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Aarberg - Marktort und Tor zum Seeland
Als am Fuss des Frienisbergs der Marktort Aarberg gegründet wurde, erhielt das mittelalterliche Europa eine sehr interessante Stadt. Denn damit entstand an einer wichtigen Handelsstrasse ein Etappenziel. Ursprünglich hat Aarberg seine Existenz mächtigen Gletschern zu verdanken: in alter Zeit waren sie die Architekten des Seelandes. Der Rhone- und danach der Aaregletscher modellierten das Gelände. Nach dem Abschmelzen der Gletscher bildete sich im Seeland ein grosser See - das Jurameer.
Später entstanden nördlich von Aarberg Moränen-Hügelzüge. Pfahlbauer, Helvetier und Kelten besiedelten vor Christi Geburt die Gegend. Danach bauten die Römer Heer- und Handelsstrassen. Im Jahr 454 besetzten die Alemannen und von Westen herkommend die Burgunder unsere heutige Heimat.
Die Brücke
Eigentlicher "Geburtshelfer" des Aarestädtchens war eine einfache Brücke. Sie gab den Ausschlag, dass es zur Gründung kam. Da, wo Aarberg heute steht, gab es 1138 das den Pilgern als Rast- und Gaststätte dienende Stift Bargenbrügg (Pons Bargiae.) Bei diesem wichtigen Aareübergang, wo sich zwei Verkehrswege kreuzten (während Jahrhunderten die einzige Flussüberquerung zwischen Bern und Büren an der Aare) errichtete Graf Ulrich IV. von Neuenburg eine Steinburg, um den Brückenzoll zu kassieren. Zirka um 1220 gründete der Schlossherr die Stadt. Dessen Sohn und Nachfolger, Graf Ulrich V., verlieh dem Ort 1271 das Stadtrecht, indem er den damaligen Aarberger Behörden die Handfeste überreichte: eine lateinisch verfasste, das Grundgesetz der Stadt enthaltende Urkunde. Menschen hatten zwar schon viel früher hier gelebt: 1984 in der Altstadt durchgeführte Grabungen erbrachten den Beweis, dass es an dieser Stelle Siedlungen gegeben hatte. Gleichzeitig wurde eine Vermutung widerlegt, laut der einst mitten auf dem Stadtplatz eine dritte Häuserzeile gestanden habe.
Der Felsriegel
Das Grafenstädtchen befindet sich auf einem, die Ebene überragenden Felsriegel aus Sandstein. Am Fuss des Felsens bot die Aare der Burg südseitig Schutz. Um die Anlage rundum zu schützen, leitete der Erbauer einen Teil des Aarewassers in nördlicher Richtung um, womit der Felshügel zur idyllischen Insel wurde. Eine rund um die Anlage erstellte Uferschutzmauer machte sie zur Festung. Innerhalb der Mauern wurden 25 Hausplätze mit Holzhäusern, Ställen und Gärten erstellt. Das Eiland blieb erhalten, bis im Rahmen der ersten Juragewässerkorrektion der Hagneckkanal erstellt war: Seit 1888 grenzt der Aarberger Stadtkern nur noch an das Ufer der wenig Wasser führenden, zahmen Alten Aare. Zwei Brücken ermöglichten den Zutritt zur Inselstadt: im Osten die Falkenbrücke und am Westausgang die gedeckte Holzbrücke. Beide standen auf hölzernen Stelzen und wurden mehrmals Opfer von Bränden oder Wassergewalt. Die Falkenbrücke brach 1869 unter einem schweren Salzfuhrwerk zusammen. Sie wurde durch eine Eisenbrücke und später durch eine Betonbrücke ersetzt. Bereits seit 1888 überbrückt sie keinen Wasserlauf mehr. Die Westbrücke musste dreimal neu erstellt werden - zuletzt auf Steinpfeilern. Die heutige Brücke wurde 1568 auf vier Sandsteinpfeilern erstellt und im vergangenen Jahrhundert zweimal verstärkt und restauriert. Sie gehört zu den Wahrzeichen der Ortschaft und steht unter Denkmalschutz.
Der Marktort
Zum blühenden mittelalterlichen Handelsort wurde Aarberg dank seiner strategisch günstigen Verkehrslage. Ab dem 14. Jahrhundert lag die Stadt an der wichtigsten von drei, durch das Seeland führenden Handelsstrassen. Diese Verkehrsader löste sukzessive via Solothurn, Aarberg und Murten die alte Römerstrasse ab und verband die süddeutschen Handelsstädte mit dem Messezentrum Lyon oder mit Rom. Zusätzlichen Betrieb brachte ab 1550 der aufkommende Kutschen- und Kurierverkehr. Auf dem städtebaulich einmalig schönen, ovalen Stadtplatz herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Pferde wieherten, Peitschen knallten und vermischten sich mit den Hornstössen der Postillone. Hufe polterten über die Holzplanken der Brücken. Bis zu hundert Fuhrwerke machten hier zur Zeit der Schultheissen täglich einen Zwischenhalt, wovon sich 30 bis 40 für die Nacht einquartierten. Es wimmelte nur so von kräftigen Zugrossen und leichten Kutschenpferden, behäbigen Handelsherren und fluchenden Fuhrknechten.
