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Geschichte unserer Kirchgemeinde
Die Geschichte unserer Gemeinde
(Quelle: Dägerler Spuren)
Das Kloster Töss besitzt mehrere Höfe. Praktisch im ganzen Weinland sterben die Freiherren-Geschlechter aus oder verlieren ihren Rang. Die Grafen von Dillingen-Kyburg werden im Gegenzug gegen Ende des 11. Jahrhunderts zur treibenden Kraft und halten die hohe Gerichtsbarkeit bald in der ganzen Region. Nach dem Tod des Grafen Hartmann IV im Jahr 1273 tritt der spätere deutsche König, Graf Rudolf van Habsburg, das Kyburgische Erbe an. Zur Verwaltung setzt er Pfleger und Vögte ein.
Ab dem 14. Jahrhundert muss dann das Haus Habsburg immer mehr Pfründe und Vogteien abgeben. Die hohe Gerichtsbarkeit über Dägerlen (ohne Oberwil) gelangt ca .1424 und dann endgültig 1452 mit der österreichischen Grafschatt Kyburg an die Stadt Zürich. Oberwil stösst mit dem Amt Andelfingen 1434 dazu und ist damit einer anderen Bezirksverwaltung unterstellt. Auch die niedere Gerichtsbarkeit für Dägerlen geben die Habsburger wohl aus finanziellen Gründen schon früh ab. So splittern sich die Besitzverhältnisse in viele kleine Einheiten auf, was zu einer kaum überblickbaren Vielfalt führt. Verschiedene Klöster kaufen grosse Grundstücke und Höfe bei uns. Allen voran die Aebtissin und der Konvent in Töss, welche in Rutschwil, Berg und Oberwil mehrere Höfe bewirtschaften. Seit etwa 1350 besitzen auch Priorin und Konvent der Sammlung in Winterthur Güter in Rutschwil und Oberwil. Andere Besitzungen gehören dem Spital in Winterthur. Kleinere Höfe zehnten dem Kloster Allerheiligen oder der Stadtpfarrkirche St. Johann in Schaffhausen, während mit der Zeit weitere Zehnten- und Vogtrechte öfters in die Hand von Privatleuten wechseln und von der Stadt Zürich verliehen werden. In Oberwil sind es die Freiherren von Lupfen, welche die Zehntenrechte 1375 innehaben. 1420 kauft sie das Spital Winterthur, später sind sie wieder in privater Hand, bis die Rechte 1805 ausgekauft werden und das Feudalwesen aufgehoben ist.
Der Hof Bänk bleibt relativ selbständig. Als sogenannter eingeschlossener Hof - eine grosse Seltenheit - ist er zehntenfrei und verfügt über eine eigene Hofordnung. Welchem Umstand Bänk dieses Privileg verdankt, ist nicht bekannt.
Trotz den ungünstigen Voraussetzungen durch diese vielgliedrige Aufteilung der Rechte und des Grundbesitzes setzt im ausgehenden Mittelalter die Dorfbildung ein. Rutschwil nennt sich 1537 «Dorf» und handelt «im Namen seiner ehrbaren Burger». Die Abwehr von unwillkommenen Zuwanderern setzt hier mit den Einzugsbriefen relativ spät ein, 1544 in Rutschwil, Oberwil folgt 1582 und Berg 1644.
Dägerlen und Rutschwil sind auf der Maurer-Karte von 1566 bereits verzeichnet.
Die fünf Ortschaften bilden eine eigene Kirchgemeinde
Dägerlen gehört seit jeher zur Kirchgemeinde Andelfingen. Diese Kirchgemeinde umspannt ab dem 13. Jahrhundert die Fläche der heutigen politischen Gemeinden von Andelfingen, Klein-Andelfingen, Adlikon, Humlikon, Dorf, Volken, Thalheim und eben Dägerlen.
