Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03470.jsonl.gz/2415

Das dramatische Werk des Sturm-und-Drang-Autors Heinrich Leopold Wagner (1747-1779) wird von der Frage dominiert, wie sich bürgerliche Identität im 18. Jahrhundert in den soziokulturellen und literarhistorischen Diskursen formiert. Die vorliegende Arbeit, deren zentraler Bezugsrahmen die gesellschaftsstrukturellen Veränderungsprozesse des 18. Jahrhunderts bilden, gliedert sich in zwei Teile. Unter Berücksichtigung eines systemtheoretischen Zugangs, der um gendersensible Aspekte ergänzt wird, wird der Blick zunächst auf die diskursive Formation bürgerlicher Identität in Aufklärung, Empfindsamkeit und Sturm und Drang gelegt. Im Anschluss daran konzentriert sich die Analyse der Dramen "Der Wohlthätige Unbekannte" (1775), "Die Reue nach der That" (1775) und "Die Kindermörderin" (1776) auf Mechanismen der Identitätskonstruktion und lässt transparent werden, inwiefern sich das bürgerliche Individuum im Spannungsfeld von Autonomie und Heteronomie bewegt. Durch die Erweiterung der Individualitätssemantik um die Kategorie Geschlecht werden neue Perspektiven eröffnet, die zeigen, welche Erkenntnisse sich für heutige gesellschaftliche Strukturen daraus gewinnen lassen.
Autorentext
Lisa Wille, Magisterstudium der Germanistik, Kunstwissenschaft und Philosophie sowie Bachelorstudium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel. Seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft der TU Darmstadt. Weitere Forschungsinteressen sind neben der Literatur des 18. Jahrhunderts die Literaturwissenschaft im Kontext von Kultur, Gender und Ökonomie.