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Inhalt und Ziel des Forschungsprojekt
Das Ende des Zweiten Weltkriegs war nicht das Ende der Diktaturen in Westeuropa. Die autoritären Regime in Spanien und Portugal erschienen ihren westlichen Nachbarn nach 1945 einerseits als Relikte des überwundenen Faschismus. Andererseits waren sie aufgrund geostrategischer Interessen und dem gemeinsamen Feindbild des Kommunismus willkommene Partner und wurden in der politischen Rhetorik der Zeit häufig zum „freien Westen“ gezählt. Gleichzeitig schuf der entstehende Massentourismus in den Süden ein neues Beziehungsfeld. Tourismus bewegte Millionen an Menschen und Kapital. An seinem Funktionieren waren Herkunfts- und Zielländer der Touristen sowie staatliche und privatwirtschaftliche Akteure interessiert.
Das Forschungsprojekt analysiert Tourismus aus den westeuropäischen Demokratien in die westeuropäischen Diktaturen Spanien und Portugal vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch der Regimes 1974/75 als wichtigem Faktor in dieser komplexen Beziehungsgeschichte. Es zeigt auf, wie Tourismuspolitiker aus Diktaturen und Demokratien nicht nur den Tourismus förderten, sondern gleichzeitig damit auch die politische Distanz zwischen Demokratien und Diktaturen in Westeuropa verringerten. Dies geschah mit Hilfe wirtschaftlicher Kooperationen, mit Legitimierungen der Diktaturen durch touristische Stereotype und mit dem Postulat, Tourismus sei etwas „Unpolitisches“. Diese Tourismuspolitik trug dazu bei, dass die Diktaturen der Iberischen Halbinsel zu „Europas liebsten Diktaturen“ wurden.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Mit einer transnational angelegten Kulturgeschichte der Tourismuspolitik möchte das Projekt einen neuen Blick auf das Verhältnis von Demokratie und Diktatur innerhalb Westeuropas nach 1945 ermöglichen. Es soll damit einen Beitrag zu Spannungen und Widersprüchen von Demokratievorstellungen in den westeuropäischen Nachkriegsgesellschaften leisten.