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St. Wolfgang als wichtiger Verkehrsknotenpunkt
Der unter Ortsbildschutz stehende Weiler St. Wolfgang erhielt erst im 15. Jahrhundert seine Bedeutung. St. Wolfgang lag am Kreuzpunkt zweier Strassen. Die eine Strasse war der Handelsweg von Luzern kommend über Kappel nach Zürich.
Der andere Weg führte von Zug über Sins zur zugerischen Vogtei Oberrüti. In St. Wolfgang stiegen auch die Händler ab.
1479 erwähnt ein Protokoll des Stadtrates von Zug zwei Tavernen zu St. Wolfgang: Die „Niedere“ und die „Obere“. Die Nieder war wahrscheinlich ein Vorbau des heutigen Rösslis.Die andere war der bereits im 19. Jahrhundert eingegangene „Löwen“.
In St. Wolfgang hatte sich auch eine Schmiede befunden. Die Pferde der Kaufleute mussten nämlich nicht selten beschlagen werden.
Das Rössli
Das Rössli wird in den historischen Schriften immer wieder erwähnt: Hier soll der Saubannerzug nach dem Burgunderkrieg beschlossen worden sein – fernab von Zug, um doch etwas freier reden zu können.
Der Saubannerzug, auch Kolbenbannerzug Zug des torechten Lebens genannt, war das militärische Unternehmen einer Freischar, die sich 1477 während der Fastnachtszeit aus der Zentralschweiz Richtung Westschweiz in Bewegung setzte. Ziel war es, von Genf, das damals noch zu Burgund gehörte, die nach den Burgunderkriegen versprochene, aber noch nicht bezahlte Branschatzsumme einzutreiben.
Der Heerhaufen verursachte den Räten der Städte Bern, Zürich und Luzern grosses Kopfzerbrechen, da sie in Verhandlungen mit Savoyen und Frankreich standen. Genf musste sich verpflichten, den Eidgenossen von den noch geschuldeten 24’000 Gulden einen Drittel sofort auszuzahlen; für die verbleibenden zwei Drittel wurden Geiseln gestellt. Überdies musste Genf jedem Zugteilnehmer zwei Gulden als Entschädigung entrichten sowie einen Umtrunk anbieten. Durch diese Zugeständnisse konnte der Zug am 4. März aufgehalten werden, bevor er sein Ziel erreichte.
Im Rössli übernachteten auch die Berner Schützen, die 1507 am grossen Schützenfest zu St. Wolfgang teilgenommen haben.
Der heutige Bau ist nicht genau datiert. Das Dach wurde jedoch mit Ziegeln aus der Zuger Ziegelei Branenberg gedeckt. 1905 standen vor dem Rössli noch zwei Pappeln, später wurden sie durch zwei andere Bäume ersetzt (Bild aus dem Jahre 1922).
Aktuelle Informationen zum Restaurant Rössli.
St. Wolfgang als Exklave der Stadt Zug
Der Weiler St. Wolfgang, bestehend aus der Kirche und vier Wohnhäusern, kam erst mit dem Jahr 1935 zu Hünenberg.
Als am 17. Februar 1798 die Ennetseegemeinden ihre Selbstständigkeit erhielten, blieb der Weiler St. Wolfgang als Exklave der Stadt Zug bestehen. Die wenigen Familien, die hier wohnten, unterstanden demnach der Verwaltung der Stadtgemeine Zug, obwohl die schulpflichtigen Kinder die Schulen von Hünenberg besuchten und auch der Feuerwehr- und Polizeidienst von Hünenberg besorgt wurde. Auch die Steuern mussten der Stadt Zug abgeliefert werden.
Im Rahmen von Grenzregulierungen im Jahre 1934 wurden Verhandlungen über eine politische Zuteilung von St. Wolfgang zur Gemeinde Hünenberg geführt.
An der Einwohnergemeindeversammlung der Stadt Zug vom 30. Dezember 1934 wurde die Abtretung beschlossen und Hünenberg ratifizierte den Vertrag an der Einwohnergemeindeversammlung vom 14. April 1935. Der Vertrag sah vor, dass die Gemeinde Hünenberg für die nächsten 50 Jahre 50 % der Steuereinnahmen aus der ehemaligen Enklave St. Wolfgang abzuliefern hat.
Nach 23 Jahren ersuchten die Hünenberger die Stadt Zug, auf diesen Anteil zu verzichten, der 1957 noch 624 Franken und 10 Rappen betragen hatte. Dem Gesuch wurde am 23. Juni 1958 entsprochen.
Kirche St. Wolfgang
Im Jahre 1473 liess die Stadt Zug die spätgotische Kirche durch den damals bekannten Baumeister Hans Felder erbauen. Hans Felder gilt auch als Baumeister der Kirche St. Oswald in Zug und der Wasserkirche in Zürich. Die Kirche ist dem Bischof St. Wolfgang geweiht, einem Heiligen und Trostspender des 10. Jahrhunderts.
1479 zieht der erste Kaplan in St. Wolfgang ein. In der Folge entwickelt sich St. Wolfgang zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort. 1495 wird St. Wolfgang eigentliches Landesheiligtum.
