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Burma oder Myanmar ist ein Vielvölkerstaat. Mehr als 100 Sprachen gibt es im Lande und ebenso viele Volksgruppen
Sie werden in vier Hauptgruppen unterteilt: die Mon-Khmer, die Tibeto-Birmanen, die Tai bzw. Shan sowie die Karen. Gut die Hälfte der Bevölkerung Myanmars gehört der Volksgruppe der Burmesen an, die das zentrale Tiefland bevölkern.Die Mehrheit der kleineren Ethnien siedelt in den Wäldern und Bergen entlang der Grenze zu Bangladesh, Indien, China und Thailand.
Die englischen Kolonialherren sicherten sich im 19. Jahrhundert die Hilfe vieler dieser Volksgruppen zu, um das Königreich Burma zu unterwerfen. Aus dieser Zeit bestehen, auch heute noch, tiefe Ressentiments zwischen der burmesischen Regierung und den einzelnen Provinzen. Viele Befreiungsarmeen haben über Jahrzehnte gegen die Zentralregierung erbittert um Autonomie gekämpft. In den letzten Jahren haben sich einige dieser Konflikte entschärft und Friedensvereinbarungen konnten ausgehandelt werden.
Für die wichtigsten Ethnien in Burma findensie unten Informationen über Siedlungsgebiete, Herkunft, Religion, Sprache, Kleidung, Essen, Gebräuche und Feste.
Akha
Die Akha, ein tibeto-birmanischer Stamm, leben in der Shan-Provinz um Kengtung herum und sind mit den Lisu und Lahu verwandt. Die Akha bauen ihre Dörfer gern auf Bergrücken. Ihre Häuser sind auf Pfählen gebaut. Sie betreiben Reisanbau (Brandrodung) und züchten Hängebauchschweine und Wasserbüffel.Akhas sind Animisten und fürchten sich vor Wassergeistern. An jedem Dorfeingang befinden sich Geisterfallen. Auffallend ist der Kopfschmuck der Akha-Frauen, der mit vielen Silberkugeln, -münzen, Kauri-Muscheln, Federn und Bändeln verziert ist und wie ein Helm aussieht.
Die Hauptethnie von Myanmar sind die Burmesen (auch Bamar, Myanma), welche hauptsächlich im zentralen Tiefland um den Irrawaddy herum leben. Sie sind Buddhisten und stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Sie sind vor ca. 1500 Jahren aus Yünnan eingewandert, haben die ursprüngliche Bevölkerung der Mon absorbiert und stellen seit mehr als 1000 Jahren (Königreich von Bagan) die herrschende Klasse in Burma.
Chin
Die Chin (tibeto-birmanisch) sind eine der grössten Volksgruppen in Myanmar (ca. 1.5 Millionen) und besiedeln die Berge der im Westen gelegenen Chin-Provinz. Die Chin bestehen aus sehr vielen verschiedenen Stämmen und Clans.Durch eine sehr aktive baptistische Missionstätigkeit bekennt sich die Mehrheit der Chin zum Christentum. Trotzdem haben sich viele animistische Zeremonien und Praktiken bis heute erhalten und Tieropfer sind keine Seltenheit. Besonders auffällig sind die Gesichts-Tatauierungen der Chin-Frauen, welche die Zugehörigkeit zum jeweiligen Clan anzeigen. Diese Tradition ist aber am Aussterben, da viele Missionare sie als rückständig gebrandmarkt haben.
Die Kachin (tibeto-birmanischer Herkunft) leben im Norden von Burma in der gleichnamigen Provinz mit der Hauptstadt Myitkyina (sowie in der südchinesischen Provinz Yünnan). In Myanmar leben fast eine Million Kachin. Während der britischen Kolonialzeit sind viele Kachin der Armee beigetreten. Sie sind heute zum grössten Teil zum Christentum konvertiert (Baptisten, Katholiken). Der wichtigste Anlass im kulturellen Leben der Kachin ist das Manaw-Festival im Januar, beidem 3 Tage gesungen und getanzt wird und die typischen Trachten präsentiert werden.Untergruppen (Clans) der Kachin sind die Hkakhu (Siedlungsgebiet im hohen Norden Myanmars), die Rawang sowie die Azi, Maru und Lashi, die schon vor der Einwanderung der Jingpo aus Yünnan im Norden Burmas ansässig waren.
