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Fröhlich und verquatscht haben sie ihren Ruf bereits zu Entdeckerzeiten begründet – und sie wurden sogar zu einem Symbol für das Land Brasilien – die Papageien.
Sie kommen praktisch in allen brasilianischen Ökosystemen vor, ohne sich zu vermischen. Als ob jede Spezies sich ein Haus ausgesucht und sich, darüber hinaus, auch noch eine exklusive Verhaltensweise angewöhnt hätte, um sich vom Nachbarn zu unterscheiden. Unter fast 80 Arten von Psittacidae (Familie der eigentlichen Papageien), welche in Brasilien leben, kann man 13 als Papageien bezeichnen.
Von denen lebt eine Art im Mangrovewald Amazona amazonica (Venezuela-Amazone) – eine lebt im Cerrado Amazona xanthops (Goldbauchamazone) – eine andere zieht die offeneren Campos vor Amazona ocrocephala (Gelbscheitelamazone) – eine weitere lebt in de Araukarienwäldern des Südens Amazona petrei (Goldmaskenamazone) – eine andere Amazona vinacea (Taubenhalsamazone) hat das Dickicht der Restinga zwischen Süd und Südost zum Habitat erkoren – und noch eine andere Amazona festiva (Blaubartamazone) findet man nur in den “Várzeas“ Amazoniens – und so weiter, und so weiter… sie präsentieren eine interessante Reihe ihrer jeweiligen bevorzugten Habitats. Die weniger anspruchsvolle Art ist der so genannte Papageio-verdadeiro – Amazona aestiva (Blaustirnamazone), der ursprünglich vom Nordosten (Piauí) bis nach Rio Grande do Sul und dem nördlichen Argentinien heimisch war.
Man kennt ihn als den Papagei, der am besten Sprechen lernt, und genau deshalb wird diese Art vom illegalen Tierhandel am meisten gesucht. Die Strategie der brasilianischen Papageien, sich nicht zu mischen, hat mit dem regional jeweils zur Verfügung stehenden Nahrungsangebot zu tun. Sie vermeiden auf diese Weise Futterneid und daraus folgende Kämpfe innerhalb ihresgleichen, denn ihr kräftiger Schnabel – der wie eine Zange funktioniert und die härtesten Palmnüsse zu knacken vermag, um an das begehrte Fruchtfleisch zu gelangen – bringt ihnen Vorteile gegenüber Nagetieren und anderen Vögeln, würde aber gegen ihresgleichen unentschieden ausgehen, wenn sie dieselben Gebiete bewohnten. Auch hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Nistmöglichkeiten macht diese Strategie der Natur Sinn, denn Papageien bauen keine Nester, sondern sie sind abhängig von Hohlräumen in älteren Bäumen, um dort ihren Anhang unterzubringen und aufzuziehen. Solche Baumhöhlen sind nicht gerade sehr häufig, selbst in einem Gebiet mit intakter Vegetation. Aber die Spezialisierung dieser Vögel bringt auch besondere Probleme für ihre Erhaltung, besonders wenn man auf der einen Seite den Druck von Seiten ihrer Kommerzialisierung und auf der andern die systematische Zerstörung ihres Lebensraums bedenkt.
Wenn wir uns darauf beschränken, nur die Familie der Amazonen – Amazona – als Papageien zu bezeichnen, dann beziehen wir uns auf Vögel von 32 bis 38cm Länge, in dominant grüner Färbung der Federn, einem kurzen Schwanz mit Federn von fast gleicher Länge. Wer sich von dieser Durchschnittsbeschreibung am meisten unterscheidet, ist der Papageio-moleiro – Amazona farinosa (Mülleramazone), denn er erreicht eine Grösse von 40cm, hat einen längeren Schwanz und einen Rücken, der von einem feinen weissen Puder bedeckt scheint, der ihm ein graues Aussehen gibt. Als Bewohner von hohen, weiten Wäldern des Nordens von Mato Grosso, von Pará und Maranhão, gehört er zu den stark bedrohten Arten wegen der Waldrodungen.
Im Durchschnitt bebrütet ein Papageienpaar zwischen 3 und 8 Eiern – nicht immer gelingt ihnen die Aufzucht aller Jungen. Jene Naturschänder stehlen sowohl die Eier als auch die Jungvögel aus dem Nest – mit einer hohen Verlustquote (nach RENCTAS sterben 36% der Jungen bevor sie verkauft werden können). Sowohl Vater wie Mutter kümmern sich um die Jungen. Im Durchschnitt verbleiben die Jungvögel während zweier Monate in der Nisthöhle, danach sind sie flügge und in der Lage, sprechen zu lernen.
