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Han Wendi alias Wen war von 180 bis 157 v. Chr. Kaiser von China. Dass er überhaupt auf dem Thron Platz nehmen konnte, verdankte er der höfischen Schattenpolitik. Mächtige Beamte ermordeten zwei seiner Halbbrüder, die in der Thronfolge vor ihm standen, weil sie den Einfluss von deren Clans auf die Politik verhindern wollten. Seine Mutter – eine Konkubine – hatte keine mächtigen Verwandten...
Für den gesellschaftlichen Fortschritt war diese Hofintrige zuträglich. Wen zeigte sich als progressiver Regent. So schaffte er u.a. ein Gesetz ab, das es erlaubt hatte, Verwandte von Verbrechern einzukerkern (Sippenhaft). Nicht zuletzt führte er ein soziales Auffangsystem ein, indem er Waisen, Wittwe(r)n und kinderlosen Alten Steuererleichterungen zugestand. Menschen ab 80 hatten Anspruch auf eine bestimmte Menge Reis, Fleisch und Wein.
Als wäre das nicht schon fortschrittlich genug für jemanden, der als gottgleich und ergo allmächtig verstanden wurde, forderte er seine Beamten auch noch dazu auf, ihn offen zu kritisieren und überliess ihnen die Besetzung von freigewordenen Posten. Wens eigentümliche Politik stärkte das Vertrauen im Beamtenapparat und führte zu mehr Stabilität im Reich – ausgenommen die Geldpolitik. Kaiser Wen hatte zeitlebens mit der Inflation zu kämpfen.
Nachdem das chinesische Kaiserhaus zuvor länger keine genügende Geldmenge zur Verfügung stellen konnte – die Massenproduktion von Metallwaren bzw. Münzen war noch nicht ausgereift – wurde das kaiserliche Geldausgabe-Monopol unter Wen aufgeweicht. Prinzen, die im Kaiserreich über die Provinzen herrschten, konnten fortan Münzen herstellen. Als Folge wurde der Markt mit Geld geflutet. Das Überangebot führte zu einem Werteinbruch des Geldes.
Um die Geldmenge wieder zu verringern, hat sich dann Han Wudi, ein Nachfolger von Wen, einen besonderen Trick einfallen lassen. Die Legende sagt, Wudi habe einen weissen Hirsch, der im kaiserlichen Park lebte, schlachten lassen. Die Haut bzw. das Leder habe er in quadratische Stücke à 30 x 30 cm schneiden, aufwändig verzieren und an den Rändern verfransen lassen. Den Wert einer solchen Ledernote setzte er bei 400’000 Kupfermünzen an.
Prinzen, die den Hof regelmässig besuchen mussten, um dem Kaiser Respekt zu zollen, wurden angehalten die veredelten Lederhäute zu kaufen, da der Kaiser Geschenke nur noch annahm, wenn sie ihm auf dieser Unterlage präsentiert wurden. So war sichergestellt, dass die Lederscheine in Umlauf kamen. Doch bei der kleinen Menge an Scheinen war der Effekt nur kurzfristig. Und so führte China 113 v. Chr. wieder das kaiserliche Geldausgabe-Monopol ein.