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Der ehemalige Raddampfer Labe kehrt zurück nach Tschechien
Eine schöne Überraschung für alle Dampfschifffreunde: Das Dampfschiff Weserstolz, die ehemalige «Labe» der Prager Personenschifffahrt (PPS), kehrt zurück in sein ursprüngliches Heimgewässer. Das Dampfschiff hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Das Schwesterschiff der «Vltava» (III) der PPS wurde in den Jahren 1941 bis 1949 auf der Werft PRAGA im Prager Vorortsviertel Libeň gebaut. Ereignisse des zweiten Weltkrieges verunmöglichte es, den Dampfer planmässig zu liefern, womit seine Jungfernfahrt erst am 14. Juli 1949 erfolgte. Man plante für das Schiff ursprünglich den Namen Morava, aber dann wurde das Schiff als «Labe» (II) getauft.
Ein zuverlässigeres Dampfschiff
Gegenüber dem um neun Jahre älteren Schwesternschiff hatte die «Labe» einige Verbesserungen vorzuweisen. Der vordere Decksalon hatte vor den Radkästen elegante Verbreiterungen, die den Fahrgästen einen bisher ungewohnten, schönen Blick voraus ermöglichten, ebenfalls bei regnerischen Tagen. Der Kessel hatte im Vergleich zur «Vltava» eine etwas grössere Heizfläche, das Schiff war somit einfacher zu heizen und auch die Maschine war nicht ganz identisch. Der Dampfer diente zuverlässig, im Jahre 1968 absolvierte er sogar eine lange Reise bis nach Magdeburg und noch 1986 erreichte es mit Leser und Leserinnen der Dampferzeitung die CZ/DDR-Grenze bei Hřensko. Mehr war, trotz «Bruderländern» nicht möglich.
Es ist zu erinnern, dass die «Labe» in den 1980er Jahren als letztes Prager Dampfschiff über eine Kohlenfeuerung verfügte. Auf den anderen Raddampfern wurden schon vorher relativ laute Brenner für die flüssigen Brennstoffe installiert, aber über der still fahrenden «Labe» verbreitete sich dafür eine schmale Fahne des schwarzen Rauches. Das Dampfschiff wurde bis in das Jahr 1986 jeden Sonntag auf der Strecke Praha – Talsperre Slapy eingesetzt. Um 8.00 Uhr oder 9.00 Uhr ab Prager Hauptanleger Palacký Brücke gehörte – abwechselnd mit der «Vltava» – die Fahrt nach Slapy zur Normalität. Dann kam das Schiff im Jahre 1986 wegen einem Kessel-Schaden ausser Dienst und seither nie wieder in Betrieb.
Dampfschiffschicksal wortwörtlich am Boden
Nach vielen Jahren des Stillstandes ist der Dampfer im Jahre 1997 gesunken. Die Rettungsarbeiten waren nicht einfach, nach einigen Tagen waren sie jedoch erfolgreich. Der Dampfer war jedoch nach der Hebung in einem jämmerlichen Zustand. Ein Jahr später wurde das Schiff nach Deutschland verkauft.
Die Werft Laubegast in Dresden erneuerte den Rumpf, der legendäre Meister (Maschinist) Heinz Trost sanierte die Maschine. Weitere Arbeiten wurden im Rahmen eines Eingliederungs-Programms von Arbeitslosen in Minden durchgeführt und das Dampfschiff kam bei der Flotte der Mindener Fahrgastschifffahrt im Jahre 2001 wieder in Fahrt. Der neue Name war nun «Wappen von Minden». Neben Rundfahrten im Mindener Wasserstrassenkreuz bot man auch Tagesfahrten zum Beispiel nach Rinteln an. Das Dampfschiff erreichte sogar mehrmals die Hannoversch Münden auf der wunderschönen Oberweser.
Der Betrieb in Minden war ökonomisch jedes Jahr beschwerlicher. Nachdem die Rentabilität nicht zu erreichen war, kam das Schiff nach Bremen, wo es unter dem neuen Namen «Weserstolz» weiter auf den gleichen Fluss fuhr. Auch in Bremen hatte der Raddampfer jedoch kein einfaches Leben.
Neue Zukunft
Jetzt also kehrt der Dampfer zurück nach Tschechien, gekauft durch den Schifffahrtsunternehmer Martin Komrska. Für die tschechischen Dampfschiffliebhaber ist dies die Nachricht des Jahrzehntes. So wünschen wir der ehemaligen «Labe» glückliche Fahrt und eine Handbereit Wasser unter dem Kiel!