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Der Orden der Minderbrüder stellte in unserer Heimat eine bedeutungsvolle Bewegung dar. Daran erinnern uns die vielen Franziskanerkirchen in den Städten und die Namen von Plätzen, Gassen und Häusern.
Der hl. Franz wusste sich gesandt für Gott Menschen zu gewinnen, die Botschaft vom Frieden zu verkünden und durch ein Leben nach dem Evangelium den Menschen Christus näher zu bringen. Wie Franziskus sich durch sein radikales evangelisches Leben viele Nachfolger erworben hatte, so gewannen auch seine Brüder durch ihr armes, demütiges Leben und durch ihr begeistertes Wort sehr schnell neue Gefährten.
Der Gedanke, das franziskanische Ideal in alle Länder zu tragen, wurde auf dem Generalkapitel 1217 verwirklicht. Die Länder wurden zum ersten Mal in Provinzen aufgeteilt; an deren Spitze der Provinzialminister stand. Gruppenweise wurden Brüder nach Deutschland, Ungarn, Spanien, Frankreich und in den Orient gesandt.
Missverständnisse...
Dieser gross angelegte Missionsplan misslang teilweise in Europa. Grund dafür war das ‚Leben nach dem Evangelium', das den Leuten sehr verdächtig vorkam und die Brüder in den üblen Geruch der Ketzerei brachte. Ein weiterer Grund war die Unkenntnis der Sprache. Davon berichtet uns Br. Jordan von Giano in seiner Chronik. Wir kennen diese Szene des Ja, Ja der Brüder, die Brot bekamen, weil sie mit Ja antworteten, die aber auch Schläge erhielten, weil sie Ja sagten Häretiker zu sein. So fallierte die erste Deutschlandmission.
Die zweite war erfolgreicher. Es waren 90 Brüder dabei. Cäser von Speyer war als deutscher der erste Provinzial. Unter ihnen war auch Thomas von Celano, der erste Biograph von Franziskus. Ausserdem waren so viele Deutsche Brüder dabei, dass bei der Aufteilung in Gruppen einer jeden ein Deutschkundiger vorstand. Auf der alten Römerstrasse zogen sie nach Augsburg.
Erstes „Deutsches" Kapitel und Entsendung in Städte
Hier hielten sie das erste Provinzkapitel unter der Leitung von Cäsar von Speyer ab. Von hier aus wurden Brüder in verschiedene Städte des deutschen Sprachraumes gesandt. Augsburg war gewissermassen der Zentralpunkt für die Begründung des Franziskanerordens in Deutschland und folglich auch für die deutsche Schweiz.
Aufteilung und Neuentstehung deutschsprachiger Provinzen
Auf dem Generalkapitel von 1230 zu Assisi kam es zur Teilung der grossen Provinz Deutschlands: es entstanden die rheinische und die sächsische Provinz. Von den Mitbrüdern der rheinischen Provinz wurde 1231 das erste Franziskanerkloster der deutschen Schweiz gegründet, Basel. Da sich die erste Provinzteilung als ungenügend erwiesen hatte, teilte das Generalkapitel von 1239 Deutschland in drei Provinzen: in die sächsische, kölnische und oberdeutsche Provinz. Zur oberdeutschen, auch Strassburger Provinz genannt gehörte auch die deutschsprachige Schweiz dazu.
Von dieser Provinz wurden im 13. Jahrhundert aus eidgenössischem Terrritorium folgende Klöster gegründet: Basel 1231, Zürich ca. 1240, Bern 1255, Freiburg 1256,
Schaffhausen 1262, Luzern vor 1269, Solothurn und Burgdorf 1280, Königsfelden 1308, dies war ein Doppelkloster: Franziskaner und Klarissen
In der Westschweiz entstanden in derselben Zeit die Franziskanerklöster von Genf 1256, Lausanne 1257, Nyon 1285, und Grandson 1308. Diese Niederlassungen begründeten die Mitbrüder aus der Provinz Burgund.
Die Klöster in der italienischen Schweiz, Lugano und Locarno entstanden kurz vor oder nach dem Tod des hl. Franz 1226. Sie sollen vom lombardischen Provinzial, Antonius von Lissabon gegründet worden sein.
