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Adébáyọ̀ beschreibt, wie die selbstbewusste Yejide dem emotionalen Druck ihrer Angehörigen standzuhalten versucht: «Mit jedem nur erdenklichen Lächeln, das man braucht, um einen Nachmittag mit einer Gruppe von Menschen zu überstehen, die vorgibt, nur das Beste für einen zu wollen, während sie mit einem Stock in offenen Wunden stochert.» Dieser Druck führt sie bis zu einem Wunderheiler und reisst auch nicht ab, als sie endlich doch Mutter wird. Nur wenige Tage nach der Geburt steckt ihr die Schwiegermutter die Finger in die Vagina, um zu prüfen, ob diese schon «fest» genug sei für die Zeugung des nächsten Kindes.
Adébáyọ̀ erzählt abwechselnd aus der Perspektive von Yejide und Akin. Durch diesen Kniff gelingt ihr eine präzise Figurenzeichnung, die auch die grösste Stärke des Romans ausmacht. Sie beschreibt Yejide als selbstbewusste, moderne Frau, die mit einer von sexistischen Rollenbildern geprägten Gesellschaft hadert, gleichzeitig aber Teil dieser Gesellschaft ist und darin nach Anerkennung und Zuneigung sucht. Sie erzählt von einer uns so fernen Welt in Nigeria, und zugleich von Figuren, in denen wir uns immer wieder finden können.
«Bleib bei mir» umfasst 352 Seiten und wiegt 454 Gramm.
Martina Keller arbeitet bei den Solothurner Literaturtagen und organisiert Sofalesungen in Winterthur.