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Komplexität, Spannungsfelder und Kompromisse : Eine Relektüre der Geschichte der Berufsbildung in der Schweiz
Die Forschung zur Geschichte der Berufsbildung in der Schweiz hat selbst keine lange Geschichte. Erst seit den 1990er-Jahren ist eine Dynamisierung der Berufsbildungsgeschichte erkennbar. Philipp Gonon hat durch seine Arbeiten stark dazu beigetragen und zu verschiedenen Aspekten dieser Geschichte publiziert, unter anderem zur Entwicklung der Verbundpartnerschaft, zur Bildungsexpansion nach dem Zweiten Weltkrieg oder zur Einführung der Berufsmaturität. Ausgehend von den Schriften Gonons als Quellen schlagen wir eine Relektüre der Geschichte der Berufsbildung in der Schweiz vor, in der Komplexität, Spannungsfelder und Kompromisse die zentralen Kategorien darstellen. Die Komplexität ergibt sich aus der Vielzahl von verschiedenen Akteuren, die in der Berufsbildung involviert sind, und ihren unterschiedlichen Erwartungen. Aus dieser Komplexität entstehen drei Spannungsfelder: erstens auf der Ebene der Systemsteuerung zwischen staatlicher Regulierung und unternehmerischer Autonomie, zweitens auf der Ebene des Ausbildungsmodells zwischen der Ausbildung in den Betrieben und dem Unterricht in der Schule und drittens auf der politischen Ebene zwischen wirtschaftlichen, sozialen und erzieherischen Zielen. Diese Spannungsfelder liegen der gesamten Geschichte der Berufsbildung in der Schweiz zugrunde und zwingen die Akteure zu einer „permanenten Kompromissbildung“.