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Einer meiner Lieblingssongs aus der Techno Allstars in den 90ern. DJ Bobo, La Bouche, Scooter etc haben mitgewirkt. Das waren noch Zeiten. Aber um das geht es eigentlich gar nicht. Denn die Khmer Jugend hat mit Elektronischer Musik nichts bis gar nichts am Hut. Von dem her findet meine Leidenschaft zwischen mir und meinem IPod statt. Mein IPod war soeben in einer Kur. Die ersten Regenstürme hat er überstanden, doch bei der letzten Wässerung hat er nicht mehr mitgehalten. Doch jetzt ist er wieder an meiner Seite wie seit eh und je. Aber auch um das geht es nicht. Ich merke gerade, dass ich noch stundenlang um den heissen Brei herum reden könnte. Doch wollen wir uns doch der Message ein wenig nähern.
Das Jahr 2010, mitten in der Kambodschanischen Love Revolution. Was bei uns vor 40 Jahren passierte ist im Moment hier voll im Gange. Kambodscha ist eine weit zurückreichende Kultur, basiert auf vielen Traditionen und Werten. Diese Werte definieren das Leben eines jeden Khmers. Sei es im gegenseitigen Umgang, Familienverhältnisse, Familienentstehungen, Arbeitsverhältnisse, etc. Der Respekt vor dem Alter ist gross. Je älter eine Person ist, desto mehr Hochachtung wird dieser Person geschenkt. Es gilt auch viel Respekt den reichen und mächtigen. Die Kambodschaner hinterfragen die Ihrigen Authoritätsfiguren nur ungern.
Die kambodschanische Kultur lässt es nicht zu, dass sich Mann und Frau privat treffen. Liebe entsteht in der Gruppe. Man trifft sich in der Gruppe und versucht sich in der Gruppe näher zu kommen. Oder am Telefon, heute natürlich auch übers Internet. Der Zustand „Freund/Freundin“ gibt es fast nicht. Das heisst, wird es wirklich ernster zwischen Mann und Frau, so wird die Verlobung ausgeläutet. Dies geschieht jedoch nur mit der Zustimmung der Familien auf beiden Seiten. In der Verlobungszeit dürfen sich die verliebten treffen. Aber nur in Begleitung einer Schwester oder eines Bruders. Ein tête a tête wird erst nach der Hochzeit möglich sein.
Jedoch lösen sich diese Stricke allmählich. Vor allem hier in Phnom Penh emanzipieren sich die Jugendlichen mehr und mehr. In den Parks zeigen sich vermehrt junge Päärchen. Der Ort Nummer 1 um sich näher zu kommen ist das Motorrad. Der Zustand einer Freund/Freundin Beziehung (Sang Sa auf Khmer) ist nicht mehr nur ein Tabu Thema. 68er Jahre in Kambodscha. Liebe wird sichtbar. Zärtlichkeit wird weniger versteckt. Am Abend im Park knistert es in der Luft.
Ich erlaube mir jetzt die Arroganz dass der werte Leser sicher meine Meinung zu dieser Entwicklung lesen würde. Nun ja diese ist gespalten. Von meinem Hintergrund her gesehen, bin ich damit aufgewachsen, dass Liebe nicht versteckt werden musste. Von dem her bewegt sich die Jugendkultur hier in ein Gebiet, das mir von zu Hause aus bekannt vorkommt. Aber es stellt sich einfach die Frage: Geht das wirklich so einfach in einem Land wie Kambodscha? Ein Land, das derart von Werten und Traditionen geprägt ist, ein Land in dem Menschen von diesen Werten abhängig sind wenn sie überleben möchten?
Problematisch wird es, wenn diese Verhältnisse Konsequenzen mit sich bringen. Zum Beispiel eine ungewollte Schwangerschaft. Sittenwächter sind in diesem Land nicht aktiv. Aber ein uneheliches Kind bedeutet das Aus für den Ruf der Mutter. Sie wird an den Rand der Gesellschaft gestossen. Mit ihr das Kind.
