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Haenel Competition Rifle 308
Hallo Longrangefreunde und Interessierte, in diesem Bericht stelle ich euch das Haenel CR308 vor.
Inhalt
- Einleitung
- Geschichte
- Technik
- Vergleich und Unterschiede zwischen CR308 / CR223
- Unterschiede Haenel CR308 zu H&K MR308
- Pflege und „Tuning“
- Einsatz
- Schiessen 1 – 830m..
- Schiessen mit Schalldämpfer und SubSonic-Munition auf 25m..
- Fazit
Einleitung
«CR» steht für Competition Rifle und das 308 sinnigerweise für das Kaliber .308 Win / 7.62x51mm. Das mit einer Optik ausgerüstet CR308 eignet sich meiner Meinung nach sehr gut als DMR oder RECCE-Waffe. DMR steht für „Designated Marksman Rifle“. Dabei handelt es sich um Waffen, die meist ein grösseres, stärkeres Kaliber aufweisen und mit einem Zielfernrohr oder einer vergleichbaren Optik (LPVO – Low Power Variable Optic) ausgerüstet sind. Soldaten die mit einem DMR ausgerüstet sind, erhöhen so die Einsatzdistanz eines Trupps, der üblicherweise mit Sturmgewehren im Kaliber 5.56 ausgerüstet ist.
„RECCE“ steht umgangssprachlich für «Reconnaissance» und bezeichnet ein leichtes Sturmgewehr, welches mit einer Optik mit geringer Vergrösserung ausgerüstet ist und bei den Aufklärern / Spähern zur Anwendung kommt. Es wird zur Beobachtung, für präzise Schüsse auf mittlere Distanz und auch für schnelles Unterstützungsfeuer eingesetzt.
Die schweren Sturmgewehre im Kaliber .308 zählen meiner Meinung nach zu den DMR, während die leichten Sturmgewehre im Kaliber 5.56 zu den RECCE Waffen zählen.
Die Anschaffung eines grosskalibrigen DMR stand schon lange auf meiner Wunschliste. So habe ich mir im Jahr 2015 ein Sturmgewehr 57 umgebaut. Die Waffe, für welche ich einen Umbausatz von Hubertec verwendet habe, hat gut funktioniert. Die F-Scheibe konnte auf über 800m wiederholt getroffen werden. Letztendlich war mir die Waffe aber zu schwer und sie stand dementsprechend mehr im Rechen als dass sie mit auf den Schiessplatz kam.
Ich habe mich dann einige Jahre lang mit dem Sturmgewehr 90 mit Zielfernrohr begnügt. Die Idee des DMR liess mich aber nie ganz los und so hielt ich die Augen stehts offen. Aufgrund des sehr hohen Anschaffungspreises von gut und gerne 3’500.— (die Kosten für Optik und Zubehör sind dabei noch gar nicht eingerechnet) mag die Anschaffung auch wohl überlegt sein. Ich liess mir Zeit und stellte mir eine Wunschliste zusammen. Diese umfasste folgende Gewehre:
|SIG 751 SAPR 16.5” inkl. Rail
|(standardmässig ohne 4’050.- + 465.-CHF)
|4’515.-CHF
|Heckler & Koch MR308 16.5”
|(Rail-Vorderschaft Standard)
|3’999.-CHF
|Haenel CR308 16.5”
|3’650.-CHF
|Brügger & Thomet APC308 18.9″
|(Rail-Vorderschaft Standard)
|3‘350.-CHF
|etwas Exotischeres wie FN Scar 16“
|(Rail-Vorderschaft Standard)
|5‘400.-CHF
|oder CZ Bren 2 BR 16“
|(Rail-Vorderschaft Standard)
|4‘850.-CHF
Die genannten Gewehre weisen allesamt einen sehr hohen Qualitätsstandard, eine gute Verarbeitung, gute Leistung sowie Funktionalität auf. Neben der Qualität begann ich darum, auch weitere Aspekte wie Modifizierbarkeit (Zubehör) und Aussehen zu berücksichtigen. Erstes Kriterium blieb jedoch der Preis. So schieden FN und CZ ziemlich früh aus.
Die Waffen sind zwar wirklich cool, waren aber einfach zu teuer. Unter Berücksichtigung der weiteren Kriterien konnte ich den Kreis der potenziellen Gewehre auf die Haenel sowie die B&T verkleinern. Wie mit dem Titel dieses Berichts bereits vorweggenommen, habe ich mich letztendlich dann für die Haenel CR308 entschieden.
