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24.05.2011: Oklahoma City - El Reno - Watonga - Canton - Fairview - Lahoma - Hennessey - Guthrie - Oklahoma City - Denton, TX (406 Meilen)
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English summary: Tornado spotted! Then removing some tree branches off the
streets, caused by a violent tornado that ravaged from north of El Reno over
Piedmont to Guthrie.|
Es gibt an unserem letzten Chase-Tag ein High Risk für schwere Unwetter über Oklahoma. Ein sehr gut definierter Trog samt starkem Hebungsgebiet drückt zur besten Tageszeit in eine superschwüle heisse und total feuchte Luft rein, die so gedeckelt ist, das davor absolut nichts auslöst. Im Schlepptau des Troges wird die Dryline mit voller Wucht in die Suppe reingeschoben. Die Luft hinter der Dryline ist 40 Grad heiss und weist bis 6 Kilometer Höhe eine Temperaturabnahme von einem Grad pro hundert Höhenmeter auf. Auch vor der Dryline scheint die Sonne, so dass die Luft hier auf über 35 Grad bei einem Taupunkt von 24 Grad steigt. Die ganze Labilitäts-Energie von annähernd 5000 Joule wird in einem einzigen gigantischen linearen Schub auslösen. Kurz: Heute haben wir den absoluten Oklahoma City-Zerstör-Klassiker, vor dem sich alle fürchten.
Wir positionieren uns westlich der Grossstadt und warten auf die Auslösung an der Dryline. Um etwa 14 Uhr ist es soweit. Zwei Zellen gehen ganz im Westen hoch. Eine unten am Red River mit Kurs hier, eine weitere mehr westlich von uns mit Kurs Nord-Oklahoma. Wir warten ungeduldig einige Radarbilder ab, während ein Grossteil der Chaser, die hier mit uns warten, nach Westen aufbrechen. Wir diskutieren, ob wie die Zelle im Westen abfangen sollen, oder ob wie warten, bis die Red River-Quellung hierher zieht. Dann kommt die West-Zelle sichtbar zuerst in Fahrt, während unten im Südwesten plötzlich zwei, später sogar vier Wolken rumturnen. Wir können einfach nicht mehr warten und zuschauen, und beschliessen ein Anfahren der Einzelzelle im Westen. Die Idee ist, sie mit einem Nordwestkurs abzufangen, und uns danach wieder mit dem Süden zu befassen. Soweit die Theorie :-)
Als wir uns der Zelle nähern, die sich mit schnellen 35 Knoten nach Nord-Nordost verlagert, hängt die Wallcloud bereits fast bis zum Boden runter. Wir schauen uns an und sind uns sicher, dass dieses Teil einen Tornado produzieren wird. Viel Rotation braucht es in dieser tiefhängenden Sauce nicht für einen Schlauch:
Mach schon!
Auf der Verfolgung dieser Wolkenfetzen nach Norden gelangen wir vorübergehend in hügeliges und bewaldetes Terrain (zu wenig aufgepasst auf den Topo-Karten!), so dass uns der erste Tornado, den das Gewitter produziert, fast durch die Lappen geht:
Dann aber öffnet sich die Landschaft zum grossen Glück wieder, und wir können einen gesamten zweiten Tornado-Zyklus dokumentieren, bei dem es zu einer schönen langen Nadel kommt:
Tornado-Video über einen grösseren Zeitraum als die obige Animation, zeigt den gesamten Tornado-Zyklus (DIVX, 36 MB):
Unter diesem unglaublichen rotierenden gescherten Gewitterturm ist der Tornado soeben aufgetreten. Wir haben noch nie einen solch heftig und weit nach oben quellenden Wolkenturm gesehen. Die Wolkentops dieser Zelle erreichen laut GRLevel3 in der Spitze knapp 65000 Fuss, das sind mehr als 18 Kilometer!
Jetzt kommt gemäss unserem Plan eine Ost- und dann Südverlagerung vor die Oklahoma City-Zelle. Aber die Ostfahrt mit Durchbruch der Gewitter wird zur Wasser- und Gischt-Schlacht und wir kommen nicht rasch genug vorwärts. Also müssen wir unseren Plan ändern, und an der Westseite der Linie nach Süden fahren. Da wir diesen Tornado vom Südrand der Zelle gesehen haben, klappt das beim nächten ja vielleicht auch...
