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Greenpeace-Aktivisten haben heute früh auf der Atomanlage in Tricastin/Frankreich zwei Banner entrollt mit der Botschaft: „Accident nucléaire à Tricastin, François Hollande : président de la catastrophe?“ (Atomunfall im AKW Tricastin – Ist François Hollande der Präsident der Katastrophe)
Die Aktivisten – auch SchweizerInnen darunter – sind auf dem Gelände des Atomkraftwerks im Süden Frankreichs und auf zwei Verladekräne an den Reaktoren 1 und 3 gelangt. In der Zwischenzeit verdeutlichen weitere Aktivisten den katastrophalen Zustand der Anlage in Tricastin, indem sie einen riesigen Riss auf das Gebäude von Reaktor 1 projizierten mit der Frage, ob Hollande bereit ist einen so hohen Preis zu zahlen.
Mit dieser Aktion fordern sie den französischen Präsident Hollande auf, die baldige Schließung des Atomkraftwerks Tricastin, eine der fünf gefährlichsten Atomanlagen Frankreichs öffentlich anzukündigen. Greenpeace-Atomexperte Yannick Rousselet erklärt: „Die Aktivisten werden nicht eher das Gelände verlassen, bis der französische Präsident die Schließung der Anlage garantiert hat!“
Ein atomares Risiko, das niemandem dient
Ähnlich wie das AKW Mühleberg ist Tricastin eine der Anlagen, die am schlechtesten gegen Naturkatastrophen oder terroristische Angriffe geschützt sind. Das Kraftwerk ist mit einer bisherigen Betriebsdauer von über 30 Jahren die drittälteste Anlange in Frankreich. In der Hülle des Reaktordruckbehälters von Reaktor Nr. 1 wurden um die 20 Risse entdeckt. Trotzdem wird die Anlage weiter betrieben.
Tricastin war einmal vor allem aus dem Grund errichtet worden, die Urananreicherungsanlage George Besse I mit Strom zu versorgen. Diese Anlage wurde im Jahr 2012 geschlossen. Ihr Ersatz, die Anlage George Besse II, die im April 2013 den Betrieb aufgenommen hat, benötigt lediglich fünfzigmal weniger Strom. „Wenn man weiß, dass die Urananreicherungsanlage den Strom von Tricastin nicht mehr benötigt, macht eine Schließung des AKW noch mehr Sinn,“ ergänzt Rousselet.
Die Energiewende entscheidet sich an der Schließung von AKW
Am Donnerstag, den 18. Juli endet in Frankreich die nationale Energiedebatte. Wenn Hollande sein Wahlversprechen einhalten will, den Atomstromanteil am französischen Energiemix von 75 auf 50 Prozent zu reduzieren, dann muss er bis 2017 zehn und bis 2020 20 Reaktoren geschlossen haben.
„Die Energiewende braucht mehr als nur die zugesagte Schließung des AKW Fessenheim“ sagt Rousselet. „Die vom französischen Energieversorger EDF forcierte Laufzeitverlängerung vieler Reaktoren ist keine Option. Sie stellt eine unnötige Gefahr für die Bevölkerung dar und wird für die Energiewende dringend benötigte Gelder verschlingen. Auch gegen den Willen der Atomindustrie muss Präsident Hollande jetzt ein Zeichen seiner Autorität setzen und eine Entscheidung treffen: Die Schließung von Tricastin ankündigen, weitere Anlagen müssen folgen.“
Francois Hollande riskiert mit seiner zögerlichen Atompolitik nicht nur die Sicherheit in seinem eigenem Land sondern auch seiner Nachbarstaaten wie der Schweiz. Ein schwerer Unfall in einer der maroden Anlagen wäre ein Desaster für ganz Europa. Deutschland hat bewiesen, dass ein Atomausstieg möglich ist. Nur mit einem konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien ist die Energiewende auch in Frankreich machbar. Hollande muss nun beweisen, dass sein 50 Prozent-Ziel kein haltloses Lippenbekenntnis war, sondern dass er konsequent an einer zukunftsfähigen Energieversorgung arbeitet.