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Etliche Milliärde wie der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal residieren in Großbritannien. Fussballclub-Besitzer wie der russische Oligarch Abramovitch mit dem FC Chelsea oder saudische Prinzen wie Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan mit Manchester City vergnügen sich neben vielen weiteren ausländischen Reichen auf der Insel – im Herzen des einstigen Weltreiches des Vereinigten Königreiches.
Warum aber wählen die Schwer-Reichen ausgerechnet ein relatives Hochsteuer-Land zum Leben aus?
Der Non-Domicile-Status in Großbritannien
Die Antwort liegt natürlich darin begründet, dass Großbritannien ihnen äußerst vorteilhafte Steuerbedingungen bietet – oder zumindest geboten hat. Während der britische Normalbürger in der Regel zwischen 20-45% abdrücken muss, sind viele Milliardäre völlig von der Steuer befreit.
Zumindest für britische Staatsbürger ändert sich dies jedoch jetzt, da die Regierung diese Ungleichbehandlung nicht mehr tolerieren wollte. Als Ausländer kannst Du trotzdem weiterhin vom dieser speziellen britischen Regelung profitieren: dem Non-Domiciled-Status.
Dieses Relikt aus der Kolonialzeit wurde nie kodifiziert, doch blieb rechtlich gültig und bildete die Basis für die Aufzucht der globalen Eliten im britischen Königreich. Britische Privatschulen und -universitäten verdanken vermutlich einen Großteil ihres Kapitals dieser Regel, da an Steuern gespartes Vermögen gestiftet wurde. Auch die brummende britische Offshore-Industrie auf den Kanalinseln Jersey, Guernsey, Sark, der Isle of Man oder weiteren Überseegebieten in Karibik und Südsee lässt sich vor allem auf diese Regelung zurückführen. Auch die City of London (rechtlich ein anderes Gebilde als die Stadt London) scheint extrem von der Regelung zu profitieren.
Doch was sagt der so genannte „Non-Dom-Status“ eigentlich aus? Wie bekommt man ihn und mit welchen Vorteilen ist er verbunden?
Schauen wir uns erst einmal an, wie er früher Wohlhabende auf die Insel gelockt hat um später die zahlreichen jüngsten politischen Änderungen einzupflegen, die ihn zumindest für britische Staatsbürger verunmöglichen.
Non-Domizil früher
Unter dem Non-Dom-Status waren sämtliche Einkünfte außerhalb Großbritanniens steuerfrei, auch wenn man dauerhaft im Vereinigten Königreich lebte. Selbst der Erbschafts-Steuer konnte man mittels Offshore-Trusts dabei entkommen. Steuern galt es nur auf Einkommen zu zahlen, das innerhalb der UK erwirtschaft wurde. Vermögen in Offshore-Banking-Destinationen auch innerhalb britischen Hoheitsgebietes (Kanalinseln, Isle of Man, …) waren natürlich ausgenommen. Freilich ist Auslandseinkommen tatsächlich Auslandseinkommen. Eine physische Tätigkeit in Großbritannien auszuüben, die aber offshore läuft, war noch nie eine Möglichkeit der Steuer zu entkommen. Internet-Einkommen zählt allerdings dazu, auch wenn der Betroffene physisch aus Großbritannien arbeitet.
Personen mit Non-Dom-Status konnten sich unbegrenzt in Großbritannien aufhalten. Tatsächlich konnten sie theoretisch im Land geboren sein und dort sterben ohne einen einzigen Cent Steuern im Inland bezahlt zu haben. Praktisch sah es aber meist so aus, dass Jugendliche aus wohlhabenden Familien aus dem gesamten ehemaligen britischen Kolonialreich nach England geschickt wurden, dort ihre Ausbildung an den Privatinstitutionen bekamen und den weiteren Lebensmittelpunkt dort wählten.
Dies unterscheidet den Non-Dom-Status wenig von der heutigen Lage.
Mittlerweile kommen die Anspruchsberechtigten jedoch längst nicht mehr nur aus den Kolonialgebieten, sondern vor allem aus Russland, China und dem Nahen Osten.
Sie kommen auch weniger wegen der Bildung, sondern angelockt durch potentielle Steuerfreiheit und einem angenehmen Leben auf einem ländlichen Anwesen oder der City of London. 2013 waren es stolze 116.00 Personen, die diese Regelung in Anspruch nahmen.
Wie man den Non-Dom Status bekam
Non-Dom konnte jeder werden, der entweder selbst in einem ausländischen Land geboren wurde oder aber Nachkommen bis zur zweiten Generation in einem anderen Land nachweisen konnte. Zählen tat (und tut immer noch) übrigens nur Vater und Großvater – Mutter und Großmutter mit ausländischen Wurzeln werden nicht anerkannt. Selbst im Vereinigten Königreich geborene Kinder aus reichen Familien konnten dank des weit verzweigten britischen Imperiums in der Regel diesen Nachweis erbringen – oder wurden sonst einfach selbst außerhalb des Landes zur Welt gebracht (Geburts-Tourismus ist keine Erfindung der Neuzeit).
Wesentlich war und ist jedoch immer noch, dass der Anspruchberechtigte Großbritannien nicht als seine „Heimat“ sieht, obwohl er sich dort vielleicht lebenslang aufhält. Seine „Wurzeln“ müsste er immer noch in einem fremden Land haben, in dem er „zu Sterben gedenke“. Dementsprechend muss zur Erlangung des Non-Dom-Status ein Nachweis erbracht werden, der jenes beweist. In der Geschichte qualifizierte dabei vieles. Verbliebene Immobilien im Ursprungsland oder auch einfach nur das Familiengrab qualifizierten in der Regel. Andere Verbindungen zur Heimat müssen jedoch nicht bestehen.
Es gibt keinerlei Anforderungen sich in jenem Land tatsächlich aufzuhalten oder gar Steuern zu zahlen.
Da der Non-Dom-Status sich aus dem Common Law entwickelte, wurde er sehr lange nicht kodifiziert, blieb aber rechtens. Das machte seine Erlangung lange Zeit zu einer willkürlichen Angelegenheit, die sich Reiche aber ohne Probleme leisten konnten. Zu viele Vorteile waren einfach damit verbunden, darunter neben Steuerfreiheit auch die unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis auf der Insel.
Non-Dom heute
Steuerprivilegien für Reiche weckten natürlich irgendwann die Aufmerksamkeit von Gesellschaft und Politik. Weitreichende Änderungen wurden jedoch erst kürzlich im Juli 2015 beschlossen.
Selbst von einer Abschaffung des „Non-Dom-Status“ war die Rede. Doch der britische Schatzkanzler George Osborne von den Tories wollte trotz Labour-Drucks seine eigene Klientel nicht vollständig verärgern. Sein Argument für die Beibehaltung macht auch Sinn:
Milliardäre zahlen vielleicht keine Steuern, „freiwillig“ finanzieren sie aber etliche Universitäten, Museen, Fußballvereine, öffentliche Veranstaltungen und mehr. Sie zum Verlassen des Landes zu bewegen wäre ein unkluger Schachzug.
So trifft die Willkür der Politik die, die sich am wenigsten wehren können: die Staatsbürger des Vereinigten Königreiches. Sämtliche in Großbritannien geborene Personen haben in Zukunft keinerlei Anspruch mehr auf einen „Non-Dom-Status“, dieser gilt nun exklusiv für Ausländer.
Dieses Beispiel illustriert bestens, warum es so wichtig sein kann sich über eine zusätzliche Staatsbürgerschaft Gedanken zu machen. Auch Deine Regierung kann von heute auf morgen per Dekret alles ändern, womit Du noch gestern für die Zukunft kalkuliert hast.
Den betroffenen UK-Bürgern bleibt nun lediglich übrig volle Steuern auf ihre ausländischen Einkünfte und Vermögen zu zahlen oder aber auszuwandern.
George Osborne freut das. 1,5 Milliarden an Steuereinnahmen soll die ab 2017 geltende Regelung innerhalb von 5 Jahren in die öffentlichen Kassen spülen.
Macht der Non-Dom-Status für UK-Ausländer noch Sinn?
Ausländer sind zwar nicht mit voller Kraft von der jüngsten Gesetzesänderung betroffen, müssen aber auch aufpassen, dass sie ihren Non-Dom-Status nicht verlieren.
Bereits seit der letzten Labour-Regierung galt eine Regelung, dass man satte Gebühren zur Aufrecherhaltung seines Non-Dom-Status zahlen musste, sofern man über eine entsprechende Dauer von Jahren in Großbritannien verweilte. Von 30.000 Pfund ab 12 Jahren Aufenthalt rangierten die Gebühren bis zu 90.000 Pfund ab 17 Jahren.
