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Die Gemeinde Zernez hat die Qual der Wahl
Die Gemeinde Zernez muss über die künftige touristische Ausrichtung entscheiden. Soll die Vermarktung der Region weiterhin über Engadin St. Moritz erfolgen, oder soll sich Zernez touristisch dem Unterengadin anschliessen? Gestern haben die Tourismusorganisationen der Bevölkerung ihre Argumente präsentiert.
Die Gemeinde Zernez muss über die künftige touristische Ausrichtung entscheiden. Soll die Vermarktung der Region weiterhin über Engadin St. Moritz erfolgen, oder soll sich Zernez touristisch dem Unterengadin anschliessen? Gestern haben die Tourismusorganisationen der Bevölkerung ihre Argumente präsentiert.
Geografisch liegt Zernez zwischen dem Oberengadin und dem Unterengadin. Politisch gehört die Gemeinde zur Region Unterengadin, touristisch wiederum zum Oberengadin. Mit der Fusion von Lavin, Susch, Zernez und Brail 2015 ist die Lage noch komplizierter geworden. Lavin und Susch sind touristisch der Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair (TESSVM) angegliedert, Zernez und Brail hingegen werden über Engadin St. Moritz (ESTM) vermarktet. Mit dieser Doppelspurigkeit soll ab 1. Januar 2019 Schluss sein. Die Politische Gemeinde Zernez soll auch touristisch nur noch von einem Partner repräsentiert werden.
Damit die Bevölkerung sich ein Bild der zwei Tourismusorganisationen machen kann, haben diese gestern Abend ihre Offerten vorgestellt. Die Entscheidung über die Zugehörigkeit zu einer der Destinationsmanagement-Organisationen (DMO) erfolgt allerdings erst an der Abstimmung vom 25. April. Die Meinungen dürften schon rein aus traditionellen Gründen gespalten sein, da sich Zernez und Brail seit jeher eher zum Oberengadin hingezogen fühlen, Susch und Lavin hingegen ganz klar zum Unterengadin. Gute Argumente für eine erfolgreiche Zusammenarbeit hätten beide Organisationen zu bieten.
Seit der Gründung von Engadin St. Moritz im Jahr 2007 läuft die touristische Vermarktung von Zernez und Brail bereits über diese DMO. Seitdem sind die Leistungsvereinbarungen in regelmässigen Abständen erneuert worden. «Bisher kam es leider nie dazu, dass wir dem Souverän eine allfällige Partnerschaft persönlich vorstellen konnten», sagte Niculin Meyer, Leiter Kommunikation und stellvertretender Direktor bei TESSVM, im Vorfeld der Präsentation. Es ist somit das erste Mal, dass die TESSVM eine Offerte öffentlich präsentieren kann.
Doch was würde TESSVM konkret anbieten? Da ist zum einen eine strategische Mitsprache. «Wir würden einen Sitz mehr im Verwaltungsrat schaffen für Zernez», erklärte Meyer. Damit könnte Zernez auch mitbestimmen, in welche Richtung sich die Tourismusorganisation entwickeln soll. Als zweites Argument führte Meyer auf, dass der touristische und der politische Perimeter sich mit der Zusammenarbeit mit TESSVM endlich decken würden. Und schliesslich hätte TESSVM auch noch einen finanziellen Vorteil: «Unsere Berechnungsgrundlage ist trotz der gleichen Gästeinformationsleistungen billiger», meinte Meyer. Zernez könnte das Geld, welches beim Marketing eingespart werden könnte, dann in das touristische Angebot und in die Infrastruktur investieren.
Die ideale Zielgruppe
Gemäss Meyer passt das touristische Konzept von Zernez mit der Hauptattraktion Schweizerischer Nationalpark perfekt zu TESSVM. «Unser Hauptmarkt ist die Schweiz und damit ein stabiles Gästesegment, welches eine besondere Affinität zu Natur und Kultur hat», erläuterte er. Das Oberengadin hingegen sei mit 17 Märkten viel globaler ausgerichtet, sei viel diversifizierter.
Seit Anfang Jahr ist Engadin St. Mo-ritz eine Aktiengesellschaft. Neu hat sich der Verwaltungsrat zudem für eine Zweimarkenstrategie entschieden. Die Marken Engadin und St. Mo-ritz werden separat vermarktet. Zernez würde zur Marke Engadin gehören. «Mit Engadin sind wir hauptsächlich in der Schweiz und Deutschland präsent», erklärte Roberto Rivola, Leiter Unternehmenskommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung von Engadin St. Moritz, vor der Präsentation. Damit werde eine fokussierte Vermarktung möglich. Zernez hat zudem die Möglichkeit, als Aktionärin die gleichen Leistungen wie die anderen Oberengadiner Gemeinden zu beziehen. «Zernez kann auch auswählen, ob die Gemeinde selber die Infostellen führen möchte oder Engadin St. Mo-ritz die Leitung übernehmen soll», meinte Rivola weiter.
Die Karten liegen nach der Informationsveranstaltung auf dem Tisch. Schlussendlich geht es jetzt um die Frage, wie sich Zernez in Zukunft touristisch positionieren möchte.
Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos