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Louis ist Louis. Louis denkt nicht selber, das macht sein Bruder Leo für ihn. Das stimmt aber so nicht. Louis spricht nicht. Oder kaum. Er passt seine Aussagen in Doppelwörter, ganz selten auch mal in Dreifachwörtern ein. Das tönt dann oft so prägnant, dass jedem klar wird, dass alles gesagt ist. Louis ist also ein Autist. Seine Art von Autismus ist bis heute aber noch nicht klinisch untersucht und beschrieben worden. Louis und Leo sind symbiotische Zwillinge, ihre Herzen schlagen im Eintakt, sie haben eine gedankliche und empfindungsmässige Verbindung, wobei diese nur von Leo zu Lous läuft. Die abstrakten und intellektuellen Wahrnehmungen, auch viele physiologische Empfindungen bezieht Louis von seinem Bruder. Die emotionalen Wahrnehmungen macht er auf untrügliche Art selbst, keiner kann ihm etwas vormachen, er sieht bis auf den Grund.
Leo ist Louis Zwillingsbruder. Er ist der Erstgeborene, Louis ist der Erstgenannte. Leo ist blitzgescheit, im wahrsten Sinn des Wortes, nicht nur sind seine Gedankengebilde von grosser Klarheit, er denkt auch sehr schnell. Und er hat gelernt, seine Gedanken so zu steuern, dass sein Bruder damit klar kommt.
Jakob Leibundgut ist der Bahnhofvorstand von Trubschachen. Mit 50 Jahren hat er Karl May entdeckt, nachdem ihm diese Lektüre in seiner Jugend wegen ihrer Schädlichkeit verboten gewesen war; nun holt er auf, liest ein Buch nach dem andern, auch, und das könnte ihm zum Verhängnis werden, während der Arbeit. Jakob lebt allein. Federica ist seine Frau, war seine Frau, das weiss niemand so genau, darüber spricht er nicht.
Louis Mutter, Lisa Leibundgut, ist die Tierärztin von Trubschachen - eine sehr begabte und tüchtige Tierärztin; sie sagt immer, was sie denkt, sie nimmt kein Blatt vor den Mund, sie redet aber nie über die Leute, immer nur mit ihnen. Sie ist Jakobs Tochter.
Als eines Tages dieser komische gut aussehende Kauz in Lisas Praxis auftaucht, hat sie sich in der selben Minute in ihn verliebt, ab dann sind sie ein Paar und 9 Monate später werden ihnen Zwillinge geboren.
Dieser Kauz, Louis Vater, Paul Ammann ist nichts bestimmtes, vielleicht Lisas Mann, vielleicht Bauer für neue Anbaumethoden, vielleicht Künstler, vielleicht jeden Tag etwas anderes. Er ist aber sehr zufrieden mit sich. Und mit allen andern. Und die andern mit ihm. So zufrieden, dass sie ihn einmal sogar zum Gemeindepräsidenten gewählt haben. Nach einigen Paulschen Entscheiden ging dieses Amt dann, wie so manches sonst, auf seine Frau über. Damit kam, wie meistens bei ihr, alles wieder ins Lot. In Bern atmeten einige Beamte auf. Paul wird übrigens französisch ausgesprochen: Pohl. Denn im Gegensatz zu Lisa stammte Paul nicht aus Trubschachen, auch nicht aus der Umgebung. Er ist als junger Mann ins Dorf gekommen, als noch nicht zwanzigjähriger frisch vom Seminar abgegangener Lehrer. Dass er ohne Schlussprüfung abgegangen war, hat niemand gemerkt, weil die Schulkommission beim Einstellungsgespräch vergessen hat, das zu prüfen.
Die Zwillinge werden grösser, sie erleben manches Abenteuer, zu manchem tragen sie ihr Scherflein bei, der eine, weil er es nicht besser weiss, der andere gerade deshalb, weil er es besser weiss als die andern. Aus den Kindern werden Burschen, dann junge Männer, immer noch sind sie symbiotisch verbunden, bis sich Leo eines Tages verliebt in Claudia. Diese Liebe besetzt jede Faser seines Wesens, aller Geist und alle Intelligenz helfen nichts, Leo ist gefangen im Geist von Claudia; dorthin kann ihm Louis nicht folgen, so empfängt er gar nichts mehr; das ist für ihn eine sehr erschreckende Erfahrung, zum ersten Mal ist er wütend auf jemanden, auf Leo. In seiner Not beschliesst er, von nun an seinen Geist auf jemand anders auszurichten, er will sich einen klugen Hund anschaffen. Da er weiss, dass die klügsten Hunde in Irland leben, beschliesst er, dorthin, wo das auch sein mag, zu reisen.
Da er kaum spricht, nicht lesen und schreiben kann, wird die Reise zu eine Expedition in unbekannte Gefilde; mit seiner überströmenden Herzlichkeit, seiner Unbekümmertheit findet er immer wieder Leute, die ihn auf seinem Weg ein Stück weiterbringen; die Reise geht voran, wenn auch nicht auf direktem Weg. Von den Leuten, die ihm weiterhelfen, lässt er sich Lebensgeschichten erzählen.
Und schliesslich kommt er in Irland an, ganz im Westen in der kleinen Stadt Clifden im County Connemara. Schnell findet er eine Unterkunft, einen Freund und sogar Arbeit. Bis auch ihn eines Tages die Liebe trifft: als er in Lavelles Galerie die Bilder von Maureen O'Connor sieht, erkennt er in einem der Bilder den Hund, den er gesucht hat: was er noch nicht weiss, der Hund hat ihn nur hierher geführt, damit er Maureen treffen kann. Als Maureen Louis zum ersten Mal sieht, erschrickt sie furchtbar. Sie traut ihrem Herzen nicht, das ganze Leben lang hat sie immer gewusst, dass ihr etwas fehlt, nun, da sie auf diese fehlende Hälfte trifft, kann sie sich nicht darauf einlassen; sie fühlt zwar, dass das der richtige ist. Da er aber 10 Jahre jünger ist als sie, und da sie überaus schüchtern ist, rennt sie davon. Gavin Lavelle setzt seine gänzlich unbegabte Diplomatie und Menschlichkeit ein, um die beiden zusammenzubringen, scheitert aber.
Louis muss sich selber helfen und die beiden kommen schliesslich doch zusammen und beschliessen ganz unausgesprochen, eine grosse Familie zu gründen. Das tun sie auch. Sie wohnen auf Omey Island. Louis bleibt der gute Geist von Clifden, durch ihn kehrt so etwas wie ein Dorfgeist zurück. Es ist eine Wunder. Eine kurze Aufregung entsteht, als Paul, mit seiner Familie im Gefolge, seinen Fuss auf irischen Boden setzt und Clifden heimsucht. Doch auch das überstehen die sturmerprobten Iren. Und auf einer Klippe, hoch über dem Meer begegnen sich Louis und Leo zum ersten Mal wieder.
|Autor
||Res Brandenberger

|Verlag
||Allenfalls gmbh

|Einband
||Fester Einband

|Erscheinungsjahr
||2019

|Seitenangabe
||400 S.

|Lieferstatus
||Lieferbar in 24 Stunden

|Ausgabekennzeichen
||Deutsch

|Masse
||H20.0 cm x B13.0 cm x D3.3 cm 450 g

|Auflage
||3. A.

Audio CD (CD/SACD) (CD) | 2012