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Herz-Kreislauf-Krankheiten sind in der Schweiz weit verbreitet. Im Folgenden finden Sie eine kurze Übersicht über die wichtigsten Erkrankungen.
- Angina pectoris
Angina pectoris heisst übersetzt Brustenge. Dabei handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des Herzens aufgrund einer «Arterienverkalkung» (Arteriosklerose, siehe unten). Wegen der Durchblutungsstörung kommt es zu einer ungenügenden Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Das löst das typische Engegefühl in der Brust sowie Brustschmerzen aus. Gelegentlich strahlt der Schmerz in den Hals, die Arme, die Schultern oder den Oberbauch aus. Er kann auch mit Atemnot verbunden sein.
- Arteriosklerose
Die Arteriosklerose dürfte vielen eher unter dem Namen «Arterienverkalkung» ein Begriff sein. Das ist eine krankhafte Veränderung der Blutgefässe, die sich über Jahre hinweg entwickelt. Dabei wird die Innenhaut der Arterien rau und es lagern sich sogenannte Plaques ab, die unter anderem Cholesterin und Kalk enthalten. Dadurch verliert das Gefäss an Weite und Elastizität. Je mehr Risikofaktoren vorhanden sind, desto grösser ist die Gefahr, dass jemand an Arteriosklerose erkrankt.
Die Krankheit kann alle Arterien im Körper befallen und je nachdem zu verengten oder verschlossenen Hals- oder Hirngefässen führen, was zu einem Hirnschlag führen kann. Verengte Herzkranzgefässe verursachen koronare Herzkrankheit (KHK), also eine Angina pectoris oder schlimmstenfalls einen Herzinfarkt oder eine Herzinsuffizienz.
- Broken-Heart-Syndrom
Liebeskummer! Das fühlt sich an, als ob einem jemand das Herz aus der Brust reisst. Ein «gebrochenes Herz» ist tatsächlich mehr als ein emotionales Problem. Man kann daran sterben. Dieses Takotsubo-Syndrom, auch als Syndrom des gebrochenen Herzens respektive Broken-Heart-Syndrom bekannt, ist eine noch weitgehend unerforschte Krankheit. Sie verursacht ähnliche Symptome wie ein Herzinfarkt, muss aber ganz anders behandelt werden, da kein Gefäss verschlossen, sondern die Pumpfunktion des Herzens akut gestört ist. Die Betroffenen haben Schmerzen oder Enge in der Brust, Herzrasen und Atemnot. Die Form der linken Herzkammer ist stark verändert. Die Herzspitze ist bauchig oder ballonartig erweitert und die Hauptschlagader stark verengt, sodass kein Blut mehr in den Körper gelangt. Darauf geht auch der Name Takotsubo zurück. Japanische Forscher beschrieben das Syndrom erstmals in den 1990er-Jahren, und weil die veränderte Herzform sie an eine japanische Tintenfischfalle (Takotsubo) erinnerte, nannten sie es so. Als Auslöser gelten Stress, starke emotionale Belastungen, aber auch extrem freudige Ereignisse. 2019 hat eine Forschergruppe aus Kardiologen des Universitätsspitals Zürich und Neurowissenschaftlern der Universität Zürich erstmals den Nachweis erbracht, dass nicht nur das Herz betroffen ist, sondern auch funktionelle Veränderungen im Gehirn von Takotsubo-Patienten existieren.
- Herzinfarkt
Das Herz wird durch Blutgefässe, die sogenannten Koronararterien, mit Sauerstoff versorgt. Verschliesst sich ein solches Herzkranzgefäss, meistens wegen eines Blutgerinnsels als Folge von koronarer Herzkrankheit, kommt es zu einem Herzinfarkt. Dabei stirbt Herzmuskulatur ab. Es können verschiedene Symptome auftreten wie ausstrahlende Schmerzen in Arme, Rücken oder Bauch, Atemnot, kalter Schweiss, Ohnmacht und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand. Bei Frauen, Diabetikern und älteren Patienten können folgende Symptome als alleinige Warnsignale auftreten: Atemnot, unerklärliche Übelkeit und Erbrechen, Druck in Brust, Rücken oder Bauch.
