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AktivistInnen der Schweizer Sektion von Amnesty International haben die Kundschaft an der Shell-Tankstelle in Bern Wankdorf auf die Menschenrechtsverletzungen und die Umweltverschmutzung im Nigerdelta hingewiesen. Sie verteilten Protest-Postkarten an die Adresse der nigerianischen Regierung und an den neuen CEO von Shell, den Schweizer Peter Voser. Ein offener Brief und eine Online-Petition fordern Shell auf, transparent über die Situation in Nigeria zu informieren und die Verantwortung für die Achtung der Menschenrechte zu übernehmen. Weitere Aktionen zu Shell und Nigeria werden im Laufe der nächsten Monate in der Schweiz und im Ausland folgen.
Shell ist mit seiner Tochterfirma Shell Petroleum Development Company der grösste Ölförderer der Region. Obwohl Shell und andere Firmen in einem sensiblen Ökosystem operieren, haben sie keine ausreichenden Schutzmassnahmen ergriffen, um die negativen Auswirkungen der Pipelines und der Ölförderung auf die Umwelt zu verhindern. Inzwischen sind mehr als 2000 Orte des Nigerdeltas als kontaminiert eingestuft.
Fehlende Rechenschaftspflicht
«Das Nigerdelta ist ein Beispiel dafür, wie eine Regierung keinerlei Verantwortung für die Bevölkerung übernimmt und multinationale Konzerne kaum Rechenschaft darüber ablegen müssen, welche Auswirkungen ihre Geschäfte auf die Menschenrechte haben», erklärte Danièle Gosteli, Expertin für Wirtschaft und Menschenrechte der Schweizer Sektion von Amnesty International anlässlich der Veröffentlichung des Berichts «Petroleum, Pollution and Poverty in the Niger Delta».
Der Bericht untersucht das Abfackeln von Gas, Ölverschmutzungen, Müllentsorgung und weitere Auswirkungen der Erdölindustrie auf die Umwelt. Der überwiegende Teil der Beweise für Umweltschäden, die Amnesty International dokumentiert hat, steht in Verbindung mit der Geschäftstätigkeit von Shell.
Verschmutztes Wasser
«Die Menschen im Nigerdelta müssen verschmutztes Wasser trinken, damit kochen und waschen. Sie essen Fisch, der mit Öl und anderen Giftstoffen verseucht ist, und sie müssen noch dankbar sein, überhaupt Fische zu finden. Das Land, das die Menschen bebauen, wird zerstört. Weil jährlich Hunderte von Öllecks und das Abfackeln von Gas die Luft verschmutzen, atmen sie Schadstoffe ein. Die Menschen klagen über Atemprobleme und Hautverletzungen», erklärte Danièle Gosteli.
Wie sich die Verschmutzung auf die Umwelt, die Gesundheit und die Menschenrechte auswirkt, ist im Nigerdelta kaum untersucht. Rund 60 Prozent der lokalen Bevölkerung sind auf eine intakte Umwelt angewiesen, welche mit Landwirtschaft und Fischerei die Grundlage für die Ernährung und für den Lebensunterhalt liefert.
Vorschriften unzureichend
Amnesty International kommt im Bericht zum Schluss, dass die Vorschriften der Regierung für die Erdölindustrie gänzlich unzureichend sind. «Die Regierung kommt ihrer Verpflichtung nicht nach, das Recht der Menschen im Nigerdelta auf sauberes Wasser, Gesundheit und eine Existenzgrundlage zu schützen», erklärte Danièle Gosteli. «Einige Erdölfirmen haben vom Unvermögen der Regierung profitiert und auf eine schockierende Art die Auswirkungen ausgeblendet, welche die Erdölförderung auf die Menschen haben.»
Amnesty International kritisiert zudem, dass die nigerianische Regierung der Erdölindustrie den Entscheid über Entschädigungsforderungen der betroffenen Gemeinschaften überlässt, obwohl die Firmen selbst für die Missbräuche verantwortlich sind.
Unternehmen haben Verantwortung
Trotzdem trägt die nigerianische Regierung nicht alleine die Schuld, wie der Bericht von Amnesty International festhält. «Erdölkonzerne wie Shell dürfen die Konsequenzen für die Umwelt und die Menschenrechte nicht ignorieren, weil die Regierung es nicht fertigbringt, sie zur Rechenschaft zu ziehen», erklärte Danièle Gosteli.
«Obwohl Shell in der Öffentlichkeit stets betont, eine soziale und umweltbewusste Firma zu sein, verletzt der Konzern weiterhin Menschenrechte. Shell versagt darin, die Umweltzerstörung im Nigerdelta nach Möglichkeit zu verhindern und die Verschmutzung einzudämmen», sagte Danièle Gosteli.
Ethnische Gemeinschaften und bewaffnete Gruppen haben im Nigerdelta ebenfalls zur Verschmutzung beigetragen, indem sie die Infrastruktur und die Pipelines beschädigten und Erdöl gestohlen haben. Aber das Ausmass bleibt aufgrund fehlender Informationen schwer einzuschätzen.
«Die nigerianische Regierung möchte den Konflikt im Nigerdelta rasch beenden», erklärte Danièle Gosteli. «Aber die bittere Armut und der Konflikt, der immer noch eine Bedrohung für die Region darstellt, sind nicht zu überwinden, so lange nicht tiefer liegende Ursachen wie die Umweltzerstörung angegangen werden. Die Straflosigkeit für Umweltsünden und für Menschenrechtsverletzungen muss ein Ende haben. Die nigerianische Regierung braucht den politischen Willen und die Mittel, die Erdölfirmen in die Pflicht zu nehmen, welche die Menschenrechte mit Füssen treten.»
Medienmitteilung veröffentlicht: Zürich, 30. Juni 2009
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