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Antidepressiva gehören zur Gruppe der Psychopharmaka und sind in der Schweiz rezeptpflichtig. Verschreiben dürfen sie nur Ärzt:innen oder Psychiater:innen. Psycholog:innen oder Psychotherapeut:innen haben aufgrund des fehlenden Medizinstudiums keine Berechtigung zum Ausstellen von entsprechenden Rezepten. Verschrieben werden die Medikamente bei Depressionen, ferner gibt es Präparate, die auch bei Angststörungen oder Burnouts zur Anwendung kommen.
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Es gibt verschiedene Arten von Antidepressiva, wie Sie in unserem Beitrag «Welche Medikamente kommen bei einer Depression zum Einsatz?» detailliert erfahren. Die folgenden werden am häufigsten verschrieben:
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Sind aufgrund der guten Verträglichkeit die «beliebtesten» Antidepressiva.
- Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Werden verschrieben, wenn die SSRI nicht die gewünschte Wirkung zeigen.
- Trizyklische Antidepressiva. Gelten als die Antidepressiva der ersten Generation und haben stärkere Nebenwirkungen als die modernen Präparate.
- Noradrenerge und spezifisch serotonerge Antidepressiva. Sind relativ neu und auch hilfreich bei Angst- und Schlafstörungen.
- Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Verursachen seltener Benommenheit, als vergleichbare Antidepressiva, wirken sich jedoch bei vielen Patient:innen negativ auf das Sexualleben aus.
Die Wirkung von Antidepressiva
Stellen Sie sich eine Badewanne vor, die mit verschiedenfarbigen Plastikbällen gefüllt ist. Sind zum Beispiel mehr grüne vorhanden oder keine blauen, beeinflusst das das Gesamtbild des Bällebades. Ähnlich verhält es sich mit den Neurotransmittern: bei gesunden Menschen stehen sie in einem bestimmten Gleichgewicht zueinander. Bei von Depressionen Betroffenen ist diese Balance gestört, besonders diejenigen Nervenzellen, die Serotonin, Noradrenalin und Dopamin übertragen, funktionieren nicht mehr richtig. Das führt zu den typischen Symptomen einer Depression wie gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. Mögliche Auslöser für das Ungleichgewicht können Stress, Traumata, erbliche Vorbelastung sowie gewisse Persönlichkeitszüge sein. Normalerweise kann sich das Gehirn selbst vor einem Hormonungleichgewicht schützen, nicht jedoch bei einer akuten Dauerbelastung. Und hier kommen Antidepressiva ins Spiel. Sie unterstützen den Körper dabei, die Konzentration von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin zu erhöhen, beziehungsweise zu speichern, was nachhaltig den Antrieb steigert und die Stimmung verbessert.
Wirkungsdauer
Sie nehmen bereits einige Tage lang Antidepressiva ein, spüren jedoch noch keine Veränderung? Keine Sorge, das ist ganz normal. Psychopharmaka müssen eine gewisse Konzentration im Blut erreicht haben, um depressive Symptome lindern zu können. Bis Antidepressiva also die erwünschte Wirkung erzielen, vergehen meist ein bis drei Wochen. Auch ist nicht gesagt, dass das erste Medikament, welches Sie ausprobieren, Ihnen tatsächlich hilft. Die Wirkung von Antidepressiva ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Geduld lautet also die Devise und nicht aufgeben. Es sind so viele Antidepressiva mit verschiedenen Wirkungsmechanismen auf dem Markt, dass Sie ganz bestimmt eines finden werden, das Ihnen hilft. Unterstützung bei der Suche nach dem passenden Präparat bieten Ihnen Ärzt:innen, die durch Gespräche herausfinden, welches Medikament das richtige für Sie ist. Vertrauen Sie auf jeden Fall auf den Rat der Fachpersonen, denn die Wahl des Präparats richtet sich nach Ihren persönlichen Lebensumständen und etwaigen Vorerkrankungen. So müssen zum Beispiel Schwangere oder Stillende abklären, welche Antidepressiva für sie zugelassen sind. Auch die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten müssen berücksichtigt werden. Das gilt insbesondere für Senior:innen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen. Sollten Sie mehrere Antidepressiva gleichzeitig einnehmen und gerade etwas die Stirn runzeln, können wir Sie beruhigen: Es ist durchaus üblich, dass verschiedene Antidepressiva in Kombination verschrieben werden und Ihnen Therapeut:innen zusätzlich eine Psychotherapie ans Herz legen. Stellen Sie sich die Suche nach der richtigen Behandlung bei Depressionen vor, wie diejenige nach einem passenden Hörgerät. Wenn es fiept oder rauscht, werden Sie sich höchstwahrscheinlich auch nach einer Alternative umsehen, anstatt fortan mit einem Tinnitus zu leben.
