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Powerline-Vergleich: 2000 Mbps? Da lachen ja die Hühner!
Insbesondere für Fans der einfachen Installation ohne neues Verlegen von Kabeln ist Powerline optimal. Daher setze auch ich seit Jahren auf diese bewährte Technik. Powerline wird auch «dLAN» oder «PowerLAN» genannt. Es benutzt deine vorhandene elektrische Leitung im Niederspannungsnetz, um darüber ein lokales Netzwerk aufzubauen. Anstelle eines Netzwerkkabels wird die vorhandene Stromleitung genutzt. Somit hast du überall Empfang, wo sich eine Steckdose befindet. Zumindest in der Theorie.
Die Technologie – wie funktioniert Powerline?
Wenn du ein Netzwerk über Powerline aufbauen willst, benötigst du mindestens zwei Adapter. Den Ersten steckst du in der Nähe deines Routers in die Steckdose und verbindest ihn mit einem Netzwerkkabel. Den Zweiten platzierst du in der Nähe des Endgerätes. Die Adapter kommunizieren verschlüsselt über deine Stromleitung auf einer Trägerfrequenz zwischen 2 und 68 MHz mittels OFDM-Übertragungstechnik (Orthogonal Frequency Division Multiplexing), welche auch bei DSL zum Einsatz kommt. Der Adapter teilt dabei das Frequenzband in verschiedene, unabhängige Kanäle auf, welche gleichzeitig benutzt werden. Dies dient dazu, allfälligen Störungen durch andere hochfrequente Geräte aus dem Weg zu gehen.
Die Geschwindigkeit, welche mit Powerline erreicht werden kann, hängt von vielen Faktoren ab. Nebst der vorgegebenen, theoretisch maximalen Geschwindigkeit des Adapters, spielen auch die Qualität der Stromleitung (sowie Sicherungskasten) und die räumliche Distanz eine Rolle. In Theorie funktionieren die Adapter bis zu einer Distanz von 300 Metern ohne grössere Geschwindigkeitseinbussen. Werden die Adapter nicht direkt an die Wandsteckdose gehängt, sondern an ein Verlängerungskabel oder eine Steckleiste, kann die Geschwindigkeit drastisch abnehmen (später mehr dazu). Daher sollte das vermieden werden. Zum Beispiel indem man Adapter mit integrierter Durchreiche/Steckdose (Pass-Thru) verwendet, an welcher weitere Geräte oder eine Steckleiste angeschlossen werden können.
Die Kontrahenten: Folgende Produkte steigen in den Ring
Erst mal an alle Hersteller der Testgeräte: Besten Dank für's zur Verfügung stellen – möge das beste Produkt gewinnen.
Die Produkte bieten gemäss Verpackung alle mindestens 1000 Mbps (Mbit/s). Die Einrichtung ist bei sämtlichen Adaptern kinderleicht. Den ersten Adapter per mitgeliefertem Netzwerkkabel mit dem Router verbinden und in eine Wandsteckdose stecken. Dann den Pairing-Knopf drücken. Nun innerhalb von zwei Minuten den zweiten Adapter im gewünschten Zielraum in eine Wandsteckdose einstecken und auch da den Knopf betätigen.
Übrigens:
Nebst der erbrachten Geschwindigkeit, sollte man sich bei einem Kauf auch überlegen, welche Features die Adapter sonst mitbringen sollen. Benötige ich eine Durchreiche? Reicht mir eine Netzwerkbuchse? Benötige ich im Zielraum auch zusätzlich WLAN aus der Steckdose? Fragen, welche in diesem Test nicht tiefer behandelt werden.
Das Testverfahren
Um authentische Resultate zu erhalten, teste ich nur innerhalb des LAN und verwende zwei Computer mit verbauter SSD. Die beiden Rechner fungieren als Server und Client. Vom Zimmer mit dem Router lade ich eine 1 GB grosse Datei in ein Verzeichnis auf dem im Zielzimmer stehenden Computer. Nach erfolgtem Upload wird die Datei wieder heruntergeladen. Dabei werden die durchschnittlichen Mbps gemessen. Ich habe diesen Vorgang bei den Tests jeweils dreimal gemacht. Somit liegen zu jedem Adapter-Pärchen sechs Ergebnisse vor, deren Mittelwert die finale Mbps-Wertung ergibt.
