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Gerichtstermin am 16. Januar: ergebnislos! Am 24. Januar schreibt uns Daoud Nassar: “Vielen Dank an alle, die uns geschrieben haben, um uns zu unterstützen, und die sich über den Ausgang der Anhörung am 16. Januar 2023 wundern. Aus gutem Grund hatten wir gehofft, dass diese Anhörung zu einer Entscheidung des Militärausschusses für die Landregistrierung führen würde, unser Land als Privatbesitz anzuerkennen. Dies war jedoch nicht der Fall, und eine weitere Anhörung wurde für den 12. Februar 2023 angesetzt.” Statt nun endlich, nachdem alle Einsprachen erledigt oder für ungültig erklärt worden waren, die Landregistrierung zu vollziehen, hat der Militärausschuss wieder alle, die Einsprache erhoben hatten, zur Sitzung eingeladen und will nun das ganze Prozedere offenbar wieder von vorne beginnen. Alle haben nun 14 Tage Zeit, ihre Ansprüche mit Beweisen zu untermauern.
2. März: wieder nichts! Auch an dieser Sitzung mit dem Militärausschuss wird klar und deutlich, dass alle zehn einsprechenden Parteien keine Ansprüche vorlegen und beweisen können. Dennoch will der Ausschuss der einen Partei, die er selber bereits einmal abgewiesen hat, noch einmal die Gelegenheit geben, ihre Gründe und Beweise darzulegen. Dabei konnte diese bisher weder eine Liste der Einsprachegründe noch der Zeugen vorlegen. Anwalt Sani, der die Familie Nassar vertritt, wurde diesmal deutlich und bezichtigte den Ausschuss der Voreingenommenheit. Er rezitierte eine lange Liste von Entscheidungen, die das Komitee in den letzten zwei Jahren getroffen hatte, um die Familie Nassar an der Erlangung eines ordentlichen Titels zu hindern, und gab zu Protokoll, wie der Ausschuss alles daran setzte, andere zu ermutigen, gegen ihre Ansprüche Einspruch zu erheben und Beweise vorzulegen, die ihre Rechte in Frage stellen könnten. Der Militärausschuss kam der Aufforderung des Anwalts natürlich nicht nach, sondern setzte eine weitere Anhörung für den 15. Mai fest.
15. Mai: Sie erraten es: nichts! Zwar bezeugen alle geladenen Nachbarn dem Militärausschuss, dass sie die Nassars seit jeher als Nachbarn auf ihrem Weinberg kennen; und auch ein beigezogener Landexperte bestätigt die Echtheit und Gültigkeit der Besitzurkunden. Der Ausschuss jedoch beraumt eine weiter Anhörung für den 6. September an. So geht Rechtsprechung im “einzigen Rechtsstaat der Region”.
6. September: erneute Sitzung mit der Militärbehörde. Ein Mail von Daoud Nassar:
Liebe Freunde, Ich möchte, dass Sie wissen, wie Sie und viele Menschen aus der ganzen Welt uns in den Tagen vor der Anhörung zur erneuten Registrierung am 6. September ermutigt haben. Ihre Gebete und Unterstützungsbotschaften haben unsere Stimmung gehoben.Während der Anhörung hörte der Ausschuss zwei weitere unserer Zeugen. Beide lieferten sehr starke Beweise für unser Eigentum an dem Land. Einer, ein 95-jähriger Mann, wurde 2,5 Stunden lang befragt. Er kannte meinen Vater und meinen Onkel und lieferte Einzelheiten zu ihrem Besitz und ihrer Arbeit auf dem Land bis zurück ins Jahr 1930: Für den 4. Dezember 2023 ist eine weitere Anhörung geplant, bei der das Komitee meinen Zeugen und den eines Landexperte hören wird. Bitte schließen Sie uns in Ihre Gebete ein.Während der Rechtsstreit weiterhin einen Großteil unserer Energie in Anspruch nimmt, konzentrieren wir uns weiterhin auf unsere Vision und darauf, unseren Schmerz in eine konstruktive Kraft umzuwandeln, die einen großen Unterschied machen wird. Wir befinden uns gerade mitten in der Trauben- und Feigenerntesaison. Bitte seien Sie sich darüber im Klaren, dass wir Besucher und Freiwillige willkommen heißen. und stellen Sie sicher, dass die alltägliche Arbeit der Ernte, Bewässerung und Instandsetzung des Landes fortgesetzt wird; und dass wir weiterhin von unseren Zielen der Selbstversorgung und Nachhaltigkeit träumen. Wir sind dankbar für Ihre Anwesenheit bei uns und für all Ihre Gebete und Ihre Solidarität.Wir werden Sie und Euch auf dem Laufenden halten. Vielen Dank, dass Sie uns auf diesem sehr langen Weg für Gerechtigkeit begleitet haben
Und unsere Reise geht weiter mit Glaube, Hoffnung und Liebe
Kurzer Lagebericht nach dem 7. Oktober: Nach dem grässlichen Massaker durch die Hamas mit über 1400 Toten, vielen Verletzten und 240 entführten Geiseln und dem darauf folgenden und bis heute andauernden massiven Angriff der israelischen Armee auf Gaza mit schon weit über 10’000 Toten und Verletzten und ganzen zertrümmerten Stadtquartieren, ist nichts mehr wie es war. Für Daoud und Jihan bedeutete dies zunächst, dass sie wenige Tage nach Beginn des Kriegs nicht ausreisen und zu uns in die Schweiz zu Besuch kommen konnten. Bethlehem wurde abgeriegelt; die palästinensische Bevölkerung konnte und kann sich auch jetzt noch weniger frei bewegen als bisher. Auch der Weg auf den Weinberg ist noch beschwerlicher geworden. Alle ausländischen Voluntäre hat Daoud sofort nach Ausbruch des Kriegs evakuiert. Die fehlende Präsenz auf dem Weinberg erfüllt ihn mit grosser Sorge. Zudem müssen jetzt die Oliven geerntet werden. Dafür hatten sich über 40 Freiwillige angemeldet. Glücklicherweise hat es bisher, wie in andern Gebieten der Westbank, noch keine Angriffe von Siedlern gegeben. Und einige Freiwillige haben sich, wenn auch nur tageweise, von Jerusalem auf den Weinberg zur Olivenernte getraut. Wir hoffen und beten für die Bewahrung von “Zelt der Völker” und für Frieden im ganzen geplagten Heiligen Land.