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Auf einer meiner Reisen nach Ghana besuchte ich Bekannte in Kumasi, der zweitgrössten Stadt des Landes. Wie immer machte ich in der Stadt auch einen Abstecher in den Botanischen Garten der "University of Science and Technology". Der ziemlich grosse Park wurde schon vor längerer Zeit angelegt und ist in der Zwischenzeit stellenweise sehr verwildert. Gerade dieser Umstand macht ihn für einen Insektenliebhaber besonders interessant. Mit ein bisschen Zeit und Muse kann man hier interessante Tiere beobachten
Text: Thomas Maag
Bilder: Thoms Maag & Jürg Sommerhalder
Diesmal entdeckte ich nach kurzer Suche auf einem Mimosenbusch die Larve einer ungewöhnlichen Gottesanbeterin. Das noch sehr kleine Tier sass mitten auf einer der gelben Mimosenblüten. Etwas später am Tag, kurz nach dem Eindunkeln und mit einer Taschenlampe bewaffnet,fand ich unweit des Mimosenbusches weitere 6 Larven derselben Art. Sie sassen allesamt an der Unterseite von Blüten einer häufigen, margaritenähnlichen Wiesenblume.
Der Fundort
Kumasi ,die Hauptstadt der Ashanti-Region, liegt ca 250 km von der Küste entfernt im Landesinnern. Die hügelige Landschaft war früher bewaldet, doch der Wald fiel grösstenteils dem steigenden Druck der stetig wachsenden Bevölkerung zum Opfer. Nur wenige Überreste sind erhalten geblieben. Die meisten Flächen werden landwirtschaftlich genutzt, glücklicherweise aber vorwiegend von Familienbetrieben, die sich die Beschaffung von Düngern und Insektiziden finanziell nicht leisten können.
Das Hauptanbauprodukt dieser Gegend ist Kakao. Es war auch der Kakao und das in der Region gefundene Gold das dem Volke der Ashantis einen beachtlichen Wohlstand ermöglichte. Kumasi hat sich , wohl auch desshalb, zu der zweitgrössten Stadt des Landes entwickelt. An der Hauptverbindungsachse nach Accra liegt die University of Science and Technology (UST). Der dort vor vielen Jahren eingerichtete, das Gelände emgebende Park, hat sich dank nicht allzu intensiver Pflege stellenweise zu einem regelrechten Dschungel entwickelt. Ein Eldorado für jeden Insektenfan. In diesem Park habe ich die besagten sieben Larven gefunden.
Der charakteristische Körperbau der Tiere entlarvte sie als Vertreter der in ganz Afrika nur in drei Arten vorkommenden Gattung Pseudocreobotra, deren einziger westafrikanischer Vetreter ocellata einen auffälligen ocellen-artigen Fleck auf den Deckflügeln zeigen-
Die Entwicklung der Larven
Die sieben Larven haben sich auf der Reise und auch nachher bei mir zu Hause sehr gut entwickelt. Nach fünf bis sechs Häutungen hatte ich drei ausgewachsene Paare. Nur eine männliche Larve blieb vor der zweitletzten Häutung in ihrer Entwicklung stehen und stellte das Häuten, nicht aber das Fressen ein. Sie wurde immer dicker und ca. 14 Tagen nach dem fälligen Häutungstermin verliess zu meinem Erstaunen über Nacht eine fast 20 cm lange Nematode (Fadenwurm) den Körper des Insekts und die jetzt plötzlich sehr schlanke Larve starb wenige Stunden später. Abgesehen von dieser interessanten Form von Parasitismus verlief die Aufzucht der Gottesanbeterinnen ohne Zwischenfälle. Bei einer Temperatur von 25 - 30° C, einer täglichen Sprühdusche und stets genügend Futter - erst Fruchtfliegen (Drosophila), später Stubenfliegen und Wachsmotten - gediehen die Tiere prächtig.
Die Zucht
Die ausgewachsenen Tiere hielt ich zuerst einzeln. 14 Tage nach der Imaginalhäutung setzte ich die Tiere dann päarchenweise zusammen. Die Männchen reagierten sofort auf die in der Zwischenzeit dick-gefressenen Weibchen und besprangen diese sofort. Nach einigen Minuten ruhigen Aufsitzens begannen die Männchen mit ihrem Hinterleibsende dasjenige des Weibchen zu suchen. Alle Paare blieben während drei bis vier Stunden in Kopulation. Danach sprangen die Männchen rasch ab. Vier Tage nach der ersten Paarung fertigten die Weibchen bereits die ersten Eigelege an.
Seit dieser ersten Eiablage halte ich alle sechs Tiere gemeinsam in einem grossen Glasbehälter (80x80x80) mit einigen Grünpflanzen und Ästen zur Eiablage. Die Tiere haben ihre langen, dünnen, fast schwarzen Gelege (Ootheken) vorzugsweise an dunkle Äste geklebt. Im Abstand von knapp zwei Wochen legen die Weibchen weitere Eier, die Gelege werden aber mit jedem Mal etwas kürzer.
Nach einer Zeitigungsdauer von 30 Tagen schlüpften die Larven. Jede Oothek entlässt gegen 60 schwarz gefärbte Junglarven mit weissen Fühlerspitzen und nur wenigen Milimetern Körperlänge.
Die Aufzucht der Larven hat sich bis jetzt als unproblematisch erwiesen. Ich halte alle zusammen in einem mit trockenem Schilf, einigen Ästen und einer Grünpflanze dekorierten Terrarium von 50 X 50 X 80 cm Grösse. Einmal täglich, meistens abends, sprühe ich wenig, feinzerstäubtes Wasser. Als Futter biete ich den Junglarven Fruchtfliegen (Drosophila) an. Um deren Nährwert zu steigern, befindet sich im Vivarium eine kleine Schale mit ein wenig Fruchtbrei. Die Ernährung des Futters gewährleistet zudem dessen Langlebigkeit. Ein ununterbrochenes Futterangebot reduziert den Kanibalismus auch bei dieser Gottesanbeterin auf ein Minimum.
Literaturhinweise
D.R. Ragge and R.Roy:
"A review of the praying mantises of Ghana"
IFAN 1) série A No. 2 1967
R.Roy and D.Leston:
"Mantodea of Ghana, new species,further records and habitats"
IFAN 1) série A No. 2 1965
R.Roy:
"Les mantes de la Côte d’Ivoire forestière"
IFAN 1) série A No. 3 1964
1) IFAN (Institute Fondamental d'Afrique Noir, Dakar)