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Dr. Agnes Gehbald, Postdoc-Projekt
Viele Migrantinnen und Migranten, die ihre Heimat verlassen, kehren letztendlich eines Tages wieder zum heimatlichen Ausgangspunkt zurück. Dieses Phänomen der Remigration ist dabei so alt wie die Geschichte der Migration, dennoch wissen wir nur wenig über die Strukturen und Akteure. Die Massenauswanderung von Europäerinnen und Europäern nach Nord- und Südamerika im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhundert ist ein Beispiel für eine solche zirkuläre Wanderungsbewegung im großen Stil. Aufgrund der Umstrukturierung durch die Dampfschifffahrt begann ab 1870 die Auswanderung neue Größendimensionen anzunehmen, die vom Ersten Weltkrieg unterbrochen bis circa 1920 andauerten. Verschiedene Länder Europas beteiligten sich zeitgleich an einer Infrastruktur zur Auswanderung, doch auch die Rückwanderung erforderte eine solche transeuropäische Zusammenarbeit von Schifffahrtsgesellschaften, Polizeibehörden und Auswandererämtern.
Von den amerikanischen Nationen in Nord- und Südamerika, welche sich als Einwanderungsländer verstanden, zu Migranten, welche Heldengeschichten und Erfolgskarrieren in der Neuen Welt stilisierten, ist die Geschichtsschreibung meist einer unilinearen Auswanderungsbewegung gefolgt. Dass sich viele jedoch nicht dauerhaft ansiedelten, sondern aus Immigranten wieder zu Emigranten wurden, war von New York bis Buenos Aires ähnlich. Über die Hälfte der Auswanderer kehrten – über die großen atlantischen Hafenstädte der Zeit – in ihre Heimatländer zurück.
Das Forschungsvorhaben setzt an den Häfen als Transitpunkten an und analysiert die transatlantische Remigration in ihren Konjunkturen und Einzelbiografien anhand von verschiedenartigen Quellen der Migration, wie beispielsweise Protokolle lokaler Aufsichtsbehörden, Topografien von Auswandererhallen, Schiffs- und Passagierlisten oder Korrespondenzen. Über den Fokus auf Hafenstädte werden Kollaborationen und Verbindungen, aber auch Diskontinuitäten und Desintegration der Rückwanderung über den Atlantik nach Europa in den Jahrzehnten um 1900 erforscht.