Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03111.jsonl.gz/2720

Dosisanpassung von Arzneistoffen bei Patienten mit Leberinsuffizienz
Autoren
Dr. Chantal Schlatter
, Prof. Dr. med. Dr. pharm. Stephan Krähenbühl
Lernziele
Sie verstehen, warum und wie pharmakokinetische Parameter von hepatisch eliminierten Arzneistoffen durch eine Lebererkrankung beeinflusst werden.
Sie wissen, dass Lebererkrankungen die verschiedenen Arzneistoff metabolisierenden Enzymsysteme in unterschiedlichem Ausmass beeinträchtigen können.
Sie kennen die Einteilung der hepatisch eliminierten Arzneistoffe und die entsprechenden Empfehlungen für eine Dosisanpassung.
Sie sind sich bewusst, dass auch eine Cholestase und eine im Zusammenhang mit Leberinsuffizienz eingeschränkte Nierenfunktion eine Dosisanpassung erforderlich machen können.
Sie kennen ein paar Beispiele für Arzneistoffe mit einem veränderten Wirkprofil bei Leberzirrhose und von Arzneistoffen, die v.a. in Kombination mit Alkohol die Gefahr eines Leberschadens erhöhen.
Zusammenfassung
Ein funktionierender Arzneistoffmetabolismus in der Leber bedingt eine gute Durchblutung der Leber, einen optimalen Stoffaustausch zwischen Leberkapillaren und Leberzellen, sowie das Vorhandensein von intakten Enzymsystemen. Eine Lebererkrankung kann jede dieser Voraussetzungen beeinträchtigen und führt in der Folge bei Arzneistoffen, die hauptsächlich über die Leber metabolisiert und/oder biliär ausgeschieden werden, zur Veränderung von pharmakokinetischen Parametern wie Bioverfügbarkeit und hepatischer Clearance, was in toxisch erhöhten Blutspiegeln resultieren kann. Je nach Eigenschaften dieser Arzneistoffe, die mittels der hepatischen Extraktionsrate charakterisiert werden, sind diese pharmakokinetischen Parameter durch eine Lebererkrankung verschieden stark betroffen, so dass für die einzelnen Arzneistoffgruppen («high-», «low-» und «intermediate extraction drugs») unterschiedliche Dosierungsempfehlungen berücksichtigt werden müssen. Für Arzneistoffe mit einer hohen hepatischen Extraktionsrate sollte bei Patienten mit Leberzirrhose die Initialdosis und die Erhaltungsdosis je auf ca. die Hälfte reduziert werden. Bei Arzneistoffen mit einer mittleren hepatischen Extraktionsrate empfiehlt es sich, die Initialdosis im unteren therapeutischen Bereich zu wählen und die Erhaltungsdosis ebenfalls etwa auf die Hälfte zu reduzieren. In beiden Fällen muss keine Reduktion der Initialdosis erfolgen, sofern der Arzneistoff intravenös verabreicht wird. Bei Arzneistoffen mit einer tiefen hepatischen Extraktionsrate kann die Therapie mit der normalen Initialdosis begonnen werden, wobei auch hier die Erhaltungsdosis je nach Arzneistoff bis auf die Hälfte reduziert werden sollte. Bei entsprechender Überwachung des Patienten erfolgt jeweils eine weitere Dosisreduktion oder eine vorsichtige Titration nach oben. Auch eine Cholestase kann eine Dosisreduktion erforderlich machen, insbesondere bei biliär eliminierten Zytostatika. Da eine Leberzirrhose oft gleichzeitig mit einer eingeschränkten Nierenfunktion assoziiert ist, sollten auch renal eliminierte Arzneistoffe mit engem therapeutischen Bereich in die Dosisreduktionsüberlegungen miteinbezogen werden. Bei Lebererkrankungen wurden auch Veränderungen im Wirkprofil von bestimmten Arzneistoffgruppen wie Opiaten, Benzodiazepinen, Schleifendiuretika und NSAID beobachtet. Andere Arzneistoffe wiederum wie Methotrexat, Isoniazid und Paracetamol erhöhen im Zusammenhang mit Lebererkrankungen und Alkoholkonsum das Risiko für Leberschäden.