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Noch mehr macht sich dieses Verhalten bei den liegendsten Flößen der Eschweiler Mulde geltend, welche theils wegen ihrer geringen und veränderlichen Mächtigkeit, theils wegen der vielen eingemengten Schieferlagen nur an einzelnen Stellen bearbeitet worden sind.
Ueber die chemische Zusammensegung und die Heizkraft dieser Steinkohlen werden weiter unten einige Notizen folgen, um sie mit denjenigen der Worm-Mulde vergleichen zu können. Diese Flöße bilden zwischen der Münstergewand und Sandgewand eine einfache Mulde (Blatt 9), welche in der Nähe dieser lezteren ihre größte Breite und Tiefe erreicht. Der Südflügel dieser Mulde hat besonders am Ausgehenden und in oberen Teufen eine steile Neigung gegen Nord, welche durch die senkrechte Stellung selbst in eine überhängende oder widerfinnige übergeht. Dagegen hat der Nordflügel ein Einfallen von 45 bis 55 Grad gegen Süd, welches bis in beträchtliche Tiefen anhält. Bei den Außenwerken am Ichenberg beträgt dieses Einfallen bis zu 50 und 60 Grad. Die westliche Muldenwendung am Ausgehenden und in jedem tieferen föhligen Durchschnitte bildet einen zusammenhängenden Bogen. Demselben entsprechend find auch die beiden Flügel in den fenkrechten Querdurchschnitten durch einen flachen Bogen mit einander verbunden. Die Längenerstreckung der Außenwerke von der Münstergewand bis zur Sandgewand beträgt 2700 Lachter (Meilen) (5640"); die größte Breite derselben in dem untersten Flöße Kleinkohl 960 Lachter (2006TM), etwas mehr als 4 Meile. 14 Der Flächenraum, unter dem dieses Flöß vorhanden ist, wird auf 3700 Morgen (943 Hektaren) (} Quadratmeile) geschäßt. Die oberen Flöße nehmen immer mehr an Länge und Breite ab. Das unterste Flöß der Innenwerke Padtkohl hat von seiner westlichen Muldenwendung bis zur Sandgewand eine Länge von 1400 Lachter (2926TM), bei einer größten Entfernung seiner Flügel am Ausgehenden von 600 Lachter (1254m), und das etwa 65 Lachter (136) darüber gelegene mächtigste Flöß der oberen Gruppe, Großkohl, eine Länge von 1000 Lachter (2090TM) bei einer größten Breite von 450 Lachter (940TM).
So regelmäßig die Eschweiler Mulde auch im Allgemeinen gestaltet ist, so finden sich doch Störungen in derselben, welche von Einfluß auf die Lage der Muldenlinie sind. In dem östlichen Theile der Mulde liegt das Tiefste derselben, von den oberen Flößen an bis Schlemmrich (Nr. 21) in 110 Lachter (230) Teufe, 120 Lachter (250) südlich vom Schachte Wilhelmine. In größerer Tiefe rücken aber die tiefsten Muldenpunkte um 40 Lachter (84) gegen Norden. Die oberen Flöße neigen sich auf beiden Flügeln mit gleichmäßig abnehmendem Einfallen der Mitte zu, während die tieferen Flöße des Nordflügels unfern der Muldenmitte von mehreren Wechseln (Ueberschiebungen) durchseßt und dadurch in ein höheres Niveau gerückt werden. Weiter gegen West beim Friedrich-WilhelmSchachte findet zwar dasselbe Verhältniß Statt; die Abweichung der Muldenlinie auf den oberen und unteren Flögen beträgt jedoch nur 25 Lachter (52m). Die Muldenlinien auf den
mittleren Flößen, wie Fornegel und Großkohl, erscheinen auf Längen von 780 und 835 Lachter (1630 und 1745) als mehrfach gebrochene Linien, deren einzelne Theile nicht genau parallel sind und in der Richtung von West gegen Ost immer weiter gegen Nord liegen. Die mittlere durchschnittliche Richtung der Muldenlinie ermittelt sich in Stunde 4 des magnes tischen Meridians oder Nord 52° 34' gegen Ost des wahren Meridians.
zum Liegenden in geognostischer Beziehung harmonirt, indem also hier die liegendsten Flöße der Außenwerke die sinternden Eßkohlen (e), dagegen die hangendere Partie der Innenwerke die Fettkohlen (d) repräsentiren, während umgekehrt im Saarbrücker Bassin die hangenden Flöße magere und finternde Flammkohlen (a und b), dagegen der liegende Flötzug Backtohlen (c) liefert. R. P.
