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„Your brother and sister have learned what they can from this world. Now it’s time for them to live in their own.“
Nachdem grossen Erfolg des ersten Films lag es auf der Hand, dass noch weitere Bücher der Reihe aus der Feder von C.S. Lewis verfilmt würden, doch es wäre ein zu grosses Risiko gewesen, wenn man gleich grünes Licht für sieben Verfilmungen gegeben hätte, weshalb man erst einmal zwei Fortsetzungen ansetzte, bzw. im Falle eines Totalversagens des zweiten Films an den Kinokassen, es wohl bei zwei Filmen belassen hätte. Wobei hier Aslan sagen wohl würde: „Man weiss nie, was gewesen wäre“. Um der Schreibfolge der Bücher zu folgen, war also diesmal Prince Caspian am Zug, wobei man es hier mit einem der weniger beliebten Büchern der Reihe zu tun hatte, das auch mir persönlich nicht wirklich gefiel. Dennoch reichte es zu mehr als 400 Millionen, wodurch auch ein dritter Teil, momentan in den Kinos, in Auftrag gegeben werden konnte.
Die Pevensie-Kinder werden nach Narnia zurückgerufen, und sehen, dass sich die Welt in der sie nur ein Jahr zuvor Könige waren, seit ihrer Abwesenheit stark verändert hat. Denn da die Zeit in Narnia schneller vergeht, als in der „echten“ Welt, sind seit ihrer Rückkehr in selbiger über 1000 Jahre vergangen. In dieser Zeit haben die Telmarer, ein Volk eines benachbarten Landes, Narnia eingenommen und die Narnianen vertrieben. Im Glauben, alle Narnianen ausgerottet zu haben, regiert nun der Thronräuber Lord Miraz über Narnia. Sein Neffe Kaspian der X., Sohn des eigentlichen, jedoch von Miraz ermordeten Königs, lebt bei diesem, bis Miraz‘ Frau einen Sohn gebärt, und Kaspian zur Sicherung der Thronfolge nicht mehr benötigt wird. Auf seiner Flucht aus Miraz‘ Hof bläst er das von Susan vergessene Horn, wodurch die Kinder nach Narnia zurückgerufen wurden. Gemeinsam mit ihnen und einigen totgeglaubten Narnianen stellt sich Kaspian seinem Onkel gegenüber…
Wie bereits gesagt, erachte ich den zweiten Band der Reihe als eher langweilig. Dies liegt vorallem daran, dass die Hauptstory des Buches sich um die Schlacht bei Aslan’s Haug dreht. Daneben wird zwar auch noch Kaspians Geschichte sowie die der Telmarer behandelt, und wie sich die Pevensies im Narnia 1300 Jahre nach ihrer Zeit zurechtfinden. Diese drei Storylines füllen jedoch eher schlecht als recht einen Kinofilm, weshalb es verständlich und völlig vertretbar ist, dass man diese doch stark umgeschrieben hat. Leider ist die Umsetzung ein ziemlicher Bärendienst am Film als Ganzes, der dadurch sehr holprig wirkt und wodurch auch der Zuschauer lange, zu lange im Dunkeln gelassen wird. Wer ist jetzt genau dieser Miraz, und warum ist er König? Und warum ist Cair Paravel so zerstört? Diese und zahlreiche anderen Fragen klärt der Film nicht, oder viel zu spät, wenn es der Zuschauer ohnehin schon leid ist, auf eine Antwort zu warten.
Auch im Film dreht sich ein Grossteil der Story um die Schlacht bei Aslan’s Haug, doch die Drehbuchautoren haben dem Plot, im Gegensatz zu jenem des Vorgängerfilms, einige neue Sachen hinzugefügt, wie beispielsweise der Angriff der Narnianen auf das Schloss der Telmarer, der im Buch nur in Erwägung gezogen wird. Leider ist es, wie oft, so, dass, wenn man einer Buchverfilmung neue Elemente hinzufügt, diese nicht wirklich dem Feeling der anderen, aus dem Buch übernommenen Passagen, entsprechen. So stehen beispielsweise die Charaktere, wie auch die Story nach dieser Attacke auf das Schloss am selben Punkt wie davor, und man fragt sich, was diese zehn Minuten dem Film nun gebracht haben. Oder auch, die Art und Weise, wie die Narnianen gegen die Telmarer kämpfen, indem sie die Säulen des Bodens zum Einstürzen bringen, ist eher unglaubwürdig und passt nicht zu Lewis‘ Bild von Narnia.
