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Chancen und Risiken einer katholischen Militärunternehmerdynastie: die Zurlauben aus Zug. (Arbeitstitel)
Die Zurlauben waren im 17. und frühen 18. Jahrhundert die einflussreichste Familie des Standes Zug. Ihren Aufstieg und die Wahrung ihres Status‘ verdankte die Familie massgeblich ihrem starken militärunternehmerischen Engagement sowie weiteren Diensten als Klienten der französischen Krone. Als Anführer der französischen Faktion vertraten die Zurlauben die Interessen der Krone in Zug und in der (katholischen) Eidgenossenschaft und übten über mehrere Generationen das einflussreiche Amt des Austeilers französischer Pensionen in Stadt und Amt Zug aus. Mit einer zielgerichteten, intergenerationell angelegten Familien- und Heiratspolitik besetzten die Zurlauben wichtige politische Ämter im Kanton und in der Eidgenossenschaft und hatten hohe Offiziersstellen in französischen Diensten inne. Das Dissertationsprojekt 2 untersucht auf der Grundlage des aussergewöhnlich dichten Nachlasses der Familie in der Aargauer Kantonsbibliothek („Zurlaubiana“), wie sehr die Machtstellung dieses Geschlechts mit dessen Fähigkeit verknüpft war, Ressourcen aus der Tätigkeit für einen mächtigen ausländischen Patron zu generieren. Es fragt nach den Chancen und Risiken dieser asymmetrischen Beziehung. Welches waren die Rivalen der Zurlauben in Zug und in der Eidgenossenschaft in der Konkurrenz um die französischen Patronageressourcen? Welche Gewinne und welche Verluste erzielten die Zurlauben aus ihrem Militärunternehmertum? Welche finanziellen Rückschläge hatten sie zu verkraften und auf welche Bewährungsproben stellte sie die chronische Zahlungsunfähigkeit der französischen Krone? Wie kompensierten sie diese Zahlungsausfälle gegenüber ihrer eigenen Klientel in Zug und in den Freien Ämtern, wo sie das Landschreiberamt über Generationen hinweg ausübten und Söldner rekrutierten? Als Anführer der französischen Faktion in Zug waren die Zurlauben dem wachsenden Unmut über die ausstehenden französischen Zahlungen, die immer aggressivere Politik Ludwigs XIV. und der starken Konkurrenz durch die Familien aus der spanisch-habsburgischen Faktion besonders ausgesetzt. Innerfamiliäres Missmanagement und die Agitation der Franzosengegner stürzten die Zurlauben in den 1720er Jahren in die politische Bedeutungslosigkeit.
Die Dissertation untersucht, welche Strategien die Zurlauben als Klienten Frankreichs zur Machtetablierung sowie zur Minimierung politischer Risiken anwendeten. Dabei interessiert, wie die Familienorganisation und das klienteläre Netzwerk der Zurlauben insbesondere im Hinblick auf die Stabilisierung und Perpetuierung des militärunternehmerischen Engagements der Familie in Frankreich funktionierten (Clan-Hierarchie, Sanktionierung von Fehlverhalten; Aufbau und Pflege der eigenen Klientel), welche Formen der Kooperation sich zwischen den politischen Amtsträgern aus dem Kreis der Familie in Zug und deren Verwandten in französischen Diensten entwickelten, wie sich die Beziehung zu den Vertretern der französischen Krone als Patrons gestaltete, welche Verpflichtungen daraus erwuchsen sowie welche Auswirkungen die militärunternehmerischen Privatinteressen auf die politische Tätigkeit der Zurlauben hatten. Ausserdem interessieren die Strategien der Risikominimierung durch Diversifizierung der unternehmerischen Tätigkeit, etwa indem die Familie die Nähe zum Herzog von Savoyen als weiterem Patron suchte oder in den Zuger Salzhandel einstieg. Die Ergebnisse des Projekts lassen sich auch für die Erweiterung der Kenntnisse der allgemeinen Zuger Geschichte in der frühen Neuzeit fruchtbar machen.