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„Das Lachen ist ein grosser Revolutionär"
Lachen befreit von der Angst, und Lachen macht Angst. Es ist weder kulturenübergreifend akzeptiert noch generationen- und epochenübergreifend verständlich. Satiren, Karikaturen, Parodien sind wieder verstärkt Auslöser für Zensur, Verbote, Gerichtsverfahren und Terrorakte. Dass Lachen Angst macht, zeigen vielfach die Reaktionen auf Michael Bachtins Studie über die Lachkultur in Mittelalter und Renaissance Rabelais und seine Welt. Volkskultur als Gegenkultur: In der Sowjetunion wurde Bachtins Buch als Angriff auf die revolutionäre Kraft des Volkes und als Verharmlosung des Klassenkampfes gelesen. Im heutigen Russland gilt Bachtins Karnevalstheorie als Angriff auf die Kirche, die sich durch das karnevalistische Weltbild in ihren Grundfesten erschüttert sieht.
Das Buch stellt Auszüge aus Bachtins Dissertationsverteidigung von 1946 in deutscher Erstübersetzung vor und macht damit anschaulich, wie eine wissenschaftlich-inhaltliche Diskussion über Bachtins Buch mit Forderungen nach Parteilichkeit in der Wissenschaft kollidiert.
Sylvia Sasse (Hrsg.)
Sylvia Sasse ist ordentliche Professorin für Slavistische Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Ihre Arbeitsgebiete sind Literatur- und Theatertheorie, Theater und Gericht, Performance Art in Osteuropa sowie Literatur und Raum. Zum Thema erschien u.a. Geopoetiken. Geographische Entwürfe in den mittel- und osteuropäischen Literaturen, hg. von Magdalena Marszalek und Sylvia Sasse, Berlin 2010.