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Die Zentralbibliothek des SAC, ihre Gründung und Entwicklung
IHRE GRÜNDUNG UND ENTWICKLUNG VON PAUL SIEBER, KÜSNACHT ZH
IHRE GRÜNDUNG UND ENTWICKLUNG VON PAUL SIEBER, KÜSNACHT ZH Bei der Gründung des SAC wurde ein Vereinsarchiv geschaffen, das laut 4 der Statuten u.a. die von ihm « erworbenen Schriften und Karten » aufzubewahren hatte.Von einer Vereinsbibliothek war jedoch nicht die Rede. Ein erster Schritt dazu erfolgte erst elf Jahre später, als die Abgeordnetenversammlung ( AV ) von Sitten am 22. August 1874 auf Antrag des CC Pilatus die Fusion des Vereinsarchivs mit der bestehenden Gletscherbibliothek beschloss und den Redaktor des Gletscherbuches, J. J. Siegfried, mit der Verwaltung der neuen Bibliothek beauftragte. Nachdem
Das Schweizerische Alpine Museum
VON GEORGES GROSJEAN, BERN Der Schweizer Alpen-Club hat bei seiner Gründung das Ziel der topographischen und wissenschaftlichen Erschliessung der Schweizer Alpen in den Vordergrund gestellt. Dieses Ziel gilt auch noch heute, wenn sich auch gewisse Schwergewichtsverlagerungen vollzogen haben und wenn auch manche Aufgaben der topographischen und wissenschaftlichen Alpenerschliessung seither hauptsächlich von andern Institutionen übernommen worden sind. So ist es eine natürliche Folge dieser Zielsetzung, dass dem SAC neben der zentralen Bibliothek und den Sektionsbibliotheken über kurz oder lang auch eine Heimstätte zur Aufbewahrung topographischen und wissenschaftlichen Sammlungsgutes erwachsen musste. Die Sektion Bern, die in der Frühzeit mit der wissenschaftlichen Alpenerschliessung besonders stark verbunden war, ergriff die Initiative und gründete mit Hilfe des Gesamt-Clubs und mehrerer öffentlicher und privater Gönner das Schweizerische Alpine Museum, das im Jahre 1905 in zwei gemieteten Sälen des ehemaligen « Standesratshauses » an der Zeughausgasse eröffnet wurde. Die Sammlungstätigkeit erstreckte sich auf alle Gebiete der alpinen Landeskunde, vor allem aber auf Reliefs, Panoramen und Karten, sodann auf Geologie, Mineralogie, Gletscherforschung, Pflanzen- und Tierwelt, Ausrüstungsgegenstände, Dokumente und Erinnerungsstücke bedeutender Alpenforscher, Volkskundematerial, alpine Kunst und Graphik. Unter der energischen Leitung des Gymnasiallehrers und spätem Professors für Geographie an der Universität Bern, Dr. Rudolf Zeller, der auch den bedeutenden ethnographischen Sammlungen des Bernischen Historischen Museums vorstand, entwickelte sich das Museum zu beträchtlichem Ansehen in Fachkreisen, und bei ständigem Anwachsen des Sammlungsgutes ging nach langen Bemühungen im Jahre 1933/34 Rudolf Zellers Wunsch in Erfüllung: Durch die Errichtung einer öffentlichen Stiftung am 7. Februar 1933 zwischen Eidgenossenschaft, Kanton Bern, Einwohnergemeinde Bern, Gesamt-SAC und Sektion Bern wurde das Museum auf eine tragfähigere Basis gestellt, und im Herbst 1934 konnte, nach jahrelangem Äufnen eines Baufonds durch Gesamt-SAC und Sektion Bern und bei beträchtlichen Zuschüssen der übrigen Stiftungspartner sowie der Burgergemeinde Bern das heutige Gebäude am Helvetiaplatz bezogen werden. In die beiden untern Stockwerke zog das Schweizerische Postmuseum als Mieter ein, da die Stiftung einstweilen nicht leistungsfähig genug war, die Abzahlungskosten für das weitsichtig geplante Museumsgebäude allein zu tragen. Die Entwicklung des neuen Museums wurde bald durch den Ausbruch des Krieges von 1939-1945 empfindlich gehemmt, indem die Betriebsmittel immer knapper wurden. In dieser schweren Zeit musste im Mai 1940, wenige Monate vor Rudolf Zellers Tod, der Botaniker und