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CityLife, Mailand
Entstanden ist ein in Modernität getauchtes Stadtquartier, das auf 366 000 Quadratmetern die Vermischung verschiedenster Interessengruppen anstrebt. Wohnungen, Büros, Einkaufszentrum und Parkanlagen drängen in einen Mikrokosmos, der sich dem Auto nahezu entledigt und umweltverträgliche Mobilität propagiert. Eine eigens angelegte Metrolinie – mit Halt auf der Piazza in Tre Torri – und öffentliche Verkehrsmittel bedienen das Stadtquartier. Kraftstoffbetriebener Verkehr wird stattdessen im Tunnel durch das Areal geführt. Der Business- und Shopping-Distrikt mit seinen 1500 Parkplätzen verfügt über einen Tunnelanschluss.
Im Wandel zum Trendquartier
Historisch gewachsene Strukturen bilden die Eckpfeiler des neu komponierten Stadtquartiers. Die bis heute als Fiera Campionaria bekannte einstige Nuova Piazza d’Armi wurde Anfang der 1920er-Jahre zum Mailänder Messegelände. Das Aquarium im Parco Sempione – aus Stein gebaut statt wie konventionelle Messestände aus Holz – ist als Überbleibsel früherer Ausstellungen erhalten geblieben. Nach schweren Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg baute man das internationale Fachmessenareal Fiera Milano wieder auf und eröffnete es 1946. Mit dem Wechsel von der Fiera Campionaria zur Fiera d’Aprile fand 1985 auch ein Wandel von Musterausstellungen zu Fachveranstaltungen statt. Nach der Eröffnung neuer Pavillons im nordwestlichen Teil von Portello erhöhte sich 1997 die Ausstellungsfläche der Fiera Milano auf 348 000 Bruttoquadratmeter. Derzeit besteht das Raumangebot aus den beiden Ausstellungsgebieten Fieramilano – zwischen den Vororten Rho und Pero – sowie Fieramilanocity, im Stadtteil Portello. CityLife ist inmitten von Portello gelegen, der Baubeginn erfolgte 2007.
Skulpturaler Kern
Drei Hochhäuser thronen künftig über dem Areal – die skulpturähnlichen Volumen der Bürobauten versehen CityLife mit symbolträchtigen Emblemen. Vom Japaner Arata Isozaki stammt «Il Dritto» (der Gerade) – oder schlicht: Allianz Tower. Das Gebäude erreicht eine Höhe von 202 Metern und fasst 50 Stockwerke.
Zaha Hadid entwarf «Lo Storto» (der Krumme) – 44 Stockwerke und 170 Meter hoch –, der als Hauptsitz der Gruppo Generali dient. «Il Curvo» (der Gebogene) von Daniel Libeskind ragt 175 Meter in die Höhe und hat 31 Stockwerke. Nach der voraussichtlichen Fertigstellung 2019 wird dieser von PwC Italien bezogen. Im Verbund mit den Hochhäusern bildet der Business- und Shopping-Distrikt den formellen Kern des Stadtquartiers. Drei architektonische Komponenten bestimmten massgeblich den Charakter des Projekts. Allen voran die von Zaha Hadid stammende Einkaufsgalerie, welche sich über drei Stockwerke erstreckt. Piazza Tre Torri von One Works und eine Fussgängerzone im Freien – Architekt Mauro Galantino inszenierte sie als natürliches Entree und als Trennung zu den Wohnanlagen sowie dem Rest der Stadt – wurden als narratives Zwischenspiel angelegt.
Wohnensemble als bauliches Bindeglied
Umgeben von Parkanlagen erheben sich seit 2013 im südlichen Teil des Areals die Residenzen von Zaha Hadid und Daniel Libeskind. Die Architekten fanden mit zunehmenden Gebäudehöhen – in Richtung der Arealmitte – eine elegante Überleitung zwischen dem Gebäudebestand des Nachbarareals und den zentral gelegenen Hochhäusern. Gleichwohl unterstreicht das Wechselspiel der Gebäudehöhen die Individualität der verschiedenen Wohnbauten. Zaha Hadid bediente sich abermals einer organischen Formensprache, aber sie verzichtete auf überzogene Überspitzung. Fliessend ineinander übergehende Fassadenelemente zieren die Gebäudehülle.
