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Online-Beratung: Schwindel bei Kopfbewegungen
Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen
Frage
In den letzten drei Tagen hatte ich starke Schwindelgefühle, die ich nicht einordnen kann.
Wenn ich nachts in halbwachem Zustand aufstehen muss, wird mir „trümmlig“, so wie wenn man als Kind einen Hang heruntergerollt ist. Jeder Stellungswechsel mit Kopfbewegung bringt ein solches inneres Rollen in Gang, das nur schwer wieder zu bremsen ist. Ich brauche dann etwa eine Minute, um die sich drehende Welt in meinem Kopf einigermassen stabil zu kriegen. Offene Augen helfen dabei, können das Phänomen aber nicht verhindern. Die Schwindelgefühle treten beim Wechsel von aufrechter zu liegender Stellung und von liegender zu aufrechter Stellung auf. Tagsüber habe ich einen etwas komischen Kopf (dumpf, ohne Kopfweh), kann mich aber ansonsten gut konzentrieren. Ich fühle mich sonst überhaupt nicht krank. Übelkeit (vom Magen her) kommt auch vor, allerdings nur bei starkem Schwindel.
Ist so was Anlass genug für eine Konsultation? Welche Anlaufstelle würden Sie mir empfehlen?
M, 42-jährig
Antwort
Am wahrscheinlichsten handelt es sich bei Ihren Beschwerden um einen so genannten gutartigen (= benignen), anfallsweise auftretenden (= paroxysmalen) Lagerungsschwindel, eine relativ häufige Schwindelursache. Typischerweise tritt der Schwindel bei Lageveränderungen des Kopfes auf. Er heisst gutartig, weil es sich um eine harmlose Erkrankung handelt, die man gut behandeln kann. Die Symptome sind aber zunächst meistens sehr unangenehm und werden oft auch als bedrohlich empfunden. Die Beschwerden bilden sich meistens wieder vollständig zurück, können aber wieder kommen.
In unserem Gleichgewichtsorgan, das im Bereich des inneren Ohres lokalisiert ist, befinden sich kleine bewegliche Teilchen. Bei Patienten mit Lagerungsschwindel haben sich diese an eine ungewohnte, dafür nicht vorgesehene Stelle (meist im hinteren Bogengang) verschoben. Dadurch liefert das Gleichgewichtsorgan unserem Gehirn eine falsche Information, die nicht mehr mit unserem Lageempfinden und dem Sehen übereinstimmt - dadurch entsteht Schwindel.
In vielen Fällen findet sich keine Ursache der Störung. Der paroxysmale Lagerungsschwindel kann aber einmal nach einem Infekt der oberen Luftwege oder nach längerer Bettlägerigkeit auftreten. Seltener liegt eine Schädelverletzung zugrunde.
Andere Ursachen eines Drehschwindels können Durchblutungsstörungen oder Entzündungen des Gleichgewichtsnerven sein, wobei in diesen Fällen der Schwindel nicht typisch lageabhängig ist.
Ein heftiger Drehschwindel kann auch bei der Ménière Krankheit auftreten. Dieser dauert länger, ist nicht lageabhängig und klassischerweise von einem einseitigen Ohrgeräusch und einer vorübergehenden Hörverminderung begleitet.
Die Behandlung des paroxysmalen Lagerungsschwindels ergibt sich aus dem Entstehungs-Mechanismus.
Entscheidend ist, dass Sie nicht - wie man das automatisch tun würde - alles vermeiden, was den Schwindel auslöst. Im Gegenteil: versuchen Sie, mehrmals am Tag durch entsprechenden Lagewechsel den Schwindel zu provozieren. Am besten tun Sie dies serienweise, etwa 5- bis 10-mal, bis der Schwindel jeweils nicht mehr auslösbar ist. Ihr Gehirn lernt dadurch mit den (durch die falsch liegenden Teilchen) veränderten Informationen zurechtzukommen und sich darauf einzustellen.
Eine andere Möglichkeit ist, dass Ihr Arzt / Ihre Ärztin versucht, die Teilchen durch ein spezielles Lagerungsmanöver (nach Epley oder Semont) aus dem Bogengang hinaus zu spülen.
Medikamente sollten nur ausnahmsweise eingenommen werden. Damit kann man den Schwindel zwar unterdrücken, gleichzeitig wird aber auch unserem Gehirn die Möglichkeit genommen, sich auf die neue Situation einzustellen. Man verschiebt dadurch nur die Schwindelsymptomatik zeitlich, und sie dauert insgesamt umso länger. Aufgepasst: alle Medikamente, die Schwindel dämpfen, machen auch müde und beeinträchtigen Ihr Reaktionsvermögen!
Zur Konsultation bei Ihrem Hausarzt / Ihrer Hausärztin rate ich Ihnen, falls der Schwindel in den nächsten Tagen nicht nachlässt bzw. wenn andere Symptome dazukommen, wie z.B. Hörstörungen oder Ohrgeräusche, oder wenn Sie sich allgemein krank fühlen.
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05.06.2014 - dzu