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Hauptort ist Arbon, Sitz des Bezirksgerichtes. Der Bezirk ist
sehr dicht bevölkert: die Zählung von 1888 ergab 15383 Ew., 2572
Häuser, 3376 Haushaltungen;
11315 Reformierte, 3982 Katholiken;
10315 ansässige
Gemeindebürger, 3201 Schweizerbürger aus andern Gemeinden und 1867 Ausländer.
Heute beläuft sich die Zahl der Bewohner
auf mehr als 20000.
Der Boden ist äusserst fruchtbar und wohl angebaut, so dass der Bezirk einen ersten
Platz unter den an
anbaufähigem Boden reichen Gegenden unseres Landes einnimmt. Seine natürliche Beschaffenheit im Verein mit den klimatischen
Verhältnissen begünstigt im Besondern
Feld-,
Wiesen- u. Obstbau. Bebaute Bodenfläche: Aecker 27,1%;
Reben 0,9%. Der im Grossen gepflegte Obstbau hat dem Bezirk und insbesonders der grossen
Gemeinde
Egnach den scherzhaften Uebernamen «Mostindien» eingetragen.
Keine andere Gegend der
Schweiz kann denn auch eine so
grosse Anzahl kräftiger Obstbäume aufweisen. Zu Tausenden drängen sie sich um die
Dörfer, die gleichsam mitten in
Wäldern
stehen. Wenn im Mai die
Bäume in ihrem vollen Blütenschmucke prangen, verleihen sie der Landschaft ein
der art liebliches Gepräge, dass zahlreiche Ausflügler, besonders solche von St. Gallen,
ihre Schritte hieher lenken.
Die Fruchtbaumstatistik vom Jahre 1886 zählt im Bezirk Arbon, ausschliesslich des Spalierobstes und der Baumschulen, 68571 Apfel-, 54622 Birn-, 3823 Kirsch-, 13326 Zwetschgen-
und 1582
Nussbäume auf, also im Ganzen 141924 Fruchtbäume.
Das Obst und die übrigen Bodenerzeugnisse des Bezirkes werden in die benachbarten Kantone Appenzell
und St. Gallen
und nach Württemberg ausgeführt.
St. Gallen
und
Herisau sind neben württembergischen Bodenseeorten deren Hauptmarktplätze. Ein grosser Teil des Obstes aber bleibt
im Lande und wird gedörrt oder zur Kelterung eines weitbekannten Mostes von vorzüglicher Qualität
verwendet.
Daneben bildet Ackerbau eine Hauptbeschäftigung der Bewohner, ebenso Viehzucht und Käserei. Die Milch wird zum Teil in
die
Fabrik kondensierter Milch in
Egnach abgeliefert.
Die Viehstatistik weist folgende Ziffern auf:
1876
1886
1896
Hornvieh
4053
5893
6686
Pferde
449
530
618
Schweine
759
1327
2271
Ziegen
473
371
556
Schafe
35
68
59
Bienenstöcke
1034
1012
1941
Viehbesitzer: 1375.
In der kleinen Stadt Arbon lebhafte Industrie und in
Romanshorn bedeutender Transitverkehr. Fischerei in
Uttwil,
Romanshorn
und Arbon. Eines gewissen
Rufes erfreut sich auch der bei Winzelnberg und Gristenbühl wachsende Wein.
Ein Bezirksspital fehlt noch, doch soll laut Gemeindebeschluss in Arbon ein solcher gebaut werden. Zur
Zeit werden die Kranken des Bezirkes im thurgauischen Kantonsspital zu
Münsterlingen verpflegt.
Stadt und Hauptort des gleichnamigen Bezirkes des Kantons Thurgau.
40 km ö. von Frauenfeld,
am S.-Ufer des
Bodensees, prachtvoll auf breiter
Halbinsel gelegen. Station der Linie
Romanshorn-Rorschach und der Dampfboote. 406 m. 650
Häuser und 7000 Ew.
Starke und rasch sich entwickelnde industrielle Tätigkeit, nicht weniger als 3000 Personen sind in den Fabriken beschäftigt.
