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die Drehung mitmacht. Nach dem Vorbeigehen des Förderkorbes fallen die Stützen immer noch in steifer Stellung zurück, und der Förderkorb e setzt sich auf die Köpfe der Stützen. Soll nun der Förderkorb niedergelassen werden, so dreht man ohne vorheriges Anheben des Förderkorbes die Achse a mittels des Handhebels d in der Pfeilrichtung, so daß die Stützen, indem sie einknicken, in die punktiert gezeichnete Lage gebracht werden. Der Förderkorb kann alsdann ohne Widerstand hinabgleiten. Hierauf werden die Stützen durch Zurückdrehen des Hebels d wieder in die steife Lage gebracht.
Bei Unaufmerksamkeit des Maschinenwärters oder einer Unordnung im Steuerungsmechanismus der Maschine [* 2] kann es vorkommen, daß der Förderkorb bis gegen die über dem Schacht angebrachten Seilscheiben gehoben wird, heftig dagegen stößt und dadurch ein Reißen des Seils herbeiführt, worauf der Korb entweder auf die Kaps oder in den Schacht zurückfällt. Sind Menschen auf dem Korb, so verunglücken sie in der Regel dabei. Das sicherste Mittel zur Verhütung dieses Überwindens über die Seilscheibe [* 3] ist die Anwendung von selbstthätigen Bremsen, [* 4] welche sofort und sicher in Thätigkeit treten, sobald der Förderkorb über eine bestimmte Höhe hinausgekommen ist. Auch hat man wohl selbstthätige Seilauslöser angebracht, oder man läßt die Führungsschienen oberhalb der Schachtmündung (der sogen. Hängebank) etwas konvergieren, so daß der Körb sich festklemmt.
Zur Vermeidung von Unfällen ist es nötig, die Schächte während des Ganges der Förderkörbe zu verschließen und zwar entweder durch Gitter, welche mit der Hand [* 5] auf- und abgezogen werden, oder durch Thüren, Barrieren etc. In neuerer Zeit verwendet man zweckmäßig selbstthätige Schachtverschlüsse, die in einfachster Weise aus leicht gebauten eisernen Gittern bestehen, welche sich an Drahtseilen oder an Stangen von Rundeisen führen, von den Förderkörben beim Aufgang gehoben und beim Niedergang wieder herabgelassen werden.
[* 1] Fig. 4 zeigt einen Schachtverschluß von Schüller. Beim Aufsteigen des Förderkorbes greift derselbe an den Hebel [* 6] A und drückt ihn in die Höhe. Dieser Hebel ist einerseits mit dem Gewicht B, anderseits durch Vermittelung des Zahnrades C, an dessen Stift J er angreift, mit dem an diesem hängenden Gewicht D belastet. Das Zahnrad C greift in ein kleineres auf der Welle E sitzendes Zahnrad. Welle E trägt eine Kettenscheibe F. Infolge der Aufwärtsbewegung des Hebels A wird sein entgegengesetzter Arm von dem Stift J des Rades entfernt, so daß das Zahnrad frei wird und das Gewicht D niedersinkt und das Rad C nebst dem kleinen Zahnrad und der Kettenscheibe in Umdrehung versetzt.
Letztere wickelt die an ihr befestigte Kette auf. Da diese Kette aber mit den Ketten der Sicherheitsthüren K durch das Gegengewicht G verbunden ist, so werden die Sicherheitsthüren geöffnet (in [* 1] Fig. 4 punktiert gezeichnet). Geht anderseits der Förderkorb in den Schacht hinab, so sinkt der Hebel A infolge des an ihm hängenden Gewichts B ebenfalls nieder und nimmt das Zahnrad C mit, wobei das etwas leichtere Gewicht D wieder gehoben wird. Jetzt dreht sich die Kettenscheibe in der dem Abwickeln der Kette entsprechenden Richtung, und die Sicherheitsthüren K werden geschlossen. HH sind sogen. Luftbremsen zur Mäßigung der Bewegung der Gewichte B und D. Auch die zur Förderung in die Tiefe innerhalb des Bergwerks dienenden Bremsberge sind mit womöglich selbstthätigen Verschlüssen zu versehen, um das Hinabstürzen der Arbeiter zu verhüten.
[* 1] ^[Abb.: Fig. 4. Selbstthätiger Schachtverschluß von Schüller.]
Hygienisches über den Bergbau.
Der Bergbau zählt seit jeher zu den ungesunden Beschäftigungen, weil er die Bergleute mannigfachen Gefahren aussetzt. Weitaus die meisten Unglücksfälle entstehen durch Verschüttungen, Brüche, Loslösungen von unterschrämten Massen, Einsturz von Hohlräumen aller Art infolge unzureichender Unterstützung, unsoliden Grubenausbaues etc. Zahlreiche Gefahren birgt die An- und Ausfahrt der Belegschaft, zu deren Abwendung viele mechanische Vorrichtungen vorgeschlagen und eingeführt sind. In hygienischer Hinsicht scheint die Seilfahrt die größte Empfehlung zu verdienen; jede Grube sollte aber auch von mindestens zwei Seiten her befahrbar sein, und der ausfahrende, schweißbedeckte Bergmann sollte in einem bedeckten Gang [* 7] zur Kaue, wo der Kleiderwechsel etc. stattfindet, gelangen.