Erste Reformen durch die „Observanten"
Eine vollständige Chronologie und Entwicklung der franziskanischen Schweiz würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wir beschränken uns bewusst auf unsere Richtung, vormals Observanten genannt. 1368 bahnte sich eine neue durchschlagende Reform an. Der Laienbruder Paoluccio Vagnozzi da Trinci aus einer adeligen Familie aus Foligno stammend, erhielt vom Generalminister die Erlaubnis, sich mit einigen Gefährten in das weltabgeschiedene Klösterchen Brugliano bei Foligno zurückzuziehen, um dort ein regeltreues Leben in höchster Armut zu führen. Diese Gemeinschaft erhielt bald Zuwachs von anderen Mitbrüdern und mit der Erlaubnis des Ordensgenerals wurden dann weitere Ordensniederlassungen gegründet. Er sah in diesen Brüdern das Ferment zur Reformierung des Gesamtordens. Im Gegensatz zu den Koventualen, welche die grossen Stadtkonvente bewohnten, hielten sich diese Brüder in kleineren Klöstern und Einsiedeleien auf, hielten fest an der Eigentumslosigkeit. Man nannte sie Observanten, d.h. Beobachter der hl. Regel. Die Reformgruppe erhielt dann besonderen Aufschwung durch die sog. 4 Säulen der Observanz: Bernardin von Siena, Johannes Capistran, Jakob von der Mark und Albert von Sarteano. Grossen Anhang bekamen sie vor allem in Italien, Frankreich und Spanien.
Einführung der Observanz in der Schweiz
Der hl. Bernardin kam auch in die Südschweiz. Er kam bis ins Misox, sein Einfluss war dort so gross, dass man eine Ortschaft und einen Pass nach ihm nannten. Zwei Klostergründungen gingen dann auf ihn zurück: Lugano und Bellinzona. Dazu kommen wir noch später. Auf Betreiben des Basler Konzils (1421-48) wurde im Jahre 1443 im Barfüsserkloster zu Basel die Observanz eingeführt. Um entsprechend nach der Regel zu leben, mussten alle bis anhin angenommenen Güter und Einkünfte abgetreten werden, welche dann das Spital von Basel erhielt. Von den bestehenden Schweiz-Franziskanerklöster gingen allein Basel zur Observanz über. In den übrigen Klöstern war überall grosser Widerstand.
Im Basler Kloster herrschte ein sehr guter Geist. Der Ordensgeneral selbst nannte den Basler Konvent den wichtigsten der ganzen oberdeutschen Provinz. Auch der hl. Br. Klaus schätze das Barfüsserkloster in Basel sehr. Als ihm nämlich einer um Angabe des besten Franziskanerklosters bat, nannte ihm Br. Klaus dasjenige von Basel.
Protestantische Reformation
Der Konvent überstand dann aber gut 100 Jahre später die protestantische Reform nicht. Ab 1523 löste sich das Kloster von selber auf. Heute existiert in Basel nur noch die ehem. Klosterkirche in der heute das historische Museum untergebracht ist. Der Barfüsserplatz erinnert noch an die Franziskaner.
Zwar gelang den Observanten die Erneuerung der übrigen Klöster nicht, aber wenigstens gelangen drei Neugründungen: Morges, Lugano und Bellinzona.
... in Morges für 100 Jahre
Der Bischof von Lausanne, ist der Gründer des Observantenklosters Morges. Unterstüzt vom Herzog von Savoyen konnten die Brüder 1497 ausserhalb der Stadtmauern ein Kloster errichten, das der Mutter Gottes geweiht war. Es hatte nicht einmal 100 Jahre bestand. 1536 bei der Eroberung des Waadtlandes durch die Berner, wurde es völlig zerstört.
