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Nachruf
Anlässlich eines Besuches bei Titus Benz, Kreistierarzt in Mels (noch kurz vor seinem Ableben im 90. Lebensjahr), kamen wir in angeregter Diskussion auch auf seinen Onkel, Alois Benz, zu sprechen. Auf meine Frage: Warum sich wohl sein Onkel in jungen Jahren fremden Militärdiensten verschrieben habe, bemerkte der alte Veterinär-Oberst in seiner launigen Art: «Sein Tatendrang werde schon auch mit einer Dosis Abenteuerlust verbunden gewesen sein.»
Oberst Alois Benz entstammte der angesehenen Familie Benz (im Volksmund Färbers genannt), in dem heute von Hans Kobelt-Schwendener bewohnten Haus im Ranft. Der Schreibende hält es gerechtfertigt, diese markante Persönlichkeit, die wohl den wenigsten Zeitgenossen von Marbach bekannt sein dürfte, noch einmal vorzustellen, bevor er endgültig der «Marper Geschichte» entschwindet. Einem Nekrolog anlässlich seines Todes anno 1907, entnehme ich unter anderem:
Generationen hat Oberst Benz zu Soldaten herangebildet. Schon von früher Jugend auf zeigte derselbe Lust und Freude am Kriegshandwerk, so kam er auch nach Neapel, wo er lange Zeit im Militärdienst stand. In der Schweiz begann er seine militärische Laufbahn 1860, in welchem Jahre er die Rekrutenschule absolvierte. Von 1861 an widmete er sich der Truppenausbildung als Instruktor. Bald wurde er zum Offizier befördert. Von 1861-66 stand der spätere Oberst Benz im Dienste des Kantons St. Gallen. In den Jahren 1867 bis 1869 stand er in eidgenössischen Diensten, und zwar als Scharfschützen-Hauptmann. Im Jahre 1870 kehrte Alois Benz wieder zu seinen Truppen nach St. Gallen zurück, bei denen er bis 1874 verblieb. In dieser Zeit war er auch Oberinstruktor der Infanterie des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Mit der Annahme der eidgenössischen Militärorganisation trat Oberst Benz, der den Grad eines Kommandanten bekleidete, auch in den eidgenössischen Dienst über, in welchem er bis 1901 als Instruktor verblieb. Ohne Unterbruch verblieb er bei der 7. Division. In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde Kommandant Benz zum Oberstleutnant befördert, welchen Grad er bis zur Ernennung zum Obersten 1890 behielt. Bis zum Jahre 1901 verblieb Oberst Benz als Instruktionsoffizier 1. Klasse und lange Jahre auch als Stellvertreter des Schulkommandos unserer Rekrutenschule der 7. Division. Ein Schlaganfall nötigte ihn zum Rücktritt. Der Bundesrat übertrug ihm noch das Landsturmkommando des 7. Territorialkreises. Ein zweiter Schlaganfall führte den Tod des Militärs herbei. Mit Oberst Benz, der ein Alter von nahezu 72 Jahren erreicht hat, ist ein vielverdienter Instruktionsoffizier der sogenannten älteren Schule, und auch als einer der letzten Neapolitanischen, geschieden.
Quelle: Unser Rheintal (1981) p. 129 (Autor: Bernhard Benz)

Artikel in 'Unser Rheintal'
Der Marbacher Oberst Alois Benz war ein halbes Jahrhundert lang Berufssoldat
Im Dienste des Königs von Sizilien
130 Jahre sind vergangen, seit 1859 die vier Schweizerregimenter, welche im Dienste des Königs beider Sizilien standen, aufgelöst wurden. Zu den Soldaten und Unteroffizieren, welche in den neapolitanischen Schweizerregimentern Dienst leisteten, gehörte auch der Marbacher Alois Benz. Während 40 Jahren leistete er anschliessend Dienst im Instruktionsdienst der Schweizerischen Armee, zuletzt als Oberst, und erwarb sich dabei hohes Ansehen.
Oberst Alois Benz, eine von früher Jugend an von Unternehmungsdrang beseelte Natur, war ein halbes Jahrhundert lang Berufssoldat. Mit 19 Jahren verliess der junge Marbacher das Vaterhaus, in dem er in einfachsten und für seinen Betätigungstrieb zu eng begrenzten Lebensverhältnissen aufgewachsen war, um in den neapolitanischen Schweizerregimentern Dienste zu nehmen.
Im Dienste des Königs
Alois Benz gehörte viereinhalb Jahre lang dem bestgeführten und bestausgebildeten Bataillon der im Dienst des Königs beider Sizilien stehenden Schweizertruppen an, nämlich dem von Oberst von Mechel aus Basel kommandierten 13. Jägerbataillon. Der soldatisch talentierte junge Mann avancierte bald zum Unteroffizier; zuletzt hatte er die Stellung eines instruierenden Unteroffiziers mit Feldweibelgrad inne. Als solchem lag ihm nicht bloss die Leitung der formellen Exerzierübungen der Kompagnie ob, deren sich die Kompagnieoffiziere wenig anzunehmen pflegten; es war diesen instruierenden Unteroffizieren auch die Einweihung der jungen Offiziersaspiranten in die Elemente der taktischen Führung übertragen.