Gruben- und Schachtförderung stellen teils an die Muskelkraft der Bergleute große Anforderungen, teils bedrohen die mechanischen Vorrichtungen die bei denselben beschäftigten Arbeiter mit großen Gefahren. Von größtem hygienischen Belang ist die Wetterführung, d. h. die Ventilation der Gruben. Bei drückender Hitze kann sich der Zug im Wetterschacht umkehren, es entstehen »matte« Wetter [* 8] und bei vielen Bergleuten die Erscheinungen des Hitzschlags. Unzureichende Ventilation läßt die Luft in den Gruben zu feucht werden, und da es überdies an zahlreichen Gelegenheiten zur Durchnässung der Bergmannskleider bei der Arbeit nicht fehlt, so leiden die meisten Bergleute an sogen. Erkältungskrankheiten oft sehr schwerer Art. Von akuter Wirkung sind die »bösen« Wetter, die durch Verminderung des Sauerstoff- und Anhäufung des Kohlensäuregehalts entstehen. Atmungsgase, Lampenruß, Fäulnisprozesse, Kohlenstaub tragen dazu bei, die Luft zu verschlechtern. Bisweilen tritt auch ¶
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Schwefelwasserstoff auf, bei Grubenbränden Kohlenoxyd und bei gewissen Betrieben Quecksilber- und Arsenbrände; am gefürchtetsten sind die »schlagenden« Wetter, und gegen alle diese Gefahren bleibt ausreichende Ventilation das wirksamste Mittel. Die Einatmung des Staubes erzeugt das sogen. Schwarzspucken, Asthma, Lungenemphysem, Anthrakosis etc. Infolge der mangelhaften Beleuchtung [* 10] der Gruben tritt Augenzittern (Nystagmus) auf und bei schlechter Ernährung Anämie, welche bisweilen aber auch durch Eingeweidewürmer (Anchylostomum) erzeugt wird.
Infolge der übermäßigen Anstrengung der Muskeln, [* 11] Gelenke und Selben entstehen Herz- und Gelenkleiden u. andre Krankheiten. Quelle [* 12] vieler Erkrankungen ist ferner die Einatmung der Explosionsgase bei der Schießarbeit, gegen welche außer durch Ventilation auch durch die Bemühungen angekämpft wird, einen Sprengstoff zu finden, der möglichst wenig schädliche Gase [* 13] erzeugt. Alle diese übeln Einflüsse bedingen es, daß der Bergmann in verhältnismäßig jungen Jahren arbeitsunfähig, »bergfertig« wird, und die Behörden wie die Grubenverwaltungen haben sich daher schon seit längerer Zeit veranlaßt gesehen, durch Gesetze, Verordnungen, wirtschaftliche und technische Einrichtungen die größten Übelstände zu beseitigen oder doch herabzumindern. Im allgemeinen bestehen daher auch beim Bergbau [* 14] bessere Einrichtungen als auf den meisten Gebieten der übrigen Industrie, wenngleich im einzelnen noch sehr viel zu wünschen übrigbleibt.
Für die Nachbarschaft wird der Bergbau bedeutungs- und oft verhängnisvoll durch Bodensenkungen, Wasserentziehungen, die ausziehenden Grubenwetter, Gase und Dämpfe und durch die Grubenwässer. Die Senkungen, verursacht durch die Bildung großer Hohlräume, wo vordem das nutzbare Mineral lag, oder durch Entwässerung sehr wasserhaltiger Gebirgsschichten beim Bergbau, erfolgen allmählich oder plötzlich und sind dem entsprechend mit größern oder geringern Gefahren verbunden.
Die durch den Bergbau verursachten Wasserentziehungen nötigen den Bergbau oft zu erheblichen Entschädigungen, auch werden zur Sicherung von Heilquellen strenge bergpolizeiliche Vorschriften erlassen. Die Ausströmungen aus Schächten und Spalten werden meist nur beim Feuersetzen, welches jetzt bei uns eingestellt ist und bei Grubenbränden lästig. Auch Haldenbrände können gesundheitsschädlich wirken. Grubenwässer sind wie Haldenwässer von sehr verschiedener Beschaffenheit, sie enthalten bisweilen Metallsalze, reagieren stark sauer und setzen an der Luft Ocker ab. Sollen sie in öffentliche Wasserläufe geleitet werden, so ist erforderlich, Säuren und Salze zuvor durch gebrannten Kalk zu beseitigen.
Zur Litteratur: Festenberg-Packisch, Der deutsche Bergbau (Berl. 1885);
v. Hauer, Die Wettermaschinen (Leipz. 1889).