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Die Flügel sind lang, breit zugespitzt, am Flügelbug mit einem harten Knollen,
[* 6] bisweilen mit einem starken
Sporn versehen. Der Schwanz ist kurz, breit abgerundet oder gerade. Die Gänse sind weit verbreitet, bevorzugen die Ebene, finden
sich aber auch in bedeutenden Höhen; sie laufen besser als die Enten,
[* 7] fliegen gut, schwimmen weniger und sind zum Teil wahre
Baumvögel. Sie sind vorsichtig und wachsam, leben gesellig und lassen sich leicht zähmen. Eine einmal
geschlossene Ehe währt für die ganze Lebenszeit.
die Stammmutter der Hausgans,
wird 1 m lang und 1,7 m breit, ist auf dem Rücken bräunlichgrau, auf der Unterseite gelblichgrau, spärlich
schwarzgefleckt; die Federn der Oberseite sind weißlich, die der Unterseite dunkelgrau gerandet, Bürzel und Bauch
[* 11] sind weiß,
Schwingen und Steuerfedern schwarzgrau; der Schnabel ist wachsgelb, an der Wurzel
[* 12] orangegelb, das Auge
[* 13] hellbraun, die Füße sind
blaßrot. Sie findet sich im nördlichen Europa
[* 14] und Asien
[* 15] etwa bis 70° nördl. Br. und brütet südlich
bis 45°; bei uns weilt sie von Ende Februar oder Anfang März bis Ende Juli.
Auf ihren Wanderungen, auf welchen sie in -förmigen Reihen mit einem Gänserich an der Spitze fliegt, geht sie bis Südeuropa,
Nordwestafrika, China
[* 16] und Ostindien.
[* 17] Sie lebt in wasserreichen Brüchern, auf schwer zugänglichen, bewachsenen
Inseln derSümpfe, besonders häufig in Pommern
[* 18] und Ostpreußen,
[* 19] bewegt sich viel leichter und behender als die Hausgans, macht
beim Aufsteigen und Niederlassen durch heftigen Flügelschlag ein polterndes Getöse, fliegt ausdauernd, ist vorsichtig und
mißtrauisch, lebt nur in einzelnen Familien zusammen, gesellt sich bisweilen auf der Weide
[* 20] den Hausgänsen
zu und begattet sich selbst mit diesen.
Sie nistet gesellig an den unzugänglichsten Stellen im Sumpf, legt im März 5-14 grünlichweiße oder gelbliche Eier, brütet 28 Tage und
behütet die Jungen mit großer Sorgfalt. Jung eingefangen, wird sie sehr zahm; im Hof
[* 21] ausgebrütete Wildgänse
ziehen im Herbst ab und kehren selten zurück. Das Fleisch alter Wildgänse ist hart und zäh, das der Jungen aber sehr schmackhaft;
die Federn schätzt man höher als die der Hausgans. Der Schade, welchen die Graugans durch Abweiden der Saat, Ausklauben der
Ähren etc. bringt, ist nicht bedeutend.
Die Saatgans (Moorgans, Zuggans, A. segetum. Meyer), 86 cm lang, 180 cm breit, mit drei halbmondförmigen,
weißen Streifen am Stirnrand und der seitlichen Schnabelwurzelgegend, dunkelbraunem Auge, schwarzem Schnabel mit orangegelbem
Ring hinter dem Nagel und orangegelbem Fuß, erscheint bei uns, wenn die Graugans abzieht, und geht im Frühjahr in großen
Scharen wieder nach Norden,
[* 22] wo sie brütet. Sie lebt gesellig, bevorzugt kahle, unbewohnte Inseln in seichtem
Wasser, Sümpfe und Brücher, fliegt zu bestimmten Zeiten auf die Felder zur Weide, steht in allen Begabungen auf gleicher Höhe
mit der Graugans, hegt aber gegen diese
¶
forlaufend
entschiedene Abneigung und mischt sich nicht unter die Hausgänse. Sie richtet oft Schaden an, gewährt aber auch denselben
Nutzen wie die Graugans. Sie läßt sich zähmen, bleibt aber stets argwöhnisch. Man erlegt die Graugans und die Saatgans
beim Einfall auf nicht zugefrornen Stellen der Gewässer und im Sommer auf der Suche an den Brutstellen,
wenn die jungen Gänse flugbar werden. Nur schwer gelingt es, die Gänse auf den Saatfeldern schußrecht anzuschleichen
oder anzufahren.
