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Die Befragung von Shawn Trell, dem Leiter der Rechtsabteilung von AEG Live, ging diese Woche weiter. Für den ersten Tag siehe Teil 8 vom 21. Mai. Trell hatte am ersten Tag keineswegs einen soliden Eindruck hinterlassen unter der Befragung von Jackson Anwalt Brian Panish. Auch die folgenden zwei Tage liessen AEG alles andere als gut aussehen.
Zum einen wurde aufgezeigt, dass Thome Thome, Michael Jacksons Manager vor Frank DiLeo, mit einem Salär von USD 100’000 pro Monat auf der Gehaltsliste von AEG stand. Dies sei gemäss Trell das einzige Mal gewesen, dass AEG solch eine Vereinbarung hatte, was nicht erstaunt, da Gehaltszahlungen des Konzertveranstalters an den Manager des Künstlers einen potentiellen Interessenskonflikt darstellen, weil der Manager die Interessen des Künstlers zu vertreten hat.
Es wurde ebenfalls aufgezeigt, dass AEG Live USD 30 Mio. von der Nachlassverwaltung von Michael Jackson verlangt hatte für einen Vorschuss, den sie Michael Jackson gegenüber gestützt auf den Vertrag zwischen Michael und AEG Live geleistet hatten. Um die Kosten für einen solchen Vorschuss wieder reinzuholen, sei es üblich, dass eine Versicherungspolice auf den Künstler ausgestellt würde, für den Fall dass die Konzerte ausfallen würden. Bedingung für den Abschluss einer solchen Police war ein Gesundheitscheck des Künstlers, den Michael, so wurde dies Trell ausgerichtet, einige Monate vor seinem Tod mit Bravour bestanden haben soll. Ein zweiter Gesundheitscheck war für den 6. Juli 2009 vorgesehen. (Betr. AEG Lives Verzicht gegenüber Lloyds siehe unsere Meldung vom 10.9.2012.)
Zudem sagte Trell aus, dass AEG keinen Background Check von Conrad Murray gemacht hatte. Als Panish Trell fragte, ob irgendwer bei AEG jemals Dr. Murray interviewt hatte, verneinte Trell dies. Daraufhin zeigte Panish Trell eine E-Mail von Randy Phillips, CEO von AEG Live, an Kenny Ortega, datiert vom 20. Juni 2009 als Antwort auf Kenny E-Mail, dass er darauf bestehe, umgehend einen Psychiater beizuziehen (siehe Teil 8 vom 21.5., letzter Abschnitt). Die Antwort von Randy Phillips an Kenny Ortega lautete: „Ich hatte ein langes Gespräch mit Dr. Murray, für den ich je länger je mehr einen enormen Respekt gewinne. Er sagte, Michael ist nicht nur körperlich in der Lage zu performen, aber dass wenn man ihn davon abbringen wollte, dies seine Verschlechterung nur noch beschleunigen würde… Dieser Arzt ist sehr erfolgreich (wir überprüfen jeden) und braucht diesen Job nicht; er ist also vollkommen unparteisch und verhält sich dem Berufsethos entsprechend“. Als Panish Trell dann nochmals fragte, dass diese Murray nie überprüft hatten, bestätigte Trell, dass dies korrekt sei. Und was sei dann mit der Aussage von Randy Phillips? Diese sei falsch, so Trell, und er wisse auch nicht, woher Randy Phillips Verständnis und Eindrücke stammten.
Als nächstes ging es um den Vertrag zwischen Conrad Murray und AEG Live. Mittels E-Mail vom 23. Juni 2009 hatte AEG Anwältin Kathy Jordie die Endfassung des Vertrags zur Unterzeichnung an Murray geschickt. Trell bezeugte, dass Michael Jackson keine Kopie davon geschickt worden war. Trell sagte ferner aus, dass vor der Unterzeichnung des Vertrags zwischen AEG und Michael Jackson letzterer ein Tourangebot von AEGs Hauptkonkurrent, Live Nation, in Betracht gezogen hatte. Im Eröffnungsplädoyer vor über drei Wochen hatte Panish AEG als eine Bande rücksichtsloser Geschäftsleute dargestellt, die nur damit beschäftigt seien, zu Live Nation, dem weltweit grössten Konzertveranstalter, aufzuschliessen. Damals sagte Panish: „Sie machen, was immer sie müssen, um die Nummer eins in diesem harten Geschäft zu werden“ — auch wenn es auf Kosten der Gesundheit ihres 50-jährigen Stars ginge.
Aber als ob AEG so nicht schon einen weiterhin schlechten Eindruck vor Gericht vermittelte, so kam es in den letzten 15 Minuten des letzten Befragungstag von Shaw Trell noch deftiger. Angefangen hatte es mit Panishs scheinbar unschuldigen Frage, dass Trell ihm von seinem Besuch in Michael Jacksons Haus zwecks Unterzeichnung des Vertrags Anfang 2009 berichten solle. „Es war aufregend, Michael Jackson zu treffen“, so Trell. Panish fragte Trell dann, ob es üblich war für AEG, in herabwürdigender Weise über einen Künstler zu sprechen, mit dem sie gleich einen riesigen Deal unterzeichnen würden. „Ich war nicht unbedingt mit einigen von Michael Jacksons Entscheidungen, die er in seinem Leben getroffen hat, einverstanden, aber ich hatte natürlich einen enormen Respekt für ihn als Entertainer,“ so Trell. Panish fragte Trell dann: „Sagte Mr. Fikre [Chief Legal and Development Officer und Verwaltungsratsmitglied von AEG Lives Muttergesellschaft] zu ihnen, dass Michael Jackson ein Freak sei?“ Die E-Mail Kette, auf die sich Panish bezog, begann am 28. Januar 2009, als Paul Gongaware Randy Phillips fragte, „MJ still on today?“ Ja, antwortete Phillips, um 17 Uhr bei Michael Jackson zu Hause. „Du und Shawn [Trell] sollten dabei sein.“ Trell leitete die E-Mail anschliessend an Fikre weiter, der zwei Minuten später antwortete: „Heisst das, du wirst den Freak treffen??“ Trells Antwort an Fikre lautete: „Scheinbar. Ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Sicherlich interessant, aber irgendwie gruselig [Original: creepy].“ Daraufhin wies Panish den Zeugen zurecht: „Hat ihnen ihre Mutter nie beigebracht, dass wenn man nichts Gutes über einen Menschen sagen kann, man lieber nichts sagen soll?“