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PORTRAIT DR. SANDUK RUIT
«ICH WÜNSCHE MIR EINE WELT, IN DER KEINE MENSCHEN UNNÖTIGERWEISE BLIND SIND»
2006 erhielt Dr. Sanduk Ruit den Ramon Magsaysay Award, das asiatische Pendant zum Nobelpreis. Bisher hat er über 105 000 Katarakt- Operationen durchgeführt. Durch seine Opera- tionstechnik erhielten weltweit 3 bis 4 Millionen Menschen ihr Augenlicht zurück. Er bildete mehr als 500 Chirurgen in seiner Methode aus und reiste für Augencamps nach Tibet, Nord- korea, Afghanistan, Bhutan, Burma, Indonesien, Äthiopien, Ghana, Nicaragua und andere Entwicklungsländer.
Dr. Sanduk Ruit stammt aus dem nepalesischen Olang chunggola, einem armen Dorf auf über 3000 Metern über Meer, das weder mit Elektrizität noch mit einer Schule ausgestattet war. Um überhaupt eine Schulbildung zu er halten, kletterte er als Junge auf tagelanger und gefährlicher Wanderung die unwegsamen Hänge des Himalajas hinunter nach Darjeeling.
1971 wechselte er an das Tri Chandra College in Kathmandu, nach dessen Abschluss er in Indien sein Medizinstudium aufnahm.
Nach Ende des Bachelorstudiums arbeitete er in einem nepalesischen Präventionsprogramm gegen Blindheit und erhielt die Möglichkeit ein Augencamp zu besuchen, wo ihm erstmals bewusst wurde, dass selbst kleinste Veränderun gen die Lebensqualität der ärmeren Menschen in abgelegenen Dörfern immens verbessern können. So fasste er den Entschluss, sich im All India Institute of Medical Science zum Augenarzt zu spezialisieren, gefolgt von weiteren Ausbildungen in den Niederlanden und den USA, bis er schliesslich seinen zukünftigen Mentor Dr. Fred Hollows kennen lernte und mehrere Jahre in Australien verbrachte.
Einige Zeit nach seiner Rückkehr nach Nepal gründete er 1992 das Tilganga Eye Centre, welches heute etwa 400 Angestellte hat und im Jahr 2013 rund 70 074 Augen Operationen durchführte. Er entwickelte die –
nach ihm benannte – Ruitectomy, eine einfache, stichfreie Operationsmethode, die es erlaubt die Linse in Rekordzeit zu ersetzen. Zu Beginn wurde seine Methode von der internationalen Ärztegemeinschaft belächelt und kritisiert. Von führenden Experten verteufelt und von nepalesischen Behörden verhört, musste er über sechs Monate im Geheimen operieren, um der Welt zu beweisen, dass er im Recht lag. Heute werden rund um den Globus Chirurgen in der Ruitectomy ausgebildet, sogar das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika liess seine besten Ärzte bei Dr. Ruit schulen.
Die verwendeten Linsen werden im heutigen Tilganga Insti tute of Ophthalmology (TIO), Kathmandu, selbst hergestellt und kosten einen Zehntel vom üblichen Preis. Die nepalesischen Linsen, über die sich früher die Spezialisten noch lustig machten, werden heute millionenfach in über 60 Länder exportiert, auch nach Deutschland und Japan.
Während sich in der Schweiz die Operationskosten von Grauem Star auf etwa Fr. 2500.– belaufen, zahlen Dr. Ruits Patienten nur Fr. 25.– bis 50.–.
Im März 2014 erhält Dr.Ruit von der Schwab Foundation for Social Entrepreneurship, welche dem World Economic Forum WEF in Davos angeschlossen ist, einen Award für seine Arbeit. Diese Auszeichnung zeugt von der internationalen Anerkennung seines Engagements für erblindete Menschen in Drittweltländern.