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Der Raddampfer S.S. Sicamous wurde 1914 für die Canadian Pacific Railway Company gebaut. Das 60 Meter lange Schiff transportierte bis zu 300 Passagiere, Postsendungen und Fracht und erreichte eine Geschwindigkeit von 31,5 kmh. Es gab Schlafgelegenheiten und einen gediegenen Speisesaal. Die S.S. Sicamous war bis 1936 in Betrieb und wurde dann am 27. August 1951 an Land gezogen.
Das komfortable Schiff kann besichtigt und für Hochzeiten und Partys gemietet werden.
Mehr als hundert Personen fanden sich dieses Jahr am 15. April auf der S.S. Sicamous ein, um in Kleidern, die zwischen 1914 und 1936 modisch waren, Weine der lokalen Weinkellereien zu geniessen. Neben dem Schiff kann man sich den Ausflug mit einer Crêpe versüssen.
Bei unserem letzten Besuch in Penticton war er leider schon geschlossen. Wir haben uns vorgenommen, das nächste Mal rechtzeitig zu erscheinen. Beim noch immer sommerlich warmen Wetter macht es Mühe, sich vorzustellen, dass das Schiff manchmal im Eis stecken blieb.
Nachdem ich in unserem Arbeitszimmer die Fotos für diesen Beitrag zusamengestellt hatte, kam mir in den Sinn, dass hinter mir an der Seitenwand eines Büchergestells ein Bildchen hängt, auf dem ein Dampfschiff vor Locarno zu sehen ist.
Es handelt sich bei dieser Darstellung um die Vorderseite einer Todesanzeige für den am 10. September 1872 „mitten im Wirbel von politischer und wirtschaftlicher Missgunst“ in Locarno im Alter von 78 Jahren verstorbenen Francesco Antonio Franzoni.
Ich mache also diesmal nicht einen Gedankensprung von Tal zu Tal, sondern von See zu See.
Oliver verfügt über eine sehr gut organisierte und betreute Bibliothek. Die Gebühren sind in den Steuern inbegriffen. Daneben gibt es beim Community Centre eine weitere kleine Gratisbibliothek unter dem Motto: „Bring ein Buch. Nimm ein Buch.“
Aus der Nähe präsentiert sich der Bibliothekskasten so:
Er wurde von Mitgliedern des gemeinnützigen Vereins „Little Free Library“ eingerichtet. Die Organisation wurde 2009 gegründet und hat ihren Sitz in St. Paul, Minnesota, USA. LFL-Kästen gibt es in den USA und in Kanada in vielen Formen und Farben.
Auf unserer Fahrt durch den Rauch mehrerer Waldbränden nach Apex Mountain erregte eine Piratenflagge unsere Aufmerksamkeit. Was für eine Bewandtnis es wohl damit hatte?
Wir hielten an, stiegen aus und entdeckten an der zerfallenden Scheune eine Little Free Library.
Sie enthielt keine Piratenbücher.
Wir sahen uns den Flaggenmast näher an.
Offenbar erinnerte die Flagge an einen verstorbenen Robby.
Am 18. August (meinem Geburtstag…) mittags mussten wir unser Haus eines nahen Waldbrandes wegen verlassen. Weil wir im Sommer immer im Hinblick auf eine Evakuation in grossen Tragtaschen das Nötigste bereit halten, war unser Auto schnell beladen. Natürlich kam auch die Geburtstagstorte mit, die Marianne für mich gebacken hatte.
Mit unseren benachbarten Verwandten Hans und Christine und Clea mit Partner Keith würden wir alle (4 grosse Hunde inbegriffen) im „Winterhaus“ von Clea und Keith auf Apex Mountain Zuflucht finden. Vor der Fahrt nach Apex besammelten wir uns beim Lionspark in Oliver. Von dort nahm ich das folgende Foto auf:
Im „Evacuation Centre“ in Penticton konnten wir uns dann am nächsten Tag registrieren lassen.
Die Fahrt führte durch ein mit Rauch gefülltes Tal.
Vorsichtig steuerte Marianne an einem kleinen Bären vorbei.
