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Im letzten Artikel Sichere Online-Recherche im schulischen Umfeld haben wir aufgezeigt, wie man im Internet sicher suchen kann. In diesem Artikel gehen wir einen Schritt weiter:
- Wir zeigen auf, wie Suchmaschen arbeiten,
- geben Tipps für die effiziente Suche mit Google & Co. und suchen nach
- Ideen für den Unterricht.
Wie funktioniert eine Suchmaschine?
Volltext-Suchmaschinen (Google, Ecosia, Yahoo, Bing und andere) bestehen aus mehreren Aufgabenbereichen oder Programmen. Sie erstellen und pflegen einen Index. Sie verarbeiten die Suchanfragen, indem sie im oben erwähnten Index nach Inhalten suchen. Und sie bereiten die Ergebnisse auf, indem sie die Informationen nach verschiedenen Kriterien sortieren (Ranking) und diese anschliessend mehr oder weniger übersichtlich auf einer Internetseite darstellen.
Einen Index erstellen
Suchmaschinen verwenden Bots, die auch als Crawler oder Spider bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um Computerprozesse, die Webseiten durchkämmen und nach Informationen durchsuchen. Die Bots sind in der Lage, die auf den Seiten gefundenen Links zu erkennen und ihnen zu folgen. So springen sie von Seite zu Seite. Sobald ein Bot eine Seite durchsucht hat, speichert er sie in riesigen Rechenzentren. Letztere erfassen damit Milliarden und Abermilliarden von Webseiten.
In einem nächsten Schritt werden die Informationen extrahiert und indiziert, d.h. für jede Website wird ein Index (Stichwortregister) erstellt. Dieser listet nicht nur die Informationen, sondern auch die Orte, an denen sie sich befinden auf. Er kann beispielsweise anzeigen, dass das Wort "Hallo" auf den Seiten 12, 34, 35 und 57 verwendet wird. Natürlich werden kleine Wörter wie "der", "die", "das", "wir", "und" nicht indiziert, dies würde die Ergebnisse verfälschen.
Nicht alle Seiten werden indexiert: Illegale oder gefährliche Websites werden, falls sie entdeckt werden, auf eine schwarze Liste gesetzt und als Websites gespeichert, die nicht angezeigt werden dürfen.
Suchanfragen verarbeiten
Nach einer Suchanfrage werden innert kürzester Zeit Ergebnisse angezeigt. Wieso erscheinen die Resultate so schnell? Es ist nicht so, dass die Webcrawler erst auf die Suche geschickt werden, sobald ein Suchbegriff abgeschickt wird. Gesucht wird im Index, der schon erstellt ist. Als Vergleich: Statt das ganze Buch zu lesen wird nur im Index und im Inhaltsverzeichnis nach den Begriffen gesucht.
Es werden auch keine Supercomputer für die Suchanfragen benutzt. Stattdessen wird ein Netzwerk von vielen Computern mit normaler Kapazität verwendet, was wesentlich effizienter ist. Zur Veranschaulichung: Eine Gruppe von 20 Personen, die jeweils den Index eines Buches durchsuchen, ist wesentlich effizienter, als eine einzelne Person (so brillant sie auch sein mag), die den Index jedes dieser 20 Bücher alleine durchgehen muss.
Schliesslich haben Suchmaschinen einen Trick, um noch schnellere Ergebnisse zu erzielen. Sie speichern sich beliebte Suchanfragen (z. B. "Facebook", "YouTube", "Video", "TV", "Games"...) und bereiten Ergebnisse vor. So können gewisse Fragen beantwortet werden, ohne den Index durchsuchen zu müssen.
Die Ergebnisse aufbereiten und sortieren (Ranking erstellen)
Die Suchmaschinen verwenden einen Such-Algorithmus, welcher aus über 200 Faktoren bestimmt, welche Seiten auf welchem Rang gelistet werden. Dieser Algorithmus verändert sich ständig und wird täglich angepasst.
Es gibt zwei Hauptkriterien, die das Ranking der Ergebnisse wesentlich beeinflussen: die Relevanz entsprechend der Suchbegriffe und die Popularität der Seite.
Die Relevanz der Seite bewerten: Steht der gesuchte Begriff im Titel oder in der URL? Ist er im Inhalt vorhanden? Gibt es Synonyme für den Suchbegriff im Inhalt? Wie oft erscheint der gesuchte Begriff im Artikel?
