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Geschrieben von Walter Undt, www.Lebensbrot.de
Freitag, 01 Dezember 2006
Weihnachten?
Kann man mir das zumuten?
"Das kann man mir nicht zumuten, daß ich weniger Lohn bekommen soll, um anderen den Arbeitsplatz zu erhalten" schimpfte die Akkordarbeiterin vom Fließband.
"Das kann man mir nicht zumuten, daß ich auch noch dafür zuständig sein soll, mich um diesen Dreck zu kümmern" beschwerte sich der Angestellte, als ihm übertragen wurde, seine Briefe künftig selber zu schreiben.
UNZUMUTBAR ist ein Schlagwort, mit dem man sich vor Ansprüchen schützt, die andere an einen stellen. Groß ist die Sammlung der Unzumutbarkeiten in unserer Gesellschaft geworden:
Unzumutbar ist es für den einen, eine Arbeit in einem anderen Ort anzunehmen, damit nicht die anderen für ihn das Arbeitslosengeld oder die Sozialhilfe zahlen müssen. Ein Unzumutbar der Zahlenden zählt nicht.
Schnell wird das "Unzumutbar" zu einer Festung, hinter der mich verbarrikadieren kann. Aber was ist denn wirklich unzumutbar?
Drei Buchstaben stecken in dem vielzitierten Wort, die es für mich in sich haben: M U T ! Wer sich nur hinter vielen Unzumutbarkeiten versteckt, dem fehlt der Mut eine Herausforderung mutig anzunehmen. Was wäre wohl gewesen, wenn....
...Abraham gesagt hätte: „Das kann mir keiner zumuten, daß ich meine Heimat verlasse und mit der ganzen Familie in die unsichere Zukunft reisen soll!“
... Mose gesagt hätte: “Frei wollen wir Israeliten ja schon sein, aber wir können es doch nicht den Menschen zumuten, so ins Ungewisse, ohne Sicherheiten und ohne Garantien das Land zu verlassen!“
Maria gesagt hätte: "Die Sache mit dem Baby ist ja ganz ok, aber das kann man doch nicht mir zumuten, daß ich mein Ansehen, meine Ehe und sogar mein Leben dafür aufs Spiel setze..."
In der Tat, scheint Gott manches Mal einen etwas anderen Blickwinkel zu haben, wenn es darum geht, unseren Mut herauszukitzeln. Bei Maria sah geschah das so, wie es uns Lukas (1,26-38) berichtet:
Ein Engel verkündet Maria die Geburt Jesu
27 Elisabeth war im sechsten Monat schwanger, als Gott den Engel Gabriel zu einem Mädchen nach Nazareth schickte, einer Stadt in Galiläa. Das Mädchen hieß Maria und war mit Joseph, einem Nachkommen des großen Königs David, verlobt. 28 Der Engel kam zu ihr und sagte: "Sei gegrüßt, Maria! Gott will dich beschenken. Er hat dich unter allen Frauen auserwählt."
29 Maria fragte sich erschrocken, was diese seltsamen Worte bedeuten könnten.
30 "Hab keine Angst, Maria", redete der Engel weiter. "Gott liebt dich und hat etwas Besonderes mit dir vor. 31 Du wirst ein Kind erwarten und einen Sohn zur Welt bringen. Jesus soll er heißen. 32 Er wird mächtig sein, und man wird ihn Gottes Sohn nennen. Die Königsherrschaft Davids wird er weiterführen 33 und die Nachkommen Jakobs für immer regieren. Seine Herrschaft wird kein Ende haben."
34 "Wie kann das geschehen?" fragte Maria den Engel. "Ich bin doch gar nicht verheiratet." 35 Der Engel antwortete ihr: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft Gottes wird sich an dir zeigen. Darum wird dieses Kind auch heilig sein und Sohn Gottes genannt werden. 36 Selbst Elisabeth, deine Verwandte, von der man sagt, daß sie keine Kinder bekommen kann, ist jetzt im sechsten Monat schwanger. Sie wird in ihrem hohen Alter einen Sohn zur Welt bringen. 37 Für Gott ist nichts unmöglich."
38 "Ich will mich Gott ganz zur Verfügung stellen", erwiderte Maria. "Alles soll so geschehen, wie du es mir gesagt hast." Darauf verließ sie der Engel.
Kann man es einem so jungen Mädchen (Maria war ca. 14/16 Jahre alt) zumuten,
-- daß es seine Verlobung mit Josef durch eine unplanmäßige Schwangerschaft aufs Spiel setzt?
