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Studientagung «Ina Lohr im Kontext»
Am 12. Mai 2016 findet an der Schola Cantorum Basiliensis eine Tagung zur Geigerin und Musikpädagogin Ina Lohr statt. Als Assistentin von Paul Sacher und Lehrkraft an der neu gegründeten Institution für alte Musik prägte jene die Geschichte der Schola Cantorum Basiliensis wesentlich mit.
Heute ist Ina Lohr (1903-1983) wohl nur noch wenigen Baslern und einigen Holländern bekannt. Schon kurz nach ihrer Ankunft in Basel wurde sie 1930 Paul Sachers Assistentin bei seiner Arbeit mit dem Basler Kammerorchester, eine Anstellung, die sie mehr als 50 Jahre innehatte. Aus dieser Zusammenarbeit heraus war sie 1933 auch – zusammen mit Paul Sacher, Arnold Geering und Walter Nef – an der Gründung der jetzt internatio-nal bekannten Schule für Alte Musik, der Schola Cantorum Basiliensis beteiligt. 2014 begann ein Forschungsteam (Jeremy Llewellyn, Anne Smith, Kelly Landerkin, und Jed Wentz) in einem Projekt «Ina Lohr (1903-1983), an Early Music Zealot: Her Influence in Switzerland and the Netherlands» an der Schola Cantorum Basiliensis, Hochschule für Alte Musik an der Fachhochschule Nordwestschweiz mit der Unterstützung des SNF ihr Leben und Wirken zu untersuchen. Ziel des Projektes ist, ihre Rolle beim Aufbau und Erfolg dieser Institutionen zu ergründen, und diese Informationen in Bezug zu verschiedenen musikalischen Reformbewegungen des 20. Jahrhunderts, und spezifisch zu den Praktiken der Alten Musik der schweizerischen und holländischen Schulen auszu-werten.
Ina Lohr, 1903 in Amsterdam geboren, studierte dort Geige am Muzieklyceum, und schloss 1929 mit einem Lehrdiplom ab. Um sich von den Anstrengungen des Studiums zu erholen, fuhr sie nach Davos, erlitt aber einen Schwächeanfall im Zug und blieb fast durch Zufall in Basel, und wurde 1942 sogar Baslerin. Sehr früh lernte sie dort Paul Sacher kennen – mit Folgen für ihre musikalische Laufbahn. 1930 wurde sie seine Assistentin; das Ausmass ihrer Beteiligung an den Vorbereitungen für die Aufführungen des BKO von alten sowie modernen Werken ist bisher unbekannt gewesen. Gleichzeitig war sie an der Schola Cantorum Basiliensis während der ersten dreissig Jahre konzeptionell und praktisch für sämtliche Theoriefächer sowie für Hausmusik zuständig. Rückblickend gilt sie als die Kraft, welche die Schola in dieser Zeit zusammenhielt. Ihre ganze Arbeit war begleitet von einer tiefen Religiosität. Sie war an der schweizerischen Singbewegung sowie an der Einführung des Probebands des neuen Kirchengesangbuches beteiligt. Sie unterrichtete die Theologiestudenten in evangelischer Kirchenmusik und Liturgie an der Schola und erhielt 1958 sogar einen Ehrendoktor in Theologie von der Universität Basel. Wegen dieser Tätigkeiten wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg nach Holland für Workshops zur Reform der protestantischen Kirchenmusik eingeladen. Dort war sie so erfolgreich, dass zahlreiche Musiker wie Gustav Leonhardt, Jan Boeke, Eric Ericson, Sven-Erik Bäck und Kees Vellekoop nach Basel kamen um bei ihr zu studieren. Gleichzeitig suchte die Bewegung der Alten Musik grössere Professionalisierung, wollte sich aus der Bahn der «dilettantischen» Hausmusik befreien, was unter anderem dazu beitrug, dass ihr Name kaum mehr bekannt ist.
Am 12. Mai 2016 besteht die Möglichkeit nicht nur mehr über Ina Lohr zu erfahren, sondern auch über weitere Aspekte der niederländisch-schweizerischen Bewegung der Alten Musik an einem Studientag «Ina Lohr im Kontext» an der Schola Cantorum Basiliensis (für Informationen, siehe www.musik-akademie.ch/de/schulen-hochschulen/schola-cantorum.html). Hier wird die Arbeit des Forschungsteams durch Präsentationen von auswärtigen Gästen (Anne und Anthony Bailes, Petra van Langen, Giselher Schubert) ergänzt, um einen erweiterten Blick auf die persönlichen sowie musikalischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, aber auch auf die verschiedensten religiösen, kulturellen und musikalischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts zu gewährleisten.