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Was ist eine Lese- Rechtschreibstörung? Was verbirgt sich genau hinter dem Begriff Legasthenie? Welche Anzeichen gibt es? Wie läuft die Diagnostik ab? Diese Fragen beantworten wir nachfolgend für Sie.
Was ist Legasthenie / Lese-Rechtschreibstörung (LRS)?
Hinter diesen Begriffen verbirgt sich eine ausgeprägte Lese- und/oder Rechtschreibproblematik. Die Kinder haben grosse Mühe, die Grundfertigkeiten zu lernen, obwohl es ihnen in der Schule beigebracht wird und sie mit der jeweiligen Sprache vertraut sind. Zwischen 3% bis 5% der Kinder und Jugendlichen sind internationalen Studien zufolge betroffen. Manche von ihnen weisen ausschließlich Probleme im Lesen auf („Dyslexie“), bei anderen ist ausschließlich die Rechtschreibung beeinträchtigt („Isolierte Rechtschreibstörung“ / Dysorthographie). In den meisten Fällen haben Kinder jedoch ausgeprägte Probleme in beiden Bereichen und es liegt eine Lese- Rechtschreibstörung (LRS / Legasthenie) vor.
Woran erkenne ich, ob mein Kind betroffen ist?
Es gibt sehr unterschiedliche Probleme, die auf das Vorliegen einer LRS hinweisen können. Im Vordergrund stehen Probleme beim Verschriftlichen von Wörtern und Erlesen von einzelnen Buchstaben und Silben.
Im Bereich des Lesens haben betroffene Kinder grosse Mühe, die einzelnen Buchstaben zu erkennen und Laute zu verbinden. So gelingt beispielsweise beim Wort „Haus“ die Zusammenlautung „Ha“, die restlichen Buchstaben können jedoch trotz Übung nicht zu einem vollständigen Wort zusammengelautet werden. Im Vergleich zu Gleichaltrigen lesen die Kinder meist deutlich langsamer und unter grösserer Anstrengung. Sie geraten ins Stocken und behelfen sich mit dem Erraten der Wörter. Das Lesen verlangt diesen Kindern so viel ab, dass sie nicht verstehen, worum es im Text überhaupt geht.
Im Bereich des Rechtschreibens haben die betroffenen Kinder große Schwierigkeiten, einzelne Buchstaben auseinander zu halten und zu schreiben. Im Vergleich zu Gleichaltrigen können sie einem gesprochenen Wort die richtigen Buchstaben kaum zuordnen. „Er lässt einfach Buchstaben weg.“, „Sie schreibt Wörter partout nicht vollständig“, „Ihm fällt gar nicht auf, dass er Mus statt Maus geschrieben hat“ sind Beobachtungen, die Eltern beim selbst schreiben, aber auch beim Abschreiben von der Tafel oder aus dem Buch häufig machen. Manchen Kindern gelingt es in den ersten Schuljahren, die Rechtschreibprobleme z.B. durch auswendig lernen weitgehend zu kompensieren. Bei den ersten Diktaten in der Schule, die ohne die typischen Übungsphasen der ersten Schuljahre geschrieben werden, zeigt sich dann erst die Rechtschreibproblematik.
Die ausgeprägten Probleme im Lesen und Rechtschreiben wirken sich auch auf andere Schulfächer aus, denn die Lücken haben Folgen. Wer beispielsweise langsam, wenig genau und nur unter großer Mühe liest, hat Schwierigkeiten, den Sinn eines Textes zu erfassen und sich die wichtigsten Punkte zu merken. Eine frühzeitige Unterstützung der Kinder kann hier jedoch im Vorfeld Einiges Abfedern.
Wie wird eine LRS abgeklärt?
