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In der an UNESCO PUBLISHING gewidmeten Rubrik ist in dieser Ausgabe noch ein bedeutsames Werk in der Geschichte der brasilianischen Literatur. Die erste Auflage dieses Buches wurde im Jahr 1933 veröffentlicht und wurde im Laufe der Jahre zu Referenz unserer Geschichte, sowohl in Brasilien als auch auf der Welt, da das Werk in verschiedenen Sprachen übersetzt wurde. Es geht um “Casa-Grande & Senzala”, von Gilberto Freyre, in einer kritischen und reichen Auflage, die nach den Zielen der Coleções Archivos organisiert wurde.
THEMENÜBERSICHT
Macunaíma – Der Held ohne Charakter
Die Grosse Senzala
Anthologie des romantischen brasilianischen Gedichtes
Neuere Anthologien der brasilianischen Poesie in Portugal
MACUNAÍMA – Der Held ohne Charakter in kritischer Ausgabe
Von: Tânia Gabrielli-Pohlmann ©
Deutsche Ausgabe: Tânia Gabrielli-Pohlmann + Clemens Maria Pohlmann ©
Wie viele Lesungen von “Macunaíma” habe ich schon gemacht, vermag ich nicht zu sagen. Aber diese ist mir besonders reich gewesen, da es um eine kritische Ausgabe geht, die von Spezialisten über Mário de Andrade vertieft wurde. “Macunaíma” mit seinem vorherbestimmten Ursprung in “Vom Roraima zum Orinoco – Mythen und Legenden der Taulipang und Arekuná Indianern” (Band 2, Stuttgart, Ströker & Schröder, 1924), vom Ethnologe Koch-Grünberg, und mit der Perplexität von Mário, in seinem Brief vom 19. Mai 1928 an Alceu Amoroso Lima: “… Ich habe mich dafür entschieden, (Macunaíma) zu schreiben, weil ich aus lyrischer Rührung verzweifelt wurde, als ich Koch-Grünberg las und festgestellt habe, dass Macunaíma ein Held ohne jeden Charakter war, und zwar weder moralisch noch psychologisch, und ich fand es enorm ergreifend, ohne zu wissen warum, durch die unveröffentliche zutreffende Gegebenheit, oder weil er grössten Teils mit unserer Epoche übereinstimmt, weiss ich nicht… Wahrscheinlich wegen des Neuigkeit des Faktes, oder weil er eine Menge zu unserer Epoche passt, weiss ich nicht…”
Unvermeidliche und sinnliche Nieselregen dieser Paulicéia mehr als wahnnsinnig (1) – viel mehr noch nach Mário – reinkarnieren in den durstigen Augen von Sampa (2), bringen den Duft amazonischer Erde und nordöstlicher Meere ins Wohnzimmer. Was für Andradianer diese gemischten Städte, die sich im Auge der Seele sammeln! Und wie sich der Überblick des glücklicherweise ohne jedem Charakter Heldes ändert… So, von Draussen gesehen und aus dem tiefsten Inneren, aus den Innereien. Da ich nicht in Exil bin, verkleinere ich mein Bestreben, wenn ich es mit dem von Darcy Ribeiro in seinem Vorwort vergleiche. Noch einmal geniesse ich in einer neuen Art und Weise die Widerprüche vom ganzen Mário, und Sekunde nach Sekunde widerspreche ich mir auch. Mich lustig machend, rächen sich oft eine von zahllosen Malen, die Schrecken-Schocks-Neid Vorstellungen von Monteiro Lobato. Nochmals die Lesung von “Macunaíma”, jetzt von einer zweiten kritischen Ausgabe geboren und adoptiert, einer Ausgabe, die intensiv um die Rettung der Essenz eines Modernismus besorgt ist. Eines Modernismus, welcher einfach denjenigen vorgestellt werden muss, die noch das Lesen gerade entdecken und in diesen so anderen Zeiten…
Diese zweite Ausgabe wurde korrigiert und aktualisiert, meisterhaft von der grössten Spezialistin und Forscherin über Mário de Andrade am Instituto de Estudos Brasileiros da Universidade de São Paulo, Telê Porto Ancona Lopez, koordiniert. Es wurde, konzepiert von UNESCO PUBLISHING in Partnerschaft mit Comisión Nacional Protectora de Bibliotecas Populares de Argentina, EDUSP, Ed. UFRJ, Fondo de Cultura Económica de México, Dirección General de Publicaciones del Consejo Nacional para la Cultura y las Artes de México, Universidad Nacional Autónoma de México und Instituto Nacional de Cultura del Perú und von Marco Gráfico, S.L., in Spanien gedruckt.
