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An die IT: Bitte führt das vergrössern für Handys wieder ein!
Zwei schlechte Nachrichten: Da wir die Uhren in der Nacht auf Sonntag um 2 Uhr auf 3 Uhr stellen, verlieren wir eine Stunde Schlaf und am Morgen ist es wieder dunkler. Die gute Nachricht: Abends ist es wieder länger hell.
Doch was sind schon unsere Problemchen am Tag der Zeitumstellung gegen die jederzeit geltenden Zeitzonen und ihre teilweise kuriosen Auswüchse? Wir haben hier einige «spezielle Grenzen» zusammengetragen.
Früher gab es keine Zeitzonen. Es gab ja nicht einmal die Uhr. Aber dann, mit Entwicklung der Reisetätigkeiten über weite Distanzen gab es immer mehr das Bedürfnis nach «eindeutiger Zeit». So wurde am 2. August 1880 um 11 Uhr die Greenwich Mean Time (GMT) eingeführt und alle Orte auf den britischen Inseln hatten ab sofort die gleiche Zeit.
Wobei, das stimmt nicht ganz. Irland hatte erst noch eine eigene Zeitzone, welche 25 Minuten und 21 Sekunden hinter der GMT lag. 1916 wurde diese aufgehoben. Die Greenwich Mean Time wurde zum Standard. Übrigens: Greenwich wird «Grenitsch» ausgesprochen.
Heute ist der Zeitstandard UTC, die Koordinierte Weltzeit. Aufgrund dieser werden die Zeitzonen weltweit berechnet. Die GMT orientiert sich an der UTC (UTC±0). Andere Zeitzonen werden mit GMT/UTC + oder - angegeben (also z.B.: GMT+1 für die Schweiz und GMT+2 für die Schweizer Sommerzeit).
China erstreckt sich theoretisch über fünf Zeitzonen. Um die Einfachheit und Zusammengehörigkeit zu fördern, gilt aber im ganzen Land «Peking-Zeit», also UTC+8. Das hat unter anderem zur Folge, dass im Tibet oder der Region Xinjiang die Sonne im Winter erst gegen 10 Uhr aufgeht. Dort entstand deshalb eine inoffizielle Zeit, diese wurde aber von den im Gebiet lebenden Han-Chinesen abgelehnt.
Aber auch international führt die riesige Zeitzone zu kuriosen Momenten. Wer die Grenze von China nach Afghanistan übertritt, muss die Zeit um sagenhafte 3,5 Stunden vorstellen. Beim Dreiländereck Afghanistan/Pakistan/China kann man die Zeit gleich dreimal umstellen (UTC+4,5, UTC+5, UTC+8). Fairerweise muss allerdings gesagt werden, dass diese Region praktisch unbewohnt ist und das Länderdreieck sich auf einem hohen Gipfel befindet.
Wir bleiben noch kurz in der Region. Nepal gab sich als einziger Staat nicht mit einer halben Stunde zufrieden, sondern legte seine Zeit auf UTC+5:45 fest. Der Grund dafür ist, dass der Meridian der Nepal Standard Time in Gaurishankhar, einem Berg östlich von Kathmandu gelegt wurde. Dies gilt seit 1986.
Wer von Nepal die Grenze nach China überschreitet, muss die Uhr um 2:15 Stunden vorstellen, wer nach Indien reist, muss diese um 15 Minuten zurückstellen.
Neben Nepal weisen nur die zu Neuseeland gehörenden Chatham Islands eine Zeitzone mit Viertel-Stunden-Takt aus. (UTC+12:45).
Kiribati lag lange östlich der Datumsgrenze und war darum rund einen Tag hinter Australien. Da sich Australien aber zum Hauptgeschäftspartner entwickelte, hatte dies zur Folge, dass Anfragen aus Kiribati am dortigen Freitagmorgen zwar abgeschickt wurden, da war aber in Australien schon Samstagmorgen und somit Wochenende.
Am 1. Januar 1995 sprang Kiribati über die Datumsgrenze. Den 31. Dezember 1994 gab es also auf Kiribati nicht. Da sich der Inselstaat über viele Inseln zieht, hat die Datumsgrenze dort eine spezielle Ausbuchtung. Hawaii übrigens liegt zwar auf dem gleichen Längenmeridian, hat auch die gleiche Zeit wie Kiribati – einfach einen Tag später.
Übrigens: Aus ähnlichem Grund wie Kiribati sprang am 2011 auch Samoa auf die «australische Seite». Das 70 Kilometer östlich gelegene Amerikanisch Samoa blieb aber auf der «amerikanischen Seite».
Wir bleiben noch kurz bei der Datumslinie, reisen aber weiter nördlich bis auf die Diomedes-Inseln. Die kleine Inselgruppe in der Beringstrasse liegt zwischen Russland und den USA. Die westliche Insel (Grosse Diomedes-Insel) gehört dabei zu Russland, die rund vier Kilometer weiter östlich liegende Kleine Diomedes-Insel zu den USA. Neben den Nationen trennt aber wie erwähnt auch die Datumslinie die beiden Eilande, welche auf Sichtdistanz voneinander entfernt liegen.
Getrennt werden sie aber durch 21 Stunden. Wenn also auf der russischen Insel Montag um 12 Uhr mittags ist (UTC+12), geniessen die Inselnachbarn auf der amerikanischen Seite noch den Sonntagnachmittag (15 Uhr, UTC-9).
21 Stunden Zeitunterschied sind aber natürlich nicht der grösstmögliche. Dieser beträgt nicht – wie vielleicht erwartet – 24 Stunden, sondern deren 26.
Diesen Unterschied gibt es zwischen den Linieninseln, die zu Kiribati gehören (UTC+14, mit auf den Christmas Islands so schönen Ortsbezeichnungen wie Kiritimati, London, Paris, Poland oder Banana) und den Baker Islands (UTC-12).
