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Die ganze Welt trauert um die tragisch verstorbene Diana, †36 - nur bei den Windsors herrscht Funkstille. Während Hundertausende Blumen, Kondolenzkarten, Briefe, Fotos, Trauersprüche und Kerzen niederlegen vor dem Buckingham und dem Kensington Palace in London, glänzen Queen Elizabeth und die Prinzen Philip und Charles durch Abwesenheit. Wie üblich verbringen sie im August ihre Sommerferien auf Schloss Balmoral in Schottland. Mit dabei sind auch Dianas und Charles’ Söhne William und Harry, die Enkel der Queen.
Währenddessen häufen sich die kritischen Stimmen im fernen London, die eine sofortige Rückkehr der Windsors in die Hauptstadt fordern. Unverständnis und Wut machen sich unter der Bevölkerung breit. Wieso meldet sich die Queen nach diesem schweren Schicksalsschlag, der die Nation in eine kollektive Trauer katapultiert, nicht zu Wort? Und wieso weht auf dem Buckingham-Palast keine Flagge auf halbmast?
«Sprechen Sie zu uns, Ma'am»
Schuld daran ist das Protokoll: Diana hat mit der Scheidung von Charles 1996 ihren Rang als Königliche Hoheit verloren - Mitglied der Königsfamilie ist sie als Mutter des künftigen Königs aber weiterhin. Zudem darf die Royal Standard, die offizielle Flagge der Königin, nur gehisst werden, wenn Elizabeth, die amtierende Monarchin und das Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs, im Palast anwesend ist.
Das uralte Protokoll schert sich nicht um die Königin der Herzen - und die Windsors anscheinend auch nicht. So interpretieren es jedenfalls die trauernden Diana-Anhänger auf der Strasse.
Auch den berüchtigten britischen Boulevardblättern gibt das Verhalten der Royals ein Rätsel auf. Sie fordern eine Reaktion und titeln auf ihren Frontseiten knallige Schlagzeilen. «The Express»: «Show Us You Care» (Zeigt uns, dass es euch kümmert). «The Sun»: «Where Is Our Queen?» «Where Is Her Flag?» (Wo ist unsere Königin? Wo ist ihre Flagge?). «The Mirror»: «Speak to us Ma’am» (Sprechen Sie zu uns, Ma’am). «Daily Mail»: «Has The House Of Windsor A Heart?» (Hat das Haus Windsor ein Herz?). Doch aus Schottland kommt weiterhin kein Lebenszeichen.
Business as usual?
In Balmoral gehen der damals 15-jährige William und sein 12-jähriger Bruder Harry mit der Familie zum Sonntagsgottesdienst - und das nur ein paar Stunden, nachdem Prinz Charles seinen Söhnen die schreckliche Todesnachricht ihrer Mama überbracht hat. Business as usual, monieren Kritiker. Die Royals hätten absolut kein Mitgefühl. Das Königshaus sei eine veraltete Institution, die in der Vergangenheit stehen geblieben sei.
Erst der damalige Premierminister Tony Blair, 64, kann die Queen telefonisch zur Rückkehr nach London überreden - mit der Bitte, dass sie sich nun endlich an ihr Volk wende. Am Freitag, 5. September, sechs Tage nach Dianas Tod, fährt die Queen, 91, schliesslich gemeinsam mit Prinz Phillip, 95, beim Buckingham-Palast vor, wo tausende Menschen sie erwarten. Doch statt wie üblich die Monarchin mit tosendem Applaus und Jubel zu begrüssen, ist es verdächtig still. Das Paar macht einen Rundgang vor dem Palast, bestaunt die unzähligen Blumensträusse, spricht mit Anwesenden, schüttelt Hände. Endlich!
«Richtige Entscheidung»
Katie Jones steht damals in der Menge und streckt als kleines Mädchen der Queen Blumen entgegen. In der Dokumentation «Diana: 7 Days That Shook The Windsors», die vergangenen Mai auf Channel 5 im britischen TV lief, erinnert sich Jones gemäss «Express» an diesen Moment. «Die Queen nahm die Blumen entgegen und fragte, ob sie sie zu den anderen niederlegen soll. Ich sagte Nein!» Die Königin soll gezittert haben, als sie Katies Hand hielt und fragte: «Bist du dir sicher?» Katie Jones’ Antwort: «Ja. Die Blumen sind für Sie. Es war die richtige Entscheidung, mit den Enkeln in Schottland zu bleiben. Sie haben richtig gehandelt. Wenn meine Mama gestorben wäre, hätte ich auch bei meiner Grossmutter sein wollen.»
Auch Elizabeths inzwischen verstorbene Cousine und enge Vertraute, Margareth Rhodes, sagte 2012 in einem Interview mit CNN, dass die Queen richtig gehandelt habe. «Was hätte sie denn mit den traurigen Buben in London tun sollen?» Sie wollte ihre Enkel beschützen und zog ihre Pflichten als Grossmutter den Pflichten einer Monarchin vor.
Am Abend des 5. September erfolgt auch die von vielen Menschen ersehnte und geforderte öffentliche Trauerbekundung. Erstmals in ihrer 45-jährigen Amtszeit wendet sich die Queen mit einer persönlichen Live-Ansprache auf BBC an ihr Volk. Sie spreche nicht nur als Königin, sondern auch als Grossmutter, betont sie in der Einleitung. Und es komme von Herzen. In ihrer dreiminütigen Rede lobt sie Diana als einen aussergewöhnlichen Menschen, der mit Wärme und Freundlichkeit andere berühren konnte. Sie habe Diana respektiert für ihre Energie und ihre Hingabe anderen gegenüber, vor allem ihren zwei Jungen. Und die Queen verrät auch, dass die ganze Familie während ihres Aufenthalts in Balmoral William und Harry beigestanden sei. Dieser tragische Verlust habe alle sehr getroffen.
Die Nation nimmt die Worte der Queen dankbar entgegen. Doch für viele wird die Ansprache als zu mager und vor allem als zu spät verstanden. Wenigstens erklärte die Königin ansatzweise, wieso sie und ihre Familie auf Balmoral geblieben waren.
Schliesslich wird dann doch noch für Diana eine Fahne auf dem Buckingham-Palast gehisst. Der Union Jack, die Nationalflagge des Vereinigten Königreichs, weht auf halbmast. Der Tod der Königin der Herzen hat das Protokoll des Königshauses ausser Kraft gesetzt.
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