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Frage zum Thema Schenkung
Ich bin 68 Jahre alt und verwitwet. Nun habe ich ein Haus geerbt, das ich gerne einer meiner drei Töchter schenken würde. Darf ich dies ohne das Einverständnis der beiden anderen Töchter tun? Falls ja, hätte dieses Geschenk Auswirkungen auf die Aufteilung des Erbes, das ich hinterlassen werde, wenn ich sterbe? (M. D. aus T.)
Die Antwort der Expertinnen:
An wen Sie Ihr Eigentum verschenken möchten, ist prinzipiell allein Ihre Sache. Im Fall einer Liegenschaft muss dies allerdings mit einem notariell beglaubigten Schenkungsvertrag zwischen Ihnen und Ihrer Tochter gemacht werden. Die beiden anderen Kinder müssen hierbei nicht einbezogen werden.
Auf einem anderen Blatt stehen allerdings die erbrechtlichen Konsequenzen einer solchen Schenkung. Unser Erbrecht geht von der Vorstellung aus, dass alle Kinder gleich viel erben sollen von ihren Eltern. Ihre beschenkte Tochter erhält mit der Schenkung im Prinzip einen Erbvorbezug, der dann in der Nachlassabwicklung wie ein Akonto* behandelt wird. Das heisst, das verschenkte Haus wird nach Ihrem Tod wieder zu Ihrem Vermögen hinzugerechnet. Anschliessend werden die einzelnen Erbquoten, die Ihre Töchter erhalten, berechnet. Dabei wird sich Ihre beschenkte Tochter die Liegenschaft – zum Verkehrswert per Todestag – anrechnen lassen müssen. Mit diesem Vorgehen wird die getätigte Schenkung ausgeglichen und alle drei Kinder erben je 1/3 Ihres Vermögens.
Wenn Sie möchten, können Sie aber testamentarisch bestimmen, dass diese Schenkung nicht ausgeglichen wird. Das müssen sich die anderen Kinder gefallen lassen, ausser wenn durch diese Bestimmung ihr Pflichtteil verletzt wird.
Auswirkungen könnte die Schenkung der Liegenschaft für Sie auch haben, falls Sie irgendwann Anspruch auf Ergänzungsleistungen erheben. Denn dann wird Ihre Schenkung von den zuständigen Stellen als sogenannter freiwilliger Vermögensverzicht angesehen und der Wert der Liegenschaft wird Ihnen wie noch vorhandenes Vermögen angerechnet. Dies kann die Ergänzungsleistungen stark verringern. Allerdings reduziert sich die Höhe des freiwilligen Vermögensverzichts mit jedem Jahr, das seit der Schenkung vergangen ist, um CHF 10’000. Wenn also eine Liegenschaft im Wert von CHF 500'000 vor 10 Jahren verschenkt wurde, rechnet die Sozialversicherungsbehörde nur noch CHF 400'000 als Vermögensverzicht an.
* Ein Akonto (auch Anzahlung oder Abschlagszahlung genannt), ist eine Teilzahlung, die im Voraus auf einen geschuldeten Geldbetrag geleistet wird.
Die Spezialistinnen der Basler Kantonalbank zu Ehe- und Erbrecht:
Bigna Gadola, lic.iur. und Lisbeth Schellenberg, lic.iur.
Sie erreichen die Expertinnen unter Telefon 061 266 28 18 (Abteilung Erbschaftsberatung)
oder per Mail: <email-pii>.