Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03213.jsonl.gz/1900

Die Erdoberfläche ist zu knapp 71 % von Wasser bedeckt; davon sind 97 % Salzwasser. Der restliche Anteil bleibt für das Süsswasser (Oberflächenwasser, Gletschereis und Grundwasser). Direkt nutzbar als Trinkwasser sind lediglich 1% - soweit das Schülerwissen, das in vielen Erdkundebüchern steht.
Wasser – ein verletzliches Element
Durch die verschiedenen Klimata ist das blaue Gold sehr ungleich verteilt. In unseren Breiten scheint das Wasser unerschöpflich, in ariden – regenarmen - Gegenden dagegen muss mit diesem Gut sehr haushälterisch umgegangen werden. Mit der globalen Klimaänderung verändert sich der Wasserkreislauf. Durch den Temperaturanstieg kann die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen. In vielen Regionen der Welt wird es die bestehende Wasserknappheit verschärfen, die Wasserqualität beeinträchtigen oder die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hochwasserereignissen und Dürreperioden erhöhen. Nach Prognosen wird es vor allem Gebiete südlich der Sahara, den Nordosten Brasiliens und Teile Mittelasiens hart treffen, in denen schon heute Wasser knapp ist.
Seit einiger Zeit ist ins Bewusstsein gerückt, dass Wasser, wie beispielsweise auch der Boden, ein unvermehrbares Gut ist und durch nichts Anderes ersetzt werden kann. Die Wassermenge - in welchem Aggregatszustand auch immer - ist im Wasserkreislauf der Erde konstant.
Der liederliche Umgang mit der wichtigsten Ressource
Auch in der wasserreichen Schweiz kann es zu Engpässen kommen. Der Hitzesommer 2018 zeigte, dass mehr Grundwasser entnommen wurde, als sich bis im Frühling 2019 regenerieren konnte. Das BAFU ist der Auffassung, dass in der Schweiz die mögliche Zunahme von Trockenheit und Niedrigwasser im Sommer zu Nutzungskonflikten in kleinen und mittleren Einzugsgebieten führen können. Auch wenn sich der Wasserverbrauch in der Schweiz seit Ende der 90er Jahre trotz stetiger Bevölkerungszunahme um über 100 Liter pro Person und Tag verringert hat, beträgt er heute noch immer gut 300 Liter. Wird das virtuelle Wasser, das für die Herstellung von Produkten – zumeist im Ausland – verbraucht wurde, dazu genommen, kommt eine mehrfache Menge dazu. Der Wasserfussabdruck der Schweiz nimmt weltweit mit 4200 Litern pro Person und Tag einen Spitzenplatz ein.
Unsere Wassersorgen lassen sich aber nicht vergleichen mit der Situation in Entwicklungs- und Schwellenländern im mittleren Osten und Afrika. Hier zeichnet sich ein gravierender Wassernotstand in der nahen Zukunft ab. In diesen Gebieten wird es durch das Bevölkerungswachstum und der einhergehenden Verstädterung, Gewässerverschmutzung sowie den Auswirkungen des Klimawandels zu Engpässen kommen. Heute gelangen 90 % der Abfälle und Abwässer der Städte in Entwicklungsländern in Flüsse, in Seen und ins Grundwasser. Gerade das Grundwasser in ariden Gebieten sehr kostbar. Es stammt aus einer Zeit, in der es in dieser Region noch feuchter war. So hat sich sogenanntes fossiles Wasser gebildet, das sich nicht mehr regeneriert. Irgendwann ist diese Wasserreserve aufgebraucht. Weiter führen schlecht gewartete, lecke Rohrleitungen und unrechtmässiges Abzapfen in vielen Städten der Entwicklungsländer zu Wasserverlusten bis zu 50 %.
Nach Zahlen der Vereinten Nationen hat sich der weltweite Wasserverbrauch in den letzten hundert Jahre verzehnfacht. Dem gegenüber hat sich die Bevölkerung etwas mehr als vervierfacht. Bis zum Jahr 2050 wird die weltweite Nachfrage nach Wasser voraussichtlich um 55 % steigen. Gründe dafür sind die Veränderung der Lebensstile und die steigende Nachfrage bei der Industrie sowie der Nahrungsmittelproduktion. Die landwirtschaftliche Bewässerung weltweit verschlingt bereits heute 70 % des Wassers. Im Gegensatz dazu haben nach Zahlen von UNICEF und der WHO 2,1 Milliarden Menschen keinen unmittelbar sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Zugang zu Wasser als Menschenrecht
Bereits 1948 wurde in der Resolution der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Artikel 25 ein Recht auf Wohlfahrt festgehalten. Dieses beinhaltet das Recht auf einen Lebensstandard, der Gesundheit und Wohl gewährleistet. Allerdings ist diese Resolution rechtlich nicht bindend. 1966 wurde deshalb der multilaterale, völkerrechtliche Vertrag - internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte - verabschiedet mit vergleichbaren, eher allgemein gehaltenen Forderungen. Basierend auf dieser rechtlichen Grundlage anerkannte die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2010 ausdrücklich das Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser und angemessene sanitäre Einrichtungen.