Die Ermittelung der Muldenlinie der Außenwerke in dem westlichen Felde nach der Münstergewand hin, auf Jamesgrube, bietet Schwierigkeiten in dem flachen Einfallen der Flöße und in einem sattelförmigen Bogen der Nordflügel dar. Sie liegt hier zwischen Stunde 43 und 4%, ist dabei aber gegen die Lage im östlichen Felde durch mehrere Verwerfungen so weit gegen Süd gerückt, daß sich ihre Richtung von der Münstergewand bis zur Sandgewand zu Nord 44° 8' gegen Oft (des wahren Meridians) ergiebt, also eine Abweichung von 8o 26′ von der Richtung innerhalb der Innenwerke. Die Neigung der Muldenlinie beträgt im Mittel der ganzen Länge zwischen den beiden mehr genannten Verwerfungen 8o 38′ gegen Nordost und schwankt zwischen 40 und 10o.
Bei den Innenwerken ist das Streichen der Südflügel in Stunde 57 und der Nordflügel 42, wenn von dem Bogen in der westlichen Müldenwendung abgesehen wird. Der Winkel, den beide Flügel einschließen, beträgt daher 20o 37'. Im westlichen Felde verkleinert sich dieser Winkel durch die seigere Stellung der Südflügel bis auf 16° 52'.
Die westliche Verwerfung, die Münstergewand, welche den jezt betrachteten Muldenabschnitt begrenzt, ist. im Felde der Jamesgrube nicht genau bekannt, da die Abbaue der Flöße 30 bis 60 Lachter (63 bis 125m) von denselben entfernt bleiben. In ihrer Nähe streicht dieselbe Stunde 10 und fällt gegen Nordost ein. In dem südlich gelegenen Felde von Wilhelmine ist diese Verwerfung durchfahren. Das Kluftgebirge hat eine Breite von 25 Lachter (52"); die begrenzenden Klüfte fallen mit 65° gegen Nordost ein. Die Höhe des Verwurfes beträgt 120 Lachter (250TM).
In dieser bedeutend höheren Lage des westlich derselben gelegenen Muldenabschnittes findet sich auch der Grund, wess halb in demselben die bauwürdigen Flöße der Außenwerke nicht aufgefunden und auch nicht vorhanden sind.
In der weiteren südlichen Fortseßung dieser Verwerfung findet sich im Kohlenkalke bei Busbach im Felde Busbacherberg das Erzvorkommen beim Emilienschachte, östlich von Hafsenberg auf dem Brockenberge, womit auch das westliche Ausheben der Burgholzer Kohlengebirgsmulde zusammenhängt, und in 1400 Lachter (2926") Entfernung vom Südrande der Kohlengebirgsmulde im Eifelkalkstein im Felde Breinigerberg das mächtige Erzvorkommen auf dem Schlangenberge in mehreren parallelen Gängen. In der nördlichen Fortsegung trifft diese Verwerfung mit derjenigen überein, welche die östliche Begrenzung des Worm-Revieres unter dem Namen Feldbiß bildet, und deren Verhalten weiter unten näher angeführt werden soll.
In dem Felde der Jamesgrube kommen nur wenige Verwerfungen vor, wie die Steinwegsgewand, welche Stunde 10% streicht, mit 70° gegen West, also der Münstergewand entgegen einfällt, mit einer Verwurfshöhe von 25 Lachter (52),
und die Kehrgewand, welche nahe an dem Fuße des linken Abhanges des Vichtbachthales die Südflügel der Außenwerke durchschneidet und hier die Baugrenze der Jamesgrube bildet. Auf den Nordflügeln fällt sie mit der Ewigen Gewand zusammen; beiden entspricht in der Mulde eine Verwurfshöhe von 40 Lachter (84TM). Die Außenwerke werden dann noch durch die Zittersgewand verworfen, welche auf beiden Flügeln in einer Längenerstreckung von 850 Lachter (1776m) bekannt ist; sie streicht in Stunde 10 und fällt mit 65 bis 75° gegen Oft ein; das östliche Gebirgsstück liegt 20 Lachter (42TM) tiefer, als das westliche. Die scheinbare Seitenverschiebung der Flöße auf dem Süd- und Nordflügel ist bei dem wechselnden Einfallen derselben auffallend verschieden.
Während die Verwerfungen von der Münstergewand aus in weiten Abständen von einander auftreten, vermehrt sich deren Zahl in dem 900 Lachter (1880) langen Felde der Innenwerke so sehr, daß außer der die östliche Grenze bildenden Sandgewand 14 Verwerfungen, also in einem mittleren Abstande von 64 Lachter (134TM) je eine auftreten, welche zwischen den Stunden 10 und 12 streichen, 9 mit östlichem und 5 mit westlichem Einfallen. Die Sandgewand streicht Stunde 11 und fällt mit 70 bis 75° gegen Ost ein. Die Verwerfung wird von ganz gestörten Schichten begleitet, welche spießeckig und quer gegen die Hauptrichtung streichen, gegen Südost und Nordwest einfallen und durch Klüfte getrennt werden.
Außer diesen Verwerfungen durchseßen mehrere Ueberschiebungen, den Grubenbetrieb sehr störend, das Steinkohlengebirge der Eschweiler Mulde. Insbesondere werden die Nordflügel der Innenwerke durch 3 derselben, in Entfernungen von 20 bis zu 60 Lachter (42 bis 125m) von der Hauptmuldenlinie, unterbrochen; sie streichen unter sich und mit dem Hauptstreichen der Südflügel parallel, verursachen ein Uebereinanderliegen der getrennten Flößtheile in Entfernungen von 1 bis 5 Lachter (2 bis 10") und, durch das Umbiegen derselben an der abschneidenden Kluft, Specialmulden und Sättel in der Hauptmulde.
Unmittelbar an der Ostseite der Sandgewand liegen das mit Lehm und Gerölllagern bedeckte Braunkohlengebirge und. andere tertiäre Sandschichten. Die Oberfläche des Steinkohlengebirges findet sich erst in ansehulicher Tiefe, 30 Lachter (63TM) von der Sandgewand entfernt in 273 Fuß (85), in der verlängerten Muldenlinie in größerer Entfernung in 413 Fuß (130TM). An dem Rande, wo das Kohlengebirge bei Nothberg hervortritt, zeigt seine Oberfläche eine ähnliche starke Einsenkung, wie an der Sandgewand, aber in entgegengesezter Richtung. Es zieht hier eine tiefe, mit Tertiärschichten ausgefüllte Bucht, dem Thale des Omerbaches entsprechend, zwischen Stich und Nothberg gegen Süd über Bergrath, Volkenrath bis Köttenich, und hebt sich hier schmaler werdend aus. Nördlich von Nothberg liegt das Kohlengebirge unter dem breiten Thale der Inde, auf deren linker Seite von Lehm und Braunkohlengebirge bedeckt. Gegen Ost wird es durch dieselbe Bedeckung von der östlichen Partie bei Weißweiler getrennt.
In dem Weißweiler Walde, südlich von dem Orte, auf der rechten Seite des Eisenufühlenthales, liegen die Pingenzüge auf den Außen- und Innenwerken. Die ersteren reichen
in einer Länge von 600 Lachter (1254") bis zur Straße von Weißweiler nach Langerwehe, wo sie an der Bedeckung durch Braunkohlengebirge enden. Die Pingen auf den Innenwerken liegen 200 Lachter (418m) weiter gegen Nord, nehmen eine Länge von 500 Lachter (1045TM) bei 150 Lachter (313TM) Breite ein und reichen gegen Nord bis an das Indethal, wo die Schichten des Kohlengebirges nochmals unbedeckt zu Tage ausgehen. Die Länge der Eschweiler Mulde von der Münstergewand bis zu dem östlichen Ende der Weißweiler Flöße beträgt etwas mehr als 14 Meilen (114 Kilomtr.). In Weißweiler selbst steht Kohlengebirge an; in Brunnen und mehreren Versuchen sind gegen Süd einfallende Flöße gefunden worden, welche für Nordflügel der Innenwerke gehalten werden, ohne daß sich darin bestimmte Flöße der Eschweiler Mulde erkennen lassen. Auch nördlich des Ortes ist die Oberfläche des Kohlengebirges in 23 Lachter (48) Teufe erreicht, und sind dann zwei südlich fallende Flöße getroffen worden. Der gegenwärtige Betrieb ist auf den Südflügeln eröffnet und reicht bis in die Teufe von 63 Lachtern (132TM). In dem Stollen wurden viele schmale, mit vielen Bergmitteln verunreinigte Kohlenflöße durchfahren, welche widerfinnig gegen Süd einfallen und fich weder nach ihrer Beschaffenheit, noch nach ihren Entfernungen von einander mit den bekannten Flößen der Centrumgrube identificiren lassen. Dasselbe zeigt sich auch noch in der zweiten Sohle 30 Lachter (63TM) unter dem Stollen. Hier werden aber die hangenderen Flöße von einer Verwerfung abgeschnitten, welche in Stunde 3 streicht und mit 45o gegen Südost einfällt. Im Liegenden dieser Vers werfung tritt plöglich rechtsinniges Einfallen gegen Nord mit 35 bis 40° ein, und in diesem Gebirgstheile sind Flöge aufgeschlossen worden, welche mit größter Wahrscheinlichkeit für die auf der Centrumgrube bekannten Flöße Großkohl bis Gyr (Nr. 27 bis 31) gehalten werden, obgleich die Zwischenmittel nicht damit übereinstimmen und hier auch mehrere schmale Flöße auftreten, welche auf jener Grube fehlen.