Alpinist Professor Dr. Walther Rytz die Leitung des Museums ziemlich unvermittelt übernehmen. Er ersetzte die fehlenden Mittel durch Optimismus und persönlichen Einsatz und begegnete dem zunehmenden Raummangel durch immer neue Sonderausstellungen, von denen manche als bedeutende Marksteine in die Geschichte des Museums eingegangen sind. So war in der Zeit von Walther Rytz das Gebäude am Helvetiaplatz nie von musealer Luft umwittert, sondern wirkte stets aktuell, frisch und jugendlich. Als die Zeiten bei steigender Wirtschaftskonjunktur sich besserten, gelang es den unablässigen Bemühungen von Professor Rytz und seines initiativen Stiftungsrates, eine umfassende Erneuerung des Museums einzuleiten, das nun, nach 25 Jahren, allmählich überaltert war. Am 1. Januar 1958 begann die dritte Periode des Museums, indem unter dem bisherigen Leiter als Stiftungsratspräsidenten ein neuer, nebenamtlich besoldeter Leiter die Auf- 75 gäbe der Reorganisation unter günstigen Bedingungen und mit den erforderlichen ausserordent-Kchen Mitteln übernehmen konnte. So wird im Jubiläumsjahr des SAC, 1963, das Schweizerische Alpine Museum als Zeuge des Geistes und der Leistungen des SAC, in neuem Gewände und nach modernen Gesichtspunkten der Ausstellungstechnik neu gruppiert, seine Gäste empfangen können. Nicht zuletzt unter dem Einfluss der Landesausstellung 1939 hat sich in der Schweiz der Sinn für klare, systematische und auf das Wesentliche ausgerichtete Ausstellungstechnik geschärft. Ging es ehemals darum, alles Sammlungsmaterial irgendwo aufzustellen oder aufzuhängen, so stellt sich heute jedem Museum die Aufgabe einer klaren Trennung in Schausammlung und Studiensammlung. In der Schausammlung sollen die wichtigsten Stücke für das Publikum ausgewählt und in systematisch abgerundeter und ästhetisch ansprechender Weise präsentiert werden. Für den Fachspezialisten muss das übrige Sammlungsgut, das wissenschaftlich nicht minder wichtig ist, in Magazinräumen übersichtlich geordnet und durch Registraturen erschlossen sein. Für das Schweizerische Alpine Museum ergeben sich aus diesen Forderungen, die heute im Museumswesen des In- und Auslandes selbstverständlich geworden sind, keine geringen Probleme. Abgesehen davon, dass Magazin- und Arbeitsräume weitgehend fehlen, lässt sich die zeitgemässe Auflockerung und ästhetische Gestaltung der Schausammlung bei dem verfügbaren Raum nur durch eine rigorose Beschränkung auf die wichtigsten Sammlungsgebiete erreichen. Diese sind für das Alpine Museum die historische Entwicklung des Alpinismus und des SAC sowie die Kartographie mit der bedeutenden Reliefsammlung. Andere Gebiete, wie die Geologie, Mineralogie oder alpine Tierwelt sind seither von andern Museen, wie dem nahe gelegenen Naturhistorischen Museum Bern, übernommen worden, so dass es für das Alpine Museum gegeben ist, das vorhandene Gut zu bewahren, diese Gebiete aber nicht mehr weiter zu entwickeln. Wir hoffen, dass es trotz den nach wie vor knappen ordentlichen Betriebsmitteln und dem knappen verfügbaren Raum gelingen wird, das Schweizerische Alpine Museum auch bei den immer höher emporkletternden Ansprüchen der heutigen Museumstechnik durch eine klare Ausrichtung auf die wichtigsten und unserem Museum spezifisch eigenen Sammlungsgebiete auf der Höhe der Zeit zu halten. Denn in diesem Bereich schaut die Welt auf Bern. Die alpinen Museen von München, Turin, Innsbruck und Zakopane sind durch das Berner Beispiel angeregt worden, und gegenwärtig stehen wir mit Darjeeling, London und Neuseeland in Verbindung, wo die Idee unseres Museums ebenfalls zur Nachahmung gerufen hat. Das verpflichtet.
