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Auch in diesem Jahr ist die arktische Eisdecke wieder stark geschmolzen. Sowohl die Nordost- als auch die Nordwestpassage sind gleichzeitig so gut wie eisfrei. Fast um den gesamten Nordpol herum ist Schiffsverkehr möglich. Die Bremerhavener gehen davon aus, dass in den nächsten zwei bis drei Wochen noch einiges Eis tauen wird. Rüdiger Gerdes, Meereis-Physiker am AWI: "Wenn wir uns die aktuellen Satellitenkarten ansehen, wird deutlich, wie viel Eis noch bis zur Monatsmitte tauen wird. Die Eisdecke ist derzeit an den Rändern so stark aufgebrochen, dass die Sonneneinstrahlung die oberste Wasserschicht erwärmen kann und infolgedessen noch viele Schollen schmelzen werden."
Gegenüber dem bislang stärksten Rückgang auf 4,2 Millionen Quadratkilometer im Jahr 2007 hatte sich die Eisdecke in den vergangenen beiden Jahren zwar wieder vergrößert. Doch erreicht sie in diesem Jahr mit 4,9 Millionen Quadratkilometern nur noch den drittkleinsten jemals gemessenen Wert. Im Durchschnitt der letzten 40 Jahre lag die Ausdehnung des Eises im Monat September mit 6,7 Millionen Quadratkilometern fast 40 Prozent höher.
Nirgendwo kann man den Klimawandel mit bloßem Auge so direkt sehen wie auf den Satellitenbildern der polaren Eisdecke - Rüdiger Gerdes, AWI
Zwei Faktoren würden nach Aussagen der Wissenschaftler für die zunehmende Schmelzgeschwindigkeit eine Rolle spielen: Zum einen sei die durchschnittliche Dicke des Meereises von zwei Metern im Jahr 2001 auf nun 90 Zentimeter gesunken. Zum anderen würde immer mehr Eis in die eisfreien Regionen des Nordpolarmeeres getrieben und dort schneller schmelzen, weil dort mehr Sonnenlicht absorbiert wird.
An einem Zusammenhang mit dem wachsenden Ausstoß von Treibhausgasen bestehe kein Zweifel. "Nirgendwo kann man den Klimawandel mit bloßem Auge so direkt sehen wie auf den Satellitenbildern der polaren Eisdecke", sagt Rüdiger Gerdes. Noch vor dem Jahr 2100 sei damit zu rechnen, dass das arktische Eis im Sommer bis auf kleine Reste nördlich von Grönland zusammenschmilzt, falls die CO2-Emissionen nicht deutlich reduziert werden. Genaue Prognosen dazu sind bisher jedoch nicht möglich.
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