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17.08.2018 23:09:27
|Beschreibung|
Vorerst wünschte er sich eine Handorgel. Der damalige Ortsgeistliche, Pfarrer Jakob Stebler, brachte ihm aber bald das Orgelspiel bei. Auch sorgte er dafür, dass der Junge als Musikschüler ins Lehrerseminar Hitzkirch eintreten konnte, wo er in Harmonielehre, Orgel, Choral und Chorgesang ausgebildet wurde. Nach einiger Zeit musste er wieder zurück auf den Bauernhof in Fulenbach, wo er die Musikausbildung im Selbststudium weiterführte.
Der Chorleiter
1888 übernahm er vom damaligen Chorleiter, Altlehrer Jakob Jäggi, die Leitung des kurz vorher gegründeten Kirchenchores. Da war er im Element. Neue Gesänge wurden eingeübt, schwierige Stellen wurden umgeändert. Zuletzt wagte er sich an eigene Kompositionen, da passende Werke für kleine Landchöre kaum existierten. So entstanden mehrere lateinische und deutsche Gesänge zu hohen kirchlichen Festtagen, unter anderem verschiedene Hymnen, Marien-, Predigt- und Josefslieder. Und seine Josefs-Litanei durfte nach der Vesper am Josefstag nie fehlen.
Der Komponist
Nach diesen einfachen und sehr klangvollen Kompositionen wagte sich Theophil Jäggi an grössere Werke, die über die Grenzen Achtung fanden. Es entstanden die Herz-Jesu-Messe und die Mater-Christi-Messe. Sie wurden zusammen mit dem schweizerischen Cäcilien-Verband verlegt. Viele Chöre in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland haben beide Werke lange regelmässig aufgeführt. Weitere Auflagen wurden notwendig. Übrigens befinden sich alle seine Kompositionen im Fulenbacher Kulturraum.
Der Dirigent
Neben der Kirchenmusik reorganisierte und dirigierte er von 1895 bis 1899 die Musikgesellschaft Fulenbach. In dieser Zeit rettete er den Fulenbacher Marsch vor dem drohenden Untergang. Er sammelte die wenigen damals noch vorhanden Stimmen, ergänzte die fehlenden Teile und brachte alles soweit wie möglich nach der Ursprünglichkeit in Partitur. Diese Partitur wurde später im Winter 1945-1946 vom damaligen Musikdirektor Stephan Jaeggi (s. separates Porträt), einem Neffen von Theophil Jäggi, ohne Beeinträchtigung des Originals überarbeitet und neu instrumentiert.
Musikalische Familie
Seine musikalischen Fähigkeiten übertrugen sich auf seine älteste Tochter, Hedwig Jäggi (1901 -1977) und seinen Sohn, Josef Jäggi (1905 -1983). Hedwig Jäggi oder Sr. Maria-Regina Jäggi wirkte als Organistin und langjährige Chorleiterin im Kloster Ingenbohl, wo auch sie für klosterinterne Bedürfnisse eigene Kompositionen schaffte. Josef Jäggi erwarb das Diplom der Musik- und Orchesterschule Basel und leitete die Kirchenchöre in Fulenbach und Hägendorf, bevor er zum Musikdirektor der Stadt Sursee ernannt wurde. Unter ihm standen der Cäzilienchor, die Stadtmusik, das Orchester, der Männerchor und der Unterricht an den Stadtschulen. Seine Kompositionen betreffen hauptsächlich Lieder zu lokalen Begebenheiten und Volksbräuchen.
Grosses Engagement für die Gemeinde
Theophil Jäggi wurde auch in der Dorfgemeinschaft geschätzt. Er stand Zeit seines Lebens im Dienste der Fulenbacher Öffentlichkeit und hatte verschiedenste Ämter inne, so unter anderem Gemeindeschreiber, Gemeinderat, Statthalter der Einwohner- und Bürgergemeinde, Mitbegründer und erster Präsident der Raiffeisenkasse, Verwalter der Forstkasse, Mitglied der Schulkommission, Aktuar der Kirchgemeinde und der Käsereigenossenschaft. Trotz der grossen Verdienste blieb er bis zu seinem relativen frühen Tode anspruchslos und bescheiden.
Quelle: Elisabeth Berger-Jäggi,
redigiert von Urs Roland Berger
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