Ich frage mich manchmal, ob unser freizügiges System zu Hause wirklich nur von Vorteil ist. Ob unsere Freiheiten denn nur Gesund sind. Strukturen engen ein, das ist richtig, aber sie bringen auch Sicherheit und Schutz. Und speziell in einem Land indem genügend Geld nicht eine Selbstverständlichkeit ist, ist dieser Schutz nützlich. Denn viele Beziehungsprobleme, mit denen wir uns zu Hause herumschlagen kennen die Leute hier gar nicht.
Ich kann hier meine Gedanken nur oberflächlich ankratzen. Es ist spannend zu beobachten, wie sich die jüngere Generation verhaltet. Aber ich finde es auch frustrieren, wenn ich sehe, wie sich diese Jungs und Mädels in ein Verhaltensmuster bewegen, welches sie sich gar nicht leisten können und welches auch total der Ihrigen Kultur widerspricht.
Ich fände es spannend eure Meinung zu diesem Thema zu hören. Hinterlasse doch deine Gedanken als Kommentar.
Tradition
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Einer meiner Lieblingssongs aus der Techno Allstars in den 90ern. DJ Bobo, La Bouche, Scooter etc haben mitgewirkt. Das waren noch Zeiten. Aber um das geht es eigentlich gar nicht. Denn die Khmer Jugend hat mit Elektronischer Musik nichts bis gar nichts am Hut. Von dem her findet meine Leidenschaft zwischen mir und meinem IPod statt. Mein IPod war soeben in einer Kur. Die ersten Regenstürme hat er überstanden, doch bei der letzten Wässerung hat er nicht mehr mitgehalten. Doch jetzt ist er wieder an meiner Seite wie seit eh und je. Aber auch um das geht es nicht. Ich merke gerade, dass ich noch stundenlang um den heissen Brei herum reden könnte. Doch wollen wir uns doch der Message ein wenig nähern.
Mhm… Nämmlig sobald me e chli usserhalb vo Phnom Penh umelungered isch me DIE sensation. Eigendlich hätti chönne Gäld verlange, dass mi d’Lütt dörfe aaluege. Hehe Blödsinn.
Was bringt mi überhaupt dört uuse? Es isch Khmer neu Joor gsi. De höggschti Fiirtig in Kambodscha im Joor. Mir schriibe jetzt s’Joor 2554 nämmlig. Kai wunder luege si mi wine Alien aa, denn ich fiir schliesslich nöggscht Sunntig mi 570e Geburtstag. Jetzt wird mer alles klar. E Wuche lang stoot ganz Phnom Penh still, wills e riise Völkerwanderig ind Provinz use gitt, will jede sini Familie will go bsueche. Völkerwanderig im wahrsten Sinne des Wortes. D’Strosse sind derart verstopft, dass es nümm vorwärts und ruggwärts goot. Büs, Töffs, Cars, Traktorwäge mit 50 Passagier, Lastwäge mit Passagier uff de Dächer, und vill witters struubs. Ich bi zum Glück scho am sunntig Mittag abgfahre und bi ohni witteri Problem bim Chouen sinere Schwiger Familie aacho.
ich wird vo dr Schwöster vo dr Vannet (D’Frau vom Choeun) abgholt. Si bringt mi in ihres huus. E grosses, schöns Holzhuus. Tschamriep Suo dört, Tschamriep Suo do und immer brav verneige, D’Fingerspitze öppe uff de Höchi vo dr nase, wie sichs ghört.
In dere Wuche hani e Huffe über d’Khmer Kultur glehrt. Vor allem über d’Art und Wyys vom zämme läbe, aber au über d’Gschichte vom Chouen und dr Vannet ihrer Familie. Aber uff das gangi evt e anders moll yy.
Das Holzhuus woni aagsproche ha isch e Pfahlbaute. Khmer baue uff Pfähl wills in de Rägezyt vill überschwemmige gitt. Widerum findet me unter em Huus e chüele Schatteplatz und dört isch denn eigendlich so s’Wohnzimmer. Ins Huus sälber goot me nur zum go schlofe. Obwohls sich uff ere hängematte dusse au sehr guet schlofe losst. Kocht wird au unterem Huus. uff füür. 4 Fraue sind flissig am schnätzle und Koche. Ich ha kei Aanig was mi erwartet.
