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Biographische Angaben
Heinrich Federer wird am 7. Oktober 1866 in Brienz (Berner Oberland) geboren, wo sein Vater Paul Federer die Schule für Holzschnitzer
leitete, seine Mutter Verena Nägeli, geb. Jäger, war eine Konvertitin aus dem zürcherischen Bülach. Bei der Übersiedlung der
Familie über den Brünigpass an einem kalten Wintertag nach Sachseln (Obwalden), zieht sich der dreijährige Heinrich eine schwere
Erkältung zu und leidet seitdem zeitlebens an Asthma. Der unstete Vater behält die neue Stelle als Zeichenlehrer am Kollegium
Sarnen nicht lange und verlässt die Familie. Die Mutter muss sich und die drei Kinder Pauline, Heinrich und Johanna als Arbeitslehrerin
und Näherin alleine durchbringen. Ihren Sohn Heinrich schickt sie ans benachbarte Benediktinerkonvikt Kollegium Sarnen zur
Schule. Die beiden Eltern sterben kurz nacheinander im Jahr 1886. Der kaum zwanzigjährige Heinrich ist nun auf sich selbst
gestellt.
Das Studium der katholischen Theologie führt ihn nach Eichstätt (Deutschland), Luzern (Schweiz) und St. Georgen (Österreich).
1893 wird er zum Kaplan von Jonschwil gewählt. Wegen des dauernden Asthmaleidens gibt das Amt 1899 auf. In seiner neuen
Tätigkeit als Redakteur der "Zürcher Nachrichten" macht er sich in der katholisch-sozialen Bewegung rasch einen Namen. Am
2. August 1902 wird er wegen Verdachts auf "Knabenverführung" auf der Talstation der Stanserhornbahn in Nidwalden festgenommen.
Auf die Entlassung aus der Untersuchungshaft folgt die des Arbeitgebers und die Ächtung durch Kirche und Öffentlichkeit. Die
Causa Federer endet im September juristisch mit dem Straftatbestand des Öffentlichen Ärgernisses. Die Gesamtkosten des Prozesses
von fünfhundertsechsundzwanzig Franken und funfundsechzig Rappen werden auf Federer überwälzt. Die gesellschaftliche Ächtung
dauerte an. Es folgen Jahre in "bedrückenden moralischen und materiellen Verhältnissen" (Pirmin Meier: "Der Fall Federer",
Ammann Verlag, 2002). Seine 1909 beim Wettbewerb der Zeitschrift "Daheim" mit 5000 Reichsmark preisgekrönte Novelle "Vater
und Sohn im Examen" sowie die "Lachweiler Geschichten" und der Roman "Berge und Menschen" (beide 1911) führen ihn endlich
aus der lange anhaltenden (materiellen) Krise heraus und erlauben ihm eine Schriftstellerexistenz.
Federer verarbeitet seine Reisen und Wanderungen durch Italien (ab 1903) zu Erzählungen und Romanen. "Sisto e Sesto" (1913)
gilt als seine bekannteste, die Romane "Berge und Menschen" (1911) und "Pilatus" (1912) brachten dem aktiven Bergsteiger Bestseller-Erfolge
in Deutschland, zugleich aber auch die Etikette "Heimatschriftsteller" ein. Leicht wurde dabei übersehen, wie radikal Federer
über die soziale Frage dachte und wie entschieden er auf der Seite der Benachteiligten stand.
Stark an sein eigenes Erleben und seine Biographie angelehnt sind sein Kindheitsroman "Das Mätteliseppi "(1916), die Jugenderinnerungen
"Am Fenster" (1927) sowie der unorthodoxe Priesterroman "Jungfer Therese" (1913) und "Papst und Kaiser im Dorf" (1924). 1919
verleiht ihm die Universität Bern das Ehrendoktorat, im selben Jahr erwirbt er von den Tantiemen seiner Bücher das Haus an
der Bolleystr. 44 in Zürich. 1924 wird er mit dem Gottfried Keller-Preis der Martin Bodmer-Stiftung ausgzeichnet. Heinrich
Federer stirbt im Rotkreuzspital Zürich am 29. April 1928. In sein violettes Messgewand eingehüllt wird er auf dem Friedhof
Rehalp (Zürich) begraben.
