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Wer gelegentlich Star Trek gesehen hat, kennt einen von Captain Picards Lieblingssprüchen: „Tee, Earl Grey, heiss“ – und kurz darauf materialisiert sich in seinem „Replikator“ eine trinkfertige Tasse… Wie einfach wäre es doch, wenn wir alles, was wir brauchen, in kürzester Zeit selber herstellen könnten!
Genau dieser Gedanke steckt hinter dem „Personal Fabricator“ (PF). Analog zum „Personal Computer“ (PC) soll er uns ermöglichen, unsere Umwelt zu gestalten – doch diesmal sollen damit nicht virtuelle, sondern die reale Objekte erstellt werden. Eine Maschine also, die aus einfachen Grundstoffen alles herstellen kann, was wir im Alltag brauchen: von Tellern und LED-Leuchten über einfache Ersatzteile für Haushaltsgeräte bis zum komplexen MP3-Player. Anstatt Geräte würden wir (vermutlich übers Internet) Bauanleitungen für unseren PF kaufen und sie danach selber herstellen. Nicht möglich? Zu komplex?
Als die ersten Computer entstanden, schätzte man den weltweiten Markt für solche Geräte auf „ungefähr fünf“. Heute sind weltweit Millionen von Computern in Betrieb, aus unserem Alltag sind sie nicht mehr wegzudenken. Wie kam es denn zu einer solchen Fehleinschätzung? Die ersten Computer waren riesig, standen deshalb in gesonderten, klimatisierten Räumen, frassen gewaltige Mengen von Energie, mussten von Spezialisten bedient werden und waren einzeln für spezifische Zwecke, für einen bestimmten Markt, geschaffen worden. Der Vergleich zur heutigen Industrieproduktion von Waren drängt sich auf: auch hier sind die Maschinen riesig, stehen in speziellen Räumen, brauchen grosse Mengen von Energie, müssen von Spezialisten bedient werden… und, natürlich, sie sind nur für den Bau eines einzigen Typs Bauteil gebaut worden. Lässt sich die industrielle Produktion vielleicht genauso dezentralisieren und demokratisieren, wie es im Computermarkt längst Realität ist?
Jeder industrielle Betrieb müsste bei dieser Vorstellung aufschreien: Wenn es eine Maschine gibt, die alle anderen Maschinen herstellen kann: wer braucht dann noch die Industrie? Tatsächlich würde die weite Verbreitung von PFs für viele Industriebetriebe wohl das Ende bedeuten. Nur noch für einzelne, spezialisierte Industrieanwendungen, für die es nur einen sehr kleinen Markt gibt (etwa den Bau von Atomreaktoren) gäbe es noch „Platz“. Anderseits bringt jede industrielle Revolution auch neue Betriebe hervor. Anstatt Maschinen zu bauen, würden sich Firmen darauf konzentrieren, Maschinen zu entwerfen und ihre Kompatibilität mit den verschiedenen PF-Typen weltweit zu testen. Andere Firmen würden mit Bauplänen handeln, wieder andere Spezialerweiterungen für PFs anbieten oder mit besser ausgestatteten PFs Gegenstände herstellen, für die es sich nicht lohnt, den eigenen PF dafür „aufzurüsten“. Eine ganz andere, neue „Industrie“ würde entstehen.
Mehrere Experten haben darauf hingewiesen, dass jeder PF auch mit einem „Personal Defabricator“ ausgestattet sein sollte: einem Gerät, das einem erlaubt, ein einmal mit dem PF erstelltes Objekt auch wieder zu zerstören und in seine Bestandteile zu zerlegen. Nur so, meinen die Experten, könne sichergestellt werden, dass wir unsere Alltag nicht mit unzähligen unnützen Gegenständen zumüllen.
