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Manche Erfindungen werden eigentlich gar nicht erfunden. Sie passieren einfach. Entweder durch reinen Zufall oder – für die Gläubigen unter Ihnen – durch einen Wink des Schicksals. Hier finden Sie zehn Entdeckungen, die unsere Welt ein bisschen bequemer, besser oder schöner gemacht haben.
Öffne das Fenster des Labors, in dem Eitererreger auf der Petrischale vor sich hin eitern, und dann fahre in die Sommerferien. Komme wieder zurück und merke: Die Pilzsporen, die durch das offen stehende Fenster hereingeflattert kamen, machten den bösen Staphylokokken den Garaus. Auf diese Weise wurde am 28. September 1928 das Penizillin erfunden. Der Laboreigentümer war der Bakteriologe Alexander Fleming und dieser erhielt im Jahr 1945 den Nobelpreis für seinen revolutionären Zufallsfund. Endlich gab es ein Antibiotikum, das man im Kampf gegen Blutvergiftungen, Hirnhautentzündung, Syphilis oder Gonorrhoe einsetzen konnte.
Kenn ich, denken Sie jetzt vielleicht, ein alter Hut. Wahrlich. Aber Fleming ist lange nicht der Einzige, dem eine Erfindung einfach so «passiert» war.
Im amerikanischen Hotel «Moon Lake Lodge» beklagte sich im Jahre 1853 wiederholt ein Gast – der Legende zufolge soll es sich um Cornelius Vanderbilt gehandelt haben, den Besitzer der «New York Central», den alle nur den «Schiffs- und Eisenbahnkönig» nannten: «Die Bratkartoffeln sind viel zu dick und zu wenig knackig!», wetterte der reiche Mann.
Der Chefkoch George Crum war darüber wohl etwas verstimmt, aber sah sich gezwungen, etwas gegen diese andauernde Nörgelei zu unternehmen. Also packte er die Kartoffeln des unzufriedenen Grossindustriellen, trug sie zurück in die Küche, schnitt sie ganz dünn, frittierte sie in heissem Fett und bestreute sie mit Salz. Vielleicht hat er auch ein bisschen drauf gespuckt. Aber wissen tut das niemand. Jedenfalls wurden die Kartoffeln danach in solch feinen Scheibchen gereicht, dass die Gabel ihren Dienst einstellen konnte. Doch das eigenwillige Mahl stiess auf allgemeine Begeisterung und wurde unter dem Namen «Saratoga Chips» in die Speisekarte aufgenommen.
Der Amerikaner Spencer Silver wollte 1968 einen neuen Superkleber für die «Minnesota Mining and Manufacturing Company» (3M) entwickeln. Stärker und besser als alle bisherigen Klebstoffe sollte er werden. Doch alles, was bei seiner Arbeit heraussprang, war eine klebrige Masse, die sich zwar auf allen möglichen Oberflächen auftragen liess, aber genauso leicht wieder abzulösen war. Es war also nichts mit «super». Was nun? Es war zwar etwas erfunden worden, aber es schien völlig zweckfrei zu sein.
Etwas phantasielos versuchte 3M aus dem laschen Kleister doch noch Kapital zu schlagen und so brachte die Firma ein selbstklebendes Board auf den Markt, an das man Zettel heften konnte. Doch niemand verstand, warum diese Variante jetzt so viel bahnbrechender sein sollte als die gute alte Pinnwand. Und wie das bei den Menschen so geht, wenn sie für etwas keine Verwendung haben, wurde der nicht so superbe Kleber auf dem Friedhof der schönen, aber nutzlosen Ideen bestattet.
Spencers Freund Art Fry sang indessen in einem Kirchenchor und war sehr genervt über die Tatsache, dass die Lesezeichen immer wieder aus seinen Liederbüchern rutschten. Möglich, dass er – von ständig wachsendem Unmut geplagt – ein paar blasphemisch angehauchte Flüche gen Himmel schickte. Wenn dem so war, so nahm Gott ihm diese mit Unbedacht gewählten Worte nicht übel oder er fürchtete gar den Verlust eines Jüngers, der seinen Namen in schönen Liedern lobpries. Also sandte er den Sänger mit der blassen Erinnerung an einen Klebstoff, den niemand wollte, ins Labor seines Freundes.
