Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03354.jsonl.gz/2749

Canon,
Johann (eigentlich Johann v. Straschiripka), Genre-, Historien- und Porträtmaler, geb. 1829 zu Wien, anfangs Schüler von Waldmüller, 1848 bis 1855 Kürassieroffizier in der österreichischen Armee, widmete sich erst spät völlig der Kunst und wurde besonders durch Rahl beeinflußt, unter dem er freilich keine großen Erwartungen erweckte. Dann machte er größere Reisen im Orient, in Frankreich und England, lebte 1860-1869 in Karlsruhe, später eine Zeitlang in Stuttgart und ließ sich zuletzt in Wien nieder.
Infolge seiner Hingabe an Tizian, Rubens und van Dyck haben seine Bilder ein merkwürdig antikisierendes Gepräge, das zur originellen Natur seines Schaffens geworden ist. Unter seinen frühern historischen Bildern zeichnet sich Cromwell vor der Leiche Karls I. durch Energie des Ausdrucks aus, unter den spätern auch die Loge St. Johannis (im Belvedere), die das «Liebet euch untereinander» in etwas verkünstelter Weise allegorisiert. Als die besten seiner Genrebilder sind zu nennen: der moderne Diogenes in Gestalt eines seine Hosen flickenden Schusters, von genialem Humor;
ferner: der Pagenjunge, das Obstmädchen, der trunkene Bacchus, Bajadere, Flamingojagd, der Waffenhändler und namentlich das Fischermädchen.
Auch in der ornamentalen Malerei hat er sich durch Bilder im großherzoglichen Wartesaal zu Karlsruhe, in den Deckenbildern im Salon Auspitz und in Entwürfen einer Speisesaaldekoration für New York glänzend hervorgethan. Seit mehreren Jahren widmet er sich auch der Porträtmalerei. Ein fast verfehltes Werk, nur eine Reminiscenz an Rubens' San Ildefonso im Belvedere, war ein ihm 1879 aufgetragenes Votivbild.