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Yorckscher Marsch
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf den Marsch für Militärmusik Nr. 1 F-Dur WoO 18 «Yorckscher».
Gerne wird bei aller Musik aus Wien vergessen, dass Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa Krieg herrschte. Nicht überall und nicht überall zur selben Zeit, dafür aber über Jahre. Unruhe stiftete Napoleon, der zunächst gegen Österreich kämpfte, dann gegen Preussen, gleichzeitig auf der iberischen Halbinsel, schliesslich gegen Russland und nochmals gegen die alliierten Truppen in Mitteldeutschland. Die Opferzahlen auf jeder Seite gingen in die Hunderttausende, insgesamt aber in die Millionen. Allein die Grande Armée schrumpfte binnen weniger Monate von ursprünglich 600 000 Soldaten auf einen schmalen Rest von 10 000 Mann. In die Musikgeschichte ging der Sieg der russischen Truppen erst Jahrzehnte später mit Tschaikowskys Ouverture solennelle 1812 ein, der Schlacht im spanischen Vitoria (1813) schuf Beethoven in Wellingtons Sieg op. 91 unmittelbar nach dem Geschehen ein lärmendes Denkmal. Hingegen sind die zahlreichen Kompositionen vieler Zeitgenossen zur entscheidenden Schlacht bei Leipzig (1813) heute längst vergessen.
Doch auch den Anforderungen an der Wiener «Heimatfront» konnte und wollte sich Beethoven nicht entziehen und unterstütze 1809/10 die Truppenmoral mit einigen Märschen. Der in F-Dur (WoO 18) wurde zunächst nur für kleine Harmoniemusik niedergeschrieben sowie dem Erzherzog Anton Viktor Joseph von Österreich und damit dem Hoch- und Deutschmeister-Regiment gewidmet. Dann entschied sich Beethoven allerdings neu und eignete im Manuskript die wenigen Takte der Böhmischen Landwehr zu (einem als letzte Reserve aufgestellten Infanterie-Regiment). Zwischenzeitlich kam der Marsch als «Carousselmusik» bei einer Reiterdressur im Schlossgarten von Laxenburg zum Einsatz, was Beethoven ironisch kommentierte: «Ich will sehen, ob dadurch die Reitenden einige geschikte Purzelbäume machen können.» Wirkliche Bekanntheit erlangte das Stück allerdings erst, als es 1817/18 in der Königlich Preußischen Armeemarschsammlung für «türkische Musik» erschien – und dort als Reverenz an eine von Ludwig Graf York von Wartenburg befehligte Einheit ohne Zutun des Komponisten als Marsch des Yorkschen Corps 1813 bezeichnet wurde.
Kompositorisch nobilitierte Beethoven freilich auch dieses Gelegenheitswerk. Motivische Keimzelle ist der auftaktige anapästische Rhythmus auf einem einzigen Ton. Es folgen Sequenzierungen, die den Tonraum im Vordersatz systematisch zunächst zur Sekunde erweitern, dann über die Terz zur Quarte, während der Nachsatz melodisch von der Quinte aus über die Sexte zur Dominante geführt wird. Im zweiten Teil folgt nach Verdichtung des Motivs gar dessen Auflösung – einige für den militärischen Gleichschritt höchst gefährliche Pausen eingeschlossen.
Dass Beethoven den Marsch übrigens 1822/23 nachträglich noch um ein Trio erweiterte, ist auch der zivilen Aufführungspraxis bis heute weitgehend verborgen geblieben.
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