Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03232.jsonl.gz/3241

Die Geschichte des Armagnacs reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück und macht ihn damit zu einer der ältesten Spirituosen Europas.
Die Region Armagnac, die im Südwesten Frankreichs, ca. 120 Kilometer südöstlich von Bordeaux geographisch beheimatet ist, ist das Herzstück der Armagnac-Produktion. Drei Crus, das Bas-Armagnac, das Armagnac Ténarèze und das Haut Armagnac bilden die Region.
Bereits im Mittelalter wurde in dieser Region Wein angebaut und später auch destilliert, um ihn haltbarer zu machen. Am Anfang wurde Armagnac oft als Medizin und Verdauungsförderer verwendet, erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelte er sich zu einem beliebten Getränk bei den Adligen und der Aristokratie. Im Gegensatz zum Cognac, der vor allem im Norden Frankreichs produziert wurde, war Armagnac im Südwesten des Landes populär.
Herstellung
Die Herstellung von Armagnac erfolgt in einem ähnlichen Prozess wie die Herstellung von Cognac, weist jedoch einige wichtige Unterschiede auf.
Der erste Schritt besteht darin, Trauben anzubauen, hauptsächlich die Sorten Ugni Blanc, Baco, Colombard und Folle Blanche. Insgesamt 15 Traubensorten sind für Armagnac offiziell zugelassen. Diese Trauben werden im Herbst geerntet und zu einem Wein fermentiert. Immer mehr Hersteller beobachten den Fermentationsprozess genauer und legen heute Wert auf Spontanfermentationen mit entsprechend überraschenden Ergebnissen. Eine Entwicklung die es zu beobachten gilt, denn nicht immer sind die Ergebnisse dieser Spontanfermentation den traditionellen Erwartungen an Armagnac entsprechend.
Im Gegensatz zu Cognac konnte der Wein für die Destillation in Armagnac nur einmal gebrannt werden, dann allerdings in einer semi-kontinuierlichen Anlage, der «Alembic Armagnacaise». Der Wein wird dabei sehr langsam im Gegenstromprinzip einer (kleinen) Säule erhitzt, um Alkohol zu extrahieren und die Aromen zu konzentrieren. Das Destillat, auch bekannt als «Eau-de-vie», wird meist mit einem relativ niedrigen Alkoholgehalt von etwa 52 bis 60 Volumenprozent abgefüllt. Erlaubt sind, wie beim Cognac, aber auch hier 72 Volumenprozent. Diese Destillate gelten als «robust» und «aromenreich» und reifen zumeist immer noch in den traditionellen Schwarzeichenfässern («Aier-Eiche») aus der Region.
Erlaubt ist seit 1972 auch die zweifache Destillation in den «pot charentaise » des Cognacs. Diese Destillate gelten aber als «reiner» als die ursprünglichen Destillate und benötigen daher andere Fässer zur Reifung, z. B. Limousin- oder Tronçaiseeichenfässer oder sogar Fässer aus amerikanischer Weiseiche. Nach der Destillation wird der Armagnac in diesen Eichenfässern gelagert, um zu reifen. Die Fässer verleihen dem Armagnac seine charakteristische Farbe, Aromen und Geschmacksnoten.
Im Laufe der Zeit nimmt der Armagnac die Aromen des Holzes auf und entwickelt eine Komplexität, die ihn von Jahr zu Jahr reifer und raffinierter macht. Am Anfang reift man den Armagnac in neuen Fässern, damit er viel Holzcharakter aufnehmen kann, der im zweiten Teil der Reifung in gebrauchten Fässern dann zu einer feinen, komplexen Art verfeinert.
Assemblage und Abfüllung schliessen den Prozess ab. Verschiedene gereifte Eaux-de-vies aus verschiedenen Crus – oder geografischen Regionen mit der richtigen Umgebung für den Anbau hochwertiger Trauben – werden zu dem finalen Armagnac verheiratet («marriage»), wobei der jüngste Weinbrand in der Mischung die Klassifizierung bestimmt.
Armagnac Millesime
Diese spezielle Armagnac Kategorie bezieht sich auf Jahrgangsabfüllungen. Der Begriff «Millesime» stammt aus dem Französischen und bedeutet «Jahrgang». Bei Armagnac Millesime handelt es sich um Armagnacs, die ausschliesslich aus Trauben eines bestimmten Erntejahres hergestellt werden. Im Gegensatz zu nicht-vintage Armagnacs, die aus einer Mischung von verschiedenen Jahrgängen hergestellt werden, wird bei Armagnac Millesime die Singularität eines bestimmten Erntejahres betont. Dies ermöglicht es den Produzenten, den Einfluss des spezifischen Jahrgangs auf den Geschmack und das Aroma des Armagnacs zu präsentieren.
