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Das Mädchen im Kinderwagen ist vier Wochen alt; seine glücklichen Eltern führen es in den Park am See. Es ist berührend, dieses junge Leben zu sehen! Doch wie wird seine Zukunft sein? Wie wird die Welt aussehen, wenn die Kleine so alt sein wird wie ich, über 80-jährig? Wir können das nicht genauer wissen, doch ich kann nicht optimistisch sein.
Werden die Sommer unerträglich heiss sein? Werden ein paar Gletscher überleben, bleiben noch Reste des ewigen Schnees oder werden die Alpen nur noch felsig grau sein?
«Die Grenzen des Wachstums» – Mahnruf vor 51 Jahren
Wir Alten, vor dem 2. Weltkrieg Geborenen, haben in der Schweiz mindestens drei Jahrzehnte mit stark verbesserten Lebensbedingungen erlebt, damals für die gesamte Bevölkerung. Nach dem Bericht des Club of Rome: «Die Grenzen des Wachstums» des Jahres 1972 zeichnete sich ab, dass das Wachstum und der Fortschritt nicht immer fortdauern konnten, dass es Grenzen zu beachten gibt, auch weil die Weltbevölkerung stark zunimmt. Die Mehrheit der Unternehmer und der Politiker wollten damals jedoch nichts von Beschränkungen wissen.
Zu Beginn des 21. Jahrhundert waren die Folgen der Klimaerwärmung bereits offensichtlich, die Grünen und die ökologische Linke erstarkten. Heute häufen sich die Verheerungen in der Folge der Klimakrise: katastrophale Überschwemmungen in Pakistan, tote Tiere infolge der Dürre z. B. in Afrika, zerstörerische Waldbrände in Australien und in den USA, schmelzende Gletscher und steigender Meeresspiegel, so dass in Bangladesch viele Familien ihre Felder verlassen und ins Landesinnere fliehen müssen, da das Salzwasser ihre Landstücke unfruchtbar macht.
Auch bei uns werden die Gletscher kleiner, Alpengipfel werden instabil, weil der Permafrost die Berge nicht mehr zusammenhält. Beliebte Routen auf bekannte Gipfel sind so gefährlich geworden, dass sie auch für geübte Alpinisten nicht mehr begehbar sind.
Stimmenmehrheit in der Schweiz lehnt CO2-Gesetz ab
Und was machen wir? Wir (das heisst eine Mehrheit derjenigen Schweizer, die sich an der Abstimmung beteiligten) lehnten im Sommer 2021 ein wirksames CO2-Gesetz ab. Die SVP hat mit anderen bürgerlichen Politikern eine die ganze Schweiz erfassende Kampagne gegen die Vorlage entfesselt, die von Bundesrat und Parlament unterstützt wurde. Dank teils falschen und trügerischen Argumenten gelang es ihnen, gegen das wichtige, vielleicht etwas komplizierte Gesetz die Mehrheit zu gewinnen.
Sie feierten die Ablehnung als grossen Sieg. Der CO2-Ausstoss, der vermindert werden muss, damit die Temperaturen in den nächsten Jahrzehnten nicht um mehr als zwei Grad steigen, darf weiterhin zunehmen. Jetzt wird ein abgeschwächtes Gesetz vorbereitet – kostbare Zeit geht verloren.
Technische Innovationen genügen nicht
Viele Politiker und die Wirtschaftsverbände glauben noch heute, die Klimakrise lasse sich mit technischen Innovationen bewältigen, obschon viele Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete das verneinen. Es ist unerlässlich, dass wir unser Verhalten und unsere Gewohnheiten ändern. Im Jahr 2021 ist der Fleischkonsum in der Schweiz sogar noch gestiegen. Doch eigentlich sollten wir weniger Fleisch verzehren, dafür mehr Gemüse und Früchte essen: der Umwelt und unserer Gesundheit zuliebe. Weniger Fleisch bedeutet auch weniger Importe von Kraftfutter aus entfernten Ländern, wo oft vor allem für den Export produziert wird, während ein Teil der Bevölkerung Hunger leidet.
Dem Präsidenten des Bauernverbandes, Nationalrat Markus Ritter, gelingt es immer noch, Vorschläge des Bundesrats in den beiden Kammern des Parlaments mit Unterstützung der bürgerlichen Mehrheit zu bodigen, welche eine Reduktion der Pestizide zum Ziel haben und die Biodiversität fördern. Weiter wäre es nötig, den Verbrauch fossiler Treibstoffe zu mindern, auf unnötige Fahrten mit dem Auto zu verzichten und das Fliegen zu beschränken.
Die Mehrheit der beiden Kammern des Parlaments mit ihren vielen Mandaten in Wirtschaftsverbänden und Vereinigungen setzen sich jedoch für kurzfristige Interessen ein. Um die Lebensgrundlagen der kommenden Generationen scheinen sie sich nicht zu kümmern. Der Krieg von Putins Russland gegen die Ukraine überschattet die Klimakrise seit einem Jahr. Die zerstörerische Waffengewalt, deren Einsatz der Moskauer Machthaber in diesem Teil Europas in Gang setzte, hat sie noch verschärft. Unter der Verantwortungslosigkeit der herrschenden Kreise von heute werden die Frauen und Männern, die an der Schwelle des 22. Jahrhundert leben werden, zu leiden haben, während wir heutige Klimasünder ungeschoren davonkommen.