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Forschungsergebnisse zu Konvergenzschwäche
Kindern, die an einer häufig vorkommenden visuellen Störung leiden und deshalb Lese- Lernschwierigkeiten haben, kann geholfen werden!
Jedes zwanzigste Schulkind könnte profitieren!
Die wichtigste Behörde für biomedizinische Forschung in den USA ist das „National Institute of Health“, kurz NIH. Das NIH ist eine Behörde des US Gesundheitsministeriums. Am Montag, den 13. Oktober 2008 hat das NIH eine Studie veröffentlicht, welche zeigt, dass es eine effektivere Behandlung für Kinder gibt, welche an einer häufig vorkommenden visuellen Störung leiden. Diese häufige Sehstörung heisst Konvergenzschwäche und führt zu einem oder mehreren der folgenden Symptome:
- Schlechte Konzentration
- Langsames Lesen
- Augenbeschwerden (Beissen, Schmerzen, Tränen) im Zusammenhang mit Schultätigkeiten wie Lesen und Schreiben
- Kopfschmerzen im Schläfen-/Stirnbereich im Zusammenhang mit Schultätigkeiten wie Lesen und Schreiben
- Verschwommenes Sehen
- Doppeltsehen
- Reduzierte Lernfähigkeit
Die Konvergenzschwäche ist eine Störung der Koordination der Augenmuskeln. Sie wird bei Standard-Sehtesten häufig übersehen, weil diese oft nur Sehfunktionen beim Blick in die Ferne prüfen. Für das Lesen und Lernen werden jedoch Sehfunktionen benötigt, welche man nur durch spezielle Tests in der Nähe prüfen kann. Aus diesem Grunde wird bei Kindern häufig fälschlicherweise eine Lernstörung oder eine Lernschwäche diagnostiziert, obwohl eine behandelbare Sehstörung vorliegt. Etwa fünf Prozent der Schulkinder sind von einer Konvergenzschwäche betroffen.
Die Studie des NIH war ein Gemeinschaftsprojekt von Funktionaloptometristen und Augenärzten an neun verschiedenen Orten in den USA. An der Studie nahmen 221 Kinder im Alter von neun bis 17 Jahren teil. Es wurden verschiedene Behandlungsformen miteinander verglichen, darunter auch die von Augenärzten häufig verschriebenen sogenannten Bleistift-„push-ups“ und eine Placebo-Behandlung. Beinahe 75% der Kinder die zwölf Wochen lang mit Visualtraining behandelt wurden, erlangten normale Sehfunktionen und bedeutsame Verringerungen der Beschwerden. Das Visualtraining bestand aus zwölf Sitzungen kombiniert mit speziellen „Hausaufgaben“.
Die Studie zeigte, dass die sogenannten Bleistift-„push-ups“ und auch PC-basierte Übungsprogramme nicht wirksamer sind als eine Placebo-Behandlung.
Visualtraining wird hierzulande von eidgenössisch diplomierten Augenoptikern (bzw. neuerdings Bachelor of Science in Optometrie) mit einer Zusatzausbildung in Funktionaloptometrie angeboten.
Dr. Mitchell Scheiman (Professor des „Pennsylvania College of Optometry“ der Salus Universität), der Forschungsleiter dieser Studie sagt: „Diese Studie zeigt, dass eine diagnostizierte Konvergenzschwäche erfolgreich mit Visualtraining (Sitzungen kombiniert mit „Hausaufgaben“) behandelt werden kann. Dies ist eine ermutigende Neuigkeit für Eltern, Pädagogen und jeden der ein Kind mit Konvergenzschwäche kennt.“
Das „College of Optometrists in Vision Development“ kurz COVD ist eine internationale Non-Profit-Vereinigung von Sehspezialisten die sich mit Funktionaloptometrie und Visualtraining beschäftigen. Pamela Happ, die Geschäftsführerin der COVD ist von den Ergebnissen dieser Studie begeistert: „Viele Sehspezialisten und Eltern waren im Zweifel, welche Behandlung am effektivsten ist, um eine Konvergenzschwäche zu beseitigen. Diese doppelblinde und Placebo-kontrollierte Studie zeigt, dass das Visualtraining (Sitzungen bei ausgebildeten Spezialisten, kombiniert mit speziellen „Hausaufgaben“) definitiv die wirksamste und effektivste Lösung im Falle einer Konvergenzschwäche ist.“ Pamela Happ hofft nun, dass mehr Augenärzte Patienten mit einer Konvergenzschwäche an Funktionaloptometristen weiterleiten oder selbst die entsprechenden Weiterbildungen besuchen.
Visualtraining ist eine Dienstleistung der Optometrie, welche (in den USA) seit über 70 Jahren angeboten wird. Die meisten Optometristen lernen in ihrer Ausbildung Grundlagen der Funktionaloptometrie. Fast alle Optometristen die Visualtraining anbieten, haben jedoch eine spezielle Weiterbildung in Funktionaloptometrie besucht.
Die Studie ist besonders wertvoll, da sie zeigt, dass die richtige Behandlung der Konvergenzschwäche die Beschwerden im Zusammenhang mit Lesen und Lernen bedeutend verringern kann. Dr. Scheiman sagt: „Die Beschwerden verringerten sich in der Häufigkeit und in der Stärke. Eltern berichteten, dass sie massive Verbesserungen in der Aufmerksamkeit, in der Ablenkbarkeit und im Vermeidungsverhalten im Zusammenhang mit Schulaufgaben sahen. Zudem berichteten die Eltern, dass sie sich nun weniger Sorgen über die Schulleistung ihrer Kinder machen würden.“
Der Funktionaloptometrist Tobias Herrmann bietet in seiner Praxis in Zizers (Graubünden), seit 2006 Visualtraining für Kinder mit Konvergenzschwäche an. Tobias Herrmann sagt: „Ein Kind mit einer Konvergenzschwäche und Schwierigkeiten beim Lesen und Lernen verlangt von den Eltern zusätzlichen Zeitaufwand (z.B. Hausaufgabenbegleitung). Die Konvergenzschwäche verursacht häufig Frust bei dem betroffenen Kind, sowie auch bei seinen Eltern. Wird eine Konvergenzschwäche nicht erkannt oder falsch diagnostiziert, entstehen oft Kosten durch Spezialbetreuung.“
Wenn ein Sehproblem die Ursache von Schulschwierigkeiten ist, sind die Beschwerden eines Kindes in der Regel sehr typisch. Falls Sie sich nicht sicher sind suchen Sie im Internet nach „Funktionaloptometrie“ oder „Visualtraining“. Auf vielen Seiten von deutschsprachigen Funktionaloptometristen befinden sich Listen mit den typischen Beschwerden, sowie Informationen über Visualtraining und Funktionaloptometrie.
Über COVD:
Das „College of Optometrists in Vision Development“ kurz COVD ist eine internationale Non-Profit-Vereinigung von Sehspezialisten die sich mit Funktionaloptometrie und Visualtraining beschäftigen. Für Sehspezialisten organisiert das COVD Weiterbildungen und Zertifizierungen in Funktionaloptometrie und Visualtraining. Für mehr Informationen über COVD, Konvergenzschwäche, visuell bedingte Lernprobleme und Visualtraining besuchen Sie bitte www.covd.org (auf Englisch).