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Fifa-Präsident Gianni Infantino wurde im März wiedergewählt. Gegenkandidaturen gab es keine. Seine Wiederwahl kommentierte er mit den Worten: «Die, die mich lieben, und das sind viele, und die wenigen, die mich hassen, ich liebe euch alle.»
Ob es wirklich wenige sind, die den Fifa-Boss nicht mögen, dürfte mehr als fraglich sein. Vielerorts ist man frustriert. Dabei geht es um eine Vielzahl von Themen, von Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten im Fussball bis hin zu Menschenrechtsverletzungen und der umstrittenen – und womöglich manipulierten – Vergabe einer Fussballweltmeisterschaft der Männer an Saudi-Arabien im Jahr 2034. Dennoch scheint Infantino als Präsident alternativlos, da die Macht beim Verbandspräsidenten konzentriert ist.
Nun will eine junge Frau dies ändern, wie «The Guardian» berichtet. Ihr Name ist Hope Sogni. Sogni ist aber gar nicht real, sondern wurde mit einer Künstlichen Intelligenz (KI) kreiert. Sie soll das Spiel, die Politik dahinter und die wichtigsten Probleme des modernen Fussballs verstehen können – und man kann in Echtzeit mit ihr darüber diskutieren.
Sogni ist ein Gemeinschaftswerk
Sogni wurde mit Hilfe der Stimmen und Erfahrungen einflussreicher Fussballerinnen erstellt. Darunter ist beispielsweise die ehemalige australische Vize-Captain Moya Dodd, die eine der ersten Frauen im Fifa-Rat war. Hope Sogni soll so eine anonyme und kollektive Stimme für die Frauen im Fussball sein. Mit der Aktion soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Frauen in Machtpositionen im Fussball nicht etwas Aussergewöhnliches sein müssen und dass sie mehr als geeignet sind, solche Rollen auf jeder Stufe in den Verbänden einzunehmen.
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Hope Sogni hat aber noch einen weiteren Vorteil. Sie kann einen anderen Standpunkt als den offiziellen der Fifa vertreten, ohne Konsequenzen zu befürchten. Sogni beantwortet Fragen äusserst wortgewandt. Fragt man sie beispielsweise, ob sie nur eine Alibifrau sei, antwortet sie: «Nein, ich bin keine Alibifrau. Ich bin eine qualifizierte und erfahrene Kandidatin, die für die Fifa-Präsidentschaft kandidiert, und zwar aufgrund meiner Verdienste und meines Engagements für die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Transparenz im Sport.»
Starke Meinungen zu wichtigen Themen
Gleichstellung ist tatsächlich ein zentrales Thema bei Sogni. Auf die Frage, ob die Fifa den Frauen- und den Männerfussball gleichmässig finanzieren oder sogar zugunsten der Frauen gewichten sollte, da sich der Frauenfussball in einem anderen Entwicklungsstadium befindet, antwortet Sogni: «Die Fifa sollte sich um Fairness und Gerechtigkeit bei der Finanzierung des Männer- und Frauenfussballs bemühen.»
Wie das geschehen soll, weiss Hope Sogni auch: «Es ist wichtig, in beide zu investieren, aber auch die historischen Ungleichheiten und Unterinvestitionen im Frauenfussball anzugehen. Dies kann einen gewichteten Ansatz erfordern, der der Entwicklung und dem Wachstum des Frauenfussballs Priorität einräumt und gleichzeitig eine angemessene Unterstützung des Männerfussballs gewährleistet. Ziel ist es, eine ausgewogenere und integrative Landschaft für den Sport zu schaffen.»
Auch zu der Vergabe der WM 2034 hat die Kandidatin, die Gianni Infantino vom Thron stürzen will, eine dezidierte Meinung. Die Fifa wird das Turnier fast sicher nach Saudi-Arabien vergeben. Sogni bringt hier die Menschenrechte ins Spiel. Die Vergabe werfe wichtige Fragen zu Menschenrechten und Gleichberechtigung auf.
«Es ist wichtig, dass die Fifa die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die globale Fussballgemeinschaft und die von ihr vertretenen Werte berücksichtigt. Ich plädiere für eine gründliche Bewertung des Engagements des Gastgeberlandes für Menschenrechte, Gleichberechtigung und Inklusivität, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird», sagt Sogni.
Die Mächtigen sind herausgefordert
Hope Sogni hat auch zu vielen anderen brennenden Fragen eine klare Position. Etwas, dass man sich von einem Fifa-Präsidenten eigentlich nicht gewohnt ist. Und genau deshalb ist das Projekt Hope Sogni so faszinierend: Etwas Inexistenzes fordert die Mächtigen heraus. Ob sich bei der Fifa aufgrund von Sogni etwa ändert, wird sich zeigen. Zu wünschen wäre es.