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Stearin im Bienenvolk schädigt die Brut
Während Paraffingehalte im Bienenwachs „nur“ die Stabilität von Waben vermindern, bewirken Stearinverfälschungen schon bei einem relativ geringen Gehalt, dass sich die Brut nicht mehr normal entwickelt
von Anke Lena Kohnle
Die zweigeteilte Mittelwand im Mini-plus-Rähmchen. Links mit unbelastetem Referenzwachs und rechts mit 7,5 % Stearinanteil.
Dass mit Stearin verfälschte Mittelwände Brutschäden verursachen können, ist seit langem bekannt. So weist eine Studie vom belgischen Amt für Gesundheit, Nahrungssicherheit und Umwelt nach, dass bereits eine Verfälschung von 15 Prozent Stearin im Bienenwachs eine deutlich erhöhte Sterblichkeit der Bienenbrut verursacht. In unseren Untersuchungen im Arbeitskreis von Dr. Klaus Wallner an der Landesanstalt für Bienenkunde gingen wir der Frage nach, ob und inwieweit auch schon bei geringeren Stearingehalten eine brutschädigende Wirkung auftritt. Dazu haben wir authentisches und rückstandsfreies Wachs (Referenzwachs) mit handelsüblichem Stearinwachs für die Kerzenherstellung in den Konzentrationen von 2,5 bis 30 Prozent vermischt. Um unter praxisrelevanten Bedingungen zu arbeiten, wurden daraus Mittelwände gegossen und für einen direkten Vergleich zusammen mit einer Mittelwand aus Referenzwachs in Miniplus-Rähmchen eingelötet. Jedes Rähmchen einer Konzentrationsstufe wurde in ein separates kleines Versuchsvolk der Landesanstalt eingebracht. Über einen Zeitraum von vier Wochen (Ende Mai bis Ende Juni) wurden die Völker beobachtet und alle zwei bis drei Tage der Zustand der Mittelwände und der Brut kontrolliert und dokumentiert.
Brutschäden ab 7,5 Prozent
Zunächst wurde beobachtet, dass die Bienen alle Mittelwände gut annahmen und selbst die mit 30 Prozent Stearinanteil problemlos ausgebaut und bestiftet wurden. Nach sechs Tagen wurde allerdings ein deutlich verzögertes Larvenwachstum auf den Stearinmittelwänden beobachtet. Während in den Brutzellen des Referenzwachses bereits Larven enthalten waren, enthielten die Brutzellen der Stearinmittelwände zum gleichen Zeitpunkt nur Stifte.
Nach neun Tagen waren die Larven beim Referenzwachs gut gepflegt und die ersten verdeckelt. Dagegen waren ab 7,5 Prozent Verfälschung nur Eier in den Zellen. Nach 12 und 16 Tagen war ein signifikanter Unterschied der Brutentwicklung zu erkennen, auch bereits ab 7,5 Prozent Stearingehalt. Bei den Stearinmittelwänden wurde die Brut ausgeräumt oder nur sehr unregelmäßig verdeckelt, und es zeigte sich ein für Stearinmittelwände typisches, sehr löchriges Brutbild.
Nach 26 Tagen waren auf der Referenzseite die Brut geschlüpft und die Zellen neu mit Eiern oder kleinen Larven belegt, während die Stearinmittelwände ein sehr löchriges Brutnest aufwiesen.
Fazit und Ausblick
Da selbst Mittelwände mit einem hohen Gehalt an Stearin von den Bienen zunächst akzeptiert, ausgebaut und wie gewohnt bestiftet werden, sind die Bienen selbst ein ungeeigneter Indikator für Wachsverfälschungen. Eine deutliche Brutschädigung tritt bereits bei viel geringeren Stearingehalten auf, als bisher angenommen. Es ist zu erkennen, dass die schädigende Wirkung von Stearin schon im Eistadium auftritt, spätestens jedoch, wenn die Larven schlüpfen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Inhaltsstoffe des Stearins in den Larvenfuttersaft einwandern können, mitgefressen werden und es so zur Schädigung der Brut kommen kann. Weiterhin ist zu klären, welche langfristigen Auswirkungen insbesondere auf die Fitness von auf Stearinmittelwänden geschlüpften Bienen zu erwarten sind.
Es ist nicht auszuschließen, dass Rückstände von Stearin auch in Honig nachweisbar sein können, wie es von anderen Wirkstoffen bereits bekannt ist.
Jedes Miniplus-Völkchen erhielt jeweils ein Rähmchen mit einer halbseitig belasteten Mittelwand.
Bereits nach sechs Tagen wurde deutlich, dass die Bienen die Mittelwände zwar ausbauten, sich Larven auf Wachs mit höherem Stearinanteil aber nicht entwickelten.
Brutbild nach 26 Tagen: Links Zellen geschlüpft und wieder bestifet. Rechts, bei 10 % Stearinanteil, löchriges Brutnest, kaum entwickelte Larven.
Quelle: Bienen&Natur [Ausgabe 2/2020]