Sie gleicht in Wesen und Gewohnheiten unsrer Wildgans, nistet in der Nähe des Wassers, baut das Nest im Gras oder unter Gebüsch,
auch wohl auf Bäumen und legt 3-9 Eier, welche in 28 Tagen ausgebrütet werden; gegenwärtig wird die Schwanengans in Nordamerika
mit großem Vorteil gezüchtet. Sie paart sich auch mit der Hausgans, und die Bastarde sollen sehr leicht
fett werden. Im nördlichen Nordamerika wird sie eifrig gejagt, eingepökelt und geräuchert. Die Federn sind vorzüglich.
Ihr Schnabel ist kürzer als der Kopf, die Lamellen sind seitlich an den Rändern bedeckt, und in den langen
Flügeln sind die zwei ersten Schwingen die längsten. Die Ringelgans (Baum-, Bernakelgans, Berniclatorquata Steph., s.
Tafel »Schwimmvögel I«)
[* 10] ist 62 cm lang, 124 cm breit, sehr gedrungen gebaut, mit kurzem Hals, ziemlich großem Kopf, schwächlichem,
kleinem, kurzem, an der Wurzel hohem und breitem, schwach bezahntem Schnabel, kräftigem, ziemlich niedrigem
Fuß, langen Flügeln und kurzem, sanft abgerundetem Schwanz, am Vorderkopf, Hals, an den Schwingen und Steuerfedern schwarz,
am Rücken, an der Brust und dem Oberbauch dunkelgrau, an den Bauchseiten, der Steißgegend und den Oberschwanzdeckfedern weiß,
am Hals mit halbmondförmigem, weißem Querfleck; das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel rötlichschwarz, der Fuß
schwarz.
Sie lebt auf den Inseln und an den Küsten der Alten und Neuen Welt zwischen 60 und 80° nördl. Br., erscheint im Oktober und
November in großen Scharen an der Ostsee und Nordsee und wird bisweilen auch ins Binnenland verschlagen. Diese Gänse sind vollkommene
Seevögel, schwimmen, tauchen und fliegen vortrefflich, leben sehr gesellig, sind zierlich, anmutig,
friedfertig, wenig scheu, fressen neben Gras und Seepflanzen auch Weichtiere und werden in der Gefangenschaft bald zahm.
Sie wurde deshalb jahrhundertelang als Fastenspeise verzehrt. Die Litteratur über die Ringelgans, welche vom 13. bis ins 18. Jahrh.
reicht, ist sehr umfangreich. Die klerikalen Schriftsteller
verteidigten mit Eifer die Entstehung aus faulendem Holz und wollten
den Jugendzustand des Vogels in der Entenmuschel (Lepas anatifera) erkennen. Erst nach wiederholtem kirchlichen
Verbot verschwand die Ringelgans aus der Liste der Fastenspeisen. Die Hühner- oder Kappengans (CereopsisNovaeHollandiaeLath.,
s. Tafel »Schwimmvögel I«),
[* 10]
Die Hausgans ist größer und schwerer als die Wildgans und hat einen kürzern Hals, das Gefieder ist weiß, graubunt oder
grau; sie ist um so härter, ausdauernder und leichter aufzuziehen, je mehr sie sich der Wildgans nähert.
