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Zur Nomenclatur der Bergeller Berge
A. Wäber ( Section Bern ).
Zur Nomenclatur der Bergeller Berge Von Wenn wir die Excursionskarte von 1878/79 mit dem entsprechenden Theile des Blattes XX des Dufouratlas vergleichen, so finden wir nicht unerhebliche Differenzen in der Nomenclatur beider Karten. Die Mehrzahl derselben ergeben sich aus der Verschiedenheit des Maasstabes Mancher Punkt, der in der Karte 1: 100000 gar nicht oder nur durch seine Quote bezeichnet war, hat in der Karte 1: 50000 den ihm zukommenden Namen erhalten. Wenn aber im Allgemeinen die revidirte Karte gegenüber dem Dufourblatte manche Bereicherung der Nomenclatur aufzuweisen hat, so hat doch hie und da auch eine Verminderung derselben stattgefunden, indem einzelne nicht genügend beglaubigte Namen bei der Revision eliminirt worden sind. Andere Abweichungen beruhen nur auf Veränderung der Schreibweise. Der kleinste aber wichtigste Theil der Differenzen endlich besteht aus eigentlichen Veränderungen und Verschiebungen der Nomenclatur, sei es, dass ein Name durch einen neuen verdrängt, sei es, dass er einem anderen Punkte zugewiesen wurde. In keinem Theile unserer Excursionskarte sind nun diese Differenzen so zahlreich und tiefgreifend, wie in dem Gebiete der Bergeller Berge, südlich der Maira, von der Bocchetta im Westen bis zum Murettopasse im Osten. Die Namen der Thäler, Alpen und Bäcbe sind zwar im Allgemeinen auf beiden Karten dieselben geblieben; diejenigen der Gipfel dagegen sind mit wenigen Ausnahmen verändert worden.
Es fällt aber für die Bergeller Berge noch eine dritte Karte in Betracht: Das Blatt IV der Zieglerschen Karte des Oberengadin ( 1: 50000 ), und dieses hat wieder seine besondere, sowohl von Dufour, wie von der Excursionskarte abweichende Nomenclatur. Von den anderen Karten und Schriften, welche dieses Gebiet berühren, schliesst sich das Kartellen des Val Masino-Districtes in Freshfield's Italian Alpsan Dufour an, Leehner's Kärtchen des Bergelldagegen im Allgemeinen an Ziegler. Auch Theobald, J. v. Tschudif ) und Weilenmannff ) haben für dieD. W. Fresbfield: Italian Alps. London 1875.
Lechner: Das Thal Bergell. Leipzig 1865.
Theobald: Naturbilder aus den rhätischen Alpen Chur 1860.
Geologische Beschreibung des Cantons Graubünden ( Text zu Blatt XX der geologischen Karte ). Bern 1866.
Gipfel im Hintergrunde des Bondascathales Namen, welche von den bisherigen officiellen Bezeichnungen abweichen.
Es existiren also für die Bergeller Berge drei wesentlich verschiedene Nomenclaturen; manche Punkte führen zwei, einzelne sogar drei Namen, und fast thäte es noth, bei Schilderungen aus dieser Gegend jedem Bergnamen die Autorität und die Synonymen beizufügen. In dieses Wirrsal der Namen hat nun die Revision der Originalaufnahmen Licht und Ordnung gebracht, und es steht zu hoffen, dass im Bergell die Nomenclatur der Excursionskarte, resp. der Blätter Maloja und Castasegna des topographischen Atlas im Maasstab der Originalaufnahmen, in der Folge nur noch bereichert und ergänzt, nicht aber wesentlich abgeändert wird. Es mag deshalb eine Vergleichung derselben mit derjenigen der anderen bisher üblichen Karten behufs leichterer Orientirung in der sachbezüglichen Literatur, wohl hier ihre Stelle finden.
