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Die Überfahrt von Dakar nach Vitorià, in Brasilien, würde sieben Tage dauern. 150 Stunden nur Wasser und Himmel! Darauf freuten wir uns, als wir am Samstag, 28. Oktober 2017, um zwei Uhr morgens, aus dem Hafen von Dakar ausliefen und Kurs West-Südwest, auf Brasilien, nahmen. Als ich um drei Uhr morgens an Deck ging, hatte die Grande Amburgo den Hafen bereits verlassen, nur die Lichter von Dakar winkten noch hinüber. Am nächsten Morgen, als wir erwachten, war rund um uns nur noch blau zu sehen. Auf der Brücke sah ich, dass der automatische Pilot auf Kurs 210° eingestellt und die Maschinen auf «volle Kraft voraus» standen. Diesen Kurs würden wir für die nächsten 2’400 Seemeilen beibehalten. Dann würden immer noch über 2’000 Seemeilen bis zur Küste von Brasilien vor uns liegen!
Wir waren alle erstaunt, dass wir auf der Überfahrt von Afrika nach Brasilien nicht mehr Fische zu sehen bekamen. Wir standen stundenlang auf der Brücke und schauten auf den tiefblauen Atlantik hinaus. Hin und wieder meinten wir, einen Delfin zu Gesicht bekommen zu haben; doch dann stellte sich heraus, dass es weisse Wellenkämme waren. Umso grösser war die Freude, als nach zwei Tagen und quasi aus dem Nichts, ein Fregattvogel über dem Schiff auftauchte. Elegant und ohne einen Flügelschlag zog er seine Kreise über uns. Die Grande Amburgo pflügte mit 15 Knoten (ca. 30 km/h) durchs Wasser, doch das war gar nichts gegen die Geschwindigkeit, mit der der Vogel über unsere Köpfe und das Schiff düste. So plötzlich wie der Fregattvogel auftauchte, so plötzlich nahm er wieder Abschied. Wir waren wieder alleine. Weit und breit kein anderes Schiff, Wasser bis an den Horizont und drei bis vier Kilometer tief unter uns wie die Seekarte zeigte. Das nächste Land, die Insel Fernando do Noroñha, die zu Brasilien gehört, lag immer noch über 500 Kilometer, oder 13 Stunden, entfernt.
Am Montag, 30.10.2017, um 19 Uhr, überquerten wir den Äquator. Der Kapitän lud uns und die Offiziere zur Äquatortaufe auf die Brücke. Ein Crewmitglied war als Poseidon verkleidet, trug einen Weihnachtsmann-Bart und einen dreizackigen Speer. Den legte er auf unsere Köpfe und taufte uns. Doch das war noch nicht alles. Man hiess uns nach Draussen zu gehen wo Poseidon auf uns wartete. In seiner Hand ein Becken mit einem Schokoladegetränk, in dem auch ein Pinsel lag. Mit dem wurden wir eingepinselt, kein Wunder rochen wir am Ende der Zeremonie alle nach Schokolade. Danach spritze man uns mit einem Feuerwehrschlauch von Kopf bis Fuss ab. Jetzt kam der gemütliche Teil der Zeremonie: Man offerierte uns Sandwichs und Rotwein und der Kapitän überreichte jedem von uns ein Diplom, dass wir die Äquatortaufe bestanden haben. Als Nächstes standen wir unter die Dusche, zogen frische Kleider an und rochen wieder wie der Frühling.