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Wenn man in der Volksmusikszene den Namen Hans Dysli erwähnt, so wissen Kenner sofort, dass es sich dabei um einen vielseitigen, sehr präzisen und musikalisch korrekten Musiker handelt. Hans hat aber noch andere Interessen, die er teilweise mit seiner Frau Martha teilt.
23.01.2017 | VON HANSPETER EGGENBERGER
Wenn man in Wynigen der Strasse in Richtung «Chappeler» und Emmental folgt, begegnet man am Dorfausgang dem Haus am steilen Bord gleich an der Strasse. Es ist das Elternhaus von Hans Dysli, in welchem er aufgewachsen ist und heute noch mit seiner Frau Martha wohnt. Zusammen haben die beiden dort ihre drei Kinder grossgezogen und werden mittlerweile auch von ihren mittlerweile sechs Grosskindern und zwei Urgrosskindern gerne besucht. Schon Hans Dyslis Vater, der während 37 Jahre in Wynigen Briefträger war, hatte in diesem Haus musiziert und jungen Interessierten das Spiel auf dem Schwyzerörgeli gezeigt. Oft bekam klein Hansli aus dem Bett heraus die Töne mit, die Vaters Schüler erlernen mussten. Hans selber nutzte dann jeweils die Morgenstunden des folgenden Tages, in denen sein Vater nicht zuhause war, um die gleichen Töne auf dem Örgeli selber zu suchen. Dank seinem Talent war das kein grosses Problem und so kam es, dass er bereits als 6-Jähriger seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte.
Eine bunte Musikerlaufbahn
Bei diesen ersten Anfängen auf dem Örgeli sollte es dann nicht bleiben. In der Jungmusik im Dorf erlernte er das Spiel auf der Trompete, jenem Instrument, das er immer wieder auch in den späteren Tanzmusikformationen einsetzte. Nach der Schulzeit entschied er sich zur Lehre als Mechaniker und im Militär wurde er Waffenmechaniker. Nach der RS absolvierte er die Unteroffiziersschule, wurde dann Feldweibel und schliesslich Adjutant. Zu seiner ordentlichen Ausrüstung für den Militärdienst gehörte immer auch das Örgeli. Hans Dysli war als Vollblutmusiker bekannt, und so wurde er neben den dienstlichen Aufgaben stets auch mit der Organisation des Kompanieabends betraut. Hans erzählt: «Ich hatte jeweils schnell wieder eine Ländlerkapelle oder Tanzband beisammen und übte mit diesen – nach Feierabend notabene – ein Programm für den Kompanieabend ein». Erfahrung als Tanzmusiker hatte er sich ja bereits als 16-Jähriger geholt, als er dem Tanzorchester Rolando angehörte. Nach internen Unstimmigkeiten wechselte er zum Orchester Jolanda-Boys aus Sumiswald, mit welchem er während den folgenden 17 Jahren auftrat. «Wir hatten zwar auch schon elektronische Instrumente, mussten darauf aber jeden Ton noch selber spielen», erklärt er. Als Hans Dysli in Wynigen in den Gemeinderat und zum Burgerratspräsidenten gewählt wurde, stellte er die Auftritte als Tanzmusiker ein. Immer geblieben sind jedoch Auftritte in der Volksmusik als Örgeler mit diversen Partnerinnen und Partnern, mit welchen er bei mehr als zehn Tonträgerproduktionen mitwirkte und in Radio- und Fernsehsendungen auftrat. Während rund 20 Jahren begleitete er in der Trachtengruppe Wynigen Volkstänze und schliesslich sind im Laufe der Zeit rund 20 Eigenkompositionen auf dem Örgeli entstanden.
Die Frau an seiner Seite
Zwar hatte auch Dyslis Frau Martha in Kinderjahren Handorgelstunden besucht, es dabei aber nicht sehr weit gebracht. «Es cha nid alls handörgele, s mues ou Öpper wärche», lacht sie. Das heisst aber nicht, dass sie kein Geschick mit den Händen hat. Im Gegenteil! Schon immer hat Martha gerne gezeichnet und deshalb dann auch die Kunstgewerbeschule besucht. Jahrzehntelange Pflichten als Mutter, Haus- und Ehefrau hielten sie davon ab, vollberuflich ins Kunsthandwerk einzusteigen. Dennoch widmete sie sich dem Schönschreiben und Zeichnen von Familienwappen.
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Gute Unterhaltung!
