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Landquart Wuhrung
Ein Fluss wird gezähmt
Pünktlich um 09.09 Uhr begann im Clubhaus des Tennisclubs Landquart der spannende Vortrag von Andri Bischoff, dem früheren Leiter der kantonalen Fachstelle Wasserbau. Anhand ausgewählter Folien aus alten Dokumenten, Schemata zu Uferaufbau und alter Flussführung hat er uns die geschichtlichen Hintergründe der Wuhrung der Landquart erläutert.
Das Problem des Flusses lag während Jahrhunderten in den enormen Wassermassen, die immer wieder durchs untere Prättigau und durch die Chlus donnerten, viel Geschiebe mit sich führten und so grosse Schäden an Land und Infrastruktur anrichteten – bis zur Mündung in den Rhein.
Bereits im 17. Jahrhundert wurde am Wuhr der Landquart gearbeitet. So zeigen Einträge im sogenannten Malanser Wuhrrodel, dass bis ins 20. Jahrhundert von Hand und mit Hilfe von Fuhrwerken nach einer strengen Ordnung an der Wuhrung Arbeiten verrichtet wurden.
*** Auszug ***
Jeder Malanser Haushalt hatte jährlich mindestens 14 Tage unbezahltes Tagwerk zu leisten. Wer Ochsen besass, leistete "Oxentagwen" und wer keine Zugtiere besass, leistete "Libtagwen". Wer zu alt oder zu krank war, musste seine Wuhrpflicht mit Geld abtragen. Sogar auswärtige Bodenbesitzer verpflichtete man zu Wuhrarbeiten.
Wer Malans verliess, verlor automatisch sei Bürgerrecht, wenn er aber seinen Wuhrpflichten nachkam, behielt er seine "Dorfrechti". Der Lohn war bescheiden und im Taglohn war ebenfalls ein halbes Mass Wein enthalten.
Quelle: Robert Donatsch, Malanserbüchlein
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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es der Bündner Theologe Lucius Pol, der die Wuhrung der Landquart vorantrieb. Während der Kriegswirren zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde Pol von den Österreichern verhaftet und mit anderen Pfarrern und zivilen Amtsträgern am 4. Juni 1799 nach Innsbruck deportiert. Trotz Gefangenschaft war es ihm als Staatsarrestant möglich, an der dortigen Universität Vorlesungen zu besuchen. So konnte er sich u.a. ein fundiertes Fachwissen in Wasserbau-Fächern erarbeiten. Nach einer Verlegung nach Graz und weiteren Studien kehrte Pol im Februar 1801 in seine Heimat zurück und kümmerte sich während vieler Jahre um die Korrektion der Landquart. Seine Pläne zur Dämmung des Flusses und zur Landgewinnung waren jedoch nur teilweise erfolgreich. In dieser Zeit war es auch der damalige kleine Rat des Kantons Graubünden, der bei den Gemeinden entlang des Flusses immer wieder Druck aufsetzte, um Lösungen zum Schutz vor Hochwasser zu suchen.
Ein Wendepunkt war das Hochwasser von 1910. Zwischen Küblis und der Rheinmündung wurden entlang der Landquart diverse Brücken, Strom- und Wasserleitungen sowie Strassen und Eisenbahnlinien zerstört. Nach dieser einschneidenden Katastrophe wurden die Uferanlangen für mehrere Millionen Franken saniert. Die dazu nötigen Baumaterialien und Felsbrocken wurden aus der Glattwand beim Eingang zum Prättigau gesprengt und mittels einer kleinen Rollbahn über die Ebene zur Landquart geführt.
Vor rund 15 Jahren starteten die baulichen Massnahmen zur Aufhebung der sanierungsbedürftigen Schwellen/Blockrampen in der Landquart. Sie haben während vielen Jahren eine übermässige Eintiefung des Flusses verhindert. Dazu wurden 4 bis 6 Tonnen schwere Steinblöcke im Flussbett platziert. Nebenbei konnte mit diesen Arbeiten auch eine ökologische Aufwertung (Fischwanderungen) erreicht werden. Um den Hochwasserschutz und die Eintiefung auch ohne Schwellen langfristig zu gewährleisten, fanden im Vorfeld entsprechende Versuche an der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der ETH Zürich statt.
Für diesen gelungenen Anlass möchten wir Danke sagen:
- Andri Bischoff für seine spannenden Geschichten rund um die Landquart
- Dem Tennisclub Landquart mit seinem Pächter Leo Mändli für die Bewirtung vor dem Anlass
- Dem Herrn mit unbekanntem Namen, der für Andri Bischoff das Megaphon in die Höhe hielt :)
- Natürlich allen Interessierten, die uns am diesem Samstagmorgen am Ufer der Landquart begleitet und Andri Bischoffs Geschichten gelauscht haben.
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