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Die Kunst des Heilens
§ 279 – Sechste Ausgabe
Diese reine Erfahrung nun zeigt durchgängig, daß, wenn der Krankheit nicht offenbar beträchtliche Verderbniß eines wichtigen Eingeweides zum Grunde liegt, (auch wenn sie unter die chronischen und complicirten gehörte) und, selbst wenn bei der Cur alle andern, fremdartig arzneilichen Einwirkungen auf den Kranken entfernt gehalten worden waren – die Gabe des homöopathisch gewählten, hoch potenzirten Heilmittels für den Anfang der Cur einer wichtigen, (vorzüglich chronischen) Krankheit, in der Regel nie so klein bereitet werden kann, daß sie nicht noch stärker als die natürliche Krankheit wäre, daß sie dieselbe nicht, wenigstens zum Theil, zu überstimmen, nicht schon einen Theil derselben im Gefühle des Lebensprincips auszulöschen und so schon einen Anfang der Heilung zu bewirken vermöchte.
Im Falle komplizierter chronischer Erkrankungen, kann die Behandlung mit einem homöopathischen Mittel passender Potenz beginnen, bevor die vitalen Bereiche des Organismus zerstört werden. Es sollten keine weiteren Medikamente mehr genommen werden. In solchen Fällen sollte über die Dosis so entschieden werden, dass die Stärke des Medikaments nicht geringer ist als die Stärke der Krankheit. Wenn die gegebene Medizin in der Lage ist, zumindest einige der Leiden des Patienten zu beseitigen, bedeutet das, dass die Heilung begonnen hat.
Erklärung
ist, wie klein kann dann eine Dosis sein? Noch einmal: Wenn die Dosis geringer als erforderlich ist, wirkt das Medikament nicht. Wie soll man dann Medikamente und Krankheiten zusammenbringen? Antworten auf all diese Fragen sind bis zu einem gewissen Grad möglich.
- Da wir die Medikamente mit besonderem Interesse studieren, sollte auch jeder Patient mit besonderer Sorgfalt untersucht werden. Er sollte Abstand davon nehmen, größere Dosen einzunehmen, auch keine häufigen Wiederholungen oder Mischungen wie in der Allopathie.
- Die Reaktionsfähigkeit der Vitalkraft in einem Patienten sollte ganz genau erforscht werden. Starke Schmerzen oder ernste Leiden zeigen, dass die Reaktionsfähigkeit der Vitalkraft größer ist. Das heißt, dass die Vitalkraft stark genug ist, um die Krankheit auszutreiben. Einem solchen Menschen sollte eine geringere Anzahl von Dosen in hohen Potenzen in größeren Abständen gegeben werden. Beobachtet die Ergebnisse. Auch wenn die Leiden zunehmen, sollte auf diese Weise verfahren werden.
- Wenn die Anzahl der Leiden abnimmt und die Symptome nicht klar sind oder allmählich zu- oder abnehmen, sollte verstanden werden, dass die Reaktionsfähigkeit des Patienten zu gering ist. Bei einem solchen Menschen sollte die Behandlung mit einer geringeren Potenz beginnen. Die Dosen sollten häufiger wiederholt werden als bei dem vorigen Patienten. Bei akuten wie auch chronischen Krankheiten sollte die Kondition des Patienten auf dieselbe Weise eingeschätzt werden.
- Chronische Krankheiten erscheinen auf zwei Stufen:
- Auf der ersten Stufe der chronischen Krankheit wurde dem Körpergewebe kein Schaden zugefügt. In diesem Fall sind die Symptome stechend. Oft sind die Funktionen des Körpers in Ordnung. Wenn wir eine Behandlung bei einem solchen Patienten beginnen, sollte die Dosis in einer niedrigeren Potenz gegeben werden, als es notwendig wäre, um auf die Ebene der Krankheit zu gelangen. So bekommt man die Krankheit in den Griff, und einige der Leiden werden beseitigt, das heißt, die Heilung hat auf eine richtige Art und Weise begonnen. Dann sollten die Potenzen allmählich erhöht und die Resultate abgewartet werden. Die Behandlung sollte mit der letzten Dosis, die die komplette Gesundheit herstellt, beendet werden.
- Die zweite Stufe der chronischen Krankheit bedeutet, dass die längere Krankheitsgeschichte den Organismus und die Gewebe beschädigt hat. So sind z.B. eine Herzkrankheit, Lungenfraß, die Zerstörung der Leber, Aszites, Lepra, eine Lähmung, Gangrän usw. entstanden. In diesen Fällen stellt sich nicht die Frage nach einer vollständigen Heilung. Bei den meisten Patienten ist nur eine Linderung möglich. In solchen Fällen beginne mit einer niedrigeren Potenz und organisiere die übrige Behandlung ohne eine Anhebung der Potenz. Mit etwas Glück können sich nach einigen Monaten oder Jahren die Gewebe regenerieren. Dann können auch einige Leiden geheilt werden. Solche Fälle sollten aufmerksam beobachtet werden. Dafür können langsam ansteigende Potenzen benutzt werden.
Nach der Beachtung all dieser Punkte hat Dr. J.T. Kent folgendermaßen entschieden:
- Es ist für jeden Patienten sicher, eine Behandlung mit 30er oder 200er Potenzen, je nach Konstitution des Patienten, zu beginnen. Bei chronischen Krankheiten sollte nach dem Beginn mit einer 30er Potenz so lange keine Wiederholung durchgeführt werden, wie der Patient nach jeder Dosis eine Verbesserung fühlt. Nur wenn Leiden auftauchen, sollte eine weitere Dosis gegeben werden. Wenn man das für einige Zeit so durchführt, wirkt dieselbe Potenz nicht mehr. Dann kann die Potenz bis zum gewünschten Grad erhöht werden. Die Behandlung sollte mit der Dosis, die alle Leiden heilt, beendet werden.
- Bei den meisten akuten Fällen kann die Behandlung mit einer 200er Potenz beginnen. Mit denselben Bedingungen wie oben erwähnt kann man eine zweite oder dritte Dosis geben. Auch eine Erhöhung der Potenz sollte auf diese Weise erfolgen.
- Wenn bei chronischen Krankheiten Gewebe abgebaut wurden, sollte eine 30er Potenz gegeben werden. Im Fall von Patienten, bei denen eine weitere Verschlechterung stattfindet, sollten noch niedrigere Potenzen gegeben werden.
- Bei Krankheiten mit vorherrschenden mentalen Symptomen beginne mit 1M, 10M oder 50M Potenzen.
Original in Telegu von Dr. E. Krishnamacharya
Übersetzung von Dr. E. Krishnamacharya