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Boules de Moulins
Inhaltsverzeichnis
- 1 Die Postverbindung nach Paris, während der Belagerung 1870-1871
- 1.1 Die 4 verschiedenen Arten von Moulin sur Allier Briefe.
- 1.2 Die derzeit mir bekannten Boule de Moulins Briefe aus der Schweiz
- 1.3 Weitere bekannte, aus dem Ausland befördert Boule de Moulins Briefe
- 1.4 Sac de Rice mit Auslandsmischfrankatur
- 1.5 Bekannte Entdeckungen der Kugeln
- 1.6 Quellenangaben
- 1.7 Die Bilder aus fremden Quellen
- 1.8 Links zum Thema
- 2 Alter Text >>>> DIE BOULES DE MOULINS
- 3 ERFINDUNG:
- 4 ENTDECKUNGEN
- 5 Referenzen
- 6 Links
Die Postverbindung nach Paris, während der Belagerung 1870-1871
Am 19. Juli 18970 wurde der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich ausgeruf-en, wir kennen diesen als den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Dieser Krieg hinterliess uns Philatelisten einige bemerkenswerte historische Zeitdokumente über die Möglichkeiten der Postbeförderungen. (Papillon de Metz, Ballon Monte, Zinkkugelpost, Sac de Rice).
Bei der Belagerung von Paris 19. Sept 1870 kesselten die Deutschen Truppen Paris ein. Die Telegrafenkabel zur Stadt wurden gekappt und so war Paris von der Aussenwelt abgeschnitten. Anfänglich gelang es den Parisern mittels Brieftauben und Mikrofilmtechnik, Nachrichten hinaus zu schmuggeln, doch die meisten Tauben wurden von preußischen Jagdfalken abgefangen. Später wurde der Postverkehr aus Paris heraus mittels Ballonen „Ballon Monte“ gewährleistet. 67 dieser Ballone starteten in der Zeit vom 23.9.1870 -27.1.1871. Der Postweg von ausserhalb nach Paris blieb aber versperrt. Um diesen Problemen ein Ende zu bereiten, wurde in Paris eine wissenschaftliche Kommission eingesetzt, die alle Fragen der Luftbeför-derung sowie sonstige zuverlässigen Mittel untersuchen sollte, mit denen Post nach Paris befördert werden könnte.
Nebenstehender Ballon Monté Brief stammt aus einem der beiden Versuche, die Post per Ballon nach Paris zu befördern. Der Versuch scheiterte letztlich daran, dass sich die Ballone nicht steuern liessen. Beide Versuchsflüge verfehlten Ihr Ziel. Die Winde liessen die Ballone vom Zielort abtreiben.
Anfang Oktober 1870 wurde ein neues Projekt vorgestellt. Es war eine Weiter-entwicklung des bereits bekannten Schmugglersystems welches schon Jahre zuvor in den Läufen des Ysere an der Belgisch – Französischen Grenze eingesetzt wurde.
Es handelt sich um eine Hohlkugel aus Zink mit zwölf Flügeln von zirka 20 Zentimeter Durchmesser, die mit Inhalt etwas schwerer als Wasser sein sollte. Die Kugel bietet Platz für 500-700 Briefe und wird durch die Strömung des Flusses vorwärts getrieben. An beiden Enden befinden sich zwei luftgefüllte verschlossene Hohlräume als Auftrieb. Die zwölf Flügel erfüllen den gleichen Zweck wie die Schaufeln der Wassermühle. An der Längsseite hat die Kugel eine Öffnung, die kurz vor dem Zu Wasser lassen nach dem Einstecken einer "Streckenkarte" verschweißt wird. "Diese durch Schweißen verschlossene, wasserundurchlässige Kugel musste mit Ballast (Briefen) so beschwert werden, dass ihr Gewicht nur ein Milligramm über dem spezifischen Gewicht von Wasser lag. Derart beschwert liegt die Kugel lose auf dem Flussbett und rollt, von der Strömung getrieben, flussabwärts nach Paris.
