Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03402.jsonl.gz/2052

Interview
Arbër Bullakaj: Als Nationalrat werde ich die Chancengleichheit der Migranten fördern
Arbër Bullakaj wurde zum Vizepräsidenten der Sozialdemokratischen Partei des Kantons St. Gallen gewählt und von dieser gleichentags für die Nationalratswahlen nominiert
Der Samstag vergangener Woche war für den 28-jährigen ostschweizerischen Politiker und Geschäftsmann Arbër Bullakaj aus Wil ein Glückstag. An diesem Tag wurde er zum Vizepräsidenten der Sozialdemokratischen Partei des Kantons St. Gallen gewählt und von dieser gleichzeitig als Nationalratskandidat nominiert. Zwei bestimmt nicht allzu häufige Erfolge. albinfo.ch verfolgte Arbërs politische Entwicklung von Anfang an und sprach anlässlich seiner beiden Nominierungen mit ihm.
albinfo.ch: Sie wurden an ein und demselben Tag als Nationalratskandidat nominiert und zum Vizepräsidenten der SP-Kantonalpartei gewählt. Zwei beachtliche Erfolge für einen Jungen mit Migrationshintergrund, wie Sie es sind. Wie fühlen Sie sich nach einem solch erfolgreichen Tag und wem fühlen Sie sich am meisten zu Dank verpflichtet?
Arbër Bullakaj: Es war ein schöner und erfolgreicher Tag. Ich wurde heute zweimal nominiert und beide Male ohne Gegenstimme gewählt. Das freut mich natürlich über alle Massen. Besonderer Dank geht an meine Parteisektion in Wil, die mir vertraute und mich als Kandidat empfahl. Ebenso möchte ich dem Vorstand der SP-Kantonalpartei danken, der gemeinsam mit den Sektionen und der Wahlkommission die Liste ausarbeitete und mich in diese Liste aufnahm.
Selbstverständlich danke ich auch der Parteileitung und den bei den Wahlen an der Versammlung anwesenden Mitgliedern der SP St. Gallen. Sie haben schlussendlich meine Nomination möglich gemacht.
albinfo.ch: Wie kamen Sie so weit, beziehungsweise wie lief das Verfahren, nach welchem Sie Kandidat für beide Posten wurden? Sie haben auf der Liste die Nummer 9. Hat dies irgend einen Einfluss bei den Wahlen?
A.Bullakaj: Jede Sektion schlägt ihre eigenen Kandidatinnen und Kandidaten vor und leitet deren Namen an die Wahlkommission weiter. Diese Kommission wählt in der Folge gemeinsam mit dem Vorstand zwölf Kandidaten. Anschliessend werden diese Kandidatinnen der kantonalen Parteileitung vorgestellt, die den endgültigen Wahlvorschlag macht. Auf der Liste mit zwölf Personen habe ich die Nummer 9. Der Platz hat für mich keinerlei grosse Bedeutung, da er keinen entscheidenden Einfluss auf das Wahlresultat hat. Tatsächlich sind es die beiden letzten Listenplätze, die oft etwas zu spüren bekommen. So betrachtet kann ich sehr zufrieden sein.
albinfo.ch: Glaubten Sie, dass Sie nominiert würden und wie stark hat Ihnen die Konkurrenz zu schaffen gemacht?
A. Bullakaj: Selbstverständlich hoffte ich sehr, dass ich nominiert würde. Und trotzdem war ich überrascht, als es dann Wirklichkeit wurde, denn bekanntlich sind die Listenplätze für eine Kandidatur im eidgenössischen Parlament sehr begehrt. Da St. Gallen ein grosser Kanton ist, mit 491’000 Einwohnern, gibt es auch entsprechend viele Politiker, die sich für eine Kandidatur als nationaler Parlamentarier interessieren. Dass mir, an der Seite der bisherigen Nationalrätin, die Vertretung meines Bezirks Wil-Untertoggenburg anvertraut wird, empfinde ich als ein grosses Privileg.
albinfo.ch: Falls Sie, wie wir glauben, Schweizer Nationalrat werden sollten, was werden Sie dann in Ihrer Arbeit für Prioritäten setzen?
A. Bullakaj: Meine Stärken sind die Finanzen und die Integrationspolitik. Im Bereich Finanzen setze ich auf Planung und langfristiges Vorgehen. Kurzsichtiges Handeln kommt den Staat teuer zu stehen und ist nicht effizient. Die heutige Politik in diesem Gebiet ist, auch wegen einer symbolischen und polemisierenden Politik, sehr ineffizient. Zudem bin ich für Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit. Alle, ob Mann oder Frau, jung oder alt, Schweizer oder Migrant, müssen die gleichen Chancen haben. Wir haben heute eine verkehrte Situation, in der ein Prozent der Bevölkerung über gleichviel Vermögen wie die übrigen 99 Prozent verfügt. Allein schon diese Zahlen zeigen, dass wir nicht Chancengleichheit, sondern den Aufstieg einer Elite haben. Ich will diesen Verhältnissen mit einer Reihe von Massnahmen entgegenwirken.
albinfo.ch: Sie haben sich in den Jahren als Gemeinderat von Wil und allgemein als Politiker vor allem als Vertreter der Interessen der Bevölkerung ausländischer Herkunft profiliert. Werden Sie dies auch auf nationaler Ebene so halten?
