Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/2110

1. Definition
Definition
Als Ohrenschmerzen bezeichnet man alle Schmerzen, die im äusseren Ohr, im Mittelohr oder Innenohr auftreten. Auch eine schmerzende Ohrmuschel gilt als Ohrenschmerz.
Ohrenschmerzen können plötzlich erscheinen, als:
- drückender Schmerz oder Stechen im Ohr,
- einseitig oder beidseitig oder
- nur beim Kauen auftreten.
Da sich im Ohr das Hörorgan und das Gleichgewichtsorgan befinden, gehen Ohrenschmerzen oft auch mit einer Hörminderung und Schwindel einher. Weitere häufige Begleitsymptome sind zum Beispiel ein Fremdkörpergefühl im Ohr oder Ohrgeräusche. In manchen Fällen kann sich Blut oder Flüssigkeit im Ohr befinden und austreten.
Welches Ausmass Ohrenschmerzen annehmen und welche zusätzlichen Symptome auftreten, hängt in hohem Mass von ihren Ursachen ab. Ohrenschmerzen können zum Beispiel entstehen, wenn:
- das Mittelohr oder der äussere Gehörgang entzündet ist (häufigste Ursachen),
- die Ohrtrompete entzündet oder verschlossen ist,
- die Ohrmuschel eine Infektion oder eine Erfrierung aufweist,
- das Trommelfell verletzt ist,
- der Gehörgang durch Fremdkörper oder Ohrenschmalz verschlossen ist,
- die Ohrspeicheldrüse entzündet ist (z.B. bei Mumps),
- ein Zahn oder das Kiefergelenk erkrankt ist,
- die Gaumenmandeln entzündet sind (Tonsillitis) oder
- Luftdruckveränderungen auftreten (z.B. beim Fliegen, Tauchen oder Autofahrten mit grossem Höhenunterschied, durch einen Schlag aufs Ohr oder durch eine Explosion).
Schmerzen im äusseren Ohr entstehen beispielsweise, wenn der Gehörgang zuschwillt und die Schwellung auf den Gehörgangsknochen drückt. Bildet sich im Mittelohr aufgrund einer Entzündung Eiter im Ohr, der nicht abfliessen kann, führt dies meist ebenfalls zu Ohrenschmerzen, da ein grosser Druck im Ohr entsteht.
Ohrenschmerzen sind meist starke Schmerzen, die auch nachts nicht nachlassen. Da Schmerzmittel oft nicht gegen starke Ohrenschmerzen helfen und je nach Ursache bleibende Schäden entstehen können, ist es ratsam, zügig einen Arzt aufzusuchen.
2. Ursachen
Ohrenschmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Sehr häufig treten Schmerzen im Ohr auf, weil der äussere Gehörgang oder das Mittelohr entzündet ist:
- Eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ist meist die Folge einer Erkältung. Dabei breiten sich Bakterien von der Nasen- oder Rachenschleimhaut bis in das Mittelohr aus. Ohrenschmerzen durch Mittelohrentzündungen sind vor allem bei Kindern zwischen drei und acht Jahren verbreitet.
- Die Entzündung des äusseren Gehörgangs (Otitis externa) ist eine Infektion der Gehörgangshaut durch Bakterien oder Pilze, die häufig aufgrund einer übertriebenen Ohrhygiene oder Verletzungen durch Wattestäbchen entsteht. Sie ist bei Erwachsenen die häufigste Ursache für Ohrenschmerzen. Häufig entsteht diese Infektion auch durch eindringendes Badewasser, vor allem im Sommer.
Daneben können Ohrenschmerzen folgende Ursachen haben:
- Entzündung oder Verschluss der Ohrtrompete
- Infektionen der Ohrmuschel
- Erkrankungen der Zähne oder des Kiefergelenks
- Gehörgangsverschluss durch Fremdkörper oder Ohrenschmalz
- Erfrierung der Ohrmuschel (z.B. beim Skifahren)
- Entzündung der Ohrspeicheldrüse (z.B. bei Mumps)
- Verletzungen des Trommelfells
- Gaumenmandelentzündung (Tonsillitis)
- Wundrose (Erysipel)
- Gürtelrose (Herpes zoster)
- Allergien
- Krebserkrankungen, wie zum Beispiel Kehlkopfkrebs
- Trigeminusneuralgie
Ausserdem können Ohrenschmerzen ihre Ursachen in einem veränderten Luftdruck haben, wozu es zum Beispiel beim Fliegen, Tauchen oder Autofahrten mit grossem Höhenunterschied kommen kann. Grosse Luftdruckveränderungen entstehen auch bei einem Schlag auf das Ohr oder bei einer Explosion.
