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VON DER HERRSCHAFT DER GNÄDIGEN HERREN ZUR PLURALEN DEMOKRATIEThomas Brodeck
Bild unten: Blick in den Stadtratssaal und auf die Thuner Legislative während einer Sitzung im Jahr 2018. Die Stadträtinnen und Stadträte sitzen im Rund, über ihnen prangt das Thuner Wappen. In der Bildmitte hinten am Pult sitzend der Präsident, rechts von ihm der Sekretär des Rates, der Vizestadtschreiber. Hinten links die Exekutive und der Stadtschreiber. Fotografie von Patric Spahni.
Politische Strukturen, Konstellationen und Akteure
Von 1815 bis heute verändern sich die politischen Strukturen und die Möglichkeiten der Mitsprache immer wieder von Neuem – allerdings bleibt die Politik bis 1970 reine Männersache. Nebst der Tagespolitik kennzeichnen Zäsuren das politische Leben. So beendet der liberale Umbruch von 1830/31 das in der Restauration teilweise wiederhergestellte Ancien Régime endgültig. Eine weitere Zäsur stellt das Jahr 1918 dar: Die politischen Strukturen werden grundlegend erneuert, gleichzeitig ist dieses Jahr wie kein anderes geprägt von harten politischen Auseinandersetzungen zwischen links und rechts. Langsamer, aber ebenso nachhaltig bestimmen Prozesse wie die Formierung der Parteien gegen Ende des 19. Jahrhunderts die politische Landschaft Thuns. Das zunächst vorwiegend bipolar strukturierte Parteiensystem fächert sich im späten 20. Jahrhundert auf. Immer wieder schaffen es auch neue Akteure, sich mit ihren Anliegen Gehör zu verschaffen und in die Institutionen vorzustossen, so die Linke in den Jahrzehnten um 1900 oder 70 Jahre später die Frauenbewegung nach ihrem langen Ringen um Mitbestimmung.