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Juni 2021
MS Arenenberg (I) – Untersee und Rhein
1935 bestellte die Schweizerische Dampfbootgesellschaft für den Untersee und Rhein zwei baugleiche Motorschiffe bei der Bodan-Werft in Kressbronn (MS Munot [I]) und bei Sulzer in Winterthur das MS Arenenberg (I). Die Baupläne erstellte die Bodan-Werft, welche für beide Schiffe auch den Innenausbau übernahm.
Foto: Der Transport der Schiffsschale von Winterthur in die Ostschweiz zog viele Schaulustige an.
Sulzer lieferte je einen 2-Takt-Dieselmotor, Typ RKWN 21. Dieser war direkt nicht umsteuerbar, sondern besass ein Wendegetriebe. Bei der Rückwärtsfahrt musste durch einen Servomotor, der im Gehäuse des Getriebes untergebracht war, die Kupplung für die Vorwärtsfahrt gelöst und die Rückwärtsfahrkupplung eingeschaltet werden. Die Steuerung sowie die Regulierung der Drehzahl war vom Steuerhaus aus möglich.
Foto: Blick in den Salon 1. Klasse bugseitig.
Im Februar 1936 wurde die 34 Meter lange, 5,6 Meter breite und rund 24 Tonnen schwere Schiffsschale von Winterthur nach Konstanz auf der Strasse transportiert. Für eine Fahrt mit der Bahn wäre der Rumpf zu gross gewesen. In Konstanz wurde er mittels einer Rutschbahn eingewassert und für den Einbau des Motors nach Romanshorn geschleppt. Anschliessend wurde der Innenausbau in der Bodan-Werft in Kressbronn vorgenommen.
Foto: Blick in den Salon 2. Klasse heckseitig.
Am 1. Juli 1936 erfolgte die Indienststellung. Am 21. Juli 1940 konnte der Schiffsführer beim Anlegemanöver am Hochwassersteg in Ermatingen die «Arenenberg» (I) nicht von der Vorwärtsfahrt abbringen. Die Kupplung streikte und es war nicht möglich auf die Rückwärtsfahrt umzustellen. So fuhr das Schiff spektakulär auf das Quai, mitten in das WC-Häuschen der Hafenanlage. Zum Glück war der Schaden klein, doch der Vorfall zog viele Zuschauer an.
Foto: Am 21. Juli kollidierte die «Arenenberg» mit dem WC-Häuschen der Hafenanlage von Ermatingen.
Trotz mehreren Revisionen machte die Kupplung immer wieder Probleme, so auch am Pfingstsonntag, 17. Mai 1964. Bei einer Talfahrt war das Umschalten vor der Steiner Brücke nicht mehr möglich und die sichere Durchfahrt unter der Brücke nicht gewährleistet. Der Kapitän steuerte sein Schiff Richtung Ufer und liess den Anker fallen. Ein provisorischer Steg ermöglichte den Fahrgästen das Schiff zu verlassen.
Foto: Im Winter 1962 wird die «Arenenberg», nach einem Werftaufenthalt, wieder an ihren Platz im Werfthafen gebracht.
Am ersten schönen Sonntag der Saison 1961 brach im Motorenraum anlässlich des Entlastungskurses 502B bei der Talfahrt unterhalb von Stein am Rhein ein Brand aus. Der Kapitän vollführte ein Wendemanöver und ankerte. Mit einem privaten Motorboot und Weidlingen wurden die Passagiere von Bord gebracht. Die Feuerwehr von Diessenhofen versuchte das Feuer zu löschen, hatte jedoch Probleme mit der Motorspritze, so dass die Kollegen aus Schaffhausen aufgeboten wurden. Im Motorenraum hatte ein hölzerner Werkzeugkasten in der Nähe des Auspuffrohrs Feuer gefangen. Der Vorfall verlief glimpflich und die «Arenenberg» (I) nahm noch am gleichen Tag ihren Dienst wieder auf.
Foto: Der Brand auf der «Arenenberg» verlief glimpflich.
1983 wurde das Schiff in Schaffhausen abgebrochen, es hatte rund 360’000 Kilometer zurückgelegt.
Foto: Zum Unterqueren einer Brücke konnte das Steuerhaus demontiert werden, hier in Stein am Rhein.