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Gian Battista Mantegazzi (1889-1958)
Aufgewachsen in Riva San Vitale TI in bäuerlichen Verhältnissen kam Gian Battista Mantegazzi durch seinen Vater schon früh mit der Blasmusik in Berührung: Er durfte schon mit 11 Jahren in der Dorfmusik mitblasen. Seine Begabung wurde von Freunden entdeckt, welche dem Vater rieten, ihn Berufsmusiker werden zu lassen. Da aber zu jener Zeit die Musik als brotlose Kunst galt, musste Gian Battista zuerst eine Malerlehre absolvieren. Während des Ersten Weltkriegs besuchte Mantegazzi das Genfer Konservatorium, später die Musikhochschule in Bologna, welche er 1919 mit der Auszeichnung "Maestro" verliess. In Genova/Nervi fand er seine erste Anstellung als Direktor der Banda Municipale und als Leiter der Musikschule "Giuseppe Verdi". Unter dem Druck des faschistischen Regimes musste er 1924 Italien verlassen, uns so kehrte er in sein Heimatland zurück, wo er sich anfänglich mit Komponieren über Wasser halten konnte.
Am 5. Oktober 1924 wurde Mantegazzi aus 53 Bewerbern zum Direktor der Stadtmusik Schaffhausen gewählt. Hier entwickelte er eine ungeheure Schaffenskraft trotz des Heimwehs, das ihn quälte. Ab 1928 übernahm er auch die Stadtmusik Zürich. Es wurden einige gemeinsame Konzerte veranstaltet. Mantegazzi spielte fast ausschliesslich Bearbeitungen von italienischen, französischen und auch deutschen Werken, und er brachte die beiden Blasorchester auf eine höchste Stufe.
Wegen krisenbedingter Lohnkürzungen musste er sich nach einem dritten Verein umsehen. Zur selben Zeit wurde in Thalwil Max Böhm, langjähriger Leiter der Harmonie, nach Unstimmigkeiten mit dem Verein abgesetzt. Und man hatte das Glück, in Gian Battista Mantegazzi einen komptetenten und erfahrenen Nachfolger zu finden, der nicht nur imstande war, das Niveau zu halten, sondern zu verbessern. Auch in Thalwil spielte er vor allem schwierige Transkriptionen, welche beim hiesigen Publikum bestens ankamen.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erhielt Mantegazzi den Auftrag, ein Armeespiel in Harmoniebesetzung aufzubauen. 1941 unternahm dieses 110 Bläser und 30 Tambouren starke "Armee-Symphonie-Orchester" eine grosse Konzert-Tournee in der deutschen und italienischen Schweiz mit Gastkonzerten sowie Ständchen in Spitälern. Es wirkte auch bei militärischen Anlässen, wie dem Rütli-Rapport oder beim Defilee in Luzern mit. Im Spiel waren sehr viele Musikanten aus seinen drei Vereinen dabei. Deshalb blieb die Kritik einiger nicht berücksichtigter Musikanten nicht aus, und als dazu auch noch in den obersten Armeekreisen gegen das Armeespiel intigriert wurde, löste sich dieses nach einem Schlusskonzert am 1. August 1941 wieder auf.
Nach den Kriegsjahren erlebte die Harmonie Thalwil unter der Leitung von Maestro Mantegazzi viele musikalische Höhepunkte an Konzerten und Reisen. So wurde 1949 Geonova/Nervi, die erste Wirkungsstätte des Maestro, besucht, und die Harmonie gab vor 3000 Zuhörern ein Platzkonzert, welches so heftig applaudiert wurde, dass einige der Kompositionen bis zweimal wiederholt werden mussten.
1949 erhielt Mantegazzi für sein erfolgreiches Wirken den Ehrenpreis der Stadt Zürich. Er war auch Lehrer am Konservatorium, leitete Dirigentenausbildungskurse des Zürcher Kantonalmusikvereins und war gerngehörter Referent an Fachtagungen. Daneben komponierte er viel. Von seinen insgesamt 254 Werken waren 90 für Blasmusik gesetzt.
"Mantegazzis tonschöpferische Kraft liegt hauptsächlich in der Erfindung von originellen und zündenden Melodien, welche in ihrer Substanz eine Symbiose von heimatlicher Folklore und dem "bel canto" der italienischen Instrumental- und Opernmusik darstellen" (W. Biber).
Gian Battista Mantegazzi war ein kompetenter, liebenswürdiger, konzilianter und zuvorkommender Leiter, ja fast eine Vaterfigur. Die mitwirkenden Jungen lernten durch ihn nicht nur ausgezeichnet musizieren, sondern auch gute Blasmusikliteratur kennen und schätzen. Seine Art, Musik zu vermitteln war mit seiner Persönlichkeit vergleichbar: herzlich, spontan und sehr bestimmt. Er stellte hohe Anforderungen an seine Musikanten, was aus den Programmen hervorgeht. Mit seiner Art pägte Maestro Mantegazzi die Geschichte der Harmonie Thalwil in den Jahren 1938 bis zu seinem Tode im Jahre 1958.
Quellen: Text: "100 Jahre Musikverein Harmonie Thalwil"; Photos: Archiv Harmonie, Archiv Ortsmuseum Thalwil