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19. Juli 2023
Schonender Eingriff liefert vergleichbare Erkenntnisse
Ergebnisse eines Subprojekts der grossangelegten Brustkrebs-Studie «TAXIS» zeigen, dass die radikale Entfernung von axillären Lymphknoten nicht ausschlaggebend ist für die Therapiewahl. Das Verfahren dient unter anderem dazu die Ausbreitung des Tumors zu erfassen, ist aber mit beträchtlichen Nebenwirkungen verbunden.
Die vollständige chirurgische Entfernung der axillären Lymphknoten bei Brustkrebs, Axilladissektion, ist ein schwerwiegender Eingriff, dessen Notwendigkeit bereits für einige klinische Settings in Frage gestellt und von der Agenda der Standardbehandlungen gestrichen wurde. So beispielsweise für Patientinnen und Patienten ohne Lymphknotenbefall oder jene mit Hormonrezeptor-negativen oder HER2-positiven Tumoren.
Ist weniger mehr?
Das Oncoplastic Breast Consortiums unter der Leitung von Prof. Walter P. Weber verfolgt mit seiner internationalen TAXIS-Studie die Frage nach dem Nutzen der Axilladissektion weiter. In TAXIS werden Brustkrebs-Betroffenen erst selektiv die befallenen Lymphknoten entfernt. Der Befall wird mittels Ertasten oder bildgebenden Verfahren diognostiziert und histologisch oder zytologisch nachgewiesen. Noch während der Operation werden die Studienteilnehmenden in zwei Gruppen randomisiert: Die eine Gruppe erhält direkt eine Axilladissektion, die andere stattdessen eine auf den Achselbereich ausgedehnte Bestrahlungstherapie.
Kein Informationsgewinn
Ein geplantes Subprojekt basierend auf Daten der ersten 500 behandelten Patientinnen und Patienten wurde nun in «JAMA Surgery», dem in der Chirurgie am höchsten bewerteten Fachjournal (Impact Factor 16.7) publiziert. Ziel war es, zu untersuchen, ob Informationen, die durch die zusätzliche Axilladissektion gewonnen werden, einen Einfluss auf die Wahl und das Ausmass der nachfolgenden systemischen Therapie wie Chemotherapie, Anti-Hormontherapie oder gezielte Anti-Tumor-Medikation haben. Die Analysen zeigen eindeutig, dass das nicht der Fall ist. Die Anzahl an Patientinnen und Patienten, die eine Chemotherapie erhielten, war in beiden Gruppen vergleichbar, ebenso die Art und das Ausmass der vorgeschlagenen systemischen Therapie, sei es Chemotherapie, Radiotherapie oder endokrine Therapie. Während durchschnittlich bei Axilladissektion fünfzehn Lypmhknoten entfernt wurden, von denen zwei befallen waren, wurden mit dem selektiven Verfahren im Durchschnitt lediglich vier entfernt, von denen sich zwei als befallen herausstellten.
Studie auf Kurs
Diese Ergebnisse stellen also den Nutzen der Axilladissektion als Entscheidungsmittel für die Wahl der systemischen Therapie bei Brustkrebs-Betroffenen nach Entfernung von befallenen Lymphknoten deutlich in Frage und bestärken somit die Wichtigkeit der TAXIS-Studie und ihrer Fragestellung. Welchen Einfluss das chirurgische Verfahren letztendlich auf die onkologische Sicherheit, das Überleben und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten hat, werden die Endauswertungen zeigen. Diese dürften mit Spannung erwartet werden.
Einfluss der selektiven versus vollständigen Entfernung der axillären Lymphknoten auf die Systemtherapie bei Brustkrebs
Ein Subprojekt der TAXIS-Studie
Leitung
Prof. Walter P. Weber, Chefarzt Brustchirurgie, Leiter Departement Brust, Bauch und Becken, Universitätsspital Basel
Studiendesign
Prospektive observationelle Kohortenstudie als geplantes Subprojekt der randomisierten Phase III TAXIS-Studie
Studienzentren
Insgesamt 43 Zentren in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Ungarn, Litauen, Griechenland, Kroatien und Argentinien
Patientinnen und Patienten
500 mit Brustkrebs und klinisch bestätigtem Lymphknotenbefall
Projektdauer
08/2018-06/2022
DKF-Services
Regulatorik, Projektmanagement, Datenmanagement, Monitoring, IT-Services
Zur Originalpublikation
Association of Axillary Dissection With Systemic Therapy in Patients With Clinically Node-Positive Breast Cancer, JAMA Surg. Published online July 19, 2023. doi:10.1001/jamasurg.2023.2840
«Die Ergebnisse der aktuellen Studie sind von grosser Bedeutung, weil sie uns zeigen, dass eine weniger radikale Operation keinen Einfluss auf die Wahl der nachfolgenden systemischen Therapie hat.»
Prof. Walter P. Weber, Studienleiter und Chefarzt der Brustchirurgie am Universitätsspital Basel