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Das Strahlen und die Strahler
Dr. J. Königsberger ( Sektion Basel ).
Von Wenn in der Morgendämmerung sich die Umrisse der Berge auf dem schwach erhellten Himmel abzeichnen, hat der Krystallsucher schon sein Häuslein verlassen und steigt auf bekanntem Weg zu den obern Alphütten. In einem alten Militärtornister, an dessen Leder noch einige Büschel brauner Ziegen-haare hängen, trägt er seine Hämmer, die Spitz -eisen, ein Fernrohr und, in ein rotes Taschentuch eingebunden, ein Stück Magerkäse, trockenes Brot, etliche Schnitzen Dörrfleisch und Speck, daneben die Wein- oder Branntweinf lasche; aus ihr trinkt er in der erschlaffenden Hitze der mittäglichen Hochgebirgssonne und im kalt durchdringenden Nordsturm neuen Mut. Auch Pfeife und Tabaksbeutel vergißt er nicht; wenn er durch das Wetter gezwungen Stunden untätig in einer Hütte oder unter einer Felsbalm zubringen muß, steigen die weißen Wolken in gleichmäßigen Zwischenräumen aus seiner Pfeife empor. Zwischen den Tragriemen des Tornisters steckt ein kräftiger Grübel, eine Steinhauerhacke; um den Tornister wird zuweilen ein Seil gehängt. Ein bis 15 Kilo schwerer, etwa ein bis zwei Meter langer Eisenstab, der oben zu einem kurzen, breiten Haken umgebogen ist, der Strahlstock, das charakteristische wichtigste Stück der Ausrüstung, wird als Stock in der Hand oder als Werkzeug auf der Schulter getragen.
Ohne auszuruhen steigt der Mann bis zum letzten Alpstaffel. Die Marschleistungen bei einer Ausrüstung von 80 Pfund und mehr sind erstaunlich; Höhendifferenzen von 1000 m. werden leicht in 2 Stunden überwunden. Krystallsucher, welche den Weg von der Gotthardstraße bei Gurtnellen ( 700 m ) das Fellital hinauf über Wichelalp bis zu den obersten Wänden am Schattigen Wichel ( 2900 m ) zu machen hatten, was einer Distanz von 9 km. bei einer Höhendifferenz von 2200 m. entspricht, erreichten in 5 Stunden ihr Ziel.
An der Hütte, wo die Sennen mit dem Vieh sind, pflegt der Strahler kurz zu rasten. Die Leute tauschen ihre Nachrichten aus; der Strahler erfährt, was in den vergangenen Tagen sich in den Bergen ereignet. Doch bald geht er weiter. Unterwegs gleitet sein Auge an allen Felswänden entlang. Bemerkt er einen helleren Streifen, der ein Quarzband oder ein neuer Felsabbruch sein könnte, so holt er sein Fernrohr hervor, prüft und merkt sich die Stelle, um sie bei Gelegenheit aufzusuchen. Hat es in den vorhergehenden Tagen stark geregnet, so sind an den steilern Hängen Felsen und Erde abgerutscht. Da gilt es dann zu sehen, ob an dem Ort, wo er einen großen „ Satzso nennen die Umer die weithin sich erstreckenden, schmalen, horizontalen Spalten im Granit, die meist zu Terrassenbildung Anlaß geben — bemerkt hatte, jetzt ein Quarzband oder gar eine Kluft sichtbar geworden ist. Langsam, das schwere Werkzeug dämpft den Übereifer, steigt der Strahler. Der Graswuchs hört auf, erstickt von den herabgefallenen Gesteinstrümmern, die auf jeder ebenen Fläche sich anhäufen; ringsum ragen Felswände.Vorsichtig steigt er die Schutthalden hinauf. Mancher Gebirgsbewohner hat sein Leben eingebüßt, wenn die Steintrümmer unter seinen Füßen zu gleiten anfangen und ihn mit fortreißen. Rasch klettert er über kleine Felsstufen, geht an Gemsplanken entlang, kriecht über Steinplatten, bis er endlich die Wand sieht, an der „ der Satz " liegt. Einige gewagte Schritte auf den scharfen Kanten eines Steinblockes, dann mit festem Tritt über eine steile Schneekehle, und er steht am Ort. Der Schnee, der sonst bis Ende August den Satz zudeckte, ist geschwunden, Felsen sind hinabgestürzt, andere in der Nähe des Satzes gelockert.
Mit Hacke und Strahlstock wird es möglich sein, einige ungefüge Steine und Platten abzustemmen und hinabzurollen. Vielleicht wird dann die Hoffnung auf eine Krystallkluft erfüllt, vielleicht ist es aber auch vergebliche Arbeit; die Mineralkluft lag außerhalb, ist längst hinuntergefallen, und nur von dem sie rings umgebenden Satz ist noch das Stück übrig geblieben, das den Strahler täuschte. Gerade diese stete Ungewißheit, ob die mühevolle und gefährliche Arbeit sich bezahlt macht, gibt durch eine Art natürlicher Auslese den meisten Strahlern eine erstaunliche Ruhe und Kaltblütigkeit.
Das Entfernen der Felsen, um zur Kluft zu gelangen, geschieht auf verschiedene Weise. In den massigen Gesteinen wie im Granit, Syenit u. s. w. müssen die Felsen erst durch Schlagen mit der Hacke oder dem schweren Strahlstock oder auch durch Sprengen mit Dynamit gelockert werden. Mit Dynamitpatrone, Zündkapsel und Schnur weiß jeder Strahler umzugehen, aber gleich die beste Sichtung für das Bohrloch zu finden, so daß der Schuß nicht weit fortsprengt, sondern nur möglichst viel Gestein aus seinem Gefüge löst, erfordert vieljährige Erfahrung. Wichtig sind gute Bohrer, da höchstens zwei mitgenommen werden, und diese im harten Gestein sich bald abstumpfen. Bisweilen, wenn an sehr entlegenen Orten gestrahlt wird, richten sich die Strahler eine kleine Feldschmiede ein, um das Werkzeug selbst schärfen zu können; eine solche Schmiede stand eine Zeitlang am Gletscher in der Val Giuf, wo eine größere Strahlergesellschaft mehrere Wochen arbeitete.
Ist der Eingang zur Kluft, die meist weniger als 50 cm. Höhe besitzt, auf diese Weise offen, so wird zunächst mit Hand, Hacke und Strahlstock herausgeholt, was frei in derselben liegt. Meist sind es Klumpen von grünem oder rotem Chloritsand oder einer gelben Erde; hierin liegen die zweispitzigen Bergkrystalle von 1 bis 40 cm. Länge, je nach der Größe der Kluft, ferner etwa noch Adularreihen, Sphen, Albit, Apatit u. s. w. Die so im „ Sand " gefundenen Mineralien sind ringsum ausgebildet, haben deshalb höheren Wert, als die an den Wandungen festsitzenden, sind aber auch spärlicher vorhanden. Gleichzeitig kommen auch Bruchstücke zum Vorschein, welche der jährliche Wechsel von Eis und Wasser durch seine Sprengwirkung von den Wänden abgebrochen hat; auch diese werden möglichst gut vom Sande befreit. Jetzt erst sieht der Strahler, ob sich die Arbeit lohnen wird, ob die Bergkrystalle klar oder trüb, farblos oder dunkelbraun, die kleineren Mineralien auf dem Gestein selten und schön ausgebildet sind. Danach richtet sich die weitere Arbeit. Je sorgsamer gleich am Anfang geprüft wird, was in der Kluft vorhanden, je weiter die mineralogischen Kenntnisse des Strahlers reichen, um so einträglicher ist das Handwerk. Noch vor zehn Jahren waren den meisten Strahlern nur vier bis sechs Mineralien bekannt, und die wenigen, welche eine eingehendere Kenntnis besaßen und sorgfältig alles untersuchten, verdienten viel. Im Zimmer ist es nicht schwer, mit dem Vergrößerungsglas eine gereinigte Mineralstufe zu untersuchen; aber etwas ganz anderes ist es, auf einem Felsband stehend, ein Gesteinsstück, von dem die Erde weggekratzt wird, mit Augen, die von der Sonne geblendet Das Strahlen und die Strahler.
sind, auf kleine Mineralien zu prüfen, nach langer Wanderung und anstrengender Arbeit.
Sind nur Bergkrystalle vorhanden, so begnügt er sich, mit Strahlstock und Spitzeisen sie von der Unterlage loszuschlagen; doch diese Arbeit ist nicht leicht, da die Spitze der Krystalle unbeschädigt bleiben soll. Ist sie abgebrochen, so sinkt der Wert des Krystalls sofort um 1/i bis 1/s. Spaltet das Gestein zufällig auch in der Richtung, die parallel der Kluft geht ( schmale Parallelklüfte bedingen eine solche schein- bare Spaltbarkeit ), so lassen sich Platten von Krystallen auf ihrem Muttergestein ablösen. Solche Gruppen von Rauchquarz werden gut bezahlt, sie zieren in den Mineralienhandlungen die Auslage und sind für die Museen als Schmuck wertvoll je nach Größe, Reinheit und Farbe der Krystalle wechselt der Preis von 20—ti 00 Franken. Hat der Strahler aber wertvolle kleinere Mineralien, Eisenglanz, Apatit, Flußspat, Brookit u. s. w. bemerkt, so muß er die Kluft vorsichtig möglichst weit öffnen und die einzelnen Felsstücke mit Hammer und Spitzeisen bearbeiten, bis ihr Gewicht möglichst gering ist. Allerdings geht dabei manch wertvolles Stück zu Grunde; bei zu kurzem Hammerschlag springen einzelne Mineralien ab. Häufig läßt sich das vermeiden, Dr. J. Königsberger.
wenn man ein Sacktuch fest an die Mineralien andrückt, so daß die Schwingungen gedämpft werden.
Große Stücke haben, wenn die darauf sitzenden Mineralien zerbrechlich sind, wenig Wert; der Transport ist zu gefährlich, sowohl für den Strahler wie für den Käufer. Vor dem Gewicht allein würde der Strahler sich nicht fürchten; ich besitze eine Gruppe von Bergkrystallen, 35 Kilo schwer, die ein Tavetscher Krystallsucher aus dem obersten Teile der Val Giuf auf dem Rücken einen Weg hinabgetragen hat, den mancher Bergsteiger auch ohne Gepäck nicht gerne gehen würde.
Sind die Klüfte groß und ergiebig, aber weit von den nächsten Alpen gelegen, so tun sich mehrere Strahler zusammen, um Tage oder auch Wochen oben zu arbeiten, und übernachten dann möglichst nahe der Kluft. So blieben vor 20 Jahren einige Strahler etwa 70 m. unter dem Gipfel des Nünistocks ( zirka 3000 m ) drei Wochen und froren nachts unter einer nach Norden offenen Felsbalm, auf etwas Moos und Heu gelagert. Jeden dritten Tag stieg ein Mann hinunter, um Essen zu holen. Ebenso am Krüzlistock in sehr kalter, 2900 m. hoher Lage, am Tiefengletscher, am Axinitfundort am Vallatsch u. s. w. Wer solche Nächte aus eigener Erfahrung kennt, weiß, daß die schlechteste Alphütte weit vorzuziehen ist, selbst wenn man dort ohne Heu auf der Erde schlafen muß und der Wind durch die Eingangsöffnung und alle Lücken der Wände fährt. Auch im August ist es oben in den höchsten Alphütten und erst recht unter den Felsen kalt. Bei schönem Wetter kühlt die Ausstrahlung so stark, daß häufig am Morgen die Wassertümpel gefroren sind. Bei schlechtem Wetter weht der Föhn, und der ist am Gebirgskamm, namentlich im Gotthard- und Aaregebiet, ein kalter Wind, der sich erst beim Hinabfallen in den Tälern erwärmt. Gewöhnung ändert da nichts, man wird vielmehr mit zunehmendem Alter empfindlicher. Leute über 35 Jahre, auch wenn sie zeitlebens gestrahlt und gejagt haben, vermögen bei der Kälte nicht gut zu schlafen. Von schädlichen Wirkungen der Kälte auf die Gesundheit habe ich nie etwas gehört und habe sie auch an mir bisher nicht bemerken können. Die Gefahren des Strahlens sind andere; für den geübten Berufsstrahler gibt es eigentlich nur eine, den Steinschlag. Die meisten Unglücksfälle geschehen, wemi bei eifriger Arbeit die allmähliche Lockerung der oberhalb ruhenden Gesteinsmassen nicht beachtet wird. Sowie an steilen Wänden oder in brüchigem Gestein gegraben und gehämmert wird, sollte stets ein Mann aufpassen, ob nicht Zeichen des Zusammenbruchs der Kluft oder des Loslösens von Felsmassen oberhalb wahrzunehmen sind. Man bemerkt in diesem Fall, daß von oben kleine Steine herabrollen oder einzelne Stücke von selbst herausbrechen. An mancher ergiebiger Krystallböhle wurde die Arbeit deshalb eingestellt und mit Recht will keiner sie fortsetzen. Vielfach werden auch Holzbalken zwischen die Felsen geklemmt, die einen Felssturz zwar nicht aufhalten, aber verlangsamen und anzeigen. Im Frühjahr bei der Schneeschmelze erfolgt dann der Bergrutsch von selbst, und die Trümmer geben oft noch wertvolle Stücke.
In krystallreichen Gegenden bringt jeder Bergsturz Mineralien zum Vorschein. Die gewaltige Rutschung am Sasso rosso bei Airolo 1899 hat nach meiner Schätzung für etwa Fr. 3000 verkaufsfähige Mineralien geliefert, wovon allerdings neun Zehntel von den unkundigen italienischen Arbeitern bei den Schutzbauten zerschlagen wurden. Der Steinschlag bedroht den Strahler auch ohne daß seine Arbeit selbst dazu Veranlassung gibt, wenn er dicht unter Gletscher oder Felswänden sucht. An sehr gefährlichen Orten wird deshalb nur bis 11 Uhr vormittags gearbeitet.
Steine, die nicht fallen, sondern rollen, sind meist ungefährlich; man wartet, bis sie nahe kommen, und springt dann nach der richtigen Seite weg. Die Gefahren des Steigens und Versteigens, die der Alpinist subjektive Gefahren nennt, sind für den geübten Strahler nicht in dem Maß vorhanden wie für den Gemsjäger, der bei der Verfolgung der Beute nicht lange überlegen darf. Im ganzen ist auch die Zahl der Unfälle nicht groß. Von den Berufsstrahlern verunglückt unter 50 höchstens einer; merkwürdig genug, wenn man die stete Lebensgefahr, der diese Dr. J. Königsberger.
Männer ausgesetzt sind, bedenkt. Kleinere Unfälle sind bei der Gattung von Strahlern, die man Sonntagsstrahler nennen könnte, nicht selten.
Wesentlich verschieden von der Arbeit zur Gewinnung der Mineralien in massigen Gesteinen wie im Granit, Syenit, ist das Verfahren in den Schiefern und Phylliten. In diesen sind die Bergkrystalle kleiner und meist farblos, wertvoll sind nur die andern Mineralien, im Schiefer des Maderanertals wesentlich Brookit und Anatas; im Sericitphyllit des Rheintals und der Medelserschlucht der rote Apatit, Turnerit. Die Hornblendeschiefer bei Airolo und im Tieftal bei Amsteg führen in den Klüften Quarz mit sehr schönen Amianthemsclilttssen u. s. w.
Ist einmal das Vorhandensein einer Kluft festgestellt ' ), so wird hauptsächlich mit der Hacke gearbeitet; die Schiefer werden in Stücke geschlagen und hinuntergeworfen, bis man allmählich bequemer zu den Stellen der Kluft, wo die wertvollen Mineralien sitzen, gelangen kann. Hier müssen Spitzeisen, Hammer und Sacktuch vorsichtig gehandhabt werden, um die Gesteinsstücke, auf denen die seltenen Mineralien aufÜber die Merkmale zur Erkennung einer Mineralkluft vgl. pag. 270 ff.
gewachsen sind, loszuschlagen, eine schwierige Arbeit, da die Spaltung der Schiefer gerade senkrecht zur Kluftfläche verläuft, und die Steine deshalb gewöhnlich anders spalten, als man will. Als Vorarbeit zum Aufschließen der Kluft ist die Anwendung von Dynamit meist nicht ratsam, da die Explosion gerade die wertvollsten Mineralien wegschüttelt; nur in den zäheren Hornblendeschiefern wird Dynamit ohne Nachteil verwandt. In den Klüften mit grünem Chloritsand wird dieser sorgfältig nach den wertvollen Mineralien, die an den Wandungen zu bemerken sind, durchsucht. Ein Teil der größten Brookite des Grieserntals ist aus der „ grünen Erde " gewonnen.
In den Schiefern des Sericitphyllits und bei den Hornblendeschiefern erschwert häufig eine sehr zähe und auch harte gelbe Erdmasse die Arbeit; am besten läßt sie sich durch Darüberleiten von Wasser entfernen. Ist keines in der Nähe, so erfordert die Befreiung der Krystalle viel Geduld und Sorgfalt, aber die Mühe wird auch belohnt; dort kann die Ausbeute eines Tages für einen Mann 100-300 Fr. betragen; denn von den im Hornblendeschiefer von Airolo vorkommenden Quarzkrystallen mit Amianteinschluß oder den in Bünden häufigeren Quarzen mit Rutil wird das Stück je nach der Größe mit 2-400 Fr. bezahlt; schon ein 5 cm. langes unbeschädigtes derartiges Stück ist etwa 5-10 Fr. wert.
Berühmt sind die Minerallagerstätten mit Brookit in den Schiefern des Grieserntals und die mit Eisenglanz und Rutil am Anfang der Val Cornera bei Tschamutt, von denen jede schon Mineralien im Wert von mehr als 20,000 Fr. geliefert hat. Diese wie alle in den Schiefern gelegenen Orte liegen unten am Rande der Bergketten, nicht wie der Granit und Syenit mitten oben in den Bergen. Daher werden diese Stellen schon im Frühjahr, Ende Mai, schneefrei, und scharenweise ziehen dann Strahler und Landleute, die über geeignetes Werkzeug verfügen, in dieser Zeit, wo der Gebirgsbauer keine dringende Arbeit hat, hinaus. Aber nur der kundige Strahler verdient etwas. Wenn ein anderer auch einmal Glück hat und eine Kluft findet, so mißlingt es ihm gewöhnlich, die Mineralien unbeschädigt herauszubringen, und für das, was er hat herausbringen können, fehlt ihm das Verständnis und die richtige Wertung. Den ersten Käufern heischt er zu viel, und ist dann die Ware längere Zeit liegen geblieben und von einer Schublade in die andere und schließlich in den Keller gewandert, so bekommt er für die verstaubten und angebrochenen Krystalle nur einen kleinen Teil dessen, was sie ihm wirklich hätten bringen können.
Der Berufsstrahler braucht bei der Auffindung von Mineralklüften nicht auf sein Glück zu bauen, er darf sich auf seine Kenntnisse verlassen. Da das Strahlen eine Reihe von Eigenschaften, Mut, Ausdauer, Ruhe und Verstand, verlangt, die in ihrer Gesamtheit nur zuweilen vom Dr. J, Königsberger.
Vater auf den Sohn vererbt werden, so hat sich eine eigene Tradition zwar nicht recht ausgebildet, aber wer sich für geeignet hält, erfährt von altern freundlichen Strahlern, die ihre Geschäftsgeheimnisse nicht zu ängstlich wahren, das nötigste und lernt das meiste mit der Zeit selbst. Die Berufsstrahler sind, wie die Bergbewohner überhaupt, Leute, die gut beobachten, die vom Unwesentlichen und Äußerlichen absehen können, und die wesentlichen und gemeinschaftlichen Merkmale bald herausfinden. Naturwissenschaftliche Kenntnisse fehlen ihnen allerdings vollkommen, und dadurch kommen sie oft auf die wunderlichsten Erklärungsversuche für das Gesehene; aber Verständnis und Begabung für die beschreibenden Naturwissenschaften sind vorhanden.
Im folgenden habe ich die einzelnen Punkte, die zum Erkennen der Krystallhöhlen wichtig sind, aufgezählt; manches verdanke ich den Angaben von Strahlern, anderes habe ich selbst gefunden. Die mineralogische Literatur enthält über die Mineralklüfte, die Minerallagerstätten der Faltengebirge, sehr wenig.
Im Granit geben sich die Krystallhöhlen schon von weitem durch eine Terrassenbildung kund; die Felswände werden durch eine schmaler nahezu horizontal laufende Stufe unterbrochen oder auch nach oben oder unten abgegrenzt. Die Veranlassung zu dieser Stufenbildung gibt eine sich weithin erstreckende schmale Spalte, der „ Satz " der Strahler. In der Mitte der Spalte, die aber nicht immer die Mitte der Terrasse ist, erweitert sie sich und ist von einer harten, glasähnlichen, weißlich oder hellbraun gefärbten Masse, dem „ Band " der Strahler, ausgefüllt; es ist Quarz, demnach dieselbe Substanz, aus der auch die Bergkrystalle bestehen. Meist in der Mitte des Bandes befinden sich einer oder mehrere Hohlräume, die Krystallklüfte, welche die schönen Mineralien enthalten. Eine schematische Zeichnung eines Vertikaldurchsclmittes durch eine Krystallkluft im Granit habe ich im Jahrbuch 1901, pag. 236, gegeben. Rings um die Höhlen zeigt das Gestein viele Löcher und erscheint gebleicht. Der schwarze Glimmer, Biotit, der im frischen Gestein sofort auffällt, ist verschwunden; im Syenit, dem Hornblendegranit, ist die dunkelgrüne Hornblende in blaßgrüne Asbestfasern verwandelt. Der gelblichgrüne Feldspat ( Oligoklas oder Labrador ) ist verändert und teilweise entfernt, aus ihm entstehen in der Kluft Quarz und Kalkspat. Dies „ verfressene " Gestein, das jede Höhle umgibt, ist ein sicheres Kennzeichen einer nahen Höhle und im Biotitgranit weiterhin sichtbar.
Befindet sich an einem Ort eine größere Kluft von 50 und mehr cm. Höhe, so sind häufig in unmittelbarer Nähe, nur durch Quarzband oder verfressene Gesteinsstücke getrennt, andere, kleinere Klüfte vorhanden, und deshalb wird in der Nähe großer Krystallkeller nach allen Richtungen gebohrt, und wer es versteht und Glück hat, findet dann auch wohl eine neue kleine Kluft mit Mineralien. Aber meist wird dabei eine gewaltige Arbeit verschwendet; die Anfänger und Sonntagsstrahler, die Kraft und Fleiß, aber keine Kenntnisse haben, halten sich vorsichtshalber an alte Höhlen, wo wenigstens einmal etwas gefunden wurde.
In frühern Jahrhunderten, als noch Bergbau im Lande getrieben wurde, herrschte die Ansicht, daß es bei den Krystalladern wie bei den Erzadern nur darauf ankäme, der Ader nachzugehen und sie nicht zu verlieren. Deshalb sehen wir an den alten Höhlen, z.B. an der Sandbalm, dann am „ Moores Werkam vordem Zinkenstock, 100 m. über dem Gletscher ) u. s. w. die großen alten Stollen von einer Kluft aus nach allen Richtungen in den Berg hineingehen. Jetzt ist die Ansicht als unrichtig erkannt, man weiß, daß nur in nächster Nähe einer großen Kluft kleinere vorhanden sein können.
Mehrere Wahrnehmungen deuten darauf, daß sich die Beobachtungsgabe der Strahler geschärft und ihre mündlich überlieferten Kenntnisse vermehrt haben. Von der Alphütte am Rhonastutz im Fellital kann man an der gegenüberliegenden bewaldeten Talseite an einer kleinen Wand eine etwa 3 m. hohe, 4 in. breite und 3 m. tiefe Höhlung in weißem Dr. J. Königsberger.
