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Autor: Lukas Schwab
Capri ist eine Insel mit steilen Felsklippen im Golf von Neapel. Historisch wäre die Insel kaum interessant, hätte sich hier nicht der römische Kaiser Tiberius niedergelassen: Von 26 bis 37 nach Christus regierte er von Capri aus das römische Reich. Dazu liess er auf einer hohen Klippe die Villa Jovis bauen, die zu seinem Regierungspalast wurde. Auf einer Grundfläche von rund 7000 Quadratmetern entstand ein 40 Meter hohes Gebäude, in dem Tiberius die Funktionen des Wohnens, der Repräsentation und der Verwaltung unter einem Dach vereinte.
Griechischer Architekt
Das Herzstück der Ausstellung ist eine Rekonstruktion der Villa Jovis. Sie wurde von Clemens Krause, dem Autor der Ausstellung, in Zusammenarbeit mit Studenten aus den antiken Ruinen auf Capri abgeleitet. «Interessanterweise ist der Grundriss nicht römisch, sondern hat den Charakter eines griechischen Palastes», erklärt Clemens Krause, eremitierter Professor für Archäologie der Universität Freiburg. Es werde deshalb vermutet, dass der Architekt ein Grieche war, da den Römern das Konzept des Palastes damals noch gar nicht bekannt war.
Imposanter Leuchtturm
«Warum sich Tiberius von Rom nach Capri zurückzog, ist nicht sicher», so Krause. Wenn man seinen Biografen Glauben schenken darf, faszinierte ihn die Insel aufgrund ihrer abgelegenen und geschützten Lage. Zudem lebte Tiberius in jüngeren Jahren in Rhodos hoch über dem Meer und verbrachte dort die schönste Zeit seines Lebens. Capri könnte ihn an diese Zeit erinnert haben. «Tiberius war in Rom nicht sehr beliebt, vielleicht hatte er auch einfach von der Stadt die Nase voll», erklärt Krause mit einem Schmunzeln.
Neben der Villa Jovis stand auf Capri vermutlich auch ein Leuchtturm, der in der Literatur erwähnt wird. Ein gefundenes Fundament deutet darauf hin, dass der Turm demjenigen in Alexandria nachempfunden war. «Wir vermuten, dass er dieselbe Grösse und dieselbe Form wie das Weltwunder von Alexandria hatte», erklärt Krause. Damit wäre der Leuchtturm rund 120 Meter hoch gewesen.
Die Ausstellung unter dem Titel «Villa Jovis. Residenz des Tiberius auf Capri» wurde vor rund sieben Jahren von der Skulpturenhalle Basel konzipiert und bereits in Basel, Heidelberg und Trier gezeigt. In Vallon ist sie nun erstmals auch in französischer Sprache zugänglich.
Musée Romain Vallon. Bis zum 13. September, jeweils Mi. bis So., 11 bis 17 Uhr, Texte auf Deutsch und Französisch.