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Herbstkonzert 2017Sonntag, 22. Oktober 2017, 17 Uhr, Kirche Blumenstein
MusikerManuel Oswald, Violine
Lea Boesch, Viola
Mirjana Reinhard, Cello
Frederic Sánchez, Flöte
Sarah O'Brien, Harfe
Programm
Debussy und Mozart kannten am Ende ihres Lebens ähnlich verheerende finanzielle Verhältnisse. Beide fanden jedoch in ihrer Umgebung barmherzige Seelen, die sie unterstützen: 1788 bat Mozart, der bis zum Hals in Schulden steckte, Michael Puchberg, einen Freimaurer-Bruder, um Hilfe, der ihn in den letzten drei Jahren seines Lebens finanziell unterstützte. Debussy wandte sich an seinen Verleger und Freund Jacques Durand, der ihm 66'235 Francs lieh, die der Komponist dem Verlag bei seinem Tod schuldig blieb.
Man nimmt an, dass Mozart das Divertimento KV 563 als Zeichen der Dankbarkeit gegenüber seinem Wohltäter geschrieben hat; dessen Grosszügigkeit wurde reich belohnt, weist das Werk doch einen einzigartigen, bemerkenswerten Charakter auf. Der von Mozart verwendete Begriff «Divertimento» bedarf einiger Erläuterungen: Im 18. Jahrhundert wird der Ausdruck häufig verwendet, um eine leichte, angenehme Musik zu beschreiben, deren Reiz besonders in einem grossen Abwechslungsreichtum liegt. Bei seinem Trio KV 563 beweist Mozart eine kunstvolle, komplexe Kompositionstechnik, die das Werk auf der Ebene der grossen Streichquartette und -quintette ansiedelt und es vom Stil des Divertimento entfernt, um ihm eine neue Tiefe zu verleihen. Der konzertante Stil, charakteristisch für die Kammermusikwerke der späten Jahre des Komponisten, schöpft die Möglichkeiten aller Instrumente aus. So können die Violine, die Viola und das Cello jederzeit die Solistenrolle übernehmen.
Im September 1915 teilte Debussy seinem Verleger Jacques Durand mit, er arbeite an einer Komposition für Flöte, Viola und Harfe, die ihm von einer «beinahe störenden Schönheit» erscheine. Dieses Trio sollte zu einem Zyklus von sechs Sonaten für verschiedene Instrumente gehören, die der Komponist, nach dem Vorbild von François Couperins Concerts Royaux, schreiben wollte. Dieser erklärte Bezug zur Tradition der französischen Musiker des 18. Jahrhunderts widerspiegelt einen Nationalismus, der mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs aufflammte. Aufgrund seiner Krankheit konnte Debussy nur die drei ersten Sonaten vollenden: die erwähnte Sonate sowie die Cellosonate und die Violinsonate. Debussy wählt die Zusammensetzung von Flöte, Viola und Harfe mit Bedacht: Er behandelt das Klangmaterial wie ein Maler seine Palette und lässt jedes Instrument in seinen Farben leuchten. Um die leichte, fliessende Atmosphäre zu erreichen, die diese Sonate auszeichnet, hatte er zunächst an die Oboe anstelle der Viola gedacht. Doch er entschied sich schliesslich für die Viola, die eine intimere, zartere Verbindung erlaubt, in der die drei Instrumente auf wunderbare Art harmonieren.
Ein paar Jahre später kam der Harfenist René Leroy, begeistert von dieser Klangmischung, auf die Idee, dem Trio eine Violine und ein Cello hinzuzufügen, um das «Quintette Instrumental de Paris» zu gründen. Das Ensemble war äusserst erfolgreich; dank ihm entstand ein eigenes Repertoire für diese neue Besetzung, mit Werken von Pierné, Roussel, Ibert und zahlreichen anderen Komponisten. Auch das Quintett für Flöte, Violine, Viola, Cello und Harfe von Jean Cras ist ihm gewidmet.
Jean Cras, 17 Jahre jünger als Debussy, war hauptsächlich Autodidakt. Wie Debussy gehörte er keiner Schule an, und er teilte mit diesem sein Interesse für östliche Musik: Man weiss, welche Wirkung die Entdeckung der Gamelanorchester aus Java bei der Weltausstellung von 1889 in Paris auf Debussy hatte. Jean Cras verstand es ein Leben lang, seine Berufung als Komponist mit einer glänzenden Karriere als Offizier in der französischen Marine zu verbinden, im Laufe derer er zahlreiche Länder bereiste und verschiedene musikalische Traditionen kennenlernte. Diese Vorliebe für das Exotische kam bei beiden Komponisten in der Integrierung pentatonischer Tonsysteme in ihre musikalische Sprache zum Ausdruck. Das Quintett für Flöte, Harfe, Violine, Viola und Cello ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Jean Cras diese einsetzte.