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Ein lichtdurchfluteter Wintergarten ist ein Bindeglied zwischen den abgeschlossenen Räumen des Hauses und der freien Natur. Ist er beheizbar, lassen sich darin üppig blühende Pflanzen aus tropischen und subtropischen Klimazonen kultivieren, die an Ferientage in fernen Ländern erinnern.
Genauso wie der Garten gehört zum klassischen englischen Landhaus das Conservatory, der Wintergarten. Auch bei uns verfallen immer mehr Leute dem Charme solch angebauter oder freistehender Glashäuser – der Wintergartenboom hält seit längerem an. Allerdings ist nicht jeder verglaste Raum ein Wintergarten. Allen gemeinsam ist die Nutzung der indirekten Sonnenwärme; deshalb liegt die Hauptorientierung der Wintergärten bevorzugt in südwestlicher oder südöstlicher Richtung. Energietechnisch sind schmal und hoch gebaute Wintergärten den niedrigen, breiten Glashäusern vorzuziehen. Gute Lüftungs- und Beschattungsmöglichkeiten helfen, die grossen klimatischen Schwankungen im Inneren des Glashauses aufzufangen.
Unter den im Gewächshaus kultivierten Früchten spielten anfänglich Orangen und Zitronen eine herausragende Rolle. Eines der ersten bekannten «Pomeranzenhäuser» war eine 1626 in Stuttgart gebaute Konstruktion auf Rollen, die jeweils im Winter über die Zitrusbäume geschoben wurde. Hölzerne Läden, die sich öffnen und schliessen liessen, sorgten für die notwendige Belichtung. Im 19. Jahrhundert übernahm England die Führung in der Entwicklung lichtdurchfluteter Stahl-Glas-Konstruktionen. Dampf- und Warmwasserheizungen sorgten für konstante Raumtemperaturen und erlaubten eine vollständige Verglasung der Gebäude. Neben den Zitrusfrüchten und Palmen wurden in den filigranen Glashäusern die vorab in Ostasien und auf dem amerikanischen Kontinent neu entdeckten Pflanzenschätze kultiviert und ausgestellt.
Viele Pflanzen haben ähnliche klimatische Bedürfnisse wie wir Menschen und gedeihen am besten bei Tagestemperaturen zwischen sechzehn und vierundzwanzig Grad. Tiefe Nachttemperaturen sind vorteilhaft; so wird der Stoffabbau während der Nacht verlangsamt. Lediglich frostfrei gehaltene Wintergärten sind vom Wohnraum abgetrennte, freistehende Gewächshäuser. Diese Kalthäuser dienen als Winterquartiere für Kübelpflanzen aus subtropischen und gemässigten Klimazonen oder auch als Anzuchthäuser für empfindliche Gartenpflanzen. Im Warmhaus dagegen fällt die Temperatur nie unter zwölf bis fünfzehn Grad; hier ziehen Liebhaber tropische Gewächse wie etwa Orchideen, die aber viel Luftfeuchtigkeit benötigen. Da das Warmhaus während des ganzen Winters und ab und zu auch im Sommer beheizt werden muss, widerspricht es der Idee des Energiesparens, sollte also mit Bedacht gewählt werden. Die aus den Orangerien entstandenen Wintergärten sind Zwischentypen, die oft direkt ans Haus anschliessen, aber nicht zusätzlich beheizt werden. Das Innere des Glashauses erwärmt sich auch bei bewölktem Himmel, wobei die Luftzirkulation in hohen Räumen besser funktioniert.
Beachtet man die Klimabedingungen der Pflanzen an ihrem Naturstandort, lässt sich der Wintergarten mit Bodendeckern, Blütenpflanzen, Sträuchern und sogar Bäumen in eine grüne Landschaft verwandeln. In frostgeschützten Kalthäusern mit Tiefsttemperaturen um fünf Grad fühlen sich Gewächse aus den Mittelmeerländern und anderen subtropischen Klimazonen wohl: Kamelien, Oleander, Oliven, Mimosen, Fuchsien, Hibiskus, Myrten, Datura, Cistrosen, Jasmin, alle Arten von Duftpelargonien, Granatäpfel, Bleiwurz, goldgelb blühende Cassia, Flaschenputzer und einige Palmenarten. Besonders dekorativ sind Schmucklilien, Araliengewächse, subtropische Farne oder auch kletternde Passionsfrüchte.
Im Warmhaus gedeihen Bananen, Papyrus, tropische Seerosen, Bougainvilleen, australische Baumfarne und empfindliche Palmenarten. Wichtig ist eine ausreichende Beschattung des Glashauses im Sommer, denn viele Tropenpflanzen stammen aus dem Unterholz der Urwälder. Wintergartenneulinge entscheiden sich vorteilhaft für ein temperiertes Haus und für robuste Gewächse wie Zitrusfrüchte, Lorbeer und Oleander.
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