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UNICEF: Jedes zehnte Kind in der Schweiz von Armut betroffen
Hälfte / Moitié
(Mitget) Der Ländervergleich zeigt, dass Kinderarmut nicht unvermeidbar ist, sondern massgeblich von politischen Entscheiden beeinflusst wird. Kinder, die in einem Land materiell hinter den anderen zurückfallen, tun dies von Geburt weg und tragen die Konsequenzen dieser sozialen Ungleichheit ein Leben lang.
Wenig aussagekräftig ist in diesem Zusammenhang das Bruttosozialprodukt eines Landes: in einem reichen Land geht es den Kindern nicht automatisch besser, als in einem ärmeren. So rangiert die Schweiz bezüglich relativer Armut auf Platz 9 nach Irland und vor Deutschland.
9,4 Prozent der Kinder – also rund jedes Zehnte ist in der Schweiz von Armut betroffen. Dabei klafft die Schere zwischen Arm und Reich in der Schweiz weit auseinander: Eine Familie, die in der Schweiz unter der Armutsgrenze lebt, muss im Durchschnitt mit über 20 Prozent weniger Mitteln auskommen, als eine Familie, die knapp über der Armutsgrenze lebt. Damit liegt die Schweiz auf Platz 12.
Bericht zur Situation der Kinder in Industrienationen
Das UNICEF Research Center publiziert einen Ländervergleich zur Situation der Kinder in 29 Industrienationen. Die Schweiz liegt gesamthaft auf Platz 8, taucht jedoch in einigen Bereichen deutlich ab. An erster Stelle liegt sie bezüglich der Qualität des Wohnumfeldes, in der unteren Hälfte bei der Bildung.
Der vom UNICEF Innocenti Research Center veröffentlichte Bericht «Child well-being in rich countries» durchleuchtet 29 Industrieländer in den fünf Bereichen, die auf Wohl und Entwicklung eines Kindes einen Einfluss haben: materieller Wohlstand, Gesundheit und Sicherheit, Bildung, Verhalten und Risikobereitschaft, Wohnsituation und Umwelt.
Der Bericht macht Aussagen zu insgesamt 26 international vergleichbaren Indikatoren, darunter: Gewalt und Mobbing, Frühförderung, Impfrate, Bewegungsmangel, Ernährungsverhalten, Übergewicht, Bildungserfolg, Kindersterblichkeit, Kinderarmut.
Zuzüglich zu den objektiven Indikatoren wurden für den Bericht auch subjektive Einschätzungen der eigenen Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen und die Aussagen der Kinder aus der Studie «Health Behaviour in School-Aged Children» (internationale Umfrage der WHO 2009/2010) beigezogen und ausgewertet.
Bestes Wohnumfeld und wenig Gewalt, aber tiefe Impfrate und hoher Cannabiskonsum
In der Gesamtwertung über alle Themenbereiche hinweg liegt die Schweiz auf Platz 8 zwischen Luxemburg und Belgien.
Am besten schneidet die Schweiz bei der Qualität des Wohn- und Lebensumfeldes ab.
Den zweitbesten Rang erreichten die Schweizer Kinder bezüglich Fettleibigkeit: weniger als 9 Prozent der 11-, 13- und 15-jährigen sind nach BMI übergewichtig.
Interessanterweise steht die Schweiz dennoch an viertletzter Stelle, wenn es um körperliche Bewegung und Sport geht.
Im Bereich Bildung liegt die Schweiz laut UNICEF Bericht auf Platz 16. Dieser verhältnismässig tiefe Wert resultiert vor allem aus dem Befund, dass die Schweiz zu jenen acht Ländern gehört, in denen weniger als 80 Prozent aller Kinder zwischen vier und sieben Jahren an einem Frühförder- oder Vorschulangebot teilnehmen. Die Studie weist aber gleichzeitig auf die Schwierigkeit hin, den Kleinkindbereich länderübergreifend qualitativ und quantitativ zu erfassen. Grund dafür sind Datenlücken.
Im Bereich Gesundheit und Sicherheit liegt die Schweiz mit Platz 11 im Mittelfeld wobei sie beim Indikator «Impfrate» nur gerade Platz 22 belegt.
Ebenfalls auf Platz 22 liegt die Schweiz betreffend Mobbing: Obwohl Schweizer Kinder international gesehen mitverhältnismässig wenig Gewalt konfrontiert sind – 29 Prozent der Befragten gaben an, innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate in eine physische Auseinandersetzung verwickelt gewesen zu sein (Rang 4) – bestätigte über ein Drittel, in den vorausgegangenen Monaten mindestens einmal Mobbingopfer geworden zu sein.
Unter anderem wurde auch die Risikobereitschaft der Kinder und Jugendlichen in Bezug auf Suchtmittel untersucht. So ging die Zahl der Cannabis-Konsumentinnen und -Konsumenten seit der Jahrtausendwende in allen Ländern um beinahe einen Drittel zurück. Im Ländervergleich liegt die Schweiz aber weit hinten: hierzulande ist der Cannabiskonsum bei Jugendlichen nach Kanada am höchsten.