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Herr Trachsel, warum kann man bei uns Speisesalz mit Jod kaufen?
Jod ist ein essenzielles Spurenelement, das wir für die Bildung der Schilddrüsenhormone benötigen. Bei akutem Jodmangel kann es zu einer Vergrösserung der Schilddrüse kommen oder zu anderen schwerwiegenden Mangelerscheinungen wie Kleinwuchs und geistige Minderentwicklung. Besonders riskant ist Jodmangel in der Wachstumsphase von Kindern. Da es früher in der Schweiz häufig zu solchen Mangelerscheinungen kam, beschloss man um 1920, das Speisesalz mit Jod zu versetzen. Da fast alle Menschen regelmässig Salz konsumieren, ist dies auch heute noch der ideale Träger für Jod.
Was war der Effekt dieser Jodierung?
Die Gesundheitsuntersuchungen, die man beim Eintritt in die Rekrutenschule durchführte, zeigten deutlich, dass die erwähnten Mangelerscheinungen nach der Einführung der Jodierung schnell abnahmen. Würde man die Jodierung des Salzes stoppen, würde sich aber auch rasch wieder der gegenteilige Effekt bemerkbar machen. Aufgrund des Trends zu einer salzarmen Ernährung besteht die Gefahr, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen bezüglich Jod in Zukunft wieder unterversorgt sind.
Kann man Jod nicht auch über andere Nahrungsmittel aufnehmen?
Gerade in der Schweiz ist dies schwierig, da unsere Böden jodarm sind – insbesondere in den Alpenregionen. Besonders viel Jod enthalten Fisch und Meeresfrüchte. Deshalb verzichten Regionen, die direkt am Meer liegen, teilweise auf die Jodierung von Salz.
Und was hat es mit der Fluoridierung des Speisesalzes auf sich?
Die Idee, dem Speisesalz Fluor hinzuzufügen, kam ungefähr um 1950 auf. Diese Massnahme ergriff man , um Karies zu bekämpfen. Fluor hat einen härtenden Effekt auf den Zahnschmelz, dieser wird resistenter gegen kariöse Einflüsse. Im Gegensatz zu Jod ist Fluor aber kein essenzielles Spurenelement. Deshalb wird die Fluoridierung auch kontroverser diskutiert als die Jodierung des Salzes.
Welche Aspekte werden besonders diskutiert?
Während der Einsatz von Jod zur Vermeidung von Jodmangelkrankheiten weitgehend unbestritten ist, diskutierte man die Verwendung von Fluor zum Schutz vor Zahnkaries stets etwas kontroverser. Beim Salz haben die Konsumentinnen und Konsumenten die Wahlfreiheit: Wir produzieren sowohl Speisesalz mit sowie ohne Jod und Fluor.
Wie kommen Jod und Fluor in unser Speisesalz?
Jod und Fluor werden künstlich beigesetzt, indem wir das Salz auf dem Förderband mit einer Lösung besprühen, die Kaliumjodid und Kaliumfluorid enthält. Im schweizerischen Lebensmittelgesetz ist genau definiert, in welcher Form und Menge wir Jod und Fluor beifügen dürfen.
Wer bestimmt die dort definierten Mengen?
Die Fluor- und Jodkommission der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften entscheidet das gemeinsam mit dem Bundesamt für Gesundheit. Die Kommission besteht aus Spezialisten aus der Medizin und dem Lebensmittelbereich und trifft sich einmal jährlich. Sollte sich etwas am Jod- und Fluorbedarf der Bevölkerung verändern, erhalten wir den Auftrag, unsere Produktion entsprechend anzupassen. Zum letzten Mal erhöhten wir den Jodgehalt im Salz im Jahr 2014, von 20 auf 25 Milligramm pro Kilogramm.