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Zwei Künstlerinnen zauberten japanische Märchen auf die Chupferturm-Bühne und gaben so Einblick in die Mentalität der Menschen im Land der aufgehenden Sonne. Fukushima war der zündende Funke.
Als Emi Oshikawa vor 25 Jahren in die Schweiz übersiedelte, hatte sie eine Theaterausbildung an der Universität in Tokyo in der Tasche und – als einzige handfeste Erinnerung an ihre Heimat – die Bücher und Werke von Kenji Miyazawa. Der Dichter, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebte, schrieb Märchen und Kinderbücher. «Meine Geschichten hier, die habe ich alle in den Wäldern, auf den Feldern, an den Geleisen der Eisenbahn geschenkt bekommen vom Regenbogen und vom Mondenschein», schrieb er über seine Inspirationsquellen. Miyazawa ist sozusagen die japanische Version der Brüder Grimm.
Fukushima als Funke
Miyazawa ist heute der beliebteste Kinderbuchautor in Japan. Er erhielt zusätzlich Aufmerksamkeit durch die Tsunami-Katastrophe 2011, weil er aus dem versehrten Gebiet im Nordosten Japans stammte. Dieses schlimme Ereignis wurde zum «Funken», der die Aufführung entfachte, die am Sonntagabend auf der Chupferturm- Bühne 50 Besucher in ihren Bann zog. «Es war ein lange gehegter Wunsch von mir, Geschichten von ihm zu erzählen. Jetzt hat es sich mit der Tsunami-Katastrophe und ihren Folgen ergeben, denn wir wollen einenTeil des Erlöses an ein Projekt für atomverstrahlte Kinder in Japan spenden», erklärte Emi Oshikawa die Entstehungsgeschichte der ungewöhnlichen Aufführung.
Galabesetzung
Sie sprach sich mit Noriko Kawamura ab, mit der sie seit über zehn Jahren in Kontakt ist. Ihre Partnerin, welche die Erzählungen im Chupferturm mit der Violine untermalte, ist Berufsmusikerin und spielt in Orchestern rund um den Erdball. Eine Galabesetzung also, die hier echtes und unverfälschtes Kulturgut in japanischer Sprache vortrug.
Von Mohnblumen und Dachsen
Das erste vorgetragene Märchen handelte von Mohnblumen, deren Eitelkeit die roten Blütenpflanzen fast das Leben gekostet hätte. Der Teufel versprach ihnen, sie so schön wie Rosen und zu Stars zu machen.Als Preis verlangte er ihren Kopf – aus dem Opium gewonnen werden kann. Im letzten Moment erkannte eine Zypresse den Teufel in Arztgestalt, stellte ihn zur Rede und jagte ihn davon. Das zweite Märchen «porträtierte» einen Cellisten, der nicht richtig spielen konnte und vom Orchesterleiter immer wieder in den Senkel gestellt wurde. Erst durch die Begegnung mit einer Katze, einem Kuckuck, einem Dachs und einer Maus lernte er, mit Leidenschaft zu spielen – was ihm die Anerkennung des Orchesters brachte.
Einblick in japanische Mentalität
Skurril? Für hiesige Betrachter vielleicht schon. Von Emi Oshikawa auf Japanisch gelesen (mit deutschen Untertiteln) und gespielt, von Noriko Kawamura auf der Geige begleitet, waren sie amüsant und mit Tiefgang. Sie präsentierten einen gelungenen Einblick in eine für uns unbekannte Welt, ein faszinierendes Fenster in die japanische Kultur. Auffallend die blumige Sprache desAutors, die trotz des tiefgründigen Inhalts nie Schwermut aufkommen liess. Die beiden Japanerinnen beehrten Schwyz mit der Premiere ihres Lesetheaters. Sie werden mit dem Stück auf eine Tournee durch Schweizer Städte gehen und möchten später auch in Japan auftreten.
Bote der Urschweiz
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Bühne
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/KkstAb