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Abendliche Stimmungen im Quartier.
Bilder per Klick vergrössern. 15. und 16. August 2018, a7riii + 50 mm f/1.4.
Neu: Bericht in der Zeit (Schweiz) vom Juni 2017 hier.
Das Quartier früher:
aus dem Bauinventar Länggasse 1988/96 (Download unter diesem Artikel):
Als Länggasse wird einerseits die Länggassstrasse, andererseits aber der gesamte Stadtraum nordwestlich der Altstadt verstanden. Der so benannte Stadtteil reicht von der Grossen Schanze bis zum Bremgartenwald - die hier vorhandenen Einzelbauten sind im Inventar erfasst - und von der stadträumlich markanten Bahnlinie Bern-Freiburg im Westen bis an die Engehalde im Osten. Das Gebiet wurde für die vorliegende Arbeit in die beiden Teile Vordere und Hintere Länggasse zerlegt. Die vordere Länggasse umfasst folgende Teilquartiere: Grosse Schanze, Stadtbach und Vordere Länggasse (inkl. Finkenhubel und Donnerbühl). Der Hintern Länggasse sind Muesmatt, Brückfeld, Neufeld, innere Enge, Engehalde und die Schützenmatte zugeordnet.
ZUR GESCHICHTE DES LÄNGGASSQUARTIERS VORGESCHICHTE
Das Gebiet ausserhalb der Stadtmauern
Nutzung: Bereits im Mittelalter wurde das Vorland der Stadt kultiviert. Nebst Ackerland und Allmende fanden sich entlang der Strassen und Wege Gärten und Scheunen der Stadtburger. Für den Südhang am Stadtbach und die Enge ist ausgedehnter Rebbau nachgewiesen. Die Be- wirtschaftung des Bodens erfolgte auf der Basis der Dreifelderwirtschaft durch die in der Stadt wohnenden Burger. Landwirtschaft wurde sehr oft als Nebenberuf betrieben. Die Verteilung des zur Verfügung stehenden Ackerlandes an die einzelnen Burger wurde durch das Los bestimmt. Wem dieses einmal Ackerland zugewiesen hatte, der behielt es in der Regel auf Lebzeiten. So konnte sich aus dem lebenslänglichen Nutzungsrecht Eigentumsrecht herausbilden. Hinzu kamen an Aemter gebundene Dienstäcker. Seit dem 16. Jahrhundert wurden die Losäcker wie persönliches Eigentum verpfändet, gekauft und verkauft. Seit dem 17. Jahrhundert ging das Interesse der Handwerker und GewerbIer am Ackerland eher zurück. Der Wochenmarkt wurde immer häufiger dem eigenen Acker vorgezogen. Andererseits begann das aufsteigende Patriziat, seinen Besitz ausserhalb der Mauern zu vermehren und
zu eigentlichen Landgütern zu arrondieren. Der Besitz konzentrierte sich immer mehr auf wenige einflussreiche Patrizierfamilien. Als die drei ZeIgen hauptsächtlich das Muesmattfeld und das Brückfeld durch das Einschlagen von Gütern und Beunden und durch Uebergang in Privateigentum für die allgemeine Nutzung immer undienlicher wurden, musste durch Rodungen das Viererfeld und schliesslich um 1730 das Neufeld neu erschlossen werden.
Erschliessung: Der Plan von Joseph Plepp (Abb. 1) gibt uns Auskunft über das Wegnetz im 17. Jahrhundert: Es existierte die Aarbergstrasse (Neubrückstrasse), die vom äusseren Aarbergertor über das Brückfeld zur Neubrücke führte. Von ihr zweigte bereits damals die Engestrasse im Bereich des heutigen Bierhübeli ab. Zwei Feldwege (offenbar zu jener Zeit schon "Leng Gassen" genannt) verliefen von den Schanzen stadtauswärts und liefen kurz vor dem Bremgartenwald zusammen. Entlang der Gräben der Grossen Schanze führte ein Weg. Der vor den Schanzen gelegene Platz (zwischen den Bastionen "Hohliebe" und "Grosser Bär") an der Kreuzungsstelle der Wege vom Bremgartenwald mit demjenigen entlang des Schanzengrabens wurde später zum Falkenplatz. Ob er aus "verkehrstechnischen" Gründen wegen der in schwierigen Winkeln aufeinander treffenden Wege oder möglicherweise als Werkplatz für den Schanzenbau angelegt wurde, bleibt offen. Die Pläne des frühen 18. Jahrhunderts zeigen erstmals die Länggassstrasse, ein Weg, der genau zwischen die beiden genannten Feldwege gelegt wurde. In der Folge schwand die Bedeutung der Feldwege und sie wurden allmählich aufgegeben. Letzte Spuren lassen sich an der heutigen Parzellenstruktur ablesen. Wie etwa der Riedinger-Plan von 1735
(Abb. 2) zeigt, existierte damals bereits eine zweifache Verbindung zwischen Länggassstrasse und Neubrückstrasse. Die eine verlief nördlich der Neufeldstrasse und die andere führte vom Falkenplatz leicht bogenförmig in die mittlere Neubrückstrasse. Letztere wurde später wieder aufgehoben und diente der Falkenburg als Zufahrtsstrasse. Alpeneggstrasse und Bierhübeliweg waren zu dieser Zeit bereits angelegt. Das Wegnetz erlebte bis zur Realisierung des Alignementsplanes nach 1873 keine grundlegenden Veränderungen mehr.
