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Tabak | Nikotin
Tabak wird aus Blättern der Pflanzen der Gattung Nicotiana tabacum hergestellt. Der süchtig machende Hauptbestandteil ist das Nikotin. Tabak beinhaltet mehr als hundert Zusätze, darunter verschiedene Zucker, Aromen und Feuchthaltemittel. Von den 7'000 Substanzen, die in Tabakrauch enthalten sind, sind zahlreiche toxisch und mehrere Dutzend krebserregend. Die meisten davon sind sehr feine Partikel, die in die Lungen eindringen. Diese Substanzen werden bei der Verbrennung bei 600–900 Grad Celsius umgewandelt.
Tabak- und Nikotinprodukte
Tabak kann in verschiedenen Formen konsumiert werden: Er kann geraucht (Zigarette oder selbstgedrehte Zigarette, Zigarre, Zigarillo, Pfeife oder Wasserpfeife), geschnupft (Schnupftabak, Tabak in Pulverform und oftmals mit Aroma, der durch die Nasenlöcher eingenommen wird), gekaut (Stück Tabak, das mehrere Stunden lang im Mund behalten wird) oder als kleiner Beutel mit gemahlenem Tabak zwischen Zahnfleisch und Oberlippe platziert werden (Snus).
Es gibt Produkte, die den Tabak stark erhitzen, so genannte Tabakerhitzer, englisch «Heated Tobacco Products» (HTP), welche marketingstrategisch auch «Heat-not-Burn Products» (HNB) genannt werden. Den Herstellern zufolge werden wegen der fehlenden Verbrennung weniger Schadstoffe freigesetzt. Der Tabak in herkömmlichen Zigaretten wird bei 684°C verbrannt, bei den meisten Tabakerhitzern bei Temperaturen zwischen 200 bis 350 Grad Celsius. Unabhängige Studien (Auer et al., 2017) stellten jedoch fest, dass auch bei Tabakerhitzern eine Verbrennung stattfindet und somit Verbrennungspartikel in die Lunge gelangen.
Die elektronische Zigarette («E-Zigarette») ermöglicht es, eine aromatisierte, nikotinfreie oder nikotinhaltige Flüssigkeit («E-Liquid») zu verdampfen. Die Flüssigkeit ist eine Mischung aus Propylenglykol, Glycerin, Wasser und Aromastoffen und kann Nikotin enthalten. Die elektronische Zigarette besteht aus einem Mundstück, einem wiederaufladbaren Akku, einem Verdampfer und einer Kartusche und ermöglicht es, den Dampf der in der Kartusche enthaltenen Flüssigkeit zu inhalieren. Die Temperatur, mit der die Flüssigkeit erhitzt wird, ist sehr niedrig, weshalb weder eine Verbrennung noch eine vollständige Pyrolyse stattfindet.
Puff Bars sind E-Zigaretten für den einmaligen Gebrauch. Sie sind im Jahr 2020 zum ersten Mal auf dem Schweizer Markt erschienen und ihre Verbreitung hat seither insbesondere unter jungen Menschen rasant zugenommen. Die meisten Puff Bars werden mit synthetischem Nikotin in Form von Nikotinsalzen verkauft.
Nikotinpouches (oder Nikotinbeutel) sind kleine, aromatisierte Beutel, die wie Snus zwischen Oberlippe und Zahnfleisch platziert werden, damit das Nikotin über die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann. Im Gegensatz zu Snus mit seinem bitteren Tabakgeschmack weisen Nikotinbeutel attraktive, teils fruchtige Geschmacksaromen auf, was sie besonders unter Jugendlichen beliebt macht. In einigen dieser Produkte ist jedoch ein sehr hoher, toxikologisch relevanter Nikotingehalt enthalten (Mallock et al., 2022).
