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der Schweiz und in Süddeutschland ein beliebtes Volksnahrungsmittel (Fastenspeise), welches in besondern Schneckengärten
oder Schneckenbergen durch Mästen gefangener
Tiere marktfähig gemacht wird und auch, in Säcken oder Fässern verpackt,
einen Handelsartikel bildet; der Verkauf geschieht nach Hundert oder Schock. Genießbar sind die S. vom Spätherbst an, im
ganzen Winter bis zum März, so lange sie mit Deckeln verschlossen sind; gemästet werden sie mit Salat,
Gemüseabfall, Kleie etc.
Das Gehäuse der Weinbergsschnecke ist gelb, graubraun gestreift, etwas durchscheinend, bis 9 cm im Durchmesser und etwa 9 cm
lang; zum Verspeisen wird der Deckel geöffnet, die Schnecke herausgezogen, von der schwarzen Haut, den
harten Teilen an Kopf und Schwanz und allen schleimigen Teilen befreit, mit
Salz eingerieben, gut gewaschen und entweder gebacken,
gebraten oder gekocht, oder zu Schneckensalat verarbeitet oder als Zuthat zu Suppen (Kraftsuppe gegen Lungen- und Auszehrungskrankheiten)
oder zu Schneckenmilch, anderweitig auch zu Schneckendekokt (Decoctum helicum).
Der Handel ist ein ziemlich bedeutender und besonders für die Großstädte, in welchen oder in deren
Nähe auch die Mastanstalten sind. Außer der Weinbergsschnecke verwendet man noch zur Speise hier und da die Kreiselschnecke,
den Goldmund, das Midasohr und auf den ostindischen und australischen Inseln große, bis ½ kg schwere Seeschnecken, welche
auch als Handelsartikel nach
China in Betracht kommen. Die Chinesen essen S. in großer Menge, besonders
mit
Essig und
Zitronensaft. Seeschnecken bilden, eingemacht in Gläsern, Büchsen oder Flaschen, oder frisch in Blechbüchsen
verlötet, einen auch weiterhin versendeten Handelsartikel. - Zoll: Landschnecken sind zollfrei. Seeschnecken Nr. 25 r;
in hermetisch verschlossenen Blechbüchsen etc. eingehende frische, marinierte
oder eingesalzene Nr. 25 p 1.
(Seeschollen,Flach-,Plattfisch,Seitenschwimmer,Pleuronectoides Flem.,
Weichflosser), Raubfische mit trefflichem
Fleisch, stark zusammengedrücktem, sehr hohem, fast scheibenartigem Körper, unsymmetrischem
Kopfe und Augen nur auf einer Seite, obere Körperseite wie der Meeresboden gefärbt, dunkel schmutzig, untere oder Bauchseite
farblos, zuweilen gefleckt, Rücken- und Bauchflosse sehr lang, ungeteilt. Meist liegen die S. gesellig
im schlammigen, flachen Meeresgrund, mit Sand bedeckt, auf einer Seite oder schwimmen mit der Augenseite nach oben; ihre
Färbung verändert sich, der Umgebung entsprechend; seltner finden sie sich in den Flußmündungen und flußaufwärts. Meist
gehören sie den gemäßigten Zonen an.
Dahin gehören: die
Flunder oder Flunker, auch Teerbutt genannt (Pleuronectus flessusL.), von der französischen Küste bis
Irland und in der Ostsee und in den größern Flüssen von Deutschland bis nach England, 30 cm lang, bis 3 kg schwer, graubraun
mit dunklen Flecken (vgl.
Flunder);
die gemeine Scholle, der Goldbutt oder das Platteisen (P. platessaL.), 50 cm lang, 9 kg schwer, braun,
grau, gemarmelt, gelb gefleckt, gelb- und grünlich weiß auf der Blindseite, von
Frankreich bis Irland und in der Ostsee,
rautenförmig, in großen Mengen frisch und geräuchert versendet und verbraucht;
die Heilbutte (Hippoglossus Cuv.),
mit schmälerm gestreckterm Leib, der Heiligbutt, Riesenscholle (H. vulgaris Flem.),
bis 2 m lang und 5 Ztr. schwer, im hohen Norden, wichtig für die Nordländer; die Butte (Rhombus
Gthr.),
mit dem breitesten Körper.
Der Steinbutt, Turbot (R. maximus), bis 1,25 m lang, bis 35 kg schwer, Augenseite höckrig, braun, marmoriert und heller
gefleckt, sehr geschätzt, lebt in der Nord- und Ostsee und Mittelländischem Meer;
der Glattbutt (R. laevis Cuv.), 40 cm
lang, bis 4 kg schwer, braun, dunkelbraun marmoriert, perlenartig hell gefleckt, in der Nord- und Ostsee bis Atlantischem
Ozean;
ebenso die Zungenscholle, Soolen oder Sole (Solea Gthr.),
länglich, Augen rechts, Afterflosse sehr groß;
die Zunge, Seezunge (Solea vulgaris Quensel), bis 64 cm lang, 3-4 kg schwer, Augenseite schwarz, Blindseite bräunlich, an
den Westküsten Europas bis zum Eismeer und in der Ostsee, sehr geschätzt, wird in Mengen, besonders in England, verbraucht.
Butten und Zungen gedeihen auch im Süßwasser, in Teichen und Aquarien. -
Alle zur Gattung S. gehörenden
Fische werden sowohl frisch verspeist, als auch eingesalzen und getrocknet, zum Teil auch
geräuchert. Über den Handel und die Bereitungsarten vgl.
