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Der burmesische Maler und Performance-Künstler Htein Lin (geb. 1966) war in seinem Leben zwei extremen Ausnahme-Situationen ausgesetzt: Als er sich nach dem Volksaufstand von 1988 den Rebellen (Studenten-Organisation) anschloss und in der entlegenen Dschungelregion im Norden kämpfte. Und danach, als er 7 Jahre als politischer Gefangener in Burmas Gefängnissen absitzen musste. Das Leben hinter Gittern brachte ihn an seine physischen und psychischen Grenzen - bis er die Kraft seiner Kreativität entdeckte. Sie wurde zur Quelle seines Überlebenswillens. Er schaffte es, heimlich Bilder zu malen und sie aus dem Gefängnis schmuggeln zu lassen.
«They can imprison me, but they can not imprison my creativity!»
Das Kunst- und Kulturschaffen wurde in Burma (Myanmar) jahrzehntelang unterdrückt und zensuriert. Die Gefahr, als Künstler hinter Gittern zu landen, lauerte überall. Die Paranoia der Diktatoren war grenzenlos, sogar die Verwendung der Farbe Rot wurde Künstlern verboten, weil sie aus Sicht der Generäle an das Freiheitssymbol der «Nationalen Liga für Demokratie» erinnert: ein Pfau vor rotem Hintergrund.
Als im Frühjahr 2011 erste Reformen einsetzten, atmeten die Kunst- und Kulturschaffenden auf. Und entdeckten, dass sich ihnen neue Möglichkeiten eröffnen. 2013 konnte das erste Symposium «Art in Transition» in Rangun/Yangon durchgeführt werden. Aus dem Ausland reisten burmesische Künstler an, die sich während der Diktatur abgesetzt hatten. Ein «Klassentreffen» der 88-Generation, die 1988 den Volksaufstand auslöste, der von den Militärs blutig niedergeschlagen wurde.
An diesem Symposium in Yangon, lernte ich Htein Lin kennen. Er ist Mitglied des Organisations-Komitees «Art in Transition» und reiste aus London an. Zusammen mit seiner Frau, Vicky Bowman. Sie war als Botschafterin von England in Burma/Myanmar, und die Heirat des brotlosen Künstlers Htein Lin mit der angesehenen Diplomatin sorgte für Schlagzeilen. In Burma und in England.
Als Vickys’ Auftrag beendet war, zogen sie nach London. Auch dort besuchten wir sie und drehten mit Htein Lin als Künstler, und zusammen mit seiner Familie. Und erfuhren, dass die junge Familie (1 kleine Tochter) erneut umziehen und sich im «Burma der Reformen» niederlassen will.
Wir besuchten sie in ihrem neuen Zuhause in Yangon. Und drehten mit Htein Lin, der seine tollen Projekte (Plaster-Hands etc.) in Rangun/Yangon umsetzte. Und Wiedersehen mit alten Freunden und Verbündeten in seine Projekte einbaute. Seine Frau Vicky gründete eine Beratungsfirma für Investoren aus dem Ausland.
Die Bilder, die Htein Lin einst im Gefängnis schuf, machten ihn als «Master of Prison-Art» international bekannt. Inzwischen stellt er in renommierten Galerien und Museen auf der ganzen Welt aus. Wir begleiteten ihn nach Wien ins Museum of Art. Und bei seinem Aufenthalt in München und dem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Unser Kameramann in Burma dreht immer wieder mit Htein Lin. Und Htein Lin dreht auch selber Videos, die er in seine Installationen einfliessen lässt. Die Dreharbeiten über Jahre dokumentieren seine Entwicklung und machen die künstlerischen Veränderungen erkennbar, sichtbar - wir erleben sie mit.
Htein Lin bildet den «Roten Faden» durch den Film. Über ihn oder mit ihm unternehmen wir Ausflüge in die Geschichte des Kunst- und Kulturschaffens in Burma. Lernen andere Künstler kennen, entdecken ihr Schaffen, die «Kunst-Szene Burma» wie sie sich öffnet.
10 Jahre soll die Begleitung dauern und 2022 zu Ende gehen. Mit dem Militärputsch vom 01.02.2021, schlägt das Projekt nochmals ein neues Kapital auf. Leider ein altbekanntes!