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Jahrgangsbericht Bordeaux Subskription 2013
Liebe Weinfreunde
In den letzten zwanzig Jahren kann man fast in allen Weinanbaugebieten weltweit eine Klimaerwärmung feststellen, welche in Kombination mit den verbesserten Weinbaumethoden höhere Reifegrade der Trauben und demzufolge höhere Alkoholgehalte der Weine verzeichnen lässt. Das Jahr 2013 hat in vielen Europäischen Weinbaugebieten gezeigt, dass frühe Ernten mit optimal reifen Trauben aber nach wie vor nicht die Regel sind. In Bordeaux haben einige Winzer sogar von einem Kampf gegen die Natur gesprochen, wenn es darum ging, in der Ernte 2013 gesunde Trauben mit bestmöglichem Reifegrad zu bekommen. Dementsprechend kommt es niemanden in den Sinn, die Weine des Jahrgangs 2013 hochzujubeln.
Der Wetterverlauf des Jahrgangs 2013 verlangte den Winzern in Bordeaux viel Arbeit ab. Der nasskalte Frühling bestimmte auch während der Blüte das Wetter, was vielerorts zu Verrieselung und Kleinbeerigkeit führte und damit schon früh geringe Ernteerträge erwarten liess. Ende Juni war die Vegetation gegenüber einem normalen Jahr zwei Wochen in Rückstand. Ein fast tropisch warmer Juli liess wieder Hoffnung auf eine zeitlich frühere und qualitativ bessere Ernte aufkommen. Der August war dann warm und trocken und erlaubte so ein ordentliches Ausreifen der Trauben, was sich in nur wenig vegetalen Noten in den Weinen bemerkbar macht. Ein trockener September hätte erlauben können, eine qualitativ gute Ernte mit zufriedenstellenden Mengen einzufahren, doch häufiger Regen Ende September und im Oktober während der Ernte machten diese Hoffnung zunichte. Die Folge davon war, dass zum Teil verfrüht gelesen werden musste, der Reifegrad der Trauben war zum Teil uneinheitlich und erforderte im Keller bei der Annahme eine strenge Selektion. Viele Chateaus haben daher nicht mal die Hälfte einer üblichen Erntemenge verarbeitet. Die Vinifikationsverfahren wurden durch die Produzenten den Gegebenheiten angepasst und mit kürzeren Maischestandzeiten wurde weniger extrahiert als in vorherigen Jahren. Die Degustationen der Primeurmuster waren daher auch weniger anstrengend als üblich. Die Weine weisen weniger Tannine auf, sind hauptsächlich leicht, aromatisch reichhaltig, sind eher von einem frisch-fruchtigen Typ, die meisten sind ausgewogen und harmonisch, also klassische Bordeauxweine. Bei den gelungenen Weinen ist die Säure gut eingebunden, es dominieren fruchtige Komponenten mit wenig vegetalen Noten, die Weine sind daher attraktiv, haben aber nicht die Dichte, Vielschichtigkeit und Länge eines grossen Jahrgangs und ihnen fehlt ein langes Alterungs- und Verbesserungspotential. Abgesehen von wenigen Ausnahmen werden die Grands Crus sechs bis acht Jahre nach der Ernte trinkreif sein und sollten dann innert weniger Jahre getrunken werden. Die Preise der meisten Châteaus sind gegenüber dem 2012er Jahrgang nochmals im Schnitt um ungefähr 15% gesunken, gewisse renommiertere Produzenten haben den Preis ihres Weines noch mehr gesenkt. In diesem Jahrgang ist es schwierig, sich festzulegen, ob die Weine der Rive Gauche (Médoc) oder der Rive Droite (St-Emilion und Pomerol) besser gelungen sind. In jeder Appellation gibt es gelungene und weniger gelungene Weine. Viele Weine werden den Bordeaux-Liebhabern in wenigen Jahren Spass bereiten, weil sie relativ jung schon zugänglich und bekömmlich, mit weicher Textur und klassischer Aromatik, sein werden.
Den Marktbedingungen muss jedoch auch Rechnung getragen werden und diese bedingen, dass nur wenige Weine des Jahrgangs schon en Primeur gekauft werden müssen. Wir haben Ihnen deswegen ein reduziertes Angebot von qualitativ sehr gelungenen Weinen zusammengestellt,. Darunter befinden sich vor allem viele bekannte Chateaus und wenig Entdeckungen. Die schwierigen Erntebedingungen hatten zur Folge, dass die Erzeugung eines guten Weines in diesem Jahrgang paradoxerweise mehr kostete als in einem klimatisch sehr guten Jahr. Das vor der Ernte schon tiefe Mengenpotential und die im Keller notwendige Traubeselektion konnten sich nur finanziell gut gebettete Produzenten erlauben. Aus diesem Grunde konnten sich nur wenige Produzenten zu einer massiven Preissenkung entscheiden.
Der Wein-Experte Ivan Barbic