Hundert Landvögte
1358 kam Aarberg unter bernische Herrschaft. Damals verpfändete Graf Peter von Aarberg - ein Urenkel des Stadtgründers - das Grafenstädtchen an Bern. Er war ein Gauner und hatte finanzielle Probleme. 1367 verkaufte er Aarberg mitsamt seinen Pfandschulden an den Grafen von Nidau. Doch diese Lösung funktionierte nicht: 1379 ging die Stadt endgültig in den Besitz von Bern über. Von 1358 bis 1798 residierten gegen hundert Landvögte in Aarberg. Bis 1830 amtierten sodann Oberamtmänner. Die Pfrund Aarberg (zu der auch Lyss, Busswil, Bargen und Kappelen gehörten) galt als besonders einträglich. Und dies, obwohl die Siedlung mehrmals von Stadtbränden zerstört wurde. Ein Grossbrand ereignete sich im März 1419. Anfänglich waren nur das Schloss und das mächtige Gebäude des heutigen Hotels Krone (zunächst ein Sitz der Zisterziensermönche - ab 1349 in Privatbesitz) aus Stein. Die heute auf dem 250 x 120 Meter messenden Stadtplatz befindlichen Häuserzeilen wurden erst im 19. Jahrhundert auf den viel älteren Unterbauten errichtet.
Die Reformation
Am Anfang des 16. Jahrhunderts machte den Aarbergern die Reformation zu schaffen. Es fiel ihnen schwer, sich von den Grundsätzen des Katholizismus zu trennen. Bis 1528 war Aarberg katholisch. Dann mussten die Aarberger zum Protestantismus gezwungen werden. Danach organisierten Katholiken aus Solothurn und Freiburg in Aarberg heimliche Zusammenkünfte, wo sie Gesinnungsfreunde trafen. Man wollte gegen die reformierte Regierung den Aufstand proben.
Der Bauernkrieg
Ein trauriges Kapitel in der Geschichte von Aarberg ist der Bauernkrieg von 1653. Es herrschte eine Hungersnot - die Preise für landwirtschaftliche Produkte waren im Keller - die Bauern konnten ihre Existenz nicht mehr sichern. Kaum erstaunlich, dass es zu einem Bauernaufstand kam.
Die neue Verfassung
Mit dem Einfall der Franzosen von 1798 und dem einsetzenden Liberalismus zog der letzte Landvogt aus dem Schloss Aarberg. Die alte Eidgenossenschaft - und damit die Herrschaft Berns - gehörten jetzt der Geschichte an. Die neue Verfassung der Republik Bern brachte den Gemeinden die Selbständigkeit. Im März 1832 wurden die Burgergemeinde von der Einwohnergemeinde getrennt. 1834 gründete Aarberg als dritte Gemeinde im Kanton Bern (noch bevor es in der Stadt Bern eine Universität oder eine Kantonalbank gab) eine Sekundarschule: ein Dutzend Knaben profitierten davon. Heute führt die Sekundarschule 15 Klassen - Mädchen sind längst zugelassen. Der malerische Aarberger Stadtplatz - er soll in der Schweiz der grösste geschlossene Platz sein - ist einzigartig in seiner Art. Mit seinem Kleingewerbe, den Detailgeschäften, Restaurants, Sälen für Seminare und Tagungen, Anlässen, Monatsmärkten sowie mit dem Grünen Markt, dem Zwiebelmarkt und dem Chlausermarkt - vor allem mit dem national bekannten Flohmarkt, dem Aarberger Puce - dient er der Bevölkerung der Gemeinde wie der Region als beliebter Begegnungsort. Mit seinen attraktiven Restaurants hat er sich als Mekka für Feinschmecker profiliert - auf seinem Pflaster spielt sich ein grosser Teil des kulturellen Lebens ab. Die Altstadt bildet das Zentrum der Gemeinde mit den neueren Aussenquartieren Aarezelg, Bernfeld, Sonnmatt, Scheueracker, Walperswilmatte, Mühlau und Leimern.Die Aarbergerinnen und Aarberger haben sich bis heute gegen eine verkehrsfreie Zone gewehrt: Sie finden es richtig, dass in der Innenstadt das pulsierende Leben und die attraktiven Einkaufsmöglichkeiten erhalten bleiben.
