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(Grosser und Kleiner) (Kt. St. Gallen,
Bez. Sargans).
2146 und 2120 m. Zwei aus Lias bestehende unbedeutende Erhöhungen
auf der O.-Flanke des
Erdisgulmen und des
Gulmen (2314 m), in der das
Murgthal im O. begleitenden Kette
und 1 km w. über den Alphütten von
Fursch. In der flachen Mulde zwischen dem Kleinen Sexer und dem
Gulmen liegt ein kleiner
See.
(Kt. St. Gallen,
Bez. Sargans).
2190 m. Felsgigfel auf der
O.-Seite des
Murgthales, in der vom
Magereu nordwärts gegen den
Walensee ziehenden
Kette und 4 km sw. über
Ober Terzen. Der Gipfel stellt einen rauhen und düstern Felsturm dar, der sich steil über der Alp
Seewen erhebt, und besteht aus Lias, dessen Schichten eine nach NW. geöffnete schöne Synklinale bilden. Er kann von
der Alp
Seewen aus erklettert werden, bietet aber Schwierigkeiten. Sexmor oder Saxmor, von sax =
Felsen
und mor, latein. major, d. h. also «grosser Fels».
(Rivière und Gorgesdu) (Kt. Neuenburg,
Bez. Val de Ruz
und Neuenburg).
840-430 m.
Wildbach des
Val de Ruz und linksseitiger Zufluss des
Neuenburgersees.
Entspringt oberhalb
Villiers im
Hintergrund des
Val de Ruz in Gestalt einer kleinen Stromquelle von etwa 300-400 Minutenliter
Stärke, die aus dem Portlandkalk der Chaumontflanke kommt. Erhält weiterhin das
Wasser der Quellen des
Pré Royer und zahlreicher weiterer kleiner Quellen und Bewässerungsgräben des ganzen
Val de Ruz, dessen Boden mit Tertiär
und lehmiger Moräne ausgekleidet ist. Der letzte nennenswerte Zufluss
des Seyon ist die von rechts kommende und bei
Valangin (653 m) mündende
Sorge mit einer Wasserführung von 15-20 Sekundenlitern.
Das Sammelgebiet des Seyon wird vom mittleren Abschnitt des
Val de Ruz gebildet und umfasst rund 29 km2. Diese Fläche
liegt in ihrer ganzen Ausdehnung über dem Einzugsgebiet der
Serrière (s. diesen Art.), die somit tatsächlich einen unterirdischen
Lauf des Seyon darstellt, so dass der heutige Seyon bloss einen kümmerlichen Rest des ursprünglichen
Wasserlaufes darstellt. Von der Quelle von
Villiers bis zum
Neuenburgersee misst die Länge des Seyon 14 km, wozu noch die
oben in der
Combe von
Le Pâquier entspringenden Quelladern mit einer Länge von etwa 5 km gerechnet werden
müssen.
Dieser oberste Abschnitt des Bachbettes liegt zu gewöhnlichen Zeiten trocken, wälzt aber hie und da einen wirklichen temporären
Wildbach zu Thal, der als Ueberlauf der unterirdischen
Wasser oder dessen aufzufassen ist, was der Boden bei starken Regengüssen
oder zur Zeit der Schneeschmelze nicht aufzusaugen vermag. Zur Hochwasserzeit erhält der Seyon neben
den beständig fliessenden Quellen auch noch das
Wasser einer grossen Zahl von temporären Quellen, wie z. B. des sog.
«Torrent»,
der mit mächtigem Schwall einer Felswand bei
Dombresson entspringt, sowie des temporären
Wildbaches von
Le Pâquier, der sich
aus den Wildwassern des
Pertuis, der
Combe Biosse etc. bildet.
Bei Niederwasser wird der Seyon dagegen so unbedeutend, dass sich sein
Wasser schon in der Mitte der
Schlucht unterhalb
Valangin
vollständig verliert und nicht einmal das 1 km vom
See entfernte Thal
Vauseyon erreicht, indem dann der jurassische Untergrund
der
Schlucht das gesamte
Wasser aufschluckt, um es wahrscheinlich der
Serrière zu gute kommen zu lassen.
