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Schweizer Forscher, die auf dem Jungfraujoch Treibhausgas-Emissionen messen, bemühen sich darum, dass ihre Daten für die Kontrolle der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens anerkannt werden. Vor allem, weil ihre Messungen manchmal belegen, dass Emissionen höher liegen, als von den einzelnen Ländern rapportiert.
Die hochalpine Schweizer Messstation befindet sich auf dem Jungfraujoch, wenige Meter über der höchsten Stelle Europas, die mit einer Bahn erreicht werden kann. Sie ist eine von nur drei Forschungsstationen weltweit, welche die Quellen von Treibhausgas-Emissionen über eine Region hinweg erfassen können, die sich über mehrere Länder erstreckt. Die anderen beiden solchen Stationen liegen in Irland und in Australien.
Stefan Reimann ist einer der Wissenschaftler der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstaltexterner Link (EMPA), die auf dem Jungfraujoch die Konzentration der Schadstoffe erfassen und auch deren Quellen lokalisieren. Die Forschungsstation könne, abhängig von den Windmustern, die Emissionen der Schweiz, Frankreichs, Italiens und Deutschlands zuverlässig überwachen, sagt er.
Das Gleiche werde in Irland gemacht. Die irischen Kollegen könnten Grossbritannien und Frankreich sehr gut überschauen. "Und wir können unsere Daten oft miteinander kombinieren, um ein umfassendes [europäisches] Bild zu erhalten", sagt Reimann. "Das ist die Art System, die auf der ganzen Welt repliziert werden könnte, mit vielen Stationen, deren Messungen sich überlappen."
Doch bisher verlassen sich jene Stellen, welche die weltweiten Emissionen im Auge behalten, vor allem auf Bottom-up-Daten, welche die einzelnen Länder an die UNO liefern, zum Beispiel, wie viele Autos auf den Strassen fahren oder wie viel Treibstoff eine bestimmte Industrie verbrennt. Eine Art Peer-Review-System soll dabei sicherstellen, dass die Staaten ihre Daten korrekt rapportieren.
Für die UNO-Beamten, welche die Umsetzung des Klimaabkommens im Auge behalten, sind die Daten vom Jungfraujoch und den anderen Überwachungsstationen bisher nur eine Art "nettes Beiwerk", wie Reimann ausführt. "Es sind jedoch Gespräche im Gang, wie wir diese Emissionen überwachen sollten. Wir versuchen zu erreichen, dass unsere Messungen als offizielle Überwachungs-Methode anerkannt werden", sagt er.
Wie zuverlässig erstatten die Länder Bericht?
Einige der Forschungsresultate seines Teams, die 2011 veröffentlicht wurden, verweisen auf Diskrepanzen zwischen nationalen Emissions-Berichten und den Werten, die von der Station auf dem Jungfraujoch und anderen Überwachungsstationen gemessen wurden.
So stellte sich heraus, dass China immer noch Zehntausende Tonnen Kohlenstofftetrachlorid – ein sehr schädliches Treibhausgas – ausstiess, obschon dessen Einsatz bereits verboten war.
Und Italien stösst gemäss den Messungen der Forscher auf dem Jungfraujoch noch immer deutlich mehr Trifluormethan (HFC-23) aus, als offiziell deklariert, über zehn Mal mehr. Trifluormethan entsteht als Nebenprodukt in der Kälte- und Kühlindustrie.
Auch bei den Berichten der Schweizer Regierung kommt es manchmal zu Diskrepanzen mit den Messungen der Jungfraujoch-Station, wie Reimann sagt. Solche Unterschiede müssten jeweils vom Bundesamt für Umwelt untersucht werden. Die Diskrepanzen seien aber nie von einem "Ausmass, wie wir es bei Italien sehen."
Nach Ansicht von Reimann geht es bei der italienischen Situation eher um ein isoliertes Problem auf der Seite der Industrie des Landes, als um eine massive, vorsätzliche Umgehung internationaler Abmachungen. Er und seine wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen in den globalen Luftüberwachungsstationen werden aber Ende Jahr eine neue Studie publizieren. Diese werde ein genaueres Bild der weltweiten Emissionen abgeben und auf Ungereimtheiten in Bezug auf einzelne Staaten hinweisen.
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch), swissinfo.ch