Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03645.jsonl.gz/1329

Hintergrund:
Bei Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) wird die Prognose – der weitere Verlauf der Krankheit – durch die Anzahl und den Schweregrad akuter Exazerbationen beeinflusst. Die meisten Exazerbationen werden durch bakterielle und virale Infekte getriggert.
Mit einer Kombination von inhalierbaren Steroiden in hoher Dosis und einem langwirksamen β2-Agonisten wird die Wahrscheinlichkeit akuter Exazerbationen gesenkt. Inhalierbare Steroide in hoher Dosis erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Pneumonie. Das Ziel ist die Patienten mit der kleinstmöglichen Dosis an Steroiden zu behandeln und bei Infekten der oberen Atemwege – die ja die Exazerbationen mit grosser Wahrscheinlichkeit triggern – die Dosis zu steigern, mit dem Ziel Exazerbationen zu verhindern.
Das primäre Ziel dieser Studie ist die Wirksamkeit einer intensivierten Steroid/β2-Agonisten-Therapie bei Patienten mit einer COPD und ersten Anzeichen eines Infektes der oberen Atemwege zu untersuchen.
Einschlusskriterien:
- Patienten, älter als 40 Jahre, mit einer korrekt diagnostizierten COPD (GOLD 2 bis 4)
- Und mindestens eine Exazerbation im vergangenen Jahr
Studiendesign und Methode:
Randomisiert, doppelt verblindet
Studienort:
Schweiz
Interventionen:
- Alle Patienten erhielten eine niedrig dosierte Erhaltungstherapie mit inhalierbaren Steroiden und langwirksamen β2-Agonisten (Budesonid 200 µg/Formoterol 6 µg) zweimal täglich; andere Medikamente, wie langwirksame Muscarin-Antagonisten (LAMA), konnten die Patienten weiter nehmen.
- Gruppe 1: Patienten erhielten einen »Inhaler« mit einer höheren Dosis (Budesonid 400 µg /Formoterol 12 µg).
- Gruppe 2: Patienten dieser Gruppe erhielten einen »Inhaler« mit Placebo.
- Die Patienten wurden instruiert bei Anzeichen eines Infektes der oberen Atemwege, zusätzlich zur normalen Therapie, den »Inhaler« zu verwenden; für die Dauer von 10 Tagen, zwei Mal täglich.
- 10 Tage nach jedem Infekt der oberen Atemwege wurde der Patient erneut randomisiert. Es konnte sein, dass ein Patient mehrmals randomisiert wurde.
Outcome:
Primärer Outcome
- Anzahl Patienten mit einer Exazerbation innert drei Wochen nach Beginn des Infektes der oberen Atemwege
Sekundäre Outcomes
- Anzahl Patienten, die innert der ersten drei Wochen nach Beginn des Infektes hospitalisiert wurden
- Steroide und Antibiotikaverbrauch innert der ersten drei Wochen nach Beginn des Infektes
- Lungenfunktionsparameter am Tag 10 nach Beginn des Infektes
Resultat:
- 450 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen, das mittlere Alter lag bei 67 Jahren, zwei Drittel waren Männer, ein Drittel der Patienten rauchten bei Eintritt in die Studie, die COPD war im Durchschnitt seit 8 Jahren bekannt.
- 122 Patienten hatten eine oder mehrere Exazerbationen; bei 21% der Patienten bestand ein Zusammenhang mit dem Infekt der oberen Atemwege, bei 61% der Patienten bestand kein Zusammenhang, und der Rest der Patienten hatte Exazerbation mit und ohne Zusammenhang zu einem Infekt der oberen Atemwege.
- In der Gruppe mit hoch dosierter Kombinationstherapie hatten 14.6% der Patienten eine Exazerbation und in der Gruppe mit Plazebo 16.2%; der Unterschied ist statistisch nicht signifikant.
- Bei Patienten mit einer schweren Form der COPD (FEV1 ≤ 50%, GOLD C und D) waren die Exazerbationen signifikant geringer in der Gruppe mit hoch dosierter Kombinations-therapie.
- Die Anzahl Patienten mit einer schweren Exazerbation (und Hospitalisation) war in der Gruppe mit hoch dosierter Kombinationstherapie geringer als in der Placebogruppe; 2.1% versus 6.6% (statistisch signifikant).
Kommentar:
- Die Anzahl Exazerbationen – im gesamten Kollektiv der Patienten mit COPD – wurde mit der hoch dosierten Kombinationstherapie nicht verringert.
- Allerdings können mit dieser Behandlung die Anzahl schwerer Exazerbationen gesenkt werden und die Wahrscheinlichkeit von Exazerbationen bei Patienten mit einer schweren Form der COPD.
Literatur:
Stolz D et al. Intensified therapy with inhaled corticosteroids and long-acting beta2 -agonists at the onset of upper respiratory tract infection to prevent chronic obstructive pulmonary disease exacerbations. Am J Respir Crit Care Med 2018; 197: 11361146