Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03584.jsonl.gz/1235

Viele Mythen ranken sich um die Entstehung des Schachspiels. Eine verlässliche Quelle für die Schachforschung ist der persische Dichter Firdausi (940 n. Chr. – 1020 n. Chr.). Im 6. Jahrhundert entsteht laut Firdausi in Persien aus dem indischen Spiel “Chaturanga” das “Shantrj” – der erste Vorläufer des heutigen Schachspiels. Im folgenden Jahrhundert verbreitet sich das neue Spiel zunächst in Afrika und im Nahen Osten, um dann ab dem 9. Jahrhundert auch nach Europa und Russland zu gelangen.
Der Weg durch die Zeit
Während Schach im Mittelalter zu den Tugenden eines Ritters gehört, lehnt die Kirche es rigoros ab. Das moderne Schach hält – nach einer entscheidenden Regeländerung – erst zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert überall in Europa und Russland Einzug. Schachturniere finden seit Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Nach Austragung der ersten Weltmeisterschaft 1884, wird im Jahr 1924 der Weltschachbund (FIDE) gegründet.
Das schöpferische Ergebnis der Zusammenarbeit vieler Kulturen
Wenn man auf die Entwicklung des Schachs zurückblickt, wird man feststellen, dass es sich um ein grosses Gemeinschaftsprojekt vieler Kulturen handelt. Nicht alles ist eindeutig belegbar, aber es finden sich neben indischen und persischen Einflüssen sogar Hinweise, die nach China führen. Möchte man dennoch jemanden zum Erfinder des Schachs küren, so soll dies der Legende nach “Sissa ibn Dahir” gewesen sein, der seinem König um das Jahr 300 n. Chr. das eigene Fehlverhalten mit einer Partie Chaturanga erklären wollte. Sissa ibn Dahirs Ziel war, dem König aufzuzeigen, dass er ohne Weggefährten, Untertanen und Ratgeber machtlos ist. Trotz seiner Niederlage gefiel dem tyrannischen Herrscher das Spiel so gut, dass er es über sein Königreich verbreiten liess.
Schach – Aktuell
Während die Mitgliederzahlen in den Schachvereinen stagnieren, erfährt das Online-Schach grossen Zulauf. Der Startschuss hierfür fällt 1997, als der Schachcomputer “Deep Blue” den amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow schlägt. Durch die Corona Pandemie verstärkt sich der Trend zum Online-Schach seit 2020 weiter.
Die gesamte Welt ächzt unter der Corona Pandemie und gerade hat der Schweizer Bundesrat einen neuen Lockdown beschlossen. Weil die mutierte Version noch viel ansteckender ist, als das ursprüngliche Coronvirus, soll man jetzt FFP2 Masken kaufen, welche einen besseren Selbstschutz als herkömmliche Hygienemasken bieten sollen. Läden, welche keine Lebensmittel verkaufen, müssen geschlossen werden, Restaurants und Bars sowieso und wo immer möglich, müssen Mitarbeitende von zu Hause aus im Home Office arbeiten. Aber tatsächlich wurden im Jahr 1918 schon sehr ähnliche Massnahmen beschlossen, um die Ausbreitung der damals grassierenden spanischen Grippe einzudämmen. Die Geschichte scheint sich einmal mehr zu wiederholen. Aber lesen Sie selbst:
Im Frühling 1918, kurz vor dem Ende des ersten Weltkrieges, brach die Krankheit aus. Es ist nicht bewiesen, ob dies in Nordamerika war. Erwiesen ist aber, dass diese Pandemie nicht in Spanien entstand. Dort verfügte man allerdings über Pressefreiheit ohne Zensur und berichtete als erstes Land über die hohen Infektionszahlen. Immerhin war ihr König daran erkrankt. Andere Länder hatten Nachrichtensperren erhoben und verbreiteten nur Durchhalteparolen. So dachten die Menschen, die Krankheit sei in Spanien ausgebrochen. Daher hat die spanische Grippe (H1N1) ihren Namen.
Die erste Welle begann harmlos wie eine normale Grippe.