Bereicherungen der Nomenclatur gegenüber der Dufourkarte hat die Excursionskarte viele aufzuweisen. So haben, um aus der Menge Einzelnes herauszugreifen, die von der Baconekette gegen das Albignathal sich senkenden Thalschluchten, die Waldungen der linken Thalflanke des Bergell und sogar manche der dieselben durchfurchenden Rüfen ihre Namen erhalten. Eliminirt worden sind dagegen bei der Revision der Name Pizzo di Sopra für den Punkt, wo der vom Pizzo dei Vanni ( M. Divene 2794 m, Dufour ) nördlich auslaufende Grat sich in zwei zu einander senkrecht stehende Aeste spaltet; der Name Cima di Caschnil für den unmittelbar nördlich vom Casnilepass aufsteigenden Felskopf ( 3044 m ) und in der Kette des Sissone der Name Cima di Roseo für den Punkt 3367, resp. 3360. Ausser der Cima di Rosso nennt die Ziegler'sche Karte in derselben Kette noch zwei Gipfel: Den Monte Eate im Grat zwischen Sissone und Cima-di Rosso und den Monte Rosso ( 31&0 m ). Auf der Excursionskarte trägt der Monte Eate weder Namen noch Quote, der Monte Rosso entspricht der Quote 3087. Es scheint auf den ersten Blick auffallend, dass so scharf ausgeprägte Bergformen, wie Cima und Monte Rosso, auf der Schweizerseite keine Namen tragen, erklärt sich aber leicht daraus, dass eben das Thal des Fornogletschers unbewohnt ist. Drüben im Thal des Malero mögen die Gipfel so heissen, wie es Ziegler verzeichnet hat; aber da es den schweizerischen Ingenieuren und Topographen nicht gestattet ist, ihre Vermessungen auf das italienische Grenzgebiet auszudehnen, so war es bei der Eevision nicht möglich, diese Namen zu verificiren, und deshalb sind sie weggelassen worden. Demselben fatalen Umstand ist es auch zuzuschreiben, dass unsere Excursionskarte an der Schweizergrenze abbricht, ohne den Südabfall auch nur anzudeuten. Es ist dies von Seiten der italienischen Eegierung eine etwas übertriebene und wenig freundnachbarliche Vorsicht. So gut .wie die schweizerischen Behörden es italienischen Genieoffizieren gestatten, behufs Herstellung der Verbindung des italienischen geodätischen Netzes mit dem schweizerischen ihre Vermessungen im Wallis zu machen, so gut sollte es auch den schweizerischen Ingenieuren erlaubt sein, ihre Revisionen auf dem italienischen Abhang der Grenzgebirge anzustellen. Eine schweizerische Irredenta gibt es unseres Wissens trotz Veltlin und Cleven nicht. Von Passnamen ist der Name Passo di Bondo, den die Dufourkarte zwischen 3385 und 3298 verzeichnet, auf der Excursionskarte weggelassen worden, wohl aus dem sehr triftigen Grunde, dass die Bezeichnung Passo für ein gangbares und auch wirklich begangenes Joch passt, nicht aber für eine Scharte, einen « Gemsenschlupf », der höchstens einmal von einem Touristen, einem Jäger oder Schmuggler benutzt wird* ). Statt des Namens zeigt die Excursionskarte eine Passlinie, kaum zweihundert Meter westlich von dem höchsten Punkte der Cima della Bondasca; auf der Dufourkarte dagegen liegt der Pass weiter nordwestlich, etwa in der Mitte zwischen dem östlichen Gipfel des Pizzo Truhinesca ( Piz Cengalo der Excursionskarte ) und dem Punkt 3298 ( Cima della Bondasca der Excursionskarte ).
