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Skilauf in Australien
VON GEORGE F. J. BERGMAN, SYDNEY
Mit 3 Bildern und I Karte ( 148-150 ) /. Entwicklung Als ich letztes Jahr einem Freund in Europa schrieb, dass ich den Mount Kosciusko, den höchsten Berg Australiens, mit Ski erstiegen hatte, antwortete er sehr erstaunt, ob man denn in Australien skilaufen könne? Bei solcher Hitze!
Der gute Mann schien sich darüber nicht im klaren zu sein, dass auf der südlichen Halbkugel, je mehr sich eine Gegend dem Südpol nähert, desto kühler ihr Klima wird, und dass der südliche Teil Australiens, in dem sich die Skigebiete befinden, wenn auch nicht nord-, so doch südeuro-päisches Klima besitzt. Und wie man z.B. in den Alpes Maritimes skilaufen kann, so ist dies auch in den Australischen Alpen möglich, die, abgesehehn von Tasmanien, das einzige, aber sehr grosse Skigebiet Australiens sind. Bezeichnenderweise hat man die höchste Gruppe dieser Alpen « Snowy Mountains » ( Schneeberge ) und den dort entspringenden Fluss « Snowy River » genannt.
Die Hauptgruppe der Australischen Alpen liegt in Neusüdwales und besteht aus einer nahezu ununterbrochenen 110 Kilometer langen Bergkette, die vom Mount Kosciusko gekrönt ist, während der südliche, weniger bedeutende Teil mit Mount Buller, Mount Hotham, Mount Bogong, Mount Buffalo usw. zu Victoria gehört.
Die hauptsächlichsten Schneefelder Australiens sind in dieser halbmondförmigen Alpenkette zu finden, die sich parallel zur Küste im Südosten Australiens erstreckt.
Die Australischen Alpen sind ein gletscherloses Gebirge, aus verwittertem Urgestein bestehend und eines der ältesten Gebirge der Welt. Sie weisen in den höheren Lagen grosse Ähnlichkeiten mit europäischen Mittelgebirgen, wie Jura, Sudeten oder Kärntner Höhen auf. Lange Kämme und wellige Plateaus fallen in dichtbewaldete Täler ab. Gipfelkuppen liegen um die 2000er Grenze, mit dem Mount Kosciusko ( 2234 m ) t als höchstem Gipfel.
Für den Sommerbergsteiger bieten die Australischen Alpen, da sie weder Kletterprobleme noch sonstige « alpine Probleme » aufweisen, nur schöne Wanderungen. Dem Skiläufer jedoch ist eine reiche Abwechslung geboten. Während der Wintermonate ( Ende Juni bis Ende September ), und manchmal bis tief in den Frühling hinein, liegt in den höheren Lagen bis zu 10 m Schnee, und man könnte dort tage- und wochenlang skilaufen, in einem Gebiet, das nahezu so gross ist wie die Schweiz.
Man könnte, sage ich, denn der grösste Teil der Alpen liegt so weit von den Großstädten entfernt, dass dieser für den weniger begüterten Skiläufer immer noch schwer zugänglich ist, und die Unterkunftsmöglichkeiten sind, abgesehen von einigen wenigen viel besuchten Gebieten, immer noch unzureichend.
Das Skilaufen konzentriert sich daher heute auf einige leichter zugängliche Gebiete.
Die mit dem Bau der grossen australischen Wasserkraftwerke ( Snowy Mountains Scheme in Neusüdwales und Kiewa Scheme in Victoria ) verbundene Erstellung von neuen Strassen bringt 1 Mount Kosciusko wurde am 15.Februar 1840 erstmals von einem Weissen erstiegen. Siehe: Dr.G.F. J.Berg-man, « Das Leben des Forschungsreisenden Sir Paul Edmunde Strzelecki und seine Erstersteigung des Mount Kosciusko in Australien », Der Bergsteiger, O. Jahrgang, Heft 6, Seite 228 ff., München 1953.
aber die Erschliessung neuer Täler, was in den letzten Jahren wesentlich zur Verbreitung des Skisports in Australien beigetragen hat.
Trotzdem ist der Prozentsatz der Australier, die jährlich ihren Urlaub auf den Schneefeldern verbringen, ein ganz geringer, gegenüber den Massen, die das Meer und den « Surfsport » vorziehen. Dafür bestehen verschiedene Gründe. Einer davon ist sicher die schwer zu überwindende Antipathie des Australiers gegen alles, was mit Winter und Kälte zusammenhängt, und die Tatsache, dass die meisten Australier ihren Urlaub im Sommer zu nehmen gewohnt sind. Für den West- und Südaustralier sowie den Queensländer steht, mit geringen Ausnahmen, der Wintersport ohnedies ausserhalb des Bereiches der finanziellen Möglichkeiten. Der Hauptgrund der Zurücksetzung des Skilaufs liegt jedoch wohl in der bereits erwähnten schweren Zugänglichkeit der Skigebiete, der grossen Entfernung von den Hauptstädten und in den beschränkten Unterkunftsmöglichkeiten. Normalerweise verlangt eine Fahrt in die Alpen von Sydney aus entweder eine Nachtfahrt mit der Eisenbahn und weiter eine halbtägige Autobusfahrt, eventuell sogar noch die Benützung eines Raupenschleppers oder eines Flugzeuges mit anschliessender Autofahrt. Sonntagsskifahrten waren bis 1960, d.h. bis die Eisenbahnverwaltung sich der einsetzenden « Konjunktur » bewusst wurde, nur der begüterten Klasse, die sich ein Flugzeug leisten konnte, oder dem Enthusiasten, der eine 8-10stündige Autofahrt in Kauf nahm, möglich.
In Victoria sind die Verhältnisse günstiger, da die Skiberge näher der Landeshauptstadt Melbourne liegen. Dies führte, obwohl der Skilauf viel später nach Victoria kam als nach Neusüdwales, nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer rascheren Einführung des Skifahrens. Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Skilauf in Australien im wesentlichen eine « Society»-Angelegenheit, und besonders für die Damen waren der jährliche Ski-Club-Ball und die Dutzende von « Cock-tailparties », welche der Wintersaison vorausgingen, wichtiger als der Schnee!
Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten jedoch die Tendenz, weite Volkskreise am Skisport teilhaben zu lassen und nicht mehr nur eine « privilegierte Oberschicht ».
2. Geschichte des Skilaufs in Australien 1 Der Ski wurde von Norwegern, welche die Entdeckung von Gold um die Mitte des vorigen Jahrhunderts nach Australien gelockt hatte, nach dem südlichen Kontinent gebracht. Und deshalb kam der Ski, so merkwürdig dies auch klingen mag, früher nach Australien als in die Schweiz. Um 1860 brachte ein Norweger, angeblich ein Verwandter des berühmten Polarforschers Amundsen, seine Ski in das in den Ausläufern der Australischen Alpen gelegene Goldgräberdorf Kiandra. Am 6. August 1861 erschien im « Sydney Morning Herald » die erste Mitteilung über das Skilaufen in Australien 2.
Die neue Methode zur Fortbewegung gewann in Kiandra Anhänger, und um 1878 wurde der erste Skiclub auf der südlichen Halbkugel, wohl als einer der ersten Skiclubs in der Welt, in Kiandra gegründet. Die Mitglieder des « Ski Club Kiandra » begnügten sich jedoch damit, mit Ski ihre Einkäufe zu besorgen und in der Gegend herumzurutschen. Von irgendwelcher « Technik » 1 Zusammengestellt aus Australian Ski Yearbook 1928-32, Australian and New Zealand Ski Year Book 1933-47, t Australian Ski Yearbook 1948-59; aus Zeitungsnotizen und Interviews mit namhaften Skiläufern. Der Verfasser ist Sir Herbert Schlink, dem Altmeister und Förderer des Skilaufs in Australien, für seine wertvollen Auskünfte und für die Durchsicht des Artikels zu besonderem Dank verpflichtet.
2 Bill Beatty, The white roof of Australia, Cassell & Co., London 1958.
oder gar von Hochgebirgstouren war keine Rede. Die einfache Bindung, welche die Norweger mitgebracht hatten und die sich in Ermangelung von irgendwelcher Verbindung mit europäischen Erfahrungen noch jahrzehntelang in den Australischen Alpen erhielt, liess im übrigen keine grösseren Unternehmungen zu. In den Hauptstädten interessierte sich um diese Zeit noch niemand für diesen neuen Sport.
