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Meine sportliche Karriere
Dass ich im Sport mit viel Talent gesegnet und zu „Höherem“ fähig war, das zeigte sich bereits in der Primarschule. Im Sportunterricht war ich meinen Schulkameraden stets um Längen voraus. Besonders in der Leichtathletik glänzte ich. Mit 12 sprang ich bereits 4.93 m weit, mit 15 erreichte ich 9.3 über 80 m und mit 19 lief ich 11.2 über 100 m. Später gewann ich u.a. zweimal den Schweizer Eignungstest für Bobfahrer. Ich konnte aus dem Stand 1.40 m hoch springen, und mit 16.30 m hielt ich viele Jahre lang die Schweizer Bestleistung im Fünfersprung. In der Schweizer Rad-Nationalmannschaft bekam ich später wegen meiner grossen Sprungkraft den Spitznamen „Känguru“.
„Ich beabsichtige, entdeckt zu werden“
Denn meine grosse Liebe galt dem Radsport. Mit 12 wechselte ich von der Primar- in die Bezirksschule im Nachbardorf, wo wir Schüler bei jedem Wetter mit dem Velo hinfuhren. Das ergab fünf Kilometer pro Weg, 20 Kilometer pro Tag. Es war nur logisch, dass wir manchmal Rennen veranstalteten. Wo ich immer mit grossem Vorsprung siegte, obwohl ich damals nur ein schwarzes Damenvelo mit einem einzigen Gang hatte! Rennvelos waren damals sehr selten. Als ich zum ersten Mal mit einem solchen Renner fahren durfte, war ich wie elektrisiert. Ich wusste sofort, dass ich ein grosser Rennfahrer werden wollte. Und ich war absolut sicher, dass ich dieses Ziel auch erreichen würde. Entsprechende Einträge in meinen Aufsatzheften zeugen davon. So schrieb ich einmal: „In den Schulferien werde ich in einer Fabrik arbeiten gehen, um mir das Geld für ein Rennvelo zu verdienen. Damit will ich Rennen fahren, wobei ich beabsichtige, entdeckt zu werden.“
Auf Anhieb bei den Besten
Mit 14 bestritt ich mein erstes Rennen. Meine Ausrüstung war bescheiden: Ein geliehenes Rennvelo mit fünf Übersetzungen, Turnschuhe statt Rennschuhe und abgeschnittene Jeans anstelle von Rennhosen. Das Renntricot, das mir ein „richtiger“ Rennfahrer geschenkt hatte, war aus Wolle und kratzte fast unerträglich. Aber ich trug es voller Stolz. Von Renntaktik hatte ich keine Ahnung und fuhr meist an der Spitze des Feldes. So fehlte mir am Ende die Kraft, aber immerhin wurde ich Dritter von 23 Teilnehmern. Kurz darauf nahm ich erneut an einem Schülerrennen teil. Diesmal waren 43 Knaben meines Jahrgangs am Start, darunter die Besten unseres Landes. Taktisch hatte ich dazu gelernt, und nur um Reifenbreite wurde ich geschlagen. Aber der 2. Rang zeigte mir, dass ich auf dem richtigen Weg war. Von da an begann ich zielgerichtet zu trainieren. Entdeckt worden war ich längst. Die Nachwuchsverantwortlichen des Veloclub Pfaffnau hatten sich gemeldet und wollten mich unbedingt in ihrem Verein. Mit 16 gehörte ich zu den besten Schweizer Nachwuchsfahrern. Ich gewann 26 Rennen, darunter den begehrten Kilometertest-Final, wo ich einer der jüngsten Sieger aller Zeiten war. Im darauffolgenden Winter bestritt die viele Radquers, diese Sportart war damals noch sehr populär. Ich erhielt ein Aufgebot für die Nationalmannschaft, das ich aber ablehnte. Dem Radquer-Nationaltrainer teilte ich mit, dass ich mich auf den Bahnrennsport konzentrieren wolle.
