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Das Hotel Stoffel beherbergt seine Gäste in einem Haus voller Geschichte. Es wurde im Jahr 1919 als Privatresidenz vom bedeutenden St. Galler Textilproduzenten Beat Stoffel (1863 - 1937) erbaut. Aus Anlass seines hundertjährigen Bestehens wurde einiges an Material zusammengetragen, um den Bauherrn und die vielen anderen zu würdigen, die zum Fortbestehen des Hauses und der Entwicklung seiner Ausstrahlung fast in die ganze Welt hinaus beigetragen haben.
Die mit der Textilindustrie verbundene Stoffel-Linie leitet sich vom Spitalmeister und Rat Franz Xaver Stoffel (1730 - 1799) ab. Dessen 1771 geborener Sohn Franz Xaver I. richtete zu Beginn der 1820er Jahre eine Seidenbandweberei im Schloss Arbon ein, das er 1807 erworben hatte. Er führte den Betrieb zusammen mit seinen beiden Söhnen Franz Xaver II. (1794 - 1841) und Severin (1799 - 1867). Nach dem frühen Tod Franz Xavers II. im Alter von 47 Jahren legte dessen Sohn Franz Xaver III. 1860 mit der Gründung seiner eigenen Gewebeproduktion in St. Gallen den Grundstein eines Unternehmens, das über Jahrzehnte hinweg und insbesondere unter der Leitung seines Sohnes Beat zu Weltgeltung aufstieg.
Geboren wurde Beat Stoffel am 24. Januar 1863 in St. Gallen, sein Heimatort war Arbon und ab 1935 Steinach am Bodensee. Er besuchte die Kantonsschule St. Gallen, die Handelsschule in Freiburg und machte eine Lehre im väterlichen Geschäft, das den Namen ›B. Fässler Inhaber: Xaver Stoffel‹ trug. Nach seiner Ausbildung ging er für mehrere Jahre nach London. Dort beeindruckten ihn vor allem die gewaltigen fabrikatorischen Fortschritte der englischen Textilindustrie. Mit diesen Kenntnissen ausgerüstet, trat er 1888 in das väterliche Geschäft in St. Gallen ein, das in diesem Jahr in ›Stoffel & Co.‹ umbenannt wurde. Mit 32 Jahren übernahm er 1895 die Geschäftsleitung. Über die kommenden Jahre hinweg erweiterte er das Warensortiment um jeweils neu aufkommende Stoffarten. Ab 1907 baute er die Firma zunehmend in Richtung Fabrikation aus, indem er in jenem Jahr insgesamt drei Webereien in Eschenbach, Neuhaus und Schmerikon erwarb. Damit gelang ihm der entscheidende Schritt vom Handel zur Industrie. Im Jahr 1910 beteiligte sich Beat Stoffel an der Gründung der St. Galler Feinwebereien AG. Mit 100 Webstühlen stellte sie damals das grösste schweizerische Textilunternehmen dar, das die drei oben erwähnten Betriebe sowie Webereien in Lichtensteig und Schönengrund umfasste. Der Export nahm stark zu, so dass bereits 1912 eine Filiale in London und 1913 eine solche in Berlin eröffnet werden konnte. Bald wurde es in den Räumlichkeiten des Hauptsitzes an der Bahnhofstrasse 15 zu eng, so dass ein neuer Standort innerhalb von St. Gallen gefunden werden musste. Es wurden grössere Büro- und Lagerlokalitäten bezogen, zunächst an der Schützengasse 12, dann an der Schochengasse 8 und schliesslich 1923 im repräsentativen ›Haus Washington‹ an der Rosenbergstrasse 20.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrach die positive Geschäftsentwicklung jäh. Blockaden und Gegenblockaden der Kriegsparteien bedrohten die Interessen der Baumwollindustrie. Um diese zu verteidigen wurde Beat Stoffel 1915 zum Hauptinitianten bei der Gründung des ›Vereins Schweizerischer Baumwollgarn- und Tücherhändler‹ und dessen erster Präsident.
