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An genau 102 Wettkämpfen versuchen die Athleten ab heute Freitag olympisches Gold zu gewinnen. Welche Sportarten als olympisch gelten, ist aber nicht in Stein gemeisselt: Mal kommen neue Disziplinen dazu, mal fallen andere weg. So steht etwa der «Big Air» – eine riesige Schanze – für die Snowboarder in Pyeongchang erstmals auf dem Programm. Dafür wurde der Snowboard-Parallelslalom wieder von der Liste gestrichen.
Immer wieder tauchten in der Geschichte der Olympischen Spiele auch kuriose Sportarten auf. Beispielsweise Bandy, eine Mischung aus Fussball und Eishockey, Skijöring, bei dem sich Skifahrer von Pferden ziehen liessen oder der Winter-Fünfkampf, in dem nur Soldaten antraten. Wie kam es, dass solche ungewöhnlichen Sportarten es an olympische Spiele schafften? «Oft hatten diese Sportarten eine Bedeutung für den Austragungsort», sagt Christian Koller, Sporthistoriker an der Universität Zürich. «Die Organisatoren wollten so viele einheimische Zuschauer anlocken.» Allerdings gab es bei vielen dieser Disziplinen keine offiziellen olympischen Wertungen, sondern nur sogenannte Demonstrationswettkämpfe: «Viele davon wollte man gar nicht dauerhaft an Olympiaden durchführen», sagt der Sporthistoriker. Doch manchmal testete das Olympische Komitee mit den Demonstrationswettkämpfen auch neue Sportarten, die es später tatsächlich fix ins olympische Programm schafften – etwa Buckelpisten-Rennen oder Shorttrack-Eisschnelllauf. Welche Sportarten es dagegen nicht schafften, zeigen wir dir nun.
Tanz auf Skiern mit Schweizer Sieg
Eleganter Tanz kombiniert mit Akrobatik, das war Skiballett. Die Sportler vollführten Sprünge, Drehungen und Salti aus dem Stand – eingebettet in eine Choreografie zu Musik – währenddem sie eine breite, flache Piste hinunterfuhren. Zwei Mal stand die Disziplin auf dem Programm: 1988 in Calgary und 1992 in Albertville. Und dort brillierte eine Schweizerin: Conny Kissling gewann Gold. Sie sollte die einzige Schweizer Siegerin bleiben, denn die Sportart verschwand ab dem Jahr 2000 in der Versenkung, nachdem der internationale Skiverband aufgehört hatte, Wettkämpfe zu organisieren.
Im Höllentempo runter
Das pure Gegenteil von Skiballett ist Speedski: In einer möglichst stromlinienförmigen Haltung rasen die Athleten schnurgerade eine abschüssige Piste hinunter und versuchen, so schnell wie nur irgendwie möglich zu werden. Der Sieger aus Frankreich erreichte eine Geschwindigkeit von 229 Stundenkilometer und stellte damit einen Weltrekord auf. Für den einzigen je durchgeführten Wettkampf im Jahr 1992 in Albertville wurde extra eine neue, fast zwei Kilometer lange Piste gebaut, die ein extremes Gefälle von bis zu 70 Prozent hatte.
Rasant hinter Rössern
Anstatt einer Kutsche ziehen Pferde beim Skijöring einen Skifahrer, und zwar über einen gefrorenen See. Die Tiere liessen sich mit langen Zügeln lenken. Richtig international war der Wettkampf 1928 in St. Moritz nicht: Am Rennen über fast zwei Kilometer Distanz nahmen ausschliesslich Schweizer teil. Der Spass war nicht ganz ungefährlich – leicht passierten in der turbulenten Sportart Unfälle, wenn sich die Leinen verhedderten oder die Pferde über die Skis eines Fahrers stolperten. Skijöring wurde nie eine offizielle olympische Disziplin, doch in St. Moritz fand es dennoch einen festen Platz: Noch heute galoppieren jeden Winter Pferde mit Skifahrern im Schlepptau am «White Turf» über den gefrorenen See, was sich Tausende Zuschauer nicht entgehen lassen.
Der etwas andere Eiskunstlauf
Nicht um grazile Körperbewegungen beim Tanz, sondern um Muster im Eis ging es in der Disziplin «Eiskunstlauf Spezialfiguren»: Die Eiskunstläufer ritzten selbst ausgedachte Formen ins Eis, während sie auf nur einer Kufe glitten. Der einzige Olympiasieger in dieser Disziplin ist der Russe Nikolai Panin, der verschnörkelte Blumenmuster ins Eis zeichnete. Er gewann 1908 in London, und zwar an olympischen Sommerspielen. Diese dauerten ein halbes Jahr, Winterspiele gab es noch nicht. Deshalb wurden einige Wintersportarten im Herbst ausgetragen. Noch bis in die Neunzigerjahre mussten alle Eiskunstläufer im Einzellauf-Pflichtprogramm Muster ins Eis zeichnen – allerdings vorgegebene. Ihre ganze Kreativität durften sie an Olympia nur ein einziges Mal ausleben.
