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TCS MyMed
Autor: TCS MyMed
Prof. Dr. med. Nikhil Yawalkar und Prof. Dr. med. Luca Borradori von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie am Inselspital Bern, zum Thema Schuppenflechten.
Herr Yawalkar, was sind Schuppenflechten und wie identifiziert man diese?
Die Psoriasis, im Volksmund auch Schuppenflechte genannt, ist eine häufige, chronisch verlaufende entzündliche Hauterkrankung, die zirka 1.5 bis 2 % der Bevölkerung in der Schweiz betrifft. Die Diagnose wird in den meisten Fällen klinisch anhand des typischen Erscheinungsbildes gestellt. Selten ist zur Verifizierung eine Hautprobe notwendig.
Gibt es verschiedene Formen der Schuppenflechte?
Die häufigste Form der Psoriasis ist die sogenannte Plaque-Psoriasis (auch Psoriasis vulgaris genannt), bei der rundliche, scharf begrenzte, gerötete und schuppende Herde unterschiedlicher Grösse auftreten. Die Hautveränderungen können zum Teil mit Juckreiz verbunden sein. Häufig tritt nach einem Racheninfekt eine kleinherdige, «tropfenartige» Form auf (Psoriasis gutatta). In Einzelfällen entsteht eine generalisierte Psoriasis am ganzen Körper oder eine Sonderform mit eitrigen Herden an den Hand- und Fusssohlen oder auch am Körper. Zusätzlich zur Haut können auch Nagelveränderungen (z.B. Tüpfelung, gelbliche Flecken, Ablösung des Nagels, Krümelnagel) entstehen. Neben der Haut können sich bei rund 20% der Betroffenen schmerzhafte Gelenksentzündungen, die sogenannte Psoriasis-Arthritis, entwickeln.
An welchen Körperstellen treten die Hautveränderungen hauptsächlich auf?
Die gewöhnliche Psoriasis tritt meistens an bevorzugten Stellen (sogenannte Prädilektionsstellen) wie Streckseiten der Arme und Beine (v.a. Ellenbogen, Knie), Kopfhaut, Nabel und im Gesässpalt auf. Bei einigen Patienten erscheinen die Herde auch im Genitalbereich oder an den Hand- und Fusssohlen. Bei schweren Formen kann die Psoriasis disseminiert am ganzen Körper auftreten.
Wodurch wird die Erkrankung ausgelöst und kann diese vererbt werden?
Die genaue Ursache der Psoriasis ist bislang immer noch unklar. Neben einer erblichen Veranlagung gibt es gewisse Faktoren, welche die Krankheit auslösen beziehungsweise verschlimmern können. Zu diesen Faktoren gehören beispielsweise Infektionen, Stress, mechanische Reizung der Haut, Alkohol, Rauchen und gewisse Medikamente (z.B. Beta-Blocker).
Besteht eine Ansteckungsgefahr?
Psoriasis ist keine ansteckende Krankheit, sie kann also nicht durch Körperkontakt übertragen werden. Es ist sehr wichtig, dass dies immer wieder kommuniziert wird, da Patienten mit einer Psoriasis nicht nur unter den Hautsymptomen leiden, sondern auch unter Vorurteilen, Ängsten und Ablehnung aus ihrem Umfeld.
Welche Behandlungsmethoden können angewendet werden?
Leider gilt die Schuppenflechte bis heute als unheilbar. Bei vielen Patienten lässt sich mit den verschiedenen Therapien eine Erscheinungsfreiheit erreichen. Die Behandlung ist von vielen Faktoren abhängig wie Ausprägung und Lokalisation der Psoriasis, begleitende Erkrankungen (z.B. Psoriasis Arthritis, chronische Infektionen, Alkoholabhängigkeit), soziale Faktoren (z. B. Zeitdruck wegen Beruf) und v.a. Präferenz des Patienten. Eine leichte Psoriasis wird fast nur mit lokalen Therapien (Kortison und Vitamin-D-Analoga) behandelt. Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis wird eine Therapie mit Schmalspektrum-UVB-Strahlung oder eine innerliche Behandlung mit Medikamenten wie Methotrexat, Fumarate, Apremilast, Retinoide oder Ciclosporin eingesetzt. Bei schweren, therapieresistenten Formen haben sich die Biologika als sehr wirkungsvoll erwiesen.
Wie beeinflussen Schuppenflechten den Alltag der Betroffenen?
Je nach Ausprägung, Lokalisation und begleitenden Erkrankungen (z.B. Psoriasis Arthritis) kann die Psoriasis zu einer starken körperlichen und psychosozialen Einschränkung mit Verminderung der Lebensqualität führen. Patienten mit Psoriasis leiden oft unter Stigmatisierung und viele erleben eine Diskriminierung und Erniedrigungen im Alltag.
Die Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie am Inselspital Bern bietet für Patienten und deren Angehörigen regelmässig Psoriasis-Schulungen an. Das Team der Klinik, bestehend aus Spezialisten der Bereiche Medizin, Psychologie, Ernährung und Pflege, informiert anlässlich dieser Schulungen umfassend über die Krankheit: www.dermatologie.insel.ch/de/patienten-und-besucher/patienteninformationen/patientenschulungen/psoriasisschulung/
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