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«Nein, Lesen ist einfach ein Hobby wie jedes andere auch. Der eine spielt gerne Tischtennis, näht oder macht Handlettering», meinen die einen. Andere sagen: «Ja, aber mir fehlt einfach die Zeit dazu.»
Ist das Ansichtssache? Ich meine hier nicht das Lesen in der Bibel – was ja für jeden Gläubigen selbstverständlich sein sollte. Eines ist klar: Lesen prägt. Wer ich in zehn Jahren sein werde, hängt wesentlich davon ab, womit ich mich in dieser Zeit beschäftige. Ob ich zehn Jahre lang anspruchsvolle Bibelauslegungen oder Zwei-Euro-Ärzte-Liebesromanhefte lese – es wird mein Denken und Sein verändern.
Ein neues Problem?
Der Umgang mit Texten fällt in unserer von Bildern dominierten Welt schwer. Es ist so viel bequemer, sich von einer TV-Serie berieseln zu lassen oder durch kurze Tweets zu scrollen, als aufmerksam einen Bibeltext, ein Kapitel aus einem christlichen Buch oder einen hochwertigen ethos-Artikel zu lesen. Manchmal denken wir, dies sei ein neues Problem. Tatsächlich haben Gläubige zu allen Zeiten vor dieser Herausforderung gestanden. Israel war umgeben von Religionen, die viel «fürs Auge» boten, während das Zentrum seines Glaubens die geschriebenen Worte Gottes waren. Die Juden, bekannt als ein Volk von Lesern, studierten intensiv das Alte Testament, schrieben es ab, lernten es auswendig und gaben es ihren Kindern weiter. Zudem produzierten und lasen sie um das heilige Wort herum eine Menge weiterer Texte.
Auch die frühen Christen waren sehr «verbucht». Überall, wo das Christentum hinkam und Analphabetismus herrschte, brachten Missionare den Menschen das Lesen bei. Es ist erstaunlich, wie viel christliche Literatur in den ersten drei Jahrhunderten entstand, wenn man bedenkt, dass die Kirche zu dieser Zeit unter Verfolgung litt, das Produzieren und Verbreiten von Texten ungleich aufwändiger war als heute und es noch relativ wenige Christen gab. Aber es war ein Herzensanliegen der frühen Gemeinde, die Heilige Schrift zu verbreiten und dazu eine Vielzahl von Briefen, Auslegungen, apologetischer Schriften und Kommentaren zu verfassen. Niemand hat so viel geschrieben und gelesen wie die Christen.
Eine Untersuchung der aus der Antike erhaltenen Briefe zeigt, dass diese im Schnitt nur 87 Wörter lang und sehr oberflächlich waren. Senecas längster Brief umfasst als grosse Ausnahme ca. 4000 Wörter, während der Römerbrief von Paulus über 7000 Wörter lang ist. Bereits in der Zeit der ersten Gemeinden war es also eine grosse Herausforderung, sich mit solch komplexen Texten, wie wir sie in der Bibel finden, zu beschäftigen.
Mit anderen Worten: Gott hat schon immer «anti-kulturelle» Lesegewohnheiten von seinen Leuten verlangt. Nicht umsonst wurden Juden und Christen von Moslems «Menschen des Buches» genannt. Und wie oft in der Kirchengeschichte hat Gott durch einzelne Bücher oder Texte Erstaunliches bewirkt, denken wir nur an Luthers Thesen. Sollten wir uns heute nicht bewusst in diese besondere Tradition einfügen?
Finger weg von falschen Büchern!
Lesen ist wichtig, okay. Aber gibt es auch Bücher, die Christen lieber nicht lesen sollten? Sicherlich. Zum einen spielt das Timing eine wichtige Rolle. Einen langen Roman anzufangen, von dem man weiss, dass er einen von wichtigen Alltagsaufgaben abhält, kann falsch sein. Doch der Sommerurlaub am Strand bietet vielleicht genau die richtige Zeit für diese Lektüre. Mancher Single wird Liebesgeschichten, welche nur Sehnsüchte wecken, die momentan nicht gestillt werden können, klugerweise nicht lesen. Auch sind viele Bücher für junge Leser nicht geeignet, wenn sie noch nicht reif dafür sind.
Ebenso gilt es, Literatur zu meiden, die das Böse verherrlicht und ausführlich beschreibt. Klar, auch die Bibel spricht über Mord, Ehebruch oder Diebstahl. Aber wenn das Böse gefeiert und das Denken des Lesers in eine sündige Richtung gelenkt wird, sollten wir die Finger von einem solchen Buch lassen – wie spannend es auch geschrieben sein mag. Natürlich empfindet nicht jeder gleich. Was dem einen schadet, ist für den anderen (noch) okay. Jeder prüfe hier sein eigenes Gewissen.
Es ist ein Vorrecht der heutigen Generation, eine unglaubliche Menge an wertvoller und günstiger Literatur zur Verfügung zu haben. Wofür Menschen früher ein Vermögen ausgeben mussten, können wir uns oft sogar kostenlos downloaden. Aber wie häufig tun wir das nicht! Stattdessen klicken wir durch belanglose News oder lassen uns von dummen Kurzvideos bespassen.
Das wichtigste Buch
Laut Google waren im Jahr 2010 130 Millionen Bücher erhältlich. Allein in Deutschland gibt es ca. 76 000 Neuerscheinungen pro Jahr. Schon diese Zahlen zeigen, dass jeder eine Auswahl treffen muss. Ein Buch zu lesen heisst, viele tausend andere nicht zu lesen. Da ist es hilfreich, sich zu überlegen, was man eigentlich lesen will. Der Autor Tony Reinke empfiehlt, sich eine persönliche Lese-Prioritäten-Liste anzulegen.
Ich habe viele Lieblingsbücher, aber keines ist mir wichtiger als die Bibel, Gottes heiliges Wort. Denn ihr Autor ist Gott selbst. Die Bibel ist vollkommen und der Massstab, an dem sich alle anderen Bücher messen lassen müssen. Deshalb will ich vor allem anderen die Bibel lesen. Sie soll mein täglicher Begleiter sein. Gott hat sich dazu entschieden, die entscheidenden Informationen über sein Wesen und Handeln in einem Text zu offenbaren. Ob diese Tatsache nicht auch einen Einfluss auf unsere Lesefreudigkeit haben sollte?
Praktische Lese-Tipps finden Sie in ethos 03/2020.