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Wie messen?
Zuallererst: Ein Blutdruck, der Ihr Hausarzt misst, ist durchschnittlich 20% zu hoch (doch aufgepasst: siehe Weisskittelbluthochdruck gleich unten)!
Messen Sie selbst zu Hause – und zwar morgens gleich nach dem Erwachen aufsitzen und mit einem Oberarm-Gerät (und keines für das Handgelenk, welches sehr ungenau ist). Gleich dreimal hintereinander messen – und nur niedrigsten davon notieren.
Dieser Morgenwert sollte dann im Normbereich sein.
Oder… Ihr Hausarzt sollte den einfachen Tiefatem-Test beherrschen (Anleitung).
Nehmen Sie ihr Messgerät mal zum Arzt mit und machen Sie dort Vergleichsmessungen mit dem Profi-Apparat.
Weisskittelhypertonie
Ob eine Weisskittelhypertonie klinisch von Bedeutung ist, darüber wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Bisher galt sie als ein harmloses Blutdruckverhalten, als Ausdruck gesteigerter Blutdruckreagibilität ohne eigentlichen Krankheitswert. Nach einer neueren Studie (Palatini et al., Hypertension 2008;51:1300-1305) muss diese Einschätzung revidiert werden. Man muss annehmen, dass Weisskittelhypertoniker auf unterschiedliche Stressoren mit einem überschiessenden Blutdruckanstieg reagieren, d.h. sie haben auch im Alltag in belastenden Situationen oder bei körperlicher Aktivität erhöhten Blutdruck. Doch kann man daraus bereits die allgemeine Empfehlung ableiten, jeden davon antihypertensiv zu behandeln? Sehr wahrscheinlich ist es besser, sich auf die Werte der 24-Stunden-Blutdruckmessung zu verlassen.
Blutdruck immer an beiden Armen messen
Seitenunterschiede von 10 – 15 mmHg und mehr bei der Messung des systolischen (oberen) Blutdrucks können wichtige Hinweise auf Gefässerkrankungen liefern, die weitere Abklärung bedürfen. Britische Wissenschaftler (C.E. Clark et al., The Lancet online 2012) analysierten Daten aus 20 Studien zu diesem Thema, von denen fünf eine Angiographie einschlossen. Zeigte diese eine mehr als 50%ige A.subclavia-Stenose, betrug der Unterschied zwischen dem rechten und linken Arm gemessenen systolischen Blutdruck im Mittel 37 mm Hg. Erhöht war das Risiko einer Subclaviastenose bereits ab einem Rechts-Links-Unterschied von 10 mm Hg. Ein Unterschied von 15 mm Hg oder mehr bei den nicht invasiven Studien erwies sich als starker Hinweis auf eine PAVK (=Periphere Arterielle Verschlusskrankheit >> Risikoerhöhung um das 2,5fache) oder eine zerebrovaskuläre Erkrankung (RR 1,6). Die kardiovaskuläre Mortalität war um 70%, die Gesamtmortalität um 60% erhöht. Grundsätzlich sollte deshalb an beiden Armen gleichzeitig gemessen werden.
Was ist noch normal?
Es gilt ein Ziel-Blutdruck für alle erhöhten Blutdrucke von 140/90! (ESH/ESC-Guidelines 2013)
Typischerweise ist der Blutdruck nachts tiefer als am Tag, bei Anstrengung steigt er. Mit zunehmenden Alter ist er höher als in der Jugend. Bei manchen Menschen ist der Blutdruck an einem Arm höher als am anderen. In diesem Fall zählt der höhere Wert. Bei tiefen Aussentemperaturen (Winter) ist er höher als bei höheren (Sommer).
Die Angaben der Grenzwerte für den Blutdruck unterlagen in der med. Fachliteratur in den letzten Jahren grossen Schwankungen: Normal ist sicher unter 120 mmHg systolisch (d.h. für den oberen Blutdruckwert) und unter 80 mmHg diastolisch.
Darüber verdoppelt sich höchst wahrscheinlich das kardiovaskuläre Risiko mit jedem BD-Schritt um 20/10 mmHg.