Wirkungen von Tabak | Nikotin
Das in den Tabakblättern enthaltene Nikotin verursacht psychoaktive Effekte und macht abhängig. Es stimuliert die Freisetzung von Dopamin und anderen Neurotransmittern, was zu einer Anregung und Steigerung der Wahrnehmungen und des Gedächtnisses sowie einem geringeren Appetit führt. Die aufgenommene Menge an Nikotin hängt vom Produkt und der jeweiligen Aufnahmeart ab.
Der Tabakrauch wird inhaliert, gelangt so in die Lungen und das Nikotin von dort über den Blutkreislauf ins Gehirn. Die Effekte des Nikotins sind innerhalb von 10–20 Sekunden spürbar und werden durch die Zugabe von Zusätzen verstärkt, die wiederum die Abhängigkeit erhöhen. Die maximale Nikotinkonzentration im Blut wird nach ungefähr fünf Minuten erreicht. Das Gefühl beim Durchströmen des Rachens («hit»), das rauchende Personen spüren möchten, tritt auch bei Tabakerhitzern (z. B. IQOS) auf, die im Vergleich zur Zigarette eine ähnliche Nikotinkonzentration und -aufnahme aufweisen.
Der Nikotingehalt von Zigarillos und Zigarren ist im Durchschnitt höher als derjenige von Zigaretten. Es sind auch mehr toxische und krebserregende Substanzen enthalten als im Zigarettenrauch. Bei der Pfeife hängt dies von der Menge des verwendeten Tabaks ab; bei der Wasserpfeife werden die toxischen Substanzen, die im Tabak enthalten sind, nicht durch das Wasser gefiltert. Der Rauch von Zigarren und Pfeifen wird nicht inhaliert; das Nikotin wird im Vergleich zur Zigarette etwas weniger schnell von der Mundschleimhaut aufgenommen. Der Rauch von Zigarillos wird hingegen manchmal inhaliert und das Nikotin schneller aufgenommen.
Wird der Tabak über die Nasenlöcher oder oral eingenommen, wird das Nikotin langsamer aufgenommen und seine Konzentration im Blut sinkt ebenfalls sehr langsam.
Einmal im Hirn angelangt, stimuliert das Nikotin die Freisetzung von Dopamin und anderen Neurotransmittern, die auf psychischer und physischer Ebene wirken. Der Effekt kann anregend oder entspannend und beruhigend sein, je nach Zustand, in dem sich die Person befindet. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, intellektuelle Fähigkeiten, Puls und Blutdruck sind erhöht, während die Durchblutung der Haut und der Herzkranzgefässe aufgrund eines geringeren Sauerstoffgehalts verringert ist. Der Appetit, der Geruchs- und der Geschmackssinn sind ebenfalls herabgesetzt. Es können Migränen auftreten. Bei regelmässigem Konsum können Blutdruck und Herzfrequenz steigen und es kann zu einer vermehrten Ausschüttung von Adrenalin und einer angeregten Verdauung kommen. Beim ersten Konsum oder der Wiederaufnahme des Konsums kann der Blutdruck abfallen, die Temperatur sinken und Übelkeit und Schwindel können auftreten.
Das Nikotin kann in verschiedenen Formen konsumiert werden. Die konsumierte Menge kann zwischen 0,2 und 2 mg Nikotin variieren. Bei exzessivem Konsum über einen kurzen Zeitraum kann eine Nikotinvergiftung mit Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Die tödliche Nikotindosis für Erwachsene beträgt ungefähr 60 mg, für Kinder und Jugendliche ist sie hingegen deutlich tiefer.
Die Dauer der Wirkung beträgt 10 bis 30 Minuten, während die Nebenwirkungen 1 bis 3 Stunden andauern. Pausen an der frischen Luft reduzieren die Gefahr von Kopfschmerzen.
Folgen des Tabak- und Nikotinkonsums
Es wird geschätzt, dass ungefähr 70 % der Personen, die täglich Tabak konsumieren, abhängig sind. Das Nikotin gehört nämlich zu den Substanzen, die am schnellsten abhängig machen. Alle verschiedenen Formen des Tabakkonsums, ob geraucht oder nicht, können zu einer Nikotinabhängigkeit führen und Krankheiten sowie Todesfälle verursachen.
