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Hebamme mit Neugeborenen. Quelle: Staatsarchiv Uri / Fotoarchiv Aschwanden
Die Basler Historikerin Sophie Fäs ist Mitglied der Graduate School des Urner Instituts Kulturen der Alpen und untersucht in ihrem Dissertationsprojekt den Wandel von der Haus- zur Spitalgeburt am Beispiel der Kantone Uri, Baselstadt und Baselland. Dabei setzt sie insbesondere einen Fokus auf die Beziehung zwischen den Hebammen und den gebärenden Frauen.
Der Wandel von der Haus- zur Spitalgeburt fand in den beiden Basler Kantonen um einiges früher statt als in Uri. So etablierte sich in den Basler Spitälern die Geburtshilfe als vollkommen unabhängige und von der Chirurgie losgelöste Abteilung bereits in den 1870er-Jahren. In den darauffolgenden Jahrzehnten ist ein deutlicher Anstieg der Spitalgeburten festzustellen. Dieser Paradigmenwechsel sei im Kanton Uri erst in den 1960er-Jahren sichtbar, so die Historikerin. Die Gründe dafür sind vielfältig. Auf der einen Seite hatte in Uri die Hausgeburt lange Zeit eine wichtige kulturelle Bedeutung, die oft mit Tradition und Brauchtum verbunden war. Auf der anderen Seite haben die ausgebauten Infrastrukturen einer Grossstadt den Weg ins Spital ungemein erleichtert.
Die gesellschaftliche Stellung der Hebammen
Hebammen waren eine der wenigen Berufsgruppen in der Frühen Neuzeit, die von Frauen ausgeübt wurden. Dafür erhielten sie Respekt und Anerkennung. In weiten Teilen der Schweiz war es üblich, dass die Hebammen in ihren Berufsstand gewählt wurden. Dabei war das Wahlrecht verheirateten sowie verwitweten Frauen vorbehalten und wurde erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts vereinzelt dem Gemeinderat übertragen. Im Kanton Uri genossen die Hebammen eine besondere Stellung, da sie neben den Ärzten oft die einzigen medizinisch ausgebildeten Personen im Tal waren.
Im 18. Jahrhundert bildeten die Hebammen ihre Töchter oder weibliche Verwandten selbst aus. Die Novizen begleiteten die Hebammen bei ihrer Arbeit und übernahmen nach deren Tod den Beruf. Im 19. Jahrhundert wurde das Hebammenwesen durch die Errichtung von entsprechenden Ausbildungsstätten institutionalisiert. Nach der Gründung des Hebammenvereins 1894 setzte sich dieser aktiv dafür ein, dass die Ausbildungskurse für Hebammen verlängert wurden, um so das Ansehen ihres Berufsstandes zu steigern.
Die Hebamme und die gebärende Frau
Die Frauen hatten stets gewisse Erwartungen an die Hebammen. Selbst in den abgelegensten Tälern und Dörfern ging man davon aus, dass die Hebamme rechtzeitig kam. Während es in Uri vielfach nur eine Hebamme pro Dorf gab und deshalb eine Abhängigkeit bestand, war die Auswahl in den beiden Basler Kantonen um einiges grösser. Allerdings wurden Frauen im Kanton Baselland mit der Einführung des Hebammen Gesetz im Jahr 1908 dazu verpflichtet, die vom Dorf angestellte und subventionierte Hebamme zu konsultieren. An diesem Beispiel lässt sich ein Wandel in der Beziehung zwischen Hebammen und gebärenden Frauen gut illustrieren.
Die werdenden Mütter störten sich an diesem Gesetz, da es ihnen die Wahlfreiheit nahm, eine von ihnen präferierte Hebamme aufzusuchen, falls sie kein Vertrauen in die ortseigene hegte. Manche Frauen reichten Petitionen gegen unbeliebte Hebammen ein. Schon bald tauchte jedoch die Strategie auf, mit einer Spitalgeburt zu drohen, falls ihrem Wunsch auf eine ortsfremde Hebamme nicht nachgegeben werde. Somit war die Spitalgeburt für die schwangeren Frauen ein Mittel zum Zweck, um sich gegen dieses Gesetz zu wehren.
Aufruf für alte Hebammen-Tagebücher
Um den persönlichen Blick von Hebammen festzuhalten, ist die Historikerin auf alte Tagebücher oder sonstige persönliche Dokumente bezüglich der Hebammen angewiesen. Falls bei Ihnen zu Hause ein altes Hebammen-Tagebuch verweilt, würden wir uns über eine kurze Nachricht an <email-pii> sehr freuen.