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Personalrecruiting: Suchen Sie einen "guten" oder einen "passenden" Bewerber?
Veröffentlicht am 03.03.2020
Wird eine Stelle ausgeschrieben, hoffen Personalrecruiter darauf, dass sie einen "guten" Kandidaten finden. Doch was bedeutet eigentlich "guter" Kandidat? Und heisst das, dass die Bewerber, die nicht genommen werden, automatisch "schlechte" Kandidaten sind? Geht es nicht eigentlich darum, den "passenden" Bewerber zu finden, also einen, der nicht nur von der Qualifikation, sondern insgesamt zum Stellenprofil und in das Team passt?
"Gute" und "schlechte" Bewerber - eine allzu leichtfertige Wortwahl
Wer einen "guten" Kandidaten sucht, suggeriert stillschweigend, dass die Bewerber, die nicht genommen werden, wohl "schlechte" Bewerber sind. Das ist eine allzu leichtfertige Wortwahl, die Anlass dazu gibt, einmal darüber nachzudenken. Tatsächlich geht es in der Hauptsache um die Bewerbung, die als gut oder schlecht bezeichnet werden kann. Eine Bewerbung ist beispielsweise schlecht, wenn die Informationen über den Bewerber unvollständig oder gar falsch sind. Als schlecht werden Bewerbungen bezeichnet, wenn sie Rechtschreib-, Zeichen- und Grammatikfehler enthalten. Das sind sachliche Feststellungen, die die formalen Voraussetzungen einer Bewerbung betreffen.
Was eine gute Bewerbung auszeichnet
Eine gute oder sogar perfekte Bewerbung enthält ein Motivationsschreiben, das originell und ansprechend geschrieben ist. Es handelt sich nicht um die übliche Aneinanderreihung von standardisierten, aus dem Internet oder einem Bewerbungsbuch abgeschriebenen Textbausteinen. Nein, es ist ein individuelles Motivationsschreiben, in dem der Bewerber beschreibt, warum er der richtige für diese Position ist. Das Anschreiben ist nicht nur super formuliert, sondern auch frei von Rechtschreib-, Zeichen- und Grammatikfehlern.
Einen weiteren Pluspunkt können Kandidaten mit dem Lebenslauf sammeln. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er in seiner Art einzigartig ist, und durch eine ansprechende Darstellung besticht. Der Lebenslauf ist logisch aufgebaut und übersichtlich strukturiert. Der Personalrecruiter erkennt auf den ersten Blick alle relevanten Informationen. Clevere Kandidaten platzieren geschickt im Lebenslauf Schlüsselwörter, die einen direkten Bezug zu der ausgeschriebenen Position herstellen. Sind alle diese Kriterien erfüllt, wird der Recruiter begeistert sein.
ABER: Wenn der zweite Blick zu einem anderen Ergebnis kommt
Mag sein, dass eine Bewerbung auf den ersten Blick erstklassig ist. Dennoch kann es passieren, dass die Stelle nicht mit diesem Kandidaten besetzt wird, weil zum Beispiel seine Berufserfahrung nicht zu dem gewünschten Anforderungsprofil passt. Vielleicht hat er auch andere Vorstellungen bezüglich der inneren Ausgestaltung der Position. Möglich ist auch, dass der Bewerber nicht in das Team passt oder sich in dem Unternehmen nicht wohlfühlen würde. Bedeutet das, dass der Bewerber deshalb kein "guter" Kandidat mehr ist?
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Kandidat tatsächlich nichts falsch gemacht hat. Deshalb sollte damit Schluss sein, Bewerber in "gute" und "schlechte" Kandidaten zu unterteilen. Diese Wortwahl bringt nämlich nicht auf den Punkt, worum es wirklich geht: Es hat einfach nicht gepasst! Diese Formulierung könnte an die Grenzen der Political Correctness stossen. Doch geht es nicht gerade in einem Bewerbungsverfahren darum, verantwortungsbewusst mit Kandidaten umzugehen und ehrlich zu kommunizieren, dass es einfach nicht gepasst hat?