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Die Traditionelle Chinesische Medizin, auch kurz TCM genannt, ist eine jahrtausendalte Heilkunst. Man könnte auch sagen, die TCM ist ein Medizinsystem, aus dem sich viele, heute eigenständige Methoden entwickeln konnten (zum Beispiel Akupunktur). Nicht immer einfach ist es daher für den Laien, die Übersicht zu behalten.
Lernen Sie im Folgenden, was es rund um die TCM-Lehre zu wissen gibt, wie Sie sich eine Therapie nach den Gesichtspunkten der Traditionellen Chinesischen Medizin vorstellen können, bei welchen spezifischen Beschwerden TCM helfen kann und erhalten Sie ein Verständnis über weit verbreitete TCM-Methoden.
Entstehungsgeschichte und Lehren der TCM
Die Geschichte und Entwicklung der Traditionellen Chinesischen Medizin ist äusserst komplex und wurde über Jahrtausende hinweg weiterentwickelt. Grundsteine für die TCM legten insbesondere zwei chinesische Lehren.
Die eine bezieht sich ganz gezielt auf Gegensätze und die andere versucht wiederum, das Dasein in logische Kategorien einzuordnen.
Yin-Yang Theorie und Lehre von den fünf Wandlungsphasen
Die chinesische Medizin basiert auf der jahrtausendalten chinesischen Philosophie des Daoismus, auch als Taoismus bekannt.
Der Taoismus ist das Wissen um das Tao. Die Chinesen sehen Tao als ein allumfassendes Prinzip an, welches innere Gesetzmässigkeiten sowie die Natur ordnet. Symbolisiert wird Tao durch einen Kreis und einer Linie, die weder Anfang noch Ende haben.
Neben dem Buddhismus und Konfuzianismus ist der Daoismus eine der weit verbreitetsten Religionen (bzw. Weltanschauungen, Philosophien) in China.
Das gesamte Dasein beruht auf dem Tao, also auf Gegensätzen, davon gingen die gläubigen Chinesen aus. Aus diesem Grund entwickelten sie die Yin-Yang-Theorie, welche äusserst wichtig für die Entwicklung der Traditionellen Chinesischen Medizin war.
Yin bedeutet ursprünglich so viel wie „die schattige Seite eines Hügels.“ Mit Yin wird Dunkelheit, Kälte, Ruhe, Passivität und Weiblichkeit verbunden.
Yang wiederum, steht für „die sonnige Seite eines Hügels.“ Mit Yang wird Licht, Wärme, Erregung, Aktivität und Männlichkeit verbunden.
Ebenso wichtig für die Traditionelle Chinesische Medizin war die Entwicklung der Lehre von den fünf Wandlungsphasen.
Diese entstand, um alle ungewöhnlichen Erscheinungen in ein möglichst logisches System einordnen zu können. Die alten Chinesen suchten dafür Vorbilder in der Natur.
Die fünf Wandlungsphasen sind: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.
Alles was in der Natur vorkommt, ordneten die TCM-Gelehrten in fünf unterschiedliche Kategorien, welche zudem aufeinander aufbauen, bis sich der imaginäre Kreis zu schliessen beginnt.
Wie können Sie sich das vorstellen? Ein Beispiel wäre: Das Leben beginnt mit der Geburt (Holz), darauf folgt Wachstum (Feuer), Blütezeit (Erde), Reifung (Metall) und endet mit dem Tod (Wasser).
In dieses System der Wandlungsphasen kann so gut wie alles eingeordnet werden, vor allem der Mensch als Individuum: Angefangen von Organen, Körperteilen, Geschmacksrichtung bis hin zu Gefühlen und Gedanken.
Mithilfe dieser Lehre war eine Basis für die ordentliche Diagnose und anschliessende Behandlung für die Traditionelle Chinesische Medizin geschaffen worden.
Die beiden Systeme, also die Yin-Yang Theorie sowie die Lehre von den fünf Wandlungsphasen, nutzten die alten Chinesen dazu, Erklärungen für abstrakte Dinge oder Krankheiten zu finden.
Das Wechselspiel zwischen Tag und Nacht beispielsweise oder von Helligkeit und Dunkelheit, von Ebbe und Flut wurde also mithilfe des Yin-Yang-Systems erklärt.
