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Monteverdi – eine Legende des Schweizer Automobilbaus
Die schönen Autos mit dem lyrischen Namen kommen jedem Automobilisten ins Gedächtnis, der seine Busfahrten in der Schulzeit mit Quartett-Kämpfen verkürzt hat. Der Monteverdi Hai war, obwohl offensichtlich ein Exot, ein echter Abräumer, gegen den selbst Ferrari und Porsche zu kämpfen hatten. Was verbirgt sich also hinter dem Namen Monteverdi?
Genialer Konstrukteur, umtriebiger Geschäftsmann
Das Bauen von Autos lag Peter Monteverdi von Beginn an im Blut. Geboren 1934 in Binningen, wuchs er quasi in der Werkstatt seines Vaters zwischen Motoren, Reifen und Getrieben auf. Sobald seine kleinen Hände es zuliessen, begann er selbst motorisierte Seifenkisten herzustellen. Konsequenterweise lernte er später beim Schweizer LW-Hersteller Saurer das Mechanikerhandwerk und konnte bereits 1954 den Betrieb seines Vaters übernehmen. Jenen baute er von einer einfachen Werkstatt für Autos und Lastwagen zu einer Vertretung für Luxusfahrzeuge aus.
Auch die Fertigung eigener Rennwagen nahm nun richtig Fahrt auf, was ihn zu einer Karriere als Rennfahrer führte. Zunächst auf Ferrari und Maserati, baute Monteverdi unter der Bezeichnung MBM alsbald eigene Rennwagen. MBM wurde damit zum Vorläufer der späteren Automobile Monteverdi. Neben einigen Rennfahrzeugen entwickelte Monteverdi bereits den „Tourismo“, ein schnittiges zweitüriges Coupé, welches in geringen Stückzahlen produziert wurde.
Unfall mit glücklichen Folgen
Nach einem schweren Unfall im Jahr 1961 gab Monteverdi das Renngeschäft auf und konzentrierte sich vollends auf den Vertrieb von Edelmarken und die Entwicklung eigener Fahrzeuge. Das Zerwürfnis mit Ferrari im Jahr 1965 befeuerte ihn im Bestreben, eigene Fahrzeuge nicht nur zu entwickeln, sondern in Serie fertigen zu lassen. Zwischenzeitlich hatte er mit einigen Typen beachtliche Erfolge. Der Sprung zum echten Serienhersteller sollte ihm aber leider nie gelingen.
Schöne Reiselimousinen und tolle Geländewagen
Monteverdi beschränkte sich bei der Entwicklung seiner Fahrzeuge klugerweise auf die Gestaltung von Rahmen und Karosserie. Technische Experimente an Getrieben und Motoren haben einigen anderen Aufsteigern schnell den Garaus gemacht. Monteverdi setzte deshalb von Beginn an auf bewährte Technik in exklusivem Gewand. Gemeinsam mit der italienischen Fahrzeugmanufaktur Frua entwickelte er die Highspeed-Baureihe, eine elegante Limousine im Stil des erfolgreichen Maserati Mexico. Selbst der 1970 erschienene Aston Martin DBS sieht dem 375 Highspeed nicht unähnlich.
Verarbeitung und Fahrverhalten waren schnell die stärksten Verkaufsargumente für Monteverdi, sodass ihm eine Serienproduktion von über 100 Autos im Jahr realistisch erschien. Dazu sollte es aber nie wirklich kommen. Genaue Angaben über die Stückzahlen liegen nicht vor. Man schätzt die Gesamtproduktion auf unter 3000. Von den schönsten Modellen, den 375er-Limousinen, wurde gerade mal zwei Dutzend hergestellt.
Deutlich mehr Erfolg hatte Monteverdi mit der Herstellung von Geländewagen. Zunächst modifizierte das Unternehmen mit dem „Safari“ den amerikanischen „International Scout“ und passte ihn damit dem europäischen Geschmack an. Vor allem war es für die Amerikaner überraschend, in welcher Qualität ihre Produkte herstellbar waren. Der radikal überarbeitete Importwagen war auch Technikspender des zweiten Geländewagens von Monteverdi.
Mit dem „Sahara“ wurde die Offroad-Sparte nach unten erweitert. Die Modifikationen gegenüber dem „Scout“ fielen deutlich geringer aus. Dennoch war das Fahrzeug in Qualität und Design seinem Ausgangsmodell zunächst deutlich überlegen. Dieses Konzept setzte sich aber nicht durch.
Korrosionsprobleme am Safari führten allerdings nach einiger Zeit zu einem Qualitäts- und Ansehensverlust der Marke Monteverdi. Zwar war der Safari das umsatzstärkste Modell von Monteverdi, Neuentwicklungen waren aber dringend nötig, um den Ruf nicht nachhaltig zu schädigen. Innovativ an Monteverdis Umgang mit dem Safari war jedoch, dass die Kunden eine grosse Auswahl hinsichtlich Ausstattung und Aufbau ihres Fahrzeugs hatten. Selbst Cabriolets waren – für grosse Geländewagen damals absolut untypisch – bestellbar. Damit setzte sich Monteverdi mit dem Safari deutlich von seinem Hauptkonkurrenten, dem britischen Range Rover, ab.
Beeindruckt von der hohen Fertigungsqualität liess Range Rover bei Monteverdi schliesslich eigene Fahrzeuge bauen. Diese hatten durch Monteverdi einige Modifikationen erfahren. Beispielsweise geht die Entwicklung des viertürigen Range Rover zum grossen Teil auf das Konto von Monteverdi. Dies bescherte dem Unternehmen einen stetigen Zugang an Lizenzzahlungen, als die Produktion wieder zurück nach England ging.
Nach dem Auslaufen der Geländewagen-Baureihen schuf Monteverdi noch einige interessante Autos. Der Sierra und der Tiara waren viertürige Luxuslimousinen, welche interessante Details, aber kein sonderlich spektakuläres Design mehr hatten. Erst der Monteverdi Hai war wieder ein Designerstück mit spektakulären Leistungsdaten. Das war auch nicht verwunderlich, wurden für den Hai doch Bauteile verwendet, die für das Formel-1-Engagement von Monteverdi entwickelt wurden.
Vom Hai wurden insgesamt nur vier Exemplare gefertigt. Der Grund lag wohl in den hohen Kosten. Obwohl leistungs- und designmässig durchaus auf Augenhöhe mit Ferrari, Porsche und Lamborghini, konnte er preislich nicht mithalten. Zwar spielt Geld bei den Kunden dieser Fahrzeuge nur eine untergeordnete Rolle. Wenn ein Hai jedoch 50 % mehr kosten soll als das damalige Spitzenmodell des internationalen Luxussportwagensegments – der Lamborghini Countach –, dann kommen auch die Bestbetuchten ins Grübeln.
Die Geschichte von Monteverdi ist eine der spannendsten, welche die Automobilgeschichte zu bieten hat. Leidenschaft, Rennsport, Engagement und eindeutige Liebe zum Automobil waren für viele Hersteller Grund für den Aufstieg – und für den Untergang. Monteverdi verhob sich zuletzt 1990 an einem Formel-1-Engagement. Dennoch: Die Schweizer Automobilgeschichte lebt auch mit und durch Monteverdi.
Oberstes Bild: Monteverdi Hai 450 SS im Automuseum Monteverdi, Basel, Schweiz (Bild: Matthias v.d. Elbe, Wikimedia, CC)