Der Test
Meine verwinkelte Maisonette-Wohnung aus den 80ern hat glücklicherweise keine Drehsicherungen mehr. Vor ein paar Jahren machte ich mit einem Uralt-Sicherungskasten schlechte Erfahrungen in Sachen Powerline. Meine damalige Powerline, welche eigentlich 200 Mbps bringen sollte, brachte leider nur 5 bis 10 Mbps. Nach Umzug in eine Wohnung mit modernerem elektrischen Verteiler, brachten die Adapter bessere 25 Mbps. Ob alte Sicherungskasten allgemein Probleme machen, kann nicht abschliessend gesagt werden. Falls du damit Erfahrung hast, darfst du gerne einen Kommentar hinterlassen. 😉
Optimales Testszenario: Steckdose zu Steckdose
Ich habe einen Kabel-Internet-Anschluss. Das Modem steht im Wohnzimmer. Im Büro steht ein Gaming-PC sowie mein geliebtes NAS mit tausenden Musik- und Filmdateien, welche von da auf beliebige Endgeräte gestreamt werden sollen. Mal sehen, welche Adapter künftig diesen Job übernehmen dürfen.
Devolo dLAN 1200 triple+
Dass ich keine Glanzergebnisse mit einer Stromleitung aus den 80ern erwarten darf, war mir im Voraus klar. Dennoch bin ich nach dem ersten Test-Kandidaten etwas enttäuscht. Doch erst mal abwarten, wie die anderen Adapter abschneiden werden. Mit Devolo dauert der Transfer von einem Gigabyte etwas mehr als 80 Sekunden.
Testresultat: 96.95 Mbps
Netgear PL1000-100PES
Die Netgear Adapter sind die günstigsten dieser Testreihe. Sie kosten nur rund einen Drittel im Vergleich zu den anderen Powerline-Lösungen. Obschon auch hier gemäss Hersteller bis zu einem Gigabit pro Sekunde drinliegen sollte, schneidet Netgear nur mit bescheidenem Resultat ab. Die reine Testzeit betrug hier insgesamt 17 Minuten und 27 Sekunden (bei 6 GB Daten).
Testresultat: 48.98 Mbps
TP-LINK TL-WPA9610 KIT
Wahres Kopfzerbrechen bereitet mir TP-LINK. Die Adapter wollen einfach nicht so, wie ich es möchte. Der Speed ist im Keller und beim Transferieren der Dateien hängt der Test immer und immer wieder. Ich verbinde zigmal und suche vergebens nach einer Fehlerursache abseits der Adapter. Ich bringe es nicht hin, auch nur einmal ein Gigabyte komplett zu übertragen. Nach jeweils rund 700 MB geschriebenen Daten hängt der Upload.
Ob es sich hierbei um ein Montagsmodell handelt oder die Adapter einfach nur mit der etwas älteren Stromleitung nicht klar kommen, bleibt offen.
Testresultat: ca. 15 Mbps
Zyxel PLA5456 Starter Kit
Endlich flutscht es wieder. Zwar kann auch Zyxel nur einen Bruchteil der versprochenen Geschwindigkeit bringen, doch das reicht allemal für meine Bedürfnisse (UHD-Film-Streaming und Gaming). Die Adapter laufen ohne Timeouts oder Geschwindigkeitseinbrüche (wie bei Devolo und Netgear). Ein Gigabyte benötigt hier im Schnitt 112 Sekunden.
