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<h2>SubmittedText<h2><p>Die Umwelt umfasst neben den natürlichen Systemen mit ihren natürlichen Prozessen auch die anthropogenen Systeme mit ihren technischen und sozialen Prozessen. Beide stehen miteinander in Wechselwirkung. Die anthropogenen Systeme beziehen lebensnotwendige Ressourcen aus der Natur und geben ihre Abfälle in das natürliche System zurück.</p><p>Die Bau- und Umweltingenieurwissenschaften befassen sich in der baulichen und technischen Infrastruktur anthropogener Systeme mit den Naturgefahren und der Ver- und Entsorgung von Ressourcen (Raum, Wasser, Luft, Energie, Feststoffe).</p><p>Die wissenschaftlichen Schwerpunkte des Bau- und Umweltingenieurwesens sind bekanntlich:</p><p>- der Entwurf, die Erstellung und die Erhaltung von anspruchsvollen Tragwerken;</p><p>- die Planung von Infrastruktursystemen;</p><p>- die Ressourcenbewirtschaftung;</p><p>- die Erfassung und Interpretation von Geo-, Umwelt- und Bauwerkdaten.</p><p>Diese Schwerpunktgebiete bilden eine thematische Einheit, die global angegangen werden muss. Es gilt vor allem nachhaltig konforme hybride Systeme (Materialkombinationen) zu entwickeln, die den erneuerbaren Ressourcen, insbesondere dem Holz, gebührend Rechnung tragen.</p><p>Diese Darstellung der Problematik zeigt die Wichtigkeit der Ingenieurwissenschaft im Bauwesen. Die Bildungs- und Forschungskette muss vollständig sein und alle Niveaus umfassen, und zwar von den Berufsschulen über die Fachhochschulen bis und mit ETH Zürich bzw. ETH Lausanne oder umgekehrt vom universitären Niveau bis hinunter zur Praxis.</p><p>Wissen und Forschung als einzige einheimische "Rohstoffressource" sind für die Schweiz und ihre Volkswirtschaft von ausserordentlicher Bedeutung. Die momentane Situation lässt befürchten, dass die Schweiz in diesem Wissenschafts- und Forschungsbereich im europäischen Vergleich laufend an Terrain verlieren wird, wenn nicht entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Diese Ansicht wird von namhaften Fachpersonen bestätigt. </p><p>Ich bitte den Bundesrat deshalb um Stellungnahme zu folgenden Fragen:</p><p>1. Teilt er die Meinung, wonach Lehre und Forschung im Bereich der Architektur- und baurelevanten Ingenieurwissenschaften auf Hochschulebene, insbesondere im ETH-Bereich, nachhaltig zu stärken seien?</p><p>2. Ist er bereit, die Forderung nach dazu notwendigen Vorkehrungen (z. B. im personellen, infrastrukturellen und in allfällig anderen Bereichen) zu unterstützen?</p><p>3. Ist er bereit, die dazu allfällig notwendigen Mittel bereitzustellen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat kann sich der sorgfältigen, einleitenden Analyse des Interpellanten anschliessen. Sie widerspiegelt die komplexe Situation des Fachbereiches Bauwesen im transdisziplinären Umfeld neben Architektur, Materialwissenschaften, Naturwissenschaften und dem Bauingenieurwesen im engeren Sinn.</p><p>Im Leistungsauftrag des Bundesrates an den ETH-Rat vom 12. Mai 1999 für die Jahre 2000-2003 wird das Thema in der Beschreibung der einzelnen Aufträge behandelt. Auf der einen Seite erwartet der Bundesrat, dass die orientierte Forschung und die Wissensentwicklung in den transdisziplinären Bereichen eine deutliche Förderung erfahren werden (z. B. anwendungsorientierte Biologie, Materialwissenschaften, Umwelt, Energie). Die zu erwartenden Leistungen aus diesem Auftrag entsprechen recht genau den Forderungen des Interpellanten. Der Bundesrat erwartet andererseits vom ETH-Rat aber auch in einigen Gebieten eine Redimensionierung, namentlich beim Bauwesen. Diese Aufträge sind konsistent mit der Strategischen Planung des ETH-Bereiches für die Jahre 2000-2003 vom 24. September 1997.</p><p>Die strategischen Zukunftsfragen des Bauwesens haben auch zu einer intensiven Zusammenarbeit zwischen der schweizerischen Bauwirtschaft, ihren Verbänden, den Kunden, dem Bund und den Hochschulen geführt. An einem Treffen vom 11. Februar 2000 haben in Bern Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertreter der genannten Gruppen unter dem Thema "Visionen und Perspektiven für Baufachleute" Thesen und Empfehlungen für Massnahmen zur Förderung der Bauberufe auf Hochschulstufe erarbeitet und ein Grundsatzpapier verfasst. Im Kapitel Lehre und Forschung einigten sich diese Vertreterinnen und Vertreter auf zwei Grundsätze: Die Wirtschaft, die Verbände und die Bildungsinstitutionen schaffen eine Lehr- und Forschungsplattform. Diese Plattform ist errichtet und an der Arbeit. Ferner wurde in einem zweiten Grundsatz festgelegt, dass die Fachhochschulen und die beiden ETH ihr Leistungsangebot überprüfen und koordinieren.