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Grosser Preis der Turf-Freunde 2008
(hm, 04.06.2008)
Dank des Präsidenten der Zuchtkommission
Dieses Jahr wurde der Grosse Preis der Inländer am 1. Juni in Aarau über 2600 m gelaufen, kurze Zeit nachdem in der amerikanischen Presse wegen des Todesfalls von Eight Belles im Kentucky Derby grosser Aufruhr herrschte und deswegen eine Anhörung im Kongress in Aussicht steht.
Eight Belles brach beim Ausgaloppieren ihre beiden vorderen Fesselgelenke, nach dem sie als Zweitplatzierte zu Big Brown einlief. Dieser tragische Zwischenfall wurde per Television weltweit bekannt und die Erinnerung an die Fraktur von Barbaro in den Preakness-Stakes von 2006 wurde wieder schmerzhaft wach. Selbst das amerikanische Publikum hat nun langsam genug von derartigen Unfällen, und eine Umfrage durch Gallup hat ergeben, dass 38% der Amerikaner finden, dass Sportveranstaltungen mit Wettbewerben zwischen Tieren aufgegeben werden sollten. Besonders bemerkenswert war dabei, dass die 18- bis 29-jährigen Befragten eher ein Verbot fordern als ältere Personen - also ausgerechnet jene Leute, die den zukünftigen Rennsport tragen müssten.
Daneben hagelte es im Mai in diversen Medien massivste Vorwürfe an die Verantwortlichen des Rennsports und die Züchter in Nordamerika. Andrew Beyer schrieb in der Washington Post, dass die amerikanische Zucht immer fragilere Pferde hervorbringe, die zwar nicht unbedingt niederbrechen, aber immer kürzere Rennkarrieren haben und in der Zucht dann noch verletzungsanfälligere Produkte hervorbringen. Pat Ford (ESPN.com) erklärte, dass sich der Rennsport selber disqualifizieren wird, weil die Pferde nur noch für Speed-Rennen auf Sandbahnen und nicht auf Härte gezüchtet werden. Die gleiche Meinung äusserte Sally Jenkins (ebenfalls Washington Post) und fügte zu, dass die amerikanischen Vollblüter muskulär immer stärker, im Skelett aber immer schwächer werden. In der New York Times stellte William Rhoden die Frage: „Warum lassen wir Pferderennen weiter zu?“ und ergänzte: „Rennen von Vollblütern sind ein brutaler Sport“. Schliesslich war in CBS Sports von Gregg Doyel zu hören „Zeig mir ein Spektakel, wo Tiere über ihre physischen Limiten hinaus gezüchtet sind, dann bis zum Rand der Zerstörung gearbeitet werden, alles nur einem reichen Besitzer und tausenden von zockenden Tölpeln zuliebe, und ich zeig Dir eine pathetische Art und Weise um einen Nachmittag zu verbringen.“
Journalisten pflegen sich bekanntlich plakativ auszudrücken und ihre Kommentare müssen für gewöhnlich mit einer gehörigen Prise Salz genossen werden. Jetzt scheint die Toleranz in Amerika aber wirklich überstrapaziert worden zu sein, und ein Subkomitee des Kongresses soll im Juni in einem Hearing Niederbrüche, Medikation und Zuchtpraktiken bei Vollblütern überprüfen. Dem amerikanischen Rennsport und seiner Zucht stehen somit schwere Zeiten bevor - aber dieser Lauf der Dinge war wirklich absehbar und man muss sagen „endlich passiert etwas“.
Schon seit über drei Jahrzehnten erlebe ich weltweite Kritik am amerikanischen Rennsport, in erster Linie wegen der Präparation der Auktionspferde mit Steroiden, der erlaubten Medikation und eben auch wegen der kurzen Rennen auf Sand. Sehr profilierte Leute haben immer wieder Bedenken angemeldet, beispielsweise Michael Osborne, der frühere Direktor des irischen Nationalgestüts und spätere Zuchtberater von Scheich Mohammed sowie Chief Executive der United Arab Emirates Racing Association, der die abnehmende Qualität des Vollblüters beklagte. Auch Ian Balding hat sich nach über vierzigjähriger Tätigkeit als Trainer in diesem Sinne geäussert, wobei er seine Ansichten mit Aufzeichnungen aus seinen Trainingsjournals belegen kann. Er kritisierte auch die Züchter, weil diese bei der Wahl von Hengsten jene mit Stehvermögen vernachlässigen. Sie scheinen besessen zu sein, nur mit Sprintern und Meilern zu züchten und Veranstalter machen den gleichen Fehler, indem Renn-Distanzen verkürzt werden; als Beispiel führt er den Jockey Club Cup (Gr. 1) in Belmont an, der vor 15 Jahren über 2 Meilen führte, dann auf 2400 m reduziert und neuerdings sogar auf 2000 m verkürzt wurde. Damit werden viel zu grosse Konzessionen an die sensationslüsterne Zuschauerschaft gemacht und die Zucht langfristig geschädigt. Die Brut der „commercial breeders“ verlangt speed und nochmals speed, ungeachtet ob das Pferd gesund ist oder nicht. Durch das Ignorieren von Steherblut vernachlässigt man Qualitäten wie Stärke, Stehvermögen, Lebensdauer, Mut und Temperament sowie in den meisten Fällen vor allem die Gesundheit.
Ich danke hiermit dem Club der Turf-Freunde und dem Aargauischen Rennverein allerbestens, für die umfassendere Prüfung der Leistungsfähigkeit unserer Inländer den diesjährigen Grossen Preis über eine längere Distanz ausgeschrieben zu haben. Dem Züchter und Besitzer des Siegers gratuliere ich sehr herzlich, der mit seiner Stute Nocciola den ortsansässigen Hengst besuchte und auch mit der Austragung der stilvollen Fuchsjagd in Grüningen sein grosses Flair für den gediegenen Pferde-Sport sehr sympathisch zum Ausdruck bringt.