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Ein weiteres „wahres Märchen“:
Es war einmal eine Frau mit dem schönen Namen Aurore. Sie kommt am 1. Juli 1804 in Paris zur Welt. Der adlige Vater, in illegitimer Linie Urenkel Augusts des Starken (Kurfürst von Sachsen und König von Polen, Blog vom 18. Juni 2015), stirbt vier Jahre später; die aristokratische Grossmutter (Tochter des Maréchal de Saxe) „kauft“ der verachteten plebejischen Schwiegertochter das Kind ab und steckt es in eine Klosterschule. 1822 heiratet Aurore einen gewissen Casimir Dudevant; neun Jahre (und zwei Kinder, Maurice und Solange) später liegt die Ehe in Scherben. Madame Dudevant verlässt ihren Mann und zieht nach Paris, um sich als Schriftstellerin zu versuchen. Es dauert nicht lange, bis sie mit ihren Büchern Erfolg hat – und zwar unter einem männlichen Pseudonym, man will ja das maskuline Publikum nicht erschrecken. Gerade ihre Zerrissenheit zwischen den Ständen, zwischen Adel und Bürgertum, zwischen Legitimität und Illegitimität dient ihr als Inspiration, ebenso die Stellung der Frau in der Gesellschaft. In den folgenden Jahrzehnten ist Aurore eine der markantesten Persönlichkeiten in der Künstlerszene von Paris, aber seltsam zwiespältig: Einerseits die skandalumwitterte Erfolgsautorin, die Männerkleider trägt, Zigarren raucht, nacheinander mit verschiedenen Männern in wilder Ehe lebt (zum Beispiel mit Frédéric Chopin), sich politisch engagiert und überhaupt alles tut, was Frauen zu jener Zeit verboten ist. Andererseits die fürsorgliche Mutter und später Grossmutter, die immer wieder gern aus dem Pariser Trubel auf ihr Schloss Nohant zurückkehrt. Diesen Landsitz hat Aurore von ihrer Grossmutter geerbt und 1836 vor Gericht von ihrem Ehemann zurückerobert. Fortan empfängt sie dort neben Chopin auch noch weitere illustre Gäste wie Eugène Delacroix oder Gustave Flaubert. Am 8. Juni 1876 stirbt Aurore in Nohant, wo sie auch beerdigt wird.
Das Leben der Aurore Dupin, besser bekannt als George Sand, erzählt Gisela Schlientz in ihrem Buch Ich liebe, also bin ich. Auch das Werk der Schriftstellerin wird eingehend gewürdigt.