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Der Engländer William Perkins (1558-1602) gilt als Begründer des englischen Puritanismus im Gefolge von Jean Calvin. In seiner Schrift Armilla aurea von 1590, die Goldene Kette, vertritt er ein System der Lebensführung aus vier aufsteigenden Stufen, nämlich Bekehrung, Rechtfertigung, Heiligung und Verherrlichung. Auf der Stufe der Heiligung geht es darum, sich im Kampf gegen Anfechtungen zu bewähren und Früchte des Glaubens hervorzubringen. Das Stufenschema hat die puritanische Ethik geprägt und wird ab 1678 durch John Bunyans allegorisches Buch The Pilgrim’s Progress in bald zweihundert Sprachen popularisiert. Wer heute etwas für puritanisch hält, meint diese, hundertfünfzig Jahre nach der Zürcher Reformation entstandene Lebensart.
Perkins gerät zwar mehrfach in Konflikt mit seiner anglikanischen Kirche, bleibt ihr aber treu und bekämpft separatistische Tendenzen. Erfolglos. 1582 spalten sich die Puritaner auf: Ein royalistisch gesinnter Zweig entsteht aus Presbyterianern, die im alten England bleiben, um Kompromisse der Anglikaner mit den Katholiken zu bereinigen. Westminster wird zu ihrem Zentrum, und 1643-49 entstehen die Texte der Westminster Confession. Ein radikal gesinnter Zweig entsteht aus Puritanern, die ein neues England gründen wollen, weil sie die anglikanische Kirche und den presbyterianischen Zweig der Puritaner für unreformierbar halten. Sie wollen in der neuen Welt neu beginnen.
Am 16. September 1620 läuft im altenglischen Plymouth die Mayflower aus. An Bord hat sie 31 Mann Besatzung und 101 Passagiere, davon 41 Puritaner. Am 21. November 1620 landet sie in der Massachusetts Bay am Cape Cod nahe der heutigen Stadt Provincetown. Dort unterzeichnen die 41 Puritaner den Mayflower Compact, den William Bradford (1590-1657) entworfen hat. Er wird die Gründungsurkunde der neuenglischen Kolonie Plimoth Plantation.
Rechtsgeschichtlich handelt es sich um das erste moderne Dokument einer demokratischen Selbstverwaltung. Es wird zum Vorbild der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776. Reformierte Bundestheologie hat politische und gesellschaftliche Folgen. Die biblische Bergpredigt hat gesellschaftliche und kulturelle Folgen: Die Stadt auf dem Berg wird zur konkreten Utopie der Neuenglandstaaten. Eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Neuengland will Altengland quasi .heimleuchten (Mt 5,14-16): von Plimoth nach Plymouth.
Foto: flickr/Boston Public Library