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Können die Lakers den 10. und letzten Playoffplatz gegen Meister und Cupsieger Bern verteidigen? Wenn nicht, sind sie selbst schuld. Weil sie auf einen starken zweiten Mann verzichten.
Alles spricht für ein dramatisches Finale: Der ruhmreiche SC Bern muss den Hockeygöttern danken, wenn es noch gelingt, die Lakers vom 10. Platz zu verdrängen.
Der Meister und Cupsieger steht im März nicht einmal auf Augenhöhe mit den Lakers, die jahrelang als «die Miserablen» geschmäht worden sind.
Nach dem Sieg gegen Servette (4:3 n.P) ist der SCB statistisch mit 1,03 Punkten pro Spiel wieder hauchdünn besser als Rapperswil-Jona (1,00). Aber der Rückstand beträgt immer noch 7 Punkte.
Die Lakers sind drauf und dran, eine formidable Ausgangslage zu vergeigen. Weil sie der gefährlichsten Sparversuchung erlegen sind, die es im Hockey gibt: der Versuchung, beim zweiten Mann zu sparen. Dabei ist der zweite Mann gerade bei einem Aussenseiter so wichtig wie der erste.
Mit 52 Partien hat die Qualifikation eine gefährliche Länge. Eigentlich kann eine gute Nummer 1 das Arbeitspensum bewältigen. Es reicht, wenn die Nummer 2 zwischen September und März fünf bis zehn Spiele bestreitet.
So gesehen gibt es bei 52 Spielen noch keine zwingende Notwendigkeit, viel Geld für zwei gute Torhüter auszugeben.
Folgerichtig ist die Versuchung, beim zweiten Mann Geld zu sparen und kein sechsstelliges Salär auszuschütten.
Dabei zeigt das Beispiel der SCL Tigers, wie wichtig zwei gleichwertige Torhüter sein können: als Ivars Punnenovs für den Rest der Saison ausfällt, trägt Damiano Ciaccio die Langnauer im Frühjahr 2019 überraschend in die Playoffs und dort im Viertelfinale bis ins 7. Spiel. Heute ist er die Nummer 1 in Ambri.
Hätten die Lakers einen starken zweiten Mann wie damals die SCL Tigers, dann könnten sie sich jetzt schon auf die ersten Playoffs seit 2008 vorbereiten. Aber sie haben keinen starken zweiten Mann.
Seit Melvin Nyffeler am 26. Januar in der Partie gegen Biel verletzt das Eisfeld verlassen musste, haben die Lakers noch drei von elf Partien gewonnen.
Mit Melvin Nyffeler hätten sie seither mit ziemlicher Sicherheit nicht bloss drei-, sondern sechs- oder siebenmal gewonnen.
Bei den letzten fünf aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen Lausanne (4:5 n.P.), Ambri (3:5), die ZSC Lions (2:6), Servette (5:7) und Gottéron (3:9) war mindestens die Hälfte der 32 Gegentreffer nicht ganz unhaltbar.
Melvin Nyffelers Ersatz Noël Bader erreichte bei diesen fünf Niederlagen nur einmal (gegen Lausanne) eine Fangquote von über 90 Prozent. Bei den übrigen Einsätzen lag sie zwischen 63,64 und 88,89 Prozent. Als Grundregel gilt: Ein Aussenseiter kann Spiele nur mit einem Torhüter gewinnen, der mindestens 92 Prozent der Schüsse abwehrt.
Aber es ist, wie es ist: Dass die Lakers inzwischen fünfmal hintereinander verloren haben, obwohl sie pro Partie fast vier Treffer erzielten, liegt zu 90 Prozent an Torhüter Noël Bader. Nur wagt es niemand, es so zu sagen.
Was ist der Unterschied zwischen einem guten und einem grossen Goalie? Ein guter Torhüter kann zwei oder drei gute Partien hintereinander auf gutem Niveau spielen. Ein grosser Torhüter mehr als 20.
