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Der Geschäftsmann Alexander Lebedev (*1959) stieg nach der Jahrtausendwende zu den reichsten Russen auf. 2007 wurde sein Vermögen auf 3,7 Milliarden US-Dollar geschätzt (Quelle). 2012 wurde das Vermögen noch auf 1,1 Milliarden geschätzt (Quelle). Seither war er nicht mehr auf der Forbes-Liste der Milliardäre.
2012 verliess er Russland und zog nach Grossbritannien, wo er seither lebt. Seinen Aussagen nach würde er vom russischen Geheimdienst bedroht und erpresst werden. Er gilt als ein Gegner Putins. Heute ist er zusammen mit seinem Sohn Evgeny (*1980) als britischer Medienunternehmer tätig. Sie besitzen zum Grossteil die Zeitungen Evening Standard und The Independent, die beide zu den wichtigsten britischen Zeitungen gehören. Alexander hatte die beiden Zeitungen bereits 2009 und 2010 erworben, als er noch in Russland lebte und den Ruf eines Oligarchen hatte. Das deutet daraufhin, dass er schon damals ein gutes Verhältnis zur britischen Elite hatte, da diese sonst wohl kaum zugelassen hätte, dass er wichtige britische Zeitungen übernahm. Bevor er sie kaufte, hatte er sich mit dem britischen Medienbesitzer Baron Rothermere abgesprochen (Quelle). Der Baron kommt aus der Harmsworth Familie, die schon seit über 100 Jahren die mächtigsten Zeitungsbesitzer Grossbritanniens sind.
Nach seinem Studium begann Alexander in den 1980er Jahren für den KGB zu arbeiten, den sowjetischen In- und Auslandgeheimdienst. Er war in London als Agent tätig. Er blieb bis 1992 für den KGB und einen seiner Nachfolger tätig (Quelle).
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde er wirtschaftlich aktiv. Während der Sowjetzeit wurde die russische Wirtschaft komplett vom Staat kontrolliert. Nach dem Zusammenbruch konnten private Unternehmen die Wirtschaft übernehmen. 1995 kaufte Alexander die National Reserve Bank/National Reserve Corporation, die ab da schnell zu einer der grössten Banken Russlands wurde. Sie war eine von nur zwei Grossbanken, welche die Finanzkrise von 1998 in Russland überlebten (Quelle).
2009 war Alexander mit 29% an Aeroflot beteiligt, die bis heute die grösste russische Fluggesellschaft ist (Quelle). Alexander trat dem Vorstand von Aeroflot bei. Er war auch Hauptaktionär der nicht mehr existenten deutschen Fluggesellschaft Blue Wings.
Alexander gehörte zu den grössten Einzelaktionären von Gazprom, welcher der grösste Erdgaskonzern der Welt und das grösste Unternehmen Russlands ist. Alexander war auch einer der grössten Einzelaktionäre der Sberbank, welche die grösste russische Bank ist. (Quelle)
Alexander ist mit Michail Gorbatschow/Gorbachev verbunden, der das letzte Staatsoberhaupt der Sowjetunion war. Die beiden versuchten 2007/2008 auch eine eigene russische Partei zu gründen (Quelle). Der Plan wurde letztendlich nicht umgesetzt. Lebedev und Gorbatschow finanzierten die Novaya Gazeta, Russlands führende Oppositionszeitung. Michail Gorbatschow „beendete“ den Kalten Krieg und erhielt dafür den Friedensnobelpreis. In seiner Amtszeit brach die Sowjetunion zusammen.
Alexander war oder ist noch immer eng mit Boris Jelzin/Yeltsin verbunden (Quelle). Jelzin war von 1991 bis 1999 der erste Präsident der heutigen Föderation Russland.
2011 schlug Alexander dem Geschäftsmann Sergei Polonsky in einer russischen Talkshow ins Gesicht (hier die Aufnahme).
Alexanders Sohn Evgeny Lebedev (*1980) ist mit dem derzeitigen britischen Premierminister Boris Johnson befreundet (Quelle). Boris Johnson ist übrigens auch mit Alexander Temerko befreundet, ein wohlhabender britischer Geschäftsmann der in der sowjetischen Ukraine geboren war (Quelle). Temerko gilt als Putingegner und gehört zum Kreis um Boris Jelzin, der vor Putin Präsident war. In Jelzins Amtszeit arbeitete Temerko im russischen Verteidigungsministerium und gehörte zur Führung des nicht mehr existenten russischen Ölkonzerns Yukos, der zu den grössten der Welt gehörte. Dadurch kannte er höchstwahrscheinlich den Yukos-Chef Mikhail Khodorkovsky, der heute ebenfalls in London lebt und ein Bekannter von Baron Jacob Rothschild ist (Quelle).
Übrigens leben noch weitere russische Milliardäre in London. Manche davon haben ein gutes Verhältnis zu Präsident Putin. Mehr dazu im meinem Beitrag zu den russischen Milliardären und ihren Auslandskontakten.