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Hans und Rita Baldegger aus dem sanktgallischen Oberuzwil möchte wissen, was Bisacht bedeutet. Gute Frage, das möchte ich auch, denn ich vermute stark, dass Bis-acht keinen Bezug zum Zahlwort «Acht» ausweist. Ein kurzer Blick auf die Dufourkarte aus dem Jahr 1866 bestätigt meine Skepsis. Hier heisst der Name nur noch Bisach. Das auslautende t ist also erst im Laufe der Zeit, genauer auf der Ausgabe der Landeskarte von 1954, dazugekommen. Der zu deutende Name dürfte also in die Bestandteile Bis- und -ach aufzuteilen sein.
Deutet -ach hier auf Römer hin?
Beim Grundwort -ach kann es sich grundsätzlich um mehrere Möglichkeiten handeln. Auf -ach enden beispielsweise viele Namen, die einen römischen Ursprung haben. Die römischen Gutsbesitzer errichteten ihre villa rusticas meist an südexponierten Hängen, nicht höher als 600 m ü. M., was in Kombination mit fruchtbarem Boden gute Erträge versprach.
Bisacht oder eben Bisach liegt in einem geschwungenen, langgezogenen Geländesattel, eingebettet zwischen dem «Chapf» und dem «Wildberg» auf rund 730 m. ü. M. Auch findet sich im weiten Umkreis kein weiterer Name, der auf -ach endet und somit möglicherweise auf einstige weitere römische Existenz verwiese. Sirnach ist nicht gleich um die Ecke, hier enden die Namen auf -wil, was auf eine späte alemannische Besiedlungszeit zurückzuführen ist.
Reichlich Schilf
Ein Blick ins St. Galler Namenbuch löst das Rätsel und nimmt zurecht eine ganz andere Deutung an: Bisacht, die mit Binsen bewachsene Flur. Dies setzt sich zusammen aus althochdeutsch «binuz», das Binse, Schilfgras, Riedgras oder auch Papyrus bedeutet. Binuz veränderte sich mit der Zeit zu «Bis». Die Endung -ach wird auf ein sogenanntes althochdeutsches Kollektivsuffix -ahi zurückgeführt. Es findet sich vorwiegend in Ableitungen von Pflanzennamen und bezeichnet damit ein grosses Vorkommen dieser Pflanzennamen an einem bestimmten Ort (wie etwa der Bestand von Haselsträuchern beim Namen «Haslach in Schwende (AI)»).
Die topographische Lage kann diesen Ansatz bei Oberuzwil nur bestätigen. Der nur leicht abfallende, langgezogene Geländesattel dürfte vor seiner Entwässerung idealer Boden zwischen zwei abfallenden Bergflanken geboten haben, um reichlich mit Schilf bewachsen als Feuchtgebiet oder feuchtes Mattland in Erscheinung zu treten. Davon zeugen auch die benachbarten Namen «Eberwies» mit dem Bestandteil -wies, zu neuhochdeutsch Wiese und «Langenau» mit dem Grundwort -au, das «Mattland am Wasser» bedeutet. Beides Namen, die auf viel Feuchte hinweisen, genau das, was Binsen lieben. Also Obacht – sonst geht es in die Binsen!
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin am aktuellen Band "Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu". Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.
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