Alle Papageien können Stimmen anderer Vögel und sogar von Säugetieren imitieren – inklusive die menschlicher Kommunikation – aber ihre Bereitschaft zu sprechen, schwankt sehr – nicht nur von einer Art zur andern, sondern vom einen Individuum zum andern. Eins ist allerdings bewiesen: Im Gegensatz zu dem, was der Volksmund behauptet, sowohl männliche Tiere wie weibliche können sprechen lernen. “Es gibt viele ausgewachsene Papageien mit vielen Lebensjahren auf dem Rücken, die als “Machos“ bezeichnet werden, nur weil sie sprechen. Und heutzutage, mit der Popularisierung der Geschlechtsbestimmung durch DNA-Analyse, stellen die Besitzer eines solchen Vogels fest, das ihr “Louro“ eigentlich eine “Loura“ ist“, kommentiert Renato Severi, ein kommerzieller Züchter aus São Paulo.
Die Fähigkeit der Papageien zu sprechen wurde bereits in den ersten Berichten der Europäer über die Neue Welt im 16. Jahrhundert hervorgehoben: “Brasilia sive Terra dei Papagalli“ (Brasilien oder Land der Papageien) stand auf den ersten Karten italienischer Spione, auf denen sie unser Land darstellten – so steht es in den “Diarii de Sanuto“. Die Familie der Psitacideae war allgemein bekannt in jener Epoche, durch die Spezies aus Afrika und Asien, die man bereits in Europa ausgestellt hatte. Es folgte ein intensiver Handel mit diesen Vögeln unterschiedlicher Grössen und Farben, die sich die Noblesse an ihre Höfe holten, um ihre Gärten mit ihnen zu dekorieren. Die roten Aras und die grünen Papageien Brasiliens standen schliesslich an der Spitze allgemeinen Begehrens und verursachten ein wahres Wettrennen zur brasilianischen Küste.
Eine Referenz auf die Papageien erscheint schon im ersten Schreiben von Pero Vaz de Caminha, welches er sofort nach der Entdeckung Brasiliens an seinen König in Portugal absandte – zusammen mit ein paar Utensilien, die er von den Indianern eingetauscht hatte: “Man hat dort auch ein paar Klapperschlangen und Kleinigkeiten von minderem Wert mit den Indianern eingetauscht, die mit grossen, roten Papageien erschienen sind, sowie zwei grünen, kleinen mit ebenso grüner Kapuze – ausserdem einer Decke aus bunten Federn, einer herrlichen Arbeit – alle diese Dinge wird Ihre Majestät persönlich in Augenschein nehmen können, wenn unser Kapitän sie überbringt“.
Auch in den Briefen des Paters José de Anchieta werden die Papageien hervorgehoben, nicht nur wegen ihres Aussehens, sondern wegen ihrem intelligenten Verhalten. Anchieta schreibt im Jahr 1554: “Wie reichhaltig die Diversifikation der Vögel in allen erdenklichen Farben tatsächlich ist, kann man nicht leicht erklären. Die Papageien – hierzulande zahlreicher als dort (in Europa) die Raben – sind von unterschiedlicher Herkunft, einige imitieren menschliche Stimmen. Wenn sie in Schwärmen in ein Maisfeld einfallen, bleiben stets ein paar von ihnen als Wächter auf einem der umgebenden Bäume sitzen – und sie drehen sich dauernd nach allen Seiten. Wenn sie die Annäherung eines Menschen ausmachen, geben sie Signal zum Abflug und alle flüchten – wenn keine Gefahren lauern, lösen diejenigen mit vollem Kropf die Wächter ab – die nun ihrerseits zum Feld herunterkommen, um zu fressen“.
Verschiedene andere Aufzeichnungen behandeln die Einschiffung der Papageien nach Europa. Der Franzose Nicolas de Villegaignon soll allein in 15 bis 20 Tagen seiner Verhandlungen mit brasilianischen Indianern unserer Küste zirka 3.000 Papageien übernommen haben, um die später mit Portugal am internationalen Hof diskutiert wurde – wobei es da um die Güter der “ França Antártica“ (der französischen Besetzung Brasiliens zwischen 1555 und 1560) ging.
