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unter der Oberhoheit des Kaisers stehendes Lehen der Kirche, löste sich als solches von seinen Nachbarn los und lebte in der Folge als beinahe unabhängiges Gemeinwesen, hatte aber stets unter harten Kämpfen sich aller möglichen Eroberungsgelüste zu erwehren. Aus dieser Zeit stammt auch das Wappen von Genf: Schlüssel und Adler, jener das Symbol der Kirche, dieser dasjenige des Kaisers. Die von Friedrich (1017) bis Pierre de La Baume (1533) aufeinander folgenden 40 Bischöfe von Genf übten auf die Geschichte der Stadt einen sehr verschiedenen Einfluss aus: die einen waren gleichgiltig und bequem, die andern führten die Zügel der Regierung mit fester Hand und wahrten ihre Rechte mit allem Nachdruck.
Von diesen zeichneten sich besonders aus Humbert de Grammont, Ardutius, Aymon de Grandson, Guillaume de Marcossay und Adhémar Fabri. Die ersten Bischöfe von Genf mussten sich besonders gegen die begehrlichen Grafen von Savoyen vorsehen, die endlich doch die Schutzvogtei (vidomnat) über die Stadt erlangten, sie aber nur dazu benutzten, um fast alle Macht an sich zu bringen und den Einfluss der Bischöfe so viel als möglich zu schwächen. Der Bürgerschaft kamen diese beständigen Streitigkeiten zwischen den Grafen und Bischöfen in dem Sinne zu gute, als sie sich dadurch immer grössere Freiheiten und Vorrechte zu sichern wusste.
Als mit Amadeus VIII. (1417) die Grafen von Savoyen sich zu Herzogen emporgearbeitet hatten, eroberten sie nach und nach die gesamten Uferländer des Genfersees mit Ausnahme des kleinen Gebietes von Genf. Die Geschichte dieser aufgeregten Zeiten ist voller Kämpfe der Bürgerschaft gegen die immer mehr wachsende Begehrlichkeit des Hauses Savoyen. Dazu kam, dass die Bürger Genfs unter sich selbst uneinig waren und sich in einander heftig befehdende Parteien spaltete, so besonders zu Beginn des 16. Jahrhunderts in die sog. Mamelus (Anhänger Savoyens) und die Eidgnots (Anhänger der Eidgenossen).
Als endlich die Eidgnots die Oberhand erhielten, schloss Genf sein erstes Bündnis mit Freiburg An der Spitze der Eidgnots standen damals Philibert Berthelier, Pierre Lévrier und sein Sohn, François de Bonivard, Besançon Hugues und Jean Pécolat, von denen mehrere in den auf das Bündnis folgenden Wirren ihrer patriotischen Gesinnung zum Opfer fielen. Der Parteikampf wogte auf und nieder, bis es endlich den Eidgnots gelang, am neuerdings mit Freiburg und Bern einen Bund zu schliessen. Als aber trotzdem der Herzog von Savoyen und die berüchtigte Bande der sog. Chevaliers de la Cuiller fortfuhren, Genf zu bedrängen, sandten Bern und Freiburg der Stadt ihre Truppen zu Hilfe, worauf in Vervins am ein Friede zu Stand kam, dessen Bestimmungen am in Payerne endgiltig geregelt wurden.
Während Genf noch mit dem Herzog von Savoyen im Kampf lag, hatte in Deutschland und der Schweiz die Reformation bereits grosse Fortschritte gemacht. Nun unternahmen es Farel und nach ihm Froment, sie auch in Genf einzuführen, stiessen aber auf grosse Schwierigkeiten und konnten ihr Ziel erst 1535 nach dreijährigem Ringen erreichen. Dies hatte wieder zur Folge, dass Freiburg von seinem Bündnis mit Genf zurücktrat, worauf der Herzog von Savoyen sich dies zu Nutze machte und die Stadt neuerdings angriff, aber einer rasch zur Hilfe herangeeilten bernischen Armee wieder weichen musste (1536). Zu dieser Zeit nun kam Calvin nach Genf. Zwei Jahre lang tobte der Kampf zwischen Calvinisten und Libertinern, bis diese Calvins Verbannung durchzusetzen vermochten. Aber schon 1541 wurde der Reformator wieder zurückgerufen, der es nun unternahm, die Sitten der Bewohner und die Gerichtsbarkeit der Stadt vollständig umzuformen und der einen neuen Aufstand der Libertiner siegreich unterdrückte.
