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Die Weltwirtschaft kann sich in zwei Richtungen entwickeln: steil nach oben oder weit nach unten. Wahrscheinlich ist ein Mittelweg.
Die Weltwirtschaft oszillierte zuletzt zwischen Phasen der Beschleunigung (mit positivem, sich verstärkendem Wachstum) und Phasen der Entschleunigung (mit positivem, aber sich abschwächendem Wachstum). Steuert die Welt nun nach mehr als einem Jahr der Beschleunigung auf einen weiteren Abschwung zu, oder wird die Erholung Bestand haben?
Die aktuelle Zunahme beim Wachstum und die positive Entwicklung an den Aktienmärkten halten seit Sommer 2016 an. Trotz einer kurzen Eintrübung nach dem Brexit-Votum überstand die Beschleunigung nicht nur Donald Trumps Wahl zum Präsidenten der USA, sondern auch die sich verstärkende politische Unsicherheit und das geopolitische Chaos, das Trump hervorgerufen hat.
Bullenszenario: Die grossen Volkswirtschaften reformieren sich
Man kann sich für die Weltwirtschaft in den nächsten rund drei Jahren drei Szenarien vorstellen. Im Bullenszenario setzen die vier grössten Volkswirtschaften – China, die Euro-Zone, Japan und die USA – Strukturreformen um, die das potenzielle Wachstum erhöhen und die finanziellen Anfälligkeiten beheben.
Derartige Bemühungen würden sicherstellen, dass der zyklische Aufschwung mit einem stärkeren potenziellen und tatsächlichen Wachstum verbunden wäre und so für viele weitere Jahre für ein robustes BIP-Wachstum, eine niedrige, aber moderat steigende Inflation und relative Finanzstabilität sorgen würde. Die Aktienmärkte in den USA und weltweit würden gestützt auf die stärkeren Rahmendaten neue Höchststände erreichen.
Bärenszenario: Keine Reformen, Wachstum bleibt aus
Im Bärenszenario passiert das Gegenteil: Die grössten Volkswirtschaften versäumen es, Strukturreformen umzusetzen. Statt den Nationalkongress der Kommunistischen Partei als Katalysator für Reformen zu nutzen, verschiebt China diese in die Zukunft und verfolgt weiter einen Kurs übertriebener Schulden und Überkapazitäten. Die Euro-Zone schafft es nicht, ihre Integration voranzutreiben, während politische Beschränkungen die Fähigkeit der Regierungen zur Umsetzung wachstumsfördernder Strukturreformen beeinträchtigen. Und Japan bleibt seinem Kurs niedrigen Wachstums verhaftet, weil die angebotsorientierten Reformen und die Handelsliberalisierung im Sande verlaufen.
Das dritte und wahrscheinlichste Szenario liegt zwischen den ersten beiden. Der Aufschwung sowohl beim Wachstum als auch an den Aktienmärkten setzt sich bedingt durch den verbleibenden Rückenwind noch eine Weile fort. Doch während die wichtigen Volkswirtschaften einige Reformen zur Steigerung des potenziellen Wachstums verfolgen, ist das Tempo des Wandels viel geringer und sein Umfang bescheidener, als es zur Maximierung des Wachstumspotenzials erforderlich wäre.
Wenn sich die Welt durchwurstelt, verschlechtern sich die Aussichten
Wenn die Welt sich lediglich durchwurstelt, könnten sich die Aussichten innerhalb von drei oder vier Jahren verschlechtern. Die Lehre ist eindeutig: Entweder Regierungen und Entscheidungsträger demonstrieren die erforderliche Führungsstärke, um bessere mittelfristige Aussichten zu gewährleisten, oder es werden sich in nicht allzu ferner Zeit Abwärtsrisiken verwirklichen und der Weltwirtschaft ernsten Schaden zufügen.
* Nouriel Roubini ist CEO von Roubini Macro Associates und Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University. Copyright: Project Syndicate, 2017.