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Die Luft in Europa ist besser geworden, doch aufatmen können wir deshalb nicht. Nach Schätzungen der Europäischen Umweltagentur (EUA) starben im Jahr 2013 in Europa 467'000 Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung.
Auch heute sind noch immer zu viele Menschen in Europa gesundheitsgefährdendem Feinstaub ausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt die EUA in ihrem aktualisierten Bericht zur Luftqualität, der am Mittwoch in Kopenhagen vorgestellt wurde.
In Mazedonien wurden 30.4 Prozent der frühzeitigen Tode dem Feinstaub zugeschrieben. Das ist europaweit die höchste Zahl. Es folgen Polen (22.8) und Serbien (21.1).
Die Schweiz ist mit 13.9 Prozent zusammen mit Monaco im Mittelfeld. Auf eine Bevölkerungszahl von rund acht Millionen sterben damit knapp 5000 Menschen an den Folgen von Feinstaub. Feinstaubpartikel können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Lungenkrebs verursachen oder verschlimmern.
Am besten schneiden die nordeuropäischen Staaten ab - etwa Finnland mit 5.9 Prozent, gefolgt von Schweden (6) und Island (6.5).
Der Bericht kommt weiter zum Schluss, dass im Jahr 2014 rund 85 Prozent der städtischen Bevölkerung eine Feinstaubbelastung hinnehmen mussten, die nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schädlich ist. Gemessen an den Grenzwerten der EU, die höher liegen, waren bis zu 17 Prozent der Stadtbewohner zu hohen Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt.
Der Bericht stützt sich auf Messungen von 2014 in mehr als 400 Städten in 41 europäischen Ländern. Schweizer Städte sind im Bericht keine aufgelistet.
Doch sind die Bemühungen der europäischen Länder, den Ausstoss gefährlicher Stoffe zu reduzieren, messbar. «Wir sehen eine langsame Verbesserung der Luftqualität, wo Kohlekraftwerke geschlossen und mehr auf erneuerbare Energien gesetzt wird», sagte der Leiter der Untersuchung, Martin Adams.
Hauptursache Verkehr
Doch während man in der Industrie grosse Fortschritte mit der Emissionsreduzierung mache, würden andere Bereiche wie die privaten Haushalte vernachlässigt. «In einigen Ländern ist das Heizen mit Holz ein grosses Problem, in anderen die Verwendung von Düngemitteln in der Landwirtschaft.»
In einigen Ländern wie etwa in Deutschland, Grossbritannien, den Niederlanden und Griechenland sei zudem der Verkehr für die schlechte Luft verantwortlich. Adams forderte die Länder auf, stärker auf Massnahmen wie Fahrverbote zu setzen und alte Autos aus den Innenstädten zu verbannen.
«Wir müssen den Ursachen der Luftverschmutzung begegnen und das bedeutet einen grundlegenden und innovativen Wandel unserer Mobilitäts-, Energie- und Nahrungsmittelsysteme», sagte EUA-Geschäftsführer Hans Bruyninckx.
Diskussionen im EU-Parlament
Das EU-Parlament will am Mittwochmittag die Vorgaben für Höchstmengen beim Ausstoss von Schadstoffen verschärfen. Dabei geht es etwa um Feinstaub und die von Dieselfahrzeugen ausgestossenen Stickoxide. Die neuen Höchstmengen sollen in den EU-Mitgliedstaaten bis 2020 beziehungsweise 2030 eingehalten werden.
Der in der EU seit 2008 geltende Grenzwert für die Feinstaubbelastung mit Partikeln von 2.5 Mikrometer und weniger liegt bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die WHO empfiehlt einen Grenzwert von nur 10 Mikrogramm.
In der Schweiz bestehen über die Luftreinhalteverordnung derzeit nur Grenzwerte für gröbere Feinstaubpartikel mit 10 Mikrometern Grösse. Belastungen mit Partikeln von 2.5 Mikrometer sind gar nicht direkt reguliert.
Doch gerade die Kleinstpartikel von weniger als 2.5 Mikrometer, die tief in die Lungen und sogar in den Blutkreislauf eindringen können, sind besonders bedenklich. (sda/dpa)