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Geschichte
Die Entwicklung der Dampfmaschine und Eisenbahn im 19. Jahrhundert blieb nicht ohne Einfluss auf die Landwirtschaft. Billige Getreideimporte verdrängten den einheimischen Ackerbau, sodass die Thurgauer Bauern rasch eine Chance in der Milchproduktion erkannten. Erste Käsereien wurden im Thurgau um 1850 erstellt. Bereits 1887 gründeten Thurgauer Bauern, Käser und Tierärzte einen «Milchinteressentenverein», welcher jedoch wegen Uneinigkeit bald in Schwierigkeiten geriet. 1897 gründeten 21 Thurgauer Käsereigesellschaften den ersten Verband. Vor dem ersten Weltkrieg schlossen sich über 100 Genossenschaften dem jungen Verband an. Die Schwierigkeiten im Käseexport und der Einfluss auf die Milchpreise wurden zu einer Kraftprobe. Dank Verhandlungshärte und Solidarität konnten die Probleme gemeistert werden.
Die Gründung des Schweizerischen Bauernverbandes, des Zentralverbandes der Schweizerischen Milchproduzenten (heutige SMP) und der Emmental AG als Käseexportfirma stärkten die Stellung der Landwirtschaft in den ersten Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts massiv. Die Schwierigkeiten zwischen den beiden Weltkriegen glichen einem Wechselbad der Mengen und der Preise.
Die 1917 von Milchproduzenten entlang dem Boden- und Untersee gegründete Molkerei in Kreuzlingen diente vor allem der Versorgung der Städte Kreuzlingen und Konstanz.
Infolge ernsthafter finanzieller Schwierigkeiten wurde sie 1929 vom Thurgauer Verband übernommen. Ebenfalls 1929 erfolgte zusammen mit anderen Verbänden die Gründung der Genossenschaft Milchpulverfabrik Sulgen. Nachdem noch 1936/37 eine Milchkontingentierung eingeführt wurde, brachte die Krisensituation vor und während des zweiten Weltkrieges für die Landwirtschaft eine Stabilisierung. Plötzlich war die Nahrungsmittelversorgung zu einem zentralen Punkt des Staatswesens geworden, und jede Menge einheimischer Produkte war gefragt. Mit der Revision der Bundesverfassung vom 6. Juli 1947 wurde die Grundlage für ein Landwirtschaftsgesetz gelegt, worauf sich auch die Gesetze und Verordnungen für die Milchwirtschaft stützten. Damit war eine fast 50jährige Blütezeit der schweizerischen Landwirtschaft eingeleitet, welche zu steigender Milchproduktion und sich laufend verbessernden Milchpreisen führte.
Einkommenssicherung für die Milchproduzenten, Sanierung der Konsummilchmärkte, Sicherung der Konsummilchversorgung, Förderung des Milchabsatzes und des Käseexportes, Einführung der Milchkontingentierung, Aufbau eigener Käserei- und Milchsammelbetriebe, Einführung der Qualitätsbezahlung waren in den Jahren zwischen 1960 und 1980 die zentralen Aufgaben des Milchverbandes. Dank des enormen politischen Gewichtes, welches die Milchproduzenten auf nationaler politischer Ebene entwickeln konnten, gelang es immer wieder, die Einkommensrückstände der Bauern wettzumachen.
