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In den 1980er-Jahren hatte er die Basler Politlandschaft durchgerüttelt: Am 29. April ist alt Regierungsrat Karl Schnyder im Alter von 84 Jahren gestorben.
Karl Schnyder (1931–2016) war ein Polit-Urgestein, wie es in Basel nur wenige gab. Als Parteisekretär der SP und VPOD-Sekretär legte der ehemalige kaufmännische Angestellte den Grundstein für seine Politkarriere, die ihn über den Grossen Rat (1964–1976) und den Nationalrat (1975–1978) schliesslich in die Basler Regierung führte, wo er von 1976 bis 1994 als Vorsteher des Polizeidepartements amtierte. Und die Basler Politlandschaft durchrüttelte.
Schnyder war ein Regierungsrat zum Anfassen, der als Polizeidirektor aber auch heftig zupacken liess. Seine Null-Toleranz-Politik gegenüber der AJZ- und Hausbesetzerszene Anfang der 1980er-Jahre handelte ihm in den Reihen seiner Partei, den Sozialdemokraten, harsche Kritik ein, die schliesslich in eine Parteispaltung mündete.
Spaltung der Basler SP
1981 trat Schnyder aus der SP aus. Zusammen mit weiteren unzufriedenen Genossen aus dem konservativen SP-Flügel gründete er 1982 die Demokratisch-Soziale Partei (DSP). Weil mit Edmund Wyss auch ein zweiter SP-Regierungsrat zur DSP wechselte und viele Grossräte übertraten, sah sich die SP von einem Tag auf den andern in der Exekutive und Legislative massiv geschwächt.
Schnyder blieb als DSP-Vertreter bis 1994 in der Regierung. Viel Kritik handelte er sich 1989 während der Fichenaffäre ein. Schnyder wurde vorgeworfen, die systematische Bespitzelung eines nicht geringen Teils der Basler Bevölkerung zu vertuschen. Auf der anderen Seite wich er als Polizeidirektor langsam vom brutalen Holzhammer-Prinzip ab, was sich unter anderem bei der Räumung der Alten Stadtgärtnerei zeigte.
Das soziale Gewissen blieb
Auch wenn Karl Schnyder während seiner gesamten Amtszeit zum Feindbild der Linken in Basel gehörte, hielt er seinem sozialen Gewissen und seinen gewerkschaftlichen Wurzeln stets die Treue. So goutierte er ganz und gar nicht, als seine DSP mit der Zeit in sozialen Belangen und in der Ausländerpolitik immer weiter nach rechts rutschte und zum Sammelbecken von Politikern wurde, die sich in den traditionellen bürgerlichen Parteien nicht mehr aufgehoben fühlten.
Nach seinem Rücktritt aus dem Regierungsrat wurde es in Basel still um Schnyder. Er amtierte zwar noch einige Jahre als Ombudsmann des Wirteverbands. In der DSP spielte er aber keine wichtige Rolle mehr. Das bekam die Partei mehr oder weniger direkt schliesslich auch zu spüren. 2009 löste sie sich auf. Am 29. April 2016 starb Karl Schnyder «nach längerer Krankheit», wie aus der Todesanzeige hervorgeht.