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Die Grauammer ist ein schlichter Vogel. Sie hat ein unauffälliges, eher eintöniges braunes Federkleid, ihr Gesang erinnert an klimpernde Schlüssel. Sie brütet am Boden in weiten, offenen Kulturlandschaften, in denen es auch Hecken oder einzelne Bäume gibt.
Solche Acker- und Gemüseanbaugebiete sind durch die Intensivierung der Landwirtschaft praktisch verschwunden. Der Grauammerbestand ist deswegen europaweit stark zurückgegangen. In der Schweiz sei er in den letzten zehn Jahren "dramatisch" um 60 Prozent eingebrochen, teilte die Vogelwarte Sempach am Dienstag mit.
In der Schweiz brüten kaum mehr hundert Grauammerpaare, drei Viertel von ihnen in drei Gebieten, in denen sie speziell gefördert werden. Es handelt sich um die "Champagne genevoise", den Schaffhauser Klettgau und das "Grosse Moos" in den Kantonen Bern und Freiburg.
In diesem Sommer zeichnete sich für die Grauammer, die den Winter im Mittelmeerraum verbringt, indes ein Hoffnungsschimmer ab. Während der Brutzeit seien so viele Exemplare gesichtet worden wie seit über 20 Jahren nicht mehr, teilte die Vogelwarte Sempach mit.
Die Vogelwarte führt dies darauf zurück, dass aus anderen Regionen Europas aussergewöhnlich viele Grauammern in die Schweiz gekommen seien. Der Grund dafür sei nicht bekannt, sagte Livio Rey von der Vogelwarte Sempach auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Eine Gegend, in welche die Grauammer dieses Jahr nach langer Abwesenheit zur Brut zurückgekehrt ist, ist das Wauwilermoos im Kanton Luzern. Dort sorgten mindestens drei Paare erfolgreich für Nachkommen. Zuletzt habe es vor fast zehn Jahren im Wauwilermoos eine erfolgreiche Brut gegeben, teilte die Vogelwarte Sempach mit.
Auch im Wauwilermoos werden die Landwirtschaftsflächen ökologisch aufgewertet. Dass drei Paare dieses Jahr dort Junge aufziehen konnten, habe auch an der späten Mahd gelegen, teilte die Vogelwarte Sempach mit. Damit seien die Nester am Boden verschont worden.
Ob die diesjährige Zunahme des Grauammerbestandes eine Trendwende bedeutet, muss sich weisen. Es könne sein, dass die Population in der Schweiz von dem aussergewöhnlichen Einflug profitiere und Vögel, die hier brüteten, zurückkehrten, sagte Rey. Es sei aber auch möglich, dass diese Population wieder verschwinde.
Damit die Grauammer in der Schweiz längerfristig überleben kann, brauche es so oder so mehr strukturreiche und ungestörte Flächen wie Buntbrachen und somit eine ökologische Aufwertung von Landwirtschaftsgebieten, teilte die Vogelwarte Sempach weiter mit.
(sda)