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Hermann Haller (1880–1950) gilt als bedeutender Begründer der modernen Plastik in der Schweiz, wo er besonders nach dem Ersten Weltkrieg auch über die nationalen Grenzen hinaus wirkt.
Nach einer abgebrochenen Malereiausbildung in München, begibt sich der junge Haller um 1900 nach Rom. Erst dort entdeckt er sein plastisches Talent und bildet sich autodidaktisch zum Bildhauer fort. Dabei entwickelt er eine unabhängige Formsprache, orientiert sich aber auch an seinen grossen Vorbildern Auguste Rodin und Aristide Maillol. Ihnen folgend, macht Haller ebenso die menschliche Figur zum Thema seines Schaffens und konzentriert sich dabei hauptsächlich auf die erotische Spannung zwischen den Geschlechtern. Sein häufigstes Sujet bilden aus Ton modellierte, nackte Frauenkörper, die entweder in sich ruhendend oder stark bewegt sind.
Nach einigen Lebensjahren in Rom und ab 1909 auch in Paris, kehrt Haller dann 1914 in die Schweiz zurück und lässt sich in Zürich nieder, wo er allmählich zu einem der erfolgreichsten Plastiker im deutschsprachigen Raum avanciert. Dies widerspiegelt sich in diversen Auftragsarbeiten, die im öffentlichen Raum bis heute zu sehen sind – prominent in Zürich ist beispielweise das Hans-Waldmann-Denkmal (1937). Verbreitete Wertschätzung zeigt sich zudem in Hallers positiver Rezeption, der Zunahme des Verkaufs seiner Werke, als auch im von der Stadt zur Verfügung gestellten Grundstück an bester Lage für sein Atelier im Villenquartier an der Höschgasse. Dort arbeitet Haller bis zu seinem Tod 1950. Kurze Zeit später macht seine letzte Ehefrau Hedwig Haller-Braus das Atelier der Öffentlichkeit zugänglich, wo bis heute ein Grossteil seines Œuvre zu betrachten ist.
Auch der dokumentarische Teilnachlass von Hermann Haller, der 1982 zuerst als Schenkung an die Stadt Zürich gelangt und vier Jahre später SIK-ISEA vermacht wird, veranschaulicht sein umfangreiches Werk. Das Konvolut umfasst zahlreiche Bilddokumentationen seiner Plastiken, deren Standorte heute teilweise unbekannt sind. Zusätzlich zeigen die Aufnahmen Entwürfe und verschiedene Stadien im Entstehungsprozess der Skulpturen, sodass sich gewisse Arbeitsschritte noch heute nachvollziehen lassen.
Der Grossteil des fotografischen Nachlasses stammt von Haller selbst, sodass Einblick in sein persönliches Werkverständnis ermöglicht wird. Dabei beweist sich der Künstler nicht nur als begabter Bildhauer, sondern auch als gekonnter Fotograf. Neben den zahlreichen eigenen Werkdokumentationen des Künstlers befinden sich im Bestand ebenso biografische Bilddokumente von diversen Fotografen, wie Gotthard Schuh, René Groebli oder Hilmar Lokay, die Hallers Berufs- und Privatleben abbilden. Nebst dem umfangreichen Bildarchiv beinhaltet das Konvolut zusätzlich Hallers Urkunde als Preisträger des Stadt Zürcher Kunstpreises 1949 und gewisse Korrespondenzen mit den Kunstgiessereien Mario Pastori und Louis Paulin.
Signatur
SIK-ISEA, HNA 46
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Wanda Seiler, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl der Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 16.03.2018