Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03367.jsonl.gz/535

Was für eine Geschichte: Die Eltern von S. kamen 1938 aus Berlin. Sie gehören damit zur ersten Generation Siedler, die noch vor der Gründung des Staates Israel ins Land kamen. Die Israeli, so berichtet S, würden ihre Einwohner je nach Ankunft im Land in verschiedene Gruppen einteilen: Da sind zunächst die Mayfloyer-Leute, wie S. sie nennt. Sie waren die Pioniere, ähnlich wie die ersten europäischen Siedler in Amerika. Jene, die nach der Gründung des Staates Israel kamen, nennen sie die Kibuzzim. Und heute schliesslich ist eine ganz neue Gruppe da: Die Russen. Sie sind tatsächlich nicht zu übersehen und leben vor allem in der Gegend von Tel Aviv.
S und G sind haben zwei Kinder aufgezogen, die heute erwachsen sind. Wir dürfen in ihren Zimmern schlafen. Sie leben in einer kleinen Wohnung in einem älteren Mehrfamilienhaus. Platz ist nicht viel – aber weil die Wohnung nach Süden ausgerichtet ist und ein grosses Fenster hat, ist hier viel Licht.
Spricht man mit den beiden über Israel, so wirken sie bekümmert und ratlos. Nein, sie sind mit der Politik ihrer Regierung nicht einverstanden. Die Raketen der Hamas, die aus dem Gazastreifen abgefeuert werden, haben auch ihr Dorf schon getroffen. Und wenn sie Zeitung lesen und Fernseh schauen, dann ist vom Iran die Rede. Die Vorstellung, dass der Iran eine Atombombe besitzt, macht ihnen Angst.
Es gibt hier ein Klima der Angst, erzählen sie uns. Das Land zu verlassen, kommt für sie aber nicht in Frage: „Wir sind hier geboren, wir gehören hierher, unsere Familien sind hier“. Gerne würden sie aber hin und wieder ins Ausland reisen. Das bleibt aber ein Wunsch, solange die Kinder studieren. Man muss sich mit der Situation arrangieren, sagen sie uns.