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11.02.2020, 05:00 Uhr
Zwei grosse Schockwellen gehen derzeit durch Chinas Wirtschaft: Das Coronavirus und die Folgen des Handelskrieges mit den USA. Doch in der zweiten Jahreshälfte ist Erholung in Sicht, meint Nordea Asset Management.Artikel lesen
Das Handelsabkommen zwischen China und den Vereinigten Staaten soll im Juni abgeschlossen werden. Es könnte aber schon in wenigen Jahren wieder Geschichte sein, weil sich beide Staaten als dominierende Volkswirtschaften sehen, meint Sébastien Galy von Nordea Asset Management.
Während das Handelsabkommen zwischen China und den USA schon vor seiner Unterzeichnung gefeiert werde, könnten laut Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, die Bedenken zunehmen, dass ein solches Abkommen in einem oder zwei Jahren auseinanderfällt. Angesichts solcher Risiken empfiehlt er weiterhin defensive bzw. Value-Aktien zur Absicherung innerhalb eines breiteren Aktien-, Absolute-Return und flexiblen Fixed-Income-Portfolios zu halten.
Da sich die Parteien nicht über ihre Plätze in der globalen Architektur einig seien, werde das Handelsabkommen wahrscheinlich nicht lange halten, meint Galy:
"Beide sehen sich selbst als dominierende Volkswirtschaft, wobei China sein Handelsmodell aus dem 16. Jahrhundert zu replizieren scheint."
China habe ein begrenztes Zeitfenster, um eine tragfähige Position aufzubauen und aufrechtzuerhalten, da die Bevölkerung altert und sich das Land dem Status einer langsamer wachsenden, fortgeschrittenen Volkswirtschaft annähert.
Weltweit gesehen, hat China einen sekundären Partner mit Russland und eine Reihe von Verbündeten in den Schwellenländern, was unter anderem durch das Projekt der neuen Seidenstrasse bedingt ist. Wie im Kalten Krieg könnten die unterlegenen Volkswirtschaften ein Doppelspiel spielen, um den grösstmöglichen Vorteil für sich herauszuholen, sagt Galy. In einigen Fällen habe China aufgrund von Zahlungsunfähigkeit der Zielländer strategische Vermögenswerte im Ausland erworben.
Aus militärischer Sicht werde jede Partei bestrebt sein, einen Vorteil durch einen möglichen Erstschlag in einem nuklearen oder in einem konventionellen Konflikt (z.B. mit dem gefürchteten trojanischen Pferd von Huawei) aufrechtzuerhalten. Doch wäre jeder Konflikt in Umfang und Zeit sehr limitiert, da er ernsthafte Rückkopplungen durch Sanktionen zur Folge hätte. Der Makrostratege meint zudem, dass die Auswirkungen auf einzelne Fiskal- und Währungsräume wie zum Beispiel die Krim beschränkt bleiben würden. Damit werde der grösste Teil des Konflikts in einer Reihe von befristeten Vereinbarungen beigelegt werden müssen.
"So haben die USA offenbar erreicht, dass China bis 2025 die Importe erhöhen will. Die Europäer verfolgen dagegen ihre eigenen Ziele".
Galy ist der Meinung, dass der wirtschaftliche Imperativ in der Regel aber andere Motive überwiegen sollte.
Wichtige Staaten neigen laut dem Makrostrategen dazu, zusammenzuarbeiten, wenn die Alternativen dazu viel weniger Erfolg versprechen, wenn ihre Konjunkturzyklen stark miteinander verflochten sind und wenn sie eine sogenannte Super-Gruppe bilden wollen (z.B. die Europäische Union). Sie kooperieren, weil sie davon ausgehen, dass andere dies weiterhin ebenfalls tun werden, und der Nutzen gegenüber anderen Strategien weit höher ist. Wenn die Gewinne nur als zeitlich begrenzt betrachtet werden, sind die Vorteile eines abweichenden Verhaltens hingegen sehr hoch. Dies trifft laut Galy teilweise auf China zu.
Ähnlich wie zuvor Japan und Südkorea, baue China seine Binnenwirtschaft auf und setze dabei auf eigene Technologieriesen und Suchmaschinen. Der Unterschied bestehe darin, dass China die Marktgrösse habe, um damit durchzukommen. Die Europäer verfolgten dieselbe Strategie, indem sie die Entstehung von Airbus (und anderen) subventionierten, sagt Galy.
"Es ist unwahrscheinlich, dass China langfristig von einer Politik der nationalen Champions abweichen wird."
Chinas grösste Achillesferse im Verhältnis zu den USA sei das grosse und wachsende Handelsungleichgewicht, wobei die Verhandlungen den hohen Handelsüberschuss Chinas verringern sollten. In der Theorie gilt: Je grösser der Überschuss, desto stärker die Währung. Deshalb sollte eine Verringerung des chinesischen Handelsüberschusses zu einer Schwächung des Renminbis gegenüber dem frei schwankenden US-Dollar führen. Die Wechselkursgewinne lassen vermuten, dass die Handelsbilanz etwas einseitig bleibt. Galy zieht daraus die Schlussfolgerung, dass eine moderate Variante des Kalten Krieges herrsche, in dem Handelsgewinne und das Streben nach Macht miteinander verflochten seien.
Geopolitische Blöcke werden durch interne oder externe Funktionsstörungen auseinandergetrieben. So könne übermässiger Wettbewerbsdruck zu einem schweren Rückschlag beim Handel führen. Einige Schwellenländer haben laut Galy in der Vergangenheit den Fokus auf die Inflation verloren, als sie mit einem starken Wirtschaftsabschwung konfrontiert waren. Der Wettbewerb um eine gemeinsame knappe Ressource wie Energie könne ebenso schädliche Auswirkungen haben wie das Aufkommen neuer Technologien (z.B. Fracking).
Die USA und China werden wahrscheinlich eine Reihe von Vereinbarungsrunden durchlaufen, schliesst Galy und unterstreicht die Notwendigkeit, dass die beiden Partner an den Tisch zurückkehren. Dies sei insbesondere darum wichtig, da das Wachstumspotenzial in China stärker nachlasse.