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Ein Schinken, aber was für einer! Wenn ich das Buch gelesen hätte, als es mir vor etwa 25 Jahren empfohlen wurde (damals hieß es noch »Atlas wirft die Welt ab«), hätte ich vermutlich nur die Hälfte von dem verstanden, was seine Bedeutung ausmacht. Man muß wohl erst durch ein großes Stück dieser uns umgebenden alltäglichen, von Menschen geschaffenen Hölle (die nichts anderes tun als es gut mit uns meinen) gegangen sein, um dahinterzusteigen. Und es ist bedeutend. Das Buch ist ein Roman und zugleich ein philosophisches Manifest, sehr gut lesbar und sehr spannend. Die Vorwürfe an die Autorin, sie hätte zu eindimensionale Charaktere geschaffen, trifft nicht zu. Die Personen sind differenziertester Gedanken und Gefühle fähig, sie lernen (einige wenigstens) und sie verändern sich. Die Sprache ist modern und zugleich bilderreich. Nun aber zum Inhalt: Worum geht es eigentlich? Hauptperson ist Dagny Taggart, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der größten Eisenbahngesellschaft der Vereinigten Staaten in einer nicht näher bezeichneten Zeit, die in der Zukunft zu liegen scheint, aber in vielen Zügen an unsere sozialstaatliche Gegenwart erinnert. Sie erlebt, wie Leistung diskreditiert und Bedürftigkeit zu einem Wert an sich erhoben wird. Sie erfährt, wie eine Umverteilung von Wohlstand zum Zusammenbruch gesellschaftlicher Normen führt. Sie muß sehen, wie ihre besten Freunde aus der Industrie einer nach dem anderen durch Gesetze und Verordnungen zur Aufgabe gezwungen werden. Alles um sie herum bricht zusammen, und niemand scheint den Verfall aufhalten zu können oder auch nur zu wollen, während korrupte Politiker und opportunistische Unternehmer sich sinnlos bereichern und das Land gleichzeitig immer mehr in Armut versinkt. Die achselzuckende Redensart »Wer ist John Galt?« wird von denen im Munde geführt, denen alles egal zu sein scheint, und Dagny Taggart nimmt den Kampf gegen diese Gleichgültigkeit auf, bis sie gezwungen wird anzuerkennen, daß ihr Leben ihr selbst gehört und niemand das Recht hat von ihr zu fordern, sie müsse für andere leben. Während die Geschichte erzählt wird, finden wir ganz nebenbei Antworten auf Fragen, die uns bewegen oder bewegen sollten, wie etwa: Was sind die wirklichen moralischen Werte, nach denen man leben sollte? Welche Bedeutung haben Verstand und Gefühl? Und auch untergeordnete Probleme werden gestellt und finden überraschende Lösungen, beispielsweise: Ist Geld (Gelderwerb, Geldbesitz) etwas Schlechtes? Was haben ein Künstler und ein Industrieller gemeinsam? Woran erkennt man menschliche Größe? Dieses Buch wird nicht jeder lieben, eher nur wenige. Hassen werden es diejenigen, die in ihrem sogenannten Beruf keinerlei Werte schaffen, sondern nur die Werte verbrauchen, die andere geschaffen haben. Von denen wird der Vorwurf kommen, den man seit Erscheinen des Romans immer wieder gehört hat und sogar in so renommierten Werken wie der »Encyclopaedia Britannica« nachlesen kann: Er sei ein Manifest des ungehemmten Egoismus und ein Plädoyer für ungezügelt freie Marktwirtschaft. Die Leuten, die das behaupten, können sich diese Ausgabe tatsächlich sparen. Es ist wahrlich kein Buch für Sozialromatiker.
