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Nordkorea bestätigt Atomtest
- Freitag, 9. September 2016, 3:52 Uhr, aktualisiert um 21:04 Uhr
Zum fünften Mal hat Nordkorea eine Kernwaffe getestet. Dies berichtete das nordkoreanische Staatsfernsehen. Mit dem Test verstösst das Land gegen internationales Recht.
Nur acht Monate nach seinem vierten Atomversuch hat Nordkorea am nach eigenen Angaben erneut einen Atomsprengkörper getestet. Bei dem Test sei ein «neu entwickelter Atomsprengkopf» zur Explosion gebracht worden, berichtete das nordkoreanische Staatsfernsehen. Der Test habe den Beweis erbracht, dass Pjöngjang in der Lage sei, einen verkleinerten Atomsprengkopf auf eine Trägerrakete zu montieren, berichtete die Staatsagentur KCNA.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte bereits im März verkündet, dass das kommunistische Land die Entwicklung kleinerer Atomsprengköpfe standardisiert habe. Nordkorea werde den Ausbau seiner Atomstreitmacht vorantreiben, meldete KCNA.
Von unabhängiger Seite konnten Nordkoreas Angaben zur Bestückung von Raketen mit Atomsprengköpfen nicht bestätigt werden.
Die Vereinten Nationen warten mit einer Bestätigung des Atomtests ab: Mehr als 25 Messstationen werten in den kommenden Stunden und Tagen noch alle Daten aus, teilte die UNO-Behörde zur Überwachung des internationalen Kernwaffenteststopp-Abkommens (CTBTO) mit.
Experten sind sich einig, dass Nordkorea über mehrere Atomsprengköpfe verfügt. Bislang wurde die Fähigkeit des Landes, eine Interkontinentalrakete mit einem Atomsprengkopf zu bestücken, allerdings angezweifelt.
Erdbeben registriert
Am Freitagmorgen hatten internationale Erdbebenwarten, darunter auch jene in der Schweiz, Erdstösse der Stärke 5,3 im Bereich des nordkoreanischen Atomtestgeländes Punggye-ri registriert, die nach Einschätzung südkoreanischer Experten von einer Bombenexplosion herrühren könnten.
Diese Haltung wird auch vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED) vertreten. Anhand der Wellenform der seismischen Signale sei erkennbar, dass es sich beim jüngsten Ereignis um eine Explosion gehandelt habe und nicht um ein Erdbeben, meldete der SED am Freitag.
Dem südkoreanischen Verteidigungsministerium zufolge wurde eine Detonationsstärke von rund zehn Kilotonnen gemessen. Dies wäre der stärkste der bislang fünf nordkoreanischen Atomwaffentests. Zum Vergleich: Die Atombombe, die 1945 über dem japanischen Hiroshima abgeworfen worden war, hatte eine Sprengkraft von rund 15 Kilotonnen.
Ziel: Rakete soll USA erreichen
Auf dem Gelände Punggye-ri hatte Nordkorea im Januar eine Wasserstoffbombe getestet. In den folgenden Monaten setzte sich das Land immer wieder mit Raketentests über ein internationales Verbot hinweg. Erst am Montag hatte Nordkorea erneut Mittelstreckenraketen gestartet.
Ziel des Machthabers Kim ist es, Atomraketen zu entwickeln, die die USA erreichen können. Erstmals hatte Nordkorea 2006 eine Atombombe getestet. UNO-Resolutionen verbieten dem Regime Atomversuche und Tests mit ballistischen Trägerraketen.
Nach dem Atomtest im vergangenen Januar und einem Raketentest hatte das UNO-Gremium die Sanktionen gegen Pjöngjang ein weiteres Mal verschärft. Das Regime hatte daraufhin weitere Atom- und Raketentests angekündigt, die sein souveränes Recht seien.
Chronologie der Atomtests Nordkoreas
|Februar 2005||Das Regime in Pjöngjang bekennt sich erstmals offiziell zum Besitz von Atomwaffen.|
|Oktober 2006||Nordkorea führt seinen ersten unterirdischen Atomtest durch. Südkoreas Regierung vergleicht die Sprengkraft der ersten Explosion mit der von weniger als einer Tonne TNT. Das damals ausgelöste Erdbeben der Stärke 4,2 dient dabei als wichtiger Indikator: Da Nordkorea vom Ausland abgeschottet ist, kann auf die Stärke nordkoreanischer Kernwaffen nur über die Heftigkeit der Detonation bei Tests geschlossen werden. Die Vereinten Nationen verhängen nach dem ersten Test Sanktionen, die dann nach weiteren Atomtests verschärft werden.|
|Mai 2009||Nordkorea unternimmt einen zweiten Atomtest. Südkorea schätzt die Kraft diesmal auf zwischen zwei und sechs Kilotonnen TNT ein.|
|Februar 2013||Der dritte Atomtest des Landes hat laut Angaben von Südkoreas Verteidigungsministerium eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen. Zu einem ganz anderen Schluss kommt die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Sie errechnet eine Ladungsstärke von gar 40 Kilotonnen. Zum Vergleich: Die Atombombe, die 1945 über Hiroshima gezündet wurde, hatte eine Sprengkraft von rund 13 Kilotonnen.|
|Januar 2016||Nordkorea testet offenbar erstmals eine Wasserstoffbombe. Diese ist üblicherweise um ein Vielfaches stärker als Atombomben. So war etwa die im November 1952 gezündete erste US-Wasserstoffbombe mit zehn Megatonnen rund 700-mal so stark wie die Atombombe von Hiroshima. Die Sowjetunion zündete 1961 eine 58-Megatonnen-Wasserstoffbombe.|
|September 2016||Nordkorea bestätigt die Zündung einer Atombombe. Es habe sich um einen «erfolgreichen» Atomwaffentest gehandelt, berichtete das staatliche Fernsehen. Man sei nun in der Lage, atomare Sprengköpfe auf ballistische Raketen zu montieren, heisst es weiter. Zuvor hat es aus Südkorea geheissen, der Norden habe «höchstwahrscheinlich» zum fünften Mal eine Atombombe zu Testzwecken gezündet. Seismologen hatten ein Erdbeben der Stärke 5,3 in Nordkorea festgestellt.|
Hintergrund:
Sendungsbeitrag zu diesem Artikel
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Der bisher stärkste Test
Aus Tagesschau vom 9.9.2016
Nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch Experten beobachten die neuerlichen Atomtests Nordkorea mit Besorgnis. Vor allem auch, weil dieser Test offenbar der bisher stärkste war.