Der sehr unregelmässige und schwankende Wasserhaushalt des Seyon ist eine Folge der fortschreitenden Abzapfung der Oberflächenwasser
durch die Stromquelle der
Serrière und wurde mit Unrecht den im
Val de Ruz gezogenen Bewässerungsgräben zugeschrieben, die
auf die Wasserführung vielmehr regulierend einwirken. Eine weitere Ursache des beständigen Rückganges
in der Wasserführung des Seyon liegt darin, dass zahlreiche Quellen
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zur Wasserversorgung der Dörfer im Val de Ruz benutzt werden und ihr Wasser daher nur noch teilweise dem oberflächlichen Bachlauf
zusenden. Heute treiben der Seyon und die Sorge bei Valangin ein halbes Dutzend kleinerer industrieller Anlagen. Unterhalb
des letzten dieser Werke, einer am obern Eingang in die Schlucht gelegenen Säge, wird das Wasser des Seyon
zum grossen Teil und bei Niederwasserzeit vollständig durch einen in den Fels eingehauenen und der Gehängeflanke folgenden
Kanal abgefangen, der die Stadt Neuenburg mit Trieb- und Brauchwasser versorgt.
Früher verwendete man dieses Wasser auch zu Trinkzwecken; als aber 1882 eine dadurch veranlasste Typhusepidemie ausgebrochen
war, kam man von dieser Art der Verwendung ab. Einst ging der Mündungslauf des Seyon mitten durch die Stadt Neuenburg, welche
er stets mit seinen Ueberschwemmungen bedrohte, weshalb er 1839 oberhalb der Écluse mittels eines 250 m langen Tunnels, der
seinen Lauf um mehr als 700 m verkürzt hat, quer durch den Schlosshügel abgelenkt und direkt dem See
zugeführt wurde, kurz vor welchem er sich über mehrere gemauerte Brustwehren stürzt.
Den Verlauf des ehemaligen Bachlaufes durch die Stadt bezeichnen heute die Rue de l'Écluse und die Rue du Seyon. In neuester
Zeit geht man mit dem Gedanken um, den Bach zwischen Les Valangines und Port Roulant durch einen neuen
Tunnel von 500 m Länge auf noch kürzerem Wege dem See zuzuführen, den ganzen untern Abschnitt des Vauseyon bis zum Niveau
der Bahnlinien Neuenburg-LaChaux de Fonds und Neuenburg-Lausanne aufzufüllen und damit eine grosse ebene Fläche zu schaffen,
die zu industriellen Zwecken verwendet werden könnte.
Diese Arbeiten würden den Lauf des Seyon neuerdings um 250 m verkürzen. Man kann diesen Lauf in drei Abschnitte zerlegen:
den bis Valangin 9 km langen longitudinalen Sammellauf im Val de Ruz, die 2,8 km lange Transversalkluse der Gorges du Seyon
und das 800 m lange Thälchen des Vauseyon, in dem der Seyon auf der Grenze zwischen den Hauterivemergeln
und den Valangienkalken fliesst. Daran schliesst sich endlich der künstliche Durchbruch mit Einschnitt und Tunnel (300 m
lang) an. Gleich der den Schlosshügel durchschneidenden Halbklus und dem Lauf durch die Stadt Neuenburg wird dem Seyon also
ohne Zweifel bald auch das Isoklinalthal des Vauseyon entzogen werden.
Die das Val de Ruz mit der Combe duVauseyon (480 m) verbindenden und etwas weniger als 3 km langen malerischen Gorges du Seyon
stellten eine der typischsten Juraklusen dar. Sie wird von der 1852 erstellten Strasse des Val de Ruz (elektrisches
TramNeuenburg-Valangin), die an Stelle der alten Strasse über Pierre à Bot getreten ist, durchzogen. Die sie einschliessenden,
zum Teil bewaldeten Felswände und das Brausen des Seyon zur Zeit von Hochwasser machen sie zu einem beliebten Spazierweg
und Ausflugsziel.
Für den Geologen bietet die Klus eine einzigartige Gelegenheit zum Studium der Beschaffenheit einer Jurafalte.
