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Die Clearingstelle der Märkte im Mittelalter
Der Markt für Goldwechsel ist die Clearingstelle des Goldstandards. Es wäre undenkbar, alle Waren vom Erzeuger bis zum Verbraucher nur mit Goldmünzen zu finanzieren. Ein 100-prozentiger Goldstandard ist reine Phantasie. Gold ist einfach nicht in ausreichender Menge vorhanden, um alle Zahlungen der Wirtschaft in Gold zu ermöglichen. Selbst wenn es möglich wäre, der Goldstandard wäre ein Hemmnis für den technologischen Fortschritt. Jeder Fortschritt der Arbeitsteilung würde die Geldmenge unangemessen verringern.
Ein sinnvoller Vergleich sind die grossen mittelalterlichen Märkte wie die von Barcelona, Lyon, Leipzig und andere, wo Goldmünzen kein direktes Tauschmittel waren. Eine Variante der Goldwechsel waren dort Quittungen. Alle Käufe und Verkäufe am Markt wurden mit Quittungen vorgenommen, wodurch die Notwendigkeit für Goldmünzen entfiel. Für die Quittungen der Verkäufer konnte jedes auf der Messe angebotene Gut erworben werden. Am Ende des Markts wurden die Quittungen verrechnet und die Differenz zwischen verkauften und gekauften Waren bei der Verrechnungsstelle in Goldmünzen ausgezahlt. Es wäre nicht möglich gewesen, Märkte ohne solche Verrechnungsstellen zu organisieren und gute Geschäfte zu machen.
Warum 1925 Englands Rückkehr zum Goldstandard zum Scheitern verurteilt war
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zerstörte den Markt für Goldwechsel und den internationalen Umlauf von Goldwechseln, als die Produktion für zivile Zwecke den Kriegsanstrengungen untergeordnet wurde. Nach dem Waffenstillstand im Jahre 1918 wurde den Goldwechseln das Comeback aus politischen Gründen verwehrt. Das Verbot des internationalen Umlaufs von Goldwechseln blieb auch nach 1925 wirksam, als Großbritannien zum Goldstandard zurückkehrte. Die siegreichen Entente-Mächte bevorzugten den bilateralen vor dem multilateralen Handel, um den Aussenhandel Deutschlands an die Leine zu nehmen. Sie begriffen nicht, dass der internationale Goldstandard ohne sein lebenswichtiges Organ, die Clearingstelle, mit anderen Worten, der internationale Markt für Goldwechsel, nicht lebensfähig war und dass der bilaterale Handel weit größere Goldreserven erfordert als der multilaterale Handel, über welche sie nicht verfügten. Deshalb verursachte der britische Goldstandard eine Deflation und scheiterte.
Die Krise begann im Jahr 1931 mit Grossbritannien, das den Goldstandard verliess und setzte sich 1933 fort, als die USA dessen Beispiel folgten. Im Jahr 1936 warfen Frankreich und die Schweiz, die letzten Bastionen des Goldstandards, das Handtuch. Die Depression wurde dem Goldstandard in die Schuhe geschoben und er wurde als deflationär deklariert. Die Wahrheit jedoch ist, dass nicht der Goldstandard deflationär war, sehr wohl aber das System des bilateralen Handels, dass die Briten wieder einzuführen versucht hatten. Der bilaterale im Vergleich mit dem multilateralen Handel ist wie eine Schubkarre neben einem Düsenflugzeug oder, um die Dinge beim Namen zu nennen, es ist ein reiner Tauschhandel, was von den Ökonomen der angelsächsischen Länder völlig übersehen wurde. Im Gegensatz dazu hatte der deutsche Ökonom Heinrich Rittershausen (1898-1984) ein viel besseres Verständnis der Funktion der Goldwechsel bei der Finanzierung des Welthandels. Er sagte voraus, dass es zum Wirtschaftszusammenbruch kommen würde, was dann tatsächlich auch im Jahr 1929 der Fall war.