Uneingeschränkt empfehlen kann man es hingegen denjenigen, die wirkliche Werte hervorbringen und dafür bisher nur die soziale Ächtung als Ausbeuter oder Streber oder Nestbeschmutzer empfangen haben: innovativen, erfolgreichen Unternehmern; großen, einsamen Künstlern; wahrheitsliebenden, radikalen Denkern. Und natürlich all denjenigen, die für diese Personen Sympathie empfinden. Will jemand behaupten, so eine Haltung sei anachronistisch, nicht zeitgemäß? So eine Behauptung zeigt nur, daß die apokalyptische Entwicklung, die Ayn Rand ausgemalt hat, bereits begonnen hat. Nicht zeitgemäß? Im Gegenteil: »Atlas Shrugged« (so der Originaltitel) ist zwar ein Buch aus den 50er Jahren, seine Zeit wird aber erst noch kommen.
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Niemals in der Menschheitsgeschichte haben zwei gegensätzliche Weltanschauungen mehr „bewegt", als in dem nun zu Ende gegangenen Jahrhundert. Die russisch-amerikanische Autorin Ayn Rand (1905-1982), hat bereits 1957 in ihrem unerhört spannenden wirtschaftsphilosophischen Roman „Wer ist John Galt?" (englisch „Atlas Shrugged") mit seltener Klarheit und Schärfe die tiefgreifenden Auswirkungen beider Systeme analysiert und damit einen Klassiker des Objektivismus geschaffen. Für Ayn Rand ist der Mensch ein heroisches Wesen. Seine eigene Glückseligkeit ist der moralische Sinn seines Lebens, die wirtschaftliche Entfaltung seine nobelste Aktivität und die Vernunft seine absolute Richtschnur. Der Objektivismus, der die Basis ihrer Romane bildet, gibt dem Individuum eine vernunftsmässige Orientierung für das Leben auf der Erde, zeigt wie er sein Bestes geben kann. Objektivismus ist die radikale Alternative zu den Ideen, die die heutige Kultur und die Universitäten dominieren: Mystizismus, Altruismus und Kollektivismus - sowie deren Ergebnisse wie Nihilismus, Ökologismus und Multikulturalismus.
Im Roman „Wer ist John Galt" kann der Leser am Beispiel der amerikanischen Eisenbahn- und Stahlbaupioniere hautnah miterleben, wie Wohlstand durch wirtschaftliche Tüchtigkeit geschaffen und mittels ideologischer Irreführung gutgläubiger Menschen systematisch geplündert und wieder zerstört wird. Das im Roman vorkommende „Chancenausgleichsgesetz" ist nur einer der vielen, akribisch aufgezeigten Mechanismen der langsamen planwirtschaftlichen Selbstzerstörung, die Ayn Rand schon während der Russischen Revolution am eigenen Leibe miterlebt hat. Der Roman hält uns immer wieder den Spiegel vor und zeigt, wie weit unsere Meinung bereits ideologisch beeinflusst ist. So begegnet Ayn Rand etwa der immer noch verbreiteten Behauptung, dass Geld die Wurzel allen Übels sei:
„Haben Sie sich jemals gefragt, was der Ursprung des Geldes ist? Geld ist ein Tauschmittel, das es nur gibt, wenn Güter produziert werden und wenn Menschen da sind, die diese Güter produzieren können. Geld ist der materielle Ausdruck des Prinzips, dass Menschen miteinander auskommen, wenn sie Leistung gegen Gegenleistung bezahlen, wenn ihre Beziehungen durch ehrlichen Tausch geregelt sind. Die Schnorrer, die den Ertrag Ihrer Arbeit erjammern, oder die Plünderer, die sich mit Gewalt holen, was sie haben wollen, brauchen kein Zahlungsmittel. Geldgeschäfte gibt es nur zwischen Menschen, die etwas produzieren. Ist Geld deshalb von Übel? (...) Erwarten Sie nicht, das die Menschen gut bleiben, wenn Sie schlecht machen, was die Menschen zum Überleben brauchen. Erwarten Sie nicht, dass sie moralisch bleiben und ihr Leben dafür hingeben, der Frass der Unmoral zu werden. Erwarten sie nicht, dass sie produzieren, wenn Produktion bestraft und Plündern belohnt wird.
