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Built to last? Land-use history, ecological determinants, and land manager perspectives of regeneration of holm oak (Quercus ilex) dehesas
Wechselwirkungen zwischen Landnutzung, Biodiversität und Walderneuerung in einem traditionellen Agroforstwirtschaftssystem in Spanien
Tobias Plieninger
Als Gegenmodell zu der mit zahlreichen Umweltproblemen verbundenen hochproduktiven, spezialisierten und intensiven Landwirtschaft, wie sie in Mitteleuropa verbreitet ist, wird vielfach eine extensivere, weniger produktionsorientierte und diversifizierte Nutzung von Kulturlandschaften propagiert. Ein häufig zitiertes Beispiel für ein solches Landnutzungssystem sind die so genannten Dehesas auf der Iberischen Halbinsel – ein traditionelles Agroforstwirtschaftssystem, das Viehhaltung, Ackerbau und forstliche Nutzung von Stein- und Korkeichenbeständen umfasst und eine Fläche von rund 3.1 Millionen ha einnimmt. Ausschlaggebend für die langfristige Erhaltung der außergewöhnlich hohen Biodiversität der Dehesas ist eine erfolgreiche Verjüngung der Eichenbestände, deren Ausbleiben seit den 1950er Jahren dokumentiert ist. Das Ziel meiner Dissertation war es, am Beispiel einer typischen Dehesa-Region Strategien für die langfristige Erhaltung der Steineichenbestände zu entwickeln. Dazu wurde der Zustand der Verjüngung quantitativ erfasst sowie der mögliche Einfluss von Landnutzung und ökologischen Standortfaktoren untersucht. Die Dissertation besteht aus sechs Einzelstudien und basiert auf einem breiten Methodenspektrum, das eine historische Landschaftsanalyse, eine Verjüngungsinventur und eine schriftliche Befragung umfasst.
Die Untersuchung der Landschaftsgeschichte von 1700 bis 2000 ergab, dass die meisten Dehesas zwischen dem 18. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts durch Auflichtung von dichtem Hartlaubwald und Buschland entstanden sind. Techniken für die Verjüngung von Steineichen unter den Bedingungen systematischer Beweidung und Ackerbaus haben sich nicht historisch entwickelt, was zu dem so genannten «Verjüngungsproblem» geführt hat. Eine GIS-Analyse von drei Serien von Luftbildern und Orthofotos von 1956 bis 1998 zeigte, dass die Bestandesdichten vermutlich durch Einschlag von Steineichen, Bodenbearbeitung und fehlende Verjüngung deutlich zurückgegangen sind. In einer Verjüngungsinventur wurden alarmierend niedrige Dichten von Steineichen im juvenilen Stadium und Jungbaumstadium gemessen. Verjüngung trat räumlich geklumpt auf und war an spezifische Mikrohabitate wie Sträucher, Felsrippen und Altbäume gebunden. Die Gegenüberstellung der Beweidungsintensitäten mit den vorgefundenen Verjüngungsdichten ergab, dass die Schwellenwerte für eine Beweidung, die eine Verjüngung erlauben würde, niedriger als alle in den Dehesas vorgefundenen Werte liegen. Im letzten Schritt wurden die Leiter von privaten Großgrundbetrieben über ihre Einstellungen hinsichtlich der Verjüngung von Steineichen befragt. Diese zeigten eine hohe Wertschätzung für ihre Steineichen und eine starke Besorgnis um deren Erhaltung.
Die Arbeit zeigt eine Schwachstelle des gegenwärtigen Dehesa-Nutzungssystems auf, nämlich dass dieses zwar eine einzigartige faunistische und floristische Vielfalt hervorgebracht hat, jedoch nicht in der Lage ist, die Baumbestände dauerhaft zu erhalten. Damit ist das «Verjüngungsproblem» impliziter Bestandteil des Nutzungssystems. Es wurde aber auch festgestellt, dass die Bestände sich regenerieren, wenn ihre landwirtschaftliche Nutzung aufgegeben oder zeitweilig unterbrochen wird. Es gilt daher, das Nutzungssystem so weiterzuentwickeln, dass einerseits der Charakter der halboffenen Weidelandschaft erhalten bleibt und andererseits die Erneuerung der Waldbestände ermöglicht wird. Als Lösungsansatz des «Verjüngungsproblems» wird in der Arbeit die Förderung der Naturverjüngung durch Einrichtung eines rotierenden Systems von kleinflächigen Flächenstillegungen über ca. 25 Jahre vorgeschlagen. Das vorgefundene große Interesse der Landnutzer an einer Erhaltung der Steineichenbestände könnte dafür sorgen, dass solche Maßnahmen in der Fläche implementiert werden.