Die körperliche Abhängigkeit, die durch das Nikotin verursacht wird, stellt sich schnell ein und es treten Entzugssymptome auf, wenn die Person mit dem Rauchen oder Nikotinkonsum aufhört. Die psychologische Abhängigkeit betrifft Situationen des alltäglichen Lebens, in denen sich die Gewohnheit des Rauchens etabliert hat. Es können mehrere Versuche und professionelle Unterstützung notwendig sein, bis jemand vollständig aufhört. Dabei können Entzugssymptome auftreten wie zum Beispiel das dringende Bedürfnis, zu rauchen, Gewichtszunahme, Reizbarkeit, Konzentrations- oder Schlafstörungen, Ängstlichkeit, Angstzustände, Unruhe und Depression. Medikamente können diese Symptome lindern oder ganz zum Verschwinden bringen; sie erhöhen ausserdem die Erfolgswahrscheinlichkeit. Zu den Medikamenten gehören Nikotinersatzprodukte (Pflaster, Kaugummis, Lutsch- oder Brausetabletten, Inhalatoren), Vareniclin (Molekül, das über die Nikotinrezeptoren auf das Gehirn wirkt; Champix oder Chantix) und Bupropion (Zyban). Psychotherapeutische Ansätze können ebenfalls Unterstützung bieten.
Die Faktoren mit einem Einfluss auf die Gesundheit sind Art, Menge und Dauer des Konsums. Ein starker Tabakkonsum bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten – wie zum Beispiel der Antibabypille – beeinträchtigt die Blutzirkulation und erhöht das Thromboserisiko.
Tabakkonsum kann zu Krebserkrankungen führen (Zungen-, Mundhöhlen-, Rachen-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen-, Blasen-, Gebärmutterhals- und Nierenkrebs) und zu einer geringeren Lebenserwartung der rauchenden Personen. Das Krebsrisiko ist 25-mal so hoch. Rauchen erhöht ausserdem das Risiko einer koronaren Herzkrankheit, die sich durch eine Verengung oder Verstopfung der Koronararterien manifestiert. Die durch Tabakkonsum begünstigte Arteriosklerose, die Verkalkung der Arterienwände, verursacht eine Verengung des kardiovaskulären Systems (Stenose der Herzkranzgefässe), eine konstant verringerte Durchblutung des Herzens sowie einen Sauerstoffmangel. Ein chronischer Sauerstoffmangel oder eine vollständige Unterbrechung der Blutzufuhr kann einen Infarkt auslösen.
Das erhöhte Risiko für Herz- oder Atemwegserkrankungen (Asthma, chronische Bronchitis, Infarkt, Schlaganfall, Thrombose, Lungenkrebs) und Schäden an den Magenschleimhäuten sind auf die Zusatzstoffe des Tabaks zurückzuführen und nicht auf das Nikotin selbst.
Bei der Zigarre bleibt der Rauch länger in der Mundhöhle, was das Tumorrisiko erhöht (Zahnfleisch-, Zungen-, Gaumen- und Rachenkrebs). Zudem sind das Kohlenmonoxid, Oxidationsmittel und Schwermetalle für die Entstehung von kardiovaskulären Krankheiten verantwortlich.
Zigarillos haben im Vergleich zu Zigaretten wahrscheinlich weniger negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Da der Rauch manchmal inhaliert wird, erhöht sich das Risiko für Lungenkrebs und eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD).
Bei der Pfeife wird der Rauch im Mund behalten und somit nicht von den Lungen aufgenommen. Die gesundheitlichen Risiken und die Abhängigkeit sind vergleichbar mit denjenigen der Zigarre.
