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Im Jahr 2001 entstand mit dem Tierfriedhof am Wisenberg auf einem Areal von 15.000m² in Läufelfingen (BL) der erste Tierfriedhof der Schweiz. Inzwischen gibt es weitere Tierfriedhöfe im Land, jedoch übernahm der Tierfriedhof am Wisenberg mit der Möglichkeit, dort auch Verstorbene mit ihren Haustieren gemeinsam zu bestatten, erneut eine Vorreiterrolle, und das nicht nur in der Schweiz.
Noch vor zwanzig Jahren war die Idee, ein Haustier würdevoll bestatten zu lassen, im deutschsprachigen Europa für viele eine übertriebene Vorstellung. In Frankreich hingegen besteht in Asnières (Paris) seit 1899 mit dem Cimetière des chiens
der älteste städtische Tierfriedhof in Europa. Inzwischen hat das Phänomen der Tierbestattung auch in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Fuss gefasst. Der erste deutsche Tierfriedhof entstand 1951 in Berlin-Hohenschönhausen. 35 Tierfriedhöfe gibt es bisher in Deutschland, jedoch wurden die meisten erst in jüngerer Zeit angelegt. Gerade wer nicht die Möglichkeit hat, sein geliebtes Tier unter bestimmten Auflagen im eigenen Garten zu beerdigen, findet hier eine Alternative zur Tierkörperverwertung
mit den Endprodukten Seife, Schmieröl, Biodiesel, Strassenbelag oder Tiermehl.
Cimetière des chienswikimedia.org
Tierbestattungen in der Geschichte
Die Tierbestattung ist keine neuzeitliche Erscheinung, man kennt sie bereits aus der Vor- und Frühgeschichte. So fand man auf Zypern ein Katzengrab, das vor 9500 Jahren angelegt wurde. Die Ägypter bestatteten Tiere rituell. Die Römer liebten ihre Hunde - als schriftliches Zeugnis hierfür mag ein Gedicht von Martial
über die Hündin Issa dienen - und begruben sie bisweilen mit Grabbeigaben. Auch im frühen Mittelalter wurden Hund- und Pferdebestattungen
vorgenommen. In späteren Zeitaltern sind Tierbestattungen rar, das Tier galt als reines Nutztier. Es gibt nur wenige berühmte Beispiele von Tiergräbern wie das der Windhunde Friedrichs des Grossen
, die in der für ihn selbst vorgesehenen Gruft auf der Schlossterrasse von Sanssoucis ihr letzte Ruhe fanden, oder das der Stute Helene, die König Friedrich I. von Württemberg
im Freudentaler Wald begraben liess und dort einen Grabstein für sie errichtete.
Gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier
Was heute vielfach noch tabuisiert ist, wurde ebenfalls bereits in früheren Epochen praktiziert: die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier. Bereits vor ca. 12.000 Jahren wurden im heutigen Israel Männer zusammen mit ihren Hunden begraben. Aus dem frühen Mittelalter findet man Alemannen, Franken und Sachsen immer wieder mit ihren Hunden und Pferden gemeinsam bestattet – diese Tiere galten als Statussymbol.
Tierbestattungen sind heute im deutschsprachigen europäischen Raum salonfähig, aber die Vorstellung einer Grablege für den verstorbenen Menschen zusammen mit seinem tierischen Gefährten stösst in der Gesellschaft nach wie vor auf Ablehnung oder Unverständnis. Es zeichnet sich jedoch ein Wandel ab, denn immer mehr Menschen, gerade auch in Ballungsräumen, vereinsamen, und ihr Haustier ist ihr einziger Gefährte, mit dem sie auch gemeinsam den letzten Weg gehen wollen. In Deutschland ist die Trennung Mensch-Tier durch die Bestattungsgesetze fest zementiert, jedoch gibt es erste Bestrebungen sie zu lockern. So bemüht sich der Tierfriedhof in Teltow (Brandenburg) um eine Genehmigung für die gemeinsame Bestattung von „Hund und Herrchen“.