Telê Porto Ancona Lopez zeichnet in Nos Caminhos do Texto” (Auf den Wegen des Textes”), den ganzen Prozess des ersten Konzeptes des Werkes bis zu den Recherchen von Mário illustrierend, bis zu seinen auf losen und leider teilweise verlorenen Karteien, oder auf seinen von ihm selbst so genannten “Arbeitsexemplaren” notierten Änderungen des Werkes. Telê Porto öffnet die Archive von Mário de Andrade und provoziert eine noch grösseren Aufregung nach der unmöglichen Dekodifizierung dieses “universo andrademacunaímico”, ohne Grenzen, die ihn definieren können.
Dem Standard-Schema der Coleção Arquivos entsprechend, bringt dieser Band noch eine Biografie der Professorin von der Universidade Estadual de São Paulo/Assis Diléa Zanotto Manfio, die durch ein selektives Kriterium allgemeine Informationen anbietet und “die formalen und inhaltlichen Aspekte der recherchierten Werken umfasst”. Unter den ausgewählten Werke sind u.a. “Intertexto: escrita rapsódica – ensaio de leitura produtora”, von Mário Chamie; “Morfologia do Macunaíma”, von Haroldo de Campos; “Macunaíma: a margem e o texto”, von Telê Porto Ancona; “Macunaíma: da literatura ao cinema”, von Heloísa Buarque de Holanda.
Die Chronologie wurde von Telê Porto Ancona und Tatiana Maria Longo dos Santos bearbeitet, wie auch das Dossier, eine Reihe fotografischer und iconografischer Dokumente von Mário de Andrade und noch das Faksímile verschiedener Versionen der von ihm handgeschriebenen Vorworte. Ausserdem, Teile des deutschen Originals von “Vom Roraima zum Orinoco – Mythen und Legenden der Taulipang und Arekuná Indianern”, mit Notizen von Mário de Andrade am Rand der Seiten. Und auch noch ein Teil der Post von Mário, die mit “Macunaíma” zu tun hatte.
(1) Wortspiel mit “Paulicéia Desvairada”, Titel des Gedichtbuches von Mário de Andrade, im Jahr 1922, welches als chronologisch gesehen erste Buch des brasilianischen Modernismus. Die Expression “Paulicéia Desvairada” wird noch heute in Brasilien als einer der Kosenamen für die Stadt São Paulo.
(2) “Sampa“ ist der Titel eines Liedes von Caetano Veloso, im Jahr 1978 auf der Platte “Muito“ (Philips 6349 382), welches Caetano die Stadt São Paulo beschreibt, als er das erste Mal in São Paulo gewesen war . “Sampa“ ist bis heute auch ein Kosename für die Stadt São Paulo.
Von: Tânia Gabrielli-Pohlmann ©
Deutsche Ausgabe: Tânia Gabrielli-Pohlmann + Clemens Maria Pohlmann ©
Die Literatur wäre nicht alleine in der Lage, die Frage der brasilianischen Vielfältigkeit in seiner Mentalität bzw. in seiner Gesellschaft zu spiegeln und zu begreifen. Wenn die ersten Berichte, wie zum Beispiel der bekannte “Brief”, welchen Pero Vaz de Caminha an Portugals König Don Manuel über die “Entdeckung” schrieb, als erste literarische Produktion Brasiliens bezeichnet wird, fallen Elemente der Situation unter anderen Hinsichten aus. Die “Carta de Pero Vaz de Caminha” kann als “Geburtsurkunde Brasiliens” bezeichnet werden, laut Professor Alfredo Bosi, apropos mein Literatur-Professor in der Universidade de São Paulo in den achtziger Jahren, in seinem Buch “História Concisa da Literatura Brasileira” (Verlag Cultrix, 2. Ausgabe, 1980).
