Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03536.jsonl.gz/2993

Erfolgsfaktoren
DESTRESS fokussiert auf "Enhanced Geothermal Systems" (EGS), also petrothermale Systeme, die sich aufgrund hydraulischer Stimulation im tiefen Untergrund herausbilden: Durch Einpumpen von Flüssigkeiten unter hohem Druck wird ein künstliches Reservoir erzeugt, in dem Flüssigkeit zirkuliert und sich erwärmt. EGS haben im Vergleich zu hydrothermalen Systemen den Vorteil, dass sie nicht auf bestehende wasserführende Schichten angewiesen und damit im Prinzip standortunabhängig sind. Der Erfolg solcher Projekte hängt von drei wesentlichen Faktoren ab: Geologie, Wirtschaftlichkeit und Gesellschaft.
Knacknuss Geologie
Bei der Geologie und der Wirtschaftlichkeit erweisen sich vor allem die Durchlässigkeit und die Produktivität des Reservoirs sowie die induzierte Seismizität als zentral. Viele Geothermieprojekte scheiterten in der Vergangenheit, weil sie zu geringe Flüssigkeitsmengen förderten und daher wirtschaftlich nicht rentabel waren. DESTRESS testet deshalb an verschiedenen Standorten, wie sich hydraulische, thermische und chemische Verfahren in Kombination auf die Produktivität einer Anlage auswirken. Zudem gelangen neue Bohrtechnologien zum Einsatz: Bei sogenannten «multistage Stimulationsverfahren» werden ausgehend von einem Bohrloch verschiedene horizontale Seitenarme erstellt, um die Effizienz des Systems zu steigern. Kleine Erdbeben sind dabei notwendig, um die Gesteinsdurchlässigkeit im gewünschten Umfang zu erhöhen. Die Kunst besteht darin, ausreichend kleine Erschütterungen zu erzeugen, ohne Erdbeben mit Schadenspotenzial auszulösen. Dazu setzt DESTRESS unter anderem sogenannte adaptive Ampelsysteme ein, an denen in der Schweiz seit einigen Jahren intensiv geforscht wird. Diese basieren auf einer engmaschigen seismischen Überwachung, die mit statistischen und physikalischen Vorhersagemodellen kombiniert wird. Gekoppelt an Massnahmen, die bei Überschreitung von Grenzwerten greifen, zielen Ampelsysteme darauf ab, das seismische Risiko auf ein akzeptables Niveau zu reduzieren.
Lehrgeld sparen
Geothermieprojekte sind mit verhältnismässig grossen Investitionskosten verbunden. Gewinnbringende Projekte setzen neben einer ausreichenden Produktivität breit akzeptierte Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt voraus. Um gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen und regulatorische Bestimmungen einzuhalten, sind eine umfassende Analyse und transparente Auslegung der potentiell mit Geothermieprojekten verbundenen Risiken unabdinglich. DESTRESS entwickelt und prüft an Demonstrationsstandorten mit unterschiedlichen geologischen Voraussetzungen innovative Ansätze und Methoden. Ein wichtiges Element besteht darin, die gewonnenen Erkenntnisse in Form von „best practices“ einem breiten Publikum zugänglich zu machen, damit alle, die ein umweltfreundliches, wirtschaftlich erfolgreiches und nachhaltiges Geothermieprojekt planen oder betreiben, möglichst wenig Lehrgeld bezahlen müssen – sowohl in Europa als auch andernorts.