Gestein, einem Feldspatgang des Granits, bemerken, die wahrscheinlich vor 2 oder 3 Jahrhunderten ausgebrochen wurde, weil die Strahler den weißen Fels mit dem glasartigen weißen Quarzband verwechselt haben; auch an den Krttzlistöcken auf der Bündnerseite und anderwärts haben sich die Krystallsucher auf diese Art getäuscht. Jetzt kennen sie den Unterschied. Dagegen ist die Verschiedenheit zwischen dem Quarzband einer Krystallkluft und den gewöhnlichen Quarzeinlagerungen im Gestein ihnen unbekannt 1 ) und hat in den Schiefergesteinen, wo letztere häufig sind, manchen Tag vergeblicher Arbeit gekostet. Die Krystallklüfte und das dazugehörige Quarzband liegen in jedem Gestein senkrecht zur Schieferungsrichtung, d.h. der Richtung, nach welcher das Gestein spaltet und sich zerschlagen läßt; die Quarzeinlagerungen dagegen sind der Schieferung parallel, sind also gerade so eingelagert, wie das Gestein auseinandergeht.
Ganz ähnlich wie die oben beschriebenen Klüfte des Granits sind die mineralführenden Spalten in den Schiefern.
Ihr Aussehen ist wohl aus der untenstehenden Zeichnung ersichtlich.
a. Hohlraum mit Wasser und Chloritsand ausgefüllt; b. das in der Umgebung der Kluft zum Teil ausgelaugte, zum Teil verfestigte Gestein, das seine geschieferte Struktur verloren hat; c. Quarzband, das stellenweise Höhlungen f. mit derb krystallisierten Mineralien enthält; e. nicht ausgefüllte Hohlräume; g. die Mineralien der Kluft, Bergkrystall, Albit etc.
Das verfressene Schiefergestein in der Nähe der Kluft ist im Gegensatz zum Granit weniger an der helleren gebleichten Färbung kenntlich, als an der größern Härte und Festigkeit verglichen mit dem andern weiter entfernten Gestein. Deshalb pflegen kundige Strahler, wie G. Yori in Airolo, der mich auf dieses Kennzeichen aufmerksam machte, im Schiefer, ohne die Grasnarbe zu entfernen ( „ der Härd abdecken " ), mit dem Strahlstock kräftig aufzustoßen und aus dem Klang und dem Widerstand, den das Eisen findet, das verkittete harte Gestein und damit die Mineralkluft zu finden.
Einzelne Orte sind besonders „ strahligdort durchsetzen viele Mineralklüfte das Gestein. Die Gründe und Merkmale dieser Häufigkeit aufzufinden, ist bisher noch nicht gelungen. Es läßt sich vorhersagen, ob Kluftmineralien in einem Gestein gefunden werden können, welcher Art und auch angenähert von welcher Größe sie sind; aber ob an einem bestimmten Ort Klüfte häufig oder selten sind, vermag ich nicht zu bestimmen. Im Biotitprotogin und im Syenit, dem grünen Hornblendeprotogin des Aaremassivs, kommen bisweilen auf 100 m. im Geviert, also auf eine Fläche von 1000 m2 5-20 Klüfte, so an einzelnen Stellen der Val Giuf, des Schattigen Wicheis, des Nünistocks, des Alpligengletschers u. s. w., manchmal aber ist — der Steinbruch bei Gurtnellen bietet dafür ein Beispielnicht eine einzige Kluft in einer gleich großen Fläche desselben Gesteins vorhanden. Wer strahlt, geht daher mit Vorliebe an die Stellen, die als strahlig bekannt sind; dort lernt er. Wenn er sein Geschäft dann wirklich versteht, sucht er nach neuen Orten und kann unbekannte seltene Vorkommnisse finden, die gut bezahlt werden. In den gewaltigen Seitenmoränen großer Gletscher, wie Rhonegletscher, Vieschergletscher, wird vielfach mit Erfolg gesucht, doch sind die Krystalle da selten ganz unbeschädigt. Auch in Bachbetten findet man häufig klare Kry stallstücke. Ob die im Rhein bis Köln hinunter vorkommenden runden klaren Quarzstücke, die sogenannten Rheinkiesel, abgerollte alpine Krystalle sind, ist schwer zu entscheiden.
Die Zeit ist kurz, während welcher die Krystalljagd offen ist; oben in den Bergen von Anfang August, wenn es aper geworden ist, bis Anfang, selten Mitte September, dann gefriert schon der Boden in den kalten Nächten und taut unter Tag nicht mehr auf; im ganzen etwa 40 Tage, wovon höchstens 20 gutes Wetter haben; weiter unten von Ende Juni bis Ende September. Da, wo ganz nahe am Dorf noch Mineralfundstellen vorkommen, werden sie meist rasch und gründlich ausgebeutet oder sind, wie die Apatit- und Eisenspatfundorte im Sericitphyllite der Lukmanierschl acht ( der Ruina ), im Frühjahr wegen Erdrutsch zu gefährlich. Während der besten Zeit, Mitte August bis Anfang September, arbeitet der Strahler sehr angestrengt, oft viele Tage hintereinander von 4 Uhr morgens bis 8 Uhr abends mit kurzei Pausen.
Eine der krystallreichsten Gegenden, die Kalkspatlücke in der Va Œuf, erfordert von Sedrun eine Wanderung von 4—5 Stunden zur Über windung einer Höhendifferenz von 1600 m ., und diesen Weg gehei Tavetscher Strahler bei gutem Wetter sechsmal in der Woche hin une zurück mit voller Ausrüstung und haben dabei täglich noch etw« 8 — 9 Stunden Zeit zur eigentlichen Arbeit. Auch die Binnentalei Strahler haben oft 6 Wegstunden zurückzulegen, um an ihre Fundort« zu kommen.
Manche Mineralklüfte, die höher als 2800 m. und auf der Schatten seite liegen, werden nie frei von Eis; häufig bildet sich dasselbe erst wenn die Kluft geöffnet wurde. Die alte Krystallhöhle am Krüzlistock von der die pag. 284 wiedergegebene Sage erzählt wird, ist jetzt une nach zuverlässigen Mitteilungen schon seit mehr als einem Jahrhunden mit Eis erfüllt. Das einzige rasche Mittel, zu den Mineralien zu gelangen, bietet dann das Schmelzen des Eises durch brennendes Holz oder Heu Doch hat diese Methode meist den Nachteil, daß infolge der ungleichmäßigen Erhitzung die Krystalle springen. Empfehlenswerter ist es, im Frühjahr Anfangs Mai den Schnee dicht vor der Höhle wegzuräumen, dann schmelzen Föhn und Sonne in einigen Jahren die Eismasse weg.
Der Strahler ist aber nicht nur Krystallsucher, er ist und muf Mineralhändler sein, und das macht dem bald zu vertrauensvollen, bald zu mißtrauischen Bergbewohner die meiste Mühe und den größten Ärger, Der Fels mag täuschen, die Arbeit kann vergeblich gewesen sein, das ist nicht zu ändern, aber von Menschen, fremden oder einheimischen, um den vollen Preis seiner Arbeit gebracht, betrogen zu werden oder, was häufiger ist, zu glauben, daß dies geschehen sei, das schmerzt. Jede andere Ware, mag es Heu, Vieh oder Gemse sein, hat einen nur wenig schwankenden Wert, der sich bei einiger Übung ziemlich sicher feststellen läßt. Die Mineralien auf ihren durchschnittlichen Sammlungspreis, ihren wissenschaftlichen Wert, der nach der Seltenheit und der schöner Ausbildung der Krystalle sich richtet, zu schätzen, ist selbst für der geübten Mineralogen nicht leicht und wird sehr dadurch erschwert, dafi für einzelne Stücke von besonders schönem Aussehen, die als Schmuck, roh oder geschliffen, in Broschen oder auf Gesimsen glänzen, bisweilen außerordentlich hohe Liebhaberpreise gezahlt werden. Nur einige technisch verwertbare Mineralien, wie der klare Bergkrystall, oder solche, die als Schmuck verwertbar sind, wie Rauchquarz, haben Preise, die zwar sehi von der Mode abhängen, aber doch mehrere Jahre dieselben bleiben und stets genau angebbar sind. Als man anfing, den Rauchquarz in Schmuck -gegenstänelen als Stein einzusetzen, etwa 1850, galt das Pfund 4 — 7 Fr.:
die Stücke mußten klar sein; ihre Größe war gleichgültig-. Als 1870 Rauchquarz sehr in Mode war, galt das Pfund durchschnittlich 5-9 Fr.; ganz dunkle Rauchquarze, sogenannte Morione, bis über 12 Fr. Farb-loser Quarz wurde mit 1-4 Fr., je nach der Klarheit, für das Pfund bezahlt. Von 1880 an gingen die Preise sehr herunter; jetzt ist das Pfund von Rauchquarzbruchstücken fast wertlos, da die Juweliere sie nicht verwerten können und die Sammlungen nur schöne Stufen von Rauchquarz auf dem Muttergestein oder ausgebildete Krystalle ankaufen. Bei größeren Krystallen mit unbeschädigter Spitze gilt das Pfund etwa 3-5 Fr., so daß ein Rauchquarz von 20 Pfund auf etwa 70 Fr. zu stehen kommt. Morione sind auch heute noch gesucht und stehen höher im Preis. Der Preis des farblosen Bergkrystalls ist, trotz der stetig zunehmenden Verwendung von Quarz und Quarzglas in Technik und wissenschaftlichen Laboratorien, niedrig, weil aus Brasilien, Madagaskar und Nordamerika große Mengen eingeführt werden.
Die andern Mineralien sind nach einiger Übung leicht zu unterscheiden, aber ihren wirklichen Wert erfährt der Strahler selten, und noch seltener glaubt er einer richtigen, ehrlich gemeinten Schätzung. Deshalb stellt er Forderungen, die ein Zehntel des richtigen Wertes betragen oder ihn auch um das Zehnfache übertreffen, was ihm natürlich in beiden Fällen schadet. Der Strahler braucht bares Geld und muß nach einiger Zeit verkaufen; der Mineralienhändler, der ihm die Ware abkauft, verfügt über ein mehr oder minder großes Kapital, über einige mineralogische Kenntnisse und kann, was die Hauptsache ist, warten, einzeln verkaufen, und so von ihm unbekannten Mineralien den ungefähren Wert durch Erhöhung und Erniedrigung der Forderung erfahren.
Der Strahler hört häufig, wie hoch der Händler verkauft und wie viel er dabei verdient hat, und je nach seinem Temperament nimmt der Strahler das ruhig hin oder ärgert sich. „ Das habe nicht ich gefunden, das hat der N. N. ( der Mineralienhändler ) gefunden ", sagte ein Bündner Strahler, der ziemlich wertvolle Stücke für wenig Geld an einen Händler „ verschenkt " hatte, der sie dann teuer verkaufte. Wenige bedenken, daß auch der Händler verlieren oder nur gerade auf seine Kosten kommen kann, und daß für den Gelderwerb Menschenkenntnis und etwas Kapital nutzbringender sind als Kraft, Fleiß und Verstand. Übrigens wissen manche Berufsstrahler recht gut zu verkaufen und stellen verständige Forderungen. Anderseits verlieren kleine Händler, die wenig Kenntnisse haben, ein schönes Stück Geld, bis sie sich entschließen, das Geschäft wieder aufzugeben.