Geschichte
Das CR308 wurde 2018 auf der Internationalen Waffenausstellung IWA in Nürnberg der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Sie ist quasi eine Weiterentwicklung der kleineren CR223 im Kaliber .223 Remington. Die beiden Waffen sind mit einigen Unterschieden bei der beidseitigen Bedienbarkeit und Kaliber praktisch identisch.
Die Firma C.G. Haenel GmbH gehört zur Merkel Gruppe, welche ihrerseits im Besitz des arabischen Waffenherstellers Caracal International mit Sitz in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) ist. Vor der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 stellte die Firma unter dem Namen VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk <Ernst Thälmann> bereits Waffen her. So wurden unter anderem in Lizenz Kalaschnikow-Sturmgewehre für die NVA (Nationale Volksarmee) in der DDR gefertigt.
In den letzten Jahren konnte sich Haenel erfolgreich im Behördenmarkt etablieren und ihr halbautomatisches Sturmgewehr CR223 unter der Bezeichnung Mk556 (Maschinen-Karabiner) sowie auch bereits das CR308 an mehrere Polizeibehörden im In- und Ausland liefern. Der Mk556 ging auch bereits in kleineren Stückzahlen an die Bundeswehr. Der Mk556 hat in einer ersten Runde gegen H&K das Auswahlverfahren gewonnen, mit dem das G36 ersetzt werden soll. Wegen Patentrechtsverletzungen wurde der Auftrag von der Bundeswehr aber wieder sistiert, wogegen nun Haenel ihrerseits gerichtlich vorgeht. Man darf gespannt bleiben, was da am Schluss herauskommt.
Im Scharfschützenbereich konnte Haenel im Jahr 2016 dem deutschen KSK das Repetiergewehr RS9 liefern. Das RS9 trägt in der Bundeswehr die Bezeichnung G29 und verwendet das Kaliber .338 Lapua Magnum.
Technik
Das Competion Rifle 308 ist wie die CR223 / Mk556 bereits bei mehreren Behörden im Einsatz.
Technische Daten
|Gesamtlänge 20.0“: 1.080mm / 996mm
|Magazinkapazität: 10 / 20 Schuss
|Gesamtlänge 16.75“: 984mm / 901mm
|Sicherung: Schlagbolzensi., beidseitig, 60°
|Feuerarten: Einzelfeuer
|Gewicht gel. – / ungeladen: ca. 4,3kg – 4,6kg
|Visier: Kimme-Korn
|Lauflänge: 16,65“/ 423mm 20“/ 508mm
|Verschluss: Drehkopfverschluss
|Kaliber: .308 Win / 7.62 x 51mm
|Ladeprinzip: Indirekter Gasdrucklader
|Laufdrall: 12“ (beide Lauflängen)
|Hersteller: C.G. Haenel GmbH
Das CR308 baut auf dem weit verbreiteten und bekannten AR-15 System auf. AR steht nicht, wie viele meinen, für «Assault Rifle» (zu Deutsch: Sturmgewehr), sondern für «ArmaLite Rifle». Dem ursprünglichen Hersteller respektive Entwickler des Gewehrs. Von der AR-15 (bei den Behörden oder der Armee besser bekannt als «M16») gibt es heutzutage so viele Hersteller, Versionen und Arten, dass man nicht mehr von «dem» AR-System sprechen kann. DAS AR-System von 1967 hat über die Jahrzehnte so viele Überarbeitungen und Ergänzungen erfahren, sodass die Literatur dazu endlos ist.
Dass sich Haenel ebenfalls für ein AR-System entschieden hat, ist wohl den Umständen geschuldet, dass sich das System mit dem HK416 mittlerweile auch in Europa erfolgreich etablieren konnte. Das System vermag, wie die weltweite Verwendung belegt, zu überzeugen.
Das Haenel CR308/223 ist vom äusseren Erscheinungsbild her eine «normale» AR-15/AR-10. Bei der CR308 wurde die Waffe aufgrund des grösseren Kalibers quasi einfach Skaliert. Die Bedienelemente sind bei der CR308 alle beidseitig ausgelegt.
