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Die Verwendung der Dieselmotoren.
In der Frage der Dieselmotoren (vergl. Z. 1920 S. 910 und 995) hat die deutsche Regierung auf die Note der Botschafterkonferenz vom 10. November Anfang Januar eine Antwort gegeben. Die deutsche Regierung will die beiden Forderungen der Botschafterkonferenz nämlich erstens einen Bericht zum 31. März 1921 über den Standort und die Verteilung aller Dieselmotoren, die am Tage des Waffenstillstandes U-Booten zugeteilt oder von der deutschen Regierung für U-Boote bestellt gewesen sind, zweitens eine Erleichterung der Aufsicht über die Verwendung dieser Motoren erfüllen, obwohl sie dazu eine Verpflichtung nicht anerkennt. Sie will damit beweisen, daß der Dieselmotor in der Tat ein Friedenswerkzeug ist. Dabei wird freilich betont, daß voraussichtlich bis zum 31. März diese Motoren noch nicht sämtlich in den Dienst des Wirtschaftslebens gestellt sein können, da naturgemäß die Ablieferungs- und Zerstörungsforderungen der Entente die meisten in Betracht kommenden Abnehmer davon abgeschreckt haben, solche Motoren zu übernehmen oder auch nur sich auf die Uebernahme einzurichten, ebenso wie die ständig wiederholte Behauptung, die Maschinen seien für Friedenszwecke nur ungünstig verwendbar, trotz ihrer Unrichtigkeit bei den Abnehmern manches Bedenken hervorgerufen hat. Das Verlangen, die Motoren müßten ohne jede Aenderung für Friedenszwecke verwendbar sein, wird durch die Bestimmungen des Friedensvertrages nicht gestützt und ist, wie jedem Sachverständigen ohne weiteres einleuchten muß, technisch nicht haltbar. Die Forderung, die bis zum 31. März nicht zu Friedenszwecken verwendeten Motoren gemäß Artikel 192 des Friedensvertrages zu zerstören, wird von der deutschen Regierung nicht anerkannt, da Gegenstände, die aus dem Abbruch von Kriegsschiffen herrühren, dieser Bestimmung nur unterliegen, sofern sie für keine friedliche Verwendung brauchbar sind.
Wirtschaftliche Umschau.
Da die deutsche Regierung somit den Forderungen der Entente weit entgegenkommt, ist zu hoffen, daß die ganze Dieselmotorenfrage schließlich zu einem befriedigenden Ende geführt wird.
Die Rheinische Bimsindustrie.
Die Sammlung von Einzeldarstellungen bestimmter Industriezweige, die »Technik und Wirtschaft seit einiger Zeit veröffentlicht, wird im Januarheft der Monatschrift fortgesetzt durch eine Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse der rheinischen Bimsindustrie von Dr. Jungblut.
Als Rohstoff dient der Bimsindustrie der Bimssand oder Bimskies, der hauptsächlich im Neuwieder Becken vorkommt und im wesentlichen durch Beifügung von Kalk und andern Zusätzen zu Bausteinen verarbeitet wird. Man unterscheidet gewöhnliche Schwemmsteine aus etwa neun Teilen Bimssand und einem Teil Kalk, der aus gebranntem und gemischtem Graukalk hergestellt und in Form von Kalkmilch mit dem Bimssand vermischt wird, und Zementschwemmsteine, die entweder nur aus Bimskies und Zement oder aus Bimskies, Zement und Kalk hergestellt werden. Die Druckfestigkeit dieser Steine richtet sich im wesentlichen nach dem Zementgehalt. Unter den heutigen Verhältnissen ist besonders wichtig, daß für die Herstellung des Kalkes für 1000 Schwemmsteine nur. 70 kg Kohle erforderlich sind, gegenüber einem Bedarf von rd. 250 kg für die Herstellung von 1000 Ziegelsteinen. Der Kalk wird hauptsächlich von der Lahn bezogen, ferner aus der Gegend von Aachen und aus der Eifel. Versuche, Karbidkalk für die Schwemmsteinherstellung zu verwenden, haben keinen Erfolg gehabt, weil sein Gehalt an Kalziumoxyd nur 32 vH gegenüber 90 bis 99 vH bei gewöhnlichem Kalk beträgt und außerdem im Karbidkalk Magnesiumoxyd vollständig fehlt. Die Druckfestigkeit von Steinen mit Karbidkalk beträgt nur ein Drittel von der der gewöhnlichen Steine. Zement bezieht die Bimsindustrie zum großen Teil von der Concordiahütte in Bendorf und aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Der belgische Naturzement hat sich nicht bewährt, da er sehr ungleichmäßig ist. Neben Bausetinen werden aus Bimssand Bimszementdielen als Wand- und Deckenplatten sowie Bimsmehl als Poliermittel hergestellt.