Eine der ersten Bedingungen für eine Bezahlung, die der Arbeit entspricht, ist die sorgsame Behandlung der Krystalle und Mineralstufen, ihre vorsichtige und gründliche Reinigung und eingehende Prüfung mit dem Vergrößerungsglas. Das erste Reinigen geschieht möglichst nahe der Kluft im fließenden Wasser; die Steine werden so gestellt, daß Wasser darüber läuft und sie abspült; ist kein Wasser in der Nähe, so werden die Steine mit einer nicht zu harten, langborstigen Bürste abge-staubt. Häufig lassen die .Strahler größere Stufen in der Nähe der Kluft einige Wochen lang stehen; der Regen wäscht diese gründlich und doch schonend. Dann kann der Strahler eine vorläufige Auswahl treffen; Gesteinsstücke mit wenig Mineralien läßt er zurück; die andern werden in mitgebrachtes Papier, Heu oder Moos, wenn in der Nähe der Kluft solches wächst, verpackt und in den Tornister gesteckt. Wertvolle zerbrechliche Mineralien, Brookittafeln, Eisenglanz u.a. werden in kleine Streichholzschachteln oder auch in steifes, geeignet gebogenes Packpapier verwahrt. Leider verwendet er gewöhnlich zu wenig Sorgfalt auf die Verpackung, die stundenlang dem Durcheinanderwerfen auf schlechten Pfaden widerstehen soll. Wenn er am Abend oder andern Morgen auspackt, sind die Krystallspitzen beschädigt, die Tafeln zerbrochen, die Nadeln verschwunden. Auch die im Haus vorgenommene gründliche Befreiung der Mineralstufen von dem anhaftenden Sand wird häufig zu hastig und kräftig vorgenommen; mit einer groben Bürste wird alles, was nicht Widerstand leistet, weggerieben, wertvolle Krusten von Zeolithen werden als störend mit dem Messer abgekratzt, schließlich wird noch mit Salzsäure gewütet, und der Strahler ist später sehr erstaunt, zu vernehmen, daß eine zufällig nicht „ gereinigte " Stufe weit größeren Wert besitzt als alle seine Präparate. Wer sich aber auf eine verständige Behandlung der Mineralstufen verstellt, kommt stets auf seine Rechnung, und die Zahl dieser Leute ist nicht gar zu klein, obwohl es viel verlangt ist, daß derselbe Mann, welcher den Gefahren und Wettern des Hochgebirges trotzen und die viel Kraft erfordernde Arbeit des Strahlens leisten muß, zugleich auch das sorgfältige Verpacken, Reinigen und Untersuchen der Mineralstufen verstehen soll.
Der Strahler sucht immer seinen ganzen Fund, „ die Partie ", bessere und schlechtere Stücke miteinander zu verkaufen; wenn er den Käufer auswählen läßt, läuft er Gefahr, daß ihm die schlechteren Stücke bleiben. Weiß der Strahler jedoch den Wert des Fundes und der einzelnen Stücke richtig zu schätzen, so ist gleichwohl letzteres Verfahren für ihn wie für die Käufer vorteilhafter. Mancher versucht, den Verkauf swert der Mineralstufen durch künstliche Mittel zu erhöhen. Wenn im Winter das Haus von meterhohem Schnee umgeben ist, sucht er in Kisten und Keller zusammen, was nicht verkaufbar war. Säße die abgebrochene Tafel von Eisenglanz oder Brookit noch auf der Mineralstufe, so hätte sie den fünffachen Wert. Zeit hat er, und da wird, während der Giltsteinofen im Zimmer eine wohlige Wärme verbreitet, mit Leim und Das Strahlen und die Strahler.
Wasserglas, denen etwas Chloritsand und Gesteinspulver beigemengt werden, ein mineralogisches Kunstwerk zusammengeleimt, das im raschen Einkauf namentlich abends auch den Kenner irreführen kann. Besonders an einigen Orten Graubündens werden derartige Vorkommnisse seit Jahrzehnten täuschend fabriziert und sind schon in viele Museen gewandert. Durch Einlegen in heißes Wasser wird der Schwindel erkannt, weil sich Leim und Wasserglas darin auflösen. Auch das Färben, blau mit Kupfervitriol und rot mit Fuchsin, wurde probiert, wird aber leicht erkannt, weil die Farbe nur in die Risse eindringt.
Die meisten Strahler sind indes ehrliche, zuverlässige Leute, ruhig, langsam, verständig, wortkarg, aber schwer zu beeinflussen und im Leben häufig recht mißtrauisch, was der Handel mit so unsicheren Werten wie die Mineralien notwendig mit sich bringt. Tagelang fern von Menschen, haben sie Zeit, ihren Gedanken nachzuhängen, und tun das mitunter im reiferen Alter. Viele sind wahrhaft religiös und der katholischen Religion, in der sie auferzogen wurden, treu ergeben. Einzelne allerdings stehen durch eigenes Nachdenken allen himmlischen und irdischen Einrichtungen sehr kritisch gegenüber. Für ihre meist zahlreiche Familie sorgen sie gut. Die Bevölkerung, aus der der Strahler hervorgeht, eine Mischung von Urbevölkerung des sogenannten Disentiser Typus mit germanischer und romanischer Rasse, ist an sich nicht ungünstig veranlagt; sie ist kräftig, zähe und trotz Zuweilen spärlicher Nahrung gesund, und besitzt meist gute, dem Individuum und der Nachkommenschaft nützliche Sitten. Allerdings muß dort der Bergbewohner mehr Mühen und Entbehrungen auf sich nehmen als der Bauer oder Arbeiter der Ebene; aber sein Kampf ums Dasein ist nur ein schweres, jährlich wiederholtes Ringen mit der Natur, nicht mit Menschen; es macht ihn hart, aber erniedrigt ihn nicht und schwächt ihn nicht. Er hat einen stark entwickelten Unabhängigkeitssinn; denn in den Urkantonen fühlt sich jedermann ein wenig als Herr, als ein durch Gottes Gnade und der Ahnen Verdienst freier Mensch, und besonders tritt dies Selbstbewußtsein bei denen hervor, die auf Gott und die eigene Kraft vertrauend den Gefahren der Berge täglich die Stime bieten. Die Strahler und Jäger würden deshalb auch im Fall eines Krieges in den Gebirgstruppen einen Kern von Männern bilden, die, an Mühen und Entbehrungen gewöhnt, in Gefahren kaltblütig, das Hochgebirge von Grund aus kennen und die Freiheit ihrer Heimat um jeden Preis zu verteidigen entschlossen sind.
Warum ein Gebirgsbewohner Strahler wird, dafür lassen sich wohl zwei Gründe anführen: die Hoffnung, viel Geld zu verdienen, und die Lust am Leben und Arbeiten oben in den Bergen. Bei manchen herrscht nur das erste Motiv; sie glauben eines Tages die Schätze Indiens zu finden; aber diese Leute werden meist in ihren Erwartungen getäuscht, geben bald das Strahlen auf, um nur noch an sogenannten glücklichen Tagen erneute vergebliche Versuche zu machen. Die Mehrzahl betreibt das Strahlen, weil es wie das Jagen und der Führerberuf ihnen ermöglicht, ihre überschüssige Kraft und ihre Gewandtheit möglichst nutzbringend zu verwerten und die ihnen zusagende Lebensweise zu führen. Manche Bauern in Uri nehmen sich Mitte oder Ende August einige Tage freie Zeit, um oben zwischen Fels und Eis zu strahlen; sie freuen sich darauf wie der Jäger auf die Gamsjagd, und manche Urner Bauernfamilie auf das Leben in der Wildi beim Wildheumachen. Auch einige Gotthardbahnangestellte verwenden ihre freien Tage zum Strahlen, während sie andere Arbeit in diesen knapp zugemessenen freien Stunden kaum tun würden. Besondere Erwähnung verdient ein Walliser Maschinist eines großen Hotels, der nach halbdurchwachter Nacht — seine Dienstzeit geht von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens — häufig und mit Glück auf die Krystallsuche geht. Die Lehrer der Primarschulen, die in den Gebirgsdörfern im Sommer geschlossen werden, sind vielfach erfolg- und kenntnisreiche Krystallsucher.
Der Verdienst des Strahlers ist hauptsächlich von seinen Kenntnissen, seiner Ausdauer und seinem Mut, in geringerem Grade aber auch vom Zufall abhängig.
Am besten steht sich der Berufsstrahler, der im Sommer nur mit Krystallsuchen beschäftigt ist; sein Taglohn beträgt 5-50 Fr., durchschnittlich 15 Fr. Wie viel Tage er seinem Geschäft nachgehen kann, hängt vom Wetter, den Schneeverhältnissen und der Gegend ab; im günstigsten Fall sind es wohl 90, im ungünstigsten 40 Tage. Sein Jahreseinkommen ist natürlich wechselnd, dürfte aber selten weniger als 500 und mehr als 2000 Fr. betragen und im Mittel der Jahre auf etwa 1000 Fr. kommen; diese Summe, mit der der Arbeiter in der Stadt seine Familie nur gerade ordentlich ernähren kann, bedeutet viel in den Gebirgskantonen, wo die großen Korporations- und Gemeindegüter und -rechte die Lebenshaltung einer Familie trotz der etwas höhern Nahrungsmittelpreise billiger gestalten. Außerdem macht der Gebirgsbewohner weniger Ansprüche, lebt meistens sehr sparsam und doch gesund und wird, da er fast nur seinesgleichen sieht, nicht zu unnützen Ausgaben verleitet. So kommen viele Berufsstrahler zu einigem Wohlstand, obgleich, vielleicht aber auch weil sie früh heiraten und die Familien kinderreich sind. Nach 15-20 Jahren können sie sich ein Haus bauen oder kaufen und Land erwerben. Der Berufsstrahler pflegt sein Gewerbe von der Mitte der Zwanziger-, wenn er die nötigen Kenntnisse der Berge und Mineralien erworben, bis zum Anfang der Fünfzigerjahre zu betreiben.
Geringer ist der tägliche Verdienst der Strahler, die im Sommer noch mit Land und Vieh zu tun haben oder Führer sind. Sie haben weniger Zeit, im Jahr etwa 5-20 Tage, daher häufig weniger Erfahrung und Übung und mineralogische Kenntnisse; doch gibt es auch unter ihnen sehr kenntnisreiche Strahler, die allein durch das Krystallsuchen so viel wie die Berufsstrahler verdienen; bei den meisten dürfte der Taglohn 4-50 Fr., im Durchschnitt etwa 13 Fr. betragen. Am ungünstigsten ist das materielle Ergebnis für die, welche nur wenige, 1-5 Tage strahlen. Wenn sie nicht Glück haben, finden sie selten für mehr als 6 Fr. Mineralien; aber diese Beschäftigung ersetzt ihnen die Beteiligung an einer Lotterie, kostet nichts und stärkt ihren Körper.
Die Anzahl der Strahler ist sehr wechselnd. Wenn in einem Jahr viel gefunden wird, ist oft die Hälfte der männlichen Dorfbevölkerung auf den Beinen, um Krystalle zu finden; nach einigen Jahren sind nur zwei oder drei Strahler in demselben Ort. Völlig erloschen ist das Strahlen im Maggiatal, im westlichen Teil des Wallis, im Saastal, in Zermatt, und auch im Mont Blanc-Gebiet. In der Westschweiz liegen die Fundstellen sehr hoch und sind fast nur von Ende August bis Anfang September zugänglich, zu einer Zeit, wo kräftige Männer als Führer und Träger bequemer oder sicherer Geld verdienen können. Die Kenntnis der Mineralien fehlt, und es besteht kein regelmäßiger Mineralienhandel, der in der Urschweiz seit zwei Jahrtausenden, seit der Römerzeit, ausgeübt wird. Ferner sind die Mineralfundorte viel seltener. Doch habe ich mich in Saas-Fee überzeugt, daß man an einem Tag leicht für 20—30 Fr. Mineralien sammeln kann. Aus Uri werden jährlich wohl für 3000—18,000 Fr., im Mittel der letzten 10 Jahre für 6000 Fr. jährlich Mineralien exportiert; von dieser Summe entfallen drei Fünftel auf die Strahler, zwei Fünftel als Gewinnanteil auf die meist einheimischen Händler. Im Bundner Oberrheintal dürfte der Geldgewinn 1000—4000 Fr., in den letzten 10 Jahren jährlich etwa 2000 Fr. betragen, wovon ein Drittel Händlergewinn; in Tals 1000—4000 Fr., im Mittel durchschnittlich 1000 Fr.; im Tessin 1000—4000 Fr., im Mittel durchschnittlich 1500 Fr. Für Rhone- und Binnental fehlen mir die Anhaltspunkte zu einer sichern Schätzung, doch dürfte die Ausfuhr 7000 Fr. jährlich kaum übersteigen. Aus der Eidgenossenschaft gehen jährlich wohl für etwa 10,000 Fr. Mineralien ins Ausland.