... in Lugano für etwa 400 Jahre
Bereits im Jahre 1455 wurde in Lugano mit dem Bau der Kirche S.Maria degli Angeli begonnen. 1473 liessen sich neben dem Gotteshaus Observanten nieder. 1602 schloss sich der Konvent den Reformaten, einer neuen Reformgruppe innerhalb der Observanten, an. Es war vor allem ein Seelsorgekloster in dem auch das Noviziat der Turinerprovinz untergebracht war. 1810 wurde das Kloster von der liberal-radikalen Regierung unterdrückt und. 1848 aufgehoben. Die reichhaltige Bibliothek wurde der Kantonsbibliothek einverleibt. Die Kirche ist heute Pfarrkirche. Das Kloster wurde grösstenteils abgebrochen oder im Neubau des Hotel Palace integriert.
... und ebenso in Bellinzona
Auf seinen Predigtreisen kam der hl. Bernardin von Siena in die Gegend von Bellinzona. Die Bürger richteten die Bitte an ihn, in ihrer Stadt ein Kloster zu gründen.
Erst nach seinem Tod fand das Gesuch Erfüllung. 1483 befanden sich bereits einige Observanten bei der Kirche
S. Maria delle Grazie. Es war vor allem Seelsorgekloster. Eine Zeitlang unterhielten die Observanten noch ein Gymnasium mit Lyzeum . Wie die übrigen Tessinerklöster wurde es 1848 aufgehoben. Heute befindet sich darin ein Altersheim. Die Kirche wurde von 1955 bis 1995 von unseren Mitbrüdern betreut, die daneben in einem kleinen Hospiz wohnten. Ein gutes Jahr nach dem Wegzug der Brüder verwüstete ein verheerender Brand die wunderbare Klosterkirche. Sie ist seither geschlossen und ist seit 2005 wiedereröffnet.
Es gab weder im Mittelalter, noch zur Zeit der Observanz, noch in der Neuzeit ein helvetisches Provinzgebilde. Die Häuser und Brüder gehörten je nach Sprachgruppen zu deutschen, französischen, bzw. italienischen Provinzen. Von einer schweizerischen Entität ist also erst ab 1938 zu sprechen.
Die Klosteraufhebungen der radikal-liberalen Regierungen im vergangenen Jahrhundert hatten in unserem Lande den Franziskanerorden ausgelöscht. Die Franziskaner der Klöster Lugano und Bellinzona mussten ins Exil gehen, weil der Grossteil der Brüder nicht Schweizer war; sie durften nicht mehr zurückkehren.
Französischer Kulturkampf führt zu Neubeginn in der Schweiz
Durch den französischen Kulturkampf gezwungen auszuwandern, kam 1896 die Franziskaner der Provinz Toulouse, Aquitania nach Fribourg und 1905 nach Lugano-Loreto, unweit des ehemaligen Klosters S. Maria Maria degli Angeli.
Anfang des 19. Jahrhundert wurde die Situation für die Ordensleute in Frankreich immer schwieriger. Sie waren also gezwungen wegen dem französischen Kulturkampf auszuwandern. Die Schwestern der neugegründeten Kongregation der Franziskanerinnen Missionarinnen Mariens, FMM, stellten den Brüdern ihr Haus die Grotte in der Unterstadt zur Verfügung. Hier wohnten dann die Patres und Kleriker der Provinz Toulouse.
Entstehung eines ersten Kollegs in Fribourg (Convict Marianum)
Im Quartier Jura entstand das seraphische Kolleg der Brüder mit über 30 Schülern. Es wurde Petit-Rome genannt. Neben diesem Kolleg wurde dann das sogenannte Convict Marianum gebaut, das vor allem für ausländische Kleriker, die in Fribourg studierten diente. Das Convict Marianum für Klerikerstudenten hatte nur eine kurze Dauer. Bereits 1908 wurde es geschlossen. Die Franziskaner übersiedelten dann von der Grotte hierher und überliessen sie den FMM. Anstelle der Weltkleriker füllte sich das Marianum mit Mitbrüdern aus dem Ausland. 1913 waren es 16 ausländische Brüder, die die Universität besuchten. Was man bedauern muss, war die grosse Zurückhaltung der französichen Mitbrüder in Fribourg. G. Python hatte sich sehr für die Franziskaner eingesetzt, um sie für die Mitarbeit der neugegründeten Universität zu gewinnen. Leider verpassten die Mitbrüder der aquitanischen Provinz den Anschluss, weil sie sich den schweizerischen Verhältnissen nicht anpassten. Darum wurden sie von der Bevölkerung als Fremde betrachtet und es kam so nie zu einem herzlichen Kontakt. Als sich die Lage in Frankreich nach dem ersten Weltkrieg wieder normalisiert hatte, verlegte die Provinz ihre Studenten wieder nach Frankreich. Es blieben nur einige ältere Mitbrüder zurück und die Universitätsstudenten. Diese hatte gleichsam das Haus zu hüten für den Fall, dass die Provinz neuerdings wieder ins Exil musste. Im Jahre 1918 kam das Kloster Lugano an die Strassburger Provinz. Das Kloster Fribourg verblieb bis 1938 der Toulouser-Provinz.
