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Jiddische Lieder sind in vielerlei Hinsicht einzigartig. Ihre Melodien bestehen aus slawischen, rumänischen und semitischen Elementen; die Texte erzählen von Liebe und Armut, vom religiösen Leben, von den bescheidenen Freuden und unermesslichen Leiden des ostjüdischen Volkes bis zu dessen Vernichtung in Hitlers Todeslagern.
Der Ursprung des Jiddischen liegt im Mittelalter. Immer wieder wurden die Juden in Ghettos eingesperrt und von der Aussenwelt isoliert. Sie sprachen zunächst das gleiche Mittelhochdeutsch wie die Christen. Anfangs des 16. Jahrhunderts verlagerte sich der Schwerpunkt des jüdischen Lebens wegen den vielen Verfolgungen nach Polen und in die Süd-Ukraine. Nach der Abtrennung vom deutschen Sprachraum entwickelte sich das Jiddisch zu einer echten Volkssprache. Die mittelhochdeutschen Dialekte blieben fast unverändert erhalten, dazu flossen mehr und mehr slawische, litauische, hebräische und aramäische Begriffe in die Sprache ein.
Der Chassidismus war eine Bewegung der armen, kleinen Leute. Die chassidischen Rabbis entstammten nicht gelehrten Dynastien. Sie erwarteten von ihren Schülern auch nicht Talmudgelehrtheit, sondern demütige Hingabe an Gott. In Jiddisch notierten die Chassidim die Wundergeschichten ihrer Rabbis. Die chassidischen Geschichten sind im Westen durch Martin Bubers Übersetzungen bekannt geworden.
Geboren 1953, Sohn einer Holländerin und eines Schweizers. Ein Aargauer, der am Thunersee lebt. Nach theologischen und psychologischen Studien langjährige Führungstätigkeit in sozialen Institutionen, zuletzt als Generalsekretär einer internationalen Organisation. Parallel dazu psychotherapeutische Arbeit, insbesondere mit Paaren, Familien und Gruppen. Mit 40 Jahren Wechsel in die Privatwirtschaft als Management-Trainer, Berater und Coach, wo er bis heute freiberuflich tätig ist.
Gesang und Gitarre gehören seit den Jugendjahren zu seinem Leben. Den Zugang zur jiddischen Musik fand er durch die Begegnung mit der jüdischen Geschichte und der Literatur von Martin Buber, Viktor Frankl, Schalom Ben-Chorin, Elie Wieser, Isaac Bashevis Singer und anderen mehr.
Er schreibt dazu: «Jiddische Lieder berühren, wühlen auf. Ihre Stärke liegt in der Unmittelbarkeit, der manchmal fast unheimlichen Sensibilität der Gefühlsausdrucks. Einfachheit von Sprache und Melodie verdichten das Lied zu einem Ganzen, in welchem sich gleichzeitig die gesamte Vielfalt der menschlich erlebbaren Gefühlswelt widerspiegelt. Da begegnen sich Liebe und Hass, Trauer und Lebensfreude, Lachen und Weinen, Verzweiflung und Hoffnung. Jede Erarbeitung einer eigenen Interpretation eines jiddischen Volksliedes macht mich selbst betroffen, weil durch die Erarbeitung die jedem Lied eigene Kraft und Energie freigesetzt und fühlbar wird. Es ist mein Anliegen, diese Kraft lebendig zu gestalten und so den Zuhörenden weiterzugeben. Ich verstehe mich damit gleichsam als Tonträger für eine Botschaft, die längst vor mir war und die weiter über mich hinausgehen wird.»
P.S.: Zusammen mit Wera Windel trat Martin Bolliger vor vielen Jahren schon in Bremgarten auf!