Das Rauchen einer Wasserpfeife ist nicht weniger schädlich als das Rauchen einer Zigarette, denn das Wasser filtert die toxischen Substanzen nur ungenügend. Und weil der Tabak mit mehr Zusätzen gemischt wird als bei der Zigarette, enthält der Rauch der Wasserpfeife mehr toxische Substanzen. Zudem wird durch die Kohle eine grössere Menge an Kohlenmonoxid freigesetzt, was ebenfalls zu einer Vergiftung führen kann, ja sogar zu Erstickungsgefahr, denn eine grosse Menge an Kohlenmonoxid-Molekülen gelangt in die roten Blutkörperchen und verhindert so die Sauerstoffaufnahme. Ferner wird länger und tiefer inhaliert als bei der Zigarette.
Beim Konsum von Schnupftabak können sich die Nasenschleimhäute entzünden. Der Langzeitkonsum kann eine Verstopfung der Nasengänge und eine Abnahme des Geruchssinns verursachen. Im Tabak sind ausserdem krebserregende Substanzen enthalten, wenn auch ein Zusammenhang mit Herzerkrankungen bis anhin noch nicht untersucht wurde.
Lutschtabak (Snus) ist mit einem geringen Krebsrisiko verbunden, denn er ist pasteurisiert und getrocknet, weshalb er weniger krebserregende Nitrosamine enthält. Allerdings besteht das Risiko für Mundhöhlen-, Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wie bei allen Nikotinprodukten besteht ein leicht erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Zudem konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Konsum von Snus und Zahnfleischschwund festgestellt werden.
Die Mehrheit der schädlichen nikotinhaltigen Substanzen entsteht durch die Verbrennung. Studien haben gezeigt, dass Tabak, der nicht geraucht wird, viel weniger davon freisetzt. Aber auch wenn die Risiken bei Tabak, der nicht geraucht wird, kleiner sind, birgt dessen Konsum ebenfalls nikotinbedingte kardiovaskuläre Risiken und setzt krebserregende Substanzen frei. Gewisse Studien zeigen, dass die Exposition gegenüber diesen Substanzen vergleichbar oder höher ist als bei Personen, die rauchen. Ausserdem verursacht der Konsum von Tabak, der nicht geraucht wird, vermehrt Verletzungen der Mundhöhle, von denen einige eine Vorstufe von Krebs darstellen. Bei einem starken Schnupftabak-Konsum besteht das Risiko, Typ-2-Diabetes zu entwickeln.
Die Ergebnisse der wenigen unabhängigen Studien zu den Risiken von erhitzten Tabakprodukten sind widersprüchlich. Einige bestätigen, dass durch die ausbleibende Verbrennung weniger schädliche Substanzen produziert werden. Andere Studien weisen hingegen eine leicht erhöhte Emission von toxischen Substanzen aus, bei gewissen Substanzen sei die Emission sogar mit derjenigen einer Zigarette vergleichbar. Alle Studien sind sich einig, dass Rauchpartikel vorhanden sind; eine Verbrennung ist deshalb nicht notwendig, die Pyrolyse (Zersetzung unter dem Einfluss von Hitze und ohne Sauerstoffzufuhr) reicht aus. Die Studien konzentrierten sich dabei auf die krebserregenden Substanzen; die Bestandteile, die kardiovaskuläre Erkrankungen auslösen, wurden hingegen weniger oft analysiert. Die gesundheitlichen Risiken und die mögliche lineare Zunahme mit der konsumierten Menge können nur in Langzeitstudien bestimmt werden.
Expert:innen schätzen, dass die elektronische Zigarette weniger toxisch ist als die klassische Zigarette, denn in ihren Aerosolen wurde nur ein kleiner Teil der Bestandteile gefunden, die Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen auslösen. Sie enthält aber dennoch Substanzen wie Formaldehyd, Benzylalkohol und Nitrosamine, und eine kleine Menge davon könnte für gesundheitliche Auswirkungen bereits ausreichen. Es müsste ausserdem untersucht werden, ob die elektronische Zigarette Entzündungen der Atemwege wie Bronchitis oder Asthma begünstigt. Der regelmässige Konsum von elektronischen Zigaretten, die Nikotin enthalten, führt ebenfalls zu einer Abhängigkeit. Elektronische Zigaretten mit Nikotinsalzen hingegen können sogar zu einer noch stärkeren Abhängigkeit führen.
