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In ganz Afrika treibt die digitale Revolution den Wandel voran und verändert das Leben. Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) befreit Millionen von Menschen aus der Armut, bietet alternative Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten und dehnt die Reichweite einer hochwertigen Gesundheitsversorgung auf ländliche und abgelegene Gebiete aus.
Digitale Technologien sind wichtige Instrumente, um die Gleichstellung der Geschlechter und die wirtschaftliche Sicherheit von Frauen und Mädchen zu fördern und eine gerechtere und wohlhabendere Welt zu schaffen. Ohne Zugang zu IKT sind Frauen einem grösseren Risiko ausgesetzt, zurückzubleiben. Wenn junge Frauen technologisch qualifiziert und vernetzt sind, kann dies eine wichtige Rolle dabei spielen, eine gleichberechtigte Stellung in der Wirtschaft einzunehmen.
Den digitalen Gender Gap schliessen
In Mali ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen von den Vorteilen und Möglichkeiten der IKT profitieren, um ein Drittel geringer als bei Männern. Das will die Unternehmerin Marguerite Porcho ändern. Als Gründerin von Musodev, einer Vereinigung, die sich für die digitale Integration von Mädchen und Frauen in Mali einsetzt, möchte Marguerite Porcho die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten im IKT-Bereich verringern.
"Ich möchte die IKT für Mädchen und Frauen entmystifizieren. Die Entwicklung in diesem Bereich war für mich als Frau in Mali nicht einfach. Aber meine Motivation hat nie nachgelassen, weil ich überzeugt bin, dass die digitale Technologie eine hervorragende Möglichkeit ist, schnell viele Menschen zu erreichen und die Stimmen von Mädchen und Frauen zu verstärken", sagt die 28-jährige Marguerite.
Digitale Lösungen zur Verbesserung der Lebenssituation
Marguerite wurde in einer ländlichen Gemeinde in der Region Ségou in Mali geboren und beschreibt sich selbst als: "eine soziale Unternehmerin, die über digitale Lösungen nachdenkt und sie entwickelt, um das tägliche Leben von Frauen und Mädchen zu verbessern". Seit ihrer Kindheit ist sie vom Computerfieber gepackt. Inspiriert hat sie die Schauspielerin Chloe O'Brian, Star ihrer Lieblingsserie 24, die "die Welt durch Programmieren gerettet hat".
In der Grundschule interessierte sich Marguerite erstmals für Aktivismus und Interessenvertretung. Mit 14 Jahren ist sie dem Kinderparlament von Mopti beigetreten war. "Fast vier Jahre lang habe ich mich für die Rechte von Kindern eingesetzt, insbesondere für die Rechte von Mädchen und für Themen wie die Genitalverstümmelung von Frauen, die ich leider selbst erlebt habe", erklärt sie. An der Universität begann sie, ihre digitalen Fähigkeiten zu entwickeln, studierte Informatik und spezialisierte sich auf Softwaretechnik.
Vom Blog zur Vereinsgründung
"Ich träumte von einer Welt, in der Frauen nicht mehr nur für die Hausarbeit zuständig sind, sondern Zugang zu Bildung, Gesundheitsdienstleistungen, verantwortungsvollen Positionen haben und Entscheidungen treffen können", sagt Marguerite. Sie stellte fest, dass Frauen im digitalen Sektor untervertreten waren. Sie beschloss einen Blog zu schreiben, um die Arbeit von Frauen im IKT-Bereich zu fördern.
Der Enthusiasmus der Mädchen und Frauen, die ihren Blog verfolgten, veranlasste sie zur Gründung vonMusodev. Musodev ist ein Verein, der Mädchen und jungen Frauen in Mali eine Plattform zur Sensibilisierung und zum Aufbau von Kapazitäten durch digitale Bildung und Lernen bietet. Musodev bietet unter anderem eine Programmierakademie, Computerausrüstung, Videopräsentationen, in denen Frauen und ihre Leistungen vorgestellt werden, sowie Geräte zur Förderung der finanziellen Eingliederung von Frauen.
App soll Gewalt verhindern
Um die Plattform weiterzuentwickeln und ein digitales Instrument zu schaffen, das die zunehmende geschlechtsspezifische Gewalt in Mali bekämpft, beantragte Marguerite eine Finanzierung beim Youth Challenge Fund von Plan International. Mit diesem Fonds unterstützt Plan International Mädchen- und Jugendgruppen dabei, ihre Aktivitäten während der COVID-19-Pandemie aufrechtzuerhalten und zu stärken, um sicherzustellen, dass sie weiterbestehen und weiterhin auf die Bedürfnisse ihrer Gemeinschaften in dieser schwierigen Zeit eingehen können.
Marguerites Vorschlag zur Entwicklung einer neuen mobilen App mit dem Titel "Zero GBV" wurde aus 1 300 eingereichten Bewerbungen ausgewählt. Er war eine von 23 Ideen, die von Plan International finanziell und technisch unterstützt wurden. Die App bietet den Nutzer:innen Informationen über geschlechtsspezifische Gewalt, ermutigt Frauen und Mädchen, Gewalttaten zu melden und erleichtert die Betreuung der Überlebenden.
Erst der Anfang
Die App ist jetzt auf Google Play verfügbar und hat derzeit mehr als 500 aktive Nutzer. "Plan International war die erste INGO, die jugendgeführten Organisationen vertraut hat. Sie haben uns unseren ersten Zuschuss gewährt und uns die Möglichkeit gegeben, zu zeigen, wozu wir fähig sind. Sie haben uns auch geholfen, unseren Verein besser zu verwalten. Der Youth Challenge Fund hat uns die Türen zu weiteren Partnerschaften geöffnet", sagt Marguerite.
Marguerite ist ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten der Innovation und hofft nun, die App weiterzuentwickeln. "Ich möchte sie in anderen Sprachen zur Verfügung stellen, eine USSD-Version entwickeln und eine Partnerschaft mit Telefongesellschaften eingehen, um die Anwendung vorzuinstallieren und Frauen in ländlichen Gebieten Telefone anzubieten."
Im März 2021 wurde Marguerite bei den Mali Digital Awards als "Digital Woman of the Year" nominiert. Eine Auszeichnung, die sie allen Frauen widmet: "Ich hoffe, dass mein Beispiel viele Frauen und Mädchen motivieren wird", sagt sie.