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Die Parlamentswahlen in Südafrika verliefen ohne grössere Zwischenfälle. Der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) und sein Spitzenkandidat, Präsident Jacob Zuma, haben laut jüngsten Umfragen mehr als 60 Prozent der Stimmen erhalten. Am Abend schliessen die Wahllokale. Das Endergebnis wird frühestens am Freitag erwartet.
Vor dem Urnengang hatte es Spekulationen gegeben, dass der ANC erstmals einen Stimmenanteil von weniger als 60 Prozent erhält. Im Land herrscht grosse Armut, weswegen es immer wieder zu Protesten kommt. Doch trotz grosser sozialer Probleme, sehr hoher Kriminalität, zahlreicher Korruptionsskandale und staatlicher Misswirtschaft vertraut die Mehrheit der Bevölkerung dem ANC.
Der Mythos ANC
Vor allem die Schwarzen sehen im ANC immer noch die Partei, die sie 1994 aus der rassistischen Apartheid herausgeführt hat. Auch 20 Jahre später profitiert die Partei vom Mythos der Befreiungsorganisation. «Dieser Mythos konnte bis heute die Misere der Gegenwart verdrängen», sagt SRF-Afrikakorrespondent Patrick Wülser. Er glaubt, dass viele der 25 Millionen Südafrikaner, die wählen können, deshalb dem ANC von Präsident Jacob Zuma ihre Stimme abgeben werden.
Zuma ist innerhalb seiner Partei umstritten. Er gilt als verschwenderisch und als Symbolfigur einer korrupten Führung in Südafrika. Zuma wird am 21. Mai von der Mehrheit des Parlaments gewählt und damit wahrscheinlich von der Mehrheit des ANC. «Das ist seine Rettung, dass er im Amt bleiben wird», ist Wülser überzeugt. Würde Zuma direkt gewählt, hätte er wohl keine Chance. Aber man munkle, dass der ANC sich des Reputationsschadens bewusst sei, den Zuma ihnen bringe und er allenfalls am nächsten Parteitag ersetzt werden könnte.