Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03425.jsonl.gz/2193

ESAF-Kranz erkämpft trotz kaputtem Kreuzband
Peter Schelbert wurde das Schwingen quasi in die Wiege gelegt. Schon sein Vater Alois und zwei seiner Brüder schwangen. So war das Schwingen Tagesgespräch und auch die beiden Söhne Peter sowie der um zwei Jahre jüngere Bruder Alois wandten sich dem Schwingsport zu. Peter Schelbert hat noch zwei weitere Brüder sowie eine Schwester, die sich aber nicht dem Nationalsport verschrieben. Sein erstes Schwingfest bestritt er als 14-Jähriger in Muotathal. Es war dies der erste Jungschwingertag überhaupt, der im Muotathal abgehalten wurde. Mit dem um einige Jahre älteren Alois Reichlin, Bruder Alois, Cousin Peter sowie Richard Heinzer hatte er ideale Trainingspartner.
Zwei Peter Schelberts
Da es damals zwei Peter Schelberts gab (beide wurden eidgenössische Kranzschwinger) nannte man den älteren Peter Schelbert 1 und der um fünf Jahre jüngere Cousin erhielt die zwei hinter seinem Namen. Die Freizeit während seinen Schuljahren verbrachte er meistens im Bisisthal auf der Alp. Eine Lehre absolvierte der Bauernsohn nicht. Auf dem Bau als Schaler sowie bei Lawinenverbauungen beim Kanton angestellt, fand er Arbeit. 1971 gewann er als 18-Jähriger am Schwyzer Kantonalen in Einsiedeln sein erstes Eichenlaub. Kranzgewinne im Jahr darauf am Schwyzer und Zuger Kantonalen berechtigten zur Teilnahme am Eidgenössischen in La Chaux-de-Fonds. Der Start glückte dem 19-Jährigen hervorragend. Drei Siege in Serie, im dritten Gang gegen Guido Zurkirchen, konnte er vorweisen. Niederlagen im sechsten und siebten Gang gegen Ruedi Suter und Dan Widmer beendeten die Kranzhoffnungen. Zwei Jahre später bestritt Schelbert auf der Rigi, damals noch auf Rigi Kulm, gegen Toni Steiner den Schlussgang.
Schwyz in schlechter Erinnerung
Doch im gleichen Jahr erlebte der Muotathaler seine grösste Enttäuschung. «Als Nichteidgenosse wurden mir am Eidgenössischen in den ersten drei Gängen mit Samuel Sempach, Ruedi Suter und Raphy Martinetti drei Eidgenossen vorgesetzt, obwohl ich gar keinen Sieg aufwies.» Ohne gewonnenen Gang musste er den Talkessel von Schwyz am Samstagabend verlassen.
Nachdem er sich bereits als 20-Jähriger das Kreuzband riss, verletzte er sich am Haldiberg-Schwinget 1977 am Fuss. Dieses Fest wurde damals verschoben und fand nur 14 Tage vor dem Eidgenössischen in Basel statt. «Vor dem Fest musste ich mehrheitlich den Fuss hochlagern. Zwar bestritt ich in Basel alle acht Gänge, doch schon am Samstagabend war mein Fuss wieder stark angeschwollen.»$
Kranz mit kaputtem Knie
1980 in St. Gallen war es endlich so weit. Bei seinem vierten Start krönte er sich zum Eidgenossen. Sein Notenblatt durfte sich sehen lassen. Mit Armin Thomi sowie Hans Hämmerli stellte er. Michael Rouiller, Othmar Treier und Fritz Rietberger bezwang er. Im sechsten Gang musste er gegen Johann Santschi antreten. Schelbert wollte seinen Paradeschwung, den Brienzer, anbringen, doch der Berner blockierte den Angriff. Dabei passierte es. Der Schwyzer riss sich erneut das Kreuzband, diesmal im anderen Knie. «Ich wurde aus der Arena zum Sanitätsposten getragen, worauf mir der Arzt das Weitermachen verbot.» Doch dessen Rat befolgte er aufgrund der Ausgangslage nicht. Den siebten Gang stellte er mit Matthias Habegger, und zuletzt bezwang er Mario John.
Um Kranz geprellt
An Langenthal erinnert sich Schelbert wieder weniger gerne. Im achten Gang schwang der Schwyzer gegen den Berner Markus Karlen um den Kranz. Schelbert suchte vehement den Sieg, doch der Ringerspezialist liess immer wieder die Griffe fahren. Trotzdem gelang es dem Schwyzer, den Widersacher platt zu bezwingen. Die Verwunderung kam am Tisch. Der Kampfrichter, notabene ein Innerschweizer, verwarnte beide Schwinger und zog beiden einen Viertelpunkt ab. Mit der Note 9,75 entschwand der sicher geglaubte Kranz um den ominösen Viertelpunkt. In Sion bestritt er sein sechstes und letztes Eidgenössisches. 1987 war der Schwingklub Muotathal am Luzerner Kantonalen in Ruswil eingeladen, wo er sein letztes Eichenlaub gewann. Am Schwyzer Kantonalen 1989 in Sattel beendete er seine Laufbahn. Schelbert übernahm den Hof von seinem Vater, zudem arbeitete er noch als Futtermittelberater.
Sechs Siege in Menzingen
Das Palmarès des gebürtigen Hinterthalers umfasst noch weitere Eckdaten. Je einmal qualifizierte er sich für den Kilchberger und Unspunnen-Schwinget. Am Gedenk-Schwinget in Murten unterlag er im sechsten Gang auf strittige Art gegen Ernest Schläfli um einen Spitzenplatz.1978 am Zuger Kantonalen in Menzingen feierte er mit sechs gewonnenen Gängen seinen einzigen Kranzfestsieg. Nach seinem Rücktritt diente Schelbert dem Nationalsport als Kampfrichter und gemeinsam mit seiner Frau Margrit bekleidete er über viele Jahre das Amt des Schwyzer Kantonalen Verbandsfotografen.