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Bosnien 2016 - Tag 7
von Zen Zentrum (Kommentare: 0)
Donja Gradina
Nach der Morgenmeditation verabschiedeten wir uns von Bernadette, jede/r mit einem guten Wunsch für sie. Sie reiste bereits heute zurück in die Schweiz.
Dann machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zur bosnischen Seite der Gedenkstätte des Konzentrationslager von Jasenovac, Donja Gradina.
Der Fluss Sava teilt das Lager in zwei Teile, den kroatischen mit der mächtigen Betonblume und den bosnischen. Der Kurator der Gedenkstätte erklärte uns, dass sich in Donja Gradina keine Lagergebäude befanden, sondern dass dieser Teil vor allem als Hinrichtungsstätte diente. Die Häftlinge wurden mit Booten hierher gebracht. Handwerker wurden im Lager III für die Arbeit eingesetzt, Intellektuelle und Lehrer wurden meistens sofort nach Donja Gradina zur Hinrichtung geführt.
Der Kurator führte uns zu einem von insgesamt 105 der bis jetzt entdeckten Massengräber. Grosse Tafeln erinnern an die 600 000 ermordeten Serben und an zehntausende von Juden, Kinder und Romas. Nach dem Krieg hatten die Ustaša das Lager komplett zerstört. Nichts erinnert mehr daran, dass sich hier ein Konzentrationslager befand. Erst in den sechziger Jahre wurde auf Wunsch der ermordeten Angehörigen eine Gedenkstätte errichtet. Nachdem die Massengräber zur wissenschaftlichen Untersuchung ausgegraben wurden, legten sie die sterblichen Überreste wieder zurück in die Gräber.
Auf einmal standen zwei Männer mit Kamera bei uns. Sie erklärten uns, dass sie vom serbischen TV-Sender B92 seien und gerne von Menschen aus dem Westen hören möchten, was sie über dieses Lager wissen. Sie erklärten uns, dass die kroatische und die serbische Seite dieses Lager für ihre Politik benutzten. Anna und Julia äusserten vor der Kamera, dass sie Verständnis für beide Seiten hätten und betonten gleichzeitig die Notwendigkeit der Versöhnung. (Berichterstattung B92 hier).
Wir wanderten in Stille einen Weg entlang, der durch Wald und Wiesen führte, vorbei an Vertiefungen in den Wiesen, Hinweise für Massengräber. Die Natur zeigte sich von ihrer schönsten Seite, einfach wundervoll. Sattes Grün, blühender Löwenzahn, erstes Blattgrün riesiger Bäume, Frühlingsgesänge der Vögel. Es war, als möchte die Natur Balsam sein auf den Wunden, die hier Menschen Menschen angetan hatten. Auf einer Lichtung stellten wir uns in einen Kreis und sangen Lieder zur Heilung und Versöhnung. In der Gruppe war Trauer und Fassungslosigkeit zu spüren.
Unsere Reise ging weiter nach Sanski Most, wo uns Vahidin Osmanovic erwartete. Er ist der Gründer von CIM, einem Zentrum für Friedensbildung. Zusammen mit einem Team engagiert er sich für den Dialog zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen in Bosnien. Uns leitete er in einem Workshop durch das Thema "Identität". Es war sehr interessant zu hören, wie Einzelne ihre Identität verstehen und welche Ereignisse diese verletzten. Vahidin ist durch und durch Friedensarbeiter. So erklärte er uns das Problem der verschiedenen Identitäten und wie wichtig es wäre, dass sich einzelne Personen vor allem als Menschen verstehen würden und nicht allein durch die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Ethnie.
Das Abendessen nehmen wir auf einer Terrasse über der Sana ein. Das Tischgebet singt der Muhezzin von der nahen Mosche und schliesst zu unserer Überraschung mit dem Gebet über die Erde den Tag ab.
Ursula Paparic