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Ausgegrabene Findlinge?
Das monumentalste Objekt auf dem Gelände der zwischen 1964 und 1967 entstandenen Schulanlage Stettbach ist kein Kunstwerk, sondern ein von drei Kanonenkugeln bekrönter Findling mit einer Gedenktafel, die an die zwei innerhalb des Zweiten Koalitionskrieges stattfindenden Schlachten von Zürich im Jahr 1799 erinnert. Die erste Schlacht, bei der die österreichische Armee die französisch-helvetischen Divisionen unter André Masséna zum Rückzug zwang, fand in dieser Gegend statt. General Masséna, der in der zweiten Schlacht die Österreicher und Russen besiegte, war ein schamloser Plünderer, weshalb die Gedenktafel noch vermerkt: «Für unsere Bevölkerung war dies eine Zeit des Schreckens und der Not.»
Der grosse Findling kam zusammen mit anderen solchen, ebenfalls hier platzierten Exemplaren bei den Aushubarbeiten zum Vorschein, die historischen Kanonenkugeln stammen dagegen aus dem Ortsmuseum Schwamendingen. Dieses Kriegsdenkmal mutet ältlich an, passt in seiner Rohheit aber nicht schlecht zur brutalistischen Architektur des von Esther und Rudolf Guyer erbauten Oberstufenschulhauses, das auch durch seine Lage am steilen Hang an eine Burg gemahnt.
Die zwei zur Mitgestaltung des Aussenraums eingeladenen Künstler haben sehr unterschiedlich auf die vorgegebene Situation reagiert. Die gebürtige Ungarin Eva Pauli (1933 geboren) entschied sich für dekorative Akzente und setzte dem Grau des Betons leuchtende Farbflächen entgegen. Das markanteste Element ihrer alle Bautrakte umfassenden Intervention ist die glasierte Keramikwand von ca. 24 Quadratmetern in der Pausenhalle. Pauli hat sich bei dieser von einem intensiven Rot bestimmten Wand auf ein Quadratraster beschränkt, in welchem einzelne blaue, grüne und violette Elemente auftreten und sich als unterschiedlich grosse Flächen artikulieren. Die Türe am Haupteingang und jene zum Singsaal hat sie mit emailliertem Eisenblech verkleidet, einem Material, das sie auch für die Stossgriffe an den Türen verwendete. Diese wie jene dominieren Kreisformen in starken Farben.
Die Skulpturengruppe, die der Zürcher Willy Wimpfheimer (1938 geboren) auf eine steil abfallende Wiese gestellt hat, fügt sich so harmonisch in das baumbestandene Gelände, dass man meinen könnte, sie sei so alt wie die ausgegrabenen Findlinge. Es handelt sich um fünf unterschiedliche, bis zu drei Meter hohe, stelenartige Figuren aus Rouge de Collonges, einem Steinkonglomerat, das durch seine Struktur und rötliche Färbung äusserst lebendig wirkt. Die fünf Monolithe scheinen nach einer undurchschaubaren, organischen Geometrie gestaltet und könnten ohne weiteres Relikte einer vergessenen Kultstätte sein.
Caroline Kesser
© Kunstsammlung Stadt Zürich / Fachstelle Kunst und Bau