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Analyse des Wortes „Herkunft“ auf Seite 66 & 67 des Kapitels „Fragmente“ aus dem Buch Herkunft von Saša Stanišić. Zitate aus dem Buch sind fettgedruckt.
Wenn ich über die Definition des Wortes „Herkunft“ denke, denke ich an einen Ort an dem wir uns die Quelle unserer Nationalität, unserer Kultur vorstellen. Einen Ursprung.
Saša Stanišić hat mich mit seiner eigenartigen Erzählung dieses Wortes betreffend, erstaunt.
„Herkunft ist Großmutter. Und auch das Mädchen auf der Straße, das nur Grossmutter sieht, ist Herkunft.“ Das ist der Erste von vielen Sätzen die Stanišić verwendet, um das Wort auf eigene Art und Weise zu beschreiben. Kann Herkunft nicht nur mit gewissen Personen assoziiert werden, sondern sogar eine Person selbst sein? In diesem Fall wäre diese seine Großmutter. Sie wäre aber nicht alleine, denn eine fremde Person, welche sich am gleichen Ort wie das erwähnte Familienmitglied befindet, trüge nämlich auch zur Herkunft bei.
„Herkunft ist Gavrilo, der zum Abschied darauf besteht, dass ich eines seiner Ferkel nach Deutschland mitnehme.“(Zum Verständnis: „Gavrilo Princip war ein bosnisch-serbischer nationalistischer Attentäter, der am 28. Juni 1914 in Sarajevo den Mordanschlag auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Ehefrau Sophie verübte. Dadurch wurde die Julikrise ausgelöst, die zum Ersten Weltkrieg führte.“
Quelle)
Die eigene Herkunft muss nicht zwingend als eine Idylle betrachtet werden. Der Ort zum Beispiel, mit dem man sie in Verbindung setzt, hat nämlich seine eigenen Geschichten und in dem spezifischen Fall, den der Satz andeutet; Tragödien. Mit dieser zitierten Aussage referiert sich der Autor auf sein Herkunftsland.
„Herkunft ist in Hamburg der Junge mit meinem Nachnamen.“
„Herkunft ist Nana. Meine Mutter, seine Grossmutter.“
Saša Stanišić bezieht sich erneut auf seine Familie. Auf seinen Sohn und seine Mutter. Die Art wie der Autor das Wort, dass wir üblicherweise mit einem Ort in Verbindung stellen als einen direkten Beschreibungsansatz seiner einzelnen Familienmitglieder setzt, finde ich höchst interessant.
Saša Stanišić erklärt auch wie seine Herkunft sein Leben in Deutschland sehr stark beeinflusste. Nicht nur wegen der deutschen Landessprache, sondern wegen dem Bild das andere Menschen von ihm erhielten. Die Herkunft wird zu einer Möglichkeit, eine Person in einer Kategorie zu unterteilen, zu definieren. „Kommst du vom Balkan, bist geflüchtet und sprichst die Landessprache nicht, sind das deine eigentlichen Qualifikationen und Referenzen.“
Ich würde mir gerne erlauben, den Titel dieses Kapitels, Fragmente, so zu interpretieren, dass wir Menschen uns alle aus Fragmente verschiedener Kulturen, Nationalitäten und „Zufälle“ oder Entscheidungen die unsere Präsenz erklären, zusammensetzen. Ich habe erfahren, dass das Wort „Herkunft“ wie viele anderen Wörter dessen Definitionen ich als eindeutig betrachtet hätte, auf die unterschiedlichsten Arten beschrieben werden kann. Es muss nicht zwingend der Ort sein, an dem man geboren wurde, es muss nicht einmal ein Land sein. Die Herkunft befindet sich für manche Menschen an dem Ort, wo die Mehrheit der Menschen die ihnen am wichtigsten sind sich niedergelassen haben. Sie kann in manchen Hinsichten sogar aus mehreren Orten bestehen. Sie ist ein Teil von uns, ist für jeden Menschen unterschiedlich und das soll auch so bleiben. Für Stanišić ist sie nicht einmal zwingend ein Ort. Jedem sollte meiner Meinung nach selbst überlassen werden was die Herkunft für einen signifiziert.
E.N.