Calvin übte trotz der strengen Bestrafung seiner Gegner doch auf Genf einen tiefen und nachhaltigen Einfluss aus. Im Besonderen ist ihm ein kräftiger Aufschwung der Volksbildung zu verdanken, die er allen Schichten zugänglich machen wollte. Er gestaltete Genf zu einem Brennpunkt der Reformation und sorgte dafür, dass der Stadt Ruhm weithin in die Lande drang. Calvin starb 1564. Lange aber dauerte noch sein Regierungssystem fort, bestehend aus einer durch den Kleinen Rat mit absoluter Gewalt herrschenden Aristokratie.
Gründe religiöser Natur bestimmten Bern und Zürich, mit Genf sich zu verbinden, während die katholischen Orte der Eidgenossenschaft aus denselben Rücksichten die Ansprüche von Savoyen verteidigten. Da beschloss Herzog Karl Emmanuel von Savoyen, sich diese Verhältnisse zu Nutze zu machen und dem Vertrag von Vervins zum Trotz einen Handstreich auf Genf zu wagen, der denn auch in der Nacht vom 21./22. (oder 11./12. nach altem Stil) Dezember 1602 zur Ausführung kam, aber vollkommen scheiterte. Es ist dies die in der Geschichte berühmt gewordene Escalade, deren Andenken von den Genfern heute noch jeweils am 11. und 12. Dezember durch patriotische Bankette und Volksmaskeraden gefeiert wird.
Dem neu entfachten Kampf setzte aber sofort das Einschreiten von Frankreich, Spanien, des Papstes und der Eidgenossen ein Ziel, die am zu Saint Julien den Frieden diktierten. Das ganze 17. Jahrhundert ist in Genfs Geschichte durch endlose innere Streitigkeiten charakterisiert, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einem Volksaufruhr gegen die stolze und harte aristokratische Regierung führten (1707). Trotzdem das Haupt des Aufstandes, Pierre Fatio, hingerichtet wurde, dauerte der Kampf noch 3 Jahre lang fort, bis endlich der Bürgerschaft die verlangten Rechte zugestanden wurden.
Die damit eingekehrte Ruhe war aber nicht von langer Dauer; bald brachen neue innere Streitigkeiten aus, denen endlich durch die von Frankreich. Bern und Zürich 1738 vorgeschlagene Mediationsakte gesteuert wurde. Es folgten 25 Jahre der Ruhe, eine für Genf glänzende Epoche, während welcher Wissenschaft, Kunst und Handel mächtig aufblühten. Die 1763 erfolgte öffentliche Verdammung von Rousseau's Schriften «Contrat social» und «Émile» regte das Volk noch einmal auf, bis es 1768 durch ein Friedensedikt (Édit de pacification) weitere Rechte erlangte. 1782 neuer Volksaufstand, dem am 2. Juli desselben Jahres durch den Einmarsch von sardinischen, bernischen und französischen Truppen in die Stadt und durch den Erlass eines die schon erlangten Volksrechte zum Teil wieder verkürzenden neuen Friedensediktes ein rasches Ende gemacht wurde.
Die Folgen der französischen Revolution haben sich auch in Genf fühlbar gemacht. Trotzdem die Regierung im Bewusstsein ihrer Ohnmacht dem Volke bedeutende Zugeständnisse machte, konnte sie doch den Ausbruch einer Schreckensherrschaft nicht hindern, der 11 vollzogene und 26 in contumaciam ausgesprochene Todesurteile zur Last fallen. Am kam eine neue Verfassung zu Stande, die alle Standesunterschiede zwischen Genfer Bürgern aufhob und die Souveränität des Volkes proklamierte.
Unter dem Vorwand einer in Genf gegen Frankreich bestehenden Verschwörung zog 1798 eine französische Armee vor die Stadt, die sich unterwerfen musste und nun zum Hauptort des Département du Léman wurde. Als kurz nach dem Sturze Napoleons eine österreichische Armee sich nahte, räumten am die französischen Behörden und Besatzungstruppen die Stadt, worauf am zweitfolgenden Tage von einer Anzahl mutiger Bürger die frühere Staatsordnung wieder aufgerichtet ward.
