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Allgemeine Informationen
Multiple Sklerose, kurz MS genannt, ist eine chronisch fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem (ZNS = Gehirn und Rückenmark) betrifft. Das gesamte Gehirn und Rückenmark können betroffen sein und durch das eigene Immunsystem werden Teile der Nervenfasern zerstört, die massgeblich an der Weiterleitung von Impulsen beteiligt sind. Dadurch können Muskeln nicht mehr richtig koordiniert werden, es kommt zu Lähmungserscheinungen oder Sinnessignale werden nicht korrekt weitergegeben. In der Schweiz sind knapp 15'000 Menschen von dieser unheilbaren Krankheit betroffen.
Es gibt drei verschiedene Verlaufsformen von MS. Die schubförmig remittierende MS ist die häufigste Form. Dabei treten die Symptome in Schüben auf und zwischen den Schüben nehmen die Beschwerden nicht zu. Bei der primär progredienten MS handelt es sich um eine stetig fortschreitende Erkrankung. Die sekundär progrediente MS entwickelt sich aus der schubförmigen MS heraus, bei der sich im Krankheitsverlauf die Beschwerden wie bei der primär progredienten MS kontinuierlich verstärken.
Risikofaktoren
Es gibt einige Faktoren, die das Risiko an MS zu erkranken erhöhen könnten. Dazu gehören Rauchen oder ein hoher Salzkonsum. Multiple Sklerose ist zwar keine Erbkrankheit im eigentlichen Sinne, jedoch wird ein gewisses Risiko, nicht aber die Erkrankung selbst vererbt. Vermutlich kommt es erst im Zusammenspiel mit anderen Faktoren, wie Infektionen, zum Krankheitsausbruch. Nach einer weiteren Hypothese soll ein hoher Vitamin D -Spiegel vor einer MS schützen können.
Mögliche Symptome
Multiple Sklerose Symptome treten in den meisten Fällen völlig unerwartet auf. Zu den typischen Symptomen gehören Gefühlsstörungen in einer oder in mehreren Extremitäten, im Rumpf oder auf einer Seite des Gesichts. Das kann sich durch Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl äussern. Schwäche oder Schwerfälligkeit eines Beines oder einer Hand, Muskelzuckungen oder Lähmungen können ebenfalls Anzeichen sein. Zusätzlich können Sehstörungen, kleinere Gangstörungen, Störungen der Bewegungskoordination oder Schwindel Anzeichen für MS sein. Schwierigkeiten bei der Blasenkontrolle z.B. Inkontinenz oder Konzentrationsstörungen können ebenfalls MS-Symptome sein.
Im Verlauf der Erkrankung kommt es oft zu krampfartigen Muskellähmungen (Spastiken), sexuellen Funktionsstörungen, Nervenschmerzen und unwillkürlichem rhythmischen Zittern von Körperteilen.
Diagnose
Bei einem Verdacht auf MS gibt es einige klinisch-neurologische Untersuchungen die Gewissheit geben können. Die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) bildet meist den Anfang der Untersuchungen und im Anschluss wird unter anderem die Funktion der Augen und der Hirnnerven, die Empfindung von Berührung, Schmerz und Temperatur, Muskelkraft und Muskelspannung, Koordination und Bewegung und Reflexe untersucht. Die Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) ist sehr wichtig bei einem Verdacht auf MS. Selbst wenn eine MS noch keine Beschwerden verursacht, kann ein MRT bereits krankheitsbedingte Veränderungen im zentralen Nervensystem (ZNS) aufzeigen. Gewissheit gibt zusätzlich die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor). Chronisch-entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem, wie sie unter anderem bei Multipler Sklerose ablaufen, führen zu diversen Auffälligkeiten im Nervenwasser. Dazu zählt etwa der Nachweis von bestimmten Eiweissmustern.
Behandlung, Therapie
Multiple Sklerose ist zwar nicht heilbar, jedoch gibt es Optionen zur Behandlung, die die Krankheitsaktivität stoppen oder zumindest das Fortschreiten verlangsamen. Die Therapie sollte in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten erfahrenen Zentrum stattfinden und immer individuell auf die Patientinnen und Patienten und den Krankheitsverlauf abgestimmt sein. Die Behandlung von Multiple Sklerose basiert auf mehreren Säulen.
Die Schubtherapie soll akute MS-Schübe behandeln. Dafür erhalten die Patientinnen und Patienten drei bis fünf Tage lang hoch dosiert Kortisonpräparate (Kortikosteroide) als Infusion über die Vene. Diese sollen die Entzündungsreaktion eindämmen und Symptome zum Abklingen bringen. Werden die Symptome nicht weniger, wird die Infusionstherapie wiederholt. Zeigt die Kortisontherapie keine Wirkung, bildet die sogenannte Blutwäsche (Plasmapherese alternativ Immunadsorption) eine weitere Akuttherapie. Die verlaufsmodifizierende Therapie (Basistherapie, langfristige Immuntherapie) zielt darauf ab, die Schwere und Häufigkeit von MS-Schüben zu reduzieren und das Ausmass der fortschreitenden Behinderung günstig zu beeinflussen. Ziel ist es, das fehlgeleitete Immunsystem wieder ins Lot zu bringen. Dazu werden beispielsweise Interferone oder Glatirameracetat unter die Haut oder in die Muskulatur gespritzt.
Zusätzlich sind eine gesunde Lebensweise, physiotherapeutische, logopädische, ergotherapeutische und psychotherapeutische Massnahmen sinnvoll. Zerstörte Nervenzellen lassen sich zwar nicht wiederherstellen, doch mit entsprechendem Training sind verlorengegangene Fähigkeiten teilweise neu erlernbar. Wichtig ist es, Komplikationen wie Osteoporose, Lungenentzündungen, Thrombosen, Gelenkversteifungen und Harnwegsinfektionen vorzubeugen.
Expertenstimmen
Erstellt: 02.07.2021 07:00 Uhr
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