Auf der Fahrt nach Süden sehen wir auf dem Doppler böse Scherungswerte von über 140 Knoten. Und wir lesen in den Reports und Warnungen von violent Tornado, der sich El Reno nähert, unserem Startpunkt von heute. Wie sieht es da unten aus? Wir versuchen die Live-Streams der Chaser reinzubekommen, aber sehen nur eine graue Masse und dann ist wieder das Internet zu langsam. Also weiter auf Abfangkurs bleiben. Da wir uns von Westen nähern, werden wir von dem Teil ja nicht überrollt, sondern es läuft uns davon. Was halt passieren kann, ist eine Blockade der Strasse vor uns durch Tornado-Schäden. Und tatsächlich sehen wir zunehmend Trümmer auf unserer Strasse, obwohl wir klar im Nordwestbereich des Tornados sind, wo er nicht durchgezogen ist. Kurz vor Guthrie sind wir bis auf 2 Meilen am vermeindlichen Monster dran. Wir schauen in eine graue Wolkensuppe und es ist fast windstill. Entweder hat sich das Teil aufgelöst oder es herrscht hier die Ruhe vor dem Sturm.
Schliesslich geht es nicht mehr weiter, weil umgestürzte Bäume und Äste auf der Strasse vor uns liegen. Wir steigen aus und helfen, die Strasse von dem gröbsten Zeug zu befreien. Wir sind mit als erste an dieser Stelle. Weitere Stormchaser arbeiten sich zeitgleich von der anderen Seite durch:
Fertig. Den grossen Baum bekommen wir nicht weg ohne Seilwinde oder Ähnlichem. Die Strasse ist aber wieder passierbar. Es könnte sein, dass sie als Zufahrt nach Guthrie gebraucht wird, denn wir wissen zu dem Zeitpunkt noch nicht, wie es dahinter im Ort aussieht. Mit den Bildern von vorgestern im Kopf, beschleicht uns ein mulmiges Gefühl:
Doch Guthrie blieb zum Glück bis auf ein paar wenige Schäden ganz. Dieser Tornado war äusserst heftig und ist von nördlich El Reno über Piedmont bis nach Guthrie gezogen, und hat sich dann abgeschwächt. Nördlich von El Reno sowie über Piedmont muss es örtlich schlimm aussehen, denn unser Dopplerbild hat ein Lowelevel-Couplet von sagenhaften 140 Knoten in leuchtenden Rot- und Grüntönen gezeigt. Ausserdem lagen auf der Strasse hierher Trümmerteile herum, die mehr als 20 Kilometer weit von Süden heraufgeflogen kamen! Die Strasse lag im Bereich des Downdrafts der Superzelle, also an deren Nordwestseite. Bei den Trümmern handelt es sich um Fetzen von Schaumstoffen, Isoliermaterial sowie Stücke von Aluminiumblech.
Ein weiterer Tornado zog südlich von Oklahoma City durch, hat aber, wie wir auf der Fahrt nach Süden eben gesehen haben, im Stadtbereich selbst nur noch wenige Schäden verursacht.
Schliesslich geht unsere Fahrt weiter nach Süden, um uns für die morgige Abreise nach Hause in die Nähe des Flughafens von Dallas zu bringen. Entlang der gesamten Südfahrt sehen wir ständig riesige Gewitterkomplexe nach Osten abziehen, denn es hat auf der ganzen Linie von Kansas bis Texas Gewitter ausgelöst, die praktisch allesamt vor Tornados gewarnt sind. Irgendwo vor Denton quillt direkt über uns noch einmal ein Gewitter hoch. Wir halten an und geniessen das abendliche Geflackere hoch oben in den Wolken.
In Denton legen wir uns zur Ruhe, die wir nun nach einer Serie von aktiven Tagen auch brauchen. Morgen ist geplant, in Fort Worth ins Meteoritenmuseum zu gehen, und noch einige Geschenklein und Bestellungen für die Lieben zuhause zu kaufen, ehe gegen Abend der Rückflug in die Schweiz ansteht.
Text und Bilder ©2011 Markus Pfister, Mark Vornhusen