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Werkbeschreibung
Biografisches
Esma Paçal Turam (1963, Istanbul TRK) weiss seit ihrer Kindheit, dass es einzig die Kunst ist, der sie sich widmen möchte. Ihre Mutter, die selbst einen kreativen Beruf ausübt, entdeckte die künstlerische Ader ihrer Tochter. Bereits in der Schule war es vor allem der Kunstunterricht, der Turam packte und den sie begeistert besuchte. Nach der Eintrittsprüfung an die Kunsthochschule, welche sie unter strengen Selektionsbedingungen bestand, wurde sie in die Skulpturabteilung (M.Ü.G.S.F.) eingeteilt. Selbst überrascht, fügte sie sich gerne und wurde so Bildhauerin. Bevor Turam als „Visiting Artist“ an die Universität von Minnesota (USA) ging, schrieb die Künstlerin ihre Diplomarbeit (M.A.) zur Kunst der Hitties (des ersten Volkes, das den Bronzeguss verwendete) am Institut für soziale Wissenschaften der Universität von Marmara (TRK). An der gleichnamigen Universität in Istanbul erlangte Turam 1996 ihren Doktortitel (PhD). In 1997 gründete sie an ihrer Heimuniversität (M.Ü.G.S.F.) einen Papierworkshop. Als Assitenzprofessorin arbeitete sie an demselben Institut bis 1998. Seither widmet sich Turam ausschliesslich der Kunst. Sie lebt und arbeitet in Istanbul. Die Künstlerin stellt in der Türkei sowie im Ausland aus.
Material und Technik
Turam arbeitete bis 1994 vor allem mit Bronze, Metall und Holz, zur Bronze ist sie mittlerweile auch wieder zurück gekehrt. Später entdeckte die Künstlerin Papier als Material. “Papier ist ein direktes Material, das keine Zwischenstufen wie zum Beispiel der Bronzeguss erfordert. Und diese Einfachheit entspricht mir sehr”, erklärt Turam. Das Gewicht und der Widerstand von Papier als Material sind sozusagen inexistent, man kann direkt, ohne Vorarbeiten, mit ihm arbeiten. Im Kopf der Künstlerin entstehen zuerst die Skulpturen, die sie dann „direkt“ in Papier umsetzt. Am liebsten arbeitet Turam in Grossformat, d.h. sie fertigt ihre Figuren in Lebensgrösse.
Um aus dem Papier Skulpturen formen zu können, geht Turam folgendermassen vor. Zuerst muss der Grundstoff, eine Zellulosefaser und recycliertes Papier, mit Wasser vermengt und dabei mechanisch (mit der Hand) gebunden werden. Dazu kommt ein Bindemittel, um der werdenden Skulptur die später notwendige Stärke und strukturierte Oberfläche zu verleihen. Die Qualität der entstehenden Masse hängt stark von der Zelluslosefaser ab. Nachdem die beginnende Skulptur innerhalb von Stunden mit dem noch nassen Material geformt wird, muss sie an der Luft einige Tage trocknen, bevor die nächste Schicht darüber gearbeitet werden kann. Die so entstanden Kunstwerke bleiben mindestens für zwei Menschengenerationen erhalten. Wegen des Materials und dessen Verletzbarkeit verlangt der Transport der Kunstwerke genügend Aufmerksamkeit.
Bildsprache und künstlerische Aussage
In Turam begegnet uns eine Künstlerin, die gleichwohl in der Kunst wie auch im Geist geschult ist. Sie findet darin keinen Widerspruch, sondern versteht ihre künstlerische Arbeit als ebenbürtig zu der eines Wissenschaftlers. Um sich auszudrücken und eine bestimmte Tatsache zu erklären, würde letzterer bestimmte Theorien, Formeln, etc. ... benötigen. Turam tue dasselbe mit ihrer Kunst. „Es geht mir nicht nur um Kunst, sondern um das Sein, die Existenz“, erklärt die Künstlerin. Die Grundlage ihrer Wahrnehmung bilden hauptsächlich die Sinne und die Gefühle. Kunst stellt für sie eine komprimierte und sophistizierte Art dar, die Sinne und Gefühle zu kommunizieren. Der künstlerische Werkprozess, der zur fertigen Skulptur führt, beschreibt Turam als sehr schmerzlich und mit grossem Leiden verbunden. Die Botschaft ihrer Kunst sei, wie die soviel anderer Kunstwerke, eine Reduktion, die als Endprodukt lediglich den Kern des Anliegens und nicht dessen Schale kommuniziert. Turams Werk entwickelt sich stetig, so auch die Wirkung und der Ausdruck ihrer äusserst filigranen, feingliedrigen Skulpturen, die einmal melancholisch, ein anderes mal vergnügt wirken.