</p><p>Zu den Fragen im Einzelnen</p><p>1. Der Bundesrat teilt diese Meinung des Interpellanten. Die einleitenden Ausführungen belegen, dass dieses Thema vom ETH-Rat selber, von den Institutionen des ETH-Bereiches, aber auch zusammen mit externen Partnerinnen und Partnern bereits intensiv bearbeitet wird.</p><p>Der Bundesrat ist darüber informiert, dass der ETH-Rat zurzeit die Strategische Planung für die Jahre 2004-2007 erarbeitet, welche im September 2002 verabschiedet wird. Im Sinne von Vorinformationen kann erwähnt werden, dass die Ingenieurausbildung - damit auch das Bauingenieurwesen - weiterhin als Kernkompetenz des ETH-Bereiches betrachtet wird. Für das Bauwesen im Einzelnen werden die begonnenen Restrukturierungsaufgaben weitergeführt. Es geht neu nicht nur um die Festlegung der Aufgabenteilungen zwischen den beiden ETH, sondern auch mit der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. Im Fokus steht eine Effizienzsteigerung der Lehre und die entsprechenden Konsequenzen für die Baulabors. Ferner werden die Aktivitäten in den Bereichen Holz, Haustechnik (im Sinne des "facility managements"), Raumordnung (Urbanistik und Raumplanung) sowie Materialwissenschaften überprüft.</p><p>Die ETH Lausanne wird mit dem Inkrafttreten der neuen Organisationsverordnung vom 1. Januar 2002 grundlegend reorganisiert. Im Bereich Bau wurde eine neue Fakultät "Environnement naturel, architectural et construit" gebildet. Auch im Rahmen dieser Entwicklung stehen die transdisziplinären Problemlösungen im Vordergrund. Ferner will sich die Fakultät mit Herausforderungen wie Wachstum der grossen Städte, Energieverbrauch, Transport, Erdbebenrisiko sowie mit den erhöhten Anforderungen an die nachhaltige Entwicklung (sustainability) befassen.</p><p>Die in der Einleitung erwähnte Plattform hatte im Februar 2002 die letzte Sitzung. Dabei wurde festgehalten, dass die Spitzenverbände in direkten Kontakten mit den beiden ETH und der Empa die anstehenden Probleme lösen werden. Ferner erfolgt eine Bündelung der Information und Verbreitung von Entscheiden zwischen der Schweizerischen Bauwirtschaftskonferenz, dem SIA und dem ETH-Bereich. Das nächste Gespräch findet im Sommer 2002 statt.</p><p>2. Der Bundesrat hat die Möglichkeit, durch seine Aufträge im Rahmen des Leistungsauftrages an den ETH-Rat für die Jahre 2003-2007 die Aktivitäten auf dem Gebiet zu steuern. Er wird der Formulierung der Ziele und Vorgaben im Bereich Lehre und Forschung im Bauwesen besondere Beachtung schenken.</p><p>3. Der Bundesrat wird die Mittel für den ETH-Bereich in der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2004-2007 beantragen. Das Parlament wird voraussichtlich gemäss dem inzwischen revidierten ETH-Gesetz über grundsätzliche wissenschaftspolitische Vorgaben und den Zahlungsrahmen entscheiden. Gestützt darauf legt der Bundesrat den Inhalt des Leistungsauftrages an den ETH-Rat fest. Die Aufteilung der Mittel auf die sechs Institutionen des ETH-Bereiches liegt in der Kompetenz des ETH-Rates. Die Dotierung der Fachgebiete erfolgt durch die Institutionen gestützt auf die strategische Planung und die Leistungsvereinbarungen zwischen dem ETH-Rat und den Institutionen des ETH-Bereiches.</p><p>Die bisherigen Ausführungen legen nahe, dass im Bereich Bauwesen zurzeit nicht neue grosse Projekte oder Vorhaben verwirklicht werden müssen. Vielmehr geht es um Restrukturierungen, Arbeitsteilungen und um eine Konsolidierung der transdisziplinären Fragen. Auch die geplante Einführung des gestuften Studiums (Bachelor/Master-Abschlüsse) führt für das Bauwesen - wie bei den übrigen Studienrichtungen im ETH-Bereich - zu einer grundlegenden Reorganisation. Im Vordergrund steht also eine visionäre Festlegung von Prioritäten und Posterioritäten.</p>  Antwort des Bundesrates.