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08 September 2006
In Leta Peers erster grösserer Einzelausstellung in einem Museum zeigt sie 8 Ölbilder und 5 Fotos von Installationen in der Neuen Galerie im Höhmannhaus, Kunstsammlungen und Museen Augsburg sowie eine Interaktion im nahe gelegenen Schaezler Palais. Peer kreiert herrliche, naturalistische Gemälde der Berge ihrer Heimat, dem schweizerischen Engadin, einem langgestreckten Gebirgstal im Romantsch sprechenden Kanton Graubünden. Peers diese Situation reflektierende Arbeiten sind im allgemeinen eher klein, 10x16 cm. In dieser Ausstellung waren alle Bilder etwa 120 x 180 cm gross.
Peer hängt ihre Bilder häufig auch als Installationen an kontrastierenden Orten wie etwa in reich verzierten Palastgemächern, halb zerstörten Gebäuden oder in New Yorks Grand Central Station. Sie fotografiert und stellt überdimensionale Abzüge dieser Hängungen als unabhängige Kunstwerke aus. Für die jetzige Ausstellung fügte Peer Gemälde in einen in Renovation begriffenen Rokoko-Palast, dem Schaezler Palais ein. Fünf der Fotos dieser Einfügungen zwischen die mit Plastikbahnen verhängten Oberflächen, Gipsbrocken und halb durchlöcherten Wände wurden auf 100 x 140 cm abgezogen und in die Ausstellung einbezogen.
Peers Ölbilder sind nicht elegant fotorealistisch, sondern zeichnen sich durch üppige Variationen von Lasur und Impasto aus. Überdies sind sie nicht romantisch – pathetische Täuschung wird nirgends angedeutet. Die meisten abgenutzten Darstellungen von Bergen versuchen, das Bild zu umfassen und zu kontrollieren, den Gipfel zu bezwingen, indem sie es sinnbildlich gestalten – ein einfacher, an ein Logo gemahnender Umriss vor einem gefälligen Hintergrund. Im Gegensatz dazu legt Peer in Landscape No. 21 (2005) weniger Wert auf die Umrisslinie der Berge, indem sie allein den Gipfeln erlaubt, am unteren Rand in das Gemälde hineinzuragen. Dies unterstreicht deren Weite und deutet das Schwindelgefühl an, das einen in den Alpen erfasst. Die Farbe ist satt, erinnert aber weder an Postkarten noch an Caspar David Friedrich. Peers Arbeiten kombinieren die schimmernden opalisierenden Farben eines Vermeer mit der Fasson eines Velásquez.
In dem die Ausstellung begleitenden ausgezeichneten Katalog mit dem Titel To Inhabit a Place, wird Peers Schaffen von Kurator Thomas Elsen als „verblüffend“ oder „irritierend schön“ beschrieben. Dies gilt mehr für die Adverbien denn für das Adjektiv. Die Bilder der Künstlerin sind unverkennbar anziehend, dies aber auf unerwartete Weise. Wird ihre landschaftlich schöne Thematik mit Worten beschrieben, erwartet man entweder formelhafte oder zumindest höchst konservative Kunstwerke. Direkt visuell erlebt, sind die Gemälde allerdings erfrischend ursprünglich. Bei Peer wird das Genre, Gebirgsmalerei, und die damit einhergehende Wiederbelebung, metaphorisch gesehen zu einer Bergung der Betrachtung an sich. Obwohl Peer zur Zeit in der Stadt Basel lebt, sieht sie jene Gegend, aus der sie stammt, mit wahrhaft neuen Augen und lüftet den Schleier eines vergangenen kulturellen Klischees.
Bildinformation: Leta Peer: Landschaft Grossformat # 21, 2005, Oel auf LW , 120x180cm Neue Galerie im Höhmannhaus, Kunstsammlungen und Museen Augsburg (Leihgabe des Kantonsmuseums Basel-Land)