Erst 1896 gründeten einige sportbegeisterte Männer in Sydney unter dem Vorsitz des Photographen und Bergwerksbesitzers Charles Kerry, der heute allgemein als der « Vater des australischen Skilaufs » gepriesen wird, einen Skiclub, den « NSW Alpine Club ». Es zeugt für den sportlichen Geist dieser Pioniere, dass sie gleich mit dem grössten « Problem », der ersten Winterersteigung des Mount Kosciusko, begannen. Denn im Winter 1897 unternahmen Kerry, McAlister und Gefährten die erste Skiersteigung von Mount Kosciusko. Kerry schrieb in seinem Bericht:
« Die Rückfahrt war leicht. Wir setzten uns auf unsere Ski und schütten gewandt die Hänge hinab, die wir am Morgen in schwerer Arbeit erobert hatten. » Kein Wunder, dass unter diesen Umständen der Enthusiasmus der Jünger Kerrys bald erlahmte und um die Jahrhundertwende der Verein bereits eingegangen war.
1898 wurde eine wissenschaftliche Expedition, bestehend aus H. J. Jensen, C. Wragge, B. Ingleby und B. Newth in das winterliche Mount Kosciusko-Gebiet entsandt. Sie hauste dort zuerst in mitgetragenen Polarzelten und später in einer kleinen Hütte. Die Teilnehmer bedienten sich « der von den Norwegern in Kiandra benützten Ski ». Die Beschreibung, die Newth von der Bindung und der Skitechnik gab, ist nicht ohne Interesse:
« Wir schoben die Spitzen unserer Gummistiefel in eine Art Bindung, die aus einfachen Steigeisenriemen bestand, in denen sie nur lose festsassen. Dann machten wir die Gummistiefel mit starken Stricken an unseren Gürteln fest, da wir Angst hatten, sie im Falle eines Unfalls zu verlieren. In der Hand hatten wir eine Bremsstange, mit der wir den Schnee bald auf der einen, bald auf der anderen Seite berührten, um Kurven zu fahren. Um grosse Schnelligkeit abzuschwächen, setzten wir uns auf die Stange und pflügten damit eine Furche aus...1 » So fuhren sie mit dieser mehr als einfachen « Bindung » und einer Art « Zdarsky»-Technik im Hochgebirge umher. Doch Newth sprach begeistert von ihren « wundervollen Abfahrten mit der Schneeschuhbremsstange ».
1909 wurde der heute noch bestehende « Kosciusko Alpine Club » als ausgesprochener Skiclub ( nicht als Bergsteigervereinigung ) gegründet. Den Anreiz zur Gründung dieses neuen Skiclubs gab der 1909 beendete Bau des auf 1665 m Höhe gelegenen Hotels Kosciusko durch die Regierung von Neusüdwales.
Nachdem nun ein permanenter, wenn auch viel zu tief gelegener Stützpunkt im Kosciusko-gebiet geschaffen worden war, begann sehr bald die Erschliessung der Australischen Alpen als Skigebiet.
Im Juli 1913 kam der österreichische Bergsteiger Franz Malcher in das Gebiet und führte eine Reihe von Wintererstersteigungen durch. Er war auch der erste, der den europäischen Skiläufern Nachricht von diesen neuentdeckten Schneefeldern brachte 2.
Nach dem Ersten Weltkrieg tauchten auch die ersten Frauen auf Ski auf, mit Strassenhut und meistens noch mit langem Rock bekleidet, während in Europa schon lange die Skihose auch bei den Frauen Beachtung gefunden hatte.
1 The Lone Hand, Australian Monthly, l.Juni 1909, Seite 136 ff.
2 Franz Malcher, Als Bergsteiger und Schiläufer im fünften Kontinent. Zeitschrift des Deutschen und Öster-reichen Alpenvereins 1933, Seite 48 ff.
1919 erschien das erste Jahrbuch des « Kosciusko Alpine Club », und es wurde der erste australische Skiwettlauf durchgeführt.
Nachdem sich sehr bald zeigte, dass man das « Hotel Kosciusko » viel zu tief erbaut hatte, wurde schon 1920 der Bau einer höher gelegenen Unterkunft in der breiten Mulde des Charlottepasses, 20 Kilometer vom Hotel entfernt, gefordert. Doch sollten noch weitere zehn Jahre bis zu deren Erstellung vergehen.
Eine vom Feldmesser Bett erbaute primitive Holzhütte, « Bett's Camp » genannt, diente inzwischen den Erschliessern als höher gelegener Stützpunkt.
1920 bildete sich aus früheren Mitgliedern des « Kosciusko Club » der « Ski Club of Australia », welcher sich ( im Gegensatz zu der im Grunde noch heute bestehenden Tendenz, den Skilauf nur als Rennsport zu betreiben ) das Tourenfahren und die Erforschung der höheren Zonen des Gebietes zum Ziel setzte. Dieser Club erbaute am Ursprung des Finn Rivers die erste kleine, unbewirtschaftete Skihütte, die sogenannte « Tin Hut », welche besonders die geplante Überschreitung des Hauptmassivs erleichtern sollte.Von dieser « Tin Hut » sagte man im übrigen später, dass sie « das beste Beispiel dafür geliefert habe, wo man die Hüttentür nicht anbringen soll, nämlich an der Wetterseite ».
Einer der bedeutendsten Skipioniere in Australien war der Sydneyer Arzt Sir Herbert Schlink.
Im Winter 1921 machten Dr. H. Schlink und Storaker mit einem Einheimischen, der sich als « Führer » ausgab, den ersten Versuch einer Winterüberschreitung der Snowy Mountains von Kiandra bis zum Kosciusko Hotel. Da sich jedoch herausstellte, dass der « Führer » das Gebiet auch nicht kannte, kamen sie nur bis zum 6770 Fuss hohen Gungarten-Gipfel ( 2064 m ) und wurden dann zur Rückkehr gezwungen. Erst im Juli 1927 gelang einer Partie, bestehend aus Dr. H. Schlink, Dr. E. Fischer, Dr. J. Laidley, W. Cordon aus Sydney und W. Hughes aus Kiandra in drei tätiger Tour die erste Skiüberschreitung des nördlichen Teils der Alpen von Kiandra zum Hotel Kosciusko und auch die erste Überschreitung der sogenannten « Main Dividing Range » ( Grosse Wasserscheide ) vom Mount Kosciusko zum Mount Twynam. Das NSW Tourist Bureau errichtete dann in der Mündung des Pounds Creek in den Snowy River die unbewirtschaftete « Pounds Creek Hut ».
1925 hatte der « Ski Club of Victoria » in Melbourne seine Tätigkeit begonnen und sein erstes Jahrbuch herausgegeben. Winterbesteigungen in den Alpen von Victoria fanden schon Ende der 80er Jahre statt, allerdings ohne Ski. So wurde der Mount Feathertop im September 1889 von Mitgliedern des « Bright Alpine Club », der seine Haupttätigkeit im Mount BufFalo-Gebiet entfaltete1, erstiegen 2. Eine grössere Skitätigkeit begann'jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg. So wurden die Bogong High Plains erstmals im Juli 1926 von Dr.Yof G. Rush und Gefährten überschritten. Die Teilnehmer mussten in Alphütten übernachten. Nachdem nach dem Zweiten Weltkrieg Hütten im Mount Hotham- und Mount Buller-Gebiet erbaut worden waren, wurde der Skisport in Victoria rasch populär.
Auf die weitere Entwicklung hatten Ende der 20er Jahre zwei Männer grossen Einfluss; der Norweger George Aalberg, der die « Norwegertechnik » mitbrachte, und der Australier John Collins, der sich während seiner Studienzeit in Europa mit dem modernen Skilauf vertraut gemacht hatte. Collins führte den Slalomlauf und die Stoppuhr für Skirennen in Australien ein.
Im August 1928 ereignete sich der erste ernsthafte Skiunfall. Even Hayes und Kaurie Seeman wurden beim Aufstieg zum Mount Kosciusko vom Schneesturm überrascht und erfroren. Zu 1 G.F. J. Bergman, Mount Buffalo in den Alpen von Victoria. »Die Alpen«, Quartalsheft 2, 1959, Seite 133 ff.
2 Ski Club of Victoria Yearbook 1926/27.
ihrem Gedächtnis wurde an der Unfallstelle von Seemans Familie die unbewirtschaftete « Seemans-hut » errichtet.
1928 wurde der erste Schritt unternommen, den Skilauf in Australien zu organisieren. Der « Kosciusko Alpine Club », der « Ski Club of Australia » und die inzwischen entstandenen « The Millions Ski Club » und « Sydney University Ski Club » schlössen sich zum « Ski Council of NSW » zusammen. Dieser Council schrieb 1930 die erste australische Skimeisterschaft aus. In diesem Jahr erfolgte auch die erste Flugfahrt zu den Schneefeldern der Alpen.
