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Das Carpaltunnelsyndrom (CTS)
Was ist ein Carpaltunnelsyndrom?
Beim Carpaltunnelsyndrom (CTS, Medianuskompressionssyndrom, Brachialgia paraesthetica nocturna) handelt es sich um ein Nervenkompressionssyndrom, bei dem der Medianusnerv im Bereiche des Carpaltunnels komprimiert wird.
Anatomie der Hand
Der Carpaltunnel stellt eine tunnelartige Verbindung im Bereiche des Handgelenks zwischen Vorderarm und Mittelhand dar. Wenn wir das Handgelenk von der Handfläche her betrachten, wird der Boden des Carpaltunnels durch die knöchernen Anteile der Handwurzel gebildet. Darüber ist ein breites Band, das „Retinaculum flexorum“ zwischen der Muskulatur des Daumenballens und dem Kleinfingerballen ausgespannt. Durch den Carpaltunnel ziehen insgesamt 9 Beugesehnen mit ihren Sehnenscheiden sowie der Nervus medianus.

||Schematische Darstellung des
Carpaltunnels (schwarz Nervus medianus)

Der Nervus medianus ist für die sensible Versorgung der Finger l / ll / lll und der Hälfte des Ringfingers verantwortlich. Zudem gibt er einen motorischen Ast ab, der für die Innervation des Daumenballenmuskels verantwortlich ist.

||Schematische Darstellung des Nervus
medianus (1: Nervus medianus Stamm, 2: sensible Fingeräste, 3:
motorischer Thenarast, 4: sensibler Palmarisast, rot: Band (Retinaculum flexorum))