Ziemlich zahlreich finden sich in den Bergeller Bergen auch die Differenzen in der Schreibweise, welche sich in der Dufourkarte nach dem Dialekt des Thales, in der Excursionskarte nach der italienischen Schriftsprache richtet. Dass diese Neuerung nicht dem revidirenden Ingenieur zu Last zu legen ist, sondern auf ausdrückliches Verlangen des Bergeller Kreisrathes erfolgte, ist bereits auf pag. 143 dieses Buches bemerkt worden. Eine glückliche ist sie gerade nicht zu nennen. Bacone statt Bacung, Cantone statt Cantun, Mongaccio statt Mungatsch muthet uns an wie etwa Blümleinsalp statt Blümlisalp, Verena's Gärtchen statt Vrenelisgärtli, Alphügel statt Alphubel. Die Schreibweise der Schriftsprache anzupassen, hat seine volle Berechtigung bei Ortschaften u. s. w., deren Namen urkundlich erwähnt und des Verkehrs wegen für weitere Kreise wichtig sind. Bei solchen handelt es sich darum, die urkundlichen Namen in leicht erkennbarer Form, unabhängig von den wechselnden Launen der Dialekte, festzuhalten. In abgelegenen, öden Berggegenden jedoch, die weitab vom Verkehr liegen, wo kaum ein Bergname irgendwo urkundlich erwähnt ist, lässt es sich schwer absehen, warum nicht die Formen Giltigkeit haben sollen, welche der Volksmund anwendet.
Auffallend zahlreich für ein so kleines Gebiet sind die Abweichungen der vierten Kategorie: Es mögen dazu verschiedene Ursachen mitgewirkt haben. Vielleicht war der Ingenieur, welcher die Originalaufnahmen machte, mit dem Italienischen oder doch mit dem äusserst rauhen Dialekt desselben, der im Bergell gesprochen wird, nicht hinlänglich vertraut; vielleicht besassen seine Führer nicht genügende Localkenntnisse. Die Hauptsache ist aber jedenfalls die, dass zur Zeit der Aufnahme die Nomenclatur noch arm und nicht vollständig festgestellt war. Für die Hirten, die ihre Heerden auf die Alpen des Bondasca- und Albignathales trieben, für die Jäger, welche die Gemse und den Bär in den Felswildnissen der Cacciabella und des Casnile-kammes verfolgten, für die Schmuggler, welche sich schwerbeladen über die italienische Grenzkette schlichen, genügten wenige Namen: die der Alpweiden, der besten Gemswechsel und hie und da einmal zur Orientirung ein Gipfelname, welcher, ursprünglich wohl nach Form oder Lage gewählt, in der mündlichen Ueberlieferung allmählich verändert oder auf einen anderen benachbarten Punkt übertragen werden konnte. Für die Mehrzahl der Bewohner des Hauptthales boten die Berge nur insoweit Interesse, als sie nutzbare Weideplätze und Waldungen aufzuweisen hatten. Der Touristenzug folgte der Malojastrasse, und nur Wenige liessen es sich gelüsten, durch die engen Thalpforten in das Innere der Seitenthäler einzudringen, deren wilde Grossartigkeit erst in neuerer Zeit beachtet zu werden anfängt. Die Nomenclatur der Gipfel entwickelt und vervollständigt sich aber nur da, wo das Interesse an den Bergen ein lebhaftes ist und stets rege gehalten wird. Das Engadin z.B. verdankt die detaillirte Nomenclatur seiner Gebirge erst den letzten 30 Jahren, d.h. der Zeit, seit welcher es der Zielpunkt einer stets wachsenden Menge von Bergsteigern geworden ist. So weiss das Dufourblatt XX von 1854 nichts von einer Fuorcla da Sella, einer Bellavista, nichts von Piz Rosatsch, Piz Minor, Piz d' Arias u. s. w., die alle in der Ausgabe desselben Blattes von 1873 verzeichnet sind. Der Maasstab ist derselbe geblieben, aber die Nomenclatur detaillirter geworden; das steigende Interesse an den Bergen hat theils neue Namen geschaffen, theils alte wenig bekannte aus der Vergessenheit an 's Licht gebracht. Im Avers ist es anders; das Thal wird heute kaum mehr vom Touristenstrom berührt, als vor 30 Jahren; es haben desshalb eine ziemliche Zahl von Bergen selbst auf den Karten 1: 50,000 noch keine Namen, einfach weil die Avner selbst keine dafür haben und sich um ihre Berge meist nur bis zu der Höhe bekümmern, soweit sie mit Vieh befahren werden können.