Testresultat: 72.41 Mbps
Testresultate im Vergleich (Steckdose zu Steckdose)
|Produkt||Ø Mbps|
|1. Rang||Devolo dLAN 1200 triple+||96.95 Mbps|
|2. Rang||Zyxel PLA5456 Starter Kit||72.41 Mbps|
|3. Rang||Netgear PL1000-100PES||48.98 Mbps|
|4. Rang||TP-LINK TL-WPA9610 KIT||ca. 15.00 Mbps*|
Suboptimales Testszenario: Steckdose zu Steckdose plus Verlängerungskabel und Stromleiste
Um den Zweit-Fernseher und die Android-Box im Schlafzimmer ans Netz zu hängen, musste ich etwas basteln. Mein Schlafzimmer hat eine Dachschräge und dummerweise befindet sich die einzige Steckdose des Zimmers genau unterhalb der Dachschräge – gegenüber der Wand, wo der TV hängt. Daher habe ich ein langes Verlängerungskabel unauffällig in Kabelleisten verlegt. Nun hatte ich aber keine Lust darauf, auch noch ein Netzwerkkabel zu verlegen, weshalb ich den Adapter der Powerline ans Verlängerungskabel sowie eine Stromleiste gehängt habe. Dadurch geht zwar einiges an Speed verloren, doch zum Filme streamen reicht es allemal. Zumindest mit dem richtigen Adapter.
Devolo dLAN 1200 triple+
Auch wenn von einem Betrieb mit Hürden abgeraten wird, bringt Devolo noch immer genügend Saft, um glücklich zu sein. Die Geschwindigkeit hat sich gegenüber dem Steckdose-zu-Steckdose-Betrieb um 54 Prozent vermindert.
Testresultat: 44.61 Mbps
Netgear PL1000-100PES
Bei Netgear zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, wie bei Devolo. Der Speed verringert sich mit Verlängerungskabel und Steckleiste um 58 Prozent. Zwar warnt eine rote Lampe vor nicht optimaler Verbindung, dennoch habe ich weder Lags, noch sonstige Probleme. Der TV tut, was er tun soll. Netflix-HD und NAS-Streaming kommen tadellos auf die Mattscheibe.
Testresultat: 20.67 Mbps
TP-LINK TL-WPA9610 KIT
Die Adapter von TP-LINK schaffen es leider nicht, eine Verbindung herzustellen.
Testresultat: 0.00 Mbps
Zyxel PLA5456 Starter Kit
Wer hätte das gedacht. Irgendwas macht Zyxel anders. Denn die Geschwindigkeit vermindert sich hier lediglich um 29 Prozent. Somit scheint der Gewinner des Hürdenlaufs festzustehen.
Testresultat: 51.72 Mbps
Testresultate im Vergleich (Steckdose zu Steckdose plus Verlängerungskabel und Stromleiste)
|Produkt||Ø Mbps|
|1. Rang||Zyxel PLA5456 Starter Kit||51.72 Mbps|
|2. Rang||Devolo dLAN 1200 triple+||44.61 Mbps|
|3. Rang||Netgear PL1000-100PES||20.67 Mbps|
|4. Rang||TP-LINK TL-WPA9610 KIT||0.00 Mbps*|
Fazit
Wenn du beispielsweise Filme von Netflix in 4K HDR streamen möchtest, haben diese aktuell eine Overall Bitrate (Video und Sound) von rund 25 Mbps. Bei einem HD-Stream sind es um die 7 Mbps. Kopierst du eine UHD-Blu-ray komplett ohne Neukonvertierung auf dein NAS, werden beim Streaming zwischen 50 und 80 Mbps benötigt. Abgesehen von diesem Szenario, werden die Powerlines von Devolo und Zyxel für praktisch jeden Wunsch genügend Saft bieten. Es sei denn, du hast eine Grossfamilie, dann könnte es an regnerischen Tagen knapp werden (auch Filmpiraten mögen allenfalls die Nase rümpfen).
Bei Netgears Adaptern, welche sehr günstig zu haben sind, müssen allenfalls Abstriche gemacht werden. Für einen Single-Haushalt sollte aber auch diese Powerline genügen.