Die Nebenwirkungen von Antidepressiva
Das hören Sie bestimmt nicht gerne, aber wie die meisten anderen Medikamente haben auch Antidepressiva gewisse Nebenwirkungen. Je nach Präparat und Wirkungsmechanismus können diese von Gewichtszunahme über Schlafstörungen und Übelkeit bis hin zu Suizidgedanken reichen. Die gute Nachricht: die Medizin hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht und Antidepressiva entwickelt, die besser verträglich sind als ihre Vorgänger. Dennoch sollten Sie sich, gerade in der Anfangszeit der Einnahme, gut beobachten und Ihre Ärztinnen und Ärzte über die Nebenwirkungen informieren. Wenn Sie nämlich das Gefühl haben, mit gewissen unerwünschten Nebeneffekten nicht zurechtzukommen, wird Ihnen ein anderes Präparat verschrieben.
Antidepressiva absetzen
Erinnern Sie sich noch daran, wie wichtig es ist, sich in Bezug auf Antidepressiva auf den Rat der Fachpersonen zu verlassen? Sehr gut! Das gilt insbesondere dann, wenn Sie der Meinung sind, dass es Ihnen wieder gut geht. Es ist natürlich klasse, dass Sie Ihre Depression überwunden haben. Was Sie jetzt jedoch keines Falls tun sollten, ist, Ihre Antidepressiva auf eigene Faust abzusetzen. Und zwar aus den folgenden Gründen:
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1
Rückfälle vermeiden
Antidepressiva müssen auch nach dem Abklingen von Symptomen noch mindestens ein halbes Jahr lang eingenommen werden, um das erneute Auftreten von Depressionen zu vermeiden. In dieser Zeitspanne sind Rückfälle nämlich besonders häufig. Dem können Sie entgegenwirken, indem Sie sich weiterhin an den verordneten Therapieplan halten.
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2
Absetzerscheinungen entgegenwirken
Fälschlicherweise wird im Zusammenhang mit Antidepressiva häufig der Begriff «Entzugserscheinungen» verwendet. Da Medikamente zur Behandlung von Depressionen jedoch nicht süchtig machen, können Betroffene auch nicht von ihnen entziehen, ergo handelt es sich bei den Beschwerden auch nicht um Entzugserscheinungen. Der korrekte Begriff lautet «Absetzerscheinungen» und tritt speziell dann auf, wenn die Therapie mit Antidepressiva abrupt beendet wird. Die Absetzerscheinungen reichen von grippeähnlichen Beschwerden über Angstzustände und Schlaflosigkeit, bis hin zu Kopfschmerzen und Herzrasen. Es gibt nur eine Möglichkeit, die Absetzerscheinungen im Zaun zu halten, nämlich, die Dosis Woche für Woche um einige Milligramm zu senken, sogenanntes Ausschleichen. Es kann sein, dass Sie dennoch unter leichten Symptomen leiden, aber niemals so stark, wie wenn Sie Antidepressiva einfach so weglassen. Sollten Sie starke Absetzerscheinungen spüren, sprechen Sie mit ihren behandelnden Ärzt:innen.