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Die Inkakultur in Peru. Rätsel und Realität
Rätsel und Realität
Die Inkakultur in Peru
Für viele verkörpern die Inkas eine fremdartige Kultur, die fasziniert. Eine der heiligen Stätten der Inkas ist Machu Picchu. Die Stadtruine wurde um 1911 entdeckt und gibt nach wie vor viele Rätsel auf.
An der Spitze des Inkareiches stand ein König. Er regierte aber nicht allein, sondern mit vielen anderen zusammen, die im ganzen Land die Verantwortung für bestimmte Gebiete ( Provinzen ) trugen. Damit der Kontakt untereinander gut funktionierte, standen Läufer im Einsatz. Dieses Informationssystem war derart schnell, dass – so die Überlieferung – eine Meldung von Quito nach Cuzco lediglich fünf Tage brauchte. Die Distanz zwischen diesen beiden Städten im heutigen Ecuador und Peru beträgt immerhin rund 2000 Kilometer! Gesprochen haben die Inkas Quechua, eine Sprache, die noch heute vor allem von Indianern in Peru und Ecuador verwendet wird. Die Landwirtschaft der Inkas war Sache der Dorfgemeinschaft. Sie ernährten sich in höheren Lagen vorwiegend von Kartoffeln, Bohnen und Kürbisgewächsen. Die Trockenkartoffel – chuño – zählt nach wie vor zu den bevorzugten Hauptnah-rungsmitteln der einheimischen Bevölkerung. Aus dem geernteten Mais wurde « chicha », eine Art Bier gebraut, das oft nach einer Mahlzeit getrunken wurde.
Die Architektur – ein Phänomen Die Inkas sind berühmt für ihre imposanten Stadtanlagen und die exakte Arbeitsweise bei der Steinbearbeitung. Über viele Jahre wurden Theorien über die Herstellung der Stadtanlagen angestellt. Wie konnte ein Volk, das weder Rad noch Eisen kannte, Blöcke von mehreren Tonnen Gewicht ausbrechen, transportieren und schliesslich so perfekt zusammenfügen? Die Antwort ist verblüffend und einfach zugleich: Für den Bau der Festungen nutzten die Inkas in der Regel natürliche Steinbrüche. Die meisten Inkafestungen entstanden somit an jenen Hanglagen, auf denen bereits grosse Ansammlungen von Steinen vorhanden waren. Das vor über 500 Jahren noch beinahe unmögliche Transportieren von grossen Steinen konnte so geschickt vermieden werden. Mussten dennoch Steine geschleppt werden, wurden diese mit Stricken und Körperkraft zu den Baustellen geschleift.
Die heiligen Stätten – einzigartig Die berühmteste Stätte der Inkas ist Machu Picchu, « die Stadt der Wolken ». Machu Picchu liegt etwas versteckt auf fast 2500 Meter über Meer zwischen zwei stark bewachsenen Berggipfeln. Machu Picchu geriet über 400 Jahre in Vergessenheit. Erst 1911 wurde die Stadt wieder entdeckt. Die Zahlen zu Machu Picchu beeindrucken: Auf drei Seiten fallen die Wände fast 600 m in die Tiefe, und auf mehreren Terrassen stehen rund 200 Steingebäude.. " " .Viele Wege führen nach Machu Picchu. Der beeindruckendste von ihnen ist sicher der Inkatrail, ein Fussmarsch von über 40 Kilometern. Weil Machu Picchu wie ein Magnet die Touristen anzieht, kann die Inkastätte auch mit dem Zug, dem Bus oder sogar mit dem Helikopter besucht werden. Für Südamerikareisende hat Machu Picchu die gleiche Bedeutung wie für USA-Touristen der Grand Canyon oder für Chinabesucher die Grosse Mauer. Cuzco – die Hauptstadt der Inkas Zu Beginn des 12. Jahrhunderts besiedelten die ersten Inkas Cuzco. Zu jener Zeit zählte Cuzco lediglich ein paar Häuser und verstreute Siedlungen im Tal, aber mit den Inkas blühte der Ort auf und wurde zum politischen, kulturellen und religiösen Zentrum des Reiches. Die Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert brachte das System zum Einsturz. Die Stadt wurde zwar kaum beschädigt, aber
Die Inkastadt Machu Picchu: bei Nebel noch viel imposanter als bei Sonnenschein Die Inkakultur lebt weiter: Mutter, Kind und Lamm unterwegs in den Anden Unterwegs auf dem Inkatrail Richtung Machu Picchu: Berge, Täler und Terrassenfelder auf rund 3000 m Höhe überraschen immer wieder und laden zum Staunen ein.
Die Festung Sacsayhuamán: Hier bleibt seit rund 500 Jahren ein Stein auf dem anderen.
Fo to s:
An dr ea s v on De sc hw an den DIE ALPEN 2/2004
Berge und Umwelt
Montagne e ambiente
Montagnes et environnement
Bauten der Inkas mit politischer oder religiöser Bedeutung wurden von den Spaniern bewusst zerstört. Bei einem schweren Erdbeben im Jahre 1950 brachen viele Bauten der Spanier zusammen, während die viel älteren Fundamente der Inkas praktisch unversehrt blieben. Das Wahrzeichen von Cuzco ist die Festung Sacsayhuamán. Die Steinblöcke sind zum Teil über fünf Meter hoch und bilden zusammen eine riesige Festungsmauer. Von Sacsayhuamán kann ein grosser Teil der Stadt Cuzco überblickt werden. Jedes Jahr ﬁndet auf dieser Festung das Fest der Sonnenwende der Inkas statt. Heute gehört Cuzco, das auf rund 3500 Meter über Meer liegt, zu den beliebtesten Reisezielen in Peru.
Begegnungen zwischen Einheimischen und Gästen Die Inkakultur ging gegen Ende des 16. Jahrhunderts unter. Trotzdem sind in Perus Alltagsleben Spuren dieser Kultur noch deutlich sichtbar. Zum Beispiel in der Panﬂötenmusik, die von vielen Einheimischen für ihren Lebensunterhalt auf den Strassen gespielt wird. Uralt ist auch der Genuss von Cocablättern. Gegen viele Gebrechen werden diese Blätter gekaut, zwischen die Lippen gepresst oder mit Wasser aufgegossen. Ob Reste der Inkakultur oder nicht: Das Schönste am Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung sind die Freundlichkeit und die Herzlichkeit, die sie einem entgegenbringen. Die Einheimischen sind oft sehr arm, aber offenbar trotzdem zufrieden und fröhlich. Als Besucher aus einem anderen Kulturkreis könnten wir uns an ihrer Lebenshaltung ein Vorbild nehmen.
Habt ihr gewusst, dass...
– das Meerschweinchen für Fleisch-liebhaber in Peru eine Delikatesse istdas Lama früher von den Inkas als Lasttier zum Transport von Waren benutzt wurde?
– die grössten Blöcke bei Festungsanlagen, z.B. Sacsayhuamán, ein Gewicht von bis zu 200 Tonnen haben?
– Quechua, die ursprüngliche Sprache der Inkas, noch von mehreren Millionen Indianern in Peru und Ecuador gesprochen wird?
Weiterführende Links: www.indianer-welt.de a
Andreas von Deschwanden, Kriens