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Five Days from Home war nicht nur die einzige Regiearbeit George Peppards, sondern er fungierte auch als Produzent, Finzanzierer, Drehbuchschreiber und Hauptdarsteller des Streifens. Da das Budget sehr gering war ‒ was man dem Film auch ansieht ‒ sah sich Peppard nicht nur gezwungen, sein Auto zu verkaufen, sondern darüber hinaus seinen Schwager als Co-Produzenten sowie Gattin und Schwägerin als Darstellerinnen zu rekrutieren, damit das Projekt überhaupt realisierbar war.
Deshalb sind bei diesem Film über einen Strafgefangenen, der flieht, um seinen schwerverletzt im Krankenhaus liegenden Sohn zu besuchen, einzig mit Neville Brand als listiger Inspektor, der stets dort auftaucht, wo sich Peppard gerade befindet, und mit Bill Conti noch zwei weitere, prominente Mitarbeiter beteiligt. Conti wurde engagiert, weil er zu jener Zeit dank seines Riesenerfolgs mit Rockysehr begehrt war und sich durch ihn für Peppard die Möglichkeit ergab, mit der Veröffentlichung eines Soundtrack-Albums seinen Film am effizientesten zu vermarkten. Und ganz nebenbei entstand zwischen den beiden eine lebenslange Freundschaft.
Obwohl Five Days from Home primär wohl nur der Musik wegen bei einigen wenigen Menschen noch im Gedächtnis sein dürfte, kann man den Score auch mit viel Goodwill nicht ansatzweise zu einem Klassiker schönreden, denn die Qualität leidet unter einem Mix aus diversen Stilen, die teilweise schon längst aus der Mode gekommen sind und deshalb ziemlich datiert wirken.
Schlimm sind in dieser Beziehung die Vocals von Nelson Pigford und De Etta Metoyer (beide wurden übrigens von Contis Frau in deren Büro «entdeckt» und hatten bereits bei Rocky mitgewirkt); während sich Pigford noch einigermassen passabel aus der Affäre zieht, treten die gesanglichen Defizite von Metoyer im Discostück I Could With Your Love und insbesondere im dürftigen Weihnachtslied This House Has Never Known Such Love schon deutlicher zu Tage. Geniessbarer sind da schon die instrumentalen Versionen dieser Stücke. In ersterem Fall ist dies der Source-Cue Motel No. 1, der ‒ wie später Motel No. 2 ‒ funkigen Jazz präsentiert. In weiteren Tracks dieser Kategorie bedient uns Conti in Fiddle-Diddlemit fideler Countrymusik, in The First Tango From Texas mit einem… Tango.
Im Bereich der Spannung hat sich Conti offensichtlich von anderen Komponisten inspirieren lassen; ein wenig Fielding in Lightning into Town und The Last Desperate Steps, ein wenig Schifrin in The Dump. Das sind keine schlechten Stücke per se, sie strotzen halt einfach nicht vor Originalität.
Was den Score im Endeffekt prägt und aufwertet, sind das Haupt- sowie das Liebesthema (in diesem Fall die Liebe eines Mannes zu seinem Sohn), die einmal mehr offenbaren, dass Conti nie verlegen ist um Melodien, die einem spätestens beim zweiten Hören wie alte Bekannte vorkommen. Obwohl das flotte Hauptthema mit Discofunk, Trompetenfanfaren, barocken Elementen und einer Prise «Also sprach Zarathustra» aus einem ähnlichen Stoff genäht ist wie Rocky,hat es seinen eigenen, unverkennbaren Charakter und kommt, auch wenn der Sound unverkennbar seiner Ära behaftet ist, relativ frisch daher.
Das Liebesthema Come With Me Now ist zwar etwas simpel, wird aber durch Contis vielfältige Verarbeitung sehr schmackhaft. Es erscheint einerseits in ruhigen, anrührigen Varianten, hat in Track 9 aber auch einen kraftvollen, vorwärtstreibenden Auftritt im Spirit des Hauptthemas und markiert damit einen Höhepunkt der CD. Einen dramatischen Kulminationspunkt erreichen sowohl Film als auch Score in The Bridge, wo sich die beiden Themen vereinigen.
Wem ausser dem Conti-Komplettisten ist diese CD ‒ die Intrada gegenüber der LP um fünf Tracks aufgestockt hat ‒ nun zu empfehlen? Allen, die von einer Filmmusik manchmal nicht mehr verlangen als ein bisschen Spass und Themen, die man rasch herzhaft mitsingen und/oder -pfeifen kann. Wer sich da angesprochen fühlt, ist mit dieser Veröffentlichung gut bedient. Ein Wort noch zum Cover: ich war zu meinem Amusement nicht der einzige, der sich beim ersten, flüchtigen Blick darauf verwundert fragte: «nanu, was hat denn Elmer Bernstein auf einer Conti-CD zu suchen?». Und der Hund auf Peppards Schoss ist im Vergleich zum Film deutlich gewachsen, es dürfte also einige Zeit zwischen den Dreharbeiten und der Produktion der LP verstrichen sein.