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So harmlos wie im gestrigen TV-Thriller „Private Banking“ gehts in der Realität nicht zu und her. Das zeigt der Riesenfall um den Basler Betrüger Dieter Behring.
Der steht vor einer neuen Wendung. In den Fokus geraten dabei die Schweizer Bundesanwaltschaft mit ihren missratenden Ermittlungen und die Witwe eines der ursprünglich Haupt-Verdächtigen.
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Bei der Witwe geht es um Raymonde Pousaz-Burke. Pousaz-Burke war verheiratet mit dem fast gleich heissenden Raymond Pousaz, einem Ex-Banker auf dem Platz Zürich.
Banker Pousaz war bei der ehemaligen Bank Uto, die später im Finanz-Imperium der Safras aufgegangen war. Er hatte danach nur noch zweit- und drittklassige Jobs in der Finanzbranche.
Dann endlich bekam er nochmals eine Chance. Bei Dieter Behring und seiner Moore Park. Dort wurde Pousaz operativer Lenker.
Pousaz war es, der die Gelder der Kunden verschob und Investitionen tätigte. Am Ende resultierte ein Loch von geschätzten 800 Millionen Franken.
Oder von noch viel mehr. Ein Insider spricht jedenfalls von einer Summe, die das Doppelte bis Dreifache des in den Medien genannten Betrugs betragen könnte.
Banker Pousaz war nach dem Auffliegen des Behring-Konstrukts im Jahr 2004 einer der Verdächtigten. Bei ihm hätten die Ermittler fündig werden können. Statt dessen verzichteten sie auf eine Auslieferung des in Frankreich Festgehaltenen.
Kurz darauf, im Herbst 2004, also wenige Monate nach dem Behring-Crash, trat die Frau des Behring-Bankers erstmals in Aktion. Mit Eigenartigem.
Auf der Karibikinsel Bahamas, und zwar am Hauptort des Ministaates in Nassau, wurde eine Briefkastenfirmen unter dem Namen Plenshaw eingetragen.
Direktorin dieses Plenshaw-Vehikel: Raymonde Pousaz-Burke. Die Ehefrau von Behring-Banker Pousaz.
Diese Information förderten im Frühling 2016 die Panama Papers zu Tage. Das heisst, die Bundesanwaltschaft sollte mindestens seit anderthalb Jahren Kenntnis vom Karibik-Vehikel haben.
Die Ermittler in Bern standen damals mit ihrem vermeintlichen Vorzeigefall Behring in der Kritik. Über 10 Jahre nach dem lauten Knall in Basel mit vielen Geschädigten aus besten Kreisen hatten sie immer noch keine klare Anklagepunkte und Beweise in der Hand.
Schuld waren sie selbst. Suchten die Berner Ermittler anfänglich noch breit und bei allen Banken, so engten sie ihren Fokus mit der Zeit immer mehr ein.
Das führte dazu, dass viele Behring-Verdächtigte aus dem Kreis der Verdächtigten entlassen wurde. Bei Banker Pousaz war das kein Thema mehr. Er war schon zuvor verstorben.
Auslöser für die „Grossamnestie“ der Bundesanwaltschaft war, dass Mitte der 2010er Jahre Bundesanwalt Michael Lauber seine „Fokussierungsstrategie“ beschlossen hatte.
Ziel von Lauber war es, dass die vielen wuchernden Fälle – darunter insbesondere der Grossbetrug Behring – schneller zu einem Resultat gebracht würden.
Wie? Indem Lauber & Co. nur noch die Haupttäter verfolgen würden. Im Fall Behring hiess dieser Dieter Behring. Ihn wollte Lauber zur Strecke bringen.
Alle übrigen, die rund um den „Madoff der Schweiz“ mehr wissen konnten und allenfalls ebenfalls betrogen hatten, wurden laufengelassen.
Im Herbst 2015 erhob Lauber folgerichtig Anklage gegen Behring wegen gewerbsmässigen Betrugs. Als dann im Frühling 2016 mit den Panama-Papers das Konstrukt von Witwe Pousaz zum Vorschein kam, wollte Lauber seine Anklage nicht mehr ergänzen.
