Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03141.jsonl.gz/1895

mehr
ältern neptunischen und paläozoischen Gebirge. Zu den wichtigen Mineralien, [* 2] welche Kleinasien zur Ausfuhr bringt, gehören der Schmirgel und der Meerschaum. Die eruptive Thätigkeit hat früh begonnen, aber eigentliche Vulkane [* 3] sind gegenwärtig nicht mehr thätig.
Der Große Kaukasus besteht vorzugsweise aus kristallisierten Schieferarten, von hervorbrechenden Trachytkegeln gehoben, denen Lavaströme von größerer oder geringerer Mächtigkeit entflossen. In der Richtung seiner Erhebungsspalte finden sich Thermen, die ewigen Feuer, die Salz- und Naphthaquellen, von welchen die letztern ihr Hauptgebiet auf der Halbinsel Apscheron bei Baku besitzen. Die Nebenketten des Gebirges bestehen aus einem System von thonigen Schiefern und eisenschüssigen Sandsteinen mit Flözen trefflicher Steinkohle, welche der Juraformation [* 4] angehören.
Jurassische Kohlen und Kalke der verschiedenen Kreidelagen und an der Südseite Nummulitenkalke treten in größter Ausdehnung [* 5] auf. Mitteltertiärgebirge bilden die Vorhöhen, und die neuesten Bildungen mit den Konchylien des Kaspischen Meers treten am Fuß auf. Der Kleine Kaukasus oder das Hochland von Armenien ist einer bedeutend spätern Spalte entstiegen; er fand weniger Widerstand und konnte sich in die Breite [* 6] ausdehnen. Die Lavaströme, mit welchen seine Bergflächen überzogen sind, verleihen seinem Bodenrelief weichere Konturen. - Das westliche Iran besitzt die Zusammensetzung des Taurus, doch bestehen die höchsten Gipfel aus Quarzit und Kalkstein.
Südöstlich verschwinden nicht allein die kristallinischen, sondern auch die paläozoischen Gesteine und treten bis zu den Grenzen [* 7] Indiens nicht weiter im Südrand hervor. Im N. kennt man noch das Übergangsgebirge im Elburz als Unterlage jurassischer und Kreide- sowie Nummulitenbildungen, über welchen sich der mächtige Vulkankegel des Demawend emporgipfelt; die jurassische Formation ist reich an Steinkohlen. Daß sie sich aber auch ostwärts nach Chorasan fortsetzen, zeigen die Türkisgruben von Nischapur.
Erst in den von NO. nach SW. streichenden Ketten, welche östlich von Birdschand die Westgrenze des afghanischen Tafellandes bilden, treten wieder die ältern Bildungen auf, angedeutet durch Schiefergebirge, durchsetzt von Quarzgängen. Ausgedehnt sind sekundäre und Nummulitenkalke mit jurassischer Unterlage; dafür spricht der Reichtum an Quellen von Naphtha und brennbaren Gasen. An der Basis des Kalkplateaus breiten sich sandig-thonige Gebilde mit Gips [* 8] und Steinsalz über weite Strecken aus.
Ungemein reich strömen die Quellen für die Geologie [* 9] Indiens. Medlicott und Blanford verarbeiteten das reiche Material 1879 zu einem Handbuch und einer geologischen Karte. Der Himalaja besteht im Querdurchschnitt in den Vorhügeln aus tertiären Gebilden im Alter der Nummulitenformation; daran schließt sich eine mächtige Reihe stark gefalteter älterer Formationen aus Kalkstein, Schiefer, Sandstein und Konglomeraten; ihnen folgen kristallinische Schiefer und dann die Zone des Zentralgneises, die geologische Hauptachse des Gebirges, die zugleich zusammenfällt mit der Hauptwasserscheide und der am meisten vergletscherten Kette. Am Nordabhang beginnen die Tibet kennzeichnenden flachen, einförmigen Steppenlandschaften. Es folgt eine breite Zone paläozoischer und mesozoischer Formationen; Kohlenkalk tritt auf und der Sandstein des obern Jura.
