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Gut erhaltene Fossilien von Fledermäusen gibt es nur wenige. Dies macht es schwierig, Aussagen über die frühzeitliche Entwicklung gewisser Anpassungen, wie zum Beispiel die Echoortung zu machen.
Nun hat ein Team von französischen Paläontolog*innen in einer Höhle in Frankreich einen bemerkenswerten Fund gemacht: Ein praktisch vollkommen erhaltener, dreidimensionaler Fledermausschädel, dessen Alter auf rund 50 Mio. Jahre datiert wird! Dieser aus dem Eozän stammende Fossilfund gehört zur ausgestorbenen Art Vielasia sigei und erlaubt Rückschlüsse auf die Anatomie und das Verhalten eines Vorfahren unserer Fledermäuse.
Die dreidimensionale Ansicht und Untersuchung des Schädels ist besonders hinsichtlich des Innenohrs spannend: Dieses weist nämlich Spezialisierungen auf, welche bei modernen, echoortenden Fledermäusen ebenfalls vorhanden sind. Dieser fossile Schädelfund liefert somit deutliche Hinweise dafür, dass bereits Vielasia sigei ihre Umwelt mittels Echoortung erkundete und dass diese Art der Orientierung und des Beutefangs bereits vor 50 Mio. Jahren existierte.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt gab es bezüglich der «Entstehung» der Echoortung bei den Fledertieren diverse Hypothesen bzw. man ging davon aus, dass sich diese Fähigkeit der Sinneswahrnehmung erst bei den modernen Fledermäusen entwickelt hat und Flughunde diese gar nie besassen. Die Analyse des Schädels der sehr frühzeitlichen Vielasia sigei, welche am Ursprung der Fledermausradiation steht, deutet nun aber eher darauf hin, dass sich die fortgeschrittene Echoortung bereits beim gemeinsamen Vorfahren der heutigen Fledertiere entwickelt hat und bei den Flughunden wieder verloren ging.
Der Fossilfund aus Frankreich liefert aber auch Hinweise bezüglich der Lebensweise frühzeitlicher Fledermäuse: Denn der erwähnte Schädel sowie weitere Skelette von mind. 23 Vielasia sigei-Individuen wurden alle in derselben Höhle gefunden. Dies legt die Vermutung nahe, dass einige Fledermausarten schon viel früher als angenommen, nämlich im frühen Eozän, Höhlen bewohnten. In dieser Periode kam es zu klimatischen Veränderungen, welche weltweit zu kühleren und weniger stabilen Bedingungen führten. Dies hatte vermutlich zur Folge, dass die damals vorkommenden Fledermäuse erstmals Höhlen als Schlafplätze aufsuchten. Die Höhlen boten ihnen zahlreiche Vorteile: Eine thermisch stabile Umgebung, Schutz vor Raubtieren, bessere Paarungsmöglichkeiten und mehr Erfolg bei der Aufzucht der Jungen, einen besseren sozialen Informationstransfer und weniger Konkurrenz durch Vögel und andere Säugetiere bei der Suche nach einem Baumschlafplatz.
Bei uns werden Höhlen von vielen Fledermausarten als Winterschlafplatz genutzt. Dort finden die Tiere geeignete Bedingungen für den Winterschlaf (kühl, aber frostrei und eine hohe Luftfeuchtigkeit), welche ihnen erlauben, die Energiekosten während der kalten Jahreszeit um ein Vielfaches zu senken.
Die Originalpublikation finden Sie hier.