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Claudia führte die Immobilienmaklerin durch die Wohnung, zeigte ihr erst die frisch gefliesten Bäder und pries dann die neu gelieferten Möbel an, während sie zurück in die offene Küche und den Wohnbereich gingen. Die Sonne schien, und sie hatte die Türen zur Terrasse geöffnet – es war einer dieser Tage, an denen es unmöglich war, sich hier nicht wohlzufühlen.
»Es ist atemberaubend, absolut atemberaubend«, sagte die Maklerin und ließ die Hände über die marmorne Arbeitsfläche in der Küche gleiten. »Ich bin sicher, die verkaufen wir sehr schnell. Wann wollen Sie sie anbieten?«
»Ich werde mich noch diese Woche entscheiden«, sagte Claudia, blickte auf das Sofa im Freien und sah sich schon wieder dort sitzen. Aber wenn sie hierblieb, musste sie sich eine andere Arbeit suchen. Sie konnte sich das nächste Projekt auf keinen Fall leisten, solange sie nicht diese Wohnung verkauft hatte.
»Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie sich entschieden haben«, bat die Maklerin. »Wir haben mit Sicherheit Kunden, die die Wohnung besichtigen wollen, bevor wir sie inserieren.«
Claudias Telefon brummte in ihrer Tasche, und sie nahm es heraus. Termin mit Anwaltskanzlei. »Es tut mir sehr leid, aber ich habe gerade gemerkt, dass ich zu spät zu einem Meeting komme«, sagte sie. »Ich melde mich sehr bald bei Ihnen. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind!«
Schnell führte sie die Maklerin hinaus und lief in ihr Schlafzimmer, wo sie ihre Kleidung durchwühlte und einen Blazer herausholte, den sie über ihr weißes T-Shirt zog. Sie fand eine Jeans und ordentliche Turnschuhe und schlüpfte mit den Füßen hinein, schnappte sich bereits im Gehen ihre Tasche und eilte zur Tür. Sie schaute auf die Uhr.
Die U-Bahn vom Sloane Square nach Paddington fuhr alle zehn Minuten, was bedeutete, dass sie es schaffen sollte, rechtzeitig in die Kanzlei zu kommen. Falls nicht, würde ihre Mutter ziemlich sauer auf sie sein.
Claudia traf schließlich zehn Minuten zu früh in den verglasten Büros von Williamson, Clark& Duncan ein, und nachdem sie mit der Empfangsdame gesprochen hatte, setzte sie sich in den Wartebereich und atmete erst einmal tief durch. Sie hasste es, zu spät zu kommen, weshalb sie die Strecke vom U-Bahnhof zur Kanzlei im Laufschritt zurückgelegt hatte, was überhaupt nicht nötig gewesen war. Es warteten noch mehrere Leute hier, die überraschenderweise fast alle weiblich und in einem ähnlichen Alter waren wie sie. Ein paar blätterten in Zeitschriften, andere saßen wie sie mit der Tasche auf dem Schoß da und sahen sich im Raum um.
Sie hatte keine Zeit gehabt, viel über den Termin nachzudenken, aber jetzt, wo sie hier war, neigte sie dazu, ihrer Mutter zuzustimmen. Allein die Räumlichkeiten genügten, um sie zu überzeugen, es machte alles einen sehr gediegenen Eindruck.
Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, erhob sich die freundliche junge Empfangsdame hinter dem Tresen und rief gleich eine ganze Reihe von Namen auf, nicht nur ihren.
Einige der Frauen wechselten einen überraschten Blick mit ihr, und Claudia trat zurück, um zwei von ihnen vorgehen zu lassen. Sie bekam mit, wie eine von ihnen etwas von einer Erbschaft erwähnte, und wurde hellhörig.
Hmm, über eine Erbschaft habe ich noch gar nicht nachgedacht. Wie schön wäre das denn?
Die Gespräche um sie herum verstummten abrupt, als sie in einen großen Konferenzraum und zu ihren Plätzen an einem Tisch geführt wurden, an dessen Kopf sie ein gut gekleideter Mann erwartete. Zu seiner Linken saß eine Frau Mitte dreißig, die alle Hereinkommenden mit großen Augen ansah. Sie war tadellos gekleidet in eine Seidenbluse und eine schwarze Hose mit hoher Taille. Sie erinnerte Claudia tatsächlich an sich selbst, als sie noch in der Finanzbranche tätig gewesen war. Beinahe vermisste sie ihre alte Garderobe, wenn sie sie so ansah.
Claudia nahm ein Papier entgegen, das ihr gereicht wurde, lehnte sich zurück und ließ ihren Blick darüberschweifen, während der Mann zu sprechen begann. Sie war nicht überrascht, als er zugab, wie seltsam es war, sie alle als Gruppe zusammengerufen zu haben.
Sie schaute sich im Raum um, neugierig, ob eine der anderen Frauen wusste, warum sie hier waren, oder ob es ihnen allen so ging wie ihr und sie nicht die geringste Ahnung hatten. Claudia lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück, als der Anwalt aufstand, ein paar Schritte nach vorne ging und eine Hand lässig in seine Tasche schob, während er lächelnd weitersprach.
»Ich bin John Williamson, und dies ist meine Klientin Mia Jones. Es war ihr Vorschlag, Sie alle heute hier zusammenzubringen, um dem Wunsch ihrer Tante Hope Berenson zu entsprechen. Unsere Kanzlei hat auch sie vor vielen Jahren ver