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Deutschland, Frankreich und einige andere Länder entwickelten im 19. Jahrhundert das, was wir heute unter Fotografie verstehen. Italien war an der Entwicklung der Fotografie nicht beteiligt – dachte man bisher.
Doch jüngste Dokumentenfunde im venezianischen Naturkundemuseum weisen nach, dass die Geschichte der Fotografie auch um einen italienischen Aspekt bereichert werden muss. So erfand schon Jahre vor dem Franzosen Nicéphore Niépce ein Italiener ein Verfahren, um dauerhafte Bilder herzustellen.
Ingenieur und Erfinder
Der italienische Ingenieur Francesco Malacarne (1779 bis 1855) erfand die – wie er sie nannte – «Papyrograhie». Ein Verfahren, das Gegenstände mit Hilfe des Sonnenlichts reproduzierte.
Malacarnes Ziel war eine Art industrielle Produktion bereits existierender Bilder, wie etwa von Lithografien. Dass er zum Wegbereiter der Fotografie werden würde, ahnte er nicht.
Papyrographie mit Licht
Die im Naturkundemuseum in Venedig vor kurzem entdeckten Dokumente Malacarnes erklären, wie und mit welchen Mitteln es ihm gelang, mit Hilfe von Sonnenlicht Darstellungen zu reproduzieren. Dafür wurde ein Kupferstich in Wasser getaucht und auf ein Blatt Papier gelegt.
Dieses Blatt war mit einer lichtempfindlichen organischen Substanz bestrichen, deren exakte Zusammensetzung unbekannt ist. Der italienische Fotohistoriker Italo Zannier, vermutet, dass es sich unter anderem um Potassium gehandelt haben könnte.
Mit Hilfe der Sonne
Der feuchte Kupferstich und das mit der lichtempfindlichen Substanz bestrichene weisse Blatt legte Malacarne unter ein Glas. Stundenlang der Sonne ausgesetzt wurde die Darstellung vom Kupferstich auf das weisse Blatt reproduziert. Dieses Verfahren nannte Malacarne Papyrographie. Dabei handelt es sich um eine Vorform der Fotografie.
Italiens Beitrag
Fotohistoriker Zannier ist davon überzeugt, dass die Wiederentdeckung von Malacarnes Erfindung der bisher fehlende Nachweis dafür ist, dass auch in Italien im frühen 19. Jahrhundert mit fotografischen Techniken experimentiert wurde. Erst vor kurzem hat Zannier seine Forschungen zu Malacarne in einem Buch publiziert.
Buchhinweis
Anna Bedon, Italo Zannier: «Francesco Malacarne. Pioniere della fotografia. Ediz. illustrata», 2019, Quinlan.
Eine lange Geschichte
Die Geschichte der fotografischen Abbildung ist lang. Schon im 11. Jahrhundert fanden Experimente mit der sogenannten Camera obscura statt, der dunklen Kammer, um Objekte wiederzugeben.
Diese Geräte verfügten allerdings über keine Linsen. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts kamen Linsen zum Einsatz, die schärfere und hellere Bilder erzeugen konnten. Ende des 17. Jahrhunderts machte es die Erfindung des Ablenkspiegels möglich, einen Gegenstand auf Papier nachzeichnen zu können.
Ab dem 18. Jahrhundert experimentierten Erfinder mit lichtempfindlichen Substanzen und Fixiermitteln. Malacarnes Papyrograhie- und Niépces Heliografie-Verfahren führten zu ersten Vorläufern der Fotografie.
Der französische Maler Louis Jacques Mandé Daguerre erfand schliesslich das Fotografie-Verfahren, das damals Daguerreotypie genannt wurde. Dem Briten James Clerk Maxwell gelang 1861 die erste Farbfotografie. Seitdem kennt die Entwicklung fotografischer Verfahren keine Grenzen mehr.
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