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Im Vergleich zu den herkömmlichen taktischen Geschützen kommt die amerikanische Artillerie mit der Raketenwaffe noch kampfstärker daher. Sie setzt zwei kriegserprobte Systeme ein:
- Der M270A1-Mehrfachraketenwerfer (MLRS) rollt auf Raupen in die Feuerstellung. Seine Kadenz ist hoch. In den Irak-Feldzügen 1991 und 2003 erwies er sich Saddam Husseins irakischer Sowjet-Artillerie überlegen.
- Das hochmobile, taktische, ballistische M142-Raketensystem HIMARS nahm das Heer 2005 in Dienst. 2016/17 setzte es HIMARS in der Schlacht um Mosul mit durchschlagender Wirkung ein. Auf Rädern wechselt der Raketenwerfer die Stellung zügig – meist nach kurzer Zeit in der Feuerstellung.
- M270 und HIMARS stammen aus der Heeresfamilie der taktischen 227-mm-Raketen. Sie gelangen in Feldartillerie-Brigaden oder auch auf Stufe Division zum Einsatz.
Feikert: M270A1 und HIMARS stärker
Andrew Feikert, der Analytiker des amerikanischen Parlaments, vergleicht die herkömmlichen Geschütze mit der Raketenartillerie:
- M270A1 und HIMARS reichen weiter als die gezogenen Haubitzen und die gepanzerte M109.
- Die beiden Raketenwaffen sind ausgeprägt letal. Ihre Raketen erzielen mehr Wirkung als die Granaten der überkommenen Artillerie. Wie die M109 sind sie dual einsetzbar: konventionell und atomar.
- Feikert stuft selbst die berühmte 155-mm-Excalibur-Granate der “alten” Artillerie als unterlegen ein. Auch das M712-Copperhead-Geschoss kommt nicht optimal weg: Es fliege eben nur 16 Kilometer weit.
- Als ihre Hauptwaffe verschiessen die beiden Raketensysteme die GPS-gelenkte Rakete M31. Die Raketen kommen in Halterungen zu sechs Schuss. M270 lädt gleichzeitig zwölf Schuss, HIMARS sechs. Die M31 trägt den HE-Gefechtskopf (High Explosive).
- Gemäss Andrew Feikert setzt das Heer die Raketenwerfer vorrangig auf wichtige Ziele ein, die selbst vom Corps oder sogar von der Army befohlen werden. Im Kampf gegen den Islamischen Staat, den ISIS, machte die Raketenartillerie laufend strategisch bedeutsame Ziele dem Wüstenboden gleich..
- Zusätzlich setzen M27A1 und HIMARS die weit reichende Rakete MGM-140 ATACMS ein, die den HE-Gefechtskopf ATACMS Block 1A Unitary 300 Kilometer weit tragen soll.
- Der Hersteller Lockheed Martin spricht gar von 499 Kilometern (499, nicht 500 wegen dem allerdings fast obsoleten INF-Vertrag mit Russland, der in Europa landgestützte Atomwaffen mittlerer Reichweite von 500–5500 Kilometer verbietet).
- In Irak kam ATACMS verbreitet zum Zug. Wie die M31-Munition zeichneten sich die neuen Raketen durch ihre Präzision im Ziel aus. Die amerikanische Literatur spricht von der “Saturierung” von geballten Punktzielen und Flächen.
- Geschätzt wird die Raketen-Artillerie auch von Amerikas Spezialkräften. Sie sind in ihren Operationen wie die Panzertruppe und die Infanterie auf schnelles, genaues Feuer angewiesen.
Mittelstreckenrakete geplant
Für die Mittelstrecke plant das Heer ein neues Raketensystem, das fahrende Ziele zu Lande und zur See bekämpft.
Im Januar 2020 beauftragte das Pentagon die Army mit der Entwicklung eines solchen Systems. General James McConville, Stabschef des Heeres, bestätigte, es gehe um eine Waffe, die fahrende Landziele zerstöre und Schiffe versenke.
Am 6. November 2020 erhielt Lockheed Martin den Auftrag, die Mittelstreckenrakete zu entwickeln, zu bauen, zu testen, zu liefern und zu warten.” Als Grundlage dienen die Standardrakete der Navy, die SM-6, und der Marschflugkörper Tomahawk.
Geplant ist eine Reichweite von 500–1’500 Kilometer. Erste Versuche gingen im August 2021 über die Bühne. 2023 soll die Waffe bereit sein. Wenn sich der Prototyp bewährt, stellt das Heer Batterien auf: mit der Feuerleitung, dem Werfer und vier–sechs Raketen pro Batterie.