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Die Prager Neustadt im 16. und 17. Jh. - eine multikulturelle Stadt in der Frühen Neuzeit. Prager Städte im Vergleich
Der Komplex der Prager Städte mit einem Statut der administrativen, rechtlichen und mehrheitlich auch politischen Autonomie stellt in der Frühen Neuzeit eine Agglomeration dar, für die diese rechtliche Struktur in erster Linie innere Kommunikationsgrenzen zwischen den einzelnen Städten und ihren Bewohnern zog. Auf einer zweiten Ebene zogen die Pfarrämter der verschiedenen Konfessionen Grenzen in ein städtisches Umfeld, das bis 1620 multikonfessionell gewesen war. Die konfessionelle Atmosphäre "erzwungener Toleranz" bildete die Voraussetzung für das Überschreiten und die Durchlässigkeit der so gezogenen Grenzen innerhalb der Prager Städte, und dementsprechend auch den Raum für Kommunikation oder Konfrontation. Diese fanden vor allem im öffentlichen Raum statt und trugen zur Identitätsbildung und zum Selbstverständnis der städtischen Gesellschaft als solcher in ständischer, geographischer, konfessioneller und ethnischer Hinsicht bei. Eine einschneidende Veränderung im System der oben angedeuteten Grenzen wurde erst mit dem Rekatholisierungsprozess nach dem Jahr 1620 und mit der folgenden Durchsetzung einer monokonfessionellen Gesellschaft eingeleitet. Dieser Prozess, der zu einer grossen Migrationswelle führte, war die Bedingung für das Verschieben und eine neue Hierarchisierung der genannten Grenzen innerhalb der Prager Städte, und sein Schwerpunkt lag wohl auf der Trennung des öffentlichen und des privaten Lebensbereichs.