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Orchestertourneen in West- und Osteuropa, 1945-1975: Fünf Sondierungen
23.03.2021, 18:30
Vorträge entweder online per Zoom statt oder im Raum 120, Institut für Musikwissenschaft, Mittelstr. 43,
Reisende Orchester wurden im 20. Jahrhundert zu einer bestimmenden Grösse des internationalen Musikbetriebs. Nahmen Orchestertourneen um 1900 in Europa ihren Ausgangspunkt, so spielten europäische Tourneeziele auch in der Globalisierungsphase nach 1945 eine wichtige Rolle. Anhand von Gastspielen deutscher und österreichischer Orchester in West- und Osteuropa diskutiert der Vortrag politische, ökonomische und professionelle Dimensionen von musikalischer Mobilität unter den Vorzeichen von Nachkrieg und Kaltem Krieg. Fallstudien beinhalten die Nachkriegscomebacks der Wiener und Berliner Philharmoniker in Grossbritannien, die Gastspiele der neu gegründeten Bamberger Symphoniker in den Diktaturen auf der iberischen Halbinsel sowie die Westeuropatourneen des Leipziger Gewandhausorchesters zu DDR-Zeiten. Des Weiteren werden die Schwierigkeiten der Philharmonia Hungarica als ungarisches Flüchtlingsorchester im internationalen Musikbetrieb sowie die Auftritte deutschsprachiger Orchester in der Sowjetunion thematisiert. Gegenüber der Vorstellung einer pauschal politischen Vereinnahmung der Orchester im Ost-West-Gegensatz richtet der Vortrag besonderes Augenmerk auf die Inszenierungsstrategien der Tourneeorchester und ihre vielfältigen Wahrnehmungen.