Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/2161

1967
Entgegnung
... und persönlichen Erinnerungen
Zum Brief "Le roi est mort! Vive le roi!" setzte Karl Meier / Rolf eine Entgegnung in dieselbe November-Ausgabe.1
Darin beklagte er den Ton, in welchem "sang- und klanglos" der Kreis zu Grabe getragen wurde und erinnerte, dass nur "etwa sechs bis sieben Prozent unseres Abonnentenbestandes" und von diesen nur eine gute Zweidrittelmehrheit das Eingehen der Zeitschrift befürwortete. Unter den Anwesenden habe es "eine Reihe von Kameraden" gehabt, die ihn seit "Jahren, wenn nicht Jahrzehnten kennen". Das "Fehlen jeglichen Versuches einer Verteidigung mir und meiner Lebensarbeit gegenüber" habe ihn "sehr schmerzlich berührt". Er fuhr fort:
"Ich möchte dabei allerdings zur Rehabilitation der überwiegenden Mehrheit der Anhängerschaft des Kreis, die ja nicht an der Versammlung teilgenommen hat, beifügen, dass mir eine grosse Anzahl von Briefen aus der Schweiz und allen Teilen der Welt zugekommen sind (und damit) den Beweis erbrachten, dass die Auflösung nur von einer Minderheit unserer Abonnenten gebilligt werden dürfte."
Offenbar war Karl Meier / Rolf in einen Zustand gefallen, der ihn Äusserungen machen liess, die ungerechtfertigt waren, wenn er jetzt den Versammlungs-Teilnehmern die Schuld des Untergangs zuschob. Schliesslich waren überdurchschnittlich viele erschienen, verglichen mit früheren Jahresversammlungen, und die grosse Mehrheit wollte ehrlich retten, was noch rettbar war.
Doch die "Herren am Vorstandstisch" hatten genau dieses Ende als einzige Möglichkeit vorgeschlagen und diese einzige Möglichkeit auch so dezidiert erörtert und begründet, dass Gegenargumente sinnlos erschienen. Nie zuvor war "Rolf" ungerecht. Er befand sich wohl - und verständlicherweise - in einer depressiven Stimmung, die sein normales Wesen, zumindest vorläufig, verändert und beeinträchtigt hatte. Wir (Röbi Rapp und Ernst Ostertag, aber auch einige andere Freunde/Kameraden) verstanden seine Worte als relativ und nicht wirklich gültig.
Auch die weiteren Ausführungen in der Entgegnung Karl Meier / Rolfs wirkten, bezogen auf die Lage, widersprüchlich. Denn sie wiesen einerseits auf die Unmöglichkeit einer Weiterführung von Zeitschrift und Club "in ihrer heutigen Form" hin, dies sowohl aus finanziellen wie personellen Gründen, was Eugen Laubacher / Charles Welti deutlich gemacht habe. Andererseits, was von ihm ebenso deutlich betont worden sei, habe nach Auflösung und Liquidierung die Bereitschaft der bisherigen Leitung durchaus bestanden, "auf einfacherer Basis eine neue Organisation zu schaffen".
Offenbar war das Eingehen der Versammlung auf diese "Bereitschaft" der Leitung, "eine neue Organisation zu schaffen" die grosse Hoffnung von Karl Meier gewesen. Eine Illusion.
Für unsere kleine Runde war es unmittelbar nach der Versammlung klar: Sollte es zur Realisierung eines Projekts auf "einfacherer Basis" kommen, dann ist es an uns, das anzupacken - und zwar unabhängig von den veralteten Vorstellungen der Vorstandsherren, womöglich aber mit deren Zustimmung und Unterstützung. Nur ein reibungsloser Übergang bot die Chance zum Gelingen.
Die negativen Erfahrungen, welche Coni Zuppiger und Carl Zibung 1963 und 1965 gemacht hatten, bestätigten unsere Haltung wenig später, als sie uns davon berichteten.
Etwas konzilianter tönten die abschliessenden Worte Karl Meiers in seiner Entgegnung:
"In Anbetracht der unfreundlichen Atmosphäre, welche sich an der Versammlung gegen die Leitung ausbreitete, gaben meine engsten Mitarbeiter und ich schliesslich nach. Es ist dabei selbstverständlich, dass die führenden Leute, welche die neue Organisation schaffen wollen, sowohl den Donatoren [für den Baufonds] wie den Behörden gegenüber die Haftung für den Conti-Club übernehmen, wie dies bisher durch die KREIS-Leitung geschehen ist. [...]
Wir haben uns bereit erklärt, der neuen Gruppe über unsere Zeitschrift die Möglichkeit zu geben, an unsere Abonnenten zu gelangen. Die Aushändigung irgendwelchen Adressenmaterials [...] bleibt selbstverständlich [...] ausgeschlossen, was ich zur Beruhigung aller bisherigen Abonnenten ausdrücklich festhalten möchte. [...]"
Ernst Ostertag, März 2006