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Museo Comunale d'Arte Moderna
14. September - 7. Dezember 2014
Das Museo Comunale d’Arte Moderna in Ascona widmet Luigi Russolo (Portogruaro 1885 - Cerro di Laveno 1947), einer der tiefgründigsten und interessantesten Figuren des italienischen Futurismus, eine Ausstellung.
Die Kuratoren Mara Folini, Direktorin des Museo Comunale d’Arte Moderna, sowie Anna Gasparotto und Franco Tagliapietra haben dafür 50 der wichtigsten Gemälde, Zeichnungen und Grafiken aus seiner symbolistischen, proto-futuristischen, futuristischen und schließlich der klassisch-modernen Zeit ausgewählt. Die Werke stammen aus bedeutenden Museen in der Schweiz – z.B. dem Kunstmuseum Basel – und im Ausland wie dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst MART in Trient und Rovereto, den Uffizien in Florenz, der Sammlung der Stadt Portogruaro, dem Musée de la Ville de Paris, sowie aus privaten Sammlungen. Ausgestellt wird auch ein rekonstruiertes Exemplar von Intonarumore, einem Gerät, das Russolo selbst 1913 erfunden hatte, um Geräusche wie die Klänge der Gegenwart "zu intonieren und harmonisch und rhythmisch zu regulieren".
Die Ausstellung bietet einen breiten Überblick über die Arbeit und das Denken von Russolo, wobei der malerischen Produktion aus den dreißiger und vierziger Jahren, die er in Cerro di Laveno am Lago Maggiore verbrachte, zum ersten Mal besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Diese Schaffensphase, die nach seiner Begegnung Ende der zwanziger Jahre mit dem theosophischen Magnetisten Guido Torre in Paris einsetzte und die der Künstler selbst als "klassisch-modern" bezeichnete, ist besser zu verstehen, wenn man die philosophischen Grundlagen kennt, die zu ihrer Entstehung und Entwicklung führten. Zu diesem Ansatz gehören Russolos Lektüre, seine Überlegungen, die er in der Abhandlung Jenseits der Materie zum Ausdruck brachte, und die Tagebücher, die vor Kurzem aufgefunden wurden und in Bezug auf die Vorbereitung interessante Informationen enthalten. Der Rundgang soll eher die Kontinuität als die Brüche im Werk von Luigi Russolo aufzeigen: Die Spiritualität in der Kunst begleitete ihn durch seine ganze kreative Entwicklung hindurch, von der ersten symbolistischen Eingebung über die proto-futuristische Phase und einige Aspekte der futuristischen Theoriebildung bis hin zur kosmischen Thematik und den "klassischmodernen" Gemälden, in denen er zur Ruhe kam.
Unter den vielfältigen Verbindungen, die die Ausstellung in Ascona aufzeigt, wird zum ersten Mal auch die zur Künstlerkolonie Monte Verità dargestellt, denn der Gedanke und das Leben von Luigi Russolo sind ihr in der Konstellation von antipositivistischen, mystischen und okkulten Ideen verwandt.
Luigi Russolo erweist sich als Künstler mit facettenreicher Persönlichkeit, der über seine ganze Existenz die Möglichkeiten gesucht, untersucht und vielleicht schließlich gefunden hat, um die ausgeprägt wissenschaftliche Rationalität mit der Faszination des Über-Irrationalen mit esoterischem Charakter und der Kritik an Materialismus und Positivsmus harmonisch zu vereinen.
Samstag, den 13. September, um 18.00 Uhr
Museo Comunale d'Arte Moderna, Ascona
Compenetrazione di case + luce + cielo | 1912 | Öl auf Leinwand | 100 x 100 cm | Basel, Kunstmuseum Basel | Schenkung Sonia Delaunay 1949 | Foto: Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler
Impressioni di bombardamento (shrapnels e granate) | 1926 | Öl auf Leinwand | 103 x 138 cm | Portogruaro, Sammlung der Gemeinde Portogruaro
Bulles de savon | 1929 | Öl auf Leinwand | 116,5 x 81 cm | Paris, Musée d’Art Moderne | Foto: © Musée d’Art Moderne / Roger-Viollet
Aurora boreale | 1938 | Öl auf Leinwand | 60 x 91 cm | Lugano, Privatsammlung
Tramonto | 1946 | Öl auf Leinwand | 31,5 x 40 cm | Courtesy Galleria MAG, Como | Foto: Salvatore Marsiglione
Lo stesso paesaggio ai primi raggi di sole | 1940 | Öl auf Holz | 40.5 x 28.5 cm | Privatsammlung
Cielo e lago | 1946 | Öl auf Holz | 29 x 39 cm | Privatsammlung | Foto Sangalli snc, Laveno
Donnerstag, den 23. Oktober 2014, um 18.00 Uhr, Museo Comunale d'Arte Moderna, Ascona
Konferenz von Alena Pomajzlová (Universität Brno) über die futuristische Malerin tschechischer Herkunft Růžena Zátková, die – über die russische Avantgarde, den Futurismus und die Abstraktion – in Kontakt mit einigen großen Künstlern ihrer Zeit stand (Djaghilev, Goncharova, Larionov, Strawinsky, Balla, Marinetti u.a.), abgesehen von Luigi Russolo selbst.
Donnerstag, den 6. November 2014, um 18.00 Uhr, Museo Comunale d'Arte Moderna, Ascona
Die Künstlerin Enrica Borghi stellt im Dialog mit historischen Kunstwerken – darunter Die Musik von Luigi Russolo aus dem Jahre 1911 – ihre eigenen Arbeiten vor, für die sie Materialien aus dem Alltagsgebrauch oder Abfall verwendet und sie in eigenständige, verführerische Objekte verwandelt, die zur Reflexion über die Schönheit und das Vergängliche anregen.
Freitag, den 21. November 2014, um 18.00 Uhr, Monte Verità, Ascona
Runder Tisch mit den Professoren Anna Gasparotto, Franco Tagliapietra und Riccardo Bernardini über die Abhandlung Jenseits der Materie, die Luigi Russolo von 1933 bis 1938 (Datum der Veröffentlichung) schrieb. Geschwindigkeit und Ruhe, Geräusch und Stille, Experimentierfreude und Kontemplation: Zwischen diesen Polen bewegt sich Genialität des Künstlers.