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Aurelia Becker: Schriftstellerin, Philosophin und Bloggerin.
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Onkel Férnand
04. Okt, 2019
Grossmutter lud Onkel Férnand mit seiner neuen (deutschen) Freundin zum Mittagessen ein. Es ist Nachkriegszeit und sommerheiss. Auf der Veranda serviert sie ein Fondue. Die Gäste neigen eher zum Wein denn zum Käse. Das Geschmolzene beäugt die Deutsche argwöhnisch. Nach kurzer Zeit sieht sie weisse Mäuse. Der Grossvater, ein bekannter Arzt, weiss damit umzugehen. Onkel Férnand verlustiert sich derweil im Garten. Pitschnass mit einer Blume im Haar kehrt er zurück: "Zut alors, vous avez une piscine dans le jardin?!"
Eröffnung des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Voller Saal. Zwei Toiletteneingänge. Einer bebildert mit Kloschüssel und Pissoir, der andere mit einer Kloschüssel. Vor der Kloschüsseltüre eine lange Frauenschlange. Drinnen zwei Toiletten. Ich öffne die Türe hinter dem Kloschüssel-Pissoir Schild. Es kommen vier Urinale und dahinter eine Toilette – mit abschliessbar Tür. Alles leer. Ich setzt mich auf die Schüssel. Als ich die Tür aufschliesse, steht ein verdutzter Mann vor mir. Ich murmle Entschuldigung und schleiche ab.
Mama rauchte Kent Box. Dann Select und später Barclay. Sie sammelte die Tabakgutscheine, die der Discounter jahrelang zu jeder Stange Zigaretten mitlieferte. Sie wäre reich geworden, hätte der Supermarktkonzern den Prozess gegen den Staat gewonnen.
Nach dem verlorenen Gerichtsurteil lancierte die Ladenkette eine Eigenmarke. Mama sattelte um, kaufte jetzt die Billigsten. Jahrelang. „Lieber sterbe ich, als dass ich mit dem Rauchen aufhöre“.
Obwohl sie schon lange keine Lust mehr zum Rauchen verspürte, hatte sie bis zum Schluss immer eine Schachtel Denner-Billigmarke-Zigaretten mit dabei. Immer. Auch im Krankenhaus als sie starb.