Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03531.jsonl.gz/1064

Die Linie der Übermittlung geht zurück bis auf Buddha Shakyamuni, der vor über 2’500 Jahre in Nordindien lebte. Seither wurde die Lehre in einer ununterbrochenen Linie von Meister zu Schüler weitergegeben und verbreitete sich so von Indien nach China, von dort nach Japan und schliesslich in den Westen.
Das Mushin Zen Dojo steht in der Tradition des Zen-Meisters Mokudo Taisen Deshimaru, der 1967 als erster Zen-Meister nach Europa kam, um die Praxis des Zen zu lehren. Als er 1982 starb, hinterliess er die grösste Zen-Sangha (Gemeinschaft der Praktizierenden) der Welt mit über 100 Dojos und dem ersten und gleichzeitig grössten Zen-Tempel Europas, La Gendronnière in Frankreich.
Buddha Shakyamuni (ca. 560-480 v. Chr)
Siddhartha Gautama, der spätere Buddha Shakyamuni, wurde etwa 560 v. Chr. in Lumbini, nahe der Stadt Kapilavastu (im heutigen Nepal) geboren und starb im Alter von 80 Jahren. Er entstammte dem Adelsgeschlecht der Sakyer (daher die Bezeichnung Buddha Sakyamuni), verbrachte eine unbeschwerte Jugend im materiellen Überfluss, heiratete und hatte einen Sohn.
Der Sage nach verliess er mit 29 Jahren die Palastanlage seiner Familie und begegnete dabei zum ersten Mal einem Greis (Alter), einem Schwerkranken (Krankheit) und einem Toten (Tod). Darauf gab er sein Prinzenleben auf und beschloss, die Grundlage dauerhaften Glücks zu suchen. Nach sechs Jahren vergeblicher Suche – durch Askese und die Auseinandersetzung mit den besten Philosophien seiner Zeit – setzte er sich in der Zazenhaltung unter einen Feigenbaum und schwor, nicht wieder aufzustehen, bis er sein Ziel erreicht hat. Schließlich erkannte er in tiefer Meditation das Wesen des Geistes und wurde damit erleuchtet, also ein Buddha, ein „vollkommen Erwachter“.
Danach lehrte er 45 Jahre lang. Er Starb mit 80 Jahren und empfahl kurz vor dem Tod seinen Anhängern (Mönchen, Nonnen und Laien), seiner Lehre nicht blind zu folgen, sondern alles anhand der eigenen Erfahrung zu überprüfen.
Bodhidharma (ca. 440-530)
Der Inder Bodhidharma brachte Anfang des 6. Jh. Zen (chin. Chan) nach China. Die Legenden um Bodhidharma sind reichhaltig. Ob sie historisch authentisch sind oder nicht, in der Zen-Lehre haben sie auf jeden Fall eine tiefe Bedeutung erlangt.
Kaiser Wu-ti (502-550), ein leidenschaftlicher Buddhist, liess Bodhidharma an seinen Hof kommen und fragte ihn: „Seit ich Kaiser bin, habe ich zahlreiche Tempel gebaut und Sutras kopieren lassen. Welches werden in Zukunft meine Verdienste sein?“ Bodhidhara antwortete: „Keine Verdienste. Jenseits der Frömmigkeit eine unauslotbare Leere, nichts von heilig.“
Bodhidharma sah, dass der Kaiser nicht verstehen konnte und die Zeit noch nicht reif war. Darauf überquerte er den Yang-tse und zog sich in das Shaolin-Kloster auf dem Berg Song-shan zurück, wo er neun Jahre schweigend Zazen vor der Wand übte. Dieser Umstand verwirrte alle, die ihn sahen und man nannte ihn den „Wandbetrachter-Mönch“.