Sie schneidet sich in das Gewölbe der Chaumontkette bis zum Sequan hinunter ein, lässt die ganze Reihenfolge
der obern
Juraschichten zu Tage treten und bietet sowohl am obern als am untern Eingang ein interessantes Querprofil durch das Neokom.
Bei dem «La Teinture» genannten Haus in Valangin findet man in der obern Valanginstufe zahlreiche Versteinerungen.
Die Auswaschung dieser Kluse des Seyon lässt sich durch die heutige Wasserführung des Baches, selbst mit Inbegriff des ihm
durch den Ableitungskanal nach Neuenburg
entzogenen Wassers, nicht erklären. Einzig zur Zeit vor der Entstehung der Quelle der Serrière,
sowie später während und zu Ende der Glazialepoche, als gewaltige Wassermassen das Val de Ruz herabrauschten,
hat die Tätigkeit der Erosion genügend mächtig sein können, um im Felsgerüste diese Schlucht auszuwaschen, die unterhalb
des Gibet (des Gipfelpunktes der Forêt de Peseux) eine Tiefe von über 200 m erreicht.
Nur im Thal der Ormonts gebräuchliche Bezeichnung für die verschiedenen Verwaltungsabteilungen
einer Gemeinde. Die Gemeinde Ormont Dessus zerfällt in drei «Seytes», die mit Bezug auf das Schulwesen
und die Vertretung im Gemeinderat ihre bestimmte Rolle
spielen: Seyte d'En Haut mit nahezu dem ganzen Gemeindegebiet ö. vom Wildbach
von Isenau, Seyte du Milieu mit dem Zentrum der Gemeinde bis zum Lauf des Bey Dérochat und Seyte d'En Bas von
da bis zur untern Grenze gegen die Gemeinde Ormont Dessous.
Diese umfasst vier «Seytes», nämlich diejenigen von La Comballaz (mit Les Mosses), Le Sépey, Le Cergnat und La Forclaz. Man
hat den Ausdruck vom lat. sextum hergeleitet und damit begründet, dass das Thal von der Abtei Saint Maurice
seit dem 12. Jahrhundert zum Zweck der Erhebung des Zehnten in 6 Abschnitte eingeteilt worden war (vergl. Corthésy, Eug.
Étude historiquesur lavallée des Ormonts.Lausanne
1903). Dieser Ansicht steht aber entgegen, dass der Ausdruck «Sexte»
nie zu «seyte» hätte sich umwandeln können. Gleichfalls
sehr fraglich ist die Ableitung von «septe», nach angeblich ehemaligen 7 Abschnitten
des Thales. Ganz ungezwungen erscheint dagegen die Erklärung aus dem lat. secta = Sektion, Abschnitt, wie z. B. sector sich
in «secteur» und «seyteur»
umgeformt hat. Vergl. Jaccard, Henri. Essai detoponymie.Lausanne 1906.
Sein Abfluss geht nach W. und vereinigt sich bei Curtins (1976 m) mit dem Fexbach.
Weiter südlich
in ähnlicher Lage der kleinere Lej Alv.
Der Lej Sgrischus ist derjenige Alpensee des Berninamassives, in dem die Seeforelle
(Salmo lacustris) ihren höchsten Standort erreicht, während sie im Lej Polaschin in der Juliergruppe
bis 2660 m geht.
(Lejsde) (Kt. Graubünden,
Bez. Vorderrhein).
Die beiden prächtigen Siarraseen, von denen der grössere in 2253 m liegt, befinden sich an
der O.-Seite des Badus oder Six Madun (2931 m) im Gotthardmassiv und werden zusammen mit dem 2 km nw. gelegenen
Tomasee (2344 m) auch die «obern Rheinquellen» geheissen. Ihren Zufluss
erhalten sie aus einem steilen Felsenthal des Badus; doch teilt sich das Wasser dieses Baches vorher und sendet einen Seitenstrang
zum nahen Maigelssee (2261 m),
den sog. «untern Rheinquellen», dessen Abfluss zum Val Maigels und dem Cornerarhein geht. Zwischen den
Siarraseen und dem Lej Maigels liegt eine flache Wasserscheide, die jedoch in früherer geologischer Zeit
nicht bestand, indem der Bach von Val Maigels, statt wie heute nach O. umzubiegen, direkt von S. nach N. über das Plateau mit
den Siarraseen abfloss. Ueber die Ursache der Aenderung dieser Verhältnisse vergl. den Art. Maigels (Val).
