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Dorfplatz 1 | Rössli
Erinnert an den weitbekannten Steiner Pferdemarkt
Das ursprüngliche Haus «Rössli», Dorfplatz 1, in Steinen, dürfte im 13. Jahrhundert erbaut worden sein. Bei den Umbauten in den Jahren 1966/67 fanden sich bei Ausgrabungen die Überreste eines freistehenden Ofenhauses. Seine Erbauungszeit dürfte um die Wende des 13./14. Jahrhunderts anzusetzen sein, also zur Zeit der Bundesgründung der Eidgenossenschaft. Aufgrund der Grösse des Ofens hat es sich wohl um einen Dorfbackofen gehandelt. Diese Ausgrabung ermöglichte somit erstmals die Identifizierung eines Gemeindebackofens in der Innerschweiz. Es handelt sich um den zweiten nach Thun (1264) noch festgestellten Dorfbackofen in der deutschen Schweiz.
Schriftlich erwähnt wurde das «Rössli» erstmals im Jahr 1627. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde am Platz des Gemeindebackofens und des älteren Wohnhauses das Gasthaus «Rössli» erstellt. Die beiden alten Gebäude wurden in den Neubau miteinbezogen und ein neuer Backofen eingebaut, der bis ins Jahr 1880 in Gebrauch war.
Das alte «Rössli» aus dem 16. Jahrhundert hatte eine der reichsten Holzfassaden der Urschweiz. Der Name «Rössli» erinnert zudem auch an den damals weitbekannten Steiner Pferdemarkt.
Im Jahr 1902 wurde das «Rössli» im Chaletstil gemäss der damaligen Architekturströmung umgebaut und erweitert. Seither steht seine Frontansicht unter Heimatschutz, was dem Dorfplatz von Steinen ein einzigartiges Gepräge verleiht.
Albert und Alice Koller-Zimmermann erweiterten das «Rössli» 1967 zu einem zeitgemässen Gasthaus mit Hotelzimmern für den damals aufkommenden Tourismus in Steinen, bewahrten dabei aber seine ursprüngliche Identität.
An der Steiner Kilbi und der Fasnacht traten im «Rössli» über Jahre die besten Ländlerkapellen auf, u.a. Heirassa, Hans Aregger, Willi Valotti, Carlo Brunner, Jost Ribary, Dani Häusler, usw. Zudem war das «Rössli» seit 1899 das Gründungs- und Stammlokal der Musikgesellschaft Steinen.
In der Folge entwickelten Alice und Albert Koller-Zimmermann das «Rössli» zu einem überregional bekannten und beliebten Gault Millau Gourmet-Lokal, in welchem unter anderem unzählige Hochzeiten, Familien- und andere Feste aller Art
stattfanden.
Nach fünf Generationen Wirte-Tradition der Familie Koller (seit 1851) schlossen im Jahr 2007 Albert und Alice Koller-Zimmermann altershalber ihr Gasthaus und bauten das «Rössli» in ein Wohn- und Geschäftshaus um. Damit fand eine fast 400-jährige Wirte-Tradition ihren Abschluss.
Dorfplatz 1 | Rössli
«Rössli»-Erinnerungen
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das Gasthaus «Rössli» neu erbaut. Im Jahr 1552 ersuchte der Schwyzer Landammann Georg Reding an der Tagsatzung zu Baden jedes Ort, «um Fenster und Wappen für das neue Haus des Wirts zu Steinen an der Brücke». Es dürfte sich dabei fast sicher um das «Rössli» gehandelt haben.
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Am St.-Moritz-Tag im Jahr 1655 trafen sich heimlich im «Rössli» Nikodemiten aus Arth zu einer Besprechung mit einem Zürcher Metzger. Gegen die Neugläubigen in Arth zeigte die Obrigkeit damals kein Erbarmen, denn sie wollte der evangelischen Bewegung im Alten Land Schwyz ein für alle Mal den Garaus zu machen. Maria Rigert, damalige Wirtin im «Rössli», wurde noch im Jahre später (1664) in dieser Angelegenheit vor die gnädigen Herren und Oberen von Schwyz zitiert, um über eventuelle Gesprächsthemen an dieser Besprechung Auskunft zu geben.
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Gesessener Landrath, den 10. März 1804: Der «Rössli-Wirth» Josef Meinrad Appert, Tanzschenker und Spilleuthe, sowie drei Masqueraden wurden vom Landrath vorgeladen, da sie trotz des am 8. Weinmonat 1803 erlassenen Tanzverbots am Aschermittwoch öffentlich getanzt und damit gegen das Gesetz verstossen haben. Der Landrath entschied von jedem Beschuldigten als Busse einen Neuenthaler einzuziehen. Nach bittlichem Anhalten und versprochener Besserung wurde gegenüber den Vorgeladenen Milde gezeigt und die Hälfte der Busse erlassen.
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Protokoll des Schwyzer Samstagsrates vom 7. September 1811: Der Präsident der Strassen-Commission hat es als vorteilhafter erachtet, das Weggeld in Steinen (Brücke), da Herr Ratsherr Linggi sein Wirtshaus «Rössli» an Joseph Horat verkauft hat, an den Meistbietenden zu vergeben. Der neue «Rössli»-Wirt Joseph Horat hat mit seinem ansehnlichen Bot die beiden Konkurrenten Cantonsrichter Städeli und Schmid Fälklin überstimmt und hat deshalb die Pacht des Weggeldes zugesprochen erhalten.
Neben dem Gasthaus wurde im «Rössli» bis 1880 eine Bäckerei betrieben. Ein weiterer, wichtiger Geschäftszweig des «Rössli» war auch der Tuchhandel und das Spezereigeschäft, dessen erweitertes Sortiment im Laufe der Jahre praktisch alle Bedürfnisse der Dorfbevölkerung abdeckte. Der Handel mit Kirschen wurde ebenfalls gepflegt. 1940 wurden annähernd 6000 kg an Kunden in der ganzen Schweiz verschickt. Die Produzenten erhielten im Schnitt pro Kilo Fasskirschen um die 60 Rappen und für Tafelkirschen bis zu 75 Rappen.
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Am 22. Januar 1852 erschien folgende Diebstahlsanzeige in der Lokalzeitung: «In der Nacht vom 21. zum 22. d. M. wurden dem Hrn. Johann Kohler, Wirth zum Rössli in Steinen, eine Federnbettdecke mit einem rotgespiegelten Anzug und drei Kopfkissen entwendet.
Dringender Verdacht dieses Diebstahls fällt auf den in Nro. lauf. Band. schon ausgeschriebenen Jakob Leonz Weber von Lachen, welcher am gleichen Abend im genannten Wirtshaus zugekehrt und übernachtet ist.
Man ersucht um Achtbestellung auf den beschriebenen Dieben und die entwendeten Gegenstände und im Betretungsfall um Einlieferung an das Tit. Bezirksamt Schwyz. Die Kantonspolizei».