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Die Berufsmaturität hat noch viel Potenzial
Die Berufsmaturität eröffnet den direkten Zugang aus der Berufsbildung in die Hochschulbildung. Die Berufsmaturitätsquote unterscheidet sich je nach Beruf stark. Die kleineren Berufe Elektroniker/in, Laborant/in, Konstrukteur/in und Mediamatiker/in haben die höchsten Anteile. Insgesamt stagniert aber die Quote. Das Schweizerische Observatorium für die Berufsbildung OBS EHB beleuchtet die Herausforderungen in einer neuen Studie.
Forschende des OBS EHB am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB haben in einem mit Bundesmitteln geförderten Projekt genauer untersucht, welche Faktoren einen erfolgreichen BM-Abschluss und anschliessenden Übertritt in die Tertiärstufe begünstigen und welche ihn hemmen. Erst seit kurzem ist es dank der modernisierten Bildungsstatistik möglich, die Bildungswege aller Lernenden über einen längeren Zeitraum hinweg zu analysieren. Ihre Erkenntnisse präsentieren die Forschenden heute an einer online durchgeführten Tagung und im neusten Trendbericht des OBS EHB mit dem Titel «Berufsmaturität. Bildungsverläufe, Herausforderungen und Potenziale».
- Rund ein Viertel der Lernenden, die in der Schweiz eine drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung absolvieren, machen einen BM-Abschluss, rund 13 Prozent während (BM1), rund 10 Prozent nach der Ausbildung (BM2).
- Die Erfolgsquote beträgt bei der BM1 rund zwei Drittel und bei der BM2 rund vier Fünftel (Jahre 2012–2017) und variiert je nach Beruf stark.
- Zwei Drittel der Lernenden mit BM-Abschluss beginnen ein Hochschulstudium, die meisten an einer Fachhochschule. Ein Drittel wechselt dabei in ein neues Berufsfeld.
- Die BM-Absolvierenden konzentrieren sich auf wenige Berufe. Bei der BM 1 entfallen drei Viertel der Abschlüsse auf acht, bei der BM 2 auf 15 der total rund 230 Berufe.
- Die kleineren Berufe Elektroniker/in, Laborant/in, Konstrukteur/in und Mediamatiker/in sind die Berufe mit den höchsten BM-Anteilen. Von den zehn meistgewählten drei- oder vierjährigen beruflichen Grundbildungen haben mit Informatiker/in, Polymechaniker/in, Zeichner/in und Kauffrau/-mann E-Profil nur vier Berufe überdurchschnittlich hohe BM-Anteile.
- Ausbildungsplätze für die BM1 sind stark von der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe abhängig. Wenn Betriebe BM-Lernende ausbilden, halten sich Kosten und Nutzen dafür die Waage. Betriebe mit herkömmlichen Lernenden erzielen zwar einen etwas höheren Nettonutzen, die BM-Betriebe können jedoch leistungsfähigere Lernende rekrutieren. Punkto Zufriedenheit der Lehrbetriebe zeigt sich denn auch kein Unterschied.
- Die BM1- und BM2-Quoten wie auch die gymnasialen Maturitätsquoten sind kantonal sehr unterschiedlich. Die höchsten BM-Quoten (BM1 und BM2 zusammen) haben Tessin und Schaffhausen, die tiefsten haben Genf und Basel-Stadt. Es zeigt sich dabei keine direkte Konkurrenz zwischen der BM und der gymnasialen Maturität, so ist zum Beispiel im Tessin auch die gymnasiale Maturitätsquote hoch.
- Seit 2017 sind national vier verschiedene Wege (Eckwerte) etabliert worden, um die BM-Ausbildung flexibler zu gestalten. Sie bieten Potenzial, um Lernende optimal zu begleiten und zu fördern, zum Beispiel, um die Erfolgsquoten der BM1 zu erhöhen. Die Kantone haben diese Wege unterschiedlich umgesetzt. Die Wirkung dieser Flexibilisierungsmöglichkeiten und anderer Ausgestaltungsmodelle sollte näher erforscht werden.
Die BM1 und die BM2 sprechen teils andere Zielgruppen an. Die BM2 scheint das integrativere BM-Modell zu sein. Die BM2-Abschlüsse sind von 2012 bis 2019 um fast 21 Prozent gestiegen, während die BM1-Abschlüsse leicht zurückgingen. Es stellt sich die Frage, wie sich die beiden BM-Modelle weiterentwickeln lassen, um die Potenziale beider Typen besser zu nutzen.
Um die BM-Quote zu steigern und der Nachfrage nach tertiär gebildeten Fachkräften nachzukommen, sollte die BM für Lernende und Betriebe aus einem breiteren Berufsspektrum attraktiv gemacht werden. Dabei kommt den Organisationen der Arbeitswelt (OdA) eine zentrale Rolle zu.