Vor dem Kriege wurden die Schwemmsteine fast ausschließlich durch Handarbeit hergestellt, heute finden insbesondere Mörtelmischmaschinen und Formmaschinen weitgehende Verwendung, der jedoch noch gewisse Schwierigkeiten entgegenstehen. Das Bimsmaterial ist nicht plastisch und läßt sich daher nicht schneiden, es verschmiert ferner wegen seiner Zähigkeit sehr schnell die Maschinen. Endlich sind die fertig geformten und noch nicht getrockneten Steine sehr empfindlich gegen Erschütterungen.
Die rheinische Bimsindustrie beschäftigt in 288 Betrieben etwa 5000 bis 6000 Arbeiter neben einer ganzen Anzahl von Handwerkern, technischen Arbeitern und Angestellten. Die Größe der Betriebe wechselt zwischen 5 bis 10 und mehreren hundert Mann. Die Tagesleistung eines Schwemmsteinarbeiters wird zu 750 bis 800 Steinen angenommen; während der >Saison (März bis September) stellte früher bei 10 stündiger Arbeitszeit ein guter Arbeiter etwa 100 000 Steine her. Die kleinen Betriebe sind meistens Nebenbetriebe, die neben Landwirtschaft versehen werden.
Die rheinische Industrie ist im rheinischen Schwemmsteinsyndikat G. m. b. H. in Neuwied und einigen andern Verkaufsvereinigungen zusammengeschlossen. Zum Zweck einer allgemeinen Vertretung der Wirtschaftsinteressen der Bimsindustrie im Neuwieder Becken ist der Verein zur Wahrung wirtschaftlicher Interessen der rheinischen Bimsindustrie in Neuwied gebildet worden, der die Eigenschaft eines Arbeitgeberverbandes für die rheinische Bimsindustrie übernommen hat. Eine mechanisch-chemische Versuchsanstalt ist von der Gesellschaft für Tuff- und Tontechnik in Neuwied gegründet worden, um die zur Verarbeitung kommenden Bindemittel dauernd zu prüfen und außerdem neue Verwendungsgebiete für den Bimssand zu erschließen.
Seit dem Krieg ist die Produktionsfähigkeit der rheinischen Bimsindustrie stark gehemmt durch das Steigen der Preise für Kalk und Zement, durch die Steigerung der Arbeitslöhne und durch die unmäßige Verteuerung der Bahn- und Schiffsfrachten. Ferner wirkt natürlich die ungenügende Kohlenzuteilung an die Kalk- und Zementwerke sehr ungünstig auf die Bimsindustrie ein. Die Nachfrage nach Zement in Höhe von etwa 100 bis 150 Mill. Steinen im Jahre 1919 konnte nur in beschränktem Umfang (mit etwa 34,5 Mill. Steinen) befriedigt werden. Im Jahre 1920 sind schätzungsweise 60 Mill. Steine hergestellt worden.
Stickstoff-Kredit-G. m. b. H.
Das im Mai 1919 unter Mitwirkung des Reichsschatzamtes als G. m. b. H. gegründete Stickstoffsyndikat, das die Badische Anilin- und Soda-Fabrik in Ludwigshafen a. Rh., die Deutsche Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung in Bochum, die Bayerischen Stickstoffwerke A.-G. in München-Berlin, die Wirtschaftliche Vereinigung deutscher Gaswerke in Köln und die Oberschlesischen Kokswerke und Chemischen Fabriken A.-G. in Berlin umfaßt, hat mit dem gewaltigen Kapital von 500 Mill. M eine Stickstoff-Kredit-G. m. b. H. geschaffen, um durch Gewährung langfristiger Kredite der Landwirtschaft den Bezug von Stickstoff Düngemitteln zu erleichtern und damit zur Steigerung der inländischen Ernteerträgnisse und zur Sicherung der Volksernährung beizutragen. Die Steigerung der Getreideernte ist von höchster Bedeutung nicht nur unmittelbar für die Ernährung, sondern auch mittelbar für das gesamte Wirtschaftsleben, da der Zwang, dauernd große Getreidemengen zu hohen Preisen im Auslande zu kaufen, die deutsche Finanzwirtschaft und damit den Stand der deutschen Valuta aufs ungünstigste beeinflußt.
