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Heiliggeist
Entlang des sich im Süden der Stadt erhebenden Hügelzugs «Bruderholz» führte ehemals eine römische Durchgangsstrasse zwischen Ergolztal und Sundgau: die heutige Güterstrasse. Der Name eines am Hügelrand Landbau treibenden Alemannen Gundolt blieb lebendig im Namen des Gebiets: Gundeli. Der Bahnbau des Centralbahnhofes 1860 und 1905-07 brachte auch Erschliessung und Bebauung durch eine Süddeutsche Immobiliengesellschaft. Das neuerbaute Quartier, das fast einmal den Namen „Mainzer Quartier“ erhalten hätte, wurde von Bähnlern, Pöstlern und vornehmlich beamtetem Mittelstand bewohnt. Darunter waren - verglichen mit der Stadtbevölkerung - überdurchschnittlich viele Katholiken. Diese verlangten nach einer eigenen Pfarrei und Kirche.
Sie wurde in den Jahren 1911/12 an der Kreuzung Güterstrasse/Thiersteinerrain erstellt: die Heiliggeistkirche. Den Auftrag erhielt 1904 der Basler Architekt Gustav Doppler. Diskussionen in der Baukommission führten zu einer Überarbeitung der Pläne durch den Freiburger Baudirektor Max Mechel. Dem Zeitgeist entsprechend baute man den Komplex mit Gotteshaus, Turm und durch Hofarkaden verbundenem Pfarrhaus im neugotischen Stile. Obwohl in die Reihenbebauung eingefügt, dominiert die Kirche die wichtige Strassenkreuzung, ja, von der Margrethenbrücke herkommend sieht man die spitze Turmhaube durch die ganze Güterstrasse wie einen Wegweiser.
Städtebaulich nicht unwichtig ist die riesige, von der Stadt gestiftete Turmuhr, Ausdruck einer rationalisierten Gegenwart, während die der Fassade vorgeblendete Bauplastik aus gelbem Vogesensandstein und das grosse Spitzbogen-Mittelfenster emotionale Züge aufweisen.
Der Haupteingang unter vorkragenden Arkadenbögen führt in den weitausladenden, dreischiffigen Innenraum mit sechs Arkaden. Auf der Empore über der Eingangspartie hebt sich eine bedeutende Orgel mit rundem, der Romantik nahestehendem Klang.
Die Heiliggeistkirche zeigt noch die aufgefrischten, aber ursprünglichen Wandmalereien, die in den Jahren 1920-25 Franz Schilling ausgeführt hat. Sie geben dem Kirchenraum eine eigene Atmosphäre. Vorgestellt werden heilige Männer wie Franziskus, Bemhard von Clairvaux, Dominikus, Benediktus und Ignatius, aber auch Franz von Sales und Bruder Klaus. In der Mitte der bei den Langschiffwände, hoch über den Heiligengestalten, sind die Fresken der Maria als Königin aller Heiligen und der lehrende Christkönig.
Auch der alte, aber renovierte, dem Heiligen Geist geweihte Hauptaltar steht heute noch vor der flachen Chorschlusswand. Bildhauer Joseph Dettlinger aus Freiburg i.Br. hat ihn und die beiden nicht minder erzählfreudigen Seitenaltäre, angeregt von den Altären des Meisters Tilman Riemenschneider, 1913 und 1914 in Holz figuriert und farbig gefasst. In verschiedenen Marien- und Josephs-Szenen lässt er seiner Vorstellungskraft freien Lauf. Im Marienaltar erscheint etwa neben St. Pantalus, dem angeblich ersten Basler Bischof, auch der Basler Münsterstifter Kaiser Heinrich mit dem Münstermodell in der Hand, aber zugleich ausgezeichnet mit dem erst Jahrhunderte später gestifteten «Hohen Orden vom Goldenen Vlies».
Doch ohne Häme: es gab eine Zeit, - und sie ist noch nicht so lange her-, da hat man in der Pfarrei Heiliggeist ernsthaft erwogen, diese pseudo-mittelalterlichen Flügelaltäre aus der Kirche zu nehmen und zu verramschen. Zum Glück hat man es nicht getan; wir Heutigen wissen das Zeithistorische wieder mehr zu schätzen, bei allen Vorbehalten über die rein künstlerische Qualität.
Aber zu Recht wurde ein anderes getan: In der Folge der vom Konzil geforderten Öffnung und Erneuerung von Gemeindegottesdienst und Liturgie hat man im Jahre 1975 den Kirchenraum neu geordnet. Die vorderen Reihen der frontal gerichteten Bänke wurden herausgenommen und durch Stühle ersetzt. Die Kirchgänger wenden sich nun von drei Seiten zum Altar, der auf einem ins Schiff vorgezogenen Podium steht. Der schlichte, hölzerne Altartisch und der Ambo sind Arbeiten des Schönenbucher Bildhauers Rene Küng.
So steht nun das würdige Gotteshaus Heiliggeist mit seinen Traditionen in unserer Zeit. Dies wird ganz evident auf der Aussenseite, dem Pfarrhaus und seinem Garten zu (wo die altehrwürdige Lourdes-Grotte verschwunden ist). Bei der Umgestaltung der Jahre 1981/82 durch Architekt Hanspeter Baur wurden geschwungene Rampen zum Seitentor geführt, um den Kirchzugang auch rollstuhlgängig zu machen. Unter den Eingangsarkaden zum Hof ist ein in den Boden eingelassenes Steinlabyrinth wie in alten Kathedralen Symbol für den Weg zur Mitte, auch in der Gottesbegegnung. Und eine als Ort für das Osterfeuer ebenfalls in den Boden eingelassene Steinplatte mit dem Bild eines Basilisken - dem Basilisken im Mittelgang des romanischen Basler Münsters nachgeformt - nimmt die nie verstummende Mahnung auf, dass auch heute noch, und heute vielleicht erst recht, die Dämonen überall lauem.