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Eine umfangreiche Reihe von Vercruysses Arbeiten führt den Begriff des Ortes schon in seinem Titel. Es handelt sich um den Titel Atopies, der zur Unterscheidung einzelner Arbeiten mit einer Ziffer verbunden wird. Der auch im Französischen ungebräuchliche Begriff der Atopie ist mit „Un-Ort“ oder auch „Ortlosigkeit“ zu übersetzen, ähnlich wie man z. B. unter Aphasie den Mangel an Sprachfähigkeit versteht.
Der Begriff der Atopie steht in gespannter Beziehung zu dem der Utopie, mit dem jener abwesende, in der Idealität angesiedelte Ort gemeint ist, von dem Ernst Bloch einmal sagt, er sei wie das ferne Blau der Berge, das sich in dem Masse entferne, wie man sich ihm nähere. Utopisches Denken war für die avantgardistische Kunst des Jahrhundertbeginns so entscheidend, daß Künstler immer wieder davon redeten, ihre Werke würden in dem Augenblick überflüssig, wo die gesellschaftliche Realität nach dem Modell dieser Werke umgestaltet würde, wo also die Freiheit verwirklicht wäre, welche die Werke in symbolischer Form anzielen. Gegen die Vorstellung dieses (unerreichbaren) Anderswo eines glücklichen Ortes wendet sich Vercruysses Konzept der Atopie. Im Ausstellungsraum exponiert das skulpturale Objekt die Entleerung seiner eigenen Bedeutung und den Mangel seiner Funktion, positiv einen Ort zu bilden. Was es bezeichnet, ist das Fehlen eines solchen Ortes. Eine Arbeit aus der Reihe der Atopies bringt einen hiesigen Nicht-Ort hervor.
Im Unterschied zu den Atopies ist die Reihe der Tombeaux unbegrenzt, und sie sind stärker unterschiedlich in ihrer Struktur. Frühe Tombeaux (ab 1987) sind oft massive, aber unterteilte Körper, frontal, unzugänglich, ausdruckslos, verschlossen in ihrer eigenen Präsenz mit Mahagonifurnier bedeckt, später oft schwarz gefärbt. Sie markieren einen Ort, beanspruchen einen Platz, der herausgenommen ist aus dem Raum, in dem sie sich befinden. «Tombeaux» bezieht sich auf das französische Wort für Grab, auch Grabmal, das die Abwesenheit des Körpers bezeichnet, wenn an eine Person erinnert wird. «Tombeaux» ist nicht ein Totenmal, nicht das Totenmal, sondern ein Plural, Stellen, die gebildet und besetzt sind, wo der Körper fehlt, und die daher keinen Ort für sich haben, die, wo sie sind, fehl am Platz sind. U.L.