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2015 publizierten die Biologen Scott Boback und Katelyn McCann im Journal of Experimental Biology ihre Forschungsergebnisse und liefern somit die ersten Beweise für die physiologischen Effekte der Tötungsart von Würgeschlangen. Hier eine Zusammenfassung:
Ausgangslage
Als einzige beinlose Wirbeltiere entwickelten manche Schlangenarten eine eigene Art des Tötens. Sie umschlingen mit ihrem gesamten muskulösen Körper das Beutetier und töten es durch den Druck des eigenen Körpers. Der Name dieser Gattung, die Würgeschlange, legt nahe, dass die Beutetiere erwürgt werden. Sobald das Beutetier ausatmet, zieht die Schlange ihre Schlinge enger. Dadurch entsteht der Eindruck der Strangulation des Futtertieres. Das Beutetier stirbt aber zu schnell, als Ersticken die einzige Todesursache darstellt. Die Forscher vermuten daher eine andere Todesursache. Möglich wäre ein Herzstillstand oder eine Quetschung und Kappung der Blutversorgung, die zu einer Ohnmacht der Futtertiere führen.
Experiment
Durch reine Beobachtung lässt sich leider die genaue Todesursache der Beutetiere nicht feststellen. Auch eine Obduktion bietet keine klaren Ergebnisse. Im Gehirn lässt sich zwar ein Sauerstoffmangel nachweisen, aber die Ursache bleibt ungeklärt. Ebenso kann auch ein Herzstillstand durch Kappung der Blutversorgung oder durch Ersticken erfolgen.
Die Forscher wollen zur genauen Klärung der Todesursache die Vitalzeichen (Blutdruck, ECG und blutchemische Werte) der Futtertiere aufzeichnen. Den Ratten wurden verschiedene Sensoren zur Messung dieser Zeichen angelegt. Davor wurden aber die Futtertiere betäubt, weil die Forscher nicht wollten, dass die Ratten Schmerzen für die Wissenschaft erleiden müssen.
Als Testschlange wurde die boa constrictor ausgewählt. Diese Würgeschlange zeigt immer die gleiche Verhaltensweise des Umschlingens bei alle Arten ihrer Beutetiere auf. Sie packen immer zuerst den Kopf und Schulterbereich des Tieres und drehen ihren Körper mindestens zweimal um den Körper des Beutetieres. Zudem waren diese Schlangen im Labor zur der Zeit gerade verfügbar. Insgesamt führte das Team das Experiment mit 17 Boas, die aus Wildfängen aus Belize und aus F1 Nachzuchten bestanden, durch.
Die betäubten, mit Elektroden bestückten, Ratten wurden den Boas zum Fressen vorgeworfen. Die Tiere taten ihre Arbeit und umschlangten die Beute sogleich. Ein Essverweigerer war übrigens nicht darunter.
Ergebnisse
15 Boas packten die Ratte in der Thoraxmitte, 2 packten sie am Nacken. Einen Unterschied der Beutergreifuung zwischen Wildfängen und Nachzuchten war nicht ersichtlich.
Innerhalb von nur 6 Sekunden fiel der periphere Blutdruck aller Futtertiere um die Hälfte, während der Druck in den Venen um das sechsfache zunahm. Der Herzschlag verlangsamte sich und der Puls wurde unregelmässig. Das Tier erstickt demnach nicht, sondern wird zu Tode gepresst. Der Kreislauf kollabiert, die Blutzufuhr wird unterbrochen und führt zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn, der zur Ohnmacht führt. Das Beutetier „erlebt“ seinen eigenen Tod nicht mehr. Dadurch lässt sich auch erklären warum die Tiere sterben, wenn sie sich aus dem Würgegriff der Schlange befreien können. Der Todeskampf des Organismus führt zu einer verstärkte Freisetzung von Kalium aus den Zellen, die zu Herzrhythmusstörungen, Lähmungen und Herzstillstand führen. Der erhöhte Kaliumgehalt im Blut vergiftet quasi das Beutetier.
Hier ein Video einer Fütterung mit einer toten Maus:
Ein Herzstillstand aufgrund eines Schocks konnte nicht nachgewiesen werden, da die Ratten betäubt waren.
Wer sich die genauen Ergebnisse der Studie anschauen möchte, findet sie hier: Original Paper
Literatur: Boback, Scott; McCann, Katelyn (2015): Snake constriction rapidly induces circulatory arrest in rats in: The Journal of Experimental Biology 218. 2279-2288.