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Bezirk des Kantons Thurgau.
10588 ha Fläche, 17093 Ew., also 161 Ew. auf einen km2. Grenzt im
N. an den
Bodensee, das Grossherzogtum Baden
(Konstanz) und den
Untersee, im W. an die Bezirke Steckhorn und Weinfelden,
im
S. an die Bez.
Weinfelden
und
Bischofszell und im O. an den Bez. Arbon.
21 km lang und 5-6 km breit. Mehrere
Weier, deren grösste der Bommer- und Gaisbergerweier
sind. Wird vom
Seerücken durchzogen, der hier 500-622 m hoch ist und mit sanfter Böschung s. zum Kemmenthal und Aachthal
und n. zum
Bodensee sich senkt.
Den
N.-Hang schmücken Baumgärten, Weinberge,
Wiesen, Felder und eine Kette lieblicher Ortschaften; auf dem
Bücken gut gepflegte
grosse Waldungen mit prachtvollen
Eichen undBuchen. Das mit Schilfrohr und Rietgräsern bewachsene sumpfige
Ufer zwischen
Triboltingen und
Gottlieben wird von Wasservögeln belebt und beherbergt eine an seltenen Arten reiche Flora.
Der Bezirk zählt 155
Dörfer,
Weiler, Häusergruppen und
Höfe. Bezirkshauptort ist Kreuzlingen.
Von der dem Feldbau gewidmeten Fläche entfallen 20% auf Kartoffeln und die übrigen auf Hackfrüchte, 22-23% auf Kunstwiesen
und 47% auf Getreide. In den
Weinbergen von
Landschlacht ist bereits auch die Reblaus aufgetreten, die wahrscheinlich 1880 mit
Wurzelreben aus Südfrankreich eingeschleppt worden ist. Das Uebel wird seit 1900 energisch bekämpft.
Bis heute hat man 4956 Weinstöcke mit Schwefelkohlenstoff zerstören müssen. Der Obstbau wird durch die Beschaffenheit
des
Bodens und die klimatischen Verhältnisse begünstigt.
Die Statistik von 1885 zählte auf eine ha Kulturland je 19 Obstbäume oder auf eine ha Bodenfläche überhaupt je 14
Bäume,
d. h. zusammen 143622 Obstbäume (9-10 auf einen Ew.). Von Bedeutung ist auch die Herstellung von
Käse
(1902: 15 Käsereien). Der Ueberschuss an Milch wird nach Konstanz ausgeführt. Man zählt 20 Viehversicherungsgesellschaften
mit zusammen 5939 Stück versicherten Viehes. Tiere vom
SimmenthalerSchlag werden in
Alterswilen,
Güttingen,
Tägerwilen und
Kreuzlingen gezüchtet. Die staatliche Gutsverwaltung in
Münsterlingen verlegt sich auf die Züchtung
der Braunrasse und besitzt wertvolle prämierte Stammtiere. Verschiedene landwirtschaftliche Vereine.
Die Viehstatistik ergibt folgende Zahlen:
1886
1896
1901
Rindvieh
5942
7030
6073
Pferde
441
543
615
Schweine
1060
1795
1843
Ziegen
1087
1358
1226
Schafe
22
22
3
Bienenstöcke
1123
1592
1115
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Von Bedeutung sind auch Industrie und Kleingewerbe. Erstere beschäftigt 1275 Arbeiter und 177 Handlanger, wovon 460 in den
Schuhwarenfabriken von Egelshofen, Kreuzlingen und Gaisberg tätig sind. Die Stickerei unterhält 332 Handmaschinen und 11 Schifflimaschinen;
sie ist zum Teil Hausindustrie, beschäftigt 632 Arbeiter und 107 Hilfsarbeiter und wird besonders in den Gemeinden
Illighausen, Langrickenbach, Alterswilen und Altnau betrieben. Kreuzlingen hat Weberei, Güttingen Färberei, Emmishofen und Gottlieben
Rosshaarspinnerei. In Emmishofen eine grosse Ziegelei; Fischerei in Ermatingen, Gottlieben und Landschlacht.
