Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/1205

Drehorgelgeschichte, kurz beschrieben.
Die ersten Drehorgeln gab es schon vor 1800, kleine einfache Holzkästchen, wie z. B. die sogenannte
Vogelorgel oder Serinette.
Zu der Zeit wurden die Orgelpfeifen über Ventile mit Nagel- oder Stiftwalzen
mechanisch, später durch gelochte Faltkarton pneumatisch gesteuert. Aus der Textilindustrie übernahm
man ab ca. 1910 auch die Lochbänder (Jacquard-Technik) und steuerte damit pneumatisch die Orgelpfeifen der Drehorgel.
Das war eigentlich die erste Möglichkeit, Musik zu speichern, längst bevor es Schallplatten oder ähnliche Tonträger gab.
Um die Jahrhundertwende (um 1900, Belle Epoque), erlebte die Drehorgelmusik und damit auch die
Drehorgelspieler ihre Blütezeit. Sie waren es, die in Berlin, Paris und anderen Grosstädten auf
Plätzen und in den Hinterhöfen ihre Drehorgeln ertönen liessen, um mit den Geldspenden ihren Lebensunterhalt
zu verdienen. Klassische Musik, Operettenmelodien, Schlager usw. wurden dem breiten Publikum auf Strassen
und in Gassen vorgespielt und so entstanden viele berühmte "Gassenhauer"
Der Aufbau der Drehorgel entspricht dem Prinzip einer stationären Pfeifenorgel (Kirchenorgel)
In einem Gehäuse sind das Pfeifenwerk, das Balgwerk, die Windlade und die Spieleinrichtung eingebaut.
Mit Hilfe einer Kurbel wird der Blasbalg betätigt, die Walze oder das Lochband bewegt und das komplexe Musikinstrument zum
Klingen gebracht.
Mit dem Aufkommen von Schallplatten (Edison Phonograph 1912) und Radio verschwand die
Drehorgel fast ganz von der Strasse. Erst mit der um 1960 aufkommenden Nostalgiewelle, erlebte auch die
Drehorgel eine Renaissance.
Es sind wieder kleine Betriebe entstanden (auch in der Schweiz), die neue
Drehorgeln nach alten Bauplänen herstellen.
Die heutigen Drehorgelspieler bewahren durch ihre Darbietungen
das Volks- und Kulturgut Drehorgel, sie setzen damit eine über 200 jährige Tradition fort.