Dann kommen kristallinische Schiefer, teilweise unterbrochen von Granit und Gneis, und in der breiten Spalte des Indus, dem Nordfuß des Gebirges, Schiefer und Sandsteine. An den Südfuß, in der indo-gangetischen Niederung, schließen sich die ältern und jüngern Alluvionen der Ebenen an. Aus silurischen Formationen ist die Salzkette im Pandschab zusammengesetzt; in den ammonitenreichen jurassischen Schiefern tritt in Begleitung von Kalken eine mächtige Ablagerung von Gips und Steinsalz auf.
Auch in die Bildung der Gebirge jenseit des Indus treten jurassische und Nummulitengebirge ein und sind bis Kabul und durch die Suleimankette verfolgt worden; ebenso kennt man die Übergangsgebirge in Kohat. Der Hindukusch besteht aus Ketten kristallinischer Gesteine, die voneinander durch versteinerungführende Schichten getrennt sind. Im O. werden die Khassiaberge (im S. des Brahmaputra) auf ihrem Südgehänge von jurassischer Kohlenformation umfaßt. Im nördlichen Teil der indischen Halbinsel ist die älteste Gesteinsart Gneis; dann kommen in der Windhyakette paläozoische Formationen.
Das Godawerithal ist durch Süßwasserniederschläge eingerissen; im Dekhan bilden Granite, in Verbindung mit Syenit und kristallinischen Schiefern (Gneis, Glimmerschiefer, Chlorit, Hornblendethonschiefer, Marmor), einen breiten Gürtel [* 10] mittlern Hochlandes, das bis zum Kap Komorin reicht. Versteinerungsreiche Kreidegesteine kennt man bei Ponditscherri und Berdachellam auf der Küste Koromandel. Wie der Granit dem Süden Dekhans seinen Charakter aufdrückt, so der Trapp dem Norden; [* 11] er tritt hier in einer Ausdehnung auf, von der wir kaum ein zweites Beispiel kennen.
Von Malwa an bis zur obern Kistna, von Madras [* 12] bis zum Lande des Nizam deckt er alles Land mit seinen Tuffen und Mandelsteinen und bildet das große Plateau Norddekhans, in welches Narbada und Tapti ihre tiefen Thäler zwischen der Windhya- und Satpurakette eingeschnitten haben. Von noch jüngern Bildungen besitzen in Dekhan eine weite Verbreitung der die Ostgehänge der Westghats und fast alle Ebenen Dekhans, mit Ausnahme von Konkan, bedeckende überaus fruchtbare Regur (»schwarze Erde«).
Der Küstenstrich von Koromandel zeigt viel Schuttland; beide Küsten sind neueste Meeresablagerungen, wie sie auch zu beiden Seiten des Persischen Golfs auftreten. Eisen, [* 13] Kohlen, Salz, [* 14] Diamanten, in Höhlen gesammelter Salpeter sind die wichtigsten Mineralprodukte Indiens. Gänge von Kupfer, [* 15] Blei [* 16] und Silber sind ebenfalls im kristallinischen Gebirge aufgefunden, aber erst in neuester Zeit ist wieder Kupferbergbau im südöstlichen Bengalen eröffnet worden. Ceylon [* 17] ist eine ganz aus Granit, Gneis und anderm Schiefer gebildete Insel. Die Zerstörung des Gneises lieferte den reichen Edelsteinsand, in dem man die schönen Spinelle, Zirkone, Saphire, Rubine und Granate fand.