Es gelten BD-Werte zwischen 130 und 139 mmHg systolisch oder 80 und 89 mmHg diastolisch als „prähypertensiv“ oder „hochnormal“. Hochnormaler BD erfordert Kontrolle – nicht Therapie! … und rufen nach Änderungen des Lebensstils!
Es gibt Stimmen von medizinischen Forschern, bei Menschen im Alter über 50 Jahren künftig nur noch den systolischen (den oberen) Blutdruckwert zu bestimmen – und zu behandeln!
Die Beziehung zwischen Blutdruck und kardiovaskulärem Risiko scheint kontinuierlich, konsistent und von anderen Risikofaktoren unabhängig zu sein. Je höher der Blutdruck, desto höher das Risiko für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Hirnschlag und Nierenerkrankung. Für Menschen zwischen 40 und 60 Jahren verdoppelt jeder BD-Anstieg systolisch um 20mmHg und diastolisch um 10 mmHg das kardiovaskuläre Risiko.
Blutdrucknormwerte im Alter
Eine grosse Studie im Lancet (Vol. 355 (2000) S. 175-180) z.B. zeigt, dass als Regel
bei Männern 110 + (2/3) des Alters noch normal ist und bei Frauen 104 + (5/6) des Alters.
(Dies entspricht der 70.Perzentilen (was heisst 70% der Gesamtbevölkerung haben niederen und 30% einen höheren). Darüber beginnt das Risiko zunächst leicht und ab der 80.Perzentile dann stark anzusteigen. Die 80. Perzentile liegt rund 10 mmHg über der 70. Perzentile.)
Kürzer ausgedrückt kann die „rule 160“ helfen:
Bei Patienten über 80 Jahren mit isolierter systolischer Hypertonie ist der Nutzen einer Behandlung nur ab einem Druck von 160 mmHg klar dokumentiert. Der Nutzen zur Reduzierung kardiovaskulärer Ereignisse (Herzinfarkt, Hirnschlag) zeigt sich dabei bereits innerhalb eines Jahres.
- Über 85jährige haben nach anderen Studien sogar die höchste Überlebensrate mit einem systolischen Blutdruck von 165 mmHg und sollten nicht unter systolisch 140 mmHg sein! (Journal of the American Geriatrics Society, 2008, Vol 56, Issue 10, 1853-59 – Lower Systolic Blood Pressure is associated with greater mortality in people aged 85 and older. Lena Moalneder et al.)
- US-Neurologen haben in einer Studie mit 559 Frauen und Männer über 90 Jahren festgestellt, dass hoher Blutdruck, der erst im Alter auftrat, sogar vor Demenz schützt! Möglicherweise ist bei Hochbetagten ein höherer Druck erforderlich, um das Gehirn ausreichend mit Blut zu versorgen. (DOI: 10.1016/j.jalz.2016.09.007).
- Erschwerend ist bei über 80jährigen, dass ihr Blutdruck mit zunehmenden Aussentemperaturen sinkt, also auch stark Jahreszeiten-abhängig ist. In diesem Alter sollte also eine blutdrucksenkende Therapie auch übers Jahr variiert werden (Arch Intern Med: 169(1):75-80, 12 January 2009; Relationship Between Blood Pressure and Outdoor Temperature in a Large Sample of Elderly Individuals – The Three-City Study. Annick Alperovitch, Jean-Marc Lacombe, Olivier Hanon, et al.)
Isolierter systolische Hypertonie im Alter über 60 ist ein gängiges Problem. Während bei Mann und Frau der systolische Blutdruck mit dem Alter ansteigt, reduziert sich der diastolische Druck oder bleibt gleich. Das bedeutet, dass die isolierte systolische Hypertonie jenseits des 50. Lebensjahrs stetig häufiger wird. Solange der systolische Druck unter 160 mm Hg bleibt, genügen zunächst „lifestyle“-Modifikationen (Gewichts- und Alkoholreduktion, Bewegung usw.). Bei BD-Werten über 160 mm Hg: Standard-Hypertoniebehandlung mit Ziel systolischer Druck 160 mm Hg: Thiaziddiuretika oder ACE-Hemmer. Achtung! Unklar sind Bedeutung und Folgen abnorm tiefer diastolischer Werte. (Chobanian AV. Isolated systolic hypertension in the elderly. N Engl J Med. 2007;357:789-96).