Das grosse Vorbild geschlagen
1975, mit 18, war ich zwar noch im Juniorenalter, aber ich war bereits Schweizer Sprintermeister bei der Elite. An den Junioren-Weltmeisterschaften in Lausanne fuhr ich im Sprint die sechstschnellste Zeit aller Teilnehmer. Nach einem Zielfotoentscheid musste ich leider ausscheiden, sonst wäre ich Vierter geworden. Aber mein Ehrgeiz war geweckt. Im folgenden Jahr winkten die Olympischen Spiele von Montreal, und dort wollte ich unbedingt dabei sein. Im Winter 1975/76 trainierte ich intensiv meine Kraft und meine Kraftausdauer.
Das Jahr 1976 wurde zum besten Jahr meiner Karriere. Am Sprinter-Grand Prix von Paris, der vergleichbar mit einer Weltmeisterschaft war, konnte ich im Vorlauf den amtierenden Vize-Weltmeister Giorgio Rossi aus Italien und im Viertelsfinal sogar mein grosses Vorbild, den siebenfachen Weltmeister und dreifachen Olympiasieger, Daniel Morélon aus Frankreich, schlagen. Nie werde ich vergessen, wie sich das anfühlte, als ich über den Zielstrich fuhr, mich umschaute und den Champion hinter mir sah.
„Über Nacht“ zum Medaillenfavoriten geworden
Ich erzielte 1976 auch Schweizerrekorde über 200 und 500 m mit fliegendem Start (offene Bahnen), 200 und 500 m mit fliegendem Start (Hallenbahnen) sowie 1000 m mit stehendem Start (Hallenbahnen). Nur um 2 Hundertstel verpasste ich dabei den Weltrekord, aber meine Zeit bedeutete auch Bahnrekord im Zürcher Hallenstadion. Quasi „über Nacht“ war ich zum Medaillenfavoriten geworden, und diese Last drückte schwer. Mit meinen 19 Jahren war ich der jüngste Teilnehmer im ganzen Feld. Ich wusste, dass ich eine Medaille erreichen konnte, wenn ich lediglich meine Normalleistung bringen würde. Doch meine Nerven versagten, ich fuhr am olympischen Rennen über 1000 m meine schlechteste Zeit des ganzen Jahres. Fünfmal hatte ich in jenem Jahr eine Zeit gefahren, die für die Silbermedaille gereicht hätte. So blieb mir zwar nur der undankbare 8. Platz, aber dafür die Gewissheit, mit der Olympiateilnahme etwas ganz Wunderbares erlebt zu haben. Kurz nach den Spielen konnte ich zwei weitere Goldmedaillen an den Schweizer Meisterschaften gewinnen, und zwar im Sprint und im Kilometerzeitfahren.
Unfall als Wende in meiner Karriere
Im Januar 1977 erlitt ich auf dem Heimweg von der Arbeit einen schweren Unfall. Auf schneebedeckter Strasse rammte mich eine unaufmerksame Automobilistin. Das verletzte Knie konnte wieder hergestellt werden, und nur mit viel Glück blieb es mir erspart, behindert zu bleiben. Die Rennsaison 1977 musste ich aber mehr oder weniger abschreiben. 1978, wieder gesund, musste ich in die Frühlings-Rekrutenschule einrücken. Mein Kommandant hatte nichts für Spitzensport übrig, und so durfte ich nur im Ausgang trainieren. Mit solch einer Vorbereitung ist es schwierig, Rennen zu gewinnen! An den Schweizer Meisterschaften reichte es deshalb „nur“ für Silber und Bronze. 1979 wollte ich endlich wieder an meine früheren Erfolge anknüpfen. Aber ich setzte mich zu stark unter Druck, und auch diese Rennsaison verlief nicht wie gewünscht. Mir war die Freude am Spitzensport, das „innere Feuer“ verloren gegangen, und ich spürte, dass es Zeit für einen neuen Abschnitt in meinem Leben geworden war. Im Herbst 1979 fuhr ich mein letztes Rennen, und ich war erleichtert darüber. Der Spitzensport hat mir viel gegeben, ich bin froh, dass ich mich für diesen Weg entschieden habe. Damals habe ich auch erleben dürfen, wie schön es ist, wenn man total fit ist. Auf dieses wunderbare Gefühl möchte ich niemals freiwillig verzichten, und deshalb treibe ich weiterhin viel Sport.
Ein paar Bilder aus meiner Aktivzeit