Dies gilt für den Ladehebel, den Sicherungshebel, den Bolt-Release und -Catch sowie den Magazinauswurf. Bei der CR223 gibt es kleinere Unterschiede. So sind beispielsweise der Bolt-Release und -Catch lediglich auf der linken Seite vorhanden. Dazu kommen wir aber noch weiter unten im Bericht.
Für die AR gibt es heute schier endlos viel Zubehör und es ist jedem Schützen überlassen, ob er die Waffe «out of the Box» verwendet oder modifiziert.
Haenel rüstet das CR von Haus aus mit Magpul-Magazinen und einer Haenel eigenen Schulterstütze aus. Die Magazine entsprechen dem herkömmlichen Standard AR-Magazine in .308. Die mitgelieferte Notvisierung von IMI (Israel Weapon Industrie) verfügt in eingeklapptem Zustand über ein weiteres «Not-Notvisier», wie man es von einer Pistole kennt.
Die «Stock-Tube» für den Schiebeschaft entspricht dem Mil-Standard und lässt sich in sechs Stufen verstellen. Der Griff stammt von der israelischen Firma CAA und lässt sich durch die mitgelieferten Griffschalen auf den Schützen anpassen. Sollte dem Schützen der Griff nicht passen, so könnte dieser auch problemlos durch einen anderen Griff ausgetauscht werden.
Die Masse des Uppers und Lowers entsprechen nicht dem Mil-Standard (der Ladehebel auch nicht) und sind somit leider nicht mit anderen Herstellern kompatibel. Gleiches gilt für den Vorderschaft. Auch hier hat Haenel eine eigene, meiner Meinung nach aber viel bessere Lösung, konstruiert.
Im Gegensatz zum ursprünglichen AR-Model von 1967 ist das CR308/223 kein direkter, sondern ein indirekter Gasdrucklader (Pistonsystem). Der abgenommene Gasdruck wird nicht zurück zum Verschluss geführt, sondern bewegt einen Piston respektive einen Stangenstössel, welcher wiederum den Impuls auf den Verschluss weitergibt. Ähnlich der VZ-58, SVD oder HK416. Der Verschluss und der Piston sind allerdings nicht miteinander verbunden, wie das z.B. bei AK-Modellen oder auch beim Sturmgewehr 90/SIG 550 der Fall ist.
Oben direkte Gasabnahme; unten indirekt via Stangenstössel. Bei der indirekten Gasabnahme wird viel weniger Schmutz zurück ins System geführt. Das System soll damit störungsfreier sein und insbesondere bei der Verwendung eines Schalldämpfers von Vorteil sein.
Die Gasabnahme beim CR308 kann zwischen Normal- sowie Schalldämpferbetrieb verstellt werden. Das CR223 hat hingegen keine verstellbare Gasabnahme.
Im Normalbetrieb wird bei der CR308 durch die grössere Bohrung das Gas abgenommen. Bei der Verwendung eines Schalldämpfers erfolgt die Gasabnahme durch eine wesentlich kleinere Bohrung.
Das Schiessen mit Schalldämpfern und auch mit Subsonic-Munition ist eine Wissenschaft für sich. Bei der CR308 ist das Gewehr so konzipiert, dass bei montiertem Schalldämpfer und bei Verwendung normaler Überschallmunition, die Gasabnahme über die kleinere Bohrung erfolgt. Dadurch gelangt weniger Gas und Druck in das System zurück und es wird entlastet.
Zu Beginn bin ich davon ausgegangen, dass bei der Verwendung eines Schalldämpfers die Gasabnahme über die grössere Bohrung erfolgt. Ich war der Meinung, dass die grössere Bohrung für Unterschallmunition ausgelegt ist, bei der weniger Druck und Gas entsteht. Damit die Waffe trotzdem störungsfrei funktioniert und repetiert, wäre – so dachte ich zumindest – mehr Gas und folglich die Verwendung der grossen Bohrung notwendig. Allerdings habe ich gelernt, dass nicht pauschal davon ausgegangen werden kann, dass Unterschallmunition weniger Druck hat als normale Überschallmunition.
So oder so muss für jedes Gewehr, ob mit Schalldämpfer oder ohne, die passende Munition gefunden werden. Bei meinen Versuchen mit Unterschallmunition musste ich dies am eigenen Leib erfahren. Keine der drei getesteten Patronen hat zuverlässig funktioniert. Nach jedem Schuss musste der Verschluss manuell repetiert werden.
