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31.07.2012
Fast 35% Plus dank Brenn- und Baustoffen
Der Gesamt-Umschlag der Schweizerischen Rheinhäfen im ersten Halbjahr 2012 stieg gegenüber der Vergleichsperiode 2011 um fast 35%. Dass ein derart positives Ergebnis resultierte, ist in erster Linie den deutlich gestiegenen Importen von Mineralölprodukten und Kohle sowie einer Verdoppelung im Verkehr mit Baustoffen zuzuschreiben. Deutlich ansteigend war auch der Containerverkehr. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass ins erste Semester 2011 eine Zeit fällt, in welcher der Rhein wegen einer Havarie fast einen Monat ganz oder teilweise gesperrt war.
3,7 Mio. t wurden im ersten Halbjahr 2012 in den Schweizerischen Rheinhäfen umgeschlagen; gegenüber den 2.75 Mio. t. im ersten Semester des Vorjahres 2011 entspricht dies einer Steigerung um 34,65%.
Zwar ist beim Vergleich mit dem Vorjahr in Betracht zu ziehen, dass das erste Semester 2011 aussergewöhnlich schwierig gewesen war: die Hochwasserperiode zu Jahresbeginn, die Havarie vor der Loreley mit fast einem Monat Stillstand auf dem Rhein im Januar/Februar und die Niederwasserperiode ab Anfang März. Aber auch der Vergleich mit dem aussagekräftigeren ersten Halbjahr 2010 (3,08 Mio. t) zeigt eine klare Aufwärtstendenz.
In fast allen relevanten Gütersparten sind im ersten Semester 2012 Zuwächse festzustellen. Dies gilt vor allem für den nominell stärksten Bereich der Mineralölerzeugnisse, aber auch für den Bereich „Steine, Erden, Baustoffe“ mit einer Verdoppelung der Importverkehre.
Containerverkehr
49’967 TEU wurden im ersten Halbjahr 2012 über die Schweizerischen Rheinhäfen abgewickelt. Der Gesamtumschlag nahm gegenüber der Vorjahresperiode (44'883 TEU) um 11,3% zu. Auch dieses Ergebnis ist natürlich vor dem Hintergrund der aussergewöhnlichen Ereignisse im 2011 zu sehen. So stieg die Menge im Januar 2012 gegenüber dem Vorjahresmonat – in welchem sich die erwähnte Havarie ereignet hatte – um 43%. Aber auch nachfolgende Monate verbuchten im Vorjahresvergleich gute Zahlen, so der Mai mit +25% und der Juni mit +14%.
Insgesamt wurden in den Schweizerischen Rheinhäfen im ersten Halbjahr 30'804 TEU an vollen Container (+11,9%) und 19’163 TEU leere Behälter (+10,4%)umgeschlagen. Der Exportverkehr (beladene ausgehende Container) nahm nur moderat um 2,5% zu, während die Importverkehre um starke 22% anstiegen.
Für das zweite Halbjahr 2012 rechnen die im Bereich Container tätigen Firmen mit einem guten Resultat im Importverkehr, da die aus Asien nach Europa fahrenden Seeschiffe gut ausgelastet sind. Eine vorsichtige Prognose ist beim Exportverkehr ab den Rheinhäfen zu machen; hier werden das Währungsverhältnis des Schweizer Frankens zu Dollar/Euro und die wirtschaftliche Entwicklung, vor allem im EuroRaum, von Bedeutung sein.
Flüssige Treib- und Brennstoffe
Der Bereich „Erdöl, Mineralölerzeugnisse“ ist die bedeutendste Umschlags-Sparte. Die Zunahme der umgeschlagenen Menge in diesem Sektor um nicht weniger als 89% wirkt sich entsprechend aus und ist hauptverantwortlich für den Gesamtzuwachs in der Berichtszeit. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2012 1,9 Mio. t Mineralölprodukte über die Schweizerischen Rheinhäfen importiert. Dazu kamen knapp 15’000 t via die Häfen exportiertes Schweröl.
Für die Entwicklungen im Mineralöl-Bereich ist hauptsächlich das Geschehen bei den beiden inländischen Raffinerien im 2012 ursächlich. Die Anlage in Cressier ist seit Januar vollständig geschlossen. Die zweite Raffinerie in Collombey hatte in den vergangenen Monaten mit technischen Problemen zu kämpfen und musste einige Male heruntergefahren werden. Statt dass Rohöl via die Pipelines in die Raffinerien gepumpt und dort verarbeitet wurde, kamen in einem massiv höheren Masse bereits verarbeitete Produkte wie Diesel, Heizöl, Benzin oder Kerosin mit Schiffen über den Rhein in die Häfen Birsfelden und Muttenz-Au.
Auch für den Rückgang im Exportbereich ist die Entwicklung in den Raffinerien massgeblich. Wird in den Anlagen nicht oder nur wenig gearbeitet, so fällt auch nur wenig bis kein schweres Heizöl an, welches – da in der Schweiz nicht verwendet – ausgeführt werden muss.
