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Nach SPECTRUM (1991) für Naturhorn solo (Hermann Baumann gewidmet), CALL (1998) für 2 Naturhörner, 2 Ventilhörner (der Kombination in Schumanns „Rheinischer“!) und Klavier, ist ESPACES MAGIQUES mein drittes Stück für Naturhorn.
Das Schreiben für seltene, oder im Verlaufe der Musikgeschichte „verschwundene“ Instrumente stellt naturgemäss für heutige Komponisten eine besondere Herausforderung dar.
Die Möglichkeiten gewisser Instrumente, gerade der natürlichen Blechblasinstrumente sind sehr beschränkt. Es gilt, die Eigenarten der Tonerzeugung stets genau im Auge (und Ohr!) zu behalten.
Das Prinzip des Naturhorns ist einfach: dem Komponisten stehen 3 Hörner zur Verfügung, in einer bestimmten Stimmung:
Das offene Horn (mit der Obertonskala wie beim Alphorn, wobei durch die Hand in der Stürze die Intonation korrigiert werden kann)
Das gestopfte Horn (durch das Einführen der geschlossenen Hand wird das Rohr verkürzt, der Ton wird entsprechend um einen Halbton erhöht und nasal verfärbt, zudem ist er naturgemäss leiser
Das „verlängerte“ Horn (die Hand wird in der Stürze geöffnet, das Rohr verlängert sich, der Ton sinkt um einen halben Ton)
Durchs Singen ins Instrument können weitere Töne eingeführt werden, als Mehrklänge, ein Effekt, der schon C. M. von Weber in seinem „Concertino für Horn und Orchester“ in der Kadenz verwendet hat.
Der bekannte französische Radio-Moderator François Hudry sagte einmal: „Les baroqueux nous nettoient les oreilles“. In diesem Sinne habe ich versucht, all diese, vom Instrument Naturhorn vorgegebene Phänomene in meinem Stück ESPACES MAGIQUES als geheimnisvolle Klangräume musikalisch umzusetzen. Gewisse gezupfte Klavierpassagen erinnern entsprechend an eine Fortepiano- oder Cembalobegleitung aus der Naturhorn-Epoche.