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Die von Mark Twains The Prince and the Pauper inspirierte Gesellschaftskomödie Trading Places handelt von Randolph und Mortimer Duke (Ralph Bellamy und Don Ameche) ‒ sozusagen Scrooge im Doppelpack ‒ die ihren Reichtum dem Börsenhandel von landwirtschaftlichen Produkten verdanken und ausgerechnet zur Weihnachtszeit eine Wette darüber abschliessen, ob die Gene oder das soziale Umfeld für den Gesellschaftsstand eines Menschen verantwortlich sind. Sie stellen ihren erfolgreichen Broker Louis Winthorpe III (Dan Aykroyd) auf die Strasse und setzen an seine Stelle den mausarmen Billy Ray Valentine (Eddie Murphy), Luxuswohnung und Butler (Denholm Elliot) inklusive. Während Winthorpe trotz tatkräftiger Unterstützung der Prostituierten Ophelia (Jamie Lee Curtis) immer tiefer in die Gosse sinkt, steigt Valentine gesellschaftlich schnell auf. Als die beiden Versuchskaninchen zufällig Wind von der Wette kriegen, verbünden sie sich und schlagen gemeinsam zurück.
Dieser Film, wohl auch dank seiner wunderbaren Besetzung einer der erfolgreichsten des Jahres 1983, fiel mitten in die Phase der Zusammenarbeit von John Landis und Elmer Bernstein. Landis, der Bernstein schon als Teenager kennenlernte, hatte den Komponisten erstmals für Animal House (1978) verpflichtet, und dieser blieb daraufhin für mehrere Jahre im Typecasting des Komödienmusikschreibers gefangen.
Seinem Prinzip, ernsthafte Komödienmusik zu schreiben, blieb Bernstein auch bei Trading Places treu. Dass er für den Main Title die Ouvertüre zu Figaros Hochzeit verwendet, mutet zunächst vielleicht etwas seltsam an, aber dessen Verwendung auf Landis‘ Wunsch hin macht durchaus Sinn, wenn man bedenkt, dass Mozart in seiner Oper ebenfalls gesellschaftliche Wirrungen und Irrungen aufs Korn nahm. Als weiteres Material aus der Oper dient unter anderem die orchestral bearbeitete Arie «Non più andrai» in Heroes und Kicking Ass/Cards.
Wo Mozart aufhört und Bernstein anfängt, ist manchmal, wie in Your Breakfast Sir/Good Morning, schwer zu sagen, was jedoch für Bernsteins Geschick im Umgang mit Fremdmaterial spricht. Als Hommage an einen weiteren klassischen Komponisten, nämlich Edward Elgar, formt er das feierliche Thema für die Duke-Brüder nach dessen Pomp and Circumstance-Märschen. Ebenfalls feierliche Augenblicke bescheren die kurz zitierten «Yankee Doodle» und «La Marseillaise». Zwischen alledem hat es aber auch immer wieder Platz für vertraute Bernstein-Klänge. Das aparte Liebesthema für Klarinette in Discovery/Bed etwa, oder die Dramatik in Revelation/The Goods sowie Train und der Beginn von Heroes, die nicht weit entfernt sind von seinen Westernmusiken.
Da der Score nur knapp die 21-Minuten-Marke überschreitet, hat es auf der CD noch viel Platz für Source-Stücke. Aus Bernsteins Feder stammen der Tango Dessert, der Louis Winthorpe III Blues und das sonnige Jamaican Bye-Bye für Steel-Band, welches am Schluss des Filmes zu hören ist. Nach einem kurzen Mozart-Stück folgt eine ganze Reihe bekannter Weihnachtslieder in von Bernstein bearbeiteten Intstrumentalfassungen, die gerade jetzt wieder aktuell werden, um sich filmmusikalisch auf die Festtage einzustimmen. Zu guter Letzt kommt man noch in den Genuss einiger alternativer Score-Cues.
Auch wenn Trading Places bei den noch unveröffentlichten Bernsteins kaum oberste Priorität hatte, ist dessen Erscheinen nach so langer Zeit nicht nur für Bernstein-Komplettisten eine erfreuliche Sache, und sei der Kauf bei den übrigen Sammlern und vor allem Fans des Films auch in erster Linie als Souvenir gedacht. Man kriegt mit dieser CD einen stimmungsvollen und abwechslungsreichen, nie langweiligen kleinen Score, und für einmal sind sogar die Source-Tracks mehr als eine nette Beigabe und laden zu wiederholtem Hören ein. Darüber hinaus gewähren die Liner-Notes von Jeff Bond einen ausführlichen Blick in die Entstehungsgeschichte von Film und Musik.
TRADING PLACES Elmer Bernstein La-La Land Records 1194 47:59 Min. / 26 Tracks Limitiert auf 2000 Stk.