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«Blaue Anleihen», die in den Schutz der Meere investieren, könnten den Erfolg ihrer «grünen» Pendants spiegeln. «Der Erfolg ist jedoch nicht garantiert. Es gibt Hürden, welche dagegen arbeiten», schreibt Kris Atkinson, Portfoliomanager Anleihen bei Fidelity International.
27.06.2023, 12:32 Uhr
Redaktion: sw
Jedes Jahr werden rund 25 Milliarden Dollar in den Meeresschutz investiert. «Leider sind das laut einer Studie von Deloitte etwa 150 Milliarden Dollar zu wenig. Ein besorgniserregender Umstand. Die Ozeane fungieren als Kohlenstoffsenke und haben seit 1850 etwa 40 Prozent des vom Menschen emittierten Kohlenstoffs absorbiert», erläutert Atkinson die Ausgangslage.
Die Finanzmärkte müssten diese Finanzierungslücke schliessen. «Blaue» Ozeananleihen seien eine der möglichen Optionen dazu. Wie ihre «grünen» Pendants an Land, leiten sie Mittel von Anlegern in nachhaltige Projekte zum Schutz der Meere. Das Interesse bei Anlegern und Emittenten ist jedoch gering. Anfang 2023 machten blaue Anleihen weniger als 0,5 Prozent des Marktes für nachhaltige Anleihen aus.
Nur ein Tropfen im Ozean
Warum liegt dieser Markt so weit zurück? Zunächst einmal würden blaue Anleihen in der Regel von Ländern mit niedrigem Einkommen begeben, die stark von den Ozeanen und ihren Ressourcen abhängig sind. Sie haben oft ein schlechtes Kreditrating und sind stärker von extremen Wetterereignissen betroffen. Das schrecke viele Anleger ab.
Die Emission von blauen Staatsanleihen sei jedoch nicht zum Scheitern verurteilt. Eine von den Bahamas im letzten Jahr begebene Anleihe wurde durch eine von der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) genehmigte Garantie in Höhe von 200 Millionen Dollar abgesichert. Die PBG verhalf der Anleihe nicht nur zu einer gesunden Grösse (385 Millionen USD), sie trug auch zur Risikominderung bei und verlieh dem Geschäft ein Triple-A-Rating. «Solche Zusammenarbeiten könnten den Markt investitionsfähiger machen», glaubt der Portfoliomanager Anleihen bei Fidelity International.
Zudem wurde die bahamaische Anleihe zur Unterstützung lokaler, auf die Meere ausgerichteter Unternehmen verwendet und den Anlegern somit Renditen in Aussicht gestellt. «Die Emittenten sollten wie hier kommerziell attraktive Projekte wählen. Das weckt das Interesse der Anleger, die blaue Anleihen oft nur in Verbindung mit renditelosen Projekten bringen. Die Behörden könnten dazu beitragen, indem sie ein ähnliches System wie bei der grünen Finanzierung einführen, wo ein Preis für Kohlenstoff und Massnahmen nach dem Verursacherprinzip festgelegt wurden. Blaue Anleihen werden sich nur dann durchsetzen, wenn es einen ähnlichen wirtschaftlichen Anreiz gibt, diese Projekte zu verfolgen», glaubt Atkinson.
Klare Marktstandards erforderlich
Ausserdem seien klare Marktstandards erforderlich, damit die Gelder der Investoren wirklich in blaue und nicht in graue Projekte fliessen. Eine allgemeingültige Taxonomie würde dies unterstützen. Ein Konsortium unter der Leitung der International Capital Market Association (ICMA) wird bald ein lang erwartetes Blue Bond Rahmenwerk veröffentlichen. Ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung. Fehlallokationen auf dem Markt für grüne Anleihen (für den es seit 2017 einen Rahmen gibt) deuten darauf hin, dass Emittenten – manchmal ziemlich eklatant - die Regeln beugen können. Auf dem Markt für blaue Anleihen sei es noch einfacher, die Mittel falsch zuzuweisen, da der Fortschritt schwierig zu messen seien.
«Nur wenn Investoren die Auswirkungen von Projekten leicht messen können, werden sie Vertrauen in den Markt entwickeln», weiss der Spezialist. Zu diesem Zweck soll der Rahmen der Taskforce für naturbezogene Finanzinformationen (TNFD) Organisationen helfen, über naturbezogene Risiken zu berichten und entsprechend zu handeln.
Da es keine eindeutige Metrik gibt, soll sich der Ansatz der TNFD an Zielen orientieren: bis 2030 keinen Nettoverlust an biologischer Vielfalt und bis 2050 Nettogewinne. Die Definition dessen, was als «positiv für die Natur» gilt, und der Nachweis dieser Gewinne könnten sich aber als ebenso problematisch erweisen, wie die Messung des Fortschritts überhaupt und Unternehmen letztlich davon abhalten, sich auf breiter Ebene an solchen Rahmenwerken zu beteiligen.
Hier müssten Investoren eingreifen. «Nachhaltiger Kapitalismus funktioniert am besten, wenn Investoren mit Unternehmen zusammenarbeiten. Auch wenn die Messgrössen im Moment noch kompliziert erscheinen, könnte eine breitere Akzeptanz einen positiven Kreislauf auslösen: Eine stärkere Offenlegung wird zu besseren Zielen führen, und die Erreichung dieser Ziele wird Kapital erfordern, was das Wachstum von Märkten wie jene für blaue Anleihen ankurbeln wird. Die Beliebtheit grüner Anleihen zeigt, dass Kapital vorhanden ist - jetzt geht es darum, es zu mobilisieren», folgert Fidelity.
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