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Wo die ausländische Bevölkerung wohnt
25.01.2019 - Medienmitteilung
Mehr als ein Viertel der Zürcher Bevölkerung besitzt einen ausländischen Pass. Diese Gruppe ist aber nicht gleichmässig über den Kanton verteilt – je nach Nationalität findet man diese an ganz unterschiedlichen Wohnorten wieder. Die neuste Studie des Statistischen Amts zeigt, wie die ausländische Bevölkerung im Kanton Zürich räumlich verteilt ist und wie sich diese Verteilung entwickelt hat.
2016 lebten im Kanton Zürich 395'000 Menschen aus dem Ausland. Dies entspricht einem kantonalen Ausländerinnen- und Ausländeranteil von 26,6%, der sich aber von Gemeinde zu Gemeinde unterscheidet. Um einen in jeder Gemeinde gleich hohen Ausländerinnen- und Ausländeranteil zu erreichen, hätte im Jahr 2016 ein Sechstel der ausländischen Bevölkerung (16,9%) die Wohngemeinde wechseln müssen. Dieser Kennwert wird als sogenannter Segregationsindex bezeichnet und misst die räumliche Ungleichverteilung.
Wesentlicher Grund für die räumliche Ungleichverteilung der ausländischen Bevölkerung ist, dass sie sich in den urbanen Gebieten des Kantons konzentriert: So wohnte 2016 jede dritte Person mit einem ausländischen Pass in der Stadt Zürich, in der etwas mehr als ein Viertel der Zürcher Gesamtbevölkerung lebt. Im Vergleich zum Jahr 2000 segregiert die ausländische Bevölkerung heute weniger stark: Zur Jahrtausendwende lag der Index noch bei 20,9%.
Räumliche Verlagerung der ausländischen Bevölkerung
Die geringere Segregation der ausländischen Bevölkerung im Kanton ist besonders auf eine veränderte Bevölkerungsstruktur in einzelnen Zürcher Stadtkreisen zurückzuführen. Zum einen sank der Ausländeranteil in den Kreisen 4 und 5 – den ehemaligen Arbeiter- und Industriequartieren mit traditionell vielen Ausländerinnen und Ausländern. Zum anderen liessen sich ausländische Staatsangehörige vermehrt an Orten nieder, an denen Ausländerinnen und Ausländer bisher untervertreten waren. Vor allem in den Zürcher Stadtkreisen 6, 7 und 8, aber auch in südlich an die Stadt angrenzende Gemeinden wie Kilchberg und Rüschlikon stieg der Ausländeranteil markant.
Neue Zuwanderung beeinflusst das Segregationsbild
Beide Entwicklungen betrafen allerdings unterschiedliche Ausländergruppen: Staatsangehörige, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Süd- und Südosteuropa (später vor allem auch im Zusammenhang mit den Balkankonflikten) in den Kanton Zürich zogen, wohnen heute oft in den nördlichen Agglomerationsgemeinden – sofern sie nicht in ihre Heimat zurückgezogen oder mittlerweile eingebürgert worden sind. Bis zur Jahrtausendwende konzentrierten sie sich noch in den Stadtkreisen 4 oder 5, in Altstetten sowie in den Kreisen 11 und 12. Nord- und westeuropäischen Staatsangehörige, die vergleichsweise eher später und eher im Gefolge der Personenfreizügigkeit in den Kanton gezogen sind, liessen sich hingegen bevorzugt in den überwiegend teureren Zürcher Stadtkreisen 6, 7 und 8 und an den Seeufern nieder.
Italien und Balkan – unterschiedliche Segregationsentwicklungen
Die bereits in den Sechziger- und Siebzigerjahren mehrheitlich als «Gastarbeiter» eingewanderten italienischen Staatsangehörigen verteilen sich gleichmässiger über den Kanton. Aus Italien wanderten in jüngster Zeit vermehrt sogenannt gutqualifizierte Erwerbstätige ein, die sich auch teurere Wohnlagen leisten können. Als Folge dieser beiden Entwicklungen ist der Segregationsindex der italienischen Staatsangehörigen heute deutlich tiefer als noch zur Jahrtausendwende (16,8%, -4.2 Prozentpunkte). Dagegen hat der Segregationsindex der Zuwanderer aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien gegenüber 2000 noch etwas zugenommen (26,9%, +1.5 Prozentpunkte), weil sich ihr räumlicher Schwerpunkt verlagert hat: Diese im Mittel eher einkommensschwache Gruppe konzentriert sich nach dem deutlichen Anstieg der Wohnkosten in der Stadt Zürich heute in den vergleichsweise günstigen Wohnlagen der nordöstlichen bis nordwestlichen Agglomerationsgemeinden.
Zuwandernde aus Grossbritannien – hochqualifiziert und stark segregiert
Britinnen und Briten sind vor allem im Rahmen der Personenfreizügigkeit als sogenannt hochqualifizierte Arbeitskräfte eingewandert. Weil sie im Mittel überdurchschnittlich einkommensstark sind, können sie sich das Wohnen an teuren Lagen wie den stadtnahen Seegemeinden leisten und segregieren vergleichsweise stark (34,0%). Eine Rolle spielen dabei auch Infrastrukturen wie etwa internationale Schulen, die teilweise in Reaktion auf diese Entwicklung entstanden sind, und ihrerseits auch die Wohnortwahl der Zuziehenden beeinflussen.
Geringe Segregation der Deutschen
Die überwiegend im letzten Jahrzehnt zugewanderten deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger haben mit 14,9% einen unterdurchschnittlichen Index. Weil der Segregationsindex der Schweizerinnen und Schweizer ein Spiegelbild des Indexes der ausländischen Bevölkerung ist, also ebenfalls bei 16,9% liegt, sind die Deutschen sogar gleichmässiger über den Kanton verteilt als die einheimische Bevölkerung.
(Medienmitteilung des Statistischen Amts)