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Auf dem Foto ist der Stausee von Palagnedra von Verdasio aus zu sehen. In Tourismus-Prospekten wurde er schon mit einem malerisch ins Tal eingebetteten „Fjord“ verglichen. Die Staumauer wurde 1952 fertig gestellt. Eine acht Kilometer lange Druckleitung führt das Wasser durch den Berg zu den Turbinen des Kraftwerks Verbano bei Brissago am Lago Maggiore.
Im August 1978 gingen die Centovalli und vor allem die Dörfer im flachen Pedemonte und die Stadt Locarno knapp an einer Überschwemmungskatastrophe vorbei. Ausgiebige Regenfälle liessen die Melezza in kurzer Zeit so stark anschwellen, dass zweitausend Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Stausee flossen. Die für höchstens achthundert Kubikmeter pro Sekunde angelegte Entlastungsöffnung zwischen der Mauerkrone und der darüber hinwegführenden Strasse wurde vom Treibholz vollständig verstopft. Das Wasser begann sich neben der Mauer durch die steilen Hänge zu fressen. Zum Glück hörte der Regen auf, bevor es zum verheerenden Durchbruch kam. In den folgenden Jahren wurde eine eigenständige Strassenbrücke über den See gebaut, so dass jetzt ein Hochwasser die Staumauer über die ganze Breite überströmen kann.
Hätte die zweiundsiebzig Meter hohe Mauer das Hochwasser nicht mehr halten können, wäre auch der 1578 gebaute „Ponte nuovo“ oder (wohl in Erinnerung an eine frühere Brücke) „Ponte romano“ bei Intragna weggerissen worden. Das Foto nahm ich nach einem heftigen Centovalli-Regen auf.
Die Meldungen von den katastrophalen Überschwemmungen in Ontario, New Brunswick und in Québec liessen mich an die mehrmals überschwemmte Piazza in Locarno denken. Wie rasch können sich idyllische Bäche in den Tälern um Locarno in reissende Wildwasser verwandeln. Das erste Foto zeigt einen Bach in den Centovalli. Die Metallbrücke neben der alten Steinbogenbrücke ist ein Ersatz für eine vom Hochwasser und den mitgerissenen Bäumen zerstörte Brücke aus Eisenbeton, die ihrerseits eine weggeschwemmte Holzbrücke ersetzte. Die zweite Aufnahme machte ich in Remagliasco vor Jahren nach einem heftigen Gewitter von der Metallbrücke aus.
Unser Garten ist schon wieder so trocken, dass nur die Kakteen gut und gern ohne Bewässerung auskommen.
Gleichzeitig beginnen seit fast zwei Wochen die Radio-Nachrichten täglich mit Meldungen von den katastrophalen Überschwemmungen mit Tausenden von Evakuierten in den Provinzen Québec, Ontario und New Brunswick.
Ob wohl in Québec City der 1984 von Charles Daudelin gestaltete Brunnen ECLATEMENT II auch unter Wasser steht? Ich fotografierte ihn im vergangenen Herbst.
Er symbolisiert die Felsen spaltende, hebende und verschiebende Kraft des Wassers, die, für die Stromproduktion gebändigt, entscheidend wurde für die wirtschaftliche Entwicklung von Provinz und Stadt Québec. In den Brunnenrand eingemeisselt ist ein Text von Bernard Lavoie:
„Imagine! Imagine l’aventure humaine au coeur de l’eau sauvage apprivoisée! Nous sommes les vagues puissantes de la pensée, les torrents de l’avenir et la lumière qui jaillit du nord. Nous changeons le monde, libres sur la toile immense de nos rêves les plus fous.“
Nach unserem Landverkauf an Her Majesty the Queen kann „unser“ Bach jetzt in zwei majestätisch imposanten Rohren unter der Secrest Hill Road durchfliessen. So wird die Strasse bei Hochwasser (Schneeschmelze und heftiger Regen kombiniert) bestimmt nie unterspült und mitgerissen werden. Ob die unterhalb der Schlucht gelegenen Häuser, Reben und Obstgärten damit vor einer weiteren Überflutung bewahrt werden, ist leider nicht so sicher…
Wenn jemand bei unserer Auswanderung vor 23 Jahren vorausgesagt hätte, dass wir Königin Elisabeth II. eines Tages ein Stück Land verkaufen würden, hätten wir über den „Joke“ gelacht. Doch jetzt haben wir es tatsächlich getan.
Nachdem der Bach, der die Grenze zu unserem Grundstück bildet, sich vor einem Jahr am Strassendamm bedrohlich gestaut hatte, beschloss das Ministerium für Transport und Infrastruktur, das Wasser in zwei grösseren Rohren unter der Strasse durch zu leiten, so dass es bei Hochwasser nicht mehr, wie letztes Jahr, zusätzlich Tag und Nacht über die Strasse in die Schlucht gepumpt werden müsste. Weil unser Grundstück nicht nur an den Bach, sondern auch an die Strasse grenzt, wurde für die Verbesserungsarbeiten ein Zipfel unseres Landes benötigt: gut 228 Quadratmeter. Das Aufgebot an Arbeitskräften und Maschinen zeigte vom ersten Tag an, dass es hier um eine dauerhafte Lösung geht.