Der diastolische (untere) Blutdruck beeinflusst die (frühzeitige) Sterblichkeit ebenfalls. Hier gilt jedoch:
Je niedriger die Werte, bzw. je grösser die Blutdruckamplitude (Unterschied zwischen oberem und unterem Blutdruckwert), desto grösser die Gefahr für die Patienten! (Jan A. Staessen, Hypertension an Cardiovascular Research Unit, Uni of Leuven, et al.; The Lancet, Vol.355, No. 9207 (2000), S. 865-871: Metaanalyse von acht Interventionsstudien mit 16’000 Patienten über 60 Jahre).
Prognostischer Wert von systolischem und diastolischem Blutdruck
Bei Personen über 50 Jahre ist der systolische (obere) Blutdruck ein guter Prädikator des kardiovaskulären (Arterienverkalkung im Herz-Kreislauf) und koronaren (Verkalkung der Herzkranzgefässe: Herzinfarkt) Risikos. Der diastolische Blutdruck, immer noch Hauptkriterium zur Abschätzung der Medikamentenwirksamkeit, scheint zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikos nur geringen Wert zu haben (Athanase Benetos et al.: Prognostic value of systolic and diastolic blood pressure in treated hypertensive Men. Arch.Intern.Med. 2002; 162: 577-581).
Weitere Risikofaktoren?
Zudem wäre wichtig zu wissen, ob man mit diesem Blutdruck noch weitere Risikofaktoren für die Arterienverkalkung aufweist (Nikotinkonsum, Diabetes, hohe Blutfette, Übergewicht, Bewegungsmangel >>>siehe auch meine Seite über das metabolische Syndrom!). Falls dies zutreffen würde, wäre eine strengere Therapie sowieso angebracht. (Risikoberechnung unter www.chd-taskforce.de : PROCAM Risk Calculator und speziell für Frauen: Framingham Risk Assessment).
Was tun?
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- Zuallererst: Stoppen Sie ein allfälliges Zigarettenrauchen! Das Rauchen zusammen mit dem hohen Blutdruck ist eine enorme Zeitbombe für die Arterienverkalkung!
- Darauf Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum auf höchstens ein Glas Rotwein (und nur Rotwein!) pro Tag (übermässiger Alkoholkonsum ist die häufigste Ursache einer mässigen Hypertonie!).
- Versuchen Sie auf ein Normalgewicht abzunehmen (siehe auch die sensationelle Studie übers Abnehmen und seine Wirkung auf die Arterienverkalkung hier >>>).
- Bewegen Sie sich täglich 10 Minuten oder dreimal die Woche 30 bis 45 Minuten mit einem Pulsanstieg von ca. 180 minus Alter im sog. aeroben Bereich (Sie sollten dabei noch sprechen können, also nicht in eine Sauerstoffschuld kommen.), d.h. strammes Spazieren reicht. Ideal wäre aber auf Länge die Einhaltung der min3-Regel: im Minimum 3 Stunden wöchentlich, verteilt auf mindestens 3mal!
- Essen Sie eher kochsalzarm (wenig Natrium, aber viel Kalium: kaliumreich ist z.B. die Banane, Apfelsaft, gedörrte Aprikosen) und Pflanzenfasernreich (viel Obst, Getreide und rohes Gemüse). Diese Massnahme ist für ältere Menschen über 65 absolut wichtig.
Aber Achtung: Man sollte auch nicht zuwenig Salz zu sich nehmen (was auch wieder Herz-Kreislaufkrankheiten erhöht!): Hypertoniker sollten nicht mehr als 13 Gramm täglich essen – aber nicht weniger als 10 Gramm! Mehr als 18 Gramm ist sehr schädlich (aber auch dies nur für Hypertoniker – Menschen ohne Hypertonie ertragen sogar dies).
Vor allem Salz am Abend wirkt stark Blutdruckerhöhend!
