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1897 errichtet Xaver Iten eine gedeckte Seilerei. Sie ist 95 Meter lang.
Xaver Iten (1873–1947) ist Seiler in Unterägeri am Ägerisee – wie sein Vater Kaspar Josef, geboren 1825 und Grossvater Karl Bartholome, geboren 1779. Sie fabrizieren ihre Seile südlich der Lorze, «im Birizug», unter freiem Himmel und sind den Launen des Wetters ausgesetzt. 1897 errichtet Xaver Iten eine gedeckte Seilerei. Sie ist 95 Meter lang und steht an der Lidostrasse 21, am Neubächli. Die Bauart ist einfach: Holzständer und genagelte Bretter bilden die Wände – Gewerbebauten wurden oft auf diese Weise errichtet. Im Inneren dreht Iten auf der langen Seilerbahn dünne Schnüre (Litzen) zu einem dicken Seil.
Zu Itens Kundschaft gehören Baufirmen, die Armee, Forstarbeiter und Bauern. Er stellt Seile her für Baustellen, Bergseile für Gebirgstruppen, Fällseile für Waldarbeiter, Heuseile zum Binden der Heubürden, Baumwollseile für Spinnereien oder dicke Aufzug-Struppen zum Heben von Lasten. Im Wohnhaus neben der Seilerei betreibt Xaver Iten mit seinen beiden Töchtern einen Laden, in dem er neben Seilen auch Schnüre, Hängematten und weitere Eigenfabrikate verkauft.
Nach Itens Tod 1947 verkürzt man den Seilerschopf auf die Hälfte der Länge, entfernt die Einrichtungen und nutzt den Schopf als Lager für eine neu aufgebaute Sägerei. 2010 wird der Seilerschopf abgebaut, weil neue Wohnhäuser auf dem Gelände geplant sind. 2011 beginnt dessen neues Leben im Freilichtmuseum Ballenberg in der erhaltenen Länge von 42 Metern. Die Einrichtung im Inneren stammt grösstenteils aus einer Seilerei in Niederwichtrach (zwischen Bern und Thun). Das Seilerhandwerk gibt es heute in dieser Form kaum mehr, da in den letzten Jahrzehnten leistungsfähige Schnüre und Seile aus Kunststoffen entwickelt wurden.
Das Kalb mit dem Strick heften, die Heubürde mit einem Seil binden, ein Strupp für den Aufzug, an dicken Schnüren Früchte zum Trocknen aufhängen, mit einem dicken Tau die Holzstämme auf den Schlitten binden, eine feinere Kordel für den Wohnbereich: Ohne Seile, Schnüre und Taue läuft gar nichts. Wer den längeren Strick hat, fährt mehr Ernte ins Trockene…
In den Dörfern verstand sich meist einer aufs Seilen. Kleinere Seile aus Leder oder Hanf zum Binden der Heubürden knüpfte er von Hand. Seine Werkstatt war klein und unauffällig. Für längere Seile und dickere Taue, etwa für Fähren, gab es in der Region eine Seilerei: lange Gebäude, die man nicht übersehen konnte. Heute gibt es in der Schweiz noch eine Handvoll moderne Seilereien.
Ballenberg
Freilichtmuseum der Schweiz
Museumsstrasse 100
CH-3858 Hofstetten bei Brienz
Öffnungszeiten
6. April bis 29. Oktober 2023
Täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr