Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03356.jsonl.gz/2447

Ein 33-jähriger Berner musste sich gestern am Polizeigericht des Sensebezirks wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger schwerer Körperverletzung und des Nichttragens des Sicherheitsgurtes verantworten.
«Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich auf die gegenüberliegende Fahrbahn gelangt bin», sagte der Berner gestern vor dem Polizeirichter Peter Rentsch aus. Im Sommer 2015 war er mit einem Lieferwagen von Bösingen in Richtung Düdingen unterwegs. In einer Schlange von drei bis vier Autos folgte er einem Lastwagen mit angekoppeltem Tieflader. Die Autos vor dem Berner überholten den Lastwagen, er jedoch schloss zu ihm auf und unterliess ein Überholmanöver. In entgegengesetzter Richtung fuhren eine Senslerin und ein Sensler in einem Personenwagen. Da geschah es: Der Lieferwagen kollidierte frontal mit dem Personenwagen auf dessen Fahrbahn, die damals 72-jährige Beifahrerin des Personenwagens verletzte sich schwer. 18 Tage später erlag sie im Freiburger Spital ihren Verletzungen.
Neue Beweisaufnahme
Niemand der Beteiligten trug einen Sicherheitsgurt. Dieser Sachverhalt wurde gestern am Polizeigericht vom Anwalt des Angeklagten, Beat Luginbühl, sowie vom anwesenden Freiburger Staatsanwalt Markus Julmy breit diskutiert. Luginbühl verlangte eine neue Beweisprüfung, so wolle er ein biomechanisches Gutachten erstellen lassen, das den Zusammenhang zwischen den Verletzungen der Verstorbenen und dem Nichttragen des Sicherheitsgurtes untersuche. Zusätzlich solle der Freiburger Facharzt für Chirurgie, Claude Meyer, als Zeuge vorgeladen werden. Er hatte zu einem früheren Zeitpunkt vor der Staatsanwaltschaft die Aussage gemacht, dass das Tragen eines Sicherheitsgurtes die Verletzungen hätte verhindern oder zumindest verringern können. Der Polizeirichter Peter Rentsch lehnte diese Forderungen ab, da die Dokumentation der Aussage von Claude Meyer sehr ausführlich sei und ein biomechanisches Gutachten nur dann durchgeführt werde, wenn Dritte involviert seien. In diesem Fall seien jedoch klar nur zwei Parteien involviert.
Ursache und Wirkung
Julmy argumentierte, dass der Faktor «Sicherheitsgurt» wichtig sei, doch sei er nicht entscheidend für den Tod der Senslerin. Vielmehr sei hier der Tatbestand gegeben, dass keine Kollision stattgefunden hätte, wäre der Angeklagte nicht auf die falsche Fahrbahn geraten. Julmy beantragte einen Schuldspruch in allen Anklagepunkten, eine Strafe von 90 Tagessätzen bedingt auf zwei Jahre und eine Busse von 2000 Franken. Zusätzlich solle der Beschuldigte die Gerichtskosten übernehmen. Anwalt Luginbühl beantragte bei der fahrlässigen Tötung einen Freispruch sowie einen Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Die Strafe solle auf 35 Tagessätze und eine Busse für das Nichttragen des Sicherheitsgurtes festgelegt werden.
Rentsch verurteilte den Berner in allen Anklagepunkten und setzte eine bedingte Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu 90 Franken, mit einer Probezeit von zwei Jahren fest, sowie eine Busse von 1500 Franken. Die Gerichtskosten, -gebühren und Auslagen von 20 000 Franken müssen vom Angeklagten getragen werden.