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Die effektive Reproduktionszahl Re gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Im Folgenden geben wir ein tägliches Update für die effektive Reproduktionszahl Re in der Schweiz.
Einschätzung der momentanen epidemiologischen Lage
Die effektive Reproduktionszahl Re war Anfang März zwischen 2-3, was Schätzungen für andere Länder entspricht. Re ist Mitte März unter den kritischen Schwellenwert von 1 gefallen. Das Re ist ab der zweiten Mai-Woche wieder angestiegen. Mitte Juni wurde ein Höchststand des Re mit einem Wert von 1.4-1.9 erreicht. Im Juli wurde ein weiterer, jedoch tieferer, Höchststand erreicht. Diese Höchststände sind auf das Infektionsgeschehen in verschiedenen schweizer Regionen zurückzuführen. Über den Sommer hat sich das Re auf einen Wert um 1.1 eingependelt. Dies bedeutete, dass sich die Fallzahlen circa alle 4 Wochen verdoppelt haben.
Ab Mitte September ist das Re sehr stark angestiegen mit einem Höchstand von über 1.5 zum Monatswechsel. Dies entsprach einer Verdopplungszeit der Fallzahlen von etwa einer Woche. Das Re basierend auf Hospitalisierungen folgte dem gleichen Trend und ist zum ersten Mal seit März signifikant über 1 gestiegen. Die schnelle Ausbreitung wurde in allen Kantonen der Schweiz beobachtet. Momentan geht das Re basierend auf allen Indikatoren zurück und ist basierend auf den Fallzahlen und Hospitalisierungen im schweizweiten Schnitt unter 1. Jedoch ist das Re nicht in allen Kantonen unter 1.
Wegen der hohen Positivitätsrate und verspäteten Spitalmeldungen sind die Schätzungen basierend auf Fallzahlen und Hospitalisierungen jedoch möglicherweise zu tief. Das Re basierend auf der Positivität (bestätigte Fälle/Tests) ist zuverlässig wenn die getesteten Personen ein zufälliger Querschnitt der Bevölkerung sind; nachdem wir insb. symptomatische Personen testen ist auch dieser Re Wert möglicherweise verzerrt. Momentan ist der Re Wert basierend auf den Todesfällen am zuverlässigsten. Dieser bildet jedoch die epidemiologische Lage sehr zeitverzögert, nämlich von vor ca. 3 Wochen, ab. Grund ist dass in etwa 17 Tage zwischen Neuansteckung und Todesfall vergehen.
Einen wöchentliches detailliertes Update der epidemiologischen Lage wird von der Science Task Force in Form von Policy Briefs veröffentlicht.
Erweiterte Möglichkeiten zur epidemiologischen Lagebeurteilung finden Sie hier. Dort finden Sie unter anderem die Schätzung von Re für einzelne Kantone, Regionen und anderen Ländern. Diese Schätzungen sowie die Fallzahlen sind auch auf einer Weltkarte visualisiert. Zudem zeigen wir Abschätzungen zur Änderung von Re nach Einführung oder Lockerung von Massnahmen. Des Weiteren zeigen wir den aus den täglichen Fallzahlen errechneten Verlauf der Neuinfektionen. Die Schätzung von Re basiert auf diesem Verlauf der Neuinfektionen. Die Resultate für Re stellen wir als .csv Datei zur Verfügung.
Methoden
Das publizierte Re für einen bestimmten Tag ist ein Mittelwert über die letzten 3 Tage. Wir publizieren den geschätzten Median zusammen mit dem 95% Unsicherheitsintervall. Die Methode zur Schätzung von Re ist hier (unter About) erklärt. Seit Juni glätten wir zuerst die Daten mit dem sogenannten Loess-Verfahren und berechnen dann die Infektionszeitpunkte mithilfe einer sogenannten Dekonvolution (link und link). Dann wird basierend auf den Infektionszeitpunkten das Re mit dem EpiEstim Software Paket berechnet.
Die Schätzung von Re basiert seit Juni 2020 ausschliesslich auf Daten vom BAG. Das BAG kommuniziert an Wochentagen die Anzahl der eingegangenen Fälle der letzten 24 Stunden. Die Fälle stammen typischerweise von Fall-Bestätigungen der letzten drei Tage. Zur Schätzung von Re analysieren wir nun die Anzahl der Fall-Bestätigungen pro Tag und ignorieren die letzten zwei Tage. Daher weichen Zahlen unseres Dashboards und die Zahlen der BAG-Berichte leicht voneinander ab.
Generell basiert unsere Einschätzung der momentanen epidemiologischen Lage auf einer Reihe von Methoden, siehe Appendix A in Policy Brief «Effect of Measures». Die verschiedenen Schätzungen können im Detail voneinander abweichen, stimmen aber im Trend überein.
Caveats
Wir weisen generell darauf hin, dass die Schätzungen der letzten ca. fünf Tage leichten Schwankungen unterliegen können. Wir basieren unsere Einschätzung daher auf geschätzten Trends über mehrere Tage.
Re Werte über 1 können nicht durch den Anstieg der Anzahl durchgeführter Tests oder durch falsch positive Test-Resultate erklärt werden: Die Anzahl der wöchentlichen Tests ist über den Sommer in der Tat stark angestiegen. Gleichzeitig ist jedoch der Prozentsatz der positiven Tests im Vergleich zu allen durchgeführten Tests (d.h. die Positivitätsrate) von ca. 0.4 % im Juni auf momentan rund 15% gestiegen. Dies bedeutet auch, dass wir das Re basierend auf der Positivitätsrate über den Sommer hinweg auf signifikant über 1 schätzen. Weiter ist die Spezifität der PCR-Tests sehr hoch, wodurch es zu praktisch keinen falsch positiven Resultaten kommt welche den Schätzwert beeinflussen könnten.