3. Diagnose
Bei Ohrenschmerzen ist immer eine ärztliche Diagnose ratsam, um die Ursache für die Schmerzen im Ohr abklären zu lassen, denn: Wenn eine mögliche Behandlung zu spät beginnt oder eine falsche Therapie erfolgt, kann es zu bleibenden Schäden kommen.
Der erste Schritt zur Diagnose von Ohrenschmerzen besteht in einer ausführlichen Befragung (Anamnese). Dabei erkundigt sich der HNO-Arzt nach Art, Ort, Dauer und Intensität der Schmerzen. Darauf folgt eine ausführliche Untersuchung der Ohren. Dabei betrachtet der Arzt zunächst die Ohrmuschel und untersucht anschliessend den äusseren Gehörgang und das Trommelfell mithilfe einer Ohrspiegelung (sog. Otoskopie).
Bei Ohrenschmerzen können zur Diagnose ausserdem verschiedene Tubenfunktionsprüfungen zum Einsatz kommen, um die Durchgängigkeit der Ohrtrompete zu testen. Um eine mögliche Hörminderung festzustellen, stehen unterschiedliche Hörtests zur Verfügung.
Je nachdem, welche Ursache vermutlich hinter den Ohrenschmerzen steckt, erfolgen zur weiteren Diagnose zusätzliche Untersuchungen, wie zum Beispiel eine Röntgenuntersuchung des Kiefers, eine zahnärztliche Kontrolle, eine Blutuntersuchung oder eine Spiegelung des Nasenrachens. Um mögliche Erreger einer Infektion zu identifizieren, kann der Arzt ausserdem einen Abstrich nehmen.
4. Therapie
Bei Ohrenschmerzen hängt die Therapie immer von der Schmerzursache ab. Ob Hausmittel gegen Ihre Ohrenschmerzen zur Behandlung ausreichend sind, besprechen Sie am besten immer möglichst schnell mit Ihrem Arzt.
Haben Sie Ohrenschmerzen, weil Ihre Ohrmuschel entzündet ist, können Sie die entzündeten Stellen örtlich mit entzündungshemmenden Salben behandeln. In schweren Fällen ist eine Therapie mit Antibiotika erforderlich.
Wenn eine Mittelohrentzündung für Ihre Ohrenschmerzen verantwortlich sind, bieten sich zur Therapie Ohrentropfen an. Diese Mittel helfen gegen Ohrenschmerzen, da sie schmerz- und entzündungshemmend sind und gleichzeitig örtlich betäuben. Um den Erreger abzutöten, kommt eine Antibiotika-Therapie zum Einsatz. Unter Umständen öffnet der Arzt ausserdem Ihr Trommelfell, damit der Eiter im Ohr abfliessen kann. Wenn eine Gehörgangsentzündung hinter Ihren Ohrenschmerzen steckt, hilft dagegen eine örtlich Behandlung mit entzündungshemmenden Ohrentropfen und zusätzlichen Antibiotika.
Wenn Ihre Ohrenschmerzen durch einen Fremdkörper oder Ohrenschmalzpfropf bedingt sind, kann der Arzt diese mithilfe von speziellen Instrumenten entfernen. Hat eine Verletzung des Trommelfells zu dem Ohrenschmerz geführt, können Sie möglicherweise auf eine Behandlung verzichten. Meist heilen solche Verletzungen von alleine innerhalb von zwei Wochen ab. Es ist aber auch möglich, die Heilung durch eine äussere Schienung des Trommelfells (z.B. mit einer Silikonfolie) zu unterstützen. Schliesst sich das Trommelfell nicht, können Sie sich operativ ein künstliches Trommelfell einsetzen lassen.