Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03595.jsonl.gz/783

Unter Migräneprophylaxe versteht man, Migräneanfälle durch traditionelle oder alternative Heilverfahren vorzubeugen. Ziel ist hierbei, die Anzahl der Anfälle zu reduzieren.
Die traditionelle westliche Medizin arbeitet dazu häufig mit medikamentösen Therapien, um die schmerzhaften Anfälle vorzubeugen. Allerdings gibt es auch viele Patienten, die nicht prophylaktisch arbeiten, sondern im Akutfall die schmerzhaften Anfälle mit Triptanen behandeln.
Eine gute Kombination kann eine nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe zusammen mit einer akuten Schmerztherapie sein. Dabei hat sich die Migräneprophylaxe mit Akupunktur als besonders effektiv erwiesen.
Die Akupunktur ist eine Heilmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM genannt. Dabei werden Nadeln in bestimmte Akupunkturpunkte des Körpers unter die Hautoberfläche gestochen, um das Qi, nach Tradition der TCM die Lebensenergie des Körpers, in die richtigen Bahnen zu lenken. Die meisten der etwa 400 Akupunkturpunkte liegen auf den sogenannten Leitbahnen oder Meridianen, durch welche das Qi fliesst. Anders erklärt: Die Akupunktur bringt den Körper dazu, sich selbst zu regulieren - im westlichen Verständnis zum Beispiel, indem es Stoffwechselvorgänge anregt und Verspannungen löst.
Die Akupunktur kann sowohl von Allgemeinmedizinern mit Zusatzausbildung, als auch von Therapeutinnen und Therapeuten mit entsprechender Ausbildung ausgeführt werden. Zur Migräneprophylaxe wird eine Behandlung über einen längeren Zeitraum empfohlen.
So belegen medizinische Studien die Effektivität von Akupunktur als Migräneprophylaxe.
Eine Studie der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Duisburg-Essens behandelte 794 Patienten zwischen den Jahren 2002 und 2005 mit Verum-Akupunktur (Akupunktur an den Akupunkturpunkten der TCM), Sham-Akupunktur (Nadeln, die willkürlich unter die Haut gestochen werden, ohne den Meridianen der TCM zu folgen) und mit einer medizinischen Standardtherapie. Dabei reduzierten sich die eigentlichen Schmerztage der Gruppe, die mit traditioneller Akupunktur behandelt wurden, um durchschnittlich 2,3 Tage. Die der Gruppe, die mit Sham- oder Placebo-Akupunktur behandelt wurden, verminderten sich um 1,5 Tage und die der Gruppe mit Standardtherapie um 2,1 Tage.
Das Fazit der Studie kann so interpretiert werden, dass die Behandlung mit Akupunktur und die Behandlung mit Medikamenten etwa das gleiche Ergebnis haben. Das bedeutet, dass für die Migräneprophylaxe statt Medikamenten ebenso wirkungsvoll eine Behandlung mit Akupunktur gewählt werden kann. Dies kann sich für Patientinnen und Patienten eignen, die sich nicht über einen längeren Zeitraum medikamentös behandeln lassen möchten, mit Medikamenten nicht die erwünschten Effekte erreichten, an starken Nebenwirkungen leiden oder die medikamentöse Therapie abgebrochen haben.
Eine weitere medizinische Studie der International Headache Society erreichte mit einer Testgruppe ähnliche Ergebnisse, allerdings wurde hier ein ähnliches Ergebnis zwischen Verum-Akupunktur-Patienten und Placebo-Akupunktur-Patienten erreicht. Beide Gruppen konnten die Schmerztage im Schnitt um 2,2 Tage reduzieren.
Die Akupunktur wird bei vielen verschiedenen Kopfschmerzarten als vorbeugende Schmerztherapie verwendet. Migräne ist hier nur eine der vielen möglichen behandelbaren Schmerzarten.
So zeigt sich die Akupunktur insbesondere bei folgenden Kopfschmerzarten ihre Wirkung:
- Klassischer Migräne
- Schwangerschaftsmigräne
- Durch Rückenschmerzen bedingten Kopfschmerzen
- Vom Nackentraumata ausgehenden Kopfschmerzen
- Durch Bluthochdruck ausgelöste Kopfschmerzen
- Clusterkopfschmerzen
Migräneprophylaxe wird von der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft als Teil einer ganzheitlichen, vorbeugenden Therapie mit anderen Heilmethoden empfohlen.
