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Thomas Meyer, was für ein Hintergrundbild hat Ihr Smartphone?
Ein Light-Painting-Foto, aufgenommen in Trier morgens um zwei. Ich bin gern nachts mit der Kamera unterwegs.
Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Glarner Alpen mit einem kleinen Zürich mittendrin fände ich ganz gut, dazu das kulinarische Angebot aus Tel Aviv.
Wie lautete Ihr Name als Mädchen?
Gabriela. Genau so müssten alle es auch sagen. Ab einem gewissen Alter darf man keine Spitznamen mehr zulassen.
Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Um null Prozent. Ich bin enorm glücklich mit meiner Arbeit und damit, wie sie sich gestaltet.
Als Sie Kind waren, was hat Ihre Mutter Ihnen da immer gesagt?
Das Übliche: Ich soll endlich zum Essen kommen, aufräumen, Flöte üben. Letzteres löste ich, indem ich das Ding an einer Stuhllehne köpfte. Ich habe die Blockflöte gehasst. Ich wollte Klavier spielen und musste in den Flötenunterricht. Was ist das für ein bescheuertes System? Tod der Blockflöte!
Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Das ist nun schon eine Weile her. Ein Mann, dem ich zwar nie nahe war, mit dem ich mich aber immer gut verstand, sagte mir eines Tages ganz offen, ich solle mich nicht immer so heruntermachen und mir Hilfe suchen, um meinen Selbstwert zu reparieren. Das sei ja auch keine grosse Sache. Er sagte es völlig beiläufig, als wäre es wirklich keine grosse Sache. Das ist mir aber total eingefahren. Ich habe kurz darauf eine Therapie begonnen, und es war sehr gut für mich. Er hatte völlig recht. Es ist sehr schade, dass die Menschen nicht öfter so direkt miteinander reden.
Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?
Nein. Es liegen nämlich nie tote Tiere drauf. Auch sonst ist «aufessen» eine Unsitte aus dem letzten Jahrhundert. Man soll nur so viel essen, wie der Körper verlangt.
Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Benny Goodman. Swing erscheint mir passend. Ich wünsche mir eine lustige Beerdigung.
Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Ja. Es gibt einen Punkt, an dem das Leben nicht mehr wert ist, gelebt zu werden. Ich hoffe, ich erreiche ihn nie. Meine Idee ist, dass ich den richtigen Moment erkenne, mich auf eine Bank unter einen Baum setze und einnicke.
Über welche Tat oder Aussage von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden?
Vermutlich, dass ich «Stadt Zürich – Amt für Ironie» auf meinem Auto stehen hatte. Aber die Nachwelt soll selber entscheiden, was sie für erinnerungswürdig hält. Warum reden wir hier so ausgiebig über meinen Tod?
Die bisher beste Idee Ihres Lebens?
Ein Kind zu machen.
Und Ihre dümmste?
Die war dermassen blöd, dass es ein grosser Segen war, dass ich sie nicht umsetzen konnte.
Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu erschaffen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie dann am besten ausstatten?
Thomas Meyer. Ach, der bin ich ja schon. Wie praktisch!
Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Skifahren und jemals mehr als Schwierigkeitsgrad 6a klettern zu können. Mich nicht aufzuregen, wenn jemand vor mir zu langsam fährt oder – was mich rasend macht – 200 Meter vor dem Abbiegen abbremst, aber bis zum Schluss keinen Blinker setzt.
Was würden Sie Ihren Kindern mit auf den Weg geben wollen?
Da hat man doch keine Wahl? Ich freue mich, dass mein Sohn auch ein unverbesserlicher Scherzkeks geworden ist.
Welche Pille gehört erfunden?
Eine Anti-Bullshit-Pille, die einen abhält, sich selbst und anderen das Blaue vom Himmel herabzulügen, um moralische und logische Untaten zu verschleiern.
Ihr Spitzname als Kind?
Meyerli. Der ist eigentlich super.
Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Es gab Bücher, Modellautos und -flugzeuge, Spielsachen, Stofftiere, eine Fotokamera. Wenn ich das so aufzähle, merke ich, dass sich nicht viel verändert hat seither.
Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Gehts schon wieder um meinen Tod? Das ist das morbideste Interview, das ich je gegeben habe.
Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht verändern?
Ich könnte mein Auto verkaufen. Aber ich brauche es, um nach Lesungen spätabends aus ländlichen Regionen nach Hause fahren zu können – und um diese für Wanderungen zu erreichen. Und ich fahre wirklich gern damit.