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Frühstück weglassen geht aufs Herz
Intervallfasten – und damit meist 12 bis 16 Stunden pro Tag nichts zu essen – wird immer populärer. Da liegt es nahe, das Frühstück auszulassen. Eine neue grosse prospektive Studie zeigt: Das ist keine gute Idee. Denn vor allem Frauen, die ihre Mahlzeiten verzögerten, hatten ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
Die wichtigsten Punkte des Artikels
- Die Studie untersuchte 103.389 Teilnehmer
- Abgefragt wurde die Tageszeit der ersten und letzten Mahlzeit pro Tag, die Anzahl der täglichen Mahlzeiten, und die Dauer des nächtlichen Fastens
- Die Forscher fanden einen Hinweis auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko durch Verzögern des Frühstücks, und ein erhöhtes Schlaganfallrisiko durch Verzögern des Abendessens
- Jede Stunde längeres nächtliches Fasten reduzierte das Risiko für zerebrovaskuläre Erkrankungen um sieben Prozent
- Der Unterschied war deutlicher bei Frauen. Assen Teilnehmerinnen erst nach 9.00 morgens oder nach 21.00 abends, hatten sie ein um 24 bzw. 26 Prozent höheres kardiovaskuläres Risiko
Tägliche Essens- und Fastenzyklen sind wichtige Taktgeber des zirkadianen Rhythmus, der unter anderem das Herz-Kreislauf-System reguliert. So ist die Forschung mittlerweile überzeugt, dass sich Essensgewohnheiten unter anderem auf die Blutdruckregulation auswirken.
Inwieweit der tägliche Rhythmus aus Essen und Fasten das Auftreten von kardiovaskulären Erkrankungen beeinflusst, geht aus bisherigen Untersuchungen aber bisher noch nicht klar hervor.
Was macht ein spätes Frühstück oder Abendessen mit dem Herz-Kreislauf-System?
Eine neue französische Studie in Nature Communications untersuchte die Daten von 103.389 Erwachsenen, die an der französischen NutriNet-Santé-Studie teilgenommen hatten. Von ihnen waren wiederholte 24-Stunden-Ernährungsaufzeichnungen vorhanden, anhand derer die Forscher die Tageszeit und Anzahl der Mahlzeiten der einzelnen Teilnehmer abschätzten. Ausgeschlossen waren Personen, bei denen von einem gestörten zirkadianen Rhythmus ausgegangen werden konnte, etwa Schichtarbeiter.
Mittels Gesundheitsaufzeichnungen der Probanden über die darauffolgenden Jahre erstellten die Forscher Modelle, um Zusammenhänge zwischen Essgewohnheiten und dem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, koronare Herzkrankheit und zerebrovaskuläre Erkrankungen auszumachen.
Spätes Abendessen erhöhte Schlaganfallrisiko
Innerhalb der medianen Nachbeobachtungszeit von 7,2 Jahren waren in dem Studienkollektiv 2.036 Fälle jedweder kardiovaskulärer Erkrankungen aufgetreten. Darunter waren 988 Fälle zerebrovaskuläre Erkrankungen (Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke [TIA]), und 1.071 Fälle koronarer Herzkrankheiten (Myokardinfarkt, Angina pectoris, akutes Koronarsyndrom, Angioplastie).
Die Assoziation mit den Mahlzeiten zeigte, dass in der Gesamtgruppe das kardiovaskuläre Risiko mit jeder Stunde, um die die erste Tagesmahlzeit verzögert wurde, um sechs Prozent anstieg.
Eine späte letzte Mahlzeit war ausserdem mit einem erhöhten zerebrovaskulären Risiko verbunden. So erhöhte jede Stunde, die die letzte Tagesmahlzeit ab 20.00 nach hinten verschoben wurde, das Risiko für Schlaganfälle und TIA. Ein Abendessen nach 21.00 ging etwa mit einem um 28 Prozent höheren Risiko als eine Mahlzeit vor 20.00 einher (HR, 1,28; 95%-KI 1,05-1,55; p < 0,01).
Jede Stunde längeres nächtliches Fasten reduzierte das Risiko für zerebrovaskuläre Erkrankungen hingegen um sieben Prozent (HR, 0,93; 95%-KI 0,87-0,99; p = 0,02.
Keine Assoziation bestand hingegen zwischen der Anzahl der Tagesmahlzeiten und allen untersuchten Ausprägungen des kardiovaskulären Risiko.
Besonders bei Frauen ging eine späte erste Tagesmahlzeit aufs Herz
Unterteilte man die Teilnehmer in Männer und Frauen, gab es bei den Frauen einen deutlicheren Unterschied.
So hatten Teilnehmerinnen, die erst nach 9.00 morgens zum ersten Mal oder nach 21.00 zum letzten Mal assen, ein um 24 bzw um 26 Prozent höheres Risiko für alle kardiovaskulären Erkrankungen.
Früheres Abendessen statt Frühstück auslassen
Schon frühere Untersuchungen brachten das Auslassen des Frühstücks und spätnächtliches Essen mit Übergewicht, dem kardiovaskulären Risiko, und Insulinresistenz in Verbindung. Die vorliegende Studie legt dem weitere Evidenz zugrunde.
Andererseits deutet viel darauf hin, dass ein längeres nächtliches Fasten (> 12 Stunden) die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern kann. Dies konnte die Studie nun mit dem harten Endpunkt des kardiovaskulären Risikos bestätigen.
Die Autoren empfehlen, anstatt das Frühstück auszulassen, früher zu Abend zu essen, um eine längere nächtliche Fastenzeit zu erreichen.
Limitationen der Studie
Die Studienautoren räumen einige wichtige Limitationen ein. So wurden Zubettgehzeiten und Schlafdauer, Alkoholkonsum oder sportliche Aktivität der Teilnehmer nicht berücksichtigt.
Auch, ob ein früher Wecker oder kleinere Kinder den Schlaf der Probanden unterbrachen und damit die «innere Uhr» durcheinanderbrachten, konnte im vorhandenen Datensatz nicht untersucht werden. Darüber hinaus waren die Teilnehmer der NutriNet-Santé-Kohorte Freiwillige, die mehrheitlich aus Frauen bestanden, und tendenziell aus einem höheren sozioökonomischen Hintergrund kamen. Sie könnten daher generell gesündere Lebensweisen pflegen.