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Therma
Adresse
8762 Schwanden
GL
Architektur
Die Fabrikarchitektur aus der Gründerzeit gab Schwanden ein nahezu städtisches Aussehen – der ehemalige Therma-Baukomplex zeugt bis heute von der ehemals blühenden Industrie im Glarnerland. Die bauliche Fassung des Fabrikareals von Hans Leuzinger während des 2. Weltkriegs brachte die Moderne an die Sernf. Interessanterweise präsentiert sich das jüngere Wohlfahrtshaus Erlenhof in seinem Ausdruck gemässigter als das Verwaltungsgebäude. Es setzte jedoch neue Massstäbe in Bezug auf Funktionalität und Nutzung.
Chronologie
Die Ursprünge des Glarner Unternehmens Therma reichen in das Jahr 1907 zurück. Zu jener Zeit eröffnete der damals erst 23-jährige Samuel Blumer eine Fabrik für elektrische Heiz- und Kochapparate an der Sernftalstrasse 33. Wegen mangelnden Brennstoffressourcen während des 1. Weltkriegs stieg die Nachfrage nach elektrischen Haushaltgeräten immens. Die Werkhallen mussten erweitert werden. Auch in den Zwischenkriegsjahren florierte das Geschäft. Daher wurde Hans Leuzinger noch während des 2. Weltkriegs mit dem Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes an der Sernftalstrasse 34 beauftragt, das 1942 eingeweiht wurde. 1948 erweiterte Leuzinger das Ensemble schliesslich um das Wohlfahrtshaus Erlenhof an der Sernftalstrasse 36. 1956 plante er eine Aufstockung des Therma-Gebäudes. Von 1978 bis 2015 beherbergte der Therma-Baukomplex die Firma Elektrolux. Seitdem gibt es verschiedene Zwischennutzungen, geplant ist die Einrichtung eines Gesundheitszentrums. Die aktuelle Planung der Pensa Architekten AG folgt in Ansätzen Leuzingers Aufstockungsidee von 1956, doch setzt diese leider ungenügend um.
Lage
Das Firmenareal liegt am Eingang des Linth- und des Sernftals an der Sernftbrücke. Der historistische Baukomplex befindet sich unmittelbar an der Sernft, die Leuzinger-Bauten liegen nördlich der Sernftalstrasse. Die Erweiterungen werden von der Solderstrasse im Westen und der Föhnenstrasse im Norden und Osten gefasst. Der Verwaltungsbau ist als Kopfbau ausgebildet und an der Südwestecke situiert, das Wohlfahrtsgebäude beschliesst den Baukomplex im Osten.
Beschreibung
Das dreigeschossige Verwaltungsgebäude besitzt einen U-förmigen Grundriss. Eine Freitreppe, ein Vordach und eine abgesetzte Leibung fassen das zur Strassenkreuzung hin orientierte Portal. Die gesamte Strassenfront ist mit einem gleichmässigen Fensterraster gegliedert. Um die Erschliessung zu akzentuieren sind im Bereich des Eingangs zwei Fensterachsen geschlossen ausgebildet und die Fenster des obersten Geschosses tiefer angesetzt. Das Erdgeschoss ist mit einer feinen Putzkante von den Obergeschossen abgesetzt. An den beiden Längsfronten zur Sernftal- und der Föhnenstrasse sind die Erdgeschossfenster doppelt so breit wie die Fenster der Obergeschosse dimensioniert. Einen weiteren horizontalen Akzent setzt das über Holzkonsolen auskragende Flachdach. Das Verwaltungsgebäude war ursprünglich mit einer hellen Kalkfarbe gestrichen, heute präsentiert es sich blaugrau. Die Rückseite des Gebäudes wird von einem hohen Treppenturm akzentuiert, dessen Fensterband dem Treppenlauf folgt. Der Erschliessungskern ist von Nebenräumen flankiert, die mit kleinen Fensteröffnungen gerastert sind. Die Bürotrakte springen zurück. Die Wände der Nebenräume bestehen aus gestrichenem Sichtbeton.
Das Wohlfahrtsgebäude Erlenhof setzt sich aus einem zweigeschossigen Südost- und einem eingeschossigen Westflügel zusammen. Letzterer beherbergt den grossen Saal. Der Eingangshalle ist strassenseitig eine erhöhte Loggia vorgelagert: Über den Brüstungen aus Naturstein setzt eine Holzkonstruktion mit schrägen Stützenbündeln an. Vom grossen Saal gelangte man ursprünglich auch in eine im Norden angrenzende geschwungene Gartenlaube, die heute allerdings nicht mehr vorhanden ist. Strassenseitig im Süden ist zwischen der Eingangshalle und einem zweiten Zugang der kleine Speisesaal platziert. Der Personaleingang befand sich in Westen des Gebäudes. Das Eingangsgeschoss des Nebentrakts mit seinen schmalen, hochrechteckigen Fenstern steht im Kontrast zum Obergeschoss mit seinen liegenden Fensterformaten und Klappläden – dort waren ursprünglich kleine Personalschlafzimmer. Das Ganze wird überragt von der auskragenden Platte des Flachdachs. Der heute orange gestrichene Bau bildet somit eine harmonische Einheit mit den ebenfalls flach gedeckten Fabrikbauten. Die Einrichtung des Speisesaals und der Küche waren Musterbeispiele für eine moderne Kantinenarchitektur.
Literatur