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Inklusion
Mehr Inklusion dank ehemaliger Cracks
Gerade erst hat sich Cyrille Thièry aus dem aktiven Rennsport zurückgezogen, nun assistiert er bereits dem Nationaltrainer für Paracycling Standing, Dany Hirs. Ein Modell, das den Weg bereiten könnte für weitere Kooperationen zwischen regulärem Radsport und Paracycling, um die Inklusion im Sport zu fördern.
Diesen Sommer besiegelte er seine aktive Laufbahn mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen. Seitdem hat sich im Alltag von Cyrille Thièry vieles verändert. Der 31-Jährige aus dem Kanton Waadt hatte geplant, sein Fahrrad am Ende dieses Jahres an den Nagel zu hängen. Durch eine Lungenembolie, die fast zwei Monate nach seiner Rückkehr aus Japan festgestellt wurde, sah er sich jedoch gezwungen, seine Karriere noch früher zu beenden. Der Bahnprofi verliess die Welt des Radsports allerdings nur kurzfristig, denn inzwischen wirkt er als Assistent von Dany Hirs, Nationaltrainer für Paracycling Standing.
Diese schnelle Neuorientierung erfolgte im Handumdrehen. «Dany hatte mich diesen Sommer gefragt, ob ich Interesse hätte, Pilot eines Tandems mit einem blinden Athleten zu werden. Als dies aber aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme nicht mehr möglich war, schlug ich ihm vor, ihn beim Training zu unterstützen», erzählt Cyrille Thièry. Der ehemalige Spitzenathlet und der Trainer finden schnell zusammen und beginnen eine effiziente Kooperation. «Cyrilles Unterstützung bringt mir mehr Flexibilität. Über das Praktische hinaus stelle ich auch fest, dass die Athleten ihn als Spitzensportler bewundern und respektieren. Dadurch gewinnen sie viel Selbstvertrauen und werden zusätzlich motiviert», stellt Dany Hirs fest.
Der heutige Ex-Radprofi bringt seine Erfahrung von der Bahn und neue Trainingsübungen ein, die er ganz nach Bedarf modifiziert und anpasst. Manchen Athleten schlägt er exakt dieselben Übungen für die Teamverfolgung vor, die er selbst als Aktiver praktizierte. Für andere muss er Anpassungen vornehmen. «Ich weiss noch, dass ich einem sehbehinderten Athleten sagte, er sollte hinter dem Motorrad fahren, währen die Junioren auf der Piste darum herum trainierten. Mir war nicht bewusst, dass er nicht gut sehen konnte, was um ihn herum passierte, und wir mussten die Übung abbrechen. Die Juniorentrainerin holte dann ihre Sportler von der Bahn, damit Alain allein hinter dem Motorrad herfahren konnte. Es war bemerkenswert zu sehen, wie viel Verständnis alle zeigten», sagt Thièry.
Verständnis ist ein erster Schritt zu mehr Inklusion. Der Bahnradsport kann in diesem Bereich eine Modellfunktion einnehmen, weil alle Athleten dieselbe Infrastruktur nutzen. «Es wäre genial, Synergien zwischen dem Bahnrad-Nationalteam und den Paracycling-Sportlern zu schaffen, sei es nun bezüglich der Infrastruktur, des Materials oder des Trainings», betont Thièry. Der mehrfache Schweizer Meister auf der Bahn erinnert sich vor allem daran, oft auf derselben Bahn trainiert zu haben wie der Paracycling-Evergreen Roger Bolliger. «Da gab es ganz normale Gespräche über unsere letzten Rennen und die nächsten Ziele. Es muss möglich sein, das Handicap als alltäglich zu betrachten und einen routinierten Austausch zwischen nicht eingeschränkten Athleten und Paracycling-Sportlern zu pflegen. Das bereichert beide Seiten», erklärt Thièry, der es auch schade findet, dass es keine Paracycling-Abteilungen in Radsportvereinen gibt.
Der Waadtländer wird Dany Hirs noch bis zu den im März geplanten Paracycling-Bahnweltmeisterschaften begleiten. Anschliessend möchte er sich zum Sozialpädagogen ausbilden lassen. Dany Hirs hofft, dass Cyrille Thièry als Vorbild für die Zukunft dienen wird: «Die Idee ist es, Spitzensportler am Ende ihrer Karriere ins Boot zu holen. Ich hoffe, dass Cyrilles Beispiel diese Perspektive zur Neuorientierung für alle regulären Athleten eröffnet.»