Die wissenschaftliche Sensation habe ich für den Schluss meiner DRAO-Beiträge aufgespart: Die Meldung, dass das am 7. September 2018 in Betrieb genommene CHIME-Teleskop (Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment) bereits neue Fast Radio Bursts entdeckt hat, ging weltweit durch die Fachpresse. Die Anlage besteht aus vier 100 Meter langen Halbzylindern, die in Nord-Süd-Richtung angeordnet sind.
Ein Fast Radio Burst (FRB), Schneller Radio Blitz oder Extragalactic Fast Radio Transient ist ein einmaliger kurzer Ausbruch im Bereich der Radiostrahlung mit einer Dauer von wenigen Millisekunden in (vermutlich) extragalaktischen Entfernungen. Ursprung und Ursache sind noch unbekannt. Es gibt aber schon mehrere Theorien. So wird u.a. vermutet, die beobachtete Radiostrahlung könnte mit der Verschmelzung zweier Weisser Zwerge und einem dabei neu entstehenden massiven, schnell rotierenden Weissen Zwerg zu erklären sein oder auf die Extremform eines Riesenpulses bei einem Pulsar oder auf das Verdampfen eines Schwarzen Lochs hinweisen.
Schliessen möchte ich mit einem Satz des zu früh verstorbenen Berner Troubadours, Schriftstellers und Freunds Fritz Widmer: „U was fat dert aa, wo der Himel ufhört, hinger de letschte Stärne?“
Einhändig verhindert Marianne, dass sich der „Dish“ des 26-Meter-Teleskops weiter senkt. 2007 lud das DRAO einige Künstlerinnen und Künstler ein, zum Thema „Kosmos“ Beiträge für eine Ausstellung im Hauptgebäude zu gestalten. Meine Installation trug den Titel „Imagine the Sound of the Big Bang“. Als „Kopfhörer“ verband ich Gehörschutz-Muscheln mit meinem Antennengeflecht. Willy Loosli, ein Schweizer Freund und ehemaliger Lehrerkollege mit ausgezeichnetem Vorstellungsvermögen, schrieb mir kürzlich zu diesem Foto: „Der damals eingefangene Tinitus erinnert mich täglich an den Ur-Knall, der mit Milliarden Jahren Verspätung auf mein Trommelfell traf!“
Das DRAO wurde 1960 gegründet. Es wird vom „Herzberg Institute of Astrophysics“, einer Unterabteilung des „National Research Council of Canada“ betrieben.
Auf dem folgenden Foto sind links neben der Zufahrt zu den Gebäuden sechs der sieben Radioteleskope zu sehen, die auf Schienen über eine Strecke von 600 Metern verschiebbar sind. Rechterhand befindet sich das 2017 neu erstellte CHIME-Teleskop. Die Abkürzung steht für „Hydrogen Intensity Mapping Experiment“. Auf diese Anlage werde ich in einem späteren Beitrag zu sprechen kommen.
Vor dem Gebäude mit den wissenschaftlichen Laboratorien ( drittes Foto) stehen „museale“ Relikte des ausgedehnten Masten-Waldes, über den die Antennendrähte einer früheren Anlage gespannt waren. Rechts ist, mit momentan gesenkter „Schüssel“, das 1960 erbaute 26m-Radioteleskop, das „DRAO-Wahrzeichen“, zu bewundern. Im Gebäude hinter dem grossen „Dish“ befindet sich das „Visitor Centre“, daneben etwas weiter hinten die Anlage für solare Radiomessung (viertes Foto).
Gut zehn Autominuten von uns entfernt befindet sich das Dominion Radio Astrophysical Observatory (DRAO). Die malerischen Felsen auf dem Weg dorthin sind vulkanischen Ursprungs. Das Wasser im benachbarten White Lake verdunstet im Sommer und lässt auf dem Grund eine weisse Salzkruste zurück. Eine Warntafel steht als Fremdkörper in einer „Western“-Landschaft, in der schon Filmszenen gedreht wurden.
Vom White Lake aus sind die DRAO-Anlagen sichtbar.
Es ist seit Wochen kalt, Höchsttemperatur tagsüber zwei, drei Grad unter Null. Ums Haus herum liegt immer noch eine dünne Schneeschicht. Unser gut geheiztes Arbeitszimmer im Kellergeschoss ist so besonders attraktiv. Marianne wirkt mit wohltuend warmen Farben am Webstuhl.
Ich füge ein paar Ergänzungen in mein umfangreiches Textgewebe „Meine mitgebrachte Kindheit“ ein und arbeite an der Gedichtsammlung „Pflaumengestirn und Hasenpfeffer“. Zwischendurch male ich an zwei Bilder-Serien: „Empathische Farben“ und „PonderosArt“. Letztere ist inspiriert von den skurril geformten Rindenschuppen unserer Ponderosa-Kiefern. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich erste Resultate vorstellen kann…