Das Umstellen der Gasdüse erfolgt via Universalwerkzeug, welches zusätzlich gekauft werden muss und im Schaft untergebracht werden kann. Alternativ kann auch ein normaler Torx-Einsatz verwendet werden.
Das Universalwerkzeug fungiert gleichzeitig noch als Riemenbügelöse. Wer allerdings einen anderen Schiebeschaft verwenden will, der sei gewarnt. Das Universalwerkzeug passt aufgrund seiner Länge nicht in alle Schäfte und es muss unter Umständen nachgebessert werden. Ich musste ebenfalls nach einer Speziallösung suchen um das Werkzeug, wie vom Hersteller angedacht, montieren zu können. Da das Werkzeug einiges länger ist als eine normale Riemenbügelöse muss die Aufnahme natürlich auch entsprechend tief sein, da das Werkzeug sonst ansteht und nicht eingerastet werden kann.
Durchdachte Details – werkzeuglos demontierbarer Handschutz und Gehäuseverstärkungen
Der Handschutz verfügt über das Key-Mod-System und lässt sich ohne Werkzeug abnehmen. Bei der CR308 sind auf beiden Seiten kleine Spannhebel angebraucht, die durch eine federgelagerte Druckwarze gesichert sind. Die Druckwarze kann bequem mit einem Finger heruntergedrückt werden. Der Spannhebel ist dann frei und kann um 180° gedreht werden. Der Handschutz ist dann gelöst und kann über den Lauf nach vorne abgezogen werden. Bei der CR223 gibt es nur einen Spannhebel auf der linken Seite der Waffe. Dieser ist über einen kleinen Federstift gesichert. Man braucht den Fingernagel oder die Spitze eines Geschosses um ihn reindrücken zu können.
Bei der Demontage des Handschutzes fällt die nachfolgend abgebildete, durchgehende Bohrung auf. Diese befindet sich auf der Höhe des Gasblocks und dient der Montage eines Granatwerfers.
Nachdem der Handschutz abmontiert wurde, kann die Gasstange nun ebenfalls ohne Werkzeug entfernt beziehungsweise ausgebaut werden. Dazu wird die Gasstange zusammengedrückt und nach vorn-oben rausgezogen. Die Gasstange setzt sich, wie bereits oben erwähnt, aus drei Teilen zusammen und ist nicht mit dem Verschluss verbunden.
Der Verschluss ist ein Drehwarzenverschluss. Das CR308 hat im Upper auf der linken Seite eine auswechselbare Stahlverstärkung, welche das Anschlagen des Verschlusses abfangen soll. Die Verstärkung kann, sollte sie verschlissen sein, ausgetauscht werden. Das CR223 hat diesen austauschbaren Anschlag nicht und der Upper dient, wie bei regulären AR-Varianten, als Anschlag und wird entsprechend direkt belastet.
Auch beim Ladehebel ist das Verschlussgehäuse an der Stelle, wo der Ladehebel am Gehäuse resp. Upper einrastet, verstärkt.
Die Waffe wird im Moment für den zivilen Markt nur in der Farbe Schwarz angeboten. Haenel dürfte das CR308 aber wohl schon bald auch in anderen Farben anbieten, wie dies bei der CR223 bereits der Fall ist. Meine Waffe wurde nachträglich beschichtet.
Vergleich und Unterschiede zwischen CR308 / CR223
Unterschiede CR308 zu CR223
|CR 308
|CR223
|Beidseitiger Bolt-Catch und -Release
|Nur auf der linken Seite
|Beidseitige Bügel Handschutz
|Nur auf der linken Seite
|Beidseitiger Magazinknopf
|Nur auf der rechten Seite
|Verstellbares Gassystem
|Nicht verstellbar
|Verstärkter Anschlag für Verschluss vorhanden
|Normaler Upper ohne speziellen Anschlag
|Erweiterter Ladehebel
|Normaler Ladehebel
Haenel stattet seine Waffen ab Werk mit einem «A2» Feuerscheindämpfer aus. Damit passen z.B. alle B&T Rotex V Schalldämpfer mit QD-Aufnahme. Weil «A2» der Nato-Standard ist, passt natürlich auch noch eine Vielzahl anderer Schalldämpfer.
Unterschiede Haenel CR308 zu H&K MR308
Weil die MR308 von Heckler & Koch als das Pendant zur CR308 bezeichnet werden kann, wollte ich einen direkten Vergleich der beiden Waffen machen.