Lebhafter Handelsort. Filialen der Thurgauer Hypothekenbank und der Kantonalbank. Sitz des Bezirksgerichtes,
Möbel-, Seifen- und Kerzenfabrik, Fabrik für Kassenschränke; eine Segel-, Zelt- und Sacktuchweberei; Zementwaren- und Strickwarenfabrik,
Vorhang- und Stickereigeschäfte, Trikotfabrikation, Zuckerwarenfabrik, lithographische Anstalt, Kartonnagefabrikation. Eine
Mühle, 2 Buchdruckereien und 1 Bierbrauerei. 4 Weinhandlungen. Eine Anzahl der Bewohner arbeitet
in den Schuhwarenfabriken von Egelshofen und Gaisberg.
Gasthöfe. Handelsgärtnereien. Fabrik für Elektrotechnik und Beleuchtungsanlagen. Sehr reges gesellschaftliches Leben: Verschönerungsverein,
Genossenschaft für Wasserversorgung, landwirtschaftlicher Bezirksverein, Konsumgesellschaft, Stenographenverein, allgemeine
Krankenunterstützungskasse. Das 500-800 m vom Seeufer entfernte Dorf besteht in der Hauptsache aus einer von
schönen Bauten und schmucken Villen begleiteten Strasse, die auf eine Länge von 2 km N.-S.-O. zieht und in ihrer Art im
ganzen Kanton ohne Gegenstück ist.
Aussicht auf den See, die Stadt Konstanz und das malerische deutsche Ufer mit Loretto, Heiligenberg, Meersburg, Friedrichshafen
etc. Die Umgebung der Häuser bildet einen einzigen Garten, da und dort unterbrochen von einigen Weinbergen,
die allmählig immer neuen Häusern weichen müssen. Besonders bemerkenswert das grosse Gebäude des ehemaligen Klosters, in
dem jetzt das
kantonale Lehrerseminar untergebracht ist. Daneben die katholische Pfarrkirche mit dem berühmten Meisterwerk
der Leidensgeschichte, dem sog. Oelberg, der aus 2000 aus Holz geschnitzten Figuren von je 30 cm Höhe
besteht und an dem der Künstler, ein Tiroler, 18 Jahre lang arbeitete; ausserdem schöne Fresken und ein grosses Chorgitter
in Kunstschmiedearbeit.
Zwei prachtvolle Primarschulhäuser; 3 Sekundarschulabteilungen und eine Gewerbeschule. Am See eine Badeanstalt. Kreuzlingen
wird mit Vorliebe von Privaten als Ruhesitz gewählt. Grosse Heilanstalt für Nerven- und Geisteskranke,
von Dr. L. Binswanger 1857 gegründet; sie erfreut sich eines europäischen Rufes und zählt im Durchschnitt 50-60 Pensionäre
(meist Deutsche, Russen und Oesterreicher). 18 Villen. Das Dorf steht auf einer alten Moräne des einstigen Rheingletschers.
Der Ausblick auf den von Schiffen aller Art stark belebten See ist ausserordentlich reizend, besonders
am Abend, wenn er in allen möglichen Farbentönen prangt.
Kreuzlingen verdankt seine Gründung dem h. Konrad I., der 943-975 Bischof von Konstanz war und sich besonders durch seine
Fürsorge für die Armen auszeichnete. Nach der Rückkehr von einer Pilgerfahrt nach Jerusalem stiftete er 968 in Stadelhofen,
einem Vorort des damaligen Konstanz, ein Asyl für Arme, Kranke und Pilger und beschenkte dieses Haus mit einem von ihm aus
Jerusalem heimgebrachten Splitter des heiligen Kreuzes. Daher erhielt das Hospiz den Namen Crucelin (woher Kreuzlingen). Es
wurde dem Orden der Augustiner zugeteilt.
Zur Zeit des Konziles von Konstanz (1414-1418) übernachtete Papst Johann XXIII. am im Kloster Kreuzlingen, um
am folgenden Tag mit einer Eskorte von 600 Reitern seinen feierlichen Einzug in Konstanz zu halten. Er schenkte bei diesem
Anlass dem Abt eine silbervergoldete und mit Perlen besetzte Mitra, die heute im Museum zu Frauenfeld aufbewahrt
wird. Im Schwabenkrieg wurden Turm und Kirche des Klosters 1499 von den schwäbischen Bundesvölkern verwüstet und zerstört;
diese mussten dann nach Beendigung des Krieges auf Verlangen der Eidgenossen das Kloster wieder neu aufbauen.
