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La Rabbia di Pasolini
109. La Rabbia di Pasolini, Pier Paolo Pasolini, IT 1963/2008, 35mm, 83:00
Samstag, 24. Mai 2014, 20:15h, Festivalkino Cinema Z3
Montag, 26. Mai 2014, 22:00h, Festivalkino Cinema Z3
Die unlängst restaurierte Fassung von Pier Paolo Pasolinis legendärem und lange verschollenem Film La Rabbia ist ein brillant-bissiger Kommentar auf Promikultur, Kalten Krieg und Nachkriegsboom. Der aus 90000 Metern Wochenschau-Material der 1950er- und frühen 1960er-Jahre kompilierte Filmessay ist eine atemberaubende Collage aus Bildern antikolonialer Bewegungen, Strassenprotesten und Marilyn Monroe. Der unterlegte Kommentar Pasolinis hinterfragt unablässig, er spricht sich aus gegen eine Anpassung an die als irrational und chaotisch wahrgenommenen weltpolitischen Gegebenheiten und den verbreiteten Hass “auf alles, was anders ist, auf alles, was ausserhalb der Norm liegt und die bürgerliche Ordnung stört”. Aus Angst vor dieser Radikalität fügte der Produzent dem Original einen zweiten Teil des Don Camillo-und-Peppone-Autors Giovannino Guareschi hinzu, um die kritischen Aussagen Pasolinis abzumildern. Die Beteiligung Guareschis, dem faschistisches Gedankengut vorgeworfen wurde, löste massiven Protest der italienischen Linksintellektuellen aus. Pasolini selber distanzierte sich von dem Film, sein Original ist verloren.
2008 haben Giuseppe Bertolucci und die Cineteca die Bologna den ursprünglichen Film in einem aufwendigen Projekt rekonstruiert mithilfe des Sequenzenprotokolls und einem Dialog-Transkript der Urversion sowie Pasolinis Notizen zur Filmmusik. Der Film liegt jetzt in einer neuen Fassung vor und befindet sich seit seiner Premiere am Filmfestival in Venedig auf einer eigentlichen Europatournee. Auf eine Einführung Bertoluccis folgt eine neue Montage von Wochenschaumaterial passend zu Pasolinis Text, die restaurierte Version des 1963-Originals und ein neuer Schluss mit dem Titel «L’aria del tempo».
Film director, poet, writer, critic, essayist, polemicist and playwright, Pier Paolo Pasolini (1922-1975) was one of the greatest and most allround intellectual figures Italy has ever had.