Das Patronatsrecht besitzen anfänglich die Kyburg-Habsburger. 1404 tauscht dann Herzog Friederich den Kirchenschatz zu Andelfingen mit dem Württembergischen Griesingen und Abt Berchtold II. und das Konvent des Klosters Allerheiligen kommen so in den Besitz der Kollatur. Das Kloster ist damit Kirchbesitzer und hat als solches das Recht, einen Priester zu bestimmen und ihn einzusetzen. Als Pflicht muss es eine Entlöhnung sicherstellen. Die Reformation teilt dann die Gläubigen schnell in flammende Anhänger und scharfe Gegner. Zwinglis Thesen gewinnen aber gerade in unserer Gegend stetig an Boden. Ganze Gemeinden treten über. Die Kapelle gelangt so 1525 auch in den Rang einer Kirche, allerdings nur von einem Helfer betreut. Das macht die Filialkirche Dägerlen von der Kirche Andelfingen unabhängig, wenn auch die eigentliche Trennung erst ein Jahrhundert später erfolgen wird. Denn die Klosterverwaltung in Schaffhausen widersetzt sich so lange wie irgend möglich. Der Grund: Die Besoldung eines Helfers ist wesentlich günstiger als die eines Pfarrers.
Im Jahr 1642 und nach einigem Ungemach löst sich Dägerlen ganz von der Kirchgemeinde Andelfingen und ist jetzt endlich eine eigene Kirchgemeinde. Die Kollatur verbleibt noch bis 1865 beim Kanton Schaffhausen. Erst ein Vertrag vom Juli 1864 regelt den Loskauf der Kirchgemeinden Andelfingen und Dägerlen durch den Kanton Zürich.
Von der Kapelle zur Kirche
Umfangreiche Dokumente schildern die Entwicklung der Kapelle und späteren Kirche Dägerlen. Der rechtwinklig ummauerte halbkreisförmige Chor erinnert Fachleute auffällig an die alte Choranlage der Kirche St.Alban in Basel. Vorsichtige Schätzungen datieren ihren Ursprung darum im 10. oder 11. Jahrhundert. Geweiht den Heiligen Ursula und Johannes ist sie anfänglich eine Filiale der Kirche Andelfingen. Ihre erste Erwähnung findet sie im Markenbuch des Klosters Konstanz um 1360.
Auf Drängen der Dägerler und der benachbarten Weiler und Höfe findet der regelmässige Gottesdienst ab 1491 in der Kapelle Dägerlen statt. Das erspart den weiten Weg nach Andelfingen, der jetzt nur noch an besonderen Feiertagen unter die Füsse genommen werden muss. Zur Unterstützung ruft der Kyburgische Landvogt Rudolf Escher alle geistlichen und weltlichen Würdenträger auf, die Kapelle in Dägerlen und die Gemeinde zu unterstützen. «Ohne Hilf, Steuer und Almosen» könne die Gemeinde den Vorsatz, «auf ewige Zeiten eine heilige Messe» zu halten, nicht vollbringen.
Der päpstliche Nuntius bei der Eidgenossenschaft, Ennius Phylonardus, ist 1517 um ein weiteres Aufblüjhen der Kapelle bemüht. Wer an den Festtagen der Heiligen Ursula und Johannes die Kapelle besucht und für den baulichen Unterhalt oder für Kelche, Lampen und anderen Zierrat einen ausreichenden Beitrag leistet, dem verspricht er sieben Jahre Ablass von allen auferlegten Bussen. Diese Vergünstigung lockt die bussfertigen Christgläubigen von weither an und ist wohl die Ursache für die lang überlieferte Meinung, Dägerlen sei einst ein Wallfahrtsort gewesen. Wenige Jahre später setzt die Reformation dem katholischen Kultus und dem Ablass ein rasches Ende. Damit kommt auch der Aufschwung in Dägerlen bald zum Erliegen.
Mit der Zeit wird das Gotteshaus erneuerungsbedürftig. Die Dägerler kommen für die Kosten selber auf. Sie erweitern das Schiff kräftig und vergrössern das ganze Kirchgebäude. Bei Abschluss der Arbeiten 1596 erstrahlt die Kirche in neuem Glanz. Am 4. November 1596 richtet der Landvogt an den Rat in Schaffhausen die Bitte, er möge als Lehnsherr und Kollator der Kirche einen Beitrag spenden. Die Kirchgenossen von Dägerlen legen «ein ganz dienstmütiges Anhalten, und Bitten» bei. 100 Gulden können schon im nächsten Monat entgegengenommen werden. Und der Rat in Zürich bedenkt die Kirchgemeinde mit weiteren 100 Gulden.
