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Martina Hirzel, Rezitatorin aus Pfäffikon, liest am 21. Januar im Schlossturm aus dem dichterischen Werk von Mascha Kaléko. Im Interview sagt sie, warum sie vom Leben und Werk dieser Autorin fasziniert ist und was die Zuhörerinnen und Zuhörer erwarten dürfen.
Mit Martina Hirzel sprach Daniel Koch
Der Name Mascha Kaléko ist dem breiten Publikum wohl kaum geläufig. Können Sie das Leben der Autorin kurz schildern?
Mascha Kaléko ist in Galizien, einem Gebiet am Rande der ehemaligen Donaumonarchie, aufgewachsen. 1914 floh die jüdische Familie aus Angst vor Pogromen durch die Russen nach Frankfurt am Main. Nach Kriegsende kam Kaléko nach Berlin, das damals eine Literaten- Hochburg war. Sie trat im «Romanischen Café» auf, wo auch Autoren wie Erich Kästner oder Kurt Tucholsky gelesen haben, und sie hatte rasch Erfolg. 1933 wurden ihre Bücher verboten. Mit ihrem zweiten Mann, einem jüdischen Musiker, musste sie daraufhin nach New York emigrieren. Dort fühlte sie sich heimatlos und konnte sich literarisch nicht betätigen, weil ihre deutsche Sprache nicht verstanden wurde. Die Karriere ihres Mannes und die Erziehung ihres Sohnes waren ihr Lebensinhalt. Später folgte sie ihrem Mann nach Israel. Sie sprach aber kaum hebräisch und fühlte sich erneut entwurzelt. Für Lesetouren kam sie immer wieder nach Europa. Am 21. Januar 1975 starb sie in Zürich auf der Rückreise nach Jerusalem an Magenkrebs.
Wie wurden Sie auf die Autorin aufmerksam, und was hat Sie an deren Leben und Werk fasziniert?
Vor mehr als 20 Jahren führte ich eine eigene Buchhandlung in Pfäffikon, verkaufte immer wieder Bücher von Mascha Kaléko und habe sie auch gerne gelesen. Ihre Gedichte haben etwas Eingängiges, Saloppes, Ironisches. So habe ich sie kennengelernt. Aufgrund ihrer Biographie habe ich dann die tragische Seite ihres Lebens kennengelernt. Der heiterironische Tonfall ihrer Gedichte und das Schwere in ihrem Leben ergeben eine Spannung, die mich fasziniert. In meiner Buchhandlung stellte ich mit einer eigenen Lesung Leben und Werk von Mascha Kaléko vor. Und das greife ich nun mit leichten Änderungen wieder auf.
Was erwartet die Schlossturm-Besucher an diesem Abend?
Zu Beginn erzähle ich kurz, wie ich auf Mascha Kaléko aufmerksam geworden bin, und etwas über ihre Biographin Gisela Zoch-Westphal. Ihr ist es zu verdanken, dass Kalékos Gedichte nach deren Tod gesammelt und veröffentlicht wurden. In meiner Lesung wechseln sich biographische Schilderungen und Gedichte ab, wobei die Gedichte den Hauptteil bilden. Ich werde auch Fotos aus dem Leben der Dichterin zeigen. Auf diese Weise wird der Hintergrund ihres lyrischen Werks ersichtlich.
Haben sich die Themen der Gedichte im Lauf der Zeit verändert?
Ja. Die Themen verändern sich gemäss ihrem Alter und ihren Lebenserfahrungen. In der Jugend spricht sie von Liebesfreud und -leid sowie dem Arbeitsalltag, in späteren Jahren thematisiert sie ihr Emigrantenschicksal, das Heimweh und die Einsamkeit «alleinstehender Damen». Immer schreibt sie ehrlich, beschönigt nichts. Der Ton wird härter, der lockere Versrhythmus aber bleibt. Oft bringt sie in den letzten Verszeilen noch eine überraschende Wendung oder Pointe.
Wo kann man dem Werk Kalékos heute sonst noch begegnen?
Hin und wieder hört man ein Gedicht von ihr im Radio oder ein Chanson mit einem ihrer Texte. Auch wenn Mascha Kaléko nicht berühmt ist, sind manche ihrer Gedichte bekannt, wie eine Melodie, von der man nicht genau weiss, woher sie stammt.
March-Anzeiger und Höfner Volksblatt
Autor
Höfner Volksblatt & March Anzeiger
Kategorie
- Literatur
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/mMbMyE