Das « Chalet » auf dem Charlotte-Pass war endlich von der Regierung von Neusüdwales erbaut worden und ermöglichte nun den leichteren Zugang auch zu den abgelegenen Gipfeln. 1933 wurde die « Kosciusko Ski School » eröffnet, und 1936 entsandte Australien zum ersten Male einen Vertreter zum FIS-Rennen nach Innsbruck.
In den folgenden Jahren unternahmen Tom und Elyne Mitchell eine gründliche Erschliessung der sogenannten « Western Faces », d.h. der weiten westlichen Flanken des Gebirges mit ihren Steilabfahrten, deren Befahren heute dank der besser gewordenen Technik ermöglicht ist. Sie legten ihre Erlebnisse im schön bebilderten Werk « Australias'Alps » nieder l.
Am 7. August 1939 brannte das « Chalet » nieder, wurde jedoch alsbald wieder aufgebaut.
Inzwischen war das ganze Mount Kosciusko-Gebiet als Naturschutzpark erklärt worden. Diese für den Sommer sehr segensreiche Massnahme wirkte sich jedoch für die Entwicklung des Wintersports sehr ungünstig aus, da die Regierung, die noch dazu in den beiden existierenden Unterkunftsstätten, dem Hotel und dem Chalet, praktisch ein Monopol besass, nicht geneigt war, den Bau von Privathotels oder selbst von Clubhütten zu gestatten.
Ein zeitweise sehr starker Antrieb zum Tourenfahren setzte nach 1938 mit der Einwanderung deutscher und österreichischer Opfer der Naziverfolgung ein, welche als Bergsteiger und Skiläufer mit europäischen Erfahrungen sehr rasch für eine grössere Popularität der Skitouristik sorgten. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sah einen weiteren Ansturm neuer « Skieinwanderer » ( Polen, Tschechen, Ungarn, Schweizer usw. ), die von den Einheimischen vielfach « The unpronounceables » ( die Unaussprechlichen ) genannt wurden. Der Tscheche Georg Tacheci, der 1949 die neuseeländische Langlaufmeisterschaft gewann, wurde z.B. von seinen australischen Clubkollegen « Tuck-a Ski » ( wickelt den Ski ein !) gerufen. Neue Skiclubs wurden in Sydney, Melbourne und in der Landeshauptstadt Canberra ins Leben gerufen.
Eine der bedeutsamsten Gründungen war die der « Ski Tourers Association », die unter der Führung des Österreichers Karl W. Anton einen grossen Einfluss auf die weitere Erschliessung der Alpen zu nehmen begann. Zunächst einmal galt es; gegen das Verbot der Errichtung von Clubhütten im Nationalpark Sturm zu laufen. Mit Hilfe der Presse und einzelner Parlamentsmitglieder wurde ein dahingehender Feldzug organisiert.
Als am 18.April 1951 das Hotel Kosciusko niederbrannte und die Regierung keine Miene machte, es wiederaufzubauen oder einen höher gelegenen Ersatzbau zu errichten, mehrten sich die Stimmen, die, als sich die Abwanderung des Wintersportverkehrs nach den sich ohne Hemmungen entwickelnden Skiplätzen in Victoria merkbar machte, auf Aufhebung des Hüttenbauverbotes drängten 2.
1 Elyne Mitchell, Australia's Alps. Sydney-London, 1942.
2 Das Hotel Kosciusko wurde nicht mehr aufgebaut. 1959 wurde das massive, vom Brand verschont gebliebene Angestelltenhaus des Hotels in ein « Guesthouse » umgebaut, das vom frühern tschechischen Skimeister Toni Sponer bewirtschaftet wird.
Als erste durchbrach die « Ski Tourers Association » den Bann. 1951 erbaute dieser Verein die « Lake Albina Ski Lodge ». Da bezahlte Handwerker zu teuer gewesen wären, opferten die Mitglieder ihren Sommerurlaub und bauten die nach europäischen Prinzipien geplante Skihütte selber.
Der Brand des Hotels wirkte sich zum Schluss als ein Vorteil aus. Die Regierung wurde um so mehr zum Nachgeben gezwungen, als mit der 1949 begonnenen Erbauung der Snowy Mountains Wasserkraftwerke der strenge Naturschutzerlass ohnedies durchbrochen worden war. Die Entwicklung war nun nicht mehr aufzuhalten.