Die Postbehörde veröffentlicht ein Rundschreiben an alle Postbeamten und lässt ein Plakat aufhängen, mit dem die Öffentlichkeit darüber informiert wird, wie sie die Umschläge zu adressieren hat: " Paris, par Moulins, Allier". Die Postämter in ganz Frank-reich, die Briefe für " Paris entgegen-nahmen, versicherten sich, dass das Gewicht von 4 Gramm nicht überschrit-ten wurde und die Sendung ausreich-end frankiert war (l Franc = 20 Cts In-landpost und 80Cts für die Erfinder der Schwimmkugel). Die Post wurde auf dem schnellsten Weg in das Postamt Moulins spediert, wo sie zentral gesam-melt und an einem Geheimen Ort ver-packt wurde. In jeder dieser Kugeln wurden 500-700 Briefe eingeschlossen.
Die ersten Boules de Moulins wurde in Bray-sur-Seine ausgesetzt, es folgen zahlreiche weitere in Thomery oder von der Brücke von Samois. (rote Pfeile). Die Kugeln wurden in Cosne Zwischen-gelagert und von dort aus abgeholt und Verteilt.
Von den rund 55‘600 Briefen, wurden rund 33 000 Briefe in der Stadt Moulins im Bezirk Allier südöstlich von Orléans in 55 Schwimmkugeln verpackt und in der Seine zu Wasser gelassen.
14‘600 Briefe kamen nach dem 19. Januar 1871 in Moulin an und wurden nicht nach Cosne weitergereicht. In Cosne warteten noch rund 8000 Briefe in Kugeln auf Ihre Wasserung und in Paris wartete man immer noch mit Netzen ausgerüstet, auf das Eintreffen der ersten Kugeln. Am 1. Februar wurde bekannt, dass sich Paris ergeben hatte. Die ca: 14‘600 Briefe welche nach dem 19. Januar 1870 in Moulin eingetroffen waren, verblieben dort und wurden am 10. Februar 1871 in 15 Reissäcken mit einem Nahrungsmittelkonvoi nach Paris geschmuggelt (Es handelt sich hier um die Sac de Rice Briefe). Diese Briefe mussten geschmuggelt werden, da das Waffenstillstands Abkommen vorsah, dass keine Verschlossenen/ Versigelten Schriften nach Paris gebracht werden durften.
Weitere 8000 Briefe blieben in Cosne bei weiteren Schwimmkugeln zurück, diese wurden nach dem 10 Februar mit der Normalen Post nach Paris verschickt.
Die 4 verschiedenen Arten von Moulin sur Allier Briefe.
Aufgrund verschiedener Kennzeichnungen ( Abgangsstempel, Durchgangsstempel, mit und ohne Ankunftsstempel, Fundortstempel) sind wir in der Lage zu bestimmen um was für einen Brief es sich handelt und wie er befördert wurde. 1. Briefe mit der Kennzeichnung Paris par Moulins sur Allier, mit Ankunftsstempel Paris 12.2.1870 kennen wir als Sac de Rice Briefe. Es sind die Briefe, welche nach dem 19. Januar in Moulins (Allier) eintrafen und dort nach dem Ende des Krieges, Anfangs Februar 1871 als Schmuggelware unter der Posthoheit in einem Versorgungskonvoi mit Reissäcken nach Paris geschmuggelt wurden. Mehr dazu im Kapitel Sac de Rice.
2. Briefe mit der Kennzeichnung Paris par Moulins sur Allier, mit Ankunftsstempel Paris, zwischen dem 14.2.1870 und dem 18.2.1871. Es handelt sich dabei um die in Cosne entdeckten 8000 Briefe, welche dort auf Ihre Abholung zur Wasserung warteten. Sie wurden Ende des Krieges ab 14.2.1871 per normaler Post befördert. Die Versiegelung von Postgut nach Paris (geschlossene Kuvert) war dann schon wieder erlaubt.
3. Briefe mit der Kennzeichnung Paris par Moulins sur Allier, mit Ankunftsstempel ab dem 6. März 1871. Sie wurden in rund 25 Kugeln, zwischen dem 6.3.1871-18.4.1882 geborgen und normal mit der Post ausgeliefert. Sie haben ab und zu den Fundortstempel drauf, meist aber nur den Ankunftstempel von Paris.
