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In der Schweiz werden seit Jahren keine neuen Fahrzeuge mehr produziert. Die Neuwagen gelangen über die offiziellen Importeure oder via Direktimport in die Schweiz. Jährlich werden rund 300‘000 Personenwagen, 25‘000 leichte und 4'000 schwere Nutzfahrzeuge neu verkauft. Die offiziellen Importeure sind im Verband auto-schweiz zusammengeschlossen.
Neufahrzeuge müssen heute in Europa und der Schweiz zu 95 Prozent verwertbar sein. Die Konstruktion und Produktion eines derart komplexen Konsumgutes ist eine grosse Herausforderung. – ebenso dessen Recycling. Heute werden Fahrzeuge als rollende Rohstofflager betrachtet.
Die Metallschrotte sind wertvolle Sekundärrohstoffe, aus denen die Stahlwerke und Schmelzwerke wieder die Ausgangsmaterialien für neue Produkte liefern. In der Schweiz produzieren die beiden Stahlwerke Stahl Gerlafingen und Swiss Steel zusammen rund 1,2 Millionen Tonnen Stahl hauptsächlich aus Eisenschrott.
Fahrzeuge haben seit Jahrzehnten einen Metallanteil von 75 Prozent. Nur hat Stahl prozentual gegenüber Leichtmetallen abgenommen. Aluminium hat heute einen Anteil von 5 bis 10 Prozent.
Eisenschrott und Aluminium können zu fast hundert Prozent wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Die jährliche Verschrottung von 100'000 Fahrzeugen führen gegenüber der Primärproduktion zu folgenden Einsparungen:
- 100'000 Tonnen Eisenerz
- 30'000 Tonnen Bauxit
- 300'000 MWh Strom
- 65'000 Tonnen CO2
Grosse Hammermühlen (Shredder) mit bis zu 2 Metern Durchmesser sowie Antriebsleistungen von 800 bis 3'000 PS zerhacken eine Fahrzeugkarosse in wenigen Sekunden in faustgrosse Stücke. Der Anteil Altfahrzeuge am Gesamtinput beträgt nur 20 bis 30 Prozent. Die Shredderwerke verarbeiten bei Weitem nicht nur Fahrzeuge, sondern auch andere, metallhaltige Abfälle. Dazu gehören die Altmetallsammlungen, die sogenannte weisse Ware (Waschmaschinen, Kochherde), Produktionsabfälle und andere Altmetalle, die vor dem Einschmelzen zerkleinert werden müssen.
Das Shredderwerk gewinnt Eisen und Stahl, sogenannter Shredderschrott, sowie Nichteisenmetalle wie Aluminium und Kupfer zurück und verkauft diese wertvollen Sekundärrohstoffe an Stahlwerke und Giessereien.
Als Abfall bleiben die nichtmetallischen Rückstände übrig: Shredderschwerfraktion (Gummi, Kunststoffe) und Shredderleichtfraktion (auch RESH genannt). RESH ist laut der Verordnung über den Verkehr mit Abfällen ein Sonderabfall mit dem Code 19 10 03. Von rund 80'000 bis 100'000 Tonnen Autoschrott bleiben in den schweizerischen Shredderwerken jährlich etwa 20'000 Tonnen Auto-RESH zurück. Das sind rund 20 Prozent des Fahrzeuggewichts. Die jährliche RESH-Menge beträgt 50'000 bis 60'000 Tonnen. RESH besteht hauptsächlich aus Kunststoffen (60%), Glas/Sand (15%), Textilien/Leder/Holz (10%) sowie Lackstaub/Rost (10%) und Metallen (5%).
Nachdem das Auto im Durchschnitt über 16 Jahre intensiv genutzt wurde und nun wirtschaftlich nicht mehr rentabel ist, wird es von spezialisierten Autoverwertern aufbereitet, dies bedeutet trocken gelegt und von noch brauchbaren Teilen befreit. Reifen, Batterien, Öle und Flüssigkeiten werden verwertet. Brauchbare Teile, die auch in Zukunft noch genutzt werden können, werden geprüft und kommen als Ersatzteile in den Verkauf. Interessenten können diese direkt beim Verwerter erwerben. Die meisten Autoverwerter bewirtschaften grosse Lager und verkaufen Teile auch via Internet.
In der Schweiz werden jährlich rund 100‘000 Altfahrzeuge und Unfallwagen verwertet. Die Vorbehandlung ist für die anschliessende Behandlung im Shredderwerk notwendig. Für einen effizienteren Transport werden die ausgeschlachteten Karossen flach gepresst. Die von früher bekannten Schrottpakete gibt es nicht mehr.
Neue Personenwagen sind aus über 10‘000 Teilen zusammengebaut. Dabei kommen sehr unterschiedliche Materialien in vielfältiger Zusammensetzung zur Anwendung. Die Materialwahl hängt von verschiedenen Kriterien wie der Erfüllung von technischen, physikalischen und chemischen Eigenschaften, dem Gewicht, den Kosten und dem Design ab.
Vielfach stellt der Autokauf nach dem Wohnen den zweithöchsten Ausgabenposten eines Haushaltes dar. Für viele sind der Kauf und der Besitz eines eigenen Fahrzeugs mit Emotionen verbunden. Der Wagen wird gepflegt und gewartet. Der Unterhalt und die Wartung verursachen Abfälle, die heute zum grössten Teil verwertet werden. Von der ganzen Energie, die für die Materialbereitstellung, die Produktion, den Betrieb und die Entsorgung aufgewendet wird, entfällt bis zu 80 Prozent auf die Betriebsphase (Treibstoff, Wartung, Ersatzteile).
Das Schweizer Autogewerbe umfasst 5'200 Garagenbetriebe. Davon sind 4'000 im Autogewerbeverband der Schweiz AGVS mit rund 37‘500 Mitarbeitenden organisiert. Der Autohandel weist über 800‘000 Handänderungen, also Besitzerwechsel von Occasionsfahrzeugen aus. Die gesamte schweizerische Automobilbranche setzte im Jahre 2014 rund 90 Milliarden Franken um.