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Das neotropische Pflanzen- und Tierreich ist voll von Superlativen und enthält, unter anderem, auch das grösste zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde, bewässert vom Amazonas, der das bei weitem grösste Wasservolumen aller Flüsse unseres Planeten aufweist. Die Fauna und Flora ist zu einem grossen Teil vom Einfluss der grossen Flüsse und Berge geprägt – vornehmlich denen der Anden, welche die grösste zusammenhängende Gebirgskette der Welt bilden. Obwohl sie nicht innerhalb Brasiliens gelegen sind, haben sie doch einen dramatischen Einfluss auf das Klima und damit auf Pflanzen und Tiere, welche in diesem Land existieren. Daneben gibt es in Brasilien gigantische Ebenen mit offenem Terrain, zum Beispiel den Pantanal – ein weites, wildes Feuchtgebiet, weite, bergige Grassflächen und mit vereinzelten Bäumen besetzte Savannen. Es sind diese enormen, weit ausgedehnten Biotope, die Brasilien zu einer der gigantischsten Regionen biologischer Diversifikation machen.
Südamerika war etwa 70 Millionen Jahre lang eine Art Insel, lediglich durch eine schmale Landzunge mit Zentral- und Nordamerika verbunden. Diese Landpassage spielte eine bedeutende Rolle in der stückweisen Kolonisation von Südamerika durch Spezies aus dem Norden. Als diese Landbrücke dann brach, entwickelten sich jene Kolonien zu einer breiten Vielfalt von Formen, unbeeinträchtigt vom anderswo herrschenden kompetitiven Druck. Als dann die Landbrücke wiederhergestellt war – etwa vor vier Millionen Jahren – ergab sich eine erneute Invasion der Spezies von Nordamerika aus, welche die existierenden Arten ergänzten, viele aber auch zum Aussterben verurteilten. Eine vergleichsweise Stabilität herrscht seitdem, welche das Überleben von zahlreichen primitiven Arten ermöglichte, darunter auch eine Gruppe von unscheinbaren Säugetieren, die Opossums.
Brasilien kann in verschiedene bio-geographische Zonen unterteilt werden: zwei immense Flussbecken, mit dem Amazonasstrom und dem La Plata, Gebirgen – mit dem Hochland von Guyana im Norden und dem Brasilianischen Hochland im Süden, sowie einem Küstenstreifen mit Atlantischem Regenwald.
Der Atlantische Regenwald bedeckte ursprünglich 2,6 Millionen Quadratkilometer auf einem Küstenstreifen von 160 Kilometern Breite und 4.200 Kilometern Länge. Dieser Küsten-Regenwald wird zum Innern hin von einer Reihe Gebirgsketten eingefasst, welche zur unterschiedlichen Landschaftsszenerie und der Vielfalt der Tierarten beitragen. Hier befindet sich einer der biologischen “Hotspots” unseres Planeten. Heutzutage auf einen kümmerlichen Restbestand von zirka 5% reduziert, ist der Atlantische Regenwald immer noch Lebensraum einer, proportional gesehen, sehr hohen und einzigartigen, endemischen Artenvielfalt. Zum Beispiel: von 21 im Atlantischen Regenwald heimischen Primatenarten, sind 17 endemisch, das heisst, sie leben ausschliesslich in diesem Biotop – davon sind 13 Arten, inklusive der “Goldene Löwen-Tamarin” äusserst gefährdete Spezies. Grosse Populationen von Südamerikas grösstem Primaten, dem “Mono Carvoeiro” oder “Muriqui” wurden von Europäischen Siedlern dezimiert, die sich entlang des Küstenstreifens niederliessen.
Entlang der Küste stellen die Mangroven ideale Brutplätze für zahlreiche Fisch-Spezies dar – inklusive vieler Arten, die kommerziellen Wert besitzen. Weiter im Inland breitet sich die “Restinga” aus, eine Zone von niedrigem Bewuchs, Sanddünen, Sumpflöchern und Feuchtgebieten. Der üppige Küsten-Regenwald selbst erstreckt sich bis auf 800 Meter Höhe und geht dann in einen Wolkenwald über, der bis auf 1.700 Meter hinaufreicht. Durchdrungen von Dunst, Nebel und Regen findet hier ein artenreicher Pflanzenwuchs statt, Bäume und Büsche sind bedeckt mit einer Vielfalt von Epiphyten – Orchideen, Moosen, Kriechgewächsen und Bromelien. Auf den höchsten Erhebungen weicht der Wald bergigem Grassland, den so genannten “Campos de Altitude”. Im südlicheren Abschnitt des Atlantischen Regenwaldes ist er durchsetzt von Beständen der Araukarie, eines Nadelbaums, in dessen Umgebung eine eigene endemische Papageien-Spezies beheimatet ist.
Es gibt Brasilienbesucher, die kommen allein wegen der Tiere her, die sie beobachten und fotografieren oder filmen möchten – besonders die so genannten “Bird-Watcher” werden immer zahlreicher, denn Brasilien bietet tatsächlich eine Vogelwelt von so grosser Artenvielfalt, wie sonst nirgendwo auf der Welt – das Feuchtgebiet des “Pantanal” ist dafür ideal. Andere wollen mal einen wirklich grossen Fisch an der Angel erleben, der allerdings nach dem Fotografieren wieder ins Wasser entlassen wird – an bestimmten Flüssen der Amazonas-Region fängt man Fische von mehr als 100 kg Gewicht! Und Brasilien hat noch fast unbekannte, aber fantastische Tauchgründe zu bieten: um den Archipel “Fernando de Noronha” herum – oder den Marine-Park “Abrolhos” – unter anderen. Dass Orchideensammler, Schmetterlings- oder Insektenjäger und viele andere wissenschaftlich orientierte Besucher in Brasilien ihr Eldorado finden, soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.