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100 neue Wohnungen in Höngg?
An der Imbisbühlhalde auf dem Grundstück der Erbengemeinschaft Walter Elliker soll demnächst eine neue Siedlung entstehen. Gegen das geplante Vorhaben hat sich Widerstand formiert.
26. Januar 2024 — Dagmar Schräder
Im Mai letzten Jahres wurde das Projekt ausgeschrieben, im Oktober kam der Bauentscheid: Die Rede ist von der neuen Siedlung, die auf dem Grundstück der Erbengemeinschaft Walter Elliker an der Imbisbühlhalde entstehen soll (die «Höngger Zeitung» berichtete).
Auf der rund 10 000 Quadratmeter grossen Parzelle zwischen der Imbisbühl- und der Riedhofstrasse sollen nach dem Willen der Bauherrschaft vier Gebäude erstellt werden, die insgesamt Platz für rund 100 Wohnungen bieten. Der Bezugstermin ist für das Jahr 2026 geplant.
Moderate Mietpreise
Wie die Vertretung der Bauherrschaft in einer Stellungnahme mitteilt, sollen in der Siedlung rund 240 bis 280 Personen Wohnraum finden können. Zwei Drittel der Wohnungen seien als 3,5 und 4,5-Zimmer-Wohnungen konzipiert, daneben sollen auch einige 5,5-Zimmer-Wohnungen sowie 18 Kleinwohnungen angeboten werden.
Preislich, so die Vertretung der Eigentümerschaft, strebe man moderate Mietpreise an: «Die Bauherrschaft ist sich sicher, dass die 100 Wohnungen eine willkommene Entlastung für den Wohnungsmarkt darstellen. Sowohl der Wohnungsmix wie auch das moderate Mietpreissegment entsprechen einem Bedürfnis und leisten einen Beitrag zur Weiterentwicklung und Stärkung des Quartiers.»
Konkret plant das Architekturbüro Loeliger Strub Architektur GmbH, das als Gewinner aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangen ist, den Bau von vier Gebäuden: zwei grössere Langbauten, die parallel zur Riedhofstrasse verlaufen sowie zwei kleinere Punktbauten, die quer zum Strassenverlauf erbaut werden sollen. An der Südfassade werden die Gebäude viergeschossig und haben zusätzlich ein Attikageschoss. Auf den Nordfassaden werden die Gebäude aufgrund der Hanglage niedriger und sollen drei Regelgeschosse sowie ein Attikageschoss aufweisen.
Rekurse von zwei Seiten
Gegen das Bauvorhaben sind nach Erteilung des positiven Bauentscheids zwei Rekurse eingegangen. Diese würden nun von Eigentümerschaft und Behörden geprüft. Die Einsprachen stammen von Anwohnenden nördlich und südlich des Areals. Dabei haben sich von der nördlichen Anwohnerschaft mehrere Mietparteien zu der Interessengemeinschaft Riedhof-Imbisbühl, kurz IGRI, zusammengeschlossen und gemeinsam Rekurs eingelegt.
Grundsätzlich seien sie nicht gegen eine Überbauung des Areals, betonen die Vertreter*innen der IGRI im Gespräch mit der «Höngger Zeitung». Die Parzelle sei schon seit vielen Jahren als Bauland ausgewiesen und es sei klar gewesen, dass hier früher oder später gebaut wird. Sie bemängeln, wie das Projekt ausgestaltet ist: Die beiden langen Gebäude würden wie eine trennende Wand wirken und seien vollkommen überdimensioniert. Die Bauherrschaft spreche zwar davon, eine «ins Quartier eingebettete Siedlung zu erstellen», das geplante Vorhaben sei aus ihrer Sicht aber alles andere als «eingebettet».
Nicht nur werde durch die Bauten der Blick auf das Limmattal und den Üetliberg komplett verbaut, auch der kühlende Abwind werde durch die langen, quer zum Hang gestellten Häuser gestört. Die zahlreichen Auflagen des Bauentscheids – 25 an der Zahl – deuteten aus ihrer Sicht ebenfalls daraufhin, dass das Projekt in der jetzigen Form nicht den Vorgaben der Stadt entspreche und konträr zu vielen städtischen Planungsgrundsätzen stehe.
Nachsicht gegenüber Quartierstruktur?
Wie die Vertretung der Bauherrschaft mitteilt, habe die Grundeigentümerschaft grundsätzlich Verständnis für die kritische Einstellung der Nachbarschaft gegenüber einer Überbauung des Areals. Die Eigentümer*innen hätten selber einen starken persönlichen Bezug zum Areal und seien bemüht, sorgsam damit umzugehen und ansprechende Bauten zu realisieren, was angesichts des hohen Siedlungsdrucks und der raumplanerischen Vorgaben zur Verdichtung keine ganz einfach zu bewältigende Aufgabe darstelle. Das aus dem Wettbewerb als Sieger hervorgegangene Projekt bewältige diese Herausforderung am besten.
Die im Bauentscheid enthaltenen Auflagen seitens der Stadt bewegten sich in einem erwarteten Rahmen und seien kein Beweis dafür, dass der geplante Bau im Kontrast zu städtischen Planungsgrundsätzen stehe. Auch das Stören kühlender Abwinde sei kein Gegenstand baulicher Auflagen der Stadt Zürich. Weil das Thema aber im Rekurs aufgegriffen worden sei, werde es nun in diesem Rahmen geprüft.
Austausch könnte helfen?
Kontakt zwischen den einzelnen Parteien besteht momentan nicht. Wie die Bauherrschaft erklärt, waren die angrenzenden Grundeigentümer*innen im Mai 2021 zu einer Ausstellung und Präsentation der Wettbewerbsergebnisse eingeladen, im März 2023 habe man das ausgearbeitete Projekt der Nachbarschaft noch einmal vorgestellt.
Die IGRI vertritt den Standpunkt, dass diese Veranstaltungen zwar stattgefunden haben, sich die Pläne seit der ersten Präsentation aber verändert hätten. Die von der Bauherrschaft betonte Nachsicht gegenüber bestehenden Quartierstrukturen sei daher nur ein leeres Versprechen gewesen. Man würde, so die Interessensgemeinschaft, einen weiteren Austausch mit der Bauherrschaft begrüssen. Denn so, wie es geplant sei, beeinträchtige das Bauvorhaben die Lebensqualität der Anwohnerschaft stark.
Diesen Vorwürfen setzt die Bauherrschaft kurz vor Redaktionsschluss dieser Zeitung entgegen, dass sich die Pläne seit der ersten Präsentation nicht wesentlich verändert hätten und in Bezug auf Versickerung und hochwertige Begrünung sogar verbessert worden seien. Von der Interessensgemeinschaft habe sie jedoch «leider erst nach der Baueingabe erfahren», hätte ihr das Projekt jedoch gerne vorgestellt.