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Er entstammt einer gegen Ende des Dreissigjährigen Krieges nach Stoffenried eingewanderten Familie. Das kleine Pfarrdorf im oberen Günztal gehört der Reichsabtei Elchingen, liegt aber in vorderösterreichischem Gebiet. Von hier erreicht man die Reichsabtei Roggenburg in knapp zwei Wegstunden. In Stoffenried wird am 13. März 1675 der spätere Abt Dominikus Schwaninger geboren.[1] Er besucht die Klosterschule in Elchingen. 1692 tritt er in die Prämonstratenserabtei Roggenburg ein und legt 1694 Profess ab. Dann studiert er in Dillingen und kehrt nach seiner Priesterweihe wieder nach Roggenburg zurück, wo er am Hausstudium Theologie und Philosophie lehrt, aber 1703 während des Spanischen Erbfolgekrieges auch die Besetzung des Klosters durch französisch-bayrische Truppen erleben muss. Nach 1705 lehrt er in St. Luzi zu Chur Kirchenrecht und ist Administrator und Pfarrer in Bendern.[2] Er kehrt erneut nach Roggenburg zurück und ist Cellerarius,[3] als er nach der Resignation des Abtes Hugo am 5. Dezember 1713 zum Nachfolger gewählt wird. Hauptgrund der Wahl sind seine Fähigkeiten als Ökonom. Roggenburg ist, auch wegen Kriegskontributionen und Lösungsgelder im Spanischen Erbfolgekrieg, stark verschuldet. Der neue Abt kann diese Verschuldung tatsächlich abbauen, gleichzeitig vergrössert er den Kirchenschatz und auch den Bücherbestand. Allein 1723 schafft er 900 Bände für die Bibliothek an. Mit der barocken Erneuerung der Klosteranlage hätte er wahrscheinlich noch zugewartet, wäre nicht 1732 die Aula während einer Handwerkerversammlung eingestürzt. Zwar muss er schon vorher mit dem Elchinger Klosterbaumeister Christian Wiedemann Entwürfe besprochen haben, vielleicht hat ihm dieser 1716 bereits das neue Amtshaus südöstlich des Klosters erstellt, vermutlich ist er auch der Baumeister der noch im Wiederaufbau befindlichen westlichen Wirtschafts- und Gastgebäude. Diese schon 1690 durch Abt Adalbert Rauscher erstellten Neubauten brennen Ende der 1720er-Jahre ab. Ihr barocker Wiederaufbau ist das erste Glied der neuen Klosteranlage nach dem Plan von Christian Wiedemann, die ab 1732 mit der Grundsteinlegung am Konvent-Westflügels weitergeführt wird. Der wirtschaftlich denkende Abt scheint das Gegenteil eines barocken Bauprälaten zu sein und hat auch mit einer starken internen Opposition zu kämpfen. Diese internen Machtkämpfe belasten das Bauvorhaben. Der Abt stellt es 1733 ein. Die Zerstrittenheit im Konvent hat er zwar schon von seinem Vorgänger übernommen. Er scheint zudem, wie schon die 1709 während seiner Administration in Bendern eingereichten Klagen der Bevölkerung von Rugell zeigen, kein Diplomat und kein Politiker zu sein. Der Streit eskaliert 1731 mit der Einmischung des mächtigen Generalvikars Hermann Vogler, des Abtes von Rot an der Rot, der offen Parteiname für die sechs internen Opponenten nimmt und die Resignation des Abtes verlangt, obwohl 19 Kanoniker der Abtei klar zu dessen Gunsten intervenieren. Auch der Bischof von Augsburg stellt sich vor den Roggenburger Abt. Vogler gibt aber nicht nach. Abt Dominikus geht auf seine Forderungen nach Resignation nicht ein und wendet sich an den Papst. Vogler hat mit dem schwächlich scheinenden, aber trotzdem kämpferischen Roggenburger Abt nicht so leichtes Spiel wie mit Abt Didakus Ströbele von Schussenried, den er wegen mangelnder Klosterdisziplin zur Resignation zwingen und ihn dann in die Verbannung schicken kann.[4] Der Machtkampf ist erst mit dem unerwarteten Tod von Abt Dominikus Schwaninger erledigt. Am 24. Februar 1735 stirbt er infolge eines Schlaganfalles kurz vor seinem 60. Geburtstag.
Porträt
In der Äbtegalerie ist ein ovales Brustbild des Prälaten erhalten. Er ist im weissen Ordensgewand dargestellt und trägt das Biret als Kopfbedeckung. In der rechten Hand hält er einen Bauplan mit Chronogramm, auf den er mit der linken Hand hinweist. Damit wird auf er als Bauherr des Konventneubaus dargestellt. Der gezeigte Grundriss muss aber ein sehr frühes Planungsstadium darstellen und hat mit dem 1732 begonnenen Bau nichts gemeinsam.
Das Wappenschild ist zweigeteilt. Unten ist sein persönliches Wappen zu finden. Es zeigt einen eingebogenen goldenen Sparren, geteilt von Blau und Rot, in den Oberecken und unten ist je ein silberner Schwan dargestellt. Oben befindet sich das gespaltene Klosterwappen. Es zeigt rechts in Silber einen linksgewendeten aufrechten schwarzen Biber und links ein Geviert von Silber und Schwarz.[5] Ein Herzschild zeigt drei Roggenähren über einem Dreiberg. Dieses sprechende Wappen im Herzschild ist eine späte Zutat ins Klosterwappen und wird im 19. Jahrhundert zum eigentlichen Klosterwappen, obwohl der Name Roggenburg mit der gleichnamigen Getreideart keinen Zusammenhang hat, sondern sich vom Personennamen «Roho» ableitet. Zu Seiten der Muttergottes bekrönen Mitra und Krummstab das Wappenschild. Das Schwert fehlt. Zwar hat Reichsabtei Sitz und Stimme am Reichstag. Die Hochgerichtsbarkeit wird aber von der österreichischen Nachbarschaft, der Markgrafschaft Burgau, bestritten. Abt Dominikus Schwaninger erreicht 1719 erst eine Schutzgeldbefreiung. Das Schwert im Wappen wird aber erst Abt Georg IV. Lienhard führen.
