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«Ein Landwirt ist durch teure Güterkäufe, durch den Verkehr mit (…) Wucherern oder durch Ursachen anderer Art in ökonomische Bedrängnis geraten; dessen Heimwesen ist derart überschuldet, dass die Erträgnisse zur Verzinsung der Schulden nicht ausreichen. (…) Um den Mann vor seinem Ruin zu retten, soll nun die Kantonalbank eingreifen.» So umschrieb der Geschäftsbericht der Zürcher Kantonalbank von 1893 an einem Beispiel die praktischen Auswirkungen eines Postulats, das im Kantonsrat eingereicht worden war. Es sah vor, dass die Kantonalbank die Güter (und die Schulden) von «ökonomisch bedrängten» Landwirten übernimmt und die früheren Besitzer als Pächter auf dem Hof belässt. Der Bankrat erkannte jedoch darin keine Lösung. Wenn die Schuldenlast zu gross sei, würden die Bauern immer noch nicht ausreichend «zinsen» können. Die Bank müsste einen Teil der Schulden auf ihr Verlustkonto abbuchen. «Aber woher soll die Bank die Mittel hiezu nehmen?»
Kann die Kantonalbank die «Hofmetzgerei» stoppen?
Wie sollte armen Bauern geholfen werden, die ihr Stück Land überteuert und mit hohen Schuldzinsen übernommen hatten? Politische Kreise forderten die Zürcher Kantonalbank auf, aktiv einzugreifen und das Gut zu übernehmen, um dem Landwirt eine Schuldensanierung zu ermöglichen. Der Bankrat winkte dankend ab. Doch was waren die Alternativen?
Finanzielle Ausschlachtung aufgekaufter Bauerngüter
Viel verheerender beurteilte der Bankrat allerdings das Signal an die «Hofmetzger», so die sehr sprechende Bezeichnung der Wucherer, die sich auf die Zerstückelung von Bauerngütern spezialisiert hatten. Sie kauften grössere Grundstücke auf, um sie in Zeiten mit grosser Nachfrage nach Land in kleinere Einheiten zu zerlegen und diese dann zu einem insgesamt höheren Preis und entsprechenden Schuldzinsen zu veräussern. Wenn der Wucherer darauf vertrauen könne, dass im schlimmsten Fall die Kantonalbank seine Forderung übernimmt, werde er vom Landwirt noch höhere Preise für eine Parzelle verlangen. Die Überschuldung höre nur auf, wenn die Landwirte Preise für die Güter bezahlten, die dem Ertragswert entsprächen. Der Übergang zu normalen Zuständen werde zwar noch Opfer durch Zwangsliquidationen fordern, «aber nur auf dem Wege der Liquidation werden wir zur Beseitigung finanziell krankhafter Zustände gelangen», heisst es im Geschäftsbericht weiter. Der Bankrat relativierte die harte Haltung jedoch etwas: In speziellen Fällen, wenn die Notlage durch besondere Unglücksfälle in Familie und Stall, durch Baufälligkeit der Gebäude, durch Missernten und Ähnliches eintrete, könne die Bank durch eine einmalig namhafte Unterstützung helfen.
Erst Mitte des 20. Jahrhunderts bemühte sich auch der Staat mit relativ sanften gesetzlichen Eingriffen darum, den Landwirten den Zugang zu Bodeneigentum zu ermöglichen und Spekulationskäufe zu verhindern, was aber nur teilweise gelang. 1994 trat schliesslich das restriktivere Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht in Kraft.
Das Thema der Bodenspekulation war nicht nur Ende des 19. Jahrhunderts ein Thema. Karikatur aus dem Nebelspalter, 1962.