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Über die Punktprävalenz-Erhebung
Die Punktprävalenz-Erhebung der Healthcare-assoziierten Infektionen und des Einsatzes antimikrobieller Mittel in Schweizer Akutspitälern: Worum geht es?
Wozu dient die Erhebung?
Jährlich erkranken viele Patientinnen und Patienten in Schweizer Spitälern an einer Healthcare-assoziierten Infektion. Bis zu 50% der HAI liessen sich dank Surveilllance- und Präventionsmassnahmen vermeiden. Der Bundesrat anerkannte Handlungsbedarf auf dem Gebiet der HAI-Prävention und reihte die Bekämpfung von HAI unter die Prioritäten seiner Gesamtstrategie «Gesundheit2020» ein. Das Bundesamt für Gesundheit lancierte die «Nationale Strategie zur Überwachung, Prävention und Bekämpfung von nosokomialen Infektionen» Strategie NOSO. Das Globalziel der Strategie ist die Reduktion der Anzahl healthcare-assoziierter Infektionen und die Verhinderung der Ausbreitung potenziell gefährlicher Erreger im Bereich der stationären Pflege. Ein zentrales Element der Strategie besteht in der Beurteilung des Ausmasses healthcare-assoziierter Infektionen in der Schweiz. Die Punktprävalenzerhebung stellt die einfachste Methode zur Durchführung einer solchen Beurteilung dar.
Punktprävalenzerhebungen haben in der Spitalhygiene und in der Prävention healthcare-assoziierter Infektionen eine lange Tradition. Bereits 1981 empfahl eine Sachverständigengruppe der WHO die Durchführung nationaler Erhebungen, um das globale Ausmass healthcare-assoziierter Infektionen abzuschätzen. Obgleich die Empfehlung zuerst kaum Beachtung fand, führten in den darauf folgenden Jahren dennoch immer mehr Länder Punktprävalenzerhebungen healthcare-assoziierter Infektionen durch.
PPS 2017
In den Jahren 2016 und 2017 hat das ECDC seine zweite Punktprävalenz-Erhebung healthcare-assoziierter Infektionen und des Gebrauchs antimikrobieller Medikamente in den Ländern der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums sowie in den Beitrittsländern durchgeführt. Zeitgleich führte die Schweiz zwischen April und Mai 2017 eine nationale Erhebung (CH-PPS) zum selben Thema und unter Anwendung desselben Protokolls durch. Eine erfreulich hohe Zahl von 96 Schweizer Spitäler haben daran teilgenommen und Daten von rund 13‘000 Patientinnen und Patienten erhoben. Die identifizierte Prävalenz von HAI betrug 5,9%, was die Schweiz im europäischen Durchschnitt positioniert.
Was sind die Ziele der Punktprävalenz-Erhebung?
- Abschätzung des Ausmasses healthcare-assoziierter Infektionen und des Einsatzes von Antibiotika in Schweizer Akutspitälern
- Charakterisierung der Patientinnen und Patienten, der invasiven Verfahren, der healthcare-assoziierten Infektionen (Typ, Mikroorganismen einschliesslich der antimikrobiellen Resistenzmarker) sowie der verabreichten antimikrobiellen Medikamente (Substanzen, Indikationen)
- Analyse von Strategien zur Vermeidung healthcare-assoziierter Infektionen (Messung von Organisations- und Struktur-Indikatoren)
Wie oft findet die Punktprävalenz-Erhebung statt?
Die erste Punktprävalenzerhebung (CH-PPS) healthcare-assoziierter Infektionen und des Antibiotikagebrauchs (AU) in Schweizer Akutspitälern hat 2017 stattgefunden.
In den Jahren 2018 und 2019 wurde interessierten Akutspitäler die Möglichkeit geboten, die CH-PPS Plattform für jährliche Punktprävalenz-Erhebungen zu nutzen. Dies war möglich Dank der finanziellen Unterstützung des Bundesamtes für Gesundheitswesen.
