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Der erfahrene Langstreckenläufer
Integration Der Schweizer Christoph Sommer (39) verlor als sechsjähriger Bub seinen linken Arm bei einem Unfall mit einer Hackmaschine. An den Paralympics in London startete er am Marathon und lief auf den 11. Rang.
Herr Sommer, Glückwunsch zum elften Rang am Marathon!
Mir ist es nicht optimal gelaufen. Der Magen rebellierte nach ca. 25. Kilometern, deshalb konnte ich an diesem Tag nicht mein Maximum abrufen. Vorgenommen hatte ich mir eine Platzierung zwischen dem sechsten und achten Rang, bzw. eine Laufzeit zwischen 2.35 und 2.40 Stunden. Stattdessen wurden es 3.01 Stunden. Vielleicht gerade diese Ungewissheit macht den Marathon so speziell und einzigartig.
Sie selbst sind in der Wettkampfklasse T46 angetreten. Diese steht für einseitige Oberarm-Amputationen, einseitige Unterarm-Amputationen mit uneingeschränkten Beinfunktionen.
Es gibt verschiedene Wettkampfklassen: Athleten mit voller Erblindung, mit sehr starker Sehschwäche, mit Bein-Amputationen oder Arm-Amputationen. Bei Rollstuhlfahrern differenziert man zwischen den Klassen Tetra- und Paraplegie, die ebenfalls weiter unterteilt sind.
Hatten Sie ausreichend Zeit für die Vorbereitung auf London nebst Ihrer beruflichen Tätigkeit als Betriebsdisponent beim RBS?
Ich ging früh arbeiten und konnte dadurch sowohl mittags als auch abends trainieren. Ich trainierte wöchentlich bis zwölf Stunden und lief zwischen 130 und 150 Kilometer, oft in Begleitung eines guten Freundes. Zu verdanken habe ich das gute Time-Management u.a. der Flexibilität meines Arbeitgebers, dem Regionalverkehr Bern-Solothurn, sowie meinem langjährigen treuen Sponsor, der Reha Rheinfelden. Dank der Reha Rheinfelden konnte ich mein Arbeitspensum auch zurückschrauben.
Wenn wir gerade beim Beruf sind: Sind nicht-behinderte Menschen und Menschen mit Behinderungen beruflich gleichberechtigt?
Eine Behinderung ist sicher kein Vorteil. Sie sollte aber auch kein Nachteil sein. Es kommt zudem auf den Beruf an: Nicht jede Arbeit liegt jedem, das gilt auch für Nichtbehinderte. Auf alle Fälle müssen die gleichen Voraussetzungen für alle gelten. Jeder sollte die gleichen Chancen erhalten.
Waren Sie eigentlich schon immer sportlich?
Lange gehörte meine sportliche Leidenschaft dem Fussball. Das Laufen hat mich vor etwa 15 Jahren so richtig gepackt, als ich mich nach einer neuen Sportart umschaute, die sich gut mit meinem Beruf vereinen liess. Mittlerweile habe ich an vielen internationalen Wettkämpfen teilgenommen. Die Paralympics in London waren bereits meine vierten Spiele.
Haben die Paralympics Ihrer Meinung nach gegenüber den Olympischen Spielen in Sachen Bekanntheitsgrad aufgeholt?
In London konnte man spüren, dass das Paralympics-OK im Vorfeld so richtig die Werbetrommel gerührt hatte. Sämtliche Sportveranstaltungen an den Paralymics waren ausverkauft, für meine Familie bekam ich nicht mal ein Ticket für den Olympiapark. Die euphorische Stimmung entlang der Marathon-Strecke hat mich trotz den starken Magenkrämpfen sehr begeistert. Thank you London - good luck Rio!