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Überblick: Was ist eine Harnröhrenentzündung?
Die Harnröhre (Urethra) gehört zu den ableitenden Harnwegen. Über sie fliesst der Urin von der Blase nach aussen. Bei einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) entzündet sich die Schleimhaut, die das Innere der Harnröhre auskleidet. Ursache sind am häufigsten Krankheitserreger, die von aussen in die Harnröhre gelangen und sich dort vermehren.
Eine Harnröhrenentzündung tritt oft im Rahmen einer sogenannten sexuell übertragbaren Krankheit auf, auch „sexually transmitted disease“ (STD) genannt. Das sind Krankheiten, die vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. Vor allem Frauen bemerken eine Harnröhrenentzündung häufig nicht, da die Symptome bei ihnen nur sehr schwach ausgeprägt sind.
Alter und Häufigkeit
Eine Harnröhrenentzündung kann in jedem Alter auftreten. Am häufigsten erkranken Betroffene aber im Alter zwischen 20 und 30 Jahren – also in einer Zeit, in der viele Menschen sexuell sehr aktiv sind.
Harnröhrenentzündung: Ursachen und Risikofaktoren
Eine Harnröhrenentzündung kann verschiedene Auslöser haben. Je nachdem unterscheiden Fachleute zwischen verschiedenen Formen der Erkrankung.
- Spezifische oder gonorrhoische Urethritis: Ursache dafür ist eine Infektion mit Gonokokken-Bakterien. Die sogenannte Gonorrhö ist eine sexuell übertragbare Krankheit und wird auch als Tripper bezeichnet. Sie gehört zu den häufigsten Auslösern für eine Harnröhrenentzündung.
- Unspezifische oder nicht-gonorrhoische Urethritis: Sie entsteht am häufigsten durch eine bakterielle Infektion mit Chlamydien, Mykoplasmen und Darmbakterien wie Escherichia coli oder Enterokokken. Manchmal verursachen auch Viren (wie z.B. Herpesviren), Pilze (Candida albicans) oder andere Mikroorganismen wie Trichomonaden eine unspezifische Harnröhrenentzündung.
Risikofaktoren für eine Harnröhrenentzündung
Neben dem ungeschützten Geschlechtsverkehr können auch andere Faktoren eine Harnröhrenentzündung begünstigen. Dazu gehören mechanische Reizungen der Harnröhre zum Beispiel durch einen Blasenkatheter. Dieser kommt zum Einsatz, wenn ein Mensch nicht mehr selbstständig Wasserlassen kann. Der dünne Kunststoffschlauch wird über die Harnröhre eingeführt, um den Urin aus der Blase nach aussen zu leiten.
Des Weiteren kommt es vor allem bei Frauen oft zu einer sogenannten Selbstinfektion. Da der Harnröhrenausgang nahe am Darmausgang liegt, können zum Beispiel durch eine falsche Reinigungs-Technik nach dem Toilettengang Darmbakterien in die Harnröhre gelangen. Auch Duftstoffe in Seifen oder Slipeinlagen sowie übertriebene Hygiene können die Harnröhre reizen und eine Entzündung begünstigen.
Symptome: Männer leiden oft stärker an Symptomen
Häufiges Anzeichen für eine Harnröhrenentzündung sind Schmerzen beim Wasserlassen. Bei Frauen strahlen diese manchmal in den gesamten Unterbauch aus. Oft tritt gleichzeitig ein unangenehmer Juckreiz auf. Auch ein weisslicher bis grünlicher Ausfluss, den die Harnröhre absondert, ist typisch. Bei Männern tritt zudem morgens vor dem ersten Wasserlassen oft ein Eiter-Tropfen (Bonjour-Tropfen) aus der Harnröhre aus.
Manche Betroffene spüren auch gar keine Symptome. Vor allem Frauen bemerken eine Harnröhrenentzündung oft erst sehr spät. Denn generell sind die Beschwerden einer Harnröhrenentzündung bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Das liegt an einem anatomischen Unterschied: Die Harnröhre ist bei Männern deutlich länger als bei Frauen. Somit bietet sie auch mehr Schleimhautoberfläche, die sich entzünden und Probleme hervorrufen kann.