Starke Schweizer im Vorläufer des Biathlons
Schweisstreibende Märsche auf Skiern, dann einen ruhigen Finger am Abzug – das war die Herausforderung in der Militärpatrouille. Teams von je vier Soldaten aus den Streitkräften ihrer Herkunftsländer liefen auf Skiern eine Distanz von 30 Kilometern. In der Mitte des Rennens mussten sie mit Gewehren auf eine 250 Meter entfernte Zielscheibe schiessen. Bei der ersten Austragung 1924 in Chamonix gewann das Schweizer Team mit einer Zeit von knapp vier Stunden. Danach fand der Wettkampf noch drei weitere Male statt. Schliesslich öffnete sich der Sport auch für Zivilisten und so entstand aus der Militärpatrouille der heutige Biathlon.
Bis ans Limit und darüber hinaus
Am Schlittenhunderennen, das 1932 in Lake Placid (USA) stattfand, nahmen nur Kanadier und US-Amerikaner teil. Je sieben Hunde zogen einen Schlitten mit Fahrer über eine Distanz von mehr als vierzig Kilometern. Und dies gleich zwei Mal, an aufeinanderfolgenden Tagen. Das war für einige Hunde zu viel, sie mussten auf dem Schlitten ihrer Herrchen mit ins Ziel fahren. Dies, weil die Wettkampfregeln verlangten, dass das komplette Gespann im Ziel ankommen musste. Sonst schied es aus. Auch einige Fahrer kamen an ihre Grenzen: Einer brach gleich hinter der Ziellinie zusammen. Andere jedoch hatten kaum Probleme und brauchten nur wenig mehr als zwei Stunden pro Lauf.
Umgedrehte Melkhocker auf dem Eis
Dem Curling ähnlich, doch mit einem anderen Gegenstand: Beim Eisstockschiessen schicken die Sportler eine Art umgedrehten Melkhocker übers Eis – den sogenannten Eisstock. Dieser muss entweder präzise zu einem Ziel oder möglichst weit geschleudert werden. An den Winterspielen im deutschen Garmisch-Partenkirchen 1936 schaffte der Gewinner, ein Österreicher, eine Distanz von fast 155 Metern. Fast dreissig Jahre lang kümmerte sich Olympia nicht um das Eisstockschiessen. Doch dann tauchte die Sportart nochmals auf: 1964 fanden die Eisstock-Wettkämpfe an den Winterspielen in Innsbruck statt. Heute ist die Sportart im Alpengebiet immer noch verbreitet, doch international ist Curling bekannter.
Nur für harte Kerle: Der Winter-Pentathlon
Der Winter-Pentathlon ist das Pendant zum Modernen Fünfkampf der Sommerspiele. In fünf Disziplinen traten die Sportler 1948 in St. Moritz gegeneinander an: Skilanglauf, Pistolenschiessen, Skiabfahrt, Degenfechten und Geländeritt im Schnee – pro Tag eine Sportart. Das Teilnehmerfeld setzte sich nur aus Soldaten zusammen, insgesamt 14. Die Wettkämpfe waren eine raue Angelegenheit: Im Abfahrtsrennen bauten drei der Athleten Unfälle, so dass nur elf Sportler den Wettbewerb abschliessen konnten. Danach schaffte es die Sportart nie mehr an olympische Spiele.
Kreuzung zwischen Hockey und Fussball
Bandy ist eine kuriose Mischung aus Eishockey und Fussball: Auf einem eisbedeckten Feld von der Grösse eines Fussballplatzes versuchen elf Spieler pro Mannschaft einen kleinen Ball ins gegnerische Tor zu schiessen. Die Spieler sind auf Schlittschuhen unterwegs und führen den sieben Zentimeter grossen Ball mit kleinen, abgerundeten Holzstöcken. Die Sportart war zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in der Schweiz verbreitet, doch damals gab es noch keine olympischen Winterspiele. Nur 1952, an den Spielen in Oslo, war Bandy bei Olympia dabei. Allerdings nahmen nur drei Länder am Wettkampf teil: Finnland, Norwegen und Schweden – und letzteres gewann.
Snowboarder kommen dazu
Ende der Neunzigerjahre waren im japanischen Nagano zum ersten Mal überhaupt auch Snowboarder an olympischen Spielen dabei. Damals waren für die Snowboarder nur die beiden Disziplinen Riesenslalom und Halfpipe olympisch – und es gab gleich eine Schweizer Goldmedaille: Gian Simmen übertrumpfte alle. Das olympische Programm widerspiegelte immer mehr die Popularität der Sportart. Heute messen sich die Sportler in fünf Disziplinen, darunter Boardercross, Slopestyle und seit diesem Jahr auch auf dem Big-Air.