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Der junge männliche Fischadler war Ende Sommer 2016 von Galmiz aus in Richtung Süden gestartet. Nun hat ihn ein britischer Ornithologe über Weihnachten im Senegal gesichtet und fotografiert. Dies sagte Wendy Strahm, Biologin vom welschen Verein Nos Oiseaux, auf Anfrage und bestätigte damit eine Meldung der Nachrichtenagentur sda.
Der junge männliche Raubvogel befinde sich in der Nähe des Nationalparks Langue de Barbarie im nordwestlichen Senegal an der afrikanischen Küste. Es bestehe kein Zweifel an der Herkunft des Raubvogels: «Auf der Aufnahme sind der blaue Ring am rechten Bein und die Antenne des Sendegeräts deutlich zu sehen», betonte Strahm.
Eine fischreiche Gegend
«Wir sind glücklich darüber, dass unser Fischadler im Nationalpark ist», sagte Strahm. Denn es sei eine fischreiche Gegend und deshalb ein günstiger Ort für die Überwinterung dieser Art. Die Anzahl Fischadler, welche dort überwintern, werde auf 200 geschätzt. Es sei für sie ein wunderbares Weihnachtsgeschenk gewesen, dass es einer ihrer Fischadler bis in den Nationalpark im Senegal geschafft hat, sagte Strahm.
Der Fischadler stammt aus dem Wiederansiedelungsprojekt des Vereins Nos Oiseaux (siehe Kasten). Wendy Strahm ist die Projektleiterin. Sie hofft darauf, dass der Fischadler wieder an den Ort zurückkehrt, wo er flügge geworden ist, also an den Murtensee. Denn Fischadler sind brutortstreu: Ist ein Fischadler mit drei oder vier Jahren ausgewachsen, kehrt er an den Ort zurück, wo er zum ersten Mal seine Flügel ausgespannt hat.
Insgesamt 18 Jungtiere
Die ersten sechs Fischadler-Küken, welche die Projektverantwortlichen 2015 auf dem Areal der Anstalten von Bellechasse aufzogen, stammten aus Schottland. Sie flogen im selben Jahr Richtung Süden. 2016 importierte Nos Oiseaux zwölf weitere Küken aus Deutschland und Norwegen, welche im Herbst desselben Jahres auf dem Gefängnisgelände freigelassen wurden. Die Projektverantwortlichen hoffen darauf, dass einige der Vögel ihre Wanderschaft überleben und Anfang 2018 und 2019 in die Drei-Seen-Region zurückkehren und sich hier ein Nest bauen. Die Methode, solche Vögel für die Wiederansiedlung als Küken an einen neuen Ort zu bringen, habe sich bereits in anderen Ländern bewährt, sagte die Projektleiterin.
Letzte Brut vor über 100 Jahren
Die wandernden Greifvögel können eine Flügelspannweite von 170 Zentimetern erreichen. Weibchen sind in der Regel grösser und schwerer als Männchen. Die letzte Brut von Fischadlern in der Schweiz stammt aus dem Jahr 1914. Für ihr Verschwinden waren Wilderer und Eiersammler verantwortlich.
Ein ruhiger, geheimer Ort
Der genaue Standort auf dem Gefängnisareal bleibt geheim. Das kommt nicht von ungefähr: «Die Tiere brauchen Ruhe», sagt Strahm, «es ist nicht gut, wenn sie mit dem Menschen in Kontakt kommen, sie geraten völlig durcheinander.»
Auf dem abgesperrten Bellechasser Boden darf sich niemand einfach so bewegen, und niemand darf zu den Fischadlern. «Das ist ideal für uns, deshalb haben wir diesen Standort für unser Projekt ausgewählt – wir selber sehen die Vögel jeweils auch nur über die Videoüberwachung des Naturhistorischen Museums Freiburg», so die Biologin, «den Fisch füttern wir den Jungtieren im Sommer durch ein Rohr in ihre Volieren.» Es sei für sie ein Geschenk, dass sich sowohl die Anstalten von Bellechasse wie auch die Gemeinde Galmiz offen zeigten gegenüber dem Projekt.
Zahlen und Fakten
Projekt dauert rund fünf Jahre
Das Projekt zur Wiederansiedlung von Fischadlern begann 2015, wird noch bis 2020 fortgesetzt und läuft über den Westschweizer Verein Nos Oiseaux. Sechs in Schottland aufgezogene Küken waren im Sommer 2015 auf dem ruhigen Gelände des Gefängnisses in Bellechasse angekommen; 2016 waren es zwölf junge Fischadler, welche die Ornithologen während rund drei Monaten aufzogen. Jeweils im September sind die Fischadler bereit für ihre erste grosse Reise: Sie fliegen Richtung Süden auf den afrikanischen Kontinent.