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Sie sind die mutmasslichen Drahtzieher des Brandes, der im Januar 2015 den leer stehenden Gasthof Kaiseregg in Plaffeien zerstört hat: der 60-jährige Co-Besitzer des Gebäudes und ein 39-jähriger Geschäftsmann. Beide wohnen im Saanebezirk und haben ihre Geschäftstätigkeiten in der Stadt Freiburg. Der Freiburger Generalstaatsanwalt Fabien Gasser teilte gestern mit, dass er die Strafuntersuchung zum Hotelbrand abgeschlossen habe und das Strafgericht des Saanebezirks über die Anklage urteilen werde. Der Prozess soll noch vor Ende Jahr beginnen.
Die beiden Angeklagten bestreiten bis zum heutigen Tag jegliche Beteiligung an der Sache. Der 34-jährige Brandstifter hingegen, der Gegenstand einer separaten Anklage ist, hat seine Tat vor einem Jahr gestanden und zugegeben, den Hotelbrand im Auftrag des 39-jährigen Geschäftsmanns gelegt zu haben (die FN berichteten). Zum 60-jährigen Co-Besitzer des zerstörten Gasthofs hatte der 34-Jährige aber keinen Kontakt, wie Gasser erklärt. Eine andere Person belaste den Besitzer. Die Anklage stütze sich stark auf die Aussagen dieser Personen, da nur wenig Spuren vorhanden seien. Die Ehefrau des 60-Jährigen besitzt ebenfalls Anteile am Gasthof. Es existiert gemäss Fabien Gasser aber kein einziges Element, das darauf hinweisen würde, dass sie in irgendeiner Form involviert gewesen sei oder etwas davon gewusst habe.
Mehr als nur ein Anklagepunkt
Für beide Männer lautet die Anklage unter anderem auf Anstiftung zur Brandstiftung, versuchte Anstiftung zur Brandstiftung sowie auf versuchten Versicherungsbetrug respektive versuchten Betrug zum Nachteil der kantonalen Gebäudeversicherung. Denn zum Zeitpunkt des Brandes war der leer stehende Gasthof seit sechs Jahren im Besitz des 60-Jährigen. Er wollte das Gebäude als Restaurant betreiben und in den oberen Etagen Wohnungen einbauen. Der Investitionsbedarf überstieg aber seine finanziellen Möglichkeiten, weshalb er das Gebäude abreissen und durch einen Neubau ersetzen wollte. Das Abbruchgesuch war zum Zeitpunkt des Brandes hängig. Die Denkmalpflege hatte das Gesuch negativ beurteilt; sie mass dem Gebäude historischen Wert bei. Nach der Brandnacht wurde rasch klar, dass das Feuer gelegt worden war. Die Gebäudeversicherung hat die Auszahlung der Versicherungssumme von zwei Millionen Franken bisher verweigert; sie will das Urteil abwarten und tritt als Klägerin auf.
Über 50 000 Franken gefordert
Der Besitzer hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst versucht, eine Person anzustiften, einen Brand zu legen und dafür einen technischen Defekt vorzutäuschen. Dann habe er Kontakt zum Geschäftsmann geknüpft, der Interesse am Kauf des ehemaligen Hotels zeigte. Dieser soll die Brandstiftung schliesslich organisiert haben. Die Staatsanwaltschaft wurde auf ihn aufmerksam, weil beim Brand zwei seiner Autos zerstört wurden, für die er bei der Versicherung über 50 000 Franken geltend machte.
Während der Besitzer des abgebrannten Hotels nach anderthalb Monaten in Untersuchungshaft auf Kaution wieder freigelassen wurde, sitzt der Geschäftsmann seit Februar 2016 in Haft und wird es bis zum Prozess auch bleiben. Er hat Vorstrafen und ist wegen anderen Delikten wie Betrug, Anstiftung zu Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Fälschung von Ausweisen angeklagt. Erst im Juli wurde er wegen Betrug zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt.
Fabien Gasser geht davon aus, dass er für beide eine mehrjährige Haftstrafe fordern wird. Obwohl die Tat im Sensebezirk verübt worden war, findet der Prozess im Saanebezirk statt. Gemäss Gasser vor allem deshalb, weil die beiden Angeklagten Französisch sprechen und ihre Aussagen somit nicht übersetzt werden müssen. Der Fall des Brandstifters wird in den nächsten Wochen in einem abgekürzten Verfahren am Gericht des Greyerzbezirks verhandelt.
Zahlen und Fakten
Gemeinde behält Baudossier zurück
Der angeklagte Besitzer des abgebrannten Hotels Kaiseregg in Plaffeien hatte für diese Parzelle bei der Gemeinde bereits ein Vorgesuch für ein neues Bauprojekt eingereicht. «Das Dossier liegt auf Eis», so Syndic Otto Lötscher. «Erst wollen wir Klarheit darüber, ob er mitschuldig ist.» Der Gemeinderat sei froh, bald Gewissheit zu haben. Im Sense-Oberland war im Januar 2013 die Höllbachbrücke in Plasselb durch Brandstiftung zerstört worden, auf der Alp Stoss brannte im März 2014 ein Stall nieder. Beide Fälle sind ungeklärt, ein Zusammenhang zum Hotelbrand bestehe nicht, sagt Generalstaatsanwalt Fabien Gasser.