Welch ein gutes Gefühl, im Haus von Clea und Keith in Sicherheit zu sein!
Keith servierte mir ein Bier mit passender Aufschrift.
Clea und Keith erhitzten im Mikrowellen-Ofen Pizzas, die sie tiefgefroren in ihren Vorräten hatten. Dann kam die Geburtstagstorte auf den Tisch.
Wir genossen sie sehr!
Seit vorgestern Abend sind wir alle wieder zurück, so dass wir in unseren Häusern übernachten können. Wir stehen aber immer noch unter „Evacuation Alert“, müssen die Häuser auf Befehl hin jederzeit innerhalb von zehn Minuten mit dem Nötigsten ausgerüstet verlassen können. Den ganzen Tag über sind Löschhelikopter im Einsatz.
In OK Falls weckte ein Laden meine Neugierde. „Movie Props“ – ich hatte in den letzten Jahren zwei amerikanische Filme gesehen, in denen ein junger Amerikaner mit einem alten Schweizer Militärrucksack unterwegs war. Ich bin überzeugt, dass es sich in beiden Filmen um den gleichen Rucksack gehandelt hatte. Vielleicht war der Besitzer der „Raven’s Oddities“ an meinem Militärucksack interessiert, den ich während Jahren für den Transport von beschädigten „Bluebird-Boxes“ vom und geflickten Nistkästen zum Rattlesnake Lake gebraucht hatte.
Ich brachte meinen Rucksack also nach OK Falls, wo eine offenherzige Dame die Besucher begrüsste.
Ich erzählte dem Ladenbesitzer von den beiden Filmen, sagte, es würde mich freuen, wenn mein Rucksack als „Movie Prop“ eine Filmkarriere machen könnte. Er nahm das Geschenk gern entgegen, drückte Marianne und mir dann je eine Fünfdollar-Note in die Hand: „Kaufen Sie sich eine Glace.“ Bei unserem zweiten Besuch trafen wir die dekolletierte Dame in Begleitung eines Piraten an.
Er erinnerte uns an Jonny Depp in „The Pirates of the Caribbean“.
Eigentlich hätte ich meinen Rucksack gern im Sammelsurium der „Raven’s Oddities“ fotografiert. Der Ladenbesitzer hatte ihn aber inzwischen schon an einen „sympathischen jungen Mann“ verkauft. Wir verabschiedeten uns. Im Hinausgehen fotografierte ich eine elegant gekleidete Dame …
… die ganz gut zu diesem Herrn passte.
Falls ich ein Drehbuch für einen im Okanagan Valley spielenden Film schreiben könnte, würde ich eine Szene in den „Raven’s Oddities“ von OK Falls stattfinden lassen.
Letztes Jahr stand im „Penticton Western“, dass die Okanagan Filmindustrie „verzweifelt“ qualifiziertes Personal suchte.
Vor ein paar Wochen war im Internet zu lesen, dass die Filmindustrie im Okanagan Valley floriert und hier immer mehr und grössere Filme produziert werden.
Ende Mai stellte das Schweizer Generalkonsulat in Vancouver Interessierten drei Tage lang einen Link zur Verfügung, der es erlaubte, sich am Computer den ersten Spielfim der Regisseurin Sophie Jarvis anzusehen. Sie war vorher schon mit preisgekrönten Dokumentarfilmen bekannt geworden . Bei „Until the Branches Bend“ handelt es sich um eine kanadisch-schweizerische Co-Produktion, die in Penticton und Umgebung gefilmt wurde. Als Kind verbrachte Sophie Jarvis mehrmals ihre Sommerferien in Summerland bei ihren aus der Schweiz stammenden Grosseltern. Sie weiss aus eigener Erfahrung, wie sich die Äste von Pfirsichbäumen unter der Last der reifen Früchte biegen. Penticton ist als „Peach City“ bekannt und die „Tourist Information“ befindet sich in einem grossen Pfirsich am Okanagan Lake.
Die Aufnahmen begannen am 3. August 2021 in Penticton. Der Film trug damals noch den Titel „Invasions“. Robin, die in einer Konservenfabrik arbeitet, findet in einem Pfirsich ein ihr unbekanntes Insekt. Die Untersuchung im Labor zeigt, dass es sich um einen gefährlichen Schädling handelt, der alle Pfirsichplantagen vernichten könnte.
