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Der Weg von Flavio Schmutz in die National League A war gewiss kein üblicher. Als 16-Jähriger packte er seine Siebensachen und ging nach Schweden, wo er sich dem Junioren-Team von Västerås anschloss. «Mir gefiel das schwedische Eishockey schon immer. Ich habe mir dann so meine Gedanken gemacht und meinen Agenten beauftragt abzuklären, ob sich eine Möglichkeit ergibt.» Und in der Tat lud ihn der Club aus dem Süden Schwedens, dessen erste Mannschaft in der zweithöchsten Liga spielt, zum Probetraining ein. «Ich ging also dorthin, und der Verein wollte mich behalten. Ohne viel zu überlegen, traf ich schnell den Entschluss, zu bleiben. Es war der beste Entscheid, den ich treffen konnte», sagt Schmutz, der seit 2009 regelmässig für die Schweizer Junioren-Nationalmannschaften aufgeboten wurde und bei Pikes Oberthurgau spielte, rückblickend.
Äusserst lehrreiche Zeit
Die Eltern hätten überrascht reagiert, als er ihnen eines Tages eröffnet hatte, dass er sein Glück im hohen Norden suchen wolle. «Mein Vater hat immer betont, wie wichtig eine Ausbildung ist», erinnert sich Schmutz, der seine Zelte in der Schweiz nach dem zehnten Schuljahr abgebrochen hat. «Doch irgendwann besuchte er einen Vortrag eines in der Ostschweiz bekannten Musikers, der davon sprach, dass man seine Träume leben soll. Das hat meinen Vater wohl inspiriert, so dass er meinen Entschluss unterstützte.»
In Västerås lebte der demnächst 21-jährige Center zunächst ein Jahr in Wohngemeinschaft mit einem norwegischen Junior, die folgenden zwei Jahre alleine. «Persönlich hat mich diese Zeit sicher weitergebracht.» Schmutz besuchte neben dem Sport ein Gymnasium und lernte Schwedisch («Es gibt einige Parallelen zur deutschen Sprache.»). Markant war seine Entwicklung auf dem Eis. «Ich konnte sehr viel lernen, habe taktisch und technisch grosse Fortschritte gemacht.» Ein grosser Teil dieser Entwicklung sei der Tatsache geschuldet gewesen, dass in Schweden die Konkurrenz im Vergleich zur Schweiz ungleich grösser sei, weil es viele sehr gut ausgebildete Junioren auf hohem Niveau gebe. Schmutz sagt deshalb: «Ich habe das Gefühl, dass ich diese Schritte nicht gemacht hätte, wenn ich hier geblieben wäre.» Seine Brüder Silvio (Elite Zug) und Reto (Lakers) spielen ebenfalls Eishockey.
U20-WM als Türöffner
Ein weiterer Verbleib in Västerås sei durchaus eine Option gewesen, so Schmutz, die U20-WM im Januar 2014–notabene in Schweden–sollte aber das Ende des Ausland-Abenteuers einleiten. Zwar scheiterte er zusammen mit seinem heutigen Mannschaftskollegen Yannick Rathgeb sowie dem letztjährigen Gottéron-Goalie Melvin Nyffeler in den Viertelfinals an Kanada, dennoch hätten sich dank des Turniers Türen geöffnet. «Mein Name war in der Schweiz nun ein Begriff.» Die NLA habe ihn gereizt, weshalb er sich für eine Rückkehr entschloss und für zwei Jahre bei den Rapperswil-Jona Lakers unterschrieb. Sportlich gesehen war die Saison 2014/15 für Schmutz indes ein verlorenes Jahr. Im Oktober verletzte er sich an der Schulter schwer und kam so auf nur gerade fünf Spiele. «Ich hätte mir auch vorstellen können, nach dem Abstieg in der NLB zu spielen», hält Schmutz fest, doch abermals hätten sich Türen für ihn geöffnet. Unter anderem hatte sich im Frühling der SC Bern für die Dienste des Stürmers interessiert, das Rennen machte schliesslich aber Gottéron, das ihn bis 2017 an sich band.
«Ich kannte Gerd (Zenhäusern) bereits aus dem U20-Nationalteam. Er schätzt mich als Spieler so ein, wie ich mich selber auch einschätze. Ich hatte das Gefühl, es passt.» Der Gottéron-Trainer lobt speziell das Spielverständnis von Schmutz, dessen taktische Ausbildung in Schweden klar zu sehen sei. Ähnlich tönt die Selbsteinschätzung von Gottérons Nummer 21. «Ich bin ein Zweiweg-Center mit einer guten Spielübersicht.» Zu den Qualitäten von Schmutz gehört auch, dass er die Defensive nicht vernachlässigt–typisch schwedisch eben. Verbesserungspotenzial ortet er insbesondere in der Effizienz. «Diesbezüglich möchte ich mich noch weiterentwickeln.» Dass er zurzeit im vierten Block an der Seite von Tristan Vauclair und John Fritsche a priori eher Tore verhindern statt erzielen soll, stört den Fan der englischen Premier League und des FC Arsenal nicht. «Ich fühle mich in dieser Rolle sehr wohl. Als junger Spieler muss man so reinfinden. Zudem sind die drei anderen Center im Team so gut, dass ich viel von ihnen lernen und abschauen kann.»
