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Wilfried Schelberg

Das Schwein, der Maulwurf, die Krähe und das Paradies.
Vor langer, langer Zeit trafen sich ein Schwein, ein Maulwurf und eine Krähe am Strand von Westerland. Sie setzten sich traurig auf den weißen Sand in die warme Sonne und schauten auf das Meer, wo sich am Horizont kleine Wellenberge im Seewind brachen.
Ach, seufzte das Schwein, wie schön wäre es doch, wenn ich irgendwo dort hinter dem Horizont im Paradies leben könnte und ein hohes Alter erreichte, ohne das ich mich vor dem Messer des Schlachters fürchten müsste. Dabei rollte eine dicke Träne über die fette Schweinebacke.
Ach, seufzte der Maulwurf, wie schön wäre es doch, wenn ich irgendwo dort hinter dem Horizont im Paradies leben könnte und ein hohes Alter erreichte, ohne das ich den Spaten des Gärtners fürchten müsste. Dabei rollte eine dicke Träne über die schwarze Maulwurfsbacke.
Ach und ich erst, seufzte die Krähe, wie schön wäre es doch, wenn ich irgendwo dort hinter dem Horizont im Paradies leben könnte und ein hohes Alter erreichte, ohne mich vor der Flinte des Jägers fürchten zu müssen. Dabei rollten zwei dicke Tränen über die Krähenbacke, vereinten sich an der Schnabelspitze und tropften als eine Riesenträne auf den Rüssel des Schweines.
So saßen sie ein Weilchen dort und jammerten vor sich hin, während langsam die Sonne in der Nordsee versank und purpurrote Geister in den Himmel zauberte.
Auf einmal kreischte die Krähe - daaaaaaaaa!!!!!!! Und zeigte mit der längsten Feder des rechten Flügels in Richtung Wasser. Alle sahen es. Ein leeres Ruderboot trieb langsam auf das Ufer zu.
Ich bin Nichtschwimmer zeterte die Krähe. Ich auch fiepte der Maulwurf.
Ich habe den DLRG Jugendscheín jubelte das Schwein und stürzte sich mit einem satten Grunzen in die Gischt des Meeres, kraulte in Richtung Boot und stupste es schließlich mit seinem Rüssel Richtung Land. Dort angekommen warteten schon der jubelnde Maulwurf und die vor Freude hüpfende Krähe.
Das ist unsere Chance Freunde, sagte das Schwein. Auf ins Boot und ab ins Paradies. Keiner lies sich das zweimal sagen und im Handumdrehen waren alle im Boot verschwunden. Erst schaukelte es noch ein wenig, dann trieb es langsam die Küste hinab Richtung Sankt Peter Ording, Büsum und Hamburg.
Es wurde Nacht, die ersten Sterne funkelten am Himmel und der Mond schob sich als roter Kürbis über die Klippen von Helgoland, als die Seefahrer müde und erschöpft in tiefen Schlaf versanken.
Alle träumten von ihrem Paradies:
Das Schwein landete auf einer Insel mit großen fetten Schildern auf denen immer wieder das gleiche stand: Das Betreten der Insel ist für Schlachter streng untersagt.
Der Maulwurf sah im Traum lauter Krater mit erloschenen Vulkanen und aus jedem Vulkan schaute ein Maulwurf heraus und rief Willkommen, Willkommen!!!
Die Krähe indes machte die tollsten Flugübungen. Saltos, Rückenflüge, Sturzflüge und doppelte Rittberger, da es auf ihrer Trauminsel absolut keine Jäger gab.
So war das Glück vollkommen.
Plötzlich, irgendwann im tiefsten Schlaf gab es einen fürchterlichen Ruck. Alle drei purzelten im Boot umher und wachten auf. Verschlafen rieben sie sich ihre Äuglein und blinzelten überrascht durch die ersten leuchtenden Strahlen der Morgensonne auf ein wunderschönes Stück Land an das das Boot getrieben war. Zwischen blühenden Bäumen wiegten sich Schmetterlinge im lauen Wind und tausende bunter Blumen blühten auf einer sattgrünen Wiese. Die drei Bootsfahrer, die zwischenzeitlich Freunde geworden sind hatten zwar nicht ihr persönliches, aber ein sicherlich gutes Stück Paradies erreicht. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch dort und zwar glücklich und zufrieden.
P.S.
Angelandet waren die drei auf dem Grundstück des Kernkraftwerkes Unterelbe. Hier gab es noch niemals Gärtner, Jäger und Schlachter.
|alles lesen | 1 Kommentare | Wilfried Schelberg | <email-pii>

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