Als die Schweden im 30jährigen Krieg 1633 die Stadt Konstanz belagerten, bemächtigten sie sich des
Klosters und beschossen von da aus die Stadt, worauf die Konstanzer Bürger nach dem Abzug der Schweden dieses niederbrannten
(2. Oktober). Das 1653 neu aufgebaute Kloster wurde 1 km weiter nach SO. verlegt, steht heute noch und beherbergt jetzt das kantonale
Lehrerseminar. Zu gleicher Zeit verlegten die Mönche ihren Seehafen, der ihnen wegen ihrer Beziehungen
zur Herrschaft Hirschlatt unentbehrlich war, weiter nach O. zum Hörnli, was in der Folge zu zahlreichen Reibereien zwischen den
Bewohnern von Konstanz einer- und Kreuzlingen und den Eidgenossen andererseits führte. Konstanz erhob den Anspruch auf die
Oberherrlichkeit über
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den ganzen See, und da es von dem neuen Hafen an dem innerhalb seiner Gerichtsbarkeit gelegenen Hörnli für seinen Handel fürchtete,
verbot es den grossen Lastschiffen, hier zu landen, zerstörte die neu errichteten Landungspfähle und konfiszierte Boote
und Waaren. Daraufhin beschloss die eidgenössische Tagsatzung, dass die Grenze der Mitte des Sees zu
folgen habe und die Ansprüche der Konstanzer ungerechtfertigt seien, worauf 1756 unter militärischem Schutz eine neue Landungsbrücke
erbaut wurde. 1849 ging durch Kreuzlingen die Flut der badischen Flüchtlinge, die in der SchweizSchutz suchten.
Seit 1833 ist der Ort Sitz des kantonalen Thurgauer Lehrerseminars. Diese Anstalt war zuerst in einem kleinen
Schlossam See, im sog: Hörnli, untergebracht und zählte nur 23 Schüler. Als erster Direktor wurde Armenerzieher J. J. Wehrli
in Hofwil berufen. Die 1835 von Wehrli hier gegründete landwirtschaftliche Privatschule kam seit 1841 in die Klostergebäulichkeiten.
Hierher wurde dann nach der Aufhebung des Klosters 1848 auch das Seminar verlegt, das jetzt durchschnittlich 80 Zöglinge
und 7 Lehrer zählt; 1854-1897 stand ihm als Direktor Ulrich Rebsamen aus Turbenthal vor.
Im Kloster sind bemerkenswert der altertümliche Examensaal und Wandmalereien. Die Klosterkirche war ursprünglich Pfarrkirche
für die Ortschaften Kreuzlingen, Egelshofen, Kurzrickenbach und Stadelhofen. Der 1529 hier eingerichtete reformierte Gottesdienst
wurde schon 1532 (nach der Schlacht bei Kappe!) wieder unterdrückt, worauf die Tagsatzung die Reformierten von ihren Rechten auf
die Klosterkirche ausschloss, ihnen dafür die Kapelle zu Kurzrickenbach zuwies und zugleich die Abtei zur Entrichtung von 300 Gulden
an die Besoldung des reformierten Pfarrers verpflichtete. 1620 errichtete die Abtei in Egelshofen einen
Friedhof für die Reformierten. Kreuzlingen ward 1869 Bezirkshauptort und 1871 Eisenbahnstation. Vor der VillaSeeburg hat
man einen bedeutenden Pfahlbau aus der neolithischen Zeit entdeckt; Flachgräber aus der La Tène Zeit und Alemannengräber.
Vergl. Kuhn, K. Geschichte der thurg.Klöster. Frauenfeld 1876. - Kuhn. K. Geschichte derthurg. kathol.kirchlichen Stiftungen.Frauenfeld 1869. - Führer durch Konstanz und Umgebung; hrsg. vom Verkehrsverein von Konstanz. - Rebsamen,
J. U. Festschrift für das 50 jähr. Jubiläum des Lehrerseminars Kreuzlingen.Frauenfeld 1883. - Binswanger, Rob. Die KuranstaltBellevue. 1903.
(Kt. Wallis,
Bez. Goms).
1800-2300 m. Magere Alpweide, in einem mit Verwitterungsschutt und Wildbachablagerungen übersäten
Thalkessel; zwischen den Gneisstöcken des Helsenhorns und Cherbadung. Nach der Siegfriedkarte soll hier
einmal Eisenerz abgebaut worden sein.
verbindet Binn über das Längthal
und Kriegalpthal mit der Alpe de Devero und Baceno im italienischen Antigoriothal (Binn-Passhöhe 4½,
Passhöhe-Alpe de Devero-Baceno 5 Stunden).
Unschwierig zu begehender Fussweg, der aber an manchen Stellen mit Sturzschutt
überschüttet ist und oft auch ganz aussetzt.
Mehr von Schmugglern als von Touristen begangen.
Die Passhöhe führt über
den vom Hüllehorn absteigenden Gletscher und ist mit Moränenschutt bedeckt.
Nach S. kann man entweder
zur obersten Combe de Buscagna oder (kürzer und mehr begangen) direkt zur Alpe de Buscagna absteigen.
Der auf der Siegfriedkarte
zwischen diesen beiden Abstiegsvarianten eingezeichnete kleine Gletscher besteht nicht mehr und hat einer Schutthalde Platz
gemacht, die zur Zeit der Schneeschmelze von zahlreichen Wasseradern durchzogen wird.
(Kt. Schwyz,
Bez. und Gem. Einsiedeln).
970 m. Gruppe von 4 Höfen, im Alpthal, am linken Ufer des Alpbaches und
an der Strasse Trachslau-Alpthal. 20 kathol. Ew. Wiesen und Wald. Viehzucht. Benannt nach den langjährigen Grenzstreitigkeiten,
die 1114-1350 zwischen Schwyz
und Einsiedeln um den Besitz des obern Alpthales stattfanden. Nach dem unglücklichen Aufstand der Waldleute
von Einsiedeln gegen das Kloster (1764), der drei Einsiedlern das Leben kostete und mehrere andere um
ihre Ehre und ihr Vermögen brachte, errichtete die Hoheit zu Schwyz
auf der Kriegmatt eine steinerne Schandsäule mit der Inschrift
«Ewige Schande den Rebellen von Einsiedeln», die dann beim Einfall der Franzosen 1798 von den Bewohnern der
Gegend für immer beseitigt ward.
Nachher hat man die Trümmer dieser Säule beim Bau eines Hauses als Mauerwerk verwendet.
5 km sö.
Davos Platz. 1325 fand hier ein Kampf zwischen den unter Lukas Guler für Donat von Vaz fechtenden Leuten
von Davos und einer über den Scalettapass vorgedrungenen Schaar Soldaten des Bischofes von Chur statt, bei dem diese unter Verlust
von 200 Toten geschlagen wurden.
Der Boden ist fruchtbar und für die Landwirtschaft sehr geeignet. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat die
Industrie durch Ausnutzung der Wasserkraft der Emme einen grossen Aufschwung genommen. In Niedergerlafingen bestand schon 1830 ein
Hammerwerk; heute befinden sich hier die grossen Eisenwerke der Aktiengesellschaft Ludwig von Roll. 1861-63
wurde der Industriekanal von Gerlafingen bis Biberist und Derendingen fortgeführt, worauf 1864 in Biberist eine Papierfabrik
(heute mit einer Produktion von 6,5 Millionen kg Papier pro Jahr die grösste der Schweiz) und in Derendingen der Reihe nach
eine Baumwollspinnerei, Kammgarnspinnerei, Kammgarnweberei und andere Betriebe entstanden.
