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Getrennt- und Zusammenschreibung: bleibt eine Herausforderung
Auch hier war das Ziel, Spezialregelungen zu reduzieren. Das Ergebnis fiel in der ersten Fassung 1996 und fällt auch heute, nach mehreren Anpassungen, zwiespältig aus. Probleme bereitete die sinnvolle Unterscheidung von wörtlichen und übertragenen Bedeutungen von Verbindungen, z.B. «aufwärtsgehen» im Sinne von «einen Weg nach oben gehen» (wörtliche Bedeutung) und «aufwärtsgehen» als «eine günstige Entwicklung eines Zustands» (übertragene Bedeutung). Die neue Regelung wollte hier keine Unterscheidung mehr machen und der Getrenntschreibung den Vorzug geben. Eine Entscheidung, die dem besseren Verständnis von Texten nicht zuträglich war – und glücklicherweise revidiert wurde.
Heute hat die Betonung der einzelnen Wörter als Kriterium für die Wahl von Getrennt- oder Zusammenschreibung an Gewicht gewonnen. Ist das erste Wort der Verbindung betont, das zweite aber nicht, wird zusammengeschrieben. Sind beide Wörter der Verbindung betont, wird auseinandergeschrieben. So wird «zusammenarbeiten» im Sinne von «kooperieren» als ein Wort geschrieben, weil die Betonung ausschliesslich auf «zusammen» liegt. Wenn zwei aber im gleichen Raum oder zur gleichen Zeit arbeiten, sprechen wir von «zusammen arbeiten»; «zusammen» und «arbeiten» werden gleichwertig betont. Dumm ist nur, dass die Unterscheidung nicht konsequent angewendet wird. Obwohl nur der erste Teil der Verbindung betont ist, schreiben wir beispielsweise «zugrunde gehen» auseinander oder lassen den Kochbuchautoren die Wahl zwischen «warm stellen» und «warmstellen».