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Am 26. August 1492 wird Rodrigo de Lanzol-Borja y Borja in der Lateranbasilika zum Papst gekrönt. Der Neffe Alonso de Borjas, der als Calixt III. selbst die Tiara inne hatte, und von diesem 1456 zum Kardinal erhoben und 1457 zum Vizekanzler der Kirche bestellt worden war, hat sein ehrgeiziges Ziel erreicht.
Nach der anstrengenden Prozession durch die geschmückten, aber glutheißen Strassen Roms bricht Alexander VI. – so sein Papstname – ohnmächtig zusammen. Man muß ihm Wasser ins Gesicht spritzen, damit er wieder das Bewußtsein erlangt.
Der Aufmarsch der Gesandtschaften, die die Ergebenheitsadressen der italienischen Herrscher überbringen sollen, ist sorgfältig geplant: Ludovico Sforza, der dabei ist, den rechtmäßigen Herzog Galeazzo Maria Sforza vom mailändischen Herzogsthron zu drängen, hat eine gemeinsame Delegation von Mailand, Venedig und Florenz vorgeschlagen, um Ferrante, dem König von Neapel und Schwiegervater Galeazzos, die tatsächlichen Machtverhältnisse eindringlich vor Augen zu führen.
Doch Piero de Medici, der zwar den Dünkel seiner Mutter Clarice Orsini, nicht aber den Verstand seines Vaters, Lorenzo il Magnifico geerbt hat, verdirbt die Machtdemonstration: trotz der Sommerhitze in einem bodenlangen schwarzen Mantel aus Samt, der innen mit Silberbrokat ausgeschlagen ist, zieht er mit einer eigenen Delegation durch Rom und vor den neuen Papst. Ludovico, dessen Bruder Kardinal Ascanio Sforza bei der Papstwahl die Fäden gezogen hatte, wird in Zukunft fürchten, daß die Florentiner ein Bündnis mit Ferrante eingehen könnten – damit müßte er seine Träume vom Herzogshut in Mailand begraben…