In Kadmbodscha hett d’Familietradition, wieni sicher au scho erwähnt ha, e sehr hoche Standard. Die Jüngere gschwüsterti (p’own srey und p’own pro) diend sich de ältere gschwüsterti (bong srey und bong pro) unterordne. D’Kinder diend sich de Eltere sehr stark unterordne. Nid nur de Eltere, sondern au de Unkle und Tantene gegenüber. Authorität wird so wie ichs bis jetzt spür no sälte in Frog gstellt. Die Höggschti Position hett d’Grossmueter. Ich sag jetzt explizit Grossmueter, wills Grossvättere chum meh gitt. Ich muess sage, ich sälber ha no nie e Grossvater kenneglehrt. So vill Männer sind em Genozid vo de Rote Khmer vor 30 Joor zum Opfer gfalle. Das merkt me ganz krass, will eifach d’Generation vo de ältere Männer fascht ganz fählt. Wieni erwähnt ha sind d’Fraue fürs Huus verantwortlich. Rüste, Koche, Serviere, abruume. Aber es chunnt au vor, dass Männer mit aapacke. De Huusherr sälber eher weniger und Ych als Gascht ha eh kei Chance öppis zmache. De Huusherr kümmeret sich eher um das wo ums Huus ume isch. Es muess aber denno erwähnt sy, dass d’Huusherrin e mächtigi Position hett. Si isch so quasi d’Königin im Huus. Si isch die wo ufem Märt goot go iikaufe, oder zumindest entscheidet, was kauft wird. Si hett au d’Finanze in de Händ. D’Grossmueter hett so bitz de pensioniertestatus. Si isch au oft in dr Kuchi aawäsend, hilft au moll öppis mit, aber isch nümm in dr Verantwortig. Si zieht sich au eher moll zrugg. Natürlich isch das d’Familiesituation, wie ich se jetzt erläbt ha. In dere Familie isch e huffe passiert und das hett sicher dezue Biitreit, dass die Strukture so klar sind.
E Khmer isch nid öpper wo gärn stundelang am Tisch sitzt nach em ässe wie mir. Ässe isch meh e Bestandteil vom Tag und nach em ässe wird pfuust oder wittergschafft. Während emne Fiirtig wie Khmer neu Joor isch das bitz anders. Do bliibt me am Tisch sitze, d’Karte wärde füre gholt und e Bierli wird uffgmacht. Sofärn nütt anders statt gfunde hett händ mer denn jewiils de ganz Tag am Tisch verbrocht. So gege 2 am Nomidag isch denn d’Soundaalag aagworfe worde und denn isch Khmer Musik gloffe bis am 10i zoobe. Vermuetlich hetts s’ganze dorf ghört. Aber do sind d’Nochbere e bitzli Kulanter wie in dr Schwiz. Nur es bitzli. Villicht freue si sich sogar derüber, dass e bitz Musik lauft. Für mi persönlich isch es e durchhalteprob gsi hehehe.
Am zweite Tag vo de Fiirtige gönd d’Buddhiste in d’Tämpel go opfer bringe und go Bätte oder sich vo emne Mönch reinige lo. Uff em Wäg zrugg stönd jugendlichi mit Wassersäck oder Ballön und wärfe die de Töff und Velofahrer aa. Das sött zur Reinigung diene. Es isch grundsätzlich bitz anders dänkt gsi, aber die Junge händ das e bitz zu ihrem eigene Amusement gänderet.
Am Oobe stellt jedes Huus e Tisch parat mit früschem ässe, Konsärve und andere Gabene und verziert dä Tisch schön. Dä Tisch wird denn an Huusiigang gstellt. Die Gabene sind für d’Ängel dänggt. Falls die Ängel nid verbii chömme wärde die Sache denn 3 Tag spöter abgruumt und sälber gässe.
Was genau dehinter steggt weissi sälber nid so genau. Ich verzell euch eifach das wo mir verzellt worde isch. Und das isch nur sehr oberflächlich. Do stegge johrhunderti alti Traditione dehinter. Also das mit em Tanze, Wasser und em Opfer.
