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Dr. C. Täuber: Allerlei Betrachtungen über die Gletscher
Unser vielseitig tätige Clubgenosse setzt in den zwei ersten hier erwähnten Artikeln seine toponomastischen Studien fort, unbeirrt von allen Anfechtungen, welche sie gelegentlich in wissenschaftlichen Zeitschriften und auch in diesem Jahrbuche erfahren haben.
Die Abhandlung über die Gewässernamen scheint mir die reifere der beiden Arbeiten zu sein. Ausgehend von einem reichen Material und gestützt auf die linguistischen Arbeiten von Kluge, Linde, Schlatter, Walde und Jaccard werden die auf die Wurzel r + Vokal zurückgehenden Namen von Bächen und Flüssen oder an solchen liegenden Ortschaften in einer Weise behandelt, die weniger zum Widerspruch herausfordert als früher, und da die besprochenen Gruppen von Flußnamen vorzugsweise, obschon nicht ausschließlich, dem schweizerischen Alpenlande entnommen sind, so darf man wohl in diesem Jahrbuche auf die von Dr. Täuber gewonnenen Resultate als im allgemeinen zutreffend hinweisen, ohne daß ich für jede Einzelheit die Garantie übernehmen möchte. So geht mir der Satz, „ die Vermutung liegt nahe, daß die Namen des Landes Rätien und des Rätikongebirges sich gleichfalls auf den Bachreichtum beziehen, wie auch Rhäzüns der Ort am Hinterrhein ", entschieden zu weit, muß doch Dr. Täuber einige Zeilen weiter unten konstatieren, daß die lateinischen Wörter rete und retae von Sprachforschern auf eine selbständige indogermanische Wurzel ré „ schichten, aufstafeln " bezogen werden. Und warum die mit „ Ritz " gebildeten Namensformen nun absolut nichts mit dem auf germanisch writ zurückgehenden Begriff der ( trockenen ) Ritze zu tun haben sollen, ist auch nicht abzusehen. Man beachte z.B. die von mir im Jahrbuche XLV, pag. 370, konstatierte Gleichung Ritzlihorn = Brenleyre.
Die gutgeschriebene Conferenza sui nomi delle Montagne bewegt sich auf einem ausgedehnteren Gebiete und bringt nach einer ziemlich langen orientierenden Einleitung über die Grundsätze, nach denen Dr. Täuber vorgehen will, eine Fülle von Erklärungen über Bergnamen, die noch bei der Lektüre, geschweige denn beim Anhören, verwirrend wirkt. Neben richtigen und beweisbaren oder wenigstens wahrscheinlichen Deutungen stehen sehr gewagte Hypothesen, und gelegentlich hat Herr Täuber an seinen eigenen Kühnheiten nicht genug, sondern wiederholt die anderer Leute, welche seit seinen früheren Publikationen über dieses Thema aufgetaucht sind. So wenn er der ganz unhaltbaren Theorie Herrn Hartmanns zustimmt, daß die Jungfrau ihren Namen von einer den Klosterfrauen von Interlaken an ihrem Fuß gehörenden Alp und der Mönch den seinen von einer ebensolchen Weide von Wal-lachenMünchen ) erhalten habe. Weder für das eine noch für das andere existiert der Funken eines dokumentarischen Beweises. Ein Festhalten an vorgefaßten Meinungen und Theorien ist es dagegen, wenn Dr. Täuber in seiner Besprechung der Saaser Bergnamen, trotz allem, was Pfarrer Iselin und ich dagegen vorgebracht haben, seine auf romanische Wortformen gestützte „ wässerige " Deutung des nur deutschen Bergnamens Eginer hier wieder bringt und ebenso seine absolut falsche Deutung des „ Allalin " ( urkundliche Form: Ayguelina ) als „ piccola acqua ", unter Berufung auf die von Jules Ronjat und mir lange vor der „ conferenza " als falsch abgefertigte Gleichung „ AilefroideAqua frigida. Ähnliches gilt für seine Erklärung des Wortes Saas. Auf das grenzenlose Gebiet der sechs primitiven ( vor-indo-europäischen ) Sprachwurzeln: pa, ma, na, ta, la oder ra, ka, aus welchen alle Berg-, Gewässer- und Ortsnamen der Urbevölkerung abgeleitet und mit welchen alle sprachlichen Bedürfnisse dieser biederen Hirten gedeckt sind, vermag ich vollends Herrn Täuber nicht zu folgen; hierzu langen meine sprachwissenschaftlichen Kenntnisse und — meine Geduld nicht.