- Eine vegetarische Ernährung senkt gemäss einer grossen Metastudie den systolischen BD um 7 mmHg und den diastolischen um 5 mmHg (Yokoyama Y et al., JAMA Intern Med 2014).
- 15 bis 30% aller Menschen, aber 30 – 50% aller Hypertoniker sind salzsensitiv. Ihnen nützt eine Salzdiät, d.h. ihr hoher Blutdruck fällt bei salzarmer Kost. Dabei scheint Salz, das abends gegessen wird die stärkste blutdrucksteigernde Wirkung zu haben!
Eine vermehrte Salzsensitivität findet sich in folgenden Situationen: mit zunehmenden Alter, Menschen afrikanischer Herkunft, Leute mit Hypertonie oder mit positiver Hypertonie-Familiengeschichte, Übergewicht und Adipositas. Eine Salzsensitivität besteht ausser Frage bei Leuten mit Nieren- und Herzinsuffizienz.
Als Test soll man 3 Wochen lang auf sämtliches Salz verzichten und an einigen Tagen mehrmals den Blutdruck messen. Dies gibt dann Aufschluss, ob eine Salz-Diät überhaupt nützt. Man muss auch wissen, wo das Kochsalz überall steckt (80% ist in den Lebensmitteln verborgen…).
Zudem scheint bei allen Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck eine salzarme Diät nicht nur den Blutdruck, sondern tatsächlich auch das kardiovaskuläre (Herzinfarkt-) Risiko zu senken (www.evimed.ch:80/cgi-bin/WebObjects/nuSite.woa/evimed/journal_club.html?rubricseq=010.020&tocexternalid=1240)
Im Alltag ist es wohl sinnvoll, keinen Kochsalzexzess zu betreiben und die Salzzufuhr wenn immer möglich tief zu halten. Zurzeit werden 6 Gramm Salz pro Tag als obere Zufuhrgrenze empfohlen. Vor allem abends sollte kein Salz eingenommen werden!
- Kalium wirkt natriuretisch. Kochsalz ist Natriumchlorid und meist blutdrucksteigernd (siehe oben). Eine hohe Kaliumzufuhr bewirkt das Gegenteil. Viel Kalium hat man bei viel Obst, Nüsse und Gemüse! Sehr kaliumhaltig sind Bananen, Spinat, Broccoli, Nüsse und Vollkorn.
- Auch ein regelmässiger Tagesablauf mit gut eingeplanten Esszeiten ist sehr wichtig. Licht und Nahrung sind die wichtigsten Zeitgeber für den Menschen. Sie sollten synchron sein. Das heisst man sollte 1 Hauptmahlzeit und (eins bis) zwei kleinere Mahlzeiten genau und immer regelmässig planen – und man sollte nur bei Tageslicht essen, da mit Eintreten der Dunkelheit unser Stoffwechsel sich grundlegend umstellt und Fett (und auch die Kohlenhydrate) viel langsamer abgebaut werden. Dies führt zur Entwicklung von chronischen Erkrankungen wie Übergewicht/Adipositas, Diabetes oder auch Hypertonie und Blutfettanstieg!
- Schlafen Sie genug, gut und ungestört? Falls Sie durch Lärm gestört werden oder durch eigenes Schnarchen unruhig schlafen, probieren Sie dies unbedingt zu verbessern. Gestörter Schlaf kann ebenfalls eine (Mit-)Ursache für einen hohen Blutdruck sein (auch an das Schlaf-Apnoe-Syndrom denken!).
Man fand, dass eine Schlafdauer von 5 Stunden pro Nacht bei Personen zwischen 32 und 59 Jahren mit einem signifikant erhöhten Risiko für Hypertonie einhergeht (HR 2.10), auch nach Anpassung für verschiedene andere variable Risiken wie Adipositas und Diabetes. Man schliesst daraus, dass kurze Schlafperioden ein signifikanter Risikofaktor für die Entstehung einer Hypertonie sind. (James E. Gangwisch et al. Hypertension 2006; 47: 833).
Als Regel kann man aus diversen Studien sagen, dass 1 Stunde mehr Schlaf den systolischen Blutdruck um 16,5 mmHg senkt!