In letzter Zeit ist die Schifflistickerei neu eingeführt worden, die bereits von einer bedeutenden
Fabrik mit 1000 und drei
kleineren mit zusammen 300 Arbeitern betrieben wird.
Wichtige Maschinenfabrik (1000 Arbeiter), daneben eine kleinere mit Giesserei; Eisenfässerfabrik; zwei schon lange Zeit
in Betrieb stehende mechanische Webereien (Seidenbänder und Halbseidenwaaren). Längs der neuen Strasse nach
Roggwil ist
neuerdings ein Arbeiterviertel mit ungefähr 50
Häusern entstanden. In gutem
Rufe stehende Gasthäuser und Pensionen. Oeffentliche
und Privatbäder. Schöne Anlagen, neuer
Hafen. Arbon wendet für Volksbildung grosse Mittel auf: 7 klassige Primar- und 2 klassige
Sekundarschule, Handwerker- und Handelsschule.
Oeffentliches Leben: Gesellige und Gesangvereine, Musikgesellschaften, Schiess- und Turnvereine, Arbeitervereinigungen und
Kranken- und Unfallskassen. Arbon hat von jeher dem Gesang und der Musik grosse Aufmerksamkeit gewidmet.
Zwei politische Zeitungen.
Bei klarem Wetter geniesst man von Arbon aus einer wunderbaren und weitausgedehnten Rundsicht auf den obern Teil des
Bodensees,
das liebliche Hügelland von St. Gallen
und Appenzell,
die
Alpen des Vorarlbergs und auf die Säntisgruppe. Zwischen Stadt und
See auf einem Hügel
das
Schloss, bestehend aus Herrenhaus und einem sehr alten und starken
Turm, wahrscheinlich dem ältesten
Bauwerke der Stadt. Neben dem
Turm die Galluskapelle und die alte Kirche mit schönen Glasmalereien und 1895 restauriertem,
vermutlich aus der Merowingerzeit stammendem
Turm. Reste der ehemaligen Festungsmauern.
Am See zahlreiche erratische Blöcke;
Pfahlbauten und alamannische Gräber.
An der Stelle des heutigen Arbon errichteten um das Jahr 60 v. Chr. die
Römer in einer möglicherweise
schon vor ihrer Ankunft bestehenden keltisch-helvetischen Niederlassung ein Kastell (Militärstation), das sie Arbor Felix
(Glücksbaum) nannten. Um das Jahr 450 eroberten die Alamannen den
Ort und zerstörten das Kastell. Einen Rest der ehemaligen
römischen Kultur scheint sich Arbon übrigens bewahrt zu haben, indem 200 Jahre später die als Prediger
des Christentums unter den Alamannen Helvetiens einziehenden irischen
Mönche Gallus,
Columban u. a. hier bereits eine unter
dem Prediger Willimar stehende christliche Gemeinschaft antrafen, von der sie gastfreundlich empfangen wurden.
Der h. Gallus gründete das Kloster St. Gallen und starb 627 im
Alter von 95 Jahren in Arbon. Später war der
Ort
ein Lieblingsaufenthalt des letzten Hohenstaufen Konradin von Schwaben. 1162 erhielt ein Edler von Arbon vom
Bischof von Konstanz
die kleine Stadt zu Lehen, die im 13. Jahrhundert Marktrecht und Gerichtshoheit erlangte und mit
Graben undMauer
befestigt wurde. Während der Appenzellerkriege war Arbon einer der
Sammelplätze österreichischer Truppen. 1494 zerstörte
eine Feuersbrunst den grösseren Teil der Stadt. Im 18. Jahrhundert brachte die Einführung des Tuchhandels einige Jahre
der Blüte.
Der wohlbekannte Pfarrer, Dichter und politische Schriftsteller Thomas Bornhauser lebte 1830 in Arbon;
¶
forlaufend
einen Namen als Jerusalempilger machte sich der Bewohner des Landgutes «zur Bleiche» (nahe bei Arbon), Heinrich May.