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Unter einer Patrone versteht man das Zeichnen von Bindungen. Die vollständige Patrone gibt ein Bild der vier wesentlichen Entstehungsfaktoren eines Gewebes:
Die Standarttrittfolge für die Leinwandbindung ist:
|Schaft 1 am Pedal 1|
|Schaft 2 am Pedal 2|
Eine Standarttrittfolge für Köper ist:
|Schaft 1 & 2 am Pedal 1|
|Schaft 2 & 3 am Pedal 2|
|Schaft 3 & 4 am Pedal 3|
|Schaft 4 & 1 am Pedal 4|
Jedes Quaderat in einer Patrone stellt eine Litze dar "oberstes Diagramm" Rechts oben ist angezeigt, welche Schäfte miteinander gehoben werden sollen, und rechts auf der Seite befindet sich die Angabe der Trittfolge.
Mit 2 Schäften kann man also einfach eine Leinwandbindung weben. Ein Schaft ist oben, und der andere unten, und danach umgekehrt. Natürlich kann man von Hand Muster 'einlesen', d.H. , man zählt die Kette ab und schiebt einen Einlesestab hinter den Schäften ein, womit sich dann z.B. jeder dritte oder fünfte oder achte Kettfaden heben lässt. Es ist etwas Zeitraubend. Die Naturvölker haben so Wunderschöne Muster angefertigt.
Download der WIF Datei für den oben beschriebenen Entwurf.
Sobald wir anfangen, mit zwei oder mehr Farben , auch in der Kette, zu arbeiten, wird das 2 Schaft Weben viel interessanter. Auf dem Bild unten sehen sie verschiedene 2-Farbige Einzüge . Das Gewebe wird also ganz unterschiedlich aussehen, auch wenn es sich um eine einfache Leinwandbindung handelt. Sie können immer abwechselnd 1Kettfaden hell und eine dunkel, oder zwei Kettföden hell und einer dunkel, oder zwei hell und zwei dunkel, u.s.w. In Ergänzung mit dem Schussfaden, jetzt mal in den gleichen Farben wie die Kettfäden, in der gleichen Rhythmik wie die Kette, entstehen so ganz andere Erscheinungsbilder.
Die beiden Einzüge unten sind speziell interessant. Sie heissen Log cabin.
Es zeigen sich nämlich diagonale und horizontale Streifen, auf nur 2 Schäften ! Er entsteht durch den Farbwechsel, indem man beim Streifenwechsel von quer zu hoch zwei mal nacheinander die gleiche Farbe beibehält, und umgekehrt das Selbe.Die Schussfäden müssen der Kette entsprechen. Sie können diesen Einzug zweifarbig machen, mit z.B. Verschieden langen Streifen. Also z,B fangen sie mit 13 Fäden diagonal und 13 Fäden horizontal, danach mit 8 Fäden diagonal und 8 Fäden horizontal, danach 5 Fäden diagonal und 5 horizontal, danach 3diagonal und 3 horizontal, aber fünf mal wiederholt, und danach wieder zurück. Es gibt viele Farblehren und Regeln dazu. Eine davon sagt, maximal drei verschiedene Farben mit drei Abstufungen zu gebrauchen.....
nachfolgend einige Muster aus dem ''die farbige Gewebemusterung von Franz Donat, 1907 '' zum Thema Log cabin, die sehr interessant sind. Durch die Abwandlungen beim Einzug einer zweifarbigen Kette entstehen ganz andere Tiefenwirkungen.
Wird bei einem zweifarbigen gestreiften Einzug die entsprechende Farbe genauso so hoch gewebt wie sie breit ist, entsteht ein Quaderat.
Solche Blöcke ergeben dann Schachbrett-Muster. Allerdings ist es der Flottierung halber schwierig, mit 2 Schäften solche Muster zu machen. Das Bild unten hat eine Flottierung von 8 Fäden. Wenn man die Regel beachtet, nicht mehr als 1/3 der Fäden pro cm Flottieren zu lassen, müsste man sich eine Kette von 24 Fäden pro cm vorstellen, was dann etwa einem Seidenfaden von 60/2 pro Litze entspricht.
