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GOTCHA! (1984) ist eine unschuldige, aber amüsante Actionkomödie von Jeff Kanew (TOUGH GUYS, 1986) mit Anthony Edwards (dem späteren Arzt Mark Greene der erfolgreichen TV-Serie E.R. – hier mit halblangen Haaren), Linda Fiorentino (JADE, 1995) und, als Bösewicht, der Deutsche Klaus Löwitsch. Der Film beginnt harmlos mit einem Paintball Spiel, Gotcha eben, das Jonathan mit einigen Kollegen auf dem Unicampus spielt (man stelle sich sowas heute vor). Während seines Urlaubs in Paris lernt er eine geheimnisvolle Schönheit kennen, die ihn mit nach Ostberlin nimmt. Als sie getrennt werden, muss er seinen Weg zurück in den Westen finden, verfolgt von DDR-Agenten. Wieder zuhause angekommen, bemerkt er, dass das «Spiel» noch nicht zu Ende ist und er in eine real-life-Spionage verwickelt wurde.
Jeff Kanew hat sich einen Namen als Cutter von Filmen wie Robert Redfords ORDINARY PEOPLE (1980) und des Trailers zu ROCKY (1976) gemacht ehe er ins Regiefach wechselte und kleinere Erfolge feiern konnte – einigen dürften vielleicht sein Burt Lancaster/Kirk Douglas/Eli Wallach Revival TOUGH GUYS von 1986 in Erinnerung sein. GOTCHA! war vor allem im nichtamerikanischen Ausland ein milder Erfolg und später ein Hit auf VHS.
Kanew war damals nicht bekannt, dass Bill Conti zuvor einen James Bond Film vertont hatte (FOR YOUR EYES ONLY, 1981), Grund für das Engagement sei Contis Musik zu UNMARRIED WOMAN (1978) gewesen, wohl weil die Romanze zwischen Edwards und Fiorentino ursprünglich mehr Platz einnehmen sollte als im finalen Produkt.
Die mit dem Film veröffentlichte LP enthielt nur zwei Tracks von Bill Conti (beide wurden für diese LP auf modern getrimmt), während Hits wie «Engel 07» von Hubert Kah, «Wouldn’t it be Good» von Nick Kershaw und «Smalltown Boys» von Bronski Beat und weitere Popsongs den Hauptteil der MCA-Scheibe einnahmen. Es war eben nicht nur die Zeit von INDIANA JONES AND THE TEMPLE OF DOOM, sondern auch eine Phase von Songs in Filmen. Nun hat Intrada sich den Fans von Bill Conti besonnen und dessen kurzen Score zu GOTCHA! aufgelegt.
Contis Musik zeigt eine Mischung aus kräftigen Blechblaseinschüben (die Blechsektion nimmt denn auch eine gewichtige Grösse in Contis Orchester für GOTCHA! ein), spannenden Streicherpassagen, einem Hackbrett ähnlichen Sound für das Suspensemotiv, E-Drums und einer grösseren Menge an Synthesizerklängen. Während die Songs auch im Film einen prominenten Stand hatten und zweifellos als Marketing dienten, bleibt Contis Score ernsthaft und direkt, mit wenig Mickey Mousing (hier wäre vielleicht das von Latinbeats und Saxofon bestimmte «Hithe & Yon» zu nennen) oder komödiantischen Elementen. Damit der Zuschauer aber stets wusste, wo man sich nun gerade befand, nahm Conti kurze Ausschnitte der Nationalhymnen Frankreichs, der BRD und USA auf. Nebst den 28 Minuten Score sind alternative Versionen diverser Tracks zu hören.
Eine durchaus spassige Sache für Fans von Bill Conti.
Phil 30.6.2020
GOTCHA!
Bill Conti
Intrada Special Collection
50:17 Min.
32 Tracks