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Heutige Karten sind durch den technischen Fortschritt genauer und kostengünstiger in der Herstellung. Gut befinden sich in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek auch wertvolle alte Karten, welche eine Mischung aus Gravurkunst und topografischen Details darstellen, wie der Stadtplan von Neapel zeigt.
Abb. 1: “Pianta della Città di Napoli come esiste nel presente Anno MDCCXC”, Rar KS 111.
Angefertigt wurde sie vom Kartografen Giovanni Antonio Bartolomeo Rizzi-Zannoni (1736 – 1814), der erst Astronomie an der Universität von Padua studierte bevor er sich dann der Kartografie zuwandte und Europa bereiste. 1753 wurde er von König August III. (1696 – 1763) beauftragt eine Karte von Polen anzufertigen, welche als genaueste Karte von Polen betrachtet wurde als alle Vorherigen. Nicht zuletzt durch den Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763), in welchem genaue Karten gefragt waren, beauftragten ihn auch die Königreiche Dänemark, Schweden und Preussen.
Im Zuge der Schlacht bei Rossbach 1757, in welcher die Preussen den französischen Truppen unterlagen, wurde er als Kriegsgefangener nach Paris geschickt. Dort verbrachte er die folgenden zwanzig Jahre und knüpfte in dieser Zeit viele Kontakte zu anderen Kartografen, mit denen er bedeutende kartografische Werke publizierte. Zudem
1781 reiste er nach Neapel wo er nebst seinem Werk “Atlante geografico del regno di Napoli”, welches 30 Jahre bis zur Fertigstellung brauchte, auch diese Karte anfertigte.
Der kartografische Teil des Plans von Neapel besticht vor allem durch seine Genauigkeit und Detailreichtum. Durch das Kartennetz und der dazugehörigen Legende können sich wichtige Orte wie Universitäten, Musikkonservatorien, Hauptplätze, Kirchen und Klöster schnell finden.
Sucht man zum Beispiel die «Chiesa del Purgatorio» so wird man schnell in der Spalte K, Zeile e unter der Nummer 2 den genauen Standort der Kirche finden. Aber auch die Umgebung der Stadt wurde von Rizzi-Zannoni sowohl kartographisch, als auch künstlerisch detailreich eingefangen.
Abb. 2: Legende mit den wichtigsten Orte der Stadt.
Abb. 3: Kartennetz zur besseren Übersicht der Stadt.
Die Kartusche am unteren rechten Rand enthält dabei eine aufwändige Szene, welche die Stärken des Königreiches Neapel zeigen sollen. Die Putti üben sich sowohl in der Wissenschaft, wie auch in der Kunst und dem Handel. Zudem benutzt der Putto am linken Rand der Kartusche jenes Instrument, welches Rizzi-Zannoni für die Bestimmung der Längengrade benutzte.
Abb. 4: Kartusche, welche die Stärken Neapels zeigen.
Im Hintergrund befindet sich dazu Kriegsmaterial wie auch eine Galeone, was auch die militärische Seite des Königreiches Neapel zeigen soll.
Unterstrichen wird dies auch durch die beiden mythologischen Figuren der Minerva, Göttin der Weisheit, taktischen Kriegsführung, Kunst und des Schiffbaus und Sebeto, der Verkörperung des antiken Flusses, der in römischen Zeiten durch Neapel floss.
Fast schon versteckt befinden sich in der dekorativen Bordüre die Namen zahlreicher Adelsfamilien von Neapel, wie der neapolitanische Zweig der Medici.
Abb. 5: Bordüre mit den Namen der wichtigsten Adelsfamilien Neapels.
Diese Details und künstlerische Darstellung ging spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts verloren, da mehr auf die Funktionalität der Karten geachtet wurde. So ist es immer wieder schön im Magazin der Kartensammlung weitere alte Karten zu entdecken und für unsere Benutzenden über e-rara.ch zugänglich machen zu können.