Das Schloss
Das um 1220 erstellte Schloss war von 1358 bis 1830 die Residenz von rund hundert Landvögten. Es wurde mehrmals um gebaut und renoviert. Heute beherbergt es noch das Regierungsstatthalteramt Seeland, das Betreibungssamt Seeland, die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB Seeland und die Kantonspolizei. Auf der linken Seite grenzt das Hotel Krone an das Schloss. In alter Zeit war dieser Gebäudekomplex Eigentum des Klosters Frienisberg.
Die Kirche
Das Gotteshaus wurde 1526 erstellt, brannte bald darauf zum Teil nieder und wurde 1576 neu erstellt. Sein Turm überragt den Häuserrand des Städtchens - sein heimeliges Geläute ruft die Einwohner zur Andacht. Die Saalkirche ist einschiffig mit einem Chor. Sowohl die Kanzel als auch die Orgel sind wertvoll.
Die Burgergemeinde
Burger und Burgerinnen profitieren vom Burgernutzen. Heiraten sie einen Nichtburger oder eine Nichtburgerin, behalten sie das Burgerrecht. Als eine der wenigen Burgergemeinden im Kanton Bern unterhalten die Aarberger eine eigene Vormundschafts- und Armenpflege. Alle zwei Jahre lädt die Stubengesellschaft die männlichen Mitglieder zur "Burgerneujahrete" ein. Dieser Brauch wird seit dem 15. Jahrhundert gepflegt. Burger aus der ganzen Schweiz nehmen an diesem Anlass teil.
Die Zuckerfabrik
Experten aus der ganzen Welt besuchen sie jeweils während der Zuckerproduktion. Sie ist ein Aushängeschild der Gemeinde. Nicht zufällig wird Aarberg hin und wieder "Zuckerstädtchen" genannt. Täglich werden während der hunderttägigen, sogenannten Kampagne im Dreischichtenbetrieb total rund 8500 Tonnen Rüben verarbeitet. Produziert werden Kristall-, Würfel- und Gelierzucker. Als Nebenprodukte fallen Melasse und Schnitzel an. Zur Verwertung der anfallenden Rübenerde und des Kalkes wurde 1981 die Ricoter gegründet. Sie ist in der Schweiz die grösste Herstellerin von Blumenerde.
Die Umgebung
Schön und erholsam ist auch die ländliche Gegend rund um Aarberg. Die waldreiche Hügel- und Flusslandschaft lädt zum Radfahren, Reiten und Fischen ein. Eine Sehenswürdigkeit ist der zu Aarberg gehörende Weiler Spins mit seinen behäbigen Bauernhäusern und gepflegten Obstgärten. Von dieser, unter Landschaftsschutz stehenden Siedlung, geniessen die Ausflügler die Aussicht auf die Altstadt und die blaue Jurakette. Naturfreunde spazieren immer wieder gern der Alten Aare entlang durch die unverdorbene Auenlandschaft.
Die Kleinstadt
Das bürgerlich dominierte Aarberg des 21. Jahrhunderts hat zahlreiche Fassetten: Das Städtchen ist ein rares historisches Monument. Aarberg ist ein Verkehrsknotenpunkt mit sieben sich hier kreuzenden Strassen, vier Buslinien und eigenem Bahnhof. Die wegen ihrer Zuckerfabrik auch als "Zuckerstädtchen" bekannt gewordene Kleinstadt hat sich zu einem modernen Gewerbe- und Industrieort entwickelt. Mehr als 60 Vereine bieten sinnvolle Freizeitbeschäftigungen an. Engagierte Behördemitglieder und eine gut organisierte Verwaltung setzen alles daran, die hohe Lebensqualität zu erhalten.
Der Käfigturm
Aarberg war seinerzeit im Besitz der sogenannten niederen Gerichtsbarkeit (somit keine "Blutstätte"). Ihr stand das Recht zu, "kleine Fische" zu bestrafen. Vor der ersten Juragewässerkorrektion grenzte der Käfigturm an den nördlichen Arm der Aare. Hier befand sich die Ländte, wo der Warenumschlag mit Hilfe von zwei Kränen stattfand. Heute beinhaltet der Turm eine umgebaute Wohnung.
Moderne Sportanlagen
Das Reitzentrum ist ein beliebtes Mekka für Pferdefreunde aus der ganzen Region. Aarberg verfügt zudem über moderne Fussball-, Handball- und Tennisanlagen, sowie über ein grosszügiges, gepflegtes Freiluftbad.
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