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Die Meldung am Freitag hat überrascht. Die Fifa gab bekannt, die «Lichtgestalt des deutschen Fussballs» Franz Beckenbauer für 90 Tage zu sperren. Er darf nun in den nächsten Wochen keine Fussballspiele besuchen. Verboten wurden ihm zudem jegliche Aktivitäten im Fussballgeschäft.
Die Sperre steht im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre bei der Vergabe des WM-Austragungsortes Katar. In einer ersten Reaktion bezeichnete Beckenbauer den Entscheid als «Aprilscherz». Weitere Aussagen und Meldungen vom Wochenende werfen jedoch Fragen auf. Hier sind die wichtigsten Fakten dazu:
Franz Beckenbauer bezeichnete sich am Wochenende als «falschen Ansprechpartner» für das Thema Korruption. Tatsächlich ist er an der Korruptionsaffäre nah dran: Beckenbauer war von 2007 bis 2011 Fifa-Exekutivmitglied. Damit war er mitverantwortlich für die Vergabe der WM an Russland und Katar.
«Die Vergabe war eine der umstrittensten Entscheidungen in der Sportgeschichte», wie Journalist und Fussballexperte Jens Weinreich in seinem Blog schreibt. Verschiedene «korruptive Vorgänge» wurden bereits aufgedeckt. So war Beckenbauers enger Berater und Freund Lobbyist für die Bewerbung Australiens und handelte Deals mit Deutschland für die Frauen-WM 2011 aus. Beide trafen sich 2009 mit dem korrupten, und inzwischen lebenslang gesperrten, FIFA-Funktionären Mohamed Bin Hammam.
Beckenbauer war zudem als Berater und Botschafter für die Gruppe tätig, die in Katar auf der Suche nach Investoren und Sponsoren war. Ende Mai 2012 wurde er als Botschafter des russischen Gasproduzenten-Verbandes gewählt.
Die Ethikkommission versucht unter Führung ihres Chefermittlers Michael Garcia die Korruption bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 an Russland und Katar aufzudecken. Franz Beckenbauer wurde eingeladen, bei den Ermittlungen zu kooperieren und einen Fragebogen auszufüllen. Nachdem mehrere Funktionäre die Kooperation ablehnten, verlangte FIFA-Vizepräsident Jim Boyce all jene zu bestrafen, die nicht kooperieren.
Der Druck wirkte. Umstrittene Personen aus der FIFA-Führung, wie der argentinische Funktionär Julio Grondona, beugten sich dem Druck und kooperierten. Beckenbauer lehnte jedoch ab. Wie die «Bild» ihn nun zitiert, sei er bereit gewesen, «alle relevanten Fragen» zu beantworten – jedoch in deutscher Sprache, da der beim «Juristen-Englisch […] die komplizierte Materie nicht vollständig» verstehe.
Beckenbauer verlangte ein Gespräch auf Deutsch. Die FIFA lehnte sein Gesuch ab. «Dann eben nicht», lässt die «Bild» ihn zitieren. Die FIFA sperrte ihn darauf für 90 Tage wegen «Verdacht für einen mutmasslichen Verstoss» gegen das FIFA-Ethikreglement.
Franz Beckenbauer wurde «provisorisch» für 90 Tage für jegliche nationale und internationale Tätigkeit im Zusammenhang mit Fussball gesperrt. Das schliesst unter anderem «Einladungen zum Besuch eines Fussballspiels oder den Besuch auf privater Basis eines Fussballspiels jeglicher Art ein», wie Alan Sullivan, Ethikchef der FIFA, mitteilte.
Beckenbauer steht unter Beschuss. Und mit ihm der Fernsehsender Sky TV, die «Bild» und andere Geschäftspartner, die mit ihm arbeiten. Die FIFA-Sperre schliesst «sämtliche Aktivitäten im Zusammenhang mit Fussball» ein. Klar ist damit, dass seine Funktion als Fussballexperte für seine Geschäftspartner mit der Sperre erschwert wird.
Er hat deshalb mitgeteilt, dass er bis zum 27. Juni den Fragebogen beantworten wird, wie sein Manager am Sonntagabend auf Twitter mitteilte. (pma)