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In der Geschichte der Polarforschung treten viele illustre Gestalten auf. Eine davon ist sicherlich Dr. Matthew Henson, ein US-amerikanischer Polarforscher. Gemeinsam mit Robert Peary behauptete er, 1909 der erste Mensch am Nordpol gewesen zu sein. Dieser Anspruch wird zwar heute stark angezweifelt. Trotzdem war Henson eine echter Polarabenteurer und Forscher, der auf zahlreichen Expeditionen seine ausserordentlichen Fähigkeiten zeigen konnte. Er meisterte eine der Inuit-Sprachen, war der einzige bekannte Nicht-Inuit, der Hundeschlitten im Stil der Inuit steuern konnte und war auch sonst in Überlebenstechniken in der Arktis ein Meister. Die Internationale Astronomische Gesellschaft hat nun dem afro-amerikanischen Polarhelden ein besonderes Denkmal gesetzt: Ein Krater am Südpol des Mondes wurde offiziell nach Dr. Matthew Henson benannt.
Die Ehrung wurde auf der Website der Universitären Weltraumforschungsgesellschaft USRA bekanntgegeben. Zwei Mitglieder der Gesellschaft, Jordan Bretzfelder von der Universität Kalifornien Los Angeles (UCLA) und Dr. David Kring vom Lunar Planetary Institute in Houston (LPI) hatten den Namen der Gesellschaft vorgeschlagen. Mit der Namensgebung will die Gesellschaft die Leistungen Hensons für die Wissenschaft und Erforschung der Polarregionen würdigen. „Es ist wichtig, die Leistungen vergangener Entdecker zu würdigen und die vielfältigen Talente zu feiern, die erforderlich sind, um den Mond in Zukunft erfolgreich zu erkunden“, erklärte Kring. Und Jordan Bretzfelder fügt an: „Es fühlte sich wie ein Bärendienst an, dass Henson für seine Beiträge zur Polarwissenschaft nicht angemessen gewürdigt wurde, und ich bin stolz, daran mitwirken zu können, dass dies berichtigt wird.“
Der Henson-Krater ist einer der ältesten Krater am Südpol des Mondes und hat einen Durchmesser von 43 Kilometer. Er liegt zwischen den weiteren Kratern De Gerlache und Sverdrup und in unmittelbarer Nähe des Shackleton-Kraters. An dessen Kraterrand liegt auch der geografische Südpol des Mondes. Gemäss der IAU (International Astronomical Union) bildete sich der Henson-Krater noch vor den beiden anderen und ist wahrscheinlich mehr als 3.9 Milliarden Jahre alt. Geformt wurde er wahrscheinlich in einer Zeit, als die Erde und der Mond einem massiven Kometen-Bombardement ausgesetzt worden waren. Da ein Teil des Kraters im ewigen Schattenbereich liegt, dürfte dort auch Eis zu finden sein. Die Wissenschaft vermutet, dass neben Wassereis auch Trockeneis am Kraterboden existieren könnte. „Es ist angemessen, dass einer der ersten in der Region gebildeten Krater nach einem der ersten Polarforscher der Erde benannt ist“, schreibt die USRA in ihrer Pressemitteilung.
Matthew Henson wurde 1866 in Maryland geboren und verliess bereits mit 12 Jahren die Schule. Als Bootsjunge reiste er zuerst in China, Japan und bis in die russische Arktis, bevor er wieder in die USA zurückkehrte. Dort traf er Robert Peary, der ihn zuerst als Bediensteten, später als seine rechte Hand anstellte. Gemeinsam unternahmen sie mehrere Arktis-Expeditionen, bei denen Henson seine weitreichenden Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Nach der Nordpolexpedition schrieb Henson ein Buch darüber (A Negro Explorer at the North Pole). Seine Leistungen standen jedoch lange im Schatten von Peary. Erst Ende der 30er-Jahre begann man, diese anzuerkennen. Er wurde 1937 in den „Explorer’s Club“ aufgenommen, wurde von zwei US-Präsidenten gewürdigt und erhielt mehrere Auszeichnungen. Kurz vor seinem Tod verliehen ihm die Howard Universität und die Morgan State University die Ehrendoktorwürde. Dr. Matthew Henson starb am 9. März 1955 in der Bronx, New York. Begraben ist er mittlerweile mit seiner später verstorbenen Ehefrau Lucy auf dem Nationalfriedhof von Arlington. Zu seinen Ehren wurde unter anderem ein Forschungsschiff und auch ein Gletscher in Grönland benannt.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal