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Gottéron (5.) hat die Emotionen für einen Tag. Aber nicht für sieben Spiele. Lugano (4.) wird ins Halbfinale einziehen. Als heimlicher Titelaspirant.
So viel Verletzungspech hat es seit der Einführung der Playoffs (1986) wahrscheinlich noch nie gegeben. Im zweitletzten Spiel der Qualifikation in Davos hat Lugano die drei Titanen Damien Brunner, Alessandro Chiesa und Dario Bürgler verloren.
Der logische erste Gedanke: Damit ist für Lugano die Saison gelaufen. Aber so ist es nicht. Ein Beispiel aus dem Fussball: Portugals Cristiano Ronaldo musste im Finale der Euro 2016 mit einer Knieverletzung in der 26. Minute den Platz verlassen. Portugal gewann ohne seinen Superstar in der Verlängerung gegen Frankreich 1:0.
Ein Endspiel um den europäischen Titel ist nicht mit den Playoffs vergleichbar. Aber die Bedeutung von Ronaldo für Portugal dürfte eher noch grösser gewesen sein als die von Damien Brunner, Dario Bürgler und Alessandro Chiesa für Lugano. Ja, so schwer die Ausfälle theoretisch wiegen mögen – Lugano kann damit leben. Alessandro Chiesa war in entscheidenden Partien noch nie frei von defensiven Sünden. Den wahren Damien Brunner haben wir diese Saison noch nie gesehen und Dario Bürgler ist nicht mehr in Hochform.
Eishockey gilt als letzter wahrer Mannschaftssport. Teamgeist zählt im Eishockey noch viel mehr als im Fussball. Eine Mannschaft, die zusammenhält, kann im Eishockey viel weiter über sich hinauswachsen als im Fussball. Wunder wie der US-Olympiasieg von 1980 («Miracle on Ice») oder der Einzug der Deutschen ins olympische Finale von 2018 sind im Fussball nicht möglich.
Ja, die Namen von Damien Brunner, Alessandro Chiesa und Dario Bürgler sind nur Buchstaben, die aufs Leibchen genäht worden sind. Jeder kann ersetzt werden. Edmonton hat auch ohne Wayne Gretzky noch einmal einen Stanley Cup geholt.
Lugano hat genug Talent, um eine Meisterschaft zu gewinnen. So wie 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016 und 2017. Aber 2008 und 2011 hat es nicht einmal für die Playoffs gereicht.
Seit Jahren gab es in den Playoff-Prognosen eine Konstante: Viele können Meister werden. Aber mit Lugano müssen wir nicht rechnen. Diesmal hüte mich vor solchen Einschätzungen. So viel Pech kann eine Mannschaft zusammenschweissen. Il miracolo di Lugano 2018 ist möglich. Die Ausfälle von Alessandro Chiesa, Damien Brunner und Dario Bürgler können Lugano endlich die Romantik des Mannschaftsportes («Einer für alle, alle für einen») zurückbringen. Endlich ein Happy End in der Hockey-Version von «Geld und Geist».
Lugano hat gegen Gottéron in der Vergangenheit vier von fünf Playoff-Serien gewonnen und wird nun nicht scheitern. Ja, Gottéron kann im «heiligen Zorn» jeden Gegner besiegen. Ja, Barry Brust kann für Gottéron einzelne Spiele gewinnen. Ja, Gottéron ist an einem guten Abend die wohl emotionalste Mannschaft der Liga.
Aber Gottéron hat die Emotionen nur für einen Tag. Vielleicht auch für zwei oder drei. Aber nicht für vier Tage und vier Siege. Daran ändert auch die Rückkehr von Leitwolf Julien Sprunger nicht mehr viel. Deshalb schafft Lugano das Halbfinale.
Fribourg – Lugano 1:4
Lugano – Fribourg 2:4
Lugano – Fribourg 8:2
Fribourg – Lugano 3:2
Lugano – Fribourg 4:2