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Ein Grossteil der Bevölkerung der Länder des Südens nutzt bei der Behandlung von Krankheiten traditionelle Heilmittel. Diese Tatsache veranlasste die Nichtregierungsorganisation “Antenna Technologies” ihre wissenschaftliche Vorgehensweise in den Dienst solcher traditioneller Praktiken zu stellen. So untersuchte sie beispielsweise Malaria-Behandlungsmethoden in abgelegenen Regionen von Afrika, in denen keine medikamentösen Behandlungen erhältlich sind. Die ForscherInnen von Antenna erfassten in einem isolierten Dorf in Mali gängige Heilpflanzen-Rezepturen, welche sich bereits bei Malaria-Erkrankungen bewährt haben. Das Ziel dieser Arbeit war es, die Rezepte mit wissenschaftlichen Methoden zu bestätigen und verbesserte Rezepte zu entwickeln, welche von der Dorfbevölkerung auf einfache Art genutzt werden können.
Aus hunderten solcher Rezepte konnten sechs Pflanzen identifiziert werden, deren Eigenschaften am Schweizerischen Tropeninstitut in Basel in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium in Mali genauer untersucht wurden. Mittels verschiedener Anwendungskriterien (Verfügbarkeit, geringes Verwechslungsrisiko mit gefährlichen Pflanzen) wurde die Pflanze Argemone mexicana ausgewählt – ein Unkraut, das mit dem Mais aus Amerika eingeführt wurde und in allen tropischen Gegenden wächst. Die vor Ort durchgeführten klinischen Studien konnten zeigen, dass in isolierten Gegenden Westafrikas mit hohen Malaria-Übertragungsraten Kräutertees auf der Grundlage von Argemone eine gute Erstlinienbehandlung gegen eine einfache Form der Malaria darstellen. Auf der Basis dieser Arbeiten konnte das Gesundheitsministerium von Mali ein in den Städten verfügbares “verbessertes traditionelles Arzneimittel” entwickeln und in den Dörfern die Anwendung von Kräutertees fördern. In einer nächsten Phase will Antenna untersuchen, ob die Wirkstoffe der Heilpflanze auch in anderen Pflanzenarten und in anderen Gegenden zu finden sind, in denen die Malaria grassiert.
Kommentar:
Die Erforschung traditioneller Heilpflanzen und traditionellen Heilwissens aus verschiedensten Regionen der Welt ist eine hoch interessante Angelegenheit.
Drei Punkte müssen dabei aber berücksichtigt werden:
1. Es darf nicht nur um die Ausbeutung von traditionellem Wissen gehen, das anschliessend von Grosskonzernen patentiert und exklusiv vermarktet wird. Das wäre eine Form von Diebstahl und wird heute als “Biopiraterie” bezeichnet. Wird traditionelles Wissen genutzt, muss eine angemessene Entschädigung an die ursprünglichen TrägerInnen dieses Wissens zurückfliessen.
2. Das Sammeln oder der Anbau solcher Heilpflanzen muss die Kriterien der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Es darf nicht zur Gefährdung oder gar Ausrottung von Arten kommen.
3. Die Wirksamkeit traditioneller Heilpflanzen-Rezepte muss mit angemessenen wissenschaftlichen Methoden glaubwürdig gemacht werden. In vielen traditionellen Rezepten halten sich Irrtümer über Jahrhunderte. Es ist sehr naiv anzunehmen, in jedem althergebrachten Heilpflanzen-Rezept stecke die unantastbare Weisheit. Allzu oft wird sehr unkritisch alles als Ausdruck tiefster Wahrheit aufgefasst, was traditionell ist und einen gewissen “Exotik-Touch” aufweist. Es gibt “Perlen” im traditionellen Wissen, sie müssen aber zuerst gefunden werden unter einer grossen Masse von mittelmässig bis gar nicht wirksamen Rezepten.
Bei dem beschriebenen Projekt in Mali scheinen diese drei Kriterien jedenfalls erfüllt zu sein. Optimal ist es jedenfalls, wenn die Erkenntnisse direkt an die lokale Bevölkerung zurückfliessen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch