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Geschichte der Musiktherapie
Magisch-mythische Form der Musikheilung
Encheduanna, Tochter des Königs Sargon von Akkad in der sumerisch-akkadischen Zeit (vor ca. 4200 Jahren) komponierte und dichtete 42 Tempelhymnen, mit denen sie Kranke heilen konnte.
Die Musik mit ihrer magisch-mystischen Wirkung war fest in ein Heilritual eingebunden. Die Kranken und/oder die Heiler verfielen in einen tranceartigen Zustand, in dem Götter beschwört und Dämonen vertrieben werden konnten. Diese ekstatischen Heilungspraktiken dominierten bis hinein in die Frühantike.
Rational-wissenschaftliche Musikheilung in Antike und Mittelalter
In der klassischen Antike diente die Musik zur Wiederherstellung geistig-seelischer Harmonie und psycho-physischer Proportionen. Kranke Menschen befanden sich in Unordnung, die harmonisiert werden musste.
Neben diesen reinigenden und ordnenden Effekten sollte die Musik gleichzeitig die Seele erziehen.
Im Mittelalter stellte die Musik einen wichtigen Bestandteil innerhalb der medizinischen Behandlung dar. Ein Mensch wurde als krank bezeichnet, wenn sein Puls in Tempo und Intensität von der Norm abwich. Bis 1550 gehörte die Musik zum Fächerkanon eines Medizinstudiums.
Renaissance und Barock
In der Renaissance beschäftigten sich die Wissenschaftler mit den Zusammenhängen von Musik mit menschlichen Affekten, vor allem der Melancholie. Durch harmonisierende Schwingungen der Musik wurden die Lebensgeister reaktiviert, das Blut verdünnt und die körpereigenen Säfte in ihrer Konsistenz normalisiert.
Die Regulation des Blutes ("spiritus animalis") stand auch im Barock im Vordergrund des musiktherapeutischen Bemühens. Voraussetzung hierfür war die Entdeckung des Blutkreislaufes durch William Harvey.
Später, als Muskeln, Nerven und Fasern entdeckt wurden, sollten auch diese in das Erklärungs- und Behandlungsmodell mit einbezogen werden. Körperliche, Geistes- und Gemütserkrankungen konnten mit der Arztmusik (="Jatromusik") geheilt werden.
Romantik
Im 19. Jahrhundert verlor die Musik den Bezug zum klassischen medizinischen Bereich der körperlichen Erkrankungen und fand ihren neuen, psychologisch ausgerichteten Schwerpunkt in der Behandlung von psychischen Erkrankungen. Musiktherapie verschwand aus dem Sichtfeld der Ärzte, nur in der Psychiatrie war sie vereinzelt anzutreffen.
Das 20. Jahrhundert
Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte die Musiktherapie einen starken Aufschwung. Dabei kristallisierten sich vier grosse Bereiche heraus, die bis heute die Musiktherapie massgeblich beeinflusst haben:
- heilpädagogische Orientierung: P. Nordoff, C. Robbins, J. Alvin und G. Orff
- psychotherapeutische Orientierung: G.K. Loos. Dr. Blanke und Dr. Jädicke
- medizinische Orientierung: H.H. Teirich
- anthroposophische Orientierung: M. Schüppel
Musiktherapeutische Orientierung
Als sich in diesem Jahrhundert die Musiktherapie neu zu etablieren begann, lag das Augenmerk einzelner Richtungen vor allem darauf, sich von den anderen abzugrenzen. Dies war ein notwendiger Prozess, um eine eigene Konzeption entwickeln zu können.
In letzter Zeit jedoch findet unter den verschiedenen musiktherapeutischen Richtungen wieder eine Annäherung statt, denn "...gemeinsam ist allen musiktherapeutischen Methoden, dass ausgehend von einer umfassenden Diagnostik, musikalische Elemente mit spezifischer therapeutischer Absicht kontrolliert eingesetzt werden." (Schwaiblmair, 1997)
Auszug aus Artikel "Geschichte der Musiktherapie", herausgegeben 2004, überarbeitet April 2014, dmtg
(Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft Berlin).
http://www.musiktherapie.de/fileadmin/user_upload/medien/pdf/Geschichte_Musiktherapie.pdf )