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Viele Unternehmen nutzen zur Potenzialbeurteilung der Mitarbeitenden eine Leistungsbeurteilung, obwohl es sich beim Potenzial und bei der Leistung um zwei gegensätzliche Konstrukte handelt. Während das Potenzial die Fähigkeit beschreibt, in der Zukunft eine überdurchschnittliche Leistung erbringen zu können, beschreibt Leistung, was in der Vergangenheit bereits erbracht wurde. Zusätzlich stellt sich die Frage, wie die beiden Konstrukte zusammenhängen.
Das Forschungsteam Robledo-Ardila und Román-Calderón erfasste zu diesem Zweck das Potenzial von 281 Studierenden verschiedener Studienrichtungen mit einem Online-Fragebogen. Gemäss diesem besitzt «hohes Potenzial», wer motiviert Bestleistungen erbringt, eine rasche Auffassungsgabe und unternehmerischen Geist besitzt sowie feinfühlig ist. Um die vergangene Leistung zu erfassen, hat das Forschungsteam die Noten der vergangenen Semester der Studierenden herangezogen. Zur Einschätzung der künftigen Leistung der Studierenden nutzten sie ausserdem die Noten, die in den Semestern nach der Potenzialerfassung erzielt wurden. Zusätzlich erhielten die Studierenden nach dieser Erfassung die Aufgabe, in virtuellen und multikulturellen Teams eine reelle Fragestellung eines international tätigen Unternehmens zu bearbeiten. Die erbrachte Leistung wurde im Anschluss an die Aufgabe beurteilt.
Die Ergebnisse der Studie zeigten:
- Frühere Leistung ist ein Prädiktor für Potenzial. Die gleichwertige Verwendung von Potenzial und Leistung ist jedoch problematisch, da es sich um zwei unterschiedliche Konstrukte handelt.
- Frühere Leistungen sind zwar ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium für das aktuelle Potenzial.
- Es ist sinnvoll, Potenzial mit folgenden Worten zu beschreiben: motiviert Bestleistungen zu erbringen, eine rasche Auffassungsgabe und unternehmerischen Geist zu besitzen sowie feinfühlig zu sein.
- Motiviert Bestleistungen zu erbringen und eine rasche Auffassungsgabe zu besitzen, sind Prädiktoren für künftige Leistungen. Feinfühlig zu sein und einen unternehmerischen Geist zu besitzen, jedoch nicht.
Daraus resultierend sollten Unternehmen:
- Leistung und Potenzial unabhängig voneinander definieren.
- Geeignete Instrumente zur Erfassung von Potenzial bereitstellen.
- Vor allem bei der Identifikation von Talenten, die künftig Toppositionen im Unternehmen besetzen sollen, auch motivierende Aspekte und Lernkompetenzen miteinbeziehen.
Quelle: Cristina Robledo-Ardila & Juan Pablo Román-Calderón (2020), Individual potential and its relationship with past and future performance, Journal of Education for Business, 95:1, 45–52, DOI: 10.1080/08832323.2019.1596872