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Sänger und Songwriter Julian Casablancas, Gitarristen Nick Valensi und Albert Hammond junior, Bassist Nicolai Fraiture und Schlagzeuger Fabrizzio Moretti fanden offiziell 1999 in New York City als The Strokes zusammen. 2001 erschien ihr Debütalbum „Is This It“, welches ungeahnten kommerziellen Erfolg verzeichnen konnte, aber auch zu ernst zu nehmenden Musikkritiken Anreiz gab.1 The Strokes sind eine Rockband. Sie waren ein wichtiger Teil der Garage-Rock-Revival-Welle nach dem Millennium (2000), als Garagerock vor allem auch kommerziell erneut Anklang fand. Garage-Rock-Revival oder auch Post-Punk-Revival gilt als Entwicklung innerhalb des „Alternative Rock“. Bands dieser Garage-Rock-Revival-Bewegung lassen sich von der Ästhetik des Garagerock der Sechziger und der des Post-Punk sowie der New Wave der späten Siebziger inspirieren.2 Kurz: The Strokes erinnern vor allem an Britische Bands wie The Who.
Die 2001 noch blutjungen Männer singen moderne, reale Märchen vom Nach- und Wegrennen der New Yorker Mädchen. Julians Stimme erzählt leise singend, lamentiert ohne zu jammern, um im nächsten Moment einen Stimmbänder-kratzenden Schrei loszulassen.
Als wild und rasend würde ein unvoreingenommener Hörer das knapp eine halbe Stunde lange Debütalbum der Strokes vielleicht bezeichnen. Tatsächlich wirken selbst die Balladen zügig. Ihre musikalische Herangehensweise gleicht zeitweise eher der einer Funk- oder Soulband als der einer Rockband: Jeder Musiker fordert die stets überzeugende Melodie rhythmisch auf eine andere Weise heraus, treibt sie voran: Rhythmus „Is (this) it“! Die kurzen, abgehackten Gitarrenriffs und die klirrenden Drumbeats erinnern an den London- und New York-Punk3, doch Punkrock sind nur die knackigen Nussstückchen; eingebettet in eine weichere Basis, die etwas Sinnliches, Leidenschaftliches hat. „Is This It“ provoziert irgendwie die Leichtigkeit des Seins, und hat doch eine starke emotionale Energie.
„Eine Gruppe von vier ‚Brüdern’ aus Queens die zurecht als Gründer des Punks bezeichnet werden dürfen. Ihr Sound ist so einfach, wie effektiv: schnelle Tempi, eingängige Melodien und provokative, politische Songtexte, stets gepaart mit einer Prise Ironie und stilisierter Stupidität.“ (vgl. RollingStone) (pl)
Musik
Bezüglich der Musik der Ramones wird der Aspekt der Einfachheit und des Minimalismus in allen kürzeren oder längeren literarischen Abhandlungen immer wieder aufs Neue betont. Stefan Hentz beschreibt dies sehr treffend in einem Artikel, der in ZEIT ONLINE (1. 11. 2013) erschien: „Die Ramones spielten einen urwüchsigen Rock ohne jeden Schnickschnack, ohne jede Verfeinerung.“
Eine sehr umfassende wenn auch etwas verschachtelte Einbettung deren musikalischen Stils wird ausserdem von Christian Böhm vorgenommen. Seine Ausführungen sind in einem Online-Magazin erschienen und sind als PDF (4.11.2013) im Internet einsehbar.
Da die Ramones als Wegbereiter des Punk bezeichnet werden, sind weiter zahlreiche kurze Abschnitte zu deren musikalischem Schaffen in verschiedenen Lexika und Enzyklopädien erschienen. Brauchbare Kurzbeschreibungen sind beispielsweise in den folgenden Büchern zu finden:
Faulstich, Werner: Zwischen Glitter und Punk. Tübinger Vorlesungen zur Rockgeschichte. Teil 3: 1971-1984, 1986. Rottenburg-Oberndorf, Wissenschaftler-Verlag.
