Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03640.jsonl.gz/1927

Wer jetzt nicht die ganze Geschichte lesen will, kann unten die Zusammenfassung lesen.
Sie können sich vielleicht daran erinnern. Sie hatten eine Telefonleitung, die Teil des Telefonnetzes war, die ging bis zur Telefondose. An diese Dose haben Sie ein Telefon angeschlossen. Dann konnten Sie Telefonieren.
Akustikkoppler
Dann kam das Internet. Damals ging das indirekt über die Telefonleitung (über ein Telefon), und ein Akustikkoppler hat Töne übertragen. Also das Internet ging effektiv über ein Telefonat. Sie konnten entweder normal telefonieren, oder das Internet nutzen. Beides ging nicht, denn das Internet war ja schon ein aktives «Telefonat».
Wer sich wundert, wie das funktioniert: Der Akustikkoppler hat digitale Daten (Nullen und Einsen) in Töne kodiert, und auf der anderen Seite passierte das umgekehrte, und das in beide Richtungen. Somit konnten Daten über das Telefonnetz als Telefonat übertragen werden.
Jedoch hatte so ein Akustikkoppler auch Probleme. Wenn die Qualität des Telefonats nicht so gut war, oder viele Hintergrundgeräusche vorkamen (da war wirklich ein Telefonhörer am Akustikkoppler), konnte das die Übertragung stören.
Modems
Dann folgten Modems. Die brauchten kein Telefon mehr, und waren direkt an die Telefonleitung geschlossen. Beim Aufbauen der Verbindung musste das Signal wie ein normales Telefon die Wahltöne übermitteln und sich einwählen, sobald die Gegenstelle «abgenommen» hat (das war automatisch), gab es eine direkte elektrische Verbindung. Es wurden also im Gegensatz zum Akustikkoppler keine «Töne» mehr für die Daten gesendet. Aber es war effektiv noch ein Telefonat, bei dem eingewählt werden musste, und auch der «Sprachkanal» weiterhin besetzt war (das heisst, es wurden für Daten die Frequenzen benutzt, die eigentlich auch bei einem normal Gespräch genutzt werden). Es war also weiterhin nicht möglich, online zu sein und dabei gleichzeitig zu telefonieren.
DSL-Modems
Mit den DSL-Modems kam dann eine Revolution. Es war nun möglich, mit viel höheren Geschwindigkeiten online zu sein*. Ausserdem konnte gleichzeitig telefoniert werden. Im Gegensatz zu den Vorgängern geht DSL nicht mehr über ein Telefonat. Die Daten werden in einem höheren Frequenzbereich übertragen, der sich nicht mit dem analogen Telefonieren überschneidet. Damit das DSL-Signal das Telefon auch ganz sicher nicht stört, gab es einen «Splitter» den man an die Dose steckte. Vielleicht kennen Sie das noch.
*nicht in Deutschland. 😛
All-in-one Boxen
Anfangs waren die DSL-Modems über USB an einen Rechner geschlossen, manchmal auch per Ethernet («LAN Kabel»). Mit der Zeit war es normal, mehrere Rechner im Haushalt zu haben. Also z.B. persönliche Laptops. Dann war es nicht mehr genug, nur einen Anschluss anzubieten. Also wurden aus den einfachen Modems, Multifunktionsgeräte. Zum Modem kam dann auch ein Router, welches das Internet in ein lokales Netz teilte («LAN»), und ein Switch, der mehrere LAN Ports für dieses lokale Netz anbot, aber eben alles in einem Gerät. Als Mobilgeräte immer prominenter wurden, kam auch WLAN standardmässig mit ins Gerät.
All IP
Irgendwann bekamen die «All-in-one Boxen» auch Telefonanschlüsse, mit denen man das alte bestehende Analogtelefon an die Box schliessen konnte. Das Telefon funktioniert dann bis zur Box wie ein normales Telefon, und die Box wandelt das dann auf VoIP um (Voice-over-IP), also, Internet. Es gibt aber auch digitale Telefone, die direkt mit der Box digital sprechen, ohne dass es eine Umwandlung auf den alten Standard benötigt. Ein Vorteil von Telefonie über das Internet ist die bessere Sprachqualität, diese erhält man aber nur wenn beide Seiten direkt ein digitales Telefon nutzen, ohne Umwandlung. Bei «All IP» ist gemeint, dass alles über das Internet geht. Bei so manchen Anbietern ist sogar die TV-Box ans Internet geschlossen (Ausnahmen sind Kabel-, Antenne- und Satellitenfernsehen).
Glasfaser
Im Grunde wurde das Telefonnetz durch das Internet abgelöst. Intern beim Anbieter (und von Anbieter zu Anbieter) findet die Verbindung über das Internet über Glasfaser statt. Wer jetzt denkt: «Ich habe aber noch eine Telefondose!», ja, allerdings wird diese vermutlich nur noch für DSL verwendet, welches beim DSLAM bzw. spätestens bei der Zentrale zu Glasfaser umgewandelt wird. Das Telefon selber ist dann meist in die «All-in-one» «Internet Box» geschlossen, und geht über das Internet, und nicht direkt über die Dose. Falls Sie noch ein Telefon haben, das wirklich direkt in die Telefondose geht, wird auch das irgendwo auf der Leitung zu Internet auf Glasfaser umgewandelt.
Zusammenfassung (tl;dr)
Zuerst kam das Telefonnetz aus Kupferkabeln, dann kamen Akustikkoppler für eine erste Version des Internets, die dieses Telefonnetz nutzen. Danach kamen die Einwählmodems, welches auch noch das klassische Telefonnetz nutzten. Dann kam DSL, hier ging das Internet zwar noch über die Telefonleitung, aber war kein Telefonat mehr. Mit der Zeit wurde intern bei den Anbietern die Kupferleitungen durch Glasfaser ersetzt, und heutzutage finden für alte Telefone und DSL, Umwandlungen statt. Das Telefonnetz aus Kupferleitungen gibt es nicht mehr, nur «the last mile» bis zum Haus ist noch da, welches aber für DSL genutzt wird. Alles andere ist Internet auf Glasfaser.
Ich hoffe, Sie fanden dies interessant und haben etwas gelernt!
Anmerkung der Autorin
Dieser Artikel ist teilweise aus meiner Erinnerung geschrieben, teilweise musste ich recherchieren (ich kenne die Akustikkoppler z.B. nicht persönlich). Ich habe in jedem Fall recherchiert, um möglichst nichts Falsches zu verzapfen. Mängel bitte in die Kommentare schreiben. (:
Ausserdem möchte ich erwähnen, dass es natürlich auch parallel zur Telefonleitung und DSL auch DOCSIS und Mobilfunk gibt. In diesem Artikel gehe ich jedoch nur auf DSL ein, da es hier um die Telefonleitung geht (und nur DSL diese nutzt).