Die MR308 macht auf Anhieb einen sehr guten Eindruck. Man sieht der Waffe die gute Verarbeitung an und sie besticht durch viele praktische Detaillösungen. So bleibt zum Beispiel die Wangenauflage an Ort und Stelle stehen, auch wenn der Schiebeschaft in der Länge verstellt wird. Auch Kimme und Korn sind sehr schön aus Aluminium ausgebildet und lassen sich in das Top-Rail versenken.
Laut Berichten aus dem Internet soll die MR308 etwas präziser sein als die Haenel. Weil ich die MR308 aber nie selbst geschossen habe und der Besitzer, ein befreundeter Sammler, nie weiter als auf 300m damit geschossen hat, kann ich dies weder bestätigen noch dementieren.
Was mich an der MR308 stört, ist die Tatsache, dass H&K einmal mehr das Rad neu erfinden musste. So wurde ein deutlich grösserer Stock-Tube verbaut und es wurden auch eigene Magazine entwickelt. Dadurch ist der Schütze gezwungen, herstellerspezifisches Zubehör zu erwerben und benutzen. Was wiederum die Möglichkeiten sowie die Auswahl gerade bei den Schäften sowie Magazinen deutlich einschränkt.
Für die Demontage des Vorderschafts wird ein Werkzeug benötigt (wenn ich richtig informiert bin, kann allerdings auch der Verschlusskopf für die Demontage verwendet werden). Und anstelle eines leichten und schlanken Key-Mod oder M-Lok Vorderschafts, wurde ein sehr langes, massiges und damit auch schweres Quadrail verbaut.
Eben weil H&K immer wieder Waffen entwickelt, bei denen nur Zubehör (Magazinen, Stock-Tubes usw.) aus eigenem Haus verbaut werden können, habe ich vor einigen Jahren – abgesehen von der MP5 – alle HK-Waffen verkauft. Im direkten Vergleich der beiden Waffen muss ich zudem gestehen, dass mir die Haenel deutlich besser gefällt. Die MR308 ist mit zu bullig. Ferner ist sie genauso schwer wie sie aussieht. Als ehemaliger Infanterist weiss ich leichte und gute Ausrüstung zu schätzen. Und mit der H&K möchte ich definitiv nicht in den Bergen unterwegs sein müssen. Das Haenel ist günstiger, leichter, schlanker, führiger und entspricht aus meiner Sicht eher dem heutigen Stand der Technik.
Pflege und „Tuning“
Der Upper sowie der Lower können ohne Werkzeug zerlegt werden. Der Verschluss, Verschlusskasten, das Abzugsgehäuse sowie der Lauf lassen sich dann gut reinigen. Der werkzeuglos demontierbare Vorderschaft erleichtert das Reinigen des Gassystems ungemein und spart auch eine Menge Zeit.
Die Gasstange, welche aus drei Teilstücken besteht, lässt sich ebenfalls ohne Werkzeug zerlegen und einfach reinigen. Der Verschluss kann, wie bei jeder AR15, bei geöffnetem Upper mit dem Ladehebel / Charging-Handel nach hinten rausgezogen werden.
Ein von mir sehr empfohlenes Tuning ist der von Haenel angebotene Match-Abzug. Der Originalabzug lässt meiner Meinung nach einiges zu wünschen übrig und die Investition in den deutlich besseren Match-Abzug lohnt sich allemal. Der Matchabzug lässt sich via Imbusschlüssel von aussen exakt auf den Schützen einstellen und geht sehr fein. Als Schütze kann man sich so auf das Wesentliche, das Schiessen, konzentrieren.
Auch der auf den Schützen einstellbare Schaft von Magpul hat sich sehr bewährt.
Einsatz
Die CR308 ist bereits bei mehreren Polizei- sowie Armeeeinheiten eingeführt. Das CR223 (Mk556) wurde bis jetzt bei der sächsischen Bundespolizei sowie teilweise in der Bundeswehr eingeführt und hat im September 2020 die Bundeswehrausschreibung gegen das HK416 gewonnen.
Heckler & Koch hat allerdings rechtliche Schritte dagegen ergriffen und prompt Recht bekommen. Haenel soll wegen einiger Druckentlastungsbohrungen, die für das Schiessen der Waffe direkt nach dem Auftauchen aus dem Wasser benötigt werden («Over the beach – Test»), verstossen haben. Haenel bestreitet das und hat nun seinerseits weitere rechtliche Schritte eingeleitet.
