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Bevor wir uns um eine Gefährdungsbeurteilung kümmern können, möchten wir so ein bisschen klarstellen, was Elektrosmog überhaupt ist.
Seit ungefähr 100 Jahren leben wir alle in einem "elektrischen Zeitalter". Zuerst gab es elektrisch betriebene Maschinen, dann kamen immer mehr elektrische Strassenbeleuchtungen dazu, und danach eroberte die Elektrizität auch alle Haushalte mit Lampen, Radios, Elektroherde, Bügeleisen und Fernseher. Die Elektrizitätsversorgung erfolgte über Oberlandleitungen, Transformatoren und luftigen Kabeln bis zu den Isolatoren an jedem Haus. Jeder weiss, dass die Entwicklung dort nicht stehen geblieben ist. Heute stecken wir bis über beide Ohren im "Elektronikzeitalter" fest, immer mehr elektrische Geräte werden nun "intelligent" vernetzt, und der Strom gelangt über fette Erdkabel in jedes Haus.
Je mehr Geräte elektrisch betrieben werden, desto mehr Strom muss fliessen, das ist eine einfache Additionsaufgabe. Es gab einst gute Gründe dafür, dass man sich bei der Versorgung nicht für einen schwachen Gleichstrom, sondern für einen hochgespannten Wechselstrom entschieden hat. Ein wichtiger Grund besteht darin, dass die elektrische Leistung das Produkt aus Spannung und Strom ist. Je höher man also die Spannung schraubt, desto geringer darf der Stromfluss sein, um eine bestimmte Leistung zu liefern. Kleine Ströme kann man (trotz Hochspannung) durch dünne Drähte leiten, Starkstrom braucht armdicke Kupfertrassen, ansonsten verglüht der Draht, und Kupfer ist sehr teuer.
Die zwei Welten des Elektrosmogs
Wir müssen also unterscheiden, ob wir über die leistungsstarken Zuleitungen oder über einzelne Endgeräte reden wollen. Allen gemeinsam ist die Tatsache, dass Wechselstrom auch immer ein Sender oder Abstrahler eines elektrischen Wechselfeldes ist. "Schuld daran" ist wohl James Clerk Maxwell, ein schottischer Physiker, der um 1855 das Wesen der elektromagnetischen Wellen verstanden und theoretisch beschrieben hat. Er hat erkannt, dass ein sich änderndes elektrisches Feld ein sich ebenfalls änderndes Magnetfeld erzeugt, und umgekehrt führt ein sich änderndes Magnetfeld zu einem veränderlichen elektrischen Feld (und bei Wechselstrom ändert sich eben immer alles). Diese Felder breiten sich dann mit Lichtgeschwindigkeit von der Quelle in alle Raumrichtungen aus, das sichtbare Licht einer Taschenlampe ist zum Beispiel genau ein Vertreter dieses Phänomens.
So sind wir in der Tat ständig und überall umgeben von unzähligen, ganz unterschiedlich starken Quellen des (künstlichen) sogenannten Elektrosmogs, und die Quellstärke ist recht gut ablesbar bzw. vergleichbar mit der Leistungsaufnahme (das ist die Angabe in Watt) eines Haushaltsgeräts. So zieht ein Elektroherd, wenn mehrere Platten und der Backofen angestellt sind, oder ein Durchlauferhitzer zuweilen mehrere Tausend Watt aus der Steckdose, während das Ladegerät für das Handy im Milliwattbereich arbeitet. Mit diesem Wissen können wir schon mal ganz grob abschätzen, wo es sich eher lohnen würde, sich fernzuhalten.
Dann sind da aber auch noch die mit Energie überladenen Zuleitungen, nehmen wir mal die Überlandleitungen an den Hochspannungsmasten, die die gesamte elektrische Energie für ganze Ortschaften transportieren. Wenn wir Elektrosmog sehen könnten, wären wir in der Nähe dieser Leitungen arg geblendet.
Wie ungesund ist denn nun Elektrosmog?
Unser Körper wurde von der Natur nicht gut ausgestattet mit einer Sensorik für elektromagnetische Wellen, allenfalls unsere Augen können sichtbares Licht innerhalb eines sehr begrenzten Frequenzabschnitts des gesamten elektromagnetischen Spektrums erkennen. Und Licht hat bisher noch niemand als Bedrohung empfunden, ganz im Gegenteil, im dunklen Wald wünschen wir uns nichts mehr als Licht. Die unsichtbare Wärmestrahlung können wir mit unserer Haut fühlen. Ansonsten sind wir aber ziemlich taub für elektromagnetische Wellen.
Offensichtlich sah sich die Natur nicht veranlasst, uns vor diesen eher harmlosen Wellen zu warnen. Völlig unabhängig von unseren technischen Errungenschaften prasselten elektromagnetische Felder schon immer auf die Lebewesen dieses Planeten ein, allen voran die intensive Strahlung der Sonne, die noch viel mehr als nur Licht abstrahlt. Aber auch die kosmische Strahlung von anderen Sternen, Galaxien oder Supernovae bombardiert unsere Erde Tag und Nacht, Nordlichter nicht zu vergessen.
Vor diesem Hintergrund ist es unserem Körper fast egal, ob da noch ein Fernseher ein 50-Hertz-Brummen produziert oder nicht. Was aber auf Dauer dann doch nachgewiesen gesundheitsschädlich ist, dass ist in der Tat eine jahrelange Exposition in unmittelbarer Nähe einer Hochspannungsleitung oder die tägliche Arbeit ganz in der Nähe eines Radarsenders. Hier geraten die Zellen und Zellwände zum Teil in Resonanzschwingungen und können dabei zerstört oder das genetische Material im Zellkern verändert werden mit der Folge der Ausbildung von Krebszellen.
Aber für den Normalbürger in seiner 0815-Wohnung und an seinem üblichen Arbeitsplatz gilt ziemlich eindeutig, dass er viel eher an seiner falschen Ernährung oder ungesunden Lebensweise erkrankt, als an anthropogen verursachtem Elektrosmog.
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