Sofort nach Kriegsende, als Produktion und Handel am Boden lagen, begann Beat Stoffel mit der Anpassung seines Unternehmens an die neuen Verhältnisse. Den nahezu völligen Ausfall der Stickböden kompensierte er duch die Weiterveredelung von Stoffen, insbesondere von Organdy. 1920 erwarb er die bedeutende Spinnerei und Weberei Mels und unterzog diese einer gründlichen technischen Modernisierung. 1923 bis 1925 folgte die Beteiligung an der ›Ausrüstanstalt AG Textil Herisau‹. Von der Einfuhr der Rohstoffe über die Fabrikation bis zum Verkauf besass er nun die gesamte Wertschöpfungskette. Auch mit den aus Not nach dem Krieg aufkommenden künstlichen Textilfasern machte er gute Geschäfte. Als erstem Textilunternehmen in Europa gelang es der Firma Stoffel, Crêpes de Chine und Crêpes Georgette aus Kunstseide zu weben, Produkte, mit denen er sowohl im In- wie im Ausland gute Verkäufe erzielte. Vom allgemeinen Wirtschaftsaufschwung in den Jahren 1925 bis 1928 profitierte auch der Stoffel-Konzern, dessen Schwergewicht in dieser Zeit auf dem Export lag. Nebst den bereits bestehenden Filialen in Berlin und London kamen neue in Paris, New York, Chicago, Los Angeles und Singapur hinzu.
1930 zog sich Beat Stoffel im Alter von 67 Jahren aus der Geschäftsleitung zurück und überliess die Führung seinem 1895 geborenen Sohn Max, der bereits 1914 als Lehrling in die Firma eingetreten und seit 1919 Mitglied der Geschäftsleitung war. Dieser Führungswechsel fiel in die schwierige Zeit der Weltwirtschaftskrise, die 1929 durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse ausgelöst worden war. Wie sich zeigen sollte, war die Firma unter der Leitung von Max Stoffel auch dieser gewaltigen Herausforderung gewachsen, denn offensichtlich hatte der Sohn das unternehmerische Talent von seinem Vater geerbt.
Am 2. November 1937 verstarb Beat Stoffel und wurde auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Steinach am Bodensee zu Grabe getragen.
Der erste Kontakt zu Arosa entstand durch Beat Stoffels Söhne Max und Charly, die den Ort im Jahr 1913 nach einer Skiwanderung von Parpan über das Urdenfürkli erstmals besuchten. Sie stiegen im Hotel Kulm ab, wo sie ihre Schwester Ella trafen, die mit der Postkutsche von Chur nach Arosa hochgefahren war. Die Stoffel-Geschwister waren von der Schönheit der Gegend hellauf begeistert. Wieder zuhause schilderten sie ihrem Vater ihre Eindrücke, worauf dieser Arosa ebenfalls kennenlernen wollte. Es dauerte allerdings noch sechs Jahre, bis dies im Jahr 1919 geschah. Mit einem Pferdegespann fuhr die Familie vom Wohnort Steinach am Bodensee das Schanfigg hinauf und stieg erneut im Hotel Kulm ab. Dass Beat Stoffel schon ein Jahr später dessen Besitzer sein würde, konnte niemand ahnen. Wie sich nämlich herausstellte, befand sich die damalige Besitzerin, Fräulein Milli Liner, in finanziellen Schwierigkeiten. Beat Stoffel befreite sie von ihren Geldsorgen, indem er ihr das Hotel kurzerhand abkaufte. In den folgenden Jahren veranlasste er Um- und Neubauten und führte den Betrieb zu neuem Erfolg.
Ebenfalls 1919, im Jahr seines ersten Besuchs in Arosa, erwarb er ein Grundstück etwas oberhalb des Kulm Hotels gleich neben dem Heimatmuseum, das früher als Gemeindehaus gedient hatte, und liess dort ein stattliches Wohnhaus errichten, das er ›Huus Stoffel‹ nannte.
