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Postpartale Depressionen: Das Tabu durchbrechen und Hilfe finden
Eine Vollzeitstudentin der HFS Zizers, Tina Hofer, berichtet in ihrer Diplomarbeit über die Sensibilisierung in der Sozialpädagogik zum Thema «Postpartale Depression» (kurz PPD). Hier ein Einblick in die Wichtigkeit des Themas.
Einführung in das Thema
Ein transparenter Umgang mit dem Thema Depression kann den Betroffenen helfen, sich rechtzeitig Unterstützung zu suchen und dadurch eine angemessene Behandlung zu ermöglichen. Sozialpädagogische Fachkräfte nehmen hierbei eine entscheidende Rolle ein, indem sie Klientinnen und Klienten für das Thema sensibilisieren, präventive Unterstützung anbieten und die Betroffenen zu relevanten Anlaufstellen und Angeboten weitervermitteln.
Depression nach der Geburt - Postpartale Depression
Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Störungen, welche als langanhaltende Stimmungsstörungen definiert werden. Obwohl unklar ist, ob Frauen oder Männer häufiger betroffen sind, steht fest, dass Frauen fast doppelt so oft diagnostiziert werden wie Männer. Die Risikofaktoren an einer Depression zu erkranken sind bei Frauen und Männern unterschiedlich.
Risikofaktoren einer Postpartalen Depression
Die Rolle der Ehefrau, Hausfrau und Mutter stellt einen häufigen Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression dar, wie aus der folgenden Abbildung ersichtlich ist.
Die Geburt eines Kindes führt bei 15% der Frauen jährlich zu postpartalen Depressionen (PPD), umgangssprachlich oft als Wochenbettdepression bezeichnet. Der Babyblues betrifft 80% der Frauen nach der Geburt, während die schwerere Form, die postpartale Psychose, selten ist.
Symptome und Ähnlichkeit mit Depression
Die Symptome einer Postpartalen Depression ähneln der gewöhnlichen Depression, inklusive kinderspezifischer Aspekten, wie zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber, Schwierigkeiten sich dem Kind zuzuwenden, Schuldgefühle «ich mache alles falsch» und mangelndes Selbstvertrauen in die neue Mutterrolle. Diese Symptome betonen die einzigartige Belastung, die eine Postpartale Depression für Mütter mit sich bringt. Die Sensibilität für diese Anzeichen ist entscheidend, um rechtzeitig Unterstützung und Intervention anzubieten.
Für die Betroffenen ist es oft schwer, den Verwandten und Bekannten zuzustimmen, die das Ereignis der Geburt als schön bezeichnen. Das Offenlegen der eigenen Gefühle würde als Undankbarkeit gelten und nicht dem Mutterideal entsprechen. Viele verschweigen daher aus Angst vor gesellschaftlicher Verurteilung ihre Gefühle. «Erst wenn nicht nur über die schönen und bereichernden Seiten des Lebens mit Kindern, sondern auch über die Schwierigkeiten offen gesprochen wird, lässt der Erwartungsdruck nach».
Auswirkungen auf das Kind und die Familie
Die möglichen Auswirkungen auf das Kind sind vielfältig, wie die folgende Liste aufzeigt:
- Regulationsstörungen beim Säugling (was zu Schreibabys sowie Schlaf- oder Stillstörungen führen kann).
- Ein erhöhtes Risiko, später selbst an Depressionen zu erkranken.
- Negative emotionale Langzeitfolgen bei anhaltender Depression.
- Ängstliche, niedergeschlagene und angespannte Verhaltensweisen bei betroffenen Kindern.
- Kindesmisshandlung und Vernachlässigung.
- Entwicklungsverzögerungen und unzureichende soziale Interaktionen.
- Geringere Leistungen in der Fein- und Grobmotorik, Kommunikation, den Problemlösungsfähigkeiten sowie den persönlichen/sozialen Fähigkeiten.
- Beeinträchtigte Qualität der Mutter-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter.
