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Wer vor dem modernen Gebäude aus Beton und Glas steht kann die Geschichte klar erkennen, die Schale des modernen Gebäudes umschliesst die Geschichte. Achtet man auf die Dachkonstruktion, so kann man die ursprüngliche Form des Panoramagebäudes noch klar erkennen, ebenso sind die Pfeiler an den Seiten sichtbar geblieben und heben sich ebenfalls farblich vom tristen Grau-Blau der Gegenwart ab.
Doch lasst mich etwas weiter ausholen und tiefer in die Geschichte eintauchen. Wir befinden uns im Jahr 1871, fünfzig Jahre ist es her, dass auf einer kleinen Insel im Südatlantik Napoleon Bonaparte sein Leben gelassen hat.
Wir schreiben den ersten Februar des Jahres 1871, Schnee liegt im schweizerischen Flachland, eine Schicht aus Watte bedeckt die Gegend um Les Verrières. Der Krieg ist verloren, die Franzosen geschlagen, die Deutschen erwarten von den Schweizern eine militärische Verteidigung der Grenzen. Ein Schweizer erfasst die Situation bereits am 26. Januar. Fünf Tage vor dem Grenzübertritt bereitet Bundesrat Welti die Kantone auf eine Hilfsaktion vor, es ist zu diesem Zeitpunkt die Rede von 10'000 Soldaten, welchen der Grenzübertritt ohne Waffen ermöglicht werden soll.
Die Schweiz befindet sich in der Zeit der grossen Humanisten. Henry Dunant gründet das Schweizerische Rote Kreuz am 17. Juli 1866. Das IKRK (Internationale Komitee vom Roten Kreuz) ist ab 1857 unter diesem Namen bekannt. Es ist bis zum heutigen Tag die grösste Aufnahme von Flüchtlingen zu einem Zeitpunkt. 87'000 Soldaten der Armée de l’Est, der Arme des Generals Bourbaki, überquerten an diesem Tag auf über 12'000 Pferden die Grenze. General Bourbaki jedoch nicht. Er hatte sich mit einem missglückten Selbstmordversuch seiner Verantwortung entziehen wollen.
Das «Comité international de secours aux militaires blessés», aus welchem später das Schweizerische Rote Kreuz hervorgehen soll, leistet ebenso wie die Bevölkerung des Val-de-Travers den ausgehungerten Soldaten Hilfe. Dennoch sterben in den kommenden Wochen 1’700 französische Kämpfer an den Auszehrungen des Krieges. Diesen Moment des Leidens, der neuen Hoffnung, der Brüderlichkeit, der Hilfsbereitschaft und der Aufopferung hat Eduardo Castres in Genf 1881 auf Jute und Leinwand verewigt. Das Rundbild (Originalmass: 14 x 112 Meter) ist im Bourbaki auf 10 x 112 Meter zu bewundern. Erst nach der Fertigstellung der Rotunde im Jahr 1889 zog das Bild nach Luzern um. Der bekannteste Künstler, welcher an dem Bild mitwirkte, ist ein Schüler von Castres, Ferdinand Hodler. Hodler ist heute der bekannteste Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts. Er fand später seine Erfüllung im Jugendstil und Symbolismus.
Der Eindruck unter der Kuppel wird zusätzlich durch das deutsch-englische Hörspiel untermauert. Ein Knabe berichtet von den Tagen des Durchmarsches. Der zusätzliche akustische Anreiz nimmt einen mit in die Zeiten der Entbehrungen, und lässt einem vollends in das Bild eintauchen. Die 360 Grad Ansicht, untermauert durch die Klangwelt des Hörspiels, in Verbindung mit dem von allen Seiten auf mich einwirkenden Bildes, ist wirklich verblüffend.
Abschliessend kann ich sagen, dass auch ich (aus der Generation Z), die Faszination für dieses Werk sehr gut nachvollziehen kann.
Im Jahr 2000 wurde das Bourbaki in Luzern ausgebaut und vereinigt nun ein lokales Kino, eine Bar mit Restaurant und Rotunde sowie ein Museum und das Panorama im obersten Stock unter einem Dach.