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Unterbruch von Oben: Während dem Champions-League-Spiel des FC Basel gegen Schalke 04 seilten sich Greenpeace-Aktivisten vom Dach des St. Jakob-Park ab und sorgten damit für eine kurzfristige Unterbrechung der Partie. Sie protestierten gegen den Gazprom, Sponsor von Schalke und der Champions League.
Einen politischen Protest mit dieser Breitenwirkung hat es bei einem Fussballspiel seit 1995 nicht mehr gegeben: Greenpeace-Aktivsten seilten sich in den Anfangsminuten der Champions-League-Partie des FC Basel gegen Schalke 04 (siehe Spielbericht) vom Dach des St.Jakob-Park ab und entrollten ein 28 Meter breites Transparent.
Damit protestierten sie gegen die Ausbeutung der Arktis anhand Ölbohrvorhaben des russischen Gazprom-Konzerns und forderten gleichzeitig die Freilassung von 30 derzeit in Russland inhaftierten Umweltschützern, worunter sich auch ein Schweizer befindet (-> Mitteilung von Greenpeace Schweiz). Die Aktion in Basel ist gemäss der Organisation Teil einer internationalen Kampagne gewesen.
Am 5. September 1995 hatte Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac eine französische Atombombe im südpazifischen Mururora-Atoll zünden lassen. Einen Tag danach protestierte die Schweizer Nationalmannschaft bei einem WM-Qualifikationsspiel unter der Führung von Alain Sutter mit einem aus einem Laken gebastelten Transparent und der Aufschrift «Stop it Chirac», das sie während dem Abspielen der Nationalhymne auf dem Feld entrollten. Eine couragierte Reaktion, die damals von den Fernsehkameras in die Welt getragen wurde.
Auch diesmal waren die Kameras bei der vom Fernsehen in alle Einzelheiten sezierten Champions League dabei. Wobei die Uefa, die die Bilder des Wettbewerbs selbst produziert und das internationale Signal überwacht, penibel darauf achtet, ihr unangenehme Bilder zu vermeiden. So war das bengalische Feuerwerk der Schalker Fankurve vor dem Anpfiff in der Liveübertragung ausgeblendet.
Dementsprechend mit betretener Miene verfolgte Michel Platini die Szenerie. Der Uefa-Präsident war – ohne das dies angekündigt gewesen wäre – zu Gast in Basel und sass auf den VIP-Plätzen neben Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Prominentere Augenzeugen hätte sich Greenpeace für die Aktion nicht wünschen können.
«Don’t foul the Arctic»
Mit Spielbeginn waren an der Dachkante der Haupttribüne im St.-Jakob-Park vier Gestalten zu beobachten, die sich mit professioneller Ausrüstung daran machten, sich ohne Hektik abzuseilen. Das dauerte einige Momente, und nachdem sie sich in luftiger Höhe gesichert und stabilisiert hatten, entrollten sie ein riesiges, gelbes Transparant mit dem Logo des Energie-Konzerns Gazprom, der Aufschrift: «Don’t foul the Arctic» sowie der Forderung «#FreeTheArctic30».
Die über 33’000 Zuschauer im Joggeli verfolgten die Aktion gebannt. Auf den VIP-Plätzen r Aus dem Publikum kamen Beifall, aber auch Pfiffe, und der spanische Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco unterbrach in der sechsten Spielminute die Partie. Im Nachgang der «Stop Chirac»-Aktion 1995 untersagte die Europäische Fussballunion Uefa ausdrücklich politische Kundgebungen auf dem Fussballplatz.
Ein Sprecher der Uefa kündigte nach dem Spiel an, dass der «Vorfall», wie er die Aktion nannte, im Report an den Dachverband aufgenommen wird und die Uefa über etwaige Disziplinarmassnahmen entscheidet – also gegen den FC Basel, der als Gastgeber für Sicherheit und Ordnung im Stadion zuständig ist.
Yakin und die Spieler ohne Kommentar
FCB-Trainer Murat Yakin hatte nach dem Spiel nicht den Nerv, darauf einzugehen, wie er es mit einer solchen Protestaktion hält. «Es ist besser, keinen Kommentar dazu abzugeben. Warten wir ab, was die Uefa dazu sagt.»
Ähnlich hielten es die Spieler im Anschluss an die Partie in der Mixed Zone vor den Journalisten. Der Reihe nach äusserten sich Schalke-Torhüter Timo Hildebrand, sein Kollege Dennis Aogo sowie die Basler Spieler Fabian Schär, Kay Voser, Taulant Xhaka und Captain Marco Streller fast unisono: «Dazu kann ich mich nicht äusseren.» Hildebrand reklamierte für sich, er habe im ersten Moment gar nicht begriffen, warum der Schiedsrichter die Partie unterbrochen habe.
Eine Unterbrechung aufgrund einer Protestaktion hat es zuvor in der Champions League noch nie gegeben. Was in Basel geschah, gefällt der Uefa auch deshalb nicht, da Gazprom inzwischen einer der grossen Sponsoren der Champions League ist – und auch Trikotsponsor und Investor beim FCB-Gegner FC Schalke 04.
17 Aktivisten der Polizei übergeben
Die Aktivisten verharrten nur wenige Minuten unterhalb des ausgerollten Transparents. Dann packten sie wieder zusammen und verschwanden. In der elften Spielminute wurde die Partie fortgesetzt. Die Aktivisten wurden nach der Rückkehr aufs Dach von Sicherheitskräften in Empfang genommen und anschliessend der Polizei übergeben. In einer Mitteilung spricht die Basler Polizei von 17 Personen, die an der Aktion beteiligt waren.
Rund um das Spiel wurden zehn weitere Personen, die teils an kleineren Scharmützeln beteiligt waren, von der Polizei festgehalten.
Video einer Greenpeace-Aktion in der Formel 1: