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In Zeiten der Industriellen Revolution führte die mechanische Massenproduktion von Textilien zu einer steigenden Nachfrage nach chemischen Produkten. Dies erkannte auch die Familie Schnorf aus Uetikon am See und gründete 1818 am See einen Gewerbebetrieb zur Herstellung von Schwefelsäure und Sulfatsalzen. Vom «Gebäude mit Bleikammer», das zu diesem Zweck erbaut wurde, sind heute noch Teile erhalten.
Internationales Ansehen
In den nächsten rund dreissig Jahren kamen verschiedene Neubauten dazu. Ebenso stieg die Anzahl Mitarbeiter von anfänglich zehn auf etwa fünfzig und die «Chemische Fabrik Uetikon» wurde vom Manufakturbetrieb zum Industrieunternehmen. In den 1860er/70er-Jahren folgte die «grosse Erweiterung». In dieser Zeit wurden das Kammerofengebäude sowie der Sodabau erstellt. Dabei wurde die Fabrik mit den modernsten technischen Anlagen aufgerüstet. Die Gay-Lussac-Türme und kurz darauf die europaweit ersten Glover-Türme ermöglichten, das für die Herstellung von Schwefelsäure verwendete Stickstoffoxid zurückzugewinnen und die Produktionskapazität merklich zu erhöhen. Das Unternehmen wurde dadurch zum technologisch führenden Betrieb in Europa.
Anschluss an die Eisenbahn
1881 wurde die Düngemittelproduktion aufgenommen. Dies verhalf der «Chemischen Fabrik Uetikon» zu weiterem Wachstum. Die Belegschaft stieg auf 100, später auf 250 Mitarbeiter an. Ab 1894 war die Zürichseebahn am rechten Seeufer in Betrieb. So wurde die Fabrik an den Bahnhof Uetikon am See angeschlossen und das Werkbahnnetz grosszügig ausgebaut. Zur selben Zeit entstand – wie zumeist wieder auf aufgeschüttetem Land – ein neues Pyritofen- und Bleikammergebäude (heute: Düngerbau). Die Schwefelsäureproduktion wurde damit weiter ausgebaut. Um die Jahrhundertwende stammten gegen 80% des schweizerischen Bedarfs aus Uetikon am See. 1918 war das Areal im heutigen Umfang in den See aufgeschüttet und fast vollständig überbaut.
Historische Bedeutung
Die Produktionsgebäude aller bedeutenden Entwicklungsphasen der Chemiefabrik und der vielleicht älteste Hochkamin im Kanton Zürich sind als weithin sichtbares Wahrzeichen bis heute erhalten geblieben. In dieser Vollständigkeit hat das Fabrikensemble eine umfassende kultur-, industrie- und architekturgeschichtliche Zeugniskraft. Darum ist das Areal im Jahr 2012 in das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) aufgenommen worden. Mehrere Objekte sind überkommunal und kommunal geschützt.