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Das Extreme wird normal
Was bis 1990 in der Schweiz als extrem warmes Jahr galt, ist heute Durchschnitt. Die kühlsten Jahre nach 1990 lagen im Bereich des Durchschnitts vor 1990. Das ist die Folge eines grossen Temperatursprungs vor rund 30 Jahren. Ein erster Blick auf die kommende Normperiode 1991 bis 2020 zeigt ein einzigartiges Ereignis in der über 150-jährigen Messperiode.
Kräftiger Anstieg der Normtemperatur
Nur noch drei Jahre fehlen bis zur vollständigen Normperiode 1991–2020. Sie beschreibt das aktuelle Klima in dem wir leben. Und sie zeigt die jüngste Änderung zum früheren Klimageschehen. Für die Schweiz offenbaren die vorhandenen 27 Jahre oder 90 Prozent der Normperiode 1991–2020 einen kräftigen Wärmeschub.
Die Erwärmung von der Normperiode 1961–1990 zur anschliessenden Normperiode 1991–2020 ist einzigartig in der über 150-jährigen Schweizer Messreihe (Abbildung unten). Der Jahresdurchschnitt stieg um rund 1 Grad von 4.6 Grad auf 5.7 Grad. Ein grosser Teil der kräftigen Erwärmung erfolgte mit beachtlicher Geschwindigkeit innerhalb weniger Jahre am Übergang von den 1980-er zu den 1990-er Jahren.
Extrem wird normal
Vor der kräftigen Erwärmung Ende der 1980-er Jahre lieferten die Jahre 1947 mit 5.6 Grad und 1961 mit 5.5 Grad die höchste Jahrestemperatur seit Messbeginn 1864. Die beiden Jahre entsprachen etwa dem heutigen Durchschnitt von 5.7 Grad. Was von unseren Grosseltern und Urgrosseltern als extrem warm registriert wurde, gehört heute zum normalen Klimaverlauf in der Schweiz.
Normal wird extrem
Gleiches gilt für das Umgekehrte. Unsere Grosseltern und Urgrosseltern hätten die beiden kühlen Jahre 1996 mit 4.6 Grad und 2010 mit 4.7 Grad als guten Durchschnitt beurteilt. Für uns waren es die weitaus kühlsten Jahre in der laufenden Normperiode ab 1991.
Knapp zwei Grad wärmer seit Messbeginn
Seit der frühindustriellen Periode 1864–1900 ist die Temperatur der Normperioden um 1.8 Grad angestiegen. In den ersten 100 Jahren erfolgte die Erwärmung moderat im Vergleich zur rasanten Entwicklung von der Normperiode 1961–1990 zur Normperiode 1991–2020. Aufmerksamen Naturbeobachtern ist dieser Wärmeschub nicht entgangen. Der Gletscherschwund in den Alpen beschleunigte sich in den letzten Jahren sichtbar. Das Gletschereis zerfällt vor unseren Augen. Pro Jahr verlieren die Schweizer Alpen heute rund 1 Kubikkilometer Gletschereis, in sehr warmen Jahren auch mehr. Vorhanden sind noch 54 Kubikkilometer. Bis Ende Jahrhundert wird bei gleich bleibender Verlustrate nicht mehr viel von den Schweizer Gletschern übrig sein.
Normperioden und Klimaänderung
Ursprünglich wurden neue Normperioden in Schritten von 30 Jahren eingeführt. Standardmässig wäre also nach der Normperiode 1961–1990 die Normperiode 1991–2020 fällig geworden. Die schnelle Temperaturzunahme gegen Ende des 20. Jahrhunderts bewog die Weltmeteorologie Organisation (WMO) zur Empfehlung, die Normperiode alle 10 Jahre zu aktualisieren. Damit stehen Normwerte bereit, die das aktuelle Klima angemessen beschreiben und als Erwartungswerte eingesetzt werden können. MeteoSchweiz verwendet seit 2013 die Normperiode 1981–2010. Ab 2020 wird die Normperiode 1991–2020 aufgearbeitet und eingeführt.