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Nach den gegenwärtigen Aufschlüssen hat die Mulde des untersten Flößes der Innenwerke bei Weißweiler eine Breite von 520 bis 550 Lachter (1090 bis 1150m), welche mit derjenigen auf der Grube Centrum, westlich der Sandgewand, nahe übereinstimmt. Die Tiefe der Mulde dieses Flößes scheint aber bei Weißweiler nur bis 130 Lachter (272") unter den Indespiegel zu reichen, während die Mulde desselben Flößes auf Centrum 70 Lachter (146) tiefer liegt.
Es ist gewiß, daß die Eschweiler Mulde von dem östlichen Ende der Weißweiler Partie noch weiter gegen Nordost unter der Bedeckung des Tertiärgebirges fortseßt. Allein weder ist es gelungen, das Kohlengebirge nördlich und nordwestlich von Weißweiler unter dieser Bedeckung in Tiefen von 30 (63) und selbst mehr als 50 Lachter (104) zu erreichen, noch auch weiter gegen Ost bei Lucherberg in einer Tiefe von 85 Lachter oder 567 Fuß (177). Die Schwierigkeit, die sandigen wafferreichen Lagen des Tertiärgebirges zu durchbohren, und die geringe Wahrscheinlichkeit, die Steinkohlen in der Fortseßung dieser Mulde unter Verhältnissen aufzufinden, welche deren Benußung gestatten, haben von der Fortseßung dieser Versuche abgehalten. (Schluß folgt.)
Untersuchungen über Draht- und Blechlehren.
Ein fernerer Beitrag zur Erörterung der Zweckmäßigkeitsfrage über die obligatorische Einführung einer allgemein gültigen Normallehre für Draht, Blech und andere verwandte Artikel. Von Richard Peters. (Hierzu Blatt 2 bis 4.) (Fortsetzung von Seite 369.)
III. Vorschlag zur Aufstellung einer Normallehre.
Aus den Abschnitten I. und II. dürfte klar geworden sein, daß keine der vorhandenen Lehren eine durchaus rationelle und den Bedürfnissen der Fabrication und des Handels entsprechende ist, wenn auch einige sich diesen Anforderungen sehr nähern. Es wird Jeder, der mit der Fabrication von dünnem Blech, Draht und Bandeisen sich beschäftigte, die Nothwendigkeit einer Reform auf dem besprochenen Gebiete zugestehen, denn einmal führt in der Fabrication die unregelmäßige Abstufung vieler Lehren manche Schwierigkeit herbei; dann aber besonders tritt hier derselbe Uebelstand hervor, welcher bei den größeren Landesmaßen allgemein anerkannt und beklagt wurde: Ebenso wie man gezwungen war, nach altfranzösischem, englischem, rheinländischem, bayerischem, badischem, naffauischem, frankfurter 2c. Fuß, nach Millimeter, Linie und sechszehntel Zoll zu construiren und zu walzen, so ist man in der Drahtzieherei und Blechfabrication in die traurige Nothwendigkeit verseßt, nach einem halben Dußend verschiedener Lehren zu arbeiten, wodurch eine unnüge und nicht zur Genauigkeit führende Beanspruchung der Arbeiter, eine Vervielfältigung der Magazinbestände, eine Complication der Calculationen und Facturen, und viele andere Uebelstände entstehen. Da jezt aber endlich die Hoffnung nahe gerückt ist, daß der Meter ein einheitliches Maß nicht nur für Deutschland, sondern für die gesammte civilisirte Welt bilden wird, so muß daran gearbeitet werden, daß in gleicher Weise und womöglich gleichzeitig mit der Einführung des Metermaßes eine einheitliche, rationelle Normallehre für die Messung dünner Metalle durch Convention und durch Gesez allgemein angenommen wird.
