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Die Tabakindustrie macht ihren Umsatz vorwiegend in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Milliardengewinne aber fliessen fast ausschliesslich in wohlhabende Länder, wie die Untersuchung einer US-Gesundheitsorganisation zeigt.
8 von 10 Zigaretten werden heute in Entwicklungs- und Schwellenländern geraucht – Tendenz steigend. Damit sind diese Länder für einen Grossteil des Umsatzes verantwortlich, den die internationalen Tabakfirmen erwirtschaften. Das Geschäft mit den Zigaretten beschert den Konzernen regelmässig Milliardengewinne. British American Tobacco (BAT) verzeichnete im Jahr 2017 einen Reingewinn von 7.7 Milliarden Franken, bei Philip Morris International (PMI) waren es 6 Milliarden Franken.
Wohin fliessen die Milliarden, die in den armen und ärmeren Ländern erwirtschaftet werden? Die US-Gesundheitsorganisation Campaign for Tobacco-Free Kids ist dieser Frage nachgegangen, indem es die Besitzverhältnisse der vier grössten Tabakkonzerne ausgewertet hat: von Philip Morris International (PMI), British American Tobacco (BAT), Imperial Brands (IMB) und Japan Tobacco International (JTI). Die Aktien der vier Konzerne werden an der Börse gehandelt. Überschreitet eine einzelne Beteiligung eine gewisse kritische Grösse (je nach Land um die 3 bis 5%), muss sie offengelegt werden. Je nach Land des Firmensitzes ermöglichen zudem die nationalen Gesetze einen weiteren Einblick in die Liste der Teilhabenden.
Gewinne fliessen in die reichen Länder
Insgesamt gelang es Campaign for Tobacco-Free Kids, bis zu 80% der Aktionärinnen und Aktionäre der Konzerne zu identifizieren. Es zeigt sich: Die Profite aus dem Tabakgeschäft fliessen fast ausnahmslos zu Aktionärinnen und Aktionären, die in einer Handvoll reicher Länder beheimatet sind. Die wichtigsten Befunde aus der Untersuchung sind:
- Die überwältigende Mehrheit der Aktionärinnen und Aktionäre der vier Tabakmultis sitzen in den USA, in Grossbritannien und in Japan.
- Über 96 Prozent der ausfindig gemachten Aktionärinnen und Aktionäre verteilen sich auf gerade mal zehn Länder: Bermuda, Deutschland, Grossbritannien, Japan, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Schweiz, Südafrika und USA. Neun dieser zehn Länder gelten als Länder mit hohem Einkommen. Nur Südafrika gilt als Land mit mittlerem Einkommen.
- Die Länderableger der Tabakkonzerne befinden sich mehrheitlich in 100-prozentigem Besitz des Mutterhauses. Gewinne aus Ablegern wie «BAT Uganda» oder «PMI Mexico» verbleiben deshalb nicht in den jeweiligen Ländern, sondern fliessen vollumfänglich den Aktionärinnen und Aktionären des Mutterhauses zu. Die Länderableger sind vor allem dazu da, flexibler auf den jeweiligen Märkten agieren zu können und die rechtliche Haftung gering zu halten. Zudem sollen sie einen regionalen Eindruck erwecken.
Die Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen die Gewinne erwirtschaftet werden, sehen also nichts von den Milliardengewinnen der Konzerne. Im Gegenteil führt das Tabakgeschäft zu einem Transfer von Geldern aus armen Ländern in reiche Länder. Campaign for Tobacco-Free Kids kommt deshalb zum Schluss, dass das Geschäft mit dem Tabak die weltweite Ungleichheit zwischen Arm und Reich vorantreibt.
Soziales Engagement sieht anders aus
Die Befunde der Untersuchung widersprechen deutlich dem Bild, das die Tabakkonzerne von sich selbst in der Öffentlichkeit zeichnen. Alle vier untersuchten Konzerne betreiben – wie es heute Standard ist bei grösseren Unternehmen – Programme und Projekte für Nachhaltigkeit und soziales Engagement, die darauf abzielen, den Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen. In Ländern mit tiefen und mittleren Einkommen betonen die Konzerne gerne die wirtschaftlichen Vorteile des Tabaks für Land und Leute.
Ein Ziel von British American Tobacco in Nigeria lautet etwa, ein «nachhaltiges Wirtschaftswachstum» zu ermöglichen. Ein konsequenter Schritt in diese Richtung wäre, die Gewinne im Land zu behalten. Doch «BAT Nigeria» befindet sich in 100-prozentigem Besitz von British American Tobacco. Der Gewinn aus den Zigarettenverkäufen in Nigeria fliesst in die USA und nach Grossbritannien, wo über 90 Prozent der Aktionärinnen und Aktionäre sitzen. In Nigeria selbst bleibt das Elend, das der Tabakkonsum anrichtet.
Quelle: Campaign for Tobacco-Free Kids: Who is Profiting from Tobacco? A Closer Look at the Shareholders of Multinational Tobacco Companies and Their Subsidiaries. 2018.