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ein neuer Teerfarbstoff für Braunrot auf
Wolle an Stelle der
Orseille;
ist sehr echt
und soll angeblich aus
Naphtylamin bereitet werden und zu den Azofarben gehören: man erhält den Farbstoff als dunkelrotbraunes
Pulver, das sich in Wasser mit einer dem Bordeauxwein ähnlichen Farbe löst. B. ist, sofern es nicht zu Malerfarben weiter
zubereitet ist, zollfrei.
(Boraxsäure,Bortrioxyd, Sedativsalz;acidum boracicum, sal sedativum); eine anorganische
Säure, besteht aus dem Element Bor (Borium,Boron, Boracium) und Sauerstoff. Das Bor bildet keinen Handelsartikel, findet
sich auch nicht unverbunden in der Natur, man erhält es künstlich als dunkelgrünlichgraues, amorphes Pulver. Das was man
bisher als kristallinisches B. (graphitartiges Bor, Bordiamanten) bezeichnete, ist nach neueren Untersuchungen
kein reines B., sondern sind Verbindungen von
Aluminium mit Bor; die sogenannten Bordiamanten enthalten außer diesen Elementen
auch noch Kohlenstoff; sie besitzen eine ganz erstaunliche Härte, die der des
Diamantes mindestens gleichkommt.
Die Borsäure findet sich in der Natur teils als Borsäurehydrat, in kleinen kristallinischen Schüppchen, Sassolin genannt,
teils in Verbindung mit verschiedenen Basen, namentlich Natron (als
Borax oder Tinkal), mit
Kalk (als Borocalcit) und
Magnesia
(als Boracit und Staßfurtit). Diese Mineralien werden auch da, wo sie sich in größerer Menge finden, auf
Borax (s. bei
diesem) und Borsäure verarbeitet, so der Staßfurtit oder fein kristallinische Boracit in Leopoldshall
bei Staßfurt.
Ferner kommen nicht unbedeutende Mengen von Borocalcit und Boronatrocalcit (Tiza), ein natronhaltiger borsaurer
Kalk, aus
Südamerika, der Westküste Afrikas und Neuschottland nach England und Hamburg, dort auch Boraxkreide genannt. Ferner hat
man im Jahre 1875 bei Sussurlo in der Nähe der Stadt Panderma am Marmorameere bedeutende Lager von Borocalcit
entdeckt;
das Mineral
geht bereits zur Verarbeitung nach Schottland.
Ein großer Teil von B. wird endlich aus den Borsäurelagunen im ehemaligen
Toskana gewonnen. Die B. hat nämlich die Eigentümlichkeit, mit den Wasserdämpfen sich zu verflüchtigen,
wogegen sie
für sich trocken erhitzt erst in der größten Weißglühhitze verdampft. In jener Gegend führen die der
Erde
entströmenden heißen Wasserdämpfe etwas B. mit sich (circa 0,1%), die man dadurch gewinnt, daß man diese Dämpfe in mit
Wasser gefüllte Bassins leitet. Die Produktion daselbst soll 1½ Millionen Kilo jährlich betragen.
Auch sammelt man circa 2500 kg B. jährlich an den Kraterwänden der Insel Volcano. Die gesamte italienische B.produktion
wird auf 2½ Millionen Kilo jährlich angegeben, doch ist das Produkt meist noch sehr unrein. - Aus den Staßfurter Gruben
wurden 1878: 51600, 1879: 104250 kg Boracit gefördert, letztere im Werte von 36046 Mk. -
Die gewöhnlich im Handel vorkommende B. ist stets wasserhaltig, d. h. sie ist Borsäurehydrat;
man erhält sie in kleinen, weißen, schwach perlglänzenden, sich fettig anfühlenden Kristallschüppchen ohne Geruch, von
schwach bitterlichem Geschmack;
in Wasser ist sie schwer und in geringer Menge löslich, ihre Lösung rötet
Lackmus nur schwach,
bräunt aber Kurkumapapier. In
Alkohol löst sich die B. auch nur in kleiner Menge auf, die Lösung brennt mit intensiv grüner
Flamme.
Beim Erhitzen schmilzt die B. und verliert ihr Kristallwasser; man erhält dann nach dem Erkalten eine durchsichtige,
glasähnliche Masse, die glasartige oder wasserfreieBorsäure oder das Borsäureanhydrit. Verwendung
findet die B. wie der
Borax zu Glasuren und Emaillen, ferner zum Tränken von Kerzendochten, selten noch zu medizinischen
Zwecken. Von ihrer Benutzung als Konservierungsmittel (Aseptin) für
Milch,
Fleisch u. s. w. ist abzuraten. Von den Verbindungen
der B. mit Basen bilden Handelsartikel: das sauere borsaure Natron (s.
Borax) und dasborsaureManganoxydul
(Manganborat,Manganum boracicum);
letzteres ist ein weißes, in Wasser unlösliches Pulver, welches als sehr gutes Siccativ
(Trocknungsmittel) für Leinölfirniß verwendet wird.
