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Historisches
Die Wiege der Freiberger Rasse, die vor circa zwei Jahrhunderten entstanden ist, ist der historische Schweizer Jura. Der Freiberger, kurz FM genannt, ist das letzte leichte Zugpferd Westeuropas. Und er ist die einzige noch lebende Schweizer Pferderasse, die übrigen sind im 20. Jahrhundert komplett verschwunden.
Das rare und teure Pferd stand vor dem Ende des 16. Jahrhundert allein dem Adel, dem Hochbürgertum und dem Klerus zu. Gegen 1620 taucht das Pferd in der Juragegend und im Dienst des Postverkehrs auf. Der Typ des leichten Kutschpferdes ist am meisten gefragt (moderner Freiberger).
Zu der Zeit erlebt die Pferdezucht im Jura einen richtigen Aufschwung. Seit damals pflegen die Jurassischen Landwirte eine Vorliebe für die Pferdezucht. Von 1793 bis 1813 gehört der historische Jura zu Frankreich. Während der Napoleonischen Kriege wird die Jurassische Pferdezucht von den Truppen Napoleons dezimiert, sie leeren die Pferdeställe und lassen nur einige alte Klepper zurück. Trotz der häufigen Beschlagnahmen gelingt es findigen Züchtern, mehrere gute Zuchttiere zu retten. Im Jahr 1815 gelangt der Jura zur Schweiz und gehört nun zum Kanton Bern. Die Berner Behörden stellen bald schon fest, dass der Jurassische Pferdebestand trotz der Beschlagnahmungen schöne Perspektiven bietet. Im Jahr 1821 finden im Jura die ersten kantonalen Exterieur-Schauen statt. Ausgestellt werden Zuchthengste und Zuchtstuten. Prämien werden ausbezahlt. Das Pferd ist zu dieser Zeit der Wirtschaftsmotor. In der Industrie, im Handel, im Transportwesen, in der Armee und Landwirtschaft werden viele Pferde genutzt. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse schaffen eine gewisse Diskrepanz zwischen den Ansprüchen der Kavallerieoffiziere und der Bauern.
Mit dem Aufkommen der Eisenbahn um 1850 verliert das Pferd ziemlich an Bedeutung. Die damals bekannten Reit- und Kutschpferderassen im Halbbluttyp - Ormont, Erlenbach, Schwyz und Einsiedeln – gehen langsam ein: gesucht wird nun ein Pferd, das den Bedürfnissen der Landwirtschaft entspricht. Im Zeitraum von 1860 bis 1890 importiert der Bund fast 200 Zuchthengste und Zuchtstuten, um die Schweizer Pferdezucht, vor allem aber die Zucht im Jura zu verbessern. Diese Zuchttiere gehören zu den Rassen Norfolk Bretone, Halbblut, Englisches Vollblut und Anglo-Normanne. Die Stuten im Jura werden mit fremden Hengsten gekreuzt, um die Rasse zu verbessern. Das Ziel der Jurassischen Züchter ist, es "Masse mit mehr Blut" zu produzieren, doch die oben erwähnten Importe bringen zwar mehr Blut, reduzieren aber die Masse. Darum wird empfohlen, Kaltbluthengste, vor allem Ardenner und Percheron zu importieren.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzen sich der Bund und die Kantone stark für die Pferdezucht ein. In diesem Zeitabschnitt wird das Nationalgestüt in Avenches gebaut und öffnet im Jahr 1901 seine Tore. Schon im gleichen Jahr stehen mehrere Zughengste aus dem Jura in dessen Stallungen. Eine gut strukturierte einheimische Pferdezucht etabliert sich mehr und mehr auf dem Gebiet der ganzen Schweiz. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts werden die Pferdezuchtgenossenschaften des Landes gegründet. Zu dieser Zeit werden im Jura 4'000 Stuten gezählt, davon 1'000 in der Ajoie. Die Importe von ausländischen Zuchttieren gehen stark zurück. Mittlerweile besteht das Ziel darin, die Rasse ohne fremdes Erbgut zu verbessern und zu selektionieren. Die Berechtigung dieses Prinzips offenbart sich mit dem Weltkrieg 1914-1918. Die führenden Offiziere der Schweizer Armee zeigen sich über die Leistungen des Jura-Pferdes sehr zufrieden. Im Jahr 1924 wird die erste Ausgabe des Herdebuchs des Schweizer Zugpferdes gedruckt. Zwischen 1901 und 1924 werden nur 3 Kaltbluthengste importiert, um das Jura-Pferd zu verbessern. Doch 1926 verlangen die Artillerieoffiziere leichtere Pferde mit mehr Temperament. Die Meinungen innerhalb der Führungsebene der Züchter gehen wieder weit auseinander. Anno 1935 genehmigt der Bund die Einfuhr des Anglo-Normannen « Uran », zudem werden mehrere Araberhengste ebenfalls für die Zucht zugelassen. In allen Wirtschaftszweigen zeichnet sich diese Periode durch den langsamen aber fortschreitenden Ersatz des Pferdezugs durch Motoren aus.
Während des zweiten Weltkriegs erlebt die Rasse eine Blütezeit; überall braucht es Pferde, sei es in der Armee oder im Ackerbau. Am Ende des Kriegs loben die zuständigen Offiziere das Jura-Pferd wieder über alle Massen. Diese Pferderasse hat alle anderen Schweizer Zugpferderassen verdrängt. Sie kommt in der ganzen Schweiz vor.
Mit der Motorisierung des Strassenverkehrs und der Mechanisierung in der Landwirtschaft kommen Befürchtungen um die Zukunft der Rasse auf, deren Bestände nun drastisch abnehmen. Nach und nach leeren sich die Pferdeställe der grossen Landwirtschaftsbetriebe. Der Freiberger macht dem Traktor Platz. Im Jahr 1960 wird das Herdebuch des Schweizerischen Zugpferdes in Herdebuch der Rasse Freiberger umgetauft. Dank durchdachten Massnahmen und dem unermüdlichen Einsatz der Pferdeliebhaber überlebt der Freiberger diese schwierigen Zeiten.
Mit dem Aufkommen der Freizeitgesellschaft wird das Reiten demokratisiert. Die Städter besinnen sich auf ihre Wurzeln zurück. Das Pferd ermöglicht diese Rückkehr zur Natur. Ob für den Laien oder den Anfänger, der Freiberger trumpft auf Anhieb mit den nötigen Vorzügen auf: er hat einen guten Charakter, ist relativ ruhig, robust und genügsam. Um die Reiteignung des Freibergers zu verbessern, werden nach 1965 mehrere Halbbluthengste eingekreuzt.
Heutzutage ist der Freiberger angesagter denn je. Das Profil der Rasse entwickelt sich kontinuierlich weiter und macht aus dem ehemaligen Pferd, das in der Landwirtschaft diente, nach und nach einen Freizeitpartner mit geschmeidigen und sicheren Gängen. Er ist ein bei den Liebhabern des Freizeitreitens und Freizeitfahrens wie bei den ambitionierten Wettkampfsportlern gleichermassen beliebtes Pferd. Und dank seines ausserordentlichen Charakters ist der Freiberger auch das Familienpferd par excellence. Er ist ein wunderbar vielseitiges, gesundes und geradliniges Pferd.