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von Nikolaus Wyss / 17.4.13: Brief aus Anatolien. Meine Mutter war in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit einer türkischen Kunsthistorikerin U. befreundet, die mit einem Schweizer verheiratet war und mit ihrer Familie in Zürich lebte. Diese Freundin suchte ab und zu sowohl aus beruflichen als auch aus familiären Gründen ihre alte Heimat Ost-Anatolien auf. Einmal beschloss Laure Wyss, sie spontan zu begleiten. Das Briefpapier stammt vom Otel Tatlicilar in Diyarbakir…. Weiterlesen »
Posts Categorized: Erinnerungen 2
von Nikolaus Wyss / 27.3.13: Der Geburtstagsbrief von 1971. Im Brief zu meinem Geburtstag reagiert meine Mutter auf einen offenbar zornigen Brief, den ich zuvor geschrieben hatte und der sich mit den ungerechten Zuständen in diesem Kolumbien befasste und mit dem ausbeuterischen Kapitalismus. Der Zorn schien sich mit grippeähnlichem Fieber zu vermischen.
Mutters Brief ist ein schönes Beispiel, wie sehr sich ihr journalistisches Talent zum Recherchieren auch im Umgang mit der leichten Erkrankung ihres Sohnes weit weg in Kolumbien zeigte…. Weiterlesen »
von Nikolaus Wyss / 11.3.13: Eine verspielte Seite.
Auch wenn meine Mutter gerne und viel lachte, gehörten Verspieltheit und Fantasiererei vielleicht nicht gerade zu ihren bekanntesten Eigenschaften. Doch sie liebte Menschen, die witzig waren und skurrilen Hobbys frönten, und sie konnte leicht eintauchen in andere Welten und dort mittun. So mochte sie zum Beispiel José ganz besonders, den Ehegatten der Wirtin Mireille. Sie führte in Mornac an der französischen Atlantik-Küste ein Restaurant. Meine Mutter nahm dort regelmässig ihre Suppe ein und ass anschliessend gebratenen Fisch…. Weiterlesen »
von Nikolaus Wyss / 15.02.13: Am Tag der Annahme des Eidgenössischen Frauenstimm- und Wahlrechts.
Wie nebenher und erst gegen Schluss ihres Briefes erwähnt meine Mutter die Annahme des Eidg. Frauenstimm- und Wahlrechts vom 7. Februar 1971, eines doch epochalen Ereignisses, für welches sie als Journalistin und Aktivistin jahrelang gekämpft hat. Allerdings konnte sie im Kanton Zürich mit dieser staatsbürgerlichen Einrichtung schon ein wenig üben, denn auf kantonaler Ebene trat das Frauenstimmrecht ja schon ein paar Monate früher in Kraft…. Weiterlesen »
von Nikolaus Wyss / 13.02.13: Zwei Briefe aus Südfrankreich.
Im Jahre 1974 mauserte sich meine Mutter so langsam zur Schriftstellerin, arbeitete an längeren Texten, wie zum Beispiel an den Frauenprotokollen (erschienen 1976) und suchte sich dafür ruhige Plätzlein, was ihr auch immer wieder gelungen ist. Im September jenes Jahres verbrachte sie ein paar Wochen auf dem grossen Anwesen der wohlhabenden Familie Gugelmann in Notre Dame de Grâce bei Cannes.
Zum Verständnis der Briefe noch so viel: vermutlich plauderte sie im Vorfeld von ihrem Vorhaben und von der Riesen-Villa,… Weiterlesen »
von Nikolaus Wyss / 18.01.13: Den Vater im Blick. «Winkelwiese, 4. August [vermutlich 1988]
Mein lieber Chlous
(…) Am Mittagstisch im ,Bären’, grad vor einer Woche, sah ich Dich in einem Winkel, der mir neu war, und ich konstatierte, dass Du die Augen – oder vielleicht einfach den Blick – Deines Vaters hast, das hat mich seltsam berührt und tief gefreut. Ich dachte schon immer, dass Du die rasche Gescheitheit Deines Vaters geerbt hast,… Weiterlesen »
von Nikolaus Wyss / 09.01.13: Ferndiagnosen (2). Ganz aussergewöhnlich auch ihre Freundschaft zu Anita, der schwedischen Gattin eines Staatsanwaltes in Stockholm. Lange Zeit wusste ich nicht, was die beiden so innig verband, denn ich verstand kein Schwedisch. Doch die Telefonate zeichneten sich durch ihre übergebührlichen Längen aus. Später erfuhr ich, dass Anita zu Mutters feinstofflichem Versicherungsgürtel gehörte…. Weiterlesen »
von Nikolaus Wyss / 09.01.13: Ferndiagnosen (1). Meine Mutter war nach gängigem Schweizer Massstab unterversichert. Pension und AHV genügten im Alter nicht für ein geruhsames Alltagsleben in gewohnter Umgebung. Für eine anständige Pflege oder für einen allfälligen Spital- oder Kuraufenthalt hätte das Geld schon gar nicht gereicht. Dieses Malaise führte dazu, dass sie nach ihvrer Pensionierung in Sachen Einkünfte eine gewisse Impertinenz an den Tag legte und Buchhändlern, Bibliothekaren und Frauenkränzchen mit ihren Honorarforderungen für Lesungen wohl mächtig auf den Keks gehen konnte…. Weiterlesen »
von Nikolaus Wyss / 14.12.12: Die Anrede. Vor mir ein Stoss von Briefen von ihr an mich. Sie beginnen meistens mit «Lieber Klaus». Dann gibt es auch welche, die mit «Lieber Minet» oder «Lieber Chlöis» oder «Chlous» anfangen, seltener einmal mit «Mein liebes Chlöiseli» oder «Lieber Chlöisi». Die unterschiedlichen Namensgebungen deuten auf ein ganzes Gefühlsarsenal hin, das meiner Mutter zur Verfügung stand, wenn sie mir schrieb…. Weiterlesen »
von Nikolaus Wyss / 14.12.12: Das unvollständige Datum. Für ihre Briefe benutzte sie zu ihren Zeiten als Redaktorin meistens die Schreibmaschine. Ich nehme an, sie schrieb diese im Büro. Später wechselte sie mehr und mehr zu Handschriftlichem, auch wenn ihre Briefe dadurch nicht gerade lesbarer wurden. Von Hand schrieb sie meistens auf A5-Blättern…. Weiterlesen »
von Nikolaus Wyss / 14.12.12: Briefe als Bindemittel. Ich könnte ihre Briefe zählen. Meiner Einschätzung nach sind es weit über hundert. Dann hätte ich sie wenigstens alle wieder einmal zur Hand gehabt. Ich lasse es. Ich könnte sie ordnen und versuchen, die unterlassenen Jahreszahlen herauszufinden. Auch diese Arbeit lasse ich bleiben. – Mein Privileg als Sohn besteht in der launischen Anwendung eines emotional gesteuerten Zufallsprinzips…… Weiterlesen »