Ist schon aus obigen Gründen für die Fabricanten die Einführung einer einheitlichen Normallehre wünschenswerth, so ist dieselbe nicht minder im Interesse des handeltreibenden Publicums und des Staates dringend anzurathen.
Die Mißbräuche, welche jezt daraus entspringen, daß die Stärken der einzelnen Nummern der verschiedenen Lehren nicht festgestellt sind, ziehen eine so wesentliche Benachtheiligung des Publicums in vielen Fällen herbei, daß der Staat, als natürlicher Beschüßer der gesammten industriellen und Handels-Thätigkeit, wohl einen gerechten Grund finden müßte, hier einzuschreiten und anzuordnen, daß nur nach einer einzigen gesetzlich geregelten Lehre verkauft werden dürfte, ebenso wie dies hinsichtlich des Gewichtes bereits festgesezt ist.
Man könnte vorschlagen, für die Normallehre einfach die Abstufungen nach fortlaufenden Zehntel-Millimetern zu machen, um dadurch sich an das Metermaß anzulehnen; allein es
würde dies nicht der richtige Weg sein. Es kommen für diese Frage ganz andere Momente in Betracht, deren Erörterung ich im Folgenden versuchen will.
An eine Normallehre dürften folgende Anforderungen zu stellen sein:
1. Sie muß in einfachen Nummern von den dickeren zu den dünneren Sorten aufsteigen; ihr Anfangspunkt muß so weit hinaufreichen, daß sie die nicht mehr bequem mit dem Zollstocke zu unterscheidenden Größen angiebt und noch die in der Drahtzieherei vorkommenden dickeren Nummern umfaßt; ihr Endpunkt wird bis an die Grenze reichen müssen, welche in den bisherigen Lehren für feinste Messungen angezeigt ist.
2. Die Abstufung zwischen den einzelnen Nummern muß rationell und gleichmäßig, ohne erhebliche Sprünge sein, und entweder dem von Karmarsch (gleichmäßig abnehmende Verdünnungsfactoren) oder dem von Thomée (constante Verdünnungsfactoren) aufgestellten Geseze möglichst entsprechen. Die Größe der Verdünnungsfactoren muß derartig gewählt werden, daß man so kleine Abstufungen gewinne, als es der Gebrauch in der Mehrzahl der Fälle verlangt, und daß der Draht bei der Fabrication der Regel nach von einer Nummer zur anderen ohne zu große Gefahr des Zerreißens oder gegentheils auch ohne zu großen Zeitverlust bei zu geringer Abstufung weiter gezogen werden könne (Thomée, Bd. X, S. 552 dieser Zeitschrift. )
3. Die Lehre muß sich dem Metermaß in einfachster und bequemster Weise anschließen, und zwar dadurch, daß das Gewicht pro Quadratmeter Eisenblech, in Kilogramm ausgedrückt, für jede Nummer eine möglichst runde Ziffer darstellt, aus welcher durch Berechnung die Dicke in Millimetern jedesmal einfach abzuleiten ist.
Es ist hierzu Einiges zu bemerken, um die genannten Anforderungen zu motiviren, und die Verschiedenheiten gegen die oben analysirten Lehren hervorzuheben.
Ad 1. Die Reihenfolge der Nummern ist jedenfalls am zweckmäßigsten in der Weise, daß die stärksten Sorten die kleineren Ziffern erhalten (wie es bei der englischen und der Dillinger Lehre der Fall ist); es liegt selten das Bedürfniß vor, über 8mm hinaus noch die Lehre zu gebrauchen, da dann der Zollstock gewöhnlich noch ausreicht; wird also, wie bei der englischen Lehre, der Anfangspunkt Nr. 1 der Normallehre in diese Grenze geseßt, so genügen die aufsteigenden Nummern für fast alle Zwecke; für die sehr seltenen Fälle, wo noch stärkere Drahtsorten mit Lehren zu messen sind, wie in den Messingdrahtziehereien und Holzschraubenfabriken, können Nullnummern (0, 20, 3/0 etwa bis 10/0) hinzugefügt werden.
