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<h2>SubmittedText<h2><p>1995 wurde die Maturität reformiert. Das Typenmodell wurde durch ein Wahlfachmodell ersetzt. Dies hat zu grossen Veränderungen des akademischen Bildungsweges geführt. Häufig werden von Absolventen die weniger schwierigen Fächerkombinationen gewählt. Mathematik und Naturwissenschaften sind trotz der später erfolgten kleinen Anpassung bei der Maturitätsnotenberechnung immer noch untergewichtet.</p><p>Eine Studie der ETH Zürich über Studienerfolg und Maturitätsnoten kommt zum Schluss, dass ein enger Zusammenhang vor allem auch mit den gewählten Schwerpunktfächern der Studierenden besteht. Die Schwerpunktfächer Physik/angewandte Mathematik sowie Griechisch und Lateinisch erzielen die besten Studienerfolge.</p><p>Eine weitere Folge des Wahlfachmodells sind die um einiges höheren Kosten, welche durch die zahlreichen Wahlmöglichkeiten entstehen. Diese führen zu aufwendigen Stundenplänen und erhöhten Lektionenzahlen mit entsprechenden Kostenfolgen, oder die Wahlmöglichkeiten werden an sich systemwidrig zunehmend eingeengt.</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat - zwanzig Jahre nach der Einführung der neuen Verordnung über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen (MAV), welche statt der Typen A, B, C, D, E nun neben Grundlagenfächern auf Schwerpunktfächern und Ergänzungsfächern beruht - die Auswirkungen der MAV/MAR (Maturitätsanerkennungsreglement der EDK) auf die Reife der Maturanden, auf deren Studierfähigkeit und die Veränderung der Kosten pro Matura?</p><p>2. Nach Berechnungen bestehen rund 400 mögliche Kombinationen bei der geltenden MAR. Wie viele sind effektiv realisiert?</p><p>3. Wie beurteilt er die extrem hohe Streuung der Ergebnisse zwischen Individuen und Klassen, welche die Evaluation Evamar bei Testaufgaben festgestellt hat? Was gedenken der Bundesrat und die EDK dagegen zu tun?</p><p>4. Wie beurteilt er die von Bildungskreisen gestellten Forderungen, nach zwanzig Jahren MAV wieder vom Wahlfachmodell zum Typenmodell überzugehen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Bund und Kantone regeln gemeinsam die gesamtschweizerische Anerkennung der gymnasialen Maturität. Zuständig für die gymnasialen Maturitätsschulen sind die Kantone. Sie sind deren Träger und verantwortlich für Aufsicht und Finanzierung.</p><p>Ziel des im Jahr 1995 vom Bund und von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) beschlossenen Systemwechsels war eine Individualisierung der Ausbildung, ohne die Zulassung zum universitären Studium zu verlieren. Sechs Jahre später erfolgte eine gesamtschweizerische Evaluation zu Umsetzung und Wirkung der Reform, deren Ergebnisse (Evamar I) 2007 in eine Teilrevision des Maturitätsanerkennungsreglements (MAR) und der Maturitätsanerkennungsverordnung (MAV) einflossen. Mit Schwergewicht "Studierfähigkeit" folgte 2008 eine zweite Studie (Evamar II). Diese zeigte, dass der überwiegende Teil der Schweizer Maturandinnen und Maturanden gut gerüstet ist für ein universitäres Studium. Bei einem kleinen Teil ist jedoch in bestimmten Bereichen der Mathematik und Erstsprache das Wissen und Können mangelhaft oder ungenügend. Basierend auf diesen Erkenntnissen wurden seitens der EDK Reformarbeiten angestossen. 2015 wird ein Bericht zu den basalen Studierkompetenzen in Schulsprache und Mathematik publiziert, jenen grundlegenden Kompetenzen, die Voraussetzung für die meisten Studien sind. Auf dieser Grundlage können allfällige weitere Massnahmen in die Wege geleitet werden.</p><p>Zu den einzelnen Fragen:</p><p>1. Der Bundesrat bewertet die Maturitätsreform grundsätzlich als erfolgreich und zukunftsgerichtet. Insbesondere die Einführung der Maturaarbeit gilt als wertvolles Instrument und Fortschritt im Hinblick auf die Studierfähigkeit. Die Ergebnisse von Evamar II zeigen trotz hoher Systemkomplexität eine qualitativ hochstehende gymnasiale Ausbildung. Zu den Kostenfolgen der Revision können keine Angaben gemacht werden. Zwar publiziert das Bundesamt für Statistik regelmässig entsprechende kantonale Daten. Für Rückschlüsse auf die Revision müssten jedoch weitere Determinanten berücksichtigt werden (z. B. Entwicklung der Schülerzahlen, Löhne).</p><p>2. Die 2013 durch die EDK publizierte Studie "Bildung am Gymnasium" bietet einen systematischen Überblick über die gymnasiale Bildungslandschaft. Neben Basisdaten wird das Fächerangebot von 129 Maturitätsschulen aufgeführt. Die einzelnen Gymnasien profilieren sich durch ein spezifisches Angebot. Unterschiedliche Fächerkanons und Kombinationsmöglichkeiten tragen den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler Rechnung.</p><p>3. Die festgestellten Leistungsunterschiede sind gemäss Studienverantwortlichen auf individuelle wie strukturelle Faktoren zurückzuführen. Die Thematik, die in den Bildungsberichten 2010 und 2014 aufgegriffen wurde, bildet einen Schwerpunkt im gemeinsam von Bund und Kantonen getragenen Bildungsmonitoring. Bereits 2011 haben Bund und Kantone sich zum Ziel gesetzt, den prüfungsfreien Zugang zur Universität mit gymnasialer Maturität langfristig sicherzustellen. Der Bundesrat unterstützt die laufenden Reformarbeiten der EDK zur Verbesserung der Studierfähigkeit. Dazu gehören neben dem genannten Bericht zu den basalen Studierkompetenzen Initiativen zur Institutionalisierung des Austauschs zwischen Gymnasien und Universitäten auf nationaler Ebene, die Unterstützung der Schulen bei der Erarbeitung und Durchführung von gemeinsamen Prüfungen und die Etablierung der Studien- und Laufbahnberatung an den Gymnasien.</p><p>4. Eine Rückkehr zum System der Typenmaturität ist für den Bundesrat zurzeit kein Thema. Damit liesse sich das von Bund und EDK gemeinsam verfolgte Ziel, den prüfungsfreien Zugang zur Universität mit der gymnasialen Maturität langfristig zu sichern, kaum erreichen. Das heutige System vermittelt gerade im Hinblick auf die Studierfähigkeit wichtiges Know-how.</p>  Antwort des Bundesrates.