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Mozart in Paris, März bis September 1778: Vergebliche Bemühungen um anhaltende Kontakte oder berufliche Erfolge, zerschlagene Pläne und Hoffnungen, Tod der ihn begleitenden Mutter. Ein desillusionierender Abschnitt seines Lebens.
Die vermutlich in dieser Zeit entstandenen vier Skizzenblätter KV 299c zeugen von einem gescheiterten Ballett-Vorhaben und enthalten lose aneinander gereihte, durchnummerierte Tanzsätze (beginnend mit Nummer 12, endend mit Nummer 27). Dem Notenbild nach flüchtig hingeschrieben, hat Mozart bis auf wenige Ausnahmen nur die Stimme der ersten Violine skizziert. Hinzu kommen französische Anmerkungen zur Handlung, wie „elle lui dit de se mettre en genoux lui ne veut pas obeïr,“ oder „elle lui prende par le nez“ – sie deuten auf ein skurriles Geschehen hin. Staunen machen die trotz der Flüchtigkeit und schwierigen Lesbarkeit durchscheinende Klarheit und der schiere Ideenreichtum: das Wichtigste prompt festgehalten.
Ich wählte aus dem Skizzenmaterial Ausschnitte, vervollständigte und orchestrierte sie für eine Besetzung von 2 Oboen, 2 (Natur-)hörnern und Streichern. Dieses so bearbeitete Material montierte ich mit Fremdelementen in einem Suiten-artigen Ablauf. Die hinzukomponierten Teile bestehen durchweg aus Motivpartikeln, die dem Mozartischen Skizzenmaterial entnommen sind. Doch erstarren diese Motive in der fremden Umgebung zu in sich kreisenden Formeln: heiteres Spiel oder trostlose Leere?
Etwa zur selben Zeit wie die Skizzen KV 299c entstand die Sinfonie KV 297, die so genannte „Pariser-Sinfonie“. Beim Studium dieser Partitur fällt auf, wie sehr sich Mozart durch Anpassung bemüht, dem – wie berichtet wird – oberflächlichen Pariser Publikum zu gefallen. Offensichtlich hat er um die Aufmachung gerungen, das Autograph ist voll von Streichungen und Radierungen. Letztendlich gelang ihm mit KV 297 eine Sinfonie, die im Grunde genommen nur aus Floskeln besteht. Mozarts Art der Maskierung für Paris? Ich selbst empfinde KV 297 als ein Werk von kühler Virtuosität, Mozarts Sinn für die Hülle darin ist faszinierend. Bedenkt man, dass sich Mozart zeitlebens für Maskenbälle und Pantomimen begeisterte, liegt der Gedanke nicht fern, dass es ihm wohl Spass gemacht hat, ein musikalisches Kostüm zu tragen.
Auch ich schlüpfe in eine Verkleidung und betrachte das von mir mit Hilfe von Mozart inszenierte Spiel von aussen. Die erwähnten Werke, die Bitterkeit der Pariser Zeit um 1778 und das Karnevaleske bilden sozusagen das Bühnenbild der Inszenierung.
Lukas Langlotz, März 2013