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Jacques Martin Hotteterres «Principes de la Flûte» neu übersetzt, kommentiert und ergänzt.
Für das Spiel auf der einklappigen Traversflöte, der barocken Blockflöte und der Barockoboe sind Hotteterres Principes immer noch von so grundlegender Bedeutung, dass der heutige Spieler nicht umhin kommt, dieses Werk zu studieren und «dessen Grundbegriffe in sein eigenes Werk zu integrieren». Dies bemerkt der auf alte Musik spezialisierte Flötist und Herausgeber Karl Kaiser im Vorwort. Kaiser hat das Lehrwerk neu übersetzt, um die «Zielrichtung Hotteterres und auch seine spezifische Ausrichtung für heutige Musiker zu vermitteln». Er weist aber auch darauf hin, dass jeder Musiker seine künstlerische Position selber finden müsse. Gleichzeitig reichert er die Übersetzung mit zahlreichen Kommentaren an, in welchen er ausführliche Ergänzungen und Erklärungen zum Originaltext gibt. Hotteterre selbst schrieb im Vorwort, dass er die Anfangsschwierigkeiten, «die normalerweise zu den beschwerlichsten zählen», ebnen wolle und dass sein Lehrwerk auch dem Selbststudium dienen könne.
Der Flötist gliedert sein Werk über die Grundbegriffe, die «Principes», in zwei «Traités» für Traversflöte und Blockflöte und schliesst mit einer kurzen «Méthode» für Oboe. Im ausführlichen Traité über die Traversflöte beschreibt Hotteterre zunächst die Haltung (Kapitel I), um «schöne Grazie mit Gewandtheit zu verbinden», und den Ansatz (Kapitel II) und empfiehlt dabei, seine Ratschläge vor einem Spiegel übend anzuwenden. In Kapitel III und IV geht er auf die Griffweise der Traversflöte ein, indem er systematisch zunächst die «natürlichen Töne» ohne Vorzeichen und die Triller auf diesen Tönen erklärt und zu jedem Griff einen konkreten Fingersatz empfiehlt. In Kapitel V und VI verfährt er in derselben Weise mit den erhöhten und vertieften Tönen und ergänzt in Kapitel VII noch Spezialgriffe. Am Ende des Lehrwerks befinden sich übersichtliche Tabellen der Griffe in heutiger Notation und mit allen im Text beschriebenen Varianten. In Kap. VIII und IX widmet sich Hotteterre der Artikulation und den Verzierungen, die seiner Meinung nach «absolut notwendig sind für die Vollkommenheit des Spiels». Selbstverständlich sind die darin behandelten Aspekte wie das inegale Spiel und Verzierungen wie Battements, Flattements etc. auch für andere Instrumente von Bedeutung. Speziell die inegale Spielweise behandelt Hotteterre 1719 in seinem zweiten Lehrwerk L`Art de Préluder, das im selben Verlag auch in neuer Übersetzung von Dagmar Wilgo bereits erschienen ist (EW 815; vergl. Rezension von Matthias Arter SMZ 6/2012 S. 30). Der «Traité pour la flûte à bec» fällt viel kürzer aus und gibt nur knappe Hinweise zur Körper- und Fingerhaltung und auch die «Méthode» für Oboe umfasst nur wenige Seiten, was damit zusammenhängen kann, dass Hotteterre hauptsächlich Flötist war.
Es stellt sich am Schluss die Frage, warum dieses Lehrwerk immer noch im Schatten des Versuchs einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen von Johann Joachim Quantz aus dem Jahre 1752 steht, der zwar wesentlich ausführlicher die von Hotteterre behandelten und zahlreiche weitere Aspekte beschrieb, sich im Aufbau der Basiskapitel aber doch weitgehend an dessen Lehrwerk hielt und dieses im «Ersten Hauptstück» eigens erwähnte.
Jacques Martin Hotteterre, Principes de la Flûte, Kommentierte Fassung aus dem Französischen mit Einführung und Zusammenfassung sowie Grifftabellen für Traversflöte, Blockföte und Oboe von Karl Kaiser, EW 924, € 24.50, Edition Walhall, Magdeburg 2014-06-12