Es ist wie bei einem Rennfahrer: Eine oder zwei schnelle Runden können viele Piloten «auf die Piste knallen». Aber nur ganz wenige sind dazu in der Lage, so viele schnelle Runden ununterbrochen aneinanderzureihen, dass es für einen Sieg reicht.
Es geht nicht um Talent, Fleiss, Mut oder eine gute Arbeitseinstellung. Jeder, der in der höchsten Liga zum Zuge kommt, hat Talent, trainiert fleissig und ist tapfer. Es geht um die Kombination von Talent und psychischer Belastbarkeit.
Die Torhüter bilden als letzte Männer in einem unberechenbaren Schauspiel auf einer rutschigen Bühne eine eigene Gattung. Ihre besondere, exponierte Position bildet auch besondere Typen mit einer besonderen Psyche heraus.
Niemand im Stadion ist so einsam wie diese letzten Männer. Sie betreiben einen Mannschaftsport und sind doch Einzelkämpfer. Sie sind Mitglieder eines Teams und bleiben doch allein verantwortlich für alles, was sie tun.
Sie können so gut sein, wie sie wollen – ihr Schicksal ist es, das sie immer wieder bezwungen werden. Und wenn es einmal ausnahmsweise während eines ganzen Spiels nicht der Fall ist, wird ein «Shutout» gefeiert und sie müssen in der Garderobe ihren Vordermännern Bier oder Pizza bezahlen.
Nur schwer werden sie zu Helden, sehr leicht aber zu Versagern. Das sei hier wieder einmal gesagt. Jeder, der sich dieser extremen Belastung aussetzt, ist ein tapferer Mann.
Wenn die Lakers, die bis zu 16 Punkten Vorsprung auf den Meister und Cupsieger aus Bern hatten, doch noch eingeholt werden, dann können wir sagen: Die Verletzung von Melvin Nyffeler hat die Playoffs gekostet.
Darüber hinaus dürfen wir dann behaupten, dass es dem SCB nur gereicht hat, weil mit Tomi Karhunen und Philip Wüthrich zwei ligafähige Goalies zur Verfügung stehen.
Wir erlauben uns auch zu resümieren: Wenn Ambri die Playoffs erreicht, dann unter anderem deshalb, weil mit Damiano Ciaccio, Benjamin Conz und Victor Östlund sogar drei ligafähige Goalies gelöhnt werden.
Und schliesslich und endlich gestattet sich der Chronist den Hinweis, dass eine der Ursachen für den sportlichen Absturz der SCL Tigers das Torhüterproblem ist: Die Langnauer haben keinen zweiten Mann, der den häufig verletzten Ivars Punnenovs auf hohem Niveau während sechs oder sieben Spiele ersetzen kann. Damian Stettler und Gianluca Zaetta haben das Talent für einzelne, aber nicht die Erfahrung und die mentale Stabilität für eine Serie von guten Partien.
Seit die Emmentaler Damiano Ciaccio aus einem laufenden Vertrag nach Ambri transferiert haben, um Geld für ein sechsstelliges Salär zu sparen, sind sie im Kampf um die Playoffs chancenlos. Sie haben sich ans Tabellenende hinuntergespart. Und Sportchef Marc Eichmann will auch nächste Saison weiterhin einer starken Nummer 2 entsagen.
Wer aus Kostengründen auf einen starken zweiten Mann verzichtet, mahnt an einen Lamborghini-Liebhaber, der kein Geld für richtige Reifen ausgeben mag und sich wundert, wenn er im Strassengraben landet.
Die Lakers sind drauf und dran, wegen einer Sparaktion am falschen Ort die Playoffs zu verpassen.
Sie hätten ansonsten erstmals seit mehr als zehn Jahren die Mannschaft, um auf Kosten des Meisters und Cupsiegers mindestens den 10. Platz und vielleicht sogar die zweite Playoff-Runde zu erreichen.