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Das reflexive, konzeptuelle Werk von Saâdane Afif (*1970 in Vendôme, lebt in Berlin) ist interdisziplinär angelegt. Es verbindet bildende Kunst mit Texten, Musik und Performance. In Kollaborationen mit anderen Künstlern verwandelt Saâdane Afif eine Kunstform in eine andere. So lädt er für seine Ausstellungen oft Künstler, Dichter, Philosophen, Schauspieler, Musiker, Handwerker und Performer ein, seine Werke in Form von Gedichten oder Songtexten zu kommentieren. Als integraler Bestandteil der Ausstellung sind diese als Erweiterung der ausgestellten Werke zu sehen. Charakteristisch für Afifs künstlerische Strategie ist <The Soapbox of Schiffbauplatz>, als Afif kulturschaffende Kolleginnen und Kollegen aufforderte, einen poetischen Textbeitrag über seine Arbeiten zu verfassen. Aus diesen Texten formte er eine Textcollage, die eine Schauspielerin, auf einem Podest aus Bronze stehend, rezitierte. Diese Texte sind so aufbereitet, dass sie auch von Komponisten vertont, aufgeführt und sogar zu Klangskulpturen transformiert werden können. Indem das Visuelle auf andere Sinne übertragen wird, erfährt es jeweils neue Interpretationen und Ausformungen. Im Projekt <The Fairytale Recordings>, 2011, ist ein solcher Kreislauf genuin vorgeführt. Es bezieht sich auf frühere Werke des Künstlers, zu denen die Autoren und Künstler Tacita Dean, Tom Morton, Mick Peter, Lili Reynaud-Dewar u.a. Liedtexte beigesteuert haben, die das Wesen der Werke wiederspiegeln. Von den Texten ausgehend, hat Afif mit der Opernsängerin Katharina Schrade eine Performance erarbeitet, in der alle Texte teils nachgesprochen, teils zu einer Inszenierung überarbeitet wurden. Dieser übertragene und verarbeitete Text wird schliesslich in eine weiss bemalte Porzellanvase gesprochen, die dann versiegelt wird, sodass die Verse für immer bewahrt bleiben.
Durch die Metamorphose von Kunst in Literatur, Musik, Performances, künstlerische Objekte und Poster macht Saâdane Afif den mitwirkenden Apparat sichtbar, welcher an der Entstehung eines Werks teilhat, stellt die künstlerische Autorschaft heraus und die Mechanismen des Kunstsystems bewusst heraus. Die meisten Werke des französischen Künstlers leben so von der subtilen Reflexion über Kultur und Zivilisation sowie über den Moment der Veröffentlichung von Kunst.
Aus: Konkrete Gegenwart – Jetzt ist immer auch ein bisschen gestern und morgen. Museum Haus Konstruktiv, Verlag für Moderne Kunst Wien, 2019.