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Herzrasen, trockener Mund, Schweissausbrüche, Schlaflosigkeit sind untrügliche Zeichen von Angst. Diese Symptome kennt jeder. Wer hat nicht vor einem Vortrag, einer Prüfung oder einem Zahnarztbesuch schon einmal eines oder gleich mehrere davon gespürt? Im Normalfall übersteht man die fragliche Situationen unbeschadet und das Leben geht weiter. Das ist anders, wenn man unter Angststörungen leidet. Patienten mit diesem Krankheitsbild erfahren so gut wie keine Erleichterung oder Pause, da die Angst nicht mit einer bestimmten Situation oder einem Ereignis in Verbindung steht und objektiv unbegründet ist. Die Angst geht ständig weiter, von einer Lebenssituation zur nächsten, zu nächsten und zur nächsten …
Aus einer epidemiologischen Arbeit von Wittchen und Jacobi et al. aus dem Jahr 2011, in welche Studien aus allen EU-27-Staaten sowie aus der Schweiz, Island und Norwegen
einbezogen wurden, geht hervor, dass pro Jahr mehr als ein Drittel der erweiterten EU-Bevölkerung an einer psychischen Störung erkranken. Den grössten Anteil unter den psychischen Störungen in Europa nehmen Angststörungen ein. [1] In der Schweiz nehmen 5 % der Bevölkerung Schlaf- oder Beruhigungsmittel oder Antidepressiva. Das klingt nicht nach viel, umfasst jedoch immer noch ca. 425.000 Menschen. [2] Die wahre Zahl der Schweizer, die an Angststörungen leiden, ist wesentlich höher. Viele leiden still, haben noch nie mit ihrem Arzt über die Angststörung gesprochen und nehmen kein Medikament. [3]
Angst ist etwas ganz Natürliches und Normales. Sie bildet einen wichtigen und erforderlichen Teil unseres Überlebensinstinkts. Wer keine Angst empfindet, läuft Gefahr, sich unnötig in gefährliche Situationen zu bringen und diese nicht als solche zu erkennen. Neurowissenschaftler haben festgestellt, dass Gefühle in einer weit grösseren Geschwindigkeit arbeiten als Gedanken. Zuweilen können sie den linearen, rationalen Prozess des Verstandes komplett aussen vor lassen. Der Teil des Gehirns, indem die emotionale Verarbeitung vonstatten geht – die Amygdala – entwickelte sich vor dem kognitiven (denkenden) Teil. Die Amygdala ist hochgradig auf Gefahren eingestellt und reagiert daher überempfindlich auf potenzielle Bedrohungen. In der Praxis bedeutet dies, dass ein bedrohliches Ereignis einen Auslöser für künftige Reaktionen setzen kann. Und da dieser Auslöser oft im Unterbewusstsein festgehalten wird, kann es schwierig sein, ihn zu identifizieren.
Unser Nervensystem vermittelt Nachrichten zwischen den Nervenzellen untereinander oder zwischen Nervenzellen und Muskeln über Neurotransmitter, chemische Botenstoffe des Körpers. Einer der wichtigsten Neurotransmitter im Zusammenhang mit Angststörungen ist Gamma-Amino-Buttersäure, kurz GABA genannt. GABA reduziert die Adrenalinsynthese und beruhigt. Ausserdem bremst GABA die Produktion Noradrenalin und Dopamin, wenn zu viel davon da ist, und sorgt zusammen mit Serotonin dafür, dass du guter Stimmung bleibst. Aus diesen Gründen ist die adäquate Versorgung mit GABA mit Glücksgefühl und Ausgeglichenheit assoziiert, während ein Mangel mit Angststörungen, Depression, Schlafstörungen und Anspannung einhergeht.
