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«10 vor 10»-Beitrag «Rückt Spanien nach rechts» beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 26. April 2019 beanstandeten Sie die Sendung «10 vor 10» (Fernsehen SRF) vom gleichen Tag und dort den Beitrag «Rückt Spanien nach rechts?».[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«Es wird berichtet über einen VOX Bürgermeister und es wird suggeriert, als sei dies ein wichtiger politischer Vorgang und dabei wird mit keinem Wort erwähnt, dass es sich um einen Ort mit nur ca. 60 Einwohnern handelt (Barruelo del Valle). Ganz im Gegenteil, bei einem eingeschobenen Interview mit der Journalistin Lourdes Lucio, das vor einem beflaggten, monströsen Gebäude stattfindet, wird der Eindruck vermittelt, dass es sich um einen sehr grossen Ort handelt. Ich möchte mich beschweren, dass über eine politische Partei so subjektiv berichtet und ihr diese übertriebene Plattform gewährt wird. Ich selber bin parteilos.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für «10 vor 10» antworteten Herr Christian Dütschler, Redaktionsleiter der Sendung, und Frau Corinne Stöckli, Fachspezialistin SRF:
«Herr X beanstandet den Beitrag ‘Rückt Spanien nach rechts?’, den wir in der Sendung 10vor10 vom 26. April 2019 ausgestrahlt haben.
Anlässlich der anstehenden Parlamentswahlen in Spanien zeichnete die Reportage das Bild einer neuen Partei (VOX), die erstmals das rechtskonservative Spektrum Spaniens anspricht und die – Umfragen zu Folge – in Spanien künftig ‘kräftig mitmischen’ könnte. Dem Bericht folgte eine Schaltung nach Valencia, während der unser Korrespondent vor Ort die politische Stimmungslage und deren Hintergründe analysierte.
Der Beanstander ist nun der Meinung, dass wir im Beitrag über ‘einen Vox-Bürgermeister’ berichtet und dabei ‘suggeriert’ hätten, <als sei dies ein wichtiger politischer Vorgang und dabei mit keinem Wort erwähnt [hätten], dass es sich um einen Ort mit nur ca. 60 Einwohnern handelt (Barruelo del Valle). Ganz im Gegenteil, bei einem eingeschobenen Interview mit der Journalistin Lourdes Lucio, das vor einem beflaggten, monströsen Gebäude stattfindet, werde von 10vor10 «der Eindruck vermittelt, dass es sich um einen sehr grossen Ort handle.>
Damit sind wir nicht einverstanden. Der Bericht zeigte kurz vor den Wahlen auf, dass – wie wir bereits in der Anmoderation erwähnt haben – in Spanien <erstmals seit Ende der Militär-Diktatur eine rechtskonservative Kraft vor dem Einzug ins Parlament> stand. Erwartet wurde ein zweistelliges Wahlergebnis. Das Thema war also relevant, gerade auch im Hinblick auf den wachsenden Rechtspopulismus in Europa insgesamt. Seit den Wahlen ist klar: VOX zieht tatsächlich mit 24 Sitzen (10,3 Prozent) erstmals ins spanische Parlament ein. Wir haben der Partei resp. dem Thema also keineswegs eine ‘übertriebene Plattform’ gewährt, wie der Beanstander meint.
Gleich zu Beginn des Beitrages sagen wir, dass uns <keiner der angefragten VOX-Kandidaten ein Interview geben wollte>. Stattdessen konnten wir einen der wenigen aktiven Repräsentanten der jungen Partei befragen, den Bürgermeister von Barruelo del Valle. Anders als der Beanstander meint, haben wir nicht <den Eindruck vermittelt, dass es sich um einen sehr grossen Ort> handelt. Wir sprachen im Beitrag unmissverständlich von einem ‘Dorf’ (<Er will mit uns reden, also fahren wir in sein Dorf.>). Die Bilder des Dorfes sprachen dabei für sich. Auch die Szene in der Kirche, wo der Bürgermeister sich persönlich um die Handwerker kümmerte, zeigte deutlich, dass es sich um einen kleinen Ort handeln muss. Wörtlich hiess es:
In der Kapelle muss der Elektriker ran. Der Bürgermeister dirigiert und kümmert sich. Er legt Wert darauf, dass er sich mehr als Hausmeister sieht. Auch politisch lässt er die Kirche im Dorf.
