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Mit "Old Ideas" veröffentlicht Leonard Cohen sein erstes Studioalbum seit acht Jahren. Die zehn neuen Songs dieses mit Spannung erwarteten Albums stellen mit Sicherheit einen Höhepunkt im Schaffen des einflussreichen Singer/Songwriters und Literaten dar. Obgleich die eigentlichen Aufnahmen zu "Old Ideas" erst im Januar 2011 begannen, arbeitete Cohen bereits seit Jahren an den Songs und Texten. Zwei der StÌcke, "The Darkness" und "Lullaby", wurden bereits 2007 aufgenommen, und frÌhe Versionen waren bereits im Rahmen der vor kurzem zu Ende gegangenen, ausverkauften Welttournee zu hören.
Rezension
Der 77-jährige Kanadier legt auf seine alten, aber noch lange nicht gebrechlichen Tage ein Album vor, das an seine Meisterwerke der Siebziger und Achtziger anknüpft - an "Recent Songs" (1979) und "Various Positions" (1984). Bei diesen beiden Alben arbeitete Cohen mit der Songwriterin Jennifer Warnes zusammen - und jetzt arrangierte sie den ergreifenden Track "Show Me The Place", bei dem sie auch den Backgroundchor singt. Für die zehn Tracks seines zwölften Studioalbums hat Cohen neben Jennifer Warnes noch weitere Sängerinnen um sich geschart, die für sensible stimmliche Nuancierungen sorgen: Anjani Thomas, Dana Glover (engelsgleich auf "Come Healing"), die wunderbaren Webb Sisters Hattie und Charley, die ihn auf seiner Welttournee begleiteten, und seine langjährige Arrangeurin Sharon Robinson. Letztere zeichnete für den keyboardlastigen Sound seiner beiden letzten Alben, "Ten New Songs" (2001) und "Dear Heather" (2004), verantwortlich, die deshalb nicht wirklich überzeugten. Dass Cohen jetzt die Tändeleien mit Synthies und E-Piano zurückfährt, bekommt den neuen Aufnahmen ungemein gut. So entfaltet jeder Track seinen eigenen unwiderstehlichen Charakter, mal mit Geige, mal mit dem Kornett, mal mit hymnischen Untertönen, mal als Blues ("Darkness", gespielt mit seiner langjährigen Tourband). Auf "Crazy To Love You" singt der Meister sogar zur eigenen spärlichen Gitarrenbegleitung wie ganz am Anfang seiner Laufbahn Ende der 60er-Jahre. Und natürlich finden sich noch genug Keyboards in den Arrangements, und so freut man sich vor allem über den spärlichen, aber sinnvollen Einsatz der Hammond-Orgel. Ach ja, und dann noch diese Stimme: In Stücken wie "Going Home" ist sie zwar eher ein raues Raspeln als das, was man gemeinhin unter Gesang versteht. Dennoch wirkt sie nie abgekämpft oder müde. Mit 77 findet Cohen mühelos zur Bestform zurück, diese "alten Ideen" klingen frisch und jung wie eh und je. Der sieben Jahre jüngere Bob Dylan wirkt inzwischen im Vergleich wie Cohens Opa. Fazit: Reichhaltige Arrangements, sensible Kollaborateure, grossartige Texte und die abgrundtiefe Baritonstimme - bei Cohens Zwölfter herrscht jetzt wieder wie früher die pure Magie. Möge er so alt werden wie Jopi Heesters und noch viele "Old Ideas" unters Volk bringen. Manfred Gillig-Degrave (Quelle/Copyright: G+J Entertainment Media)
Portrait
Leonard Cohen, geboren 1934 in Montreal, als Sohn jüdischer Eltern, ist Sänger und Musiker - und vor allem ein grosser Poet. Er begann seine künstlerische Laufbahn 1956 mit dem Gedichtband "Let Us Compare Mythologies" und veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter zwei Romane, und 17 Schallplatten. Im März 2008 wurde Cohen in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. 2011 erhielt er den spanischen "Prinz-von-Asturien-Preis" für Literatur.