Von Hinterindien [* 18] kennen wir noch immer wenig. In allen malaiischen Gebirgsketten nimmt kristallinisches Gebirge weite Gebiete ein. In Ava finden sich im edelsteinreichen Sande die berühmten Smaragde; Siam glänzt durch Rubine und Saphire. In den Seifenwerken von Malakka und der Insel Bangka, die durch Zerstörung von zinnführendem Granit entstanden sind, wird das beste Zinnerz gewonnen und daraus das Malakkazinn bereitet. Tertiärbildungen sind in den Niederungen bekannt. Berühmt ist die Lagerstätte von Knochen [* 19] ausgestorbener Säugetiere am Irawadi. In der Inselwelt, auf Sumatra, Celebes und Borneo, herrscht ¶
mehr
das kristallinische Gebirge und aus ihm hervorgegangenes Schuttland mit Gold [* 21] und Diamanten. Ausgedehnt sind Kohlenlager von unbestimmtem Alter. Von hohem Interesse sind auf diesen Inseln Reihenvulkane; sie bilden einen Vulkangürtel, welcher von Barren Island [* 22] im Bengalischen Meerbusen über die Großen und Kleinen Sundainseln, die Molukken, die Philippinen, die japanischen Inseln und die Kurilen bis nach Kamtschatka reicht. Überall finden wir hier noch gegenwärtig vulkanische Thätigkeit, nur daß die hinterindischen Vulkane mehr Schlammströme ergießen und Aschenregen niederfallen lassen, als Lavaströme entsenden. Von der submarinen Thätigkeit ist die der Korallen [* 23] in den Atollen der Malediven und an den Küsten des Indischen Ozeans wichtig.
Über China, [* 24] namentlich die Ostprovinzen, hat v. Richthofen unsre Kenntnis sehr erweitert; hier ist von großer Ausdehnung das Steinkohlengebirge mit so mächtigen Lagern, daß sich in Schansi Pennsylvaniens Reichtum wieder vorfindet. Die Kohlenfelder reichen bis nordwestlich von Peking, [* 25] wo sie unmittelbar auf dem kristallinischen Gebirge des nordchinesischen Randgebirges aufruhen. Löß setzt das Hügelland zusammen, das sich zum Meer abstuft, und begünstigt den Feldbau. Den Reichtum des Landes an edlen Metallen und andern Produkten aus dem Mineralreich zu erschließen, ist noch der Zukunft vorbehalten. Von Formosa und Japan kennt man ebenfalls die große Ausdehnung des kristallinischen Grundgebirges und der Steinkohlenformation; die höchsten Piks der japanischen Inseln gehören aber zu der Ostasien umgürtenden Vulkanreihe.
Dem Amurland, Nordostsibirien und allen den Gebirgen, welche die Plateaus Innerasiens von den Tiefebenen Sibiriens und Turkistans trennen, fehlen marine Bildungen, welche älter wären als die des erzführenden Kohlenkalksteins, der das Kohlengebirge vielfach begleitet. Im Thianschan herrschen azoische und paläozoische Formationen herauf bis zum Bergkalk, daneben in großer Verbreitung Granit und Syenit. Im Amurland bis zu den Umgebungen des Baikalsees setzt kristallinisches Gebirge in ungemein großer Ausdehnung, Übergangs- und Steinkohlengebirge mit Porphyr und Melaphyr die Gebirge und Plateaus zusammen.
Den Amur begleiten Glimmerschiefergebirge, weiterhin Grauwackegesteine; Sandsteine mit Steinkohlen füllen die andern von Gebirgszügen nicht eingenommenen Räume. Thermen treten oft hoch oben im Gebirge auf. Goldwäschereien werden in den verschiedensten Gegenden getrieben. Das Nertschinskische Gebirge ist mit einer großen Mannigfaltigkeit an Erzen ausgestattet. Die Gesteine und Lagerungsverhältnisse des Altai sind nach v. Cotta im allgemeinen die Mitteleuropas, und besonders merkwürdig ist, daß sogar die Hauptkohlenablagerung derselben geologischen Periode anzugehören scheint wie in Nordamerika [* 26] und Mitteleuropa. Auffallend sind hier die Lagerungsverhältnisse zwischen Granit und Grauwackegebirge, die Humboldt auf seiner Thalfahrt nach dem Irtisch im Durchbruch desselben unterhalb Buchtarminsk sah, wo auf lange Strecken hin der Granit über dem Thonschiefer der Übergangsgebirge (Grauwackegebirge) gelagert war.
