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Die Debatte über «Fake News» zeigt, welche Blüten bzw. Früchte die jahrzehntelange Haltung, dass Wahrheit vom Einzelnen konstruiert werden könne, hinterlässt. Wir dürfen, nein wir sollen, am Freitag für das Klima demonstrieren und am Samstag darauf in den Kurzurlaub fliegen. Widersprüche sind nicht nur zulässig, sondern erwünscht. Eine daraus entstandene Unart besteht darin, dass Führer nur noch Fragen stellen – ohne die Verantwortung für Antworten zu übernehmen. Ahnquist schreibt in seiner tour d’horizon über G. K. Chesterton:
Er unterscheidet sich von einigen anderen herausragenden literarischen Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts dadurch, dass er Fragen beantwortet, statt sie nur zu stellen. (13)
Das Denkklima, in dem wir Christen leben, beschreibt Ahnquist so:
Wenn die vorherrschende Philosophie behauptet, dass die Wahrheit relativ oder im Grunde genommen nicht erkennbar oder strikt persönlich oder weitgehend irrelevant sei, mit anderen Worten, wenn unsere einzige Gewissheit unsere Ungewissheit ist, gibt es nichts Irritierenderes, als wenn jemand daherkommt und solche nicht schlüssigen Schlussfolgerungen zerschlägt. (21)
Es geht eigentlich um eine Verweigerung des Denkens:
“Was auch immer” (ist) das ultimative postmoderne Wort. Es enthüllt das Denken der postmodernen Welt – nun, nicht das Denken, sondern die Grundeinstellung, die lautet: “Ich werde nicht darüber nachdenken.” (25)
Dagegen Chesterton:
Nur ein Mann, der nichts von der Vernunft weiß, spricht von Vernunft ohne starke, unbestreitbare erste Prinzipien. (26; Autobiography, CW 16:96)
Ahnquist schlägt als Grundbedingungen für das gemeinsame Gespräch vor:
- Jeder Beweis beginnt mit etwas, das nicht bewiesen werden kann.
- Es kann nur Disput (argument) zwischen solchen geben, die den gleichen ersten Grundsatz akzeptieren.
- Eine Handlung kann nur durch die Definition ihres Ziels (object) beurteilt werden.