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Niederlaufhund
Ursprung und Abstammung
Um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert stellten einige Schweizer Kantone von der Patentjagd auf die Revierjagd um. Mit der Änderung des Jagdsystems führten sie gleichzeitig eine Ristmassbegrenzung für Jagdhunde ein; die bis dato verwendeten Bracken waren plötzlich nicht mehr zugelassen. Die weitverbreitete Meinung, dass diese grossen Jagdhunde das Wild reissen und zu lange jagen würden, war für diesen Entscheid mitverantwortlich. Das traf sicher auf die vielen Bastarde, nicht aber auf die Schweizer-Laufhunde zu. Dadurch blieben plötzlich Hunderte von Hunden, darunter eben auch reinrassige Laufhunde «arbeitslos». Was nicht zur Zierde blieb, wurde verkauft oder leider auch sehr oft getötet.
Um dennoch die schönen Farben der Schweizer-Laufhunde sowie deren kräftige Laute zu erhalten, entschlossen sich einige Kynologen und Liebhaber für den Versuch, die alten Schweizer-Bracken durch Einkreuzungen auf ein tieferes Ristmass hinunterzuzüchten. Viele Versuche schlugen fehl, so beispielsweise die Einkreuzung von Dachshunden. Bei dieser ebenfalls sehr alten Rasse spaltete sich die Nachkommenschaft fast rein auf; entweder waren die Jungen nahezu reine Dackel oder eben wieder Laufhunde. Durch die Einkreuzung von Dachsbracken und französischen Bassets, verbunden mit einer Auslesezucht über viele Generationen, gelang es, einen Schweizer-Laufhund in «Kleinformat» zu erhalten, der seinem grösseren Vorbild bezüglich Farbe, Laute und Passion entsprach. Die Zuchtbasis blieb bis heute relativ schmal und die negativen Seiten der langjährigen Verwandtschaftszucht machen sich immer wieder bemerkbar. Der Schweizerische Niederlaufhund-Club (SNLC) entschied sich deshalb nach eingehender Prüfung, unter vorgängigem Beizug von Genetikexperten sowie dem Einverständnis der SKG, reinrassige Niederlaufhunde der verschiedenen Farbschläge zur Blutauffrischung zu kreuzen. Die ersten Ergebnisse deuten auf ein Gelingen dieses hoch gesteckten Ziels hin.
Erscheinungsbild
Die Schweizer-Niederlaufhund gibt es in vier Farbvarietäten, wie aus der nachfolgenden Übersicht ersichtlich ist. Er ist ein typischer «Laufhund», im verkleinerten Massstab des Schweizer-Laufhundes, mit einer Schulterhöhe von 33 bis 41 cm (Idealmass 36 bis 38 cm), im Format leicht rechteckig, mässig lang, kräftig gebaut. Mittelgrosser, trockener, edler Kopf mit freundlichaufmerksamem Gesichtsausdruck. Behang lang, tief angesetzt und schön gefaltet getragen. Brust- und Rippenkorb mässig breit und tief, viel Raum für Herz und Lunge bietend. Gliedmassen trocken und robust. In ruhiger Gangart wird die Rute hängend getragen, in Aktion leicht nach oben gebogen. Feinnasiger, flinker, ausdauernder, passionierter kleiner Laufhund, der die Fährte sicher hält und mit wohlklingender Laute anhaltend jagt. Im Wesen freundlich, nicht ängstlich und nie aggressiv. Im Temperament ruhig bis lebhaft.
GRÖSSE (NEU) Widerristhöhe Rüden: 35-43 cm Hündinnen: 33-40 cm Toleranz: +/- 2cm
Verwendung
Ursprünglich verwendete man die Schweizer-Niederlaufhunde fast nur für das Brackieren, das heisst zum Suchen, Stechen und Jagen von Niederwild. Sich vom Führer schnell lösen, eifrig und weiträumig und ungeachtet von Dickungen und Dornen das Wild aufspüren, es mit starker Laute anhaltend und spurlaut jagen und anschliessend unverzüglich zum Führer zurückkehren, waren die an ihn gestellten Anforderungen. Wille, Passion und Ausdauer sind die dafür unbedingt notwendigen Attribute, was ihnen dann das Vorurteil der Eigenwilligkeit eintrug. Aus diesem Grund galten sie lange Zeit als «schwererziehbar». Man erkannte erst später, dass sie sogar auf der Schweissfährte hervorragende Leistungen zu erbringen im Stande sind und man sie mit entsprechendem Fachwissen, Einfühlungsvermögen, Ausdauer und Konsequenz durchaus zu gehorsamen, verlässlichen und vielseitig einsetzbaren Jagdhelfern erziehen kann. So kommt es nicht von ungefähr, dass sie heute über unsere Landesgrenzen hinaus als zuverlässige Begleiter und Helfer für die laute Jagd, die Schweissarbeit, die Bergjagd in klassischen Hochjagdländern und vereinzelt auch für die Baujagd Verwendung finden.