Die Strahler sind mit ihrer Arbeitsweise und Arbeitszeit an keinerlei Vorschriften, weder an staatliche noch genossenschaftliche gebundenl ). Allgemein anerkannt wird nur das Besitzzeichen der Arbeit. Wenn in einer noch nicht vollständig ausgebeuteten Mineralkluft ein Werkzeug oder etwas Heu liegt, so nimmt kein anderer als der Entdecker Mineralien aus dieser Kluft heraus; denn die erste Bearbeitung gibt unter Gemeindegenossen nach ungeschriebenem Gesetz ein völlig unbeschränktes, verkaufbares Eigentumsrecht. Für das Anrecht an eine Mineralkluft am Kalkspatort in der Val Giuf wurden vor drei Jahren von zwei Männern aus Rueras an einen Strahler aus Sedrun 80 Fr. bezahlt.
Ohne besondere Erlaubnis darf jedoch der Schweizerbürger nur in seinem Heimatsbezirk strahlen; das unbebaute Ödland ist mancherorts Kantonseigentum, in Uri Korporationseigentum, in Graubünden und Wallis der Gemeinde, im Tessin teilweise dem Patriziat gehörig. Deshalb konnte vor Jahren, als der große Rauchquarzfund am Tiefengletscher den Landleuten den Wert der Mineralien deutlich gezeigt hatte, die Korporation Urseren das Recht zu Strahlen verpachten und jährlich ( an Kantonsbürger ) versteigern lassen. Anfänglich wurden auch hohe Pachtsummen gezahlt, weil viele glaubten, daß Krystallkeller, wie der am Tiefengletscher, auch anderwärts zu finden sein müßten. Als aber im Lauf der Jahre die Tatsachen ernüchternd wirkten, wurde der Pachtzins immer geringer; schließlich war der Portier auf der Furka für wenig Geld Besitzer aller noch nicht gehobenen Mineralschätze der Korporation UrNur im Wallis, wo das Genossenschaftswesen ausgebildet und der Zusammenhang der Gemeindeangehörigen viel enger ist als in den andern Bergkantonen, werden einzelne Minerallagerstätten auf Rechnung von Gemeindegenossen-schaften ausgebeutet.
seren, vom Galenstock bis zum Badus, und als auch er sie nicht mehr wollte,wurde das Strahlen wieder freigegeben. Indes wäre einem kenntnisreichen Berufsstrahler, der sich nicht auf die Gewinnung von Rauchquarz oder Bergkrystall beschränkt, sondern der auch die Mineralien im Sericitphyllitsehiefer bei Realp, im Urserengneis des Großtal und Haustal, im Gneis der Muttenhörner und der Garschenalp ausbeuten würde, ein Ertrag von 600 Fr. im August und September ziemlich sicher.
Im allgemeinen herrscht jetzt in Uri und auch im Wallis eine weit-herzigere Auffassung; weder Schweizerbürgern anderer Kantone noch Fremden wird das Krystallsuchen in bescheidenem Umfange gewehrt. Motionen, wonach das Strahlen ähnlich wie die Jagd einer Taxe unterliegen solle, sind wohl schon von der Regierung beraten, aber noch nie vor die Landsgemeinde gebracht worden. Die Bündner im Tavetsch dagegen, die teilweise in großer Armut und Verschuldung leben, sehen ungern, wenn nicht zur Gemeinde Gehörige bedeutende Funde machen. Vor einigen Jahren beschloß die souveräne Tavetscher Volksgemeinde, eine im Belieben des Präsidenten stehende Taxe jedem nicht aus der Gemeinde stammenden Strahler aufzuerlegen; aber diese rechtlich anfechtbare Maßregel ist bisher nicht angewandt worden. Die Kantonsgrenzen oben in den Bergen werden von den Strahlern ebensowenig wie von den Jägern streng beachtet; Zurechtweisungen oder Anzeigen sind äußerst selten und haben stets Folgen, die auf viele Jahre hinaus Stoff zu Erzählungen liefern.
Im südlichen Teil des Tessins haben Gemeinden das Recht der Ausbeutung für ziemlich hohe Summen verkauft, so z.B. Chironico den Fundort von Disthen und Staurolith im Paragonitschiefer für 180 Fr.; außerdem verstehen sie dort, dem kantonsfremden Strahler nach allen Regeln der Kunst, die im stammverwandten Italien so ausgebildet ist, den Geldbeutel zu erleichtern ' ). Im nördlichen Teil des Tessins, der obern Leventina und der Val Maggia, der seit Jahrhunderten mit den deutschen Kantonen in Zusammenhang dem italienischen Einfluß fernsteht, leben einzelne sehr tüchtige und verständige Krystallsucher, und auch der Fremde kann dort unbelästigt seinem Geschäft oder Forschungstrieb nachgehen.
. ' ) Auch heute haben die Worte Bernhard Studers, des berühmten Berner Geologen, volle Gültigkeit. Der südliche Teil des Tessins „ hat in Volk und Natur schon ausschließlicher den italienischen Typus, und wer die Täler und Höhen des Camoghè durchwandert hat, der weiß etwas von dem Schmutz und der Unbequemlichkeit der Alphütten und von dem ungastfreundlichen Wesen der Einwohner zu erzählen " ( Jahrbuch S.A.C. V, S. 163, 1869 ). Auch der Verfasser kann auf Wunsch mit zahlreichen selbsterfahrenen und gehörten Erlebnissen aufwarten.
Dr. J. Königsberger:
Im Eigen des Bauern darf ohne dessen Erlaubnis in keinem Kanton gestrahlt werden; in dieser Hinsicht ist ein Bergzwang nicht vorhanden. In dem der Gemeinde, Korporation oder dem Kanton gehörigen Land dürfen Wald, Weide und Gestrüpp nicht durch Aufwühlen der Erde beschädigt werden. Vor einigen Jahren wurde im Kanton Uri ein sehr ergiebiger Brookitfundort an der Reuß ausgebeutet, und dabei hatten die Strahler mehrere kleine Bäume und viele Sträucher ausgerissen und das Erdreich hinuntergeworfen. Nach mehr als einem Jahre erfolgte eine Anzeige in Altdorf, und 20 Strahler, die einzeln oder gemeinschaftlich gearbeitet hatten, erhielten Strafmandate. Aber diese Männer, die bei der Lands-und Korporationsgemeinde stimmfähig sind, erhoben beim Präsidenten Einsprache, und die Entschädigung wurde auf eine für den einzelnen ganz geringfügige Summe ermäßigt. Für gewöhnlich verbietet sich das Krystallsuchen auf dem von Erde bedeckten Boden von selbst, weil man, wenn kein Zufall hilft, die Krystallklüfte nicht bemerken kann.
Tun sich mehrere Krystallsucher zusammen, so wird der Erlös gleichmäßig verteilt. Am günstigsten ist es, wenn zwei erfahrene Strahler gemeinsame Sache machen; sie suchen getrennt und arbeiten vereint, wenn eine Kluft entdeckt ist. Größere Gesellschaften, Strahlerkompagnien, von 6 Mann und mehr sind nicht selten, aber der Ertrag verteilt sich auf zu viel Personen, von denen immer nur ein Teil arbeiten kann; die Steinschlaggefahr ist erhöht, das Übernachten in den Alphütten erschwert. Wenn allerdings die Krystallkluft nicht direkt zugänglich ist und die arbeitenden Strahler von oben an Seilen herabgelassen und gehalten werden müssen, ist eine größere Zahl Teilnehmer unumgänglich. Vor mehreren Jahrzehnten durchsuchte eine alteingesessene Familie Airolos, die später nach Amerika auswanderte, die Gotthardgruppe. Eltern, erwachsene Söhne, Töchter und kleine Kinder arbeiteten wochenlang in den Höhen. Noch jetzt kann man am Ende der großen Höhlen auf A. Sorescia und Scimfüs ( Scipsius der Karte ) und in der Val Sella große gemeißelte und gesprengte Gänge sehen, die in über 3 Meter lange, ganz schmale Löcher endigen, in die ein Mann nicht hineinkriechen kann. Diese sind von Kindern durch Erweitern der schmalen Spalte, welche die Fortsetzung der Kluft bildet, herausgemeißelt. Trafen sie dabei auf eine neue größere Kluft, so wurde der enge Gang von den Erwachsenen erweitert, sonst blieb er, wie an den erwähnten Stellen noch jetzt zu sehen, eine technisch rätselhafte Leistung für den, der nicht weiß, daß dort Kinder gearbeitet haben.
Vollkommene Ehrlichkeit ist die Grundlage der gemeinschaftlichen Arbeit und wird fast stets gewahrt. Der Verkauf erfolgt nur mit Kenntnis und Zustimmung aller Beteiligten. Auch die Fortsetzung der Arbeit an einer gemeinsam gefundenen und erschlossenen Krystallhöhle soll nur mit Wissen der Teilnehmer erfolgen. Doch kommt auch das Gegenteil vor, wie eine Geschichte zeigt, die sich vor Jahren zwischen drei Strahlern abspielte. Schon über eine Woche hatten die drei an einem Ort, der etwas Band zeigte, gearbeitet, ohne auf eine Kluft zu stoßen. Eines Nachmittags trafen sie endlich stärker zersetztes Gestein. Da sie ältere erfahrene Strahler waren, bemerkten sie das und wußten, daß eine reiche Krystallhöhle nahe sein müsse. Keiner aber sprach mit dem andern darüber. Als sie bei Anbruch der Dunkelheit die Arbeit unterbrechen mußten, sagte der eine, ein Wirt, er könne morgen und übermorgen nicht kommen, er hätte in seinem Haus zu tun. Das war den beiden andern recht, einer hatte Milch messen, der andere wollte heuen. Als aber am folgenden Morgen die Sonne über die nahen Felswände ihre ersten Strahlen auf das Schneefeld unter der Kluft warf, hatten die drei Freunde sich einzeln nacheinander eingefunden. Wie das in der Art der Leute dort liegt, die ohne lange Reden und gegenseitige Vorwürfe mit mehr oder minder guter Laune in das Gegebene sich zu fügen wissen, setzten sie ihre Arbeit gleich wieder gemeinschaftlich fort und holten in wenigen Tagen für mehr als 1000 Fr. Mineralien aus der Kluft, die noch jetzt der beste Eisenglanz- und Adularfundort jener Gegend ist.
Dr. J. Königsberger.
Wie ein Jägerlatein gibt es ein Strahlerlatein, es wird aber nur von wenigen gesprochen. Der Bergbewohner ist im Durchschnitt zum Reden nicht veranlagt, ihm liegt mehr am Geld, als daran, was andere von ihm denken.