Logan, Nick / Woffinden, Bob: The Illustrated New Musical Express Encyclopedia of Rock, 1978: London
Auch Reynolds bietet in seinem Buch Retromania (2011, S. 256ff.) eine Erläuterung dazu, welche wichtige Rolle die Ramones in der Geschichte der modernen Musik spielen, deren Stil als entscheidend angesehen werden kann.
Weitere Informationen zum musikalischen Schaffen der Band und besonders ausführliche Diskografien lassen sich auch in den üblichen Onlinequellen finden: (jo)
Biografien über die Ramones gibt es zuhauf und über die Authentizität dieser Bücher lässt sich streiten. Es gibt aber einige Veröffentlichungen, bei denen der Verfasser hautnah dabei war und aus dem Nähkästchen plaudern kann:
Monte A. Melnick, Tour-Manager der Ramones, verfasste das Buch „On The Road With The Ramones“. Hier verrät er einige delikate Insider Informationen: von den Liebesgeschichten der Ramones bis zum Ende der Band im Jahr 1996. Das 312-seitige Buch ist gefüllt mit Interviews und mit über 250 Fotografien illustriert.
Im Jahr 2000 veröffentlich Dee Dee Ramone eine Autobiographie über das Bandleben der Ramones. Der Leser erfährt hier Details über lange Nächte im legendären Club CBGB’s und die Konflikte zwischen den Bandmitgliedern.
McNeil hat mit „Please Kill Me“ einen schonungslosen Blick auf die Punk-Geschichte geschaffen. Der Autor beschäftigt sich vornehmlich mit der New Yorker Szene Mitte der 70er Jahre, Zeitzeugen wie Patti Smith und Iggy Pop kommen zu Wort. Allen voran spricht Dee Dee Ramone aus seiner Zeit mit den Ramones.
Justin Go beschreibt in der Nationalpost Johnny Ramone, als einen der untypischsten Punkrocker: Er setzte sich selber eine Alkoholgrenze von zwei Bieren und sparte eifrig auf seine erste Million. Nichtsdestotrotz hat Johnny den Punk durch seinen Gitarrenstil geprägt und war eine Inspiration für nachfolgende Generationen1. In seiner Autobiographie erzählt Johnny über das Altwerden als Punk und seine prägende Lebenserfahrungen in den 70ern. (sf)
Literatur:
Melnick, Monte A; Meyer, Frank: On the road with the Ramones. London: Bobcat Books Verlag 2007.
Ramone, Dee Dee: Lobotomy: Surviving the Ramones. New York: Thunder’s Mouth Press 2000.
McNeil Legs: Please Kill Me: The Uncensored Oral History of Punk. New York: Grove Press 1996.
Ramone, Johnny: Commando: The Autobiography of Johnny Ramone. Harry N. Abrams, 2012.
Selbstdarstellung/ Stil/ Persönlichkeit
Die Ramones zeichneten sich nicht nur durch ihre schnelle, nervöse Musik aus, sondern (und vor allem auch) durch ihr Auftreten, ihre Performance und ihr Stil. Während lange Haare, Lederjacken, ausgewaschene Jeans und Sneakers zu ihren äusserlichen Markenzeichen zählten, stachen sie an ihren Auftritten meist durch exzessive Darstellungen heraus. Tommy entwarf das Image der vier Ramone-Brüder und den Identikit Look der Band. So stehen sie vor der Backsteinwand voller Graffiti, ein Bild für die Ewigkeit, ikonisch vom ersten Moment an (siehe Abbildung 1).
Abb. 1: Bandportrait der Ramones
Der Bildband ‚Ramones Photography’ von Chip Dayton zeigt wunderbare, imagetypische Bilder der vier Typen. Ihr Stil ist schlicht und einfach unverkennbar – und sie bleiben dem auch ihre ganze Karriere hindurch treu.
