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Über Schlemihl
Die Sonne scheint.
Ymér und Kleo sitzen im Schatten unter einem Baum.
• Kennst du die Geschichte vom Schlemihl (sprich Schlemiil), fragt Kleo?
• Nein, wie geht die?
•Ja, da ist so ein Typ, der hat seinen Schatten verkauft, und jetzt hat er keinen mehr, und wenn die Sonne scheint, schauen die Leute und schütteln den Kopf oder haben Angst vor ihm. Und so versteckt er sich vor den Leuten. Aber dann findet er Sieben-Meilen-Stiefel und kann so schnell gehen, dass niemand ihn sieht.
• Wie soll das denn gehen, den Schatten verkaufen?
• Ja darum habe ich dir die Geschichte erzählt. Hab gedacht, du kannst das erklären.
• Und wer hat den Schatten gekauft?
• Ein Mann ist gekommen und hat Schlemihl gefragt: Gibst du mir deinen Schatten? Ich gebe dir Geld. Und dann hat er den Schatten von Schlemihl genommen und ist gegangen.
• Wie genommen? Wie willst du denn einen Schatten nehmen?
• Ganz einfach. Der Mann hat den Schatten von Schlemihl am Boden aufgerollt und in seine Tasche gesteckt.
• Lustige Idee, geht aber nicht.
Ymér, '20
• Dann erklär mir, warum es bei Schlemihl trotzdem so ist: Er hat keinen Schatten. Steht im Buch.
• Ja, da müsste er ja lichtdurchlässig sein.
• Siehst du, schon haben wir die Lösung.
• Aber dann würden ihn die Leute nicht sehen!
• Ah du meinst, einen lichtdurchlässigen Körper sieht man nicht. Wie zum Beispiel, wenn man in eine Scheibe läuft.
• Ja, dann hätte er ein anderes Problem.
• Wie meinst du das?
• Ja, dass man seinen Schatten nicht sieht, geht ja noch, aber wenn man ihn nicht sieht! Wie soll er da Suppe essen oder Kaffee trinken oder mit jemandem sprechen?
• Du meinst, die Leute würden sich noch mehr erschrecken.
• Ja, stell dir vor, nur der Löffel bewegt sich oder die Kaffeetasse.
• Und der Kaffee würde durch den Hals und die Speiseröhre fliessen, aber die sieht man nicht.
• Und dann würde der Kaffee im Magen landen. Mitten in der Luft eine braune Pfütze.
• Verrückte Ideen.
• Du hast angefangen mit deinem Schlemihl ohne Schatten.