Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/1552

<h2>SubmittedText<h2><p>Presseberichten ist zu entnehmen, dass die PTT-Führung beim Auskunftsdienst Nummer 111 einen Stellenabbau vorsieht: Telefonistinnen sollen durch eine elektronische Stimme überflüssig werden. Wie viele der Stellen abgebaut werden sollen, wird nicht beziffert, von den insgesamt 18 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der PTT Telecom werden jedoch nach Aussagen der PTT-Führung bis 1995 zehn Prozent entlassen oder nicht mehr ersetzt. Unsicherheit und Angst um den Arbeitsplatz prägen das Klima bei den gefährdeten Frauen von Nummer 111.</p><p>Beim Auskunftsdienst mit unregelmässigen Arbeitszeiten handelt es sich um Frauen, die auf einen Verdienst und auf einen Arbeitsplatz dringend angewiesen sind. Zur Begründung wird seitens der PTT richtig angeführt, dass mit dem geltenden Fernmeldegesetz Quersubventionen nicht mehr möglich sind und die Dienste bis 1994 kostendeckend werden müssen. Der Auskunftsdienst Nummer 111 ist auch nach Tariferhöhungen nicht kostendeckend.</p><p>Nur gibt es im Hause PTT auf der anderen Seite weitere nicht kostendeckende Dienstleistungen. Paradebeispiel ist der Videotex, der bis in die höchste Führungsebene umstritten ist und mit Millionenaufwand in der Werbung gestützt wird. Er wird mit Sicherheit nie kostendeckend werden. Es ist also eine Frage der Prioritäten.</p><p>Von der PTT-Führung sind in letzter Zeit Stichworte zu hören wie Orientierung am Markt, Rücksicht nehmen auf Kundenbedürfnisse, Kundennähe. Ich frage mich, ob es richtig ist, ausgerechnet bei einer der populärsten Visitenkarten der PTT, dem Auskunftsdienst 111, die menschliche Stimme am anderen Ende des Drahtes durch eine Computerstimme zu ersetzen und damit das Arbeitslosenheer der Frauen zu vergrössern.</p><p>In diesen Zusammenhang gehört auch die Frage gestellt, wieweit der Bundesrat die PTT durch die Ablieferungen an die Bundeskasse - die bereits fixierte Summe von 150 Millionen Franken soll noch durch weitere 40 Millionen Franken aufgestockt werden - zu immer mehr Personalabbau zwingt, und dies nicht nur bei der Nummer 111, sondern im gesamten Bereich der Telekommunikation, von deren Qualität unsere Wirtschaft in hohem Masse abhängig ist. Damit schafft er nicht nur ungleiche Spiesse für die PTT im Konkurrenzkampf mit ausländischen Telekommunikationsunternehmen, er nimmt auch nicht genügend Verantwortung wahr in der Solidarität mit der Gesellschaft Schweiz, mit den Menschen ohne Arbeit, insbesondere mit den gefährdeten Frauen.</p><p>In der vergangenen Zeit hat sich ein (inzwischen verstorbener) Bundesrat aus dem Kanton Solothurn in einer Rezession massiv gegen einen Stellenabbau bei den PTT eingesetzt.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie viele Arbeitsplätze bei Nummer 111 gehen tatsächlich verloren?</p><p>2. Ist es richtig, im Wachstumsbereich der Telekommunikation generell Personal abzubauen?</p><p>3. Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass die Ablieferungen der PTT an die Bundeskasse in der jetzigen Arbeitsmarktlage Arbeitsplätze in einem Bereich gefährden, wo er Einfluss nehmen und sich damit entscheidend für Wirtschaft und Gesellschaft einsetzen kann?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Beim personalintensiven Auskunftsdienst deckten die bis Ende Januar 1993 erhobenen Gebühren die Gestehungskosten bei weitem nicht. Nur dank Quersubventionierung durch Erträge aus dem Monopoldienst Telefon war es möglich, diesen Dienst zu einem so günstigen Preis anzubieten.