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Panama ist berühmt für seinen Kanal, berüchtigt als Steueroase, beliebt als Fluchtpunkt für Schwarzgeld.
Doch das Land, knapp doppelt so gross wie die Schweiz, ist auch der Übergang zwischen Nord- und Südamerika und die Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. Die Lage des Isthmus von Panama ist geografisch einzigartig auf dem Planeten.
Panama trennt und vereint
Vor 60 Millionen Jahres gab es hier nur Wasser, Süd- und Nordamerika waren voneinander getrennt. Plattentektonik und Vulkanismus liessen Land aus dem Meer steigen. Zunächst einzelne Inseln, erst vor knapp drei Millionen Jahren schloss sich eine vollständige Landbrücke.
Dies war der Startschuss zu dem, was heute der «Grosse Amerikanische Faunenaustausch» genannt wird. Eine Wanderung der Arten, Pflanzen und Tiere zwischen den beiden nun vereinigten Subkontinenten.
Der Artenaustausch beginnt
Neben Kleintieren überquerte eine Megafauna den neuen Isthmus: Riesenpferde, Mastodonten, Riesenlaufvögel. Lamas, Bären, Säbelzahnkatzen wanderten in den Süden. Riesenfaultiere, Gürteltiere, Ameisenbären in den Norden.
Die Zuwanderer aus dem Norden waren dabei erfolgreicher: Einmal im tropischen Panama angekommen, fiel es ihnen leichter, sich an das Klima Südamerikas anzupassen.
Etwa die Hälfte der heutigen Säugetierarten Südamerikas stammt aus dem Norden. Nur ein Fünftel der Zuwanderer aus dem Süden setzte sich hingegen in Nordamerika durch. Die gesamte Megafauna wurde ausgerottet, meist durch den Menschen.
Der grosse Klimawandel
Gleichzeitig trennte die S-förmige Landbrücke nun den Pazifik vom Atlantik. Mit globalen Auswirkungen: Der Pazifik wurde kälter und nahrungsreicher, die Meeresfauna grösser. Der Atlantik erwärmte sich, die bunte Fischwelt der Karibik entstand.
Meeresströmungen wurden nach Afrika umgeleitet, Trockenheit liess dort Savannen entstehen, Hominiden wie der Australopithecus stiegen von den Bäumen und begannen zu laufen. «Der schmale, aber starke Arm Panamas habe die Menschen das Laufen gelernt», sagt Museumskuratorin Meera Sachanandani.
Diese Landenge, 700 km lang und an ihren schmalsten Stellen nur 50 km breit, veränderte so das globale Klima fundamental. Sie setzte die Wanderung von Flora und Fauna in Gang.
In Panamas Nebel- und Regenwäldern wachsen rund 10'000 tropische Pflanzenarten. Das sind mehr als doppelt so viele Baumarten wie im gesamten Nordamerika. Es gibt über 250 Säugetierarten, 1000 Orchideen- und 100 Farnarten.
Biologen haben über 900 verschiedene Vogelarten und 1500 unterschiedliche Schmetterlingsarten gezählt. In der riesigen Pflanzenvielfalt des kleinen Landes wird nach neuen medizinischen Wirkstoffen für die Menschheit gefahndet.
Bunte Bauklötze aus dem Hause Gehry
All das dokumentiert das «Museo de la Biodiversidad». Frank Gehry, einer der renommiertesten Architekten weltweit, designte das Museum. Ein logistischer und finanzieller Kraftakt für das kleine Land.
Nach 15 Jahren Bauzeit wurde es erst vor Kurzem fertiggestellt. Ein fantastisch buntes Gebäude, wie von Kinderhand aus verschachtelten Bauklötzen errichtet fast ohne rechte Winkel, einem riesigen abstrakten Baum ähnlich, der sein Blattwerk ausbreitet über die acht Galerien, in denen die Geschichte der Artenvielfalt erzählt wird.