Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03588.jsonl.gz/2110

Blaumaskenamazone
Amazona versicolor
© 1994 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»
und in der WWF Gedenktaler Kollektion)
Die Heimat der Blaumaskenamazone (Amazona versicolor) ist die winzige Antilleninsel St. Lucia in der südöstlichen Karibik. Dort hält sie sich vorzugsweise im Kronenbereich des dichten tropischen Regenwalds auf, wo sie das ganze Jahr über ein reiches und vielfältiges Angebot an Früchten, ihrer Lieblingsspeise, vorfindet.
Gewöhnlich begegnet man den Blaumaskenamazonen paarweise oder in kleinen Familiengruppen, denn sie leben in fest «verheirateten» Paaren - bei minimaler Scheidungsrate. Die farbigen Papageien sind hauptsächlich in der Morgen- und in der Abenddämmerung rege und geben dann ihre Anwesenheit fortwährend durch laute, heisere «kii-ard»
-Rufe bekannt. Während der heissen Tagesstunden ruhen sie gerne an einer schattigen Stelle im Geäst. Dort putzen sie ihr Gefieder, pflegen soziale Kontakte oder dösen einfach vor sich hin.
Wie die meisten Papageien nisten die Blaumaskenamazonen stets in Baumhöhlen. Das «Brutgeschäft» beginnt jeweils im Januar und Februar für jedes Paar mit der Suche nach einer geeigneten Nisthöhle in einem alten Baum. Ist eine solche gefunden, so muss sie in der Regel noch etwas erweitert und angepasst werden, was den Vögeln dank ihrer kräftigen Schnäbel wenig Mühe bereitet. Die dabei auf den Nestgrund fallenden Holzschnipsel übernehmen praktischerweise gleich die Funktion der Nestpolsterung, so dass das Eintragen von Zweigen oder anderem Nistmaterial entfällt.
Zumeist im März legt dann das Weibchen ein bis zwei weisse Eier in die Nisthöhle, und im April, nach einer Brutdauer von vier Wochen, schlüpfen daraus die Jungen. Diese wechseln im Alter von einem Monat ihr anfängliches Daunenkleid gegen ein erstes Federkleid, und schon einen weiteren Monat später, gegen Ende Juni, sind sie flügge und verlassen im Gefolge ihrer Eltern das Nest. Bis Ende Jahr, das heisst bis zum Beginn der nächsten Brutsaison, halten die Kleinfamilien zusammen. Dann macht sich der Nachwuchs selbständig.
Leider kämpft die Blaumaskenamazone heute um ihr Überleben. Man schätzt ihren Bestand auf nur noch rund 400 Tiere. Der Niedergang der einst weit umfangreicheren Population begann im Anschluss an die Kolonisierung St. Lucias durch europäische Siedler (ab 1638). Ungezählte Amazonen wurden damals abgeschossen und gefangen und landeten im Kochtopf oder im Käfig. Und ungezählte Jungvögel wurden aus ihren Nisthöhlen geholt, gezähmt und dann an vorüberziehende Seefahrer verkauft.
Schwer gelitten haben die Blaumaskenamazonen im Laufe der europäischen Siedlungsgeschichte aber auch infolge der Umwandlung der natürlichen Waldgebiete in Kultur- und Siedlungsland. Die Papageien wurden dadurch auf breiter Front ihrer angestammten Nistplätze und Futterquellen beraubt und in immer begrenztere Rückzugsgebiete abgedrängt.
In jüngerer Zeit war es dann hauptsächlich der Fang von Jungvögeln für den Tierhandel gewesen, welcher zum Rückgang der Art beitrug. Die Fangquoten waren zeitweise beachtlich, wurden doch von europäischen und amerikanischen «Papageienliebhabern» bis zu 18 000 US-Dollar für eine der seltenen Amazonen bezahlt!
Glücklicherweise hat die Regierung von St. Lucia den bedrohlichen Rückgang der Blaumaskenamazone beizeiten erkannt - und gehandelt. Zum einen hat sie 1979 den farbigen Papagei zum Nationalvogel erkoren und damit den Willen kundgetan, diese Tierart unter allen Umständen zu erhalten. Zum anderen hat sie 1980 ein ausgedehntes, gut bewachtes Naturreservat im Innern der Insel geschaffen. Mit einer Fläche von 650 Hektaren ist es so bemessen, dass eine grössere und damit langfristig überlebensfähige Papageienpopulation darin Platz finden sollte.
Des weiteren wurden 1980 Fang und Bejagung der Blaumaskenamazone gesetzlich verboten, unter Androhung empfindlicher Strafen. Und 1982 wurde die CITES-Konvention unterzeichnet, welche den internationalen Handel mit der Inselamazone strikt untersagt, womit auch die Ausfuhr der Vögel unterbunden wurde.
Nicht zuletzt wurde sodann im Laufe der achtziger Jahre eine breitangelegte und fundierte Informationskampagne durchgeführt, um die Inselbevölkerung sowie die Inselgäste auf den besonderen Wert und die Schutzbedürftigkeit des Papageis aufmerksam zu machen. Mit grossem Erfolg: Die Blaumaskenamazone ist heute auf St. Lucia ein wohlbekannter und beliebter Vogel. Die Einheimischen wissen über das Schicksal von «Jacquot», wie sie ihren Papagei liebevoll nennen, gut Bescheid und sind besorgt über seine Zukunft. Die Erhaltung der Blaumaskenamazone ist zum Anliegen und Stolz der kleinen Inselnation geworden.
So kommt es, dass sich der Bestand der Blaumaskenamazone auf St. Lucia von nurmehr 100 Vögeln im Jahr 1977 auf heute 300 bis 350 Vögel zu erholen vermocht hat. Und die Chancen stehen günstig, dass sich die erfreuliche Bestandsentwicklung weiterhin fortsetzen wird.
Blaumaskenamazone
Amazona versicolor
Systematik
Klasse: Vögel
Ordnung: Papageien
Familie: Papageien
Körpermasse
Gesamtlänge: um 43 cm
Gewicht: ca. 500 g
Spannweite: um 70 cm
Fortpflanzung
Gelegegrösse: 1-2 Eier
Brutdauer: ca. 4 Wochen
Höchstalter: um 40 Jahre
Bestandssituation
Bestand: ca. 400
Rote Liste: «selten»
CITES: Anhang I
ZurHauptseite