Mario Fuentes, Bürgemeister VOX, Barruelo del Valle:
<In einer Stadt ist der Bürgermeister Verwalter. Hier kann man wenig machen. Man kann überlegen, ob man eine Strasse baut oder Leuchten aufstellt. Mehr nicht.>
Dem Publikum wurde also durchaus klar, dass es sich um den Bürgermeister eines kleinen Ortes handelte. Wie viele Einwohner das Dorf tatsächlich hat, ist im Kontext des Beitrages nicht entscheidend und ändert nichts an den Aussagen des Bürgermeisters. Die Berichterstattung vermittelte den Zuschauern und Zuschauerinnen also ein korrektes Bild.
Der Beanstander kritisiert weiter den Hintergrund beim Interview mit der Journalistin Lourdes Lucio, dabei werde der Eindruck vermittelt, dass <es sich um einen sehr grossen Ort handelt.> Das sehen wir nicht so. Im Beitrag gab es nach dem Besuch in Barruelo del Valle einen nachvollziehbaren Ortswechsel zum andalusischen Regionalparlament. In diesem Zusammenhang zeigten wir auch Ausschnitte aus einer Parlamentsdebatte. Anschliessend wurde die Journalistin Lourdes Lucio auf einem grossen, städtischen Platz vorgestellt. Auch inhaltlich bezogen sich ihre Aussagen in keiner Weise auf das Dorf Barruelo del Valle, sondern auf die thematische Ausrichtung von VOX generell. Wörtlich hiess es:
Der Aufschrei war gross. Für die Journalistin Lourdes Lucio zu gross. Sie schreibt für die linksliberale Zeitung EL PAIS. Vox setze auf verschiedene Themen.
Lourdes Lucio / Parlamentsjournalistin:
<Eines ist die Immigration, ein anderes das Gesetz zur Gewalt gegen Frauen und schließlich das Gesetz zur Aufarbeitung der Geschichte. Da ist Vox komplett dagegen. Vox versucht, die Debatte zu verschmutzen und so zu gewinnen. Aber bei den bisherigen Abstimmungen haben sie keinen Schaden angerichtet. Bislang.>
Der Korrespondent hat die Journalistin vor dem andalusischen Parlament interviewt – also vor dem Gebäude, in dem VOX erstmals parlamentarische Präsenz in Spanien bekam. Der Ort des Interviews stand also im Zusammenhang mit dem Interview, was aus journalistischer Sicht erstrebenswert ist. Anders als der Beanstander meint, ging es an dieser Stelle im Beitrag thematisch also nicht mehr um das Dorf Barruelo del Valle, sondern um die Region Andalusien. Die Berichterstattung war auch in diesem Punkt korrekt.
Schliesslich meint der Beanstander auch, wir hätten ‘subjektiv’ berichtet. Tatsache ist, dass wir verschiedene Stimmen von Unterstützern und Kritikern aufgefangen haben. Dem Zuschauer wurde die Möglichkeit geboten, sich selbst ein Urteil über deren Aussagen und die Partei zu bilden.
Wir bitten Sie deshalb, die Beanstandung zurückzuweisen.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Ich kann die Ausführungen von Herrn Dütschler und von Frau Stöckli nur bestätigen: Es wird klar gesagt, dass Bürgermeister Mario de Fuentes, Mitglied der VOX, einem kleinen Dorf vorsteht, und es wird deutlich gemacht, dass man sich danach in Sevilla im Parlament von Andalusien und für das Interview mit der Journalistin Lourdes Lucio vor dem Parlamentsgebäude befindet. Das offizielle Bild des Parlamentsgebäudes zeigt jenes Gebäude, das im Interview hinter der befragten Journalistin von «El Pais» aufscheint:
Es geht halt manchmal schnell im Fernsehen, und Sie haben die Mitteilungen, wohin man geht und wo man sich gerade befindet, offensichtlich überhört.
Die neue Rechtspartei VOX erhält im Beitrag zudem weder eine einseitige Bühne, noch wird sie einseitig schlechtgemacht. Zuerst äußern sich einige Anhänger in kurzen Worten, dann folgt ein Ausschnitt aus einer Wahlkampfrede des Parteichefs Santiago Abascal, anschließend kommt VOX-Bürgermeister Mario de Fuentes zu Wort. Als Kritiker der Partei treten die Journalistin Lourdes Lucio und Antonio Maestre auf. Genauso, wie man es von einem sachgerechten Beitrag erwartet. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann
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