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In der Geschichte der Psychoanalyse scheint das Konzept der Phantasie einen polarisierenden Einfluss auf die prominentesten Autoren und Schulen ausgeübt zu haben. Freud, Melanie Klein und ihre jeweiligen Nachfolger betrachteten Phantasie als ausserordentlich bedeutsam, zuweilen bedeutsamer als interpersonelle Beziehungen. Dagegen wird Phantasie in der Arbeit John Bowlbys und der Tradition der Bindungstheorie weitgehend vernachlässigt, und zwar zu Gunsten der frühen Kind-Pflegeperson-Beziehung und Traumatisierungen. Ich versuche, mit der Darstellung einer fünf Jahre dauernden Psychoanalyse im liegenden Setting an diese Kontroverse anzuknüpfen. Bei dieser zeigte sich, wie frühe Vernachlässigungserfahrungen der Patientin untrennbar von ihren Bindungsmustern, sexuellen Phantasien, und der Wahl ihrer Liebesobjekte waren. Diese Arbeit führt mich zur Schlussfolgerung, dass theoretische Polemiken die klinische Realität nicht abbilden. Ein Psychoanalytiker scheint kontinuierlich sowohl in ein «Trieb-Modell» als auch in ein «Trauma-Modell» verwoben zu sein.