- Zudem senkt auch ein regelmässiges Mittagsschläfchen von mindestens 30 Minuten den Blutdruck eindrücklich (ESC-Kongress 2015).
- Regelmässiger Alkoholkonsum über 30 Gramm täglich (d.h. mehr als 2-3 Standarddrinks, Frauen 1-2) steigert den Blutdruck stark!
- Mehr als 3 Kaffees pro Tag wirken ebenfalls blutdrucksteigernd (ESC-Kongress 2015).
- Regelmässiges Blutspenden senkt den Blutdruck! Bei viermal jährlich sinkt der Blutdruck systolisch und diastolisch um 10mmHg oder mehr – und dies nur bei Hypertonie (und nicht bei normalem Ausgangsblutdruck). (Kamhieh-Milz S et al.; Epub Dec, 2015)
- Blutdrucksteigernde Substanzen (Medikamente, Drogen):
Einige Medikamente können als ungewünschte Nebenwirkung den Blutdruck erhöhen: so zum Beispiel das Schmerzmittel Paracetamol (bei mehrmals 1 Gramm pro Woche) oder alle Schmerzmittel der NSAR-Gruppe (Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen,…).
Dann auch die Sympathomimetika, Kontrazeptiva (Antibabypille), Erythropoietin, Ciclosporin, Tacrolimus; Anabole Steroide (Anabolika, Testosteron), Alkohol, Kokain; Lakritze (in Kaugummi, etc…), Ma Huang („herbal ecstasy“)!
- Lassen Sie Ihren Vitamin D-Spiegel vom Hausarzt messen (25(OH)D): Falls eine Hypertonie besteht und ein Mangel an Vitamin D vorhanden ist, verbessert die tägliche Einnahme von 1000 IU Vitamin D den Blutdruck! (Vitamin D status and arterial hypertension: a systematic review, Pilz S, Tomaschitz A, Ritz E et al. Nature Rev Cardiol 2009 (October); 6: 621-30 (October 2009, http://fulltext631.notlong.com/)
- 500 Milligramm Vitamin C täglich senkt den Blutdruck (um 10 bis 15 mmHg) (Lancet Bd. 354, S. 2048). Dies beruht eventuell auf dem antioxydativen Radikalfängereffekt : Deshalb wirkt auch Fischöl, Grüntee und Kakao (schwarze Schokolade!). Es zeigte sich in einer grossen und exakten Studie eine progressive Blutdrucksenkung mit Einnahme von täglich nur 7 Gramm dunkler, polyphenolreicher Schokolade abends. Der systolische Blutdruck wurde im Mittel um 2.9mmHg, der diastolische Blutdruck um 1.9mmHg gegenüber der Kontroll-Gruppe gesenkt; in dieser (mit Einnahme von weisser, polyphenolfreier Schokolade) blieben die Blutdruckwerte unverändert (Dirk Taubert et al. Effects of Low Habitual Cocoa Intake on Blood Pressure and Bioactive Nitric Oxide. JAMA. 2007; 298(1):49-60).
- 100 Gramm Heidelbeeren pro Tag senken nach 8 Wochen den systolischen Blutdruck um 7mmHg und den diastolischen um 5mmHg.
- Randensaft kann Blutdruck senken:
Nitratreiche Nahrungsmittel – wie z.B. Randen – können den Blutdruck senken. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die im Fachblatt Hypertension veröffentlicht wurde.
Zur Blutgefässerweiterung und zur Senkung des Blutdruckes wird die Wirkung von Stickoxid (NO) schon lange genutzt.
Stickoxid ist aber nicht nur in Nitropräparaten, sondern auch indirekt in nitrathaltigen Nahrungsmitteln (z.B. in den Randen) enthalten.
Randen enthalten zwar kein Stickoxid, dafür Nitrate, die durch Bakterien im Speichel in Nitrit umgewandelt werden. Nitrit wird im Magen in Stickoxid umgewandelt oder als Nitrit aufgenommen. Das aufgenommene Nitrit gelangt in die Zellen der Gefässinnenwände (ins Endothel). Durch Freisetzung von Stickoxid werden dadurch die Blutgefässe “entspannt“, soweit die Vermutungen der Experten am Londoner Queen Mary Hospital.
