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Die Autobahn in die Armut für viele ist gebaut. Sie ist breit und hat, vorerst, nur ein schwaches Gefälle. Wer sie benutzt, sieht die Gefahr nicht, die von ihr ausgeht. Wer nicht gegensteuert, wird in einer Generation arm sein.
Es gibt eine Geschichte aus dem Mittelalter. Der Vorgang ist immer der gleiche:
Der Fürst fragt seinen Meier (Gutsverwalter): „Warum stehen die Bauern mit Sensen und Prügeln vor den Toren meiner Burg? Haben wir ihnen einen Grund gegeben?“
Der Meier antwortet: „Euer Gnaden, Sie haben den Auftrag gegeben, die Ernte rascher einzubringen, damit sie nicht verdirbt. Deshalb befahl ich ihnen, gleich zwei Säcke statt eines Sackes, wie bisher, in die Scheune zu tragen.“
Der Fürst zum Meier: „Du bist ein Dummkopf, und ich werde Dich aus meiner Burg jagen lassen, wenn Du das noch einmal tust.“
„Man verdoppelt die Last nicht, wenn die Bauern schon schwer tragen, sondern erhöht die Last langsam, Schritt für Schritt. Gehe hinaus und sage ihnen, der zweite Sack dürfe halb so gross sein wie der erste.“
So geschah es, und die Bauern beruhigten sich. Sie schleppten jetzt anderthalb Säcke auf einmal und lobten ihren Herrn wegen seiner Güte.
Wir leben nicht mehr im Mittelalter; das war vor 600 Jahren. Aber die Last, welche der Schweizer Mittelstand jetzt und in den kommenden Jahren an Steuern und Abgaben wird tragen müssen, hat bereits sprunghaft zugenommen.
Während die Saläre in der Privatwirtschaft kaum noch steigen, ist die Inflation in der Schweiz offiziell auf ein Prozent angestiegen. Die enger gefasste Konsuminflation, worunter die Haushalte leiden, ist im Begriff, auf zwei Prozent zu steigen.
Dazu kommen, zunehmend, von der Nationalbank verordnete Minussteuern von 0,75%.
Das bedeutet: Wer 300’000 Franken über dem Freibetrag auf der Bank liegen hat, um in Form der Dritten Säule sein Alter zu finanzieren, verliert noch in diesem Jahr rund 2’500 Franken, welche seine Hausbank bei ihm einzieht.
Bei einem dreifachen Millionär sind es schon 25’000 Franken jährlich.
Dazu kommen 1 bis 2% Inflation, je nach Lebenswandel und Einkaufsgewohnheiten. Macht weitere 3’000 bis 6’000 Franken pro Jahr oder total rund 700 Franken pro Monat, um die sein Vermögen schmilzt. Ganz wie die Gletscher in unseren Alpen.
Die Schweizerische Nationalbank kassiert ihre Sondersteuer schon seit über fünf Jahren. Jetzt kommt noch die Inflation hinzu. Das ist für viele, oft auch ältere, Menschen, die das Aktiengeschäft nicht kennen, eine Fahrt in den Abgrund.
Es ist kein Trost, dass die Verluste in der Euro-Zone und in den USA noch viel grösser sind. Die EU meldet offiziell zwei Prozent Inflation, die USA bereits 4,2%.
Unsere Fachleute nennen dies „Financial repression“. Wir haben sie auch in der Schweiz, auch wenn viele den Ausdruck noch nie gehört haben.
Wer reicher ist als der Durchschnitt, flüchtet seit Jahren in die Immobilien. Doch überall im Land bleibt es am Abend dunkel hinter den Fenstern. Die Wohnungen sind unvermietet geblieben.
Bitcoin, Etherum und weitere 6’000 Kryptowährungen sind gegenwärtig die neuen „Tulpen aus Amsterdam“, angetrieben von Spekulanten aller Art bis hin zum US-Unternehmer Elon Musk.
