Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/2596

Louis Blondel
24. November 1885 - 17. Januar 1967
1911 Begründer der Pfadfinderschaft in Genf (Jeunesse Club)
1927 Bundeskommissär Westschweiz
1934 Bundesfeldmeister
1946 Präsident des SPB (bis 1957)
Louis Blondel war einer der wichtigsten Begründer der Pfadfinderbewegung in der Schweiz. Der von ihm ins Leben gerufene Jeunesse Club war eine der ersten nach pfadfinderischen Methoden arbeitenden Organisationen in unserem Land. Schon 1911 baute er so als damals 26jähriger zusammen mit William Borel die Pfadfinderschaft im Kanton Genf auf. Als er beinahe fünfzig Jahre später (1957) zum Ehrenpräsidenten des SPB ernannt wurde, konnte er auf einen Erfahrungsschatz zurückblicken wie kaum ein anderer Pfadfinderführer. Nach seiner Zeit als Kantonalführer der Genfer Pfadfinder wechselte Louis Blondel 1927 ins Bundeskommissariat für die Westschweiz. Als 1934 ein Nachfolger für den aus dem Bundesfeldmeisteramt scheidenden Walther von Bonstetten gesucht wurde, war Louis Blondel unbestrittener und einziger Kandidat.
Von der pfadfinderischen Laufbahn zur Jugendzeit Louis Blondels: Er verbrachte seine Schulzeit in Genf, wo er das Gymnasium besuchte und 1904 erfolgreich die Matur absolvierte. Danach wandte er sich dem Studium der Architektur zu, das ihn über die Universität Genf hinaus auch nach München, Rom und Paris führte. Nach Abschluss des Studiums arbeitete er als Kantonsarchäologe in Genf (1919 - 1963) und war gleichzeitig in verschiedenen akademischen Gremien tätig. So amtete er unter anderem als Präsident der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (1943 - 1951) und als Vize-Präsident der Eidgenössischen Kommission für historische Denkmäler (1942 - 1958). In verschiedenen Publikationen befasste er sich mit Städtebau (Les faubourgs de Genève au XVème siècle - 1919; Le développement urbain de Genève à travers les siècles - 1946) und mit einzelnen Bauwerken, vornehmlich Türmen und Schlössern (La tour de Lancy - 1924; Châteaux de l'ancien diocèse de Genève - 1956; Châteaux du Valais - 1963). Daneben veröffentlichte er zahlreiche Artikel in verschiedenen Zeitschriften. Für seine Tätigkeiten und Publikationen wurde er 1936 mit dem Ehrendoktortitel der Universität Basel, 1942 mit demjenigen der Universität Genf geehrt.
Louis Blondel heiratete am 14. September 1920 Claire Bonnard. Die Familie erweiterte sich durch einen Sohn und eine Tochter zum Quartett. Auch politisch war Louis Blondel interessiert. Als langjähriges Mitglied des Parti Libéral gehörte er zwischen 1918 und 1943 dem Gemeinderat von Lancy an. Seine Konfession war protestantisch; im Militär bekleidete er den Rang eines Oberleutnants.
Louis Blondel war zweifellos ein weniger charismatischer Mensch als sein Vorgänger im Bundesfeldmeisteramt. Forsches und pointiertes Auftreten wie es Walther von Bonstetten gepflegt hatte, entsprach nicht seiner Wesensart. Die Quellen beschreiben Louis Blondel als gewissenhafte, sehr analytisch denkende Persönlichkeit. Seine Anliegen - und natürlich auch die des Pfadfinderbundes - konnte er aber nötigenfalls energisch vertreten. Louis Blondel war ein exzellenter Redner, der seine Zuhörer auch bei längeren Ausführungen zu fesseln vermochte. Auch im pfadfinderischen Bereich bestach er durch fachliche Kompetenz, die er im SPB durch die Organisation und Durchführung von mehreren Führerfortbildungs- und Gilwellkursen untermauert hatte. Seine Wahl zum Bundesfeldmeister war denn auch vollkommen unbestritten.
Beinahe unglaublich ist, wieviel Energie Louis Blondel für seine verschiedenen Tätigkeiten zu mobilisieren vermochte. Neben beruflichen und pfadfinderischen Aktivitäten publizierte er Schriften und wirkte - meist in leitenden Funktionen - in zahlreichen weiteren Organisationen mit. Ausserdem betätigte er sich als Zeichner; alle seine Publikationen wurden von ihm selber illustriert.