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Umfang vermehrt, so nennen wir dieses eine Augenwassersucht. Das gestörte Gleichgewicht zwischen Exhalation und Resorption bedingt dieses Uebel, das entweder ursprünglich durch zu grosse Anhäufung der wässerichten, oder der gläsernen Feuchtigkeit entsteht. In der Höhe der Krankheit ist jedoch immer vermehrte Anhäufung beider vorhanden, welchen Zustand man mit der Benennung „Buphthalmus“ belegt ). Wenn der Hydrophthalmus von der vordern Augenkammer ausgeht, so häuft sich die wäs– serichte Feuchtigkeit in grösserer Quantität an, die vordere Augenkammer vergrössert ihren Umfang, die Hornhaut dehnt sich beträchtlich aus, und verliert an ihrer Dicke; dabei scheint sie an ihrer Durchsichtigkeit einzubüssen, was jedoch mehr dem qualitativ veränderten, getrübten Zustande der wässerichten Feuchtigkeit zuzuschreiben ist *). Der Kranke hat ein drückendes Gefühl im Auge, wird fernsichtig, zuletzt amblyopisch. Der Aug– apfel fühlt sich hart an, die blaue Farbe der Sclerotica im Umfange der Hornhaut zeigt die Varicosität der Blutgefässe des Auges an. Auch die Conjunctiva ist gewöhnlich leicht geröthet. Die Schmerzen verschwinden; der vermehrte Umfang des Bulbus bleibt auf der erreichten Stufe stehen; die Amblyopie vermindert sich *); oder aber es bildet sich, was gewöhnlich ist, der Buphthalmos aus. Wenn der Hydrophthalmus von der hintern Hemisphäre des Auges beginnt, so wird, indem
4) Scarpa (im a. W. 2. B. S. 254) bemerkt, dass er niemals bestimmen konnte, ob die wässerichte oder die gläserne Feuchtigkeit mehr Antheil an der Ausbildung der Krankheit habe, was in dem vorgerückten Zustand des Uebels allerdings nicht mehr erkannt werden kann.
2) Beer, im a. W. 2. B. S. 617.
3) Delpech, Precis elementaires des maladies chirurg. T. 3. P. 173.
die Glasfeuchtigkeit ihren Umfang vermehrt, die lris nach vorwärts getrieben, die vordere Augenkammer verkleinert. Die Iris verändert ihre Farbe, die Sclerotica wird blau und schmutzig, der Leidende kurzsichtig, verliert endlich das Sehver– mögen, so dass auch nicht die unbedeutendste Lichtempfindung übrig bleibt. Die Schmerzen nehmen in dem Grade zu, als durch die angehäuften Flüssigkeiten die Ausdehnung der Häute vermehrt wird. "Es beginnen jetzt die Erscheinun– gen, welche den Buphthalmus bezeichnen. Indem der Augapfel im ganzen Umfange sich ausdehnt, die Hornhaut zwischen den Augenliedern sich vordrängt, so dass diese den Augapfel nicht mehr zu bedecken vermögen; zeigt die Iris bei den Bewegungen des Augapfels eine flottirende Bewegung. Der Schmerz beschränkt sich nicht mehr auf den Augapfel, sondern nimmt die Augenhöhle, die Stirn–, Schläfe– und Hinterhauptsgegend ein. Der Ausgang des Uebels verhält sich verschieden. Zuweilen, wenn die Ausdehnung einen hohen Grad erreicht hat, macht das Uebel Stillstand, die Schmerzen hören auf, die Hornhaut wird im gan– zen Umfange getrübt, und das Auge ist vollkommen crblindet. Oder aber der ausgedehnte Aug– apfel geht in Zustand der Atrophie, indem er immer mehr seinen Umfang verkleinert, über; oder es entsteht purulente Consumption, indem die Hornhaut berstet und ulcerirt, die Flüssigkeiten sich entleeren, die Häute in einen kleinen, unförmlichen Klumpen verschmelzen. Zuweilen aber, wenn carcinomatöse Entartung oder Markschwamm ) mit dem Hydrophthalmus verbunden ist, so ist der Schmerz sehr heftig und unerträglich, ehe noch beträchtliche Ausdehnung des Augapfels besteht; das Auge wird höckerig, es entleeren sich die
“) Scarpa (im a. W; 2. B. S. 257) beschreibt einen Fall, in welchem Fungus mcdullaris mit Hydrophthalmus bestand.
Flüssigkeiten; es sprossen wuchernd vegetirende Fleischmassen hervor; die benachbarten Drüsen vermehren ihren Umfang, es stellt sich Schlaflosigkeit und Fieber, und im Gefolge dieser Erscheinungen der Tod ein.
Die Anhäufung der Feuchtigkeit kann durch die vermehrte Absonderung erfolgen, welche, durch einen schleichend entzündlichen Zustand bedingt, entweder in Organen, welche die wässerichte, oder in jenen, welche die gläserne Feuchtigkeit absondern, hervorgerufen wurde. Man findet desshalb gewöhnlich qualitative Veränderung der secernirten Flüssigkeiten, nämlich die wässerichte Feuch– tigkeit weniger hell, die gläserne Feuchtigkeit flüs– siger, in der Farbe und Mischung verändert *). In Folge dieser entzündlichen Zustände treten organische Veränderungen verschiedener Theile auf, indem die Zellen der verdünnten Glashaut zerstört werden, in andern Fällen der Glaskörper und die Krystall– Linse verschrumpfen, sich ver– knöchern, die Chorioidea varicöse, die Retina zerstört, oder auf eine oder die andere Weise krankhaft verändert gefunden wird. Zuweilen gehen aber diese organischen Veränderungen dem Hy– drophthalmus zuvor, bewirken Hindernisse in der Resorption oder geben selbst Anlass zu dem schleichend entzündlichen Zustand. Immer ist mehr oder weniger der varicöse Zustand der Gefässe des Augapfels auffallend *). Gewöhnlich liegt dem Uebel eine allgemeine Cachexie, z. B. Scrophel– krankheit, Lues etc. zu Grund; bisweilen ist sie mit allgemeiner Wassersucht gleichzeitig bestehend. Quetschungen des Auges und der Augengegend können zur Entstehung des Hydrophthalmus mit– wirken.