Das Bundesstrafgericht in Bellinzona folgte Lauber. Nach 12 Jahren Ermittlungen verurteilte das Gericht den Financier im September vor einem Jahr zu 5,5 Jahren Gefängnis.
Wenige Tage später kündigte Behring Rekurs an. Er würde seinen Fall nach Lausanne ans Bundesgericht weiterziehen. Soweit ist man noch lange nicht.
Im Frühling 2017 erfolgte nämlich lediglich die Publikation eines Kurzurteils. Dort gibt es eine unvollständige Auflistung der Gläubiger.
Nicht nur fehlen bekannte Namen wie der Zürcher Anwalt Valentin Landmann und der verstorbene ETH-Financier Branco Weiss, die beide bei Behring und seiner Moore Park investiert hatten.
Sondern bei vielen der Geschädigten stand auch kein Betrag. Und damit fehlte selbstverständlich auch das Grand total. Wer nach der Zahl von 800 Millionen suchte, tat dies vergeblich.
Das kritisiert Behrings Anwalt, der Zürcher Bruno Steiner. „Die Bundesanwaltschaft ist nie der Spur des vielen Geldes gefolgt“, meinte er in einem kürzlichen Telefongespräch. „Dabei sprechen wir von 800 bis 1’000 Millionen Franken.“
Das Bundesstrafgericht habe zudem die Aufgaben nicht gemacht: „Seit dem Urteil sind 1,5 Jahre vergangen, aber ein begründetes Urteil fehlt weiter.“
Für Steiner ist klar: „Die Justiz ist mit dem Fall Behring überfordert.“
Dieter Behring hatte stets betont, dass es weitere Mitwisser gäbe. Die Bundesanwaltschaft blieb aber auf ihrem einmal eingeschlagenen Kurs und fokussierte allein auf Behring.
Für den Bankenplatz hat sich die Taktik der eidgenössischen Strafbehörden als riesiger Glücksfall erwiesen. Nach anfänglicher Grossaufregung rund um den Fall Behring kehrte bald Ruhe ein.
Die Ermittlungen plätscherten vor sich hin, es gab keine systematische Suche nach Konten und Geldern bei allen Finanzinstituten.
So blieben auch eigenartige Überweisungen von Witwe Pousaz ohne Folgen. Dabei könnte dort das Geheimnis zum Behring-Schatz liegen.
Informationen zeigen nämlich, dass die Frau des verstorbenen Behring-Bankers im Sommer 2013 Gelder in zweistelliger Millionenhöhe ab Bankkonten bei der Cyprus Popular Bank auf Zypern in die Schweiz transferierte.
In Zypern hatte Raymonde Pousaz die vielen Millionen mit Einnahmen aus Online-Geschäften erklärt. Als dann auf der Mittelmeerinsel wegen der Griechenland-Krise ein Ausfall der Banken drohte, überwies Frau Pousaz diese stolzen Summen auf ihren dortigen Konten.
Die Gelder landeten bei verschiedenen Banken auf dem Finanzplatz Genf. Dort befinden sie sich auch heute noch – inklusive den in der Zwischenzeit aufgelaufenen Zinsen.
Was es mit diesen Geldern der Witwe des einstigen Behring-Bankers auf sich hat und ob die Frau weitere Konten in der Schweiz besitzt, ist offen.
In einem Gespräch am Telefon meinte Raymonde Pousaz, die heute in den USA lebt, dass ihr Vehikel auf den Bahamas nichts mit dem Fall Behring zu tun habe.
Was hinter den Millionen auf Zypern stecke, die dann in der Schweiz landeten, gehe niemanden etwas an. Das sei Privatsache.
Sicher ist: Pousaz‘ Angaben nach der Herkunft der Vermögen, also die Online-Aktivitäten auf Zypern und das Vehikel auf den Bahamas, aufgestellt wenige Monate nach dem Behring-Crash im 2004, müssten die Behörden beschäftigen.
Allein schon, weil Raymonde Pousaz-Burke an einem heiklen Ort lebt: an der Ostküste der USA, im Bundesstaat Connecticut.
Für Schweizer Banken ist nur schon das oft ein Alarmsignal.