Flunder. - Zoll s.
Flundern.
oder Schriftmittel benennen wir alle von der ältesten bis zur neuesten Zeit für Merk- oder Denkmale
und zur Schrift benutzten Gegenstände, zum Unterschiede von Schreibmaterialien, als welche alle zum
Schreiben dienenden Materialien und Hilfsmittel bezeichnet werden. Die Schrift, im weiten Sinne des Worts, bedeutet der in
bleibend sichtbare Form gebrachte Gedanke.
Erdhügel, Baumpflanzungen, Steinhaufen, Felswände, Pfähle und Kreuze waren solche erste Schriftzeichen, welche andeuteten,
daß der Tote ruhe, dort große Thaten geschehen sind oder welcher Weg von hier zur nächsten Ansiedlung
führt. Bei diesen Merk- und Denkmalen gab die mündliche Überlieferung (Tradition) die weitere Erklärung; als aber die
Ereignisse sich mehrten, da fügte man bezeichnende
[* 1]
Figuren hinzu, zur Unterscheidung und Unterstützung
des Gedächtnisses.
Schon vor der großen Flut (Sintflut) drückte man mit Stäbchen die Schrift als
[* 1]
Figuren
und Keile, wie die Funde im alten Akkad (Chaldäa) jetzt zeigen, in Thonplatten, welche nach der Schrift an der Sonne gebacken
wurden. Ebenso that man in Niniveh, Babylon und Sipphara (Stadt der Bücher) vor Noahs Zeit, in den Städten zwischen dem
Tigris und Euphrat. In der Flut gingen mit den thönernen Häusern auch die meisten thönernen Bibliotheken verloren, deshalb
brannte man später die Thonmassen nach der Schrift, wie man denn auch die für Bauten geformten Backsteine zu
Ziegeln (sigillae)
brannte. In thonlosen Ländern suchte man zuerst die zum Eingraben von Schrift geeignetsten Steinarten
zu verwenden, welche zugleich eine ewige Dauer
¶
mehr
erwarten ließen, denn diese war bei der Wahl maßgebend. Schiefer, Marmor, Gips, Porphyr (das alte Purpur) und Kalksteine waren
das S. der steinernen Bibliotheken der Chinesen, Arier, Iranier und Ägypter; an Stelle der Stäbchen waren Meißel, Keil
und Schlägel getreten. Bis 6000 v. Chr. mag die Schrift nur dem Kultus und
der Astronomie gedient haben, worauf mit der Bildung staatlicher Gemeinschaft (China, Chaldäa, Assyrien, Ägypten) Gesetze
verfaßt, große Thaten niedergeschrieben und Grabstätten mit Nachricht über den Toten (Lypogäen, Pyramiden) errichtet
wurden.
Die Hieroglyphe in der Kolossalgestalt verkleinerte sich bei allen Völkern zur hieratischen und endlich zur demotischen
(volkstümlichen) Schrift, der Handelsverkehr verlangte, wie die Wissenschaft, immer häufigere und damit
gedrängtere Niederschriften, das steinerne Material mußte verlassen werden und man wandte sich ans Pflanzenreich. In China
läßt sich der Gebrauch der Holztafeln ausserordentlich weit ins Altertum zurückversetzen; ein Volk folgte dem andern,
bis auch die Holztafeln zu beschwerlich und umständlich wurden und man ins Tierreich überging.
Ungegerbte Häute, Leder, als breite Streifen und Riemen, fanden bei den Persern, Medern, Assyrern und Ebräern Eingang. Die
ungegerbten Häute wurden mit Tusche aus Ruß und Öl, die gegerbten Häute mit einer verdickten Lösung von Kupferwasser (chalcantum),
beide Arten übereinstimmend mit Rohr (calamus, arab. quâlem), beschrieben, was später zu den alaunten
Häuten und 183 v. Chr. den König Eumenes II. von Pergamos zu der Bereitung des
danach benannten Pergaments führte.
Von Ostasien bis Indien, auf den meisten Südseeinseln und an der ostafrikanischen Küste bediente man sich der Palmblätter
(von Corypha umbraculifera) und mancher andrer fleischiger Blattarten (Aloe) seit undenklichen Zeiten,
während man in Vorderasien bis Griechenland auch in Blätter (Platten) geschnittene Tierknochen, Elfenbein, Muschelschalen
u. dgl. benutzte und bei diesen, wie bei jenen,
die Schrift mit einem spitzen Griffel einritzte und mit Ölruß schwärzte.
In Ägypten war schon lange vor Josefs, Jakobs Sohn, Zeit das künstlich aus der Papyrusstaude bereitete
Papyros (ägyptisch garta, Karte) in Gebrauch, doch soll er dessen Anfertigung verbessert haben, welche Papyrart sogar in
das heutige Papier übergegangen ist (Josefpapier). Der große Handelsverkehr der Ägypter seit alter Zeit und der Mangel
andern geeigneten Materials hatten dieses hochkultivierte Volk zur Aufsuchung eines so feinen Schriftstoffs,
wie es das quer übereinander geklebte Papyrusblatt ist, angeregt. Außerordentlich groß war die Papyrindustrie, zahlreiche
und bedeutende Werkstätten waren zumal in Alexandrien, aber auch im ganzen Deltagebiete. Die Einnahmen für Papyrus reichten
aus, um die ägyptische Heeresmacht zu erhalten. Alle Gebildeten schrieben bis um 100 v. Chr.
nur auf Papyrus, bis dann das Pergament, welches mancherlei Vorzüge hatte und weil das Papyrus nicht
immer zu erlangen war, den Vorrang erhielt.