Libeskind bekennt sich zu naturalistischen Materialien und einer klassischen Hofgestaltung – als Annäherung an den Umgebungscharakter. Sein fünfteiliger Gebäudekomplex am südlichen Rand des Quartiers setzt sich aus Villen und Mehrfamilienhäusern mit 7 bis 14 Stockwerken zusammen. Asymmetrisch geschichtete Fassaden sprechen eine zeitgenössische Sprache. Fliesenverkleidet folgen sie einem wellenförmigen Rhythmus von Vor- und Rücksprüngen, welche mit Bändern aus asymmetrischem Glas und Fliesenbalkonen umwickelt sind. Brise Soleils aus nachhaltigem Holz ergänzen die Fassaden. Thermisch geregelte Strahlungsdecken, programmierbare Heiz- und Kühlsysteme sowie Photovoltaikanlagen auf dem Dach zur Erzeugung und Speicherung von Stromenergie gehören zur technischen Ausstattung der Wohnbauten. Von der italienischen Energiezertifikationsstelle wurden diese mit der Wertung A+ Class zertifiziert.
Im Schosse der Natur
Natur inszeniert. CityLife setzt dieses Stilmittel gekonnt ein und stellt Besuchenden des Areals eine Vielzahl an Plätzen und Parkanlagen zur Verfügung. Im Public Park – dieser nimmt mit 173 000 Quadratmetern nahezu die Hälfte der gesamten Arealfläche ein – zeigt sich ein origineller Kontrast zur dominant erscheinenden Büroarchitektur. Die Kunstkommission des Stadtrats, ArtLine Milano, nutzt den Public Park zugleich als Bühne für Kunstwerke international renommierter und zum Teil mithilfe eines Wettbewerbs auserkorener Künstler.
Orti Fioriti – ein Garten mit 5000 Quadratmetern Fläche – wurde zusammen mit dem Verband Orticola di Lombardia realisiert und erlaubt den Anbau von Gemüse, Blumen und süssen Heilkräutern. Wer CityLife zu Fuss erkundet, entdeckt mit der Piazza Giulio Cesare eine sanfte und historisch begründete Einleitung in das Areal. Diese ist zugleich Teil der Trennlinie zwischen den Wohnanlagen. Die dort zu bestaunende Fontana delle Quattro Stagioni (Vierjahreszeitenbrunnen) – vier Statuen symbolisieren die Jahreszeiten – wurde 1927 vom Architekten Renzo Gorla entworfen und pünktlich zum Umbau des Areals renoviert. Der Jugendstilbrunnen erhielt mit Parco CityLife zudem eine moderne Kopie mit nahezu identischer Wasserfläche. BabyLife – ein vollständig aus Holz gefertigter Kindergarten und der erste seiner Art in Mailand – ist zudem Zeugnis nachhaltiger Architektur im Areal. Darüber hinaus bereichern Sportanlagen das Freizeitangebot im Quartier.
Mailand entsteht – unentwegt. Das neue Stadtquartier CityLife ist ein Bekenntnis zur Vielfalt – baulich und gesellschaftlich – und zugleich emotionaler Spielplatz, der die Lebendigkeit und die Vorzüge von Orten zur Schau trägt.
Bautafel
CityLife
Stadterweiterung
Mailand, seit 2007
Hochhaus «Il Dritto»
Neubau Arata Isozaki
2015
Hochhaus «Lo Storto»
Neubau Zaha Hadid
2017
Hochhaus «Il Curvo»
Neubau Daniel Libeskind
2019
Hadid-Residenzen
Neubau
2013
Libeskind-Residenzen
Neubau
2013