Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03404.jsonl.gz/2062

HOT DOGS ODER KALTE FÜSSE?
Kürzlich las ich eine Geschichte, die ich bereits vor vielen Jahren gehört habe. Spannenderweise ist sie aktueller denn je und hat an Bedeutung gewonnen. Sie beginnt so: Es war einmal ein älterer Mann. Seine Ohren waren nicht besonders gut, darum hörte er kaum Radio…
Seine Sehstärke liess nach, weshalb er immer weniger Zeitungen las, praktisch nie Fernsehen schaute und das Smartphone einzig zum Telefonieren nutzte. Doch er hatte viele Stärken.
Dem Mann gehörte ein kleiner Hot-Dog-Stand. Jeden Tag verkaufte er seine Hot Dogs mit Freude und Begeisterung. Die Qualität und der Geschmack waren ausgezeichnet, weshalb er viele Kunden hatte und ein gutes Geschäft machte.
Er war pfiffig und fand immer neue Wege, um den Verkauf anzukurbeln. Seine Schilder waren bunt und die Passanten wurden schon von weit her auf seine Hot Dogs ausmerksam. Die Stammkunden wurden immer mehr und bald schon kaufte er sich einen grösseren Stand, um die steigende Nachfrage abdecken zu können. Er freute sich über den Erfolg und verkaufte mit noch mehr Herzblut und Freude.
Bald wurde sein Geschäft so gross, dass er sich Unterstützung bei seinem Sohn suchte, der auf der Uni studierte. “Magst du dir ein paar Euro dazu verdienen und mich beim Verkaufen unterstützen. Es ist höchste Zeit zu expandieren”.
Sein Sohn schaute ihn ungläubig an. “Liest du keine News? Hörst du keine Nachrichten? Wir stecken in einer grossen Krise, die Wirtschaft liegt am Boden. Es herrscht Panik an den Finanzmärkten, Jobs werden gestrichen und Investitionen sind gleich Null. Das ist der total falsche Zeitpunkt um zu expandieren.”
“Mein Sohn studiert an der Uni, hört Radio und liest täglich Wirtschaftsnachrichten. Er muss es ja wissen”, sagte der Mann zu sich selbst. Also begrub er nicht nur seine Expansionspläne, sondern machte sich viele Gedanken über die schlechte Wirtschaftslage. Er wurde immer betrübter und verkaufte die Hot Dogs weder mit Freude noch mit Begeisterung. Langsam und stetig kamen immer weniger Kunden, bis er am Schluss kurz vor dem Konkurs stand. Da sagte der ältere Mann zu sich selbst: “Wie recht mein Sohn doch hatte, es ist Rezession, wir befinden uns in einer schweren Wirtschaftskrise.”
Eine wunderbare Geschichte, die auch in 10 Jahren aktuell sein wird. Für mich bedeutet sie nicht, die Augen und Ohren zu verschliessen. Schon gar nicht von wirtschafltichen Entwicklungen in sich stark verändernden Märkten. Ich sehe sie mehr als ein Plädoier um sich auf seine Stärken zu konzentrieren, Qualität und Leidenschaft zu verbinden, wach und frech in der Kommunikation zu sein und seinen Weg zu gehen. Vor allem aber auch für eine Portion unternehmerischen Mut.
Übrigens: In einem Gesundheitsratgeber habe ich gelesen, dass kalte Füsse oft ein Warnsignal sind, weil die Blutzirkulation im Körper eingeschränkt ist oder eine nervliche Störung vorliegt. Kriegt ein Unternehmen (zu) oft kalte Füsse, darf auch das Warnsignal verstanden werden. Ich entscheide mich für Hot Dogs.
Ein frischer Gruss
Ralph Hubacher