4. Briefe mit der Kennzeichnung Paris par Moulins sur Allier, ohne Ankunfts-stempel stammen aus den 9 Kugelfunden ab 1910-1988. Diese Briefe sind selten in guter Erhaltung zu finden. Zur Prüfung der Echtheit solcher Briefe tragen die folgenden Anhaltspunkte bei: Abgangsstempel zwischen 1.1. und 10-1. 1871 dazu die entsprechenden Durchgangs und Nebenstempel wie zB. Franz. Grenzstempel aus der Zeit.
Die derzeit mir bekannten Boule de Moulins Briefe aus der Schweiz

Weitere bekannte, aus dem Ausland befördert Boule de Moulins Briefe
Es sind derzeit Auslandbriefe mit der Bezeichnung Paris par Moulin sur Allier, aus England, Belgien und der Schweiz bekannt. Es sind aus verschiedenen Ländern solche „par Moulins Allier“ Briefe bekannt.

Sac de Rice mit Auslandsmischfrankatur
Am 19. Januar 1870 wurde die Schwimmkugelpoststelle in Moulin-s-Allier eingestellt. Keine der bisher eingelassenen Kugeln hatte Paris erreicht. Die noch ankommenden 14‘600 Briefe welche aber mit der Bezeichnung „Paris par Moulins sur Alliers“ beschriftete waren und im Laufe der Zeit noch im Postamt in Moulin eintrafen, wurden am 10 Februar 1871 als Schmuggelgut in Reissäcken befördert. Sie tragen alle einen Ankunftsstempel vom 12.2.1871, es handelt sich dabei, trotz der Beschriftung nicht um mit Zinckugeln beförderte Briefe.

Bekannte Entdeckungen der Kugeln
Nach der ersten Entdeckung einer Boule des Moulins, am 6. März 1871, werden weitere Versuche unternommen, die Kugeln aus dem Fluss zu bergen. Von 1871 – 1900 wurden rund 25 der bis heute bekannt gewordenen 34 Kugeln geborgen. Zwei weitere wurden 1910 und einen weitere 1920 geborgen. 1942 hebt ein Taucher eine der Kugeln an der Pont de Per von Melun. 1951 und 1954 entdecken spielende Kinder in Bazoches-les-Bray im Schilf weitere Kugeln. Am 6. August 1968 buddelt der Baggerfahrer Le Grevellec mit seinem Schwimmbagger die Boule de Moulins aus. Die Post veröffentlichte eine Liste der in dieser Kugel enthaltenen Briefe mit Namen und Anschriften und verteilt "die Post" an die Nachfahren und Erben einiger Familien. Am 14. April 1982 entdeckt Jacques Duval aus Watteville-la-Rue eine weitere Kugel. Erneut wird die Post ausgetragen. Die letzte bekannte Kugel wurde 1988 gefunden. Bei einigen, durch die Post zur Auslieferung gebrachten Briefen, (aus bisher 3 Kugelfundorten ) wurde ein Fundort Stempel aufgetragen, so wie dies bei der Unfall oder Katastrophenpost seit rund 1910 teilweise auch der Fall ist.
Quellenangaben
- 1. Buch : Ballon Montes / Boulles de Moulins ; Gerard Lheriter
- 2. Artikel : Boules de Moulins ; Steve Walske: [1]
- 3. Auktionskataloge Rölli 2007, Roumuet 2014, Corinphila 2000, Y&T 1975 p:126
- 4. Postmuseum Frankreich: [2]
- 5. Philatelisten [3]
- 6. Clubseite: [4]
Die Bilder aus fremden Quellen
Bild 1; Brief aus der Sammlung von Jean Voruz, Bild 2 / 3; stammen aus der Postal History Webseite copoweb (Quelle 5), Bild 6; aus dem Auktionskatalog 2013 Roumet, Bild 7; aus dem Katalog von Y&T aus dem Jahre 1975, Bild 8; aus dem Auktionskatalog der Rölli AG aus dem Jahre 2007, Bild 9 / 13 / 14 ; aus der Online Webseite des Postmuseum in Frankreich (Quelle 4), Bild 10; Internetseite eines Clubs über Auktionen (Quelle 6 ), Bild 11 / 12; Artikel von Steve Walske (Quelle 2)
Links zum Thema
- Postmuseum Frankreich / Boule de Moulins [[5]]
Alter Text >>>> DIE BOULES DE MOULINS
Als in der Weltgeschichte einzigartiges Beförderungsmittel und unvergleichliche philatelistische Kostbarkeit sorgen die Boules de Moulins jedes Mal für Aufsehen, wenn wieder einmal, wie zuletzt 1968, 1982 und 1988 eine dieser Flusspostkugeln geborgen wird.
