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1964 und 1978 steht die Tiroler Landeshauptstadt anlässlich der Olympischen Spiele im internationalem Rampenlicht. Die Schweizer Delegation geht 1964 leer aus und holt 1978 immerhin fünfmal Edelmetall. Die Schweizer Eishockeyaner belegen 1964 noch Rang acht, ehe sie 14 Jahre später auf dem elften- und zweitletzten Rang abschneiden.
Neun Jahre später steht ausgerechnet ein Schweizer am Ursprung des jüngsten Erfolges Innsbrucks. Rudi Killias führt den damaligen «Gösser EV» Innsbruck zuerst als Trainer-, dann als Manager an die nationale Spitze. In den Glanzzeiten haben die «Grün-weissen» einen Schnitt von 5’800 Zuschauer pro Spiel und die Krönung folgt am 10. März 1989 mit dem siebten Meistertitel, es sollte der letzte in der Geschichte des Gösser Eissportvereins sein.
Als «Gösser EV» gastiert der österreichische Meister zwischen dem 13. und 15. Oktober in Bern und spielt anlässlich des Europa-Cup-Turniers im grün-weissen Puma-Bier-Tenü. Der Grazer Bierkonzern steigt 1987 als Hauptsponsor ein und bleibt den Innsbruckern auch als Gründungsverein der 1991 neu geschaffenen Alpenliga treu.
Die Alpenliga ist zu diesem Zeitpunkt eine Weltpremiere, nie zuvor wurde eine Länderübergreifende Meisterschaft gespielt und die Innsbrucker bestreiten das Eröffnungsspiel gegen den italienischen Meister HC Forum Mailand. Als die Mailänder an der Inn gastieren strömen 8’500 Fans in die Olympiahalle. Zahlen von denen die heutigen Innsbrucker Haie nur noch träumen können.
Nach dem finanziellen Kollaps des EV’s wird 1994 der HC Innsbruck aus dem Wasser der Inn gehoben. Fünf Jahre später steigen die Tiroler Wasserkraftwerke (Ti-W-AG) ein und die Olympiahalle, zur Weltmeisterschaft 2005 renoviert, weicht als Hauptspielstätte der kleinen Tiwag-Arena. Beide Arenen sind ein Bijou und bieten den Haien in der Kombination eine Top-Infrastruktur, von welcher mancher Schweizer Klub träumen würde.
Als ehemaliger «Schweizer» träumt Martin Ulmer von einem ICE-Hockey-League-Titel, wie sich die neu formierte «Alpenliga» sich seit zwei Jahren nennt. Aktuell sind mit drei Klubs aus Italien, einem aus Slowenien und sechs aus Österreich so viele Gründungsklubs wie seit der Premiere nicht mehr dabei, wobei sich die Feldkircher, Grazer und Wiener, wie die Innsbrucker, zwischenzeitlich neu formieren mussten. Dennoch mahnt die 14er Liga in ihrer Zusammensetzung an die guten, alten Tage der 90er Jahre. «Grün-weiss» ist in Innsbruck aber nur noch der prominente Fussball-Nachbar des FC Wacker und ein «Gösser» gibts nur noch in der Innenstadt oder beim tippen dieser Zeilen, irgendwo im Tiroler Inntal.
Fünf Tage nach dem Start zum Schweizer Playoff-Final sind auch unsere östlichen Nachbarn zur Endspielserie gestartet. Die beiden Champions-Hockey-League-Teilnehmer EC Red Bull Salzburg und Vienna Capitals stehen sich in der «Best-of-Seven» Serie gegenüber. Die Wiener haben letzten Herbst auf europäischem Parkett immerhin den Schweizer Meister und aktuellen Finalisten ZSC Lions in der Gruppenphase ausgeschaltet. Salzburg blieb gegen schwache Kloten Flyers ebenfalls zweimal siegreich und scheiterte äusserst ärgerlich in den Playoffs am schwedischen Spitzenteam und späteren Cup-Sieger Lulea HF.
