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Während in früheren Zeiten dem Volksglauben nach in verschiedenen Teilen Mitteleuropas der Kuckuck, der Storch, der Hahn oder der Osterfuchs die Eier brachte, kam im letzten Jahrhundert der Osterhase immer mehr in Mode – und setzte sich weltweit als beinah nun schon einziger Ostereierlieferant durch. Der deutsche Mediziner und Botaniker Professor Georg Franck von Franckenau (1644-1704) belächelte in einer Dissertation den Glauben an den eierbringenden Osterhasen als naiven Volksglauben. Trotzdem machte der Osterhase mit der Zeit seinen Weg rund um die Welt und der Oster(eier)-Brauch fand und findet keinen Abbruch – im Gegenteil!
Eine einzige Erklärung, warum der Hase - und nicht ein anderes possierliches Wildtier - die bunt bemalten Eier in unseren Gärten versteckt, existiert leider nicht. Die verschiedenen Theorien dazu klingen allerdings allesamt recht plausibel - und könnten vielleicht alle gemeinsam in Summe der Grund sein, wieso der Hase das Glück hatte, DAS Ostersymbol unserer Zeit zu werden.
Zum einen beruft man sich u.a. auf den Mondkalender, der den Zeitpunkt des Osterfestes bestimmt. Am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr wird jedes Jahr Ostern gefeiert. Bei viel Phantasie kann man zu dieser Jahreszeit in den Mondkratern einen "Hasen" im Vollmond sehen (die Westafrikaner glauben übrigens, ein Krokodil zu sehen) und daher käme zuerst einmal die Verbindung von Ostern zum Hasen zustande.
Die nicht ganz umstrittene These, dass die Frühlingsgöttinnen Eostre und Ostara (deren Symbole Hase und Ei seien) etwas mit "Ostern" und den dazugehörigen Osterhaseneiern zu tun haben, wird ebenso noch gerne genannt wie die Mär, dass erstmals Erwachsene den Stadtkindern der vorigen Jahrhunderte den eierbringenden Osterhasen vorgegaukelt hätten - aus welchen Gründen auch immer.
Auch die angeblich von Erwachsenen erfundene Erklärung an die Kinder, dass nur ein «rasend schneller Hase» die bunten Eier gebracht haben kann, wo doch eine Henne nie so flink hätte wieder verschwinden können, soll die Geburt des Osterhasen eingeleitet haben.
Alles in allem sind der Hase mit seinen vielen jungen Häschen, denen er im Frühjahr das Leben schenkt, und das Ei gemeinsam ideale Symbole für das Leben und die Fruchtbarkeit.
Auch wenn es augenscheinlich keine wirklich hundertprozentig belegbare Erklärung für die Herkunft des eierbringenden Osterhasen gibt, so werden vielleicht doch alle Hypothesen in Summe den Ausschlag gegeben haben, dass der Osterhase unser österlicher Eier- und damit Freudenbringer ist.
Text: Manou Rade