Es wird dann nur eine Hinsicht als Wahrheit eines neuen Landes gezeigt, von sozialen, religiösen und insbesondere moralischen Konzepten geprägt. Es ist nicht zu verhindern, die Frage der Kolonisierung und der Sklaverei zu vertiefen, um den Anfang der Konfrontationen verschiedener Weltsichten zu verstehen, obwohl diese Vertiefung vielleicht viel zu spät für die Kolonisierten verwirklicht wurde. Also, die Literatur des Anfangs besteht aus den ersten Texten und Chroniken der in dem neuen Land angelangten Fremden, seien es Seefahrer oder Missionare der Katholischen Kirche. Hier nimmt die Literatur die so zu sagen historischen Elemente als Basis, um einen ersten Versuch des Begreifens zu ermöglichen.
Um eine umfassendere und detailiertere Übersicht über die Situation der späteren Kolonie zu bekommen, wurde die Interdisziplinarität nötig. Hier ruft man die Hilfe der Anthropologie, der Soziologie, der Architektur, der Geschichte Portugals, in welcher schon zuvor auch die Erfahrung der Eroberung im eigenen Land und konsequenten Rassen-Mischungen erfuhr.
In der Kolonisierung Brasiliens ging es nicht nur um die Konfrontation der verschiedenen Menschen und ihrer Kulturen. Es ging noch dazu um die Konfrontation der Kolonisierer mit sich selbst gegenüber Naturzuständen, die sie nur teilweise schon in Afrika erlebt hatten. Nur hier war die menschlichen Elemente nicht wie schon zuvor bekannt. Die Portugiesen fanden hier keine Afrikaner, deren Kultur und körperliche Struktur sie schon sogar in ihrem eigenen Land erlebten, sondern völlig unbekannte Indianer – nicht nur mit unterschiedlichen Kulturen, Verhalten und Religion. Was eine erschreckende Überraschung darstellte, war der körperliche Zustand dieser Bevölkerung, der in einem ersten Moment als sehr stark und gesund und ein paar Jahre später als “faul und weich” bezeichnet wurde, ohne dass ihre Kultur und der Modus Vivendi beachtet worden wäre. Die Kolonisierer haben vergessen, die Hintergründe dieser Bilder der “Faulheit” wahrzunehmen, ihre gesellschaftlichen Strukturen, ihre Regeln und Glauben.
Viele Bücher wurden schon über Brasilien von Brasilianern und von Spezialisten verschiedener Länder und Fächer geschrieben. Eines des bedeutsamsten Werke, das es ermöglicht, die brasilianische Kultur zu begreifen, erschien 1933, vom Verlag Maia & Schmidt veröffentlicht. Es geht nicht um ein Geschichts-Buch. Es geht um ein Essay, in welchem das Thema der Rassen aus der Sicht der kulturellen Anthropologie betrachtet wird. Das Buch “Casa-Grande & Senzala”, von Gilberto Freyre (1900-1987), kombiniert im Bereich der lateinamerikanischen essaystischen Interpretation gesellschaftliche Wissenschaft mit geschichtlichen und literarischen Erzählungen. Wichtige zeitgenossische geschichtliche Tendenzen werden im Werk vorweggenommen – und daher öffnen sich neue Bereiche der Recherche, wie die Sach-Kultur, die Mentalitäten und die Etnolografie des alltäglichen Lebens.
“Casa-Grande & Senzala” wurde seit seiner ersten Auflage, also 1933, von Spezialisten verschiedener Bereichen, wie Architekten, Historikern, Soziologen, Ärzten usw. kommentiert und kritisiert. Es wäre für die brasilianischen Leser eine blosse Wiederholung darüber einfach zu rezensieren, da das Werk schon in jeder brasilianischen Schule analysiert wird, sowohl in Brasilianischliteratur-, als auch in Geschichtsstunden. In Deutsch erschien die erste Ausgabe (Herrenhäuser und Sklavenhütten) im Jahr 1965. Mein Ziel in diesem Kommentar ist es, die erste kritische Ausgabe von “Casa-Grande & Senzala”, welche von UNESCO Publishing im Jahr 2002 unter der Nr. 55 der “Coleções Archivos” veröffentlicht wurde, zu fokussieren. Nie zuvor wurde eine so reiche Zusammenfassung dieses Werkes veröffentlicht.
