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Blasenentzündungen sind eine vor allem bei Frauen verbreitete Erkrankung. Grund hierfür ist ein kleiner, aber feiner anatomischer Unterschied: Die weibliche Harnröhre ist mit einer Länge von etwa drei bis fünf Zentimetern deutlich kürzer als ihr männliches Pendant. Die Harnröhre mündet in die Scheide, welche immer mit Bakterien besiedelt ist. Die Scheidenflora ist normalerweise – dank reichlich vorhandenen Milchsäurebakterien und einem normalen Hormonhaushalt – im Gleichgewicht. Falls viele krankmachende Bakterien in der Vaginalflora vorhanden sind, ist die Chance erhöht, dass sie durch die kurze Harnröhre in die Blase aufsteigen und eine Infektion verursachen.
Häufig wird eine Blasenentzündung vom Bakterium Escherichia coli hervorgerufen. Seltener lösen andere, ebenfalls darmbewohnende Bakterien wie Klebsiellen, Proteus mirabilis und Pseudomonas eine Blasenentzündung aus. Gelegentlich kann eine Entzündung der Blase auch als Nebenwirkung von Medikamenten oder Bestrahlungen auftreten.
Schmerzen, Harndrang und trüber Urin
Zahlreiche Faktoren begünstigen die Entstehung einer Blasenentzündung: eine geringe Trinkmenge, übertriebene Intimpflege, ein unvollständiges Entleeren der Blase (Restharn), Geschlechtsverkehr, aber auch hormonelle Veränderungen.
Eine Blasenentzündung äussert sich in erster Linie durch Schmerzen beim Wasserlassen. Schmerzen können sich aber auch oberhalb des Schambeins als Unterbauchschmerz bemerkbar machen. Ein verstärkter, häufiger Harndrang und kleine Urinportionen sind typisch für die Infektion. Der Urin erscheint dabei häufig trüb, dunkel verfärbt, übel riechend oder sogar mit Blut versetzt.
Eine schwere, unbehandelte Blasenentzündung kann sich zu einer aufsteigenden Entzündung der Nierenbecken weiterentwickeln. Wiederkehrende Blasenentzündungen können auch zu einer Reizblase oder zu einer Dranginkontinenz führen.
Vorsicht bei Risikofaktoren
Blasenentzündungen können mit einem Streifentest, der in der Apotheke erworben werden kann, selbst diagnostiziert werden. Indikatoren für eine Blasenentzündung sind der Nachweis von Nitrit und von weissen Blutkörperchen (Leukozyten) im Urin.
Häufig lässt sich eine Blasenentzündung einfach behandeln. Hierzu können auch einfache Hausmittel oder Präparate aus der Alternativmedizin zum Einsatz kommen. Dennoch darf eine Infektion der Blase keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden: Gerade auch Kinder, Jugendliche und Schwangere sollten den Arztbesuch nicht scheuen. Bei Letzteren kann eine unbehandelte Blasenentzündung vorzeitige Wehen auslösen und zu Früh- und Fehlgeburten führen.
Auch Personen, die unter Nierenerkrankungen oder wiederkehrenden Infekten leiden, die ein geschwächtes Immunsystem oder eine Stoffwechselerkrankung wie Diabetes haben, sollten sich ärztlich abklären lassen. Einzelne Verhütungsmethoden wie das Diaphragma können Blasenentzündungen nach dem Geschlechtsverkehr begünstigen. Träger eines Blasenkatheters haben immer eine Bakterienbesiedlung in der Blase. Hier wird aber in der Regel nur bei Symptomen wie Fieber und starken Schmerzen behandelt.
Hält eine Blasenentzündung länger als drei Tage an oder tritt sie in Verbindung mit Fieber und Nierenschmerzen auf, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.
Blasenentzündung vorbeugen
Eine Blasenentzündung wird üblicherweise mit einem kurzzeitig verabreichten Antibiotikum behandelt. Vorbeugend und als Unterstützung einer Antibiotikatherapie können alternativmedizinische Produkte eingesetzt werden. Zum Beispiel Blasen-Nierentees, Produkte auf der Basis von Bärentrauben- und Birkenblättern oder Liebstöckelwurzeln sowie Preiselbeer- oder Cranberry-Säfte und D-Mannose.
Die D-Mannose, ein Einfachzucker, verhindert die Ansiedlung von Escherichia coli an der Blasenwand. Die Bakterien werden mit dem Urin ausgeschieden. Die D-Mannose kann auch von zuckerkranken Patientinnen eingenommen werden. Auch die altbewährte Wärmeflasche oder warme Kirschkernkissen lindern die Beschwerden.
Die ausreichende Flüssigkeitszufuhr, sowohl im Infekt als auch als Vorbeugung einer Blasenentzündung, ist Pflicht. Um den Intimbereich in seiner natürlichen Abwehrkraft zu unterstützen, sollten nur pH-neutrale, rückfettende Waschlotionen und anschliessend Pflegecremes verwendet werden.
«Lässt sich die Anfälligkeit für Infektionen auf einen Östrogenmangel zurückführen – ausgelöst durch die Menopause oder bestimmte Verhütungsmethoden – bietet sich die Anwendung von Hormonpräparaten an», so Frau von Siebenthal. In all diesen Fällen ist allerdings eine genaue Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erforderlich.