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25 Schottische Lieder
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf seine 25 Schottischen Lieder.
«Nach Schottland! Wann fahren wir? Habe ich noch Zeit, meine Zigarre zu Ende zu rauchen?» Ja, Zeit war da, auch ein Steamer, für den der bedeutende Komponist Jonathan Savournon gleich zwei Schiffspassagen gesponsert bekommen hatte. Musikalische Werke von Savournon haben sich nicht erhalten, denn er entsprang der wunderbaren Fantasie von Jules Verne. Mit seinem Roman von der Reise mit Hindernissen nach England und Schottland steht er auch heute noch auf der Höhe der Zeit, vor allem mit dem weisen Fazit: «Sie haben alles gestreift, aber in Wahrheit haben sie nichts gesehen!» Inspiriert hat Verne übrigens nicht etwa Mendelssohns Reise in die Highlands oder dessen Schottische Sinfonie, sondern eine eigene Exkursion im Jahre 1859, die er gemeinsam mit dem französischen Komponisten Aristide Hignard (1822–1898) unternahm.
Und Beethoven? Bekanntermassen hat er weder die Seine noch den Firth of Forth gesehen. Dann aber nahm George Thomson (1757–1851) aus dem fernen Edinburgh 1803 Kontakt mit ihm auf, nachdem dieser bereits bei Haydn, Pleyel und Koželuh kammermusikalisch begleitete Arrangements und knapp gefasste Einleitungen zu schottischen Weisen bestellt hatte: für Singstimme(n), Klavier, Violine und Violoncello. Bis 1820 hat Beethoven knapp 170 Bearbeitungen dieser Art angefertigt, und es darf vermutet werden, dass es für ihn nicht nur ein lukratives Brotgeschäft war. So ersetzen diese Arrangements in seinem Œuvre die Folge der originären Klaviertrios, die 1811 mit dem grossformatigen Werk in B-Dur op. 97 zu einem Abschluss gekommen war. Denn Thomsons Wunsch nach instrumentalen Vor- und Nachspielen eröffnete Beethoven einen kompositorischen Freiraum – ein Freiraum, der allerdings in Edinburgh unverstanden blieb. Umso klarer wurde er von einem anonymen Rezensenten der 1822 bei Schlesinger in Berlin erschienenen deutschen Ausgabe erfasst: «Kein entschlafener Barde wird hier aus den Trümmern nebelvoller Vorzeit geweckt: Beethoven’s selbstständiger Geist ist es, der hier über Hügeln des Schlummers in einem sich selbst erträumten Lande wandelt, das er Schottland nennt.» (Allgemeine musikalische Zeitung, Jg. 30, 1828, Sp. 284)
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