Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03468.jsonl.gz/291

Ortsbildschutzgebiete
Ortsbildschutzgebiet Dorfkern
Das schützenswerte Ortsbild Dorfkern wird begrenzt durch folgende Strassen und Plätze: Eichelstock – Am Bach – Kirchplatz – Alte Strasse – Kirchgasse – Landstrasse – Mittendorfstrasse.
Dominantes Kernstück ist natürlich die 1887 erstellte Pfarrkirche St.Kilian mit dem südöstlich angrenzenden Friedhof und der barocken Schutzengelkapelle. Im engeren Umkreis dieser Bauten und Anlageteile sind folgende Häuser speziell zu erwähnen:
Das Pfarrhaus (Ass. Nr. 3), ein nach Südosten ausgerichteter, geschindelter Massiv/Strickbau mit zwei Vollgeschossen, einem Halbgeschoss und fünf Achsen. Charakteristisch ist der nordöstliche Treppenturm mit seinem hohen Walmdach.
Das Mesmerhaus (Ass. Nr. 5), ein langgezogener und geschindelter Bau mit Quergiebel. Der unmittelbare Nachbar der ehemaligen Traube war ursprünglich ein niederer, traufständiger Flarzbau. Das ist unschwer an den Fenstern bzw. am Parterre-Fensterwagen zu erkennen. Diese sind bedeutend niederer als die seitlichen Wandöffnungen und das hohe Fenster im Quergiebel. Das gestrickte Gebäude wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgestockt und erhielt damals sein heutiges Aussehen.
Die Kaplanei (Ass. Nr. 4), auf der Nordseite der Kirche, schräg vis-à-vis dem Mesmerhaus gelegen, wurde vor der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut. Von 1863 bis 1897 war im Erdgeschoss das erste Schullokal der neugegründeten Realschule untergebracht. Vordem hatte das Parterre als Unterrichtszimmer der ersten Gemeindeprimarschule gedient (vgl. hierzu Realschule Bütschwil-Ganterschwil 1863 - 1938, Festschrift mit Beiträgen von Alois Rutz, Alois Bertsch, Max Blöchlinger u.a., Seite 12).
Äusserst wichtig sind auch die Wohnhäuser Am Bach 8/10 (Ass. Nrn. 272/274), ebenso deren südwestliche Nachbarn (Ass. Nrn. 270/271) und vor allem die Bauten am Kirchplatz, d.h. westlich der Pfarrkirche. Ortsbildprägend sind die Gasthäuser Hirschen und Schäfli (letzteres mit einem beachtenswerten Sandsteinbrunnen!); ebenfalls das Haus am Beginn der Mosnangerstrasse (Nr. 1, Rutz-Bischoff, Ass. Nr. 269) mit seiner charakteristischen Eckabschrägung und dem bauchigen Eisengitterbalkon. Typologisch interessant ist der ehemalige Pferdestall (Ass. Nr. 8), zurückversetzt zwischen Hirschen und der sogenannten "Villa" an der Kirchgasse. In den Obergeschossen ist noch der unverkleidete Schwalbenschwanzstrick zu erkennen.
Bei den weiter nord- und südwestlich gelegenen Häusern ist besonders das Bauernhaus an der Alten Strasse 12 (sogenanntes Haus Roos) hervorzuheben. Dieser stattliche Bau prägt mitsamt dem zugehörigen Jugendstil-Pavillon massgeblich das Ortsbild in diesem Bereich.
In der Gabelung Alte Strasse/Oberdorfstrasse liegen die Häuser Ass. Nrn. 110 und 118, welche den Dorfkern westlich beschliessen. Den geschindelten Bauten – heute in der Gestalt des 19. Jahrhunderts – kommt eigentliche Torfunktion zu. Ebenfalls erwähnenswert ist die Metzgerei Wohlgensinger (Ass. Nr. 266).
