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Siebenkopf-Reformator gegen Eselspapst
Von Edi Ulmer
Ab 1440 in Strassburg, in Mainz ab 1448, werden die ersten mit beweglichen Lettern gedruckten Schulbücher und eine Bibel in lateinischer Sprache gedruckt. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen in Mainz verlassen ab 1462 die meisten Buchdrucker die Stadt. Die neue Kunst verbreitet sich anschliessend mit erstaunlicher Geschwindigkeit über die europäischen Länder. Besonders in den grossen Handels- und Universitätsstädten wächst ein gewaltiger Bedarf an Büchern, der nur mit dem Vorbild der Mainzer Druckereien befriedigt werden kann. Bis zum Jahr 1500 arbeiten in sechzig deutschen Städten rund dreihundert Druckereien.
Ein begabter Maler aus Kronach
Im fränkischen Kronach wurde um 1472 einem einheimischen Maler der Sohn Lukas geboren. Beim Vater erlernte der begabte Sprössling ebenfalls das Malerhandwerk. Nach obligaten Lehr- und Wanderjahren änderte er seinen Namen gemäss seinem Geburtsort und nannte sich fortan Lucas Cranach.
1505 berief ihn der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise als Hofmaler nach Wittenberg. Cranach schuf viele Altäre, so auch in der Wittenberger Schlosskirche, und Malereien für fürstliche Residenzen. Die grosse Mitgift seiner Frau ermöglichte nach der Hochzeit 1512 die Vergrösserung seiner Werkstatt zur wohl grössten im deutschen Reich.
Vom Reformator zum Medienstar
Der Sachsen-Kurfürst Friedrich der Weise hatte ein Gespür dafür, wie er seinen verfehmten Schützling Martin Luther zu einer Berühmtheit machen konnte. So lieferte er bereits 1519 die Holzschnitt-Illustrationen für das erste protestantische Flugblatt. Er gab dem führenden Kopf der Reformation, Martin Luther, gleichsam «ein Gesicht.» Wie kein anderer prägte Cranach mit seinen in grosser Zahl produzierten Luther-Bildnissen, die den Imagewandel vom Augustinermönch zum wohlbestallten, verheirateten Reformator nachvollziehen, bis heute unsere Vorstellung von Aussehen und Wesen Luthers. Darüber hinaus besorgte Cranach die Drucklegung von Luthers Bibelübersetzung. In seinen Werken schuf er eine Bildsprache, die sich explizit protestantischen Themen wie der Erlösung nach dem Sündenfall annahm.
Verbreitung mit moderner Technik
Dank Gutenbergs Druckerpressen verbreiteten sich die Gedanken der Reformatoren schnell. Verhältnismässig einfach herzustellende Flugschriften erlebten in den Jahren nach 1517 einen gewaltigen Boom. Erst im Lauf des 16. Jahrhunderts verbreitete sich infolge der Massenproduktion von Texten die Lesefähigkeit in Europa auf rund 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Mit Hilfe von Zeichnungen und Bildern wurde den des Lesens Unkundigen einprägsame Botschaften erfolgreich übermittelt. Die Druckformen aus wenigen Zeilen Schriftsatz aus Blei, kombiniert mit Holzschnitten aus Lindenholz, erlaubten es, Flugblätter schnell und relativ preisgünstig herzustellen und zu verteilen.
Schlagabtausch der besonderen Art
Die Zeiten vor 500 Jahren waren alles andere als zimperlich. Bereits (nach heutiger Sicht) geringfügige Vergehen wurden drakonisch bestraft. Entsprechend rau war der Umgang mit Andersdenkenden. Selbst allerhöchste Gremien wurden nicht verschont und extrem karikiert. So existiert aus dem Jahr 1523 ein antikatholisches Flugblatt, gezeichnet von Lucas Cranach, mit dem kurzen Titel «Der Babstesel zu Rom», das den damaligen obersten Hüter der Christen sehr unvorteilhaft darstellt.
Wenig zimperlich gingen aber auch Luthers Gegenspieler vor, die den Reformator 1527 als siebenköpfigen Antichristen und Mörder darstellen.
Mitgliederversammlung
Am Mittwoch, 13. April 2016, genehmigte die Mitgliederversammlung des Evangelischen Kirchenbotenvereins des Kantons Thurgau die Rechnung 2015 und das Budget 2016. Irene Bösiger tritt aus dem Vorstand zurück, ihr Sitz ist bis auf weiteres vakant. Der bisherige Vorstand, der Qästor und die Rechnungsrevisoren wurden für eine weitere Amtszeit bestätigt.