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206 Jahre Laurent Perrier
Foodfreaks durfte in die Champagne! Im Rahmen einer Pressereise haben wir viel über die Champagne und die Champagner-Herstellung gelernt und hat dort einige Domaines besucht. Wir waren bei Laurent-Perrier, Vranken-Pommery, Philipponnat und Eric Rodez. Erläuterungen und Hintergründe findet ihr in unserem allgemeinen Artikel – sagt Bescheid, wenn etwas fehlt!
Wir wissen nicht, ob die Geschichten, die sich um das Haus Laurent Perrier ranken, stimmen oder nicht. Aber schöne Geschichten sind es wert erzählt zu werden, also: es gab im Jahre 1812 einen Fassmacher namens André-Michel Pierlot. Der war durch seinen Beruf nicht ausgefüllt und entschied sich, sein Glück im Immobilienhandel zu versuchen. Er kaufte und verkaufte Häuser und Land und er muss das ganz geschickt gemacht haben, denn er konnte irgendwann immer mehr kaufen und eines Tages kaufte er Land mit Reben darauf. Das gefiel ihm, und so wurde er mit der Zeit vom Fassmacher zu einem Weinmacher. In der Gemeinde Tours-Sur-Marne, einer der 17 Grand Crus Gemeinden in der Champagne, begann er mit dem Aufbau eines Weingutes.
Nach seinem Tod übernahm sein Sohn das Weingut und da dieser offiziell keine Kinder hatte, entschied er sich noch zu Lebzeiten, einen Teil seines Vermögens seinem Kellermeister Eugène Laurent zu vermachen. Gerüchte kursierten, dass dieser sein illegitimer Sohn gewesen sei… Eugène Laurent heiratete 1871 Mathilde Perrier. Im Jahr 1887 kam es im Weinkeller zu einem Unfall und Laurent starb.
Wie in vielen anderen Winzerbetrieben in der Champagne entschied sich seine Frau den Betrieb unter dem gemeinsamen Namen Laurent Perrier weiterzuführen. Das war damals in Frankreich erlaubt – Frauen brauchten dazu auch keinen männlichen Vormund oder ähnliches, wie dies in vielen anderen Ländern der Fall war. Die einzige Vorgabe war, dass in diesem Fall durch den Namensvorsatz „Veuve“ („Witwe“) vor dem Firmennamen klar gemacht wurde, dass hier ein Frau die Geschäfte ihres verstorbenen Mannes weiterführt. Wie viele andere Frauen in der Champagne machte sie dies einerseits erfolgreich, und andererseits auch sehr innovativ.
So war es beispielsweise Mathilde, die als erste in der Champagne Stahltanks für die Lagerung der Weine einführte. Auf diese Idee kam sie durch einen Kellermeister aus Belgien, der ihr über die dortige Bierherstellung berichtete. Als auch die Veuve Laurent Perrier 1925 starb, wurde das Haus nicht mehr sehr erfolgreich weitergeführt und fiel zunächst einmal in Konkurs.
Auftritt Marie-Louise De Nonancourt.
Auch Marie-Louise war eine Witwe, aber sie war eine Witwe mit 4 Söhnen. Sie stammte aus der Lanson Familie und war mit Weinbau aufgewachsen. Um ihren Söhnen ein Einkommen zu ermöglichen, entschied sie sich, sich auf ihre Wurzeln und Familientraditionen zurückzubesinnen und kaufte das Weingut Laurent Perrier, mit gerade noch 12’000 Flaschen Champagner im Keller. Marie-Louise begann, den Weinbetrieb wieder aufzubauen und schickte ihren Sohn Bernard De Nonancourt zunächst zurück in ihr Elternhaus. Dort lernte dieser den Weinbau und Champagnerbetrieb in einem erfolgreichen Haus von ganz unten kennen. Als er nach insgesamt 4 Jahren das Haus Lanson als ausgelernter Winzer wieder verliess, nahm er kurzerhand deren Kellermeister mit. Über die Jahre gelang es ihm, aus dem Haus Laurent Perrier wieder ein sehr erfolgreiches Champagnerhaus zu machen.
Das Haus Laurent Perrier heute
Noch immer ist Laurent Perrier zu 60% im Familienbesitz der Familie De Nonancourt; seit 1999 ist das Unternehmen auf dem Aktienmarkt vertreten. Und geführt wird es – sehr traditionell – von zwei Frauen, nämlich den beiden Töchtern von Bernard De Nonancourt.
Heute ist Laurent Perrier das 4. grösste Champagner Haus, das zusammen mit seinen Tochtergesellschaften 13 Millionen Flaschen im Jahr produziert. Im Weinbau wird Wert gelegt auf nachhaltige Landwirtschaft.
Seit dem Jahr 2004 ist Michel Fauconnet Kellermeister bei Laurent Perrier. Seine Arbeit bei der Familie De Nonancourt begann Michel Fauconnet aber bereits etwas früher, nämlich im Jahr 1974, als er in den Kellern mit einer Lehre begann.
