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Vor acht Jahren hat die Genfer Firma Addax Bioenergie in Sierra Leone ein Agrotreibstoffprojekt initiiert. Mit Unterstützung der Regierung, lokaler Behörden und der Dorfchefs konnte Addax über 14 000 Hektaren Land für fünfzig Jahre pachten – zum Zins von umgerechnet einem Franken pro BewohnerIn. Die meisten der 14 000 Betroffenen sind SubsistenzbäuerInnen, viele davon AnalphabetInnen – und konnten mit den internationalen Firmen nicht auf Augenhöhe verhandeln.
Schon im Juli 2015 hat die Firma den Zuckerrohranbau gestoppt und die Ethanolproduktion eingestellt. Die Flächen sind gerodet, die temporär Angestellten wurden entlassen, die anderen freigestellt. Die Menschen reagierten entsetzt, wie ein Bericht des Schweizer Fernsehens zeigt. Nun möchte Addax das Projekt verkaufen: Es habe nicht die erwarteten Resultate gebracht. Rund 500 Millionen Franken hat die Firma in das Projekt investiert – mit dem Ziel, den europäischen Markt mit Agrotreibstoff zu beliefern. Acht Entwicklungsbanken haben das Vorhaben zur Hälfte mitfinanziert, unter ihnen die Afrikanische Entwicklungsbank, die von der Schweiz mitgetragen wird. Vom Staatssekretariat für Wirtschaft sind auch Schweizer Steuergelder in das Projekt geflossen.
Das Landwirtschaftsministerium in Sierra Leone bestätigt Übernahmegespräche mit der britischen Sunbird Bioenergy Ltd., der Verbindungen zu dubiosen chinesischen Energiekonzernen nachgesagt werden. Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik bei Brot für alle, fordert eine grundlegende Überarbeitung der Pachtverträge. Addax, die Entwicklungsbanken und das Seco sollen Verantwortung übernehmen: Die lokale Bevölkerung darf nicht noch einmal über den Tisch gezogen werden.