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Jakob Meyer zum Hasen

Mit Jakob Meyer zum Hasen erblickte im Jahr 1482 ein Knabe das Licht der Welt, der zu einer machtbewussten Basler Renaissancegestalt heranwachsen sollte. Der schon vor ihm gängige Zuname seiner Familie rührt wohl von einem Haus her, wie dies damals mehrfach bei Basler Geschlechtern anzutreffen war. In diesem Fall läge der Ursprung im Haus zum Hasen am Marktplatz (damals noch Kornmarkt), welches um 1900 dem Ausbau des Rathauses geopfert wurde. Dort hatte Meyer als Geldwechsler seine Wechselstube.
Seine Eltern waren der Krämer Jakob Meyer und dessen Gattin Anna Galizian (auch Galliziani). Sie entstammte der Familie der Brüder Antonio (gestorben 1502), Michele und Giovanni Galizian aus Piemont. Diese brachten im 15. Jahrhundert als arme Hintersassen die Kunst des Papiermachens nach Basel und steigen in der Folge gesellschaftlich weit auf, um bald wieder tief zu fallen. Jakob Meyer zum Hasen war ein Mann der sich zu vernetzen verstand. Davon zeugt schon die Mitgliedschaft in drei Herrenzünften.
Jakob Meyer zum Hasen und seine Gattin Dorothea Kannengiesser um 1528 nach der Darmstädter Madonna von Hans Holbein dem Jüngeren
Im Jahr 1503 wurde Meyer gleichermassen zu Hausgenossen und zu Weinleuten zünftig, während ihn im folgenden Jahr die Zunft zum Schlüssel in ihren Reihen aufnahm. Als Geldwechsler war er besonders stark mit der Zunft zu Hausgenossen verbunden, in der die Wechsler versammelt waren. Dort wurde er 1504 zum Sechser erhoben und 1510 sogar zum Zunftmeister gewählt. Im Jahr 1508 erwarb er für 350 Rheinische Gulden das Weiherschlösschen Grossgundeldingen vor den Toren Basels am Fusse des Bruderholz.
Diesen Landsitz liess er in den folgenden beiden Jahrzehnten für viel Geld ausbauen. Verheiratet war Meyer in jenen Tagen in erster Ehe mit Magdalena Bär (gestorben 1511). Sie war die Schwester von Hans Bär (gestorben 1515) der später bei Marignano fallen sollte. Wie Meyer war übrigens auch sein Schwager Bär in der Schlüsselzunft und ab 1513 in die Zunft zu Hausgenossen. Meyers erste Gattin Magdalena Bär starb vermutlich kurz nach der Wahl ihres Mannes zum Zunftmeister zu Hausgenossen.
Bestattet wurde Magdalena Bär wahrscheinlich zu St.Martin, wo ihre Grabplatte von 1511 bezeugt ist. Im Jahr 1513 trat Jakob Meyer zum Hasen erneut vor den Altar um die 1490 geborene Dorothea Kannengiesser aus Thann zu ehelichen. Wenig später wurde die gemeinsame Tochter Anna geboren. Sie sollte 1531 Niklaus Imry (1508-1553) heiraten, mit dem sie gemeinsam 1551 das Haus zum Venedig am Schlüsselberg erwarb. In Jakob Meyer zum Hasen lebte auch eine starke Neigung zum Kriegerischen.
Meyers martialische Ader
Im Jahr 1507 zog er als Basler Fähnrich der eidgenössischen Hilfstruppen nach Norditalien. Dort war Meyer zugegen als Charles II. d'Ambroise de Chaumont (ca 1472-1511), der französische Statthalter in der Lombardei, mit Hilfe von sechstausend Eidgenossen einen Aufstand der Bewohner von Genua niederschlug. 1510 sollten mehrere Tausend eidgenössische Söldner, darunter auch ein Kontingent aus Basel, für den Papst im Rahmen des Chiasser Zugs gegen die Franzosen in Norditalien ziehen.
Die Basler wurden in diesem Ausmarsch von Jakob Meyer zum Hasen als Hauptmann geführt. Allerdings verhinderte die Tagsatzung rechtzeitig dass die Soldtruppen für Papst Julius II. (1443-1513) gegen Frankreich in den Kampf ziehen konnten. Am 6. Mai 1512 führte Meyer wiederum eine Truppe von 600 Baslern aus der Stadt damit sie zusammen mit den Eidgenossen an der Seite der Venezianer gegen die Franzosen in Norditalien kämpfen. Seine Basler sind bei der Erstürmung Pavias vorne dabei.