Ein heftiges Gewitter zieht die Kirche am 18. Juli 1618 arg in Mitleidenschaft. Namentlich Turm und Chor werden durch Blitzschlag stark beschädigt. Eine Glocke zerschellt in fünf Teile. Auf Antrag des Kyburger Landvogts Melchior Maag übernimmt die Klosterverwaltung Schaffhausen die «bittweise und verlangend nachgesuchte Summe (...) keineswegs in Folge schuldiger Pflicht, sondern nur freiwillig».
In den nächsten Jahrzehnten bleibt die Kirche vor weiteren Umbauten verschont. Der Gemeinde fehlen die finanziellen Mittel, und der Kollator zeigt kein Interesse, seiner Baupflicht gerecht zu werden. Eine neue Glocke kommt 1677 zum Einsatz. Heinrich Füssli von Zurich-Unterstrass liefert eine 556 Pfund schwere Glocke. Und 1716 bestellt die Kirchgemeinde einen Ersatz für «ein alt gespalten Gloggli» wieder bei Füssli. Sie wiegt 415 Pfund und ist wahrscheinlich aus der eingeschmolzenen alten Glocke gefertigt, welche die Gemeinde an Zahlung gibt.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgt eine Reihe von Bemühungen, den Kirchenbau grosszügig zu verbessern. Sie bleiben allerdings alle erfolglos. 1812/13 leitet Maurermeister Martin Verklar eine Renovation. In den Jahren 1827 bis 1829 sind gar Neubaupläne aktuell, die Zimmermeister Bosshard aus Wülflingen vorlegt. Die Finanzen erlauben jedoch nur die Renovation des Dachträgers. Erst im Jahr 1851 nimmt die Gemeinde eine Gesamtrenovation in Angriff, bei der die Kirche «zum grössten Teil neu erbaut» wird: Boden, Bestuhlung, Kanzel und Empore sind neu. Türen und Fenster werden vergrössert und der Gesamtbestand renoviert. Das kostet 2049 Gulden, welche hauptsächlich die Gemeinde berappt. Und 1857 liefert die Firma Mäder in Andelfingen eine Turmuhr.
1889 wird die an der Nordseite angebaute hölzerne Sakristei abgerissen, welche wahrscheinlich aus dem Jahr 1491 stammt. Auf einer Zeichnung von Ludwig Schulthess von 1840 ist sie gut erkennbar. Im gleichen Jahr 1889 beschliesst die Gemeinde die Anschaffung neuer Glocken. Jakob Keller von Zürich-Unterstrass liefert ein G-Dur- Geläute, welches bis heute im Einsatz steht. Da es gut 1500 Kilogramm wiegt und deutlich schwerer ist als das bisherige, muss der Turm verstärkt werden. Offensichtlich unterschätzt man aber die Auswirkungen der schwereren Konstruktion. Wie Albert Jucker-Hafner 1935 in einem Zeitzeugnis für die Kirchenkugel festhält, sind die umfangreichen Renovationsarbeiten von 1935 notwendig, weil die Glocken die Turmkonstruktion überfordern und die Schwingungen dem Kirchbau durch die Jahre arg zusetzen.
Während die Aussenrenovationen von 1900, 1935 und 1944 vorwiegend Instandhaltungsarbeiten umfassen. bringen die Innenrenovationen stärkere Veränderungen mit sich. 1919 hält das eIektrische Licht Einzug, und wenn 1944 im Chor die Orgel aufgebaut und die Fenster bemalt werden, verwischt sich der frühere Charakter der Kirche entscheidender.