Während der Schwangerschaft wird stark davon abgeraten, in irgendeiner Form Tabak oder Nikotin zu konsumieren. Die Entwicklung des Gehirns und der Lungen des Babys wird beeinträchtigt, und das Risiko für eine Frühgeburt, ein geringes Geburtsgewicht, eine Totgeburt und den plötzlichen Kindstod ist erhöht.
Hilfe, Beratung und Therapie bei Fragen rund um Tabak und Nikotin
Für Betroffene, Angehörige und andere an der Suchtthematik Interessierte gibt es verschiedene Informations- und Beratungsmöglichkeiten in allen Regionen der Schweiz sowie Onlineangebote. Bei Suchtberatungsstellen können Termine vereinbart werden. Viele Angebote sind kostenlos, und die Berater:innen unterliegen der Schweigepflicht.
Es gibt eine Reihe spezialisierter Angebote, die Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, bei ihren Bemühungen begleiten und unterstützen. Mit Unterstützung von Fachleuten erhöhen sich die Erfolgschancen bedeutend.
Hilfe vor Ort
In der Datenbank Suchtindex.ch von Infodrog sind Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfeorganisationen zu finden.
Onlineberatung
Kostenlose und anonyme Onlineberatung zu Suchtfragen für Betroffene, Angehörige und Nahestehende, für Fachpersonen und Interessierte.
Prävention im Bereich Tabak und Nikotin
Die Prävention zielt darauf ab, den Einstieg in den Konsum zu verhindern, die Dauer des Konsums zu begrenzen, den Personen zu helfen, die mit dem Rauchen aufhören möchten, und die Bevölkerung zu unterstützen, die dem Tabakrauch ausgesetzt ist.
Es wird eine Senkung der Prävalenz angestrebt, indem auf der strukturellen und der verhaltensbezogenen Ebene entsprechende Massnahmen formuliert und umgesetzt werden. Die erste Ebene greift in das Umfeld ein und zielt darauf ab, gesundheitsfördernde Lebensräume zu schaffen, die Attraktivität des Produkts und dessen Zugänglichkeit zu verringern und zur Denormalisierung des Tabak- und Nikotinkonsums beizutragen. Zu den wirksamen Massnahmen im WHO-Rahmenübereinkommen, das von der Schweiz nicht ratifiziert wurde, gehören die Erhöhung der Tabakpreise, das Verbot jeglicher Form von Werbung, der Schutz gegen passives Rauchen, die Information der Öffentlichkeit, die Schulung von Fachleuten sowie die Unterstützung bei der Raucherentwöhnung. Die zweite Ebene betrifft die Person und zielt darauf ab, die Kompetenzen der Einzelpersonen im Gesundheitsbereich zu stärken. Dabei sollen Personen unterstützt und ermutigt werden, einen verantwortungsvollen Konsum zu pflegen, indem psychosoziale und konsumbezogene Kompetenzen gefördert werden.
Kinder sind überzeugt, dass Rauchen ungesund ist. In der Jugend erhält der Tabakkonsum unterschiedliche Bedeutungen: Einige Jugendliche sagen, dass sie rauchen, um Spass zu haben oder um zu einer Gruppe zu gehören oder auch um selbstbewusster zu sein, Niedergeschlagenheit, Nervosität oder schlechte Laune zu ertragen. Andere wiederum geben an zu rauchen, weil sie es nicht schaffen aufzuhören. Das Einbeziehen von Gleichaltrigen («peers») hat sich in der Übermittlung von Präventionsbotschaften als wirksam erwiesen.
Feel-ok.ch
Ein informatives Internetportal für Jugendliche, Lehrpersonen und Multiplikator:innen.
Publikationen zu Tabak und Nikotin
Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen im Bereich Tabak und Nikotin zum Download zur Verfügung.
