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Egalitäre Rollenteilung bedeutet, dass Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kinderbetreuung zwischen Frau und Mann gleich verteilt werden. Lediglich 2 Prozent der Schweizer Bevölkerung praktizieren dieses Partnerschaftsmodell. Dies ist erstaunlich wenig, wenn man die Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 1997 betrachtet. Danach lehnt nur einViertel der Bevölkerung dieses Rollenmodell strikt ab, der überwiegende Teil würde es hingegen gern praktizieren. Trotz der mehrheitlich positiven Einstellung gegenüber dieser Beziehungsform, ist bei den Schweizer Paaren der Prozentsatz dieser «egalitären Familien» nicht gestiegen, wie Margret Bürgisser, Soziologin am Institut für Sozialforschung, in ihrem Vortrag am 26. Januar 2005 betonte.
Im Abstand von zehn Jahren befragte Margret Bürgisser zweimal 28 Elternpaare, die sich dafür entschieden hatten, Beruf, Kinder und Haushalt zu gleichen Teilen zu übernehmen. Die erste Studie führte sie 1994 im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 35 «Frauen in Recht und Gesellschaft» durch. Dieselben Elternpaare sollten im Jahr 2004 ihre Erfahrungen mit der praktizierten Rollenverteilung wiedergeben. Obwohl die Studie noch nicht abgeschlossen ist, kann Bürgisser schon jetzt einige Schlüsse ziehen: Die Paare sind zufrieden mit ihrer Situation. Ein grosser Teil von ihnen arbeitet noch im selben Beruf in derselben Funktion. Kaum jemand beschwert sich über verpasste Karrierechancen. Von den 28 befragten Paaren haben sich zwei getrennt, ein drittes lebt in Trennung. Dieses dritte Paar zitierte Bürgisser mit einer exemplarischen Aussage: «Wir haben die Elternschaft immer gepflegt, aber wir haben uns als Paar aus den Augen verloren, als wir mehr arbeiteten.» Oft würde das Arbeitspensum aufgestockt, wenn die Kinder älter werden und die finanziellen Ansprüche steigen. Bürgisser vermutet, dass Trennungen und Krisen durch zunehmende Erwerbstätigkeit hervorgerufen werden.
Diana Baumgarten, Mitarbeiterin der Studie, berichtete von der separat durchgeführten Befragung der Kinder dieser Paare. Die insgesamt 38 Kinder sollten darüber Auskunft geben, wie sie die im Haushalt praktizierte Rollenteilung wahrnehmen und beurteilen. Die Kinder aus den egalitären Familienstrukturen erleben ihre Situation als positiv und ganz normal. Sie schätzen ihre Beziehung zu den Eltern als gut ein. In Konfliktsituationen, gaben sie an, sei es von Vorteil, wenn zwei Ansprechpartner da seien, weil einer als Puffer wirken könne. Diese Aussagen wurden denen einer Vergleichsgruppe von Kindern gegenübergestellt, die aus traditionell strukturierten Haushalten kommen: Haushalten, in denen die Mutter als Hausfrau tätig und der Vater in der Regel zu hundert Prozent erwerbstätig ist. Auch diese insgesamt 32 Kinder erlebten ihre Familiensituation als normal. Allerdings wird die bessere Beziehung zur Mutter betont. Auf die Frage «Was würdest du machen, wenn du einen freien Tag mit Deinem Vater hättest?», antworteten einige Kinder, dass sie nicht wüssten, was sie mit dem Vater reden sollten.
Die Kinder wurden in einem zweiten Schritt befragt, wie sie die Kompetenzen ihrer Eltern einschätzen. Die Mädchen aus egalitären Familienkonstellationen erlebten an ihren Müttern vor allem deren Kommunikationskompetenzen und Durchsetzungsvermögen als vorbildhaft, während die Mädchen aus traditionellen Familienkonstellationen in ihren Müttern zuverlässige Allrounderinnen sehen. Die Jungen beider Gruppen nannten als Kompetenz der Mütter an erster Stelle die Kochkünste.
Die Mädchen aus egalitären Familien geben an, mit ihren Vätern ebenso reden zu können wie mit den Müttern, sie schätzen deren Verständnis und Unternehmungsgeist. Ganz anders die Situation in den traditionellen Familien: Zu den Vätern haben die Mädchen eher ein distanziertes Verhältnis. Eine grössere Nähe wird häufig über gemeinsame sportliche Erlebnisse erzeugt. Die Söhne aus egalitären Familien schätzen ihre Väter als Gesprächspartner und würdigen deren handwerkliche Fähigkeiten, während die Söhne in der Vergleichsgruppe die berufliche Kompetenz der Väter hervorheben und in ihren Vätern kaum einen Gesprächspartner sehen. Die Kinder aus den traditionellen Strukturen orientieren sich früh nach aussen: Freunde und Peergroups sind für sie wichtige Bezugs- und Orientierungspunkte. Es lasse sich aus diesen Untersuchungen das Fazit ziehen, so Baumgarten, dass die Mädchen aus egalitären Familien von der Situation profitieren, während das Ergebnis bei den Jungen weniger deutlich ausfalle.
Auf der Elternseite sind es besonders die Väter in traditioneller Rolle, die auf eine enge Beziehung zu ihren Kindern verzichten müssen. Margret Bürgisser resümierte denn auch, sie sollten sich die Frage stellen, ob es sich wirklich lohne die Arbeit so stark in den Vordergrund zu stellen, wenn die Beziehung zu den Kindern oder zur Partnerin an Intensität verliere. Damit gehe nämlich auch viel Lebensqualität verloren.