Von dem Stammkapital der neuen Gesellschaft hat das Stickstoffsyndikat als solches 499 Mill. M übernommen, die letzte Million verteilt sich auf die einzelnen Gesellschaften.
ermäßigung, auf der andern Seite hatte Schweden die Verpflichtung, während der Vertragsdauer keine Ausfuhrzölle auf Eisenerze für Deutschland zu erheben und die zwischen dem schwedischen Staat und den verschiedenen schwedischen Erzgesellschaften geltenden Verträge keiner Aenderung zu unterwerfen, die die Erzausfuhr nach Deutschland erschwert oder eingeschränkt hätte.
In der deutschen Einfuhr aus Schweden standen im Jahre 1913 an erster Stelle Eisenerze (86,7 Mill. M), Nadelholz (34,6 Mill. M), Pflastersteine (8,9 Mill. M); es folgten Vieh, Felle Fische, Rahm, Roheisen (4,8 Mill. M), Rohsteine (4,7 Mill. M), Zellstoff, Stroh- und Faserstoff (4,4 Mill. M), Fensterrahmen, und Türen aus Holz (3 Mill. M), Milchentrahmmaschinen (1,8 Mill. M) usw. Die deutsche Ausfuhr nach Schweden umfaßte im Jahre 1913 an erster Stelle Roggen (9,5 Mill. M), Abraumsalze (8,4 Mill. M), Kammgarn aus Wolle (7,8 Mill M), Koks (4,4 Mill. M), Steinkohlen (3,5 Mill. M), Träger (3,7 Mill. M) usw. Die starke Entwicklung der schwedischen Industrie während des Krieges, wobei besonders viele Sondergebiete der Maschinenindustrie (z. B. Milchschleudern), Werkzeugstahl, Werkzeugmaschinen und Werkzeuge, elektrische Industrie und Holzindustrie zu nennen sind, bedeutet für die deutsche Industrie einen fühlbaren Wettbewerb, der bei dem Abschluß eines neuen Handelsvertrages wohl zu berücksichtigen sein wird.
Wirtschaftsverband Mitteldeutschland.
Die amtlichen Interessenvertretungen des Handels, der Industrie, des Handwerks und der Landwirtschaft der Provinz Sachsen und der Freistaaten Sachsen, Thüringen, Anhalt und Braunschweig haben sich bei ihrer Versammlung in Weimar zu einem Wirtschaftsverband Mitteldeutschland mit dem Sitz in Leipzig zusammengeschlossen. Die Aufgabe des Verbandes soll die geschlossene und kraftvolle Vertretung der Interessen des mitteldeutschen Wirtschaftslebens sein. Unter dem Gesichtspunkt der Herausbildung von »Wirtschaftsprovinzen« kommt derartigen Zusammenschlüssen erhöhte Beachtung zu.
Telegrammschlüssel.
Auf die wirtschaftliche Notwendigkeit, den Telegrammverkehr unter den heutigen schwierigen Verkehrsverhältnissen nach Möglichkeit zu entlasten, hat der preußische Handelsminister kürzlich besonders hingewiesen. Im Januarheft der >Technik und Wirtschaft weist Diplomkaufmann Fr. Runkel auf die sehr erheblichen Ersparnisse hin, die im privatwirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Sinne durch die Verwendung von Telegrammschlüsseln im telegraphischen Verkehr gemacht werden könnten, wenn die Telegrammschlüssel die ihnen zukommende weit größere Beachtung und Verwendung als bisher finden würden. Neben der großen Anzahl von Privatcodes, die auf Verabredung von Schlüsselworten für gewisse, häufig vorkommende Sätze eines bestimmten Geschäftsverkehrs beruhen, gibt es mehrere weit verbreitete allgemeine Telegrammschlüssel (ABC-Code, Liebers Code usw.) sowie den im Jahre 1917 herausgegebenen »In
genieur-Code< von Galland1), der besonders für die Zwecke der Industrie in Betracht kommt. Diese Telegrammschlüssel beruhen hauptsächlich auf der Verwendung von Tabellen, bei denen Warengattungen, Mengen, Preise, Lieferbedingungen und ähnliches zusammengestellt sind und jeweils bestimmte Schlüsselworte ergeben. Die Verwendung von Worten (die keiner bestimmten Sprache entnommen zu sein brauchen, sofern sie ohne Schwierigkeit aussprechbar sind), hat den Vorzug vor Zahlen, die erfahrungsmäßig bei der telegraphischen Wiedergabe leicht verstümmelt werden. Besondere Telegrammkürzer oder Condenser ermöglichen ferner nach einem eigenartigen und interessanten Verfahren die Zusammenfügung zweier Schlüsselworte zu einem neuen, ebenfalls noch telegrammfähigen, so daß auf diesem Wegę eine weitere Ersparnis erzielt werden kann.
