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(Mehrzahl von Castrum, lat., befestigter Ort, Kastell), das militär.
Lager
[* 3] der alten Römer,
[* 4] ist in der Grundlage uralt. Wie alle röm. Niederlassungen, wurde es als ein Viereck
[* 5] vermessen, das
nach der Lehre
[* 6] der Augurn (s. d.) durch zwei sich rechtwinklig schneidende Linien, den Cardo (eigentlich die Linie von Norden
[* 7] nach Süden) und den Decumanus (die Linie von Osten nach Westen) geteilt war. Bei Lagern wurde die Richtung
dieser Linien durch den Ort des Feindes und den Marsch des Heers bestimmt.
Das Lager wurde in der Richtung des Cardo von einer breiten Straße durchzogen, der Viaprincipalis, die in zwei Hauptthore
(die Portaprincipalis dextra und sinistra) mündete, und in der Richtung des Decumanus von einer zweiten halb so breiten,
welche jene rechtwinklig kreuzte und nach vorn auf die Portapraetoria, nach hinten auf die Portadecumana, oder quaestoria
auslief. Die Viaprincipalis teilte das Lager in einen größern vordern und einen kleinern hintern (dem
Feinde abgekehrten) Abschnitt. In letzterm lag der Feldherr mit dem Stabe und ausgewählten Truppen.
Unmittelbar hinter der breiten Hauptstraße befanden sich die Zelte für die Stabsoffiziere (Legionstribune, Legaten, Präfekten
der Bundesgenossen), dahinter durch einen Weg mit der Hauptstraße verbunden und ihr zugekehrt das Praetorium, der Platz
für das Zelt des Feldherrn. Auf der einen Seite des Prätoriums war das Forum,
[* 8] wo das Tribunal sich erhob, auf dem der Feldherr
zu den Truppen redete oder Recht sprach, auf der andern das Quaestorium.Rechts und links von Forum und Quaestorium lagen erlesene
Mannschaften, und endlich lagen zwischen dem Wall und der Straße, die hinter dem Prätorium und den Räumlichkeiten
neben ihm parallel mit der Viaprincipalis durch das Lager zog, ausgewählte Truppen aus der Reiterei und dem Fußvolk der
Bundesgenossen sowie Hilfsvölker. Jenseit der Viaprincipalis in der dem Feinde zugekehrten weit größern Abteilung des Lagers
(sie begriff etwa zwei Drittel des Ganzen) lag die Hauptmasse des Heers ebenfalls in genau geregelter
Weise. Auch dieser Raum war durch Wege geteilt.
Das Lager wurde mit Wall und Graben eingefaßt, die aber zwischen sich und jenen Zelten, Plätzen und Straßen einen breiten,
leeren Raum ließen, der hauptsächlich für den Aufmarsch der Truppen und zur Sicherung gegen Feuer und
Geschosse
[* 9] bei Angriffen bestimmt war. Der Wall (agger) wurde aus Erde aufgeworfen und mit Palissaden (valli, die Palissadenreihe
heißt vallum) besetzt.
Diese Grundzüge des röm. Lagers blieben im wesentlichen dieselben, obwohl die Anordnung im einzelnen sich im Laufe der Zeit
vielfach änderte. Namentlich befand sich später das Prätorium mit den damit verbundenen Räumlichkeiten
nebst den auserlesenen Truppen in dem mittlern Drittel des Lagers und waren die Hilfsvölker und Legionen so gelegt, daß jene
von diesen umschlossen waren. Seit längere Kriege auch in entferntern Gegenden geführt wurden und es sich um die Behauptung
von eroberten Provinzen handelte, unterschied man Sommer- und Winterlager (Castra aestiva und hiberna), während früher nur im
SommerKrieg geführt wurde und die Wehrmannschaft im Winter in Rom
[* 10] blieb. Lager, die längere Zeit hindurch bewohnt und dafür
eingerichtet waren, unterschied man als Standlager (Castra stativa) von den auf kürzere Zeit errichteten.
In der Kaiserzeit entwickelten sich gleichzeitig mit
der Ausbildung der stehenden Heere viele solche Standlager zu wirklichen
Festungen und wurden andere von Anfang an als solche angelegt. Und wenn diese Festungen nicht wie befestigte Städte und unsere
Festungen zugleich eine städtische Einwohnerschaft umschlossen, so wurden sie doch öfter bei ältern
Ortschaften angelegt, und Niederlassungen(canabae) von Marketendern, Handel- und Gewerbetreibenden, auch ausgedienten Soldaten
(Veteranen) schlossen sich an die Standlager an. Von diesen Niederlassungen wurden viele mit der Zeit faktisch, manche auch
rechtlich Städte zum Teil von großer Bedeutung, wie Mainz,
[* 11] Straßburg,
[* 12] Wien,
[* 13] Ofen.
Eine Beschreibung des röm. Lagers aus republikanischer Zeit (aus der Mitte
des 2. Jahrh. v. Chr.) ist von dem Historiker Polybius überliefert. Außerdem giebt es eine wahrscheinlich aus dem Anfang
des 3. Jahrh. n. Chr. stammende, jedoch unvollständig
erhaltene Schrift, die unter dem Titel«Hygini gromatici liber de munitionibus castrorum» zuletzt Gemoll
(Lpz. 1879) und Domaszewski (ebd. 1887) herausgaben. –
Vgl. Lange, Historiamutationem rei militarisRomanorum (Gött. 1847);
Masquelez, Étude sur la castramétation des Romains (Par. 1864);
(spr. scha-) bedeutet im Sanskrit Anweisung, Leitfaden, Lehrbuch und ist der technische Ausdruck für Lehrbücher
über Recht(dharmaçastra), Lebensklugheit (nitiçastra), Künste und Wissenschaften aller Art, auch Omina
(çakunçastra) und Liebe (kamaçastra), welche meist in einem bestimmten Versmaße, dem Çloka (s. d.),
abgefaßt sind. – Çastri heißt ein in den Lehrbüchern bewanderter Mann und ist noch heute Ehrentitel der ind.
Gelehrten.