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Eine vielfältige Bevölkerung
Kinder im SOS-Kinderdorf Estelí (Foto: M. Vado)
Nicaragua ist das größte Land Mittelamerikas und grenzt im Süden an Costa Rica, im Norden an Honduras, im Osten an die Karibik und im Westen an den Pazifischen Ozean. Die Gesamtbevölkerung beträgt ca. sechs Millionen, davon leben ungefähr 2,4 Millionen in der Hauptstadt Managua, die somit nach Guatemala-Stadt die zweitgrößte Hauptstadt in Mittelamerika ist.
In Nicaragua gibt es verschiedene indigene Bevölkerungsgruppen, unter anderem die Miskito, die hauptsächlich an der Karibikküste leben, sowie die Rama und Sumo. Die offizielle Landessprache ist spanisch; dennoch werden auch Miskito, kreolisch, Sumo und Rama häufig von den entsprechenden ethnischen Minderheiten in verschiedenen Landesteilen gesprochen. Aufgrund seiner geographischen Lage wird Nicaragua häufig von verheerenden Hurrikanen und Erdbeben heimgesucht.
Diktaturen, Bürgerkrieg und Naturkatastrophen
SOS Kinderdorf nahm seine Tätigkeit in Nicaragua nur ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in der Hauptstadt Managua auf, das fast 20 000 Nicaraguanern das Leben kostete und weitere 280 000 Menschen obdachlos machte. Nur wenige Jahre später, im Jahr 1978, brach der Bürgerkrieg aus, der die fünf Jahrzehnte lang andauernde brutale Diktatur des Somoza-Familienclans beendete. Dieser Bürgerkrieg, viele Jahre der Diktatur und der verheerende Schaden, den Hurrikan Mitch im Jahr 1998 anrichtete, brachten das Land in eine äußerst schwierige wirtschaftliche Notlage.
Mit über 40 Prozent der Gesamtbevölkerung, die in Armut leben, zählt Nicaragua heute zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Die Nahrungsmittelknappheit ist weiterhin ein großes Problem; erschreckende 27 Prozent der Bevölkerung leiden unter Mangelernährung - das ist der höchste Prozentsatz aller Länder Mittelamerikas. Vor allem in ländlichen Gegenden ist die Armut überall spürbar; viele Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen.
Kinder brauchen Unterstützung und Schutz
Kinder in unserer Obhut wachsen in einer SOS-Familie mit ihren Brüdern und Schwestern auf (Foto: SOS-Archiv).
Die Regierung Nicaraguas hat im Jahr 1990 die UN-Kinderrechtskonvention (CRC) ratifiziert, die Schulpflicht besteht bis zum 12. Lebensjahr, und der Schulbesuch ist kostenlos. Obwohl nach nationalem Arbeitsrecht die elterliche Zustimmung erteilt werden muss, bevor Kinder unter 15 Jahren rechtmäßig arbeiten dürfen, sieht die Realität in Nicaragua ganz anders aus. Jüngsten Studien zufolge müssen in Nicaragua ungefähr 320 000 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren Kinderarbeit verrichten. Drei von fünf nicaraguanischen Kindern arbeiten in der Landwirtschaft, hauptsächlich auf Bananen-, Baumwoll- oder Tabakplantagen.
Andere ziehen durch die Straßen von Managua, verkaufen Kleinwaren oder waschen für ein paar Pesos Windschutzscheiben. In Managua leben fast 1000 Kinder auf der größten Müllhalde der Stadt ,“La Chureca”, wo sie nach Essen oder wiederverwertbaren Materialien suchen, die sie später in den Straßen der Stadt verkaufen können. Tausende obdachloser Kinder streifen ohne Nahrung, Bildungsmöglichkeiten oder familiäre Unterstützung durch die Straßen der Stadt. Die meisten von ihnen schnüffeln Klebstoffe, damit sie ihr tägliches Leid vergessen. Nach Schätzungen der Weltbank leben oder arbeiten in Nicaragua 8 bis 12 Prozent aller Kinder unter 18 Jahren auf der Straße - oder beides.
SOS-Kinderdorf in Nicaragua
SOS-Kinderdorf ist seit den frühen siebziger Jahren in Nicaragua tätig. Das erste SOS-Kinderdorf wurde in Estelí errichtet, einer kleinen Stadt im gebirgigen Norden des Landes. Wir bieten derzeit in Nicaragua Kindertagesstätten, Berufsbildungszentren und medizinische Zentren an verschiedenen Standorten an, die über das ganze Land verteilt sind. Darüber hinaus unterstützen wir auch Kinder in ihren Herkunftsfamilien. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.