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Eingereichter Text
1. Gibt es in der Schweiz eine Statistik über den zunehmenden Einsatz von Psychostimulanzien wie Ritalin und Concerta?
2. Gedenkt der Bundesrat, angesichts der seitens der Uno geäusserten Bedenken in Bezug auf diese Produkte eine eingehende Studie über ihre Wirkung auf lange Sicht und über eventuelle Ersatzmöglichkeiten in Auftrag zu geben?
Begründung
Am 29. Januar 2010 veröffentlichte der UN-Kinderrechtsausschuss (CRC) eine formelle Erklärung, in der er seine Besorgnis über den durch Studien bewiesenen starken Anstieg der Verschreibungen von Psychostimulanzien wie Ritalin oder Concerta innerhalb kurzer Zeit an Kinder mit ADHS zum Ausdruck bringt.
Der CRC hat sich in Genf versammelt, um die Anwendung der Kinderrechtskonvention in Norwegen zu überprüfen. Dabei wurde ein zehnfacher Anstieg der Verschreibungen von Psychostimulanzien an Kinder im Zeitraum zwischen 1991 und 2003 in Norwegen festgestellt, gefolgt von einem weiteren Anstieg um 70 Prozent seit 2004. Die grossen Pharmaunternehmen haben dadurch grosse Gewinne gemacht; im letzten Jahrzehnt sind die Verkaufszahlen von Psychostimulanzien in Norwegen um 4000 Prozent gestiegen! Norwegen war der dritte der nordischen Staaten, der vom CRC bezüglich der Verabreichung kokainähnlicher Drogen (die Psychosen, Herzanfälle und Schlaganfälle verursachen können) durch die Psychiatrie an Kinder analysiert wurde.
Antwort des Bundesrates vom 08.09.2010
Der Bundesrat hat in der Vergangenheit regelmässig und ausführlich zum Thema Verschreibung von Ritalin an Kinder und Jugendliche Stellung bezogen. Er verweist insbesondere auf die Antworten zur Einfachen Anfrage Guisan 02.1079, "Verschreibung von Ritalin", zur Interpellation Brunner Christiane 02.3243, "Verschreibung von Ritalin", zur Interpellation Bortoluzzi 02.3775, "Gesundheit für Kinder und Jugendliche", zur Einfachen Anfrage Müller 04.1179, "Ritalinmissbrauch", zur Interpellation von Siebenthal 08.3914, "Ritalin. Negative Folgen der Verabreichung an Kinder", und zur Motion Geissbühler 10.3380, "Eindämmung der Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder".
Zur medikamentösen Behandlung von Patienten mit ADHS (Attention Deficit Hyperactivity Syndrome) sind in der Schweiz mehrere Präparate mit dem Wirkstoff Methylphenidat (Ritalin, Concerta, Medikinet) erhältlich.
1. Aufgrund von Meldungen aus der Pharmaindustrie ist dem Bundesrat bekannt, dass der Verbrauch von Methylphenidat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat. Über die Entwicklung der Verschreibung von Ritalin und wirkstoffgleichen Arzneimitteln an Kinder und Jugendliche gibt es in der Schweiz aber keine verbindlichen Daten. Auf Bundesebene werden im Rahmen der Überwachung des Warenflusses bei Betäubungsmitteln die Einfuhr, Ausfuhr, Herstellung und der Grosshandel kontrolliert. Diese Kontrolle bezweckt, die Abzweigung von Wirkstoffen zu verhindern, und ist nicht geeignet, um Verbrauchstatistiken auf Patientenebene zu erstellen. Um aber missbräuchliche Verschreibungen feststellen zu können, müssten noch die Diagnose und die Behandlung begleitende Massnahmen bekannt sein. Für die Kontrolle der Verschreibung sind die Kantone zuständig. Der Aufbau einer schweizweiten systematischen Analyse der Verschreibungen von Methylphenidat wäre nur mit einer vollständigen Erhebung von Patientendaten mit Diagnose und den die Behandlung begleitenden Massnahmen möglich, was aus Datenschutzgründen nicht möglich ist.
2. Methylphenidat ist unter dem Markennamen Ritalin seit 1954 in der Schweiz zugelassen. Deshalb ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis dieses Wirkstoffes gut bekannt. Die jeder Packung beiliegende Patienteninformation wird den aktuellen Erkenntnissen angepasst, sodass eine objektive Information gewährleistet ist. Die Fachinformation von Ritalin weist im Übrigen darauf hin, dass Ritalin zusammen mit weiteren therapeutischen Massnahmen einzusetzen ist.
Seit der Zulassung von Ritalin hat der Hersteller über 200 klinische Studien zur Langzeitsicherheit sowie zu weiteren spezifischen Fragestellungen wie zum Beispiel zum Suchtpotenzial durchgeführt. Es liegt somit eine umfangreiche Datenbasis vor. Auch die weiteren Hersteller von Methylphenidat haben umfangreiche Studien mit dem gleichen Fokus durchführt. Deshalb sind die Nebenwirkungen des Wirkstoffs bei Kindern und Jugendlichen gut bekannt. Swissmedic informiert regelmässig über neue Erkenntnisse und passt die Arzneimittelinformation entsprechend an.
Obschon Methylphenidat unter der gleichen Wirkstoffgruppe wie Kokain subsumiert wird, nämlich unter die Gruppe der Psychostimulanzien, handelt es sich nicht um den gleichen Wirkstoff. Bis heute ist auch aufgrund der Studien nicht erkennbar, dass die medikamentöse Verabreichung von Methylphenidat bei ADHS/ADS-Patienten ein erhöhtes Abhängigkeits- und Missbrauchspotenzial nach sich zieht.
Aus diesen Gründen hält es der Bundesrat nicht für angebracht, im Zusammenhang mit der Verschreibung von Methylphenidat zusätzliche Studien in Auftrag zu geben.