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Das Schweizer Team nimmt die nordische Ski-WM mit geringeren Erwartungen als zuletzt in Angriff. Über die Medaillen-Ausbeute entscheidet das Abschneiden von Dario Cologna, der nur zweimal startet.
Podestplätze können an Titelkämpfen grundsätzlich nicht vorausgesetzt werden. Sehr viele Faktoren, nicht zuletzt Wettkampfglück, Gesundheit und Material, müssen zusammenpassen. Eine zu hohe Erwartungshaltung an die Schweizer Nordischen wäre heuer allerdings auch nur schon aufgrund der bisherigen Resultate im Weltcup nicht angebracht.
In bislang 89 Weltcup-Wettkämpfen mit Schweizer Beteiligung resultierten in den Disziplinen Langlauf, Nordische Kombination und Skispringen insgesamt drei Podestplätze und neun weitere Top-5-Klassierungen. Zum Vergleich: Die Schweizer Alpinen haben vor ihren erfolgreichen Heim-Weltmeisterschaften in 53 Weltcup-Rennen 20 Podestplätze errungen.
Optimistisch stimmte im Hinblick auf die Weltmeisterschaften in Lahti, die am Mittwoch eröffnet werden, zunächst die Formkurve von Dario Cologna. Nach rätselhaft schwachem Saisonstart überzeugte der dreimalige WM-Medaillengewinner beim ersten Saison-Highlight und wurde Gesamtdritter der Tour de Ski. Acht seiner letzten neun Distanzrennen beendete er unter den ersten sieben, zweimal stieg er aufs Podest.
Risiko zu gross
Doch seit einigen Tagen leidet Cologna wieder unter muskulären Problemen in der linken Wade, die ihn bei einem Rennen im klassischen Stil behindern. Nach einer Trainingseinheit am Dienstag entschied sich Cologna gemeinsam mit den Ärzten und dem Trainerteam schliesslich dazu, auf WM-Einsätze in der klassischen Technik zu verzichten. Ausser beim Skiathlon (15 km klassisch, 15 km Skating) am Samstag wird der dreimalige Olympiasieger demnach auch beim 15-km-Rennen in einer Woche nicht am Start sein.
Der Entscheid, auf zwei Rennen in Lahti zu verzichten, fiel Cologna selbstredend nicht leicht: "Es ist sehr hart, auf die 15 km Einzelstart und vor allem auf den Skiathlon zu verzichten, da ich mich gut in Form fühle und mir Medaillenchancen ausgerechnet habe", teilte der Münstertaler via Facebook mit. "Klar könnte ich probieren, ob es im Skiathlon geht. Aber das Risiko, dass ich nachher gar keine Rennen mehr laufen könnte, ist zu gross."
Cologna habe jeweils grosse Ziele in den Wettkämpfen, so der Schweizer Teammanager Christian Flury. "Wenn er folglich an den Start geht, muss er reelle Chancen auf einen Podestplatz haben." Vor dem Hintergrund der gesundheitlichen Probleme mache es keinen Sinn, einfach mal etwas zu probieren und dann um Rang 15 zu laufen. "Es gilt, die Kräfte zu bündeln, um das Ziel eines Medaillengewinns im 50-km-Rennen wahrnehmen zu können", so Flury.
Wettkämpfe in der Skating-Technik kann Cologna nach aktuellem Stand ohne Beschwerden absolvieren. Seinen ersten Auftritt an den diesjährigen Weltmeisterschaften wird Cologna demnach am Freitag in einer Woche mit der Schweizer Staffel haben, wo er nicht wie gewohnt in der zweiten Ablösung (im klassischen Stil), sondern danach im Skating-Teil zum Einsatz kommt. Das 50-km-Rennen findet zwei Tage später zum Abschluss der Titelkämpfe statt.
In der Breite ist das Schweizer WM-Team im Langlauf stärker als jenes vor zwei Jahren in Falun. Dies unterstreicht allein schon die Tatsache, dass die Schweiz erstmals seit 2007 wieder eine Frauen-Staffel stellen wird. Zudem ist Nathalie von Siebenthal zu einer Distanzläuferin gereift, die sich konstant unter den ersten zehn einzureihen vermag.
Hug näher an den Top 10 als Ammann
Als zweiter Schweizer Nordisch-Athlet neben Cologna stand heuer Tim Hug im Weltcup auf dem Podest. Bei seinem 2. Rang in Sapporo waren allerdings acht der besten zehn Kombinierer nicht gemeldet gewesen. Gelingt es dem Solothurner jedoch, seine im Weltcup in Seefeld und in Asien gezeigten Leistungen an der WM abzurufen, könnte für ihn am Ende eine Top-10-Klassierung zu Buche stehen. Hug überzeugte zuletzt mit Sprüngen auf konstant hohem Niveau.
Im Skispringen erlebt die Schweiz derweil den schlechtesten Winter seit 14 Jahren. Selbst als er sich an der Vierschanzentournee in keinem der vier Springen für einen Finaldurchgang zu qualifizieren mochte, war Simon Ammann noch immer der Beste der verunsicherten Schweizer Equipe. Vor der WM zeigt die Formkurve Ammanns zumindest auf der Grossschanze etwas nach oben. Der Toggenburger vermochte nach einer Auszeit vom Weltcup mehr Ruhe in die erste Flugphase zu bringen. Seine Haltungsnoten fallen im Schnitt jedoch kaum besser aus als in der ersten Saisonhälfte.
Für Ammann werden es in Lahti die ersten WM-Auftritte auf finnischem Boden sein. 2001, ein Jahr vor seinem ersten Doppel-Olympiasieg in Salt Lake City, verpasste er die Qualifikation für die Titelkämpfe in Lahti. "Ich habe diesbezüglich noch eine Rechnung offen", so Ammann. 2010 und 2011 gewann er im diesjährigen WM-Ort im Weltcup jeweils auf der Grossschanze. Von derlei Ergebnissen ist der 35-Jährige in diesem Winter sehr weit entfernt. Würde er sich an der WM zweimal unter den ersten 20 klassieren, hätte er mehr erreicht, als ihm vor einem Monat zugetraut wurde.
SDA-ATS