Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03389.jsonl.gz/3300

Die ersten Segel
Bagutti
Das 19. Jahrhundert
Die heutigen Werke
Die Aufbewahrung
Die Technik
Die Restaurierung
Die Ikonographie
Die Auftraggeber
Die Strecken
Showgallery

Die “Transparente” sind Leuchtbilder auf Leinwänden, die auf von innen beleuchtete “Kästen” montiert werden; sie haben unterschiedliche Formen und Grössen und werden über den Strassen der Ortschaft und an den Hauswänden aufgehängt. Bei den tragbaren Transparenten handelt es sich um Laternen, die seit jeher weit verbreitet sind; die anderen sind hingegen äusserst selten, vielleicht sogar einzigartig. Die erste Herstellungsphase zwischen 1790 und 1852 ist von der nachfolgenden zu unterscheiden, die die ursprüngliche Idee lediglich fortsetzt (und teils auch verrät). Heute gibt es rund 450 Transparente, von denen nicht alle ausgestellt werden. Das letzte wurde 2012 angefertigt. Die Transparente haben die Funktion, die nächtlichen Prozessionen mit spektakulären kurzlebigen Dekorationen wie Triumphbögen zu beleuchten und die Heilige Geschichte zu illustrieren. Sie sind volkstümlich, da sie einfach zu deuten sind, und auserlesen aufgrund der ausgeklügelten Entscheidungen in Bezug auf Ausführung, Themen und Stil.
Einige der ersten Transparente wurden bis 1792 von Giovanni Battista Bagutti (Rovio, 1742-1823) signiert und datiert: die beiden Serien an der Fassade des Klosters und der Kirche San Giovanni, einige davon gehören zu den 10 “Toren” oder Bögen mit zwei dreigeteilten Seiten (fast alle durch Kopien oder riesige Vergrösserungen ersetzt). Bruder Antonio Maria Baroffio (Mendrisio, 1732-1798) kann vielleicht als der Erfinder der Transparente angesehen werden. Er gewann nach seiner Rückkehr aus dem Kloster in Piacenza in das Herzogtum Parma in der dortigen Akademie im Jahre 1768 einen Preis für die Modernität seiner Werke im Stile des Klassizismus. Dieser kommt an den bemalten Rahmen der “Tore”, an den klaren, kühlen Farben (die sich durch das vergilbte Wachs verändert haben) und an den Posen, die lebhaft und intensiv sind, aber doch nie zu dramatisch wirken, zum Ausdruck.
Dargestellt werden Szenen rund um das Leiden Christi, doch in allen alten Serien findet sich mindestens eine Szene, die nicht aus den Evangelien stammt, wie “Jesus verabschiedet sich von seiner Mutter”, wobei die “Erzählungen” der Via Crucis und der Via Matris miteinander verflochten werden. Die komplexen Kriterien bezüglich der Reihenfolge der ersten 10 “Tore” an der Prozessionsstrecke (in einem Dokument um 1789) wurde durch Brände und Umzüge unterbrochen und durch die Ersetzung von Transparenten Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts verfälscht.
Die Ausführungstechnik ist aussergewöhnlich: Auf dünnen, aber robusten Leinwänden, die mit Wachs und öl- und harzhaltigen Lacken getränkt wurden, wurden einige wenige passende, nicht deckende Pigmente aufgetragen, an denen keine Korrekturen mehr möglich waren. Mindestens ein Pigment wurde von Bagutti aus Deutschland importiert; er hatte die Verwendung von Wachs vielleicht von den Studien zur römische Malerei in Frankreich und zur Enkaustik-Technik in Parma übernommen, oder während seiner Reisen durch Europa zur Zeit der Aufklärung, wo man mit “wissenschaftlichen” Techniken experimentierte, die man heute der Avantgarde zuordnet.