Lediglich TP-LINK hinterlässt viele Fragezeichen. Gut möglich, dass deren Adapter in einem anderen Haushalt gute Ergebnisse bringen. In meiner Wohnung allerdings ist man selbst mit einem schwachen 2.4 GHz-WLAN besser bedient. Ich hoffe für TP-LINK sehr, dass es sich bei den mir gelieferten Adaptern um Montagsmodelle handelt.
Im Grossen und Ganzen bin ich mit der Powerline-Technologie zufrieden. Was mir aus Konsumenten-Sicht allerdings mehr als sauer aufstösst ist, dass mit absolut unrealistischen Laborwerten von 1000 oder 2000 Mbps geworben wird. Die Wohnung, welche volle Power über die Line bringen kann, muss erst noch gebaut werden.
Update vom 1. Juni 2018
Aufgrund der Kommentare von den Usern Marco.burri und Anonymous habe ich mich entschieden, weitere Tests zu machen. Ich habe mir ein 2000 Mbps Starter-Kit von myStrom gekrallt und erneut brav Gigabyte für Gigabyte transferiert.
Im Weiteren hat User Dirty.stone auf einen wichtigen Punkt hingewiesen: die Ping-Zeiten. Auch diese habe ich mittlerweile ermittelt.
Ausserdem hat Kollege Andres Weber die TP-LINK-Adapter bei sich zuhause getestet. Vorab: Sie funktionieren in seinem Stromnetz.
Der fünfte Kandidat: myStrom 2000 Connection Kit
Die Adapter von myStrom kommen in meinem Haushalt nicht wirklich auf Touren. Sie belegen mit durchschnittlichen 42.68 Mbps (Wandsteckdose zu Wandsteckdose) hinter Netgear den letzten Rang in meinem Test (von den funktionierenden Powerlines).
Wenn man myStrom-Adapter so verbindet, wie man es nicht tun sollte, erreichen sie übrigens 34.21 Mbps.
Neue Rangliste (Wandsteckdose zu Wandsteckdose):
|Produkt||Ø Mbps|
|1. Rang||Devolo dLAN 1200 triple+||96.95 Mbps|
|2. Rang||Zyxel PLA5456 Starter Kit||72.41 Mbps|
|3. Rang||Netgear PL1000-100PES||48.98 Mbps|
|4. Rang||myStrom 2000 Connection Kit||42.68 Mbps|
|5. Rang||TP-LINK TL-WPA9610 KIT||ca. 15.00 Mbps*|
Ping-Werte: Gamer dürfen aufatmen
Lediglich myStrom hat in Sachen Ping-Zeiten mit meinem Stromnetz zu kämpfen.
Hier die Antwortzeiten in Millisekunden:
|Mittelwert||Minimum||Maximum|
|Devolo dLAN 1200 triple+||1 ms||1 ms||1 ms|
|Netgear PL1000-100PES||2 ms||2 ms||3 ms|
|Zyxel PLA5456 Starter Kit||3 ms||3 ms||3 ms|
|myStrom 2000 Connection Kit||44 ms||7 ms||83 ms|
TP-LINK: Hat Andres die bessere Wohnung?
In Andres Wohnung funktionieren die Adapter von TP-LINK einwandfrei. Saubere Arbeit – danke dir! Zwar kann man die Mess-Ergebnisse nicht mit obigen Test-Resultaten vergleichen (da anderes Szenario), doch jetzt ist klar: Auch die TP-Link-Adapter funktionieren im Grunde genommen, leider nicht in meinem Stromnetz.
Die TP-LINK-Adapter erreichen bei ihm durchschnittlich 130 Mbps. Er erhält bei der Ping-Antwortzeit einen Mittelwert von einer Millisekunde.
Abschliessend:
Je mehr ich teste, desto mehr Fragen tauchen auf. Ich bin beispielsweise echt gespannt, ob in einer anderen Wohnung allenfalls ein anderer Hersteller in die Röhre gucken müsste. Es hat für mich momentan den Anschein, dass so wie nicht jeder Deckel auf jeden Topf passt, auch nicht jeder Adapter in jede Dose gesteckt werden sollte.