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Auf der aussichtsreichen Route von Rüeggisberg über Fultigen nach Schwarzenburg trifft man auf die Maillart-Brücken über den Schwandbach und das Schwarzwasser. Die beiden Brücken aus den Jahren 1932 und 1933 gelangten wegen ihrer damals zukunftsweisenden Form und Anordnung als geniales Meisterwerk zu Weltberümtheit. Mit der Konstruktion der Brücken wurde der Berner Eisenbetonbauer Robert Maillart beauftragt, weil er sich mit der Erstellung verschiedener Werke, z.B. Lorrainebrücke, auch im Bernbiet einen Namen gemacht hatte. Maillart spezialisierte sich auf Bauwerke in Eisenbeton. Seine kühnen Brückenbauprojekte in bahnbrechendem neuen Stil scheiterten anfänglich noch an der Skepsis der Fachleute. Erst nach dem 1. Weltkrieg und seiner Rückkehr aus Russland - in der Revolution verlor er dort alles - kamen Maillarts Ideen zum Durchbruch.
Der Maler, Bildhauer und Architekt Max Bill schreibt über die Brücken "... ein erstaunliches Bauwerk von ungeheurer Spannkraft" (Rossgrabenbrücke) und "Sie ist leicht wie aus Papier und verbindet scheinbar mühelos einen Talhang mit dem andern" oder "Mitten in einem waldigen Tal schwebt die Schwandbachbrücke. Ja, sie schwebt." Die Schwandbachbrücke ist eine der reinsten und beeindruckendsten Bauten Maillarts.
Maillarts Devise: "Weniger ist mehr!" Er berechnete seine Brücken möglichst leicht und dünnwandig. So konnte er Material und Zeit sparen und zudem wirschaftlich bauen. Anstelle schwerer traditioneller Brücken, wo die Lasten jeweils über Massive Bogen und Pfeiler abgeleitet wurden, schuf Maillart feingliedrige, offene, fast schwebende Konstruktionen. Seine Projekte mit Dreigelenkbogen und Stabbogen hatten zudem den Vorteil, dass das Leergerüst nur für das Gewicht der dünnen Gewölbeplatte bemessen werden musste und deshalb leichter und billiger erstellt werden konnte. Bei der Schwanbachbrücke ist bei einer Spannweite von 37,4 m die Gewölbestärke nur 20cm. Die Brücke hat einen versteiften Stabbogen; eine elliptische Strassenkurve ist auf das Gewölbe aufgesetzt, Fahrbahn- und Bogenaussteifung sind teils ober-, teils unterhalb der Fahrbahn angeordnet.
Das Verfahren Maillarts galt damals in den frühen Dreissigerjahren als revolutionär. Nach beinahe 70 Jahren sind aus den damals modernen, qualitativ hochstehenden Konstruktionen nun aber sanierungs- und pflegebedürftige Kunstdenkmäler geworden. Die Gemeinden Rüeggisberg und Wahlern konnten die beiden Brücken im 2005 dank grosszügiger Unterstützung von Bund und Kanton (BA für Landwirtschaft, Kant. Denkmalpflege, Kant. Landwirtschaftsamt, Pro Patria) fachgerecht sanieren und für spätere Generationen erhalten. Seit 1984 stehen die beiden Brücken unter Denkmalschutz.