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Geschichte der Familie Frank
Die Wurzeln der Familie von Anne Frank führen in die Judengasse in Frankfurt. Ab 1462 war es das Ghetto der Stadt. Alle 110 Juden, die vorher mitten in der Stadt gelebt hatten, mussten dorthin ziehen. An beiden Enden der Gasse gab es Tore, die an den christlichen Feiertagen geschlossen wurden.
Im 16 Jahrhundert wurde es in der Judengasse immer enger, doch der Rat der Stadt weigerte sich, diese zu erweitern. Um 1800 lebten 3000 Menschen in der Judengasse. Den Juden war es durch die Zunftordnung verboten, ein Handwerk auszuüben, stattdessen brauchte man sie für den Geldverleih, weil die Christen kein Geld gegen Zinsen verleihen durften.
Zu den Bewohnern der Judengasse gehörten auch die Familien Stern und Cahn, direkte Vorfahren von Anne Frank. Ihr Ururgrossvater Elkan Juda Cahn (1796-1884) hatte seine Jugend teilweise in der Judengasse verbracht. Später kam er als Kaufmann zu grossem Wohlstand. Cahn verheiratete seine Tochter Cornelia (1840-1921), Anne Franks Urgrossmutter, mit August Heinrich Stern (1838-1878), eine Familie von Gelehrten und Buchhändlern. 1865 wurde Alice Betty geboren (1865-1986) Anne Franks Grossmutter. Sie heiratete mit 20 Jahren den 35-jährigen Michael Frank (1851-1909), der aus Landau in der Pfalz nach Frankfurt gekommen war.
Pünktlich neun Monate nach der Hochzeit bekam das Paar den ersten Sohn Robert Hermann (1886-1953), drei Jahre später wurde Otto Heinrich (1889-1980), Anne Franks Vater, und zwei Jahre später der dritte Sohn Herbert geboren (1891-1987). 1893 kam die einzige Tochter Helene (1893-1986), genannt Leni zur Welt. Die Franks legten grossen Wert auf eine gute Erziehung. Die Kinder bekamen Musikunterricht, Otto spielte Cello, und natürlich lernten sie Englisch, Französisch und Italienisch. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters, arbeitete Otto gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Herbert, beide nach einer kaufmännischen Lehre, in der familieneigenen Bank. 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Die Franks waren sehr deutsch, die Söhne meldeten sich freiwillig zum Dienst. Otto wurde Offizier in Frankreich. Auch Mutter Alice und Schwester Leni hatten sich gleich nach Kriegsbeginn als Hilfspflegerinnen in einem Lazarett gemeldet.
Nach dem Ersten Weltkrieg
Durch den Krieg hatte die Familie viel Geld verloren, der Bank ging es nach dem Krieg, 1918, nicht gut. 1921 heiratete Leni, einen jüdischen Mann aus Zweibrücken, Erich Elias (1890-1984). Auch er hatte nach dem Krieg, wie die Brüder von Leni, das Eiserne Kreuz für seine Tapferkeit erhalten. Obwohl die Familie keineswegs religiös war, hatten sie doch ein ausgeprägtes Gefühl für ihre jüdische Herkunft. Niemand hatte sich taufen lassen und die meisten hatten auch jüdische Ehepartner.
1925 heiratete Otto Frank Edith Holländer aus Aachen, die Tochter eines wohlhabenden Fabrikanten. Ihre Vorfahren waren aus Amsterdam nach Deutschland gekommen und Edith hatte drei Geschwister. Die Holländers waren zwar nicht orthodox, Aber Ediths Vater ein prominentes Mitglied der jüdischen Gemeinde. Sie führten einen koscheren Haushalt und gingen regelmässig zur Synagoge. Die Franks hingegen waren assimilierte Juden. Nach der Hochzeitsreise zog das Paar in das Haus von Ottos Mutter Alice. Dort lebten bereits Ottos Schwester, Leni und ihr Mann Erich, sowie die beiden Söhne Stephan (1921-1980) und Bernhard, genannt Buddy (1925). Die ältere Tochter der Franks, Margot Frank, kam 1926 zur Welt, Anne Frank, die Jüngere, 1929.
Vor dem Zweiten Weltkrieg
Die finanzielle Situation wurde aufgrund der Reparationen, die Deutschland nach dem verlorenen Krieg zu zahlen hatte, und wegen der Weltwirtschaftskrise schwieriger. Zudem verschärfte sich die gesellschaftliche Situation für Juden durch den immer deutlich werdenden Antisemitismus. Die NSDAP wurde auch in Frankfurt immer stärker. Erich Elias, zog als erster Konsequenzen und nahm 1929 das Angebot an, die Schweizer Vertretung der Opekta-Werke aufzubauen. Das war eine Firma, die Geliermittel für Konfitüre herstellte. Seine Familie folgte ihm 1931.
