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Wie ein Wunder
Erstmals wieder sehen zu können, ist wie ein Wunder. Doch viele Menschen in den Armutsgebieten, die am Grauen Star erblindet sind, werden erst spät oder gar nicht operiert. Dies dauerhaft zu verändern, dazu trägt die CBM in Simbabwe massgeblich bei.
«Ich spiele gerne Pada», verrät Tawa. Pada ist wie das bei uns bekannte «Himmel und Hölle»: In den Sand gezogene Felder führen zum obersten, dem Himmel-Feld. Wer einen Stein in ein Feld geworfen hat, darf bis dahin hüpfen. Doch Tawa tritt stets auf die Linien, die dadurch verwischt werden. Zudem wirft sie den Stein oft zu stark links oder rechts. «Die anderen Kindern meinen, ich schummle. Aber ich sehe nichts und springe deshalb nicht gut.» Die Kinder weisen die 8-Jährige weg, die sich traurig abseits hinsetzt. Ihre Mutter, die solche Szenen häufig beobachten muss, seufzt hörbar. Tawa wendet den Kopf und sagt leise: «Ich kann dich nicht sehen, Mama.»
«Es schmerzt so sehr», erklärt Pamela Guzura, «als Mutter nur zusehen und nicht helfen zu können.» Seit zwei Jahren lässt Tawas Sehkraft nach. Sie hat zunehmend Mühe, von der Wandtafel zu lesen, und schreibt immer schiefer. Der Lehrer hat der Mutter geraten, einen Augenarzt aufzusuchen. Um aber mit ihrer Tochter vom Städtchen Norton in die 50 Kilometer entfernte Hauptstadt Harare zu fahren, muss Pamela Guzura monatelang sparen. Vom Ehemann verlassen hält die alleinstehende Mutter sich und ihre fünf Kinder mit kleinen Putzaufträgen über Wasser.
In der Zwischenzeit wird Tawa von den anderen Kindern gehänselt, weil sie draussen die Augen zukneift und meistens lieber in der dunklen Zweiraum-Wohnung sitzt. Zu sehr blendet sie das Tageslicht. «Tawa stösst sich dauernd irgendwo und fällt hin», schildert die Mutter. Der Lehrer hat im Zeugnis vermerkt, Tawa sei intelligent und würde prima Leistungen zeigen – wenn sie nur sehen könnte.
Doch dann hat die Mutter genügend Geld zusammengespart. Sie fährt mit Tawa zur Augenklinik Sekuru Kaguvi. Nur diese und die ebenfalls CBM-geförderte Morgenster-Klinik bei Masvingo führen in Simbabwe Augenoperationen bei Kindern durch. Rasch erkennt Augenchirurg Dr. Kudzai Zimudzi, wie es um das Augenlicht steht: «Tawa sieht nur noch 30 bis 50 Prozent. Und das wird sich weiter verschlechtern. Sie muss dringend am Grauen Star operiert werden. Denn Augen und Gehirn entwickeln sich bei 8-Jährigen noch. Würden wir länger damit warten, würde es irgendwann zu spät, um eine gute Sehkraft zu erreichen.» Die Erleichterung bei Tawas Mutter ist riesig, als sie erfährt, die Kosten der Behandlung übernehme in vollem Umfang die CBM.
Zwei Tage später tragen Tawas Augen implantierte neue Linsen und die Augenverbände sind eben abgenommen worden. Tawa blinzelt, sieht sich vorsichtig im Patientensaal um. «Ich sehe sehr viel besser als vorher!», lächelt sie und erklärt: «Wenn ich wieder zu Hause bin, schreibe ich zuallererst etwas. Ich schreibe jetzt sicher besser.» Die Mutter streicht ihr übers Haar und strahlt: «Ich bin sehr erleichtert.»
Wie Sie helfen können
Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie unseren Partnerkliniken, Betroffene aufzufinden und zu behandeln. So kann vermeidbare Blindheit geheilt oder verhütet werden. Bei einem Kind kostet die Operation am Grauen Star samt Vollnarkose und augenoptischer Nachsorge 180 Franken. Jeder Franken zählt!
Zehntausende von vermeidbarer Blindheit betroffen
Afrika südlich der Sahara weist eine der weltweit höchsten Blindheitsraten auf – mehr als ein Prozent der Erwachsenen sind blind. Die Hälfte von ihnen aufgrund des Grauen Stars. Allein in Simbabwe warten rund 30 000 von ihnen auf die rettende Operation. Hinzu kommen dort zusätzlich gut 35 000 Menschen, deren Sehvermögen aufgrund der trüben Linsen stark eingeschränkt ist. Dringend am Grauen Star operiert werden müssten im Land 130 000 Augen.
Die CBM fördert die augenmedizinische Hilfe in Simbabwe seit 1974. Heute unterstützt die CBM das Gesundheitssystem des Landes darin, den Rückstand an Operationen aufzuholen. Bislang wird nur rund die Hälfte der am Grauen Star bereits erblindeten Personen operiert. Doch in einigen Jahren sollte das Land ohne CBM-Hilfe die Neuerkrankungen bewältigen können. Die CBM Schweiz allein ermöglicht jährlich rund 3000 Operationen am Grauen Star, die internationale CBM-Föderation insgesamt rund 7000.
Die CBM geht mehrgleisig vor: Zum einen sorgt die CBM für augenmedizinisches Gerät und Material sowie für die Ausbildung der Fachkräfte. Zusätzlich zu bestehenden Kliniken werden mobile Operationsposten eingerichtet. Gleichzeitig fördert die CBM Reihenuntersuchungen und die Früherkennung insgesamt. Zum anderen werden sämtliche Leistungen für alle Menschen mit Behinderungen zugänglich gemacht. So werden Räume barrierefrei gestaltet sowie Informationen in Blindenschrift, Grossschrift, Piktogrammen sowie in Gebärden- und in Leichter Sprache angeboten.
Woran Menschen erblinden
Weltweit leben 43 Millionen blinde Menschen. 9 von 10 blinden Menschen leben in Entwicklungsgebieten.
Erblindet sind:
- 17 Millionen am Grauen Star
- 3,6 Millionen am Glaukom (Grünen Star)
- 3 Millionen aufgrund fehlender augenoptischer Korrektur
- 1,8 Millionen an altersbedingter Makula-Degeneration (Makula = Stelle schärfsten Sehens auf der Netzhaut)
- 1 Million an diabetischer Retinopathie (Netzhautschäden wegen Zuckerkrankheit)
- Rund 1 Million an der bakteriellen Infektion Trachom
- 16 Millionen wegen anderer Ursachen wie frühgeburtlicher Netzhautablösung, Hornhautverkrümmung, Unfallfolgen, Entzündungen, Mangel an Vitamin A oder Tumoren.
Quelle: International Agency for the Prevention of Blindness, 2021