Im Zeichen des roten Bullen
Zum Auftakt der Operettenliga-Finals, wie ein Schweizer Chronist die Ösi-Liga jeweils bezeichnet, steht sich die stärkste Mannschaft aus der Qualifikationsphase (Salzburg) und der Tabellenfünfte (Vienna Capitals) im Salzburger Volksgarten, der Spielstätte des Eishockeyteams von Dietrich Mateschitz gegenüber. Hier steht alles im Zeichen des roten Bullen. Selbst die Bandenwerbung lässt neben der Dosen-Werbung nur drei weitere Sponsoren zu, Stiegl, Suzuki und die Erste Bank, der Rest gehört zum Red Bull-Imperium.
Logisch gibt’s auch im «Red Bullschen» Presseraum einen ganzen Kühlschrank des gesamten Salzburger Produktemixes. Selbstverständlich darf sich der Journalist nach belieben der kühlen Dosengetränke und dem Bullen-Wasser LunAqua bedienen. Zum Hauptgang gibt’s Wiener Schnitzel, etwa ein Wink zum Verzehr des heutigen Gegners aus der Hauptstadt? Übrigens, der letzte Wiener-Sieg (4:2) in Salzburg datiert vom 24. März 2013.
Die Vienna Capitals treten mit zehn Legionären an, davon haben acht Spieler Erfahrung in der NHL gesammelt. Der bekannteste unter ihnen ist aber ein Österreicher: Andreas Nödl, in der vergangenen Saison noch bei den Bullen und im Try-Out beim HC Lausanne, bestritt 195 Spiele für die Philadelphia Flyers und die Carolina Hurricanes. Salzburg spielt mit neun Ausländern (mit Ex-Ambrì Verteidiger Zdenek Kutlak) und zahlreichen österreichischen Internationalen, angeführt von Thomas Raffl (Bruder von Philadelphias Michael Raffl). Raffl ist es, welcher in der 20. Minute das Skore der Final-Serie 2015 eröffnet. Trotz des Verzehrs von mehreren Dutzend Wiener Schnitzel in besagtem Presseraum, steht es nach 40 Minuten erst 2:1 für die Bullen.
Hinkender Zuschauerschnitt
In den letzten 20 Minuten werden die «Wiener-Schnitzel» durch vier weitere Bullen-Treffer vor offiziell 3’200 Zuschauern endgültig mit 6:1 verspeist. Gemäss der Salzburger Nachrichten (SN) sollen aber 3’600 Fans in der Halle gewesen sein. Der offizielle Zuschauerschnitt der Mozartstädter liegt unter 3’000 und damit sind die Bullen nicht einmal unter den Top-100 Europas klassiert. Sogar die Schweizer NLB-Klubs Langnau (5’053) und Olten (3’634) haben den höheren Schnitt. Der Finalgegner aus Wien, die Vienna Capitals liegen mit einem Schnitt von 4’569, knapp hinter dem EHC Biel, immerhin auf Rang 71 des europäischen Klub-Rankings. Die 14’000 Karten für die ersten beiden Playoff-Final-Heimspiele gegen Salzburg waren innert Kürze ausverkauft.
In Sachen Zuschauerzahlen mögen die Österreicher mit den Schweizern derzeit (noch) nicht mitzuhalten, aus sportlicher Sicht hatten die Ösis im letzten Direktvergleich aber die Nase vorn. Vor dem nächsten Direktvergleich stehen in den beiden Nachbarländern aber noch zwei heisse Finalserien an.
Wenn Playoff-Zeit herrscht, gilt dies Länderübergreifend. Zum Direktvergleich gibts nach dem Viertelfinalknüller zwischen den ZSC Lions und dem EHC Biel, die österreichische Version zwischen dem EC Red Bull Salzburg und dem EC Villacher SV. Durch den Salzburger Medienchef Guido Stapelfeldt kann ich mein Presseticket am Info Point bei der Kasse Nummer zwei beim Salzburger Volksgarten abholen.
Vorher bleibt aber noch Zeit in der „Two Seasons Sportsbar“ direkt im Stadion einzukehren. Da gibts zahlreiche Geschichten von frühzeitig angereisten Villacher Fans zu hören. Die interessanteste Villacher-Story liefert aber der ehemalige Bullen-Stürmer Markus Unterweger, er erzählt die Geschichte von VSV-Trainer Hannu Järvenpää, als er einst die 4. Reihe im Derby gegen den Klagenfurter AC nur sporadisch einsetzen wollte, diese aber ein Tor geschossen habe, so auch bei ihrem nächsten Einsatz – dies zwang Järvenpää die vierte Reihe durchspielen zu lassen.
