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27. Juli 2021 Gletscherseen Plaine Morte
Seit 2011 werden die Gletscherseen auf dem Plaine Morte-Gletscher wegen ihres unvermittelten und unberechenbaren Auslaufens mittels Sonden und Kameras überwacht. Nachdem im Jahr 2018 beim Abfluss das Hochwasser grosse Schäden an Land und Gebäuden verursachte, wurde im darauffolgenden Jahr ein künstlicher Abflusskanal im Eis erstellt. Der Gletschersee wurde durch diesen Überlauf langsam und kontrolliert entleert. Durch das ausfliessende Seewasser wurde der Kanal durch thermische Erosion um bis zu 7 m abgeschmolzen. Die nun bis zu 15 m tiefe, rund 500 m lange Eisschlucht wurde im Winter 2019 / 20 mit Schnee verfüllt, was sich im Sommer 2020 als Abflusshindernis herausstellte. Deshalb wurden im letzten Herbst vor dem Einschneien hohlraumbildende Holzwollerohre im Kanal verlegt. Diese haben zum Ziel, trotz schneeverfüllter Eisschlucht einen frühen initialen Wasserabfluss zu ermöglichen, was zu einem langsamen Aufschmelzen des umgebenden Schnees und somit zum Ableiten des Seewassers führen soll.
Über die Holzwollerohre wurden vertikale Zustiegsschächte installiert, mit welchen nun beobachtet werden kann, wie Schmelzwasser durch die Holzwolle abfliesst. Aktuell fällt aber noch mehr Schmelzwasser an, als durch den Kanal abfliessen kann. Als Rückfallebene wurde deshalb mit der Arbeit an einem zusätzlichen, oberflächlichen Eiskanal begonnen, sollte der Hauptkanal nicht anspringen. Mit diesem Bypass kann im Notfall ein kontrollierter Abfluss erreicht werden.
Die aktuelle Kote des Faverges-Sees liegt bei 2727 m ü. M., was einem Seevolumen von etwa 1.1 Mio. m³ entspricht. Bei Kote 2730 liegt das maximal tolerierte Seevolumen von 1.5 Mio m³. Zurzeit senkt sich der Pegel des Sees jedoch unerwartet, d.h. ohne Ausfliessen über die künstlich erstellten Kanäle. Die Arbeit am Bypass wird deshalb vorerst eingestellt, es sind keine weiteren Interventionen geplant.
Aktuelle Informationen erfolgen jeweils über www.gletschersee-lenk.ch.
Das Einstein-Filmteam des Schweizer Fernsehens SRF war in unserem Büro in Thun und hat unseren Wasserbauingenieur David Hodel interviewt. Die Sendung über die Hochwasserschutzmassnahmen auf dem Plaine-Morte-Gletscher wurde am Donnerstag, 21. Januar 2021 auf SRF1 ausgestrahlt.
«Einstein» über die Reise zum Mittelpunkt des Plaine-Morte Gletschers und die Erkenntnisse für die Wissenschaft.
Durch Beigabe von Farbe soll die Funktionalität des Eiskanals überprüft werden. Eine Sichtkontrolle ist wegen der bis zu 15 m hohen Schneeüberdeckung des Kanals zur Zeit nicht möglich. Damit die Farbe durch die Schneedecke bis zur 12 m tiefer liegenden Kanalsohle dringen kann, wurde die Farbe mehreren hundert Litern Wasser durch den Schnee gespült.
Der Wassertransport erfolgte per Helikopter ab Gletschersee. Der Bau des 1.3 km langen Eiskanals durch den Gletscher letzten Sommer war ein Erfolg und führte Ende Juli 2019 zum kontrollierten, schadlosen Abfliessen des Gletschersees.
Die Leerung ist dank dem im Frühjahr erstellten Entwässerungssystem auf dem Gletscher, welches den Pegel bei maximal rund 1.2 Mio. Kubikmeter Wasser plafonierte, durchwegs ohne Schäden erfolgt.
Im Rahmen eines Färbversuchs wurde am Freitag, 27. Juli 2019 das Wasser im Entlastungsgraben auf der Plaine Morte grün eingefärbt. Bereits nach eindreiviertel Stunden war das grüne Wasser beim Gletscherportal angelangt. Damit konnten ohne näheren Abklärungen bereits die wichtige Erkenntnis gewonnen werden, dass sich das aus dem See ausfliessende Wasser nicht unterirdisch in einem neuen See oder einer Gletschertasche sammelt, sondern auf ziemlich direktem Weg ins Tal fliesst.
Beitrag Schweiz Aktuell vom 18. Juli 2019
Juli 2019: Überlaufsystem angelaufen. Der Gletschersee hat den Pegel erreicht, bei dem das Wasser in den Entwässerungsgraben läuft. Das Überlaufsystem funktioniert zurzeit wie erwartet. Webcam: gletschersee-lenk.ch
Juni 2019: Durchbruch des Überlaufkanals in die natürliche Gletschergrotte – es ist geschafft! Das Seewasser wird von unten aufstossen und durch den Kanal abfliessen.
Video: Während den letzten 2 Wochen, als noch intensiv am Projekt gearbeitet wurde, fliesst bereits Schmelzwasser durch den Kanal. Video von: Firma A. Grossenbacher, Lenk / A.S.
Wälme von Schneemassen mit Eiskanal
Schacht mit Mikrotunnel 40 cm und Schmelzwasserzufluss
Natürlicher Abflusskanal aus Faverges-See
Aushub Eiskanal in Arbeit. Die Maschinen dürfen nur am Seil gesichert verlassen werden.
Lawinensuchgerät dient auch zur Ortung von Hohlräumen
Höhlenforscher unterstützen die Arbeiten und gehen danach auf Tauchgang im weiter entfernten Gletscherseeli
Bericht aus SCHWEIZ AKTUELL, SRF vom Mittwoch, 8. Mai 2019
Der Faverge-See ist ein Gletscherrandsee auf der Plaine Morte. Seit die Gletscheroberfläche unter das Niveau der südöstlichen Wasserscheide abgeschmolzen ist, kann oberflächliches Schmelzwasser nicht mehr ins Wallis entwässern. So entstand im Verlauf der letzten Jahrzehnte ein Gletschersee, der allmählich immer grösser geworden ist. 2011 wurde so erstmals eine Gletscherseeentleerung in Richtung Lenk beobachtet. Am 27. Juli 2018 hat sich der Gletschersee schlagartig innerhalb von 24 Stunden entleert. Entlang der Simme bis ins Dorf Lenk sind Schäden von ca. 2.5 Mio. Franken entstanden.
Theiler Ingenieure wurde beauftragt, Massnahmen und Lösungen zu entwickeln und hat die Leitung für die gewählte Bauprojektvariante erhalten. Hierbei werden die Bereiche mit hoher Eisüberdeckung mittels Mikrotunneling durchbohrt und die flacheren Abschnitte mit dem Fräskopf oder durch Sprengen bis auf eine Tiefe von max. 6 m ausgehoben. Bei wenig Überdeckung kann die Linienführung mit dem Fräskopf optimal auf die vorhandenen Abflussstrukturen auf der Gletscheroberfläche angepasst werden. Die Baukosten belaufen sich auf rund 1.3 Mio. Franken.