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Protest an Syngenta GV gegen Patente auf Saatgut
26. April 2005
Die BesucherInnen der Generalversammlung wurden heute morgen von AktivistInnen empfangen, welche die anmassenden Patentansprüche und die irreführende Kommunikationspolitik des Konzerns anprangerten:
- Syngenta behauptet:
Ihre Gentech-Maissorte Bt-10 und Bt-11 seien praktisch identisch.
Die Wahrheit ist:
Sie unterscheiden sich grundlegend durch ein Antibiotikaresistenzgen.
- Syngenta behauptet:
Es bestehe kein kommerzielles Interesse am Golden Rice.
Die Wahrheit ist:
Die Firma hat 2004 in über 100 Ländern ein Patent auf den Golden Rice angemeldet.
- Syngenta behauptet:
Es ist notwendig Vertrauen aufzubauen, um den Zugang zu genetischen Ressourcen zu verbessern.
Die Wahrheit ist:
Die Firma hat umfangreiche Genpatente angemeldet, welche eben diesen Zugang erschweren.
Eine besonders grosse Diskrepanz zwischen den von Syngenta kommunizierten und den wahren Tatsachen besteht beim Golden Rice. Syngenta versichert immer wieder, dass sie am Reis-Projekt kein ökonomisches Interesse habe, dennoch hat der Konzern 2004 auch den weiterentwickelten Golden Rice in über 100 Ländern, darunter auch in Indien, China, Indonesien, den Philippinen und diversen afrikanische Staaten, zum Patent angemeldet4). «Mit diesem Patentantrag zeigt Syngenta ihr wahres Gesicht,» kommentierte Bruno Heinzer von Greenpeace, «wer Patente anmeldet, will an ihnen verdienen. Hinter der humanitären Maske versteckt sich in erster Linie kommerzielles Interesse. Es ist keinesfalls ausreichend, wenn Syngenta jetzt behauptet, sie würden Rechte an Forscher oder Institutionen verschenken. Die Laufzeit eines Patentes beträgt 20 Jahre. Während dieser Zeit kann ein Patent immer wieder für Monopolinteressen missbraucht werden.»
Noch einschneidender für die Forschung, wie auch für die Bäuerinnen und Bauern, werden die Patente sein, welche Syngenta auf Teile des Reisgenoms angemeldet hat5). Die Patentansprüche sind extrem weit gefasst und beinhalten unzählige Gensequenzen, die in allen möglichen Nutzpflanzen, sei dies Reis, Weizen, Tomaten, Tabak oder Erdnüsse, vorkommen. Die Gene sind damit auch in der konventionellen Züchtung nicht mehr frei verfügbar – ein enormer Bremsklotz für die Züchtung neuer Pflanzen und damit langfristig eine Bedrohung der Ernährungssicherung weltweit. «Diese umfassenden Patente auf Pflanzengene, auch aus wissenschaftlicher Sicht eine Anmassung, zeigen, dass sich Syngenta in keiner Weise über die Konsequenzen ihres Handelns kümmert. Das Geschäft geht vor – selbst wenn es den Kampf gegen Hunger massiv erschweren wird,» sagte Tina Goethe von Swissaid.
«Diese Patentansprüche von Syngenta sind ein Missbrauch des Patentwesens, dem von staatlicher Seite endlich ein Riegel vorgeschoben werden muss. Patente auf Leben müssen auch im Patentgesetz verboten werden», forderte weiter François Meienberg von der Erklärung von Bern. Die drei Organisationen werden sich im Rahmen der laufenden Revision des Schweizer Patentgesetzes für ein Verbot von Patenten auf Pflanzen, Tieren, Menschen und ihren Genen einsetzen.
Dieser Aufruf wurde von Swissaid, Greenpeace und der Erklärung von Bern in der Generalversammlung auch direkt an das Syngenta-Management gerichtet. Als ersten Schritt erwarten die drei Organisationen vom Agrochemiekonzern den sofortigen Rückzug der genannten Patentanträge.
Weitere Informationen: Ein ausführlicher Bericht zu den erwähnten Patenten ist auf www.greenpeace.ch, www.evb.ch und auf www.swissaid.ch abrufbar. Hochaufgelöste Bilder zum downloaden ab ca. 12h unter http://www.greenpeace.ch/pressebilder.
- Bruno Heinzer, Greenpeace, Tel:079 400 88 31
- François Meienberg, Erklärung von Bern, Tel: 076 404 21 73
- Tina Goethe, Swissaid, Tel: 076 516 59 57
1) Syngenta-Sprecher Rainer von Mielecki zur BaZ (BaZ vom 24.3.05)
2) Syngenta Sozial- und Umweltbericht 2004
3) Andrew Bennett, Executive Director Syngenta Foundation, Symposium on Food Security, Basel 16.10.03
4) WO2004085656
5) WO03000905, WO03000906, WO03008540, WO03048319