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Schafe vor Grossraubtieren zu schützen, bedeutet zusätzliche Arbeit und Kosten für die Alpbewirtschafter. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Anpassungen wurden in den Jahren 2017 und 2018 auf 13 Alpen in den Kantonen Uri und Wallis untersucht.
Die Mehrkosten, die sich durch die Anpassung der Schafsömmerung an die Grossraubtiersituation ergeben, belaufen sich, hochgerechnet auf alle verfügten Schaf-Normalstösse* der Schweiz, auf knapp 7,6 Mio. Franken. Durchschnittlich sind auf den untersuchten Alpen etwa die Hälfe dieser Mehrkosten durch Mehrerlöse, die sich zum Beispiel aus höheren Direktzahlungen (durch Weidesystemwechsel) und/oder aus zusätzlichen Förderbeiträgen für Herdenschutzmassnahmen ergeben, gedeckt. Die andere Hälfte tragen die Schafalpbewirtschafter selbst. Die Autoren empfehlen, das bestehende Fördersystem anzupassen, damit die entstehenden Mehrkosten besser oder vollumfänglich durch Mehrerlöse gedeckt werden und weil eine klare Abgrenzung zwischen Kosten für Herdenschutzmassnahmen und solchen für betriebliche Massnahmen kaum möglich ist. Dazu könnten z. B. die Direktzahlungsbeiträge für «ständige Behirtung» und «Umtriebsweide mit erfolgreich erprobten Herdenschutzmassnahmen» erhöht werden oder die anfallenden Mehrkosten, die dem Alpbewirtschafter auf Basis eines einzelbetrieblichen Konzepts zur Anpassung an die Grossraubtiersituation anfallen, vollständig abgegolten werden.
* Ein Normalstoss (NST) ist eine Maßeinheit, die der Sömmerung einer raufutterverzehren-den Grossvieheinheit (RGVE) während 100 Tagen entspricht.
Die Anpassung der Schafsömmerung an die Grossraubtiersituation erfordert in vielen Fällen eine veränderte Bewirtschaftungsweise und Massnahmen zum Schutz der Tiere. Betriebliche Massnahmen wie die Anstellung von Alppersonal, die Bereitstellung von Unterkünften und eine veränderte Weideführung sind häufig zentrale und kostenintensive Voraussetzungen, die zunächst geschaffen werden müssen, damit Herdenschutzmassnahmen wie Nachtpferche oder Herdenschutzhunde auf der Alp umsetzbar sind (Abb. 1).
Vor allem die Anstellung von Alppersonal spielt auf den Alpen mit eigenen Schafhirten mit einem durchschnittlichen Kostenanteil von 43% an den Gesamtkosten eine ökonomisch bedeutende Rolle, wenn die Sömmerung an die Grossraubtiersituation angepasst werden soll (Abb. 2). Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass die Kosten für die betrieblichen Massnahmen diejenigen für die Herdenschutzmassnahmen übertreffen.
Die gesamten Mehrkosten, die sich durch die Anpassung der Schafsömmerung an die Grossraubtiersituation ergeben, belaufen sich auf durchschnittlich 17’875 Fr. pro Alp resp. 318 Fr. pro verfügtem Schaf-Normalstoss und Jahr respektive knapp 43 Fr. pro gesömmertem Schaf. Hochgerechnet auf alle verfügten Normalstösse Schafe der Schweiz resultieren somit Mehrkosten von knapp 7,6 Mio. Franken jährlich.
Bei einer derzeitigen Deckung der Mehrkosten von durchschnittlich nur etwa der Hälfte durch entsprechende Mehrerlöse ergeben sich immer noch durchschnittlich 9’039 Fr. pro Alp beziehungsweise. 161 Fr. pro verfügtem Schaf-Normalstoss und Jahr an Mehrkosten, welche die Schafalpbewirtschafter selbst tragen müssen. Schweizweit belaufen sich die ungedeckten Mehrkosten durch die Anpassung der Schafsömmerung auf gut 3,8 Mio. Franken. Deshalb empfehlen die Autoren unter anderem eine Anpassung des bestehenden Fördersystems.
Die «Erweiterung der Direktzahlungen» hat den Vorteil, dass der administrative Aufwand gering ist, individuelle Strategien in der Anpassung der Schafsömmerung an die Grossraubtiersituation möglich werden und somit auch Innovationen im Bereich der betrieblichen Massnahmen und Herdenschutzmassnahmen gefördert werden. Der Nachteil besteht einerseits darin, dass die Fördergelder weniger gezielt eingesetzt werden, weil sie weniger zweckgebundenen sind und anderseits darin, dass durch die Pauschalbeträge eine Über- respektive Unterabgeltung der Mehrkosten möglich ist.
Eine weitere Möglichkeit das derzeitige Fördersystem anzupassen, ist die Abgeltung der betriebsspezifisch tatsächlich entstehenden Mehrkosten auf Basis eines einzelbetrieblich ausgearbeiteten Konzepts zur Anpassung an die Grossraubtiersituation. Vorteil ist hierbei, dass für jeden Betrieb exakt die entstehenden Mehrkosten vollumfänglich übernommen werden, Nachteil ist der hohe administrative Aufwand.
Fazit
- Die gesamten Mehrkosten, die sich durch die Anpassung der Schafsömmerung an die Grossraubtiersituation ergeben, belaufen sich auf fast 18’000 Franken pro Alp.
- Etwa die Hälfte der Mehrkosten müssen im Moment durch die Bewirtschafter der Schafalpen selber getragen werden.
- Ungedeckte Mehrkosten könnten allenfalls durch erweiterte Direktzahlungen abgegolten werden. Dies hätte einen geringen administrativen Aufwand zur Folge. Nachteilig wären die weniger gezielt eingesetzten Fördergelder.
- Alternativ könnten die tatsächlich entstehenden Mehrkosten auf Basis eines einzelbetrieblich ausgearbeiteten Konzepts abgegolten werden. Ein Nachteil wäre der hohe administrative Aufwand.
Wissenschaftlicher Artikel
Grossraubtiere erschweren eine wirtschaftliche Schafsömmerung