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Das Haus ist ein zentraler Faktor für die Reproduktion der Familie. Es beeinflusst die Beziehungen ihrer Mitglieder, strukturiert deren Alltagsleben und organisiert demographische Kenngrössen wie Alter oder Geschlecht. Zäsuren im Familienzyklus wie Geburt, Heirat oder Tod manifestieren sich auch materiell. So können bauliche Veränderungen und Umnutzungen von Häusern wechselnde Wohnbedürfnisse abbilden. Dieses Buch untersucht das Verhältnis von Häusern und Familien in der ländlichen Schweiz des 18. und 19. Jahrhunderts.
Den Ausgangspunkt bilden die «Bauernhäuser der Schweiz», eine mehr als 30 Bände umfassende Publikationsreihe über ländliche Wohn- und Wirtschaftsbauten aller Regionen des Landes. Die Autorin nutzt diese umfangreiche Materialsammlung erstmals für eine Untersuchung der Beziehungen von materiellen und sozialen Sphären zwischen 1700 und 1900. Deutlich wird nicht nur, wie ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung während dieser Zeit wohnte, sondern auch, welche strukturellen Veränderungen Häuser und die darin lebenden Familien durchliefen. Den zweiten Teil der Arbeit bilden fünf Hausgeschichten, deren Quellen Häuser inner- und ausserhalb des Freilichtmuseums Ballenberg sind. Damit leistet die Arbeit einen methodischen Beitrag zur materiellen Kulturforschung, die Geschichte mittels Sachquellen zu rekonstruieren versucht. Die Fallbeispiele zeigen, dass ländliches Wohnen in der Schweiz wandelbar und wechselhaft war. Sozial-materielle Grenzen waren nicht in Stein gemeisselt, sondern konnten sich situativ verschieben.