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In einer Vorpremiere zeigt die Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich am Mittwoch, 23. November um 18 Uhr im Kino Arthouse Piccadilly in Zürich die surreale Komödie «Land of Dreams» der iranischstämmigen Regisseurin Shirin Neshat. Im Film arbeitet die Protagonistin für das mächtige Volkszählungsbüro und sammelt die Träume der Bevölkerung.
Nach dem Film spricht die NZZ-Auslandredaktorin Meret Baumann mit Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie der Universität Zürich. Im Namen der Sicherheit werden immer mehr Daten gesammelt und ausgewertet. Welche Auswirkungen hat dies auf die freiheitlichen Gesellschaften? Wie verändert sich in den westlichen Demokratien das Verhältnis des Staates zur Bevölkerung? Welche Rolle spielen neue Technologien und das Oligopol der Big-Tech-Firmen?
Der Film «Land of Dreams» spielt in der USA der nahen Zukunft. Die Protagonistin Simin Hakak sammelt für die Volkszählungsbehörde die Träume der amerikanischen Bevölkerung. Diese Aufzeichnungen werden automatisch ausgewertet und zur Kontrolle der Menschen verwendet. Doch das erkennt Hakak erst im Lauf der Zeit. Die offizielle Erklärung für die Frage nach dem letzten Traum ist: «Wir tun dies für Ihre Sicherheit.» Simin spielt in ihrer Freizeit die skurrilsten Träume nach und verbreitet sie über ihre Social-Media-Kanäle.
Die Regisseurin Shirin Neshat ist iranischer Herkunft und lebt seit 1979, also der iranischen Revolution, in den USA. Neben Sheila Vand in der Hauptrolle spielen in «Land of Dreams» Matt Dillon, William Moseley sowie Isabella Rossellini und Anna Gunn. Am Donnerstag, 24. November kommt der Film dann in der Schweiz offiziell in die Kinos.
1983 wurde in der Bundesrepublik Deutschland eine Volkszählung mit einem weitgehenden Fragenkatalog durchgeführt. Das deutsche Bundesverfassungsgericht fällte damals ein Urteil, das zu einer Grundlage des heutigen Datenschutzes wurde:
«Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen aufzufallen. […] Dies würde nicht nur die individuellen Entfaltungschancen des Einzelnen beeinträchtigen, sondern auch das Gemeinwohl, weil Selbstbestimmung eine elementare Funktionsbedingung eines auf Handlungsfähigkeit und Mitwirkungsfähigkeit seiner Bürger begründeten freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens ist.»
In «Land of Dreams» werden in der Volkszählung Träume aufgezeichnet mit genau dem Ziel, wie es das deutsche Bundesverfassungsgericht 1983 beschrieb: die Kontrolle des Verhaltens.
Mit dem Argument, Sicherheit gewährleisten zu wollen, werden Menschen immer stärker überwacht und kontrolliert, die Freiheiten der Bevölkerung kommen zunehmend unter Druck. Im Film sammelt der Staat Träume. Big-Tech-Firmen analysieren schon lange dei Emotionen der Nutzerinnen und Nutzer.
Im Gespräch werden Fragen diskutiert zum ändernden Verhältnis zwischen Staat und Bevölkerung. Was bedroht die Diskussionskultur? Und was würde die Fähigkeit zur Verständigung stärken? Wie viel Misstrauen verträgt die demokratische Gesellschaft?