Diagnose Harnröhrenentzündung
Zu Beginn der Untersuchung werden wir ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese). Dabei sollten Sie Ihre Beschwerden so genau wie möglich schildern. Möglicherweise müssen Sie auch unangenehme Fragen beantworten, zum Beispiel, ob Sie ungeschützten oder mit mehreren Personen Geschlechtsverkehr hatten. Danach folgt die körperliche Untersuchung. Hier können wir feststellen, ob äusserliche Anzeichen für eine Entzündung (z.B. Rötungen, Ausfluss) der Harnröhre sichtbar sind.
Urinprobe bei Harnröhrenentzündung
Um den Verdacht auf eine Harnröhrenentzündung zu bestätigen, müssen Sie in der Regel eine Urinprobe abgeben. Diese können wir im Labor auf Krankheitserreger und auf Anzeichen für eine Entzündung (z.B. eine erhöhte Anzahl weisser Blutkörperchen) untersuchen lassen.
Abstrich
In seltenen Fällen ist es notwendig einen Abstrich aus der Harnröhre zu entnehmen. Dazu führen wir ein dünnes Wattestäbchen in die Harnröhre ein. Das kann mitunter etwas unangenehm sein. Anschliessend wird die Sekret- und Gewebeprobe im Labor untersucht, um einen bestimmten Krankheitserreger zweifelsfrei identifizieren zu können.
Harnröhrenentzündung: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose
Vor allem Frauen haben oft nur sehr milde Symptome und spüren gar nicht, dass sie an einer Harnröhrenentzündung leiden. Eine Früherkennung ist daher schwierig. Falls Ihr Partner oder Ihre Partnerin an einer Harnröhrenentzündung leidet, sollten Sie sich aber auf jeden Fall auch untersuchen lassen – selbst wenn Sie keine Beschwerden haben. Denn beim ungeschützten Geschlechtsverkehr können die Keime sehr leicht übertragen werden. Eines der besten Mittel zur Vorbeugung ist daher auch, Kondome zu benutzen. Darüber hinaus gibt es noch weitere hilfreiche Massnahmen, die eine Harnröhrenentzündung verhindern können:
- Viel trinken: Wer viel trinkt, muss auch oft Wasserlassen. Das kann helfen, Krankheitserreger aus der Harnröhre auszuschwemmen, bevor sie sich in der Schleimhaut festsetzen und eine Entzündung auslösen.
- Richtige Hygiene: Frauen sollten nach dem Toilettengang darauf achten, den After immer von vorne nach hinten zu reinigen. So reduziert sich das Risiko, Darmkeime in die Harnröhrenöffnung zu wischen. Zudem ist es wichtig, den Intimbereich nicht mit Seifen oder Intimsprays zu reizen. Auch das kann eine Harnröhrenentzündung begünstigen. Zum Waschen genügt in der Regel warmes Wasser.
Verlauf und Prognose (Harnröhrenentzündung)
In der Regel heilt eine Harnröhrenentzündung gut ab, ohne Spätfolgen zu verursachen – vor allem, wenn möglichst früh die richtige Behandlung erfolgt. Da aber viele Betroffene oft keine oder nur sehr leichte Symptome spüren, bleibt eine Harnröhrenentzündung häufig unentdeckt. In diesem Fall können sich die Krankheitserreger ausgehend von der Harnröhre weiter ausbreiten. Bei Männern können sich dadurch zum Beispiel die Prostata oder der Nebenhoden, bei Frauen die Gebärmutter, die Eileiter oder die Eierstöcke entzünden. Im schlimmsten Fall führt das zu einer Unfruchtbarkeit der betroffenen Personen. Mitunter kann die Entzündung auch auf die Gelenke und die Bindehaut übergreifen. Fachleute sprechen dann vom sogenannten Reiter-Syndrom. In den meisten Fällen heilt die Autoimmunerkrankung aber mit der richtigen Behandlung folgenlos aus.
Harnröhrenentzündung: Behandlung betrifft auch immer den Sexualpartner
Das wichtigste bei der Therapie einer Harnröhrenentzündung ist, den auslösenden Erreger zu identifizieren und mit Medikamenten gezielt zu behandeln.