Die Verwendung des Papyrus hörte gegen Ende des 7. Jahrhunderts, die
allgemeine Verwendung des Pergaments, das erst Ende
des 6. Jahrhunderts in Europa Eingang gefunden hatte, ums Ende des 13. Jahrhunderts in Europa auf, als
das Baumwollenpapier aus Syrien später in Sizilien und Spanien in ausreichender Menge bereitet wurde (s.
Papier). Wie auf Papyrus, so wurde auch auf Pergament mit dem Rohre aus Damaskus und mit Tusche geschrieben, was auch beim Baumwollenpapier
in Asien und Ägypten beibehalten wurde; in Europa bediente man sich jedoch schon seit Anfang des 7. Jahrhunderts
der Raben- und Gänsefedern in den Kanzleien und nur die Vornehmen gebrauchten Federn aus Elfenbein. Die Tinte wurde wahrscheinlich
von den Rabbinern aus dem Oriente nach Europa gebracht, etwa ums 4. Jahrhundert.
Die Erfindung des Linnenpapiers aus abgetragenen Geweben hat in der ganzen Welt (außer China, Japan und
Korea) alle andre Schrift- und Schreibmaterialien verschwinden gemacht; an Stelle des unbehilflichen Gänse- oder Federkiels
konnte seit 1830 die Silber- und bald darauf die Stahlfeder treten (s. Tinte und Tusche). Steinerne Schriften sieht man nur noch
auf den Friedhöfen, Denkmalen und Gedenktafeln. - Zoll: S. Tinte und Papier. Stahlfedern gem. Tarif Nr. 6 e 3 γ.
Bleischrot, Hagel; frz. dragée, plomb de chasse; engl.
shot. Die kleinen, das S. bildenden Bleikugeln werden ohne Anwendung einer Form gegossen. Jedes Schrotkorn ist ein erstarrter
Bleitropfen. Man gießt das stark erhitzte Blei löffelweise in ein Sieb, dessen Boden mit Bleikrätze
bedeckt ist, um das Blei tropfenweis durch die Sieböffnungen austreten zu lassen. Diese Tropfen durchfallen den Schrotturm
in einer Höhe von 30-36 m und werden in einem Wassergefäße aufgefangen. Während des Falles ballen sich die Tropfen zu
Kugeln und erstarren vor Eintritt in das Wasser.
Das angegebene Verfahren liefert das Patentschrot. Früher ließ man die Tropfen nur geringe Höhe (2-3 m) durchfallen, sodaß
das völlige Erstarren erst im Wasser erfolgte, erzielte aber dabei viel Ausschuß. Um die große Höhe der Schrottürme
auf die Hälfte vermindern zu können, treibt man den fallenden Tropfen einen kräftigen, durch einen
Ventilator erzeugten Luftstrom entgegen. Zur Schrotfabrikation verwendet man weiches Blei, dem man 0,3%-0,6% Arsen in natura
oder in Form von Schwefelarsen oder arseniger Säure zusetzt, wodurch die Tropfen vollkommener die Kugelgestalt annehmen.
Antimon kann das Arsen teilweise, wohl auch ganz ersetzen. -
Das aus dem Wasserbottig genommene S. wird sogleich an der Luft oder in erwärmten eisernen Pfannen getrocknet.
Hierauf folgt noch das Ausschießen aller fehlerhaften (namentlich unrunder) Körner und das Sortieren nach der Korngröße.
Das Ausschießen und ein teilweises Sortieren können zweckmäßig auf folgende Weise bewirkt werden: Man läßt das S. eine
schiefe Ebene, die in bestimmten Entfernungen durch Spalten von etwa 80 mm Weite unterbrochen ist, hinunterlaufen.
Die unrunden Körner laufen im Bogen und fallen über die Seitenränder ab; die runden eilen in grader Richtung hinunter;
die schwersten derselben
¶
mehr
überspringen alle Spalten, weniger schwere fallen durch eine frühere Spalte ab. Schließlich folgt noch eine Sortierung
durch Rüttelsiebe und, um die Körner vor Oxydation zu schützen, ein Polieren in Lauftrommeln mit wenig gepulvertem Reißblei.
Die verschiednen Sorten des S. werden mit Nummern bezeichnet. Nr. 00 und 0 oder PP, P,
00, 0 geben die gröbsten, Nr. 10-12 oder 14-16 die feinsten Sorten an. - Rehposten, frz.
chrevotines, postes, engl. buck-shot, sind S. von 5-6 mm Korndurchmesser; doch versteht man darunter
auch cylindrische, durch Guß in Formen oder Pressen hergestellte Geschosse von gleichem Durchmesser. Die feinsten S. von
0,6-1,0 mm Durchmesser heißen Vogeldunst, frz. cendrée, engl.
dust shot. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 3 c.
Der Waschbär, die kleinste Bärenart von etwa Fuchsgröße, bewohnt ganz Nordamerika, weniger den
hohen Norden, als die Vereinigten Staaten und Kanada; er wird in größter Anzahl in den Staaten Michigan, Wiskonsin, Illinois,
Ohio, auch noch in Arkansas und Tennessee vorgefunden und von eigens dazu abgerichteten Hunden gefangen.
