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Aktualisiert: 4. März
Endometriose - Das Chamäleon in der Gynäkologie Frauen, die unter der chronischen Erkrankung "Endometriose" leiden, haben meistens eine Odyssee an Arztbesuchen hinter sich und kennen die Phasen sehr gut, in denen sie wie ein Häufchen Elend im Bett liegen. Daneben befinden sich stets die Schmerzmittel und Wärmflasche. Man geht davon aus, dass etwa jede zehnte Frau von dieser Erkrankung betroffen ist. Ungefähr ein Drittel davon leiden unter massiven Schmerzen. Diese können bis zur Ohnmacht führen oder sich sogar wie Geburtsschmerzen anfühlen. Bei der Endometriose siedelt sich Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter an. Normalerweise baut die Gebärmutter in jedem Zyklus auf der Innenseite Schleimhaut auf, um sich auf eine befruchtete Eizelle vorzubereiten. Erfolgt keine Schwangerschaft, wird die Schleimhaut abgestossen und es kommt zur Menstruation. Bei der Frau mit Endometriose scheinen sich die Endometriumzellen verirrt zu haben und siedeln sich zum Beispiel auch an den Eierstöcken, im Becken oder am Darm an und verursachen dadurch, dass die Menstruation auch ausserhalb der Gebärmutter stattfindet. Hat sich die Schleimhaut in die Gebärmuttermuskulatur verirrt, spricht man von einer Adenomyose. Weitere Erklärungsversuche sind, dass sich Stammzellen an einem falschen Ort zu Endometriumzellen entwickelt haben oder es wurden lose Zellen über das Blut an andere Körperstellen verschleppt. Endometriose ist eine Krankheit, deren Entstehung noch nicht gut erforscht ist. Ich habe versucht, die wichtigsten Merkmale zu beschreiben:
Die Ursache der Endometriose ist noch unbekannt. Zu einem gewissen Grad ist sie erblich, aber es spielen noch weitere Faktoren eine Rolle. Soweit man weiss, lässt sich einer Endometriose nicht vorbeugen.
Die Schmerzen treten zyklisch auf (häufig einen Tag vor der Menstruation und halten zum Teil bis einige Tage nach der Menstruation an). Die Verwachsungen und Narben können auch zyklusabhängige Beschwerden auslösen. Dumpfe und chronische Schmerzen im Genitalbereich Schmerzen können sich auch an ganz anderen Stellen zeigen. Wenn sich die Endometriose z.B. in der Nähe der Harnblase angesiedelt hat, kann es beim Wasserlassen weh tun. Die möglichen Entzündungen können Vernarbungen und Verwachsungen verursachen (die Blase kann mit der Gebärmutter verkleben, Eileiter und Eierstöcke können geschädigt werden usw.) Jede vierte Frau ist von einer ungewollten Kinderlosigkeit betroffen Druckschmerzen beim Geschlechtsverkehr Magen- und Darmbeschwerden sind häufig Therapie: Die Endometriose kann nur mittels einer Endoskopie festgestellt werden. Die Öffnung des Bauches und die Untersuchung mit der Kamera wird erst durchgeführt, wenn alle anderen Ursachen ausgeschlossen werden konnten
Bevor die Ärzte operieren, wird in der Regel anderweitig behandelt. Die betroffenen Frauen nehmen die Pille ohne Hormonpause ein oder haben eine Hormonspirale. Die Hormone verhindern, dass die Endometriumkolonien zum Bluten kommen. Ausserdem nehmen die meisten Frauen Medikamente gegen die Schmerzen und Entzündungen wie z.B. Ibuprofen ein. Die medikamentöse Behandlung reduziert zwar die Beschwerden, aber um eine wirkliche Beseitigung geht es nicht. Nach einer operativen Entfernung von Endometriumkolonien ist es oft so, dass sie wieder zurückzukehren. Deswegen wird nach der Operation eine Hormonbehandlung empfohlen.
In den meisten Fällen geht es darum, dass es bei der Behandlung um Symptombekämpfung geht und weniger um Heilung. Häufig verschwindet die Endometriose mit den Wechseljahren.
Quelle: Buch „Viva la Vagina“, Verlag S. Fischer, Nina Brochmann und Ellen Stokken Dahl
Interviev mit Nadine R.
29, die die Sonne, ihr Familie und Freunde, das Wandern, die Berge und Luna Yoga liebt. Für sie ist Bewegung heilsam. Seit ihrem 19. Lebensjahr weiss sie, dass sie an der Krankheit Endometriose leidet. Wie würdest du die Erkrankung "Endometriose" beschreiben? Es ist das Chamäleon der Gynäkologie. Sie ist unberechenbar, schwer zu fassen und individuell. Das Beschwerdebild der Endometriose ist vielfältig. Deswegen besteht die Gefahr, dass sie erst sehr spät erkannt wird. Der Schweregrad der Endometriose korreliert nicht immer mit der Stärke der Schmerzen. Zudem kann die Erkrankung – wie in meinem Fall – eine echte Berg- und Talfahrt sein. Welche Erfahrungen hast du auf deinem Endometriose - Weg gemacht? Im Alter von 12 Jahren bekam ich meine Menstruation. Von Beginn an war sie sehr schmerzhaft. Meine Mutter hatte sehr viel Verständnis für meine Situation. Für sie war es normal, dass die monatliche Blutung unglaublich weh tun kann. Einige Jahre später stellte sich auch der Grund für ihre Einstellung heraus. Nach unzähligen Untersuchungen wurde bei ihr die Krankheit Endometriose diagnostiziert. Dadurch bekamen wir den Hinweis, dass vielleicht auch ich unter dieser chronischen Erkrankung leiden könnte. Ich wechselte zum gleichen Gynäkologen, da meine vorherige Frauenärztin meine Beschwerden nie ernst genommen hat. Sieben Jahre nach den ersten Beschwerden, erhielt dann auch ich mit 19 Jahren die Diagnose: Endometriose. Wie ging es dann weiter? Mittels Bauchspiegelung wurde die Diagnose gestellt und bereits einige Endometrioseherde entfernt. Damals wusste ich noch gar nicht, was das für mein Leben bedeuten würde. Es begann meine bewusste Auseinandersetzung mit der Krankheit. Ich wusste dann zwar mit der Diagnose was ich habe und dass die Schmerzen nicht normal sind, aber es war dann eigentlich erst der Anfang der Odyssee mit etlichen Hormonpräparaten und Therapieversuchen. Wie würdest du deine Schmerzen beschreiben? Ich habe meist sehr stechende Schmerzen im Unterleib, also ob jemand mit dem Messer reinstechen würde. Auch kontrahiert die Gebärmuttermuskulatur während der Menstruation sehr stark. Es fühlt sich manchmal so an, also ob die Gebärmutter völlig durchdrehen und «ausbrechen» möchte. Auch der Rücken schmerzt ziemlich und am liebsten würde ich jeweils meinen Körper vom Bauchnabel abwärts abschneiden. Diese Schmerzen beginnen bereits 2-3 Tage vor der Mens und halten dann bis zu einer Woche an. An 2-3 Tagen sind sie so stark, dass auch starke Schmerzmittel nichts mehr nützen und ich nur noch mit meiner Wärmeflasche gekrümmt im Bett liegen kann. Dazu kommen auch meist noch Abgeschlagenheit, Magendarmbeschwerden und eine menstruationsassoziierte Migräne mit mehreren Attacken pro Monat. Wie sieht die medizinische Behandlung aus? Tatsächlich leide ich seit Jahren unter dem Dilemma, dass ich mich zwischen Pest und Cholera entscheiden muss. Gegen die starken Unterleibsschmerzen hat bei mir bisher eigentlich nur die Behandlung mit Visanne (meines Wissens das einzige Gestagen-Präparat, das spezifisch für die Endometriose zugelassen ist und welches den Menstruationszyklus unterdrückt, damit sich die Endometrioseherde nicht monatlich wieder entzünden können), wirklich geholfen. Das Problem ist aber, dass ich solche Hormonpräparate nur sehr schlecht vertrage. Meist verstärken sich neben den gängigen Nebenwirkungen nach einigen Monaten meine Migräne Attacken so extrem, dass ich die Präparate wieder absetzen muss. Das ist ein Teufelskreis, in dem ich mich schon seit vielen Jahren befinde und der mir sehr viel Energie raubt. Aus schulmedizinischer Sicht gibt es hier nicht wirklich eine Lösung. Schmerzen sind leider ein konstanter Bestandteil in meinem Leben.
