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Argentinien und Chile leben Seite an Seite. Die Länder teilen eine über 4’000 Kilometer lange Grenze, die von der Andenkette gebildet wird. Über ein Dutzend Pässe verbinden die beiden Länder. Der nördlichste ist der Paso Jama. Dann folgt der Paso Sico, der von San Pedro de Atacama nach Salta führt. Mehrere hundert Kilometer weiter südlich kommt der Paso San Francisco. Mit 4’762 Metern ist er der höchstgelegene, der Chile mit Argentinien verbindet.
Wir waren in Copiapo und so lag es nahe, über den Paso San Francisco zu fahren. Runde 500 Kilometer trennen Copiapo von Tinogasta, das in Argentinien liegt. Nach Monaten auf Meereshöhe mussten wir uns akklimatisieren, um die gefährliche Höhenkrankheit zu vermeiden. Auf 2’100 Meter trafen wir auf einen schönen Platz unter einer Akazie und auf eine Feuerstelle samt Holz. Perfekt um unser Filet auf den Grill zu legen, bevor es am Zoll konfisziert wird. Wir schätzten die Stille, nachdem wir die Nacht zuvor auf einem Estacionamento in Copiapo verbracht hatten.
Das nächste Camp lag auf 3’100 Metern, in einem Tal, durch das ein Bächlein sprudelt. Sobald die Sonne unterging wurde es kalt. Bevor wir in die Schlafsäcke stiegen noch ein Blick auf das Kreuz des Südens! Der Morgen war so bitterkalt wie die Nacht. Wir fuhren der Sonne entgegen und frühstückten dort, wo sich ihre wärmenden Strahlen bemerkbar machten. Der heisse Espresso schmeckte noch besser als sonst; die Kaffeekanne wärmte meine steifgefrorenen Finger.
Mahangu qualmte und rauchte als wir uns in Serpentinen höher schlängelten. Auf 3’800 Metern erreichten wir die eisbedeckte Laguna Santa Rosa. Eine Fahrstunde später den chilenischen Zoll. Der argentinische lag neunzig Kilometer weiter östlich. Auf der Fahrt dorthin passierten wir den Kulminationspunkt des Passes auf 4’762 Metern Höhe und die Laguna Verde, die mehr blau als grün war. Dann tauchte zur Rechten der Nevado Ojos del Salado auf, mit 6’893 Metern der höchste tätige Vulkan der Erde. Und dann folgte der schönste Teil dieser unvergesslichen Fahrt. Die Strasse schlängelte sich durch einen farbenprächtigen Canyon. Die Wände leuchteten hellrot, tiefrot, violett und ocker. Beim Refugio 2, auf 3’000 Metern, fanden wir Schutz vor dem Wind. Als wir am nächsten Morgen erwachten, waren wir uns einig, dass wir am Tag zuvor den schönsten Andenpass überquert hatten: den Paso San Francisco!