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Natriumchlorid (NaCl) hat im Körper von Pferd und Mensch ganz viele Funktionen. Es besteht aus Natrium und Chlor, Diese beiden Bestandteile sind unentbehrlich für den Wasserhaushalt, das Säure-Basen-Gleichgewicht und für die Verteilung der Körperflüssigkeiten zwischen Blut und Gewebe. Sie übernehmen Funktionen im Nervensystem und sind an der Produktion von Enzymen und Hormonen beteiligt. Doch braucht das heutige Pferd den Zusatz von Salz?
Bildquelle: www.wege-zu-pferd.de
Der Salzleckstein ist die meist verbreitete Art des „Salz Zusatzes“ und gehört in den meisten Ställen zur „must have*. Nicht um sonst, denn die Grundausstattung eines Pferdes von Natriumchlorid ist relativ hoch: sie beträgt zwischen 2,5 und 3 Prozent des Körpergewichts. Ein 600 Kilo schweres Pferd verfügt also über 15 bis 18 Kilo Kochsalz, das in den Knochen, der Muskulatur und dem Magen-Darm-Inhalt lagert. Nur ein Teil dieser Reserven kann bei plötzlich erhöhtem Verbrauch und verstärkter Ausscheidung zur Kompensation der Verluste schnell mobilisiert werden, während der Rest fest gebunden ist. Das bedeutet: Akute Mangelzustände sind bei Spitzenbelastungen mitunter zu erwarten.
Ein 600 Kilo schweres Pferd braucht bei leichter Arbeit pro Tag ca. 100 Gramm Salz. Die üblichen Grundfuttermittel liefern dies jedoch nur in begrenzten Mengen:
• Weidegras: ca. 1,8 Gramm pro Kilo
• Heu: ca. 7 Gramm pro Kilo
• Stroh: ca. 4 - 8 Gramm pro Kilo
• Hafer: ca. 1 Gramm pro Kilo
Durchschnittliche Pferderationen mit Gras, Heu, Silage oder Stroh als Raufutter und Getreide oder Mischfutter zum Haferersatz als Kraftfutter haben also oft einen zu niedrigen Salzgehalt. Besonders Weidepferde und Sportpferde, die häufig schwitzen, würden ohne Zufütterung an einem starken relativen Salzmangel leiden. Daher ist es so wichtig, dass Pferde immer einen Salzleckstein zur Verfügung haben. Da das Kochsalz in grösseren Mengen benötigt wird, ist eine solche Einzelverabreichung besser als deren Verbindung mit anderen Mineralien. Eine tolle Idee ist also auch, einen solchen auf der Weide anzubringen. Die Pferde bedienen sich nach ihrem individuellen Bedarf und nehmen in der Regel keine übermässigen Mengen von dem frei angebotenen Salz auf. Geschieht dies doch einmal, so kann das Tier das Zuviel leicht durch verstärkte Wasseraufnahme wieder ausscheiden. Lediglich bei Saugfohlen und Absetzern können mitunter Probleme auftreten, so dass Fohlen unter Umständen vom Salzleckstein ferngehalten werden sollten. Auch bei Pferden deren Langeweile wegen Boxenhaltung überhandnimmt, ist zu beobachten, dass diese aus Frustation übermässig viel am Salzleckstein lecken. Vermehrtes Trinken und deutlich erhöhte Harnausscheidung werden dann oft beobachtet.
Ob das Fressen von Erde auch spezifisch ein Symptom für Salzmangel ist, wird unterschiedlich diskutiert. In der Regel ist es jedoch so, dass in einem solchen Fall eine mineralische Unterversorgung herrscht. In seltenen Fällen zeugt das Fressen von Erde von einer bakteriellen Disbalance im Dickdarm - wobei hier eher frischer Kot gefressen wird. Einige Pferde äussern dieses Verhalten ohne erkennbaren Grund trotz bester Versorgung, vor allem dann, wenn sie von laubreicher Wald Erde naschen können.
