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Im Vergleich zum Menschen nehmen die meisten Säugetiere weniger Farben wahr. Andere Tiere wiederum, wie viele Vögel, Reptilien, Fische oder Insekten, können ein noch grösseres Farbspektrum erfassen als der Mensch. Welche Tiere welche Farben sehen und wie es dazu gekommen ist.
Von allen Sinnen ist der Sehsinn bei uns Menschen am besten ausgeprägt. In unserem Auge befinden sich Rezeptoren für die Farben Grün, Rot und Blau. Diese Farben und deren Kombination erlauben es uns, alle uns bekannten Farben wahrzunehmen. Man schätzt, dass wir Menschen zwischen 2,3 und 10 Millionen Farben unterscheiden können.
Zusammen mit ein paar anderen Primaten sind wir mit unserem Farbsehen unter den Tieren jedoch eher die Ausnahme. So sehen andere Tiergruppen wie Vögel, Insekten oder Reptilien Farben, die für uns nicht wahrnehmbar sind. Die meisten anderen Säugetiere hingegen sehen weniger Farben als wir.
Weniger Farben, dafür mehr Helligkeit
Von ursprünglich vier Farbrezeptoren (Blau, Grün, Rot und Ultraviolett) haben die frühen Säugetiere zwei verloren (Rot und Ultraviolett). Da sie vermutlich nachtaktiv waren, war das Farbsehen zu dieser Zeit weniger wichtig.
Im Auge konkurrenzieren sich die Farbrezeptoren (Zäpfchen) mit den Hell-Dunkel-Rezeptoren (Stäbchen) um den Platz. Ist Hell-Dunkel-Sehen wichtiger, zum Beispiel bei nachtaktiven Tieren, braucht es mehr Stäbchen und weniger Zäpfchen. So haben viele Meeressäuger, die bei den begrenzten Sichtverhältnissen unter Wasser eher auf die Hell-Dunkel-Rezeptoren angewiesen sind, nur noch einen Farbrezeptor, manchmal sogar gar keinen mehr.
Die meisten Landsäugetiere, unter ihnen auch der Hund und die Katze, verfügen über zwei Rezeptoren, die ihnen die Wahrnehmung von Grün und Blau ermöglichen. Das Rotspektrum fehlt jedoch. Im Unterschied zu den meisten anderen Säugetieren hat sich bei einigen Affenarten, inklusive Mensch, ein dritter Farbrezeptor neu entwickelt. Dieser erlaubt es uns, Rot in all seinen Facetten zu sehen.
Meister des Farbensehens
Während die Säugetiere einen Teil ihres Farbsehvermögens eingebüsst haben, verfügen viele andere Tiergruppen über vier Farbrezeptoren. Neben Blau, Grün und Rot sehen diese Tiere auch noch Farben im Spektrum von Ultraviolett. Dies wurde zuerst bei Insekten festgestellt. Später wurde es auch bei Vögeln, Reptilien und einigen Fischen nachgewiesen.
Was dies genau bedeutet und wie diese Tiere die Farben ihrer Umwelt wahrnehmen, ist für uns Menschen nicht vorstellbar. Wir können die Farben zwar messen, unser Sehsinn erlaubt es uns aber nicht, sie tatsächlich zu sehen. Wir wissen nur, dass diese Tiere in einer Welt der Farben leben, die unsere eigene Wahrnehmung bei Weitem übertrifft. So kann ein für uns unscheinbarer Vogel für andere Vögel farbefroh erscheinen. Es hat sich gezeigt, dass das Gefieder vieler Vögel ultraviolettes Licht reflektiert. Andere Vögel können ein solches Gefieder in vielen unterschiedlichen Farben wahrnehmen, während wir Menschen vielleicht nur einen einfarbigen Vogel sehen.
Farben zur Kommunikation
Die unterschiedliche Farbwahrnehmung der Tiere erklärt auch deren Erscheinungsbild. Während es Vögel, Reptilien und Fische in allen Farben gibt, sind Säugetiere meist Braun oder Grau.
Andere Tiergruppen nutzen Farben intensiv für die Kommunikation innerhalb der Art und zwischen den Arten. Allseits bekannt sind etwa die farbigen Vogelmännchen, die mit ihren Farben die Weibchen zu beeindrucken versuchen. Verschiedene Tiergruppen nutzen auch Warnfarben zum Abschrecken potenzieller Fressfeinde. Das funktioniert jedoch nur, wenn auch der Fressfeind diese Farbe wahrnehmen kann.
Einen grossen Vorteil des Farbsehens sieht man bei der Nahrungssuche. Viele Pflanzen nutzen Farben für die Kommunikation mit Tieren. Sie locken Tiere an, die die farbigen Blüten bestäuben oder die Samen der Früchte verbreiten. Auch bei einigen Primaten und dem Menschen hat die Entwicklung des dritten Farbrezeptoren (Rot) dafür gesorgt, dass sie Früchte und Blüten gegen den grünen Hintergrund der Pflanzen besser erkennen können.
Ob farbenblind, mit eingeschränkter Farbwahrnehmung oder Meister des Farbensehens, jedes Tier hat seine Farbwahrnehmung im Laufe der Jahrmillionen perfekt an seine Umgebung angepasst.
Beispiele im Zoo Zürich
Im Zoo Zürich kann man Tiere mit fast allen Arten von Farbsehen finden. Während der Seehund nur noch eine Farbe erkennen kann, sind andere Tiere wie unsere Taggeckos, Papageien oder auch das Chamäleon in der Lage, neben Rot, Grün und Blau auch noch Ultraviolett zu erkennen. Dazwischen finden sich Tiere wie Elefanten, Nashörner, Zebras oder Löwen, die nur zwei Farben erkennen, nämlich Grün und Blau.
VIDEOS
Videos unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Rohschnitt-Bilder bunte Tiere
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder
Video mit Untertiteln
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder
Video-Playlist Masoala Regenwald
Videos aus dem Masoala Regenwald des Zoo Zürich.
BILDER
Bilder unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Kann wie der Mensch neben Grün und Blau auch die Farbe Rot sehen: Westlicher Flachlandgorilla.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Erkennt nur gerade eine Farbe, hat dafür aber ein sehr gutes Hell-Dunkel-Sehen: der Seehund.
Copyright: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister
Sieht mehr Farben als der Mensch: Grosser Madagaskar-Taggecko.
Copyright: Zoo Zürich, Manuel Bachmann
Sieht nicht nur Rot, Grün und Blau sondern auch Ultraviolett: Pantherchamäleon.
Copyright: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister
Sieht die Farbe Rot nicht: Grevyzebra.
Copyright: Zoo Zürich, Marco Schaffner.
Erkennt ebenfalls nur die Farben Grün und Blau: Asiatische Löwin.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Nutzt Farbe zur Kommunikation: Madagaskarweber im signalroten Brutzeit-Gefieder.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Sieht für andere Vögel möglicherweise bunter aus als für uns: Madagaskarweber im Standard-Gefieder.
Copyright: Zoo Zürich, Robert Zingg
Pflanzen nutzen Farben, um mit für sie wichtigen Tieren zu kommunizieren. Goodman-Mausmaki an einer Blüte im Masoala Regenwald.
Copyright: Zoo Zürich, Sam Kneubühler