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Ehrung für Helimission-Gründer Ernst Tanner
Der 85-jährige Ernst Tanner war vieles in seinem Leben: Zuerst wurde er Steward, dann Kunstmaler, Pastor, Missionar, Entwicklungshelfer und schliesslich Pilot. Heute ist er pensioniert – Ernst Tanner hat mit der Katastrophenhilfe seiner Helimission Tausenden das Leben gerettet, hat als erster Mensch mit dem Helikopter die Sahara überflogen und mehrere Notlandungen überlebt. Er wurde von der Stiftung «Pro Aero» geehrt. Für sein Lebenswerk und für «besondere Leistungen in der Luftfahrt» erhielt er jetzt den Anerkennungspreis der Stiftung Pro Aero. Tanner reiht sich damit unter frühere Preisträger wie der Rega, dem Ballonfahrer-Gespann Bertrand Piccard/Brian Jones oder dem Astronauten Claude Nicollier ein.
Das 1971 gegründete Helikopter-Hilfswerk verfügt heute über neun Helikopter und über 50 Mitarbeitende. Sie unterhält Zweigstellen in Deutschland, den USA und Australien und ist in Äthiopien, Madagaskar und Indonesien permanent im Einsatz. Seit 2002 wird sie von Gründersohn Simon Tanner geleitet. Bis zu seinem Ausscheiden flog der heutige Ehrenpräsident Ernst Tanner noch regelmässig selbst Einsätze, sagte er der «Thurgauer Zeitung» und dem «St. Galler Tagblatt».
Die Helimission stand bei einigen der grössten humanitären Katastrophen der vergangenen Jahrzehnte im Einsatz: Bei Dürrekatastrophen in Äthiopien und in Sudan, im Bürgerkrieg in Ruanda, während des Kosovo-Konflikts, nach dem Tsunami im Indischen Ozean oder den schweren Erdbeben auf Haiti. Die Stiftung arbeitete dabei mit den internationalen Hilfsorganisationen zusammen. Und immer brachte Ernst Tanner den Menschen auch den christlichen Glauben näher, obwohl für ihn die Hilfe im Vordergrund stand: «Die Mission ist in erster Linie eine praktische Aufgabe – nämlich zu helfen.»
Der Familienvater unternahm Ende der 1960er Jahre regelmässig Missionsreisen nach Afrika. Unter anderem durchquerte er dabei in Kamerun während acht Tagen den Urwald auf dem «Gorillapfad». Die Schwierigkeiten, mit denen die Entwicklungs- und Missionsarbeit dort zu kämpfen hatte, gaben ihm zu denken: Krankentransporte waren angesichts tagelanger Fussmärsche ins nächste Dorf ein Ding der Unmöglichkeit. So kam Tanner auf die Idee, Helikopter für die Missionsarbeit einzusetzen. Er kehrte zurück in die Schweiz und erlernte die Fliegerei. Er erlangte mit 43 Jahren als fünffacher Familienvater nach nur drei Wochen Ausbildung die Helikopter-Lizenz. Kurz darauf machte er sich mit 37 Stunden Flugerfahrung auf zu seinem Saharaüberflug, um einen gebrauchten Helikopter nach Kamerun zu schaffen.