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«I mag nöma laufa …»
Mama, Papa, wie lange geht es noch? Mir ist so langweilig und ich mag nicht mehr laufen. Kann mich jemand huckepack tragen? «Bald sind wir da. Doch bis dahin musst du laufen», war die knappe Antwort von Mama, «und es war eh deine Idee, Murmina zu besuchen.» Mama lächelt. Da habe ich mir wohl selber ein Ei gelegt, aber meine Eltern sagen, dass Wandern easy und gesund ist. Sowieso jetzt, wo es Frühling und wärmer wird, und der Schnee schmilzt, ist es besser, draussen zu spielen und eben auch zu wandern. Zu Hause konnte ich nur diejenigen meiner Wildtierfreunde treffen, die im Wald den Winter verbrachten. Aber da wir eh unterwegs sind und ich Langeweile habe, kann ich euch auch etwas über Murmina erzählen.
Murmina? Ach ja, ihr wisst gar nicht, wer Murmina ist. Heute will ich, liebe Kinder, etwas über Murmina erzählen, die schon früher als «Alpenmaus» bekannt war. Hmmm … so klein wie eine Maus ist Murmina aber gar nicht. Jedenfalls ist sie mit keinem anderen Tier zu verwechseln. Sie und ihre Murmeltierfamilie bevorzugen die Alpenregionen oberhalb der Waldgrenze an sonnigen Hängen. Ihre Bauten liegen an trockenen Orten, auf Plateaus, in Geröllhalden, auf Kuppen und unter Steinblöcken. Im späten Herbst hätte ich mir die Mühe ersparen können, sie zu besuchen, weil die ganze Familie in der Winterzeit tief und fest schläft.
Bär und Katze?
Vater und Mutter von Murmina haben seltsame Namen. Sie werden Bär und Katze genannt, wohnen in selbst gegrabenen Bauten unter der Erde und leben in Familien in streng abgegrenzten Wohngebieten zusammen. Mama sagt, dass Anfang Juni zwei bis fünf Murmeltierbabys – auch Kätzchen genannt – geboren werden. Diese kleinen, herzigen, kleinen und putzigen Murmeltierchen wiegen bei der Geburt etwa 30 Gramm. Die Jungen werden sechs Wochen lang von der Murmeltiermama gesäugt und müssen danach während drei Monaten sehr viel fressen, bis sie das Mehrfache ihres Geburtsgewichts erreicht haben. Ja, sie müssen genügend Fettreserven anfressen, damit sie den nächsten Winter überleben können. Denn während des Winterschlafs verlieren sie nämlich 30 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts. Haben sie sich nicht genügend Fettreserven angefressen, überleben die armen Murmeltierkätzchen den Winter nicht. Die «schnusigen» Kleinen sind vom erwachsenen Murmeltier nur bei genauem Hinsehen zu unterscheiden. Der Nachwuchs hat einen kürzeren Kopf, die Stirn ist rundlicher und die Nase spitzer. Letztes Jahr erkannte ich Murmina auch an ihrer graublauen Fellfarbe. Mal sehen, wie sie jetzt im Frühling aussieht.
Von weitem ein lauter Schrei
«Pfiff, pfiff.» Von Weitem höre ich es. Das können nur Murmina und ihre Freunde sein. Ich freue mich mega, die ganze Familie richtig zu drücken. Doch bis wir dort sind, erzählt Mama, dass Murmeltiere schreien und dass sich das wie ein Pfeifen anhört. Sie sagt auch, dass Murmeltiere leider verschiedene Feinde haben. Besonders für die verspielten, unaufmerksamen Kleinen sind sie eine grosse Gefahr. Am meisten fürchten sie sich vor dem Steinadler und dem Fuchs. Aber auch Uhu, Sperber, Kolkrabe und Habichte können junge Kätzchen fangen und töten. Besonders für den Steinadler ist das Murmeltier im Sommer die Hauptnahrung. Oft liegt ihr Nest mitten im Murmeltiergebiet. Wenn eines der Murmeltiereltern eine Gefahr bemerkt, stösst es sofort einen schrillen Schrei aus, um seine Artgenossen zu warnen. Und eben dieser Schrei klingt wie ein lautes, durchdringendes Pfeifen, sagt Mama. Ich muss schon sagen, liebe Kinder, Mama und Papa wissen schon fast alles. Und was sie nicht wissen, lerne ich in der Schule. Also aufgepasst. In der Schule ist es manchmal langweilig, aber ich lerne für mein Leben gerne.
Endlich angekommen
Während Mama weiter erzählt, rennt Murmina auf mich zu. Ich bin froh, dass sie den Winter überlebt hat und eine richtige Murmeltierdame geworden ist. Ich habe so viel von Lepus, dem Hasen, von Mausi, der verwilderten Katze, und von James, meinem Hund, der immer in der Nacht schnarcht, zu erzählen, dass ein ganzer Tag gar nicht ausreichen würde. Aber ich lasse lieber Murmina erzählen und frage sie: «Was hast du den ganzen Winter gemacht?» Die einfache und knappe Antwort von ihr: «Geschlafen.» Wow, das ist mal eine Antwort.