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27.11.1850 Bern, 11.3.1924 Bern, ref., von Bern. Tochter des Egbert Friedrich ( -> 4). Schwester des Wolfgang Friedrich ( -> 11). Ledig. M. wuchs in einer standesbewussten Patrizierfamilie auf, wo ihr eine strenge Erziehung zuteil wurde. Nach einem Sprachaufenthalt in der Westschweiz kehrte sie ins Elternhaus zurück, widmete sich autodidakt. Studien und besuchte theol. Vorlesungen an der Univ. Bern. Sie wurde von ihrer Fam. daran gehindert, einen akadem. Abschluss zu erwerben. Sie blieb aber in engem Kontakt mit den Theologieprofessoren Adolf Schlatter und Fritz Barth und war Mitglied der Christl.-Sozialen Gesellschaft. Ihr späteres öffentl. Wirken war von ihren intensiven und krit. Auseinandersetzungen mit der Theologie geprägt. Sie forderte, dass den Leistungen der Frauen in der Kirche mehr Achtung zukomme.
Die durch Konvention erzwungene Untätigkeit stürzte M. vorerst aber in eine tiefe Krise, die sie erst nach einer schweren Erkrankung überwand. Die Freundschaft zu Emma Pieczynska-Reichenbach, die sie um 1890 kennengelernt hatte, führte sie zur Frauenbewegung. Sie schloss sich dem Frauenkomitee Bern an, das als Expertinnengremium für rechtl. Fragen mit Eingaben zum ZGB hervortrat. 1899 wurde sie in den Administrativrat der Fédération abolitionniste internationale berufen, wo sie sich bis an ihr Lebensende mit Strafgesetzgebung und Jugendschutz befasste. Mit Pieczynska gründete M. 1897 in Bern die Symphon. Gesellschaft, später Frauenkonferenzen zum eidg. Kreuz genannt. Ursprünglich als Bildungszirkel für Frauen konzipiert, wandten sich die Frauenkonferenzen rasch polit. Fragen zu und gehörten dem progressiven Flügel der Frauenbewegung an. Als deren Präsidentin beteiligte sich M. 1899 an der Gründung des Bundes Schweiz. Frauenvereine (BSF), der als polit. und konfessionell neutraler Dachverband die Interessen der Frauen bei den Behörden vertreten sollte. In unermüdl. Integrationsarbeit gelang es M., einen Teil der Arbeiterinnenbewegung sowie lokale Sektionen der Sittlichkeitsverbände und des Schweiz. Gemeinnützigen Frauenvereins zum Beitritt in den BSF zu bewegen. Die grossen traditionellen Frauenverbände blieben dem BSF jedoch fern, da sie sich nicht hinter dessen emanzipator. Programm stellen wollten. M. amtierte 1900-04 als erste Präsidentin des BSF und gehörte bis 1920 dem Vorstand sowie diversen Kommissionen an. Sie setzte sich anfänglich v.a. für bessere Bildungschancen und das Recht auf Berufstätigkeit für alle Frauen ein. Ab 1908 forderte sie auch die Einführung des Frauenstimmrechts und erreichte, dass sich der BSF 1919 erstmals öffentl. zur Stimmrechtsforderung bekannte.
Zu Beginn des 20. Jh. gehörte M. zu den profiliertesten Vertreterinnen der Frauenbewegung. Ihr Engagement galt der freien Persönlichkeitsentwicklung der Frauen. Sie war überzeugt, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechtscharakters soziale und weltanschaul. Differenzen überwinden und mit einer Politik der Versöhnung die gesellschaftl. Probleme der Zeit beheben könnten.
Archive
– BBB, FamA von M.
Literatur
– E. Pieczynska, «Hélène de M. dans ses œuvres», in Jb. der Schweizerfrauen 1924, 7-61, (mit Werkverz.)
– B. Mesmer, Ausgeklammert - Eingeklammert, 1988
– D. Brodbeck, Hunger nach Gerechtigkeit: Helene von M. (1850-1924), 2000
Autorin/Autor: Regula Ludi