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Mit dem Taxi fuhren wir vom Hostel zum Busbahnhof in „Cordoba“, wo der Bus bereits wartete und gleich einsteigen konnte. Der komplette Bus war mit grossen Liegesitzen ausgestattet, welche fast waagerecht gestellt werden konnten, damit man bequem liegen kann. Leider waren die Sitze etwas kurz für mich. Jeder Sitzplatz hatte seinen eigenen kleinen Bildschirm und es konnte zwischen 25 Filmen ausgewählt werden. Die meisten Filme waren in Englisch mit spanischen Untertiteln. Pünktlich um 22:15 Uhr ging es dann los. Nach einer halben Stunde wurde auch bereits das Abendessen serviert. Selbstverständlich gab es wieder Wein zum Essen. Das Essen schmeckte gut, aber war viel zu viel. Wir schauten den Film noch zu Ende und legten uns hin.
Gegen 06:00 Uhr wurden wir geweckt, es wurde Frühstück serviert, auf welches wir verzichteten. Wir schliefen beide nur so mittelmässig gut. Auf die Minute genau erreichten wir um 07:00 Uhr den Busbahnhof in „Mendoza“. Wir holten unsere Rucksäcke und liessen uns von einem Taxi zum Hostel fahren.
Mendoza ist die Hauptstadt der gleichnamigen argentinischen Provinz und hat 121’000 Einwohner. Sie ist hauptsächlich bekannt für ihren Weinbau. Mendoza liegt auf 707 Metern Höhe im zentralen Westen Argentiniens am Fuss der Andenkordillere, die an dieser Stelle, beim Cerro Aconcagua die höchsten Erhebungen von 6962 M.ü.M. aufweist. Die Landschaft ist eine karge Trockensteppe, die aber in der unmittelbaren Umgebung der Stadt bewässert wird, so dass der Weinbau möglich wird. Am 20. März 1861 zerstörte ein Erdbeben die Stadt vollständig, so dass heute aus der Kolonialzeit nur noch die Ruinen der Kirche des Hl. Franziskus erhalten sind.
Im Hostel konnten wir leider unser Zimmer nicht gleich beziehen, da es noch besetzt war. Wir wurden jedoch eingeladen uns am Frühstücksbuffet zu bedienen. Das Frühstück war grossartig, es gab Eier, Pancakes, Müesli usw. Gegen 11:00 Uhr konnten wir dann das Zimmer beziehen. Um eine Tour zu buchen, war es jetzt zu spät, also entschieden wir uns die Wäsche in die Wäscherei zu bringen und die Stadt etwas zu besichtigen. Für die Stadtbesichtigung wurde uns abgeraten unsere grosse Spiegelreflexkamera mit zu nehmen. „Mendoza“ galt vor geraumer Zeit, als sicherste Stadt in Argentinien. In den letzten Jahren hat jedoch der Taschendiebstahl rasant zugenommen. Wir liessen die Kamera und auch den kleinen Rucksack im Zimmer und gingen mit der kleinen Kamera hinaus. Wir klapperten einige Stadtparks, sowie nette Fussgängerzonen ab, viel zu sehen gibt es in der Stadt nicht. In einem nahegelegenen Supermarkt kauften wir uns etwas Aufschnitt, Käse, Oliven und eine Flasche Wein, um uns einen netten Apéro zu machen.
Remi und Frazer, die beiden Neuseeländer, sind im selben Hostel untergekommen wie wir, leider jedoch nur für eine Nacht. Für die kommende Nacht haben sie vier Betten in einem nahegelegenen Hostel gebucht, für sich, Jesse und Gillon, welche einen Tag später nachkommen sollten. Wir entschlossen auch gleich, die Wein-Degustation-Tour am nächsten Tag zu sechst zu machen.
Jeden Tag zwischen 19:00 und 20:00 Uhr bietet das Hostel kostenlosen Wein an. Selbstverständlich trafen wir uns alle ziemlich pünktlich bei der Bar. Während der Happy Hour lernten wir die drei Irländerinnen Katie, Marie und Ailbhe kennen. Sie entschieden sich mit uns zur Wein-Degustations-Tour am nächsten Tag zu kommen, da wir uns bereits etwas vorbereitet hatten. Da die Runde so gemütlich war, organisierten wir nach 20:00 Uhr noch eigenen Wein und quatschten weiter, bis gegen 22:15 Uhr dann aufbrachen für das Abendessen.