Die verschiedenen Namen dieser Beförderungsart
ERFINDUNG:
Paris hungerte und fror, litt erhobenen Hauptes unter den militärischen Niederlagen, mehr jedoch noch unter der Isolierung. Die erste Ballonluftpost, die sie erfanden, organisierten und einsetzten, um ihre Briefe aus der Umzingelung heraus zu befördern, kannte leider noch kein Pendant: Aus Paris heraus konnte Post verschickt werden, nicht jedoch in die Stadt hinein. Zwar gab es die Brieftauben, doch flogen sie nur sporadisch und viele fanden nicht zurück in ihren Schlag. Dennoch war das Mikrofotografieverfahren von Dagron zweifelsohne eine phantastische Erfindung. Eine zwei Millionen Einwohner zählende und zudem bereits destabilisierte belagerte Stadt kann von einem Tag auf den anderen kollabieren. Die Regierung ist sich dessen nur zu bewusst und sorgt sich um die Verfassung ihrer Bürger. Deshalb wird in Paris eine wissenschaftliche Kommission eingesetzt, die alle Fragen der Luftbeförderung sowie alle zuverlässigen Mittel untersuchen sollte, mit denen die Pariser ihre so heiß ersehnte Post erhalten könnten. Anfang Oktober 1870 bittet Robert um ein Gespräch mit General Trochu. Er stellt ihm ein Projekt vor, das er zusammen mit Delort und Vonoven erfunden hat und mit dessen Hilfe offizielle Depeschen und private Post vom unbesetzten Frankreich auf dem Flussweg nach Paris befördert werden könnten. Diese Erfindung ist die Weiterentwicklung eines Schmugglersystems, das damals in den Läufen der Ysere an der belgisch-französischen Grenze benutzt wurde. Das äußerst scharfsinnige Projekt hat gute Erfolgsaussichten. Es handelt sich um eine Hohlkugel aus Zink mit zwölf Flügeln von zirka 20 Zentimeter Durchmesser, die etwas schwerer als Wasser ist; sie bietet Platz für 500 bis 700 Briefe und wird durch die Strömung des Flusses vorwärts getrieben. An beiden Enden befinden sich zwei luftgefüllte verschlossene Hohlräume als Ballast. Die zwölf Flügel erfüllen den gleichen Zweck wie die Schaufeln an den Rädern einer Wassermühle. An der Längsseite hat die Kugel eine Öffnung, die kurz vor dem Zuwasserlassen nach dem Einstecken einer "Streckenkarte" verschweißt wird. "Diese durch Schweißen verschlossene, wasserundurchlässige Kugel musste so mit Ballast beschwert werden, dass ihr Gewicht nur ein Milligramm über dem spezifischen Gewicht von Wasser lag. Derart beschwert liegt die Kugel lose auf dem Flussbett und rollt, von der Strömung getrieben, flussabwärts." Dieses Projekt benötigt zwar einige Zeit, ist jedoch hervorragend durchzuführen. Einige Prototypen der Kugel werden per Ballon aus Paris herausgeschafft, auf dem Land in Serie hergestellt, die Post für Paris wird an einer bestimmten Stelle zentral gesammelt, und die später mit einem Netz herausgefischten Kugeln wurden direkt vor der Nase der preußischen Vorposten in die Seine geworfen. Nach einem erfolgreichen Test in der Seine wird ein Ballon vorbereitet, der noch in derselben Nacht mit Delort und Robert starten soll. Die beiden haben den Auftrag, so schnell wie möglich die erste Unterwasser-Flusspostverbindung in Clermont-Ferrand einzurichten, während Vonoven in der Hauptstadt bleibt, um die ankommenden Kugeln entgegenzunehmen und zu überwachen. Der 2.045 m3 große Ballon mit dem Namen Denis-Papin verlässt die Halle. Es schneit, als Robert und Delort gegen 23 Uhr mit einem Postwagen in den Hof des Botendienstes der Gare d'Orleans gebracht werden, von wo aus die Ballons starten. Sie lernen ihren Piloten Daumalin kennen, einen standfesten