Fragen Sie nicht: „Wer zerstört die Welt?" Sie zerstören sie." Erschreckend ist diese Aktualität bis in die heutige Zeit. Dies ist nur möglich, weil die Menschen so wenig aus ihrer Geschichte gelernt haben. Kein Wunder also, dass der Objektivismus in Europa so gut wie unbekannt ist.
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Die Rede des John Galt ist in dieser gewählten Redeform die Erklärung des Objektivismus, der Philosophie Ayn Rands und das Hauptkapitel des ganzen Buches, um das alles andere herumkonstruiert wurde. Die fiktiv handelnden Helden sind in ihrer Konzeption wichtig, um den Objektivismus überhaupt zu verstehen. Wer dieses Kapitel nicht gelesen hat, kann das Werk nicht verstehen und sollte keine Rezension verfassen. Ayn Rand meinte zu Anfang sie würde dieses Hauptkapitel in drei Monaten schreiben können. Letztlich hat es aber 3 Jahre Zeit in Anspruch genommen. Ayn Rand studierte Philosophie an der Universität in Leningrad und emigrierte in die USA als ihr die Kommunisten nach dem Leben trachteten (siehe: Ayn Rand, a sense of life; the companion book by Michael Paxton). Ihre Philosophie baut voll auf Aristoteles auf. Sie selbst beschreibt ihre Philosophie wie folgt: „My philosophy, in essence, is the concept of man as a heroic being, with his own happiness as the moral purpose of his life, with productive achievement as his noblest activity, and reason as his only absolute.„ Die Anlage des Romans mit novellistischem Überraschungseffekt ist brillant, die aufgebaute Spannung atemberaubend. In der deutschen Ausgabe heißt es im Klappentext sehr treffend: „Um sie (die Hauptfigur Dagny Taggart) herum bricht alles zusammen. Eine von Machtgier, Niedertracht und Mißgunst zerfressene Gesellschaft versinkt im Chaos ihrer vernunftverachtenden Unmenschlichkeit." Das Werk zeigt in spannenden Dialogen was passiert, wenn einmal die Leistungselite eines Landes streikt. Es bricht dann eben alles zusammen. Der ursprüngliche Titel des Buches sollte auch "The Strike" heißen. Ayn Rands Ehemann, Frank O'Connor brachte sie aber auf die Idee den Buchtitel mit "Atlas Shrugged" zu benennen. Das Werk ist im Grundprinzip die erstaunliche Geschichte eines Mannes, der sagte, daß er den Motor der Welt anhalten würde, was er auch bewerkstelligte. Das Werk ist auch im Prinzip die Geschichte nicht über die Tötung des Körpers des Menschen, sondern über die Tötung und Wiedergeburt des menschlichen Geistes. Mit diesem in der Philosophie anerkannten Werk und der unsterblichen Frage: "Wer ist John Galt?" fand Ayn Rand die perfekte künstlerische Form ihrer Vision der Existenz des Menschen Ausdruck zu verleihen.
Dieses Buch ist nichts für Neider, Sozialisten (die Haupttriebfeder des Sozialismus ist Neid), Umverteiler und Überreglementierer, also nichts für unsere, uns seit Jahren gängelnde, widerwärtige Politikerkaste der Parasiten und Plünderer. Es ist geschrieben für die freiheitsliebenden (radikal Liberale) Tatmenschen, die nicht auf Kosten anderer leben wollen, bereit sind ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und für jene, die vielleicht zum Umdenken bereit sind. Daher auch der wichtige Eid des John Galt: „ Ich schwöre bei meinem Leben und meiner Liebe zum Leben: Ich werde nie für andere leben, und ich werde nie von anderen erwarten, daß sie für mich leben." Wem das zu egoistisch klingt, der möge sich mit der grundlegenden Philosophie Ayn Rands befassen, wie sie auch in ihrem Werk „The Virtue of Selfishness" niedergelegt ist. Für mich ist Ayn Rand eine der großen Lichtgestalten unseres Jahrhunderts. Alexander de Vernati