Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03318.jsonl.gz/1862

William Stoner ist 1891 im Missouri geboren und in ärmlichen Verhältnissen auf dem Bauernhof seiner Eltern aufgewachsen. Er musste neben der Schule stets auf dem Hof mithelfen und war überzeugt, dass er diesen dereinst übernehmen würde. Dann aber überraschten ihn seine Eltern damit, dass sie ihn an die Universität schickten, wo er Agrarwissenschaften studieren sollte.
Stoner zog nach Columbia, wohnte dort bei Verwandten und studierte Agrarwissenschaften. Allerdings nur ein Jahr, dann entschied er sich - ohne seine Eltern zu informieren - Philosophie, Literatur und Geschichte zu studieren. Seine Eltern erfahren erst am Tag der Abschlussfeier davon. Ebenfalls an jenem Tag eröffnet ihnen Stoner, dass er nicht zurückkehrt, sondern weiterhin an der Universität studieren wird, was seine Eltern nicht verstehen. Stoner lässt sich davon nicht beirren und nimmt seine Arbeit als Doktorand auf. Er unterrichtet, studiert und freundet sich mit Dave Masters und Gordon Finch an.
Dann bricht der erste Weltkrieg aus, was Stoner allerdings nicht sonderlich interessiert. Ganz im Gegensatz zu Masters und Finch, die sich beide freiwillig zum Dienst melden. Masters hatte allerdings kein Glück, denn er liess in jenem Krieg sein Leben. Finch dagegen wurde zum Offizier befördert. Im Jahr 1918 wird Stoner zum Doktor ernannt und darf weiterhin an der Universität lehren - als hauptberuflicher Dozent.
Im Rahmen seiner Tätigkeit nimmt er an einem Empfang teil. Dabei lernt er eine junge Frau, die im Service arbeitet kennen. Sie gefällt ihm und er spricht sie an. Ihr Name ist Edith Elaine Bostwick. Stoner verabredet sich mit ihr. Das Gespräch verläuft jedoch sehr steif, denn beide wissen nicht, wie sie sich verhalten und worüber sie sprechen sollen. Trotzdem verliebt sich Stoner in Edith und schon wenig später - kurz bevor sie zu einem Europatrip aufbrechen will - macht er ihr einen Heiratsantrag. Sie sagt jedoch nicht sogleich ja, sondern will, dass Stoner zuerst ihre Eltern trifft. Diese sind skeptisch, da Stoner ihrer Tochter nicht den Luxus ihres Elternhauses bieten kann. Schliesslich willigen sie aber dennoch ein. Edith freut sich kaum darüber, meint bei der Verabschiedung jedoch, dass sie versuchen würde, Stoner eine gute Ehefrau zu sein.
Die beiden heiraten an einem Sonntagnachmittag und fahren danach in die Flitterwochen nach St.Louis. Am zweiten Abend haben sie erstmals Sex. Der Akt war jedoch eine Katastrophe, denn Edith sträubt sich dagegen, hat keinen Spass und muss sich danach übergeben.
Nach den Flitterwochen ziehen die beiden zusammen, wohnen in einer kleinen Wohnung in der Nähe der Universität. Die beiden sprechen kaum und schlafen praktisch nie miteinander. Einzig wenn sie Gäste empfangen, blüht Edith auf und spielt die Rolle der guten Gastgeberin. Doch an einem Abend bröckelt selbst diese Fassade. Finch ist mit seiner Frau zu Besuch und Mitten im Gespräch, das sich um Europa gedreht hat, bricht Edith in Tränen aus und verlässt den Raum. Sie hatte sich an ihre Europareise erinnert, die sie wegen der Hochzeit abgesagt hatte. Nach diesem halb öffentlichen Zusammenbruch zieht sich Edith noch mehr zurück und will am liebsten immer nur allein sein. Stoner reagiert darauf, in dem er noch mehr arbeitet.
Dann plötzlich - aus dem Nichts - will Edith ein Kind. Sie, die zuvor nie Sex haben wollte, ist plötzlich unersättlich. Die beiden haben jeden Tag Sex. Bis zu dem Tag, an dem Edith erfährt, das sie schwanger ist. Von da an gibts keinen Sex mehr.
