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In Erwiederung Ihrer geehrten Zuschrift vom 28. Mai2 ist an der Unterzeichnung des Londoner Protokolles3 nicht im Geringsten mehr zu zweifeln und ich bedaure nur, dass ich auch heute nicht im Stande bin, den Wortlaut desselben Ihnen mittheilen zu können, da der französische Gesandte4, welcher dasselbe besitzt, vor 2 Tagen nach Paris abgereist ist. Ich kann Ihnen jedoch aus sehr gut unterrichteter Quelle mittheilen, dass der Hauptbeweggrund des Protokolles ein der Schweiz nicht ungünstiger ist, da man damit hauptsächlich bezweckte, jedem entscheidenden Schritte von der einen oder ändern Seite zuvorzukommen. Das Drängen des Königs von Preussen in dieser Frage liess die ändern Mächte befürchten, dass die Preussische Regierung zu weit gehen würde und die Ruhe Europas dadurch gefährdet werden könnte. Um dieser Gefahr zuvorzukommen, wurde die Londoner Convention abgefasst. Der Vorschlag hiezu soll hauptsächlich von Frankreich ausgegangen sein und der französische Gesandte in London, Graf Walewski, die Redaction desselben übernommen haben. Man befürchtete längere Zeit, dass Ritter von Bunsen sich weigern werde, dasselbe zu unterzeichnen, was jedoch nicht der Fall war. Man beurtheilt diese Frage als eine für die Schweiz sehr glückliche, da durch die erfolgte Übereinkunft dem Könige von Preussen nunmehr die Hände gebunden sind und die Lösung der Frage dadurch wieder in weite Ferne gerückt ist. Ich glaube, dass die Warnung der französischen Gesandtschaft vor übereilten Schritten eine sehr wohl gemeinte ist, da ich als zuverlässig glaube annehmen zu dürfen, dass das Londoner Protokoll nur aus dem Grunde unterzeichnet wurde, um die Gefahr, welche das Drängen des Königs von Preussen heraufbeschworen, auf diese Art zu beseitigen.
Dies sind die vertraulichen Mittheilungen, welche ich gestern von einigen sehr gut unterrichteten Colleguen erhalten habe.5