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Während den Wintermonaten macht sich jeder Kaninchenzüchter Gedanken zur neuen Zuchtsaison: Welches Ziel verfolge ich? Was will ich verbessern und welche Paarungen könnten die angestrebte Nachzucht hervorbringen? Erste Voraussetzung sind gesunde, vitale Zuchttiere, von denen ich auch die Abstammung genau kenne. Dabei ist es nicht zwingend notwendig, Jahr für Jahr neue Kreuzungen zu versuchen. Bewährte Paarungen sollte man so lang wie möglich in der Zucht behalten. Daneben aber auch mit neuen, jungen Zuchttieren gewisse Verbesserungen anstreben.
Im Winter vor dem Zuchtbeginn sollten die Zuchttiere eher sparsam, aber abwechslungsreich und gesund, ernährt werden. Verfettung, Mangel an Energie, Vitaminen und Mineralstoffen sowie Spurenelementen können zu Misserfolgen führen. Wichtig für eine erfolgreiche Fortpflanzung ist auch das Geschlechts-Vitamin E. Dieses ist vor allem in grünen Futterpflanzen enthalten. Es ist aber auch in Rüebli, Kohlraben, Randen oder Fenchel vorhanden. Kaum eine Frucht enthält mehr Vitamin E als die Hagebutte. Man sammelt diese im Herbst, trocknet sie gut und verabreicht den Kaninchen vor der Zucht-Periode zwei bis drei Stück pro Tag.
Kaninchen entwickeln keine regelmässige Brunst, rammlige Zibben jedoch machen durch Scharren und verändertes Verhalten im Stallabteil auf ihre Paarungbereitschaft aufmerksam. Die Follikel (reife Eier) werden von der Häsin erst nach dem Decken freigesetzt. Der Zeitraum vom Akt bis zum Absprung der Eizelle wird als Ovulation bezeichnet. Viele Züchter lassen ihre Kaninchen erfolgreich auf einem grösseren Tisch, der mit grobfaserigem Teppich belegt ist, decken. So kann beispielsweise sofort eingegriffen werden, falls es zu aggressivem Verhalten kommt. Zudem wird dem Rammler die Arbeit erleichtert, weil keine Einstreu den Akt behindert und er besseren Halt hat.
Die Anzahl der Rammler-Sprünge ist nicht bestimmend für die Anzahl der Jungtiere. Diese wird allein vom Eierstock des Weibchens durch Bereitstellung reifer Eizellen beeinflusst. Meist reicht ein erfolgreicher Deckakt, ein erneuter Versuch nach drei Tagen ist aber ratsam, um nicht wertvolle Zeit bei der Zuchtplanung zu verlieren. Die Häsin zeigt auch durch ihr verändertes Verhalten nach ein paar Tagen an, ob sie aufgenommen hat, indem sie den ganzen Stall durchwühlt und die Einstreu kurz und klein nagt.
Den richtigen Zeitpunkt finden
Je nach Grösse der Rasse liegt der ideale Zeitpunkt für den Zuchtbeginn (Geburt der Jungtiere) sechs bis acht Monate vor den Ausstellungsterminen. Wenn die Zibbe am Vormittag belegt wird, hat man unter normalen Umständen fast ausnahmslos Gewähr, dass auch die Geburt tagsüber erfolgt. Berufstätige Züchter wählen zur Deckung gerne den Mittwoch, sodass die Geburt nach 30 oder 31 Tagen auf ein Wochenende fällt. Es kommt auch immer wieder vor, dass neu geborene Tiere neben dem Nest liegen oder nicht ausreichend zugedeckt sind. Kalte, aber noch lebende Neulinge können mit handwarmem Wasser abgerieben werden, bis wieder Leben einkehrt. Danach kann man sie trocken zurück ins Nest legen. Meist ist die Zibbe über diese Hilfe dankbar. Um den ursprünglichen Geschmack wieder herzustellen, reibt man die Häschen mit einem Haarbüschel der Mutter ein. Es empfiehlt sich auch, den Zeitpunkt zum Verpaaren nach den Mondphasen zu richten! (Zum Mondkalender 2021 geht es hier)
Sobald sich eine Trächtigkeit erahnen lässt, wird die Zibbe in ein Doppelabteil gestellt. Nach rund drei Wochen wird sie anzeigen, in welcher Ecke sie ihr Nest bauen möchte. Dorthin wird dann auch die Nestbox gestellt. Diese hat einige Vorteile: Die Nestlinge bleiben zusammen und werden nach dem Säugen nicht im ganzen Abteil verstreut, weil sie an den Zitzen der Mutter hängen bleiben. Auch besteht keine Erstickungsgefahr, weil die Mutter das Nest nicht «zumauern» kann.
Wurfboxen werden von den Kaninchen-Müttern sehr gerne benutzt. Sie sollten nach oben offen sein, um ein Schwitzen des Nestes zu vermeiden. Wenn die Geburt naht, sollte die Zibbe möglichst geschont und öfters beobachtet werden. Auch ist es falsch, kurz vor der Geburt auszumisten, um dem Nachwuchs einen sauberen Start zu ermöglichen. Denn dadurch würden die Vorbereitungen der Mutter gestört. Zudem gibt fein gehackte Einstreu deutlich wärmer und viel besseren Halt.
Ideal ist es, wenn die gebärende Mutter mit Haarerupfen beginnt und dann die Geburt ohne Verzögerungen durchzieht. Sind die Jungen im Nest, werden sie gleich mit der wichtigen ersten Kolostral-Milch von der Mutter gesäugt. Innerhalb der nächsten zwei Tage sollte der Züchter eine Nestkontrolle durchführen. Es gilt zu schauen, ob die Jungtiere volle Bäuchlein haben und somit gut genährt sind. Zudem sollte auch kontrolliert werden, ob alle Kleinen noch leben, trocken, warm und gut zugedeckt sind.
Sind Mutter und Kinder wohlauf, ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Nachzucht gelegt. Sofern die Häsin genügend Milch produzieren kann, werden die Nestlinge ein- bis zweimal täglich gesäugt. Das Augenmerk sollte jetzt wieder vermehrt auf eine ausreichende und gesunde Ernährung des Muttertiers gelegt werden.