Ausstellungen und Prüfungen
Seit vielen Jahren stellen sich Besitzer und Führer von Niederlaufhunden jährlich den vom SNLC oder ändern Vereinigungen organisierten Anlässen. Da Schweizer-Niederlaufhunde vor allem Jagdhunde sind, befinden sie sich hauptsächlich in Jägerhänden, und diese zählen natürlich insbesondere auf Leistung und nur in kleinerem Mass auf Schönheit. Trotzdem scheint es uns wichtig und ist deshalb zur Erhaltung einer breiten Zuchtbasis auch unser Bestreben, dass Schweizer-Niederlaufhunde durch Züchter und Besitzer an offiziellen Schauen und Ausstellungen gezeigt werden. Sie helfen so in grossem Masse mit, die wunderschönen Hunde mit ihren hervorragenden jagdlichen Eigenschaften unserem Zielpublikum näherzubringen, ja sogar schmackhaft zu machen und unser hochgestecktes Zuchtziel zu erreichen. Wer für seinen Schweizer-Niederlaufhund den Titel eines Schweizersiegers oder internationalen Champions in Anspruch nehmen will, hat über die nötigen Schönheitsqualifikationen hinaus mindestens eine bestandene Jagenprüfung nachzuweisen. Die jagdlichen Hundeprüfungen sind aufgeteilt in «Schweissprüfung TKJ», «Jugend-Anlageprüfung», «Jagenprüfung» und «Vielseitigkeitsprüfung». Je nach Prüfungsart werden als Hauptfächer die Suche, das Jagen, die Schweissarbeit und als Nebenfächer die Laute, der Appell, das Wesen sowie die Gehorsamsfächer «Ablegen», «Schussruhe», «Standruhe» und «Leinenführigkeit» beurteilt. Die Vorbereitung der Hunde für diese Prüfungen ist sehr anspruchsvoll und zeitintensiv. Sie bedingt viel Geduld, Einfühlungsvermögen und demnach Arbeit für Führer und Hund. Die Genugtuung stellt sich mit dem Bestehen einer solchen Prüfung oder nach erfolgreichem Einsatz während der Jagd ein.
Organisation
Der Schweizer-Niederlaufhund wird durch den Spezialclub, den Schweizerischen Niederlaufhund-Club betreut. Der SNLC ist sehr aktiv, und obwohl seine Mitglieder über die ganze Schweiz verstreut sind, werden die Zusammenkünfte wie Schweissübungen und -prüfungen, Jagenprüfungen, Körtage und gesellige Familienzusammenkünfte, jeweils von einer recht grossen Anzahl Mitglieder besucht. Der SNLC besteht aus einem zwölfköpfigen Vorstand und etwas über 600 Mitgliedern. Wichtigste Funktionäre nebst der Administration sind Zuchtwart und Körmeister sowie natürlich sämtliche Formwert-, (Kör-) und Leistungsrichter.
Weitere Informationen
Wir würden Ihnen unsere Schweizer-Niederlaufhunde gerne noch näher bringen. Besuchen Sie unsere Ausstellungen oder jagdlichen Hundeprüfungen. Fragen Sie uns an, wir stehen Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Momentane Kontaktadressen sind
Wer ist wer im SNLC?
Farbvarietäten (vier)
Berner Niederlaufhund:
Diese Varietät wird glatthaarig und rauhhaarig gezüchtet. Immer dreifarbig: weiss-schwarz-rot. Grundfarbe weiss mit grossen schwarzen Platten. Wenige schwarze «Spritzer» gestattet. Feuerflecken über den Augen, an den Wangen, auf der Innenseite und am oberen Bereich des Behanges und rund um das Weidloch.
Schwyzer Niederlaufhund:
Grundfarbe ist weiss, in welchem grössere oder kleinere gelb-rote oder rote Platten auftreten. Vereinzelte rote Punkte sind nicht fehlerhaft. Rote «Mantel»-Hunde sind gestattet. Schwärzlicher Anflug («russ») an Behang, Rutenansatz oder in den Platten unerwünscht.
Luzerner Niederlaufhund:
Dicht grauweiss oder schwarzweiss gesprenkelt («blau»), mit grösseren dunkeln oder schwarzen Platten. Feuerflecken über den Augen. Gelbbraune Abzeichen und Schattierungen an Kopf, Rumpf und Läufen gestattet. Die Grundfarbe ist weiss, das durch viele dunkle Punkte unscheinbar wird. Die Haut ist dicht dunkel gesprenkelt mit grösseren oder kleineren Tupfen, selbst wenn darüber weisse Haare liegen.
Jura Niederlaufhund:
Diese Varietät kann sowohl glatthaarig als auch stockhaarig sein. Vorzugsweise tiefes Schwarz mit lohfarbenen Abzeichen («Brand») über den Augen, an den Wangen, auf der Brust und/oder an den Läufen. Oder aber braunrot mit schwarzem Mantel oder Sattel. Weisser, nicht allzu grosser Brustfleck wird toleriert.