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Wahrscheinlich ebenfalls im Auftrag der Compagnie des Isles d'Amérique landet im Frühling 1638 die «Écume de Mer» im Süden von Santa Lemusa. Rund zweihundert französische Siedler gehen von Bord – die übrigen segeln nach Martinique weiter. Die Siedler können sich mit den Indianern verständigen, müssen jedoch weiter in den Norden vorstossen. Sie gründen ein befestigtes Dorf, das sie Fort-de-France nennen (die spätere Hauptstadt Port-Louis). Der westlichen Küste entlang beginnen die Siedler mit der landwirtschaftlichen Erschliessung der Insel. Die Indianer werden mehr und mehr in den Süden zurückgedrängt.
Bald stehen auf Santa Lemusa auch die ersten Zuckermühlen. In den Papieren aus den 1640er Jahren, den frühesten Dokumenten der Geschichte von Santa Lemusa, heisst die Insel «la mosa», «les moussas», «la mousse» oder «les mousses» (mehr zum Namen).
Die Compagnie des Isles d'Amérique geht bankrott. Ihre Besitzrechte in Martinique und Guadeloupe gehen an die Gouverneure Duparquet und Houel über, welche die Inseln als Privateigentum ausbauen. Auf Santa Lemusa übernehmen zwei ursprünglich aus Genua stammende Kaufleute (Pace und d'Alessandro) die Kontrolle des Handels und damit auch die politische Führung der Insel. Sie verfügen über eigene Schiffe, weshalb die Bucht vor der Hauptstadt später den Namen Baye des Italiens erhält.
In den 1650er Jahren lassen sich Juden aus Brasilien auf Santa Lemusa nieder und gründen die erste jüdische Gemeinde der Insel.
In den Jahren 1659-61 gelangt der ursprünglich aus der Toscana stammende Pater Bono (Cosimo Silvestro Bonaventura) über Marseille und Guadeloupe nach Santa Lemusa. Gemeinsam mit einigen Gefolgsleuten aus Italien und Südfrankreich gründet er wenig später den Conventus fratrum minorum de Sancti Francisci in Sancta Lemusa.
Mit dem Ziel, die westindischen Inseln zurückzukaufen, gründet Ludwig XIV (1661-1715) im Jahre 1664 eine neue Handelsgesellschaft, die Compagnie Française des Indes Occidentales (sie erhält das Monopol auf den Sklavenhandel). Die Gesellschaft hat von Anfang an auch auf Santa Lemusa eine Niederlassung, die zu Beginn auf jeden Fall von Pace und d'Alessandro geführt wird. 1665 wird die Hauptstadt Fort-de-France vermutlich zu Ehren von Louis XIV in Port-Louis umbenannt (mehr zu den verschiedenen Namen der Hauptstadt von Santa Lemusa). 1671 veranlasst die Gesellschaft hier den Bau eines grossen Magazins und Warenumschlagplatzes (des spätere Couvent St. François). Infolge des holländisch-französischen Krieges (1672-78) allerdings wird diese Compagnie schon 1674 wieder aufgelöst.
Nach der Auflösung der Compagnie Française des Indes Occidentales gehen die Geschäfte auf Santa Lemusa in die Hände der neu gegründeten Compagnie des Vingt-Associés über (ab etwa 1680 nur noch Compagnie des Vingt genannt). Diese Gesellschaft umfasst Aktionäre aus Frankreich und Santa Lemusa – Pace und d'Alessandro sind weiterhin bestimmend.
Ab den 1680er Jahren beginnt die Compagnie des Vingt mit dem Aufbau eines zweiten Hauptquartiers in der Bucht des heutigen Sentores im Süden der Insel. Die Wahl dieses Ortes hat vermutlich strategische Gründe: Wegen der vor der Einfahrt zur Bucht gelegenen Inselchen (Les Sufnîles) kann der Hafen vom offenen Meer aus mit Kanonen nur schwer beschossen werden – in jenen unsicheren Zeiten ein ungemeiner Vorteil. Für die grösseren Handelsschiffe allerdings ist der Hafen zu klein – die müssen weiterhin in Port-Louis laden und löschen.
Der unter Finanzminister Jean-Baptiste Colbert entworfene «Code Noir» legt Rechte und vor allem Pflichten der Sklaven in den französischen Kolonien fest.
1687 beginnt Martin le Preneur, einer der Aktionäre der Compagnie des Vingt, im Süden der heutigen Hauptstadt mit dem Bau einer Zitadelle – in einem Gebiet, das im späteren 17. Jahrhundert noch völlige Wildnis ist. Er bestreitet den Bau aus eigenen Mitteln und bestückt die Bastionen mit schweren Kanonen. 1703 ist die Zitadelle vollendet, Le Preneur zieht ein und erklärt sich noch am selben Tag zum König von Santa Lemusa. Er verlässt seine Zitadelle nicht mehr und trifft allerlei Vorkehrungen gegen mögliche Angriffe oder Attentate. Unter anderem beschäftigt er eine mehr als dreihundert Mann starke Privatarmee. Die Angriffe bleiben aus. 1704 allerdings stirbt Martin an den Folgen einer Nahrungsmittelvergiftung – es soll eine verdorbene Enten-Pastete gewesen sein, die das Ende des Roi anxieux (wie er wegen seiner notorischen Furcht vor Angriffen genannt wird) herbeiführte. Das Intermezzo tangiert die Geschichte der Insel kaum.
Der Domikanerpater Père Labat bereist die Inseln, beschreibt seine Erfahrungen und setzt Massstäbe im Umgang mit den Sklaven. Vor allem auf Martinique wird er zu einer patriarchalen Leitfigur.
First Publication: 4-2007
Modifications: 20-2-2009, 30-9-2011