Lebenswichtig: Ein Herzinfarkt ist ein Notfall und verlangt sofortiges Handeln! Alarmieren Sie den Notruf 144. Ist die Person nicht ansprechbar und atmet nicht, beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage, setzen Sie wenn vorhanden einen Defibrillator ein, und fahren Sie weiter, bis der Rettungswagen eintrifft.
- Herzinsuffizienz
Ist das Herz ist nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff zu versorgen, spricht man von einer Herzinsuffizienz oder Herzschwäche. Dies vermindert die Leistungsfähigkeit. Ein typisches Symptom ist Atemnot bei Belastung, Ermüdung und Erschöpfung. Ausserdem kommt es oft zu Wassereinlagerungen in Beinen, Knöcheln oder Füssen. Herzinsuffizienz kann aus verschiedenen Gründen auftreten.
Häufig:
Verkalkung (Koronare, Herzkrankheit, Arteriosklerose) der Herzkranzarterien
Herzinfarkt
Seltener:
Herzklappenerkrankungen
Entzündliche Herzerkrankungen (Endokarditis, Myokarditis)
Angeborene Herzmuskelerkrankung (dilatative Kardiomyopathie)
Alkohol- und Drogenmissbrauch
Die Schweizerische Herzstiftung bietet auf ihrer Website einen Herzinsuffizienz-Symptomtest an.
- Herzrhythmusstörung
Das Herz schlägt in Ruhe normalerweise 60 bis 70 Mal pro Minute. Bei körperlicher Anstrengung oder Stress kann es bis zu 180 Mal pro Minute sein. Von einer Herzrhythmusstörung (Arrhythmie) spricht man, wenn das Herz zu langsam, zu schnell oder unregelmässig schlägt. Die Beschwerden einer Arrhythmie hängen von der Art der Störung ab. Ein zu langsamer Rhythmus kann sich als Schwindel, Leistungsschwäche und kurzeitige Bewusstlosigkeit äussern, ein zu schneller als heftiges Herzklopfen und Herzrasen. Manche Leute spüren einen unregelmässigen Puls, Kurzatmigkeit, Schwitzen oder einen Druck auf der Brust. Andere bemerken ihre Herzrhythmusstörung kaum oder gar nicht. Rasches oder unregelmässiges Herzklopfen sowie Herzrasen sollten ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn es von oben genannten Beschwerden begleitet wird.
- Kammerflimmern
Beim sogenannten Kammerflimmern schlägt das Herz über 320 Mal pro Minute. Das ist so oft, dass das Herz kein Blut mehr in den Kreislauf pumpen kann. Resultat: Herz-Kreislauf-Stillstand. Betroffene werden plötzlich bewusstlos, reagieren weder auf Ansprechen noch auf Schütteln, die Atmung setzt aus und es ist kein Puls mehr spürbar. Wenn in einer solchen Situation nicht innerhalb von wenigen Minuten Wiederbelebungsmassnahmen erfolgen, stirbt die Person.
- Schaufensterkrankheit
Viele Menschen leiden an Durchblutungsstörungen. Die Ursache sind häufig verkalkte Gefässe. Während die Folgeerkrankungen Herzinfarkt und Schlaganfall sehr bekannt sind, wissen viele nicht, was die «periphere arterielle Verschlusskrankheit» ist. Im Volksmund wird die Krankheit auch Schaufensterkrankheit genannt. Betroffene müssen wegen einer Durchblutungsstörung der Beine nach einer bestimmten Wegstrecke wegen Schmerzen anhalten. Die Beschwerden lassen meist nach einer kurzen Pause nach, sodass sie wieder eine gleich lange Strecke zurückgelegen können, bevor sie wieder anhalten müssen. So kommen sie von Schaufenster zu Schaufenster, schauen sich die Auslagen an und können dann weitergehen, bis die Schmerzen erneut zu stark werden.
