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|Es ist allgemein bekannt, dass in der Barockzeit in Einsiedeln grosse Theater – meist auf dem Brüel – aufgeführt wurden und Tausende von Zuschauern anwesend waren. Erwiesen sind Theateraufführungen des Klosters bereits im 11. und 12. Jahrhundert. Im 17. bis 19. Jahrhundert waren diese Aufführungen kleinerer Natur und in erster Linie für die Einheimischen bestimmt. Fanden diese Anlässe ursprünglich auf der Tanzdiele im Rathaus statt, konnte man in späteren Jahren im Alten Schulhaus, dann im Chärnehus und hernach im Gesellenhaus Theater spielen. Es muss als Glücksfall angesehen werden, dass 1924 Abt Ignatius Staub, Pater Raphael Häne (Theaterhistoriker) und der Rheinländer Schauspieler Peter Erkelenz auf Anregung von Dr. Linus Birchler (Professor für Kunstgeschichte und Barockforscher) zusammentrafen und den eigentlichen Grundstein für die «Geistlichen Spiele», die «Welttheatergesellschaft» legten. Nach Auffassung von H.E. Braun dürften verschiedene Gründe im Spiel gewesen sein, die zu einem Spielbeschluss führten.

Periode 1924:
Im Frühjahr 1924 gab es den ersten Kontakt zwischen den erwähnten Herren. Nach einigen Gesprächen und Verhandlungen fand am 21. Juni 1924 eine Volksversammlung statt, der am 23. Juni die konstituierende Sitzung der Organisationskommission folgte. Von Anfang an stand fest, dass Calderóns Grosses Welttheater aufgeführt werden soll. Am 15. August 1924 war die Premiere des «Grossen Welttheaters», der dann noch fünf Aufführungen folgten. Als Solisten wurden anonyme Schauspieler der «Freien Bühne Zürich» engagiert, während der Regisseur Peter Erkelenz persönlich die Rolle des Meisters übernahm. Die Nebenrollen und die kleinen Chöre sind durch Spielfreudige der Waldstatt rekrutiert worden. Die Bekleidung der Spielleute war «heimatlich-folkloristisch». Die Solisten trugen Kostüme der Zürcher Firma F. Hamel. Die Musik komponierten Pater Otto Rehm und Pater Josef Staub, wobei auch bekannte Kirchenlieder «einverleibt» wurden. Vor die Kirchenfassade war ein Bühnenaufbau mit ausschwingenden Treppen gestellt worden, was die imposante Barockfassade des Klosters nicht verschönerte. Der Erfolg war sehr gut und übertraf das Budget um das Fünf- bis Sechsfache, so dass ein Reingewinn von Franken 5594.82 erwirtschaftet wurde.
Bettlergruppe mit Otto Zehnder als Solist (1. Ersatz).
Periode 1925:
Das Konzept entsprach ziemlich demjenigen des Vorjahres. Die Chöre wurden vergrössert und die Beleuchtung verstärkt.
Periode 1930:
Peter Erkelenz war in Amerika engagiert. Deshalb lag die
Regie in einem Trio, bestehend aus August Schmied, Eugen Aberer und Dr. Linus Birchler. Neu wurden die Fassade der Stiftskirche und die Arkaden ins Theater einbezogen. Durch die Vergrösserung des Spielfeldes lockerte sich die bisherige Strenge des Konzepts. Zudem öffnete sich die Kirchentüre und wurde ins Spielfeld einbezogen. Dr. Linus Birchler überarbeitete den Text und gab dem Welttheater ein einsiedlerisches Kolorit. Die Patres Otto Rehm, Josef Staub und Pirmin Vetter komponierten und arrangierten die Musik.
Von links: Der Meister (Alois Kälin), das Gesetz der Gnade (Otto Zehnder), der Landmann (Meinrad Hensler).
Perioden 1935, 1937, (1939), 1950, 1955:
standen unter der Leitung und Regie von Dr. phil. Oskar Eberle (Theaterwissenschaftler). Als Text übernahm er die eichendorffsche Übersetzung, und das Einsiedler Welttheater wurde ein echt barockes Spiel. Eberle spielte auf dem ganzen Klosterplatz und liess ihn optisch wirken. So wurde unter anderm die Krönung des Königs zu einer pompösen Szene mit vielen grossen Fahnen und lautem Fanfarenklang. Auch das Entzünden einer Kerze bei der Geburt eines Solisten und das Auslöschen derselben beim Tode, mit gleichzeitigem Gongschlag, waren Neuerungen. Die Musik stammte hauptsächlich als Neukomposition von Pater Otto Rehm. Mit kleinen Änderungen folgten die Aufführungen von 1937. Der Spielbeschluss für 1939 wurde trotz bereits vorgenommenen Arbeiten der weltpolitischen Lage wegen am 5. Juni 1939 rückgängig gemacht.
Der Meister in der Schluss-Szene - und die Mutter Gottes als Einsiedler Lokalkolorit.
Der Zweite Weltkrieg brachte eine längere Pause in den einst beschlossenen Fünfjahres-Rhythmus. Die letzten zwei Spielperioden unter Oskar Eberle waren 1950 und 1955, die sich mit wenigen Änderungen an das frühere Konzept hielten.