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Reichskanzler, am 1. April kam es zum Boykott gegen Juden, SA-Kommandos besetzten die Eingänge von jüdischen Warenhäusern und Geschäften und versperrten die Zugänge zu Rechtsanwaltskanzleien und Arztpraxen jüdischer Bürger.
Die Franks entschieden sich, Deutschland zu verlassen. Otto Frank zog 1933 nach Amsterdam, wo er eine Filiale der Opekta-Werke aufbaute. 1934 holte er seine Frau Edith und die Töchter Margot und Anne Frank nach Amsterdam. Sie lebten sich in den Niederlanden gut ein.
Als im Mai 1940 die deutsche Wehrmacht die Niederlande angriff und besetzte, wurden auch dort judenfeindliche Gesetze erlassen. Die Juden wurden in ihrem beruflichen und gesellschaftlichen Leben mehr und mehr eingeschränkt. Als jüdische Kinder nicht mehr mit nichtjüdischen dieselbe Schule besuchen durften, wechselte Anne Frank ins Jüdische Lyzeum.
Als Anne Frank 16 Jahre alte Schwester Margot am 5. Juli 1942 die schriftliche Aufforderung erhalten hatte, sich für den Abtransport in ein deutsches Arbeitslager bereit zu machen, entschied Vater Otto, dass es nun höchste Zeit sei, in das bereits seit einem Jahr von ihm vorbereitete Versteck im Hinterhaus der Opekta-Niederlassung in der Amsterdamer Prinsengracht 263 überzusiedeln. Am 6. Juli 1942 tauchte die Familie Frank unter. Sie lebte zwei Jahre im sogenannten Hinterhaus, zusammen mit der Familie van Pels. Hier schrieb Anne Frank ihr später weltberühmt gewordenes Tagebuch.
Die Franks und ihre Freunde waren Anfang August 1944 an die Gestapo verraten und daraufhin nach Westerbork gebracht worden. Mit dem allerletzten Transport aus den Niederlanden, der Westerbork am 3. September 1944 verliess, kam die inzwischen 15 Jahre alte Anne Frank mit ihren Eltern und ihrer Schwester Margot ins Konzentrationslager Auschwitz.
In Auschwitz wurde Anne Frank, gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester, im so genannten Frauenlager untergebracht. Ende Oktober schaffte man die beiden Mädchen von Auschwitz-Birkenau in das inzwischen mit etwa 200.000 Menschen völlig überfüllte Lager Bergen-Belsen. Dort wurden Anne Frank und Margot Frank im März 1945 – das genaue Datum ist nicht bekannt –Opfer der seit Wochen grassierenden Typhus-Epidemie. Die Mutter Edith Frank, die in Auschwitz zurück geblieben war, starb bereits Anfang Januar, vermutlich an Erschöpfung; der Vater Otto Frank gehörte zu den wenigen jüdischen Häftlingen, die am 27. Januar 1945 von sowjetischen Truppen befreit wurden.
Anne Franks Vater überlebt als einziger
Im Sommer 1945 kehrte Otto Frank nach Amsterdam zurück. Dass seine Frau ermordet worden war, wusste er bereits, aber er hatte noch Hoffnung seine beiden Töchter zu finden. Erst später erfuhr er, dass auch Margot Frank und Anne Frank tot waren. Danach übergab ihm Miep Gies, eine ehemalige Angestellte und Helferin im Versteck, Anne Franks Tagebuch, das sie nach der Verhaftung der Familie im Hinterhaus gerettet hatte.
Otto Frank zog 1953 nach Basel, in das Haus, das Leni und Erich Elias gekauft hatten. In diesem Haus hatten das Ehepaar Elias mit den Söhnen Stephan und Buddy, die Grossmütter Alice Frank und Ida Elias, sowie Herbert Frank, der aus Paris gekommen war, den Krieg überlebt.
Einige Jahre später zog Otto Frank mit seiner zweiten Ehefrau Fitzi nach Birsfelden. Bis zum seinem Tod 1980 widmete er seine ganze Kraft, der Verbreitung des Tagebuchs seiner Tochter. 1963 gründete er den ANNE FRANK FONDS in Basel, dessen Stiftungsratspräsident heute Buddy Elias, Anne Franks Cousin, ist. Er und seine Frau Gerti (1933), beide Schauspieler, widmen sich noch heute voller Energie der Arbeit und den Projekten des Fonds.