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Wir leben in einer leistungsorientierten und hektischen Zeit. Gesteigerte Erwartungen können zu Stressreaktionen führen. Stressreaktion ist eine normale Reaktion auf Gefahrensituation (Stressor) mit dem Ziel das Überleben zu sichern. Wiederholte Stressreaktionen ohne ausreichende Erholungsphasen können zu chronischem Stress führen.
Die Reaktionen können sich körperlich, emotional, kognitiv oder im Verhalten manifestieren:
Das Gefühl von Erschöpfung, geistiger Distanz und negativer Haltung gegenüber der eigenen Arbeit und das verminderte Leistungsvermögen sind 3 Haupt-Symptome des Burnouts.
Autogenes Training ist eine konzentrative Selbstentspannung. Die Methode ist klar gegliedert und von wissenschaftlichen Studien untermauert (Stetter F und Kupper S. Autogenic training: a meta-analysis of clinical outcome studies. Appl Psychophysiol Biofeedback. 2002 Mar;27(1):45-98). Bei Ärzten und Psychotherapeuten wird med. AT zur therapeutischen Unterstützung empfohlen.
Stress, Burnout, ADHS, Schlafstörungen, Angstanfälle, Depression, Erschöpfung, Fibromyalgie, Hitzewallung, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Nervosität, Phobien, Prüfungsangst, Anspannung, mangelndes Selbstvertrauen, Nikotinentzug, Reizdarm, Stress, Wechseljahrbeschwerden, Gedankenkarussell, Mobbing, etc.
„Autos“ = selbst und „genos“ = erzeugen aus dem Griechischen. Autogenes Training (AT) bedeutet demnach ein selbst erzeugtes Training. So wird auch der Autonomie Förderungsaspekt schon von der Begrifflichkeit her klar.
Was für ein Kontrast zu den vielen Videos, die online zu finden sind.
Johannes Heinrich Schultz, der Erfinder des Autogenen Trainings wurde am 20. Juni 1884 in Göttingen geboren. Er litt schon als Kind an Asthma und behauptete, diese Erkrankung durch das AT überwunden zu haben.
Schultz Studierte in der Schweiz (Lausanne) und in Deutschland Medizin und vertiefte sein Wissen über die Neurologie und Psychiatrie in Jena. Dort wurde er auch zum Professor ernannt und leitete diverse Institute, bis er schliesslich in Berlin eine eigene Praxis eröffnete.
Sein wissenschaftliches Interesse galt besonders der Hypnose. Für seine Arbeit als Psychotherapeut und für die Entwicklung des Autogenen Trainings, wurde er post mortem gewürdigt.
Schultz erwähnt das «Autogene Organübungen» zum ersten Mal 1926 an einem Vortrag. Die Bezeichnung «Autogenes Training» wird erst zwei Jahre später erwähnt. 1932 veröffentlicht Schultz sein erstes Werk «Autogenes Training – konzentrative Selbstentspannung».
Zu Beginn wurde AT im therapeutischen Setting angewendet und fand erst in den 60er und 70er-Jahren Zugang zur breiteren Öffentlichkeit. Die Methode wird zur Psychohygiene eingesetzt. Mittlerweile findet sie in der Gesundheitsförderung und im Selbstmanagement grosse Beliebtheit.
Am 19. September 1970 verstarb Schultz in Berlin.
Das Autogene Training hat seine Wurzeln in der Hypnose. Hypnose ist abgeleitet vom griechischen Wort «Schlaf», hat aber nichts mit schlafen zu tun. Schultz nennt es eine «Bewusstseinseinengung auf Gedanken, Vorstellung und Gefühle». AT ist ein bewusstes Erleben, das sich durch Wachheit auszeichnet.
Trancezustände sind nichts Neues. Sie wurden bei Riten oder religiösen Zeremonien von Heilern, Schamanen oder Priestern angewandt. Sei es als Selbstbeeinflussung oder Beeinflussung anderer.
Schultz’s Patienten erlernten in seiner Praxis eine stufenweise Entspannung durch gelenkte Vorstellung, verbunden mit suggestiven Befehlen. Der hypnoide Zustand wird selbstsuggestiv herbeigeführt. Schultz’ Patienten berichten von Schwere, Wärme, angenehme Müdigkeit. Sie fühlen sich teilweise auch angstfrei oder erzählen von Ausgeglichenheit.
Schultz war überzeugt, dass diese Empfindungen wesentlich seien und bei systematischem Üben erwartet werden könnten.
Die körperlichen Empfindungen während des hypnoiden Zustands wertete er als wichtig, was ihn von seinen Kollegen unterschied. Er nannte die erlebten Sensationen, von welchen die Patienten berichteten, «selbsterzeugte psychoedukative Umschaltung». Die Patienten erlernten mit seiner Methode, Autohypnose und benötigen keinen Hypnotiseur mehr.
Am Anfang wurde die Umschaltung in den Ruhezustand anhand der Schwere- und der Wärmeübung geübt. Die Patienten litten meist unter Verspannungen. Ein warmes Bad sollte für Entspannung sorgen. Schultz legte den Patienten einen nassen Lappen auf die Stirn.
Er war überzeugt, dass dieser Zustand autogen hervorgerufen werden könne. So ergänzte er die Grundübungen (Schwere, Wärme und Herz) mit der Stirnkühle. Er wollte aber, dass die Wärme nicht nur in die Extremitäten wahrgenommen wird, sondern auch im Bauchraum.
So entwickelten die 6 Grundübungen des Autogenen Trainings (Schwere, Wärme, Atem, Herz, Bauchwärme und Stirnkühle), die zur Selbstregulation und Selbstheilung angewendet werden.
Darauf aufbauend kam dann die formelhafte Vorsatzbildung und die Oberstufe, die im klinischen Setting zur Anwendung kommt.