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<h2>SubmittedText<h2><p>In den Statistiken über die Gründe, die seit 1990 zu einer Leistung der Invalidenversicherung führen, stellt man eine eindrückliche Zunahme der Kosten aufgrund von HWS-Distorsion (Schleudertrauma) um 600 Prozent in der deutschen Schweiz fest, während sich in der lateinischen Schweiz diese Kosten im gleichen Zeitraum "nur" verdoppelt haben. Ich gehe nicht davon aus, dass die Bewohner und Bewohnerinnen der französisch- und italienischsprachigen Schweiz weniger oft verunfallen oder weniger oft von einer solchen Krankheit betroffen sind. Deshalb bitte ich den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten: </p><p>1. Wie erklärt sich der Bundesrat diese statistischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Sprachregionen unseres Landes?</p><p>2. Wie beziffert er die Zusatzkosten aufgrund dieser beunruhigenden Entwicklung für die Invalidenversicherung, die Unfallversicherung, die Krankenversicherung und die berufliche Vorsorge?</p><p>3. Gibt es für diese Unterschiede andere als medizinische Gründe? Wenn ja, welche?</p><p>4. Ist der Bundesrat bereit, alles zu tun, um diese Sache aufzuklären? Welche Massnahmen will er konkret ergreifen, um diesen unverständlichen Missstand schnellstens zu korrigieren?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Aus den neusten vorliegenden Statistiken der Sammelstelle der Statistik der Unfallversicherung sind offensichtliche und klar erkennbare Unterschiede zwischen den verschiedenen Sprachregionen des Landes erkennbar. So wurden im Jahr 2004 in der deutschen Schweiz 7,7 Fälle pro 1000 Vollbeschäftigte mit der Haupt- oder Nebendiagnose HWS-Distorsion gezählt. Die entsprechende Vergleichszahl betrug in der französischen Schweiz 4,7 und in der italienischen Schweiz 10,5. Nach Kenntnis des Bundesrates besteht keine wissenschaftliche Untersuchung über die Gründe für diese statistischen Unterschiede. Auch für das häufige Vorkommen von HWS-Distorsionen im Tessin gibt es keine Erklärungen. Der Bundesrat stützt sich daher im Wesentlichen auf die Auskünfte der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) und die Expertengutachten des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV). Gemäss diesen Quellen kommen HWS-Distorsionen in städtischen Gebieten, die in der deutschsprachigen Schweiz verbreiteter sind, häufiger vor, und die Versicherten in diesen Gebieten sind für solche Probleme sensibilisierter. Der Bundesrat stellt weiter fest, dass das Schleudertrauma nicht die einzige Problematik ist, bei der statistische Unterschiede zwischen den verschiedenen Sprachregionen unseres Landes festgestellt werden (so z. B. auch bei den Heilbehandlungskosten). </p><p>2. Die Suva, die rund die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz gegen Unfälle versichert, ist in der Lage, Zahlen zu diesem Thema zu liefern. Diese zeigen, dass die Zunahme der Kosten innerhalb der letzten zehn Jahre beträchtlich ist. So wendete die Suva im Jahr 1995 für die Folgen von Schleudertraumata rund 105 Millionen Franken auf, während sie heute für die gleiche Schädigung 236 Millionen Franken ausrichtet. Dies entspricht einer Kostensteigerung von 125 Prozent. Die Versicherer haben in der Zwischenzeit verschiedene Massnahmen getroffen, um die Schleudertrauma-Fälle besser abwickeln zu können. So hat die Suva im Februar 2006 ein neues Konzept zur Begleitung von Personen vorgestellt, die ein Schleudertrauma erlitten haben. Diese innovative Lösung, welche New Case Management (NCM) genannt wird, stellt die verunfallte Person ins Zentrum der Bemühungen und schöpft sämtliche Möglichkeiten zu ihrer Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess aus. Dieses neue Konzept trägt bereits Früchte, da die Zahl der Neurenten - über alle Fälle gerechnet - zwischen 2004 und 2006 bis gegen 20 Prozent abgenommen hat. Auch der SVV hat verschiedene Verfahren entwickelt, die die soziale und berufliche Wiedereingliederung der Opfer beschleunigen sollen. In den Bereichen Invalidenversicherung und berufliche Vorsorge existieren keine Statistiken zu den Schleudertrauma-Fällen. Demgegenüber belaufen sich die Gesamtkosten der Autohaftpflichtversicherung im Zusammenhang mit diesem Problem auf 500 Millionen Franken pro Jahr. </p><p>3. Das Comité européen des assurances (CEA), bei dem es sich um den Dachverband von 33 nationalen Verbänden der Versicherungsunternehmen handelt, hat eine vergleichende internationale Studie unter Einbezug von zehn Ländern, einschliesslich der Schweiz, erstellt (Quelle: www.cea.assur.org). Die Schlussfolgerungen dieser Studie zeigen, dass die Problematik des Schleudertraumas in erster Linie kulturelle Wurzeln hat und erst in zweiter Linie ein medizinisches oder juristisches Problem darstellt. Dies erklärt möglicherweise auch die statistischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Sprachregionen unseres Landes. </p><p>4. Der Bundesrat ist sich der vorliegenden Problematik bewusst. Er hat in Stellungnahmen zu verschiedenen parlamentarischen Vorstössen (Interpellation Humbel Näf 05.3655, Interpellation Stahl 05.3746, Motion Gutzwiller 06.3375) bereits früher Gelegenheit gehabt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Nach seiner Meinung spielen aufgrund der obigen Ausführungen neben den medizinischen Ursachen auch die Persönlichkeitsstruktur, das soziale, das berufliche und das gesellschaftliche Umfeld der Betroffenen eine wesentliche Rolle. Deswegen ist es kaum erfolgversprechend, das Problem mit gesetzgeberischen Mitteln anzugehen. Vielmehr muss eine verbesserte interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Fachleuten der Medizin, der Biomechanik, der Jurisprudenz und den Wiedereingliederungsspezialisten erfolgen, um bessere Resultate erzielen zu können.</p>  Antwort des Bundesrates.