4) Scarpa, im a. W. 2. B. S. 254. 2) Wardrop (im a. W. 2. B. S. 126) bchauptet, nicmals einen Hydrophthalmus ohne krankhafte Veränderung der Hornhaut oder der Sclerotica gesehen zu haben,
Da nicht selten ein entzündliches Leiden die Entstehung des Hydrophthalmus bedingt, so muss bei dem ersten Auftreten des Uebels die specifike Ursache der Reizung erforscht, entfernt, und das entzündliche Uebel bekämpft werden. Nur in dem ersten jugendlichen Auftreten des Ucbels vermag eine gründliche Heilung ohne Verlust des Sehevermögens erzielt werden. Wenn die Krankheit einen höheren Grad erreicht hat, so entziehen die vorhandenen organischen Verbildungen jede Hoffnung zur Herstellung der Normalität des Organes.
Den innerlichen Gebrauch des Mercurs mit Digitalis nebst andern antiphlogistischen Mitteln empfiehlt Beer); Scarpa *) räth den Gebrauch schleimichter Waschungen, und, um die Spannung und die Schmer– zen zu vermindern, die Anwendung erweichender Cataplasmen, wobei er bemerkt, dass die adstringirenden, stärkenden Augenwasser immer schäd– lich wirken. Das Ansetzen der Blutigel, der in– nerliche Gebrauch des Mercurs, die Einreibungen desselben in die Nähe des Auges, die Anwendung trockener oder feuchter Wärme nach dem Reizvertrag des Individuums mittelst Kräutersäckchen oder Cataplasmen, das öftere Entleeren der wäs– serichten Feuchtigkeit, dieses sind vorzüglich die Mittel, welche beim Auftreten des Uebels sich eignen. Die Ableitungen, besonders durch das Haarseil im Nacken, durch die Seidelbastrinde, die Einreibungen scharfer Salben etc. eignen sich vorzüglich in jenen Fällen, in welchen die Hauthätigkeit gestört, eine krankhafte Reizung von der Oberfläche auf das Auge getrieben, z. B. das Uebel durch Unterdrückung der Flechten, eines arthritischen Leidens etc. gebildet wurde. Die der specisiken Ursache angemessenen Arzneien dürfen
1) Im a. W. 2. B. S. 62o. 2) Im a. W. 2. B. S. 2 (o.
nicht vernachlässiget werden. Nur bei dem an– fangenden Hydrophthalmus kann mit Erfolg die einfache Punction der Hornhaut, welche am untern Theile derselben mittelst eines Staarmessers ge– macht und wiederholt, oder deren Wiederholung dadurch verhütet wird, dass man die Wunde täg– lich einige Mal sanft öffnet, vorgenommen wer– den. Ist das Sehevermögen vollkommen aufge– hoben, so muss man die Spitze der Hornhaut ausscheiden, dadurch eine Wunde mit Substanz– verlust setzen, in Folge welcher eine, die Quel– len der Feuchtigkeiten versiegende, Entzündung sich bildet, und nach erfolgter mässiger Eiterung ein zum Einlegen eines künstlichen Auges sehr geeigneter Bulbus erhalten wird ). Nach Beer *) wird ein Hornhautschnitt, wie bei der Extraction des Staares, gemacht, die Kapsel geöffnet, die Linse aus dem Auge gedrückt, und die Entleerung des Glaskörpers bewirkt. Ein Theil des Hornhautlappens wird alsdann weggeschnitten, um die fer– nere Anhäufung der Flüssigkeiten zu verhüten. Das erstere Verfahren scheint das vorzüglichere zu seyn. Hat sich eine carcinomatöse Metamor– phose eingestellt, so bleibt als einziges, sehr zweideutiges Mittel die Exsirpation des Auges übrig. Die Hyperceratosis") besteht in einer Substanz
4) Scarpa (im a. W. S. 266) empfiehlt dieses Verfahren, das er auch für das Totalstaphylom der Hornhaut für das geeignetste hält. Mit Recht wird das Abtragen der Hornhaut an ihrer Circumferenz verworfen. Eben so wird die Punction der Sclerotica missrathen. Das Durchziehen eines Haarseils durch die Hornhaut, das Einführen einer Mesche, eines Bleiblättchens oder eines andern fremden Körpers, um bei einfachen Punctionen der Hornhaut das Verschliessen der Wunde zu verhüten, diese Verfahren, wurden schädlich befunden und allgemein verlassen. 2) Beer, i. a. W. 2. B. S. 626. 3) Hm) (Bibliothek für Ophthalmologic 1. B. 2. St. S 4o1) schlägt diese (Texsparagug) gut bezeichnende Bencunung vor, an die Stelle der bis jetzt gebräuchlichen Be