Meyer lässt ein vor der Stadtmauer von Pavia erbeutetes Geschütz, genannt "Madonna de Forlina" ins Biwak der Basler bringen. Er wohnte als Vertreter des Standes Basel der Zeremonie bei, in der am 29. Dezember 1512 die Eidgenossen Massimiliano Sforza (1493-1530) als Herzog von Mailand einsetzten. Als Hauptmann war Meyer auch dabei als im Juni des Jahres 1515 ein eidgenössischer Auszug für den Papst Mailand wider die Truppen des französischen Königs François I. (1494-1547) sicherte.
In einem Handstreich nahm Jakob Meyer zum Hasen mit rund zwei Hundertschaften am 15. September 1520 in der Nacht die Burg Pfeffingen für Basel ein. Eine letzte Kriegstat vernimmt man aus dem April 1524. Damals zog Meyer als Hauptmann mit einer Abteilung Basler nach Frankreich. Seit dem Ausmarsch nach Norditalien hatte sich vieles ereignet. 1516 war Meyer zum Bürgermeister von Basel gewählt worden. Mit der Erlangung dieses Amtes hatte er den Höhepunkt seiner Karriere erreicht.
Die Wahl zum Bürgermeister
Meyer war der erste Bürgerliche aus den Reihen der Zünfte dem diese Ehre zuteil wurde. Seine Amtsvorgänger hatten alle noch dem Adel angehört. Zu jener Zeit weilte der junge Hans Holbein (ca 1497-1543) in der Buchdruckerstadt Basel, in der Hoffnung auf Arbeit als Illustrator. Der frisch gekürte Bürgermeister hatte einen Auftrag für den jungen und vielversprechenden Maler, denn noch vor Meyers Wahl war etwas wichtiges geschehen. Ein Ereignis dem er lange und innig entgegen gefiebert hatte.
Die Stadt erlangte von Kaiser Maximiliam I. (1459-1519) das Privileg zur Einrichtung einer Münzstätte in der Basler Goldgulden geschlagen werden durften. Unter seiner Führung begann die Stadt Basel wieder mit dem Prägen von Goldmünzen. Wenn einem so viel gutes wiederfährt, ist das schon einen Holbein wert; oder besser deren gleich zwei. Jakob Meyer zum Hasen gab bei Hans Holbein dem Jüngeren ein Portrait von sich und ein weiteres von seiner Gattin Dorothea Kannengiesser in Auftrag.
Holbein stellte Meyer sinngemäss als Geldwechsler mit goldenen Ringen und einer Goldmünze in Händen dar. Auch im privaten Bereich war in der Familie des Bürgermeisters einiges geschehen. Mit seiner Gattin hatte er im Jahr 1515 vom Kaufmann Jakob Breitschwert eine Liegenschaft neben dem Zunfthaus der Schmiede für 202 Gulden erworben, um es kurz darauf mit Gewinn weiterzuverkaufen. Schon während seiner Ehe mit Magdalena Bär hatte er bereits erfolgreich mit Immobilien spekuliert.
Das Basler Rathaus am Kornmarkt im 17.Jh. Hervorgehoben das Haus zum Hasen wo Meyer seine Wechselstube hatte. Heute steht an dieser Stelle der Rathausturm.
Der Stolperstein Meyers
Die goldenen Tage sollten jäh gestört werden als Meyer über eine Affaire stolperte. Der Rat hatte seinen Bürgern das Annehmen privater Pensionen und Dienstgeldern von fremden gekrönten Häuptern verboten. Dies traf jene Männer besonders hart die als Söldner in fremden Diensten Gewinn gemacht hatten. Zu ihnen gehörte auch Jakob Meyer zum Hasen. Er hatte Gelder aus Frankreich entgegen genommen, und damit gegen das Verbot verstossen. Die Kunde von seinem Gebahren machte die Runde.
Als Meyer schliesslich im Spätsommer 1521 mit einem Zirkel Gleichgesonnener aus dem Rat versuchte die Annahme von Pensionen für legal zu erklären, mündete dies in Tumult und Aufruhr in den Strassen von Basel. Als "Pensionenfresser" geschmäht wurde Meyer seines Amtes als Bürgermeister enthoben. Zusammen mit ihm wurden fünf Ratsherren von ihren Sitzen im Ratssaal verjagt. Meyer grollte, was ihm noch schlechter bekam. Wegen böser Drohungen und Reden kerkerte man ihn 1523 gar ein.