Die Behaarung der Felle hat dunklere oder hellere graubraune Färbung mit hübschen Schattierungen; sie sind dichtwollig und
weich, die 16-21 cm langen Schweife gelbbraun mit schwarzen Ringeln. Es bilden diese Felle einen der wichtigsten Artikel des
Rauchwarenhandels und es gehen jetzt über den Leipziger Markt im Jahre durchschnittlich 600000 Stück, um hauptsächlich
in Rußland zu verbleiben.
Denn wenn Schuppenpelze auch wohl anderwärts Liebhaber finden, so gehören sie in Rußland zur stehenden Volkstracht und
bilden das Pelzwerk derjenigen Mittelklasse, welcher Wolfspelze zu schlecht und Bären zu teuer sind.
Schwarz oder braun gefärbt bilden seit einigen Jahren auch Schuppen einen Modeartikel, der in Frankreich, England und Deutschland
sowohl als in den Vereinigten Staaten selbst stark konsumiert wird. Der Bezug Rußlands aus Amerika geschieht auf dem West-
und auf dem Ostwege, auf langer Landreise durch Sibirien. Der Wert der Felle stuft sich nach Qualität
und Färbung bedeutend ab und geht von ½ bis 40 Mk. -
(Nigella Tourn.), Familie der Hahnenfußgewächse, einjährige Kräuter (engl. Fennel-Flower, Golden-Thread,
frz. Nielle und Nigelle, ital. Melantio, Nigella, Nepitella).
Samen in jeder Kapsel zahlreich, in einer Reihe, schwarz, dreieckig, scharf aromatisch. Angebaut wird:
der gebaute oder gemeine S., N. sativaL., auch römischer oder schwarzer Koriander, Katharinenblume, Kapuziner- und Nardenkraut,
Nardensamen etc. genannt, 25-30 cm hoch, in Südeuropa, in Deutschland und im Orient (indischer
S. Nigella, indica Roxb).
Früchte mit fünf bis zehn Kapseln, Samen würzhaft riechend, stechend scharf schmeckend, verwendet
wie Kümmel, besonders aber in der tierärztlichen Praxis, oft verfälscht mit dem Samen vom Ackerschwarzkümmel, N. arvensisL., oder vom türkischen S., N. damascenaL. (Braut in Haaren, Jungfer im Busch, Gretchen
in der Hecke, Damaszener und Gartenschwarzkümmel,
Zierpflanze), beide unschädlich, aber auch unwirksam. Die Hauptverwendung des Samens der angebauten
Art geschieht zur Ölgewinnung. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 9 d.
(Scorzonera L.), Familie der Korbblütler und zwar Gartenschwarzwurz, spanische S., Scorzonere, Schlangengras,
Schlangenwurz, spanische Haferwurz und spanische Vipernwurzel; Salsifi, S. hispanicaL. (engl.
Spanish Vipers Grase, frz. salsifis d'Espagne, holl.
speerwortel-speerkruid, ital. scorzonera). Eine sehr beliebte Gemüsepflanze,
deren Wurzel ähnlich wie Spargel zubereitet, auch als gelindes Mittel bei Fieberkrankheiten gebraucht wird und geröstet
zu Kaffeesurrogat dient; 0,6-1,3 m hoch, zwei- und mehrjährig, mit gelben, wie Vanille riechenden Blüten und großen langen
Blättern, auf Kalkboden auch wild vorkommend.
Der Anbau verlangt tief gelockerten Boden in offen zugiger Lage, dünne Saat im März oder April in Reihen
und gute Dungkraft, aber nicht frischen Dünger. Oft erlangen die Wurzeln schon im ersten Jahre die zum Gebrauch dienliche
Größe und Stärke, gute Fingerdicke, meist aber erst im zweiten Herbst. Zum Gebrauch werden sie in frostfreien Räumen eingeschlagen;
sie bleiben so lange zart und brauchbar, als beim Zerbrechen noch der Milchsaft ausfließt. Verkauft
werden die Wurzeln in Bündeln auf Wochenmärkten; in Deutschland zeichnet sich besonders Bamberg durch den Anbau aus. Der
Samen ist zwei Jahre lang keimfähig; 1 kg wird zu 5 Mk. verkauft. Der Preis der Wurzeln ist lokal
verschieden. - Zoll: S. samen und frische S. sind zollfrei; getrocknete S. gem.
Tarif im Anh. Nr. 25 p 2.
(lat. sulfur oder sulphur, frz. soufre, engl.
sulphur), ein hochwichtiges, in mannigfachster Weise zur Verwendung kommendes Element. Sein Vorkommen in unverbundenem Zustande
als sog. gediegner S. knüpft sich vorzugsweise an Gegenden, wo vulkanische
Kräfte thätig sind oder einst waren. Er liegt da gediegen als Ausfüllung von Klüften in Tuffstein, Kalk, Gips etc., oder
als Durchdringungsmittel von Erdreich, und wird bei noch wirkenden vulkanischen Kräften zum Teil noch fortwährend erzeugt.
Vorkommnisse solcher Art heißen Solfataren; es sind dies Erdlöcher, welche immerfort Schwefelwasserstoffgas
ausströmen lassen, das sich bei Berührung mit der Luft zersetzt und Krusten von Schwefel an den Mündungen hinterläßt.
