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Salsa Schule Luzern
Die Entstehung des Salsa
Text (Kurzfassung) von Samantha Ziegler, Salsamania, in Zusammenarbeit mit Cheo Feliciano und Ismael Miranda (Fania All Stars).
Tanz und Musik sind zwei Elemente, die untrennbar zusammen gehören und so haben sich auch im Genre, das wir Salsa nennen, beide Bereiche gemeinsam entwickelt.
Einfach gesagt, ist Salsa eine Mischung verschiedener afrokaribischer und europäischer Tanz- und Musikstile. Daher auch der Name, der übersetzt „Sauce“ bedeutet und auf die verschiedenen Zutaten und Geschmäcker hinweist, die den Tanz so reichhaltig machen; nicht nur reich an Rhythmen, an Bewegungs- und Figurenelementen, sondern auch an Geschichte und Kultur.
Kolonisation
Der Ursprung des Salsa führt uns zurück bis in die Zeiten der Kolonisation, in der europäische Kolonialherren Lateinamerika und die Karibik besetzten und neben ihren eigenen Traditionen und Tänzen auch afrikanische Sklaven einführten, die ihrerseits eigene Bräuche und Tanzformen mitbrachten. Beide Tanzkulturen hatten ihre je eigenen Ausprägungen.
Die europäischen Tänze waren Gesellschaftstänze. Sie wurden an Bällen, an Festen und Feierlichkeiten von in einer Gruppe von Menschen getanzt; die Tänzer bewegten sich dabei aber paarweise und bereits in einer ähnlichen Tanzhaltung wie beim heutigen Paartanz über die Tanzfläche. Der Tanz folgte häufig einem 4/4-Takt und basierte auf unterschiedlichen, festgelegten Figuren, die auf Anweisung eines „Ansagers“ von allen gemeinsam zu den Klängen eines Orchesters getanzt wurden.
In der afrikanischen Tradition der Sklaven hingegen wurde Musik und Tanz als Gemeinschaftserlebnis verstanden, das vor allem bei religiösen Feierlichkeiten eine grosse Rolle spielte und bei dem sich jeder Einzelne einbrachte. Einige Trommler spielten einen sich immer wiederholenden Rhythmus, während andere eigene Rhythmen untermischten. Diese Rhythmen konnten sehr komplex und variierend sein, weshalb ein Vortrommler die Clave spielt – einen Grundrhythmus, an dem sich alle anderen orientierten. Die Zuschauer und Zuhörer blieben dabei nicht untätig. Sie unterstützten die Spieler durch Stampfen oder Klatschen oder folgten den Rhythmen durch Bewegungen mit Schultern, Oberkörper, Hüften, Knien.
Obwohl die beiden Kulturen in der kolonialen Gesellschaft in unterschiedlichen Sphären lebten und dazu die Traditionen der Sklaven häufig unterdrückt oder gar verboten wurden, fanden sich doch immer auch Freiräume und gemeinsame Treffpunkte und langsam aber stetig fanden afrikanische Tanzelemente ihren Weg in die europäischen Gesellschaftstänze und die Trommel-Rhythmen mischten sich mit den Gitarren- und Pianoklängen der spanischen und französischen Musiker. Aus dieser ersten Verschmelzung der Kulturen entwickelten sich im Laufe der Zeit in verschiedenen Ländern unterschiedliche Tänze wie Son, Plena und Bomba, Guaracha und Guaganco, die sich ihrerseits zu einer weiteren Reise aufmachten.
Nachkriegszeit
In den fünfziger und sechziger Jahren wanderten zahlreiche Menschen aus Lateinamerika und der Karibik nach Amerika aus, vor allem nach New York, wo sie sich in den Vierteln Spanish Harlem und Bronx niederliessen. Die Lebensverhältnisse dort waren für die Einwanderer nicht immer einfach und in Anbetracht eines Gefühls des Fremdseins am neuen Lebensort und der Konfrontation mit Diskriminierung und Benachteiligung besannen sich viele Menschen auf ihre traditionelle Musik und ihre Tänze zurück, in denen sie Halt und zugleich einen Kontrapunkt zur amerikanischen Kultur fanden.