</p><p>Nach dem Willen des Parlamentes wurde der Auskunftsdienst im neuen Fernmeldegesetz (FMG) zu den Wettbewerbsdiensten gezählt. Dies verpflichtet die PTT, diesen Dienst kostendeckend zu gestalten. Deshalb wird die Inanspruchnahme des Auskunftsdienstes seit dem 1. Februar 1993 nach deren Dauer taxiert.</p><p>Seither hat sich die durchschnittliche Behandlungsdauer je Anruf verkürzt, was eine spürbare Verbesserung der Produktivität zur Folge hatte. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass:</p><p>- wegen der Rezession die Zahl der Anrufe, verglichen mit dem Vorjahr, leicht zurückgegangen ist;</p><p>- die sehr grosse Fluktuation aufgehört hat und deshalb praktisch kein Lernpersonal mehr benötigt wird;</p><p>- nun Teleoperatricen (TOP) mit mehrjähriger Praxis zur Verfügung stehen, die effizienter arbeiten als junges Personal ohne Berufserfahrung;</p><p>- dem Auskunftsdienst ab 1994 eine moderne, leistungsfähige Datenbank mit erweiterten Suchmöglichkeiten zur Verfügung stehen wird.</p><p>Aus den erwähnten Gründen konnten bei Nummer 111 bereits Stellen abgebaut werden, indem Abgänge nicht mehr ersetzt wurden. Entlassungen wurden keine vorgenommen und sind auch nicht vorgesehen.</p><p>Damit der Auskunftsdienst bis 1. Januar 1995 kostendeckend wird, müssen weitere Rationalisierungsmöglichkeiten ausgenützt werden. Unter anderem wird eine Zeiteinsparung mittels automatischer Sprachausgabe mit natürlicher Stimme geprüft. Der Dialog mit der Teleoperatrice fiele somit nicht weg, nur die Bekanntgabe der Rufnummer würde automatisiert. Verschiedene ausländische Telecom-Verwaltungen setzen dieses Verfahren mit Erfolg ein. Die Deutsche Bundespost macht damit Einsparungen von rund 15 Prozent.</p><p>Ein Entscheid über die Einführung der automatischen Sprachausgabe ist noch nicht getroffen worden.</p><p>2. Es trifft zu, dass die Telecom generell einen Wachstumsbereich darstellt. Indessen darf nicht ausser acht gelassen werden, dass die Telecom PTT seit der Inkraftsetzung des neuen Fernmeldegesetzes in immer stärkerem Masse der Konkurrenz ausgesetzt ist. Zudem hat sie ihre Leistungsfähigkeit im Zeichen einer weltweiten Liberalisierung und der Globalisierung der Märkte unter Beweis zu stellen. Nur wer konkurrenzfähig ist, kann sich seinen Anteil am Wachstumsbereich Telecom sichern.</p><p>Die Telecom PTT hat ihre Erträge selbst zu erwirtschaften und ihre Kosten - auch die Personalausgaben - selbst zu bestreiten. Um keine grösseren Verkehrseinbussen zu erleiden, muss sie mit ihren Tarifen konkurrenzfähig bleiben. Nun aber sind die Personalkosten ein wesentlicher Kostenfaktor der Dienstleistungen. Es ist deshalb unvermeidlich, den Hebel auch hier anzusetzen. So haben sich die PTT insgesamt bis Ende 1996 einen Stellenabbau von 10 Prozent vorgenommen. Dieses Ziel lässt sich indessen mit der gegenwärtig geringen Personalfluktuation allein nicht erreichen. Die PTT planen deshalb u. a. eine Aktion, die Anreize für eine vorzeitige Pensionierung von über 60jährigen Bediensteten schafft. Ein Teil der dadurch frei werdenden Stellen soll jedoch mit jüngeren Nachwuchskräften wieder besetzt werden. Auf diese Weise wollen die PTT einen Beitrag zur Milderung der Jugendarbeitslosigkeit leisten.</p><p>3. Nach Artikel 36 der Bundesverfassung fällt der Ertrag der PTT in die Bundeskasse. Diese Bestimmung bildet das Gegenstück dazu, dass diese aufgrund ihres öffentlichen Status gewisse Vorteile geniessen, namentlich nur teilweise steuerpflichtig sind. Angesichts der prekären Finanzlage des Bundes kann auf diese Beiträge nicht verzichtet werden.</p>