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Herr Anderegg aus Rumisberg BE fragt nach einem Namen: Arispang. Dieser ist nur wenig belegt und lässt sich an kein heutiges Mundartwort anschliessen. Kurz: Der Name ist unverständlich und es findet sich kein eindeutiger Ansatz, wie er zu deuten sei. Dies lässt darauf schliessen, dass es sich bei Arispang um einen alten Namen in einer verschliffenen Schreibung handelt. Im Laufe der Zeit dürfte er nicht mehr verstanden worden sein. Dies führte dazu, dass er zusehends anders ausgesprochen und anders geschrieben wurde, bis der Name wieder einen Sinn zu haben schien. Dadurch fielen Buchstaben, vielleicht auch einzelne Silben weg, änderten sich markant oder es kamen gar neue dazu. Für Arispang liegt möglicherweise ein historischer Beleg vor: Im Urbar von 1573 wird an der Stelle, an der der heutige Name Arispang liegt folgender Flurname erwähnt: «Aber drÿ Juchartten an Marispang, stoßt bÿsenhalb vff fridlj Rÿffen wolffistaal acher.» Kann es also sein, dass es sich um den ursprünglichen Namen „Marispang“ handelt?
Der zweit Wortteil -pang ist dabei als ursprünglich „Band“ zu verstehen. Dass sich Wörter mit der Endung -nd zu -ng wandeln, ist ein natürlicher Vorgang, der sich Velarisierung nennt. Im Berndeutschen aber auch in der Solothurner Mundart ist dies nicht selten, beispielsweise wird Hung statt Hund oder Gring statt Grind gesagt. Damit wäre wenigstens die Herkunft des Wortteils -pang geklärt. Band bezieht sich auf die Beschaffenheit der Flur, auf die Topographie. Namen mit dem Element Band bezeichnen schmale Wiesenstreifen oder einen Waldsaum.
Ob Arafrid oder Marwart spielt keine Rolle
Wer oder was ist aber mit dem Erstteil Maris gemeint? Ist es das Resultat einer Verschmelzung aus „im Aris“? Oder ist Maris der Überrest eines alten, zweigliedrigen Personennamens wie Rumis im Ortsnamen Rumisberg, der auf Rumold zurückzuführen ist? Diese Spur verfolgenden: Rumisberg bedeutet „Berg, Bergweide des Rumold“ – Maris könnte ein ursprünglicher Personenname Marwart oder Marhard zugrunde liegen. Demzufolge wäre Arispang als „der schmale Wiesenstreifen, Waldsaum des Marwart oder Marhard“ zu deuten. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die Flur am Rand des Gemeindebanns liegt. Ein schmaler Waldrand oder Wiesenstreifen im Besitz einer ganz bestimmten Person, möglicherweise ausserhalb eines alten Gemeindebanns von Rumisberg, dem Besitz des Rumold, ist durchaus vorstellbar.
Liegt im Erstteil Maris tatsächlich eine Verschmelzung von „im Aris“ vor, so bliebe zwar die Deutung sinngemäss dieselbe, nur als Name würde Arafrid, Arhart oder Arawald infrage kommen.
Ein Band am A... der Welt
Es gibt aber noch eine weitere Spur, die aufgrund der Lage nicht vollständig von der Hand zu weisen ist. Ausgehend von der ältesten dokumentierten Schreibung „im Arisband“, sind für den Erstteil „Aris“ noch weitere Beziehungen in Betracht zu ziehen.
Aris könnte auch auf Schweizerdeutsch Ars ‚Arsch, Hinterteil’ zurückzuführen sein, weil der Name eine Flur am Rande des Gemeindebanns bezeichnet. Oder Aris ist auf Ärs, ein romanisches Reliktwort aus lateinisch ardere „brennen“ bzw. arsus „verbrannt“, zurückzuführen und beruht auf der Tatsache, dass dort einst das Land durch Brandrodung gewonnen wurde. Ich muss gestehen: Ohne weitere historische Belege ist keine der Spuren plausibel nachvollziehbar. Auch dies kann vorkommen.
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser aus Allschwil ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin. Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.