Die Zeiten haben sich geändert und die Transportmittel mit ihnen. Jedoch stehen der Handel mit Papageien und der internationale Disput über dieses lebendige Erbe der brasilianischen Biodiversifikation weiterhin auf der Tagesordnung. Nach Aussage von Carlos Yamashita, einem Spezialisten der IBAMA für Psittaciden, sind weniger als 1% der in Residenzen als Maskottchen gehaltenen Papageien legalisiert, und er schätzt, dass zirka 30.000 dieser Vögel jährlich kommerzialisiert werden – der grösste Teil stammt aus Nisthöhlen der freien Natur.
Die Daten der Umweltschützer der IBAMA stimmen mit der von der “Rede Nacional de Combate ao Tráfico de Animais Silvstres“ (RENCTAS) durchgeführten Untersuchung überein, nach der zirka 30% der Bevölkerung des Nordens und des Zentralen Westens Wildtiere zuhause halten – und die Papageien sind darunter die Mehrzahl (zwei Drittel der Gesamtheit). “Leider sind viele Papageienarten von der Ausrottung bedroht durch den illegalen Kommerz. Dies ist ein in unserer Kultur eingelagerter Prozess, den wir verändern müssen. Wer glaubt, dass er ein Tier, das er liebt, in einen Käfig sperren muss, der muss sein Konzept ändern! “ erregt sich Dener Giovanini, der Präsident der RENCTAS.
Und weil es noch ziemlich lange dauern wird, bis diese kulturelle Perversion ausgemerzt sein wird, besteht eine Lösung darin, den Handel mit Tieren zu legalisieren – allerdings einzig und allein mit solchen Exemplaren, die bereits in Käfigen geboren wurden. “Es gibt bereits autorisierte kommerzielle Züchter in den bedeutendsten Städten des Landes », versichert Yamashita. Es geht nun darum, den Endabnehmer entsprechend zu sensibilisieren, sowie Mittel und Wege zu finden, Tiere aus illegalem Handel durch entsprechende legale Konsequenzen, sowohl für den Händler wie für den Käufer, so riskant zu machen, dass sich das Geschäft für keinen von beiden mehr lohnt.
Die Baumhöhlen fehlen
Obwohl Papageien in der Lage sind zu graben, und nicht nur Besetzer von fertigen Baumlöchern im Ökosystem sind (wie zum Beispiel die Tukane und Araçaris), erinnert uns Ivan Sazima von der UNICAMP in Campinas, so brauchen Papageien doch auch ein paar Vorbedingungen, um ihre Nistplätze in Baumlöchern zu installieren. Wichtig ist der Durchmesser des Baumes, beziehungsweise des Hohlraums in ihm – breit und tief genug, um seine Familie unterzubringen. Das Holz darf nicht zu hart sein: denn obwohl Papageien einen mächtigen Schnabel haben, können sie ihn nicht über die Massen beanspruchen. Sie ziehen also bereits angefangene Löcher vor, die vom Paar erweitert und entsprechend vertieft werden, um das spätere Gelege und die geschlüpften Jungen ausser Reichweite von Beutejägern zu halten.
In den ursprünglichen Wäldern, Cerrados und Caatingas Brasiliens beherbergten uralte Bäume die gesamte Legion der Papageien, die in diesem Territorium nisteten. Mit der Ausbeutung durch die Sägewerke, dem selektiven Schnitt für Brennholz und der Fragmentierung der natürlichen Vegetation jedoch, verschwanden die Baumlöcher. Und selbst in den wenigen restaurierten Arealen, wo der Wald wieder anfing zu wachsen, reicht der Durchmesser der neuen Bäume heute noch nicht um den Anforderungen der Papageien und Aras zu genügen. Die Maracanãs (Perequitos) und die kleinen Sittiche sind da schon weniger anspruchsvoll – und einige Spezies improvisieren sogar mittels anderer Lösungen, wie zum Beispiel als Untermieter unter einem riesigen Tuiuiu-Nest zu hausen, wie zum Beispiel im Pantanal die (Caturritas) – Mönchsittich – diese kleinen, grünen Sittiche akzeptieren sogar Termitenhügel als Wohnung, oder die Lehmhäuser des João-de-Barro (Rosttöpfer), wenn sie verlassen sind.
