Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03167.jsonl.gz/1473

Bern 8 März 1871.
Hochgeachteter Herr Schultheiß!
Auf dem Correspondenzwege ist von mir mit Hrn. Pioda verabredet worden, daß er mich benachrichtige, falls er die Abordnung des H. von Gonzenbach nach Florenz im Hinblicke auf die Kammerverhandlungen über die Gotthardfrage für angezeigt halte. Bis zur Stunde ist mir eine sachbezügliche Mittheilung von Seiten des Hrn. Pioda nicht zugekommen. Vielleicht erklärt sich dieses mit aus dem Umstande, daß Hr. Pioda gegenwärtig als Pacificator im Ctn. Tessin ist.
Gestern erhalte ich nun den beiliegenden Brief von Scanzi. Sie wissen, daß der letztere der Genosse von Tatti ist & daß Stamm der Quasiagent dieser beiden Herren war. Ich sage: «war», weil sie seit einiger Zeit nichts mehr von Stamm wissen zu wollen scheinen. Im Vorbeigehen theile ich Ihnen mit, daß der letztere vor ein Paar Tagen in Bern war, nachdem er sich mit großem Apparate angemeldet hatte. Er hatte aber, wie es zu erwarten war, nichts von irgend welcher Erheblichkeit zu berichten. Sein Zweck war offenbar nur, wieder mit uns an| zuknüpfen, um bei gegebenem Anlasse etwas für sich fischen zu könen. Ich benahm mich sehr zugeknüpft ihm gegenüber.
Was nun den Brief von Scanzi anlangt, so glaube ich – & Herr Bürgermeister Stehlin, dem ich die Sachlage mitgetheilt, ist mit mir einverstanden –, daß Hr. v. Gonzenbach nunmehr nach Florenz gesandt werden sollte. Scanzi ist als ein serioser Mann zu betrachten & da er in letzter Zeit in Florenz war & auf Grundlage seiner dortigen Wahrnehmungen das beförderliche Eintreffen des Hrn. v. G. für wünschbar hält, so scheint es mir, wir würden eine Verantwortlichkeit, die ich nicht übernehmen möchte, auf uns laden, wenn wir der Anregung Scanzi's keine Folge gäben. Sollten Sie mit dieser Anschauungsweise einig gehen, so bitte ich Sie, mich hievon zu benachrichtigen & ich will es dann übernehmen mit Hrn. v. G. die erforderliche Rücksprache zu nehmen. Der Ordnung wegen dürfte auf eine sachbezügliche Präsidialverfügung dem Protokolle des Ausschusses einzuverleiben sein. Maraini hat die bewußten Fr. 2000 bis zur Stunde nicht zurückbezalt. Er hat sich also selbst die Gratification zugelegt, die wir ihm übrigens gerade in diesem Betrage zugedacht hatten.
Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung
Ihres freundschaftlich ergebenen
Dr A Escher