Während die gangbarsten Lehren in Betreff des Anfangspunktes nicht weit von einander differiren (westphälische Drahtlehre K = 7,88, englische Lehre Nr. 1 = 7,62; Dillinger Lehre Nr. 1 = 5,64; französische Drahtlehre Nr. 30 10,00), To finden wir dagegen bei denselben den Endpunkt, die feinste Nummer, sehr verschieden gesezt; die westphälische Drahtlehre hat nach 10 Holl =0mm,22 noch 10 feinere Nummern, deren schwächste vielleicht noch über 0mm,os hinausreicht; die englische Lehre geht bis Nr. 36 0mm,102, die Dillinger Blechlehre hört schon mit Nr. 24 0mm,282 auf, die französische Drahtlehre sogar schon mit 0mm,50 = Nr. 0. Nr. 0. Steigen die Nummern aufwärts mit abnehmender Dicke des Drahtes resp. Bleches, so ist es leicht, noch feinere Nummern hinzuzufügen, während man sich im umgekehrten Falle (z. B. bei der französischen Drahtlehre) durch Einführung einer besonderen Lehre für feinste Nummern helfen muß.
Für praktische Zwecke dürfte die untere Grenze der englischen Lehre =0mm,10 meistens ausreichen, vielleicht mit Ergänzung bis zu 0mm,05, ohne daß jedoch die Hinzufügung noch feinerer Nummern ausgeschlossen wäre.
Ad 2. Das in der Stufenfolge der verschiedenen Nummern in allen Lehren auftretende Gesez haben Karmarsch und Thomée vortrefflich erläutert und in der Entwickelung des Begriffes „Verdünnungsfactor" dargelegt. Es sind, wie im Abschnitt II erörtert wurde, bereits mehrere Versuche ge= macht, um nach einem dieser beiden Geseße eine rationelle Lehre zu entwerfen resp. eine vorhandene zu rectificiren, nämlich nach dem Thomée'schen Gefeße:
die amerikanische Correctur der englischen Lehre und die Thomée'sche Vereinslehre, welche sich der westphälischen Drahtlehre gut anschließt;
andererseits nach dem Karmarsch'schen Geseße: die Quirin'sche Correctur der österreichischen Drahtlehre, und Karmarsch's Rectification der englischen Lehre.
Es würde die wichtige Frage zu entscheiden sein, ob für cine Normallehre der Verdünnungsfactor für alle Nummern constant (Thomée) oder abnehmend proportional der Feinheit der Draht- und Blechsorten (Karmarsch) zu seßen ist. Die Gründe pro und contra find von den beiden genannten Schriftstellern eingehend erörtert: Die sicherste Entscheidung dürfte dadurch zu erzielen sein, daß ermittelt wird, ob das eine oder das andere Geseß bei der Mehrzahl der vorhandenen Lehren praktisch (wenn auch unbewußt) in Anwen= dung gebracht ist.
Die westphälische Drahtlehre ergiebt nahezu constante Factoren, nimmt sogar eher im umgekehrten Sinne ab, als es das Karmarsch'sche Gesez verlangt; dagegen folgen diesem, abgesehen von einigen Anomalieen, die englische Lehre, die französische Drahtlehre und die Dillinger Blechlehre, also die Mehrzahl der gangbarsten Lehren, sowie auch der größte Theil der übrigen weniger gangbaren.
Es dürfte also das Karmarsch'sche Gesez mehr, als das von Thomée, als maßgebend für eine Normallehre zu betrachten sein.
Außer den von Karmarsch scharfsinnig dafür entwickelten Gründen dürfte noch auf folgenden Umstand Werth zu legen sein: Bei der Drahtfabrication pflegt man aus ökonomischen Rücksichten für die stärkeren Draht- und Stiftensorten ein
ordinäreres Material zu verwenden, als für die feineren; es würde schwierig sein, dasselbe ohne Gefahr häufigen Zerreißens einer starken Querschnittsabnahme in den Zügen zu unterwerfen, während andererseits die aus bestem Materiale hergestellten feinen Drähte schon eher eine rasche Abnahme vertragen. Deshalb hat namentlich die für Frankreich gültige Drahtlehre sehr hohe Verdünnungsfactoren in den. starken Sorten, weil es dadurch möglich wird, die dort zu grobem Draht durchgängig verwendeten mittelmäßigen Eisensorten noch vortheilhaft zu verarbeiten. Andererseits finden wir bei der westphälischen Drahtlehre schon in den dicken Sorten eine ziemlich rasche Abnahme, weil in den früheren Perioden der Drahtfabrication, aus welchen jene Lehre datirt, stets ein vorzügliches Eisen zu allen deutschen Drahtsorten verwendet wurde, welches selbst in den stärkeren Sorten eine rasche Querschnittsabnahme vertrug. Da aber die Verwendung eines ordinären Materiales für dicke Draht- und Stiftensorten aus Rücksichten auf billige Fabrication immer mehr stattfinden wird, so dürfte hieraus ein neues wichtiges Moment für die Annahme des Karmarsch'schen Gesezes für eine Normallehre abzuleiten sein. Vergleichen wir die durchschnittlichen Verdünnungsfactoren in den gangbarsten Lehren, so finden wir dieselben in der westphälischen Drahtlehre
=
0,8965, 0,9078, 0,8804, 0,8874.