Diese kritische Ausgabe wurde von Guillerme Giucci, Enrique Rodríguez Larreta und Edson Nery da Fonseca koordiniert. Die Einleitung besteht aus Gedichten grosser Namen unserer Literatur, wie “Casa-Grande & Senzala”, von Manuel Bandeira (1), auch den genannten “Casa-Grande & Senzala”, von João Cabral de Melo Neto (2), und “A Gilberto Freyre”, in Handschrift, von Carlos Drummond de Andrade (3).
Eduardo Portella, Schriftsteller, Herausgeber und Direktor der Zeitschrift “Revista Tempo Brasileiro” und emeritierter Professor der Universidade Federal do Rio de Janeiro, erörtert in seinem Vorwort die Frage der Unreinheit der Modernität und definiert das Werk von Gilberto Freyre als eine Art Register einer Infiltration der Mischungen, des Ungeeigneten, der Komplexität der Tropischen in einer Gesellschaft, deren Literatur bisher auf europäischen moralischen Aspekten basiert waren: “Es ist ein hermeneutsiches angrenzendes Programm, in den Masse wie es sich binnen der Grenzen des Kenntnisses befindet. Also, Grenzen nie als Barriere, sondern als Durchgang”. (4) Im Werk Gilberto Freyre’s werden die “materiellen und symbolische Ausstausche” geschätzt und genau deswegen kann der Autor noch weiter sehen: die Interaktion der von Eduardo Portella genannten “Mikro- und Makrogeschichte”, in welchen die individuellen Elemente nicht nur die Einflüsse der gesellschaftlichen Situationen bekommen, sondern diese auch beeinflussen.
Obwohl “Casa-Grande & Senzala” – und ich würde das ganz Werk Gilberto Freyres einschliessen -, normalerweise mit der Suche nach der brasilianischen Identität verbunden wird, zeigt Professor Eduardo Portella genau das Umgekehrte: “Die Freiheit des Blickes hat Gilberto Freyre dazu geführt, sich von der Idee der Identität zu befreien, die Triebkraft des absolutistischen und kolonisierenden Ideals”. (5) Daher versteht sich das rassistische Konzept als Fassade in einer Gesellschaft, die schon ins neue Land mit gemischtem Blut gelangte, da “… jede Kultur interkulturell ist.” (6). Schon über die Interaktionen der unreinen auf die reinen Elemente, definiert Portella: “… In dem gleichen Masse wie die Reinheit solitär ist, ist die Unreinheit solidarisch” (7). Frage ist, was unter den Begriffen “Reinheit” und “Unreinheit” verstanden wird, da sowohl die moralischen, als auch die wörtlichen Bedeutungen ganz unterschiedlich zwischen beiden (und später den drei) Kulturen waren.
Einerseits erschreckt sich der Portugiese über die Nacktheit der Indianer und ihre Badegewohnheiten; andererseits leidet der Indianer an Depression in der Zeit der sogenannten Kathechese, als er sich kleiden musste und den Mangel an Hygiene der Portugiesen zu ertragen hatte.
Um diese kritische Ausgabe zu bestimmen, wurde die im Jahr 1987 vom Verlag José Olympio 25. Ausgabe als geeigneteste angesehen, da diese Ausgabe die letzte war, welche vom Autor persönlich zu seinen Lebzeiten erlaubt wurde. Ziel davon ist es, beide Ausgaben zu konfrontieren und zu vergleichen. Ausserdem sind die von dem Autor eingefügten Bemerkungen und Fussnoten der 25. Ausgabe eine Fortsetzung des Werkes selbst, in welchen die schon erwähnten Kritiken der vielfältigen Spezialisten erklärt und beantwortet wurden. Die Fragen der Architektur, der Religion, der Medizin, des Prozesses des Grossgrundbesitzes mit der Konfrontation der Portugiesen mit den Indianern und später mit den Afrikanern, die Beziehung Herr und Sklaven und viele weitere werden vom Autor unter Hinsicht der Anthropologie, der Soziologie, der Filologie, der Geschichte, der Sexualität und der Kultur jedes dieser “Völker” betrachtet.
