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Bei Bayern München brodelt es derzeit mal wieder. Trotz Siegen in Bundesliga, Champions League und DFB Pokal steht Trainer Niko Kovac beinah täglich in der Kritik. Viele Fans und Experten bemängeln die zahlreichen Gegentore in der Defensive und vor allem auch: die fehlende Spielidee in der Offensive. Es fehle die Handschrift des Trainers. Um das zu untermauern, fällt oftmals auch der Name Pep Guardiola.
Der Katalane war einer der Vorgänger von Kovac auf dem Trainerstuhl der München – und wird offenbar von einigen Fans vermisst. Unter Guardiola spielten die Bayern zwischen 2013 und 2016 einen wesentlich dominanteren Ballbesitz-Fussball als nun unter Kovac. Beide Trainer coachen anders: Während Kovac den eigenen Spielern beispielsweise viele Freiheiten gewährt, gab Guardiola jedem seiner Profis klare Vorgaben, die diese einhalten mussten. Wie einige Fans denkt auch Guardiola gerne an die drei erfolgreichen Jahre beim deutschen Rekordmeister zurück. In einem Interview mit Radio Catalunya verriet er nun aber, dass er manche Taktiken nie etablieren konnte – weil ihm das nötige Personal fehlte.
Im Gespräch mit dem Radiosender erklärte der 48-Jährige, dass er einen Spielertyp für die Position der «Falschen Neun» in seinem Team vermisst habe. Guardiola gilt als einer der grossen Liebhaber dieser Position, die einen Mittelstürmer beschreibt, der sich immer wieder weit ins Mittelfeld zurückfallen lässt, am Passspiel teilnimmt und somit eine Verbindung zwischen Sturm und Mittelfeld herstellt. Guardiola spielte während seiner erfolgreichen Zeit beim FC Barcelona mit keinem Geringeren als dem sechsfachen Weltfussballer Lionel Messi auf dieser Position. Beim FC Bayern sei für ihn jedoch kein Spieler infrage gekommen, der diese Rolle einnehmen konnte.
«Ich habe es auch bei Bayern München versucht», sagte der FIFA-Trainer des Jahres 2011 und erklärte weiter: «Aber es gab keinen Spieler, der drei Spieler ausdribbeln und dann treffen konnte.» Zwar hatte Guardiola mit Arjen Robben, Franck Ribéry, Thomas Müller oder dem damaligen Neuzugang Mario Götze zahlreiche hochbegabte Spieler im offensiven Mittelfeld, doch offenbar genügte keiner von ihnen den Anforderungen des Star-Trainers.
Die Aussagen des heutigen Trainers von Manchester City sind pikant, denn Mario Götze spielte diese Position sowohl unter Joachim Löw in der Nationalmannschaft als auch unter Lucien Favre in der vergangenen Saison beim BVB. Vor allem bei seinem neuen und alten Klub aus Dortmund lieferte er gute Leistungen.
Guardiola aber sah den damaligen Bayern-Spieler offenbar nicht in dieser Rolle. Dabei galt Götze erst als Wunschspieler von Guardiola. Später verriet Bayern-Präsident Uli Hoeness jedoch, dass der Katalane das Supertalent Neymar nach München habe lotsen wollen, aber die Klub-Bosse ihr Veto eingelegt hätten. Götze war demnach nur die B-Lösung.
Guardiola hatte beim FC Barcelona im Jahr 2009 in einem Clásico gegen Real Madrid erstmals mit Messi auf der «Falschen Neun» gespielt, mit 6:2 gewonnen und eine Ära geprägt. Messi schoss zwei Tore und sorgte zusätzlich für freie Räume der anderen Offensivspieler. Seit dem Spiel gilt Guardiola als Erfinder der «Falschen Neun». Thierry Henry, der damals ebenfalls zweimal traf, sagte im Film «Take the Ball, Pass the Ball» von Regisseur Duncan McMath: «Es war der Tag, an dem die Position der Falschen Neun erfunden wurde.»
Die Spielweise eines solchen Stürmers wurde jedoch schon vorher genutzt, wie die Taktik-Blogger von spielverlagerung.com erklären: «Das Prinzip einer Falschen Neun war schon in den 50er-Jahren bei Ungarn und Nandor Hidegkuti und in den 70er-Jahren bei Johann Cruyff und dem ‹Voetbal Totaal› zu sehen. In der Moderne wurde das Prinzip eher zufällig vom AS Rom 2005 mit Francesco Totti als Falscher Neun aufgegriffen, von Manchester United verfeinert und schliesslich von Messi fast perfektioniert.»
Während der drei Jahre beim FC Bayern holte Guardiola dreimal die deutsche Meisterschaft und wurde zweimal Pokalsieger – nur die Champions League konnte der heutige Coach von Manchester City nicht gewinnen. Eine Leistung, die Bayerns aktueller Trainer Niko Kovac in seinem zweiten Jahr bei den Bayern noch vollbringen könnte. (bn)