Auch heute treten die Gäste aus Villach mit vier Reihen an, wie auf dem Matchblatt zu entnehmen ist und wie es sich für Salzburg gehört, steht den Pressevertretern ein Kühlschrank mit Red Bull Dosen zur Verfügung. Selbstverständlich steht eine Dose bei meinem Presseplatz. Als Fotograf mit dabei, ist auch mein Studienkollege Markus Knoblechner, er liefert die Fotos während der Partie für den internen Gebrauch der roten Bullen.
Pressetechnisch und spielerisch könnte dieses dritte Spiel der Serie auch in der Schweiz stattfinden. Für mich wirkt natürlich alles einen Tick spezieller in der weiten östlichen Ferne. Beim Eingang gibts das Club-Magazin «Bully», ein Hochglanz-Heft, welches zwei-monatlich und «gratis» erscheint. Dazu gibt einen Medien-Guide, welchem in der Schweiz nur der Guide des HC Ambri-Piotta paroli bieten kann.
Und was bieten die Bullen auf dem Eis? Kyle Beach bringt die Hausherren schon in der 2. Minute in Führung. 13 Sekunden vor der ersten Pause doppelt Aggressiv-Leader Thomas «Pomsche» Raffl nach. Salzburg übersteht auch sämtliche Phasen in nummerischer Unterlegenheit und der Slowene Luka Gracnar feiert einen Shutout. Die Red Bulls halten was Red Bull verspricht und Playoff in Österreich ist auch für einen Schweizer ein Genuss.
Im Rahmen des Sportjounalismus-Lehrgangs an der Universtät Salzburg steht ein bekannter Name unter den heutigen Dozenten, Doktor Gerhard Kuntschik erweist unserem Lehrsaal die Ehre. «Kuntschik» lese ich seit meinem Kindesalter über das Eishockey beim östlichen Nachbarn. Der Doktor doziert das Fach «Sport in den Printmedien» und erzählt aus seinem grossen Fundus an Sportgeschichten. Kuntschiks Vorliebe gilt dem Eishockey und dies passt perfekt für meine Wenigkeit.
Noch während des Unterrichts kommen wir bereits in den Genuss von Eishockey-Geschichten, nach meinem Stichwort «Canada-Cup 1987» gehts gedanklich nach Hamilton zu den Spielen des Jahrhunderts. Auch Sean Simpson wird zum Thema, da Simpson einst eine halbe Spielzeit für den Salzburger EC, damals in der zweithöchsten Liga gespielt hat. Simpson, so Kuntschik, war 1987 ebenfalls beim Canada-Cup, aber als Zuschauer.
Über Simpsons Engagement beim EC Salzburg in der Saison 1984-85 ist nur wenig bekannt. Statistiken sind auf keinem Portal zu finden, daher kommt der Besuch der Salzburger-Nachrichten (SN) gerade richtig. Mit Herr Kuntschik dislozieren wir in das Verlagshaus an die Karolingerstrasse 40. Die SN erscheinen erstmals am 7. Juni 1945 als eine der ersten Tageszeitungen Österreichs nach dem zweiten Weltkrieg. Das Verlagshaus beherbergt neben der hauseigenen Druckerei auch ein grosses Archiv.
Die Zeit erlaubt es, uns bei Bedarf auch durch die alten gebundenen grossen A3-Zeitungsbände zu blättern. In meinem Fokus stehen die SN ab Herbst 1984 bis zum Frühling 1985, also Simpsons Zeit in der Mozartstadt. Simpson, der erfolgreichste Trainer des Schweizer Eishockeys und wie ich, mit Lysser Vergangenheit. Immer wieder gibts diese Verbindung, welche mich ein Leben lang begleiten wird. Genau 30 Jahre nach Simpson führt auch mein Weg an die Salzach, nicht als Ausländer des hiesigen Hockeyteams, aber zumindest als Ausländer der hiesigen Universität.