Der nordöstliche Abschluss des Ortsbildschutzgebietes Dorfkern wird vom Eichelstock (auch Aichelstock) gebildet. Dieses Platzgeviert mit den umgebenden Häusern stellt den ältesten Teil von Bütschwil dar und kann als eigentlicher Dorfmittelpunkt bezeichnet werden. Von hier aus entwickelte sich die Niederlassung dem Dorfbach entlang. Sie bestand aus einer kleinen Anzahl niedriger, einfacher Wohnstätten. Diese steinbeschwerten "Tätschdachhäuser" wurden später vielfach aufgestockt, wie das Beispiel des Mesmerhauses zeigt.
In der Platzmitte stand noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Dorflinde. Ursprünglich muss es eine Eiche gewesen sein, die dem Geviert den Namen gab. Daher kommen auch die Alternativnamen Aechstock, Eichstock oder nur Aestock.
Als herausragende Gebäude sind zu bezeichnen:
Die ehemalige Traube (Ass. Nr. 153) mit dem angrenzenden Haus Ass. Nr. 155. Das Doppelhaus mit Ortsmuseum grenzt den Platz gegen Südosten ab und vermag dank seines urtümlichen Erscheinungsbildes viel zum harmonischen Ortsbild beizutragen.
Die Schmiede (Ass. Nr. 151), ein langgezogener und geschindelter, zum Platz traufbetonter Bau mit drei Vollgeschossen und einem hochgezogenen Quergiebel über unterbrochener Traufe. Die unregelmässigen Achsen resp. der Fensterwagen im ersten Obergeschoss ganz rechts aussen beweisen, dass auch dieses Haus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgestockt wurde. Noch um 1850 war das Gebäude um ein Stockwerk niedriger und platzwärts mit einer Laube geziert.
Den nordöstlichen Abschluss des Eichelstocks bildet die Bäckerei Krapf (Ass. Nrn. 158/159), ein gestrickter Bau mit giebelständigem Hauptteil und traufbetont anschliessendem Annex.
Ortsbildschutzgebiet Kirchgasse
Auf die Bedeutung des Ortsbildschutzgebietes Kirchgasse hinzuweisen, scheint beinahe überflüssig, sind doch die zwei wichtigsten Gebäude als Einzelobjekte aufgeführt. Zu nennen sind die Häuser Nr. 3 (Halter), Nr. 11 (sogenannte "Villa") und Nr. 7, ein 1875 für Jakob Vogel erstelltes Gebäude. Wichtig für das Ortsbild sind ebenfalls die Bauten auf der nordöstlichen Seite, zwischen dem Gasthof Sonne und der Schutzengelkapelle. Wenn auch bereits einige purifizierende Veränderungen stattgefunden haben, so vermögen diese klassizistischen Häuser doch noch eine gute Vorstellung vom Aussehen des Dorfes Ende des letzten Jahrhunderts zu geben.
Ortsbildschutzgebiet Kolonie
Das westlich der Landstrasse gelegene Ortsbildschutzgebiet Kolonie umfasst insgesamt sieben Häuser, die in sich eine geschlossene Einheit bilden und aufeinander Bezug nehmen. In der Mitte führt ein schmales Strässchen durch, und nach Westen schliesst die Landwirtschaftszone an.
Der 1896 erfolgte Bau der sogenannten Arbeiterkolonie ist auf die Industrialisierung – vor allem die Stickerei – und den durch sie ausgelösten Bauboom zurückzuführen. Als erste Zeugen sind die sogenannten Kosthäuser, einfache Wohnstätten für die Arbeiterschaft, zu nennen. Die Kolonie-Gebäude heben sich von letzteren durch die getrennte Bauweise und die Aufteilung in Ein- und Zweifamilienhäuser ab. Trotzdem sind es einfach ausgestattete Häuser, die aber in ihrer Gesamtheit viel zum Ortsbild von Bütschwil beitragen und erhalten bleiben sollten.
Die traufbetonten Gebäude zeigen alle einen standardisierten Aufbau: Zweigeschossige Holzbauten über rechteckigem Grundriss und niederem Sockel mit vier auf zwei Achsen, geschindelter Fassade, einzeln verdachten hohen Fenstern und Jalousieläden. Die drei an der Landstrasse gelegenen Bauten sind etwas reicher ausgestattet. Sie verfügen über je einen Quergiebel mit auffallendem Fluggespärre. In den letzten Jahren haben einige Renovationen stattgefunden, die meistens recht gut ausgefallen sind.