Matrosen vom Fort d'Ivry. Mit einiger Verspätung heißt es um l Uhr nachts "Leinen los" und Denis-Papin steigt schwer beladen auf. Die Reise verläuft ohne Zwischenfälle in 1.200 bis 1.500 m Höhe bei leichtem Ostwind und konstanter Geschwindigkeit von etwa 30 km/h. Die Postbehörde veröffentlicht ein Rundschreiben an alle Postbeamten und lässt ein Plakat aufhängen (siehe Plakat), mit dem die Öffentlichkeit darüber informiert wird, wie sie die Umschläge zu adressieren hat: " Paris, par Moulins, Allier". "Die Postämter in ganz Frankreich, die Briefe für " Paris par Moulins" entgegennahmen, versicherten sich, dass das Gewicht stimmte (4 Gramm) und die Sendung ausreichend frankiert war (l Franc). Sie stempelten die Briefmarken ab und beförderten die Post auf dem schnellsten Weg in das Postamt Moulins-sur- Allier, wo sie zentral gesammelt wurde." Bertrand, Postdirektor von Moulins, ist ein hilfsbereiter Mann, der sich voll und ganz dem Projekt der Erfinder widmet. Er hilft beim Verschließen der von Delort verschweißten Kugeln. In jeder dieser Kugeln sind 500 bis 700 Briefe eingeschlossen. Robert setzt die ersten Kugeln in Bray-sur-Seine aus, es folgen zahlreiche weitere in Thomery oder von der Brücke von Samois. Nach jeder "Aufgabe" fährt er zurück in die Kleinstadt Cosne, wo alle "Postboten" versiegelt und abreisefertig warten (die Boules de Moulins). Robert durchstreift so die Departements Yonne, Loiret und Seine-et-Marne und befördert nach eigenen Angaben 55 Kugeln zu Fuß, im Wagen oder zu Pferd, bis er am l. Februar bestürzt erfährt, dass Paris sich ergeben hat. In Paris bleibt Vonoven trotz des Beschüsses auf seinem Posten und hofft morgens und abends im Netz die erste Kugel zu finden. Die Kälte nimmt jedoch zu und im Oberlauf der Seine bilden sich Eisblöcke. Um den 22., 23. Januar herum beginnen sich diese Eisblöcke zu lösen und reißen dabei alles mit. Unter dieser Belastung brechen Befestigungen und Stützen des Netzes auseinander. DIE GESCHICHTE ... UND DIE LEGENDE LEBT Nach der ersten Entdeckung am 6. März 1871 werden weitere Versuche unternommen, die Kugeln aus dem Fluss zu bergen. Wunderbare Boules de Moulins, die ihr die kostbaren Sammlungen der ganzen Welt bereichert, eure Geschichte endet nicht mit der Belagerung von Paris. Die Entdeckungen des 20. Jahrhunderts sind gespickt mit Kindermärchen, Erwachsenengeschichten, denkwürdigen Versteigerungen und Aufsehen erregenden Prozessen. 1942 hebt ein Taucher eine der Kugeln an der Pont de Per von Melun. 1951 entdecken spielende Kinder in Bazoches-les-Bray im Schilf eine weitere Kugel. (Grundlage für den Roman "Le Collier de Feu") Am 6. August 1968 buddelt der Baggerfahrer Le Grevellec mit seinem Schwimmbagger die Boule de Moulins aus, die in den Annalen der Justiz die höchsten Wellen schlagen wird. Wem gehört die Kugel? Die Post veröffentlicht eine Liste der in dieser Kugel enthaltenen Briefe mit Namen und Anschriften von vor über 100 Jahren und verteilt "die Post" an die Nachfahren und Erben einiger Familien. Die Bemühungen waren nicht umsonst und die Erfindung war gewiss kein Misserfolg, sondern eine fabelhafte Geschichte, die wir unseren Kindern und Enkeln noch lange erzählen können. Und zurecht! Am 14. April 1982 entdeckt Jacques Duval aus Vatteville-la-Rue eine weitere Kugel. Und erneut wird die Post ausgetragen. 111 Jahre später... Wann wird die nächste gefunden? Etwa zwanzig Kugeln müssten noch auf dem Flussgrund liegen. Vielleicht warten sie auf das neue Millennium?