Das CR308 eignet sich sehr gut als DMR-Waffe und um die Einsatzdistanz eines Infanterietrupps, der mit leichten Sturmgewehren ausgerüstet ist, zu erhöhen. Die Bundeswehr hat zu diesem Zweck das Heckler & Koch MR308 (G28) eingeführt.
Sollte das Mk556 das Rennen gegen die HK416 letztendlich machen, würde wohl über kurz oder lang auch das CR308 eine ernsthafte Option / Alternative zum G28 werden. So oder so hat H&K mit Haenel eine ernst zu nehmende Konkurrenz erhalten.
Schiessen 1 – 830m
Die Waffe wurde auf unterschiedlichen Schiessplätzen, an mehreren Anlässen und von mehreren Schützen geschossen:
- Im Schiesskeller sowie der KD-Box an diversen Anlässen
- Auf 90-160m mit Kimme-Korn oder Aimpoint an mehreren Terminen bei Temperaturen von 10º-36º
- Auf 300m im Brünig Indoor mit einem ZeroCompromise 420 – an zwei Schiessen
- Auf 450m mit einem ZeroCompromise 420 durch die Teilnehmer der Übung Löwensprung des UOV Leu bei ca. 18º
- Auf bis zu 550m mit einem ZeroCompromise 420 bei ca. 18º
- Auf 500-830m mit einem ZeroCompormise 420 bei 0º
- Auf 830-920m mit einem ZeroCompromise 420 bei 8º
Für diesen Test ist „effektiv einsetzbar“ so definiert, dass der Schütze mit einem sauber abgegebenen, gezielten Schuss eine militärische F-Scheibe sicher trifft.
Meine Waffe hat einen 16.5 Zoll Lauf und ist mit einem Magpul-Schaft ausgestattet. Getestet wurde die Waffe mit den mitgelieferten Flip-Up-Visieren, einem Aimpoint M3 und einem ZeroCompromise 4-20×50 Zielfernrohr. Letzteres kam insbesondere bei grössere Distanzen zum Einsatz.
An den Schiessanlässen herrschten unterschiedlichste Wetterbedingungen und Temperaturen. Von wolkenlos an praller Sonne und 36º, bis waagerechtem Schneeregen um die 0º. Wie sich dabei gezeigt hat, sind die Bedienelemente mit und ohne Handschuhe gut und leicht bedienbar.
Kurzdistanz-Box (KD-Box)
Für das gute Stück sollte es nur das Beste sein und so habe ich natürlich RUAG Swiss P Munition gekauft. Für den Normalbetrieb die RUAG Swiss P Target mit 168grs und für das Schiessen mit Schalldämpfer sinnigerweise die Swiss P Subsonic HPBT.
Schon beim Einschiessen auf 25m hatte ich allerdings mehrere Auswurfstörungen mit der Swiss P Target. Das Trefferbild auf der Einschiessscheibe war aber tiptop. Ich führte die Auswurfstörungen anfangs auf die noch jungfräuliche Waffe zurück. Leider musste ich dann aber auch beim dritten Schiessanlass feststellen, dass die Waffe bei jedem vierten oder fünften Schuss klemmt und Auswurfstörungen hat. Die Hülsen wurden jeweils nicht sauber ausgeworfen und wurden im Verschluss eingeklemmt.
Für mich als Wiederlader ein Ärgernis, wurden so doch immer gleich zwei Hülsen beschädigt. Diejenige die ausgeworfen wurde und die Neue, die zugeführt hätte werden sollen. Im Normalbetrieb werden die Hülsen praktisch waagerecht im 90 Grad Winkel ausgeworfen und weisen keinerlei Beschädigungen auf. Was wiederum gute Voraussetzungen für das Wiederladen sind.
120m Kimme-Korn & Reflexvisier
Von den Auswurfstörungen abgesehen hat die Swiss P Target 168grs sowohl mit der Notvisierung / Kimme und Korn als auch mit dem Aimpoint sehr gut getroffen. Die H-Scheibe auf 120 Meter liess sich ohne Probleme mit Kimme Korn treffen. Mit dem Aimpoint war es umso einfacher.