Auch im Berner Oberlande war vor 40 Jahren die Nomenclatur noch lange nicht so detaillirt wie jetzt: die Namen Studerhorn, Scheuchzer-, Escher-, Agassizhorn haben nicht etwa ältere Bezeichnungen des Volksmundes verdrängt, sondern sind zu Ehren dieser Forscher solchen Gipfeln gegeben worden, welche eben das Volk nicht zu benennen wusste.
So ist es auch in den Bergeller Bergen gegangen und wird noch weiter gehen; je genauer die Bekanntschaft mit und je grösser das Interesse an einer Gebirgsgruppe wird, desto mehr bereichert sich ihre Nomenclatur. Wo früher für eine ganze Kette ein Name galt und, allen Gipfeln derselben gemeinsam, bald für diesen, bald für jenen gebraucht wurde, da zeigt sich nach und nach das Bedürfniss, die einzelnen Spitzen zu individualisiren, jede für sich zu taufen und dadurch die anfangs schwankende Nomenclatur zu befestigen.
Der Hauptkamm der Bergeller Berge, soweit sie auf Schweizerboden liegen, bildet die Wasserscheide zwischen dem Gebiete der Maira, welcher die Orlegna, die Albigna, die Bondasca und Casnaggina zufliessen, und der Adda, welche aus diesen Gebirgen den Masino und im Lago di Mezzola den Fluss des Coderathales empfängt. Seine Richtung ist im Allgemeinen westöstlich, bis zum Monte Sissone, wo sich der Kamm rechtwinklig nach Norden wendet und die Wasserscheide zwischen der Orlegna und dem Malern bildet. Mit Ausnahme des Monte Sissone, welcher dem Horn-blendegneiss angehört, besteht der Hauptkamm aus Granit, dessen furchtbare Zerklüftung die wildesten und bizarrsten Gipfelformen erzeugt hat. Vom Kamme nach Norden laufen überall kurze Felssporne aus, im Volksmunde Forti genannt. Längere Ketten zweigen sich vom Pizzo dei Vanni, der Cima della Bondasca und der Cima di Castello ab und bilden die Wasserscheide zwischen den Zuflüssen der Maira. Wie der Hauptkamm, bestehen auch diese Ausläufer aus Granit, und erst an ihrem Nordabfall gegen das Thal der Maira legt sich an denselben eine Zone von Gneiss, Horn-blende- und Glimmerschiefer. An Kühnheit der Formen stehen diese Zweigketten hinter dem Hauptkamme nicht zurück. Trotzigere und schrofferen Klippen, Zacken, Zähne und Hörner als die Cacciabellakette und die Baconegruppe haben die Schweizeralpen kaum aufzuweisen und manche Spitze harrt noch ihres Namens und des Bezwingers, der ihr denselben geben soll.
Behufs grösserer Uebersichtlichkeit der vergleichenden Zusammenstellung der Nomenclatur unterscheiden wir in den Bergeller Bergen fünf Theile. Dieselben sind: 1. der Hauptkamm von der Bocchetta bis zum Monte Sissone. 2. Die vom Pizzo dei Vanni nach Norden sich abzweigende Gruppe der Dente del Lupo zwischen Casnaggina und Bondasca. 3. Das Cacciabellagebirge zwischen Bondasca und Albigna. 4. Die Cantone-Bacone-Kette zwischen Albigna, Forno und Orlegna und 5. der Fornokamm zwischen dem Fornogletscher und der obersten Stufe des Malenco-thales.
