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Geboren am 20. Februar 1803 in Brugg, zeigte Friedrich Theodor Fröhlich schon früh eine Begabung für Musik. Er begann 1822 in Basel und 1823 in Berlin zunächst ein Jurastudium, das er aber zugunsten seiner musikalischen Weiterbildung aufgab. In Berlin erhielt er Unterricht von den Musikpädagogen Karl Friedrich Zelter, Bernhard Klein und Ludwig Berger. Er lernte dabei auch den jüngeren Felix Mendelssohn kennen. Es folgte eine reiche Schaffensperiode. Zahlreiche Lieder und Chöre, Streichquartette und eine Sinfonie entstanden, und einige seiner Liedersammlungen wurden sogar in deutschen Verlagen veröffentlicht. Dennoch wollte es ihm nicht recht gelingen, sich in Berlin eine unabhängige Existenz als Musiker aufzubauen. Voller Hoffnung auf einen fruchtbaren Boden für seine kompositorische und musikpädagogische Arbeit kehrte er 1830 in die Schweiz zurück. In Aarau erhielt er an der Kantonsschule eine Teilzeitstelle als Musiklehrer. Daneben leitete er Chöre und ein Liebhaberorchester und erteilte Privatunterricht. Neben dem ermüdenden Brotberuf widmete er die spärliche Freizeit dem Komponieren. Das reiche Musikleben von Berlin fehlte ihm aber. Finanzielle Sorgen, mangelnde Beachtung durch Verleger und Publikum und private Probleme führten schliesslich dazu, dass er im Oktober 1836 in Aarau in den Fluten der Aare freiwillig aus dem Leben schied. Er hinterliess eine grosse Anzahl Musikhandschriften, die rasch in Vergessenheit gerieten, jedoch erhalten geblieben sind.
Johannes Vigfusson
www.froehlich-gesellschaft.com
Über dieses Album
Heute ist Theodor Fröhlich vor allem für seine Chorwerke bekannt. Doch war das Kunstlied ein fester Bestandteil seines Schaffens, und er hinterließ über 200 Klavierstücke und 18 Liederzyklen, die größtenteils in Vergessenheit geraten sind. Für diese CD suchten wir einige Schätze aus diesem Fundus. In ihnen hat Fröhlich seinen eigenen Stil gefunden, wie er die Dichtung geschickt durch Tempo- und Affektwechsel unterstreicht, um den Text sinnlich darzustellen. Dabei wählten wir bewusst jene Lieder aus, die einen Bezug zum Thema «Heimat» haben.
Es gibt kaum ein Wort, das so viele Emotionen und Assoziationen auslöst wie das Wort «Heimat». Jeder hat seine eigene Heimat und doch ist es kaum zu beschreiben, was sie ausmacht. Die meisten denken zuerst wohl an einen örtlich begrenzten Raum, wobei bereits da die Grenze nicht klar definiert werden kann. Ist es ein Haus, eine Ortschaft, ein Land, eine Familie, eine Glaubensgemeinschaft oder eine Person? Wissenschaftlich gibt es keine genaue Definition von Heimat und so wollen wir mit diesem Programm verschiedene Aspekte von ihr beleuchten.
In den Lieder an Meieli (1827,) gedichtet von August Heinrich Hoffman von Fallersleben (1798-1874), sucht der Protagonist die Heimat in seiner Geliebten. In ihr ist er «eingewiegt in Fried’ und Ruh» und findet nur in ihren Augen den Himmel. In diesen sechs Liedern fällt die Experimentierfreudigkeit des jungen Komponisten besonders auf: Die verschiedensten Variationen in Tempo und Tonart werden mit anspruchsvollen und überraschenden Zwischenspielen vom Klavier verbunden, während der Ambitus des Sänger (A – b’) voll ausgeschöpft wird. Auch die Anweisungen sind bemerkenswert, wie zum Beispiel «Mit willkürlicher, deklamatorischer freier Bewegung» oder «Mit Innigkeit und wehmühtiger Sehnsucht“.
Johann Ludwig Tiecks (1773-1853) Wonne der Einsamkeit (1826) Vertonung glänzt vor allem durch die Ruhe, die das Stück prägt. Das dreifache Wiederholen des Hauptthemas «O holde Einsamkeit» führen den Hörer immer wieder zurück an den Sehnsuchtsort des inneren Friedens.