Der Reichsverband der deutschen Industrie zum Arbeitlosen-Versicherungsgesetz.
Der Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie hat am 16. Dezember zu dem Entwurf eines Gesetzes über Arbeitlosenversicherung in folgendem Sinne Stellung genommen: Die gegenwärtige Erwerblosenfürsorge, bei der der Unterstützung aus öffentlichen Mitteln keine Gegenleistung der Berechtigten entspricht, ist zu verwerfen, weil sie das Selbstgefühl und die Selbstverantwortung der Arbeiterschaft untergräbt. Dazu kommt, daß der zur Unterstützung berechtigte Personenkreis nicht hinreichend abgegrenzt ist. An die Stelle der Erwerblosenfürsorge sollte daher eine Arbeitlosenversicherungtreten. Der von der Reichsregierung bereits ausgearbeitete Entwurf soll leider zugunsten einer Ausgestaltung der Erwerblosen fürsorge zurückgezogen werden. Der Reichsverband der deutschen Industrie empfiehlt, den Gesetzentwurf zunächst einer Nachprüfung unter Mitwirkung der Zentral-Arbeitsgemeinschaft zu unterziehen, und zwar unter besonderer Nachprüfung des Umfanges, des Gegenstandes und der Träger der Versicherung sowie der Beiträge, Leistungen und Strafvorschriften.
Löhne in der Binnenschiffahrt.')
Für die Binnenschiffahrt auf der Weser und Aller hatte der Schlichtungsausschuß Bremen am 26. November 1920 einen Schiedspruch gefällt, nach dem den Arbeitnehmern eine durchschnittliche Lohnerhöhung um 10 vH gewährt werden sollte. Diesen Schiedspruch hat der Arbeitgeberverband mit Rücksicht auf die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in der Binnenschiffahrt nicht anerkannt, dagegen ist eine Einigung erzielt worden auf Grund der folgenden Löhne, die im ganzen eine Erhöhung der bisherigen Löhne um 10 vH bedeuten und mit Rückwirkung vom 1. Dezember 1920 in Kraft getreten sind: Schiffer und Maschinisten 1265 M
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Steuerleute auf Dampfern und Kähnen verheiratete Heizer
verheiratete Matrosen
Deutschland:
England1):
Deutschland: Roheisen: Hämatiteisen 1910 /t Gießereiroheisen I 1660 Halbzeug und Walzeisen:
deutscher Ingenieure.
1) s. Z. 1918 S. 67.
2) Frühere Binnenschifferlöhne s. Z: 1920 S. 874 und 1016.
Frankreich: Hochofenkoks für Hüttenwerke bisher (seit 1. Oktober 1920) 175 Fr/t, vom 1. Januar 1921 an 135 Fr/t frei Eisenbahnwagen von der Grube oder Grenze, Stahlwerks- und Gießereikoks 200 Fr/t.
Holz.
Verdingungsergebnis der Eisenbahndirektion Köln für Werkstätten hölzer:
Kiefer, vollkantig besäumt 829 bis 890 /m3 frei Fulda
980
Siegerländer Rohspat 274,50 /t, Rostspat 406,50 M/t
Nordwestküste: Inlanderz 59/- bis 70/-, Spanisches Erz 50/-
3
1) s. nebenstehende Fußbemerkung.
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Siegerländer Stahleisen Spiegeleisen
› Recklinghausen.
Rohblöcke
7
1770 M/t
Grobbleche 3090 M/t Knuppel Feinbleche unter 1 mm 3525 » Stabeisen 2440 schwere Schienen 2550 > Aufschlag für Siemens-Martin-Eisen 50 M/t.
1610 M/t 1708
7500
7000
6500
6000
5500
5000
4500
4000
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3000
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1000
500
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22. Januar 1921.
Blei
November Dezember
Bücherschau.
Der Tunnel. Anlage und Bau. Von G. Lucas, Professor an der Technischen Hochschule Dresden. Band I.: Der Entwurf des Tunnelwerkes. Mit 533 Textabb. und 3 Taf. Berlin 1920, Wilhelm Ernst & Sohn. Preis geh. 30 M, geb. 35 M zuzüglich Sortimenter-Teuerungszuschlag.
