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Seit Jahrzehnten verkauft die indische Regierung weite Teile ihres Landes und vor allem ihrer Wälder an internationale Firmen. In vielen Fällen trifft dieser gross angelegte Landraub jene, die über keine politische Stimme verfügen: die Adivasi. Viele von den rund neunzig Millionen UreinwohnerInnen leben in Waldgebieten und besonders vom Ackerbau.
Der Dokumentarfilm «Millions Can Walk» von Christoph Schaub («Giulias Verschwinden») und Kamal Musale zeigt, wie 100 000 Adivasi mit gewaltlosem zivilem Ungehorsam für ihr Recht auf eine würdige Existenz kämpfen. Die Regisseure dokumentieren im Film den «Jan Satyagraha» (Marsch der Gerechtigkeit), einen Protestmarsch, der im Oktober 2012 in der indischen Stadt Gwalior begann und in der 400 Kilometer entfernten Hauptstadt Delhi enden sollte. Hinter dieser beeindruckenden Bewegung steht die Non-Profit-Organisation Ekta Parishad, die sich seit Jahren für die politischen Rechte der Adivasi engagiert.
Ohne Naivität und Kitsch zeigt «Millions Can Walk», wie sich Menschen auf einfache und höchst effektive Weise gegen die zerstörerischen Auswirkungen der indischen Schwerindustrie wehren. Die Regisseure verzichten auf philosophische Offkommentare und lassen die ProtagonistInnen selbst zu Wort kommen. Beeindruckend sind die Klarheit und das Engagement des Sozialarbeiters Rajagopal P. V., Gründer von Ekta Parishad und Sprecher der Protestbewegung. «Millions Can Walk» porträtiert Menschen, die für eine Sache kämpfen, die grösser und wichtiger ist als sie selbst. Und Schaub und Musale scheuen sich nicht, sowohl die schwierigen als auch die erhabenen Seiten dieses Kampfes zu zeigen.