Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03479.jsonl.gz/2066

Erkrankungen der Nebenschilddrüse(n)
Die Nebenschilddrüsen sind vier kleine Drüsen, die hinter der Schilddrüse liegen und ihren Namen von ihrer engen Nachbarschaft zu dieser haben. In der Funktion sind sie aber vollständig unabhängig von der Schilddrüse und haben andere Aufgaben. Die Nebenschilddrüsen sind im Regelfall ca. 3-4 mm lang bei einem Durchmesser von ca. 2-3 mm und haben eine länglich-ovale Form. Da sie sehr klein sind, können sie sich hinter dem Schilddrüsengewebe verbergen und sind manchmal recht schwierig aufzufinden, zudem sind sie in ihrer Lage recht variabel, was zusätzlich ihre Lokalisation erschweren kann.
Wissenswertes zu den Nebenschilddrüsen:
Regulieren den Calcium- und Phosphathaushalt
Die Nebenschilddrüsen regulieren mit dem von ihnen abgegebenen Hormon den Calcium- und Phosphathaushalt. Dabei bewirkt das Nebenschilddrüsenhormon, das Parathormon, eine Erhöhung des Calciumspiegels im Blut, es fördert die Auslösung von Calcium aus dem Knochen und mindert die Ausscheidung von Calcium durch die Nieren.
Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen führt demnach zu einem vermehrten Knochenabbau und kann bis zur Osteoporose führen. Im Weiteren kann die übermässige Produktion von Parathormon zum vermehrten Auftreten von Nierensteinen führen.
Verschiedene Formen der Überfunktion
Es werden verschiedene Formen der Nebenschilddrüsenüberfunktion unterschieden, bei welchen lediglich eine der vier Nebenschilddrüsen oder aber alle vier Drüsen zu viel Parathormon in die Blutbahn abgeben. Bei der Eindrüsenerkrankung liegt die Entkoppelung einer einzelnen Drüse vor, welche unabhängig vom Bedarf Parathormon ausschüttet. Chronische Nierenerkrankungen können eine Überfunktion aller vier Drüsen bewirken.
Bösartige Erkrankungen und Tumoren der Nebenschilddrüsen sind sehr selten.
Zur Diagnostik
Die Diagnose der Nebenschilddrüsenüberfunktion beginnt meist mit einem zu hohen Calciumwert im Blut. Nicht selten handelt es sich um eine Zufallsdiagnose, da die Patientinnen, Patienten subjektiv wenig Beschwerden beklagen und es nur höchst selten zu einer tastbaren Vergrösserung eines Nebenschilddrüsenkörperchens kommt. Ein recht charakteristisches Symptom für die Nebenschilddrüsenüberfunktion ist allerdings eine hartnäckige Müdigkeit und auch Ermüdbarkeit sowie die depressive Verstimmung der betroffenen Person.
Wurde im Blut ein erhöhter Calciumwert nachgewiesen, kann der Wert des Parathormons bestimmt werden. Ist auch dieser erhöht, ist die Diagnose der Nebenschilddrüsenüberfunktion praktisch gesichert. Es kann die Suche nach dem vergrösserten, die Überfunktion verursachenden Drüsenkörperchen beginnen. Sehr häufig ist bereits eine Ultraschalluntersuchung wegweisend, gelegentlich sind aber weitere Untersuchungen zur Lokalisationsdiagnostik notwendig, um nicht operativ alle vier Nebenschilddrüsenkörperchen aufsuchen und darstellen zu müssen.
Trotz aller vorausgehender Diagnostik ist es in seltenen Fällen unumgänglich, während der Operation alle Drüsenkörperchen aufzusuchen, wobei diese selten auch untypisch verstreut liegen können und die Suche nach ihnen sich dann äusserst anspruchsvoll gestaltet.
Therapie
Bei der Eindrüsenerkrankung besteht die Therapie in der chirurgischen Entfernung der überfunktionierenden Nebenschilddrüse, wobei unmittelbar nach Beendigung der Operation das Abfallen des Parathormonspiegels messbar ist, da dieses sehr rasch abgebaut wird. Bei Überfunktion aller vier Nebenschilddrüsen kann die vollständige Entfernung aller Drüsenkörper notwendig werden, wobei dann zur Aufrechterhaltung der Funktion ein kleines Stückchen einer einzelnen Drüse in einen Muskel (in aller Regel am Vorderarm) eingesetzt und replantiert wird.