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Trotz ihrer Neutralität hat die Schweiz einen Beitrag zur Russischen Revolution geleistet. Denn erst ein Engagement von hiesigen Sozialisten und internationaler Politik machte möglich, dass Lenin seine Zugfahrt von Zürich nach Petrograd antreten konnte. Am 9. April 2017, dem 100. Jahrestag dieser Reise, veranstaltet die UZH gemeinsam mit der Universität Basel und der Universität Bern Kurzvorträge, Lesungen und eine Podiumsdiskussion, die ein Schlaglicht auf die Geschichte und die Auswirkungen dieser historisch bedeutenden Zugfahrt werfen.
Höhepunkt des Tages: Um 15.30 Uhr fährt ein historischer Zug mit Dampflokomotive einen Abschnitt derselben Strecke entlang, die auch Lenin zurücklegte. Die Reise führt von Zürich bis nach Schaffhausen und wieder zurück. Die Passagiere erleben dabei eine Inszenierung des Theaterensembles Thorgevsky & Wiener, welche Lenin als zentrale Figur der Russischen Revolution beleuchtet. Dabei kommen auch Menschen zu Wort, die 1917 Opfer des politischen Umsturzes wurden.
Ablauf und unterschiedliche Lokalitäten der Veranstaltung finden sich im Programm.
Hundert Jahre zuvor
Im Ersten Weltkrieg lebte Lenin zuerst in Genf und Bern, zog schlussendlich aber im Februar 1916 nach Zürich. «Mit der Beamtenstadt Bern konnte Lenin nicht viel anfangen», erklärt Nada Boškovska, Professorin für Osteuropäische Geschichte und Mitorganisatorin des Jubiläumsanlasses. «Die Arbeiterstadt Zürich und deren radikalere Sozialisten entsprachen ihm eher.» In Zürich arbeitete er intensiv in den Bibliotheken, um revolutionäres Material zu lesen und an seinen eigenen Ideen und Schriften zu arbeiten. Seine radikalen Vorstellungen versuchte Lenin auch an Arbeiterversammlungen dem Schweizer Arbeitervolk zu vermitteln, aber eher erfolglos. Seine Botschaften fanden vor allem bei russischen Emigranten Gehör.
Zur Erholung flanierten Lenin und seine Frau Nadeschda Krupskaja am See entlang oder gingen auf dem Zürichberg spazieren – gerne auch mit Schweizer Schokolade im Gepäck.
Im Februar 1917 stürzte das russische Volk den Zaren Nikolaus II. «Es war ein Aufstand von unten, der am 23. Februar (8. März nach unserem Kalender) von Arbeiterinnen initiiert wurde – die intellektuellen ‚Berufsrevolutionäre’ waren nicht beteiligt», erklärt Boškovska. Für Lenin, der diese Chance nicht verpassen wollte, gab es nun kein Halten mehr. Verbissen suchte er nach Möglichkeiten, ins Russische Reich zurückzureisen. Doch der offizielle Weg über Deutschland war ihm als Russen – und somit Kriegsfeind – versperrt, und Russlands Verbündete würden ihm als Revolutionär die Passage verweigern.
Arrangement mit Deutschland
Mit Hilfe des Schweizer Sozialdemokraten Robert Grimm und Fritz Platten gelang es schliesslich, mit Deutschland ein Arrangement zu treffen. Die Revolutionäre würden in einem Zug reisen, der als exterritorial galt und nicht kontrolliert wurde. Niemand durfte unterwegs ein- oder aussteigen. «Mit diesen Verhandlungen hatte die ‚offizielle’ Schweiz nichts zu tun», hält Boškovska fest.
Die Deutschen hatten grosses Interesse daran, den Kriegsgegner Russland zu zersetzen. «In ihren Augen war nach dem Sturz des Zaren eine weitere Revolution durchaus erwünscht.» sagt Boškovska. Für Deutschland war Lenin der ideale Extremist, der Russland noch weiter destabilisieren könnte. So trat Lenin gemeinsam mit anderen russischen Revolutionären seine Reise vom Hauptbahnhof Zürich nach Petrograd an und arbeitete dort auf eine sozialistische Revolution hin, die im Oktober 1917 durchgeführt wurde.
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