Als Architekten engagierte er den in Arosa ansässigen Alfons Rocco. Dieser hatte sich unter anderem durch seine fünf Bahnhofsgebäude entlang der 1914 eröffneten Bahnstrecke Chur – Arosa einen Namen gemacht. Die im Chaletstil gehaltenen Stationsgebäude in Lüen-Castiel, St. Peter-Molinis, Peist, Langwies und Litzirüti existieren bis heute. Ihre Besitzerin, die Rhätische Bahn, investierte 2013 mit Blick auf das anstehende 100-Jahre-Jubiläum der Arosabahn zwei Millionen Franken in die Auffrischung dieser Bauwerke. Der Baustil Alfons Roccos war prägend für viele Häuser, die zu jener Zeit in Arosa gebaut wurden. Zusammen mit anderen einheimischen Architekten wie den Gebrüdern Brunold, Jakob Licht, Fritz Maron und Ferdinand Zeit spielte er eine wichtige Rolle in der enormen baulichen Entwicklung Arosas während der 1920er und frühen 1930er Jahre, die den rasanten Aufstieg der Gemeinde vom stillen Kurort zur bedeutenden Sommer- und Wintersportdestination widerspiegelt.
Im ›Huus Stoffel‹ verbrachte Beat Stoffel zusammen mit seiner Frau Annie sowie seinen fünf Kindern Beatrix, Ella, Charly, Max und Anemarie die Wintermonate. Von hier aus führte er während der kalten Jahreszeit sein Unternehmen, im Frühling ging es dann wieder zurück auf seinen Haupwohnsitz, den Weidenhof in Steinach. Doch nicht nur seine Firma beschäftigte ihn, er nahm auch regen Anteil am Dorfleben Arosas, war gern gesehener Gast am Stammtisch des ›Poststübli‹ und wurde rasch zu einem bedeutenden Förderer der Gemeinde. Um Landspekulationen vorzugreifen, kaufte er grosse Alpwiesen in Innerarosa ober- und unterhalb der Bergkirche, Teile der Kulmwiese und Land vom Gspan bis zum Jfängi. Grosse Teile davon wurden später zu Skischutzzonen, mehrere Grundstücke sind bis heute aufgrund eines Servituts unüberbaubar. Er setzte sich zudem für Waldaufforstungen, die Sportförderung, das Vorankommen der Tourismusdestination Arosa und die Besserstellung der Bauern ein. 1925 schenkte er der Gemeinde den Bauplatz zur Errichtung der katholischen Kirche.
Eine seiner letzten Taten war die Übernahme der Hütte auf dem Weisshorn, die der Spengler und Skilehrer Hans Höpflinger nach Überwindung unzähliger Hindernisse, die ihm von den Behörden, den umliegenden Gemeinden und dem Skiclub in den Weg gelegt worden waren, gegen Ende 1933 fertig gestellt hatte. Doch aufgrund andauernder Sticheleien und Unannehmlichkeiten sah sich Hans Höpflinger nach nur zweieinhalb Jahren entnervt und finanziell in Schwierigkeiten geraten zum Verkauf genötigt. Am 5. April 1936 ging die Hütte an Beat Stoffel über, der sie im Laufe jenes Jahres in seinem Stil weiter ausbaute. Wieder war Alfons Rocco sein Architekt, der erneut eine wunderschöne Arvenstube realisierte, die an jene im Haus Stoffel erinnerte. Ende 1936 war die neue Kulm-Hütte, wie Beat Stoffel sie nannte, bezugsbereit. Im August 1937, knapp drei Monate vor seinem Tod und bereits schwer von Krankheit gezeichnet, liess er sich von einem Maultier bis auf den Sattel tragen, um von dort zu Fuss zu seiner geliebten Hütte auf 2657 Meter hinaufzusteigen. Nach seinem Tod wurde die Hütte in Beat-Stoffel-Hütte umbenannt. 1955 wurde sie von den Stoffel-Erben an die Bergbahnen verkauft. Im Sommer 2007 wurde sie abgerissen.
Nach dem Tod von Beat Stoffel im November 1937 verwaiste sein Aroser Haus vorerst. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde es sowohl für die Stoffels wie für andere Familien, die in Arosa Häuser besassen, schwierig, sich um ihre Anwesen zu kümmern. Dennoch bewohnte Sohn Max mit seiner Familie das Haus Stoffel auch in den Kriegsjahren periodisch, um es ein wenig mit Leben zu erfüllen und es einigermassen instand zu halten. Sein Sohn Patrick, der 1935 zur Welt kam, erinnert sich an diese Zeit. Beispielsweise an das Jahr 1942, in dem sich im Zuge der Erbteilung sein Onkel Charly mit einigen schönen Gegenständen aus dem Haus bediente, was kurz zu einer Missstimmung zwischen ihm und Patricks Vater führte. Der kleine Patrick zog wenig später mit seiner Familie in ein eigenes Haus in Innerarosa, worauf das Stoffel wiederum für mehrere Jahre leer stand. Verwaltet wurde es vom Kulm Hotel, das Teil der ›Kollektivgesellschaft Arosa Kulm Hotel und Erben Beat Stoffel› war.