Fry nahm sich eine kleine Probe des verschmähten Materials, bestrich damit kleine Zettelchen und heftete diese auf seine Notenblätter. Der nächste Sonntagsgottesdienst wurde zum Erfolg. Neun Jahre nachdem Spencers nachgiebiger Leim würdelos begraben wurde, erstand er wieder auf und machte als Haftstoff der gelben Zettelchen die Welt fortan ein bisschen farbiger, fröhlicher und einfacher.
Der amerikanische Chemiker Roy J. Plunkett machte sich in den 30er Jahren auf die Suche nach einem neuen Kältemittel für Kühlschränke. Dafür orderte er 50 Flaschen des Gases Tetrafluorethylen (TFE), das für die Herstellung vom FKCW-Kühlmittel Verwendung fand. Über die Gründe, warum er sich wohl mit so vielen Gasflaschen eindeckte, kann man nur spekulieren. Womöglich rechnete er mit einer hohen Anzahl an schiefgehenden Experimenten. Oder er konnte nur schwer Nein sagen zu einem Mengenrabatt, der ihm freundlicherweise in Aussicht gestellt wurde, und der doch seiner sparsamen Natur so entgegenkam.
Eine dieser vielleicht zum Schnäppchen-Preis ergatterten Flaschen enthüllte am 6. April 1938 etwas ganz wunderbar Unerwartetes: Plunkett öffnete den Behälter, doch es kam nichts heraus. Der Inhalt schien entwichen zu sein, aber das Gewicht war noch dasselbe. Also begann er die Flasche zu untersuchen und entdeckte dabei ein paar farblose, wachsartige Krümel. Das Tetrafluorethylen hatte sich in Teflon (Polytetrafluorethylen) verwandelt. Die glorreiche Antihaftschicht war geboren, die mit ihrer Korrosionsresistenz und Hitzebeständigkeit unsere Pfannen beglückt.
Doch das war erst 1954 der Fall. Seinen ersten technischen Einsatz leistete dieses reaktionsträge Material als Korrosionsschutz bei der Urananreicherung für die erste Atombombe. Der Chemiker Marg Grégoire strich elf Jahre später seine Angelschnur mit Teflon ein, damit diese leichter zu entwirren war. Seine Ehefrau Colette aber war diejenige, die erstmals Pfannen und Töpfe mit dem Wundermittel beschichtete.
Der ursprüngliche Zweck der blauen Zauberpille war nicht ganz der, den sie heute erfüllt. Viagra sollte sowohl bei Männern als auch bei Frauen gegen Bluthochdruck und zur Behandlung von Brustschmerzen eingesetzt werden. Die Versuche verliefen enttäuschend bis auf die erfreuliche Nebenwirkung, die sich bei den männlichen Testpersonen zeigte. Die Pillen behoben keinerlei Herzprobleme, dafür bescherten sie den Männern unerwartete Erektionen. Logische Schlussfolgerung: Pfizer brachte das Mittel 1998 als Erektionshilfe auf den Markt.
Im Jahre 1859 zitterte ein verarmter Chemiker namens Robert Chesebrough vor dem Bankrott. In der Hoffnung, im Erdölgeschäft Fuss fassen zu können, kehrte er dem Kerosin-Handel den Rücken. Eines schönen Tages spazierte er durch die Bohrmaschinen-Landschaft von Titusville, Pennsylvania, und betrachtete gedankenversunken die Bohrgestänge. Daran klebte ein sonderbarer Stoff. Er tunkte einen Finger rein; das Zeug war glibbrig, er wusste nicht, was ihm da an den Händen klebte. Also befragte er die Arbeiter, erpicht darauf, die Natur dieses eigenartigen Rückstandes zu ergründen. Doch auch sie wussten nicht mehr darüber, aber – so berichteten sie ihm – es heile Brand- und Schürfwunden. Chesebrough sah seine Chance gekommen, packte die Schmiere ein und tüftelte elf Jahre lang an der Extraktion des Grundbestandteils. Dann endlich schaffte er es, aus dem Erdöl-Abfallprodukt reine Vaseline herzustellen.