Die Herstellung von Armagnac Millesime erfolgt auf ähnliche Weise wie bei anderen Armagnacs. Die Trauben werden geerntet, zu Wein fermentiert und destilliert. Das gewonnene Destillat wird dann in Eichenfässern gereift, um die Entwicklung von Aromen und Charakter zu ermöglichen. Die Dauer der Reifung variiert je nach den Vorlieben des Produzenten, muss aber mindestens 10 Jahre betragen und kann dann aber bis zu mehreren Jahrzehnten reichen. Da Armagnac Millesime auf einem einzigen Jahrgang basiert, kann der Geschmack von Jahr zu Jahr variieren.
Die Qualität und der Charakter eines bestimmten Jahrgangs hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. dem Klima während der Wachstums- und Erntezeit, der Qualität der Trauben und der Handwerkskunst des Produzenten. Armagnac Millesime wird oft als besonders hochwertig angesehen, da sie die Besonderheiten eines bestimmten Jahrgangs einfängt. Diese Armagnacs sind oft komplex, reich an Aromen und bieten einzigartige Geschmacksprofile, die die Charakteristika des spezifischen Jahrgangs widerspiegeln.
Jedes Haus kann verschiedene Jahrgänge und Qualitäten anbieten, je nach ihrer Expertise und den verfügbaren Trauben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ältere Jahrgänge zu höheren Preisen gehandelt werden, da sie eine längere Reifezeit durchlaufen haben können und oft als besonders begehrt gelten.
Dass Armagnac Millesime den Liebhabern von Armagnac eine einzigartige Möglichkeit bietet, die Einzigartigkeit und den Charakter eines bestimmten Jahrgangs zu erkunden, ist auch auf Armagnac Messen immer wieder zu entdecken. Allerdings sollte man vorsichtig sein, denn ein Millesime «muss» nur zehn Jahre im Fass gelagert sein, «kann» danach aber in einem Glasballon noch viele Jahre vor der eigentlichen Flaschenabfüllung verbringen. Dort findet keine weitere Reifung mehr statt. Hochwertige Armagnac-Produzenten weisen daher auf ihren Millesimes das Jahr der Ernte ebenso aus, wie das Jahr der Fassbefüllung und das Jahr der Umfüllung auf die Flasche.
Millesimes sind sicher eine Gelegenheit, die verschiedenen Facetten der Armagnac-Produktion zu entdecken und die Vielfalt der Geschmacksprofile zu erkunden, die von Jahr zu Jahr variieren können. Doch sollte man darüber nicht vergessen, dass eine solche Vintage Abfüllung oftmals auch nur Sammlern wichtig ist oder für Inhaber mit einem hohen emotionalen Wert versehen ist. Daher ist es wichtig auch auf die andere Seite der Abfüllungen zu schauen.
Immer mehr Armagnac-Häuser haben sich dafür entschieden, ihre Produkte nicht ausschliesslich als Millesimes, sondern als klassische Abfüllungen mit VS-, VSOP- und XO-Qualitäten auf den Markt zu bringen. So gelingt es diese, ähnlich wie beim Cognac, an den Tresen der Bars auch als Bestandteil hochwertiger Cocktails und Longdrinks zu etablieren.
Armagnac ist also auf dem besten Wege ein Comeback als wichtige Spirituose zum puren Genuss und zum Mixen zu durchlaufen.
Klassifizierung von Armagnac
Ähnlich wie beim Cognac gibt es auch beim Armagnac eine Klassifizierung, die auf dem Alter und der Reifung des Getränks basiert.
- Very Special (VS): VS Armagnac ist jeder Armagnac, bei dem der jüngste Brandy in der Mischung mindestens zwei Jahre gereift ist.
- Very Superior Old Pale (VSOP): VSOP ist jeder Armagnac, bei dem der jüngste Brandy der Mischung mindestens vier Jahre gereift ist.
- Extra Old (XO): Auch bekannt als Napoleon Armagnac, ist dies eine Klasse, in der der jüngste Brandy in der Mischung mindestens sechs Jahre gereift ist.
- Hors d’âge: Diese Bezeichnung, die «über das Alter hinaus» bedeutet, drückt aus, dass ein Armagnac mindestens zehn Jahre gereift ist.