Die Verkleidung, die neuen Namen und die gespielte Naivität, all dies formte eine Kulturtechnik zum Überleben. Mit dem Aspekt der Religion und der Zugehörigkeit der Ramones haben sich viele Autoren beschäftigt.
Wie viele jüdische Künstler rückten die Ramones dem Horror der Shoah mit Spott und Sarkasmus zu Leibe, wenn sie im Titel die Nazi-Parole verballhornten: „Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“, so in einem Artikel der ZEIT ONLINE (4.11.2013). Den Antisemitismus erlebten Tommy und Joey Ramone auch in der eigenen Band. Die Gruppe verzeichnete eine spezielle Chemie: den beiden jüdischen Ramones standen Johnny und Dee Dee gegenüber, republikanische, katholische Jungs aus der Arbeiterklasse (vgl. Bignoisenow). Diese Spannungen kommen im Buch ‚On the Road with the Ramones’ an manchen Stellen sehr gut zur Geltung. Die Lektüre besteht aus zahlreichen Interviews und Photographien, was dem Lesenden einen tiefgründigen Einblick in die Welt der Ramones ermöglicht.
Auch konzertmässig sind die Ramones kein leichtes Pflaster: die Auftritte der Band waren stets geladen, elektrisierend und lebendig. Auf der Compilation DVD ‚Ramones. It’s Alive 1974-1996’ sind zahlreiche Highlights der Ramones zu sehen. Die Fans gehen fantastisch zu den Ohrwurm-Songs mit, die Übergänge sind stets von der berühmten Schlachtruf-zeile One, two, three, four (4.11.2013) geprägt, bis der nächste Kracher startet.
Die vier Jungs machten bei jedem Lied Stimmung, als würde es kein Morgen geben. Und die Fans zogen stets mit.
Literatur zur Selbstdarstellung der Ramones ist nicht im Übermaß vorhanden. Die unzähligen Interviews, Fotografien, Live-Konzert-DVDs, Fan-Berichte und schliesslich die Songs selbst, geben aber sehr viel her. Unter genauer Analyse kann sich der interessierte Musikliebhaber so ein ziemlich genaues Bild der Ramones machen. (pl)
Literatur:
Bessman, Jim: Ramones: An American Band, St. Martin’s Press, 1993.
Dayton, Chip: Ramones Photography. London: Omnibus Press, 2004.
Johansson, Anders: Touched by Style in The Hand of the Interpreter: Essays on Meaning after Theory, ed. G. F. Mitrano and Eric Jarosinski, pp. 41–60, 2009.
Melnick, Monte A., and Frank Meyer. On The Road with the Ramones, Sanctuary, 2003.
Ramone, Dee Dee, and Veronica Kofman: Lobotomy. Surviving the Ramones. New York: Thunder’s Mouth Press, 2000.
Taylor, Steven: False Prophet. Field Notes from the Punk Underground. New York: Wesleyan University Press, 2003.
Savage, Jon: England’s Dreaming: Anarchy, Sex Pistols, Punk Rock, and Beyond, St. Martin’s Press, 1992.
Während ihres langjährigen Bestehens als Band standen die Ramones bei diversen Plattenlabels wie Sire, Philips, Beggars Banquet, Radioactive und Chrysalis unter Vertrag. Eine umfassende Auflistung der Labels findet sich auf Wikipedia und auf Allmusic.
Zu Beginn der Karriere der Ramones fungierte der spätere Schlagzeuger Tommy Ramone (eigentlich Tom Erdelyi, geboren 1952) als Manager der Gruppe (1977 und danach ab 1984 war er auch als Produzent der Ramones tätig).
Die wichtigste Figur im Management der Punkband war jedoch Danny Fields (geboren 1941 als Daniel Feinberg), der den Ramones einen Plattenvertrag bei Sire beschaffte und die Gruppe darauf (zusammen mit Linda Stein) ab 1975 managte. Zu Fields’ Person und seinem Einfluss auf die Band finden sich insbesondere in den beiden Dokumentarfilmen „End of the Century“ und (dem bald erscheinenden) „Danny Says“ sowie aus den Büchern „Please Kill Me“ und „The Heebie-Jeebies at CBGB’s“ Biographien, Interviewbeiträge und andere Beobachtungen.
