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Im Fricktal und dem hauensteinischen Schwarzwald herrscht noch heute der Glaube, dass man in der Christnacht, wohl auch in der Andreasnacht, einen Blick in die Zukunft tun kann. Dieser Glaube hat hauptsächlich unter dem weiblichen Geschlecht seine Anhänger, das dabei folgende Vorschrift befolgt: Vor Mitternacht wird der Tisch in die Mitte der Stube gerückt, auf denselben an die Ecke ein Glas mit Wasser gestellt, auf die andere quer gegenüber ein Brod gelegt, in die dritte ein Kranz von Efeu, und auf die vierte kommt ein Ring zu liegen.
Mit dem zwölften Stundenschlage verbindet sich dasjenige Mädchen, welches zuerst sein Glück versuchen will, die Augen, und während sie einige Male in der Stube herumgeführt wird, gibt man dem Tische eine andere Richtung, führt sie an denselben hin und lässt sie, sich selbst überlassen, wählen. Wer das Wasser ergreift, wird arm, das Brod, reich, wer den Kranz ertappt, wird eine Braut des Himmels, sowie der Ring Hoffnung für eine der Erde gibt.
Als einst eine Gesellschaft junger Mädchen beisammen saß und diesen Gebrauch übte, da soll es aber unter dem Tische, auf welchem sich das Glas, das Brod, Kranz und Ring befanden, so rumort und gepoltert haben, dass den Mädchen gegrauset und diese Sitte unter ihnen seither mehr abgekommen ist.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.