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Die duale Berufsausbildung ist ein wichtiges Merkmal des Schweizer Bildungssystems. Dieser Artikel zeigt Dir auf, wie die duale Ausbildung, die Lehre, funktioniert und warum diese auch im Ausland immer wieder auf Interesse stösst.
Nach der obligatorischen Schulzeit von neun Jahren besteht für Jugendliche in der Schweiz die Möglichkeit, sich für eine duale Berufsausbildung in 230 verschiedenen Berufen zu entscheiden. Laut der Schweizer Berufsberatung hat eine Lehre das Ziel, die für die Ausübung eines Berufes notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Die Ausbildung vereint Praxis und Theorie. Während drei oder vier Arbeitstagen arbeiten die Jugendlichen in einem Betrieb in der Funktion als Lehrling. An eins bis zwei Tagen besuchen sie eine Berufsschule. Die Schule vermittelt Wissen, welches anschliessend im Berufsalltag angewandt werden kann. Es gibt allerdings auch Lehren, die Vollzeit an Schulen absolviert werden können, darunter etwa die Informatiker Lehre an Informatikschulen. Die Berufslehre dauert grösstenteils drei, in gewissen Berufen auch zwei oder vier Jahre. Am Ende der Ausbildung erhalten die Lernenden bei bestandenen Abschlussprüfungen ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder ein eidgenössisches Berufsattest EBA.
Als erster Schritt in Richtung Lehrstelle gilt ein vollständiges Bewerbungsdossier, welches einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben, Zeugnisse und gegebenenfalls persönliche Arbeiten enthält. Einige Unternehmen bieten zudem Schnuppertage an, während denen sie den Interessenten den Betrieb und die Aufgaben zeigen.
Viele Betriebe bedienen sich während der Selektion der Lehrlinge eines Eignungstests. Getestet wird nicht nur das Schulwissen, sondern auch die Fachkompetenzen (wie etwa logisches Denken oder Konzentrationsfähigkeit) sowie die Persönlichkeit. Die Tests variieren je nach Branche. Bei handwerklichen Berufen etwa stehen die mathematischen Fähigkeiten und die praktischen Fähigkeiten im Vordergrund. Für kaufmännische Positionen hingegen sind insbesondere Sprachkenntnisse sowie mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit relevant.
Für ihre Arbeit in einem Betrieb erhalten die Lehrlinge einen Lohn. Die Vergütung kann sehr unterschiedlich ausfallen. Während die Mindestempfehlung für einen Goldschmied EFZ im ersten Jahr 450 Franken beträgt, sollte ein Geflügelfachmann EFZ mehr als 1100 Franken verdienen. Es gilt allerdings zu betonen, dass die Löhne auch kantonal stark variieren können. Gemeinsam ist den Salären aber, dass sie sukzessiv mit jedem neuen Lehrjahr steigen. Bei den vorgeschlagenen Löhnen der Berufsverbände handelt es sich um Empfehlungen, nicht um gesetzliche Mindestlöhne.
Der praktische Teil der dualen Berufsbildung findet hauptsächlich im Betrieb statt. An der Berufsfachschule erlangen die Lehrlinge nicht nur die theoretischen Grundlagen für die praktische Arbeit, sondern erweitern auch ihr Allgemeinwissen. Weiter finden überbetriebliche Kurse statt, in welchen praktische Fähigkeiten ausserhalb des Betriebs vermittelt werden.
Der Start in die Berufslehre ist oft holprig und überfordert einige Jugendliche. Vorbei sind die Zeiten, in denen man monatelange Sommerferien und schulfreie Mittwochnachmittage geniessen konnte. Viele empfinden es zu Beginn als schwierig, sich in einem komplett neuen Umfeld zu bewegen. Die Lehrlinge müssen lernen, wie sie sich in der täglichen Kommunikation mit den älteren Kollegen zu verhalten haben. Es ist nicht immer einfach, Arbeit und Schule unter einen Hut zu bringen. Genau diese Herausforderungen führen aber dazu, dass sich die Lehrlinge während ihrer Ausbildung oft zu reifen jungen Erwachsenen entwickeln.
Früher hiess es, dass praktisch veranlagte Schülerinnen und Schüler eine Berufslehre wählen sollten, während fleissigen Schülerinnen und Schülern das Gymnasium empfohlen worden ist. Diese Grenzen sind heute durchlässig, die Dichotomie studieren oder arbeiten ist Schnee von gestern. Die Karrierewege erweisen sich als vielfältig, die Weiterbildungsmöglichkeiten als gross. Während oder nach der Berufslehre haben Lernende mit sehr guten schulischen Fähigkeiten die Möglichkeit, eine Berufsmaturität zu erlangen. Diese dient als prüfungsfreie Zulassung zu den Schweizer Fachhochschulen. Wer nach der Berufsmaturität noch ein einjähriges Passerelle besucht, kann auch an Universitäten studieren.
Zwei Drittel der Schweizer Jugendlichen entscheiden sich heute für eine Berufslehre. Die beliebteste berufliche Grundausbildung ist die des Kaufmann/-frau EFZ, gefolgt von Fachmann/-frau Gesundheit EFZ und Detailhandelsfachmann/-frau EFZ. Obwohl sich diese Berufslehren grosser Beliebtheit erfreuen, haben viele Betriebe Schwierigkeiten, passende Lernende zu finden. Während früher Mangel an Ausbildungsplätzen herrschte, fehlt es heute oft an qualifizierten Bewerbenden. Ein Grund dafür ist, dass in einigen Familien das Gymnasium nach wie vor als Prestigevariante gilt und somit den Trend zur gymnasialen Ausbildung aufrechterhält. Besonders im Bau-und Gastgewerbe haben Betriebe Mühe, ihre Lehrstellen zu besetzen. Leichter zu besetzen sind unter anderem die Ausbildungsplätze in der Dienstleistungs- und Finanzbranche. Die Suche nach Lehrlingen in den Bergregionen erweist sich als schwieriger als in den städtischen Zentren. Immer mehr Firmen stecken viel Zeit und Arbeit in die Rekrutierung der Lehrlinge. Sie stellen etwa an Berufsmessen aus oder versuchen in Werbungen die Vorteile ihrer Betriebe aufzuzeigen. Bildungsforscher Stefan Wolter geht aufgrund der demographischen Entwicklung davon aus, dass die Zeiten des Lehrstellenüberhangs bald der Vergangenheit angehören. Ab Mitte der 2000er Jahre gab es in der Schweiz einen Babyboom und somit wird bald erneut eine grössere Anzahl an Schulabgängern einen Ausbildungsplatz suchen.
In Europa wird das duale Bildungssystem nur in fünf Ländern angeboten, neben der Schweiz auch in Deutschland, Österreich, der Niederlande und Dänemark. Länder mit einem dualen System haben tendenziell tiefere Arbeitslosenzahlen. Viele Staaten interessieren sich für das Schweizer Berufsbildungssystem, darunter etwa China unter dem Präsidenten Xi Jinping. Die duale Berufsbildung ist ein Aushängeschild der Schweizer Bildung im Ausland. Sie liegt dem ehemaligen Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann besonders am Herzen, der 2018 mit Präsidententochter Ivanka Trump über die Vorzüge des dualen Bildungssystems sprach. Die Lehre nach Schweizer Modell hatte schon vor Jahren das Interesse der USA geweckt. Bei einem Besuch 2015 in Washington unterzeichneten Johann Schneider-Ammann und Penny Pritzker eine Erklärung zur Förderung der Berufsbildung.
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