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«10 vor 10»-Beitrag «Coronavirus: Fakecheck» beanstandet I
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Mit Ihrer E-Mail vom 20. März 2020 beanstandeten Sie Sie die Sendung «10 vor 10» (Fernsehen SRF) vom 19. März 2020 und dort den Beitrag über virale Videos mit dem Titel «Coronavirus: Fakecheck».[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«In der Sendung vom 19.03.2020 wurde ein Ausschnitt aus einem Youtube Beitrag von Hrn. Wolfgang Wogart zur Situation betreffend Coronavirus gezeigt. Dabei wurde nicht erklärt, dass Herr Wogart ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Virologie ist, sondern es wirkte so, als ob Herr Wogart irgendetwas erzählt, das nicht begründet ist.
Aussagen von ihm wurden als ‘Fake’ dargestellt. Es kamen zwei Fachpersonen zu Wort, Herr Thiel von der Universität Bern und Herr Neher vom Biozentrum der Universität Basel, die gegen die Aussagen von Herrn Wogart Stellung bezogen. Nicht erwähnt wurde, dass Herr Thiel daran ist, einen Impfstoff gegen Corona zu entwickeln und deshalb ein grosses Interesse daran hat, dass die Bevölkerung verunsichert ist und sich, wenn der Impfstoff auf dem Markt ist, impfen lässt. Dahinter steht also ein grosses Geschäft. Beim Biozentrum Basel wird als Sponsoren an zweiter Stelle eine ‘Kontaktgruppe für Forschungsfragen’ genannt, die sich aus Personen folgender Firmen zusammensetzt: BASF, Syngenta, Novartis und Roche. Das heisst, auch Herr Neher ist alles andere als unabhängig.
In Artikel 4 Abs. 2 der Allgemeinen Bestimmungen des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen steht, Tatsachen und Ereignisse müssen sachgerecht dargestellt werden, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann.
Die eigene Meinungsbildung war im oben beschriebenen Beitrag für das breite Publikum nicht mehr möglich, weil wesentliche Tatsachen über die Personen, die im Beitrag auftraten, nicht genannt wurden. Ich bitte Sie, diese Angelegenheit zu analysieren.»
B. Gerne nehme ich dazu wie folgt Stellung: Es stimmt, dass das Radio- und Fernsehgesetz den Rundfunkmedien vorschreibt: «Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann.» [2] Aber diese Verpflichtung entbindet die Rundfunkmedien nicht von der Suche nach der Wahrheit. Der Schweizer Journalistenkodex verlangt in seiner 1. Ziffer von den Journalistinnen und Journalisten: «Sie halten sich an die Wahrheit ohne Rücksicht auf die sich daraus für sie ergebenden Folgen und lassen sich vom Recht der Öffentlichkeit leiten, die Wahrheit zu erfahren.» [3] Wenn zwei Personen widersprechende Meinungen äußern und die eine sagt die Wahrheit, die andere aber lügt, dann besteht die Aufgabe der Medien nicht darin, beiden gleich viel Raum zu geben und beide kommentarlos «abzubilden». Vielmehr verlangt das Wahrheitsgebot, dass die Medien mit Hilfe von Recherchen die Fakten überprüfen und angebliche Fakten als solche kennzeichnen.
Genau das hat die Sendung «10 vor 10» in dem von Ihnen kritisieren Beitrag gemacht. Sie hat die Aussagen von Rolf Kron und von Dr. Wolfgang Wodarg, beides Ärzte, auszugsweise wiedergegeben. Während Sie den Homöopathen und Impfkritiker Rolf Kron, praktischer Arzt in Bayern, links liegen lassen, verteidigen Sie Dr. Wolfgang Wodarg, promovierter Psychiater, ausgebildeter Internist, Medizinethiker, früherer Amtsarzt in Flensburg, SPD-Bundestagsabgeordneter von 1994 bis 2009 und heute (seit 2002) für die SPD Mitglied der parlamentarischen Versammlung des Europarates in Straßburg. Er brandmarkt die Bekämpfung des Corona-Virus als «Panikmache» und redet von einer Verschwörung.[4] Er versteht sicher etwas von der Materie, verkennt aber, dass es sich beim neuen Coronavirus nicht um ein endemisches handelt wie vier der bisherigen, sondern um ein pandemisches wie Mers und Sars und sich exponentiell ausbreitet und dass es dagegen noch keinen Impfstoff und kein Heilmittel gibt. Der «Spiegel» hat sich in einem sorgfältigen Artikel mit seiner Argumentation auseinandersetzt und sie widerlegt. Am Schluss steht in dem Artikel: «Wenn abwegige Einzelmeinungen anerkannten Fakten scheinbar gleichberechtigt gegenübergestellt werden, entsteht ein falscher Eindruck – eine sogenannte false Balance oder falsche Gewichtung. Sie zu vermeiden, ist gerade in Krisenzeiten wichtig.»[5]
Wer die Augen davor verschließt, dass eine enorme Ansteckungswelle durch die ganze Welt geht, dass die Tests eindeutig den Covid 19 als Veruracher identifizieren und dass täglich Hunderte sterben, der ist blind. Wer behauptet, es gebe jedes Jahr Grippeerkrankungen und Grippetote, der hat die Ausbreitungskurven nicht verglichen. Und wer sagt, Ende März werde alles vorbei sein und die Welt werde zur Normalität zurückkehren, hat noch nicht gemerkt, was es geschlagen hat.
Dies wissen hingegen die beiden von «10 vor 10» befragten Professoren. Der Virologe Prof. Dr. Volker Thiel ist Direktor des Instituts für Virologie und Immunologe an der Universität Bern und Angehöriger der gemeinsamen bernisch-zürcherischen Veterinärmedizinischen Fakultät.[6] Der Epidemologe Prof. Dr. Richard Neher ist assoziierter Professor am Biozentrum der Universität Basel. Er war Postdoc an der University of California in Santa Barbara und Forschungsgruppenleiter am Max Planck-Forschungszentrum.[7] Beide sind renommierte Forscher. Wenn Thiel an einem Impfstoff arbeitet, dann ist das ja nur von Gutem. Niemand fördert extra eine Pandemie, um einen Impfstoff entwickeln zu können, genau so wenig, wie kein Chirurg jemand von einer Mauer stösst, um dann einen Beinbruch operieren zu können. Das Biozentrum der Universität Basel hat Sponsoren. Die Sponsoren haben sicherlich ein Interesse an Forschungsergebnissen, die ihnen wirtschaftlich nützen. Aber die Universitäten schließen heute mit Sponsoren stets Verträge ab, in denen jegliche Einmischung in die Inhalte von Lehre und Forschung untersagt wird. Es ist daher ziemlich verwegen, die beiden Personen zu bezichtigen, die missbrauchten die Pandemie für persönliche Interessen.
Zurück zur Sendung: Die beiden Professoren haben die Hauptthesen von Kron und Wodarg, das Coronavirus sei erstens nur eine gewöhnliche Grippe, es sei zweitens kein neues Virus und die ganzen Schutzmaßnahmen seien drittens Panikmache, widerlegt und damit als Fakes enttarnt. Und genau das ist die Aufgabe von seriösem Journalismus, auch und gerade in Zeiten großer Unsicherheit. Ihre Beanstandung kann ich daher nicht unterstützen.
C. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann
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