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Das Verhältnis von Paris zu seinem Eiffelturm ist kompliziert. 1890 schreibt Guy de Maupassant, Frankreichs grosser Erzähler, in einer Reportage:
Ich habe Paris und Frankreich verlassen, weil ich den Eiffelturm so gründlich satt hatte. Nicht genug, dass man ihn von überall her sieht, man findet ihn auch überall zu kaufen, hergestellt aus jedem erdenklichen Material, ausgestellt in jedem Schaufenster – ein Alptraum.
Als sich Maupassant seinen Überdruss von der Seele schreibt, ist der Eiffelturm gerade mal drei Jahre alt, und die Weltausstellung, für die ihn der Ingenieur Gustave Eiffel erbaut hat, liegt erst ein Jahr zurück.
Aber tatsächlich ist der bei seiner Eröffnung 312 Meter hohe Turm bloss als Provisorium gedacht; jahrzehntelang rostet er vor sich hin, derweil die Stadt über einen Abriss streitet. Da schlägt die Stunde des Hochstaplers Victor Lustig. Der gibt sich als Vizegeneraldirektor des Postministeriums aus und schreibt den Eiffelturm 1925 kurzerhand zum Verkauf aus. Der Schrotthändler André Poisson, noch neu im Geschäft, geht dem dem Betrüger Lustig auf den Leim und ersteht die 7000 Tonnen Alteisen für 50 000 Dollar. Mit dem Geld in der Tasche macht sich Lustig aus dem Staub, der getürkte Handel fliegt auf, doch aus Angst vor Hohn und Spott verzichtet der geprellte Poisson auf einen Gang zur Polizei.
Kein Abriss, kein Verkauf: Im Lauf seiner Geschichte dient der Eiffelturm als militärische Funkstation, als Zeitzeichensender, als Radiostudio, Fernsehsender, Wetterstation. 300 Millionen Menschen haben ihn bisher besucht; Jahr für Jahr kommen weitere sechs Millionen dazu.