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Wieso wir so heissen? Man erzählt sich, dass das mit der grossen Armut zusammenhängt, die früher auf dem Dorf lastete. Weil man nicht viel zu essen hatte, musste alles verwertet werden. Die schönen Äpfel und Birnen wurden verkauft und aus dem Halbfaulen liessen sich Schnitze herausschneiden, die im Ofen getrocknet wurden. Als im Jahre 1902 der Bau der Wasserleitung fertig war und das Werk von der Gemeinde gefeiert wurde, brachten die Reigoldswiler einen grossen Kranz von gedörrten Schnitzen und hängten ihn an den Dorfeingang. Die Titterter fanden dies gar nicht lustig. Vielleicht ahnte der Urheber dieses Scherzes, dass mit dem Wasser auch der Wohlstand einkehren und dass für den Übernamen bald einmal die Begründung fehlen würde.
Das ländliche Titterten, «Ditterte», liegt 668m ü.M. im Bezirk Waldenburg in einer Sattellage zwischen Flüebachtal und Flüegraben am Fusse des Rankberges. Sie ist mit Ausnahme einer grossen Oeffnung nach Norden grösstenteils von Wald umschlossen. Im Norden grenzt die Gemeinde Titterten an die Gemeinde Arboldswil, im Osten an die Gemeinden Niederdorf und Oberdorf, im Süden an die Gemeinde Liedertswil und im Westen an die Gemeinde Reigoldswil. Wir haben ungefähr 420 Einwohnerinnen und Einwohner.
St. Martin schmückt unser Gemeindewappen seit 1942. Im goldenen Feld steht St. Martin in blauer Rüstung mit silbernem Schwert, rotem Mantel und rotem Glorienschein. St. Martin ist der Patron unserer Kirche in Titterten. Die Farben erinnern an die ehemalige Zugehörigkeit zur froburgischen Herrschaft Waldenburg.
Als zweithöchst gelegene Baselbieter Gemeinde teilt Titterten das Schicksal anderer Bergdörfer im Tafeljura. Die Versorgung mit Trinkwasser war über Jahrhunderte ein Problem. Titterten liegt zwar nicht auf einer typischen Hochebene, sondern in der Überschiebungszone, doch die dorfnahen Hügelzüge Baberten, Egg und Rankberg sind, vom Wasserhaushalt aus gesehen, ein zu kleines Einzugsgebiet. Sie haben alle eine geologisch ungünstige Struktur. Die für konstante Quellen nötigen wasserführenden Schichten fehlen. Nach Regenperioden war zwar Wasser da, auch in den Soden, bei Trockenheit versiegte es aber rasch.
Im neunzehnten Jahrhundert wurden immer wieder Versuche unternommen, die Wasserversorgung durch das Graben von Brunnen sicherzustellen. Im Jahre 1878 ist der heute noch bestehende Hauptsod am Dorfplatz gebaut worden. Im Jahre 1900 ergriffen weitsichtige Einwohner die Initiative zu einem Werk, das in weiter Zukunft Bestand haben sollte. Am 19. Oktober 1902 konnte die heute noch bestehende Wasserversorgung mit einer Brunnstube auf der Wasserfallen, der Goldbrunnenquelle, der Wasserleitung bis Titterten und dem Reservoir eingeweiht werden. 1987 erfolgte dann der Ausbau mit einem neuen Reservoir. Und im Jahr 2002 konnte das 100-jährige Bestehen der eigenen Wasserversorgung gefeiert werden, im gleichen Jahr , an dem Titterten seinen 850. Gemeindegeburtstags feierte! Und natürlich hiess es dann: "D'Schnitz fiire!"
