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Karl Meier
Der Schauspieler beginnt in der Schweiz zu arbeiten und entdeckt den Schweizerischen Freundschafts-Verband
Angesichts der sich verdüsternden Situation in Berlin zögerte der 35-jährige Meier nicht, der Aufforderung von Adolf Brand nachzukommen. Er empfand sie als Auftrag, als in schriftliche Form gefasste Stabübergabe und machte diesen Brief des Herausgebers der ersten Zeitschrift für Homosxuelle zu seiner Devise. Denn bei Brand hatte Meier als Autor mitgewirkt, es hatte sich ein freundschaftliches Verhältnis gebildet. Nun (1932) wurde er in die Schweiz geschickt.
Kaum zu Hause angelangt, bewarb sich Karl Meier beim Städtebundtheater Biel-Solothurn erfolgreich als Schauspieler und trat in diversen Rollen auf. Bei der herrschenden Arbeitskrise hätte er als Erwerbsloser seinem Auftrag, den er als Nebenbeschäftigung sah, niemals gerecht werden können.
Auf die Saison 1933/34 wechselte er zum neu eröffneten Stadttheater Schaffhausen und verkörperte dort gewichtige Partien. Karl Meier überzeugte so sehr, dass der Präsident des Theaters, der später wohlbekannte SP-Politiker und langjährige Stadtpräsident von Schaffhausen, Walther Bringolf (1895-1981), ihm 1935 die Übernahme der Spielleitung anbot. Meier war aber bereits eine anderweitige vertragliche Verpflichtung eingegangen: Am 1. September 1934 startete das Cabaret Cornichon auf der Zürcher Hirschenbühne. Und Meier war von Anfang an mit dabei.
Schon im Winter 1933/34 hatte er sich ein Zimmer im Zürcher Seefeld genommen, denn in dieser Stadt wollte er wirken und bleiben.
Ende April 1934 bemerkte er an einem Kiosk das Schweizerische Freundschafts-Banner, erwarb es und plante sofort, mit der Herausgeberin in Kontakt zu treten. Anfang Mai besuchte er erstmals das Vereinslokal und traf mit Anna Vock zusammen. In einem Entwurf zur Jubiläums-Nummer Der Kreis, 12/1952 beschrieb er diese Begegnung:
"Eine Frau im kleidsamen Herrenschnitt entdeckte mich und sprach:
'Chömmed Sie au e chli under d'Lüüt - oder tüend Sir frömde?'1
Ich stotterte ein verschüchtertes 'Nein' und gab mir Mühe, auch zu lächeln wie sie. Das war meine erste Begegnung mit Mammina!"2
Ernst Ostertag, Juni 2004
Weiterführende Links intern
Anmerkungen
- 1
"Kommen Sie doch etwas zu den Leuten - oder fremden Sie?" 'fremden' = sich als Fremder fühlen
- 2
"Mammina" als Ehrenname für Anna Vock erschien gedruckt erstmals im Menschenrecht, 6/1937