Dass im Jahr 1945 in der Hosentasche eines amerikanischen Ingenieurs ein Schoko-Riegel vor sich hin schmolz, gab den Ausschlag, dass wir heute diese rechteckige Bequemlichkeit in der Küche stehen haben. Percy Spencer stand vor einem Radargerät für Flugzeuge und dieses versetzte seine Leckerei in den flüssigen Zustand.
Popcorn war das erste Nahrungsmittel, das mit Mikrowellenstrahlung zubereitet wurde. Danach musste ein Ei daran glauben, das vor den Augen der Experimentatoren explodierte. Innerhalb von zwei Jahren entwickelte der Ingenieur das erste Exemplar eines Mikrowellenherdes: Es war fast zwei Meter hoch und wog stattliche 340 Kilogramm.
Wer hat's erfunden?
Richtig! Ein Schweizer, der bereits mit zwölf Jahren ein mit Stoff bespanntes Modellflugzeug patentieren liess. Irgendwann im Jahr 1941, Georges de Mestral war gerade von der Jagd nach Hause gekehrt, bemerkte er, dass sich etwas an seiner Hose und im Fell seines Hundes festgehakt hatte.
Mit Hilfe eines Mikroskops stellte der Schweizer fest, dass es sich um die Früchte der «Grossen Klette» handelte. Diese igelartigen Kugeln tragen winzige elastische Häklein, die sich an bestimmten Textilien oder eben im Fell festsetzen können. Mit dem Haken-Ösen-System konnte man also ganz einfach zwei Stoffe miteinander verbinden.
John Pemberton, der Vater des Colas, war Apotheker und diente während des Amerikanischen Bürgerkriegs als Oberstleutnant im konföderierten Heer. Und er war morphiumsüchtig. Das war der eigentliche Grund, warum er sich für die Cocapflanze interessierte. Kokain sollte ihn von der Morphiumsucht befreien. 1885 war das Cola erfunden und es zog seine einzige Daseinsberechtigung aus dem tiefen Wunsch eines Mannes, seiner Sucht Herr zu werden. Pemberton liess sein Getränk patentieren, verkaufte aber kurz danach zwei Drittel seiner Rechte an die Firma von As Griggs Candler, dem Bürgermeister von Atlanta. Offensichtlich brachte seine Erfindung nicht die erhoffte Entwöhnung vom Schmerzmittel; er benutzte das Geld, um sich weiterhin damit eindecken zu können. Sein Sohn erbte zwar den übrig gebliebenen Drittel der Cola-Rechte, starb dann aber wenige Jahre später nach seinem Vater an einer Überdosis Rohmorphium.
Der amerikanische Teehändler Thomas Sullivan schickte um das Jahr 1904 herum Teeproben an seine Kunden. Er wollte dafür aber nicht die kostspieligen, weil schweren Blechdosen benutzen. Also füllte er den Tee in kleine, platzsparende Seidenbeutel ab. Die Empfänger dachten sich dann wohl: Ach, wie überaus praktisch, so kann ich mir die Prozedur des Abseihens und Umfüllens in eine zweite Kanne ersparen! Und so tauchten sie die Teebeutel direkt ins Wasser. Anfangs unsäglich beliebt, geriet der Sullivan'sche Teebeutel bald in Verruf. Nachahmer schmuggelten billige Zusatzstoffe und minderwertige Kräuter in die Beutelchen, um die Kosten zu senken. Und so hörte man bald munkeln: Der Beuteltee sei von schäbiger Qualität.
Der Brite John Hornimann verklebte seine Teebeutel mit Leim, schrieb seinen Namen auf die Beutel und haftete damit für die Qualität. Keine üble Idee, aber leider machte der Kleber den Tee pappig und muffig.
1929 kam dann der heutige Teebeutel auf den Markt. Adolf Rambold, ein Mitarbeiter des Unternehmens «Teekanne», entwickelte einen geschmacksneutralen Aufgussbeutel aus Spezialpergamentpapier.