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Kurz nach Eröffnung der Gotthardbahn 1883 besann man sich darauf, die Alpen nicht nur durchgängiger zu machen sondern auch sperren zu können.
Mit dem Bau des Fort Hospiz 1886 auf dem Gotthardpass nach den Plänen von Generalstabschef Pfyffer von Altishofen entstand eine der ersten Alpenfestungen. Weitere Festungen in den Räumen Airolo, Andermatt, Oberalppass sowie Furka- und Grimselpass bestanden bereits oder wurden noch gebaut. Der Schweizer Generalstab sah nach dem Ende des Ersten Weltkrieges jedoch keine Notwendigkeit mehr, sich auf einen grossen Angriff vorzubereiten.
Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsprogrammen ging 1934 die Aufforderung an den Bundesrat, der Befestigungsfrage wieder vermehrt Beachtung zu schenken. Mit dem Bau konnte indes nicht sofort begonnen werden, weil das Wissen um den Bau solcher Anlagen nicht mehr dem Stand der damaligen Waffentechnik und Strategie lag.
1935 wurde darum das Büro für Befestigungsbauten wieder ins Leben gerufen, mit dem Auftrag, entsprechende Baugrundlagen und Techniken zu erarbeiten und zu testen. Ab 1937 war die Schweiz dann bereit, an den Stand der Technik angepasste neue Befestigungsanlagen in Serie zu errichten. Die spätere Konzentration der Befestigungen auf den Alpenraum war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorgesehen.
Ein Vorteil – dieser für die Schweiz gefährlichen Situation – war, dass beim Bau der Verteidigungslinien die neueren Entwicklungen des Kriegsgeschehens (Blitzkrieg, Panzerschlachten, Luftlandetruppen) laufend berücksichtigt werden konnten.
Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden zunächst neue Festungen im Schweizer Grenzgebiet, wie etwa in Vallorbe und am Rhein. Neue Anlagen wurden auch am Gotthard und in den bestehenden Festungen von St-Maurice und in Sargans errichtet. Bis zur Kapitulation Frankreichs hatte sich der Befestigungsbau vorwiegend auf die Grenzzonen (Artilleriewerke Rüdlingen, Festung Ebersberg, Heldsberg), nördlicher Jura mit Fortifikation Hauenstein sowie Saint-Maurice und die Limmatstellung, konzentriert.
Ab Frühjahr 1940 wurden erstmals verschiedene Pläne für ein Réduit erstellt. Die Hauptunterschiede bestanden in der vorgesehenen Grösse, wobei zwei Lösungen zur engeren Auswahl standen:
Die konsequenteste Lösung stellte der Plan von Germann dar: ein kompaktes Réduit, das durch Gebirgstruppen verteidigt werden sollte. Der Plan Gonard schliesslich umfasste hingegen ein ausgedehntes System, das die drei befestigten Zonen Sargans, Gotthard und St-Maurice einschloss. Der Plan war nach Oberstleutnant Samuel Gonard benannt, damals Chef des persönlichen Stabes des Generals und der eigentliche operative Kopf der Schweizer Armee.
General Guisan und sein Generalstabschef mussten entscheiden, bis zu welchem äussersten Grad der Konsequenzen in Bezug auf das Réduit sie unter Umständen gehen mussten. Die Anordnungen bauten sodann auf Überlegungen strategischer und taktischer Natur auf. Diese bestanden darin, schrittweise in eine Verteidigungsstellung im Zentralraum überzugehen und damit einer Taktik der Verteidigung in der Tiefe zu folgen.
Mit dem Operationsbefehl Nr. 13 vom 24. Mai 1941 wurde die Konzentration auf die Verteidigung des Réduit noch verstärkt nachdem General Guisan bereits im Operationsbefehl Nr. 11 vom 12. Juli 1940 die Verteidigung des Landes nach einem neuen Grundsatz organisiert hatte, demjenigen der Staffelung in der Tiefe.
Die Widerstandsstaffeln wurden festgelegt auf:
die Grenztruppen
die vorgeschobenen Sicherungsstellungen
eine Alpen- oder Zentralraumstellung (réduit national),
die einbezogenen Befestigungen von Sargans, St-Maurice und des Gotthard.
In einer Tabelle wurden die eigentlichen Kampftruppen (Infanterie, Leichte Truppen) aufgezeigt.