Abb. 2: Manager Danny Fields
Den Sound der Ramones massgeblich beeinflusst hat auch der legendäre Produzent der 60er-Jahre, Phil Spector, mit dem sie um 1979/1980 zusammenarbeiteten. Weitere wichtige Produzenten waren Ritchie Cordell und Glen. Einschlägige Seiten wie Wikipedia und Allmusic bieten dazu einige Informationen, eine umfangreichere Darstellung des prägenden Zusammenwirkens von Spector und den Ramones sind dem Buch „Wall of Pain. The Biography of Phil Spector“ zu entnehmen. (kbr)
Literatur:
McNeil, Legs/McCain, Gillian: Please Kill Me: The Uncensored Oral History of Punk, New York 1996 (Mit zahlreichen Interviewbeiträgen von Danny Fields).
Beeber, Steven Lee: The Heebie-Jeebies at CBGB’s – A Secret History of Jewish Punk, Chicago 2006 (Biographisches Kapitel „A Nice Jewish Boy“ über Danny Fields):
Ramone, Dee Dee: Lobotomy – Surviving the Ramones, New York 2000.
Melnick, Monte A./Meyer, Frank: On the road with the Ramones, London 2007.
Thompson, Dave: Wall of Pain. The Biography of Phil Spector, London 2003.
In Europa verbindet man die Stadt Cleveland im Bundesstaat Ohio, USA, seit jüngsten Ereignissen mit einem Monster, das Frauen über Jahre hinweg in seinem Haus gefangen hielt. In Amerika verbindet man mit diesem Namen vor allem eines: Rock and Roll.
Seit 1995 steht am Ufer des Lake Erie die Rock and Roll Hall of Fame, in welche jedes Jahr in einer bombastischen Zeremonie die grössten Grössen der populären Musik aufgenommen werden. Angeschlossen an diese Halle ist das wohl grösste Museum für Populäre Musik der Welt, ein Mekka für Musikliebhaber.
Als ich 2008 die Rockhall zum ersten Mal besucht hatte, hat sie mich als grosse Musikliebhaberin weggeblasen: Hunderte von Gitarren, Kostümen, Papierfetzen und andere Artefakte der grössten Musiker aller Zeiten waren ausgestellt, dazu kamen permanente Rockmusik-Beschallung und interaktive Jukeboxen, welche die Gegenstände in den Vitrinen praktisch zum Leben erweckten. In kleineren und grösseren Kinosälen wurde einem die Geschichte des Rock and Roll näher gebracht, und grössere Spezial-Ausstellungen widmeten sich einer spezifischen Rockgrösse oder Band (In meinem Fall waren das 2008 Bruce Springsteen und ein Jahr später, 2009, The Doors). Bei jedem Besuch zeigte sich die Hall of Fame als Museum, in dem man Tage verbringen konnte.
Nun, vier Jahre später, betrete ich dieses Museum erneut. Rein äusserlich hat sich nicht viel verändert, die aussergewöhnliche pyramidale Struktur des Gebäudes, entworfen vom Architekten I.M. Pei, vermag noch immer zu beeindrucken. Auch die Art und Weise, wie der Besucher durch das Museum geführt wird, ist noch immer dieselbe: Mit einer Rolltreppe wird man ins Untergeschoss des Museums geführt, wo sich die Dauerausstellung des Museums befindet. Begrüsst wird man von den Konterfreis von Chuck Berry, Little Richard, Buddy Holly und James Brown, bevor man von den eigentlichen Mitarbeitern des Museums willkommen geheissen wird.
