Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03534.jsonl.gz/249

Am 22. September 1998 gab der klassische Pianist David Helfgott sein einziges Schweizer Konzert dieser Tour in Gossau. Obwohl dieses Ereignis eigentlich nicht hätte versäumt werden dürfen, blieben leider etwa die Hälfte der Sitzplätze leer.
David Helfgotts liebenswerte Ausstrahlung und sein musikalisches Können sind berauschend. Kritiker sind ihm oft nicht wohlgesonnen, trotzdem liebt ihn sein Publikum. Das unkonventionelle Auftreten des verhaltensgestörten Musikers stösst einige Leute ab. Ein wenig gewöhnungsbedürftig sind seine deutlich hörbaren Atemstösse, Zischlaute, sein Gemurmel und Mitsingen und in besonders rhythmischen Passagen sein stampfender Fuss allemal. Vielen - vor allem jüngeren Zuhörern - vermag seine lockere Art den Zugang zu seiner Kunst zu öffnen.
David Helfgott wurde 1947 in Melburne, Australien, geboren. Mit sechs Jahren erhielt er seine ersten Musiklektionen von seinem Vater. Schon während seiner Kindheit und Jugend gewann er mehrere Preise bei Wettbewerben - den ersten im Alter von neun Jahren. Bereits mit siebzehn war er entschlossen, Konzertpianist zu werden. Schon damals gehörte Rachmaninows Dritte zu seinem Repertoire. 1970 war er aufgrund seiner wachsenden Instabilität und emotioneller Erregbarkeit gezwungen, seine Ausbildung zu unterbrechen und nach Australien zurückzukehren. Er verbrachte fünf Monate im Charles Gardener Hospital. 1974 musste er erneut ins Spital. Diesmal dauerte sein Aufenthalt 15 Monate. Entlassungen und Wiedereintritte folgten einander. 1978 kam er in eine offene Anstalt, in der er sechs Jahre verbrachte und täglich bis zu zehn Stunden übte.
1983 lernte David Helfgott seine jetzige Frau Gillian kennen. Sie heirateten 1984, in demselben Jahr, als sein berufliches Comeback erfolgte. 1996 erschien der Kinofilm „Shine“, der sein Leben porträtiert. Der grosse Erfolg des Films verlieh Helfgott eine noch grössere Bekanntheit und dies auch bei Personen, die sich sonst nicht mit klassischer Musik beschäftigen.
Unlängst wurde er vom Billboard Magazin in London zum „Top Classical Artist“ gewählt, seine Aufnahme des „Rach“ zum „Top Classical Album“. Dies sind die begehrtesten Auszeichnungen, die ein klassischer Musiker erhalten kann.