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Churton
Nach vielen Sehenwürdigkeiten der Südinsel sind wir in der Gegend von Marlborough eingetroffen. Reben soweit das Auge reicht, grossmehrheitlich Sauvignon blanc. Es stehen doch immerhin knapp 24’000 ha Reben im Ertrag. Unser erstes Ziel liegt etwas abseits im südlich gelegenen Waihopai Valley.
Wie ein Wal liegt der Hügel mit den Reben des Weingutes Churton im Tal. Es sind die einzigen Reben, welche nicht in den unendlichen Ebenen des Weinbaugebietes Marlborough liegen.
Sam Weaver, der Weingutsbesitzer und ausgebildeter Mikrobiologe, hat schon früh seine Affinität zum Wein entdeckt. Er hat viele Jahre im Londoner Weinhandel verbracht, bevor es ihn nach Neuseeland zog. Dort hat er sich der Weinbereitung zugewendet, er war während 25 Jahren als chief winemaker und wine consultant in der Neuseelandischen Weinindustrie tätig, bevor er sich 1997 entschloss, zusammen mit seiner Frau Mandy, ein eigenes Weingut zu gründen.
Die ersten Weine wurden noch aus dazugekauften Trauben erzeugt. Aufgrund der langjährigen Tätigkeit als Berater in der Weinindustrie kannte er das Weinbaugebiet von Marlborough gut genug, um das richtige Stück Land für die Anpflanzung eigener Reben auszusuchen. Er hat sich für den Hügelzug über dem Waihopai Valley entschieden. Diese Lage, zwischen 200 und 130m über Meer gelegen und nach Osten hin leicht abfallend, ist perfekt. Dank der erhöhten Lage ist auch die Frostgefahr deutlich kleiner. Die Böden sind dichter und älter als diejenigen der umliegenden Weinberge, sie bestehen hauptsächlich aus Tonerden, er hat dadurch eine bessere Wasserspeicherfähigkeit als viele der im Tal auf Schotter liegenden Rebflächen.. Inzwischen stehen 22.5ha im Ertrag. Der französische Bodenspezialist Claude Bourguignonne ist der Ansicht, dass die Bodenbeschaffenheit der besten Lage, The Abyss, Ähnlichkeiten zur Romané-Conti-Lage aufweist.
Sehr bald schon war für Sam Weaver klar, dass er nur durch biologische oder gar biologisch-dynamische Bewirtschaftung der Weinberge die Weine erzeugen kann, welche ihm vorschweben. Er hat das Ziel „vins de terroir“ und nicht „vins de technique“ zu erzeugen. Heute wird die gesamte Rebfläche nach biologisch-dynamischen Grundsätzen bewirtschaftet, ist aber nicht Demeter zertifiziert. Die Biozertifizierung erfolgte im Jahr 2013.
Sam Weaver ist als Mikrobiologe sehr kritisch gegenüber den Lehren von Steiner, vertritt aber klar die Meinung, dass es sehr viel Sinn macht die Rebberge möglichst naturnah zu betreuen, da nur so der Boden auch die Möglichkeit hat sich im Wein auszudrücken. Er arbeitet sehr pragmatisch und glaubt, dass nicht für alles eine wissenschaftliche Erklärung nötig ist, solange das Verfahren zu einer Verbesserung der Weinqualität beiträgt.
Inzwischen stehen 22.5ha im Ertrag. Hauptsächlich Sauvignon blanc und Pinot noir. Die Reben sind mit einer Dichte von 5’000 Stöcken pro Hektare unüblich dicht gepflanzt.
Sämtliche Eingriffe im Weinberg zielen darauf ab, ausgewogene Weine zu erzeugen. So wird bewusst spät zurückgeschnitten um den Austrieb der Reben zu verzögern. Es ist zwar eine Tropfbewässerung installiert, aber diese wird nicht in jedem Jahr eingesetzt, und wenn, dann nur vor der Blüte oder beim Farbumschlag der Trauben um diesen Prozess zu beschleunigen und so homogener ausreifende Trauben zu erhalten.
