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Bei South Pole geht es drunter und drüber. Erst letzte Woche trat der langjährige CEO und Gründer Renat Heuberger zurück – auf Druck der Aktionäre. Auch Bastien Girod, Nationalrat der Grünen und Europachef der Klimafirma, hat seinen Rücktritt eingereicht. Er schickte seine Kündigung allerdings schon vor dem Eklat der vergangenen Woche ab.
Jetzt tauchen neue Probleme auf, die mit dem Geschäftsmodell des Unternehmens zusammenhängen. South Pole hilft Unternehmen in der ganzen Welt, sich nachhaltiger aufzustellen. Die Zürcher Firma ist auf Emissionsgutschriften spezialisiert, die es Firmen ermöglichen, ihre CO₂-Emissionen anderswo auf der Welt zu kompensieren.
Eine der Regionen, in denen South Pole Emissionsgutschriften generiert hat, ist Xinjiang in China. In einer Biomasseanlage im Bezirk Bachu erzeugt ein lokaler Partner des Zürcher Klimaunternehmens aus Baumwollabfällen Strom, was laut South Pole wesentlich nachhaltiger ist als fossile Brennstoffe.
«Keinen anfälligeren Ort auf der Welt»
Die britische Tageszeitung «The Guardian» und die Rechercheplattform Follow the Money (FTM) kritisieren das Projekt. Der Standort sei problematisch. In der Gegend, in der das Kraftwerk seine Baumwollabfälle sammelt, gebe es zwei Baumwollfarmen, die Zwangsarbeiter beschäftigen oder beschäftigt haben. The Guardian und FTM berufen sich auf den deutschen Anthropologen und Xinjiang-Experten Adrian Zenz.
Laut Zenz gibt es in Xinjiang keinen anfälligeren Ort für staatliche Zwangsarbeit als den Bezirk Bachu. 2021 stellte South Pole den Verkauf der Bachu-Kredite ein, nachdem ein Kunde Bedenken angemeldet hatte. Das Unternehmen leitete eine eigene Untersuchung ein, fand aber «keine wesentlichen Probleme».
Adrian Zenz stiess bei seinen Recherchen auf mehrere Baumwollfarmen, die mit Zwangsarbeit in Verbindung stehen sollen. Er habe «eindeutige Beweise» dafür in Propagandaerklärungen der chinesischen Regierung und in Nachrichtenberichten aus der Region gefunden, schreiben The Guardian und FTM.
South Pole erklärte, das Unternehmen habe eine spezielle Überprüfung des Projekts veranlasst. Dabei habe South Pole jedoch keine wesentlichen Probleme festgestellt. Da sich das Unternehmen jedoch aufgrund von Medienberichten über angebliche Zwangsarbeit in Xinjiang «generell unwohl» gefühlt habe, habe es die Entscheidung getroffen, den Verkauf von Emissionsgutschriften aus diesem Projekt einzustellen. Zu den Käufern der Xinjiang-Zertifikate gehören unter anderem Musik-Streamingplattform Spotify und der Ölmajor BP.