Zu Beginn der 90er Jahre zeichnete sich ab, dass die bisherige Agrarpolitik nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Im Rahmen der weltweiten Liberalisierungsbestrebungen musste sich auch die schweizerische Landwirtschaft anpassen. Mit dem siebten Landwirtschaftsbericht des Bundesrates im Jahre 1992 wurde die neue Agrarpolitik angekündigt. Die Senkung des Milchpreises erfolgte schrittweise vom Höchststand von 107 Rp./kg auf einen Tiefststand von 55 Rp./kg. Die Einkommensausfälle wurden wenigstens teilweise durch Direktzahlungen, welche an Leistungen und Fläche gebunden waren, ausgeglichen. Diese massiven Veränderungen gingen nicht spurlos an der Landwirtschaft vorüber. Mit Demonstrationen im Jahre 1992 und auch später machten die Milchproduzenten immer wieder auf ihre prekäre Einkommenssituation aufmerksam. Die Aktivitäten der Molkerei Kreuzlingen wurden 1991 durch Fusion mit der Molkerei des Milchverbandes St. Gallen in Gossau und mit der Milchpulverfabrik in Sulgen in die Säntis Holding ausgegliedert. Der Verband beschränkt sich seither schwergewichtig auf die agrarpolitischen Anliegen, die Beratung der Mitglieder und der Milchproduzenten sowie auf Vertrags- und Preisverhandlungen. Durch aktive Beteiligung und Engagement in den Sortenorganisationen für Käse und die Beteiligung am Thurgauischen Käse-Reifungslager werden die Voraussetzungen geschaffen, um auch weiterhin eine Milchverarbeitung mit guter Wertschöpfung im Thurgau zu erhalten. Der rasche Wandel in einer liberalisierten Agrarwirtschaft machte aber nicht Halt. Bereits per 1. Januar 1999 wurden die beiden grossen Milchverwerter Toni-Holding und Säntis-Holding zur neuen Swiss Dairy Food AG fusioniert. Die Marke Säntis verschwand zugunsten der nationalen Marke TONI. Die beiden Betriebe in Sulgen und Gossau sowie die Weichkäserei in Bürglen wurden ausgebaut, während die Produktion der Butterzentrale Gossau und die Kaffeerahmabfüllung nach Fribourg verlegt und die beiden Betriebe geschlossen wurden. Trotz grossen Bemühungen, die Ertragslage der Swiss Dairy Food zwischen 1999 und 2002 schrittweise zu verbessern, musste diese Firma am 22.9.2002 Nachlassstundung beantragen. In der Folge wurden die vielen Produktionsstandorte zum Teil stillgelegt oder an andere Firmen verkauft. An der a.o. Delegiertenversammlung vom 4. Dezember 2007 beschloss der Verband, eine Beteiligung an der HOCHDORF-Holding zu zeichnen. Begründet wurde dieses Engagement mit der Bedeutung des Standorts Sulgen für die Milchverarbeitung im Thurgau sowie mit den Ausbauplänen in Sulgen im Hinblick auf die vollständige Liberalisierung des Milchmarktes ab 2009. An der Delegiertenversammlung vom 21. April 2008 genehmigten die Delegierten eine Änderung der Statuten. Damit kann jeder aktive Milchproduzent im Thurgau und in angrenzenden Gebieten Mitglied der Genossenschaft werden. Anstelle einer Delegiertenversammlung wird zukünftig jedes Mitglied an die Generalversammlung eingeladen. Gleichzeitig wurde informiert, dass die Genossenschaft ab 1. Mai 2008 während drei Jahren 0.1 Rp der Abgaben pro kg Milch zulasten der Genossenschaftsrechnung übernimmt, bzw. den Mitgliedern rückvergütet.
Im Herbst 2008 wurde die Geschäftsstelle TMP für ein halbes Jahr nach Bürglen ausgelagert, damit der Umbau des Bürohauses an der Industriestrasse 9 in Weinfelden realisiert und im Frühling 2009 das Haus der Landwirtschaft eröffnet werden konnte. Seither beherbergt das stattliche Gebäude sowohl die Geschäftsstelle Thurgauer Milchproduzenten TMP wie auch diejenige des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft VTL sowie die Regionalstelle der Agrisano Krankenkasse. Diese Bürogemeinschaft hat sich bestens bewährt und ermöglicht ein optimales Zusammenwirken zugunsten der Thurgauer Landwirtschaft. Per Generalversammlung 2010 wurde der Namenszug „Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten TMP“ beschlossen.