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Eine Stunde zu spät nach Hause gekommen, oder irgendetwas Schwerwiegendes angestellt – zur Strafe gab es Stubenarrest, Hausarrest. Während man in seinem Zimmer sass, sollte man sich Gedanken für das Verhalten machen, überlegen, ob das korrekt war, was man da gemacht hat. Und irgendwann durfte man wieder aus dem Zimmer kommen, beziehungsweise das Haus verlassen, um seinen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen.
Wer kennt diese erzieherischen Massnahmen der Eltern noch und kann sozusagen ein Liedchen davon singen? Früher gehörte in vielen Familien der Stubenarrest zu den gängigen Erziehungsmassnahmen, wenn man wieder etwas aus dem Ruder lief. Doch wie ist es heute? Sind Stubenarrest und Hausarrest immer noch Mittel zum Zweck, um den Kindern und Jugendlichen Konsequenzen bewusst zu machen.
Stubenarrest, Hausarrest – worin liegt der Sinn?
Vor allen in den 50er und 60er Jahren waren diese beiden Arten der Strafen sehr beliebt. Die kleine Schwester geärgert oder irgendetwas angestellt? Dann hiess es: „Du hast die nächsten zwei Tage Hausarrest!“ oder „Geh in dein Zimmer, du hast Stubenarrest und bleibst heute in deinem Zimmer!“
Beim Hausarrest, der über mehrere Tage ging, musste man an den „Pflichtveranstaltungen“ wie den Schulbesuch teilnehmen, alles andere war gestrichen. Kein Treffen mit Freunden oder der Freundin, Sport oder sonstige Freizeitaktivitäten waren ausgeschlossen.
Aber war oder ist diese Art der Bestrafung wirklich sinnvoll und hat zu einem Erfolg geführt? Gerade heute, im Zeitalter der Medien, steht in vielen Kinderzimmern ein Fernseher oder eine Spielekonsole. So artet heute mancher Stubenarrest, der eigentlich als Strafe gelten soll, zu einer stundenlangen Spielesession aus – sehr zur Freude des Nachwuchses.
Hinzu kommt, diese Art der Bestrafung als gesetzeswidrig angesehen werden kann. Der § 1631 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches regelt, dass alle Kinder ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben. Die Frage, die man sich in dem Fall stellen muss, ist, ob Stubenarrest oder Hausarrest als Gewalt anzusehen sind? Es ist eher eine psychische und seelische Entwürdigung, weil manche Eltern die Kinder bei einem Stubenarrest vom gemeinsamen Essen ausschliessen und ihnen jegliche sozialen Kontakte verbieten.
Ob also Hausarrest oder Stubenarrest eine wirklich gute Massnahme sind, um Kindern gewisse Konsequenzen aufzuzeigen, ist wohl fraglich.
Und ein Hausarrest kann zur Folge haben, dass die Kinder erst recht trotzig sind und wütend reagieren und aus Protest das Geforderte nicht machen. Und dann hat diese gewählte Art der Strafe das Gegenteil bewirkt.
Gibt es Alternativen zu Hausarrest und Stubenarrest?
Eine konsequente Erziehung ist auf jeden Fall besser als diese beiden Strafen. Kinder müssen lernen, dass auch sie Rechte und Pflichten haben und vor allem Konsequenz gefordert ist. Durch das Aussprechen von Strafen wird im Prinzip die Macht der Eltern demonstriert. Und dies vor allem dann, wenn Aussagen wie „Wenn du das nicht machst, dann wird …. passieren!“ von den Eltern kommen. Statt Macht-zeigen sollte man den Kindern erklären, wieso manche Dinge wichtig sind, wieso man das Zimmer aufräumen und mal abstauben oder warum man seine Hausaufgaben für die Schule erledigten sollte. Logische Konsequenzen verstehen Kinder oftmals besser als Stuben- oder Hausarrest. Und manche Dinge lernen Kinder am besten, wenn sie die Folgen selbst spüren müssen.
Hat euer Kind keine Lust, die Hausaufgaben zu machen, dann akzeptiert das. Denn euer Kind muss am nächsten Tag in der Schule der Lehrerin oder dem Lehrer erklären, wieso die Hausaufgaben nicht gemacht sind. Und vielleicht muss der Nachwuchs mit einer entsprechenden Konsequenz rechnen. Diese wird vielleicht der ausschlaggebende Punkt sein, dass zukünftig die Hausaufgaben ordentlich und rechtzeitig erledigt werden.
Das Thema „Zimmer-Aufräumen“ ist bei vielen Familien ein wirklich leidiges Thema. Schmutzwäsche und saubere Wäsche vermischen sich auf Stühlen und im Schrank, auf der Fensterbank kann man in den Staub schreiben. Aber der Nachwuchs möchte einfach nicht aufräumen. Irgendwann kommt aber der Zeitpunkt, da möchten die Kinder etwas von euch. Tja, das wird dann auch mal nicht gemacht, natürlich mit einer entsprechenden Erklärung, wieso.
Stubenarrest und Hausarrest gehören zu den Strafen, die heute grösstenteils einfach nicht mehr passend sind. Vielleicht sollte in manchen Fällen hinterfragt werden, wieso es zu dem Fehltritt gekommen ist. Ein offenes und klärendes Gespräch bringt Eltern und Kinder manchmal weiter als eine überzogene Strafe. Regeln und Strukturen, die ganz klar definiert und somit für alle verständlich und nachvollziehbar sind, helfen weitaus mehr, Kinder auf den Lebensweg vorzubereiten.