|Deutsch||Français||English|
|Leinwand||Toile||Plain|
|Köper||Sergé||Twill|
|Atlas||Satin||Satin|
|Waffel||Gaufré||Honeycomb|
|Diagonal||Diagonale||Diagonal|
|Krepp||Crèpe||Crape|
|Pedaltrittfolge||attachage||Tie-Up|
|Schaft||cadre||Harness|
|Kette||chaîne||warp|
|Schuss||duite||weft|
|Faden||fils||thread|
|Leinwandzwischenschuss||liaison||Tabby|
|Webstuhl||Métier||Loom|
|Webschiffchen||navette||shuttle|
|Pedale||pédales||threadles|
|Webblatt||peigne||reed|
Mit einem 2 Schaft Webstuhl kann man mehrere verschiedene Muster machen, je nach Einzug und Pedaltrittfolge, mit einem 4 Schaft wird es interessanter, und mit einem 8 Schaftstuhl quasi unbegrenzt. Es ist jedoch sehr nützlich, bei einem 2 Schaft - Webstuhl 4 Pedale zur Verfügung zu haben, bei einem 4 Schaftstuhl 6 Pedale, bei 6 Schäften 8 Pedale, u.s.w.. Es gibt grundsätzlich drei Arten Techniken: -Leinwandbindung -Köperbindungen -Atlasbindung (ungerade Schaftzahl) Zusätzlich zur Vielfaltigkeit der entsprechenden verwendeten Technik bekommt man mit der Farbgebung eine grosse Spielfläche. Hier folgt ein Sampler, der zeigt, was für Möglichkeiten man hat, indem man den Entwurf farbig gestaltet :
Ripsverbindungen sind von der Leinwandbindung abgeleitet, und lässt sich mit 2 Schäften weben. Rips unterscheidet sich zur leinwandbindung durch seine Stärke, wodurch er auch für Möbelstoffe verwendet werden kann.
Beim Kettrips
sieht man nur die Kette. Dazu werden die Kettfäden sehr dicht in den Rechen gestochen. Damit die Litzen nicht zu nahe beieinander stehen, ist es beim Kettrips besser, mit 4 Schäften zu arbeiten. Wenn man abwechslungsweise einen dicken und einen dünnen Schussfaden gebraucht, wird der Effekt der Kette noch verstärkt.
Eine zwei-oder mehrfarbige Kette erlaubt geometrische Muster. Der Farbwechsel im Schuss erfordert das Weben von zwei Reihen mit feinem Garn. Der Schussrips erfordert genügend Abstand zwischen den einzelnen Zähnen beim Rechen, also nicht so dicht gestochen.
Der Schuss wird in einem Bogen geschossen, damit so mehr Faden vorhanden ist und die Kette überdeckt. Wenn man mit 4 Schäften arbeitet, kann man die Leinwandbindung als Zwischenschuss gebrauchen, was das Gewebe sehr stabil macht.
Download Verschiedene Muster. 3 Schaft
Mit dem webrahmen mit zwei Gatterkämmen sind also Muster möglich
Es werden die Schäfte 1 & 2, 2 & 3, 3 & 4 und 4 & 1 nacheinander getreten. Der Steigungswinkel ist durch das Material und den Schussfaden beeinflusst. Bei gleicher Anzahl Schuss- wie Kettfäden pro cm. , erhalten wir 45°. Bei dünnerem Schuss wird der Winkel flacher und bei dickerem Schussgarn wird der Winkel steiler.
Durch Veränderung der Trittfolgen erhalten wir dann andere Erscheinungsbilder. Tritte vor und zurück getreten oder in Gruppen aufgeteilt sehen dann ganz anders aus.
Haben wir einen Webstuhl mit 4 Schäften und 6 Pedalen, können wir zusätzlich die Leinwandbindung mit dem Tritt 5 mit Schaft 1 & 3, sowie an den Tritt 6 mit Schaft 2 & 4 die Muster verändern. Man kann z.B. nach jedem Köperschuss einen Leinwandschuss, oder Partienweise , abwechseln, u.s.w.
Wechselt die Einzugsrichtung von rechts nach links, nennt sich das Spitzköper.
Man kann wieder die verschiedenen Trittfolgen abändern, kann Leinwandzwischenschüsse machen, unterschiedliche farbige Einzüge, andersfarbige Schüsse, andersfarbige Leinwandzwischenschüsse oder unterschiedliche Garnstärken von Köperschuss und Leinwandschuss machen.
Das Erscheinungsbild wird immer anders aussehen.
In dieser Form kann man auch den Einzug variieren.
Es gibt Bindungen, die einen Leinwandzwischenschuss zur Stabilität brauchen.
Wenn man beim Einzug in den Schäften 1-4 einen Schaft überspringt, entsteht ein deutlicher Bruch im Gewebebild. Dieser Einzug wird gebrochener Einzug genannt.
Kett und Schussköper kombiniert ist auch möglich.
Diese Einzüge ergeben schöne grossflächige Gewebe.
Mit gebrochenen Köpereinzügen ist es nicht möglich, eine reine Leinwandbindung zu weben.
Wird beim Spitzeinzug nicht gerade durch und wieder zurück in die Litzen eingezogen, sondern auf einzelnen Schäften ein- oder mehrfach vor und zurück, ist das ein figurierter Spitzeinzug.