I. Der Hanptkamni.
Von der Valle di Casnaggina am Westende unseres Gebietes führt ein rauher Fusspfad über die Bocchetta nach Val Codera; bei Dufour und Lechner heisst derselbe Forcella di Rocchette; Ziegler nennt ihn wie die Excursionskarte; Weilenmann* ) schliesst zwischen beiden Namen einen Compromiss und erzielt damit den Pleonasmus Forcella di Bocchetta. Nordöstlich von diesem Passe erhebt sich der Pizzo dei Vanni ( 2794 m ) der Excursionskarte, Monte Divene nach D. und Z. Oestlich von diesem Gipfel liegt zwischen der Alp Trubinasca und Val Codera das Joch 2746 Meter, für welches der Name Passo di Trubinasca nicht unpassend wäre. Der nächste Gipfel ist der P. Trubinasca ( 2916 m ), Punkt 2950 D., Pz. Mezdi Z. Jedenfalls passt der Name Trubinasca besser für diesen direct südlich von der gleichnamigen Alp aufragenden Felsstock, als für die weiter entfernten Gipfel Badile oder gar Cengalo. An den Trubinasca schliesst sich östlich der P. Badile ( 3307 m ); bei D. heisst derselbe Cima di Tschingel ( 3308 m ), bei Z. Pz.T.urbinesca, bei L. Trubinasca, bei Th. P. Padill, und ihm folgt zwischen zwei Eiskehlen der P. Cengalo ( 3368 m ) der Excursionskarte, welchen D. P. Trubinasca ( 3385 m ), Z. Pz.B.adile oder Larg, Ti. P. Tschingel nennt. Wer je von der Terrasse von Soglio, vom Rande des Duanaplateau oder vom Eingang in 's Bondascathal diese Gipfel gesehen hat, kann keinen Augenblick im Zweifel sein, dass der Name P. Badile ( Schaufelhorn ) für beide vorzüglich passt. Beide richten sich im Hintergrunde des Thales mit jähen, glatten Granitwänden, schaufelartig zugeschärft, mächtig empor, und zwar lässt sich der scharfkantige Badile am besten mit einem Spaten, der abgerundete Cengalo mit einer Kundschaufel vergleichen. Nach W. werden auch beide öfters unter dem Namen Badile zusammengefasst und vielleicht ist dieser früher der Gesammtname für alle Gipfel zwischen dem Joch 2746 Meter und dem Passo di Bondo gewesen. Darauf deutet auch ( nach einer gefälligen Mittheilung Herrn R. Ganzoni's ) eine Aeusserung des Gemsjägers Piccenoni hin, welcher beim Uebergang über den Passo di Bondo* ) den Cengalo als Badile bezeichnete und dann, von Herrn Ganzoni auf die auffallende Schaufel-form des Badile aufmerksam gemacht, kurzweg erwiderte: « Veramente si chiama tutto Badile»** ). Anden Cengalo schliessen sich südöstlich die charakteristisch benannten Pizzi Gemelli ( Zwillingshörner, 3259 E. ); bei Z. heissen dieselben Piz Lung und Cengal. Des Passo di Bondo, der zwischen ihnen und der Cima della Bondasca den Grat überschreitet, ist bereits an anderer Stelle gedacht worden. Die Cima della Bondasca ( 3288™ E., von welcher wie eine Riesentreppe der zerklüftete Gletscher zum Bondascathal absteigt, ist bei D. nur durch die Quote 3298 bezeichnet; denn der Name Monte del Ferro, den der Gipfel bei Z. und L. führt, kommt bei D. nicht der Cima selbst, sondern dem nördlichsten Gipfel der südlich zwischen Porcellizza und Ferro abzweigenden Kette zu. Unmittelbar östlich vom Gipfel führt Freshfield's Passo di Ferro von Val Bondasca nach Val di Mello. Der Monte di Zocca ( 3168 m E. ) ist auf allen KartenVgl. pag. 134 u. ff.
