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Pete Buttigieg liegt nach bisherigen Ergebnissen in Iowa vorne, knapp gefolgt von Bernie Sanders. Es sind die ersten Vorwahlen der Demokraten in den USA. Iowa wird damit zu einer Art Gradmesser. Der Sieger in Iowa erhält einen ersten grossen Schub. Was diese Ausgangslage für die kommenden Wochen und die Vorwahlen in anderen Bundesstaaten bedeutet, weiss Christoph von Marschall. Er kommentiert für den deutschen «Tagesspiegel» die US-Politik.
Christoph von Marschall
Michelle-Obama-Biograf
Christoph von Marschall ist ehemaliger USA-Korrespondent und hat eine Biografie über Michelle Obama geschrieben.
SRF News: Pete Buttigieg liegt in Iowa vorne, Joe Biden ist abgeschlagen auf dem vierten Platz. Wie interpretieren Sie diese Ergebnisse?
Christoph von Marschall: Das ist noch keine grosse Vorentscheidung. Aber es ist natürlich enttäuschend für Biden. Er hätte sich einen besseren Platz gewünscht. Es heisst, man müsse bei der ersten Vorwahl mindestens unter den ersten drei sein, damit man keine negative Stimmung mitnimmt. Aber in New Hampshire kann das schon ganz anders aussehen. Spätestens bei der vierten Vorwahl Ende des Monats in South Carolina, wenn die Schwarzen die bestimmende Gruppe der Vorwähler sind, wird Biden besser abschneiden.
Ob Buttigieg auf die Dauer mithalten kann, ist im Moment eine offene Frage.
Das Ergebnis in Iowa ist schön für Buttigieg, weil er damit im Rennen bleibt. Sanders hatte den Mund etwas zu voll genommen, als er sagte, dass er der sichere Sieger sei. Aber man muss vor allem sagen: Der eigentliche Sieger dieser Vorwahl heisst Trump – wegen des Wahlchaos' bei den Demokraten.
Interessant ist, dass Buttigieg auf dem Land, aber auch in der Stadt punkten konnte. Das lässt doch aufhorchen, oder?
Ja, es ist aber relativ typisch für Iowa. Iowa ist einerseits ein Farmstaat. Der ganze Westen ist von konservativen Farmern geprägt. Die Mitte und der Osten sind aber sehr stark von protestantischen Colleges geprägt, wo man sehr fortschrittlich denkt. Ein junger Kandidat – Buttigieg ist kurz vor 40, während die anderen Kandidaten alle zwischen 70 und 80 sind – reisst natürlich wesentlich mehr mit und hat diese frische Art. Deswegen tut ihm der Sieg gut. Ob er auf die Dauer mithalten kann, ist im Moment eine offene Frage.
Biden bleibt Favorit, aber das ist doch ein ziemlicher Rückschlag?
Biden ist verlässlich, erfahren, aber er ist – genau wie Trump immer sagt – «Sleepy Joe», der langweilige, schläfrige Joe. Man kann anderer Meinung sein, aber ich persönlich glaube, dass Biden, wenn er denn die Nominierung bekommt, die besten Chancen hätte, Trump zu schlagen, weil er die Mitte ansprechen kann, die Schwarzen und die Latinos. Da haben andere Kandidaten Defizite. Andere sind wiederum etwas zu links. Amerika ist im Moment in einer sehr guten wirtschaftlichen Lage und selbst Bürger, die Trump nicht mögen, wählen ihn vielleicht aus Gründen des Portemonnaies.
Man sagt, der Gewinner in Iowa erhält einen Schub. Was bedeutet das?
Es ist wichtig, vor allem für Kandidaten, die nicht zum Favoritenkreis zählen, dass sie in Iowa gut abschneiden. Denn wenn sie das nicht tun, dann sind sie weg vom Fenster. Wenn Buttigieg jetzt nur Vierter geworden wäre, dann sähe seine Zukunft sehr düster aus. Nur zählen Leute wie Sanders und Biden ohnehin zu den Favoriten für die Nominierung. Da ist so ein Dämpfer für Biden zwar sehr ärgerlich, aber nicht wahlentscheidend. Er kann das wettmachen.
Nach Iowa muss man sagen, bei den Demokraten scheint das Feld offener zu sein als jemals zuvor...
Ja, es ist offener als man vor der Vorwahl in Iowa erwartet hatte.
Das Gespräch führte Salvador Atasoy.