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Feilenhauer/in
Der Feilenhauer fertigte Feilen und Raspeln für die Metall- und Holzverarbeitung an und reparierte abgenutzte Feilen. Als Rohmaterial für die Herstellung der Feilen diente gut härtbarer Werkzeugstahl. Die Feilen wurden geschmiedet, durch Erhitzung auf rund 780°C weichgeglüht, in die gewünschte Form gebracht und dann langsam abgekühlt. Da die Oberflächenschicht durch Erhitzen und Schmieden Kohlenstoff verlor, welcher für die Härte der fertigen Feile unerlässlich war, musste sie vor der Weiterbearbeitung abgeschliffen werden. Dies geschah auf grossen Schleifsteinen aus Sandstein. Um Rost vorzubeugen, wurden die Feilen in ein Neutralisationsbad getaucht, anschliessend wurden mit Hammer und Meissel die feilentypischen Einkerbungen geschlagen. Zum Schluss wurden die Feilen gehärtet: Sie wurden mit einer die feinen Zacken schützenden Hornschmiere eingerieben, zum Glühen gebracht und in kaltem Salzwasser abgeschreckt. Ein geübter Feilenhauer konnte an einem Tag bis zu 50 Feilen herstellen.
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Eine Gefahr für die Gesundheit des Feilenhauers stellten die meist von Wasserrädern angetriebenen Schleifsteine dar, auf denen die Feilen geschliffen wurden: Der feine Steinstaub der Sandsteine einerseits, die Feuchtigkeit andererseits konnten Krankheiten wie Silikose, Gicht oder Rheuma verursachen. Im 20. Jahrhundert verwendete man deshalb anstelle von Sandstein zunehmend magnesitgebundenen Kunststein.
Geschichte
Feilenartige Werkzeuge, bestehend zum Beispiel aus Steinkorallen oder Fischhäuten, wurden bereits in der Steinzeit verwendet. Mit dem Aufkommen von Stahl wurde die Herstellung leistungsfähiger Feilen ermöglicht; die Stahlfeile wurde schnell zu einem der wichtigsten und häufigsten Werkzeuge.
Die Anfertigung von Feilen wurde im Mittelalter zum eigenständigen Handwerksberuf. Durch die Industrialisierung erlebte das Handwerk zunächst einen Aufschwung, der bis in die 1890er Jahre hinein anhielt. Aufgrund der grossen Nachfrage nach Feilen waren bereits seit Leonardo da Vinci, der um 1500 einen Entwurf für eine Feilenmaschine skizziert hatte, immer wieder Versuche unternommen worden, die Feilenhauerei zu mechanisieren. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang es jedoch, Maschinen herzustellen, die gegenüber der Handarbeit konkurrenzfähig waren. Zu wichtigen Standorten der Feilenhauerei in der Schweiz wurden Winterthur und Vallorbe, wo sich aus traditionellen Feilenhauerwerkstätten Feilenfabriken entwickelten, in Winterthur zum Beispiel die Feilenfabrik R. Schwarz, in Vallorbe die Usines Métallurgiques de Vallorbe SA. Letztere besteht bis heute.
Die zunehmende Mechanisierung in der Herstellung von Feilen führte seit Beginn des 20. Jahrhunderts zum Niedergang und schliesslich zum Ende des Handwerks. In der Schweiz wesentlich zu dessen Untergang beigetragen hat das ehemalige Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (BIGA, 1999 im SECO aufgegangen), das in den 1960er Jahren den Feilenhauerberuf nicht mehr als Handwerk gelten lassen wollte und ihn zur Industrie erklärte. Damit war es den Feilenhauern nicht mehr erlaubt, Lehrlinge auszubilden, was für den Beruf dem Todesurteil gleichkam.
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Literatur
Stahlschmidt Rainer: Feilenhauer, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 74-78.
Hugger Paul und Mutz Alfred: Der Feilenhauer, in: Hugger Paul (Hg.): Sterbendes Handwerk, Heft 22, Basel 1969.
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