Wenn nun der Medianusnerv von aussen komprimiert wird, führt dies in einer ersten Phase zu vorübergehenden Funktionsstörungen im Bereiche des betroffenen Nerven. Bei länger dauernder Kompression kann es zu bleibenden, strukturellen Nervenschäden kommen.
Ursachen und begünstigende Faktoren
Der Carpaltunnel stellt für den Durchtritt des Nervus medianus ein relatives Engnis dar. Grundsätzlich führen alle Situationen, die mit einer zusätzlichen Einengung des Carpaltunnels oder mit einer Volumenzunahme der Strukturen im Bereiche des Carpaltunnels verbunden sind, zu einem Carpaltunnelsyndrom.
Es sind dies insbesondere:
- Vermehrte Wassereinlagerungen im Rahmen
von hormonellen Umstellungen (Schwangerschaft, Klimakterium)
- Zustand nach Handgelenks- oder
Unterarmfrakturen mit entsprechenden
Fehlstellungen
- Rheumatische Krankheiten mit Sehnenscheidenentzündungen im Bereiche der
Fingerbeugesehnen
- Schilddrüsenunterfunktion
- Ganglien oder andere Tumoren im
Handgelenksbereich
- Ungewohnte und ausgeprägte manuelle
Tätigkeiten
- Idiopathisches Carpaltunnelsyndrom
(Carpaltunnelsyndrom, das ohne erkennbare
auslösende Ursache auftritt)
Symptome
Typischerweise treten erste Beschwerden von Seiten eines Carpaltunnelsyndroms während der Nacht im Sinne von nächtlichen Schmerzen, Ameisenlaufen und Einschlafen der Fingerspitzen auf. Am Morgen wird häufig über ein Steifigkeitsgefühl in den Fingern berichtet. Mit zunehmender Dauer der Nervenkompression treten bleibende Gefühlsstörungen in den Fingern l / ll / lll und lV (1/2) sowie eine Schwäche im Bereiche des Daumens auf Grund eines Rückgangs der Daumenballenmuskulatur auf.
Untersuchungsbefunde
Bei der klinischen Untersuchung der betroffenen Hand findet sich häufig ein Rückgang der Daumenballenmuskulatur (Thenaratrophie). Die Sensibilität (Tastsinn) im Bereiche der Finger l – lll und zur Hälfte des Fingers lV ist eingeschränkt. Beim Beklopfen des Carpaltunnels können elektrisierende Missempfindungen im Bereiche des Versorgungsgebietes des Medianusnerven
(Hoffmann-Tinel-Zeichen) beobachtet werden. Ähnliche Missempfindungen können ausgelöst werden durch starke Beugung oder Überstreckung des Handgelenks (Phalen-Zeichen).
Die Diagnose eines Carpaltunnelsyndroms kann zusätzlich durch sogenannte neurophysiologische Untersuchungen untermauert werden. In der Elektroneurographie (ENG) wird die Leitgeschwindigkeit des Medianusnerven für sensible und motorische Impulse bestimmt. Eine relevante Kompression des Nerven führt zu einer Leitungsverzögerung. Die Elekromyographie (EMG) gestattet eine Aussage über die Muskelfunktion im Versorgungsgebiet des Nervus medianus.
Gegebenenfalls liefert eine Röntgenaufnahme des Handgelenks wichtige Informationen im Hinblick auf die Ursache einer Nervenkompression (Fehlstellung nach einer Fraktur).
Bevor die Diagnose eines Carpaltunnelsyndroms definitiv gestellt werden kann, müssen andere Ursachen, die zu einem ähnlichen Beschwerdebild führen können, ausgeschlossen werden. In Betracht fallen hier insbesondere Schädigungen im Bereiche der Halswirbelsäule mit entsprechender Schädigung der Nervenwurzeln.
Therapie
a) Konservative Therapie
Besonders im Anfangsstadium eines Carpaltunnelsyndroms ist eine konservative Behandlung von begrenzter Dauer sinnvoll. Diese besteht im Tragen einer Handgelenksschiene vorwiegend während der Nacht. Von Injektionen cortisonhaltiger Substanzen in den Carpaltunnel wird im allgemeinen abgeraten. Gelegentlich kann eine physiotherapeutische Behandlung einen positiven Effekt auf das Krankheitsbild ausüben. Eine konservative Therapie wird umso eher in Betracht gezogen, als die auslösende Ursache des Carpaltunnelsyndroms (zum Beispiel Schwangerschaft) bekannt ist.
b) Operative Therapie
Bei einem Misserfolg der konservativen Behandlung und insbesondere auch bei erheblichen Symptomen und ausgeprägten Veränderungen bei den neurophysiologischen Messungen ist die Indikation zu einer frühzeitigen Operation gegeben. Falls die Operation zu spät vorgenommen wird, besteht die Gefahr einer bleibenden Schädigung des Medianusnerven.
Der operative Eingriff wird meistens ambulant in einer Teilnarkose des betroffenen Armes durchgeführt. Durch einen ca. 2 ½ cm langen Hautschnitt über dem Carpaltunnel wird das Band (Retinaculum flexorum) unter Verwendung der Lupenbrille gespalten.
|Inzision
(Hautschnitt)

Die Durchtrennung erfolgt „treppenförmig“, und die beiden Bandenden werden anschliessend unter Erweiterung des Carpaltunnels wieder in sich vernäht.

Plastische
Erweiterung des Ligamentes

Durch diese plastische Banderweiterung bleibt die Kraft im Bereiche der operierten Hand intakt. Der Medianusnerv selber wird sorgfältig aus vorhandenen entzündlichen Verklebungen befreit. Nach Naht der Operationswunde erhält der Patient eine Gipsschiene zur Ruhigstellung des Handgelenks Die Ruhigstellung dauert bis zur Entfernung des Nahtmaterial 8 Tagen nach dem Eingriff. Es empfiehlt sich anschliessend, die operierte Hand noch während 2-4 Wochen zu schonen. Nach einem operativen Eingriff berichtet der Patient in der Regel über eine sofortige Befreiung von den Schmerzen. Die Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen können noch während einigen Wochen andauern, insbesondere, wenn vor dem Eingriff ein ausgeprägtes Carpaltunnelsyndrom schon während einer längeren Zeitdauer bestanden haben.