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In den USA neigen Eltern zum Kontrollwahn: Sie wollen über jeden Schritt im Leben ihres Kindes informiert sein. Skandinavische Eltern wiederum geben ihren Kindern extrem viel Freiraum. Für sie ist es wichtig, dass der Nachwuchs Fantasie, Unabhängigkeit und Neugier entwickelt, und sie mischen sich in der Regel viel weniger in die Entscheidungen ihrer Kinder ein.
Die Umgebung bestimmt die Erziehung
Nehmen wir das Beispiel Ungleichheit. In einer Gesellschaft mit starker sozialer Ungleichheit fürchten Eltern, die sich der grossen Bedeutung von Bildung bewusst sind, ihre Kinder könnten vom «rechten Weg» abkommen und in der Schule versagen. Also reagieren sie mit starker Kontrolle, weil sie alles in ihrer Macht Stehende tun wollen, um dies zu verhindern.
Moderne skandinavische Gesellschaften hingegen verzeichnen ein geringes Ausmass sozialer Ungleichheit. Dort herrscht daher ein entspannterer Erziehungsstil vor. Wenn es den «rechten Weg» überhaupt gibt, so ist das Abkommen davon mit wenig Risiko verbunden und für die Eltern kein Anlass zur Sorge.
Es darf nicht überraschen, dass Gesellschaften, in denen die Einkommensunterschiede im Lauf der vergangenen Jahrzehnte stetig zugenommen haben, heute eher zu einem sogenannten «intensiven Erziehungsstil» neigen als früher. So nehmen amerikanische Eltern viel stärker am Leben ihrer Kinder teil und verbringen durchschnittlich dreimal so viel Zeit mit Bildungsmassnahmen für den Nachwuchs wie Eltern Mitte der 1970er-Jahre.