Als großzügiges, den Gegenstand voll erschöpfendes Handbuch angelegt, das sich mehr an den ausübenden Ingenieur wendet als an den Studierenden, bildet Lucas' Werk eine willkommene Ergänzung des Tunnelbau-Schrifttums, das gerade in letzter Zeit manche wertvolle Bereicherung erfahren hat eine natürliche Folge der vielfachen Veränderungen in den Grundzügen des Tunnelbaues, die die guten früheren Arbeiten auf diesem wichtigen Ingenieurgebiete teilweise veraltet erscheinen ließen.
Der vorliegende erste Teil umfaßt alle diejenigen Gesichtspunkte und Erwägungen, die für die Bearbeitung des Entwurfs eines Tunnelbauwerkes oder eines Schachtes in Frage kommen. Er beginnt mit den Vorerhebungen; es werden die geologischen und alle sonst notwendigen Ermittlungen besprochen und auch die Frage von Schachtanlagen zur Schaffung von Angriffspunkten innerhalb der Tunnellänge erörtert. Der zweite Abschnitt behandelt den Querschnitt der Tunnel und Schächte mit der Ausführlichkeit, die der Wichtigkeit dieses Gegenstandes entspricht; zahlreiche Abbildungen beleuchten die Darlegungen, die sich unter anderm auch mit der Frage der Anlage zweier eingleisiger Tunnel für eine zweigleisige Bahn näher befassen; einen großen Raum nehmen in diesem Abschnitte die Tunnel unter Verkehrsmittelpunkten ein, die im neuzeitigen Bauwesen eine bedeutende Rolle spielen.
Der dritte und vierte Abschnitt sind dem Gebirgsdruck und der statischen Untersuchung der Tunnelwandungen gewidmet. Hier wird dem Leser ein sehr klarer Ueberblick über die Forschungen, Versuche und Erfahrungen der neuesten Zeit gegeben und deren Ergebnisse wie auch die verschiedenen neueren Anschauungen in ihren Grundgedanken und in ihren Folgen für die Entwicklung des Tunnelbaues zusammengefaßt erläutert. Besondere Ausführlichkeit zeigt die statische Untersuchung der Tunnelwandungen, namentlich für die Bauten in Ueberlandstrecken der Verkehrswege. Lucas' Erörterungen fußen auf den Sonderwerken von Bierbaumer und Kommerell; die nähere Behandlung der im Tunnelbau vorkommenden Einzelfälle, die er in mehreren Belastungsgruppen zusammenfaßt und für die er auch auf beigefügten Tafeln die Untersuchung zeichnerisch durchführt, werden jedem Tunnelbauingenieur sehr willkommen sein. Lucas verkennt natürlich nicht die Ungenauigkeit aller Berechnungen und verweist auf die Notwendigkeit aufmerksamer, allerdings auch in ihrer Durchführung wie in ihrer Verwertung schwieriger Beobachtungen am vorläufigen Einbau.
Der sechste Abschnitt über Herstellung und Sicherung der Wandungen enthält viele für den Bau wertvolle Ratschläge und Anregungen insbesondere hinsichtlich der sachgemäßen Auswahl der Baustoffe bei Steinwandungen und eine große Zahl Abbildungen ausgeführter Tunnelwandungen als Beispiele; hervorzuheben sind die Bemerkungen über die verschiedenen Arten des Anschlusses der Wandungen an das Gebirge und über die Entwässerung. Die Wandungen aus Eisen, aus Beton und Eisenbeton finden ebenfalls eingehende Besprechung und Würdigung. Dieser sechste Abschnitt gehört zu den umfangreichsten des ganzen Buches, was eben auch der Wichtigkeit seines Inhaltes für den Tunnelbau entspricht.
In den folgenden Abschnitten werden die Lüftanlagen im Betrieb befindlicher Eisenbahntunnel, werden Oberbau, Signale und Leitungen in Eisenbahntunneln und Veranschlagung und Kosten der Tunnel besprochen. Der letzte Abschnitt bringt einige Mitteilungen über Arbeit
Ingenieurkammern.
Hr. Mühlmann: Die Vorlage zu einem Reichsgesetz über die Bildung von Ingenieurkammern ist Ihnen zugegangen. Der Ausschuß hat sich nicht zu verhehlen vermocht, daß man zweifelhaft sein kann, ob überhaupt ein derartiges Gesetz nötig und erwünscht ist. Ohne Zweifel werden dadurch neue Klassengegensätze in die technischen Berufe hineingetragen, indem die »Techniker sich hinter den »Ingenieuren zurückgesetzt fühlen. Es ist auch fraglich, ob die Reichsregierung auf Ingenieurkammern überhaupt eingehen wird und ob es sich empfiehlt, daß unser Verein etwas in die Hand nimmt, von dessen Erfolg wir nicht von vornher
deutscher Ingenieure.
