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Kolontumoren, Funktionsstörungen und gastrointestinale
Endoskopie
Peter
Bauerfeind
Colon irritabile
Zur
Behandlung des Colon irritabile wurden drei neue Wirkstoffe zugelassen, welche aufgrund von klinischen
Studien eine gewisse Wirksamkeit versprechen und damit das therapeutische Arsenal erweitern könnten.
So bewirkte der selektive Chloridkanal-Aktivator Lubiproston in der offenen Weiterführung von zwei Doppelblindstudien
bei den 522 Patienten mit einem von Obstipation geprägten Colon irritabile nach 36 Wochen eine anhaltende
und gegenüber dem Anfangswert signifikante Erhöhung der mittleren Anzahl spontaner Darmentleerungen,
wobei als häufigste Nebenwirkungen Diarrhö und Nausea auftraten [1]. Die Behandlung mit dem selektiven
5-Hydroxytryptamin-4-Rezeptoragonisten Prucaloprid führte gemäss einer kleinen, plazebokontrollierten
Doppelblindstudie mit sieben an einer chronischen Pseudoobstruktion leidenden Patienten nach 48 Wochen
zu einer deutlichen Besserung der gastrointestinalen Symptome, während unter der Therapie mit dem Guanylatcyclase-C-Rezeptoragonisten
Linaclotid in einer doppelblinden Multizenterstudie mit 1'276 Patienten mit einer chronischen Konstipation
nach zwölf Wochen im Vergleich zu Plazebo bei einem wesentlich grösseren Patientenanteil mindestens
drei spontane Darmentleerungen pro Woche erreicht wurden [2, 3]. Ein bemerkenswertes Resultat lieferte
eine retrospektive schwedische Studie mit 208 Patienten mit einem refraktären Colon irritabile, wonach
bei rund drei Vierteln der 103 sofort auf die Hypnotherapie ansprechenden Patienten eine über 2 bis
7 Jahre anhaltende Besserung der gastrointestinalen Symptome verzeichnet wurde [4]. Im Einklang mit
diesem Ergebnis wurde in einer niederländischen Studie mit 52 Kindern, die an funktionellen Bauchschmerzen
oder einem Colon irritabile litten, nach einer medianen Nachbeobachtungsdauer von 4,8 Jahren durch die
Hypnotherapie eine signifikant stärkere Reduktion der Schmerzhäufigkeit und der Schmerzintensität erzielt
als durch die konventionelle Behandlung [5]. Angesichts der Bedeutung der Ernährung und der Lebensgewohnheiten
beim Colon irritabile hat eine britische Arbeitsgruppe evidenzbasierte Richtlinien zur Symptomkontrolle
entwickelt, welche im Rahmen eines dreistufigen Schemas zunächst eine allgemeine Anleitung zu gesunden
Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, danach eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten unter Berücksichtigung
von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und gegebenenfalls die Verabreichung von Probiotika und schliesslich
eine Eliminationsdiät oder eine empirische Diät vorsehen [6]. Die Resultate einer Studie aus Taiwan
mit 54 Patienten mit einem von Konstipation geprägten Colon irritabile und 16 gesunden Kontrollpersonen
weisen darauf hin, dass durch den regelmässigen Konsum von täglich zwei Kiwi-Früchten die Stuhlfrequenz
erhöht und die Kolontransitzeit verkürzt werden können [7].