Halbdrell ist eine Bindungsart, die auf einem figurierten Spitzeinzug basiert, als solcher aber nicht mehr erkennbar ist. Mit Köper hat die Bindung nichts mehr gemeinsam.Der Effekt kommt vom Musterschuss,der an der Oberseite flottiert und nach unten verschwindet. Um dem Gewebe Stabilität zu geben, muss jeweils ein Leinwandzwischenschuss eingefügt werden. Man erhält so 4 verschiedene Musterflächen.
Die Flottierungen können lang oder kurz sein
Sie können über die ganze Gewebebreite oder über einzelne Rapporte laufen. Ein Einzug nur auf Schaftpaar 1 & 2 und 3 & 4 ergeben zwei Musterflächen , einen einfachen Block-Halbdrell, der keinen Zwischenschuss benötigt. Damit in der Abbindung keine Fehler entstehen, muss beim Entwerfen der Einzugs von einem geradezahligen zu einem ungeradzahligen Schaft, und umgekehrt, wechseln. Bei Gebrauchsgeweben wie Handtücher oder Kleiderstoffen sollte die Flottierung nicht länger als 1/3 der Kettfäden pro cm. sein.
Jeder Musterschuss kann so oft wiederholt werden, bis das gewünschte Bild erreicht wird, also z.B. Ein Quaderat entsteht. Bei gezieltem Wechsel einzelner Musterschüsse bis zur vielfachen Wiederholung derselben, können runde Formen gewebt werden. Der Musterfaden kann dicker als der Zwischenschuss, oder mehrfädig, oder andersfarbig, sein.
Wir können die Pedalfolgen um- und abändern, aber die Kürze der Diagonalen bleibt. Die alten Weber/innen haben sich deshalb auf die Breite eines Musters konzentriert. Es gibt sehr schöne Stoffe, sogenannte Coverletts , die auf 4 Schaft Tischwebstühlen gemacht worden sind.
Blockeinzüge können als Würfelmuster oder aus verschiedenen Partien entstehen. Würfelmuster nennt man auch Profilentwurf. Zwei Quaderate mit zwei unterschiedlichen Farben können auf zwei Schäften hergestellt werden, allerdings ist hier die Flottierung genau so lang wie der Block. Mit vier Schäften hat man zwei mal zwei Schaftpaare in Leinwandbindung. Z.B. Schaft 1 und zwei als Block eins mit Pedal eins und zwei , Block zwei mit Schaft drei und vier und Pedal drei und vier zusammen.
Durch den Einzug von zwei verschiedenen Farben in der Kette ergeben sich so schöne geometrische Muster.
Profilentwürfe haben als Grundlage sowohl im Einzug wie in der Trittfolge Blocksequenzen. Was für ein Erscheinungsbild entsteht hängt von der Schaftverschnürung ab. Unterschiedliche Schaftbindungen ergeben ganz andere Profile.
Hier ein Beispiel , sehr klassisch, als ''Wheel of fortune'', nach Mary Atwater, Shuttlecraftbook, 1928
Download der WIF Datei für den oben beschriebenen Entwurf.
Diese Muster sind so konstruiert, dass man einen bestimmten Pedaltritt über längere Zeit beibehält, dass heisst, dass man z.B. 10 mal nacheinander Pedal 1 und 2 benützt. Das heisst aber auch, dass wir über einen längeren Musterabschnitt keine Abbindung der Fäden haben. Man nennt dies die Flottierung. Die Flottierfäden sollten 30% von einem cm. nicht überschreiten. Deshalb muss man bei diesen Gewebearten einen Leinwandzwischenschuss, das sogenannte Tabby, nach jedem Musterschuss , machen . Sie müssen also nach jedem Musterschuss das Pedal los lassen und je nach Verschnürung mit Pedal 1 und 3, sowie 2 und 4, abwechslungsweise, den Leinwandschuss werfen. Das Garn für den Leinwandschuss sollte sehr dünn sein, und die Farbe spielt nicht so sehr eine Rolle, da dieser Zwischenschuss nicht sichtbar ist und nur zur Stabilisierung des Gewebes dient. Es ist deshalb sehr praktisch, einen Webstuhl mit 4 Schäften und 6 Pedalen zu haben. Grössere Webstühle haben das eigentlich Standartmässig. Falls sie nur 4 Pedale haben,können sie probieren, noch 2 zusätzliche Pedale anzubringen, das ist nicht so kompliziert.
Das Weben mit mehr Schäften bleibt sich gleich wie das Weben mit 4 Schäften und sollte gemäss den Techniken aus den Beispielen vom 4-Schaftweben entwickelt werden können. Ich zeige deshalb einfach einige Patronen und Stoffe, die zur Anregung dienen können.... diese Seiten werden noch ausgebaut werden...
Download Wif
Einige Einzüge als Köper :
Eine zweifarbige Kette, Gruppe1 leinwandbildung, Gruppe 2 Köper
Einige Muster von Donat:
hier noch ein Entwurf von Mary Atwater nach einem Stoff von J.Landes