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Die Filme des Christopher Nolan: «Dunkirk»
In seinem zehnten Film fokussierte sich Nolan auf eine Evakuierungsmission, die während des Zweiten Weltkriegs stattgefunden hat. Bei seinem Vorhaben versenkte er dabei unter anderem eine IMAX-Kamera.
Dieser Artikel ist Teil unserer grossen Christopher-Nolan-Retrospektive, in welcher wir jeden Film des Regisseurs etwas genauer beleuchten. Da Nolan in seinen Filmen gerne mit der Zeit spielt, unterteilen wir die zusammengetragenen Informationen nach der Produktionsphase («Vor dem Dreh», «Während des Drehs» und «Nach dem Dreh»), sagen euch, was für Verbindungen es mit den anderen Filmen des Regisseurs gibt und wo ihr euch den jeweiligen Film ansehen könnt.
Worum geht es?
Während des Zweiten Weltkriegs werden im französischen Dünkirchen Belgier, Briten und Franzosen von der deutschen Armee eingekesselt. Beim Versuch die Truppen vom Strand aus nach England zu evakuieren, kommt es zur Schlacht, die in die Geschichte eingehen wird.
Vor dem Dreh
Eine Bootsfahrt, die ist nervig ...
Die Idee zu Dunkirk kam Nolan bereits Mitte der Neunzigerjahre. Mit seiner späteren Ehefrau Emma Thomas machte er damals eine Überfahrt über den Ärmelkanal, welche jedoch wegen widrigen Wetterbedingungen 19 Stunden lang dauerte. Die beiden stellten sich vor, wie schwierig die Evakuierung im Jahr 1940 wohl gewesen sein musste. Da jedoch ein Filmprojekt über den Zweiten Weltkrieg viel Geld verschlingt, schob Nolan das Projekt lange vor sich her. 2014 setzte er sich dann schliesslich ans Drehbuch und traf sich in diesem Zusammenhang auch mit Historikern und Soldaten, die 1940 bei der Evakuierung in Dünkirchen dabei waren.
Kein Hollywood-Film
Nolan reizte das Projekt unter anderem auch, weil es nicht ein typischer Hollywood-Stoff war. Denn bei der Schlacht in Dünkirchen waren keine amerikanischen Truppen involviert. Zudem wurde die Schlacht nicht gewonnen; das Ziel war die Evakuierung. Nolan bezeichnet Dunkirk deshalb auch nicht als «Kriegsfilm», sondern als «Überlebensfilm».
Nolans kleine Filmschule
Als Vorbereitung zeigte Nolan seiner Hauptcrew elf Filme, die als Inspiration dienen sollten: Es waren dies Greed, Sunrise, All Quiet on the Western Front, Foreign Correspondent, Le Salaire de la peur, La battaglia di Algeri, Ryan's Daughter, Alien, Chariots of Fire, Speed und Unstoppable.
Während des Drehs
Der Ärmelkanal im IJsselmeer
Weil sich die Filmcrew nicht mit den Gezeiten und einem erhöhten Seegang herumplagen wollte, wurden alle Szenen, die Ärmelkanal spielen, im IJsselmeer gedreht, dem grössten See der Niederlande.
Trick 77
Für die Szene, in welcher eine Spitfire-Maschine auf dem Wasser landet, wurde eine IMAX-Kamera im Cockpit eingebaut, damit diese den Piloten zeigen konnte, wie dieser versucht, sich aus dem Kampfflugzeug zu befreien. Dummerweise ging das Flugzeug mit der Kamera schneller unter als gedacht. So füllte sich der Behälter der Kamera mit Wasser und drohte das Aufnahmegerät sowie den Film zu zerstören. Zum Glück hatte das Filmentwicklungslabor einen alten Trick auf Lager: Die Filmrolle darf man in solchen Situationen bloss nicht trocknen lassen! Denn erst mit dem Austrocknen wird das Material unbrauchbar. So wurde die Rolle feucht gehalten und nach Los Angeles geschickt, wo der Take gerettet werden konnte und letzten Endes auch im fertigen Film zu sehen ist.
Versandet
Das Produktionsteam hatte gerade einmal 45 Minuten Zeit, um die Szene zu filmen, in welcher Tom Hardys Pilot seine Spitfire-Maschine am Strand von Dünkirchen landet. Denn später wäre aufgrund der Flut der Sand zu weich für eine Landung gewesen. Die Landung gelang ohne Probleme, doch nach dem Abdrehen der Szene, hatte die Crew Mühe, die Spitfire aus dem Sand zu bekommen - sie war eingesunken. Gerade noch rechtzeitig konnten sie das Flugzeug aus dem Sand befreien, bevor die Flut die teure Maschine beschädigt hätte.
Lieber Karton als CGI
Nolan wollte auch bei Dunkirk möglichst auf Computereffekte verzichten. Statt die am Strand wartende Armee mit dem Computer zu vergrössern, griff er auf konstengünstige Mittel zurück: viele Soldaten und Militärfahrzeuge bestanden in den Massenszenen nur aus Karton.
Nach dem Dreh
Mehr IMAX als je zuvor
Bei Dunkirk hat Nolan sehr viel mit analogen IMAX-Kameras gedreht. Dies merkt man auch dem fertigen Film an: 79 der 106 Minuten sind im grossen IMAX-Format, was ein Rekord für Nolan bedeutet. Sein bisheriger Rekordhalter war The Dark Knight Rises mit 72 Minuten an IMAX-Sequenzen.
Der Shepard-Tone
Für das Sounddesign des Films verwendeten Nolan und Komponist Hans Zimmer den sogenannten «Shepard Tone». Bei diesem werden aufsteigende Töne so subtil getaktet, dass der Eindruck entsteht, dass der Ton immer höher ansteigt. Mehr dazu im untenstehenden Video.
Dunkirk im Nolan Cinematic Universe
- Obwohl er nicht zu sehen ist, hat Nolans Glücksbringer Michael Caine auch hier mitgewirkt. Caine «spielt» Fortis Leader, den dritten britischen Piloten, welcher jedoch nur zu hören ist.
Wo kann man den Film schauen?
Dunkirk ist auf DVD, Blu-ray sowie VoD erhältlich und kann momentan auch auf Netflix gestreamt werden.