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Leitung: Prof. Dr. Lena Rohrbach, Prof. Dr. Klaus Müller-Wille
Projektstart: 01.01.2020
Finanzierung: SNF
Das Projekt nimmt in einem breiten Zugriff die Überlieferung von Erzählliteratur im Übergang von der Vormoderne in die Moderne in den skandinavischen Ländern in den Blick. Das Projekt widmet sich einer bisher in der Forschung wenig beachteten Übergangsphase der skandinavischen Literaturgeschichte und profitiert von der Verbindung der skandinavistisch-mediävistischen und der neuskandinavistischen Expertise der beiden Gesuchsteller. Untersuchungsgegenstand ist die Prosaüberlieferung des langen 18. Jahrhunderts aus Dänemark, Island und Schweden, die auf erzählerische Neuformen hin untersucht werden sollen, die als Romanhaftwerdung im Sinne Michail Bachtins gelesen werden können. Das Projekt wendet sich dezidiert von einer Definition des Romans als historisch verortbarer Gattung mit statischen bzw. festen Gattungscharakteristiken ab und nimmt vielmehr Reformierungen von Konstituenten des Erzählens in verschiedenen Gruppen von Prosatexten in den Blick, die teilweise auf eine jahrhundertelange eigene Tradition zurückgreifen (wie im Falle der isländischen Sagaliteratur), teilweise zeitgenössische kontinentaleuropäische Entwicklungen adaptieren (wie im Falle skandinavischer Briefromane oder Robinsonaden). Der Fortsetzung eigener Traditionslinien wie dem Aufgreifen europäischer Trends gemeinsam ist eine zunehmende Selbstreflexivität erzählerischer wie textueller und medialer Verfasstheit im Laufe des 18. Jahrhunderts. Die exemplarische Aufarbeitung des in der Forschung nahezu unbeachtet gebliebenen Materials soll für die Entwicklung einer Reihe von theoretisch zugespitzten Fragen genutzt werden, die Fragestellungen der historischen Narratologie und der historischen Mediologie in Richtung einer Formierung einer mediologisch orientierten historischen Narratologie zueinander in Beziehung setzen. Eine solcherart historisch wie mediologisch informierte Narratologie wird für den skandinavischen Kontext und darüber hinaus einen dynamischeren, offeneren Gattungsbegriff des Romans eröffnen, der historisch veränderlichen Formen des Erzählens Rechnung trägt und diese Veränderungen als konstituierendes Element in der Formierung und Reformierung von Gattungen identifiziert.