Die grauen Federn sind besser als die weißen, doch lassen sich die weißen Gänse leichter mästen. Der Gänserich oder
Gansert ist größer und stärker, hat höhere Beine und einen längern, dickern Hals als die Gänsin, welche besonders auch
an dem herabhängenden Legebauch zu erkennen ist.
Junge Gänse haben blasse, leicht zerreißbare Füße, einen weißen (nicht gelben oder blauen) Ring um die
Pupille im Auge, blaßgelben Schnabel, leicht zerdrückbare, sehr zerbrechliche Gurgel, spitzige Nägel
[* 36] und weiche Flügel. Als
besondere Rassen unterscheidet man: die pommersche Gans, meist ganz weiß oder weiß und grau gefleckt, größer und stärker
als die gewöhnliche Landgans;
Gänsezucht hat in neuerer Zeit in mehreren Teilen Deutschlands
[* 38] erheblich abgenommen, weil vielfach die Gemeindehutungen aufgehoben
worden sind. Die Gans gelangt nämlich nicht zur höchsten Vollkommenheit ohne hinreichende Bewegung im Freien. Es eignet sich
aber nicht jede Fläche zur Gänsehut, weil die Gans das Gras bedeutend verunreinigt und ihre flüssigen
Ausleerungen den Rasen verbrennen. Wasserreichtum begünstigt die Gänsezucht, weil die Wasserpflanzen
[* 39] reiche Nahrung bieten.
Die Gans wird sehr früh fortpflanzungsfähig und bleibt es 20, nach Wright sogar 40 Jahre; zu junge Gänse zeigen wenig Lust und
Ausdauer beim Brüten, und alte, welche zwar trefflich die Küchlein führen, haben völlig ungenießbares
Fleisch. Man läßt deshalb die Zuchtgänse nur 3-4 Jahre brüten und ersetzt sie dann durch neue. Auf 2-6 Gänse rechnet
man einen Gänserich. Die Legezeit beginnt im Januar oder Februar, und eine Gans legt, meist einen Tag um den andern, 12-20 Eier
und mehr, welche man fortnimmt und frostfrei aufbewahrt, bis sich die Gans zum Brüten anschickt.
Bald darauf füttert man sie mit Gerstenmehl, Kleienmehl, mit Milch zu einem Teige gekneteten und mit gehackten Nesseln oder
anderm Grünzeug gemischten Brotkrumen. Nach 8-14 Tagen läßt man sie, nachdem der Tau vollständig verschwunden ist, auf
einem geschützten Grasplatz ins Freie, gibt dann auch allmählich gekochte und zerquetschte Kartoffeln
mit Kleie, jungen Klee, Kohlblätter, Gemüseabfälle, Rüben, Möhren etc., alles sehr fein gehackt. Bis zur Ausbildung des Gefieders
sind die Jungen vor Nässe und Kälte sorgfältig zu schützen.
Nach der Ernte
[* 41] werden die Gänse häufig auf die abgemähten Felder getrieben (Stoppelgänse), und gegen den Oktober
sind sie ausgewachsen. In oder nach der Erntezeit rupft man die jungen Gänse zum erstenmal, wobei man ihnen die Federn unter
und seitwärts von der Brust und unten am Bauch auszieht; man muß aber die Daunen stehen lassen und ihnen nach dem Rupfen acht
Tage lang Körnerfutter geben. Zu Michaelis rupft man sie zum zweitenmal und gibt dann bis Martini gleichfalls
besseres Futter. Im Herbst füttert man junge und alte Gänse mit Malztrebern aus Bierbrauereien, geschnittenem Kohl, Kohlstrünken,
gestampften Kartoffeln, Kleie, gelben Rüben etc. Zur Mast bringt man die in Pommern im Oktober in engere Räume und gibt ihnen
einige Wochen so viel Hafer,
[* 42] wie sie konsumieren mögen. Im südlichen Frankreich werden die Gänse zweimal täglich mittels eines
Trichters mit gequelltem Mais gestopft. In 4-6 Wochen verbraucht eine Gans 30 Lit. Mais.