Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03616.jsonl.gz/1589

1582 verordnete Papst Gregor XIII der christlichen Welt eine Kalenderreform. Der Anlass dazu war ein wissenschaftlich-astronomischer: der davor gültige sogenannte julianische Kalender basierte auf einer zu lang berechneten Jahreslänge, wodurch das christliche Jahr nicht mehr mit dem astronomischen übereinstimmte.
Die Kalenderreform machte einen "Datumssprung" von zehn Tagen notwendig. Bei der Einführung des neuen, "gregorianischen" Kalenders durch die katholischen Kantone der Schweiz im Jahr 1583 folge also beispielsweise auf den 28. Februar der 11. März. Dies sorgte für viel Unruhe, und insbesondere reformierte Gebiete lehnten den neuen Kalender als papistischen Unsinn ab.
Mehr über die Einführung des gregorianischen Kalenders weiss Wikipedia.
Der neue Kalender in Graubünden
Auch im Dreibündestaat wurde der gregorianische Kalender abgelehnt und blieb sogar offiziell verboten. Zur Zeit des ersten Bandes von "Bergünerstein" wurden daher alle offiziellen Dokumente nach dem julianischen Kalender datiert, dem sogenannten "alten Stil", und auch die zeitgenössischen Chroniken folgen diesem, mit Ausnahme von Sprechers "Geschichte der Kriege und Unruhen".
Später bürgerte es sich in den Bünden ein, offizielle Dokumente doppelt zu datieren: 5./15. September 1650 zum Beispiel. Aber erst ab 1760 wurde der gregorianische Kalender offiziell eingeführt - natürlich von jeder Gemeinde einzeln.
Wann war der Prättigauer Aufstand?
Die Ereignisse im "Bergünerstein" sind durchwegs im alten Stil datiert. Dies bot in den allermeisten Fällen keine Schwierigkeiten: es wurde einfach das Originaldatum übernommen oder, falls die Quelle Sprecher war, zehn Tage abgezogen. Nur der Prättigauer Aufstand liess sich nicht so einfach datieren!
Der Aufstand brach im Frühling 1622 aus, am Sonntag 14. April alten bzw. 24. April neuen Stils. In der Literatur wird gemeinhin vom "Palmsonntag, 24. April 1622" gesprochen. Dies ist aber falsch. Denn der besagte Sonntag war nur gemäss dem julianischen Kalender der Palmsonntag. Gemäss dem gregorianischen Kalender war das Osterfest 1622 auf den 27. März (n.S.) gefallen und der Palmsonntag somit auf den 20. März n.S.
Als gute Protestanten verwendeten die Prättigauer den alten julianischen Kalender. Sie erhoben sich tatsächlich am Palmsonntag, aber für sie war es der 14. April, nicht der 24. Für die österreichische Besatzungsmacht hingegen, die wahrscheinlich den gregorianischen Kalender verwendete, war dieser Sonntag zwar der 24. April, aber nicht der Palmsonntag.
Vom "Palmsonntag, 24. April 1622" zu sprechen, ist daher unlogisch.