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Weltreise: Ost-Rom
So, so, Byzanz
An einem strahlend blauen und warmen Tag hielten wir an einem langen, schönen Strand in einem Ort namens Terme - auf lateinisch also Bad bzw. Thermen.
Hier, genau an dem Ort, wo unsere Hinterteile am Strand den Sand berührten, und wir die freundliche Wärme und das Meer genossen, sassen wohl vor rund zwei tausend Jahren "Römer" und taten und genossen, genau das gleiche.
Je näher wir Istambul gekommen waren, um so gegenwärtiger wurde mir die Geschichte von Byzanz und Konstantinopel. In der Schule wurde, so scheint mir, die Geschichte dieser Gegend immer unter der Perspektive eines "Gegenpols" betrachet - unsere Kultur, und dann die "der anderen", vielleicht jene der Orthodoxen. Jedenfalls nicht unsere Geschichte.
Ich schlug in Wikipedia nach, und erfuhr zu meinem Erstaunen, dass sich das Römische Reich irgenwie, offenbar unmerklich, wann scheint eine Interpretations- frage zu sein, in zwei teilte. Die Bewohner von Byzanz nannten sich aber gar nicht Byzantiner oder Konstantinopler, sondern waren Römer. Es war das gleiche Rom wie vorher. Und irgendwann fingen die Bewohner dieses, auch in seinem Umfang mehr oder minder definierten oder definierbaren, und sich ändernden "Landes" an griechisch zu reden. Ja, griechisch.
Zumindest in offiziellen, Handels- und ähnlichen Angelegenheiten.
Gemäss Wikipedia empfanden sich die Griechen Griechenlands noch im 18. Jahrhundert als Römer bzw. Erben des Römischen Reiches und die Griechische, bzw. Hellenische (Griechenland auf griechisch heisst (H)ellas) Identität scheint ein Kunstgriff 2000 Jahre zurück an einen als passend erscheinenden Moment der Geschichte zu sein.
Istambul besteht aus einer unglaublichen Tiefe an Geschichte: in Istambul steht ein mega massiver Obelisk, den irgendwann vor mehr als einundhalbtausend Jahren irgendein Herrscher aus Ägypten mitgenommen hat.
Was es zu der Zeit überhaupt für Strassen gegeben haben mag? Und jemand hat dann den Transport eines vielleicht über tausend Tonnen schweren Steines über tausende von Kilometern organisiert?
Und dieser Granitstein, der vielleicht vor zweitausendfünfhundert Jahren gehauen wurde, steht tausendfünfhundert Jahre später immer noch da, am gleichen Platz und sieht aus als wäre er frisch, die Hieroglyphen von einer bemerkenswert wohlgeformten, modernen Abstraktheit. Vitra hätte dafür einen Designpreis bekommen. Herzog und Demeuron könnten sich mit ihm brüsten.
Inzwischen ist Istambul abgebrannt, es gab ein Paar grössere Kriege, Istambul wurde einigermassen verwüstet, es kamen und gingen die Osmanen und der Obelisk hat sich nicht gerührt und blieb so, wie er war.
Man spaziert also in Istambul herum und sieht an den Monumenten die anderen Touris: Gruppen von oben bis unten in Schwarz gehüllter "Ninja" Frauen, mit nur einem Schlitz im Stoff aus dem zwei Augen schauen - offenbar aus irgendwelchen wohlhabenderen, radikaltraditionellen arabischen Ölländern - Fernost-Asiaten, "*Stan"-Asiaten, welche halb nach Europäern und halb nach Schlitzaugen aussehen.
Aber auch die Türken sind sehr bemerkenswert: in einer einzigen Familie scheinen die Hautfarben von sehr dunklem khakigraubraun bis zu einem "etwas zu sehr bleichem", vielleicht an Finnen erinnerndem Weiss gehen zu können. Es verleitet einen zum Gedanken, der genetische Reichtum der Türken sei unvergleichlich höher als z.B. jener der Schweizer -
Bzw. dass Istambul schon seit sehr, sehr langer Zeit, vielleicht schon seit länger als Menschengedenken, ein Epizentrum des Austausches sein muss. Ein Kommunikationspunkt und eine Übersetzungsschnittstelle zwischen Kulturen und Kontinenten.
Istambul wird in unseren Medien kaum erwähnt, ist aber ein in sich ruhender Koloss, der, da Angelpunkt, nur noch bedeutender werden kann.
Wenn man das türkische Grenzprozedere über sich ergehen lassen muss, und die Kilometer sich stauender Lastwagen sieht, denkt man, dass ob der diesem Fluss und Austausch in den Weg gestellter Hindernisse, das Hirn des Landes sich der einzigartigen Position wohl nicht bewusst sein kann.
Tomáš Pospíšek, 2013-09-23