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Artikel - Heja Suomi – und wir?
Es gibt diverse Gründe, die man in Betracht ziehen muss, um die Frage abschliessend zu beantworten. Eine ganz grosse Auffälligkeit: Sie fördern eine grosse Breite an jungen Spielern bis mindestens zum 20. Lebensjahr! Selektionen, indem man Jungen bereits im Alter von 12-14 Jahren Türen schliesst, sie weniger viel und gut trainieren lässt, ihnen Visionen und Motivation bricht, werden tunlichst vermieden. Man weiss, dass es ganz unterschiedlich schnell und lange dauert, bis ein Spieler sein ganzes Potential abrufen kann und wird. Man behält sie im System, arbeitet mit ihnen weiter, solange Wille und Disziplin stimmen. Ein Wegweisen aus der Organisation in die Peripherie und kleinere Clubs mit weniger Qualität und Quantität passiert selten.
Breite Förderung
Sie wissen, dass es vom Entwicklungsfortschritt her betrachtet wesentlich besser ist, wenn 10- und 11-Jährige zusammen und gegeneinander spielen und analog später 12- und 13-, 14- und 15-, 16- und 17- sowie 18- und 19-Jährige. Sie spielen in Alterskategorien U12/14/16/18/ 20, weil sie nicht zu früh selektionieren wollen und wissen, dass es in der Pubertät schier unmöglich ist, Potenziale richtig einzuschätzen. Die höchsten Leistungskategorien von U16 und U20 sind mit 24 Teams immer gleich gross. Zudem führen die Grossklubs auf diesen Altersstufen teilweise zwei Teams in der höchsten und oft noch ein drittes auf der zweithöchsten Stufe. Alle Spieler haben gleiche Trainingsqualität und Trainingsquantität, gleiche Entwicklungschancen und bleiben im Fokus. Das sind pro Alterskategorie bis und mit U20 jeweils auf höchstem Niveau 600 Spieler!
Was tun wir in der Schweiz? Das Gegenteil
Wir lassen 9- und 10-Jährige (U11) sowie 11- und 12-(U13), 13- und 14-(U15), 15- und 16-Jährige (U17) zusammen trainieren und spielen. Die körperlichen Unterschiede sind teilweise gewaltig, nicht zu schweigen von der Persönlichkeitsentwicklung. In jeder Stufe wird also bereits ein Jahr früher selektioniert. Unser System passt eindeutig schlechter zur biologischen Entwicklung junger Menschen.
Wir halbieren nach der U15-Elit Stufe die Teams und damit die Spieler, die sich auf höchstem nationalem Niveau weiterentwickeln können. Wer es nicht in eines der zwölf U17-Elit-Teams schafft, muss in der Peripherie des Wohnortes eine Lösung finden. Aus vielen Gründen ist dort die Leistungsdichte und damit die Qualität vermindert. Das heisst im Effekt zurückbuchstabieren. Wir machen also notabene eine bereits sehr vorentscheidende Potenzialeinschätzung von 14-jährigen Pubertierenden und teilweise in ihrer Entwicklung noch Retardierten.
Der Weg führt die noch (zu) wenig auffallenden Spieler in Umfelder, in denen ein Aufholen gegenüber den weiter fortgeschrittenen Spielern kaum machbar ist. Eine enorme Schere öffnet sich. Wir leisten uns den Luxus, 24 U15-Elit-Teams auf 12 Teams zu reduzieren! De facto heisst das: Jeder Zweite von den 300 Spielern wird im Alter von ca. 14 Jahren «verabschiedet». Wir fördern pro Jahrgang nur noch etwa 150 Junioren weiter auf höchstem Niveau. Das sind im Vergleich zur finnischen Struktur massiv weniger!
Ein fatales Zeichen
Alle der 300 Jugendlichen – egal wie fortgeschritten – die bei uns bis U15-Elit auf höchster Stufe spielen, haben aber bereits sechs bis acht Jahre investiert. Was die Eltern an Zeit, Kilometern und Geld investiert, haben kommt noch dazu. Da betreibt man landauf, landab einen extremen (richtigen) Aufwand, um Kinder zum Eishockey zu bringen und gleichzeitig stösst man die Hälfte von ihnen sechs Jahre später im Alter von rund 13 Jahren wieder ab, indem man ihnen die Türen auf bestem Ausbildungsniveau verschliesst.
Das Zeichen an die Jungen und an die Eltern von Einsteigern ist fatal und die sportlichen Auswirkungen letztlich eben auch. Ein Fakt, der eher mit Absurdistan als mit Finnland vergleichbar ist. Wir tun genau das Gegenteil von Finnland. Während wir Aussortieren, arbeiten sie unablässig mit dem weiter, was man seit Jahren säte.
Kommt eine weitere fatale Entwicklung dazu: die besten Spieler aus den U15-Elit drängen in zwölf U17-Elit Organisation. Basler spielen in Davos, Winterthurer in Langnau, Letten, Esten irgendwo in einem dieser U17-Teams etc. usw. Eine sehr frühe Entwurzelung aus dem gewohnten familiären und sozialen Umfeld ist die Konsequenz. Die dort ansässigen Jahrgänger werden mangels zweitem oder drittem Team oft verdrängt, nachdem man eben auch sehr viel in sie investiert hat. Da sich für diese Zuzüger die Wohn- und Schulsituation komplett ändert und sie sich anpassen müssen, geniessen sie oft schon deswegen mehr Kredit, Nachsicht und Geduld. Wie sonst kann es ein Klub verantworten, solche Zuzüge überhaupt zu tätigen? Die Abhängigkeit, dann auch künftig genug Externe zu finden nimmt zu, denn nicht alle Eltern und Jugendliche übersehen, was da abgeht. Der Trend nimmt stark zu und die Motivation für die kleinen Klubs, die immer früher immer mehr Spieler verlieren, steigt nicht.
Hockeyschweiz wach auf!
Die Strukturen im Schweizer Eishockey stimmen sehr nachdenklich. Wir wollen eine National League mit 14 Klubs (!), eine Swiss League die kleiner ist als die Topliga und eine MySports League die letztlich mit Spielern aus dem Nachwuchs alimentiert sein soll? Da gibts aber nicht genug gute Spieler, denn man hat die Anzahl ja im Alter von 14 Jahren pro Jahrgang bereits halbiert und vielleicht damals nicht nur auf die Richtigen gesetzt. Absurd im Vergleich zu Finnland! Aufwachen Hockeyschweiz! Es ist höchste Zeit, denn wir reden, träumen oft gerne von Medaillen – es bleibt aber oft beim Träumen. Wir jammern, es habe viel zu wenig Spieler für unsere drei Top-Ligen im Erwachsenenhockey. Mit dieser Praxis der Frühselektion ist leider vieles hausgemacht. In Tat und Wahrheit klafft eine riesige Lücke zwischen dem Olympiasieger Finnland und uns – trotz nicht so viel schlechteren Voraussetzungen. Resultatmässig und in Sachen Spielerquantität sind wir sehr weit weg von ihnen! Was sie unter Talentausbildung und -förderung verstehen und praktizieren, kann ja nicht so falsch sein oder?