Funde aus der Steinzeit und vorallemannische Flurnamen sprechen dafür, dass das aussichtsreiche Bergdörflein Titterten auf eine lange Vergangenheit zurückblicken kann. Als ursprüngliche Siedlung wird die Chappelen angesehen (ca. 800 - 400 v.Chr.). In alemannischer-fränkischer Zeit (7.-10. Jahrhundertn.Chr.) dehnte sich das Dorf auf dem Sattel zwischen Fluebachtal und dem eher flachen Anfang des Flüegrabenbächleins aus. Eine weitere Siedlung muss auf der Flur Zwiller nördlich der Egg zu suchen sein, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass diese an einen römischen Gutshof (Zwiller = zum Wiler, zu Wil, Villa) anknüpft. In fränkischer Zeit erhielt Titterten eine Martinskirche. 1152 besass das Kloster Beinwil im Dorf Güter, doch war Titterten im 12. Jahrhundert Eigen der Grafen von Froburg, welche 1189 das Patronatsrecht der Kriche auf das Kloster Schöntal übertrugen. Vermutlich ist auf Kappelen die Burg der Herren von Titterten, die 1230 bis 1246 urkundlich bezeugt sind, zu finden. Als Bestandteil der froburgischen Herrschaft Waldenburg wurde Titterten 1400 baslerisch. Nach der französichen Revolution von 1798 gehörte es zum Bezirk Waldenburg, wo es nach der Kantonsgründung blieb.
1152 Driritum, 1189 Titeritun, 1218 Thierutun, 1226 Titritun, 1347 Titritten, 1415 Titterten (dialektisch "Ditterte"). In der seltsamen Namensform steckt wohl die keltorömische Endung "dunum", welche "fester Ort" bedeutet. Diese Endung ist verwandt mit unserem "Zuun" (Zaun) und bezeichnet einen eingehagten Platz, einen festen Ort.
Kirchlich war das Dorf bis zur Reformation mit dem Kloster Schöntal verbunden; von 1525 bis 1765 gehörte es zur Kirche St. Peter Oberdorf. Im Jahre 1765 wurde es mit Reigoldswil vereinigt.
Zeugen einer frühen Besiedlung der Gemeinde sind die in den Jahren 1929 und 1980 aufgefundenen Steinkistengräber.
Die Gemeinde Titterten hat sich von einem ursprünglichen Bauern- und Posamenterdorf in den letzten Jahrzehnten zu einem Dorf mit gemischtwirtschaftlichem Gesicht gewandelt. Im Jahre 1908 klapperten in Titterten noch 92 Webstühle, von denen beim letzten der Betrieb 1974 eingestellt wurde. In unserer Gemeinde existieren noch 10 Bauernbetriebe (davon 7 ausserhalb des Dorfes als Höfe), die hauptberuflich betreut werden. Dazu kommen noch wenige Betriebe, die im Nebenerwerb oder als Hobby geführt werden. Die Bauern sind grösstenteils in der Milchgenossenschaft und der Maschinengenossenschaft zusammengeschlossen. Die Landwirtschaft konzentriert sich auf Milchwirtschaft, Mastbetriebe, Acker- und Obstbau (insbesondere die bekannten Baselbieter Kirschen).
Im Dorf selber befinden sich einige Arbeitsplätze in Gewerbebetrieben (Sanitärinstallateur, Dachdecker, Schlosserei, Baugeschäft, Töpferei etc.) und Dienstleistungsbetrieben (Dorfladen, Architekturbüro, Graphikatelier etc.). Der grösste Teil der berufstätigen Bevölkerung ist jedoch in der Region zwischen Basel, Liestal und Waldenburg beschäftigt. Das Sodhus-Beizli ist für unsere Gäste und die Bevölkerung ein beliebter Treffpunkt.
Einwohnerzahl (Stand 2015): 420 Personen
Höhenlage Dorfkern: 668m ü.M.
höchster Punkt Dottlenberg, Hochwacht: 794m ü.M.
tiefster Punkt Erli: 595m ü.M.
Fläche Gemeindebann: 371ha
- davon Wald 139ha
- Landwirtschaftszone 213ha
- Bauzone 19ha