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Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre, die Südkorea bereits seit mehreren Monaten erschüttert. Drei der betroffenen Manager traten zurück - allerdings nicht Lee, der seit mehr als zehn Tagen in Untersuchungshaft sitzt.
Sonderermittler werfen dem 48-jährigen Lee neben Korruption auch Veruntreuung, Verschleierung von Auslandsvermögen sowie Meineid vor, wie ein Justizsprecher sagte. Ein Prozess gegen ihn und seine vier Mitangeklagten dürfte damit nun unausweichlich sein.
Für Samsung ist das ein neuer Rückschlag, da das Unternehmen nach dem gigantischen Skandal um explosionsgefährdete Smartphones immer noch nach dem Weg zurück zur Normalität sucht.
Hintergrund der Anklage ist der Korruptionsskandal um die entmachtete südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye. Samsung ist der grösste einzelne Geldgeber der Stiftungen von Parks langjähriger Vertrauter Choi Soon Sil. Choi soll ihre Beziehungen zur Präsidentin genutzt haben, um Millionenspenden für Stiftungen einzutreiben und sich dabei persönlich zu bereichern. Zudem soll sie sich in Regierungsgeschäfte eingemischt haben.
Zustimmung zu Fusion erkauft
Lee ist der einzige Sohn von Samsung-Chef Lee Kun Hee. Er steht seit einer Herzattacke seines Vaters im Jahr 2014 de facto schon jetzt an der Spitze des Grosskonzerns. Mit Genehmigung von Lee soll Samsung umgerechnet 38 Millionen Franken an Chois Stiftungen gezahlt haben, um die Zustimmung der Regierung zu einer wichtigen Fusion innerhalb des Mischkonzerns zu bekommen.
Die Ermittler vermuten den Konzern auch hinter Millionengeldern, mit denen Choi die Reitausbildung ihrer Tochter in Deutschland finanziert haben soll. Nach Meinung von Beobachtern könnte sich die Anklage auch negativ für Präsidentin Park in ihrem Amtsenthebungsverfahren auswirken. Das Parlament leitete im Dezember ein sogenanntes Impeachment-Verfahren gegen Park ein. Das Verfassungsgericht muss nun über ihre mögliche Absetzung entscheiden.
Lee weist sämtliche Vorwürfe gegen ihn zurück. Samsung kündigte aber an, seine Lobbydienste bei der Regierung einzustellen und seine Spendenpolitik transparenter zu gestalten.
Samsung kündigt Reform an
Zudem kündigte das Unternehmen die Auflösung der Abteilung für Zukunftsstrategien an, in der bisher alle wichtigen Entscheidungen für die Samsung-Gruppe getroffen wurden. Ein "Reformprogramm" sieht vor, dass jede Abteilung künftig selbstständig entscheiden soll.
Beobachter zeigten sich jedoch skeptisch, ob es sich bei den Ankündigungen nur um kosmetische Massnahmen handelt. Samsung habe in der Vergangenheit bereits Strukturen nach Vorwürfen abgeschafft, um diese dann unter anderem Namen wieder ins Leben zu rufen, kritisierte Chung Sun Sup, dessen Organisation das Geschäftsgebaren von grossen Unternehmen in Südkorea kontrolliert.
Der Konzern wird auch von Aktionären gedrängt, sich aufzuspalten und die Strukturen zu vereinfachen. Insbesondere der für sein aggressives Finanzgebaren bekannte Hedgefonds des US-Milliardärs Paul Singer will unter anderem das operative Geschäft mit Handys, TV-Geräten und Speicherchips abtrennen und an die Technologiebörse Nasdaq in New York bringen.
(AWP)