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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch IX.
23.
Denen, die sich ihnen anschließen wollen, eröffnen sie ihre Lehre erst nach einer Probezeit; ein Jahr lang wohnen jene in einem anderen Hause; es werden ihnen zwar die gleichen Speisen vorgesetzt, aber nicht im gemeinschaftlichen Speiseraum; man gibt ihnen eine kleine Axt, ein linnenes Lendentuch und ein weißes Gewand. Wenn einer nun diese Zeit hindurch Beweise für [S. 259] seine Enthaltsamkeit gibt, so darf er sich ihrer Lebensführung mehr angleichen und wird reiner abgewaschen als vorher; noch aber nimmt er nicht am gemeinsamen Mahle teil. Sein Charakter wird nach der ersten Prüfung bezüglich seiner Enthaltsamkeit noch einer weiteren zweijährigen Probe unterworfen; besteht er sie, so wird er aufgenommen. Bevor er aber das gemeinsame Leben aufnimmt, läßt man ihn schauerliche Schwüre schwören, vor allem die Gottheit zu ehren, dann Gerechtigkeit gegen die Menschen zu üben, auf keinerlei Weise jemand Unrecht zu tun, niemand, auch keinen Übeltäter und keinen Feind, zu hassen, vielmehr für solche zu beten, den Gerechten immer beizustehen, allen die Treue zu halten, besonders aber der Obrigkeit — niemand komme zur Herrschaft ohne Gott —; sollte einer selbst Vorgesetzter werden, nie sich in seiner Machtstellung zu überheben, noch verschwenderisch zu sein, noch sich mit mehr als standesgemäßem Aufwand zu kleiden; wahrheitsliebend zu sein, den Lügner zu überführen, nicht zu stehlen noch sein Gewissen mit unredlichem Gewinn zu besudeln, vor seinen Glaubensgenossen kein Geheimnis zu haben, den anderen nichts zu verraten, und wenn eine solche Aussage selbst mit Todesqualen erzwungen werden sollte. Überdies schwört er, die Lehren nicht anders weiter zu geben, als wie er sie selbst empfangen hat.