Es heisst eigentlich Alles Badile.
Nicht zu verwechseln mit der wahren Cima della Bondasca ist die Cima der Ziegler-Karte ( 2990™ ), welche nördlich von jener im Cacciabellagrat eingezeichnet ist, nach der Excursionskarte indessen nicht existirt.
derselbe, trägt aber bei D. und Z. die Quote 3220. Die Felssporne, welche vom Grat zwischen ihm und der Cima della Bondasca auslaufen, nennt L. Forti di Sciora. Vom Albignathal und Gletscher führt nordöstlich vom Zocca die Forcella di S. Martino ( 2743 m E., 2730 m D. und Z. ) nach Val Zocca hinüber; F. und nach ihm Ti. nennen desshalb den Pass auch Zoccapass. Den Grat, der sich vom Passe nordöstlich erstreckt und die Quote 3050 trägt, bezeichnet Z. als Forti di Sciora; derselbe kann aber noch weniger auf diesen Namen Anspruch machen, als die Lechner'-sehen Forti, da er von der Alp Sciora noch viel weiter entfernt ist. Da, wo die Wasserscheide ihre nordöstliche Richtung verlässt, um nach Südost umzubiegen, erhebt sich der höchste Gipfel der eigentlichen Bergeller Berge, die Cima di Castello ( 3402 m E. Burghorn ), benannt nach den burgartigen Klippen des Castello ( 2926 m E. ) an seinem Westfuss. Bei D. und L. heisst der Berg Cima del Largo, bei Z., welcher das Castello als Rocca di Cantun bezeichnet, Pizzo del Largo. In dem Grat südöstlich bis zum Sissone ist nur Vermehrung und Veränderung der Quoten, keine Abweichung der Nomenclatur zu verzeichnen. Dagegen weist die Karte Freshfield's hier einen Sissone-Pass auf, der auf der Excursionskarte nicht angegeben ist. Es ist übrigens dieser von Freshfield zuerst 1864 gemachte und getaufte Uebergang von Val di Mello zum Fornogletscher über die westliche Schulter des Sissone ebenso wenig ein Pass im eigentlichen Sinne des Wortes, wie der Passo di Bondo oder der Passo di Ferro. Für solche Uebergänge, die keinem Verkehr dienen 29 460A. Wäber.
und keinerlei Pfad aufzuweisen haben, dürften die Ausdrücke Joch, Furgge, Lücke, resp. Forcella, Boccha etc., oder wenn man will, das allgemeine Col ( Colle ) genügen.
II. Die Gruppe des Deute del Lupo.
Vom Pizzo dei Vanni nach Norden zieht sich eia kahler, zerrissener Granitkamm, der sich bald in zwei zu einander rechtwinklig stehende Gräte verzweigt. Der Theilungspunkt heisst bei D. und L. Pizzo di Sopra, bei Z. Dente del Lupo ( 2380 m ), auf der E. trägt er, wie oben bemerkt, weder Namen noch Zahl. Dagegen ist auf der E. als Dente del Lupo ( 2040 m ) der Punkt bezeichnet, den Z. und L. Monte di Bondo nennen, und dieser Wolfszahn ist die letzte Erhebung eines von der nach Nordwest streichenden Abzweigung wieder rechtwinklig nach Nordosten vorspringenden Spornes. Bei L. steht der Name Dente del Lupo weiter südwestlich, bei dem Punkte 1832 D., am Ende des nordwestlichen Zweiggrates. Auf der E. ist dieser Punkt nicht bezeichnet und ebenso wenig der Pizzo-di Sopra ( 2180 m ), der nach Z. oberhalb der Alp Trubinasca aus dem nordöstlichen Zweiggrate hervorragt.