Neben einigen Änderungen am Plot wurden auch den Protagonisten neue Charaktereigenschaften zugeschrieben, gerade bei Peter ist das stellenweise bereits wieder im Bereich des Ärgerlichen. So wird er im Film geradewegs als prügelndes Arschloch ohne Nerven oder Rückgrat gezeigt, was überhaupt nicht dem Bild des Buches entspricht. William Moseley spielt diesen Peter jedoch nichtsdestotrotz sehr authentisch und leidenschaftlich. Ihm Gegenüber steht Ben Barnes als Prinz Kaspian, mit dem Peter von der ersten Begegnung an eine Hassliebe und ein Konkurrenzdenken (auch nicht dem Buch entsprechend) verbindet. Zwischen Kaspian und Susan muss es darüberhinaus Hollywood-typisch, und man kann es sich denken, nicht wie im Buch, funken, doch mehr als ein Kuss ist da auch nicht.
Georgie Henley erhält sinnbildlich für die verbleibenden drei Geschwister sehr wenig zu tun, doch bei ihr ist es am ehesten schade, wenn man ihr grossartiges Spiel im Vorgängerfilm ansieht. Herauszuheben sind auch Peter Dinklage als zweifelnder, aber treuer Zwerg Trumpkin, sowie, wenn auch nur in gesprochener Form Eddie Izzard, der dem äusserst sympathischen Mäuserich Reepicheep die Stimme leiht. Nicht wirklich erwärmen konnte mich dagegen das Spiel des Italieners Sergio Castellitto, der Lord Miraz mal als gerissenen und intriganten Puppenspieler, dann wieder als blauäugiger 0815-Bösewicht spielt, und damit nicht wirklich einer klaren Linie folgt.
Im Vergleich mit dem Vorgänger behält „Prince Caspian“ klar die Oberhand, wenn es um die Effekte geht, die im ersten Teil eher dürftig waren, sich hier aber in Form von ausdruckstarken Mäusen und Dachsen, aber auch in grösserer Form, beispielsweise in riesigen, Brücken verschlingenden, Meerwesen, manifestieren. Gerade bei letzterem zeigt sich zwar, dass die Effekte teilweise noch nicht ihr Maximum erreicht haben, aber doch ganz gut und mit Sicherheit besser, als im Vorgänger. Beibehalten wird dagegen die Qualität der Bilder, die grossartige Aufnahmen, wie die Helikopterbilder des quer durch Wald und Wiese fliehenden Kaspian oder Flugangriffsbilder auf das Schloss der Telmarre, beinhaltet und Hand in Hand mit Harry Gregson-Williams Melodien zusammenspielen.
Dessen Soundtrack für den zweiten Film wird, gerade im Vergleich mit jenem zum Vorgänger, für seine erwachsenen und tiefgründigeren Töne gelobt. Mir sagt dieser Soundtrack jedoch nicht so sehr zu, wie der erste, der emotionalere Melodien hatte. Zwar werden nebst neueren Melodien, wie dem Thema für Kaspian, das zu Beginn bei seiner Flucht in „Prince Caspian Flees“ zu hören ist, auch Klänge aus dem ersten Film wiederverwendet, allen voran die bekannten Themen für Narnia und die Pevensie-Kinder. Allgemein ist der Soundtrack eher von düstererer Färbung, was mir persönlich jetzt nur begrenzt zusagt. Er widerspiegelt damit jedoch auch den Grundtenor des Filmes, der mit dem Vorgänger bricht, und sich weit ernster und dramatischer präsentiert, als dieser.
Leider ist das aber auch eines der Mankos des Films, der sich zeitweise etwas gar düster und magie-los für einen Familien- oder gar Kinderfilm präsentiert, woran auch das Happy End, und der stellenweise eingestreute Humor nur wenig ändern können. Auch die Macher räumen heute einige Fehler ein, und vielleicht kriegt das durchschnittliche Buch halt einfach den durchschnittlichen Film, der zu ihm passt.