Arbeitgeber and Arbeitnehmer. Ein Handbuch für In; dustrielle und Gewerbetreibende. Vom Hauptverband der Industrie Deutschösterreichs. Wieu und Leipzig 1920, Franz Deuticke. Preis kart. 140 Kr oder 30 M.
Kolbendampfmaschinen und Dampfturbinen.
Von Prof. H. Dubbel. Berlin 1921, Julius Springer. 584 S. mit 554 Abb. Preis geb. 52 M.
Die fünfte Auflage des bekannten Buches hat gegenüber der vierten in Z. 1920 S. 754 besprochenen Auflage einige hauptsächlich die Kapitel Kondensation, Dampfturbinen, Verwertung von Abdampf und Zwischendampf betreffende Erweiterungen erfahren.
Die Nachkalkulation nebst zugehöriger Betriebsbuchhaltung in der modernen Maschinenfabrik. Von J. Mundstein. Berlin 1920, Julius Springer. 78 S. mit 30 Formularen und Beispielen. Preis geh. 12 M.
Die wissenschaftliche Photographie als experimentelle Grundlage des Geschützbaues. Von Dr.-Ing. H. Rumpff. Düsseldorf 1920, Mathias Strucken. 98 S. mit 37 Abb.
Luft-Verkehrs-Probleme. Von F. W. Jordan. Bremen 1920, H. M. Hauschild. 47 S. mit Tafeln und vielen Abbildungen. Preis 9,60 M.
Vorrichtungsbau. Bearbeitungseinrichtungen und ihre Einzelelemente für die rationelle Serien- und Massenfabrikation. Von R. Bussien und F. Friedrichs. 2. Aufl. Berlin 1920, M. Krayn.
Preis 16, geb. 22 und 30 vH
216 S. mit 293 Abb. und 16 Taf. Teuerungszuschlag.
Die erste schnell vergriffene Auflage, in der der Vorrichtungsbau erstmalig zusammenhängend bearbeitet worden ist, haben wir auf S. 563 des Jahrganges 1920 ausführlich gewürdigt. Die neue Auflage ist in einzelnen Abschnitten erweitert und durch einige Kapitel ergänzt worden.
Von Sammlung Göschen Bd. 815: Chemische Grundbegriffe. Prof. Dr. A. Benrath. Berlin 1920, Vereinigung wissenschaftlicher Verleger. 144 S. Preis geb. 2,10 und 100 vH Teuerungszuschlag. Wie sich die chemischen Grundbegriffe im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben, ist in großen Umrissen allgemein verständlich dargestellt.
Desgl.; Die Elektrizität im Dienste der Kraftfahrzeuge. Von Dr.-Ing. R. Albrecht. Berlin 1920, Vereinigung wissenschaftlicher Verleger. 120 S. mit 46 Abb. Preis geb. 2,10 M und 100 vH Teuerungszuschlag.
Hilfsbuch für den Schiffbau. Von Johow. 4. Aufl. bearbeitet von Dr.-Ing. E. Foerster. Berlin 1920, Julius Springer. 2 Bände. 1126 S. mit 645 Abb. und 32 Taf. Preis geb. 170 M.
Angelegenheiten des Vereines.
Versammlung des Vorstandsrates am 19. September 1920
Im Vereinshause zu Berlin.
(Schluß von S. 84)
Eine Besprechung der eingesandten Bücher wird vorbehalten. Die Bücher werden kurze Zeit in unserm Lesesaal an besonderer Stelle zur Einsichtnahme ausgelegt, können aber nicht verliehen werden.
ein überzeugt sind. Es ist aber noch etwas anderes zu bedenken. Nach den vorgesehenen Bestimmungen muß sich nicht jeder Ingenieur in die Liste eintragen lassen, sondern er kann es bloß. Es könnte also sein, daß ein Diplomingenieur im Alter von 30 Jahren mit der nötigen Praxis, der unbedingt Ingenieur ist, sich aus irgend welchen Gründen nicht in die Liste eintragen ließe. Das müßte natürlich zu Unannehmlichkeiten und Härten führen.
Einig war sich der Ausschuß, daß für die Zivilingenieure eine Zivilingenieurkammer am Platze wäre. Die Frage ist aber, ob eine Kammer für alle Ingenieure, auch für die angestellten Ingenieure der Industrie und des Staates, ange
22 Januar 1921.
bracht ist. Immerhin meinte der Ausschuß, wlr sollten den Entwurf, wie er vorliegt, an die Bezirksvereine gehen lassen.
