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Römische Armee der Kaiserzeit
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Die römische Armee im Frieden
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Nachzug von Frauen und Kindern
Die gewöhnlichen Soldaten
Für einfache Legionäre und Hilfstruppenangehörige sah
die Situation etwas anders aus als für die Senatoren und Ritter.
Sie konnten offensichtlich bis in die severische Zeit während
ihres Dienstes keine rechtsgültigen Eheschliessungen eingehen.
Der neuere Forschungskonsens spricht von einem generellen Ehe- und
Heiratsverbot, das auf eine augusteische Disziplinarvorschrift zurückzuführen
sei. Dieses Verbot ist nirgends explizit belegt. Die Quellenlage macht
allein deutlich, dass die während des Dienstes eingegangenen
Beziehungen nicht als iustum matrimonium (als rechtsgültige
Ehe im römischen Recht) galten und dass die während des
Dienstes gezeugten Kinder illegitim waren, was Auswirkungen auf das
Erbrecht hatte. Die einschlägigen Quellen sind von J. H. Jung
gesammelt worden.
Erst mit der Entlassung erlangten die Soldaten dieses Recht, wie die
Militärdiplome zur Genüge zeigen (vgl. die Formulierung
«das Recht auf Eheschliessung mit den Frauen, welche sie
zum Zeitpunkt hatten, als ihnen das Bürgerrecht verliehen wurde
oder, wenn sie ledig sind, mit denjenigen, die sie später heiraten,
sofern es sich jeweils um eine einzige Frau handelt»). Dies
bedeutet allerdings nicht, dass sie zwanzig Jahre im Zölibat
verbrachten oder dass sie allein auf die Dienste von Prostituierten
angewiesen gewesen wären.
Viele Soldaten gingen feste Bindungen ein mit Frauen, die sie häufig
in der Umgebung ihres damaligen oder eines früheren Lagers kennengelernt
hatten. Die Militärdiplome zeigen aber auch, worauf Michael A.
Speidel aufmerksam macht, dass die römische Armeeführung
bei der Erteilung von Militärdiplomen ganz selbstverständlich
davon ausging, dass die Soldaten mit Frauen und Kindern zusammenlebten
(vgl. die Formulierung in den Militärdiplomen «sowie
das Recht auf Eheschliessung mit den Frauen, welche sie zum Zeitpunkt
hatten, als ihnen das Bürgerrecht verliehen wurde»,
d.h. am Ende der Dienstzeit) und der Autor meint zu Recht, dass dies
seit der Zeit des Claudius, d.h. seit der Mitte des 1. Jh. n.Chr.
die Regel war. Auch hier sind es also Zeugnisse, die man seit langer
Zeit kennt und welche man heute neu interpretiert.
Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass diese Frauen und die gemeinsamen
Kinder in den Händler-Siedlungen untergebracht waren, die direkt
vor den Lagern entstanden (sogenannte canabae legionis bzw.
Kastellvici bei den Auxilien). Es ist allerdings nicht auszuschliessen,
dass sie zum Teil im Lager selbst untergebracht waren. Es gibt hierzu
keine direkten literarischen Zeugnisse. Funde von Haarnadeln, Spangen
zum Schliessen von Frauenkleidern (Fibeln) und Sandalen in Frauen-
und Kindergrössen in verschiedenen Lagern und Auxiliarkastellen
weisen allerdings deutlich auf eine zumindest zeitweise Präsenz
von Frauen und Kindern hin (vgl. Bilder 1 bis 3).
Im Fall von Versetzungen oder Abkommandierungen folgten die Frauen
und Kinder meist an den neuen Standort. Seit dem späten 1. Jh.
n. Chr. setzte sich zudem die dauerhafte Stationierung an einem Ort
durch. Dies begünstigte die Lebensgemeinschaften der einfachen
Soldaten mit ortsansässigen Frauen. Ihre Söhne, die man
ex castris (aus den Lagern) nannte, traten in vielen Fällen
ebenfalls in die Armee ein.