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Die meisten Hollywood-Regisseure hätten im Jahr 1967 wohl Tränen der Rührung verdrückt, wären ihnen Paul Newman und Steve McQueen als Hauptdarsteller angeboten worden. Nicht Richard Brooks, der in Studio-Kreisen als notorisch schwierig verschrien war.
Der US-amerikanische Filmemacher erklärte der Produktionsfirma Columbia Pictures, dass sein nächstes Projekt mit solch berühmten Gesichtern nicht funktionieren würde.
Sein nächstes Projekt: die Verfilmung von «In Cold Blood», Truman Capotes Tatsachen-Roman, der im Vorjahr veröffentlicht worden war. Ein Buch, das nicht nur in der Literaturkritik heiss diskutiert wurde.
Vier Morde und eine erfolglose Flucht
In seinem Roman beschäftigt sich Capote, einer der schillerndsten US-amerikanischen Schriftsteller, mit einem Vierfachmord in Kansas im November 1959. Bei den Verdächtigen, Perry Smith und Dick Hickock, handelte es sich um zwei ehemalige Häftlinge.
Die beiden hofften, auf der Farm des wohlhabenden Herb Clutter einen Safe mit einem mittelgrossen Vermögen an Bargeld zu finden. Ihre magere Ausbeute: ein tragbares Radio, ein Fernglas und weniger als 50 US-Dollar.
Clutter, seine Frau und deren zwei jüngste Kinder waren tot. Anderthalb Monate später wurden die Tatverdächtigen Smith und Hickock in Las Vegas verhaftet, im April 1965 in Kansas hingerichtet.
Freundschaft mit einem Mörder
Für seine jahrelange Recherche reiste Capote wiederholt nach Kansas, wo er mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt, der Polizei und mehrmals mit den Tätern sprach. Besonders zu einem der beiden, Perry Smith, baute er eine enge und nicht ganz unkomplizierte Beziehung auf.
Bennett Millers «Capote» (2005) widmet sich dieser aufkommenden Verbundenheit zwischen Capote und Smith. In dem Biopic mimt Ausnahmeschauspieler Philip Seymour Hoffman den exzentrischen Schriftsteller – oscarwürdig und oscarprämiert.
Mit seiner Verfilmung von «In Cold Blood» strebte Richard Brooks nach einem hohen Mass an Realismus. Deshalb besetzte er für die Rollen des Perry Smith und Dick Hickock mit den beinahe gänzlich unbekannten Robert Blake und Scott Wilson.
Zwischen Realismus und Voyeurismus
Andernorts äusserte sich die Ambition zum Nahbaren allerdings in einer Art morbidem Voyeurismus. War es notwendig, auf der Clutter-Farm zu drehen? Und welchen Mehrwert stellt es für das Publikum dar, echte Uniformen und Hinrichtungsgürtel des Kansas State Penitentiary zu verwenden?
Vermarktungstechnisch war dieses Vorgehen allemal ein voller Erfolg. Aus dem gesamten Land besuchten Journalistinnen und Journalisten die Dreharbeiten.
Wenige Jahre vor den Manson-Family-Morden löste «In Cold Blood» sowohl in Roman- als auch in Film-Form eine Faszination für das True-Crime-Genre aus, die bis heute anhält.