Um diese Vermutung zu belegen, mussten freiwillige Studienteilnehmer einen halben Liter Randensaft trinken. Drei Stunden später wurde den Teilnehmern der Blutdruck gemessen. Nach drei Stunden sank der systolische BD-Wert (oberer Wert) im Schnitt um rund 11 mmHg; der diastolische BD-Wert (unterer Wert) war um 8 mmHg tiefer.
Auch der Nitritgehalt im Blut wurde gemessen: Die blutdrucksenkende Wirkung fiel mit der Spitzenkonzentration von Nitrit im Blut zusammen.
Randensaft scheint sich auch positiv auf die Funktion des Endothels auszuwirken: Mit einem Test massen die Forscher das Ausmass der Gefässerweiterung in der Armarterie (Art. brachialis), nach kurzzeitiger Unterbrechung der Durchblutung mit einer Blutdruckmanschette. Bei Menschen mit hohem Blutdruck ist die Gefässerweiterung gestört; Randensaft verbesserte das Testergebnis.
Randensaft wirkte nicht, wenn die Teilnehmer den Speichel nicht herunter schluckten. Dadurch wurde verhindert, dass Nitrat in Stickoxid verwandelt wurde. Die Forscher sehen darin die Bestätigung, dass die blutdrucksenkende Wirkung auf den Nitratgehalt der Randen zurückzuführen ist.
- 3 Tassen Hibiskus-Tee täglich (Hibiskus-Tee wird auch unter den Namen Karkade oder ägyptischer Malventee verkauft) senkt den systolischen Blutdruck um 13 mmHg:
Diesen gesundheitsfördernden Nebeneffekt des Kräutertees glauben Forscher von der Tufts-Universität in Boston in den USA nun mit wissenschaftlichen Daten belegen zu können. Dr. Diane McKay und ihre Mitarbeiter haben 65 Männer und Frauen mit systolischen Blutdruckwerten zwischen 120 und 150 mmHg und diastolischen Werten niedriger als 95 mmHg in eine Studie aufgenommen.
Eine Gruppe trank sechs Wochen lang täglich drei Tassen frisch aufgebrühten Hibiskus-Tee, die andere ein Placebo-Getränk. Der Effekt nach sechs Wochen: Der regelmäßige Genuss von Hibiskus-Tee ließ den systolischen Blutdruck im Schnitt um 7,2 mmHg sinken, das Placebo-Getränk dagegen nur um 1,3 mmHg. Auch beim diastolischen Blutdruck gab es einen – wenngleich weniger ausgeprägten – Unterschied zugunsten der Teetrinker.
Besonders gut sprachen Probanden mit hochnormalen oder schon leicht hypertensiven Blutdruckausgangswerten (129 mmHg oder höher) auf das rote Tee-Gebräu an: In dieser Subgruppe sank der systolische Wert sogar im Schnitt um 13,2 mmHg (Placebo: 1,3 mmHg).
Die Herz-Forscher aus Boston vermuten, dass ein in Hibiscus sabdariffa enthaltener Bestandteil, der in bereits Studien eine antioxidative Wirkung gezeigt hatte, Ursache der blutdrucksenkenden Wirkung sein könnte.
- Eine tägliche zwanzigminütige einfache Atemmeditation senkt den Blutdruck (senkt das Stresshormon Kortisol und entspannt die Blutgefässe: Nebeneffekt: auch weniger Kopfschmerzen und Asthma). V.Barnes, Psychosomatic Med, Bd.66/6, 2004
Bauen Sie ein paar Entspannungsübungen in Ihren Tagesablauf ein >>> Lesen Sie mehr hier!
Dazu etwas Grundsätzliches: Wir müssen die alltäglichen Rhythmen wieder beachten:
Nur wenn wir im Tages-, Wochen- und Jahresverlauf jene Erholungspausen einhalten, die uns biologisch vorgeschrieben sind, kann unser Organismus seine Funktionen wie beim resetting eines Computers immer wieder synchronisieren und Abweichungen vom Sollzustand (Auch Blutdruckerhöhungen… und bis zu krebsartigem Ausflippen von Organzellen mit Abwehrvorgängen des Immunsystems) ausgleichen. Ignorieren wir diese Bedürfnisse, werden die Abweichungen immer grösser, und damit verliert auch der Organismus immer mehr die Fähigkeit von selbst in seine Ordnung und Ruhe zurückzufinden.
