Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03256.jsonl.gz/820

Im 18. Jahrhundert unternahm der portugiesische Forscher Alexandre Rodrigues eine Expedition in Amazonien. In seinem Reisetagebuch beschreibt er die Geheimnisse des Dschungels, der damals als «terra incognita» galt. Durch diese Schilderung nimmt man die Region als mythologisches Gebiet in einer anderen Welt wahr. Angeleitet von den Worten der wissenschaftlichen Aufzeichnungen von Rodrigues führt der Film durch sein persönliches Kabinett, das mit ausgestopften Tieren, exotischen Pflanzen und seltenen Artefakten bevölkert ist, erstarrt in einer nicht existierenden Zeit. In dieser Kapsel entsteht ein Bild von Amazonien, das eher Fantasiegeschichte als wissenschaftliche Forschung ist, und die Worte dieser Person aus der Vergangenheit entführen uns in die Welt der Fabeln, der Abenteuerliteratur sowie die einer gewissen kolonialistischen Träumerei. Der Film erschafft ein einfaches Instrument, um den Wert des individuellen Gedächtnisses als Materie des historischen Diskurses zu hinterfragen. Und über dem Film schwebt die verstörende Frage, ob man diese wissenschaftlichen Expeditionen vom Kolonialismus trennen kann. Mangels einer Antwort betrachtet Far from Amazonia die Kolonialvergangenheit als andersartige geschichtliche Episode, zu der man nie den richtigen Abstand hat.
Elena López Riera