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Die Liebe ist geduldig und gütig.
Die Liebe eifert nicht für den eigenen Standpunkt,
sie sucht nicht den eigenen Vorteil.
Die Liebe ist nicht schadenfroh, wenn anderen Unrecht geschieht,
sondern freut sich mit, wenn jemand das Rechte tut. (aus 1. Korinther 13)
Gregor Piatigorsky war nicht nur ein ganz grosser Cellist des 20. Jahrhunderts; er war auch ein gefragter Lehrer und ein Menschenkenner. In seinen Memoiren äussert er sich übers Unterrichten und erzählt auf humorvolle Weise, wie er dabei auch unkonventionelle Wege gehen musste.
Einmal versuchte er einen seiner Schüler weiterzubringen, indem er ihm zum Ansporn die zu erarbeitenden Stücke möglichst perfekt vorspielte. Aber je mehr Mühe er sich als Lehrer gab, desto schlechter spielte der Schüler. Doch da passierte Piatigorsky beim Vorspielen ein kleiner Fehler und er bemerkte, wie in diesem Moment ein Lächeln über das Gesicht seines Schülers huschte. «Das kann ich besser!», dachte der Schüler und bemühte sich, wenigstens bei jener Passage seinen Lehrer zu übertreffen. Piatigorsky hatte erkannt, dass sein perfektes Spiel den Schüler lähmte statt motivierte. Deshalb spielte er im Unterricht bei diesem Schüler absichtlich fehlerhaft und freute sich, dass sein Schüler sich dadurch entwickelte und ein guter Cellist wurde.
Jahre später berichteten ihm Freunde, was dieser Schüler einmal über ihn sagte: «Piatigorsky ist zwar ein schlechter Cellist, aber er hat mir viel beigebracht.»