Am Freitagmorgen trafen wir uns, nach dem Frühstück um 09:30 Uhr. Eigentlich wollten wir direkt los, doch Jesse und Gillon hatten sich noch nicht gemeldet. Nach langem hin und her ging Frazer los zum Hostel um die beiden zu holen. Die Angestellte im Hostel wollte ihn jedoch nicht zum Zimmer lassen, obwohl er diese Nacht auch in diesem Hostel gebucht hatte. Wir entschieden uns schlussendlich ohne die beiden Jungs zu gehen und hinterliessen ihnen eine Nachricht.
Zu siebt liefen wir zur Bushaltestelle, welche zirka 15 Minuten entfernt war. Ein Strassenverkäufer machte uns darauf aufmerksam, dass wir eine Magnetkarte benötigen um mit dem Bus fahren zu können. Der freundliche Mann liess seinen Stand unbeaufsichtigt und lief mit uns zum nächsten Kiosk, um eine solche Karte zu kaufen. 10 Minuten später sassen wir alle im Bus, welcher in angeblichen 30 Minuten nach „Maipú“ fahren sollte, dem Weinanbaugebiet unmittelbar neben „Mendoza“. Die Fahrt im Bus dauerte dann doch 50 Minuten und dies obwohl der Fahrer einen sportlichen Fahrstil pflegte. In „Maipú“ liefen wir zu „Mr. Hugo“, einem der vielen Fahrradverleiher. Wir mussten kein Depot hinterlassen, die Fahrräder wurden uns einfach ausgehändigt, gegen Bezahlung der Tagesgebühr von 35 Pesos, weniger als CHF 6.-. Mit den Fahrrädern gab es noch eine kleine Karte und eine kurze Erklärung und schon waren wir auf der Strasse.
Den ersten Besuch statteten wir beim grössten Weingut in Argentinien ab. „Trapiche“ wurde 1883 gegründet und umfasst heute 1‘075 Hektaren mit Rebstöcken. Mittlerweile exportiert „Trapiche“ ihre Weine in 40 Ländern und hat sich vor allem in den Vereinigten Staaten einen guten Namen erarbeitet. Wer glaub, dass rund um „Mendoza“ nur Malbec-Trauben wachsen, täuscht sich, die Weingüter bieten daneben auch noch Sauvignon blanc, Cabernet Sauvignon, Pinot noir, Syrah, Chardonnay, Merlot, Torrontes, Rosé, Viognier und Pinot grigio an.
Als wir beim Weingut von „Trapiche“ ankamen, waren wir positiv überrascht. Das Gelände war riesig, mit alten Gebäuden, welche in einem wunderbaren Zustand gehalten sind. Da wir noch alle nüchtern waren, entschieden wir für eine Tour mit anschliessender Degustation. Die Tour startete mit einem 10 Minütigen Film, im welchem die Geschichte von „Trapiche“ und die extrem aufwändige Restaurierung der Gebäude aufgezeigt wurde. Danach wurden uns das Gelände und die Gebäude gezeigt und viel über die Weinkultur erzählt. Schlussendlich ging es in einen schönen Raum, in welchem die Weindegustation stattfand. Die Weine waren sehr gut und wir genossen danach noch einige Minuten auf dem herrlichen Balkon mit der Sicht über die Olivenbäum zu den schneebedeckten Anden.
Während wir auf der Tour waren, kamen Jesse und Gillon auch zum Weingut und warteten bis wir fertig waren, somit waren wir wieder komplett. Zu neunt fuhren wir zum Biergarten, wo wir Bier und Emapandas bestellten. Leider konnten wir nicht ahnen, dass wir über 45 Minuten auf die Empanadas warten mussten, schlussendlich waren alle ziemlich nervös, denn schliesslich wollten wir noch zu anderen Winzern fahren. Mit den Fahrrädern ging es weiter zum Weingut „Familia de Tommaso“.
An einer weiteren Tour waren wir nicht interessiert, zumal dieses Weingut eher klein war und wir vermutlich das Imposanteste bereits besichtig hatten. Wir bestellten nur die Degustation. Hier wurde uns viel erzählt wie man Wein richtig degustiert und die Geschmacksnoten definiert. Die Erklärungen waren sehr interessant, die Weine selbst eher durchschnittlich.
