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Alle gingen nach Hause, als der schlechte Nachricht am heutigen Wahlabend kam. Nano weinte bereit, als das erste schlechte Ergebnis genannt wurde.
Der Raum wurde bald leer. Es blieben ich und mein Teelehrer. Seine Frau versteckte sich dort, wo der Tee versteckt ist. Ich spuerte das schwere Herz, das aus Unversteandnis weinte. Diese Dinge kann man schwer verstehen, wenn man nicht unter einer Diktatur lebte und dagegen gekaempft hat.
Er senkte seinen Kopf vor dem Teetisch. „Morgen ist wieder ein Tag. Ab morgen kuemmere ich mich nur noch um das Essen. Ein gutes Resturant zu finden, das gute Essen zu kaufen und zu kochen. Ab morgen kann ich nur noch mit Tee sprechen.“ er jammerte, “ ich kann mich nicht mehr um Politik kuemmern, es wird wieder so wie frueher, wir duerfen wieder nicht mehr laut sagen, was wir denken!“ Ich konnte ihn nicht troesten, weil ich auch unter dieser Diktatur gelebt habe. Ich weiss, was eine Zensur bedeutet, wie das Geheimdienst funktioniert und was die politische Freiheit bedeutet, wenn man entbehrt wurde.
„Ab morgen kuemmere ich mich nur noch um Tee.“ er weinte „Hoffenlich gibt es in Hundertjahren noch Formosa Oolong!“ Mein Lehrer stammt aus dem Land, Mingjian. Ein Bauersohn, der an einem Teebaum gebunden war, als die Erwachsene beschaftigt waren. Er sprach mit mir meistens nur auf Taiwanesisch, weil er auf Chinesisch nicht ueber Tee sprechen kann. Seine Liebe zum Tee war die Liebe zu diesem Land. Im Vergleich mit mir hat er das Glueck ein Heimat zu haben, das ihn stuetzt. Er kann nirgendwo leben als auf diesem Insel. Ohne diese Insel und ohne Formosa Oolong waere er nicht er. Trotz seiner Liebe zu Taiwan liebt er Tee ueber alle Grenze, er liebt ebenfalls gute Tees aus China. Er liebt auch Rotwein, Eiswein, Schweinshaxe und Whisky.
Mit seiner Arbeit und Talent waere er eigentlich der Teeguru Taiwans. Er lebt allerdings in einer Zurueckgezogenheit, in einer kleinen Gasse, wo man die Adresse nachfragen muss. In vielen kleinen Gasse Taipeis verstecken sich viele Persoenlichkeiten, die ihre Arbeit im Hintergrund tun und keine Anerkennung im Massen suchen. „Medien ist ein Aufzug, der Dich hochfaehrt und auch runter faehrt. Sie brauchen Ereignisse.“ Er wollte kein Star sein. Das war seine Entscheidung, seine eigene Arbeit machen, die ihm Spass macht und davon leben zu koennen. Etwas in Bewegung zu setzen war sein Motor, um den Trend des Formosa Oolongs zu drehen. Solang er da ist, wird der Formosa Oolong in einem Vielfalt gelebt, das dem Markt nicht richtig beeinfluessen kann. „Wenn alle den standarisierten Tee verkaufen, muessen wir anders handeln. Wir werden Menschen finden, die es satt haben – mit dem standarisierten Futter. Formosa Oolong hat viele Gesichter, die gezeigt und gepflegt werden muessen. Nicht mit Institution, sondern wir machen es.“ sgate er immer zu mir. Aber was mache ich, wenn manche Kunde immer noch seinen Meinung festhalten, wie sie den Tee so verstehen – dem Trend nach und den standarisieren Geschmack nachjagen. „Es geht uns nichts an. Das ist ihre Sache. Dich nicht beirren lassen.“
Jedesmal, wenn ich mit ihm Tee trank, denke ich oft an dem letzten Shongun Tokugawa Yoshinobu in der japanischen Edo-Zeit. Er gab widerstandslos seine Macht an dem Kaiser zurueck und trat widerstandslos in dem Schatten der Gesellschaft. Er verlor seine Macht, seinen Titel und sein Zuhause, nur weil er an seinen Platz in der Geschichte dachte. Die Bdeutung seiner Rolle in der Geschichte war ihm sehr bewusst. Er wusste, dass er der letzte Shongun war, in einer Epoche und in einem System, was bereits zur Vergangenheit gehoerte. Er wusste, dass er nicht das Glueck innehatte, eine erfolgreiche Persoenlichkeit zu spielen, sondern die Rolle des letzten Shonguns – er handelte anders als the Last Emperor of China. Als der erste Attentat auf dem japanischen Kaiser ausgeuebt wurde, sagte er zu seinen Kindern, dass sie einen Beruf lernen muessen. Die Zeit sei anders geworden. Auch er wurde in seiner Zeit von seiner Gefolgschaft nicht verstanden. Er sei zu feige. Mit seinem Fall verlor ebenfalls die Gefolgschaft ihren Platz und Glanz. Aber nicht alle sind zufrieden mit dem Leben ohne Glanz.
Seine Rolle in der Geschichte ist dem Yoshinobu wichtiger als der Schein im Hier und Jetzt. Meinem Lehrer ist es dessen nicht so bewusst, worum es geht. Fuer ihn geht es nur darum, Formosa Oolong in seinen Gesichter weiter geben zu koennen und die Geschichte des Formosa oolongs weiter schreiben zu lassen. Er wollte nur seine Verbindung zu dieser Erde und zu dem Tee weiter an andere Generation zu vermitteln. Mehr denke er nicht. Aber die Geschichte des Formosa Oolongs wird die Arbeit dieser Person ein Kapitel widmen.