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Der diesjährige Winter war bis auf eine kurze, kalte Periode Ende November und Anfang Dezember in den meisten Gebieten Mitteleuropas bisher ein Totalausfall.
Seit dem meteorologischen Winterbeginn am 1. Dezember schneite es in der Limmatstadt bis Ende Januar nie, sieben Wochen blieb der Winter schneefrei. Eistage mit Dauerfrost tauchten nur ganz lokal auf, im Gegenteil, die Temperaturen steigerten sich nach einem milden Dezember im Januar erneut. So wurden zwischen dem 6. und 9. Januar auf dem Zürichberg frühlingshafte Höchstwerte von 13 Grad gemessen. Da erstaunt es kaum, dass am 13. Januar in Zürich bereits der Blühbeginn des Hasels registriert wurde. Damit begann die Vegetationszeit rund drei Wochen früher als in einem durchschnittlichen Jahr. Obwohl die Temperaturen Ende Januar spürbar zurückgingen und auch die Schneeflocken ihren Weg bis ins Flachland zumindest gebietsweise wiederfanden, trumpft der diesjährige Winter bisher mit einem deutlichen Temperaturüberschuss auf. Der Winter 2013/14 ist verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 in Zürich zurzeit rund zwei Grad übertemperiert und gehört zum wärmsten Zehntel der Zürcher Wintergeschichte, welche seit 1864 erzählt wird. Als Mass für die Härte eines Winters dient die Kältesumme. Dabei werden alle negativen Tagesmitteltemperaturen einer Wintersaison aufsummiert. In Jahren mit wenig kalten Tagen (unter null Grad) wächst die Kältesumme kaum. So lag sie am Ende des Warmwinters 1974/75 bei -15. In einem richtig kalten Winter steigt sie bis auf -500, wie es im Eiswinter 1962/63 zu beobachten war. Bis Ende Januar 2014 kletterte die Kältesumme auf nur -25 und war somit deutlich unterdurchschnittlich.
Kaltluftpol über Kanada
Der Zürichsee benötigt eine Kältesumme von ca. -300, bevor er überfriert. Doch der Winter spielt in einer anderen Liga. In den Bergen ist der Winter bisher bis zu vier Grad wärmer als in einem durchschnittlichen Jahr und der Januar ist gebietsweise bisher sogar der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Ursache dafür war, dass sich Anfang Dezember über Kanada ein mächtiger Kaltluftpol gebildet hatte. Von dieser Kaltluft wurden zwischenzeitlich auch die US-Staaten im mittleren Osten heimgesucht. In Kanada und Teilen der USA war der Dezember und Januar bisher auch um bis zu sechs Grad zu kalt. Diese kalte Luft floss ständig über Neufundland bis in den Westatlantik aus. Dadurch konnten sich zwischen Neufundland und Grönland immer wieder kräftige Tiefdruckgebiete bilden, die ostwärts ziehen und Europa auf ihrer Ostflanke und mit einer südwestlichen Strömung mit milder Luft versorgen. Gestützt wird diese Wetterlage durch stationäre Hochdruckgebiete mit Zentrum über den Azoren, welche sich bis in den Mittelmeerraum und zeitweise sogar bis in den Alpenraum ausdehnen. Diese Strömungskonstellation, auch positiver Modus der Nordatlantischen Oszillation genannt, ist die Ursache für fast alle deutlich zu milden Winter in Mitteleuropa. Sie hält in diesem Winter seit Mitte Dezember im Wesentlichen mit nur kleinen Modifikationen an. Letztmals waren die Winter 2006/07 und 2007/08 von dieser Strömungskonstellation geprägt. Der Winter 2006/07 war in Mitteleuropa dann zugleich der wärmste seit 150, wahrscheinlich sogar der letzten mindestens 500 Jahre. In Teilen Mitteleuropas nähert sich der diesjährige Winter durchaus dieser Marke und auch in den Alpen ist der Winter ausserordentlich mild. Im Flachland hingegen, wo sich zeitweise hartnäckige Kaltluftseen mit Nebel gebildet haben, sind die Temperaturüberschüsse nicht ganz so gross und die Verhältnisse deshalb nicht auf Rekordkurs. Sehr milde Wintermonate sind sehr häufig mit kräftigen Winterstürmen begleitet. Dieses Jahr blieb der Alpenraum in diesem Winter davon jedoch mehrheitlich verschont. Dies zeigt, dass die Zugbahn der Tiefdruckgebiete, welche milde Luft bis in die tiefen Luftschichten bringen, nördlich der Schweiz verlief und der Alpenraum häufig sogar unter Hochdruckeinfluss lag.
Kalter oder warmer Februar?
Der Winter 2013/14 darf aber noch nicht abgeschrieben werden. Ein potentieller Hochwintermonat steht mit dem Februar noch vor der Tür. Die Tatsache, dass der bisherige Winterverlauf jenem vor einem und auch jenem vor zwei Jahren sehr ähnlich ist, lässt doch aufhorchen. Denn im Nachhinein würde niemand die beiden letzten Winter als Totalausfälle oder Mildwinter bezeichnen, oder? So erlebte die Schweiz im Februar 2012 die härteste Kältewelle seit 25 Jahren und auch der letztjährige Februar war ungewöhnlich kalt. Wird es auch dieses Jahr kalt im Februar? Auszuschliessen ist dies natürlich nicht, doch die Vorzeichen deuten in eine andere Richtung: Die bereits erwähnte Strömungskonstellation ist sehr stabil. Der Kaltluftpol befindet sich weiterhin über Kanada und hat in den letzten Monaten die Verteilung der Oberflächenwasser-Temperaturen im Atlantik und somit die Luftdruckverteilung über dem Eurasischen Raum massgeblich beeinflusst. Durch die Anomalien im Oberflächenwasser im Atlantik erneuern sich die milden Südwest-Wetterlagen über Europa immer und immer wieder. Das dürfte sich wohl auch im Februar nicht ändern. Bemüht man aber die Statistik, so stellt man fest, dass in den Jahren, in denen der Dezember mild und der Januar sehr mild waren, in vier von fünf Fällen ein überdurchschnittlich milder Februar und März folgt. Nur in einem Fall war der Februar oder der März deutlich zu kalt. Gut möglich also, dass auch Ende Februar rückblickend noch über einen Mildwinter geschrieben wird. Ein Winter ohne Kaltlufteinbruch mit Schnee bis in tiefe Lagen ist jedoch sehr selten. Selbst im Rekordwinter 2006/2007 gab es Ende Januar zumindest eine kalte Woche, in der es auch im Flachland Schnee gab.