Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03561.jsonl.gz/2891

Ein 2.000 Mann starkes Seerettungsteam, das während der Flüchtlingskrise 2015 tausende Menschenleben gerettet hat, und eine leidenschaftliche Menschenrechtsaktivistin, die eine sichere Zufluchtsstätte für tausende schutzbedürftige Flüchtlinge geschaffen hat, sind die gemeinsamen Gewinner des Nansen-Flüchtlingspreises 2016 des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR).
Im Jahr 2015 kamen mehr als 850.000 Menschen auf dem Seeweg nach Griechenland - 500.000 davon auf der Insel Lesbos. Durch die Konflikte in Syrien, in Afghanistan und im Irak, die Menschen weiter aus ihren Heimatländern entwurzeln, erreichten an einem einzelnen Oktobertag allein 10.000 Menschen die griechischen Küsten.
Konstantinos Mitragas, der den Preis im Namen des Hellenic Rescue Teams (HRT) erhält, und Efi Latsoudi, Begründerin des PIKPA-Dorfs auf Lesbos, wurden beide für ihre unermüdliche ehrenamtliche Arbeit an griechischen Küsten während der Flüchtlingskrise 2015 ausgewählt: das HRT für seine 24-Stunden-Einsätze, um Flüchtlinge und Migranten in Not auf See zu retten, und Efi Latsoudi für ihr Mitgefühl und ihre Fürsorge, die sie den besonders Schutzbedürftigen der ankommenden Flüchtlinge und Migranten auf der Insel Lesbos schenkt.
PIKPA ist ein ehemaliges Ferienzentrum für Jugendliche und stellt jetzt temporäre Unterkünfte für schutzbedürftige Flüchtlinge. Nebst Zugang zu medizinischer Versorgung und Nahrung, bietet PIPKA auch Zugang zu Bildung und Rechtshilfe, aber besonders wichtig ist, dass den Flüchtlingen ein Gefühl von Würde und Respekt zurückgegeben wird.
Latsoudi ist die treibende Kraft hinter PIKPA. Ursprünglich aus Athen kommend, hat die 48-jährige Psychologin schon vor ihrem Umzug nach Lesbos mit Behinderten und anderen schutzbedürftigen Menschen gearbeitet. Aber dort, auf Lesbos, wurde sie schnell zu einer führenden Stimme in der Gemeinde, engagierte sich für den Schutz der örtlichen Sumpfgebiete und moderierte eine wöchentliche Radioshow.
Nicht nur die Zahl der Flüchtlinge, die vor Lesbos strandeten, ist gestiegen, sondern die Zahl der Toten auf See ebenso. Latsoudi beobachtete entsetzt, wie sich die Todesfälle häuften. „Ich dachte, dass es nicht möglich wäre, dass so etwas direkt neben uns passiert und wir von nichts wissen“, erinnert sie sich.
„Es war der absolute Horror für sie und uns“, erinnert sich Mitragas. „Es war einfach etwas, das man nicht beschreiben kann.“
Das HRT basiert auf mehr als 2.000 Freiwilligen und rettet seit 1978 Menschen aus der Ägäis oder den griechischen Bergen. Viele arbeiteten im Jahr 2015 Tag und Nacht, mit begrenzten Ressourcen und gefährdeten dabei oft ihr eigenes Leben. Gemeinsam zeigten sie so außergewöhnlichen Mut und Durchhaltevermögen in Zeiten größter Not. Während dieser Zeit unternahmen sie mehr als 1.035 Einsätze, retteten mehr als 2.500 Menschen das Leben und halfen, mehr als 7.000 Personen in Sicherheit zu bringen.
Konstantinos Mitragas, Seekapitän und der Generalsekretär des Hellenic Rescue Teams (HRT), ist ein Geschäftsmann aus Thessaloniki und sagt: „Für uns als Rettungsteam war 2015 das mit Abstand schwierigste Jahr. Wir erlebten den absoluten Horror. Es gab viele Tote, unter ihnen viele Kinder, und das trifft einen immer am meisten.“
„Für mich hat das etwas mit dem Herzen zu tun. Da gibt es etwas, das einen bewegt und so zum ehrenamtlichen Helfer werden lässt“, sagt der zweifache Vater. „Natürlich haben wir auch oft Angst, das ist es, was uns am Leben erhält. Wenn man keine Angst hat, ist man kein Mensch.“