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Jahre, bevor ich Gefährte kennenlernte, arbeitete ich für einige Wochen in Südafrika in einem Kinderheim. Die Lebenssituationen dieser Kinder bewegten mein Herz. In einer Mittagspause sass ich in meinem Zimmer auf dem Bettrand und in meinem Herzen wurde mir folgende Frage gestellt: "Warum willst du noch frisches Brot, wenn haufenweise altes herumliegt?" Noch nie gehört, doch auf der Stelle verstanden, und in mir wuchs die Bereitschaft: "Gut, mein lieber Vater im Himmel, wenn du mich als Mutter fremder Kinder einsetzen möchtest, dann bin ich bereit."
Von da an befasste ich mich mit dieser Möglichkeit von Mutterschaft und liess gleichzeitig die übliche Art Mutter zu werden offen. Nicht zuletzt, weil ich nicht wissen konnte, wie sich mein Mann, den ich noch gar nicht kannte, zu diesen Gedanken stellen würde? Mir war bewusst, dass mir als Adoptivmutter nie kleine Mamachens oder Papachens um die Beine streifen würden. Davon lernte ich mich früh verabschieden. Ging es denn wirklich darum, in anvertrauten Kindern mir selbst zu begegnen? Ich fand für mein Leben: nein. Auch, dass der Lebensrucksack, den angenommene Kinder mit in die fremde Familie bringen würden, sehr oft einiges schwerer wiegt, als beim "frischen Brot", war mir nicht verborgen. Und das war gut oder sogar sehr wichtig so.
Heute bin ich Mutter von vier Fremdlingen. Biologisch also keine Mutter, da mein Leib nie Brutstätte neuen Lebens war. Gleichwohl fühle ich mich vollständig. Zwei Menschenkinder des Quartetts sind adoptiert, zwei lebten als Pflegekinder bei und mit uns. Unsere Älteste ging während fünf Jahren zu mir zur Schule. Sie verlor früh ihre Mutter. Der Vater war sehr krank. So kam sie während Berufswahl und Ausbildungszeit zu uns und erlebte die Ankunft der jüngeren Fremdlinge mit. Wir starteten also mit einem Teenager. Die jüngere Pflegetochter ist quasi die Zwillingsschwester des jüngeren Bruders und verbrachte die meisten Vorschuljahre in Vollzeitpflege bei uns.
Unsere vier Fremdlinge, die längst nicht mehr fremd sind, sind beides: Gold und Meissel in meinem Leben. Erlebte manch Herrliches mit ihnen und durch sie. Genauso auch ganz viele Läuterungsprozesse. Solche Prozesse schmerzen. Doch wenn man aufmerksam genug ist, kann man das Gold - oder die Perlen - inmitten des Schmerzes erkennen, noch bevor es für unsere Augen sichtbar ist. Gnade! Nein, nicht jeden dieser Prozesse hätte ich mir gewünscht, um ehrlich zu bleiben. Gold und Perlen nimmt man gern. Ohne Läuterung nicht zu haben ... Ganz vielleicht aber sind ausgerechnet jene Prozesse, an denen ich die grössten Schmerzen litt - die wichtigsten meines Lebens ...?
Wie auch immer, dabei bleibt's: Unsere Kinder bringen mich im Leben weiter - und nicht weniger wünsche ich ihnen umgekehrt. Ja, die Tatsache, dass Gott sie in unsere Ehe einpfropfte, möge ihnen rechtzeitig zum reichen Segen werden. Das bleibt mein brennendes Herzensanliegen, so lange meine Füsse über unsere Erde wandern. Auch wenn heute kein Fremdling mehr zuhause wohnt, sind sie bis heute oft die Förderer meines wachsenden Glaubens und Vertrauens in Den, der uns alle schuf. Ohne sie hätte ich den Vater im Himmel, Seinen Sohn, ebenso den Heiligen Geist auf keinen Fall in dieser Tiefe kennengelernt, wie es unterwegs mit ihnen möglich und auch sehr, sehr nötig oder Not-wendig geworden ist.
Oft vergleiche ich neugeborene Kinder mit rohen Diamanten. Ein Wert, der zeitlebens unverlierbar ist. Das Leben wird die Neugeborenen hoffentlich pflegen, formen - und schleifen. Ohne Schleifprozesse können Edelsteine schlecht erkannt, das heranwachsende Menschenkind nicht zum Leuchten gebracht werden. Jeder rohe Diamant muss geschliffen werden, wenn er die Leuchtkraft, die in ihm wohnt, zum Strahlen bringen soll. Auf dem easy way nicht zu haben, ahne ich. Leuchten möchten wir gerne. Geschliffen werden nicht gleich freudig ...