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Zum Thema «Milchbildung» gibt es in der Phytotherapie eine ganze Reihe von offenen Fragen. Stilltees enthalten typischerweise Anis, Fenchel, Kümmel. Es ist aber unklar, wie diese Wirkung zustande kommen soll und ob diese Stilltees wirklich einen Nutzen haben. Bockshornkleesamen werden empfohlen, doch die Studien dazu sind sehr widersprüchlich.
Deshalb ist es sehr interessant, dass die «Zeitschrift für Phytotherapie» (2022; 43: 270–272) gerade einen Hinweis veröffentlicht hat zur Wirksamkeit von Ingwer auf das Muttermilchvolumen.
Beschrieben wird eine Metastudie, also eine zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien. Metastudien sind quasi der Toplevel in der klinischen Forschung.
Die Metastudie aus Thailand kommt zum Schluss, dass Ingwer das Muttermilchvolumen steigern kann.
Zitat:
«Primäre Zielgröße war das innerhalb von 24 Stunden gebildete Muttermilchvolumen. In zwei Studien wurde über Ingwer als alleinige Intervention berichtet, drei Studien berichteten über Ingwer in Kombination mit anderen Heilkräutern.
Es zeigte sich, dass Ingwer das Muttermilchvolumen bei Müttern mit vaginaler Entbindung steigern kann. Bei Müttern, die einen Kaiserschnitt hatten, war keine Erhöhung des Muttermilchvolumens zu beobachten. Ingwer hat sich in verschiedenen Kombinationspräparaten als wirksam zur Erhöhung des Muttermilchvolumens erwiesen, darunter Ingwer in Kombination mit Pandan, mit Kurkuma und Bockshornklee, und mit Xiong-gui-tiao-xue-yin.»
Kommentar zu Ingwer als Mittel zur Förderung der Milchbildung:
Das tönt auf den ersten Blick sehr interessant. Es gibt allerdings zwei Punkte, die mich stutzig machen:
- Mir fällt keine plausible Erklärung ein, wieso Ingwer als Milchbildungsförderer bei vaginaler Geburt funktionieren soll, bei Kaiserschnitt aber nicht. In der Zusammenfassung der Studie («Abstract») sagen die Autoren dazu nichts und es wäre interessant, ob sie das in der Vollversion tun (die volle Studie ist hinter einer Paywall). Ich frag mal meine Gynäkologinnen, die bei mir in der Phytotherapie-Ausbildung waren, ob sie das erklären können. Wenn da eine Antwort kommt, ergänze ich das hier, aber ich glaube nicht so recht daran.
- Es wurden nur zwei Studien ausgewertet, in denen Ingwer als alleinige Intervention untersucht wurde (also nicht in Kombination mit anderen Heilpflanzen). Das ist wenig. Das müssten zwei grosse, gut gemachte Studien sein, was unwahrscheinlich ist. Aber um das zu beurteilen, müsste man die volle Studie hinter der Paywall anschauen….
Insgesamt:
Ich wünsche mir natürlich, dass Ingwer bei diesem Thema wirksam ist, weil das ein Fortschritt wäre für die Phytotherapie. Aber ich bin noch nicht ganz überzeugt.
Man soll sein Urteil so wenig wie möglich von seinen Wünschen beeinflussen lassen!
(das passiert uns ja so oft….)
Es spricht aber nach meinem Kenntnisstand auch nichts dagegen, dass eine stillende Frau Ingwertee trinkt, wenn sie ihn gern hat.
Quelle / Originalarbeit:
Dilokthornsakul W Rinta A, Dhippayom T et al. Efficacy and safety of ginger regarding human milk volume and related clinical outcomes: A systematic review of randomized controlled trials. Complement Med Res 2022; 29: 67–73. doi:10.1159/000515630
Ingwer hauptsächlich wird bei Verdauungsstörungen, gegen Übelkeit und Erbrechen, sowie bei Erkältungskrankheiten angewendet. Darüber hinaus gibt es auch gewisse Hinweise auf eine Wirksamkeit bei Migräne, Menstruationskrämpfen und Gelenkschmerzen.
Zu Ingwer gibts von mir hier eine Reihe von Beiträgen: