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Vor zehn Jahren schrieb die aus Reichenburg stammende Rahel Senn ein Musical als Matura-Arbeit. Seither hat sie eine Blitzkarriere als Pianistin hingelegt. Doch sie pflegt auch das Schreiben. Jetzt ist ihr Debütroman «Der kleine Tete» erschienen.
Vor zehn Jahren schrieb die 29-jährige Stäfnerin ihr erstes Musical als Matur-Arbeit. Ihr zweiter Streich, das musikalische Märchen «Sanskaja», wurde im Volkshaus Zürich uraufgeführt. Drei Jahre später ist Rahel Senn eine anerkannte Pianistin. In Asien wird sie bereits als «Rising Star» gefeiert. Sie spielt in Indien, Vietnam und Katar und natürlich in der Metropole Singapur, woher ihre Mutter stammt. In dieser Zeit lebt die Tochter eines Reichenburgers denn auch in Singapur. Bei einem ihrer Auftritte wird die junge Musikerin vom Leiter der Künstler- und Konzertabteilung von Steinway & Sons entdeckt und bekommt als erste Schweizerin den Titel «Young Steinway Artist» verliehen. Nur überaus talentierte Jungmusiker werden von der Steinway-Familie für diese Ehre auserkoren. Im Oktober 2012 trat Senn erstmals in Zürich auf, wo sie mit ihrem Soloprogramm «Retour à l’art brut» als Pianistin debütierte.
Auch ein Schreibtalent
Die gefeierte Musikerin hat immer auch geschrieben. Das musste sie ja bereits für ihre Musicals und Märchen. «In den letzten zehn Jahren», erzählt Rahel Senn, «sind fünf Manuskripte entstanden.» In ihrem jugendlichen Eifer habe sie das erste Manuskript keinem Minderen als dem grossen Charles Lewinsky zum Beurteilen geschickt. Der arrivierte Schriftsteller, Dramaturg und Regisseur habe, wie er auf Anfrage bestätigt, den Text fasziniert zu Ende gelesen, «obwohl er eigentlich nicht gut war». Auf ihr Talent angesprochen, müsse er es unhöflich formulieren: «Diese Frau stinkt vor Talent.» Über das fünfte Manuskript, dessen Rohfassung bereits vor drei Jahren fertig war, sagt Lewinsky: «Dieser Text war dann wirklich gut.» Jetzt ist ein Buch daraus geworden: «Der kleine Tete» ist seit Kurzem, seit Rahel Senns Geburtstag,im Handel.Sie widmet es ihrem Mentor: «Für Charles. Wie vor zehn Jahren versprochen.» Das Thema ist so ungewöhnlich wie die Erzählweise. Senn beschäftigt sich mit Albert Einsteins zweitem Sohn Eduard (1910 bis 1965, sein Tod jährt sich am 25. Oktober zum 50. Mal), der an Schizophrenie erkrankt und erstmals mit 22 Jahren in die Psychiatrische Universitätsklinik Burghölzli eingewiesen wird. Von seiner Mutter Mileva Maric erhält er den Spitznamen Tete, was auf Serbisch «das kleine Kind» heisst.
Kopf voller Geschichten
«Sie schildert einen kranken Menschen von innen her», schreibt Lewinsky im Nachwort, «kriecht gewissermassen in ihn hinein und lässt den Leser die Welt durch seine Augen sehen.» Diese Augen gehören Tete, dem Kind, das sich immer wieder mit Eduard unterhält. Eduard beschützt den kleinen Prinzen in der grossen «Burg» und geleitet ihn durch die Welt der Erwachsenen. Rahel Senn macht es weder sich noch dem Leser leicht, aber wenn es sich ums Schreiben dreht, schreckt sie vor keinem Abenteuer zurück. Sie gehört zu den Menschen, die gar nicht anders können, als zu schreiben. Ihr Kopf ist voller Geschichten,die sie rauslassen muss. Und sie arbeitet hart daran, ihre Begabung auch in Arbeiten umzusetzen. Ein gewagtes Thema Doch ist diese fiktive Geschichte über eine derart bekannte Persönlichkeit nicht gewagt als Erstlingsroman? «Gewagt? », wiederholt Charles Lewinsky und fährt fort: «Da ist Bungee-Springen ein harmloses Sonntagsvergnügen dagegen. » Und die Autorin beschwichtigt: «In meinem ersten Musical ‹Der totale Wahnsinn› habe ich mich schon mit Schizophrenie befasst», meint sie, nur dass sie angesichts der Historie um Eduard Einstein ihre Recherchen fundierter betrieben habe.
Beeinflussung interessierte
Rahel Senn interessierte, inwiefern die Dominanz des berühmten Vaters, aber auch die gescheiterte Ehe der Eltern die Krankheit des sensiblen Sohnes beeinflussten. Im Burghölzli wurde er zwar behandelt, von seiner Krankheit aber nicht geheilt. Schliesslich stirbt er dort. Der rote Faden sozusagen von Eduard Einsteins Lebenslauf habe ihr jene Grenzen gesetzt, ohne die sie ausgeufert wäre.
Lesung in Zürich
Rahel Senn lässt sich auch live kennenlernen. Am Mittwoch, 21. Oktober, findet um 19 Uhr
Autor
Höfner Volksblatt & March Anzeiger
Kategorie
- Literatur
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/11LFfG