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Angefangen hat alles damit, dass Peter Eigen 1975 bis 1993 als Weltbank-Direktor für Ostafrika immer wieder erlebte, wie «alles, was wir versuchten, durch die Korruption zunichte gemacht wurde». Wenn die Weltbank sich weigerte, Projekte zu finanzieren, die weder wirtschaftlich noch ökologisch Sinn machten, so wurden diese nicht selten einige Wochen später trotzdem in Angriff genommen. Sie wurden dann von internationalen Konsortien finanziert und Bauunternehmen hatten die Regierung mit Bestechungsgeldern in Millionenhöhe von der Notwendigkeit des Projektes überzeugt. «Selbst die Projekte der Weltbank waren nicht immun gegen Korruption». so Eigen. Hören wollte das allerdings niemand und seine Vorgesetzen verboten ihm, sich in die «internen Angelegenheiten anderer Länder» einzumischen.
Peter Eigen aber war schon damals überzeugt: Korruption «pervertiert die Wirtschaftspolitik», indem sie Entscheidungen herbeiführt, die nichts mit fairen marktwirtschaftlichen Kriterien wie dem Preis oder der Qualität eines Produktes zu tun haben. Gemäss Eigen ist Korruption eine der Hauptursachen für die Armut vieler Länder: «Diese sind nämlich nicht korrupt, weil sie arm sind, sondern arm, weil sie korrupt sind und die Regierungen ihre eigenen Ländern ausplündern.»
Die wirtschaftliche Elite sei sich zu jener Zeit allerdings einig gewesen, dass Bestechung nötig sei, um im Ausland Aufträge zu erhalten. Man passe sich den Gepflogenheiten an und wolle sich nicht in die Kultur vor Ort einmischen, sagten ihm Gesprächspartner aus der Wirtschaft: «Mit dieser Haltung haben die nördlichen Länder viel Verantwortung auf sich genommen.»
Dass Korruption das Gegenteil von Nachhaltigkeit ist, liegt nach dieser Analyse auf der Hand. Dies war auch der Grund, dass Peter Eigen im Rahmen des «Sustainability Dialogue with Leaders and Pioneers» zu einem Referat eingeladen worden war. Die Veranstaltungsreiche wird organisiert vom Center for Corporate Responsibility and Sustainability (CCRS) der Universität Zürich, ETH sustainability, novatlantis und dem sustainability forum zurich.
1993 zog Eigen die Konsequenzen aus seinen Erfahrungen. Er verliess die Weltbank und gründete den gemeinnützigen Verein «Transparency International» (TI). Dieser stand vor einem grundsätzlichen Problem: Warum sollte ein Unternehmen aufhören, sich korrupt zu verhalten, wenn die Mitbewerber auf dem Markt es weiterhin tun? Aus diesem «Gefangenendilemma» gibt es gemäss Eigen nur einen Ausweg: «Alle müssen gleichzeitig aufhören.»
Um dies zu erreichen, versuchte TI, die grossen Unternehmen einer Branche an einen Tisch zu bringen. Dies gelingt unterdessen mit einigem Erfolg, was sich daran zeigt, dass bei grossen Ausschreibungen immer öfter «integrity pacts» abgeschlossen werden. Darin verpflichten sich die Unternehmen, keine Korruption anzuwenden. Einer breiten Öffentlichkeit hat TI ihr Anliegen nicht zuletzt mit dem jährlichen, ländervergleichenden Korruptionsindex bekannt gemacht.
«Wir haben einiges erreicht, gerade bei der Bewusstseinsveränderung», so das Fazit von Eigen. Besonders erfreulich dürfte für den Pionier sein, dass inzwischen auch die Weltbank der Korruption mehr Beachtung schenkt. Sie schätzt, dass weltweit jährlich 1000 Milliarden Dollar in die Bestechung von Amtsträgern fliessen.
«Es gibt noch viel zu tun, aber wir haben jetzt Partner», freut sich Eigen. Den Erfolg führt er vor allem darauf zurück, dass es gelungen sei, ein «magisches Dreieck» aus Staat, Privatsektor und Zivilgesellschaft zu bilden: «Zivilgesellschaftliche Organisationen sind in einer globalisierten Gesellschaft sehr wichtig und können eine konstruktive Rolle spielen.» Voraussetzung dafür sei allerdings, dass sie bereit sind, kompetent mit den Akteuren den Dialog zu suchen.
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte sich Eigen den Fragen von vier Gesprächspartnern aus Wirtschaft, Verwaltung und Medien. Bruno Schletti, Wirtschaftsredaktor des Tagesanzeigers, erwähnte eine kürzlich veröffentlichte Studie, die ein beträchtliches Mass an «krimineller Energie» in Unternehmen ortete. Er bezweifelte daher, dass bisher mehr als Absichtserklärungen auf dem Papier erreicht worden seien.
Damit aus dem Papier Realität wird, brauche es die Zivilgesellschaft und die Medien, die Missstände aufzeigen, erwiderte Eigen. Schwierig werde dies zugegebenermassen dort, wo – wie in beispielsweise in Russland – die Medien diese Aufgabe nicht übernehmen können oder in Ländern ohne demokratische Strukturen, die eine Zivilgesellschaft ermöglichen.
Dass durchaus Fortschritte erzielt worden sind, diese Ansicht vertrat Walter Fust, Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Bundes. Es habe zwar zehn Jahre gedauert, aber heute sei beispielsweise bei den Banken die Bereitschaft vorhanden, gegen die Korruption tätig zu werden.
Eine Lücke schliessen im Kampf gegen die Korruption könnten allenfalls Massnahmen gegen die Geldwäscherei, indem diese Korruption als Vorstufe zur Geldwäscherei betrachten, sagte Dr. Otmar Strasser, Leiter des Rechtsdienstes bei der Zürcher Kantonalbank. Selbstauferlegte Prinzipien der Grossbanken liegen in diesem Bereich beispielsweise mit den «Wolfsberg Standards» vor.
Dr. Hans-Peter Bauer als Mitinitiant der Standards wollte wissen, ob eine solche Lösung nicht auch in anderen Wirtschaftszweigen möglich sei. Durchaus, meinte Eigen und verwies auf entsprechende Bestrebungen im Erdölsektor und beim Baugewerbe. Gelingen könne dies allerdings nur, wenn sich die Wettbewerbspartner vertrauen, was nicht in allen Branchen der Fall sei.