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Die Finsteraarhornhütte
Anläßlich des Baues der neuen Oberaarjochhütte ( siehe Jahrbuch S.A.C. 1904, pag. 339 ) wurde allgemein die Ansicht ausgesprochen, daß die alte Hütte noch gar nicht baufällig sei, und daß es zu bedauern wäre, wenn dieselbe abgebrochen und als Brennholz verwendet würde. Die Führerschaft von Oberhasli machte es sich bald zur Lieblingsidee, unserm stolzen Finsteraarhorn eine Hütte und damit vermehrten Besuch zu verschaffen, und dazu war ja die alte Oberaarjochhütte trefflich geeignet. Die Frage wurde Gegenstand einer Diskussion in der „ Alpina " ( Jahrgang 1904 ). Verschiedene Vorschläge für den neuen Hüttenstandort traten zu Tage, so Rotloch unten am Finsteraar-Rothorn, Dejeunierplatz, Hugisattel am Finsteraarhorn. Die Sektion Bern S.A.C., damals auf der Suche nach einem geeigneten Platz für ihre Egon v. Steiger-Hütte, und namentlich Vertreter des Zentralkomitees und der Sektion Biel beschäftigten sich einläßlich mit der Angelegenheit und machten der jungen Sektion Oberhasli den Vorschlag, die Versetzung und Ausbesserung der Hütte zu übernehmen.
Kaum halbjährig, aber rasch aufblühend an Mitgliederzahl und Begeisterung für den Bergsport, machte sich der Oberhasler Alpenclub an das Studium der Frage und ließ zwei Pläne mit Kostenvoranschlag ausarbeiten, von denen der teurere eine zweistöckige Hütte mit zirka 24 Schlafstellen vorsah, der billigere aber nur eine leichte Erhöhung des bisherigen Raumes zum Anbringen von zwei übereinander liegenden Pritschen mit zirka 16 Schlafstellen.
Das Zentralkomitee entschied sich angesichts der sonstigen starken finanziellen Inanspruchnahme für das zweite Projekt und empfahl der Delegiertenversammlung vom 17. Oktober 1904 in Ölten eine Subventionierung der Hütte mit 60 °/o, im Maximum Fr. 3000, als absolut dringlich, um die Hütte vor Zerstörung zu bewahren. Es hatte Mühe, gegenüber verschiedenen Stimmen, die zum Sparen mahnten und eine Hütte am Finsteraarhorn als unnütz und wertlos verspotteten, den Antrag durchzubringen. Dank sei ihm und seinen Sekundanten an dieser Stelle für ihr mannhaftes Eintreten für das Projekt! Die nächsten Jahre werden, des sind wir überzeugt, die Nützlichkeit der Finsteraarhornhütte ad oculos demonstrieren, und ein Frevel geradezu wäre es gewesen, das alte Hüttchen mit seinem noch vollständig intakten Holzwerk dem Feuer preiszugeben.
Während nun das Zentralkomitee den Standort der neuen Hütte an der Westseite des Finsteraarhorns, ganz unten am Fiescherfirn, oder gar weiter nördlich in der Nähe der Grindelwald-Fiescherhörner wünschte, konnte sich die Sektion Oberhasli nur für eine Hütte am Déjeunierplatz oder in dessen Nähe begeistern. Dem Finsteraarhorn wollten wir die Hütte weihen! In diesem Wunsch wurden wir namentlich auch bestärkt durch den unerwartet glücklichen Erfolg der unterdessen durchgeführten Die Finsteraarhornhütte.
Phot. Aug. Rapp ( Verlag Wehrli A.G., Kilchberg, Nr. 13,657 ).
Finanzierung des Unternehmens. So stimmte schließlich das Zentralkomitee unserem Vorschlage, die Hütte auf Punkt 3232 westlich vom Finsteraarhorn zu verlegen, bei.