Unsere vorgegebenen biologischen Rhythmen scheinen auch tagsüber 90 Minuten lang zu sein (wie die 90 Minuten Tiefschlafphasen nachts): 70 Minuten Aktivität, dann 20 Minuten Ruhe und Erholung.
Mein Vorschlag: Alle 60 Minuten tagsüber 10 Minuten Rückzug und Pause. So stellen Sie ihren inneren Rhythmus wieder von der Hamsterrad- zurück in die heilsame Ruhe-Frequenz und stärken so immens das Immunsystem.
Literatur dazu: Verena Steiner, Energiekompetenz, Pendo-Verlag 2005
Inner Smile!
Bzgl. Hypertonie mache ich mit dem „Inner Smile“ beste Erfahrungen. Es ist für die Betroffenen auch eindrücklich, während der Konsultation den „vorher/nachher-Effekt“ zu sehen, messbar, wobei ein grosser Teil sicher der deep breath Effekt ist.
Ich instruiere die Leute mit einer geführten inneren Reise durch ihre Arterien, das Lächeln wird dabei erst ins Herz geschickt, dann fliesst es durch die Aorta in den Kopf, dann in die Arme, in die Lungen, Nieren, Bauchraum, Beine. Beim Einatmen aufs Lächeln im Herzen konzentrieren, beim Ausatmen an den entsprechenden Ort schicken. Das wird täglich in Zusammenhang mit der Blutdruckmessung geübt und bei jeder Aufregung im Alltag angewandt. So ist auch ein Langzeiteffekt garantiert.
Mehr zum „Inner Smile“ hier auf meiner Seite zur Entspannung: www.dr-walser.ch/entspannung/#inner_smile
- Verspannter Nacken erhöht den Blutdruck: Eine entspannende Nackenmassage kann den Blutdruck senken. Das haben jetzt britische Wissenschaftler herausgefunden. Die Nackenmuskeln schicken ständig Signale in einen Teil des Gehirns, der für die Steuerung von Blutdruck, Herzschlag und Atmung zuständig ist. Sind die Nackenmuskeln verspannt oder verletzt, schicken sie falsche Signale. Dadurch erhöht sich der Blutdruck. (Journal of Neuroscience, www.jneurosci.org/cgi/content/full/27/31/8324)
Therapie bei Kindern vor allem und bei Erwachsenen primär ohne Medikamente!
Medikamente (Antihypertonika)?
Und erst wenn Sie alles Obige 3 Monate regelmässig getan haben und keine Verbesserung bemerkt haben, denken Sie (mit Ihrem Hausarzt zusammen) an die Einnahme eines Medikamentes.
Zu der Frage, ob auch eine Arteriosklerose durch die Medikamente verhindert wird: Falls nur dieser eine Risikofaktor vorliegt, kann eine Blutdrucknormalisierung die Arteriosklerose und damit den Herzinfarkt, den Hirnschlag etc. verhindern. Eine andere Frage ist, ob dies lebensverlängernd wirkt oder ob Nebenwirkungen der Medikamente hier auch Einfluss nehmen.
Die bisher grösste Studie zur Hochdrucktherapie mit Medikamenten, die sog. ALLHAT-Studie (JAMA 2000; 283:1967-75 u. JAMA 2002; 288:2881-97) zeigte eine Überlegenheit des alten Diuretikums Chlortalidon gegenüber neueren Blutdruckmitteln. Niedrig dosierte Diuretika (Thiazid-Diuretika) müssen als wirksamste, sicherste und verträglichste blutdrucksenkende Wirkstoffe gelten und sind Mittel der ersten Wahl!