Bisweilen werden am ausglimmenden Feuer in den Sennhütten alte Sagen und wahre merkwürdige Vorfälle erzählt. Folgende Sage ist in der Gegend von Amsteg ziemlich verbreitet:
„ Eines Morgens ging Johannes am Bord vom Ried aus in das Maderanertal, um Krystalle zu suchen. Auf dem Weg begegnete er einem fahrenden Schüler, der über den Krüzlipaß wollte. Sie gingen miteinander weiter, und als sie in der Nähe des Kreuzes am Paß waren, sagte der Schüler, er wolle ihm eine Krystallhöhle zeigen, aber Johannes am Bord müsse versprechen, ihm die Hälfte dessen, was er finde, zu geben. Der Strahler versprach das; der fahrende Schüler zeigte ihm von unten den Ort und darauf gingen beide voneinander. Johannes am Bord stieg am Krüzlistock hinauf, fand die Höhle, öffnete sie und verkaufte die Krystalle für viele hundert Dukaten. Als nach einem Jahr der fahrende Schüler zurück kam und von Johannes am Bord den versprochenen Anteil begehrte, behauptete dieser, er habe nichts gefunden. Darauf sagte der fahrende Schüler nur, er wisse noch eine zweite Höhle dort oben, aber zur Strafe für seine Lüge sage er sie ihm nicht, ein anderer werde sie später finden. Johannes am Bord blieb reich und wurde ein angesehener Mann, starb aber kinderlos. In der Kirche zu Amsteg wird für ihn und seine Ehefrau Eva geborene Dütli eine Jahrzeit gelesen. " Die Sage bietet deshalb einiges Interesse, weil sich der wahre Kern noch teilweise herausschälen läßt. J. J. Scheuchzer erwähnt in seiner „ Naturgeschichte des Schweitzerlandes " ( Vierte Reise 1705 ) in Amstäg einen Wirt, Johannes am Bord, der schöne Krystalle feil hatte. G. S. Grüner berichtet in seinem „ Verzeichnis der Mineralien des Schweitzerlandes 1775 ", daß am Kreuzlistock früher ein Krystallkeller geöffnet worden ist, der 24,000 Gulden wert war. Jetzt noch kann man den Eingang zur alten Höhle, die sich mit Eis gefüllt hat, 70 m. unter dem Gipfel des vordem Krüzlistocks sehen. Offenbar ist also die Tatsache des großen Krystallfundes am Krüzlistock durch Johannes am Bord mit der alten Sage vom fahrenden Schüler oder Venediger Mannli, welcher auch entstellte Erfahrungen zu Grunde liegen mögen, verknüpft worden; vielleicht ist noch ein besonderer Anlaß dazu vorhanden gewesen.
Ein hübsches Gegenstück bietet eine wahre Geschichte aus dem Jahre 1881, wobei aber nicht der Schatzweiser, sondern die Schatzgräber zu kurz kamen. Im Lande Uri wurde seit alters bis etwa in das 18. Jahrhundert Bergbau getrieben, hauptsächlich auf Eisenerze, außerdem auf Kupfer, Zink und Bleierze mit etwas Silbergehalt. Die Kunde hiervon hat sich im Volke erhalten. Wohl am Morgen nach einer Kilbi kamen einige geldbedürftige Männer auf den Gedanken, Gold zu graben; die Schwierigkeit war nur, zu wissen, we man es finden könne. Doch da war bald Rat geschafft. In Luzern wohnte eine Frau, die einen Bergspiegel besaß, d. i. ein Instrument, das anzeigt, wo sich Edelmetalle befinden. Sie wurde für viel Geld geholt und im Wagen von der nächsten Station bis zum Eingang des Teiftals gebracht, in dem große Stollen aus frühern Zeiten noch vorhanden sind. Sie gab den Ort an, wo Gold zu finden sei und wie tief man den Stollen treiben müsse, und fuhr zurück. Die Goldsucher sprengten einen 1 in. breiten, 2 m. hohen Stollen 200 m. tief in den Felsen und meißelten den Gang sauber aus. Außen am Eingang wurde vorsichtshalber, damit man auch wisse, wann sich dies ereignet, die Jahrzahl 1881 eingemeißelt. Als sie zu der Stelle vorgedrungen waren, wo das Gold sich zeigen sollte, konnten sie nichts finden und hatten zu dem Spott? der sich schon vorher geäußert, den Schaden.
Jedoch muß man billigerweise zugeben, daß Glaube an die Möglichkeit eines Bergspiegels durchaus nicht so ungerechtfertigt oder unsinnig ist. Viele Tausende sind von der Möglichkeit, mit Röntgenstrahlen die Knochen im menschlichen Körper zu photographieren, überzeugt, ohne das jemals gesehen zu haben.
Ziemlich verbreitet ist die Erzählung von einer Goldfundstelle unter dem Gletscher im Gämmertal. Der Gletscher sei vor mehr als einem Jahrhundert sehr abgeschmolzen, und als im Herbst auch der Schnee verschwunden war, sah ein Urner dort Gold; nach wenigen Tagen kam Neuschnee und der Ort wurde nicht mehr aper. Von einer Fundstelle am Brüchplankenstock auf der Urnerseite seien blaue Steine nach Venedig geschickt und dort zu Gold umgeschmolzen worden. Eine festere Unterlage haben die Sagen vom Karfunkelstein. In klarer Nacht sieht man bisweilen hoch oben in den Felsen einen Punkt hell leuchten. Es sind Eis- oder Krystallflächen, die vielleicht schwach gekrümmt sind und die das Licht des Mondes, der für den Beobachter noch nicht aufgegangen ist, in sein Auge spiegeln und konzentrieren.
So wurde vor Jahren eine Krystallhöhle am Bächistock im Fellital entdeckt. Ein Strahler trat nachts aus der Alphütte von Obermatt im Fellital und sah oben am Bächistock einen Punkt hell leuchten. Er rief die Sennen heraus; sie steckten zwei Stöcke in die Erde und richteten sie so, daß man über sie hinweg auf den Punkt zielen konnte. Dadurch war es dem Strahler möglich, am andern Morgen die Lage der Krystallhöhle festzustellen und einen sehr ergiebigen Fundort für Eisenglanz und blassen Rauchquarz zu entdecken. Der Ort, eine nicht leicht zugängliche Felsterrasse in den nördlichen Steilabstürzen des Bächistocks, trägt bei den Jägern und Strahlern jetzt nach dem Entdecker den Namen „ im Riedmatter Pfad ".
Naheliegend ist die Frage, wie sich das Strahlen in Zukunft gestalten wird. Die Technik des* Strahlers ist, soweit die Steinarbeit in Betracht kommt, gut ausgebildet und dürfte bei den beschränkten Mitteln, über die der einzelne verfügt, kaum verbesserungsfähig sein. Sie hat sich allmählich entwickelt von den mit Hand ausgemeißelten großen runden Kellern und kurzen Stollen aus der Zeitvor der allgemeinen Anwendung des Pulvers zu den langen Gängen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die mit Pulver gesprengt wurden2 ), und schließlich bis zum heute üblichen halben Tagbau, der mit Pulver und seit den letzten 30 Jahren mit Dynamit betrieben wurde.
Die Kenntnis der Mineralien hat in den letzten Jahren bei den Strahlern wesentlich zugenommen. Dagegen ist noch zu wenig bekannt, daß jedes Gestein ein ganz bestimmtes, ihm eigentümliches Mineralvorkommen ( Association ) besitzt, und daß man schon nach dem Aussehen des Gesteins beurteilen kann, welche Mineralien darin vorkommen können und Beachtung verdienen. Letzteres ist wichtig; gerade manche wertvolle Mineralien, Turnerit, Brookit etc., sind in der gleichfarbigen Erde, die sie bedeckt, schwer zu bemerken, wenn man nicht ihre Anwesenheit vermutet und auf sie achtet.
Weit schwieriger ist, wie schon pag. 273 erwähnt, die Frage zu beantworten, ob an einem Ort Mineralklüfte zu finden sind. Von den früher angegebenen Merkmalen abgesehen, läßt sich das Vorhandensein einer Kluft nicht durch Kenntnis des Gesteins und der geologischen Karte erschließen; man kann nicht von vornherein sagen, ob eine Gegend „ strahlig " ist oder nur wenig oder gar keine Klüfte aufweist. Nur das ist sicher, daß innerhalb einzelner größerer ( von mehr als 10 km3 Inhalt ) und kleinerer Bezirke, die der Verfasser umgrenzt und topographisch aufgenommen hat, Mineralklüfte häufig sind; im größten Teil der alpinen Massive dagegen sind nur wenig oder sehr wenig Klüfte anzutreffen und ihre Auffindung bleibt dem Zufall überlassen. Der Mineralreichtum einer Gegend muß natürlich mit der Zeit erschöpft werden; die Krystalle in den Klüften erneuern sich nicht. Für einige Gegenden wird deshalb das Krystallsuchen eingestellt werden müssen; aber in den mineralreichen Bezirken genügt die jährliche Erosionsarbeit des Wassers und der Kälte, der Wechsel der Schnee- und Gletschergrenzen mit ihren starken Abtragswirkungen auf das Gestein, um immer wieder neue Klüfte zu Tage zu bringen. An solchen Orten dürfte auch ein bergmännischer Tagbau mit ausgedehnten Sprengungen sich lohnen, und vielleicht werden dann die besten Fundstellen von Genossenschaften, ähnlich wie es bei Imfeid im Binnental geschieht, in größerem Maßstab ausgebeutet werden.
Das Krystallsuchen in früherer Zeit und die Verwendung der Mineralien.
Das Krystallsuchen ist ein mehr als zwei Jahrtausende altes Handwerk. Unter den prähistorischen Funden begegnen wir, wenn auch selten, Gegenständen aus Bergkrystall. Im schweizerischen Landesmuseum in Zürich befinden sich, nach gütiger Mitteilung von Herrn Direktor Angst, Bergkrystall-Pfeilspitzen aus den Pfahlbauten bei Robenhausen, Lüscherz, Schaf fis, Estavayer; das Material zu diesen Spitzen kann kaum durch Flüsse oder Gletscher bis dorthin transportiert worden sein; denn es sind stellenweise, z.B. in den Pfahlbauten von Mörigen und am Baldeggersee ( Luzerner Museum ), Krystalle mit gut erhaltenen Flächen, Prisma und Pyramide, gefunden worden. Da aber Rauchquarz ganz fehlt, so dürften sie aus dem untern Teile der Bergtäler stammen. Merkwürdig ist das Fehlen in den Funden von Castione, Giubiasco, Arbedo etc.; denn über diese Orte mußten wohl die Wege von der schon früh als krystallreich bekannten und nach den Funden von F. M. Stapff auch bewohnten obern Leventina bei Airolo nach dem Süden führen. Stapff hat in dem verschütteten alten Airolo ( Wiese bei Albinengo ) bearbeitete Krystallbruch-stücke gefunden.
Die Verwendung von Bergkrystall als Edelstein, zu Gemmen, kleinern Büsten, wie z.B. der herrliche Alexanderkopf im Museo dei Arazzi in Florenz, zu kleinern Schalen, Siegelringen, Trinkgef äßen wurde in Griechenland wohl erst durch die Feldzüge Alexanders des Großen bekannt, und wie die Technik stammte wohl auch das Material aus Indien.
In historischer Zeit gibt uns Plinius d. J. ( 80 n. Chr. ) die erste sichere Kunde vom Krystallsuchen in den Alpen ( Histor. natur. XXXVII ): „ Wir können mit Sicherheit angeben, daß die Bergkrystalle in den Schluchten der Alpen entstehen an Orten, die oft so unzugänglich sind, daß die Leute an einem Seile hängend die Krystalle herausziehen. Denen, die sich darauf verstehen, sind die Anzeichen und Merkmale bekannt. "
Diese Worte lassen vermuten, worauf auch die prähistorischen Funde hinweisen, daß die Gewinnung des Bergkrystalls schon seit vielen Jahren in den Berggegenden betrieben wurde; möglicherweise hat früher der Tauschverkehr die alpinen Bergkrystalle über Gallien und die See nach dem Orient geführt, und erst die Eroberung der Alpenländer brachte sie direkt nach Rom und Griechenland. Auf einen verhältnismäßig guten Zustand der Wege zu Plinius'Zeit läßt die Tatsache schließen, daß der größte Bergkrystall, den die Kaiserin Livia auf dem Kapitol aufgestellt hat, etwa 150 Pfund wog. Plinius berichtet auch von der mannigfachen Verwendung des Bergkrystalls, insbesondere zu Brenngläsern. Von besonderm Interesse ist die Bemerkung des Plinius, daß der bräunlich-schwarz durchsichtige Mormorion ( der dunkle Rauchquarz ) nach Angabe des Xenokrates auch in den Alpengegenden entstehe. Daraus folgt, weil Rauchquarz nicht tiefer als 1900 m ., der dunkle aber nur höher als 2300 m. vorkommt, daß die Menschen schon damals über 1900 m. Höhe vorgedrungen sind. Wo hauptsächlich gestrahlt wurde, läßt sich natürlich nicht sagen. Amethyst wurde im Altertum zu Siegelringen verwendet, auch eine Trajansbüste ist daraus gefertigt. Aus der Zeit von der Völkerwanderung bis zum 16. Jahrhundert sind mir Nachrichten über die Auffindung von Bergkrystallen in den Alpen nicht bekannt. Doch sehen wir vielfach an kirchlichen Gegenständen Bergkrystall in mannigfacher Verwendung, als Edelstein halbrund geschliffen auf Meßgewändern, an Kruzifixen ( in der Schatzkammer des Mailänder Doms sind Kruzifixe zu sehen, an denen Bergkrystalle bis zu 60 cm. Länge in Metall gefaßt die Kreuzbalken bilden ), als Material für Meßkelche, Kannen, Leuchter, durchsichtige Wände von Reliquiarien u. s. w. ( siehe den Lichtdruck zu pag. 280 hiervor ). Daß Kultusgegenstände aus Bergkrystall auch an kleineren Orten vorhanden waren, zeigt das im Berner historischen Museum aufgestellte Kruzifix aus Herrgottswald. Schöne Leuchter aus Bergkrystall stehen in der Schatzkammer des Zürcher Landesmuseums.
