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“Your country needs you …” – “I am Canadian.”
Nebst den „originalen“ Filmen, also der ursprünglichen X-Men-Trilogie, muss man als Vorbereitung auf den nächsten Donnerstag anlaufenden „X-Men: First Class“ natürlich auch das Logan-Prequel X-Men Origins: Wolverine gesehen haben. Okay, so wirklich nötig wird das wohl nicht sein, denn im neuen Streifen hat Wolverine nichts zu suchen (obwohl…), und in Wolverine haben Xavier und Magneto nichts verloren (obwohl…). Dennoch besass ich Zeit und Musse, mir auch diesen Film über den beim Frauenvolk wohl beliebtesten Mutanten zu Gemüte zu führen.
Die Geschichte setzt 1845 ein, als der junge Logan aufgrund eines Missverständnisses seinen eigenen Vater tötet. Gemeinsam mit seinem Bruder Victor flieht er und durchlebt mit ihm aufgrund ihrer geringen Alterung diverse Kriege, bis die beiden aufgrund eines Kriegsverbrechens getötet werden sollen. Ihre Heilungsfähigkeit ermöglicht es ihnen, zu überleben, wodurch Colonel Stryker auf sie aufmerksam wird. Er möchte ein Spezialteam aus Mutanten zusammenstellen, und Victor und Logan willigen ein. Als es bei einer Mission in Nigeria eskaliert, steigt Logan aus und lebt fortan als Holzfäller in Kanada. Doch die Vergangenheit holt ihn sechs Jahre darauf ein, als seine Freundin von Victor umgebracht wird. Um sich an Victor zu rächen, schliesst er sich Stryker an, der seinen Körper mit Adamantium, einem nahezu unzerstörbaren Metall, ausstatten lässt. Als Logan die Wahrheit hinter der ganzen Geschichte sieht, ist es auch schon zu spät, und „The Wolverine“ ist geboren…
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgendeiner der Vorgängerstreifen ähnlich verworren war oder auch nur ansatzweise so viele Plottwists aufwies, wie „X-Men Origins: Wolverine“. Regisseur Gavin Hood zieht dieses Register zudem zum völlig richtigen Zeitpunkt, gerade als die bisherige Story zu Genüge abgespult wurde, und man eigentlich alle nötigen Fakten kennt, als das ganze Konstrukt bereits langweilig zu werden droht, in diesem Moment zückt er noch ein letztes As im Ärmel hervor und deckt Lügen auf, die der Zuschauer bereits als Wahrheit geschluckt hat. Zugegebenermassen, zeitweise ist der Film auch arg vorhersehbar, aber im Vergleich mit den anderen Streifen der Reihe hat er die Nase doch deutlich vorne.
Ein bisschen verspieltes, vergambletes Potenzial, sozusagen (man verzeihe mir das schreckliche Wortspiel) sind die Nebenfiguren, von denen der Film in Form von zusätzlichen Charakteren und Cameos en Masse bietet. Und dabei selbst zeitweise die Übersicht verliert. Figuren wie Gambit oder auch Cyclops lassen den guten Ansatz des Films erkennen, der aber eben das bleibt – nur im Ansatz gut. Denn das Pulver wird verschossen, und mit jeder Figur, die mehr vom Scheinwerferlicht abbekommt, rücken die anderen entsprechend in den Hintergrund, und mit ihr auch die primäre Handlung. Gänzlich misslungen ist aber Deadpool, der nur noch lächerlich ist. Dabei hätte diese Figur so viel Potential gehabt, aber man wirft Ryan Reynolds‘ anfänglich akkurate Performance achtlos über den Haufen und bastelt ein scheinbar gefährliches und willenloses Biest. Ich hoffe nur, dass man den kommenden Deadpool-Film entweder in die Origins-Reihe integriert, wobei man einen Teil der Story nach dem Film ansetzt. Oder dass man die ganze Figur gänzlich neu macht, und dieses Mal auch bitte ordentlich.
Spontan wollte ich dem Film um die 6 – 7 Sterne geben, merkte dann aber, dass der Film damit deutlich besser gestellt wäre, als die Vorgänger. Aber warum eigentlich nicht? Der Film hat ausser einem gänzlich verbockten Deadpool nahezu keine Schwächen, oder keine wirklich störenden. Eine nette Story mit einem guten Mass an Spannung, gute Schauspieler (Liev Schreiber kann Hugh Jackman ohne Frage das Wasser reichen) und gute Actionszenen. Momoll, 6,5 Punkte gehen in Ordnung.