlern spezialisiert und können Ihnen durch unseren interdisziplinären Ansatz mit eigener Physiotherapie und Osteopathie eine individuell an Ihren Bedürfnissen ausgerichtete Therapie anbieten.