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Wegen mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten ist für tausende Mäadchen in Nicaragua das Schicksal, später einmal nur einfache Arbeiten verrichten zu können, praktisch vorprogrammiert. Eine von CSI unterstützte Institution in Bluefields gibt 13 Mädchen die grosse Chance, aus diesem Elend auszubrechen. Zwei CSI-Mitarbeitende haben die Institution in der südlichen Küstenstadt besucht.
Die Fahrt von der Hauptstadt Managua nach Bluefields an der Atlantikküste führt an zahlreichen Dörfern und einigen Kleinstädten vorbei, in welchen die Armut allgegenwärtig ist. Einfache, häufig auch behelfsmässig errichtete Behausungen sind ein Abbild des täglichen Überlebenskampfs, dem viele Menschen ausgesetzt sind.
Diesen Eindruck vermittelt auch Bluefields mit rund 45’000 Einwohnern. Die Stadt an der südlichen Atlantikküste hat sich zwar als Paradies für Windsurfer einen Namen gemacht. Doch abgesehen von einigen modernen Gebäuden, die hervorstechen, prägen einfache Häuser mit Wellblechdächern das Stadtbild.
Gleichwohl trifft man in Bluefields auch Menschen an, die Optimismus und Hoffnung auf eine bessere Zukunft ausstrahlen. Sie arbeiten in einer Institution und kümmern sich liebevoll um 13 Teenagermädchen, die aus einfachsten und zuweilen auch problematischen Verhältnissen stammen. In ihrer Heimat, die meist mehrere Autostunden von Bluefields entfernt liegt, konnten sie lediglich die Primarschule besuchen.
Dank der Unterstützung von CSI bietet die Institution diesen Mädchen eine weiterführende Schule, um sie für ein Studium oder eine praktische Ausbildung vorzubereiten. Sie wohnen in der Institution, werden verpflegt psychologisch betreut. Zugleich helfen alle bei Hausarbeiten mit.
CSI konnte mit einigen dieser jungen Nicaraguanerinnen ein Gespräch führen.
Die 13-jährige Yojeycin stammt aus dem Distrikt Limón an der südlichen Pazifikküste, zehn Autostunden von Bluefields. Um dort die Primarschule zu besuchen, war sie täglich vier Stunden unterwegs. Eine weiterführende Schule gab es nicht. Yojeycin schätzt das Familienleben mit ihren acht Geschwistern. Trotzdem ist sie dankbar, dass sie im Januar 2022 mit zwei Schwestern in die Institution in Bluefields aufgenommen wird. «Zu Beginn vermisste meine Familie. Doch mittlerweile fühle ich mich hier wohl und bin dankbar, dass ich diese einmalige Chance bekommen habe», erklärt sie.
Einen Monat nach ihrer Ankunft in Bluefields verunfallt Yojeycin schwer. Sie verliert dabei den kleinen Finger an der rechten Hand. «Zum Glück haben mich die Ärzte und Therapeuten so professionell behandelt, dass meine rechte Hand gut verheilte und ich sie nun auch so gut bewegen kann.»
Yojeycin besucht am liebsten den Englisch- und Spanischunterricht. Sie träumt davon, später einmal als Lehrerin selbst zu unterrichten.
Ein anderes Berufsziel hat Martha (16). Nach dem Schulabschluss in Bluefields möchte sie Medizin studieren. Sie stammt aus einer grossen Familie mit elf Geschwistern. Martha ist sechsjährig, als sich ihre Eltern trennen. Die Mutter hatte ständig Beziehungen zu anderen Männern. Mit zehn Jahren sieht Martha sie zum letzten Mal.
Weil sich der Vater nicht um alle Kinder kümmern kann, wird Martha mit 14 zu ihrer Grosstante nach Bluefields gebracht. «Als ich über eine junge Frau, die ihr Studium abgeschlossen hat, über die Institution erfuhr, erkundigte ich mich selbst nach einem Platz», erinnert sie sich. Tatsächlich wird sie Anfang 2022 aufgenommen. Zu Beginn bekundet sie Mühe mit der erforderlichen Disziplin. Ganz nach dem Vorbild ihrer Mutter ist sich Martha gewohnt, sich mit jungen Männern zu treffen.
Doch nach einigen Gesprächen mit den Aufsichtspersonen ändert Martha ihre Haltung. «Ich bin froh, dass ich die weiterführende Schule hier besuchen kann und meine Leistungen sich verbessert haben.»
Andrea stammt aus Tamarindo an der Atlantikküste. Zwölf Autostunden trennen diesen Ort von Bluefields. Doch die schwierigen Verhältnisse in der neunköpfigen Familie machen ihr die Entscheidung leichter, nach Bluefields zu ziehen. «Eine Freundin berichtete mir von der Möglichkeit, hier zu leben und eine weiterführende Schule zu besuchen», erzählt sie.
Anfänglich fällt es dem 15-jährigen Mädchen nicht leicht, sich der geordneten Tagesstruktur einzufügen. Sie ist ausserdem ziemlich schüchtern. «Doch heute fühle ich mich recht wohl. Auch habe ich hier neue Freundinnen gefunden.» In der Schule ist Andrea sehr vielseitig. Englisch und Mathematik sind ihre Lieblingsfächer. Diese Vielseitigkeit möchte Andrea auch einmal beruflich ausleben, als zukünftige Lehrerin.
Die 18-jährige Guadalupe besucht zwar in Punta Gorda im Südosten des Landes die Sekundarschule. Doch das schulische Niveau ist sehr tief. «Ausserdem fand die Schule vor Ort nur alle 14 Tage statt. Dazwischen hätte ich zuhause lernen müssen, was allein schon die Wohnsituation kaum zuliess», bemerkt sie.
Von ihrer Tante erfährt Guadalupe, dass es in Bluefields ein Internat für Teenagermädchen gebe, das professionell geführt werde. Sie ergreift diese einmalige Gelegenheit und kann im Januar 2022 einziehen. Diesen Schritt bereut die junge Frau bis heute nicht, im Gegenteil: «Ich bin meiner Tante äusserst dankbar für diesen unbezahlbaren Hinweis.»
Guadalupe ist künstlerisch begabt. Als Beleg dafür schenkt sie dem CSI-Team eine von ihr angefertigte Zeichnung, die es in Staunen versetzt. Zudem publiziert sie eigene Texte. Doch ihre kreativen Fähigkeiten will sie in ihrer Freizeit einsetzen. Beruflich sieht sich Guadalupe im kaufmännischen Bereich.
Reto Baliarda
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