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Sie entsteigt den karibischen Wellen in einem weissen Bikini. Er gewinnt ihr Vertrauen mit einem entwaffnenden Lächeln. Diese Szene aus dem Film «James Bond – 007 jagt Dr. No» hat Ursula Andress und Sean Connery von No-Names zu Weltstars gemacht. Und zu Freunden. Seit den Dreharbeiten 1962 in Jamaika pflegten der Schotte und die Schweizerin regelmässigen Kontakt. Vergangenen Samstag entschlief der 90-Jährige offenbar infolge einer Demenzerkrankung friedlich dieser Welt. «Ursi National», 84, gedenkt ihm und der lebenslangen Freundschaft, die sie verband.
Ursula Andress, erinnern Sie sich noch an die allererste Begegnung mit Sean Connery?
Natürlich. Als ich am Set in Jamaika ankam, kannte ich niemanden. Ich war schüchtern und ängstlich und traute mich kaum, mich mit Namen vorzustellen. Sean nahm mich sofort unter seine Fittiche. Er war ein ganz, ganz lieber Mensch. Wenn ich Lampenfieber hatte, nahm er mich bei der Hand und sagte: «Komm nur, komm, wir schaffen das zusammen.» Und wir hatten es so lustig!
Worüber haben Sie gemeinsam gelacht?
Sean hatte einen wunderbaren Humor. Und er war ein kleines Schlitzohr (lacht). Ich musste für die Szene am Strand den Song «Underneath the Mango Tree» üben. Dafür hatte ich als Einzige ein Grammofon erhalten. Weil Sean in der Szene auch ein paar Takte singen musste, schlich er sich nachts über den Balkon in mein Zimmer und stahl mir immer den Plattenspieler.
«Er als Schotte und ich als Schweizerin teilten von Anfang an ähnliche Werte.»Ursula Andress
Wie entstand Ihre Freundschaft?
Die Atmosphäre am Filmset war familiär. Sean und ich verbrachten viel Zeit zusammen. Ich merkte schnell, dass er ein anständiger Kerl ohne Allüren war. Eine Situation, die mir geblieben ist: Ich kam käseweiss in Jamaika an. Darum musste ich mir in der Maske jeden Morgen einen Sonnenteint auf die Haut pinseln lassen. Dafür stellten sie mich in der Garderobe nackt auf den Tisch und färbten mich mit Sonnenbräune ein. Das war natürlich eine Attraktion. Alle paar Minuten klingelte es an der Tür, und jemand schaute rein unter dem Vorwand, mir Frühstück bringen zu wollen. Irgendwann war die ganze Garderobe überstellt mit Tellern und Tabletts. Als Sean dann an der Reihe war, hatte er kaum noch Platz. Er hat herzlich über die Situation gelacht, regte sich nie auf. Seinen Humor schätzte ich sehr.
Was noch?
Dass er seine Bodenständigkeit niemals aufgab. Er als Schotte und ich als Schweizerin teilten von Anfang an ähnliche Werte. Er lebte naturverbunden. Ein respektvoller und anständiger Umgang mit Menschen war ihm wichtig. Er wertschätzte die wichtigen Dinge des Lebens und scherte sich nicht um die unwichtigen. Oberflächlichkeit war ihm fremd. Seine Gefühle waren immer tief und echt.
Haben Sie sich auch mit seinen Frauen gut verstanden?
Oja, sehr sogar. Seine erste Frau, Diane Cilento, war eine lustige, aber auch ganz pragmatische Person. Als sie Eltern wurden, besuchte ich sie in ihrem Landhaus in England, um den kleinen Jason kennenzulernen. Da stellte ich verwundert fest, dass der Bub gar kein Babybettchen hatte. Sean und Diane hatten Jason mit einem Duvet in die grosse Schublade einer antiken Schlafzimmerkommode gebettet. Seiner zweiten Frau, Micheline Roquebrune, zeigte ich Rom. Sean besuchte mich oft in Rom, aber auch in Gstaad. Dann spielte er gern Golf und las Bücher, während wir Frauen flanieren gingen. In Gstaad genoss er, sich unbehelligt zu bewegen. In Rom liebte er die Spaghetti.
Haben Sie für ihn gekocht?
Nein, nein, es ist besser, wenn ich nicht koche (lacht). Das war eine Freundin.
«Sein Verlust lässt sich nicht in Worten ausdrücken. Er war der Beste»Ursula Andress
Konnten Sie sich verabschieden?
Ich habe Sean im August zu seinem Geburtstag angerufen. Das war unser letztes Gespräch. Micheline sagte mir, ich sei die Einzige, mit der er noch reden wolle. Er tönte glücklich, nicht leidend, das hat mich sehr beruhigt, da ich um seine gesundheitlichen Beschwerden wusste.
Fehlt er Ihnen?
Wissen Sie, für mich ist er nicht weg. Jeden Tag, wenn ich in meinem Haus an seinem Foto vorbeigehe, grüsse ich ihn. Aber sein Verlust lässt sich nicht in Worten ausdrücken. Er war der beste und für mich auch der einzige wahre Bond-Darsteller. Deswegen spreche ich lieber über meine schönen Erinnerungen.
Was hat es mit dem «Swiss Kiss» auf sich, den Sie Sean als letztes Geleit mitschickten?
Das war ein Insider von uns. Wie eine Art Code. Egal, wo auf der Welt ich war, konnte es passieren, dass plötzlich jemand mich ansprach und mir einen «Swiss Kiss» ausrichtete. Ich wusste dann immer sofort, wer mich da grüssen lässt.