Das Wasser der Siarraseen vereinigt sich auf der schönen Alp Palidulscha n. der Becken mit der aus dem Tomasee kommenden
Rheinquelle. Ganz nahe im NO. der Siarraseen erhebt sich der Piz Cavradi (2617
m). Die Seen liegen in Gneis und Gneisglimmerschiefer.
Auf der S.-Seite des grössern Sees befindet sich eine grosse halbbogenförmige Moräne. Der Name Siarra
leitet sich wie das spanische Sierra und das portugiesische Serra vom latein. serra = Säge her. Die Siarraseen sind somit die
am «gezähnten» oder «gezackten»
Berg liegenden Seen.
(Kt. Schaffhausen,
Bez. Schleitheim).
511 m. Gem. und Pfarrdorf, am Fuss des Siblinger Schlossranden und an der Vereinigung
des Kurzthales mit dem Langthal; 8,5 km nw. Schaffhausen.
Station der elektrischen Strassenbahn Schaffhausen-Schleitheim. Postbureau, Telegraph,
Telephon. 146 Häuser, 656 reform. Ew. Wein-, Acker- und Wiesenbau. Der «Eisenhalder»
von Siblingen ist ein sehr geschätzter Wein. Viehhandel und Schweinezucht. Kalksteinbruch auf dem Randen. Eigene
Pfarrei seit 1640; eine St. Michaelskapelle wird schon 1155 genannt. Auf dem alten Friedhof das Grabmal des 1803 in Siblingen
gebornen und 1880 in Leipzig gestorbenen Verlegers und Buchhändlers J. J. Weber, des Begründers der (Leipziger) IllustriertenZeitung und sog. Reformators der deutschen Holzschneidekunst.
Heimat des unter dem Pseudonym Ernst Schrill
bekannten Schriftstellers und Pfarrers Samuel Keller. Im Garten des Pfarrhauses und auf dem Schlossbuck hat man Reste von prähistorischen
Töpferwaren gefunden. Im Tüelwasen ö. vom Dorf und auf dem Kornberg grosse Römersiedelung.
Der Berg stellt einen scharfen Kamm dar, der mit steilen, teils von Vegetation
bekleideten und teils felsigen Abhängen nordwärts gegen den kesselförmigen Hintergrund der Nausalp, westwärts gegen die
Terrasse von Vergode und ostwärts gegen die Terrasse von Sennisalp abfällt.
Der Gipfel besteht aus Neokom, Schrattenkalk,
Gault und Seewerkalk, die eine nach N. geöffnete C-förmige Synklinale bilden.
Diese Schichtenbiegung
tritt am W.-Abhang mit grösster Deutlichkeit zu Tage.
Sie hat dem Berge den Namen gegeben und macht ihn zur auffälligsten
Berggestalt der Alvierkette.
Der Berg kann von Walenstadt oder Tscherlach aus in 4½ Stunden über die auf der SW.-Abdachung
liegenden Alpweiden oder von der am N.-Fuss befindlichen Nausalp her bestiegen werden und gewährt eine
schöne Aussicht auf die St. Galler- und Glarneralpen.
Sidenberg, richtiger Sitenberg bezeichnet den gegen O. oder W. gerichteten Hang eines Berges im Gegensatz zu den Bezeichnungen
Schattsiten und Sonnsiten für den N.-, bezw. S.-Hang (vergl. die französ. Ausdrücke Envers und Endroit).
11450 Katholiken, 113 Reformierte, 1 Israelite
und 3 andere. 1888 zählte der Bezirk 10138 Ew. Die Zunahme lässt sich hauptsächlich auf Rechnung der in Siders sich aufhaltenden
Fremden setzen, welcher Flecken als geschätzte Winterstation sich zu entwickeln beginnt.