Abgrenzend dazu empfehlen viele Allgemeinmediziner, die eine spezielle Ausbildung in Akupunktur haben, Akupunktur als bevorzugte Methode der Migräneprophylaxe, vor anderen Methoden wie medikamentöser Prophylaxe, Prophylaxe durch Sauerstofftherapie oder sogar vor chirurgischen Eingriffen.
Die Vorteile der Akupunktur vor medikamentöser Behandlung liegen klar darin, dass die Akupunktur eine nebenwirkungsarme Therapieform ist. Zum Teil wird bei der Nadelung ein Einstichschmerz verspürt und nur in seltenen Fällen hält ein Nadelschmerz noch kurze Zeit nach der Behandlung nach.
Gerade deshalb wird die Akupunktur von vielen Migräne- und Kopfschmerzpatienten als bevorzugte Prophylaxemethode benutzt. Nach der Behandlung wird oft eine angenehme Entspannung oder Müdigkeit verspürt - eine Zeit, in welcher der Organismus mit der Selbstregulation beginnen kann.
Die medikamentöse Therapie geht experimentativ vor und hat dabei auch Kontraindikationen, bei Triptanen beispielsweise die koronare Herzkrankheit, Hypertonie oder Gefässerkrankungen. Eine Migräneprophylaxe durch Akupunktur stellt daher eine vorbeugende Therapie auch für Personen mit diesen Vorbelastungen dar.
Eine Akupunktur-Behandlung zur Migräneprophylaxe kann von TCM-Therapeutinnen und -Therapeuten und Ärztinnen/Ärzten mit Zusatzausbildung durchgeführt werden.
Die Behandlung erfolgt individuell auf die Patientin/den Patienten zugeschnitten. Im Gespräch und mittels Puls- und Zungendiagnose zeigen sich die persönlichen Ausprägungen der Migräne und die bestehenden Blockaden und Schwächen können gemäss dem System der TCM behandelt werden. Im Akutfall konzentriert sich der/die Behandelnde zuerst darauf, den Kopf des Patienten zu entlasten. Dabei werden Akupunkturpunkte fern vom Kopf, beispielsweise am Fuss, bearbeitet, um den Fluss des Qis verbessern zu können und den akuten Druck, den viele Migränepatienten beschreiben, reduzieren zu können. Zwischen den Anfällen wird auch am Kopf und an den betroffenen Leitbahnen behandelt, um das Ungleichgewicht im Organismus besser ins Lot zu bringen.
Der österreichische Dachverband „Ärzte für Akupunktur“ empfiehlt 5-10 Behandlungen zur effektiven Migräneprophylaxe, bis sich ein Resultat einstellt, wobei bei vielen Menschen schon zwischen der 1. und 4. Behandlung ein positives Ergebnis festzustellen ist.
Bei einer Akupunkturbehandlung werden dem Patienten feine, sterile Nadeln unter die Haut gestochen und verbleiben dort, ganz auf das Ziel der Therapie ankommend, 10-30 Minuten. Nach dem Einstich kann sich der Energiefluss mit einem Kribbeln zeigen. Im Verlauf der Behandlung zeigt sich oft ein leichtes Wärme- oder „Flow-„Gefühl. Die Nadeln werden danach wieder entfernt und der Patient kann bis zur nächsten Behandlung seinen Alltag normal führen.
Es muss nicht immer die klassische Akupunktur sein: Auch andere Methoden können die Akupunkturpunkte stimulieren und somit den gewünschten Effekt erreichen, der Migräneattacken vorbeugt.
Dazu sind massgeblich die folgenden Methoden zu erwähnen:
- Akupunktur mit Mikronadeln/Ohrakupunktur:
Mikronadeln können etwa eine Woche im Körper verbleiben. Mikronadeln werden entweder dann eingesetzt, wenn die normalen Akupunkturnadeln dem Patienten unangenehm sind, oder beispielsweise bei Ohrakupunktur, welche ebenfalls gut bei Kopfschmerzen angewendet werden kann.
- Elektro-Akupunktur:
Bei dieser Methode werden Elektroden an die Akupunkturnadeln geklemmt, welche schwachen Reizstrom mit unterschiedlichen Impulsen über die Nadeln in den Körper führen. Diese Methode wird vor allem bei chronischen Schmerzen angewendet.
