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Lagamar ist ein 200 Kilometer langer Küstenstreifen, der sich von Paranaguá, im Bundesstaat Paraná, bis nach Peruibe, im Bundesstaat São Paulo erstreckt. Von der Wissenschaft wird dieses Gebiet als „eine der schützenswertesten Regionen unseres Planeten“ bezeichnet. Sie geht über in das schon in São Paulo beschriebene Gebiet von Jureia-Itatins, und stellt mit ihm zusammen den grössten und unberührtesten Restbestand des Atlantischen Regenwaldes in Brasilien dar.
Obwohl es zu den durch europäische Einwanderer zuerst kolonisierten Regionen Amerikas gehört, hat das schwierige Gelände von Lagamar einen Versuch nach dem andern vereitelt, sich hier niederzulassen. Der Grund sind seine, mit Mangrove-Dschungel bestandene, veränderlichen Ufer, der schwierige Zugang zu seinem bergigen Interior, die exzessiven Regenfälle während des ganzen Jahres und der für die Landwirtschaft ungeeignete, weil zu schwache Boden. Heute ist dieses Gebiet das am geringsten entwickelte in Paraná und auch in São Paulo.
Die Region ist begrenzt durch eine grosse Meeresbucht im Süden (Baía de Paranaguá) und durch ein Flussdelta-System im Norden, in dem vier Inseln eine massgebende Rolle einnehmen:
„Peças, Superagüi, Cardoso und Comprida“ – Hunderte von kleineren Inseln liegen noch dazwischen.
Die Vegetation besteht aus Mangroven – besonders an unbewegten Gewässern und Lagunen. Am Meeresufer überzieht ein verflochtenes Gewirr von Bromelien, Orchideen und Kakteen den sandigen Boden – ab und an unterbrochen durch verschiedene krüppelwüchsige Baum- und Palmenarten.
An den Berghängen schliesst sich dann die üppige Vegetation des Atlantischen Urwalds an: mit haushohen Edelholzbäumen, an die sich Epiphyten und Bromelienarten anklammern, und von denen dicke Lianen herabhängen – Riesenfarne – Palmen der verschiedensten Typen – und unzählige, noch unbekannte Pflanzenspezies.
Aus der Tierwelt kann man hier beobachten: Kapuzineraffen, Wasserschweine, Wildschweine, Hirsche und viele kleinere Säugetiere.
Auf der Insel Superagüí hat man kürzlich eine neue Primatenart, den „Mico-leão-de-cara-preta“ entdeckt, ein schwarzgesichtiges Äffchen, welches nur in diesem Gebiet vorkommt, und somit höchst gefährdet ist. Aus der Vogelwelt findet man, ebenfalls nur hier, den endemischen Papagaio-chauá – eine rostrot-gestirnte Papageienart. Darüber hinaus sind die anderen Papageien- und Sitticharten, Fasanen, Wildhühner, die unzähligen Wasservogelarten, wie Reiher, Störche, Möwen, Kormorane und Fregattvögel, ein Erlebnis. Im Winter benutzen viele wandernde Vogelarten das Lagamar-Gebiet als Zwischenaufenthalt.
Der grosse Nahrungsvorrat an organischen Stoffen, der mit den Flüssen aus den Bergregionen herangetragen wird, bildet die Lebensgrundlage für eine aussergewöhnlich reiche atlantische Meeresfauna, und die Mangrovebegrenzten Lagunen sind eine ideale „Kinderstube“.
Der Ort, mit seinem vollen Namen Barra do Superagüi, ist Ausgangspunkt für den Strand Praia Deserta (Wüsten-Strand), der seinen Namen von der absoluten Einsamkeit herleitet, die der Besucher hier geniesst: der Strand erstreckt sich über 37 Kilometer entlang der Insel – man kann sich also entweder ein schönes Plätzchen an diesem Strand suchen oder auch eine ausgedehnte Wanderung am Meer entlang unternehmen – es gibt eine solche geführte Wanderung über 35 km bis ans Ende des Strandes, im kleinen Flecken Ararapira. Besonders zwischen März und April ist dieser Strand dicht bevölkert von Seeschwalben und vielen anderen Zugvögeln, die vor der Kälte in der nördlichen Hemisphäre geflohen sind.
Man kann in Barra do Superagüi aber auch ein Boot mieten und die Strände der Ilha das Peças neben dran anfahren – oder am späteren Nachmittag die Ilha do Pinheiro, um die Schwärme von Papagaios-chauá zu beobachten, die am späten Nachmittag in grossen Verbänden zu ihren Nisthöhlen zurückkehren. Die Vegetation auf den Inseln präsentiert, unter anderem, auch Orchideen, Bromelien und viele Farne. Das Reservat hat ebenfalls einige Indianerdörfer, die hier zurückgezogen leben, Pfade führen dorthin. Wenn man vorhat, die Inseln mit allen ihren vielfältigen Details kennen zu lernen, so ist ein lokaler Guide unerlässlich.
