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Ein Blick auf die verwalteten Vermögen einiger Banken heute und vor 15 Jahren fördert Interessantes zutage.
In den vergangenen zwei Wochen haben verschiedene Schweizer Banken ihre Halbjahresergebnisse präsentiert. Insgesamt sind die Resultate durchzogen, teilweise gar etwas enttäuschend sowie in manchen Fällen von zahlreichen Sonderfaktoren (Rückstellungen für US-Steuerstreit) beeinflusst.
Vor diesem Hintergrund sind die eigentlichen Gewinnzahlen teilweise schwer zu beurteilen. Sie werden «adjustiert» angegeben respektive unter Ausklammerungen diverser «Ereignisse». Aufschlussreicher ist die Angabe der verwalteten Vermögen (Assets under Management, AuM).
Unangefochtene UBS
Diese Kennzahl gibt durchaus einen Eindruck dessen, was eine Bank über die Zeit erreicht hat – vorausgesetzt, dass sie im Private Banking, also in der Vermögensverwaltung tätig ist. Der Titel dieses Beitrags ist übrigens die Eingangszeile aus dem «Lied von den Dukaten» von Heinrich Heine.
Ein Vergleich dieser Kennziffer heute (per Ende Juni 2014) und vor 15 Jahren (per Mitte 1999) fördert Interessantes zutage. Bereits damals, also unmittelbar vor der Jahrtausendwende, war die UBS die unangefochtene Nummer eins. Per Mitte 1999 verwaltete sie 1'665 Milliarden Franken; heute sind es 2'507 Milliarden Franken.
Mega-Schub zur Jahrtausendwende
Der Zuwachs ist beachtlich, aber auch erklärungsbedürftig. Die UBS übernahm im Sommer 2000 das amerikanische Finanzinstitut Paine Webber, das der Schweizer Grossbank damals rund 920 Milliarden Franken brachte.
Ausserdem realisierte die UBS in den ersten paar Jahren des 21. Jahrhunderts diverse Übernahmen im Bereich Private Banking und wuchs so auch weltweit zur Nummers eins in der Vermögensverwaltung, was ja auch ihr Kerngeschäft ist.
Auf- und Umbau bei der Credit Suisse
Anders präsentiert sich die Situation bei der Credit Suisse (CS). Sie wies Mitte 1999 rund 1'061 Milliarden Franken aus. Heute sind es 1'330 Milliarden Franken. Dass der Zuwachs deutlich geringer ausfällt als bei der UBS hat ebenfalls verschiedene Gründe:
Die CS, traditionell immer kleiner als die UBS, war neben dem Private Banking stets auch stark im Investmentbanking tätig, wo die Kennzahl der verwalteten Vermögen nicht existiert. Während die UBS im Jahr 2000 Paine Webber übernahm, leistete sich die CS die Investmentbanking DLJ, was auf die Vermögensverwaltung jedoch praktisch keinen Einfluss hatte. Zudem baute sie in den vergangenen Jahren zahlreiche Geschäftsbereiche ab und um, so dass der Zuwachs im langjährigen Vergleich auch aus dem Grund kleiner ausfällt.
Kapitalabfluss in Europa
Die CS zog sich in den vergangenen Jahren auch aus diversen Marktregionen zurück und musste darüber hinaus selbst im jüngsten Semesterausweis einen nach wie vor signifikanten Kapitalabfluss in Europa verbuchen – dies auf Grund der veränderten Situation im Offshore-Banking (Selbstdeklaration der Kunden, vermehrtes Onshore-Banking der Kunden).
Interessant ist auch die Entwicklung bei den beide anderen grossen Zürcher Vermögensverwalter Vontobel und Julius Bär. Vor 15 Jahren betätigte sich die Bank Vontobel noch ausserordentlich stark im Investmentbanking, insbesondere zu Zeiten der New Economy bei Börsengängen von Technologieunternehmen.
Strategischer Wandel bei Vontobel
Mit dem Platzen der Dotcom-Blase geriet dieser Geschäftsbereich jedoch in die Bredouille, während das Private Banking sukzessive an Bedeutung gewann. Wies das Institut Mitte 1999 noch 60 Milliarden Franken an AuM aus, so sind es mittlerweile 172,7 Milliarden Franken. Inzwischen versteht sich Vontobel als «kleine Universalbank», die in den Bereichen Private Banking, Asset Management und Investmentbanking vorankommen will.
Auch Julius Bär seit 1999 einen weiten Weg zurückgelegt. Die Bank wies damals 107 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen aus; heute sind es 274 Milliarden Franken, wobei die Banken jeweils auch noch die Höhe der insgesamt betreuten Gelder (Custody-Gelder) angibt, die nun bei 372 Milliarden Franken liegen.
Hohe Zuflüsse bei Julius Bär
Im Zeitraum der vergangenen 15 Jahre übernahm Julius Bär diverse Privatbanken der UBS und nahm darüber hinaus auch kleinere Arrondierungen vor.
Den bis jetzt letzten grossen Schub verzeichnete die Bank mit dem Kauf des internationalen Wealth-Management-Geschäfts von Merrill Lynch. Dieses spülte Julius Bär bislang ungefähr 56 Milliarden Franken an AuM in die Kasse.
Zwei Erkenntnisse
Diese paar Zahlen sagen mindestens zweierlei aus: Erstens, dass allen pessimistischen Untergangsszenarien zum Trotz die Kundengelder bei den grösseren Schweizer Banken über einen Zeitraum von 15 Jahren deutlich gewachsen sind.
Und zweitens, dass eine konsequente Ausrichtung auf die Vermögensverwaltung mehr Früchte trägt, als eine Strategie, die versucht, unterschiedliche Geschäftsbereiche mehr oder weniger gleichwertig unter einem Dach zu vereinen.