1984 beginnen die Vorarbeiten zu einer weiteren Innenerneuerung. Insbesondere die ungenügende Beheizung und der mangelhafte Sitzkomfort sind der Anlass. Die Durchführung der Arbeiten richten sich weitgehend nach den Kriterien der Denkmalpflege. 1994 sind die umfassenden Arbeiten abgeschlossen. Augenzeugen berichten, dass während der Erneuerung des Bodenbelages Spuren alter Fundamente erkennbar sind, welche als Grundmauern der ursprünglichen Kapelle interpretiert werden müssen.
Wer heute die Kirche betritt, ist von der Schlichtheit und der zur Einkehr einladenden Ruhe sofort in ihren Bann genommen. Die neue Orgel ist jetzt auf der Empore untergebracht. Als einziger Schmuck steht der Taufstein vor dem Chor. Und das dezente Spiel der warmtönigen Bodenplatten mit der Täferung und der Holzdecke runden den harmonisch-bescheidenen Eindruck ab.
Die erhaltenen Kirchengeräte
Beim Betreten der Kirche fällt der schlanke, achtkantige Taufstein sofort auf; er trägt gross eingemeisselt die Jahreszahl1599. Bei der Renovation von 1989 stellen die Experten das genaue Alter allerdings in Frage. Auf jeden Fall stammt er aber aus der Zeit.
Die Taufkanne ist aus getriebenem Kupfer und gilt weitherum als die schönste und reichste ihrer Art. Aussergewöhnlich ist der mit Buckeln verzierte Fuss. Der untere Teil des Griffes ist gedreht, während der Deckel wieder gebuckelt ist. Die Sachverständigen des Landesmuseums schätzen die Taufkanne als sehr kostbar ein. Bei Taufen ist sie nach wie vor im Einsatz.
Weiters ist eine runde Zinndose mit Deckel als Oblatendose in Gebrauch. Der Knauf ist aus Holz und Elfenbein gedreht. Auffällig ist die Kombination verschiedener Gefässformen. Leider trägt sie keine Markprägung, ist aber auf jeden Fall ein Unikat und wertvoll.
Daneben sind noch zwei Glockenkannen aus Zinn vorhanden. Angefertigt von Meister Andreas Wirz aus Zürich in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Und ein Holzbecher für das Abendmahl ist ebenfalls noch gut erhalten. Bedauerlicherweise ist dieser aber mit Ölfarbe übermalt.
Das lange Warten auf den eigenen Pfarrer
Bis 1491 ist nur in Andelfingen ein Leutpriester tätig. Die Gläubigen müssen darum für Messe und Seelsorge jedes Mal einen beschwerlichen Weg in Kauf nehmen. Denn die Kapelle in Dägerlen dient der örtlichen Bevölkerung nur zum stillen Gebet und zur Andacht. Darum treten sie mit der Bitte an das zuständige Kloster Allerheiligen in Schaffhausen, einen Helfer anzustellen, der den ordentlichen Kirchendienst in Dägerlen versieht. Der Abt lehnt zunächst ab, weil er als Kollator den Helfer zu entlöhnen hätte. Doch die Dägerler geben nicht nach und wenden sich, um Unterstützung bittend, an den Rat in Zürich. Unter seiner Vermittlung kommt am 12. November 1491 ein Vergleich zustande: Der Leutpriester von Andelfingen, Hans Schadenmüller, kann einen Helfer einstellen. Die Besoldung teilen sich das Kloster und die Dägerler. Dafür muss der Leutpriester oder sein Helfer sonntags und an bestimmten Feiertagen in der Filiale Dägerlen die Messe feiern.
Die Dägerler versäumen nicht, ein Bussgeld von fünf Gulden für jedes allfällige Nichthalten der Messe zu vereinbaren.
Die Veränderungen der Reformation bringen Dägerlen ab 1525 mehr Unabhängigkeit von der Kirche Andelfingen. Die Kapelle gelangt jetzt in den Rang einer Kirche, allerdings nicht von einem niedergelassenen Pfarrer, sondern weiterhin nur von einem Helfer geführt. Er erledigt aber sämtliche kirchlichen Amtshandlungen und führt eigene Pfarrbücher.
Die Kollatur geht vom Kloster Allerheiligen an den Stand Schaffhausen über. Als Rechtsnachfolger wählt er ausschliesslich Schaffhauser Bürger zu Helfern und Pfarrer in Dägerlen. Der Rat in Zürich muss die ernannten Kandidaten jeweils noch bestätigen.
