Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03334.jsonl.gz/1023

Eine der populärsten Werkgruppen des Berner Künstlers Peter von Wattenwyl stand lange Zeit in einem Einkaufszentrum in Schönbühl. Als Auftragsarbeit im Grenzgebiet zwischen Kunst und Kommerz zeugen die rund 30 grellbunten, bizarren Vogelskulpturen, die heute die Räume eines Murtener Hotels schmücken, von den verschlungenen Lebenswegen eines eigenwilligen Künstlers.
Peter von Wattenwyl wuchs in Oberdiessbach als Sohn einer alten Berner Adelsfamilie auf. Nach dem frühen Tod des Vaters brach er das Gymnasium vor der Matura ab und begann zu malen. Mit seiner ersten Frau Erika Tanner zog er 1962 ins südfranzösische Saintes-Maries-de-la-Mer, wo die beiden eine Zeit lang bei spanischstämmigen Roma lebten. Seine ersten Arbeiten stellte von Wattenwyl 1966 zusammen mit Meret Oppenheim in Bern aus, die wie Jean Tinguely, Niki des Saint Phalle und Bernhard Luginbühl seit Ende der 1950er-Jahre zu seinem engeren Freundeskreis gehörte. Jean-Christophe Ammann lud ihn 1969 zu der wegweisenden Gruppenschau Die Kunst der Abseitigen im Kunstmuseum Luzern ein. Eine Empfehlung Tinguelys für ein Projekt am Moderna Museet in Stockholm schlug er jedoch aus, ebenso zahlreiche andere Angebote. Statt an den Erfolg einer vielversprechenden Einzelausstellung in Paris anzuknüpfen, entzog er sich wiederholt dem Kunstbetrieb, reiste mit seiner zweiten Frau Therese nach Tahiti, lebte mit ihr auf Ibiza und im Tessin.
Ihr widmete von Wattenwyl auch die Fimo-Plastik Therese (1993), die sich in der Sammlung der Mobiliar befindet. Das kleinteilig bemalte Objekt unter Acrylglashaube stellt einen Kuss zwischen zwei nixenartigen Fabelwesen bei turbulenter Bootsfahrt dar, behütet von einem Grüppchen skurriler Meerungeheuer. Im gleichen Jahr erwarb die Mobiliar zudem die Gouache Die Verhandlung (1993). Wie viele seiner malerischen Arbeiten seit den 1980er-Jahren hat von Wattenwyl auch diese als Wimmelbild voller Anspielungen auf lokale Ereignisse, Gruppen und Personen angelegt, mit ihm selbst im Zentrum in der Rolle des Narren, der den anderen den Spiegel vorhält, ohne sich über sie zu erheben.
Peter von Wattenwyl, der seine freie künstlerische Tätigkeit vor allem durch Auftragsarbeiten als Porträtmaler sowie durch Ankäufe seines Freundes und wichtigsten Sammlers Bernhard Luginbühl finanzierte, gehört zu den originellen Vertretern der Schweizer Outsider-Art-Szene.
Peter von Wattenwyl, 1942 geboren in Bern (CHE), starb 2014 in Murten (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Plastik, Malerei, Druckgrafik, Zeichnung