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Coronavirus hat die Schweiz erreicht – muss ich weiterhin zur Arbeit?
Was bedeutet der Coronavirus für Arbeitnehmende? Was sind Pflichten und Rechte? Was geschieht bei einer annullierten Reise? MyRight gibt Antwort.
Die Antwort im Detail
Stand 08.04.2020
Das Coronavirus verbreitet sich rasch. Das Bundesamt für Gesundheit erklärt, dass es, wie bei anderen Grippeepidemien auch, wichtig ist, sich richtig zu schützen und führt bekannte Massnahmen wie regelmässiges Händewaschen, Niesen und Husten in die Armbeuge oder in ein Taschentuch auf.
Was aber sind die Pflichten von Arbeitgebenden und die Rechte von Arbeitnehmenden? Was, wenn deine Reise aufgrund des Virus annulliert wird? Wie sieht es mit dem Verzug einer Lieferung aus China aus?
- Hat mein Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht?
Ja, dein Arbeitgeber in betroffenen Gebieten ist dazu verpflichtet, geeignete und verhältnismässige Massnahmen zum Schutz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu treffen und so eine Ansteckung oder Verbreitung zu verhindern. Konkrete Massnahmen sind beispielsweise das zur Verfügung stellen von Handdesinfektionsmittel am Arbeitsplatz oder Hygienemasken. Weiter können Mitarbeitende, welche aus China oder einer anderen von Corona-Fällen betroffenen Region nach Hause kommen, aufgefordert werden, zwei Wochen von zu Hause aus zu arbeiten und zu beobachten, ob Krankheitssymptome auftreten.
- Kann ich als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer eine Geschäftsreise verweigern?
Wenn für die Region, in welcher der Geschäftstermin stattfinden soll, keine Reiserestriktionen durch das EDA bestehen, liegt kein ausreichender Grund vor, um eine Reise dahin zu verweigern.
- Ich möchte gerne zu Hause bleiben, weil ich Angst davor habe, mich anzustecken. Darf ich das?
Wenn die Behörden keine entsprechende Anordnung erlassen, hast du als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, zu Hause zu bleiben. Wenn du der Arbeit fern bleibst und dich trotz Aufforderung des Arbeitgebers weigerst, wieder zur Arbeit zu kommen, droht dir die fristlose Kündigung. Wenn du jedoch konkrete, objektive Gründe hast, dass du an deinem spezifischen Arbeitsplatz eine Ansteckung befürchten musst, kann eine Ausnahme bestehen. In diesem Fall empfehlen wir dir, deinem Arbeitgeber oder deiner Arbeitgeberin die Gründe für deine Arbeitsverweigerung klar mitzuteilen und Schutzmassnahmen zu verlangen.
- Darf ich der Arbeit fern bleiben, weil ich Angst habe, dass ich ansteckend sein könnte?
Ja. Melde dich in diesem Fall telefonisch beim Arzt und lasse dich danach untersuchen. Reiche deinem Arbeitgeber oder deiner Arbeitgeberin ein Arztzeugnis ein. Das Vorgehen ist dasselbe wie bei anderen Krankheiten.
- Haftet mein Arbeitgeber oder meine Arbeitgeberin, wenn ich mich am Arbeitsplatz anstecke?
Möglicherweise. Aufgrund der sogenannten Fürsorgepflicht ist dein Arbeitgeber verpflichtet, alle Massnahmen zu treffen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den Verhältnissen des Betriebes angemessen sind, um beispielsweise eine Ansteckung am Arbeitsplatz zu verhindern. Ob er dieser Sorgfaltspflicht genügend nachgekommen ist, muss im Einzelfall geprüft werden und kann haftungsbegründend wirken.
- Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter in unserer Firma ist am Virus erkrankt und unser Arbeitsort wird unter Quarantäne gestellt. Was bedeutet das für mich als Arbeitnehmenden?
Du bist weiterhin dazu verpflichtet, deine Arbeit anzubieten, indem du beispielsweise von zu Hause aus arbeitest oder an einem anderen Ort. Flexible Arbeitsformen können hier die Lage entschärfen. Kannst du deiner Arbeit ausserhalb des unter Quarantäne gestellten Arbeitsortes nicht ausführen, muss dir dein Arbeitgeber resp. deine Arbeitgeberin weiterhin deinen Lohn bezahlen, da er das Betriebsrisiko auch ohne Verschulden trägt (siehe Art. 324 OR).
