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Die elektrische Traktion

Damit es gleich gesagt ist, das ewige System hatte nach rund 20 Jahren bereits wieder ausgedient. Das bisherige System, das für die Zukunft gelten sollte, wurde einfach durch die Technik überholt. In der Zwischenzeit hat sich die Meinung aber geändert, denn neu kamen immer mehr elektrische Lokomotiven in Betrieb. Dazu gehörten auch die schweizerischen Bundesbahnen SBB, die mit dem bisherigen System immer mehr Probleme erwarteten. So suchten sie ein neues System.
Die elektrischen Lokomotiven begannen die Schweiz zu erobern. So wären in Zukunft sämtliche Lokomotiven mit einem F gekennzeichnet worden. Das führte dazu, dass die Bezeichnung die enthaltenen Informationen nicht mehr liefern konnte. Besonders die Traktionsart war anhand der Bezeichnung nicht mehr gut zu erkennen. Zudem gab es immer mehr Triebwagen, die zeigten, dass man auf dem alten System aufbauen konnte.
Der Wechsel auf dieses "neue" Schema war fliessend und zog sich über mehrere Jahre hin. Ein System, das länger bestand haben sollte und später einfach mit neuen Bezeichnungen ergänzt wurde. Ein System für die Ewigkeit. Zumindest war man 1920 davon überzeugt.
So gesehen hatte man ein gutes System, das erweitert werden musste. Die von den Dampflokomotiven mit Tender her bekannten Grossbuchstaben blieben für die Lokomotiven erhalten, wurden nun aber erweitert.
Der Buchstabe F, der bisher für die elektrischen Lokomotiven verwendet wurde, wurde bei den Lokomotiven aufgegeben. Damit konnte man das bisherige System mit den neuen Lokomotiven weiter verwenden.
Wir haben nun aber ein System, das sich im Lauf der Jahre erweiterte, daher werde ich in der nachfolgenden Tabelle die endgültige Version präsentieren. Sie werden jedoch schnell erkennen, wie man sich bei der Erweiterung später behelfen musste. Dieses System hatte länger Bestand und wurde erst 1989 durch ein anderes Bezeichnungssystem abgelöst. Daher betrachten wir die Bezeichnungen vor der Ablösung.

Lokomotiven
|R||Triebfahrzeug, das über eine erhöhte Kurvengeschwindigkeit verfügt und schneller als 110 km/h fahren kann.||Re 4/4 oder Re 6/6|
|A||Höchstgeschwindigkeit von über 80 km/h||Ae 6/8 oder Ae 6/6|
|B||Höchstgeschwindigkeit von 70 - 80 km/h||Be 4/6 oder Be 5/7|
|C||Höchstgeschwindigkeit von 60 - 65 km/h||Ce 6/8 II|
|D||Höchstgeschwindigkeit von 45 - 55 km/h||De 6/6|
|E||Rangierlokomotive||Ee 3/3|
|G||Schmalspurige Lokomotive für Reibungsbetrieb||Ge 6/6 oder Ge 4/4 III|
|H||Lokomotiven für Zahnradbetrieb||He 2/2|
|HG||Lokomotiven Kombination G und H||HGe 4/4 II|
|T||Traktoren||
Te
2/3

Da bei den SBB alle Traktoren zweiachsig sind, wird auf die Angabe des Bruchs verzichtet zum Beispiel Te II.