Der 21-jährige Schweizer Léonardo Heitor Fuhrer spielt seit 2012 beim Farmteam des EC Red Bull Salzburg in Österreich. Aktuell spielen die Bullen in der obersten russischen Juniorenliga MHL (Molodjoschnaja-Chokkeinaja-Liga). Der Sohn der Schweizer Eishockey-Legende Riccardo Fuhrer gehört zu den Leistungsträgern und Topskorern des Teams und ist der erste Schweizer in der MHL.
Am 8. Januar 2014, verliert Red Bull gegen Dynamo St. Petersburg mit 2:6, nach dem Spiel der 37. Runde treffe ich mich, zusammen mit Markus Knoblechner (Fotos, Video), im Salzburger Medienraum mit dem jungen Schweizer Talent. Fuhrer erzählt was ihn in der Organisation der Bullen fasziniert und warum er gerne noch ein weiteres Jahr in der Mozartstadt anhängen würde.
Léonardo Fuhrer, du bestreitest die zweite Saison in Salzburg, wie wohl fühlst du dich hier? Fuhrer: Salzburg ist eine richtig schöne Stadt, man hat alles hier, Skate-Mill, viele Trainings (jeweils Vormittags und Abends), qualifizierte Trainer und eine professionelle Organisation. Salzburg ist perfekt für die Weiterentwicklung jedes einzelnen Spielers, ich fühle mich wohl in dieser Umgebung.
Warum eigentlich Salzburg? Fuhrer: Ich absolvierte die ganze Nachwuchsabteilung bei Fribourg-Gottéron und war bis zu meinem Wechsel nur „Fribourg“ orientiert, bis mir mein Vater aufzeigte, dass es noch anderes gibt als Fribourg. Mein Vater hat den damaligen Red Bull Headcoach Pierre Pagé (Ex-Ambrì-Piotta , heute EHC Red Bull München) kontaktiert, so konnte ich mir während der Nationalmannschafspause im Februar 2013 die Akademie in Salzburg anschauen und habe drei Trainings absolviert. Ich war sofort begeistert. Page wollte mich und so ging ich und wagte das Abenteuer Salzburg.
Wie hat dein Umfeld reagiert? Fuhrer: Meine Mannschafskollegen waren alle schockiert als Sie von meinem Wechsel erfahren haben und konnten den Wechsel nicht verstehen. Für meine Mutter war es auch hart, es ist für keine Mutter einfach wenn ihr Kind wegzieht. Mein Vater hat mich bei meinem Entscheid unterstützt, denn der Weg zum Eishockeyprofi hat auch seinen Preis gab er mir auf dem Weg.
Dies ist ein untypischer Weg, sonst kommen die Österreicher eher in die Schweiz, du machst das Gegenteil, du symbolisierst eine Vorreiterrolle als erster Schweizer in der MHL… Fuhrer: Was Salzburg bieten kann können sonst nicht viele Klubs bieten, medizinisch, infrastrukturell und in der Betreuung der eigenen Entwicklung ist Salzburg führend. Dies gab für mich den Ausschlag nach Salzburg zu kommen.
In der Betreuung der eigenen Entwicklung ist Salzburg führend
Léonardo Fuhrer
Kann das in der Schweiz niemand bieten? Fuhrer: Hier sind sehr viele Personen innerhalb des Team-Staffs, welche alle vollamtlich für uns tätig sind, sowas ist in der Schweiz bei keinem Juniorenteam üblich.
Du bist im Vorjahr direkt von den Elite-A-Junioren in den Red-Bull-Hockey-Rookies-Cup (RBHRC) gekommen, wie schwierig war die Umstellung? Fuhrer: Das schwierigste war die Umstellung der weiten Distanzen, wir spielten vorwiegend gegen tschechische Mannschaften, dabei war die kürzeste Strecke eine fünfstündige Reise nach Pilsen, die längste Reise dauerte acht Stunden nach Prag.
