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Rund zwanzig Personen wurden am Sa, 19. März von der gastgebenden Viko Heiligkreuz/Rotmonten in der Casa San Antonio zu Getränk und Brötchen empfangen. Peter Oberholzer, Präses der Viko Stadt, lud zur Meditation in die Antonius-Kapelle ein und brachte u.a. auch den sympathischen Volksheiligen Antonius von Padua nahe. Danach folgte eine Begegnung mit dem Priester der Rumänisch - Orthodoxen Kirche. Es war spannend und informativ, ihren Kirchenraum und ihr Kirchenverständnis kennenzulernen.
Hauptpunkt der Tagung bildete das Referat von Peter Oberholzer über die 100-jährige Emigrationsgeschichte der Italiener in der Schweiz. Nachfolgend ein paar Stichworte zur Emigrationsgeschichte:
Italiener waren in der Schweiz viele Jahrzehnte Tunnelbauer (Gotthard, Simplon, Bözberg, Ricken, Bruggwaldtunnel usw.), Häuserbauer in der Nachkriegszeit und Kraftwerkbauer (Mattmark…). Sie leisteten anstrengende Arbeiten unter gefährlichsten Bedingungen.
Es entstanden und herrschten grosse soziale Probleme in den Familien und Unterkünften der Emigranten. Das Buchwald-Quartier in St.Gallen mit den vielen italienischen Bewohnern wurde zeitweise „Klein-Venedig“ genannt.
Das schweizerische Saisonier-Statut war fremdenfeindlich und „löste“ zeitweise die Probleme der Arbeitslosigkeit in der Schweiz durch Abschieben der italienischen Arbeitskräfte.
Eine B- und C-Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu bekommen war schwierig und dauerte lange. Wer in die Schweiz einwanderte machte zuerst Hilfsarbeit, im besten Fall 5 Jahre als Saisonnier und 5 Jahre als Jahresaufenthalter. Manchmal wurden die Einreisezeiten verschoben und die Italiener mussten wieder neu beginnen, um die fünf Jahre ununterbrochene Arbeitsleistung zu erbringen.
Die Kirche verhielt sich zu den Emigranten sehr konservativ; immerhin wurden katholische Kindergärten gegründet für die vielen Kinder.
Der Priester Beato Giovanni Battista Scalabrini wollte mit seiner Arbeit und durch die späteren Missionare die arbeitenden Emigranten in der Fremde begleiten. Der Treffpunkt im Heiligkreuz für die Italiener war sehr segensreich.
Die Überfremdungsinitiativen Schwarzenbach, Oehen zeigten die vorhandene Fremdenangst im Schweizer Volk und die Probleme des Familiennachzugs. „Wir riefen Arbeiter und es kamen Menschen (Max Frisch)“. Die Mitenand-Initiative wollte den Familiennachzug der Saisonniers ermöglichen. Sie wurde von kirchlichen Kreisen unterstützt). An der Urne erreichte sie aber nur 16% Ja-Stimmen.
Die Lebensweise der Italiener bereichert bis heute kulturell, kulinarisch und menschlich unseren Alltag. Italiener sind zu Schwestern und Brüdern geworden, denen wir (zuerst wirtschaftlich) viel verdanken.
Offensichtlich wurde Peter Oberholzers Unterstützung des Anliegens, die Casa San Antonio als Zuhause für Italiener zu erhalten, damit ihre Geschichte nicht vergessen geht. Er erinnerte zum Schluss an eine Ausstellung im Historischen Museum St.Gallen, Ricordi e Stima – Fotografien und Geschichten zur italienischen Migration in der Schweiz vom 5.3. – 29.5.2016.
Die 124. GV der Viko Stadt u.U. wurde letztmals von Annemarie Bucher souverän wie immer geleitet. Für vier Jahre Präsidentinnen-Arbeit wurde ihr herzlich gedankt. An ihre Stelle tritt Hansjörg Gulde von der VIKO Heiligkreuz/Rotmonten. Mit herzlichem Dank wurde ebenfalls Rosmarie Schönbucher - Vertreterin der Deutschschweiz und Vizepräsidentin im Oberrat der Schweizerischen Vinzenzgemeinschaft - verabschiedet. Sie wird durch Peter Oberholzer ersetzt. Annemarie Bucher hat inzwischen den Viko-Kartenverkauf übernommen. Die nächste GV findet am Sa, 11. März 2017 in der Pfarrei Dom statt. Das anschliessende Pizza-Zmittag passte perfekt zum Thema der Frühjahrstagung.
Martha Daugaard