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Panelverantwortliche: Juan Infante-Amate / Iñaki Iriarte-Goñi
Chair: Ulrich Schwarz
In der Auftaktpräsentation des Panels stellte JAMES BOWEN (Lancaster University, UK) seine komparatistische Studie vor, in der die vier englischen Orte Crudington and Sleap (im Tiefland gelegen, von Marsch- und Moorlandschaft umgeben), Prees (eine Heidelandschaft mit Waldweideanteil), Claverley, (Teil des Morfe Forest) und Cardington and Lydley (die sich durch Waldweide im Hochland auszeichneten) untersucht wurden. Bowen stellte seine Untersuchungen zu den verschiedenen Nutzungsarten und -rechten dar, die der ländlichen Bevölkerung in den jeweiligen Regionen eingeräumt wurden und die von Ort zu Ort teils stark variierten. Besonders die brachliegende Allmende, die nach und nach vom Wald zurückerobert wurde, konnte von den Zeitgenossen für vielfältige Zwecke genutzt werden. Neben der Weide für Schafe, Rinder, Pferde, Schweine und Ziegen wurden weitere Ressourcen wie etwa Torf, Nutzholz und Unterholz gewonnen, aber auch Fischerei und Vogeljagd betrieben. Die Rechte umfassten zum einen das Weiderecht und das Recht auf Eichelmast in den Wäldern, zum anderen aber auch das Recht zum Holzeinschlag, um den bäuerlichen Bedarf an Brenn- und Bauholz zu decken sowie das Recht zum Torfstechen. Die erwähnten vier Regionen verglich Bowen mit weiteren Gegenden Englands und Wales, in denen etwa die Waldweide vom 16. bis zum 19. Jahrhundert eine zentrale Position einnahm.
Die Nutzung der erwähnten Ressourcen hatte häufig starke Auswirkungen auf die Ökologie. Bowen weist exemplarisch auf die lichter werdenden Wälder hin, die aufgrund der Holzentnahme durch den Menschen ausgedünnt und durch Viehverbiss an der natürlichen Verjüngung gehindert wurden. Klagen über den Waldverlust kamen daher bereits während der Mitte des 17. Jahrhunderts auf und wurden in den nachfolgenden Jahren immer häufiger geäußert. Als alternativer Brennstoff griff die wachsende Bevölkerung deshalb auf Torf zurück, wobei dessen Nutzung bald schon zeitlich eingeschränkt wurde, um eine Übernutzung zu verhindern. In der an den Vortrag anschließenden Diskussion wurden kurz die ökologischen Auswirkungen erörtert. Im Falle des Morfe Forest konnte beispielsweise selbst durch Waldverordnungen dessen nahezu vollständiges Verschwinden nicht verhindert werden. Bowen führte an, dass Mitte des 16. Jahrhunderts dort noch tausende Eichen geschlagen werden konnten, während dies bereits um 1630 schon nicht mehr möglich war. Deshalb wurde das traditionelle Bewirtschaftungssystem schrittweise durch ein nachhaltiges System ersetzt, das von natürlichen Ressourcen abhing.
Im zweiten Vortrag wurde das Projekt von VÍCTOR GONZÁLEZ Y GONZÁLEZ DE LINARES, JUAN IGNACIO GARCÍA-VIÑAS, LETICIA CARRERO DÍEZ, JORGE CUEVAS MORENO, INÉS GONZÁLEZ-DONCEL und LUIS GIL SÁNCHEZ vorgestellt, bei dem die Holzkohleproduktion in den Montes de Toledo im Vordergrund stand. Das Waldgebiet in der Nähe Toledos umfasst eine Fläche von 377.111 ha und diente maßgeblich der Versorgung der Stadt mit Holzkohle. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert drang die Bevölkerung auf eine Besitztransformation in diesen Waldgebieten, da sie bis dato faktisch keine Zugriffsmöglichkeiten auf die dortigen Ressourcen besaß. Die eigentliche Teil-Privatisierung fand aber erst in den Jahren nach 1827 statt; auch, um fehlende Staatseinnahmen auszugleichen. Dabei stand vor allem die Frage im Raum, wie sich die veränderten Eigentumsverhältnisse auf die Waldstruktur und die Waldnutzung ausgewirkt hatten. Die Forschergruppe stellte ihre Untersuchungen zu Teilen des Gebietes vor, die maßgeblich auf historischen Dokumenten und der Verwendung eines GIS-Systems basieren. Es konnte gezeigt werden, dass sich um 1830 herum der Wald in einem recht schlechten Zustand befand und maximal eine Tonne Feuerholz pro Hektar und Jahr geschlagen werden konnte. Während sich der Holzkohlebedarf noch im Laufe des 19. Jahrhunderts stark erhöhte, fiel er spätestens ab den 1950er Jahren durch die Nutzung fossiler Energieträger stark ab. Zu diesem Zeitpunkt wurde der schrittweise Übergang des damaligen Waldes in einen Hochwald angestrebt, was aber überraschenderweise nur sehr langsam voran schritt. Mittels der Berichte von 1830 lässt sich feststellen, dass der Wald bereits kein typischer Mittelmeerwald mehr war, sondern durch den Mangel an großen Bäumen und das Vorhandensein buschreichen Unterholzes eine völlig andere Struktur aufwies.