Und wie war die Umstellung vom RBHRC zur MHL (Molodezhaya Hokkeinaya Liga)? Fuhrer: Noch schwieriger (lacht), wir reisen jeweils nach München oder Wien, von dort aus fliegen wir direkt nach St. Petersburg oder nach Moskau. Die längste Reise hatten wir nach Jaroslawl. Zuerst flogen wir nach Moskau, dann gings nach einer 10-stündigen Busfahrt weiter nach Tscherepowetz (3:1-Sieg gegen Almas) zum Spiel, dort haben wir anschliessend übernachtet. Am nächsten Tag ging es nach 14 weiteren Busstunden nach Jaroslawl (2:8-Niederlage gegen Lokomotiv) zum nächsten Spiel. Die weiteste Reise liegt aber noch vor uns, gegen Chabarowsk (Amur Tigers) fliegen wir ca. acht bis neun Stunden bis an die chinesische Grenze (8000 km). Doch es wird jeweils genügend Zeit eingeplant, so dass wir uns vor und nach den langen Reisen gut erholen können.
Krein: Wie hoch schätzt du das Niveau der MHL ein? Fuhrer: Hier wird dir definitiv nichts geschenkt, jeder Fehler wird sofort gnadenlos ausgenutzt und du musst dir jeden Punkt hart erkämpfen. Es gibt hier keine schlechten Gegner.
Red Bull Salzburg liegt aktuell auf einem Playoff-Platz (Rang 11. in der Western Conference), was ist das Saisonziel? Fuhrer: Ganz klar die Playoffs zu erreichen und diese werden wir auch erreichen.
Du gehörst zu den besten Skorern des Teams, Salzburg scheint dir gut zu liegen? Fuhrer: Man muss auch gute Mitspieler haben, denn in erster Linie zählt nur das Team.
Wie wirst du als Red Bull-Spieler in der Schweiz wahrgenommen? Fuhrer: Bei meinem Transfer hab ich sicherlich die Aufmerksamkeit auf mich gezogen, doch wie ich in der Schweiz wirklich wahrgenommen werde kann ich nicht beurteilen. Zu Beginn meines Wechsels spielten wir mit den Red Bulls (U20) gegen die Schweizer U19 Nationalmannschaft und konnten das Spiel mit 3:2 gewinnen. Sean Simpson (Schweizer Nationaltrainer) stand damals bei der Schweiz an der Bande und weiss das ich in Salzburg spiele.
Wie wichtig ist die Rolle deines Vaters? Fuhrer: Wir diskutieren und telefonieren viel. Wir besprechen jeweils persönliche Details und setzen uns gemeinsame Ziele, welche wir nach dem Spiel zusammen analysieren.
Wie sieht so ein persönliches Ziel aus? Fuhrer: Zum Beispiel jedes 1:1-Duell an der Bande zu gewinnen, zwei Torschüsse pro Drittel abzugeben, meinen Mitspielern gute Torchancen zu offerieren oder das Backchecking – es sind kleine aber entscheidende Dinge die ich mit meinem Vater als Ziele definiere.
Wie sieht deine Zukunft aus? Fuhrer: Im Moment konzentriere ich mich voll auf die aktuelle Saison, mit den Red Bulls will ich die Playoffs in der MHL bestreiten und möglichst lange dabei sein. Danach werde ich mit Red Bull über die Zukunft sprechen, ich würde sehr gerne in Salzburg bleiben. Es gibt hier keinen Tag wo ich nicht etwas Neues dazulernen kann, dies will ich geniessen solange ich hier bin. Langfristig ist eine Rückkehr in die Schweiz sicher ein Thema.
Red Bull in der Molodjoschnaja-Chokkeinaja-Liga
Das Farmteam der Red Bulls, das sich aus Spielern des EC Red Bull Salzburg und des EHC Red Bull München zusammensetzt, nimmt in dieser Saison erstmals an der MHL, der russischen Juniorenliga, teil. Für die Red Bulls ist dieser Schritt nicht nur sportlich, sondern auch logistisch eine unglaubliche Herausforderung. Zugleich bieten sich ungeahnte Möglichkeiten, die Entwicklung der jungen Farmteam-Spieler noch stärker zu forcieren und die Talente aus dem Red Bull Hockey Model schrittweise an ein sehr hohes internationales Niveau heranzuführen. Total 39 Mannschaften messen sich in 56 Runden auf der höchsten «russischen» Juniorenstufe. Am 5. März 2014 besuche ich eine weitere Partie zwischen Salzburg und Dynamo Riga (1:9).
