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Da ich zu Weihnachten ein Buch über "Transzendentale Meditation" geschenkt bekommen habe, dachte ich, dass ich doch gleich einen kurzen Artikel zum Thema Meditation schreiben könnte. Dabei gibt es eine Fülle unterschiedlicher Meditationstechniken: Atem-Meditationen, Bewegungsmeditationen, Meditationen bei denen man die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Bild, ein bestimmtes Wort oder einen bestimmten Gegenstand richtet, Meditationen mit einem Mantra, etc. Allen gemeinsam ist jedoch das Ziel: das Loslassen von Gedanken und Gefühlen, die Rückkehr zum eigenen Selbst und dabei eine tiefe Entspannung zu erfahren.
Bei der
transzendentalen Meditation verwendet man dazu bspw. ein sog. Mantra, das ein
Klangwort ohne jegliche Bedeutung ist. Während der ganzen Meditationsübung
wiederholt man dieses Mantra in Gedanken oder halblaut, am besten im Rhythmus
des Atems. Die Idee dahinter soll nachfolgender
Auszug verdeutlichen:
"Verschiedene Meditations- und Entspannungstechniken versuchen dagegen den Geist zur Ruhe zu bringen, indem sie eine Idee oder Vorstellung festhalten, sich auf etwas konzentrieren oder sich Ruhe und Entspannung suggerieren. Das ist aber in der Regel schwierig, denn konkrete Gedanken binden den Geist und verhindern, dass er zum Ursprung des Denkens gelangt, dort wo nur reine Stille ist, also keine Gedanken. Die TM (Anmerkung: Transzendentale Meditation) verwendet hier einen Trick: Sie benützt ein Klangwort, ein Mantra, das keine inhaltliche Bedeutung hat und dadurch den Geist nicht auf der bewussten Denkebene festhält."
(aus: "Gesundheit aus dem Selbst: Transzendentale Meditation" von Wolfgang Schachinger und Ernst Schrott)
Tönt überzeugend, trotzdem bin ich aber der Meinung, dass jede Person, die sich mit Meditation beschäftigt und anwendet für sich selbst, aufgrund eigener Erfahrungen, entscheiden soll, welche Technik für sie/für ihn am angenehmsten und wirkungsvollsten ist. Und es geht ja auch nicht um das Ausspielen der einen Technik oder Meditationsvariante gegenüber einer anderen. Viel interessanter ist die Frage, welche Wirkungen regelmässiges Meditieren mit sich bringt. Sind Meditationen "nur" Techniken für die kurzfristige Entspannung oder sind auch nachhaltige Effekte festzustellen? - Gerade zur transzendentalen Meditation gibt es eine Fülle von Studien, deren Ergebnisse absolut beeindruckend sind. Nachfolgend ein kurzer Überblick über einige Studienergebnisse:
bei amerikanischen Schülern, welche während eines Jahres regelmässig meditierten, wurde eine hochsignifikante Verbesserung der schulischen Leistungen in Rechnen, Lesen und Sprechen festgestellt
bei Personen, die unter Schlafstörungen litten, zeigte sich bereits nach 30 Tagen regelmässiger Meditation eine deutliche Verkürzung der Einschlafzeiten
bei Studenten verbesserte sich die Wahrnehmungsfähigkeit und das Kurzzeitgedächtnis bereits nach 2 Wochen Meditation signifikant
bei Arbeitnehmern eines japanischen Grosskonzerns zeigte sich, dass bei den regelmässig meditierenden Arbeitnehmern bereits nach 5 Monaten körperliche Beschwerden, unbeherrschte Impulsivität, emotionale Instabilität, Tendenz zu neurotischem Verhalten und Angst, Schlaflosigkeit und das Rauchen signifikant abnahmen
|1. Februar 2004: Roger Federer gewinnt bei den Australian Open, nach seinem Triumph in Wimbledon 2003, seinen zweiten Grand-Slam-Titel und erscheint am Tag darauf erstmals in seiner Karriere als Nummer 1 auf der ATP-Weltrangliste.|

Schon seit Jahren wurde der inzwischen 22-jährige als Super-Talent gehandelt. 1998 gab er in Basel sein Debüt auf der Profi-Tour, 1999 war er bereits unter den Top 100 der Weltrangliste zu finden, im Jahre 2000 erreichte er sein erstes Endspiel und im Jahr darauf gewann er in Mailand seinen ersten Titel. Das ultimative Highlight des Jahres 2001 war aber sicherlich sein Erfolg im Achtelfinale von Wimbledon gegen Pete Sampras. Der Aufstieg ging weiter: im Jahre 2002 gewann Federer 3 Titel und beendete das Jahr bereits auf Position 6 der Weltrangliste. Nur bei den Grand-Slam-Turnieren, welche im Tennissport das Mass aller Dinge darstellen, wollte es nach Wimbledon 2001 nicht mehr so richtig klappen. In Australien 2002 erreichte Federer immerhin noch die Achtelfinals, als er ziemlich unglücklich dem Deutschen Tommy Haas unterlag, doch die 1. Rundenniederlagen in Paris und Wimbledon waren ziemlich ernüchternd für einen Spieler mit dem Potential eines Federers. Immer wurde Federer im Vorfeld von Experten zu den Favoriten gezählt, um sich dann aber ziemlich früh aus den Turnieren zu verabschieden. Dies sollte bis Wimbledon 2003 auch so bleiben und schon meldeten sich zahlreiche Stimmen, welche Federer zwar immenses Talent bescheinigten, ihm aber Nervenschwäche, mangelnde Kaltblütigkeit und zu wenig Biss nachsagten.
Doch dann kam eben Wimbledon 2003. Kurz zuvor war Federer in Paris ziemlich sang- und klanglos gegen einen gewissen Luis Horna ausgeschieden, doch in der englischen Hauptstadt bei seinem Lieblingsturnier sollte alles anders werden. Federer war der überragende Spieler des Turniers und verlor in den 7 Matches einen einzigen Satz. Besonders die Leistungen im Halbfinale gegen Andy Roddick und im Finale gegen Mark Philippoussis waren beeindruckend - Federer hatte es geschafft und bewiesen, dass er nicht nur über ein grandioses Schlagrepertoire, taktisches Geschick und eine hervorragende Athletik verfügt, sondern dass er auch die mentale Stärke besitzt, die für solche Erfolge unabdingbar ist.
Später hat Federer in einem Interview gesagt, dass der Erfolg in Wimbledon für ihn "eine riesige Erleichterung gewesen sei." Ich bin der Meinung, dass man dies in Federers Mimik auch ganz gut ablesen kann. Seither macht er einen viel entspannteren Eindruck auf dem Platz. Der Druck, der von aussen an ihn herangetragen wurde, den er aber wohl auch sich selbst gemacht hat, scheint wie weggeblasen. Sein langjähriger Trainer Peter Lundgren, von dem sich Federer letzten Dezember überraschend getrennt hat, sagte einst, dass es erst richtig losgehe, wenn Federer einmal sein erstes Grand-Slam-Turnier gewonnen habe. Eine Prognose, die sich bis anhin als goldrichtig herausgestellt hat. Letzten Herbst gewann Federer in souveräner Manier das Masters-Turnier der 8 erfolgreichsten Tennisspieler der Saison 2003 und nun der eindrückliche Erfolg bei den Australian Open, was gleichbedeutend mit der erstmaligen Übernahme der Weltranglistenspitze war. Wie wichtig dabei der mentale Faktor ist, zeigt sich bspw. in folgender Aussage von Federer: "Im Tennis habe alles mit dem Kopf zu tun. Entscheidend ist, ob sich ein Spieler wohl fühlt."
Im Nachtcafé vom 19. März 2004 - einer Diskussionssendung des Südwestdeutschen Rundfunks - stand das Thema "Einfach leben - glücklich leben?" zur Diskussion. Einmal mehr hatte der Gastgeber und Gesprächsleiter Wieland Backes Leute mit sehr unterschiedlichem Hintergrund eingeladen: den Schauspieler Ralf Bauer, die Raumgestalterin und Buchautorin Rita Pohle, Silke Hagmaier (Bewohnerin eines Ökodorfes), die Industriellen-Gattin und Jetsetterin Renate Hirsch-Giacomuzzi, den Börsenspezialisten und ntv-Moderator Markus Koch, sowie den Politökonomen und Dozenten an der Universität Fribourg Guy Kirsch. So kontrovers die Diskussion manchmal ablief und so unterschiedlich die Lebensentwürfe der einzelnen Gesprächsteilnehmer waren bzw. sind, es gab durchaus auch Gemeinsamkeiten, wenn es darum ging zu definieren was "glücklich leben" denn für den Einzelnen bedeutet.
Glück durch materiellen Wohlstand, durch ein möglichst hohes Einkommen und durch die Anhäufung irgendwelcher Konsum- oder gar Luxusgüter? - Keineswegs, speziell zwei Dinge wurden immer wieder gewissermassen als Kriterium für "Glück" genannt:
glücklich ist diejenige/derjenige, welche(r) mit sich im Reinen ist
glücklich ist derjenige/diejenige, welche(r) die Fähigkeit "loslassen zu können" besitzt
Wahres Glück ist also eher das Resultat gewisser geistiger Fähigkeiten und weniger die Folge materieller Besitztümer. Oder anders formuliert: wahres Glück finden wir in unserem Inneren und nicht im Aussen. Der Buchautor Josef Kirschner hat es folgendermassen ausgedrückt: "Der Weg zum Glücklichsein führt direkt zurück zu uns selbst. Unser Glück beginnt bei uns selbst. Hier sollten wir es suchen und entdecken." Schlussendlich soll aber jede Person für sich selbst entscheiden, was Glück für sie/ihn persönlich bedeutet. Fragen Sie sich doch gleich einmal selbst, wann Sie so richtig glücklich und im Einklang mit sich selbst sind? - Selbsterkenntnis als zentraler Schritt auf dem Weg zum eigenen Glück!
Noch ein Wort zur "Einfachheit", denn es ging in der Diskussion ja auch um den Zusammenhang zwischen einem einfachen und einem glücklichen Leben. Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass immer mehr Menschen das Bedürfnis nach einem einfacheren Leben haben und vom komplizierten Alltag schlicht überfordert sind. Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass man ab sofort ganz spartanisch leben sollte und so automatisch zu einem glücklichen Leben findet. Vielmehr bedeutet es bspw. sein Leben zu "entrümpeln", wie sich Rita Pohle ausdrückte, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und Dinge, Menschen oder auch störende Gedanken loslassen zu können. Ein Zitat von Albert Einstein beschreibt es sehr schön: "Halte die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher!"
Buchtipps:
Kirschner, Josef: Die 100 Schritte zum Glücklichsein: Wie Sie aus eigener Kraft Ihr Leben verändern, Herbig, München, 1997

"Ein neues Phänomen beschäftigt amerikanische Kinderärzte. Immer mehr Kinder nehmen das "Beruhigungsmittel" Ritalin, obwohl sie gar nicht unter Hyperaktivität leiden. Die Eltern hoffen, dass ihre Zöglinge unter dem Einfluss dieser Pille bessere Noten nach Hause bringen - denn mit diesem Medikament funktionieren nicht nur zappelige Kinder besser in der Schule, es hilft auch ganz normalen Kindern. Ob hyperaktiv oder nicht: Ritalin steigert Geschwindigkeit, Ausdauer und Konzentration." So beginnt ein Artikel in der Weltwoche (Schweizer Wochenzeitung) vom 19. Mai 2004. Beängstigend auch, dass eine amerikanische Studie aus dem Jahre 2000 ergeben hat, dass einer von fünf College-Studenten vor Prüfungen Ritalin einnimmt. Typisch USA? - Wohl kaum! Hennric Jokeit, Dozent für Neuropsychologie an der Universität Zürich, führt in einer seiner Vorlesungen jeweils eine kleine Umfrage durch. Grundlage ist folgende hypothetische Frage: "Stellen Sie sich vor, Sie müssten ins Assesment Center und könnten mit Ritalin besser abschneiden. Würden Sie es nehmen?" Ergebnis: zwei Drittel der Studenten würden dies tun!
Ritalin ist dabei nur ein Beispiel, das stellvertretend dafür sein soll, dass immer mehr Menschen zu Medikamenten greifen, um ihre körperliche und/oder geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Man denke z.B. auch an Viagra, Prozac oder Modafinil.
Vielleicht fragt sich nun die/der eine oder andere Leser/in, was das Ganze mit mentalem Training zu tun haben soll? - Meiner Meinung nach eine ganze Menge. Ein Anwendungsbereich des mentalen Trainings ist bspw. ebenfalls die Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit. Nur ist der Ansatz ein ganz anderer! Mentales Training arbeitet mit natürlichen Techniken und Übungen. Zudem sollte immer die Frage nach den wirklichen Ursachen diskutiert werden. Hat ein Schüler etwa Konzentrationsprobleme kann das bspw. daran liegen, dass er im Alltag zu wenig Bewegung hat, sich falsch ernährt oder schlicht und einfach zu wenig schläft.
Der Griff zu irgendwelchen Medikamenten ist sicherlich eine sehr bequeme "Lösung". Gleichzeitig geht man aber eine Abhängigkeit ein, die schlimmstenfalls zur richtigen Sucht werden kann. Zudem ist bekannt, dass die meisten Medikamente unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen. Mentales Training dagegen ist natürlich, ursachenbezogen und fördert ein selbstbestimmtes Leben, setzt aber die Bereitschaft voraus aktiv etwas zu unternehmen...
Lesetipp:
Weltwoche vom 19. Mai 2004: "Die Perfektionierung des Menschen" von Theres Lüthi
Äusserst
spannend präsentierte sich die Ausgangslage in der Gruppe C bei den Fussball
Europameisterschaften in Portugal. Vor den abschliessenden Gruppenpartien
zwischen Dänemark und Schweden, sowie zwischen Italien und Bulgarien zeigte die
Tabelle folgendes Bild:
|1. Schweden||2||6:1||4|
|2. Dänemark||2||2:0||4|
|3. Italien||2||1:1||2|
|4. Bulgarien||2||0:7||0|
Gab es im skandinavischen Duell einen Sieger, hätte Italien ein Sieg gegen Bulgarien gereicht, um als Gruppenzweiter in die Viertelfinals einzuziehen. Endete die Partie zwischen Schweden und Dänemark unentschieden und Italien hätte gleichzeitig seine Partie gewonnen, wären am Ende drei Teams mit 5 Punkten zu Buche gestanden. Bei derartigen Konstellationen würden dann jeweils die Direktbegegnungen den Ausschlag geben. Da aber zuvor schon die Matches zwischen Italien und Schweden (1:1) und Italien und Dänemark (0:0) mit einem Unentschieden endeten, hätten die in den Direktbegegnungen mehr erzielten Tore über das Weiterkommen entschieden. Hätte die Partie zwischen Schweden und Dänemark also mit einem 2:2 geendet, hätten sich die Schweden als Gruppenerste (Torverhältnis 3:3), Dänemark als Gruppenzweite (2:2) qualifiziert, währenddem die Italiener ihre Koffer hätten packen müssen. Mit andern Worten: ein 2:2 zwischen Dänemark und Schweden hätte in jedem Fall ein Ausscheiden Italiens zur Folge gehabt - gewissermassen das italienische "Horror-Szenario". Genau dies veranlasste italienische Medien und Spieler im Vorfeld der Partien ihre Bedenken über eine mögliche Absprache zu äussern. Es wurde offen über einen möglichen "Pakt der Skandinavier" diskutiert und ein italienischer Spieler forderte gar den Einsatz zusätzlicher TV-Kameras, um allfällige "Unregelmässigkeiten" dokumentieren zu können...
Am Abend des 22. Junis war es dann soweit. Bei strömendem Regen gewann Italien seine Partie gegen Bulgarien durch ein Tor in der Nachspielzeit mit 2:1 und wähnte sich für einige Sekunden in den Viertelfinals - doch dann die Nachricht aus Porto: beinahe zeitgleich hatte Schweden gegen Dänemark zum 2:2 ausgeglichen... der italienische Alptraum wurde Realität..
Abschlusstabelle:
|1. Schweden||3||8:3||5||3:3|
|2. Dänemark||3||4:2||5||2:2|
|3. Italien||3||3:2||5||1:1|
|4. Bulgarien||3||1:9||0|
Was war hier passiert? Gab es doch eine Absprache zwischen Dänemark und Schweden? - Wer die Partie gesehen hat, wird dies wohl mit ziemlicher Sicherheit verneinen können. Von einem abgekarteten Spiel konnte nicht die Rede sein. Also purer Zufall, dass die Partie ausgerechnet mit einem 2:2 endete? Möglich, aber der "Zufall" ist eigentlich nie eine besonders gute Erklärung. Um kurz einen Blick in die Statistik zu werfen. Könnte ja schliesslich sein, dass ein 2:2 ein relativ häufiges Spielergebnis ist. Seit der Europameisterschaft 1996 in England nehmen 16 Nationen am Turnier teil. Dies bedeutet, dass während des ganzen Turniers insgesamt 31 Partien ausgetragen werden. Nehmen wir die Partien der Euro 2000 und der laufenden EM 2004 hinzu (nur Gruppenspiele), macht dies ein Total von 86 Partien. Von diesen 86 Partien endeten nur deren 4!!! mit einem 2:2 oder einem höheren Remis. Dies entspricht nur gerade 4,65% aller Begegnungen...
Welche anderen Erklärungen könnte es für diesen "zufälligen" Spielausgang noch geben? - Zwei Ansätze seien hier kurz skizziert:
|a)||Die beiden skandinavischen Teams haben zwar nicht bewusst auf ein 2:2 gespielt und eine Absprache zu unterstellen ist eine böswillige Behauptung, im Unterbewusstsein der Spieler war aber fest verankert, dass ein derartiger Spielausgang die Viertelfinal-Qualifikation für beide Teams bedeuten würde.|
|b)||Die
italienischen Spieler, Medien und Supporter haben das Ergebnis durch
ihre Spekulationen und Verdächtigungen im Vorfeld der Partie
mitverursacht.

Eine etwas gar abenteuerliche Interpretation? - Möglicherweise, vielleicht aber auch nicht...
Am Freitag, dem 13. August wurden in Athen die 28. olympischen Sommerspiele eröffnet. Während gut zwei Wochen richten sich die Blicke der Sportwelt in Richtung der griechischen Hauptstadt. Rund 10'500 Athletinnen und Athleten aus der ganzen Welt messen sich in den unterschiedlichsten Disziplinen - von traditionellen Sportarten wie der Leichtathletik oder Schwimmen, über Trendsportarten wie Beach-Volleyball oder Triathlon bis zu - für uns - exotischen Disziplinen wie Taekwondo oder Tontaubenschiessen. Für die meisten Teilnehmenden ist es der Saisonhöhepunkt, wenn nicht gar der Höhepunkt der sportlichen Karriere überhaupt. Die ganze Planung läuft darauf hinaus am Tag X bereit zu sein, um möglichst die optimale Leistung abrufen zu können. Währenddem den einen dies ganz gut gelingt und möglicherweise durch die spezielle olympische Stimmung gar über sich hinaus wachsen, kommen andere mit der eigenen und der öffentlichen Erwartungshaltung überhaupt nicht zu recht und können nicht annähernd ihr Potential abrufen - körperlich wären sie zwar fit, auf mentaler Ebene sind sie der Situation aber nicht gewachsen.
An dieser Stelle möchte ich auf eine Athletin zurückblicken, die an den vergangenen olympischen Spielen in Sydney in meinen Augen eine der beeindruckendsten Leistungen gezeigt hat, die ich je gesehen habe. Die Rede ist von der australischen 400m Läuferin Cathy Freeman. Freeman galt als grosse Favoritin für den 400m Lauf und war darüber hinaus als Aborigine eine Symbolfigur für die Eingeborenen Australiens und ganz Australien überhaupt. Nicht überraschend deshalb, dass Cathy Freeman bei der Eröffnungsfeier die Ehre zukam, das olympische Feuer zu entzünden. Wohl selten zuvor stand eine Disziplin und eine einzelne Sportlerin derart im Mittelpunkt wie die 400m der Damen bzw. Cathy Freeman. Ein ganzes Land fieberte dem Ereignis entgegen und erwartete von "seiner" Läuferin den Gewinn der Goldmedaille. Konnte Freeman diesem enormen Druck von aussen standhalten und mit diesem Rummel um ihre Person umgehen? - Ja, sie konnte! Nach 300m noch an dritter Stelle liegend, überspurtete die Australierin unter ohrenbetäubendem Lärm ihre härtesten beiden Kontrahentinnen auf der Zielgeraden und gewann letztlich auf souveräne Art und Weise die so sehnlich erwünschte Goldmedaille. Cathy Freeman war am Ziel ihrer sportlichen Träume und stürzte ganz Australien, aber sicherlich auch Sportfans weltweit in einen kollektiven Freudentaumel.
In der Hoffnung auf ähnlich spannende und stimmungsreiche, vor allem aber auch faire und völkerverbindende Wettkämpfe in Athen...
Abschliessend ein Zitat von Timothy Gallwey aus dem Buch "Tennis - das innere Spiel": "Wir kommen also zum überraschenden Schluss, dass echter Wettkampf und echte Zusammenarbeit identisch sind. Jeder Spieler versucht sein möglichstes, um den anderen zu schlagen, aber wenn wir den Wettkampf unter diesem neuen Blickwinkel sehen, bekämpfen wir nicht die andere Person; wir versuchen lediglich die Hindernisse zu überwinden, die uns vom Gegner in den Weg gelegt werden. In einem wahren Wettkampf wird niemand geschlagen."
Für den Monat Oktober habe ich mich für ein Interview mit Laufbahn- und Projektberater Thomas Diener entschieden, das am 16. Oktober 2004 im Stellenanzeiger des St.Galler Tagblatts erschienen ist. Zum einen deshalb, weil mir die Ansichten von Thomas Diener sehr gefallen und ich diese weitgehend teile, zum andern weil ich selbst vor einigen Jahren bei Ihm in der Laufbahnberatung war. Zusammen haben wir damals berufliche Möglichkeiten diskutiert und einen Weg für mich entwickelt. Gut möglich, dass ich ohne seine Beratung niemals die Ausbildung zum Mental-Trainer begonnen hätte... an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank, Thomas!
FRAGE (F): Herr Diener, wie erlebten Sie den Übergang von der Schulzeit zur Erwerbstätigkeit?
THOMAS DIENER (TD): In den Achtzigerjahren herrschte kein Lehrstellenmangel, ich hatte die Qual der Wahl. Nach einer dreijährigen Ausbildung in einer Werbeagentur suchte ich das Weite und schwor mir: Nie mehr in einem Büro arbeiten! Es folgten meine Wanderjahre: Ich arbeitete in einem Kulturzentrum, reparierte und verkaufte Rasierapparate, schlug mich als Kundendienstmitarbeiter und Buchhalter durch, lebte vorübergehend auf der Alp und versuchte mich auch als Naturfarbenmaler und Zimmermann. Erst mit 28 Jahren stellte ich mir ernsthaft die Frage, was ich aus meinem Leben machen wollte.
F: Sie beschlossen, eine theaterpädagogische und psychotherapeutische Ausbildung in Angriff zu nehmen. Ein vernünftiger Entscheid?
TD: (Lacht) Ich hatte keine Ahnung, was ich später damit anfangen sollte. Ich liess mich schon damals von meinen Interessen leiten und wusste, dass ich kreativ mit Menschen arbeiten wollte. Das klappte ganz gut. Ich machte mich früh selbständig, gründete ein Büro für Kommunikation. Als Leiter des «Alternativen Branchenbuches» kam ich immer wieder mit Menschen in Kontakt, die im Ökologiebereich arbeiten wollten. So ergab es sich, dass ich eine Ökostellenbörse aufbaute und vermehrt Kurse gab.
F: Heute tun sich viele junge Menschen schwer damit, eine Stelle zu finden. Sollten sich all diese Arbeitslosen selbständig machen?
TD: Nein, es wäre unsinnig zu fordern, jeder Schul- oder Uniabgänger solle seine eigene Ich-AG gründen. Aber es können alle lernen, selbständiger zu denken. Wer meint, die Stellensuche beschränke sich darauf, möglichst viele Stelleninserate zu sammeln und darauf zu warten, bis eins der Anforderungsprofile sich mit den eigenen Interessen und Fähigkeiten deckt, wird kaum fündig werden. Deutlich Erfolg versprechender ist es, mit eigenen Vorstellungen auf mögliche Arbeitgeber zuzugehen. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Ein Einkäufer, der seine Stelle bei einem Schweizer Grossverteiler verloren hatte, wunderte sich, dass beim letzten Club-Urlaub ausser seiner Partnerin keine Spanier teilgenommen hatten. Er wandte sich an den Marketingleiter und erfuhr, dass es der Firma noch nicht gelungen war, in Spanien eine Vertretung aufzubauen. Der Spanien-Fan erhielt sofort einen Termin für ein Vorstellungsgespräch. So können Stellen geschaffen werden, die nie ausgeschrieben worden wären.
F: Eine schöne Geschichte, aber sind das nicht bloss spektakuläre Einzelfälle?
TD: Nein, keineswegs, es gibt zahlreiche solche Beispiele. Leider geht noch immer das Hirngespinst um, dass nur diejenigen, die eine stromlinienförmige Karriere vorweisen können, eine Chance auf anständig bezahlte und interessante Tätigkeiten haben. Der Fluch, der über vielen jungen Menschen lastet, sagt: «Es ist schwieriger geworden, also pass dich an!» Ich weiss aus zahlreichen Beratungsgesprächen, dass viele junge Erwachsene unter der Vorstellung leiden, die Arbeitswelt sei ein fertig gebautes Uhrwerk und sie müssten als Rädchen exakt in dieses Uhrwerk passen. Das ist ein folgenschwerer Irrtum. Originalität ist mindestens so wichtig wie Anpassung.
F: Tatsache bleibt, dass jene, die sich schlecht anpassen können, Mühe haben bei der Stellensuche.
TD: Das hängt damit zusammen, dass Disziplin und Anpassung als Königsweg betrachtet werden. Wohin das führt, zeigt die hohe Zahl der Stresserkrankungen. Mehr als die Hälfte der Berufstätigen, die zu mir in die Beratung kommen, tun sich schwer damit, dass es keine sinnvolle Beziehung gibt zwischen ihrem Leben und ihrer Arbeit. Diese Menschen verkleiden sich jeden Morgen und schlüpfen in eine Rolle, die sie acht Stunden pro Tag spielen. Das ist der alltägliche Wahnsinn unserer Arbeitswelt. Viele von uns wurden nie darin unterstützt, einen Beruf zu wählen, der ihrem Wesen entspricht. Sie haben keine Ahnung, dass Arbeit auch Energie geben kann, nicht nur Energie verbrauchen. Aber es gibt genug Beispiele von Menschen, die den Mut aufbrachten, darauf zu bestehen, dass ihre Arbeit sinnvoll ist, dass sie mit ihrem Leben zu tun hat.
F: Die eigenen Interessen zu kennen und mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes abzugleichen ist für Schulabgänger eine schwierige Aufgabe...
TD: Es gibt derzeit keine Institution, die es jungen Erwachsenen ermöglicht, aus dem Brennpunkt ihrer Leidenschaft heraus ihre eigene Beruflichkeit zu entwickeln. Ich halte es für ausgesprochen wichtig, dass junge Menschen lernen, ihre Fähigkeiten entlang ihrer Interessen zu entwickeln. Das trifft speziell auf jene Schülerinnen und Schüler zu, die gemeinhin als «schwierig» gelten. Widerständige Menschen müssen zuerst den Sinn begreifen, bevor sie sich engagieren. Dann lernen sie jedoch mit Intelligenz, Herz und Ausdauer. Brave Schülerinnen und Schüler dagegen lernen, ohne den Sinn zu sehen. Sie passen sich an ohne Ende.
F: Für die erste Gruppe haben Sie das Netzwerk und Ausbildungskonzept «Berufsnavigation» geschaffen. Mit welchem Ziel?
TD: Unsere Botschaft an die jungen Erwachsenen ist: Die Arbeitswelt ist nicht so starr, wie sie dargestellt wird; für jene, die ihre Träume und Stärken kennen, eröffnet sie sogar faszinierende Perspektiven, denn es gab noch nie so viele Möglichkeiten, eine sinnvolle Tätigkeit zur Erwerbsquelle zu machen wie heute. Wir, ein Netzwerk von Profis aus den Bereichen Coaching, Laufbahnberatung, Schulung und Organisationsentwicklung, wollen die ein- bis dreijährige Berufsnavigationsausbildung im nächsten Jahr mit rund 20 jungen Erwachsenen beginnen. Das erste Modul wird im Zeichen der Standortbestimmung und gleichzeitigen Vernetzung stehen. Wer herausfinden will, was ihn begeistert, womit er in Resonanz ist, muss aus dem stillen Kämmerchen in die Welt hinaus. In einer zweiten Phase, wenn das innere Feuer brennt, kann er dann seine Schlüsselqualifikationen entwickeln und - betreut durch Mentoren - eigene Projekte realisieren.
Weitere
Infos zur Ausbildung unter: www.berufsnavigation.net
1974 trat Uri Geller erstmals im CH-Fernsehen auf und verblüffte die Zuschauer mit dem Verbiegen von Löffeln und Uhren, die plötzlich wieder funktionierten, nachdem sie vor Jahren ihren "Geist" aufgegeben hatten. Wie war so etwas möglich? - Verfügte Uri Geller über besondere spirituelle Fähigkeiten oder waren es eher Zauber-Tricks, die er da vorführte?
30 Jahre später war Geller kürzlich Gast in der Sendung "Quer", welche jeweils am Freitag Abend um 20:30 Uhr auf SF1 ausgestrahlt wird. Erneut wurden Löffel und Schlüssel verbogen, Uhren und andere Geräte zur Funktionalität wiedererweckt und Kompassnadeln mittels Gedankenkraft bewegt. Aufgeregte Fernseh-Zuschauer riefen in die Sendung an und berichteten über wunderliche Dinge - Staunen und Fassungslosigkeit bei Zuschauern im Studio. Auch der Moderator Patrick Rohr wiederholte mehrmals, dass er sich nicht erklären könne, wie so etwas möglich sei. Dabei lieferte Uri Geller die Erklärung...
Das erste Experiment, das Geller in der Sendung durchführte, war der sog. "Armtest" oder "Muskeltest", den man aus der Kinesiologie kennt. Gedanken haben Auswirkungen auf unser Energieniveau und wiederspiegeln sich in unserem Körper. Dazu hatte der Moderator zunächst für einige Sekunden sich an etwas Positives intensiv zu erinnern. Danach streckte Rohr seinen linken (schwächeren) Arm seitlich hinaus und Geller versuchte diesen hinunterzudrücken - Resultat: Rohr vermochte dem Druck standzuhalten. Anschliessend musste er sich an etwas Negatives während einiger Sekunden erinnern, dann den rechten (stärkeren) Arm ausstrecken und wiederum versuchen dem Druck standzuhalten - Resultat dieses mal: der Arm senkte sich sogleich nach unten! Probieren Sie es doch selbst einmal aus mit dem/der PartnerIn oder irgend einer Person aus Ihrem Bekanntenkreis. Eine Selbsterfahrung ist immer am Eindrücklichsten...
Oder das Experiment mit der sich bewegenden Kompassnadel. Ist es möglich alleine mit unserer Gedanken-Kraft materielle Dinge zu bewegen? Gibt es Telekinese tatsächlich? Schlussendlich ist es eine Glaubensfrage. Es gibt aber wissenschaftliche Studien, welche die Existenz telekinetischer Phänomene bestätigen. Nachfolgend ein kurzer Auszug zur ersten Studie über die Telekinese, die aus dem Jahre 1934 stammt:
"1934 wurde der erste Versuch unternommen, diese Fähigkeiten streng wissenschaftlich im Labor zu untersuchen. Damals trat ein Spieler an den PSI-Forscher Joseph Banks Rhine heran, der ihm berichtete, er könne im erregten Zustand am Würfeltisch das Fallen der Würfel beeinflussen.
Das interessierte Rhine sehr, und so begann er eine Reihe von Experimenten. Rhine ließ seinen Probanden 24 mal mit einem Würfel und 12 mal mit zwei Würfeln werfen. Dabei nutzte er die statistischen Auswertungen. Denn würde der Proband deutlich über der statistischen Wahrscheinlichkeit liegen, muss hier eine besondere Fähigkeit vorliegen. Die Ergebnisse waren für Rhine eindeutig: der Spieler und andere von ihm untersuchte Personen und auch Gruppen haben sehr oft weit über die statistische Wahrscheinlichkeit die Augenzahlen der Würfel "bestimmt".
Doch natürlich sind solche und die zahllose ähnlichen Versuche bis heute umstritten. Die einen sehen solche Gaben als gegeben an - einige glauben sogar, dass jeder Mensch sie hat - und andere sehen hier Schwindel und Zufall am Werk."
Ob es Telekinese nun gibt oder nicht oder ob Uri Geller über besondere Fähigkeiten verfügt, ist in meinen Augen letztlich gar nicht so zentral. Wichtig ist vielmehr die Botschaft, welche Geller transportieren wollte: "DIE KRAFT POSITIVER GEDANKEN" - Unsere Gedanken sind der Schlüssel zu unserem Lebensglück, ob man durch sie gar Gegenstände bewegen und Löffel verbiegen kann ;-), ist da doch eher zweitrangig...
Gegenwärtig läuft im Schweizer Fernsehen mit grossem Erfolg die zweite Staffel der Casting-Show "Music-Star". Im Jahre 2004 war deren Finalsendung, gar die am meist gesehene Übertragung auf SF DRS! Aus Tausenden von KandidatInnen haben sich letztlich 10 Teilnehmer für die Finalsendungen qualifiziert und erküren bis Ende Februar den "Music Star" des Jahres 2005.
Musik hat in allen Kulturen eine grosse Bedeutung und ist ein fester Bestandteil unseres Lebens. Wir kaufen uns CDs und Musikkassetten, wir hören Radio oder wir schauen MTV, wir besuchen Konzerte oder gehen in die Disco. Musik löst bei uns unterschiedlichste Gedanken und Emotionen aus. Diese Gegebenheit können wir für uns auch gezielt nutzen, um mittels geeigneter Musik innert weniger Sekunden einen gewünschten Gemütszustand zu erreichen. Haben Sie nicht auch Ihre Lieblingsstücke, die in Ihnen etwas bestimmtes auslösen? Wenn Sie sich einmal deprimiert, lustlos oder gestresst fühlen, geht es Ihnen nicht umgehend besser, wenn Sie eine Ihrer Lieblings-CDs einlegen? Gewisse Titel regen an, versorgen uns mit neuer Energie, andere wirken beruhigend und stellen unser Gleichgewicht wieder her.
Nachfolgende Zeilen stammen aus dem Buch "Die Kunst mühelosen Lernens" von Kurt Tepperwein:
"Aus der Musikforschung wissen wir, dass eine bestimmte Art von Musik die körperlichen Vorgänge verlangsamt und allein dadurch einen Entspannungszustand ähnlich wie im Zustand der Medidation oder der Hypnose hervorruft. Es handelt sich stets um Musik im Viervierteltakt... Stress wird automatisch abgebaut, das Wohlbefinden bessert sich entscheidend, und zwischen Körper und Geist entwickelt sich eine neue Verbindung."
Steckt nicht sehr viel Wahrheit in der Aussage "dass mit Musik alles leichter von der Hand geht"?...
Weltcup-Finale in der Lenzerheide. Mit einem 2. Platz im zweitletzten Rennen der Saison, einem Riesenslalom, sichert sich Bode Miller zum ersten mal in seiner Karriere den Gewinn des Ski-Gesamt-Weltcups vor seinen österreichischen Kontrahenten Benjamin Raich und Hermann Maier. Kurz zuvor gewann Miller bei den Skiweltmeisterschaften in Bormio die Goldmedaille in der Abfahrt und im Super-G, währenddem er in den restlichen drei Disziplinen ausschied. Typisch Miller: erreicht er ohne grössere Fehler das Ziel, ist er meist nicht zu schlagen. Auf der andern Seite hat er aber auch eine sehr hohe Ausfallquote. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Bode eine unheimlich riskante Fahrweise mit extremer Rück- und Seitenlage hat - wahrlich ein spektakulärer Anblick, wenn man ihn bei seinen Rennen beobachtet. In der Weltwoche (Ausgabe 11/2004) konnte man über Bode Miller folgendes lesen:
"Sein unorthodoxer Fahrstil, der sämtlichen Lehrbüchern widerspricht, erinnert jeweils an einen wilden Rodeoritt. «Er fährt schneller, als es die Theorie uns sagt, und überholt sogar physikalische Gesetze», staunt selbst der sonst so nüchterne Bernhard Russi."
Auch sonst ist bei Bode Miller alles etwas anders als bei seinen Mitbewerbern. Aufgewachsen in einer Berghütte irgendwo im Staate New Hampshire, in der es weder fliessendes Wasser noch Elektrizität gab, lernte Miller schon früh seinen eigenen Weg zu gehen. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass er einer der unkonventionellsten Sportstars der Gegenwart ist. Miller trainiert gerne alleine, hört selten auf seine Trainer und fährt im eigenen Wohnmobil von Weltcup-Station zu Weltcup-Station. Er ist auch wahrlich kein Trainingsbesessener, sondern geht häufig anderen Interessen nach. Nicht wenige Stimmen behaupten, dass Miller bspw. im schweizerischen oder österreichischen Team niemals derart erfolgreich geworden wäre. Womöglich wäre er gar sehr früh aus dem Kader geflogen - Individualität und Unkonventionalität sind nicht überall gerne gesehen...
Bode Miller hat dagegen eindrücklich gezeigt, dass man konsequent seinen eigenen Weg gehen und in einem Bereich absolute Weltklasse verkörpern kann, ohne dass man dafür auf vieles verzichten muss. In einem Interview äusserte er sich dazu einmal wie folgt:
"Ich könnte exakt das Richtige essen, jede Nacht neun Stunden schlafen und ein totaler Roboter sein und ich bin sicher, dass ich dann eine viel bessere Kondition hätte. Aber es geht nicht nur darum zu siegen. Ich will auch ein glückliches Leben haben."