ENTDECKUNGEN
33 mal wurden zwischen dem 6. März 1871 und dem 14. April 1982 Kugeln aus dem Fluss geborgen. Bleiben also immer noch etwa zwanzig Boules de Moulins auf dem Grund der Seine im Schlamm vergraben.
ENTDECKUNG VON BAZOCHES-LES-BRAY
Im Juli 1951 spielen Kinder in Bazoches-les-Bray (Departement Seine-et-Marne), fünf Kilometer flussaufwärts von Bray-sur-Seine, am Ufer der Seine und finden eine Metallkugel, die im Flussschilf gestrandet ist. Sie halten die Kugel für eine Bombe und beschließen, sie explodieren zu lassen, aber das Ding will - aus gutem Grund - einfach nicht in die Luft gehen. Mit einem Meißel traktieren sie das Metall, schaffen es, die Kugel aufzubrechen, und sind verblüfft, in ihrem Inneren einige Hundert Briefe in halbwegs gutem Zustand vorzufinden, denn Feuchtigkeit war kaum eingetreten. Enttäuscht lassen sie das Ding liegen und spielen weiter. Zurück in ihrem Dorf erzählen sie abends ihren Eltern von dem merkwürdigen Fund. Sie werden aufgefordert, das seltsame Ding am nächsten Tag mitzubringen. Leider hatten Regen und nächtliche Kälte mittlerweile mehr Schaden angerichtet als 80 Jahre auf dem Grund des Flusses. Die Briefe waren schmutzig, manche vollständig oder teilweise unleserlich und viele Briefmarken waren abgelöst. Nachdem eine Lokalzeitung damals von der Entdeckung berichtet hatte, reisten Briefmarkensammler aus der Region nach Bazoches und nahmen "als Souvenir" einige Briefe, vor allem aber die Briefmarken mit (offensichtlich waren relativ viele "Bordeaux" darunter). Wir hatten einige Monate später die Gelegenheit, Bazoches zu besuchen und eine kleine persönliche Befragung zu diesem Fund durchzuführen. Der Vater eines der Jungen erzählte uns die ganze Geschichte und zeigte uns die Überbleibsel der Kugel und deren Inhalt. Die meisten verbleibenden Briefe waren ohne Marken, aber einige wenige Briefmarken lagen verstreut zwischen der verlorenen Post. Nach unseren Recherchen konnten wir die Frankaturen einiger Briefe ganz oder teilweise rekonstruieren; die meisten Briefmarken waren wertlos, aber sie gehörten zu den Dokumenten, die vor uns lagen. Die Abgangsstempel auf den paar Dutzend Sendungen lagen zwischen dem 25. Dezember 1870 und dem 6. Januar 1871.
1954: 2. Entdeckung in Bazoches-les-Bray. 1956: 2. Entdeckung in Montereau (erste Stellungnahmedes Conseil d'Etat).
6. August 1968: Entdeckung in Saint-Wandrille durch Le Grevellec. 14. April 1982: Entdeckung in Vatteville-la-Rue durch Jacques Duval.
Referenzen
Dieser Artikel ist ein Abbild aus dem Buch "Ballons Monte Boules de Moulins" von Gérard Lhéritier