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In Schweden feiert Königin Silvia ihren 75. Geburtstag. Vor ihrem Festtag gab es eine Debatte um ihren Vater, Walther Sommerlath, der aktives Mitglied der nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NSDAP) war. Er soll sich an einer jüdischen Firma unrechtmässig bereichert haben.
Das wurde bereits 2010 publik. Das schwedische Königshaus hatte damals kaum Auskunft darüber geben wollen. Nun wurde auf der Website des Königshauses ein Bericht, Link öffnet in einem neuen Fenster aktualisiert, um die «bisher ungewissen Umstände der Sommerlath-Familie zu klären».
Bruno Kaufmann
SRF-Nordeuropa-Mitarbeiter
Bruno Kaufmann berichtet seit 1990 regelmässig für SRF über den Norden Europas, von Grönland bis Litauen. Zudem wirkt er als globaler Demokratiekorrespondent beim Internationalen Dienst der SRG, swissinfo.ch/directdemocracy, Link öffnet in einem neuen Fenster.
Wir sprachen mit dem Nordeuropa-Korrespondenten Bruno Kaufmann über die Veröffentlichung des schwedischen Königshauses.
SRF News: Was steht in diesen Dokumenten und was ist bei ihren Nachforschungen herausgekommen?
Bruno Kaufmann: Königin Silvia hat mit einem befreundeten Historiker in deutschen und brasilianischen Archiven nach Informationen über ihren Vater Walther Sommerlath gesucht. Ihm ist vorgeworfen worden, dass er die Firma eines jüdischen Fabrikanten in Berlin zwangsübernommen hat. Er habe davon profitiert als Teil der Kriegsindustrie der Nationalsozialisten. Sommerlath war auch Mitglied der NSDAP.
Königin Silvia schreibt, dass ihr Vater von diesen Entwicklungen nicht profitiert habe. Letztlich habe er einem jüdischen Fabrikanten geholfen, nach Brasilien auszuwandern, wo auch die Familie Sommerlath einige Jahre gewohnt hatte. Ihr Vater sei seit 1934 Mitglied der NSDAP gewesen, hätte aber nicht im Sinne der Nazis gehandelt.
Es gibt immer noch ungeklärte Fragen und Dokumente, die nicht gefunden worden sind.
Ein befreundeter Historiker der Königin hat nachgeforscht. Erfüllt er die wissenschaftlichen Kriterien einer solchen Arbeit?
Ich denke nicht. Es ist eher eine persönliche Aufarbeitung. Königin Silvia hat kurz vor ihrem Geburtstag gesagt, sie sei jetzt damit zufrieden und wolle, dass auch das schwedische Volk dies nachempfinden könne. Es gibt aber immer noch ungeklärte Fragen und Dokumente, die nicht gefunden worden sind. Auch viele Bücher – nicht unbedingt wissenschaftliche – belegen das Gegenteil. Die Frage kann wahrscheinlich nicht abschliessend geklärt werden.
Man kennt die Vorwürfe an den Vater von Königin Silvia seit 2010. Warum informiert sie darüber ausgerechnet jetzt?
Das Königshaus hat sich damals sehr verwahrt gegen diese Vorwürfe. Es ist offensichtlich so, dass Königin Silvia das Ganze nicht beruhigen konnte und dass sie jetzt vor ihrem Geburtstag Klarheit schaffen will und dazu diese Dokumente in vier Sprachen publiziert; auf Portugiesisch für das brasilianische Publikum, auf Deutsch, Schwedisch und Englisch. Ich denke, dass das eine Aufgabe war, die sie abschliessen wollte aber am Schluss selber nicht wirklich weiss, was stimmt und was nicht.
Hat das auch damit zu tun, dass man in Schweden bald eine neue Generation an die Macht lassen will?
Kronprinzessin Victoria, die Tochter von Silvia und König Carl Gustaf, wird in einigen Jahren die schwedische Monarchie führen. Da wollte man wohl reinen Tisch machen und das Volk informieren. Das im Sinne von Transparenz, die es früher zu diesen Fragen in der Familie Sommerlath nicht gegeben hatte.
Wie wird diese Publikation in Schweden aufgenommen?
Die Vorwürfe wurden in der schwedischen Öffentlichkeit immer schon als ein Teil einer Kampagne gegen das Königshaus verstanden. Es sind ja vor allem linke Historiker, die nachgeforscht haben, denn bei ihnen ist die Monarchie nicht sehr beliebt. Königin Silvia ist ein sehr populäres Mitglied der Königsfamilie, auch durch ihren Hintergrund als Brasilianerin und Deutsche. Deshalb wird man ihr das Bekenntnis abnehmen, dass sie selber nicht mehr weitere Nachforschungen anstellen wird und jetzt zufrieden sein kann.
Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.
Silvia Renate Sommerlath
Am 23. Dezember 1943 wurde Silvia Renate Sommerlath in Heidelberg geboren. Ihre Eltern waren Walther Sommerlath (1901–1990) und seine aus Brasilien stammende Ehefrau Alice Soares de Toledo (1906–1997). Silvia Sommerlath lebte zwischen 1947 und 1957 in São Paulo und kehrte dann nach Deutschland zurück. Nach dem Abitur machte sie eine Dolmetscher-Ausbildung. Als Hostess an den Olympischen Sommerspiele 1972 in München lernte sie Carl XVI. Gustaf von Schweden kennen. Sie heirateten 1976.