Bauliche Entwicklung: Eine Satzung vom Jahre 1338 untersagte den Wohnungsbau vor dem Oberen Tor und schrieb vor, dass - mit Ausnahme von einigen wenigen - alle dort bestehenden Wohnungen abzubrechen seien. Obwohl es gemäss der Stadtsatzung von 1539 und der erneuerten Gerichtssatzung von 1615 weiterhin verboten war, "Stuben" zu errichten, konnten diese längst nicht mehr verhindert werden. Die Burger versuchten aus ökonomischen Ueberlegungen, ihre Scheunen auszubauen und mit Hausleuten zu besetzen. Anstelle des generellen Bauverbots traten einschränkende Vorschriften. So wurde nebst einer allgemeinen Meldepflicht vorgeschrieben, welchen Burgern das Halten von Hausleuten zu gestatten sei oder welche Mindestbetriebsgrösse den Bau eines Wohnhauses zulasse. Die wenigsten der zunächst ausschliesslich burgerlichen Eigentümer bewohnten ihre Güter selbst. Die meisten hatten ihren Wohnsitz in der Stadt und verweilten nur im Sommer auf dem Land. Verschiedene der Besitzungen waren ursprünglich Sommerhäuser und wuchsen seit dem 17. Jahrhundert zu grossen von Pächtern bewirtschafteten Gütern.
Die Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts konzentrierten sich entlang der Stadtbachstrasse, der Länggassstrasse und der Neubrückstrasse und im Bereich Falkenplatz - Alpenegg. Es soll im folgenden der Versuch unternommen werden, einige dieser Besitzungen und Landgüter des 17. und 18. Jahrhunderts zu lokalisieren und deren Besitzergeschichte in Stichworten anzudeuten (Abb. 3).
Das Quartier heute:
Täglich kommen Tausende Hochschulangehörige hierher, Kommerz und Gastronomie sind darauf ausgerichtet, meist volle Busse bringen im Fünfminutentakt Leute aus der Stadt hoch und wieder zurück. Und während die zahlreichen Laubengänge die Altstadt unten auch bei Sonnenschein eindunkeln, wirkt das oberhalb gelegene Länggassen-Quartier licht und heiter.
Kenner rühmen neben der Länggasse auch den Breitenrain als Wohnquartier. Wer allerdings Wert auf Bahnhofnähe legt, wird der Länggasse den Vorzug geben. An der Länggassstrasse selbst, der Hauptschlagader des Quartiers, ist freilich kein schönes Wohnen, in den meisten Seitenstrassen hingegen schon. Ein starkes Zentrum hat sich inmitten des Quartiers, im mittleren Abschnitt der Mittelstrasse, gebildet. Generell sind die meisten täglichen Bedürfnisse hier fussläufig abgedeckt. Wer runter in die Stadt oder von weiter südlich zum nördlichen Bremgartenwald will, nimmt die angenehm kurz getaktete Buslinie 12, die von der Endstation Länggasse fünf Fussminuten vom Wald entfernt durch die Länggassstrasse über den Bahnhof und durchs grosse Rohr (Bärenplatz, Zytglogge, Rathaus, Nydegg, Bärengraben) bis hinaus zum Zentrum Paul Klee führt, sozusagen ein Fliessband, auf das man nur aufzuspringen braucht, um an irgendeinen der wichtigeren Orte der Stadt zu gelangen.
Die Auffahrt vom Bubenbergplatz zum Länggassenquartier. Links im Bild die "Welle", mit direktem Zugang zu den SBB-Gleisen.
Die Welle.
Zugang zum Länggassenquartier via die Grosse Schanze mit der Universität (heute: Juristische Fakultät), über dem Bahnhof Bern. Fotos: 3. Oktober 2017 nachmittags mit Sony A7RII und Zeiss Otus 28 mm.
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Im Winter: rund um den Falkenplatz und auf der Schanze:
19. Dez. 2017, a7rii mit Otus 28.
"Palazzo Prozzo", an der Länggassstrasse, Nähe Falkenplatz, Universität und Bahnhof. Unten links eine empfehlenswerte, gut besuchte kleine Crêperie, unten rechts ein bei der studentischen Bevölkerung des Quartiers beliebtes Café. Abends ist das Trottoir davor oft sehr belebt. Auf der anderen Strassenseite: Eingang zum Restaurant "Beaulieu" (auf dem Bild nicht sichtbar, siehe gleich hier unten den Fotowalk vom 20. Juni 2017, 1. Bild), währschafte Speisen, grosses, weiträumiges, etwas lautes Lokal, wo sich auch Mitglieder von Vereinen gerne treffen. Der Autor dieses Blogs wohnt in unmittelbarer Nähe.
Fotowalk abends im Quartier vom 20. Juni 2017. Länggassstrasse - Hallerstrasse - Gesellschaftsstrasse. Sony A7RII mit Otus 55.
Auffällig in diesem bei aller Gentrifizierungskritik sozial doch recht durchmischten Quartier sind die einladenden Restaurants mit zum Teil sehr schönen Gärten und Terrassen, über die hier au fur et à mesure, nämlich nach deren Besuch, eine Liste erstellt werden wird. Vorderhand können wir den blauen Engel schon mal empfehlen, sowie das Veranda.
Ein Veloladen an der Länggassstrasse. Anmerkung vom 21. Juni 2017: Das Bild unten zeigt bereits Vergangenes, denn dieses Velo-Geschäft wird derzeit geräumt.
Mittelstrasse, bei der Gelateria.
An den östlichen Rändern des Länggassenquartiers. 30. Mai 2017, 1Dx, 17 mm tse.
2017 11 02: mit a7rii und Otus 28 entlang der Mittelstrasse, vom Bierhübeli zur Länggassstrasse.
weiter den Rändern entlang gen Nord-Ost via Neufeld und Enge. Zu den Schrebergärten des Viererfelds siehe "Peripherie".
31. Mai 2017, nachmittags, Sony A7Rii, Loxia 50 mm.
zu den Unterkapiteln der Rubrik Länggasse:
- Pauluskirche.