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Sie sei unter allen berühmten Menschen der Einzige, den der Ruhm nicht verdorben habe – so urteilte Albert Einstein über Marie Curie. Sie wurde mit zwei Nobelpreisen ausgezeichnet.
Frau Curie, Sie wurden 1867 in Warschau geboren, haben aber in Paris geforscht. Warum kamen Sie nach Frankreich?
Frauen waren an der Universität in Polen nicht zugelassen. Nach meinem Abitur 1883 habe ich daher zunächst eine Stelle als Hauslehrerin angenommen und das Studium meiner Schwester Bronia in Paris unterstützt. 1891 konnte ich ihr endlich folgen. Ich war immer von Forschung fasziniert. Ein Gelehrter in einem Laboratorium war für mich nie nur ein Techniker – sondern er steht vor den Naturvorgängen wie ein Kind vor einer Märchenwelt. Bei meiner Einschreibung an der Faculté des Sciences der Sorbonne war ich eine von 23 Frauen neben 1 825 Studenten.
1893 haben Sie Ihr Physikstudium als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Dank eines Stipendiums konnten Sie im Jahr darauf auch Ihr Mathematikstudium – als Zweitbeste – beenden. Wie ging es weiter?
Ich habe Pierre kennengelernt und wir haben im Juli 1895 geheiratet. 1897 kam unsere erste Tochter, Irène, zur Welt.
Schon zwei Monate später haben Sie mit Ihrem Mann begonnen, die sogenannten «Becquerel-Strahlen» zu erforschen.
Ich war auf der Suche nach einem Thema für meine Doktorarbeit und so bot es sich an, dass ich die von Becquerel entdeckte Strahlung von Uranverbindungen weiter erforschte. Pierre und ich haben erstmals zwei bisher unbekannte Elemente – Radium und Polonium – isoliert und die Strahlung radioaktiv genannt.
Schon im Herbst 1898 litten Sie an Entzündungen der Fingerspitzen – ein Hinweis darauf, dass Sie zu oft radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren.
Damals ahnte niemand, wie gefährlich radioaktive Strahlen sind. Man war sogar von ihrer gesundheitsfördernden Wirkung überzeugt.
Im November 1903 sollte Ihnen und Ihrem Mann gemeinsam mit Henri Becquerel der Nobelpreis für Physik verliehen werden – «für die Entwicklung und Pionierleistung auf dem Gebiet der spontanen Radioaktivität und der Strahlungsphänomene».
Zur Verleihung konnten wir aufgrund meines Gesundheitszustands nicht anreisen. Mein Mann hielt den Nobel-Vortrag erst im Juni 1905, ein knappes Jahr bevor er bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.
Nach dem Tod Ihres Mannes haben Sie seine Professorenstelle an der Sorbonne übernommen. Sie waren die erste Frau, die an dieser weltberühmten Universität gelehrt hat.
Das stimmt. Und im November 1911 wurde mir zum zweiten Mal der Nobelpreis verliehen, diesmal in Chemie für die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium. Das war bisher erst vier Menschen weltweit gelungen.
Bis zu Ihrem Tod im Juli 1934 haben Sie das 1909 gegründete Pariser Institut für Radium geleitet.
Ja, und auch meine Tochter Irène und ihr Mann Frédéric Joliot-Curie haben dort gearbeitet und geforscht. Ihnen ist es erstmals gelungen, Radionuklid – instabile Atomsorten, deren Kerne radioaktiv zerfallen – künstlich herzustellen.
Dafür erhielten beide ein Jahr nach Ihrem Tod ebenfalls den Nobelpreis für Chemie. Drei Nobelpreise in einer Familie!
Marie Curie
Die Physikerin und Chemikerin wurde am 7. November 1867 in Warschau geboren und starb am 4. Juli 1934 nahe Passy. Sie ist bisher
die einzige Frau, der mehrfach ein Nobelpreis verliehen wurde.