III. Das Cacciabellagebirge.
Von der Cima della Bondasca zweigt nach Norden zwischen dem Bondasca- und dem Albignagletscher ein anfangs vergletscherter, dann felsiger Grat nach Norden und erreicht im mittleren Gipfel der Pizzi di Sciora E. die Höhe von 3255 Meter. Bei D., L. und F. heisst dieser zackige Kamm Pizzo Cacciabella und die Forti di Sciora werden, wie oben angegeben, von L. zwischen die Cima della Bondasca und den Zocca, von Z. zwischen die Forcella di S. Martino und die Cima di Castello verlegt. Da aber die Alp Sciora weder mit L.'s noch mit Z.'s Forti etwas zu thun hat, sondern unmittelbar nordwestlich von den Pizzi der Excursionskarte liegt, deren Nähe sie auch durch Bergstürze und Steinschläge schon unliebsam genug empfunden hat,* ) so steht unzweifelhaft der Name der Excursionskarte hier an seiner richtigen Stelle.
Auf der anderen Seite des Kammes, gegen den Albignagletscher, liegt die steinige Schafalp Cacciabella, mit der Alp Sciora durch den Passo gleichen Namens verbunden, und nördlich von diesem schwingt sich als Kreuzungspunkt von vier Gräten der Pizzo Cacciabella ( 2970 E. ) auf, der bei D. als Pizzo dell' Aqua ( 2980 ), bei L. und Z. als Pizzo dell' Albigna bezeichnet ist. Der westliche Grat, der sich, die rechte Thalflanke des Bondascathales bildend, bis zum Ausgange desselben hinzieht, ist in seiner oberen Hälfte ein kahler Felsgrat, unter dessen Zacken der Pizzo grande ( 2437 E., Pizzo Alto 2420 D. ) hervortritt; die untere Hälfte, bewaldet und beweidet, heisst auf der Excursionskarte Mongaccio, bei D. Montaccio, bei Z. und L. Mungazz, resp. Mungatsch.
* ) Vgl. pag. 145 dieses Buches.
IV. Die Cantone-Bacone-Kette zweigt bei der Cima di Castello vom Hauptkamme ab; ein nach Westen vergletscherter, nach Osten felsiger Grat zieht sich zwischen dem Castellogletscher E. ( Cantun bei D. und Z. ) und dem Firnkessel des Fornogletschers nach Norden und gipfelt mit der Cima di Cantone ( 3334 E., Cima di Cantun D. und Z. ); der von dieser nach Nordwest verlaufende Felsgrat Cantone scheidet den Castellogletscher vom Cantonegletscher, den Ziegler als Gha. Casnil bezeichnet. Auf der Excursionskarte dagegen heisst der viel kleinere Gletscher, der nördlich vom Passo di Casnile von den Punkten 3044 und 3172 E. gegen den Pizzo del palo ( 2624 E. ) sich herabsenkt, Gha di Casnile. Beide Punkte sind auf der E. nur durch ihre Quoten bezeichnet, bei D. und Z. heisst der südliche Cima di Caschnil ( 3040 ), bei Z. der nördliche il Bacung. Nördlich vom Casnilegletscher wird die Kette wilder und felsiger, die Gletscher werden kleiner; nur schmale, unbedeutende Firn- und Eiszungen senken sich von den zackigen Gräten gegen die Schluchten des Val del Balzo und des Vallone del Largo ( Val Lunga D. und Z. ) hinab. Einzig der Pizzo Baconc ( 3243 E. ), welcher bei Z. Cima del Largo heisst, hat noch eigentlichen Gletscher aufzuweisen und hängt durch einen Firngrat mit der Cima del Largo ( 3188 E. ) zusammen.
Eine Cima di Largo und einen Bacone oder Bacung haben also sowohl die Excursionskarte wie Ziegler, aber bei Letzterem sind dieselben um je eine Quote zu weit nach Süden gerückt. Dufour stimmt hier mit der Excursionskarte, Lechner mit Ziegler überein.
