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Seetiefen-Messungen in der Schweiz
Von H. H. Denzler Ingenieur.
In früherer Zeit und für verschiedene Zwecke, so namentlich für Yergleichung der Wärmeabnahme des Seewassers nach der Tiefe zu, sind vereinzelte See-sonden in unsern Schweizerseen gemessen worden. Es handelte sich dabei weder um die genaue Lage der Stelle, wo gemessen wurde, noch um die Bestimmung der Configuration des Seebodens, höchstens etwa um die grösste Seetiefe. Auch wurden noch keine besonders genauen Messapparate angewendet, so dass nur wenige ältere Angaben mit den heutigen Bestimmungen Stich halten.
Einige detaillirtere Bestimmungen aus früherer Zeit besitzen wir vom Boden- und Genfersee, namentlich von Ersterm, über den mehrere Linien gezogen wurden ( auf denen je etliche Tiefenmessungen stattfanden ), die annähernd als ebenso viele Profile dargestellt sind. Die Punkte im See wurden theils durch die Linien selbst, in welchen man sich rück- und vorwärts einrichtete*, theils durch seitwärts liegende andere Uferpunkte möglichst genau bestimmt.
Eine gleiche spätere Arbeit besitzt man vom Neuenburgersee. Diese Arbeiten und verschiedene einzelne Tiefenmessungen in Schweizerseen führten zu dem Resultate, dass der Seeboden in den mittlern Theilen des See's der Länge und Breite nach beinahe eben ist, und besondere Untersuchungen über dessen Bodenbeschaffenheit zeigten, dass diese Verebnung vorzugsweise durch Zuschwemmung von Schlamm und durch dessen Ausgleichung mittelst unterirdischer Strömungen und Wellenschlag stattfinde. Nur im Neuenburgersee zeigte sich in der Mitte des See's ein Bergzug, dessen höchster Gipfel nur 30 franz. Fuss unter dem mittlern Wasserspiegel liegt. Dieser Bergzug entspricht aber dem Jolimont bei Erlach und der Petersinsel so auffallend, dass man denselben zum Voraus erwartet hatte.
Am Schlüsse der topographischen Vermessung des Kantons Zürich schien es deshalb angezeigt, die Tiefenmessungen wenigstens in den drei grossem Seen, nämlich im Zürcher-, Greifen- und Pfäffikersee, vorzunehmen. Nachdem das bescheidene Budget dafür auf Befürwortung des technischen Mitgliedes der Kartirungs-kommission, Hrn. Oberst H. Pestalozzi, und des Chefs des topographischen Bureaus, Hrn. Joh. Wild, Professor am Polytechnikum in Zürich, ausgesetzt war,erhielt der Verfasser dieser Zeilen den Auftrag zu der wissenschaftlichen Durchführung dieser Arbeiten. Schon früher hatte sich Herr Oberst Pestalozzi mit diesem Gedanken vertraut gemacht, denn er besass bereits eine starke, ungefähr zwei Millimeter dicke seidene Schnur von ursprünglich 450 Meter Länge, die beim Beginn unserer Arbeit noch eine Tragkraft von 70 Kilogramm besass und aus lauter durchgehenden Seidenfäden zusammengewirkt war.
