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Der Beginn der Menstruation ist für indische Frauen oft gleichbedeutend mit dem Gang in die Anonymität. Und mitunter gar in den Tod. Die Geschichte einer Schülerin, die sich nach dem Einsetzen der Periode das Leben nahm, hielt Indien diesen Sommer in Atem. Die 12-Jährige aus dem Bundesstaat Tamil Nadu bemerkte während des Schulunterrichts, dass ihre Periode einsetzte. Als sie ihre Lehrerin in Kenntnis setzte, liess diese sie der ganzen Klasse ihr rotes Kleid zeigen. Das Mädchen nahm sich wenig später das Leben.
Die weibliche Periode wird in dem 1,1-Milliarden-Land vielerorts noch immer als etwas Mysteriöses, gar Gefährliches betrachtet. Der Hinduismus erklärt Frauen, die ihre Tage haben, für unrein; in ländlichen, bildungsfernen Gegenden müssen sie sich von der Schule, dem Arbeitsleben, der Öffentlichkeit fernhalten, sogar der Kontakt zu den eigenen Kindern ist ihnen während dieser Zeit untersagt.
Hinzu kommt, dass entsprechende Hygieneprodukte für viele Inderinnen unerschwinglich sind. Wiederverwendbare Stoffbinden kosten umgerechnet 3.70 Franken, eine gewöhnliche Binde zwischen acht und 19 Rappen. In einem Land, in dem jede fünfte Person mit weniger als 1.90 Franken täglich auskommen muss, ist das viel Geld. So behelfen sich viele Frauen mit Stofffetzen, Zeitungspapier, getrockneten Blättern oder Asche.
Mehrere Initiativen wollen diesem Missstand nun entgegenwirken. Eine Gruppe von jungen Medizinstudentinnen hat das Projekt «The Haiku» gegründet. Mit aufrüttelnden Kurzgedichten versuchen sie auf Facebook die Menstruation zu enttabuisieren und dem sogenannten «Period Shaming» ein Ende zu setzen.