In der Agenda 2030 der UNO wurde dieser Aspekt aufgenommen als eines der 17 Ziele der nachhaltigen Entwicklung. Das Ziel 6 fordert eine nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle. Dazu gehören auch der Schutz und die Wiederherstellung von wasserbasierten Ökosystemen, um die Wasserqualität zu verbessern. Weltweit werden rund 80 % des Abwassers aus Siedlungen und Industrieanlagen völlig ungeklärt in die Umwelt entsorgt. Verseuchte Oberflächengewässer und Grundwasservorkommen sind die Folge. Die unteren Flussanlieger haben das Nachsehen.
Kampf ums Wasser
Es liegt auf der Hand, dass das überlebenswichtige Wasser zu Konflikten führen kann. Dies ist nicht neu. Erinnert sei an das Jordanbecken, dessen Wasserressourcen ab den 1950er Jahren immer wieder zu Konflikten zwischen Israel, Syrien und Jordanien geführt haben. Zunehmen werden auch Grossprojekte, die Wasser vom umliegenden Land in die wachsenden Städte ableiten sollen, wie dies in China bereits umgesetzt wird. Im wirtschaftlich boomenden Nord-Osten Chinas wird das Wasser knapp. Deshalb wurde ein umfangreiches Bauprojekt in Angriff genommen. Ein System von Wasserkanälen soll vor allem aus dem Jangtsekiang im Süden des Landes Wasser für die Versorgung im Norden entnommen werden. Ende 2002 startete die Umsetzung, einige Teilprojekte sind bereits abgeschlossen. Bis im Jahr 2050 soll das riesige Bauvorhaben fertig gestellt sein. Für dieses Mammutprojekt müssen mehrere hunderttausend Menschen umgesiedelt werden. Kritische Stimmen verhallen ungehört.
Die meisten Megastädte werden nach Prognosen des Global Cities Institute Toronto in Afrika entstehen. Die Zunahme der Landflucht und der Slums wird die Wasserversorgung auf eine noch härtere Probe stellen. Befürchtungen, dass Wasserressourcen vom Land in die Stadt umgeleitet werden und das Umland austrocknen, sind bereits laut geworden. Betrifft dies grenzüberschreitende Wasserläufe, wird die Lage noch explosiver.
Wasserrechte
Um kriegerische Auseinandersetzungen um Wasser, insbesondere bei grenzüberschreitenden Wasserläufen, zu verhindern, wurden die Vereinten Nationen aktiv. Die UN-Gewässer-Konvention “Übereinkommen über das Recht der nichtschifffahrtlichen Nutzung internationaler Wasserläufe“ ist ein internationales Abkommen, das die Zusammenarbeit von Vertragsstaaten bezüglich grenzüberschreitender Wasserläufe (Flüsse, verbundene Seen, Grundwasservorkommen) regelt. 35 Länder haben das Übereinkommen ratifiziert und es trat am 17. August 2014 in Kraft. Das Abkommen bezweckt im Wesentlichen gegenseitige Rücksichtnahme in Bezug auf die Wasserversorgung, eine gerechte und überlegte Wassernutzung sowie den Informationsaustausch zwischen den Vertragsparteien über Zustand und geplante Nutzung und Veränderung des gemeinsamen Wasserlaufes. Bei Verstoss gegen die Abmachungen kommt es zu Verhandlungen, an denen auch andere, nicht betroffene Vertragsstaaten mitwirken können. Letzte Instanz ist der internationale Gerichtshof.
Die UN-Gewässer-Konvention ist ein wichtiges Instrument, um friedliche Lösungen bei zwischenstaatlichen Konflikten um Süsswasserressourcen zu fördern. Unter Beobachtung steht hingegen der Weltwasserrat. Die im Jahr 1996 gegründete politische Denkfabrik will das Bewusstsein und die Handlungsfähigkeit in Bezug auf kritische Fragen rund ums Thema Wasser fördern. Der Rat setzt sich aus über 300 Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Finanzwelt, UN und lokalen Regierungen zusammen. Kritiker haben den Verdacht, dass die Organisation die Privatisierung der Wasserversorgung vorantreibt.
Der Beitrag der Wirtschaft und der Wissenschaft
Die Wirtschaft und die Wissenschaft sind bestrebt, Lösungen zu finden, um das Wasser nachhaltiger nutzen zu können. Verbessertes Wassermanagement, Bekämpfung der Gewässerverschmutzung und die Erforschung von neuen Technologien unterstützen die Anstrengungen, eine Wasserkrise abzuwenden. Konkrete Projekte sind beispielsweise effizientere Bewässerung von Agrarflächen, Abwasseraufbereitung, Regenwassernutzung und Erneuerung von Rohrleitungen. Das Thema Wasser wird uns aber auch trotz diesen Bemühungen, voraussagbar in den nächsten Jahren immer stärker beschäftigen.
Quellen und weitere Informationen:
Wasserfussabdruck der Schweiz
Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte
Agenda 2030
UN Wasserbericht
Wasser - eine lebenswichtige Ressource in Gefahr (DEZA)