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Station 2: Kronenstrasse
Hier stehen wir an einem für die Geschichte der Feuerwehr Adliswil zentralen Ort – auch wenn man heute davon nichts mehr sieht.
Beim Vorplatz vom Wacht Stübli, wo ursprünglich die Brücke über die Sihl führte und man zum „Adler“ hinüber, dem alten Wirtshaus von Adliswil gelangte, bauten die Adliswiler um 1769 ihr erstes Spritzenhäuschen, also eine Garage für die Feuerspritze der Gemeinde. Adler ist noch heute der Funkrufname der Feuerwehr Adliswil.
Heiri Günthardt ist auf das Jahr 1769 im Rahmen seiner Familienforschungen gestossen, und jetzt bei den Recherchen zur Geschichte der Feuerwehr Adliswil ist ein alter Plan aufgetaucht, auf dem das Spritzenhäuschen eingezeichnet ist.
1769 ist deshalb, wenn Sie so wollen, das Gründungsjahr der heutigen Feuerwehr Adliswil.
Wie so ein Spritzenhäuschen aussah, können Sie übrigens heute noch in Gattikon sehen, beim Zentrum „Obstgarten“ direkt an der Hauptstrasse steht noch ein solches Gebäude.
Doch was wurde im Spritzenhäuschen an Ausrüstung aufbewahrt?
An erster Stelle selbstverständlich die Feuerspritze. Eine solche hat Adliswil schon einige Jahre früher angeschafft. Die Zürcher Obrigkeit verpflichtete im Januar 1738 „habliche und reiche“ Gemeinden im Kanton zur Anschaffung einer Feuerspritze. Adliswil ist dieser Aufforderung im März 1738 nachgekommen, obwohl es eigentlich nur ein armes Bauerndorf war, hat man die erste Feuerspritze angeschafft. Finanziert wurde die Spritze durch eine Sondersteuer im Dorf. Jeder Einwohner hatte nach seinem Einkommen und Vermögen einen Beitrag zu leisten. Insgesamt kostete die Feuerspritze 236 Pfund. Das lässt sich nicht so einfach in einen heutigen Geldwert umrechnen, ist aber eine stolze Summe.
Bei der Spritze handelte es sich vermutlich um eine Druckspritze, die beim Löschen ständig mit Wasser nachgefüllt werden musste. Das war immer noch recht mühsam, aber natürlich effizienter als das Löschen mit Wasser aus Feuereimern, die durch eine Menschenkette weitergereicht wurden.
Die Spritze wurde durch die Obrigkeit periodisch auf ihre Betriebstüchtigkeit kontrolliert.
Weiter fand man im Spritzenhäuschen Feuereimer, wie es sie auch in jedem Haushalt gab.
Leitern und sogenannte Feuerhaken, um Brandnester aufzureissen und auch Windlichter, um auch in der Dunkelheit sicher zu einer Brandstätte eilen zu können. Doch woher kommt das Löschwasser? Brunnen, wie hier an der Kronenstrasse, wo sie jetzt stehen oder auch an der Dorfstrasse, der heutigen Albisstrasse, gab es einen grossen Dorfbrunnen. Direkt vor der Alt-Liegenschaft Albisstrasse 14a, wo die Florastrasse in die Albisstrasse einmündet. Die Sihl war selbstverständlich eine naheliegende Wasserquelle, ebenso die Dorfbäche, die man zum Teil künstlich stauen konnte mit Schwellläden. Vermutlich gab es in Adliswil keine künstlichen Feuerweiher. Auf dem alten Zehntenplan von 1787, der recht genau ist, sieht man jedenfalls keinen. Wer sich ein Beispiel für einen Feuerweiher anschauen möchte, der besucht das Restaurant „Hüsli“ in Leimbach, grad daneben fliesst der Dorfbach zu einem Weiher gestaut wurde.
Dorfbrand vom 25. Mai 1675 im Bereich heutige Bäckerei „Winter“
Am 25. Mai 1675 zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags kam es im Bereich heutige Bäckerei „Winter“ zu einem grossen Brand. 3 Häuser wurden von dem Feuer komplett zerstört, die 4 benachbarte Häuser konnten knappgehalten werden. 16 Haushaltungen mit 59 zumeist arme Personen wurden durch diesen Brand auf einen Schlag obdachlos.
Zum Brandausbruch ist es in der Küche von Jakob Welti gekommen. Aus Unachtsamkeit, typisch für die damalige Zeit, denn offenes Feuer wurde zum Heizen & Kochen gebraucht. Gleichzeitig hat es auch als Lichtquelle gedient und wurde so zur Gefahrenquelle. Die leichte Bauweise mit viel Holz als Baumaterial erledigte dann den Rest.
Der Brand galt damals schon als Grossbrand, deshalb wurde Meldung an den zuständigen Pfarrer in Kilchberg und an den Obervogt in Horgen gemacht. Beide leiteten weitere Massnahmen ein. Der Pfarrer von Kilchberg notierte den Brand zudem im Taufbuch und meldet ihn an die Obrigkeit in der Stadt Zürich.
Zur damaligen Zeit gab es noch keine Gebäude-, oder Hausratversicherungen, aber wie üblich in solchen Fällen, wurde eine Spendenaktion organisiert, ein sogenannter „Brandbettel“, d.h. die Obrigkeit erlaubt Geldsammlung in allen Gemeinden im Kanton am Sonntag nach dem Gottesdienst in der Kirche.
Ein paar Jahre später, 1695, brach ein weiterer Brand diesmal im Tiefacker aus. Dabei wurde das Haus von Matthias Keller stark beschädigt. Hier wurde eine Geldsammlung innerhalb der Pfarrei Kilchberg organisiert und brachte den stolzen Betrag von 68 Pfund zusammen. Die grosse Solidarität, war damals normal. Jeder wusste, dass es auch ihn treffen könnte.
Von den 68 Pfund wurden 18 Pfund für zukünftige Brandfälle in der Gemeindekasse reserviert. Ein Vorläufer der späteren Brandversicherung.
Brandschutz damals:
Die Brandgefahr bei offenem Feuer für die Heizung zum Kochen und als Lichtquelle gepaart mit Holz als Baumaterial, war also immer präsent. Deshalb wurde auch jährliche eine „Ofen- und Feuerschau“ in jeder Wacht durchgeführt.
Ein Mandat der Zürcher Obrigkeit aus jener Zeit zählt detailliert auf, was alles wegen Brandgefahr verboten war:
- Verbot, in der Nähe von Scheunen, Speichern und Ställen nach Vögeln zu schiessen
- Verbot der missbräuchlichen Verwendung von Feuerwerk und Schiesspulver
- Mahnung zur Vorsicht im Umgang mit glühender Asche und Kohle, besonders in Bäckereien
- Verbot, Holz in Öfen zu trocknen
- Verbot, mit offenem Licht in Ställe von Wirts- und Privathäusern zu gehen
- Verbot des Tabakrauchens an feuergefährlichen Orten
- Verbot des Dörrens von Hanf in Öfen und des Backens in der Nacht
- Mahnung zum vorsichtigen Umgang mit Öl und Branntwein
In Adliswil stellten zudem 2 Nachtwächter, bezeugt bis in die 1920er Jahre den Brandschutz sicher. Die beiden letzten Nachtwächter waren vermutlich Jakob Blickensdorfer und Johann Roth.
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