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Reizdarm und kolorektales Karzinom
Peter Bauerfeind
Kolorektales Karzinom
Den überzeugenden präventiven Nutzen der Screeninguntersuchung zeigt eine britische Studie mit 170'038 Teilnehmern, in welcher die Sigmoidoskopie über eine Nachbeobachtungsdauer von 11,2 Jahren zu einer Reduktion des Risikos für ein kolorektales Karzinom um 33 Prozent und der Mortalität infolge eines kolorektalen Karzinoms um 43 Prozent führte [1]. Im Einklang mit diesem Resultat ergab eine italienische Studie mit 34'292 Teilnehmern, dass durch die Screening-Sigmoidoskopie die Inzidenz der kolorektalen Karzinome über eine Nachbeobachtungsdauer von 10,5 Jahren um 31 Prozent und die durch ein kolorektales Karzinom bedingte Mortalität über eine Nachbeobachtungsdauer von 11,4 Jahren um 38 Prozent gesenkt wurde [2]. Gemäss einer Modellrechnung, in welcher der präventive Nutzen des Screenings bei bisher noch nicht untersuchten älteren Personen ermittelt wurde, erweist sich die Koloskopie bis zu einem Alter von 75 Jahren als kosteneffizient und stellt trotz der ab diesem Alter stark abfallenden Anzahl gewonnener Lebensjahre sogar bis zum 85. Lebensjahr eine vertretbare Massnahme dar [3]. Das Risiko für ein kolorektales Karzinom war in einer deutschen Fallkontrollstudie mit 4'244 Teilnehmern bei den Personen, deren initiale Koloskopie einen negativen Befund ergeben hatte, selbst nach 10 Jahren gegenüber den nicht untersuchten Kontrollpersonen noch signifikant verringert. In der anschliessenden Subgruppenanalyse erwies sich das Rauchen als einziger und wichtiger Risikofaktor für ein kolorektales Karzinom, weshalb für die Screening-Koloskopie ausser bei Rauchern ein etwas längeres Intervall als die empfohlenen 10 Jahre in Erwägung gezogen werden kann [4]. Die Bedeutung der Qualitätskontrolle bei der Screeninguntersuchung geht aus einer nationalen Erhebung in den Niederlanden hervor, wonach 2,7 Prozent der insgesamt 1'243 nachgewiesenen kolorektalen Karzinome innerhalb von weniger als 5 Jahren nach der Koloskopie auftraten und es sich dabei zumeist um kleine, flache und vornehmlich im proximalen Kolon lokalisierte Läsionen handelte [5].
Auf der Suche nach genetischen Tests zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms wurde die diagnostische Zuverlässigkeit eines 10 Urinmetaboliten erkennenden Biomarkerpanels bei 184 Proben geprüft, mit welchem eine Sensitivität von 88 Prozent und eine Spezifität von 42 Prozent erreicht wurde [6]. Des Weiteren ergab die Bestimmung der VSX2-DNS-Methylierung im Stuhl oder Serum bezüglich der Identifikation von kolorektalen Karzinomen eine Sensitivität von 83 Prozent und eine Spezifität von 92 Prozent [7], während für einen Bluttest mit 43 Biomarkern von peripheren mononukleären Blutzellen zum Nachweis von Adenomen eine Sensitivität von 67 Prozent und eine Spezifität von 87 Prozent ermittelt wurde [8]. Das diagnostische Potenzial von Geruchsstoffen für die Krebsdiagnostik geht aus einer japanischen Studie hervor, in welcher ein auf die Erkennung von Gerüchen geschulter Labrador Retriever ein kolorektales Karzinom aus Atemluft- und Stuhlproben mit einer Sensitivität und Spezifität von über 90 Prozent nachweisen konnte [9].
Die Kontroverse um den Nutzen der Vitamin-D-Supplementation zur Primärprophylaxe des kolorektalen Karzinoms bleibt weiterhin bestehen, da die aus Metaanalysen gewonnenen Hinweise auf ein verringertes Karzinomrisiko bei hohen 25-Hydroxyvitamin-D-Serumspiegeln bis anhin nicht durch grosse randomisierte Studien mit einem klar definierten Endpunkt bestätigt wurden [10, 11]. Bezüglich des ebenfalls umstrittenen Einflusses der Folsäuresupplementation ergaben zwei US-amerikanische Kohortenstudien mit 525'488 und 99'523 Teilnehmern, dass die Inzidenz von kolorektalen Karzinomen bei einer hohen täglichen Aufnahme von Folsäure um zirka 20 bis 30 Prozent gesenkt wird [12, 13]. Der aus präklinischen Studien vermutete direkte Antitumoreffekt der Bisphosphonate wird durch eine kanadische Fallkontrollstudie mit 5'425 Patienten mit einem kolorektalen Karzinom und 54'242 Kontrollpersonen gestützt, in welcher die Anwendung von Bisphosphonaten mit einer um 16 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit für ein kolorektales Karzinom assoziiert war [14]. Zu den Auswirkungen der Ernährungsgewohnheiten auf das Risiko für ein kolorektales Karzinom liegen die Resultate einer Metaanalyse von 19 prospektiven Studien mit insgesamt 1'523'860 Teilnehmern vor, wonach ein hoher täglicher Konsum von mindestens 600 Gramm Früchten das Risiko für eine kolorektales Karzinom um 15 Prozent zu reduzieren scheint [15].
