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Die Bank hat Ende des Jahres interne Vorschriften dafür gelockert, wie umfassend die Banker die Vermögensquellen ihrer reichen Kunden überprüfen müssen, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen, die nicht namentlich genannt werden wollen. Auch müssen Überweisungen von Kundengeldern an Dritte nun nicht mehr von leitenden Managern genehmigt werden, heisst es.
Der Rückzieher bei den Massnahmen, die strenger waren als bei anderen Geldhäusern, illustriert den Drahtseilakt der Geschäftsleitung unter Bankchef Ulrich Körner. Einerseits muss die Credit Suisse nach zahlreichen Skandalen ihr Geschäft in Ordnung bringen, andererseits aber auch den Abfluss von Kunden im Wealth Management stoppen, für das Asien ein Wachstumsmarkt ist. Manche der Kontrollmechanismen waren dem Vernehmen nach hier nicht hilfreich.
Die Credit Suisse hatte die Kontrollen im Jahr 2021 verschärft, nachdem sie Ernst & Young damit beauftragt hatte, die Geldwäschebekämpfung in Singapur und Hongkong unter die Lupe zu nehmen. Hintergrund war der Bestechungsskandal rund um die 1MDB-Fonds in Malaysia, wegen dem der Credit Suisse wie auch anderen Banken 2017 in Singapur Geldbussen auferlegt worden waren. Die Umsetzung der von EY empfohlenen Massnahmen lief bei der Credit Suisse intern unter dem Titel "Project Starlight".
Die Credit Suisse erklärte, sie habe die Prüfung durch EY veranlasst, um "zusätzliche Sicherheit für die Qualität unserer internen Prozesse und Kontrollen zu erlangen".
Der im Oktober 2021 fertiggestellte EY-Bericht bemängelte dem Vernehmen nach eine hohe Fluktuationsrate unter den Compliance-Beauftragten sowie Schwachstellen in der Geldwäschebekämpfung, beim Risikomanagement und in der Organisation.
"Auf der Grundlage der Ergebnisse, die mit unserer eigenen anfänglichen Einschätzung übereinstimmten, hat die Bank einen robusten Ansatz" zur Bekämpfung der Geldwäsche eingeführt und Verbesserungen vorgenommen, um "unser gesamtes Betriebsmodell zu verbessern", so ein Sprecher der Credit Suisse zu Bloomberg News.
Genauere Prüfung
Um den von EY aufgezeigten Mängeln entgegenzuwirken, führte die Bank die Regel ein, dass die Kundenbetreuer bei Hochrisikokunden einen Herkunftsnachweis für bis zu 90 Prozent des Vermögens verlangten, statt wie zuvor von 70 Prozent des Vermögens. Bei Kunden mit geringem Risiko wurde die Quote von 50 Prozent auf 70 Prozent angehoben.
Ausserdem wurden die Kundenbetreuer aufgefordert, die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus dem Compliance-Bereich zu verbessern. Die Führungskräfte in Wealth Management und Compliance wurden zu "Culture Champions" ernannt, um richtiges Verhalten zu vorzuleben.
Weder bei der Kundschaft noch bei den Bankern kamen die strengeren Kontrollen gut an. Die Änderungen machen es den Beratern schwer, neue Kunden zu gewinnen, und verzögern die Kontoeröffnung um bis zu acht Monate, berichten Banker, die aus Frust die Bank verlassen haben. Die Kundengewinnung ist eine wichtige Leistungskennzahl für Banker und bestimmt wesentlich die Höhe ihrer Bonuszahlungen.
Mitarbeiter und Kunden erklärten der Bank immer wieder, die verschärften Kontrollen — die auch über die Praxis der Wettbewerber hinausgehen —, seien unpraktisch und kontraproduktiv. Einige Kunden verlangten demnach sogar die Eröffnung neuer Konten in der Schweiz, weil dort die Vorschriften weniger streng seien.
Mehr als ein Dutzend hochrangige Banker haben die Credit Suisse verlassen, darunter auch prominente Spitzenkräfte. Allerdings sei ein ganzer Strauss von Gründen für die Kündigungen verantwortlich, nicht nur diese Verschärfungen, heisst es.
«Culture Champions»
Auch einige jener "Culture Champions", die mit gutem Beispiel vorangehen sollten, machten einen Abgang. Die prominenteste unter ihnen, die stellvertretende Asien-Wealth-Chefin Young Jin Yee, wechselte zur Deutschen Bank.
Wegen der anhaltenden Beschwerden hat die Credit Suisse einige Massnahmen gelockert. Seit Anfang Dezember sind die Banker angehalten, die Kundeninformationen so weit wie möglich abzugleichen, anstatt feste Prozentsätze einzuhalten, so eine der Personen. Die erforderliche Genehmigung bei Überweisungen von Kundengeldern an Dritte wurde Ende letzten Jahres ebenfalls gelockert, hiess es.
Es werden allerdings bei weitem nicht sämtliche Kontrollmassnahmen aus dem "Project Starlight" aufgeweicht. Viele sind weiter in Umsetzung oder Prüfung. Das Projekt ist auf drei bis fünf Jahre angesetzt.
Benjamin Cavalli, der Leiter des Wealth Management für den asiatisch-pazifischen Raum, informiert die Monetary Authority of Singapore regelmässig über den Fortschritt des "Project Starlight". In der Schweiz hält Francesco de Ferrari die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht auf dem Laufenden.
Sprecher von Finma und EY lehnten eine Stellungnahme ab. Die MAS wollte sich unter Verweis auf Vertraulichkeitsbestimmungen ebenfalls nicht äussern.
"Die Überprüfungen und die sich daraus ergebenden Initiativen sind Teil unseres täglichen Geschäfts und zielen darauf ab, effizienter zu arbeiten, die Kundenerfahrung zu verbessern und zugleich die Risiken für die Bank zu managen", erklärte die Credit Suisse in ihrer Antwort an Bloomberg. "Wir informieren unsere regionalen Aufsichtsbehörden regelmässig über Fortschritte und Erfolge der wichtigsten Initiativen."
(Bloomberg)