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Die Innerschweiz zu Tells Zeiten
© Tellspiel- und Theatergesellschaft Altdorf, Postfach 907, 6460 Altdorf
Befreiungstradition
nach Historisches Lexikon der Schweiz
Ein Kern der Befreiungstradition wird erstmals in der um 1420 begonnenen "Berner Chronik" Konrad Justingers fassbar. Er berichtet aus der Zeit vor dem Morgartenkrieg (1315) von einer erdrückenden Willkürherrschaft und von Übergriffen Habsburg. Vögte in den Waldstätten, die den Widerstand weckten, nicht jedoch von Tell, dem Burgenbruch und der Bundesschliessung.
Voll ausgestaltet erscheint die B. um 1470 im "Weissen Buch von Sarnen", das folgende Episoden erzählt: Als Knechte des Landvogts von Unterwalden, Beringer von Landenberg, dem Bauern im Melchi (Gem. Sachseln) Ochsen wegnehmen wollten, habe dessen Sohn sich zur Wehr gesetzt, und weil dieser nach Uri entfloh, hätten sie den Vater geblendet. Bald darauf sei Landvogt Wolfenschiessen durch Konrad von Baumgarten auf Altzellen wegen versuchter Nötigung seiner Frau erschlagen worden. Weil zur selben Zeit Landvogt Gessler dem Schwyzer Landammann Werner Stauffacher wegen dessen Hochmut (Bau eines Steinhauses) mit Repressionen gedroht habe, sei dieser auf Anraten seiner Frau (deren Tapferkeit später als rühml. Beispiel tradiert wurde) nach Uri geflohen, um einen Geheimbund zu gründen. Es folgen die Geschichte vom Tell, der Burgenbruch, namentl. von Zwing-Uri, Schwanau, Landenberg und Rotzberg, und die Beschwörung des ersten Bunds auf dem Rütli unter der Führung von Walter Fürst aus Uri, Werner Stauffacher von Schwyz und Arnold von Melchtal aus Unterwalden.
Das um 1477 entstandene sog. Bundes- oder Tellenlied enthält die Variante, der Landvogt habe Tell im Urnersee ertränken lassen, und
in der Chronik von Melchior Russ, um 1482, wird Gessler von Tell unmittelbar nach dessen Sprung aus dem Boot erschossen.
Petermann Etterlins Chronik von 1507 verbreitete die B. als erstes Druckwerk und enthält die früheste Abbildung der Apfelschuss-Szene. Link
Aegidius Tschudis um die Mitte des 16. Jh. verfasstes "Chronicon Helveticum" fügte die B. in ein inhaltlich und chronologisch abgerundetes Konzept und prägte das schweizerische Geschichtsbild für lange Zeit. Tschudi legte die Ereignisse in die Jahre 1301-07, den Bundesschwur auf Mittwoch vor Martini (8.11.) 1307 und die Erstürmung der Burgen auf Neujahr 1308. Damit schuf er die zeitl. Verbindung zur Ermordung des verhassten, als habsüchtig und tyrann. geltenden Kg. Albrecht I. und die bis ins 19. Jh. gültige Datierung. Er rechtfertigte die eidg. Staatsbildung mit dem zur Bewahrung des bedrohten Landfriedens und auch zur Wiederherstellung des alten freien Helvetien notwendigen Widerstand gegen die Gewaltherrschaft.
Link: (Tschudi ab 1305)