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Die heißen Temperaturen scheinen uns in nächster Zeit noch nicht verlassen zu wollen, was bedeutet, dass viele Familien die Strände und Schwimmbäder im ganzen Land aufsuchen. Ertrinken ist weiterhin ein prävalentes Problem, insbesondere bei Kindern. Potenziell gefährlich sind dabei vor allem Badewannen, Planschbecken und Gartenteiche.5 Einer Forsa-Umfrage von 2017 zufolge hat die Schwimmkompetenz in Deutschland deutlich abgenommen: 60% der 10‑Jährigen waren keine sicheren Schwimmer mehr.6
Entgegen weit verbreiteter Vorstellung geschieht das Ertrinken in der Regel schnell und meist lautlos. Wild im Wasser strampelnde Ertrinkende sind selten. Kinder fallen meist mit dem Gesicht voran ins Wasser und sind aufgrund ihrer motorischen Entwicklung oft nicht in der Lage, sich selbst aus der Position zu befreien. Das Eintauchen ins Wasser kann außerdem einen reflektorischen Schluss der Stimmbänder hervorrufen, wodurch Schreien und Atmen unmöglich werden.6 Eine regungslos im Wasser treibende Person, die schnell unter der Wasseroberfläche verschwindet, ist daher das klassische Szenario.7
"Häufig passieren Ertrinkungsunfälle, während Eltern oder Betreuungspersonen sich in unmittelbarer räumlicher Umgebung aufhalten, aber nicht die notwendige Aufmerksamkeit vorhanden ist. So ereignen sich die häufigsten Ertrinkungsunfälle im ersten Lebensjahr im häuslichen Umfeld in der Badewanne. Ein kurzer Moment der Ablenkung genügt [...]. Diese Ertrinkungsunfälle sind absolut vermeidbar."6
Dr. Till Dresbach, ärztlichee Leiter der Initiative 'Kindernotfall Bonn'
Die Begriffe "nasses", "trockenes", "aktives", "passives", "stilles", "Beinahe-Ertrinken" und "sekundäres Ertrinken" sollen nicht mehr verwendet werden.1
Neben der Submersionszeit sind die Maßnahmen am Unfallort stark prognosebestimmend. Die unmittelbarste Gefahr beim Ertrinken ist eine Funktionsstörung des Herzens und des ZNS. Die Hypoxie kann recht rasch zum Kreislaufstillstand führen. Hypoxämie und Azidose müssen sofort korrigiert werden, um Todesfälle zu verhindern. Selbst diejenigen, die überleben, können aufgrund der anhaltenden zerebralen Hypoxie einen vegetativen Zustand entwickeln.7
Ist bei einem bewusstlosen Ertrinkungsopfer keine normale Atmung feststellbar, sollten unverzüglich Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Die nicht selten vorhandene Schnappatmung darf dabei nicht mit einer normalen Spontanatmung verwechselt werden.8 Aufgrund des Sauerstoffmangels gilt die Beatmung als die wichtigste Erstbehandlung und sollte beginnen, sobald der Retter flaches Wasser oder eine stabile Oberfläche erreicht hat. Versuche, etwaiges aspiriertes Wasser zu entfernen (durch Kopftieflage o. ä.), sind zwecklos und zu unterlassen, da dies die notwendigen lebensrettenden Maßnahmen verzögert. Die Menge des aspirierten Wassers hat normalerweise eine Größenordnung, in der sie von den Alveolen resorbiert werden kann.2
Ist nach 5 initialen Beatmungen kein Lebenszeichen feststellbar, wird ohne Unterbrechung mit Thoraxkompressionen im Wechsel mit Beatmungen im üblichen Schema begonnen – bei Kindern für sachkundige Helfer 15:2, für Laien oder wenn nur eine Person allein Ersthilfe leisten muss, wird 30:2 empfohlen, um Unterbrechungen zu minimieren.9 Wer alleine ist, führt zuerst für etwa eine Minute CPR-Maßnahmen durch und ruft dann Hilfe. Eine Hypothermie sollte verhindert werden (nasse Kleidung ausziehen und unnötige Bewegungen vermeiden, um das Risiko eines Bergungstodes durch Umverteilung von kaltem Peripherblut in zentrale Kompartimente zu vermeiden).2 Spätestens vor Defibrillation sollte der Brustkorb abgetrocknet werden.
Das Wichtigste, was Eltern verinnerlichen sollten, ist, dass sie bei den Wiederbelebungsmaßnahmen eigentlich nur eines wirklich falsch machen können: "Keine Maßnahmen einzuleiten, ist der größte Fehler und verschlechtert den Behandlungserfolg von Ertrinkungsopfern erheblich", schließt Dr. Dresbach.6
Bitte animieren Sie Eltern, ein qualifiziertes Training zu besuchen, welches zahlreiche Kliniken und Organisationen anbieten. Auch an Dr. Dresbachs Zentrum schulen erfahrene Kinderärzte die Eltern. Den Bonner Kindernotfall-Kurs gibt es sowohl als Präsenzveranstaltung als auch als Online-Webinar.