Die Legende berichtet, dass Hilfesuchende im von Seuchen und Krankheiten geprägten Mittelalter ein Bild des Heiligen Wolfgang an einem Baum befestigten, um durch seine Fürbitte Linderung im Leid zu erlangen. Die zunehmende Verehrung des Heiligen habe die Stadt Zug bewogen, ihm zu Ehren eine Wallfahrtskirche zu errichten.
Die so genannte Pilgerglocke, südwestlich der Kirche, erinnert an den vielbesuchten Wallfahrtsort. Zeitweise wirkten zwei Kapläne als Wallfahrtspriester in St. Wolfgang, wovon das stattliche Steinhaus mit den blauen Fensterläden aus dem Jahre 1696 Zeugnis ablegt.
Nach etlichen „Verrestaurierungen“ gelang in den Jahren 1947 bis 1949 eine Wiederherstellung des spätgotischen Gotteshauses unter der Oberaufsicht von Dr. Linus Birchler. Dabei werden im Langhaus Wandmalereien aus dem späten 16. oder 17. Jahrhundert entdeckt.
Seither gilt St. Wolfgang als eine der schönsten Landkirchen der Gotik in der Schweiz. Im Inneren sind das zwar nur noch als Kopie vorhandene Chorgestühl (die Originale befinden sich im Landesmuseum). Der Wolfgangbilderzyklus in einer Seccomalerei des 16. Jahrhunderts wurde ebenfalls 1949 freigelegt. Das spät-gotisch Vortragekreuz, stammt aus dem 15. Jahrhundert und die Glasgemälde der Chorfenster wurden 1949 von August Wanner erstellt. An der nördlichen Chorbogenwand sehen sie die spätgotisch «Madonna aus Hünenberg»,
Vor allem das von Meister Ulrich von Rosenstain in der Art einer spätgot. Turmmonstranz geschaffene Sakramentshäuschen aus dem Jahre 1486 ist sehr sehenswert.
Das Pfrundhaus wurde als Steinbau 1697 erstellt und besticht durch seine Grösse. Zeitweise sollen sogar drei Geistliche hier gewohnt haben. Heute gehört das Haus Xaver Stocker. Für den Kaplan von St. Wolfgang wurde ein neues Haus südlich der Kirche erstellt.
Die Kirche St. Wolfgang ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft.
Aktuelles zur Kirche St. Wolfgang
Das Sigristenhaus und der Friedhof
Das Sigristensteinhaus stand direkt am Weg südlich der Kirche. Es wurde 1946 abgerissen.
Letzte Bewohner waren die Familie Keiser: Anna Keiser war Handarbeitslehrerin im Matten.
Gut sichtbar ist der Friedbof mit den Garbmälern. Dass es hier überhaupt einen Firedhof gab, ist der Tatsache zu verdanken, dass die vier Häuser von St. Wolfgang einst als Enklave zu Zug gehörten.
Das Haus hintetn aus dem Jahre 1672 wird von der Familie Agnes Nussbaumer bewohnt.
Schlacht an der Totenhalde
Die Totenhalde, der steile Abhang westlich von St. Wolfgang, war im Jahre 1388 im Nachgang zur Schlacht bei Sempach (1386) Schauplatz eines kriegerischen Gefechts.
Ein habsburgischer Vergeltungsraubzug suchte das Gebiet von Hünenberg und Umgebung heim. Gehöfte wurden geplündert und gingen in Flammen auf. Die Zuger unter ihrem Ammann Hans von Hospental wollten den Habsburgern das Raubgut wieder abnehmen. Es kam zum missglückten Gefecht an der Totenhalde am Heiligabend des Jahres 1388, wo 42 Zuger starben, darunter auch Hünenberger und der Anführer Hans von Hospental.
|Ausschnitt aus der Zürcher Chronik, Abschrift von Hans Glogger, Zürich ca. 1440:|
|158. Morndes an dem hailgen abent ze wienächt a.d. 88 jar, do zoch des herzogen volk…des furen die von Zug und die von Sankt Andres und ander, die bi inen waren, über den Zugerse…und do sie kamen gen Hünaberg…und als lufften die von Zug hinab und wisen nit um die huot…und ersluogent der von Zug 42 man…heten si wislich und recht gefarn und hettet si gebaitet ander ir fründen die allweg zuozogen, damitte ir hilf grösser und besser wär worden, das sie mit gottes hilf wol on schaden dannen wärint komen, hetten si sich nit also torlich vergahet.|
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Erst das verspätete eidgenössische Kontingent konnte die Österreicher vertreiben. Am 1. April 1389 wurde zwischen den kriegerischen Parteien ein Waffenstillstand abgeschlossen.
Der Name Totenhalde (Tuotenhalde, Dottenhalden, Tottenhalten ….) aber war schon vor diesem Kampf bekannt. Denn das Kloster Frauenthal hatte bereits 1364 ein Stück Land in der „Tottenhalten“ erworben.
|Autoren: Patricia Diermeier Reichardt, Guido Wetli|
Fotos: Archiv, Thomas Müller
Quelle: GSK: Kunstführer durch die Schweiz. Bern