Karen
Die Karen gehören zu den ersten Gruppen, die das heutige Myanmar besiedelt haben. Ursprünglich bewohnten sie das Flachland des Irrawaddy, haben sich aber unter dem Druck der Mon und Burmesen in die südöstlichen Berge an der Grenze zu Thailand und ins Irrawaddy-Delta zurückgezogen. Sie stellen nach den Burmesen und den Shan die drittgrösste Volksgruppe. Da die Karen über lange Zeiträume aus dem Süden Chinas eingewandert sind, stellen sie keine homogene Volksgruppe dar. Man unterscheidet weisse, rote (=Kayah) und schwarze (=Pa-O) Karen. Die Mehrheit sind Buddhisten, etwa ein Viertel Christen, daneben gibt es noch viele Anhänger animistischer Anschauungen. Die Karen haben seit der Unabhängigkeit Burmas im Jahre 1948 am heftigsten um ihre Autonomie gekämpft. Mehr als 100 000 Karen leben als Flüchtlinge in Thailand.
DieKayah (oder rote Karen/Karenni) leben in der gleichnamigen Provinz im Osten Myanmars. Wegen der Unabhängigkeitskämpfe in dieser Region ist das Gebiet viele Jahre für Touristen geschlossen gewesen. Ursprünglich Animisten, sind viele Kayahs zum Christentum übergetreten. Ihre rote Kleidung hat ihnen den Namen gegeben. Daneben sind die vielen lackierten Beinringe aus Baumwolle auffallend und typisch für die Kleidung der Kayah-Frauen. Im Frühjahr findet das Kathowbow-Festival statt, bei dem die Geister der Regenwälder milde gestimmt werden sollen.
Lahu
Etwa 150 000 Lahu leben in Myanmar, meistens in den Bergen im östlichen Shan-Staat um Kentung herum, ausserdem im Norden von Laos und Thailand sowie in Yünnan. Sie sind im 19. Jahrhundert aus dem Norden (Tibet?) eingewandert. Man unterscheidet rote sowie schwarze Lahu, je nach den Mustern und Farben ihrer Kleidung. Sie sind ausgezeichnete Weber und bekannt für die vielfältigen Muster ihrer Webkunst. Im Gegensatz zu ihren Nachbarn sprechen sie kaum burmesich sondern sind bei ihrer eigenen Sprache geblieben. Durch rege baptistische Missionstätigkeit sind viele Lahus zum christlichen Glauben übergetreten.
Lisu
DieLisu (tibeto-birmanisch) sind sprachlich mit Akhas und Lahu verwandt. Sie leben in Burma grösstenteils in der Kachin-Provinz im Norden sowohl im Shan-Staat, wo sie die Hügel besiedeln. Kachin und Lisu heiraten untereinander. Obwohl Lisu früher Opium angebaut haben, scheinen sie selbst nur selten abhängig davon geworden zu sein.Im 20. Jahrhundert wurde von Missionaren eine eigene Lisu-Schrift entwickelt, basierend auf lateinischen, aber um 180° gedrehten Buchstaben. Die Lisu-Frauen tragen farbenfrohe Kleidung mit auffälligen Streifenmustern.
Mon
Die Ethnie der aus dem Osten eingewanderten Mon gründete vor über 1000 Jahren das Königreich Thaton. Sie verbreiteten den Theravada-Buddhismus in Burma. Die Mon sind mit dem Volk der Khmer in Kambodscha verwandt und gehören zur austroasiatischen Sprachfamilie. Mit ihren Sitten und Gebräuchen übten sie einen grossen Einfluss auf Kunst und Kultur ihres Landes aus, wurden aber über die Jahrhunderte von den Burmesen unterdrückt und assimiliert.Das Hauptsiedlungsgebiet der Mon sindheute die Regionen um Mawlamyine und Bago im Südosten. Ihre Lebensgrundlage bilden der Anbau von Gemüse und Nassreis sowie der Fischfang. Als Kleidung sind rotgemusterte Longyis beliebt.
Die Nagas leben sehr isoliert im indisch-burmesischen Grenzgebiet und sind eine der am schwierigsten zu besuchenden Minderheiten in Myanmar. Obwohl sowohl Christen als auch Buddhisten in Nagaland missionieren, sind die Nagas noch stark ihren alten animistischen Traditionen verhaftet. Zusammen mit ihren Nachbarn in Indien sind sie als furchtlose Kämpfer für ihre Unabhängigkeit bekannt.
Durch die erbittert geführten Kämpfe der indischen Nagas gegen die indische Armee seit mehr als 70 Jahren ist auch das Leben auf der burmesischen Seite sehr beeinträchtigt worden. Die Nagas gelten als die letzten Kopfjäger in der Region, wobei man annimmt, dass diese Tradition in den letzten 20 Jahren nicht mehr praktiziert wird. Im Gegensatz zu den Wa diente die Kopfjagd bei den Nagas dazu, das eigene Ansehen als Kämpfer und Jäger innerhalb der Dorfgemeinschaft zu erhöhen. Die ‚Erfolge‘ wurden durch Tatauierungen auf der Brust des Nagas dokumentiert. Jeweils im Januar wird das Frühjahrsfest gefeiert, bei dem die traditionellen Trachten sowie Tänze zur Aufführung kommen. Die Kostüme zeigen aussergewöhnlich farbenfrohes und vielfältiges Design, dazu werden Wildschweinhauer, Tigerklauen, Muschelschalen und Elfenbein getragen.
