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Fantasyfilm. USA/GB/Indien
2006
Alternative Titel -
Regie Tarsem
Drehbuch Tarsem, Nico Soultanakis, Dan Gilroy nach dem Film "Yo ho ho" von Valery Petrov
Produktion Tarsem
Ausführende Produzenten Ajit Singh, Tommy Turtle
Musik Krishna Levy
Kamera Colin Watkinson
Darsteller Lee Pace, Catinca Untaru, Justine Waddell, Robin Smith, Jeetu Verma, Leo Bill,
Marcus Wesley, Kim Uylenbroek, Sean Glider, Ronald France, Andrew Roussouw
Länge 117 Min.
US-Kinostart
30.05.2008
CH-Kinostart -
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.|
© Text Marco,
molodezhnaja 18.9.08
© Bilder Sony, Screenshots molodezhnaja
STORY
Los Angeles zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der Film-Stuntman Roy Walker (Lee Pace) liegt im Spital. Er wurde beim Dreh einer Actionszene derart schwer verletzt, dass ihm nun ein Leben im Rollstuhl droht. Eines Tages freundet sich die kleine Alexandria (Catinca Untaru), die ihren Arm gebrochen hat, mit ihm an. Um sie bei Laune zu halten, erzählt er ihr eine Geschichte aus einem fernen Land, in dem der Gouverneur Odious (Daniel Caltagirone) eine ganze Reihe von Schandtaten begangen hat. Fünf Outlaws wollen ihn dafür zur Rechenschaft ziehen: Ein Inder (Jeetu Verma), der ehemalige Sklave Otta Benga (Marcus Wesley), der Biologe Darwin (Leo Bill), der Italiener Luigi (Robin Smith) und der Blaue Bandit (Lee Pace).
REVIEW
Im Jahr 2000 debütierte der indischstämmige Tarsem Singh mit dem Jennifer-Lopez-Horrorfilm "The Cell" im Kino. Zuvor fiel der Ästhet durch seine eigenwilligen Musikvideos auf - vor allem "Losing My Religion" von R.E.M. erlangte den Status eines Klassikers. Denselben etwas abgehobenen Stil brachte Tarsem in sein Debüt und konzentrierte sich stärker auf den Look als auf die Geschichte. Das verstörte so manchen Zuschauer, doch mir gefiel das Werk ganz gut. Gleiches gilt nun auch für seinen Zweitling, der noch weniger in Hollywood'schen Genre-Regeln verhaftet ist, sondern dem experimentierfreudigen Tarsem eine wahre Spielwiese zur Verfügung stellt, in der er seiner Vorstellungskraft freien Lauf lassen kann.
Vier Jahre lang war der Film in Produktion, die Crew bereiste 18 Länder (primär Indien), um ohne Spezialeffekte an überwältigenden Locations einen traumwandlerischen Fantasyfilm zu drehen. Die Handlung, die lose auf dem bulgarischen Film "Yo ho ho" von 1981 basiert, verkommt dabei zur Nebensache - sie funktioniert etwa ähnlich wie der Genre-Klassiker "The Princess Bride", in dem der Opa seinem Sohn die Geschichte von wackeren Helden auf Rache-Trip erzählt. Dies aber ohne dessen Genie und Unterhaltungswert je zu erreichen. Für Tarsem scheint alles vielmehr ein Gerüst darzustellen, in dessen Schranken er hemmungslos mit Farben und Formen agieren kann. Schon die Eröffnungssequenz in Schwarzweiss zum unendlich schönen 2. Satz von Beethovens Siebter Symphonie (Op 92. Allegretto) liess mir den Atem stocken.
Später gibt es eine Wüstenszene mit Alexander dem Grossen, die gleichermassen künstlich wie kunstvoll aussieht. Und wenn dann mal die fünf Helden ins Spiel kommen, dominieren die ungeheuerlichen Kostüme der Japanerin Eiko Ishioka ("Dracula", "The Cell") sowie die Landschaften in Indien (die "Blaue Stadt" Jodhpur, das Taj Mahal etc.) und aller Welt die Szenerie. Man kann sich kaum sattsehen an diesen Bildern, die mal inspiriert sind von der Filmgeschichte, dann von indischer Mythologie, dann wiederum von klassischer Traumdeutung. Tarsem ist ein Meister darin, Kompositionen zu schaffen, die direkt aus der Fantasie eines Schlafenden zu stammen scheinen. Hier jedoch ist doppelt interessant, dass die Handlung vom Erwachsenen Roy erzählt wird, wir aber die Visionen von Alexandria sehen.
Das führt auch zu Missverständnissen, wenn etwa Roy von einem Indianer, seiner Squaw und einem Wigwam erzählt, die Kleine sich aber einen Inder (auf Englisch auch "Indian") vorstellt. Ähnliche Diskrepanzen gibt es immer wieder, doch dies mit Absicht. Ebenso sind alle in Alexandrias Visionen vorkommenden Menschen solche, die sie aus ihrem Alltag kennt, was zusätzlich für eine Verschmelzung von Fakt und Fiktion führt. Tarsem hält die beiden Ebenen an sich getrennt, doch sie greifen ineinander.
Schwächeln tut das Werk abseits dieser inszenatorischen Raffinessen. So verliert die Geschichte rasch an Drive und weder Alexandrias Rahmenhandlung noch die Rache der fünf Helden packt wirklich. Die Stilisierung fordert ihren Preis. Selbst die Schauspieler sind nicht das Gelbe vom Ei: Dem TV-Star Lee Pace fehlt es an Charisma und die neunjährige Rumänin Catinca Untaru, die kein Englisch spricht und ihre Texte phonetisch einstudieren musste, wirkt oft zu improvisierend. Tarsem, der ihre Szenen chronologisch drehte und von "Tagesaktualität" (anfängliche Scheu vor Lee Pace, Zahnlücken etc.) Gebrauch machte, motiviert das Mädchen zwar zu natürlichem Spiel, doch hin und wieder verliert sie so ihren Fokus.
"The Fall" ist demnach nicht jedermanns Sache. Wer sich für "The Cell" nicht erwärmen konnte, wird auch hiermit seine Probleme haben. Doch wer eine reizvolle Geschichte visuell einfallsreich umgesetzt sehen will, kommt ganz auf seine Kosten. Der Fantasyfilm mag seine Probleme haben, sei es bei den Schauspielern, der Spannung oder der Story, doch er ist auf seine Art beinahe einzigartig. Ein sehr persönliches Projekt, getragen von einer umwerfenden Bildsprache. Da dies einem Massenpublikum nur schwer zu verkaufen ist, lag der Film lange in den Archiven der Produzenten. Erst David Fincher und Spike Jonze haben ihm einen Release ermöglicht. Gut so. "The Fall" ist zwar weit davon entfernt, ein Geniestreich zu sein, doch er ist in der Zeit von Fliessbandproduktionen wenigstens ein Werk mit eigener Handschrift und eigenem Charakter.
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EXTERNE INFOS & REVIEWS
imdb.com
Roger Ebert (4/4)
James Berardinelli (2/4)
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