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Tessiner Gerichtspräsident formell angeklagt
Der Präsident des Tessiner Strafgerichts, Franco Verda, ist von Sonderstaatsanwalt Luciano Giudici formell angeschuldigt worden. Die Anklage lautet auf wiederholte Verletzung des Amtsgeheimnisses, wie Guidici am Mittwoch (14.06.) in Lugano mitteilte.
In der Tessiner Justizaffäre hat es am Mittwoch eine Wende gegeben: Strafgerichtspräsident Franco Verda wurde formell der Amtsgeheimnisverletzung angeklagt, das Verfahren gegen Generalstaatsanwalt Luca Marcellini aber eingestellt, wie es an einer Medienkonferenz in Lugano hiess. Für Verda wurde eine Ersatzrichterin bestellt.
In einem kurzen Communique gab Sonderstaatsanwalt Luciano Giudici zunächst bekannt, dass der Präsident des kantonalen Strafgerichts seit dem Vorabend wegen wiederholter Amtsgeheimnisverletzung unter Anklage stehe. An einer Medienkonferenz gab Giudici am Abend bekannt, das Verfahren gegen Generalstaatsanwalt Marcellini sei eingestellt worden. Die Ermittlungen hätten keine Anhaltspunkte für eine Anklageerhebung ergeben. Das Verfahren gegen Marcellini sei "geschlossen und erledigt".
Die Bundesanwaltschaft leitete diese Informationen an die Tessiner Kantonsregierung weiter, die zur Klärung der Vorwürfe den Sonderstaatsanwalt einsetzte. Verda und Marcellini haben ihre Ämter bis zur Klärung des Verdachts niedergelegt.
Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass der Sonderstaatsanwalt bereits am vergangenen Donnerstag alle Banken im Tessin aufgefordert hatte, über Konten und Schliessfächer Verdas und dessen Lebensgefährtin Auskunft zu erteilen, und zwar rückwirkend bis Anfang 1999 und auch bei Auslandsfilialen, namentlich in Monte Carlo.
Verdas Partnerin vertritt die Interessen des am vergangenen 10. Mai in Zürich verhafteten mutmasslichen Drahtziehers im internationalen Zigarettenschmuggel, Gerardo Cuomo. Verda war in den vergangenen Tagen wegen seiner Beziehungen zum gebürtigen Neapolitaner Cuomo zusätzlich ins Zwielicht geraten.
Die Tessiner Medien berichteten, Verda habe sich im vergangenen Juni auf der Luxus-Yacht Cuomos aufgehalten und sei dabei von der italienischen Anti-Mafia-Polizei fotografiert worden.
swissinfo und Agenturen
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