Auf den Körper bezogen bedeutet diese Lehre, dass ein Mensch nur gesund sein kann, wenn seine Lebensenergie, Qi genannt, ohne Blockaden durch den gesamten Körper fliessen kann.
Wird diese Lebensenergie durch Störungen blockiert oder fliesst das Qi in eine falsche Richtung (das soll Übelkeit auslösen), entstehen Krankheiten oder Beschwerden, davon gehen die chinesischen TCM-Gelehrten bis heute aus.
Leitbahnen im Körper: Meridiane
In der TCM entwickelte sich ebenso die Ansicht, dass der Körper von Leitbahnen durchzogen ist. Diese nannten die alten Gelehrten Meridiane. Meridiane sind, eigenständig von Blutbahnen und Nerven, demnach Kanäle in unserem Organismus.
Wie bereits erwähnt, fliesst durch sie das Qi hindurch, also unsere Lebensenergie. Wie der Name bereits vermuten lässt, werden Energie, aber auch Nährstoffe durch die Leitbahnen zu den Organen transportiert und versorgen diese, damit der menschliche Körper nicht erkrankt.
Insgesamt gibt es zwölf Meridiane, die nach einem Organ benannt sind. Hinzu kommen acht Sondermeridiane.
Bislang konnten Studien nicht beweisen, dass Meridiane im Körper wirklich existieren. TCM-Therapeuten und TCM-Ärzte gehen allerdings davon aus, dass energetische Prozesse im Körper nicht sichtbar sind. Daher bedarf es keiner Belege zur Existenz der Meridiane im Menschen.
Behandlung mit TCM
Eine Therapiebehandlung mit TCM kann ganz unterschiedlich sein. Wie eine Störung im Körper allerdings entsteht, darüber sind sich die TCM-Therapeuten einig. Lesen Sie, wie der Therapeut bei seiner Behandlung an Ihre Beschwerde herangeht, wie er zu seiner Diagnose kommt und was laut TCM, Krankheiten hervorrufen kann.
Wie entsteht laut TCM eine Störung im Körper?
Der Körper ist laut Traditioneller Chinesischer Medizin kein fragiles Gebilde, sondern kann Störungen im Energiefluss lange Zeit ohne Hilfe ausgleichen. Denn die Organe unterstützen sich gegenseitig meist ausreichend, sodass keine akuten Beschwerden entstehen können.
Erst wenn der Energiefluss zu lange oder zu stark beeinträchtigt ist und Organe die Ungleichgewichte nicht mehr harmonisieren können, kommt eine Therapie zum Einsatz.
Wie verläuft die Therapie?
Der Therapeut stellt zunächst eine Diagnose, um im Vorfeld die Ursachen der Beschwerden feststellen zu können.
Damit dem Therapeuten dies gelingen kann, setzt er seine Sinne ein, um Symptome benennen und somit Rückschlüsse auf die Organtätigkeit ziehen zu können. Er versucht ebenso den Lebensfluss in den Meridianen auszumachen und zu erkennen, ob dieser gestört sein könnte.
Die Traditionelle Chinesische Medizin benötigt bei der Diagnose keinerlei Instrumente. Im Fokus steht, den Patienten zu befragen, seinen Körper genau zu betrachten und durch Berührungen oder durch Abtasten mögliche Ursachen der Beschwerden von Aussen erkennen zu können.
1.) Die Befragung: Ein Gespräch kann Aufschluss darüber geben, in welchem Zustand sich Ihr Körper befindet. Hat er Fieber oder Schüttelfrost? Leidet er durch eine ungesunde oder falsche Ernährung an Verdauungsproblemen? Wie verhält es sich mit Ihren Schlafgewohnheiten, Ihren Träumen oder Ihrem Sexualleben?
Sobald der TCM-Therapeut Antworten auf möglicherweise diese Fragen erhalten hat, ordnet er diese in das Yin-Yang-System und in das System der fünf Wandlungsphasen ein.
2.) Die Betrachtung: Da TCM eine ganzheitliche Lehre ist, lassen sich ebenso Rückschlüsse auf den Ursprung der Beschwerden durch äussere Faktoren ziehen.
Es kann in den Mund geschaut werden, um den Speichel, den Schleim und die Zungenfarbe, aber auch die Zungendicke, Feuchtigkeit und dessen Form zu begutachten. Die Gesichtsfarbe wiederum kann dem Therapeuten ebenso Hinweise auf mögliche Erkrankungen im Innern des Körpers liefern.
