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Weitere Luftaufnahmen von Näfels
Das herrschaftliche Gebäude von Näfels trägt den Namen seines Konstrukteurs, Kaspar Freuler (1595 ungefähr -1651). Freuler war Leutnant im Dienst des Königs von Frankreich im Jahr 1614; in 1635 diente er als Oberst im Regiment der Schweizer Garde. Zwei Jahre später, das heisst in 1637 wurde Freuler zum Ritter von Ludwig XIII geschlagen. Er heiratete in erster Ehe Margareta Hässi von Glarus die Tochter vom Alt-Landammann Fridolin Hässi, der in 1619 Gallati an der Spitze des Regiments der Garde ablöste. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Freuler Anna Reding von Biberegg, die aus einer Familie von schwyzer Landammänner und Kapitänen der Garde stammte. In der Abwesenheit ihres Gatten leitete sie die Konstruktion, denn Kaspar Freuler machte nur kurze Aufenthalte in seiner Geburtsstadt. In 1651 starb er an den Folgen einer Verletzung.
Wir wissen sehr wenig über den Verlauf der Konstruktion. Nur einige auf dem Gebäude eingravierte Daten geben uns rudimentäre Information: die Arbeiten begannen vermutlich um 1642 (das Datum der Dachziegel). 1645 wurde das Dach errichtet. Eine Einritzung auf dem Balken des Daches liefert den Namen des Zimmermanns: " Meister Hans Fries aus dem Alghei." Die innere Einrichtung wurde bis 1647 fertiggestellt. Der Meister des Werkes war vermutlich massgeblich an der Konzeption des Gebäudes beteiligt. Andererseits scheint die Disposition des Palastes und des Treppenhauses die Hypothese aufzuwerfen, dass dies ein vollendeter Architekt entworfen hatte. Der Freuler-Palast blieb in Besitz der Familie bis 1837. In 1840 kaufte es die Gemeinde von Näfels, um dort eine Schule, ein Armenhaus und ein Foyer für Waisen zu installieren. Nach ungefähr einem Jahrhundert später, im Jahre 1937, kaufte eine Glarner Stiftung den Palast und begann, es zu restaurieren. Seit 1946. Das Gebäude beherbergt das kantonale Museum von Glarus, wo eine ganze Abteilung der Glarner Indiennerie gewidmet wird.
Vor den Arbeiten
Im Jahre 1983 begannen erneute Restaurierungsarbeiten, bei welchen das Augenmerk besonders dem Chromatismus der Fassade galt: zu diesem Zweck wurden die Fensterläden erneuert und die Verzierung der Kanten restauriert. Was das Innere betrifft; so erlaubten es peinlich genauen Prüfungen, die kostbaren Stucks ihrer ursprünglichen Farbe zurückzugeben.
Das Patrizierhaus setzt sich aus zwei zusammengesetzten Flügeln zusammen. Der Nordflügel war für die Angestellten bestimmt; der westliche den Herren. Senkrecht werden die Ecken des Gebäudes von gezeichneten Blöcken geschmückt, horizontal akzentuieren die gezeichneten Trennblöcke die Homogenität des Gebäudes. Dependenzen flankieren das Gebäude im Süden, sie sind von einem Hof umgeben. Die zwei Flügel haben drei Stockwerke und sind von einem Dach mit Luken bedeckt. Der Hauptflügel hat ein zusätzliches Mansarden-Stockwerk, das ihn von den anderen unterscheidet. Ausserdem trägt er zwei Giebeln mit Pilastern und strukturierten Vordächern an jedem Ende zur Schau. Im Süden wird die Hauptachse der Fassade durch ein Fenster, das mit einer Kapelle und zwei Nischen korrespondiert, geschmückt. An der Strassenseite hat die Fassade acht Reihen Fenster. An der zentralen Achse, die durch einen monumentalen Eingang gekennzeichnet ist, richten sich fünf fünfte Fensterreihen aus. Das Tor wird aus zwei reichlich skulptierten Flügeln wie auch ein bemerkenswerter Türstock aus Sandstein flankiert. Der unterbrochene krummlinige Giebel trägt die Wappen von Freuler und seiner beiden Ehefrauen Hässi und Reding. Darunter befindet sich eine aus 1646 datierte Beschriftung, die den Meister des Werkes erwähnt. Das Tor, das an der Hofseite der Fassade mit fünf Fenstern steht, ist sehr einfach und spricht die Sprache der Formen der frühen Barock.
