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Wie funktioniert der Test?
Um ihre Versorgung mit Nährstoffen sicher zu stellen, enthalten bösartige Tumore sehr viele zarte Blutgefässe. Auch Darmpolypen sind oft gut durchblutet. Aus diesen Blutgefässen blutet es häufiger als aus der normalen Darmschleimhaut, wobei die Blutmenge (meist) nur gering ist und mit blossem Auge nicht erkennbar. Mediziner sprechen dann von «okkultem» Blut. Diese Blutspuren weisen die Tests nach.
Je nach Test benötigt man eine oder mehrere kleine Stuhlproben (von drei aufeinanderfolgenden Stuhlentleerungen). Um den Stuhl aufzufangen, wird ein spezielles Papier in die Toilette gelegt. Dann wird ein wenig Stuhl auf ein Papier gestrichen oder in ein Röhrchen gefüllt. Dieses geht per Post ins Labor oder es wird in der Apotheke oder beim Arzt abgegeben, wo die Probe ausgewertet wird. Manche Tests kann derjenige, der sich untersuchen lässt, auch selbst auswerten.
Fällt der Test negativ aus, bedeutet dies, dass kein Blut gefunden wurde. Ein «positives» Testergebnis heisst erst einmal nur, dass Blut entdeckt wurde. Woher es stammt, beantwortet der Test nicht.
Welche Tests auf Blut im Stuhl gibt es?
Am bekanntesten ist der «Guaiak-Test», der zum Beispiel unter dem Markennamen «Hämoccult» verkauft wird. Er sucht nach einen Molekül namens «Häm». Es ist Teil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und kommt bei Menschen und Tieren vor.
Das Nachweisverfahren ist eine chemische Reaktion mit Hilfe von Harz aus dem Guajakbaum. Deshalb heisst dieser Test auch «Guajak-basierter fäkaler okkulter Bluttest» (abgekürzt gFOBT). Er gibt Auskunft darüber, ob Blut in der Stuhlprobe enthalten ist oder nicht. Welche Menge an Blut sie enthält, lässt sich mit diesem Test nicht bestimmen. In der Regel wird der Guaiak-Test «positiv» ab einem Blutverlust von circa 0,5 Milliliter. Er sollte mit Proben von drei aufeinanderfolgenden Stuhlentleerungen gemacht werden.
Eine Probe genügt dagegen beim «FIT». Diese Abkürzung bedeutet «fäkaler immunochemischer Test» (auch iFOBT abgekürzt). Es gibt solche Tests ebenfalls von verschiedenen Anbietern. Gemeinsam ist allen, dass sie präziser sind als die Guaiak-Tests und mit Hilfe von speziellen Antikörpern gezielt nur nach menschlichem Blutfarbstoff (Hämoglobin) im Stuhl suchen. Nebst dem blossem Blutnachweis erlauben manche dieser Tests auch eine Einschätzung, wieviel Blut im Stuhl enthalten ist. In der Regel erkennen sie einen Blutverlust von circa 0,25 Milliliter oder mehr.
Wie gut ist der Test?
Das hängt auch davon ab, wie gut die untersuchte Person die Testanweisungen befolgt und ob der Test alle ein bis zwei Jahre gemacht wird oder nur ein einziges Mal.
- Guaiak-Test: Von 100 Personen mit Darmkrebs erkennt dieser Test durchschnittlich etwa 50. Von 100 grösseren Adenomen erkennt er 11 bis 31. Er verpasst also die meisten Erkrankungsfälle und auch die meisten Vorstufen der Darmkrebserkrankung. Trotzdem kann er, regelmässig durchgeführt, die Sterblichkeit an Darmkrebs um rund ein Viertel senken.
FIT: Von 100 Personen mit Darmkrebs erkennt ein erstmals durchgeführter FIT die Erkrankung im Durchschnitt bei etwa 80. Von 100 Personen mit fortgeschrittenen Adenomen, die also ein höheres Risiko für Darmkrebs bergen, findet der Test rund 50.