Die Abklärung wird in der Schweiz meist von Schulpsycholog/innen bzw. Logopäd/innen durchgeführt. Dabei ist eine umfassende Diagnostik das A und O. Die Fachperson wird die Fähigkeiten im Lesen und/oder Rechtschreiben mithilfe standardisierter Tests erfassen. Dadurch kann die Leistung des Kindes mit der Leistung von Gleichaltrigen, der sogenannten „Normstichprobe“ verglichen werden. Oftmals wird ein allgemeiner Intelligenztest durchgeführt, um auszuschließen, dass die Schwierigkeiten auf kognitive Einschränkungen zurückzuführen sind. Kinder mit einer LRS sind keineswegs dumm oder weniger intelligent als andere Kinder- ihre individuellen Fähigkeiten im Lesen und/oder Rechtschreiben sind im Vergleich zu ihrer individuellen Intelligenz unterdurchschnittlich. Auch die Schulbildung des Kindes ist ein wichtiger Faktor. So hat ein 10-jähriges Kind aus dem Amazonas-Gebiet, das nie Lesen und Schreiben gelernt hat, keine LRS. Auch wird man bei einem Kind, das nur unregelmässig zur Schule geht und Schwierigkeiten im Lesen und/oder Rechtschreiben hat, nicht automatisch von einer Lese- Rechtschreibstörung sprechen.
Lese- und/oder Rechtschreibstörungen werden also diagnostiziert indem man die individuellen Fähigkeiten des Kindes mit…
- den altersgemässen Leistungen in diesen Bereichen
- der individuellen Intelligenz des Kindes (IQ)
- der individuellen Sprach- und Schulbildung des Kindes
vergleicht. In Gesprächen wird zusätzlich geklärt, wie sich das Kind bisher entwickelt hat, wie die schulische Situation aussieht und wie der emotionale und persönliche Stand ist. Die Fähigkeiten, Einzellaute voneinander zu unterscheiden und diese auszusprechen, werden ausserdem erfasst. Eine ärztliche Untersuchung des Hör- und Sehvermögens stellt sicher, dass die Schwierigkeiten nicht ausschliesslich auf eine körperliche Ursache zurückzuführen sind.
Welche Bedeutung hat eine LRS für Kinder und Eltern?
Eine Vielzahl an Studien zeigt, dass sich die Problematik ohne sinnvolle Unterstützungmassnahmen verschlimmert. Die meisten Eltern reagieren im Vorfeld einer Abklärung durch vermehrtes Üben mit dem Kind. Wenn die Fortschritte und Erfolge ausbleiben, begeben sich die meisten Familien in einen Teufelskreis. Die Eltern haben das Gefühl, das Kind würde sich einfach nicht genug anstrengen und fühlen sich beim Lernen mit dem Kind frustriert. Die Kinder trauen sich immer weniger zu, möchten die Lernsituation am liebsten vermeiden und fühlen sich durch die ausbleibenden Erfolge ebenfalls frustriert. Durch die wiederholte Erfahrung, trotz Anstrengung nichts bewirken zu können, erleben sich die betroffenen Kinder als hilflos. Auf diese Hilflosigkeit reagieren viele Kinder langfristig mit Ängsten, Selbstwertproblemen oder widerständigem, aggressivem Verhalten. Viele Eltern berichten in unseren Seminaren, dass die Beziehung in der Lernsituation immer angespannter wird und die Schule zu einem „leidigen Thema“ zu Hause wird.
Doch Kinder brauchen wirksame Hilfe! Studien zeigen, dass die Lese- und/oder Rechtschreibprobleme ohne Behandlung sogar an Schwere zunehmen. Eltern können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, wie sich Kinder mit LRS schulisch entwickeln, wie sie über sich und ihre Leistungen denken und ob sie ihre Probleme für bewältigbar halten. Es lohnt sich also, frühzeitig „ein Experte“ für die Problematik zu werden und sich mit Lösungswegen vertraut zu machen. Eltern finden beispielsweise in unserem Seminar Rechtschreibung verbessern - in 10 Minuten pro Tag wertvolle Informationen und praktische Übungen zur Förderung und Unterstützung der betroffenen Kinder.