Enstehung eines Kommissariates
Am 8. Aug. 1938 fasste der General die ganze Schweiz in ein von ihm direkt abhängiges Kommissariat zusammen. Alle Franziskaner mit Schweizerpass, die in ausländische Provinzen eingetreten waren, wurden per Obedienz beordert in die Schweiz zurück zu kommen. Dass so etwas nicht unbedingt die besten Vorzeichen hatte, kann man sich in etwa vorstellen. Der eine Bruder, in Amerika geboren, der noch einen Schweizerpass besass, musste zwar in seine Stammesheimat zurück, die ihm völlig fremd war. Folgende Brüder mit Schweizerpass lebten im Orden:
Es waren also 22 Brüder aus 11 Provinzen herkommend: Kanada 1, F-Aquitania 7, Strassburg 3, USA 7 aus drei verschiedenen Provinzen: Hl.Land-Kustodie Washington 2, S.Cordis 3, Cinicinetti 2, F-Paris l, Tirol 1, Brasilien 1, F-Lyon 1, Deutschland 1. 10 von ihnen sind uns bekannt, dass sie in Fribourg waren. Ob die andern zwölf je in die Schweiz kamen, ist uns nicht bekannt.
Anschluss an Strassburger-Provinz
So wurden die Brüder Mitglieder des Schweizerischen Kommissariates. 1947 wurde das vom General abhängige Kommissariat der Strassburger-Provinz angeschlossen. Es blieb bis 1967 Kommissariat und wurde dann Kustodie der Strassburgerprovinz. Dies blieb bis 1985 so.
Beim Kustodie-Kapitel Juli 1985 Ernennung zu einer unabhängigen Vikarie und noch im gleichen Jahr Erhebung zur Viceprovinz.
Statusänderung und Herabstufung zur Abhängigen Kustodie der Provinz Austria
Beim Kustodiekapitel vom 7. Juli 2009 in Näfels wurde eine Statusänderung für die Schweizer Viceprovinz vorgenommen. Die unabhängige Viceprovinz „Christkönig OFM" wurde durch Initiative der Schweizer Franziskaner der „Provinz Austria zum Hl. Leopold" unterstellt. Die Brüder der beiden Alpenländer sehen ihre Zukunft in einer engen Zusammenarbeit.
Fribourg von 1905 bis 2006
Die Niederlassung in Fribourg diente vor allem als Studentat. Die Brüder halfen auch in der Pfarreiseelsorge mit. Die Brüder betreuten unter anderem auch die Deutschsprachige Pfarrei St. Theres.
Lugano von 1905 bis 2007
Fremdsprachige (französisch, deutsch) Seelsorge in Lugano, die sich mehr und mehr zur Deutschseelsorge entwickelte. Ebenso auch Seelsorge der deutschsprachigen Katholiken, die Klosterkirche entwickelte sich als Quartierkirche und war vor allem beliebt als Beichtkirche. Es wurde auch Schwesternseelsorge für Klarissinen, Franziskanerinnen und Birgittinerinnen betrieben. Vom Loretto-Kloster aus wurde auch Pfarreiseelsorge betrieben. Die Kirche gehört dem Bischof von Lugano, das Haus gehörte dem Orden und ist 2007 in den Besitz der Diözese Lugano übergegangen.
Und heute? Siehe: Brüder / Standorte