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„Suche einen ‚Klavierlehrer‘ für meinen ‚Sohn'“. „Heute frisches ‚Hackfleisch'“ oder „Bewirb dich für den ‚Traumberuf‘ Kraftfahrer“ – Wie und wo man Anführungszeichen benutzt, scheint für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln zu sein.
Das Internet ist voll von lustigen Beispielen von Schreibversuchen, die Aussagen erzeugen, die so gar nicht gewollt waren. Der Klavierlehrer soll bestimmt wirklich ein Klavierlehrer sein und kein suspektes Wesen, dass sich als solcher ausgibt. Und man darf auch davon ausgehen, dass die Autoren wissen, ob sie einen Sohn, eine Tochter oder ein Meerschweinchen haben. Doch mit ihren Anführungszeichen haben sie dem Text eine ganz neue Ebene gegeben.
Wie ist es denn richtig?
Zuallererst verwenden wir Anführungszeichen, wenn wir zitieren, zeigen wollen, dass es sich um wörtliche Rede handelt. Dabei wird der Inhalt, der wörtlich wiedergegeben wird, in Anführungen gesetzt.
„Ich suche einen Klavierlehrer für meinen Sohn.“
Damit der Leser auch weiß, wer da spricht, sollte das an passender Stelle eingefügt werden.
„Ich suche einen Klavierlehrer für meinen Sohn“, sagt Frau Meier.
Gibt es einen solchen Zusatz, wird der Satzpunkt innerhalb der Anführungen weggelassen. Fragezeichen oder Ausrufezeichen bleiben meist stehen.
So einfach, so gut.
Die Angabe des Sprechenden kann auch mitten in das Zitat gebaut werden:
„Ich suche einen Klavierlehrer für meinen Sohn“, sagt Frau Meier, „weil der letzte Lehrer weggezogen ist.“
Anführungen als Hervorhebung
Ja, Anführungszeichen können auch genutzt werden, um Worte, Wortteile oder ganze Wortgruppen hervorzuheben. Wenn ich zum Beispiel erklären möchte, wo ein Wort oder Wortteil herkommt, kann ich diesen hervorheben.
Das Wort „Bio“logie steht für Lebenswissenschaften. Der Wortteil „Bio“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Leben.
Wir benutzten Anführungzeichen auch, wenn wir den Titel eines Werkes meinen. „Der Herr der Ringe“ ist ein Buch von J. R. R. Tolkien. Zeitungstitel werden in Anführungen gesetzt, genauso wie Filmtitel, Songs oder Albentitel. Wobei man die Anführungen hier weglassen kann, wenn eindeutig klar wird, was gemeint ist. Die Namen großer Medien wie der NZZ oder des SPIEGEL werden daher selten mit Anführungen eingeklammert.
Der dritte Anwendungsfall ist, wenn ein Wort besonders betont werden soll. Dabei geht es wirklich um das sprachliche Betonen und deutet eine gewisse Ironie oder Fragwürdigkeit an. Wenn ich also schreibe „Sie hat ’nur‘ die Silbermedaille geholt“, meine ich nicht, dass die Silbermedaille schlecht ist, sondern möchte hervorheben, wie gut das Ergebnis ist, und Kritikern einen Spiegel vorhalten. Wenn der Autor also nach einem „Klavierlehrer“ sucht, deutet er an, eben keinen Klavierlehrer zu meinen.
Hilfreich ist es, sich den laut gesprochenen Satz vorzustellen und die Anführungen mit den Fingern anzuzeigen. Wenn die Aussage dann verdreht wirkt, sind die Anführungszeichen falsch.
Satzzeichen vs. Anführungszeichen
Kompliziert sind für viele besonders die Satzzeichenr und um Anführungen. Muss das Satzzeichen jetzt vor das Abführungszeichen? Oder Dahinter? Was mache ich, wenn mehrere Zeichen aufeinandertreffen?
Der Duden bringt ein schönes Beispiel: Lass doch dieses ewige „Ich will nicht!“!
Sieht komisch aus, wenn zwei Ausrufezeichen aufeinandertreffen. Aber es ist richtig. Denn hier zitiert der Sprecher den Angesprochenen, der wohl immer wieder „Ich will nicht!“ sagt. Eltern können davon sicher ein Lied singen. Doch auch die Aussage des Sprechers ist ein Ausruf. Also muss sowohl im Zitat in den Anführungen als auch als Abschluss des Satzes ein Ausrufezeichen stehen.
Wenn ein Satz nun aber mit einem Buchtitel, einer Hervorhebung oder einem Zitat ohne Satzzeichen endet, wird auch keins in die Anführungszeichen hineingebastelt.
Mein Lieblingsbuch ist „Alice in Wonderland“.
Alles klar im Anführungszeichendschungel?
Wer nachlesen möchte: Hier die Dudenregeln.
Ein paar tolle falsche Beispiele hat der Instagramkanal @awekward_anfuehrungszeichen gesammelt.
Buzzfeed (Name des Mediums, Anführungszeichen optional, wenn eindeutig erkennbar ist, dass es sich um den Namen der Seite handelt) hat dazu natürlich auch eine schöne Liste.
Und wer sie noch nicht kennt: Die FB-Gruppe „Perlen des Lokaljournalismus“ (Titel der Seite, daher Anführungszeichen) ist mein täglicher Quell für textliche Fehlschläge.
Viel Spaß beim Durchscrollen.