Der unweit der Emmemündung in die Aare beginnende Kanal (sogen. Aare-Emmekanal) speist nördlich Luterbach ein Elektrizitätswerk,
welches einer Reihe von Ortschaften Kraft und Licht liefert. Ferner sind zu
nennen je eine Bierbrauerei in Biberist und Zuchwil,
je eine Branntweinbrennerei in Lohn und Subingen, eine grosse Schlosserei in Derendingen, bedeutende Zementfabrik
in Luterbach, Teigwaarenfabrik in Subingen und Parketteriefabrik in Biberist; Uhren und Uhrenteile werden in Biberist, Derendingen,
Halten, Subingen und Deitingen hergestellt. Da die verfügbare Wasserkraft für die heutige Entwicklung der Industrie nicht
mehr ausreicht, wird von Werken ausserhalb des Bezirks elektrische Kraft bezogen und ausserdem auch noch mit
Dampfbetrieb gearbeitet.
Postwagen Solothurn-Zuchwil. Wie der grössere Teil des heutigen Kantons überhaupt kam auch das Wasseramt auf friedlichem
Wege, d. h. durch Ankauf von weltlichen und kirchlichen Herrschaften an Solothurn.
Das Gebiet des Wasseramtes gehörte 1208 Dienstleuten
der Herzoge von Zähringen und 1212 solchen der Grafen von Kiburg. Von 1315 an stand die hohe Gerichtsbarkeit
der Stadt Bern zu. Solothurn
kaufte 1403 den einen und 1520 den andern Teil von Deitingen, 1466 die Herrschaft Kriegstetten, 1501 die
kirchlichen Güter zu Hüniken. Da zur Zeit der Reformation sowohl Bern
als Solothurn
im Wasseramt Eigentum und Rechte besassen, entstanden
konfessionelle Streitigkeiten. Erst 1665 wurde durch den Vertrag von Winigen der Stadt Solothurn die Oberhoheit
über das ganze Gebiet der Herrschaft Kriegstetten zugesprochen, wobei sich aber Bern
den Schutz des reformierten Gottesdienstes
und die Aufsicht über die reformierten Kirchengüter des Bucheggbergs vorbehielt. Vergl. Schmidlin, Ludw. R. Geschichte desSolothurnischen AmteibezirkesKriegstetten.Solothurn
1895.
Die Ueberlieferung erzählt, dass die erste künstliche Erweiterung des Renggloches und damit die Ablenkung des Krienbaches
in die Kleine Emme im Jahre 1223 auf Befehl der Gräfin Gutta, gekorenen von Rothenburg und verwitweten Freifrau von
Schauensee, ausgeführt worden sei, damit das von ihr gestiftete Franziskanerkloster zu Luzern
fernerhin unter den Ueberschwemmungen
des Wildbaches nicht mehr zu leiden hätte. Dies half aber nicht viel. Da im Quellgebiet des Baches häufige Gewitter niedergehen,
war dieser durch seine Hochwasser für die Gemeinden Kriens und Luzern
eine stete Gefahr.
Von seinen Ausbrüchen und Verheerungen wird uns z. B. aus den Jahren 1333, 1472, 1475, 1532, 1554, 1570, 1577, 1597, 1611,
1616, 1617, 1626, 1641 und 1643 berichtet. 1616 und 1617 riss das Wasser die Hochöfen und Hüttenwerke von Kriens mit sich,
und 1626 und 1641 mussten die Franziskanermönche zu Luzern
wegen des Hochwassers die Messe auf einem improvisierten
Bretterboden lesen. Die letzte grosse und verderbliche Ueberschwemmung in Kriens und dem links der Reuss stehenden Stadtteil
von Luzern
fand 1738 statt, während sich Hochwasser noch 1741, 1749. 1811, 1840, 1874. 1880, 1896 und 1899 wiederholten.
Bis 1880 hatte man sich damit begnügt, längs dem Mittellauf des Wildbaches Mauern zu ziehen, sein Bett
von Zeit zu Zeit zu reinigen und den Abfluss durch das Renggloch zu erleichtern. Als der Bach trotzdem immer wieder gegen
Kriens und Luzern
durchbrach oder durchzubrechen drohte, schlug Ingenieur Stirnimann 1880 vor, den Bach und seine Nebenarme
im Quellgebiet zu verbauen und ihn zugleich im Mittellauf zu korrigieren. Diese Arbeiten wurden dann
1885-1901 auf gemeinsame Kosten des Bundes, des Kantons und der Stadt Luzern, der Gemeinde Kriens und der Direktion der Jura-Simplon-Bahn
ausgeführt. Schon ums Jahr 1800 schrieb Konrad Escher von der Linth, dass kein anderer Wildbach von so
beschränktem Sammelgebiet eine solch' grosse Menge von Geschieben und Blöcken führe wie der Renggbach.