Früherkennung und Prävention
Früherkennung und Prävention sind deshalb entscheidend, um negative Auswirkungen zu vermeiden. Bildung, Vorbereitung und Unterstützung durch das Umfeld sind wichtige Schutzfaktoren. Zur Behandlung werden angepasste Psychotherapie und geeignete ärztlich verschriebene Medikamente eingesetzt.
Gesellschaftliches Schweigen über postpartale Depression (PPD): Herausforderungen und Handlungsansätze
Das Thema der postpartalen Depression bleibt in der Gesellschaft weitgehend tabuisiert. Die Hälfte der Betroffenen schweigt über ihre Erkrankung, und weniger als ein Drittel der Frauen sucht professionelle Hilfe. Ängste vor gesellschaftlicher Verurteilung sowie die Sorge als undankbar und überfordert zu gelten, zählen zu den häufigsten Gründen für dieses Schweigen.
Für Fachpersonen ist es von entscheidender Bedeutung, die Aufmerksamkeit auf das Erkennen und Intervenieren bei möglicher PPD zu lenken. Dies kann, um einige Möglichkeiten zu nennen, durch regelmässige Gespräche mit den Betroffenen, die Ausarbeitung von «Notfallplänen», die Einbindung des Umfeldes, die Förderung des Austauschs unter Betroffenen sowie die Stärkung des Bindungsverhaltens in der Mutter-Kind-Beziehung erfolgen.
Nach der Diagnosestellung der PPD ist die Edukation und Unterstützung der Mutter von entscheidender Bedeutung. Eltern sollten über die Folgen psychischer Belastung informiert werden, die Erlaubnis erhalten, auch ihrem eigenen Wohlbefinden Priorität einzuräumen, Beratung zu passenden Angeboten aus der Umgebung zu erhalten und auf ihrem Weg begleitet und gestärkt werden.
Auch Sozialpädagogische Fachpersonen sehen sich aufgrund begrenzter Ressourcen mit Herausforderungen konfrontiert. Glücklicherweise existieren diverse Anlaufstellen, die nicht nur hinzugezogen werden können, sondern auch zusätzliche hilfreiche Angebote bereitstellen. Sozialpädagogisch begleitete Angebote sind in verschiedenen Einrichtungen verfügbar, darunter Mutter-Kind-Häuser, Mutter-Kind-Stationen, sozialpädagogische Familienbegleitungen sowie spezifische Institutionen wie das Bindungshaus Basel. Diese Angebote spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Herausforderungen, die mit postpartalen Depressionen einhergehen, und bieten einen unterstützenden Rahmen für betroffene Frauen und ihre Kinder.
Fazit
Die Postpartale Depression (PPD) ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die nicht nur die betroffene Frau selbst beeinflusst, sondern auch Auswirkungen auf ihr Kind und ihr soziales Umfeld hat. Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen spielen eine entscheidende Rolle, um fachgerecht zu unterstützen und zu intervenieren. Hierfür sind fundierte Fachkenntnisse unumgänglich.
Dennoch sollten wir uns insbesondere dann, wenn wir mit Frauen, werdenden Müttern oder Müttern arbeiten, mit solchen Themen auseinandersetzen. Als Fachpersonal haben wir die Möglichkeit, Klientinnen und Klienten zu informieren. Ein offener Umgang mit dem Thema Depression kann den Betroffenen dabei helfen, frühzeitig Hilfe zu suchen, was eine angemessene Behandlung ermöglicht. Das Wesentliche ist, dass wir Sozialpädagogen/Sozialpädagoginnen erstens die Symptome und Unterstützungsmassnahmen einer postpartalen Depression kennen und zweitens wissen, auf welche Anlaufstellen wir zurückgreifen können.
Weiterführende Informationen
Anlaufstellen und EPDS-Fragebogen
Die im Anhang aufgelisteten Anlaufstellen bieten ein breites Spektrum an schweizweiter Unterstützung für Sozialpädagogische Fachpersonen und Eltern, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit postpartalen Depressionen zu bewältigen.
Zudem ist der EPDS-Fragebogen im Anhang zu finden. Er gibt Betroffenen und Fachpersonen eine Einschätzung darüber, ob es sinnvoll wäre, einen Arzt für eine genauere Abklärung aufzusuchen.