«Wurden unterschätzt»
Der Start in die Saison ist jedenfalls nicht nur Schmutz und der vierten Linie, die am Freitag bei Davos massgeblich zum Sieg beigetragen hat, gelungen, sondern dem ganzen Team. «Wir dürfen den Auftakt nicht überbewerten, aber die Playoffs müssen ganz klar unser Ziel sein.» Er glaube, dass Gottéron im Vorfeld der Saison unterschätzt wurde. «Ich hingegen bin überzeugt, dass sehr viel Potenzial in dieser Mannschaft steckt.» Dieses weiter zu entfalten gilt es in dieser Woche zu Hause gegen Genf und Bern und auswärts in Zürich. «Wir haben nichts zu verlieren», sagt Schmutz, der in der Stadt eine Wohnung mit Verteidiger Luca Campericholi teilt. Den Anfang macht heute das Heimspiel gegen Servette. «Wir sind physisch stark genug, um gegen die Genfer dagegenzuhalten. Und zudem spielen wir zu Hause. Ich habe am Samstag gegen Kloten erstmals die aussergewöhnliche Stimmung miterlebt. Das motiviert zusätzlich.»
NLA
Heutige Runde
Dienstag, 3. Runde:
Ambri - Bern19.45
Biel - ZSC Lions19.45
Gottéron - Genf19.45
Lugano - Davos19.45
SCL Tigers - Lausanne19.45
Zug - Kloten19.45
Die Tabelle
Der heutige Gegner
Die Fakten zu Genf-Servette
• Die Genfer sind mit Siegen gegen Ambri und bei den SCL Tigers punktemässig optimal in die Saison gestartet.
• Speziell in Langnau gehörte Goalie Robert Mayer, der eine Abwehrquote von 95 Prozent aufweist, zu den Matchwinnern.
• Mit den Zuzügen Damien Riat und Johan Fransson (Swe, Lakers) blieb Chris McSorley auf dem Transfermarkt zurückhaltend.
• Der Kanadier Tom Pyatt ist mit 3 Toren und 2 Assists Topskorer.fs
Vorschau: Schilt kehrt heute gegen Servette als siebter Verteidiger ins Team zurück
M it dem Penaltysieg in Davos und dem 6:3-Erfolg im Heimspiel gegen die Kloten Flyers ist Gottéron der Auftakt in die Saison 2015/16 besser geglückt, als gemeinhin erwartet wurde. «Diese Punkte kann uns keiner mehr nehmen», sagt Trainer Gerd Zenhäusern. Die Siege hätten seiner Mannschaft viel Selbstvertrauen gegeben. «Jetzt aber gilt es, nach vorne zu schauen.»
Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, gibt es sowieso keine. Mit Spielen gegen Genf Servette, die ZSC Lions und den SC Bern wartet diese Woche ein happiges Programm auf die Freiburger. «Wir haben noch viel in unserem Spiel zu verbessern», hält Zenhäusern fest. Einen der Schwachpunkte machte der Walliser insbesondere im Eins-gegen-Eins in der defensiven Zone aus. «Unser System funktioniert an sich bereits gut, aber individuell müssen wir uns weiter steigern.»
Dies wird heute gegen das physisch stets präsente Servette, das als einziges Team der NLA noch ohne Verlustpunkt ist, sicherlich nötig sein. «Die Genfer sind taktisch gut eingespielt», sagt Zenhäusern. Servette-Trainer Chris McSorley wies zuletzt immer wieder auf sein neues System hin, das vorsieht, dass seine Spieler ihr Forechecking noch tiefer in der gegnerischen Zone aufziehen. Zenhäusern konnte jedoch keine allzu grosse Differenz zur letzten Saison ausmachen. Viel eher glaubt er, dass Servette mit hartem Spiel, wie üblich, versuchen werde, Gottéron einen Schrecken einzujagen. Doch davon werde sich sein Team nicht beeindrucken lassen.
Mit Sebastian Schilt kehrt heute ein Spieler in das Team zurück, der Servettes Härte durchaus etwas entgegenzusetzen hat. Für Schilt, der zunächst die Rolle des siebten Verteidigers einnehmen wird, muss Luca Camperchioli auf die Tribüne weichen. Bei Gottéron weiterhin verletzt sind die beiden Stürmer Greg Mauldin und Michaël Loichat (Gehirnerschütterung). fs