Die elektrischen Lokomotiven wurden nun zu Lokomotiven mit Schlepptender. Diese wurden nun um die Tenderlokomotiven erweitert. Letztere verschwanden in der neuen Bezeichnung, so dass es durchaus Buchstaben gab, die eine doppeldeutige Bezeichnung hatten. Diese Doppeldeutigkeit wurde dadurch verschärft, dass man die Dampflokomotiven mit der bisherigen Bezeichnung beliess. So wurde es für das E erstmals so richtig spannend.
Doch damit hatte man nicht genug Probleme, denn es kamen noch neue Buchstaben hinzu. Diese waren anfänglich jedoch gar nicht vorhanden und kamen erst später.
Neu hinzugekommen sind die Buchstaben R und T, welche erst mit elektrischen Lokomotiven oder mit Dieselfahrzeugen erreicht wurden.
Beim R dauerte es sogar einige Jahre, bis diese Reihe eingeführt wurde. Hier machte man es sich einfach, denn man nahm die geläufige Bezeichnung. So steht das R für rapid und das T für Traktoren.
Ein wildes Sammelsurium von Buchstaben entstand. Für aussenstehende Personen wurde es jedoch damit nicht einfacher. Wer sollte nun wissen, welcher Buchstabe wo verwendet wurde.
Neu wurde bei den elektrischen Lokomotiven auf die Angabe der Triebwerke verzichtet. Aus einer 2x 3/4 gab es nun schlicht und einfach eine 6/8. Die Zeiten der einfachen Brüche galten jedoch nicht für die Dampflokomotiven, denn dort beliess man auch die Brüche bei der alten Lösung. Es gab nur eine Umstellung für die elektrischen Lokomotiven. Damit konnte man grosse Umzeichnungsaktionen bei den Dampflokomotiven in der Schweiz ersparen. Was sicherlich ein Vorteil bei der Umstellung war.
So richtig ausgetobt hatte man sich aber bei den Triebwagen, denn hier gab es keine Veränderungen, denn die hatten bisher schon ein eigenes System erhalten. Trotzdem werden wir nicht darum herum kommen, einen genaueren Blick auf die Bezeichnungen der Triebwagen zu werfen. Dabei beginne ich bei den grossen Buchstaben, denn die kleinen Buchstaben wurden generell eingeführt und kommen erst später zur Erwähnung.

Triebwagen
|R||

Hinweis: Die Schnelltriebwagen (Roter Pfeil) wurden eine Zeitlang als Re 2/4 bezeichnet.
|A||Personentriebwagen oder Steuerwagen mit 1. Klasse Abteil.||RAe TEE|
|B||Personentriebwagen oder Steuerwagen mit 2. Klasse Abteil.||Be 4/6|
|C||Personentriebwagen oder Steuerwagen mit 3. Klasse Abteil.||Ce 2/4|
|D||Gepäcktriebwagen||De 4/4|
|F||Gepäcktriebwagen früher, als Gepäckabteile international noch mit F bezeichnet wurden||Fe 4/4|
|L||Anfänglich für die Bezeichnung der Leichttriebwagen (Rote Pfeile) verwendet. Wurde später wieder aufgegeben.||CLe 2/4 oder BCLe 8/12|
|X||Sonderfahrzeuge||XTm oder Xrotm|
|Z||Postabteil||ABDZe 4/6|

