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Individuelle Schätzungen der Weidegrasaufnahme können hilfreich sein, um die Ergänzungsfütterung im Stall an den Bedarf der Kühe anzupassen und brünstige, verletzte oder kranke Kühe schneller zu erkennen.
Weidende Milchkühe werden nicht bloss von den Konsumenten gerne gesehen, sondern Weidezugang verbessert gemeinhin das Tierwohl und die Milchqualität. Ökonomische sowie ökologische Vorteile weidender Milchkühe entstehen, falls das vorhandene Weidegras effizient genutzt und adäquat ergänzt wird. Tierindividuelle Angaben zur Futteraufnahme auf der Weide erlauben dem Landwirt, die Bedürfnisse der Einzeltiere zu berücksichtigen. Ist die Futteraufnahme weidender Milchkühe bekannt, wird die Selektion effizienter Verwerterinnen ermöglicht.
Agroscope untersuchte im Rahmen einer Dissertation, inwiefern die Erfassung tierindividueller Merkmale, wie die Einzeltierleistung und das Fress- sowie Wiederkauverhalten und Rationsangaben zu einer genaueren Schätzung der aufgenommenen Weidegrasmengen von Milchkühen beitragen kann.
In der Studie wurden zwei Ansätze zur Schätzung der Futteraufnahme von Milchkühen auf der Weide miteinander verglichen. Im ersten Ansatz wurden sämtliche erfassten Merkmale zur Schätzung verwendet. Dazu gehörten die Futterinhaltsstoffe, die im Stall aufgenommene Futtermenge, die Milchleistung der Kühe mit den enthaltenen Milchinhaltsstoffen (Fett, Protein, Laktose) sowie das Verhalten der Tiere. Zur Aufzeichnung des Fress- und Wiederkauverhaltens verwendeten die Forschenden das RumiWatch System.
Im zweiten Ansatz liessen die Forschenden zur Schätzung der Weidegrasaufnahme die Angaben bezüglich der im Stall aufgenommenen Futtermengen weg, um praxisnähere Schätzmodelle zu erstellen.
Um den Nutzen der Verhaltensmerkmale zu quantifizieren, wurden für beide Ansätze Schätzmodelle ohne diese Angaben berechnet.
Die Studie zeigt, dass Informationen zum Fress- und Wiederkauverhalten weidender Kühe für die genauere Schätzung der Weidegrasaufnahme hilfreich sein können. Zum Beispiel werden durch den Einbezug des Verhaltens in die Schätzung der tiefe Verzehr von brünstigen, verletzten und kranken Kühen schneller erkannt. Ausserdem kann der Landwirt die Weideführung optimieren und die Ergänzungsfütterung zur Weide im Stall besser dem Bedarf der Milchkühe anpassen.