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Um es vorwegzunehmen. Die Hypnose-Therapie unterscheidet sich grundlegend von der Schauhypnose. Auch kann man niemanden gegen seinen Willen hypnotisieren. Hingegen zielt die therapeutische Hypnose darauf ab, aus dem Unterbewusstsein wirksame destruktive Muster aufzulösen und durch positive zu ersetzen, Ausgeglichenheit und Selbstvertrauen zu fördern.
Die Hypnose hat eine lange historische Vorgeschichte, dürfte die älteste Therapieform überhaupt sein. So ist überliefert, dass in ägyptischen Tempeln bereits 500 vor Christus Priester Kranke in einen 9-tägigen „magnetischen Schlaf“ versetzten. Im Traum erschien den Kranken dann die Göttin Isis, lieferte ihnen Informationen über ihre Krankheit und Tipps zum Gesundwerden.
Die Rolle der Suggestion und Autosuggestion in der Hypnose war auch späteren Anwendern sehr lange nicht bewusst. Im 18. Jahrhundert wurde Johann Gassner, Landpfarrer in einem kleinen Dorf in der Ostschweiz, von wiederkehrenden Kopfschmerzen und Schwindel geplagt. Er glaubte, der Teufel stecke dahinter und begann mit Erfolg katholische Exorzismus-Riten anzuwenden. Diese Riten wandte er in der Folge auch auf andere Menschen an und wurde ein sehr gefragter Heiler.
Um 1775 wurde der Arzt Franz Anton Mesmer mit seinem „animalischen Magnetismus“, später „Mesmerismus“ genannt, berühmt. Er verstand Krankheit als Ungleichgewicht des Magnetismus im Körper. Auch er hatte Erfolge, indem er mit den Händen über den Körper der Patienten strich, um das verlorene Gleichgewicht wiederherzustellen.
Im 19. Jahrhundert begann John Elliotson, Londoner Chirurgie-Professor und Erfinder des Stethoskops, den Mesmerismus im Zusammenhang mit Schmerzkontrolle zu studieren. Auf dieser Grundlage führte schliesslich James Esdaille, ein schottischer Chirurg, in Kalkutta/Indien mehr als tausend Operationen durch, mit der Hypnose als einzigem „Anästheticum“. Die Sterblichkeitsrate bei seinen Operationen sank von 50 auf 5%!
Etwas später entstand in Frankreich die Hypnose-Schule von Nancy, die von den Ärzten Liébeault und Bernheim gegründet wurde. Sie glaubten an die Hypnose als psychologisches Phänomen und wandten sie mehr und mehr mit Erfolg bei ihren Patienten an. Später gründete Emile Coué, der durch seine Autosuggestion berühmt wurde, die neue Schule von Nancy.
Wie wir sehen, verlagerte sich das Verständnis für Hypnose langsam von der „äusseren Kraft“ des Hypnotiseurs auf die „innere Kraft“ des Patienten. So wandte auch der berühmte Psychoanalytiker Sigmund Freud (1856-1939) in seiner Anfangszeit die Hypnose an, gegen die er sich auch später nie ausgesprochen hatte. Doch er verlor das Interesse daran, als er die Psychoanalyse entdeckte und sich voll dieser neuen Technik widmete. So verfiel die Hypnosetherapie gewissermassen in einen „Dornröschenschlaf“. Erst in neuerer Zeit erwachte sie wieder zum Leben, wird akademisch zwar in der Schweiz nicht als eigenständige Therapie nach FSP-Richtlinien anerkannt, jedoch ihre Prinzipien finden in anderen Therapieformen wie z.B. der Verhaltenstherapie, teilweise ihren Niederschlag.
