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Joseph Blatter hat seinen Rücktritt als Präsident des Weltfussballverbands FIFA angekündigt. Der 79-jährige Walliser gab den Entscheid am Dienstag an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Zürich bekannt. Derweil ermittelt das FBI gegen den scheidenden FIFA-Präsidenten, berichten US-Fernsehsender.
Washington -
Die US-Bundespolizei FBI ermittelt einem Medienbericht zufolge gegen den scheidenden FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Der US-Fernsehsender ABC berief sich am Dienstagabend auf seiner Webseite auf mit dem Fall vertraute Personen.
Der Bericht konnte zunächst nicht verifiziert werden. Der 79-jährige Blatter hatte zuvor überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Er steht wegen einer Korruptionsaffäre bei der FIFA unter Druck.
Das FBI hatte in der vergangenen Woche mehrere hochrangige Funktionäre des Fussballweltverbandes festnehmen lassen. Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht, dass bei der Vergabe von Wettkämpfen Schmiergeld geflossen sein könnte.
Sepp Blatter hat seinen Rücktritt mit dem fehlenden Rückhalt in der Fussballwelt begründet. "Ich habe zwar ein Mandat der FIFA-Mitglieder, aber ich glaube nicht, dass ich ein Mandat der ganzen Fussballwelt habe", sagte er.
In den vergangenen Tagen war gemutmasst worden, dass Blatter nach den Verhaftungen von mehreren FIFA-Funktionären ebenfalls im Visier der US-Behörden stehen könnte. Diesbezüglich machte der scheidende Präsident vor den Medien keine Angaben. Am Samstag beginnt die Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada, zu der Blatter erwartet wird.
Blatter kündigte hingegen an, er wolle sich in der Zeit bis zu seinem Rücktritt auf tiefgreifende Reformen im Weltfussballverband fokussieren. "Wir brauchen einen tiefgreifenden Strukturwandel", sagte der FIFA-Chef gemäss Redetext. "Wir brauchen Amtszeitbeschränkungen nicht nur für den Präsidenten, sondern für alle Mitglieder des Exekutivkomitees." Zudem müsse das Exekutivkomitee verkleinert werden, und dessen Mitglieder müssten in Zukunft vom FIFA-Kongress gewählt werden. Blatter schloss seine Erklärung mit den Worten: "Was mir am wichtigsten ist: Wenn all das vorbei ist, soll der Fussball der Gewinner sein."
Nachfolge noch unklar
Blatter wird die Geschäfte so lange weiterführen, bis sein Nachfolger an einem ausserordentlich einberufenen FIFA-Kongress gewählt wird. Blatter möchte nicht warten, die der nächste offizielle Kongress 2016 in Mexiko stattfindet. "Dies wurde eine unnötige Verzögerung bedeuten", sagte Blatter.
Ein Nachfolger von Joseph Blatter als FIFA-Präsident soll voraussichtlich an einem Sonderkongress des Weltverbands zwischen Dezember 2015 und März 2016 gewählt werden. Diesen Zeitraum nannte Domenico Scala, Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission der FIFA, nach der Rücktrittsankündigung Blatters am Dienstag in Zürich. Gemäss Statuten des Weltverbands seien mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig.
Blatter stand der FIFA seit 1998 vor. Er war erst am Freitag im Zürcher Hallenstadion trotz des jüngsten Korruptionsskandals für eine fünfte Amtszeit gewählt worden.
Keine Auswirkungen auf Strafverfahren
Sepp Blatters Rücktritt als FIFA-Präsident hat keinen Einfluss auf das Strafverfahren der Bundesanwaltschaft - weil es gegen unbekannt eröffnet wurde und Blatter kein Beschuldigter ist. Das Verfahren läuft wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Die Bundesanwaltschaft (BA) teilte am Dienstagabend mit, sie habe vom angekündigten Rücktritt Kenntnis genommen.
Das Verfahren wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der Geldwäscherei sei gegen unbekannt eröffnet worden. Dementsprechend sei Joseph Blatter kein Beschuldigter, und sein angekündigter Rücktritt habe keinen Einfluss auf das Strafverfahren der Bundesanwaltschaft. Weitergehend äussere sich die BA nicht.
(SDA, RB1)
Bildquelle: clack.ch