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Homöopathische Hilfen bei Schulproblemen
2. Konzentrationsschwäche
Aethusa cynapium (Hundspetersilie)
Lebt in seiner Phantasiewelt
Das Aethusa-Kind sitzt in der Klasse tief in seine Phantasiewelt versunken. Von dem trockenen Unterrichtsstoff nimmt es nichts wahr. Dieses langweilige Zeug interessiert es überhaupt nicht. Es kann keinen Bezug zu seiner inneren Traumwelt erkennen, die es für realer hält als die Außenwelt. Sie ist wunderschön, lebendig und voller unbegrenzter Möglichkeiten. Davon ist es so gefangen, dass es den Kontakt zur Schule verliert.
Die Lehrerin bemerkt die geistige Abwesenheit des Aethusa-Kindes und versucht, es durch eine Frage wieder in die Realität des Deutschunterrichtes zurückzubringen. Am Vormittag ist es aber ziemlich schwierig, an das Kind heranzukommen, denn dann ist es besonders mundfaul. Das Aethusa-Kind wird aus seinen wundervollen Phantasien heraus¬gerissen und schaut die Lehrerin mit starrem Blick an. Es erbleicht, sogar die Oberlippe wird blass, und auf den Wangen erscheinen rote Flecken. Kein Wort bringt es über die Lippen, denn es weiß überhaupt nicht, um was es geht. Die Lehrerin versucht, die Aufmerksamkeit mit einer Zusammenfassung des Unterrichtsstoffes zu wecken. Das Gehirn nimmt diesen Stoff zwar auf, aber es kann ihn nicht verarbeiten, da die Information vom Gehirn nicht in seine Phantasiewelt weitergeleitet wird. Es lebt und schöpft nur aus dieser imaginären Zentrale. Das Aethusa-Kind schaut die Lehrerin an und denkt sich: „Ich lebe in einer wunderbaren Welt, was soll ich mit Eurer Welt anfangen? Man sagt, die Erde ist wunderschön, aber ich habe tausendfach schönere Bilder in meinem Buch der Phantasie. Wenn ihr in meine Welt eintreten könntet, dann würdet ihr Eure Welt vergessen.“
Das Aethusa-Kind kann sich nur schwer in eine Gemeinschaft einfügen und Kontakt mit seinen Mitschülern aufnehmen, da die anderen seine Welt nicht kennen und verstehen. Es empfindet viel Mitgefühl für seine Klassenkameraden. Gerne würde es in ihre Welt eintreten, um ihnen aus seiner Phantasiewelt zu erzählen. Aber es scheint niemand Interesse daran zu haben. Also beschließt es, sich zurückzuziehen.
Man denke nur an die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende, an das Land „Fantasia“. Der Aethusa-Geist hat dieses Buch geschrieben, so dass die Phantasie zur realen Welt wurde. Sind es z.B. Flugzeuge, die unaufhörlich in seinem Kopf herum kreisen, erscheinen sie in seiner Vorstellung in phantastischen Farben und Formen, etwa als Blumen oder Dinosaurier. Vom Unterricht nimmt er in diesem Zustand absolut nichts wahr.
Hat ein Kind also Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und dabei eine lebhafte Phantasie, dann ist Aethusa das richtige Lernmittel. Es hilft ihm, besser zu lernen und seine Phantasien einzubeziehen. Dann kann es auch die Außenwelt als Realität empfinden. Genauso wie seine eigene Welt aus der Phantasie entstanden ist, haben andere für ihn die Erde aus ihrer Phantasie geschaffen. Aber seine Schwierigkeit liegt darin, dass es die Erde als eine schreckliche Schöpfung wahrnimmt. Alles ist hier so trocken, lieblos und uninteressant. Deswegen sieht es die Notwendigkeit einer Schule überhaupt nicht ein. Es versteht nicht, was es da soll. Dass das Leben selbst eine Schulung darstellt, kann es nicht erkennen.
Das Aethusa-Kind erkennt man schon als Säugling, denn dieser kann die Milch nicht vertragen und erbricht sie in großen Klumpen. Er muss lernen, dass es eine bestimmte Art von Substanz gibt, die er braucht, um sich zu entwickeln. In der Schule geht es um die geistige Substanz. Hier ist es genauso wie bei der Muttermilch: Der Aethusa-Schüler ist nicht bereit, diese Substanz aufzunehmen, er braucht sie nicht — und spuckt sie aus! Je mehr Milch/Lernstoff gegen seinen Willen gegeben wird, desto dumpfer wird er. Wenn es nach ihm ginge, bräuchte er eine Phantasie-Nahrung — wie z.B. Fantasy-Milk, Mandelmilch o. ä. Muttermilch ist einfach zu langweilig!
