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annabelle: Bel Di Lorenzo, weshalb soll ich Pompoir lernen?
Bel Di Lorenzo: Wenn du Pompoir beherrschst, kannst du mit deiner Vagina pulsieren, vibrieren, am Penis ziehen, ihn drehen, einschliessen, melken – also etwas tun, das an eine Pfeffermühle erinnert. Insgesamt gibt es 27 verschiedene Bewegungen. Für den Mann fühlt es sich an, als bekäme er einen Handjob, aber du benutzt einzig deine Vagina, also die Muskeln deines Beckenbodens.
Und was habe ich davon?
Der Sex wird für beide aufregender! Wenn deine Muskeln stärker und dadurch auch stärker durchblutet sind, werden die Orgasmen intensiver. Viele Frauen finden Penetration nicht besonders erregend und stimulieren sich vor allem über die Klitoris. Wer die Vaginalmuskeln trainiert, findet den Geschlechtsverkehr erregender und kommt so eher zum Orgasmus, ohne zusätzliche klitorale Stimulation. Und zu guter Letzt wurde bewiesen, dass Beckenbodentraining die Libido steigert.
Wie lerne ich Pompoir?
Du trainierst, wie du auch andere Muskeln, zum Beispiel deinen Bizeps, trainieren würdest: mit Ausdauer und regelmässigen Wiederholungen. In dem Online-Kurs, den ich entwickelt habe, sind das fünfmal pro Woche, drei Wochen pro Monat, immer etwa 20 bis 30 Minuten Training. Die Übungen erinnern an klassisches Beckenbodentraining, sind aber etwas komplexer. Wenn du den Kurs absolvierst, wirst du nach zwei Wochen schon erste Veränderungen spüren, nach drei Monaten die einfachen Techniken beherrschen und nach sechs Monaten auch die schwierigen Übungen können. Fürs Training brauchst du Liebeskugeln und einen Dildo, aber meistens reichen deine Finger, um zu überprüfen, ob du alles richtig machst. Wichtig ist auch, nach jedem Training genug Zeit fürs Stretching einzuplanen. Sonst ist man schnell verspannt und verkrampft.
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Muss der Mann beim Sex stillhalten, damit er meine neu erlernte Akrobatik spürt?
Nein. Du machst die Techniken während der Penetration. Das Tempo des Mannes ist dabei unwichtig. Ausser beim sogenannten «Locking». Dabei stoppt die Frau die Bewegung und schliesst den Penis sozusagen ein. Will sie seinen Orgasmus hinauszögern, bietet sich diese Technik an. Sonst gibt es keine Empfehlung, welche Technik zu welcher Stellung passt. Das ist für jede Frau anders. Einige Übungen eignen sich besser in der Missionarsstellung, andere sind besser, wenn die Frau oben ist. Im Kurs übst du deshalb alle Techniken in vier Positionen: auf dem Rücken liegend, sitzend, stehend und auf allen vieren.
Woher kommt Pompoir?
Es heisst, die Technik habe ihre Ursprünge in Indien und sei später in China und Thailand perfektioniert und modernisiert worden. Einige Spuren führen auch zu den Devadasis, indischen Tempeltänzerinnen, die Pompoir als Teil ihrer Ausbildung lernen mussten. Und im antiken Griechenland, so heisst es, haben Hetäre, gebildete Sexarbeiterinnen der gehobenen Klasse, gelernt, einen Phallus aus Ton mit ihren Vaginalmuskeln zu spalten. Es gibt viele Kulturen, die behaupten, dass Pompoir von ihnen stamme.
Wie bist du auf Pompoir gekommen?
Ich war schon immer fasziniert von Sex, nur hatte ich lange keinen. Ich bin eine Spätzünderin und hatte mein erstes Mal mit 22 Jahren. Typisch für die Musterschülerin, die ich war, habe ich aber früh alles über Sex gelesen, was ich finden konnte. Ganz nach dem Motto: Wenn es endlich so weit ist, will ich die Beste darin sein. So bin ich irgendwann auf Pompoir gestossen.
Du hast vor deinem ersten Mal schon all diese Techniken beherrscht?
Ich habe mich erst richtig mit Pompoir auseinandergesetzt, als mein Liebesleben mit meinem Freund eingeschlafen ist. Ich wollte dies ändern und habe alle Bücher zum Thema gesucht und teilweise übersetzen müssen. Tagsüber habe ich trainiert, was ich gelesen habe und abends hatten wir eine Art Recherche-Sex. Ich fragte währenddessen zum Beispiel: «Spürst du, dass ich die rechte Seite nach innen drücke? Wo merkst du meinen Klammergriff, ganz unten oder weiter oben am Schaft?» Unser Sexleben hat sich dadurch komplett verändert. Wir hatten plötzlich die Libido von Teenagern. Ich habe einigen Freund:innen meine Erkenntnisse weitergegeben und als sie auch begeistert waren, habe ich einen Online-Kurs entwickelt.
Box zur Person: Bel Di Lorenzo (25) ist in Buenos Aires geboren und aufgewachsen. Die Argentinierin hat im Oktober 2021 ihren ersten Online-Kurs zu Pompoir lanciert. Ihre Kundinnen stammen mehrheitlich aus den USA und aus Europa. Der Kurs ist so erfolgreich, dass sie nach nur einem Jahr ihren Job niederlegen und sich ganz auf ihre Firma Goh!ddess konzentrieren konnte.