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Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, dass im Gehirn Ruhe herrscht, während wir schlafen. Doch das Gegenteil ist wahr. Unser Denkorgan ist nachts hochaktiv. Wir lernen sogar im Schlaf und verarbeiten Emotionen in der dem Wachzustand ähnlichen paradoxen Phase. Guter Schlaf ist wichtig für ein leistungsfähiges Gehirn.
Man unterscheidet zwei verschiedene Stadien des Schlafs: die paradoxe Phase (REM) und die orthodoxe Phase (Non-REM).
Etwa 15 bis 20 Minuten nach dem Hinlegen schläft ein gesunder Mensch ein. Die Gehirnwellen verlangsamen sich zu Theta-Wellen. Zuerst folgen zwei Leichtschlafphasen. Danach gleitet das Gehirn in den Tiefschlaf, was sich auf einem EEG-Bild auf dem Computer als Deltawellen mit niedriger Frequenz abzeichnet. Im Anschluss daran beginnen wir zu träumen. Die Augen bewegen sich rasch, daher heißt diese Phase auch REM-Phase (Rapid Eye Movement).
Forscher nennen diese Phase auch paradoxen Schlaf, da sie dem Wachzustand sehr ähnlich ist. Der Mensch atmet schneller, hat einen schnelleren Puls und verbraucht auch mehr Kalorien als in andern Schlafphasen. Diese Abfolge von Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf wiederholt sich mehrere Male in der Nacht, wobei die Non-REM-Schlafzeit überwiegt. Bei Babies dagegen ist der Anteil an REM-Schlafphasen höher. Die Gehirne der Kleinen verbringen fast die Hälfte ihrer Schlafzeit im paradoxen Zustand.
Lernen im Schlaf
Besondere Bedeutung hat der Schlaf für das Lernen. Für das Gedächtnis und die Merkfähigkeit ist vor allem der Tiefschlaf wichtig. In diesem Zustand werden Erinnerungen an Episoden und bedeutsame Inhalte des vergangenen Tages noch mal wiederholt und verfestigt. Studien zeigen, dass Menschen sich schlechter an Lerninhalte erinnern können, wenn der Tiefschlaf fehlt.
Im Gegensatz dazu werden in der paradoxen REM-Schlafphase vor allem Emotionen und Gefühle verarbeitet. Wenn wir uns an Träume am nächsten Tag erinnern können, sind es meist emotionale Träume aus dieser Phase. Wissenschaftler haben auch entdeckt, dass wir uns an Gefühle besser erinnern, wenn wir ausreichend schlafen. Das gilt nicht nur für positive Gefühle, sondern auch für traumatische Erinnerungen. Ob Schlafentzug eine Möglichkeit ist, traumatische Erlebnisse einfach zu vergessen, ist mit dieser Entdeckung aber noch lange nicht bewiesen.
In beiden Phasen, im Tiefschlaf und im REM-Schlaf, rekapituliert das Gehirn das Tagesgeschehen nicht nur, sondern es bewertet alles, was im Hippocampus zwischengespeichert ist. Dann verschiebt es das, was es als wichtig einstuft, ins Langzeitgedächtnis.