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24 Apr Rum, Rhum oder Ron?
Von Patric Lutz, Partner & Geschäftsführer Charles Hofer SA
Er inspirierte Weltenbummler zu geschichtsträchtigen Abenteuern und begeistert Geniesser weltweit durch sein intensives, eigenständiges Aroma. Die Rede ist von Rum, dem ehemaligen Kultgetränk der Seefahrer. Längst zum Lifestyle-Getränk avanciert, zählt Rum heute zweifelsohne zu den Hauptspirituosen an einer Bar. Während in der Deutschschweiz das Interesse langsam erwacht, sind in der Westschweiz Angebot und Wertschätzung schon bedeutend grösser.
Ein kurzer Geschichtsabriss
Rum wurde bereits in der Antike produziert. Erstmals traten vergorene Getränke aus Zuckerrohr in Indien und China auf. So trank die damalige Bevölkerung Malaysias regelmässig ihren „brum“. Die Möglichkeiten der Gärung waren schon damals bekannt, nicht aber das Wissen um die Destillation. So muss man sich von heutiger Sicht „brum“ eher als eine Art Zuckerrohr-Wein oder Zuckerrohr-Bier vorstellen.
Aus leichtem „brum“ wurde kräftiger Rum
Die Destillation von Rum wie wir sie heute kennen, begann ab dem 17. Jahrhundert. Sklaven auf den Plantagen in der Karibik erkannten als erstes, dass Melasse – ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung – zu Alkohol fermentiert werden kann. Dank der später hinzukommenden Destillation konnte aus dem vergorenen Melassesaft dann der erste echte Rum erzeugt werden. Vermutungen nach, war dies auf Barbados der Fall.
Rum erobert die Welt
Rum hat es in sich! Sein einzigartiger Geschmack und seine entspannende Wirkung blieben auch den damaligen europäischen Kolonien auf dem amerikanischen Festland nicht verborgen. Innerhalb kürzester Zeit etablierte sich die Rum-Produktion zum gewinnreichsten, grössten Geschäft in ganz Neu England. Wie sonst wäre es möglich, dass im 17. Jahrhundert auf jeden Mann, jede Frau und jedes Kind, ein Durchschnittsverbrauch von 13,5 Liter Rum pro Jahr erreicht werden konnte. Bedingt durch den immensen Verbrauch und die steigende Zucker-Nachfrage aus Europa wurden neue Massnahmen bezüglich des Zucker-Handels nötig. Das Problem wurde zur damaligen Zeit durch einen Dreiecks-Handel zwischen Afrika, der Karibik und den amerikanischen Kolonien gelöst. Der geschichtsträchtige Dreiecks-Handel fand zwischen den drei unterschiedlichen Regionen auf verschiedenen Seiten des Atlantiks statt. Es wurden insbesondere Sklaven als billige Arbeitskräfte „herumgereicht“. Das politische Eingreifen der Regierung – mit dem Molasses bzw. Sugar Act 1764 – trug im Wesentlichen seinen Teil zum Auslösen des Amerikanischen Bürgerkrieges bei.
Aus Classic wird Cult
Nach diesem herben Einschnitt kam Rum erst wieder Ende des 18. Jahrhunderts in Mode. Sein unaufhörlicher Siegeszug, der bis heute andauert, begann mit der Bestellung eines Fasses Barbados Rum, zum Amtsantritt von George Washington.
