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Mit dem Iter-Projekt soll die wissenschaftliche und technische Machbarkeit der Fusion zur Energieerzeugung gezeigt werden. Dass dies im Prinzip funktioniert, konnte 1997 in der europäischen Gemeinschaftsanlage JET (Joint European Torus) in Culham (Grossbritannien) demonstriert werden. In einer späteren Phase wird der Bau eines Demonstrationsreaktors ins Auge gefasst - eventuell gefolgt von kommerziell betriebenen Fusionsreaktoren.
Privilegierte Partnerschaft zwischen der EU und Japan
Der Verzicht Japansauf seinen Standort Rokkasho-Mura bringt dem Land Vorzugsbedingungen, die in einer gemeinsamen Erklärung festgehalten wurden. Die Hauptpunkte des Abkommens sind:
- Japan wird Hochtechnologie-Komponenten mit einem Wert von bis zu 20% der gesamten Finanzierungskosten des Iter-Projekts liefern, bei einem Finanzierungsanteil von 10%.
- Die EU wird Sach- und Geldbeiträge zu weiteren Forschungsprojekten in Japan beisteuern, die das ITER-Projekt im Rahmen eines «breiter angelegten Konzepts» ergänzen.
- Japan darf für das Iter-Projekt 20% des Personals stellen.
- Die EU wird eine «geeignete japanische Kandidatur» für den Generaldirektorenposten in der Iter-Organisation unterstützen.
- Einige der Aktivitäten des Iter-Hauptquartiers, wie beispielsweise Sitzungen des Iter-Rates, könnten in Japan durchgeführt werden.
- Sollte in einer späteren Projektphase Einigkeit darüber bestehen, dass ein Demonstrationsreaktor gebaut werden sollte, so wird die EU Japans Kandidatur unterstützen.
- Die EU schafft in Spanien eine neue Organisation, die Geld- und Sachbeiträge für die Iter-Organisation bereitstellt.
Kosten verteilt
Die für den Standort Cadarache auf EUR 4,57 Mrd. geschätzten Baukosten werden unter den Iter-Partnern nach folgendem Schlüssel aufgeteilt: Die EU trägt zusammen mit Frankreich 50% der Gesamtkosten, und die anderen fünf Partner übernehmen je 10%. Die Betriebskosten werden auf weitere rund EUR 5 Mrd. geschätzt, so dass das Iter-Projekt gesamthaft ca. EUR 10 Mrd. kosten wird. Diese Gesamtkosten verteilen sich über 30 Jahre aufgeteilt - davon 10 Jahre Bau- und 20 Jahre Laufzeit.
Langwierige Verhandlungen beendet
Die Verhandlungen über den Standort waren seit Dezember 2003 blockiert, so dass in technischen Belangen in der Zwischenzeit keine Fortschritte erreicht werden konnten. Von den sechs Iter-Projektpartnern setzten sich China, die EU und Russland für den Standort Cadarache ein, während Japan, Südkorea und die USA das japanische Rokkasho-Mura vorzogen. Anfangs 2005 gab die EU bekannt, dass sie, falls nötig, Iter auch ohne Unterstützung der anderen Partner in Frankreich realisieren werde. Im April 2005 kamen die EU und Japan überein, die Gespräche zu beschleunigen, um zu einer Einigung zu kommen.
Bei der Bekanntgabe des Entscheids am Treffen der sechs Partner in Moskau teilte die EU in einem Momorandum mit: «Dieses Abkommen markiert das Ende der Blockade zwischen den beiden alternativen Reaktor-Standorten. Es stellt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg dar, die Fusion als nachhaltige Energiequelle zu etablieren» Und weiter: «Jetzt, wo diese Streitfrage gelöst ist, können die technischen Arbeiten zur Vollendung des Abkommens in Angriff genommen werden. Wir hoffen, dass es für alle Parteien möglich sein wird, das Abkommen bis Ende Jahr zu unterzeichnen, damit Ende 2005 mit dem Bau begonnen werden kann.»
Standort Cadarache
Cadarache liegt rund 60 km von Marseille entfernt in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur. Derzeit ist es Sitz der Forschungsanlage Cadarache des französischen Commissariat à l'énergie atomique (CEA). Dieses Institut konzentriert sich auf Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Kernspaltung, um diese wirtschaftlicher, effizienter und sicherer zu machen. Zudem sucht es nach Wegen zur Verringerung der Abfälle und nach langfristigen Lösungen für die Abfallentsorgung. Auch wird auf den Gebieten Sonnenenergie und Mikrobiologie mit dem Ziel geforscht, biologische Verfahren zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung zu finden. Schliesslich ist Cadarache derzeit Standort des Tore-Supra, eines der bestehenden Zentren für Fusionsforschung.
Source
M.A. nach Iter, Gemeinsame Erklärung, 28. Juni 2005, und nach EU, Medienmitteilungen, 28. Juni und 3. Juli 2005
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