Ortsbildschutzgebiet Ausserfeld
Das Ortsbildschutzgebiet Ausserfeld datiert aus dem frühen 20. Jahrhundert und umfasst insgesamt neun Stickerhäuser (Hausnummern 24 bis 40, Ass. Nrn. 616 bis 624), wie man sie in vielen Dörfern des Toggenburgs antrifft. Sie liegen auf der Westseite der Bahnlinie, beginnen unmittelbar nach der Abzweigung von der Kantonsstrasse und folgen dem Verlauf des Bahntrassees in südlicher Richtung. Durch ihre singuläre Stellung, d.h. die Aufreihung am Dorfrand, sind sie weithin sichtbar und stellen ein Charakteristikum des Ortsbildes zwischen dem Dorf Bütschwil und Dietfurt dar.
Es handelt sich bei diesen Bauten um einfache Massiv- und Fachwerk- bzw. Massiv- und Strickbauten, die alle über annähernd quadratischem Grundriss errichtet wurden. Sie sind zweigeschossig und weisen drei auf zwei Achsen auf. Die Fenster können mit Jalousieläden geschlossen werden und sind zum Teil verdacht, bzw. werden sie von einem Giebel "bekrönt". Mit Ausnahme von Ass. Nr. 623 (Rundschindeln) sind die Häuser mit Eternit verkleidet und verfügen über Zeltdächer, welche auf der Vorderseite von einem hochgezogenen Quergiebel mit Hahnenbalken unterbrochen werden. Eine Ausnahme von der Regel macht Ass. Nr. 624. Hier ist ein Walmdach mit einer leichten Knickung festzustellen. Allgemein wirkt dieses Gebäude etwas reicher.
Obwohl von untergeordneter architektonischer Bedeutung, sind diese bescheidenen Stickerhäuser, Frühformen des Arbeitereigenheims, in ihrer Konstellation zu erhalten und Veränderungen sorgfältig aufeinander abzustimmen.
Ortsbildschutzgebiet Innerfeld
Das Ortsbildschutzgebiet Innerfeld umfasst sechs Gebäude auf der Westseite der Strasse (Hausnummern 24, 26, 28, 30, 34 und 38, Ass. Nrn. 557 bis 561 und 564). Sie zeichnen sich alle durch ein einheitliches Erscheinungsbild aus: Über annähernd quadratischem Grundriss und massivem Sockel traufständig zur Fahrbahn errichtet, zwei Vollgeschosse und ein Halbgeschoss, hochgezogener Quergiebel, flach gedecktes Satteldach. Die Häuser Nrn. 22 und 26 zeichnen sich zudem durch markante Eckrustizierungen aus.
Ortsbildschutzgebiet Konsumstrasse
Das Ortsbildschutzgebiet Konsumstrasse umfasst hauptsächlich die drei oberen Häuser auf der Nordwestseite (Nummern 4, 6 und 8, Ass. Nrn. 104, 105 und 106). In erster Linie ist es Nummer 8, das der um die Jahrhundertwende im Schweizerischen Heimatstil erstellten Häuserzeile ihr Gepräge gibt. Alle drei Häuser sind traufständig zur Konsumstrasse und zeigen einen dreistöckigen Aufbau mit zwei Vollgeschossen und einem Halbgeschoss. Das Erdgeschoss ist als Sockel ausgeschieden. Nr. 4 ist in der Sockelzone purifiziert und in den Obergeschossen geschindelt, die anderen Gebäude sind glatt verputzt und weitgehend original erhalten. Charakteristisch für alle Bauten sind Eckrustizierung, hohe Quergiebel mit Fluggespärre und plastisch wirkende Quader.
Ortsbildschutzgebiet Landstrasse
Das Ortsbildschutzgebiet Landstrasse erstreckt sich von der Hofwiesenstrasse bis zur Aufeldstrasse 2 und umfasst die vier Häuser Nummern 47, 49, 51 und 53 (Ass. Nrn. 197 - 200) auf der westlichen Strassenseite. Es sind einfache Stickerbauten, die eine Einheit bilden und mit Ausnahme von Nr. 53 alle den gleichen Aufbau zeigen: Über quadratischem Grundriss erstellte Massiv- und Strickgebäude mit drei Vollgeschossen, einer Kniestockzone, einem bescheidenen Quergiebel zur Fahrbahn und einem flachen Zeltdach. Der Eingang befindet sich jeweils auf der Südseite; das Erdgeschoss ist als Sockel ausgeschieden, die hohen Fenster verfügen über Vollläden.