Wer unter intensiver oder ständiger Angst leidet, gerät leicht in Versuchung, dieses Gefühl durch Alkohol oder Cannabis zu unterdrücken. Andere bitten lieber ihren Arzt um ein Beruhigungsmittel. Sie alle erhöhen den GABA-Spiegel kurzfristig und versprechen deshalb Besserung. Schon nach kurzer Zeit sinkt er allerdings wieder, und man hat das Bedürfnis ‚nachzuladen‘. Zu viel Alkohol senkt den GABA-Spiegel jedoch, und man fühlt sich reizbar und schlecht gelaunt. Mit Cannabis ist es ähnlich. Beide Substanzen verstärken im Endeffekt die Angststörung, statt sie zu bessern. Mit Beruhigungsmitteln ist es kaum anders. Sie öffnen die GABA-Rezeptoren im Gehirn und machen es so empfänglicher für GABA, deshalb fühlt man sich zunächst entspannter und weniger ängstlich. Je häufiger man Beruhigungsmittel einnimmt, desto mehr lässt dieser Effekt nach und man benötigt immer mehr. Setzt man das Beruhigungsmittel abrupt ab, kann die Angststörung nachher schlimmer sein als vorher.
Glücklicherweise gibt es natürliche Wege zur effektiven Entspannung. Atemübungen [4] und Meditation [5] haben sich als überaus wirksam erwiesen. Wenn du der Meinung bist, dass deine Angststörung ihren Ursprung in deinem Unterbewusstsein hat, kannst du einen der zahlreichen psychotherapeutischen Ansätze, die Zugang zum Unterbewusstsein versprechen, ausprobieren. Dein Arzt kann dir dabei helfen, das für dich Richtige zu finden.
Es gibt jedoch auch Möglichkeiten über die Biochemie auf Angststörungen einzuwirken. Angststörungen stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten Spiegel der Stresshormone Adrenalin und Cortisol. Neben Stressmanagement hilft ein ausgeglichener Blutzuckerspiegel, diese Stresshormone zu reduzieren. Dazu solltest du Zucker und verarbeitete Kohlenhydrate (z. B. Weissmehlprodukte, Frühstückszerealien etc.) meiden und auch den Konsum minimal verarbeiteter Kohlenhydrate (z. B. Vollkornbrot, Kartoffeln, Reis, Nudeln etc.) reduzieren. Der Schwerpunkt deiner Ernährung sollte aus frischem Gemüse, wenig Obst (des Zuckers wegen), gesunden Fetten und Eiweiss bestehen. Jede Mahlzeit sollte Eiweiss (z. B. Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Tofu, Hülsenfrüchte, Nüsse) in irgendeiner Form enthalten, da es die Aufnahme von Glucose aus den Kohlenhydraten wesentlich verlangsamt und so den Blutzuckerspiegel so nur leicht ansteigen lässt. Ein ausgeglichener Blutzuckerspiegel allein mag die Symptome bereits signifikant reduzieren, wie 2016 in einer Fallstudie beschrieben wurde. [6]
Natürliche GABA-Förderer und -Vorstufen – Aminosäuren, Mineralstoffe und Kräuter – Sorgen dafür, dass immer genügend GABA da ist, wenn du es brauchst. GABA kommt nicht in Lebensmitteln vorher, seine Vorstufen aber schon. Eine der wichtigsten ist die Aminosäure Glutamin. Glutamin findet sich in Bananen, Broccoli, Haferflocken, Linsen, Mandeln, Spinat, Vollkornreis und Walnüssen und ist bei uns als Supplement erhältlich.
Weitere Aminosäuren, die zur Entspannung beitragen sind Theanin und Taurin. Theanin ist in manchen Pilzen, Kaffee und Tee – besonders Grüntee – enthalten. Taurin – das in seiner Struktur und Funktion GABA sehr ähnelt – kommt in Fleisch, Fisch und Eiern vor.