- Ich bin am Pandemievirus erkrankt und kann meine Arbeit nicht mehr verrichten. Erhalte ich weiterhin Lohn?
Ja, in der Regel besteht Anspruch auf eine Lohnfortzahlung.
- Was passiert, wenn ich unter Quarantäne bin und deshalb nicht zur Arbeit erscheinen kann?
Wenn du dich, ärztlich oder behördlich verordnet, in Quarantäne begeben musst, hast du Anspruch auf Taggelder der Erwerbsersatzversicherung (EO). Ein Taggeld beträgt 80% des Lohnes, maximal aber 196 Franken pro Erwerbstag (Ferien sind ausgeschlossen). Du musst als Angestellte oder Angestellter diese Entschädigung selbst bei der Ausgleichskasse beantragen.
- Mein Kind ist an Coronavirus erkrankt und wird vom Arzt für 2 Wochen krank geschrieben. Ich muss zur Betreuung des Kindes zu Hause bleiben. Erhalte ich weiterhin den Lohn?
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, einem Elternteil gegen Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses die zur Betreuung kranker Kinder erforderliche Zeit im Umfang bis zu 3 Tagen pro Krankheitsfall frei zu geben. Unter Umständen kannst du aber auch länger von der Arbeit befreit werden, wenn dies aus medizinischen Gründen gerechtfertigt ist. Dies gilt als unverschuldeten Verhinderung an der Arbeitsleistung (siehe auch Art. 324a OR) mit Lohnfortzahlungspflicht für eine beschränkte Zeit. Die Eltern haben sich allerdings zu bemühen, weitere Absenzen bei geeigneter Organisation zu verhindern – sich also zum Beispiel in der Betreuung abzuwechseln.
- Darf ich, um mich zu schützen, von zu Hause aus arbeiten?
Sofern Homeoffice betrieblich möglich ist, kannst du deinen Arbeitgeber oder deine Arbeitgeberin entsprechend anfragen und die Möglichkeiten absprechen.
- Kann der Betrieb anordnen, dass ich von zu Hause aus arbeiten muss?
Wenn eine entsprechende Klausel in deinem Arbeitsvertrag steht, kann der Betrieb dich dazu auffordern, von zu Hause aus zu arbeiten. Eventuell rechtfertigt sich solch eine Massnahme auch, um dich als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer bei akuter Ansteckungsgefahr vor dem Coronavirus zu schützen.
- Habe ich einen Anspruch auf Lohn, wenn ich aufgrund der Virusverbreitung nicht aus den Ferien zurückreisen kann?
In diesem Fall ist dein Arbeitgeber oder deine Arbeitgeberin nicht dazu verpflichtet, dir den Lohn für die zusätzliche Abwesenheit auszuzahlen.
- Ich wollte an Ostern Frühlingsferien beziehen und nach Italien reisen. Aufgrund der aktuellen Lage kann ich nicht wie geplant verreisen. Ich möchte deshalb meine bereits geplanten Ferien nun doch nicht beziehen. Muss mein Arbeitgeber die Ferien annullieren?
Nein. Grundsätzlich ist der Zweck der Ferien, nämlich die Erholung, auch zu Hause gewährleistet. Es gibt keinen Anspruch, in den Ferien verreisen zu können. Die bereits bewilligten Ferien können daher nur mit Einverständnis des Arbeitgebers nicht bezogen werden.
- Muss ich Ferien beziehen, wenn mein Kind aufgrund einer behördlichen Anordnung, also zum Beispiel der Schliessung von Schulen und Kindergärten im Kanton, zu Hause bleiben soll?
Nein. Es liegt eine unverschuldete Arbeitsverhinderung vor (siehe gesetzliche Betreuungspflicht nach Art. 276 ZGB) mit Lohnfortzahlungspflicht während einer beschränkten Zeit nach Art. 324 a OR. Die Eltern haben sich allerdings zu bemühen, weitere Absenzen bei geeigneter Organisation zu verhindern – sich also zum Beispiel in der Betreuung abzuwechseln.
- Weil Aufträge ausbleiben oder nicht mehr genügend Rohstoffe vorhanden sind, können nicht mehr alle Arbeitnehmenden am Betriebsort beschäftigt werden. Kann mein Arbeitgeber resp. meine Arbeitgeberin von mir verlangen, dass ich an einem anderen Ort arbeite, beispielsweise in einer anderen Filiale?
