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In den Jahren 2018 und 2019 war ich musikalischer Leiter eines Forschungsprojekts der Universität Zürich und der Université de Genève über die Wirkung der Stimme und Klaviermusik aufs Gehirn. Eine Momentaufnahme meiner Arbeit an der Studio ist in meiner Masterarbeit Adaptive Improvisation dokumentiert. Das Projekt kombiniert Forschung an der Wirkung von improvisierter gegenüber komponierter Klaviermusik mit einer vorausgegangenen Studie über die Wirkung der Stimme (Tonfall, Klangfarbe, Gestik). Der Name des Projekts ist:
Dynamic influences on auditory emotion recognition by modulations of vocally and musically expressed emotions
Dynamische Einflussnahme auf die auditive Emotionserkennung durch Modulationen von stimmlich und musikalisch ausgedrückten Emotionen
Ich habe die musikalsche Struktur der Studie herausgearbeitet und die Neurowissenschaftlichen Grundidee in musiktheoretische Kategorien übertragen. Dabei orientierte ich mich an einigen Studien, die ähnliche Ansätze hatten. Etwa zur Untersuchung von emotionalen Reaktion auf spezifischen Harmonien und Modi. Die Theorie wurde anschliessend anhand von MRT (Kernspintomografie) an Probanden getestet. Meine persönliche Motivation war, Erkenntnise und Regeln aus der Filmmusik mit Erkenntnissen aus der Neurowissenschaft abzugleichen. Dokumentiert ist auch mein Lernprozess über neurowissenschaftliche Begriffe und Methoden, die Arbeit ist also auch ohne psychologisches Vorwissen verständlich. Zum PDF der Arbeit auf das Bild klicken:
Das offizielle Projekt Abstract
Menschen benutzen die Stimme als auch Musik um Emotionen über den akustischen Klang dieser Signale an andere Menschen zu übermitteln. Es sind gerade die akustischen Variationen und Veränderungen in klanglichen Eigenschaften (Tempo, Timbre, Rhythmus, etc.) der Stimme und der Musik, die starke emotionale Reaktionen in Hörern auslösen.
Während die Stimme eine evolutionsbiologisch sehr „alte“ Möglichkeit ist, mit der Menschen als auch Tiere emotionale Signale an andere Mitmenschen oder Artgenossen schicken können, ist die Musik eine sehr „junge“ Errungenschaft des Menschen, um Signale und Emotionen auszudrücken und an andere Menschen zu übermitteln. Obwohl beide Modalitäten (Stimme, Musik) evoltionsgeschichtlich sehr weit auseinanderliegen, teilen doch beide Modailtäten viele Möglichkeiten, um über akustische Variationen Emotionen auszudrücken. Es sind neben den eher statischen akustischen Eigentschaften v.a. die dynamischen Variationen von klanglichen Eigenschaften in diesen beiden Modalitäten (z.B. der ärgerliche Mensch spricht immer lauter und harscher, der Musiker verändert das Tempo und Komplexität seiner Darbietung), die zu den stärksten emotionalen Reaktionen in Hörern führen. In diesem Forschungsprojekt soll dementsprechend untersucht werden, welche dynamischen Variationes es tatsächlich sind, mit denen Sprecher als auch Musiker versuchen in ihrer klanglichen Darstellung die stärksten emotionalen Reaktionen als auch die stärksten Gehirnreaktionen in Hörern hervorrufen.
Die Dynamik der klanglichen Variationen in Stimme und Musik als Grundlage des emotionalen Ausdrucks ist ein wenig beachtetetes Thema in den Wissenschaften. Das ist erstaunlich, weil wir aus unseren menschlichen Alltag sowie aus musikalischen Darbietungen als Menschen den ständigen Endruck haben, dass es diese klanglichen Variationen sind, die uns emotional am stäksten beeinflussen.
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