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Das BAG veröffentlichte vor ein paar Tagen die Liste mit Ländern, aus welchen man in Quarantäne muss, wenn man in die Schweiz einreist. Auch dabei sind die Turks- und Caicosinseln. Dort gab es bisher 72 Corona-Fälle. Trotzdem gehört das Land richtigerweise auf die Liste.
29 Länder stehen aktuell auf der Liste mit Quarantäne-Pflicht bei der Rückkehr in die Schweiz. Darunter sind die erwarteten Verdächtigen wie die USA, Brasilien, Chile, Katar, Israel, Serbien, Russland oder Südafrika. Von den meisten dieser Länder hat man schon gehört, dass das Coronavirus besonders verbreitet ist. Die weiteren Staaten sind zumindest allen ein Begriff. Doch dann steht da noch ein Land drauf:
Turks- und Caicosinseln.
Noch nie gehört? Da bist du wohl nicht alleine. Wir zeigen dir, wo sich das Land befindet, was dort in Sachen Corona so abgeht und warum der Ministaat auf der BAG-Liste steht – und dort wohl auch noch bleiben wird.
Die Turks- und Caicosinseln gehören geographisch zwar noch zum Atlantik, werden aber zur Karibik gezählt. Die Inselgruppe befindet sich rund 150 Kilometer nördlich der Insel Hispanola (Haiti und Dominikanische Republik) und südöstlich der Bahamas (rund 600 Kilometer von Nassau).
Das Land selbst besteht aus den beiden Inselgruppen Turks und Caicos. Erstere besteht aus einem Dutzend Eilanden, wovon nur zwei bewohnt sind, die zweite aus rund 30 Inseln. Die gesamte Fläche des Staates beträgt 616 Quadratkilometer, was ungefähr dem Kanton Glarus entspricht.
Auf den deutlich kleineren Turksinseln (östlich der Turks Islands Passage) befindet sich auch Cockburn Town, die Hauptstadt mit rund 4000 Einwohnern.
Das Land zählt rund 38'000 Einwohner, wovon rund 4000 in der Hauptstadt Cockburn Town leben. Die Turks- und Caicosinseln gehören zum britischen Überseegebiet, Englisch ist die Amtssprache, bezahlt wird mit US-Dollars.
Die ursprüngliche indigene Bevölkerung der Taino wurde Mitte des 16. Jahrhunderts aufgrund von Krankheiten und der Sklaverei ausgelöscht. Heute besteht der Grossteil der Bevölkerung aus Nachkommen der Sklaven und ursprünglich diversen Europäern.
Die Wirtschaft ist mittlerweile stark vom Tourismus abhängig, der rund einen Drittel des Bruttoinlandprodukts beisteuert. Allerdings öffnen die Landesgrenzen erst wieder am 22. Juli, was der Tourismusverband aktuell mit einem Pop-up auf der Website ankündigt. Strand- und Naturliebhaber kommen auf den Inseln auf ihre Kosten. Von Januar bis März sind Walsichtungen möglich. Auch Golfer finden den einen oder anderen schönen Kurs.
Zu erreichen ist das Land von der Schweiz aus per Flugzeug nur mit Umsteigen. Die Destination gilt daher gemäss «Latino Travel» als exklusiv und eher teuer. Viele Schweizer reisen nicht auf die Inseln.
Den ersten Fall meldete das Land am 23. März, als sich ein Mann infizierte, dieser muss sich auf der Insel selbst angesteckt haben, denn auf Reisen war er zuvor nicht. Am 5. April gab es den ersten von bisher zwei Todesfällen. Die Regierung griff schnell durch: Am 27. März wurde eine Ausgangssperre verhängt, Schulen wurden geschlossen. Wer ohne Grund draussen erwischt wurde, musste mit Bussen, Gefängnis und Konfiszierung des Fahrzeuges rechnen.
Am 12. Mai meldete das Land keinen aktiven Fall mehr. Doch Mitte Juni kam es zu neuen Fällen, als zwei Personen positiv getestet wurden. Die eine kam aus dem Ausland zurück, die andere hatte mit diesem Kontakt.
Seither gab es immer wieder Fälle. Aktuell (Stand 15.7.) verzeichnet man 72 positive Tests, wie das Gesundheitsdepartement meldet. Die Grenzen sind wieder zu, einreisen kann man nur mit Ausnahmebewilligung und muss 14 Tage in Quarantäne.
72 bekannte Fälle, 2 Tote. Warum steht das Land auf der BAG-Liste mit den 29 Ländern, aus denen man nur mit zehntägiger Quarantäne in die Schweiz einreisen kann? Im Vergleich zur Bevölkerung sind weniger Leute infiziert als in Österreich oder Deutschland.
Aber weil sich die Fälle praktisch alle in den letzten Tagen ereigneten, wurde das Kriterium der Inzidenz des BAG erreicht. Denn mit dieser gehört ein Land zur Risikogruppe, «wenn die Zahl der Neuinfektionen pro 100'000 Personen im betreffenden Staat oder Gebiet in den letzten 14 Tagen mehr als 60 beträgt».
Die Turks- und Caicosinseln registrierten seit dem 1. Juli 30 neue Fälle. Bei 38'000 Einwohnern macht dies 79 Fälle auf 100'000 Einwohner. Das Land gehört also korrekterweise auf die Liste.
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