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Diese qualitative Sozialstudie hat das Thema der „dicken Kinder“ mit folgenden Ausgangsfragen bearbeitet: Erstens wurde untersucht, ob die juvenile Dickleibigkeit als Übergangsphänomen der adoleszenten Entwicklung gelten kann. Zweitens wurden die bei den Betroffenen zugrundeliegenden Selbstdeutungsmuster untersucht. Diese Fragen wurden jeweils mit einem objektiv-hermeneutischen und einem sozialphänomenologischen Ansatz untersucht. Als theoretische Erkenntnisinteressen sind folgende drei Punkte zu nennen: Erstens ist exemplarisch an der Fragestellung der Konstitution der Dickleibigkeit studiert worden, wie der Leib sozial strukturiert wird. Zweitens ist in dieser Studie erprobt worden, wie diese sozialen Strukturierungsprozesse auf der Ebene der Leiblichkeit methodisch erfasst werden können. Drittens versucht die Arbeit konkrete Antworten und Ergebnisse auf die Frage zu bieten, was die juvenile Dickleibigkeit als soziales Phänomen ausmacht. Im Ergebnis kann zusammengefasst werden, dass bezüglich der ersten Ausgangsfrage drei Phänomen- bzw. Symptomverläufe gefunden worden sind: Neben der Möglichkeit der Spontanheilung konnte auch die Möglichkeit des krankheitswertigen Symptomverlaufs, der eine Behandlungsnotwendigkeit nach sich ziehen sollte, und – als dritte Verlaufsform – die einer genuin „dicken“ Leibgestalt rekonstruiert werden. Der genuine „dicke“ Leiblichkeitsentwurf geht ohne nennenswerte pathologische Nebenerscheinungen (laut Krankenakte) einher. Die Behandlung der krankheitswertigen Verlaufsformen sollte neben der ärztlichen Behandlung vor allem eine psychotherapeutische Begleitung der Adoleszenten mit einschließen, da Abweichungen der sozialisatorischen Interaktionsstrukturen in der Familie psychodynamische Komplikationen der Ablösung des Kindes aus der Herkunftsfamilie wahrscheinlich sein lassen. Diese Ergebnisse sind für die ärztliche und therapeutische Behandlungspraxis insofern wichtig, weil sie zu einer differenzierten Anamnese, auch Sozialanamnese, auffordern und für die Deutung der Symptomatik neue Möglichkeiten bieten. Hinsichtlich der zweiten These ist wesentlich, dass eine Problematisierung, z.B. der Eltern, auf Handlungsblockaden zurückgeführt werden konnte, während die lebensweltliche Haltung der Vertrautheit und „Normalität“ letztendlich bessere Symptomverläufe zeigte. In der fachlichen Auseinandersetzung zu diesem Thema ist also ein Professionalisierungsbedarf im Sinne eines Aufklärungsbedarfs für die Professionellen, zu verzeichnen.
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|Dateien vom 22.10.2004 / geändert 24.05.2005|