französischen
Es beträgt demnach der durchschnittliche Verdünnungsfactor der vier gangbarsten Lehren 0,8940, also gerade die Mittelzahl zwischen der von Thomée für seine Vereinslehre" adoptirten Zahl 0,900
0,886
und der von Karmarsch als Durchschnittszahl der rectificirten englischen Lehre ermittelten ebenfalls ganz nahe übereinstimmend mit den von Thomée (a. a. D. Bd. X, S. 557) aus dem Ziehungswiderstande berechneten Zahlen 0,8847 resp. 0,8999.
Innerhalb dieser wenig von einander differirenden Grenzwerthe wird jedenfalls der durchschnittliche Verdünnungsfactor für eine Normallehre zu suchen sein.
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Aus allen diesen Gründen kann es nicht zweifelhaft sein, daß Karmarsch in den für die Rectification der englischen Lehre gegebenen Zahlen fast alle Elemente gegeben hat, welche für eine Normallehre maßge= bend sein werden, so daß diese sich möglichst jenen Zahlen anschließen muß.
"
Dieselben ergeben (vergl. Tab. II)
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Minimum
den mittleren Verdünnungsfactor für 40 Nr. 0,886 das Maximum des bis Nr. 4/0 0,9197 : 36 0,8523 die Zahl Z, mit welcher jeder Verdünnungsfactor zu multipliciren ist, um die Größe des folgenden zu erhalten, = 0,998. Diese Aufeinanderfolge entspricht den beiden oben aufgestellten praktischen Bedürfnissen:
Die Verdünnungsfactoren sind genügend hoch, so daß der Handel oder die Fabrication fast nirgends die Einschaltung halber oder Viertel-Nummern zu fordern braucht, und es kann bei der Drahtzieherei von jeder Nummer zur anderen ohne zu große Anstrengung des Materiales und doch mit genügend rascher Aufeinanderfolge der Nummern gearbeitet werden.
Ad 3. Was endlich die dritte der von mir aufgestellten Bedingungen für eine rationelle Normallehre betrifft, so ist diese von den beiden mehrfach erwähnten Schriftstellern nicht beachtet, da dieselben nur die Bedürfniffe der Drahtzieherei in's Auge fassen. Für diese ist die absolute Größe der in Millimetern ausgedrückten Stärken für die verschiedenen Nummern eine fast gleichgültige Zahl, da es dort nur auf die relative Größe, auf eine richtige Aufeinanderfolge der Stärken, ankommt. Anders ist es dagegen in dem verwandten Gebiete der Blechfabrication, welches nicht minder und aus gleichen Gesichtspunkten, wie die Drahtzieherei, einer einheitlichen Lehre bedarf.
Es kommt beim Walzen von Sturzblech durchaus nicht darauf an, daß von einer Nummer zur anderen eine regelmäßige Abnahme stattfindet, denn es wird nie von einer Nummer gerade bis zur folgenden gewalzt, sondern die Stärkeverminderung beim Bleche ist von ganz anderen Umständen, namentlich von dem größeren oder geringeren Hißegrade des Materiales abhängig; dagegen verlangt hier der Consum ebenso, wie bei dem verwandten Artikel Draht, die durch eine rationelle Lehre gebotene regelmäßige Classification der Sorten; ferner ist es für den Handel mit Sturzblechen und für alle bei deren Fabrication vorkommenden Berechnungen sehr wichtig, daß das Gewicht pro Flächeneinheit für die verschiedenen Nummern in möglichst runden Zahlen ausgedrückt wird. Die Dillinger Blechlehre hatte diesen Vorzug in ihrer ursprünglichen Gestalt; jezt dagegen, wo die nicht mehr gangbaren Originalmaße und Gewichte auf die landesüblichen reducirt worden sind, ist jene sehr wichtige Einfachheit der Zahlen verloren gegangen.
Es kann nicht zweifelhaft sein, daß eine Normallehre auf Metermaß basirt sein muß, und zwar in der Weise, daß das Gewicht pro Quadratmeter Eisenblech in Kilogramm oder Zollpfund ausgedrückt, für die verschiedenen Nummern möglichst runde Zahlen ergiebt.
