Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03257.jsonl.gz/997

Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge sollen Unternehmen gefördert werden, die Lernende in der beruflichen Grundbildung ausbilden. Dies verlangt eine 2003 eingereichte parlamentarische Initiative. Für den Schweizerischen Arbeitgeberverband ist eine umfassende Stärkung der Berufsbildung ein zentrales Anliegen. Die vorgeschlagene Massnahme beurteilt er aber als nicht zielführend.
Eine parlamentarische Initiative fordert, dass bei der Vergabe öffentlicher Aufträge berücksichtigt wird, ob Unternehmen Lernende der beruflichen Grundbildung ausbilden. Die Wirtschaftskommission des Nationalrats hat nach Prüfung der Vernehmlassungsantworten den Gesetzesentwurf nun gutgeheissen. Die Kommission will damit ein Zeichen für das erfolgreiche duale Bildungssystem der Schweiz setzen.
Für den Schweizerischen Arbeitgeberverband ist eine umfassende Förderung der Berufsbildung ein zentrales und sympathisches Anliegen. Allerdings ist die vorgeschlagene Massnahme nicht zielführend. Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt ist heute davon geprägt, dass viele Unternehmen ihre Lehrstellen nicht mehr besetzen können. Die Lage ist mithin eine andere als noch vor zehn Jahren, als die Initiative eingereicht wurde und man von einem «Lehrstellenmangel» sprach.
Weiter ist zu befürchten, dass zu kleine oder zu spezialisierte und somit nicht ausbildungsfähige Betriebe bei öffentlichen Ausschreibungen benachteiligt werden. Auch Unternehmen, die keine geeigneten Lernenden finden, wären im Nachteil. Zudem würde die Massnahme lediglich spezifische Branchen fördern (nämlich Branchen mit Staatsaufträgen) und andere Branchen nicht unterstützen. Hinzu kommt, dass die Gesetzesänderung da, wo die Förderung der Berufsbildung vor allem nötig wäre, nicht greift. So bilden grosse multinationale Dienstleistungs- und Handelsunternehmen weniger Lernende aus, als sie eigentlich könnten. Gerade solche Unternehmen bewerben sich aber nur selten um öffentliche Aufträge.