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Neue Studie macht kinderlosen Paaren Hoffnung
Alexandra Kohl Schwartz, Sie haben in den letzten sechs Jahren eine Studie durchgeführt, welche den Ursachen der Kinderlosigkeit auf den Grund ging. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?
Wir haben zahlreiche Beobachtungen gemacht. Erstaunlich klar waren die Resultate mit Fokus auf die chronische Endometritis, also die chronisch entzündete Gebärmutterschleimhaut. Diese Krankheit verläuft meist symptomfrei, reduziert die Chance der Implantation eines Embryos, also der Einnistung. Eine Biopsie der Gebärmutter und die zweiwöchige Einnahme von Antibiotika, sowie der lokalen Anwendung von Lactobacillen normalisiert das immunologische Milieu und steigert dadurch die Chancen markant, Eltern zu werden.
Können Sie das beziffern?
In unserer Studie haben wir 108 Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch genauer untersucht. Wir haben die Mehrheit biopsiert und bei 42 Frauen eine chronische Endometritis diagnostiziert. Die Betroffenen nahmen während zwei Wochen lang ein Antibiotikum ein. Über 50 Prozent dieser Frauen wurden schwanger und brachten im Verlauf der folgenden zwei Jahre ein Kind zur Welt.
Wie kann es zu einer Entzündung der Gebärmutterschleimhaut kommen und wie verläuft eine Biopsie?
Die Entzündung der Gebärmutterschleimhaut ist oft asymptomatisch, macht also keine Beschwerden. Risikofaktoren sind vorangehende gynäkologische Infektionen, Operationen oder Umweltfaktoren. Wir führen eine Gebärmutterspiegelung und anschliessend eine Biopsie durch. Das ist ein kleiner Eingriff, bei welchem keine Narkose nötig ist und die Patientin nur ein leichtes Zwicken verspürt.
Das LUKS setzt sich Innovationen zum strategischen Ziel. Wenden Sie das erwähnte Verfahren nun standartmässig an?
Bei Frauen mit mehreren Fehlgeburten und wiederholtem Implantationsversagen nach in-vitro Fertilisationsbehandlungen bieten ich und mein Team diese Abklärung an. Es braucht jedoch noch weitere Studien mit höheren Fallzahlen für eine generalisierte Empfehlung innerhalb der Leitlinien. Wir haben herausgefunden, dass Frauen nach der Biopsie auch ohne diagnostizierte Entzündung eher schwanger werden. Offenbar hat also bereits die Gebärmutterspiegelung mit der Biopsie einen Einfluss auf die Gebärmutterschleimhaut.
Das Durchschnittsalter von Gebärenden ist steigend. Führt dies zu einer Zunahme der Problematik der Kinderlosigkeit?
Tatsächlich ist die Tendenz steigend, rund zehn Prozent von Paaren mit Kinderwunsch sind betroffen. Ab 35 Jahren nimmt die Fruchtbarkeit kontinuierlich ab. Viele sind sich dessen nicht bewusst und warten zu lange bis sie sich bei uns melden.
Wenn sich nach zwölf Monaten mit regelmässigem Geschlechtsverkehr und regelmässigen Periodenblutungen keine Schwangerschaft einstellt, sollte man Abklärungen machen.
PD Dr. med. Alexandra Kohl Schwartz
Was bedeutet das für betroffene Paare?
Es ist sehr einschneidend. Oft vergehen Jahre der Verzweiflung. Viele Paare machen sich Selbstvorwürfe und empfinden es als persönliche Schwäche, keine Kinder zu bekommen. Besonders schlimm ist es oft für Paare, welche mit wiederholten Fehlgeburten konfrontiert sind.
Können Sie etwas zu den Ursachen der Kinderlosigkeit sagen, nebst der chronischen Endometritis?
Nebst dem Eileiter-/Gebärmutterfaktor können hormonelle Faktoren (z.B. Zyklusstörungen) oder eine beeinträchtigte Spermienqualität ursächlich sein. Je nach Ursache können etwa eine hormonelle Stimulation, eine Insemination oder auch eine künstliche Befruchtung Erfolg bringen.
Wann sollte man einen Termin am Kinderwunschzentrum in Betracht ziehen?
Wenn sich nach zwölf Monaten mit regelmässigem Geschlechtsverkehr und regelmässigen Periodenblutungen keine Schwangerschaft einstellt, sollte man Abklärungen machen. Im Kinderwunschzentrum des LUKS erfolgen nach einem eingehenden Erstgespräch über Lebensumstände und Lebensgewohnheiten verschiedene Untersuchungen. Die Therapieempfehlungen werden ausführlich besprochen und eine Entscheidung immer gemeinsam mit dem betroffenen Paar getroffen.