Ortsbildschutzgebiet Dietfurt
Das Ortsbildschutzgebiet Dietfurt gliedert sich in zwei wesentliche Teile.
Der erste beginnt beim Primarschulhaus und setzt sich von dort in südlicher Richtung fort. Zu nennen sind folgende Gebäude: Dreifaltigkeitskapelle, ehemaliger Kindergarten (heute Wohnhaus), Bauernhof (Ass. Nrn. 652/653 auf Parz. Nr. 338) und das Restaurant Krone. Mit Ausnahme des unmittelbar unterhalb des Kindergartens gelegenen Hofes sind sämtliche Bauten auch singulär erfasst, d.h. es braucht nicht mehr speziell auf deren herausragende Stellung im Ortsbild hingewiesen werden.
Der zweite Teil des schützenswerten Dorfbildes liegt auf der Nordseite der Strasse. Nördlich fliesst der Dietfurterbach, östlich folgt dessen Vereinigung mit der Thur. Diese Strassenzeile gibt am ehesten noch einen Eindruck von Altdietfurt, wie es bis circa 1850 bestand. (Man vergleiche hierzu die 1866 geschaffene Lithographie Dietfurt – Bütschwil von J.G. Schmid, Abbildung bei Johann Hollenstein, Aus der Geschichte von Bütschwil, Bazenheid/Bütschwil 1979, Seite 199. Wertvoll ist auch die Schilderung dieses Autors über Dietfurt, Seite 198 ff). Leider sind die meisten Bauten auf der gegenüberliegenden Seite zum Teil neu gebaut oder stark renoviert worden, so dass nicht mehr von einem einheitlichen Ortsbild gesprochen werden kann. Folgende Bauten sind besonders zu erwähnen: Die Konditorei Brechbühler (Ass. Nr. 689 auf Parz. Nr. 1302), ein traufständiger Bau mit breitgelagertem Quergiebel. Die ehemalige Sägerei (Ass. Nr. 1514 auf Parz. Nr. 1302) ist zwar seit langem nicht mehr im Betrieb und überdies ziemlich baufällig, doch vermag sie noch eine Vorstellung von Altdietfurt zu geben. Gleichfalls das bei der Thurbrücke gelegene Anwesen Ass. Nrn. 694/695 auf Parz. Nr. 368.
Ortsbildschutzgebiet Kengelbach
Mit dem Ortsbildschutzgebiet Dorfkern Kengelbach sind die Bauten südlich und nördlich der Fahrbahn Kengelbachstrasse – Diezenwilerstrasse gemeint, wobei das aufwendig renovierte Restaurant Löwen (Ass. Nr. 857) im Zentrum steht. Es sind vor allem Kreuzfirsthöfe, die dem Dorfkern sein Gepräge geben. Folgende Gebäude sind besonders zu erwähnen: Der dem Löwen benachbarte Bauernhof Ass. Nrn. 854/855 und der weiter unten gelegene Hof Nrn. 849/850. Um diese Höfe gruppieren sich weitere ländliche Häuser, so die Ass. Nrn. 851, 844 - 848, 858, 859 und 860.
Die Kreuzfirsthöfe verfügen alle über landschaftstypische Merkmale wie Klebdächer, Fensterwagen, eingeschalte Pfettenvorstösse und Giebelüberhänge. Es geht den aus dem 17./18. Jahrhundert stammenden Gebäuden allerdings etwas der Alterswert ab. (Zur Entstehung von Kengelbach vergleiche man Johann Hollenstein, Aus der Geschichte von Bütschwil, Bazenheid/Bütschwil 1979, Seiten 201 - 204, mit der Abbildung einer Zeichnung "Kengelbach um 1880" von Rudolf Blöchliger auf Seite 203.)