Vorzüglich unter der Aufsicht dieser beiden Herren wurde der Sondenapparat von dem scharfsinnigen Hrn. Ingenieur Zuppinger in der Neiimühle in Zürich angefertigt. Er besteht aus einer doppelten Trommel mit eichenen Speichen zur Aufnahme des nicht gerade nothwendigen Theils der Schnur, und zwar so, dass ein grösserer Theil bei den geringen Seetiefen des Zürchersees nie zur Anwendung kam, d.h. nie nass gemacht wurde.Von der Trommel ist die Schnur über ein Messrad zu blos drei Viertheilen des Umfangs geführt, damit die Schnurdicke in der Krinne nicht doppelt vorkomme, und dieses Messrad wurde so abgedreht, dass die Schnur bei jedem vollen Umgange genau einen Meter Länge vorstellte. Es wurde diesfalls bei den angewendeten verschiedenen Gewichten die Schnur theils in trockenem, theils in nassem Zustande im Freien von Zeit zu Zeit gemessen und die nöthige Korrektion bestimmt. Das Messrad stand mit einer Üebersetzung in Verbindung, die die Zahl der Umdrehungen auf einem Zeiger, und auch noch die Dezimeter mit Sicherheit ablesen liess. Vom Messrad zog sieh die Schnur auf eine, an einem schiefen Pfosten über den Schiffsrand hinaushängende Rolle. Endlich liess sich die Schnur vermittelst einer Kurbel, die an der Trommel befestigt war, aufziehen oder hinunterlassen. Je nach dem Gewichte, das an der Schnur befestigt war, nach der Nässe der Sdinur und nach *
der Geschwindigkeit des Aufwindens derselben zeigte sich 's, dass auch beim kleinsten angewendeten Gewichte von S'/a Kilogramm durch die fortwährenden Zusammenziehungen in Folge des Widerstandes des Gewichts im Wasser und auch der Elastizität der Schnur, d.h. als das Endergebniss sehr vieler kleiner Stoss-oder vielmehr Ziehwirkungen, die 4 Centimeter dicken, fast ein Dezimeter breiten und nur etwa 3 Dezimeter langen eichenen Speichen wiederholt eingedrückt wurden. Für die Bestimmung der genauen Lage des Sondir-apparates im See hatte man nur die Wahl zwischen zwei Methoden: Bestimmung von je zwei Punkten aus, am Lande mittelst genauer Winkelinstrumente, oder Rückwärtseinschneiden beim Apparat selbst mittelst eines Spiegelsextanten aus wenigstens vier trigonometrisch bestimmten Punkten in der Nähe des Ufers, die guten Schnitt versprachen. Da die erste Methode drei Beobachter gleichzeitig erfordert und genaue Zeichengebung voraussetzt, wurde die zweite Methode vorgezogen, für die ein Beobachter ausreicht. Man bestimmte also so nahe am Ufer als möglich recht viele Punkte ( Thürme, Häusergiebel oder Kamine, einzelnstehende Bäume und besonders Signale u. dgl. m .) trigonometrisch sehr genau, und mass dann im Schiffe, während der Tiefenmessung durch den Gehülfen, mit dem Sextant wenigstens drei Winkel zwischen vier Punkten, die eine genaue Feststellung des Sondir-apparates versprachen. Bei den kleinen Dimensionen unserer Seen, Genfer- und Bodensee ausgenommen, gab ein einfacher Sextant ( d.h. ohne Fernrohr ) genügende Genauigkeit, im schlimmsten Fall eine Unsicherheit von fünf Meter, während die auf dem Lande geforderte Genauigkeit dreimal kleiner war, so dass also diese Seemessungen in jeder Beziehung genauer ausgefallen sind, als die Horizontal- und Höhenbestimmungen auf dem Lande.
Ueberdies erhielt man wegen der fiber-flüssigen Winkelbestimmungen jedesmal eine Yerifika-kation des Ergebnisses. In einigen Fällen war man zum Theil auf sehr entfernte Punkte angewiesen, weil die nähern wegen schlechter Beleuchtung nicht mit Sicherheit erkannt werden konnten; in solchen Fällen vermehrte man die Zahl der Winkel nach Möglichkeit. Bei allen diesen genauen Tiefenmessungen ist der gleiche Sextant angewendet worden, nämlich einer von den guten englischen Dosensextanten mit Minuten-theilung, welche dem Hofrath Horner bei der Krusen-stern'schen Weltumseglung 1804—7 gedient haben, und nach seinem Urtheil als besonders gelungen zu betrachten sind. Ein guter Beobachter konnte gewöhnlich auf zwTei, und bei scharfen Gegenständen auf eine Bogen-Minute Genauigkeit rechnen, was eine grössere Leistungsfähigkeit bedingt, als die des Messtisches. Da nun aber während der Tiefen- und Winkelmessung das Schiff nothwendig auf der gleichen Stelle erhalten werden muss, und dies ohne besondere Vorsichtsmassregeln, namentlich bei Winden, nicht sicher ist, so hat man beim Beginn jeder Messung kleine Papier-schnitzel rings um das Schiff herum ausgestreut, und zwar von solchem Papier, das nicht schnell untersinkt, das aber auch nicht leicht vom Winde weiter geführt wird. Aufgabe der beiden Schiffer war 's dann, trotz Wind das ziemlich breite Schiff innert diesen Papier- schnitzeln zu erhalten.
Bei starkem Winde war sowohl diese Aufgabe als auch die genaue Winkelmessung schwierig, und wurde in der Regel bei Wellen von einem Dezimeter, vom Wellenthal bis Wellenberg im offenen See gemessen, ganz aufgegeben.