- Tuina bei Migräne:
Eine nicht invasive Alternative zur Akupunktur bei Migräne ist Tuina. Hierbei werden Meridiane und Akupunkturpunkte mit verschiedenen Massage-Techniken behandelt. Tuina kann bei akuten Schmerzen auch selbst angewandt werden, zum Beispiel bei einem Migräneanfall.
Beim Schröpfen werden Schröpfköpfe, in denen ein Vakuum erzeugt wird, direkt auf die Haut gesetzt. Das Vakuum wird üblicherweise mit Hitze erreicht. Durch das Schröpfen kann eine Blockade oder Verspannung gelöst, die Wirkung von Akupunkturnadeln erhöht, die Ausleitung von Schadstoffen angeregt oder der Qi-Fluss gefördert werden.
Bei der Moxibustion werden verschiedene Akupunkturpunkte und Meridiane des Körpers mit, von Moxakraut erhitzten, Nadeln erwärmt. Ziel dieser Therapie ist es, Kälte und Feuchtigkeit aus dem Körper und bestimmten Organen zu vertreiben. Dabei wird Moxakraut (Beifuss) in kleinen Rollen, Kästen oder Kegeln auf den Akupunkturnadeln verbrannt.
Gibt es andere Möglichkeiten, Migräne vorzubeugen? Warum kommt es überhaupt zu Migräne?
Unter Migräne versteht man anfallartige, meist einseitige Kopfschmerzen, die gemeinsam mit pochendem Gefühl, teilweiser Gesichtslähmung, Sprachproblemen, einseitiger Muskelanspannung, Lichtempfindlichkeit und Übelkeit auftreten können.
Ein Migräneanfall kann nur wenige Stunden dauern, kann sich aber auch über mehrere Tage hinziehen. Da es sich bei Migräne meistens um wiederkehrende Anfälle handelt, ist es besonders wichtig, vorbeugend etwas dagegen zu unternehmen.
Bei der Migräneprophylaxe gehört auch dazu, einen Lebensstil zu finden, der dem Auftreten von Migräne entgegenwirkt. Migränepatienten wird daher empfohlen, ein Schmerztagebuch zu führen und zu analysieren, was genau an den Tagen vorfällt, an welchen die Migräneanfälle eintreten. Damit können mögliche Auslöser herausgefunden werden, mit dem Ziel, diese Migräne-Muster zu unterbrechen. Zu einem geeigneten Lebensstil passt gemäss TCM auf alle Fälle ein massvoller und achtsamer Umgang mit sich selbst - sei es beim Schlaf, bei der Bewegung, beim Essen und Trinken und auch bei psychischen Belastungen.
Fazit: Akupunktur stellt eine empfehlenswerte Migräneprophylaxe dar
In Anbetracht der verschiedenen Studien und erläuterten Gesichtspunkte lässt sich schliessen, dass Akupunktur eine empfehlenswerte Therapiemethode zur nicht-medikamentösen Migräneprophylaxe darstellt.
Viele Migränepatienten entscheiden sich bewusst für Akupunktur, da diese Heilmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin inzwischen auch einen Platz in der westlichen Medizin gefunden hat.
Ausserdem stellt eine Migräneverminderung von 2 Tagen monatlich, wie in den Studien geschildert wurde, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität der Migränepatienten dar. Hinzu kommt, dass eine nicht-medikamentöse Prophylaxe von einer effektiven, medikamentösen Schmerztherapie bei akuten Migräneanfällen begleitet werden kann, ohne dass der Patient mit Kontraindikationen rechnen muss.
Bei registrierten TCM-Therapeutinnen und -Therapeuten werden die Kosten über die Alternativ-Zusatzversicherung abgerechnet. Die Bestimmungen dieser Versicherung unterscheiden sich bei den Krankenkassen. Teilweise muss der Patient eine Franchise oder einen Eigenanteil der Kosten übernehmen. Deshalb empfiehlt es sich, vor Beginn der Akupunkturtherapie mit der Zusatzversicherung abzuklären, wie die Kosten übernommen werden.
Diese Artikel könnten für Sie auch interessant sein.
Die Ursache und die Mechanismen der Migräne sind bisher nur teilweise bekannt. Namhafte Migräne-Forscher sind überzeugt, dass sich…Nicole Riederer
Wie Klopf-Akupressur funktioniert Klopf-Akupressur fasst eine Reihe von Techniken zusammen, bei denen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (…Theresia Marty