Schwarzgeld und Mafia-Gelder aus allen Kontinenten werden dort gewaschen.
Die meist jüngeren Mitspieler rechnen sich, gemessen an den laufenden Kursen, reich. Wer im richtigen Augenblick aussteigt, kann es schaffen.
Wie beim Lotto oder Toto, sind die meisten Verlierer.
Es geht um Fluchtwege vor der Minussteuer und der rasch steigenden Inflation.
Engagements in Kupfer, Wasserstoff-Jungfirmen, die in zehn Jahren Erträge versprechen, oder US-Kommunalanleihen sind nicht für jedermann geeignet.
Wer Anleihen von Schwellenländern oder nachrangige Anleihen kauft, macht nur die Banken reich.
Der private Anleger ist immer entweder zu jung, um zu begreifen, was mit ihm gespielt wird, oder er ist zu alt und sollte ab 70 Jahren sehr vorsichtig investieren.
Einmal verlorenes Geld kommt selten wieder, wie die Fälle Madoff, Behring, Wirecard, Greensill und viele andere beweisen. Die Banken haben dort den Einstieg empfohlen und sich bei Verlusten verabschiedet.
Die Banken haben ein gutes Gewissen. Sie empfehlen die breite Streuung der Spargelder, um die Risiken zu senken. Das sagt sich gut, aber wie will ich mit meinen letzten 50’000 Franken die Risiken streuen? Das kostet viel Geld und ist letztlich sinnlos.
Wer nicht deutlich über „eine halbe Kiste“, das heisst 0,5 Millionen, einsetzen kann, verdient damit kaum Geld. Zufälle einmal ausgenommen.
Während das Rennen in den Abgrund schon gefahren wird, schweigen Wirtschaftsminister Parmelin und Finanzminister Maurer zu dieser eher traurigen Entwicklung.
Auch im Parlament in Bern will noch niemand begriffen haben, was sich zusammenbraut. Die Politiker haben nichts in der Hand, um das Monopol der Nationalbank und das Zinskartell der Banken zu brechen.
Sie verstecken sich hinter der Vermutung, dieser Inflationsanstieg sei nur kurzfristig, maximal drei Jahre. Die Nationalbank werde sicher einmal ihre Praxis ändern.
Das sind brutale Irrtümer, denn die Schweiz muss, wie andere Länder auch, die geliehenen Milliarden wieder zurückzahlen. Wer soll das tun, wenn nicht der Mittelstand?
Die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Abbau der Covid-Schulden und die Steigerung der Immobiliensteuern lauern hinter der Tür.
Dazu Gebührenerhöhungen der Verwaltungen, deren Erfindungsgeist kaum Grenzen kennt.
Gleichzeitig nimmt das Verwaltungschaos in bisher nicht gekannter Art und Weise zu. Am Laufmeter werden die Budgets überzogen oder unangemessen verwendet.
In gut vier Wochen werden wir wissen, welches neue Kampfflugzeug der Bundesrat in seiner Weisheit bestellen will. Wo überall Denkpausen herrschen, könnten wir doch einmal eine Flugpause machen.
Wir würden Milliarden sparen.
Die Russen werden uns nicht überfallen, haben sie doch viel zu viel eigenes Geld in der Schweiz, das sie nicht vernichten wollen.
Die EU war politisch noch nie so machtlos, wie dies derzeit der Fall ist.
Die Verwaltungen von Bund und Kantonen wollen sich ihre Spielzeuge nicht nehmen lassen, würde dies doch einen Abbau der Verwaltung notwendig machen.
Deshalb trägt der Schweizer Bürger, welchen Geschlechts auch immer, treu seinen Geldsack zum Dienstherrn. Bald werden es anderthalb Säcke und mehr sein.
Der Schweizer Bauer, auch wenn er unterdessen Finanzmanager geworden ist, war immer geduldig. Gelegentliche Aufstände, sei es in Zürich oder Bern, endeten in der Limmat oder am Galgen.
Frohe Rest-Pfingsten.