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Text: Laura Reinhardt, World Vision USA
Boniface und Winfred waren unterwegs, als bei Winfred die Wehen einsetzten. Nach acht Stunden brachte sie einen Sohn im Busch zur Welt. Erst zwei Tage später erreichten sie das Krankenhaus, wo sie erfuhren, dass er eine zerebrale Lähmung hatte. Seine versteiften Gliedmassen würden sich weder aufrichten noch entspannen. Selber bewegen konnte er sich kaum. «Ich hatte das Gefühl, dass Gott mich hasste – dass seine Behinderung ein Fluch sei», sagt Vater Boniface.
Sie gaben ihm den englischen Namen Dennis. Sein Grossvater nannte ihn aber Ngumbau – Krieger. Sehr passend, denn kämpfen musste Dennis seit seiner Geburt.
Potential erkennen
Dennis, jetzt acht Jahre alt, verbrachte seine ersten fünf Jahre hauptsächlich auf dem steinigen Boden seines Hauses in Mwala, Kenia, ohne sich von einem Ort zum anderen bewegen zu können. Er konnte nicht allein gelassen werden. Winfred blieb immer in seiner Nähe. Das Leben fühlte sich klein und begrenzt an, sowohl für Dennis als auch für seine Eltern.
2011 begann World Vision in Mwala zu arbeiten. Im Zuge der Projektarbeit identifizierte World Vision Kinder mit Behinderungen in der Region, um diese zusätzlich unterstützen zu können. Dennis war eines davon. Dank des von USAID finanzierten Rollstuhl-Programms ACCESS erhielt Dennis einen dringend benötigten Rollstuhl. In Kurse lernten seine Eltern ausserdem, wie sie Dennis pflegen und waschen, damit er gesund bleibt. World Vision half den Familien zu verstehen, welches Potential in Kindern wie Dennis schlummert. «Die meisten Familien wissen nicht, dass ihre Kinder sehr intelligent sind», sagt James Keitany von World Vision.
Dennis' Eltern bestätigen James' Einschätzung. Vater Bonifatius sagt, dass Dennis sehr neugierig sei. «Manchmal, wenn er ein Auto hört, will er stehen bleiben. Er ist aufmerksam und versucht, auf die Umgebung zu reagieren.»
Veränderte Einstellungen und Herzen
Gemeinsam mit anderen Eltern in der Gemeinde, die auch Kinder mit Behinderungen haben, besuchten Boniface und Winfred Kurse von World Vision. Boniface sagt: «Früher habe ich ein Kind mit einer Behinderung als Problem gesehen, und es hat mir viel Kummer bereitet.» Andere Eltern ermutigten ihn und sagten ihm, dass auch Dennis eine glänzende Zukunft haben könnte.
Ein wichtiger Teil der Arbeit ist es, Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft miteinzubeziehen. Zum Beispiel mit Aktionsgruppen, die sich aktiv für Menschen mit Behinderung einsetzten und ihnen eine Stimme geben.
«Inklusion ist für alle da», sagt auch James. Rollstuhlrampen vor öffentlichen Gebäuden kommen beispielsweise nicht nur Menschen mit Behinderungen zugute, sondern auch älteren Menschen und Schwangeren.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der ACCESS-Projekts im Jahr 2017 ist die Rollstuhlversorgung in Kenia vollständig in die Programme von World Vision integriert worden. Das Personal wurde darin geschult, wie man mit Kindern mit Behinderungen und ihren Familien umgeht und wie man mit Partnern zusammenarbeitet, um den Kindern entsprechend angepasste Rollstühle zur Verfügung zu stellen. Die Familien erhalten ausserdem Hilfe bei der Pflege und bei der Lobbyarbeit.
Der Schlüssel zum Erfolg des Projekts war unter anderem die Veränderung der Einstellungen der Menschen gegenüber Kinder mit Behinderungen.
Neue Freiheiten
Dennis' Rollstuhl gab seiner Mutter Winfred die Freiheit, ein Lebensmittelgeschäft zu eröffnen. Mit diesem zusätzlichen Einkommen konnte die Familie sich jetzt sogar Land kaufen, auf dem sie Getreide anbauen.
Bonifatius sieht in seinem Sohn Dennis heute keinen Fluch mehr, sondern einen Segen. Er macht anderen Eltern Mut, ihre Kinder zu lieben, egal mit welchen Herausforderungen sie geboren sind.
Und wenn der kleine Krieger heute lächelnd in seinem Rollstuhl sitzt, strahlt die ganze Familie.
ACCESS wurde durch die United States Agency for International Development (USAID) ermöglicht. Der Inhalt dieses Artikels liegt in der Verantwortung von World Vision, Inc. und spiegelt nicht unbedingt die Ansichten von USAID oder der Regierung der Vereinigten Staaten wider.