Dogen Kigen (1200-1253)
Der japanische Mönch Dogen Kigen brachte das Zen im 13. Jh. nach Japan. Auf der Suche nach der authentischen Lehre begab er sich nach China, wo er seinem Meister Tendo Nyojo begegnete. Nach seiner Rückkehr führte er die Zen-Praxis in Japan ein. Obwohl er ganz und gar nicht beabsichtigte, seine Lehre als „Schule“ abzugrenzen, wurde er dennoch zum Begründer des Soto-Zen in Japan.
Dogen kam aus einer aristokratischen Familie und studierte zunächst den Tendai- und Rinzai-Buddhismus in Japan. In China erkannte er schliesslich, dass der Weg hier und jetzt ist, in der Ausübung jeder Tätigkeit. Es ist nicht nötig, dem Studium der Sutras oder den Zeremonien zu viel Bedeutung beizumessen.
Bei seiner Rückkehr sagte er: „Ich bin mit leeren Händen wiedergekommen. Alles, was ich euch sagen kann ist folgendes: Die Augen sind waagrecht und die Nase ist senkrecht. Morgen für Morgen geht im Osten die Sonne auf und der Hahn kräht in der Dämmerung. Jedes vierte Jahr hat der Monat Februar 29 Tage.“
Mokudo Taisen Deshimaru (1914-1982)
Taisen Deshimaru wurde 1914 in Saga in eine alte Samurai-Familie geboren. Seine Mutter war hingebungsvolle Buddhistin während sein Vater ein tüchtiger Geschäftsmann war, der auch seinen Sohn für eine Handelskarriere bestimmte. So begann er ein Wirtschaftsstudium und suchte spirituelle Antworten zunächst im Christentum, später im Rinzai-Zen bis er schliesslich seinen Meister im Soto-Zen-Mönch Kodo Sawaki traf.
Dieser wies aber seine Bitte, ihn zum Mönch zu ordinieren, ab und forderte diesen auf, ein aktives Leben in der Gesellschaft zu führen. Das Leben in den Zentempeln war nach seiner Ansicht zu einem mechanischen Rezitieren von Sutras und Abhalten von Zeremonien degeneriert, während die Mönche dort kein Zazen mehr praktizierten.
Im November 1965 kurz vor seinem Tod, rief Kodo Sawaki Deshimaru zu sich und sagte zu ihm: „Deshimaru, ich fühle, dass ich bald sterben werde. Der Buddhismus in Japan hat seine Stärke verloren. Der Samen des authentischen Zen muss in frische Erde gepflanzt werden. Ich möchte gerne, dass du die wahre Unterweisung in den Westen bringst.“
1967 kam er mit der Transsibirischen Eisenbahn in Europa an und liess sich in Paris nieder. Von hier aus unterrichtete er die Praxis des Zen in ganz Europa bis zu seinem Tod im Jahr 1982.
Missen Michel Bovay (1944-2007)
Michel Bovay wurde 1944 in Monthey, im französischsprachigen Teil der Schweiz geboren. Schon bald zog er mit seiner Familie nach Basel, wo er eine Ausbildung als Schriftenzeichner absolviert und unter anderem als Bassist, Komponist und Leadsinger die Rockband „The Sevens“ gründete, die in den 60er Jahren Europaweit bekannt wurde.
1972 traf Michel Bovay den Zenmeister Mokudo Taisen Deshimaru bei einem Vortrag in Genf und beschloss, diesem für ein paar Monate nach Paris zu folgen. Er blieb zehn Jahre dort, wurde dessen Assistent und vertrauter Mitarbeiter und war massgeblich an der Verbreitung des Zens in Europa beteiligt.
Nach dem Tod von Meister Deshimaru 1982 wurde Michel Bovay einer der Hauptverantwortlichen für die Weitergabe dessen Lehre und folgte 1985 dem Wunsch seines Meisters, zurück in die Schweiz zu gehen. Hier konzentrierte er sich auf die tägliche Unterweisung im Zen Dojo Zürich, leitete Zazentage, Sesshins und Sommerlager im Tempel La Gendronnière in Frankreich und in der Schweiz.