1993 trinke ich in der Schweiz meine erste Red-Bull-Dose, die damals noch verbotene Substanz ist zu diesem Zeitpunkt hierzulande verboten und wird direkt aus dem Kofferraum vor den Partylokalen «illegal» verkauft. Ein Dose geht für einen Fünfliber über den Parkplatz. Später gibts das Energiegetränk dann legal auch in kleinen Flaschen. Rund 20 Jahre später stehe ich im Januar an einem Dienstag-Abend nun in der Salzburger Eisarena und „Red Bull“ wird hier in Kürze als österreichischer Spitzenklub das Eis betreten. Die Faszination der Bullen und die Abwechslung zum Schweizer Alltag ist aufregend wie einst der Dosenkauf aus dem Kofferraum.
Die Bullen legen los wie es ihr Geld- und Namensgeber verspricht, nach einem fulminanten Start fliegen die Bullen förmlich über den Tabellenführer aus Wien hinweg und führen nach fünf Minuten mit 2:0. Dies erkennt auch Vienna Capitals-Coach Tommy Samuelsson und nimmt bereits nach vier Minuten ein Time-out. Innert kürze kommen die Gäste zu zwei Break-Möglichkeiten, scheitern aber an Luka Gracnar, welcher heute Bernd Brückler vertritt. Der Slowene scheint ebenfalls Flügel zu haben und feiert gar einen Shutout.
„Shutout auf dem Eis, umgänglich neben dem Eis.“
— Krein über Luka Gracnar
Anschliessend gibt der slowenische Nationalgoalie für seine Teamkollegen Troy Milam und Co. in «Die Bar», einer Karaoke-Bar am Salzburger Rudolfskai eine kleine Privatparty. Gracnar spendiert auch unserer Studenten-Runde, bei uns mit dabei sind auch zwei ehemalige Red-Bull-Spieler mit gutem Draht zum Team, einen Kübel Gerstenwein, welcher bis in die frühen Morgenstunden direkt an der Salzach durch die Kehlen fliesst.
Von der ersten Red Bull Dose, welche in den frühen 90er Jahren in der Schweiz als verbotene Substanz direkt vor den Party-Lokalitäten aus Auto-Kofferräumen verkauft wird, bis zum ersten Spiel im Salzburger Volksgarten dauert es gute 20 Jahre. Die verbotene Substanz ist auch in der Schweiz längst legal und die silber-blaue Dose ist der Helm des Eishockey-Clubs der Mozartstadt.
Aber auch der Gegner, welcher zur Zeit der verbotenen Substanz bei uns nur als „Torte“ bekannt ist, trägt keine normale Helmfarbe. Die Helme sind kupferfarbig und glänzen im Scheinwerferlicht wie einst unsere UBS-Goldhelme der 90er Jahre. Der Linzer Verteidiger mit der Rückennumer 41 ist nicht mit den Goldhelmen, aber mit der Schweiz bestens vertraut, er verteidigte zwsichen 2007 und 2001 vier Jahre für die SCL Tigers. Curtis Murphy ist auch an deisem Abend im Salzburger Volksgarten einer der auffälligsten Akteure und steuert für die Kupferhelme die Vorlage zum 2:4 Gregor Baumgartners bei.
Dieses mal reichts nicht für die Black Wings, welche den Bullen ihre letzte Niederlage am 20. Oktober in Salzburg zugefügt haben. Salzburg realisiert, durch Red Bull Flügel verleiht, den zwölften Sieg in Serie schon im ersten Drittel und drei Treffern in den ersten 14 Minuten und einem unheimlichen Tempo in den ersten Minuten. Diese Operettenliga, wie die Liga in der Schweiz jeweils despektierlich genannt wird, hat einiges zu bieten und manches NLA-Team, nicht nur die „Schwarzen Flügel“ aus Linz, hätte heute hier Flügel lassen müssen.
Die grosse Zeit der VEU Feldkirch leider «nur» am TV (ORF und DSF) mitverfolgt, gibts den Besuch in der Vorarlberg-Halle erst im Februar 2012. Die VEU Feldkirch bleibt für immer Kult. In ihrer Blütezeit unter der Ära von Ralph Krueger spielte sich die Vorarlberger-Eishockey-Union ins europäische Rampenlicht. Unvergessen sind die Europacup-Auftritte bis ins Finalturnier 1995 und 1996.
