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Die Jahre 1844-56
(Kurzüberblick)
| 1844
||-Rücktritt von
der Redaktion der Zeitschrift

-Zusammenbruch im August
-Umzug nach Dresden im Oktober
| 1845
||-Fugen- und
Kontrapunktstudien

-Operngespräch mit Wagner; "Tannhäuser"-Uraufführung (Widmung an
Schumann)
-3. Kind Julie geboren
| 1846
||-Sinfonie C-Dur
op. 61

-4. Kind Emil geboren
-Kuraufenthalt auf Norderney
-Konzertreise nach Wien
| 1847
||-Tod des Kindes
Emil

-Schumann-Fest in Zwickau (Geburtsort)
-Besuch von Hebbel
-Leitung der "Liedertafel" und Gründung eines Chorvereins
-Tod Mendelssohns und Fanny Hensels
| 1848
||-Revolutionsjahr; "grosse Zeiten" steht im Tagebuch

-Oper "Genoveva"
-Album für die Jugend op.68
-5. Kind Ludwig geboren
| 1849
||-3. Abteilung
von "Szenen aus Goethes Faust" beendet, ohne Opuszahl, zur
Hundertjahrfeier von Goethe in Dresden, Leipzig und Weimar (unter
der Leitung von Liszt) aufgeführt

-"Manfred" op.115
-Kammermusikwerke
-Konzertkompositionen
-zahlreiche Chorwerke und Lieder
-Tod des Bruders Carl
-6. Kind Ferdinand geboren
-2.Abteilung von "Szenen aus Goethes Faust"
| 1850
||-Cellokonzert
op.129

-"Rheinische Sinfonie"
-Konzerttourneen von Clara
-"Genoveva" (Uraufführung)
-Umzug nach Düsseldorf; Schumann wird Städtischer
Musikdirektor
| 1851
||-Reise nach
Süddeutschland und in die Schweiz

-7. Kind Eugenie geboren
| 1852
||-Messe
op.147

-Requiem op.148
-Schwere Erkrankung
-Kuraufenthalt in Scheveningen
-Konflikte mit dem Konzertkomitee
| 1853
||-Ouverture zu
"Szenen aus Goethes Faust"

-Violinkonzert ohne Opuszahl
-"Gesänge der Frühe" op.133
-Freundschaft mit dem Geiger Joachim und mit Johannes
Brahms
-Konzertreise nach Holland
| 1854
||-"Gesammelte
Schriften über Musik und Musiker" veröffentlicht

-Arbeit am "Dichtergarten"
-Konzertreise nach Hannover
-Treffen mit Joachim und Brahms
-schwere Halluzinationen
-"Geistervariationen"
-Selbstmordversuch im Rhein
-Aufnahme in die psychiatrische Anstalt in Enderich, Isolierung
-8. Kind Felix (nach Mendelssohn) geboren
-Konzertreisen Claras
| 1853
||-Ouverture zu
"Szenen aus Goethes Faust"

-Violinkonzert ohne Opuszahl
-"Gesänge der Frühe" op.133
-Freundschaft mit dem Geiger Joachim und mit Johannes
Brahms
-Konzertreise nach Holland
| 1854
||-"Gesammelte
Schriften über Musik und Musiker" veröffentlicht

-Arbeit am "Dichtergarten"
-Konzertreise nach Hannover
-Treffen mit Joachim und Brahms
-schwere Halluzinationen
-"Geistervariationen"
-Selbstmordversuch im Rhein
-Aufnahme in die psychiatrische Anstalt in Enderich, Isolierung
-8. Kind Felix (nach Mendelssohn) geboren
-Konzertreisen Claras
| 1856
||-Robert Schumann
stirbt am 29.Juli

Literatur:
- Peter Gutermeister: Robert Schumann -
Sein Leben (Verlag ExLibris, Zürich)
- Dietrich Fischer Dieskau: Robert Schumann
- Wort und Musik (Deutsche Verlags-Anstalt)
- Udo Rauchfleisch: Robert Schumann - Leben
und Werk, Eine Psychobiographie (Verlag Kohlhammer)

