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Zeitschriften & Datenbanken im WWW
In diesem Kapitel wird die Verbreitung von digitalen Zeitschriften seit dem Durchbruch des World Wide Web beschrieben. Weiter wird anhand einiger Beispiele erklärt, wie es immer mehr zu Überschneidungen von Hosts und Verlagen kommt.
Durchbruch elektronischer Zeitschriften
Die rasche Verbreitung des WWW führte dazu, dass ab 1996 elektronische Zeitschriften in grosser Zahl auf das neue Medium übertragen wurden. Einige grosse Verlage (damals Academic Press, Blackwell Publishers, Blackwell Science, Springer, Thomson und MCB University Press) machten erstmals Volltexte in grösserer Zahl über das WWW zugänglich. Als Format setzte sich PDF rasch durch. Die Verlage konzentrierten sich vorerst darauf, ihre gedruckten Zeitschriften als Parallelausgaben elektronisch verfügbar zu machen [3].
Mit dieser Politik schafften die Verlage den Durchbruch bei den Anwendern und die Zahl der verfügbaren Titel stieg in der Folge rasch an. Das „Directory of Electronic Journals, Newsletters and Academic Discussion Lists“ verzeichnete für die Jahre 1996-1998 die Anzahl der Zeitschriftentitel wie folgt:
|Jahr:||1996||1997||1998|
|Anzahl elektronischer Zeitschriften:||1'093||2'459||über 6’000|
Auch die Bibliotheken begannen, digitale Titel in grösserer Zahl in ihr Angebot aufzunehmen, was sich z. B. in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) der Universitätsbibliothek Regensburg niederschlug. Mitte 2000 verzeichnete die EZB folgende Zahlen:
|Anzahl digitaler Zeitschriften:||über 6000|
|davon ausschliesslich digital:||82|
[3]
Der Zuwachs an wissenschaftlichen, online erhältlichen Zeitschriften zeigt sich anhand von Umfragen von Cox & Cox:
|Jahr:||2003||2005|
|Anzahl elektronischer Zeitschriften:||75%||90%|
[6]
Die Untersuchung zeigte auch ein verstärktes Engagement der Verlage, Zeitschrifteninhalte retrospektiv zu digitalisieren [6].
Mit der Durchdringung des Marktes wächst bei den Anwendern die Akzeptanz für „E-only“-Modelle. Keller (2005) bilanziert die Entwicklung der elektronischen Zeitschriften nüchtern: „Die gegenwärtige Situation manifestiert […] nicht den Durchbruch eines neuen Mediums, sondern spiegelt vielmehr den grossen Erfolg des digitalen Replikats wider“ [3]. Für die Recherche nach wissenschaftlichen Inhalten bedeutete diese Entwicklung jedoch einen grossen Schritt: Zeitschriftenverlage investierten von Beginn der Digitalisierung an darin, Texte neben PDF auch als HTML-Dateien zur Verfügung zu stellen. Dies ermöglichte neben der reinen Verfügbarkeit im Internet die Verknüpfung der Zeitschriftenartikel mit Eintragungen in bibliografischen Datenbanken, weiterführenden Texten oder multimedialen Elementen [3].
Überlappung von Hosts und Verlagen
Mit der Verbreitung von WWW und Browsern in den 1990er Jahren begannen auch die Hosts, Webschnitt-stellen aufzubauen und vermehrt Endnutzer direkt anzusprechen. Die Geschäfte von Datenbankanbietern und Verlagen begannen sich zu überlappen. So vertreibt beispielsweise der hauptsächlich auf medizinische Themen spezialisierte Host Ovid nebst über 100 Datenbanken auch über 4500 E-Books und mehr als 1300 digitale Zeitschriften [7].
Die Branche entwickelte sich rasant, was sich u.a. in zahlreichen strategischen Übernahmen ausdrückte. Dazu zwei Beispiele früher Mitstreiter im Onlinemarkt:
- 1988 wurde der Host Dialog von der Firma Knight Ridder übernommen. Knight Ridder erwarb weitere Anbieter, u.a. 1993 den Schweizer Host Data-Star, gegründet 1981 von Radio Suisse in Bern. 2000 wurde die Information Services Division der Dialog Corporation (mit den Produkten Dialog, DataStar und Profound u.a. die grösste Sammlung von Wirtschaftsdaten weltweit) an die Thomson Corporation verkauft. 2008 verkaufte Thomson – neu als Thomson Reuters - Dialog an ProQuest der Cambridge Information Group. Nach wie vor befindet sich jedoch eines von vier globalen Rechenzentren der Firma in Bern. [8]
- SDC/Orbit wurde 1987 von Robert Maxwell übernommen und als „Pergamon Orbit Infoline“ der Pergamon Press angegliedert. 1989 erwarb Maxwell auch den Host BRB und legte ihn mit Orbit zu „Maxwell Online Information“ zusammen, welches er wiederum unter das Dach von Macmillan stellte. Im Besitz von Macmillan wurde Orbit zunächst zu „InfoPro Technologies“, die 1994 von Télésystèmes Questel – einer Gründung aus dem Jahr 1978 - gekauft wurde. 1998/99 wurden die Patentdatenbanken von Orbit und die Markendatenbanken von Questel in einer gemeinsamen Datenbank zusammengelegt. France Telecom zog sich als Teilhaber aus der Firma zurück, die nun ganz in den Händen der Familie Besson lag. [9]