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Super-G der Männer in St. Anton: zwei Rennen mit drei Siegern
Dieses Schweizer Gesamtergebnis mit einem Podestplatz und drei Top-Ten-Klassierungen ist das beste Schweizer Gesamtergebnis seit vielen Jahren, das insbesondere dem im letzten Jahr arg gebeutelten Abfahrtstrainer Louis Monney, der nunmehr die so genannte «Kombinationsgruppe» betreut, ein gutes Zeugnis ausstellt.
Unter den Verlierern befand sich für einmal einer, dem diese Rolle ziemlich fremd ist: Hermann Maier, der Super-G-Spezialist schlechthin, der bisher 12 seiner 19 Rennen in dieser Disziplin gewann, schied am Samstag aus und musste sich am Sonntag 0,26 Sekunden hinter seinen Teamkollegen mit dem 3. Platz begnügen. «Das ist ärgerlich, zwei Rennen so zu verpatzen, wenn man sonst im Training stets eine Sekunde vor den andern liegt», meinte der Herminator.
Cuche den Österreichern ebenbürtig
Der einzige, der den totalen österreichischen Triumph verhinderte, war Didier Cuche. Mit seinem 2. Platz im ersten Rennen vereitelte er zwei ÖSV-Tripletten. Und mit einer günstigeren Startnummer hätte er vermutlich auch im zweiten Super-G die Phalanx der Einheimischen gesprengt. Denn rein skitechnisch war die zweite Fahrt vermutlich noch besser als die erste, bei der er den ersten Schweizer Super-G-Sieg seit acht Jahren (Paul Accola 1992 in Morioka) nur um eine Winzigkeit verpasste.
Mit dem zweiten Podestplatz binnen dreier Wochen hievte sich Cuche auf das Niveau von 1998, als er am Hahnenkamm Erster und Zweiter wurde und wenig später in Nagano eine Olympiamedaille errang. «Wenn diese Form anhält, kann ich vielleicht jene Serie noch übertreffen», meinte Cuche, «denn es stehen ja noch acht, neun Rennen aus.»
Dabei waren die Voraussetzungen vor St. Anton denkbar schlecht. «Noch vor wenigen Tagen musste ich ein Training abbrechen, weil der Fuss schmerzte», erklärte Cuche nach seinem ersten Exploit. Von Meter zu Meter war er schneller geworden und hatte den Rückstand von einer halben Sekunde bei Mitte Parcours bis ins Ziel auf 13 Hundertstel reduziert. «Wenn die Strecke 200 m länger gewesen wäre, hätte ich Pepi vielleicht noch abgefangen», meinte Cuche. Unterwegs sei er sich gar nicht bewusst gewesen, so schnell zu sein: «Nach den ersten kleinen Fehlern habe ich sogar daran gedacht, abzuschwingen …»
Aber auch andere Schweizer überzeugten in St. Anton: Der junge Didier Defago erzielte als 8. sein zweites Top-Ten-Resultat binnen dreier Wochen, Senior Accola (9. und 13.) bestätigte sich als sicherer Wert, und Jürg Grünenfelder erkämpfte trotz der hohen Nummer 41 das beste Ergebnis (18.) des Winters. Pech hatte Bruno Kernen, der im ersten Rennen mit Nr. 46 nach der (neuntbesten!) Zwischenheit stürzte und im zweiten aufrecht ins Ziel fuhr, weil er einen Schlag auf sein operiertes Knie erwischt hatte. «Die zweiwöchige Rennpause wird mir gut tun», meinte Kernen, gegen den sich im Moment alles verschworen zu haben scheint.
Erster Sieg für
den «ewigen Zweiten»
Mit Werner Franz kam endlich einer zum Sieg, der das Attribut des «ewigen Zweiten» schon fast wie ein Stigma trug. Neunmal war der 28-jährige Kärntner schon Zweiter geworden, insgesamt 15 Mal auf dem Podest gestanden, ehe es nun endlich klappte. Vor zehn Jahren hätte ihm sein damaliger Trainer Hans Pum einmal gesagt: Kampf und Geduld, das seien die Voraussetzung für den Erfolg. «Dass ich aber so viel Geduld brauche, war für mich lange Zeit unvorstellbar», meinte Franz. Auch Co-Sieger Fritz Strobl stand im Super-G zum ersten Mal zuoberst auf dem Podest. In der Abfahrt hat er schon viermal gewonnen.
Dem Sieg des andern Strobl, Pepi, vom Samstag haftet der Makel an, dass er wie Maier ein Kunde des Dopingarztes Dr. Bernd Pansold ist. Am Ziel und bei der Pressekonferenz standen denn auch diesbezügliche Fragen im Vordergrund, die leider dem Image des alpinen Skisports nicht förderlich sind und auch dem Renommee des sympathischen Sportlers schaden. «Man kann es mir ja nicht anlasten, dass ich mich von einem Spezialisten beraten lasse, wie man effizienter trainiert», war einer von Strobls Standard-Sätzen.