Als sich nach dem Krieg zeigte, dass niemand von den Stoffel-Erben das Haus übernehmen und bewohnen wollte, einigte man sich darauf, einen Käufer oder Mieter zu suchen. Es meldete sich Lydia Leonhard, die während der kommenden 40 Jahre prägend sein sollte für die Geschichte des Hauses.
Über die Kindheit und Jugend der 1918 Geborenen ist lediglich bekannt, dass sie einige Zeit in Deutschland verbracht hatte und dort zur Sportlehrerin ausgebildet worden war. Sport war ihr stets ein wichtiger Ausgleich zur Arbeit. Bis ins hohe Alter fuhr sie Ski, spielte Tennis und Golf und ging regelmässig Schwimmen, Bergsteigen und Klettern. Sie war Mitglied des Schweizer Frauen-Alpenclubs, in dem sie Ruth Licht, die Aroser Fotografin und Chronistin, kennenlernte. Mit ihr blieb sie bis zu ihrem Lebensende befreundet und Ruth Licht war es auch, die die Grabrede verfasste, die weiter unten nachzulesen ist.
Zusammen mit der Engländerin Livinia Hunter trat Fräulein Leonhard, wie sie sich zeitlebens ansprechen liess, die von ihren Freunden aber Ly genannt wurde, an mit dem Plan, im Haus Stoffel ein Mädchenpensionat einzurichten. Die Eröffnung fand im Dezember 1948 statt. Ihrer Schule gab Lydia Leonhard den Namen ›Belri‹. Wie sie darauf gekommen ist, welche Bedeutung dem Namen innewohnte, welche Bezüge er schaffen sollte oder ob er überhaupt etwas bedeutete, ist nicht bekannt. Tatsache ist, dass das Haus während der kommenden knapp 70 Jahre diesen Namen tragen sollte.
In seiner englischsprachigen Broschüre beschrieb sich das Pensionat als Finishing School. So hiessen private Schulen für junge, aus gutem Hause stammende Mädchen, die auf das Leben in der gehobenen Gesellschaft vorbereitet werden sollten. Zu den Unterrichtsfächern im Belri gehörten Benehmen und Etikette, mehrere Sprachen, Stenographie, Kochen, Nähen, Tanz, Musik, Theater, Kunst sowie diverse sportliche Aktivitäten. Zudem wurden Ausflüge zu Lernzwecken in diverse Städte in der Schweiz und in Italien gemacht. Im Anschluss an ein Herbst- und ein Wintersemester in Arosa fand das abschliessende Frühlingssemester in Südfrankreich statt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in der Schweiz zahlreiche solcher Finishing Schools oder Mädchenpensionate, die meisten davon in der Westschweiz. Im Laufe der 60er Jahre verloren sie jedoch an Bedeutung. Die 68er Bewegung und die Emanzipation der Frauen veränderten die Gesellschaft und führten dazu, dass Institutionen wie das Belri nicht mehr zeitgemäss waren.
Doch vorerst lag Lydia Leonhard mit ihrem Nutzungskonzept für das Haus goldrichtig. Die Schule hatte grossen Erfolg. 1956 konnte sie das Haus käuflich erwerben, 1961 erweiterte sie es um einen grösseren Anbau, der ausreichend Platz für den Unterricht und die Unterbringung der Schülerinnen bot. Das Belri wurde von Mädchen aus England, Deutschland und weiteren europäischen Ländern sowie aus Nord- und Südamerika besucht. In der Blütezeit waren es an die 40 Schülerinnen und bis zu 6 Lehrerinnen, die das Haus bevölkerten. Die Damen Leonhard und Hunter führten ein strenges Regime, unter dem die Schülerinnen manchmal litten. Insbesondere wachten sie streng darüber, dass nicht geraucht wurde und es zu keinen ungebührlichen Kontakten zu jungen Männern kam.