Postum erscheinen beim Berliner Grote Verlag 1931-1934 in zwölf Bänden Federers gesammelte Werke. 1938 veröffentlicht Oswald
Floeck seine biographische Studie über den Dichter und Schriftsteller. Ab 1944 setzen sich der Luzerner Rex Verlag und Pater
Sigisbert Frick für das Werk ein, die in ihrem Autor v. a. einen katholischen Priesterdichter und Idylliker der Innerschweizer
Welt sehen wollten. "Erst in jüngster Zeit ist versucht worden, ihn von diesen Vereinnahmungen loszulösen und als sozialkritischen,
erstaunlich modern denkenden christlichen Erzähler wieder dem ganzen deutschen Sprachraum zurückzugeben", schreibt 1981 Charles
Linsmayer im Nachwort zu "Gerechtigkeit muß anders kommen.
Meistererzählungen". Die Arbeiten des Journalisten, Feuilletonisten, Rezensenten Federer mit seinem Weitblick über den helvetischen
Horizont hinaus beleuchten Agnes Aregger und Edwin Schweizer in "Durch Zeit und Welt" (Rex Verlag, 1990) mit einer Auswahl
kommentierter exemplarischer Zeitungsartikel. "Lies mich nicht, studiere mich" (Heinrich Federer).

Umfang und Inhalt der Dokumente
Manuskripte und teilweise Typoskripte der meisten grösseren und etlicher kleinerer Werke; umfangreiche Briefsammlung, darunter
ca. 100 Briefe und Karten Federers an seine Schwester Pauline Spillmann in Sachseln; viele Lebensdokumente; umfangreiche Sammlung
von Zeitungsartikeln (teils in Originalen, teils in Abschriften) und Zeitungen / Zeitschriften sowie der Werke Federers;
Auswahl an Sekundärliteratur; Fotografien; Dokumentation und Verwaltungsakten des ehemaligen Federer-Archivs und der Federer-Stiftung.
Erwerbung
Der Teil-Nachlass von Heinrich Federer aus der Kantonsbibliothek Sarnen wurde dem SLA 2004 als Depositum übergeben. Die Sammlung
Caspar Kindlimann erhielt das Schweizerische Literarchiv im Sommer 2007 von den Familien Kindlimann als grosszügige Schenkung.
Administrative Informationen
Zugang
Konsultation nur im Lesesaal SLA. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen.
Bevorzugte Zitierweise
Schweizerisches Literaturarchiv (SLA). Nachlass Heinrich Federer
Hinweise zur Erschliessung
Dieses Online-Inventar wurde aus HelveticArchives generiert. Es unterscheidet sich in seinem Erscheinungsbild von "normalen"
Online-Inventaren hauptsächlich durch die beiden folgenden Merkmale: das Datum wird mit Punkt (statt Trennstrich) angezeigt,
es gibt - strukturell bedingt - mehr „Darin“-Auflistungen im Bemerkungsfeld. In ihrem Inhalt sind die beiden Inventarformen
jedoch identisch.
Der Nachlass Heinrich Federer setzt sich aus dem "Depositum Kantonsbibliothek Sarnen" und der "Sammlung Caspar Kindlimann"
zusammen. Die Dokumente aus der Kantonsbibliothek Sarnen sind im vorliegenden ead-Inventar verzeichnet. Die Dokumente der
Sammlung Kindlimann sind in einem pdf-Verzeichnis aufgelistet, s. unter E-01. Die aus der Kantonsbibliothek Sarnen stammenden
Dokumente und Materalien wurden nach den Erschliessungsgrundsätzen des SLA inventarisiert. Das sind die vier Teile: A: Werke,
B: Briefe, C: Lebensdokumente, D: Sammlungen. Die Verzeichnung der Dokumente aus der Sammlung Kindlimann folgt einem anderen
Erschliessungsprinzip (s. pdf-Verzeichnis).
Der Nachlass von Heinrich Federer setzt sich aus dem Teil-Nachlass aus der Kantonsbibliothek Sarnen und der Sammlung Caspar
Kindlimann zusammen. Die Dokumente aus der Sammlung Kindlimann waren ursprünglich Geschenke Federers an seinen Freund Caspar
Kindlimann-Blumer, den Textilfabrikanten aus Schwanden. Federer weilte oft zur Erholung auf dem Gut seines Freundes.