Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03420.jsonl.gz/1983

27.09.2018 - Josef Ritler
27.09.2018
Josef Ritler
Seesperre Nas am Vierwaldstättersee
An der engsten Stelle des Vierwaldstättersees zwischen Vitznau LU und dem Bürgenstock NW schrieb die Schweizer Armee im zweiten Weltkrieg Geschichte.
Wer heute mit dem Dampf- oder Motorschiff von Luzern nach Flüelen UR fährt, registriert zwischen Vitznau und dem Ausläufer des Bürgenstocks eine 850 Meter breite Seeenge.
Die Seeenge im Hintergrund
Im zweiten Weltkrieg beherrschten Festungen das Engnis zwischen den Nasen. So werden sie genannt. Links steht die „Ober Nas“ auf Gemeindegebiet Vitznau LU und Gersau SZ. Rechts die „Unter Nas“ auf Boden der Nidwaldner Gemeinde Ennetbürgen.
Das Militär stellte damals bald einmal fest, dass etwas für diese schwache Stelle getan werden musste. Es musste eine Seesperre her. Der Vierwaldstättersee war eine mögliche Einfallsachse der deutschen Operationsplanungen, weil er den Zugang in Richtung Gotthard ermöglichte.
So befahl General Guisan am 25. Juli 1940 am Rütlirapport auf der geschichtsträchtigen Wiese, das Réduit national zu befestigen.
So wurden die Festungen innert kurzer Zeit gebaut und in Betrieb genommen.
Der Autor beim Geschütz Bertha
Die Bewaffnung bestand aus einer 7,5-cm-Befestigungskanone 39, zwei 4,7-cm- Befestigungs-Panzerabwehrkanonen 41 und drei Maschinengewehren 11. Die Scharten lagen nur wenige Meter über dem Seespiegel. Zur Seesperre gehörte auch ein Wasserhindernis zwischen „Ober Nase“ und „Unter Nase“, das 1945 demontiert wurde.
Das Patrouillenboot der Motorbootkompanie 10 im Einsatz
Heute wird die Anlage „Ober Nas“ von der Motorbootkompanie 10 für Übungszwecke benutzt. Von hier aus üben sich die Wehrmänner mit ihren 7 Tonnen schweren Patrouillenbooten 80 in der Seeüberwachung, im Aufklären und der Seerettung. Darum ist die Besichtigung nur für Armeeangehörige gestattet. Geschossen wird auf zwei Schiessanlagen.
Von der Strasse führt eine Materialseilbahn in die Festung
Wer trotzdem die Bewilligung für die Besichtigung erhält, staunt nicht schlecht. Hinter einer getarnten Felswand an der Kantonsstrasse führt durch einen Aufzugs-Stollen eine steile Materialbahn ins Herzen der Anlage. Wie die Wehrmänner begibt man sich auf einem gewundenen Weg hinunter zum See. Nach wenigen Metern entdeckt man ein Plakat:
„Warnung: Sie betreten militärisch bewachtes Gebiet. Auf den Anruf „Halt!“ sofort still stehen und den Weisungen der Truppe nachkommen. Der Truppe stehen Polizeibefugnisse zu. Sie macht im äussersten Fall von der Schusswaffe Gebrauch.“
Die Festung „Ober Nas“ vom See aus. Rechts die Anlagestelle und der Eingang
Der Eingang der Festung liegt etwas oberhalb des Sees. Aus Sicherheitsgründen, wie ein Kamerad der Artillerie- und Mineurvereinigung Bremgarten+Umgebung weiss, mit denen ich die „Ober Nas“ besuchen durfte. „Wenn der Staudamm Göscheneralp bersten würde, dann wäre diese Anlage unter Wasser“.
Der Festungseingang
Der Staudamm ist als bepflanzter Erddamm ausgeführt, die Mauerhöhe beträgt 155 m, die Dammkrone ist 540 m lang. Am Fundament ist der Damm 700 m breit. Das Speicherbecken mit einem Fassungsvermögen von rund 75 Millionen Kubikmetern sammelt das Wasser aus dem Göschenertal,
Vor der Anlage „Ober Nas“ können die Patrouillenboote anlegen. Die Festung hat alles, was die Wehrmänner brauchen. Geschützstellungen, damals ein Munitionsdepot, eine Küche, ein Ess- und Aufenthaltsraum, WC-und Dusch-Anlagen, der Funkraum, ein Theorieraum, ein Getränkemagazin, eine Garderobe, ein Schlafraum mit 60 Betten, Arbeitszimmer für die Offiziere und ein Büro.
Die Scharten liegen nur wenige Meter über dem Seespiegel.
Rund um den Vierwaldstättersee wurden verschiedene Festungen und Anlagen gebaut. Einige sind noch geheim, andere können besichtigt werden wie die Festung Vitznau LU und Fürigen NW.
Kamerad Hans Rechsteiner, der die Besichtigung organisiert hat, war voll des Lobes:“Für mich ging mit der Besichtigung der interessantesten Festung ein alter Traum in Erfüllung.“
Wer trotzdem eine Festung besuchen will: Die Festung Vitznau oberhalb des Dorfes, die teils in ein Hotel umgewandelt wurde, kann auf Anmeldung besucht werden.
Fotos: Josef Ritler
Weitere Informationen über die Festung „Ober Nase“:
https://de.wikipedia.org/wiki/Seesperre_Nas
Weitere Informationen über die Festung Vitznau:
http://www.festung-vitznau.ch/www/de/01_welcome_de.php