Im Jahr 2021 bleibt unsere Datenbank für Spitäler, die daran interessiert sind, ihre PPS zwischen April und Juli 2021 durchzuführen, weiterhin verfügbar und kostenlos. Die Datenerhebung wird sich auf healthcare-assoziierte Infektionen (HAI) und den Einsatz von antimikrobiellen Mitteln auf allgemeiner Ebene konzentrieren, ohne Einzelheiten zu Indikationen, Diagnose und Änderung der Therapie. Auch Indikatoren für Spitäler werden nicht erhoben
Die nächste nationale Erhebung zur Punktprävalenz wird im Jahr 2022 durchgeführt. Die Wiederholung einer nationalen Prävalenzerhebung nach fünf Jahren wird als Index für den Fortschritt bei der Kontrolle von HAI in der Schweiz dienen. Darüber hinaus werden die Schweizer Daten mit den europäischen Daten verglichen, da das European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) ihre PPS zur gleichen Zeit durchführen wird. Wir werden Ihnen alle notwendigen Informationen Ende 2021 zustellen.
Welche Spitäler können teilnehmen?
Swissnoso lädt sämtliche Schweizer Akutspitäler zur Teilnahme ein. Ausgeschlossen sind Patienten in Notaufnahmen (ausgenommen bei einer Verweildauer von mehr als 24 Stunden), psychiatrischen Stationen, Rehabilitations-Abteilungen und in allen übrigen Langzeitpflegeeinrichtungen. Wenn Sie Ihr Spital für die Teilnahme an Punktprävalenz-Erhebung anmelden möchten, schicken Sie bitte ein Email an <email-pii>.
Woraus besteht diese Erhebung?
Methode
Um die Situation in der Schweiz mit den Verhältnissen in den übrigen europäischen Ländern vergleichen zu können, übernahm die Schweiz für die Prävalenzerhebung das ECDC-Protokoll und passte es den spezifischen Bedürfnissen der Schweiz an. Die angepassten Protokolle sind in deutscher, italienischer und französischer Fassung im pdf-Format verfügbar.
Datenerhebung
Die Spitäler sind gebeten, die Daten zwischen April und Juni des jeweiligen Jahres zu erheben. Pro Station/Abteilung müssen die Daten an einem einzigen Kalendertag erfasst werden. Die gesamte Zeitspanne der Datenerfassung aller Stationen darf länger sein, sollte jedoch zwei Wochen nicht überschreiten.
Die Spitäler sind frei in der Zusammensetzung der Datenerfassungsteams. Es empfiehlt sich, Hygienefachberater und Hygienefachärzte mit der Datenerfassung zu beauftragen. Fachpersonen, welche die Patienten betreuen, sollten selbst keine Daten erheben, jedoch das Datenerfassungsteam bei Bedarf unterstützen.
Zur Sicherheit empfehlen wir, Daten zuerst auf ausgedruckten Papierformularen zu erheben, und erst anschliessend in die elektronische Datenbank einzugeben.
Eingabe/ Übermittlung der Daten
Jedes Spital muss sich zur Eingabe der Daten in der elektronischen Datenbank im CH-PPS-Portal registrieren. Das Koordinationszentrum prüft die Registrierungsanfrage, vergibt den Code und schaltet das Spital frei. Dieses erhält daraufhin eine E-Mail. Wir empfehlen, die Zahl der Personen, welche Daten eingeben gering zu halten.
Feedback an die Spitäler
Jedes Spital, dessen Daten vollständig in die elektronische Datenbank eingegeben werden konnten, kann jederzeit über die Funktion «Auswertung» im CH-PPS-Portal ein individuelles Feedback erhalten. Sobald die Daten für die ganze Schweiz verfügbar sind, werden anonymisierte gruppierte Daten auf der CH-PPS-Plattform hinterlegt.