Ist jetzt gegen früher ein ziemlich harmloser Wasserlauf.
Vor der gründlichen Verbauung des ObernKrienbaches (s. diesen Art.) pflegte dieser bei Hochwasser von Zeit zu Zeit gegen
den Untern Krienbach durchzubrechen und dann mit ihm das ganze Thal bis nach Luzern
hinunter unter Wasser zu
setzen.
Heute fliesst ein Teil des Wassers des ObernKrienbaches durch einen künstlichen Kanal zum Untern Krienbach ab und
gestattet diesem damit den regelmässigen Betrieb der Fabriken von Kriens.
Seine Wasserkraft wird
schon seit langer Zeit ausgebeutet,
und zu Beginn des 19. Jahrhunderts trieb er an seiner Mündung in die Reuss bei Obernau etwa 20 Räder.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts legte August Bell aus Luzern
den Grund zur mächtigen industriellen Entwickelung von Kriens, indem
er an Stelle der bisherigen Stampfmühle und kleinen Säge eine mechanische Rosshaarflechterei einrichtete.
(Kt. und Amt Luzern). 520 m. Gem. u. grosses Pfarrdorf, am N.-Fuss des Pilatus und 3 km sw.
Luzern.
Elektrische Strassenbahn Luzern-Kriens und normalspurige Verbindungshahn der Fabriken von Kriens mit dem Bahnhof Luzern.
Drahtseilbahn
auf den n. über Kriens sich erhebenden aussichtsreichen Sonnenberg. Postbureau, Telegraph, Telephon. Die ziemlich ausgedehnte
Gemeinde umfasst neben dem Dorf noch die Weiler und Häusergruppen Nackenrain, Nidfeld, Waisenhaus, Obernau,
Wattig, Oberschachen (mit Feldmühle), Schattenberg.
Dorf: 220 Häuser, 3263 Ew. Ist
nach Luzern
die volksreichste Gemeinde des Kantons.
Die gewöhnliche Etymologie des Namens Kriens, die ihn von
Grien = Kies, Schotter ableitet, hat die natürliche Beschaffenheit des aufgeschütteten Alluvialbodens für sich, gegen sich
aber das K, das als Ch in der Form Chrientes schon im 9. Jahrhundert auftritt. Andere Ableitungen sind noch weniger sicher.
881: Krientes. 1850 betrug die Einwohnerzahl 2693 Selen. Bis zu dieser Zeit war Kriens eine beinahe völlig
agrikole Ortschaft, die nur einige kleine, die Kraft des Krienbaches ausnutzende lokale Industriebetriebe aufzuweisen hatte,
wie Walkmühlen, eine Sichelfabrik, einen Eisen- und Kupferhammer, eine Mühle, Säge und Bleiche.
Heute ist es ein bedeutender Industrieort: Maschinen- und Brückenbau beschäftigen 500 Arbeiter, eine Seidenspinnerei 500 Arbeiterinnen
und 100 Arbeiter, eine Holzwerkzeugfabrik 40 Arbeiter, eine Teigwarenfabrik 60 Arbeiter und Arbeiterinnen,
die Kupferwerkstätten 40 Arbeiter, eine mechanische Kunstschreinerei 50 Arbeiter und eine Fabrik für Holzbuchstaben 100 Arbeiter.
Ein Teil der Bewohner nährt sich daneben noch von Ackerbau und Viehzucht. 1780-1886 bestanden hier auch eidgenössische
und kantonale Pulvermühlen, die aber nach verschiedenen Explosionen 1887 eingingen.
Die 1100 erbaute Pfarrkirche ist 1683 umgebaut und 1890 vergrössert worden. Der sehr alte Glockenturm enthält eine 1357 gegossene
Glocke (die älteste der Urschweiz). Zwei grosse Schulhäuser, 1866 und 1900 erbaut. Sekundar- und Ergänzungsschule. S.