Seit 1892 besteht in Siders eine
eidgenössische meteorologische Station. Seitdem die Gasthöfe im Rhonethal mehr und mehr von Wintergästen
besucht zu werden begannen, liessen einige um die Entwicklung der Gegend besorgte Männer um die nämliche Zeit das Hotel
in Crans über Montana erbauen. Seither folgten dann auf Boden der Gemeinde Randogne noch verschiedene andere am untern oder
obern Rand der Waldzone befindliche klimatische Kurorte (Genfer Volkssanatorium, Vermala, Sanatorium Beauregard).
Dem milden und bevorzugten Klima entspricht das Pflanzenkleid. Die Ortschaften in der Ebene sind von reichen Baumgärten umgeben,
die zahlreiche Obstsorten in Fülle erzeugen. Mehr als irgendwo anders im mittleren Wallis
weichen die beiden Rhoneufer voneinander
ab: das gegen N. schauende und von den hohen Ausläufern der Penninischen Alpen beherrschte linke Ufer
zeigt namentlich Wiesen, Felder und Wald, während das
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rechte Ufer einem Spalier gleich nach S. exponiert erscheint und sich von den mit Burgruinen, Kapellen, Rebhäuschen und Weinbergen
gekrönten Vorhöhen bis zu den Felsen hinaufzieht, die den weitgedehnten Glacier de la Plaine Morte tragen. Ueber Siders und
Granges liegen in grünen Bergnischen die zahlreichen, nicht ständig bewohnten Gruppen von Rebhäuschen
der Bewohner von Lens und des Eifischthales. Die diesen letztern gehörenden Gruppen zeichnen sich durch ihre Glockentürme
aus, deren Spitzen über die Apfel- und Nussbäume, Kastanienbäume und Weinlauben hinausschauen.
Höher oben folgen ständig bewohnte Siedelungen, wie die DörferVeyras, Venthône, Miège, Anchette, Mollens, Randogne, Chermignon,
Lens und Montana. Noch höher erreichen wir von 1400 m an den Waldgürtel. Die Bezirke Siders und Sitten
liefern die verschiedenen Erzeugnisse der Landwirtschaft in reichster Fülle. 1894 umfassten die Weinberge des Bezirkes eine
Fläche von 570 ha und betrug die Jahresernte 30374 hl Wein. An diesen Zahlen beteiligte sich das linke Rhoneufer
nur mit einem geringen Anteil, der hauptsächlich auf die Gemeinde Granges entfiel. Seither hat die Weinrebe auch auf Boden
der Gemeinde Chalais an der Ausmündung des Val de Réchy Boden gefasst. Die Viehstatistik ergibt folgende Resultate:
1886
1896
1901
Rindvieh
6890
6166
6906
Pferde
84
101
146
Schweine
1245
2028
1503
Maultiere
-
-
336
Schafe
7150
6243
5683
Ziegen
1605
2261
1725
Bienenstöcke
382
619
675.
Uebrige
Naturprodukte des Bezirkes Siders sind: die zu wiederholten Malen abgebauten Nickel-, Kupfer- und Kobalterze des
Eifischthales (Val d'Anniviers), die um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Glarey bei Siders verhüttet und
deren bergmännische Gewinnung erst 1903 vollständig aufgegeben wurde, sowie die im 16. Jahrhundert auf Boden der Gemeinde
Grône betriebenen Silberminen. Fremdenverkehr und Hotelwesen entwickeln sich rasch und mit grossem Erfolg. Kurorte und
Fremdenstationen sind nördlich der Rhone Siders, die Gegend um und über Montana (Crans, Taulettes etc.), sowie Lens, südl.
der Rhone das Eifischthal mit Vissoye, Saint Luc, Chandolin und Zinal. Im übrigen kann nur von lokalen Industrien gesprochen werden.
