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Das aargauische Kleinadelsgeschlecht von Hallwyl hat sich in seiner über achthundertjährigen Geschichte vielfältig hervorgetan: auf den eidgenössischen Schlachtfeldern, an den europäischen Höfen, in der Wissenschaft, in der Politik, im Handel und in der Finanzwelt.
Bewohnergeschichte: Die Jahrhunderte der von Hallwyl
Erstmals urkundlich erwähnt wurde ein Mitglied der Familie von Hallwyl anno 1167: Waltherus de Allewilare bewegte sich im Umfeld der Freiherren von Eschenbach und im Gefolge der Grafen von Lenzburg.
Von den über 500 Familienmitgliedern wird hier nur ein Repräsentant pro Ausstellungsthema portraitiert. Im Audioführer Acoustiguide, der kostenlos an der Kasse des Schlossmuseums erhältlich ist, sind Portraits von 20 Familienmitgliedern abrufbar, die auch in der Ausstellung anzutreffen sind.
14. Jh: Johans I. von Hallwyl
Johans I. (1305–1348) war Marschall, Pfleger im Sundgau, später Landvogt in Schwaben und im Elsass. Er nahm wichtige Aufgaben für die habsburgische Landesherrschaft wahr und amtete als Erzieher Herzog Friedrichs. Seine Stellung nutzte er zum Ausbau der eigenen Macht im Aargau. Johans I. gilt als mächtigster und erfolgreichster Hallwyler. Er war es, der die Turmburg Hallwyl zur repräsentativen Schlossanlage ausbauen liess.
15. Jh: Hans von Hallwyl
Hans (1434–1504) hatte im Dienste der Habsburger sowie der Könige von Böhmen und Ungarn gekämpft. Am 22. Juni 1476 führte er die Berner Truppen bei Murten siegreich gegen die Burgunder unter Karl dem Kühnen und ging als Held von Murten in die Geschichte ein.
15./16. Jh: Dietrich von Hallwyl
Dietrich (1462–1509) gründete einen Hof und bewirtschaftete die zum Schloss Hallwyl gehörenden landwirtschaftlichen Nutzflächen selbst. Er liess die Fischweiher im Schlatt anlegen und hatte mit dem Verkauf von Karpfen ein gutes Einkommen.
16. Jh: Hartmann III. von Hallwyl
Hartmann III. (1503–1573) studierte Theologie bei Wolfgang Capito in Basel und ging später an die Universitäten von Mainz und Leipzig. Er begrüsste die revolutionären Ideen Luthers, verwarf die Pläne, Priester zu werden, und trat als Gesandter und Unterhändler in den Dienst der Stadt Bern. 1546/47 war er im Schmalkaldischen Krieg als Gesandter Berns unterwegs.
16. Jh: Burkhard III. von Hallwyl
Burkhard III. (1533–1598) sammelte medizinische Rezepte, befasste sich mit seiner Familiengeschichte und liess mehrere An- und Umbauten am Schloss vornehmen. Er besass ein Versuchslabor mit Destillationsapparaten und einen Arzneimittelvorrat, der einer Apotheke gleichkam. Gegen 1580 stellte er im 'Hallweilschen Arzneybuch' mehr als 2500 Rezepte zusammen, darunter den 'Echten Hallwylschen Wundtranck'.
16./17. Jh: Johann Georg von Hallwyl
Auf Betreiben seines Vaters Dietrich hin bekam Johann Georg (1544–1604) 1579 eine Pfründe am Domstift in Basel. Seine Ausbildung sowie seine spätere Amtsführung als Bischof waren durch die Jesuiten geprägt: Strenge Gläubigkeit, Reformfreudigkeit und Selbstlosigkeit werden ihm attestiert. 1601 wählte ihn das Domkapitel Konstanz einstimmig zum Bischof des grössten Bistums im deutschsprachigen Raum.
18. Jh: Bernhardine von Hallwyl
Bernhardine, geborene von Diesbach (1728–1779), stammte aus einer vornehmen Berner Familie und heiratete mit 16 den 55-jährigen Johannes von Hallwyl. Nach dessen Tod bestimmten ihr Leben die Trauer um eine verlorene Tochter, die Sorge um ihre kranken Söhne und die eigene Gebrechlichkeit.
18./19. Jh: Franziska Romana von Hallwyl
Franziska Romana, geborene von Hallwyl (1758–1836), heiratete ihren Cousin Abraham Johannes und war als Witwe über 50 Jahre lang Oberherrin auf dem Schloss. Hineingeboren in eine Zeit des Umbruchs, erlebte sie den Untergang des Ancien Régime, die Französische Revolution und die Entstehung des Kantons Aargau. All diese Veränderungen verfolgte sie interessiert mit.
18./19. Jh: Karl Franz Rudolf von Hallwyl
Karl Franz Rudolf (1777–1852) diente unter dem russischen Zaren und wurde Hauptmann im Artilleriebataillon dessen Leibgarde. Nach seiner Rückkehr auf Schloss Hallwyl war er über 40 Jahre lang Schlossherr, wurde Aargauer Bürger, aargauischer Oberst und liess sich in den Grossen Rat wählen. Infolge der Helvetischen Revolution hatte die Familie viele ihrer Vorrechte verloren. Karl Franz Rudolf führte unzählige Prozesse für die Rechte des Hauses und verschuldete sich dadurch. 1833 sah er sich gezwungen, die Schlossmühle zu verkaufen.
18./19. Jh: Wilhelmina von Hallwyl
Die Ehefrau von Walter von Hallwyl (1839–1921) war die Tochter eines schwedischen Industriellen. Im Lauf ihres Lebens trug sie eine umfangreiche Sammlung von Gemälden, Porzellan, Silber, Waffen und Gebrauchsgegenständen zusammen. Diese ist heute im der Öffentlichkeit zugänglich.
Einen Grossteil ihres umfangreichen Erbes investierte Wilhelmina von Hallwyl (1844–1930) in die Restauration und Dokumentation von Schloss Hallwyl 1910 bis 1916. Nach dem Tod ihres Gatten rief sie 1925 die Hallwil-Stiftung ins Leben. Sie bildete die Trägerschaft der Schlossanlage und machte diese der Öffentlichkeit zugänglich.
Baugeschichte: In Etappen zum Wasserschloss
Seit seiner Gründung im späten 12. Jahrhundert wurde Schloss Hallwyl im Lauf der Zeit beständig erweitert. Eine ganzheitliche Sanierung erlebte es zwischen 1997 und 2004.
Die Turmburg
Im späten 12. Jahrhundert gründeten die Herren von Hallwyl am Aabach, 700 Meter nach dem Abfluss am Nordende des Hallwilersees, eine kleine Burganlage. Sie bestand aus einem Wohnturm, der auf drei Seiten von einem Trockengraben umgeben war. Aussen waren die Turmmauern mit mächtigen Findlingen verkleidet, wie sie in der Gegend an zeitgleichen oder etwas jüngeren Burgtürmen oft anzutreffen sind.
Ein Wirtschaftshof diente der Selbstversorgung der Burgbewohner. Er war vermutlich älter als die Burg.
Der Palas
Der allmählich anwachsenden und an Bedeutung und Ansehen gewinnenden Familie von Hallwyl wurde die Turmburg zu eng. Abhilfe bot ein um 1265 östlich des Wohnturms direkt am Bachufer errichteter Palas. Zwei Räume im Erdgeschoss dienten der Vorratshaltung. Im ersten und zweiten Obergeschoss befanden sich Wohnräume.
Spätestens beim Bau des Palas, vermutlich aber schon bedeutend früher, wurde über den Aabach eine Brücke geschlagen.