Die Padaung sind eine Untergruppe der Kayah und gehören somit zur Karen-Familie. Sie siedeln in der östlichen Kayah-Provinz westlich des Salween. Viele Padaung sind wegen den Befreiungskämpfen im Osten Myanmars nach Thailand geflüchtet.Die Padaung waren traditionell Animisten. Heute sind viele zum katholischen Glauben missioniert worden. Bilder von Padaung-Frauen sind weltweit verbreitet und man bezeichnet sie gern als Giraffen(hals)frauen.
Jungen Mädchen werden im Alter von 5-10 Jahren die ersten Messingringe um den Hals gelegt. Mit zunehmender Anzahl Ringe werden Schlüsselbein und Schultergürtel nach unten gedrückt, so dass der Eindruck eines Giraffenhalses entsteht. Die Halswirbel werden dabei nicht gestreckt. Die Tradition lebt auch heute noch in einigen Dörfern fort. Als Grund für den Brauch gibt es viele Legenden. Es soll einmal ein Schönheitssymbol (gewesen) sein, dann wieder soll es verhindert haben, dass andere Stämme die Padaung-Frauen kidnappen oder sie Tigerbissen zum Opfer fallen. Eine Legende verweist darauf, dass die Padaung in der Vergangenheit häufig Angriffen ausgesetzt waren und fliehen mussten. Ihre Silberschätze hatten sie daher zu langen Drähten verarbeitet und in den Messingringen versteckt. So waren die Wertsachen immer am Körper und man konnte schnell fliehen.
Palaung
Die Palaung gehören zur Mon-Khmer-Familie. Sie siedeln im nördlichen Shan-Staat, vor allem um Namhsan und Kalaw herum, und sind bekannt für ihren ausgezeichneten Tee. Ihre Kämpfe um Autonomie führten 1991 zu einem Erfolg.
Die Ethnie der Pa-O gehört zur Bevölkerungsgruppe der Karen. Sie soll im 11. Jh. von Thaton in die östliche Shan-Provinz geflohen sein und bewohnt heutzutage vorwiegend die Gebiete um Taunggyi sowie Kalaw am Inle See. Die Pa-O verdienen ihren Lebensunterhalt vorwiegend mit der Ernte und Weiterverarbeitung der Blätter des Thanaphet-Baumes, die alsäussere Schicht um die sogenannten “cheroots” (traditionelle Zigarren) gewickelt werden. Ihre Kleidung ist dunkelblau (Frauen) oder schwarz (Männer) mit einem grünen oder orangefarbenen Turban als Kopfbedeckung. Besonders bei den alle 5 Tage stattfindenden bunten Märkten um den Inle-See herum kann man die Pa-O gut beobachten.
Der Arakan- oder Rhakin-Staat im Westen des Landes wird durch die 3000m hohen Chin-Berge vom Tiefland des Irrawaddy getrennt. Er grenzt an Bangladesh. Über viele Jahrhunderte bildete Arakan ein eigenes Königreich, bevor es zunächst unter burmesische und dann unter britische Herrschaft kam. Die über 2 Millionen Rhakine sind Buddhisten. Während in den meisten Teilen Asiens die Buddhisten recht tolerant gegenüber Menschen anderer Religionen sind, gibt es in Rakhine immer wieder Übergriffe nationalistischer Arakanesen auf die muslimische Minderheit der Rohingyas, zuletzt im Jahre 2012.
Shan
Nach den Burmesen stellen die Shan (oder Tai) die zweitgrösste Bevölkerungsgruppe in Myanmar. Ihr Siedlungsgebiet ist der Shan-Staat mit der Hauptstadt Taunggyi im Osten des Landes. Ihr Ursprung liegt im Süden Chinas (Yünnan). Sie sind eng mit den Thai verwandt. Traditionell wurden die einzelnen Clans von Erbprinzen, den sogenannten Sawbwas, regiert, deren Einfluss erst 1959 durch die Militärregierung gebrochen wurde. Danach waren weite Teile des Shan-Staates umkämpft. Erst in den 90er Jahren legten die meisten der Widerstandsarmeen die Waffen nieder. Auch heute noch sind weite Bereiche des Shan-Staates nicht für den Tourismus geöffnet. Die Shan sind mehrheitlich Buddhisten.