Die Kette nördlich von der Cima del Largo der Excursionskarte, bis zum Bogen der Orlegna, hat nun noch mehrere durch ihre Quoten hervorgehobene Gipfel aufzuweisen, aber nur zwei derselben scheinen Namen zu besitzen: der Pzo. Mortara ( 2987 ), südöstlich der Alp Mortara und nach derselben benannt, und der dreigipflige P. Salecina ( 2390, 2591 und 2492 ), der die Alpen Spluga, Salecina und Cavloccio beherrscht. Z. bezeichnet Spluga als Lavinarcroce, welcher Name nach E. dem Tobel südlich der Alp zukommt; den Namen Spluga dagegen verzeichnet er am Bache der Alp Mortara ( Murtaira ) und nennt deshalb den Pizzo Mortara E. Cima di Spluga. Statt Salecina schreiben D., L. und Z. Salachina.
Y. Der Fornokamm ist eigentlich als Wasserscheide zwischen der Maira ( Orlegna ) und der Adda ( Malero ) ein Theil des Hauptkammes, aber seine abweichende Richtung, rechtwinklig zu demselben und parallel zur Cacciabella-und Cantone-Bacone-Kette, reiht ihn eher den nördlichen Ausläufern an. Die Differenzen, welche hinsichtlich seiner Nomenclatur zwischen E., D. und Z. bestehen, sind meist schon an anderer Stelle erwähnt worden. Es ist deshalb hier nur die Ergänzung nothwendig, dass der Monte d' Oro ( 3214 m D. ) jetzt, wie bei Z., Monte del Forno und der Gipfel 2981 zwischen dem Fornogletscher und Val Muretto P. dei Rossi ( Piz di Ross Th. ) heisst. Dass das* Wort Rosso in dieser Kette drei Mal vorkommt ( P. dei Rossi E., Mte. Rosso Z. und Cima di Rosso D. und Z. ), scheint darauf hinzudeuten, der ganze Kamm habe früher Rosso oder Monti Rossi geheissen, und aus dem allgemeinen Namen seien später die Specialnamen entstanden. Aehnlich könnte es sich mit dem Namen Largo verhalten, der nach den Karten für vier verschiedene Berge des Bergell gebraucht wird.
Und damit sind wir am Ende unseres langen und mühsamen Ganges durch die Nomenclatur der Bergeller Berge angelangt. Sie zeigt trotz der sorgfältigen Revision immer noch einige, allerdings bis dahin unvermeidliche Lücken, welche durch fleissiges Begehen dieser interessanten Bergwelt auszufüllen der S.A.G. sich zur- Pflicht machen sollte. Namentlich sei die Erforschung des Fornokammes von der Malencoseite aus den Clubgenossen bestens empfohlen. Wem aber diese trockene Aufzählung und Vergleichung der Gipfel und ihrer Namen gar zu langweilig vorgekommen ist, der lasse sich die Mühe nicht reuen, durch eigene Anschauung dem dürren Gerippe Fleisch und Blut zu verleihen. Noch ist mancher jungfräuliche Gipfel im Hintergrunde der wilden Thäler zu bezwingen, mancher Uebergang zu erforschen. Und wenn sich der Clubist an den Felszacken und Schaufeln satt geklettert, auf den schimmernden Eisströmen müde gegangen, dann ruhe er sich aus in den kühlen Grotti von Bondo, im schattigen Kastanienwalde der Brenta, oder auf der weitschauenden Terrasse von Soglio, und wenn ihm dort das Glück zu Theil wird, die s Felshörner und Klippen wie feuriges Erz in der Abendsonne erglühen, die Gletscher und Firne in milderer und reinerer Gluth aufleuchten zu sehen, während schon über dem Thalgrund und an den waldigen Bergflanken langsam die Schatten steigen, dann wird ihm, wie dem Schreiber dieser Zeilen, der Anblick der Bergeller Berge, als eines der ergreifendsten Alpenbilder, sein Leben lang in unauslöschlicher schöner Erinnerung stehen.
Die schweizerische Landestopographie
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