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Im Rahmen meiner Masterarbeit über Grammatikalisierung von Verben im Khamu unternahm ich im Februar 2020 eine Reise nach Thailand, wo ich mich in ein Khamu-Dorf begab, um dort Aufnahmen der lokalen Sprache zu machen, die ich für meine Arbeit verwenden konnte. Khmu ist eine Sprache aus der Khmu-Gruppe, die einen Zweig der Austroasiatischen Sprachfamilie darstellt. Sie hat etwa 800’000 Sprecher und wird vor allem in Laos gesprochen – wo sie die grösste Minderheitensprache ist –, aber auch in Thailand, Vietnam und China. Da von diesen Ländern Thailand dasjenige ist, in welchem ein Forschungsaufenthalt am einfachsten organisiert werden kann, entschied ich mich, meine Feldforschung dort durchzuführen.
Das Dorf Huay Ian liegt in der Provinz Chiang Rai im Norden Thailands, direkt am Mekong, welcher die Grenze zu Laos bildet. Die nächstgelegene Stadt ist Chiang Khong, das mit dem Bus von Chiang Mai in etwa 5 Stunden zu erreichen ist. In Chiang Khong holte mich meine Gastgeberin ab, eine Französin, die im Dorf eine kleine Herberge führt und die Mathias Jenny, der Betreuer meiner Arbeit, via Google Maps aufgespürt hatte. Dies stellte sich als Glücksgriff heraus, da sie mit vielen Leuten im Dorf bekannt war, und dank ihrer Thai-Kenntnisse gelegentlich bei Sprachschwierigkeiten behilflich sein konnte.
Die Einwohner von Huay Ian arbeiten zum Teil in der Landwirtschaft – Bewohner des Dorfes betreiben eine Kaffee- sowie eine Kautschukplantage –, zum Teil aber auch als Künstler oder in der Gastronomie. Sie sprechen neben Khmu auch Lanna (Nordthai, die regionale Umgangssprache) und Thai, das Unterrichts- und Behördensprache ist. Auffallend ist, wie sehr sie sich für ihre Traditionen und ihre Sprache einsetzen. So sind Einwohner des Dorfes dafür mitverantwortlich, dass die Khmu-Sprache seit kurzem an den Schulen in Khmu-Dörfern Thailands unterrichtet wird. Sie entwickelten in Zusammenarbeit mit Forschern der Mahidol University in Bangkok eine Khmu-Schrift (eine reduzierte Form der Thai-Schrift) sowie Lehrmittel, die nun im Unterricht verwendet werden. Die Verbundenheit mit den Traditionen kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass Männer aus dem Dorf immer wieder für mehrere Tage in den Dschungel gehen, um dort zu jagen und die Abgeschiedenheit zu geniessen. Neben meiner Elizitationsarbeit hatte ich die Gelegenheit, für zwei Tage mit in den Wald zu gehen und dabei viel über die Kultur der Khmu und die ausgeklügelten Fallen, mit denen sie verschiedene Tiere jagen, zu lernen. Ich konnte ausserdem bei einer Schulstunde zusehen, während der die Kinder über gewisse Khmu-Traditionen unterrichtet wurden.
Insgesamt hat sich mein Aufenthalt im Norden Thailands sehr gelohnt. Ich konnte neben meiner Arbeit zur Sprache der Khmu auch viel über ihre Lebensweise, ihre Kultur und Traditionen erfahren. Deshalb möchte ich der Schweizerischen Gesellschaft für Bedrohte Sprachen und der Universität Zürich für ihre Unterstützung danken.