Wie gut dieser Test ist, hängt unter anderem davon ab, wie die Nachweisgrenze festgelegt wird: Ein FIT, der zehn Mikrogramm Hämoglobin pro Gramm Stuhl erkennt, wird mehr Fälle von Darmkrebs finden als einer, der erst bei 20 Mikrogramm angibt. Der Haken daran: Der Test mit der zehn Mikrogramm-Grenze löst auch mehr «Fehlalarme» aus.
Üblicherweise gilt als Nachweisgrenze 20 Mikrogramm.
Vorteile und Nachteile
Welche Vorteile hat der Test?
Das Entnehmen der Stuhlprobe kann jederzeit zu Hause gemacht werden, vorheriges Abführen ist nicht nötig. Ein weiterer Pluspunkt sind die niedrigen Kosten.
Welche Nachteile hat der Test?
- Der Test kann die Diagnose verpassen, insbesondere bei Tumoren in einem frühen Stadium, die gut heilbar sind. Von 100 Personen mit Darmkrebs übersieht der Guaiak-Test die Erkrankung bei 62 bis 93, der FIT verpasst sie bei circa 20 bis 30.
Das hat mehrere Gründe: Erstens zersetzen Bakterien im Darm etwaiges Blut, so dass der Test es nicht mehr findet. Zweitens bluten Darmtumore und -polypen nicht ständig. Die Wahrscheinlichkeit für eine Blutung steigt mit der Grösse des Tumors. Auch die «serratierten Adenome», die als Krebsvorstufen gelten, bluten eher selten, verglichen mit anderen Arten von Adenomen. Und drittens kann es sein, dass mit der Nahrung aufgenommenes Vitamin C, andere Substanzen oder auch sehr heisses Wetter dazu führen, dass der Test nicht angibt.Deshalb findet der Test auf Blut im Stuhl eher fortgeschrittene Krebserkrankungen als solche in frühem Stadium. Von den Darmtumoren, die mit dem Blut-im-Stuhl-Test gefunden wurden, hatten fünf bis sechs von zehn eine gute Heilungschance. Zum Vergleich: Ohne Darmkrebs-Screening waren bei der Diagnose etwa vier bis fünf von zehn der Tumore in diesem Stadium.
- Der Test kann «Fehlalarm» auslösen.
Bei etwa sechs von 100 gesunden Menschen erkennt der Guaiak-Test vermeintlich Blut im Stuhl, wo keines ist. Beim FIT sind vier von 100 Resultate falsch-positiv.Ein Grund dafür ist, dass verschiedene Substanzen die chemische Reaktion beim Guaiak-Test beeinflussen können, dazu zählen auch manche Medikamente. Bei Einnahme von Entzündungshemmern wie Acetylsalicylsäure (bekannt zum Beispiel als Aspirin®), Diclofenac oder Ibuprofen kann es zu geringen Darmblutungen kommen. Dann kann der Test «positiv» ausfallen, obwohl kein Darmkrebs vorliegt. Da der Guaiak-Test nicht zwischen menschlichem und tierischem Blut unterscheidet, kann auch der Verzehr von Fleisch (Steak, Tartar) zu einem «falsch-positiven» Testergebnis führen.
- Der Test auf Blut im Stuhl muss regelmässig wiederholt werden.
Erfahrungsgemäss sinkt die Motivation, ihn jährlich oder mindestens alle zwei Jahre durchzuführen, im Lauf der Zeit – die Häufigkeit von Darmkrebs steigt aber mit zunehmendem Alter.
- Weil beim Test im Gegensatz zur Darmspiegelung keine Adenome entfernt werden können, senkt er nicht das Risiko, zukünftig an Darmkrebs zu erkranken.
Was bedeutet es, wenn das Ergebnis «positiv» ist?
