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Ein Handelskrieg zwischen den USA und China scheint unvermeidbar. Jedoch hat Donald Trump vorab schon einen strategischen Fehler gemacht.
Als im Jahr 1930 der damalige US-Präsident Hoover Einfuhrabgaben auf über 900 Produkte einführte, hatte die grosse Depression nach dem historischen Börsencrash im Oktober 1929 bereits begonnen. Der Welthandel stand am Abgrund und halbierte sich, während Armut und Arbeitslosigkeit sprunghaft anstiegen. Die Situation heute ist ungleich besser und trotzdem wagt Trump denselben Schritt wie Hoover.
USA ist nahe der Vollbeschäftigung
Die Weltwirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit in den USA und bei deren wichtigsten Handelspartnern ist nahe der Vollbeschäftigung und die Börsen notieren nicht unweit ihrer Allzeithochs. Für Trump ein willkommener Anlass, die bestehenden Verträge auf den Prüfstand zu stellen. Damit zerschlägt er nicht nur politisches Porzellan, sondern startet auch einen globalen Handelskrieg.
Gründe für Trumps handeln
Donald Trump hat gute Gründe das Thema Fairness beim internationalen Handel zu forcieren. Neben den ungleich niedrigeren, bereits bestehenden, Einfuhrabgaben der USA im Vergleich zur EU und China, wirft Trump China unfaire Handelspraktiken beim Thema geistigen Eigentums vor. Um auf dem chinesischen Festland Fuss fassen zu können, sehen sich internationale Unternehmen gezwungen, Produktionsstätten in China zu errichten. Somit ermöglichen sie den Chinesen Einblick in den technologischen Fortschritt und in das geistige Eigentum.
Aufgrund der chinesischen Agenda «Made in China 2025», bei der die chinesische Zentralregierung plant Marktführer in High-Tech Sektoren wie der künstlichen Intelligenz zu werden, fühlen sich die USA in ihrer Vormachtstellung bedroht. Ausserdem bedeutet das stetige Handelsdefizit der USA gegenüber China einen konstanten Transfer von Wohlstand aus den USA nach China, was Trump so weit wie möglich reduzieren möchte.
Mit China legt sich Trump mit einem ebenbürtigen Gegner an
Das Verhandlungsmuster Trumps scheint einem immer gleichen Schema zu folgen. Nach der ersten Drohung werden kleinere Massnahmen umgesetzt, um der Drohung Nachdruck zu verleihen. Anschliessend folgt eine noch massivere Drohung, die das Gegenüber vollends verunsichern soll. Diese Taktik kann aufgehen, wenn das Ungleichgewicht der Verhandlungspartner gross ist. Mit China legt sich Trump jedoch mit einem ebenbürtigen Gegner an. Die Volksrepublik ist dank seiner Grösse und Bevölkerungszahl der Zukunftsmarkt und seit der Jahrtausendwende Antriebsmotor des globalen Wirtschaftsaufschwungs. Aus diesem Grund treten die Chinesen mit breiter Brust an den Verhandlungstisch.
Zwar hat Trump beim Thema Handel die besseren Karten in der Hand. Er kann Zölle auf Warenimporte aus China im Wert von 460 Milliarden US Dollar verhängen. China importiert lediglich Waren im Wert von 115 Milliarden US Dollar aus den USA und hat demzufolge weniger entgegenzusetzen. Jedoch spielen China zwei Faktoren in die Karten. Erstens ist das Reich der Mitte der grösste Gläubiger der USA und hat bereits angedroht, künftig die Anleihenkäufe US-amerikanischer Staatsanleihen zu verringern. Damit könnte es ernst zu nehmende Turbulenzen an den US-Finanzmärkten auslösen.
Zweitens spielt die Zeit für China. Im November stehen in den USA die Mid-Term Wahlen an, bei welchen sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat neu gewählt werden. Durch die Erhebung von Strafzöllen auf landwirtschaftliche Erzeugnisse aus den USA dürften die Chinesen insbesondere republikanisch geprägten US-Staaten schaden und somit Trump bei seinen eigenen Wählern unter Druck setzen.
China ist der wichtigste Handelspartner für die USA
Einen Rückzieher können sich mittlerweile weder Trump noch die Chinesen erlauben, ohne das Gesicht zu verlieren. Während Trump seinen Wählern ein Ergebnis präsentieren muss, werden die Chinesen nicht von ihrer Agenda 2025 abrücken. Eine Konfrontation scheint also vorprogrammiert. Zudem wiegt der Vertrauensbruch vom 19. Mai, als Trump einen bereits verhandelten Kompromiss im Handelsstreit einseitig ablehnte, schwer bei den Chinesen.
Ein strategischer Fehler aus Sicht der Amerikaner ist jedoch, dass sich Trump gleichzeitig mit seinen wichtigsten Handelspartnern angelegt hat. Den Chinesen kommen nun die Europäer zu Hilfe, die als Antwort auf die Stahl- und Aluminium-Zölle der USA, mittlerweile selbst Strafzölle auf US-amerikanische Produkte erhoben haben. Sollten die Europäer sich mit den Chinesen beim Handelsstreit zusammenschliessen und sich zusätzlich auch noch Kanada und Mexiko zu Gegenmassnahmen gegen die USA entscheiden dürfte der wirtschaftliche Druck auf die USA stark zunehmen und Trump zu einem Einlenken bewegen.
Mit Hinblick auf die Chinesen könnte dies bedeuten, dass doch noch ein Kompromiss ähnlich dem vom 19. Mai mit China zustande kommen könnte.
Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.