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Nach drei Jahren kam der zweite Teil von Venom ins Kino. Nach der Post-Credit-Szene vom ersten Teil konnte man ersehen, um was es gehen wird: Um Cletus Kasady – oder genauer gesagt Carnage; von den Comics bekannt als der Ultrabösewicht der Venom-Reihe. Der rote Symbiont, der blutrünstiger nicht sein kann. Nachdem der erste Teil vom Zombieland-Regisseur Ruben Fleischer schon mässig abgeschnitten hat, da es nur eine CGI-Prügelei war, erhoffte man sich klar, dass Venom: Let There Be Carnage aus diesen Fehlern lernt. Mit dem neuen Regisseur und CGI-Kenner Andy Serkis, der bereits Gollum und den Schimpansen Caesar verkörpert hat, wären die Chancen für einen spannenden Film gut gewesen, doch dies geschah… nicht.
Die Handlung des Films, der nicht weiss, was er will
Venom: Let There Be Carnage beginnt mit dem Leben von Cletus Kasady in der Psychiatrie, dort sitzt er seit seiner Kindheit in Einzelhaft, da er seine Grossmutter und Mutter als Kind ermordet hat. Seine einzige Freundin ist die von Naomie Harrison gespielte Frances Barrison. Sie ist auch unter dem Namen Shriek bekannt. Den Namen verdankt sie Ihrem lauten Schrei, der Leute zum Teil tödlich verletzen kann und durch den sie in der Lage ist, zu fliegen. Man erhoffte sich, dass Cletus der Polizei erzählt, wo er die Leichen vergraben hat. Ursprünglich hätte der Serienmörder hingerichtet werden sollen. Hilfe erhält die Polizei durch Eddie Brock, der der Einzige zu sein scheint, dem Cletus dies erzählen würde.
Als Brock ihn besucht, um sein Reporter-Image wieder aufzubessern, erfährt er zwar nichts informatives, doch da Venom in ihm mehrere Sachen gleichzeitig beobachten kann, konnte Eddie die Zelle genauer betrachten. Somit findet er den Hinweis zu der versteckten Ortschaft, an der die Leichen vergraben sind. Folglich werden alle Überreste entdeckt und das Todesurteil von Cletus besiegelt. Als Eddie Brock und Cletus sich verabschieden, kommt es zu einer Auseinandersetzung, in der Cletus von Eddie infiziert wird. Wegen der Todesspritze mutiert der Symbiont in Cletus und sie ergreifen zusammen die Flucht. Dies führt zum Liebes-Comeback zwischen Frances und Cletus, einem Rachefeldzug an Eddie und Venom und natürlich muss der Polizist, der Frances von der damaligen Flucht abhielt, auch noch gejagt werden…
An den Schauspielern lag es nicht
Der Cast ist ausgezeichnet gewählt. Tom Hardy als Eddie Brock, der fast 90 Minuten mit sich selbst spricht und schon im Teil eins überzeugt hat, ist wieder grandios in der Rolle als Journalist, der sein Leben mit einem Symbionten teilt. Auch Cletus, dargestellt von Woody Harrelson, ist mit seiner intriganten und sehr skrupellosen Art sehr überzeugend. Seine Direktheit kennt man ja schon aus der Die Tribute von Panem-Reihe und von Zombieland. Woody liefert also ab, wie man es von ihm erwarten kann.
Naomie Harris, die man aus den James Bond– und Fluch der Karibik-Filmen kennt, brachte die verzweifelte junge Frau Frances gut rüber. Beim Schauen kam mir oft Calisto aus der Fluch der Karibik-Reihe in den Sinn. Nicht, weil sie von derselben Schauspielerin verkörpert wurde, sondern weil beide Figuren sehnsüchtig in der Gefangenschaft auf ihre Befreiung warteten, dieselbe Angst verspüren und der durch den Verlust ihrer Liebe, der sie für immer prägt. Die Schauspieler von Venom: Let There Be Carnage hatten ihr Bestmöglichstes getan und kommen dadurch sehr gut zur Geltung.
Warum kein R-Rating für Venom: Let There Be Carnage?
