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Wenn es einen Begriff gibt, bei dem mir eine Bestimmung schwierig scheint, so ist es das „Reich Gottes“. D. A. Carson beschäftigt sich im Editorial der aktuellen Ausgabe von Themelios mit sechs Perspektiven.
In der Gegenüberstellung hält er fest, dass vier von sechs Ansätzen die Transformation der Kultur betonen und fünf die individuelle Errettung abwerten. Der Schwerpunkt liegt auf der sozialen und ethischen Transformation entweder der Gesellschaft oder der Kirche.
In den kurzen Antworten stellt Carson meines Erachtens zu Recht fest, dass oftmals ein Reduktionismus dahinter steht. Anscheinend unbedeutende exegetische Neugewichtungen wirken sich verheerend aus, etwa wenn in Mt 20,28 und Mk 10,45 nicht mehr das Sühneopfer den Hauptgedanken bildet, sondern das ethische Thema von Führung/Politik.
Carson zeigt dann die reduktionistischen Verwendungen des Begriffs „Reich Gottes“ auf: Gottes Souveränität (womit das Reich Gottes alle(s) einschliesst); andere subsummieren im Gegenzug die totale Herrschaft Gottes unter diesem Begriff. Oftmals wird das Königreich Gottes als kommend bzw. im Entstehen begriffen verstanden. Unklar bleibt auch die Beziehung zwischen Kirche und Reich Gottes mit ihren Überlappungen und Unterschieden. Eine weitere Frage ist der Zeitpunkt des Antritts von Christi Herrschaft. Manchmal wird der Begriff auch mit gewissen Tugenden wie „Gerechtigkeit“ gleich gesetzt.
Manche der Perspektiven sind deshalb schwierig zu beurteilen, weil gewisse Begriffe wie „Evangelium“ bereits mit Bedeutung gefüllt sind. Mit diesen Vorannahmen werden dann die biblischen Texte gedeutet.
In den Schlussfolgerungen fordert Carson dazu auf, die Gewichte nicht zu verschieben. Die Schwergewichte von Apostelgeschichte und Briefen widersprechen den transformatorischen Ansätzen. Zudem werde die ewige Perspektive sträflich zugunsten der zeitlichen vernachlässigt. Dies wiederum zeitige einige Überreaktionen wie etwa die Gegentendenz der Weltflucht.