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Seit Anfang 2021 gelten in den Ländern der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS strengere Grenzwerte für Schadstoffe in Treibstoffen. So senkten die Regierungen den Grenzwert für Schwefel, der hauptverantwortlich ist für den Feinstaubausstoss von Fahrzeugen, drastisch auf 50 ppm (Teile pro Million Gesamtteile). Vorher lag der Grenzwert bei 3‘000 ppm und höher. Zum Vergleich: In der EU und in der Schweiz liegt der gleiche Grenzwert inzwischen bei 10 ppm.
Report «Dirty Diesel» von «Public Eye» schreckte auf
Im September 2016 veröffentlichte die Schweizerische NGO Public Eye den investigativen Bericht Dirty Diesel, der grosses Aufsehen erregte. Er fasste jahrelange Recherchen der Organisation zusammen, bei denen aufgedeckt wurde, dass der in den westafrikanischen Staaten verwendete Dieselkraftstoff extrem hohe Schwefelwerte aufwies und dass Schweizer Rohstoffhändler an dessen Herstellung und Verbreitung stark beteiligt waren.
Das war zwar gesetzlich nicht verboten, weil die Länder keine oder sehr lasche Grenzwerte für Schwefel vorgegeben hatten, führte aber zu einer enormen Feinstaubbelastung mit entsprechenden Krankheitsfolgen. In den Ballungsräumen, wo sich diese Situation akzentuierte, leben immerhin mehr als 175 der 580 Millionen Menschen in den Ländern der ECOWAS.
Die Studie wies ausserdem detailliert nach, dass und wie der minderwertige Dieselkraftstoff eigens so zusammengemischt wurde, dass die damals gültigen Grenzwerte gerade knapp eingehalten werden. Bei diesen Mischprodukten wurden diverse Vor- und Zwischenprodukte aus Raffinerien sowie Abfallprodukte aus der chemischen Industrie entsorgt. Neben dem hohen Schwefelgehalt waren daher auch noch andere hochgiftige Schadstoffe wie z.B. Benzene und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten.
ECOWAS-Staaten verschärfen die Grenzwerte
Die Enthüllungen lösten in Afrika ein grosses Medienecho aus. So wurden beispielsweise in Ghana, Nigeria, Mali und der Elfenbeinküste Kampagnen für höhere Treibstoffstandards lanciert.
Ghana reagierte zuerst und senkte bereits 2017 die Schwefel-Grenzwerte für Diesel-Importe von 3’000 ppm auf 50 ppm. Nigeria, das weitaus grösste westafrikanische Land mit über 200 Millionen Einwohnern, zog 2018 nach; diverse Nachprüfungen ergaben aber, dass selbst 2019 und 2020 noch viel zu hohe Schwefelwerte im Dieselkraftstoff gemessen wurden. Nachdem sich seit 2018 die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS des Themas angenommen hatte, beschlossen deren 15 Mitgliedsstaaten, per 1. Januar 2021 den einheitlichen Grenzwert von 50 ppm für Schwefel in Fahrzeugkraftstoffen festzusetzen. Dies entspricht auch gerade der Schwelle, ab der Katalysatoren und Partikelfilter noch funktionieren. Zusammen mit ebenfalls neu erlassenen Normen für den Import von Occasionsautos wird die Luftverschmutzung nun massiv reduziert.
Lokale Raffinerien haben das Nachsehen
Da viele lokale Raffinerien in Westafrika nicht in der Lage sind, Kraftstoffe in der geforderten verbesserten Qualität herzustellen, sind die Kraftstoffimporte in diese Region stark angestiegen – offenbar zum Nutzen der Rohstoffhändler. Diese hatten jedenfalls auch nur wenig Widerstand gegen die Verschärfung der Grenzwerte für Schadstoffe geleistet – sondern sie im Gegenteil sogar teilweise begrüsst.
Offen ist, inwieweit sich die Preise an den Zapfsäulen verteuern werden. Bisher sind keine signifikanten Preiserhöhungen zu erkennen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Benzinpreise grossenteils reguliert sind. Aber auch beim Diesel blieben die Preise bisher konstant; möglicherweise ist dies auf den weltweiten Wirtschaftseinbruch während der Corona-Pandemie zurückzuführen, der zu einem Nachfragerückgang von Treibstoffen und dadurch zu übervollen Treibstofflagern geführt hat, die es zu leeren gilt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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