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Pünktlich auf das Wochenende kam die nächste Südstaulage, und wiederum stieg die Lawinengefahr auf Stufe 4 (gross). Im Süden war dies der vierte Grossschneefall seit Mitte Februar und der Sonntag der bisher lawinenreichste Tag dieses Winters. Im Norden entstand mit dem Föhnsturm ein ausgeprägtes Triebschneeproblem, und es wurden viele Lawinen von Personen ausgelöst.
Seit dem letzten AvaBlog schneite es von Dienstagnachmittag, 05. März bis in die Nacht auf Donnerstag, 07. März oberhalb von 1500 m am Nördlichen Alpenkamm, aber auch vom Avers bis ins Berninagebiet verbreitet 30 bis 50 cm, von der Gemmi bis zur Reuss sogar bis zu 80 cm. Sonst fielen 15 bis 30 cm Schnee (Abbildung 1).
Dieser Schnee fiel bei meist schwachem Wind aus nördlichen Richtungen und war somit verbreitet sehr locker. Lawinen wurden meist in oberflächennahen Schichten ausgelöst, ausser in Graubünden. Dort gab es auch Auslösungen in tieferen Altschneeschichten, wie sie im letzten AvaBlog beschrieben sind (Abbildung 2).
In der Nacht zum Freitag, 8. März nahm der Südwind allmählich zu und im Tagesverlauf setzte in den Alpentälern der Föhn ein. Am Nachmittag war er bereits mässig bis stark und griff in die Täler hinunter. Am Samstag, 9. März nahm der Föhn weiter zu und erreichte in der Nacht auf den Sonntag, 10. März Sturmstärke. Am Sonntag, 10. März ging der Föhn zu Ende (Abbildung 3).
Besonders an Nordhängen lag gebietsweise viel lockerer Schnee von den Vortagen (vgl. oben). Dieser wurde mit dem Sturm intensiv und bis unter die Waldgrenze verfrachtet (Abbildungen 4 und 5). An Südhängen dagegen war in mittleren Lagen bereits eine mehr oder weniger tragfähige Kruste vorhanden. Der Triebschnee wurde in Nordhängen auf lockeren Schnee und teilweise auch auf Oberflächenreif abgelagert und war deshalb störanfällig. Entsprechend wurden am Freitag und Samstag viele kleine und mittlere Lawinen im Triebschnee ausgelöst (Abbildungen 5 und 6).
Die Lawinengefahr (vgl. Gefahrenverlauf ganz unten) wurde in den Föhngebieten meist mit Stufe 3 (erheblich) eingeschätzt.
Das Pendant zum zunehmenden Föhn im Norden war eine Staulage im Süden – die vierte in Folge seit Mitte Februar. Wie schon am Wochenende davor, befanden sich die Hauptniederschlagsgebiete wiederum am Oberwalliser Alpenhauptkamm, im Bedretto und in den Maggiatälern. Am Freitag, 8. März fiel erst wenig Schnee, am Samstag, 9. März deutlich mehr. Am Sonntag, 10. März war der Niederschlag intensiv (vgl. Abbildung 7) und griff auch auf die Gebiete nördlich des Alpenhauptkammes über.
Die Schneefallgrenze lag zwischen 800 und 1600 m (Abbildung 8), in intensiven Niederschlägen sank sie gar bis auf 270 m hinunter (Quelle: MeteoSchweiz-Blog).
Insgesamt fielen von Freitag- bis Montagmorgen oberhalb von rund 1600 m die in der Abbildung 9 dargestellten Neuschneemengen:
- Simplongebiet, Bedretto, Maggiatäler: 70 bis 100 cm; die Beobachter in Robiei massen sogar 120 cm
- übrige Gebiete des Alpenhauptkamms vom Matterhorn bis zum San Bernardino und südlich davon, Bergell, Bernina: 40 bis 70 cm
- direkt nördlich angrenzende Gebiete, Unterwalliser Alpenhauptkamm, übriges Oberengadin: meist 20 bis 40 cm
- weiter nördlich: weniger als 20 cm
Auch im Süden blies starker Wind aus südlichen Richtungen, womit der Neuschnee intensiv verfrachtet wurde. Für den Sonntag wurde für die Hauptniederschlagsgebiet von den oberen Vispertälern über das Simplongebiet und das südliche Goms bis in die Maggiatäler vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) und spontanen Lawinen gewarnt, die bis in höher gelegene Tallagen vorstossen und exponierte Teile von Verkehrswegen gefährden.
Im Tessin hatte sich der viele Neuschnee von Anfangs März (vgl. letzter AvaBlog) offensichtlich bereits gut verfestigt, und allfällige tiefer liegende Schwachschichten waren mächtig überlagert. Sehr grosse Lawinen mit Brüchen tief in der Schneedecke wurden keine gemeldet. Es kam aber zu vielen Lawinenanrissen am Übergang zum Altschnee oder innerhalb der Neu- und Triebschneeschichten. Dies auch flächig und zum Teil unterhalb der Waldgrenze (Abbildung 10).
In den angrenzenden Gebieten aber gingen viele sehr grosse Lawinen spontan ab, wobei die Brüche zumindest teilweise im Altschnee erfolgten. Dies galt ganz besonders für die ganzen Vispertäler (Abbildung 11), aber auch für die südlichen Urner Alpen (Abbildung 12), das Bergell und das Oberengadin (Abbildung 13). Im Nachhinein betrachtet, wäre die Gefahrenstufe 4 (gross) deshalb wohl auch noch in weiteren Gebieten angezeigt gewesen.
Der Sonntag, 10. März war der Tag mit der bisher grössten Lawinenaktivität dieses Winters (Abbildung 14). Am Montag, 11. März beruhigte sich die Situation und es wurde nur noch von Zermatt bis ins Binntal vor einer grossen Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt.
Wie in Abbildung 6 bereits dargestellt ist, wurden in dieser Periode, viele Lawinen durch Personen ausgelöst. Oberhalb der Glärnischhütte, im Val Ferret und am Geissberg oberhalb von Andermatt kam bei je einem Lawinenunfall je eine Person ums Leben.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.