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Notgrabung «Mehrfamilienhaus Heidemurweg 28»
Grabungsbericht
Stand: 9. Juni 2015
Holzbauzeitliche Überbauung
Wie erwartet, wurden Befunde dokumentiert, die älter als die bisher bekannten Steingebäude sind. Besonders die Überreste von Häusern in Holz und Fachwerk sind jedoch flüchtig und nicht immer einfach zu erkennen. Diese Häuser wurden vor Neubauten in der Regel einplaniert und hinterlassen nur wenige Spuren. Ganz im Süden der heutigen Parzelle wurden zwei solche Gebäudeteile erkannt: Die wohl ältere Einheit wurde teilweise in die geologische Schotterrippe eingetieft, teilweise auf Planie-Schichten errichtet. Solche Terrassierungen waren angesichts des Gefälles in Richtung Rhein notwendig. Die jüngere Haueinheit weist eine andere Orientierung auf. Ihre Balkenlager − Aufreihungen von grösseren Kalksteinen, die als Fundamente für die Fachwerkwände dienten − waren stellenweise noch erhalten (Abb. 1). Eine Feuerstelle ist als einzige Einrichtung innerhalb des Raums dokumentiert worden (Abb. 2).
Abb. 1: Die länglichen Kalksteine dienten als Fundament oder Sockel für einen Balken einer Holz- und Fachwerkwand. Sie werden dementsprechend Balkenlager genannt.
Abb. 2: Die Feuerstelle eines Holz- und Fachwerkgebäudes. Die beiden flach liegenden Ziegel links dienten als Herdplatten, was anhand der grauen Verfärbung und den zahlreichen Sprüngen wegen der Hitze ersichtlich ist. Rechts sind einige Ziegel gekippt, dürften ursprünglich aber einen Bereich vom Feuer, etwa für die Holzlagerung, geschützt haben.
Etwa in der Mitte der heutigen Parzelle sind wir auf den Hinterhofbereich gestossen. Die antike Parzellengrenze, parallel zur Castrumstrasse verlaufend, ist durch eine Reihe von Pfosten markiert. Als ein wenig älter als dieser Zaun oder diese Palisade müssen zahlreichen Latrinengruben eingestuft werden (Abb. 3). Diese «Plumpsklos» standen in der Regel am Parzellenrand, möglichst weit von der Überbauung weg.
Abb. 3: Sicht auf zwei unterschiedlich tief ausgegrabene Felder. Die grossen Gruben sind als Latrinengruben benutzt worden. Die Zersetzung der Fäkalien scheidet Phosphat aus, was über mehrere Jahrhunderte dann zu einer typischen Grünverfärbung der Sedimente führt. Die kleineren Löcher sind die letzten Reste eines Zauns oder einer Holzpalisade, welche die Parzellengrenze markierte.
Steinbauzeitliche Überbauung
Aus der Zeit in Stein errichteter Häuser sind bisher nur ganz wenige Befunde beobachtet worden. Für den Bau des abgerissen, modernen Hauses sind diese Schichten grösstenteils zerstört worden. An der Abbruchböschung konnten jedoch noch die letzten Reste einer Mauer der Randbebauung gefasst werden (Abb. 4).
Ganz im Süden der heutigen Parzelle sind die archäologischen Schichten nicht mehr so gut erhalten, sodass bloss noch der letzte Rest eines Fundaments übrig blieb. Auch dieses Fundament ist anders orientiert als die Lunastrasse, was zu einem Hinterfragen des genauen Verlaufs und zu ihrer Chronologie führt; diese Strasse liegt jedoch knapp ausserhalb der Grabungsfläche.
Die zeitliche Einordnung eines Neonatengrabs ist noch ungewiss (Abb. 5). Der Säugling könnte durchaus auch im Hofbereich der holzbauzeitlichen Überbauung bestattet worden sein.
Abb. 4: In der Abbruchböschung des modernen Hauses kamen Mauern zutage, die zur Randbebauung entlang der römischen Castrumstrasse gehören. Weshalb ein grosser roter Sandsteinquader zwischen den beiden Mauern eingebaut war, ist unklar. Die Mauer im Vordergrund ist nur noch im Fundamentbereich erhalten. Diejenige in der Böschung ist hingegen aufgehend gemauert, bzw. sichtbar gewesen.
Abb. 5: Bestattung eines Säuglings. Laut einem uralten, römischen Gesetz durften Säuglinge, die noch keine Zähne hatten, innerhalb des Stadtperimeters begraben werden, alle anderen nur ausserhalb
Die Kastellzeit
Bisher sind keine Strukturen aus der Spätantike beobachtet worden; einzige Ausnahme ist der Kastellgraben. Wir haben mit dem Bagger einen Sondierschnitt gelegt, um den Aufbau und vor allem die Schichtmächtigkeit zu kennen. Wir haben zwar erst einen kleinen Einblick, aber es scheint, dass der Graben sich in Richtung des Südtors (siehe Bodenmarkierung) verjüngt. Der zuerst wannenförmige Graben wurde allem Anschein nach zu einem späteren Zeitpunkt ein weiteres Mal V-förmig ausgehoben. Dies wird sich nun in den kommenden Wochen zeigen.
Abb. 6: Querschnitt durch den Kastellgraben und ältere Strukturen. Der Graben, in der Bildmitte links, ist in den anstehenden, gelben Lehm eingetieft. Er diente als Annäherungshindernis für das spätrömische Kastell. Unten rechts sind noch Reste von älteren Gruben vorhanden, was die «Lesbarkeit» dieses Profils erschwert.