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Lokalname im Kanton Luzern;
bezeichnet die nicht zur Stadt, zum Entlebuch
oder zu den sog. Ländern (Weggis, Vitznau
und Greppen) gehörende luzernerische Landschaft. Früher allgemein gebräuchlich und z. B. auch von den Schriftstellern
Anton Philipp von Segesser und Kasimir Pfyffer in ihren Werken angewendet, kann der Ausdruck Gäu für das Land und Gäuer
für dessen Bewohner auch heute noch im Volksmund gehört werden. Die Bewohner des Gäu unterschieden
sich einst von denen der übrigen Teile des Kantons in mehrfacher Beziehung, wie in Körperbau.
Sitten,
Bräuchen und Mundart. Ebenso war auch die politische Verwaltung im Gäu eine von der des Entlebuch oder der Stadt Luzern
abweichende.
Nach Kasimir Pfyffer bestand die Tracht des Gäuers aus Pluderhosen von grobem Leinen, einem langen roten
Kamisol, einer kurzen grobleinenen Jacke und einem Strohhut mit kleiner «Güpfe» und breitem Rand. Noch heute spricht der
Gäuer einen Dialekt, der sich von dem in der Stadt, dem Entlebuch
und den Ufergemeinden am See üblichen merklich unterscheidet und
selbst wieder verschiedene lokale Abänderungen zeigt.
Während er sich besonders in den Aemtern Sursee und Willisau
und in einigen Landgemeinden des Amtes Luzern
ziemlich gleichförmig ausgebildet
hat, zeichnet er sich z. B. im Seethal durch hellere Aussprache der Vokale aus, und in den Gemeinden Schongau und Aesch, die
vor 1798 zum Freiamt gehörten, gilt noch vorwiegend der Freiämterdialekt. Aber auch in anderen Beziehungen
noch nahm das Gäu im Kanton einst seine besondere Stelle ein: seine Bewohner waren Ackerbauer und Viehzüchter, während
im Entlebuch
und in den Ländern die Alpwirtschaft vorherrschte und der Städter sich mehr dem Handel und Gewerbe widmete.
Desgleichen sind die Häuser im Gäu in ihrer Bauart von denen in den übrigen Kantonsteilen merklich
verschieden. Die einst scharf ausgeprägte Sonderstellung des Gäuers in Bezug auf Sitten,
Bräuche und Charaktereigenschaften ist
heute unter dem Einfluss der Verkehrs- und Schulverhältnisse und der beständigen Bevölkerungsbewegung zum grossen Teil
ausgeglichen, kann aber von einem aufmerksamen Beobachter doch noch in manchen Einzelheiten wahrgenommen
werden. Die Landschaft hatte einst auch einen ihr eigentümlichen Tanz, den sog. Gäuer, der von Reisläufern aus Italien
her eingeführt worden zu sein scheint und heute fast ganz in Vergessenheit geraten ist, so dass nur noch einige alte Leute
zu «gäuerlen» verstehen.