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Das verrückte Leben des John McAfee ist zu Ende
Vom Anti-Viren-Pionier zum zweifachen Mordverdächtigten und international gesuchten Mann: John McAfee ist tot.
«Verdammt, ich lebe ein aufregendes Leben. Manchmal ist es zu aufregend. Aber das passiert halt, wenn man auf der Klippe lebt, was ich gern tue, denn dort macht man die meisten Entdeckungen. Ich bin ein neugieriger Mensch, aber manchmal falle ich herunter.»
Diese Worte sagte John McAfee 2013 in einem Interview mit der «South China Morning Post», ein Jahr nach dem wohl ereignisreichsten Jahr eines sehr ereignisreichen Lebens. McAfee wurde mit der von ihm erschaffenen Anti-Viren-Software reich und berühmt, doch machte in den letzten Jahrzehnten mit sehr vielen anderen Dingen weltweit Schlagzeilen. Jetzt ist er gestorben.
Millionen dank Anti-Viren-Software
John McAfee, geboren 1945 als Sohn eines Amerikaners und einer Britin auf einer US-Basis in England, erkannte früh sowohl die Gefahr als auch das Geschäftspotenzial von Computer-Viren. Als sich 1987 mit «Brain» der erste auf PC spezialisierte Virus verbreitete, gründete er McAfee Associates, einen der ersten Anti-Viren-Programm-Hersteller der Welt.
Die Firma wuchs rasant. Schon 1992 kaufte mehr als die Hälfte der 500 grössten amerikanischen Unternehmen McAfee-Software. Nach dem Börsengang 1994 zog sich McAfee allerdings komplett aus dem Unternehmen zurück, er verkaufte seine Anteile für rund 100 Millionen Dollar.
McAfee distanzierte sich von Firma
McAfee — die Firma — wurde später von Intel aufgekauft. Beide Seiten versuchten sich später voneinander zu distanzieren. Intel, in dem es den Namen änderte, und McAfee, in dem er in einem bizarren YouTube-Video erklärte, wie man McAfee Anti-Virus deinstalliert.
Das 2013 veröffentlichte Video zeigt McAfee beim simulierten Konsum von exzessiven Mengen an Kokain und sexuellen Handlungen mit Prostituierten. Es spielt damit auf die Ereignisse des vorherigen Jahres an, auf McAfees Erfahrungen im zentralamerikanischen Belize.
Nachbar wurde umgebracht
Die Weltwirtschaftskrise 2007/2008 hatte McAfee schwer getroffen. Seine zahlreichen Immobilien-Investitionen verloren rapide an Wert, sein Vermögen soll von 100 auf «nur» noch 4 Millionen geschrumpft sein. Also nichts wie ab nach Belize, wo er sich einen Neustart erhoffte.
Er bezog ein Anwesen in Orange Walk Town, im Norden des Landes. Die Behörden verdächtigten ihn, massenhaft Drogen herzustellen, aber eine Razzia im April 2012 brachte nichts Stichhaltiges an den Tag. Sein Nachbar Gregory Faull war ebenfalls Amerikaner und soll sich mehrfach über McAfees Hunde beschwert haben. Die Hunde wurden im November 2012 vergiftet und McAfee soll Faull verantwortlich gemacht haben. Der Nachbar wurde daraufhin von seiner Haushälterin erschossen aufgefunden.
Der Verdacht fiel natürlich sofort auf McAfee, der zu einer spektakulären Flucht aufbrach, die von Journalisten begleitet wurde. Er landete im benachbarten Guatemala, wo er zunächst festgenommen wurde. Doch er täuschte einen Herzinfarkt vor und wurde in die USA statt nach Belize abgeschoben.
Für den Mord verantwortlich gemacht
Vor einem Gericht in Belize musste sich McAfee nie verantworten. 2018 wurde er in einem Zivilprozess in den USA für den Tod von Faull verantwortlich gemacht und zur Zahlung von 25 Millionen Dollar an dessen Hinterbliebene verurteilt. Auch eine 2016 veröffentlichte Fernseh-Dokumentation namens «Gringo: The Dangerous Life of John McAfee» kommt zu dem Schluss, dass McAfee den Mord an Faull in Auftrag gegeben habe und auch für die Tötung eines zweiten Mannes verantwortlich sein soll.
Zurück in den USA lief es zunächst besser für McAfee, von einer Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer mal abgesehen. 2016 kandierte er für das Präsidentenamt, scheiterte aber im Vorwahlkampf der Libertarian Party. Vor allem fand er eine neue Beschäftigung und Einnahmequelle: Kryptowährungen.
Betrug mit Kryptowährungen?
2017 tweetete McAfee, dass Bitcoin drei Jahre später 500'000 Dollar wert sein würde. Falls nicht, würde er seinen Penis live im Fernsehen essen. Die Vorhersage trat nicht ein, sein Versprechen hielt er allerdings auch nicht.
Stattdessen machte er als Fürsprecher diverser anderer, eher suspekter Kryptowährungen Geld. Das wurde ihm zum Verhängnis. Die US-Regierung warf ihm vor, zum einen keine Steuern auf seine Einnahmen gezahlt zu haben und zum anderen mit seinen Kryptowährungen auch Anleger betrogen zu haben.
Auslieferung war beschlossene Sache
Doch bevor ein Haftbefehl erlassen werden konnte, flüchtete McAfee Anfang 2019 in einer Yacht und schipperte erst einmal durch die Karibik. Schliesslich landete er in Europa.
Dort behauptete er etwa, in Norwegen verhaftet worden zu sein, weil er entgegen der Corona-Vorschriften eine Unterhose statt einer Maske auf dem Gesicht trug. In Wahrheit war ihm einfach nur die Einreise nach Deutschland verboten worden. Im Oktober 2020 wurde er dann in Spanien verhaftet.
John McAfee wurde gestern tot in seiner Zelle in einem Gefängnis im katalanischen Sant Esteve Sesrovires aufgefunden, nachdem ein spanisches Gericht seine Auslieferung an die USA genehmigt hatte. Die Behörden gehen von einem Suizid aus. Er wurde 75 Jahre alt.
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