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Hintergrund:
Nach Operationen im oberen Abdominalbereich (dazu gehören Operationen im Bereich von Milz, Pankreas, Gallenblase, Dünndarm und Dickdarm bis zum Sigmoid; interessanterweise zählt die Appendektomie nicht zu dieser Kategorie) können pulmonale Komplikationen auftreten – Atelektase, Pneumonie oder noch andere. Die Zahlen zur Häufigkeit pulmonaler Komplikationen schwanken zwischen zehn und fünfzig Prozent. Es gibt Hinweise, dass mit einer präoperativen Instruktion und Atemübungen die postoperativen pulmonalen Komplikationen reduziert werden können.
In dieser Studie wird der Effekt einer präoperativen Instruktion mit Üben von Atemtechniken auf das Risiko postoperativer, pulmonaler Komplikationen untersucht.
Einschlusskriterien:
- Patienten, älter als 18 Jahre mit einem elektiven Eingriff im oberen Abdominalbereich mit »Vollnarkose«
- Eine Inzision von wenigstens 5 cm Länge
Ausschlusskriterien:
- Operation von Hernien, Organtransplantationen
Studiendesign und Methode:
Randomisiert, multizentrische Studie
Studienort:
Drei Spitäler in Australien und Neuseeland
Interventionen:
- Gruppe 1: bei einer präoperativen (in den sechs Wochen vor der Operation) Konsultation erhielten die Teilnehmer eine Broschüre mit Angaben zu Atemübungen (zehn langsame, tiefe Atemzüge und dann drei Hustenstösse; sofort nach der Operation beginnend und dann jede Stunde wiederholend) und Angaben zu postoperativen Komplikationen.
- Gruppe 2: Die Patienten dieser Gruppe erhielten die gleiche Broschüre, aber auch noch eine 30-minütige Instruktion mit Informationen, wie diese Atemübungen die Komplikationen verhindern helfen und die Atemtechniken wurden geübt.
Outcome:
Primärer Outcome
- Pulmonale postoperative Komplikationen (PPK) in den ersten 14 Tagen nach Operation oder bis zur Entlassung aus dem Spital (falls die Spitalentlassung früher war). Als PPK galt ein Melbourne-Score Ergebnis von 4 oder mehr Punkten (Beispiele für Fragen; Sauerstoffsättigung >90%, neu aufgetretene abnorme Atemgeräusche, Körpertemperatur von mehr als 38°C an mehr als einem Tag, …)
Sekundäre Outcomes
- Pneumonie
- Lebensqualität nach 6 Wochen
Resultat:
- 504 Patienten wurden über eine Zeit von zwei Jahren auf die Eignung für eine Teilnahme an der Studie getestet, 441 wurden eingeschlossen und randomisiert.
- Das mittlere Alter lag bei knapp 65 Jahren, fast zwei Drittel waren Männer; etwa bei der Hälfte der Patienten wurde eine Operation im Kolonbereich durchgeführt, die restlichen Operationen verteilten sich auf den hepato-biliären und den urogenitalen Bereich.
- Primärer Outcome – pulmonale Komplikationen: bei 12% der Patienten in der Interventionsgruppe und bei 27% in der Kontrollgruppe, also eine Halbierung der Komplikationsrate.
- Pneumonie: 8% bei Patienten in der Interventionsgruppe und bei 20% in der Gruppe, die nur eine Informationsbroschüre erhielt.
- Bei der Lebensqualität und andern sekundären Outcomes waren keine Unterschiede nachweisbar.
Kommentar:
- Mit einer 30-minütigen präoperativen Instruktion in Atemübungen können die postoperativen pulmonalen Komplikationen, einschliesslich Pneumonie, halbiert werden.
- Die Autoren erklären diesen doch beachtlichen Effekt (der in anderen Studien, die methodisch nicht so »gut« waren noch grösser war) mit dem Zeitpunkt der Intervention. Möglicherweise sind die ersten 24 Stunden nach einer Operation wichtig für die Prävention von Komplikationen. Das allein kann den Effekt aber nicht erklären, da die Intervention, die einen erhielten zwar nur eine Broschüre, bei beiden Gruppen vorher war. Vermutlich haben die mit persönlicher Instruktion, die Atemübungen sorgfältiger und öfter durchgeführt als die anderen.
- Eine solche Instruktion würde sich gut als »Qualitätsindikator« eignen; einfach zu erfassen und die Instruktion ist sehr wirksam.
Literatur:
Boden I et al. Preoperative physiotherapy for the prevention of respiratory complications after upper abdominal surgery: pragmatic, double blinded, multicentre randomised controlled trial. BMJ 2018; 360: j5916