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Guter Schlaf ist eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit. Das gilt für
Kinder in speziellem Maß. Grundschulkinder brauchen etwa zwölf Stunden,
Zehnjährige etwa neun bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht. Doch viele schaffen
das nicht: Nach einer Untersuchung der Universität Köln mit rund 11.500
Kindern leiden etwa 10 bis 15 Prozent der Grundschulkinder in Deutschland
an Schlafstörungen.
Die Folgen dieser Schlafstörungen sind motorische Unruhe, emotionale Probleme, Konzentrationsmangel
und schlechte Schulleistungen. Kinder mit Schlafstörungen haben zudem ein
deutlich grösseres Risiko für Hyperaktivität (ADHS). Bei der Therapie dieser
vielschichtigen Störung hat sich eine Kombination pflanzlicher Extrakte aus
Baldrian und Melisse gut bewährt. Das hat eine Studie mit insgesamt 918
Kindern gezeigt (Phytomedicine 13 (2006) 383-387).
An dieser multizentrischen Beobachtungsstudie beteiligten sich 207 Kinder- und
Jugendärzte aus ganz Deutschland. Die Beschwerden der von ihnen betreuten
Kinder (Durchschnittsalter: 8,3 Jahre) reichten von Unruhe, Schlafstörungen,
Konzentrationsschwäche und Tagesmüdigkeit bis zu Aggressivität und
Hyperaktivität. Zur Behandlung erhielten die Kinder für die Dauer von vier
Wochen täglich vier Tabletten einer Kombination aus Baldrianwurzelextrakt
(Valeriana officialis L.) und dem Extrakt aus Melissenblättern (Melissa officinalis).
Die wichtigsten Resultate:
Beim Start der Studie litten 61,7 Prozent der Kinder unter gestörtem Schlaf
und Unruhe. Nach einem Monat Therapie waren nur noch 12,5 Prozent davon
betroffen.
Die Unruhe der Kinder wurde anfangs zu 65,9 Prozent als “moderat” oder
“schwer” beurteilt. Am Studienende war sie in 75,2 Prozent der Fälle
gänzlich verschwunden oder wurden nur noch als “leicht” beschrieben. Der Anteil
von Kindern mit einer “sehr schweren” Unruhe reduzierte sich von 4,3 auf 1,1 Prozent.
Unter einer “moderaten” bis “schweren” Schlafstörung litten anfangs
77,1 Prozent der Schüler, nach einem Monat Therapie verbesserte sich das
Problem in 76,6 Prozent der Fälle.
Die Verträglichkeit des Heilpflanzen-Präparates wurde in 96,7 Prozent der Fälle als
“sehr gut” oder “gut” beurteilt.
Quelle:
www.phytotherapie-komitee.de
Kommentar & Ergänzung:
Phytotherapie besitzt bei der Behandlung von Schlafstörungen und Unruhe bei Kindern und Jugendlichen einen grossen Vorteil gegenüber den meisten anderen Medikamenten: Die Gefahr einer Abhängigkeit ist praktisch ausgeschlossen.
Baldrian und Melisse gehören zu den gut dokumentierten Heilpflanzen in diesem Bereich.
Allerdings muss man auch gegenüber Studien mit positivem Ergebnis kritisch bleiben.
Solche Beobachtungsstudien sagen nur sehr begrenzt etwas aus über die Wirksamkeit des untersuchten Produktes. Wie bei jeder Behandlung ist auch hier mit einem Placebo-Effekt zu rechnen: Schon die mit der Einnahme eines Heilmittels verbundene Erwartungshaltung bewirkt eine Besserung der Symptome.
Auch sind Beschwerden wie Schlafstörungen und Unruhe meist vorübergehende Ereignisse, die sich nach einer bestimmten Phase von selbst wieder zurückbilden. Bessert sich also das Befinden nach einem Monat Therapie, ist noch keineswegs gesagt, dass dies mit dem verabreichten Medikament zusammenhängt. Wer jede Besserung sogleich der angewendeten Therapie zuschreibt, übersieht die Selbstregulierungsfähigkeit und Selbstheilungsfähigkeit des menschlichen Organismus.
Um diese Einflussfaktoren von der eigentlichen Wirkung des Medikamentes zu unterscheiden, wären Doppelblind-Studien nötig, in denen eine Gruppe das Präparat mit Baldrian-Extrakt und Melissen-Extrakt erhält und eine Vergleichsgruppe ein wirkstofffreies Placebo.
Es sind in der Phytotherapie einige Heilpflanzen-Präparate bekannt, die sich in solchen Doppelblind-Studien gegenüber Placebo als wirksamer erwiesen haben. In der Regel handelt es sich dabei um Präparate auf der Basis von Baldrian, Melisse, Hopfen und Passionsblume.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch