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Abgelegenes Juradorf
Das Bergdorf Lauwil liegt auf 634 m ü. M. in geschützter Lage auf einer Bergterrasse beziehungsweise in einer Bergmulde am Nordfuss des Kettenjuras, dessen Faltenbündel sich bis mehrere Kilometer weit über den flachen Tafeljura geschoben haben. In Dorfnähe bestehen kleine ehemalige Posamenterhöfe mit Baumgärten wie Rüchi, Hollen, Ränniken oder Langacher. Die Zufahrtsstrasse, welche von der Verbindungsstrasse Reigoldswil–Bretzwil abzweigt, führt nur bis zum Dorf, sodass dieses vom Durchgangsverkehr bis heute verschont geblieben ist.
Das Gebiet der Gemeinde grenzt im Süden mit dem Bogental an die solothurnischen Gemeinden Mümliswil und Beinwil und erstreckt sich über die Wasserscheide Ergolz–Birs der nördlichen Jurakette. Die Entwicklung im 19. Jh. und in der ersten Hälfte des 20. Jh. war eng mit der Seidenbandweberei verknüpft. Diese bot eine gute Einkommensquelle. So wuchs die Bevölkerungszahl von 1800 bis 1850 um 66 %. Obwohl die Zahl der Bandwebstühle noch auf über 100 anstieg, spiegelte der Bevölkerungsrückgang seit 1850 den Niedergang der Seidenbandweberei wider. Dieser Niedergang – ein Rückgang der Bevölkerungszahl von 1850 bis 1990 um beinahe 60 % – war eklatant.
Abgeschiedene Landschaft
Im Lauwiler Bereich des Baselbieter Kettenjuras, genauer im Bereich Reigoldswil–Lauwil–Bogental führte die Abgeschiedenheit dazu, dass etliche Grosstiere vor ihrer Ausrottung zuletzt noch hier gelebt haben: Bär (verschwunden1789), , Auerhahn und von den letzten Wölfe (verschwunden 1807). Umgekehrt ist diese Landschaft sehr geeignet für wieder ausgesetzte oder wieder eingewanderteTierarten wie , Uhu und .
Hochwacht, Trennungswirren und Wappen
Wie an anderen Orten im Baselbiet befand sich anfangs 19. Jh. oberhalb der mittleren Romaiweid oberhalb der mittleren Romaiweid
gegen den Grauboden hin zu eine Hochwacht oder Hohwacht. Im Rahmen der Trennungswirren zwischen Basel und Baselland hatten die Basler bereits 1832 ein mit starker Wache versehenes Signal auf einem dem Vogelberg vorgelagerten Bergzug errichtet. Bei der Schaffung des Gemeindewappens hat die Gemeinde Lauwil 1944 in Erinnerung an das historische Geschehen das Hohwachtfeuer als Symbol in ihr Gemeindewappen aufgenommen.
Um das Dorf
Die Landschaft um das Dorf ist gekennzeichnet von Obstgärten, Wies- und Weideland. Zwölf stattliche Sennhöfe wie Ulmet, Bürten oder St. Romai verteilen sich in der Flur. Vor allem die höher gelegenen Gebiete beherbergen heute zahlreiche Naturreichtümer, die unter Naturschutz stehen. National bedeutsam sind Trockenwiesen bei Ulmet, Mittlere Romaiweid und Chliweidli, welche in der Liste der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung aufgeführt sind.
Ulmethöchi, 973 m ü. M.
Der Übergang von Lauwil über das Bogental ins Tal der Lüssel trägt den Namen nach dem Sennhof Ulmet. Dieser Hof bestand ursprünglich aus drei Sommerweiden im Besitze finanzkräftiger Basler. Mitte 18. Jh. besass das Bürgerspital Basel eine der drei Alpen. Bis 1997 waren alle drei Güter Teil des Spitalgutes Basel. Heute sind sie in privatem Besitz.
Die Ulmethöchi ist bekannt für die Vogelzugforschung. Über Süddeutschland und der Schweiz führt der herbstliche Vogelzug Richtung Südwesten. Zugvögel, die von Nordosten her anfliegen, folgen dem Nordrand des Faltenjuras und nähern sich von Osten der Ulmethöchi. Bei Gegenwind fliegen die Vögel tief und nützen den Windschatten des lokalen Reliefs aus. Durch die beiden umliegenden bewaldeten Kreten, die zusammen eine Art Trichter bilden, wird der Vogelzug verdichtet und über die Ulmethöchi geleitet. Der Geländesattel wird so zu einem ausgezeichneten Standort, um im Herbst Zugvögel zu beobachten und zu studieren. Die Ulmethöchi liefert für Mitteleuropa eine der am weitesten zurückreichenden Datenreihen von Durchzüglern. Sie kann zur Beurteilung von langfristigen Populationstrends beitragen.
Das Bogental - eine Landschaft von nationaler Bedeutung
Das Bogental erstreckt sich vom Vogelberg her zwischen Geitenberg und Passwang nach Westen. Entwässert wird das Tal von der Lüssel, welche bei Zwingen in die Birs mündet. Das Gebiet «Wasserfallen–Bogental» gehört zu den vielfältigsten und artenreichsten Landschaften des Baselbietes. Um 1835 verkaufte die Stadt Basel grosse Landteile an meist begüterte Familien aus Basel, welche im Basler Hinterland ihre Sommerresidenzen errichteten. So erfuhr auch das Bogental zwischen 1835 und 1931 verschiedene Handänderungen. Der letzte Besitzer des Bogentals war ein Holzhändler aus Laufen, welcher den Wald buchstäblich ausplünderte. Bis ins 19. Jh. wurden die Wälder für die örtliche Glashütte – früher auch für die Eisenverhüttung – sowie bis rund 1920 für den Holzhandel und für Brennholz ausgebeutet.
Das Naturschutzgebiet «Bogental–Geitenberg» besteht in seinen Grundzügen seit dem Jahre 1990. Das Kerngebiet «Bogental» wurde im Dezember 1990 in das Inventar der geschützten Naturobjekte des Kantons Basel-Landschaft aufgenommen. Im Jahre 1991 ist das Schutzgebiet durch das östlich anschliessende Gebiet "Geiten" erweitert worden. Im Dezember 2000 wurde das Gebiet mit den beiden nordwestlich und östlich angrenzenden Gebieten «Hundsmatt–Geissberg» und «Schattberg–Hohwacht» ergänzt. Diese vier Teilgebiete wurden nun zu einem Naturschutzgebiet «Bogental–Geitenberg» zusammengefasst. Mit einer Gesamtfläche von 239,5 Hektaren ist es das grösste Naturschutzgebiet des Kantons. Ein grosser Teil liegt auch aus der Sicht des Vogelschutzes in einem besonders wertvollen Gebiet mit verschiedenen seltenen Brutvogelarten wie Baumpieper, Berglaubsänger, Hohltaube, Wanderfalke und Kolkrabe.
HPM
Tabellen und Diagramme
Quellen: Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung
Anmerkung: Die Jahreszahlen der Bandwebstühle stammen aus den Jahren: 1754, 1786, 1856, 1908. Im Jahr 1908 gab es im Durchschnitt pro Bandwebstuhl 3.9 Einwohner!
divQuellen: Historisches Lexikon der Schweiz,Bundesamt für Statistik 1850–2000 eidg. Volkszählung, Statistisches Amt Kanton Basel-Landschaft ab 2001 Fortschreibung
Quelle: Eidgenössische Volkszählung, Statistisches Jahrbuch BL, 2017