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Olympisches Fieber

Seit ein paar Tagen hält ganz Australien den Atem an. Die erste Frage am Morgen beim Aufstehen, ist nicht etwa 'Wie ist das Wetter ?' oder 'Ist der Kaffee schon fertig ?' sondern 'Haben wir im Pool endlich Gold gewonnen?'. Doch Tag um Tag präsentieren sich die Nachrichten aus Atlanta düster. Die australischen Schwimmer, die Delphine, wie sie hier genannt werden, erfüllen die hochgesteckten Erwartungen nicht, und somit sinkt das nationale Stimmungsbarometer auf einen Tiefpunkt.Daran ändern auch die witzigen, schadenfreudigen und zynischen Geschichten über die verschiedenen Missgeschicke und Pannen der olympischen Spiele im Rivalenland Amerika nicht sehr viel. Die Australier sehen sich nämlich als die Sportnation schlechthin. Schwimmen ist dabei sozusagen die Krondisziplin und das nationale Aushängeschild, wie etwa Skifahren für die Schweizer. Schliesslich, so tönt es hier, ist Schwimmen genauso australisch, wie Koalas und Känguruhs. Dies hat Tradition, denn sowohl der Crawl, wie auch der Butterfly sind von Australiern erfunden worden. Zwar wurden diese Techniken den Aboriginies abgeschaut, doch für Vertreter der Ureinwohner sucht man heute bei den Delphinen vergeblich.
Dafür ruhen die Medaillenhoffnungen in der Leichtathletik auf Cathy Freeman, einer quirligen, aufgestellten Aboriginie. Sie eroberte die Herzen Vieler, als sie bei den Commonwealth Games vor zwei Jahren in Melbourne nach ihrem Sieg im vierhundert Meter Rennen die Ehrenrunde mit der Flagge der Aboriginies drehte ! Leider wird es ihr wohl versagt bleiben, auch in Atlanta dieses Schauspiel zu wiederholen. Nicht weil sie keine Chance auf eine Medaille hätte, sondern da ihr von den australischen Funktionären schon im Vorfeld der Spiele wiederholt klargemacht wurde, dass ihr die Medaille entzogen würde, falls sie es wagen sollte die aboriginie und nicht die australische Fahne zu tragen. Dies wäre nämlich ein politisches Statement und nach olympischen Regeln strengstens verboten.
Cathy Freeman wäre allerdings nicht die erste australische Athletin, die ihre Rebellion gegen die Vorschriften teuer bezahlen müsste. Schon vor zwanzig Jahren nach den olympischen Spielen in Tokyo haben die Funktionäre Dawn Fraser mit einem zehnjährigen Bann belegt, obwohl Dawn soeben im hundert Meter Freestyle Schwimmen zum dritten Mal in aufeinanderfolgenden Olympiaden Gold gewonnen hatte. Wegen der verhängten Sperre ergab sich für Fraser nie die Gelegenheit den drei Medaillen eine vierte folgen zu lassen. Begründet wurde das Urteil als Strafe für die nicht autorisierte Teilnahme an der Eröffnungszeremonie sowie dem Versuch eine offizielle olympische Fahne als Souvenir mitlaufen zu lassen.
Doch die Kontroversen um Fahnen sind im australischen Sport nichts Neues, sondern haben eine lange Tradition, die bis zu den ersten olympischen Spielen der Neuzeit vor hundert Jahren in Athen zurückgeht. Damals gewann der Australier Edward Flack in der Leichtathletik das achtundert sowie das tausendfünfhundert Meter Rennen. Bei der Siegerehrung suchten die griechischen Veranstalter jedoch vergeblich nach einer australischen Fahne. Nicht verwunderlich, denn es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine, erst fünf Jahre später legte sich die damals noch junge Nation eine Nationalflagge zu. Ohne Fahne wollte man in Athen dann aber doch nicht auskommen, und schliesslich wurde die österreichische Fahne gehisst. Die Griechen dachten wohl: 'Australia - Austria fast kein Unterschied!'
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