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von Kilian Oberholzer
Im Jahr 2017 waren es 100 Jahre seit dem Tod des Kirchenmalers Franz Vettiger *1846. Aus diesem Anlass wird im Museum Uznach eine kleine Gedenkausstellung gezeigt.
Franz Vettiger wurde am 15. Januar 1846 in Uznach geboren. Sein Vater betrieb an der Obergasse eine Steinhauerwerkstatt. Entscheidend war die künstlerische Ausbildung bei Paul Melchior von Deschwanden in Stans, dem bedeutendsten katholischen Kirchenmaler der Schweiz im 19. Jahrhundert. Es folgten Studienaufenthalte in München, Karlsruhe und Rom. Dazwischen arbeitete er wiederholt bei Deschwanden, der ihn als Mentor und später auch als Freund förderte.
Bereits 1871, also mit 25 Jahren, entschloss sich Franz Vettiger, in Uznach in der Letzi ein Wohnhaus mit Atelier zu bauen. 1877 heiratete er Berta Marty von Lachen. Fünf Töchter und ein Sohn gingen aus dieser Ehe hervor.
Franz Vettiger wird als Mensch von tiefer Religiosität und erfüllt von der Begeisterung für die katholische Kirche geschildert. Seine eingehende Beschäftigung mit der Theologie erlaubte es ihm, die Programme für seine Werke selber zu erarbeiten.
Franz Vettiger war zeitlebens ein vielbeschäftigter Maler, führte aber keine Werkstatt mit Mitarbeitern oder Schülern, sondern arbeitete allein. Als Kirchenmaler war er in der ganzen katholischen Deutschschweiz bekannt. Auch aus dem Ausland wurden ihm Aufträge angeboten, so aus Innsbruck und sogar aus Triest. Doch, soweit bekannt, war er nie im Ausland tätig. Franz Vettiger verstarb am 6. Juni 1917.
Die Person des Kunstmalers Franz Vettiger und sein Werk können nicht verstanden werden ohne den Bezug auf das damalige kirchliche Umfeld.
Der Bundesstaat von 1848 bedeutete die Niederlage der katholischen Kantone, was als Niederlage des katholischen Volksteils empfunden wurde. In der Politik machte sich offen eine Feindschaft gegenüber der katholischen Kirche und dem katholischen Bevölkerungsteil breit, verstärkt durch den Kulturkampf in den 70er Jahren. In der Folge schloss sich das Kirchenvolk enger um die Bischöfe zusammen und betonte die Verbundenheit mit dem Papst. Das Kirchenvolk zog sich in gewissem Sinne in ein Getto zurück oder wurde von der Umgebung in ein Getto gedrängt und schloss sich damit von der Gesellschaft ab. Von 1850 bis zum Ersten Weltkrieg, der Zeit der Malertätigkeit Vettigers, herrschte in den Diasporagebieten und in den Stammlanden ein eigentliches Kirchenbaufieber. Die Neugotik galt als Gegensatz zum „verweltlichten“ Barock oder zum rationalistischen Klassizismus als der „richtige“ katholische Kirchenstil.
Der Kirchenmaler im Getto
Franz Vettiger sah sich im Dienst der kirchlichen Glaubensverkündigung, aber auch als Künstler. Auf Grund der damaligen kirchenpolitischen Situation und der gesellschaftlichen Gegebenheiten kann man ihn als Maler des katholischen Gettos bezeichnen.
Von seinem Mentor und führenden katholischen Kirchenmaler des 19. Jahrhunderts, Melchior Paul von Deschwanden (1811-1891) ist der Ausspruch „Ich male für fromme Gemüter und nicht für Kritiker“ überliefert. Vettiger mochte ähnlich gedacht haben.
Im Gefolge der Nazarener
Vettiger achtete bewusst auf eine gründliche akademische Ausbildung und besuchte verschiedene Kunstakademien. In Rom begeisterten ihn die Arbeiten der sogenannten Nazarener-Schule. Die Nazarener, zumeist aus Deutschland stammende junge Maler, wollten an die italienische Renaissance anknüpfen und pflegten eine betont katholische Kunst als Dienst an der Kirche.
In der Kunstgeschichte nehmen Vettiger und Deschwanden - wie wohl alle katholischen Kirchenmaler des 19. Jahrhunderts - keinen hohen Rang ein. Kirchenkunst – zum mindesten die katholische ‒ fand damals wenig Beachtung. Das Fehlen protestantischer Kirchenkunst förderte noch die Tendenz, dass die katholische Kirchenmalerei ausserhalb kaum wahrgenommen wurde. Als ab dem Zweiten Weltkrieg die Katholiken aus dem Getto heraustraten, war die Zeit der Getto-Kirchenmaler vorüber, ihre Werke wurden nicht mehr beachtet. Viele Kirchenbilder Vettigers wurden beseitigt; der Maler wurde vergessen.
Das eindrückliche Gemälde „Jüngstes Gericht“ an der Chorwand der Pfarrkirche St. Johann in Rapperswil, entstanden im Jahr 1904, wurde bei der letzten Renovation der Kirche in den Jahren 1971-1973 überdeckt.
Siehe auch unter Dauerausstellungen, Spezielle Ausstellungsgegenstände: "Franz Vettiger: Selbstportrait mit seiner Gattin"