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Am 10. Dezember veröffentlichte Netflix die erste Staffel der Survival-Thriller-Serie Alice in Borderland. Die Serie aus Japan bediente sich als Vorlage der Graphic Novel «Imawa no Kuni no Alice» von Haro Aso. Bislang besteht Alice in Borderland lediglich aus einer Staffel mit acht Folgen. Ein offenes Ende der ersten Staffel lässt aber auf eine Fortsetzung hoffen.
Spoilerwarnung: Dieser Artikel enthält leichte Spoiler zur ersten Folge der Serie.
Ein Spiel um Leben und Tod im verlassenen Tokio
Arisu ist ein arbeitsloser Teenager, der in der Metropole Tokio bei seinem Vater und seinem Bruder lebt. Er verbringt seine Zeit vor allem damit, Videospiele zu spielen und mit seinen beiden Freunden durch die Stadt zu streifen. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der gerade an einer grossen Universität aufgenommen worden ist, hat Arisu bisher keine nennenswerte Erfolge in seinem Leben vorzuweisen. Der Junge hat zwar Talent, scheint seine Zeit und Energie aber nicht für akademische oder soziale Zwecke benutzen zu wollen. Sein Vater ist deswegen enttäuscht von ihm und bevorzugt Arisus Bruder in hohem Masse.
Eines Tages befinden sich die drei Freunde Arisu, Karube und Chota auf der Flucht vor der Polizei. Durch ihr Herumalbern haben sie einen Verkehrsunfall verursacht. So verstecken sie sich in der Kabine einer öffentlichen Toilette – als plötzlich alle Lichter ausgehen. Zurück auf der Strasse stellen die Freunde bestürzt fest, dass allem Anschein nach alle Bewohner Tokios verschwunden sind. Die ersten Stunden verbringen Arisu, Karube und Chota damit, die Stadt nach Verbliebenen zu durchsuchen. Wie kann es sein, dass eine ganze Stadt urplötzlich wie leergefegt ist? Dann werden die Drei mittels Leuchtreklamen zu einem mysteriösen Gebäude gelotst, in dessen Inneren eine Art Spiel organisiert worden ist. Mittels Smartphones müssen sie sich für das Spiel anmelden, genau wie zwei Mädchen, die plötzlich auftauchen. Auch sie beide wissen nicht, was in Tokio vor sich geht.
Schnell merken Arisu und seine Begleiter, dass sie in ein Spiel um Leben und Tod geraten sind. Während sie unter grossem Zeitdruck durch das Gebäude gehen, haben sie sich in jedem Raum aufs Neue zwischen zwei Türen zu entscheiden. Hinter einer Tür liegt der Weg nach draussen, hinter der anderen lauert der Tod. Arisu kann durch sein Talent für Rätsel, das er sich nicht zuletzt durch Videospiele angeeignet hat, sich selbst und die meisten seiner Begleiter wohlbehalten nach draussen bringen. Das erste Spiel ist gewonnen, und die Belohnung wartet schon auf sie: Eine Spielkarte und einige Visa-Punkte.
Wer steckt hinter dem mörderischen Spiel?
Schnell wird klar, dass die verbliebenen Bewohner der Stadt getötet werden, sollten sie über keine Visa-Punkte mehr verfügen. Arisu, Karube und Chota bleibt also nichts anderes übrig, als weitere Spiele zu absolvieren. Gleichzeitig gehen sie dem Rätsel der Spielkarten nach und treffen auf weitere Überlebende. Die Spiele werden immer gefährlicher und die Aufgaben darin schwieriger. Glücklicherweise stösst Usagi dazu. Die Teenagerin ist die Tochter eines berühmten Bergsteigers und wird zu einer starken Verbündeten.
Nach einiger Zeit stossen Arisu und Usagi auf den Namen eines Ortes, genannt «Beach». Es scheint, als würden einige Spieler stets zusammenarbeiten und als würden sie alle an diesem Ort leben. Den beiden gelingt es, den «Beach» zu finden. Es handelt sich dabei um ein ehemaliges Hotel, das von einem Exzentriker und seiner militärischen Streitmacht in ein Party-Paradies verwandelt worden ist. Alle Personen, die im «Beach» leben, müssen im Spiel gewonnene Karten abgeben. Der «Beach»-König und der dortige Vorstand glaubt daran, dass die Tokio-Überlebenden in ihr altes Leben zurückkehren können, falls alle Karten erspielt worden sind.
Innerhalb des «Beach» läuft aber nicht alles nach Plan. Arisu und Usagi wird schnell klar, dass die Machtverhältnisse innerhalb des Resorts wanken und jederzeit in einen blutigen Kampf ausufern könnten. So scheint der Anführer der militärischen Streitmacht, die die Kontrolle über alle Waffen der Gemeinschaft hat, seinen Anspruch auf die Leitung des «Beach» geltend zu machen. Die Situation eskaliert, als das Resort als neues Spielfeld bestimmt wird und alle Bewohner automatisch teilnehmen müssen. Es folgt eine wahre Schlacht zwischen verschiedenen Seiten und Personen und das Sammeln der Spielkarten rückt plötzlich in den Hintergrund. Viel mehr versuchen Arisu und Usagi nun, zu überleben und das Rätsel des tödlichen Spiels, in das sie geraten sind, zu lösen.
Alice in Borderland überzeugt dank Story, Effekten und Musik
Alice in Borderland stammt aus Japan und basiert auf der Vorlage eines Manga. Wie bereits in anderen solchen Fällen, wie beispielsweise den Verfilmungen der Manga Gantz oder Death Note, erinnern die Protagonisten stark an einen Anime. Die Personen sind, ähnlich wie in einem Anime, überzeichnet und sehr klischeehaft. So ist der Anführer der «Beach»-Militärmacht muskelbepackt und trägt eine Narbe. Der draufgängerische Karube ist in Biker-Jacken gekleidet und hat oft eine Zigarette im Mund. Auffallend und ungewöhnlich ist ebenfalls das Konzept des «Beach». Der exzentrische König hat veranlasst, dass sämtliche Bewohner ausschliesslich Strandkleidung tragen dürfen. Dieses Konzept hat keinerlei praktischen Nutzen, sondern dient wohl eher dafür, dass die allesamt jugendlichen Protagonisten in wenig Stoff umherlaufen. Das klingt flach und sexistisch, und ist gleichzeitig der einzige Punkt, über den man als Zuschauer hinwegsehen muss.
Das grosse Highlight von Alice in Borderland ist klar die Story: einige wenige Menschen bleiben in einer riesigen Stadt zurück und finden sich in einem tödlichen Spiel wieder. Eine Flucht oder eine Reise zurück in ihre alten Leben scheinen ausgeschlossen. So leben sie von Tag zu Tag und von Gefahr zu Gefahr und decken dabei immer mehr Geheimnisse auf.
Schlussendlich haben mich die Special-Effects der Serie begeistert. Unglaublich detailliert und gut inszeniert ziehen die Spiele und die futuristischen Kulissen den Zuschauer in ihren Bann. In einigen wenigen Szenen wirken die Effekte allerdings nicht vollständig ausgereift. Im Vergleich mit grossen Film- oder Serienproduktionen stand Alice in Borderland wohl kein gigantisches Budget zur Verfügung. Dies hatte einige Einsparungen in Sachen Special-Effects zur Folge, was dem Spass aber nur einen minimalen Dämpfer versetzt. Dennoch macht der Look der Serie unglaublich viel Spass. Abschliessend kann ich auch nur Positives über den Soundtrack von Alice in Borderland sagen. Die Musik ist passend und adrenalingeladen, genau wie man es sich für eine solch spannende Survival-Serie wünscht.
Nicht geeignet für ein junges Publikum
Bei Netflix wird die Serie für Zuschauer ab 16 Jahren empfohlen. Diese Vorgabe ist durchaus angemessen, da sich die Serie in ihrem Verlauf in Sachen Brutalität und Gewalt stetig steigert. Einige Szenen sind hierbei nahe an der Grenze des Ertragbaren. Auch die Geschichte selbst, besonders die einzelnen Hintergrundgeschichten der Protagonisten, enthalten nervenaufreibende Szenen und sind sicherlich nicht für ein junges Publikum geeignet. Alice in Borderland kombiniert eine spannende Geschichte also mit ziemlich viel Gewalt und Blut. Wem dies nichts ausmacht, dem bietet Netflix eine unglaublich tolle Survival-Serie in japanischem Stil.