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Ein Versuch über die Wahrheit
von Tankred Dorst – Mitarbeit Ursula Ehler
Schweizer Erstaufführung
Regie: Jordi Vilardaga
Fernando Krapp: Antonio da Silva
Julia: Rachel Matter
Der Graf: Claudio Schenardi
Irrenärzte: Antonio da Silva und Claudio Schenardi
Licht und Fotos: Li Sanli
Dramaturgie: Marie-Louise Michel
Maske: Doris Lohmann
Premiere: Mittwoch, 30. März 2011, Winterthur
Derniere: Sonntag, 11. Juni 2017, Winterthur
Aufführungsrechte Suhrkamp Verlag
Fernando Krapp kann man als Geschichte einer Gehirnwäsche lesen. Oder als Frage: bestimmt der, der die Macht hat, auch das, was die Wahrheit ist?
Der entscheidende Punkt für mich bei dieser Geschichte war, dass die Frau zu ihrem Mann sagt: «Ich betrüge dich!» Und er antwortet: «Das ist unmöglich, mich kann man gar nicht betrügen.» Die Reaktion ist also nicht Eifersucht und Zorn, sondern masslose Selbstüber-schätzung. Und die wird exzessiv weitergeführt. Der Mann ignoriert die Realität und dreht sie so um, dass die Frau schliesslich im Irrenhaus landet. Es ist ein Stück über Manipulation, und ich dachte mir, dass es wie ein Modell gebaut sein müsse, möglichst einfach und exempelhaft.
Tankred Dorst in einem Interview 1992
Die Liebe ist das Tragischste im Leben und in der Welt; die Liebe ist ein Kind der Täuschung und die Mutter der Enttäuschung; die Liebe ist Trost in der Verzweiflung, sie ist das einzige Mittel gegen den Tod, da sie mit ihm verschwistert ist.
Miguel de Unamuno
Über das Portal meines Theaters würde ich schreiben: Wir sind nicht die Ärzte, wir
sind der Schmerz.
Tankred Dorst in der Dankrede bei der Verleihung des Max-Frisch-Preises 1998
Tankred Dorst
Tankred Dorst, geboren 19. Dezember 1925 in Oberlind, Sonneberg in Thüringen, lebte ab seiner Studentenzeit in München-Schwabing, wo er zu schreiben begann.
Die ersten grossen Theaterstücke kamen 1960 in Lübeck und Mannheim mit Erfolg auf die Bühne. Diesen Erfolg setzte er in einer Vielzahl von Bühnenwerken und einigen Verfilmungen vor internationalem Publikum fort. Er arbeitete mit wichtigen Regisseuren zusammen, vor allem immer wieder mit Peter Zadek, der 1972 mit Dorsts Fallada-Bearbeitung «Kleiner Mann was nun» seine Bochumer Intendanz begann. Dieter Dorn inszenierte unter anderen 1982 «Merlin» in den Münchner Kammerspielen und 1987 entstand in Zusammenarbeit mit Robert Wilson am Thalia Theater «Parzival». Während der Arbeit am Fernsehfilm «Sand» lernte er Ursula Ehler kennen, die ihn seit Anfang der 1970er Jahre durch sein Leben und Werk als Lebensgefährtin und Co-Autorin begleitete. Seit Mitte der 70er Jahre hat er fast alle Veröffentlichungen mit seiner Frau gemeinsam herausgegeben, auch «Karlos», der 1990 uraufgeführt wurde. Der deutsche Dramatiker, der auch im Ausland zunehmend Beachtung fand, ist einer der am häufigsten gespielten Gegenwartsautoren auf deutschen Bühnen.
Tankred Dorst ist am 1. Juni 2017 in Berlin gestorben.
Die Uraufführung von «Fernando Krapp hat mir diesen Brief geschrieben» fand 1992 am Wiener Burgtheater, im Akademietheater statt.