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Der Erzähler, Essayist, Hörspielautor und Dichter Said wurde 1947 in Teheran geboren. Mit siebzehn Jahren floh er nach Deutschland, wo er seit 1965 in München lebt. Said ist ein engagierter Zeitgenosse, der die Politik in Westeuropa genauso wach und kritisch mitverfolgt wie die Lage in seinem Herkunftsland Iran.
Nun liegt eine neue Sammlung seiner Essaykunst vor: «Das Niemandsland ist unseres. West-östliche Betrachtungen». Ihren Auftakt bildet die autobiografische Schrift «Pilgrim und Bürger», in der Said über seine Geschichte, seinen langen Aufenthalt in der Fremde nachdenkt. Empirische Vergleiche zwischen dem Persischen und dem Deutschen stellt er in «Ein Blinder, zwei Flüsse» an und schliesst: «Wo aber trägt mich meine Gastsprache hin? Zu einer staatenunabhängigen, von ihr und mir skizzierten Freiheit.» Dass Dichtung Freiheit verwirklicht, erläutert Said im ausholenden, von sinnreichen Zitaten gespickten Essay, der sich dem persischen Dichter Hafis (14. Jahrhundert) widmet. In «Ich, Jesus von Nazareth» streift sich Said die Maske des Religionsstifters über, um im Licht von dessen radikal subversivem Ethos hart mit der Gegenwart ins Gericht zu gehen. In der kürzeren Arbeit «Über Toleranz» wird eine produktive Kritik dieses strapazierten Begriffs entwickelt.
Eine wahre Perle ist «Afschane», Saids Essay über Ibn Sina (980–1037), den bedeutenden Arzt und Gelehrten, der im Westen unter dem lateinischen Namen Avicenna bekannt ist. Said skizziert darin nicht nur dessen Leben und Gedankenwelt, sondern aktualisiert sie auch: «Was wäre heute aus Avicenna geworden? Im Teheran der Islamischen Republik wäre er wegen Häresie längst hingerichtet worden. (...) in Deutschland aber wäre Avicennas Medizinstudium nicht anerkannt, dann müsste er, wie eine grosse Anzahl seiner Kollegen, die hier Zuflucht gefunden haben, als Taxifahrer arbeiten.» Die autobiografische Reflexion «Ein Kind auf der Suche nach Europa» setzt in diesem lesenswerten, anregenden Essayband den Schlussstein.