Die Zentralbibliothek des SAC
IHRE GRÜNDUNG UND ENTWICKLUNG VON PAUL SIEBER, KÜSNACHT ZH Bei der Gründung des SAC wurde ein Vereinsarchiv geschaffen, das laut 4 der Statuten u.a. die von ihm « erworbenen Schriften und Karten » aufzubewahren hatte.Von einer Vereinsbibliothek war jedoch nicht die Rede. Ein erster Schritt dazu erfolgte erst elf Jahre später, als die Abgeordnetenversammlung ( AV ) von Sitten am 22. August 1874 auf Antrag des CC Pilatus die Fusion des Vereinsarchivs mit der bestehenden Gletscherbibliothek beschloss und den Redaktor des Gletscherbuches, J. J. Siegfried, mit der Verwaltung der neuen Bibliothek beauftragte. Nachdem 76 Siegfried sein Amt im Jahre 1877 niedergelegt hatte, wurde die Archivbibliothek an den Sitz des CC nach Genf verlegt. Im selben Jahr beschloss die AV von Glarus die Auflösung dieser « Centralbibliothek » und die Verteilung der Bücher an die Sektionen, mit Ausnahme eines als Grundstock im Zentralarchiv verbleibenden Restes, der alle vier Jahre mit dem CC an dessen neuen Sitz mitwanderte. Kein Wunder, dass das Bedürfnis nach einer Zentralbibliothek mit festem Standort immer brennender wurde!
Dies war die Situation, vor die sich das CC Glarus unter dem Vorsitz von Rudolf Gallati im Jahre 1889 gestellt sah, als es sich dazu entschloss, die Frage der Errichtung einer Zentralbibliothek der Delegiertenversammlung ( DV ) von Zürich vorzulegen, mit dem Antrag, sie durch das CC zuhanden der nächsten DV begutachten zu lassen. Vizepräsident Pfarrer Dr. Ernst Buss befürwortete die Gründung, während Regierungsrat Pfarrer J. E. Grob von Zürich die Bedürfnisfrage verneinte. Schliesslich wurde der Antrag des CC auf Prüfung und Berichterstattung einstimmig zum Beschluss erhoben.
An der am Montag, den 13. Oktober 1890, im Schwurgerichtssaal zu Baden tagenden 27. DV, wiederum unter dem Vorsitz von Centralpräsident Gallati, kam die Bibliotheksfrage als erstes Traktandum zur Behandlung. Vizepräsident Buss referierte neuerdings im Namen des CC. Er führte dabei wörtlich aus: « Es ist ein wesentliches Stück Arbeit des SAC, die Alpenwelt auch allen denen bekannt zu machen, die nicht im Stande sind, selbst in die Berge hinauf zu kommen. Dieses Ziel kann theilweise erreicht werden durch Sammlung der Litteratur und Schaffung einer Möglichkeit für die Freunde der Alpenwelt, dieselbe zu benutzen. Die jetzigen Bibliotheken der Sectionen und des CC sind dem grossen Publikum unzugänglich... Die vorhandene Litteratur liesse sich mit bescheidenen Mitteln sammeln. Damit die neue zu schaffende Bibliothek Jedermann zugänglich wird, muss sie am richtigsten mit einer grossen öffentlichen Bibliothek verbunden werden. Es entstehen auf diese Weise für den SAC auch viel geringere Kosten, als wenn die Bibliothek für sich errichtet würde. Der Centralbibliothek würden einverleibt die Publicationen des SAC, die durch den Tauschverkehr erhaltenen Werke, ferner diejenigen Werke, die vom SAC alljährlich angekauft würden. Zu diesem Behufe müsste ein Credit von Fr. 500 bis Fr. 1000 ausgesetzt werden. » Schliesslich empfahl Buss Eintreten auf den vom CC durch Zirkular vom 25. August 1890 den Sektionen unterbreiteten Vertrag mit der Stadtbibliothek Zürich, die sich zur Übernahme der Bibliothek bereit erklärt hatte.