Die Fabrik wird geschlossen, die Belegschaft unter Quarantäne gestellt. Der Grossteil der Bevölkerung des fiktiven Städtchens Montague ist jetzt arbeitslos und macht Robin dafür verantwortlich. Eindrückliche, im Studio hergestellte Bilder zeigen, wie trotz aller Vorsichtsmassnahmen riesige Insektenschwärme die Pfirsichbäume vernichten.
Eine Szene spielt auch beim „Informationspfirsich“ in Penticton. Der Film wurde in Kanada vom September 2022 an in mehreren Kinos gezeigt.
Diese biologischen Pfirsiche haben wir von einem Farmer in Oliver gekauft.
Von unserer Porch aus (392 m ü. M.) sehen wir über dem Kamin des Ateliers einen namenlosen Hügel, der sich in der Nähe des Orofino Mountain erhebt.
Den Orofino Mountain (1’546 m ü M.) haben wir schon mehrmals, den Nebenhügel noch nie bestiegen. Seine Form erinnert uns an den Pizzo Leone (1’562 m ü. M.), wie er von unserem Familienrefugium in den Centovalli (661 m ü. M.) aus zu sehen ist.
Der Pizzo Leone war und ist für unsere Familie ein beliebtes Wanderziel, das eine prächtige Sicht in die Centovalli und auf den Lago Maggiore bietet. Den auf der Landkarte namenlosen Okanagan-Hügel werden wir wohl nie besteigen. Trotzdem hat er für uns einen Namen. Wir nennen ihn „unseren Leone“. Das nächste Foto zeigt ihn im ersten Morgenlicht.
Nach Sonnenuntergang präsentiert sich unser Leone so:
Sobald die Sonne wieder aufgegangen ist …
… lässt er sich seit einigen Tagen mit einer Sonnenblume fotografieren.
Von Dienstag, 4. Juli, bis Samstag, 8. Juli, arbeiteten wir im Quail’s Nest Arts Centre von Oliver an unserem „Challenge“. Das Publikum war eingeladen, uns jeweils von 10 Uhr bis 15 Uhr bei der Verwirklichung unserer Projekte zuzuschauen.
Am Abend des 3. Juli eröffneten wir die Woche mit der traditionellen „Opening Reception“.
Jack Shadbolts Bild mit den drei leuchtend bunten Schmetterlingen war für uns alle eine echte Herausforderung,
Jeden Morgen öffnete ich das Quail’s Nest um 8 Uhr und schaltete die beiden Deckenventilatoren ein. Wer wollte, konnte so zu Beginn bei etwa 25 Grad Celsius arbeiten, bevor das Thermometer dann auf über 30 Grad kletterte.
Zwei Schmetterlinge schnitt ich mit der Laubsäge aus einer Spanplatte .
Der dritte Schmetterling ist aus Blech. Ich hatte ihn vor Jahren von meiner Nichte Clea geschenkt bekommen und an einem Stab neben meinem Atelier aufgestellt. Kaum hatte ihn im letzten Herbst ein Sturmwind umgeblasen, verschwand er unter einer Schneeschicht. Nachdem wir Jack Shadbolts „Summer Icon“ gewählt hatten, grub ich ihn als den dritten Schmetterling aus. Bevor ich die Acrylfarben auftrug, grundierte ich ihn mit einer weissen Metallfarbe.
Die Aufhängevorrichtung erlaubt es, die von Jack Shadbolt gewählte Reihenfolge der Schmetterlinge zu verändern.
Diese Anordnung gefiel mir schliesslich am besten.
Wie jedes Jahr legten wir am Samstag um Punkt drei Uhr die Arbeit nieder und versammeln uns mit unseren Werken zum Gruppenbild. Wer mit seinem Projekt nicht fertig wurde, kann es bis zum „Auftritt“ auf der Bühne des Community Centre anlässlich des „Festival of the Grape“ Ende September noch vervollständigen.
