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Identifikation
Signatur:
Ar 165
Entstehungszeitraum / Laufzeit:
1902-2009
Umfang:
1.2 m
Kontext
Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Harry Gmür wurde 1908 geboren und wuchs in einer gutbürgerlichen Berner Familie auf. In Bern, Paris, München und Leipzig studierte er Geschichte und Germanistik. Ungewöhnlich war nicht nur seine frühe Ehe mit einer Frau ostjüdischer Herkunft, Gena Esther, sondern auch sein politischer Weg nach links. Dieser führte ihn in den 1930er Jahren zu den Gewerkschaften, zur Sozialdemokratie und dann zu den Kommunisten. 1937 gründeteGmür die kulturpolitische Wochenzeitung ABC, 1947 den Universum-Verlag, der deutsche Erstübersetzungen bemerkenswerter Autoren wie Arthur Miller oder Erskine Caldwell publizierte. 1944 gehörte Harry Gmür zu den Mitbegründern der kommunistischen Partei der Arbeit, sass für diese im Zürcher Gemeinderat und leitete die Parteizeitung «Vorwärts». Nach innerparteilichen Auseinandersetzungen geriet Gmür 1947 ins Abseits. Der Kalte Krieg stürzte ihn in eine tiefe politische und persönliche Krise. Ab 1958 bot ihm die „Weltbühne“ in Ost-Berlin eine neue Publikationsmöglichkeit. In ihrem Auftrag verfasste Harry Gmür Hunderte von Reportagen und Kommentaren. In den folgenden Jahren wurde Afrika zu seinem wichtigsten Thema. Gmür bereiste die Länder Ghana, Guinea, Kenia, Tansania, Sambia, Malawi und Nigeria. In dieser Zeit schrieb er drei Bücher über Afrika, je eines über Spanien und Griechenland. In der DDR, wo Harry Gmür nie gelebt hatte, genoss er hohe Wertschätzung. In der Schweiz wurden er und seine Familie während vielen Jahren von der Polizei observiert. Harry Gmür publizierte auch unter diversen Pseudonymen (Stefan Miller, Manfred Graber, Beat Haller).
Übernahmemodalitäten
Der Nachlass wurde dem Schweizerischen Sozialarchiv am 10.03.2010 von Mario Gmür übergeben; Nachlieferung im Frühling 2012.
Inhalt und innere Ordnung
Form und Inhalt
Der Bestand enthält:
Bewertung und Kassation
Kassiert wurden Mehrfachexemplare (u.a. Manuskripte, Bücher); Vollständige Sammlung der Umschläge der Weltbühne von 1958-1979 (2 Bde.); Zürcher Statistische Nachrichten (vorhanden, Signatur: SOZARCH N 97); Die Weltbühne von Ursula Madrasch-Groschopp (vorhanden, Signatur: SOZARCH 75307). Die im Nachlass vorhandenen Bücher des Universum-Verlags wurden in den Bibliotheksbestand des Schweizerischen Sozialarchivs integriert.
Neuzugänge
Es werden keine Neuzugänge erwartet.
Zugangs- und Benutzungsbedingungen
Zugangsbestimmungen
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs grundsätzlich ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar. Einige wenige Dokumente sind nur mit Einwilligung der Familie einsehbar (v.a. Familienkorrespondenz, Fotodokumente).
Sprache/Schrift
Unterlagen in deutscher französischer und englischer Sprache
Sachverwandte Unterlagen
Verwandte Verzeichnungseinheiten
Veröffentlichungen
Verzeichnungskontrolle
Informationen der Bearbeiter*in
Der Bestand wurde im April 2010 von H. Villiger bearbeitet; für die Verzeichnung der Nachlieferung von 2012 war G. Winkler besorgt.