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Der grösste Schweizer Konzern Vitol bemüht sich bei seinem Kohlegeschäft in Südafrika kaum um die Achtung der Menschenrechte und der Umweltstandards.
Südafrika ist besonders reich an Bodenschätzen: Mit dem Abbau von Platin, Gold, Kohle und Diamanten erwirtschaftet das Land 68 Prozent seines Exporteinkommens. Damit ist das Land auch für den Genfer Rohstoffkonzern Vitol interessant. Der grösste Schweizer Konzern und fünftgrösste Kohlenhändler weltweit hat sich die Abnahmerechte für zwei Kohleminen gesichert, die im Besitz des australischen Unternehmens Coal of Africa (CoaL) sind. Beide Minen befinden sich in der Region Limpopo, wo rund 60 Prozent der Früchte, Gemüse, Weizen und Baumwolle des Landes produziert werden.
Es steht viel auf dem Spiel
Die Minen sind derzeit nicht in Betrieb. Doch sollte der geplante Kohleabbau beginnen, drohen weiträumige Wasserverschmutzungen, hohe Gesundheitsbelastungen durch Kohlestaub, die Gefährdung des Mapungubwe-Nationalparks und die Zerstörung von mindestens 5600 Arbeitsplätzen. Dies hat eine Untersuchung von Brot für alle und ihrer Partnerorganisation vor Ort ergeben. Die betroffenen Gemeinschaften wurden nur ungenügend konsultiert, was bei Bauernfamilien, Dorfgemeinschaften und verschiedenen Umweltorganisationen massiven Widerstand ausgelöst hat. Vitol fühlt sich jedoch für die Folgen der Abbautätigkeiten nicht verantwortlich. Eine Sorgfaltsprüfung, wie sie die Uno-Leitprinzipien verlangen, hat das Unternehmen nicht gemacht. Die Einladung von Brot für alle, die Ergebnisse der Studie zu diskutieren, hat das Unternehmen bisher nicht angenommen.
Der Jahresumsatz von Vitol betrug 2014 rund 254 Milliarden Schweizer Franken. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandprodukt von Südafrika betrug im gleichen Zeitraum 345 Milliarden Schweizer Franken bei einer Bevölkerung von 54 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern.
Das Geschäft mit der Kohle
2014 war Vitol einer der fünf grössten Kohlehändler der Welt und verkaufte mehr als 30 Millionen Tonnen Kohle.
Minen in der Gemüsekammer
Bis zu 60 Prozent der Früchte, Gemüse, Fleisch, Korn und Baumwolle Südafrikas werden in der Provinz Limpopo produziert. Die Minenprojekte gefährden durch ihren Bedarf an zusätzlichen Landreserven und wegen Wasserverschmutzungen die Landwirtschaft.
6000 Stillgelegte Minen
In Südafrika gibt es rund 6000 stillgelegte Minen, viele davon verursachen noch immer und unkontrolliert massive Wasserverschmutzungen.
Das tut HEKS
In Südafrika
In Südafrika unterstützt HEKS die Bench Marks Foundation, eine 2001 von Erzbischof Desmond Tutu und dem Kirchenrat gegründete Stiftung, die sich unter anderem für die vom Bergbau betroffenen Bevölkerungsgruppen einsetzt. In ihrem «Monitoring Action»-Projekt lernen junge arbeitslose Menschen, Informationen und Beweismaterial zu sammeln und Wasserproben im Umfeld der Minen zu nehmen. Dieses Material dient dazu, Missstände bei den Konzernen und Regierung anzuprangern und sie aufzufordern, die Menschenrechte und Umweltschutzbestimmungen einzuhalten. Ausserdem lernen sie, ihre Berichte über Internet und Blogs öffentlich zu machen, um so Druck auf die Konzerne aufzubauen.
In der Schweiz
Für mehr Konzernverantwortung: HEKS engagiert sich aktiv in der Konzernverantwortungsinitiative. Sie fordert, die Einführung einer Sorgfaltsprüfungspflicht für multinationale Konzerne mit Sitz in der Schweiz, damit sie auch bei ihren Tätigkeiten im Ausland Menschenrechte und Umweltschutz einhalten.
Sorgfaltsprüfung für Rohstoffkonzerne: Zudem nimmt HEKS an einem vom Bund initiierten Prozess teil, der sich mit der Sorgfaltsprüfungspflicht für Rohstoffhändler befasst. Ziel ist die Entwicklung von Richtlinien, mittels derer sich Unternehmen vergewissern können, dass der Rohstoffabbau Menschenrechte und Umweltschutzbestimmungen nicht verletzt.
Öffentlichen Druck aufbauen: Und nicht zuletzt leistet HEKS Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit, um Vitol dazu zu bewegen, seine Sorgfaltsprüfung besser wahrzunehmen.