A.Bullakaj: Als Politiker musst du dort handeln, wo du die Probleme siehst. Ich habe grosse Lücken im Bereich der Demokratie und in der Integrationspolitik erkannt. Oft erleben die Migranten an der eigenen Haut das Demokratiedefizit und die Überforderung, die aus diesem Defizit, diesem Mangel herrührt. Ich bin nicht gewillt, diesen Zustand zu akzeptieren und engagiere mich deshalb mit Gleichgesinnten aktiv für Integration. Zu diesem Engagement gehören auch wichtige Massnahmen für die Chancengerechtigkeit und ein friedliches und gutes Zusammenleben. Aber ebenso bin ich der Meinung, dass von den Eingewanderten Integrationsbemühungen verlangt werden sollen. Die Sprache zu lernen und sich für die Gesellschaft und die Gemeinschaft einzusetzen, ist für mich ein Muss für jede Migrantin, jeden Einwanderer. Als Nationalrat würde ich meiner politischen Linie treu bleiben und mich für eine gute Finanz- und Integrationspolitik einsetzen.
albinfo.ch: Bis jetzt gab es keinen einzigen Nationalrat aus der albanischen Bevölkerung der Schweiz. Lässt sich sagen, dass Sie in Bern auch Kandidat der albanischen Gemeinschaft sein werden? Was können Sie den Albanerinnen und Albanern, die Ihnen ihre Stimme geben, versprechen?
A. Bullakaj: In der Schweiz leben viele Migranten albanischer Herkunft. Trotzdem gab es bis jetzt keine nationale Parlamentarierin mit albanischen Wurzeln. Natürlich werde ich mich als Nationalrat für die Interessen der Albaner und aller Migrantinnen einsetzen. Sie sind Teil unserer Schweiz und ermöglichen uns das Leben, das wir hier leben. Es gibt nicht wenige polemisierende Politiker, die ihre destruktive Politik auf dem Rücken von Menschen, die in Frieden leben möchten, ausüben. Hier ist es ist Zeit, Gegensteuer zu geben! Ich bin bereit, mich solcher Themen anzunehmen und mich der aufwieglerischen Politik der SVP zu stellen. Dies werde ich mittels Aufklärung und anderen Aktionen für den Erhalt und die Entwicklung einer weltoffenen und toleranten Schweiz tun.
albinfo.ch: Wie können Angehörige der albanischen Bevölkerungsgruppe und andere Leute Sie bei diesen Wahlen unterstützen? Haben Sie Wahlveranstaltungen mit ihnen geplant?
A.Bullakaj: Es gibt verschiedene Unterstützungsarten. Eine ist, auf meine Webseite zu gehen und sich meinem Wahlkomitee anzuschliessen. Eine andere ist, mich mit Mundpropaganda oder Beiträgen in den digitalen sozialen Netzwerken zu unterstützen. Natürlich wäre jede Wahlspende willkommen. Jetzt wo meine Kandidatur definitiv beschlossen ist, werde ich in den kommenden Wochen einen dichten Plan zur Koordination meiner Wahlkampagnenaktionen ausarbeiten. Ich werde durch den ganzen Kanton reisen und an den verschiedensten Orten Aktionen machen. Dabei ist es für mich sehr wichtig, dass jeder Wähler die Möglichkeit hat, mich persönlich zu treffen und mit mir zu diskutieren.
Über Arbër Bullakaj
Arbër Bullakaj kam 1986 in Prizren zur Welt. 1994 kam er mit der Mutter und seinen Geschwistern in die Schweiz zu seinem Vater, der hier schon seit rund zwanzig Jahren arbeitete und lebte. Arbër führt eine Beratungsfirma und ist politisch und gesellschaftlich sehr aktiv an seinem Wohnort, der Stadt Wil im Kanton St. Gallen. Ausser als Gemeinderat trat er mit der Gründung und Leitung der Organisation “FairWil” hervor, die sich für die Integration und eine korrekte Behandlung der Menschen ausländischer Herkunft in dieser Gemeinde einsetzt. Zur Erinnerung: In Wil sind etwa zwölf Prozent der Bevölkerung albanischer Herkunft, was möglicherweise der grösste entsprechende Bevölkerungsanteil in der Schweiz ist.
– mehr dazu auf: http://www.albinfo.ch/arber-bullakaj-si-deputet-nacional-do-te-promovoj-barazine-e-shanseve-te-migranteve/#sthash.D5gDUFzf.dpuf
Interessante Neuigkeiten aus dem Internet
Ähnliche Artikel
Jacqueline Fehr: Darum haben wir das “Alba-Festival” abgesagt
Weitere aus Interview
E-Diaspora
-
Kieferorthopädische Behandlungen auf Augenhöhe in Dietlikon Der Satz «Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance» gilt heute mehr denn je....
-
«Hill House – Kamenica»: Leben im Kosovo in Schweizer Verhältnissen
-
Jahresversammlung der Mitglieder des Vereins “së bashku” in Bern
-
Impfe dich und rette damit Leben!
-
Lukas Mandl: Reden statt schiessen!
Leben in der Schweiz
-
Neue Regeln bei der Einreise in die Schweiz sowie für den Zugang zum Covid-Zertifikat für im Ausland geimpfte Personen Ab Montag, 20. September 2021, müssen Personen, die nicht geimpft oder genesen sind, bei der Einreise...
-
Swissmedic prüft Zulassungserweiterung für eine dritte Dosis der Covid-19 Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna
-
Afghanistan: Bundesrat Ignazio Cassis nimmt an Ministeriellem Treffen in Genf teil
-
Die Schweiz unterstützt Gespräche über die Gründung eines Forschungszentrums in Südosteuropa
-
Bundesrat präsentiert seine Ziele für das Jahr 2022