Im Herbst 2018 fand im Haus Stoffel eine Klassenzusammenkunft des Jahrgangs 1967/1968 statt. 13 ehemalige Schülerinnen, die mittlerwele um die 70 sind und von denen sich die meisten seit jener Zeit vor 50 Jahren nicht mehr gesehen hatten, kamen zusammen und tauschten über 4 Tage hinweg ihre Erinnerungen an die Belri-Zeit und die Geschichten ihrer Leben intensiv und ausführlich aus. Barbara Lienhard hat die Damen getroffen. Von ihr stammt der Text ›Die Belri-Girls‹, der auf dieser Website zu finden ist.
Die weiter oben beschriebenen gesellschaftlichen Veränderungen führten Ende der 1960er Jahre zu einer stetig sinkenden Anzahl Schülerinnen. Im Frühling 1971 hob Lydia Leonhard den Schulbetrieb auf. Nach kleineren Umbauten begann sie mit der Lancierung des Hauses als Hotel, das sie zur Wintersaison 1971/1972 hin ebenfalls unter dem Namen Belri eröffnete.Während weiterer fast zwanzig Jahre stand sie dem Haus nunmehr als Hoteldirektorin vor und verhalf ihm auch in seiner neuen Funktion in der Schweiz und im Ausland zu einem ausgezeichneten Namen.
Nach 40 erfolgreichen Jahren in Arosa verkaufte sie das Hotel im Jahr 1988. Nach einer missglückten Augenoperation und gesundheitlich angeschlagen verliess die mittlerweile 70jährige Graubünden und zog in eine Altersresidenz in Zürich, wo sie im Jahr 2001 verstarb. Ihre Asche wurde auf dem Friedhof der Bergkirche in Arosa beigesetzt. Eine kluge, tatkräftige und innovative Frau hat hier, inmitten der von ihr geliebten Berge, die letzte Ruhe gefunden.
Käufer des Hotels war Peter Kunz, der es von Grund auf sanierte. Er selber trat aber nicht als Hotelier in Erscheinung, sondern verpachtete den Betrieb ab 1989 an Claudia und Willi Beerli. Das Ehepaar war schon vor Jahren aus dem Unterland nach Arosa gezogen erfüllte sich mit der Übernahme des Hauses einen Traum. 1999 wurden sie Eigentümer des Hotels und führten es während insgesamt 25 Jahren mit grossem Erfolg. Auch ihnen gebührt Respekt und Anerkennung für ihre Leistung, das traditionsreiche Haus über so lange Zeit hinweg auf hohem Niveau gehalten zu haben. Im Jahr 2014 entschieden sie sich zum Verkauf und fanden in Matthias Eisenmann-Schubert den idealen Kandidaten. Zusammen mit zwei langjährigen Freunden, Markus Giger und Christoph Boller, dem Verfasser dieser Zeilen, zog er im Herbst 2014 nach Arosa, um fortan die Geschicke des Hauses zu leiten.
Das Triumvirat kam durch mehrere Zufälle zustande, hat sich aber mit der Zeit als ideale Kombination erwiesen. Die drei Männer sind:
Matthias Eisenmann-Schubert aus Süddeutschland. Siedelte schon Jahre vor Beginn des Aroser Projekts nach Zürich über. Lehre als Koch, Hotelfachschule in der Schweiz. Langjährige Erfahrung in der Gastronomie in verschiedenen Ländern und Kontinenten.
Markus Giger aus Chur. Schon als Jugendlicher Mithilfe im elterlichen Restaurant und Hotel im St. Galler Rheintal. Absolvent der Hotelfachschule Belvoirpark. Leitende Positionen in grösseren Gastronomieunternehmen in Zürich und Zug.
Christoph Boller aus dem Zürcher Oberland. Germanistikstudium in Zürich und Berlin. Marketing und PR bei Schallplattenfirmen. Manager eines international tätigen Opern- und Konzertdirigenten. Dann Quereinstieg in die Gastronomie.
