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Für Franziska Summermatter gibt es ein Leben vor der Hormonsubstitution und eines danach. Das davor war schwer zu ertragen: «Anfangs versuchte ich, mir einzureden, dass das Ganze ja nicht so tragisch ist. Wenn man zwei von fünf Nächten kaum schläft, okay, das lässt sich kompensieren», erzählt die Leiterin der Hebammenpraxis Zürich. Dass sie aber alle Dreiviertelstunden von Hotflashes überfallen wurde, die ihr buchstäblich den Schweiss ins Gesicht trieben, wollte und konnte sie nicht akzeptieren. «Ich hatte auch keine Lust, mit 50 unter einer atrophen Scheide und Schmerzen beim Sex zu leiden. Neben diesen lästigen Beschwerden fühlte ich mich fit wie ein Turnschuh und wollte mein Leben in einer guten Qualität weiterführen.» Als sie nach einer gewissen Zeit durch ihr Schlafmanko zermürbt und beeinträchtigt war, bat sie ihren Frauenarzt um Hormone. Er hatte Bedenken, weil seiner Ansicht nach das Brustkrebsrisiko unter einer Hormonsubstitution erhöht sei. Von ihrer Physiotherapeutin wurde sie auf das Buch von PD Dr. Alexander Römmler, «Die Wahrheit über Hormone», aufmerksam gemacht. Und da fand Franziska Summermatter, was sie suchte. Er propagiert die sogenannt «natürliche» Hormontherapie.
Unter einer natürlichen Hormontherapie versteht Römmler die Gabe von natürlichen bioidentischen Hormonen. Also Hormone, die der Körper in einer bestimmten Dosis vor der Menopause selber produziert hat. Er bemängelt, dass die klassische orale Hormonersatztherapie mit zu hohen Dosen operiert. Um bei der oralen Östrogenaufnahme wirksame Hormonspiegel zu erreichen, werden seiner Meinung nach erhebliche Dosierungen verwendet, die über die Leber ab- und umgebaut werden. Es sei die hohe Gesamtbelastung an Östrogenen, die zu den speziellen Risiken an der Leber, an vorgeschädigten Gefässen und am Brustgewebe führt, was vor allem zu erhöhten Thrombose-, Lungenembolie- und Brustkrebsrisiken beiträgt.
Der Ausweg heisst transdermal. Bei der Anwendung von Cremes oder Gels über die Haut reicht eine viel geringere Östrogendosis. Dadurch sinken die Risiken höherer Östrogenmengen, auch in Bezug auf die Brust. Statt synthetische Gestagene – das zweite Hormon, das in der Hormonersatztherapie eine Rolle spielt – empfiehlt Römmler Progesteron als natürliches Gestagen für Frauen mit einer noch intakten Gebärmutter. Besonders riskant seien synthetische Gestagene für die Gefässe und für das Brustgewebe. Progesteron soll auch in der Lage sein, den Zelltod ungesunder oder entarteter Zellen zu fördern.
Heute geht es Franziska Summermatter sehr gut. Östrogen führt sie sich als Gel zu und schluckt mikronisiertes Progesteron. Um ihre Erfahrungen an betroffene Frauen weiterzugeben, hat sie zusammen mit Karolina Schmid von Pilateswiss das «Natural Menopause Programm©» zusammengestellt. Der achtwöchige Kurs bietet viel Bewegung, Austausch, wichtige Tipps, unter anderem auch zu Sex nach der Menopause.
Bioidentische Hormone sind Wirkstoffe, die mit den Hormonen, die der Körper selbst herstellt, von ihrer Struktur, ihrer Funktion, ihrer Wirksamkeit und ihrem Stoffwechsel her identisch sind. Gemeint sind damit im engeren Sinn meist männliche und weibliche Sexualhormone wie Östradiol, Progesteron, Dehydroepiandrosteron und Testosteron. Das Schlagwort «Bioidentisch ist besser» stammt primär aus den USA. Dort werden noch häufig seit Jahrzehnten bewährte nicht bioidentische Östrogenpräparate verwendet, die bei uns nicht erhältlich sind.
Alle in unseren Apotheken erhältlichen Tabletten, Pflaster und Gels, die Östradiol enthalten, sind bioidentisch. Sie werden meist halbsynthetisch auf pflanzlicher Basis (Soja, Yamswurzel) hergestellt. Diese bioidentischen Hormonpräparate sind wirksam und sicher und unterscheiden sich nicht von den körpereigenen Hormonen. Sie wurden durch die Swissmedic, die Kontrollbehörde für Arzneimittel, nach genauer Prüfung zugelassen. Dies ist nicht der Fall für die an der Swissmedic vorbeigeschleusten, sogenannt «natürlichen bioidentischen Hormone». Sie sind weder sicherer noch wirksamer als die von der Swissmedic zugelassenen Präparate. Es existieren keine zuverlässigen Daten, ob und wie ein solches Präparat überhaupt vom Magen-Darm-Trakt oder über die Haut aufgenommen wird. So eignet sich transdermal verabreichtes Progesteron nicht zum Schutz der Gebärmutter-Schleimhaut, da durch die Haut nicht genügend Wirkstoff aufgenommen werden kann. Gerade bei den Gelbkörperhormonen sind deshalb bestimmte genau ausgesuchte halbsynthetische Präparate die bessere und sicherere Wahl.
Es ist auch falsch, zu glauben, dass bioidentische Hormone über die Speichelhormondiagnostik individuell dosierbar sind: Dazu existieren weder Referenzdaten noch besteht eine Korrelation mit den Konzentrationen des Hormons im Blut und am Gewebe. Diese Präparate sind keine sichere und wirksame Alternative zu den von der Swissmedic zugelassenen bioidentischen Präparaten in Tabletten-, Pflaster- oder Gelform.
Mehr Informationen gibt es unter
www.hebammenpraxis-zuerich.ch