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Nachdem Jeremy Seewer im letzten Jahr den Sieg knapp verpasst hatte, wollte der Suzuki-Werksfahrer am vergangenen Wochenende seinen Heim-GP unbedingt gewinnen. In sämtlichen Trainings am Samstag war Seewer der schnellste Fahrer, und so verwunderte es nicht, dass der Zürcher auch die Qualifikation für sich entschied und sich am Sonntag den besten Startplatz aussuchen durfte. Beim Start zum ersten Lauf waren es aber wenig überraschend die KTM-Werksfahrer Jorge Prado und Pauls Jonass, die wieder einmal den Start für sich entscheiden konnten. Seewer folgte ihnen nach einem wilden Ritt in der ersten Runde aber bereits als Dritter und zog in seinem Schlepptau den Franzosen Benoit Paturel mit. Unter den tosenden Anfeuerungen des Heimpublikums arbeitete sich Seewer an die Spitze des Rennens vor und brachte die Arena rund um die Strecke schier zum Explodieren. Doch Paturel, der sich ebenfalls am KTM-Duo vorbeizwängte, schien nicht lockerzulassen und konnte prompt in der letzten Runde zum Angriff blasen. Mit viel Glück und noch mehr Kampfgeist wehrte Seewer die Attacke ab und brachte den Sieg knapp vor Paturel und Jonass ins Ziel.
Aufholjagd wird belohnt
Nachdem der erste Lauf doch mehr an den Nerven zehrte als erwartet, erhoffte sich Seewer für den zweiten einen besseren Start. Doch das Drehbuch verlief nicht nach seinen Wünschen, Seewer kam zwar gut vom Gatter weg, doch beim Anbremsen auf die erste Kurve verhakte sich der Suzuki-Pilot und ging hart zu Boden. Glücklicherweise wurde der Schweizer von keinem der folgenden Fahrer getroffen und konnte sich wieder aufrappeln. Als hinterster Mann nahm Seewer das Rennen auf und startete eine aussergewöhnliche Aufholjagd. Seine beherzte Fahrt brachte ihn noch auf den fünften Rang und auf das Tagespodest. Den Gesamtsieg verpasste er aber erneut. «Die Enttäuschung ist gerade sehr gross, war ich doch klar der Schnellste heute. Aber das ist Racing!»
Den angestrebten Gesamtsieg holte sich Paturel, der den zweiten Lauf für sich entscheiden konnte und den ersten GP-Sieg seiner Karriere realisierte. Als Dritter komplettierte der Lette Jonass das Podest und behauptete damit seine WM-Führung vor Seewer. Der Rückstand des Schweizers beträgt vier Rennen vor Schluss 49 Punkte, alle Vorteile liegen so bei Jonass.
Tonus begeistert
In der MXGP-Klasse fehlte leider verletzungsbedingt der Freiburger Valentin Guillod. Arnaud Tonus hat bis auf ein paar wenige Resultate bislang in seiner ersten MXGP-Saison noch keine grossen Stricke zerrissen. Sein Potenzial ist aber unbestritten, und ausgerechnet in Frauenfeld schien auf einmal alles aufzugehen. Energisch setzte sich der Genfer auf seiner Yamaha in den ersten Kurven durch und ging in Führung. Die 30000 Zuschauer tobten und liessen Tonus wahrlich Flügel wachsen. «Die Fans gaben mir zusätzlichen Antrieb, es war absolut unglaublich!» Der Romand fuhr ein fehlerfreies Rennen und liess dem Briten Max Anstie, letztes Jahr Sieger in der MX2-Kategorie, keine Angriffschance. In der Schlussphase rückte auch WM-Leader Antonio Cairoli näher, doch Tonus brachte den Sieg nach Hause und schrieb Sportgeschichte. Noch nie hatte ein Schweizer in der Königsklasse des Motocross einen Weltmeisterschaftslauf gewonnen.
Und am Ende das Drama
Nun sollte Tonus für den Schweizer Heimsieg sorgen. Doch wie bei Seewer war auch bei ihm der Start mitentscheidend. Nach einem mässigen Start reihte sich Tonus um den zehnten Rang ein und war bereits auf dem Vormarsch, als seine Aufholjagd ein jähes Ende fand: In der dritten Runde stürzte Tonus und wurde vom folgenden Fahrer getroffen. Statt auf dem Podest landete er im Spital, wo eine gebrochene Rippe diagnostiziert wurde.
Der Lauf- und Gesamtsieg ging an den Holländer Jeffrey Herlings vor dem Franzosen Gautier Paulin und WM-Leader Cairoli. Der Italiener dürfte sich demnächst über seinen neunten Weltmeistertitel freuen; 97 Punkte liegt er vor Herlings.
Team Switzerland MXoN
Am MXGP Frauenfeld wurde auch das Schweizer Team für die Mannschaftsweltmeisterschaft MX of Nations, kurz MXoN, bekannt gegeben. Am 1. Oktober werden in Matterley Basin/GB Arnaud Tonus (MXGP), Valentin Guillod (MX2) und Jeremy Seewer (Open) die Schweiz vertreten, sofern sich alle Piloten von ihren Verletzungen erholen.