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Der Tessiner Politiker und Alt-Bundesrat ist im Alter von 81 Jahre verstorben. Er wurde zuvor wegen einer Covid19-Erkrankung ins Spital eingeliefert.
Der Tessiner Politiker Flavio Cotti ist tot. Der Alt-Bundesrat starb am Mittwoch im Alter von 81 Jahren. Er wurde kurz zuvor in die Santa Chiara Klinik in Locarno eingeliefert. Laut verschiedener Tessiner Medienberichten starb der CVP-Politiker an Komplikationen in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Erkrankung.
Gemäss verschiedenen Tessiner Medien starb der frühere Magistrat in einer Klinik in Locarno an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Die Tessiner Klinik wollte dies auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Cotti war der letzte Bundesrat aus dem Südkanton vor der Wahl von Cassis im September 2017.
«Mit grosser Trauer» nehme er Kenntnis vom Tod von Flavio Cotti, teilte der amtierende Tessiner Aussenminister Cassis auf Twitter mit.
Auch Parteichef Gerhard Pfister meldet sich über Twitter zu Wort und schreibt: «Er war eine grosse Persönlichkeit und ein Staatsmann, dem die Schweiz viel verdankt.»
Cotti wurde im Dezember 1986 als Nachfolger von Alphons Egli als siebter Tessiner in den Bundesrat gewählt. Er leitete von 1987 bis 1993 das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) und von 1993 bis 1999 das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). 1991 und 1998 war er Bundespräsident. Von 1984 bis 1986 war er Präsident der CVP Schweiz.
Cotti war promovierter Jurist, von allem Anfang an aber vor allem Politiker aus Leidenschaft. Als Aussenminister stärkte er die internationale Position der Schweiz und betrieb eine Politik der Öffnung. Diesbezüglich ein Höhepunkt seiner Laufbahn als Bundesrat war das Jahr 1996, in dem er die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) präsidierte.
Mit dem Abschluss der bilateralen Abkommen mit der EU hatte Flavio Cotti als Bundesrat seinen wichtigsten Erfolg verzeichnet. Cotti stand überzeugt hinter dem strategischen Ziel eines EU-Beitritts. Er wiederholte immer wieder, dass wahre politische Selbstbestimmung nur über Mitwirkung und gleichberechtigte Mitentscheidung in internationalen Gremien gesichert werden könne.
Als Sozialminister musste Cotti gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine Schlappe als Innenminister einstecken, als die Stimmberechtigten 1987 das Kranken- und Mutterschaftsversicherungsgesetz ablehnten. Die Mutterschaftsversicherung wurde erst von Ruth Dreifuss wieder aus der Schublade geholt und parlamentarisch zum Erfolg geführt.
Cotti war zu einer Zeit Innenminister, als die Bevölkerung wegen des Waldsterbens für den Umweltschutz sehr sensibilisiert war. Der Tessiner Magistrat schuf 1988 das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal). 1994 wechselte Cotti dann in sein Wunschdepartement.
Neben den bilateralen Verhandlungen mit der EU wurde er als Aussenminister von der Schadensbegrenzung rund um die nachrichtenlosen Vermögen und der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg in Atem gehalten. Cotti strukturierte zudem das EDA völlig um und forderte mit der Berufung von Quereinsteigern die klassische Diplomatie heraus.
Vor seiner Wahl in die Landesregierung war Cotti bereits auf allen Stufen politisch aktiv gewesen. Zuerst in der Legislative von Locarno, dann im Tessiner Kantonsparlament. 1975 wurde er in die Tessiner Kantonsregierung gewählt. 1983 wurde er Nationalrat.
Nach seinem Rücktritt aus der Landesregierung übernahm Cotti mehrere prestigeträchtige Mandate. Die Credit Suisse Group ernannte ihn zum Präsidenten des Beirates. Beim Industriekonzern Georg Fischer AG sass er im Verwaltungsrat.
Flavio Cotti wurde am 18. Oktober 1939 als Bürger von Prato Sornico in Muralto geboren. Nach dem Besuch katholischer Schulen in Ascona und Sarnen studierte er an der Universität Freiburg Rechtswissenschaften.
Zusammen mit seiner Ehefrau hatte er eine Tochter. Zu seinen Hobbys gehörten Wandern und Lesen, zu seinen Lieblingsbüchern zählten Werke über die Geschichte des Mittelalters. (adi/sda)