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«Schweizer Bauer»: Warum wanderten Sie 1980 in die USA aus?
Karl Bürgi: Nach meiner landwirtschaftlichen Ausbildung hatte ich den Traum, etwas zu erleben. So machte ich auf einer Milchfarm in den USA meinen ersten Auslandaufenthalt. Während dieser Zeit absolvierte ich eine Weiterbildung an der Universität in Wisconsin. Nach zweimaliger Verlängerung des Aufenthaltes arbeitete ich acht Jahre als Herdenmanager. Dazumal befasste ich mich mit der Klauenpflege auf Betrieben mit 150 Kühen.
Ist die Klauenpflege heute anspruchsvoller als früher?
Als ich im Jahr 1990 Vollzeitklauenpfleger wurde und jedes Jahr rund 6000 Kühen die Klauen pflegte, gab es nur wenige Laufställe. Die Klauenpflege war nicht so anspruchsvoll und Klauenprobleme waren seltener. Heute ist die Klauenpflege viel komplexer. Als Berater sehe ich auf der ganzen Welt Betriebe, die immer grösser werden. Es geht mir darum, dass vor allem auch wachsende Betriebe die richtigen Entscheidungen beim Stallbau und im Management treffen, damit die Klauengesundheit nicht darunter leidet.
Was sind häufige Schwierigkeiten?
Weltweit und auch in der Schweiz sind Sohlengeschwüre, Weisse-Linien-Defekte und Mortellaro zu über 90 Prozent für Lahmheiten verantwortlich. Mortellaro ist eine infektiöse Klauenerkrankung und heute in vielen Nutzviehbeständen zu finden. Sie kann nur mit Früherkennung und sofortiger Behandlung unter Kontrolle gebracht werden. Um ihr vorzubeugen, ist beste Hygiene notwendig. Weisse-Linien-Defekte findet man häufiger in Aufstallungen mit Spaltenböden und glatten Böden. Lange Triebwege auf die Weide begünstigen Weisse-Linien-Defekte ebenfalls. Durch gute und funktionelle Klauenpflege und bessere Haltungsbedingungen kann man auch diese Klauenkrankheit verringern.
Wo gibt es weitere Probleme?
Bei der Klauenpflege ist es das Problem, dass vielerorts wichtige Fortschritte nicht gemacht wurden. Weltweit haben sich die Betriebe vergrössert. Selten wird die Klauenpflege dem heutigen Anspruch der Kuh und der Klaue angepasst. Die Kühe sind heute grösser, aber man braucht beispielsweise seit 30 Jahren die gleichen kleinen Klauenklötze für die Lahmheitsbehandlung. Betriebe müssen schauen, dass ihre Kühe vor allem liegen und fressen und nicht herumstehen. Der Kuh nicht angepasste Liegeflächen und die Hitze führen dazu, dass die Kuh herumsteht. Das führt zu Klauenleiden.
Wie erklären Sie das?
Wenn die Kühe nur herumstehen, ist der Kreislauf in den Klauen schlecht. Das führt zu einer Entzündung. Ich stelle immer wieder fest, dass die Klauenleiden und insbesondere Sohlengeschwüre rund zwei Monate nach dem heissesten Tag am häufigsten erfolgen. Daten zeigen auch, dass Sohlengeschwüre vielfach zwischen 70 und 120 Tagen nach dem Abkalben sehr verbreitet sind.
Was bedeutet das für die Klauenpflege?
Die Klauenpflege muss so erfolgen, dass die Klauen während Stressperioden in bestem funktionellen Zustand sind. Sie muss dem Betrieb und dem heutigen Anspruch der Kuh angepasst werden. Früher lehrte man uns, wie viel Horn bei der Klaue wegzuschneiden ist. Noch wichtiger zu wissen ist aber, wie viel Horn man beim Schneiden stehen lassen muss. Das bedeutet, dass man einer Kuh pro Klauenpflege weniger oder das Richtige wegschneiden muss. Damit kann Klauenleiden vorgebeugt werden.
Wie beurteilen Sie die Klauenpflege in der Schweiz?
Es gibt mehrere junge Klauenpfleger, die sehr gute Arbeit leisten. Sie haben zwar immer mehr Arbeit, dafür immer weniger lahme Kühe. Ich sehe weltweit, dass eine korrekte funktionelle Klauenpflege zu weniger Klauenleiden führt.
Karl Bürgi
Karl Bürgi ist in Feusisberg SZ aufgewachsen und wanderte 1980 in die USA aus, machte sich später selbstständig und entwickelte einen eigenen Profiklauenstand. Heute ist Bürgi ein weltweit gefragter Mann und befasst sich mit dem Thema Klaue und Klauenpflege umfassend von der Fabrikation mit 18 Angestellten über die Forschung, Schulung bis zur Beratung. Bürgi ist im Aufbau eines weltweiten Netzwerkes an Beratern. Nebenbei schneidet er pro Jahr noch 5000 Kühen die Klauen. hal