Der Aethusa-Schüler ist meist lebhaft und aktiv und hat einen starken Bewegungsdrang. Wenn er sich auf etwas konzentrieren muss, z.B. auf eine Prüfung, wird er mit der Zeit immer dumpfer. So wiederholt sich das, was in der Säuglingszeit durch die Muttermilch geschah. Je mehr er bekommt, was er wirklich braucht, desto kränker sieht er aus: Die Augen des Säuglings verändern sich durch die Muttermilch. Je mehr sich das Aethusa-Kind von dem entfernt, was es braucht, desto mehr Energie verspürt es, aber es sieht auch kränker aus.
Wird einem Aethusa-Kind also in der Säuglingszeit das Heilmittel Aethusa gegeben, so kann schon frühzeitig Schulschwierigkeiten und Konzentrationsstörungen vorgebeugt werden. Lassen Sie seinen Phantasien freien Lauf und es wird über unbegrenzte Energien verfügen.
Sein Motto lautet:
“Verwirkliche Deine Phantasie in der Realität!”
Fallbeispiel
Markus hat erhebliche Schwierigkeiten in der Schule.
Ständig schweift er gedanklich ab und weiß auf Fragen keine Antwort. Er träumt vor sich hin oder zappelt. Alles um ihn herum lenkt ihn ab. Sieht er eine Blume, dann ist in ihrer Blüte eine Welt von Geschichten verborgen.
Markus hat einen unerschöpflichen Bewegungsdrang. Zu Hause kann er nicht beim Spiel bleiben, er will nur draußen herumtoben. Im privaten Bereich braucht er ständig Beschäftigung. Alle passiven Beschäftigungen, wie etwa Fernsehen oder Lesen, mag er nicht.
Nachdem Markus eine Zeitlang Aethusa LM 30, täglich 2 Tropfen, eingenommen hatte, wurde er selbstsicherer und nahm aktiv am Unterricht teil. Die Schule begann ihm zu gefallen und er entdeckte darin einen Sinn.
Agaricus muscarius (Fliegenpilz)
Stillstand der Gedanken
Der Schüler Agaricus wird vom Geschichtslehrer in der ersten Stunde ausgefragt: „Agaricus, kannst du mir etwas über die Inquisition erzählen?“ Agaricus reagiert nicht. Der Lehrer, der die Schwächen des Schülers kennt, fordert ihn ein zweites Mal auf: „Schläfst du noch, Agaricus? Vielleicht stehst du lieber auf, um wach zu werden.“ Agaricus hat die Worte des Lehrers gleich am Anfang verstanden, aber der Sinn ist nicht in sein Gehirn gedrungen. Er starrt den Lehrer an und rappelt sich un¬geschickt hoch; dabei kippt ein Stuhl krachend um. Das weckt zwar die ganze Klasse auf, nicht aber die Gehirnzellen von Agaricus.
„Wie war bitte Ihre Frage noch einmal? Die Inquisition, was ist denn das? Gehört habe ich das Wort schon einmal. Es fällt mir momentan einfach nicht ein. Ich setze mich jetzt, glaube ich, besser wieder hin.“
„Aber Agaricus, nun streng dein Gehirn etwas an. Wir haben doch letzte Stunde darüber gesprochen“, versucht ihn der Lehrer zu ermutigen. „Ich kann das einfach nicht!“
Agaricus ist sparsam mit seinen Gehirnzellen und strengt sich nur so viel an, wie es für die Versetzung notwendig ist. Warum soll man umsonst seine Kräfte verschwenden? Agaricus glaubt, das Wesentliche in der Schule irgendwie mitzubekommen, und die Feinheiten wird das Leben einen schon lehren. (Ähnlichkeit mit Tuberkulinum.)
So zeigt sich bei dem Agaricus-Schüler eine Abscheu vor allen Arbeiten, bei denen er denken muss. Das umfasst nicht nur geistige Arbeit in der Schule, sondern das Denken überhaupt. Muss er denken, schießt ihm das Blut in den Kopf, sein Gesicht wird heiß und sein Denkvermögen ist sofort gestört. Der Agaricus-Schüler redet nicht gerne, denn wenn er redet, muss er denken. Er findet nicht die richtigen Worte, weil seine Gehirntätigkeit zum Stillstand gekommen ist. Würde er sich in diesem Zustand nicht so furchtbar anstrengen und verkrampfen, könnten die Gedanken von alleine fließen. Er muss sich sehr viel Mühe geben, um das Gehörte aus der Versenkung zu holen.