Weiter ging es zum Weingut von „Tempus Alba“. Hier trafen wir mehr ein Restaurant an. Einige bestellten noch einmal etwas zu Essen, Sara und ich bestellten nur das „wine tasting“. Angeblich war das Essen nicht besonders gut, was vor allem für den extrem gehobenen Preis, sehr enttäuschend war. Auch etwas enttäuschend war, dass uns die Weine hier nicht erklärt wurden, sondern einfach auf den Tisch gestellt wurden. Anyway, die Weine waren sehr gut und das ist doch die Hauptsache :-)
Die Sonne näherte sich immer mehr dem Horizont, es war Zeit zum letzten Weingut aufzubrechen. Den letzten Aufenthalt widmeten wir „Mevi“, da man von hier aus eine tolle Aussicht auf die Berge hat. Leider waren wir für die tolle Aussicht etwas zu spät, die Berge waren nicht mehr so deutlich zu sehen, wie sie es am frühen Nachmittag waren. Trotzdem bestellten wir eine letzte Degustation. Die Weine waren alle auf dem Tischset beschrieben, so konnte man sich selbst informieren.
Wir genossen die letzten Sonnenstrahlen und die Weine bis wir dann gegen 18:30 Uhr aufbrachten, um die Fahrräder zurückzubringen. Mr. Hugo schenkte uns noch einige Flaschen von seinem eigenen Wein und begleitete uns zum Strassenrand, wo wir auf den Bus warteten. Der erste Bus wollte uns nicht mitnehmen und fuhr einfach an uns vorbei, obwohl wir deutlich Zeichen machten, dass wir mitfahren wollten. Nach zirka 20 Minuten kam dann der nächste Bus, welcher uns zurück nach „Mendoza“ fuhr.
Sara und ich organisierten an diesem Abend noch einmal ein Barbeque für alle. Kaum waren wir zurück, stressten wir zum Markt um das Fleisch und Gemüse zu organisieren. Kaum hatten wir alles gekauft, schloss der Markt. Für neun Personen brauchten wir etwas mehr, wir kauften 10 Kilogramm Holz, 2.5 Kilogramm Entrecôte und 1.5 Kilogramm Filet für zusammen CHF 40.-, dazu gab es Maiskolben, Kartoffeln und Salat. Das Essen war köstlich, glücklicherweise ist alles gelungen. Wir verbrachten einen tollen Abend. Irgendwann um 02:30 Uhr gingen wir dann alle zu Bett.
Am Samstag machten wir nicht viel. Wir relaxten, schrieben Reiseberichte und buchten noch einige Unterkünfte. Am Abend organisierte das Hostel ein BBQ, an welchem wir teilnahmen. Leider war dies ein grosser Fehler. Uns wurde versprochen, dass wir gegen 21:30 Uhr essen können, im BBQ Preis war der Wein inbegriffen. Um 21:30 Uhr war der Grill noch nicht einmal eingefeuert, als wir nach dem Wein fragten, hiess es, dass es diesen nur zum Essen gibt. Um 23:30 Uhr kam dann endlich das Essen und obwohl ich mehrfach fragte, ob er das Fleisch „medium“ grilliert, bekamen wir durchgebratene Schuhsohlen. In der Zwischenzeit gesellten sich die drei Irländerinnen, Jesse und Gillon dazu. Wir hatten es lustig bis Jesse von einer 19 jährigen Amerikanerin eine aufs Auge geboxt bekam. Der Grund für den Ausraster war ironischerweise die Aussage von Jesse, dass die Amerikaner immer dann Gewalt anwenden, wenn sie intellektuell an ihre Grenzen stossen. Kurz nach 02:00 Uhr wurden wir aufgefordert unsere Party an einen anderen Ort zu verlegen, also gingen wir zur Ausgangsstrasse und wählten dort ein Pub aus und feierten bis in die Morgenstunden.
Am Sonntag mussten wir bereits um 10:00 Uhr auschecken. Wir spürten, dass wir lange gefeiert hatten. Gegen Mittag gingen wir alle zusammen in ein Kaffee und verweilten dort ein wenig, da unser Bus erst um 19:00 Uhr fuhr.
Bilder: Mendoza