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吴英华und ihrem Mann Ma Yueliang 马岳梁 geprägt wurde. Ausserdem orientieren wir uns an den sogenannten klassischen Schriften, die neben dem handfesten Unterricht und der per-sönlichen mündlichen Überlieferung wichtig sind und die Prinzi-pien des Taijiquan formulieren. Der Zugang zu diesen Schriften eröffnet sich aber nur über langes Training. Im Zentrum stehen Entwicklung und Zusammenspiel von Geist und Körper. Die An-weisung ist 用意不用力 (arbeite mit der Vorstellung/Idee, nicht mit 'roher' Kraft). Dann geht es um die 13 'Stellungen': 掤 (peng)/捋 (lü)/挤 (ji)/按 (an)/採 (cai)/挒 (lie)/肘 (zhou) /靠 (kao)/进 (jin)/退 (tui)/顾 (gu)/盼 (pan)/定 (ding). Taijiquan ist zuerst einmal eine Kampfkunst, die Strategien und Prinzipien sind aber darüber hinaus anwendbar. Es ist eine Kunst des Wandels, des Erforschens des Zusammenspiels von Yin und Yang, bildlich im Taiji-Symbol ausgedrückt. Gleichzeitig wird aber eine tiefgehende Transformation und Einbindung des Menschen in die Kräfte des Kosmos, eine Resonanz zwischen Himmel und Erde angestrebt. Nur so können wir nach altchi-nesischer Sicht, unser Potential, unser Wesen, voll entfalten. Dieser Aspekt ist aber nicht auf das Taijiquan beschränkt.
Wu Yinghua
Ma Yueliang
太极拳 Taijiquan hat für verschiedene Schulen und Praktizierende eine andere Bedeutung. Für die einen ist es eine effektive Kampfkunst, für andere eine Bewegungsmeditation, Heilmethode, energetische Übung, daoistische Lebenspflege oder sogar ein spirituelles System, das letzlich zur Erleuchtung führen soll. Im chinesischen Kontext machen diese Unterscheidungen wenig Sinn. In unserer Schule halten wir uns an die Überlieferung des südlichen Wu-Familienstils, der auf Quanyou 全佑 und vor allem seinen Sohn Wu Jianquan 吴鉴泉 zurückgeht und in Shanghai von dessen Tochter Wu Yinghua
Yang Luchan
Wu Jianquan
Kurze Geschichte des Wu Taijiquan:
Der daoistische Weise Zhang Sanfeng 张三丰 wird oft und auch in unserer Schule als Urahne des Taijiquan bezeichnet. Ein Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange habe ihn zu den Grundideen dieser Kampfkunst inspiriert. Das ist zwar nicht geschichtlich verbürgt, aber damit ist der Bezug zu den daoistischen Prinzipien, die das Taijiquan prägen, etabliert. Die mündlich überlieferte Geschichte nach Zhang San-feng bleibt in den verschiedenen Schulen umstritten und wird auch in China heftig diskutiert. In der 'offiziellen' Darstellung wurde Yang Luchan 杨露禅 (1799 – 1872) als Kind einer armen Familie als Bediensteter an einen gewissen Chen Dehu verkauft. In dessen Heimatort Chenjiagou hat Yang die Kampfkunst der Familie Chen 陈家 gelernt, die meist als das ursprüngliche Taijiquan gilt. Yang Luchan hat dieses Material zusammen mit anderen Einflüssen weiterentwickelt, zuerst in seinem Heimatort Yongnian unterrichtet und später nach Beijing gebracht. Sein Schüler Quanyou 全佑 (1834 – 1902) hat diese Kampfkunst als Sicherheitswache am Kaiserhof in Beijing gelernt. Heute gilt er als Begründer der Wu Schule des Taijiquans (damals gab es die Unterscheidung in Familienstile noch nicht). Es war aber sein Sohn Wu Jianquan 吴鉴泉 (1870 – 1942), der diese Kunst nach Shanghai gebracht und dort 1936 die ‚Jianquan Taijiquan Association’ gegründet hat. Während die alte Generation wohl vor allem an einer effektiven Kampfkunst interessiert war, wurde das Taijiquan mit dieser Öffnung auch zu einer Freizeitbeschäftigung und Gesundheitsübung. Wu Jianquan's Tochter Wu Yinghua 吴英华 (1907 – 1996) und ihr Mann Ma Yueliang 马岳梁 (1901 – 1998) haben dieses Taijiquan dann vor allem in Südchina und später auch im Ausland bekannt gemacht. Das 'nördliche Wu-Taijiquan' sowie die in Hongkong und Südostasien praktizierten Versionen haben sich etwas anders entwickelt.
