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1961 war die Tianjin Watch Factory in China bereits bekannt und berühmt für die Produktion der ersten chinesischen Armbanduhr. Diese Uhrenmanufaktur wurde daraufhin damit beauftragt, den ersten chinesischen Flieger-Chronographen für die Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee herzustellen. Diese Seagull 1963 China Air Force Pilot Chronograph ist ein offizielles Remake des historischen 1963´er Modells. Sie hat einen Durchmesser von 37 mm und eine Höhe von 14 mm. Sie ist mit einem gewölbten Plexiglas ausgestattet und die Bandanstoßbreite ist 18 mm.
Das Werk der Uhr ist ein mechanisches Schaltradchronographenkaliber Seagull ST19 mit Handaufzug, ca. 40 Stunden Gangreserve, 21.600 Halbschwingungen/Std., Stoßsicherung und 21 Steinen. Das Design des Werkes stammt vom berühmten Venus 175 Chronographenkaliber ab. Dieses hat 17 Steine. Das ST3 Werk, das Seagull in den 1960er gebaut hat, hatte dann 19 Steine und die aktuelle Version 1901 hat 21 (bzw. 23) Steine.
Die chinesischen Schriftzeichen auf dem Zifferblatt stehen für "CHINA" und "Tianjin watch factory".
Ich habe die Uhr hier gekauft: http://www.poljot24.de/en/pd1337767351.htm?defaultVariants={EOL}&categoryId=10
Die Geschichte des Chinese Air Force 304 Chronographen
Im April 1961 startete die Regierung der Volksrepublik China ein Projekt zur Entwicklung einer Fliegeruhr. Diese Uhren waren für das fliegende Personal inzwischen eine Notwendigkeit geworden. Allerdings mussten sie bis dahin privat beschafft werden und wurden importiert, meist aus der Sowjetunion oder der Schweiz. Dieses Projekt mit der Nummer „304“ sollte die Abhängigkeit von diesen Importen beenden und die eigene Industrie stärken. Das Ministerium für Leichtbauindustrie beauftrage die Tianjin Watch Factory mit der Entwicklung der Uhr. Diese 1955 gegründete Firma war neben der Shanghai Watch Factory eine der beiden Unternehmen der noch jungen chinesischen Uhrenindustrie. Die Entscheidung fiel für die Tianjin Watch Factory, da sie der Hersteller der ersten chinesischen Uhr „Wuyi“ war und da sie näher an Peking gelegen ist.
Zunächst entwickelten die Ingenieure einen Prototyp für einen Fliegerchronographen auf Basis des eigenen Kalibers ST-2A WuYi. Dieser wurde aber nicht hergestellt. Zur selben Zeit suchte die Venus S.A. Moutier/CH einen Käufer für die Maschinen und Werkzeuge zur Herstellung seines Venus 175 Uhrwerkes. Dieses Werk ist ein aufwändiger Schaltradchronograph mit 30 Minuten Zähler. Venus wollte mit dem Verkauf der Produktionslinie des Venus 175 Geld für die Entwicklung des kulissengesteuerten Venus 188 Chronographenwerkes beschaffen. Da die UdSSR nicht am Kauf der Maschinen interessiert war kam die Tianjin Watch Factory zum Zug und kaufte die Herstellungsrechte und Produktionsanlagen des Venus 175. Von der Fabrique d´Ebauches Vénus in Moutier.
Man nahm einige Verbesserungen am Venus 175 vor. So wurde die Anzahl der Lagersteine von 17 auf 19 erhöht und die Frequenz von 2,5 HZ (18.000 Halbschwingungen pro Minute) auf 3 Hz (21.600 bps). Das Werk bekam dann die Bezeichnung ST3. Im Herbst 1961 wurde dann die ersten 5 Prototypen der Uhr fertig gestellt. Ende 1963 waren weitere 30 Prototypen fertig und 1965 standen weitere 100 Prototypen des Fliegerchronos zur Verfügung. Diese wurden von 38 Experten und Führungskräften aus dem Industrie Ministerium, der Luftwaffe und der Marine beurteilt. Ende 1965 erhielt die Tianjin Watch Factory dann den Auftrag für die Serienproduktion der Uhr. Diese wurde im Mai 1966 aufgenommen und bis Ende 1969 wurde ca. 3000 Uhren hergestellt und an die Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee (PLAAF - People's Liberation Army Air Force) ausgeliefert. Da die Produktion der Uhren recht teuer und aufwändig war wurde sie dann Ende 1969 eingestellt.