Zum Teil dringen solche Dämpfe auch in lockeres Erdreich ein und hinterlassen den Schwefel im Gemisch mit diesem. Sehr wahrscheinlich
ist überhaupt aller irgend vorfindliche, in offnen Brüchen oder bergmännisch zu gewinnende S. auf
die nämliche Art gebildet worden. Eine der großartigsten Solfataren ist die von Puzzuoli bei Neapel; aus ihr bezieht Frankreich
fast seinen sämtlichen Schwefelbedarf im rohen Zustande. Große Mengen natürlichen S. finden sich ferner auf den Inseln
Sizilien, Lipari, Island und in Mexiko. Die Reinigung des italienischen S. durch Umdestillieren findet
¶
mehr
hauptsächlich in Marseille statt. In Verbindung mit Metallen ist der S. weit verbreitet und nicht an bestimmte Gegenden
gebunden. Solche geschwefelte Erze werden in der Mineralogie als Kiese, Glänze und Blenden unterschieden, wie z. B.
Kupferkies, Eisenkies, Bleiglanz, Molybdänglanz, Zinkblende etc. Bei Aufbereitung derjenigen
dieser Erze, welche einen größeren Überschuß an S. chemisch gebunden enthalten, wie z. B.
Eisenkies, kann der S. als ein gutes Nebenprodukt gewonnen werden und es geschieht dies auch jetzt mehr als früher und zunehmend
in Deutschland und anderwärts, jedoch ohne daß dadurch der Bedarf vollständig gedeckt werden könnte. (Die Produktion
von S. im Deutschen Reiche belief sich im Jahre 1881 auf 1239000 kg im Werte von 148550 Mk.)
Es bleibt daher immer noch Sizilien die Hauptschwefelkammer für Europa und selbst für Amerika, denn wenn dort auch in Mexiko
aus Vulkanen einige tausend Zentner des Stoffs entnommen werden, so ist dies nur von lokaler Bedeutung, und die mächtigen
Lager gediegenen S., welche bei den Vulkanen der Andenkette Südamerikas vorkommen sollen, scheinen ganz unerreichbar zu
sein. Auf Sizilien erstreckt sich die Schwefelgegend an der Südküste von Girgenti nordöstlich bis an den Fuß des Ätna
in einer Länge von beiläufig 20 Meilen bei 5-6 Meilen Breite.
Man gewinnt das schwefelhaltige Gestein und Erdreich (Thon, Mergel) teils in offenen Brüchen, teils bergmännisch
in Stollen. Die Gesteine enthalten durchschnittlich etwa 25% S., die reichsten gegen 50; ist der Gehalt nur 8%, so ist die
Bearbeitung unlohnend. Es gibt in jener Gegend etwa 700 Gruben und 50 Schmelzwerke, welche über 20000 Menschen beschäftigen,
und es werden mehrere Millionen Ztr. S. gewonnen; ganz Italien soll 6 Mill. Ztr.
jährlich erzeugen. Die jährliche Ausfuhr von S. aus Sizilien beläuft sich auf 200-230 Mill. kg.
Das meiste hiervon geht nach England, Frankreich, Amerika und Deutschland. Die Ausfuhrhäfen sind Girgenti, Catania
und Licata. Außer bei Neapel findet sich S. noch im Toskanischen, auf den Liparischen Inseln, in der
Romagna. In letzterer Gegend, wo eine Gesellschaft 8 Gruben besitzt, gewinnt man seit einigen Jahren viel S. Es wurden 1862 bereits 160000
Zentner geliefert, und seitdem ist die Produktion noch fortwährend gestiegen. Raffiniert wird dieser S. meist in Rimini
und von dort versandt. -
In neuerer Zeit sind auch Schwefelbrüche eröffnet worden an der Westküste des Roten Meeres. Die dortige Schwefelkompanie,
besitzt eine Küstenstrecke von 35 Meilen Länge, teils zu Ägypten, teils zu Nubien gehörig. Der S. bricht dort auf Gängen
in schroffen Gipsfelsen, welche den Küstensaum bilden. Es werden 300 Arbeiter und 40 Öfen beschäftigt.
Auch hat man in neuester Zeit auf die gewaltigen Schwefellager Islands, die noch gar nicht ausgebeutet werden, aufmerksam
gemacht; dort finden sich zwei große Lager, zu Tage liegend, bei Krisuvik und bei Myvatu (im Nordwesten). -
In Deutschland kommt gediegener S. nur auf unbedeutenden Lagerstätten vor; mehr findet sich in Galizien
und Kroatien, Steiermark,
Ungarn, sodaß die Schwefelgewinnung in den österreichischen Staaten nicht ganz unbedeutend ist
und 1875 946625 kg betrug. Die Gewinnung des S. aus Kiesen, wie sie in Böhmen, Schlesien, am Harz etc. betrieben wird, ist
eine Destillation der Erze aus thönernen oder eisernen Retorten, wie die Fabrikation des Leuchtgases.
Der flüchtig werdende S., von welchem aber immer nur ein Teil gewonnen werden kann, verdichtet sich in Niederschlagkammern
tropfbar oder in Form von Schwefelblumen. Bei der Bearbeitung von Eisenkiesen ist es nicht auf das Metall abgesehen, sondern
die Röstrückstände (Schwefelbrände) dienen zur Gewinnung von Eisenvitriol (s. d.).
