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Wenn das Haar lichter wird
Diagnose Im Zuge der entwicklungsgeschichtlichen Rückbildung der Körperhaare hat das Kopfhaar als soziales Kommunikationsorgan an Bedeutung gewonnen. Haare sind Spiegel der Persönlichkeit und Gesundheit, Schlüsselreiz des ersten Eindrucks, signalisieren Sympathie und Antipathie und dienen der non-verbalen Kommunikation.
In einer Studie zum Stellenwert der Haare bei Schweizer Männern haben wir 508 Männer zwischen 15 und 74 Jahren über relevante Kriterien und Kommunikationswert des Kopfhaars, Ausprägung von Haarverlust durch Selbsteinstufung sowie Verwendung oder Gründe für Nichtverwendung von Haarwuchsmitteln befragt: 79 Prozent stuften das gepflegte Aussehen, 59 Prozent ein gutes Aussehen der Frisur und 51 Prozent Typengerechtheit des Kopfhaars als sehr wichtig ein. 36 Prozent massen dem Zustand der Haare Körperpflege und Modebewusstsein zu, und weitere 24 Prozent auch andere Eigenschaften, wie Jugendlichkeit, Attraktivität und Berufsorientierung. 42 Prozent gaben durch Selbsteinstufung an, Haare verloren zu haben. Davon gaben 26 Prozent an, Haarwuchsmittel zu verwenden, 31 Prozent nicht, weil für sie kein Bedarf bestünde, und 27 Prozent, weil sie kein Vertrauen in die Wirkung von Haarwuchsmitteln hätten.
Anlagebedingter Haarausfall
Der anlagebedingte Haarausfall stellt die häufigste Ursache von Haarausfall sonst gesunder Männer dar. Es handelt sich um einen altersabhängig fortschreitenden Haarverlust mit charakteristischem Muster. Zwischen 18 und 29 Jahren sind 12 Prozent, von 30 bis 39 38 Prozent, von 40 bis 49 45 Prozent, von 50 bis 59 52 Prozent, von 60 bis 69 65 Prozent, von 70 bis 79 64 Prozent und mit 80 Jahren 70 Prozent betroffen. Von einigen Experten wird der anlagebedingte Haarausfall als organspezifisches, beschleunigtes Alterungsphänomen des Haars aufgefasst, welches mit weiteren altersabhängigen Gesundheitsrisiken vergesellschaftet ist, wie Prostatakrebs, Herzkreislauferkrankungen und Hautkrebs der Glatze.
Psychische Leiden
Sozialpsychologische Studien belegen den psychologischen Leidensdruck, der aus Haarverlust erwachsen kann. Das subjektive Erleben von Haarverlust hat Auswirkungen auf die Befindlichkeit und Lebensqualität Betroffener sowie auf die psychologische Anpassung. Der Verlust an körperlicher Kompetenz kann emotional belastend sein und das Selbstwerterleben beeinträchtigen. Unangepasste Reaktionen auf die psychosoziale Belastung können zu Defiziten in den sozialen und beruflichen Leistungen führen. Es kann zu Anpassungsstörungen mit depressiver Verstimmung, ängstlicher Gestimmtheit oder sozialer Verhaltensbeeinträchtigung kommen.
Die 5-prozentige Minoxidil-Lösung zum Auftragen führt bei 6 von 10 Männern zum Stopp des Haarausfalls und bei 1 von 3 Männern zu einer Verbesserung des Erscheinungsbildes. Prognosefaktoren im Hinblick auf die beste Wirksamkeit von Minoxidil sind jüngeres Alter, kurze Bestandesdauer und kleiner Durchmesser der Alopezie.
Die 1-mg-Finasterid-Tablette zum Einnehmen führt bei 9 von 10 Männern zum Stopp des Haarausfalls und bei 2 von 3 Männern zur Verbesserung des Erscheinungsbildes. Die hohe Wirksamkeit und Verträglichkeit von Finasterid wurde bei Männern zwischen 18 bis 40 Jahren über eine Beobachtungsdauer von 5 Jahren gezeigt, ebenso bei Männern zwischen 41 und 60 Jahren in einer Studie über zwei Jahre. Unerwünschte Auswirkungen der Finasterid-Therapie auf die Libido und Erektionsfähigkeit wurden bei Männern zwischen 18 und 41 Jahren in weniger als 1 Prozent festgestellt, bei Männern über 40 Jahren in 3 bis 6 Prozent.
Haarausfall erhöht Risiko für Prostatakrebs
In einer Studie mit 18 882 Männern im Alter von 55 Jahren und mehr wurde der Einfluss von Finasterid auf die Entwicklung eines Prostatakrebses untersucht: Von den Männern, die die Studie abgeschlossen hatten, wurde ein Prostatakrebs bei 18,4 Prozent der Finastrid-Gruppe und 24,4 Prozent der Placebo-Gruppe diagnostiziert. In der Finasterid-Gruppe fanden sich vermehrt höhergradige Tumoren, weshalb bei Männern über 45 Jahren unter Finasterid empfohlen wird, vor Beginn, nach Einleitung der Therapie und danach jährlich das Prostata-spezifische Antigen (PSA) zu bestimmen. Bei der Beurteilung des PSA-Wertes ist zu beachten, dass er unter Finasterid um ca. 50 Prozent erniedrigt ist. Es wurde ferner gezeigt, dass unter Finasterid der PSA-Wert bei Prostatakrebs weniger stark abfällt. Bei erhöhtem PSA-Ausgangswert, bei fehlendem Abfall des PSA-Wertes nach Einleitung der Therapie und bei Anstieg des PSA-Wertes unter der Therapie sollte die Prostata untersucht werden.
Bei beiden Medikamenten handelt es sich um eine Dauertherapie. Unter Beachtung der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie stellen sowohl Minoxidil als auch Finasterid heute sichere und zufriedenstellende Behandlungsoptionen des Haarausfalls vor allem junger Männer dar. Bei fortgeschrittener Glatze kommt die Eigenhaartransplantation in Betracht. Fortschritte in der Operationstechnik in Richtung natürliches Aussehen haben inzwischen auch im Bereich der Haarchirurgie zu sehr befriedigenden Resultaten geführt.