Hr. Oeser: Der vorliegende Entwurf ist vom LenneB.-V. auf Grund der vom Gesamtverein ergangenen Anreregungen verfaßt, und zwar von Herrn Gewerberat Clausen in Anlehnung an die Bestimmungen für Aerzte- und Anwaltskammern.
Es kann doch kein Zweifel darüber herrschen, daß der Schutz des Ingenieurtitels an sich notwendig ist; dafür haben wir im Kriege und auch später genügend Beispiele erlebt. Es handelt sich hier um eine Berufsfrage, die der V. d. I. auch zu vertreten hat.
Der Begründung in dem Bericht des Ausschusses brauche ich nicht viel hinzuzufügen. Ich möchte nur bitten, die Dringlichkeit der Beratung und dieser Entwürfe anzuerkennen, damit die Sache möglichst bald an die Bezirksvereine gelangt. Die Bedenken, die der Herr Berichterstatter hier geäußert hat, teile ich nicht. Es ist auch genügend betont worden, daß wir Ingenieure bisher viel zu zurück haltend gewesen sind und das in diesem Falle durchaus nicht sein dürfen.
Nach meinen Erfahrungen ist die Stimmung im V. d. I. durchaus nicht etwa gegen solche Ingenieurkammern. Auch die Absolventen der technischen Mittelschulen, die sich noch am meisten dagegen gewehrt haben, erklären sich mit der jetzigen Fassung einverstanden. Wir werden also in den Bezirksvereinen kaum noch Schwierigkeiten haben.
Es ist die Rede davon gewesen, daß in den Ingenieurkammern eine gewisse Parität anzustreben sei, und zwar sollte die eine Hälfte der Mitglieder aus Akademikern, die andere Hälfte aus Nichtakademikern bestehen. Ich habe dagegen sehr starke Bedenken, denn ein solcher Beschluß könnte gerade nach der anderen Richtung wirken, indem jetzt wieder eine Scheidung gemacht wird, die ja durch unsre Aufnahmebedingungen beseitigt worden ist. (Zustimmung.) Sobald jemand Mitglied unsres Vereins ist, ist er auch zur Eintragung in die Ingenieurliste geeignet.
Hr. Mühlmann: Im Entwurf ist in § 14 angegeben, welche Anforderungen an die Männer zu stellen sind, die in die Ingenieurliste eingetragen werden können. Diese Anforderungen sollen künftig wörtlich mit den Leitsätzen, wie wir sie eben gehört haben, übereinstimmen.
Hr. Kroebel bezweifelt, ob es jemals durchgesetzt werden könne, das lediglich derjenige Ingenieur sei, der in die Liste eingetragen ist. Darüber muß eine klarere Bestimmung getroffen werden.
Hr. Kloth: Bei der Frage der Ingenieurkammern wird immer der Vergleich mit den Juristen und mit den Aerzten gezogen. Der letztere Vergleich mag stimmen, der erstere hinkt aber sehr stark. Es gibt keine Juristenkammer, sondern nur eine Rechtsanwaltskammer. Ebenso wenig wie die Juristen eine große Kammer haben, in der alle juristisch tätigen Leute zusammengefaßt sind, ebensowenig kann man eine Ingenieurkammer bilden. Es würde hier genügen, eine Kammer der im freien Berufe tätigen und beratenden Ingenieure zu bilden, also eine Kammer der Zivilingenieure.
Der Vorsitzende stellt fest, daß der Entwurf den Bezirksvereinen zur Beratung überwiesen werden soll. (Zustimmung )
Schutz der Berufsbezeichnung »Ingenieur«.
Hr. Mühlmann: Der Ausschuß war der Meinung, daß ein solcher Schutz vorhanden ist, wenn die Ingenieurkammern in irgend einer Form durchgehen. Solange das aber nicht der Fall ist, sollten die Mitglieder des Vereines deutscher Ingenieure das »V. d. I.« etwas häufiger hinter ihren Namen setzen. Auch damit würde schon mancherlei erreicht,
Hr. Klein: Vor zwei Jahren hatte ich im Vorstandsrate die Anregung gegeben, es möchte jeder Bezirksverein einen Ausschuß für solche Fragen gründen. Die Sache ist seinerzeit dem Vorstand als Material überwiesen und dann nicht weiter verfolgt worden. Ich möchte den Antrag hier wiederholt stellen.