Der Zustand des Agaricus-Schülers am Morgen entspricht ungefähr dem eines Erwachsenen, der am Abend zuvor zu tief ins Glas geschaut hat und nun völlig benommen ist. Es herrscht absoluter Stillstand der Gedanken, als ob man mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen worden sei. Je weiter der Tag fortschreitet, desto beweglicher wird er. Erst mittags merkt er eine Erhellung seines Geistes. Morgens ist er verdrießlich und dumm. In diesem Zustand soll er in die Schule gehen? Er geht zwar hin, aber das Gehörte dringt nicht zu ihm vor.
Später am Tag fließt der Gedankenstrom von ganz alleine. Am Abend fängt der Schüler sogar an zu reimen. Nun ist er direkt charmant. Es sprudelt nur so aus ihm heraus, und er reißt alle in seinen Bann. Abends ist auch seine körperliche Unbeweglichkeit verschwunden. Er tanzt, singt und tobt sich aus.
Das Mittel Agaricus fördert die allgemeine Beweglichkeit und die Koordination der Muskeln. Der Agaricus-Schüler hat keine Lust, zu sprechen und Sprachen zu lernen. Er sagt entweder gar nichts oder nicht das Richtige. Als Kleinkinder können sie schon früh Laute oder Lieder singen, aber nicht sprechen. Für diese Kinder ist es ein großer Aufwand, in die Schule zu gehen. Sie müssen sich sehr anstrengen und können trotzdem nur wenig aufnehmen.
Beim Agaricus-Schüler kann eine große Beweglichkeit vorhanden sein, die manchmal schlecht koordiniert ist, und das macht ihn unruhig. Wenn man von ihm etwas Gezieltes will, wird er bösartig oder bekommt einen Wutanfall. Diese Kinder können mit ihrer großen ungezielten Wucht bedrohlich für die Umwelt werden. Sie brüten kühne und rachsüchtige Pläne aus. Ihr Geist funktioniert jetzt — aber in einer zerstörerischen Richtung.
Versucht er durch Willenskraft morgens seinen Rauschzustand wegzudrücken und lässt er dann los, wird ihm gleich schwindelig. Wo seine Willenskraft nicht stark genug ist, kann es sogar zu unwillkürlichen Bewegungen und Zuckungen kommen.
Im positiven Zustand entspannt das Agaricus-Kind und ist aufnahmefähig. Sein Geist ist automatisch auf den Stoff gerichtet, und es bereitet ihm keine Schwierigkeiten, ihn aufzunehmen. Gleichzeitig sieht es verschiedene Anwendungsmöglichkeiten des Stoffes.
Im negativen Zustand sind Geist und Wille nicht koordiniert. Das Kind ist bemüht, kann sich aber nicht konzentrieren. Morgens ist es müde und unfähig zu denken. Es errötet beim Sprechen. Es hat eine Abscheu gegen jegliche geistige Arbeit. Tollpatschige Kinder stolpern leicht und sind ungeschickt im Sport. Sie antworten nicht gerne. Der Agaricus-Typ findet nicht die richtigen Worte als Antwort und macht viele Fehler beim Schreiben.
Sein Motto lautet:
“Macht die Schule Sinn, bringt sie dir auch Gewinn!”
Ammonium carbonicum (Hirschhornsalz)
Zerstreut und sprunghaft
Das Hirschhornsalz ist ein Triebmittel, welches vor allem im Weihnachtsgebäck Verwendung findet. Es bindet den Sauerstoff und macht das Gebäck locker. Zur Weihnachtszeit kann man das Kind, welches Ammonium carbonicum als homöopathisches Mittel braucht, gut erkennen, denn es entwickelt eine fast unersättliche Gier auf Schmalzplätzchen, Lebkuchen und anderes Gebäck, welches mit Hirschhornsalz gebacken wurde. Wer schon einmal zu viel von diesen Köstlichkeiten gegessen hat, weiß, wie sie sich auf den Zustand der kleinen grauen Zellen auswirken — nämlich Chaos im Hirn!