Nachdem ein Tiefenpunkt mit möglichster Umsicht bestimmt und die Tiefenmessung mit den Verbesserungen wegen des Seestandes, Zusammenziehung der Schnur bei der Belastung des Augenblicks u.a. m. versehen war, konnte man denselben auf die Kantonskarte im 1: 25,000 oder auf ein Netz der trigonometrischen Punkte in anderm Massstabe auftragen. Es konnte dies nach zwei Methoden geschehen, d.h. man konnte aus den Winkeln, unter denen die trigonometrischen Punkte erscheinen, und aus den Koordinaten dieser Punkte die Koordinaten des eingeschnittenen Punktes nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung sehr genau bestimmen und dann auftragen. Diese genauere Methode ist aber sehr zeitraubend und unnütz genau für den vorliegenden Zweck. Deshalb zog man die andere Methode vor, wo die Sextant-Winkel auf durchsichtiges Papier getragen und ebenfalls die wahrscheinlich beste Anlegung dieser Linien unter den entsprechenden trigonometrischen Punkten gesucht wurde. Zur Auftragung der Winkel bediente man sich eines Kreistransporteurs, der die einzelnen Minuten genau angab. Auf diese Weise konnte man im schlimmsten Falle auf drei Bogen-Minuten Unsicherheit der einzelnen Richtung rechnen, was bei den grössern Entfernungen und bei Ermittlung der wahrscheinlichsten Lage des Punktes die oben berührte Unsicherheit von blos 5 Meter in horizontalem Sinne herbeiführte.
In senkrechtem Sinne war die Verifikation sehr einfach. Beim Hinunterlassen des Gewichtes wurde der Zeiger des Zählrades auf Null gestellt, sobald das Gewicht die Oberfläche des Wassers berührte; beim Heraufziehen desselben hätte der Zeiger ebenfalls auf Null zeigen müssen, wenn das Gewicht wieder auf dem Wasserspiegel ankam. Dies war aber anfänglich nicht der Fall, sondern durch Benetzung zog sich die Schnur durchschnittlich um zwei Prozent zusammen. Sowie sie aber längere Zeit im Wasser wrar, blieb sie sich merklich gleich, und deshalb zog man sie im Laufe des Tages nur ein paarmal auf. Ja es zeigte sich, dass nach Wochen die-aufgewundene Schnur im Innern noch nass war, und sich dann beim Gebrauch nur unmerklich verkürzte. Aus diesem Grunde liess man während der Arbeit beim Weiterfahren das Senkloth möglichst tief im Wasser ( bis 100 Meter ). Auch zeigte sich 's, dass die durch 's Fahren bewirkte schräge Stellung des Senkloths sich rascher wieder in die senkrechte zurückbegab, als die zum Aufziehen nothwendige Zeit betrug. Um diese richtige Stellung noch rascher zuwege zu bringen, fuhr man bei einem neuen Punkte ein wenig nach rückwärts. Während des vollständigen Hinunterlassens stellte sich dann in der Kegel das Senkloth genau senkrecht.
Es entstand nun die Frage, in welcher Weise die Tiefenpunkte über den ganzen See vertheilt werden sollen. Die Erfahrung der Fischer, dass der Seeboden vom Lande weg anfänglich sehr wenig sich senke, dass
dann eine steile Partie, die sogenannte Seehalde folge, in der Tiefe dagegen auf grosse Strecken der Boden fast eben sei, führte zu einer gemischten Methode bezüglich der Länge der Profile und Verwerfung der Methode einer durchweg gleichmässigen Vertheilung der Tiefenpunkte. Beim Zürchersee ( Untersee ) wurden 21 Hauptprofile über die ganze Seebreite ausgelesen, und zwischen diese je 2 bis 4 sogenannte Halbprofile gelegt, die sich vom Ufer nur bis zum Tiefenpunkt der Seehalde, d h. gewöhnlich nur auf ein Viertheil Seebreite erstreckten. Am Schlüsse, d.h. beim Heim- führen des Schiffes von Rapperswyl nach Zürich, wurde ein Längenprofil in der Weise aufgenommen, dass man in der Seemitte noch Punkte zwischen zwei Ilaupt-profilen erhielt.
Diese Hauptprofile wurden zwischen zwei leicht erkenntlichen Uferpunkten ausgeführt und stellen annähernd eine gerade Linie vor. Je nach dem Winde ist sie ein wenig ab- oder aufwärts gebogen. Sowie man sich der Seehalde näherte, bewegte man sich je nur wenig vorwärts. Die Grosse der Bewegung wurde mit Ruderschlägen bemessen, die sich jedoch als sehr ungleich herausstellten, gewöhnlich zwischen zwei und vier Metern Fortschritt zeigten. Bis über die Seehalde hinaus liess man 10 bis 50, im mittlern See 100 bis 300 Ruderschläge vorwärts thun. Auf diese Weise erhielt man im untern Zürchersee 1210 Tiefenpunkte, die je nach Bedürfniss vertheilt sind. Aehn--lieh ist im Thuner-, Brienzer- und Bielersee, zum Theil auch im Murten- und Genfersee verfahren worden. Leider konnten die Tiefenmessungen im G-reifen-
31 und Pfäffikersee wegen Abreise des- Verfassers nach Bern nicht mehr aufgenommen werden;
dagegen verwendete er sich um das nöthige Budget für die Tiefenmessungen des Thuner-, Brienzer- und Bielersees, deren Messungen theilweise unter seiner Leitung, von seinem Nachfolger in Bern, Hrn. Ingenieur W. Jacky, und von dessen spätem Nachfolger, Herr Ingenieur F. Lindt, ausgeführt wurden. Der Murten- und der obere Theil des Genfersee's wurde, aus Auftrag des eidgenössischen topographischen Bureau, mit dem gleichen Apparat und Sextant wie in Zürich und Bern, von Hrn. Ingenieur Gösset ausgelothet; der grössern Breite wegen aber scheint die erste Methode der Punktbestimmung im Wasser vorzuziehen zu sein und wenigstens Versuchsweise angewendet werden zu wollen. Es ist zu hoffen, dass auch die andern grössern Schweizerseen unter der gleichen Leitung je nach dem Bedürfniss der Herausgabe des grosseu eidgenössischen Atlasses topographisch vermessen werden. So-ist z.B. bei solcher Gelegenheit der höchst interessante Oeschinensee ge-lothet worden.Dass überdies der thätige Chef dieses Bureau, Herr Oberst Siegfried, auch andere wissenschaftliche Fragen dieser Seen, wie die der Temperaturverhältnisse, der Beschaffenheit des Seebodens, seiner Bevölkerung u. dgl. m ., in den Kreis seiner Untersuchungen aufnehmen wird, die wir aus Mangel an Geld und Zeit unterlassen mussten, ist seiner Initiative zu verdanken. Anfänglich war eine Untersuchung des
* ) Blatt 488 ( Blümlisalp ) der neuen eidgenössischen Kartenau^gabe im Massstab der Aufnahme.
Seebodens auch beim Zürchersee beabsichtigt; man hatte daher für grössere Seetiefen ausser dem Gewichte von 2l/2 Kilogramm noch eines von 51und ein grosses von 61/2 Kilogramm angefertigt, welche beide censirt waren, Proben des Seebodens in quer durchgebohrte Löcher aufzunehmen, zu welchem Zwecke sie auf dem Seeboden herumgeschleift wurden. Die Erfahrung zeigte aber, dass dieser Schlamm beim Aufziehen aus mehr als 15 Meter Tiefe sauber ausgewaschen wurde.
Das grösste dieser Gewichte hatte unten einen breiten, flachen Boden, das mittlere endete nach unten konisch. Die Erfahrung liess uns in der Regel vom schwersten Umgang nehmen, weil es doch häufig sehr tief in Schlamm versank und dann nur mit Zeit und Mühe wieder herauszubringen war. So fühlte man einmal im mittlern Zürchersee das Auftreffen auf den Schlamm und das allmälige Einsinken um volle drei Meter. Erst nach sorgfältigem Herausziehen während einer halben Stunde überzeugte man sich von der Ge fahr, die ein rascher Zug mit sich geführt hätte. Das mittlere Gewicht ging bei Merligen im Thunersee verloren, als man dasselbe in grösserer Tiefe noch sicher glaubte, während man bereits an ein Riff gefahren kam und es plötzlich abgerissen wurde.
Wegen dieser vielen und genauen Lothpunkte durfte man zu einer Darstellung des Seebodens mittelst Schichten von 10-30 Meter ( sogenannte Horizontalen ) schreiten, und die auffallende Gleichförmigkeit »in der Terrainbilduug bei grosser Tiefe machte es möglich, dass man behaupten konnte, der Seeboden sei genauer bekannt als der übrige Kanton. Es ergab sich in Folge dessen auffallende Uebereinstimmung mit den bessern altern Messungen.
