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Humanitäre Hilfe für verletzliche Menschen in Venezuela
In Venezuela herrscht weiterhin die grösste Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes. Der wirtschaftliche Niedergang und die politische Unsicherheit wirken sich auf die erschöpfte Bevölkerung aus: Etwa ein Viertel aller Kinder leidet an akuter Mangelernährung. 80 Prozent der Haushalte berichten, nicht genug Geld zu haben, um ihren Grundbedarf an Nahrungsmitteln zu decken. Die Grundversorgung, wie zum Beispiel das Gesundheitssystem ist lahmgelegt, die Infrastruktur bröckelt und Arbeitnehmer:innen sind entweder abgewandert oder erhalten Niedriglöhne.
HEKS leistet vielseitige Unterstützung für die Bevölkerung direkt und bei den öffentlichen Einrichtungen. Im Bundesstaat Apure verfolgt das Hilfswerk einen ganzheitlichen Ansatz. Saniert wird die Infrastruktur, insbesondere die Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung, 16 Gesundheitszentren (darunter sind zwei Referenzspitäler) und 23 Schulen der Primar- und Sekundarstufe. Zudem hilft HEKS, den Lebensunterhalt der Studierenden von vier technischen Schulen zu sichern, damit dringend benötigte Unternehmen gegründet und beträchtliche Einkommen generiert werden können.
In vier Bundesstaaten (Miranda, Distrito Capital, Lara und Apure) hilft HEKS mit einem Unterstützungsangebot für Nahrungsmittel. Entweder erfolgt dies direkt durch Suppenküchen oder mit der monatlichen Lieferung von Lebensmittelpaketen an Familien − insbesondere für von Frauen geführte Haushalte und für ältere Menschen. Extreme Härtefälle unter den am stärksten von der Krise betroffenen Menschen erhalten zudem Hygiene-Kits.
Gesundheitseinrichtungen ausbauen und umliegende Gemeinden stärker einbinden
Ob es kleine Gesundheitszentren in abgelegenen Dörfern oder Referenzspitäler sind: Das Gesundheitssystem in Venezuela steht vor dem Zerfall. Aufgrund mangelnder Ressourcen ist das System nicht in der Lage, die Bevölkerung zu versorgen. HEKS hat 18 Gesundheitszentren im Bundesstaat Apure untersucht und daraus Massnahmen abgeleitet. Die erarbeiteten Massnahmen sind spezifisch auf die ungedeckten Bedürfnisse der einzelnen Zentren zugeschnitten und in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitspersonal und den Behörden entstanden. Das HEKS-Projekt beinhaltet die Erneuerung der Wasserinfrastruktur. Zudem sollen Lösungen für die Abfallentsorgung bereitgestellt, Fotovoltaikanlagen installiert und Dächer abgedichtet werden. Mit diesen Arbeiten stärkt HEKS die Kapazitäten des Gesundheits- und Wartungspersonals. Gemeinsam mit dem lokalen Personal werden komplexe Probleme mit einfachen und nachhaltigen Lösungen behoben.
Die über 250 000 Menschen im Bundesstaat Apure bekommen durch diese Massnahmen einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung. Ergänzend zur Arbeit in den Gesundheitseinrichtungen, kooperiert HEKS direkt mit den umliegenden Gemeinden. Sauberes Wasser bereitstellen, Gesundheitspraktiken fördern und Informationen über geschlechtsspezifische Gewalt vermitteln, sind die Grundpfeiler der Arbeit. Deren Nachhaltigkeit wird gesichert durch die Bildung und der Förderung der lokalen Komitees.
Unterstützung für Schulen: von Vorschulen bis Berufsbildungszentren
Das Bildungssystem ist ein weiteres Opfer der Wirtschaftskrise. Meistens erhalten die Lehrkräfte kein Gehalt mehr. Ausserdem waren die Schulen wegen der COVID-19-Pandemie zwei Jahre lang geschlossen und häufig wurden die Gebäude als Kasernen oder Durchgangzentren für Migrant:innen genutzt. In den Schulen gibt es ähnliche Probleme wie bei den Gesundheitszentren: heruntergekommene Einrichtungen, keine Wasserversorgung, beschädigte Toiletten, weder Tische noch Stühle.
Im Bundesstaat Apure unterstützt HEKS 16 Primar- und 7 technische Schulen, die überwiegend in ländlichen Umgebungen sind. Der HEKS-Einsatz macht in der Mehrzahl der Fälle den Unterschied, ob Kinder eine Ausbildung erhalten oder ohne einen Zugang zu formaler Bildung zu Hause bleiben. Neben der Instandsetzung der Infrastruktur, dem Bereitstellen von sauberem Wasser und Anreize für Lehrkräfte schaffen, startet HEKS ein Pilotprojekt, um Pläne für die Existenzsicherung zu unterstützen. Diese werden von einer ausgewählten Gruppe von Berufsschulen umgesetzt, um Produktionsprozesse anzukurbeln und Einkommen zu erzielen. Mehr als 5000 Personen − Kinder und Lehrkräfte − profitieren von den bedarfsorientierten HEKS-Schulprojekten.
Suppenküchen für die Ärmsten von El Nula im Bundesstaat Apure
Bei den von der Krise am stärksten betroffenen Personen handelt es sich hauptsächlich um alleingelassene, oft obdachlos gewordene Grosseltern, Schwangere und Mütter mit ihren Kindern. Täglich besuchen sie die Suppenküche im Pfarrhaus der baptistischen Kirche von El Nula an der Grenze zu Kolumbien. Die Suppenküche ermöglicht diesen besonders verletzlichen Menschen, wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit (wenn nötig mit Heimlieferung) zu essen oder monatlich ein Nahrungsmittelpaket zu erhalten.
Zum Beispiel Paola Fernández und ihre drei Kinder (Foto rechts). Die Familie stammt aus einer Kleinstadt im Osten Venezuelas. Auf der Suche nach Arbeit und von Hunger getrieben, gingen die Mutter und der Vater mit ihren Kindern die 120 Kilometer zu Fuss bis in die Hauptstadt. Dort wurde ihnen schnell klar, dass es fast unmöglich ist, ein Einkommen zu erzielen. In Venezuela geht es vielen Menschen wie Paola Fernández und ihrer Familie. Sie brauchen dringend Unterstützung.
Nahrungsmittel und Hygieneprodukte für verletzliche Personen
Aufgrund der Krise und der jahrelangen Inflation sind Grundnahrungsmittel für einen sehr grossen Teil der Venezolaner:innen unerschwinglich geworden. 94 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Das heisst, die Nahrungsmittelbeschaffung ist für den Grossteil zum Problem geworden, insbesondere bei denen, die in städtischen Gebieten leben.
In den Bundesstaaten Miranda, den Vororten von Caracas, und Lara verteilt HEKS monatlich Lebensmittelpakete an 500 besonders bedürftige Familien. Bei den Empfänger:innen handelt es sich vor allem um ältere Menschen und von Frauen geführte Haushalte. Diese Menschen können nicht für sich selbst aufkommen, da die Hauptverdiener ins Ausland gezogen sind und Angehörige ohne Einkommensquelle zurückgelassen haben − ein für Venezuela typisches Muster. Gleichzeitig erhalten die Familien eine Grundausstattung an Toilettenartikeln. Damit werden sie unterstützt, hygienische Standards zu bewahren und kein Geld auszugeben, das sie für den Kauf von Nahrungsmitteln verwenden können.