In der nachfolgenden Diskussion wurde der Frage nachgegangen, warum der Wald nicht besser geschützt wurde, wenn er für Toledo als Energielieferant eine solch zentrale Bedeutung besaß. Die Referenten verwiesen in ihrer Antwort darauf, dass selbst die dünnen Stämme der Bäume in der öffentlichen Meinung als Bestandteil eines guten mediterranen Waldes angesehen wurden und somit der Wald in der Wahrnehmung keines besonderen Schutzes bedurfte. Außerdem wurde durch die Privatisierung der Flächen die Nutzungsart in der Öffentlichkeit kaum in Frage gestellt.
Der Vortrag von JEMAIYO CHABEDA-BARTHE stellte sich der Herausforderung, die Verantwortung kenianischer Frauen bei der aktuellen Entwaldung ihrer Heimat zu untersuchen und entsprechend einzuordnen. Als Untersuchungsobjekt diente ein Waldgebiet im Rift-Valley, einem Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs. An diesem Beispiel erläuterte sie, dass sowohl in Kenia als auch dem Großteil Afrikas Holzkohle momentan zum Kochen (90% der gesamten Holzkohle) und vielen weiteren Aufgaben des täglichen Lebens unerlässlich ist. Inzwischen leben in Kenia 2,5 Millionen Menschen direkt von der Holzkohleproduktion, die sehr stark zur Entwaldung des Landes beiträgt. Viele Frauen benötigen zudem das Brennmaterial, um den Alkohol Changaa herzustellen, den sie als Nebenerwerbsprodukt verkaufen können. Dadurch entstehen soziale Konflikte zwischen den Kleinstunternehmerinnen und Menschen, die auf andere Weise vom und mit dem Wald leben. Die Wiederaufforstung geht derweil aber nur sehr langsam voran, da einzig die männliche Bevölkerung Wald besitzt, aber wenig direkten Anreiz erhält, Bäume zu pflanzen. Für Frauen hingegen gilt dies als nicht standesgemäß. Um der schrittweisen Zerstörung des Waldbestandes entgegenzuwirken, wurde unter anderem von der ETH Zürich ein neuer Ofen entwickelt, der mit weit weniger Brennmaterial auskommt und in der gesamten Region auf rege Nachfrage stößt.
In der anschließenden Diskussion wurde die Position der Frau in der kenianischen Gesellschaft diskutiert und erläutert, dass diese meist kein eigenes Einkommen aus einem regulären Beschäftigungsverhältnis erhält und zudem kein eigenes Land besitzen darf. Hinzu kommt, dass deren Ehemann häufig einen großen Anteil seines Einkommens in Alkohol investiert und damit der Haushaltskasse entzieht. Um diesem Teufelskreis aus Abhängigkeit und Mittellosigkeit zu entkommen, ist Feuerholz zur Produktion von Changaa derzeit unersetzlich, weshalb sich mehrere Frauen gemeinsam einen Esel anschaffen, um den Warentransport zu erleichtern. Weiterhin erwarten kenianische Männer - Chabeda-Barthe zufolge - warme Mahlzeiten, ohne sich für die Problematik der dazu notwendigen Energieversorgung zu interessieren. Andere Wege dies zu erreichen, etwa durch Elektrizität aus konventionellen Kraftwerken oder Solarzellen, sind momentan selbst für die Mittelschicht kaum bezahlbar.
James Bowen: The exploitation of wood resources from the wood-pasture commons of Shropshire between the sixteenth and nineteenth centuries
Victor González y González de Linares / Juan Ignacio García-Viñas / Leticia Carrero Díez / Jorge Cuevas Moreno / Inés González-Doncel / Luis Gil Sánchez: Effects on vegetation of historical charcoal making in Central Spain: The "Montes de Toledo" Case
Jemaiyo Chabeda-Barthe: Are rural women to blame for misusing wood for livelihood and household use in Burnt Forest Area, Kenya