Die Popularität der Seite bewerten: Enthält die Seite viele Links? Wird sie auf vielen anderen Seiten verlinkt? Wie häufig werden die verlinkten Seiten aufgerufen? Haben die verlinkten Seiten das gleiche Thema? Sind die Seiten, die auf diese Seite weisen, in der gleichen Sprache? Sind es vertrauenswürdige Websites? Wie lange bleiben die Besucher auf der Webseite?
Neben allgemeinen Faktoren werden aber auch personenbezogene Kriterien angewandt. So berücksichtigt beispielsweise die Google-Suchmaschine auch den Standort des Nutzers und den Verlauf früherer Suchanfragen.
Suchmaschinen finanzieren sich durch Werbung und Zugriffe auf Webseiten. Auch das beeinflusst das Ranking massgeblich.
Tipps für die effiziente Suche
Mithilfe von Codes kann man die Suche in Suchmaschinen verfeinern und präzisieren. So kann viel Zeit gespart werden. Bei Google können beispielsweise folgende Codes eingesetzt werden.
- Wenn Sie nach zwei Schlüsselwörtern suchen, können Sie mit OR oder "|" (alt+7) angeben, dass alle Seiten gelistet werden, in denen beide Begriffe vorkommen, aber auch die, die nur eines enthalten.
Beispiel: "Katze | Hund" findet alle Seiten, mit Katzen und Hunden und alle Seiten, die sich entweder auf Katzen oder auf Hunde beziehen.
Mit AND hingegen werden nur Seiten mit beiden Begriffen gelistet.
- Manchmal fehlt Ihnen der exakte Suchbegriff, die genaue Terminologie für eine Suche? Dann kann die Tilde "~" benutzt werden, um die Suche auf ähnliche Begriffe oder Synonyme auszuweiten.
Beispiel: Um nach lustigen Geschichten zu suchen, geben Sie die Suchbegriffe "~Geschichte ~lustig" ein. In den Ergebnissen finden Sie lustige Geschichten und Gedichte, Witze, spassige Vorträge oder unterhaltende Kurzgeschichten.
- Sie können Ihre Suche auch auf eine Website beschränken. Manchmal wissen Sie, dass sich eine Information oder ein Wort auf einer bestimmten Website befindet, aber Sie wissen nicht mehr wo. Suchmaschinen ermöglichen es Ihnen mit den Operatoren "site:", "inurl:" oder "intitle:", Ihre Suche auf bestimmte Ort zu konzentrieren. So können Sie nach bestimmten Wörtern suchen, die in der URL-Adresse, dem Namen einer Internetseite oder irgendwo im Inhalt vorkommen.
Beispiel: Wenn Sie Informationen über GAFAM auf der Website des ICTVS-Kompetenzzentrums finden möchten, geben Sie «GAFAM site:ictvs.ch» ein.
- Der Stern «*» dient als Platzhalter. Dies kann bei zusammengesetzten Wörtern oder offenen Suchfragen helfen.
Beispiel: Angenommen, Sie suchen den Titel eines Songs, für den Sie nur wenige Worte haben. Sie müssen nur den «*» an die Stelle von fehlenden oder unbestimmten Wörtern setzen und Sie erhalten ein Ergebnis. Wenn Sie nach "When I find myself * Mary comes to *" suchen, finden Sie "Let it be" von den Beatles.
Oder Sie suchen nach "Medien* in der Schule" und erhalten – neben den Resultaten zu Medien - auch Informationen zu Medienerziehung, Medienpädagogik, Medieneinsatz oder Medienkompetenz in der Schule.
- Mit "film:" und "music:" können Sie gezielt in bestimmten Bereichen wie Film oder Musik suchen.
Beispiel: Wir könnten nach Filmen zum Thema «Weltall» suchen. Für diese Suche geben wir "film:space" ein.
- Nach speziellen Formaten können Sie mit "filetype:" suchen: eine PowerPoint, ein PDF- oder ein Word-Dokument? Mit der richtigen Dateiendung (.doc,.xls,.xls,.xlsx,.pdf,.ppt, odt, …) ist alles möglich.
Beispiel: Sie suchen nach einer pdf-Vorlage für Origami Boote? Ihre Suchanfrage lautet: origami boat filetype: pdf.
