Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03284.jsonl.gz/1606

Die wirtschaftliche Situation der 13örtigen Eidgenossenschaft war zu Beginn des 16. Jahrhunderts durch einen entscheidenden Strukturwandel geprägt.
Die Landwirtschaft profitierte von der anhaltenden Wärmeperiode, die zwischen dem 10. und dem frühen 16. Jahrhundert den Getreidebau bis in Höhen von 1400 Metern zuliess. Zwei grosse Pestzüge hatten zwar viele Menschen dahingerafft, sie brachten aber durch den Tod vieler gebrechlicher Personen auch eine — wenn auch makabre — soziale Entlastung.
Die Bauern der Innerschweiz betrieben vorwiegend Viehzucht und belieferten die norditalienischen Märkte und die nahen Städte mit Rindern und Pferden. Der Getreidebau war im 15. Jahrhundert hingegen stark zurückgegangen. Wichtige Erwerbszweige waren ausserdem die Säumerei über die Alpenpässe, der Handel und der Solddienst. Einzelne Familien brachten es dabei zu erheblichem Besitz.
Das heutige Mittelland war im Umbruch. Die aufstrebenden Städte mit ihrem selbstbewussten Bürgertum hatten weite Gebiete in ihren Besitz gebracht. Viele ehemalige Burgherren hatten ihren Wohnsitz in die Stadt verlegt und pflegten dort einen aufwendigen Lebensstil. Um ihn bezahlen zu können, hatten sie Stück für Stück ihres Grundbesitzes und ihrer Rechtstitel an die Stadt veräussert und gingen oft im städtischen Patriziat (= Führungsschicht) auf. Viele Bauern nahmen freiwillig oder gezwungenermassen in der Stadt Wohnsitz.
Die Städte waren an der Entwicklung des Handels interessiert. Zahlreiche Gewerbe durften nur in der Stadt ausgeübt werden. Um das Einkommen zu sichern, waren die Handwerker auf entsprechende Absatzgebiete und auf den damit verbundenen Handel angewiesen. Ausserdem sicherten sich die städtischen Handwerksmeister den beruflichen Nachwuchs, indem sie als erste auf die Einschränkung, ja gar auf die Abschaffung des Söldnerwesens drängten.
Durch das Reislaufen (= fremde Kriegsdienste) gingen den Zünften gut ausgebildete Gesellen verloren, die das abenteuerliche und besser bezahlte Söldnerleben dem bescheidenen Verdienst im städtischen Handwerk vorzogen. Zudem gewöhnten sich die aus dem Solddienst zurückgekehrten Haudegen nur mehr schwer an ein ruhiges, gesittetes Stadtleben. Der rasch verdiente Sold schwand im Zusammensein mit Dirnen und beim Trinken meist ebenso rasch dahin.
Die Sösldner brachten aber auch Eindrücke aus fernen Ländern mit nach Hause, und da die Reisläufer ihren Solddienst gemeinsam mit Eidgenossen aus verschiedenen Gebieten leisteten, erwachte unter ihnen erstmals so etwas wie ein Zusammengehärigkeitsgefühl. Die eidgenössischen Söldner standen in dieser Zeit so hoch im Kurs, dass sich die kriegführenden Parteien immer wieder um Soldverträge mit den Eidgenossen bemühten. Als Beispiel: der Vertrag mit Frankreich von 1516, der sog. «Ewige Friede». Zusätzlich zu solchen Soldverträgen wurden oft vorteilhafte Handelsverträge abgeschlossen.
Das Söldnerwesen wurde erst durch einen Beschluss der Bundesversammlung vom 30. Juli 1859 endgültig verboten.