Zugleich ging ins Generalquartier der Verbündeten in Basel eine Deputation ab, die von diesen für den Fall des Sieges ihrer Waffen die Unabhängigkeit von Genf zugesichert erhielt. Schon bedrohten die Franzosen Genf neuerdings, doch machte die bald erfolgende Abdankung Napoleons diesen langen Kämpfen ein Ende, und durch den Frieden von Paris erhielt Genf seine Unabhängigkeit. Zugleich ward der Stadt gestattet, sich an die schweizerische Eidgenossenschaft anzuschliessen. Am marschierten 3 Freiburger Kompagnien in Genf ein, und am wurden Stadt und Kanton Genf endgiltig in den Schweizerbund aufgenommen.
Durch die Friedensverträge von Wien (1815), Paris (1815) und Turin (1816) wurden dem Gebiete von Genf 22 Gemeinden neu angefügt: 6 Gemeinden des Pays de Gex (Collex-Bossy, Meyrin, Pregny, Grand Saconnex, Vernier und Versoix) und 16 Gemeinden Savoyens (Aire la Ville, Avusy-Laconnex-Soral, Bernex-Onex-Confignon, Carouge, Chêne-Thônex, Choulex, Collonge-Bellerive, Compesières. Corsier, Hermance, Lancy, Meinier, Perly-Certoux, Presinge, Troinex und Veyrier). Vorher hatte der genferische ¶
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Landbesitz nur einige mit der Hauptstadt nicht in Verbindung stehende Enklaven umfasst. Vor der Reformation gehörte blos ein kleiner Landstrich am linken Ufer der Rhone zur Stadt, die dann das Gebiet um Saint Gervais und die eben genannten Enklaven 1536 erwarb, die vorher Eigentum des Bischofes, des Chorherrenstiftes und zweier Klöster gewesen waren.
Nach der Angliederung der oben namentlich aufgeführten 22 Gemeinden verteilte sich die Bevölkerung des Kantons Genf wie folgt:
|Ew.|
|Stadt Genf||22300|
|13 reformierte Gemeinden||9139|
|6 französische Gemeinden||4350|
|16 savoyische Gemeinden||12700|
|Total||48489|
Von seinem Eintritt in die Eidgenossenschaft an hat sich Genf einer bemerkenswerten Blüte und, mit wenigen Ausnahmen, einer ruhigen Entwicklung zu erfreuen gehabt. Immerhin sind auch während dieser Periode noch einige Ereignisse der Erwähnung wert. Durch das Beispiel von Eynard entflammte 1827 eine grosse Begeisterung für die Griechen, die in einer öffentlichen Gabensammlung ihren Ausdruck fand. Eine wohltätige Nachwirkung hatten in Genf der Sturz von Karl X. und die Julirevolution, indem die Verfassung von 1814 im Sinne einer Erweiterung der Volksrechte revidiert wurde.
Endlosen Debatten und Streitigkeiten rief 1840-43 die Neuorganisation der Stadtverwaltung, die am sogar zu einem Aufruhr führten. Als drei Jahre später der Grosse Rat sich weigerte, der Aufhebung des Sonderbundes beizustimmen, brach am in Genf eine Revolution aus; die am folgenden Tage unter dem Vorsitz von James Fazy veranstaltete grosse Volksversammlung beschloss Auflösung des Grossen Rates und Ernennung einer neuen, provisorischen Regierung, die dann die von den Bürgern am angenommene neue Verfassung ausarbeitete.
Zum Schlusse unseres kurzen geschichtlichen Ueberblickes wollen wir nur noch dreier wichtiger Ereignisse gedenken: 1864 verursachte der Sturz von James Fazy einen heftigen Aufruhr. Als nämlich durch den Ausfall der Wahlen vom 22. August James Fazy von der Regierung ausgeschlossen ward, verwundeten Flintenschüsse mehrere Teilnehmer an dem den Weibeln folgenden Zug der Bürger. Der Staatsraat rief eidgenössische Hilfe an, und es folgte ein Aufsehen erregender Prozess gegen die Anstifter des Komplotes, die dann von den eidgenössischen Geschworenen frei gesprochen wurden. 1870 wütete in Genf der Kulturkampf, dessen einer Führer Antoine Carteret war. Im Oktober 1902 endlich brach ein Streik aus, der allgemein zu werden und den Charakter eines wirklichen Aufstandes anzunehmen drohte, von den Behörden jedoch rasch unterdrückt werden konnte.
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[Dr Emil André.]