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* 14.02.1830 in Grellingen
– † 22.07.1898 in Sarajewo
Beruf: Arzt, Publizist
Heimatort: Delsberg, Sarajewo
Sohn des Joseph Koetschet (Steuerinspektor, Bürgermeister) und der Madeleine, geborene Kaiser. Heirat mit Marie Ergelie Giustiniani. Ein Sohn.
Josef Koetschet wurde als Nachkomme einer niederländischen Patrizierfamilie in Grellingen geboren. Zunächst besuchte er das Jesuitengymnasium La Chapelle im Elsass. 1848 erlebte er die Revolution auf einer Reise nach Strassburg. Im selben Jahr begann er ein Medizinstudium in Bern, kam jedoch 1851 mit der Kantonalregierung in Konflikt, da er einen aktiven Part innerhalb der Bewegung der freisinnigen Studenten innehatte. Koetschet führte seine Studien in Heidelberg, Wien und Paris fort, kehrte 1853 in die Schweiz zurück und schloss 1855 mit einem Doktorat in Bern ab. Als 1853 der Krimkrieg zwischen Russland und dem Osmanischen Reich ausbrach, meldete sich Koetschet als Arzt in den Dienst der türkischen Armee. Von Konstantinopel aus ging er nach Skutari in Albanien, wo er die Leitung des Garnisonshospitals übernahm. Kurze Zeit später wurde er als Chefarzt der tunesischen Hilfstruppen in den Kaukasus versetzt. Koetschet stieg während des Kriegs zum Corps-Chefarzt der türkischen Donauarmee auf, wurde Leibarzt und Sekretär des ottomanischen Heerführers und Staatsmanns Omer Pascha und begleitete diesen 1861 nach Herzegowina und von 1864 bis 1867 nach Tunesien. 1863 wurde Koetschet zum ersten Stadt- und Polizeiarzt von Sarajewo ernannt. In dieser Funktion widmete er sich vor allem der ärmeren Bevölkerung. In Sarajewo eröffnete er 1866 das erste Zivilkrankenhaus aus Spenden einer muslimisch-religiösen Stiftung. Dieses Krankenhaus wurde 1894 zur ersten Psychiatrischen Klinik in Bosnien. Am Bau eines neuen Landeskrankenhauses war er ebenfalls beteiligt. Koetschet arbeitete neben seiner Tätigkeit als Arzt auch als Sekretär und Dolmetscher und war ein einflussreicher Berater der türkischen Generalgouverneure in Bosnien. Das Spektrum seiner politischen Tätigkeit war vielfältig: Es reichte von der Schlichtung lokaler Konflikte bis zur Beteiligung an territorialen Abgrenzungskommissionen mit Serbien und Österreich. Seine Erinnerungen an die Ereignisse in Bosnien und Herzegowina von 1863 bis zur Okkupation schrieb Koetschet zunächst auf Französisch nieder. Dieses erste Manuskript fiel 1875 einem Brand zum Opfer, weshalb er seine Memoiren 1890 in einer zweiten Version auf Deutsch verfasste.
Autorin: Manuela Nipp
De la désarticulation médio-tarsienne. Thèse inaugurale présenté à la Faculté de Médicine de Berne par Joseph Koetschet Docteur en Médecine. Bern 1855.
Aus Bosniens letzter Türkenzeit. Osman Pascha, der letzte grosse Wesier Bosniens und seine Nachfolger. Wien 1905.
Boschung, Urs: Koetschet, Josef. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D46486.php, Zugriff: 02.07.2014.
Fränkel, Ludwig: Koetschet, Joseph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (1906), S. 352–354. URL: www.deutsche-biographie.de/pnd136323618.html?anchor=adb, Zugriff: 02.07.2014.
Grassl, Georg: Einleitung Biographie Josef Koetschet. In: Aus Bosniens letzter Türkenzeit. Osman Pascha, der letzte grosse Wesier Bosniens und seine Nachfolger. Wien 1905, S. V–VII.
Levental, Zdenko: Josef Koetschet – ein Schweizer in ärztlichen und diplomatischen Diensten der Türkei. In: Gesnerus 35, Aarau/Frankfurt am Main/Salzburg 1978, S. 79–86.