Wie bisher wurden weiterhin die grossen Buchstaben der Wagen verwendet. Daher änderte sich bei den Triebwagen und Sonderfahrzeugen mit wenigen Ausnahmen nichts. Die Buchstaben wurden nun, wie bei den Wagen einfach aneinander gereiht. Neu hinzugekommen sind aber die Buchstaben R und L. gerade diese beiden Buchstaben stellen eine Ausnahme dar. Daher lohnt es sich, wenn wir etwas genauer auf diese beiden Buchstaben sehen und dabei deren Bedeutung kennen lernen.
Dabei beginne ich mit dem L, denn das kam etwas früher und verschwand wieder. Mit dem gross geschriebenen L wurden Triebwagen bezeichnet, die leicht gebaut waren. Das waren die Triebwagen der Baureihe CLe 2/4.
Besser bekannt wurden diese Triebwagen unter dem landläufigen Namen rote Pfeile. Es gab zwar auch andere Modelle, aber der Buchstabe L war die Abkürzung für Leichttriebwagen. Verschwunden war der Buchstabe, als man auch diese Kennzeichnung verzichtete.
Spannender wird hier schon der R. Das R wurde eingeführt, weil die roten Pfeile schneller als üblich um die Kurven fahren konnten. Die Fahrzeuge verkehrten schnell, was in anderen Sprachregionen rapid bedeutet.
Daher kam es zum R für die schnellen Fahrzeuge und nicht zum S für schnellfahrend. Bei den Triebwagen ersetzte man damit die bisherige Praxis. Erst als die Lokomotiven auch schnell wurden, ergänzte man die alte Bezeichnung. Daher ist das R bei Triebwagen ein Zusatz.
Besitzt ein Triebwagen mehrere unterschiedliche Abteile, wie zum Beispiel ein Abteil erster Klasse, eines zweiter Klasse und damit es noch verrückter wird, einen Speisewagen und ein Gepäckabteil, wird es kompliziert. Ja, jetzt haben wir ein Fahrzeug kreiert, das wohl zu einer der längsten Bezeichnungen führen würde, zumal es ja noch die Bedingungen zur Zugreihe R erfüllt und damit mit dem R ergänzt werden muss. So hätten wir die Bezeichnung RABDWR erhalten. Eine wilde Anordnung von Buchstaben.
Da das aber nun kein Mensch vernünftig lesen kann, beschränkte man sich hier auf vier grosse Buchstaben, so dass das Fahrzeug bei den SBB RABD genannt würde und wird. Es ist Ihnen wohl besser unter der Bezeichnung ICN bekannt. Vier war das Maximum, denn bei der BLS gab es ja noch den ABDZe 4/6 mit vier grossen Buchstaben. Längere Bezeichnungen sind nun wirklich nicht mehr einfach lesbar und werden daher nicht mehr geführt. Doch nun wurden die kleinen Buchstaben wichtiger, als früher.
Bleiben noch die Sonderfahrzeuge. Diese wurden bei den Triebwagen eingereiht, weil sie anfänglich keine eigenen Fahrantriebe besassen. Als diese später über eigene Fahrantriebe verfügten, beliess man es bei der vorhandenen Zuteilung, so dass nun eine selbstfahrende Schneeschleuder als Triebwagen angesehen werden kann. Wer jetzt den Kopf ratlos schüttelt, hat das System nicht verstanden, denn die Sonderfahrzeuge hatten 1922 keine eigenen Fahrantriebe und gehörten so eher zu den Wagen.

Der kleine Buchstabe
|a||Akkumulatorantrieb||Eea 3/3 oder Ta|
|d||Dampflokomotive, diese Bezeichnung wurde jedoch sehr selten verwendet.||Xrotd|
|e||Elektrisches Triebfahrzeug||Re 4/4 oder RAe TEE|
|f||

Diese ergänzende Bezeichnung wurde erst in den letzten Jahren eingeführt. Sie ist aber nicht bei allen Fahrzeugen vorhanden, die mit der Funkfernsteuerung ausgerüstet sind. Sie dient vor allem dazu bei Serien, wo nur ein Teil der Fahrzeuge diese Technik besitzt, diese zu kennzeichnen.

Ref 460 (nur ein Teil der Lokserie)
|h||

Triebwagen mit Zahnradantrieb.

Deh
4/6 (SBB Brünig)

Bhe 4/8 (Monte Generoso)
|m||Triebfahrzeug mit Dieselmotor, früher auch bei den Dampftriebwagen verwendet.||Bm 4/4 oder CZm 1/2 (Dampftriebwagen)|
|rot||Kenzeichen für Schneeschleudern, jedoch immer in Kombination mit der Antriebsart.||Xrotm oder Xrote|