Ich habe versucht, von diesem Gesichtspunkte ausgehend, die sonst in allen anderen Beziehungen vortreffliche Karmarsch'sche Rectification der englischen Lehre einer kleinen Aenderung zu unterwerfen, indem ich diejenigen Gewichte pro Quadratmeter Eisenblech in Kilogramm, in möglichst runden Zahlen ausgedrückt, aufsuchte, welche den durch Karmarsch corrigirten Stärken der englischen Scala am nächsten kommen, und möchte ich die dafür erhaltenen Zahlen, welche Col. g der Tab. XI auf Seite 571 und 572 darstellen, als maßgebend für eine Normallehre empfehlen.
Dieselben weichen meistens nur um bis 2 pCt. positiv oder negativ, im Durchschnitt noch nicht um 0,1 pCt. von den Karmarsch'schen Zahlen ab; die größte Abweichung steigt nur zweimal über 3 pCt.; es ist also eine durchaus innerhalb der Grenzen praktischer Genauigkeit liegende Uebereinstimmung vorhanden.
Messingdraht- und Holzschraubenfabrication 2c. auftreten, jenseits der Nr. 1 noch 10 Nullnummern (die englische Lehre resp. Karmarsch hatten deren 4) aufgestellt, deren legte 10/0 18mm,257 so weit hinaufreicht, als es die Bedürfnisse jener Fabricationszweige verlangen.
Um die feinsten Drahtsorten, welche in der Praxis vorkommen, noch mit der Lehre messen zu können, sind nach Nr. 36 der englischen Lehre durch obiges Verfahren noch 4 Nr. hinzugefügt, deren lezte, Nr. 40, 0mm,05 bis zu der äußersten Grenze reicht, welche im Abschnitt II als Bes dürfniß für praktische Messungen sich herausstellte.
Andererseits sind für die stärkeren Sorten, welche in der
Die ganze von mir aufgestellte Normallehre umfaßt also 50 Nummern (wovon 10 Nullnummern) von 18mm,3 bis 0mm,05, und können damit alle nur irgend vorkommenden Messungen dünner Metalle ausgeführt werden. Für das gewöhnliche praktische Bedürfniß genügt es vollkommen, wenn die Klinken nur die Nr. 1 bis 25 oder 30, also mit Hinweglaffung der 10 bis 15 feinsten Sorten und der Nullnummern enthalten, da dieselben verhältnißmäßig sehr selten vorkommen. Für jene gröberen Sorten würden besondere Klinken, für die feineren die von Karmarsch beschriebenen Meßringe oder conische Klinken anzuwenden sein.
Der durchschnittliche Verdünnungsfactor aller 50 Nr. beträgt 0,887, liegt also in den oben als maßgebend bezeichneten Grenzen; das Maximum des Verdünnungsfactors bei Karmarsch 0,920 wird nur bei den noch jenseits 4/0 hinzugefügten 5 stärksten Sorten überschritten, ebenso das Minis mum von Karmarsch 0,852 5 mal bei den feinsten Sorten.
Der Festseßung der Gewichte pro Quadratmeter in ganzen Zahlen entsprechend, zeigt die Normallehre constante Stärkendifferenzen zwischen einer gewiffen Reihe von Nummern, wie wir es früher bei der französischen Drahtlehre und der Dillinger Blechlehre sahen: Die graphische Darstellung der Normallehre (vergl. Blatt 2 und 3 zu Seite 143 und Blatt 4 zu Seite 241) bildet daher eine aus zahlreichen kleineren Strecken zusammengeseßte Linie, welche in ihrer Totalität nur sehr wenig von der logarithmischen Curve verschieden ist, wodurch die Karmarsch'sche Rectification der englischen Lehre repräsentirt wird.
Ich möchte empfehlen, für die Normallehre die auch von Karmarsch gebrauchten Nummern der englischen Lehre einfach beizubehalten, da sie mit legterer im Allgemeinen gut übereinstimmt, und dadurch in Anlehnung an jene am meisten von allen Lehren verbreitete Scala die Einführung in die Praxis erleichtert wird. Als Abweichungen der Normallehre von der ursprünglichen Birmingham gauge sind besonders hervorzuheben und an den Klinken zu corrigiren: Nr. 1 der Normallehre Nr. der Birmingham gauge; die übrigen Nummern beider Lehren bis 18 incl., welche die am meisten gangbaren Draht- und Blechsorten umfassen, stimmen innerhalb der Grenzen praktischer Genauigkeit gut überein; dagegen sind bei den feineren Sorten zu corrigiren: