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Der Mehrwert, welcher der Zivildienst leistet, ist in den jeweiligen Einsatzbetrieben für die Gesellschaft oder die Umwelt unmittelbar spürbar. Der Zivildienst wird in der Gesellschaft breit akzeptiert und als wertvoller Beitrag zum Wohl aller geschätzt. Die Zulassung und der Vollzug des Zivildienstes funktionieren reibungslos. Mit den vorgeschlagenen Verschärfungen stellt der Bundesrat die Bedürfnisse der Armee über jene der Zivilgesellschaft. Er schreibt in der Botschaft zur Änderung des ZDG selbst: «Soweit nach Inkrafttreten der Revision längerfristig weniger Zivildienstleistende zur Verfügung stehen werden, sind die Einsatzbetriebe insbesondere in denjenigen Tätigkeitsbereichen betroffen, wo Ressourcen für die Erfüllung von Aufgaben der Gesellschaft fehlen oder nicht ausreichen».
Verschiedene Massnahmen verstossen gegen den Grundsatz der Verhältnismässigkeit, das Rechtsgleichheitsgebot und das Prinzip der Gleichwertigkeit. Gemäss Massnahme 1 («Mindestanzahl von 150 Diensttagen») müsste jemand, der gegen Ende der Dienstpflicht in einen Gewissenskonflikt kommt, unter Umständen zehn, zwanzig oder gar hundert Mal länger Ersatzdienst leisten als heute vorgesehen. Dies überschreitet den international anerkannten Maximalfaktor von 2 (d.h., doppelt so viele Diensttage) massiv. Massnahmen 2 («Wartefrist von 12 Monaten») und 5 («Keine Zulassung von Angehörigen der Armee mit 0 Restdiensttagen») stellen das Recht auf einen zivilen Ersatzdienst grundsätzlich in Frage, indem Dienstpflichtige, die einen Gewissenskonflikt geltend gemacht haben, weiterhin zu militärischen Diensten aufgeboten werden sollen.
Der Bundesrat legte in drei Berichten 2010, 2012 und 2014 ausführlich dar, dass die Abgänge zum Zivildienst die Alimentierung der Armeebestände nicht gefährden. Auch die Armeeauszählung von 2019 zeigte auf, dass die Armeebestände von einer Gefährdung weit entfernt sind: Die gesetzliche Obergrenze für den Armeebestand liegt aktuell bei «maximal» 140’000, ausgezählt wurden aber 140’304. Der Mobilmachungsbestand der Armee ist zudem grösser, als die Armee behauptet: Wer im Mai seine RS beendet, wird bis Ende Jahr nicht zum Armeebestand gezählt, obschon die Person jederzeit mobilisierungsfähig ist. Dies gilt auch für jene, die ihre Wiederholungskurse absolviert, das Ende des zehnten Jahres ihrer Militärdienstpflicht (Entlassungsjahr) aber noch nicht erreicht haben.
Um mehr Leute in der Armee aufzunehmen, gäbe es die Möglichkeit den Begriff der Tauglichkeit weiter auszudehnen: Nicht jede Person in der Armee muss in der Lage sein, mit schwerem Rucksack als Gebirgsgrenadier zu dienen. Zunehmend sind speziell Ausgebildete gefragt, bei denen eher das Know-how als die körperliche Kampftüchtigkeit massgebend ist. Um den Bestand der Armee zu regulieren, verfügt der Bundesrat zudem über die Kompetenz, die vorgesehene Militärdienstpflicht um bis zu fünf Jahren hinauf oder herabzusetzen. Er hat 2017 von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht und die Altersgrenze in Art. 19 der Verordnung über die Militärdienstpflicht um zwei Jahre, von zwölf auf zehn Jahre, herabgesetzt. Etwaige Alimentierungsprobleme wären einfach zu lösen, indem die Militärdienstpflicht wieder 12 anstatt 10 Jahre dauern würde.
Die vorliegenden Verschärfungen des Zivildienstgesetzes sollen die Abgänge aus der Armee reduzieren, indem sie den Zugang zum Zivildienst für Dienstpflichtige mit abgeschlossener RS erschwert. Diese könnten auf folgende vier Arten auf die höheren Hürden beim Wechsel zum Zivildienst reagieren: (1) Sie könnten die Regeln akzeptieren und trotzdem wechseln. (2) Sie könnten die spätere Schlechterstellung antizipieren und ihr Zivildienstgesuch früher einreichen. (3) Sie könnten versuchen, auf den «blauen Weg» auszuweichen und das Dienstpflichtsystem aus medizinischen Gründen verlassen. (4) Oder sie könnten trotz fehlender Motivation in der Armee bleiben und dort ihre verbleibenden Diensttage leisten. Es ist unklar, in welchem Verhältnis die Dienstpflichtigen diese vier Optionen wählen werden.