Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/2306

20. 6. 1980 Nach den Opernhauskrawallen in Zürich wird auch in Bern ein AJZ gefordert. Rund 250 Personen versammeln sich beim Bärengraben, um das alte Tramdepot zu besetzen.
5. 7. 1980 Die Bewegung der Unzufriedenen
mobilisiert für ein Fest der Unzufriedenen in der leer stehenden städtischen Reithalle (RH), die inzwischen von der Bewegung als AJZ gefordert wird.
16. 8. 1980 DemonstrantInnen übergeben den Stadtbehörden eine von 4064 Personen unterschriebene Petition mit der Forderung, die RH «so schnell wie möglich als freies Kultur- und Begegnungszentrum ohne Auflagen zur Verfügung zu stellen».
September 1980 Der Gemeinderat stimmt der Einrichtung eines AJZ in den Stallungen der RH grundsätzlich zu. Weil eine einjährige Kündigungsfrist mit dem bisherigen Mieter besteht, steht die RH erst ab Oktober 1981 als AJZ zur Verfügung.
5. 2. 1981 Eine Kreditvorlage in der Höhe von 600000 Franken für die Renovation der RH-Stallungen für das geplante AJZ wird vom Stadtrat angenommen.
21. 2. 1981 Das Haus an der Taubenstrasse 12 wird besetzt und zum provisorischen Autonomen Jugendzentrum erklärt
16. 10. 1981 Grosses Eröffnungsfest des Autonomen Begegnungszentrums (ABZ). Zuvor haben über 100 Bewegte am Umbau mitgearbeitet. Es bilden sich verschiedene Arbeitsgruppen wie eine Werkstattgruppe, eine Presse-, eine Sani- und eine Drogengruppe.
30. 3. 1982 Die Behörden haben sich mit den ABZ-BetreiberInnen nicht über ein Betriebskonzept einigen können und sich bis anhin geweigert, Subventionen für das ABZ zu sprechen. Der Gemeinderat stellt ein Ultimatum: «Innert einer Woche sind dem Gemeinderat diejenigen Personen bekannt zu geben, die bereit sind, sich während der Öffnungszeiten des ABZ für einen geordneten Betrieb einzusetzen.»
14. 4. 1982 Das ABZ wird polizeilich geräumt. In der Nacht kommt es zu Strassenschlachten. Die RH wird ein Jahr lang rund um die Uhr polizeilich bewacht.
Die weitere Entwicklung in den achtziger Jahren
18. 5. 1984 Vier besetzte Häuser an der Freiburgstrasse werden geräumt und unter Polizeischutz abgerissen. Noch am gleichen Tag wird das ZAFF im Berner Mattenhofquartier besetzt.
8. 6. 1985 Der Wohn- und Kulturraum ZAFF wird flachgelegt. Verschiedene Nachfolgebesetzungen werden geräumt. Diverse «Strafbars» und unbewilligte Konzerte, die auf die Zerstörung von billigem Wohnraum und auf mangelnden Kulturraum hinweisen, finden statt.
31. 6. 1985 Ehemalige BewohnerInnen des ZAFF lassen sich auf dem Gaswerkareal mit Zelten und Hütten nieder. Das Freie Land Zaffaraya entsteht.
8. 5. 1987 Mit der Besetzung der Dampfzentrale protestieren IKuR, OHM-8 und Hans-Dampf-in-allen-Gassen dagegen, dass «ein weiteres Mal all jene vor der Tür stehen, die sich nicht in eine solche von oben herab diktierte Welt der Kategorien integrieren können oder wollen». Etwa 1000 Leute nehmen am Fest teil, mehrere Rockbands treten auf. Die Gemeinderäte Albisetti und Neukomm an der Spitze der Polizeigrenadiere stellen ab Mitternacht in regelmässigen Abständen Räumungsultimaten, sind aber machtlos.
31. 10. 1987 Kulturstreik in der RH. Nahezu alle kulturellen Institutionen der Region Bern verlegen ihr Programm für einen Abend und eine Nacht in die RH. Das Fest mit Konzerten, Theater und Filmen wird ein voller Erfolg: Gegen 10000 Leute verfolgen die Auftritte von dreizehn Bands, darunter Stephan Eicher, Polo Hofer, Züri West, die Goldenen Zitronen usw.
21. 11. 1987 Grossdemonstration mit 10000 TeilnehmerInnen, die die Freigabe des Gaswerkareals zum sofortigen Wiederaufbau des Zaffarayas und die sofortige Öffnung des gesamten Reitschulkomplexes als autonomes Kulturzentrum verlangen. Die Studios der Berner Lokalradios ExtraBern und Förderband werden besetzt. Am Abend findet ein Fest in der besetzten RH statt.
In Zürich werden vor der Roten Fabrik aus Solidarität mit dem Zaffaraya Barrikaden errichtet.
25. 2. 1989 Mit einer Umzugsdemo zieht das Zaffaraya ins Neufeld. Das Gelände bei der Park-and-Ride-Anlage, das dem Kanton Bern gehört und auch als Standplatz der Fahrenden genutzt wird, ist ihnen als weiteres Provisorium angeboten worden. Das inzwischen zu einem Hüttendorf angewachsene Zaffaraya ist auch 1998 noch im Neufeld.
1. 8. 1990 Die Premiere der Tränengasoper «Berner Beben» sorgt für ein volles Kino in der RH. Der Film von Andreas Berger dokumentiert die bewegten achtziger Jahre in Bern: «Mein Film soll eine Selbstdarstellung der Bewegung sein. Ich habe ihn eigentlich für die Leute der Reithalle gemacht.»
1.–3. 11. 1996 Eröffnungsfest Grosse Halle der RH: Mit Filmen, Konzerten, Theater und einer Podiumsdiskussion läutet der Trägerverein Grosse Halle seine Ära ein.
4. 9. 1997 Der Stadtrat spricht einen 480000-Franken-Projektierungskredit für die Gesamtsanierung der RH. Für einmal ist sich der Stadtrat bezüglich der RH weitgehend einig: Sogar die SVP stimmt mehrheitlich für den Kredit.