Die innere Einrichtung des Gebäudes richtet sich in jedem Stockwerk an einem breiten Korridor aus. Im Norden, das Treppenhaus, ist von Arkaden durchbrochen. Der Konstrukteur nahm die barocke architektonische Konzeption an, und behandelte die Treppe und den Gang so, als handelte es sich um eine einzige, ausgedehnte Halle. Eine bearbeitete Brüstung – mit Renaissance-Verzierungen in den oberen Stockwerken, begleitet das Treppenhaus. Der Korridor und das Treppenhaus bilden den Kern aus dem sich die innere Struktur entwickelt. In der ausgedehnten Halle des Erdgeschosses fallen die beiden grossen, frühbarocken Türen, die geschmückt sind mit skulptierte Panelen und Türstöcke aus Sandstein. Ausser den Diensträumen schützt dieses Stockwerk eine Sala Terrena. Der ganze Charme dieses Saales entsteht durch den Kontrast zwischen dem Gewölbe und seinem Überfluss an Stuck, zum einen, und zum anderen den mit Fliesen ausgelegter Boden aus schwarzen und polierten Kalkstein. Die Ecken werden mit den vier Allegorien der Tugenden verschönert: Mut, Justiz, Vorsicht und Mässigkeit.
Das erste Stockwerk spielt seine edle Rolle; es umfasst die luxuriösesten Zimmer. Im Süden die Prunkzimmer, im Norden die privaten Zimmer des Hausherrn. Genau über der Sala Terrena dehnt sich der Festsaal aus. Die kostbare Kassettendecke, aber auch ein delikater Kamin und delikate Stucks an den Fenstern verleihen dem Zimmer einen feierlichen Charakter. Die Hauskapelle steht im Süden. Eine stukkatierte Szene; die Ankündigung an Maria rahmt eine Anbetung der Hirten ein am Altar. Die Stucks von italienischer Inspiration stammen aus derselben Hand wie diejenigen im Sala Terrena. Die zwei Prunkzimmer, die sich zur Hauptstrasse ausrichten, gehören zu den wertvollsten Inneneinrichtungen des 17. Jahrhunderts der ganzen Schweiz. Das kleinste der beiden ist bis oben getäfelt. Skulpturen und eine von Farben und von Einfallsreichtum volle Einlegearbeit schmücken die Wandverkleidungen sowie ein Büfett, das nach den architektonischen Regeln gebaut wurde. Im Zimmer von Freuler, verblasst das dekorative Vergnügen vor dem willkommenen Komfort. Die Wände und die Decke sind ebenfalls von Wandverkleidungen bedeckt. Zu diesem Dekor fügt sich noch der aus 1619 datierter Renaissance-Schrank hinzu. Auch bemerkenswert in diesen beiden Zimmern sind die grossartige Öfen, die aus den Werkstätten von Pfau, Ofenmacher aus Winterthur stammen. Obwohl sie mit weniger reichen Luxus ausgestattet sind, fallen die Zimmer aus dem zweiten Stockwerk durch ihre Kassettendecken auf. Ausserdem befindet sich am Südende des Ganges sich ein Zimmer mit kostbaren Dekor; das Auge wird mit Entzücken die Wandverkleidungen der Wände betrachten, eine Kassettendecke sowie ein bemalter Steingutofen, aus der Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Man kann daher gut behaupten, dass der Freuler Palast in Näfels zu den anspruchsvollsten Gebäuden der Schweiz aus dem 17. Jahrhundert zählt. Mit seinem monolithischen und verlängerten Umriss gehört er zu den Modellen der Italienischen Renaissance und der Zentralschweiz. Die unterschiedliche Behandlung der Giebel erinnert an eine ostschweizerische oder deutsche Tradition.
Bibliographie