Schwitzige Pferde
Kein anderes Tier produziert bei körperlicher Arbeit nach kurzer Zeit so grosse Mengen Schweiss. Nicht einmal der Mensch. Denn in einem Punkt übertrifft das Pferd den Menschen deutlich:
Sein Schweiss ist weitaus salziger. Ein Liter Pferdeschweiss enthält gute 10 Gramm Elektrolyte, an denen – neben Kalium, Kalzium und Magnesium – Salz mit 8,5 Gramm den höchsten Anteil hat. Kein Wunder, dass Pferde nach harten Ausdauerleistungen oder einem langen Ausritt im Sommer ein weiss verkrustetes Fell haben. Nur knapp ein Drittel der in der Muskulatur umgesetzten Energie wird für die Bewegung genutzt. Der Rest geht in die Abwärme und muss durch Schwitzen und die darauf folgende Verdunstungskälte abgeführt werden, wenn das Tier keinen Hitzschlag durch Überwärmung des Körpers erleiden soll. Weil das Wasser aber nicht «freiwillig» über die Schweissdrüsen auf die Haut des Pferdes tritt, muss es mit Hilfe der Elektrolyte herausgezogen werden – und dabei geht neben Körperwasser auch viel Salz verloren. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bei schwerer Ausdauerarbeit an feucht-heissen Tagen ein 500 bis 600 Kilo schweres Sportpferd bis zu 15 Liter Schweiss verlieren kann. Spitzenwerte von 30 Liter je Pferd und Tag wurden während Distanzritten errechnet. Nach dem erwähnten Durchschnittsgehalt von guten acht Gramm Kochsalz pro Liter verliert der Körper mit diesem Schweiss also erhebliche Mengen Salz – in Extremsituationen zwischen 100 und 250 Gramm täglich! Die Folgen dieses akuten Salz-Mangels sind vielfältig. Sie beginnen mit, zunächst von aussen kaum sichtbaren, Störungen in der Funktion von Nervensystem, Skelett-, Herz- und Atmungsmuskeln. Später kommt es zu Veränderungen im Säure-Basen-Haushalt, zu Muskelkrämpfen, im Extremfall sogar zum synchronen Zwerchfellflattern und zum Festliegen mit Schockzustand und Tod.
Kann das Pferd aufgrund von Salzmangel nicht mehr ausreichend schwitzen, versagen die Kühlungsmechanismen, und es droht eine Überhitzung des Körpers. In der Praxis besteht jedoch zu diesem Zeitpunkt oft schon zusätzlich ein starker Wassermangel mit Austrocknung des Körpers, Eindickung des Blutes, Minderdurchblutung der Nieren und dem Erliegen der Darmbewegungen. Diese Negativfaktoren ergänzen und verstärken sich wechselweise und können die Pferde schnell und nachhaltig schädigen.
Bildquelle: cavallo.de
So dramatisch das jetzt klingt, dies betrifft ausschliesslich hart arbeitende Sportpferde und nicht durchschnittlich schwitzende Freizeitpferde. Diese geraten an normal warmen Sommertagen nur sehr selten in einen Zustand von Salzmangel. Sie überbrücken den Verlust während des Reitens aus den körpereigenen Reserven und füllen ihre Speicher danach aus dem Futter und mittels Salzleckstein schnell wieder auf. Das bedeutet für den durchschnittlichen Reiter: In vielen Fällen ist der Salzleckstein, zusammen mit einer pferdegerechten Fütterung, völlig ausreichend. Höhere Ergänzungen über das Krippenfutter sollten Tierärzten und erfahrenen Reiterprofis vorbehalten bleiben.
Es gibt aber auch Pferdehalter die einer anderen Meinung sind. Geschichten wie jene des Wallaches, der aus zunächst ungeklärten Gründen starb, bestätigen nach deren Meinung die „Anti-Salz-Leckstein-Haltung“. Die Stallbesitzer waren damals der Meinung, dass sich das Pferd durch seinen Himalaya-Leckstein mit Kupfer vergiftet hatte und verbannte kurzerhand alle Himalaya-Salzsteine aus den Boxen. Laut des behandelnden Tierarztes litt jener jedoch an einer Kupferspeicherkrankheit. Durch seine daraus erstandene Lecksucht starb der Wallach dann an der Folgen einer Herzmuskelentzündung, Denn Pferde, die an Herz oder Niere erkrankt sind, reagieren bei exzessiver Salzaufnahme allein auf das Kochsalz kritisch.
Natürlich liegt es im Ermessen jedes einzelnen Pferdebesitzers zu entscheiden, ob sein Pferd einen Salzleckstein, ob jetzt einen herkömmlichen oder einen Himalaya, in der Box und / oder der Weide hat. Wichtig ist für uns alle ja die Gesundheit unserer Pferde und Ponys. Folge dessen heisst es auch hier einmal mehr: Beobachte den Pferd gut und kläre aufkommende Zweifel unbedingt gut ab. Aus Liebe zu deinem treuen Begleiter.
Bildquelle: www.salzgrotte-halit.de