Die Baufirmen, welche die Konzessionen für den Kraftwerkbau im Snowy Mountain-Gebiet erhalten hatten, legten nicht nur ganze Dörfer für ihre Arbeiter im Hochgebirge an, sondern brachten auch erfahrene Skiläufer ins Land. Norweger der grossen norwegischen Tunnelbaufirma Selmer errichteten nicht nur die erste, grosse Sprungschanze in Australien, auf der am 3. August 1952 ( König Haakons Geburtstag ) das erste grosse Skispringen abgehalten wurde, sie bauten auch in ihrem Arbeitsgebiet am Guthega-Damm ihre eigene Hütte. Die « Snowy Mountains Authority », eine Regierungsbehörde, musste für die Werke neue Strassen durch das Gebirge bauen, die nun auch als Touristenstrassen dienen. Mit der sogenannten « Alpine Way » wurde eine neue Verbindungsstrasse zwischen Neusüdwales und Victoria geschaffen, die besonders die vorher unzugänglichen Thredbo- und Geehy-Täler erschloss.
Die Regierung musste mit der Entwicklung schritthalten und sah sich nun gezwungen, das Bauverbot für private Unternehmer und Clubs so gut wie aufzuheben.
Sofort begannen auch andere Vereine Hütten zu errichten. Am Perisher Gap unter dem Char-lotte-Pass entstand ein ganzes Skidorf von mehr als 20 Hütten, zu dem sich in 1960 drei hochmoderne Skihotels gesellten.
Fast alle Skigebiete in den Alpen erhielten Skilifte.
Lawinengefahr war in den Australischen Alpen unbekannt geblieben, bis sich im Juli 1956, durch einen ungewöhnlich starken Schneesturm verursacht, das erste Lawinenunglück ereignete. Eine Lawine, die vom Mount Clarke herabkam, zerstörte die in einer Mulde stehende, 1952 erbaute Kunama-Hütte der « Ski Tourers Association » und forderte das erste Lawinentodesopfer. Man begann dann beim Bau neuer Hütten vorsichtiger zu werden.
1959 kam schliesslich auch der Skilift nach Australien. Im Thredbotal wurden südseitige, schneesichere Steilabfahrten ausgehauen und unter dem Patronat der « Ski Tourers Association » von europäischen Spezialisten ein Skilift gebaut, von dessen Bergstation, bei der dieser Verein seine « Kareela-Hütte » errichtete, der Mount Kosciusko in kurzer Wanderung zu erreichen ist. Um die Talstation hat sich ein neues Skidorf mit mehr als 40 Privathütten und Gaststätten gruppiert.
Während der « Canberra Alpine Club » der Landeshauptstadt sein Skigebiet am nahen Mount Franklin entwickelte, entstand in Falls Creek für die Skiclubs von Nordvictoria ein neues Gebiet, das seine Erschliessung ebenfalls einem Wasserkraftwerk, dem « Kiewa Scheme » von Victoria, verdankte.
Die 1932 gegründete « Australian National Ski Fédération » ( ANSF ) setzt alles daran, den Skisport in Australien populär zu machen. Anfängern wird offiziell geraten, sich Prüfungsregeln zu unterwerfen, welche in erfolgreichen Abfahrten von bestimmten Bergen über Standardstrecken bestehen. Diese Prüfungen wurden übrigens schon Ende der 20er Jahre auf Anregung von Sir Arnold Lunn eingeführt. So fürsorglich diese Massnahme auch sein mag, so zeigt sie doch, dass die alte Tendenz, den Abfahrts- und Rennlauf über das Tourenfahren zu stellen, sich wieder durchgesetzt hat. Sie zeugt für den « sportlichen Geist » des Australiers, dem im allgemeinen der Wettbewerb wichtiger erscheint als der Genuss einer schönen Tour.
In jedem Fall lässt sich unter dem Einfluss verstärkter europäischer Einwanderung und verbesserter Zugangs- und Unterkunftsmöglichkeiten eine Entwicklung feststellen, die zu einem wahren Volkssport zu führen scheint. Im Winter 1959 fuhren die ersten « Skisonderzüge » und im Juni 1960 sogar « Weekend-Skizüge ». An einem dreitägigen Feiertag zählte man nahezu 5000 Skiläufer im Kosciusko- und Thredbogebiet, von denen viele in ihren eigenen Autos schlafen mussten!