Die gemeinsame Aroser-Geschichte begann am 1. Januar 2008. Christoph Boller und Markus Giger, die sich seit Beginn der 90er Jahre kennen, trafen sich in einer Zürcher Beiz auf ein Bier. Christoph erwähnte eine kurze Begegnung mit einem Bekannten und dessen Begleitung am Bellevue. Die Begleitung stellte sich als Matthias vor und erzählte, dass er Gastronom sei, gerne ein eigenes Hotel führen würde und sich nach einem geeigneten Geschäftspartner umsehe. Markus, der ebenfalls schon seit langem solche Pläne hatte, wurde hellhörig und bat Christoph, ein Treffen zwischen ihm und diesem Matthias zu arrangieren. Das fand eine Woche später statt. Die beiden verstanden sich zwar auf Anhieb gut, doch es sollte sechs Jahre und unzählige Besichtigungen dauern, bis sie das richtige Objekt in Arosa gefunden hatten.
Am 5. Dezember 2014 starteten die drei die erste Wintersaison. Zusammenfassend können die ersten Jahre als eine Zeit der Renovation und Innovation beschrieben werden. Das Haus war bei der Übernahme zwar funktionstüchtig, entsprach aber in einigen Bereichen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Auch Punkto Ästhetik bestand Nachholbedarf, vor allem das Restaurant war nicht mehr zeitgemäss. Unter Federführung der renommierten Churer Architektin Tilla Theus und ihrem hervorragenden Mitarbeiter Holger Widmann wurde es von Grund auf erneuert. Das für das Haus prägende, von Beat Stoffel geliebt Arvenholz, wurde auch für den Neubau des Restaurants verwendet. Der Raum stellt eine Neuinterpretation der direkt an das Restaurant angrenzenden Arvenstube von Beat Stoffel dar.
Doch nicht nur für das Restaurant fand das Büro von Tilla Theus eine Lösung. Für das gesamte Haus und seine Umgebung wurde ein umfassendes Konzept erarbeitet. Schritt für Schritt wurde der Garten erweitert, die Gästezimmer aufgefrischt, zum Teil umgebaut und mit einer neuen Beleuchtung ausgestattet. Die Rezeption wurde neu gestaltet, die Stoffel-Stube neu möbliert, der Platz vor dem Haus mit Kopfsteinpflaster veredelt und mit Bäumen bepflanzt. Den Abschluss bildete die Errichtung eines Fassbrunnens direkt vor dem Haus. Andere, für die Besucher nicht sichtbare Massnahmen, betrafen den Einbau einer neuen Heizung sowie einer neuen Küche. Als ein veritables Pièce de Résistance leistet heute noch die aus den 80er Jahren stammende Kaffeemaschine der Marke cafag treue Dienste, doch auch ihre Tage dürften gezählt sein, entwickelt sie doch hin und wieder Eigenwilligkeiten, die auf gewisse Gebrechen hindeuten, die irgendwann nicht mehr repariert werden können.
Parallel zu den notwendig gewordenen Renovationen gab es Innovationen. Marketingmassnahmen beispielsweise, die helfen, neues und oft auch jüngeres Publikum anzusprechen. Das Hotel erfreut sich einer urbanen Internationalität, die das Haus jung hält und sich gut verträgt mit eher traditionell ausgerichteten Besucherinnen und Besuchern. Oder die Öffnung des Restaurants für externe Gäste verbunden mit einer Neuausrichtung des kulinarischen Angebots. Und die Rückbesinnung auf den ursprünglichen Namens des Hauses. Aus dem Belri wurde im Dezember 2015 wieder das Stoffel – im Gedenken an seinen Erbauer Beat Stoffel.
Seit nunmehr 100 Jahren steht es in Innerarosa, das Haus Stoffel. Von der privaten Residenz hat es sich zum Mädchenpensionat und dann zum Hotel gewandelt. Ein offenes Haus war es während all der Jahrzehnte. Beat Stoffel, der international tätige Unternehmer, empfang oft und gerne Gäste. Während der Zeit als Mädchenpensionat bevölkerten junge Frauen aus allen Weltgegenden die Räume. Und als Hotel beherbergt es seit bald 50 Jahren Menschen aus aller Herren Länder. Das Haus Stoffel ist eine Konstante inmitten einer Welt, die sich seit den Zeiten seines Erbauers permanent und immer schneller verändert hat. Diese Konstante wird es hoffentlich noch lange bleiben.