1918 erkrankten zwar viele Menschen an der spanischen Grippe, aber es starben nur wenige. Im Sommer gingen die Infektionszahlen zurück, aber im Herbst rollte eine zweite, weitaus verhängnisvollere Welle heran. Vor allem wo Menschen geballt zusammenkamen, zum Beispiel in Kriegsgefangenenlagern, steckten die Menschen sich scharenweise an. Die Tröpfcheninfektion begann mit Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber. Sie endete für Millionen mit einer bakteriellen Lungenentzündung und dem Tod durch Lungenversagen. Dies ging unheimlich schnell. Morgens krank, abends tot, hiess es damals. Es waren überwiegend Babys, Kleinkinder und ältere Menschen zwischen siebzig und achtzig Jahren betroffen, aber erstaunlicherweise ebenfalls robuste Menschen zwischen zwanzig und vierzig Jahren. Wegen der Unterversorgung mit Sauerstoff, färbte sich die Haut der schwer Erkrankten schwarz. Darum dachten die Menschen, der schwarze Tod wäre zurückgekehrt, ein anderes Wort für die Pest. Wer die Krankheit überlebte, war wochenlang danach erschöpft und depressiv. Zumindest hatten diese Menschen eine gewisse Immunität erlangt. Wer sich erneut infizierte, erkrankte nicht mehr lebensbedrohlich. Die dritte Welle der Pandemie zum Jahreswechsel 1918/1919 verlief harmloser. Das Virus hatte sich in eine weniger aggressive Form verändert. Warum dennoch in Deutschland mehr Todesfälle auffielen, als in anderen Ländern, ist bis heute nicht geklärt. Insgesamt erkrankten an der spanischen Grippe 500’000 Menschen, davon starben sage und schreibe 50 Millionen Betroffene.
Das H1N+1 Virus verbreitete sich weltweit
Dies geschah durch Soldaten-Rücktransporte und die Handelsschifffahrt innerhalb weniger Monate. Dabei starben mehr Menschen, als in beiden Weltkriegen zusammen. In einigen Ländern wurden die Toten gar nicht mehr gezählt, weil es so viele waren. Die Menschen waren durch den Krieg, durch Mangelernährung und Krankheiten wie Tuberkulose geschwächt. Das Influenzavirus war noch nicht entdeckt, es gab noch kein Antibiotika und erst recht keine Beatmungsgeräte. Einige Länder setzten auf Alkohol als Vorbeugung gegen das Virus. In England war dies zum Beispiel Whisky. In Italien bekamen die Reichen Champagner zu trinken und die Armen Landwein. Die Ärzte verabreichten Morphium, Kokain und kreislauffördernde Tropfen. Das fiebersenkende Aspirin, das in Bayern hergestellt wurde, betrachtete das Ausland misstrauisch. Es wurde befürchtet, dass die Deutschen dem Medikament den tödlichen Keim beigemengt hätten.
New York City verordnete als erste Stadt umfangreiche Quarantänemassnahmen
Auch damals gab es schon eine Art Lockdown und eine Maskenpflicht. Schulen und öffentliche Gebäude wurden geschlossen. Ohne triftigen Grund durfte niemand die U-Bahn benutzen. Infizierte Menschen wurden in ihren Häusern isoliert und die betroffenen Gebäude sogar markiert. Niemand sollte den Erkrankten zu nahe kommen. Es wurde Pflicht, Gaze-Mundschutzmasken zu tragen und die Empfehlung herausgegeben, sich häufig die Hände zu waschen. Solche konsequenten Massnahmen konnten die weitere Ausbreitung der Pandemie tatsächlich verhindern. Andere Länder zogen nach. Wer zu spät handelte oder das Versammlungsverbot zu früh aufhob, hatte entsprechend mehr Todesfälle.
Bis 1920 dauerte die spanische Grippe an.
Gänzlich verschwunden ist das Virus nie. Bestimmte Varianten tauchten immer wieder auf. Zum Beispiel die asiatische Grippe, die Schweinegrippe und das SARS-Virus, zu dem auch Covid19 zählt. Doch die spanische Grippe war bisher die grösste Pandemie aller Zeiten. Es bleibt zu hoffen, dass die Auswirkungen der Corona Pandemie nicht ganz so verheerend sein werden, wie die der spanischen Grippe.
Die Masern sind eine hochansteckende Virusinfektion, die durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die Verbreitung der Tröpfchen erfolgt in Form von Husten, Niesen oder Sprechen. Durch die Schleimhäute von Mund, Nase oder auch der Bindehaut im Auge werden die Viren aufgenommen. Die Krankheit tritt überwiegend bei Kindern auf.
