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Ich verwende die Ausdrücke Erkenntnistheorie, Gnoseologie und Epistemonologie, die oft synonym verwendet werden, für fundamental verschiedene Auffassungen, die ich verschiedenen Disziplinen zuordne:
Erkenntnistheorie ist ein Label für eine Richtung der Philosophie, die einen Ausgangspunkt bei D. Hume hat, der sich mit "Human Understanding" befasste und damit I. Kant inspirierte, das Erkennen der Realität ins Zentrum seiner Philosophie zu stellen, was dann von Philosophen, die sich mit dessen Texten beschäftigten, als Erkenntnistheorie bezeichnet wurde (W. Krug, C. Reinhold, E. Zeller (E. Zeller hat den Ausdruck 1862 in einem Buchtitel verwendet)).
Erkenntnis bezeichnet dabei eine Problematisierung von Wissen über das Ding an sich, das als Realität oder Wirklichkeit bezeichnet wird. Gefragt wird, wie die Realität überhaupt erkannt werden könne, und welche Gewissheiten diesbezüglich möglich sind. Gefragt wird nach den Bedingungen der Möglichkeit dieser Art zu Erkennen.
Wissenschaft ist unter diesem Gesichtspunkt nicht möglich - oder mit K. Popper, der eben auch ein Philosoph war - positiver formliert, nur als Falsifikationsverfahren, das keine Theorie repräsentiert oder gar hervorbringen kann. Erkenntnistheorie markiert die Trennung von Philosophie und positiver Wissenschaft - auch wenn viele Wissenschaftler jenseits ihrer Tätigkeit immer noch Erkenntnistheoretiker sind.
Die Wissenschaft, die sich in der Folge von G. Galilei entwickelt hat, interessiert sich nicht für die Bedingungen ihrer Möglichkeit. Sie braucht keine Erkenntnistheorie, aber sie reflektiert ihre Methoden seit R. Descartes sehr bewusst.
G. Galilei hat die Wissenschaft erfunden und R. Descartes, der letzte Universalgelehrte hat sie von der Philosophie unterschieden, indem er die davor gemeinte, umfassende Philosophie systematischzerlegte und jenseits aller Zweifel auf die Erfahrung setzte, die er mit Körpern machte (Abhandlung). Nach R. Decartes gingen Philosophie und Wissenschaft getrennte Wege, auch wenn das vielen Philosophen bis hin zu D. Hume nicht bewusst war. Erst I. Kant erkannte die Philosophie als solche.
Seit I. Kant ist Philosophie Erkenntnistheorie, aber natürlich immer noch an Sprache gebunden, auch wenn diese im Denken aufgehoben wird. Die Wissenschaft stellt alle Fragen neu, aber natürlich (naturwüchsig) wie die Philosophie in der Sprache. Es ist kein Zufall, dass die Mathematik mit dem Aufkommen der Wissenschaft von der Geometrie zur Algebra wechselt. Bei G. Galilei ist auch dieser Übergang leicht zu erkennen.
Da Sprache erst spät als Wissenschaftsgegenstand - der Linguistik - entdeckt wurde, blieb sie lange Gegenstand der Philosophie, weshalb insbesondere die Diskussion wissenschaftlicher Kategorien philosophisch blieb. Die Philosophie trieb im Idealismus Blüten und rettete sich nachdem klar wurde, dass Erkenntnistheorie keinen Nutzen hat, in Geschichtsschreibung und vor allem in der Wissenschaftsgeschichte, die wiederum als Theorie bezeichnet wurde.
Erkenntnistheorie wird oft als Argument verwendet, wenn Wissenschaften kritisiert werden.
Der Ausdruck Erkennen hat auch eine biblische Bedeutung (Adam erkannte Eva), die hier nicht gemeint ist.
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"Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war, ausser dem Verstand selbst." G. W. Leibniz: "Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand").
K. Lorenz: Die Rückseite des Spiegels. Versuch einer Naturgeschichte menschlichen Erkennens.
Eduard Zeller (1814 - 1908) war einer der Hauptvertreter der jüngeren evangelischen Tübinger Schule. Er hat in seiner Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung zu zeigen versucht, dass Aristoteles in sich widersprüchlich ist und insbesondere seine Lehre vom nous poietikos unhaltbar sei. Er hat den Terminus Erkenntnistheorie endgültig in die Philosophie eingeführt. (Über Aufgabe und Bedeutung der Erkenntnistheorie, 1862).
"Der Effekt dieser Intervention von Systemtheorie kann als Deontologisierung der Realität beschrieben werden. Das heißt nicht, daß die Realität geleunet würde, denn sonst gäbe es nichts, was operieren, nichts, was beobachten, und nichts man mit Unterscheidungen greifen könnte. Bestritten wird nur die erkenntnistheoretische Relevanz einer ontologischen Darstellung der Realität. Wenn ein erkennendes System keinerlei Zugang zu seiner Außenwelt gewinnen kann, können wir deren Existenz bestreiten, aber ebensogut und mit mehr Plausibilität daran festhalten, daß die Außenwelt so ist, wie sie ist. Beide Varianten sind unbeweisbar. Zwischen ihnen kann nicht entschieden werden. Aber damit wird nicht die Aussenwelt fragwürdig, sondern nur nie glatte Unterscheidung Sein/Nichtsein, mit der die Ontologie sie behandelt hatte. Und die Konsequenz liegt dann in der Frage, warum sollen wird gerade mit dieser Unterscheidung anfangen, warum die Welt gerade mit dieser Unterscheidung zuerst verletzen?" Das Erkenntnisprogramm des Konstruktivismus und die unbekannt bleibende Realität" (N. Luhmann, Das Erkenntnisprogramm des Konstruktivismus, 2009).
Eisler: Philosophische Begriffe:
https://www.textlog.de/3946.html?fbclid=IwAR0wcFiyEY_wA3NsvU62gi895VW_GQvjQuf5gtUC7ZSBikkOmXf-ZhaOvZA
Die »transzendentale« Erkenntnistheorie begründet KANT. Sie will die Bedingungen des Erkennens feststellen, um so die Gültigkeit und die Grenzen der Erkenntnis werten zu können. Sie fragt nicht, aus welchen psychologischen Elementen die Erkenntnis sich aufbaut, sondern nach der Bedeutung der Erkenntnisfactoren für das Ziel alles Erkennenwollens. Die »Kritik der reinen Vernunft« prüft das »Vernunftvermögen überhaupt, in Ansehung aller Erkenntnisse, zu denen sie, unabhängig von aller Erfahrung, streben mag«, ist also »die Entscheidung der Möglichkeit einer Metaphysik überhaupt« und die Bestimmung sowohl der Quellen als des Umfanges und der Grenzen der Erkenntnis nach Prinzipien (Krit. d. r. Vern. S. 5 f.). Die Fähigkeit der Vernunft zu »reinen Erkenntnissen a priori« ist zu prüfen (l.c. S. 581). Damit gibt K. zugleich eine Theorie der Erfahrung. Bei FICHTE, SCHELLING, HEGEL kommt die Erkenntniskritik schlecht weg. Letzterer erklärt geradezu: »Die Untersuchung des Erkennens kann nicht anders als erkennend geschehen; bei diesem sogenannten Werkzeuge heißt dasselbe untersuchen nicht anders als es erkennen. Erkennen wollen aber, ehe man erkenne, ist ebenso ungereimt, als der weise Vorsatz jenes Scholasticus, schwimmen zu lernen, ehe er sich ins Wasser wage« (Encykl. § 10). HERBART erblickt die Aufgabe der Erkenntnistheorie (= Metaphysik, s. d.) in der Bearbeitung der Begriffe. BENEKE verlangt von der Erkenntnistheorie eine Untersuchung der Formen und Verhältnisse des Denkens und dessen Faktoren (Log. I, 5).