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Jurypreis in Solothurn geht an «Vol Spécial»
Ausschnitt aus dem Siegerfilm «Vol spécial».
Die Solothurner Filmtage gingen mit den Auszeichnungen für die besten Filme zu Ende. Die Jury der Filmtage sprach den mit 60'000 Franken dotierten «Prix de Soleure» dem Dokumentarfilmer Fernand Melgar zu. Er beleuchtet in seinem Film «Vol Spécial» einen zentralen Punkt der schweizerischen Asylpolitik.
Den «Prix du Public» holte der Film «Die Wiesenberger» über erfolgsverwöhnte Jodler.
Kritische Schilderung
Der Film «Vol Spécial» erzählt die Geschichten von Sans-Papiers und abgewiesenen Asylsuchenden, die im Gefängnis von Frambois auf ihre Ausschaffung warten. Melgar zeigt - ohne zu kommentieren - die Vorgänge im Gefängnis Frambois, wo Männer bis zu 24 Monate einsitzen, ohne sich eines Delikts schuldig gemacht zu haben.
«Vol Spécial» überzeugte die Jury durch «seine feinfühlige und zurückhaltende Kameraführung» und «seine kritische Schilderung einer gelebten Wirklichkeit, die so und in dieser Form nur in unserem Land möglich ist.»
Solothurn korrigiert Locarno
Bereits nach seiner Uraufführung am Filmfestival in Locarno stiess «Vol spécial» auf heftige Ablehnung beim damaligen Jurypräsidenten. Der portugiesische Produzent Paulo Branco glaubte, in «Vol spécial» einen faschistischen Film zu erkennen.
Der Film «vermenschliche das Unmenschliche», hatte Branco kritisiert. Die Jury in Solothurn mit Alt Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey, dem Autor Charles Lewinsky und der Regisseurin Séverine Cornamusaz korrigiert nun gewissermassen das in Locarno ausgesprochene Urteil.
«Ich verstehe Brancos Kritik grundsätzlich nicht», betonte Cornamusaz vor den Medien. Dass Melgar weder kommentiert noch Vorgeschichten erzählt, sei gerade eine der Stärken des Films, sagte Lewinsky.
Zuvor hatten bereits diverse Jurys klargemacht, dass sie mit Branco nicht einig gehen - ebenso das Publikum. «Vol spécial» lockte über 28'000 Zuschauer in die Kinos und zählte 2011 zu den erfolgreichsten Schweizer Filmen. Der Dokstreifen ist zudem für den Schweizer Filmpreis nominiert.
Shanghai als Zerreissprobe
Auch der mit 20'000 Franken dotierte Publikumspreis geht an einen Dokumentarfilm. «Die Wiesenberger» von Bernard Weber und Martin Schilt erzählt die Erfolgsgeschichte der Jodler vom Wiesenberg, die nach ihrem rasanten Aufstieg im Showbusiness die Möglichkeit erhalten, die Schweiz an der Expo in Shanghai zu vertreten. Das verlockende Angebot wird zur Zerreissprobe für die singenden Bergler. Der Film läuft in der Deutschschweiz am 23. Februar an.
Neuer Besucherrekord
Zum wiederholten Male enden die Solothurner Filmtage mit einem Besucherrekord. Die 53'000 Zuschauer des Vorjahres wurden nochmals übertroffen. Dieses Jahr verzeichnete das Festival 55'000 Eintritte.
Sponsor gesucht
Für die Direktorin Seraina Rohrer ist die Kapazitätsgrenze erreicht. «Es braucht unbedingt eine weitere Spielstätte», erklärte sie. Finanzieren lässt sich dies allerdings nur, wenn der seit mehreren Jahren gesuchte dritte Hauptsponsor endlich gefunden wird. Das Thema steht ganz oben auf Rohrers Traktandenliste.
Neue Direktorin ist zufrieden
Auf das erste von ihr verantwortete Festival blickt Rohrer mit Genugtuung zurück. Nicht mehr die Filmpolitik, sondern die Inhalte hätten die Filmtage dieses Jahr geprägt.
Als persönliche Höhepunkte nannte sie die Eröffnung der Filmtage mit Xavier Kollers Werk «Eine wen iig, dr Dällebach Kari», die Auftritte der Schauspielerin Marthe Keller, der die Retrospektive gewidmet war, sowie die Rede des neuen Kulturministers Alain Berset an der «Nacht der Nominationen». (bürg/sda)
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