Die einzelnen Auffälligkeiten ordnet der Therapeut daraufhin verschiedenen Organen zu. Die Zungenmitte beispielsweise, kann auf Beschwerden an der Milz und im Magen hinweisen. Die Zungenspitze hingegen kann mit Herzproblemen in Verbindung gebracht werden.
3.) Das Abtasten: Mit seinen Händen wird der TCM-Therapeut nun einzelne Körperstellen, verschiedene Hautareale sowie unterschiedliche Reizpunkte abtasten und deren Beschaffenheit feststellen.
Ebenso ist es möglich, dass der TCM-Therapeut Ihren Puls fühlt (wieder ganz ohne Hilfe von Geräten) und dessen Qualität mit angelernten Techniken bestimmt. Auch dadurch gelingt es ihm, auf mögliche Ursachen der Beschwerden schliessen zu können.
Was löst laut TCM Krankheiten aus?
Die TCM stützt sich für Erklärungen besonders gerne auf die Natur sowie deren Phänomene und bezieht diese auf die Medizin. Dabei unterscheidet die Traditionelle Chinesische Medizin „sechs bösartige Einflüsse“ und „sieben Emotionen.“
Wind, Kälte, Feuer oder Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und Sommerhitze haben laut Traditioneller Chinesischer Medizin einen bösartigen Einfluss auf den Körper.
Wind beispielsweise steht für plötzliche Schmerzen oder Migräne. Kälte hingegen löst Verspannungen aus und Sommerhitze erzeugt hohes Fieber und Schweissausbrüche. Feuchtigkeit ist dafür verantwortlich, dass Sie sich schwer und erschöpft fühlen, Trockenheit führt zu Husten oder zu spröder Haut und Hitze erzeugt Unruhe oder brennende Augen. Diese und viele weitere Erkenntnisse und Erklärungen für Erkrankungen beruhen auf der TCM-Lehre.
Ebenso können "die sieben Emotionen" einige Beschwerden und Krankheiten auslösen. Ähnlich wie es sich mit der Ernährung und der Bewegung verhält, nehmen auch Emotionen Einfluss auf unser Wohlbefinden, das meinen chinesische Gelehrte. Wenn diese uns zu lange fehlen oder in einem Übermass vorhanden sind, werden wir laut TCM krank.
Zu den „sieben Emotionen“ gehören Freude, Ärger, Traurigkeit, Kummer, Schwermut, Angst und Furcht.
Die Emotionen lassen sich wiederum den fünf Wandlungsphasen und den Yin-Organen zuordnen. Auch hier zeigt sich wieder, dass in der Traditionellen Chinesischen Medizin vieles in Verbindung zueinandersteht. Ebenso ist auffällig, dass in der TCM nach Harmonie gestrebt wird und wiederum Disharmonie als ein Zeichen von Krankheit und Unwohlsein gedeutet wird.
Wem hilft die Traditionelle Chinesische Medizin?
Die Liste der Beschwerden, die durch die TCM gelindert und erfolgreich behandelt werden können, ist lang. Denn durch die Entstehung zahlreicher unterschiedlicher Heilmethoden, kann die TCM vielfältig eingesetzt werden. Um nicht den Überblick zu verlieren, haben wir für Sie häufige Anwendungsgebiete der Traditionellen Chinesischen Medizin und spezifische Erkrankungen zusammengefasst:
1. Stresstherapie / Burn-Out-Syndrom
Zu den stressbedingten Krankheiten und Nebenwirkungen, die mit TCM behandelt werden, zählen unter anderem: Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, Erschöpfungszustände, Tinnitus, Kreislaufbeschwerden, Magen-Darmbeschwerden, Atemnot, depressive Verstimmungen, Trauma, Panikattacken, Angstgefühle oder Haarausfall.
2. Beschwerden am Auge
TCM kann ebenso bei folgenden Augenerkrankungen angewandt werden: trockene Augen, Glaukom (auch grüner Star genannt), grauer Star, Makuladegeneration (Erkrankung der Netzhaut), Kurz- und Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit, Augenentzündung, Retinitis pigmentosa (Netzhautdegeneration), diabetische Retinopathie (Erkrankung der Netzhaut durch Diabetes), Zentralvenenthrombose (Verschluss am Gefäss des Auges), Sehnervschädigung oder Sehstörung durch Medikamentenvergiftung.