- Schlaganfall
Jedes Jahr sind in der Schweiz 16 000 Menschen von einem Schlaganfall oder Hirnschlag betroffen. Zu einem Hirnschlag kommt es, wenn die Blutzufuhr in einem bestimmten Bereich des Gehirns unterbrochen ist. Es gibt verschiedene Formen:
In etwa 85 Prozent der Fälle verstopft ein Blutgerinnsel ein Gefäss. Die Nervenzellen im betroffenen Bereich erhalten zu wenig oder gar keinen Sauerstoff und keine Nährstoffe. Sie werden rasch geschädigt und gehen zugrunde. Man nennt diesen Hirnschlag auch ischämischen Hirninfarkt.
Deutlich seltener ist eine Hirnblutung. Dabei platzt ein Gefäss im Gehirn, worauf sich das Blut ins Hirngewebe ergiesst.
Selten ist auch die sogenannte Subarachnoidalblutung. Hierbei reisst ein Blutgefäss im Bereich der Hirnhäute ein und das Blut fliesst zwischen Hirnhäute und Gehirn.
Es ist wichtig, einen Hirnschlag rasch zu erkennen und richtig zu reagieren. In den meisten Fällen treten eines oder mehrere der folgenden Anzeichen auf:
Plötzliche Lähmung, Gefühlsstörung oder Schwäche, meist nur auf einer Körperseite (Gesicht, Arm oder Bein)
Plötzliche Blindheit (oft nur auf einem Auge) oder Doppelbilder
Sprachstörungen und Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen
Heftiger Schwindel mit Gehunfähigkeit
Plötzlicher, ungewöhnlicher, heftiger Kopfschmerz
Reagieren Sie bei Verdacht auf einen Hirnschlag sofort und alarmieren Sie den Notruf 144.
- Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. In der Schweiz ist rund ein Prozent der Bevölkerung betroffen. Bei den über 75-Jährigen sind etwa zehn Prozent betroffen, das sind rund 100 000 Personen. Verursacht wird es durch eine Art «elektrisches Gewitter» im Reizleitungssystem des Herzens. Die Vorhöfe und Herzkammern pumpen nicht mehr aufeinander abgestimmt und zu schnell. In der Folge nimmt die Herzleistung ab. Anhand der Häufigkeit und Dauer unterteilt man das Vorhofflimmern in drei Formen:
Paroxysmales Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern tritt anfallsartig auf, dauert nicht länger als sieben Tage und hört spontan auf.
Persistierendes Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern dauert länger als sieben Tage und hört nicht von selbst auf. Es kann aber durch eine Behandlung in einen normalen Rhythmus überführt werden.
Permanentes Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern bleibt dauerhaft vorhanden. Ein normaler Rhythmus kann nicht erreicht werden.
Viele Betroffene spüren ein rasches Herzklopfen, das über Stunden oder länger andauern kann. Andere Symptome sind Enge- oder Druckgefühle in der Brust, Müdigkeit oder Atemnot. Beschwerden können verschwinden, wenn die anfallsartigen Rhythmusstörungen in ein permanentes Vorhofflimmern übergehen. Oder sie treten nur noch in bestimmten Situationen auf. Bei vielen löst Vorhofflimmern gar keine Beschwerden aus.
Grundsätzlich ist Vorhofflimmern nicht akut gefährlich. Unbehandelt kann es aber schwere Folgen haben. Die unregelmässigen Pumpbewegungen führen dazu, dass sich vermehrt Blutgerinnsel bilden. Verstopft ein solches Gerinnsel eine Hirnarterie, ist ein Hirnschlag die Folge.