Aufgrund der Auswurfstörungen habe ich dann die Geco DTX 150grs, die Norma Match 168grs und GGG 168grs ausprobiert. Alle drei funktionierten tadellos und das Trefferbild war einwandfrei und trafen das Ziel auf 450m. Ich habe mich dann für die Norma Match 168gr entschieden. Mit dieser Munition habe ich dann auch die weiteren Schiessanlässe, über die ich noch berichten werde, bestritten.
300m Brünig auf A10 Scheibe
Beim ersten Schiessen im Brünig hatten zwei Kameraden und ich ein eher durchzogenes Trefferbild mit einzelnen Ausreissern bis in den 7ner Ring. Das Trefferbild lag im 8er Ring (30cm Kreisdurchmesser; r=15cm), was eindeutig unter meinen Erwartungen lag. Geschossen wurde aufgelegt ab Rucksack.
Das eher ernüchternde Trefferbild führe ich auf ein vorangegangenes, zweistündiges dynamisches Schiesstraining in der Polyhalle zurück. Zudem war damals noch der Originalabzug verbaut, den ich später durch den Matchabzug ersetzt habe. Der Originalabzug ist gelinde gesagt sehr dürftig und fühlt sich in etwa so an, als würde man einen grünen Ast biegen, bis er dann letztendlich doch noch bricht.
Beim zweiten Schiessen auf 300m schossen wir gleich als erstes die CR ab Zweibein. Der «schlechteste» Treffer war eine 81 auf 10er Wertung. Wir haben sechs 5er Serien geschossen und der Durchschnitt lag bei 46 Punkten. Das enspricht einem Durchschnitt von einer 9.2 oder einer einer 20cm Rondelle.
300 – 550m mit Zielfernrohr
An einem UOV-Wettkampf 2020 haben zwei Dutzend Teilnehmende sowohl mit meiner Waffe (16,5 Zoll Lauf) als auch mit einer weiteren Haenel CR308 (20 Zoll Lauf) geschossen. Die Distanz zum Ziel betrug zwischen 300 und 450 Meter. Mit beiden Waffen wurden die Geco DTX verschossen. Dabei handelt es sich um ein 150gr leichtes Geschoss. Auch ohne die Waffe zu kennen oder Erfahrungen damit zu haben, wurden die Ziele in 450m Entfernen von den Teilnehmern ohne Probleme getroffen. Dies auch mit dem Originalabzug. Während der Postenvorbereitung sowie während einer Wartephase, wurde die F-Scheibe von mir (ebenfalls mit Geco DTX) auf 550m zuverlässig getroffen.
830m
Bekanntes Virus hat 2020/21 vieles durcheinander gebracht und es wurden viele Anlässe abgesagt. Glücklicherweise konnten 2021 dann doch einige der Schiessen durchgeführt werden, sodass wir das CR doch auch mal noch auf 830m schiessen konnten.
Das Schiessen fand – wie so üblich – in den Schweizer Alpen statt. Auf rund 1’700 müM lag trotz Spätfrühling noch einiger Schnee. Die Ziele mussten dementsprechend mit Schneeschuhen durch den Schnee transportiert und im Zielhang aufgestellt werden. Aus diesem Grund wurden auch «nur» die kleineren Ziele mit einer Grösse von 300x400mm aufgebaut.
Zwischenzeitlich habe ich meine Haenel mit einen Matchabzug sowie einem Magpul-PRS-Stock Gen 3 nachgerüstet, was sich sehr positiv auf die Schiessergonomie auswirkt. So waren auf 700m jeweils sechs von sechs Schuss auf dem Ziel. Bei 830m haben wir uns ein Ziel ausgesucht, welches ebenfalls ca. 400mm breit und 500mm hoch war. Auch hier hatten wir alle Schüsse auf der anvisierten Fläche. Es hat grossen Spass gemacht mit dem Gerät zu schiessen und die Präzision ist für ein halbautomatisches Gewehr sehr gut.
920m
Im Juni ergab sich spontan noch die Möglichkeit die CR auf 920m zu schiessen. Dieses Schiessen kann allerding nur als bedingt aussagekräftig angesehen werden. Da ich zeitlich begrenzt und meine Schiessstellung suboptimal war. Ich musste mich seitlich an einem Hang positionieren und die Waffe auf einem Felsen ab Zweibein schiessen, da alle schlauen Schiessstellungen bereits belegt waren.