Für unseren diesjährigen „Challenge“ wählten wir das Bild „Summer Icon“ von Jack Shadbolt. Es zeigt drei farbenprächtige Schmetterlinge. Das Original ist 152.4 auf 304.8 cm gross. Auf unserer Einladung sind, etwas verändert, zwei davon zu sehen,
Jack Shadbolt wurde 1909 in England geboren. 1911 kam er mit seinen Eltern nach Victoria B.C. Nach Abschluss der High School studierte er Kunst in New York, London und Paris. Er gilt als einer der wichtigsten kanadischen Künstler und wurde mit dem Orden von British Columbia und dem Orden von Kanada ausgezeichnet. Damit die Wände im Quail’s Nest Arts Centre bei den „Opening receptions“ nicht leer sind, gestalten wir jeweils ein „pre-work“. Diesmal liessen wir uns von Shadbolts Vogelbildern inspirieren. Ich wählte ein Eulenbild.
Bei den RipOffs vertrete ich die Sparte „Installationen“, wobei ich immer auch etwas „recycled materials“ verwende. Hier das Resultat:
Vor Jahren liess ich mich von Shadbolts Eulen zu einem Porträt des Künstlers inspirieren.
Es befindet sich heute in der Sammlung der Penticton Public Art Gallery. Jack Shadbolt verbrachte mehrmals Ferien im Okanagan Valley und die PAG besitzt mehrere seiner Werke.
In Kanada zogen die Drive-in-theatres früher viele Besucher an. Sich bequem im Auto sitzend einen Film anzuschauen, war „in“. In Penticton galt in den 50-er Jahren das Pines Drive-in-theatre in Sachen Abendunterhaltung als „the place to be“.
Heute ist im Okanagan Valley nur noch ein Drive-in im Betrieb. Es befindet sich in Enderby und wurde 1996 eröffnet. Seine Leinwand stammt von einem geschlossenen Drive-in in Alberta. Sie misst 15 Meter auf 36 Meter und ist damit eine der grössten in Nordamerika.
Dieses Drive-in ist von Mai bis September offen und bietet Platz für 250 Autos. Dazu ist für Wohnwagen eine beschränkte Anzahl von Plätzen vorhanden. Essen darf mitgebracht werden, der Konsum von Alkohol ist verboten. Der Eintritt ($11 für Erwachsene, $7 für Kinder) muss bar bezahlt werden.
Kein Drive-in, sondern ein „Walk-in“ war das Kino, das unser damaliger Nachbar Urs 1993 in den Centovalli einrichtete. Dabei spannte er in den von ihm gebauten Rahmen eine Leinwand, die früher am Filmfestival von Locarno zum Einsatz gekommen war.
Auf dem Programm stand Werner Herzogs Film von 1982 „Fitzcarraldo“. Ein Generator lieferte für die Projektion die nötige Elektrizität.
Unvergesslich, wie da, umgeben von Centovalli-Hügeln, der Hauptdarsteller Klaus Kinsky als Fitzcarraldo im peruanischen Urwald ein Dampfschiff über einen Hügel transportieren liess, in der Hoffnung, mit der Gummiproduktion reich zu werden.
Im 2008 in New York erschienenen Buch „The World of Butterflies“ von Brian Cassie und Kjell Sandved werden gegen 300 Schmetterlingsarten als „milkweed butterflies“ erwähnt. Dazu gehört auch der Monarch, der mit seinem Flug aus dem Überwinterungsgebiet in Mexiko zu uns ins South Okanagan um die 3000 km zurücklegt. Er wird im Buch als „the king of the clan“ bezeichnet.
Leider hat seit Jahren kein Monarch mehr den Weg in unseren Garten gefunden. Zu unserer Freude lassen sich aber dieses Jahr besonders viele Schwalbenschwänze vom intensiv süss duftenden Milchkraut anziehen.
Auch für Bienen, Hummeln …
… und für die Kolibris ist genug Nektar vorhanden.
Ein Calliope-Männchen ergänzt hier das Zuckerwasser, das es mit langer Zunge aus unseren „Tankstellen“ leckt, mit natürlicher „Kost“, während daneben ein Western Tiger Swallowtail…