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Pyrrolurie - Geschichte und Stand der Forschung
Aus Symptome, Ursachen von Krankheiten
Ergänzungsartikel
Malvarie und und Kryptopyrrolurie
Die Geschichte der Pyrrolurie begann mit der Suche nach einer Substanz zur Erklärung der Schizophrenie. Im Urin von Probanden, die eine experimentelle LSD-Psychose durchmachten, wurde 1959 eine abnorme chemische Substanz gefunden, die im Papierchromatogramm einen malvenfarbenen Fleck erzeugte. Mehrere Forscher wiesen diesen "Malvenfaktor" in den folgenden Jahren bei einem großen Teil der untersuchten Menschen mit Schizophrenie oder anderen psychiatrischen Symptomen, in geringeren Anteilen auch bei verhaltensgestörten Kindern und Menschen ohne psychische Symptome nach und nannten die Erscheinung "Malvarie".
Irvine identifizierte 1969 die chemische Struktur des "Malvenfaktors" als Kryptopyrrol (2,4-Dimethyl-3-Ethylpyrrol) und wurde darin 1970 von Sohler, dem leitenden Chemiker in Pfeiffers Brain Bio Center, bestätigt. So entstand die Bezeichung Kryptopyrrolurie. Pfeiffer und Iliev stellten 1973 fest, dass Kryptopyrrol durch Komplexbildung einen starken Vitamin B6- und Zinkverlust hervorruft. Ab 1974 wurden im Brain Bio Center zahlreiche "pyrrolische" schizophrene Patienten mit Zink und hohen Dosen von Vitamin B6 behandelt, mit teilweise erstaunlichen Erfolgen. Sohler und andere entwickelten in dieser Zeit ein einfaches photometrisches Screening-Verfahren zum Nachweis von Pyrrolen unter Anwendung von Ehrlichs Reagenz, das auch heute noch zum Nachweis von Kryptopyrrol im Urin (KPU-Test) angewandt wird.
Widersprüchliche Forschungsergebnisse
Die in den folgenden Jahren veröffentlichten Forschungsarbeiten zur Pyrrolurie kamen unter Verwendung unterschiedlicher Analysemethoden zu unterschiedlichen Aussagen, vor allem hinsichtlich
So kamen Sohler, Holsztynska und Pfeiffer 1974 zu dem Schluss, dass der KPU-Test verschiedene Pyrrol-Metaboliten misst und insbesondere eine äußerst sensitive Untersuchung auf Urobilinogen ist, das auch den Hauptanteil der mit Ehrlichs Reagenz reagierenden Stoffe im Urin "malvenpositiver" Patienten ausmacht. Diese schieden offensichtlich erhöhte Mengen verschiedener freier und gebundener Pyrrol-Metaboliten wie Urobilinogen, gebundenes Kryptopyrrol und in manchen Fällen Coproporphyrin aus, jedoch kein freies Kryptopyrrol. Das von Irvine ursprünglich mit seiner Kohle-Absorptionsmethode nachgewiesene freie Kryptopyrrol entstehe möglicherweise durch den Zerfall von gebundenen Formen während des Analyseprozesses. Irvine dagegen korrigierte sich selbst 1978 dahingehend, dass es sich bei dem gefundenen Stoff nicht um Kryptopyrrol handele, sondern um Hydroxy-Hemopyrrolenon (2-Hydroxy-4-Ethyl-2,3-Dimethyl-delta3-Pyrrolen-5-One), auch bezeichnet als alpha’-Hydroxyhemopyrrol-alpha-Lactam (HPL).
Neuere Forschung
Seit 1993 finden am niederländischen Institut KEAC unter Leitung des Biochemikers Dr. Kamsteeg Forschungen zur Pyrrolurie statt. Neben einer Analyse der bestehenden Literatur wurde dort eine klinische Studie mit ca. 3000 Patienten, in der Mehrzahl Frauen, durchgeführt. Die Forschungen führten im Jahr 2000 zu dem Ergebnis, dass " der tatsächliche 'Bösewicht' im Urin nicht nur die chemische Verbindung Kryptopyrrol war, sondern ein Komplex von Verbindungen, wovon Kryptopyrrol ein Teil ist. Im Jahre 1980 hatte der amerikanischer Forscher A. Gorchein in der Zeitschrift 'Clinical Science' schon aufgeworfen, dass es sich nicht nur um eine Verbindung handelte, sondern um einen Komplex. Exakt 20 Jahre später konnte diese Annahme durch Dr. Kamsteeg bestätigt werden und der wichtigste Komplex (der Hämopyrrolaktam-Zink-Chelat-Komplex) identifiziert werden." Kamsteeg entwickelte ein eigenes Testverfahren, den HPU-Test und prägte die Bezeichnung Hämopyrrollactamurie (HPU). Der KPU-Test nach Sohler bestimmt nach seiner Ansicht die Gesamt-Pyrrole und darüber hinaus - aus messtechnischen Gründen - weitere Verbindungen. Dabei handele es sich um Stoffe, die leicht aus Porphyrinen entstehen können und auch bei gesunden Menschen bei Einnahme bestimmter Medikamente, Nahrungs- und Genussmittel vermehrt im Urin zu finden sind. Des weiteren erwähnt Kamsteeg (Quelle: Forumsbeitrag von Frau L. Quoos vom KEAC Deutschland) Kresole, Thiazole, Imidazole und Pyrazole. Die mitgemessenen Stoffe korrelieren nach Kamsteegs Aussage nicht mit Pyrrolurie, bilden demnach eine Fehlerquelle in der Pyrrolurie-Diagnostik, die sowohl zu falsch negativen als auch zu falsch positiven Ergebnissen führen kann. Der durch den HPU-Test bestimmte HPL-Zink-Chelat-Komplex dagegen sei in hohem Maße spezifisch für Pyrrolurie, da er - so weit bisher bekannt - nur durch eine Störung in der Hämsynthese oder durch Oxidation von Arachidonsäure durch Gewebeaddukte entstehen könne. Wegen der engen linearen Beziehung zwischen beiden Labortests sei die Wahrscheinlichkeit dennoch recht hoch, übereinstimmende Ergebnisse zu erhalten.
Beide Bezeichnungen, KPU und HPU, werden heute noch verwendet, es existieren verschiedene Testverfahren und der Test nach Sohler wird nach wie vor als Kryptopyrrol-Test bezeichnet.
Quellen
Relevante Wiki-Artikel
Kritik