Die Schweiz als Wegbereiter
Dank der liberalen Gesetzgebung der Schweiz ist es erlaubt, die Asche von Verstorbenen auf einem Tierfriedhof zusammen mit dem Haustier zu bestatten. Möglich ist dies auf dem Tierfriedhof am Wisenberg
bei Läufelfingen (BL). 2001 wurde er von Marlis und Urs Mörgeli angelegt und war damals der erste Tierfriedhof überhaupt in der Schweiz. Alles begann mit dem Tod ihres eigenen Hundes Seppeli. Bislang wurde ein totes Tier in der Schweiz, sofern es nicht im eigenen Garten beerdigt werden konnte, in der Tierkörperverwertung zerlegt und verarbeitet. Das gefiel Familie Mörgeli nicht, und so war die Idee zum ersten Tierfriedhof der Schweiz geboren. Die idyllische, rosenbepflanzte Anlage entstand auf dem Areal einer ehemaligen Gipsfabrik, etwas abseits des Dorfes, und ist mittlerweile eine Sehenswürdigkeit der Läufelfinger Gemeinde.
Bis 2010 haben Marlis und Urs Mörgeli bereits rund 1000 Tiere bestattet. Heute sind es weit mehr, und die Gräber variieren vom anonymen Kleintiergrab bis zu prächtigen, mit Grabbildern geschmückten Ruhestätten grösserer Haustiere. Die Tiere können kremiert in Urnen beigesetzt oder köperbestattet werden, im Sarg oder in der Lieblingsdecke, ganz nach Wunsch. Blumenschmuck auf dem Grab, Namenstäfelchen, Plüschtiere, vieles ist erlaubt, ausgenommen religiöse Symbole. Familie Mörgeli offeriert hierbei einen 24 h – Service, der bei der Begleitung zum Tierarzt beginnen kann, die Kremation oder Erdbestattung umsetzt, Sterbe- und Trauerbegleitung anbietet sowie alle Fahrdienste und Transporte bis hin zur Vermittlung neuer Heimtiere.
Seit 2007 finden bereits auch Menschen ihre letzte Ruhe auf dem Tierfriedhof am Wisenberg. Ab 4900 Franken kann die Asche Verstorbener anonym in einem Naturgrab mit dem Haustier gemeinsam beerdigt werden. In der Schweiz kann zu Lebzeiten bestimmt werden, wo die eigene Asche einmal bestattet werden soll: auf dem öffentlichen Friedhof, im eigenen Garten, im Friedwald oder auch auf dem Tierfriedhof. 2013 wurde zum vierten Mal die Urne eines Tierbesitzers am Wisenberg beigesetzt.
Da die Tierfriedhöfe auch heute noch rar sind in der Schweiz und nicht jeder Kanton einen solchen vorweisen kann, gibt es auch den umgekehrten Fall: Haustiere finden im Grab ihrer Besitzer ihre letzte Ruhe; möglich ist das beispielsweise auf den Stadtzürcher Friedhöfen. Tierkrematorien bieten hierfür dezente Urnen an, die dem Toten mit ins Grab gelegt werden können. Auch wenn diese Bestattungsform etwa im Kanton Basel aus ethischen Gründen nicht gestattet ist, so verstossen die Zürcher hierbei nicht gegen ein Gesetz.
Quellen:
- Arnet, Helene, Letzte Ruhestätte für Frauchen und ihren Liebling, aus: www.tagesanzeiger.ch/zuerich vom 18.03.2010.
- Auf der Maur, Jost, Für Seppelis langen Schlaf, aus: www.nzz.ch vom 10.05.2002.
- Dubois, Rita, Tierfriedhof am Wisenberg – über die Regenbogenbrücke, in: ProTier 1/2006, S. 20-22.
- Fiedler, Doreen, Wo Hund und Herrschen im selben Grab liegen sollen, aus: www.welt.de vom 24.12.2010.
- Holthuizen, Anouk, Ein Friedhof für Jessica, Buddy und Puschel, aus: www.reformiert.info.ch vom 22.10.2013.
- Kasper, Claudia, Wenn die Katze stirbt – Alternative Tierfriedhof, in: Katzenmagazin 5/2003, S. 66-69.
- Klee, Mathieu, Fifi, mach Platz, in: Beobachter 24/2007, S. 85.
- Manzoni, Enzo, Wo die Lieblinge in Würde ruhen, in: Beobachter 18/2010, S. 46-49.
- Rottmann, Kerstin, Zum Abschied ein letzter Pfötchenabdruck, aus: www.welt.de vom 8.8.2014.
- Varveris, Christina, Tierfriedhof – Haustiere bestatten statt zerstückeln, in: .ch 7/2008, S. 2.