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Jubiläumsprojekt: Bern Budapest Beethoven
Nach unserer erfolgreichen Konzerttournee in Ungarn folgen am 3. und 4. Juni 2016 zwei Konzerte in Bern
Das Jubiläumsprogramm enthält drei ganz unterschiedliche Werke, die mit dem Herkunftsland unseres Austauschpartners bzw. mit der Schweiz verbunden sind. Die dramaturgische Klammer bildet dabei Ludwig van Beethoven und seine Beziehung zu Ungarn.
Im Jahr 1812 wurde das neue Theater von Pest eingeweiht. Es war ein persönliches Geschenk von Mitgliedern des österreichischen Kaiserhauses an die Ungarn für ihre Treue nach dem Zerfall des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“ als Folge der napoleonischen Kriege.
Für die Eröffnungsfeierlichkeiten schrieb der damalige Stardramatiker August von Kotzebue zwei Festspiele: Das erste, „König Stephan“, bezieht sich auf die Gründung des ungarischen Staates im Jahr 1000 n. Chr. durch den später wegen seiner Verdienste um die Christianisierung der Magyaren heilig gesprochenen König.
Beide Stücke erforderten viel Musik, und so wurde der seit 1790 in Wien lebende Ludwig van Beethoven mit der Komposition beauftragt.
Das Medizinerorchester Budapest wird unser gemeinsames Programm mit der Ouvertüre zu „König Stephan“ von Beethoven eröffnen. Hauptwerk des Abends aber bildet dessen Messe in C-Dur Op. 86 für Soli, Chor und Orchester, die der ungarische Fürst Miklós (Nikolaus) II. Esterházy zum Namenstag seiner Gattin in Auftrag gegeben hatte, und die 1807 in Eisenstadt zum ersten Mal aufgeführt wurde. Beethoven war auf das Werk sehr stolz und äusserte mehrfach, er habe darin – aufbauend auf den Messen seines Lehrers Joseph Haydn – eine ganz neue Art der Textbehandlung entwickelt. Dass dem Fürsten, der auch der letzte Arbeitgeber Joseph Haydn gewesen war, die progressive Schreibweise Beethovens gar nicht gefiel, war nicht so ganz verwunderlich, und für Beethoven auch keine neue Erfahrung. Wie viele seiner Werke setzte sich auch die Messe bei Musikern und Publikum erst nach der Drucklegung des Klavierarrangements durch, als es möglich war, die Musik in Ruhe zu lesen und sorgfältig einzustudieren.
Zwischen den beiden Werken Beethovens erklingt Chormusik aus der Feder des Basler Komponisten Hermann Suter (1870-1926). Der in Kaiserstuhl im Aargau geborene Suter war zunächst Schüler von Hans Huber in Basel, dann von Carl Reinecke in Leipzig. Nach einer Zeit als Organist in Zürich übernahm Suter die Leitung der beiden damaligen grossen Basler Chöre, des „Basler Gesangsvereins“ und der „Liedertafel“, sowie die Direktion der Sinfoniekonzerte der Allgemeinen Musikgesellschaft. Später war er auch Direktor des Basler Konservatoriums.
Anders als für seine Sololieder wählte Suter für seine Chorlieder gerne Volkslieder bzw. Texte der Renaissance- und Barockzeit, die ihm wohl ihrer Zeitlosigkeit wegen – die Sprache wirkte unzweifelhaft schon vor hundert Jahren etwas archaisch – eher geeignet erschienen als die individuell geprägten, teilweise psychologisierenden Verse seiner Zeitgenossen. Entsprechend nennt er seine beiden Zyklen Op. 3 und 16 im Untertitel auch „Lieder nach älteren Dichtern“.
Matthias Heep hat die Einzelausgaben und z.T. handschriftlichen Einzelstimmen der Lieder in der Bibliothek der Musikakademie Basel, der Wirkungsstätte Suters, zusammengesucht und für dieses Projekt neu ediert. Es ist wahrscheinlich, dass die beiden Opera seit Suters Zeiten nicht mehr vollständig aufgeführt wurden – und wenn man die Konzertpraxis der vorletzten Jahrhundertwende berücksichtigt – vielleicht sogar noch nie.
Tickets für die Konzerte in Bern gibt's hier:
(Achtung, die Tempi der langsamen Sätze sind absurd schnell. Wir werden diese viel langsamer singen!)