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Oberes Kaufhaus
Die Stelle mit der heutigen Adresse "Hauptstrasse 20" - auch Oberes Kaufhaus genannt - hat im Laufe der Zeit durch eine Vielzahl von Bauten ihr Erscheinungsbild verändert.
Baugeschichte[Bearbeiten]
"Herbrig"[Bearbeiten]
An der Südwestflanke (heute der Anbau mit der Raiffeisenbank), stand die erste Herberge, also ein Gasthaus, vermutlich ab etwa 1570. Dieses Haus (genannt "Klausenhaus") wurde 1654 versetzt ("zurück gestossen") an die heutige Adresse Dorf 2 und später in die Wies - heutige Adresse Wies 3.
Anstelle der ersten Herbrig, entstand ein zweites, grösseres Gasthaus, der zweite Herbrig, später als "alter Herbrig" bekannt. Auch dieses Haus wurde versetzt, nämlich 1705 auf Walzen an den heutigen Standort Herbrig 21.
Gasthaus Hirschen[Bearbeiten]
1706 wurde anstelle des versetzten "alten Herbrig" ein Gasthaus Hirschen mit einem Stadel an der Ostseite erbaut. Bis 1760 war der Hirschen als Gasthaus in Betrieb. Das Schild fand anschliessend im Haus neben der Kirche (Standort heutiges Pfarrhaus) Verwendung. Beim Bau des heutigen Pfarrhauses (1829) wurde dieser Hirschen, der einige Jahre als Schulhaus gedient hatte, "zum Wegnehmen" vergantet.
Oberes Kaufhaus[Bearbeiten]
Um 1770 kaufte Johannes Schläpfer die Liegenschaft und liess durch Baumeister Hans Jörg Altherr 1770/71 anstelle des Stadels das "Obere Kaufhaus" mit dem damals typischen doppelt geschweiften Barockgiebeln an Front und Rückseite an den Hirschen anbauen. Der Stadel wurde im Megglen neu aufgebaut. Der ehemalige Hirschen diente als Wohnhaus.
1846 kam es zu einer grossen Umgestaltung: Der ehemalige Hirschen wurde abgebrochen und im Gfeld in Trogen wieder aufgerichtet. Das Kaufhaus selbst wurde nach der Renovation der Mauern (1843/44) völlig umgestaltet zum heutigen Aussehen. Die Gitter und Eisenläden im Erdgeschoss stammen noch aus der ersten Bauzeit.
Umbauten-Umnutzungen[Bearbeiten]
Im 20. und anfangs 21. Jahrhundert erfolgten verschiedene Umbauten und Renovationen, die veränderten Nutzungen geschuldet waren. Oft brauchte ein Umbau mehrere Anläufe, bis er realisiert werden konnte.
In den 1950er-Jahren plante und erstellte die Bäckerei/Conditorei Etter eine Café-Erweiterung Richtung Hauptstrasse. Das Café wurde später zum Café Baumgartner. Nach einer Zwischenphase mit einem Garagenanbau anstelle des Cafés wurde der Anbau der Raiffeisenbank erstellt. Er erinnert - wohl unbeabsichtigt - an den ersten Herbrig, der vermutlich auch nur eingeschossig war und ein Pultdach hatte.
Nach gewerblichen Nutzungen (u.a. div. Arztpraxen) erfolgt 2021/22 eine umfassende Renovation und Sanierung mit Umgestaltung zu einem Wohnhaus.
Überraschung beim Umbau von 2022[Bearbeiten]
2022 wurde das Obere Kaufhaus zu einem Wohnhaus umgebaut. Beim Umbau kamen Tapetenreste zum Vorschein, die einen Einblick vor allem auch in die erste Geschichte des Hauses geben. Die Tapetenreste zeigen verschiedene Muster und Motive, die jeweils typisch sind für bestimmte Zeitepochen. Grössere Tapetenreste kamen im gleichen Jahr beim Umbau des 1804 erbauten Hauses "Zum Sternen" zum Vorschein.
Textilhandel[Bearbeiten]
Oberes Kaufhaus als Handelshaus[Bearbeiten]
Das Handelshaus von Johannes Schläpfer im Oberen Kaufhaus war Firmensitz mit einer Niederlassung in Genua.
Der dortiget Handelspartner Vigo hatte sich vom ehemaligen Gehilfen bis in die Geschäftsleitung emporgearbeitet. Als er bei ihrer Verbindung im Jahr 1765 den Geschäftsvertrag Schläpfer zur Prüfung vorlegte, wurde er von diesem unterschrieben, ohne dass er ihn durchgelesen habe. Dies zeugt vom Zutrauen Schläpfer’s zu Vigo. Seine Mitbürger ehrten Schläpfer auch wegen seiner Berufstreue, Rechtschaffenheit und Redlichkeit. Vor allem schätzten sie den Segen, den sein blühender Handel über die Gemeinde brachte und liebten ihn wegen seines wohlwollenden Wesens und seines Wohltätigkeitssinnes.
Vom guten Geschäftsverlauf zeugen sowohl der Bau des oberen Kaufhauses im Jahr 1771, als auch der Kauf des unteren Kaufhauses, das seinerzeit den Gebrüdern Jakob und Mathias Schläpfer gehört hatte. Es wurde 1792 mit einem Verlust von 2'500 Gulden, zum Preis von 5'600 Gulden, an Johannes Schläpfer verkauft. Nach Vigo’s Tod im Jahre 1783 teilten sich dessen Sohn und J.U. Sulzer mit Johannes Schläpfer das Geschäft. Der Vermögensnachlass von Vigo betrug 150'000 Gulden. Johannes Schläpfer starb am 26. März 1802, nachdem er 76 Jahre und 21 Wochen alt geworden war.
Vom Vater zum Sohn[Bearbeiten]
Der Geschäftssinn Schläpfer’s, aber auch sein christlich, religiöser und wohltätiger Sinn, vererbte sich auf seinen Sohn. Die Geschäftsverbindung mit Vigo wurde fortgesetzt. In Genua trug ihr Haus den Namenszug: „Georg Schläpfer e Vigo“, in Speicher behielt es den alten Namen: „Johannes Schläpfer“ . In ihre erfolgreiche Geschäftstätigkeit fiel auch die unheilvolle französische Revolutionszeit und Napoleons Kontinentalsperre, was dazu führte, dass der Handel stockte. Sulzer zog sich zurück, um sein Geld sicherer anzulegen. Trotzdem kann die Fortsetzung der Unternehmung ihrer Väter als erfolgreich bezeichnet werden, denn auch nach ihren Ableben blüht ihr Handelsgeschäft unter ihren Söhnen weiter.
Die Handelsfirma mit einer Niederlassung in Genua betrieb einen florierenden Handel mit Textilien, der später durch Sohn Georg Leonhard Schläpfer weiter geführt wurde…