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Solche und ähnliche Verhörprotokolle wurden in Bern in den Turmbüchern festgehalten. Diese beinhalten die chronologische Zusammenfassung der Aussagen und Urteile der Inhaftierten. Die Aussagen, die im Turmbuch überliefert sind, bildeten Grundlage für die Urteilsfindung in Strafrechtsfällen. Die Turmbüchern haben sich mit kleinen Unterbrüchen als Serie von 1545 bis 1747 erhalten und befinden sich heute im Staatsarchiv Bern.
Grundsätzlich gilt: Bei den untersuchten Verhörprotokollen handelt es sich wie bei allen frühneuzeitlichen Gerichtsakten sich um Aufzeichnungen, die durch bestimmte Gegebenheiten geprägt sind: Physischer und psychischer Druck beeinflusst die Geständnisse, Aussagen unterliegen meist einer positiven Eigendarstellung und nicht zuletzt hat der Gerichtschreiber eine Filterfunktion, was aufgezeichnet wird und was nicht. Verzerrungen und Auslassungen gehören damit zu Kriminalquellen wie den Turmbüchern.
Im Turmbuch sind für den von Tina Adam untersuchten Zeitraum (Jahre 1618–21, 1641–44, 1664–67 und 1687–1690) insgesamt 389 Fälle registriert: Zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen. Häufig kam
es zu einem Eintrag wegen Eigentumsdelikten (32%), darunter Diebstahl, Einbruchdiebstahl, Hehlerei und Betrug. Ferner enthält das Turmbuch Delikte gegen Obrigkeit und Ordnung (32%) wie Aufstände, Amtsmissbrauch oder Eid-Übertretung, aber auch Delikte gegen die Öffentliche Ordnung und Sicherheit wie Bettelei und Vagabundieren. Weiter beschäftigte sich das Ratsgremium mit Sexualdelikten (24%). Zu diesem Vergehen zählt jeglicher Geschlechtsverkehr ausserhalb der Ehe. Schwerwiegend war Ehebruch, der die Institution der Ehe direkt gefährdete. Religionsdelinquenz, beispielsweise Prozesse wegen Hexerei oder Zauberei waren sehr selten registriert. Auch Gewaltdelikte werden kaum erwähnt. Wenn, dann handelt es sich in erster Linie um schwerere Gewaltverbrechen, die im Zusammenhang mit anderen Vergehen wie Einbrüche oder Raub stehen. Die häufigste Strafe war in dem erwähnten Zeitraum der Stadt- oder Landesverweis, der in über 40% aller Fälle gesprochen wurde. In 18% wurden die Inhaftierten unter Bestimmungen aus der Haft entlassen. Weiter konnten Körper- oder Schandstrafen ausgesprochen werden, die auch mit anderen Strafen wie dem Verweis kombiniert wurden. In 8% aller Verurteilungen wurde die Todesstrafe verhängt.