Wie gehst du mit deiner Hilflosigkeit um? Das ist sehr unterschiedlich. An manchen Tagen ziehe ich mich heulend zurück und verzweifle fast. Oder ich bin traurig oder wütend. Frage mich immer wieder: "Warum muss ausgerechnet ich diese Krankheit haben?" Auch das Gefühl von "Zurückstecken müssen" geht an meine Substanz. Im Vergleich mit anderen nicht mithalten können und nicht das tun können, was ich gerne tun würde. Verabredungen absagen zu müssen, weil mein Körper es nicht zulässt. Die chronische Komponente der Krankheit finde ich eigentlich am Schlimmsten. Man ist nicht einfach wie nach einer Grippe nach ein paar Tagen wieder gesund. Die Schmerzen kommen meist alle zwei bis drei Wochen aufs Neue und in voller Wucht. Trotzdem versuche ich mich immer irgendwie wieder aufzuraffen. Ich bin ein Mensch, der neugierig und interessiert ist und gerne verschiedene Dinge ausprobiert. Durch meinen Entdeckergeist bin ich auch auf Luna Yoga und auf dich aufmerksam geworden. Darüber bin ich sehr froh. (Vielen, vielen DANK!!!). Auch die Berge und die Natur tun mir sehr gut. Ich bewege mich gerne draussen und schöpfe da neue Kraft. Was speziell spricht dich im Luna Yoga an? Ich geniesse deinen fürsorglichen Anleitungsstil. Luna Yoga ermöglicht mir auf dem Weg über den Körper, mich zu erden und zu entspannen. Ich schenke meinem Beckenraum mehr Aufmerksamkeit und beschäftige mich mit meinem Frausein. Ich lerne, fixe Rollenvorstellungen beiseitezuschieben und auf das zu hören, was mir gut tut. Die Wirkung des Luna – Yoga stärkt meine Selbstheilungskräfte und es macht mir einfach Spass. Was hast du auf deinem Weg lernen dürfen? Dass es wichtig ist, achtsam mit sich umzugehen und auf den eigenen Körper zu hören. Pausen einzulegen. Ausserdem habe ich mein Arbeitspensum reduziert. Ich habe gespürt, dass ich vermehrt Phasen der Regeneration und Erholung benötige. Ich nehme meine Bedürfnisse viel ernster als früher. Auch habe ich viel weniger das Gefühl, mich und meine Lebensumstände erklären zu müssen. Heute versuche ich mich öfters mit Menschen auszutauschen, die mich wirklich verstehen können.
Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern? Ich denke, dass es wichtig wäre, mehr Aufklärungsarbeit zu machen. In den letzten 1-2 Jahren hat es zwar glücklicherweise mal einige Berichte auch in den Medien gegeben, aber schlussendlich ist Endometriose eine Zivilisationskrankheit, die immer noch sehr unbekannt ist, obwohl jede 10te Frau (!) daran leidet. Und die Erkrankung darf auf keinen Fall verharmlost werden, da sie das Leben von betroffenen Frauen stark beeinträchtigen kann. Auch Forschungsarbeit ist nötig, damit neue Wege und Mittel gefunden werden, Betroffene besser zu unterstützen. Ein weiteres Thema, was mich auch immer wieder beschäftigt, ist Endometriose und die Arbeitswelt. Viele Frauen getrauen sich nicht ihrem Arbeitgeber zu erzählen, dass sie an Endometriose leiden, obwohl sie öfters bei der Arbeit fehlen. Das ist leider irgendwie immer noch ein Tabu-Thema. Grundsätzlich glaube ich auch, dass dem Thema Menstruation und dem weiblichen Zyklus zu wenig Beachtung geschenkt wird. Es wird als unangenehm oder sogar eklig empfunden. Auch diese Haltung sollte sich dringend ändern.
Gibt es noch was, was du loswerden möchtest? Ja, es gibt eine Aussage, die ich schon von mehreren Ärzten immer wieder gehört habe. Ich weiss, dass diese vermutlich nur gut gemeint ist, aber sie löst bei mir starken Druck und Verärgerung aus. Es ist der Satz: " Werden sie schwanger und das Problem löst sich auf natürliche Weise." Zum einen finde ich, dass Kinder kriegen keine Form von Therapie sein sollte und ausserdem haben Frauen mit Endometriose häufig Schwierigkeiten, überhaupt schwanger zu werden. Hier fehlt mir das Feingefühl gegenüber dem Widerspruch, mit dem sich die Frauen auseinandersetzen müssen, nämlich, dass eine Schwangerschaft helfen kann, aber diese teils nur erschwert möglich ist. Und dann haben ja auch nicht unbedingt alle Frauen den Wunsch nach einem eigenen Kind. Mich persönlich beschäftig zudem auch der Gedanke, dass ich die Endometriose auch weitervererben könnte, wenn ich eine Tochter bekommen würde. Diese Vorstellung tut mir weh, da ich diese Krankheit wirklich niemanden wünsche. (Tränen fliessen) Welche Therapien kannst du empfehlen? Ich habe bereits unzählige verschiedene Angebote ausprobiert und kann eigentlich nur sagen, dass jede Betroffene für sich selbst den Weg und die Therapie finden muss, der für sie passt. Für mich war schon immer relativ klar, dass ich einen möglichst ganzheitlichen Weg gehen möchte. Am liebsten würde ich wegen den vielen Nebenwirkungen gar keine künstlichen Hormone nehmen, aber das habe ich bisher leider noch nie zufriedenstellend geschafft. Die Schmerzen sind jeweils wieder so schlimm geworden, dass ich immer wieder zu Hormonen greifen musste um mal eine «Schmerzpause» zu erhalten. Ich denke jede Frau muss einen eigenen Weg finden, was für sie stimmig ist und was überhaupt vom eigenen Körper vertragen wird. Ich denke eine Kombination aus Schul- und Alternativmedizin und Bewegungsangeboten kann sicherlich sinnvoll sein.
