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Myanmar : Strassenkinder mit ihren Familien wiedervereint
„Ich möchte nicht mehr zurück auf die Strasse. Ich möchte meiner Mutter helfen und meine Familie unterstützen“, erzählt die 14-jährige Thet Thet. Sie hatte vor 2 Jahren ihr Zuhause verlassen, da war sie gerade 12 Jahre alt, und lebte fortan auf den Strassen Myanmars. Als Strassenkind musste sie Plastikmüll sammeln, um sich etwas Nahrung zu kaufen.
Eines Tages wurde Thet Thet von der Polizei festgehalten und in die Erziehungseinrichtung Htauk Khaing für Strassenkinder gebracht. Denn die Antwort der burmesischen Regierung auf die Problematik der Strassenkinder ist folgende: Polizisten holen regelmässig Kinder von der Strasse und bringen sie - falls sich keine Familienangehörige oder Bekannte melden – in sogenannte Erziehungseinrichtungen. Für Kinder, die auf der Strasse in illegale Aktivitäten verwickelt sind oder ausgebeutet werden, stellt dies zwar einen vorübergehenden Ausweg aus dieser Situation dar. Jedoch bleiben die Kinder von ihren Familien getrennt. Terre des hommes setzt sich für die Wiedervereinigung der Kinder mit ihren Familien oder ihren Gemeinschaften ein. Von 2010 bis Mitte 2015 konnten wir 470 Kinder wieder mit ihren Familien zusammenführen.
Thet Thet (Mitte) mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern vor ihrer Bambushütte.
In dieser Einrichtung traf Thet Thet auf Terre des hommes. Dank Gesprächen und Zeichnungen konnten unsere Experten ihre Familie ausfindig machen. Thet Thet wuchs in einer kleinen Bambushütte in sehr armen Verhältnissen in Myanmar auf. Ihr Vater ist Alkoholiker. Wir trafen ihn oft und versuchten ihn zu überzeugen, sich besser um seine Kinder zu kümmern. Zusätzlich unterstützen wir das Geschäft der Mutter. Wir versuchen, für jedes Kind eine den Umständen entsprechend optimale und individuelle Lösung zu finden. Das Ziel ist, zu verhindern, dass Thet Thet wieder zurück auf die Strasse geht.
Seine Familie hatte die Hoffnung schon lange aufgegeben, Thi Ha Aung jemals wiederzusehen.
Auch Thi Ha Aung wurde mit elf Jahren von der Polizei in die Erziehungseinrichtung Hegnet Aww San geschickt, wo er drei Jahre verbrachte. Der Junge verlor seine Eltern mit 6 Jahren. Sein Vater starb an einer Alkoholvergiftung, seine Mutter war schwerkrank. Darauf wurde er bei seiner Tante untergebracht. Doch mit 8 Jahren rannte er von Zuhause weg und lebte fortan während drei Jahren auf den Strassen in Myanmar. „Um zu überleben, sammelte ich Plastik, manchmal musste ich auch betteln,“, erzählt der nun 15-jährige Junge. Die Zeit als Strassenkind war hart, war er doch oft von Hunger geplagt und wurde ausgebeutet.
Dank Gesprächen mit ihm konnten wir seine Verwandten ausfindig machen. Während 6 Monaten erarbeiteten wir mit allen Beteiligten eine Lösung, die bestmöglich die Interessen von Thi Ha Aung respektiert. Er wollte wieder zurück zu seiner Familie. Deshalb lebt er nun bei seiner Tante und seinem Onkel. Um sicherzustellen, dass es Thi Ha Aung nach der Familienzusammenführung auch wirklich gut geht, haben wir die Familie während einem Jahr weiterbegleitet. Die Unterstützung von Terre des hommes war vielseitig, massgeschneidert und erfolgreich. Dank psychosozialer Unterstützung, Transport- und Nahrungsmittelhilfe sowie der Förderung von Lebenskompetenzen und positiver Erziehung gelang es, die Situation der Familie zu stabilisieren.
Thi Ha Aung mit seiner Familie. Er träumt davon, ein eigenes Auto zu haben, wenn er älter ist.
Bildnachweis: © Tdh / Giuseppe Salerno