Neben dem Weinbau war Bernard De Nonancourt auch an Archäologie interessiert. Als Mitte des 20. Jahrhunderts eine Flasche vom Hofe von Louis dem Vierzehnten gefunden wurde, liess Bernard De Nonancourt diese exakt nachbauen und setzte sie als die Flaschenform für die Grand Siècle-Flaschen des Hauses Laurent Perrier ein. Die heutige Flaschenform der Flaschen des Grand Siècle entspricht nun genau der, die in Versailles am Hofe von Louis dem Vierzehnten Verwendung fand. Für die Flaschen für den Cuvée Rosé liess er sich vom Hofe und vom Wappen von Heinrich dem IV. inspirieren.
Schimmel auf den Flaschen ist übrigens ein völlig normaler und natürlicher Prozess, und schadet dem Champagner überhaupt nicht. Durch den Schimmel wird die Luft in den Kellern gefiltert. Die alten Flaschen werden erst dann gesäubert und degorgiert, wenn eine Bestellung für sie kommt.
Das Haus Laurent Perrier hat insgesamt 700 Tanks, in denen jede Traubensorte von jedem Dorf einzeln gelagert wird. Die Pressungen erfolgen in mehreren Schritten, wobei die ersten 10% und die letzten 10% von jeder Pressung jeweils entsorgt und nicht für die Champagnerherstellung verwendet werden. In den Tanks lagern die Weine dann für 3-4 Monate, bevor sie zu einer der 7 Cuvées von Laurent Perrier gemischt werden. Danach lagert jede Flasche für mindestens 4 Jahre auf der Hefe, irgendwo in den insgesamt 13 km Kalkstein-Kellern. Übrigens sind die Champagner dort nur mit Nummern angeschrieben. Nur der Kellermeister weiss, in welcher Kellermulde welcher Champagner liegt. So kommt niemand in Versuchung, sich bei einem Durchgang eine Flasche mitzunehmen.
Wir haben die folgenden Champagner probiert:
La Cuvée.
Eine Assemblage aus mehr als 50% Chardonnay und gut 30% Pinot Noir. Der Rest wird mit Pinot Meunier aufgefüllt. Sämtliche Trauben stammen ausschliesslich aus Crus-Lagen.
Mit 20-30% Reserve-Weinen wird sichergestellt, dass die Cuvée jedes Jahr konsistente Geschmäcker hält und eine ausgewogene Balance zwischen Säure und Frische hat. Für die Assemblage finden über 100 verschiedene Weine Berücksichtigung, die aus den insgesamt 700 Tanks zusammengestellt werden. Der zarte Goldton des Champagners mit feinsten Bläschen trägt neben Zitrusnoten auch Aromen weisser Früchte und weisser Blüten.
Cuvée Rosé.
Obwohl die Champagne die einzige Weinregion Frankreichs ist, in der für die Herstellung eines Rosés weisse und rote Traubensorten gemischt werden dürfen, stellt Laurent Perrier seinen Rosé ausschliesslich aus roten Pinot Noir Trauben her. Für die Cuvée Rosé werden diese in kleinen Behältern von lediglich 1m3 gepresst, so dass sie dort unter sehr gleichmässigem Druck langsam ihren Saft abgeben. Je nach Ernte findet danach für 48-72 Stunden eine Maischegärung statt, so dass die Farbe und die reichen Aromen des Pinot Noir in den Wein ziehen können. Anschliessend kommt der Wein für mindestens 5 Jahre in den Keller auf die Hefe. Neben samtigen Hefetönen entwickeln sich dabei schöne Noten von roten Früchten und frisch gepflückten roten Beeren.
Grand Siècle.
Die erste Cuvée mit dem Namen Grand Siècle wurde 1959 gemacht; sie wird auschliesslich aus jeweils 3 herausragenden Jahren gemischt, was zur Folge hat, dass seit 1959 erst 20 Grand Siècle Cuvées auf den Markt gekommen sind. Hintergrund war, dass Bernard De Nonancourt der Meinung war, dass die Natur niemals ein perfektes önologisches Jahr produzieren könnte, aber durch die Kunst der Assemblage könnte ein Kellermeister dies nachmachen. Es wird also eine Mischung hergestellt mit Weinen aus einem perfekten Jahr für Chardonnays, einem perfekten Jahr für Pinot Noirs und einem perfekten Jahr für Pinot Meuniers. Der Grand Siècle besteht ausschliesslich aus Grand Crus Lagen und lagert mindestens 8 Jahre auf der Hefe, was zu einem sehr samtigen Abgang von Brioche und Croissant-Aromen führt. Neben zarten Honig- und Gewürznoten hat der Champagner eine schöne Mineralität und trägt Erinnerungen an kandierte Früchte.
Informationen
Telefon:
Besucht am 17.10.2018
FoodFreaks wurde vom Comité Interprofessionnel du Vin de Champagne (CIVC) zu der Pressereise in die Champagne eingeladen. Bei Laurent Perrier wurde FoodFreaks zu einer Champagnerverkostung eingeladen.
FoodFreaks nimmt diese Einladungen gerne entgegen, da ansonsten diese Berichte wesentlich seltener möglich wären. Dennoch schreiben wir unsere Meinung und lassen uns von der Einladung nicht beeinflussen!