3. HNO- Erkrankungen
Auch bei Tinnitus, Schwerhörigkeit, Schwindel, Morbus Menière (Erkrankung des Innenohrs), Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), Mittelohrentzündung oder Tonsillitis (Mandelentzündung), kommt die TCM zum Einsatz.
4. Allergien & Unverträglichkeiten
Bei Erkrankungen wie Heuschnupfen/Pollinosis, allergischen Asthma, Nahrungsmittelunverträglichkeit und vielen anderen Allergien oder Unverträglichkeiten findet die TCM Anwendung.
5. Atemwegserkrankungen
Atemwegserkrankungen zählen ebenso zu einem Gebiet der TCM. Erkrankungen wie akute Infekte, Erkältungen, Reizhusten, chronische Bronchitis oder Asthma werden dabei besonders häufig therapiert.
6. Chronische Beschwerden
Viele chronische Beschwerden werden mit unterschiedlichen TCM-Methoden therapiert. Dazu zählen: Fibromyalgie (Faser-Musekl-Schmerz), Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall, Schulter-Arm-Syndrom, Epikondylitis (Tennisellenbogen), Hüft-und Kniegelenksarthrose, Kopfschmerzen, Migräne, Lumbalsyndrom (drückende Schmerzen an der Lendenwirbelsäule), Hüftschmerzen, Knieschmerzen oder Nackenschmerzen.
7. Rheumatische Erkrankungen
Ebenso Rheuma-Erkrankungen zählen zum Anwendungsbereich der TCM. Beispiele dafür sind: chronische Polyarthritis (Enzündungserkrankung), Gelenkarthrose, Weichteilrheumatismus, Morbus Bechterew (Entzündungserkrankung am Becken und an der Wirbelsäule).
8. Innere Erkrankungen
Innere Erkrankungen können ebenso mithilfe der TCM therapiert werden. Dazu zählen zum Beispiel: Funktionale Herzbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Angina Pectoris, Hypertonie (Bluthochdruck), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Leber- und Gallenfunktionsstörungen oder metabolisches Syndrom (Kombination verschiedener Krankheiten).
9. Magen- und Darm-Erkrankungen
Auch der Magen-Darmbereich kann durch TCM wieder in Balance kommen. Typische Magen-Darm-Erkrankungen wie Gastritis (Magenschleimhautentzündung), Reflux (Sodbrennen), Verdauungsstörung, Völlegefühl, Reizmagen, Reizdarm, Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn (entzündliche Darmerkrankungen) oder Divertikulose (Ausstülpungen der Darmwand) werden mit TCM behandelt.
10. Stoffwechselerkrankungen
Zu den Stoffwechselerkrankungen, welche mit TCM behandelt werden, zählen unter anderem: Adipositas (Übergewicht), Fettstoffwechselstörung, Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie (erhöhte Cholesterinwerte) oder Gicht.
11. Neurologische Erkrankungen
In diesem Bereich werden Erkrankungen wie Polyneuropathie (Schädigung peripherer Nerven), Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerzen), Lähmungen, Restless legs Syndrom (unruhige Beine), Multiple Sklerose (chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems), Morbus Parkinson (Erkrankung des Gehirns) oder Zoosterneuralgie (Gürtelrose) mit TCM therapiert.
12. Gynäkologische und urologische Erkrankungen
Frauenleiden ist weit verbreitet. Viele typische Erkrankungen können mit TCM behandelt werden, unter anderem: Menstruationsstörungen, Dysmenorhoe (Regelschmerzen), Prämenstruales Syndrom, Hormonelle Störungen, Endometriose (gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut), Myome (gutartige Wucherungen der Muskelschicht an der Gebärmutter), Klimakterisches Syndrom (Wechseljahresbeschwerden), Fruchtbarkeitsstörungen, Blasenentzündung, wiederkehrende Harnwegsinfekte, Blasenschwäche, Prostatabeschwerden oder Libidoschwäche.
13. Hauterkrankungen
Auch Hauterkrankungen werden mit TCM behandelt. Einige Beispiele dafür sind: Akne, Neurodermitis, Ekzeme, Psoriasis (Schuppenflechte) oder Utikaria (Nesselsucht).
14. Psychovegetative Störungen und Suchterkrankungen
Psychovegetative Störungen oder Suchterkrankungen, werden ebenfalls mit TCM behandelt. Vor allem bei: Schlafstörungen, Depressionen, innerer Unruhe, Nervosität, Vegetativer Dystonie (Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems), Nikotinabhängigkeit sowie Alkohol- und Medikamentensucht.
15. Kinderheilkunde
Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder können mit TCM therapiert werden. Bei Verdauungsstörungen, Allergien, Asthma, Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) oder Bettnässen wird die Traditionelle Chinesische Medizin sehr häufig als Therapiemassnahme in Erwägung gezogen.
16. Immunsystemschwäche
Wiederkehrende Infekte, chronische Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Vitalitätsverlust oder chronische Müdigkeit, zählen ebenfalls zu den Krankheiten, die TCM behandelt.
TCM ist vielfältig einsetzbar und kann deshalb bei ganz spezifischen Erkrankungen aus unterschiedlichen Bereichen zur Anwendung kommen.
Methoden im Überblick: Die fünf Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin
Wenn Sie nach Therapiemethoden aus der Alternativmedizin suchen, werden Sie häufig auf den Begriff Traditionelle Chinesische Medizin treffen. Denn die TCM prägte mit seinem umfassenden Medizinsystem viele mittlerweile geläufige und anerkannte Therapiemethoden.
Durch die funktionelle und ganzheitliche Betrachtungsweise, die im Mittelpunkt der Traditionellen Chinesischen Medizin steht, wurde der Grundstein für viele bekannte Methoden, die wir aus der Alternativmedizin kennen, gelegt.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Öffnung Chinas (um 1970) begann die Traditionelle Chinesische Medizin, auch im Westen Fuss zu fassen und gewann zunehmend an Popularität.
Insgesamt gibt es fünf Säulen, auf denen die TCM steht. Das ist zum einen die Akupunktur bzw. Moxibustion und Akupressur, die Ernährung und der Lebensstil nach TCM (Diätetik), die Arzneimitteltherapie (Phytotherapie, Kräutermedizin), Tuina (Fussreflexzonenmassage) und zu guter Letzt Qi-Gong und Tai Chi.
Die fünf Säulen der TCM: Akupunktur, Diätetik, Arzneimitteltherapie, Tuina und Qi-Gong/Tai Chi.
Weitere Methoden aus der Traditionellen Chinesischen Medizin
Zu den bekanntesten Methoden, die ihren Ursprung ebenso in der Traditionellen Chinesischen Medizin finden, zählen unter anderem:
Die Traditionelle Chinesische Medizin ist ein ganzheitlich orientiertes Medizinsystem mit einem Erfahrungsschatz von über 2000 Jahren.
Akupunktur/Akupressur/Moxibustion
Die ganzheitliche Methode Akupunktur ist wohl die bekannteste TCM-Behandlungsform in Europa. Bei dieser Heilmethode werden Akupunkturnadeln an bestimmte Körperregionen gesetzt, die auf den Meridianen liegen. Durch den Reiz der Nadeln wird unser Energiefluss wieder in Bewegung gesetzt und unterschiedliche Beschwerden sollen somit gelindert werden.
Auch bei der Akupressur steht der Energiefluss im Fokus einer Behandlung. Der grösste Unterschied zur Akupunktur ist bei der Akupressur der, dass nicht durch Nadeln, sondern mithilfe von Fingerdruck der Energiefluss „Qi“ wieder angeregt wird, um körperliche und seelische Blockaden zu lösen.
Die Moxibustion wählt denselben Ansatz wie die Akupunktur und Akupressur. Bei einer Moxa-Behandlung kann allerdings auf Nadeln verzichtet werden. Die Moxibustion aktiviert vor allem durch die Kraft der Wärme die Selbstregulierungskräfte im Körper. Das bedeutet, heisses Moxa-Kraut wird in Form von Kegeln oder Kugeln auf bestimmte Hautareale gelegt oder an Akupunkturnadeln geheftet. Manchmal verwenden Therapeuten auch sogenannte Moxa-Zigarren, dessen Spitze nur an die Haut gehalten wird. Die Wärme, welche dann durch die Haut hindurch in die Meridiane strömt, reizt Muskeln und Gewebe und regt den Energiefluss an.
