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Im November soll an der Spitze einer Soyuz-Rakete in Baikonur ein ganz besonderer Satellit starten: mit rund 300 kg Masse und einer Ausdehnung von 2 mal 4 Metern ist er zwar ziemlich klein, doch die COROT-Mission könnte hunderte von neuen Exoplaneten entdecken.
Die Suche nach Planeten in anderen Sternsystemen („Exoplaneten“) hat in den letzten 10 Jahren grosse Fortschritte gemacht: unterdessen wurden rund 205 Planeten entdeckt, praktisch alle wurden mit der sogenannten „Radialgeschwindigkeits-Methode“ gefunden, die das Schlingern von Sternen untersucht, das umkreisende Planeten verursachen. Nur ein gutes Dutzend Exoplaneten wurde mit der sogenannten „Tranist-Methode“ entdeckt, bei der die Abnahme der Helligkeit eines Sterns gemessen wird, während ein Planet im Orbit um diesen Stern vor diesem durchzieht. Mit dem COROT-Satelliten (COROT steht für „COnvection, ROtation and planetary Transits“), der in Zusammenarbeit der ESA und der französischen Weltraumbehörde CNES entwickelt wurde, soll sich das nun ändern.
Zwei Missionsziele wurden gesetzt: Einerseits soll COROT das Innere von Sternen untersuchen: Bei diesem „Astroseismologie“ genannten Forschungsgebiet werden die Pulsationen und Helligkeitsschwankungen von Sternen beobachtet, um auf ihren inneren Aufbau zu schliessen. Solche Beobachtungen können helfen, die Prozesse im Sterninneren besser zu verstehen und die astrophysikalischen Sternmodelle weiter zu verfeinern. Rund 150, vorwiegend helle Sterne sollen mit dem Satelliten während der rund 2.5 Jahre dauernden Mission beobachtet und vermessen werden. Anfänglich war die Astroseismologie das einzige Missionsziel – erst später, mit der Entdeckung der ersten extrasolaren Planeten, als man realisierte, dass sich COROT auch ausgezeichnet für die Exoplanetenjagd eignet, kam das zweite Missionziel hinzu: Die Suche nach weiteren Transit-Planeten.
Zwei der Vier CCD-Kameras des Satelliten sollen rund 180000 Sterne auf Transit-Signaturen untersuchen, also auf die charakteristische Abnahme des Sternlichts, wenn ein Planet vor seinem Stern durchzieht. Aus den bisherigen Daten über Exoplaneten wird erwartet, dass einige hundert (!) Heisse Jupiter sowie einige Dutzend „heisse Erden“ (wie etwa jene im Orbit um die Sterne 55 Cancri, Mu Arae, GJ 876 oder die innersten zwei Planeten von HD 69830) entdeckt werden. Weiter erwartet man, mindestens einen oder zwei Planeten mit einer Oberflächentemperatur von ca. 300 Kelvin (27°C) zu finden, zumindest, so lange sie einen Radius grösser als 1.5 Erdradien haben (ansonsten ist die Abnahme des Sternlichts zu klein, um noch bemerkt zu werden). Dabei sollen nicht nur sonnenähnliche Sterne (Spektraltypen F, G und K) untersucht werden, sondern auch rote Zwergsterne (Spektraltyp M), die in letzter Zeit das Interesse der SETI-Forscher geweckt haben. Der Satellit soll in rund 900 km Höhe in einer polaren Umlaufbahn ausgesetzt werden, die es ihm erlaubt, ein kleines Sternfeld von wenigen Winkelgrad Ausdehnung während jeweils rund einem halben Jahr zu beobachten. Beide Sternfelder, sowohl das Sommer- als auch das Winter-Sternfeld, liegen in der Ebene der Milchstrasse, um so möglichst viele Sterne gleichzeitg beobachten zu können.
Ein wahrer „Planetenregen“ erwartet uns also in den nächsten Jahren von COROT: möglicherweise wissen wir bereits in zwei, drei Jahren, ob terrestrische Planeten deutlich häufiger – oder seltener – sind als gedacht.