Mittlerweile verliert nun jeder seinen Non-Dom-Status, wenn er sich während der letzten 20 Jahre über 15 Jahre dauerhaft in Großbritannien aufgehalten hat. Die britische Regierung bestätigte also nun, dass sie den Status nur als temporär sieht – nicht als permanentes Steuer-Privileg für Reiche. So solle reichen Individuen die Chance gegeben werden die britische Wirtschaft in einer bestimmten Zeit voranzubringen. So werden ironischerweise mit der Neuregelung sämtliche aus Auslandsvermögen stammende Investments in Großbritannien selbst ebenfalls nicht mehr besteuert.
Eine Verschärfung der Regeln bis zur vollständigen Abschaffung lässt sich in den nächsten Jahren durchaus erwarten, insbesondere wenn ein Labour-Prime Minister wieder an die Macht kommen sollte.
Trotzdem kann der Non-Dom-Status für den ein oder anderen noch Sinn machen. Theoretisch muss man noch nichtmal reich sein – es gibt keine Minimalanforderung. Praktisch jedoch ist wegen der relativen Willkür bei der Vergabe ein entsprechend guter und damit teurer Steuerberater nötig – in diesem Fall möglicherweise gleich eine der großen Firmen wie PWC. Doch dies sollte keinen abhalten, nicht trotzdem sein Glück mit einem Antrag auf den Non-Dom-Status bei der britischen Finanzbehörde zu versuchen!
Vielleicht kann es für Dich Sinn machen Dich zu bewerben, wenn Du ohnehin nur eine begrenzte Zeit in Großbritannien verweilen willst.
Du wärst weiterhin steuerfrei auf sämtliche ausländische Einkommen, die Du nicht ins Land transferierst (eine Kreditkartenzahlung ist z.B. solch ein Transfer). Dies ist ja auch nicht nötig, da Du mit Kredit- und Debitkarten jederzeit per Abhebung Barzugriff zu Deinen Vermögen aus Offshore-Konten hättest. Du solltest lediglich nicht vorhaben, mehr als 10-15 Jahre am Stück auf der Insel mit Non-Dom-Status zu verweilen.
Eine gute Nachricht zum Schluss: selbst danach bleibt es möglich den „Non-Dorm-Status“ aufzufrischen. Nach Verlassen des Landes für 5 Jahre ist eine er erneute Inanspruchnahme für 15 Jahre wieder möglich.
Gibt es Alternativen zum steuerfreien Leben in Großbritannien?
Die Möglichkeit eines Non-Dom-Status war bisher vor allem für gebürtige Briten interessant, um den Steuern zu entkommen, oder wurde von international mobilen Wohlhabenden genutzt, die eher aus Ländern des ehemaligen britischen Kolonialreiches, dem Nahen Osten und Russland kamen.
Für Europäer – und damit auch für Dich – gibt es als leichte Alternative bis zu einem halben Jahr in Großbritannien als Perpetual Traveler zu leben und trotzdem von Steuerfreiheit auf ausländisches Einkommen zu profitieren. Solange Großbritannien noch in der Europäischen Union verbleibt, macht die Niederlassungsfreiheit das Ganze zu einem Kinderspiel.
Spezielle Konditionen in den autonomen Offshore-Gebieten der Kanalinseln und Isle of Man bieten darüber hinaus weitere Möglichkeiten in Europa und Großbritannien zu bleiben, ohne von der dortigen Steuergesetzgebung und -regulierung großartig beeinflusst werden. Dies soll genug Stoff für weitere Artikel bieten.
Bis dahin weißt Du nun, warum so viele Reiche sich Großbritannien als Lebensmittelpunkt aussuchen. Und sei gewiss: mit Geld lässt sich auch in anderen europäischen Ländern viel zur Steuerfreiheit tricksen.
Die von kürzlichen Änderungen betroffenen Bürger stört es deshalb auch nicht sonderlich. Sie sind ohnehin mobil und verschwinden einfach ins nächste Steuerparadies. Von denen gibt es nämlich – zum Glück – noch einige.
Hattest Du vom Non-Dom-Status in Großbritannien bereits gehört? Wie findest Du die jüngsten politischen Änderungen? Käme die Inanspruchnahme vielleicht auch für Dich in Frage?
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