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| Cyrillus von Alexandrien († 444) - Dass Christus einer ist (Quod unus sit Christus)

3.
A. Warum ist nun keiner jener Männer Emmanuel genannt worden, dieser Name vielmehr ausschließlich demjenigen vorbehalten geblieben, der in den letzten Zeiten der Welt wunderbarerweise dem Fleische nach aus dem Weibe geboren wurde?
B. In welcher Weise ist nun, sollen wir glauben, Gott aus dem Weibe geboren worden? Etwa so, daß das Wort teilgenommen hat an der Wesenheit, die dem Weibe innewohnt und aus dem Weibe stammt?
A. Weg mit einer so albernen und nichtigen Mutmaßung! Es wäre sehr verfehlt und ein Zeichen krankhaften und weit abirrenden Geistes, zu glauben, die unaussprechliche Wesenheit des Eingeborenen sei eine Frucht des Fleisches gewesen. Er war vielmehr als Gott gleichewig mit dem zeugenden Vater und aus ihm der Natur nach in unaussprechlicher Weise geboren. Wollen sie aber genau wissen, wie und auf welche Weise er in unserer Gestalt erschienen und Mensch geworden ist, so gibt der göttliche Evangelist Johannes Aufschluß, indem er sagt: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, wie die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und der Wahrheit.“1
B. Aber, sagen sie, wenn das Wort Fleisch geworden, so ist es nicht mehr Wort geblieben, hat vielmehr aufgehört zu sein, was es war.
A. Das ist aber doch Gaukelei und leeres Geschwätz, die Erfindung einer ausgearteten Phantasie und nichts weiter. Sie glauben, wie es scheint, daß das Wort „geworden" notwendig und unausweichlich eine Wandlung und Veränderung bezeichne.
B. Ja, sagen sie, und aus der gotteingegebenen Schrift selbst wollen sie diese Meinung begründen. Von dem Weibe Lots, sagen sie, heißt es, daß es eine Salzsäule geworden;2und von dem Stabe des Moses wird berichtet, er habe ihn auf die Erde geworfen und er sei eine Schlange geworden.3In diesen Fällen hat doch eine Wandlung der Natur stattgefunden.
A. Was werden sie denn nun sagen, wenn ein Psalmist singt: „Und der Herr ist mir zur Zuflucht geworden“,4und wiederum: „Du, Herr, bist unsere Zuflucht geworden für und für."5Soll etwa Gott, der hier gepriesen wird, aus einem Gott durch Verwandlung zu einer Zuflucht geworden und der Natur nach zu etwas anderem geworden sein, als was er anfangs war? Wie wäre das bei dem, der der Natur nach Gott ist, nicht ganz ungereimt und widersinnig! Denn er ist der Natur nach unwandelbar und bleibt also stets, was er war und was er immer ist, mag es auch heißen, er sei diesem oder jenem Zuflucht geworden.
B. Das hast du sehr gut und ganz treffend dargelegt.
1: Jon. 1, 14.
2: Gen. 19, 26.
3: Ex. 4, 3.
4: Ps. 93, 22.
5: Ebd. 89, 1.