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| Cölestinus I., Papa 422-432 - Briefe

Briefe
21. Brief des P. Cölestinus an die Bischöfe Gallien« V.J. 431
15. (Cap. 13.) Daß die tieferen Fragen weder zu verachten noch gänzlich zu behaupten seien.
Die tieferen und schwierigeren Theile der sich ergebenden Fragen aber, welche die Gegner der Häretiker weitläufiger behandelten, wagen wir weder zu verachten noch brauchen wir sie zu behaupten,1 weil wir glauben, es genüge zum Bekenntnisse der Gnade Gottes, dessen Wirken und [S. 492] Wohlwollen durchaus Nichts vorenthalten werden darf, was uns die Schriften nach den vorerwähnten Anordnungen des apostolischen Stuhles lehrten, so daß wir durchaus nicht für katholisch halten, was immer im Gegensatz mit den oben angegebenen Aussprüchen erscheint.
1: Über den Sinn dieser Worte, besonders darüber, welche Fragen hier unter den schwierigeren und tieferen zu verstehen seien, wurde von Vielen Vieles geschrieben; s. hierüber die von den Ballerini in (Opp. S. Leon. M. t. II. p. 705—718 aufgenommene Dissertation Quenells. Ich glaube jedoch, daß die Sache bedeutend erleichtert wird, wenn man sich vor Augen hält, daß das hier Gesagte die Worte des Compilators, nicht etwa des P. Cölestinus sind, in dessen Munde sie wohl eine andere Bedeutung hätten; Jener aber, wie wir annehmen der Laie Proper, wollte und konnte in Glaubensfragen keine Entscheidung für oder wider treffen; es genügte ihm, den Massiliensern gegenüber aus den vorfindigen päpstlichen Erklärungen, aus der Praxis und Liturgie der ganzen Kirche zu beweisen. daß auch der Anfang des Glaubens und des Guten, sowie die BeharrIichkeit darin nicht dem Menschen, sondern der Gnade Gottes zuzuschreiben sei, daß sie also nicht, wie sie vorgaben, Alles glauben, was der apostolische Stuhl über die Gnade lehrt. Ueber die übrigen darnit zusammenhangenden tiefern und schwierigeren Fragen, welche von Augustinus behandelt, von seinen Gegnern angegriffen werden, maßt er sich, weil er auch hierüber keinen päpstlichen Ausspruch finden konnte, kein Urtheil an; daß hieher auch besonders die Lehre von der Prädestination gehört, ist wohl sicher anzunehmen und konnte Proper noch sagen, daß er nicht nöthig habe, sie und ähnliche Puncte zu behaupten, weil die Kirche hierin noch nicht entschieden hatte.