Drei Bezeichnungen unterscheiden die Herkunft
- Ron – hergestellt in den spanischen Antillen
- Rhum – stammt von den französischen Antillen (heute hauptsächlich Martinique, Guadeloupe und La Réunion)
- Rum – hergestellt in englischsprachigen Gebieten
Rum-Wissen für Kenner
Für den Rhum der französischen Antillen, stellt reiner Zuckerrohrsaft den Grundstoff. Ansonsten wird für alle Rumarten Melasse als Ausgangssubstanz verwendet. Hierbei handelt es sich um einen Rückstand der Zuckersiederei mit brauner und zähflüssiger Konsistenz. Zuckerrohr besteht zu knapp 90 Prozent aus zuckerhaltigem Saft. Dieser wird bei der Herstellung von Rhum zu einem Zuckerrohrwein vergoren. Bei den anderen Varianten wird die Melasse zuerst mit Wasser verdünnt. Dieser Prozess setzt die Gärung in Gang. Bei der Destillation, wird wie bei andern Spirituosen auch, zwischen der Pot- bzw. Patent Still Methode unterschieden. Erstere führt zu „schweren“ und aromareichen Rums, die meist von den ehemaligen britischen Kolonien stammen. Besonders Jamaica ist für diese Rums bekannt. Die zweite Brennvariante in Patent- bzw. Column Stills ergibt „leichte“ Rums mit weniger geschmacklicher Intensität. Diese sind die heute üblichen und meistverkauften Rums. Wird Rum nicht als weisser Rum verkauft, dann folgt eine Lagerung über mehrere Jahre in Fässern, die der Entfaltung der Aromen dient. Aufgrund des warmen Klimas und der dadurch bedingten schnelleren Reifung, reichen hier aber bereits weniger als zehn Jahre, um ein geschmacklich interessantes Destillat entstehen zu lassen.
Feine Franzosen!
Als grosser Fan der klassischen französischen Spirituosen schlägt mein Herz besonders für Clément. Am liebsten mag ich den Canne Bleue, pur oder on the rocks. Hierbei handelt es sich um einen weissen Rhum mit Jahrgang, der aus nur einer Zuckerrohrart hergestellt wird. Danach folgen die weissen (Premiére Canne) und braunen (VSOP) Rhums, die sich perfekt für einen Ti Punch eignen. Der Ti Punch gehört in der Heimat des Rhums zum Leben dazu – und wird aus Eis, Rohrzucker, Limette und Rhum kreiert. Den krönenden Abschluss bilden meiner Meinung nach die ganz grossen After-Dinner Rhums – wie der 6 ans, der 10 ans, der XO oder auch der Cuvée Homère.
Clément lässt seine Rhum-Spezialitäten in der Destillerie Simon destillieren. Clément’s Spezialität liegt im Ausbauen der einzelnen Rhums in Eichenfässern. Ein riesiges Lager ermöglicht es jederzeit die gesetzten Qualitätsstandards zu halten.
Rum-Genuss rund um die Welt
Mit den Abfüllungen von Berry Brothers habe ich mir den Wunsch erfüllt, fast die ganze Rumwelt abzudecken, ohne mich zu verzetteln. Darunter finden Sie:
- Spanische Rums: Panama, Grenada, St. Lucia
- Britische Rums: Guyana, Barbados, Jamaica, Fiji
- Französische Rums: Guadeloupe
Nicht vergessen darf ich natürlich meinen Liebling für alle Cocktails, die Grundzutat für den allerbesten Daiquiri: Den Banks 5 Islands Rum, oder auch zu einer feinen Zigarre, den Banks 7 Golden Age Rum. Hierbei handelt es sich um Blended Rums – also um Verschnitte von verschiedenen Rums, verschiedenen Alters und verschiedener Herkunft. Das Resultat ist einzigartig und bereitet Geniessern enorm viel Trinkspass – frei nach: „It’s a pity to mix and a shame not to“.
Unser Sortiment wird durch den Providencia Rum abgerundet. Ein einfacher, gefälliger Blend aus Rums aus Trinidad und Guyana.
Mut zur Identität
Ich bin mir absolut bewusst, dass mein Rhumgeschmack für viele noch ein bisschen exotisch ist. Wir führen keine süssen Bomben oder richtig zähe Malasserums. Bei uns zählt Individualität und die Liebe zum Besonderen. Daher zeichnen sich alle unsere Rum-Spezialitäten explizit durch ihre klare Herkunft, ihre Identität und ihre gewisse Finesse aus.