Wir glauben, der Standort sei glücklich gewählt. Der Hüttenplatz ist vom Rothornsattel, von der Grünhornlücke und von der Gruppe der Grindelwald-Fiescherhörner weithin sichtbar. Er ist von allen Seiten leicht zugänglich, vom Rothornsattel auf horizontalem Wege, vom Fiescherfirn durch eine Steigung von einer halben Stunde. Wenn auch das Finsteraarhorn recht eigentlich der Berg unserer Hütte ist, so wird diese doch auch den Besuch des Wannehorns, Schönbühlhorns, Grünhorns und der Grindelwald-Fiescherhörner mächtig fördern.
Nicht unerwähnt darf bleiben die Schwierigkeit, die unsere Sektion hatte, sich von der Gemeinde Fieschertal den Bauplatz abtreten zu lassen. Dieselbe verlangte für diesen unproduktiven Steinboden Fr. 100. Keine Bemühungen, weder des Walliser Staatsrates, noch des Regierungsstatthalters von Brig, noch auch unserseits vermochten diese unbeugsamen Gemeindeväter zu erweichen; die Fr. 100 mußten geschwitzt werden!
Rasch vollzog sich die Finanzierung, und so Anfang Frühling 1905 vergeben werden.
Ein Undank wäre es, wollten wir hier nicht Dankbarkeit die Namen derjenigen anführen, die mit ihrer finanziellen Unterstützung das Unternehmen überhaupt ermöglicht haben. Es sind dies neben der Zentralkasse die Herren Liesegang, Grimsel; Enders, Wiesbaden; Vischer, Meggen; Gebrüder Boß, Grindelwald; Lory, Münsingen; Cathrein, Eggischhorn; Seiler, Gletseh; ferner die Führervereine Oberhasli, Grindelwald und Lauterbrunnen; der Skiclub Haslital; Ge-meinnütziger Verein von Meiringen und Umgebung; Aareschluchtgesell-schaft; der Oberländische Verkehrsverein und die Jungfraubahn-Gesell-schaft.
Die Herrichtung des Platzes und die Ausführung des Mauerwerkes übernahmen die Herren Gebrüder Kohler, Bergführer in Willigen, um die Summe von Fr. 720, den Transport ein Konsortium von sieben Bürgern aus Willigen, und zwar den der alten Hütte um Fr. 690, den des neuen Materials um Fr. 55 per Kilozentner von der Grimsel weg. Den Bau selbst übergaben wir der Firma H. Abplanalp & Cie. in Meiringen, die vom Bau der neuen Oberaarjochhütte bestens bekannt ist, um die Summe von Fr. 1500.
Der anerkennenswerte Eifer und die Tatkraft dieser Männer, sowie die günstige Witterung, ermöglichten eine Fertigstellung der Hütte schon bis zum 10. August 1905. In der nächstfolgenden Zeit wurde auch das Hüttenmobiliar hinauf geschafft.
Die am 19. September 1905 zur Einweihung aufbrechende Karawane konnte zwar schlechten Wetters halber nur bis zur Grimsel gelangen. Doch erfolgte die Übernahme in den nächstfolgenden Tagen durch drei wetterharte Abgeordnete der Sektion.
Die eigentliche Hüttenweihe, verbunden mit einer Besteigung des Finsteraarhorns, wurde sodann von der Sektion für den Vorsommer 1906 in Aussicht genommen und am 25./26. Juni bei prächtigem Wetter und unter frohester Stimmung der Teilnehmer glücklich durchgeführt. 26 Touristen mit 6 Führern marschierten früh morgens von der Grimsel ab, überschritten das Oberaarjoch und langten abends bei der gastlichen Hütte an. Allgemein sprach man sich äußerst befriedigt aus über den Standort der neuen Hütte, den Bau selbst und die innere Einrichtung. Obschon die horizontalen Dimensionen des Raumes die gleichen geblieben sind wie am frühern Standort, ist es doch durch die eingangs erwähnte Erhöhung ermöglicht worden, zwei Pritschen und damit Schlafstellen für 16 Personen anzubringen, so daß die neue Hütte auf längere Zeit den Anforderungen so ziemlich genügen dürfte.
Möge denn die Finsteraarhornhütte kräftig dazu beitragen, recht vielen Alpenfreunden den Besuch des Finsteraarhorngebietes angenehm und fruchtbar zu gestalten!
Dr. B. Stuckt ( Sektion Oberhasli ).