Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/85297

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, zu prüfen und Bericht zu erstatten, wie die Schlussfolgerungen des Weltlandwirtschaftsberichtes der Uno und der Weltbank (IAASTD) in der Landwirtschaftspolitik im Inland und im Ausland im Zusammenhang mit Entwicklungshilfe, Forschung, Innovation und Handel umgesetzt werden können.</p><p>Der internationale Bericht zur Landwirtschaft (International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development, IAASTD) ruft die Weltgemeinschaft zu fundamentalen Veränderungen in der Landwirtschaft auf, um rasant steigenden Preisen, Hunger, sozialer Ungerechtigkeit und ökologischen Desastern Einhalt zu gebieten. Der Bericht ist der Konsens von über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die gemeinsam von Regierungen, Uno-Organisationen, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen ausgewählt wurden.</p><p>Sein Fazit: Das alte Paradigma einer industriellen Landwirtschaft mit hohem Energie- und Chemikalieneinsatz ist nicht mehr zeitgemäss. Die volle Einbeziehung lokalen und indigenen Wissens, die Stärkung von Bäuerinnen, Forschungsschwerpunkte auf kleinbäuerliche und agroökologische Anbaumethoden, gute Bildung und Technologietransfer und mehr nachhaltig vernetzte Forschung vor Ort sind wesentliche Elemente einer Landwirtschaft, die den Weg aus der derzeitigen Krise weisen.</p><p>Deutlicher als je zuvor betont der Bericht, dass die Landwirtschaft kein Produktionssystem wie jedes andere ist, sondern dass seine Funktionen für Natur und Gesellschaft ebenso wichtig sind. Er weist deutlich darauf hin, dass Staaten und Gemeinden demokratisch und souverän ihre Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik selbst bestimmen müssen und die kleinsten Landwirte die grössten Verlierer des Weltmarktes sind. Den Bericht, der im April dieses Jahres im südafrikanischen Johannesburg von 60 Regierungen verabschiedet wurde, hat auch die Schweiz akzeptiert und unterschrieben. </p><p>Der Bericht des Weltlandwirtschaftsrates zeigt auf, dass es mit einer multifunktionalen Landwirtschaft, die ökologische und gesellschaftliche Leistungen mit einbezieht, und einem Recht der Länder auf ihre eigene Grundversorgung mit Lebensmitteln möglich ist, alle Menschen unserer Erde zu ernähren. Die Schweiz hat diesen in seiner Art einmaligen und weitsichtigen Weltlandwirtschaftsbericht ebenfalls unterzeichnet. Sie muss nun ihr politisches Handeln danach ausrichten.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der IAASTD-Bericht (International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development) ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit verschiedener Regierungen, die 2002 begann und von der Weltbank, der FAO, dem GEF (Global Environment Facility), dem UNDP (United Nations Development Programme), dem Unep (United Nations Environment Programme), der Unesco (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation) und der WHO (World Health Organisation) kofinanziert wurde. Das Ziel dieser Arbeit war, die Rolle zu evaluieren, welche die landwirtschaftlichen Kenntnisse, Wissenschaften und Technologien bei der Bekämpfung von Hunger und Armut,  der Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum sowie der ökologisch, sozial und wirtschaftlich verträglichen Entwicklung spielen.</p><p>Die Schweiz hat sich über die Deza an der Finanzierung dieses Prozesses beteiligt. Verschiedene Schweizer Wissenschaftler waren zudem stark in dieses Projekt involviert. So fungierte Prof. H. Herren als Vizepräsident und Prof. H. Hurni von der Universität Bern als Hauptautor eines Kapitels des Berichtes.</p><p>In der Schlusserklärung der regierungsübergreifenden Vollversammlung, die im April 2008 in Johannesburg stattfand, würdigten die Schweiz und andere Regierungen den einzigartigen Charakter des Vorgehens. Es wurde allgemein anerkannt, dass der Bericht unterschiedliche Ansichten darstellt, die in einen generellen Konsens über die Wichtigkeit von landwirtschaftlichen Kenntnissen, Wissenschaften und Technologien im Dienste der Entwicklung hinauslaufen. Der IAASTD-Bericht stellt einen wichtigen Beitrag und eine erfreuliche Initiative dar, die es von allen Regierungen zur Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele zu verfolgen gilt. Die Regierungen - einige mit Vorbehalten - haben die Zusammenfassung zuhanden der Entscheidungsträger, die eine Reihe von Schlussfolgerungen und Handlungsachsen darlegt, gutgeheissen.</p><p>Der Bundesrat nimmt mit Genugtuung zur Kenntnis, dass im Bericht ein besonderes Gewicht auf die Multifunktionalität der Landwirtschaft gelegt wird. Zudem entsprechen die zentralen Handlungsachsen den Grundsätzen und Zielen der Schweizer Agrarpolitik und der Strategie der Schweizer Entwicklungshilfe. Zu diesen Ansätzen gehören die Förderung der lokalen Agrarproduktion durch landwirtschaftliche Familienbetriebe, die Entwicklung nachhaltiger und ressourcenschonender Produktionsmethoden auf der Grundlage von guter landwirtschaftlicher Praxis und einem gezielten Einsatz der Hilfsmittel sowie der Zugang zu Kenntnissen, genetischen Ressourcen, Märkten und Produktionsmitteln. Die Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz mit internationalen Institutionen wie den Zentren der Beratungsgruppe für internationale Agrarforschung (CGIAR) und dem Internationalen Zentrum für Landwirtschaft und Biowissenschaften (Center for Agriculture and Bioscience International, Cabi) wird bereits nach den im Bericht dargelegten Grundsätzen ausgerichtet.</p><p>An der 16. Sitzung der Uno-Kommission für nachhaltige Entwicklung, am Welternährungsgipfel der FAO sowie an der 9. Konferenz der Mitgliedstaaten der Konvention über die biologische Vielfalt unterstrich die Schweiz die Wichtigkeit des IAASTD-Berichtes als Referenzdokument für die Erarbeitung von Strategien zur Intensivierung der Investitions- und Forschungstätigkeiten in der Landwirtschaft.</p><p>Zusätzlich zu den obigen Ausführungen ist der Bundesrat bereit, die Analyse der Schlussfolgerungen des IAASTD-Berichtes hinsichtlich der Schweizer Agrar- und Entwicklungspolitik im Rahmen des Berichtes über die Nahrungsmittelkrise und die Rohstoff- und Ressourcenknappheit, der zur Beantwortung des Postulates Stadler 08.3270 zuhanden des Parlamentes verfasst wird, weiter zu vertiefen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.