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Erste feierliche Investitur in der Schweiz
Die Wiege unseres Ordens liegt in St. Gallen
Die erste Investiturfeier des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in der Schweiz fand 1948 in St.Gallen statt. Der neu ernannte Prior, Josephus Meile, Bischof von St. Gallen, überreichte dabei sechs Rittern die Ordensinsignien. Fünf Monate später fand am gleichen Ort – im Caritasheim Oberwaid in St.Gallen – die nächste Investitur statt. Eine Dame und elf Ritter wurden in den Orden aufgenommen. Im Jahr 1949 gab es fünf weitere Investituren, denn der Ritterorden wurde in der Schweiz erstmals strukturiert und die bisher nicht organisierten Ritter zu einer Statthalterei zusammengeführt. Der grosse Schaffer rund um die erstarkende Ordensgemeinschaft in der Schweiz war Prälat Albert Oesch, der aus dem rheintalischen Balgach stammte.
Albert Oesch war die treibende Kraft bei der Neubildung der Schweizerischen Statthalterei und er wurde, als der Orden rechtlich etabliert war, zum ersten Sekretär ernannt. Er wurde im Jahr 1897 in Balgach geboren, absolvierte das Gymnasium an der Stiftsschule Einsiedeln und studierte Theologie in Innsbruck und in Fribourg. Als Seelsorger wirkte er in Flawil, in Balgach, in Thal und in Rheineck.
Albert Oesch kannte Kardinal-Staatssekretär Eugenio Pacelli gut. Sie trafen sich, wenn der Kardinal seine Ferien im «Stella Maris» (heute Pädagogische Hochschule St.Gallen) in Rorschach verbrachte. Als Pacelli zum Papst Pius XII. (1939–1958) geworden war, beauftragte er Albert Oesch im Jahr 1947, sich um die Organisation des Ritterordens in der Schweiz und in den deutschsprachigen Ländern zu kümmern.
Oesch ging mit grösstem Engagement ans Werk. Er organisierte die Ritter, von denen es in der Schweiz bereits einige gab, unter einem rechtlich strukturierten Dach. Er baute die schweizerische Statthalterei des Ritterordens auf, schuf mehrere regionale Sektionen (Komtureien), holte neue Mitglieder, organisierte Pilgerreisen ins Heilige Land und trug Geld zusammen, um dem Heiligen Land Hilfe, namentlich zur Finanzierung des Priesterseminars Beit Jala, zukommen zu lassen.
Ebenfalls auf die Anfrage von Papst Pius XII. hin übernahm der St. Galler Bischof Josephus Meile (1891–1957) die geistliche Leitung des erstarkenden Ritterordens in der Schweiz. Auch Josephus Meile kannte den Papst von seinen Aufenthalten in Rorschach her.
Der unermüdliche Schaffer
Der Papst übertrug Albert Oesch verschiedene weitere grosse Aufgaben. So erfüllte der überaus aktive Albert Oesch eine Reihe von Vertrauensmissionen, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Aufträge führten ihn buchstäblich in alle Welt. Die vielen Abwesenheiten führten dazu, dass er die Leitung der Pfarrei Rheineck in andere Hände geben wollte. Sein Bruder Hans, der ebenfalls Priester war, übernahm die Pfarrei. Den Aufbau der Schweizerischen Statthalterei organisierte Albert Oesch gewissermassen im Alleingang. Ihm stand Bischof Josephus Meile zur Seite. Er war auf Wunsch von Papst Pius XII. als erster Grossprior eingesetzt worden. Im Jahr 1947 wurde zum Aufbau des Ordens eine schweizerische Magistral-Delegation gebildet, der Bischof Josephus Meile und Prälat Albert Oesch angehörten. Bis zu diesem Zeitpunkt lebten in der Schweiz rund 20 bis 30 Ritter, die nicht organisiert waren.
Am 12. April 1950 wurde das Dekret über die Errichtung der Schweizerischen Statthalterei erlassen. Erster Statthalter war Hans Schnyder von Wartensee. Die engagierten Initianten konnten innert kurzer Zeit Frauen und Männer für die Ordensideale begeistern. Im Jahr 1950 waren es 103 Mitglieder. Weil vor allem Prälat Albert Oesch sein Beziehungsnetz im Kanton St.Gallen hatte, waren 42 der Mitglieder Ostschweizer. Schon im Jahr 1954 waren es gesamtschweizerisch 178 Mitglieder, davon 54 aus der Ostschweiz.
Erstmals in der Öffentlichkeit
Nachdem die erste Investitur in St.Gallen ziemlich versteckt in einer Heim-Kapelle der Baldegger Schwestern stattgefunden hatte, trat der Orden im Jahr 1949 erstmals an die Öffentlichkeit, als am 3. Juli in der restaurierten St. Justuskirche in Flums SG eine grosse Investiturfeier durchgeführt wurde. Diese Kirche birgt das Grab des 1519 in Jerusalem zum Ritter geschlagenen Ludwig Tschudy von Gräpplang.
