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Die Wahl des Standortes
In allen Projekten zur Realisierung einer Bahn über den Gotthard war zwangsläufig eine Unterteilung in Tal- und Bergstrecken vorgesehen.
Bei allen Projektbeschreibungen waren deshalb auch am Fusse der Bergstrecken Stationen für entsprechende Traktionswechsel als unumgänglich angesehen worden.
Der Standort dieser Stationen wechselte, je nach Lage der vorgesehenen Trasse, mit jedem Projektverfasser.
Auf der Nordseite wurden diese Stationen im Raume Erstfeld - Silenen, auf der Südseite im Raume Giornico - Biasca vorgesehen.
Wetli legte in seinem Projekt diese Station auf der Nordseite in den Raum Silenen, zwischen Evibach und Kirchbach.
Die Herren Beckh und Gerwig verlegten die Station nach Erstfeld und beschrieben in ihrem Projekt die Lage des Bahnhofs so:
„... Der Stationsplatz von Erstfeld befindet sich unmittelbar hinter Klus. Am Ende der Station beginnt eine stärkere Steigung. ...“
Zur Aufgabe der Endpunkte der Bergstrecke äusserten sie sich so:
„... Es ist angenommen, dass auf den zwei Stationen Erstfeld und Giornico, wo die starken Steigungen beginnen, und ebenso auf den Stationen Göschenen und Airolo, wo sie endigen, stets Reservemaschinen stationiert seien, mittelst welcher das Arrangieren der Bahnzüge, sowohl für die Berg-, als für die Thalfahrt, zu geschehen hat.
Für jede dieser Stationen haben wir daher eine Locomotivremise nebst Drehscheibe und die nöthigen Dienstgeleise zum Aufstellen der Wagen und Züge berechnet. ...“
Karte mit dem Bahnabschnitt Schattdorf - Amsteg.
Experten-Projekt Wetli Experten- Projekt Beckh & Gerwig , später ähnlich ausgeführt durch Hellwag.
Die Gotthardbahn-Gesellschaft ernannte nun den Oberingenieur der österreichischen Nordwestbahn Willhelm Hellwag zum neuen Oberingenieur.
Dieser legte 1876 in seinem Bericht "Kostenvoranschlag zum Bau der Gotthardbahn" seine Überlegungen zu den früheren Projekten dar und verlegte anfänglich die Station im Reusstal wieder an die Stelle in Silenen, an der sie bereits Wetli geplant hatte.
Auch er begründete die Anlegung eines Lokomotivdepots:
„... Nördlich und südlich sind an den Ausgangspunkten der Rampen grössere Stationen erforderlich, für welche eine Länge von 400 - 1000 Meter für nothwendig erachtet worden ist. Es ist zwar bei den im Auge gehaltenen allgemeinen Dispositionen für den zukünftigen Betrieb die Nothwendigkeit, in diesen Stationen eine Zugsrangierung vorzunehmen, behoben, es soll daselbst für den constanten Zug vielmehr nur ein Ersatz der Zugskraft nach Erfordernis der wechselnden Bahnconstruction stattfinden.
Da jedoch in diesen Stationen, ausser der Ab- und Zuführung der Locomotiven, die Regelung der Zugsfolge, die Ordnung der Bremsen, die Revision der Fahrzeuge, und die dadurch hervorgerufene Ein- und Umstellung von Wagen und dgl. Raum und Aufenthalt erfordernde Manipulationen vorzunehmen sind, so ist immerhin das Bedürfnis zu einer grösseren Anzahl von Geleisen vorhanden und daher die genannte Stationslänge nothwendig. ...“
Die Grösse der geplanten Station mit Depot geht aus der ersten Auflistung der Gebäulichkeiten und Anlagen hervor:
|Station Silenen (die spätere Station Erstfeld)|
|Station der Klasse||1|
|Weichen||22|
|Kreuzungen||30|
|Lokomotiv-Drehscheiben||1|
|Wagen-Drehscheiben||2|
|Schiebebühne||1|
|Brückenwaage||1|
|Bockkran||5|
|Geleiseabschluss||2|
|Wasserstation||2||Reservoirs mit 5 m Durchmesser|
|1||Zuleitung zu Wasserkran 500 m|
|2||Wasserkrane|
|1||Heizhaus-Leitung 100 m|
|1||Dampfpumpe oder natürlicher Zufluss von 500 m Länge|
|Distanz-Signale||2|
|Hand-Signale für Wärter||3|
|Sprech-Apparate||1|
|Glocken-Signalapparate||1|
|Aufnahmegebäude||1|
|Einsteighalle||1||mit Veranda von Eisen, 50 m lang und 5 m breit|
|Güterschuppen||1||mit 2 Thoren|
|Locomotiv-Remise||1||12 Stände|
|Wagen-Remise||1||20 Stände|
|Kohlenschuppen||1||720 m² für 36'000 Ctr.|
|Kleine Werkstätte||1||416 m²|
|Heizhaus||1|
|Arbeiter-Aborte||2|
|Zugführer-Kaserne||1||350 m²|
|Requisiten-Depot||1||130 m²|
|Wohnhaus für Beamte||1||300 m²|
|Waschküche||1|
|Wärterhäuser||1||einfaches|
|1||doppeltes|
|Weichenwärter-Buden||2|
Im Jahre 1877 wurde Baudirektor Pressel aus Wien von der Gotthardbahn-Gesellschaft eingeladen die, von Willhelm Hellwag geplante, letzte Trasseführung zu beurteilen. Pressel lieferte sein Gutachten ein Jahr später ab und machte verschiedene Änderungsvorschläge.
Insbesondere schlug er vor, die Stationsdistanzen auf höchstens 8 km zu verkürzen. (Bei Hellwags Projekt lagen sie zwischen 9,5 und 10,1 km.) Weiter schlug Pressel vor, die Station für den Betriebswechsel von Silenen nach Erstfeld, nördlich der Klus, zurück zu verlegen und in Silenen die, von den Behörden ohnehin gewünschte, gewöhnliche Station zu erstellen. Denselben Vorschlag machte er auch für die Südseite. Der Beginn der Bergstrecke sollte von Bodio nach Biasca verlegt werden.
Dieser Bericht war für den Gemeinderat Erstfeld das Signal, mit einer Eingabe an den Regierungsrat die eigenen Interessen zu wahren:
„... Wir glauben, die Erstellung einer Station in Erstfeld würde die Bahn bedeutend frequentieren, indem jetzt schon ein beträchtlicher, für die Bahn immerhin rentabler Verkehr mit Vieh, Holz und anderen Produkten und namentlich durch die Ausbeutung des Schlossberggletschers stattfindet, und dass das in hier sehr günstige Terrain für Nutzbarmachung von Wasserkräften für den Betrieb industrieller Etablissements zu den schönsten Hoffnungen berechtigt.
Ferner müssen wir bemerken, dass ohne Haltstation die Bahn für uns rein illusorisch wäre, denn die Station Altdorf käme bereits sieben und die in Silenen vier Kilometer von uns entfernt, und deshalb ist uns nicht der geringste Vorteil in Aussicht gestellt.
Es ist nun unser ausdrückliches Verlangen, dass man in hier eine entsprechende Haltstation erstellt. ...“
Im Januar 1879 war im Rathaus in Altdorf ein Plan der Gotthardlinie zur Einsichtnahme aufgelegt. Daraus ging hervor, dass die Bahnstation Erstfeld von der so genannten Butzengasse aufwärts gegen die Klus verlegt werden sollte.
Der Bau von Bahnhof und DepotMit den Arbeiten für die Station Erstfeld wurde am Montag, dem 12. Juli 1879, im «Steinbruch» ob der Klus begonnen.
1880 genehmigte der Bundesrat eine Vorlage der Gotthardbahndirektion, wonach die Rangier- und Maschinenstation der Gotthardbahn auf der Nordseite des Gotthards in Erstfeld angelegt werden soll.Zur selben Zeit wurde die Erstellung der Hochbauten von Immensee bis Göschenen an die Firma H. Egger und Sohn und E. Ritter Hochbauunternehmung vergeben.
Ende des Jahres 1880 waren Aufnahmegebäude und Güterschuppen in Erstfeld unter Dach.
Die Gebäulichkeiten der Werkstätte waren zu dieser Zeit ebenfalls grösstenteils vollendet und die benötigten Werkzeuge und Maschinen wurden geliefert. Lediglich der Arbeiterabort war noch im Bau.
Im Jahre 1881 wurde die Schiebebühne bei der Firma Gebr. Decker und Co. Cannstadt in Auftrag gegeben, die Fertigung der Drehscheiben wurde der Firma Josef Vögele Mannheim übertragen.
Im August waren die Bauarbeiten auf der Bahnlinie nahezu vollendet. Der Oberbau ging rasch der Vollendung entgegen.
Von den 29 Weichen auf der Rangierstation waren 25 angeschlossen.
Zwei Lokomotivremisen, je ein Zwölfplätzer, waren unter Dach, ein weiteres Gebäude war im Bau begriffen.
Plan der Station Erstfeld
Die Ausrüstungsgegenstände der Stationen und Wärterhäuser verteilte man auf der Nordrampe mit Hilfe der ehemaligen Dampfmaschine Uto der Uetlibergbahn.
Die Lok diente der Bauunternehmung Nord als Baulok der Materialbahn.