Zhang Sanfeng
Wu Jianquan
Wu-Taijiquan in Shanghai
In Shanghai ist das Wu-Taijiquan weit verbreitet. Ma Hailong und Ma Jianglin, Söhne von Wu Yinghua und Ma Yueliang, sind neben vielen Anderen aktiv. Ich habe von Shen Tiegen und Zhou Zhanfang gelernt, von anderen immer wieder Hinweise bekommen. Ma Yueliang habe ich leider nur einmal 1994 getroffen, als er mich, einen absoluten Anfänger, zum Tee einlud und Korrekturen an der Form vornahm. Im Zentrum des ‘sichtbaren’ Wu-Taijiquan, das in den Parks unterrichtet wird, stehen Formen, und da vor allem die lange Form mit 89 Bewegungen. Die schnelle Form und die Waffenformen (Schwert, Säbel, Speer) sind schon weniger verbreitet. Die Qigongformen werden hingegen vor allem privat weitergegeben und man sieht
sie kaum im öffentlichen Raum. Das gilt auch für die Grundübungen, die für die Anwendung und das Verständnis der Formen wichtig sind. Das kampforientierte LanCaiHua 烂采花 ist zwar im Buch von Wu Yinghua und Ma Yueliang erwähnt, wurde
von ihnen aber wohl nur sehr selektiv unterrichtet. Ma Yueliang hat aber eine kurze Form aus dem SanHuangPao 三皇炮 in seinem Unterricht weitergegeben, mit der vor allem das Ausstossen der Kraft trainiert wird. Der Kampfaspekt ist bei den meisten Gruppen in Shanghai in den Hintergrund getreten. Dafür wird sehr viel Zeit in das Wu-Stil spezifische 推手'Pushhands', die 'Schiebenden Hände' investiert, ein sehr ausgeklügeltes System, mit dem über konstanten leichten Kontakt kooperativ zentrale Fähigkeiten des Taijiquan entwickelt werden. Über die leichte Berührung gibt es Hinweise zu den inneren Prozessen des Gegenübers und damit lässt sich das Potential einer Situation zu den eigenen Gunsten nutzen. Taijiquan ist gedacht als langer, ununterbrochener Fluss. Trotzdem gibt es sensible Zwischenräume, vom Ein- zum Ausatmen, von der Ruhe zur Bewegung, Zusammenziehen-Ausdehnen. Es gibt zum Beispiel den Moment, bevor der Partner eine Handlung anstösst, die Absicht ist noch unbewusst, die Handlung hat noch keine Form aber die Körperspannung ist schon dabei, sich subtil zu verschieben und so ist er nicht mehr fähig, sich zu wandeln. Oder: Es gibt immer wieder den Augenblick, wo der Gegenüber 'die Haltung verliert' und unbewusst kleine Korrekturen an seiner Struktur machen muss. Diese Anstrengung wieder ins Gleichgewicht zu kommen, nutze ich aus. Manchmal gelingt es... Das ist hohe Kunst und auf höchstem Niveau kann diese über viele Jahre täglich immer weiter verfeinerte Wahrnehmung zu sehr subtilen und aussergewöhnlichen Fähigkeiten führen (die aber nicht mit Kampfvermögen verwechselt werden dürfen). Unser Pushhands ist also eine partner-schaftliche Übungsmethode und kein Wettkampf. Es ist eine Methode, mit der wir uns gegenseitig helfen, besser zu werden. Bei Bedarf können aber auch kämpferische Aspekte vermehrt eine Rolle spielen, um Selbstverteidung, einen Umgang mit Gewalt und der Angst vor Konflikten zu lernen. Viele zentrale Inhalte werden in China oft nur privat unterrichtet aber die soziale Bedeutung des gemeinsamen Übens im Park ist sehr wichtig. All die Stunden 'TuiShou' mit dem Lehrer sind auch die Zeit für die wichtige mündliche Überlieferung.