- Mithilfe der Anführungszeichen "" kann nach Wortgruppen und Sätzen gesucht werden.
Beispiel: Die Suche nach "Wer reitet so spät" liefert Seiten zum Erlkönig.
Google ist weit mehr als eine Suchmaschine. Folgende Aufgaben können einfach über Google erledigt werden:
- Rechner: Schreiben Sie eine (auch komplexe) Rechenaufgabe in die Suchleiste, gefolgt von einem "=". Google löst diese.
- Umrechnung: Google konvertiert Masseinheiten, Farbcodes oder Währungen: z.B. 100 chf in US-Dollar.
- Definition: Um nach einer Definition zu suchen, setzen Sie den Operator "define:" vor den Begriff.
- Google Trends listet nicht nur aktuelle Suchtrends auf. Aufgelistet wird auch wie oft und von wo aus nach bestimmten Begriffen gesucht wurde und zeigt verwandte Themen und ähnliche Suchanfragen auf.
Unterrichtsideen
Die Internetrecherche gehört im Lehrplan 21 zu den Anwendungskompetenzen. Bereits im Zyklus 1 werden erste Kompetenzen vermittelt. Darum ist es wichtig, dass sämtliche pädagogischen Aktivitäten in einem sicheren Rahmen durchgeführt werden.
Unser Artikel Sichere Online-Recherche im schulischen Umfeld gibt Tipps für die sichere Suche im Internet.
Nachfolgend finden Sie Unterrichtsideen, wie man mit Kindern das Suchen üben kann. Es lohnt sich, diese Tipps vorher zu testen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
Ideen für den Zyklus 1
- Suchmaschinen wie FragFinn oder BlindeKuh nutzen
- Bildersuche zu einem Thema
- Einfache Fragen wie
- Wo wohnt der Weihnachtsmann?
- Wie hoch ist das höchste Gebäude der Welt?
- Wie wird das Wetter an unserem Ausflugstag?
- Wo liegt …
Ideen für den Zyklus 2
- Schlüsselwörter zu einer Frage, einem Thema suchen und testen
- Suchergebnisse gemeinsam überfliegen und anhand von Kriterien beurteilen
- Zum Aufwärmen: Spruch des Tages, Bild des Tages, Sprichwort des Tages (auch als Bild) suchen lassen, ausdrucken, anhängen.
- Steckbriefe: Zu Lieblingstieren oder anderem nach einer kurzen Suche einen Steckbrief erstellen
- Bilddiktat: Anhand einer Bildbeschreibung ein Bild im Internet suchen
- Beantwortung einfacher Fragen:
- Wer gewann 2013 den …
- Wann wurde … Weltmeister
- Wo wurde das …
- Suchen mit Wikipedia oder Klexikon
- Internetrally: Zu einem Thema werden 5 – 10 Fragen gestellt, die innert einer gewissen Zeit gelöst werden müssen.
- Internet Schnitzeljagd: Fragen führen von einer Seite zur nächsten. Auf jeder Seite ist ein Teil der Lösung und der Link zur nächsten Seite versteckt.
- Webquests erstellen (www.webquests.ch): Zu einem Thema müssen Schülerinnen und Schüler Aufgaben lösen. Dazu werden Internetlinks und Seiten zur Verfügung gestellt, auf denen Antworten zu finden sind.
Ideen für den Zyklus 3
- Quellen suchen und beurteilen: Zu einem Thema werden möglichst viele Websites gesucht. Diese werden nun mit Hilfe einer gemeinsam erstellten Kriterienliste beurteilt: Eignet sich die Webseite für meine Bedürfnisse? Sind die Informationen übersichtlich und strukturiert dargestellt? Sind die Informationen umfassend oder lückenhaft? Sind die Informationen vertrauenswürdig? Gibt es einen Autor, Werbung, etc.
- Google Poetry: Die Autovervollständigung von Google kann für lustige kleine Netzgedichte verwendet werden: Man tippt den Anfang eines Satzes ein – Google vervollständigt automatisch den Satz. Diese Vorschläge werden zu kleinen Gedichten kombiniert und präsentiert.
Beispiele: «Warum», «Wenn ich», «Ich wünschte», …
- Fake-News-Detektive vs. Zeitungsente: Ein Artikel wird mithilfe verschiedener Techniken auf seinen Wahrheitsgehalt untersucht.