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Organisatorische Massnahmen sind vorbereitete und eingeübte Tätigkeiten, die vor oder während einem Ereignis ausgeführt werden, um das Schadenausmass zu begrenzen. Dazu gehören einerseits Vorhersagen, die Warnung und Alarmierung von Behörden und Bevölkerung und andererseits Massnahmen wie die Sperrung betroffener Gebiete, der Aufbau mobiler Schutzmassnahmen sowie die Evakuierung und Betreuung betroffener Personen. Diese Massnahmen müssen im Rahmen von Notfallplanungen festgehalten, regelmässig geübt und überprüft werden.
Zuständig für den Bevölkerungsschutz bei Naturereignissen sind die Kantone. Zusammen mit den Gemeinden beziehungsweise Regionen regeln und erledigen sie die anstehenden Aufgaben. Im Ausnahmefall kann der Bund im Einvernehmen mit den Kantonen die Koordination bzw. Führung bei der Bewältigung grosser Ereignisse übernehmen. An dieser Stelle wird auf diejenigen Massnahmen hingewiesen, welche durch das BAFU gefördert werden.
OWARNA
Zur Verbesserung der Information der Bevölkerung wurde das Naturgefahrenportal des Bundes entwickelt, welches von den Naturgefahrenfachstellen des Bundes gemeinsam betrieben wird.
Erfolgreiche Intervention bei aussergewähnlichen Naturereignissen (PDF, 265 kB, 02.09.2016)Zusammenarbeit von Bund und Kantonen. Zusammenfassender Bericht. 2010
Notfallplanungen
Die vorsorgliche Planung möglicher Interventionen im Ereignisfall ist eine Voraussetzung, damit die Einsatzkräfte rechtzeitig die notwendigen Massnahmen ergreifen können. Nur so lassen sich die auftretenden Schäden im Ereignisfall begrenzen. Eine umfassende Notfallplanung:
- beschreibt die möglichen Abläufe von Naturereignissen (Szenarien) gestützt auf vorhandenen Gefahrengrundlagen.
- zeigt Problemstellen auf.
- definiert Schwellenwerte für bestimmte Niederschlagsmengen, Pegelstände, Schadensmeldungen usw.
- legt einen vordefinierten Ablauf zum Ergreifen von möglichen Schutzmassnahmen (z.B. Absperrungen, Umleitungen, Sperrung von Verkehrswegen, mobile Schutzmassnahmen wie das Verlegen von Beaverschläuchen, Evakuationen) fest, der mit dem Erreichen von bestimmten Schwellenwerten in Gang gesetzt wird.
- klärt die Zuständigkeiten und organisatorischen Abläufe im Ereignisfall. Sie regelt die Einsatzführung, die Überwachung bekannter Gefahrenquellen und Problemstellen, das Aufgebot der Einsatzkräfte und die Durchführung des Einsatzes (inklusive Bereitstellung des benötigten Personals und Materials zur Umsetzung der Interventionsmassnahmen).
Notfallplanungen werden in der Regel in eine Beobachtungs-, Interventions- und Eskalationsstufe unterteilt. Zentrales Element ist eine Einsatzdokumentation, die das Ablaufschema, Interventionskarten, Auftragsblätter und andere wichtige Dokumente für den Einsatz enthält. Einsatzplanungen müssen periodisch überprüft und eingeübt werden.
Lokale Naturgefahrenberater
Vorsorgliche Massnahmen können nur rechtzeitig ergriffen werden, wenn die Vorhersagen (z.B. Niederschlags- und Abflussvorhersagen, Lawinenbulletins) mit Beobachtungen vor Ort ergänzt und im lokalen Kontext beurteilt werden, wenn die entsprechenden Warnungen rechtzeitig die Führungsorgane aller Stufen sowie die Bevölkerung erreichen und von allen richtig verstanden werden. Zu diesem Zweck werden lokale Naturgefahrenberaterinnen und -berater mit sehr guten Kenntnissen der lokalen Gegebenheiten ausgebildet. Sie übernehmen in ihren Gemeinden eine beratende Funktion in der Vorsorge und während eines Schadenereignisses, aber auch bei der Schadensanalyse.
Das BAFU bietet jährlich Kurse für die kantonalen Ausbildner an und stellt entsprechende Unterrichtsunterlagen zur Verfügung.
Mess- und Alarmsysteme
Die Errichtung und der Betrieb von Messstellen sowie der Aufbau von Frühwarndiensten zur Sicherung von Siedlungen und Verkehrswegen wird vom BAFU im Rahmen von Schutzprojekten unterstützt, wenn sie Bestandteil eines Warnsystems oder Alarmierungskonzeptes sind und wenn in der Interventionszeit risikoreduzierende Massnahmen durchgeführt werden können.
Das BAFU betreibt und unterstützt auch nationale Monitoringprogramme im Zusammenhang mit der Naturgefahrenprävention:
Vorsorgliche Auslösung von Naturprozessen
In bestimmten Fällen kann das bewusste und kontrollierte Auslösen eines Prozesses, wie das Sprengen einer Lawine oder eines labilen Felspaketes, sinnvoll sein. Dabei muss sichergestellt werden, dass kein Schaden angerichtet wird.
Das künstliche Auslösen von absturzgefährdetem Material kommt vor allem zum Schutz von Verkehrsachsen in Frage. Strassen und Bahnstrecken können kurzzeitig gesperrt werden, sodass sich niemand im gefährdeten Raum aufhält. Nach erfolgter Sprengung und einer allfällig nötigen Räumung beziehungsweise Reparatur kann die Strasse oder Bahn wieder für den Verkehr freigegeben werden. Bei künstlich auszulösenden Lawinen ist je nach Schneefall jeweils eine erneute Sprengung nötig. Deshalb werden oft auch ortsfeste Anlagen (z.B. Sprengmasten) eingerichtet. Bei absturzgefährdeten Felsmassen hingegen sollte die Gefahr nach einer einmaligen Sprengung für längere Zeit gebannt sein.
Künstliche Lawinenauslösung oberhalb von Siedlungen (PDF, 780 kB, 02.04.2009)Teil 5.4 und Anhang A9 zu Teil 5 des «Handbuch NFA im Umweltbereich». - Mitteilung des BAFU als Vollzugsbehörde an Gesuchsteller - Ergänzung zum «Handbuch NFA im Umweltbereich». 2009
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 16.06.2016