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Von den Schweizer Behörden konnte er nicht viel Hilfe erwarten. Mit den Traumas blieb er zumeist allein, kaum fähig, sich wieder in den Alltag zu integrieren.
Nur knapp hatte der Tessiner Gino Pezzani das nazistische System der Vernichtungslager überlebt. Jetzt wird mit einem Stolperstein an sein Schicksal und zugleich an die ausbleibende Hilfe der Schweiz erinnert.
« Sch. 77192» – das war die Nummer, die Pezzani im KZ trug, als einer von 391 Schweizer Häftlingen in deutschen KZs. 1945 entkommen, wohnte er nach dem Krieg einige Jahre an der Jungstrasse 9.
Geboren wurde Pezzani 1911 im Malcantone. In der Kindheit kam er zu einem Onkel nach Toulon, wo er eine Ausbildung als Maler machte. Vor allem aber entdeckte er das Segeln als Berufung. So unternahm er in den 1930er-Jahren mehrmonatige Segeltörns im Mittelmeer. Dann intervenierte die Politik. Von 1936 bis 1938 schmuggelte er laut eigenen Angaben Waffen für die spanische Republik. Danach lebte er in der Schweiz und in Frankreich; dort wurde er im Mai 1943 von der Gestapo wegen des Verdachts auf Spionage und Hilfe für die Résistance verhaftet.
Im nazistischen Vernichtungssystem wurde Pezzani durch verschiedene Lager geschleust und kam schliesslich im März 1944 nach Sachsenhausen. Am 4. Mai 1945, während eines so genannten Todesmarschs, mit dem die Häftlinge bei praktisch schon verlorenem Krieg noch in ein anderes Lager verschoben werden sollten, gelang ihm die Flucht.
Die Schweizer Behörden waren praktisch von Beginn an über die Inhaftierung und die Verschleppung informiert, ohne weiter aktiv zu werden. Ein im August 1944 von Deutschland vorgeschlagener Austausch scheiterte aus unbekannten Gründen. Nach seiner Flucht kehrte Pezzani in die Schweiz zurück, wohnte zuerst in Schlieren, dann, von 1967 bis 1973, an der Jungstrasse 9. 1949 hat er eine Broschüre über seine Erlebnisse geschrieben, immer wieder hat er seine belastenden Erlebnisse auch malerisch zu bewältigen versucht; er starb 2005.
Seit dem 22. Juni wird mit einem Stolperstein an Gino Pezzani erinnert. Die Steinlegung vor der Jungstrasse 9, wo gegenwärtig der bücherraum beheimatet ist, war durch den Verein Stolpersteine initiiert worden.
Ein ausführlicher Lebenslauf von Gino Pezzani findet sich hier:
Weitere Informationen:
Balz Spörri, René Staubli, Benno Tuchschmid: Die Schweizer KZ-Häftlinge. NZZ Libro, Zürich 2019.
www.stolpersteine.ch