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Vor hundert Jahren also 1919 wurde erstmal der Nationalrat nach dem Proporz gewählt. Davon profitierten vor allem die SP und die Bauernpartei (Heute SVP). Der Obwaldner freisinnige Politiker Josef Durrer stellte in den 1880er-Jahren die Zahlen für insgesamt vier Wahlen zusammen (1881–1890) und zeigte auf, wie stark das bestehende Majorzsystem die Minderheiten benachteiligte. Er hat sich damit wohl innerhalb der Freisinnigen nicht viele Freunde geschaffen, den 1919 verlor sie fast die Hälfte ihrer Sitze.
Proporzwahlen sind in der Regel Listenwahlen. Auf einer Liste wird ein gemeinsamer Wahlvorschlag präsentiert mit einer unverbindlichen Reihenfolge und oft mit einem Spitzenkandidaten. Diese Listen können verbunden werden, um die Chancen von Minderheiten zu erhöhen. Vieles an Proporzwahlen ist also Mathematik. Aber der Grundgedanke ist und bleibt, dass eine Liste eine gemeinsame politische Einstellung repräsentiert.
Ich frage mich angesichts der heutigen Entwicklung je länger je mehr, ob diese Listenverbindungen heute nicht reine neoliberale Renditemaximierung darstellen und dem ursprünglichen Proporz-Gedanken zuwiderlaufen.
Pervertiert wird der Proporz im Moment durch die SP des Kantons Zug. 21 Kandidaten auf 7 Listen ist einfach nicht politisch begründbar, sondern verrät das es der SP nicht darum geht einen guten Mandatsträger nach Bern zu senden, sondern mathematisch das System aus zu reizen. Das ist eine Denkweise, welche sie tagtäglich bei anderen kritisiert und nun selber anwendet. Jeder Kandidierende muss fähig sein das Amt zum Wohle des Kantons zu übernehmen und dass die SP 21 fähige Kandidaten hat glaubt wahrscheinlich nicht einmal sie selber, das hätte keine Partei im Kanton Zug.
Eine Liste SP Zug nach Bern oder SP Klimaschutz macht politisch keinen Sinn. Natürlich ist die Gesellschaft fragmentierter als früher. Das heisst jedoch nicht, dass Parteien dies noch fördern sollten. Listen sind nicht sachpolitische Positionen, sondern Kandidaten mit einer kongruenten Einstellung und eigentlich sind Listen nach Alter oder Geschlecht mit dem Proporzgedanken nicht vereinbar! Alter und Geschlecht sind keine Minderheiten.
Das Vorgehen der SP ist reine Strategie und lässt jeglichen Respekt vor dem Amt vermissen.