Bisher wurde angenommen, dass das Masernvirus erstmalig im 10. Jahrhundert aufgetreten ist. In einem Text schilderte der persische Arzt Abū Bakr Muḥammad ibn Zakariyyā ar-Rāzī die Masern. Nach neuesten Forschungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) wird vermutet, dass das Masernvirus bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. aus dem Virus der Rinderpest hervorgegangen ist. Die rasante Ausbreitung des Virus hängt mit der Entstehung von Grosssiedlungen mit mehr als 250.000 Einwohnern zusammen. Durch die Zunahme der Bevölkerungsdichte kann das Virus schnell übertragen werden. In Europa gab es die ersten Berichte über Maserninfektionen im Mittelalter. Die Masernepidemien forderten zahlreiche Todesopfer. Mit der Eroberung Amerikas führte das Virus auch dort zu einer grossen Anzahl an Todesfällen.
Krankheitsverlauf
Der Krankheitsverlauf der Masern beginnt 8-10 Tage nach der Infektion mit grippeähnlichen Symptomen wie laufende Nase, Husten, entzündeter Nasen- und Rachenraum sowie Fieber. Nach zwei bis drei Tagen bilden sich an den Wangeninnenseiten weisse Beläge, die Koplik-Flecken, die von einem roten Hof umgeben sind. Nach diesem Vorstadium sinkt das Fieber etwas und die Infektion geht in die zweite Phase, dem Hauptstadium, über. In dieser Phase steigt das Fieber sehr hoch und es kommt zum typischen roten Hautausschlag (Masern-Exanthem). Die roten Flecken bilden sich zunächst hinter den Ohren und breiten sich anschliessend über dem gesamten Körper aus. Des Weiteren können die Lymphknoten, insbesondere im Halsbereich, anschwellen. Der Ausschlag verfärbt sich nach einigen Tagen dunkelrot und verblasst dann nach und nach. Ebenso sinkt auch das Fieber wieder. Häufig fängt die Haut daraufhin an sich zu schuppen. Der Patient ist nicht mehr ansteckend, sobald der Ausschlag abgeklungen ist.
In den meisten Fällen treten nach einer überstandenen Maserninfektion keine weiteren gesundheitlichen Probleme auf. Jedoch können Masern auch Komplikationen auslösen wie Mittelohrentzündungen, Lungenentzündung oder Durchfall, da das Immunsystem noch bis zu sechs Wochen nach der Infektion geschwächt ist. Besonders gefährlich ist die Komplikation einer Hirnhautentzündung, die vor allem bei Kindern unter fünf Jahren häufig auftritt. Im Jahr 2019 starben weltweit über 200.000 Menschen an Masern.
Impfstoff
Es gibt kein Medikament, mit welchem die Masernerkrankung ursächlich behandelt werden kann. Im Jahr 1958 wurde erstmals ein Impfstoff gegen Masern entwickelt. Die Impfung wird heute mit Impfstoffen gegen Mumps, Röteln sowie Windpocken kombiniert. Zwischen dem 11-14 Monat nach der Geburt wird die erste Impfung durchgeführt. Die zweite Impfung erfolgt zwischen dem 15-23 Lebensmonat. Durch die Einführung der Impfung konnte die Zahl der Erkrankung von 1980 bis 2013 um über 95 % gesenkt werde.
Seit 1984 ist die Ausrottung des Masernvirus das Ziel der WHO, welches jedoch noch nicht erreicht wurde. Insbesondere in Entwicklungsländern kommt es immer wieder zu lokalen Masernepidemien.
Seit 2001 sind Masern in unserem Nachbarland Deutschland meldepflichtig. Ferner wurde 2020 festgelegt, dass alle Kinder und Beschäftigte in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas oder Schulen gegen Masern geimpft sein müssen.
Wir begrüssen Sie herzlich auf der Homepage “Lebendige Geschichte”. Wir erklären Ihnen, weshalb die Geschichte von gestern auf in der heutigen Zeit so aktuell ist und gehen darauf ein, wo sich geschichtliche Fehler in der heutigen Zeit wiederholen oder in welchen Situationen auf vergangenen Fehlern gelernt werden konnte. Wir freuen uns auf viele spannende Beiträge, welche wir gerne mit euch allen diskutieren werden.