Ein an der Ausmündung der Navizance errichtetes Elektrizitätswerk versorgt Siders und Umgebung mit Licht, während ein
ähnliches Werk in Bälde auch im Eifischthal selbst erstellt werden soll. In Chippis haben die Bauarbeiten
für eine Aluminiumfabrik begonnen, die von der Navizance und der Rhone getrieben werden soll. Sie wird von der Aluminiumgesellschaft
in Neuhausen mit einem Kapital von 15 bis 20 Mill. Fr. betrieben werden, etwa 1000 Arbeiter beschäftigen und über eine
Triebkraft von 50000 PS verfügen. Taubstummenanstalt Géronde. Den Bezirk durchzieht die Simplonbahn,
die hier die drei Stationen Saint Léonard, Granges und Siders hat. Ausser der dem Rhonethal folgenden Strasse sind folgende
Verkehrswege zu nennen: die von der Station Granges zur Terrasse von
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Lens hinaufführende Fahrstrasse, die bis zum Rawil verlängert werden soll, die ebenfalls bis zum Rawil hinauf geplante
neue Fahrstrasse Siders-Crans mit Abzweigungen in die Gemeinden Veyras, Venthône, Miège, Mollens und Randogne, die Strassen Siders-Corin
und Siders-Miège und endlich die Strasse des Eifischthales. Nebenstrassen verbinden die Ortschaften in der Ebene
unter sich und reichen einerseits bis Brämis (Bramois) im Bezirk Sitten und andrerseits bis Salquenen im Bezirk Leuk. Das heutige
Gebiet des Bezirkes Siders umfasst einige ehemalige Herrschaften, von denen Siders und Anniviers den Bischöfen von Sitten und
Granges (das bis zu den Hochterrassen von Lens hinaufreichte) zuerst dem Geschlecht der Tavelli und dann
der Bürgerschaft Sitten gehörten. Infolge des Raronkrieges von 1417 und namentlich seit dem Fall der savoyischen Oberherrschaft
im Wallis
(1475) sind dann diese Sonderrechte rasch verschwunden.
französisch Sierre
(Kt. Wallis,
Bez. Siders). 550 m. Gem. und Flecken, Hauptort des Bezirkes; mitten im Rhonethal und
am rechten Ufer des Flusses, 16 km nö. Sitten und 37 km w. Brig. Station der Simplonbahn. Postbureau, Telegraph, Telephon.
Gemeinde, mit Borsuat, Cûchon, Glarey, Muraz und Villa: 275 Häuser, 1833 Ew.; Flecken: 63 Häuser, 569 Ew. Die Zahl der Bewohner
wächst zu gewissen Zeiten des Jahres, besonders im Februar und März, sowie im Herbst durch die aus
dem Eifischthal kommenden Anniviarden, die hier Weinberge und Baumgärten besitzen und sich in den umliegenden Weilern, besonders
in Glarey, Muraz und Villa, periodisch niederlassen. 1816: 810 Ew.;
1850: 875 Ew.;
1870: 1302 Ew.;
1888: 1786 Ew. Heute ist
Siders eine Ortschaft französischer Zunge (904 französisch und 845 deutsch sprechende Ew.), während
es vor etwa zwanzig Jahren noch überwiegend deutsch war.
Dieser rasche Umschwung erklärt sich aus den mannigfachen Beziehungen
zur französischen Schweiz und dem Ankauf zahlreicher Grundstücke und Wohnhäuser durch die Anniviarden. 1766 Katholiken
der Pfarrei Siders und 66 Reformierte, die sich vor Kurzem eine eigene Kirche erbaut haben. Die katholische
Pfarrkirche gilt als eine der schönsten des Kantons; in ihrem Glockenturm wird eine dem Merkur gewidmete römische Inschrift
aufbewahrt. An der Hauptstrasse steht die aus dem 15. Jahrhundert stammende Burg der Vitztume von Siders, welches Amt namentlich
in Händen des Geschlechtes de Chevron lag.
Trotzdem ihre der Strasse zugekehrte Front modernisiert worden ist, weist sie doch mit ihren aufgemauerten Ecktürmen und
zinnenartigen Ausbauten einen altertümlichen und malerischen Charakter auf. Von Interesse erscheinen daneben noch einige
weitere Privathäuser, wie die der Geschlechter de Courten, de Preux und de Chastonay. Das«la Cour» genannte,
um 1670' erbaute schlossähnliche Haus ist zu einem Gasthof umgewandelt worden. Weinbaugesellschaft, landwirtschaftlicher
Verein, Turn- und Musikverein etc. Mehrere Gasthöfe.
