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Die Schafskälte ist eine sogenannte Wettersingularität, die mit grosser Wahrscheinlichkeit im Juni auftritt, ähnlich wie die Eisheiligen zwischen dem 12. und 15. Mai. Gemäss Definition darf von Schafskälte gesprochen werden, wenn die Nachmittagstemperatur in der Zeit zwischen dem 4. und dem 20. Juni um mehr als 4 Grad unter dem langjährigen Durchschnittswert liegt.
Mit 90 Prozent Sicherheit
Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Schafskälte in Deutschland untersucht. Es wurde festgestellt, dass mit 90prozentiger Sicherheit die Schafskälte zwischen dem 4. und 20. Juni eintritt mit einem Maximum um den 11. Juni. Diese Trefferquote belegen auch die neueren Werte der Wetterstation am Zürichberg. Seit 2010 gab es nur ein Jahr, nämlich 2014, das ohne Schafskälte auskam. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass das Zeitintervall von 16 Tagen sehr weit gefasst ist.
Schafskälte wie aus dem Schulbuch
Am 3. Juni gab es im Mittelland noch verbreitet 26 Grad, in Chur wurden mehr als 28, in Sitten sogar mehr als 29 Grad gemessen. Dann kam die Kaltfront, und die Temperaturen lagen am Folgetag 10 Grad tiefer. Auch heftige Temperaturstürze sind ein typisches Phänomen der Schafskälte. Mit dem Ende der Schafskälte am Samstag erreichte uns auch wieder wärmere Luft.
17,5 Grad als magische Marke
Erreicht der Tageshöchstwert im Mittelland nicht mindestens 17,5 Grad, kann man von einem Schafskältetag sprechen. Nach dieser Definition gab es in Zürich 8 Schafskältetage. Auch Bern und St. Gallen erlebten 8 Schafskältetage, in Chur waren es 7. Weniger dramatisch war die Situation in Sitten und im Tessin mit 5 Schafskältetage. Dies, obwohl dort die Schafskältereferenz jeweils bei 20,5 Grad liegt. Noch gnädiger war Basel mit 4 Schafskältetage. So ausgeprägt war die Schafskälte in den vergangenen 10 Jahren nie. In den Jahren 2016 und 2012 gab es immerhin 7 Schafskältetage. Schaut man länger zurück gibt es aber noch ausgeprägtere Schafskältejahre. Im Juni 1987 wurden sogar 11 Tage gezählt, die das Schafskältekriterium erfüllten.
Grausamer Sonntag
Der markanteste Schafskältetag 2020 war der Sonntag, 7. Juni. An diesem Tag schneite es in einigen Tälern Nord- und Mittelbündens bis auf 1200 Meter. Im Mittelland lagen die Nachmittagshöchstwerte nur noch zwischen 12 und 14 Grad. Von absoluten Schafskälterekorden war man dennoch meilenweit entfernt. Am 5. Juni 1969 lag der Tageshöchstwert in Zürich bei 5,5 Grad, da konnten sich die Schafe tatsächlich eine Erkältung holen.