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Über drei Jahre dauerte der Übernahmestreit der Sika. Ende 2014 hatte die Sika-Erbenfamilie Burkard ihre Kontrollmehrheit der Firma Sika für 2,75 Milliarden Franken an die französische Firma Saint-Gobain verkauft. Dagegen wehrte sich der Sika-Verwaltungsrat (zentralplus berichtete).
Nun schreibt Sika in einer Mitteilung, dass diese gemeinsam mit der Familie Burkard und Saint-Gobain eine umfassende Vereinbarung abgeschlossen habe. So habe etwa die de Saint-Gobain die Schenker-Winkler Holding AG (SWH) von der Familie Burkard erworben. Weiter habe die Saint-Gobain eine Kapitalbeteiligung von 6.97% an Sika verkauft für einen Gesamtkaufpreis von CHF 2.08 Milliarden.
Saint-Gobain behalte eine Beteiligung von 10.75% an Sika für mindestens zwei Jahre. Sika hat weiter angekündigt, eine Generalversammlung einzuberufen, um eine Einheitsaktie einzuführen, das Opting-out und die 5%-Vinkulierung abzuschaffen sowie die von SWH gekauften 6.97% eigenen Aktien zu vernichten.
Sika, die Familie Burkhard und Saint-Gobain hätten laut der Firma im Interesse aller involvierten Parteien und ihrer jeweiligen Aktionäre und Stakeholder Verträge zur Beendigung und Beilegung ihrer Streitigkeiten unterzeichnet.
Beendigung der Gerichtsverfahren, Sonderprüfung, Sachverständigen
Sämtliche laufende Gerichtsverfahren werden beendet, teilt die Baaerer Firma mit. Zudem sei beabsichtigt, der Generalversammlung die Abberufung der Sachverständigen vorzuschlagen.
SWH, im Zeitpunkt der GV eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Saint-Gobain, werde alle Anträge unterstützen. Urs F. Burkard, Jürgen Tinggren und Willi Leimer sind aus dem Verwaltungsrat der Sika zurückgetreten. Alle unabhängigen Verwaltungsräte werden im Verwaltungsrat verbleiben und diesen zu gegebener Zeit mit neuen Mitgliedern verstärken, so die Mitteilung weiter.
Zukünftige Beziehung zwischen Saint-Gobain und Sika
Saint-Gobain werde über die SWH Aktionärin von Sika. Nach der ausserordentlichen GV werde SWH 10.75% der Stimmen und des Aktienkapitals von Sika halten. Die Parteien haben hinsichtlich der Sika-Beteiligung von Saint-Gobain einen Lock-up (zwei Jahre) und einen Standstill (bis zu 10.75% für vier Jahre und bis zu 12.875% für die folgenden zwei Jahre) vereinbart.
Im Falle eines beabsichtigten Verkaufs werde Saint-Gobain ihre Sika-Aktien (bis 10.75%) zuerst Sika anbieten.
«Die beiden Unternehmensgruppen führen ihre Geschäftsbeziehungen weiter und streben an, diese unter Wahrung ihrer wirtschaftlichen und rechtlichen Unabhängigkeit zum gegenseitigen Vorteil auszubauen», schreibt Sika. Diese finanziere diese Transaktion mittels einer Brückenfinanzierung der UBS.
Anschliessend beabsichtige Sika, ihre Kapitalstruktur durch die Ausgabe von Schuldverschreibungen und ähnlichen Instrumenten zu optimieren und dabei sowohl ihr Investment Grade-Rating als auch ihre finanzielle Flexibilität zur Finanzierung der festgelegten Wachstumsstrategie zu erhalten.
Und alle sind erfreut
Paul Hälg, Verwaltungsratspräsident von Sika, und Paul Schuler, CEO von Sika: «Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung von Sika begrüssen den positiven Ausgang, welcher ein neues Kapitel unserer Erfolgsgeschichte einläutet und eine sofortige Gewinnverdichtung für unsere Aktionäre bringt.» Sika halte an einem starken Investment Grade-Rating von S&P fest. Die Einführung einer modernen Governance-Struktur werde Sika eine solide Basis für die Beschleunigung ihres Wachstums bieten. «Der grösste Dank geht an alle Mitarbeiter, die mit ihrem Engagement und ihrer Treue den immensen Erfolg von Sika und diesen Ausgang ermöglicht haben», so Hälg weiter.
Urs F. Burkard, Sprecher der Familie Burkard: «Wir freuen uns, dass Saint-Gobain, als beachtlicher Kunde von Sika, der grösste Aktionär von Sika ist. Die zwischen den Parteien getroffene Vereinbarung berücksichtigt die Interessen aller Aktionäre und bildet die Basis für die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte von Sika. Das Hauptbedenken der Familie war immer die Sicherstellung des Erfolgs und des langfristigen Gedeihens von Sika.»
Pierre André de Chalendar, Verwaltungsratspräsident und CEO von Saint-Gobain: «Dies ist eine sehr positive Einigung für Saint-Gobain, sowohl aus einer finanziellen als auch einer strategischen Perspektive. Wir realisieren für unsere Aktionäre einen substantiellen positiven Nettogewinn von über EUR 600 Millionen. Zudem behalten wir eine Minderheitsbeteiligung an einem grossartigen Unternehmen und werden das Verhältnis zwischen den beiden Gruppen vertiefen.»