Ismael Miranda von Fania All Stars (siehe unten) erinnert sich: “Salsa ist nichts anderes als afro-antillanische Musik. Wir, die Puerto-Ricaner, die in New York und anderen Orten lebten, bemühten uns, dass diese afro-antillanische Musik auch im Ausland weiterlebte und nicht ausstarb. Denn es war sehr gute Musik; Musik, die eine sehr tiefe Kultur hatte und die wunderschön war.“
So kam es, dass es Mitte der sechziger Jahre in New York eine Unmenge von lateinamerikanischen Orchestern gab, die afrokaribische Rhythmen spielten. Es existierten zahlreiche Tanzlokale und an einem Wochenende konnte man gut und gerne zwanzig oder dreissig Tanzveranstaltungen finden, auf denen jeweils zwei oder drei Orchester spielten. Dies bewegte mehr und mehr junge lateinamerikanische Musiker, vor allem aus Puerto Rico, dazu, auch nach Amerika, nach New York, auszuwandern und die puerto-ricanische Musikszene in New York wurde immer grösser.
Cheo Feliciano, von Fania All Stars, erzählt: „In dieser Zeit spielte man vor allem afrokubanische Rhythmen. Die Musik stammte hauptsächlich aus Kuba, die Musiker waren aber vor allem Puerto-Ricaner. Und auch die Leute, die in New York tanzten, waren hauptsächlich Puerto-Ricaner.“
Die jungen Musiker spielten in verschiedenen Orchestern. Sie begannen die Rhythmen und Stile zu mischen und einen Rhythmus zu kreieren, der den „Geschmack“ aller karibischen Rhythmen vereinte und sich darüber hinaus auch von den Einflüssen der neuen Umgebung inspirieren liess. Die Instrumentation von Jazz-Orchestern fand Eingang in traditionelle Musik gemischt und es entstand ein neuer Musikmix, der viel schneller war als andere, schon bekannte afrokaribische Rhythmen – Salsa war geboren.
Fania All Stars
Ein Geschäftsmann, Jerry Masucci, und ein Musiker, Johnny Pacheco, wurden auf das Talent der vielen puerto-ricanischen Musiker aufmerksam und hatten 1968 die geniale Idee, die besten Musiker, Sänger und Dirigenten von verschiedenen Orchestern in einer Gruppe zu vereinen. Dies war der Anfang des grössten Salsa-Orchesters aller Zeiten: Fania All Stars.
Im August 1971 traten die Fania All Stars in grosser Aufmachung im Club Cheetah in New York auf. Mit so grossem Erfolg, dass daraufhin im Jahr 1972 der Film Our Latin Thing erschien, der Ausschnitte aus dem Konzert zeigte und ausserdem vom Leben in den Latinovierteln New Yorks erzählte. Dieser Film wiederum führte zu einem neuen Konzert, Platten und zu einem weiteren Film mit den Fania All Stars. Dieses Mal hatte der Titel Auswirkungen, die bis heute anhalten. Der Film hiess Salsa (1976). Danach ging alles sehr schnell. Die Gruppe wurde bekannt, es gab Reisen in Amerika und nach Europa. Das Salsafieber hatte begonnen und steckt bis heute ungebrochen Menschen in allen Nationen der Welt an.
Die breite Begeisterung für Salsa-Musik mag einerseits daher rühren, dass sie sehr vielseitig ist und jeder etwas für seinen Geschmack findet. Die Skala reicht von ruhigen Balladen bis zu treibenden Stücken, die vom Tempo her kaum noch tanzbar sind.
Aber gerade auch die Geschichte des Salsa, der kulturelle Hintergrund, spricht wohl – bewusst oder unbewusst – die Menschen an. Salsa ist ein Musterbeispiel dafür, wie aus der Zusammenwirkung verschiedener Kulturen und Traditionen etwas Neues entstehen kann. Salsa ist Ausdruck von Individualität und Gemeinschaft zugleich, von Erneuerung und Innovation im Zusammenspiel mit Vergangenheit und Tradition.
Salsa ist Bewegung und Veränderung, Variation und Improvisation. Das Zusammenspiel der Musiker orientiert sich am Clave-Rhyhtmus, während doch jedem Instrument, jedem Musiker und darüber hinaus auch jedem Tänzer Platz für Improvisation bleibt. Jeder Teil bringt sich ein und gemeinsam entsteht die unvergleichliche Mischung – SALSA.