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Wie war das mit "in dubio pro reo" und diesen 10 % Restwahrscheinlichkeit des Zeugen? Fängt "dubio" erst bei 11 % an?
Der dubio ist aber beim Zeugen, nicht beim Gericht. Der Satz "in dubio pro reo" bezieht sich auf Zweifel beim Gericht, zumindest im deutschen Verständnis gemäss Wikipedia:
Der Satz sagt dem Gericht nicht, wann es Zweifel haben muss, sondern nur, wie es zu entscheiden hat, wenn es Zweifel hat. Das Gericht muss von mehreren möglichen Schlussfolgerungen aus der Beweisaufnahme nicht die dem Angeklagten günstigste wählen (sofern sich hierzu keine konkreten Anhaltspunkte ergeben), da der sogenannte Grundsatz der freien Beweiswürdigung (§ 261 StPO) gilt, das heißt, dass das Gericht jedem einzelnen Beweis frei eine Bedeutung zumessen darf. Wenn das Gericht von einer dem Angeklagten ungünstigeren Schlussfolgerung überzeugt ist, darf und muss es vielmehr diese der Urteilsfindung zu Grunde legen. Der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ wird nicht bei der Beweiswürdigung angewendet, sondern erst dann, wenn nach abgeschlossener Beweiswürdigung noch Zweifel verbleiben.
So wie ich es verstehe, hat das Gericht in diesem Fall nicht ausreichend Zweifel an der (zumindest teilweisen) Schuld des Angeklagten. Daher die Anklage. Also scheint mir "in dubio pro reo" hier das falsche Argument.
Meine Frage ist dann aber, wie das Gericht alle Zweifel zerstreut hat. Das Gericht stützt sich schliesslich allein auf die Aussage des Biologen, so wie ich den Artikel verstanden habe, der wiederum einen Zweifel offen gelassen hat. Dann kann das Gericht in meinen Augen nicht zweifelsfrei davon ausgehen, dass der Angeklagte den Damm tatsächlich eingerissen hat. Bzw. würde das bedeuten, dass das Gericht das Beweismittel "Aussage des Biologen" eine solche Bedeutung zumisst, dass der Angeklagte den Damm tatsächlich eingerissen hat. Ein wenig wackelig ist das schon...
"Teilweise" Schuld finde ich in dieser Situation auch kreativ. Das könnte ich nachvollziehen bei einer unbeabsichtigten Tat. Hier darf aber schon zweifelsfrei davon ausgegangen werden, dass wenn der Angeklagte den Damm eingerissen hat, er dies mit voller Absicht und nicht aus Versehen getan hat.