Auf der Website von Migesplus.ch werden Broschüren, Ratgeber, Filme und Bildungsunterlagen in 56 Sprachen zur Verfügung gestellt.
Neuste Artikel und Publikationen.
Schadensminderung bei Tabak- und Nikotinkonsum
Die Schadensminderung hat zum Ziel, die negativen Folgen des Konsums psychoaktiver Substanzen für Betroffene und die Gesellschaft zu minimieren.
Über den Einsatz von E-Zigaretten zur Risikoverminderung gibt es unter Fachpersonen unterschiedliche Haltungen. Einige Fachleute stufen die E-Zigarette nicht als probates Mittel zur Schadensminderung ein, da die Langzeitwirkungen des E-Zigarettenkonsums ihrer Einschätzung nach zu wenig bekannt sind. Erschwert wird die Einschätzung der Langzeitfolgen durch die fehlende Pflicht der Hersteller, die Zusammensetzung der Liquids deklarieren zu müssen.
Andererseits findet bei der E-Zigarette keine Verbrennung statt und die Menge an Schadstoffen in den Liquids könnte geringer sein als diejenige in Zigaretten. Somit stufen einige Fachpersonen die E-Zigarette für Rauchende Personen, welche nicht mit Rauchen aufhören können oder wollen, als weniger schädliche Alternative zur Zigarette ein.
Die Fachpersonen verschiedener Richtungen konnten sich auf ein Positionspapier einigen. Den Befürwortern der E-Zigaretten als Mittel zur Schadensminderung war dieser Kompromiss zu gross, sodass sie ihr eigenes Positionspapier veröffentlicht haben (beide Positionspapiere vgl. unten).
Um die Diskussion voranzutreiben, hat das BAG eine Studie in Auftrag gegeben, welche die wichtigsten offenen Fragen betreffend Schadensminderung beim Nikotinkonsum gemeinsam mit Expert:innen definiert und priorisiert (Cros et al., 2023).
Die Tabakindustrie verkauft seit einigen Jahren auch sogenannte Heat-Not-Burn-Produkte (HNB), wie zum Beispiel IQOS. Gesundheitsorganisationen nennen diese Produkte etwas neutraler «Heated Tobacco Product» (HTP) oder auf Deutsch «Tabakerhitzer». Bei Tabakerhitzern wird, wie der Name sagt, der Tabak stark erhitzt, weswegen gemäss Herstellern kein Rauch entsteht. Sie positionieren die Produkte als gesündere Alternative zur herkömmlichen Zigarette ohne Geschmacksverlust (IQOS steht für «I quit ordinary Smoking»). Die Hersteller argumentieren, dass wegen der fehlenden Verbrennung weniger Schadstoffe eingeatmet werden. Unabhängige Studien (Auer et al., 2017) stellten jedoch fest, dass auch bei Tabakerhitzern eine Verbrennung stattfindet und somit Verbrennungspartikel in die Lunge gelangen. Sie sehen in den Tabakerhitzern deswegen keinen gesundheitlichen Vorteil.
Die Reduktion des Konsums als Massnahme der Schadensminderung hat aus gesundheitlicher Perspektive nur wenig Vorteile. Bereits ab dem Konsum einer Zigarette pro Tag steigt das Risiko für koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle bedeutend (Risiko für koronare Krankheiten: Männer + 48%, Frauen + 57%; Risiko für Schlaganfälle Männer + 25%, Frauen + 31%; vgl. Hackshaw et al., 2018).
Zigarettenfiltern wird zugeschrieben, dass sie Schadstoffe zurückhalten und damit das Rauchen weniger schädlich machen würden. Ein verändertes Verbrennungsmuster erhöht jedoch die Bildung von krebserregenden tabakspezifischen Nitrosaminen (TSNAs). Zudem wurde nachgewiesen, dass Raucher:innen stärker an Filterzigaretten ziehen und dadurch den Rauch tief in die Lunge hinein atmen. Die Schadstoffe des Tabakrauchs dringen so tiefer in die Lunge ein, als wenn die Zigarette keinen Filter hätte. Forschende führen deswegen den Anstieg an Lungenkrebs seit den 1970er Jahren zumindest auf einen Teil der Einführung des Zigarettenfilters in den 1950er Jahren zurück (Hoher Gesundheitsrat, 2023).