So z.B. existirt eine Lothung des Thunersee's vom Jahr 1761, von Ingenieur Brenner aus Basel, d.h. 105 Jahre vor unserer Messung ausgeführt, deren grösste Tiefen auf ein paar Klafter mit den neuen übereinstimmten, und was namentlich viel sagen will, in der Gegend der Nase bis Spiez eine gratähnliche Erhöhung von ein paar Metern anzeigt, also das Becken des Thunersee's in ein oberes und unteres scheidet. Leider ist aber die horizontale Darstellung derart falsch, dass jede weitere Vergleichung, z.B. zwischen der damaligen Schutthalde der 1714 in den See geführten Kander mit derjenigen von 1866 zur reinen Unmöglichkeit wurde. Aus dem ersten Drittel unseres Jahrhunderts stammt auch eine treffliche Lothung des Thunersee's von dem verstorbenen ehemaligen Dampfschiffcapitän, Oberst Knechtenhofer von Thun. Sie bezieht sich aber mehr auf Landungsplätze und zeigt bei grössern Tiefen immer 10 Procent zu viel, weil die Zusammenziehung der Schnur nicht berücksichtigt wurde.
Ebenfalls eine bessere Arbeit ist diejenige des bekannten Professor Charles Martins aus Montpellier über den Genfer- und Brienzersee * ), wo die tiefsten Stellen auf je einen Meter mit den neuern Messungen übereinstimmen. Die andern Angaben über den Thuner-und Urnersee ( Vierwaldstättersee gegen Flüelen hin ) gelten nicht für die grösste Tiefe. Aus dieser lieber-
* ) In „ Archive des sciences de la bibliothèque universelle de Genève, août 1866 ", zu finden.
einstimmung ergiebt sich die grosse Sicherheit solcher Tiefenmessungen, wenn sie an der Hand wissenschaftlicher Bestrebungen ausgeführt werden, und wir Alle, die bisher in diesem Sinne mitgewirkt haben, können bezeugen, dass wenn man auf festen Boden, besonders etwa auf eine abgeschwemmte Felsplatte stiess, man deutlich bei wiederholtem Rückziehen oder Hinablassen das Sichniederlegen des Gewichtes beobachten konnte.Von auffallenden andern Wahrnehmungen seien hier nur zwei erwähnt, beide aus dem Zürchersee.Vor der Halbinsel Au stieg die Tiefe bei mehr als 10 Meter vom Ufer nur auf ungefähr einen Meter an; an einer Stelle aber sah dort der See gleich ausserhalb dunkelblau aus, so dass man sich eines Schwindelgefühls nicht erwehren konnte, besonders da es gerade im Mai war, wo die Klarheit des Wassers kurz vor dem sogenannten Seeblühen am grössten war. Man liess das Schiff festhalten und hielt nun das Gewicht von freier Hand einen Meter auswärts. Es berührte in circa acht Meter eine vorspringende noch sichtbare Nage]flueplatte, während sonst die Sichtbarkeit der weissen Lothschnur bei Sonnenbeleuchtung nur bis acht Meter ging. Ein paar Dezimeter mehr auswärts sank das Gewicht fort und fort, und erst bei 54 Meter sass es auf. Hier ist also ein Nagelflueriff von 53 Meter senkrechter Höhe. Die andere Wahrnehmung stammt ganz aus der Nähe, ungefähr zwischen Wädensweil und Obermeilen annähernd in der Mitte des See's. Das Schiff wurde im Laufe durch das Gewicht, welches ungefähr in 60 Meter Tiefe belassen wurde, plötzlich aufgehalten. Zugleich wurde das Gewicht auch im senkrechten Sirine aufgehalten und wollte weder beim Vor- oder Rückwärtsgehen des Schiffes sich lösen.
Man war genöthigt, Gewalt anzuwenden und befürchtete schon, die Schnur zerrissen zu haben, als beim Aufwinden am Gewichte ein Tannnenzweig zum Vorschein kam. Wiederholte Lothungen an scheinbar gleicher Stelle zeigten immer über 100 Meter Tiefe an. Da man einen Fischer in ziemlicher Nähe bemerkte, steuerten wir auf denselben zu, ihm diese seltsame Erfahrung mittheilend. Er sagte nun, dass man in dieser Gegend eine Tanne, die gehörig mit Steinen beschwert wurde, der Fische wegen senkrecht in den See niedergelassen habe, und nannte drei Richtungen, auf die man sich einstellen müsse, wenn man sie auffinden wolle. Allein wiederholtes Suchen in der Gegend herum und bei 100 Meter tief hinabgelassenem Gewichte liess leider die Stelle nicht wieder auffinden.