Die Schwefelerzeugung aus Kiesen lohnt nur bei günstigen Umständen, namentlich wo das Brennmaterial wenig kostet, und es
ist solcher S. häufig arsenhaltig, daher für viele Zwecke unbrauchbar. Interessant ist eine neue Gewinnungsweise von S.,
die seit 1873 in Swoszowice bei Krakau eingeführt ist. Dort findet sich erdiger S. in Mergel eingelagert,
der durch Extraktion mit Schwefelkohlenstoff ausgebeutet wird. Mit sehr geringem Brennstoffaufwand gewinnt man den gesamten
Schwefelgehalt und der Verlust an Schwefelkohlenstoff soll sich auf kaum ½% belaufen, da dieser durch Abdestillieren immer
wieder gewonnen wird. Dieser Swoszowicer Extraktionsschwefel wird in Wien mit 10 fl. 90 kr. pro 100 kg
jetzt verkauft, ein mit Berücksichtigung seiner Reinheit sehr niedriger Preis. Öfter wird der S. der Erze in andrer Weise
nutzbar gemacht, indem man dieselben unter Luftzutritt ausbrennt und die entstandene schweflige Säure in Bleikammern zu Schwefelsäure
(s. d.) verarbeitet. Dies geschieht unter andern zu Freiberg. -
Eine nicht unbedeutende Menge von S. wird jetzt auch aus den bei der Sodafabrikation entstehenden Abfällen und Auslaugungsrückständen
wieder gewonnen; solcher S. führt den Namen Retourschwefel oder regenerierter S. -
Die Abscheidung des natürlichen gediegenen S. aus seinem Gestein und Erdreich ist eine sehr einfache Operation. Man sondert
die reichsten Stücke aus und schmilzt diese besonders in Kesseln bei möglichst geringer Hitze ein.
Nachdem die Masse einige Zeit in Fluß gestanden und die fremden Teile sich zu Boden gesetzt haben, schöpft man den S. in
naßgemachte hölzerne Kästen und läßt ihn zu Blöcken erstarren. Die ärmern Schwefelsteine erhalten eine eindringlichere
Behandlung mit Hitze.
Die auf Sizilien herkömmliche Weise ist die, daß man das Material in Ringgemäuern mit abschüssiger Sohle aufschichtet
und bei beschränktem Luftzutritt in Brand setzt. Es verbrennt dabei eine Partie S. und es entstehen lästige Dämpfe von
schwefliger Säure; aber die erzeugte Hitze schmilzt doch den größern Teil aus, welcher durch ein Zapfloch
an der tiefsten Stelle abfließt. Neuerlich hat man das Verfahren etwas vervollkommt, indem man die Schwefelsteine bloß
in großen Pyramiden aufschichtet, diese dick mit Erde bedeckt und unter dieser Decke in Brand setzt. Der S. liefert somit
noch immer sein eignes Brennmaterial, aber es wird
¶
mehr
viel weniger davon verbrannt als ausschmilzt, und die Methode ist daher immer noch vorteilhafter, als wenn man das dort teure
Brennmaterial dazu kaufen sollte. Das Ausschmelzen eines Meilers erfordert gegen 20 Tage. Aller durch Schmelzprozesse ausgebrachte
S. ist Rohschwefel, der für die meisten Zwecke noch raffiniert werden muß. Zum Behuf der Schwefelsäurefabrikation
bedarf es dessen nicht und es dient dazu die Rohmasse. Der meiste sizilische S. wird daher auch roh ausgeführt und der stärkste
Abnehmer ist England, das wegen seiner großartigen Produktion von Schwefelsäure die sizilische Ware durchaus nicht entbehren
kann, obschon es selbst auch Fabrikation aus Schwefelkiesen betreibt. -
Das Raffinieren des Rohschwefels ist dieselbe Destillation oder Sublimation, wie sie mit Schwefelmetallen direkt vorgenommen
wird. Mit dem Raffinieren des sizilischen Rohprodukts beschäftigen sich verschiedne Mittelmeerstädte, am stärksten Marseille.
Der S. wird bei einer Temperatur von 110 bis 112° C. flüssig, siedet unter Luftabschluß bei 440° und wird dabei in
dicken rotgelben Dämpfen flüchtig. An der Luft würden sich dieselben sofort entzünden, da der S., frei geschmolzen, schon
bei viel niedrigerer Temperatur Feuer fängt. In einen kühlen Raum geleitet, verdichten sich die Dämpfe wieder und bilden
das feine, sich niederschlagende Pulver, das unter dem Namen Schwefelblumen (flores sulphuris) bekannt ist.
Eine Raffinerie besteht also im wesentlichen aus einem von der Luft abschließbaren Schmelzkessel und einer gemauerten Kammer,
in welche ein Rohr die Schwefeldämpfe überleitet. Ist bei Beginn der Destillation die Kammer kalt, so entstehen immer Schwefelblumen;
nehmen aber im weitern Verlaufe die Kammerwände die Temperatur an, bei welcher der S. schmilzt, so können
sich keine Schwefelblumen mehr bilden, sondern aller S. sammelt sich im geschmolzenem Zustande im unterem Räume an. Den
flüssigen S. zapft man nach Erfordern ab und gießt ihn in Formen, größtenteils zu den bekannten Stangen oder auch Broten.
Dieser raffinierte S. ist frei von allen erdigen Teilen, da diese an der Verdampfung nicht teil nehmen
konnten.
