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Grand Canyon Nationalpark
Ich staunte nicht schlecht als wir in Richtung Grand Canyon fuhren. Die Strasse zum Nordrand der Schlucht führte über riesige Wiesengebiete, eingerahmt von sanften, bewaldeten Hügeln. Zwischendurch wies ein Schild darauf hin dass man sich doch an die Geschwindigkeit halten soll da Bisons die Strassen kreuzen oder blockieren können. Bisons? Ich fragte mich, ob wir uns wirklich auf dem richtigen Weg, also kurz vor dem Grand Canyon, befanden. Irgendwie hatte ich mir die Umgebung ganz anders vorgestellt. Viel trockener und karger, ähnlicher einer Wüste oder so.
Dass es in der Umgebung des Nordrands vom Grand Canyon so viel Wald und ausgedehnte Wiesenflächen hat ist dem Fakt geschuldet, dass das Colorado Plateau leicht nach Süden neigt. Dadurch liegt die Nordkante des Colorado River gut 300 Meter höher als die viel öfters besuchte Südkante. Aus diesem Grund ist auch die Niederschlagsmenge hier um einiges höher. Zusammen mit der höheren Lage reicht das aus, um eine wundervoll grüne Landschaft zu schaffen.
Durch die leichte Südneigung wurde im Laufe der Zeit die nördliche Abbruchkante deutlich mehr durch Regenwasser ausgewaschen und erodiert. Weil über die Jahrmillionen riesige Mengen Gestein und Erde weggespült wurden liegt die aktuelle Norkante bereits mehrere Kilometer weg vom Colorado River. An der Südkante fliesst der Niederschlag aufgrund der Gravitation weg von der Abbruchkante und somit erodierte diese weniger. Daher kann man an der Südkante den Grand Canyon und den Colorado River besser bestaunen, da man dort viel näher ran kommt.
Zwar befinden sich die beiden Besucherzentren der beiden Kanten nur gut 10km Luftlinie voneinander entfernt, um beide Orte zu besuchen wäre aber ein Umweg von 340km und eine Fahrzeit von 4h nötig. Da wir aus nördlicher Richtung vom Zion und Bryce Canyon her kamen entschieden wir , lediglich die Nordkante zu besuchen.
Bright Angel Point
Auf Grund der langen Anfahrt steuerten wir am Nachmittag des ersten Tages nur noch die Grand Canyon Lodge an, um einen ersten Blick auf die imposante Schlucht zu werfen. Von der Lodge führt ein kurzer Weg zum Bright Angel Point, von wo eine herrliche Aussicht wartet.
Die tiefe Schlucht ist absolut beeindruckend und ich war vom ersten Moment an gefesselt vom Anblick. Vor allem der plötzliche Abbruch von der dahinter liegenden Ebene ins scheinbare Nichts imponierte mir gewaltig. Auch die verschiedenen Gesteinsschichten der Erdgeschichte waren bestens zu erkennen. Das Erlebnis wurde noch intensiviert durch die spezielle Stimmung eines aufziehenden Gewitters. Es näherten sich dicke, schwarze Wolken und wir konnten beobachten, wie der Regen langsam aber stetig von der Südkante durch den Canyon auf die Nordkante zusteuerte. Als der Regenschauer die Nordkante erreichte zogen wir uns in den Aufenthaltsraum der Logde zurück und liessen den Tag gemütlich auf einem bequemen Sofa ausklingen.
Cape Royal Road
Am nächsten Tag steuerten wir weitere Aussichtspunkte Richtung Cape Royal an. Hier war die Aussicht noch schöner als am Vortag beim Bright Angel Point. Das lag vielleicht auch daran dass man beim Angels Window über eine Felsbrücke auf einen sehr labil ausschauenden Felsen übersetzten kann.
Dort oben konnte ich meinen Blick durch die Seitenarme des Grand Canyons schweifen lassen und unter mir fielen die Wände ins bodenlose Nichts. Von diesem Aussichtpunkt war nun auch der Colorado River in der Ferne knapp zu sehen.
Cape Royal, der zweite Aussichtspunkt, eröffnete ebenfalls einen wunderschönen Blick auf den bezaubernden Grand Canyon. Ich blieb lange sitzen und genossen ein weiteres Wunder von Mutter Erde.
Den Tagesabschluss machten wir beim Point Imperial. Auch wenn dieser Aussichtspunkt nicht mehr ganz so eindrücklich war wie die Aussicht weiter südlich war es dennoch beeindruckend, die Kraft des Colorado River zu sehen, wie er sich im Laufe der Zeit seinen Weg durch das Colorado Plateau frass und dabei eine surreale Schluchtenlandschaft hinterliess.
Übernachten im Kaibab National Forest
Da der Campingplatz im Nationalpark selber schon lange ausgebucht und gnadenlos überfüllt war fanden wir leider keinen Stellplatz mehr. Bei der Nordkante des Grand Canyons ist das aber zum Glück kein grosses Problem. Denn gleich ausserhalb des Parkgebietes befindet sich der Kaibab National Forest und etwas ausserhalb des Parkeingangs zweigt eine Strasse in den Wald ab, wo wildes Campieren wunderbar möglich ist. So mussten wir zwar am Abend noch gut 30km aus dem Nationalpark hinaus fahren, sparten aber so die Übernachtungskosten.
Tatsächlich Bisons am Grand Canyon
Am zweiten Abend sahen wir bei der Fahrt über die langgezogenen Wieseflächen plötzlich riesige, schwarze Tiere mitten auf der Strasse stehen. Es kreuzte tatsächlich eine Bison-Herde genau bei unserer Durchfahrt die Strasse. Das Teleobjektiv war so schnell montiert wie selten. Unsere erste Begegnung mit diesen riesigen Tieren in freier Wildbahn.
Fazit
Ein Abstecher zum Grand Canyon hat sich für mich mehr als gelohnt. Die Schlucht war äusserst eindrücklich zu bestaunen und es stimmt eben doch was gesagt wird. Egal wie gut man diese imposante Schlucht von vielen Fotos her bereits kennt, nichts kommt an einen realen Besuch heran. Zu eindrücklich ist es, an der Abbruchkante zu stehen und den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Ich genoss diesen eindrücklichen Ort in vollen Zügen. Ein Moment, der nur sehr schwer in Worte zu fassen ist.
Zwar kommt man an der Nordkante nicht so nahe an den Colorado River und ich kann mir gut vorstellen, dass die Aussicht an der Südkante deshalb noch eindrücklicher sein mag. Dort soll es aber auch nochmals um einiges mehr Touristen haben. Da wir aus Nordwesten kamen machte der Umweg bis an die Südkante für uns keinen Sinn. Das wären schlicht zu viele Meilen gewesen, die den Aufwand sicher nicht gerechtfertigt hätten.
Ich empfehle dir deshalb für deinen Besuch, entweder die Nord- oder die Südkante zu wählen und zu besuchen. Den Entscheid würde ich vor allem von der Reiseroute abhängig machen.