3. Namengebung Die Bedeutung, die der Wintersport für die Australischen Alpen hat, ist durch die Tatsache gekennzeichnet, dass eine ganze Reihe von Bergen ihre Namen dem Skisport verdanken.
Die Berge Australiens hatten vor der Inbesitznahme durch den weissen Mann Eingeborenen-namen, die teilweise noch erhalten geblieben sind. Die Urweinwohner, mit ihrer wunderbaren Gabe für Naturbeobachtung, erfanden poetische Namen, wie z.B. Lake Cootapatamba ( wo der Adler trinkt ), Mount Bogong bekam seinen Namen von der Bogongmotte, an der sich die Eingeborenen im Sommer fettassen.
Der weisse Mann war weniger poetisch angehaucht. Viele Berge in den Alpen, besonders in den Snowy Mountains, wurden - bezeichnenderweise - nach Skipionieren benannt, wie z.B. Mount Clarke und Kerry View usw. Der grimme Humor, mit dem die ersten Skiläufer ihre bescheidenen Anfänge verspotteten, kam in Namen wie « Varsity Drag » ( Universitäts-Jammer ) und « Mary's Slide » ( Maries Rutschbahn ) am Mount Hotham oder « Fanny's Finish » ( Fannies Ende ) und « Shakey Knees » ( Knieeschnackler ) am Mount Buller zum Ausdruck. Bei Falls Creek gibt es eine « Frying Pan Ski-run » ( Bratpfanne-Abfahrt ).
In Neusüdwales scheinen die Erlebnisse der frühen Skiläufer weniger amüsant gewesen zu sein, denn dort gibt es nicht nur einen Berg, der « Paralyser » genannt wird, sondern sogar einen « Perisher » ( Verderber )! Immerhin hat man dort auch eine « Piain of Heaven » ( Himmelsebene ) nahe dem alten Hotel Kosciusko und Gipfel mit « Mount Sunrise » ( Sonnenaufgangberg ) und « Pretty Point » ( Schöner Platz ) benannt.
Auf die sommerliche Benützung der Berge als Weideland deuten Bergnamen wie « The Blue Cow » ( Die blaue Kuh ), « The Grey Mare » ( Die graue Stute ) und « Ramshead » ( Widderkopf ) hin.
4. Übersicht über die australischen Skigebiete A. Neusüdwales: Alpenhauptgebiet ( Snowy Mountains ) ( 1765-2135 m ) Ältestes und bestes Abfahrten- und Tourengebiet.
a ) Kosciusko Area: Unterkunft im Chalet am Charlotte-Pass und einige Privathütten wie « Albina » und « Guthega ». Zugang von Cooma bis zu « Smiggins Hole » ( mit Hotel ) und die letzten 11 km mit Raupenschlepper.
b ) Mount Perisher Area ( 1768-2042 m ): 9,6 km unter dem Charlotte-Pass, grosses Skidorf: Klubhütten und 3 Hotels.
c ) Thredbo Valley Area ( 1829-2134 m ): Skidorf mit Sessellift zur Crackenbackrange. Zugang von Cooma über den « Alpine Way ». Jugendherberge.
Riandrà Area ( ca. 1520 m ): Sanfte Hänge, idealer Platz für Anfänger, doch oft wenig Schnee. Klubhütten, Jugendherberge.
Wilson's Valley ( 1460 m ): Unterhalb des alten Kosciusko-Hotels, an der Schneegrenze von der Regierung neuerbautes « Automotel ».
B. Australian Capital Territory Mount Franklin ( 1696 m ), Little Gimmi ( 1778 m ) Area: 61 km von Canberra entfernt. Am Mount Franklin erbaute der 1937 gegründete « Canberra Alpine Club » die erste « Austrian Style »-Ski-hütte, während die Australische Offiziersakademie sich am Mount Gimmi ein eigenes Skigebiet geschaffen hat.
C. Victoria Der Staat Victoria besitzt im südlichen Teil der Alpen eine Reihe ausgezeichneter Skigebiete, die sich unter dem weitsichtigen Regierungspatronat und infolge der Tatsache, dass einige Skiberge von Melbourne aus leicht als Sonntagstouren zu erreichen sind, rascher entwickeln konnten als die schwerer zugänglichen alpinen Schneefelder von Neusüdwales.
