Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03400.jsonl.gz/1009

«Mildes Wesen und gewinnende Bescheidenheit, unermüdlicher Seeleneifer und hohe Begeisterung für die Wissenschaft, echte Frömmigkeit und opferfreudige Liebe zur Kirche.» So umschreibt ein Biograf laut Karl Steiger das Wesen von Joachim Opser zusammen. Steiger seinerseits war ein Geistlicher, der sich mit historischen Wiler Ereignissen und Persönlichkeiten beschäftigte und darüber publizierte.
Von St. Gallen nach Wil
Joachim Opser kam um 1548 in Wil zur Welt. Seine Lebenszeit fällt in die Renaissance. Sein Vater Michael war ursprünglich Bürger von St. Gallen. In der Zeit der reformatorischen Spannungen zog er nach Wil um, damit er hier ungehindert seinen Glauben leben konnte. Er wurde fürstlicher Kanzler und er erwarb das Wiler Bürgerrecht.
Begabter Schüler
In der Klosterschule St. Gallen fielen die besonderen Geistesgaben des jungen Joachim auf. So kam er zur weiteren Ausbildung an die Jesuitenuniversität nach Dillingen in Bayern. Auf Vermittlung des damaligen Fürstabtes Otmar Kunz konnte der junge Opser danach im Kollegium in Clermont in Paris studieren. Dort wurde er Zeuge eines Blutbades an den Protestanten, den Hugenotten. Dieses Ereignis ging als Bartholomäusnacht in die Geschichtsbücher ein. In Briefen berichtete Opser davon.
Auch Schweizer Söldner waren an diesem Gemetzel beteiligt. Einer von ihnen, Konrad Bürg, stand zuvor in den Diensten des Hof zu Wil.
Als späterer Fürstabt verbot Joachim Opser 1588 Söldnerdienste, weil er verhindern wollte, dass unter Umständen Schweizer gegen Schweizer kämpfen mussten.
Rhetorisches Talent
Opser galt als begabter Prediger. Dank seines rhetorischen Geschicks konnte er zahlreiche Menschen nach der Reformation für die katholische Kirche zurückgewinnen. Alleine im Toggenburg soll er 300 Personen vom alten Glauben überzeugt haben.
1577 wurde Opser zum Abt ernannt. Seine Amtsperiode fiel in die Zeit des Konzils von Trient. Dessen Thema war die Reaktion der katholischen Kirche auf Reformation, die sogenannte Gegenreformation. Eine Folge war eine Straffung der Sitten in der Kirche. Beispielweise wurde der Ablasshandel abgeschafft, und es wurden zusätzliche Priesterseminare zur besseren Ausbildungen von Geistlichen eingerichtet.
Ein- und Austritte
Als Klostervorsteher bemühte sich Opser um die Durchsetzung der Beschlüsse des Konzils. So entliess er etwa im Konkubinat lebende Priester. Gleichzeitig wuchs die Gemeinschaft, in seiner Amtszeit traten 24 Priester sowie 5 Brüder ins Kloster ein.
Jüngere Klostermitglieder entsandte er nach Dilligen, Paris und Rom zur Ausbildung. As Folge davon wurden gut ausgebildete St. Galler Mönche als Reformer in verschiedene auswärtige Klöster berufen.
Falsche Anschuldigungen
Dass Joachim Opser eine strenge Disziplin im Klosterleben durchsetzen wollte, stiess nicht nur auf Akzeptanz. 1590 beklagte sich ein Teil der Mönche, der Fürstabt führe einen ungebührenden Lebenswandel, während er von den Mönchen strenge Askese einfordere.
Die durch den päpstlichen Botschafter 1579 eingeleitete Untersuchung konnte diese Vorwürfe nicht erhärten. Dennoch musste der Klostervorsteher seine Zügel etwas lockern; es kam zu einem Vergleich zwischen dem Abt und den widerständigen Mönchen.
Für Kritik am Abt seitens der Mönche sorgte auch der Verkauf von Klostergütern in Wangen im Allgäu sowie in Neu-Ravensburg. Hintergrund war eine Verschlechterung der Finanzlage des Klosters als Folge der grassierenden Pest.
Pestwelle
Die Seuche breitete sich 1594 auch in St. Gallen aus. Vorsorglich schickte der Opser einen Grossteil der Mönche an einen sicheren Ort, namentlich ins Schloss Schwarzenbach sowie ins Kloster St. Johann.
Er selber blieb vor Ort und «übernahm das Predigeramt und die Messfeier, um so seinem Volke auch in der Gefahr ein Helfer und Tröster zu sein», schreibt Karl Steiger.
Am 24. August 1594 brach Opser während einer Predigt auf der Kanzel zusammen; er verstarb wenige Stunden später. Die einen Quellen benennen die Pest als Todesursache, andere schreiben von einem Schlaganfall, den er erlitten habe. Der Fürstabt wurde in der Stiftskirche beigesetzt.
Joachim Opser galt nicht nur als sehr geistreicher und gebildeter Mann, er scheint auch sehr charismatisch gewesen zu sein. Karl Steiger zitiert den Wiler Statthalter Jost Metzler, der noch nie einen Menschen gesehen habe, von dessen Persönlichkeit ein grösserer Zauber ausging.