Ein wichtiger Wegbereiter zur Anerkennung der Hypnose war in Amerika der Arzt und Psychiater Milton Erickson (1901-1980). Allein durch das Erzählen von Geschichten brachte Erickson seine Patienten dazu, in Trance zu gehen. Auch in der Schweiz gibt es eine auf seinen Ansätzen basierende Ausbildung. Die Ausbildung ist aber (noch?) nicht krankenkassenanerkannt, wenn jemand nicht vorgängig eine der vierjährigen Ausbildungen in einer klassischen Therapieform absolviert hat.
Hypnose bedeutet griechisch Schlaf, ist aber nicht mit diesem gleichzusetzen, jedoch auch nicht mit einem normalen Wachzustand. Der Körper ist entspannt, die Wahrnehmung eingeengt und auf eine bestimmte Sache gerichtet, wie z.B. in einem Tagtraum oder beim Lesen eines spannenden Buches. Die Wirksamkeit der Hypnosetherapie ist wissenschaftlich gut belegt. Ob die Hypnose die gewünschten Erfolge erzielt, ist hauptsächlich von der inneren Einstellung des Hypnosanden und von dessen Vertrauen in den Hypnotiseur abhängig. Wobei es hier auch auf die unbewusste Erwartungshaltung ankommt. Hierzu im folgenden mehr:
Das Unterbewusstsein spielt bei der Hypnose eine zentrale Rolle. Es ist viel machtvoller als unser rationales Bewusstsein. Schon deshalb, weil es unabhängig vom Bewusstsein alle lebenswichtigen Organfunktionen steuert. Wesentlich für unsere Psyche ist dabei: Das Unterbewusstsein kennt kein „logisches“ Denken und keine Verneinung. Es nimmt negative wie positive Vorstellungen, die das Bewusstsein ihm „schickt“, gleichermassen an. Aber es wirkt auch auf das Bewusstsein zurück: Im negativen Fall einer psychischen Traumatisierung bilden sich wiederkehrende destruktive Muster, die sich immer tiefer im Unbewussten und damit auch im Bewusstsein eingraben und so unsere Lebensqualität beeinträchtigen. Diesen Kreislauf versucht man mit der Hypnose-Therapie zu durchbrechen: Wichtig ist dabei das sich Finden im „Hier und Jetzt“, das Loslassen alter Muster und somit das Offenwerden für neue positive Vorstellungen.
- Im Wachzustand befinden sich die Frequenzen unserer Gehirnwellen normalerweise im Betazustand: 14-21 Impulse/Sek.
- Wenn wir uns entspannen, z.B. durch sanfte Musik, autogenes Training, Yoga oder Hypnose, dann verlangsamen sich die Gehirnwellen und sinken in den sogenannten Alphazustand: 7-14 Impulse/Sek.
- Bei leichtem Schlaf sind wir im Thetazustand: 4-7 Impulse/Sek.
- Im Tiefschlaf schliesslich sind wir im Deltazustand: unter 4 Impulse/Sekunde.
Bei Aufregungen kann sich die Gehirnwellenfrequenz erhöhen bis auf 50 Impulse pro Sekunde, was (siehe enger Zusammenhang des Unbewussten mit den Körperfunktionen) auch die Gesundheit massiv gefährdet und sogar akut lebensgefährlich werden kann.
In der Hypnosetherapie wird zuerst das aktuelle Anliegen mit dem Klienten besprochen. Diese Anliegen können sehr unterschiedlich sein, z.B. ein gesundheitliches Problem, Angst vor dem Zahnarzt oder andere Ängste betreffen. Oft handelt es sich natürlich um psychisch belastende Lebensumstände. Mit einer entspannenden Einleitung wird der Alphazustand herbeigeführt. Dann erst werden die zuvor besprochenen positiven Suggestionen gegeben, weil die Empfänglichkeit des Unbewussten im Alphazustand besser ist. Ziel: Die positiven Suggestionen sollen nachhaltig auf die bewusste Lebensführung zurückwirken, Stress abbauen und positives Denken in der Gegenwart fördern, das auch in die Zukunft hineinwirkt.