Zweimal gabs ein Unentschieden (2:2 und 3:3) gegen den Schweizermeister EHC Kloten. Auf dem europäischen Parkett überflügelten die Feldkircher den Schweizer Vertreter zweimal in Folge und liebäugelten an einer Aufnahme in die Nationalliga A. Als Weihnachtsgeschenk 1995, kam die kanadische Torhüterin Manon Rhéaume für ein Freundschaftsspiel gegen die ZSC Lions ins «Ländle.»
Unvergessen bleiben auch die unverwechselbaren «lila» Milka-Helme. Feldkirch hatte alles was ein europäischen Spitzenteam haben muss und als Krönung folgte der sensationelle Sieg unter Krueger in der European-Hockey-League, nie zuvor war dies einem Team aus dem deutschsprachigen Raum gelungen.
Die österreichischen Mannschaften wahren schon in den 80er Jahren «führend» was die Werbung betrifft. Feldkirch faszinierte zu Beginn der 90er Jahre als erstes Team Europas mit einem kompletten Werbehelm von Milka. Das Design des Trikots gestaltete sich ebenfalls nur durch die Werbebadges.
Der Eindruck täuscht, Innsbruck spielt nicht vor leeeren Rängen, durch den Umbau ist nur eine Tribüne offen. (Krein)
Innsbruck, Olympiastadt von 1964 und 1976, Wintersportort im schönen Tirol. Premiere in der österreichischen Bundesliga, in der 49. Runde gehts zum Spiel des HC «Tiroler Wasserkraft» Innsbruck gegen die Vienna Capitals. Ich erinnere mich an den «Gösser» EV Innsbruck, welcher 1989 beim Europacup in Bern gastiert oder an den Schweizer Bundestrainer Rudi Killias, welcher in der letzten Blütezeit Innsbrucks an der Bande steht. Die Sponsoren prägen das österreichische Eishockey seit Jahren. Nicht nur auf dem Eis dominiert die Werbung, sondern auch auf dem Tenü der Spieler. Als Kind ist dies für mich höchst beeindruckend und heute eher wieder gewöhnungsbedürftig.
Hohenberger und Baumgartner
Mit Martin Hohenberger (1995) und Gregor Baumgartner (1997) stehen zwei der ersten österreichischen NHL-Draftpicks in den beiden Kadern. Beide wurden von den Montreal Canadiens gezogen und beide spielten den Grossteil ihrer Karriere in Nordamerika, für Baumgartner ist es die erste Station seit seiner Rückkehr im letzten Sommer. Hohenberger bringt es auf neun AHL-Spiele für die Fredericton Canadiens, Baumgartner kommt auf 35 AHL-Partien mit den Utah Grizzlies, wo Mark Streit ein Jahr vor dem Österreicher gespielt hat. Ein weiterer ehemaliger US-Söldner ist Wiens André Lakos, der Verteidiger überflügelt mit 184 Einsätzen in der AHL seine beiden Wegbereiter, Lakos wurde 1999 von den New Jersey Devils gezogen.
Trotz der Abwesenheit von Hohenberger, erwischt das «Tabellenschlusslicht» aus Innsbruck den besseren Start und geht in der kalten Olympiahalle mit 1:0 in Führung. Der Schlüssel zum Innsbrucker Sieg ist die 23. Spielminute, innert 13 Sekunden schiessen die Haie zwei Tore und ziehen mit 3:0 davon. In der zwölften Reihe auf der Westtribüne notiere ich zwei Wiener Anschlusstreffer, das «Kelly-Chips-Team» um Baumgartner und Lakos kommt noch einmal ran, ehe Peter Kasper mit der «Tiroler Wasserkraft» für die Haie, nach acht Niederlagen in Serie, ins leere Tor der Wiener den Schlusspunkt setzt. Eine gelungene Abwechslung zur Schweiz und eine zwar etwas kalte, aber gemütliche Atmosphäre im legendären Olympiastadion, welches für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr umgerüstet wird.