An der Universität wird Hollis Lomax als neuer Assistenzprofessor eingestellt. Lomax ist ein Einzelgänger, der mit einer leichten körperlichen Behinderung zu kämpfen hat. Stoner kommt nicht an ihn ran, obwohl er es versucht hat.
Kurz darauf bringt Edith ein Töchterchen namens Grace zur Welt. Es ist jedoch ausschliesslich Stoner, der sich um die Kleine kümmert. Edith scheint sich überhaupt nicht für ihre Tochter zu interessieren. Ein Jahr lang liegt sie krank zu Hause und hilft nicht bei der Erziehung. Dann besucht sie ihre Eltern und kehrt mit der fixen Idee zurück, dass sie mit Stoner ein eigenes Haus kaufen will. Dafür borgt sie sich - gegen den Willen von Stoner - 6000 Dollar. Kurz darauf erwerben sie ein Haus, das Edith in Schuss bringt und mit einer grossen Party einweiht. Stoner hat in der Zwischenzeit sein erstes Buch veröffentlicht und wird zum Assistenzprofessor befördert (im Jahr 1925).
Dann stirbt plötzlich der Vater von Stoner und kurz darauf auch seine Mutter. Stoner verkauft den Hof. Wenig später bricht die Wirtschaftskrise aus und dabei geht unter anderem die Bank von Ediths Vater Konkurs. Er ist der Hauptschuldige, da er sich verspekuliert hatte. Aus diesem Grund nimmt er sich das Leben, worauf Edith zwei Monate lang bei ihrer Mutter lebt.
Sie kehrt danach völlig verändert zurück. Sie öffnet sich gegen Aussen, wird Teil einer Theatergruppe, spielt Klavier und lädt regelmässig Leute zu sich nach Hause ein. Doch auch diese Phase ist schnell wieder vorbei und sie findet in ihrer Tochter Grace, für die sie sich bis anhin nie interessiert hatte, ein neues Projekt. Sie findet, Grace sei unglücklich und Stoner wüsste nicht, wie er seine Tochter erziehen müsse. Edith verordnet ihr Klavierlektionen, kauft ihr neue Kleider und organisiert Spielnachmittage mit den Klassenkameradinnen von Grace. In ihrem Wahn quartiert sie Stoner aus seinem Büro aus. Er muss in den Keller, wo er kaum Platz hat. Deshalb verbringt er immer mehr Zeit an der Uni und muss mit ansehen, wie seine Tochter immer unglücklicher wird.
An der Universität nimmt er nachträglich den Studenten Charles Walker in seinen Kurs auf, obwohl der Kurs eigentlich bereits voll war. Dies tut er, weil Lomax Walker empfohlen hatte. Doch Walker erweist sich als fauler und unpünktlicher Student, der Stoner provoziert, in dem er ein Referat völlig aus dem Stegreif hält, statt sich vorzubereiten wie alle anderen. Stoner lässt ihn deswegen durchfallen.
Walker setzt sich dagegen zur Wehr und darf eine mündliche Prüfung ablegen, an der neben Stoner auch Lomax und einige weitere Vertreter der Universität anwesend sind. Lomax hilft seinem Schützling, wo er nur kann, doch dieser kann selbst die einfachsten Fragen von Stoner nicht beantworten. Die Experten können sich in ihrem Urteil nicht einigen. Lomax geht jedoch soweit, dass er Stoner anklagen will, weil er behauptet, Stoner habe Walker absichtlich durchfallen lassen weil er wie Lomax selbst ein Krüppel sei. Da Lomax zum neuen Fachbereichsleiter wurde, macht er Stoner von nun an das Leben zur Hölle. Die beiden sprechen 20 Jahre lang nicht mehr miteinander und während dieser Zeit muss sich Stoner stets mit Vorlesungen zu den unattraktivsten Zeiten herumschlagen.
