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Neben den seit Jahren bewährten Operationen führen wir bei schwer übergewichtigen Patienten seit einiger Zeit einen weiteren chirurgischen Eingriff zur langfristigen Gewichtsreduktion durch. Es handelt sich dabei um den sog. laparoskopischen Mini-Gastric-Bypass, der bereits seit einigen Jahren an diversen internationalen Zentren mit grossem Erfolg angewandt wird. Diese Methode wird in den USA, Frankreich und auch in asiatischen Ländern zunehmend auch standardmässig gemacht. In der Schweiz haben jetzt einzelne hochspezialisierte Übergewichtszentren ebenfalls damit begonnen. Die Resultate sind sehr vielversprechend.
Häufigkeit des LMGB
Bis heute (Stand August 2016) wurden weltweit knapp 50000 Mini-Gastric-Bypass-Operationen durchgeführt. Der Eingriff ist mittlerweile bereits die dritthäufigste bariatrische Operation überhaupt. In den USA wurden bis heute weit über 10000 Mini-Gastric-Bypässe durchgeführt. In Frankreich sind bereits über 20% aller Übergewichtsoperationen LMBG (mit steigender Tendenz).
In Asien beträgt der Anteil der LMGB ebenfalls bereits über 15% aller Eingriffe bei massivem Übergewicht.
Was ist das Spezielle am laparoskopischen Mini-Gastric-Bypass?
Der LMGB ist ein Kombinationseingriff, bestehend aus einer restriktiven Komponente (weniger grosse Nahrungsportionen aufgrund einer schlauchmagenähnlichen Verkleinerung des Magens), einer Malabsorption (die eingenommene Nahrung wird schlechter verwertet, also werden auch weniger Kalorien vom Körper aufgenommen) und sog. enterohumoralen Faktoren (Eingriffe, die langfristig via Magen-Dünndarm-Passage die Aufnahme bestimmter Nahrungsbestandteile beeinflussen).
Es sind somit sowohl Komponenten aus Schlauchmagen (Restriktion), proximalem (Restriktion und enterohumorale Faktoren) und distalem (Malabsorption) Magenbypass im Mini-Gastric-Bypass enthalten. Es ist der einzige bariatrische Eingriff (ausser dem Magenband, das nur noch in absoluten Ausnahmefällen durchgeführt wird), der reversibel ist, also rückgängig gemacht werden kann.
Gewichtsverlust
Der Excessive Weight Loss (EWL) (=prozentualer Verlust des Übergewichts-BMI (grösser 25)) liegt bei dieser Methode gemäss Literaturangaben mittel- und auch langfristig bei ca. 70%. Dies bedeutet, dass die Gewichtsabnahme ca. 70% des ÜBERgewichtes beträgt, wenn man von einem (idealen) Zielgewicht von BMI 25kg/m2 ausgeht.
Beispiel
Gewicht vor LMGB 125kg, Grösse 172cm
Dies entspricht einem BMI von 42,3kg/m2.
Ideales Gewicht auf BMI von 25kg/m2 entspräche 74kg, was einer Gewichtsreduktion von 51kg gleich käme. 70% davon (was langfristig gesehen bereits ausgezeichnet ist) entspricht 35,7kg.
Das Gewicht nach dem LMGB sollte somit langfristig auf einem Wert von knapp 90kg liegen, was einem BMI von 30,4kg/m2.
Fakten
Gemäss den internationalen Literaturangaben ist die mittel- und langfristige Gewichtsabnahme nach einem LMGB besser als beim klassischen proximalen Roux-Y- Magenbypass.
Die Zahlen des LMGB sind allerdings noch zu gering, um diese Aussage definitiv zu bestätigen.
Sicher ist aber, dass die Ergebnisse des LMGB bei Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ II (Alterszuckerkrankheit) sehr gut sind.
Der laparoskopische Mini-Gastric-Bypass gehört mittlerweile international zu den anerkannten bariatrischen Standardverfahren.
