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Vor einem Schwurgericht in Florenz hat der vierte Prozess gegen die US-Amerikanerin Amanda Knox begonnen. Die 26-Jährige und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito (29) sind wegen Mordes an der Britin Meredith Kercher angeklagt.
Die 21-jährige Kercher war im November 2007 in ihrem Zimmer in Perugia getötet worden, der Verdacht fiel unter anderem auf ihre Mitbewohnerin Knox und deren Freund Sollecito. Die beiden Studenten wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, in zweiter Instanz jedoch freigesprochen. Nach vier Jahren in italienischen Gefängnissen kehrte Amanda Knox 2011 in die USA zurück.
Freispruch aufgehoben
Das höchste italienische Gericht, das Kassationsgericht in Rom, hatte im März den Freispruch für Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito aufgehoben. Das Gericht folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft von Perugia, welche einen Rekurs gegen den im Oktober 2011 gefällten Freispruch eingereicht hatte. Das Urteil enthalte schwere logische und juristische Fehler, so die Staatsanwaltschaft.
Wegen dem Mord an Meredith Kercher sitzt der Ivorer Rudy Hermann Guede hinter Gittern. Er wurde wegen Beihilfe zum Mord und sexueller Gewalt zu 16 Jahren Haft verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft ist aber überzeugt, dass Guede nicht allein für den Mord verantwortlich gemacht werden kann. In den Blutlachen am Tatort seien auch Spuren der DNA von Knox gefunden worden.
Anlässlich der Festsetzung des Termins für den aktuellen Prozess hatte der Anwalt von Amanda Knox angekündigt, seine Mandantin werde nicht erneut nach Italien reisen. «Amanda will nicht vor dem Prozess flüchten, sie versteht aber nicht, warum ein neues Verfahren notwendig ist», so der Rechtsanwalt Luciano Ghirga. Die Anwälte des Opfers Meredith Kercher bezeichneten das Verhalten der Angeklagten als respektlos.
Chronologie der Ereignisse
02. November 2007
Die britische Studentin Meredith Kercher (im Bild) wird in Perugia in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Ihre Mitbewohnerin, die Amerikanerin Amanda Knox, und deren damaliger Freund Raffaele Sollecito werden verhaftet. Auch der Betreiber eines Lokals, in welchem Knox gelegentlich gearbeitet hatte, wird verhaftet – wegen mangelnder Beweise kurz darauf aber wieder auf freien Fuss gesetzt. Der Ivorer Rudy Guede, welcher in der Mordnacht bei Kercher war, ist flüchtig.
20. November 2007
Der nach dem Mord geflohene Ivorer Rudy Guede wird als Schwarzfahrer in einem Zug von Koblenz nach Mainz verhaftet und nach Italien ausgeliefert.
28. Oktober 2008
Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Amanda Knox und Raffaele Sollecito wegen Mordes und sexueller Nötigung. Rudy Guede wird in einem Schnellverfahren zu 30 Jahren Haft verurteilt. Seine Strafe wird später auf 16 Jahre herabgesetzt.
4. Dezember 2009
Amanda Knox und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito werden des Mordes für schuldig befunden. Knox wird zu 26, ihr Ex-Freund zu 25 Jahren Haft verurteilt.
24. November 2010
In Perugia beginnt der Berfungsprozess im Falle des Mordes an Meredith Kercher. Der Fall hat mittlerweile international Schlagzeilen gemacht. Die Medien nennen Knox den «Engel mit den Eis-Augen».
03. Oktober 2011
Die Richter heben das erstinstanzliche Urteil auf. Amanda Knox und Raffaele Sollecito werden im Berufungsprozess freigesprochen und aus der Haft entlassen.
04. Oktober 2011
Nach ihrem Freispruch reist die Amerikanerin Amanda Knox zurück in ihre Heimat. Dort wird sie wie eine Heldin gefeiert. In Italien wird der Fall kritisch diskutiert.
26. März 2013
Das Kassationsgericht in Rom, die höchste gerichtliche Instanz in Italien, hebt den Freispruch von Knox und Sollecito auf. Das Urteil enthalte schwere logische und juristische Fehler. Das Gericht folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer Wiederaufnahme des Falles.
Auslieferung unwahrscheinlich
Zwischen den USA und Italien existiert ein Auslieferungsabkommen. Amerika gilt aber das Rechtsprinzip «double jeopardy»: Es besagt, dass eine Person nicht zweimal wegen derselben Tat vor Gericht gestellt werden kann. Sollte Knox für schuldig befunden werden, könnte das Urteil in den USA als nicht gültig angesehen werden.