Chinesische Diätetik
Die Chinesische Diätetik ist eine Nahrungsmitteltherapie. Damit der Körper mit genügend Energie versorgt wird, ist die richtige Ernährung nach TCM eine wichtige Grundlage. Sowohl als Präventivmassnahme als auch zur Minderung gegenwärtiger Beschwerden kommt die Chinesische Diätetik zum Einsatz.
Verschiedene Lebensmittel haben laut Traditioneller Chinesischer Lehre eine unterschiedliche Wirkungsweise. Aus diesem Grund lassen sie sich therapiebegleitend oder vorbeugend einsetzen.
Den fünf Geschmacksrichtungen süss, sauer, scharf, bitter und salzig werden in der TCM verschiedene Wirkungsbereiche zugeschrieben. Der Geschmack eines Lebensmittels bestimmt demnach, welche Organe und Organfunktionen das Lebensmittel stärkt.
Arzneimitteltherapie (Phytotherapie, Kräutermedizin)
Nicht ganz so bekannt bei uns, dafür in China weit verbreitet, ist die Arzneimitteltherapie. Sie umfasst unter anderem die Gebiete Phytotherapie und Kräutermedizin. In China werden noch heute etwa 80 Prozent aller TCM-Patienten mit der Arzneimitteltherapie behandelt.
Bei dieser Therapiemethode wird ausschliesslich mit Pflanzen und Pflanzenteilen (Blättern, Blüten, Wurzeln, Rinden) behandelt. Daher ist diese Methode eng verwandt mit der Naturheilkunde.
Wichtig für die Arzneimitteltherapie: Kräuter und Substanzen werden nach bestimmten Prinzipen miteinander gemischt und dadurch individuell auf den Patienten abgestimmt.
So wird zum Beispiel die Ringelblume verwendet, um Leber-Qi-Stagnationen zu lösen. Auch bei Drüsenschwellungen, Magengeschwüren oder Frauenerkrankungen berufen sich die TCM-Therapeuten gerne auf die heilende Kraft der Ringelblume.
Vor allem Erkältungen (ätherische Öle inhalieren), Magen-Darmbeschwerden (mit Feige behandeln), Nervosität (durch Baldrian entspannen) oder bei verschiedenen Hautproblemen (mit Eichenrinde therapieren) kommt die Arzneimitteltherapie zum Einsatz.
Mithilfe von Tinkturen, Salben, Tees, Aufgüssen, Trockenextrakten oder Umschlägen wird eine Beschwerde stets individuell behandelt.
Tuina
Tuina ist eine traditionelle, chinesische Massagetechnik und jahrtausendealt. Der Name stammt von „Tui“, was schieben bedeutet und „Na“ wird mit greifen übersetzt.
Neben punktuellem Druck kommen Techniken wie Kneten, Streichen, Greifen, Klopfen und Griffe aus der Chiropraktik zum Einsatz, um den Energiefluss Qi wieder anzuregen. Auch bei der Tuina-Massage orientiert sich der Therapeut an Akupunkturpunkten und Meridianen.
Insgesamt gibt es 18 unterschiedliche Griffe bei der Tuina-Massage sowie etwa 300 Einzelgriffe.
Die chinesische Fussmassage behandelt neben den Akupunkten auch die reflektorischen Zonen. Bei uns ist diese Therapieform besser bekannt als Fussreflexzonenmassage.
Die Fussreflexzonentherapie ordnet verschiedene Bereiche am Fuss bestimmten Organen zu. Wie auf einer Landkarte liegen die sogenannten Reflexpunkte auf der Fusssohle verteilt. Durch die Massage dieser Zonen soll die Organfunktion verbessert und Selbstheilungskräfte angeregt werden.
Qi-Gong, Tai Chi
Qi-Gong und Tai Chi kommen in der Kampfkunst, der Meditation und in der Medizin zur Anwendung. Beide Methoden bestehen aus zahlreichen Übungen für Körper, Seele und Geist und sollen ebenfalls unsere Selbstheilungskräfte im Körper aktivieren.
Das Wort „Qi“ kann mit Lebensenergie übersetzt werden und „gong“ bedeutet so viel wie diszipliniertes Üben. „Tai Chi“ hingegen wird mit „der feste Balken“ übersetzt.