So, haben Sie ihn bemerkt, den berühmten Fehler im System? Nicht, dann ist ja alles klar. Doch es gibt ihn und das nicht nur einmal. Diese beiden Fehler sind nicht von mir erfunden, sondern es gab sie und daher lohnt es sich, wenn wir die Fehler ansehen. Doch eben, das beste System ist nur so gut, wie seine Fehler und diese Fehler waren nicht so schlimm, wie man meinen könnte, denn was bedeutet mit Ihrem Wissen Ea?
Schliesslich gibt das E an, dass es eine Tenderlokomotive ist und das kleine a sagt aus, dass die Lokomotive schneller als 80 km/h fahren kann. Diese Lokomotive gab es sogar und Sie sehen sie auf der Grafik. Wir haben mit der Ea 3/6 die erste mögliche Deutung für die Bezeichnung Ea.
Es kann aber durchaus eine Rangierlokomotive sein, die mit einem Akkumulator angetrieben wird. Das ist die elektrische Version. Schliesslich bedeutet mit der neuen Liste bei elektrischen Triebfahrzeugen das E, dass es eine Rangierlokomotive ist. Antriebe mit Akkumulatoren gab es, denn sonst hätte es ja diesen Fehler nicht gegeben. Ich kann Sie beruhigen, die Lokomotiven waren so klein, dass man sie als Traktoren bezeichnete. So ergab es den Ta und das Problem ist gelöst. Vorerst zumindest.
So, haben Sie das System richtig verstanden? Dann kommen wir zum ultimativen Test. Für was steht Be 4/6?
Klar, es kann eigentlich nur eine Lokomotive sein. Diese fährt 75 km/h, ist elektrisch angetrieben, hat vier Triebachsen und steht auf sechs Achsen. Ganz klar, es ist eine Lokomotive. Die Lokomotive Be 4/6 zeigt deutlich, dass wir mit unserer Idee nicht falsch liegen können. Doch was wäre, wenn ich behaupten würde, dass es sich um einen Triebwagen handelt? Dieser besitzt ein Abteil zweiter Wagenklasse und trägt daher das B. Falsch ist das nicht und es gab den Triebwagen.
Noch schlimmer wird es, wenn ich Ihnen erkläre, dass die Kombinationen natürlich nahezu frei kombinierbar sind. Das wurde zum Beispiel bei Rangierlokomotiven mit zwei Varianten der Energieversorgung immer wieder gemacht, aber auch Triebwagen mit Kombinationen gab es. Beispiel finden sich bei der Eea, der Eem, oder aber beim Triebwagen Bem. Das ist noch lösbar, aber was wäre, wenn es mehrere Lokomotiven oder Triebwagen gibt, die die gleiche Bezeichnung tragen?
Dazu ein Beispiel. Die schweizerischen Bundesbahnen SBB hatten ihn ihrem Bestand immer wieder Lokomotiven mit der gleichen Bezeichnung erhalten. Bekannt waren hier die Ce 6/8 oder die Ae 3/6. Eine Unterscheidung war nicht mehr möglich, so führte man Indexe für die Unterscheidung dieser Lokomotiven ein. Diese Indexe wurden mit römischen Buchstaben geschrieben und sie kamen nach dem Bruch zum Stehen.

Der Index
|I||Hersteller BBC in Münchenstein oder erste Bauart||Ae 3/6 I oder Ce 6/8 I|
|II||Hersteller MFO in Oerlikon oder zweite Bauart||Ae 3/6 II oder Ce 6/8 II|
|III||Hersteller SAAS in Genf oder dritte Bauart||Ae 3/6 III oder Ce 6/8 III|
|IV||Vierte Bauart|

Die Tabelle könne man natürlich endlos verlängern. Genau das war letztlich das Problem. Begonnen hatte es mit einer Lokomotive, die anfänglich noch die provisorische Bezeichnung Bo’Bo’ besass. Diese war so gut gebaut, dass klar war, es gibt eine Re 4/4. Nur, bei den schweizerischen Bundesbahnen SBB hatte man schon eine Lokomotive, die auf diese Bezeichnung hörte. Damit man die Lokomotiven unterscheiden konnte, ergänzte man die Maschinen mit einem Index.
So war die Welt bei den schweizerischen Bundesbahnen SBB in Ordnung und man führte mit den Re 4/4 III fröhlich die dritte Version ein. Gefolgt wurde sie von der vierten Version und schliesslich sollte auch noch die fünfte Version folgen. Als man bei der Re 4/4 V war, stellte man fest, dass das System mit den neuen Fahrzeugen nicht mehr vereinbar war. Das gute System, das doch bald 70 Jahre verwendet wurde, musste überarbeitet werden.
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