Jedes Vorwort seit der ersten Ausgabe ist in dieser kritischen Auflage von UNESCO Publishing zu lesen, mit einer kompletten Bibliografie, welche zeigt, dass dieses Buch nicht nur für diejenigen, die “Casa-Grande & Senzala” schon kennen, geeignet ist, sondern für alle, die sich für die Geschichte Portugals, Afrikas, Brasiliens und der Interaktion der Kulturen aller Zeiten interessieren. Gilberto Freyre erzählt die Geschichte des Buches, wie und warum er es geschrieben hat, mit biografischen Informationen, welche der Autor in der historischen Szenerie der Jahre nach der Revolution von 1930 lokalisiert, die Verbrennung seines Hauses von der politischen Polizei der Diktatur, sein Exil.
Unter der Artikeln, welche schon seit der ersten Auflage von “Casa Grande & Senzala” veröffentlicht wurden, sind in dieser kritischen Ausgabe die Bedeutsamsten zusammengefasst. Ria Lemaire richtet das Literarische auf das Historische, und klassifiziert verschiedene repräsentative Vergangenheiten in der Schätzung des Werkes: Die Vergangenheit, die so dargestellt wird, vom “… Moment oder historischem Geschehen, welches “erzählend” und dadurch zu Text oder Bericht wird…” wesentlich “… in der mehr oder weniger weit entfernten Vergangenheit” liegend. Der von dem Autor selbst erlebte Moment, im Prozess des “erzählend werden”, zu welchem er sich wendet und die Vergangenheiten, die sich bauen liessen, durch die Reaktionen – des Autors, der Gesellschaft, der Spezialisten – nach jeder Ausgabe, nach jedem neuen Vorwort, nach jedem Land, in welchem das Buch veröffentlicht wurde.
Der Beitrag von Antônio Dimas fokussiert die Analyse der Position von Mário de Andrade in Bezug zu Gilberto Freyre und umgekehrt, unter den nicht immer erfolgreichen Interventionen von Manuel Bandeira, Freund von Beiden, und der bei einer der seltenen Treffen zwischen dem Pernambucano und dem Paulista am 11. Dezember 1928 in Recife zugegen war, während einer Schifffahrt auf dem Capibaribe. Ab diesem Treffen, zeigt Antônio Dimas sowohl Divergenz als auch Konvergenz der Beiden, haben sie regionalen, religiösen, stilistischen Charakter oder einfach beiderseitig literarische Eifersüchte … Eifersüchte, welche Jorge Amado als Neid definiert: “Als Casa Grande & Senzala seine 25 Jahre erreichte, gibt es noch Menschen – die von Neid und Frustration zerfressen – versuchen das Buch in seiner Bedeutung herabzusetzen.”, in dem Buch “Gilberto Freyre: sua ciência, sua filosofia, sua arte”, mit Essays über den Autor und seine Einflüsse in der modernen Kultur Brasiliens, welches im Jahr 1962 veröffentlicht wurde, als das Werk 25 Jahre alt wurde.
Aus dem Buch “Edson Nery da Fonseca (Org.), Casa Grande & Senzala e a crítica brasileira de 1933 a 1944”, vom Verlag Companhia Editora de Pernambuco im Jahr 1985 veröffentlicht, wurden weitere Essays übertragen und zwar z.B. von Alceu Amoroso Lima, Wilson Martins, Sérgio Milliet, Darcy Ribeiro, Jessé Souza und vielen anderen. Die Veröffentlichung des Buches im Ausland wurde auch in Essays registriert. In Französisch: von Fernand Braudel, Lucien Febvre, Roland Barthes, Roger Bastide (dies von Moacir de Albuquerque übersetzt), Françoise Moulin-Civil; in Deutsch von Hermann Mathias Görgen, welcher noch eine kleine Biografie des Autors präsentiert; in Englisch von David H.P. Maybury-Lewis; in Spanisch von Blas Matamoro.
