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Bildung: Eigenverantwortung und Qualität
Der Wille, sich zu bilden und das Bestmögliche zu erreichen, ist nicht allein Sache des Staates, sondern hängt weitgehend von der Eigenverantwortung ab. Wer sich bildet, zieht daraus Vorteile für sich
Die Forderungen der SVP im Bildungsbereich:
1. Der Wille, sich zu bilden und das Bestmögliche zu erreichen, ist nicht allein Sache des Staates, sondern hängt weitgehend von der Eigenverantwortung ab. Wer sich bildet, zieht daraus Vorteile für sich selber und leistet gleichzeitig einen Beitrag an das Wohlergehen der Volkswirtschaft seines Landes.
2. Aus diesem Grund muss die Bildung, insbesondere die Berufsbildung, in einem engen Kontakt zur beruflichen Realität stehen. Bereits in der Primarschule muss deshalb der Akzent auf das fundamentale Wissen, so vor allem auf die Sprachen und die Mathematik, gesetzt werden.
3. Die Schule bildet, die Familie erzieht. Diese Maxime ist ausschlaggebend für das gute Funktionieren eines Bildungssystems. Die Schule ist weder dazu da, die Versäumnisse der Eltern im Bereich der Erziehung wett zu machen, noch diese zu ersetzen. Wenn in bestimmten Gesellschaftskreisen das soziale Netz stark beeinträchtigt ist, müssen besondere, auf diese regionale Sondersituation angepasste Massnahmen ergriffen werden. Es ist aber nicht die Aufgabe der Eidgenossenschaft, derartige Probleme zu lösen.
4. Die SVP ist gegen die Zentralisierung des Schulsystems. Sie tritt für eine klare Aufteilung der Kompetenzen zwischen der Eidgenossenschaft, den Kantonen und den Gemeinden ein. Sie bleibt aber den Grundsätzen des Föderalismus eng verbunden. Wer bezahlt, muss grundsätzlich auch entscheiden können. In diesem Sinne muss mit den Kompetenzen, die der Eidgenossenschaft im neuen Verfassungsartikel über das Bildungswesen eingeräumt werden, sparsam umgegangen werden.
5. Der „Bachelor“ muss den sofortigen Eintritt in die Arbeitswelt ermöglichen und die Universitäten müssen Masterstudiengänge anbieten. Die SVP fordert, dass alle Dienststellen, die mit Bildung und Forschung zu tun haben, in einem einzigen Departement vereinigt werden.
6. Erste Dringlichkeit hat die Einführung einer Qualitäts- und Anerkennungskontrolle der privaten Bildungsinstitute. Bei der Weiterbildung fordert die SVP gleiche Bedingungen für die öffentlichen und die privaten Anbieter. Unsere Partei ist im Weiteren der Ansicht, dass die Weiterbildung nicht die Aufgabe des Staates ist.
7. Bei der Finanzierung des Studiums ist die SVP vorab für ein glaubwürdiges Darlehenssystem. Ferner sollen zugestandene Finanzierungshilfen an Leistungsvorgaben gebunden werden.
8. Auch wenn sich die schweizerischen Hochschulen an den internationalen Entwicklungen orientieren müssen, muss ihnen eine grössere Autonomie in den Bereichen Zutrittsbedingungen, Beiträgen und Stipendien eingeräumt werden.
9. Die SVP schlägt vor, jegliche Finanzierung von Hochschulen durch Private steuerlich zu entlasten.
10. Die SVP engagiert sich voll für das duale Bildungssystem. Es ist absolut notwendig, dass sich die Berufsausbildung eng an der Praxis orientiert und nicht zur armen Verwandten des akademischen Bildungsweges wird. Auch hier schlägt die SVP die steuerliche Entlastung jener Unternehmen vor, die in der Lehrlingsausbildung aktiv sind.
11. Im Forschungswesen fordert die SVP eine ständige Kontrolle der Qualität und des Nutzens der jeweiligen Forschungsprogramme.
12. Die SVP schlägt vor, die Reglementierungen im Forschungsbereich flexibler zu gestalten und administrative sowie strukturelle Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
13. Die SVP unterstützt einen verstärkten Wissenstransfer zwischen den Hochschulen, den Forschungsinstituten und der Wirtschaft, weil eine nicht angewandte Forschung schlichtweg steril ist. In diesem Bereich drängt sich ferner eine Rückkehr zu vernünftigen Investitionen auf.
14. Im Weiteren verlangt die SVP, dass die Beteiligung der Schweiz an europäischen Forschungsprojekten vom Nutzen dieser Projekte für unser Land abhängig gemacht wird.
Die schweizerische Bildung und Forschung muss es mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen. Was das siebte EU-Forschungsprogramm betrifft, ist die SVP nur für eine Beteiligung der Schweiz an ganz spezifischen Projekten.
Praktische Überlegungen
Als Unterrichtender auf der Gymnasialstufe kann ich mit 20 Jahren Erfahrung folgende Beobachtungen zum Qualitätsverlust im Bildungsbereich machen:
- Die ständigen Schulreformen, die in der Regel eine Nivellierung nach unten bedeuten, haben die Schüler, die Eltern und die Lehrer verunsichert.
- Indem die Schule partout alles machen will, verliert sie sich in allzu vielfältigen Programmen und ist deshalb nicht mehr in der Lage, ein gutes Grundwissen zu vermitteln, insbesondere in den wichtigen Bereichen Mathematik und Sprachen.
- Indem die Pädagogen so genannte spielerische Lernmethoden propagierten und das Kind als kleinen König in das Zentrum stellten, haben sie die Fähigkeit der Schule zerstört, die Kinder auf die Berufslehre, auf die Befriedigung einer gut getanen Arbeit, auf die Selbstübertreffung, auf die Disziplin sowie auf die Genauigkeit vorzubereiten. Negative Auswirkungen auf die Aneignung von Wissen und Techniken sind die logischen Folgen davon.
- Der Wille, eine Schule aufzubauen, in welcher Jeder reüssiert (zum Beispiel durch die Abschaffung der Schulnoten) hat die Schüler und die Eltern verunsichert und parallel dazu einen bedauerlichen Minimalismus geschaffen. Eine Chancengleichheit, die Jedermann auf ein tieferes Niveau stellt, kann keine wirkliche Chancengleichheit sein. Eine echte Chancengleichheit setzt im Gegenteil voraus, dass Jeder seine eigenen Fähigkeiten maximal entfalten kann.
- Die obligatorische Schule muss eine privilegierte Lehrstätte sein, die den Jugendlichen die notwendigen intellektuellen Mittel mit auf den Weg gibt, um sich von Fernseh-, Werbung- und anderen Manipulationen befreien zu können. Die Schule darf nicht eine einfache Kopie der Gesellschaft sein. Sie muss im Gegenteil ein kritischer Spiegel sein.
- Die neue Matura, die gegen den Willen der fachlichen Kreise eingeführt worden ist, hat eine Schwächung und eine Verzettelung der verschiedenen Wissensbereiche zur Folge gehabt und hohe Kosten – vor allem wegen den zahlreichen Optionsangeboten – verursacht. Noch schlimmer: Einem 15-Jährigen, der sich für eine falsche Option entschieden hat, ist es kaum noch möglich, sich später richtig auszurichten.