Trost findet Stoner in dieser schwierigen Situation in der Person der Doktorandin Katherine Driscoll. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, in der Stoner zum ersten Mal erfährt, was Liebe ist. Die Affäre dauert mehrere Monate. An der Universität wissen einige Bescheid und auch Edith hat Kenntnis davon, scheint sich jedoch nicht daran zu stören. Über Weihnachten verbringen Stoner und Katherine zehn Tage Urlaub in einer abgelegenen Hütte. Als sie danach zurückkehren, weiss die ganze Universität von der Affäre - auch Lomax. Gordon Finch, der in einer leitenden Position an die Universität zurückgekehrt ist, versucht Stoner zu decken, doch Lomax will Katherine rauswerfen, da ihre Affäre mit Stoner ein schlechtes Licht auf die Universität wirft. Bevor es soweit kommt, packt sie ihre Sachen und verschwindet. Stoner sieht sie nie mehr - einzig ihre Doktorarbeit bekommt er einige Jahre später zu Gesicht.
Nach der Affäre verläuft Stoners Leben eintönig. Er hat nach wie vor mit den schlechten Stundenplänen und den unattraktiven Veranstaltungen zu kämpfen und auch zu Hause bliebt alles beim Alten. Mit einem Trick bringt er Lomax dazu, dass er wieder einige Seminare für Fortgeschrittene leiten darf. Im Laufe der Zeit wird Stoner zur Legende an der Universität, was vor allem mit seinem Streit mit Lomax und seiner Affäre mit Katherine zusammenhängt.
Stoner arbeitet weiter bis zu seiner Pensionierung an der Universität. Eigentlich wollte er noch zwei Jahr darüber hinaus dozieren, doch dann wird ein Tumor in seinem Bauch entdeckt. Er sagt niemandem was, führt das Semester zu Ende und lässt sich dann operieren. Die Operation verläuft erfolgreich, doch da der Tumor bereits Metastasen gebildet hatte, sollte sich Stoner einer Bestrahlung unterziehen. Doch er weigert sich und stirbt schliesslich kurze Zeit später bei sich zu Hause.
Charakteranalyse
William Stoner: Das Meiste zur Person von William Stoner ist der Inhaltsangabe zu entnehmen, da die gesamte Erzählung seine Biografie ist. Es ist jedoch festzuhalten, dass Stoner ein Mensch ist, der es sich aufgrund seiner Herkunft gewohnt ist, sehr hart zu arbeiten und auch den widrigsten Umständen zu trotzen. Anders ist es nicht zu erklären, dass er die Ehe mit seiner Frau Edith so lange ertragen hat, dass er sich gegen Hollis Lomax' Schikanen nicht zur Wehr gesetzt hat und dass er sein eigenes Schicksal mit stoischer Ruhe akzeptiert hat. Stoner ist jedoch auch ein Mann, der sich sehr gut anpassen konnte und der über viele Qualitäten verfügte - nicht nur über die nötige Intelligenz, um an der Universität zu lehren, sondern auch im Haushalt und in der Erziehung seiner Tochter Grace.
Alles in allem verkörpert die Figur von William Stoner wohl sowas wie den "Normalbürger". Ein Mann, der viele Ideen und Ziele hatte, diese jedoch nicht so umsetzen konnte, wie er das gerne getan hat. Dennoch macht er aus den Umständen das beste - eine Situation, mit der sich wohl viele identifizieren können.
Edith: Stammt aus gutem Hause, hatte jedoch eine schwere Kindheit, da sie sich für ihre Grösse geschämt hat und daher kaum Kontakt hatte mit Gleichaltrigen. Daher rühren auch ihre Probleme, sich und ihren Körper zu akzeptieren. Auch emotional scheint sie grosse Probleme zu haben, sich zu öffnen. Weder die Hochzeit mit Stoner, noch die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Grace lösten in ihr eine Reaktion aus. Dennoch ist ihr Leben geprägt von enormen Stimmungsschwankungen. Mal will sie kein Sex, dann ist sie unersättlich. Mal interessiert sie sich nicht für ihre Tochter, dann gibt es kein anderes Thema mehr. Mal zieht sie sich völlig zurück, will mit niemandem sprechen, und dann ist sie plötzlich völlig offen und organisiert einen Anlass nach dem anderen.
Ganz schlau wird man aus den vielen Veränderungen im Leben von Edith nicht. Auch ist nicht ganz klar, ob sie ihren Mann hasst oder liebt und ob sie ihm mit ihrem Verhalten absichtlich schaden will. Stoner jedenfalls ist überzeugt, dass sie das nicht will und all das, was sie sagt, tatsächlich glaubt. (fba)