Nicht nur das Werk von Gilberto Freyre ist ein treues Bild Brasiliens. Sein Leben spiegelte seine Lust auf die Annäherung der unterschiedlichen Ebenen der Gesellschaft. In diesem Band der Coleções Archivos kann man auch noch eine detailierte Biografie des Autors finden.
Und die Reise ins Universum des Werkes und des Menschen Gilberto Freyre geht weiter in “Geschichte des Textes”, von Gilberto Freyre, Enrique Rodríguez Larreta, Guillermo Giucci und Ria Lemaire. Die Symbologie dieses Buches und die Polemik in einer brasilianischen Gesellschaft der 40er, der 50er und der unter Diktatur der 60er und folgender Jahre, erwirkt bis heute Faszination und Kritik, Entsetzen und Entdeckungen eines Brasiliens im Plural. Die Polarität zwischen Staat und Gesellschaft, die Dualität Sexualität-Moral; alles, was nicht nur zur brasilianischen Geschichte gehört. Ein Buch, welches noch aktuell ist, nicht nur wegen seiner Komplexität und weil es die grösste Zusammenfassung aller Zeiten über ein einziges Werk ist, sondern weil es um die noch heute sehr problematisch und diskutierte Frage der Interkulturalität auf der Welt geht. Und vor allen Dingen über die Unfähigkeit der Menschen, umfassend mit dieser Frage umzugehen.
Es ist die Konfrontation unserer heutigen geglaubten Freiheit gegenüber den multiplen Senzalas, in welchen jeder von uns irgendwie lebt.
(*) Senzala: Sklavensiedlung; Sklavenhütte
(1) In: “Estrela da vida inteira”, 11. Ausgabe, RJ, Verlag José Olympio, 1986
(2) In: “Museu de tudo”, RJ, Verlag José Olympio, 1975
(3) In: “Viola de bolso novamente encordoada”, RJ, Verl. José Olympio, 1955
(4) Im Artikel: “Crítica da razão impura”.
(5) Op. cit.
(6) Op. cit.
(7) Op. cit.
Von: Tânia Gabrielli-Pohlmann ©
Deutsche Version: Tânia Gabrielli-Pohlmann + Clemens Maria Pohlmann ©
In dem folgenden Jahrzehnt nach der Unabhängigkeit Brasiliens, die 1822 erreicht wurde, kommt in der brasilianischen Literatur die Revolution der Empfindlichkeit an, die schon in Europa nach dem Anfang des Jahrhunderts wehte. Die brasilianische Romantik beginnt 1836 mit der Veröffentlichung des Werkes von Gonçalves Magalhães, “Suspiros Poéticos e Saudades” in Paris.
Aber eigentlich ist mit Gonçalves Dias die grosse brasilianische Poesie geboren, und zwar im Jahr 1848, mit der Veröffentlichung seiner “Canção de Exílio”, deren Berühmtheit ihn zu einem National-Symbol machte.
“ANTHOLOGIE DE LA POÈSIE ROMANTIQUE BRÈSILIENNE”, Éditions UNESCO und Eulina Carvalho, stellt Dichter vor, wie zum Beispiel Álvares de Azevedo, der beeinflusst von Byron und Musset, in einer verheerenden Art und Weise den Spleen der Erbitterung eingeführt hat, wie zum Beispiel in seinem Werk “Noite da Taberna”. Casimiro de Abreu bietet eine populäre Poesie an, deren Musikalität und Einfachheit machten ihn zu einem der beliebtesten Dichter Brasiliens. Fagundes Varela, Autor von “Cantiga do Calvário”, die als die grösste Elegie in der portugiesischen Sprache betrachtet wird, stellt alle Charakteristika des Romantismus dar, mit grösserer Kraft, als die von den gegen Sklaverei engagierten Dichter.
In dieser zweisprachigen Anthologie erlauben die namhaftesten Dichter der brasilianischen Romantik das Spüren und die Annährung an die Seele dieses Volkes, deren privater Empfindlichkeit dieses literarischen Genres und einer idealen Ausdrucksweise.
“ANTHOLOGIE DE LA POÈSIE ROMANTIQUE BRÈSILIENNE” Zusammenstellung: Izabel Patriota P. Carneiro, von Didier Lamaison vorgestellt, mit einer Einleitung von Alexei Bueno. Französische Übersetzung aus dem brasilianischen Portugiesisch von Adrienne Álvares de Azevedo Macedo, Didier Lamaison und Cécile Tricoire.
