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Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist die weltweit mächtigste Zentralbank. Begonnen hat ihre 100-jährige Geschichte aber im Kleinen und vor allem Geheimen.
Im Geheimen geboren
Im November 1910 trafen sich auf der Insel Jekyll in Georgia ein republikanischer Senator, ein hoher Beamter des Finanzministeriums sowie fünf wichtige Banker des Landes, um die Gründung der Zentralbank vorzubereiten. Resultat: Ein Vorschlag zuhanden des Kongresses zur Gründung der Fed. Drei Jahre später verabschiedeten Senat und Repräsentantenhaus der USA den Federal Reserve Act, die Basis für die neue Bank. Er enthielt Teile des Entwurfs von Jekyll Island.
Zwei Anläufe gescheitert
Doch weshalb die anfängliche Geheimniskrämerei? Als Präsident Woodrow Wilson am 23. Dezember 1913 das Notenbanksystem ins Leben rief, waren schon zwei ähnliche Versuche gescheitert.
1791 hatte der Kongress die «First Bank» (Erste Bank) gegründet. Doch die Institution Zentralbank war so kontrovers, dass sich im Kabinett des ersten Präsidenten George Washington deswegen politische Fronten bildeten. Und damit hatten die Amerikaner nicht nur eine Notenbank, sondern auch das Zwei-Parteien-System.
Beschäftigung und stabile Preise als Ziel
Das umstrittene Experiment war schon nach 20 Jahren beendet. Es wurde aber 1816 noch einmal wiederholt, um eine unhaltbare Inflation einzudämmen. Diese «Second Bank» überstand jedoch nicht einmal zwei Jahrzehnte.
Der dritte Anlauf führte dann 1913 zur Fed von heute. Diese muss kaum mehr um ihre Existenz bangen. Sie ist unentbehrlich für die weltgrösste Volkswirtschaft. Die Fed musste die Wirtschaft durch die Grosse Depression steuern, durch Kriege und rund ein Dutzend Rezessionen. Weitgehend unabhängig von der Politik kontrolliert und reguliert sie die Banken und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe. Ihre Hauptziele: Eine möglichst hohe Beschäftigung und stabile Preise.
Drei Schlaglichter auf die Notenbank
- Die Fed als Organisation: Sieben Mitglieder des Gouverneurrates, ernannt vom US-Präsidenten für 14 Jahre, sowie die Leiter zwölf örtlicher Notenbanken haben mit ihrer Geldpolitik das Wohl der US-Konjunktur in der Hand. Doch das Gesicht der Fed ist ihr Vorsitzender. Namen wie Paul Volcker (1979 - 1987), Alan Greenspan (1987 - 2006) und Ben Bernanke (seit 2006) sind nicht nur Wirtschaftskennern ein Begriff. Anfang 2014 soll mit Janet Yellen erstmals eine Frau den Posten übernehmen.
- Die Fed unter Beschuss: Die Notenbank Fed steht immer wieder in der Kritik. Ihre Hilfe für die Wirtschaft nach dem Schwarzen Dienstag von 1929 an der Wall Street hielten viele für zu schwach. Volckers massive Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation rissen das Land 1980 in eine Rezession. Greenspan wird vorgeworfen, er habe die Immobilienblase, die 2007 zur schwersten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg führte, nicht nur übersehen, sondern auch noch gefördert. Und Bernanke muss sich anhören, als Reaktion darauf mit seiner Politik des ultrabilligen Geldes überreagiert zu haben.
- Die Fed am Wendepunkt: Die US-Zentralbank befindet sich pünktlich zu ihrem 100. Geburtstag am kommenden Montag in einer Zäsur. Nicht nur steht sie nach acht Jahren vor einem Führungswechsel. Sie muss auch ein in dieser Dimension unbekanntes Kapitel ihrer Geschichte aufschlagen: Auf die designiert Chefin Yellen wartet die Mammutaufgabe, die Fed aus einem beispiellosen Krisenmodus zurück in die Normalität zu führen. Niemand weiss, ob dies nach Jahren der Nullzinspolitik und billionenschwerer Anleihekäufe möglich ist, ohne neue Krisen an den Weltmärkten auszulösen.