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Classement thématique série 1848–1945:
3. POLITIQUE À L'ÉGARD DE LA SOCIÉTÉ DES NATIONS
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dodis.ch/47315
UNTERREDUNGEN AM 2. DEZEMBER 1941 IM VÖLKERBUNDSSEKRETARIAT.
I. Direktor Stenceck.
1. In der Angelegenheit der Umsatzsteuer setzte ich Herrn Stenceck auseinander, dass nicht der Konsument, sondern der Verkäufer besteuert werde. Auch das diplomatische Corps in Bern sei deshalb nicht ausgenommen, die Preiserhöhungen bezahlen zu müssen. Vielleicht werden Sekretariat und Arbeitsamt nochmals durch Herrn Secrétan einen neuen Versuch machen, von der Steuer befreit zu werden, wenigstens für Käufe en gros.
2. Radiostation2. Das Sekretariat hofft, dass die Expertenkommission (gemeinsamer Experte Damme (Holland), Experte der Radio-Schweiz Zickendraht (Schweiz), Experte des Völkerbundes David (Frankreich) vielleicht schon im Dezember in Genf zusammentrete, wenn Damme herreisen kann, was von demselben in Aussicht gestellt worden sei. Das Sekretariat arbeite jetzt ein Memorandum aus.
3. Herr Stenceck übergibt mir einen Briefumschlag mit Völkerbundsaufdruck, mit Völkerbundsmarke und Völkerbundsstempel, der nach aufgedrucktem Vermerk von der Militärzensur geöffnet worden ist. Ich sage, dass wir bei der Zensur vorstellig würden.II. Generalsekretär Lester.
1. Ich erkläre, dass der Sinn meines Besuches genau mit demjenigen des letzten übereinstimme: Herr Bundesrat Pilet-Golaz wolle höflichkeitshalber wenigstens mündlich mitteilen lassen, dass das Sekretariat keine offizielle Antwort von uns wegen des Jahresbeitrages erhalten werde, d.h., dass wir lediglich als «Mitglied, das mit der Bezahlung im Rückstände bleibt» zu betrachten sind.
In einem Gespräch, das eine Stunde gedauert hat, wollte Lester sichtlich den Eindruck erwecken, wie peinlich ihm diese schweizerische Stellungnahme sei. Finanzielle Folgen ausmalend, fragte er: «Wollen Sie, dass ich der finanziellen Schwierigkeiten wegen einmal nicht mehr die Gehälter und Pensionen der vielen Schweizer-Angestellten zahlen kann?» Sodann fürchtete er das «schlechte Beispiel». Es behagte ihm, sich nachdrücklich als knauseriger, aber als rechtschaffener Patron zu zeigen, der als neutraler Irländer eine neutrale internationale Institution verwaltet. Er fragte weiter: «Würde der Bundesrat auf seine Haltung zurückkommen, wenn z. B. Frankreich, das aus dem Völkerbund ausgetreten ist, seinen Verpflichtungen in diesem Jahre noch nachkommt?» Ich antwortete: «Ich könne nur persönlich meine Meinung äussern, dass der schweizerische Standpunkt mit demjenigen Frankreichs in keinem Zusammenhang stünde.» Das Verhalten des Sekretariats in Genf sei gewiss durchaus korrekt (im Gegensatz zum BIT), aber es gebe auch Bureaux des Völkerbundes in London, Montreal, Princetown, New York und Washington; es habe auch eine Konferenz des Arbeitsamtes in New York gegeben (Lester nickt wenigstens).
Jedenfalls lässt Lester Herrn Bundesrat Pilet-Golaz für seine persönliche Geste danken und flicht die Hoffnung ein, dass er vielleicht einmal Gelegenheit habe, mit ihm selber sprechen zu können. Im Hinblick auf den frühem verunglückten Besuch erwidere ich ihm, dass er vom Bundesrat sicherlich gern empfangen würde, wenn er den Wunsch danach ausdrücke. Überflüssigerweise fügte Lester bei «Vraiment? Croyez-vous?» Ich sagte «Mais certainement!»
2. Als Lester etwas, ohne zu insistieren, darauf anspielte, dass seinem Personal in gewöhnlichen Dingen nicht mehr wie früher Erleichterungen gewährt würden, bestätigte ich diesen Sachverhalt damit, dass die kriegswirtschaftliche Lage der Schweiz andere Zeiten herbeigeführt habe; dass sich z. B. meine Sektion, statt mit der Universalität des Völkerbundes, jetzt in der Tat ernsthaft darum bemühen müsse, dass ein Genfer «Diplomat» die Erlaubnis zum Kauf eines Luftschlauches für sein Velo bekomme.III. Untergeneralsekretär Aghnides.
Nach Lester unterhielt ich mich mit Aghnides, der mich zum Frühstück eingeladen hatte, erst im Völkerbundsgebäude und dann freier und ungezwungener während des Mittagessens in seiner Wohnung. Er ist sicherlich profunder und bedeutender in seinem Denken als Lester und sieht grössere Perspektiven.
1. Er gab privat zu, dass die «Filialen» in London, Montreal, Princetown, New York und Washington in Genf gewisse Schwierigkeiten bereiten, indem diese, durch die Atmosphäre ihrer Umgebung beeinflusst, Stellung auf der einen Seite der Kriegführenden nehmen.
2. In letzter Zeit hatten häufig Besichtigungen der Völkerbundsgebäude durch offizielle Deutsche stattgefunden. Wollte man nachsehen, wozu man die Bauten noch brauchen könnte? Das Sekretariat hat in dieser Hinsicht Befürchtungen (die Pariser Bureaux des Völkerbundes sind durch die Besatzungsbehörden requiriert worden, die darin eine weissrussische Amtsstelle eingerichtet haben).
3. Diese Befürchtungen sind durch das Wort Ribbentrops bestärkt worden, dass Deutschland Europa schon während des Krieges politisch organisieren werde. Aghnides meinte, dass natürlich die schweizerische Regierung wegen dieser Bekanntgabe deutscher Absichten mehr Sorgen um die eigene Existenz als um diejenige des Völkerbundes haben werde.
4. Die Hygieneabteilung des Völkerbundes habe Berichte erhalten, wonach in Russland ein deutscher Geheimbefehl an die Sanität gegeben worden sei, russische und deutsche Schwerverletzte, künftige Invalide, Verletzte, deren Pflege lange dauern und viel kosten würde, umzubringen, ebenso Seuchen- und Epidemienträger.
5. Von einem französischen Informator in Vichy sei folgende Version über den Fall Weygand gemeldet worden. Weygand habe sich seit drei Monaten geweigert, Bizerta, Casablanca und Dakar der Axe auszuliefern. Pétain habe daher General Huntziger nach Afrika geschickt, um Weygand umzustimmen. Weygand sei aber Huntziger immer aus dem Wege gegangen, sodass dieser unverrichteter Dinge zurückkehrte, wobei er den Tod fand. Daraufhin habe Vichy Weygand eine Falle gestellt. Pétain habe Weygand versichern lassen, dass keine Übergabe erfolgen werde, dass Weygand aber zur Berichterstattung über andere Dinge nach Vichy zu kommen habe. Bei dessen Ankunft in Vichy sei er dann ohne langes Federlesen interniert und abgesetzt worden.
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