Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03135.jsonl.gz/1371

Mit der erneuten Machtübernahme von Wladimir Putin als Präsident im März 2012 geht auch die Geschichte von Roldugins Einfluss langsam ihrem Ende entgegen. Fragen bleiben. Wozu wurde das viele Geld, das hier offenbar verschoben wurde, eigentlich verwendet, und wem gehört es?
Eine Antwort geben möglicherweise die Ereignisse Mitte März 2013. Ein Jahr vor dem Krimkrieg.
Die Eurokrise war auf ihrem Höhepunkt, seit Monaten stand Zypern am finanziellen Abgrund. Die kleine Republik musste gerettet werden. Die EU und die zypriotische Regierung entschieden am 16. März 2013, alle Bankeinlagen Zyperns um 10 Prozent zu kürzen, auch die der Russian Commercial Bank RCB von Zypern, wo die Konten des goldenen Karussells lagen.
Kaum war der Beschluss gefasst, reagierte Putin persönlich und mit ungewöhnlicher Vehemenz. Er verurteilte den Deal öffentlich. «Russland schlägt wild um sich», titelte die «Financial Times».
Am Montag, 18. März, nahm jemand aus Russland Kontakt auf mit Zypern. Der Chef von Zyperns Mittepartei, Marios Garoyian, schilderte später in einem Radiointerview, was dieser Jemand der politischen Führung Zyperns sagte:
«Die allerhöchste russische Führung gab uns unmissverständlich zu verstehen, dass – wenn wir die RCB anfassten – wir eine Reaktion erleben würden, wie wir sie noch nie gesehen hatten», sagte Garoyian. «Es war eine glasklare Nachricht an uns alle.»
«Es ging um die Russian Commercial Bank von Zypern, wo die Konten des goldenen Karussells lagen.»
Kam das Vermögen, um das es hier geht, also von der russischen Führung, und lag es in der RCB Zypern? Die Bank weist dies auf Anfrage als «komplett unbegründet» von sich.
«RCB erfüllt alle rechtlichen Anforderungen strikt und erfüllt in ihren Abläufen die höchsten Standards», schreibt RCB Zypern. Dies hätten verschiedene Rechnungsprüfungen vor Ort ergeben, gerade auch in Bezug auf die Aktivitäten der Jahre von 2013 bis 2015. Durchgeführt worden seien sie von der Zentralbank und der Firma Deloitte.
Wo auch immer das Geld herkam, es finden sich jedenfalls Hinweise, dass es auch für private Zwecke Verwendung fand. Die Gelder von Sandalwood gingen, gemäss den Verträgen in den Panama-Daten, an mehr als zwei Dutzend weitere Briefkastenfirmen und landeten am Schluss zum Beispiel bei Firmen, die einen Jachtclub oder ein Hotel besitzen.
Welche Kreise von diesem Geld profitieren, zeigt auch ein Ereignis, das fast zeitgleich zur Zypernkrise stattfand, aber unter grösster Geheimhaltung.
«Die RCB weist Anschuldigungen weit von sich.»
Das Hochzeitspaar fuhr mit einem Schlitten vor, gezogen von drei Schimmeln. Die Braut trug ein mit Perlen besticktes Kleid. Aber die Gäste der Feier im Skiresort Igora, etwa eine Stunde nördlich von St. Petersburg, konnten den Moment nicht im Bild festhalten. Fotografieren war verboten, alle Handys wurden eingesammelt.
«An jeder Ecke standen Wachen; sie liessen niemanden ans Fest heran», beschrieb ein Angestellter einem Reuters-Journalisten später die Szenerie.
Igora, Schauplatz dieser Feier, ist die Feriendestination der Wahl von Putin und seinen engsten Freunden. Der Präsident selber wurde in einer nahen Villa des Öfteren gesehen.
Dank den Panama-Papieren wird nun klar, woher die Firma, welche Igora besitzt, sich unter anderem finanzierte: aus dem Geldkarussell von Roldugins Bevollmächtigtem.
Die Daten zeigen, wie 10 Millionen als Darlehen von Sandalwood über Umwege zum späteren Besitzer von Igora gingen. Eines der wenigen Beispiele, bei denen man feststellen kann, wohin das Geld aus dem goldenen Karussell fliesst, ist also ausgerechnet ein Ferienort von Putin und seinem Freundeskreis. Das Brautpaar der Hochzeit verteilte den Gästen an diesem Schauplatz Schals mit ihren Initialen: K & K.
Das eine K stand für den Bräutigam: Kirill Schamalow, Sohn eines der wichtigsten Aktionäre der Bank Rossija. Nach der Hochzeit kam er sehr schnell an ein Milliardenvermögen, wie Reuters recherchierte.
Vielleicht lag das an der Braut? Auf Fotos identifizierten Zeugen später, wer für das andere K stand: Katerina Tichonowa – die jüngere Tochter von Wladimir Putin.
Seine Frau ist angeblich Putins jüngere Tochter: Kirill Schamalow.