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Britische Rennautos waren grün, französische blau, italienische selbstverständlich «rosso» ... weshalb ist das nicht mehr so?
Es gab mal eine Zeit, da konnte man einem Autorennen zusehen und sofort wissen, aus welchem Land die Autos und/oder deren Fahrer stammten. Der Grund: nationale Rennfarben. Von 1903 bis 1968, um genau zu sein, galt diese von der FIA vorgeschriebene Regel für internationale Grand-Prix-Rennen. Normalerweise war die Nationalität des Konstrukteurs entscheidend; unter gewissen Umständen (Privatfahrer) auch die des Fahrers.
Die Tradition geht auf den 1903 in Irland gehaltenen Gordon Bennet Cup zurück, ein jährlich stattfindendes Autorennen bei dem Nationalteams mit je drei Fahrzeugen teilnahmen. Teilnehmerländer waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Österreich, die Schweiz und die USA.
Ausgetragen wurde das Rennen im Land des jeweiligen Vorjahressiegers (genau – wie bei Eurovision). 1902 gewannen die Briten, doch die konnten das darauffolgende Rennen nicht in England veranstalten, da dort immer noch ein Verbot von Autorennen galt. Also wich man für 1903 auf Irland aus (das damals zu Grossbritannien gehörte).
Gleichzeitig waren Zuschauerklagen laut geworden, dass die bis dahin hauptsächlich grauen Karosserien der Autos schlecht zu unterscheiden seien, und so entschlossen sich die Nationalteams, ihre Wagen farblich einheitlich zu gestalten. Das Konzept der nationalen Rennfarben war geboren.
Fast alle Teams wählten anfänglich Farben, die kurze Zeit später wieder gewechselt wurden (Rot, etwa, gehörte zunächst den USA, nicht Italien). Die Briten, aber, kleideten ihre Autos in Shamrock Green, um dem Gastgeberland Irland Respekt zu zollen:
Woher du es kennst: Le-Mans-«Blower»-Bentleys der 20er, Jaguar-D-Types der 50er, Lotus-Formel-1-Autos der 60er
Historisch demnach die älteste und zugleich auch eine der ikonischsten Autofarben ever ... wenn auch etwas ungenau, denn Shamrock Green ist freilich einiges heller als jenes tiefe Flaschengrün, das man von den Jaguar D-Type Rennwagen der Fünfzigerjahre kennt; was wiederum anders als RAL 6005 Moss Green ist, das heute gemeinhin als British Racing Green gilt. Somit ist dies wohl die einzige Farbe, deren Bezeichnung bekannter als der eigentliche Farbton ist.
So ziemlich jedes italienische Rennauto von 1920 bis heute.
Die wohl bekannteste Rennfarbe aller Zeiten: Seit den 1920er-Jahren verbindet man die Farbe Rot – genauer rosso corsa («Renn-Rot») – mit schnellen Alfa Romeos, Maseratis und – ab den 1950ern – Ferraris.
Bugatti-Rennautos der Zwischenkriegsjahre, Ligier-Formel-1-Autos der 80er.
Es gibt keine Farbfotos aus den 20er-Jahren von den 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Man muss sich das Startfeld wie folgt vorstellen: Die grossen Bentleys in British Racing Green, die eleganten Alfas in rosso corsa und die schnellen Bugattis, die Gastgeber, quasi, im glänzenden bleu de France.
Mercedes- und Auto-Union-Rennwagen der Nazizeit, Mercedes 300SL 50er, Mercedes-Benz CLR 1999
Zunächst fuhren deutsche GP-Autos in Weiss. Ab 1934 galt einheitlich Silber (oder unlackiertes Metall). Die Ära der ‹Silberpfeile› war angebrochen – deren Erfolg die Nazis gehörig für Propagandazwecke ausschlachteten.
Honda-Formel-1-Wagen der 60er, Honda Civic Type R
Als Hommage an die ikonische Farbgebung der 60er wird der aktuelle Honda Civic Type R in Championship White angeboten.
Cunningham-Le-Mans-Sportwagen, Shelby Daytona, Renn-Corvettes der frühen 60er, Ford GT40
Meistens wurde die Farbkombo mit sogenannten Cunningham stripes gewählt, nach dem Design der Cunningham-Rennwagen (Bild oben), die von 1952 bis 1955 in Le Mans teilnahmen und als erste jenes Streifendesign aufwiesen. Weisse Karosserie mit blauen Streifen war ebenso legitim wie die umgekehrte Variante, wie hier beim Shelby Daytona Coupe von 1965:
So ... und die Schweiz? Wer weiss es?
...
...
... Okay, allzu schwierig ist's nicht ...
...
...
...
Yeah. Man denke an Jo Sifferts Autos, etwa. Oder an obigen Cooper-Maserati T81 der Ecurie Anglo-Suisse.
Ferner waren da noch:
Deshalb:
Sponsorship liveries, Farbschemas, die von Farben und grafischen Elementen des Hauptsponsors bestimmt waren, waren in den 60ern in den USA bereits Usus. Ab 1968 wurden diese auch für internationale Rennen erlaubt. Team Gunston, ein südafrikanisches Privatteam, war das erste Formel-1-Team, das mit Sponsor-Farben antrat. Doch es war das sehr erfolgreiche Lotus-Team, das kurze Zeit später mit obigem Lotus 49B in den Farben von Gold Leaf Cigarettes aufkreuzte und den Standard setzte. Innert kurzer Zeit war das Ende von nationalen Rennfarben besiegelt.
Was nicht bedeutete, dass es fortan keine ikonischen Rennstall-Farben mehr gab. Man denke dabei an die schwarzen John-Player-Special-Lotus' der 70er und 80er ...
... oder an die Marlboro-McLarens der 1980er.
Und ganz verschwunden sind die nationalen Rennfarben auch wieder nicht. Aston Martin, etwa, kleidet sich gerne in eine Variante von British Racing Green:
Auch die Jaguar-Le-Mans- und Formel-1-Autos wiesen zumindest grüne Elemente auf. Ebenso die Williams-F1-Fahrzeuge der frühen 80er. Die Equipe Ligier bewahrte auch stets das bleu de France:
Und, tja, wie war das noch mit der Scuderia Ferrari?
Na also.
Ach, schnell noch: Doch, einmal war da was. Krach zwischen Enzo und der FIA und dem italienischen Pendant ACI, nämlich. 1964 zog sich Enzo Ferrari erzürnt vom offiziellen Sport zurück und schwor, nie wieder seine Autos in der italienischen Rennfarbe fahren zu lassen.
Die letzten beiden Rennen der Saison bestritten die Ferrari-Fahrer als Teil von North American Racing Team – NART – und somit in amerikanischen Farben. Ferrari-Fahrer John Surtees holte den Weltmeister-Titel und Ferrari den Konstrukteuren-Titel.