Man erreicht den Park ab dem Ort Guaraqueçaba per Boot – eine Stunde und 30 Minuten – oder ab Paranaguá per Boot – 3 Stunden Fahrt. Man darf anlegen in den Siedlungen von Superagüi oder von der Ilha das Peças, ausserdem auch direkt am Strand von Praia Deserta. Es ist nicht erlaubt, an den Inselchen Ilha do Pinheiro und Ilha do Pinheirinho auszusteigen! Wanderungen auf den Pfaden des Nationalparks nur unter Begleitung eines Guides und mit Genehmigung der IBAMA (brasilianische Naturschutzbehörde).
Beste Jahreszeit: vermeiden Sie die Monate September und Oktober, weil es dann fast durchgehend regnet!
Erreicht man am besten auf dem Wasserweg (der Landweg führt über 80 km prekärster Erdpiste, für die man mindestens 3 Stunden braucht) – von Paranaguá aus fährt täglich um 10:00 ein reguläres Schiff ab – man kann aber auch Boote dort mieten. Der kleine verschlafene Ort, fast am Ende der Welt und umgeben von einem Naturparadies, hat zwei bescheidene Pousadas und einige sehenswerte Gebäude aus historischer Vergangenheit. Diverse Inseln sind Teile des Distrikts, unter ihnen die Ilha das Peças, Ilha Rasa, Ilha das Laranjeiras, Ilha do Rebelo, Ilha Povoca und die schon beschriebene Ilha do Superagüi.
Im Februar 1996 wurde dieses 2.340 Hektar grosse Naturreservat, im Privatbesitz eines Kosmetik-Herstellers, dem Projekt Lagamar angegliedert und hat damit das geschützte Gebiet um einen weiteren wesentlichen Bestand Atlantischen Regenwaldes erweitert. Der Eingang zu diesem Reservat befindet sich 20 km vor Guaraqueçaba, an der Erdstrasse PR-405, hat ein Besucher-Zentrum mit Auditorium für 30 Personen, eine permanente Ausstellung zum Thema Atlantischer Regenwald, Räume für Kurse, ein wissenschaftliches Zentrum, ein Labor und ein Freilicht-Theater. Den Besuchern stehen ausserdem noch Camping-Platz, Schnellimbiss und verschiedene Kioske zur Verfügung – allerdings nur 2% der gesamten Reserve sind durch markierte Wege für Wanderungen zugänglich.
Das Reservat ist vom Atlantischen Regenwald mit einer extrem vielgestaltigen Biodiversität bedeckt, der eine grosse Zahl von Tieren und Pflanzen in fragilem Gleichgewicht beherbergt – einige sind besonders abhängig von der Feuchtigkeit (im Gebiet existieren mehr als 30 Quellen).
Von allen in Paraná vorkommenden Spezies sind in diesem Reservat heimisch: 45% aller Vogelarten, 48% der Säugetiere, 20% der Reptilien, 19% der Amphibien und 38% aller Fische. Die Vegetation setzt sich aus dichtem Tropischen Mischwald zusammen – in verschiedenen Altersgruppen – hier wurden bereits 650 Pflanzenarten registriert, ausserdem eine grosse Vielfalt von Bromelien, Orchideen, Epiphyten und Farnen.
Der Name des Projekts ist eine Referenz an seine Hauptattraktion, den Salto Morato, einen Wasserfall von 130 Metern Höhe, innerhalb eines der erlebenswertesten Landschafts-Szenerien der gesamten Küste. Das gesamte Ökosystem wurde von der UNESCO im Dezember 1999 als Natural Heritage of Mankind anerkannt – das erste private Naturschutzgebiet Brasiliens mit einer solchen Anerkennung!
(Besuchszeiten: Dienstags bis Sonntags, zwischen 8:30 und 17:30).
Ist noch besonders erwähnenswert: Sie liegt zwar schon im Bundesstaat São Paulo, ist aber Bestandteil des staatsübergreifenden Naturschutzprojekts von Lagamar (ebenso wie die Ilha Comprida in São Paulo, die wir dort beschrieben haben). Die Ilha do Cardoso ist ein Fragment der Serra Paranapiacaba, seit Millionen von Jahren schon vom Kontinent abgetrennt. Sie ist besonders interessant für ornithologische Beobachtungen von Seevögel-Nistplätzen.
Hier gibt es verschiedene Wanderwege. Zum Beispiel kann man die ganze Insel, in zwei Tagen an den Stränden entlang, umrunden, die Kolonialruinen und Indianerfriedhöfe innerhalb des Atlantischen Urwalds besuchen oder auch die wissenschaftliche Station der paulistanischen Naturschützer (CEPAR-NIC/SMA).
Auf keinen Fall sollten Sie die Manguezais – die mit Mangroven bedeckten Areale auf Ihrer Wanderung vergessen, dort schweigend anhalten und sich einmal das vielgestaltige Leben im kristallklaren Wasser zwischen den Luftwurzeln ansehen. Die bunten Fische, Austern, Krebse und Muscheln – man kann in dieser reizvollen Umgebung so richtig die Seele baumeln lassen und begreift dann sehr deutlich, was wir Menschen unserem technischen Fortschritt alles geopfert haben.