Für den ortsansässigen Sattler entwarf sie Sujets, Schriften und Verzierungen für Treichel-Riemen, und das Bemalen von Säcken als Geschenk oder Ehrengabe wurde zu ihrer Spezialität. In diesem Umfeld bekam sie die Gelegenheit, eine der grössten Familienwappen-Sammlungen zu erstehen. Auch wenn sie sich dabei hauptsächlich auf den Kanton Bern konzentriert, befinden sich in den Ordnern über 18’500 Wappen! «Familienwappen sind sehr individuell», erklärt sie: «Während einzig die Hintergrundfarbe jener des Wappens der Heimatgemeinde entsprechen muss, ist das Sujet selber frei wählbar.» Als Beispiel findet der Schreibende im Regal mit den vielen kleinen Ordnern auch zwei solche aus dem Kanton St. Gallen. Prompt kann Martha Dysli das Familienwappen der Eggenberger heraussuchen, wobei dieses aus dem Nachbardorf seiner Heimatgemeinde stammt und deshalb einen roten statt gelben Hintergrund hat. Es ist sehr interessant, anhand der kleinen Zeichnungen Zusammenhänge aus lange vergangenen Zeiten zu finden. Nur ungern lässt sich Martha für diesen Artikel fotografieren. Sie ist damit eine typische Musikantenfrau, die als Betreuerin und Erzieherin der Familie, als Haushälterin und auch als Auskunftstelle für die Kapelle wichtige Aufgaben erfüllt, ohne welche eine Musikkarriere im Bereich der Laienmusik nie möglich wäre.
Beim Armeemotorfahrzeugpark
Nicht vergessen ist nämlich die Tatsache, dass Hans bei allen Tätigkeiten immer auch zu 100% arbeitstätig war. Als Mechaniker und Waffenmechaniker wurde ihm nämlich schon bald nach der Rekrutenschule eine Stelle im Armeemotorfahrzeugpark (AMP) in Burgdorf angeboten. Schliesslich war er dort bis zu seiner Pensionierung Ende 2006 als Abteilungsleiter Raupenfahrzeuge mit seinen 33 Mitarbeitern für 83 Leopard-Panzer verantwortlich. Somit war er daran gewöhnt, grosse Verantwortung zu tragen und als Chef mit seinen Mitarbeitern umzugehen. Dass er dazu das nötige Einfühlungsvermögen hatte, beweist auch die Tatsache, dass er mit seinen Mitarbeitern ein eigenes Jodelchörli – das Chörli AMP – gegründet hatte, welches während 24 Jahren bestand und in dieser Zeit neben vielen Auftritten im nahen Umfeld auch an Jodlerfesten mitmachte und einen eigenen Tonträger veröffentlichte. Ja, Hans war im positiven gesehen einer der «Angefressenen», der etwas entweder ganz richtig oder dann gar nicht machte. Noch heute, 10 Jahre nach seinem Austritt, erzählt er Episoden aus dem Berufsleben so, als wären sie erst gestern passiert.
Mit Waffen hatte Hans Dysli nicht nur im Beruf zu tun. Das Schiessen ist eine weitere Leidenschaft, die er seit einigen Jahren auch mit seiner Frau Martha teilen kann. Beide sind sie im Schützenverein Wynigen aktiv. Hans in allen Disziplinen, Martha als Pistolenschützin. So sicher, wie Hans auch virtuose Stücke auf seinem Örgeli treffsicher vortragen kann, so zielgenau schiesst das Ehepaar mit den Waffen. Beide sind nämlich auch Schützenmeister und bei einem Rundgang in der gemütlichen Wohnung am Kappelenweg offenbaren sich die vielen Erfolge. Fast an jeder Wand hängen Auszeichnungen, Festandenken und in Glaskästen Hunderte von Schützenabzeichen.
Das Leben als Pensionäre
Hans und Martha Dysli geniessen es, als Gross- und Urgrosseltern von der Familie gebraucht zu werden. Ihr Leben war schon immer von Vielfalt geprägt und die Interessen breit gestreut. Deshalb kann man sich einen eigentlichen Ruhestand nicht vorstellen. Erholung findet das Paar nach wie vor in ihren Hobbys, wozu bei Hans noch das Fischen gehört. Und «Fisch» ist dann auch wieder ein Stichwort: Im brunnenartigen Fischteich vor dem Haus leben einige prächtige farbige Koi-Fische, welche auch gepflegt werden wollen.
Nach wie vor ist Hans oft als Musiker unterwegs. «Ich habe immer darauf geschaut, dass wir jene Musik spielen, die das Publikum anspricht», benennt er als eines seiner Erfolgsgeheimnisse. Dass dazu im Mittelland und im unteren Emmental nicht nur die urchige Ländlermusik gehört, weiss er seit seinen Anfängen als Tanzmusiker vor gut 50 Jahren. Deshalb hat er auch ein Midi-Örgeli, dem er bei Bedarf moderne und süffige Schlagerweisen entlocken kann. Auf die richtige Mischung kommt es an und seit vielen Jahren wissen die Fans seiner Musik, dass man bei Hans Dysli genau das bekommen kann.
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