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Über 100 Meter Brust wird der Brite Adam Peaty in Rio in neuer Weltrekordzeit Olympiasieger. Geschichte schreibt aber auch der Drittplatzierte. Denn Cody Miller schien wegen einer deformierten Lunge nie eine Chance zu haben, als Sportler jemals erfolgreich zu sein.
Ein Schwimm-Olympiasieger, der Angst vor Wasser hat? Nein, das gibt es natürlich nicht. Doch Adam Peaty, der neue Champion über 100 Meter Brust, war als Kind tatsächlich wasserscheu. Er überwand diese Angst so souverän, dass er in Vorlauf und Final seinen eigenen Weltrekord zwei Mal knackte, ja förmlich pulverisierte.
Die Geschichte des Bronzemedaillen-Gewinners handelt nicht von einer Angst vor Wasser. Cody Miller, der dank neuem US-Rekord aufs Podest schwamm, leidet seit seiner Geburt an einer deformierten Lunge, einer sogenannten Trichterbrust.
Miller war zehn Jahre alt, als die Deformierung einsetzte. Der Bereich um das Brustbein wurde nach innen gezogen, zur Wirbelsäule hin. Das hat Folgen: Ärzte hätten ihm vorgerechnet, dass seine Lungentätigkeit deutlich eingeschränkt sei, schreibt der Schwimmer in einem Blog. Miller kann bis zu 20 Prozent weniger Luft einatmen, als wenn er das Gebrechen nicht hätte.
Dazu leidet der 24-Jährige auch an Asthma. «Trotz diesen Nachteilen widme ich mich voller Leidenschaft dem Schwimmsport und ich gab nie auf», so Miller im Vorfeld der Olympischen Spiele von Rio. Früher habe er sich oft für seinen Körper geschämt, man habe mit dem Finger auf ihn gezeigt und ihm das Gefühl gegeben, abnormal zu sein.
Schliesslich und mit dem Alter kam bei Cody Miller die Erkenntnis, dass ohnehin niemand zu 100 Prozent mit seinem Aussehen zufrieden ist. «Jeder ist irgendwo unsicher, auch Profisportler oder Models. Ich habe ein grosses Loch in meiner Brust und das ist okay so.»
Der mit 1,80 m für einen Schwimmer eher kleine Miller hatte einen Start bei Olympischen Spielen als ganz grossen Traum. Er schaffte es. Und nicht nur das: Er gewann erstmals an einem grossen Bewerb eine Einzelmedaille, nachdem er als Mitglied von US-Staffeln zuvor schon drei Mal an Weltmeisterschaften auf dem Podest gestanden war. «Ich bin so glücklich», sagte er nach dem Verlassen des Beckens freudestrahlend. «Ich träumte von diesem Moment, seit ich ein kleines Kind war, und du glaubst nie daran, dass es wirklich passiert – bis es dann passiert.»