Über das Innere von Asien [* 27] oder Zentralasien [* 28] sind wir in den letzten Jahren eingehender unterrichtet worden; ein Querschnitt im Meridian von Kaschgar (Ostturkistan) zeigt folgende Verhältnisse. Ist das Längenthal des Indus überschritten, das hier den Nordfuß des Himalaja bildet, so ist auf 60 geogr. Meilen Breite Syenitgneis Vertreter der silurischen Formation; dann wechselt schwarzer Schiefer mit Sandstein, und paläozoische Chloritgesteine füllen mit dunklem Schiefer und rotem Sandstein den Raum bis zum Kuenlün.
Dieses Gebirge von uraltem Bestand enthält in seiner obersten Schicht Syenitgneis, dann folgt Glimmerschiefer nebst chloritischen und quarzigen Schichtmassen, in denen Gänge von Nephrit auftreten. Am Nordfuß stößt man auf Mergel der Kreideformation; [* 29] diese sind unterlagert von rotem Sandstein. Ist die von zahlreichen Flußbetten durchfurchte Ebene gequert, so treten wieder Schichten auf von mergeligem Thon und Sand; dann folgen als Glieder [* 30] der Thianschankette Triasschichten, höher hinauf ausschließlich paläozoische Formationen.
In der östlichen Mongolei ist die Ebene sandig und kieselig; Einschnitte entblößen horizontale Schichten von Kalksandstein. Noch zu Ende der Kreideperiode war Zentralasien von Meer bedeckt; seine Wasser standen in Verbindung mit dem großen Tertiärmeer, das sich damals von Osteuropa über die aralo-kaspische Niederung bis zum Nördlichen Eismeer hin erstreckte. Den Rückzug der Wasser nach W. über die Dsungarei bewirkten die Hebungserscheinungen, die der Hauptperiode der vulkanischen Thätigkeit folgten. Es beginnt jetzt ein Abschließen des innern Kerns von von der äußern Umgebung; die Ablagerungen der Flüsse [* 31] füllten allmählich die Untiefen aus, das Klima [* 32] wurde trockner, der Boden bedeckte sich mit einer Kiessteppe, zuweilen trat fliegender Sand an ihre Stelle. Dies ist die Gobi, auch Schamo (»Sandmeer«) genannt; an Umfang übersteigt diese Fläche das Mittelmeer zwischen Europa, [* 33] Afrika [* 34] und Asien.
Nutzbare Mineralien.
Die Schätze Asiens an edlen Metallen und Steinen haben schon im Altertum in fast sprichwörtlicher Berühmtheit gestanden. Gold wurde zu allen Zeiten bei den asiatischen Nationen gewonnen. Im persischen Zeitalter waren Fundgruben die vom Hindukusch sich abzweigenden Gebirgszüge am Nordrand von Chorasan (Baktrien) sowie die Gebirge am Südrand Sibiriens. In Vorderasien enthielt das Gebirge Tmolos Gold, das durch die Flüsse Paktolos und Mäander [* 35] fortgespült und aus ihrem Sand gewaschen wurde.
Die kaukasischen Gebirge lieferten Silber und Gold; die Fabel vom Goldenen Vlies spielt in jenen Gegenden und weist auch auf Goldwäschen im Phasis hin. Nicht minder bemerkenswert ist der Reichtum des asiatischen Altertums an Silber. Die Tribute sämtlicher den Persern dienstbarer Völker, mit alleiniger Ausnahme der Inder und Äthiopier, wurden nach Herodot in Silber bezahlt. Am berühmtesten durch seinen Silberreichtum war der westliche Teil des Kaukasus oder das Land der Chalyber, dessen schon der Sänger der Iliade gedenkt.
Die Bewohner dieses Landes betrieben fortdauernd Bergbau, [* 36] und auch im Mittelalter legten die Genuesen hier Gruben an. Nicht weniger ausgebreitet als der Gebrauch der edlen Metalle war stets im Orient der Geschmack an Edelsteinen; er reicht weit über die persischen Zeiten hinauf. Die gewöhnlichsten Edelsteine [* 37] waren: Karneol, Onyx, Sardonyx, Smaragd [* 38] und Saphir;
viele der edelsten Sorten, namentlich auch Diamanten, gelangten aus Indien nach Vorderasien.
Alt und noch immer wichtig ist der Betrieb der Kupfer-, Blei- und Silberbergwerke Kleinasiens. ¶