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Wir betreten einen der ältesten Räume der Kartause durch einen schlichten äusseren Türbogen, der neben dem Wappen der Kartause das Wappen des Priors Peter Frey und die Jahrzahl 1541 tägt. Innen fällt sofort der geometrische Renaissance-Stil auf, der vor allem in der rautenförmigen diagonalen Kassettendecke mit zapfenförmigen Hängerosetten und dem Brusttäfer längs der Wände aus dem Jahr 1547 zum Ausdruck kommt. Über dem Brusttäfer betont ein Zahnschnittfries die Horizontale. Leistensockel, geschuppte Pilaster und Ohrenfelder unterteilen die Brusttäfer. Die Bemalung des Brusttäfers mit Eremitenszenen wurde erst später, 1784, ausgeführt.
Über dem hölzernen Architrav des inneren Portals und der Türnische, alles mit reichem Schnitzwerk aus dem Jahr 1662 verziert, ist ein durchbrochener Dreiecksgiebel aufgesetzt. Der reich applizierte Türflügel mit dem kunstvollen Türschloss stammt aus dem Jahr 1662. Zwischen der Fertigung von Türbogen und Tür liegen 115 Jahre -, man liess sich also mit der würdigen Ausstattung des Raumes viel Zeit.
Der flache Architrav (53), der westlich zur Anrichte führt, stammt aus dem Jahr 1541. Auffallend sind auf der Fensterseite die korinthischen Stützsäulen und die aufgesetzten Volutenpilaster (54), die die südliche Türe zum Garten flankieren.
Am Fenster zum Garten hinaus finden wir einige der ältesten Glasscheiben der Kartause. Die älteste ist auf 1557 datiert und erinnert an Prior Janny, eine der herausragenden Gestalten der Geschichte der Kartause Ittingen. Er war als der "alter fundator" wesentlich am Aufblühen der Kartause nach einer schweren inneren und äusseren Krise beteiligt. 25 Jahre diente er dem Kloster als Verwalter, weitere 18 als Prior, bevor er am 2. September 1567 starb.
Die Bilder an den Wänden aus dem 18. Jahrhundert - Brustbilder heiliger und heiligmässiger Kartäuser - sind kunsthistorisch nicht besonders wertvoll, geben aber ein Stück Kartäusergeschichte wieder. Die Attribute im Vordergrund machen die Identifizierung der dargestellten Personen möglich:
Das aufliegende Buch ist eines der wenigen Überbleibsel aus der ehemals umfangreichen Klosterbibliothek. Es ist ein in Schweinsleder gebundenes Urbarium aus dem Jahr 1743, verfasst von dem berühmten Konstanzer Kartografen uns Schaffner der Kartause Ittingen Joseph Wech. Die Eintragungen sind mit sauberer altdeutscher Schrift geschrieben.
Die wertvolle Uhr im Empire-Stil stammt aus dem Jahr 1780. Eine weitere Uhr mit dem Wappen des Priors findet sich im Kantonsmuseum Frauenfeld.
Prunkstück des Refektoriums ist der originale Winterthurer Ofen aus der Werkstatt von Heinrich Pfau (1642-1719) mit quadratischem Unterbau und sechseckigen Überbau. Die Haube fehlt. Der Ofen ist auf 1677 datiert. Auf den originalen Kacheln ist besonders die zeitgenössische Gesamtansicht der Kartause interssant. Im 18. Jahrhundert wurde der Ofen versetzt. Dabei wurden einige wahrscheinlich defekte Kacheln durch die Steckborner Manufaktur Meyer ersetzt. Von den sechs Turmkacheln sind fünf, von den Füllkacheln des Unterbaus zwei Steckborner Arbeit. Sie fallen sofort durch ihre gröbere Machart und die intensiveren Farben auf.
Östlich des Refektoriums befindet sich ein weiteres, kleineres Refektorium, dessen Türbogen die Jahrzahl 1541 trägt und das 1716 eingerichtet wurde. Es beschliesst den Südtrakt, ist aber heute völlig ausgeräumt und für Besichtigungen nicht zugänglich. Über den Refektorien befinden sich das Fürstenzimmer und die Tafelstube. Sie sind noch Privatbesitz der Familie Fehr und Besichtigungen nicht zugänglich.
Fussnoten:
53 zwei Säulen verbindender Trägerbalken
54 Volute: spiralförmige Einrollung am Kapitell ionischer Säulen Pilaster: flacher Wandpfeiler