Steile Karriere im Instruktionsdienst
Nach der Auflösung der ursprünglichen vier Schweizerregimenter, die im Jahre 1859 auf Veranlassung der schweizerischen Bundesbehörde erfolgte, kehrte Alois Benz in die Heimat zurück. Im Jahre darauf bestand
er seine Rekrutenschule und zwei Wiederholungskurse im st. gallischen Bundeskontingent. Auch hier hatte er nicht lange auf Beförderung zu warten. Schon im Jahr 1860 bekleidete er den Wachtmeistergrad. Der damalige Leiter der kantonalen Infanterieinstruktion war auf ihn aufmerksam geworden und nahm ihn in das st. gallische Instruktionskorps auf, in dem er bald das Offiziersbrevet erlangte. Sechs Jahre lang gehörte er demselben an. Dank seiner Tüchtigkeit öffnete sich ihm das Tor zum Eintritt ins damalige einzig zentralisierte Infanterie-Instruktionskorps der Scharfschützen, dem er von 1867 bis 1869 angehörte. Während der darauffolgenden fünf Jahre von 1870 bis und mit 1874 sehen wir ihn wieder im st. gallischen Instruktionsdienst mit Majorsgrad als Stellvertreter des st. gallischen Oberinstruktors der Infanterie und zuletzt als Oberinstruktor der Infanterie von Appenzell Ausserrhoden mit dem Grad als Bataillonskömmandant in Funktion.
Als 1874 die von Oberst und Bundesrat Welti neugeschaffene Militärorganisation in Kraft trat, befand sich Kommandant Benz, der bald nachher zum Oberstlieutenant avancierte, unter der Zahl derjenigen, denen die Eidgenossenschaft mit vollem Vertrauen eine der oberen Stellungen im Lehrkörper der nunmehr vollständig zentralisierten Infanterieinstruktion übertrug. Von 1875 bis zu seinem Tode im Jahre 1907 gehörte er als Instruktionsoffizier I. Klasse dem Instruktionskorps des VII. Divisionskreises an; seit 1901 allerdings unter der Zahl der zu reduzierter Verwendung in Ruhestand versetzten Instruktionsoffiziere; ein Schlaganfall hatte ihn eines Teils seiner Arbeitskraft beraubt. Was ihm davon verblieb, stellte er voll und ganz in den Dienst des ihm von der Eidgenossenschaft übertragenen Amtes eines Landsturmkommandanten des VII. Territorialkreises.
Von 1861 bis 1901, also volle 40 Jahre lang, hat der 1890 zum Oberst beförderte Offizier im aktiven Instruktionsdienst dem Vaterland seine ganze Kraft gewidmet. Zur Vervollständigung dieses an Arbeit reichen Lebensbildes gehört noch, dass Oberst Benz von 1870 bis 1901 die Leitung der Instruktion des st. gallischen Kadettenkorps besorgte. Eine besondere Auszeichnung wurde ihm 1883 zuteil, als er zusammen mit dem nachmaligen Oberstdivisionär L. Zollikofer in militärischer Mission an die Manöver des I. Bayerischen Armeekorps abgeordnet wurde.
Treue, Einsatz und Kameradschaft
Wer im eidgenössischen Wehrdienst über, neben oder unter ihm stand, bestätigt dem militärischen Lehrer und Führer Alois Benz ein Muster von Pflichttreue, unermüdlicher Arbeitsfreudigkeit, Charakterfestigkeit und zuvorkommender Kameradschaftlichkeit. Stets war ihm daran gelegen, dass die Unterrichtszeit der ihm unterstellten Truppen und Kader im Interesse ihrer gründlichen Ausbildung voll ausgenützt werde, väterlich war er besorgt für ihr körperliches Wohlbefinden! Allerdings war er immer strenge in den Anforderungen, die er an seine Untergebenen und an die ihm zur Ausbildung anvertraute militärische Schülerschaft stellte; die strengsten Anforderungen aber stellte er an sich selbst, und keiner von denen, die seine Strenge gelegentlich zu fühlen bekamen, hat nicht gleichzeitig auch das Wohlwollen herausgespürt, das auf dem Grund der Seele dieses Mannes lag.
Bewundernswert war die Personalkenntnis, die er sich im langjährigen dienstlichen Verkehr mit der Truppe und ihren Führern, namentlich inner-halb der VII. Division, angeeignet hatte. Die heranwachsenden jungen, entwicklungsfähigen Kräfte, die sein helles Auge schon erkannt hatte, als sie noch dem von ihm mit nie erkalten-der Begeisterung geleiteten Kadettenkorps angehörten, oder wenn sie unter ihm als Rekruten oder als angehende Unteroffiziere oder Offiziere die ersten Schritte ihrer militärischen Laufbahn unternahmen, er hat sie nie mehr aus dem Auge verloren; er hat sie liebevoll begleitet auf ihrem Wege nach den für sie erreichbaren höheren Zielen. Die hohe Bedeutung des militärischen Vorunterrichts der Jugend als der Pflanzstätte einer opferfreudigen nationalen Gesinnung hat Oberst Benz in hohem Masse erkannt, und er hat diese Erkenntnis zur Richtschnur seines Wirkens genommen, wie wenige ausser und neben ihm. Seine auf den ganzen Divisionskreis und alle Altersstufen der Wehrpflicht sich erstreckende Personalkenntnis befähigte ihn in aussergewöhnlichem Grade dazu, den Wahlbehörden und oberen Kommandostellen behilflich zu sein in der Fürsorge dafür, dass alle Landesgegenden, Stadt wie Land, bei der Besetzung der Führerstellen eine möglichst tüchtige Vertretung erhalten.
Am 3. Dezember verstarb, nachdem er ein halbes Jahrhundert Berufsoffizier gewesen war, Oberst Alois Benz im Alter von 72 Jahren in St. Gallen. Er war ein lebendiges Vorbild für den schweizerischen Berufsoffizier, wie er unserer Milizarmee nottut. Möchte sein Beispiel unter der jüngeren Generation Nachahmung finden!
Quelle: Unser Rheintal (1988) p. 108-109 (Autor: Bernhard Benz)