Grundsätzlich kann der vertraglich vereinbarte Arbeitsort nicht einfach durch eine Weisung des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin verlegt werden. Besteht allerdings ein dringendes betriebliches Bedürfnis, muss du in Kauf nehmen, vorübergehend an einem anderen Arbeitsort zu arbeiten. Auf die Persönlichkeit des Arbeitnehmers muss dabei aber Rücksicht genommen werden.
- Mein Arbeitgeber schickt mich als Vorsichtsmassnahme nach Hause. Erhalte ich Lohnabzug?
Nein, dein Arbeitgeber schuldet dir den Lohn.
- Mein Flug wurde aufgrund eines behördlichen Verbots (z.B. Einreiseverbot) annulliert. Was sind meine Rechte aus der Flugreservation?
Es steht dir ein Anspruch auf Rückerstattung (oder eine Umbuchung) zu, wenn die Airline den Flug aufgrund des Verbots annulliert. Dies gilt grundsätzlich nicht, wenn du den Flug selbst stornierst. Ist unklar, ob der Flug durchgeführt wird, empfehlen wir dir, die Airline zu kontaktieren. Beachte: Gegenüber der Airline oder einem Drittanbieter besteht kein Anspruch auf Schadenersatz oder anderweitiger Entschädigung. Das behördlich verfügte Einreiseverbot liegt ausserhalb des Einflussbereiches der Parteien und hätte von der Airline bzw. dem Drittanbieter auch mit höchster Sorgfalt nicht abgewendet werden können. Gleiches gilt auch für Veranstaltungsanbieter oder Autovermietungen in der Zieldestination. Diese können sich auf die Annullationsbestimmungen gemäss dem jeweils anwendbaren Vertrag berufen. Das damit verbundene Kostenrisiko bei einer behördlich verfügten Einreisesperre trägst du als reisende Person.
- Meine Pauschalreise wurde aufgrund eines behördlichen Verbots (z.B. Einreiseverbot) annulliert. Was sind meine Rechte aus dem Reisevertrag?
Als Pauschalreise gilt die im Voraus festgelegte Verbindung von mindestens zwei der folgenden Dienstleistungen, wenn diese Verbindung zu einem Gesamtpreis angeboten wird und länger als 24 Stunden dauert oder eine Übernachtung einschliesst:
> Beförderung (beispielsweise Flug oder Zugfahrt)
> Unterbringung (beispielsweise Hotel oder Jugendherberge)
> andere touristische Dienstleistungen, die nicht Nebenleistungen von Beförderung oder Unterbringung sind und einen beträchtlichen Teil der Gesamtleistung ausmachen (beispielsweise Ausflüge am Ferienziel)
Die Pauschalreise nach Schweizer Recht ist im Pauschalreisegesetz (PRG) geregelt. Demgemäss stehen dir als Kundin oder Kunde folgende Wahlmöglichkeiten offen:
> Teilnahme an einer anderen gleichwertigen oder höherwertigen Pauschalreise, wenn der Veranstalter oder der Vermittler dir eine solche anbieten kann
oder
> Teilnahme an einer anderen minderwertigen Pauschalreise sowie Rückerstattung des Preisunterschieds
oder
> schnellstmögliche Rückerstattung aller von dir bezahlten Beträge.
Es gibt Meinungen, welche bei einer Pauschalreise-Annullation aus höherer Gewalt das PRG für nicht anwendbar erachten. Gemäss diesen ist Art. 119 OR einschlägig, womit vertragliche Abreden gültig wären.
- Ich habe Produkte in China bestellt. Diese werden nicht geliefert. Was nun?
Bei Lieferverzug von Bestellungen aus der Sperrzone in China (oder gegebenenfalls aus anderen Ländern), aufgrund von höherer Gewalt, haftet der Schuldner nicht für die Verspätung. Diese Regelung gilt auch für den Zwischenhändler, allerdings nur bei einer entsprechenden vertraglichen Grundlage. Kann der Zwischenhändler nicht rechtzeitig liefern, solltest du die Bestellung nach Möglichkeit stornieren oder auf einen Ersatzlieferanten ausweichen. Mehrkosten gehen zu Lasten des Zwischenhändlers.
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