Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03240.jsonl.gz/494

Schweizermeister und internationale Grossanlässe - Jahresrückblick "Nicolas Christen"
Nicolas Christen konnte an Ostern in Martigny in überzeugender Manier seinen zweiten Aktiv-Schweizermeistertitel im griechisch-römischen Stil erkämpfen. Eine Woche zuvor vertrat er die Schweiz an den Europameisterschaften der Aktiven in Bukarest (Rumänien). Den ersten Kampf gegen den Vertreter Lettlands konnte er nach Punkten gewinnen. Im folgenden Fight gegen den Olympiaringer aus Bulgarien fand er sich aber auf die Verliererstrasse gedrängt. Der 15. Schlussrang bedeutete nach längerem Zittern gleichzeitig die Qualifikation für die 2. European Games in Minsk (Weissrussland) von Ende Juni. Hierbei handelt es sich um einen olympischen Anlass, an welchem aber nur Sportler aus Europa startberechtigt sind. 4000 Sportlerinnen und Sportler aus 50 Nationen in insgesamt 20 Sportarten nahmen schliesslich an diesem Grossanlass teil. Der Rothenburger bekam es in seinem Startkampf mit einem Türken zu tun, welcher vor wenigen Jahren U23-Europameister geworden war. Der Kampf ging über die volle Länge und Nicolas Christen verlor mit 0:4 Punkten. Leider schied der Türke im Halbfinal gegen den Weltmeister aus, was auch das Kampfende des Rothenburgers bedeutete.
Mit der WM in Kasachstan startet die Olympia-Qualifikation im Monat September. Wenig später reist Nicolas Christen nach China, wo er an den Military Games in Wuhan teilnehmen wird. Auch hier handelt es sich analog den European Games nicht um einen reinen Ringerwettkampf, sondern es werden viele verschiedene Militär-Sportarten zu sehen sein. In diesem Jahr sein zweiter Grossanlass auf der Weltbühne, wo der 25-jährige Maurer der Firma Hans Cerutti AG sein Können unter Beweis stellen kann.
Anfangs September startet in der Schweiz die Mannschaftsmeisterschaft der Premium League (NLA), wo Nicolas Christen seit jeher für die Ringerriege Schattdorf kämpft. Wie oft er nebst den internationalen Wettkämpfen und Trainingslehrgängen an diesen Partien teilnehmen kann, ist derzeit schwer abzuschätzen.
Erfolgreiche Schweizer bei hochstehenden Meisterschaften
Bevor Nicolas Christen mit drei Greco-Teamkollegen die Reise nach Rumänien antrat, konnte Swiss Wrestling Federation kräftig jubeln. Randy Vock von der RS Freiamt schaffte etwas, was es seit 1946 (!) nicht mehr gegeben hatte: Ein Schweizer Ringer holt bei einer EM bei den Aktiven im freien Stil eine Medaille. Die Bronzemedaille wurde in Bukarest wie auch im Freiamt prächtig gefeiert und die Schweizer Ringerfamilie freute sich mit dem jungen Aargauer mit. Randy Vock stiess in der (nicht olympischen) Gewichtsklasse bis 61 kg (14 Starter) nach zwei Siegen gegen einen Albaner und einen Moldawier in den Halbfinal vor, wo er gegen den nachmaligen Vize-Europameister aus Georgien die Segel streichen musste. Im Kampf um Platz 3 zeigte er sich aber wieder von der besten Seite und konnte den Fight gegen den Vertreter aus Mazedonien in den letzten Sekunden mit 6:5 Punkten für sich entscheiden.
Der zweite Freistil-Ringer aus der Schweiz, Stefan Reichmuth verlor in der (olympischen) Gewichtsklasse -86 kg (25 Starter) den ersten Kampf gegen den Vertreter aus Israel mit 9:9 Punkten. Da der Israeli in der nächsten Runde gegen den Moldawier verlor, war der Wettkampf des Willisauers bereits fertig (Schlussrang 15.).
Starker Start von Nicolas Christen
Dem Schattdorfer wurde in der am besten besetzten (olympischen) Gewichtsklasse -77 kg (29 Starter) in der Qualifikation der Lette Jevgenijs Kolcovs zugelost. Der schon seit einigen Jahren international agierende Balte konnte in den ersten drei Minuten wegen einer gegen den Urner ausgesprochenen Passivität mit einem Punkt in Führung gehen. In der zweiten Runde wurde dann Kolcovs eine Passivität aufgebrummt, welche Nicolas Christen mit einer Zweierwertung aus der Bodenlage zu nutzen wusste. In der Folge kontrollierte der Schattdorfer das Geschehen und gewann nach Punkten mit 3:1.
