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Wie Kinder mutig werden: 5 Beispiele aus dem Alltag
Was sollen Eltern tun, um den Mut ihrer Kinder zu fördern? Und wo sind die Grenzen? Diese fünf Beispiele aus dem Familienalltag zeigen auf, wie Sie Ihr Kind unterstützen können.
1. Ein positives Vorbild sein im Umgang mit Emotionen
Die 35-jährige Sabine sitzt nachdenklich am Küchentisch. Ihre zehnjährige Tochter fragt: «Was ist los, Mama?» Sabine erzählt, dass sie aufgeregt sei, weil sie am nächsten Tag einen Vortrag vor ihren Kollegen halten müsse. «Ich habe ein mulmiges Gefühl.» Dann hat Sabine eine Idee. «Darf ich dir die Präsentation einmal vortragen, um etwas zu üben?» «Klar, Mama.» Nach zwei Durchläufen sagt Sabine ihrer Tochter erleichtert: «Jetzt fühle ich mich viel sicherer. Ich werde das morgen bestimmt schaffen.»
So schlimm war es gar nicht, vielleicht streichle ich den Hund beim nächsten Mal.
2. Die Balance finden zwischen Fordern und Schützen
Noah hat Angst vor Hunden. Als er mit seinem Papa zum Einkaufen geht, steht plötzlich Kaya, die Hündin ihrer Nachbarin, vor ihm. Er will ausweichen, aber sein Vater hält ihn zurück. «Komm, wir schaffen das und gehen zusammen vorbei», sagt er. Die Hundebesitzerin sieht Noah und fragt: «Willst du sie mal streicheln?» Er schüttelt den Kopf.
Der Vater merkt, wie ängstlich sein Sohn ist. Er sagt: «Du musst sie nicht streicheln, wenn es dir schwerfällt, aber vielleicht traust du dich ja, sie mal an deiner Hand schnuppern zu lassen?» Noah merkt, wie lieb und zugewandt die Hündin ist. Langsam streckt er seine Hand aus und lässt sie beschnuppern. Als sie weitergehen, sagt er zu seinem Papa: «So schlimm war es gar nicht, vielleicht streichle ich sie beim nächsten Mal.»
3. Sich Herausforderungen stellen und Gefahrenbewusstsein entwickeln
Leni ist sieben Jahre alt und geht donnerstags immer zum Tanzen. Gemeinsam mit ihrer Freundin laufen sie zum Studio, das ungefähr zehn Minuten entfernt ist. Als Leni erfährt, dass ihre Freundin heute nicht mitkommt, weil sie einen Arzttermin hat, fragt sie: «Papa, darf ich heute alleine gehen?» Er zögert kurz, sagt dann aber Ja. «Pass an der grossen Strasse gut auf, okay?», ruft er ihr noch hinterher. Eine Stunde später kommt Leni stolz nach Hause. Das war das erste Mal, dass sie alleine gelaufen ist.
Lauf ihr nicht ständig hinterher. So lernt sie doch nie richtig zu fallen.
4. Vertrauenskultur in der Familie etablieren und Kindern Freiräume geben
Die Eltern von Elias und Luca haben sich überlegt, wie sie ihren Buben mehr Freiräume geben können. Sie haben beschlossen: Nach der Schule müssen sie Hausaufgaben und andere Pflichten wie Zimmer aufräumen erledigen, danach dürfen sie sich im Quartier mit ihren Freunden frei bewegen, ohne ständig ein Update zu geben, wo sie sind. Doch zum Abendessen müssen sie wieder pünktlich zurück sein.
5. Sich Risiken bewusst werden und Überfürsorge vermeiden
Die einjährige Mia lernt gerade laufen. Für die 30-jährige Julia ist es das erste Kind. Sie folgt ihrer Tochter auf Schritt und Tritt. Jedes Mal, wenn sie das Gleichgewicht verliert, fängt sie sie auf, sodass sie nicht hinfällt. Als Mias Papa das beobachtet, sagt er: «Lauf ihr nicht ständig hinterher. So lernt sie doch nie richtig zu fallen.» Julia antwortet: «Aber ich will nicht, dass sie sich verletzt.» Daraufhin sagt ihr Mann: «Hier gibt es doch keine schlimmen Gefahren. Lieber fällt sie hier ein paar Mal hin als auf der Strasse, oder?»