Für Sam Weaver ist die Qualität der geernteten Trauben das mit Abstand wichtigste Kriterium für einen guten Wein, dementsprechend hat er alles Geld in die Rebberge gesteckt, für einen eigenen Keller hat es bis jetzt nicht gereicht. Vinifiziert und ausgebaut werden die Weine in zugemieteten Kellerräumen. Der Barriquesausbau ist zwar wichtig, er soll die Weine aber nicht dominieren, dementsprechend wird nur knapp 1/3 Neuholz eingesetzt. Die Rotweine werden klassisch erzeugt, Handlese, es wird zu 100% entrappt und dann werden die Trauben am Sortiertisch nochmals verlesen. Es wird etwa 7 Tage kalt mazeriert bevor die natürliche Gärung einsetzt. Der Tresterhut wird täglich 1-2 mal untergestossen. Auf jegliche Aufsäuerung kann bis jetzt verzichtet werden, dies könnte sich im Rahmen der Klimaerwärmung aber ändern. Entgegen der Entwicklung werden alle Weine weiterhin mit Naturkorken verschlossen, Sam Weaver ist der Meinung, dass sich die Weine dadurch homogener entwickeln.
Als Vorbereitung auf eine mögliche Klimaerwärmung werden erste Versuche mit den sehr viel hitzetoleranteren Sorten Viognier und Petit Manseng gemacht.
Folgende Weine wurden degustiert:
Sauvignon blanc 2011
Wird zu 70% von Hand gelesen, der Wein liegt etwa 9 Monate auf der Hefe, Ausbau nur zu etwa 12% im Barrique. 2’500 Kisten erzeugt.
Es präsentieren sich reife Früchte, Passionsfrucht, Holunderbeeren, dezente Blütendüfte, schlanker, säurebetonter Antrunk, mineralisch, die Frucht ist noch etwas verhalten, der Wein endet trocken und lang. 17/20 trinken-2021
Sauvignon blanc 2009
Hat die erste Reife erreicht, Noten von Quitten und Honig, Blütendüfte, schlanker, säurebetonter Antrunk, viel Schmelz, etwas Holunder und Cassis, mit einem frischen und sehr mineralischen Abgang. 17.5/20 trinken-2019
Pinot noir 2009
Intensive Fruchtnoten, Kirschen, Himbeeren, etwas Tabakanklänge, erdige Untertöne mit darüberliegenden Blütendüften, schlanker, fruchtbetonter Antrunk, hochelegant, intensive Fruchtnoten, komplex, mürbe Gerbstoffe, noch etwas herbe Untertöne, welche zur Komplexität beitragen, mineralisch, langer, fruchtbetonter Abgang. 18/20 trinken-2024
Pinot noir 2010
Verhaltene, vielschichtige Fruchtnoten, leicht erdig, schwarze Früchte, frischfruchtiger Auftakt, gut stützende Säure, noch zupackende Gerbstoffe, eleganter Körper, langer, frischfruchtiger Abgang, viel Potential. 18/20 trinken-2025
Pinot noir 2010 The Abyss
Aus dem besten, höchstgelegenen und nach Osten geneigten Block, 2.2 ha, 2000 gepflanzt, Ertrag 30 hl/ha, Ausbau mit 30% Neuholz, wird nur in ausgezeichneten Jahren erzeugt, 2008 erstmals erzeugt, eventuell auch 2012, Produktion 140 Kisten.
Offene Frucht, ganz dezente Holznoten, vielschichtig, Schmelz andeutend, viel Frische, am Gaumen noch sehr verschlossen, sehr zupackende noch etwas belegende Gerbstoffe, hochelegant, komplexe Aromatik, extreme Frische, sehr langer frischer Abgang, ein grosser Wein. 19/20 2017-2030