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Der russische Energieproduzent Novatek suchte nach Lösungen in alternativen Märkten, da sich das amerikanische Unternehmen Baker Hughes weigerte, Gasturbinen zu liefern, die zur Verflüssigung von Gas und zum Antrieb des Kraftwerks von Novateks Flüssiggas-Projekt „Arctic LNG-2“ erforderlich sind. Der Blick richtete sich dabei besonders nach China.
Die chinesische Harbin Gugnghan Turbine Co. soll nun Lieferant von Turbinen für die Stromversorgung des arktischen LNG-2 Werks von Novatek werden. Das Unternehmen wird die Maschinen für die ersten beiden Produktionslinien des Flüssiggas-Projekts liefern, die jeweils rund 150 MW Stromkapazität benötigen. Experten bezweifeln jedoch die Zuverlässigkeit der chinesischen Turbinen. Währenddessen plant Novatek, die LNG-Anlage noch in diesem Jahr eröffnen zu können.
Seit einem Jahr sucht Novatek nach einem neuen Hersteller zur Beschaffung wichtiger Gasturbinen für sein Arctic LNG 2-Projekt. Ursprünglich sollte Baker Hughes etwa 20 LM9000-Turbinen mit einer Leistung von bis zu 75 MW für drei Produktionslinien von Arctic LNG-2 liefern. Verschifft wurden noch vor den Sanktionen gegen Russland jedoch nur vier Aggregate. Diese werden von Arctic LNG-2 in der der ersten Linie nun eingesetzt.
Jede Produktionslinie benötigt rund 150 MW Stromerzeugung. Im vergangenen Jahr plante Novatek den Bau eines schwimmenden türkischen Kraftwerks, um seinen Energiebedarf zu decken. Diese Bemühungen scheiterten jedoch laut Novatek, nachdem sich beide Seiten nicht auf die Vertragsbedingungen einigen konnten.
Der unabhängige Experte Yuri Melnikov meint: „Ursprünglich war die Turbine, die China nun liefert, in den 1980er Jahren ukrainischer Herkunft für sowjetische Kriegsschiffe gedacht. Doch in China konnte man sie nicht nur bestimmungsgemäss nutzen, sondern auch für einen stationären Einsatz umbauen. Natürlich ist es nicht mit Maschinen von Siemens und Baker Hughes zu vergleichen. Es scheint, dass es sich um erste kommerzielle Muster handelt“, glaubt der Experte. Unabhängig von den Ergebnissen der Tests in China fügt er hinzu: „Die raue natürliche Umgebung des Ob-Golfs in Russland wird eine ernsthafte Herausforderung zur langfristig zuverlässigen Betriebsleistung dieses Modells sein und wird ein ernstes Risiko darstellen.“
Da die Fertigstellung der dritten Arctic LNG-2 Linie nicht vor 2025 erfolgen wird, hat Novatek genügend Zeit die chinesische Turbine zu testen und Erfahrungen damit zu sammeln.
Heiner Kubny, PolarJournal