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| Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos)

XI. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem.
Über die Worte: „den eingeborenen Sohn Gottes, der aus dem Vater geboren wurde als wahrer Gott vor aller Zeit, durch den alles erschaffen wurde".
11.
Nicht hat also der Vater ihn erzeugt so, wie Menschen es denken möchten, sondern auf eine Weise, die Gott allein bekannt ist. Wir versprechen euch nicht, über die Art der Erzeugung aufzuklären. Wir konstatieren nur, daß die Erzeugung nicht auf diese oder jene Weise erfolgt ist. Die Erzeugung des Sohnes aus dem Vater ist nicht nur uns unbekannt, sondern auch aller erzeugten Natur. „Frage die Erde, ob sie es dir sagen kann!“1 Und wenn du alles, was auf Erden ist, fragen würdest, man könnte dir keine Antwort geben. Denn nicht kann die Erde das Wesen ihres eigenen Bildners und Schöpfers nennen. Nicht nur die Erde, auch die Sonne kennt das Wesen nicht. Denn erst am vierten Tage wurde die Sonne erschaffen, so daß sie nichts weiß von den Vorgängen der ersten drei Tage. Wenn sie aber nichts weiß von dem, was in den drei ersten Tagen vor sich ging, dann kann sie den Schöpfer nicht erklären. (Auch) der Himmel wird keine Auskunft geben; denn auf den Wink des Vaters hat Christus den Himmel, der dem Rauch gleicht2, zum Firmament gemacht. Auch die Himmel der Himmel werden keine Auskunft geben, auch nicht die Wasser über den Himmeln. Warum bist du also, o Mensch, darüber ungehalten, daß du nicht weißt, was selbst die Himmel nicht wissen? Doch nicht nur die Himmel erfassen nicht die Geburt, sondern auch alle Engelskreaturen vermögen es nicht. Wenn nämlich einer, sofern es möglich wäre, in den ersten Himmel hinaufsteigen, den dort wohnenden Chor der Engel schauen, zu ihm treten und ihn fragen würde: „Auf welche Weise hat Gott seinen Sohn erzeugt?“ dann würden die Engel wohl antworten; „Über uns droben wohnen noch Höhere; [S. 168] frage sie!“ Steige empor zum zweiten und dritten Himmel! Gehe womöglich zu den Thronen und Herrschaften, zu den Mächten und Kräften! Und könnte — was unmöglich ist — jemand zu ihnen gelangen, würden auch sie die Auskunft verweigern; sie könnten sie ja nicht geben.
1: Job 12, 8.
2: Vgl. Is. 51, 6.