Am 25. April startete im ganzheitlichen Kurs- und Ferienzentrum Moosmühle der erste Lehrgang zum/zur dipl. Gesundheitsberater/in. Die berufsbegleitende Ausbildung umfasst 6 Wochen plus zwei Wochenenden und dauert ca. 2½ Jahre, sodass die Studentinnen der "ersten Generation", bei positivem Verlauf, Ende 2007 abschliessen werden. Da die Ausbildung möglichst ganzheitlich und umfassend über Gesundheit informieren möchte, sind die Themen sehr breit gestreut. Die Schwerpunkte bilden dabei: Ernährung, Entspannung, Bewegung, Methoden der Komplementär Medizin und der Psychologie. Im Vordergrund stehen dabei Prävention und Eigenverantwortung, so war die erste Woche mit "Gesundheit ist lernbar!" umschrieben. Die Quintessenz daraus: jede und jeder Einzelne von uns kann sehr viel zur eigenen Gesundheit beitragen! Eigentlich auch der naheliegende Weg, um die Gesundheitskosten, welche in den letzten Jahren explodiert sind, endlich in den Griff zu bekommen...
Einer der Ausbildungsinhalte der ersten Woche war nun auch Mental-Training, worüber ich ein Referat halten durfte, schliesslich gibt es unmittelbare Zusammenhänge zwischen Geist, Psyche und Körper. Der grosse Anteil psychosomatischer Beschwerden belegt dies eindeutig oder denken Sie auch an gewisse Redewendungen, die wir im Alltag gebrauchen:
Mental-Training hat deshalb auch im Gesundheitsbereich seine Bedeutung und kann/könnte sehr vieles bewirken. Da ich kein Freund von Monologen bin, sondern vielmehr einen interaktiven Ablauf bevorzuge, war ich sehr erfreut, dass die Gruppe (bestehend aus 11 Frauen) äusserst teilnahme- und diskussionsfreudig war, sodass die vier Stunden sehr lebendig abliefen - ein grosses Kompliment an die Teilnehmenden! Selbstverständlich kann man ein derart grosses Thema in vier Stunden nicht abhandeln, sondern man kann den Studierenden nur einen kurzen Einblick in die Materie geben und einige zentrale Dinge herausgreifen. Wer sich dafür interessiert, kann sich anschliessend mit dem Thema intensiver auseinandersetzen - sei es im Selbststudium durch das Lesen von Fachliteratur (neben der Pflichtlektüre), sei es in Gesprächen mit Fachpersonen, sei es durch das Aufarbeiten eigener Erfahrungen, etc. So ist die Teilnahme an den einzelnen Vorträgen und das aktive Zuhören nur ein Element der Ausbildung, die Nachbearbeitung und Lektüre der Literatur ist zeitlich gesehen der wesentlich grössere Block.
Weitere Infos zur Ausbildung unter: www.ausbildung-gbm.ch
25. Mai 2005: Das Finale der diesjährigen Champions-League findet in Istanbul zwischen der AC Milan und dem FC Liverpool statt. Währenddem die Mailänder schon zu Saisonbeginn zum engsten Favoritenkreis gehörten, hatte sich Liverpool doch sehr überraschend für das Finale qualifiziert. In der englischen Meisterschaft belegten die Liverpooler nur den 5. Rang mit einem gewaltigen Rückstand auf die drei Spitzenteams und auch in der Gruppenphase der Champions League lief wahrlich nicht alles nach Wunsch. In ihrer Vierer-Gruppe lagen die Engländer vor der letzten Partie nur an dritter Stelle, drei Punkte hinter der griechischen Mannschaft von Olympiakos Piräus. Die Direktbegegnung zwischen den beiden Teams musste darüber entscheiden, wer sich für die Achtelfinals qualifizieren würde. Liverpool musste dabei das Heimspiel mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen. Ein Unterfangen, das schon bald einmal in weite Ferne rücken sollte. Zur Pause führte Piräus mit 1:0 und schien einer sicheren Qualifikation entgegen zu steuern. Liverpool seinerseits fehlten drei Tore und hatte dafür nur noch 45 Minuten Zeit. Da die Mannschaft in den vorangegangenen 495 Minuten gerade einmal drei Tore erzielt hatte, schien die Ausgangslage fast hoffnungslos ... doch dann ereignete sich "Wunder 1": Durch eine grossartige kämpferische Leistung und angetrieben von einem begeisterten Publikum schaffte Liverpool tatsächlich die Wende und erzielte kurz vor Schluss das entscheidende 3:1 - Liverpool hatte sich in extremis für die Achtelfinals qualifziert, viel mehr wurde der Mannschaft angesichts der doch spielerischen Defizite nicht zugetraut - zu stark schien die Konkurrenz vor allem aus Italien, Spanien und dem eigenen Land.
Einige Wochen später stand Liverpool nach Erfolgen über Bayer Leverkusen und den wesentlich höher kotierten Juventus Turin und Chelsea London im Finale - eine Sensation, die aber noch getoppt werden sollte...
Schliesslich das Finale gegen die AC Milan, welches in die Geschichte eingehen und über das man noch lange reden wird. Bereits nach wenigen Sekunden gingen die Mailänder in Führung und kurz vor der Pause schien die Partie bereits entschieden, als Crespo innert weniger Minuten das 2:0 und 3:0 erzielte. Milan bis zur Pause haushoch überlegen gegen ein überfordertes Liverpool und auf dem vermeintlich sicheren Weg zum Gewinn des begehrten Pokals. Doch dann sollte "Wunder 2" folgen. Kurz nach Wiederaufnahme erzielte Steven Gerrard aus heiterem Himmel das 3:1 und sieben Minuten später stand die Partie plötzlich 3:3 Unentschieden. Ein Resultat, das auch nach Verlängerung Bestand haben sollte, womit das Finale im Penaltyschiessen entschieden werden musste. Mit psychologischen Vorteilen für die Engländer angesichts des turbulenten Spielverlaufs und tatsächlich versagten drei Milan-Spielern die Nerven, währenddem nur ein Liverpooler den Elfmeter nicht verwerten konnte. Die Sensation war perfekt - Liverpool hatte es geschafft und nach schier hoffnungslosem Rückstand die Champions-League 2005 gewonnen.
Worauf ist dieser überraschende Erfolg u.a. zurückzuführen, wenn wir die mentale Ebene betrachten?
Sicherlich beanspruchte Liverpool auch eine gehörige Portion Glück - dem Glück muss man zunächst aber auch eine Chance geben...
Eine Antwort darauf findet sich bspw. unter der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Darin kann man folgendes entnehmen: "Coaching ist die professionelle Beratung und Begleitung einer Person (Coachee) durch einen Coach bei der Ausübung von komplexen Handlungen mit dem Ziel, den Coachee zu befähigen, optimale Ergebnisse hervorzubringen."
Betrachten wir die einzelnen Elemente der Definition einmal etwas näher.
Häufig wird Coaching in folgende vier Schritte unterteilt. Man spricht dabei vom sog. GROW-Prozess (engl. "grow" = (heran)wachsen):
|1.||Goals: Was möchte ich erreichen? Ziele und Visionen?|
|2.||Reality: Wo stehe ich derzeit? Situationsanalyse: wie sieht der IST-Zustand aus?|
|3.||Options: Strategien, Handlungsmöglichkeiten ausarbeiten|
|4.||Will: Umsetzung in die Realität, Training, Motivation und Durchhaltewille|
Vom 31. Juli - 6. August war ich als Leiter in einem Tennislager für Juniorinnen und Junioren, welches nun seit vielen Jahren von Rico Altermatt organisiert und durchgeführt wird. Insgesamt nahmen daran 32 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren, sowie 8 Leiter teil, sodass jede Leiterin/jeder Leiter auf dem Tennisplatz eine Gruppe von 4 Jugendlichen betreute. In meinen Augen war es eine sehr interessante, abwechslungsreiche und hoffentlich für alle Beteiligten lehrreiche Woche. Tennis war selbstverständlich der Schwerpunkt, insgesamt war es aber eine äusserst polysportive Woche mit Fussball, Baseball, Badminton, Tischtennis, Wasserball, Beach-Volleyball, Polo-Bike, Squash, etc.
"Das
Tennislager in Tenero war wieder einmal nahezu perfekt, nur das zu Bett gehen,
muss noch ein bisschen geübt werden für nächstes Jahr :-)! Allen hat es sehr
gut gefallen und wir hatten eine schöne Zeit zusammen!!!"
(Karin Bigger, 5-fache Lagerteilnehmerin)
Auf eine bestimmte Situation in dieser Woche möchte ich etwas ausführlicher zu sprechen kommen. Am vorletzten Tag des Trainingslagers machte ich mit meiner Gruppe zum Abschluss der morgendlichen Trainingssession eine bestimmte Spielform. Es war auffallend, dass einer "meiner" Tennisschüler plötzlich wesentlich besser servierte als in all den Tagen zuvor. Praktisch jeder Service war technisch ausgezeichnet und landete präzise im gegnerischen Aufschlagsfeld. Ich lobte ein-, zweimal ausdrücklich den Aufschlag, bevor das Nachwuchstalent plötzlich zu mir sagte, dass er einfach aufschlage ohne sich besonders Mühe zu geben und dass es quasi von alleine gehe... Ich erwiderte darauf, dass er absolut recht habe und dies eines der grossen Geheimnisse sei. Der Jugendliche - gerade einmal 10 ½ Jahre alt - hatte soeben eine ganz wertvolle Erfahrung gemacht. Ob er es ganz realisiert hat, bezweifle ich zwar, trotzdem ist es eine ganz wichtige Eigenerfahrung für die Zukunft.
Timothy Gallwey hat es in "Tennis - das innere Spiel" folgendermassen ausgedrückt: "Der Spieler des Inneren Spiels lernt, dass das Geheimnis, irgendein Spiel zu gewinnen, darin liegt, sich nicht zu grosse Mühe zu geben. Sein Ziel ist eine spontane Leistung, die sich nur dann einstellt, wenn das Denken ruhig ist und sich im Einklang mit dem Körper befindet." Der Zufall will es, dass in der Weltwoche derselben Woche ein Artikel über den Buddhismus erschien. Darin war am Beispiel Golf zu lesen: "Wie schaffe ich den perfekten Schlag? Selbst wenn alles bestens klappt - der Schwung, der Flug, die Weite -, der Schlag mag bewundernswert sein, aber vollendet? Der perfekte Schlag "passiert einfach". Ganz so wie einer überragenden Sängerin im erfüllten Augenblick die Musik einfach passiert. Sie singt nicht, sie lässt singen, "es" singt - und die Sängerin wundert sich, wie fabelhaft leicht es klingt, wie von selbst. Genau so passiert Tiger Woods der perfekte Schlag. Genau so widerfährt dem Manager die geniale Entscheidung" (aus Weltwoche vom 4. August 2005: "Mensch Buddha" von Ludwig Hasler).
Haben Sie nicht schon selbst eine solche Erfahrung gemacht, sei es im Sport, im Beruf, während ihrer Ausbildung oder bei der Ausübung irgendeines Hobbys?
Nur wenige Monate sind seit dem Champions-League-Finale 2005 vergangen und schon wieder war Istanbul Austragungsort einer denkwürdigen und dramatischen Fussball-Partie. Begleitet leider von einigen unschönen Szenen, auf welche hier aber nicht näher eingegangen werden soll. Als Gruppenzweite traf die Schweizer Nationalmannschaft in der Barrage auf den WM-Dritten von 2002, die Türkei. Nach einer imponierenden Leistung und einem 2:0 Heimsieg war die Ausgangslage für das schwere Rückspiel vielversprechend...
Seit Beginn dieser WM-Qualifikation ist der frühere Spieler Alain Sutter, Experte bei SF DRS und analysiert die Matches im Vorfeld und in der Retrospektive. Auffallend war für mich gestern Abend (16. November) vor dem Anpfiff zum Rückspiel, dass Sutter viele Ausführungen zum mentalen Bereich machte und dessen zentrale Bedeutung unterstrich. Er sprach von mentalen Techniken zur Vorbereitung (bspw. im Zusammenhang mit möglichen Provokationen, einer aufgeheizten Stimmung im Stadion, etc.), um dann für den Ernstfall gewappnet zu sein, von der Wichtigkeit der richtigen Einstellung oder dem Festlegen von konkreten Zielen. In dieser Ausführlichkeit habe ich das beim Betrachten einer Fussballübertragung selten gesehen, was mich angenehm überraschte und was zeigt, dass wohl auch im Fussball langsam aber sicher ein Umdenken stattfinden wird. Mentale Aspekte werden wohl auch da in Zukunft im Training an Bedeutung gewinnen.
Das Rückspiel zeigte dann aber, dass Sutter im Vorfeld der Partie die mentale Stärke des Schweizer Teams wohl doch etwas überschätzt hatte. Nach idealem Start und einer frühen Führung verhielten sich die Schweizer viel zu passiv und liessen den Gegner wieder ins Spiel kommen. Man überliess der türkischen Mannschaft beinahe komplett das Spieldiktat und reagierte nur noch, anstatt selbst weiter Akzente zu setzen. Defensiv wurden Stellungsfehler begangen und es waren leichtsinnige Fehler zu beobachten. Eine abgeklärte Leistung sieht da anders aus, auch wenn die Umstände im Stadion sicherlich sehr delikat waren. Mentale Stärke zeigt sich ja gerade in solchen Momenten... Und so wurde es letztlich zu einem Zittersieg!
Herzliche Gratulation der CH-Mannschaft zu einer insgesamt
verdienten Qualifikation (die Heimspiele gegen Frankreich und die Türkei waren
wirklich begeisternd und mit etwas Glück hätte man ja gar die direkte
Qualifikation geschafft), ich hoffe aber sehr, dass man auch die Schwächen
sieht und daraus für die Zukunft lernt. Die Wahrscheinlichkeit dafür scheint
mir ziemlich hoch, da der Trainer Köbi Kuhn einen ausgezeichneten Eindruck
macht und sich nicht blenden lässt. In einem ersten Interview nach dem
turbulenten Spiel sagte er, dass man es sich selbst hätte wesentlich einfacher
machen können....und lag damit wohl goldrichtig!
Kürzlich hat Roger Federer bei den US Open 2005 seinen mittlerweile 6 GrandSlam-Titel eingefahren. Federer zeigte dabei während des Turnierverlaufs wahrlich nicht immer sein bestes Tennis. Das Achtelfinale gegen Nicolas Kiefer war bspw. eine doch sehr durchwachsene Partie. Beeindruckend waren bei Federer während den 14 Tagen in New York aber speziell zwei Dinge:
Im Tennis und in allen anderen Sportarten geht es nicht nur darum technische Bewegungsabläufe zu erlernen und körperlich fit zu sein. Auch taktische und mentale Fähigkeiten sind gefragt, um erfolgreich sein zu können. Es geht darum den richtigen Schlag zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen, variabel zu spielen und das beste Tennis dann abzurufen, wenn die "Big Points" anstehen. Letzteres ist nur dem möglich, der über eine spezielle mentale Stärke verfügt. Dies demonstrierte Federer bei den US Open eindrücklich.
Diesen Ansatz verfolgt auch
die Tennisschule Your Tennis, welche von Predrag Jurisic im Frühjahr 2005
gegründet wurde. Tennis soll ganzheitlich unterrichtet werden und vor allem
auch Spass machen. Wenn man etwas gerne tut, stellen sich Fortschritte viel
rascher ein, was wiederum beflügelnd wirkt - ein positiver Kreislauf sozusagen!
Was aber bedeutet "ganzheitlich" in diesem Zusammenhang? Nichts
anderes, als dass technische, physische, taktische und mentale Aspekte im
Training berücksichtigt und gefördert werden. Durchaus keine
Selbstverständlichkeit, da die letztgenannten beiden Bereiche auch heute noch
vielfach vernachlässigt werden. Erinnern Sie sich noch an die Spielweise einer
Martina Hingis, welche während 202 Wochen die Nummer 1 im Damentennis war? War
Hingis ihren Konkurrentinnen physisch oder technisch überlegen? Wohl kaum, die
grosse Stärke von Martina Hingis lag in ihrer Unbekümmertheit (zumindest lange
Zeit) und vor allem im taktischen Bereich. Hingis spielte viel variabler und
intelligenter als die anderen Weltklassespielerinnen und auch eine Patty
Schnyder hebt sich angenehm von der meist doch eher monotonen Spielweise ab,
welche man auf der WTA-Tour sonst beobachten kann. Falls Sie sich aber nicht
mehr an die Spielweise von Martina Hingis erinnern können: Erfreulicherweise
startet sie ein Comeback und wird ab Januar wieder auf der Tour zu sehen sein -
WELCOME BACK, MARTINA!!!
Wenn ich den aus Schweizer Sicht bewegendsten Moment der olympischen Winterspiele in Turin nennen müsste, würde ich mich - in Anbetracht der Vorgeschichte - ziemlich klar für den zweiten Final-Sprung der Skiakrobatin Eveline Leu entscheiden, die dadurch die Goldmedaille gewann.
Zur Vorgeschichte: vor vier Jahren bei den Winterspielen in Salt Lake City gewann Eveline Leu überlegen die Qualifikation und dies mit einem neuen Punkteweltrekord. Dabei zeigte sie einen sog. "Full-Full-Full" - einen Sprung mit drei Salti und drei Schrauben. Damals und auch heute noch die Höchstschwierigkeit bei den Damen. Da Eveline Leu die einzige Springerin damals war, welche diesen Sprung in ihrem Repertoire hatte, war sie vor dem Finale die ganz grosse Favoritin auf olympisches Gold. Würde sie ihre beiden Sprünge sicher stehen, war eigentlich klar, dass sie den Wettkampf gewinnen würde angesichts des Schwierigkeitsgrades ihrer Sprünge. Umso grösser war die Enttäuschung, als sie im Finale bei der Landung gleich bei beiden Sprüngen stürzte und weit abgeschlagen nur den 11. Platz erreichte. Aus der Traum vom Olympia-Sieg....
4 Jahre später qualifizierte sich Leu wieder für die Olympischen Spiele und wurde im Vorfeld des Wettkampfs erneut zum Favoritenkreis gezählt, da sie zuvor im Weltcup sehr gute Resultate erzielt hatte. Nach einem eher verhaltenen ersten Qualifikationssprung, steigerte sie sich im zweiten Umgang und qualifizierte sich als 4. Platzierte für den Final der besten 12, ohne aber ihren schwierigsten Sprung zu zeigen. Seit Salt Lake City hatte sich Eveline Leu an den "Full-Full-Full" nur noch beim allerletzten Weltcup vor Olympia herangewagt und war damals gestürzt. Würde sie ihn ausgerechnet im olympischen Finale nochmals wagen? - Die Athletin sagte später in einem Interview, dass die Entscheidung erst sehr kurzfristig gefallen sei...
Nach dem ersten Finaldurchgang rangierte Eveline Leu auf Rang 5 und riskierte dann alles. Sie sprang tatsächlich den "Full-Full-Full" und brachte ihn zu einer sicheren Landung - riesig die Freude und der Jubel bei ihr! Nach dem Wettkampf erklärte sie, dass die Sekunden unmittelbar nach geglückter Landung die emotionalsten gewesen seien. Zu einem Zeitpunkt, als sie ihre Leistung soeben erbracht hatte, das Ergebnis aber noch nicht fest stand. Zunächst mussten noch die 4 Erstplatzierten aus dem ersten Umgang ihre zweiten Sprünge absolvieren. Keiner gelang es in der Folge das Punktetotal von Leu zu übertreffen und so gewann die 29-jährige aus Frenkendorf doch noch olympisches Gold in ihrer überaus erfolgreichen Karriere.
Da ich schon einiges darüber gehört hatte, habe ich mir mit grosser Spannung am Dienstag, dem 18. April die dritte Folge des "Gedankenjägers" auf SF 2 angeschaut. Der Gedankenjäger heisst mit bürgerlichem Namen Tobias Heinemann und bezeichnet sich selbst von Beruf als sog. "Mentalisten". Darunter versteht Heinemann "einen Künstler, der mit Gedanken arbeitet. Das kann das Steuern oder das Lesen von Gedanken sein." - Gedankensteuerung im Sinne einer Manipulation; Gedankenlesen? Tönt sehr geheimnisvoll...
Eines der Experimente,
welches der Gedankenjäger vorführte, möchte ich kurz beschreiben:
In einem Hotel bittet Heinemann den Receptionisten einen persönlichen Gegenstand in einem beliebigen Zimmer eines Stockwerks unter das Kopfkissen zu legen. Als der Mann zurückkommt, bindet Heinemann ein Band um die Hand des Hotelangestellten, denn eines ist bei seinen Experimenten ganz wichtig - der Kontakt zur Person (visuell, auditiv und/oder kinästhetisch). Nun kann die "Suche" beginnen. Die beiden betreten den Lift, wo Heinemann die Auswahl zwischen 32 Stockwerken und 344 Zimmern hat. Er wählt schliesslich Etage 28 und entscheidet sich oben angelangt für Zimmer Nr. 2816, den Hotelangestellten am Band hinter sich her führend. Nun gilt es rauszufinden, welcher Gegenstand unter das Kissen gelegt worden ist. Nach einigen Fragen legt er sich auf die Identitätskarte des Mannes fest, wirft einen Blick unter das Kopfkissen und siehe da .... da liegt tatsächlich die ID des Angestellten! Heinemann hatte also das richtige Stockwerk, das richtige Zimmer und den Gegenstand herausgefunden! - Auch die weiteren Experimente, welche er im Laufe der Sendung präsentiert, sind äusserst verblüffend und unterhaltend. Wie ist so etwas möglich? - Fauler Zauber, übersinnliche Fähigkeiten oder verfügt Heinemann über aussergewöhnliche mentale Fähigkeiten?
Er selbst beschreibt es folgendermassen. Er arbeite mit Psychologie, Suggestion und Hypnose. Die Techniken habe er grösstenteils aus Büchern erlernt. "Das ist nichts Übersinnliches. Nach jahrelangem Training ist das lernbar." Relativiert dann aber: "Ein gewisses Talent braucht es schon. Es ist wie bei einem Musiker, der mit dem absoluten Musikgehör zur Welt kommt."
Wer neugierig geworden ist, unter folgendem Link kann derzeit Teil 3 begutachtet werden - viel Spass und gute Unterhaltung dabei: http://www.sf.tv/sfzwei/
Dieser Tage sind viele Augen nach Deutschland zur Fussball-Weltmeisterschaft gerichtet. Die Medien sind voll an Berichten über das Ereignis und in der Schweiz herrschte in den vergangenen zwei Wochen eine Euphorie, wie es sie hierzulande möglicherweise noch nie gegeben hat. Das junge Team von Köbi Kuhn hat für Begeisterung gesorgt. Als Gruppensieger qualifizierte man sich für das Achtelfinale gegen die Ukraine. Nach einem torlosen Spiel musste letztlich das Elfmeterschiessen über die Viertelfinalqualifikation entscheiden. Eine Ausmarchung, die häufig als Lotterie, als Glücksspiel bezeichnet wird. Nach dem jähen Ende wurde diese Vokabel auch von enttäuschten Schweizer Spielern gebraucht, doch ist die Umschreibung wirklich korrekt?
Klar, im Fussball liegen Glück und Pech nahe beieinander. Nuancen entscheiden öfters eine Partie. Das Treten eines Elfmeters ist aber keine Frage von Glück und Pech, sondern in erster Linie eine mentale Aufgabe. Es ist die Standardsituation schlechthin im Fussball - im Training tausendfach geübt. Wer hat die Abgebrütheit, die Coolness, die Nervenstärke unter Wettkampfbedingungen das umzusetzen, was man im Training geübt hat? So positiv der Auftritt der Schweizer Mannschaft bei dieser WM war, beim Penaltyschiessen im Achtelfinale haben die Spieler versagt. Sie waren der Aufgabe sichtlich nicht gewachsen. Welch ein Unterschied zu den ukrainischen Spielern, welche allesamt (inkl. Shevchenko) sehr gute Elfmeter traten. Nach der Partie hörte man aus dem CH-Lager, dass im Training noch am Morgen sehr gute Elfmeter getreten worden seien, dass es aber eben einen grossen Unterschied zwischen Training und Ernstkampf gebe... Damit stellte das Team gleich zwei "WM-Rekorde" auf. Noch nie zuvor musste ein Team die Heimreise antreten, ohne ein einziges Gegentor erhalten zu haben. Noch nie in der WM-Geschichte blieb aber eine Mannschaft im Penaltyschiessen ohne jeglichen Treffer!
Die kläglich verschossenen Elfmeter und die anschliessenden Aussagen deuten meiner Meinung nach ganz klar darauf hin, dass der mentale Bereich im Training nach wie vor vernachlässigt wird und mentale Trainingsmethoden vielleicht gar überhaupt nicht eingesetzt werden. Standardsituationen wie das Treten eines Elfmeters sind ideal dafür geeignet, dass man sie auch mental trainiert, indem man sich bspw. die erfolgreiche Ausführung immer wieder bildlich vorstellt. In dieses Bild kann man alles hineinnehmen, wie es sich dann im Wettkampf präsentieren würde: ein volles Stadion mit lärmenden Zuschauern, den gegnerischen Torwart, die Schritte von der Mitte des Spielfeldes zum Elfmeter-Punkt, etc. Auf solche Momente könnte man sich mental gezielt vorbereiten. Wie hatte sich der Skispringer Simon Ammann einmal in einem Interview nach seinen beiden sensationellen Goldmedaillen von Salt Lake City ausgedrückt:
"Ich hatte im Kopf, wie es ablaufen musste. Ich wusste, wie das Aufwärmen, die Kraftvorbereitung sein mussten - alles, bis hin zur Landung. Das Bild passte so gut, dass ich nur noch das machen konnte, was ich mir vorgestellt hatte."
Hier liegt der Schlüssel - gute Penaltys zu treten sind keine Glücks-, sondern eine Kopfsache!
Würden Sie sagen, dass Sie zu den mental starken Athletinnen bzw. Athleten gehören? Oder sind Sie eher der Typ Trainingsweltmeister? Haben Sie vielleicht noch gar nie so richtig darüber nachgedacht, wo ihre mentalen Stärken und Schwächen liegen? Und was zeichnet eigentlich mental starke Sportlerinnen und Sportler aus?
Für all diejenigen, die gerne einmal wissen wollen, wo sie im mentalen Bereich stehen, wo sie ihre Defizite haben und in welchen Sparten sie bereits zu den Könnern zählen, habe ich einen Fragebogen zu den einzelnen mentalen Fähigkeiten ausgearbeitet, welche im Spitzen- und Breitensport relevant sind. Der Fragebogen setzt sich insgesamt aus 55 Aussagen über Themen wie Eigenmotivation, Selbstvertrauen, Energiemanagement, etc. zusammen. Er dient gewissermassen als mentale Standortbestimmung basierend auf Ihren eigenen Einschätzungen. Jede dieser Aussagen bewerten Sie für sich anhand des unten zur Illustration aufgeführten Massstabs und weisen ihr einen Wert von 1 - 9 zu.
|immer||oft||teils||selten||nie|
|1||2||3||4||5||6||7||8||9|
Ihre Einschätzungen ergeben schlussendlich Ihr individuelles mentales Profil, welches selbstverständlich nur eine Momentaufnahme ist. Durch entsprechendes Training können dann vorhandene Schwächen ausgemerzt und Stärken vielleicht gar noch weiter ausgebaut werden. Alles weitere zum Fragebogen unter folgendem Link.
Am 3. September 2006 ist in New York eine der grössten Tennis-Karrieren zu Ende gegangen. Andre Agassi trat nach 20 Profi-Jahren von der Bühne ab. Bereits einige Monate zuvor teilte Agassi mit, dass die US Open sein definitiv letztes Turnier sein würden. Bewegende Momente, nachdem der Deutsche Benjamin Becker seinen Matchball verwandelt hatte. Minutenlange Standing Ovations von den 23'000 Zuschauern, Agassi mit Tränen in den Augen und mit zitternder Stimme, als er sich beim Publikum für die Unterstützung bedankte und sich gleichzeitig verabschiedete.
Agassi gewann im Tennissport alles, was es zu gewinnen gibt: er feierte 60 Turniersiege, gewann 8 Grand-Slam-Turniere (besonders erwähnenswert, dass er dabei jedes GS-Turnier zumindest einmal gewann), war während 101 Wochen die Nummer 1 der Weltrangliste, holte olympisches Gold 1996 in Atlanta und er gewann mit den USA den Davis-Cup. Beeindruckende Zahlen und Erfolge, doch dies allein vermag die Popularität von Agassi nicht zu erklären. Agassi steht in erster Linie für eine charismatische Persönlichkeit, die in den letzten Jahren enorm gereift ist. Zu Beginn seiner Karriere wurde er von seinem Sponsor Nike als Paradiesvogel und extrovertierter Rock'n'Roller vermarktet, der durch ausgefallene Outfits auffiel. Eine Rolle, die Agassi in keinster Weise entsprach, ist er doch eher ein ruhiger, introvertierter Typ. Vielleicht mit ein Grund, warum Agassi zu Beginn seiner Karriere nicht so erfolgreich war, wie aufgrund seines Potentials eigentlich möglich gewesen wäre. Die erfolgreichsten Jahre kamen erst, nachdem sich Agassi von dieser Rolle löste und auf und ausserhalb des Platzes einfach sich selbst war.
Besonders imponierend ist, mit welcher Motivation und Leidenschaft Agassi im zweiten Teil seiner Karriere gespielt hat.
Ein Zitat von Peter Konopka
passt in diesem Zusammenhang sehr gut:
"Die meiste Energie gewinnt der Mensch nicht aus der Nahrung, sondern aus Begeisterung. Sie ist die wichtigste Energiequelle im menschlichen Leben. Begeisterung kann zu schier unmenschlichen Leistungen stimulieren."
Die Liebe zum Tennis konnte man bei ihm sehr schön beobachten. Mit ein Grund (wenn nicht gar der wichtigste...), warum Agassi mit 32 Jahren die älteste Nummer 1 der Tennisgeschichte wurde und auch Rückschläge immer wieder überwinden konnte. Andere in seiner Situation hätten resigniert, doch der Amerikaner kam immer wieder zurück und 2005 stand er gar nochmals beim US Open in einem GS-Finale, als er nach begeisterndem Spiel Roger Federer unterlag.
Die Tennis-Karriere ist vorbei, aber Agassi wird wohl bei vielen Sportinteressierten lange in Erinnerung bleiben - als herausragender Sportler, aber auch als grosse Persönlichkeit. Alles Gute für die Zukunft!!!
Laura Hillenbrand schrieb in 4-jähriger Arbeit die äusserst eindrückliche, auf Tatsachen beruhende Geschichte mit einem Pferd namens Seabiscuit und drei sehr unterschiedlichen Personen in den Hauptrollen nieder. Das Team feierte zusammen grossartige Erfolge zu Zeiten von Weltwirtschaftskrise und dem Beginn des 2. Weltkriegs als die amerikanische Nation nach Helden lechzte und nach Hoffnungsträgern Ausschau hielt. So wurden die Auftritte von Seabiscuit jeweils zum medialen Grossereignis. Im Jahre 1938 soll Seabiscuit angeblich gar öfters in Zeitungsberichten erwähnt worden sein als der damalige US-Präsident Franklin Delano Roosevelt! Doch der Erfolg fiel dem Quartett wahrlich nicht in den Schoss, sondern war das Ergebnis von Beharrlichkeit, Ausdauer und Willensstärke.
Beim dreijährigen Seabiscuit deutete nichts darauf hin, dass er sich in den Folgejahren zu einem der erfolgreichsten Rennpferde aller Zeiten entwickeln würde. Er war kleingewachsen "und seine Beine waren ein Musterbeispiel an ungesunder Konstitution... Aufgrund seines unglücklichen Körperbaus ging er auf eine staksige, gespreizte Art, ganz so, als lahmte er. Sein Galopp war so unkoordiniert, dass er immer wieder mit dem hinteren Huf gegen die den vorderen Knöchel trat. Insgesamt glich seine Gangart eher dem Watscheln einer Ente als den stolzen Bewegungen eines Vollblüters." Zudem galt das Pferd als faul und beinahe schon ausgebrannt aufgrund der vielen Rennen, das es bereits - meist erfolglos - gelaufen war. Erst der Pferdetrainer Tom Smith erkannte seine Qualitäten und überzeugte seinen Arbeitgeber Charles Howard zu dessen Kauf. Smith war lange arbeitslos, bevor er endlich einen Job als Trainer fand. Er unterschied sich sehr von den anderen Pferdetrainern aufgrund seiner unkonventionellen Trainingsmethoden. "Er nahm jedes Pferd als besonderes Wesen wahr und folgte seinem Instinkt und seiner Erfahrung." Smith äusserte sich einmal folgendermassen: "Mit einem Pferd zu sprechen ist einfach, wenn man seine Sprache versteht - Lerne, Dein Pferd zu verstehen. Jedes ist auf seine Weise einzigartig, und wenn es Dir gelingt, sein Wesen und sein Herz zu erobern, kannst Du auch mit einem angeblich unzugänglichen Tier wahre Wunder bewirken." Charles Howard seinerseits war einer der ersten Pioniere der Automobilbranche. 1908 schrieb er: "Die Zeit des Pferdes ist abgelaufen, die Menschen in San Francisco wollen Automobile. Selbst für das beste Pferd im Land würde ich keine fünf Dollar ausgeben." Rückblickend ironische Zeilen, wenn man sieht, welch grosse Bedeutung Seabiscuit und Pferde im Allgemeinen in den 30-er Jahren für ihn erhielten. Brauchte es noch einen einfühlsamen Jockey für Seabiscuit. Fündig wurden Howard und Smith in der Person von Red Pollard. Zu einer Zeit, als Pollards Karriere nach unten zeigte. Bei einem Reitunfall verlor er die Sehkraft seines rechten Auges. Eine Verletzung, die den Entzug seiner Reitlizenz nach sich gezogen hätte, hätten die Stewards je davon erfahren. Doch Pollard wurde dadurch nur noch mutiger und war nicht bereit aufzugeben. Eines seiner Merkmale: Pollard erholte sich von noch so schweren Verletzungen und kam immer wieder zurück.
Smith und Pollard arbeiteten in der Folge behutsam mit Seabiscuit. Eine Arbeit, die sich auszahlen sollte. Im fünfzigsten Rennen seines Lebens kam der grosse Durchbruch. Sein natürliches Talent zum Laufen kam endlich zum Ausdruck, wie es Smith ausgedrückt hatte. "Der Hengst hatte sich verändert. Auf der Bahn, früher Schauplatz seiner rebellischen Ader, bewies er jetzt atemberaubende Schnelligkeit und die Zähigkeit einer Bulldogge... Er liebte es nicht nur zu laufen, er liebte auch den Wettbewerb und den Sieg." Der Triumphzug hatte begonnen, der zwischen durch aber aufgrund einer schweren Verletzung des Pferdes auch wieder ins Stocken geriet. Seabiscuit gewann in sechs Jahren 33 Rennen und stellte 13 Bahnrekorde auf sechs verschiedenen Distanzen auf. Sein Duell 1938 mit War Admiral, dem anderen Ausnahmepferd in jener Epoche, wurde gar als "grösstes Sportereignis des Jahres und eines der grössten des Jahrhunderts" bezeichnet. Die Geschehnisse rund um das kleine Pferd wurden zur Legende und für viele zum Sinnbild, was alles erreicht werden kann, wenn man etwas konsequent und zielstrebig verfolgt...
Buchtip:
Hillenbrand,
Laura: Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg, Ullstein Verlag, Oktober 2003
(Die Geschichte wurde übrigens 2003 verfilmt und ist auch auf Video oder DVD erhältlich)
Serena Williams war im Jahre 2002 die alles dominierende Spielerin auf der WTA-Tour. Mit kraftvollem Spiel und einem unbändigen Siegeswillen war sie zu jener Zeit fast unschlagbar und die unangefochtene Nummer 1 der Welt. Doch dann folgten einige Verletzungen, welche Serena Williams immer wieder zurück warfen. Zu Beginn des Jahres 2005 gewann sie nochmals ein Grand-Slam-Turnier, ihr 7. Titel insgesamt bei einem solchen Event, gefolgt allerdings von einer längeren Talfahrt. Turnierabsagen, längere Turnierpausen, verletzungsbedingte Aufgaben und Niederlagen gegen vom Potential her viel schwächere Gegnerinnen kennzeichneten den Rest der Saison 2005 und die ganze Saison 2006. Bis auf Ranglistenposition 140 viel Williams zurück. In der Presse wurde von einem baldigen Karrierenende geschrieben. Der Körper mache nicht mehr mit, Williams sei viel zu dick für eine Profispielerin und auch die Motivation habe sie völlig verloren. Andere Interessen wie die Schauspielerei und das Design von Kleidern ständen im Vordergrund. Nach der Niederlage bei den US Open im September 2006 hatte Williams keine einzige Partie mehr gespielt.
Anfangs Januar 2007 nahm Serena Williams dann bei einem kleinen Vorbereitungsturnier im australischen Hobart teil. Nach zwei glanzlosen Auftaktsiegen scheiterte sie im Viertelfinale gegen die bescheidene Österreicherin Sybille Bammer in drei Sätzen. In der Partie gab sie ihren Aufschlag insgesamt 8-mal ab - ein Debakel für eine (ehemals) aufschlagsstarke Spielerin wie Williams und so reiste sie als Weltnummer 81 nach Melbourne zum ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Ein grosser Name nach wie vor im Tenniszirkus, der die Stadien füllt, der wohl aber nicht sehr lange im Tableau verbleiben würde, so die einhellige Meinung...
Nach zwei eher leichten Gegnerinnen, traf Williams in der dritten Runde auf eine der Turnierfavoritinnen, die Russin Nadja Petrova, die Nummer 5 der Setzliste. Satz 1 gewann Petrova nach einer überzeugenden Leistung glatt mit 6:1 und beim Stande von 5:3 im zweiten Satz, schien der Aufenthalt in Australien für Williams unmittelbar vor dem erwarteten Ende. Mit einer unglaublichen kämpferischen Leistung konnte sie aber das Blatt tatsächlich noch wenden - die Überraschung war perfekt! Spielerisch mit grossen Leistungsschwankungen, in mentaler Hinsicht konnte sie aber zumindest überzeugen. Trotzdem galt sie für den Fortlauf des Turnieres nach wie vor als Aussenseiterin. Dies änderte sich erst nach dem Achtelfinale und einem grandiosen Erfolg über die starke Serbin Jelena Jankovic. Erstmals konnte Williams auch spielerisch überzeugen und deutete an, warum sie einst die weltbeste Spielerin gewesen war. Auch im Viertelfinale und Halbfinale blieb Williams siegreich und vermochte in den entscheidenden Phasen jeweils zuzusetzen. Mit dem Rücken zur Wand spielte sie jeweils ihr bestes Tennis. So kam es schliesslich am 27. Januar zum Finale zwischen ihr und der Topgesetzten Maria Sharapova und nach eindrücklichen 63 Minuten verwandelte Serena Williams ihren ersten Matchball zu einem völlig ungefährdeten 6:1 und 6:2 Erfolg. Welch ein grandioses Comeback! Angesprochen auf ihre mentale Stärke, antwortete sie mit folgenden Worten: "Well, I've always been mentally strong, I think probably mentally stronger than a lot of players on the tour. I think for me tennis has always been 80% mental. I think if you can get a grasp on that, then I've always had a grasp on that. Like I always say, I've believed in myself more than anyone. Even though it was hard, I really believed in me and in my game."
Kürzlich ist im St.Galler Tagblatt unter der Rubrik "Leben" ein Artikel erschienen, der sich mit Berufsumsteigern befasste. Darin wurden vier Personen kurz vorgestellt, welche in ihrem Berufsleben einen ziemlich radikalen Richtungswechsel vollzogen. Ein EDV-Spezialist, der in der Geschäftsleitung einer Grossbank sass, der in ein "Burn-Out" geriet und während seiner Auszeit in der kanadischen Wildnis merkte, was ihm wirklich wichtig war. So gründete er nach seiner Rückkehr ein Tierheim und versichert, dass er seine Entscheidung in keiner einzigen Sekunde bereut habe. Oder ein ehemaliger Wirtschaftsjournalist, der in der Tätigkeit als Tramchauffeur sein berufliches Glück fand.
Claudia Wartmann hat in ihrem Buch "Spurwechsel. Dem Leben eine Wende geben" insgesamt 11 Personen portraitiert, die ihrem beruflichen Leben eine ganz neue Richtung gaben und dadurch ihre Lebensqualität erheblich steigern konnten.
Viele Berufstätige leiden heute unter Stresssymptomen und sind mit ihrem beruflichen Alltag unzufrieden. Gemäss Studien leidet gar die Hälfte der Erwerbstätigen unter starker nervlicher Belastung am Arbeitsplatz. Doch die meisten davon hoffen einfach auf bessere Zeiten und sind nicht bereit selbst dagegen etwas zu unternehmen. Warum nicht einmal in Ruhe die Situation analysieren und sich fragen, was man selbst dagegen tun könnte oder was man wirklich gerne tun würde? Eine positive Veränderung kann eigentlich nur durch eigene Bestrebungen eintreten. Dabei müssen es auch nicht immer spektakuläre Berufswechsel wie bei den zwei eingangs erwähnten Beispielen sein. Eine Veränderung kann auch bedeuten, dass man etwas weniger arbeitet, um für andere Interessen mehr Zeit zu haben, dass man mit Stress besser umgehen kann oder noch empfehlenswerter, Stress weitgehend vermeiden kann, dass man sich selbst weniger unter Druck setzt, etc.
Die "Work-Life-Balance" ist zu einem Schlagwort der heutigen Zeit geworden und fordert ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben. Wie sieht Ihr persönliches Gleichgewicht aus? Kommen gewisse Dinge zu kurz, die Ihnen eigentlich wichtig sind oder gehören Sie zu den glücklichen Menschen, welche alles gut unter einen Hut bringen?
Buchtipp: Wartmann,
Claudia: Spurwechsel. Dem Leben eine Wende geben
Am Wochenende vom 23./24. Juni 2007 hat in Schlieren im Sportcenter Vitis das erste offizielle Racketlon-Turnier der Schweiz stattgefunden. Racketlon? Die meisten Leserinnen und Leser werden sich vermutlich verwundert fragen, was denn das ist und den Begriff wohl noch nie gehört haben. Deshalb umgehend die Auflösung: Racketlon ist eine aus Skandinavien herkommende Sportart, die sich - ähnlich dem Triathlon, dem Biathlon, dem Zehnkampf oder dem modernen Fünfkampf - aus verschiedenen Sportarten zusammensetzt. Wie es der Begriff "Racket" erahnen lässt, geht es dabei um die Racketsportarten Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis.
Damit sich die Sportarten miteinander vergleichen und unter einen Hut bringen lassen, wird im Racketlon in jeder dieser vier Sportarten ein Satz auf 21 Punkte gespielt. Man beginnt im Tischtennis, wechselt dann umgehend auf den Badminton-Court, gefolgt von Squash und Tennis. Gewinner ist derjenige, der aus den vier Satzergebnissen eine positive Differenz erreicht hat.
Als begeisterter Racketsportler mit jahrelanger Wettkampferfahrung im Tischtennis und Tennis war ich auf Anhieb fasziniert von dieser Idee. Zum ersten Mal davon gehört hatte ich im Januar dieses Jahres und so stand für mich fest, dass ich an der Premiere des Racketlon Swiss Open unbedingt teilnehmen möchte... und ich war nicht alleine, gegen 200 Teilnehmer in 6 verschiedenen Kategorien hatten sich schlussendlich angemeldet und sorgten für einen sportlichen Grossanlass!
Mein Fazit nach schweisstreibenden Stunden: Ich habe selten an einem interessanteren und herausfordernderen sportlichen Wettkampf teilgenommen. Die Turnieratmosphäre war grossartig, die Organisation nahezu perfekt und die Infrastruktur des Sportcenter Vitis ist ideal für einen solchen Anlass. Racketlon verlangt dabei den Spielern technisch, physisch und mental sehr viel ab. Auch wenn man in jeder dieser Sportarten ein Racket in der Hand hält, die Unterschiede sind doch beträchtlich. Schlussendlich sind es doch vier völlig verschiedene Disziplinen, welche ganz unterschiedliche Anforderungen stellen, auf die man sich umgehend einstellen muss. Zum einen muss man sich beim Wechsel jeweils auf das neue Spielgerät, den Platz, die Regeln, etc. einstellen, zum andern gibt es ja auch noch einen Gegner, dessen Stärken und Schwächen erforscht und berücksichtigt werden sollten. Eine der grössten mentalen Herausforderungen ist zudem der Umstand, dass im Racketlon wirklich jeder Punkt gewertet wird und entscheidend sein kann. Auszeiten sollten deshalb möglichst vermieden werden, auch wenn man sich eine komfortable Führung erspielt hat. Die Konzentrationsfähigkeit ist deshalb ein ganz wichtiger Aspekt. Ob man einen Satz mit 21:15 oder 21:10 gewinnt, ist doch ein beträchtlicher Unterschied, der bei der Endabrechnung entscheidend sein kann. Im Racketlon ist wirklich jeder Punkt gleich wichtig. Eine andere ganz wichtige mentale Komponente ist diejenige der Aktivierung/Entspannung. Jede der vier Sportarten verlangt eine ganz bestimmte Mischung aus Aktivierung und Entspannung, um möglichst leistungsfähig zu sein. Dazwischen gilt es kurz runterzuschalten, um anschliessend sich wieder genügend zu aktivieren. Pausen gibt es beim Racketlon nur ganz kurze, diese sind aber möglichst produktiv zu nutzen, damit man für die Fortsetzung des Wettkampfs gewappnet ist. Personen mit einem Flair für Racketsportarten kann ich nur empfehlen die Erfahrung selbst einmal zu machen...
Neugierig geworden? - Mehr Infos zum Racketlon finden sich bspw. unter: www.racketlon.net
Vor einigen Monaten habe ich durch eine Bekannte erstmals von der Firma Phiten und deren Produkten gehöhrt. Das Unternehmen vertreibt in vielen Ländern Artikel wie Halsketten, Armbänder, Bandagen, Textilien, Plaster, etc. und dies mit äusserst grossem Erfolg. Auch in vielen Apotheken und Drogerien sind die Produkte mittlerweile erhältlich und ein Verkaufsrenner. In den Produkten sind Spuren des Metalls Titan enthalten, das durch ein bestimmtes Verfahren, dem sog. "Phild Processing", energetisiert wurde und eine wohltuende und entspannende Wirkung auf den Träger haben soll. So ist auf der Homepage des Unternehmens folgendes zu lesen:
"Titan ist ein hypoallergenes Metall, das oft im Bereich der Medizin und des Sports eingesetzt wird. Phiten benutzt dieses Metall, wie auch Gold und Silber, als Trägermaterial, welches nur dank dem Phild-Processing, dem speziell entwickelten Verfahren von Phiten, die Wirkung zeigt. Der Effekt der verschiedenen Materialien ist spürbar, denn die Phiten Produkte senden wohltuende gleichförmige Wellen aus. Diese Wellen haben die Fähigkeit, die bioelektrischen Ströme im Körper wieder zu harmonisieren. Viele Phiten Träger sprechen von einem warmen Gefühl beim Tragen der Produkte. Dieses Wärmegefühl entsteht durch die angeregte Durchblutung. Durch eine verbesserte Blutzirkulation lockern sich Muskelverspannungen. Schlackenstoffe können besser abtransportiert werden."
In der Sendung Kassensturz vom 18. September 2007 waren die Phiten-Produkte das zentrale Thema. Währenddem sehr viele Konsumenten von positiven Effekten erzählen und eine wohltuende Wirkung festgestellt haben, gibt es Kreise, welche den Produkten sehr kritisch gegenüber stehen und die wahrgenommenen Effekte als reinen "Placebo" abtun. Das Wohlbefinden steige also nicht durch die Wirkung der Produkte, sondern allein durch den Glauben daran. Wissenschaftliche Studien, welche die Wirksamkeit belegen würden fehlen und die Schwingung könne nicht gemessen werden. Bernhard Erni, Professor für Biochemie an der Universität Bern, meint dazu etwa:
"Titan kann Schwingungen nicht speichern." Das sei wissenschaftlich bewiesen. "Eine Schwingung manifestiere sich dadurch, dass man sie messen kann. Etwas, das nicht messbar ist, existiert nicht."
Walter Seeholzer, der die Produkte in die Schweiz gebracht hat und Gast in der angesprochenen Kassensturz-Sendung war, entgegnet dagegen:
Schwingungen
seien sehr schwierig nachzuweisen: "Es sind spürbare, aber nicht
messbare Informationen."
Auch bekannte Spitzensportler wie Martina Hingis, Pascal Zuberbühler und Paul Laciga tragen die Phiten-Produkte und sind von deren Wirksamkeit überzeugt.
Sehr viele zufriedene Konsumenten auf der einen Seite, grosse Skepsis speziell aus Wissenschaftskreisen auf der andern Seite. Was soll man nun davon halten? - Die Erfahrungen, von welchen die Träger berichten, sind jedenfalls äusserst eindrücklich und nicht wegzudiskutieren (siehe dazu das Forum auf der Seite www.sf.tv unter http://www.sf.tv/sf1/kassensturz/meinung/forum/forum.php?forumid=930 zu diesem Thema). Ob die Produkte durch deren spezielle Beschaffenheit das Wohlbefinden positiv beeinflussen oder ob der Glaube an deren Wirksamkeit - der Placebo-Effekt - für die positiven Veränderungen verantwortlich sind, kann vorderhand nicht beantwortet werden. Falls letzteres zutreffen sollte, wäre aber einmal mehr eindrücklich demonstriert, was der Glaube an etwas alles leisten und bewegen kann. In diesem Fall hätte der Glaube die Selbstheilungskräfte des Trägers aktiviert!
Seit vielen Wochen rangiert "The Secret" von Rhonda Byrne unter den Sachbüchern ganz zuoberst auf der Bestseller-Liste. "The Secret"? - Das tönt im wahrsten Sinne des Wortes geheimnisvoll. Wer möchte schon nicht in ein Geheimnis eingeweiht werden...
Die Autorin schreibt im Vorwort, dass sie - in einer Lebenskrise steckend - beim Lesen eines hundert Jahre alten Buches, das sie von ihrer Tochter erhalten hatte, erstmals diesem Geheimnis begegnete und danach sich intensiver damit zu beschäftigen begann: "Ich begann, die Spur des Geheimnisses in der Geschichte zurück zu verfolgen... Mich erfasste ein brennendes Verlangen, das Geheimnis in die Welt zu tragen; und ich fing an, nach heute lebenden Menschen zu suchen, die es kannten." Und so reiste Rhonda Byrne quer durch die Vereinigten Staaten und traf auf ihren Reisen Philosophen, Metaphysiker, Psychologen, Lebensberater, etc., welche das Geheimnis näher umschrieben. Die ganzen Begegnungen wurden übrigens im gleichnamigen Film "The Secret" verfilmt, erst danach erschien die Buchausgabe.
Doch was beinhaltet nun dieses sagenumwobene Geheimnis, das angeblich der Schlüssel zu einem glücklichen Leben sein soll und alle Bereiche unseres Lebens bestimmt? Dabei handelt es sich um das sog. Gesetz der Anziehung: Gleiches zieht Gleiches an; positive Gedanken bspw. ziehen eine entsprechende Wirkung nach sich. Die Motivationstrainerin Lisa Nichols umschrieb es bspw. mit folgenden Worten: "Das, woran Sie denken, führen Sie herbei. Ihr ganzes Leben ist eine Manifestation der Gedanken in Ihrem Kopf." Dies ist der Grundgedanke des Geheimnisses und wird im Buch in verschiedensten Variationen fortlaufend wiederholt...
Eigentlich nichts Neues, was hier verfilmt und niedergeschrieben wurde: die Kraft des positiven Denkens und was eine positive Einstellung alles bewirken kann, ist in vielen Büchern gut beschrieben. Und noch viel wichtiger und eindrücklicher: die meisten von uns haben vermutlich schon eigene Erfahrungen damit gemacht. Mit einer konstruktiven Einstellung kann man in der Tat sehr, sehr viel erreichen. Etwas problematisch wird es in meinen Augen dann, wenn alles damit erklärt werden will. Der Absolutheitsanspruch, der auch in "The Secret" zum Ausdruck kommt, besagt, das es überhaupt keine Grenzen gibt und mit dem "richtigen" Denken alles möglich sei. Dies soll aber an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden. Vielmehr soll noch kurz der Frage nachgegangen werden, warum der Film und das Buch ein derart grosser Kassenschlager geworden ist. Ist das Geheimnis des Erfolgs von "The Secret" etwa, dass die Autorin und die anderen beteiligten Personen das beschriebene Gesetz der Anziehung perfekt umgesetzt haben ;-)? - Möglicherweise, ein Grossteil des Erfolgs dürfte aber auf den "geheimnisvollen" Titel zurückzuführen sein - eine perfekte Wahl! Ausserdem ist das Buch wirklich sehr schön gestaltet. Neue Ideen und Ansätze beinhaltet es aber nicht für Leute, welche sich mit den Themen "Mental-Training", "positivem Denken" oder Ähnlichem bereits auseinander gesetzt haben. Als Einstiegsliteratur aber durchaus empfehlenswert.
Bereits nach dem zweiten Vorrundenspiel ist für die CH-Mannschaft der Traum einer erfolgreichen Heim-EM ausgeträumt. Nach der Niederlage gegen die Türkei ist das Team von Köbi Kuhn als erste Mannschaft bei der Euro 2008 ausgeschieden - verständlich, dass die Enttäuschung bei Spielern und Fans entsprechend gross war. So viel hatte man erwartet, doch plötzlich war alles in einer Sekunde vorbei, nachdem der Türkei in der Nachspielzeit das entscheidende 2:1 gelungen war. Kurz zuvor hatten die Schweizer ihrerseits eine riesige Chance ausgelassen, das Spiel noch für sich zu entscheiden und sich für das abschliessende Gruppenspiel eine sehr gute Ausgangslage zu verschaffen. In beiden Partien zeigte das Schweizer Team eine wirklich gute Leistung (zuvor hatte die Schweiz in ihrem ersten Gruppenspiel entgegen dem Spielverlauf gegen Tschechien mit 0:1 verloren), hatte ein Chancenplus, doch letztlich stehen zwei Niederlagen und Null Punkte auf dem Konto. Irgendwie waren die Sterne in diesen Tagen dem Co-Gastgeber nicht wohlgesinnt. Hakan Yakin äusserte sich am darauffolgenden Tag folgendermassen: "Wir hatten das Glück nicht auf unserer Seite. Mit unseren Leistungen könnten wir bei mehr Fortune auch sechs Punkte auf dem Konto haben", glaubt Yakin. Und: Verletzungen gebe es im Fussball immer, "dass aber gleich die gesamte Offensivabteilung ausfällt, damit konnte niemand rechnen." Dem kann man durchaus zustimmen. Selbst die Berichterstattung in den ausländischen Medien ging in die gleiche Richtung - Verletzungspech, fehlendes Wettkampfglück und eine mangelnde Chancenauswertung als Ursachen des frühen Scheiterns.
Ein ABER ist aber trotzdem anzufügen. Die meisten Tore entstehen durch Fehler, also sollte die Anzahl der Fehler möglichst in Grenzen gehalten werden. Dies hat die CH-Mannschaft auch getan. Die Abwehr stand bis auf einige wenige Ausnahmen ziemlich sicher und gestand den beiden Gegnern nur wenige Torchancen zu. Fehler können bspw. durch mangelnde Konzentration verursacht werden. Unter nachfolgendem Link kann u.a. eine Kurzzusammenfassung der Partie Schweiz - Türkei aufgerufen werden - sehr aufschlussreiche Bilder...
http://www.sf.tv/euro2008/eurotabellenoverview.php
Dem 1:1 Ausgleich durch die Türkei gingen einige Fehler der Schweizer Mannschaft voraus. Zunächst hebt Barnetta das Abseits auf, in dem er zu spät nach vorne aufrückt. In der Mitte reklamiert Magnin beim Schiedsrichter Offside und läuft fortan seinem Gegenspieler hinterher, der wenig später die Flanke aus ziemlich unbedrängter Position mit einem Kopfball verwertet. Ausgerechnet Magnin, der die Captainbinde vom verletzten Alex Frei übernahm, leistete sich diesen folgenschweren Aussetzer. Und solche Szenen sind wahrlich keine Seltenheit: immer wieder sieht man reklamierende Spieler, welche sich für einen Augenblick nicht mehr mit dem Spielgeschehen beschäftigen, sondern wild gestikulierend dem Schiedsrichter etwas andeuten möchten. Fehler wie ein verunglückter Pass, eine Fehleinschätzung der Spielsituation, ein Missverständnis zwischen zwei Mannschaftskollegen, etc. können immer passieren, Magnins Fehlverhalten wäre aber absolut vermeidbar gewesen, wenn er das Leiten der Partie einfach dem Schiedsrichter überlassen und sich seinerseits ganz auf das Spielgeschehen konzentriert hätte. Reine Einstellungssache, auch und vor allem da sollte in Zukunft der Hebel angesetzt werden....
Da bereitet man sich intensiv über Jahre auf ein Grossereignis vor und scheitert dann an völlig vermeidbaren Dingen, wenn man diese im Vorfeld angesprochen hätte. Abseits ist dann, wenn der Schiedsrichter pfeift - Punkt. Da diese Reklamiererei im Fussball weit verbreitet ist, könnte man sich leicht einen Vorteil verschaffen, wenn man die Konzentration auf das richtet, was wirklich wichtig ist...
24. August 2008: Heute Nachmittag MEZ gingen die 29. Olympischen Sommerspiele zu Ende. Gross waren die Bedenken in den Wochen und Monaten vor den Spielen angesichts der Menschenrechtssituation in China, der Tibet-Problematik oder der Luftverschmutzung. Der Gastgeber präsentierte sich aber von einer sehr guten Seite. Journalisten und Sportler lobten die hervorragende Organisation, die Hilfsbereitschaft der Tausenden von Volunteers und die Qualität der Luft war eigentlich gar kein Thema mehr, nachdem die Spiele einmal begonnen hatten. Von nun an war der Sport im Mittelpunkt und da gab es doch viele eindrückliche Momente in der bunten Vielfalt der olympischen Disziplinen...
Herausragend sicherlich die Leistungen vom Schwimmer Michael Phelps, der insgesamt 8 Goldmedaillen holte und damit einen neuen olympischen Rekord aufstellte und vom Leichtathleten Usain Bolt aus Jamaika. Bolt holte sich den Titel über die 100m, die 200m und in der 4*100m Staffel - dies überall mit neuem Weltrekord und mit einer Leichtigkeit, welche atemberaubend ist, auf der andern Seite aber auch Fragen aufkommen lässt...
Wo es strahlende Gewinner gibt, sind die Enttäuschten aber auch nicht weit. Währenddem es eine Fülle an Rekorden gab, gab es handkehrum sehr viele Athletinnen und Athleten, welche beim Saisonhöhepunkt weit unter ihren Möglichkeiten blieben und enttäuscht die Rückreise antreten mussten. Dann gab es aber auch solche, welche eigentlich eine sehr gute Form hatten, durch Missgeschicke aber ihre Medaillenträume begraben mussten. Im Weitsprung der Damen musste die klare Favoritin, die Portugiesin Naide Gomes, ihre Koffer bereits nach der Qualifikation packen, da sie mit dem Anlauf nicht zurecht kam, bei den ersten beiden Versuchen übertrat und beim letzten Versuch praktisch aus dem Stand springen musste. Oder die amerikanische Hürdenläuferin Lolo Jones, die in Führung liegend an der vorletzten Hürde strauchelte und statt Gold sich mit Rang 7 begnügen musste.
Wie nahe manchmal Olympiasieg und Debakel sein können, erlebte in den vergangenen Tagen auch das Ehepaar Katerina und Matthew Emmons. Katerina Emmons aus Tschechien war die allererste Goldmedaillengewinnerin bei den Spielen in Peking mit ihrem Erfolg im Luftgewehr-Schiessen von der 10m-Distanz. Emmons? Da war doch etwas vor vier Jahren bei den Sommerspielen von Athen. Ein gewisser Matthew Emmons patzte damals beim letzten Schuss, als er die sicher geglaubte Goldmedaille durch einen Schuss auf die Zielscheibe seines Nachbarn verspielte. Pech im Spiel, dafür Glück in der Liebe, denn in Athen lernte er bei den Wettkämpfen seine zukünftige Ehefrau kennen - Katerina Kurkova, eine tschechische Sportschützin. 2007 fand schliesslich die Hochzeit statt. Freudestrahlend präsentierten sich die beiden am Tag nach dem Olympia-Sieg von Katerina im Studio von Eurosport. Der letzte Schiesswettbewerb, der in Peking auf dem Programm stand, war der Kleinkaliber-Dreistellungskampf der Männer. Konnte Matthew Emmons dieses Mal den Titel gewinnen? Matthew qualifizierte sich locker für das Finale der besten 8 Schützen und legte im Finale eine herausragende Serie hin:
|9.7||10.2||10.5||10.1||10.5||10.0||10.1||10.0||9.8|
Wie 4 Jahre zuvor in Athen steuerte Emmons einem deutlichen Sieg entgegen. Vor dem abschliessenden Schuss hatte er einen gewaltigen Vorsprung. Ein Durchschnittsschuss hätte locker für Gold gereicht, doch leider sollte sich die Geschichte tatsächlich wiederholen, wenn auch in etwas anderer Form. In Athen hatte Emmons eine falsche Zielscheibe anvisiert, dort aber eine 10 getroffen. In Peking gab er seinen letzten Schuss zwar auf die richtige Scheibe ab, patzte aber mit einer indiskutablen 4,4!!! Ein Schock für ihn und seine Ehefrau, welche den Wettkampf auf der Tribüne mitverfolgt hatte und deren Entsetzen im Gesicht abzulesen war. Tragischerweise hatte ihr Gatte im alles entscheidenden Moment die Nerven erneut nicht im Griff. Etwas Gutes konnte Matthew Emmons aber trotzdem noch der Situation abgewinnen: "My performance at the Athens final kind of got shooting on the map. This is just another crazy thing that will bring shooting some attention."
An dieser Stelle möchte ich mich zunächst ganz herzlich bei allen Leserinnen und Lesern* meines E-Books "Mentale Stärke im Sport" bedanken, das ich Ende 2004 fertiggestellt hatte.
Ziemlich genau vier Jahre später folgt nun die 2. Ausgabe, um mit dem aktuellen Geschehen Schritt halten zu können. Die einzelnen Kapitel wurden aktualisiert und mit neuen Beispielen ergänzt. Zudem wurden einige Video-Links eingefügt, sodass Sie nun per Mausklick einige der erwähnten Sportlerinnen und Sportler gleich in "Action" sehen können. So werden Sie bspw. Michael Jordan durch die Luft "schweben" sehen, nochmals den 400m Lauf von Cathy Freeman bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney miterleben können oder eine Teilaufzeichnung des "Miracles on Ice" betrachten können, das sich anlässlich der Olympischen Winterspiele 1980 in Lake Placid abgespielt hat. Durch die Aktualisierung ist der Umfang des E-Books etwas grösser geworden und umfasst nun 71 Seiten.
Alles weitere zum E-Book
erfahren Sie auf der entsprechenden Seite.
*Als Dankeschön an die Leserinnen und Leser der 1. Ausgabe ist die Nachfolgeausgabe für Sie gratis. Einfach eine kurze E-Mail an mich senden und wenig später werden Sie die 2. Ausgabe in Ihrem elektronischen Postfach vorfinden.
In diesem Winter haben zwei Sportler den Durchbruch zur absoluten Weltspitze geschafft, welche eigentlich längst als "ewige Talente" abgestempelt wurden. Athleten, welche zwar das Potential hätten um ganz oben mitmischen zu können, aber welche einfach keine Siegertypen seien...
Der 28-jährige österreichische Skispringer Wolfgang Loitzl gewann am 1. Januar 2009 sein allererstes Weltcupspringen in Garmisch-Partenkirchen anlässlich der Vierschanzen-Tournee. Dies im 223. Anlauf!!! Plötzlich war der Bann gebrochen. Loitzl gewann auch die abschliessenden beiden Konkurrenzen überlegen und sicherte sich so den Tournee-Gesamtsieg. Überglücklich nach diesen Erfolgen äusserte sich Loitzl wie folgt:
"Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich bin in den berühmten Lauf gekommen und kann es noch nicht fassen. Ich habe jahrelang gekämpft und habe nicht damit gerechnet. Ich bin natürlich überglücklich, davon träumt jeder Skispringer".
Die Erfolgsstory geht seither weiter. Vor wenigen Tagen, am 21. Februar, wurde der Steirer Weltmeister auf der Normalschanze.
Ähnlich auch die Laufbahn von Didier Défago. Vor sieben Jahren gewann Défago zwar in Gröden einen Super-G, konnte diesen Erfolg in den folgenden Jahren aber nicht bestätigen. Défago verzeichnete zwar einige gute Ergebnisse, fuhr auch immer wieder hervorragende Abschnittszeiten, leistete sich aber auch immer wieder zeitraubende Fehler, welche bessere Resultate verhinderten. Eine Woche vor dem Rennen am Lauberhorn wurde im Schweizer Fernsehen in der Sendung "Sport aktuell" gar die Meinung geäussert, dass das Schweizer Abfahrtsteam der Herren eigentlich nur noch aus Didier Cuche bestehe. Er sei der Einzige mit Aussichten auf einen Spitzenplatz im Hinblick auf das Rennen in Wengen...
Am 17. Januar 2009 sollte aber alles ganz anders werden. Défago legte eine herausragende Fahrt hin und gewann seine erste Abfahrt der Karriere ausgerechnet im Heimrennen, am legendären Lauberhorn. Und auch Défago konnte die Euphorie über diesen Sieg mitnehmen und das Momentum nutzen. Eine Woche später beim Klassiker in Kitzbühel doppelte er nach und ist dadurch zu den Grossen im Skisport aufgestiegen.
Sonntag, 7. Juni in Paris. Roger Federer verwandelt seinen ersten Matchball im Finale der French Open gegen den Schweden Robin Söderling und sinkt überwältigt von seinen Gefühlen in die Knie. Federer hatte das geschafft, was ihm nicht mehr allzu viele zugetraut hatten. In den Monaten zuvor spielte Federer für seine Verhältnisse ziemlich unkonstant und hatte Probleme beim Aufschlag. Zurück zum Erfolg fand Federer ausgerechnet in Madrid, in der Heimat seines grössten Konkurrenten Rafael Nadal, als Federer plötzlich wieder mit mehr Vertrauen agierte und wieder variabler zu spielen begann. Im Finale konnte er sich seit längerer Zeit wieder einmal gegen Nadal durchsetzen, trotzdem war der Spanier für die French Open haushoher Favorit und steuerte seinem 5. Titelgewinn in Serie entgegen.
Für Federer begann das Turnier beschwerlich. Bereits in Runde 2 gegen den Argentinier José Acasuso befand er sich in akuter Rücklage als er im dritten Satz mit 1:5 im Rückstand lag bei 1:1 Sätzen. Doch Federer konnte den Satz noch wenden und gewann schliesslich in 4 Sätzen. In Runde 3 verlor Federer den Startsatz, bevor er sich steigern konnte und den Einheimischen Paul-Henri Mathieu ebenfalls in 4 Sätzen bezwingen konnte.
Die grosse Sensation des Turniers ereignete sich am 31. Mai, als Rafael Nadal völlig überraschend im Achtelfinale Robin Söderling unterlag und zum ersten Mal überhaupt eine Niederlage bei den French Open einstecken musste. Durch Nadals Ausscheiden änderte sich die Ausgangslage schlagartig. Nun war plötzlich Federer wieder der erste Favorit auf den Titelgewinn und der Tenor lautete: "Wenn Federer dieses Jahr in Paris nicht gewinnt, dann wird er es gar nie mehr schaffen."
Am nächsten Tag musste Federer gegen den Deutschen Tommy Haas antreten und tat sich lange Zeit enorm schwer. Bei 0:2 Satzrückstand und 3:4 musste Federer einen Breakball abwehren (vielleicht der wichtigste Punkt während des gesamten Turniers). Federer konnte seinen Aufschlag halten, realisierte danach sein erstes Break der Partie und war fortan nicht mehr zu stoppen. Nach einem 3-Satz-Erfolg über Gael Monfils stand Federer schliesslich erneut in einem GS-Halbfinale - seinem 20. in Serie! Und erneut sollte es eine ganz enge Partie werden. Gegen Juan Martin Del Potro musste Federer während 3 Sätzen unten durch, bevor er abermals mit dem Rücken zur Wand immer besser ins Spiel kam und auch das Halbfinale in 5 Sätzen für sich entscheiden konnte. Das Finale war erreicht, nur noch einen Sieg trennte Federer vom ganz grossen Triumph. In der Profi-Ära hatte es erst André Agassi geschafft alle vier GS-Turniere mindestens einmal zu gewinnen, nun bot sich Federer erneut die Chance seine "Sammlung" ebenfalls zu komplettieren, nachdem er in den vergangenen drei Jahren immer an Rafael Nadal gescheitert war. Interessant in diesem Zusammenhang, dass ausgerechnet Agassi für die Pokalübergabe vorgesehen war, da er vor exakt 10 Jahren in Paris gewinnen konnte.
Alles war angerichtet, nun galt es "nur" noch die Hürde Söderling zu überwinden, der in den Tagen zuvor sich in der Form seines bisherigen Tennislebens präsentierte. War Federer der Situation gewachsen? Konnte er mit dieser riesigen Erwartungshaltung umgehen und konnte er seinen eigenen Traum verwirklichen? - Die Antwort kennen wir, Federer hat es auf eindrückliche Art und Weise geschafft, gab danach aber offen zu, wie nervös er in der Schlussphase gewesen sei und wie gross der Druck auf ihm lastete:
"I
was very nervous at the beginning of the third set because I realized how close
I was. The last game, obviously you can imagine how difficult that game was. It
was almost unplayable for me because I was just hoping to serve some good serves
and hoping that he was going to make four errors. It was that bad."
"The pressure is so big"
Doch Federer gelang es alle Hindernisse zu überwinden und seinen insgesamt 14. GS-Titel zu erringen. Ganz andere Bilder gab es hingegen im Damen-Finale zu sehen. Dinara Safina, derzeitige Weltranglisten-Erste, verlor auch ihr 4. grosses Finale und war mit der Situation abermals überfordert. Eine konsternierte Safina gab denn auch zu Protokoll, dass sie sich selbst zu sehr unter Druck gesetzt habe und mental nicht stark genug war, um die Situation meistern zu können.
Häufig wird der Psychologie vorgeworfen, dass sie sich ausschliesslich mit menschlichen Schwächen und psychischen Defiziten beschäftigt. Eine ziemlich neue Richtung innnerhalb der Psychologie geht nun aber in die gegenläufige Richtung und widmet sich ausdrücklich positiven Aspekten und untersucht u.a., welche Faktoren zu Glück und Zufriedenheit führen. Als Begründer der Positiven Psychologie gilt dabei der amerikanische Universitätsprofessor Martin Seligman, der 1999 an einem Kongress das Konzept der Positiven Psychologie vorstellte. Seither ist die "Glücksforschung" auch in der Wissenschaft etabliert und zu einer boomenden Disziplin geworden. So wurden in Untersuchungen insgesamt 24 Charakterstärken identifiziert, welche für das Empfinden eines glücklichen Lebens stehen sollen. Dazu gehören bspw. Authentizität, Kreativität, Ausdauer, Enthusiasmus, Empathie, Fairness, Humor, Menschlichkeit, Treue. Wer Interesse hat mehr über seine Charakterstärken zu erfahren, kann dies anhand eines Online-Fragebogens der Universität Zürich tun. Nach dem Ausfüllen erhält man eine komplette Übersicht zu den persönlichen Charakterstärken, welche selbstverständlich auf der Eigeneinschätzung beruhen - Link zum Fragebogen "Values in Action" (kostenlos, verlangt aber zunächst eine Registrierung).
Entscheidend ist nun aber die Frage, ob diese Tugenden auch trainiert werden können oder ob gewisse Leute einfach das Glück haben bspw. über mehr Empathie zu verfügen als andere oder von Natur aus ausdauernder (im geistigen Sinne) sind? Ist der Charakter gewissermassen formbar? - Als Mental-Trainer und aufgrund meiner täglichen Erfahrungen würde ich die Frage mit einem glasklaren JA beantworten; die genannten Aspekte lassen sich trainieren und als Konsequenz führt eine Verbesserung in einem bestimmten Bereich zu mehr Lebensqualität und zu einem erfüllteren Leben. Teilt die Wissenschaft diese Ansicht oder kommt sie zu anderen Ergebnissen? Am Psychologischen Institut der Universität Zürich in der Fachrichtung Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik hat man sich dieser Fragestellung angenommen und dazu ein Trainingsprogramm, das sog. "Zürcher Stärken Programm" entwickelt. Mittels äusserst einfachen Übungen sollte untersucht werden, ob man die einzelnen Charakterstärken trainieren und optimieren kann und ob eine Verbesserung in einem bestimmten Bereich zu mehr Lebenszufriedenheit führen wird. Zur Veranschaulichung ein Beispiel einer dieser Übungen: "Dankbarkeit wird etwa trainiert, indem die Probanden sich jeden Tag drei Dinge aufschreiben, die im Laufe des Tages positiv waren." Das Programm wurde in der Zwischenzeit abgeschlossen, die Ergebnisse wurden jedoch noch nicht veröffentlicht, da die Auswertung derzeit noch im vollen Gange ist. Mit der Veröffentlichung ist ca. in einem halben bis in einem dreiviertel Jahr zu rechnen und wird an dieser Stelle nachgereicht werden. Bis dahin bitte ich um etwas Geduld ;-)...
Die Olympischen Winterspiele in
Vancouver, welche am 12. Februar eröffnet wurden, begannen aus Schweizer Sicht
mit einem Paukenschlag. Beim ersten Wettbewerb, der ausgetragen wurde, gewann
Simon Ammann auf der Normalschanze die Goldmedaille in einer hochstehenden
Konkurrenz. Damit
holte Ammann seine 3. Goldmedaille bei Olympischen Spielen, nachdem er vor 8
Jahren bereits zweimal zuoberst auf dem Podest stand. 8 Jahre sind eine ganz
schön lange Zeitspanne in einer Sportkarriere und die Erfolge sind auch
grundverschieden. In Salt Lake City wurde Ammann aus dem Nichts
Doppel-Olympiasieger und über Nacht zum gefeierten Star, in Vancouver trat er
hingegen als Kronfavorit an, nachdem er als Gesamtweltcup-Führender angereist
war und bereits im Training angedeutet hatte, dass der Sieg über ihn gehen
würde. Imponierend ist, wie Ammann mit dieser Favoritenrolle umgegangen ist und
auf den Punkt fokussiert war, um zwei Topsprünge abzurufen und eine saubere
Landung in den Schnee zu setzen. Die Landung war im Vorfeld denn auch der grosse
Unsicherheitsfaktor, da Ammann im Training damit Mühe bekundete und er wusste,
dass im Wettkampf ein sauberer Telemark gefordert sein würde, um die Konkurrenz
in Schach halten zu können. Der inzwischen 28-jährige Schweizer meisterte aber
auch diese Anforderung mit Bravour und gewann letztlich überlegen Gold, nachdem
er in beiden Sprüngen die Bestweite aufgestellt hatte. Speziell auch, dass mit
dem Polen Adam Malysz ein Springer die Silbermedaille holte, der ebenfalls
bereits vor 8 Jahren auf dem olympischen Podest stand. Bronze ging an das
österreichische Super-Talent Gregor Schlierenzauer, der seine Chance auf Gold
im ersten Sprung vergeben hatte, danach aber eine grossartige Reaktion zeigte
und mit seinem zweiten Sprung die nachfolgenden Springer unter Zugzwang
setzte.
Was haben die Auftritte der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft an der WM 2010 in Deutschland, der Schweizer Fussballnationalmannschaft an der WM 2010 in Südafrika und des FC Basel in der Champions-League-Saison 2010/2011 gemeinsam? - Nach sensationellen Erfolgen folgte kurze Zeit später die Ernüchterung...
Blicken wir kurz zurück auf das Sportjahr 2010: Die Schweizer Eishockey-Nati reiste im Mai 2010 mit wenig Kredit an die Weltmeisterschaften nach Deutschland. Nach einer langen Saison musste das Team auf viele wichtige Stützen verzichten. Umso erstaunlicher die ersten Auftritte der jungen Mannschaft. In den Gruppenspielen bezwang man sensationell das Mutterland des Eishockey Kanada mit 4:1. In der ersten Partie der Zwischenrunde dann die Bestätigung mit einem Erfolg über Tschechien (dem späteren Weltmeister!). Nach einer ersten überraschenden Niederlage gegen Norwegen qualifizierte sich das Team dennoch souverän für die Viertelfinals, wo es mit Gastgeber Deutschland auf den vermeintlich einfachsten Gegner traf. In diesem Viertelfinale wirkte das Team aber verkrampft und konnte nicht mehr annähernd an die begeisternden Auftritte gegen Kanada und Tschechien anknüpfen. Aus der Traum nach einer 0:1 Niederlage. In der Neuen Luzerner Zeitung wurden klare Worte dafür gefunden: "Nie war der Gegner so schwach wie Deutschland gestern", und schrieb von einem "unverständlichen Versagen der Schweizer."
Auch die Schweizer Fussballnationalmannschaft begann ihr Turnier an der Fussball-WM in Südafrika mit einem Paukenschlag. Das Team gewann ihre Auftaktpartie gegen den amtierenden Europameister und grossen Favoriten Spanien mit 1:0 (Spanien sollte später Weltmeister werden...). Eine faustdicke Überraschung, welche kurzzeitig für eine riesige Euphorie im ganzen Land sorgte. Doch dann unterlag die Schweiz im 2. Gruppenspiel Chile mit 0:2. Im abschliessenden Spiel gegen Honduras zeigte die Mannschaft schliesslich eine äusserst dürftige Leistung und schied nach einem 0:0 aus. Der Tenor in den Schweizer Medien: "Die Spieler haben versagt!"
Und auch beim FC Basel folgte nach einem Hoch und dem Traum der Qualifikation für das Champions-League-Achtelfinale ein abruptes Erwachen. Nach zwei unglücklichen Niederlagen in den ersten Partien, gewann Basel sensationell seine Auswärtspartie in Rom gegen die AS Roma mit 3:1. 14 Tage später im heimischen St.Jakob-Stadion konnte aber auch der FC Basel die Gunst der Stunde nicht nutzen und verbaute sich mit der 2:3 Heimniederlage gegen den gleichen Gegner den Weg ins Achtelfinale.
Gibt es nicht nur resultatmässige Parallelen, sondern auch in den Ursachen für diese Exploits, gefolgt von der Ernüchterung? - Jedes sportliche Ereignis sollte eigentlich für sich betrachtet werden und hat seine ganz eigene Geschichte. Trotzdem scheint es so, dass die drei Teams jeweils nicht mit der Erwartungshaltung zu Recht gekommen sind, welche plötzlich da war nach den grandiosen Starterfolgen. Zu Beginn unbekümmert und in der Aussenseiterrolle aufgetreten, scheiterte man in aussichtsreicher Position und konnte nicht mehr annähernd an die Leistungen zuvor anknüpfen. Eine der Ursachen für das letztliche Scheitern dürfte deshalb ganz klar auf mentaler Ebene liegen. Die Spieler waren mental der Situation nicht ganz gewachsen, verkrampften und konnten nicht mehr an ihr eigentliches Potential anknüpfen, anstatt das Momentum zu nutzen und auf der "Begeisterungswelle weiterzusurfen"...
Samstag, 29. Januar 2011: an diesem Datum fand in Bern die Kür der Damen bei den Eiskunstlauf-Europameisterschaften statt und der Wettkampf lieferte eine faszinierende Geschichte mit einem Ende, das sonst eigentlich nur in Hollywood-Streifen zu sehen ist...
Schon lange stand fest, dass es für Sarah Meier der allerletzte Wettkampf ihrer Karriere sein würde. Die Vorzeichen waren jedoch alles andere als gut. So konnte die 26-Jährige aufgrund von Knöchelproblemen nur ein reduziertes Vorbereitungsprogramm absolvieren. In einem Interview sagte sie gar, dass sie nur nochmals angetreten sei, da die EM im eigenen Land stattgefunden hat.
Überraschend gut lief dann das Kurzprogramm. Nach einem fehlerfreien Auftritt rangierte Meier auf Position 3, Medaillenträume wurden wach. Der Zufall wollte es, dass sie am darauffolgenden Tag bei der abschliessenden Kür als letzte Athletin ihr Programm vorführte. Nachdem die Konkurrenz keine berauschenden Leistungen gezeigt hatte und viele Stürze zu sehen waren, hatte Sarah Meier plötzlich die Chance auf den ganz grossen Coup. Bühne frei für die letzte Kür ihrer Karriere:
Sarah Meiers Goldkür
Meier lief eine grossartige, fehlerfreie Kür vor begeisterten Zuschauern und gewann schliesslich hochverdient EM-Gold. Ein Traum, den sie lange verfolgt hatte und ganz zum Schluss ihrer Karriere erreichte, als eigentlich niemand mehr damit auch nur annähernd gerechnet hatte. Nach ihrer Kür sagte sie ins Mikrofon, dass es für sie sehr schwierig gewesen sei die Emotionen bis nach Ende ihres Programms unter Kontrolle zu halten und sie vor dem Auftritt das Gefühl gehabt hätte sie würde sterben. Auch unmittelbar vor dem Start der Kür konnte man die grosse Anspannung in Sarah Meiers Gesicht erkennen, doch dann fand sie einen Weg mit der Situation klarzukommen und lief die Kür ihres Lebens...
Am Sonntag, dem 27.
Februar bzw. am Sonntag, dem 10. April findet in St.Gallen im Tenniscenter Gründenmoos
ein Workshop mit dem Titel „Der mentale Faktor im Tennis – auch mentale Stärke
ist trainierbar“ statt.
Worum geht es dabei?
– Vermutlich würden so ziemlich alle Tennisspielerinnen und –Spieler der
Aussage zustimmen, dass die Leistung im Tennis zu einem beträchtlichen Teil
auch im Kopf stattfindet. Wer Vertrauen in sein Spiel hat, entschlossen und
ruhig agiert, wer sich über einen längeren Zeitraum aufs Wesentliche
konzentrieren kann und auf die verschiedenen Situationen mit konstruktiven
Gedanken reagiert, hat einen entscheidenden Vorteil.
Währenddem
technische, physische und taktische Aspekte häufig gezielt trainiert werden,
wird für den mentalen Bereich vielfach aber überhaupt nichts getan. Dabei
lassen sich auch mentale Aspekte trainieren. In diesem Workshop wird gezeigt,
wie dies aussehen kann: was beinhaltet eigentlich genau der Begriff mentale Stärke?
Welche Faktoren fallen darunter? Wie können diese positiv beeinflusst und gestärkt
werden? Es werden verschiedene Massnahmen und Strategien aufgezeigt. In zwei
Praxisblöcken auf dem Tennisplatz können die Teilnehmer dies dann unmittelbar
erfahren.
Weitere Infos unter: www.tennismentaltraining.ch
Update: der nächste Workshop findet am Sonntag, dem 2. Oktober statt - Ausschreibung; Anmeldeformular
Das Masters in Augusta ist eines der vier Major-Turniere im Golf und wird häufig als bedeutendstes Golfturnier überhaupt bezeichnet. Der Sieger des Turniers wird jeweils in das "Green Jacket" eingekleidet und erhält ein lebenslanges Teilnahmerecht.
Die diesjährige Austragung wird Golfinteressierten wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Der erst 21-jährige Nordire Rory McIlroy, seit einiger Zeit als das europäische Supertalent bezeichnet, startete furios ins Turnier und übernahm mit einer 65-er Runde die Spitze des Leaderboards. Nach der Startrunde sagte McIlroy, dass er sich intensiv auf das Turnier vorbereitet habe. Seit dem Jahreswechsel war alles auf das grosse Ziel Augusta ausgerichtet. Diese konsequente Vorbereitung habe sich nun ausbezahlt:
"I've practiced and I've prepared myself for this week. Everything that I've been doing since I got the clubs out again after the new year on the 7th of January it's just been working towards Augusta. And it's paid off today and hopefully it can pay off for the next three."
In der zweiten und dritten Runde behauptete er souverän seine Spitzenposition und führte vor dem Schlusstag mit 4 Schlägen Vorsprung das Feld an. Nach 54 Löchern hatte McIlroy nur 3 Bogeys gespielt und stand bei einem Total von -12 Schlägen für das Turnier (nach Runden von 65/69 und 70 auf dem Par 72 Kurs). Er hatte den Platz im Griff und spielte fantastisches Golf.
Nur noch 18 Löcher trennten den Nordiren vor seinem ersten Erfolg an einem Major. In einem Zeitungsartikel vor dem Schlusstag hiess es, dass das ganze Gewicht eines "ungeduldigen Kontinents" auf den jungen Schultern von McIlroy lasten würde, da der letzte europäische Sieg am Masters bereits 12 Jahre zurückliegt. Zudem wäre er der zweitjüngste Gewinner in der Geschichte des Masters nach Tiger Woods, der bei seinem ersten Erfolg im Jahre 1997 noch einige Monate jünger war als McIlroy derzeit ist. Er selbst gab zu Protokoll, dass er einfach mit der Einstellung spielen müsse, wie an den ersten drei Tagen.
"I have to go out there tomorrow, not take anything for granted and go out and play as hard as I've played the last three days."
Sicherlich die genau richtige Herangehensweise, aber leichter gesagt als getan...
Der erste kleine Rückschlag ereignete sich bereits bei Loch 1, als er ein Bogey in Kauf nehmen musste. Zur Halbzeit stand eine -11 auf dem Scoreboard und der Vorsprung auf den nächsten Verfolger war auf einen Schlag zusammengeschmolzen. Doch dann missriet der Abschlag an der 10 völlig - McIlroy kassierte ein Triple-Bogey und erholte sich davon nicht mehr. Bogey an der 11, Double-Bogey an der 12. Innerhalb von drei Löchern wurden die Titelhoffnungen begraben und mit einer Schlussrunde von 80 Schlägen landete das Jungtalent abgeschlagen auf dem 15. Rang.
McIlroy war der Situation noch nicht gewachsen. Er zeigte sich enttäuscht darüber, blickte aber bereits voraus:
"This was my first experience at it. Hopefully, next time I'm in this position, I'll be able to handle it a little better."
Das wird in den kommenden Monaten und Jahren interessant zu beobachten sein. Wird McIlroy aus dieser Erfahrung gestärkt hervorgehen und seine Lehren daraus ziehen können oder wird es einen mentalen Knacks geben? - Vielleicht werden wir bereits beim nächsten Major-Turnier, dem US Open vom 16. - 19. Juni eine Antwort darauf erhalten...
Die 111. US Open fanden dieses Jahr in Bethesda auf einem äusserst schwierigen Par71-Kurs statt. Wie beim ersten Major des Jahres startete Rory McIlroy furios ins Turnier. Mit 65 Schlägen übernahm er sogleich die Spitzenposition. Am zweiten Tag liess er eine 66-er Runde folgen und lag bereits 6 Schläge vor seinem nächsten Verfolger. Nach einer 68 am dritten Tag vergrösserte sich sein Vorsprung sogar auf 8 Schläge vor dem Schlusstag. McIlroy hatte wie in Augusta die Konkurrenz und den Platz sicher im Griff und stellte eine Rekordmarke nach der anderen auf. Doch in Augusta war er auf der 4. Runde völlig eingebrochen. Im obigen Bericht zum Masters in Augusta hatte ich deshalb die Frage aufgeworfen, ob McIlroy aus dieser bitteren Erfahrung wird lernen können?
Und McIlroy gab eine beeindruckende Antwort darauf. Zu keinem Zeitpunkt geriet sein Sieg in Gefahr. Auch auf der 4. Runde spielte er Golf auf hohem Niveau und leistete sich kaum Fehler. Mit einer 69-er Runde schloss er das Turnier mit insgesamt 268 Schlägen und 16 unter Par ab. Noch nie zuvor in der Geschichte der US Open hatte ein Golfer ein solch gutes Schlussergebnis erzielt. Der am 4. Mai 22-jährig gewordene Nordire spielte die Weltklasse in Grund und Boden und feierte seinen ersten Major-Titel. Dies in einer Art und Weise, welche an die besten Tage von Tiger Woods erinnerte.
Angesprochen auf den Einbruch in Augusta, antwortete McIlroy: "Die Erfahrungen vom Masters in Augusta haben mir heute sehr viel geholfen. Ich wusste, was ich tun muss und vor allem auch, was ich nicht tun darf."
Tennis gilt als eine der mental anspruchsvollsten Sportarten überhaupt. Wer selbst Tennis spielt, wird dies aus eigener Erfahrung höchstwahrscheinlich bestätigen. Es ist zu einem beträchtlichen Teil ein mentales Spiel, das häufig im Kopf entschieden wird.
So hat Ana Ivanovic, ehemalige Nummer 1 der Damenweltrangliste und Siegerin der French Open einmal gesagt, dass "die mentale Fitness das Wichtigste im Tennis" sei. Oder Novak Djokovic, derzeitige Nummer 1 im Herrentennis, der das "Selbstvertrauen" als den Faktor herausstreicht, warum er eine derart herausragende Saison 2011 gespielt hat.
Das E-Book richtet sich an alle Tennisspielenden und Tennisinteressierten, welche sich für den mentalen Bereich im Tennis interessieren, mehr darüber erfahren und/oder sich darin verbessern möchten.
Zum Inhalt:
Das E-Book beschreibt zunächst was unter der vierten Dimension im Tennissport - der mentalen Dimension - zu verstehen ist und welche Faktoren dabei eine entscheidende Rolle spielen. Anschliessend werden Situationen dargestellt, welche von Turnierspielerinnen und -spielern häufig als schwierig beschrieben werden. Sie werden Hinweise erhalten, wie Sie solche Situationen besser handhaben und so Ihr Potential optimaler nutzen können. Zur Illustration sind zahlreiche Praxisbeispiele aus dem Profibereich eingefügt und einige der aktuellen und ehemaligen Topspieler kommen zu Wort. Es sind auch Videolinks enthalten, sodass Sie gleich bewegte Bilder zu einem geschilderten Sachverhalt betrachten können. So ist das E-Book nicht nur als theoretischer Ratgeber gedacht, sondern richtet das Augenmerk gezielt auf die Praxis.
In einem zweiten Teil werden zentrale mentale Techniken wie bspw. das Visualisieren, Übungen zur Verbesserung der Konzentration oder Techniken zur Steuerung des Energiehaushalts (Aktivierung/Entspannung) näher vorgestellt. Sie erfahren, welche Bedeutung Rituale haben, wie Sie Ihre Gedanken effektiver einsetzen können, was Selbstvertrauen genau bedeutet und wie Sie dieses nachhaltig verbessern können, etc. So wie Sie Ihre Technik oder Ihre körperlichen Fähigkeiten gezielt trainieren können, lassen sich auch mentale Faktoren durch geeignete Massnahmen fördern. Ein abrundendes Kapitel widmet sich dem Leben ausserhalb des Tennisplatzes, denn Weiterentwicklung im mentalen Bereich ist selbstverständlich nicht nur für Ihr Tennis von grossem Nutzen, sondern tangiert jeden Lebensbereich. (Bestellung unter der Seite "E-Book")
Interview mit Nicole Eisler
Nach Martina Hingis und Roger Federer hat die Schweiz mit Nicole Eisler eine weitere Nummer 1 in einer Rückschlagsportart. Seit dem 1. März steht sie in der Racketlon-Weltrangliste der Damen ganz zuoberst, nachdem sie in den vergangenen 24 Monaten mit konstanten Spitzenergebnissen aufgewartet hat und sich in den einzelnen Disziplinen gezielt und kontinuierlich weiterentwickelt hat.
Racketlon, der Racketwettkampf bestehend aus Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis, ist noch eine junge Sportart und in der Schweiz eigentlich erst seit 2007 näher bekannt, als die Swiss Open erstmals ausgetragen wurden. Da ich meinerseits ebenfalls mit Begeisterung diese Sportart ausübe und Nicole zum einen von den Turnieren her, zum andern von unserem gemeinsamen Racketlon-Verein (4 Rackets Rhine Valley) her kenne, habe ich gerne die Gelegenheit genutzt mit ihr ein Interview zu führen, das als Schwerpunkt die mentale Seite im Racketlon thematisiert. Denn Racketlon ist nicht nur eine physische und technische Herausforderung, sondern verlangt auch in mentaler Hinsicht vieles von den Athletinnen und Athleten, wenn frau und man erfolgreich sein möchte... lesen Sie, was die amtierende Nummer 1 dazu meint...
Zum
Interview
Zur Homepage von Nicole Eisler
Olympische Spiele in London
Mit einer beeindruckenden Schlussfeier gingen am 12. August in London die 30. Olympischen Sommerspiele zu Ende. Während 16 Tagen wurden in 26 Sportarten insgesamt 302 Entscheidungen ausgetragen. 204 Länder waren dabei vertreten und erstmals in der olympischen Geschichte waren in allen olympischen Sportarten auch Frauen am Start. Was zudem bemerkenswert ist: sämtliche Länder hatten auch Frauen in ihrem Aufgebot.
Es ist jeweils ein Zusammenkommen der ganzen Welt: unterschiedlicher Kulturen, unterschiedlicher Religionen, von Menschen aller Hautfarben. Vermutlich ist es das völkerverbindendste Ereignis überhaupt.
Grossbritannien und London zeigte sich dabei von seiner besten Seite: Zehntausende von Volunteers sorgten sich stets freundlich für das Wohl von Zuschauern und Athleten, die Logistik funktionierte prächtig und in den Stadien herrschte eine atemberaubende Atmosphäre. Selbst das Wetter spielte mit.
Für die meisten der teilnehmenden Athletinnen und Athleten sind Olympische Spiele der absolute Höhepunkt. Es ist das Ziel auf das jahrelang hingearbeitet wird. Der ganze Trainingsaufbau ist danach ausgerichtet am Tag X das Optimum abrufen zu können. Den einen gelingt dies und sie erzielen ihre persönliche Bestleistung, andere bleiben jedoch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Äusserst erfolgreich verliefen die Spiele für das Gastgeberland. Grossbritannien belegte im Medaillenspiegel hinter den USA und China mit insgesamt 65 Medaillen (davon 29 in Gold) den dritten Rang und übertraf damit die eigenen hohen Erwartungen. Nachdem die ersten Medaillen eingefahren waren, brach im ganzen Land eine riesige Euphorie aus und es schien, als ob zahlreiche britische Sportlerinnen und Sportler regelrecht beflügelt wurden und so zu Höchstleistungen aufliefen. Das "Team GB" war in aller Munde. Sicherlich ist ein Teil des Erfolgs damit zu erklären, dass der Staat im Hinblick auf die Spiele im eigenen Land in den letzten Jahren viel Geld in den Sport investierte, um den Athleten günstige Voraussetzungen zu schaffen. Diese Voraussetzungen sind die Basis für den Erfolg, doch ob die Sportler dann auch ihr Potential ausschöpfen können, steht auf einem anderen Papier...
"Die Briten haben den Heimvorteil genutzt" - diese Aussage hörte und las man oft. Doch einen Wettkampf vor heimischer Kulisse austragen zu können, führt nicht automatisch zu einer guten Leistung. Auch nicht, wenn das Publikum derart wohlwollend ist, wie das britische und seine Athleten bedingungslos unterstützt. Es gibt Athleten, die aus dieser Unterstützung Kraft schöpfen können, bei anderen passiert jedoch genau das Gegenteil: sie verkrampfen und sind der Situation nervlich nicht gewachsen, wenn sie bspw. das Olympia-Stadion vor 80'000 Zuschauern betreten. Die Kulisse kann also beflügeln oder lähmen.
Eine Sportlerin, welche diese Herausforderung glänzend gemeistert hat, ist die britische Siebenkämpferin Jessica Ennis. Die grazile Ennis galt als Topfavoritin und war gewissermassen das Gesicht der Spiele. Keine andere Sportlerin war auf den Plakaten derart oft zu sehen und lächelte einem auf den berühmten Londoner Bussen entgegen. Über Ennis wurde im Vorfeld laufend berichtet. Dies kann belastend wirken und Druck erzeugen, doch Ennis konnte damit meisterhaft umgehen.
Vor dem Wettkampf äusserste sich Ennis folgendermassen: "Natürlich verspüre ich diesen Druck. Ich verstehe auch, dass die Öffentlichkeit einem schon die Goldmedaille um den Hals hängt. Aber ich muss mich davon frei machen und fokussiert bleiben." Und voller Zuversicht fügte sie hinzu: "Alles läuft nach Plan, ich bin bereit. Es kann losgehen."
Und wie es losging - in der ersten Disziplin, dem 110m Hürdenlauf, stellte sie bereits die Weichen für ihre Goldmedaille. Keine Spur von Anfangsnervosität, von Unsicherheit. Mit 12,54 Sekunden lief sie eine neue Weltbestzeit innerhalb des Siebenkampfs. Der Auftakt war bravourös geglückt und Ennis sollte in der Folge nicht mehr gestoppt werden. Mit 6955 Punkten erreichte sie eine neue persönliche Bestmarke und gewann den Wettkampf überlegen. Als sie später erneut zum Thema "Druck" angesprochen wurde, entgegnete sie: „Es war ein schöner Druck“.
Wawrinka auf Augenhöhe mit der Nummer 1 der Welt
Bei den Australien Open 2013 kommt es im Achtelfinale zur Begegnung zwischen dem Weltranglistenführenden und Titelverteidiger Novak Djokovic und Stanislas Wawrinka. Djokovic ist der klare Favorit und zeigte sich in den Runden zuvor in sehr guter Form. Auch Wawrinka fand gut ins Turnier und musste bis zum Achtelfinale ebenfalls keinen einzigen Satz abgeben. Für Wawrinka alles andere denn eine Selbstverständlichkeit, da er häufig unkonstant spielt und sich als "Marathon-Mann" einen Namen gemacht hat. Vor der Partie zeigt sich der Westschweizer denn auch selbstbewusst und sagt "er sei bereit".
Und wie er bereit ist. Wawrinka beginnt hervorragend. Er ist derjenige, der die Ballwechsel diktiert und oft mit Gewinnschlägen abschliesst. Djokovic ist fast permanent in der Defensive. Nach 25 Minuten ist der erste Satz vorbei und geht mit 6:1 an Wawrinka - ein Paukenschlag. Auch in Satz 2 hat der Romand lange Zeit Vorteile und führt mit Break 5:2. Beim Stande von 5:3 kann er zu einer 2:0 Satzführung aufschlagen. Doch dann unterlaufen ihm Fehler, welche er zuvor nicht begangen hat. Djokovic kann verkürzen und kommt seinerseits immer besser ins Spiel. Nach hartem Kampf gelingt ihm der Satzausgleich. Der dritte Satz verläuft ziemlich ausgeglichen, ein Break entscheidet zu Gunsten des Serben.
Wer glaubt, dass die Partie nun vorentschieden ist und Djokovic in Satz 4 leichtes Spiel haben wird, sieht sich gründlich getäuscht. Von Resignation aufgrund des Spielverlaufs und einem Nachlassen ist bei Wawrinka nichts zu sehen. Er wirkt nach wie vor fokussiert und ruhig. Beide Akteure spielen grossartiges Tennis und liefern sich einen packenden Schlagabtausch. Der Satz wird im Tie-Break entschieden und dort ist es Wawrinka, der offensiver spielt, die Punkte sucht und für sein Risiko auch belohnt wird. Der Satzausgleich ist geschafft, der fünfte Satz muss die Entscheidung bringen.
Es wird ein epischer Entscheidungssatz und es zeigt sich endgültig: Wenn Wawrinka sein volles Potential ausschöpfen kann, hat er die Möglichkeiten, um auch die ganz grossen der Zunft schlagen zu können. In der Vergangenheit stand sich Wawrinka jedoch häufig selbst im Weg. So ruhig er ausserhalb des Platzes auftritt, so impulsiv ist er zuweilen auf dem Tennisplatz. Seinem Unmut lässt er manchmal freien Lauf. Manchmal bleibt es bei verbalen Unmutsäusserungen, gelegentlich entlädt sich die Wut und Frustration durch die Zerstörung des Rackets. Öfters verliert er komplett den Faden und fällt in ein tiefes Leistungsloch. Von den spielerischen Möglichkeiten gehört Wawrinka seit etlichen Jahren zur absoluten Spitze, doch im mentalen Bereich gäbe es einiges an Verbesserungspotential...
Doch bei den Australien Open scheint ein anderer Wawrinka auf dem Platz zu stehen. Ein Spieler, der an sich glaubt, der ruhig und fokussiert auftritt, mit sich im Reinen ist. An diesem Januar-Sonntag ist Wawrinka auch im fünften Satz auf Augenhöhe mit der Weltnummer 1 und fordert dieser alles ab. Letztlich behält Djokovic nach über fünfstündiger Spielzeit mit 12:10 die Oberhand und lässt sich erschöpft vom begeisterten Publikum feiern. Doch auch der Unterlegene hat in vielfacher Weise gewonnen: Die Sympathien der Zuschauer, welche ihn mit stehenden Ovationen verabschieden, den tiefen Respekt seines Gegners und - wohl am wichtigsten für die weitere Zukunft - die Gewissheit, die ganz Grossen bei einem Grand-Slam-Turnier schlagen zu können.
Djokovic sagte an der Pressekonferenz: "Es war mit Sicherheit eines der interessantesten und aufregendsten Spiele meiner bisherigen Karriere". und weiter: "Stan hatte den besseren Start, viele Breakbälle. Er war der aggressivere Spieler. Ich muss ihm grössten Respekt zollen. Es tut mir leid, dass jemand verlieren musste, denn er hätte den Sieg ebenso verdient."
Verständlich, dass sich Wawrinka seinerseits enttäuscht zeigte. Auf seinem Twitter-Account liess er seine Fans wissen: "Das tut weh, sehr weh." Auf der andern Seite hob er jedoch das Positive hervor und dass er von dieser Partie sehr viel mitnehmen könne: "Vor allem von der mentalen Seite her war es mein bestes Spiel. Wie ich gekämpft habe, ruhig geblieben bin, mir Chancen erarbeitet habe."
Félicitation Stan zu einer grandiosen Leistung!
Mit neuer Mentalität zu WM-Silber
Mai
2013: Eishockey-Weltmeisterschaft in Schweden und Finnland
Wohl niemand hätte der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft vor dem Turnier zugetraut in den Kampf um die Medaillen eingreifen zu können. Ein Jahr zuvor landete das Schweizer Team auf dem enttäuschenden 11. Schlussrang, Coach Sean Simpson wurde in Frage gestellt und nun diese faustdicke Sensation.
In der jüngeren Vergangenheit gab es einige Siege gegen Eishockey-Grossnationen, spätestens im Viertelfinale war dann jeweils jedoch Endstation und nun scheinbar aus dem Nichts die erste Medaille bei Weltmeisterschaften seit 60 Jahren.
Mit wenig Kredit ins Turnier gestartet, verblüffte das CH-Team von Anfang an. Gleich zu Beginn ein Coup gegen den Gastgeber und späteren Weltmeister Schweden, gefolgt von einem Sieg im Penaltyschiessen gegen das Mutterland des Eishockeys Kanada. Erstaunliche Ergebnisse, doch noch beeindruckender war die Art und Weise, wie diese Erfolge realisiert wurden. Das Schweizer Team zeigte ein neues Gesicht: Sehr offensiv ausgerichtet, kreativ, mit viel Freude am Spiel und mit grosser Intensität. Auch gegen die führenden Eishockey-Nationen spielte die Schweiz couragiert nach vorne und versuchte dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Keine Spur von Abwarten, von "defense first" und dem Warten auf Fehler, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war. Sean Simpson und seine Assistenztrainer haben gewissermassen einen Philosophie-Wandel eingeführt. Diese deutlich offensivere Ausrichtung wurde letztes Jahr eingeführt, damals jedoch noch ohne positive Ergebnisse. Ein Glück, dass der Weg weiter verfolgt wurde und der Verband weiter auf Simpson setzte.
Und so belegte die Schweiz nach den Gruppenspielen sensationell den 1. Rang der Gruppe "Stockholm": 7 Spiele, 7 Siege - die unglaubliche Bilanz. Das Ziel Viertelfinalqualifikation war souverän erreicht. Doch würde der Weg noch weiter führen?
Was auf mentaler Ebene besonders imponierte - die Spieler agierten mit viel Vertrauen in ihre Fähigkeiten, zeigten sich aber auch sympathisch bescheiden und vor allem, es war ein richtiges TEAM am Werk: mit grossem Zusammenhalt, als verschworene Einheit, in welcher jeder für den andern arbeitet. Dieser Aspekt wurde von allen Beteiligten herausgehoben und ist vermutlich der wichtigste Baustein zur Komplettierung eines äusserst komplexen Puzzles. Und so war der Slogan:
"One Team - one mission - one nation"
nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern er wurde gelebt. Eine Einheit mit dem gleichen Ziel, indem kein Platz für Starallüren war, sondern sich jeder in den Dienst des Team stellte.
Die Erfolgsstory ging weiter. Nach einem hartumkämpften 2:1 Erfolg über den 12-fachen Weltmeister Tschechien war die Halbfinalqualifikation geschafft, es winkte eine Medaille. Im Halbfinale gegen die USA gar noch eine Leistungssteigerung und vielleicht die beste Leistung einer Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft überhaupt. Von Beginn an die Partie in die Hand nehmend, spielte die Schweiz mit viel Leidenschaft und liess den Gegner nie in die Partie kommen. Mit 3:0 ein hochverdienter Sieg, der sporthistorische Medaillengewinn stand fest.
Das Finale begann im gleichen Stil. Die Schweiz powerte, erarbeitete sich Chance um Chance und ging früh mit 1:0 in Führung. Doch der Gastgeber antwortete postwendend und zeigte sich, angeführt von den Sedin-Zwillingen, eiskalt bei der Chancenverwertung. Schlussendlich resultierte eine 1:5 Niederlage - trotz abermals guter Leistung - welche nicht dem Spielgeschehen entsprach. Doch von einer verpassten Goldmedaille kann keine Rede sein, auch wenn diese nicht ausser Reichweite lag. Der Gewinn der Silbermedaille ist ein riesiger Erfolg, das Auftreten und die Spielweise Gold wert...
In
einem Interview sagte Sean Simpson folgendes:
"Auf dem Papier waren wir sicher nicht die beste Mannschaft. Aber vom Geist her waren wir die Besten."
...und wer weiss, vielleicht wird ja ein zweiter Teil zu "miracle on ice" gedreht - die Tage in Stockholm waren jedenfalls etwas ganz besonderes!
Roger Federer gilt für viele Tennisexperten als bester Spieler aller Zeiten. Auch wenn solche generationenübergreifende Vergleiche schwierig und letztlich nur eine Spielerei sind, gehört Federer zweifellos zu den grössten Spielern des Sports. Über Jahre hat er das Tennis dominiert und eine Vielzahl an Rekorden aufgestellt. Bis zum heutigen Tag hat er 17 Grand-Slam-Titel gewonnen - so viele wie kein anderer Spieler. Seit seinem ersten Erfolg in Wimbledon im Jahre 2003 hatte Federer bei Grand-Slam-Turnieren 36-mal in Folge mindestens das Viertelfinale erreicht - eine unglaubliche Serie. Völlig unerwartet riss diese Serie diesen Sommer, als Federer in Wimbledon sensationell in Runde 2 dem Ukrainer Sergej Stachovski unterlag. In einer englischen Zeitung, dem Guardian, war danach zu lesen: "Der grösste Schock in der Geschichte der Männer-Grand-Slams."
Bis dahin war Federers Saison eher enttäuschend verlaufen, doch nach dem Gewinn des Vorbereitungsturniers in Halle zählte er zum engsten Favoritenkreis.
Jede Serie geht einmal zu Ende, in jeder Sportkarriere gibt es Phasen, in denen es nicht rund läuft. War es ein einmaliger Betriebsunfall? - Mit grosser Spannung erwartete man deshalb die Auftritte Federers bei den US Open. In den ersten drei Runden hatte er überhaupt keine Probleme. Ohne Satzverlust qualifizierte er sich für das Achtelfinale und insbesondere in Runde 3 zeigte er eine sehr starke Leistung. Federer zeigte sich denn auch sehr zufrieden und sprach von "einem perfekten Match". Zwei Tage später dann ein ganz anderes Bild. Im Achtelfinale gegen Tommy Robredo war er ebenfalls haushoher Favorit und führte im Head-to-Head gegen den Spanier mit 10:0. Was folgte, ist bekannt: Federer fand nie zu seinem Rhythmus und verlor nach ganz schwacher Leistung in drei Sätzen. Ein Debakel, das Fragen aufwirft...
Mangelt es an Motivation? Befindet er sich in einem Formtief? Ist Federer über seinen Zenit hinaus und kann nicht mehr mit der Spitze mithalten? Sollte er besser zurücktreten? - Letzteres ist ganz schön anmassend, wenn gewisse Leute so etwas beinahe schon fordern. Das ist ganz alleine Federers Sache.
Federer ist auf dem Tennisplatz ein Virtuose, bei dem alles spielerisch leicht und locker aussieht. Er ist ein kompletter Spieler mit herausragenden Stärken und auch physisch absolut top. Doch Federer ist auch aus mentaler Sicht ein herausragender Athlet. Erst dadurch wurde er zum Seriensieger. Tommy Haas, mit Jahrgang 1978 drei Jahre älter als Federer und 2013 eine ganz starke Saison spielend, sagte einmal treffend über ihn: Federer sei ein "master der big points". In den entscheidenden Phasen könne Federer einen Gang höher schalten und sein bestes Tennis abrufen. Über Jahre hinweg haben wir das immer wieder beobachten können. Doch von dieser Fähigkeit war im Spiel gegen Robredo nichts zu sehen - im Gegenteil. Von 16 Breakchancen konnte er gerade einmal 2 verwerten. Viele davon hatte er durch - für seine Verhältnisse - ganz einfache Fehler vergeben. Die ersten drei Runden zuvor haben deutlich gezeigt, dass Federer in Form war, doch gegen Robredo konnte er sein Potential nicht annähernd abrufen. Die Ursache dafür: Federer fehlt es derzeit am nötigen Selbstvertrauen, Zweifel sind aufgekommen. Nach der Niederlage nahm denn Federer auch kein Blatt vor den Mund und urteilte ungewohnt hart, aber treffend: "Er habe sich heute selbst zerstört".
Wenn der Start in die Partie nicht wunschgemäss verläuft, scheint es derzeit so, als Federer sehr rasch verunsichert ist und nicht zu seinem Spiel findet. Das ist doch sehr bemerkenswert, dass selbst ein Spieler wie Federer mit all seinen Qualitäten zu zweifeln beginnt und das Vertrauen in seine Schläge verliert.
Die Verunsicherung zeigte sich auch unmittelbar nach Wimbledon. Federer griff zu einem neuen Schlägermodell mit grösserem Schlägerkopf und schob zwei zusätzliche Sandplatzturniere ein. Die Massnahme mitten in der Saison zeigte jedoch nicht den gewünschten Erfolg und so kehrte Federer auf die Hartplatzsaison zu seinem altbewährten Racket zurück.
Vor den US Open zeigte sich Federer wieder zuversichtlich und sagte in einem Interview, dass er "brutal hart trainiert habe". In der Partie gegen Robredo konnte man jedoch den Eindruck gewinnen, dass Federer zwar körperlich bereit war, jedoch nicht im Kopf! Da stellt sich die Frage, ob Federer und sein Umfeld diesem Bereich die nötige Aufmerksamkeit geschenkt haben. Ein Novak Djokovic sagte in einem Platzinterview ausdrücklich, dass er "physisch und mental sich intensiv vorbereitet habe".
Wie zentral der Faktor "Selbstvertrauen" ist, wissen wohl die meisten Tennisspieler aus eigener Erfahrung, ganz unabhängig davon, auf welchem Niveau jemand spielt. Djokovic sagte im Frühjahr 2011 kurz nach dem Gewinn der Australian Open sogar:
"Es geht nur um das Selbstvertrauen. Das ist alles, deshalb spiele ich gegenwärtig so gut."
Für Federer wird dies die entscheidende Aufgabe sein: Es gilt das Vertrauen ins eigene Spiel wieder zu finden, aktiv etwas dafür zu tun, um auf die Erfolgsspur zurückkehren zu können. Der grosse Unterschied zwischen dem erfolgreichen Federer und dem jetzigen liegt im vorhandenen bzw. fehlenden Selbstvertrauen.
Ist man zu dieser Erkenntnis gelangt, stellt sich die Frage, wie man das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wieder finden kann? - Zugegebenermassen nicht die einfachste aller Fragen, wenn man in einigen wenigen Zeilen eine Antwort geben möchte. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten um das Selbstvertrauen zu stärken, doch letztlich ist es ein sehr individueller Weg. An dieser Stelle sei eine Massnahme skizziert, welche für Federer in seiner jetzigen Situation naheliegend wäre. Seine Karriere ist ja äusserst gut dokumentiert. Selbst für die Öffentlichkeit gibt es bspw. auf YouTube jederzeit die Möglichkeit Videosequenzen aufzurufen, welche einen magistralen Federer zeigen. So könnte er Videos von vergangenen Matches betrachten, in welchen er sein bestes Tennis spielt, in den entscheidenden Phasen noch zulegen kann oder Bilder, die zeigen, wie er nach mässigem Start geduldig bleibt und mit Vertrauen in seine Fähigkeiten den Weg in die Partie findet und diese noch drehen kann. Dabei gilt es möglichst tief in diese Situationen einzutauchen und die Emotionen von einst wieder zu erleben. Für den Verstand wichtig ist zudem die Erkenntnis, dass es keinen objektiven Grund gibt, warum ich nicht mehr zu solchen Leistungen fähig sein sollte: "Ich habe die technischen und physischen Voraussetzungen, um ganz oben mitzuspielen. Es ist nur eine Frage des Vertrauens in diese Fähigkeiten, damit ich diese auf dem Platz abrufen kann."
In der Wettkampfvorbereitung hat man also die Möglichkeit aktiv etwas für das Selbstvertrauen zu tun. Wie sieht es im Wettkampf selbst aus? - Die zentrale Botschaft lautet da, den Körper die Schläge unbehindert ausführen zu lassen! Gerade nach Fehlern oder einem mässigen Start, meldet sich oft der Verstand zu Wort mit Gedanken und Selbstgesprächen, die häufig nicht gerade leistungsförderlich ist. Je ruhiger der Verstand, umso besser - auch dies lässt sich trainieren...