Die hohen Umschlagsmengen waren weiter auch den ausserordentlich kalten Monaten Februar und März geschuldet, welche die Nachfrage nach Heizöl stark in die Höhe schiessen liessen. Trotz Raffinerie-Ausfall und enormer Nachfragesteigerung kam es im Inland zu keiner Zeit zu Versorgungsengpässen. Über die Öffnung der Pflichtlager, mit denen allfällige Engpässe hätten überbrückt werden können, musste nicht einmal nachgedacht werden. Als positives Fazit bleibt, dass die Rheinschifffahrt ihre Versorgungsrolle auch in einer ausserordentlichen Situation problemlos ausfüllen kann.
Abzuwarten bleibt, wie sich die Situation im zweiten Semester weiterentwickeln wird. Die Raffinerie in Cressier soll unter neuem Besitzer ab August 2012 wieder hochgefahren werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass ein Rückgang der Importmengen via Rheinhäfen nur mit Verzögerung eintreten wird, da viele auch die Wasserstände und die Entwicklung der Frachtraten. Beide Faktoren waren für die Importfirmen im ersten Halbjahr sehr günstig.
Landwirtschaftliche Erzeugnisse / Nahrungs- und Futtermittel
Bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen konnte im zweiten Quartal eine Steigerung verzeichnet werden, welche jedoch nicht ausreichend war, um den grossen Rückstand aus dem ersten Quartal aufzuholen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 besteht noch immer ein Rückstand von rund 26%.
War bei den Nahrungs- und Futtermitteln das erste Quartal mengenmässig noch identisch mit dem Vorjahr, so schloss das zweite Quartal etwas schwächer ab. Die Rückgänge bei den Ankünften sind einerseits auf Einkäufe im EU-Raum, welche per Bahn und LKW eintreffen, zurückzuführen. Andererseits hatten Verspätungen der Seeschiffe bei den Ankünften einen grossen Einfluss.
Die in den Rheinhäfen umgeschlagene Menge bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Nahrungs- und Futtermitteln liegt mit 412’000 t auf dem Niveau von 2010. Ein Vergleich mit dem Jahr 2011 ist nur bedingt möglich, da die Mengenzunahme bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen im ersten Quartal 2011 aufgrund der seinerzeit extrem tiefen Zölle exorbitant hoch war. Der Rückstand in den ersten sechs Monaten 2012 auf die Vergleichsperiode im Jahr 2011 beträgt rund 16%.
Feste mineralische Brennstoffe
Die Einfuhr von festen Brennstoffen hat sich mit 56’129 t gegenüber den 29’720 t in der Vergleichsperiode des Vorjahres nahezu verdoppelt. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Gesamtimporte an festen mineralischen Brennstoffen 2012 die sehr tiefe Vorjahresmenge von insgesamt 83’534 t überschreiten werden. Der Grund für die trotzdem tiefen Importe liegt unverändert in der Substitution durch alternative Brennstoffe.
Baustoffe, Eisen und Stahl
Die Importmenge im Bereich „Steine, Erden und Baustoffe“ hat sich mit 434’000 t (+117%) mehr als verdoppelt. Im Export verbucht dieser Bereich bei 103’000 t ein Plus von 48%. Die Aufwärtsentwicklung dürfte nachhaltig sein. Ursächlich sind neu abgeschlossene Verträge, die über einen mehrjährigen Zeitraum laufen.
Beim Import von Eisen und Stahl in die Schweiz sowie beim Transitverkehr nach Italien hat sich der Mengenrückstand der ersten Monate gegenüber dem Vorjahr verlangsamt und liegt noch bei minus 10,7%. Die rückläufige Entwicklung ist in erster Linie dem Transitverkehr nach Italien zuzuschreiben. Der Import von Stahlprodukten in die Schweiz blieb konstant.
Die Exporte der schweizerischen Stahlwerke zeigen mit 50’721 t und einem Plus von fast 73% gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres ein erfreuliches Bild, was mit Blick auf den hohen Schweizer Franken erstaunlich ist. Die Gesamtmenge von 76’000 t im 2011 dürfte demzufolge in diesem Jahr übertroffen werden.
Zellstoff und Chemische Produkte
Die Importe von Zellstoff und chemischen Erzeugnissen haben sich nach der Schliessung und Redimensionierung von Papierfabriken im Jahre 2011 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 121’876 t stabilisiert. Sie liegen somit noch bei einem Viertel der bis zum Jahre 2010 eingeführten Menge von rund 500’000 t.
Die Einfuhr von Zellstoff und chemischen Produkten lag mit insgesamt 227’002 t im ersten Halbjahr um 13,2% unter dem Wert der entsprechenden Vorjahresperiode. Mit der endgültigen Schliessung der Papierfabrik in Biberist im Juni dieses Jahres werden gegen 50% der über die Rheinschifffahrt und die Häfen importierten Zellstoffmengen wegfallen. Wegen der Schwierigkeiten, in welche die übrigen Papierfabriken in der Schweiz wegen des hohen Frankenkurses geraten sind, muss mit zusätzlichen Mengeneinbussen in diesem Segment gerechnet werden.