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Wir fahren mit Japan Rail in die mit Tokio zusammengebaute Hafenstadt Yokohama. Ziel ist das Pressemuseum, in dem die 100-jährige Fotojournalistin Tsuneko Sasamoto Bilder aus ihrem langen Journalistinnenleben zeigt (Vgl. Tokyo Art Beat, Bilder: PD).
Die Ausstellung ist für mich auch historisch interessant, weil sie einen guten Einblick in das Leben der „Celebrities“ vor und nach dem zweiten Weltkrieg und Einblicke in das Leben unter der amerikanischen Besatzung gibt. Mir war z.B. die grosse Zahl japanischer Kriegsgefangener bzw. unmittellbar nach dem Krieg in den von Japan besetzten Gebieten Gefangenen wenig bewusst. Nae erinnert sich noch an ehemalige Soldaten, die mehr als 10 Jahre nach Kriegsende aus sowjetischer Gefangenenschaft heimkehren konnten – sehr viele überlebten die Gefangenenlager allerdings nicht. (vgl. Wikipedia engl. Gefangene westlicher Alliierter, Gefangene der Sowjetunion)
Nach der Fotoausstellung sehen wir uns auch die Geschichte der japanischen Presse an. Mir kommen dabei meine ersten Japaneindrücke wieder in den Sinn: Ein Silvabuch über Japan, das schon anfangs der 1960-er Jahre in unserem Büchergestell stand und dann später Bücher, in denen Japan im Zusammenhang mit der Olympiade in Tokio 1964 vorgestellt wurde. Ein schönes Buch aus Reispapier und Bilder der ersten Shinkansen-Züge sind mir in Erinnerung geblieben. Japan konnte sich mit dieser Olympiade und später der Weltausstellung 1970 in Osaka (wegen des Schweizer Pavillons wurde damals auch in der Schweiz viel darüber berichtet) und der Winterolympiade in Sapporo 1972 (Erinnerungsband „Schweizer siegten in Sapporo“) als Wirtschaftsmacht und friedliches Land neu positionieren. (Bilder ebay und Wikimedia).
Auf dem Weg zum Hafen und ins Chinatown kommen wir an einem riesigen Haus, fast einem Palast mit der Aufschrift „Happy Science“ vorbei. Mir gefällt die Vorstellung einer fröhlichen Wissenschaft; Nae klärt mich aber darüber auf, dass es sich hier um eine neue Religion mit grossem Zulauf handelt. (Vgl. Wikipedia engl zu Happy Science und zu den neuen Religionen in Japan. Zu den Religionen in Japan allgemein: Uni Wien. Zu Shinto: Kokagakuin). Auch Religionen wie die Zeugen Jehovas haben in Japan einigen Zulauf.
Die Hikawa Maru, die zwischen 1930 und dem zweiten Weltkrieg zwischen Yokohama und Seattle verkehrte, dann als Spitalschiff und Repatriierungsschiff eingesetzt wurde und bis 1961 wieder auf der Pazifikroute fuhr, ist unterdessen in Yokohama fest verankert und eines der Wahrzeichen der Stadt. Ein anderes ist Chinatown, in dem immer noch viele Chinesinnen und Chinesen leben. Wir haben dort in einem Amusementcenter viel Spass, als wir eine Anregung von Naes Tochter aufnehmen und versuchen, in einer riesigen Kabine, Fotos von uns vor Zeitschriftencovers aufzunehmen. Aber bis wir alten Leute gemerkt haben, wo und wie wir als nächstes hin stehen sollen, hat es schon lange wieder geblitzt…