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Benedetta Tagliabue
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Benedetta Tagliabue currently serves as director of Miralles Tagliabue EMBT, founded in 1994 with Enric Miralles in Barcelona and based in Shanghai since 2010. She also directs the Enric Miralles Foundation.
Among her most notable built projects are the Edinburgh Parliament, the Diagonal Mar Park, the Santa Caterina Market, the Vigo University Campus, and the Spanish Pavilion for Expo Shanghai 2010.
In 2004 she received an honorary doctorate from Edinburgh Napier University in Scotland, and she recently won the 2013 RIBA Jencks Award.
Tagliabue studied at the Istituto di Architettura di Venezia. She has been a visiting professor at Harvard University, Columbia University, and the ETSAB in Barcelona, lecturing regularly and participating in juries around the world.
Date of presentation29 Apr, 2014
Further InformationCV Benedetta Tagliabue
Review - Sedimente des Entwurfs
Benedetta Tagliabue, geboren in Mailand, studierte bis Ende der Achtzigerjahre in Venedig. Mit ihrer herzlichen italienischen Art zeigt sie einen Kurzabriss ihrer Arbeit, zeitlich beginnend in der Hochprosperitätsphase Spaniens im Jahre 2003.
Angefangen bei einem geplanten Stadtumbau, verbunden mit umfassendem Rückbau und Wiederaufbau eines vollständigen Quartiers, erklärt Tagliabue die ersten Schritte des Entwurfsprozesses als collagehaftes Denken in Bild und Plan. Die Unmittelbarkeit und Direktheit ihrer Ansätze zeigen die untrennbare Einheit von Entwurf und dem Architekten als Person, insbesondere aus dem Grund, dass der beschriebene Stadtumbau in nächster Nähe zum Büro von EMBT (Enric Miralles - Benedetta Tagliabue) hätte stattfinden sollen und somit konkrete Veränderungen am eigenen Erfahrungsraum des Ortes bedeutet hätte. Ohne eigentlichen Auftrag begannen sie den Stadtraum in Modell und Plan neu zu denken und sozial bedeutsame Räume wie den angrenzenden Markt zu transformieren und in einen lebendigen Stadtteil umzudeuten. Die architektonische Arbeit wird damit in einen Status gehoben der über eine reine Dienstleistung hinausgeht – lokale Gebundenheit und ein subtiler Optimismus stehen am Ursprung des Projekts.
Auf formaler Ebene lässt sich ein besonderes Interesse an Bauskulptur erkennen. Immer wieder verweist Tagliabue die Wichtigkeit der Arbeit im Modell zur Überprüfung von Volumetrie und Form – stets motiviert durch eine sehr intuitive und teils metaphorische Art des Denkens. Diese überzeugte Eigenständigkeit, eine Haltung die durchaus als unreferenziell bezeichnet werden könnte, macht die Einordnung von EMBT in die zeitgenössische spanische Architektur so schwierig, unterstreicht aber auch die Wichtigkeit ihrer Arbeit, wie Hubert Klumpner einleitend bemerkt. So evoziert diese vielkulturelle Art des Entwerfens eine Art Allgemeingültigkeit und trägt durch seine Handwerklichkeit gleichzeitig die Eigenschaften des Lokalen in sich.
Die tatsächliche Umsetzung des im Grunde auftragslosen Projekts ist ein weiterer Hinweis auf die enorme freigesetzte Energie auf architektonischer wie auch auf politischer Ebene – eine Energie, die aufgrund Tagliabues charismatischer Präsenz als durch und durch glaubwürdig erscheint. Die Grossform des Daches überspannt nun stützenfrei den Marktraum und macht den Ort auf verschiedenen Ebenen sichtbar. Jedes Element des architektonischen Konstrukts wird als diskretes Element des Entwurfs behandelt: Sämtliche Stützen sind in ihrer Formulierung skulptural eigenständig wie auch im Verhältnis zum Ganzen Teil einer übergeordneten Logik des Fügens; Themen, die wir auch in den im Folgenden erklärten Bauten wiedererkennen und der spezifischen Linguistik von EMBT zuzuschreiben sind. Werden im Expo-Pavillon in Shanghai geflochtene Elemente, Fischschuppen nicht unähnlich, als Aussenverkleidung verwendet und an einem Stahlunterbau befestigt, so sind es beim Parlamentsgebäude in Edinburgh auffällige Fensterelemente, die jedem Abgeordneten einen Raum zuweisen. So verschwimmen immer wieder die Grenzen zwischen Skulptur, Symbolik und Funktion und machen aus den Projekten ein komplexes Ganzes, gezeichnet durch die differenzierten Sedimentschichten des Entwurfsprozesses. Die Strategie des Mischens wird hiermit zu einer schlagkräftigen Methodik.
Wiederholt taucht der schicksalsschwere Verlust Miralles’ in den Erzählungen von Benedetta Tagliabue auf, meist als Inspirationsquelle und Vordenker einer architektonischen Haltung. So hat wird man oftmals in der Wahrnehmung bestätigt, dass die Architektin die Fähigkeit besitzt, aus dieser fraglos erschütternden Erfahrung eine beeindruckende positive Energie zu schöpfen. Nur schon dazu verdient sie unser aller Respekt.
Samuel Aebersold