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In der Erinnerung an meine Kindheit sehe ich mich immer mit Farbe und Pinsel beschäftigt. Mein grosses Problem damals bestand in der schwierigen Frage „muss ich malen wie die Natur sich zeigt oder darf ich meiner Fantasie freien Lauf lassen ?“ Dieser Widerspruch von Wahrnehmung des Empfindens und der Wirklichkeit bereitete mir viel Kummer und erzeugte grosse Ratlosigkeit, zwang mich aber anderseits, Lösungen und Antworten zu suchen.
Théodore Strawinsky (in Lo Strona n° 2, 1980)
Strawinsky hat zeitlebens die Zeichnung gepflegt, vor allem bei Projekten der Dekorationskunst und für Monumentalmalerei. Es ist das Kind, das im Ersten Weltkrieg Zeichnungen und Aquarelle herstellt. Diese wurden von seinen Eltern sorgfältig aufbewahrt und mit seinem Rufnahmen „Fedja“, sowie dem Datum versehen. Dies in einer Zeit, da sich die Avangarde über die kindliche Naivität begeistert.
Die Welt des kleinen Théodore, der mit seiner Familie zuerst in Clarens, dann in Morges wohnt, ist festgehalten in den sehr farbenfrohen Bildern. Einzelne davon hängen an den Wänden der Wohnung, wo auch Bilder von seiner Mutter, japanische Stiche, Entwürfe des russischen Malers Michel Larionov und volkstümliche russische Gravuren auf Holz, sog. Loubki, sowie Zeitungsillustrationen mit grafischen und fotografischen Bildern des Krieges zu sehen sind.
Ferienlandschaften (Voralpen), Bilder von Morges oder Clarens bei Montreux, wie auch Militärübungen zeigen, was alles den Knaben faszinierte. Dazu kommen Eisenbahnzüge, Autos, Kavallerie, Kanonen und Tätigkeiten des Roten Kreuzes, sowie Portraits von Generälen und diverse erfundene Szenen, z. B. Seeschlachten. Höhepunkt all dieser Arbeiten bildet das grosse Aquarell der Premiere „Die Geschichte des Soldaten“ von 1918. Weiter folgen zu Beginn der Zwanziger Jahre in Paris Stillleben, Zirkusszenen und Theater, sozusagen der Einstieg in seine künstlerische Laufbahn.
Philippe Kaenel