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Neubau Einfamilienhaus Richterswil
Bauherrschaft: privat
Bauleitung: David Schmid Architekt, Zürich
Statik: Urs Furger Bauingenieur, Oberwil
Bauphysik: Ruedi Seiler Architekt, Basel
Die Ausgangslage:
Die Bauherrschaft wünschte ein robustes Haus mit viel Raum, wenig Luxus und hohem Gebrauchswert. Aussehen sollte es wie eine Fabrik, auf Holz sollte verzichtet werden, aus Beton könne es sein...
Die Stadt:
Auch hier in Richterswil vollzieht sich der Strukturwandel hin zur kontinuierlichen Wohn- und Gartenstadt rings um den Zürichsee. Das stetig wachsende Wohngebiet der Gemeinde entwickelt sich den Hang hinauf in Richtung Wald und Autobahn. Das eingezonte Landwirtschaftsland (Wiesen mit Obstbäumen) wird ohne Rücksicht auf die Topographie auf eine sehr pragmatische Weise erschlossen und mit einer Parzellenstruktur (mit teuer erkaufter Seesicht) für Villen und Einfamilienhäuser versehen.
Die Aussenräume:
Talseitig zur Strasse befindet sich der halböffentliche Vorplatz und ein kleiner Eingangshof, der dem Atelier vorgelagert ist. Das Gebäude tritt hier städtisch, dreigeschossig in Erscheinung. Hangseitig, im Süden des Gebäudes offenbart sich eine flache Geländekammer mit dem bestehenden hauseigenen Reitplatz mit Pferdestall. Die Wohnräume fliessen in den privaten, hofartig gefassten Garten hinaus. Eine Wand mit gedecktem Sitzplatz bildet den räumlichen Abschluss. Von hier bietet sich ein Blick über den Reitplatz hinweg in das Weidland und zum Hausberg "Etzel". Haus und Hof wird hier als Einheit verstanden und bildet den Kontrast zur naturnahen Landschaft.
Gebäudemorphologie und Konstruktion:
Das Gebäude erscheint als steinerner Körper, der in die Erde eingebettet wurde. Die vorhandene Landschaft fliesst neben dem Gebäude in seiner ursprünglichen Form weiter. Gebäude, Garten und Mauern bildet eine gemeinsame Sockelarchitektur, die sich präzise in die bestehende Topographie "verkrallt". Tektonisch bestand nie die Absicht, einen steinernen Monolithen zu giessen; vielmehr wurde das Gebäude aus einzelnen Wandscheiben aus Ortsbeton zusammengefügt. Damit sich die einzelnen Wandscheiben unabhängig ausdehnen können, wurden sie in den Ecken getrennt; so verschränken sich die Wandstücke in den Gebäudeecken mit den eingesetzten Betonstützen. Unabhängig von der äusseren Betonschale liegen die Decken auf den gemauerten Innenwänden auf. Die Schalung erfolgte mit grossflächigen Elementen. Im Bereich der Fenster bilden die farblich abgesetzten Betonplatten und -stützen zusammen mit den bronzeeloxierten Aluminiumfenstern ein intarsienartig eingefügtes Ornament in der Gebäudehülle. Die Form bezieht sich auf die Topographie, der architektonische Ausdruck verweist auf die am entstehen begriffene Grosstadt am Zürichsee.
Die räumliche Organisation des Hauses:
Das Haus hat ein Sockelgeschoss, zwei Vollgeschosse und eine Dachterrasse. Die Grundrisse sind klar Nord-Süd ausgerichtet. Nach Norden orientiert sich eine natürlich belichtete Erschliessungsschicht, währen nach Süden sämtliche Wohn- und Schlafzimmer ausgerichtet sind. Dazwischen liegt eine Serviceschicht mit Nasszellen und Treppenanlage.
Sockelgeschoss (zur Strasse orientiert):
Dem Haus ist ein asphaltierter Platz vorgelagert. Es ist der „öffentlich-urbane“ Begegnungsort an der Strasse. Man betritt das Entrée mit Garderobe über einen gedeckten Bereich vor der Garage. Daneben liegt ein 35m2 grosses Atelier mit Nordbelichtung. Hinter der Treppe liegt die Haustechnik und Hangseitig der Schutzraum.
Erdgeschoss (zum Garten orientiert):
Ein zweiter Eingang führt seitlich vom Garten und Reitstall her über eine "Schmutzschleuse" mit Dusche, Waschtrog und Garderobe für Arbeitskleider in den zentralen Vorplatz (Halle) mit Treppe und Zugang zu Küche/Reduit und Wohnzimmer. Küche (12m2) und Esszimmer (18m2) bilden einen durchgehenden Raum von Norden nach Süden; er findet entlang einer Gartenmauer seine räumliche Fortsetzung bis zum gedeckten Sitzplatz im Garten. Neben dem Esszimmer liegt das Wohnzimmer (28m2) längsseits zum Garten orientiert und der "stille Raum" (14m2), der als Rückzugszimmer dient. Alle drei Räume lassen sich durch Schiebewände abtrennen.
Obergeschoss (zum See orientiert):
Eine grosser laubenartiger Gang im Norden mit Panoramafenster und Blick über das obere Zürichseebecken erschliesst die drei südlichen Schlaf- und Kinderzimmer (je 18.5m2). Die Breite dieses Ganges und der durchgehende Arbeitstisch lassen ihn als Erweiterung der Individualräume nutzen. Dazwischen liegen die bedienenden Räume wie Bäder, Hauswirtschaften und Ankleide. Über eine Dachluke gelangt man auf die Dachterrasse. Im Gegensatz zur Nordseite, haben die Zimmer je eine bildartige Fensteröffnung, die den Blick auf die sanfte Landschaft mit den benachbarten Bauernhöfen einrahmt.