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CURSIVE
I Am Gemini
Saddle Creek
pc. Dass sich Musiker für ein Album einem strengen Konzept, zum Beispiel einer Geschichte unterwerfen, geschieht nur noch selten. Denn wer hat heute noch Zeit, ein Album vom Anfang bis zum Schluss anzuhören. Und trotzdem wagen Cursive genau dieses Experiment. Sie erzählen die Geschichte eines Zwillingspaares, das bei der Geburt getrennt wurde. Einer der beiden wird gut, der andere böse. Auffallend hier gewisse Parallelen zur griechischen Mythologie zur Sage von Castor und Pollux. Cursive nennen ihre Hauptfiguren allerdings „Cassius“ und „Pollock“. Auf ihrem Album, lassen Cursive Gut und Böse aufeinander treffen. Zum Album gehört ein 13 Seiten starkes Booklet, in dem die Personen, die Songtexte und die Handlung beschrieben werden. Nun ist dieses Projekt zwar durchaus ehrgeizig und der Sound der Gitarren wohltuend rau und ungehobelt („This House Alive“ oder „Wowowow“). Die Songs werden durch Sprechgesänge ein- oder ausgeleitet oder unterbrochen. Doch auch wenn die Sounds an sich packend und die Beats treibend sind, fehlen die grossen Melodien. Im Gegenteil: Die Riffs und Muster sind kompliziert und vertrackt. Das ist nichts für Harmoniebedürftige. Es macht die Musik schwer zugänglich, obwohl Tim Kasher sich stimmlich sehr ins Zeug legt, um die Dramaturgie der Geschichte rüber zu bringen („The Catand Mouse“). Immerhin wird klar, dass die Musik sehr überlegt arrangiert ist, ähnlich einem Musical oder gar einer Oper mit vielen Wechseln zwischen lauten und leisen, schnellen und langsamen Passagen. Und dennoch tendieren die Songs dazu, in der Gesamtheit des Albums zu ertrinken.