Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03204.jsonl.gz/673

Das 1931–1932 realisierte Stationsgebäude mit seinen Perrons war Resultat eines 25-jährigen Ringens um eine Erweiterung der ersten, 1874–1875 von der NOB gebauten Bahnhofanlage Wädenswils (> Quartiere: Bahnhof und Seeplatz). Von dieser ist der Güterschuppen noch erhalten; er wird aber nicht mehr für Bahnzwecke genutzt. Das alte Stationsgebäude stand herwärts, auf der Höhe des Du Lac (> Quartiere: Am Plätzli. Altes Hafen- und Bahnhofquartier).
Links: Der 1874–1875 erbaute Bahnhof der Nordostbahn. Im Vordergrund das Dach des Hauses, an dessen Stelle 1902–1903 das Geschäfts- und Miethaus Merkur zu stehen kam. Fotografie um 1880–1900 (Archiv P. Ziegler). – Mitte: Rechts der alte Bahnhof, links der Gartensaal des alten Hotels Du Lac, dazwischen im Hintergrund das «Schiffli»: an seine Stelle kam der neue Bahnhof zu stehen (Foto um 1880–1900, Archiv P. Ziegler). – Rechts: Abbruch des alten Bahnhofs, 1934. Im Hintergrund links das neue Bahnhofgebäude. Foto Gottlieb Ammann, Album im StadtAW.
Die Anlage des Bahnhofes der frühen 1930er Jahre war Teil eines ehrgeizigen Sanierungskonzeptes: anstelle einer Anzahl Altbauten sollte ein neues Bahnhofquartier entstehen, mit einem rechteckigen Platz, zwei Neubaublöcken dies- und jenseits der Seestrasse sowie einem grossstädtischen Baugeviert zwischen Bahnhofplatz und Engelstrasse, das die Kronenliegenschaft und andere Häuser ersetzen sollte. Ausser dem Bahnhof selbst wurden von diesem Plan nur der platzseitige Teil des Kronen-Gevierts verwirklicht (1931–1932) (-> Inventar: Bahnhofstrasse 9/Seestrasse 112; -> Quartiere/Bahnhofquartier und Seeplatz).
Bahnhof und Bahnhofplatz Wädenswil. Hinten links der Kronenblock, erbaut 1931–1932. Der Schattenwurf links stammt vom Haus Fortuna: an der Stelle von ihm, eines Nachbarbaus und des beschatteten Vorbereichs sollte ein grosses Miethaus entstehen. Fotografie 1936, vom Haus Merkur aus aufgenommen. Postkarte, Archiv P. Ziegler.
Mit anderen Dörfern am See teilte Wädenswil das Schicksal, dass die Eisenbahnlinie zur wirtschaftlichen Lebensader, aber auch zu einer Barriere zwischen Siedlung und See wurde. Im frühen 20. Jahrhundert wurde deswegen sogar ein Anlauf zur Verlegung von Bahnlinie und Bahnhof ins Oberdorf gemacht (-> Inventar: Bahnareal). Mit der Zunahme des Automobilverkehrs in der Nachkriegszeit wurde auch die Seestrasse zum Fussgänger-Hindernis. Mit dem Ziel einer Entflechtung von Auto- und Fussgängerverkehr wurde 1961–1962 eine Unterführung gebaut, die in die Bahnhof-Unterführung eingefädelt wurde.
Damit wurde der Bahnhof zum Knotenpunkt der ufernahen Eisenbahn einerseits, der wichtigsten Fussgängerverbindung zwischen Dorfkern und See andererseits. Das Bahnhofgebäude hat die Position eines Quaihotels, der Zwischenbahnsteig die eines Quais: von hier aus können die Pendler und Pendlerinnen über den Seeplatz hinweg den See und die Berge sowie die ankommenden und abfahrenden Passagierschiffe sehen. Die nah beim Bahnhof gelegene Schiffstation erinnert daran, dass Wädenswil einst eine Hafen-Siedlung war.
Bahnhof Wädenswil am Morgen, 28.5.2020. Urheber: gco. Rechte: CC BY 4.0. Link: https://coronarchiv.geschichte.uni-hamburg.de/projector/s/coronarchiv/item/5764.
Die Renaissance des öffentlichen Verkehrs, dessen Resultat und Motor die Installierung des ZVV (Zürcher Verkehrsverbund) und der S-Bahn im Jahre 1990 waren, führte zu einer Neuorganisation des Bahnhofs und des Bahnhofplatzes. Schon 1989 hatte die Stadt den Bahnhofplatz zum Busbahnhof umgestaltet; 2011 ergänzte sie diesen um ein spektakuläres Schutzdach in Form einer gläsernen Welle. Gleich anschliessend, 2012–2013, bauten die SBB den Bahnhof aus und um, wobei Meletta Strebel Architekten die gestalterische Leitung innehatten.
Die im Dezember 2011 eingeweihte «Welle» über dem Busbahnhof. Aus der Website von osd office for structural design, Foto Christoph Ruckstuhl.
Die 2012–2013 nach Plänen von Meletta Strebel Architekten erbauten neuen Nebengebäude. Links: Die Erschliessungshalle, das neue Herz des Bahnhofes. Rechts: Das neue Nebengebäude mit Kiosk, Rampe, Veloparkhaus (Untergeschoss) und Station von «Wädi rollt» (Obergeschoss Richtung Engel). Beide Fotografien von Roger Frei, Website von MSA.
Zum Herz des Bahnhofes wurde nun die offene, von einer Oberlicht-Laterne beleuchtete Halle zwischen dem Altbau und einem langgestreckten Nebengebäude, in welchem der Kiosk, eine Rampe und ein – von der Stadt finanziertes – Veloparkhaus untergebracht wurden. In der Halle stehen die Billett-Automaten, und von ihr aus gelangt man in den Schalterraum, der sich in den Räumen der ehemaligen Wartesäle befindet. Eine von einer Oberlicht-Laterne erhellte Treppe führt zur Unterführung hinab. In der alten Schalterhalle und im alten Stationsbüro wurde ein Convenience-Shop (Mischwarenladen) eingerichtet.
Schon wenige Jahre nach Eröffnung des erweiterten Bahnhofes zeichnete sich ab, dass dieser den permanent wachsenden Pendlerströmen nicht genügte. Im November 2021 stellte die SBB ein Erweiterungskonzept vor, das frühestens ab 2017 binnen sechs Jahren für 125 Millionen durchgeführt werden soll. 2021–2022 soll ein Projektwettbewerb durchgeführt werden, der die Busführung, die Nutzung und Gestaltung der Aussenräume und den Umgang mit dem denkmalgeschützten Güterschuppen klären soll.