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In der Schorfheide, nördlich von Berlin, erinnern heute nur noch zwei Torhäuser daran, das da mal etwas war. Von „Carinhall“, dem prunkvollen Landsitz Hermann Görings, ist nichts mehr übrig. Wer sich darüber informieren will, muss daher das Buch Görings Reich. Selbstinszenierungen in Carinhall von Volker Knopf und Stefan Martens zu Rate ziehen.
Während sich Adolf Hitler vor dem Volk gerne als strenger Asket inszenierte, liebte der „Zweite Mann im Dritten Reich“, Hermann Göring, den Prunk. Seine Eigenheit, immer mehr Ämter und Titel anzuhäufen, seine Vorliebe für pompöse Uniformen und seine Orden, die er oft und gerne spazieren trug, waren genau so legendär wie sein Übergewicht. Auch im Privaten umgab sich Göring mit Luxus. 1934 schenkte das Land Preussen seinem Ministerpräsidenten Göring eine relativ bescheidene Jagdhütte in der Schorfheide, die Jagd war nämlich eines von Görings Hobbies. Doch dieses Häuschen war für den „ersten Paladin des Führers“ natürlich nicht gut genug. 1936/37 wurde Carinhall (nach Görings 1931 verstorbener erster Gattin Carin) zum repräsentativen Landsitz ausgebaut, 1939/40 folgte ein weiterer Ausbau und noch im Januar 1945 plante Göring, das Anwesen nochmals um das Doppelte zu vergrössern. Diese Bautätigkeit wurde übrigens grösstenteils von den deutschen Steuerzahlern finanziert.
Bei Kriegsende enthielt Carinhall unter anderem zwei Innehöfe (insgesamt 15800 Quadratmeter), einen Speisesaal (411 Quadratmeter), eine Bibliothek (315 Quadratmeter), ein Musikzimmer (154 Quadratmeter), das Schlafzimmer des Hausherrn (33 Quadratmeter), ein Hallenbad nebst Sauna, einen Fitnessraum und nicht zu vergessen Görings heissgeliebte Modelleisenbahn (ca. 45 Quadratmeter). Erwähnenswert ist auch die Kunstsammlung des Hausherrn, deren Bestandteile grösstenteils in den besetzten Ländern zusammengeraubt wurden.
Und diese ganze Geschmacksverstauchung auf Staatskosten!