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La Californie (2006)
La Californie (2006)
Oder: Rent-A-Friend
Sie sind jung und brauchen das Geld: Mirko (Roschdy Zem) und Stefan (Radivoje Bukvic) halten sich nach ihrer Flucht aus einem Kriegsgebiet im Balkan als "Freunde gegen Bezahlung" über Wasser. Ihre Arbeitgeberin ist die nicht mehr ganz junge Maguy (Nathalie Baye), die sich ihre Zeit in einer ansehnlichen Villa in Californie, einem Stadteil von Cannes, totschlägt. Gegen Bares pflegen die beiden Maguys Hütte, fahren ihren BMW, halten ihre Yacht instande, lassen sich von ihr beschenken und gehen schon auch mal mit ihr ins Bett. An Maguys Geld-Schoppen hängen ausser Mirko und Stefan auch die abgetakelte Katia (Mylène Demongeot) sowie ein homosexuelles Paar.
Diese Familiengemeinschaft der etwas anderen Art wird durcheinandergewirbelt, als Maguys Tochter Helène (Ludivine Sagnier) auftaucht. Maguy hat diese damals abgeschoben und findet sich jetzt in einem Zwiespalt zwischen schlechtem Gewissen und Rechtfertigungsbedürfnis. Währenddessen verliebt sich Stefan in die hübsche Helène. Als seine Annäherungsversuche erwidert werden, fühlt Mirko eine rasende Eifersucht auf die Frau, die sich zwischen ihn und seinen besten Freund stellt. Als schliesslich auch Maguys finanzielle Reserven langsam aber sicher zuneige gehen, droht die Zweckgemeinschaft gemieteter Freunde auseinanderzubrechen...
Film-Rating
Cannes, sonst bekannt als Schauplatz des glitzerndsten Filmfestivals der Welt, ist für einmal selbst Schauplatz eines Films, in dem es - wie könnte es anders sein - um zerbröckelnde Fassaden geht und die Erkenntnis, dass Geld nicht allzu glücklich macht. Das Regiedebut des Drehbuchautors Jacques Fieschi, der sich in dieser Funktion unter anderem für das Skript von Selon Charlie verantwortlich zeigte, beruht auf einer Kurzgeschichte des legendären "Maigret"-Schöpfers Georges Simenon.
Unsere westlichen Nachbarn haben's in letzter Zeit offensichtlich mit der Freund-Gegen-Bezahlung-Thematik. Schon in Hors de Prix spielte Audrey Tautou ein sexy Betthäschen, das sich gegen das nötige Kleingeld von reichen älteren Herren aushalten liess. La Californie geht das Thema etwas ernster an. Im Zentrum steht eine grandiose Nathalie Baye, die zwar den 60 Lenzen entgegensieht, aber ihre jungen Kolleginnen und Kollegen locker in die Tasche steckt. Allein ihre schauspielerische Leistung macht den Film sehenswert. Phänonemal verkörpert sie einen vordergründig souveränen Charakter, der hinter dem spöttischen Lächeln eine Einsamkeit versteckt, die soweit führt, dass sie sich ihre Freunde mieten muss.
Der Rest des Casts vermag weniger zu überzeugen. Ludivine Sagnier ist zwar ein ansprechendes Pendant zu Audrey Tautou und Roschdy Zem und Radivoje Bukvic bieten auch etwas fürs weibliche Auge. Leider schwanken ihre Figuren aber zwischen unglaubwürdig und völlig klischeehaft. Seltsamerweise scheinen zudem die meisten Charaktere latent bisexuell orientiert zu sein, so dass sie fröhlich mit Männchen und Weibchen ins Bett springen - Gelegenheit macht eben Liebe.
Leider wird das Ende des Films mal wieder völlig verschlampt. Die hastige Wendung von Tragikomödie zu Melodram vermittelt den Eindruck, der Filmemacher sei des Filmemachens überdrüssig und wolle deshalb sein Werk möglichst schnell zu Ende bringen. Und dem Film dabei noch eben schnell durch inhaltliche Schwere einen "anspruchsvollen" Stempel aufdrücken. Schade, dies wäre gar nicht nötig - noch etwas mehr Nathalie Baye hätte gereicht. A la vôtre!
OutNow.CH:
25.07.2007 / ebe
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