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Wurmfrei dank Tiermedizin
- Donnerstag, 13. Februar 2014, 11:36 Uhr
In Entwicklungsländern kämpfen Millionen von Kindern mit Wurminfektionen. Ein Tierheilmittel aus den 1970er-Jahren könnte Abhilfe schaffen.
Haken- und Peitschenwürmer sind eine enorme gesundheitliche Belastung für die Menschen in vielen Entwicklungsländern. Insbesondere Kinder infizieren sich häufig mangels Latrinen und sauberem Wasser. Über die verschmutzte Erde gelangen Wurmeier des Peitschenwurms in den Magen-Darmtrakt, wo sie über mehrere Entwicklungsstadien heranwachsen. Zur Eindämmung der gesundheitlichen Belastung durch Wurmerkrankungen empfiehlt die WHO bislang eine jährliche Entwurmungsbehandlung für Kinder und Risikogruppen wie Feld- und Minenarbeiter. Doch die empfohlene Standarttherapie zeigt gegen den weit verbreiteten Peitschenwurm Trichuris trichiura wenig Wirkung.
«Wir erinnerten uns an ein wirksames Entwurmungspräparat aus der Tiermedizin», sagt Jennifer Keiser vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut, deren Studie in der Zeitschrift «New England Journal of Medicine» erschienen ist. Nach einer Voruntersuchung im Labor testete ihre Gruppe das in der Tiermedizin eingesetzte Präparat «Oxantel Pamoate» in Kombination mit der Standarttherapie Albendazole. Der randomisierte Doppelblindversuch mit wurminfizierten Schulkindern fand auf der ostafrikanischen Insel Pemba (Tansania) statt. 31 Prozent der Kinder waren nach einmaliger Behandlung mit dieser Wirkstoffkombination wurmfrei. Die Anzahl der Wurmeier reduzierte sich nach einer Behandlung um 96 Prozent im Stuhl der Kinder.
Tiermedizin für vernachlässigte Wurminfektionen
«Oxantel Pamoate» ist ein in den 1970er-Jahren gegen den Peitschenwurm entwickelter Wirkstoff. Er wird heute in der Tiermedizin in Kombination mit anderen Substanzen in Entwurmungspräparaten breit eingesetzt. Studien in den 1970er-Jahren zeigten, dass «Oxantel Pamoate» auch im Menschen sicher und effektiv gegen Peitschenwurminfektionen wirkt. Trotzdem geriet der Wirkstoff in Vergessenheit und es kam nie zur breiten Anwendung im Menschen.
«Gesundheitsfachleute im Gebiet der Wurmerkrankungen diskutieren bereits seit einiger Zeit über einen Einsatz», sagt Jennifer Keiser. «Das Problem war jedoch die Verfügbarkeit des Wirkstoffs als Einzelpräparat.» Die veterinärmedizinischen Hersteller wollten den Wirkstoff für klinische Versuche im Menschen nicht abgeben. Auf dem freien Markt ist der Wirkstoff nicht erhältlich.
Kinderfreundlich in Tablettenform
Die Lösung brachte eine Zusammenarbeit mit Pharmazeuten der Universität Basel. Dem Labor von Jörg Huwyler am Pharmazentrum der Uni gelang es, eine für Kinder geschmacklich und farblich attraktive Tablettenform herzustellen. Dank dieser Expertise konnte die Substanz komplett unabhängig von der Pharmaindustrie entwickelt werden.
In weiteren klinischen Test werden derzeit Dosierung und die Abgabeschemen des Medikaments verbessert. Auf Grund dieser Studie könnte die WHO zukünftig ihre Empfehlung auf diese Substanz ausdehnen. Damit würde die Gesundheit von Millionen von Kindern weltweit verbessert.
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