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Von Peter Wäch
Angesichts der anhaltenden Pandemie durch das Coronavirus empfiehlt ein anerkanntes Experten-Panel zu einer ausgewogenen Ernährung und bei Mangel zu einer gezielten Nahrungsergänzung. Die Mitautorin des vorliegenden Positionspapers, Oberassistentin Isabelle Herter-Aeberli von der ETH Zürich, hält es für sinnvoll, in der Ausnahmesituation mit Covid-19 alle Möglichkeiten auszuloten, um das Immunsystem zu stärken.
Ähnlich wie in der Schweiz Dr. Max Bircher-Benner, machte sich vor 100 Jahren in Dänemark ein gewisser Dr. Mikkel Hindhede einen Namen. Er startete damals in seinem Land ein noch nie dagewesenes Ernährungsprogramm. Grund waren Seeblockaden während des Ersten Weltkriegs. Der Arzt wollte mit dieser Massnahme dafür sorgen, dass die Bevölkerung keine Hungersnot leiden musste. Auf sein Geheiss wurden Kühe und Schweine ins Ausland verkauft, um genügend Landfläche zu haben für den Anbau von Getreide, Gemüse und Obst. Die Dänen stiegen auf eine Vollkorn- und Vollwerternährung um. Der grosse Hunger blieb tatsächlich aus. Mikkel Hindhedes Umstrukturierung hatte einen weiteren positiven Effekt. Als von 1918 bis 1920 die Spanische Grippe unzählige Todesopfer forderte, blieb Dänemark auffallend verschont.
In Dänemark stieg man im Ersten Weltkrieg vor rund 100 Jahren auf ein noch nie da gewesenes Ernährungsprogramm um.
Isabelle Herter-Aeberli, Oberassistentin am Labor für Humanernährung, erklärt den Grund für die Recherche zu einem Positionspapier (*), das man weiter unten downloaden kann: „Wir wollen aufzeigen, dass eine ausgewogene Ernährung eine weitere Möglichkeit ist, wie sich die Allgemeinheit bis zu einem gewissen Grad vor Erregern wie Viren besser schützen kann.“
Empfehlungen für Supplemente
- Vitamin D: 2000 IE (50 μg) p/P Tag senkt nachweislich das Risiko für Atemwegsinfektionen.
- Vitamin C: 200 mg p/P und Tag. Vitamin C spielt eine Schlüsselrolle bei der Immunabwehr; ein Mangel erhöht die Anfälligkeit für Infektionen wie Lungenentzündung.
- Omega-3-Fettsäuren: 500 mg DHA und EPA p/P Tag, um Entzündungsrisiken zu reduzieren.
- Selen: 50 bis100 µg p/P Tag, da der Selenstatus in der Schweizer Bevölkerung, wie in anderen europäischen Bevölkerungen, zum Teil niedrig ist.
- Zink: 10 mg p/P Tag, da der Status in der Schweizer Bevölkerung zum Teil niedrig ist.
Mangelerscheinungen können im Blut nachgewiesen werden. Jeder Arzt und viele Therapeuten bieten entsprechende Tests an.
Lebensmittelpyramide im Fokus
Das Ergebnis der aufbereiteten Datenlage ist verblüffend: Es wird vermutet, dass sich in der Schweiz eine Mehrheit der Bevölkerung nicht an die Empfehlungen der Lebensmittelpyramide hält, die vor allem Cerealien, Gemüse und Obst gewichtet. In der Folge kann es dazu kommen, dass man nicht optimal mit Nährstoffen versorgt ist. Warum macht das Experten-Panel Anregungen für Nahrungsergänzungsmittel? Isabelle Herter erklärt: „Die erste Empfehlung ist eine ausgewogenen Ernährung für eine Verbesserung der Nährstoffversorgung. Da dies eher schwierig ist in der Umsetzung und oftmals relativ lange braucht, empfehlen wir derzeit zusätzlich Supplemente, vor allem für Personen mit erhöhtem Risiko, darunter die Gruppe der über 65-Jährigen.“
Es wird vermutet, dass sich in der Schweiz eine Mehrheit der Bevölkerung nicht an die Empfehlungen der Lebensmittelpyramide hält, die vor allem Cerealien, Gemüse und Obst gewichtet.
Damit ein Immunsystem möglichst optimal arbeiten kann, braucht es entsprechende Nährstoffe. In der wissenschaftlichen Arbeit lag der Fokus auf Vitaminen, Spurenelementen, Fettsäuren, welche eine hohe Evidenz im Kampf gegen Viren aufweisen. Im Detail sind dies Vitamin C, Omega-3-Fettsäuren, Selen und Zink, aber auch Vitamin D. Bei Letzterem ist bekannt, dass es in der dunkleren Jahreszeit zu einer Unterversorgung kommen kann. Isabelle Herter ist überzeugt: „Wenn die Immunfunktion in der breiten Bevölkerung verbessert werden kann und damit das Risiko einer Infektion sinkt, dann bedeutet das im Endeffekt, dass es zu weniger Ansteckungen kommt und dadurch weniger drastische Einschränkungen verfügt werden müssen.“
Supplemente als punktuelle Ergänzung
Aber wie weiss man, was einem fehlt? Isabelle Herter sagt: „Die Einnahme von Supplementen sollte immer mit der Ärztin oder dem Arzt abgesprochen werden. Bei unseren im Papier angeregten Dosierungen handelt es sich nicht um hohe Mengen. Eine Überversorgung wird deshalb ausgeschlossen. Die Vitamin-D-Dosis ist relativ hoch. Laut vorliegenden Studien spricht hier vieles dafür, wenn es um die Verbesserung der Immunfunktion geht. Aber selbst diese Dosierung ist weit unter dem Upper Limit, welches doppelt so hoch ist.“
Im Moment haben wir mit Corona eine Ausnahmesituation in welcher es sinnvoll ist, alle Möglichkeiten auszuloten.
Was entgegnet Isabelle Herter Kollegen, die davon überzeugt sind, dass gut tut, was schmeckt? Die Antwort der Wissenschaftlerin erstaunt nicht: „Ich kenne die Ausführungen nicht im Detail. Supplemente sind aber in gewissen Situationen hilfreich, denken wir nur an die Folsäure vor und während einer Schwangerschaft. Es gibt viele gute Studien, welche den Nutzen von Supplementen bestätigen. Aber sie dienen nicht dazu, eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu ersetzen, sondern diese situativ zu unterstützen.“
Weitere Informationen
- Das erarbeitete Positionspapier zu Covid-19 wird unter folgendem Link zum Download angeboten: Positionspapier
- Der Berner Politiker Lars Guggisberg (SVP) hat am 31.10. 2020 eine Interpellation eingereicht zum Thema Covid-19 und Ernährung: Covid-19 – Schwerere Krankheitsverläufe und erhöhte Sterblichkeit bei niedrigem Vitamin D-Blutspiegel
Bilder: Pixabay
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