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Penicillin wurde 1928 von Sir Alexander Fleming entdeckt, wofür er 1945 zusammen mit Florey und Chain den Nobelpreis in Medizin oder Physiologie erhalten hat. Die Anwendung von Penicillin hat vielen Menschen das Leben gerettet, leider aber wegen den allergischen Reaktionen auch vielen Patienten das Leben gekostet. Penicillin ist die häufigste Ursache für Medikamenten-induzierte allergische Reaktionen, angefangen von einfachen kutanen Reaktionen wie Urtikaria und makulopapulärem Exanthem bis zu anaphylaktischen Reaktionen.
Mechanismen der Penicillinallergie
Penicilline sind kleine Moleküle, die an Plasmaproteine binden und Hapten-Carrier-Komplexe bilden. Bindung des Beta-Laktam-Rings an Lysinreste führt zur Bildung der Major-Antigendeterminanten, dem Penicilloyl-Polylysin, Bindung an Carboxyl- und Thiol-Gruppen zur Bildung verschiedener Minor-Antigendeterminanten. Bei IgE-vermittelten Reaktionen binden und internalisieren die dendritischen Zellen die Proteine, die das Penicillin gebunden haben, und präsentieren sie mit dem MHC-II-Rezeptor den nativen CD4-positiven T-Zellen (Typ 0 Helfer-T-Zellen). In der Gegenwart von Interleukin 4 differenzieren sich die naiven T-Zellen zu Penicillin-spezifischen Typ 2-Helferzellen, die Interleukin 4 und Interleukin 13 produzieren. Dies wiederum fördert die Differenzierung von B-Zellen in Plasmazellen, die für Penicillin spezifisches IgE sezernieren. Das Penicillin-spezifische IgE wird von den Fc-Rezeptoren der Basophilen und Mastzellen gebunden. Bei einer erneuten Gabe von Penicillin löst das Crosslinking der IgE-Moleküle durch den Penicillin-Hapten-Carrier-Komplex die Degranulation der Mastzellen aus und die allergischen Symptome treten auf.
Konsequenzen des Etiketts Penicillinallergie
Ca. 10-20% der Bevölkerung erhält bis zum Erwachsenenalter das Etikett Penicillinallergie, sei es aufgrund einer tatsächlichen allergischen Reaktion, sei es wegen eines Symptoms, das unabhängig von der Penicillingabe aufgetreten ist, aber als allergisch interpretiert worden ist. Ca. 10% der Personen, die tatsächlich durch IgE-vermittelte Reaktionen erlitten haben, verlieren den positiven Hauttest pro Jahr. Es haben daher weniger als 5% der Patienten mit dem Etikett Penicillinallergie tatsächlich eine solche Allergie. Da eine Penicillinallergie selten hinterfragt wird, erhalten diese Patienten anstelle von Penicillin oft toxischere Alternativen und Breitspektrumantibiotika, die weniger gut wirken, mehr Nebenwirkungen haben, teurer sind und zu mehr Antibiotikaresistenzen führen. Die Kreuzreaktionen mit Cephalosporinen der höheren Generationen ist oft nicht vorhanden, so dass diese Medikamente bei einer tatsächlichen Penicillinallergie eingesetzt werden könnten.
Abklärung einer Penicillinallergie
Die Hauttestung ist die Abklärung der Wahl. In der Regel führt man Intradermaltest durch. Vorsicht ist bei vorhergehenden schweren Reaktionen geboten.
Die Sensitivität ist mit 70% für die Sofottypreaktionen nicht besonders gut, die Spezifität ist aber hoch. Der ideale Zeitpunkt zur Abklärung liegt zwischen 1-6 Monaten nach dem Ereignis.
Die In-Vitro-Teste haben eine geringere Sensitivität, können aber als Ergänzung oder wenn Hautteste nicht möglich sind, zur Anwendung kommen. Wir bieten Ihnen die Abklärung auf spezifisches IgE für folgende Betalaktam-Antibiotika an:
Abkürzungen
Name
Material
Position in der Analysenliste und Preis
|c1||Penicilloyl G|
Serum,
alternativ EDTA- oder Heparinblut
1446.10 à 36 Fr. für die ersten vier spezifischen IgE-Bestimmungen
1444.10 à 21 Fr. ab der 5. Bestimmung
|c2||Penicilloyl V|
|c5||Ampicilloyl|
|c6||Amoxicilloyl|
|Cefaclor|
Literatur:
Lukas Jörg, Michael Fricker, Arthur Helbling, Allergie auf Penicillin, Schweiz Med Forum 2017, 17 (10):236-240
M. Castells et al, Penicillin Allergy, N Engl J Med 2019:2338-51