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Viele von uns haben es schon einmal erlebt, ein verstärkter Harndrang und das Gefühl dauernd auf die Toilette laufen zu müssen, obwohl die Blase leer ist. Darauf folgen Brennen beim Wasserlassen und krampfartige Schmerzen im Unterleib. Das sind die typischen Symptome einer Blasenentzündung. In den meisten Fällen, lässt sich die Blasenentzündung, auch Harnwegsinfekt oder Zystitis genannt, durch bekannte Hausmittel und Antibiotika innerhalb weniger Tage heilen. Aber was, wenn die Blasenentzündung immer wieder kommt?
Wann ist eine Blasenentzündung chronisch?
Eine Blasenentzündung ist chronisch, wenn sie dreimal pro Jahr oder zweimal pro Halbjahr auftritt. Der korrekte medizinische Begriff für dieses Phänomen ist der „rezidivierende Harnwegsinfekt“ und bedeutet so viel wie „eine wiederkehrende Blasenentzündung“.
Wie unterscheiden sich die Symptome zwischen akuter und chronischer Blasenentzündung?
Die Symptome bei einer chronischen Blasenentzündung unterscheiden sich in der Regel nicht von einer akuten Blasenentzündung. Häufige Anzeichen sind Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie ständiger Harndrang, obwohl die Blase leer ist. Dazu können Unterleibsschmerzen kommen, der Geruch des Urins kann unangenehm sein und ist häufig getrübt, manchmal auch blutig.
Was sind die Auslöser einer Blasenentzündung
Der häufigste Auslöser für eine Blasenentzündung sind die sogenannten Escherichia coli Bakterien aus dem eigenen Darm. Etwa 80% der Harnwegsinfekte sind darauf zurückzuführen. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen, da sie eine kürzere Harnröhre besitzen als Männer.
Eine Verengung oder Fehlbildung der Harnröhre, Fremdkörper, Blasensteine oder gutartige sowie bösartige Tumore in Harnblase und Harnröhre begünstigen das Risiko einer Entzündung. Ebenso sind Schwangere und Diabetiker, aufgrund des höheren Zuckergehalts im Urin, mehr gefährdet. Weitere Auslöser einer Blasenentzündung können Unterkühlung, ein geschwächtes Immunsystem, psychische Einflüsse wie Stress und hormonelle Veränderungen wie sie in den Wechseljahren vorkommen, sein. Und auch beim Geschlechtsverkehr können Bakterien in die Harnröhre gelangen und dort eine Entzündung auslösen.
Wieso bekomme ich immer wieder eine Blasenentzündung?
Die Wand der Harnblase wird durch eine Schleimschicht geschützt. Diese Schutzschicht verhindert, dass irritierende Substanzen aus dem Urin auf die sensible Blaseninnenwand treffen und sie beschädigen. Bei einer chronischen Blasenentzündung ist diese Schleimschicht häufig geschädigt. Reizstoffe können so ungefiltert eindringen und Schmerz- sowie Entzündungsreaktionen verursachen. Problematisch wird es, wenn eine Blasenentzündung häufiger auftritt, denn dadurch wird die sensible Schleimhaut immer weiter gereizt und ist damit noch anfälliger für weitere Zystitiden. Damit es im schlimmsten Fall nicht zu solch einer Abwärtsspirale kommt, ist es umso wichtiger eine Blasenentzündung richtig ausheilen zu lassen.
Auch Antibiotika-Therapien können Auslöser einer wiederkehrenden Blaseninfektion sein, obwohl eine Blasenentzündung im Normalfall mithilfe von einer antibiotischen Therapie geheilt werden kann. Bei einem zu frühen Abbruch des Antibiotikums beispielsweise können frühere Infekte erneut entfachen. Das Antibiotikum schwächt zudem das Immunsystem: Die Darmflora wird bei der Einnahme von Antibiotika belastet und eine schwache Darmflora begünstigt wiederum Blasenentzündungen. Es ist daher wichtig, die Medikamente wie vom Arzt verordnet einzunehmen und während der Behandlung mit Antibiotika, ggf. auch eine Kur, zur Stärkung der Darmflora, unterstützend, einzunehmen.
Neueste wissenschaftliche Ergebnisse vermuten einen Zusammenhang von zusätzlich vorliegenden Vaginalinfekten mit häufig wiederkehrenden Blaseninfektionen. Man geht davon aus, dass E. Coli Bakterien aus dem Darm in den Harntrakt verschleppt werden und sich dort einige der Mikroben in die Blasenwand einnisten und an diesem Ort geschützt vor Antibiotikum und Co überdauern. Kommt zusätzlich ein Vaginalkeim mit Namen Gardnerella vaginalis ins Spiel, können die inaktiven E. Coli Bakterien wieder aktiviert werden und es kommt zur erneuten Harnwegsinfektion. Der Vaginalkeim verursacht dabei häufig keine Beschwerden und eine kurze Anwesenheit reicht dabei anscheinend aus, um Zellen der Blasenwand zu schädigen und E. Coli Bakterien freizusetzen.
Solltest Du also an immer wiederkehrenden Blasenentzündungen leiden, ohne ersichtliche Ursache, lohnt es sich die Gynäkologin aufzusuchen und ggf. die Vaginalflora auf krankmachende Keime wie Gardnerella vaginalis mittels Abstrich untersuchen zu lassen.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, wenn man keine Ursache findet?
Neben der bereits bekannten Behandlungsmöglichkeit mit Antibiotika, kann auch eine Immuntherapie, oder biologische Arzneimittel angewendet werden.
Immuntherapie: das Immunsystem wird stimuliert und soll die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers stärken. Unser Darm ist mit unserem Immunsystem eng verbunden und eine ausgewogene Darmflora verhindert die Besiedelung der Darmschleimhaut durch krankmachende Keime. Da es sich bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten meisten um Darmbakterien handelt, soll bei der Immuntherapie die Darmflora gestärkt werden.
Immunmodulatoren: Sind oral eingenommene Kapseln oder Tabletten, die über drei Monate lang eingenommen werden und zählen zu den biologischen Arzneimitteln. Mikroorganismen aktivieren die Immunzellen der Darmschleimhaut und stärken die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers.
Autovakzine: sind individuell hergestellte Therapeutika aus inaktivierten, körpereigenen Bakterien des Patienten zur Vorbeugung und Behandlung chronischer Infektionskrankheiten. Diese Art der Therapie dauert ca. sechs Wochen. Der Wirkstoff kann oral, als Nasenspray oder per Injektion verabreicht werden.
Injektionsimpfstoffe: Wenn schmerzhafte wiederkehrende Harnwegsinfekte das Sozialleben und die Partnerschaft stark belasten und herkömmliche Therapien versagen, besteht auch die Möglichkeit einen Impfstoff zu verabreichen. Die Impfstoffe zur Vorbeugung und Behandlung von Blasenentzündungen werden aus inaktiven Keimen, die am häufigsten für Blasenentzündungen verantwortlich sind, hergestellt.