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Der Schutz des brasilianischen Amazonasgebiets und der Cerrado-Savanne kann hohe Temperaturen, welche die Produktivität der Nutzpflanzen beeinträchtigt, senken. Ein Verlust von 3,55 Milliarden US-Dollar könnte so verhindert werden. Dies geht aus einer neuen Studie mit dem Titel «Conserving the Cerrado and Amazon biomes of Brazil protects the soy economy from damaging warming» in der niederländischen Fachzeitschrift «World Development» hervor.
In der Studie analysierten Wissenschaftler den Wert der Vegetation für die Soja-Produktion mit zwei sich ergänzenden Ansätzen: Soja-Einnahmen, die durch die Zerstörung von Wäldern und anderen Ökosysteme verloren gehen, und Soja-Einnahmen, die durch die Erhaltung dieser Ökosysteme generiert werden.
Bolsonaro ist für Ausbeutung von Waldflächen
Die Studie erscheint zu einer Zeit, in der in Teilen Brasiliens Wassermangel und Trockenheit herrscht. Zudem verzeichnet das Amazonas-Gebiet die schlimmste Abholzung und die schlimmsten Brände seit mehreren Jahren. Zu Beginn der Trockenzeit in Amazonien läuten bei Umweltschützern und Klima-Aktivisten gewöhnlich die Alarmglocken.
Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro gilt als Befürworter der wirtschaftlichen Ausbeutung des Amazonas-Gebiets. Er geriet wegen verheerender Brände wiederholt heftig in die Kritik. Ihm wird vorgeworfen, die Zerstörung in Kauf zu nehmen, um neue Flächen für Landwirtschaft, Viehzucht und Bergbau zu erschliessen. Umweltbehörden und Kontrollorgane wurden gezielt geschwächt.
Dabei kommt Brasilien eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz zu: Das Land verfügt mit einem Anteil in der Grösse Westeuropas über einen grossen Teil des Amazonasgebiets, das als CO2-Speicher gilt.
Cerrado-Soja auch in der Schweiz
Nach einer im Juni vorgestellten Studie hat sich die Anbaufläche für Sojabohnen in Südamerika seit dem Jahr 2000 von 26'400 auf 55'100 Quadratkilometer verdoppelt.
Agrarprodukte wie Soja gehen nach Daten des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums zuallererst nach Asien und dort vor allem nach China. Brasilien, namentlich das Cerrado-Gebiet, ist aber auch das zweitwichtigste Herkunftsland für Soja-Importe in die Schweiz nach den USA. Die Schweiz importiert rund 280'000 Tonnen Soja pro Jahr, vor allem als Futtermittel für Nutztiere.
Der Anbau im Cerrado-Gebiet im Staat Mato Grosso gilt als ökologisch und sozial problematisch, wie eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Umwelt aus dem Jahr 2020 festhält. Für einen nachhaltigen Sojaanbau fördert die Schweiz freiwillige Produktionsstandards, darunter ProTerra und den Runden Tisch für verantwortungsvolle Soja (RTRS).
*Fachpublikationslink https://doi.org/10.1016/j.worlddev.2021.105582