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Der Übergang
Die letzten Jahre der Kirchgemeinde des Sensebezirks 1991-1999
Mit dem 125-Jahr-Jubiläum der Kirchgemeinde kommt auch viel Bewegung in die sonst eher träge Institution.
Nach den Gesamterneuerungswahlen des Kirchgemeinderates im Frühjahr 1991 wird der langjährige Präsident vom Rat nicht mehr zu seinem Vorsitzenden bestimmt.
Kurz danach sammelt ein Komitee Unterschriften, um eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung durchzuführen. Diese soll entscheiden ob die Aufteilung der Kirchgemeinde geprüft werden kann. An der ausserordentlichen Versammlung im November 1991 in der Kirche St.Antoni verwirft eine klare Mehrheit das Ansinnen des Komitees.
Doch die Kirchgemeinde kommt nicht zur Ruhe; zu unterschiedlich ist die Mentalität zwischen den verschiedenen geografischen Gebieten und ihren Bewohnern. Während im oberen Bezirk die ursprüngliche Diaspora-Situation (kleine Minderheit der reformierten Bevölkerung) vorherrscht, liegt in den Unterländer Gemeinden der Anteil der reformierten Bevölkerung bei einem Drittel.
Die Rücktritte der Ratsmitglieder häufen sich und im Juni 95 nehmen im elfköpfigen Rat die Mitglieder Nr.20 bis 22 Ihre Arbeit auf.
An einer denkwürdigen Kirchgemeindeversammlung im Juni 1995 beschliessen die Anwesenden, die Kommission „wie weiter" einzusetzen, die unter anderem auch die Kompetenz hat, eine allfällige Aufteilung der Kirchgemeinde zu prüfen. Nach überaus intensiver Arbeit liefert die unter dem Präsidium von Ruedi Schnyder (Uttewil) geführte Kommission nach rund einem Jahr ihren Schlussbericht ab, mit der Empfehlung, die Kirchgemeinde in fünf neue Kirchgemeinden aufzuteilen. Die darauf folgende breite Vernehmlassung bei allen interessierten Kreisen im Bezirk bringt ein zwiespältiges Resultat zu Tage. Auch der Kirchgemeinderat ringt mit seinem Entscheid; es kommt soweit, dass im Spätherbst 1996 der Synodalrat den Kirchgemeinderat nach Murten zitiert und von ihm noch am gleichen Abend eine klare Positionierung für oder gegen die Aufteilung verlangt. Der Rat entscheidet mehrheitlich für die Aufteilung, es wird eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung auf Ende Januar 1997 angesetzt. In der Zeit bis zu dieser Versammlung machen vor allem die Gegner mobil. Der Kirchgemeinderat, insbesondere der Präsident wird unter Druck gesetzt, so dass kurz vor der erwähnten Versammlung der Oberamtmann einschreitet, um mit dem Rat den Ablauf der Versammlung festzulegen.
Die Versammlung ist geprägt von gegenseitiger Achtung und Verständnis. Befürworter und Gegner ziehen alle Register, aber man spürt den Willen der Anwesenden, zukunftsgerichtet zu entscheiden. Mit klarer Mehrheit (ca. 70%) entscheidet das Volk, die Kirchgemeinde des Sensebezirks per 1.1.99 in fünf selbständige Kirchgemeinden aufzuteilen. Gleichzeitig wird eine Umsetzungskommission gewählt, welche alle Aspekte der Trennung vorzubereiten hat. Am Schluss der Versammlung tritt Präsident der alten Kirchgemeinde per sofort zurück.
Zum letzten Präsidenten wird Kurt Käser aus Düdingen gewählt. Die Zusammenarbeit zwischen der Umsetzungskommisssion unter dem Präsidium von Andreas Luginbühl aus Düdingen und dem Kirchgemeinderat ist sehr fruchtbar, so dass im Spätsommer 1998 die neuen Kirchgemeinden ihre Organe bestimmen und die Arbeit aufnehmen. Im Herbst werden die Teilungsverträge und die Restfinanzierungsverträge zu Gunsten der Kirchgemeinden ohne Liegenschaften und die Aufteilung der Liegenschaften feierlich verurkundet.
Der Start der neuen Kirchgemeinden gelingt ohne Ausnahme sehr gut. Die Zusammenarbeit bei gemeinsamen Projekten wie auch zur Vorbereitung der Synoden fruchtet ausgezeichnet, eindeutig besser als zur Zeit vor der Aufteilung.
Die Gründung der fünf neuen Kirchgemeinden kann als Glücksfall bezeichnet werden. Die Entscheide werden nun vor Ort gefällt und auch die Zusammenarbeit mit unseren Partnerinstitutionen; den politischen Gemeinden und den Pfarreien kann zum Nutzen aller praktiziert werden. Wir Reformierten haben dadurch an Gewicht und Beachtung gewonnen.
Andreas Freiburghaus (Dezember 2002)