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Wie der Ventilator ins Büro fand
von Philipp Steiner
Das goldene Zeitalter des elektrischen Ventilators lag wahrscheinlich Anfang des 20. Jahrhunderts. Kurz vor der Entwicklung der Klimaanlage. Mechanische Geräte wurden allerdings bereits im alten China entwickelt. Im modernen Korea erfolgte dann ein mystischer Ventilatortod.
Keine Dicke Luft dank Ventilatoren
Tisch- oder Standventilatoren sind einfach in der Anschaffung, je nach Energieeffizienz günstig und somit eine leichte Abhilfe bei warmen Sommertagen im Büro. Mehr Informationen zu Oszillation und der Leistungsaufnahme finden sich in diesem Kaufratgeber.
Alles Gute kommt von oben
Das älteste bekannte Hilfsmittel zur Luftkühlung ist der Fächer. Diese wurden bereits im alten Ägypten verwendet, waren allerdings weitaus grösser und wurde wohl meist von Sklaven oder Bediensteten gewedelt.
Doch die erste maschinelle Ventilationsanlage geht auf den chinesischen Ingenieuren Ding Huan zurück. Dieser erfand im zweiten Jahrhundert einen Drehlüfter mit drei Metern Durchmesser. Angetrieben wurde das Gerät von einem Menschen über eine Kurbel. Es war effizient genug um eine ganze Halle voller Menschen zu kühlen.
Handfächer waren über die Jahrhunderte zudem eine beliebte Linderung gegen die Hitze. Das System wurde später auch in Grossformat an Decken angebracht und von einem Bediensteten über ein Seil bedient.
Die Araber kannten das System der Luftfächelung bereits seit dem 8. Jahrhundert. Bekanntheit erlangten sie spätestens im kolonialen Indien unter dem Namen Pankha. Heute gibt es besonders in Südostasian maschinelle Varianten davon.
Von der Fabrik in den Privathaushalt
Die Rotorblätter zahlreicher Ventilatoren begannen dann im 18. Jahrhundert zu drehen. Während frühere Systeme wie Hale’s Ventilationssystem noch von Menschenhand betrieben wurden, wurde der Antrieb nun durch die Dampfmaschine ersetzt. Die erste Ventilatorenfabrik in Deutschland wurde 1851 gegründet.
Als Erfinder des elektrischen Ventilators gilt der amerikanische Ingenieur Schuyler S. Wheeler. Elektrische Decken- oder Tischventilatoren waren ursprünglich allerdings eine teure Anschaffung. Sie waren nur wohlhabenden Haushalten oder dem Büro zu finden.
Auch verfügten die Modelle aus dieser Zeit noch über keinen Schutzvorrichtung. Verletzungen waren vorprogrammiert. Das bekannte Modell von Crocker-Wheeler aus dem Jahr 1892 wurde dann mit einem Schutzschirm versehen. Um die kostbaren Rotorblätter zu schonen versteht sich.
Ursprünglich wurden diese Ventilatoren zur Kühlung von Personal und Waren in Fabriken verwendet. Später wurden sie zunehmend in Restaurants, Büros, Hotels und endlich erschwinglich für viele Haushalte eingesetzt. Denn ab 1910 lief die fortschrittliche Klimaanlage dem Ventilator langsam den Rang ab.
Heute wird hat der Ventilator als energieeffiziente, günstige und tragbare Lösung bei Hitze seinen Nischenplatz behalten. Die Weiterentwicklung des Rotorblattlosen Geräts durch Dyson hat sogar für eine neuen Aufschwung sorgen können.
Kühlen Ventilatoren tatsächlich die (Raum-)Luft?
Nein. Ventilationsgeräte können die Temperatur in einem Raum nicht senken. Diese Möglichkeit bieten nur Klimaanlagen.
Der Luftstrom eines Ventilators sorgt allerdings dafür, dass unser Schweiss schneller trocknet. Dies wiederum sorgt für eine schnellere Abkühlung auf der Haut. Zwar bleibt die Raumtemperatur unverändert. Doch durch die Körperwärme bildet sich um uns herum eine warme Luftschicht. Wind kann diese von unserem Körper wegwehen.
Der Vorgang, dass Wärme durch Schwitzen an unsere Umgebung abgegeben wird baut auf dem Verdunstungsprinzip auf. Möglich ist dieses allerdings nur bei einer Luftfeuchtigkeit unter 100 Prozent. Ansonsten bleibt ein unangenehmer Schweissfilm.
Der Mythos vom Ventilatortod
Wer schon etwas um die Welt gekommen ist mag möglicherweise auf einen schaurigen Mythos gestossen sein. Denn in Südkorea hält sich der hartnäckige Aberglaube um den Ventilatortod.
Will diesem Glaube geschenkt werden, so kann ein laufender Ventilator im geschlossenen Raum einem Schlafenden den Garaus machen. Zu den genannten Gründen werden etwa Hypo- und Hyperthermie, ein partielles Vakuum oder die Erzeugung von CO2 genannt.
Glücklicherweise bleibt es bei einem Mythos, denn wissenschaftliche Grundlagen für die vielen Todesursachen gibt es keinerlei. Verletzungsgefahr besteht wie bei jedem anderen Elektrogerät auch, etwa durch Kurzschluss, Kabelbrand und brennende Plastikgehäuse.
Der Mythos vom Ventilatortod ist in Südkorea allerdings kulturell verankert. 2006 und 2007 gab es mehrere Empfehlungen offizieller Staatsstellen zur nächtlichen Deaktivierung der Geräte zum Vorbeugen einer Todesursache. Heute noch finden sich möglicherweise südkoreanische Ventilatoren mit Zeitschalter, die ihre Existenz dieser modernen Sage verdanken.
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