Die Eröffnung des Gotthardpasses im 13. Jahrhundert hat durch den regeren Verkehr mit Italien, wo die Bearbeitung des Bergkrystalls seit der römischen Kaiserzeit eine bekannte Kunst war, die Verwertung und dadurch wieder das Suchen der Krystalle gefördert.
In einem Fall ist es möglich gewesen, den Fundort des verarbeiteten Quarzes festzustellen. Der Sarg des Erzbischofs von Mailand, Carlo Borromeo, der von 1538 bis 1584 lebte und durch seine Reisen und Predigten die Bergländer der Schweiz der katholischen Kirche erhalten und teilweise zurückgewonnen hat, besitzt durchsichtige Wände aus Bergkrystall, damit die Gläubigen die geheiligten Reliquien sehen können. Wie noch heute im Medelsertal bei Disentis die Tradition berichtet, sind diese Bergkrystalle in der Val Cristallina gefunden worden. In der Tat liegen unweit von Alp Cristallina zu beiden Seiten des Baches und oberhalb der Val Siarra große, mit Hand ausgemeißelte, alte Krystallhöhlen. Das Krystallsuchen muß damals im Medelsertal eine wichtige Einnahmequelle gewesen sein; denn als die Talleute von Medels die Alp Cristallina an den Abt von Disentis verkauften, haben sie sich das Recht, dort Krystalle zu suchen, ausdrücklich in der Urkunde vorbehalten.
Die Kunst, ein farbloses, ganz durchsichtiges Glas in größern Stücken anzufertigen, war im Mittelalter bis zur Erfindung des böhmischen Krystallglases im 17. Jahrhundert nicht bekannt; deshalb wurde wie im Altertum der Bergkrystall zu Brillen, Brenngläsern etc. geschliffen, er war nicht nur ein Luxus-, sondern auch ein Bedarfsartikel. Rauchquarz wurde äußerst selten und fast nur als Edelstein, als falscher Topas, verwandt. Wahrscheinlich hat sich die mittelalterliche Scheu vor den Schnee- und Eisgegenden auch auf die Bewohner der Bergtäler erstreckt; denn selbst die ungefährlichen Rauchquarz bergenden Gipfel am Gotthardhospiz, Lucendro, Fibbia, Prosa sind erst am Ende des 18. Jahrhunderts erstiegen worden, und die mir bekannten, nicht mit Pulver gesprengten, sondern mit Eisen ausgemeißelten Krystallhöhlen liegen alle unter 1900 m. Meereshöhe in der Nähe der alten Pässe: Lukmanier, Furka, Grimsel, Gotthard, während viele sehr krystallreiche Nebentäler, z.B. Fellital, Val Giuf etc., bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts unbeachtet blieben. Daß Änderungen und größere Ausdehnung der Schnee- und Gletscherdecke dies veranlaßten, ist nach den Nachrichten über die Gangbarkeit verschiedener Pässe ausgeschlossen.
Nördlich der Alpen sind Gegenstände aus Krystall seltener als in Italien; denn die im Altertum aus Indien überkommene Kunst des Schleifens und Polierens hatte sich nur in Italien erhalten und ist wohl erst durch Kaiser Kudolf II. in andere Länder verpflanzt worden. Die Achatschleiferei zu Oberstein an der Nahe wird zum erstenmal 1497 erwähnt.
Die Bergkrystalle wanderten bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts hauptsächlich nach Mailand, Florenz und Venedig. Doch finden wir in der Rothschildsammlung des British Museum eine Bergkrystallsehale des 16. Jahrhunderts von deutscher Arbeit, die ein europäischer Fürst dem Großmogul Akbar schenkte. Seit der Renaissance, etwa von 1500 an, werden auch Gegenstände, die nicht kirchlichen Zwecken dienen, aus Bergkrystall angefertigt. Wohl die schönsten derartigen Kunstwerke sind in Florenz, in den Uffizien und im Barghello, aufgestellt. Die Schatzkammern aller größern Herrscherhäuser zeigen uns Bergkrystall in mannigfacher Verwendung, Rauchquarz und Morion selten.
Der diesem Aufsatz zu pag. 288 beigegebene Lichtdruck ist eine Reproduktion ( nach Photographie ) der herrlichen Bergkrystallsehale mit goldenem Deckel, welche König Heinrich II. von Frankreich für seine Geliebte, Diana von Poitiers, um 1540 hat anfertigen lassen. Aber auch eigenartige Geschmacksrichtungen machten sich geltend; wir sehen Vögel-, Fisch- und Schildkrötengestalten, die als Gefäße dienen und mehr als 1/î m. lang sind. Trotz der Erfindung des böhmischen Krystalls wurde der Bedarf an Bergkrystall nicht geringer; die zunehmende Wohlhabenheit der Städtebewohner bedingte eine größere Verbreitung von Berg-krystallgegenständen, wie kleine Vasen, Manschettenknöpfe, Petschafte, Stockgriffe etc.; doch ist der künstlerische Wert dieser Arbeiten aus dem 17. und 18. Jahrhundert ein geringer.
Von den andern alpinen Mineralien wird der Amethyst aus dem Zehnten Gombs im Oberwallis von Job. Stumpff in der „ Gemeiner und löblichen Eidgenossenschaft Landesbeschreibung " von 1546 erwähnt; Stumpff hat 1544 „ auff der Grimsel etliche Stuck selbst gefunden ". Der Granat im Livinental wird zuerst 1490 von Domenico Macaneo ( vgl. B. Studcr, Geschichte der physischen Geographie der Schweiz ) als carbunculus, der oberhalb Biasca gefunden wird, bezeichnet. Eine Reihe von Bergkrystallfundorten sind in der „ Historia naturalis Helvetia? curiosa " des Joh. Jak. Wagner, von 1680, enthalten: Grimsel, Gotthard, Furka, Tavetsch, ferner der „ Mons Rossmatt dictus in Valle Crazera ". Mit dem Beginn des Studiums der Antike waren durch den Einfluß der griechischen und römischen Naturphilosophen die Naturwissenschaften erwacht. Ein rein mineralogisches Interesse an dem Bergkrystall und den andern Mineralien wird rege; die Entstehung des Bergkrystalls, der nach Das Strahlen und die Strahler.
der alten von Plinius geäußerten Ansicht hartgefrorenes Eis sein soll, wird vielfach diskutiert doch enthalten diese Schriften keine Nachrichten, die uns Aufschluß über das Krystallsuchen in den Bergen geben. Im „ Regnum minerale " des E. König von Basel von 1686 sind eine Reihe von Mineralspezies, wie Bergkrystall, Rauchquarz, Kalkspat, Amethyst, Eisenkies, Amianth, genannt, aber nur für die beiden ersten, sowie für den Rubinus, den roten Granaten, werden angenäherte Fundortsangaben gemacht.
Eine interessante anonyme Beschreibung des großen Fundes am Zinkenstock aus dem Jahre 1721, die Hr. A. Wäber wieder ans Licht gezogen und im Jahrbuch S.A.C. XXV, pag. 387 ff., veröffentlicht hat, enthält die erste genaue Fundortsangabe; der in Joh. G. Altmanns „ Versuch einer Historischen und Physischen Beschreibung der Helvetischen Eisbergen " von 1751 abgedruckte Bericht des Arztes Moriz A. Cappeler von Luzern gibt uns Kunde von der ersten wissenschaftlichen mineralogischen Exkursion in die Alpen, die der Verfasser auf die Kunde des Fundes am Zinkenstock unternahm, in der Hoffnung, dort „ vielleicht zu den wahren Ursachen des Mechanismi " der Entstehung der Bergkrystalle zu gelangen. Cappeler entwarf auch ein Kärtchen und mehrere Zeichnungen von der Höhle am Zinkenstock, die bei Altmann abgedruckt Dr. J. Königsberger.
Zeichnung von M. A. Cappeler in Altmanns Beschreibung der helvetischen Eisberge, pag. 163.
Figur 1 und 2: A. Zinkenstock; B. grosse Krystallgrube; C, D., E. kleinere Krystallhöhlen; F. Aareflrn; G. Quellen der Aare; ff. Walliser Eisberg; I. Teil des Grimselberges: K. Gletscherbäche; L. Lagen des Gletschereises; M. Spitthal; JV. Grimselseen; O. Weg über die Grirasel.
Figur 3: a. Anfang der Krystallgrube; *. das „ End der Crystallgrube, allwo der Schatz gefunden worden "; c. Abwasser; d. „ Lahn " ( Chloritsand ); e. hölzerne Säule.
und hier reproduziert sind. Er wußte, daß der Bergkrystall in Klüften des Geißbergersteins, der jetzt Gneisgranit oder Protogin genannt wird, vorkommt, erwähnt auch die bekannten Merkmale einer Krystallkluft und erklärte die Entstehung der Krystalle durch Sickerwasser; ähnlich wie es später der bekannte Geologe Bischof annahm. 1723 erschienen in Leyden die „ Bergreisen " des Zürchers Joh. Jak. Scheuchzer. Die Reise Scheuchzers, in welcher die Krystallfunde in der Zentralschweiz eingehender besprochen werden, wurde im Jahre 1705 unternommen. Seine gesamten Beobachtungen sind später in der damals berühmten „ Naturgeschichte des Schweitzerlandes ", herausgegeben von J. G. Sulzer, 1746, vereinigt worden. Der Herausgeber Sulzer fügt noch einige eigene Beobachtungen hinzu, in welche unter anderen die Wanderung zur Krystallhöhle an der Sandbalm bei Gesehenen hübsch geschildert ist.
Von Fundorten erwähnt Scheuchzer speziell nur die Schöllenen; von Mineralien, die in der Zentralschweiz gefunden werden, kennt er den Bergkrystall oder Quarz, farblos und als Rauchquarz, klar und mit Einschlüssen von Amianti, Chlorit, Rutil, ferner den Kalkspat, Granat und Eisenkies.
Das Krystallsuchen muß damals eine sehr ergiebige Einnahmequelle gewesen sein. In der anonymen Beschreibung des Fundes am Zinkenstock wird der Preis für ein Pfund ganz klaren Krystalls auf eine Dublone ( nach heutigem Geldwert mindestens 120 Fr. ), für Halbware mit Fehlern allerdings nur 17 — 20 Batzen angegeben ( also etwas mehr als 1 Gulden, nach heutigem Geldwert mindestens 6 Fr. ). Hr. A. Wäber berichtet ( Jahrbuch S.A.C. XXV, pag. 407, 1890 ), daß einzig aus dem Krystallzehnten der Landschaft Hasle im Jahre 1734 die Barkosten der Korrektion des Alpbachs bei Meiringen im Betrag von 142(3 Kronen gedeckt werden konnten. Etwa um jene Zeit dürfte das Krystallsuchen, das früher nur in den vier Tälern um den Gotthard, im oberen Reuß-, Rhein-, Rhone- und Tessintal, heimisch war, sich auf die andern Alpengegenden ausgedehnt haben1 ).
