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Tänzer schlafen schlechter und kürzer, je näher die Premiere kam. Die möglichen Folgen des Schlafentzugs reichten von Schnelligkeitsverlust über Kraftlosigkeit bis hin zu einer drohenden Gewichtszunahme, so der Schafmediziner Ingo Fietze.
Vorgehen der Studie
Die Doktorandin Jutta Strauch hat die Lebensqualität und Schlafqualität bei Balletttänzerinnen und Balletttänzern des Berliner Staatsballetts untersucht. Unter anderem wurde dies mit einem Schlaf-Tagebuch und Aktimetrie erforscht. Bei der Aktimetrie wird während des Schlafs die Bewegung über einen kleinen Sensor am Handgelenk gemessen.
Studie verlief über 77 Tage. Es nahmen 28 Tänzer teil, wobei am Schluss der Vollständigkeit halber die Daten von 24 Tänzern benützt werden konnten. Am Ende der Studie stand die Premiere eines neuen Ballettstücks, wobei das Stück zusätzlich zum laufenden Spielplan einstudiert und geprobt werden musste. Dies bedeutet zusätzliche Belastung Anspannung, mehr Arbeit und psychischen Druck.
Resultate der Studie
Jutta Strauch beschreibt die Resultate folgendermassen:
- In der psychischen Lebensqualität sind die Tänzer signifikant schlechter, aber in der physischen Lebensqualität weisen sie ähnliche Werte wie die altersgleiche Normgruppe auf. Die Hypothese, dass die Schlafqualität mit Zunahme von psychischer und physischer Belastung abnimmt, kann bestätigt werden, denn die Schlafeffizienz und -dauer nehmen im Verlauf der Studie signifikant ab.
- Die Hypothese, dass mit abnehmender Schlafqualität Verletzungen gehäuft auftreten, kann nicht bestätigt werden.
- Es zeigte sich eine signifikante Abnahme der Schlafeffizienz und -dauer über den gesamten Studienzeitraum. Am Ende der Studie war der Höhepunkt an psychischer und physischer Belastung in Form einer Premiere erreicht, was sich auch in den Schlafparametern widerspiegelte.
Schlussfolgerung
Von den Schlussfolgerungen könnten sich nicht nur Tänzern, sondern auch andere Künstler und Otto-Normalverbraucher inspirieren lassen:
Schlaf ist eine Grundvoraussetzung für hohe Lebensqualität und ein gesundes Leben. Deshalb sollte jede Tänzerin und jeder Tänzer nicht nur über seinen persönlichen Schlaf informiert sein, sondern auch die Möglichkeit eines individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus erhalten, um von der Ressource Schlaf optimal profitieren und den Anforderungen an Wachheit und Leistungsfähigkeit gerecht werden zu können. Aus diesem Grund und als Folge der Studien-Ergebnisse haben die Balletttänzerinnen und Balletttänzer im Staatsballett Berlin einen Ruheraum zur Verfügung gestellt bekommen, der ihnen zwischen den Proben die Möglichkeit zum Schlafen, Ausruhen, Entspannen und „Nappen“ gewährt.
Quelle:
- Publikation:
Ein Artikel zu der Studie wurde in Chronobiology International, Volume 26, Issue 6 August 2009 , pages 1249 - 1262 veröffentlicht
- Link auf die Original-Dissertation:
Erfassung des Schlaf-Wachverhaltens sowie von Schlafstörungen bei Tänzerinnen und Tänzern des Berliner Staatsballetts, Dissertation von Jutta Strauch vorgelegt am Interdisziplinären Schlafmedizinischem Zentrum der Medizinischen Fakultät Charité – Universitätsmedizin Berlin bei Dr. med. I. Fietze et al., 2010 (Auszug S. 67/68)
- Link auf die Metadaten der Universitätsbibliothek:
Erfassung des Schlaf-Wachverhaltens sowie von Schlafstörungen bei Tänzerinnen und Tänzern des Berliner Staatsballetts, Strauch, Jutta, 2010