Ein Ziel auf 830m konnte ich wieder ohne Probleme treffen. Das Ziel auf 920m war dann doch eher knifflig. Wir hatten den Wind mal von vorn, mal von der Seite mit bis zu 6m/s. Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass auf 920m ein Ziel von 1x1m sicher getroffen werden kann.
Schiessen mit Schalldämpfer und SubSonic-Munition auf 25m
Den original Mündungsfeuerdämpfer habe ich von Anfang an durch eine B&T Rotex II Mündungsbremse austauschen lassen. Dies um bereits vorhandene Schalldämpfer montieren zu können. Beim ersten Schiessen mit Schalldämpfer und Subsonic Munition kam es dann zu einem Schreckmoment.
Beim Testen der Swiss P Subsonic-HPBT traf mich fast der Schlag, als die Geschosse nach 25m quer in der Scheibe einschlugen! Im ersten Moment befürchtete ich, den Schalldämpfer nicht richtig bzw. fest genug angezogen zu haben. Ich malte mir aus, dass das Geschoss im Schalldämpfer wohl eine der Lamellen berührt haben muss und dies dann die Flugbahn beeinflusst hat.
Zum Glück aber war dem dann aber nicht so. Nach Rücksprache mit dem Büchsenmechaniker und einem weiteren Test mit anderer Munition war klar (Zitat Büchsenmacher): „Es gibt halt einfach Waffen, bei denen sich die Lauflänge und die Anzahl der Züge mit gewisser Munition nicht vertragen“. Dieser Umstand war mir zwar bekannt, dass es aber bereits nach so kurzer Distanz so gravierend sein konnte, war mir definitiv nicht bewusst. Sehr schade, aber ist nun mal so.
Bei einem weiteren Test mit dem 20“ Lauf mit der Swiss P HPBT zeigte sich das gleiche Bild. Die Geschosse schlugen quer ein.
In einem weiteren Subsonic-Versuch habe ich dann zusätzlich die Swiss P Subsonic Final und die Subsonic-Lapua getestet. Beide sowohl aus dem 16.5“ und dem 20“ Lauf. Mit beiden Lauflängen schoss die Munition wunderbar. Aufgrund des flachen Geschosskopfes der Swiss P Final kam es allerdings zu Zufuhrstörungen, weshalb Nachladen ab Magazin nicht möglich war. Jede Patrone musste einzeln ins Patronenlager geladen werden.
Die Lapua Munition schoss wunderbar und konnte ab Magazin mit manuellem Repetieren nachgeladen werden.
Fazit
Das Haenel CR308 hat mich trotz anfänglicher Startschwierigkeiten bei der Suche nach passender Munition rundum überzeugt. Sie ist ein sehr präzises, führiges und durchdachtes DMR-Gewehr, welches «out of the Box» bereits eine sehr gute Leistung zu erbringen vermag. Das CR ist mit vielen kleinen Detaillösungen sehr durchdacht und macht nur schon optisch einen super Eindruck.
Das System kann mit einigem Zubehör weiter verbessert werden, sodass die Schiessergonomie und vor allem die Freude am Schiessen noch grösser wird. Einziger Wehrmutstropfen ist der Abzug. Ich für meinen Teil würde Haenel sehr empfehlen, standardmässig den Matchabzug zu verbauen. Der Standardabzug entspricht in keiner Weise der Leistung und Qualität des restlichen Geräts.
Das AR-System verbreitete sich in den letzten Jahren erfolgreich vermehrt auch in Europa in diversen Armeen und Polizeicorps. Auch bei uns in der Schweiz testet nun eine erste Behörde den Haenel Mk556 und sogar die Schweizer Armee hat in jüngster Zeit ihr erstes AR-System eingeführt.
Haenel hat mit seiner AR-Version eine super Waffe produziert welche wir wahrscheinlich auch in Zukunft immer mehr antreffen werden auf den Schiessplätzen sowie bei Behörden im In- und Ausland.
Meine Tests wurden fast alle mit meiner kurzen 16.5» Variante gemacht. Die 20» Version dürfte im Bereich der Reichweite die Leistung wohl noch besser sein. Das Haenel CR 308 hat mit 3’650.-CHF zwar seinen Preis, aber dieser ist für das was man kriegt durchaus gerechtfertigt.
Zwischenzeitlich gibt es das CR auch im Kal. 6.5 Creedmore und ich bin gespannt, wie sich dieses Kaliber machen wird.
Besten Dank für die Unterstützung
- Thomas
- Oliver
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