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Gewalt in der Erziehung
Die elterliche Erziehung prägt den Menschen – dies gilt auch für kriminelles Verhalten. Eine Forschungsstudie der ZHAW und der HETS Fribourg liefert neue Erkenntnisse.
In der Studie wurden 8'317 Jugendliche aus zehn Kantonen befragt, die im Durchschnitt zwischen 17 und 18 Jahren alt waren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Jugendlichen Gewalt in der Erziehung erlebten – unabhängig vom sozialen Status und von der Herkunft. Das Erleben von Gewalt beeinflusst Denken und Handeln von Jugendlichen negativ.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass es Massnahmen zur Prävention elterlicher Gewaltanwendung braucht. Ein gesetzlicher Rahmen, der jegliche körperliche Gewalt von Eltern gegen Kinder und Jugendliche verbietet, wäre als Basis für Präventionsmassnahmen eine wichtige Voraussetzung.
Gewalt als Erziehungsstil
Fast zwei Drittel aller Jugendlichen haben irgendeine Form der elterlichen Gewalt erlebt. Ausschliesslich Züchtigungen wie Ohrfeigen, hartes Anpacken oder Stossen haben 41,4% der Jugendlichen erlebt, schwere Gewalt, wie mit einem Gegenstand oder der Faust schlagen, 21,9%.
Elterliche Gewalt ist eine Erfahrung, die mehr als die Hälfte der Jugendlichen machen mussten – unabhängig davon, welcher sozialen Schicht sie angehören oder ob sie einen Migrationshintergrund haben. Der Anteil gewaltfrei erzogener Jugendlicher liegt bei einheimischen Schweizern bei 42,9%, bei Jugendlichen aus afrikanischen Ländern nur bei 23,1%. Elterliche Gewalt ist Teil der Erziehungskultur der Schweiz, was sich vor allem auch im Vergleich mit Deutschland zeigt: Der Anteil an Jugendlichen mit Gewalterfahrungen liegt in Deutschland um ein Drittel niedriger (40,7% gegenüber 63,3%), was möglicherweise ein Resultat der Einführung des elterlichen Züchtigungsverbots im Jahr 2000 ist.
Ökonomische Sicherheit und Herkunft der Familie sind wichtige Faktoren
Relevante Unterschiede in der Erziehungserfahrung finden sich für zwei Gruppen: Eine ökonomisch problematische Lage geht mit negativeren Erziehungserfahrungen einher. Jugendliche, die selbst bzw. deren Eltern Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe beziehen, berichten doppelt so häufig davon, schwere elterliche Gewalt erlebt zu haben (37,5% gegenüber 19,0%). Eine Erklärung könnte sein, dass die ökonomischen Probleme in diesen Familien häufiger zu Konflikten und Auseinandersetzungen führen, die auch gewalttätig ausgetragen werden.
Ebenso werden Unterschiede bei der Betrachtung verschiedener Herkunftsgruppen deutlich. 10,9% der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund berichten vom Erleben schwerer elterlicher Gewalt, bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt dieser Anteil mit 32,1% dreimal so hoch. Es kann daraus gefolgert werden, dass in Migrantenfamilien in der Schweiz häufiger eine Akzeptanz für schwere Gewaltformen als Erziehungsmittel existiert als in einheimischen Schweizer Familien. Allerdings liegt der Anteil Jugendlicher in Schweizer Familien, die Züchtigungen in der Erziehung erlebt haben, ebenfalls hoch: 46,2% gegenüber 36,9% bei Migranten). Elterliche Gewaltanwendung ist damit nicht nur ein Problem in Migrantenfamilien.
Gewalt in der Erziehung bleibt nicht ohne Folgen
Die Analysen betrachten vielfältige Folgen von Gewalt in der Erziehung. Sie reichen von Gewaltverhalten und Sachbeschädigung über Alkohol- und Drogenkonsum bis zu spezifischen Einstellungen wie politischer Deprivation und Extremismus. Elterliche Gewalt, geringe elterliche Kontrolle sowie hohe elterliche Inkonsistenz sind für nahezu alle diese untersuchten Folgen bedeutsam.