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Mit Eingriffen am Himmel könnte das Weltklima verändert werden. Bild: Shutterstock
Geoengineering erinnert ein bisschen an Science Fiction. Es geht um grosstechnische Eingriffe in die Natur, um damit die Klimaerwärmung aufzuhalten. Zum Beispiel sollen Millionen Tonnen an Kalkstaub, Schwefeldioxid oder Diamantenstaub in die Atmosphäre gebracht werden, um das Sonnenlicht zu dimmen. Oder die Ozeane werden in grossem Stil gedüngt, um das Algenwachstum anzuregen und so die CO2-Aufnahmefähigkeit der Meere zu steigern.
Bislang existiert Geoengineering erst in der Fantasie. Wie sich die Technik genau auswirkt, ist bis jetzt nicht erforscht. Doch das Projekt Scopex der amerikanischen Harvard University könnte das ändern. Scopex steht für Stratospheric Controlled Perturbation Experiment und hat das Ziel zu erkunden, wie sich die Ausbringung von Kalkstaub (Kalziumkarbonat) in der Stratosphäre auf das Klima auswirkt.
Scopex - ein Geoengineering-Projekt der Harvard University
Geplant war, einen Ballon vom schwedischen Raketenstartplatz Esrange in Kiruna in 20 Kilometer Höhe aufsteigen zu lassen, um dort einige Kilogramm an Kalziumkarbonat zu verstreuen. Es sollte vorerst beobachtet werden, wie sich das Pulver verteilt und wie es mit den Substanzen in der Stratosphäre interagiert. Im Juni hätte dazu ein erster Ballon-Aufstieg stattfinden sollen, um die Ausrüstung zu testen.
Doch daraus wird nun, zumindest vorläufig, nichts. Vor kurzem hat die Swedish Space Corporation, die in Schweden für die Durchführung zuständig ist, in Abstimmung mit der Harvard-Universität bekannt gegeben, dass der Versuch vom Juni verschoben ist und sicher nicht mehr in diesem Jahr stattfindet. Als Begründung nannte die SSC geteilte Meinungen unter Wissenschaftlern zu Geoengineering. Es bestehe in Forscherkreisen ein Bedarf nach weiterer Diskussion, denn bislang gebe es «keinen Konsens, inwieweit ein solcher Versuch angemessen ist».
Auch Greenpeace hat protestiert
Der Absage vorausgegangen waren Proteste von Wissenschaftlern, Umweltschützern und des Samischen Rats. In einem Brief an die schwedische Regierung, der von Greenpeace und der Heinrich-Böll-Stiftung mitunterschrieben worden war, hatten diese gefordert, das Scopex-Experiment wegen geopolitischen, sozialen und ökologischen Risiken zu stoppen. Raymond Pierrehumbert, Geophysiker an der Universität Oxford, hatte von einem «Damoklesschwert über der Menschheit» gesprochen. Greife man zu solchen Manipulationsversuchen, um die Erde bewohnbar zu halten, lasse man sich auf eine «Todesspirale» ein.
Die Idee, in der Atmosphäre Substanzen auszubringen, die das Sonnenlicht abschirmen, geht auf den Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 zurück. Der Vulkan spuckte damals grosse Mengen an Schwefeldioxid aus, das sich in der Atmosphäre verteilte. Deswegen sanken die Welttemperaturen während ein bis zwei Jahren um etwa ein halbes Grad.
In der Tat sind unkontrollierbare Folgen von Geoengineering in der Atmosphäre denkbar. Die Stratosphäre könnte sich wegen der Absorption von Sonnenlicht aufwärmen. Die ausgebrachten Substanzen könnten die schützende Ozonschicht schädigen. Möglich ist auch, dass die Veränderungen in der Atmosphäre zu gestörten Meeresströmungen und ausbleibendem Monsunregen führen. Oder die erzielte Kühlung der Erde ist stärker als erwünscht.
Verständnis der Verantwortlichen für den Stopp
Die Wissenschaftler hinter Scopex reagierten durchaus mit Verständnis auf den vorläufigen Stopp ihres Projekts. Er teile die Sorgen, sagte Scopex-Chef Frank Keutsch gegenüber dem «Spiegel». «Eingriffe ins Weltklima sind gefährlich. Natürlich wäre es besser, wenn wir stattdessen den Ausstoss von CO2 rapide auf null senken würden (...).»
Er befürchte aber, so Keutsch weiter, dass die Folgen des Klimawandels irgendwann sehr deutlich würden und der öffentliche Druck zu handeln auf die Politik stark zunehme. «In einer solchen Situation könnte Climate Engineering überstürzt eingesetzt werden (...). Dann hätten wir keine Zeit mehr, mögliche unerwünschte Folgen zu erforschen.»
Scopex ist nicht das erste Projekt, mit dem Geoengineering getestet werden soll. In Australien läuft bereits ein Experiment zur Aufhellung von Wolken. Hellere Wolken reflektieren mehr Sonnenlicht und kühlen so die Erde. Der Versuch besteht darin, dass eine Drohne Meerwasser in der Luft versprüht. Nach der Verdunstung bleiben Salzkristalle übrig, die als zusätzliche Kristallisationskerne für Wolkentröpfchen dienen. Dies würde bestehende Wolken aufhellen.
Ob und wie es in Schweden weitergeht, ist offen. Das Scopex-Team will nun zunächst die Öffentlichkeitsarbeit zu ihrem Geoengineering-Projekt verstärken. Und die Swedish Space Corporation hat versichert, dass der Testflug nur dann durchgeführt werde, wenn er sich als «rechtskonform und ethisch angemessen» erweise.