Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03161.jsonl.gz/1938

Auf Tiktok oder auf Instagram sieht man manchmal Videos, wo ein Mensch einen Hirsch füttert, der sich immer verbeugt. Dies sind die Hirsche von Nara, das in Japan westlich von Tokio liegt. Die Geste der Hirsche und das Aussehen sind herzig. Aber es gibt kritische Stimmen zur Fütterung der Hirsche.
Fakten zu den Nara-Hirschen
Die Nara-Hirschen gehören zu den Sikahirschen, die aus Ostasien kommen. Man findet sie mittlerweile aber überall auf der Welt, in Sumpf-, Feucht- und Grasgebieten. Sie sind sehr anpassungsfähig, aber sie mögen lieber einen Lebensraum mit Wäldern und mit dichtem Unterholz. Wenn sie in der Wildnis leben, fressen sie Blätter, Beeren und Früchte sowie Wasserpflanzen. Weiter sind sie auch gute Schwimmer.
Die weiblichen Sikahirsche schliessen sich mit den Jungtieren zu einer Gruppe zusammen, der männliche Sikahirsch lebt jedoch meistens alleine. Jedes Männchen hat sein eigenes Revier, das es mit Blut und Seele vor Eindringlingen verteidigen.
Geschichte
Aber warum sind die Hirsche von Nara so speziell? Um diese Frage zu beantworten, muss man in die Geschichte eintauchen. In einer uralten Legende steht, dass im Jahr 768 die Takemikazuchi-no-Mikoto, eine Gottheit des Schreines Kasugataisha, nach Nara kam. Den Weg dorthin ritt sie auf einem weissen Hirsch. Deshalb gelten die Hirsche als Götterboten und man gründete den Kasuga-Schrein in Nara. Die Hirsche wurden verehrt und es gab einen Brauch, wenn man den ersten Hirsch sieht, muss man sich verneigen. Früher wurde das Töten eines Hirsches man mit der Todesstrafe bestraft, denn die Hirsche gelten als heilig.
Im zweiten Weltkrieg sank die Population der Hirsche, denn die Menschen hatten keine Nahrung. Doch nach dem zweiten Weltkrieg kamen die Hirsche unter Schutz.
Heute
Die Hirsche haben bemerkt, wenn sie sich verbeugen, dass dies den Menschen gefällt und sie Reiscracker (Shika Senbei) bekommen. Somit haben die Hirsche sich dieses Verhalten angeeignet und haben «verlernt» selber Futter zu suchen. Die Bakterienflora für die Grasverdauung verschwand, da die Hirsche seit Geburt Reiscracker essen.
Es gibt rund um den Park 1’300 Hirsche. 900 Hirsche verbringen den Tag im Park und die restlichen 400 sind im Hirschunterstand. Vor der Pandemie hat man jährlich 20 Millionen Reiscracker verkauft und das bedeutet ein Hirsch frass täglich 60 Cracker. Es gaben auch ein paar Fresssäcke, die 200 Cracker pro Tag frassen! Die Cracker sind für die Grasfresser ein Snack mit einem höheren Nährwert. Deswegen lieben die Hirsche sie besonders und waren schon halb süchtig danach.
Dann kam die Pandemie. Es kamen keine Touristen, die den Hirschen Reiscrackern geben könnten. Die Hirsche waren auf die Suche nach Menschen und die Gefahr zu verhungern war da. Doch manche Hirsche gingen in die Wildnis oder in die Stadt nach Nahrungssuche. Deshalb sank die Zahl der Hirsche, die sich im Park aufhielten. Einige blieben im Park, wurden mager – sie warteten auf Touristen.
Man hat bemerkt, dass die Hirsche nun eine bessere Nahrung haben, denn der Kot ist rund und dunkel geworden. Vor der Pandemie war der Kot lose, weil die Darmbakterien nicht im Gleichgewicht waren, da die Hirsche zu viele Shika Senbei oder falsche Nahrung gegessen haben. Jedoch sank mit der Pandemie auch die Geburtsrate und die Sterberate ging hoch. Ich hoffe, dass die Hirsche aus dieser Situation etwas lernen und sie nicht mehr bei den Menschen leben werden.
Meine Meinung
Ich bin generell kein Fan von Tierfütterung. Einerseits kann es passieren, dass manche Menschen den Tieren Bonbons und falsches Futter geben. Anderseits fressen die Tiere, wie in diesem Beispiel, nur das eine Futter. Die Folgen habt ihr gelesen. In manchen Tierpärken und in Schutzgebieten in der Schweiz ist Tierfütterung verboten.
Die Tiere haben sich so entwickelt, dass sie selber Nahrung finden können und der Mensch sollte die Tiere bei dem nicht stören. Ansonsten passiert es wie bei manchen Nara-Hirschen, dass sie nur wegen den Menschen sterben, weil sie es verlernt haben sich an die neue Situation anzupassen und selber Nahrung zu suchen, sowie eine schlechte Gesundheit bekommen.
Was denkt ihr zur Situation in Nara und zur Tierfütterung? Dann schreibt eure Meinung in die Kommentare.
Quellen