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... und, so können wir jedenfalls annehmen, auch verkauft und getrunken. Auch wenn wir davon ausgehen, dass sich diese Zahl coronabedingt im letzten Jahr etwas abgeschwächt hat, eine halbe Milliarde ist doch eine schwindelerregende Zahl. Und ausser dem eigentlichen Prosecco gibt es noch eine unüberblickbare Anzahl von anonymen Schäumern, die wie der deutsche «Secco» als Trittbrettfahrer auf einen ähnlichen Namen hören und im Markt mitschwimmen.
Aber eben, auch Prosecco ist nicht gleich Prosecco! Dazu sollte man ein paar wenige Dinge wissen:
Seit dem 1. Januar 2010 ist «Prosecco» nicht mehr der Name einer Rebsorte, sondern eine Herkunftsbezeichnung. Das heisst, die Weine müssen aus einem genau definierten Gebiet der beiden Regionen Venetien und Friaul-Julisch Venetien stammen, nur dann dürfen sie die Bezeichnung Prosecco DOC auf dem Etikett führen. Dieses Gebiet ist aber riesig und erstreckt sich bis weit in die Ebene hinaus. 2019 wurden davon nicht weniger als 482 Millionen Flaschen verkauft. Strenger sind die Regeln für Weine, die auf die Namen Prosecco Conegliano Valdobbiadene DOCG oder Asolo DOCG hören. Sie kommen aus der wunderschönen Kernzone um die beiden Dörfer Valdobbiadene und Conegliano, die sogar in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurden. Oder aus der Gegend um das kleine Städtchen Asolo herum. In diesen beiden Gebieten werden total «nur» etwas über 100 Millionen Flaschen produziert.
Früher war «Prosecco» der Name einer Rebsorte, heute heisst diese Glera. Ein Prosecco muss zu mindestens 85% aus ihr bestehen, die restlichen 15% sind recht frei wählbar, sogar rote Rebsorten sind zugelassen. Weine aus der Rebsorte Glera, die ausserhalb der Proseccozone wachsen, dürfen seit 2010 nicht mehr Prosecco heissen.
Mehr als eine halbe Milliarde Flaschen? Wer soll denn das alles trinken? Vor noch nicht einmal 40 Jahren war das Gebiet um Valdobbiadene und Conegliano noch ein verträumtes Nirgendwo auf der önologischen Landkarte. Dann entdeckten die Deutschen, die Österreicher und wir Schweizer diesen freundlichen Aperitifprickler und damit war das Wunder eingeläutet. Nach uns kamen die Engländer, dann die Amerikaner und das Ende ist nicht in Sicht.
Und der Grund für dieses Wunder? Da ist sicher einmal der Preis, aber ebenso sicher nicht nur. Denn ein guter (!) Prosecco ist ein wunderbarer Aperitif: apfelfrisch, fruchtig, fein und geschmeidig.