Wu Yinghua
Shen Tiegen
Jay Boyle
Ma Yueliang
Wichtige Bestandteile meines Unterrichts sind das Zhanzhuang ('Stehen wie eine Säule') und die Meditation. Am Anfang müssen wir uns eine gute physische Basis erarbeiten. Körper und Geist kommen zur Ruhe, wir stärken das Gleichgewicht, die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum und, im chinesischen Sinn, die Ausrichtung des Menschen zwischen Himmel und Erde. Wichtig ist natürlich, dass wir uns motivieren können, jeden Tag zu üben.
1. Die kurzen Formen bestehen aus 16 oder 30 Bewegungen und sind ein guter Einstieg in das Wu-Taijiquan.
2. Die lange Form hat 89 Bewegungen, die langsam und gleichmässig ausgeführt, fliessend ineinander übergehen. Sie ist das Rückgrat des Wu-Taijiquan und kann ein Leben lang in täglicher Praxis immer weiter verfeinert werden. Entspannung und Durchlässigkeit sind zentral und ermöglichen Einheit und Verbundenheit des ganzen Körpers. Die Bewegungen werden immer mehr mit dem 'Yi' geführt. Es heisst, dass wir zuerst die Form lernen, später lehrt die Form uns. Wenn die Bewegungen einmal integriert sind gibt es immer wieder Neues zu entdecken und Fähigkeiten zu entwickeln.
3. Die schnelle Form mit 94 Bewegungen ist laut Ma Yueliang die ursprüngliche Form eines kampfbetonten Taijiquan. Die Bewegungen sind schnell, fliessend und können nach Bedarf mit explosiven Schlägen ausgeführt werden.
4. Basisübungen, Drills und Schrittmethoden sind oft die gut gehüteten Perlen im System eines Lehrers. Sie werden einzeln oder in kurzen Sequenzen ausgeführt und sind wichtig, um innere Kraft zu entwickeln, einzelne Bewegungen zu perfektionieren, Explosivität zu üben, Schrittarbeit zu integrieren und Anwendungen aus der Form zu verstehen. Bei Bedarf üben wir auch kämpferische Partnerdrills. Idealerweise machen wir uns zumindest 2, 3 einfache Methoden zur Selbstverteidigung zu eigen.
5. Qigong: In der Überlieferung von Wu Yinghua/Ma Yueliang werden zwei Qigongformen unterrichtet (8 Methoden, 5 Wandlungsphasen). Das Neigong mit 24 Formen wie es in HongKong von Cheng Kam Yan weitergegeben wird.
6. Meditation ist Teil des '5 Wandlungsphasen Qigong' und für eine Entwicklung in die Tiefe unumgänglich. Ich unterrichte auch andere Meditationen, meist mit daoistischem Hintergrund.
7. Tui Shou 'Pushhands': Das Wu Stil Taijiquan in Shanghai hat Übungen mit einer Hand sowie ein Set von 13 Zweihand-Methoden und verschiedene Schrittmethoden. Dabei sind die Partner über die Hände und Arme immer im Kontakt. Das ist eine kooperative Übung, der Kontakt ist idealerweise sehr leicht, und es werden bestimmte Qulitäten geübt, die für das Taijiquan zentral sind.
8. Waffenformen: Ich unterrichte die Schwertform 乾坤剑 mit 94 Bewegungen, die 24er Lanzenform, sowie Basisübungen dazu.