Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03181.jsonl.gz/2987

| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

18. Buch
14. Die theologisierenden Dichter.
In demselben Zeitabschnitt traten eigenartige Dichter auf, die man auch Theologen nannte. Sie machten nämlich Gedichte über Götter, jedoch über Götter, die in Wirklichkeit nur Menschen waren, wenn auch bedeutende, oder Elemente der vom wahren Gott erschaffenen Welt sind, oder nach des Schöpfers Willen und eigenem Verdienst eine Herrschaft- und Machtstellung einnehmen; mögen sie dabei unter dem Wuste nichtigen und verlogenen Inhalts auch etwa gelegentlich dem einen wahren Gott gehuldigt haben, so dienten sie ihm doch nicht auf die rechte Art, da sie neben ihm noch andere verehrten, die nicht Götter sind, und diesen eine Gefolgschaft leisteten, wie man sie nur dem einen Gott schuldet. Und auch sie vermochten sich nicht freizuhalten von der Verunstaltung ihrer Götter durch Fabeln; ich denke da an Orpheus, Musäus und Linus. Indes haben diese „Theologen“ die Götter verehrt, sind wenigstens nicht selbst als Götter verehrt worden; nur den Orpheus pflegt die Genossenschaft der Gottlosen irgendwie mit den Feiern oder Sakrilegien zu Ehren der unterweltlichen Götter in einen leitenden Zusammenhang zu bringen. Dagegen die Gemahlin des Königs Athamas, Ino mit Namen, und ihr Sohn Melicertes, die sich durch einen Sturz ins Meer das Leben nahmen, sind durch Menschenwahn unter die Götter versetzt worden, und ebenso zwei andere Menschen dieses Zeitalters, Castor und Pollux. Die Mutter des Melicertes nannten übrigens die Griechen Leukothea, die Latiner Matuta1 , aber für eine Göttin hielten sie die einen wie die anderen.
1: Vgl. oben IV 8 [l. Band 198].