Der erste Teil der Dauerausstellung widmet sich der Geschichte des Rock and Roll: Die Wurzeln dieses Stils werden hier zurückgeführt auf Rhythm&Blues, Blues, Country/Folk Bluegrass und Gospel, von welchen jeder Stil seine eigene Vitrine und Hörstation hat. Danach geht es unter dem Motto „the beat goes on“ weiter zu einem kurzen Exkurs über die Protestbewegungen gegen Rock and Roll („This is just bare sex and nothing else!“, sagt darin ein geschockter Sittenwächter über die damals neue Musik).
Im nächsten Teil der Ausstellung scheinen sich nun die verschiedenen Fäden jener Wurzeln des Rock and Roll zusammenzufinden und in einer Person zu manifestieren: in Elvis Presley.
Las Vegas-Kostüme von Elvis Presley
Ein ganzer Flügel des Museums widmet sich der Musik und dem Vermächtnis von Elvis. Gezeigt werden Gitarren, Glitzerkostüme, Autos und Filmausschnitte, die dem grossen Meister des Rockabilly gehörten bzw. ihn zeigen. Es ist unverkennbar, dass zumindest für das Verständnis der Amerikaner Elvis Presley der Vater des Rock and Roll ist und sich nach IHM dann auch der Rest der populären Musik entwickeln konnte.
Die Fäden driften also nach Presley wieder auseinander, werden quasi zu neuen Fäden gesponnen. Wie kann man eine solche Komplexität in ein museumstaugliches Format bringen? Die Hall of Fame hat das, für mein Verständnis, hervorragend gelöst:
Der Besucher wird in einen Gang mit Vitrinen links und rechts an seiner Seite gelotst. Jede Vitrine ist einer Stadt gewidmet, welche in den Sechzigerjahren verschiedene Musikgrössen und Musikstile hervorgebracht hat, beginnend mit Memphis (Elvis Presley, Johnny Cash, Jerry Lee Lewis, Carl Perkins), London/Liverpool (Beatles, Animals, Yardbirds, Herman‘s Hermits etc., San Francisco (Janis Joplin, The Charlatans etc.) und Los Angeles (The Byrds, Eagles, Neil Young etc.).
Typische Ausstellungsvitrine der Rockhall
Da die Siebzigerjahre nicht mehr so deutlich in Städte unterteilt werden können, werden entweder einige Städte zusammengefasst, z.B. London, New York, Los Angeles als Repräsentationen des Punkrock (The New York Dolls, Blondie, Sex Pistols, The Clash etc.) oder zu Musikstilen wie Soul: Otis Redding, Aretha Franklin, James Brown etc. oder Heavy Metal: AC/DC, Alice Cooper, Deep Purple. Black Sabbath etc.
Nach diesem Teil folgt das Herzstück der Dauerausstellung, „The Legends of Rock and Roll“: Frei von Chronologie und Musikstil werden an diesem Ort aussergewöhnliche Persönlichkeiten der jüngeren Rock and Roll-Geschichte geehrt. Dazu gehören: Jeff Beck, Ray Charles, Bob Marley, Madonna, Tom Petty, Björk, Led Zeppelin, Paul Simon, Sly Stone, Ian Hunter, Stevie Nicks, Metallica, Allman Brothers Band, Michael Jackson, James Brown, The Supremes, David Bowie, The Who, Parliament / Funkadelic, The Beach Boys, Bruce Springsteen, ZZ Top, Aerosmith.
Warum genau diese Musikgrössen und nicht andere ausgestellt sind, ist nirgendwo beschrieben. Bob Dylan habe ich als grosser Fan beispielsweise schmerzlich vermisst. Ich nehme an, dass von diesen Künstlern Kleider und Instrumente zur Verfügung gestellt oder dem Museum vermacht wurden. Die Beatles und die Rolling Stones haben in einem weiteren Raum eine eigene, grössere Ausstellungsfläche. Jimi Hendrix, U2, The Doors, Genesis, Joy Division/New Order, The Dolls und The Band haben ihre Vitrinen dort so wie auch die beiden Plattenlabels Sun- und Atlantic Records.
