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Sternsingen in Wettingen
Der Brauch des Sternsingens in Wettingen lässt sich etwa in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Diese Tradition lag hier lange in der Verantwortung des Schulmeisters. Die Sternsinger übten Lieder ein und konnten durch die Spenden ihr Einkommen etwas aufbessern. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts geriet das Sternsingen in Wettingen jedoch etwas in Vergessenheit. Als Hans Schmid im Jahre 1946 in Luzern die Aufführung eines Dreikönigsspiels erlebte, kam ihm die Idee, diese würdige Form des Sternsingens in Wettingen wieder einzuführen.
Aufführung der Wettinger Sternsinger im 2018:
Der Erneuerer des Schweizer Volkstheaters, Oskar Eberle, wurde beauftragt, für Wettingen ein eigenes Spiel zu schreiben. 1948 wurde es dann erstmals aufgeführt. Das Sternsingen sollte Spenden für die Weihnachtskrippe einbringen, quasi als symbolische Hingabe an das göttliche Kind.
Mit Freude und Eifer gingen die Beteiligten an ihre Aufgabe, Kostüme mit zeitloser Ästhetik wurden erschaffen. Man fand Stifter, die bereit waren, für je eines der Kostüme aufzukommen. Dafür erhielten sie das Recht, dass jedes Jahr jeweils ein junges Mitglied ihrer Familie die Kleider bei der Aufführung tragen durfte. Damit konnte das Sternsingen fest in der Wettinger Bevölkerung verankert werden und zugleich den Kern einer zuverlässigen Organisation schaffen.
Um keine Monotonie aufkommen zu lassen, beauftragten die Wettinger die Klosterschwester Silja Walter und später Fritz Senft mit weiteren Sternsingerspielen. Diese wurden erstmals 1954 beziehungsweise 1979 zum ersten Mal aufgeführt. Seither kommen diese drei Fassungen abwechslungsweise zur Darstellung.
S Wienechtchind in Hallwil
Beim Wienechtchind handelt es sich um einen stillen, dafür umso eindrücklicheren Brauch, der in der Hallwiler Dorfchronik vom 18. bis 20. Jahrhundert erstmals erwähnt wird. Sieben Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren üben es einige Wochen vor Weihnachten unter der Leitung einer Lehrperson ein. Eines der Mädchen wird zum Wiehnechtchind bestimmt. Es ist weiss gekleidet, mit Schleiern dicht verhüllt und trägt eine Krone mit einem Stern auf dem Kopf. Wer sich hinter dem Schleier verbirgt, wird geheim gehalten.
Vor langer Zeit gab es oft Streit, wer das Wienechtchind verkörpern durfte, häufig fiel die Ehre dem Mädchen mit den einflussreichsten Eltern zu. Seit 1949 wird die Aufgabe diskusionslos dem ältesten Mädchen des Jahrgangs anvertraut.
An Heiligabend zieht die Gruppe am späten Nachmittag vom Schulhaus los und stattet auf einer festgelegten Route allen Haushalten einen Besuch ab. Die Mädchen tragen zwei Laternen, ein Glöckchen, eine Stimmflöte, einen Beutel für Bargaben und einen Korb mit selbst gemachtem Gebäck mit sich. Da die Route jedes Jahr in einer anderen Richtung abgelaufen wird, kommt die Bevölkerung jährlich abwechselnd in den Genuss, an Heiligabend und am Weihnachtstag besucht zu werden.
Ein helles Glöckchen kündet die Gruppe an. Nach leisem Pochen tritt sie mit dem Wienechtchind voran in die Stube ein, wo das Licht gelöscht ist und am Weihnachtsbaum die Kerzen brennen. Es begrüsst die Anwesenden stumm mit einem Händedruck und einer Verbeugung. Den Kindern verteilt es Gebäck, während seine Begleiterinnen ihr Lied vortragen. In der letzten Strophe verabschiedet sich das Wienechtchind auf die gleiche Weise. Als Dank für ihren Besuch erhalten die Mädchen eine Bargabe.
Nach Aussagen von älteren Dorfbewohnern im 20. Jahrhundert, soll das Wienechtchind bis ums Jahr 1850 eine von der Schlossherrschaft von Hallwil gestiftete, mit Silber und Goldfilter verzierte Reifkrone und einen weissen Unterrock der Berta von Hallwil getragen haben.
Chlaus-Chlöpfe im Bezirk Lenzburg
Von Ende Oktober bis am zweiten Donnerstag im Dezember wird im Bezirk Lenzburg bei hereinbrechender Nacht mit langen Geiseln «gchlöpft». Alle, die wollen, können dabei ihre Geissel zum «Klöpfen» bringen. In einigen Gemeinden finden auch «Chlauschlöpfwettbewerbe» in unterschiedlichen Kategorien statt. In Hallwil wird am Abend des «Chlausmärts» das «Chlausjagen» durchgeführt und in Niederlenz überbringen die «Weissen und Schwarzen» den Kindern Geschenke, wobei beide Bräuche von «Chlauschlöpfern» begleitet werden.
Die Tradition des «Chlauschlöpfe» ist gemäss der lebendigen Traditionen bis ins 16. Jahrhundert belegt. Eine Theorie ist, dass man sich durch dröhnenden Lärm und lautes Knallen der Geisseln vor Dämonen und anderen bösen Einflüssen schützen kann.
Eine andere Ursprungsgeschichte erzählt die «Chlaus-Sage»: Das «Chlauschlöpfe» soll den «Samichlaus» in seiner Höhle wecken, der sich – seit er einst von Buben geärgert wurde – in der Stadt nicht mehr zeige.
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Brunnensingen der Sebastiani-Bruderschaft
Jährlich an Heiligabend holen die zwölf Männer der Sebastiani-Bruderschaft von Rheinfelden in der Stadtkirche Sankt Martin die Pestlaterne und ziehen nach dem letzten Glockenschlag um 23 Uhr durch die verdunkelte Altstadt. Die schwarz gekleideten Herren mit Zylindern schreiten in Dreierkolonnen zu sechs verschiedenen Brunnen in der Stadt.
Dort lösen sie jeweils ihre Marschformation auf und stimmen im Kreis ihr Weihnachtslied an. Nach dem einstündigen Rundgang findet die ökumenische, festliche Mitternachtsmesse statt. An Silvester wiederholt sich der Brauch mit einem Neujahrslied inklusive einem Orgelkonzert in der Kirche Sankt Martin.
Gemäss «Lebendige Traditionen» wurde die Bruderschaft 1541 aufgrund eines wiederholten Pestausbruchs gegründet und hat danach den Weihnachts- und Neujahrsbrauch des Brunnensingens eingeführt. Seit dem Mittelalter stand der heilige Sebastian für die letzte Zuflucht der Pestkranken, folglich wurde die Bruderschaft nach ihm benannt. Die Lieder sollen den Segen bringen, der vor weiteren Pestausbrüchen schützt. Der heutige Gesang in der Stille und Dunkelheit der Altstadt Rheinfeldens während der fröhlichen Weihnachtsstimmung erinnert noch immer an die früheren Schreckenszeiten des schwarzen Todes.