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Vor 30 Jahren kaufte die Fondation Franz Weber die alte Rinderfarm Bonrook in Pine Creek ganz im Norden von Australien, und wandelte sie um in ein Wildpferdereservat. Sam Forwood, seit bald einem Vierteljahrhundert Station Manager des Franz Weber Territory, berichtet über die Regen- und Trockenzeit im 500 Quadratkilometer grossen Paradies für Wildpferde und zahlreiche einheimische Tierarten.
Die Regenzeit, die hier auf dem Weideland von Bonrook vorüber ist, war durchschnittlich: Sie begann gewaltig und endete kläglich. Zwar waren die frühen Oktoberstürme sehr vielversprechend, doch klangen sie im Januar ab und im Februar und März fiel nur wenig Regen. Normalerweise bekommen wir bis April ausgiebig Regen.
Die Brumbies – so werden die Wildpferde in Australien genannt – auf unserem Weideland kommen in der Monsunperiode gut zurecht. Ganz egal, ob viel Regen fällt und gar Überschwemmungen auftreten oder nur wenig; sie sind daran gewöhnt und passen sich allen Wetterlagen an. In der Zeit der Überschwemmungen findet man sie in höherem Gelände und auf den Felshängen vor. Das erklärt wohl auch, warum ihre Hufe sehr hart und stets gut ausgebildet sind. Nur äusserst selten sieht man eines dieser Pferde mit beschädigten Hufen.
In Zeiten, in denen der Monsunregen nur spärlich fällt, sind die Brumbies auf dem gesamten Gelände in Familiengruppen anzutreffen. Sie ziehen sich meist nur dann ins rauere Hochland zurück, wenn es notwendig ist. Derzeit kann man die Stuten mit den jungen Fohlen beobachten, die in den Monaten vor der Regenzeit geboren wurden. Obwohl es manchmal gar nicht so leicht ist, einen Blick auf das Fohlen zu erhaschen… Denn die Mutter schirmt ihr Kleines immer mit dem Körper ab, sobald sie glaubt, dass Gefahr droht!
Nun, in der Mitte der Trockenzeit, geniessen die Brumbies das kühlere Wetter. Viele legen sich ein Winterfell zu, das sie wieder verlieren werden, wenn die Feuchtigkeit allmählich zurückkehrt. Sie leben über das gesamte Reservat verstreut und fühlen sich wohl auf dem nachgewachsenen Gras, das nach den kontrollierten Bränden wieder spriesst. Auf den Weiden sind grosse Familiengruppen zu sehen, in denen der Alphahengst seinen Harem voll unter Kontrolle hat. Er hält seine Stuten alle in Zaum und wehrt Bedrohungen von anderen Hengsten ab. Sobald die jüngeren Männchen geschlechtsreif sind, sorgt er ausserdem dafür, dass sie aus dem Harem ausgestossen werden; fortan sollen sie sich alleine durchschlagen. Die jungen Hengste schliessen sich dann zu kleinen Junggesellengruppen aus gewöhnlich drei bis fünf Tieren zusammen, um gemeinsam zu grasen und herumzustreifen.
Wenn Sie sich den Brumbies nähern, werden die Familiengruppen je nach Temperament des Hengstes entweder fliehen – was, wie bei allen Pferden, ihrem natürlichen Verteidigungsverhalten entspricht – oder sich zurückziehen und Sie aus der Distanz beobachten. Sie stehen immer im Schatten und meistens hinter dichten Büschen, wenn Menschen in der Nähe sind. Stuten mit Fohlen halten sich im Hintergrund der Herde auf, während sich der Hengst und sein Harem zwischen die Mütter mit ihren Jungen und Sie als Beobachterinnen und Beobachter – die potentielle «Bedrohung» – stellen. Vor allem von den Fohlen erhält man daher manchmal nur schwer schöne Fotos.
Wenn Sie eine Buschpiste befahren, kann es vorkommen, dass eine Brumbie-Herde kaum 100 Meter entfernt von Ihnen im Gebüsch entlang galoppiert und sich parallel zu Ihnen bewegt. Der Alphahengst bildet natürlich die Nachhut und treibt seine ganze Herde vor sich her. Wenn den Pferden der Sinn danach steht, und insbesondere an kühlen Morgen in der Trockenzeit, halten sie das viele Kilometer lang durch. Sie bewegen sich rasch und äusserst geschickt durch das dichte Buschland und kommen dabei deutlich schneller voran als jedes Auto oder Motorrad. Selbst wenn die Brumbies durch das Dickicht galoppieren, werden Sie niemals erleben, dass eines von ihnen stolpert oder sich verletzt.
In den Monaten des Übergangs zur Regenzeit, ab Ende September, entfernen sich die Herden dann sehr weit von ihren angestammten Futtergebieten um zu trinken, wodurch ihre Kondition ein wenig nachlässt und sie Gewicht verlieren. Sobald der Regen einsetzt und das Gras nachwächst, nehmen sie sehr rasch wieder zu.
Im Moment sind die Brumbies wie bereits erwähnt in absoluter Hochform: Glattes, glänzendes Fell, lange Mähnen und Schweife. Die Familiengruppen, die in den Monaten in der Mitte der Trockenzeit auf den Weiden grasen, sind wirklich ein herrlicher Anblick.