Meine Heimat hat Palmen
Wo die Drossel so schön singt
Die Vögel, die hier zwitschern
Ihr Gesang ganz anders klingt.
(Erste Strophe von “Canção de Exílio”, Gonçalves Dias)
Miguel Benigno: Dichter, Essayst und Übersetzer
Deutsche Version: Tânia Gabrielli-Pohlmann + Clemens Maria Pohlmann ©
Die Feierlichkeiten zu den 500 Jahren der Entdeckung hinterliessen auf ihren Spuren nachhaltige Ergebnisse und Referenzen.
Eine davon ist ohne Zweifel die genügsam bekannte “Anthologie der brasilianischen Dichter”, mit der schönen Cover von Figueiredo Sobral.
Der Verlag, welcher das Werk herausgegeben hat, ist einer der grössten und angesehensten in Portugal: Universitária Editora (Lissabon). Die Auswahl und die Koordinierung wurden von Mariazinha Congílio geleitet in Zusammenarbeit mit dem grossen brasilianischen Kritiker Fábio Lucas.
“Im Transit von Jahrhundert und Jahrtausend bietet diese Anthologie einen Übersicht der Poesie Brasiliens in den letzten fünfzig Jahren”… So eröffnet die Koordinatorin das Vorwort des Werkes.
“Immer mit der Sicht auf den notwenigen Umfang, haben wir die besten Dichter jedes der fünfundzwanzig Bundesländer Brasiliens ausgesucht. Unter den in dem Werk veröffentlichten Dichtern, alle aktuell und bedeutsam, sind einige schon verstorben (…) Biografische Daten haben wir nicht hinzugefügt. Die Gedichte selbst präsentieren die Dichter (…) Wer die Anthologie liest, der wird die Stimme Brasiliens in Versen hören”.
Die Poesie Brasiliens in den letzten 50 Jahren des XX. Jahrhunderts ist der Untertitel dieses Werkes, welches an das portugiesische Publikum und den europäischen Markt adressiert ist. Die Anthologie wurde im Jahr 2000 auf der Bienal do Livro de São Paulo (*) präsentiert. Der Band hat sich gut verkauft und laut Nachrichten in der Presse weckt er immer noch das Interesse der portugiesischen Leser. Schon seit einer Weile hatte Portugal keine weitere aktualisierte Anthologie unserer Poesie mehr veröffentlicht. Im Laufe des “Encontro Internacional de Poetas”, welches im Jahr 2000 in Porto stattgefunden hat, wurde diese Anthologie am meisten gesucht und gekauft in diesem Genre, insbesondere von Ausländern.
Elemente, die diese Anthologie zu einem markanten epochalen Werk machen würden, sind präsent, bis zu dem Fehler, die Autoren in alphabetischer Ordnung zu bringen, anstatt des Geburtsdatums der Autoren, da es mit unterschiedlichen Tendenzen und Generationen verbunden ist. Man sollte es mit den Prä-Modernisten wie Manuel Bandeira beginnen, dann weiter mit den Modernisten und die Modernen wie unter anderen Carlos Drummond de Andrade, Cassiano Ricardo, Menotti del Picchia, Cecília Meireles, Vinícius de Moraes und João Cabral de Melo Neto, bis zu den Aktuellen, mit ihren intensiven Paletten von Tendenzen.
