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Die Zeit von etwa 1500 bis 1800 stellt eine historisch zentrale Transformationsepoche dar, in der die Interaktionen zwischen den Weltregionen durch Handel, Mission und koloniale Expansion spürbar zugenommen haben. Dennoch hat die Erkundung postkolonialer Perspektiven für die frühe Neuzeit nicht die gleiche Relevanz wie für die Epoche der grossen Kolonialimperien des 19. und 20. Jahrhunderts. Postkoloniale Studien behandeln «Kolonialismus» in der Regel als ein genuin modernes Phänomen, das eng mit Industrialisierung und technologischem Fortschritt, mit Nationalismus, Imperialismus und Globalisierung verbunden ist. Ausgehend von einigen Schlüsselwerken der postkolonialen Forschung geht dieser Aufsatz der Frage nach, welche Anregungen die seit den 1980er-Jahren entwickelten Ansätze des Postkolonialismus der historischen Erforschung der Frühen Neuzeit geben können und wo ihre Grenzen liegen.
Erschienen in: traverse 2022/2, S. 63