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Mongomo ist ein Nest. Irgendwo im Dschungel von Äquatorialguinea, gleich vor der Grenze zu Gabun. Doch im Ort wird gebaut ohne Ende. Das hat seinen Grund.
Von Ebebiyin aus taucht nach rund einer Stunde Fahrt durch den Dschungel ein Kreisel vor uns auf. «Bienvenido a Malabo» steht da in grossen Lettern.
Wir biegen links ab und jetzt wird es wirklich surreal: Eine vierspurige Strasse führt weiter Richtung Stadtzentrum – oder besser Dorfkern. Strassenlaternen säumen den Weg und überall wird gebaut.
Wie viele Menschen tatsächlich in Mongomo leben, ist unbekannt. Vor dem Afrika-Cup lagen die Schätzungen bei ca. 8000 Einwohnern. Die Menschen im Kaff irgendwo im Nirgendwo schätzen die Zahl zwischen 10'000 und 15'000. Teilweise liest man auch von 50'000 Personen. Vom Gefühl her würde ich sagen: allerhöchstens 15'000.
Wir passieren das neue Fussballstadion, welches 15'000 Fans fasst. In der Innenstadt stehen noch eine alte Arena und einige Trainingsplätze. Für den Afrika-Cup war dies nötig. Für den lokalen Verein ist die Infrastruktur ähnlich übertrieben, wie wenn der FC Vaduz ab sofort im St.-Jakob-Park spielen würde. Die Partien von Deportivo Mongomo locken meist nur einige hunderte Fans an, ein regulärer Liga-Betrieb existiert in Äquatorialguinea aktuell nicht.
Das Stadion wäre das eine. So ergeht es praktisch allen Veranstaltern von Grossanlässen. Aber in Mongomo wird noch viel mehr gebaut. Denn die beiden bisherigen Präsidenten des Landes Francisco Macias und Teodoro Obiang stammen beide aus dem Nest – und man will ja der Welt nicht sagen, man käme aus einem Bauerndorf. Der Heimatort soll gefälligst repräsentativ sein! Seit die Öl-Dollars sprudeln, sind dafür auch die finanziellen Mittel vorhanden.
Obiang liess sich daher am Ostende des Ortes einen Palast erbauen. Dieser wird von einer zwei Meter hohen Mauer umgeben. Sechs Kilometer lang, deren vier breit. Ein riesiges Eingangstor wird von zwei Soldaten bewacht. Drinnen sieht man auf den ersten Blick viel Wald, grüne Wiesen und in der Ferne einige Gebäude. Hier verbringt der Präsident seine Zeit, wenn er mal wieder in der Heimat ist. Es soll auch eine private Landebahn für Flugzeuge geben. Gesehen habe ich diese nicht.
Dafür springen andere Gebäude ins Auge. Gleich vor dem Haupteingang zum Palast steht seit gut einem Jahr die neue Bibliothek – sie dürfte zu den grössten in Zentralafrika gehören. Einige Meter weiter wurde ebenfalls kürzlich ein neues Spital eröffnet. Das alte im Zentrum genügte nicht mehr. Vor dem neuen Krankenhaus sprudelt ein Springbrunnen, das Haus könnte genauso gut in der Schweiz stehen. Es wirkt topmodern.
Prunkstück in Mongomo ist aber eine Basilika. 2011 wurde diese nach fünfjähriger Bauzeit gleich neben dem Golfplatz eröffnet. 1000 Sitzplätze bietet sie. Das entspricht ziemlich genau der Platzanzahl des Grossmünsters in Zürich. Bezahlt wurde das Gotteshaus vom Staat. Es ist das grösste in Zentralafrika und nach der Basilika in Yamoussoukro (Elfenbeinküste) die zweitgrösste des Kontinents. Die Regierungspartei nennt den imposanten Bau eine Miniature-Ausgabe des Petersdoms von Rom.
Vor der Basilika liegt ein Platz von der Grösse eines Fussballfelds, das Eingangstor ist golden, drinnen verzieren wunderschöne Verzierungen und Kirchenfenster den Bau.
Ob das alles wirklich je gebraucht wird? Das ist nicht so wichtig. Es muss gross wirken. Ich verlasse Mongomo wieder über die grosse Allee. Am Kreisel fahren wir dieses Mal geradeaus. Es geht auf die neue Autobahn Richtung Bata. Zwei Stunden dauert die Fahrt mitten durch die Schneise im Dschungel. Es ist unfassbar.