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Von der Raupe zum Schmetterling
Die Geschichte des Schmetterling beginnt natürlich an einem anderen Punkt. Nämlich als kleines Ei, zart verpuppt. Aus diesem Ei schlüpft eine Raupe und landet so erstmal im Leben. Die Raupe denkt sich wohl ab und an, wo bin ich denn hier gelandet?! Denn das Leben der Raupe ist wirklich nicht immer einfach. Eingepfercht in einen schmalen Panzer, kriecht sie über den Boden, und wird wohl ab und an fast achtlos niedergetrampelt. Die Welt sieht wirklich sehr bedrohlich aus, wenn man als kleine unscheinbare Raupe durchs Leben gehen muss. Gut möglich, dass die Raupe auch mal vor einer grossen, unüberbrückbaren Mauer steht und keinen 'Schritt' weiterkommt. Gut möglich, dass die Raupe sich fürchtet vor den grossen Tieren, welche sie umkreisen, und sie Angst hat, dass sie gefressen wird. Eine leichte Beute ist die Raupe, eher langsam und wenig behände in ihren Bewegungen. Ebenfalls ist es möglich, dass sich die Raupe verstecken muss, sich klein machen muss, damit sie nicht auffällt und so sicher ist. Die Raupe befindet sich in einem Panzer, aus dem sie sich mitunter mühsam schälen muss, damit sie grösser und stärker werden kann. Die Raupe hört die Menschen sagen, sie sei stachelig und nicht sehr schön, nicht beachtet wird sie bisweilen.
Trotz allen Bemühungen, trotz aller Vorsicht, trotz den Hürden, die die Raupe allenfalls doch überwinden konnte, ist die Raupe vielleicht nie richtig glücklich, denn sie denkt sich mitunter: Kann es das gewesen sein? Ist so mein Leben? Gibt es da nicht noch mehr für mich, mehr an Leben?
Der Cocoon
Doch dann geschieht etwas Sonderbares. Die Raupe hält inne. Die Raupe sucht sich einen ruhigen Platz, und beginnt eine Schutzhülle um sich herum aufzubauen. Sie spürt wohl, dass mit ihr jetzt etwas geschieht. Sie fühlt sich wohl und sicher in diesem Schutz. Sie beginnt nachzudenken. Über sich selber und über ihr Leben. Die Raupe fühlt, dass da noch mehr ist, was ihr das Leben bietet. Sie fühlt, dass sie frei sein möchte, dass sie frei sein wird, dass ihr Herz wieder hüpfen kann. Denn eine Raupe ist so: frei, gelassen, fröhlich, singend und tanzend. Daran mag sie sich bald wieder erinnern, als sie anfängt über sich nachzudenken. Denn sie weiss, dass sie früher einmal so war, bevor die ganze Bedrohung der Welt sie überrannte und einnahm. Damals als sie ein zartes Ei war. Sie wusste, dass irgendein wunderschönes Wesen ihr dieses Leben geschenkt hatte. Sie wusste, jetzt wird alles gut.
Der Schmetterling
Als es an der Zeit ist, als die Raupe bereit ist, ihr altes Leben zurück zu lassen, schält sie sich langsam und behutsam aus der Hülle. Die Raupe ist nun mehr nicht mehr eine Raupe, sondern ein wunderschöner Schmetterling. Langsam und vorsichtig breitet der Schmetterling seine Flügel aus - und staunt. 'Ich kann fliegen' - ich fliege! denkt sich der Schmetterling. Zum 1. Mal in seinem Leben fühlt er sich frei und unbeschwert. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich der Schmetterling mühsam über den heissen Asphalt quälen musste. Vorbei die Zeiten des eingeschlossen sein in einem Panzer, welcher den Schmetterling behinderte. Der Schmetterling hört die Menschen sagen: Oh schau, ein wunderschöner Schmetterling! Keine Mauer, keine Hürde ist für den Schmetterling zu hoch, denn er fliegt. Der Schmetterling zeigt sich den Menschen in seiner ganzen Schönheit. Alle sind erfreut über ihn, sogar bewundert wird er. Das (Selbst)vertrauen ist irgendwann so gross, dass er sich sogar als Botschafter für andere Geschöpfe sieht.
'Seht her, was möglich ist' - 'Seht her, was ich erschaffen habe, denn ich habe den Glauben nie verloren, denn ich wusste, als was ich geboren wurde' - 'Sieht, wie befreit ich sein kann'. 'Nehmt mich als Beispiel. Alles ist möglich, wenn ihr nur an Euch glaubt.'
Der Schmetterling weiss auch, dass er die neu gewonnenen Schätze sanft behüten muss. Er weiss, dass er nicht nachlässig sein darf. Er muss diesen Weg weitergehen. Denn allzuschnell wird er leichte Beute. Futter für Tiere, welche ihn fressen möchten. Menschen, welche ihn fangen möchten. Doch der Schmetterling ist achtsam. Er behütet sein Leben, er behütet seine Seele, er behütetet sein Herz.
Und plötzlich erinnert sich der Schmetterling daran, wer ihm dieses Leben schenkte: Ein Schmetterling! Und er dankt ihm dafür!
Dieser Schmetterling ist heute beim Spazieren vor meine Füsse geflattert. Ich danke ihm!
Ich möchte noch etwas hinzufügen. Als ich diesen Schmetterling heute sah, und er landete mitten auf der Strasse habe ich mein Handy genommen und habe mich ihm behutsam angenähert. Denn ich wusste, der Schmetterling war nicht ohne Grund genau in diesem Moment vor meine Füsse geflogen, mitten auf dieser Kiesstrasse. Er wollte mir etwas sagen. Aus dem Augenwinkel sah ich zwei ebikes auf mich zukommen. Sie haben gesehen, dass ich etwas fotografierte. Und ich wohl auch nicht stundenweise so dagestanden hätte. Jedoch habe ich ihnen für einen kurzen Moment den Weg versperrt. Anstatt anzuhalten, haben sie geklingelt und sind achtlos an mir und an diesem zarten Geschöpf vorbeigeschrammt. Zum Glück wurde der Schmetterling nicht überfahren. Ich konnte nur den Kopf schütteln.
Eigentlich war mein Plan, dass ich im Anschluss an die Geschichte des Schmetterlings noch darstellen wollte, was ein Schmetterling uns Menschen zu sagen hat. Welche Botschaft ein Schmetterling für uns Menschen hat. Doch die Geschichte mit diesen zwei e-bikern hat mich heute sehr beschäftigt und ich spüre: Die Botschaft an uns Menschen verdient einen eigenen Beitrag. Denn sie ist zu wichtig. Denn die Natur muss respektiert werden. Die Tiere müssen beschützt werden. Der Mensch muss mit dem Herzen sehen. Der Mensch muss sich erinnern, wer er wirklich war. Der Mensch soll sich schälen aus seinem Panzer, aus seinem Coocon. Der Mensch soll frei sein. Der Mensch wird frei sein.
Davon handelt mein nächster Beitrag. So spielte mir das Leben heute eine Planänderung zu, die ich noch so gerne annehme.
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Das 1. Fotos des Schmetterlings ist von unsplash.