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Heute beginnt die 65. Vierschanzentournee – mit den traditionellen vier Stationen: Wer in der Addition der vier Wettbewerbe die meisten Punkte sammelt, gewinnt den «Goldenen Adler» und damit die Tournee.
Im Gegensatz zu anderen Weltcup-Springen wird der erste Durchgang bei der Vierschanzentournee traditionell im K.o.-Modus ausgetragen. Die 50 qualifizierten Athleten werden in 25 Paare unterteilt und treten in direkten Duellen gegeneinander an.
Dabei springt der 1. der Qualifikation des Vortages gegen den 50., der 2. gegen den 49. – und die Sieger schaffen es direkt in den zweiten Durchgang. Das gilt auch für die fünf besten Verlierer («Lucky Loser»), die das Feld der 30 Starter im Finale auffüllen. Bei Punktgleichheit kommt der Springer mit der niedrigeren Startnummer weiter.
Simon Ammann gehört leider nicht dazu. 19 Jahre nach seiner ersten Tourneeteilnahme steckt der Toggenburger in einer schwierigen Situation, weil die Umstellung bei der Landung einfach nicht klappen will. Doch auch andere haben ihre Probleme: So gewann der letztjährige Dominator Peter Prevc bei den beiden Springen in Engelberg noch weniger Weltcup-Punkte als Ammann. Noriaki Kasai, einer der konstantesten Routiniers, taucht im Weltcup-Klassement sogar erst an Position 27 auf.
Aber nun zu den tatsächlichen Favoriten auf den Gesamtsieg. Domen Prevc, der erst 17-jährige Bruder von Peter, hat an jeder Destination dieses Winters einen Sieg eingeflogen und reist als klarer Weltcup-Leader ins Allgäu. Er dominiert die Szene ähnlich wie sein älterer Bruder Peter im Vorjahr. Aber die Tournee kennt eigene Gesetze, der Favorit tut sich meistens schwer. In den vergangenen zehn Wintern setzte sich der Führende im Overall-Klassement nur dreimal durch: Thomas Morgenstern 2011, Gregor Schlierenzauer 2013 und Peter Prevc 2016.
Zum erweiterten Favoritenkreis zählen Michael Hayböck und Weltmeister Severin Freund, beide gewannen in diesem Winter bereits ein Weltcup-Springen. Eine Hüftoperation hat Freund aber fünf Monate der Vorbereitungszeit gekostet. Rechtzeitig in Form gekommen ist auch Kamil Stoch, der Doppel-Olympiasieger von 2014. Und auch der Norweger Daniel Andre Tande hat das Potenzial, zum grossen Gegenspiel von Domen Prevc zu werden.
Das Kunststück, alle vier Springen der Tournee bei ein- und derselben Austragung zu gewinnen, gelang bisher nur einem Springer: Dem deutschen Sven Hannawald in der Saison 2001/2002. Doppel-Olympiasieger wurde zwei Monate später in Salt Lake City aber Simon Ammann.
Insgesamt achtmal gab es einen Gesamtsieger, der auf keiner der vier Schanzen Tagessieger wurde. Zuletzt schaffte dies Janne Ahonen in der Saison 1998/99.
Die 54. Vierschanzentournee 2005/06 war die erste und bisher einzige Tournee, bei der zwei Skispringer die gleiche Punkteanzahl erzielten und es somit zwei Sieger gab. Der Finne Janne Ahonen und der Tscheche Jakub Janda kamen beide auf ein Total von exakt 1081,5 Punkten.
Janne Ahonen ist der erfolgreichste Springer der Tournee-Geschichte. Der legendäre Finne gewann als einziger Athlet gleich fünf Mal den prestigeträchtigen Bewerb (1998/99, 2002/03, 2004/05, 2005/06, 2007/08).
Der Österreicher Wolfgang Loitzl machte 2009 eine unglaublich gute Figur. Für seinen makellosen Sprung in Bischofshofen erhielt der spätere Tourneesieger von den Wertungsrichtern fünf Mal die Höchstnote 20,0. Das gab es vorher an der Tournee noch nie.
In der Saison 2007/08 musste das dritte Springen in Innsbruck wegen eines Föhnsturms abgesagt werden, dafür fanden in Bischofshofen danach zwei Wettkämpfe statt. Es war das bisher einzige Mal in der Tourneegeschichte, dass nur auf drei Schanzen gesprungen wurde.
(pre/sda)