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Datierung
2011
Installationsmasse
230 x 240 cm
Technik/Material
Glas, Lack
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Ankauf ermöglicht durch den Club Fonds Konkret
Inv.-Nr.
SK11048
Target as Frontside
2011 konnte das Museum Haus Konstruktiv ein Werk des in Basel lebenden Künstlers Kilian Rüthemann (1979, Bütschwil, CH) erwerben: «Target as Frontside» besteht aus Neonröhren, die mit Farbe ausgeschwenkt und in einer geometrischen Anordnung auf die Wand appliziert wurden. Im nächsten und letzten Schritt schlug Rüthemann die Vorderseiten der gläsernen Röhren mit einem Hammer ab.
Entstanden ist ein zartes Relief, dessen Struktur an die monochrom weissen Bilder von Robert Ryman erinnert, aber auch an die «White Paintings» von Robert Rauschenberg, von denen der Komponist John Cage einmal sagte, er begreife sie als «Landepisten» für Licht und Schatten. Dass sich Cage durch ebendiese Bilder zu seinem berühmten Stück «4'33''» inspirieren liess, ist insofern interessant, als auch die Arbeit von Kilian Rüthemann einen Bezug zur Musik besitzt: Sein Werktitel rekurriert auf einen Text des niederländischen Komponisten Dick Raaijmakers (1930–2013), der sich vor allem mit elektroakustischen Werken einen Namen gemacht hat. In dem poetischen Text «Method» (der seinerseits eine Referenz an die fotografischen Bewegungsstudien von Etienne-Jules Marey ist) beschrieb Raaijmakers, auf welche Weise sich der Mensch durch die Welt bewegt und mit ihr interagiert, wie er ein Ziel (target) anvisiert und es doch immer nur von vorne sehen kann (as frontside), weil es sich mit ihm dreht, so «wie ein Löwe dem Jäger mit dem Kopf folgt».
Raum (der Schauplatz unserer Bewegungen und Interaktionen) bildet das zentrale Thema im Schaffen von Kilian Rüthemann, der seiner Ausbildung und Arbeit als Steinbildhauer ein Studium an der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst folgen liess. Er konzipiert und realisiert seine Werke meist direkt vor Ort, reagiert mit ihnen auf die spezifischen Gegebenheiten der Architektur ¬–¬ auf Raumstrukturen, Fenster, Wände und Böden, auf Spannungskräfte und Zwischenräume. Seine mitunter minimalen bildhauerischen Eingriffe machen den Raum zur Skulptur und, vice versa, die Skulptur zu einer architektonischen Intervention, die der Dauerhaftigkeit der baulichen Struktur eine temporäre Formulierung entgegensetzt. Sie erzählt von Transformation und Vergänglichkeit, konterkariert Schwere durch Leichtigkeit, hebelt die Funktion einzelner Bauglieder aus und deutet den Raum auf diese Weise um. Rüthemann verfügt über ein feines Gespür für seine Materialien und über eine konzeptuelle Klarheit, die nicht kühl bleibt, sondern uns tangiert. Und so ist «Target as Frontside», wie es in einem Galerietext über den Künstler hiess, «ein leuchtendes Denkmal der Zerbrechlichkeit».
Britta Schröder