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Im 3. Abokonzert der Zuger Sinfonietta geht es um Werke, deren Komposition einerseits von persönlichen oder formalen Vorbildern aus der Musikgeschichte, andererseits vom politischen Umfeld beeinflusst wurden. Dazu gehört Sergej Prokofjews Sinfonie Nr. 1 in D-Dur, die sogenannte «Symphonie classique». Prokofjew kam nach eigener Aussage durch seinen Lehrer Nikolai Tscherepnin auf den «Geschmack an den Partituren Haydns und Mozarts». Das brachte ihn auf die Idee, eine Sinfonie im Stile Haydns zu schreiben mit der quirligen Rhythmik höfischer Tänze und in vorromantischer Tonsprache. Felix Mendelssohn liess sich in seiner 1. Sinfonie in c-Moll stärker von Mozart als vom unmittelbareren Vorbild für die sinfonische Gattung – Beethoven – leiten. Als drittes Werk erklingt das 1. Cellokonzert in Es-Dur von Dmitri Schostakowitsch mit dem Schweizer Cellisten Christian Poltéra. Dieses Werk nimmt zwar Bezug auf seine Zeit, ist aber für seine Doppelbödigkeit bekannt. Denn es gilt als Teil der musikalischen Abrechnung Schostakowitschs mit Josef Stalin: vordergründig wohlwollend und eingängig, im Hintergrund mit einigen Seitenhieben, indem es zum Beispiel Stalins Lieblingslied «Suliko» zitiert.
RSC/GL, 27.01.2020