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Als im Sommer 2007 die Krise auf dem US-Immobilienmarkt ihre Anfänge nahm, konnte die Schweizer Wirtschaft auf ein mehrjähriges Wachstum und eine zunehmende Nachfrage nach neuen Arbeitskräften zurückblicken. Mit rund 62 000 offenen Stellen innerhalb des zweiten und dritten Quartals 2007 wurden der höchste Wert seit 2001 erzielt. Das Wirtschaftswachstum erreichte mit über 3,8% pro Kopf im Jahresdurchschnitt 2007 einen Rekordwert. Entsprechend positiv entwickelte sich auch die Erwerbslosenquote gemäss Internationaler Arbeitsorganisation (ILO). Im zweiten Quartal 2007 lag diese mit 3,6% fast einen Prozentpunkt unter dem Wert zwei Jahre zuvor.
Vergleichsweise stabiler Arbeitsmarkt in der Schweiz
Obwohl die Krise spürbare Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt der Schweiz hatte, zeichnete sie sich im internationalen Vergleich durch grosse Stabilität aus. Nicht nur die Krisenländer der Eurozone, sondern auch Staaten wie Grossbritannien und insbesondere Dänemark, die vor Beginn der Krise eine ähnlich positive Ausgangslage wie die Schweiz aufwiesen, haben die letzten Jahre weitaus weniger gut überstanden. So verharrt beispielsweise die Erwerbslosenquote von Dänemark seit mehreren Jahren bei über 7%, obwohl 2007 mit 3,8% ein ähnlich tiefer Wert erreicht wurde.
Grosse regionale Unterschiede
Die Krise machte sich nicht in allen Teilen der Schweiz gleichermassen bemerkbar. Vor allem innerhalb der Genferseeregion sowie in der Nordwestschweiz stieg die Erwerbslosenquote 2008–2009 überproportional an. Einen zeitlich verzögerten, aber ebenfalls starken und kontinuierlichen Anstieg der Erwerbslosenquote bis 2011 verzeichnete ausserdem das Tessin. Den geringsten Zuwachs wiesen hingegen die Regionen Zürich und Mittelland auf.
Dienstleistungssektor wächst auch in der Krise weiter
Bei den Sektoren gab es im Verlauf der Krise nur geringfügige und meist kurzfristige Verschiebungen. In der Industrie zeigte sich ein stark überproportionaler Anstieg der Erwerbslosenquote 2008–2009, aber der Rückgang nach der Krise verlief im Gegenzug ebenfalls schneller. Das Baugewerbe sticht dadurch hervor, dass es sich deutlich rascher erholt hat als alle anderen Sektoren. Ansonsten setzte sich auch während und nach der Krise der Beschäftigungszuwachs im Dienstleistungssektor fort, auch wenn sich das Wachstum etwas verlangsamte. Der Zuwachs erfolgte vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in den Bereichen Bildung und Erziehung. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich auch bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen.
Ausländische Arbeitskräfte stärker von der Krise betroffen
Ausländische Arbeitskräfte, insbesondere jene aus Staaten ausserhalb der EU28/Efta, waren von der Krise deutlich stärker betroffen als Schweizerinnen und Schweizer. Ihre Erwerbslosenquote stieg von 2008 bis 2010 um 3,6 Prozentpunkte von 10,1% auf 13,7%, was einer Zunahme um 36% entspricht. Jene der Schweizer Arbeitskräfte erhöhte sich dagegen nur um 0,7 Prozentpunkte, ein Anstieg um 28%. Auch Arbeitskräfte aus den EU28/Efta-Staaten waren überproportional von der Krise betroffen. Die Unterschiede zu den Arbeitskräften mit Schweizer Nationalität waren jedoch weitaus geringer als bei jenen aus Drittstaaten. Die Erholung nach der Rezession von 2009 verläuft bei ausländischen Arbeitskräften ebenfalls langsamer als bei den schweizerischen. Fünf Jahre nach der Krise liegt ihre Erwerbslosenquote etwa 2 Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau von 10,1% bei Arbeitskräften aus Drittstaaten und 4,1% bei Angehörigen der EU28/Efta-Staaten. Die Quote der Schweizerinnen und Schweizer liegt mit 2,9% dagegen nur geringfügig über dem Vorkrisenwert von 2,5%.
Veränderung der Zuwanderung und Lohnzurückhaltung
Die Nettozuwanderung ist im Krisenjahr 2008 einmalig stark angestiegen. Der Zuwachs beruhte fast ausschliesslich auf Arbeitskräften aus den EU17/Efta-Staaten. Als Folge der Krise, welche die südeuropäischen Länder besonders stark getroffen hat, veränderte sich darüber hinaus die Zusammensetzung der Zuwanderung. Die Nettozuwanderung aus den südeuropäischen Staaten Portugal, Italien, Spanien und Griechenland ist seit 2009 deutlich und kontinuierlich gestiegen, während jene aus Deutschland und den übrigen EU17/Efta-Staaten zurückgegangen ist. Dadurch hat sich auch das durchschnittliche Bildungsniveau der zugewanderten Arbeitskräfte verändert. Der Anteil an Arbeitskräften mit niedrigerem Bildungsniveau ist bei Zuwanderern aus den südeuropäischen Ländern höher als bei jenen aus Deutschland, Frankreich und den übrigen EU17/Efta-Staaten, welche vor der Krise den Hauptteil der Zuwanderung ausmachten.
Trotz Krise keine Zunahme der Armut
Die Sozialhilfequote ist mit 2% für Schweizerinnen und Schweizer sowie mit 6% bei Ausländerinnen und Ausländern während und nach der Krise unverändert geblieben. Die Armutsquote – d.h. der Anteil der Personen, die mit einem Einkommen unter dem sozialen Existenzminimum auskommen müssen – ist von 2007 auf 2009 sogar um 1,8 Prozentpunkte auf 7,7% gefallen und seither stabil bei knapp 8%. Damit hat die Armut in der Schweiz trotz der Krise nicht zugenommen.
Arbeitsmarktentwicklung mit ungewisser Zukunft
Die Schweiz hat die Krise ohne grosse Strukturveränderungen und ohne längerfristig nachteilige Folgen für den Arbeitsmarkt überstanden. Während aktuelle Prognosen auch weiter mit einer stabilen Lage am Arbeitsmarkt rechnen, bleibt die Entwicklung auf längere Sicht ungewiss. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative und die mögliche Einführung von Mindestlöhnen können erhebliche Auswirkungen auf die schweizerische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt haben. Insbesondere die wachsenden Bereiche im Dienstleistungssektor stark von Fachkräften aus dem Ausland. Die konkreten Folgen auf das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt sind momentan noch nicht abschätzbar.