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(Linnaeus, 1758)
- DE: Italienische Schönschrecke
- EN: Italian locust
- FR: Criquet italien | Caloptène italien
- IT: Callittamo itterico | Cavalletta ali corte
- Syn.: Gryllus affinis Thunberg, 1815 | Calliptamus afghanus Ramme, 1952 | Calliptamus italicus bilineata Puschnig, 1910 | Calliptamus italicus blandus Ivanov, 1888 | Calliptamus cerisanus Serville, 1838 | Acridium fasciatum Hahn, 1836 | Gryllus germanicus Fabricius, 1775 | Calliptamus italicus gilvonigricans Voroncovskij, 1927 | Calliptamus italicus grandis Ramme, 1927 | Calliptamus italicus insularis Ramme, 1951 | Calliptamus marginellus Serville, 1838 | Calliptamus marmoratus Fischer von Waldheim, 1846 | Calliptamus italicus reductus Ramme, 1930
Morphologie
Die Grundfarbe von Calliptamus italicus variiert von hellgrau über grau- bis rotbraun. Der Eindruck des gedrungenen Körperbaus wird durch die grossen Augen verstärkt. Über den Kopf, das Halsschild und die Flügel verläuft auf beiden Körperseiten oft ein heller Streifen. Die dunkel gefleckten Flügel überragen die Hinterknie meistens um wenige Millimeter. Sie sind gegen die Spitze nur ganz leicht verschmälert. Die Hinterflügel sind durchsichtig rosa- bis orangerot gefärbt, ohne eine dunkle Binde. Die Hinterschienen sind blass rosa bis leuchtend rot. Die drei dunklen Flecken auf den Hinterschenkeln sind auf der Innenseite schwach und undeutlich ausgeprägt. Die Genitalkapuze der Männchen ist zwischen den Cerci in Seitenansicht sichelförmig nach hinten gebogen und endet mehr oder weniger spitz. Die Cerci werden dabei, seitlich betrachtet, deutlich überragt.
Gesang
Eine Besonderheit der Calliptamus-Arten sind die Mandibellaute, bei denen die Kiefer gegeneinander gerieben werden. Es entsteht ein knisterndes Geräusch, das wie „suisuisui“ klingt und höchstens 5 m weit zu hören ist. Die Kiefer bewegen sich dabei nur geringfügig und die Beine werden im Rhythmus der Mandibelbewegungen lautlos nach oben geschlagen. Diese Laute werden häufig nach der Landung oder bei Kontakt mit Artgenossen vorgetragen und dienen als Kontaktlaute, Rivalen- oder Werbegesang. Manchmal kombinieren die Männchen Schwirrverse mit Mandibellauten. Diese sind auch im US-Detektor gut zu hören. Die verschiedenen Lautäusserungen sind schwierig aus der Geräuschkulisse herauszufiltern, so dass man die Tiere meist sieht, bevor man sie hört. Inwiefern sich die Lautäusserungen der drei Calliptamus-Arten unterscheiden, ist nicht bekannt, ein arttypischer Gesang scheint aber wahrscheinlich.
Mandibellaute eines ♂ von Calliptamus italicus - CH, VS, Salgesch, 23 °C.
Verbreitung
Die Verbreitung von Calliptamus italicus reicht von Spanien bis in den asiatischen Raum. Von allen Calliptamus-Arten dringt Calliptamus italicus am weitesten Richtung Norden vor. Die nördlichsten Beobachtungen stammen aus Belgien, Ostdeutschland (Berlin, Brandenburg) und Polen. In Nord- und Mitteleuropa sind inzwischen viele Vorkommen verschwunden. In Südeuropa zählt Calliptamus italicus zu den häufigen Arten. In der Schweiz ist die Art vorwiegend im Wallis und im Tessin verbreitet, kommt aber in allen Landesteilen vor, wenn auch sehr verstreut. Auch in Deutschland, wo die Art in der südlichen Hälfte sowie in Berlin und Brandenburg vorkommt, sind die Vorkommen auf wenige Standorte beschränkt.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Calliptamus italicus können von Juli bis in den Oktober beobachtet werden.
Die Eier werden an vegetationslosen Stellen an der Oberfläche in sandigen oder erdigen, lockeren Boden abgelegt. Dazu presst das Weibchen den Hinterleib nur wenige Millimeter unter die Oberfläche und legt eine gallertartige Sekretkapsel ab, die mit Erd- und Sandpartikeln vermischt wird und beim Trocknen aushärtet. Im Folgejahr schlüpfen die ersten Larven in Mitteleuropa ab Ende April bis Anfang Mai und durchlaufen 5 Stadien.
Lebensraum
Calliptamus italicus besiedelt trockenwarme Lebensräume wie Trockenrasen und Felsensteppen, verlassene Steinbrüche, Kiesgruben, Geschiebefelder von Flussläufen, Sanddünen, Ackerbrachen und andere Pionierstandorte. Gemeinsam ist diesen Lebensräumen der hohe Anteil vegetationsloser Flächen und die allgemein spärliche Vegetationsdecke. In Mittel- und Nordeuropa werden ausschliesslich wärmebegünstigte Standorte besiedelt. In Südeuropa kann die Art jedoch überall angetroffen werden, wo keine zu dichte und geschlossene Vegetationsdecke vorherrscht. In der Nordschweiz werden auch die Randbereiche von Asphaltstrassen und Feldwegen besiedelt.
Gefährdung & Schutz
Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland und Österreich ist Calliptamus italicus eine Art der Roten Liste. Die Gefährdungsursachen sind neben der Isolation der Populationen im Verlust der Lebensräume durch Verbuschung oder Nutzungsänderung und -intensivierung zu suchen. Durch periodisches Entbuschen und Schaffen von offenen Bodenstellen kann die Art mit wenig Aufwand gefördert oder erhalten werden. Eine Beweidung von Felsensteppen oder trockener Wiesen mit Ziegen oder Schafen ist für eine natürliche Dynamik hilfreich und für Calliptamus italicus förderlich.
- CH: VU (Verletzlich)
- DE: 1 (Vom Aussterben bedroht)
- AT: VU (Verletzlich)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Sämtliche Calliptamus-Arten Europas sind sich ähnlich, was häufig zu Verwechslungen führt. Eine Unterscheidung ist anhand der Flügel, der dunklen Fleckenzeichnung der Hinterschenkel, vor allem aber anhand der Genitalkapuze der Männchen möglich. Anhand des Genitalapparats unterscheidet sich Calliptamus italicus eindeutig von Calliptamus barbarus und Calliptamus siciliae. Die Genitalkapuze endet bei beiden anderen Arten nicht in einer nach hinten gerichteten Spitze, sondern bildet einen stumpfen Höcker. Besonders bei Calliptamus siciliae sind die Flügel kürzer und erreichen höchstens knapp die Hinterknie. Die Weibchen lassen sich anhand der Fleckenzeichnung auf der Innenseite der Hinterschenkel gut unterscheiden. In Mitteleuropa sind bei Calliptamus barbarus und Calliptamus siciliae die Flecken satt dunkelbraun bis schwarz und auch auf der Innenseite gut ausgebildet, bei Calliptamus italicus sind sie dagegen schwach ausgebildet und nur auf der Oberseite deutlich. Oedipoda germanica hat intensiv orangerote Flügel mit einer schwarzen Binde.