Die Lothungen im Zürchersee, Spätherbst 1853 begonnen, wurden der Nebel wegen auf Frühjahr 1854 verschoben, die vom Thuner- und Brienzersee im Sommer 1866, die vom Bielersee 1867 vollendet. Die neuesten Messungen im obern Genfersee sind vom Sommer 1873. Die Ergebnisse des Zürchersee's in seinem Detail finden sich im topographischen Bureau in Zürich und mit Horizontalen und einzelnen Zwischenhöhen in der Zürcher Kantonskarte im 1: 25.000.Vom Thuner-und Brienzersee existiren photographische Kopien der Originale im 1: 50,000 mit sämmtlichen gemessenen Punkten und die allgemeine Darstellung in der grossen eidgenössischen Karte. Der Bielersee ist noch nicht gezeichnet, der Murtensee findet sich in Nro. 314 ( Murten ) der neuen eidgenössischen Karte, und vom Genfersee existirt erst eine Zeichnung im 1:
25,000, ausgeführt durch Hrn. Ingenieur Gösset, der auch die Vermessung besorgte.
Im Allgemeinen hat es sich gezeigt, dass die meisten altern Angaben über Seetiefen übertrieben sind. Der " Zürchersee sollte vor der Au am tiefsten sein und 90 Klafter, d.h. über 160 Meter messen; am tiefsten Punkte vor Oberrieden misst er nur 142 Meter. Der Greifensee soll noch tiefer sein, nämlich 96 Klafter oder etwa 173 Meter Tiefe haben; bei der Aufsuchung einer Leiche in der vermeintlich tiefsten Gegend betrug das Maximum 118 Fuss oder 35 Meter. Vom Wallensee erwartete man auch eine grosse Maximaltiefe; es scheint aber, dass man bei der Aufsuchung des untergegangenen Dampfschiffs Delphin bei 480 Fuss oder 144 Meter der grössten Tiefe nahe war. So wurde auch von einer verhältnissmässig neuen Messung des Brienzersee's berichtet. Der Schiffer, der mit dabei war, sprach von 1800 Fuss Tiefe, die man aus Mangel einer längern Leine umfahren habe, und dass darauf * gestützt die grösste Tiefe vor dem Giessbach auf 2100 Fuss oder 630 Meter berechnet worden sei. In der betreffenden Gegend zeigten sich nur Tiefen von wenig mehr als 200 Meter. Eine Angabe von 2020 Fuss für die grösste Tiefe des Bodensee's beruht auf einem Irrthum, indem die Dezimale 0 bei 202 Fuss übersehen wurde. Wahrscheinlich werden sich auch die ungeheuerlichen Angaben der Tiefen des Langen- und Comersee's bei genauer Messung bedeutend verkleinern.
Sehr oft hört man sogar bei kleinen S.ee'n die Behauptung aufstellen, sie seien unergründlich tief, oder wie es gewöhnlich heisst bodenlos wenn man Strassen über solche Seelein führen wollte, wie dies beim Katzensee ( Zürich ) der Fall war, wo das durchschnittene Moos nur aus einer wenige Meter dicken Schicht, die auf dem Wasser ruhte, bestand, die von der Last der Strasse zerrissen wurde und statt dessen einen Wasserkanal blicken liess, so bekäme man einen deutlichen Begriff von dem, was das Publikum unter bodenlos versteht.
Bodenlos heisst ein Gewässer, wenn schwere Gegenstände immer tiefer in den Grund oder Schlamm einsinken, wenn Badende sich fast nicht mehr aus demselben herausarbeiten können u. dgl. m. Es ist dies sogar bei Hochgebirgsseen der Fall, in welche Gletscherbäche einmünden.
Die allmälige Zufüllung aller unserer Seen führt früher oder später zu einer nicht unwesentlichen Umgestaltung unserer Flussthäler, deren Gefälle bestimmten Gesetzen unterworfen ist. Vermöge dieser Gesetze können sich neue See'n, tief eingeschnittene Flussthäler oder auch grosse Thalebenen bilden, und so in landschaftlicher Hinsicht merklich verschiedene Bilder hervorbringen. Die Darlegung dieser Aenderungen kann aber nicht in'den vorgeschriebenen Raum gegenwärtiger Mittheilung gebracht werden und ist daher für später zurückgelegt.