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9G. Zitate von Carl Huter über Persönlichkeiten seiner Zeit
1. Wilhelm II, deutscher Kaiser von 1888 bis 1918
1.1 Manuskript aus dem Jahre 1902 beruhend auf Erinnerung aus dem Jahre 1887. Carl Huter hat diesen Text seiner Sekretärin diktiert. Wurde vor wenigen Jahren erstmals veröffentlicht.
- "Wilhelm liegt im BewegungsnaturelL Er ist kein grosser Geistes-, noch weniger ein Ruhemensch, er ist ein Sport- und Reisemensch."
- "Wilhelm besitzt eine ausgezeichnet schnelle Auffassungsgabe, alles interessiert ihn, überall möchte er sein, alles möchte er selber leiten, anordnen, bestimmen, nicht nur im Heer und in der Regierung, nicht nur im eigenen Haus, sondern auch in der Politik, selbst in der Kunst, dem Schulwesen und in der Rechtspraxis, in der Religion, in der Sozialpolitik und in der Nationalökonomie, im Theater und in der Mode."
- "Wilhelm will das Beste für seine Zeit, für sein Volk, er will auch den Frieden, er ist keine Marsnatur, er liebt das Heer in Waffen geschmückt, aber nicht in Blut getränkt."
- "Wilhelm lässt nichts auf sich sitzen, wer ihn verletzt und beleidigt, den straft er hart und unerbittlich. Er duldet keinen Widerspruch, er besitzt Autoritätsgeist in allen Dingen. Er will auch alles besser wissen, besser als die Fachleute, denn er dünkt sich weise."
- "Wilhelm wird entweder sein Volk gross und mächtig machen oder es an den Abgrund bringen, es hängt ganz davon ab, ob er es versteht, sich die weisen Berater auszuwählen, deren Ratschläge anhört, sie annimmt, sie befolgt oder ob er unter den Einfluss übelwollender Personen kommt. Stösst er die Besten von sich, die ihm aufrichtig die Wahrheit sagen, - und das ist wahrscheinlich, - so wird er unvermutet unter den Einfluss von Schmeichlern und Halbweisen, vielleicht auch teilweise unter den Einfluss Übelwollender kommen, die ihn schlecht beraten, täuschen und ihm viel Schaden zufügen."
1.2 Illustriertes Handbuch der Menschenkenntnis, 1911; XXII. Teil: "Aus der Werkstatt des Psychologen"; VII. "Herrscher und Reformatoren". Fettdruck durch die Carl-Huter-Stiftung
Kaiser Wilhelm II.
- "Auch dieser Herrscher liegt im Tatnaturell, auch er zeigt große Energie und Strenge im Gesicht. Ohne Tatkraft, Selbstbewusstsein und Strenge kann kein Herrscher eines großen Staates seinen Willen durchsetzen."
- "Dieser Regent ist vielfach angefeindet worden, aber er hat doch zu regieren verstanden. Das eine Große, was wir WILHELM II. zu verdanken haben, ist, dass er mit Energie und politischer Klugheit unserem deutschen Volke den Frieden erhalten hat.
- "Die Geschichte wird später seine Verdienste würdigen; er ist ein Regent, der das Beste für sein Volk gewollt hat."
Anmerkung: Zu Huters Zeit gab es den Majestätsbeleidigungs-Paragraphen. Im öffentlichen Raum durfte über Kaiser nichts gesagt werden, was dessen Ansehen herabgesetzt hätte. Vermutlich hat Carl Huter genau deshalb die Beschreibung aus dem Jahre 1902 nicht veröffentlicht und in der Beschreibung von 1911 die Beschreibung mit dem fettgedruckten Satz beendet resp. abgebrochen.