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Kürzlich wurde mir im Gespräch mit einer Atemtherapeutin folgendes Buch empfohlen: BREATH – ATEM – Neues Wissen über die Kunst des Atmens von James Nestor.
Nestor ist ein amerikanischer Journalist. Er schreibt unter anderem für die New York Times. Er ist passionierter Taucher und beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Atmung.
Ausschlaggebend für das Schreiben des Buches war Nestors eigene Gesundheit. Nach mehreren Lungenentzündungen und monatelanger Abgeschlagenheit bekam er von seinem Arzt den Rat, einen Kurs in Atemtechnik zu besuchen. Tatsächlich hatte der Kurs positive Auswirkungen, und Nestor fragte sich, was genau geschehen war:
«Wie kann es zu einer so tiefgreifenden Reaktion kommen, wenn man sich eine Stunde lang in einem schäbigen Haus mit gekreuzten Beinen auf den Boden setzt und ein- und ausatmet?»
Was danach im Buch beschrieben wird, liest sich spannend wie ein Krimi. Den Anfang macht Nestor mit einem Selbstexperiment bei Dr. Jayakar Nayak, Leiter der rhinologischen Forschung an der Stanford University, in einem international anerkannten Labor. Er lässt sich seine Nasenlöcher mit Silikonstopfen und Pflasterstreifen darüber verschliessen, um 10 Tage ausschliesslich durch den Mund zu atmen. Die Schäden, die er seinem Körper damit zufügt, versucht er danach mit etlichen Methoden zu heilen. «Er versucht die Lungen zu weiten, das Zwerchfell zu stärken, den Körper mit Sauerstoff vollzupumpen, das autonome Nervensystem zu knacken, das Immunsystem anzuregen und die Chemorezeptoren im Gehirn neu einzustellen.»
Bei einem Ausflug nach Paris beschreibt er seine Reise in die Unterwelt dieser Metropole, genauer gesagt in die Katakomben unter dem Jardin de Luxembourg. Sein Interesse hier gilt den alten Schädeln der ca. sechs Millionen Toten, die dort liegen. Denn mit der Verbreitung der industriell verarbeiteten Nahrungsmittel vor ca. 300 Jahren veränderten sich die menschlichen Schädel: Mundhöhlen schrumpften, Gesichter flachten ab und Nasenhöhlen verstopften. Die Forschung vermutet, dass die erschwerte Atmung auch damit zusammenhängt.
So reiht sich ein interessantes Experiment an das andere, und etliche Begegnungen mit Wissenschaftlern werden beschrieben.
Man muss man sich nicht speziell für den Atem interessieren, um Breath spannend zu finden.
Geeignet für alle, die neugierig auf den Körper und seine Fähigkeiten sind.
James Nestor: Breath – Atem – Neues Wissen über die vergessene Kunst des Atmens
Piper Verlag, München, 2021 – 332 Seiten
ISBN 978-3-4920-5851-3
Tipp von Claudia Rodriguez | Mitarbeiterin GIBZ Mediathek (ursprünglich erschienen als Buchtipp in der Zuger Zeitung)