Mit einer Monosubstanz kann aber nur eine Blutdrucksenkung von etwa 20/10 erreicht werden! Man benötigt also bei höheren Werten meist eine Kombination von zwei Mitteln. Dabei kommt es nicht so darauf an, was man kombiniert (Diuretika, B-Blocker, ACE-Hemmer oder Sartane, Kalziumantagonisten) sondern nur wie stark die Senkung des BD wird (Schlechte Kombinationen wegen der Potenzierung von Nebenwirkungen sind: ACE-Hemmer + Sartane oder B-Blocker + Sartane). Es wird überhaupt allgemein als besser angesehen (und zeitigt weniger Nebenwirkungen), falls 2 oder 3 Hochdruck-Medikamente in niederen Dosen (anstatt 1 in hoher Dosis) eingenommen wird.
Am besten abends einnehmen!
Blutdruckmedikamente wirken übrigens am stärksten, wenn sie abends oder vor dem Schlafengehen genommen werden (ausser Betablocker)! Auch die Nebenwirkungen werden dadurch reduziert.
Man hat auch gefunden, dass Organschäden durch die Hypertonie vor allem in der zweiten Nachthälfte entstehen. Deshalb ist auch sehr wichtig, dass der Blutdruck nachts am tiefsten ist!
Wer Blutdrucksenker abends schluckt, erkrankt auch seltener an Diabetes. Dies zeigt eine neue Studie. Ein hoher Blutdruck und Diabetes gehen häufig miteinander einher. Die Forscher hatten mehr als 2000 Blutdruck-Patienten untersucht, die Medikamente erhielten. Die eine Hälfte nahm die Medikamente am Morgen, die andere vor dem Zubettgehen. Nach sechs Jahren entwickelten 171 Teilnehmer Diabetes. Das Erstaunliche: Patienten, welche die Medikamente am Morgen nahmen, waren doppelt so häufig betroffen! (Schmieder RE et al.: DMW 2012; 137: 317-321 und Diabetologia. 2015 Sep 23: Bedtime ingestion of hypertension medications reduces the risk of new-onset type 2 diabetes: a randomised controlled trial. Hermida RC1 et al.)
Vorsicht Sturzgefahr! Bei betagten Menschen können Blutdrucksenker genauso viel schaden wie nützen. Der Grund: Die Senioren stürzen unter Blutdruckmitteln häufiger. Zu diesem Resultat kommt eine US-Studie mit rund 5000 über 70-Jährigen. Besonders gefährdet waren jene, die bereits einmal gestürzt waren und unter mehreren Krankheiten litten.
Nach neusten Studien kann gefolgert werden, dass die Kombination eines Diuretikums mit einem ACE-Hemmer (abends eingenommen – siehe oben) die Ersttherapie einer Hypertonie darstellen sollte, dies auch unter erschwerten Umständen, wie zum Beispiel bei Diabetikern. Erst bei Wirkungslosigkeit oder beim Auftreten unerwünschter Wirkungen sollten diese Substanzen ersetzt werden, zum Beispiel die ACE-Hemmer durch Angiotensin-Rezeptorenblocker bei Husten oder die Diuretika durch Kalziumantagonisten bei Erektionsstörungen.
Im Winter (höhere Blutdruckwerte bei tieferen Temperaturen) sollte intensiver behandelt werden als im Sommer (dann ev. Neigung zu tiefen Werten und Kreislaufkollaps!).
Man muss sich im Klaren sein, dass die Blutdruckmittel ein Riesengeschäft bedeuten (v.a. seit die Guidelines in den vergangenen Jahren immer tiefere Blutdruckwerte für noch normal erklären). Dieser „Kuchen“ ist im Jahr weltweit auf 36 Milliarden Dollar angewachsen und die vier bestverkauften Medikamente gegen Bluthochdruck brachten allein 8 Milliarden Dollar ein!
Achtung: Bei einer systolischen Blutdrucksenkung auf unter 140 mmHg muss auch der diastolische Blutdruck beachtet – und falls möglich – nicht zu stark, d. h. möglichst nicht unter 80 mmHg gesenkt werden!
( http://www.evimed.ch/journal-club/artikel/detail/schaedigt-ein-diastolischer-blutdruck-das-myokard-unabhaengig-vom-systolischen-blutdruck/)