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Die Sursee-Triengen-Bahn (ST) ist ein Unikum in der schweizerischen Bahnlandschaft. Die Stich- strecke, die in Sursee von der Hauptstrecke Olten-Luzern abzweigt und das Surental abwärts bis nach Triengen erschliesst, nahm ihren Betrieb am 23. November 1912 auf. Sie misst nur gerade neun Kilometer und wurde nie elektrifiziert.
Die Geschichte der ST zeigt, wie der «Kantönligeist» und die lokalen Interessen die Eisenbahnpolitik des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts prägten. Die Schweizerische
Centralbahn entschied in den 1850er-Jahren,
die Linie von Olten nach Emmenbrücke über Zofingen zu legen. Sowohl im Kanton Luzern als auch im Kanton Aargau wurde über eine Nebenbahn als Verbindung zwischen Aarau und Sursee nachgedacht.
Wegen der Art des Antriebs, der Linienführung, der Spurweite und nicht zuletzt wegen der Finanzen scheiterten die zahlreichen Bemühungen für eine Verbindungsstrecke. 1971 musste die ST den Personen- verkehr an den Bus abtreten. Dieser fährt von Sursee nach Schöftland und stellt seither die Verbindung her. Nach den Bahnreformen im Jahr 2000 ging der Güter- verkehr gänzlich an die SBB über, seit 2007 beschränkt sich die ST im Wesentlichen auf den Unterhalt der Infrastruktur. Diese dient dem Güterverkehr und der Nostalgiebahn.
Genutzt wurde der Bahnhof in Büron zu Beginn besonders von den Gästen des «Stahlbad Knutwil». Der Name geht zurück auf die besondere Eisenhaltig- keit des Wassers. Als Trinkwasser soll es blutbildend gewesen sein und als Badewasser unter anderem bei «Nervenleiden und Kräftezerfall» geholfen haben. Zwar findet sich der Name «Bad Knutwil» im Zusammenhang mit Kuren erstmals schon 1484 in einem Luzerner Ratsprotokoll, das Bad wurde aber erst 1787 als imposanter Bau im Stil eines barocken Palais mit sechzig Fremdenzimmern ausgebaut.
Die grosse Zeit der Schweizer Badekurorte war die Belle Époque, insbesondere die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Noch heute deutet die denkmalgeschützte Villa Troller aus dem Jahr 1912 auf die glanzvolle Zeit hin. Die Kureinrichtungen orientierten sich an den mondänen ausländischen Vorbildern; zur Kur gehörten auch die Freizeitbeschäftigung, Unterhaltung und ein Park. Wie überall in Europa setzte der Erste Weltkrieg dem touristischen Glanz ein abruptes Ende.
Das Bad fand 1926 eine neue Bestimmung, als der St. Georgsverein ein katholisches Erziehungsheim gründete und die Liegenschaft samt Quelle erwarb. Diese ging 1980 an die Stiftung Jugenddorf St. Georg über. Die Bauten aus dem 18. Jahrhundert wurden 1960 durch Neubauten ersetzt. Das Jugenddorf verpachtete die Quelle 1986 an die Mineralquelle Bad Knutwil AG, die seitdem das Knutwiler Mineralwasser abfüllt und vertreibt. Im Jahr 2000 eröffnete zudem die Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) im gleichen Areal ein Wohnheim.
Borner-Bossard Heidi, Vom Kulturkampf zur Belle Epoque. Der Kanton Luzern 1875 bis 1917, Basel 2017.
Chronik Gemeinde Büron.
Panoramafotografie, Fotograf Marco Bucher, Juli 2021.
Abb.1: Archiv Gemeinde Büron, 1913.
Abb.2: Archiv Tramclub Basel, Foto P. Sutter, 1969.
Abb.3: Archiv Gemeinde Büron, Kopie Ausschnitt aus dem Kursbuch Sommer 1971.
Abb.4: Archiv Gemeinde Büron, Kopie, Postkarte Stahlbad Knutwil um 1919.
Abb.5: Universitätsbibliothek Zürich, Medizin, um 1912.