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Nationalismus, Faschismus, Sozialismus: Rumäniens kontroverse Vergangenheit
Lehrveranstaltung im Herbstsemester 2019, Universität Zürich
Im Rahmen eines vom Lehrkredit der UZH und Digitale Lehre und Forschunge (DLF) geförderten Projektes produzieren wir in dieser Lehrveranstaltung Podcasts als alternative Formen von Leistungsnachweisen. Die Podcasts enthalten unter anderem Interview-Sequenzen mit Forschenden, um so Einblicke in die Forschungspraxis zu erhalten, den wissenschaftliche Publikationen nicht vermitteln können: welche Schwierigkeiten und Probleme ergeben sich im Verlauf des Forschungsprozesses? Wie stark wird die Forschung von ausserwissenschaftlichen Kontroversen beeinflusst?
Die Zeitgeschichte Rumäniens lässt grundlegende Entwicklungen moderner Gesellschaften exemplarisch hervortreten: die doppelte Herausforderung, aus heterogenen Territorien einen Nationalstaat zu formen sowie die Modernisierung eines nach klassischen Kriterien „rückständigen“ Landes. Die sich daraus ergebenden Spannungen prägen Rumänien bis heute. In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich in Rumänien eine der bedeutendsten faschistischen Bewegungen Europas, die Legion des Erzengels Michael/Eiserne Garde (Video: Vereidigung der faschistischen Grünhemden vor Horia Sima und Ion Antonescu nach Errichtung des "national-legionären Staates", 6. 10. 1940).
Im Zweiten Weltkrieg führte Rumänien unter Antonescu eine eigenständige Form des Holocausts durch (Video: Das Pogrom von Iasi vom Juni 1941 als Auftakt des rumänischen Holocaustes). Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich ein sozialistisches Regime sowjetischer Prägung, das unter Ceausescu einer der repressivsten Überwachungsstaaten mit einem absurden Personenkult war (Video: Ovationen für Ceausescu am XIV. Parteikongress vom November 1989).
Ceausescus spektakulärer Sturz 1989 (Video: Bericht über den Sturz) brachte die politische Öffnung: über die Vergangenheit wird seither extrem kontrovers gestritten. Deren Aufarbeitung ist dabei stark von gesellschaftspolitischen Interessen geprägt, was den Forschungsprozess oft erschwert. In direktem Kontakt mit einschlägig arbeitenden Forschenden fragen wir, wie unterschiedliche Wissenschaftskulturen (in Rumänien, im deutschsprachigen oder angelsächsischen Raum) sich der jüngeren Geschichte Rumäniens annähern. Die Produktion der Podcasts als Leistungsnachweise ermöglicht dabei forschungsnahes Lernen, bei dem medienspezifische Besonderheiten der Darstellungsform und Erzählstrategien für die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse reflektiert werden. Zudem fordert das Thema zur Frage auf, wie sich Forschung gegenüber problematischen Geschichtsdeutungen im ausserwissenschaftlichen Bereich verhalten soll.