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Zeichnungen: Schule für Holzbildhauerei Brienz
Hausdächer fallen auf und sind prägend für ganze Regionen. Sie geben dem Haus seinen Charakter und oft auch gleich seinen Namen. So spricht man von Steil- und Flachdachhäusern oder von Walm-, Giebel- oder Pultdachhäusern.
Neben der Form des Daches spielt dessen Neigung eine wesentliche Rolle. Es gibt flachere, also schwach geneigte Dächer, und steile, wobei es auch Zwischenformen geben kann. Die Neigung wurde häufig durch die vorhanden Materialien definiert. So kann man Stroh nicht auf ein schwach geneigtes Dach legen, der Regen würde zu wenig rasch abfliessen, der Belag wäre zu lange feucht und würde schnell faulen. Demgegenüber rutschen aufs Dach gelegte Schindeln oder Steinplatten ab, wenn es zu steil ist. Auch die technischen Fortschritte hatten Einfluss auf die Dachformen. Erst als im 17. Jahrhundert die billigen Eisennägel erfunden wurden, war es möglich, Schindeln auch auf steilen Dächern zu fixieren. So lösten im voralpinen Raum eindrucksvolle Steilgiebel langsam die ursprünglich schwach geneigten ‘Tätschdächer’ ab.
Steile Dächer galten auch als vornehmer und hatten den Vorteil, mehr Estrichraum und Kammern zu ermöglichen.
Das Sattel- oder giebeldach
Die am meisten verbreitete Dachform ist das Sattel- oder Giebeldach. Am obersten Punkt und in der Gebäudemitte liegt die First auf der Wand auf. Von ihr zieht links und rechts eine Dachhälfte hinunter wie ein Zelt.
Das WAlmdach
Das Walmdach kam ursprünglich vom Norden und verbreitete sich vor allem im nördlichen Jura und im Mittelland. Diese Dachart hat zusätzlich zu den zwei traufseitigen Dachflächen an jeder der Stirnseiten des Hauses auch je ein Dach. Diese sind im Gegensatz zu den zwei viereckigen Seitenflächen allerdings dreieckig. Die vier Dachflächen, auch Schilde genannt, neigen sich beim Walmdachhaus gegeneinander. Der First ist daher kürzer als die Traufe. Berühren sich die vier Dachflächen in einer gemeinsamen Spitze, so nennt man es auch Zeltdach.
Oftmals wurden Walmdächer mit Stroh gedeckt. Strohdächer bedeuten aber einen regelmässigen Unterhalt und so wurde später häufig das Stroh mit Ziegeln ersetzt.
Der Vorteil eines Walmdaches ist der Windschutz von allen Seiten, es lässt jedoch kaum Licht in die darunter liegenden Stuben und Kammern.
Das Krüppelwalmdach
Da das Walmdachhaus kaum Licht in die Wohnräume liess, begann man auf den Giebelseiten die Schilde zu kürzen. So entstanden die Halbwalm- und Krüppelwalmdächer. Das abgeschrägte und verkürzte Giebeldach ist nicht vollständig abgewalmt, also verkrüppelt. Die Krüppel können unterschiedlich groß und verschieden geneigt sein.
Ein besonderes Element ist die Ründe, eine halbrunde Verschalung auf der Giebelseite. Diese Modeerscheinung trat erstmals im 17. Jahrhundert an bernischen Bürgerhäusern auf, drang aber auch in die voralpinen Landschaften des Emmentals und anderer Alpentäler ein. Zwei schöne Beispiele sieht man am Taunerhaus in Vinelz und am Alten Pächterhaus in Hasle.
Das Pultdach
Anders das Pultdach: Dem hochgeklappten Deckel eines Pultes ähnlich liegt eine einzige Dachfläche schräg auf dem Gebäude. Pultdächer sind seltener, wir finden sie auf ländlichen Gewerbebauten wie Sägen und Mühlen, auch auf Kleingebäuden wie Remisen und Schweineställen. Im Gebirge sind Pultdächer eine Vorsorge gegen Lawinenschäden: der zerstörerische Luftdruck und die schwere Schneemassen donnern über die Pultdächer in Hangneigung hinweg.
Das Flachdach
Flachdächer gibt es seit der Antike. Außerhalb der europäischen Bautradition gehören Flachdächer von Indien über die arabischen Länder bis zu den Pueblos zur traditionellen Bauweise, wobei die Dächer oft als Dachterrassen genutzt werden.
Erst nach dem Ersten Weltkrieg fand das Flachdach auch seinen Weg nach Europa und es entbrannte eine hitzige Diskussion zwischen Vertretern des Neuen Bauens bzw. des Bauhauses und der konservativen Heimatschutzarchitektur. In den 1950er Jahren setzte sich das flache Dach endgültig durch.
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum Ballenberg. Auf dem Ballenberg werden Gebäude aus ländlichen Gegenden der Schweiz ausgestellt und erforscht, die der rasanten Bauentwicklung der 1960-80er Jahre weichen mussten. Das Freilichtmuseum trägt einen wichtigen Teil zur Erhaltung historischer Bausubstanz und der Vermittlung von Baukultur bei.
Quellen und weitere Informationen: Schweizer Bauernhäuser, Max Gschwend und Museumsführer Museum Ballenberg.