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- Ein im Aargau wohnhafter 34-jähriger Chinese und seine 56-jährige Mutter mussten sich am Montag vor dem Bezirksgericht Baden verantworten. Dem Hauptangeklagten droht eine Gefängnisstrafe.
- Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden unter anderem gewerbsmässigen Betrug und Markenrechtsverletzung vor. Apple tritt als Privatklägerin auf.
- Vor allem der Sohn hat gefälschte iPhones aus Hong Kong in Apple-Stores und Data-Quest-Läden in Apple-Originale umgetauscht. Diese versandte er dann nach Hong Kong.
- Der Sohn soll so über 10'000 Franken erwirtschaftet haben. Der amerikanische Grosskonzern Apple macht einen Schaden von über 1 Million Franken geltend.
Der Sohn geschäftete zwischen 2015 und 2019, die Mutter war nur im Jahr 2016 involviert. Das Geschäftsmodell lief gemäss Anklageschrift so: «Täuschend echt aussehende aus Hong Kong stammende iPhones» wurden aus Hong Kong zum Beschuldigten in die Schweiz geliefert. Dieser ging mit den Geräten in Apple-Stores oder zertifizierte Shops in der ganzen Schweiz. Die meisten der Geräte hatten einen Wasserschaden.
Handel mit gefälschten iPhones
- Der Fall im Aargau sei schweizweit einzigartig, war am Gerichtsprozess in Baden zu hören. Aus anderen Ländern kennt Apple aber das Vorgehen bereits. In den USA oder in England kenne man ähnliche Fälle, sagte die zuständige Staatsanwältin gegenüber SRF.
- Im Aargauer Fall geht es um über 1000 gefälschte iPhones aus Hong Kong. Die zwei Beschuldigten gelten eher als «kleine Fische» innerhalb eines international organisierten Netzwerks. Der 34-jährige Sohn war Hilfskoch, arbeitslos, hatte finanzielle Probleme. Seine Mutter war auf Sozialhilfe angewiesen.
- Ein Original-iPhone der Firma Apple kostet rund 1000 Franken; im Internet kursieren Plagiate für 100 Franken. Im aktuellen Fall verdiente der Sohn mit dem Betrug 10 Franken pro Gerät (total gut 10'000 Franken). Der grosse Gewinn bei diesem Betrug floss also zu den Hintermännern in Asien.
- Die Hintermänner des Betrugs in China sind unbekannt. Am Prozess wurde immer wieder eine Kontaktperson in Hongkong erwähnt. Deren Namen und Aufenthaltsort sind allerdings allerdings unbekannt. Der Angeklagte hatte nur telefonisch und über das Internet Kontakt zu ihr.
Die Geräte hatten «geklonte» Produktenummern. Sogenannte IMEI Nummern von anderen Original-Geräten, für die ein Apple «Care Protection Plan» besteht. Dieser gewährt eine zusätzliche Garantie, eine kostenlose Reparatur oder einen Umtausch bei nicht beabsichtigen Schäden wie Wasserschäden.
Bei Wasserschäden wird das iPhone wegen der Batterie im Fachgeschäft nicht geöffnet. So wurden die Geräte in den Apple-Läden ungeöffnet akzeptiert und in teure Original-Apple-iPhones umgetauscht. Diese sandte der Sohn wiederum nach Hong Kong. Der Sohn kassierte dafür eine Provision (10 Franken pro Gerät).
«Raffiniert, arglistig, Garantie-Missbrauch»
Die Staatsanwaltschaft spricht von einer «Raffiniertheit der Fälschungen», von einem Mann, der unter «Vorspiegelung von Tatsachen andere arglistig irregeführt» hat. Das Ganze sei ein «Garantie-Missbrauch». Der Sohn tauschte über 1000 Geräte. Die Mutter des Beschuldigten hat diverse iPhone-Lieferungen für ihn angenommen und gut 100 Geräte eigenhändig umgetauscht, «weil der Sohn keine Zeit hatte», ist in der Anklageschrift zu lesen.
Am Prozess in Baden zeigte sich, dass die beiden Angeklagten seit Jahren mit finanziellen Problemen kämpfen. Die Drahtzieher des Betrugs in Hongkong sind unbekannt, operierten aber offenbar weltweit. Die als Absender angegebene Firma habe auch versucht, gefälschte Geräte in die USA zu verschicken, hiess es vor dem Bezirksgericht in Baden.
Aufgeflogen ist das «Business-Modell», als der Basler Zoll zwei Pakete mit 50 gefälschten iPhones entdeckte. Die Aargauer Staatsanwaltschaft fordert für den Sohn vier Jahre Gefängnis, eine Geldstrafe und eine Busse. Zudem soll er sieben Jahre aus dem Land verwiesen werden (beide leben seit knapp 20 Jahren in der Schweiz). Die Mutter soll 18 Monate Gefängnis bedingt und eine Probezeit von zwei Jahren erhalten.
Beschuldigte verteidigen sich
Mutter und Sohn versicherten vor Gericht, dass sie nicht gewusst hätten, dass es sich bei den iPhones um Fälschungen handelt. Sie hätten lediglich im Auftrag eines Bekannten aus Hongkong die Geräte in gutem Glauben reparieren lassen. Chinesinnen und Chinesen hätten immer wieder Probleme mit dem Service von Apple. Sie hätten dem Kontaktmann deshalb vertraut. Es gilt die Unschuldsvermutung. Das Urteil wird am Dienstag erwartet.