Qi-Gong ist integraler Bestandteil der TCM und besonders als präventive Massnahme geeignet. Wer Qi-Gong oder Tai Chi übt, verfeinert seine Selbstwahrnehmung und nimmt körperliche sowie psychische Befindlichkeiten bewusster wahr, davon geht die TCM-Lehre aus.
Shiatsu
Shiatsu ist eine ganzheitliche und sanfte Behandlungsmethode und wirktdurch präzise Berührungen, Dehnungen und Druckausübung entspannend auf den Körper. Shiatsu soll ausserdem seelische Blockaden lösen und Energie anregen.
Wie das funktioniert? Der Shiatsu-Therape gibt dem Körper während der Behandlung jene Impulse, die er benötigt, um die Energien wieder frei fliessen zu lassen. Dies soll Selbstheilungskräfte aktivieren und Ungleichgewichte ausgleichen.
Shiatsu wird vor allem angewendet, um das Immunsystem zu stärken. Eine Behandlung wirkt ebenfalls bei akuten oder chronischen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Verspannungen, Stress, Trauma, Unwohlsein und vielen weiteren ähnlichen Beschwerden.
Auch bei der Unterstützung innerer und äusserer Prozesse und Veränderungen, etwa bei Wechseljahresbeschwerden, kann eine Shiatsu-Therapie angewandt werden. Während der Schwangerschaft und nach der Geburt unterstützt Shiatsu den aktiven und regenerativen Aufbau der Qi-Funktionen.
Gua Sha
Gua Sha ist eine Schmerztherapie und zugleich eine beliebte Massagetechnik aus der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Dabei handelt es sich um eine sogenannte Schabmassage, die schmerzende Körperareale mit unterschiedlichen Kämmen (aus Büffelhorn) bearbeitet. Bei einer Behandlung der Wirbelsäule verwendet der Therapeut beispielsweise tulpenförmige Kämme.
Gua Sha soll die Durchblutung fördern und somit den Stoffwechsel anregen sowie unser Immunsystem stärken. Kreislaufbeschwerden oder Kopfschmerzen werden besonders gerne mit Gua Sha behandelt.
Schröpfen
Die Schröpftherapie arbeitet mit sogenannten Schröpfgläsern, welche an die Haut angelegt werden und kleine Blutergüsse erzeugen. So werden Selbstheilungskräfte im Körper aktiviert, besagt die TCM-Lehre.
Es gibt drei unterschiedliche Methoden in der Schröpftherapie: das trockene Schröpfen, das blutige Schröpfen und die Schröpfmassage. Die drei Formen können bei den unterschiedlichsten Beschwerden eingesetzt werden.
Die Traditionelle Chinesische Medizin entwickelte die Schröpftherapie aus dem antiken Ägypten weiter, um Blockaden zu lösen und um die Haut, das Bindegewebe und die Muskulatur zu lockern oder zu durchbluten.
Atemtherapie
Die Atemtherapie ist eine Methode der Traditionellen Chinesischen Medizin, die Atmung und Körperempfindungen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellen soll.
Bei einer Behandlung werden individuelle Ressourcen erkannt und der Atem wird den Bedürfnissen wieder angepasst. Dieses Verfahren soll die persönliche Entfaltung ermöglichen und kann Stärken über die Atemarbeit entwickeln und ausbauen. Stress und Anforderungen können somit besser bewältigt werden.
In der Atemtherapie gibt es ebenso verschiedene methodische Ansätze wie zum Beispiel Wahrnehmungsübungen, Aufmerksamkeitstraining oder Atem- und Bewegungsübungen.
Studien zur Traditionellen Chinesischen Medizin
Die deutsche „Klinik am Steigerwald“ hat die Therapieerfolge ihrer Patienten, welche mit TCM behandelt wurden, einmal genauer überprüft. Nachdem die Patienten entlassen wurden, stellten die Wissenschaftler fest, ob sich ihr Zustand deutlich gebessert, leicht gebessert, leicht verschlechtert, verschlechtert hat oder unverändert blieb.
Ausgewertet wurden 1972 Patienten, die zwischen 1999 und 2007 stationär mit der Traditionellen Chinesischen Medizin behandelt wurden. Von 74% dieser Patienten wertete das Team eine Nachbefragung von bis zu einem Jahr aus.
In der Zeitschrift "Forschende Komplementärmedizin" sind im Dezember 2010 dazu die Ergebnisse veröffentlicht worden.