Das Fehlen von Nisthöhlen kann zu einer ernsten lokalen Bedrohung für einige Arten werden, die zum Beispiel in exzessiv ausgebeuteten Gebieten leben. Das ist zum Beispiel der Fall beim Papagaio-de-cara-roxa – Amazona brasiliensis (Rotschwanzamazone) und beim Papagaio-de-peito-roxo – Amazona vinacea (Taubenhalsamazone) – beide in begrenzter Verbreitung, der eine im Norden des Bundesstaates Paraná, der andere im Süden des Bundesstaates São Paulo. Letztere hält sich vorzugsweise im Dickicht der Restinga auf, wo er seine Nistplätze innerhalb von Stämmen der Caixeta (Rote Zeder) anlegte, die besonders in letzter Zeit innerhalb eines selektiven Programms gefällt worden sind. Das Holz des Caixeta wird zur Fabrikation von verschiedenen Haushaltsutensilien und zur Bleistiftproduktion verwendet.
Einige Umweltschutzprogramme von GNOs – wie die “Sociedade de Pesquisa em Vida Selvagem e Educação Ambiental“, im Bundesstaat Paraná, versuchen, das Fehlen von Baumlöchern durch künstliche Nisthöhlen aus Holzkisten zu ersetzen. Allein im vergangenen September hat die SPVS 60 solcher “Nistkästen“ für die Papageien in diesem Gebiet aufgehängt.
Warum können sie sprechen?
Die Fähigkeit, menschliche Stimmen zu imitieren ist keine Exklusivität einer einzigen Gruppe von Vögeln, aber wenn es um diese Fähigkeit geht, denkt ein jeder sofort an die Familie der Papageien, der Psittacidae. Es existieren mehr als 340 Arten in dieser Familie, und nicht alle lassen sich zur Stimmenimitation animieren. Sie haben nicht einmal die beste Aussprache, ihre Stimmen sind relativ grell und eigentlich unangenehm. Aber sie sind von Natur aus gute Imitatoren anderer Vogelstimmen oder der Stimmen von Tieren. Der abgerundete Schnabel, die dicke, muskulöse Zunge, assoziiert mit anderen für die Lautgebung verantwortlichen Strukturen, ermöglicht diesen Vögeln auch die Imitation der menschlichen Stimme.
Bei den Säugetieren ist der Kehlkopf das verantwortliche Organ zur Lautgebung – bei den Vögeln ist sind es die Bronchialringe unterhalb der Tracheen (Hals). Die Struktur dieser Ringe ist je nach Art des Vogels unterschiedlich – sie können mit mehr oder weniger Muskelpaaren bestückt sein, und in Konsequenz sind sie befähigt, mehr oder weniger anspruchsvolle Töne hervorzubringen. Es existieren, darüber hinaus, noch drei Membranen, sie stellen das vibrierende Organ dar, während die Luftröhre und der Luftsack zwischen den Schlüsselbeinen und dem Schnabel, als verändernde Elemente der Töne funktionieren.
Nur die in Gefangenschaft gehaltenen Exemplare, in kontinuierlichem Kontakt mit Menschen, sind in der Lage, die menschliche Sprache zu imitieren. Unter den Psittacidae werden der afrikanische Graupapagei (Psittacus erithacus), die brasilianische Blaustirn-Amazone (Amazona aestiva) und der australianische Kakadu (Kakatoe sp) als die Besten in dieser Disziplin bezeichnet – sie können Dutzende von Sätzen und Worten erlernen. Einige dieser Individuen besitzen ein bemerkenswertes Gedächtnis und können passende Sätze zu bestimmten Situationen assoziieren – obwohl sie nicht in der Lage sind, logisch zu denken.
Ein anderer “sprechender Vogel“ ist der aus Indien stammende Beo (Gracula religiosa) aus der Familie der Sturnidae (Stare). Er hat eine enorme Lernkapazität und gehört zu den bevorzugten Vögeln für die Aufzucht in Gefangenschaft, denn das Timbre seiner Stimme liegt sehr dicht bei dem der menschlichen.
Einige Personen bedienen sich im nordöstlichen Sertão einer extrem grausamen Praxis, mit der sie bestimmte Vogelarten dazu “umrüsten“, die menschliche Sprache zu imitieren. Dazu schneiden oder brennen sie die Zungenspitze eines Corrupião oder Sofrê – Icterus icterus (Trupiale) ab – sie runden sie ab – damit dieser, ein von Natur aus glänzender Imitator von Tierstimmen, auch die menschliche Stimme imitieren können soll!