In seinen mineralogischen Kenntnissen ist auch der Berner Fürsprech G. 8. Grüner auf dem Standpunkt Scheuchzers und Cappelers stehen geblieben, aber sein „ Versuch eines Verzeichnisses der Mineralien des Schweitzerlandes " von 1775 bietet genauere Angaben über die Lage von Krystallhöhlen und zeigt, daß die größten und ergiebigsten Höhlen, soweit sie tiefer als etwa 2300 m. liegen, in der Zeit von 1700 bis 1760 geöffnet wurden, was man wohl der allgemeinen Anwendung und Verbilligung des Schießpulvers zuschreiben darf. Grüner kennt Bergkrystall vom Zinkenstock, der Urslaui bei Wassen, von der Sandbahn, vom Krüzlistock, Galenstock, Bielenhorn und Lativenim Urserental; Kauchquarz vom Schattigwichelstock ( „ im Meyental ", wobei eine Verwechslung mit dem Etzlital vorliegt ) und „ gegen den Kreutzlistock hinüber im Schächenthal, Amethyst aus Bünden, Uri und Airolo, Glimmer in Uri am Lochberg, Kalkspat in Bünden bei Disentis, in Uri und auf dem Gotthard, Talk bei Disentis, Markasit auf dem Uniergroßen. Inzwischen war in Deutschland und Frankreich die mineralogische Wissenschaft begründet worden, und der Mailänder Hermenegüd Pini konnte auf seiner Reise, die in der „ Memoria mineralogica sulla montagna e sui cantoni di San Gottardo " 1783 geschildert ist, eine Reihe von Mineralien, die von andern Orten bekannt waren, dort entdecken und kaufen, am Gotthard den Adular, in Urseren den roten Fluorit und Amethyst, aus der Val Tremola den Quarz mit Amianth und wahrscheinlich von Campolungo die weiße strahlige Hornblende.
Die „ Alpenreise " von 1781 von G. K. Starr bietet mineralogisch nicht viel Neues; außer den bereits von den früheren Autoren angegebenen Krystallhöhlen sind zwei Klüfte bei Hospenthal im Reußbett, eine am Pfaffensprung bei Wassen und die Adular-Apatit-Fundstelle am Sellasee erwähnt; aber aus dem, was er erwarb, läßt sich schließen, daß damals für die Strahler der Verkauf verschiedener Mineralien anfing ebenso nutzbringend zu werden, wie der Handel mit Bergkrystall.
Der dann erfolgende Aufschwung des Mineraliensuchens in den Schweizerbergen, welcher rückwirkend die mineralogischen Kenntnisse in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wesentlich förderte, ist zwei Schweizern zu vordanken, deren einer, der Genfer H. B. de Saussure, weltberühmt war und dessen Name auch heute noch bekannt ist, während der Bündner P. Placidus a Spescha, im Kloster zu Disentis von der wissenschaftlichen WTelt abgeschlossen, durch Vorurteile seiner Landsleute beengt, seine Begabung nicht ausreichend verwerten konnte. Beide waren zugleich Alpinisten und Naturforscher und konnten daher die Krystallsucher in den Bergen selbst unterweisen. Das Werk Saussures, „ Voyages dans les Alpes ", welches die Alpengeologie begründet hat, enthält auch mineralogisch so viel, daß der auf unser Gebiet bezügliche Teil hier auch nicht auszugsweise wiedergegeben werden kann. Saussure besuchte, wie seine Vorgänger, die großen Krystallhöhlen am Zinkenstock und an der Sandbalmfluh bei Göschenen und beschreibt sie treffend mit Hervorhebung des Typischen. In Airolo zeigte er den Krystallsuchern Mineralien aus andern Ländern, die sie auf den umliegenden Bergen dann auch fanden. Seine umfassen- den mineralogisch-geognostischen Beobachtungen aus dieser Gegend sind im „ Troisième Voyage, Chap. XXII " als „ Lithologie du St. Gotthard " zusammengestellt.
Den Krystallsuchern in Chamonix widmet Saussure im „ Voyage autour du Montblanc, Chap XXIV, zwei Seiten. Wir erfahren von ihm, daß damals durch die Einfuhr aus Madagaskar der Preis des Bergkrystalls erheblich gesunken war und die Bewohner deshalb das gefährliche und anstrengende Strahlerhandwerk nicht mehr so eifrig betrieben. Das Finden und Öffnen der Krystallhöhlen ist kurz beschrieben.
Viel weniger ist uns von den Forschungen und Bemühungen des P. Placidus a Spescha bekannte ), obgleich fast alle wichtigen Mineralfundstellen des Rheintals, von der Oberalp bis zur Val Puntaiglas, von ihm entdeckt wurden. Ein Teil seiner Schriften ging beim Klosterbrand unter, als 1799 die Franzosen Disentis plünderten; anderes wurde ihm später vom Abt des Klosters weggenommen. Seine mineralogische Sammlung wurde als Kriegskontribution zur Hälfte konfisziert, die andere Hälfte wurde durch den Brand vernichtet. Von seinen mineralogischen Aufzeichnungen scheint wenig erhalten zu sein, und nur durch Zufall habe ich in der Basler Universitätsbibliothek die „ Carte specielle et pétrographique du Mont St. Gotthardt et de ses environs par le père Placidus a Specha, Capitulaire de Dissentis, dans les Grisons " gefunden. Sie ist durchaus eigenartig. Scheinbar schematisch in mittelalterlicher Art gezeichnet, erweist sie sich bei genauerer Betrachtung als meist richtig, bei strenger Individualisierung der Täler und Bergformen. An den Fundstellen sind die dort vorkommenden Mineralien angegeben. Die Karte ist heute noch brauchbar. Sie ist auf beiliegendem Doppelblatt reproduziert. Wahrscheinlich ist das Original, das ich nicht auffinden konnte, zwischen 1810 und 1820 in den Besitz des Herausgebers und Druckers J. J. Waibel in Basel gelangt. Eine bei demselben Verleger ( 1820 ?) erschienene „ Carte physique et minéralogique du Mt. St. Gothard et des montagnes qui l' environnent " dürfte eine spätere, nach kartographischen Prinzipien erfolgte Umzeichnung der Karte des P. Placidus a Spescha sein. Sie hat aber viele Unrichtigkeiten beziehungsweise Verzeichnungen und bringt wenig Neues.
Von geringem Interesse sind die „ Reisebriefe " von Andreae und das „ Manuel de voyageur " von Besson aus derselben Zeit. Dagegen enthalten das „ Itinéraire du St. Gotthard par Chr. de Mechel " in Basel, und die dort beigegebene „ Carte pétrographique du St. Gotthard ", mit dem Bild des Gotthardhospiz, „ par Exchaquet, Struve und von Berchem " von 1791 viele wertvolle Einzelheiten.
Alle diese Forschungen erweckten bei den Mineralogen lebhaftes Interesse für die alpinen Mineralien. Der Mineralienhandel, der in den Händen alteingesessener angesehener Familien lag, war recht einträglich. Im Keußtal, im Tavetsch, im Livinental und im Goms wurde eifrig gestrahlt, und die Mineralien wurden zu hohen Preisen verkauft1 ). Der Handel mit Bergkrystall trat zurück; dieser wurde zwar noch zu Gegenständen wie Parfumerieflacons, Taschenbecher, Spazierstockgriffen und Ähnlichem verschliffen, auf die im Geschmack jener Zeit viel Arbeit verwandt wurde; auch Linsen, Brillengläser und bestimmte optische Präparate wurden aus Quarz angefertigt; aber die Konkurrenz des ausländischen klaren Bergkrystalls drückte die Preise.
Auf Saussures Forschungen stützt sich im wesentlichen auch noch der Schlesier J. G. Ebel in seinem „ Bau der Erde in den Alpengebirgen, Zürich 1808 ". Auch der Basler Bernouüli hat seine „ Geognostische Übersicht der Schweiz etc. " von 1811 hauptsächlich aus der Literatur geschöpft, aber in der mineralogischen Anordnung verwertet er mit Vorteil die Forschungen von Hauy, Werner und Leonhard. Etwa von jener Zeit an trennen sich die geologischen, petrographischen und mineralogischen Forschungen auch in unserm Gebiet; eine Übersicht derselben würde zu viel Kaum beanspruchen.
Die Zahl der Mineralarten, die in dem hier behandelten Gebiet bis heute gefunden wurden, dürfte kaum zu gering auf 200 veranschlagt sein. Für den Strahler ist jetzt der Verkauf der Mineralien, namentlich der seltenen, das lohnendste; wir kennen etwa drei Arten, die allein, und viele, die gut ausgebildet fast nur in den Bergen der Innerschweiz vorkommen. Die wissenschaftlich interessanten Mineralien wandern größtenteils in die Museen des In- und Auslandes, zum Teil auch in die Hände von Privatleuten und werden auf ihre krystallographischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften untersucht. Die Resultate dieser Forschungen beeinflussen ihrerseits chemische und physikalische Theorien und wirken so, wenn auch auf langen Umwegen, auf das tägliche Leben zurück. Einzelne Mineralien, insbesondere die Quarze mit Einschluß von Rutil oder Amianth, die Eisenrosen an der Fibbia und von der Val Cornera u.a. haben dagegen fast nur Wert durch ihr schönes und eigenartiges Aussehen. Die Preise, welche für sie gezahlt werden, sind daher Liebhaberpreise und so schwankend, wie die für alte japanische Malereien oder für Delfter Porzellan. Vor etwa 50 Jahren wurden einzelne Mineralien als Halbedelsteine geschliffen, so Carte specielle et pétrographique du Mont S* Qotthardt Par le père Placidus à Specha, Capitulaire de Dissentis, et de ses enuirons.
dans les Grisons.
Lith. de M. F. Boehm. J. J. Waibel, Editeur et Propriétaire.
Jahrbuch S.A.C. XXXIX.
A'i Adulaire.
Ck Chaux grenue.
Pc Feldsp. Cristallisé.
W Molibdene.
Q1 Q'- lamelleux.
S
St Schiste talq*.
T>i Talc, durci.
\,„ Amiante.
C CriHall.
F » Fer oligiste.
M Mica.
Rs Hoche â grenats.
Sf Spath fluor.
S Steatite.
Ti Titane.
an Anatase.
C "
Crist, noirs.
Fm Fer magnete Octaed.
M« Mica Crist.
Ri> Hoche à hornblende.
gm Schiste micacé.
S » Serpentine.
Tourmaline.
Al> Apatite.
C » Corrindon.
G "
Gneiss.
Ml Melilite.
Rs Boche â schorl.
S'Schorl rouge.
SÌ Spliène.
T'- Trémolite.
Ar Arragonite.
Ep Epidote.
G* Granite.
L '.
Lavezzstein.
Sa Schiste argilleux s » Schorl noir.
St Stilpite.
\V Wolfram.
O Chaux.
F Feldspath.
G y Gyps Q Quars.
Si Spath brunissant.
Sv Schorl verd.
T Talc.
z Zianit ou Sapare der Hessonit von Val Maigels, Axinit, Sphen, Adular, Cyanit, Staurolith u.a., aber sie haben nie sich dauernd einführen können. Rauchquarz, der in den Siebenzigerjahren des vorigen Jahrhunderts Schmuckgegenstand war, ist außer Mode gekommen; nur größere oder ganz dunkle Rauchquarze finden ihren Käufer. Beim farblosen Quarz ist auch heute noch die Konkurrenz des Auslandes fühlbar, trotz der vielseitigen Verwendung desselben in den physikalischen Laboratorien. Er wird zu optischen Präparaten geschliffen, zu Gewichten, die unveränderlich bleiben sollen, verwandt und als eines der dauerhaftesten elektrischen Isolationsmittel verwertet. Neuerdings wird er zu einem Quarzglas umgeschmolzen, das allen andern Gläsern weit überlegen ist und wahrscheinlich einen erhöhten Bergkrystallbedarf nach sich ziehen wird.