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Sago
(frz.
sagou, engl.
sago). Dieser Artikel des Material-
oder Kolonialwarenhandels besteht aus den teils unveränderten, teils verkleisterten Stärkemehlkörnchen, welche aus
dem Stammmarke verschiedner tropischer Palmen abgeschieden werden und in Form verschieden großer und verschieden gestalteter
Körner in den Handel kommen. Anfänglich wurde aller S. aus Ostindien und den umliegenden Inseln nach Europa gebracht; jetzt
wird auch in Westindien, z. B. auf Guadeloupe, und in andern Tropengegenden S. gewonnen.
Hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung ist die
Sagostärke von der
Stärke andrer Pflanzen nicht
verschieden; nur unter dem Mikroskope zeigen die Körnchen eine etwas abweichende Form von denjenigen der Weizenstärke,
Kartoffelstärke etc. -
Die am meisten zur
Sagogewinnung benutzten Palmen sind Sagus Rumphii (Willd.), Sagus laevis (Rumph.) und Sagus farinifera
(Lam.), die nicht allein in Indien und auf den Sundainseln wild wachsen, sondern daselbst auch stark
angebaut werden. Auch Borassus flabelliformis (L.) und Arenga saccharifera (Lab.) liefern S., der jedoch für den europäischen
Handel weniger Bedeutung hat, als der von erstgenannten Palmen gewonnene.
Diese Palmen haben alle das Eigne, daß ihre Stämme die härtesten Teile außerhalb haben und innen anstatt des Kernholzes ein lockres schwammiges Mark. Dieses Mark besteht aus Gefäßbündeln und Zellgewebe, welches mit Stärkemehl strotzend gefüllt ist. Dies ist jedoch nur kurz vor Eintritt der Blüte der Fall. Dieses Stärkemehl ist der Vorrat, den der Baum ansammelt zur Bildung seiner Blüten und Früchte. Sind letztre gereift, so ist auch das Mark aufgezehrt und der Stamm hohl.
Um daher S. in größter Menge zu gewinnen, muß der Baum gerade in der Periode geschlagen werden, wo er sich anschickt, seinen Blütenschaft zu treiben. Wird er hierin nicht gestört, so stirbt er nach der Reife der ersten Früchte nach und nach ab. Die Blüte tritt gewöhnlich nach dem 8.-10. Jahre ein. Die gefällten Stämme werden der Länge nach aufgespalten, das Mark nimmt man heraus, zerkleinert es und wäscht es auf Sieben aus. Die Stärkemehlkörnchen gehen mit dem Wasser durch das Sieb und setzen sich aus dem Wasser dann ab, während die Fasern durch das Sieb ¶
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zurückgehalten werden. Die Verarbeitung dieser Rohware zu S. geschieht erst in einigen größern indischen Städten, namentlich aber in Singapore, nach welchem Hafenplatze die Rohstärke von Sumatra und Borneo aus in großen Mengen gebracht wird; diese Versendung geschieht noch in feuchtem Zustande in Zuckerbrotformen.
Die Bereitung von Perl
sago aus dieser rohen
Sagostärke wird in Singapore fast nur von Chinesen betrieben
und besteht in einem Körnen der noch feuchten Stärke mittels siebartiger Vorrichtungen und nachherigem schnellem Trocknen
in erwärmten Pfannen, wodurch die Stärke teilweise verkleistert wird. Die Ausfuhr von S. aus Singapore soll sich auf jährlich 200000
Zentner belaufen. Außer dem Perl
sago, von dem man weißen, gelben und braunen unterscheidet, kommt auch
eine
Sagosorte aus Indien in den Handel, die aus eckigen Stückchen von verschiedner Gestalt und Größe besteht.
In neuerer Zeit wird auch aus dem Kassawamehle S. gefertigt, der unter dem Namen brasilianischer S. in den Handel kommt; er ist weiß und opak, nicht hyalin, wie der ostindische. Eine andre Sorte, die aber nicht in unsern Handel kommt, ist der javanische S.;
er ist gelblich und hat einen gewissen Beigeschmack;
man fertigt ihn aus dem Stärkemehl
von Arenga saccharifera. In Deutschland und Frankreich wird sehr viel inländischer S. aus Kartoffelstärkemehl, sog.
Kartoffel
sago, bereitet;
er leistet dasselbe wie der indische und ist dabei billiger.
Die herkömmliche Art der Fabrikation ist folgende: Die angefeuchtete Stärke wird mittels eines Bürstenwerkes durch ein Sieb getrieben;
die durchfallenden Klümpchen kommen in ein Rollfaß, das etwa 25 Umgänge pro Minute macht, und runden sich dadurch ab.
Die Masse wird dann in Blechkästen in einem Trockenofen auf 70-80° C. erhitzt und kurze Zeit einem Dampfstrome ausgesetzt, der durch oberflächliche Kleisterbildung die Körnchen glasiert. Dieselben werden dann durch Sieben in verschiedne Größennummern geschieden.
Nach einer andern Fabrikationsmethode wird die feuchte Stärke aus einem Cylinder mit durchlöchertem Boden ähnlich wie Fadennudeln gepreßt, nur mit dem Unterschiede, daß durch eine Einrichtung der Maschinerie die heraustretende Masse immer sofort in kurzen Enden abgestoßen wird. Diese Stückchen werden auf einem Tuche ohne Ende fortgeführt, wobei sie schon etwas austrocknen, kommen in das Rollfaß und schließlich in einen eisernen, rotierenden Cylinder, in welchem sie getrocknet und schließlich durch Dampf geglättet werden.
Guter S. muß beim Kochen in Wasser oder Bouillon nur bis zur doppelten Größe der Körner gallertartig aufquellen, ohne
zu zerfallen. In Halle, Magdeburg, Schweinfurt, Neuwied etc. sind Fabriken, die Kartoffel
sago
fertigen. - Zoll: S. und
Sagosurrogate, ferner Sagomehl s. Tarif im Anh. Nr. 25 q 1.