Olympiaringer als unüberwindbare Hürde
Mit Daniel Tihomirov Aleksandrov aus Bulgarien stand ihm dann ein grosses Kaliber im Achtelfinal auf der Matte gegenüber. Der Osteuropäer ist mehrfacher Medaillengewinner an Europameisterschaften bei den Aktiven und war vor drei Jahren bei den olympischen Spielen in Rio de Janeiro am Start. Aleksandrov fällt durch enorm risikofreudiges Ringen auf und hält das Tempo von Anfang bis Ende sehr hoch. Dies bekam Nicolas Christen zu spüren, musste er doch die erste Passivität hinnehmen. Trotz sehr guter Verteidigung und einer verlorenen Challenge (Videobeweis) zog der Bulgare bis zur Pause mit 6:0 Punkten in Front. Nun lag es am Schattdorfer, Punkte zu machen. Nach einer weiteren Wettkampfminute startete er einen Angriff, welchen der Bulgare aber konterte und sich so zwei weitere Punkte erkämpfte. Diese Acht-Punkte-Differenz bedeutete das vorzeitige Kampfende und die Niederlage des Schweizers.
Aleksandrov gewann im Viertelfinal gegen den Polen, musste dann aber im Halbfinal gegen den Deutschen (und nachmaligen Vize-Europameister) die Segel streichen. Diese Niederlage bedeutete das Wettkampfende von Nicolas Christen, welcher sich auf dem 15. Schlussrang wiederfand. Dieser 15. Schlussrang könnte einen bitteren Nachgeschmack haben, klassieren sich doch die ersten vierzehn Ringer einer olympischen Gewichtsklasse für die European Games in Weissrussland im kommenden Juni. Ein kleiner Funke Hoffnung besteht noch, gibt es doch Gewichtsklassen, wo die ersten Fünfzehn startberechtigt sind.
Die Gewichtsklasse -77 kg wurde in überzeugender Manier von Doppel-Olympiasieger Roman Vlasov aus Russland gewonnen. Wie er den Final gewann, war Extraklasse.
Rangliste Greco -77 kg:
1. Russland
2. Deutschland
3. Serbien und Armenien
5. Türkei und Bulgarien (Aleksandrov)
...
14. Ungarn
15. Schweiz; Nicolas Christen
16. Finnland
Grundsätzlich ist zu den Europameisterschaften in diesem Jahr zu sagen, dass sie auf sehr hohem Niveau stattfanden. Viele Olympiaanwärter wollten sich nochmals mit den Besten messen, bevor im September bei den Weltmeisterschaften in Astana (Kasachstan) die ersten Quotenplätze für Tokio 2020 vergeben werden. Die Europameisterschaften sind den Weltmeisterschaften ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen, da in der Europa-Gruppe das Leistungsniveau sehr hoch und ausgeglichen ist.
Erfolgreiche Schweizer Greco-Ringer in olympischen Gewichtsklassen mit zwei Top-Ten Plätzen
Drei weitere Schweizer griffen in Rumänien nebst Nicolas Christen ins Wettkampfgeschehen ein. In der Gewichtsklasse -67 kg (25 Ringer) startete der Oberrieter Andreas Vetsch (kämpfte schon für Schattdorf in der Mannschaftsmeisterschaft). Den ersten Kampf konnte er gegen den Schweden mit 4:2 Punkten für sich entscheiden. Im Achtelfinal zog er zwar gegen den favorisierten Türken (wurde später Europameister) mit 3:5 Punkten den Kürzeren, zeigte aber einen beherzten und starken Kampf. Da der Türke mit Siegen gegen den Russen und den Georgier in den Final einzog, konnte Vetsch am Folgetag nochmals auf die Matte. Dort besiegte er zuerst den Portugiesen mit technischer Überlegenheit. Um den Einzug in den kleinen Final unterlag er dem Russen. Seine Leistung wurde mit dem hervorragenden 7. Schlussrang belohnt.
Ramon Betschaft, Kriessern, welcher im letzten Jahr bei den Junioren Vize-Weltmeister geworden war, startete in der Gewichtsklasse -87 kg (25 Starter) stark. Den Spanier punktete er nach gut einer Minute aus. Im Achtelfinal war es der Vertreter Moldawiens, welcher die Überlegenheit Betscharts (5:2 Punktesieg) eingestehen musste. Im Viertelfinal blockierte der Weissrusse den Erfolgspfad des Ostschweizers. Bei der 2:5 Punkteniederlage zeigte der Schweizer aber, dass in ihm einiges Potenzial steckt. Die Top-Ten Platzierung (Schlussrang 8) bei seiner ersten Aktiv-EM darf als grosser Erfolg gewertet werden.
Damin von Euw schliesslich hatte sich in der Gewichtsklasse -97 kg (23 Starter) eingeschrieben. Ihm wurde der Vertreter Österreichs zugelost. Der Brunnener konnte keine entscheidenden Akzente setzen und zog mit 3:6 Punkten den Kürzeren. Da der Austrianer seinen nächsten Kampf gegen den Finnen verlor, war der Wettkampf für den Schwyzer beendet (Schlussrang 16).
In der aktuellen UW ist der Bericht über die Maturaarbeit von Celine Lussi aufgeschaltet. Sie analysierte meinen Weg an die Olympischen Spiele im Vergleich zu Jolanda Annen. Vielen Dank für die interessanten Einblicke!
Bei Fragen wenden Sie sich an
<email-pii>
Bei Sponsoring-Interesse können Sie sich unter
<email-pii>
melden oder hier in meine Sponsoringmappe einsehen.
Vielen Dank für die Zusammenarbeit und Unterstützung