Hyperions Schicksalslied (1830), gedichtet von Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770-1843), steht sowohl thematisch als auch musikalisch im Kontrast zu Wonne der Einsamkeit. Der aus der Heimat verstoßene Titan Hyperion beklagt sein Leid und das der Menschen im Kontrast zu den „keusch bewahrten seligen Genien“ auf dem Olymp. Musikalisch baut das Stück eine große Spannung auf, indem es sehr ruhig anfängt und sich rhythmisch und dynamisch allmählich intensiviert. Rückkehr in die Heimath (1830), ebenfalls von Hölderlin gedichtet, schildert das Gefühl, wenn man in die vertrauten Gefilde mit all den Geräuschen und Gerüchen wiederkehrt. Fröhlich vertont es mit einer bewegten Klavierbegleitung, die sich erst wandelt, sobald der Dichter von den sehnenden Erinnerungen spricht und bei der Rede vom Vaterland beinahe in eine pathetische „Nationalhymne“ wechselt.
Wie viele seiner Werke, wurde Ihr Heimatfluren (1830) nie veröffentlicht und ist nur mit „Recitativ & Aria“ betitelt. Obwohl der Dichter nicht genannt wird, steht die Vermutung im Raum, dass Theodor selbst oder sein Bruder Abraham Emanuel Fröhlich den Text verfasst hat. Das relativ lange Rezitativ ist quasi ein Dialog zwischen dem Sänger und dem Pianisten, welcher immer wieder kleine bildhaften Kommentare hinzufügt. In der dreiteiligen Arie steigert das Tempo von einem gemütlichen Allegretto über ein tief berührendes Larghetto, was schlussendlich in ein opernartiges Allegro Finale hervorbricht.
Es ist wohl kein Zufall, dass sich die drei Lieder von 1830 mit dem Thema Heimat befassen. Fröhlich kehrte da von seiner Ausbildungszeit in Berlin in die Schweiz zurück.
RAPHAEL HÖHN
Der Tenor Raphael Höhn schloss einen Master im „klassischen Gesang“ an der ZHdK und einen Master in Vertiefung “Alte Musik” am königlichen Konservatorium in Den Haag ab. Als Solist ist er in ganz Europa und Amerika tätig und arbeitete mit namhaften Dirigenten wie Ton Koopman, Frans Bruggen und Howard Griffiths und mit dem NDR Chor, der Nederlandse Bachvereniging, dem Gewandhausorchester oder dem RIAS Kammerchor zusammen. Sein Weg führte ihn unter anderem an das Lucerne Festival, die Händel Festspiele Göttingen, das Festival des Saintes und an das Bachfest Leipzig. Zudem singt er in den professionellen Ensembles Voces Suaves und Vox Luminis. Er ist Gewinner des Studienpreises des Migros-Kulturprozents und Bachpreisträger.
raphaelhoehn.ch
SHIN HWANG
Nach seinem Studium an der University of Michigan in Ann Arbor bei Arthur Greene und Penelope Crawford hat der amerikanische Pianist Shin Hwang verschiedene Preise gewonnen, unter anderem Fulbright und DAAD, um Cembalo und Fortepiano am Königlichen Konservatorium in Den Haag bei Jacques Ogg und an der Musikhochschule Freiburg bei Robert Hill zu studieren. Im Anschluss promovierte er an der Cornell University bei Malcolm Bilson. Als Solist und Kammermusiker, gab er in ganz Europa und in den USA Konzerte, wie zum Beispiel am Utrecht Oude Muziek Festival, AMUZ Festival in Antwerp, Academy of Early Music Concert Series, Yale University, und Library of Congress Lecture Series in Washington DC. Er ist Preisträger des 1st International Westfield Fortepiano Competition.
About the instrument
Um einen möglichst authentischen Klang zu erzeugen, wurde diese CD-Einspielung auf dem Schöfstosser Flügel (gebaut zwischen 1804 und 1811) aufgenommen, welcher im Museum Blumenstein in Solothurn steht. Donat Schöffstoss (1773-1881) galt als einer der bekanntesten Wiener Klavierbauer seiner Zeit. Mit seiner Wiener Hammer-Mechanik auf einem Schlitten, vier Pedalen (Verschiebung, Dämpfung, Verlängerung und Janitscharen Effekt) sowie einer zweiten Dämpfung per Kniedrücker sind verschiedenste Klangfarben aus dem Flügel zu holen.
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