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Seit langem schneite es in dieser Berichtsperiode mal wieder am Alpensüdhang. Somit stieg die Lawinengefahr in diesen Gebieten markant an. Auch in den übrigen Gebieten waren die Neu- und Triebschneeschichten teilweise störanfällig.
Lange lag er zurück, der letzte Grossschneefall im Süden. Es war eine Gegenstromlage Anfangs Dezember. Seither fiel zwar immer wieder auch im Süden etwas Schnee, aber die Neuschneesummen der letzten 60 Tage (ohne den aktuellen Schneefall) waren deutlich tiefer als in den übrigen Regionen (Abbildung 1).
Vor dem aktuellen Schneefall war die Schneedecke von viel Wind und milden Temperaturen geprägt. Im Süden war die Schneeoberfläche verbreitet hart, rau und unregelmässig. Nur an windgeschützten Schattenhängen war sie stellenweise locker und kantig aufgebaut. Insgesamt war die Altschneedecke aber recht kompakt.
Am Donnerstag, 8. Februar fielen zunächst am nördlichen Alpenkamm 10 bis 20 cm Neuschnee. Gegen Abend setzte im Süden Niederschlag und im Norden starker Föhn, in der Höhe teils stürmischer Südwind ein. Die Südstaulage hielt bis am Samstagabend, 10. Februar an. In der Nacht auf Sonntag, 11. Februar flaute der Südwind ab und aus Westen zog eine Kaltfront über die Schweiz, die auch im Norden bis am Montag, 12. Februar nochmals etwas Neuschnee brachte. Mit dem Durchzug der Kaltfront blies zeitweise mässiger bis starker Westwind, am Alpenhauptkamm und im Süden mässiger bis starker Nordwestwind.
Die Neuschneemengen von Donnerstagabend bis Sonntagabend sind in Abbildung 2 dargestellt. Am meisten Neuschnee fiel im westlichen Tessin mit 60 bis 80 cm, stellenweise wurde auch ein Meter Neuschnee registriert. Vom Simplonpass entlang der Grenze zu Italien bis ins Obergoms, am übrigen zentralen Alpensüdhang sowie vom Bergell bis zum Berninapass fielen rund 40 bis 60 cm. Richtung Norden nahmen die Neuschneemengen innerhalb kurzer Distanz eindrücklich ab. So wurden an der IMIS Station Cassinello (2101 m) im Bedretto (TI) innerhalb von 3 Tagen rund 60 cm Neuschnee registriert, während nur etwa 10 km weiter nördlich die Station Giltnasen (2169 m) in der Nähe von Realp (UR) bescheidene 23 cm Neuschnee berechnete.
Im Lawinenbulletin vom Freitagabend, 9. Februar wurde in einigen Warnregionen im Süden vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Da die Neuschneemengen am Samstagmorgen aber deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren, wurde die prognostizierte Gefahr auf erheblich (Stufe 3, Zwischenstufe +) heruntergestuft. Ob die Gefahrenstufe 4, grosse Lawinengefahr, zu einem späteren Zeitpunkt des Schneefalls gebietsweise doch noch erreicht wurde, kann nicht abschliessend geklärt werden, da der Lawinenwarndienst nur sehr wenig Rückmeldungen aus den betroffenen Gebieten bekam. Stellenweise konnten Lawinen in bekannten Lawinenzügen aber bis in mittlere Lagen vorstossen (Abbildung 3).
Zudem wurde am Lukmanierpass am Sonntag, 11. Februar eine Lawine mit einer Anrissbreite von etwa 500 m in der Nordflanke des Pizzo di Torói beobachtet (Foto 1 in der Bildgalerie oben). Dies deutet darauf hin, dass stellenweise an eher windgeschützten Schattenhänge tatsächlich flächige, kantig aufgebaute Schwachschichten vorhanden waren. Weitere Abgänge dieses Ausmasses waren bis zum Redaktionsschluss nicht bekannt.
In den übrigen Gebieten hatte es deutlich weniger geschneit. Aber der Föhnsturm verfrachtete den wenigen Neuschnee von Donnerstag, 8. Februar und teils älteren Schnee, der noch locker war. So bildeten sich eher kleine, aber teils störanfällige Triebschneeansammlungen. Diese konnten stellenweise durch Personen ausgelöst werden. Teilweise konnten die Brüche recht weit ausbreiten, die Anrissmächtigkeiten blieben aber eher gering (Abbildung 4 ).
Am Sonntag, 11. Februar wurden in Graubünden ebenfalls einige meist kleine Lawinen von Personen ausgelöst. Die Schwachschicht lag hier in eher oberflächennahen Schichten, eventuell am Übergang von älteren Schmelzharschkrusten zu den Neu- und Triebschneeschichten der vergangenen Woche.
Um das Lawinenbulletin zu verifizieren und somit auch eine bessere Prognose für den Folgetag zu erstellen, benötigen wir Lawinenwarner Rückmeldungen aus dem Gelände. Leider bekommen wir aus dem Tessin, speziell aus dem mittleren und südlichen Tessin nur wenig Rückmeldungen.
Bist du in diesen Gebieten mal im Schnee unterwegs? Dann schicke uns Verhältnisbilder, Informationen über Lawinenabgänge oder deine Einschätzung der Lawinengefahr über die App WhiteRisk. Dies gilt selbstverständlich auch für alle anderen Regionen der Schweiz.
An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an die SLF Beobachter und alle sporadischen Rückmelder, die mit ihren Beobachtungen einen grossen Beitrag an die Qualität des Lawinenbulletins leisten.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.