1. Armeekorps unter Jules Borel — 94‘000 Mann.
2. Armeekorps unter Friedrich Prisi — 46‘000 Mann.
3. Armeekorps unter Lardelli/Constam — 40‘000 Mann
4. Armeekorps unter Jakob Labhardt — 80‘000 Mann
und den Grenzbrigaden 1 bis 9 — 90‘000 Mann
Diese wurden von der Artillerie (52’000 Mann), den Genietruppen (30’000 Mann), den Flieger- und Flabtruppen (30’000 Mann), der Sanität (30’000 Mann), den Verpflegungstruppen (7’000 Mann), den Motortransporttruppen (9’000 Mann), dem Train (14’000 Mann), dem Hilfsdienst (200’000 Mann) und dem FHD (15’000 Frauen) unterstützt. Insgesamt also 740‘000 Soldaten und Soldatinnen.
Der Bundesrat ordnete am 1. September 1939 (Polenfeldzug) und am 10. Mai 1940 (Westfeldzug) jeweils die Mobilisierung der gesamten Armee an.
Von September 1940 bis Kriegsende gab es etwa 80 Teilmobilmachungen um damit eine periodische Ablösung der Truppen zu ermöglichen. Die Reduitzugänge blieben jedoch ständig besetzt, da es deutsche Pläne gab, diese mit Luftlandetruppen einzunehmen.
Von Juli bis August 1940 bezogen sechs Divisionen und drei Gebirgsbrigaden das Reduit und im Mai 1941 folgten die restlichen drei Divisionen.
Die Grenzbrigaden mit ihren 90’000 Mann verblieben in ihren Grenzräumen, die drei leichten Brigaden (30’000 Mann), die Territorialtruppen der 13 Territorialkreise (90’000 Mann Infanterie), die Ortswehren (127’000 Mann) im Mittelland. Neben dem Verzögerungskampf hatten sie die Aufgabe, die Sprengung und Zerstörung der Kommunikationen, Brücken, Tunnels, Lager- und Produktionsstätten vorzunehmen, die Gotthard- und Lötschbergverbindungen zu unterbrechen sowie Luftlandetruppen zu bekämpfen.
Die Baukosten des Réduit bis zum Kriegsende 1945 beliefen sich laut einem Bericht der „Luzerner Zeitung“ vom 10. Juni 2006 auf 657 Millionen Franken.
Ein grosser Teil der dabei errichteten Bauten wurden im Zuge der Armeereformen 95 aufgegeben und ihre Geheimhaltung aufgehoben.
Grossbritannien betrachtete die Schweiz während des 2.Weltkrieges am 13. Juni 1940 als verloren und erliess eine Exportsperre für sämtliche Sendungen. Am 4. Juni 1941 jedoch – nach dem Bezug des Reduits – sandte der britische Gesandte in Bern folgende Depesche an seinen Aussenminister Anthony Eden:
„Insgesamt lässt sich sagen, dass wenn alle geographischen, wirtschaftlichen und militärischen Umstände in Rechnung gestellt werden, diese kleine aber tatkräftige und hochgebildete Nation in den vergangenen zwölf Monaten Würde und Besonnenheit an den Tag gelegt hat. Erhält sie eine faire Chance, ist ihr zuzutrauen, sich tapfer zu schlagen, wenn ihre historische Unabhängigkeit angegriffen wird.“
Auch der deutsche Generalstab des Heeres meinte am 1. September 1942 zum Zustand des Schweizer Heeres:
„Es ist bei starkem Ausbau der natürlichen Hindernisse des Landes in der Lage, auch gegen einen überraschenden Angriff an den Grenzen zeitlich begrenzten Widerstand zu leisten und sich im Hochgebirge längere Zeit zu halten. Die Entschlossenheit von Regierung und Volk, die schweizerische Neutralität gegen jeden Angreifer zu verteidigen, steht ausser Zweifel.“
Und im Sommer 1943 schrieb der General der deutschen Gebirgstruppen in seiner für die SS erstellten Angriffsplanung:
„Die Schweizer Landesverteidigung verfügt über ein Heer, dass schon wegen seiner zahlenmässigen Stärke ein äusserst beachtlicher Faktor ist. Die Bezwingung der sich erbittert verteidigenden Truppen im Hochalpenreduit wird eine schwer zu lösende Aufgabe darstellen.“