Zwar haben all die versuchten Therapien wie z.B. Akkupunktur, Beckenbodenphysiotherapie, Naturheilkunde, TCM, Kräutertherapie, Tinkturen, entzündungshemmende Ernährung (weizenfrei, wenig Milchprodukte, wenig Alkohol, kein Koffein etc.), Luna Yoga und Weitere meine Schmerzen leider nicht wirklich beseitigen können, aber sie haben anderweitig mein Leben positiv beeinflusst. Ich versuche mich mit schönen, wertvollen und unterstützenden Themen zu beschäftigen. Das hilft mir auch auf der emotionalen Ebene. Ebenso kann ich auch mal den Besuch von einer Selbsthilfegruppe empfehlen. Es ist interessant sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und auch gute Tipps und Adressen zu erhalten, die vielleicht weiterhelfen können.
Meine Gedanken:
Dieses Gespräch mit Nadine hat mir wieder gezeigt, wie wichtig es ist, mit sich selbst freundlich und mitfühlend umzugehen und auf den Körper zu hören. Dabei den eigenen Weg zu würdigen und wertzuschätzen und zu lernen, sich selbst nicht zu verurteilen. Die Brutalität und der Teufelskreislauf dieser Krankheit haben mich sehr berührt. Viele Frauen mit Endometriose müssen lebenslang chronische Schmerzen aushalten. Daneben Gefühle wie Angst, Wut, Scham und Schuld. Ich habe grosse Achtung vor ihrem starken Lebenswillen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass den betroffenen Frauen durch die Krankheit und die derzeitigen Bedingungen viel zugemutet wird. Trotzdem schaffen sie immer wieder, die Zuversicht nicht zu verlieren. Fortlaufend suchen sie heilsame Potenziale und Handlungsmöglichkeiten. Trauerarbeit ist ihnen vertraut. Was für starke Frauen! Ausserdem ist es wichtig, dass das nähere Umfeld echtes Verständnis aufbringt und die Krankheit in all ihrer Vielfalt akzeptiert. Dringend ist auch Aufklärungsarbeit in der in der Arbeitswelt nötig.
Wenn Frauen oder Mädchen unter starken Regelschmerzen leiden, sollten wir das ernst nehmen.
Hilfreiche Adresse bei Endometriose
Endometriose-Spezialist: PD Dr. med. Patrick Imesch – Gynäkologie Bethanien, www.klinikbethanien.ch/de/aerzte/pd-dr-med-patrick-imesch
Beckenbodenphysiotherapie: Unter www.pelvisuisse.ch eine Therapeutin in der Umgebung finden um chronische Unterbauchschmerzen zu lösen
Luna Yoga: Daniela Britzelmayer – Raum und Zeit, Uster, www.raum-und-zeit.ch
Institut für komplementäre und integrative Medizin Universitätsspital Zürich: www.usz.ch/fachbereich/komplementaere-und-integrative-medizin
Selbsthilfegruppen: Unter folgendem Link können die verschiedenen Endometriose-Selbsthilfegruppen in der Schweiz gefunden werden um sich mit Betroffenen auszutauschen: https://www.selbsthilfeschweiz.ch/shch/de/selbsthilfe-gesucht/themenliste~thema~Endometriose---Endometriosi~.html
Naturheilkunde/Frauenheilkunde: Praxis für Bioresonanz und Naturheilkunde: Melanie Kunz, Usterhttps://bioresonanz-naturheilpraxis.ch
Lebensflusspraxis: Manuela Kaiser, Zürich, www.lebensflusspraxis.ch
Literaturempfehlung:
Mut zur Selbstheilung, Methode Wildwuchs, Angelika Koppe
Mondschön, Ein Kurs in Weiblichkeit, Nives Gobo, Verlag Kösel,
Luna Yoga, Der sanfte Weg zu Fruchtbarkeit und Lebenskraft,, Verlag Goldmann, Adelheid Ohlig
Haus der Gefühle, Verlag Trediton, Daniela Britzelmayr
Nicht ohne meine Wärmflasche - Martina Liel
Frauenkörper, Frauenweisheit – Dr. med Christiane Northrup