Sollen nur Schwefelblumen erzeugt werden, so muß man entweder absatzweise oder mit einer sehr großen Niederschlagkammer
arbeiten, oder irgendwie für eine Kühlhaltung sorgen. Die Luft von den Dämpfen in der Kammer völlig abzuhalten, ist nicht
durchführbar; es finden daher immer kleine Verbrennungen statt und die hierbei entstehende schweflige Säure
wird zum Teil von den lockeren Schwefelblumen aufgenommen und haftet diesen oberflächlich an; bei Berührung mit der Luft
wird sie allmählich in Schwefelsäure übergeführt. Die käuflichen Schwefelblumen schmecken daher stets deutlich und manchmal
stark sauer und können nicht innerlich genommen werden. In den Apotheken führt man daher für innern
Gebrauch nur gewaschene (sulfur sublimatum lotum), aus welchen die Säure durch gründliches Behandeln mit destilliertem
Wasser entfernt ist. -
Für medizinische Zwecke hat man den S. noch in einer anderweiten Form,
als Schwefelmilch (lac sulphuris oder sulphur praecipitatum),
welche höchst fein zerteilter und deshalb fast weißer S. ist; er wird jetzt auch fabrikmäßig dargestellt.
Wird irgend eine Schwefelleber mit einer Säure zersetzt, so erfolgt stets ein Niederschlag von ausgeschiednem feinem S. In
der Praxis benutzt man die Kalkschwefelleber, die man durch Kochen von gelöschtem Kalk mit Schwefelblumen als eine rötlichgelbe
Lösung erhält. Diese wird kalt mit der passenden Menge verdünnter reiner Salzsäure gemischt und der
entstehende Niederschlag durch Auswaschen gereinigt. In dieser fein zerteilten Form hat der S. eine beinahe weiße Farbe.
Die Verwendung des S. ist außerordentlich vielseitig, die größten Mengen werden zur Bereitung von Schießpulver und von
Sprengpulver in der Feuerwerkerei, sowie zur Fabrikation von Schwefelsäure gebraucht. Die Schwefelblumen
haben in neurer Zeit eine früher nicht gekannte Bedeutung erhalten als bestes Mittel gegen die Traubenkrankheit. Es sollen
manchmal schon 20-25% der gesamten sizilischen Schwefelblumenproduktion in dieser Weise aufgegangen sein, teils auf der Insel
selbst, teils im übrigen Italien, in Frankreich, Spanien, Griechenland.
Allbekannt ist der Gebrauch des S. zu Streichhölzern und andern Zündwaren, der Schwefeldämpfe zum Bleichen von Seide und
Wollwaren, von Strohhüten und Korbwaren, zum Schwefeln des Hopfens, der Weinfässer. S. dient zum Vulkanisieren von Kautschuk
und Guttapercha, zur Darstellung von Zinnober, Ultramarin, Schwefelleber, Schwefelkohlenstoff und vieler sonstiger chemisch-technischer
Präparate. Kleinere Verwendungen des S. sind die zu Abgüssen, zu Hohlformen für Gipsgießerei, zu
Kitten. Als verkittendes Mittel benutzt man ihn auch in der Art, daß man ihn mit so viel feinem Quarz- oder Glaspulver,
als er aufnehmen kann, zusammenschmilzt und daraus Platten gießt, welche bei ihrer Widerstandskraft gegen viele starke
chemische Einwirkungen gute Dienste thun.
Als grauer S. und Roß Schwefel (sulfur caballinum, sulfur griseum) wird zuweilen noch ein Produkt verkauft, welches aus
den schwefelhaltigen Rückständen von der Sublimation des S. besteht. Er hat das Äußere einer dunkelgrauen klümperigen
und pulverigen Erde, die zuweilen noch etwas S. enthält und wurde früher von Tierärzten verordnet.
- S. Stangen kosten gegenwärtig in Hamburg 15 bis 17 Mk. pro 100 kg, Schwefelblumen 19-20 Mk. -
Lac sulfuris, rein nach Pharm. Germ, wird von den chemischen Fabriken mit 85 Mk. pro 100 kg notiert,
für technische Zwecke (weißlichgelb) mit 75 Mk. Die Einfuhr von S. in
das Deutsche Reich belief sich 1881 auf 8921600 kg, die Ausfuhr aus diesem auf 408900 kg. -
Ammonium sulfuratum); dieser Körper kommt nur in wässriger Lösung als höchst übelriechende Flüssigkeit in den Handel,
welche aus Salmiakgeist und Schwefelwasserstoff zusammengesetzt ist und die beiden Gerüche derselben, den stechenden des
erstem und den Fäulnisgeruch des letztern in sich vereint. Die Darstellung geschieht, am besten im Freien, durch Einleiten
von frisch aus Schwefeleisen mittels Schwefelsäure entwickeltem Schwefelwasserstoffgas in den Salmiakgeist,
bis eine Probe zeigt, daß die Sättigung eingetreten ist.
Die Flüssigkeit ist anfangs farblos, wird aber bald gelb; durch Zusatz von etwas Schwefelblumen, welche sich darin lösen,
kann die farblose Flüssigkeit sofort in die gelbe verwandelt werden. Sie ist an der Luft leicht zersetzbar
und läßt dann Schwefel fallen, muß daher stets in gut verschlossenen und möglichst vollgefüllten Flaschen aufbewahrt
werden. Ihre Verwendung hat sie besonders in der Chemie als Reagens zur Erkennung mehrerer Metalle und zu andern Arbeiten.
