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Cluniazenserpriorat, zwischen 1073 und 1085 gegründet, das unter dem Patronat der Gf. von Greyerz stand. Diese hatten es grosszügig ausgestattet, wie der berühmten Pancharta von 1115, der ältesten Urkunde des Pays-d'Enhaut, zu entnehmen ist. Das geistl. Zentrum des oberen Greyerzerlandes unterhielt vom 12. bis 16. Jh. enge Beziehungen zum Priorat Payerne, blieb jedoch von eher bescheidener Grösse. Seine Besitzungen konzentrierten sich v.a. auf das Pays-d'Enhaut und die Landschaft Saanen. Das Priorat umfasste die Kirche Saint-Nicolas, die sehr früh (vor 1228) Pfarrkirche wurde, und ihre zwei Kapellen, das Konventgebäude, eine 1342 errichtete Scheune aus Stein, Ställe und Kornspeicher. Zu den Ordensleuten gehörten nur der Prior, sofern er nicht Kommendatar war, und zwei (1342-50 drei) Mönche, unter ihnen der Sigrist. Sie wurden vom Pfarrer von R., von den beiden Kaplänen und einem bepfründeten Geistlichen unterstützt. Von den rund zwanzig bekannten Prioren, die mehrheitlich aus der Waadt stammten, kamen zwei aus der gräfl. Familie. Die Priore spielten am Hof von Greyerz eine wichtige Rolle: Im 13. und 14. Jh. siegelten sie stellvertretend für die Söhne des Grafen und im 16. Jh. regierte der letzte Prior, Peter von Greyerz, die Grafschaft in Abwesenheit seines Neffen Michael. 1385-98 und ab 1497 war das Priorat unter Kardinal Johann von Neuenburg eine Kommende. Zur Ausübung seiner Herrschaftsrechte über R. liess es sich von einem Mistral, manchmal Kastlan genannt, vertreten. Der Mönch Henri Wirczburg de Vach druckte in R. in der vermutlich fünftältesten Druckerei der Schweiz 1481 eine überarbeitete Ausgabe des "Fasciculus temporum" von Werner Rolewinck. Als Bern 1555 das obere Greyerzerland einnahm und die Reformation einführte, wurde das Priorat aufgehoben. Das verlassene Prioratsgebäude wich 1572 einem Schloss, in das der Vogt von Saanen einzog und das 1756 umgebaut wurde. Seit 1803 in Privatbesitz, brannte es 1973 nieder und wurde im folgenden Jahr wieder aufgebaut.
Literatur
– HS III/2, 609-641
Autorin/Autor: Pierre-Yves Favez / EM