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Die Jungen sind nicht faul, sie sind ausgebrannt
Die jungen Menschen von heute sind intelligent und freundlich, aber sie sind überarbeitet und ausgebrannt. Sie leiden unter hohen Erwartungen und steigendem wirtschaftlichem Druck.
Dr. Sara Konrath ist Sozialpsychologin an der Indiana University und untersucht, wie sich soziale und emotionale Eigenschaften bei amerikanischen Jugendlichen im Laufe der Zeit verändern. Sie ist in ihrer Forschung zu folgenden Erkenntnissen gekommen.
Die jungen Amerikaner nicht weniger intelligent als frühere Generationen. Im Gegenteil: Die IQ-Werte sind im letzten Jahrhundert kontinuierlich gestiegen, in den USA um drei Punkte pro Jahrzehnt.
Die Selbstbeherrschung ist besser geworden. Zwei kürzlich durchgeführte Studien haben ergeben, dass die Kinder von heute in der Lage sind, länger auf Belohnungen zu warten als Kinder in früheren Jahrzehnten.
Die jüngere Generation ist keineswegs fauler als früher. Amerikanische Kinder verbringen mehr Zeit in der Schule, haben einen vollen Zeitplan und weniger Freizeit als früher.
Aber: die Kinder sind ausgebrannt. Das zeigt Sara Konrath in ihrem demnächst erscheinenden Buch «Culture of Burnout: American life in an age of increasing expectations» (Oxford University Press).
Das erste Symptom von Burnout ist emotionale Erschöpfung. Seit Beginn der jährlichen nationalen Erhebungen der American Psychological Association im Jahr 2007 berichten jüngere Generationen über zunehmenden Stress. Seit den 1980er Jahren geben sie auch an, sich zunehmend überfordert zu fühlen. Und sie zeigen vermehrt psychische Symptome wie Depressionen und Angstzustände.
Das zweite Symptom von Burnout ist Zynismus oder geringes Vertrauen in andere. Der Anteil der jungen Amerikaner, die der Meinung sind, dass Menschen grundsätzlich gut und vertrauenswürdig sind, ist markant zurückgegangen. 1972 gaben 32,1 Prozent der 18- bis 25-Jährigen an, anderen zu vertrauen, 2018 waren es noch 15,4 Prozent, weniger als die Hälfte. Dies ist ein besorgniserregender Trend, denn Vertrauen ist nicht nur die Grundlage guter Beziehungen, sondern der Demokratie an sich.
Das letzte Symptom von Burnout ist das Gefühl, wenig zu leisten oder nicht selbstwirksam zu sein. In den letzten Jahren ergaben Erhebungen, dass amerikanische High-School-Schüler eher glauben, dass die ihre Pläne ohnehin nicht aufgehen und sie keine Chance haben, im Leben erfolgreich zu sein. Und dies trotz höherer Intelligenz, mehr Selbstbeherrschung und härterer Arbeit.
Warum sind die Jungen zunehmend ausgebrannt? Die Burnout-Gleichung beinhaltet zu viele Erwartungen und Anforderungen sowie zu wenig Ressourcen und Unterstützung. Diese steigenden Anforderungen sind sowohl intern – z.B. unrealistische Bildungsziele und Perfektionismus – als auch extern: mehr Wettbewerb, steigende Kosten, sinkende Löhne.
Diese Anforderungen verleiten junge Menschen zu einer ökonomischen Gewinnorientierung und einer Monetarisierung des Verhaltens. Sie haben das Gefühl, immer «on» zu sein und sich nie richtig entspannen zu können.
Quelle:
Sara Konrath: «I study America’s youth. Here’s what I found». 2.9.2022
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