Insgesamt sind 64 Autoren, jeweils mit drei Gedichten, die den Lesern ein reiches Übersicht der Poesie in der zweiten Hälfte des gerade beendeten Jahrhunderts. Ausser den schon erwähnten: Alcides Buss, Antonio Olinto, Alphonsus de Guimaraens Filho, Adélia Prado, Afonso Félix de Sousa, Alberto da Costa e Silva, Aluysio Mendonça Sampaio, Álvaro Alves de Faria, Álvaro Pacheco, Aricy Curvello, Artur Eduardo Benevides, Astrid Cabral, B. de Barros, Betty Vidigal, Carlos Nejar, César Leal, Cyro Pimentel, Domingos Carvalho da Silva, Ferreira Gullar, Francisco Carvalho, Fúlvia Carvalho Lopes, Geraldo Vidigal, Geraldo Pinto Rodrigues, Gilberto Mendonça Teles, Hilda Hiulst, Idelma Ribeiro de Faria, Ildásio Tavares, Ivan Junqueira, Ives Gandra da Silva Martins, João Manuel Simões, Jorge Tufic, João de Jesus Paes Loureiro, Ledo Ivo, Lenilde Freitas, Leonor Scliar Cabral, Lindolf Bell, Magela Colares, Márcia Theophilo, Marcos Leal, Mariazinha Congílio, Mário Chamie, Miguel Jorge, Miguel Reale, Milton de Godoy Campos, Myriam Fraga, Odilon da Costa Manso, Oscar Dias Corrêa, Paulo Bonfim, Paulo Vanzolini, Péricles Eugênio da Silva Ramos, Ruy Espinheira Filho, Samuel Penido, Sérgio de Castro Pinto, Sólon Borges dos Reis, Sônia Queiroz, Stella Leonardos, Yeda Prates Bernis.
Erwähnenswert sind noch die beiden Anthogien, die in der 3. und 6. Ausgabe der Zeitschrift “Anto” besprochen wurden, editiert vom Dichter und Hysteriker António José Queirós, aus der im Norden liegenden Stadt Amarante, unter der Förderung des Kulturministeriums Portugals, des Portugiesischen Buch- und Bibliothekeninstituts, und dem Rat der Stadt. Der Dichter Aricy Curvello wurde eingeladen, die brasilianischen Dichter auszusuchen.
Der Beitrag von Universitária Editora begrenzt sich nicht nur auf die “Antologia de Poetas Brasileiros”. Es geht um das zweisprachige Buch (Portugiesisch/Französisch) “Reflexos da Poesia Contemporânea do Brasil, França, Itália e Portugal”, vom französischen Essaysten, Übersetzer, Dichter und vor kurzem emeritierten Professor der Sorbonne, Jean-Paul Mestas koordiniert und organisiert. In diesem Werk sind zwölf zeitgenössische brasilianische Dichter, welche jeweils zwölf französische, italienische und dreizehn portugiesische Dichter gegenübergestellt wurden. Unter den Portugiesen, einer der grössten lebenden: Eugénio de Andrade.
Die Partnerschaft Universitária Editora (Lissabon) und Jean-Paul Mestas brachte noch weitere Überraschungen. Im Jahr 2001 wurde Um Mundo no Coração/ Un Monde au Coeur veröffentlicht. Es geht um eine grosse Anthologie der international zeitgenössischen Poesie, mit 87 Autoren aus 54 Ländern, auch in einer zweisprachigen Ausgabe (Portugiesisch/Französisch).
Jean-Paul Mestas als Organisator mobilisierte ein gutes Übersetzerteam, angesichts der grossen Zahl involvierter Sprachen. Fünf brasilianische Dichter sind unter ihnen, wie: Alice Spíndola (Goiás), Aricy Curvello (Minas Gerais), Geraldo Vidigal (Academia Paulista de Letras), Rosani Abou Adal (Herausgeberin der literarischen Zeitung Linguagem Viva), und der in Rio de Janeiro geborene Selmo Vasconcellos. Der Autogrammabend hat am 27. September 2001 im Mosteiro dos Jerônimos, wo sich die Gräber von Basco da Gama und Camões befinden, in Lissabon, stattgefunden.
Im Oktober 2003 haben sich Universitária Editora (Lissabon) und Jean-Paul Mestas zu einer Neuerscheinung von Povos e Poemas / Peuples et Poèmes überwunden.
Diesmal mit ca. 600 Seiten, 201 prominente Dichter aus 100 Ländern aller Kontinente. Brasilien wurde von zehn Dichtern repräsentiert, mit Prädominanz der aus dem Bundesstaat Minas Gerais: Lívia Paulini, Aricy Curvello, Anderson Braga Horta, Alice Spíndola, neben den glänzenden Namen wie Stella Leonardos (Rio de Janeiro) und Astrid Cabral (Amazonas).