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Unser Umgebungslärm hat stark zugenommen.
Eine Feuerwehrsirene im Jahr 1912 erreichte aus einer Entfernung von drei Metern bis zu 96 Dezibel, während 1974 Sirenengeräusche in der gleichen Entfernung 114 Dezibel aufwiesen. 2019 sind moderne Feuerwehrsirenen noch lauter geworden – 123 Dezibel in drei Metern Entfernung. Das hört sich vielleicht nicht nach einem grossen Anstieg an, aber dazu sollten Sie wissen, dass Dezibel auf einer logarithmischen Skala gemessen werden, d.h. 90 Dezibel entsprechen dem 10-fachen Schalldruck von 80 Dezibel und werden von unseren Ohren als etwa doppelt so laut wahrgenommen.
Drei Arten von Lärm: Acoustic, Informational und Internal Noise.
Der Anstieg des akustisch wahrnehmbaren Lärms (Acoustic Noise), das Quietschen, Rauschen und Klirren quasi, ist nur eine von mehreren Arten der zunehmenden Lärmbelästigung. Denn die Geräusche, die durch Ihr angekipptes Fenster eindringen, sind es momentan eher nicht, die Sie davon abhalten, diesen Text hier fertig zu lesen, es sind eher die Emails, die SMS, die Telegram-, WhatsApp- und Instagram-Nachrichten, der Twitterfeed, die Insta-Stories usw., der sogenannte Informational Noise.
Hinzu kommen die abschweifenden Gedanken an den ganzen anderen Kram, den Sie noch zu erledigen habe, der Blick auf die Uhr, der wartende See, … – der sogenannte Internal Noise.
Die drei Arten des Lärms haben eine Gemeinsamkeit: „Wir verwenden das Wort „Lärm“ nicht leichtfertig. Die drei Arten von Lärm in unserer auditiven Geräuschkulisse, in den Informationsbereichen und in unserem eigenen Kopf haben etwas gemeinsam, das sie von dem unterscheidet, was wir allgemein als Klang, Daten oder Gedanken bezeichnen würden. Lärm ist, in zwei Worten, „unerwünschte Ablenkung“ (Justin Zorn und Leigh Marz in Vox).
Internal Noise.
Wie kann ich diesen unerwünschten, ablenkenden „Inneren Lärm“ verkleinern, also gelassener werden und Inneren Frieden erreichen?
Finden Sie zuerst heraus, wie oft Sie an einem einzigen Tag durch diese kleinen Störungen, durch alltäglichen Ärger, Sorgen, Gedanken gestört werden. Weiterlesen >>>
Stille!
Jahrzehnte bevor der Begriff „Aufmerksamkeitsökonomie“ in den allgemeinen Sprachgebrauch einging, dachte Max Picard bereits über die Folgen von Lärm und Stille nach: „Warum wägen wir nicht ernsthaft die Kosten und den Nutzen all des Lärms ab, den wir erzeugen?“, fragte er. Weiter: „Stille ist heute das einzige Phänomen, das ’nutzlos‘ ist. Sie passt nicht in die Welt des Profits und des Nutzens; sie ist einfach da. Sie scheint keinen anderen Zweck zu haben; sie kann nicht ausgebeutet werden“.
Positiv ist der Rhythmus von Unruhe und Ruhe, von Spannung/Stress und Entspannung, von Selbstkontrolle und Genuss, von Kontakt und Rückzug – von Arbeit und Freizeit. Der Philosoph Byung-Chul Han nennt dies „Lücken“ im Leben (Interview, Das Magazin: 39/2014): „Glück heisst ursprünglich „Gelücke“. Es hat mit Lücken zu tun. Vielleicht ist die Lücke sogar wesentlich für das Leben…“ – und weiter: „Kommunikation ohne Lücke ist Lärm. Wir ertragen heute keine Lücke, keine Stille mehr.“ Jede Lücke wird sofort mit dem Zücken des Smartphones gefüllt. Man verträgt keine Lange-Weile mehr (siehe meinen früheren Blogbeitrag über Langeweile).
Gesundheitsschäden durch Lärm.
Lärm ist die zweitwichtigste Todesursache aller Umweltfaktoren!
Mehr als 400’000 Menschen in der Europäischen Union sterben jährlich vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA), der im September 2020 in Kopenhagen veröffentlicht wurde.
Für den Bericht wurden Daten zum Einfluss der Umwelt auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Europäer analysiert. Demnach stellt in Europa die Luftverschmutzung nach wie vor die grösste Umweltbedrohung für die Gesundheit dar.
Die Lärmbelastung ist aber bereits die zweit wichtigste Ursache. Sie führt laut dem Bericht zu 12’000 vorzeitigen Todesfällen. Auch Auswirkungen des Klimawandels hätten zunehmend ihren Anteil, Hitzewellen und Überschwemmungen zum Beispiel.
Die Untersuchungen stützen sich auf Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den Todes- und Krankheitsursachen. Demnach lassen sich rund 13 Prozent der jährlichen Todesfälle in der EU – das entspricht 630’000 vorzeitig Verstorbenen – auf Umweltfaktoren zurückführen und wären daher vermeidbar. Zu den häufigsten Todesursachen zählen dabei Krebs, Herzerkrankungen und Schlaganfälle.
Weiter kann übermässige Lärmbelastung u.a. folgende Krankheitsbilder (mit-)verursachen:
Prophylaxe
Der Lärm soll möglichst überall an der Quelle bekämpft werden. Anders gesagt: Dort, wo Menschen durch übermässigen Lärm gestört werden, soll zum Beispiel die Höchstgeschwindigkeit für die Verkehrsteilnehmer von 50 auf 30 km/h gesenkt werden.
Deshalb freue ich mich auch auf das kommende Verschwinden der lärmenden und stinkenden Explosionsmotoren (eingeschlossen die unsäglichen Laubbläser – und gleich auch alle röhrenden Rasenmäher mit Verbrennungsmotoren!) mit der Elektrifizierung des Strassenverkehrs – aber bitte keine SUVs, den die produzieren trotzdem einen hohen Reibelärm der schwer beladenen Reifen – und mit jedem E-Auto auch gleich ein Solarkraftwerk aufs Hausdach!
Und… falls Sie trotzdem unvermeidlich alltäglichem Lärm, z.B. Baulärm ausgesetzt sind, stecken Sie Noise-Cancelling-Ohrstöpsel {Oropax reicht völlig!) rein und nehmen Sie es gelassen, stoisch.
Letzte Aktualisierung durch Thomas Walser:
16. September 2022