Rapper’s Delight Corner
Ein Abwechslung von all den Rockgrössen bietet die Hiphop-Ecke „Rapper‘s Delight: The Story of HipHop“, wo (auf einer verhältnismässig kleinen Fläche) die Geschichte des Hiphop, mit Urgesteinen wie Run DMC, Afrika Bambaataa und Grandmaster Flash, zusammengefasst wird.
Elektronische Musik fehlt in der Sammlung gänzlich. Meine Kollegen erklärten mir, dass das damit zusammenhänge, dass Hiphop noch in irgendeiner Form mit dem Blues in Verbindung gebracht werden konnte, was auf elektronische Musik jedoch nicht zutrifft. Wirklich überzeugt hat mich diese Theorie nicht. Auch auf die Frage, warum kaum Künstler aus anderen europäischen Ländern (wie z.B. ABBA) ausgestellt sind, antworteten sie mir, dass die Ursprünge des Rock and Roll amerika- und englandbasiert seien. Allerdings wiesen sie mich darauf hin, dass die Hall of Fame regelmässig Sonderausstellungen über andere europäische Grössen der Musik-Geschichte mache.
Im zweiten Obergeschoss des Museum erfährt man einiges über die Personen im Hintergrund der grossen Künstler, welche den Rock and Roll entscheidend mit geprägt hatten, die sogenannten „Architects of Rock‘n‘Roll“:
Alan Freed, der Deejay, der mit seiner Radioshow in Cleveland den Begriff „Rock and Roll“ erfunden hat.
Les Paul, welcher mit seiner Erfindung der Solidbody E-Gitarre (Die heute weltberühmte Gibson Les Paul) Musikgeschichte geschrieben hat.
Sam Phillips, der Produzent von Sun Records, welcher Grössen wie Elvis Presley, Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Roy Orbison und Johnny Cash entdeckt hat.
Danach folgt eine interessante Video-Installation mit dem Titel „Video killed the Radio Star“, welche den Einfluss von MTV auf die Geschichte der Populären Musik beleuchtet.
Nach Besuch des Restaurants, dem Exkurs über das „Rolling Stone“-Magazin, der Spezialausstellung (dieses Mal waren die Rolling Stones an der Reihe), der Ecke über aktuelle Künstler (wo Kostüme und Instrumente von beispielsweise Lady Gaga, Katy Perry und Rihanna ausgestellt sind) und das Überbleibsel des Original „The Wall“-Konzertes von Pink Floyd, hat man das eigentliche Museum gesehen.
Was bleibt, ist die namensgebende „Hall of Fame“, in der die aufgenommenen Musikgrössen mit ihrer Unterschrift und ihren Dankesreden verewigt sind und wo ihnen in einem grossen Kinosaal mit einem Tribut-Video gehuldigt wird.
Alles in allem ist und bleibt die „Rock and Roll Hall of Fame“ ein grossartiges Museum, in dem alle Besucherinnen und Besucher – nicht nur die Kenner und Liebhaber der populären Musik – auf ihre Kosten kommen. Nach dem insgesamt sechsten Besuch der Halle frage ich mich jedoch, warum sich die Rockhall nicht auf andere Genres einlässt, die ebenfalls einen grossen Einfluss auf die Geschichte der populären Musik hatten. Wenn Run-DMC in der Rock and Roll Hall of Fame verewigt worden sind, dann müssten, meiner Meinung nach, konsequenterweise auch Künstler wie Kraftwerk oder Jean Michel Jarre aufgenommen werden. Damit tut sich die Halle noch ein wenig schwer, fürchte ich. Als Refugium für wirklich gute Musik und als Tribut an alle, die für deren Entstehen mitverantwortlich waren, ist die „Rock and Roll Hall of Fame“ in Cleveland, Ohio, wirklich nur eines: „The House that Rock built“.