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Samarkand: sagenumwobene Oasenstadt an der Seidenstrasse
Usbekistan ist nicht gerade das, was man ein typisches Reiseziel nennt. Das zentralasiatische Land hat weder Traumstrände zu bieten noch eine nennenswerte touristische Infrastruktur, ist nicht wirklich für seine demokratischen Prinzipien bekannt und hat nach wie vor mit dem Image einer klassischen ehemaligen Sowjetrepublik zu kämpfen. Und dennoch liegt in Usbekistan einer der faszinierendsten Orte Zentralasiens: die alte Oasenstadt Samarkand.
Samarkand zählt zu den ältesten Städten der Welt, und allein der Name der Stadt ruft vielen Menschen Bilder wie aus tausendundeiner Nacht hervor. Zwischen den mächtigen Kuppeln und Minaretten der Stadt machten einst Reisende auf der Seidenstrasse Station und sorgten dafür, dass Samarkand sich zu einem bedeutenden kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum entwickelte.
Samarkand war persische Provinzhauptstadt und Hauptstadt des mongolischen Grossreichs; Alexander der Grosse eroberte die Stadt und Dschingis Khan zerstörte sie. Unzählige grosse Herrscher hat Samarkand kommen und gehen sehen, und viele der erhaltenen Bauwerke zählen zu den prachtvollsten Zeugnissen islamischer Baukunst weltweit.
Auf der Seidenstrasse nach Samarkand
Schon vor fast 3000 Jahren wurde die Oasenstadt Samarkand in der Ebene des Serafschan gegründet. Die Stadt profitierte jahrtausendelang von der günstigen Lage an der wichtigsten Handelsroute, die das ferne China mit der Mittelmeerregion verband. Aufgrund seiner wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung war Samarkand lange Zeit Hauptstadt der persischen Provinz Sogdien, bis die Stadt im Jahr 329 v. Chr. von Alexander dem Grossen erobert wurde.
Nach dem Niedergang des Alexanderreichs erfuhr Samarkand unter islamischer Herrschaft eine neue Blütezeit, bis die Stadt im Jahr 1220 von Dschingis Khan zerstört wurde. Erst 150 Jahre später endete die mongolische Herrschaft, und unter der Herrschaft Tamerlans entwickelte sich Samarkand zu einem Zentrum der Künste, der Architektur und des Handwerks. Tamerlan liess die Stadt in grossem Stil auf- und neubauen, und die Bevölkerung betrug gegen Ende des 14. Jahrhunderts rund 150.000 Einwohner.
In den folgenden Jahrhunderten sah Samarkand wie schon so oft in seiner Geschichte unterschiedliche Herrscher kommen und gehen, bis die Stadt 1868 unter russische Herrschaft kam. Ab 1886 war Samarkand Hauptstadt Russisch Turkestans und ab 1925 Hauptstadt der Usbekischen Sowjetrepublik. 1930 wurde die Hauptstadt jedoch nach Taschkent verlegt.
Spuren einer jahrtausendealten Geschichte
Die Innenstadt von Samarkand ist voll von architektonischen Zeugnissen einer wechselhaften und glorreichen Vergangenheit. Der vergangene Reichtum der Stadt spiegelt sich in den mächtigen blauen Kuppeln, den Minaretten und prachtvollen Plätzen wieder, die die alten Moscheen und Madrasas kennzeichnen. Zu den wichtigsten Bauwerken zählt die Bibi-Khanum-Moschee, die Ende des 14. Jahrhunderts erbaut wurde und zur damaligen Zeit eine der grössten und schönsten Moscheen der islamischen Welt war. Die Bibi-Khanum-Moschee zählt zu den Prachtbauten Tamerlans, der das Gotteshaus als Zeichen seiner Macht errichten liess, die Fertigstellung jedoch selbst nicht mehr miterlebte.
Rund um den Platz Registan wurden in verschiedenen Epochen bedeutende Islamschulen errichtet, und bis heute bildet der traumhaft gestaltete Platz nicht nur das Herzstück von Samarkand, sondern gilt als einer der prachtvollsten Plätze in ganz Zentralasien. Die drei angrenzenden Madrasas stammen aus dem 15. und 17. Jahrhundert und stehen sich auf dem Registan mit ihren mächtigen Portalen, Minaretten und kunstvollen Mosaiken gegenüber. Unter den Madrasas ist vor allem die Ulugbek-Madrasa aus dem 15. Jahrhundert hervorzuheben, die für lange Zeit zu den besten Universitäten in der islamischen Welt zählte.
In mehreren Mausoleen sind die Grabmäler alter Herrscher erhalten, darunter die monumentale Timuriden-Grabstätte Gur-Emir-Mausoleum. Das Mausoleum prägt das Stadtbild von Samarkand noch heute mit seiner mächtigen gerippten Kuppel, deren Schale eine Höhe von rund 13 m hat. Das Hodja-Abdu-Darun-Mausoleum ist ein islamisches Pilgerziel und wurde bereits im 9. Jahrhundert gebaut, während das Khodja-Doniyor-Mausoleum erst im Jahr 1900 an der Stelle einer historischen Begräbnisstätte errichtet wurde. In diesem Mausoleum soll der Legende nach die Hand des Propheten Daniel liegen.
Auch das Schahi-Sinda-Ensemble zählt zu den bedeutendsten Grabstätten in Zentralasien. Die Nekropolis umfasst Mausoleen von Timuriden-Herrschern und anderen wichtigen Persönlichkeiten; die ältesten dieser Bauwerke sind rund tausend Jahre alt. Im nordöstlichen Stadtgebiet von Samarkand ist das Schahi-Sinda-Ensemble nicht zuletzt aufgrund einer ihm anhaftenden Legende ein beliebtes Reiseziel. Der Sage nach liegt hier der Cousin des Propheten Mohammed begraben.
Weiter geht’s: auf der Seidenstrasse nach Taschkent und Buchara
Samarkand liegt an der historischen Seidenstrasse zwischen zwei weiteren bedeutenden Städten, die einst wichtige Stationen für reisende Händler darstellten. Die usbekische Hauptstadt Taschkent im Nordosten und Buchara im Westen des Landes bilden gemeinsam mit Samarkand in vielerlei Hinsicht das goldene Dreieck Usbekistans. Viele der historischen Baudenkmäler sind in der Hauptstadt Taschkent zwar der Modernisierung zum Opfer gefallen; die Altstadt versprüht jedoch mit ihren engen Gassen, Lehmbauten und alten Moscheen noch dem Charme einer jahrtausendealten Oasenstadt.
Buchara zählte einst ebenso wie Samarkand zu den bedeutendsten Städten entlang der Seidenstrasse, und die historische Altstadt mit ihren Madrasas und Moscheen ist bereits seit 1993 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Grund für die Ernennung zum Weltkulturerbe war vor allem der aussergewöhnlich gute Zustand des Stadtgefüges, das als besterhaltene und vollständigste mittelalterliche Stadt in Zentralasien gilt.
Oberstes Bild: Registan – das Herzstück von Samarkand (© David Stanley / Wikimedia / CC)