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Voltaire, Candide. Publiziert in fünf Bänden von dem Pariser Verlag Arc-en-Ciel 1950, mit Illustrationen von Paul-Émile Becat
1759, vier Jahre nach dem Erdbeben von Lissabon, erschienen in mehreren Orten Europas gleichzeitig siebzehn Drucke gleichen Inhalts in französischer und englischer Sprache. Die französische Ausgabe trug den Titel „Candide ou l’Optimisme“, und gab vor, von einem Docteur Ralph aus dem Deutschen übersetzt worden zu sein.
Die darin geschilderte Geschichte raubte ihren Lesern den Atem: Protagonist des Romans ist Candide, illegitimer Sohn eines westfälischen Barons, den sein Lehrer mit den Thesen des Philosophen Leibniz vertraut macht. Dessen zentrale Botschaft besteht in der Behauptung, dass die Menschheit in der „besten aller möglichen Welten“ lebe.
Diese Aussage wird von den Ereignissen ad absurdum geführt. Candide muss fliehen, weil man ihn in flagranti mit seiner geliebten Kunigunde erwischt. Auf der Flucht wird er von bulgarischen Soldaten für den Heeresdienst zwangsverpflichtet, muss kämpfen, desertiert und wird zum Zeitzeugen des Erdbebens von Lissabon. Dort trifft er seine Kunigunde, doch die ist inzwischen Sklavin und wurde als solche natürlich mehrfach vergewaltigt. In den anschließenden Wirren wird das Paar erneut getrennt. Candide reist alleine weiter, findet in Südamerika das Paradies auf Erden, das er aber wieder verlässt, weil er seine Kunigunde wiederfinden möchte. Nun trifft er einen Philosophen, der ihm genau das Gegenteil erzählt, was der alte Lehrer postuliert hat: Die Welt ist schlecht. Sie wird nicht von einem gütigen Gott, sondern von menschlicher Habgier und Bosheit beherrscht.
Verantwortlich für dieses unglaubliche Buch zeichnete Voltaire, zu diesem Zeitpunkt ein bereits in ganz Europa bekannter Autor, dessen zeitkritische Satiren weite Verbreitung fanden. Er verarbeitete in seiner Geschichte ungeschminkt die Schrecken seiner Epoche. Dazu zählte natürlich auch das Erdbeben von Lissabon.