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Gabriel legte dar, wie es die europäischen Wohlfahrtsstaaten geschafft haben, nach langen Kriegen und Diktaturen eine Sphäre des Friedens und der Freiheit zu etablieren. Schritt für Schritt entwickelte sich ein gesellschaftliches Modell, in welchem soziale Gerechtigkeit, soziale Solidarität und sozialer Ausgleich wichtige Standbeine darstellten. Menschenrechte und partizipative Bürgerrechte für alle gehören zu dessen normativen Grundlagen.
In der Forschung der Entwicklung dieser Werte standen bis anhin vor allem die Arbeiterbewegungen im Zentrum, während die religiösen Faktoren aussen vor blieben. Die religiösen Wurzeln der Wohlfahrtsstaaten wurden nun im Rahmen des Forschungsclusters "Religion und Politik" der Uni Münster in einer breit angelegten, vergleichenden multinationalen und multikonfessionellen Studie untersucht. Das Christentum, in welchem es einen Schöpfergott gibt, der alle Menschen gleich geschaffen hat und das einen Erlöser für alle kennt, habe den kulturellen Horizont mitgeprägt, in welchem sich eine Richtung hin auf Inklusion, Teilhabe aller und Fokussierung auf staatliche Träger als deren Garanten ausgebildet habe.
Gabriels Fazit: Wo eine religiös geprägte Kultur Ansätze für kollektive Verantwortung aufweist, wo religiöse Traditionen Soziallehren entwickeln, wo Religion und Aufklärung einander nicht ausschliessen, kann der religiöse Faktor produktiv werden. Dies geschieht insbesondere dort, wo auf organisatorischer Ebene eine Konkurrenz der Konfessionen existiert.