Trotz Antrag des Basler Delegierten Th. Hoffmann-Merian auf Nichteintreten, mit der Begründung, die « Centralbibliothek » koste zuviel, würde nur selten benützt und könne durch « jährliche Zirkularlisten mit den eingegangenen Büchern und Karten » ersetzt werden, wurde mit 39 gegen 22 Stimmen Eintreten auf die Vorlage beschlossen. In der artikelweisen Beratung gab besonders die Frage der unentgeltlichen Abgabe der Kataloge an die Mitglieder des SAC und deren Bevorzugung beim Bezug von Büchern vor dem übrigen Publikum zu reden. Einstimmig wurde die Aufnahme eines jährlichen Bibliothekskredites von Fr. 500 bis Fr. 1000 in den Vertrag beschlossen und dieser selbst genehmigt. Die Verhandlungen erfuhren noch kurz vor ihrem Abschluss eine dramatische Zuspitzung durch die Erklärung des Berner Delegierten Dr. Heinrich Dübi, die Stadtbibliothek Bern sei unter den gleichen Bedingungen wie die Stadtbibliothek Zürich zur Übernahme der Bibliothek bereit. Mit 32 gegen 31 Stimmen, also mit nur einer Stimme Mehrheit, entschied sich die Versammlung zugunsten von Zürich.
Damit war die « Bibliothek des SAC » ins Leben getreten. Dies war und blieb die offizielle Benennung bis November 1914, als sie auf Vorschlag des Oberbibliothekars der Stadtbibliothek Zürich, Dr. Hermann Escher, wegen Verwechslungsmöglichkeit mit der am selben Ort bestehenden « Jahrbuch » und die « Alpina », jetzt gegen die « Alpen », sind ausländische Zeitschriften, Sammelbecken des Weltalpinismus, wenn auch noch lange nicht vollständig und lückenlos, so doch in ihren wichtigsten Vertretern « eingehandelt » worden. Dem reibungslosen Eingang derselben dient ein eigenes Reglement aus jüngster Zeit.
Raumeshalber müssen wir es uns leider versagen, auch noch der Vermittlerrolle unserer Bibliothek in Form ihres Ausleihedienstes und ihrer Kataloge wie auch ihrer leitenden Persönlichkeiten zu gedenken und auch auf den nervus rerum, den Bibhothekskredit, einzugehen. Wir können aber unsern kurzen Gang durch ihre Geschichte nicht beenden ohne ein Dankeswort an die 23 Central-Comités und die noch zahlreicheren Delegiertenversammlungen, unsere « Souveräne », die durch Gewährung normaler und zusätzlicher Kredite an ihrem Aufbau entscheidend mitgearbeitet haben, ein Dankeswort auch an unzählige Donatoren und nicht zuletzt an die beiden Zürcher Bibliotheken, die ihr Gastrecht gewährt haben.
Unsere SAC-Bibliothek verkörpert die alpine Idee in ihrem Werden und Wachsen. Ihre Kommission ist sich ihrer Verpflichtung bewusst - das Erscheinen eines neuen Kataloges im Jubiläumsjahr ist ein Beweis mehr dafür -, das geistige Erbe der Gründer des SAC und seiner Bibliothek pietätvoll zu hegen und zu mehren und es so an die kommenden Geschlechter weiterzugeben.