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Philipp Schwander, die diesjährige Oper der St.Galler Festspiele «Andrea Chénier» spielt zur Zeit der Französischen Revolution. Welchen Wein werden die Jakobiner nach ihren Triumphen getrunken haben?
Am französischen Hof wurden zu dieser Zeit vorwiegend Burgunder getrunken. Ich gehe davon aus, dass sie sich einige vorzügliche Gewächse dieser Region, zum Beispiel einen Chambertin, aus dem königlichen Keller genehmigt haben. Und zur Abrundung am Ende des sicher üppigen Mahls gab es vielleicht noch einen Süsswein aus Tokaj oder einen Constantia aus Südafrika.
Die Hauptperson, der Dichter Andrea Chénier, bewegte sich gerne in adligen Gesellschaften. Was wurde bei denen als Getränke gereicht?
Weine aus der Champagne, häufig noch nicht schäumend, aus dem Burgund und der Loire. Weinbau war dannzumal ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor, und weil der Wein viel weniger stabil war und sich nicht so gut transportieren liess, betrieb man fast überall Weinbau.
Sie werden sich aber kaum wegen des Weinkonsums der Protagonisten im Stück als Sponsor für die Festspiele engagieren. Was ist Ihr Antrieb?
Seit sieben Jahren betreiben wir eine Filiale in St.Gallen und sehen uns als St.Galler Unternehmen; zudem ist dies meine Heimatstadt. Da ist es doch nur selbstverständlich, dass man etwas zurückgeben möchte.
Und zahlt sich das Engagement aus?
Aus pekuniären Gründen sollte man ein solches Engagement nicht eingehen; es zahlt sich aber insofern aus, als die Selection Schwander bei einem kulturinteressierten Publikum positiv wahrgenommen wird.
Sie degustieren mehrere Dutzend bis mehrere Hundert Weine pro Woche. Wie halten Sie Ihren Geschmackssinn wach?
Obwohl ich Zigarren sehr gerne habe, rauche ich nur selten. Rauchen trocknet alles aus, es ist für mich nicht ideal. Zwei Monate pro Jahr lebe ich zudem abstinent.
Sie konzentrieren sich auf gute Weine, die noch nicht bekannt und deswegen vergleichsweise preiswert sind. Wie finden Sie diese?
Ich bin dieses Jahr seit 40 Jahren im Weinhandel tätig. In den wichtigen Weinbauregionen kenne ich viele erstklassige Winzer. Die besten Tipps bekomme ich meistens von ihnen.
Sind teure Weine wirklich so viel besser, als sie mehr kosten?
Vor dreissig Jahren kostete eine Flasche Pichon-Lalande rund 35 Franken, eine Flasche La Rivière aus dem Fronsac etwa 14 Franken. Heutzutage kostet der Pichon-Lalande 200 bis 300 Franken, der Rivière 18 Franken. Durch die Internationalisierung des Weinhandels mit ausserordentlich vielen neuen Konsumenten konzentrierte sich die Nachfrage immer mehr auf die berühmtesten Weine eines Anbaugebiets. Das führte zu unverhältnismässig starken Preissteigerungen bei diesen Weinen. Natürlich sind sie hervorragend, dürfte die Produzenten gezwungen haben, bessere Weine herzustellen?
Ja. Die Liberalisierung der Importe 2001 war der Hauptauslöser für die grossartige qualitative Entwicklung, die der Schweizer Weinbau in den vergangenen zwei Jahrzehnten durchgemacht hat. Der erhöhte Wettbewerb zwang die Winzer, auf die Bedürfnisse des Marktes Rücksicht zu nehmen
Ebenfalls positiv für hiesige Weine hat sich wohl die Klimaerwärmung ausgewirkt?
Absolut. Die Klimaerwärmung war in unseren Breitengraden, auch beispielsweise im Burgund, auf den Weinbau bezogen sehr positiv und ermöglichte neu, eine regelmässige, sehr gute Reife der Trauben zu erreichen. Entscheidend ist aber, dass die erfolgreichen Schweizer Winzer seither bewusst auf Qualität setzen.
Sich vegan zu ernähren, ist ein absoluter Modetrend. Kann ein Veganer jeden Wein trinken?
Ein veganer Wein existiert nicht, das Label «vegan» ist eine Bauernfängerei und bedeutet lediglich, dass keine tierischen Substanzen wie beispielsweise Eiweiss bei der Weinbereitung eingesetzt wurden, vorwiegend im Klärungsbereich. Wer jedoch einmal bei einer Ernte dabei war und gesehen hat, wie viele Insekten herumschwirren und notgedrungen teilweise bei der Vergärung dabei sind, weiss, wie unrealistisch die Idee vom veganen Wein ist.