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Jean-Herman Faber, Brüssel, 1769 datiert
Ölmalerei auf Leinwand
H. 79 cm, B. 94 cm
Inv. 1938.201.
Das ungewöhnliche Bildnis voller Anspielungen wurde 1769 in Brüssel gemalt. Der Maler war Jean-Herman Faber (1734–1800), der, als Johann Hermann Faber in Iserlohn geboren, zu Ausbildung und Akademiestudium nach Antwerpen ging und sich schliesslich in Brüssel niederliess.
Diese künstlerische Prägung des Malers und die Entstehung in Brüssel erklären, warum sich das Bild so merklich von Basler Porträts seiner Zeit unterscheidet.
Man weiss nicht viel über das Leben des Basler Handelsmannes Johann Rudolf Harder (1740–1801), aber dem Gemälde kann man entnehmen, dass es bewegt war. Die stürmische See im Hintergrund mit einem Ruderboot in Seenot und über Bord gegangenen Fässern deuten auf Misserfolg durch Schiffbruch, und die steinerne Figur der Fortuna rechts hinter ihm, deren Arme gebrochen sind, symbolisiert das Versagen des Glücks. Die Landkarte in seiner Hand, im ersten Augenschein korrekt wirkend und mit den Ortsangaben CADIX und GOLF VON VENETIEN (?) Genauigkeit vorspiegelnd, erweist sich bei genauer Betrachtung als inkorrekt und irreführend. Die Bezeichnungen der Längen- und Breitengrade stimmen weder mit der Lage von Cadiz (Cadix) an der atlantischen Südspitze Spaniens noch mit der des Golfes von Venetien überein.
Doch sind damit wohl – ohne Anspruch auf geographische Genauigkeit – für seinen Lebensweg wichtige Stationen angedeutet. So ist die im Hintergrund sichtbare Stadtsilhouette jene der Hafenstadt Cadiz, die auf einer befestigten Landzunge in den Atlantik ragt. Über Cadiz wurde im 18. Jahrhundert ein grosser Teil des Handels mit der Karibik abgewickelt, und die Überlieferung, Johann Rudolf Harder sei auf Grenada tätig gewesen, liesse sich durchaus damit vereinbaren. Dafür spräche auch die Verbindung dieser westindischen Insel mit Basel im 18. Jahrhundert: Johann Jakob Thurneysen aus Basel erwarb etwas später (1771) Plantagenbesitz auf Grenada, einer ca. 25 km langen und 15 km breiten Insel der Kleinen Antillen. Der Handel mit Kolonialwaren aus der Karibik gehörte zu den gewinnträchtigen, aber auch überaus risikoreichen Handelszweigen; nach den Hinweisen im Bild könnte Johann Rudolf Harder diese Schattenseiten erlebt haben.
1777 heiratete er in Basel Maria Magdalena Roth (1749–1787) und wurde im Jahr 1793 Ratsherr der Zunft zu Webern.