Colon irritabile
Als neue, wirksame Substanz zur Behandlung des Colon irritabile hat sich der Guanylatcylase-C-Agonist Linaclotid erwiesen, der in zwei US-amerikanischen Doppelblindstudien mit 1'276 Patienten mit einer chronischen Obstipation nach einer zwölfwöchigen Therapiedauer im Vergleich zu Plazebo bei einem signifikant grösseren Patientenanteil zu mindestens drei spontanen Darmentleerungen pro Woche führte [16]. Die Behandlung mit dem 5-Hydroxytryptamin-4-Rezeptoragonisten Prucaloprid bewirkte in einer deutschen Doppelblindstudie mit 300 älteren Patienten mit einer chronischen Obstipation nach vier Wochen gegenüber Plazebo eine Erhöhung der Anzahl der Patienten mit mindestens drei spontanen Darmentleerungen pro Woche, wobei die Wirksamkeit von Prucaloprid in dieser Studie etwas geringer war als in einer früheren Multizenterstudie mit 620 an einer schweren chronischen Obstipation leidenden Patienten [17, 18]. Darüber hinaus ergab eine niederländische Doppelblindstudie mit 196 Patienten, dass unter der vierwöchigen Therapie mit Prucaloprid selbst bei einer durch Opioide induzierten Obstipation gegenüber Plazebo bei einer grösseren Anzahl der Patienten eine Zunahme um mindestens eine spontane vollständige Darmentleerung pro Woche erreicht werden konnte [19]. Das nicht-resorbierbare Antibiotikum Rifaximin führte gemäss einer Metaanalyse von fünf Studien mit 1'803 Patienten, die an einem nicht von Obstipation dominierten Colon irritabile litten, im Vergleich zu Plazebo zu einer deutlich höheren Ansprechrate bezüglich der Verbesserung der gastrointestinalen Symptome und der Blähungen [20]. Die Resultate einer Metaanalyse von zehn Studien mit 868 Patienten mit einer chronischen Obstipation weisen darauf hin, dass die Behandlung mit Polyethylenglycol eine signifikant stärkere Zunahme der wöchentlichen Stuhlfrequenz und eine ausgeprägtere Linderung der Bauchschmerzen bewirkt als die Therapie mit Lactulose [21]. Ein interessantes Ergebnis lieferte eine Doppelblindstudie mit 179 Patienten mit einem Colon irritabile, wonach die achtwöchige Verabreichung von Bierhefe im Vergleich zu Plazebo in den letzten vier Behandlungswochen bei einem wesentlich grösseren Anteil der Patienten die Schmerzen und das Unwohlseins zu lindern vermochte [22].
Prof. Dr. med. Peter Bauerfeind
Leitender Arzt
Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
Universitätsspital Zürich
<email-pii>
Literatur
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2. Segnan N, Armaroli P, Bonelli L, et al. Once-only sigmoidoscopy in colorectal cancer screening: follow-up findings of the Italian randomized controlled trial--SCORE. J Natl Cancer Inst 2011; 103: 1310–1322.
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7. Olaru A, Cheng Y, Agarwal R, et al. DNA methylation microarray identifies novel methylation biomarkers for colorectal cancer detection. Gastroenterology 2011; 140: S41, 178.
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11. Manson JE, Mayne ST and Clinton SK. Vitamin D and prevention of cancer--ready for prime time? N Engl J Med 2011; 364: 1385–1387.
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13. Stevens VL, McCullough ML, Sun J, et al. High levels of folate from supplements and fortification are not associated with increased risk of colorectal cancer. Gastroenterology 2011; 141: 98–105.
14. Singh H, Nugent Z, Demers A, et al. Exposure to bisphosphonates and risk of colorectal cancer: A population-based nested case-control study. Cancer 2011; Aug 5, [Epub ahead of print].
15. Aune D, Lau R, Chan DS, et al. Nonlinear reduction in risk for colorectal cancer by fruit and vegetable intake based on meta-analysis of prospective studies. Gastroenterology 2011; 141: 106–118.
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