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Sonntag, 9. November 2003, 17.15 Uhr
Reformierte Kirche Egg
Felix Mendelssohn: Paulus
Artikel von Walter Riethmann
Unter Mendelssohns zahlreichen Vokalkompositionen ragen die beiden Oratorien »Paulus« und »Elias« hervor. Man hat beide Werke nicht zu Unrecht als die wichtigsten Oratorien des 19. Jahrhunderts bezeichnet, die würdig seien, neben Bachs und Händels große Chorwerke gestellt zu werden. Mendelssohn vereint in seinen Oratorien Anregungen aus den Werken bei der Barockmeister zu einem personlichen Stil und knüpft an die Tradition der Oratorien Händels und der Passionen von Johann Sebastian Bach. Der Text zum »Paulus« beruht vorwiegend auf Bibelworten, die der Apostelgeschichte entnommen sind. Die Worte des Erzählers, der ausdrucksmässig wie der Evangelist bei Bach behandelt ist, übernimmt vorwiegend der Solosopran, gelegentlich aber auch der Alt oder Tenor. Lyrische Betrachtungen finden zum Teil in Arien ihren Ausdruck, hauptsächlich aber in den Chorälen, die dem »Paulus« den entscheidenden Stimmungscharakter verleihen. Das dramatische Element ist in den grossen Choren anzutreffen.
Der »Paulus« besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil bringt zuerst die Steinigung des Stephanus und dann als Abschluss die Bekehrung des Paulus. Das Wirken des Apostels im Dienste der neuen Lehre macht den Inhalt des zweiten Teils aus. Die dramatischen Hohepunkte sind somit im ersten Teil zu finden, durch sie fühlte sich Mendelssohn am stärksten inspiriert, so dass auch die musikalisch eindrucksvollsten Partien hier zu stehen kommen. Die erste Aufführung des »Paulus«, 1836, fand in Düsseldorf unter des Komponisten Leitung statt. Der Erfolg war beispiellos, trotzdem nahm Mendelssohn noch einschneidende Korrekturen vor, bevor er das Werk im Druck erscheinen liess.