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Freundschaft über Geschlechtergrenzen hinweg: Ein Blick auf die Freundschaft zwischen Männern und Frauen
In einer zunehmend komplexen und dynamischen Welt, in der sich soziale Strukturen und Normen ständig verändern, stellt sich die Frage, ob Männer und Frauen „nur Freunde“ sein können. Die Frage ist nicht, ob Männer und Frauen überhaupt Freunde sein können, sondern ob sie eine rein platonische Beziehung aufrechterhalten können, ohne dass romantische oder sexuelle Anziehung eine Rolle spielt.
Die Philosophie hat sich lange mit dem Wesen von Beziehung und Liebe beschäftigt. Die griechischen Philosophen Platon und Aristoteles in der Antike, aber auch der französische Essayist Michel de Montaigne (16. Jahrhundert) behaupteten, dass wahre Freundschaft nur zwischen tugendhaften Männern bestehen könne. Dieser subjektive Ansatz schloss Frauen völlig aus und legte den Grundstein für die anhaltende Debatte darüber, ob Männer und Frauen nur Freunde sein können.
Auch in der wissenschaftlichen Literatur wurde versucht, diese Frage zu beantworten, und die Definition von Freundschaft selbst war Gegenstand zahlreicher Diskussionen und Analysen. Robert Hays, Psychologe an der Universität von Kalifornien in San Francisco, definiert Freundschaft als „eine freiwillige Wechselbeziehung zwischen zwei Personen über einen längeren Zeitraum, die dazu dient, die sozioemotionalen Ziele der Beteiligten zu erleichtern, und die verschiedene Arten und Grade von Begleitung, Intimität, Zuneigung und gegenseitiger Unterstützung umfassen kann“. Diese weit gefasste Definition lässt Raum für unterschiedliche Interpretationen dessen, was eine Freundschaft ausmacht, und macht deutlich, dass Freundschaften komplex und vielschichtig sind.
Die Idee, dass Männer und Frauen Freunde sein können, ist relativ neu und hat in der wissenschaftlichen Gemeinschaft an Bedeutung gewonnen. Die Frauenbewegung der 1960er Jahre, die Männer und Frauen sozial und beruflich gleichstellte, schuf mehr Möglichkeiten für Interaktionen zwischen den Geschlechtern. Dies führte dazu, dass Männer und Frauen als Freunde kompatibler wurden, da sie zunehmend ähnliche Einstellungen und Verhaltensweisen hatten.
Neuere Studien zeigen, dass Freundschaften zwischen Männern und Frauen heute häufiger sind als je zuvor. Eine Studie aus dem Jahr 2002 ergab, dass 18- bis 24-Jährige fast viermal häufiger einen besten Freund des anderen Geschlechts haben als Menschen über 55. 2012 stellte die Psychologin April Bleske-Rechek von der University of Wisconsin-Eau Claire in einer Studie fest, dass fast alle befragten Studenten Freunde des anderen Geschlechts hatten.
Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass Freundschaften zwischen Männern und Frauen häufig von einer gewissen Anziehung geprägt sind. Heidi Reeder, Professorin für Kommunikation an der Boise State University, fand in einer Studie heraus, dass „feminine“ Männer und „maskuline“ Frauen (gemessen am Bem Sex Role Inventory) einen signifikant höheren Anteil an Freundschaften mit dem anderen Geschlecht hatten als „maskuline“ Männer und „feminine“ Frauen. Aber ist das ein Problem? Nicht unbedingt.
Es ist wichtig zu betonen, dass Anziehung in Freundschaften zwischen Männern und Frauen nicht unbedingt problematisch sein muss. Die Forschung zeigt, dass Anziehung und romantische Gefühle in Freundschaften existieren können, ohne die Freundschaft zu gefährden. Terri Adams-Fuller fand heraus, dass die meisten Befragten eine "freundschaftliche Anziehung" empfanden, während nur wenige eine "aktuelle romantische Anziehung" verspürten. Dies deutet darauf hin, dass Anziehung in Freundschaften mehrdimensional sein kann und nicht unbedingt zu einer romantischen Beziehung führen muss.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Männer und Frauen durchaus Beziehungen über die Geschlechtergrenzen hinweg haben können. Anziehung kann vorhanden sein, muss aber nicht zwangsläufig die Art der Freundschaft bestimmen. Es ist wichtig, Vorurteile und stereotypes Denken zu überwinden, um die Vielfalt menschlicher Beziehungen zu erkennen und zu akzeptieren. Freundschaften zwischen Männern und Frauen sind weit verbreitet und können eine wertvolle und bedeutsame Form der Beziehung sein. Wenn wir diese Beziehungen fördern und respektieren, können wir eine gleichberechtigtere und damit gerechtere Gesellschaft schaffen.
Bildquelle: Ball Park Brand / unsplash.com