über dem Dorf die Burg Schauensee mit einem sehr alten Turm. Eidgenössisches Zeughaus. Rund um das Dorf
schöne Villen; in der Nähe ferner die Kurhäuser Sonnenberg, Himmelreich und Hergiswald. Auf dem Sonnenberg eine von der schweizerischen
Gemeinnützigen Gesellschaft 1858 gegründete Rettungsanstalt für verwahrloste katholische Knaben. Waisenhaus; Armenhaus
mit landwirtschaftlichem Betrieb. Schülersuppen. Hilfsgesellschaft. Isolierpavillon für ansteckende Krankheiten. Volksbibliothek.
Eine Zeitung. Etwa 30 verschiedene Vereine für Gesang, Musik, Schiessen, Turnen, Politik, Wohltätigkeit,
volkstümliche Vorträge. Hier wurde 1792 der Arzt J. G. Krauer, der Dichter des Rütliliedes, geboren.
881-884 war Kriens Eigentum des KlostersIm Hof zu Luzern,
dem es nach einer Urkunde aus jener Zeit zusammen mit dem ganzen Gebiet
vom Pilatus bis zum See und zur Reuss von einem Edeln Atha und seiner Schwester
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mehr
Chriemhilt geschenkt worden war. Als das Kloster zu Luzern
1291 aus der Oberhoheit des Elsässer KlostersMurbach an Oesterreich überging,
ward auch Kriens österreichischer Besitz und bildete dann etwa 100 Jahre lang mit Malters, Littau, Horw und andern Orten die
österreichische Landvogtei Rotenburg. Während der die Schlacht von Sempach (1381) einleitenden Feindseligkeiten
stellte sich Kriens auf SeiteLuzerns, worauf diese Stadt 35 Krienser in ihr Bürgerrecht aufnahm. 1412-1798 gehörte es zur
Luzerner Landvogtei Kriens und Horw, deren Vogt vom Grossen Rat der Stadt auf je zwei Jahre gewählt wurde.
Während Kriens sich sonst bei Fehden stets auf Seite der Stadt zu stellen pflegte, nahm es 1653 für
die aufständischen Bauern Partei, deren Heerlager lange Zeit auf der Allmend zwischen Luzern,
Kriens und Horw sich befand. Nach der
Unterdrückung der Bauern liess die Stadt den Anführer der Krienser hinrichten und sein Haupt am Baslerthor aufstecken, wo
es bis 1798 blieb. In der Seeschlacht von Lepanto (1571) erbeutete der päpstliche Gardist Hans Nolli
aus Kriens zwei türkische Schiffsflaggen, die im Luzerner Rathaus niedergelegt wurden.
Die Franzosen lagerten 1798 vor ihrem Einfall in Nidwalden
zu verschiedenen Malen auf der Allmend. In dieser schweren Zeit hatte die
Gemeinde während 25 Monaten unter den Brandschatzungen des Feindes zu leiden und im ganzen 16370 alte
Franken Kriegssteuern zu bezahlen. 1801-02 bildete Kriens ein eigenes Gemeinwesen. 1837 löste man einen grossen Landstrich
im W. der Gemeinde von dieser ab und teilte ihn der neugebildeten Gemeinde Schwarzenberg zu. Das Bezirksgericht hat seinen
Sitz abwechselnd in Kriens und Malters.
(Kt. St. Gallen,
Bez. Neu Toggenburg).
805 m. Gem. und Pfarrdorf, am Krinauerbach und 2,5 km sw. der Station Lichtensteig
der Toggenburgerbahn. Postablage, Telephon. Kleinste Gemeinde des Kantons; zusammen mit einigen zerstreut gelegenen Höfen: 75 Häuser, 381 zur
Mehrzahl reform. Ew.; Dorf: 28 Häuser, 130 Ew. Die Katholiken sind in Bütswil eingepfarrt. Viehzucht. Käserei. Stickerei.
Herstellung von Baumwolltuch. 1510-1514 eigene Gerichtshoheit. Das Dorf schön gelegen;
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