Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03434.jsonl.gz/1674

Die Parzelle für das neue Verwaltungsgebäude einer Versicherungsgesellschaft am Picassoplatz gehört trotz seiner zentralen Lage nicht zum engeren Altstadtbereich Basels. Der Platz ist nicht durch eine geschlossene Bebauung bestimmt, sondern wird durch eher freistehende Gebäude zu einem gestaffelten Strassenraum. An seiner vordersten Ebene geben Geschäftshäuser der 1950er und 1960er Jahre Blicke in das Innere der Strassengevierte frei. Vor allem zwei monumentale Bauten bilden gegen Norden links und rechts der Dufourstrasse weitere Ebenen: Handelt es sich beim Kunstmuseum (Rudolf Christ und Paul Bonatz, 1932–1936) um eine Anlage, deren gestufte rückwärtige Trakte die axiale Ausrichtung des Komplexes am St. Alban Graben in den Raum am Picassoplatz projizieren, liegt die First Church of Christ Scientist (Otto Rudolf Salvisberg, 1935–1936) zurückgesetzt hinter den später an der Baulinie des Gevierts errichteten Geschäftshäusern. Das Museum ist ein Massivbau mit einer Verblendung aus sämtlichen, damals in der Schweiz gebrochenen Steinarten, die vorgehängte Verkleidung der Kirche besteht aus Muschelkalk.
Durch den Neubau auf dem vormaligen Gelände einer Villa mit Park kommen sämtliche Häuser am Platz als Teile eines Ganzen zur Wirkung. Die städtebauliche Figur des Verwaltungsgebäudes verstärkt das komplexe Spiel der sich in die Tiefe des Stadtraums staffelnden Ebenen, zugleich aber stellt sie sich als kompakter Solitärbau dar, der seinen eigenen Regeln folgt. Die differenzierte Struktur des Baukörpers setzt sich wie aus mehreren ineinandergeschobenen rechteckigen Volumen zusammen, mit Vor- und Rücksprüngen im Umriss und Abstufungen in der Höhe, darin auf die unmittelbare wie weitere Umgebung antwortend.
Die tragende Aussenwand erzeugt Aussen- wie Innenraum. Trotz der einfachen Grundrissorganisation mit einem zentralen Korridor wird die städtebauliche Figur durch einen Kranz von Büros im Inneren wahrnehmbar. Die Ausbildung der einzelnen Fassaden tritt hinter die Wirkung des Baukörpers als Ganzes zurück. Die Aussenwand ist als ein umlaufendes „Gewebe“ ausgebildet. Unterschiedlich breite Fugen zwischen den Natursteinplatten aus Andeerer Granit ordnen die Fassadenkomposition und das Steinmass. Gesimsbänder aus Kunststein fassen das Haus rundum zusammen und fungieren als Konsolen, auf denen die Natursteinplatten geschossweise aufgebaut sind.
Der tektonische Aufbau verbindet die verschiedenen Elemente der Aussenwand. Ihre Kohärenz gewinnen sie aus ihrer Zugehörigkeit zu einer Struktur, in der jeder Teil mit dem anderen verknüpft ist. Es entsteht eine bewegte Ruhe: Gesimse scheinen unter der Last der aufgesetzten Natursteinplatten zu schweben. Gesimse, Brüstungen, Pfosten und Fenster fügen sich zu einem System, das sich selbst im Gleichgewicht hält.
Schräg aufgeworfene gebrochene Granitplatten umgeben die dicht am Neubau bewahrten alten Bäume. Mit 60 totemartigem Stelen und einem breiten Wegband aus hellerem Granit in Anspielung an die Milchstrasse sind sie Teile eines 1991 von Luciano Fabro entworfenen „Giardino all’italiana“. Die in den Boden eingelassenen Leuchten bilden zusammen mit kreisrunden, polierten Granitscheiben die Sterne des Firmaments der südlichen Halbkugel ab.
Wettbewerb: 1. Preis, 1987
Datum: 1987—1993
Auftraggeber: Basler Lebens-Versicherungs-Gesellschaft
Ort: Picassoplatz, Basel, Schweiz
Bruttogeschossfläche (BGF): 16.400 m²
Programm: Büros, Stadtpark
Bauingenieur: Gruner
Technische Gebäudeplaner: Sytek, Müller + Partner, Bogenschütz & Bosch
Landschaftsarchitekt: August Künzel Landschaftsarchitekten
Giardino all italiana: Künstler Luciano Fabro