Die beiden Inseln liegen etwas über 2000 Kilometer voneinander entfernt (entspricht ungefähr Bern – St.Petersburg). Aber während auf den unbewohnten Baker Islands die Uhr am Samstagabend 23 Uhr anzeigt, ist es auf den Linieninseln bereits 1 Uhr in der Früh am Montag.
Die Folge des maximalen Zeitunterschieds von über 24 Stunden: Weltweit können gleichzeitig drei verschiedene Kalendertage existieren.
Wenn es also bei uns in der Schweiz Samstag, 11.30 Uhr ist (UTC+1), zeigen die Uhren in Kiritimati auf den Christmas Islands von Kiribati schon Sonntag, 00.30 Uhr (UTC+14) und auf Amerikanisch Samoa ist noch Freitag, 23.30 Uhr (UTC-11).
Wie wir schon gelernt haben, sind einige Länder zu gross, um sich in einer Zeitzone zu befinden. Doch es geht natürlich auch noch komplizierter. So führt durch neun US-Staaten eine Zeitzonengrenze. Beispielsweise in Indiana haben 12 der 92 Counties Central Time (UTC-6), die restlichen Eastern Time (UTC-5).
Von den zwölf Counties befinden sich sechs im Nordwesten und orientieren sich an der Grossstadt Chicago im Nachbar-Staat Illionois, die anderen sechs liegen im Südwesten rund um die Stadt Evansville.
Wirklich kurios wird es aber in Arizona. Wie auf der Karte oben schon zu sehen, scheint es auch da zwei Zeitzonen zu geben. Allerdings gibt es hier den Unterschied nur während der Phase der Daylight Saving Time (DST). Diese, ähnlich wie die Sommerzeit, lässt die Tage Abends länger werden. Arizona ist aber einer der wenigen Staaten, welche die DST grundsätzlich nicht anwendet.
Dies wiederum gilt nicht für das Navajo Nations Reservat, ein Gebiet rund doppelt so gross wie die Schweiz stellt die Uhren nämlich jeweils um. Doch damit nicht genug. Im Navajo Nations Reservation existiert das Hopi Reservat, welches wiederum die DST nicht anwendet. Und dieses Hopi Reservat hat zum einen eine Exklave im Navajo Nations Reservat, zum anderen umschliesst es eine Exklave des Navajo Nations Reservat. Das sieht dann so aus und wird Zeit-technisch ziemlich kompliziert:
Wer vom Ort Flagstaff mit dem Auto eine rund 4,5 Stunden lange Rundfahrt via Tuba City, Shongopovi und Winslow zurück nach Flagstaff macht, müsste während dieser Fahrt die Uhr sechsmal umstellen.
Daylight-Saving-Time macht auch das Leben in Australien komplizierter. Grundsätzlich hat sich Australien drei Zeitzonen gegeben: UTC+8, UTC+9:30 und UTC+10. Dazu kommen noch Zeitzonen von Aussengebieten, wie beispielsweise die Lord-Howe-Insel (UTC+10:30), wir konzentrieren uns hier aber auf den kontinentalen Teil.
Im Sommer allerdings kommen zwei Zeitzonen dazu. Denn drei Staaten stellen die Sommerzeit ein. In South Australia wird dadurch UTC+10:30, die Südoststaaten – inklusive der grossen Städte Melbourne und Sydney – stellen die Uhren auf UTC+11. Wer dann also um 14 Uhr am Currumbin Beach (Queensland) sein muss und in Tweed Heads (New South Wales) startet, muss um 14:45 Uhr abfahren, dann sollte er/sie die 15-minütige Fahrt bis wiederum 14 Uhr zurücklegen können ...
Interessant wird es auch deutlich nördlicher. Die kanadische Provinz Neufundland und Labrador funktioniert eigentlich nach UTC-4. Allerdings richtet die Insel Neufundland die Uhren nach UTC-3:30.
Doch nicht nur die Insel, sondern auch noch der östlichste Spitz des Festlands von Labrador. Dort stellen auch L'Anse au Clair und Norman Bay die Uhren eine halbe Stunde vor. Und ja, die Insel St-Pierre und Miquelon, gleich neben Neufundland folgt UTC-4:30.
Damit wären wir bei denjenigen Ländern, welche sich um eine halbe Stunde scheren und zur UTC eine Abweichung von xx:30 ausweisen. Zu diesen gehören: Iran, Afghanistan, Indien, Sri Lanka und Myanmar. Nicht mehr in diesem Klub ist Venezuela. Das Land stellte die Uhren 2007 eine halbe Stunde zurück, 2016 wurde aber wieder auf UTC-4 gestellt. Alle Länder können ihre Zeitzone frei wählen. Meist hängt der Entscheid mit mehr Sonnenlicht in den Abendstunden zusammen. Indien beispielsweise soll dank der halben Stunde grosse Mengen an Strom sparen.
Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote, dass es diese grossen Zeitunterschiede nicht immer irgendwo zwischen zwei Südseeinseln oder auf irgendwelchen Himalaya-Gipfeln gibt und darum eh fast nicht auffallen.
Wer in Arica, Chiles nördlichster Stadt, in der legendären Sunset Discotheque feiert (UTC-3), kann kurz nach dem Jahreswechsel über die Grenze nach Peru und erreicht in einer Stunde Tacna. Dort werden die Uhren zwei Stunden zurückgestellt (UTC-5). Silvester kann man so doppelt feiern. Zum Beispiel mit Pisco Sour.
Dieser Artikel wurde erstmals im Rahmen der Olympischen Spiele 2022 in Peking publiziert und danach für die Zeitumstellung leicht angepasst.