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Lieber sterben, als sich ans Computerzeitalter anzupassen: Eine 89-jährige ehemalige Lehrerin aus Grossbritannien reiste in die Schweiz, um sich mit Unterstützung der Sterbehilfeorganisation Dignitas das Leben zu nehmen. Das berichtet die britische Zeitung Daily Mirror.
«Die Menschen leben immer abgeschiedener. Wir werden Roboter. Es mangelt an Menschlichkeit», sagte die pensionierte Kunstlehrerin, die als Anne identifiziert wird, wenige Tage vor ihrem Tod in Zürich gemäss der Zeitung. «Warum verbringen so viele Menschen ihr Leben vor einen Computer oder vor dem Fernseher? Ich habe nie einen Fernseher besessen, nur ein Radio.»
Zu schaffen machte ihr das digitale Zeitalter. Sie habe sich gefühlt, wie wenn sie gegen den Strom schwimme. Es heisse immer, man solle sich anpassen oder sterben. «Ich habe das Gefühl, dass ich mich in meinem Alter nicht mehr anpassen kann. Ich lebe in einem Zeitalter, das ich nicht verstehe», wird Anne zitiert.
Die 89-Jährige war nach Angaben der Zeitung bei schlechter Gesundheit, litt aber nicht an einer unheilbaren Krankheit und auch nicht an einer Behinderung. Sie soll sich aber davor gefürchtet haben, in ein Spital oder ein Altersheim gehen zu müssen.
Bevor sie in Zürich aus dem Leben schied, verbrachte sie in der Gegend einige Tage, um Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Zum Termin bei Dignitas Ende März wurde die unverheiratete und kinderlose Frau von ihrer 54-jährigen Nichte begleitet, die auch ihre Hand hielt, als sie den tödlichen Giftcocktail einnahm und starb.
Der «Daily Mirror» berichtete bereits zuvor über Briten, die in die Schweiz reisen, um begleitet aus dem Leben zu gehen. 200 Briten sollen die Unterstützung von Dignitas bereits in Anspruch genommen haben.
Sterbehilfe ist in Grossbritannien laut der Zeitung ein Verbrechen, das mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft wird. Im Juni soll das britische Parlament aber über eine Gesetzesänderung befinden, mit der Sterbehilfe erlaubt würde, wenn jemand nur noch sechs Monate zu leben hat. Der Suizid der 89-Jährigen dient dem Mirror als Illustration für die Diskussionen um die Sterbehilfe im Land.
Für eine Lockerung im britischen Gesetz kämpft der 82-jährige pensionierte Arzt Michael Irwin, der auch Anne half, den Kontakt zu Dignitas aufzubauen. Anne habe ihr Leben in Würde beendet, schade sei nur, dass sie dazu ins Ausland habe reisen müssen, sagte er der Zeitung.
In der Schweiz ist Suizidhilfe nicht explizit erlaubt, aber auch nicht verboten. Nur wer aus «selbstsüchtigen Beweggründen» jemanden beim Suizid unterstützt, wird bestraft. Das ist etwa dann der Fall, wenn jemand einen Profit schlägt aus der Unterstützung.
Kritik wird regelmässig im Zusammenhang mit «Sterbetourismus» aus dem Ausland laut. Dignitas begleitet zahlreiche Ausländer in den Tod. Im November 2011 kam es bei der Organisation zu einer Hausdurchsuchung wegen einer Sterbebegleitung. Die Organisation Exit begleitete im vergangenen Jahr 450 Menschen in den Tod.
In den vergangenen Jahren diskutierte die Politik wiederholt über eine Regulierung. Der Bundesrat änderte seine Meinung mehrmals, lehnte zuletzt aber eine Gesetzesänderung ab, weil er die heutige rechtliche Situation für ausreichend hielt, um Missbräuche zu ahnden. Das Parlament stimmte dem zu.
Ein Sterbehilfegesetz hat seit 2012 der Kanton Waadt. Es erlaubt die Sterbehilfe unter gewissen Umständen in Spitälern und Heimen. In Zürich kämpfte der Ende Februar altershalber zurückgetretene Oberstaatsanwalt Andreas Brunner für eine gesetzliche Regelung. Das Zürcher Stimmvolk lehnte 2011 zwei Initiative aus christlichen Kreisen ab, die ein Verbot verlangten. (trs)
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