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Jedes Jahr ehrt die Balzan-Stiftung Wissenschaftler aus vier Fachgebieten mit einem Preisgeld von je 750'000 Franken. Zum ersten Mal in der Geschichte der Stiftung wurde der Preis für eines der vier jährlich wechselnden Fachgebiete - in diesem Fall "Internationale Beziehungen: Geschichte und Theorie" - nicht vergeben, wie es am Montag in einer Mitteilung hiess.
Als Begründung wurde die Notwendigkeit genannt, eine Gewinnerin oder einen Gewinner auf höchstem Niveau für das Fachgebiet zu präsentieren. Offenbar hatte sich das Komitee nicht auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen können. Das Preisverleihungskomitee werde weitere Anstrengungen unternehmen, im kommenden Jahr einen geeigneten Kandidaten vorzustellen, hiess es in der Mitteilung.
Der Preis für "Vergleichende Literaturwissenschaft" geht an Piero Boitani von der Universität Rom "für seine ausserordentliche Fähigkeit, Weltliteratur als lebendigen Dialog mit den Klassikern der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit darzustellen", begründete die Stiftung die Preisvergabe.
Signalübertragung im Nervensystem
Reinhard Jahn vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen erhält den Balzan-Preis für "Molekulare und zellulare Neurowissenschaften". Jahn wird für seine Beiträge zum Verständnis der Prozesse geehrt, die hinter der Signalübertragung von Nervenzelle zu Nervenzelle stehen. Im Fokus seiner Forschung stehen sogenannte synaptische Vesikel - kleine Bläschen, die Signalstoffe (Neurotransmitter) enthalten.
Der Preis für "Angewandte Photonik" geht an Federico Capasso von der Harvard University für seine Arbeit an neuen Materialien mit besonderen elektronischen und optischen Eigenschaften, die zur Entwicklung einer grundlegend neuen Art von Lasern - sogenannten Quantenkaskadenlasern - geführt haben.
Die Preisträger werden die Preise am 17. November in Rom entgegennehmen. Sie müssen die Hälfte des Preisgeldes für die Finanzierung von Forschungsprojekten verwenden, schrieb die Stiftung.
Themen für 2017
Da die Fachgebiete für die Balzan-Preise von Jahr zu Jahr variieren, gab der Präsident des Preisverleihungskomitees Salvatore Veca am Montag auch die Themen für die Ausschreibung 2017 bekannt: "Kollektives Gedächtnis", "Gender Studies", "Immunologische Ansätze in der Krebstherapie" und "Die Planeten des Sonnensystems und die Exoplaneten".
Die Internationale Balzan Stiftung hat ihre Sitze in Mailand und Zürich. Benannt ist sie nach dem italienischen Journalisten Eugenio Balzan. Seine Tochter gründete sie im Jahr 1957 in Lugano aus dem Erbe des Vaters.