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Vor hundert Jahren wurde die Bernerin Helene von Mülinen zur ersten Präsidentin des Bundes Schweizerischer Frauenvereine gewählt, doch ihre Forderungen zu Eherecht, Strafrecht und zur Mutterschaftsversicherung sind noch immer aktuell. Dass diese Postulate bereits damals so deutlich in der Öffentlichkeit formuliert werden konnten und von einer wachsenden Zahl von Frauenvereinen mit getragen wurden, ist der Öffnung für sozialreformerische Fragen innerhalb des Protestantismus zuzuschreiben. Die Bewusstwerdung der sozialen Missstände brach das traditionelle Gesellschaftsgefüge auf und bewog Frauen dazu, sich im Dienste Gottes für soziale Gerechtigkeit einzusetzen.
Doris Brodbeck zeichnet die persönliche und intellektuelle Entwicklung einer bedeutenden Wegbereiterin der Frauenemanzipation nach und beleuchtet deren Forderungen vor dem Hintergrund philosophischer und theologischer Überzeugungen. Sie untersucht den Einfluss des englischen Philosophen John Stuart Mill sowie zeitgenössischer Theologen auf Helene von Mülinen und bezieht schliesslich deren eigene Haltung zu Geschlechterdifferenz und Theologie auf heutige feministische Ansätze wie auch auf die politischen Erfahrungen der Frauenverbände.