Flums war jahrhundertelang Pfarrkirche einer Gemeinde, die sich durch besondere Verehrung des Heiligen Grabes ausgezeichnet hatte. Eine ganze Reihe von Flumsern beteiligte sich an der Pilgerfahrt des Heiliglandvereins, die Fahne des Vereins wurde in Flums aufbewahrt, und folglich wurden auch mehrere Flumser in den Ritterorden vom Heiligen Grab aufgenommen. Zum grossen Investiturfest in Flums, an dem sich als Gäste 48 Ordensbrüder aus Mailand beteiligten, gehörte auch ein Besuch beim Regierenden Fürsten von Liechtenstein, Franz Josef, der zusammen mit seiner Gattin Georgine ebenfalls dem Orden angehörte. Mehrere st.-gallische und liechtensteinische Zeitungen berichteten ausführlich über diese grosse Feier in Flums, an der 18 Mitglieder in den Orden aufgenommen wurden.
Die Neoritter und die rund 15 bisherigen Mitglieder erschienen mit ihren Familienangehörigen, der Kirchenchor begleitete die Heilige Messe, die Bischof Josephus Meile zelebrierte, die Bürgermusik Flums konzertierte auf dem Dorfplatz und im Dorfrestaurant fand anschliessend im Beisein von Behördevertretern das grosse Fest statt, dem der Statthalter Hans Schnyder von Wartensee vorstand. In einer 24-seitigen Broschüre hat der rührige Albert Oesch anschliessend das ganze Geschehen geschildert.
Begraben in Jerusalem
Monsignore Albert Oesch war oft im Heiligen Land, um sich persönlich ein Bild der Situation der Christen zu machen. Rastlos setzte er sich für die vom Orden unterstützten Institutionen ein, namentlich für das Priesterseminar Beit Jala. Er organisierte Pilgerreisen ins Heilige Land.
Albert Oesch wurde zum Ehrendomherr der Heiliggrabkirche ernannt und erhielt viele weitere Auszeichnungen und Ehrentitel, 1942 den Titel eines Päpstlichen Geheimkämmerers und 1957 wurde er Apostolischer Protonotar. Im Jahr 1962 starb er, als er sich zur gesundheitlichen Rehabilitation in Jerusalem aufhielt. Nahe der Mauer von Jerusalem wurde er auf dem Friedhof der Franziskaner auf dem Ölberg begraben.
Erinnerung an die erste Investitur
Als am 10. Oktober 1948 die erste Investitur der Schweiz in St.Gallen stattfand, hiess das Gebäude, in dessen Hauskapelle gefeiert wurde, Caritasheim. Dieses Kurhaus Oberwaid entwickelte sich seit dem Jahr 1870 von einer Wasserheilanstalt über ein Einkehr- und Bildungszentrum mit Kurbetrieb hin zu einem Kurhaus mit modernem Therapiezentrum. Das 100-Betten-Kurhaus war seit dem Jahr 1930 im Eigentum des Klosters Baldegg.
50 Jahre nach dieser ersten Investitur, im Jahr 1998, liess die Komturei St. Gallen in der Hauskapelle des Kurhauses zur Erinnerung eine Tafel anbringen. Darauf steht unter dem roten Jerusalemkreuz: «Zur Erinnerung an die erste Investiturfeier 1948 des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in der Schweiz – 1948 – Oberwaid – 1998.»
Ein Privater kaufte im Jahr 2007 das Kurhaus und liess es abreissen. An derselben Stelle wird zurzeit ein neues Rehabilitationszentrum gebaut. Die Komturei liess die Tafel vor dem Abbruch entfernen. Aus diesem Anlass feierten die Damen und Ritter der Komturei St. Gallen am 28. Oktober 2008 in der Hauskapelle zum letzten Mal eine Heilige Messe. Prior Erwin Keller und Komtureipräsident Christoph Mattle erinnerten dabei noch einmal an die initiativen Frauen und Männer, die sich damals, vor nunmehr über 60 Jahren in der Region St. Gallen und in der ganzen Schweiz für die Ideale des Ritterordens engagierten und die Fundamente für die Entwicklung der Ordensgemeinschaft legten. Der neue Eigentümer der Liegenschaft lud die Damen und Ritter der Komturei St. Gallen zu einem Essen in das Haus ein. Die Komturei St. Gallen sprach die Hoffnung aus, dass auch im neuen Gebäude eine Kapelle oder ein Andachtsraum eingerichtet und darin die Tafel zur Erinnerung an die erste Investitur in der Schweiz wieder angebracht werden möge.
Christoph Mattle Präsident Komturei St. Gallen