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Ein starkes Wachstum der Weltwirtschaft, ein sich verschärfendes Zinsumfeld, der Beginn eines Krieges und Sanktionen gegen geopolitische Mächte: Genau das gleiche Umfeld wie aktuell im Ukraine-Krieg herrschte in den Jahren 1989 bis 1991. Die Weltwirtschaft war robust, der Golfkrieg stand kurz vor dem Ausbruch und die Welt verhängte Sanktionen gegen den Irak wegen seiner Invasion in Kuwait und gegen China nach dem Tiananmen-Massaker.
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Heute hat der Russland-Ukraine-Konflikt die meisten grossen Nationen der Welt dazu gebracht, sich gegen einen brutalen Autokraten (wie gegen Saddam Hussein im Irak) zusammenzuschliessen. Der Welthandel ist durcheinander. Die Energiepreise schiessen in die Höhe. Die Welt verhängt harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland, wie sie es vor über dreissig Jahren gegen den Irak getan hat.
Das Dilemma der US-Notenbank
Was macht eine Zentralbank im Falle solch turbulenter Ereignisse? Die US-Notenbank wird am 16. und 17. März die nächste Sitzung abhalten. Erwartet wurde lange, dass der Offenmarktausschuss (Fomc) die Zinsen um 50 Basispunkte anhebt, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen.
In Anbetracht der aktuellen Ereignisse sind die Chancen auf eine solche Zinserhöhung, die noch vor wenigen Tagen als wahrscheinlich galt, aber nahezu verschwunden.
Shamik Dhar ist Chief Economist von BNY Mellon Investment Management.
Der Golfkrieg der 1990er Jahre löste in den Vereinigten Staaten eine kurze Rezession aus. Zwischen Juli 1990 und März 1991 sank das BIP um 1,5 Prozent, die Arbeitslosigkeit erreichte einen Höchststand von 6,8 Prozent, die Ölpreise stiegen 1990 sprunghaft an und der S&P 500 Index stürzte zu Beginn des Krieges um fast 18 Prozent ab.
Es dauerte 189 Tage, bis der Markt diese Verluste wieder aufgeholt hatte. Das weltweite Wirtschaftswachstum ging ebenfalls von 3,7 Prozent im Jahr 1989 auf 1,5 Prozent im Jahr 1991 zurück. Erst 1997 erreichte es mit 3,7 Prozent wieder die Wachstumsrate von 1989.
Vor 30 Jahren senkte die US-Notenbank die Zinsen
Als der Irak in Kuwait einmarschierte, stand die US-Notenbank vor einem Dilemma: entweder die Inflation bekämpfen – die 1990 bei 6,1 Prozent lag, und damit 1,5 Prozentpunkte mehr betrug als 1989 – oder eine drohende Rezession verhindern. Sie entschied sich für eine Senkung des Leitzinses.
Als die von den USA angeführten Streitkräfte am 17. Januar 1991 in den Krieg gegen den Irak zogen, hatte die Fed die kurzfristigen Zinsen bereits sechsmal gesenkt, und zwar von 8,25 Prozent auf 6,75 Prozent.
Sechs Wochen nach Beginn des Krieges, als es zum Waffenstillstand kam, machten die Aktienindizes die zuvor erlittenen Verluste wieder wett – bevor der Krieg für beendet erklärt wurde. Die Rohölpreise fielen bis April wieder auf das Vorkriegsniveau zurück.
Als Folge der achtmonatigen Rezession, die im Juli 1990 begann, senkte die Fed die Zinsen weiter. Damals hatte die US-Notenbank den notwendigen Spielraum – der Leitzins hatte ja anfänglich bei 8,5 Prozent gelegen. Heute kann die Fed das nicht mehr in gleichem Ausmass tun, weil die kurzfristigen Zinssätze bereits nahe 0 sind.
Unsere Meinung war, dass die Fed dieses Mal die Zinsen anheben wird, weil die Inflationserwartung (bis Ende Februar) markant auf 7,5 Prozent gestiegen war und noch weiter steigen könnte. Die Energiepreise klettern in die Höhe und die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts belasten die Weltwirtschaft.
Ende der Friedensdividende?
Die entscheidende Frage ist nun, wie es für den Rest des Jahres weitergeht. Die Märkte waren wie wir der Meinung, dass eine Reihe von Zinserhöhungen erforderlich sein würden, um die Inflation wieder unter Kontrolle zu bringen. Wir dachten, dass sich die kurzfristigen Realzinsen angesichts des Ausmasses des Inflationsschocks in den positiven Bereich bewegen müssten.
Der Russland-Ukraine-Konflikt hat diese Debatte neu entfacht. Wenn man sich aber an das Verhalten in den Jahren 1989 bis 1991 zurückbesinnt, dann könnte es durchaus sein, dass die Fed die Zinsen nur marginal erhöhen wird.
Es sei daran erinnert, dass die Jahre 1989 bis 1991 aus einer Reihe anderer Gründe von zentraler Bedeutung für die Weltgeschichte waren: Es war die Zeit des Berliner Mauerfalls und der deutschen Wiedervereinigung. Die Sowjetunion löste sich auf, ebenso der Warschauer Pakt. Dies als direkte Folge der Volksaufstände der «samtenen» Revolutionen in Osteuropa (Polen, Ungarn, Tschechoslowakei und so weiter).
Geopolitisch gesehen begann 1990 eine intensive Phase der Globalisierung – und die Staatshaushalte profitierten von der Friedensdividende, da die Senkung der Rüstungs- und Verteidigungsausgaben als Folge der Abrüstungsverträge nach Ende des Kalten Krieges diese entlastete. Das Jahr 2022 könnte nun das Ende dieser Friedensdividende einläuten.