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Frau Johanna Basler: Forcierte Diagnose-Anpassung
Frau Basler, 64-jährig, leidet seit drei Jahren an einer zunehmenden Tetraparese (Lähmung der Extremitäten). Umfangreiche neurologische Untersuchungen haben indessen noch keine gesicherte Diagnose ergeben, klinisch entspricht das Bild am ehesten einer ALS (amyotrophen Lateralsklerose: eine Krankheit, welche zu fortschreitenden Lähmungen aller Muskeln bis zur terminalen Lähmung der Atmung führt). Das MRI des Schädels zeigte nur geringfügige unspezifische Veränderungen, die Liquorpunktion konnte eine Borreliose nicht mit Sicherheit ausschliessen. Vorallem aber klammert sich Frau Basler an die Hoffnung, dass sie nicht die schreckliche ALS habe.
Wegen der fortschreitenden Lähmungen muss Frau Basler mehrmals im Regionalspital hospitalisiert werden. Was aus ethischen Gründen geboten ist, „erlaubt“ der DRG-Tarif nicht: eine Verdachtsdiagnose. Damit das Spital die Hospitalisationen von Frau Basler finanzieren kann, muss der Arzt die Diagnose ALS als feststehend in den Austrittsbericht setzen. Ansonsten kann die Diagnose nicht codiert werden, und was nicht codiert wird, wird nicht bezahlt.
In einer ethischen Auseinandersetzung argumentiert die Spitalleitung , dass das Spital, wenn es wirtschaftlich keinen Bestand hat, auch keine gute Medizin machen kann. Das leuchtet ein; der zuständige Arzt setzt die Diagnose fix ein, verlöscht damit für Frau Basler den letzten Funken Hoffnung, und überlegt sich, ob er seinen Beruf noch weiter ausüben kann.