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In den ältesten Apotheken sind die Schubladen noch aus Holz. In der Luft hängt ein Geruch von Pflanzen oder ätherischen Ölen. Der Apotheker und sein Team empfangen, beraten und begleiten ihre Kunden. Obwohl aufgrund der strengen Bestimmungen – insbesondere in Sachen Hygiene – immer weniger Apotheker ihre Medikamente selber herstellen, hat Christian Repond, Präsident des Apothekerverbandes, dies zum Markenzeichen seiner Apotheke in Bulle gemacht. Bestellungen erhält er u.a. vom kantonalen Palliativdienst oder von Kinderärzten. «Einige Fachärzte verschreiben Wirkstoffe in einer bestimmten Dosierung – beispielsweise bei Kindern – und ich mache zur erleichterten Einnahme einen Sirup daraus», erklärt er und fügt an: «Es handelt sich um Kleinstmengen, die für die Pharmaindustrie völlig uninteressant, aber bei spezifischen Behandlungen unerlässlich sind.»
Diese Facette des Berufes bleibt der Öffentlichkeit oft verborgen.«Anno dazumal, um 1900, verschrieben die Ärzte mehr oder weniger wirksame Behandlungen und die Apotheker erstellten Arzneien, damit die Patienten sie anwenden oder einnehmen konnten», berichtet Christian Repond.
In der Nachkriegszeit, in den Fünfzigerjahren, erfuhr die Pharmaindustrie einen immensen Bedeutungszuwachs. «Dadurch wurden immer weniger Arzneien in den Apotheken hergestellt und vermehrt industrielle Medikamente vertrieben» erörtert der Präsident. Der Apotheker wurde zum Verteiler. Diese Entwicklung setzte sich in den Achtzigerjahren fort. «Der Druck auf die Medikamentenpreise und die rückläufigen Margen bedrohen mittlerweile die Existenz der Apotheken», erklärt Christian Repond. Um dem entgegenzuwirken, erfuhren die universitären, postgradualen und weiterführenden Ausbildungen wichtige Reformen, dank derer die Apotheker auch weiterhin im gesetzlichen Rahmen der medizinischen Berufe bleiben. Parallel dazu wurde die Vergütung der Apotheker in Richtung Dienstleistung überdacht. Zudem spielen die öffentlichen Apotheken eine immer wichtigere Rolle bei der Erstversorgung der Bevölkerung.
Diese Entwicklung spiegelt sich ebenfalls in zahlreichen, neuen zwischenberuflichen Kooperationen wider. «Die Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern hat zu einer besseren Patientenversorgung sowie zu einem wirtschaftlichen und medizinischen Mehrwert geführt», betont Christian Repond. Als Beweis führt er die verantwortungsvolle Medikamentenverschreibung oder die pharmazeutische Unterstützung in den Pflegeheimen an. Beide Beispiele hätten ihre Wirksamkeit bewiesen und die Politik überzeugt.
Schlüsselrolle in der Krise
Christian Repond wird das Jahr 2020 in Erinnerung behalten: «Die Tage im März 2020 waren historisch. Einen solchen Ansturm und eine solche Nachfrage hatten wir in den Apotheken noch nie erlebt.» Die Apotheker haben im Kampf gegen das Coronavirus ihren Teil beigetragen: «Während der ersten Welle forderten die Behörden sämtliche verfügbaren Mittel ein, um den Krankenhäusern zu Hilfe zu kommen, während die ambulante Versorgung ihrem Schicksal überlassen wurde. Die Apotheker spielten eine entscheidende Rolle, indem sie die Bevölkerung begleitet und unterstützt haben.» Er berichtet, dank des ehrenamtlichen Einsatzes eines Vorstandsmitglieds sei es dem Apothekerverband gelungen, chirurgische Masken, Schutzhandschuhe, Visiere und Stirnthermometer aus China eizuführen. Zudem – kaum hatte das BAG den Schnelltests seine Genehmigung erteilt – ermutigte der Verband seine Mitglieder, diese anzuwenden, um auf die Nachfrage seitens der Gesundheitsbehörden und der Bevölkerung zu reagieren.
Was das Impfen betrifft, stellt Christian Repond fest, dass ein Teil der Kunden sich lieber in der Apotheke statt in den von den Freiburger Gesundheitsbehörden eingerichteten Sammelstellen impfen lasse. Er versichert, dass über siebzig Apotheken bereitstünden – verfügbare Impfstoffe vorausgesetzt.
Während der Pandemie für die Bevölkerung da zu sein, sei den Freiburger Apothekern auch dieses Jahr ein wichtiges Anliegen. «Oberstes Ziel ist die gesundheitliche Versorgung, aber auch Aufklärungsarbeit zum besseren Verständnis der behördlichen Massnahmen», erklärt Christian Repond. Er ergänzt, es gehe auch darum, den Einsatz von Schnelltests zu fördern und den Menschen den Sinn des Impfens und der Aufrechterhaltung der Vorsorgemassnahmen zu erklären. Wenn man ihn nach der Zukunft fragt, glaubt der Präsident des Apothekerverbandes, dass die Apotheker weiterhin eine alternde Bevölkerung betreuen werden: «Die Senioren wünschen individuelle Beratung und Behandlung, um so lange wie möglich gesund zu bleiben.»
Der Apothekerverband ist einer der Gründerverbände des Freiburger Arbeitgeberverbandes, der auch heute noch deren Verwaltungsaufgaben wahrnimmt. «Dadurch können wir auf ein in rechtlichen und verwaltungstechnischen Belangen erfahrenes Team und eine effiziente Infrastruktur zurückgreifen, die uns unterstützen und das Leben vereinfachen», fasst Christian Repond zusammen.
1900
1950
2001
2020
Die Digitalisierung, ein notwendiger Prozess
Die Apotheke ist ein Bereich, der äusserst rasch digitalisiert wurde. «Ich habe über 8000 Medikamente auf Lager, die meisten davon in sehr kleinen Mengen», erklärt Christian Repond, Präsident des Apothekerverbandes des Kantons Freiburg. Das Inventar ist somit seit jeher ein äusserst spezifischer Aspekt unseres Berufes.» Aus diesem Grund wurden die Abläufe bereits sehr früh informatisiert, sowohl was die Lagerverwaltung, als auch den komplexen Schreibaufwand mit den Krankenkassen angeht. Möglich wird der Fortschritt durch digitale Lösungen, welche die Berufsgenossenschaft der Schweizer Apotheker (Ofac), entwickelt hat.
Die Ofac hat eine Plattform eingerichtet, die Patienten jeden Tag rund um die Uhr zur Verfügung steht: www.abilis.ch. «Sie ist auch als mobile Anwendung verfügbar, die jedem Patienten Zugriff auf sein Dossier ermöglicht und in dem er Kopien von Rechnungen, ärztliche Rezepte usw. findet», erklärt Christian Repond. Um die Qualität der Medikamente zu gewährleisten, wurde eigens ein Webshop eingerichtet: «Er bietet eine grössere Auswahl an Erzeugnissen als eine Quartierapotheke», erklärt der Präsident.
All diese Entwicklungen haben ihren Preis, Christian Repond gibt es unumwunden zu: «Es ist eine mühsame, langwierige Arbeit, aber sie ist für die Apotheken überlebenswichtig, weil sie uns erlaubt, den Patienten überallhin zu begleiten». Er fährt fort, dass das System bereit ist, aktualisiert zu werden, sobald das elektronische Patientendossier eingeführt werde.