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Munter und forsch schreiten sie aus, ein jeder von links nach rechts, mit einem breiten Lachen für uns Betrachtenden und einer knallig bunten Bemalung aus Blumen- und Sternenmustern. Auf den ersten Blick könnte man sie sich auch als fröhliche Dekoration für ein Kinderzimmer denken, auf den zweiten wirken sie dafür vielleicht doch ein wenig zu aufgekratzt, zu psychedelisch. Vorlage für diese Bären, die Braegger schon in zig Variationen auf Gemälden, Drucken, als Leuchtskulpturen, in einem Bildband und auf handgenähten Polyesterfahnen dargestellt hat, ist eine Zeichnung, die 1973 die Rückseite eines Plattencovers zierte: Bob Thomas hatte den Bären für die Rockband Grateful Dead und deren Album History of the Grateful Dead, Vol. 1 (Bear’s Choice) entworfen. Der Bär gilt als eine Anspielung auf den Toningenieur Owsley «Bear» Stanley, der nicht nur das Album, sondern auch im grossen Stil LSD produzierte. Die Fangemeinde der Band, die zu den Begründern des Psychedelic Rock gehörte und von 1965 bis 1995 aktiv war, hat das euphorische Bärchen mittlerweile zahllose Male kopiert und variiert. Es ist eine Kultfigur, gewissermassen ein Repräsentant einer wilden, anarchischen Ära. Mit ihren Kopien nach Kopien führt Braegger diesen Kult ad absurdum – in einer Zeit, in der man Hosen mit dem Aufdruck «Punkrock» von der Stange kaufen kann.
Tina Braegger, die ihr Studium 2013 an der Zürcher Hochschule der Künste abschloss, steht mit ihrer Kunst rund um den «Marching Bear» in der Tradition einer Appropriation Art, wie sie in den 1960er-Jahren unter anderem von Elaine Sturtevant entwickelt wurde. Braegger erweitert die Frage nach Autorschaft und Kopie um die Frage nach der geistigen Vereinnahmung eines Symbols.
Tina Braegger wurde 1985 in Luzern (CHE) geboren; sie lebt in Berlin (DEU) und Zürich (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Grafik, Plastik