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| Hieronymus († 420) - Das Leben der hl. Witwe Paula, Einsiedlerin zu Bethlehem (Epistula 108)

30.
Jesus ist mein Zeuge, daß Paula ihrer Tochter nicht einen Pfennig, sondern, wie ich oben bereits bemerkte, nur viele Schulden hinterlassen hat. Was noch weit härter war, sie vererbte ihr eine stattliche Anzahl von Brüdern und Schwestern, die zu unterhalten überaus schwierig war, die abzuweisen gottlos gewesen wäre. Wodurch wird eine solche Tugendhaftigkeit übertroffen? Eine Frau von vornehmster Herkunft, einst reich gesegnet mit Glücksgütern, hat, voll des Glaubens alles verschenkt, so daß sie selbst fast in die äußerste Dürftigkeit geriet. Andere mögen mit ihrem Geld prahlen, mit den Reichtümern, welche sie Gott zum Opfer gebracht haben, und mit ihren Gaben, die an goldenen Stricken hängen, aber niemand hat den Armen mehr gespendet als sie, die für sich nichts zurückgelegt hat. Jetzt genießt sie die Reichtümer und die Güter, welche kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und noch in keines Menschen Herz gedrungen sind1 . Über unser Schicksal trauern wir, könnten jedoch den Anschein erwecken, als ob wir ihr die Herrlichkeit mißgönnen, wenn wir sie noch länger in ihrem Triumphs beweinen wollten.
1: 1 Kor. 2, 9.