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Die Geschichte des Taijiquan
Der daoistische Mönch Zhang Sanfeng, der zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert gelebt haben soll, habe der Legende zufolge in den Wudang-Bergen den Kampf zwischen einer Schlange und einem weissen Kranich beobachtet. Dabei soll er das Prinzip des „weichen Kämpfens“ mit innerer Kraft erkannt und daraus dann die Grundprinzipien der inneren Kampfkünste abgeleitet haben.
Die Geschichte aber führt uns zurück in die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Dorf Chenjiagou. General Chen Wanting (1600 – 1680) entwickelte aus verschiedensten Kampfkunststilen die erste Form des Taijiquan. Der Grundstein des chinesischen Schattenboxens war gelegt.
Durch das Trainieren des Körpers nach den Gesetzen der Kampfkunst unter Einbezug des Qigong (Arbeit mit Qi, Energie) erreichten die Mitglieder der Familie Chen einen hohen Grad an Können (Gong fu, innere Arbeit, Arbeit mit Qi).
Die Effektivität der Methode wurde bei der Niederschlagung von Aufständen mehrfach erprobt und das Taijiquan der Chenfamilie hatte bald in ganz China einen sehr guten Ruf. Doch die Familie weigerte sich, das Wissen einer breiten Öffentlichkeit weiterzugeben. Einer der ersten Aussenstehenden, der in die Geheimnisse eingeweiht wurde, war Yang Luchan. Er adaptierte das Gelernte an sein eigenes Können und wurde zum Begründer des Yang-Stils. Die Familie Chen akzeptierte ihn als Schüler und später auch als Unterrichtenden,. Das Taijiquan der Familie Chen beeinflusste ebenfalls alle anderen berühmten Taiji-Stile (Wu/Hao-Stil, Wu1-Stil, Wu2-Stil).
In der Chenfamilie aber wurde die alte Tradition weitergeführt. Erst als sich die verschiedenen Schulen im letzten Jahrhundert sich breiteres Ansehen verschafften, entschlossen sich auch die Chen, ihr Können einem weiteren Publikum zugänglich zu machen. So schrieb Chen Pinsan ein grundlegendes Werk über Taijiquan, das erstmals die ganzen Erfahrungen zusammenfasste. Nach der Revolution begann die chinesische Regierung, Taiji als kulturelles Erbe zu entdecken. Die verschiedenen Traditionen wurden aufgearbeitet und die noch lebenden direkten Nachkommen und Meisterschüler einbezogen.
Taijiquan verbreitete sich im letzten Jahrhundert rasch über das ganze Reich der Mitte. Im Fluss der Zeit wurden die alten Stile den Bedürfnissen vieler Praktizierender angepasst. An die Stelle der kampf- und kraftbetonten Elemente traten nach und nach sanfte und fliessende Bewegungen. Neue und einfachere Formen wurden entwickelt, wie zum Beispiel in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts die 37er Form von Cheng Man’Ching oder die 24er Form, die sogenannte Pekingform (beide Yangstil). Diese wie auch andere neuere Formen betonen vor allem den gesundheitsbewahrenden Aspekt und sollen auch und gerade älteren Menschen ermöglichen, Taijiquan zu erlernen.
Grossmeister Chen Xiaowang, direkter Nachfahre des Begründers des Taijiquan in der 19. Generation und heutiger offizieller Vertreter des Chen-Stils, verliess China Ende des 20. Jahrhunderts, um als als erster die jahrhundertealte Erfahrung seiner Familie auch im Ausland einem grösseren Schülerkreis zugänglich zu machen. Chen Xiaowang ist der Sohn von Chen Zhaoxu und der Enkel von Chen Fake, dem bedeutendsten Taiji-Meister des Chen-Stils im letzten Jahrhundert.
Der Familie Chen ist es ein Anliegen, ihrer Schülerschaft das ganze Feld ihres Systems weiterzugeben. Heutzutage finden wieder vermehrt die Kampfformen (Tuishou – Händeschieben, Sanda – freier Wettkampf, Yongfa - Anwendungen) und die Waffenformen (Säbel, Schwert, Speer, usw.) Beachtung. Ausserordentlich wichtig sind auch die vorbereitenden oder begleitenden Übungen. Diese Techniken zur Lenkung der Energien bzw. des Qi sind ein integraler Bestandteil auch aller anderen chinesischen Kampfkünste.