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Auf den faszinierenden kubanischen Schachgrossmeister und ehemaligen Weltmeister (von 1921-27) José Raúl Capablanca war der italienische Autor und Bibliothekar Fabio Stassi durch den Hinweis eines Freundes aufmerksam geworden. Dieser wollte eine Biografie über den Kubaner schreiben, starb dann jedoch bei einem Autounfall – so realisierte Fabio Stassi also das Projekt seines Freundes. Die Irrungen und Wirrungen dieser berühmten Schachlegende und des Grandseigneurs der Grossmeister lieferten natürlich reichlich Stoff.Der Roman “Die letzte Partie” ist sehr lesenswert. In 64 Episoden stellt Fabio Stassi das spannende Leben Capablancas dar.
José Capablanca wurde am 19. November 1888 in Havanna als Sohn eines Kolonialbeamten geboren. Er galt als Wunderkind, erlernte das Schachspielen bereits mit vier Jahren und gewann bereits im Alter von 12 Jahren einen Wettkampf gegen den kubanischen Landesmeister Juan Corzo.
Später studierte Capablanca an der Columbia University in New York City Chemie und Sport.1909 gewann er einen Wettkampf gegen den amerikanischen Meister Frank Marshalldeutlich mit 8:1 bei 14 Remisen. Seinen internationalen Durchbruch hatte er beim Turnier in San Sebastian 1911, das er vor vielen bekannten Meistern gewann. Seit 1913 war er im diplomatischen Dienst Kubas, konnte sich aber de facto völlig dem Schach widmen. Der Kubaner war ein umgänglicher Geniesser, der vor allem die Ästhetik einer Partie schätzte und sich an brillanten Kombinationen freuen konnte. Er lehnte es ab, sich intensiv mit theoretischen Studien oder Neuerungen zu beschäftigen – „learning by doing“ war seine Devise. Capablanca war in erster Ehe mit Dona Gloria Simoni Bethencourtverheiratet. 1937 liess er sich scheiden. Am 20. Oktober 1938 heiratete er in New York seine zweite Ehefrau Olga Clark (* 23. September 1898 in Caucasus, † 24. April, 1994 in Manhattan).
Capablanca gewann bald unzählige Turniere. Er gewann1921 in Havanna das Duell um den Weltmeistertitel gegen Dr. Emanuel Lasker, der den Titel 27 Jahre lang verteidigt hatte (4 Siege, 10 Unentschieden, keine Niederlage).
Capablanca verlor dann den Weltmeistertitel 1927 in Buenos Aires an Alexander Aljechin (3-6 Siege, 25 Remispartien). Dieser wich in den folgenden Jahren einem Revanchekampf aus und gab dem Kubaner so keine Möglichkeit mehr, den Titel zurückzugewinnen. Dabei waren die beiden Spieler am Beginn ihrer grossartigen Schachkarrieren sogar befreundet gewesen. In seiner gesamten Schachlaufbahn verlor Capablanca übrigens nur 36 Partien!
Das Grab von José Capablanca (Havanna)
Am 7. März 1942, im Alter von erst 54 Jahren, erlitt Capablanca im Manhattan Chess Club, während er einer Partie zuschaute, einen Herzinfarkt. Er starb am 8.März 1942 im Mount Sinai Hospital, im gleichen Hospital, indem bereits ein Jahr zu vor Emanuel Lasker gestorben war.
Capablanca wurde feierlich und mit allen Ehren in Havanna beigesetzt und Präsident Batista ordnete Staatstrauer an.
1951 gab die kubanische Regierung eine 25-Cent-Briefmarke mit einem Portrait Capablancas heraus, 1982 erschien sogar eine ganze Serie!
Fabio Stassi: Die letzte Partie, Kein und Aber, Zürich 2014