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(Herrich-Schäffer, 1838)
- DE: Schlanke Ödlandschrecke
- EN: Slender Digging Grasshopper | Slender Burrowing Grasshopper
- FR: L' Oedipode gracile
- IT: Acrotilo slanciato
- Syn.: No synonym!
Morphologie
Unter den mitteleuropäischen Ödlandschrecken ist Acrotylus patruelis die kleinste und zierlichste Art. Die Grundfarbe variiert von grau bis graubraun und ist im Vergleich mit anderen Ödlandschrecken sehr einheitlich. Typisch sind drei dunkle Flecken auf der Oberseite der Hinterschenkel und die lange, dichte Behaarung auf der Körperunterseite sowie an den Beinen. Der grosse Kopf ist deutlich vom Halsschild abgesetzt. Dieser ist hinter dem Kopf stark eingeschnürt, am Hinterrand breit verrundet und verfügt über zwei Querfurchen. Der Halsschild-Mittelkiel ist nur im hinteren Bereich deutlich ausgeprägt. Die Antennen sind lang und schlank. Die schmalen Flügel überragen die Hinterschenkel etwa um deren Hälfte. An der Basis sind die Hinterflügel rosa- bis weinrot gefärbt. Eine braune, halbmondförmige Binde grenzt an die rötliche Basis. Gegen die Spitze sind die Hinterflügel glasig und es treten nur vereinzelt dunkle Flecken auf.
Gesang
Wie bei anderen Ödlandschrecken werden bei Kontakten mit Artgenossen leise Schwirrlaute erzeugt. Die Laute von Acrotylus patruelis erinnern im Toncharakter an zankende Haussperlinge (Passer domesticus) und lassen sich so von anderen Ödlandschrecken unterscheiden. Vor der Paarung können die Männchen dabei beobachtet werden, wie sie die Hinterschenkel mal lautlos, mal stimmhaft über die Flügel bewegen. Im Unterschied zu den Oedipoda-Arten werden die Hinterbeine mit angelegten Hinterschienen auch weit vom Körper abgespreizt auf und ab bewegt.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Acrotylus patruelis liegt im Mittelmeerraum und reicht von Portugal im Westen bis an die Schwarzmeerküste im Osten. Die nördliche Verbreitungsgrenze wird am Alpensüdrand erreicht. In der Schweiz wurde die Art 2003 erstmals nachgewiesen. Sie kommt vereinzelt im Südtessin vor. Vermutlich ist die Art von Italien eingeflogen oder sie wurde verschleppt. Ein einmaliger Fund in Deutschland wird auf Verschleppung zurückgeführt.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Acrotylus patruelis treten von Juli bis Oktober auf. Frühere Beobachtungen ausgewachsener Individuen sind auf überwinternde Tiere zurückzuführen.
Wir konnten mehrfach beobachten, wie Weibchen während der Eiablage von zahlreichen Männchen belagert wurden. Diese versuchten sich einen optimalen Platz vor dem Weibchen zu verschaffen, um sich nach der Eiablage zu verpaaren. Die Weibchen wehrten sich mit Fusstritten gegen Paarungsversuche, so dass manche Männchen dabei durch die Luft geschleudert wurden. Im Südtessin beobachteten wir ein Weibchen, das zeitweise von 13 rivalisierenden Männchen umgeben war.
Lebensraum
Acrotylus patruelis besiedelt nur ausgesprochen trockene und warme Habitate mit spärlichem Pflanzenbewuchs. Bevorzugt werden Kies- und Sandflächen sowie felsensteppenartige Lebensräume besiedelt. Entlang von Strassen findet man die Art in Strassengräben und an -böschungen.
Gefährdung & Schutz
Acrotylus patruelis wurde bisher in der Schweiz nicht auf eine Gefährdung hin untersucht. Die Beobachtungen seit der Entdeckung 2003 deuten aber darauf hin, dass sich die Art im Tessin etablieren konnte und die Bestände eher leicht zunehmen.
- CH: NE (Nicht beurteilt)
- DE: Abwesend
- AT: Abwesend
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Acrotylus patruelis kann auf den ersten Blick mit anderen Ödlandschrecken verwechselt werden. Bei der Art ist jedoch die deutliche Behaarung an der Körperunterseite sowie an den Beinen auffällig und sie ist deutlich kleiner und schlanker als die Arten der Gattung Oedipoda. Beide Oedipoda-Arten haben einen erhabenen Mittelkiel und der Halsschild-Hinterrand läuft in eine deutliche Spitze aus. Sphingonotus caerulans ist etwas grösser, einheitlicher gefärbt und die Vorderflügel sind mit 2-3 Querbinden überzogen. Zudem sind die Hinterflügel bei Sphingonotus caerulans blass blau gefärbt. Vorsicht ist im Mittelmeerraum geboten, wo weitere Acrotylus-Arten vorkommen, die sich anhand der Hinterflügelzeichnung bzw. -färbung unterscheiden.