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Dialekt und Umgangssprache
Karl-Heinz Göttert: “Alles ausser Hochdeutsch. Ein Streifzug durch unsere Dialekte” (Sachbuch)
Welche Dialekte gibt es im Deutschen? Wie sind sie entstanden? Wie grenzen sie sich voneinander ab? Verschwinden die Dialekte immer mehr oder bekommen sie allmählich wieder mehr Bedeutung? Diese und einige weitere Fragen stellt Karl-Heinz Göttert und versucht sie zu beantworten. – Manchmal bleibt es beim Versuch.
Von Andrea Müller-Schmuki.
Wie entstanden die deutschen Mundarten? – Karl-Heinz Göttert erklärt, dass zur Zeit der Völkerwanderung verschiedene Stämme, etwa die Sachsen, die Franken, die Alemannen, die Friesen und etliche andere, ins heutige deutschsprachige Gebiet kamen. Jeder Stamm hatte seine eigene Sprache und aus denen entwickelten sich die deutschen Dialekte. Wie viel von diesen Stammessprachen jedoch beibehalten wurde, war besonders von politischen Begebenheiten im Mittelalter abhängig.
Karl-Heinz Göttert gibt bei diesen Ausführungen über die Dialektentstehung sprachgeschichtliches Basiswissen über die erste und zweite Lautverschiebung wieder und versucht die Verbreitung der einzelnen Dialekte zu erklären. – Dieser Teil des Buches wirkt wissenschaftlich.
Streifzug
Nach diesen ersten Ausführungen zur Dialektentstehung streift der Autor schon fast im Plauderton durch die verschiedenen deutschen Regionen und berichtet scheinbar planlos über ausgewählte Details der Mundarten. Dabei wird die genaue Absicht Karl-Heinz Götterts jedoch nicht klar. Unklar bleibt auch, welche Vokale oder Konsonanten für welchen Dialekt typisch sind, wo es zu Rundungen, Senkungen, Verhärtungen oder Diphthongierung kommt und wie sich ein Dialekt von anderen Dialekten abgrenzt. Vielmehr bleibt es bei anekdotischen Beispielen und Missverständnissen, die der Dialektgebrauch hervorrufen kann.
Gut erklärt ist allerdings, weshalb die Dialekte im Süden noch stärker ausgeprägt sind als im Norden und was das Niederländische und die Hansesprache mit den deutschen Dialekten zu tun haben.
Wie bereits im Untertitel steht, macht der Autor einen Streifzug durch die deutschen Dialekte. Dabei bedient er sich oft einer wissenschaftlichen Sprache, ohne dass das, was er erzählt, wirklich wissenschaftlich wirkt. Zudem verzichtet er konsequent auf Fuss- oder Endnoten. Das Buch fällt somit leider ziemlich genau zwischen zwei möglichen Adressatengruppen durch: den Fachleuten und den interessierten Laien.
Dialektsterben?
Lange galt das Sprechen von Mundart als Zeichen von Ungebildetheit und Angehörigkeit zur niederen Volksschicht. Dies führte dazu, dass Dialekte immer mehr verschwanden oder sich der Standardsprache anglichen. Heute hingegen dürfen sogar wieder Nachrichtensprecher dialektale Nuancen einfliessen lassen und Politiker benutzen in Reden Dialekt oder dialektale Färbungen, um Solidarität und Nähe zum Volk zu signalisieren. – Diese Dinge erwähnt Karl-Heinz Göttert aber oft nur beiläufig und geht nicht weiter darauf ein. – Schade.
Auch das Fazit bleibt unaufgeregt: In Zukunft wird wahrscheinlich noch weniger Dialekt, aber auch weniger Hochsprache gesprochen. Vermehrt wird – so wird besonders im Kapitel über Jugend- und Szenensprache ersichtlich – die Umgangssprache zur Kommunikation benutzt.
Titel: Alles ausser Hochdeutsch
Autor: Karl-Heinz Göttert
Verlag: Ullstein
Seiten: 384
Richtpreis: CHF 28.90