Wie soll denn nun ein solcher PF funktionieren? Zunächst einmal soll er in der Lage sein, aus Rohmaterial Bauteile in exakt benötigter Grösse zu sägen, schleifen, durchbohren, schneiden, ätzen, beschichten, färben… was auch immer gerade benötigt wird. Ein anderer Teil des PFs soll in der Lage sein, einfache Computerchips und andere elektronische Bauteile herzustellen, um damit die Steuerung des zu bauenden Geräts zu ermöglichen.
Der Maker – das PF-Analog des PC-Users – würde dann mit dem PF alle benötigten Bauteile herstellen und dann mit Hilfe eines Bauplanes, den er aus dem Internet herunter geladen und ausgedruckt hat, und allenfalls mit Hilfe von Spezialwerkzeugen, die sein PF hergestellt hat, die selbst hergestellten Teile zum fertigen Produkt zusammenbauen. Dieses Produkt würde also nur die benötigten Rohmaterialien (die ihrerseits bereits etwas verarbeitet sein könnten) und den Bauplan kosten. Auf diese kostengünstige Weise liessen sich überall alle jeweils benötigten Geräte herstellen.
Die Forschungsgruppe am MIT (Massachussets Institute of Technology), die sich mit Personal Fabricators auseinander setzt, hat bereits sechs Geräte, die der besten derzeit möglichen Realisation eines PFs nahe kommen, in Ländern der dritten Welt im Einsatz: dort stellen sie Solarzellen, Solaröfen, LED-Leuchten, Trinkwasserfilter und andere einfache Gegenstände her. Bereits wurden mobile PFs angedacht, die durch die Sahara kriechen und fortlaufend Solarzellen aus Sand produzieren…
Doch wie jede Technologie hat auch diese ihre Schattenseiten: natürlich lassen sich mit einem PF auch Waffen und Munition in beliebigen Mengen herstellen, wenn erst einmal die Rohstoffe dafür vorhanden sind. „Waffenschmuggel“ würde sich in Form eines „Bauplanschmuggels“ ins Internet verlagern – eine Gruppe, die erst einmal im Besitz eines Waffenbauplans ist, könnte diesen unzählige Male anwenden und, bei genügenden Ressourcen, beliebig viele Waffen dieses Typs herstellen. Die Kontrolle von Produkteströmen würde sich auf die Kontrolle von Rohstoffströmen verlagern – und damit bestimmt nicht einfacher werden. Denn wenn sogar fertige Bauteile einen „Dual Use“ (zweiartige Verwendung) haben können, wie wir aus der Zeit vor dem dritten Golf-Krieg wissen, dann haben Elemente und Rohstoffe hundertfache Verwendungsmöglichkeiten. Die Verhinderung einzelner davon wäre ungleich schwieriger.
PFs könnten auch als Raumsonden zu anderen Planeten fliegen und dann dort vor Ort die notwendige Hardware zur Untersuchung der Umgebung anfertigen. Je nach Bedürfnis, je nach Forschungsergebnissen könnten dann unterschiedliche spezialisierte Messgeräte vor Ort hergestellt werden. PFs könnten interstellare Distanzen überwinden und, einmal am Zielstern angekommen, aus Asteroidenmaterial weitere Raumsonden und Kommunikationseinrichtungen aufbauen. Schliesslich könnten sie Kopien ihrer selbst anfertigen, die sie dann zu den jeweils benachbarten Sternen schicken, wo das ganze wieder von Vorn beginnt. Die ganze Galaxis liesse sich so in wenigen Jahrmillionen erforschen.
Doch zur Zeit liegt die ausgereifte Technologie noch in weiter Ferne. Wir haben also noch etwas Zeit, und auf ihre positiven und negativen Folgen vorzubereiten. Und wer weiss, ob wir dann nicht eines Tages doch in einem selbstgebauten Raumschiff sitzen, gemütlich eine Zeitung aus dem selbstgebauten Drucker lesen, uns zu unserem Personal Fabricator umdrehen und sagen: „Tee, Earl Grey, heiss!“