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Äolier,
altgriech. Volksstamm, der sich von Äolus (s.
Aiolos) ableitete und seine ursprünglichen Wohnsitze in der Landschaft
Äolis hatte, der südwestl. Hälfte der thessal. Ebene.
Hauptstadt war hier
Arne, das spätere Cierium. Von hier zog ein
Teil des
Stammes, infolge der Einwanderung der
Thessaler, unter dem
Namen der äol.
Böoter nach
Böotien; ein anderer Bruchteil ließ sich im südl.
Ätolien in der Gegend
von
Kalydon und Pleuron, die danach auch
Äolis genannt wird, nieder. Am längsten erhielt sich der
Name
Äolier als polit.-ethnogr.
Bezeichnung für die griech. Ansiedler im Nordwesten
Kleinasiens. Den Hauptstock dieser Einwanderer bildeten
Achäer aus dem
Peloponnes, denen, wie es scheint, sich thessalische
Äolier beigesellt hatten. Die etwa 30
Niederlassungen der
Äolier zerfallen, abgesehen von den
Städten auf der
Insel
Lesbos, in zwei größere Gruppen. Die südlichere umfaßte 12 in der
Nähe der
Flüsse
[* 2] Caicus und Hermus und des Elaitischen
Meerbusens gelegene, wohl zu einem
Bunde vereinigte
Städte; Smyrna, das jedoch später an
Ionien fiel, und
Kyme waren die bedeutendsten Plätze.
Die nördl. Gruppe bildeten die am Fuße des Idagebirges in Troas, vom Vorgebirge Lektum bis zum innersten Winkel [* 3] des Adramyttischen Golfs gelegenen Städte, von denen Assus, Gargara und Antandrus an der Küste lagen; zu ihr gehörte auch die Insel Tenedos sowie die dieser gegenüber auf der Küste des Festlandes von König Antigonus begründete, von Lysimachus erweiterte Stadt Alexandria Troas. Diese äol. Städte, deren Bevölkerung [* 4] meist aus Resten der frühern Landeseinwohner, Pelasger, Leleger, Dardaner, Troer und Myser, bestand, wurden zum Teil schon von Krösus zum Tribut genötigt.
Nach der Unterwerfung Lydiens durch Cyrus gerieten sie alle in Abhängigkeit vom Persischen Reiche. Nach den Perserkriegen traten sie größtenteils der athenischen Bundesgenossenschaft bei, deren Auflösung brachte sie (mit Ausnahme der Bewohner von Lesbos und Tenedos) wieder in die Gewalt der pers. Satrapen. Nach dem Untergange des Persischen Reichs und dem Tode Alexanders d. Gr. gehörten sie bald zum Pergamenischen, bald zum Syrischen Reiche, bis sie von den Römern der Provinz Asia zugeteilt wurden. - Über den Äolischen Dialekt s. Griechische Sprache.