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Im Land der Tabak-Lobby
Das Parlament der Präfektur Hyogo hat ab dem 1. April 2013 ein komplettes Rauchverbot an Schulen und Krankenhäusern erlassen. Ja, Sie haben richtig gelesen. In Japan rauchen die Menschen noch in Spitälern, zumindest in vorgegebenen Zonen. Hyogo ist dabei nicht die letzte Präfektur, die ein solches Rauchverbot erlässt. Im Gegenteil. Ausser der Präfektur Kanagawa gibt es keine Region in Japan, in der ein gesetzliches Rauchverbot in öffentlichen Räumen herrscht.
Japan ist für Raucher noch immer ein Paradies. In den Restaurants, Clubs, Bars und Spitälern wird hier munter weitergepafft. Das Rauchen wird gar staatlich gefördert. So besitzt das japanische Finanzministerium mit 50,2 Prozent einen Mehrheitsanteil am Grosskonzern Japan Tobacco, der weltweit 48’000 Menschen beschäftigt, Marken wie Winston, Mild Seven oder Camel produziert und jährlich Milliardenprofite generiert.
Das Tabakgesetz
Hier ist viel Geld im Spiel. 1984 wurde gar ein Tabakgesetz «zur Förderung der gründlichen Entwicklung der japanischen Tabakindustrie» geschaffen. Die finanzkräftige Lobby von Japan Tobacco hat dafür gesorgt, dass das Gesetz bis heute Bestand hat. Das Gesundheitsministerium hat bei solchen Angelegenheit nicht mehr viel zu sagen. Vor 2 Jahren scheiterte es mit der Idee ein landesweites Rauchverbot an öffentlichen Orten einzuführen (Asienspiegel berichtete).
Gewöhnlich sind die Massnahmen der Regierung nur kosmetischer Natur. So erhöhte sie im Oktober 2010 die Tabaksteuer um 40 Prozent (Asienspiegel berichtete). Das mag nach viel klingen, doch in Japan sind die Packungen Zigaretten mit 300 bis 400 Yen (2.70 Euro bis 3.60 Euro) noch immer weit billiger als in der EU. Eine Studie hat gemäss Metropolis gezeigt, dass erst ein Preis ab 700 Yen (6.30 Euro) die Raucher zum Umdenken zwingen würde.
Verbot im Freien
Wirklich politisch durchführbar scheint einzig das Rauchverbot im Freien zu sein. In vielen Vierteln in Tokio darf auf den Gehsteigen nur in vorgegeben Zonen an der Zigarette gezogen werden. 2002 nahm dieser Trend seinen Anfang, weil die Lokalregierungen merkten, dass nur in dieser Form die Durchsetzung eines Verbots ohne eine Kampagne der Tabak-Lobby möglich ist. Ansonsten lebt die Raucherprävention von Einzelinitiativen der Gastrobetriebe und Konzerne.
Auch die Regierung in der Präfektur Hyogo wollte ursprünglich viel weiter gehen. In Restaurants, Einkaufshäusern und Hotels sollte das Verbot auch eingeführt werden. Doch der Widerstand lokaler Geschäftsgruppen war zu gross. Stattdessen werden die Restaurants künftig dazu verpflichtet, einen Raucher- und ein Nichtraucherbereich anzubieten.
Immerhin spielt die Zeit für die Anti-Raucher-Lobby. Denn seit 15 Jahren in Folge frönen immer weniger Menschen in Japan der Zigarette. Inzwischen liegt der Raucheranteil in der japanischen Bevölkerung auf einem Tiefststand von gut 24 Prozent (Asienspiegel berichtete).
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