Der im Mittelpunkt nicht nur des ganzen Rhonethales, sondern auch eines der reichsten Abschnitte desselben gelegene und vor
den kalten Winden geschützte Flecken erfreut sich eines milden Klimas,
das nicht wenig zu seinem Aufblühen
mit beigetragen hat. Bemerkenswert ist, dass seine Höhenlage von 550 m der mittleren Höhe des schweizerischen Mittellandes
und seine geographische Breite (46° 18') derjenigen des zentralen Frankreich entsprechen. In seiner Monographie La ClimatologiedeSierre zieht Dr. C. Reymond folgende Vergleiche: Mit Bezug auf die Höhenlage der schweizerischen
klimatischen Kurorte, unter denen Locarno mit 205 m den ersten Bang einnimmt, steht Siders an der 10., mit Bezug auf die mittlere
Temperatur dagegen schon an der 3. Stelle. Es weist zusammen mit Clarens das Minimum der relativen Luftfeuchtigkeit auf.
Ferner zeigt Siders die geringste Regenmenge (254 mm), die kleinste Anzahl von Regentagen (33 vom 1. Oktober bis 31. März) und
nach Locarno und Lugano die wenigsten Tage mit Schneefall. Auch mit Bezug auf die Nebel- und Bewölkungsverhältnisse nimmt
der Ort einen sehr günstigen Rang ein. Diese bevorzugten klimatischen Verhältnisse erklären sich aus der allgemeinen geographischen
Lage. Zwar ist die Sohle des Rhonethales hier nicht so breit wie bei Sitten, Martinach und Monthey, bietet
aber doch dem über Leuk vom Ober Wallis
herkommenden Reisenden mit ihren zahlreichen Hügeln, die alle von holzgezimmerten Rebhäuschen,
Burg- und Klosterruinen, Kapellen und Villen gekrönt erscheinen, ein überraschend abwechslungsreiches Bild. Dann erschliesst
sich dem Blick der in einer Ausbuchtung des Gehänges gelegene, an einen Höhenzug sich anlehnende und von weitern Anhöhen
umrahmte Flecken selbst. Am bekanntesten ist der über der Rhone gegenüber Chippis gelagerte Rücken mit dem ehemaligen Kloster
Géronde (Gerunden), an dessen Fuss sich ein kleiner See von 1 km Umfang ausdehnt. N. und nö. vom Flecken
steigt das Thalgehänge sanft und allmählig bis hinauf zum Glacier de la Plaine Morte und den Felstürmen des Mont Bonvin,
des Tubang, der Lyrettaz und der Zabona an. Auf frischgrünen Terrassen stehen bis über 1200 m Höhe hinauf zahlreiche Dörfer
und Weiler mit spitzigen Glockentürmen.
Anders ist der Landschaftscharakter auf der s. Thalseite. Hier strebt links der mit steilen Waldungen bekleidete Corbetschgrat
auf, während sich rechts über den Wäldern von Chippis und Chalais die Hochterrasse von Vercorin ausdehnt. Zwischen diesen
beiden dunkeln Hängen öffnet sich das Eifischthal (oder Val d'Anniviers) mit der tiefen Schlucht der von
der Gruppe der Dent Blanche herabkommenden Navizance. Südl. vom Flecken liegt der Höhenrücken von Géronde mit zahlreichen
Ruinen, deren besterhaltene umgebaut und zu einer Taubstummenanstalt eingerichtet worden ist.
Westl. davon steht auf einem andern Hügel die Ruine der im sog. Raronkrieg 1417 zerstörten Bischofsburg Alt Siders, um welche
sich der ursprüngliche Flecken gruppiert haben soll. Diese seit 1299 genannte Burg wurde durch den Weinberg von Le Lousselet
von einem andern Schloss geschieden, das vermutlich Sitz der bischöflichen Meyer war und zur selben Zeit der Zerstörung
anheimfiel. 1489 erbaute man an der nämlichen Stelle, etwas näher gegen Géronde hin, eine neue Burg,
die aber schon ein Jahrhundert später, d. h. zur Zeit, da der Zürcher Josias
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