Kolorektales
Karzinom
Der präventive Nutzen der Screening-Sigmoidoskopie wurde bereits
anhand einer im Jahr 2010 veröffentlichten britischen Studie mit 170'038 Teilnehmern belegt, in welcher
dank dieser Untersuchung über eine Nachbeobachtungsdauer von 11,2 Jahren eine Reduktion des Risikos
für ein kolorektales Karzinom um 33 Prozent und der Mortalität infolge eines kolorektalen Karzinoms
um 43 Prozent erreicht wurde [8]. Eine etwas geringere, aber dennoch überzeugende präventive Wirksamkeit
der Screeninguntersuchung zeigt nun eine neue US-amerikanische Studie mit 77'445 Teilnehmern, in welcher
durch die Sigmoidoskopie über eine Nachbeobachtungsdauer von 11,9 Jahren die Inzidenz der kolorektalen
Karzinome um 21 Prozent und die durch ein kolorektales Karzinom bedingte Mortalität um 26 Prozent gesenkt
wurde [9]. Eine der Sigmoidoskopie überlegene präventive Wirksamkeit bietet die Koloskopie mit gleichzeitiger
Polypektomie, welche in einer schweizerischen Kohortenstudie mit 1'912 untersuchten Personen und 20'774
Kontrollpersonen nach einer Nachbeobachtungsdauer von sechs Jahren zu einer Reduktion der Inzidenz der
kolorektalen Karzinome um 69 Prozent und der durch ein kolorektales Karzinom bedingten Mortalität um
88 Prozent führte [10]. Der Nutzen der koloskopischen Entfernung von adenomatösen Polypen wird durch
eine US-amerikanische Studie gestützt, in welcher die bei 2'602 Patienten vorgenommene Polypektomie
die Mortalität infolge eines kolorektalen Karzinoms im Vergleich zur entsprechenden Mortalitätsrate
der allgemeinen Bevölkerung über eine Nachbeobachtungsdauer von 15,8 Jahren um 53 Prozent zu senken
vermochte [11]. Die Bedeutung der Qualitätskontrolle bei der Screeninguntersuchung geht aus einer deutschen
Fallkontrollstudie hervor, da die kolorektalen Karzinome, die bei 415 Personen nach einer in den vergangenen
zehn Jahren durchgeführten koloskopischen Entfernung von nicht-hyperplastischen Polypen auftraten, in
41 Prozent der Fälle mit der Qualität der Koloskopie wie unvollständige Polypenentfernung oder fehlende
Kontrolluntersuchung und nur in 22 Prozent der Fälle mit den Merkmalen der Polypen im Zusammenhang standen
[12].
Zur Frage nach der optimalen Screeningstrategie ergab eine prospektive
niederländische Studie mit 8'833 Teilnehmern, dass das Aufgebot zur konventionellen Koloskopie von einem
wesentlich geringeren Anteil der Teilnehmer wahrgenommen wurde als das Aufgebot zur Computertomographie-Kolonographie,
wobei sich aber das konventionelle Verfahren gegenüber der computertomographischen Untersuchung durch
eine signifikant höhere Nachweisrate für fortgeschrittene Neoplasien auszeichnete [13]. Ein ähnliches
Resultat lieferte die Zwischenauswertung einer randomisierten spanischen Studie mit 53'302 Teilnehmern,
wonach die einmalige Koloskopie eine deutlich geringere Akzeptanz, aber eine bessere Treffsicherheit
bezüglich nicht-fortgeschrittener und fortgeschrittener Adenome hatte als der alle zwei Jahre durchzuführende
immunologische fäkale Hämokkult-Test [14]. Im Rahmen einer Erhebung bei 151'975 Einwohnern von Nottingham
wurde die durch kolorektale Karzinome bedingte Mortalität dank des fäkalen Hämokkult-Tests über eine
mediane Nachbeobachtung von 19,5 Jahren um 18 Prozent gesenkt, während die Inzidenz von kolorektalen
Karzinomen – vermutlich wegen der niedrigen Polypektomierate von nur 5 Prozent – nicht verringert wurde
[15].
Gastrointestinale Endoskopie
Die
perorale endoskopische Myotomie führte gemäss zwei asiatischen Studien sowie den ersten Resultaten einer
prospektiven internationalen Studie bei über 90 Prozent der Patienten mit einer ösophagealen Achalasie
zu einer deutlichen Linderung der Symptome, wobei aber diese vielversprechenden Erfolgsraten nun in
kontrollierten Studien bestätigt werden müssen [16–18]. Im Bestreben, auch bei der chirurgischen Adipositasbehandlung
zunehmend minimal invasive Verfahren einzusetzen, wurde in einer offenen Studie aus Chile die Implantation
des «Duodenal Jejunal Bypass Liner (DJBL)» geprüft, mit welcher bei den 39 teilnehmenden adipösen Patienten
nach einem Jahr ein Gewichtsverlust von 22 Prozent erzielt wurde [19].
Prof.
Dr. med. Peter Bauerfeind
Leitender Arzt
Klinik für Gastroenterologie
und Hepatologie
Universitätsspital Zürich
<email-pii>
Literatur
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N Engl J Med 2011; 365: 527–536.

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