Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03218.jsonl.gz/2287

Unser Sport hatte Jahrzehnte mit Vorurteilen zu kämpfen. Golf ist (k)ein Sport, der von älteren Herren in komischen Hosen hinter hohen Zäunen und Hecken betrieben wird. Dann traten vor rund 20 Jahren Protagonisten wie die ASGI, die Migros und vor allem ein junger Mann aus Kalifornien, der einer Minderheit angehört auf und machten den Golfsport populär und cool. Die Nachfrage nach Spielmöglichkeiten und Golfreisen, Equipment und Schnupperkursen schoss massiv in die Höhe und in den USA rief Tiger Woods sein „First Tee“ Programm ins Leben, das Golf für Kinder aus allen Gesellschaftsschichten zugänglich machte.
Schöne neue Welt: Man durfte sich als Golffan outen, ohne schiefe Blicke oder einen der sattsam bekannten Golfwitze zu riskieren. Golf wurde plötzlich und auch in bisher wenig golfaffinen Medien und Gesellschaftsschichten ernst(er) genommen und 2016 sogar – nach über 100 Jahren – wieder olympischer Wettkampf.
Im Herbst 2016 kam für die Golfgemeinde (und wohl nicht nur für sie) dann ein veritabler Schock: Ein Immobilienhai und erklärter Golffreak wurde, für viele völlig überraschend, zum 45. POTUS gewählt. Nun hatten zwar schon viele Vorgänger von Mr. Trump eine besondere Beziehung zum Golfsport. Eisenhower war so begeistert vom Spiel mit Ball und Schläger, dass er von politischen Gegnern und Presse als „The Great Golfer“ geschmäht wurde. John F. Kennedy war der vielleicht beste Spieler im Weissen Haus, hielt seine Passion aber aus wahltaktischen Gründen geheim. Bill Clinton war für seine lasche Zählweise bekannt, die sogar zur Kreation des Begriffs „Billigan“ (abgeleitet von „Mulligan“) führte, George H.W. Bush, sein Sohnemann George W. und Barak Obama verbrachten regelmässig Zeit auf dem Golfplatz. Soweit ist Donald Trump also keine Ausnahme, der Unterschied liegt vielmehr in seinem Auftreten und vor allen seinen Aussagen. Er wird nie müde zu betonen, was er für ein aussergewöhnlich guter Spieler ist (er reklamiert für sich ein Handicap von 2 oder 3), wie viele Clubmeisterschaften und Platzrekorde er schon eingeheimst hat und auch, dass die von ihm betriebenen Resorts und Plätze die besten der Welt seien. Zumindest mit letzterem liegt der „First Golfer“ nicht völlig falsch und man muss neidlos anerkennen, dass Plätze wie der Doral Golf Club in Miami mit dem berühmten „Blue Monster“, der Trump Turnberry oder der Trump Aberdeen in Schottland tolle Anlagen sind.
Verstörend am Gehabe von Donald Trump ist aber vor allem – und nicht nur für Golffreunde – seine persönliche, gut dokumentierte Auslegung von Regeln und Etikette. Er fährt mit dem Golfcart seelenruhig auf ein Green, führt auf dem Platz lautstark Gespräche an seinem Mobiltelefon, nimmt regelmässig Putts von drei Metern wie selbstverständlich als „gimmie“ auf, oder unterlässt es bei Bedarf auch mal, ein schlechtes Score an einem Loch zu notieren. Dies zumindest erzählte die norwegische Proette Suzanne Pettersen nach einer Runde mit dem POTUS einer Zeitung in ihrer Heimat: „Er schummelt wie der Teufel und bezahlt seinen Caddie offenbar sehr gut. Ganz egal wie weit er seinen Abschlag in die Pampa schlägt, der Ball liegt wie durch ein Wunder immer Mitte Fairway. Ich habe schon oft mit ihm gespielt und er kam nie auch nur in die Nähe von 80 Schlägen oder weniger.“ Ähnliche Aussagen kamen auch vom Schauspieler Samuel L. Jackson und von Rocklegende Alice Cooper.
Donald Trump, der nicht müde wird seinen politischen Gegnern „fake news“ vorzuwerfen, nimmt es mit der Wahrheit offensichtlich auch nicht so genau und weil er über die Social Network Kanäle dauerpräsent ist, bekommen auch viele Nichtgolfer seine Eskapaden mit. Vielen zehntausenden von Golfenden in aller Welt erweist der US-Präsident damit einen Bärendienst und ich wäre nicht überrascht, wenn schon bald Bemerkungen wie „ist Golf Magic, weil man seine Ergebnisse wie durch Zauberkraft verbessern kann?“ die Runde machen.
Quellen: The New York Times / USA Today
Text: Peter Hodel
Foto: thedrive.com