Venom gegen Carnage verspricht gnadenloses Gemetzel, mit Woody Harrelson und Tom Hardy in den Hauptrollen wäre das leicht gewesen. Von der The Dark Knight-Trilogie weiss man, das Hardy auch richtig übel sein kann und von diversen anderen Filmen weiss man, das Harrelson brutale Szenen gut meistern könnte. Nachdem Teil eins schon kein R-Rating bekam und man deswegen nicht die vollkommene Brutalität zeigen konnte, hoffte man, dass Sony es sich diesmal anders überlegt. Doch im Sommer dieses Jahres wurde bekannt, dass auch Venom: Let There Be Carnage nicht «R-rated» sein würde. Dass Superhelden-Filme aber besser mit einem R-Rating vermarktbar sind, beweisen beide Teile von Deadpool und Logan.
Was ist ein R-Rating?
Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung FSK 12 oder FSK 16 bekannt. FSK steht für Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Im englischen Raum wird oft von verschiedenen Ratings gesprochen. Das bekannteste ist sicherlich R-Rating. Grob gesagt ist das «Restricted Rating» so wie die FSK 16 bei uns. Filme mit einem R-Rating darf man erst ab 17 sehen und enthalten Gewaltveranschaulichung sowie derbe Sprache und Darstellung von Nacktheit. Filme wie beispielsweise Deadpool, Logan oder auch Joker sind R–Rated.
Wäre der Film Deadpool beispielsweise ab 12 Jahren freigegeben, wäre er nicht mal annähernd so witzig und brutal, wie er es jetzt ist. Und die Macher von Logan hätten niemals so viel gewagt. Nachdem Disney die Kontrolle über Deadpool bekommen hat, war die Angst berechtigt, dass der nachfolgende Film nicht mehr «R-rated» sein würde. Doch zum Glück wird dies nicht so sein. Ich bin mir sicher, wenn Venom: Let There Be Carnage dieses Rating bekommen hätte, wären mehr Gemetzel und mehr Blut sowie mehr Psychospiele von Kasady vorgekommen. Aber was gefiel mir am Film nicht? Denn schlecht war er nicht.
Lachen statt Blut
Der Film handelt von Venom und Eddie, die versuchen miteinander klarzukommen. Sie wirken wie ein perfektes Duo, die Kriminalfälle zusammen lösen. Der Seriöse und der, der über alles einen Witz macht und immer übertreiben muss. Venom kommt rüber wie ein kleines Kind, das einen Heulkrampf kriegt, wenn es nicht das bekommt, was es will. Ich habe mir gedacht und erhofft, dass es im Film mehr um das Aufsuchen des geflüchteten Cletus bzw. seine Rache geht. Doch stattdessen sieht man in diesen 90 Minuten ständig, wie Venom und Eddie sich gegenseitig eins auf den Deckel geben und Slapstick um Slapstick raushauen. Ich gebe zu, ich musste oft lachen und ich fand den Film sehr unterhaltsam, aber ist es wirklich das, was man erwartet, wenn im Film Carnage vorkommt?
Mein Fazit zu Venom: Let There Be Carnage
Der Film war nicht schrecklich. Andy Serkis und Co. haben getan, was sie im vom Studio vorgegebenen Rahmen leisten und wagen konnten. Ein Film, der von der Ausgangslage her ein Thriller hätte sein können, doch aber zu einer Komödie gemacht wurde, hat auch gute Seiten. Die CGI-Figuren sehen um einiges besser aus als beim ersten Teil von Ruben Fleischer. Der Kampf zwischen Venom und Carnage war ein gigantisches CGI-Spektakel, aber realistischer und geordneter als jener am Ende des ersten Teils.
Auch die schauspielerische Leistung war sehr schön mit anzusehen, alle gingen in ihrer Rolle auf, allen voran Tom Hardy. Wie bei jedem Marvel-Film kam am Ende eine «Post-credits scene». Diese war heftig und es wurden ja schon vor dem Kinostart Leaks veröffentlicht, die auf diese Szene hingedeutet haben. Der Film wird in Erinnerung bleiben, weil es der Film ist, in der diese Bombe geplatzt ist – und nicht weil Venom seinen zweiten Auftritt hatte.