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Schwarze Hühner sind älter als die planmässige Rassenzüchtung. Sie sind seit dem Altertum in Opfer- und Bannritualen zu finden. Als Teil des Demeterkultes waren sie Erscheinungsformen der Todesgöttinnen. Heute noch benutzen afrikanische Medizinmänner das Blut von schwarzen Hühnern zum Vermeiden von Unheil – im Glauben beispielsweise, dass solches Hühnerblut die eigene Fussballmannschaft vor einer Niederlage bewahrt.
Der Faktor für flächig ausgebreitetes Schwarz in der Gefiederfarbe dürfte eine der ältesten Mutationen der Wildfarbe sein. Aber Schwarz ist nicht gleich Schwarz, sondern in unterschiedlichen Farbausprägungen zu sehen. Die Federfarbe entsteht durch den Farbstoff in den Zellen. Dieser kann entweder im Zentrum der Zelle konzentriert oder über die gesamte Zelle ausgebreitet sein.
Die schwärzesten aller Hühner sind die mit dunkler Haut und dunklen Kopfanhängen. Bei ihnen sind mehr oder weniger auch die Muskeln, das Bauchfell und die Knochen schwarz pigmentiert. Diese Farbe kommt in der Embryonalentwicklung aus dem mittleren der drei Keimblätter, dem sogenannten Mesoderm. Das übrige Schwarz entsteht als Bildung aus der Oberhaut, dem sogenannten Ektoderm.
Schwarzspezialisten aus Schweden
Mesodermales Schwarz findet sich bei den Cemani, den Seidenhühnern, den Chabos mit schwarzem Kamm und Gesicht und bei den Schwedischen Schwarzhühnern. Während die erstgenannten Rassen bereits lange bekannt und eindeutig asiatischen Ursprungs sind, haben die lange unbekannt gebliebenen Schwarzhühner ihren Ursprung in Europa. Ausser in der skandinavischen Literatur ist über die Schwedischen Schwarzhühner in anderen Quellen nichts zu finden. Diese einfachkämmige Rasse im leichten Landhuhntyp hatte sich bei schwedischen Waldbauern erhalten und wurde erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts entdeckt. Für die Ursprünglichkeit und genetische Isoliertheit dieser Rasse spricht auch, dass sie nach der Übernahme in die Rassenzüchtung erst Immunität gegenüber den gängigen Erregern entwickeln musste. Wie auch die Cemani legen sie leicht gelblich getönte Eier mit einem Gewicht von 40 bis 45 Gramm.
Mesodermal schwarze Hühner sind in ihrer Federbeschaffenheit spröde, haben wenig Grünlack und statt dessen häufiger Violett- oder Purpurglanz. Ihr Untergefieder sowie die Läufe, Zehen und Krallen sollen möglichst intensiv schwarz sein.
Bei den mehrheitlich vorkommenden ektodermal schwarzen Hühnern gibt es eine grosse Streubreite. Gemeinsam ist aber die Überdeckung der Wild-, Gold- und Silberfarbe sowie des rezessiven Weiss. Allerdings haben die Hähne nicht selten in den Behängen andersfarbige Pigmente, oder aus zwei schwarzen Eltern fällt ein Weissling an.
Grünglanz ist erlaubt und erwünscht
Die Streuung ist ein Ergebnis von bewusster Zuchtwahl nach Lauf- und Untergefiederfarbe. Bei Hühnern mit schwarzer beziehungsweise dunkler Lauffarbe ist auch das Untergefieder intensiv durchgefärbt. Je nach Farbintensität kommt es, vor allem bei den Hennen, zur schwarzen Pigmentierung des Gesichts und des Kammes, die zumeist fehlerhaft, aber bei den Sumatra sowie den Brügger und Lütticher Kampfhühnern ein gefordertes Rassenmerkmal ist.
Bei Hühnern mit gelber oder fleischfarbiger Lauffarbe ist das Untergefieder geschlechtsspezifisch ausgeprägt heller. Die Hennen dürfen in der Unterfarbe nur wenig heller sein als im Ton der Oberfarbe. Zum Erzielen der Lauffarbe ist beim Hahn helleres bis weisses Untergefieder gestattet, ja unverzichtbar. Sonst entstehen vor allem bei den Hennen schwarz pigmentierte, sogenannte angelaufene oder grüne Läufe. Die Unterfarbe der Hähne darf aber äusserlich nicht sichtbar sein.
Bei der Mehrzahl der schwarzen Hühner ist ein Grünglanz vorhanden und im Standard als Rassenmerkmal verankert. Dieser Grünglanz ist eine sogenannte Strukturfarbe. Jede Konturfeder ist von einem Glanzsaum abgeschlossen. Trifft Licht auf diesen Glanzsaum, wird es gebrochen und gebeugt. Die schwarze Farbe erscheint dann in grünem Licht. Je breiter und fester eine Feder ist, desto mehr des erwünschten käfergrünen Glanzes ist möglich. Durch solche Lichtreflexionen entstehen übrigens unter Mitwirkung von Karotin auch die grünen Läufe bei Hühnern.
Zur Erzielung von viel Grünglanz sollte auf Hafer als Futter zurückgegriffen werden, auch wenn sich dieser mit seinen Spelzen keiner grossen Beliebtheit bei den Hühnern erfreut. Entspitzter Hafer wird heute selten angeboten, aber Haferflocken und Glatthafer tun es auch, wie die Erfahrung mit schwarzen Italienern und schwarzen Zwerg-Orpington bestätigen.
Allzu farbig darf es nicht sein
Farbfehler bei schwarzen Hühnern wie Rost, Schilf oder Violett entstehen auf unterschiedliche Weise. Kommt es zu roten oder gelben Einlagerungen in der Feder, Rost oder Messing genannt, deutet das darauf hin, dass der Faktor für flächig ausgebreitetes Schwarz in der Gefiederfarbe nur unvollständig dominant vorliegt. Das Schilf als Weissfärbung vor allem in den Schwingen und in den Deckfedern des Schwanzes ist eine genetisch bedingte Mangelerscheinung, die zumeist durch Lysinmangel beim Federwechsel entsteht.
Minimal weisse Spitzen der Handschwingen sollten nicht als Fehler gewertet werden. Sie begleiten intensiven Grünlack des Gesamtgefieders. Die Entstehung von Violett oder Purpur ist noch nicht eindeutig geklärt. Zwei Ursachen finden sich nach den Erfahrungen vieler Züchter immer wieder: ein Karotinüberschuss im Futter durch hohen Maisanteil oder zeitweiliger Stress wie zum Beispiel durch Impfungen.
Auch schwarze Küken sind bei den verschiedenen Rassen, aber auch innerhalb einer Rasse nicht gleich. Generell sind ihre Daunen kürzer als bei anderen Grundfarben. An ihrer Oberseite und den Flanken sind die Küken immer schwärzlich. Die Unterseite ist mehr oder weniger aufgehellt. Helle Tönungen finden sich manchmal auch im Gesicht und an der Kehle. Der Farbton der Aufhellung ist zumeist grau, kann aber auch weisslich bis gelblich sein. Einen Zusammenhang zwischen der Intensität der Küken- und Erwachsenenfärbung gibt es nicht. Im Gegenteil: Rabenschwarzen Küken fehlt es später oft an Grünglanz.