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Stanford – Für Humphrey Bogart war sie ein Zeichen der Männlichkeit, für Joan Crawford eher ein Etikett der Eleganz. Noch heute gilt die Zigarette als Teil des American Way of Life. Doch die Lässigkeit, welche die Stars in den Filmklassikern zur Schau stellen, täuscht. Viele Hollywoodstars rauchten im Dienst der Tabakindustrie, wie eine Studie in Tobacco Control (2008; 17; 313-323) belegt.
Der Antiraucher-Aktivist Stanton Glantz, ein Medizinprofessor von der Stanford Universität, ist erneut fündig geworden. In internen Dokumenten, welche die vier größten Tabakkonzerne nach dem Master Settlement Agreement von 1998 im Internet veröffentlichen mussten, fand er – genauer gesagt die Medizinstudentin Kristen Lum – Belege für die Einflussnahme von “Big Tobacco” auf die Filmindustrie.
Von 1927, dem Jahr als in den Kinos mit „The Jazz Singer“ der erste Tonfilm gezeigt wurde, bis 1951, als die ersten Fernsehgeräte auf den Markt kamen und die goldene Zeit des Hollywoodkinos sich dem Ende zuneigte, gab es eine Reihe von „cross over2-PR-Aktionen zwischen Tabak- und Filmindustrie.
Diese sahen beispielsweise vor, dass die Stars vor der Veröffentlichung eines neuen Films in Anzeigen der Tabakindustrie zu sehen waren, wo sie für bestimmte Marken warben. Mehr als 200 Schauspieler waren in diese Werbeaktionen einbezogen, darunter Topstars wie Clark Gable, Spencer Tracey, Joan Crawford, John Wayne, Bette Davis, Betty Grable oder der Sänger Al Jolson. Sie alle warben für „Lucky Strike“, „Old Gold“, „Chesterfield“ und „Camel“ und nicht ganz zufälligerweise blieben sie auch in den Filmen ihrer Marke treu.
Dies ließ sich die Filmindustrie gut bezahlen. Allein American Tobacco gab für die Vorliebe bestimmter Schauspieler für die Marke „Lucky Strike“ in den späten 1930er-Jahren 218.750 US-Dollar aus, in heutigen Preisen wären das 3,2 Millionen US-Dollar. Die Stars selber erhielten dafür bis zu 5.000 US-Dollar pro Jahr, das entspräche heute etwa 75.000 US-Dollar.
Den Anlass zu der Untersuchung gab eine Sammlung von Zeitungsanzeigen, welche Mitautor Robert Jackler von der Stanford Universität im Internet publiziert hat. Die Werbung der damaligen Zeit war angefüllt mit „Testimonials“, nicht nur von Schauspielern. Auch Vertreter anderer Berufsgruppen gaben dort ihre persönlichen Erfahrungen mit Zigaretten bekannt. Gerne wurden Ärzte und medizinische Studien zitiert.
“Mehr Ärzte rauchen Camel als jede andere Zigarette“, warb JR Reynolds. „22.679 Ärzte sagen, dass Luckies (den Rachen) weniger reizen“, konterte American Tobacco. Von wegen:“Kein einziger Fall von Rachenreizung ist jemals durch das Rauchen einer Camel aufgetreten“, das hatten laut JR Reynolds Spezialisten festgestellt, die selber laut einer anderen Anzeige aber lieber (nein nicht zur HB) sondern zu „Old Gold“ greifen. Und ein Zigarrenproduzent verkündete selbstsicher, dass so mancher Chirurg seine ruhigen Hände, seine guten Augen und sein waches Gehirn allein dem Rauchen starker Zigarren verdanke.© rme/aerzteblatt.de