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Was hat eine Kokosnuss mit dem alten Uznach zu tun? Die Antwort lässt sich bei einem Ratsbecher finden, der im Museum Uznach steht.
von Florian Horschik
Im Jahr 1627 gab es in Uznach noch 16 Ratsbecher, von denen später zwei eingeschmolzen und drei verschenkt wurden, sodass 1798 noch elf Ratsbecher vorhanden waren. Die Ratsbecher waren ein Teil des Ratssilbers von Uznach, das der Burgerschaft gehörte. Heute ist vom Ratssilber nur noch ein Ratsbecher übrig. Dieser ist aus einer Kokosnuss gefertigt, hat eine Höhe von 26,5 cm und ist von einer vergoldeten Silberfassung umgeben. Zwei gegossene Spangen mit Hermen (Pfeilschaften mit einem aufgesetzten Kopf und Frauenoberkörper) umfassen die Kokosnuss. Die Oberfläche der Schale wurde nur leicht poliert, ansonsten naturbelassen. Der Becher wurde um 1600 von einem Rapperswiler Goldschmied in sorgfältiger Arbeit hergestellt und weist als Beschauzeichen eine viermalige Stempelung auf, ein Meisterzeichen fehlt dagegen.
Ein Bürger ist nicht gleich Burger
In der Renaissance und im Barock war es bei Fürsten und vielen edlen Stadtleuten Mode, dass man für die Sammlung der eigenen Schatzkammer eine Kokosnuss in vergoldetem Silber führte. Die Kokosnuss galt in dieser Zeit als etwas Exotisches; arabische Händler brachten sie von Madagaskar nach Ostafrika, von dort aus gelangte sie nach Europa. Es war ein Privileg der Burger, diesen edlen Kokosnuss-Ratsbecher in ihrem Besitze zu wissen. Wer waren die Burger, und welche Bedeutung hatte die Burgerschaft? In Uznach gibt es Bürger und Burger. Mit Bürger ist der Ortsbürger gemeint, der zur Ortsgemeinde, dem eigentlichen Heimatort, gehört. Der Burger hingegen ist ein Teil der Burgerkorporation, der früheren Burgerschaft. Der Ursprung dieses Sonderfalls ist im 15. Jahrhundert zu suchen. 1438 starb der letzte Toggenburger Graf Friedrich VII., der kinderlos blieb. So kam es bei der Verteilung des Toggenburger Erbes zum Streit. Zu diesem Erbe gehörten auch die Stadt und Landschaft Uznach. Die Orte Zürich, Schwyz und Glarus machten sich Hoffnungen auf Gebietsvergrösserungen, woraus der Alte Zürichkrieg (1436–1450) entstand. Stadt und Landschaft Uznach gelangten schliesslich an die beiden Brü- der und Freiherren Hildebrand und Petermann von Raron VS, die mütterlicherseits mit den Grafen von Toggenburg verwandt waren. Uznach bekam 1439 von den Freiherren von Raron zwei Freiheitsbriefe. Einen für «Schultheiss, Räte und Burger von Uznach und die, die in derselben Stadtmarchen (Stadtgrenzen) gesessen sind», und einen für diejenigen vom «Uznacher Berg mit den Tagwen (Dörfern) und Höfen Rüeterswil (St. Gallenkappel), Lenzikon (Eschenbach), Gebertingen (Ernetschwil) und Oblinden (Goldingen)». Mit «Uznacher Berg» war nicht die 1268 zerstörte Burg Uznaberg gemeint, sondern das Hügelland von Schmerikon bis hinauf nach Goldingen und Walde. Schmerikon selber erhielt seinen Freiheitsbrief erst 1442, weil es zuvor zum gegnerischen Zürich gehalten hatte. In der alten Grafschaft Uznach bestand zwischen der Stadt und den umliegenden Dörfern das Recht der freien Einsitznahme. Die Burger waren die Nachfahren alter Familiengeschlechter. Nach geltendem Gesetz ist die Burgerkorporation auch ein Teil der Ortsgemeinde. Somit sind alle Burger zugleich auch Ortsbürger. Noch heute besitzt die Burgerkorporation Uznach fast 40 Prozent des Bodens der Gemeinde. Der Ratsbecher kann im Museum Uznach an der Zürcherstrasse 28 betrachtet werden.