--daß sie die Todesstrafe risikiert, wenn Josef öffentlich bekannt macht, daß er nicht der Vater des Kindes ist?
Kennen Sie jemanden, dem sie das heute zumuten würden? Gott hat das Maria zugemutet! Er wußte um den Mut der Maria, sich auf einen spannenden, göttlichen Weg einzulassen.
Doch wie begann das ganze?
Ein Engel kam vorbei und sagte den vielversprechenden Satz:
"Sei gegrüßt, Maria! Gott will dich beschenken. Er hat dich unter allen Frauen auserwählt."
Richtig - mit dem Versprechen eines Geschenkes begann es. Mich erinnert das seltsamerweise an einen Gewinn, den meine Schwester vor vielen Jahren einmal überreicht bekam. Da hieß es in etwa so: Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die Mitgliedschaft in unserem Buchclub gewonnen. Nun dürfen Sie mindestens zwei Jahre lang von unserem Buchangebot profitieren! Einmal im Quartel erhalten Sie das Buch des Monats zugesandt. Der Haken an der Sache: die Bücher mußten bezahlt werden.
Sollte Gottes Geschenk etwa auch so eine Mogelpackung sein? Glückwunsch Maria: Du kannst Deine Ehe abschreiben, als Hure wirst Du nun angesehen werden und wenn Du Pech hast, werden Dich die Gesetzeshüter auch noch steinigen....
Ich weiß, daß einem manches Mal Gottes Wege tatsächlich wie so eine Mogelpackung vorkommen können. Mann irrt durch den Alltag und fragt sich nur: warum ich, warum ausgerechnet ich?
Das Gefährliche daran ist jedoch meine Blickrichtung: Ich sehe nur auf mich, meine Situation, meine Umstände, was mir zugemutet wird....
Maria macht es hier anders. Sie stellt nicht sich, sondern den kommenen Jesus in den MIttelpunkt. Gott hat etwas ganz großartiges vor, daß spürt sie - und von Ihrer Erziehung her weiß sie, daß der Messias kommen soll. Und als nun so der Engel vor ihr steht - da sind die ganzen Umstände keine Thema für sie! Maria begreift: Gott schreibt Geschichte - und er wirll sie mit mir schreiben. Ich darf Gottes Mitarbeiter sein.
Und so kommt ihr scheinbar gedankenlos, aber doch aus tiefstem Herzen die Antwort über ihre Lippen, und sie sagt:
38 "Ich will mich Gott ganz zur Verfügung stellen", erwiderte Maria."Alles soll so geschehen, wie du es mir gesagt hast."
Das ist der Knackpunkt, der aus dem menschlich Unzumutbaren einen Heldenmut werden läßt. "Ich will mich Gott ganz zur Verfügung stellen. Mir soll so geschehen, wie du es mir gesagt hast"!
Wer sich so, wie Maria und alle anderen Vorbilder in der Bibel und in der gesamten Kirchengeschichte, auf Gott einläßt, mit dem kann Gott Dinge anfangen, die man sich nie hätte träumen lassen.
Was kann aus einem Mädchen mehr werden, als daß sie es an sich geschehen läßt, daß Gott durch sie Mensch wird? Was hatte Maria selber dazu beizutragen? Nichts! Marias aktivster Beitrag am Handeln Gottes war, daß sie es zugelassen hat. Alles andere übernahm Gott. Er sorgte auf wunderbare Weise dafür, daß ihr Verlobter sie nicht verlies, sondern sich ebenfalls in das Handeln Gottes mit hineinnehmen ließ.
In Elisabeth erhielt Maria früh eine Verwandte als Verbündete, die sie verstand und mit der sie über alles reden konnte. Auch was an zukünftigen Schwierigkeiten kommen sollte, für alles war die höchste Stelle verantwortlich - und so gab es immer einen Weg.
Das ist es, was mich an Maria so fasziniert und was mir ein Vorbild ist:
Sie stellt sich Gott ganz zur Verfügung. Gottes Wille darf an und in ihrem Leben geschehen - mit allen Konsequenzen.Image
Wie oft haben Sie schon das Unser Vater gebetet? Dort beten wir auch darum, daß sein Wille geschehe, im Himmel wie auf der Erde. Geben wir unserem Gott die Chance, daß sein Wille auf der Erde durch uns geschen kann - und reißen wir die Mauern der Unzumutbarkeiten um Gottes Willen ein!