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31 03 / 2022 FORTB I LDUNG: THEMENHEFTTE I L K I N D E R Ä R Z T E. SCHWEIZ gehen können, dass ein Urinstatus vorgängig gemacht wurde, um Infekte etc. ausschliessen zu können. In der ersten Therapiesitzung wird Max in altersgerechter Sprache erklärt, wo das Problem liegen könnte, dass er in der Nacht noch nass ist. Ist es eine Blase, die «in der Nacht nicht gelernt hat, sich füllen zu lassen und ruhig zu schlafen»? Ist es eine Blase, die «zu klein ist»? Ist es das Gehirn, das «es nicht schafft, Max rechtzeitig zu wecken, damit er pinkeln gehen kann»? So werden mögliche Ursachen für das Bettnässen auf Blase und/oder Gehirn bezogen und dadurch die emotionale Komponente sowie die persönliche Verantwortlichkeit vom Kind weggenommen. Scham-, Schuld- und teils Angstgefühle sind die logische Konsequenz, wenn es Kinder «nicht schaffen», in der Nacht trocken zu werden. Wenn die Therapeutin erklärt, dass es entweder die Blase oder das Gehirn noch nicht geschafft hat, dann erhält das Kind seine Position als «Chef» zurück und wird motiviert, selbst die Kontrolle zu übernehmen. Je nach Ergebnissen der Protokolle werden die Therapiemethoden gewählt. Das kann zum Beispiel heissen, dass Max mit einem Blasentraining beginnen muss. Die Blasenkapazität wird am Tag trainiert, indem die Trinkmenge gesteigert wird, bei gleichbleibender Miktionsfrequenz. Das Trinkverhalten wird angepasst: nach dem Abendessen möglichst nichts mehr trinken. Ab 17.00 Uhr keine Milchprodukte mehr zu sich nehmen (Milchprodukte am Abend erhöhen die Urinproduktion der Nieren). Viele Eltern berichten, dass ihre Kinder «halt tief wie ein Murmeltier schlafen». Die Weckbarkeit ist bei Kindern mit Enuresis ein grosses Thema. Mit verschiedenen Methoden wird die Weckbarkeit trainiert. Zuerst spielen die Eltern den «Wecker» und wecken das Kind 1,5–2 Stunden nach dem Einschlafen auf und das Kind soll pinkeln gehen. Eine mögliche Steigerung wäre, dass ein Wecker gestellt wird, den das Kind selbst abstellen muss und dann pinkeln geht. Wenn dies gut klappt, wird das Training mit demWeckapparat, auch Klingelhose genannt, begonnen. Schlussendlich ist das Ziel, dass Max auch in der Nacht Chef über seine Blase wird. Entweder lernt die Blase zu schlafen und sich in Ruhe bis am Morgen füllen zu lassen, oder das Gehirn schafft es, Max bei Harndrang zu wecken, ohne dass Urin abgeht. Ich verwende hierbei das folgende Bild: «Max, du sollst schlafen wie ein Hase im Winter. Der Hase schläft im Winter sehr viel. Aber zum Essen und Pinkeln wacht er auf, kriecht aus seinem Nest und geht danach sofort wieder schlafen.» Bei jeder Methode wird dem Kind und den Eltern exakt erklärt, was das Ziel ist und wer welche Verantwortung/ Aufgabe hat. Die Kinder werden altersgemäss und ihren kognitiven Fähigkeiten entsprechend in die Therapie involviert. Kind, Eltern und Therapeutin funktionieren als Team mit dem Ziel: «Max wird in der Nacht trocken». Nach Beginn der Therapie wird eine kontinuierliche Verbesserung der Situation erwartet. Wenn während sechs Wochen keine messbare Verbesserung eintritt, werden Vorgehen, Wahl der Therapiemethoden und «Team-Zusammenarbeit» kritisch evaluiert. Eventuell müssen Anpassungen vorgenommen werden. Es kann auch sein, dass die Therapie gestoppt und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen wird. Sollte dies so entschieden werden, ist es unabdingbar, dass der Therapiestopp für das Kind nicht als Niederlage, sondern als eine vorübergehende Pause empfunden wird. Illustration 1: Das Blasentraining erfolgt am Tag Zeichnungen: Christoph Biedermann Illustration 2: Die Kinder lernen, die Blase vollständig zu entleeren Max wird ein Abendritual lernen. Nach der Abendtoilette, inklusive Pinkeln, soll Max etwa eine halbe Stunde lang ruhig liegen, etwas lesen oder eine Geschichte hören, und dann nochmals pinkeln gehen. Max lernt, beim Pinkeln korrekt zu sitzen und die Blase vollständig zu entleeren. Dafür ist vor allem die Wahrnehmung der «Beckenboden-Relaxation» wichtig. Die Relaxation der Beckenbodenmuskulatur ist die schwierigste zu erlernende Muskelfunktion.
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