Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03338.jsonl.gz/1189

Um 05:29 Uhr beginnt sie, die totale Mondfinsternis. Kurz bevor der Vollmond am 16. Mai 2022 untergeht, hat er also noch ein kleines Highlight für Beobachtende auf Lager.
Mondfinsternisse gibt es nur bei Vollmond: Sonne, Erde und Mond stehen dabei genau auf einer Linie. Der Mond tritt in den Schatten der Erde ein und kann nicht weiter vom Sonnenlicht bestrahlt werden. Er verdunkelt sich also.
Immer wieder sorgt das astronomische Spektakel der totalen Finsternis, das nicht alle Jahre stattfindet, in den sozialen Medien und unter Hobby-Fotografen für Aufsehen. Denn erstaunlicherweise sieht der Mond nicht völlig dunkel oder schwarz aus – er leuchtet rötlich-orange. Daher die Bezeichnung «Blutmond». Aber warum eigentlich rot?
Blutmond: Der Grund für die rote Färbung
- Der Grund, warum der Mond eine rötliche Farbe annimmt, ist ein Phänomen namens «Rayleigh-Streuung»: Es ist derselbe Mechanismus, der dafür verantwortlich ist, dass Sonnenauf- und -untergänge bunt sind und der Himmel blau erscheint. Auch wenn das Sonnenlicht für das menschliche Auge weiss erscheint, besteht es in Wirklichkeit aus verschiedenen Farben. Diese Farben sind durch ein Prisma oder in einem Regenbogen sichtbar.
- Die Farben im roten Teil des Spektrums haben längere Wellenlängen und niedrigere Frequenzen als die Farben im violetten Teil des Spektrums, die kürzere Wellenlängen und höhere Frequenzen haben.
- Das nächste Puzzleteil bei der Frage, warum sich ein völlig verfinsterter Mond rot färbt, ist die Atmosphäre der Erde. Die Luftschicht, die unseren Planeten umgibt, besteht aus verschiedenen Gasen, Wassertröpfchen und Staubpartikeln. Wenn Sonnenlicht, das in die Erdatmosphäre eintritt, auf Partikel trifft, die kleiner sind als die Wellenlängen des Lichts, wird es in verschiedene Richtungen gestreut. Allerdings werden nicht alle Farben des Lichtspektrums gleichermassen gestreut. Farben mit kürzeren Wellenlängen, insbesondere Violett und Blau, werden stärker gestreut, so dass sie dem Sonnenlicht entzogen werden, bevor es bei einer Mondfinsternis auf die Oberfläche des Mondes trifft.
- Die Farben mit längeren Wellenlängen, wie rot und orange, durchdringen die Atmosphäre. Dieses rot-orangefarbene Licht wird dann um die Erde herum gebeugt oder gebrochen, trifft auf die Mondoberfläche und verleiht ihr das rötlich-orangefarbene Leuchten, für das totale Mondfinsternisse bekannt sind.
Der Höhepunkt des Blutmondes soll um 06:12 Uhr erreicht werden. Wer das Ganze fotografisch festhalten will, muss allerdings noch etwas früher aufstehen – und sich mit einer leichten Färbung zufriedengeben.
Denn in Zürich geht der Mond bereits um 05:50 Uhr unter und um 05.46 Uhr ist Sonnenaufgang. In der Deutschschweiz wird es auch zu einigen Wolken kommen – nicht gerade die allerbesten Bedingungen für eine Beobachtung. Laut dem Zeitzonen-Onlinetool «timeanddate» stehen die Chancen auf die beste Sicht um 05:37 Uhr an einem höher gelegenen Ort.
Tipps vom Profi
Trotzdem gibt es Chancen auf tolle Bilder, wie auch der Fotograf Tunç Tezel weiss. Hier seine Tipps für alle, die Blutmond-Fotos knipsen können.
- Die Vorbereitung ernst nehmen:
«Vorbereitung ist alles: Wenn Sie Fotos von einer Mondfinsternis machen wollen, empfehle ich Ihnen, eine gute Stunde vorher an Ort und Stelle zu sein. Dann können Sie Ihre Ausrüstung in Ruhe auspacken und vorbereiten.»
- Zoomobjektiv und Stativ verwenden:
Für eine gute Nahaufnahme des Mondes während der Finsternis sei es besser, ein Tele- oder Zoomobjektiv zu verwenden, so der Experte. «Und ein System mit hoher Vergrösserung mit einem Tele- oder Zoomobjektiv, benötigt meist ein Stativ, um sicherzustellen, dass die Bilder nicht verwackelt oder unscharf sind.»
- An einem höher gelegenen Ort fotografieren:
Für die bevorstehende Mondfinsternis am 16. Mai sei es eine gute Idee, sich an einen höher gelegenen Ort mit freier Sicht auf den Südwesten zu begeben, damit die Sichtbarkeit des Mondes um einige Minuten verlängert wird und man mehr von der Sonnenfinsternis sehen kann, erklärt der Fotograf.
«Um sicherzugehen, dass die Finsternis sichtbar ist, empfehle ich, den Zeitpunkt des Monduntergangs am Morgen des 16. Mai mit PeakFinder zu ermitteln.»
Weitere Tipps vom Profi
- Die Ausstattung: «Sie müssen nicht mit einer professionellen Kamera unterwegs sein. Auch das Handy geht! Deaktivieren Sie aber den Blitz. So kommt das natürliche Licht mehr zum Tragen. Und: Lassen Sie mehrere Lichtquellen einfliessen. Warme, künstliche Lichter können, besonders während der Dämmerung, das kühle Mondlicht kontrastieren.»
- Die Umgebung nutzen: «Da diese Finsternis in der Morgendämmerung stattfindet, ist es relativ einfach, schöne Bilder des untergehenden verfinsterten Mondes zusammen mit Objekten im Vordergrund wie Bäumen, Gebäuden, Hügeln zu machen, um eine schöne Komposition zu erhalten. Der Vollmond in der Morgendämmerung wird in schön ausgewogenen Lichtverhältnissen mit einem hoffentlich farbenfrohen Vordergrund zu sehen sein.»
- ISO-Werte beachten: «Ich empfehle mindestens ISO 400, vorzugsweise ISO 800 oder 1600. Wenn kein Stativ zur Verfügung steht, kann auch ein höherer Wert wie ISO 3200 oder ISO 6400 verwendet werden, um die Belichtungszeit zu verkürzen und wackelige, unscharfe Bilder zu vermeiden. In jedem Fall ist es ratsam, viele Aufnahmen zu machen, um sicherzustellen, dass Sie einige Bilder mit guter Qualität erhalten.»
Am 27. Juli 2018 hat sich übrigens die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts ereignet. Von etwa 21:30 bis gegen 23:15 Uhr war die Scheibe des Vollmonds in rötliches Licht getaucht. Eine totale Mondfinsternis, die ähnlich lange dauern wird, soll erst wieder im Jahr 2123 stattfinden.