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«Von der Eydgnoschafft will ichs heben an […]». Vokale Medien und eidgenössische Bündnisbeziehungen im 16. JahrhundertSara Steffen
Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit Liedern und Liedflugschriften aus dem eidgenössischen Raum des 16. Jahrhunderts. Im Zentrum steht die Frage, wie in diesen zwischen vokaler und schriftlicher Kommunikation angesiedelten Medien die komplexe Bündnisstruktur der frühneuzeitlichen Eidgenossenschaft thematisiert und reflektiert wurde. Dabei wird zum einen nach medienspezifischen Themenclustern und den politischen Kontexten, in welchen Lieder und Liedflugschriften bevorzugt eingesetzt wurden, gefragt. Zum anderen werden textuelle und musikalische Bezüge zwischen verschiedenen Liedern (z.B. durch Kontrafaktur, textliche Variationen oder als sogenannte Antwort-Lieder), aber auch intermediale Bezugnahmen - etwa auf Chroniken, Theater und Flugblätter - untersucht. Darüber hinaus sollen Diskussionen über Lieder und Liedflugschriften in den Kommunikationsnetzwerken zwischen den eidgenössischen Orten in den Blick genommen werden, die Aufschluss über zeitgenössische Einschätzungen der Wirkmacht dieser Medien im Hinblick auf öffentliche Wahrnehmungen innereidgenössischer Beziehungen geben. Insgesamt soll die Dissertation damit Praktiken der Bündnispolitik und politischen Kommunikation in der frühneuzeitlichen Eidgenossenschaft aus einer auf Medien, Vokalität und Öffentlichkeit gerichteten Perspektive beleuchten.
Die jüngere Forschung hat zu Recht den Wert von Liedflugschriften als Quellen für die Untersuchung der frühneuzeitlichen Medienlandschaft hervorgehoben - nicht zuletzt, weil in ihnen eine besonders enge Verschränkung von mündlicher und schriftlicher Medienkommunikation erkennbar wird: Insbesondere durch das Vortragen in öffentlichen Räumen erlangten Liedflugschriften eine grosse Breitenwirkung in einer noch stark durch mündliche Kommunikation geprägten Gesellschaft. Die Verbindung von Texten mit bekannten Melodien vereinfachte dabei nicht nur das Vortragen und Erinnern der vermittelten Inhalte, sondern erlaubte es auch, bewusst mit den für Zeitgenossen verständlichen musikalischen Anknüpfungspunkten zu spielen. Dieser Verschränkung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit wird das Dissertationsvorhaben besonders Rechnung tragen. Als Teil des SNF-Forschungsprojekts "Macht der Stimme. Medien der Vokalität in der Frühen Neuzeit" versteht es sich damit in einem weiteren Sinne als Beitrag zur Erforschung der Bedeutung stimmbasierter Kommunikation bei der Konstitution einer frühneuzeitlichen Medienöffentlichkeit.
Erstbetreuer: Prof. Dr. Jan-Friedrich Missfelder