Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03319.jsonl.gz/377

Die weltgrösste Juwelierkette Signet Jewelers hat in dieser Woche ihre Lieferanten darüber informiert, dass sie keine Steine mehr kaufen werde, die in Russland abgebaut werden. Russland ist das weltweit grösste Abbaugebiet für Edelsteine.
Der Schritt hat grosse Symbolkraft. Und er wird Folgen haben. Die amerikanisch-britische Signet-Gruppe ist der grösste Diamantenhändler. Sie sind führend in den USA und Grossbritannien. Ihr Verdikt wird zu Schwierigkeiten in der gesamten globalen Lieferkette führen. In Diamantenzentren von der belgischen Hafenstadt Antwerpen bis nach Mumbai und Dubai werden Diamanten aus verschiedenen Ländern in fast jeder Phase des Schleifens, Polierens und Handels routinemässig vermischt.
Die Entscheidung von Signet ist das jüngste Beispiel dafür, dass Unternehmen über die von den Regierungen verhängten Sanktionen hinausgehen. Die Firmen befürchten, dass sonst eine Gegenreaktion der Verbraucher aufkommen könnte. Russland konkurriert mit Botswana als weltgrösster Diamantenproduzent und liefert fast ein Drittel aller Steine nach Volumen. Die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt der Branche, auf den etwa die Hälfte aller Verkäufe entfällt.
Andere grosse Marken ziehen ähnliche Schritte in Erwägung, berichtet Bloomberg. Die Nachrichtenseite zitiert aus dem Memo: «Signet hat den gesamten Handel mit Edelmetallen und Diamanten, die aus sanktionierten russischen Quellen stammen, gestoppt, und Sie werden daher aufgefordert, diese nicht mehr an Signet zu liefern, auch wenn das Land/die Länder, in dem/denen Sie tätig sind, möglicherweise keine Sanktionen gegen russische Edelmetalle und Diamanten verhängt haben.»
US-Präsident Joe Biden hat per Dekret bereits ein Einfuhrverbot für russische Diamanten verhängt. Aus dem Kleingedruckten ging aber hervor, dass das Verbot nur Rohdiamanten betraf.
Am Donnerstag sorgte ein Tweet des ukrainischen Premiers für einen Shitstorm gegen Nestlé. Er habe mit CEO Mark Schneider über den Nebeneffekt des Verbleibs auf dem russischen Markt gesprochen, schreibt der Premier im Tweet. «Leider zeigt er kein Verständnis. Steuern an den Haushalt eines terroristischen Landes zu zahlen bedeutet, wehrlose Kinder und Mütter zu töten. Ich hoffe, dass Nestle seine Meinung bald ändern wird», so der ukrainische Premier. Der Tweet wurde tausendfach geteilt und kommentiert.
Nestlé hat in Russland einen Werbestopp verhängt. Der Konzern hat auch die Lieferung gewisser Lebensmittel von und nach Russland eingestellt. Der Export von Nestlé-Artikeln nach Russland ist gestoppt. Ausnahmen gibt es für Grundnahrungsmittel wie etwa Babynahrung oder Getreide. Spezialnahrung oder therapeutische Tiernahrung für Fachhändler und Tierkliniken werden ebenfalls weiterhin geliefert. Nicht notwendige Produkte wie Nespresso-Kaffe oder San-Pellegrino-Mineralwasser liefert das Unternehmen nicht mehr in das Land. Mehr hier.
Das Problem: Nur sehr wenige Rohdiamanten werden in die USA verschifft. Die meisten landen in Indien – über Handelszentren in Belgien und Dubai – wo sie geschliffen, poliert und zu Schmuck verarbeitet werden, bevor sie in die ganze Welt verschifft werden. Diese Waren waren von Bidens Erlass nicht betroffen.
Signet geht jetzt also freiwillig weiter, als es die Politik eigentlich bestimmt hat. Das Verbot droht, die Lieferketten durcheinander zu wirbeln, aber Signet hat Vorbehalte angebracht, um einen unmittelbaren Engpass zu verhindern. In der Mitteilung des Unternehmens heisst es, die Sperre gelte für Waren, die nach dem 24. Februar gekauft wurden, dem Tag, an dem Russland in die Ukraine einmarschierte.
Die Lieferkette in der Diamantenindustrie ist lang: Vom Einkauf der Rohsteine bis zur Übergabe der fertigen Ware an den Einzelhandel vergehen viele Monate.
Der Schritt von Signet wird wahrscheinlich Auswirkungen auf die gesamte Branche haben. Einige Unternehmen der Diamantenindustrie, die von privaten Familienbetrieben dominiert wird, planen offenbar eine Trennung der Lieferketten. Russische Diamanten, die immer noch in Euro gekauft werden können, werden eher auf den chinesischen oder indischen Markt als in den Westen gelenkt. (bloomberg/ise)
- Elvira Nabiullina: Die Frau mit dem unmöglichen Job
- Die zehn reichsten Russen sind schon 45 Milliarden Dollar ärmer
- Friedenszopf: Basler Grossbäckerei tauft Russenzopf um
- So hart treffen die Sanktionen des Westens Russland bereits
- Nach dem Einmarsch sind die Russen nach Zürich geflogen
- Erdgas gegen Rubel: Drei Punkte über die Folgen von Putins Entscheidung (Abo)
- «Nestlé ist ein taktisch interessantes Ziel» (Abo)