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Wer 5 Stunden mit dem US-Präsidenten Golf spielt, hat ihm auch etwas zu sagen – UBS-Manager Robert Wolf hat einen sehr guten Draht ins Weisse Haus.
Mit wem der Präsident in seiner Ferienwoche auf Martha's Vineyard zum Golfspiel ging, beschäftigt auch die amerikanische Öffentlichkeit: Nachdem er gestern kurz Ben Bernanke als Fed-Chef bestätigt hatte, ging Barack Obama auf die Fairways des Farm Neck Golf Club in Oak Bluffs, und bei der knapp fünfstündigen Begegnung über 18 Löcher wurde er nur von drei Männern begleitet: von Eric Whitaker, einem alten Freund aus Chicago; von Marvin Nicholson, dem Logistik-Chef des Weissen Hauses; sowie von UBS-Manager Robert Wolf.
Der dritte Mann gab auch in amerikanischen Medien allerhand zu schreiben: Dass sich Obama ausgerechnet mit einem Spitzenvertreter jener Bank zeigt, die im Steuerstreit auf der Anklagebank sass – diesen Bezug stellte etwa die «Washington Post» her. Die meisten US-Zeitungen erklärten dies, indem sie den Golfpartner als «wichtigen Spender» von Obamas Kampagne definierten.
Das Treffen im Hotel Mandarin
Aber ein Sprecher des Weissen Hauses, Bill Burton, stellte klar, dass da noch mehr ist: In einer Stellungnahme bezeichnete er Obama und Wolf als «Freunde».
Dies zeigt: Der Chef der UBS-Investmentbank in Amerika hat seinen raschen Aufstieg in den inneren Kreis des Präsidenten fortgesetzt.
Sehr lange kennen sich die beiden nämlich noch nicht: Erstmals trafen sie sich im Dezember 2006 im Hotel Mandarin Oriental in New York. Bei einem Wohltätigkeits-Dinner richtete sich Robert Wolf an den damaligen Senator und überreichte ihm – wie das «Wall Street Journal» beobachtete – seine Karte mit den Worten: «Ich möchte Sie besser kennenlernen.»
Mailverkehr im Wahlkampf
Wolf war damals bereits Chairman & CEO Americas der UBS sowie Präsident der Investmentbank in den USA. Bekannt war er auch als einer der wichtigsten Geldbeschaffer der Demokraten an der Wall Street, als «bundler», der Millionen zusammenbrachte. Dies störte sich zumindest nicht mit seiner Aufgabe bei der UBS, welche unter anderem vorsah, die Beziehungen zu den Regulatoren und zu den politischen Instanzen in Washington zu verbessern.
In der letzten Präsidentschaftskampagne hatte sich Wolf als grosser fundraiser für John Kerry profiliert – jetzt, nach dem Treffen in Manhattan, stellte er sich hinter den aufstrebenden Stern aus Chicago. Er trommelte nicht nur Geld in der Finanzwelt zusammen, sondern diente Obama auch schon im Wahlkampf als beratende Stimme.
Bekannt ist zum Beispiel, dass sich Obama nach dem wichtigen Sieg in den demokratischen Vorwahlen von Maine im Februar 2008 als erstes an den Computer setzte, um die Lage per E-Mail mit Robert Wolf zu diskutieren; dann erst gab er das erste Fernsehinterview.
Wharton School, Salomon Brothers, UBS
Einen offiziellen Charakter nahm die beratende Bedeutung von Robert Wolf letzten Februar an, als der neue Präsident den UBS-Mann in sein Economic Recovery Advisory Board holte; das Wirtschaftskrisen-Gremium steht unter der Leitung von Paul Volcker.
Robert Wolf, 47, ist ursprünglich Fixed-Income-Spezialist; bevor er 2004 in den Group Executive Board der UBS aufstieg, arbeitete er als Global Head of Fixed Income. Ursprünglich hatte er an der Wharton School der University of Pennsylvania studiert und 1984 abgeschlossen. Seine ersten Erfahrungen im Bankwesen holte er sich bei Salomon Brothers. 1994 wechselte er zur UBS, wo er unter anderem von 1998 bis 2001 die Position des Global Head of Credit Trading, Research & Distribution inne hatte.