Hr. Mühlmann: Auch über diesen Punkt ist im Ausschuß gesprochen worden. Man war der Meinung, daß es Pflicht des Vereines sei, sich mit Fragen wie der vorliegenden und ähnlichen zu befassen, und das ist ja auch in den
letzten Jahren geschehen. Aber der Befassung des V. d. I. mit Standesfragen sollte doch auch einmal eine Grenze gesetzt und ausgesprochen werden, daß der Verein nun nicht nur für Standesfragen da sei, sondern daß er ganz andere Aufgaben und ganz andere Gesichtspunkte für seine Entwicklung habe. Die Standesfragen sind in den letzten Jahren von eigens zu diesem Zwecke gegründeten andern Vereinen aufgegriffen und mit großem Erfolg gefördert worden.
Der Ausschuß konnte sich daher nicht entschließen, den Vorschlag des Hrn. Klein zu seinem eigenen zu machen. Er meinte, daß jeder Bezirksverein, der das tun will, ja einen solchen Ausschuß einrichten kann, daß aber eine Nötigung von seiten des Gesamtvereins nicht ausgeübt werden sollte. (Zustimmung.)
Vorsitzender: Der Antrag des Hrn. Klein liegt jetzt vor, er lautet:
An die Bezirksvereine soll die Anregung vom Vorstand ergehen, möglichst in jedem Bezirksverein einen Ausschuß für Berufs- und Standesfragen einzusetzen. Bei der Abstimmung wird der Antrag abgelehnt.
6b) Ingenieurhilfe.
Hr. Fehlert: Die »Ingenieurhilfe« ist mit dem 1. Januar 1920 in Tätigkeit getreten. Wir haben zwei Sitzungen abgehalten, in denen wir uns über die Geschäftsführung, über die Verteilung der Arbeiten und über andere Einzelheiten unterhalten haben. Wir haben ferner einige Vorschläge beraten und sie den Bezirksvereinen zur Begutachtung vorgelegt. Sie sind Ihnen bekannt. Ueber das, was wir hier zu beschließen haben, hat der Geschäftsbericht berichtet.
Die Ingenieurhilfe« hatte zunächst gar keine Mittel, und wir mußten uns deswegen an die Industrie und an unsere Mitglieder wenden. Dadurch haben wir etwa 70 000 M als Stammkapital erhalten. Aber die »Ingenieurhilfe« braucht ungemein viele Mittel. Die Tätigkeit der »>Ingenieurhilfe <<
ich meine jetzt nicht die Hilfskasse, sondern die Vermittlung von Stellen und alles, was sonst damit zusammenhängt
hat schon jetzt etwas über 8000 M gekostet. Wir müssen also unser gesammeltes Kapital schon jetzt angreifen, denn aus der Hilfskasse können Mittel nicht genommen werden, ebenso wenig aus der Kriegsdankstiftung.
Eine Satzung haben wir noch nicht bekannt geben können. Das liegt daran, daß das Erbschaftssteueramt Berlin die Prüfung dieser Satzung gewünscht hat und diese Prüfung in einer ganz unverantwortlichen Weise verzögert. Wir werden deshalb jetzt die Satzung drucken, ohne erst die Entscheidung des Erbschaftssteueramts Berlin abzuwarten.
Und nun, m. H., noch etwas Erfreuliches: Wir können mit Genugtuung feststellen, daß der Magdeburger Bezirksverein uns im vergangenen Jahre 3000 ̧M überwiesen hat. Herzlichen Dank! Ferner ist die Nachricht eingegangen, daß der Kölner Bezirksverein seinen jährlichen Beitrag zur Hilfskasse von 500 M auf 1000 M und daß der Württembergische Bezirksverein den seinen von 150 M auf 1000 M erhöht hat. (Beifall.)
M. H., beherzigen Sie das, wenn Sie nach Hause kommen: Wir wollen augenblicklich nicht sammeln, denn die Zeit scheint dazu nicht angebracht zu sein. Aber das Sammeln wird Ihnen nicht erlassen bleiben! Es wird zur rechten Zeit kommen, und dann bitte ich, öffnen Sie Ihre Herzen und was dazu gehört! (Beifall.)
7a) Rechnung des Jahres 1919, Bericht der Rechnungsprüfer.
Namens der Rechnungsprüfer erstattet Hr. Hjarup den Bericht für die Betriebs- und die Vermögensrechnung des Jahres 1919.
Die Versammlung beschließt, die Entlastung des Vorstandes bei der Hauptversammlung zu beantragen.
7b) Antrag des Breslauer Bezirksvereins auf Zusammenlegung der vom Verein herausgegebenen Zeitschriften.
Der Antrag wird vom Abgeordneten des Breslauer B.-V. zurückgezogen.