Der Ammonium-carbonicum-Schüler möchte es ganz genau wissen und fragt seinen Biologie-Lehrer: „Wie sieht der Ammonium-carbonicum-Zustand aus?“
Der Biologie-Lehrer erklärt es: „Hirschhornsalz verbraucht viel Sauerstoff. Wenn Ihr zu wenig Sauerstoff im Blut habt, funktioniert Euer Geist nicht mehr. Dann können wir z. B. Atemübungen bei geöffnetem Fenster machen. Holt einmal tief Luft und lasst beim Ausatmen alles los.“
Da erinnert sich der Ammonium-carbonicum-Schüler an seinen letzten Asthmaanfall. Weil er nicht aufhören konnte, Lebkuchen zu essen, bekam er Atemnot. Der Lehrer schreckt ihn aus seinen Erinnerungen an die Weihnachtszeit auf: „Siehst du, wenn du nicht genügend ausatmest, kommt es zur Vergiftung des Gehirns mit Kohlendioxyd.“
Der Ammonium-carbonicum-Schüler beschließt, sich in Zukunft beim Plätzchen Essen zurückzuhalten. Das fällt ihm besonders an trüben Novembertagen nicht leicht. Da hat er sich seine schlechte Stimmung immer durch etwas Süßes aufgehellt. Die Leistungen des Ammonium-carbonicum-Schülers sind also auch sehr abhängig vom Wetter. Ein trüber Tag verstimmt ihn ungemein, dann wird er eigensinnig, ungehorsam und verträgt keinen Widerspruch. An solchen Tagen lässt er sich nicht lenken und es fällt ihm noch schwerer als sonst, einen Deutschaufsatz zu schreiben. Er hat große Schwierigkeiten, beim Thema zu bleiben; ständig kommt er auf andere Gedanken und bringt diese zusammenhanglos zu Papier. Oft fehlt der Schluss ganz.
Wenn er im Unterricht etwas sagen soll, hat er Angst, sich auszudrücken, weil er nicht weiß, wie er die Ideen in seinem Kopf ordnen soll. Da er weiß, dass er keine innere Ordnung schaffen kann und ihm auch der Überblick fehlt, ist er äußerst vorsichtig mit allem und versucht, sich nicht in unangenehme Situationen zu bringen. Meist geht er gerne zur Schule, aber allmählich wird er von der Informationsflut überwältigt und sein Kopf schwillt zu einem Ballon an. Es wird ihm alles zu viel. Er verschließt sich und lässt überhaupt nichts mehr an sich herankommen.
Das zentrale Problem des Ammonium-carbonicum-Schülers ist das „Nicht-von-sich-Geben-Wollen“. Er erstickt förmlich an seinen Stoffwechselprodukten, sei es nun Kohlendioxyd oder seine Ideen im Kopf. Auch seine Kleidung mag er nicht waschen lassen, und er läuft lieber schmutzig herum.
Das Ammonium-carbonicum-Kind braucht sehr viel Schlaf, damit sich Körper und Gehirn regenerieren können, die Kohlensäure ausgeschieden wird und seine Gehirnzellen wieder arbeiten können.
Im negativen Zustand können die aufgenommenen Informationen nicht verarbeitet und gespeichert werden, da der Sauerstoff fehlt.
- Er kann seine Gedanken nicht strukturieren, findet keinen Anfang und kein Ende, besonders bei Aufsätzen.
- In seinem Kopf herrscht Chaos, und er schiebt alles von sich. In diesem Zustand fühlt er sich ungemein gereizt, kurz angebunden und möchte in Ruhe gelassen werden.
- Nach dem Genuss von Schmalzgebäck oder anderen Süßigkeiten hat er Verlangen nach herzhafter Nahrung. Nach guter Nahrung fühlt er sich besser.
- Er macht Fehler beim Buchstabieren, Rechnen, Schreiben und Sprechen.
- Trübes Wetter beeinträchtigt Stimmung und Leistung.
- Die Worte werden beim Erzählen verwechselt. Er nennt den Gegenstand, den er sieht, statt des gewünschten.
- Er vergisst, was er sagen wollte.
- Es besteht große Zerstreutheit, er kommt auf ganz andere Gedanken, die nicht zum Thema gehören.
Im positiven Zustand schafft es der Ammonium-carbonicum-Schüler, die aufgenommenen Informationen sofort zu verarbeiten, zu verdauen und an den richtigen Ort weiterzugeben. Es besteht eine optimale Versorgung mit Sauerstoff, damit die Gehirnzellen arbeiten können
Sein Motto lautet:
„Atme die Kraft der reinen Luft ein!“
…wird fortgesetzt
From: „Homöopathischer Ratgeber – Schulschwierigkeiten, Nr. 19, 6. Auflage 2011, Lage & Roy Verlag D-82418 Riegsee-Hagen