Dann wurde Blut im Stuhl gefunden, aber die Diagnose «Darmkrebs» ist damit keineswegs sicher. In einer grossen Studie hatten statistisch von 100 Frauen mit einem «positiven» Guaiak-Test etwa acht Darmkrebs. Bei circa 30 Frauen waren andere, vergleichsweise harmlose Probleme am Darm wie Hämorrhoiden oder Darmdivertikel der Grund für das Testergebnis.
Magengeschwüre, Nasenbluten, Blutgerinnungsstörungen und weitere Erkrankungen, sogar Zahnfleischbluten, können ebenfalls zu «positiven» Testresultaten führen. Und selbst ein gesunder Mensch ohne Darmkrebs verliert täglich etwa 0,5 bis 1,5 Milliliter Blut über die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt. Um die Diagnose herauszufinden und sicher zu gehen, dass kein Darmkrebs dahinter steckt, ist eine Darmspiegelung sinnvoll.
Von 100 Erwachsenen zwischen 40 und 64 Jahren, bei denen ein FIT «positiv» ausfällt, haben statistisch etwa 24 einen mindestens einen Zentimeter grossen Tumor oder ein fortgeschrittenes Adenom, das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Krebs wird.
Den Test auf Blut im Stuhl zu wiederholen, wenn er «positiv» war, bringt übrigens nichts. Denn selbst wenn er beim zweiten Mal negativ ausfällt, sinkt damit nicht die Wahrscheinlichkeit, dass Darmkrebs vorliegt.
Wieviel kostet der Test auf Blut im Stuhl?
Die Grundversicherung übernimmt die Kosten bei Personen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre (abzüglich Franchise und Selbstbehalt), wenn der Test von einem Arzt verordnet wurde. Je nach Versicherungsbedingungen bezahlen manche Zusatzversicherungen Früherkennungsuntersuchungen ganz oder teilweise.
Wird aufgrund eines positiven Testergebnisses eine Darmspiegelung gemacht, handelt es sich nicht mehr um eine Screening-Koloskopie, sondern um eine diagnostische. Dann übernimmt die Grundversicherung die Kosten, abzüglich Selbstbehalt und Franchise.
In welchen Abständen sollte man den Test auf Blut im Stuhl wiederholen?
Medizinisch sinnvoll ist es, den Guaiak-Test jährlich zu wiederholen oder aber den FIT alle zwei Jahre. Dies gilt für Personen mit durchschnittlichem Risiko für Darmkrebs. Bei einem einzelnen Test sind die Resultate deutlich schlechter.
Wann ist der Test nicht sinnvoll?
Bestehen bereits Beschwerden, die auf Darmkrebs hindeuten könnten, ist der Blut-im-Stuhl-Test die falsche Untersuchungsmethode.
Bei Personen mit familiär erhöhtem Risiko kann er allenfalls eine Ergänzung zur Darmspiegelung sein, aber kein Ersatz dafür.
Was kann ich selbst tun?
- Wer sich für den Blut-im-Stuhl-Test als Früherkennungsmassnahme entscheidet, sollte bereit sein, den Test mindestens alle zwei Jahre durchzuführen.
- Damit der Test aussagekräftig ist, ist es wichtig, sich an die Vorgaben zu halten. Beim Guaiak-Test bedeutet das zum Beispiel, drei Tage vorher bestimmte Gemüse und Früchte zu meiden und kein Fleisch, Geflügel oder Fisch zu essen.
- Die Stuhlproben sollten nicht ganz oberflächlich entnommen werden.
- Sind die Stuhlproben genommen, sollte der FIT möglichst rasch gemacht werden, der Guaiak-Test innerhalb von sechs Tagen.
- Bei einem «positiven» Testergebnis liefert in den allermeisten Fällen erst eine Darmspiegelung die Antwort, ob Darmkrebs vorliegt. Auch beim Test auf Blut im Stuhl braucht es also die grundsätzliche Bereitschaft in diesem Fall eine Darmspiegelung machen zu lassen.