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Ein Beitrag von Jonas Bühler.
Vor beinah hundert Jahren, am 5. Januar 1921, kam die zweite Tochter des Hauptmanns Albert Bühler und seiner Frau Hedwig Bühler-Boller zur Welt. Sie bekam den Namen Hedwig nach ihrer Mutter, genannt wurde sie jedoch – wie die Mutter – einfach Hedi.
Zur Feier der Geburt pflanzte mein Urgrossvater Albert auf der Westseite der Trotte eine Linde. Diese Linde steht noch heute dort, wenige Meter neben dem Verkehrskreisel der Seestrasse. Mächtig ragt sie in die Höhe und spendet der darunterliegenden Wiese mit ihrer breiten Krone Schatten. Trotz des regen Verkehrs herrscht unter ihren ausladenden Ästen eine ruhige Atmosphäre. Die heutigen Bewohner der Trotte sitzen gerne am Abend unter dem Baum und lassen den Tag ausklingen.
Die Linde ist einer der wenigen Bäume auf dem Hof, welche nicht irgendwann weichen mussten. Die Nussbäume, die zur Geburt von Hedis älterer Schwester Hanni gepflanzt worden waren, wurden alle gefällt. Den letzten, der östlich der Scheune stand, erlebte mein Vater noch.
Es war auch gar nie geplant gewesen, diese Bäume stehenzulassen. Aus dem Holz sollten Möbel gefertigt werden, die die Töchter in die Ehe mitnehmen konnten. Nussbaumholz war damals wie heute sehr gefragt. Als ausserdem die Landwirtschaft zunehmend mit schweren Maschinen betrieben wurde, mussten die Bäume aus den Feldern weichen. Hedis Linde überlebte diese Entwicklung jedoch, sei es, weil sie nicht in einem bewirtschafteten Feld stand, sei es, weil das Holz weniger gefragt war als jenes der Nussbäume.
Letzten Monat verstarb Hedi fast hundertjährig in Dübendorf. Ihre Linde auf dem Oberhaushof wird uns noch lange an sie erinnern.