Ich bi denn die Wuche mit Khmer Kuchi verwöhnt worde. Ha villes Probiert woni no nie gse ha und woni au nümm weiss was es gsi isch. Vill gmies, vill Fleisch, und vor allem Ryys halt. Ich bi uff em Märt debii gsi wo si die Sache kauft händ und bi umso meh verstuunt, dass ich überhaupt keini Mageproblem gha ha. Umso meh dankbar bini do defür.
Am oobe jewiils sind denn die richtige Feschter losgange. Mir sind anderi Familiene go bsueche. Es isch nomoll richtig deftig kocht worde. Lutti Karaoke hett niene gfählt. Wichtig isch de baum wo in dr Mitti vom Hof, Vorgarte, oder was au immer stoot. Um das Bäumli ume wird tanzt. Me beweggt sich im Rhythmus vo dr Musik und d’Händ mache bewegige wo s’seihe und ärnte vom Ryys symbolisiere sölle. Ich als „barang“ (Barang heisst „Franzos“ und isch es Synonym für Ussländer oder Fremde) bi natürlich d’Hauptattraktion gsi und bi vo X Damene zum Tanz uffgforderet. Ich ha zwar kei aanig gha, aber ha mi eifach druff iilo. Has no sehr speziell gfunde.
Jo ebe de Barang. In Phnom Penh isch e Barang nütt speziells. Die gitts wie Sand am Meer. Aber sobald me ind Provinz uuse goot isch me uff eimoll de einzig. Wieni scho verzellt ha bini jo in emne Dorf glandet wo no nie e Barang gsi isch. In de Städt isch es aber au öppis speziells. D’Lütt freue sich, und si froge sich was e Barang in ihrer Stadt suecht. Für si isch e Barang öpper riichs. Und was suecht öpper Ryychs in ihrem Ort. Uff alli Fäll hani mer denn uff em Märt regelmässig vo de Märtfraue hinter de Fisch und Fleischständ dörfe aalose was ich füre Hübsche bi „sa art!“ vo links und rächts. „hübsch!“ heisst das. Do wird me jo no fascht Hochnäsig hehehe. Wenni denn no uff Khmer ei zwei Wörter mit ene ha chönne rede bini sowiso de Star gsi, oder ebe de Alien wo Khmer cha rede.
Wyssi Hutt isch in Kambodscha s’non plus ultra. Dunkli Hut tisch e Zeiche vo Armuet. Drumm setze vor allem Jungi Fraue und Männer alles dra zum jo nid bruun zwärde. Ab emne Gwüsse alter erübrigt sich das denn. Während däm ich Kurzärmlig uff em Töffli durch d’gegend fahr und freud ha, dass immerhin mini Unterärm e gueti Farb händ gseni lütt an mer verbii Fahre in digge Winterjaggene. Vorzugswiis schwarz. Händsche und Kappene sind au aagseit. D’Vannett isch in ere digge Schwarze jagge bi milde 38 grad näbe mir gstande und hett sich begklagt dass es heiss isch. Ich will mi mit däm nid über si luschtig mache, aber es isch wirklich do öppis ganz wichtigs, de Schönheitsaspäkt vo dr Wisse Hutt. Wer schön sein will muss leiden. Das zellt au do. D’Fraue hälfe denn au gärn no chli noche. Während in dr Schwiz brünlichi Tön ins gsicht gstriche wärde, bruucht me do vorzugswiis Farbtön wo richtig wyss gönd. Nid weniger wie bi uns. Aber wenn eini sich zu wyss aagmolt hett cha das scho bitz beängstigend ussgse.
So jetzt hani scho widr wahnsinnig vill gschriibe, falls die iiträg für euch zlang wärdet, sageds mer bitte. Ych hoff dir sind nid d’Auge zue gfalle. Aber für mi isch es unglaublich spannend gsi, was ich die letschti Wuche do uff em Land usse alles ha dörfe erläbe. Ich hoff dir liidet nid unter em Vulkanstaub und dir verkraftet d’Spargleknappheit.
Shalom und Blessings.
PS: Meh fötteli finde dr in dr Gallerie