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Neues Forschungsprojekt: «African Contributions to Global Health. Circulating Knowledge and Innovations”
Sinergia-Projekt zu Gesundheitsinnovationen aus Afrika geleitet von Prof. Dr. Julia Tischler (Department Geschichte, Basel), Prof. Dr. Jürg Utzinger (Swiss TPH) und Dr. Jérôme Chenal (EPFL)
«What We Can Learn from S-Hole Countries», titelte die New York Times im Januar 2018 als Reaktion auf die Forderung des US-Präsidenten Trump, Einwanderer aus so bezeichneten Ländern abzulehnen. Der Artikel hob unter anderem hervor, dass Sierra Leone eine kostenlose Gesundheitsversorgung für Kleinkinder und Schwangere anbietet, während in Ruanda Mädchen systematisch gegen das Papillomavirus geimpft werden, so dass Gebärmutterhalskrebs in dem ostafrikanischen Land weniger verbreitet ist als in den USA. Gesundheitsinstitutionen in Afrika haben, den Empfehlungen der WHO folgend, das Stillen breit propagiert; 42 Prozent aller Neugeborenen in Afrika südlich der Sahara erhalten in ihren ersten sechs Lebensmonaten ausschliesslich Muttermilch, verglichen mit 20 Prozent ihrer Altersgenossen in den USA.
Nicht nur im politischen, auch im wissenschaftlichen Diskurs ist die Vorstellung weit verbreitet, dass Innovationen stets von reichen Industrienationen ausgehen, während der globale Süden sie allenfalls adaptiert. Das Projekt «African Contributions to Global Health» stellt diese unidirektionalen Modelle in Frage und untersucht afrikanische Beiträge zur Fragen von Global Health. Ein interdisziplinäres Forscherteam aus HistorikerInnen (Departement Geschichte, Basel), Public Health (Swiss TPH) und Urban Planning (EPFL) untersucht Wissen, Praktiken und Anwendungen, die zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Afrika entwickelt wurden, aber für Gesundheitsfragen weltweit relevant geworden sind - oder das Potenzial dazu haben. In einer Zeit schrumpfender öffentlicher Haushalte und alternder Gesellschaften im globalen Norden lässt sich viel von afrikanischen Ländern lernen, die in den letzten zwei Jahrzehnten bemerkenswerte Ergebnisse bei der Gesundheit der Bevölkerung erzielt haben. Gleichzeitig werden Konzepte wie "Innovation" kritisch überprüft und historisiert. Das Projekt adressiert aktuelle Herausforderungen in den Gesundheitssystemen, zeigt aber die historische Tiefe des interkontinentalen Austauschs, vom Kolonialismus hin zur internationalen Gesundheitspolitik nach der Dekolonisationsphase. Lernen war dabei nicht immer positiv und fand und findet in asymmetrischen Kontexten statt. Zwei historische Postdoc-Teilprojekte, die von Julia Tischler geleitet werden, untersuchen globale Austauschprozesse in der Kolonial- und Nachkolonialzeit in Bezug auf Malariaforschung in Sambia und die Entstehung eines öffentlichen Gesundheitswesens in Kenia und Côte d’Ivoire nach der Unabhängigkeit.
Das in der Schweiz basierte Projektteam bestehend aus den drei AntragstellerInnen, zwei Postdocs und vier Doktorierenden arbeitet eng mit einer Vielzahl von Partnern an Forschungsinstitutionen in Kenia, Sambia, Tansania und Côte d’Ivoire zusammen. Forschungsergebnisse werden Wissenschaftlern, Studenten, Gesundheitsexperten, Verwaltungsfachleuten und der Öffentlichkeit durch verschiedene Formen der Veröffentlichung, Konferenzen und Lehrtätigkeiten zugänglich gemacht.