Vorteile
Es handelt sich um einen technisch vergleichsweise einfachen Eingriff, der routinemässig laparoskopisch durchgeführt wird. Im Gegensatz zu den klassischen Magenbypassoperationen wird lediglich eine neue Verbindung zwischen Magen und Dünndarm angelegt (bei den anderen Magenbypassoperationen sind es zwei neue Verbindungen). Dies vereinfacht die Operation. Auch die Operationsdauer wird dadurch verkürzt und beträgt 30-60 Minuten. Die Komplikationsrate ist gering und der Spitalaufenthalt nach der Operation beträgt bei unkompliziertem Verlauf maximal zwei bis drei Tage.
Grosse Vorteile bringt diese Operation deshalb auch bei Patienten mit einem BMI von über 50kg/m2, anderen Hochrisikopatienten sowie anlässlich einer allfälligen Re-Operation bei Schlauchmagen-Patienten.
Wissenswertes
Bei der laparoskopischen Mini-Gastric-Bypass Operation wird, wie oben bereits erwähnt, nur eine neue Verbindung zwischen Magen und Dünndarm angelegt. Es handelt sich dabei um eine sog. Omega-Schlinge. Diese Technik wurde bereits vor Jahrzehnten nach gewissen Magenoperationen als Rekonstruktionsverfahren angewandt, damit die Nahrung vom Restmagen in den Dünndarm gelangen kann und auch die Galleflüssigkeit (diese wird in der Leber und der Bauchspeicheldrüse gebildet) abfliessen kann. Die neuen Verbindungen werden in der Fachsprache als „Anastomose“ bezeichnet. Die früher gefürchteten Komplikationen im Bereich einer solchen Anastomose wie Geschwüre, Schleimhautentzündungen des Restmagens, ein Rückfluss von Gallensaft oder sogar die Entwicklung von bösartigen Tumoren im Bereich der Anastomose können gemäss langjährigen Studien nicht bestätigt werden.
Die seit 1980(!) vorliegenden Studiendaten sprechen gegen das Auftreten solcher Komplikationen. Der Gallerückfluss ist kleiner als 1%. Bösartige Veränderungen im Anastomosenbereich kommen gemäss diesen Literaturangaben ebenfalls nicht vor.
Fazit
Der laparoskopische Mini-Gastric-Bypass ist eine sehr vielversprechende „neue“ technisch wenig aufwändige Operation, die weltweit immer mehr Anhänger findet. Der Eingriff dauert kaum eine Stunde, die mittel- und langfristige Gewichtsreduktion ist gemäss Literaturangaben sehr erfolgversprechend. Ausserdem kann diese Operation bei Bedarf rückgängig gemacht werden!
Die Langzeitdaten sind (noch) spärlich. Mittlerweile ist der LMGB international als eines der Standardverfahren anzusehen und somit eine vielversprechende Option bei der chirurgischen Behandlung des ausgeprägten Übergewichts.
Die Kosten für diesen Eingriff werden, wie auch die anderen klassischen Operationsverfahren zur Gewichtsreduktion, bei Erfüllung der notwendigen Voraussetzungen, von den Krankenkassen übernommen. Allerdings dürfen alle diese Eingriffe nur an spezialisierten Übergewichtszentren (Referenzzentrum) durchgeführt werden.
Bitte beachten Sie folgende Neuigkeit:
Die SMOB (Swiss Society for the Study of morbid Obesity and metabolic disorders) vertritt seit kurzem die Ansicht, dass die vorhandenen Evidenzen derzeit nicht ausreichen, um den One Anastomosis Gastric Bypass ("Mini-Gastric-Bypass") als Standardverfahren in der Schweiz zuzulassen. Seit Mitte 2019 ist der "Mini-Gastric-Bypass" deshalb nach Ansicht der SMOB derzeit nur noch unter wissenschaftlichen Studienbedingungen als Operationsverfahren zuzulassen.
Die IFSO (International Federation for the Surgery of Obesity and metabolic disorders) ist hier weniger kritisch und erachtet die vorliegende Evidenz als ausreichend.
Ich stehe Ihnen für ein ausführliches Informationsgespräch in meiner Sprechstunde gern zur Verfügung.