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Spurensuche: Schrieben Entlebucher das Lied «Gilberte de Courgenay»?
Schüpfheim: In der Neuerscheinung «Das Lied von Courgenay» geht Franz Burgert aus Schüpfheim der Frage nach, wer tatsächlich Urheber des bekannten Soldatenlieds war.
Was steckt hinter dem Mythos der bis heute bekannten «Gilberte de Courgenay» und dem gleichnamigen Lied? Wie wurde aus einer Serviertochter aus dem Jura eine Ikone der Geistigen Landesverteidigung? Und wer hat das Lied wirklich geschrieben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Schüpfheimer Franz Burgert in «Das Lied von Courgenay». Was ursprünglich als Broschüre mit einigen Beweis-Anhängen geplant war, ist zu einem über 300 Seiten starken Buch geworden. Das Buch geht der Behauptung nach, nicht der Soldatensänger Hanns in der Gand (wie offiziell bekannt und auch so bei der Suisa eingetragen) habe das bekannte Lied geschrieben, sondern zwei Entlebucher Soldaten: Oskar Portmann und Robert Lustenberger.
Entlebucher als Urheber
Franz Burgert, der diese Behauptung zuerst nicht glaubte, änderte seine Meinung, als er «Gilberte» mit anderen Soldatenliedern Hanns in der Gands verglich: Es passte musikalisch nicht zu in der Gands Liedern. Damit begann eine Recherchearbeit, die sich über acht Jahre hinziehen sollte. Burgerts Fazit, das er mit mehreren Quellen belegt, ist eindeutig: Die Urheber von «La petite Gilberte» waren Entlebucher Soldaten — und zwar nicht deren zwei, sondern vier. «Mein Anspruch war es, die Hintergründe dieses Liedes möglichst von allen Seiten auszuleuchten», erklärt Burgert. Er bemüht sich, die Entstehungsgeschichte möglichst lückenlos zu rekonstruieren und zu erklären, warum das Lied Hanns in der Gand zugeschoben wurde.
Darüber hinaus erfährt man in «Das Lied von Courgenay» allerlei über die historische Figur der Gilberte Montavon und «ihr» Lied, Biografisches über Hanns in der Gand alias Ladislaus Krupski, Informationen zum Musizieren im Entlebuch und mehr. Auf zahlreichen Bildern werden Protagonisten und Originaldokumente gezeigt. Dem Buch liegen viel Recherche und mehrere Ordner historischen Materials zugrunde. «Zunächst habe ich einmal die Bibliotheken geplündert», verrät der 70-Jährige. Die Staatsarchive von Uri und Luzern boten ihm viel Material, zwei Mal nahm Burgert die Reise ins Volksliederarchiv nach Basel auf sich.
Hilfe von vielen Seiten
Trotz der relativ langen Zeit, während der Burgert an dem Buch arbeitete, habe er nie Zweifel an dem Projekt bekommen. «Dass das Buch so umfangreich geworden ist, ergab sich ja erst nach und nach. Mir wurde bald klar, dass die Geschichte zu interessant und zu erstaunlich ist, um sie auf Broschürenbasis abzuhandeln.» Während seiner Arbeit sei ihm von vielen Seiten geholfen worden, erklärt der freischaffende Autor. Besonders in den Archiven und Bibliotheken sei man stets sehr entgegenkommend gewesen. Dazu halfen ihm die Nachkommen der Entlebucher Soldaten mit Auskünften und Fotografien dabei, seine These zu belegen — die schliesslich zur Gewissheit wurde, als er die Original-Handschrift In der Gands in dessen ganz speziellem «Handbuch gesammelter Lieder» entdeckte. Sehr positiv in Erinnerung bleiben Burgert die Begegnungen mit Josy Planzer-Krupski, einer Nichte von Hanns in der Gand. Sie gab ihm in persönlichen Gesprächen wertvolle Auskünfte zur Familiengeschichte und dokumentierte ihn auch brieflich.
Für Franz Burgert ist das Thema «Gilberte» mit der Veröffentlichung des Buches erst einmal abgeschlossen. Es war sein erstes eigenes Buch — und er hat viel dabei gelernt, wie er sagt. Nicht auszuschliessen, dass er die Erfahrungen für ein weiteres Buch nutzen wird.
Das Buch kann für 27 Franken im Entlebucher Online-Shop bestellt werden.
18.02.2016 :: Lukas Studer