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| Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

Vielleicht ist es nach dem Vorausgehenden 1 notwendig, noch einiges über die Namen beizubringen. Herodot und Alexander, der Sohn Philipps, geben an (letzterer im Brief an seine Mutter) 2 - beide sollen in Heliupolis, Memphis und Theben mit den Priestern Gespräche gepflogen haben -, sie hätte dort die Versicherung erhalten, daß jene Götter nur Menschen gewesen sind. Herodot sagt: „Von denen also, deren Bilder dastanden, konnten die Priester nachweisen, daß sie solche waren und keineswegs Götter. Vor diesen Männern jedoch hätten Götter über Ägypten geherrscht; sie hätten unter den Menschen gewohnt und einer von ihnen habe jedesmal die Oberherrschaft geführt. Später sei Oros, der Sohn des Osiris, im Lande König gewesen, der nämliche, den die Griechen Apollo nennen; dieser habe Typhon gestürzt und sei zuletzt König von Ägypten gewesen; Osiris aber ist in griechischer Sprache Dionysos“ 3. Die andern also und auch der letzte waren ägyptische Könige. Von den Ägyptern kamen dann die Götternamen zu den Griechen 4. Apollo ist der Sohn des Dionysos und der Isis. Herodot selbst schreibt: „Apollo und Artemis sind, wie mir dort gesagt wurde, Kinder des Dionysos und der Isis; Leto ist ihre Pflegerin und Retterin gewesen“ 5. Sie hielten also die Menschen, die ihre ersten Könige waren, teils aus Unkenntnis der wahren Gottesverehrung, teils aus Dankbarkeit für ihre Regierung nebst deren Gemahlinnen für Götter. „Die reinen Stiere und Kälber dürfen alle Ägypter opfern, aber keine Kühe, weil diese der Isis heilig sind. Das Bild der Isis stellt eine Frau dar mit Kuhhörnern, gleichwie die Griechen die Jo abbilden“ 6. Wer sollte nun in dieser Frage glaubwürdiger sein als jene, bei denen sich wie das Priestertum [S. 315] so auch das Wissen von Vater auf Sohn forterbt? Es ist doch nicht anzunehmen, daß jene Tempeldiener, die die Bilder so ehrfurchtsvoll behandeln, sagen würden, es seien dies Bilder ehemaliger Menschen, wenn es nicht wirklich so wäre. Wenn nun Herodot (allein) es versicherte, die Ägypter erzählen von den Göttern wie von Menschen, mit dem Zusatze: „Die Göttergeschichten, die ich gehört habe, will ich nicht erzählen; nur die Namen will ich angeben“ 7, so brauchte man dem Herodot als einem Mythenschreiber ja gar nicht zu glauben. Nachdem aber auch Alexander und Hermes, genannt Trismegistos, und zahllose andere, um sie nicht einzeln anzuführen, die Abkunft jener so angeben, wie sie eigentlich war, läßt sich nicht mehr in Abrede stellen, daß sie Könige waren und für Götter bloß gehalten worden sind. Daß sie Menschen gewesen, lehren auch die größten ägyptischen Weisen; Äther, Erde, Sonne und Mond bezeichnen sie als Götter, die andern aber gelten ihnen als Menschen, die sterben konnten, und ihre Gräber als Tempel. Dies bezeugt auch Apollodor in seiner Schrift über die Götter: „Herodot nennt ferner ihre Leidensgeschichten Mysterien. Daß man in der Stadt Busiris, schreibt er, das Fest der Isis feiert, habe ich schon früher berichtet; nach dem Opfer schlagen sich alle, Männer und Frauen, viele Tausende von Menschen; was es aber damit für eine Bewandtnis hat, darf ich nicht sagen“ 8. Wenn sie Götter waren, konnten sie nicht sterben; wenn man sich aber aus Trauer um sie schlägt, wenn es ihre Leidensgeschichten sind, was den Inhalt der Mysterien ausmacht, so waren sie nur Menschen. Ebenso berichtet Herodot: „Auch gibt es das Grab eines gewissen, dessen Namen ich hier nicht zu nennen wage, zu Sais im Tempelbezirk der Athene unmittelbar hinter dem Heiligtum die ganze Mauer der Athene entlang; ganz nahe dabei liegt ein See mit hübscher steinerner Einfassung ringsum, nach meiner Schätzung so groß wie der auf Delos, welcher der radförmige heißt. Auf [S. 316] diesem See stellen die Ägypter zur Nachtzeit die Leidensgeschichte von jenem dar und nennen dies Mysterien“ 9. Und nicht nur das Grab des Osiris wird gezeigt, sondern auch die Art und Weise seiner Einbalsamierung. „Wenn zu ihnen eine Leiche gebracht wird, zeigen sie den Überbringern Muster von Leichen, die aus Holz gefertigt sind und durch ihre Bemalung den Eindruck gelungener Nachbildung machen. Die sorgfältigste Art und Weise der Einbalsamierung sei die von jenem, dessen Namen ich hier nicht zu nennen wage“ 10.
1: Vgl. den Anfnag des 17. Kap.
2: Dies war eine rationalistische Tendenzschrift des Leon von Pella, die manche Beziehung zu Hekataios’ Darstellung Ägyptens hatte. Geffcken, S. 223.
3: Herodot 2,144.
4: Vgl. Herodot 2,50.
5: Herodot 2,156.
6: Ebd. 2,41
7: Ebd. 2,3.
8: Ebd. 2,61.
9: Ebd. 2,170.
10: Ebd. 2,86.