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| Funktionen der Moralkommunikation
- Wolfgang Krohn

(1) Frühere Fassungen des Textes
wurden im Forschungskolloquium Systemtheorie der Fakultät für Soziologie,
Universität Bielefeld, der Akademie für Technikfolgenabschätzung
Stuttgart und der Europäischen Akademie Erforschung von Folgen wissenschaftlich?technischer
Entwicklungen Bad Neuenahr?Ahrweiler vorgetragen. Allen Diskussionsteilnehmern,
besonders G. Bechmann, A. Bora, O. Renn, J. Schmidt und U. Stäheli
danke ich für ihre kritischen Kommentare, die zu vielen Verbesserungen
geführt haben. Die von den anonymen Gutachtern der Zeitschrift benannten
Schwachstellen konnten sicherlich nur unbefriedigend behoben werden.
Den Verfasser haben die Diskussionen in der Ansicht bestärkt, dass
das Risiko der soziologischen Analyse von Moral nicht geringer ist
als das der Moral.
(2) Ein anschauliches Beispiel
ist die Prägung des Wortes "Marktfundamentalismus", die
für die moralische Diskreditierung einer neo-liberalistischen Haltung
deren Gegnerschaft gegen moralischen Fundamentalismus nutzt.
(3) So schon im Titel: Peter
Singer in Deutschland: zur Gefährdung der Diskussionsfreiheit in
der Wissenschaft (Anstötz 1995)
(4) Die vorgelegte Analyse und
Modellbildung wäre dann allerdings der Metaethik zuzurechnen. Da
die meisten angewandten Ethiken auf normative Begründungen gerichtet
sind, vermeidet man eine Sprachverwirrung, wenn man eine Soziologie
der Moral nicht der Ethik, sondern der Metaethik zuordnet.
(5) (Hoffentlich) Selbstverständlich
ist auch ,Inkonsistenz' keine Bedingung. Moralische Wertvorstellungen
sind der argumentativen Durchdringung nicht weniger zugänglich als
andere Überzeugungen, und Werte können sehr wohl - nicht immer transitiv
- geordnet werden. Aber unter Bedingungen des Protestes kann es
gute Gründe geben, auf Konsistenz und Ordnung zu verzichten, etwa
um die Effektivität der Kommunikation zu steigern.
(6) Eine interessante Parallele
bietet die neue Professionalisierung von Wissenschaft und Technologie.
Während in der Architektur nach dem Vorbild Vitruvs für den Architekten
eine umfassende Bildungs- und Tugendausstattung erwartet wurde,
reduziert Leon Batista Alberti in seinem 1452 geschriebenen, 1486
veröffentlichten Werk "De re aedificatoria" die Tugenden
auf die funktional notwendigen.
(7) Zur Fortentwicklung der Diskussion
über die politische Ethik machiavellistischer Praktiken siehe Bok
(1978, 1984).
(8) Die Rückkoppelung besteht
beim Fliehkraftregler einfach darin, dass ein Ventil sich allmählich
schließt, wenn durch zu starken Dampfdruck die Drehzahl der Maschine
steigt; sinkt die Drehzahl, wird der Weg für den Dampf schrittweise
wieder frei gegeben. Das technisch Interessante daran ist, dass
trotz einer ungeregelten Kraftquelle keiner sich um die Einhaltung
der richtigen Drehzahl kümmern muß. Die Maschine "findet selbst"
ihr Gleichgewicht. Eben diese Gesetzmäßigkeit unterstellten die
Theoretiker für das Funktionieren des freien Marktes.
(9) Das ließe sich parallel auch
für die wissenschaftstheoretische Begründung der Wissenschaftsethik
bei Francis Bacon und Descartes aufzeigen.
(10) Dafür spricht der beinahe
stetige Strom an Literatur aus dem als prägnante Beispiele genannt
seien: Hayek 1967, Buchanan 1985, Sen 1985, dessen Titel ,The Moral
Standing of the Market' die Abwehrfunktion der ethischen Reflexion
gekonnt zum Ausdruck bringt.
(11) Am genauesten ist dieser
Zusammenhang in der Literatur zum zivilen Ungehorsam diskutiert
worden (Rawls 1976, Kap. 6; Singer 1973).
(12) Zu den pragmatischen Einsatzmöglichkeiten
des diskursiven Konfliktmanagements siehe Renn/Webler 1995, Köberle/Gloede/Hennen
1997.