Das borsaureChromoxyd hat man ferner unter dem Namen PannebiersGrün
als unschädliche grüne Malerfarbe empfohlen. Borsäure ist, ebenso wie die vorgenannten Verbindungen mit B. zollfrei.
(Schweinsborsten, fr. soies de porc, engl. Hoy's
bristles); sind die
Haare des Schweins, sie haben für viele technische und häusliche Zwecke eine wichtige Bedeutung, um
so mehr, als es ein recht vollgültiges Ersatzmittel für dieselben gar nicht gibt, wenigstens was die eigentliche auf Rücken
und Nacken des Schweines gewachsene Ware, die Kammborsten, anlangt. Der Borstenhandel bildet daher auch
einen ganz bedeutenden, weitgreifenden und stets animierten Handelszweig. Die meisten B. kommen begreiflich vom Hausschwein;
wilde bilden eine Sorte für sich. Aber soweit wie das Schwein sind die guten B. lange nicht verbreitet; solche wollen vielmehr
nur in den nördlichen und östlichen Ländern gedeihen, während in der andern Richtung starkes elastisches
Gewächs nicht vorkommt, sondern nur noch Material für weiche Bürstenwaren, Pinsel und dergl.
England hat gar keinen Ertrag an Borsten, da es seine alten
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mehr
Landschweine hat aussterben lassen und die jetzigen durch künstliche Zucht erzeugten Tiere fast nackt sind. Die besten, d. h.
stärksten, längsten, spannkräftigsten B. kommen sonach aus Rußland und Polen;
auch die rumänischen sind geschätzt;
die norddeutsche und ungarische Ware ist mittelgut;
Frankreich, England, selbst Amerika müssen starke B. einführen und
beziehen große Mengen über den deutschen Markt.
Ein großer Teil der Ware passiert die Leipziger Messen,
soweit dieselbe nicht von den Ost- und Nordseehäfen per Schiff weiter westlich spediert wird. Die Fässer, welche den B. zur
Emballage dienen, sind mitunter von imposanter Große, und wenn man weiß, daß ½ k bester Sorte etwa
7,50 Mk. kostet, so läßt sich in einem solchen Frachtstück leicht ein Wert von 3000 Mk.
annehmen. Sehr wesentlich bei dieser Ware ist das Sortieren, nicht bloß nach dem Standort am Tier, sondern noch nach mancher
andern Rücksicht. Es gibt daher zahme und wilde, Winter- und Sommer-, lebende und tote Ware, d. h.
von geschlachteten und von gefallenen Schweinen.
Das im Winter geschlachtete Vieh gibt viel kernigere Ware als die im Sommer erhaltene; ferner ist die kalt ausgeraufte besser
als die, welche durch Abbrühen oder durch Kalkbeize losgemacht wird. Die ersten Aufkäufer erhalten von den Fleischern natürlich
den ganzen Hautbesatz. Durch Kämmen wird hiervon zunächst das Wollhaar abgesondert, das Übrige erst
nach der Farbe und jede Farbe wieder für sich in drei Sorten geschieden. Der Bürstenfabrikant muß dann noch gründlicher
reinigen und sortieren lassen nach Länge und Kürze, Steifheit und Weiche.
Gereinigt und geschönt werden die B. je nachdem durch Waschen mit heißem Alaunwasser, mit Seife, durch
Aussetzen an die Sonne oder durch eine Bleiche in wässriger, schweflicher Säure. Nicht alle nehmen die Weißbleiche an,
die russischen sehr gut, sie werden dadurch auch glänzend und behalten ihre Elasticität; von den weißen werden noch für
Luxuswaren manche gelb, rot u. s. w. gefärbt. Die mißfarbigen und
scheckigen können nur noch durch Schwarzfärben veredelt werden. In den Handel kommt die Ware teils nur oberflächlich gereinigt
und sortiert (Rauhborsten), teils geschieden als Schuster-, Bürstenbinder-, Pinselborsten, bald in Schachteln, bald in Packeten.
Die weißen sind die teuersten, schwarze von guter Beschaffenheit haben aber auch einen höhern Wert.
Graue, rote, braune u. s. w. gehen zusammen als melierte. Das Reinigen, Zurichten und Sortieren
der B. für die verschiedenen Zweige der Verwendung und nach dem Geschmack der Abnehmer in den Westländern gibt in mehreren
deutschen Städten, wie Frankfurt a. d. O., Breslau, Hamburg, Wien, Nürnberg, vielen
Leuten Beschäftigung. Die Stacheln des Stachelschweins, die als verwachsene B. angesehen werden müssen,
benutzt man als Stahlfederhalter. Die Einfuhr von B. in das deutsche Zollgebiet betrug im Jahre 1878: 1658800 k brutto gegen 2105550
k in 1877, die Ausfuhr betrug 1398000 k gegen 1350600 k in 1877. Großbritaniens Einfuhr belief sich 1877 auf 2653460
engl. Pfund,
die Ausfuhr auf 98955 engl. Pfund. - B. sind zollfrei.
Die Waren daraus werden gemäß Tarif im Anhang No. 4 a und b verzollt.