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Falkenﬂuh 254, Bleiken
Die ehemalige Trinkhalle mit Zimmer und Stallungen des Kurhauses Falkenfluh von 1886 wurde 1969 zu einem Wohnhaus umgebaut. Viele äussere Elemente sind erhalten geblieben: ein Fachwerkbau unter einem Satteldach mit beidseitig je drei kleinen Lukarnen. Die Südost-Fassade ist unter einem pfostengestützten Vordach klar symmetrisch aufgebaut. Die nordöstliche Giebelseite zeigt überkreuzte Fachwerkstreben und eine Laube im Dachgeschoss. Im Kurhaus wurden 1994 nach einer sanften Renovierung fünf Wohnungen eingebaut.
Tourismus
(PVo/HPS) Im Zuge der touristischen Entwicklung des Berner Oberlandes im Verlauf des 19. Jh. gewannen auch die Voralpen und das Emmental an touristischer Bedeutung. Eine kurze, aber intensive Zeit erlebte in diesem Bereich auch die Falkenfluh. Noch vor der touristischen Nutzung trafen sich die Leute aus der Umgebung am Auffahrtstag auf der Falkenfluh, wo sie sich auf ländliche Weise belustigten und unterhielten, musizierten und sangen. Namentlich soll das Schwingen gepflegt worden sein, zu einer Zeit, als es hier noch keine Gaststätte gab, allenfalls einen improvisierten Ausschank. Nachdem sich die Bäder und Gasthäuser in der Gegend bereits eines guten Zuspruchs erfreuten, lag der Gedanke nahe, auch auf dieser prachtvollen Höhe eine Aufenthaltsgelegenheit zu schaffen. Der Brenzikofer Naturarzt Jakob Kolb baute 1881 auf dem Oberdiessbacher Hausberg denn auch ein Kurhaus, das sich bald über die Region hinaus grosser Beliebtheit erfreute. Gäste kamen aus der ganzen Schweiz, vereinzelt auch aus Frankreich, Deutschland und Russland. Im Hauptgebäude standen zuerst 24 Zimmer mit 30 Betten und ein heizbarer Speisesaal zur Verfügung, dazu ein Lese- oder kleineres Gesellschaftszimmer mit Bibliothek, ferner zwei Gastzimmer für Passanten sowie geschützte Terrassen und Lauben. Bald musste das Haus um einen Anbau erweitert werden, und schon 1886 wurde das geräumige Nebengebäude mit Saal oder Trinkhalle, Stallungen, Remise und Scheuer erstellt. Um 1910 betrug das Angebot 45 Zimmer – wovon 12 in der Dependance – mit 65 Betten. Der Kurort besass eigenes Trinkwasser. Unmittelbar bei der Quelle, etwas unterhalb des Hotels, wurde ein Badhaus errichtet und mit vier grossen Bottichen versehen. Später, als das bescheidene Vorkommen nicht mehr genügte, konnte das Wasser durch eine etwa 500 Meter lange Leitung von der «Barichti» her bezogen werden. Das Haus wurde als Luft-und Höhenkurort angepriesen – es lag aber nur knapp über 1000 m.
Die Gastwirtschaft im Fluh-Hotel war von 1886 bis 1968 in Betrieb. An Auﬀahrt wurde jeweils in zwei Sälen getanzt, nämlich im Hauptgebäude und in der Schür (Dependance). Turn-und andere Vereine setzten den Brauch von Auﬀahrts-oder Katerbummeln an diesen Ort fort. 1960 wurde im Fluh-Hotel die Musikgesellschaft Bleiken gegründet. Hier fanden auch die Übungen sowie die Konzert-und Theaterveranstaltungen des Vereins statt. Dem ersten Besitzer wurden medizinische Fähigkeiten nachgesagt. Elise Stettler-Burgdorfer, geb. Aebersold, Wirtin von 1883-1907, führte viele Jahre gleichzeitig auch den Bären in Oberdiessbach. Sie liess eine direkte Telefonleitung von der Fluh zum Bären errichten, was damals etwas ganz Neuartiges war. Gäste des Kurhauses konnten sich im Bären anmelden und wurden mit dem Zweispänner abgeholt. Ab 1907 waren das Hotel und die Pension auch im Winter geöﬀnet, als beliebter Treﬀpunkt der zahlreichen Skifahrer im idealen Skigelände der Umgebung.
Der Erste Weltkrieg und die Zeit danach brachten einen spürbaren Rückgang der Hotellerie, ausländische Gäste blieben mehrheitlich aus. Der Aufenthalt auf der Falkenfluh blieb aber beim einheimischen Publikum beliebt. Die ab 1927 betriebene Postautolinie Oberdiessbach-Bleiken führte anfänglich bis auf die Falkenfluh. Im Hotel waren nun regelmässig Ferienkolonien untergebracht. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude häufig durch militärische Einquartierungen beansprucht. Ab 1945 wurden Hotel und Gastwirtschaft von der Familie Hadorn-Fankhauser geführt. Sie stellte den Betrieb 1968 schliesslich ein. Das Hotelgebäude wechselte nun mehrmals den Besitzer. Vorübergehend wurden hier Reformprodukte hergestellt. Pläne, ein Seminarhotel und Ferienzentrum einzurichten, scheiterten. Eine Neubelebung der Gastwirtschaft in der Dependance um 1990 kam über die ersten zwei bis drei Jahre nicht hinaus. Heute sind im Haupt-und im Nebengebäude Privatwohnungen untergebracht. Der benachbarte «Chutzen» auf 1021m gehörte mit seinem Warnfeuer zum Alarmsystem des alten bernischen Staates. Im 17. und 18. Jh. wurden gegen 200 solche Chutzen unterhalten.
Heute ergibt sich die beste Aussicht in der Nähe der Deltasegler-Startrampe (seit 1978) und an Stellen oberhalb des Hotels. Von der Falkenfluh aus führen nach wie vor schöne Wanderwege zur Aeschlenalp, nach Linden, Heimenschwand, zum Schlegweg-und Schnittweierbad oder nach Steﬃsburg und Thun.