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Einleitung
Es gibt wohl kein anderes Ereignis in der Geschichte der Menschheit, das das Schicksal einzelner Individuen aber auch die Verbreitung und die Vernichtung von Kulturen mehr beeinflusst hat als die Erfindung des Schiesspulvers und seine Verwendung in Feuerwaffen.Trotz der Bedeutung die dieses Ereignis hatte, ist nicht mit Sicherheit bekannt, wann und von wem zuerst Feuerwaffen verwendet worden sind. Auch herrscht aufgrund sich teilweise widersprechender und ungenauer Aufzeichnungen in den Chroniken des Mittelalters unter den Historikern Uneinigkeit über den genauen Hergang der Erfindung und Weiterntwicklung in der Anfangszeit.
Als Paradebeispiel hiefür gilt der Streitfall um die Existenz des Franziskanermönchs Berthold Schwarz der im Deutschen Raum oft als Erfinder des Schwarzpulvers genannt wird. Ein Hauptproblem bei diesen unterschiedlichen Einschätzungen der Historiker ist jedoch, dass wenn man die Aufzeichnungen der einen Chroniken (z.b. Berthold Schwarz betreffend) in Zweifel zieht, die gleichen Beurteilungskriterien für die anderen Niederschriften (Roger Bacon, Marcus Graecus etc.) auch gelten müssten. Dieser einfache Forschungsgrundsatz wird jedoch bedauerlicherweise, je nach den eigenen Vorlieben und Überzeugungen der beteiligten Geschichtsforscher, oftmals sehr flexibel gehandhabt.
Berthold Schwarz Zeitgenössische Darstelung 17.Jh
Historisch gesichert gilt heutzutage, dass das Schwarzpulver im alten China erfunden, und dort (neben Feuerwerksbelustigung) zum ersten Mal in kriegerischen Konflikten als Waffe eingesetzt wurde. Anschliessend wurden die Kenntnisse über diese Chemische Mixtur einerseits über die Handelsrouten der Seidenstrasse und des alten Arabiens, andererseits (nach Aufzeichnungen in Chinesischen Chroniken) über Seefahrtrouten, nach dem Westen verbreitet.
Nach grossen Fortschritten in der Anfangszeit stagnierte im Osten die Weiterentwicklung der Feuerwaffen für Jahrhunderte. Gründe hierfür waren teils mangelndes Interesse der Herrschenden Klassen (Arabien, Indien, China), teils Abschottung und Isolationismus (Japan) und teils machtpolitische und ideologische Vorbehalte was die Verbreitung von Feuerwaffen und dem dazugehörigen Handwerk in der Bevölkerung anging (China, Japan).
Im Gegensatz dazu nahm in Europa die technische Perfektionierung, infolge einer langen Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen und den daraus folgenden Rüstungswettläufen, einen rasanten Verlauf. Hierbei wurden von den einzelnen Staaten oftmals versucht die Unzulänglichkeiten der eigenen militärischen Kapazitäten mit technischen Innovationen zu Kompensieren.
Dies hatte auch Auswirkungen auf den allgemeinen technischen und wissenschaftlichen Fortschritt in Europa und den Vereinigten Staaten. So wurden beispielsweise die ersten Manufakturen (Fabriken) für die Massenproduktion von Waffen und Bekleidung der Armee eines ganzen Landes im 16. und 17. Jahrhundert in Frankreich gebaut. Davor waren Waffen und Ausrüstungen Kleinserien der jeweiligen Dorfschmieden und Nähereien oder der Zünfte in den Städten. Dieses Modell wurde in der Folgezeit von anderen Bereichen der Güterproduktion übernommen (Webereien, Stahlgiessereien, Eisenwarenfabrikation etc.). Dieses einfache Beispiel liesse sich noch mit einem dutzend weiterer ergänzen. Der Beginn der Neuzeit und der Industrialisierung wurde auf diese Weise vom Drang zu immer mehr und besseren Waffen und der dazugehörigen Ausrüstung massiv forciert.
Die Entwicklung der Pulverwaffen
1. Das Griechische Feuer
2. Schwarzpulverwaffen
3. Nitropulverwaffen
1. Das Griechische Feuer
Als Vorläufer der Pulverwaffen gilt im Allgemeinen die Entwicklung des Griechischen Feuers, eines brennenden Gemisches auf der Basis von Schwefel, Teer, Baumharzen und Erdöl- und seinen Destillatbestandteilen (griechisch naphta oder asphaltos). Der Name geht auf die alten Griechen zurück. Sie sollen den Überlieferungen nach diese zu einem klebrigen Brei zusammengerührte Masse, in der Form von Brand- und Wurfgeschossen (Feuertöpfen), und mit Petroleum verdünnt als Feuerteppich auf Wasserflächen oder mithilfe hölzerner Rohre / Siphone (vom griechischen siphones) als Flammenwerfer, als erste entwickelt und einsetzt haben. Schon während des Peleponnesischen Krieges (431-404 v. Chr.) setzten die Boioter dieses Pech/Schwefelgemisch gegen die angreifenden Athener bei der Belagerung von Délion ein.
Frühmittelalterliche Darstellung der Anwendung des Griechischen Feuers, das aus einem Siphon gegen ein Feindliches Schiff geblasen wurde.
Das heute bekannte, sich selbst entzündende Griechische Feuer wurde von einem Architekten namens Kallinikos, der aus der Syrischen Hauptstatt Heliopolis flüchtete und in Byzanz Asyl erhielt, erfunden. Kallinikos kam vom Bau und wusste, dass ungelöschter Kalk bei der Reaktion mit Feuchtigkeit eine Temperatur von bis zu 230 Grad Celsius erzeugen konnte. Dies reichte aus um die auf Erdöl und Petroleum basierenden Brandsätze mit einer Entzündungstemperatur von ca. 160 Grad selbsttätig zu entflammen. Er verfeinerte nun die Mixtur unter Zugabe von ungelöschtem (gebranntem) Kalk und Wasser. In Wurfgeschossen beispielsweise wurden der Kalk und das Wasser in getrennten, verschlossenen Töpfen platziert. Beim Aufprall am Zielort zerbrachen diese Behältnisse und die durch die Chemische Reaktion bei der Vermischung eintretende Hitzeentwicklung entzündete die brennbaren Komponenten. Das besondere an dieser Mixtur war, dass bei Löschversuchen mit Wasser die noch nicht verbrauchten Überreste des ungelöschten Kalks sich erneut erhitzten und so die Brandentwicklung noch verstärkt wurde. Dies erzeugte bei den Betroffenen, die in der damaligen Zeit keinerlei Kenntnisse der Chemischen Zusammenhänge hatten, oft einen grossen Schockeffekt.
Unter Konstantin IV setzten die Byzantiner diese neue Mixtur zum ersten Mal bei der Belagerung Konstantinopels (674-678) durch die Araber ein. Die meisten Schiffe der Arabischen Flotte gingen dabei in Flammen auf. Diese Innovation wurde von den Byzantinern in der Folgezeit als Staatsgeheimnis gehütet und in zahlreichen See- und Landschlachten eingesetzt um gegnerische Schiffe und Armeen zu vernichten.
2. Schwarzpulverwaffen
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