Wenn der Tabak nicht geraucht, sondern wie bei Snus oral eingenommen wird, fallen Schädigungen durch die Nebenstoffe der Verbrennung weg. Mit einem hohen Nikotingehalt hat Snus jedoch im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten ein noch höheres Suchtpotenzial. Hinzu kommen bei regelmässigem Konsum Schädigungen wie zum Beispiel vermehrte Kariesbildung, Zahnfleischschwund und orale Leukoplakien. Snus ist somit keine risikofreie Alternative zur Zigarette.
Da Nikotinbeutel keinen Tabak enthalten, können sie weniger schädlich sein als Snus, da die Schadstoffe des Tabaks wegfallen. Es bleibt die Wirkung des Nikotins (vgl. «Wirkung von Tabak und Nikotin»). Allerdings ist der Nikotingehalt auf den Verpackungen nicht unmissverständlich deklariert und dieser teilweise so hoch, dass beim versehentlichen Verschlucken hochdosierter Produkte Vergiftungserscheinungen zu erwarten sind. Bei der Verwendung hochdosierter Produkte wurde deutlich mehr Nikotin im Blut nachgewiesen als nach dem Zigarettenkonsum, sodass von einem stärkeren Suchtpotenzial ausgegangen werden muss.
Hilfe vor Ort
Beratungsangebote bei Tabak- oder Nikotinkonsum.
Praxis Suchtmedizin
Informationen zu Tabak und Nikotin für Fachpersonen.
Drugs – Just Say Know
Safer-Use-Informationen zu Nikotin für Konsumierende.
Regulierung und Gesetzesvollzug im Bereich Tabak und Nikotin
Tabakerzeugnisse gelten heute noch als Lebensmittel und Konsumgüter. Die Tabakverordnung regelt die Herstellung, die zulässigen Bestandteile, die Produktdeklaration, die Warnhinweise und die Werbung.
Das Tabakproduktegesetz tritt voraussichtlich 2024 in Kraft. Es regelt neben Tabakerzeugnissen auch elektronische Zigaretten und pflanzliche Raucherwaren, insbesondere THC-arme Hanfrauchwaren mit CBD. Mit diesem neuen Gesetz wird das Mindestalter für den Verkauf von Tabakerzeugnissen schweizweit auf 18 Jahre angehoben. Tabakwerbung auf Plakaten, in Kinos, auf Sportplätzen, in und an öffentlichen Gebäuden sowie in und an öffentlichen Verkehrsmitteln ist verboten. Tabakwerbung, die sich an Minderjährige richtet, ist verboten. Ebenfalls verboten ist das Sponsoring von Veranstaltungen für Jugendliche oder von Veranstaltungen mit internationalem Charakter. Die Kantone können strengere Bestimmungen beschliessen. Der neue Gesetzestext reicht nicht aus, damit die Schweiz das Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs ratifizieren kann.
Die im Jahr 2022 vom Volk angenommene Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung» umfasst weiter gehende Bestimmungen, indem jede Form von Werbung für Tabakprodukte an öffentlichen Orten in der ganzen Schweiz verboten werden soll. Das neue Tabakproduktegesetz muss entsprechend adaptiert werden, die Änderungen werden spätestens 2025 in Kraft treten.
Zahlen zum Tabak- und Nikotinkonsum
Zahlen zum Tabak- und Nikotinkonsum in der Schweiz, zu den Folgen und dem Markt finden sich auf folgenden Seiten.
Monitoring-System Sucht und nichtübertragbare Krankheiten (MonAM)
Website des Bundes mit Kennzahlen zu Sucht und nicht-übertragbare Krankheiten.
