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Der Eisenbahntunnel von 1882
Weder war die Gotthardbahn die erste alpenquerende Bahnverbindung, noch war ihr Bau unbestritten: Die Linie über den Brenner hatte den Betrieb bereits 1867 aufgenommen, jene am Mont-Cenis 1871. Bei der schweizerischen Alpenbahn standen ausser dem Gotthard auch Projekte am Lukmanier, San Bernardino, Splügen und Grimsel zur Diskussion.
Der Gotthard setzte sich dank dem «Eisenbahnkönig» Alfred Escher durch. Für den Bau des Tunnels erhielt der Genfer Ingenieur und Bauunternehmer Louis Favre den Zuschlag. Der Durchstich des Scheiteltunnels erfolgte am 29. Februar 1880.
Die NZZ begrüsste ihn am 1. März 1880 mit einem Artikel auf der Titelseite; er trug die Überschrift „Durch!".
Beim Bau kam neuste Technik (Dynamitsprengungen) zum Einsatz. Die Arbeitsbedingungen allerdings waren so schlecht, dass allein beim Bau des Scheiteltunnels 177 Arbeiter ums Leben kamen.
In der Westschweiz richtete sich das Interesse bezüglich Alpenquerung naturgemäss stärker auf den Bau des Simplontunnels, der allerdings erst 1906 eröffnet wurde. Doch auch der Gazette de Lausanne war die Einweihung des Gotthardtunnels am 26. Mai 1882 ein Bericht auf der Titelseite wert.
Zum 50-Jahr-Jubiläum dieses Ereignisses beleuchtetet Hans Etter, Mitglied der SBB-Generaldirektion, in einem Artikel in der Schweizer Illustrierten Zeitung auch die schwierige Finanzierung der Gotthardbahn und die entscheidende Rolle, die Deutschland und Italien dabei spielten: Im Staatsvertrag vom 15. Oktober 1869 wurde vereinbart, dass Italien 45 Millionen Franken an den Bau der Gotthardbahn zahlt, die Schweiz und Deutschland je 20 Millionen. Weitere 102 Millionen beschaffte Escher bei einer deutschen Finanzgruppe.
Den engen Zusammenhang zwischen der Gründung der Schweizerischen Kreditanstalt, der heutigen Credit Suisse, ─ ebenfalls durch Alfred Escher ─ im Jahr 1856 und der Finanzierung seines Lebenswerks „Gotthardbahn" beleuchtet Bernard Wuthrich im Journal de Genève vom 14. Juni 1997.
Als viele Privatbahnen 1902 verstaatlicht und in den Schweizerischen Bundesbahnen SBB zusammengefasst wurden, blieb die Gotthardbahn aussen vor. Erst mit dem Gotthardvertrag vom 13. Oktober 1909 einigten sich die Schweiz, Deutschland und Italien auf Tarifvergünstigungen im Transitverkehr als Ausgleich für den Verzicht auf die weitere Kapital- und Betriebsgewinnbeteiligung der Nachbarstaaten.
Die Vertragsunterzeichnung wurde in der Schweiz als Einschränkung der nationalen Souveränität betrachtet.Aus dem Unmut darüber wurde 1921 die Volksinitiative zur Einführung des fakultativen Referendums für Staatsverträgeangenommen (Art. 141 Abs. 1d der aktuellen Bundesverfassung).