Lange blieb er allerdings nicht in Haft. Dennoch trieb er immer mehr ins Abseits. Die Reformation zog allmählich auf und der neue Glaube fasste Fuss in Basel. Jakob Meyer zum Hasen lebte seit 1521 zunehmend auf seinem Gundeldinger Landsitz. In jener Zeit fasste er wahrscheinlich den Beschluss, ein klares Zeichen für seinen katholischen Glauben zu setzen. Erneut gelangte er an den Maler Holbein. Diesmal sollte der Künstler ein grösseres allegorisches Bild mit tieferer Aussage malen.
Die Darmstädter Madonna
Es wurde ein Familienportait mit Muttergottes und Jesusknaben im Zentrum. Holbein malte es 1526/26. Es gibt Anhaltspunkte für eine Überarbeitung des Bildes nach 1528. Offenbar wurden einige Details an der Kleidung verändert und die längst verstorbene erste Gattin Magdalena Bär hinzugefügt. Nebst der Tochter Anna sind auch zwei Knaben zu sehen bei denen es sich möglicherweise um Söhne handeln könnte. Aus der ersten Ehe Meyers ist für das Jahr 1504 die Geburt eines Kindes belegt.
Das später als "Darmstädter Madonna" berühmte Gemälde soll gemäss Nachforschungen des Kunsthistorikers Hans Reinhardt (1902-1984) einst seinen Platz im Obergeschoss des Gundeldinger Weiherschlösschens in der kleinen Hauskapelle gehabt haben, was auch den eigenartigen Umriss des Gemäldes erkläre. Lange hielt es Jakob Meyer zum Hasen aber nicht mehr in seiner Heimat, wo die im April des Jahres 1529 erlassene Reformationsordnung den Glaubenswechsel Basels besiegelte.
Der ehemalige Bürgermeister stand im Ruf eines "heissen Mannes". Er war definitiv zum Aussenseiter geworden, verkaufte das Landgut (im 20. Jahrhundert abgerissen, heute Gundeldingerstrasse 442) und liess sich in Freiburg im Breisgau nieder, wohin auch andere katholische Glaubensgenossen flohen, so etwa Erasmus von Rotterdam (ca 1469-1536). Von höchsten Ehren hinab ins Schicksal von Glaubensflüchtlingen gesunken, starben Jakob Meyer zum Hasen 1531 und seine Gattin Dorothea 1549.
Querverweise zum Thema:
>> Hans Bär (Schwager von Jakob Meyer zum Hasen)
>> Der reformierte Bildersturm 1528/29
Beitrag erstellt 30.05.04 / überarbeitet 29.10.11
Quellen:
August Burckhardt, Basler in fremden Diensten, 95. Neujahrsblatt der GGG, Helbing und Lichtenhahn, Basel, 1917, Seite 5
Emil Dürr, Aktensammlung zur Geschichte der Basler Reformation in den Jahren 1519 bis Anfang 1534, Band 1, herausgegeben von Emil Dürr im Auftrag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1921, Seiten 24 bis 31
Paul Koelner, Die Zunft zum Schlüssel in Basel, herausgegeben von der Zunft zum Schlüssel, Benno Schwabe & Co, Basel, 1953, Seiten 252, 283, 256, 287 und 310
Hans Rudolf Kunz, Schweizerschlachten, A. Francke AG Verlag, Bern 2. erweiterte Auflage 1977, ISBN 3-7720-1369-4, Seiten 216 bis 219
François Maurer, Beitrag "Die Pfarrkirche St.Martin", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt Band 4, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Birkhäuser Verlag, Basel, 1961, Seite 359 (Grabmal Magdalena Bär)
François Maurer, Beitrag "Pfarrkirche und ehemaliges Chorherrenstift St.Peter", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt Band 5, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Birkhäuser Verlag, Basel, 1966, Seiten 195 und 196 (Wappen Meyer zum Hasen)
Hans Reinhardt, Die Malerfamilie Holbein in Basel, im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Basel, Kunstmuseum, Basel, 1960, Seiten 27 und 206 bis 207
Wilhelm Richard Staehelin, Basler Portraits aller Jahrhunderte, Band 3, Verlag Frobenius AG, Basel, 1921, Beitrag 3
Rudolf Wackernagel, Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1911, Seiten 25, 29, 102, 122 bis 123, 330 bis 331, 407