Man berechnet 100 kg mit 150 Mk. -
(Schwefelleinöl; balsamum sulphuris; oleum lini sulphuratum), ein pharmazeutisches
Präparat, welches durch Einwirkung von Schwefel auf heißes Leinöl bereitet wird. Heißes Leinöl löst etwa ⅙ seines Gewichts
an Schwefelblumen, welche ihm durch Rühren einverleibt werden, völlig auf und bildet damit eine dunkelrotbraune, dickflüssige
oder steife, zähe Masse von sehr üblem Geruch, wie auch die Bereitung schon Anlaß zur Entwickelung
einer Menge stinkender Öldämpfe gibt. Dies ist der in der Tierarznei innerlich und äußerlich gebrauchte S., der, in Terpentinöl
aufgelöst, ehedem unter dem Namen Harlemer Öl als eine Art Universalmittel galt. -
Technisch gebraucht man den Balsam zur Bereitung eines Goldpräparats, welches die sog. Glanzvergoldung
gibt (s. bei Porzellan), sowie für andre Porzellanlüsterfarben. - Zollfrei.
(Baryumsulfid, Baryumsulfuret, Baryum sulfuratum), eine Verbindung von Baryummetall und Schwefel, im
reinem Zustande weiß, in Wasser löslich, kommt gewöhnlich nur im rohen Zustande, für technische Zwecke bestimmt, in den
Handel und bildet dann eine poröse, von beigemengter Kohle mehr oder weniger grau bis schwärzlich aussehende
Masse. Man bereitet sie dadurch, daß man Schwerspatpulver mit Steinkohlenteer zu Ziegeln formt und diese in einem Schachtofen
zwischen Kohlen brennt. Verwendet wird das S. zur Herstellung von Chlorbaryum, salpetersaurem Baryt und andern Barytsalzen.
Das rohe S. wird mit circa 40 Mk. pro 100 kg verkauft. - Zollfrei.
ein unreines S. wird durch Glühen eines Gemenges von frischgebranntem Kalk mit Schwefel oder von Gips
mit Kohle erhalten als trocknes, gelblichweißes oder grauweißes Pulver, riecht befeuchtet nach Schwefelwasserstoff und
muß in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden.
(Ferrum sulfuratum). Das Eisen läßt sich in mehreren verschiednen Gewichtsverhältnissen mit dem Schwefel
zu chemischen Verbindungen vereinigen, von denen auch einige als Mineralien in der Natur fertig gebildet vorkommen. Von
den künstlich darstellbaren findet man im Handel nur das Einfachschwefeleisen (Eisenmonosulphid, Eisenmonosulfuret); es
wird durch Erhitzen einer Mischung von drei Teilen Eisenfeile mit zwei Teilen Schwefel in einem bedeckten Schmelztiegel bis
zur starken Glühhitze erhalten und bildet eine dunkelbronzefarbene bis grauschwarze, schwachmetallglänzende Masse, die
in Wasser unlöslich ist, sich aber unter Schwefelwasserstoffgasentwickelung in verdünnten Säuren löst.
Man benutzt dieses S. allgemein zur Darstellung dieses Gases und verkauft die 100 kg mit 40-45 Mk.
Vgl. ferner Schwefelkies. - Zollfrei.
(Eisenkies, Pyrit; lat. pyrites, frz. pyrite;
engl. pyrites). Dieses, im Handel und Hüttenwesen häufig abgekürzt auch bloß Kies genannte
wichtige Mineral besteht aus 46,7% Eisen und 53,3% Schwefel, ist demnach Zweifachschwefeleisen (Eisenbisulphid,
Doppelschwefeleisen, Eisendisulfuret). Nicht selten enthält dieses Mineral kleine Mengen von Kupfer und Arsen, sowie auch
Spuren von Gold, Silber, Thallium und Gallium beigemengt.
Der S. kommt teils derb und eingesprengt, teils auch in oft ziemlich großen Kristallen vor; er hat eine
messinggelbe bis goldgelbe Farbe und metallischen Glanz; er ist eines der am allgemeinsten verbreiteten Erze und wird hauptsächlich
zur Bereitung von Schwefel, Schwefelsäure und schwefliger Säure verwendet, wobei die Rückstände, gewöhnlich aus Eisenoxyd
bestehend, auch noch verwertet werden, indem man nicht allein die geringen Mengen von Gold, Kupfer etc.
aus ihnen extrahiert, sondern auch das Eisenoxyd noch benutzt. Auch Eisenvitriol wird vielfach aus S. gefertigt.
Die Förderung von S. im Deutschen Reiche belief sich 1877 auf 2122520 Ztr., 1878 auf 2007306
Ztr., 1881 dagegen schon auf 2501140 Ztr. im Werte von 1279366 Mk.
Die österreichische Produktion von S. ist geringer und belief sich beispielsweise 1874 nur auf 902345
kg im Werte von 87644 fl. England förderte 1877 17795 Tons (à 20 Ztr.) S.; dieses Land bezieht
aber jährlich noch sehr bedeutende Mengen von diesem Erze aus Spanien, Portugal und Chili. Auch Deutschland führt noch
viel S. ein, so im Jahre 1881 82967400 kg, während die Ausfuhr 21255000 kg betrug. - Zollfrei.
(Schwefelalkohol, Kohlenstoffbisulfid, Sulfokohlensäure, lat. alkohol
sulfuris, carboneum sulphuratum; frz. sulfure de carbone; engl.
sulfuret of carbon). Aus zwei festen Körpern, Schwefel und Kohle, entsteht, wenn sie durch Glühhitze zur Verbindung gezwungen
werden, der S., oder wie er von seinem ehemaligen Entdecker, Lampadius in Freiberg, genannt wurde, Schwefelalkohol.
Bei Bereitung desselben kommt es darauf an, Schwefel in
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