Erster reformierter Prediger für Dägerlen ist 1525 Niklaus Klinger aus Winterthur. Wegen seiner Besoldung kommt es bereits 1529 zu Unstimmigkeiten zwischen der Gemeinde und der Klosterverwaltung. Zürich muss einmal mehr schlichtend vermitteln.
Bis 1594 nehmen dann meist Helfer aus Winterthur das Kirchenamt in Dägerlen wahr. Ab dann wird die Pfarrei meist von Schaffhausen aus bedient. Um 1630 betreut der Pfarrer von Seuzach die Kirchgemeinde Dägerlen. Die kirchlichen Verhältnisse in Dägerlen bleiben darum so lange unbefriedigend, wie kein eigener Pfarrer die Gemeinde betreut. Mit ihrer Bitte um einen eigenen, hier einquartierten Pfarrer stossen die Kirchgenossen in Schaffhausen auf taube Ohren. Am 18. März 1635 interveniert die Regierung in Zürich und fordert von Schaffhausen, dass es als Kollator in Dägerlen endlich einen Pfarrer einsetzt und ihm ein Pfarrhaus zur Verfügung stellt. Weiter bietet Zürich an, falls es den Schaffhausern «wegen des jüngsten Sterbens», also wegen der Pest, an einem Pfarrer mangle, selber einen Pfarrer einzusetzen. Das wirkt. 1636 kauft die Klosterverwaltung in Rutschwil ein altes Haus, aber erst im Mai 1642 tritt Martin Spleiss als erster Pfarrer von Dägerlen sein Amt an. Damit ist die Trennung von der Mutterkirche Andelfingen endgültig abgeschlossen und Dägerlen eine eigene Kirchgemeinde.
Der Pfarrer braucht ein Pfarrhaus
Als Filiale der Kirche Andelfingen wird Dägerlen im Laufe der Jahrhunderte entweder von Andelfingen oder durch Helfer aus Winterthur bedient. Diese benötigen darum kein Pfarrhaus. Erst 1636 kauft die Klosterverwaltung für 1449 Gulden ein altes Haus am Dorfrand von Rutschwil.
Nach nochmaligen Verzögerungen dauern die Bau- und Renovationsarbeiten nach den Plänen von Caspar Lang und Felix Büggi von 1639 bis 1642. Der Umbau zum Pfarrhaus ist ein echtes Gemeinschaftsunternehmen. Die Gemeinde Dägerlen stellt weiteres Land für den landwirtschaftlichen Betrieb zu Verfügung. Damit ein zukünftiger Pfarrer mit seiner geringen finanziellen Entschädigung ein Auskommen findet. Die Stadt Winterthur anerbietet, das zum Umbau nötige Holz durch ihre Pferde auf den Platz zu führen, und das Amt Töss offeriert den Ertrag seines Rebberges oberhalb Rutschwils.
Wenn 1865 die Kollatur von Schaffhausen an Zürich übergeht. zeigt sich, dass trotz gelegentlichen Unterhaltsarbeiten das Gebäude in baufälligem Zustand ist. Die Kosten für eine Renovation sind mit stolzen 18000 Franken veranschlagt. Ein Neubau ist mit 36000 Franken budgetiert. Also verkauft man die Liegenschaft 1868 an die Schulgemeinde, die darin eine Lehrerwohnung einrichtet und im Erdgeschoss den Handarbeit-Unterricht veranstaltet. Das dreistöckige Gebäude ist bis heute erhalten, hat sich aber durch mehrere Um- und Anbauten stark verändert.
Die Projektierung des neuen Pfarrhauses erfolgt durch Staatsbauinspektor Johann Jakob Müller 1868. Er plant es in unmittelbarer Nähe der Kirche in Dägerlen. Der Sichtbackstein-Bau mit dem charakteristischen Treppengiebel erinnert an ein spätgotisches Landschlösschen und ist typisch für die historizistische Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zusammen mit der Kirche bestimmt es die ruhige Silhouette von Dägerlen.