Die Jahre 1840-44 in
Leipzig
"Mein herzallerliebstes
junges Weib! ... Das Büchlein, das ich heute eröffne, hat eine gar
innige Bedeutung; es soll ein Tagebuch werden über alles,
was uns gemeinsam berührt in unserem Haus- und Ehestand.... Ein
guter, wahrer Freund soll es sein, dem wir alles anvertrauen ...
Eine Zierde unseres Tagebüchelchens soll die Kritik unsrer
künstlerischen Leistungen werden; z.B. kommt genau hinein, was Du
vorzüglich studiert, was Du komponiert, was Du Neues kennengelernt
hast, und was Du davon denkst; dasselbe findet bei mir
statt."
Es wurde vereinbart, dass sie sich wöchentlich abwechselten mit den
Eintragungen. Wenn Robert seine Pflicht vernachlässigte, so führte
Clara das Tagebuch weiter.
Künstlerisch war Robert Schumann in den Jahren 40-44 sehr
produktiv. Clara hingegen musste ihre Ansprüche zurücknehmen. In
der Wohnung an der Inselstr. 5 in Leipzig standen zwar zwei Flügel;
wenn aber Robert am komponieren war, so durfte Clara nicht üben.
Infolge dessen stellten sich bei der Pianistin schnell
"Rückschritte" ein. Konzertangebote musste Clara ablehnen; "Robert
wünscht es nicht", schrieb sie ins Tagebuch.
Robert, der die Unzufriedenheit seiner Frau bemerkte, begann nun,
mit Clara Bach's "Wohltemperiertes Klavier" und später Beethovens
Sonaten und Sinfonien zu studieren. Er unterwies sie im
Fugenschreiben und ermunterte sie zu komponieren. 1841
veröffentlichten sie gemeinsam ein Liederheft mit drei Vertonungen
von Clara und neun von Robert.
Nach Beethoven noch eine Sinfonie zu komponieren, das erforderte
Mut. Als Schumann zwei Jahre zuvor in Wien - er hatte dort
vergeblich versucht seine Zeitschrift erscheinen zu lassen - das
Manuskript der grossen C-Dur Sinfonie von Schubert entdeckte, war
er davon sehr beeindruckt. Da sein Selbstvertrauen seit der Heirat
neu gestärkt war, wagte er sich im Januar 41 an eine neue Sinfonie.
Bereits Ende Februar schrieb er sie fertig und nannte sie
"Frühlingssinfonie". Felix Mendelssohn, der die Uraufführung
im Gewandhaus dirigierte, sprach seine Anerkennung aus. Clara trat
bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal nach langer Pause wieder
öffentlich auf. Weitere Aufführungen dieser Sinfonie in B-Dur
folgten in Weimar, Bremen, Hamburg, Berlin, Den Haag und Rotterdam.
Der Durchbruch als Komponist war damit über die Grenzen hinaus
geschafft.
Schon im Mai schrieb Schumann eine "Phantasie in a-Moll" für
Klavier und Orchester. Zwei weitere Sätze ergänzten später das Werk
zum einzigen Klavierkonzert.
Auch noch im selben Jahr entstand eine zweite Sinfonie in d-Moll,
welche Schumann 1851 nochmals überarbeitete und als vierte Sinfonie
herausbrachte.
Geldsorgen und der dringliche Wunsch Claras, wieder
auftreten zu können, bewogen die beiden, im Februar 42 eine
Konzertreise nach Bremen und Hamburg zu unternehmen. Von dieser
Reise kam Robert alleine zurück. Redaktionsarbeiten zwangen ihn
einerseits dazu, andererseits konnte er schlecht ertragen, im
Hintergrund seiner Frau zu stehen. Clara reiste mit einer
Begleiterin weiter nach Kopenhagen. Unter ihrer Trennung schienen
beide zu leiden, doch wirtschaftlich hatte es sich gelohnt.
Das Jahr 1842 wurde vorwiegend zum Jahr der Kammermusik.
Zusammen mit Clara studierte Robert Schumann Streichquartette von
Haydn und Mozart.
Sein erstes Streichquartett widmete er Felix Mendelssohn, der
übrigens als Pate für die 41 geborene Tochter Marie ausgewählt
worden war. Das Klavierquintett op.44 war Clara gewidmet, die bei
der Erstaufführung als Pianistin mitwirkte.
Im Jahr 1843 entstand das bereits 41
geplante weltliche Oratorium, ein ganz neues Genre für den
Konzertsaal: "Das Paradies und die Peri". "Dichtung" setzte
der Komponist unter den Titel. Die Handlung spielt im Orient, und
in der Person der Peri sah Schumann das Höhere, Erstrebenswerte des
Erdenwandels. Auf die Sühne folgt die Erlösung. (Dieses Thema
werden wir später wieder antreffen). Mit Enthusiasmus stürzte sich
der Komponist in die Arbeit. Die Uraufführung am 4. Dezember 43
wurde ein Erfolg. Robert stand zum ersten Mal am Dirigentenpult.
Auch von Richard Wagner und Franz Liszt kam Lob, und Mendelssohn
gefiel das Werk ebenfalls. Der Schwiegervater Wieck reagierte mit
einem Versöhnungsbrief.
Seit Anfang April 43 unterrichtete Robert
Schumann am neuen Leipziger Konservatorium, wo auch Mendelssohn,
der sich um die Gründung bemüht hatte, lehrte.
Von einer Konzertreise nach
Russland hatte man schon lange gesprochen, aber Robert
konnte sich erst dazu entschliessen, nachdem Mendelssohn, von Clara
veranlasst, ihn hatte überreden können. Die Kinder Marie und Elise
(im April 43 geboren) wurden zu Roberts Bruder gebracht.
Finanziell wurde die Reise nach Petersburg
und Moskau ein grosser Erfolg. Clara konzertierte auch in anderen
Städten unterwegs. Sie wurde überall mit Jubel empfangen.
Auf den Programmen standen Werke von Beethoven, Mendelssohn,
Chopin, Liszt, Bach und Scarlatti, aber auch eigene. Doch von
Robert wagte sie kaum etwas öffentlich zu spielen. Immerhin führte
man im privaten Kreis seine Kammermusik auf, und einmal dirigierte
er seine Frühlingssinfonie. Er war fast dauernd krank, litt unter
einer schweren Erkältung, rheumatischen Schmerzen,
Schwindelanfällen und Angstzuständen. Die Ärzte sprachen von einem
"Nervenfieber".
Robert zog sich immer mehr zurück, wurde immer wortkarger und
flüsterte manchmal fast unverständlich. Das Reisen machte ihn
nervös. Zum Komponieren fehlte ihm die Ruhe.
Schon längst trug er Pläne mit sich herum, eine Oper zu schreiben,
an möglichem Stoff fehlte es ihm nicht. "Eine deutsche Oper"
sollte entstehen; er bete am Morgen und am Abend darum, äusserte er
einmal.
Schumann las nun den zweiten Teil des "Faust" und dachte an eine
Vertonung. "Faust's Verklärung" zog ihn an. Als nach mehr als vier
Monaten die Schumanns wieder nach Leipzig zurückkehrten, begann
Robert, noch immer geschwächt, mit der intensiven
Arbeit.
Christine Bühler