Ein Mineral, das auf verschiedene Weise auf Angststörung wirken kann, ist Magnesium. Erstens sorgt es für körperliche Entspannung. Calcium und Magnesium arbeiten zusammen und regulieren Muskelkontraktionen: Calcium sorgt dafür, dass sich Muskeln zusammenziehen, Magnesium dafür, dass sie sich entspannen. Durch Magnesiumzufuhr in Zeiten der Anspannung kann man wesentlich zur Muskelentspannung beitragen. Damit nicht genug beruhigt Magnesium auch nervliche Anspannung und entspannt den Geist.
Obwohl es reichlich in Lebensmitteln vorhanden ist, bekommen die meisten unter uns zu wenig. Magnesium steckt in Gemüse – besonders grünblättrigem -, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten, Fisch und Meeresfrüchten.
Cannabidiol (CBD) – Hanföl – ist eine Art Cannabinoid, eine Chemikalie, die natürlicherweise in Cannabispflanzen (Marihuana und Hanf) vorkommt. Die frühe Forschung ist vielversprechend hinsichtlich der Fähigkeit von Hanföl, Angststörungen zu lindern. [7], [8] Im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC), einer anderen Art von Cannabinoid, verursacht CBD keinen Rauschzustand. Es wird angenommen, dass CBD mit den CB1- und CB2-Rezeptoren auf Nervenzellen interagiert. Wie Hanföl die CB1-Rezeptoren im Gehirn beeinflusst, ist noch nicht vollständig erforscht. Möglicherweise verändert es die Serotonin-Signale. Wenn du interessiert bist, Hanföl gegen deine Angststörung auszuprobieren, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Sie oder er kann helfen, die geeignete Einstiegsdosis zu bestimmen. Unser Hanföl Solve hat eine hohe Bioverfügbarkeit und ist durch die Verabreichung in flüssiger Form per Pipette individuell dosierbar.
Auch die Gesundheit des Darms spielt eine wichtige Rolle bei psychischen Störungen wie Angststörung. Mehr darüber erfährt du die Woche in unserem Newsletter.
Diese Informationen sollen niemanden dazu ermutigen, die Einnahme von Medikamenten einzustellen. Hören Sie nicht mit der Einnahme von Antidepressiva, Beruhigungsmitteln oder anderen verschriebenen Medikamenten auf, ohne sich vorher mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin zu beraten und einen Plan für eine langsame und korrekte Entwöhnung zu erstellen.
[1] Schuler D, Tuch A, Buscher N, Camenzind P (2016): OBSAN-Bericht 72 – Psychische Gesundheit in der Schweiz. Monitoring 2016. Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (OBSAN). Neuchatel 2016.
[2] https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/determinanten.assetdetail.7486439.html
[3] https://www.srf.ch/sendungen/einstein/einstein/bei-angsterkrankungen-gibt-es-eine-extrem-hohe-dunkelziffer
[4] Han JN, Stegen K, De Valck C, et al (1996): Influence of breathing therapy on complaints, anxiety and breathing pattern in patients with hyperventilation syndrome and anxiety disorders. J Psychosom Res. Nov 1996, 41:5:481-493.
[5] Hoge EA, Bui E, Palitz SA, et al (2018): The effect of mindfulness meditation training on biological acute stress responses in generalized anxiety disorder. Psychiatry Res. 2018;262:328‐332.
[6] Aucoin M, Bhardwaj S (2016): Generalized Anxiety Disorder and Hypoglycemia Symptoms Improved with Diet Modification. Case Rep Psychiatry. 2016; 2016: 7165425.
[7] Blessing EM, Steenkamp MM, Manzanares J, Marmar CR (2015): Cannabidiol as a Potential Treatment for Anxiety Disorders Neurotherapeutics. 2015 Oct; 12(4): 825–836.
[8] Mandolini GM, Lazzaretti M, Pigoni A, Oldani L, Delvecchio G, Brambilla P. Pharmacological properties of cannabidiol in the treatment of psychiatric disorders: a critical overview. Epidemiol Psychiatr Sci. 2018;27(4):327‐335.