Herzschrittmacher
In der Schweiz leben über 35 000 Menschen mit einem Herzschrittmacher. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät aus Titan, das vorübergehend oder dauerhaft im Brustkorb unter die Haut implantiert wird. Im Gehäuse befinden sich Batterie und Elektronik. Über eine Sonde ist der Schrittmacher mit dem Herzmuskel verbunden. Er arbeitet nur, wenn die Eigenaktion des Herzens entweder zu langsam ist oder aussetzt. Dann gibt er einen elektrischen Impuls ab, der den Herzmuskel zum normalen Schlagen anregt. Es ist möglich, dass die Funktion des Schrittmachers durch elektromagnetische Felder gestört wird. Er kann blockiert werden, was zu Unwohlsein und verlangsamter Herzfrequenz führt. Oder er kann im falschen Takt stimuliert werden. Eine falsch getaktete Stimulation ist auch möglich, wenn ein Magnet auf den Schrittmacher gerichtet ist, darum ist bei der Bedienung gewisser Maschinen Vorsicht geboten. In der Broschüre «Der Herzschrittmacher» der Schweizerischen Herzstiftung finden Sie Listen mit ungefährlichen und gefährlichen Haushaltsgeräten.
Künstliches Herz
Es war der 3. Dezember 1967, als in Kapstadt erstmals ein menschliches Herz transplantiert wurde. Chirurg Christiaan Barnard pflanzte es dem 54-jährigen Louis Washkansky ein. Sein Herz war nach mehreren Infarkten stark geschwächt. Das Organ kam von einer jungen Frau, die nach einem Verkehrsunfall hirntot war. Washkansky starb jedoch nur 18 Tage später – an einer Lungenentzündung. Die meisten anderen Patienten, die in den ersten Jahren ein Herz transplantiert bekamen, starben, weil ihr Körper das fremde Organ abstiess. Die Medikamente gegen die Abstossung waren damals noch nicht ausgereift. In der Schweiz wurde am 14. April 1969 die erste Herztransplantation durchgeführt. 2018 wurden in der Schweiz 50 Herzen transplantiert. Gleichzeitig warten allerdings fast 150 Menschen auf ein Spenderherz. Ein Kunstherz, dessen Antrieb der Patient in einem Köfferchen mittragen muss, ist nur eine Übergangslösung. Ärzte haben schon erfolglos mit Affenherzen experimentiert. Aussichtsreicher ist die Forschung mit gentechnisch veränderten Schweineherzen. Und an der ETH Zürich läuft derzeit ein Projekt für ein neues Kunstherz aus weichem Silikon, für dessen Entwicklung die modernsten digitalen Technologien sowie 3-D-Druck eingesetzt werden. Bei dem Projekt «Zurich Heart» arbeiten18 Forschungsgruppen aus Ingenieuren, Materialwissenschaftlern, Biologen und Ärzten aus Zürich und Berlin zusammen.
- Quellen
Drogistenstern
Dr. med. Stefan Waller: «Der Dr. Heart Herz-Coach. Herzinfarkt verhindern, besser und bewusster leben», Gräfe und Unzer Verlag, 2017
Susanne Unverdorben, Martin Unverdorben: «Kardiologie kompakt. Kleines Fachlexikon für Patienten und Übungsleiter», Spitta Verlag GmbH & Co. KG, 2013
Dr. med. Marianne Koch: «Das Herz-Buch. Wie wir unser Herz schützen und gesund erhalten können», dtv Verlagsgesellschaft, 2015
Broschüre: «Herzhaft gesund. Herz-Kreislauf-Risiken kennen und vorbeugen», Schweizerische Herzstiftung, 2015
Universität Zürich
Christopher Scharf: «Das Pulsbuch. Herzrhythmus und Herzkrankheiten», Orell Füssli Verlag, 2018
Uniklinik Freiburg (D)
Elsevier GmbH: «Medizinische Fachwörter von A-Z», Urban & Fischer, 2018
Bundesamt für Gesundheit BAG: «Faktenblatt Induktionskochherd»