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Domitianus,
Titus Flavius, röm. Kaiser 81-96 n. Chr., Sohn des Vespasianus, Bruder und Nachfolger des Titus, geb. 51, ward, nachdem sein Vater zum Kaiser erhoben und dessen Gegner Vitellius besiegt und getötet worden war, erst zum Prätor, dann zum Cäsar ernannt und erhielt von seinem Bruder Titus sogar die Mitregentschaft übertragen; er benutzte indes diese hohe Stellung nur, um seinen Ausschweifungen zu frönen. Nach dem frühen Tod seines Bruders (den er herbeigeführt oder doch beschleunigt haben soll) im Lager [* 2] der Prätorianer zum Kaiser ausgerufen, bezeichnete er seine Regierung anfangs (etwa bis zum Jahr 84) durch mehrere wohlthätige Maßregeln, unter denen mit besonderm Lob hervorgehoben wird, daß er dem verderblichen Unwesen der Delatoren (Denunzianten) steuerte; wenn es auch schon jetzt nicht an einzelnen Beispielen von Willkür und Grausamkeit fehlte, so waren doch in dieser Zeit, wie es Sueton ausdrückt, Tugenden und Laster noch bei ihm gemischt.
Indessen trat seine mißtrauische, neidische, bösartige Natur, die an der Grausamkeit um ihrer selbst willen Gefallen fand und sich an dem Anblick der Opfer derselben weidete, bald immer deutlicher hervor, und hierzu kam als weiteres Motiv zu Hinrichtungen noch die infolge seiner Verschwendung eintretende Geldverlegenheit. Am höchsten stieg aber seine Grausamkeit seit 93, als eine bald unterdrückte Empörung des L. Antonius Saturninus ihm Gelegenheit gab, alle, die ihm mißfällig waren, unter dem Vorwand der Teilnahme an der Verschwörung zum Tod zu verurteilen.
Nun erfolgten die Hinrichtungen, wie Tacitus sagt, nicht mehr einzeln und in Zwischenräumen, sondern ohne Unterbrechung Schlag auf Schlag. Vorzugsweise ersah er sich die angesehensten und bedeutendsten Männer zu Opfern seiner Grausamkeit; aber auch die Juden und Christen wurden verfolgt, und 93 wurden mit einemmal alle Philosophen aus Rom [* 3] vertrieben. Wie aber im Innern, so war auch nach außen seine Regierung schmachvoll. Im J. 83 oder 84 unternahm er einen Feldzug gegen die Katten, den er beendete, ohne einen Feind gesehen zu haben, gleichwohl aber mit einem glänzenden Triumph feierte. Ebenso unrühmlich waren seine Feldzüge gegen die Markomannen, Quaden und Sarmaten an der mittlern und untern Donau; seine Feldherren (er selbst begleitete die Züge zwar, aber immer nur bis zur Schwelle des Kriegs) erlitten empfindliche Niederlagen, und dem König der Dacier, Decebalus, wurde der Friede sogar durch eine ¶
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regelmäßige jährliche Geldzahlung, das erste Beispiel eines Tributs in der römischen Geschichte, abgekauft. Dennoch wurden
auch diese Niederlagen wie Siege durch Triumph und Ovation gefeiert. Nur in Britannien wurde der Krieg durch einen ausgezeichneten
Feldherrn, Gnäus Julius Agricola, ruhmvoll geführt (77-83); doch rief diesen
Domitianus ebendeshalb aus Neid und Mißtrauen
zurück, ehe er den Krieg mit der völligen Unterwerfung der Insel beendigen konnte. Trotz des Druckes und der Schmach dieser
Regierung wurde dieselbe 15 Jahre lang ertragen, bis ihr endlich eine Verschwörung im Palast selbst, um die sogar die Kaiserin
Domitia Longina, die Tochter des Domitius Corbulo, wußte, ein Ziel setzte. Infolge derselben wurde er 18. Sept. 96 durch
den Freigelassenen Stephanus u. andre hinzukommende Verschworne ermordet.
Vgl. Imhof, T. Flavius
Domitianus (Halle
[* 5] 1857).