Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03469.jsonl.gz/730

Am 18. Oktober 2017 fand im Hörsaal des Kantonsspitals Graubünden (KSGR) ein Informationsanlass zur Parkinson-Krankheit statt. Das Interesse an den Ausführungen von Dr. med. Rolf Sturzenegger, dem Leitenden Arzt Neurologie im KSGR, war gross.
Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Weltweit gibt es rund sechs Millionen Patienten. In der Schweiz leben ungefähr 16'000 Betroffene. Das entspricht der kumulierten Bevölkerungszahl von Davos und St. Moritz. Entsprechend gross war das Interesse am Vortrag des Leitenden Arztes Neurologie im KSGR, Dr. med. Rolf Sturzenegger.
Zu Beginn seiner Ausführungen erklärte Sturzenegger, anhand welcher Symptome Parkinson erkannt werden kann. Wichtig dabei: nicht jeder Tremor (Zittern) ist ein Indiz für Parkinson. Es gibt verschiedene Symptome, die für Parkinson sprechen können. So zum Beispiel die Bewegungsarmut, die Muskelstarre sowie eine verminderte Haltungsstabilität. Die Diagnose der Erkrankung erfordert eine Beurteilung durch einen erfahrenen Arzt oder Nervenspezialisten.
In seinem Essay «Eine Abhandlung über die Schüttellähmung» beschrieb James Parkinson 1817 die Symptome von Parkinson erstmals in einer medizinischen Publikation. Jean-Martin Charcot, der Begründer der modernen Neurologie, verwendete 1884, 60 Jahre nach dem Tod Parkinsons, den Ausdruck Parkinson-Krankheit. 1912 entdeckte Frederic Lewy das Lewy-Körperchen als charakteristische Veränderung der Nervenzellen. Konstantin Nikolaevitch Tretiakoff stellte einige Jahre danach den Zusammenhang zwischen dem Verlust von Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Kernkomplex des menschlichen Gehirns, und der Erkrankung dar.
Parkinson betrifft etwa 1% der über 60-Jährigen und rund 3% der Menschen über 80. Bis zu 20% der Patienten sind bei der Diagnose jünger als 60 Jahre. Männer sind etwas mehr betroffen als Frauen. Die Parkinsonerkrankung verringert die Lebenserwartung nicht direkt. In den kommenden Jahren ist mit einer grösseren Zahl an Parkinson-Patienten zu rechnen. Dies, weil die Babyboomer-Generation nun das Alter erreicht hat, in dem Parkinson vermehrt auftritt.
Auch heute noch lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, warum der eine Mensch an Parkinson erkrankt und der andere nicht. Klar ist, dass aus noch ungeklärten Gründen Nervenzellen absterben. Die Krankheit wird nur in seltenen Fällen direkt vererbt. Dennoch scheint eine genetische Veranlagung aber bei rund 30% der Patienten eine Rolle zu spielen. Es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung von Parkinson. So werden infektiöse Ursachen durch Viren oder Bakterien aber auch Umweltgifte diskutiert.
Ende der 1950er-Jahre entdeckten der Wiener Pharmakologe Oleh Hornykiewicz sowie der Schwede Arvid Carlsson die Schlüsselrolle von Dopamin bei der Parkinsonerkrankung. Der Wirkstoff Levo-Dopa, eine biologische Vorstufe von Dopamin, ist heute der wichtigste Arzneistoff gegen die Parkinson-Krankheit. Es kompensiert den Dopaminmangel im Hirn und führt zu einer Normalisierung der Bewegungsabläufe. Es steht auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation WHO. Neben der medikamentösen Behandlung mit Dopamin versprechen Bewegungstherapie und tiefe Hirnstimulation Linderung der Symptome.
Die Parkinson-Diagnose wird primär klinisch, sprich durch Gespräche, Beobachtung und Untersuchung des Patienten gestellt. Dabei liegt das Augenmerk auf den Hauptsymptomen wie der Verlangsamung bei Bewegungen, dem Zittern oder der Steifigkeit. Zusatzuntersuchungen wie das Schädel-MRI, das Hirn-SPECT unterstützen die Diagnose.
Im Kantonsspital Graubünden beschäftigt sich ein Teilgebiet der Medizin, namentlich die Neurologie, mit der Krankheit Parkinson.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch unter: www.parkinson.ch