Typisch ist für diese Gebiete, dass sich die Unterkunftshäuser meistens auf den Gipfelplateaus befinden und dass wenige eigentliche « Gipfel » vorhanden sind.
Mount Buller ( 1805 m ): Einer der letzten Ausläufer der Australischen Alpen im Süden, das beliebteste Melbourner « Sonntagsskigebiet », 160 km von Melbourne entfernt, mit im allgemeinen sichern Schnee vom Juni bis Oktober. Billige Sonntagsautobusfahrten. Über 50 Skihütten und 3 Gasthäuser ( eines davon « Arlberghaus » genannt !), 4 Skilifte und 2 Skischulen. Ein Österreicher namens Helmuth Kofler hat sich um die Erschliessung dieses Gebietes besonders verdient gemacht.
Mount Hotham ( 1860 m ): Im Zentrum der Alpen von Victoria, etwa 380 km von Melbourne. Im Winter häufig schwer zu erreichen, da die letzten Kilometer zu 2 Hotels und etwa 10 Clubhütten oft zu Fuss gemacht werden müssen. Alpines Gelände mit zahlreichen Abfahrten in kurze Täler. Einige Plateaugipfel wie Mount Loch ( 1585 m ).
Falls Creek ( 1585 m ): Am Eingang zu dem Skigebiet der Bogong High Plains gelegen. Das dortige Skidorf rühmt sich, « gegenwärtig der einzige Skiresort nach kontinentalem Muster zu sein »! Leichte Touren. Im allgemeinen guter Schnee. Zugang von Albury.
Mount Buffalo ( ca. 1675 m ): 322 km von Melbourne, mit Bahn und Autobus leicht zu erreichen. « Chalet » der Eisenbahnverwaltung von Victoria. Gut für Anfänger, für den fortgeschrittenen Skiläufer dürfte sich der Mangel an Abfahrten auf dem Plateau bald fühlbar machen. Skilift.
Mount Bogong ( 1980 m ): Der höchste Berg in Victoria. Hat wahrscheinlich die besten Skihänge und längste Skisaison in Victoria! Leider ist das Gebiet noch nahezu unzugänglich. Der Anmarsch zu der unbewirtschafteten Skihütte des « Ski Club of Victoria » nimmt allein zwei Tage in Anspruch.
Ausser diesen Hauptgebieten gibt es in Victoria noch einige Skiberge zweiten Ranges, wie das Baw-Baw-Plateau ( 1500 m ), Mount Donna Buang ( 1243 m ), Lake Mountain ( 1463 m ), Mount Wills ( 1755 m ), die alle wenige oder gar keine Hütten besitzen.
D. Tasmanien Tasmanien war bisher das Paradies der Sommerbergsteiger und Kletterer, doch gibt es auf der Insel eine Reihe von Skigebieten, die schöne Tourenmöglichkeiten bieten können.
Ben Lomond ( 1573 m ): Beliebtes Skigebiet in der Nähe von Launceston im Norden von Tasmanien. Einige Skihütten.
Mount Field-Nationalpark ( 1230 m ): 87 km von Hobart, der Landeshauptstadt, im Süden der Insel, mit einem Unterkunftshaus.
Mount Wellington ( 1256 m ): Der Berg, der Hobart überragt, mit zahlreichen Übungshängen.
Cradle Mountain National Park: Im Nordwesten Tasmaniens. Stark besuchtes Sommergebiet. Das Unterkunftshaus « Waldheim » wurde vom österreichischen Einwanderer Naturforscher Gustav Weindorfer 1 erbaut, der als erster in Tasmanien Ski verwendete und auch als erster in Australien Ski herstellte. Hochalpines, im Winter wenig begangenes Skigebiet. Einige offene Unterstandhütten.
Im wilden Südwesttasmanien liegen die im Winter noch kaum durchforschten Hartz, King William und Snowy Mountains, in denen wohl noch manche erste Winterersteigungen zu machen sind. 1931 wurden die ersten Skitouren in den Hartz Mountains unternommen.
1 Siehe G. F. J. Bergman, Gustav Weindorfer, Erschliesser der Bergwek Tasmaneins. Der Bergsteiger, Jahrgang 23, Heft 2, München 1955.