Einer der ersten Prototypen wie er auf der SEA-GULL Webseite gezeigt wird.
Dies ist einer der Prototypen aus dem Jahr 1963 mit dem ST3 Werk. Es ist im Firmenmuseum von SEA-GULL ausgestellt.
Eine der Uhren aus der Serienproduktion des Projekt 304 Fliegerchronographen.
Eine Besonderheit des Designs der Uhr ist, dass nicht wie bei Schweizer Chronographen üblich der Zeiger für die Permanentsekunde, sondern der Zeiger für das Minutenregister des Chronos einen Schwanz hat. Dies ist nicht üblich, da es eigentlich schwerer ist die Stellung des Zeigers abzulesen da man genau hinschauen muss, welches die Spitze und was der Ende des Zeigers ist. Dies ist bei der Permanentsekunde nicht so wichtig da die Uhren zu der Zeit meist noch keinen Sekundenstopp hatten und die Permanentsekunde eher eine Anzeige war an der man erkannte, dass die Uhr läuft.
Im Jahr 2003 legte die inzwischen unter dem Namen SEA-GULL Clock Technology Co. Ltd firmierende Tianjin Watch Factory die Fliegeruhr des Projekt 304 unter dem Namen 1963 Chinese Air Force Chronograph wieder auf. Als Vorlage für das Design dienten die Prototypen aus dem Jahr 1963. Als Werk kommt hier das Seagull ST19 zum Einsatz. Dieses Werk wurde 2002 auf Basis des ST3 entwickelt. Es hat jetzt 23 Steine, kommt aber im Remake des Fliegerchronographen in einer Version mit 21 Steinen zum Einsatz. Im Gegensatz zum Original verwendet man jetzt die klassische Schweizer Auslegung der Zeiger bei der die Permanentsekunde einen Schwanz hat. Deshalb lassen sich viele Besitzer der Uhr die Zeiger im Nachhinein tauschen um näher am Original zu sein. Vom Zifferblatt der Hommage gibt es zwei Primärvarianten. Auf dem einen steht 19 ZUAN (19 Steine – historisch korrekt) oder 21 ZUAN (21 Steine – technisch korrekt). Aber ganz egal, was auf dem Zifferblatt steht, es ist immer ein ST19 (genauer, das ST1901) mit 21 Steinen verbaut.
Das Glas der 1963er ist normalerweise ein Plexiglas und es gibt sie sowohl mit einem Stahlboden als auch mit Mineralglasboden. Neben den Standardvarianten gibt es aber auch noch weitere, die speziell für verschieden Händler gemacht wurden.
So gibt es eine Version für den spanischen Händler Colomer & Sons die unter dem Stern die Bezeichnung „AIR FORCE“ und über der „6“ COLOMER & SONS MECHANICAL CHRONO 5 ATM“ trägt.
Eine auf 208 Stück limitierte Ausgabe des Jahres 2007 aus Hong Kong trägt auf dem Stahlboden die Nummerierung „NO. XXX/208 HK“ und auf dem Werk die Gravur „AIR FORCE 304“.
Es gibt auch Uhren, die anstatt des Plexiglases ein Saphirglas haben. Die Kronen der Uhren haben zum Teil ein Seagull Logo und andere sind ohne Logo. Bei den Zifferblättern gibt es Versionen bei denen der Stern mit rot ausgefüllt ist, es existieren aber auch welche mit einem einfachen Stern ohne rote Farbe.
Stand: 27.02.17