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Die starken Niederschläge im Frühling liessen nur kurze Zeitfenster für die zeitige Aussaat im April zu. An den Ostertagen um den 10. April, war dies jedoch in etlichen Regionen zu früh. Knapp zwei Wochen später, um den 20. April, erfolgte sehr regional die erste Maisaussaat. Auf den Betrieben mit Gras als Vorkultur verzögerte sich die Maisaussaat in den Mai, grösstenteils sogar erst ab 25. Mai bis in die erste Junihälfte. Zusammenfassend konnte der Mais 3–4 Wochen später als geplant ausgesät werden. Bestände, welche unter zu nassen Bedingungen ausgesät wurden, entwickelten sich bis zur Ernte nie zufriedenstellend. Spätsaaten unter idealen Bedingungen lieferten die besseren Pflanzenbestände.
Verspätete Aussaat – Nährstoffmanagement
Mit der verspäteten Aussaat von bis zu 3 Wochen, ist der Zeitpunkt der Nährstoffgaben zu überdenken. Je weniger Vegetationstage bis zur knappen Wasserverfügbarkeit und den heissen Sommertagen bleiben, ist es angebracht, sämtliche Dünger (Hof- und Mineraldünger) unmittelbar vor oder nach der Maissaat zu verabreichen. Damit haben die Nährstoffe noch genügend Feuchtigkeit, um sich im Bodengefüge für die Aufnahme zu lösen.
Trockenheit und Pflanzendichte
In den vergangenen Jahren war in etlichen Maisregionen die Sommertrockenheit der limitierende Ertragsfaktor im Silomaisanbau. Fehlt die Feuchtigkeit im Boden, werden auch keine Nährstoffe mehr gelöst und von der Maispflanze aufgenommen. Somit sind diese beiden Faktoren zeitgleich limitierend. In wasserknappen Regionen ist die Pflanzendichte umso wichtiger, um ein optimales Verhältnis von Kolben und Restpflanze zu erreichen. Mit der heutigen Sätechnik beim Feldaufgang sind oftmals nur 0.5 Pflanzen pro Quadratmeter als Verlust zu beziffern. In diesen Regionen sollte eine Aussaatstärke von ca. 80'000 Körner pro Hektar oder weniger angestrebt werden, damit sich die ausgesäten Maispflanzen genügend entwickeln und möglichst wenig Konkurrenz um das kostbare Wasser machen. Die tiefere Aussaatmenge ist für Praktiker oftmals gewöhnungsbedürftig. Vor allem, wenn noch eine oder zwei Pflanzen hintereinander fehlen, sieht die Lücke gross aus. Mais ist jedoch eine Kompensationspflanze; fehlt die Nachbarspflanze, können die Anderen dies wettmachen. Mut zum Abstand bei der Aussaat ist angebracht und sinnvoll!
Verspätete Aussaat – trotzdem früher Erntebeginn
Die trockenen und heissen Sommerwochen im Juli und August liessen die Maisbestände rasch abreifen. Je nach Region fielen Niederschläge gegen Ende Juli und der Mais erlitt weniger Schaden als befürchtet. Das Erntezeitfenster je Parzelle war sehr kurz, da die Bestände den optimalen Reifegrad innert wenigen Tagen erreichten. Hier stellte sich für den Betriebsleiter die Frage: wann ist der optimale Erntezeitpunkt? Dies lässt sich nicht mit einer Zahl beziffern. Die Schweiz als Hochsilonation stellt andere Ansprüche an das Erntegut als unsere Nachbarländer mit grossen Fahrsiloanlagen. Diese Eigenheit unterschätzen einige Züchterfirmen bei ihrer Sortenempfehlung. Entscheidend für den Erntezeitpunkt für Hochsilo und Ballensilage ist der Saftverlust in der Pflanze. Bei der Stängel-Verdrehprobe darf noch Feuchtigkeit ausdringen, aber kein Saftfluss mehr vorherrschen. Der Sickersaft kommt immer aus den Pflanzen und nicht vom Korn! Wie weit die Kornabreife in diesem Stadium ist, hängt sehr stark von der Sorte ab. Für die moderne Fütterung sind Sorten mit harmonischer Abreife vorteilhaft, das heisst, die Restpflanze und der Kolben erreichen zum gleichen Zeitpunkt den idealen Reifegrad. Somit tritt kein Saftfluss mehr aus und das Korn hat noch keine gläsige Stärkefraktionen gebildet. Um einen Anhaltspunkt zu erhalten, ist ein idealer TS-Gehalt von 34–36 % TS und für Hochsiloanlagen mit über 20 Metern Höhe ein TS-Gehalt von 38–39 % anzustreben.
Die Gehalte vom diesjährigen Silomais schwanken stark. Bei Beständen, wo die Aussaat nicht zu feucht erfolgte, sind die Energiegehalte nach MJ NEL eher tiefer als in den Vorjahren. Das heisst, die Pflanzen konnten Protein und Energie nicht wie gewohnt einlagern und umsetzen. Die Stärkegehalte sind ebenfalls durchschnittlich bis leicht höher.
Maisbestände, welche zu feucht oder zu nass ausgesät wurden, was dem Maiskorn und der jungen Pflanze die Entwicklung erschwerte, lieferten weder einen guten Ertrag noch eine zufriedenstellende Qualität.
Für eine gezielte Fütterung und deren Ergänzung ist im aktuellen Jahr eine Silageprobe empfehlenswert, damit die Ergänzungsfütterung gezielt erfolgen kann.
In den Überlegungen für die Aussaat 2024 sollte daher nicht nur die Sortenwahl, sondern auch die Saatstärke und das Nährstoffmanagement miteinbezogen werden.
Text: Bruno Sticher, Samen STEFFEN AG