1.) Beschwerden am Bewegungsapparat
Die Studien zeigen, dass bei insgesamt 46% der Patienten die Beschwerden am Bewegungsapparat deutlich vermindert wurden. Durch die Therapie mit TCM, haben sich die Beschwerden bei nur 7% der Patienten verschlechtert.
2.) Müdigkeit und Erschöpfung
Des Weiteren wurde dokumentiert, wie Patienten mit Müdigkeits- und Erschöpfungszuständen auf eine TCM-Therapie reagieren. Die Studie zeigt, 58% der Patienten konnten ihre Energielosigkeit deutlich bekämpfen. Bei 20% der Patienten blieb die Behandlung mit TCM erfolglos.
3.) Störungen der Temperaturregulation
Durch eine Behandlung mit Traditioneller Chinesischer Medizin konnten bei 45% der Patienten Störungen der Temperaturregulation deutlich verbessert werden. 17% der Patienten bemerkten leichte Besserung und bei 25% der Patienten blieb die Behandlung erfolglos.
4.) Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich
Auch die Behandlung bei Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich wurde untersucht. 52% der Patienten mit Kopf- und Nackenbeschwerden konnten durch eine TCM-Behandlung eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden verzeichnen. 17% der Patienten verspürten eine leichte Besserung und bei 8% der Patienten verschlechterte sich der Zustand.
5.) Nervosität und innere Unruhe
Etwa 62% der Patienten mit Unruhe und Nervosität bemerkten eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden nach einer TCM-Behandlung. Leichte Verbesserungen spürten 15% und bei 16% der Patienten blieb der Zustand unverändert.
6.) Störungen mit dem Verdauungssystem
Eine TCM-Behandlung hatte bei 53% der Patienten mit Verdauungsbeschwerden einen deutlichen Erfolg. 14% der Patienten bemerkten leichte Erfolge und bei 22% blieben die Verdauungsstörungen unverändert.
7.) Schlafstörungen
47% der Patienten mit Schlafstörungen, konnten nach einer TCM-Behandlung deutliche Entlastung spüren. 28% der Patienten behielten ihre Schlafprobleme und bei 15% konnte ein leichter Erfolg verzeichnet werden.
8.) Essstörungen
Ganze 73% der Patienten mit Essstörungen konnten nach der Behandlung mit der Traditionellen Chinesischen Medizin deutliche Verbesserungen ausmachen und 10% empfanden leichte Verbesserungen ihrer Beschwerden.
9.) Erkrankungen des Immunsystems / Allergien
Hierbei zeigte sich, dass bei 67% der Patienten mit Erkrankungen des Immunsystems deutliche Verbesserungen spürbar waren. 11% erzielten leichte Verbesserung und bei 17% zeigte sich keine Wirkung durch eine TCM-Behandlung.
10.) Depressionen
Bei 70% der Patienten, die an Depressionen litten, konnten deutliche Erfolge verzeichnet werden. Bei 12% wurden leichte Erfolge festgestellt und 14% konnten keine Verbesserungen feststellen.
Komplementärmedizin: Was zahlt die Grundversicherung?
Seit Anfang 2012 gehören immerhin fünf verschiedene Methoden der Komplementär-Medizin zum Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung in der Schweiz: die anthroposophische Medizin, die Homöopathie, die Neuraltherapie, die Phytotherapie und die Traditionelle Chinesische Medizin.
Vorerst werden diese fünf Behandlungen bis zum Jahr 2017 vergütet und danach noch einmal auf ihre Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft.
Trotz dieser Regelung ist es ratsam eine Zusatzversicherung abzuschliessen. Grund dafür ist, dass nur Behandlungen von der Grundversicherung vergütet werden, wenn sie von einem Arzt mit einer Zusatzausbildung im Bereich der Komplementärmedizin therapiert werden, berichtet die Schweizerische Eidgenossenschaft.
Doch diese Fachpersonen machen nur einen Bruchteil der insgesamt circa 10.000 nichtärztlichen Therapeuten aus der Komplementärmedizin aus. Sollten Sie sich also dazu entschliessen, sich von einem Therapeuten mit Ausbildung und nicht mit Studienabschluss behandeln zu lassen, müssen Sie die Kosten für die Behandlung nach TCM eventuell selbst tragen.
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