Pius Bieri 2012
Literatur:
Tuscher, Franz: Das Reichsstift Roggenburg im 18. Jahrhundert. Weissenhorn 1991.
Büchel, Johann Baptist: Die Geschichte der Pfarrei Bendern, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein. Vaduz 1923.
Anmerkungen:
[2] Hier ist in Bendern 1706, 1709 und 1710, auch als Schwenninger geschrieben, aktenkundig.
[3] Cellerarius: Kellerer, das heisst Wirtschaftsverwalter der Abtei.
[4] Hermann Vogler, 1711-1739 Abt in Rot an der Rot. Der Barockprälat kennt als Generalvikar keine Rücksichten und ist auch verantwortlich für die Verbannung des Abtes Didakus Ströbele von Schussenried nach Allerheiligen, wegen zu grosser Toleranz gegenüber den Untertanen und im Konvent.
[5] Das gespaltene Abteiwappen bezieht sich heraldisch rechts auf die Stifter, die Herren von Biberegg und links auf die Gattin eines der Stifter, einer Demuta von Zollern. Diese ist allerdings als Mitstifterin legendär.
Das Oval-Porträt eines unbekannten Malers zeigt Abt Dominikus Schwaninger in Halbkörper-Frontalansicht vor einem Purpurhintergrund. Der vielleicht 50-jährige, schmächtig wirkende Prälat trägt das weisse Habit der Prämonstratenser mit Mozetta, aber ein schwarzes Biret als Kopfbedeckung. In der rechten Hand hält er einen Bauplan mit Chronogramm, auf den er mit der linken Hand hinweist. Damit wird auf er als Bauherr des Konventneubaus dargestellt. Der gezeigte Grundriss (noch ohne neue Kirche) muss aber ein sehr frühes Planungsstadium darstellen und hat mit dem 1732 begonnenen Bau wenig gemeinsam. Zum Wappen siehe den Text in der Biographie.
Das Gemälde in der Porträtgalerie der Abtei Roggenburg ist das erste authentische Porträt der von Abt Dominikus ins Leben gerufenen Galerie aller Äbte.
|Abt OPraem Dominikus Schwaninger (1675–1735) in Roggenburg|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|13. März 1675||Stoffenried (Ellzee) Günzburg Bayern D||Vorderösterreich (Burgau)|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Prämonstratenser-Reichsabtei Roggenburg||1713–1735|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|24. Februar 1735||Roggenburg Neu-Ulm Bayern D||Reichsabtei Roggenburg|
|Kurzbiografie|

Dominikus Schwaninger ist kein vom «Bauwurmb» besessener Barockprälat. Der als guter Ökonom gepriesene Abt wird dennoch zum ersten barocken Bauabt Roggenburgs. Ein Brand der südlichen abschliessenden Ökonomiegebäude und ein Aula-Einsturz im Südwestflügel sind die Auslöser. Mit dem Baumeister Christian Wiedemann beginnt er 1732 den Klosterneubau, stellt aber schon 1734 den Weiterbau ein. Grund sind interne Spannungen, die sein Hauptgegner in Rot an der Rot, der selbstherrliche und diktatorisch regierende Generalvikar Hermann Vogler, mit der Parteinahme für die Opponenten noch anheizt. Abt Dominikus unterwirft sich nicht, erst sein Tod beendet den Machtkampf.
|PDF (nur Text)||Zum Wappen||Bildlegende|
|I. H. Störcklin in Augsburg druckt 1713 das Exlibris mit dem Wappenschild des Abtes Dominikus Schwaninger. Er ist identisch mit dem Wappen im Porträt. Im geteilten Schild ist unten sein persönliches Wappen zu finden. Es zeigt einen eingebogenen goldenen Sparren, geteilt von Blau und Rot, in den Oberecken und unten mit je einem silberner Schwan.

Oben befindet sich das gespaltene Klosterwappen. Es zeigt rechts in Silber einen linksgewendeten aufrechten schwarzen Biber und links ein Geviert von Silber und Schwarz.
Das Herzschild zeigt drei Roggenähren über einem Dreiberg. Dieses sprechende Wappen ist eine späte Zutat ins Klosterwappen und wird im 19. Jahrhundert zum eigentlichen Klosterwappen, obwohl der Name Roggenburg mit der gleichnamigen Getreideart keinen Zusammenhang hat, sondern sich vom Personennamen «Roho» ableitet. Bekrönt ist der Schild mit Mitra und Krummstab zu Seiten der Muttergottes. Das Schwert fehlt. Zwar hat die Reichsabtei Sitz und Stimme am Reichstag. Die Hochgerichtsbarkeit wird aber von der österreichischen Nachbarschaft, der Markgrafschaft Burgau, bestritten. Abt Dominikus Schwaninger erreicht 1719 zwar eine Schutzgeldbefreiung. Das Schwert im Wappen wird aber erst Abt Georg IV. Lienhard führen.