Weiterführende Informationen zu Tabak und Nikotin für Fachpersonen
Praxis Suchtmedizin
Medizinische Informationen für Hausärzt:innen sowie weitere Berufsgruppen der medizinischen Grundversorgung.
Informationsplattform für Prävention im Praxisalltag
PEPra ist ein Projekt der FMH und weiterer Trägerorganisationen zur Förderung der Prävention und Früherkennung von nicht übertragbaren Krankheiten, Sucht und psychischer Gesundheit in der ambulanten medizinischen Grundversorgung.
Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz (AT Schweiz)
AT Schweiz ist das Kompetenzzentrum für Tabakprävention der Schweiz.
Publikationen im Suchtbereich
Sucht Schweiz stellt verschiedene Materialien und Publikationen zum Download zur Verfügung.
Quellen
Auer R: Smoke by Any Other Name. JAMA Intern Med. 2017;177(7):1050–1052. doi:10.1001/jamainternmed.2017.1419Concha-Lozano N Jacot-Sadowski I Cornuz J Berthet A. Heat-Not-Burn Tobacco Cigarettes
Cros J, Lebon L, Jacot Sadowski I, Delgrande Jordan M, Zobel F, Zürcher K. 2023. Questions de recherche ouvertes sur la réduction des risques dans le domaine du tabagisme en Suisse : avis d’experts. Étude menée sur mandat de l'Office fédéral de la santé publique. Lausanne: Centre universitaire de médecine générale et santé publique (Unisanté) - Université de Lausanne.
Gesundheitliche Bewertung von Nikotinbeuteln (Nikotinpouches) : Aktualisierte Stellungnahme Nr. 023/2022 des BfR vom 7. Oktober 2022: PDF.
Hoher Gesundheitsrat. 2023. Die Auswirkungen von Zigarettenfiltern auf die öffentliche Gesundheit und die belgische Umwelt. Stellungnahme 9527. Brüssel: SHC.
Mallock N et al. Levels of nicotine and tobacco-specific nitrosamines in oral nicotine pouches. Tobacco Control, 2022: p. tobaccocontrol-2022-057280.
News zum Thema Tabak | Nikotin
Die neue Plattform Vapefree.info informiert Eltern und Lehrpersonen zum Thema Vapen und Einweg-E-Zigaretten. Das Hauptziel dieser Plattform besteht darin, Wissenslücken zu schliessen und Hilfestellungen bei der Aufklärung über diese Produkte zu leisten. Lanciert wurde die Website von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz und der Lega polmonare ticinese, finanziert durch den Tabakpräventionsfonds TPF des Bundes.
Die Präventionskampagne «VapeCheck» geht mit einer Medienmitteilung an die Öffentlichkeit. Auf TikTok und Instagram werden bis am 24. September laufend neue Videos zum Thema Vapen veröffentlicht, die zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema anregen. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche vor dem Erstkonsum. Jugendarbeitende und weitere Fachpersonen werden motiviert, gemeinsam mit Jugendlichen die Videos weiterzubearbeiten und zu verbreiten.
Mehrere Deutschschweizer Kantone haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam die Social-Media-Kampagne VapeCheck umzusetzen. Von Anfang September bis zum 24. September veröffentlichen national und lokal bekannte Influencerinnen und Influencer Fakten zum Thema Vapen. In den Videos werden Fakten thematisiert und ein Quiz bekannt gemacht. Verbreitet wird die Kampagne gemeinsam mit Akteuren der Kinder und Jugendarbeit. Diese werden im Zeitraum von Oktober 2023 bis März 2024 Jugendliche motivieren, aufbauend auf den bestehenden Videos eigene Produktionen zu gestalten und zu veröffentlichen. So setzen sich die Kinder und Jugendlichen aktiv mit den Inhalten und der Kreation von Videos auseinander. Infodrog koordiniert die Kampagne und Akzent Prävention und Suchttherapie Luzern ist für die inhaltliche Umsetzung zuständig.