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Dass Ende des Jahres ursprünglich in Großbritannien entdeckte Genvariante B.1.1.7 deutlich ansteckender ist als andere Varianten des Coronavirus, ist inzwischen bekannt. Um wie viel mehr genau sie ansteckender ist, das weiß man aber noch nicht mit Sicherheit. Britische Forscher schätzten zunächst, dass B.1.1.7 um 50 bis 70 Prozent ansteckender ist. PHE, die britische Gesundheitsbehörde, geht inzwischen von 25 bis 40 Prozent aus, und andere Wissenschaftler von 43 bis 82 Prozent.
Warum B.1.1.7 aber so viel ansteckender ist, dazu gab es bisher nur Vermutungen. Einige Experten waren davon ausgegangen, dass die Genvariante eine höhere Viruslast bei den Infizierten mit sich bringt — ob das aber stimmt, war bisher nicht bekannt. Forscher um Stephen Kissler von der Harvard University haben sich diese These nun einmal angesehen.
In einer kleinen Studie, die bisher noch nicht von Fachkollegen begutachtet wurde, untersuchten die Wissenschaftler 65 Spieler der National Basketball Association (NBA). Sie alle waren mit SARS-CoV2 infiziert, sieben von ihnen hatten eine Infektion mit B.1.1.7.
B.1.1.7 ist ansteckender, weil ein Infizierter deutlich länger eine relativ hohe Viruslast hat
Jeden Tag mussten die Spieler einen PCR-Test machen. Aus den Ergebnissen konnten die Forscher schließen, wie hoch die Viruslast an jedem einzelnen Tag war, und über wie viele Tage hinweg die Viruslast Spitzenwerte erzielte — was ein Indikator dafür ist, wie lange der Betroffene wahrscheinlich ansteckend ist. Das Ergebnis zeigte, dass die Spitzenwerte in der Viruslast für beide Genvarianten zwar vergleichbar hoch waren, diese Werte aber bei Infizierten mit B.1.1.7 länger bestehen blieben.
Mit anderen Worten: B.1.1.7 ist nicht ansteckender, weil mit ihr Infizierte eine höhere Viruslast haben — sondern weil sie deutlich länger eine relativ hohe Viruslast haben. Die Ursache ist also nicht die Menge der Viren, sondern die Anzahl der Tage, an denen ein Betroffener ansteckend ist.
Die Studienautoren schreiben dazu: „Diese Daten liefern Hinweise darauf, dass die SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7 im Vergleich zu nicht-B.1.1.7 SARS-CoV-2 längere Infektionen mit ähnlicher viraler Spitzenkonzentration verursachen kann. Diese verlängerte Dauer kann zur erhöhten Übertragbarkeit von B.1.1.7 SARS-CoV-2 beitragen“.
Da die Studie sehr klein ist und nur sieben Covid-19-Erkrankten mit der Genvariante B.1.1.7 berücksichtigte, könne dies nur ein erstes Indiz für die mögliche Ursache der höheren Ansteckungsrate sein, so die Wissenschaftler. Wenn sich der Verdacht erhärtet, könnte dies jedoch Auswirkungen auf die Zeit der Isolation von mit B.1.1.7-Infizierten haben. „Sollten sich die Ergebnisse durch weitere Daten bestätigen, könnte eine längere Isolationszeit als die derzeit empfohlenen 10 Tage nach Auftreten der Symptome erforderlich sein, um Sekundärinfektionen durch diese Variante wirksam zu unterbrechen“, schlussfolgern die Forscher.