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Nach mehr als 20 Jahren gemeinsamer omanisch-schweizerischer Meteoritenforschung wurde 2021 eine neue Zusammenarbeit mit dem Global Fireball Network der australischen Curtin University aufgenommen. Dies ermöglichte die Installation von vier Himmelsbeobachtungskameras in der zentralen Wüste des Oman, ein exzellenter Ort für die Identifikation frisch gefallener Meteorite. Jede Nacht wird der Himmel beobachtet und grosse Sternschnuppen, so genannte Feuerkugeln, werden aufgezeichnet. Bei hellen Feuerkugeln, die von mindestens zwei der Kameras registriert werden, lässt sich Flugbahn und der Ort des Einschlags rekonstruieren.
Im Jahr 2022, dem ersten Betriebsjahr, zeichnete das Kamerasystem im Oman mehrere Feuerbälle auf. Bei zwei dieser Ereignisse war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Meteoriten den Boden erreichten und nicht vollständig in der Atmosphäre verglüht waren. Die beiden Zielgebiete, mehr als 500 km voneinander entfernt, wurden vom omanisch-schweizerischen Team, dem auch Mitarbeitende des Naturhistorischen Museums Bern angehören, zwischen Januar und Februar 2023 nach Meteoriten abgesucht.
«Al-Khadhaf» - Der erste gefallene Meteorit
Zwei kleine, frisch aussehende Meteoriten von 8,2 und 13,8 Gramm wurden am 7. Februar 2023 in der Nähe von Al-Khadhaf im Südwesten Omans geborgen, 336 Tage nach der Beobachtung einer Feuerkugel. Die Verbindung zwischen der beobachteten Feuerkugel und den gefundenen Meteoriten wurde durch den Nachweis von kurzlebigen radioaktiven Isotopen, insbesondere Mangan-54 und Natrium-22, bewiesen. Die Ergebnisse wurden kürzlich der Meteoritical Society vorgelegt, und der Meteorit ist nun offiziell als «H5-6 (breccia)» klassifiziert. In Anlehnung an seinen Fall-Ort wurde der Meteorit offiziell «Al-Khadhaf» benannt. Der Fall dieses Meteoriten wurde von zwei Kameras beobachtet, die 200 und 250 km vom Fundort entfernt waren. Die Funde wurden weniger als 100 Meter vom berechneten Ort gemacht. Die berechnete Umlaufbahn zeigt, dass der Meteorit aus dem inneren Teil des Asteroidengürtels stammt, der sich zwischen Mars und Jupiter befindet.
Al-Khadhaf ist nicht nur der erste beobachtete Fall, der im Sultanat Oman geborgen wurde, sondern auch der kleinste unter den rund 40 Meteoriten, welche weltweit aufgrund von Kamerabeobachtungen gefunden wurden. Der Fund ist ein Erfolg für das Projekt: Er zeigt, dass die Suchbedingungen in den flachen Wüstengebieten hervorragend sind und die Bergung auch kleiner Meteoriten mit relativ wenigen Kameras möglich ist.
Kleine Funde mit grosser Bedeutung!
Für die Wissenschaft sind frisch gefallene Meteoriten mit zugehörigen Kamerabeobachtungen von grosser Bedeutung, weshalb das Projekt «Quantifying the flux of small meteorites» vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt wird. Mit Kameras beobachtete Fälle ermöglichen die Berechnung von Umlaufbahnen im Weltraum und stellen eine direkte Verbindung zwischen Orbit und Meteoritentyp her. Mit dem Nachweis, dass im Oman selbst kleine Meteoritenfunde mittels Kamerabeobachtung möglich sind, lässt sich nun die Häufigkeit kleiner Meteoritenfälle auf die Erde genauer quantifizieren. Kleine Meteoriten sind wahrscheinlich die häufigsten, und sie sind deshalb für die Berechnung des Gesamtflusses von Meteoriten auf die Erde von Bedeutung. Zudem liefern beobachtete Fälle das frischeste Meteoritenmaterial!
Beteiligte Institutionen:
- Ministry of Heritage and Tourism, Sultanat Oman: Administrative Leitung des Meteoritenprojekts in Oman, Wartung der Kameras
- Schweizer Institutionen (Naturhistorisches Museum Bern, Naturhistorisches Museum Genf, Universität Bern): Wissenschaftliche Leitung des Projekts, Co-Wartung der Kameras. Die Schweizer Gruppe wird durch einen Beitrag des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung unterstützt.
- Curtin University, Perth, Australien: Bereitstellung von All-Sky-Kameras, Aufbereitung von Feuerballdaten
- Physikalisches Institut, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg, Deutschland: Betrieb des GeMSE-Gammaspektrometers, Unterstützung bei der Datenanalyse
Kontakt:
Weitere Kontakte:
Dr. Urs Eggenberger, Institut für Geologie der Universität Bern
E-Mail: <email-pii>