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Die Frau hat Köpfchen. Ihr IQ von 154 reicht nahe an das Genie von Albert Einstein und Stephen Hawking (jeweils 160) heran. Doch statt der Intelligenz von Schauspielerin Sharon Stone, 63, Beachtung zu schenken, stiert alle Welt «der Blonden mit den Wahnsinnsbeinen» eben zwischen diese. Die Szene im Erotikthriller «Basic Instinct» hat Stone 1992 über Nacht zu Hollywoods neuer Sexgöttin gemacht – und zu einem der bestbezahlten Filmstars.
Dass Sharon Stones Beinüberschlag – Kultszene des Streifens – auf einer Lüge basiert, hat die Schauspielerin jüngst in ihrer Biografie «The Beauty of Living Twice» («Die Schönheit, zweimal zu leben») offenbart. Regisseur Paul Verhoeven habe sie demnach dazu gedrängt, ihren weissen Slip auszuziehen, weil dieser das Licht zu stark reflektierte. Er versprach Stone, dass man ihre Vagina nicht sehen würde. Verhoeven bestritt diese Darstellung nach Erscheinen der Biografie im vergangenen März zwar postwendend, doch Stone konterte: «Ich weiss es besser. Mir gehört schliesslich die Vagina, um die es geht.»
So selbstbewusst sie auftritt, Stones Leben ist lange Zeit fremdbestimmt. Geboren 1958 in Meadville, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Pennsylvania, ist sie früh mit sexueller Gewalt konfrontiert. Ihr eigener Grossvater missbraucht Sharon sowie deren jüngere Schwester Kelly; die Oma schliesst die Kinder dafür sogar in ein Zimmer ein. Als der Alte an einem Herzinfarkt stirbt, rüttelt Sharon an der Beerdigung an dessen Leiche, um sicherzugehen, dass er tot ist. «Ich sah Kelly an, und sie verstand, sie war elf, und es war vorbei», erinnert sich Stone später.
Neben Schwester Kelly hat sie noch zwei Brüder, Patrick und Mike. Stones Eltern arbeiten beide in einer Werkzeugfabrik, ihre Mutter versucht ihr grausames Elternhaus zu vergessen, indem sie sich aufs Putzen und Kochen konzentriert. Bereits als Kind fällt Sharon auf: Sie kann mit zehn Monaten sprechen und laufen. In ihrer Jugend wird sie zur Aussenseiterin, da sie, statt wie ihre Mitschüler im Einkaufszentrum abzuhängen, lieber Bücher liest. «Ich fühlte mich, als wäre ich als 40-Jährige auf die Welt gekommen.» Mit 15 beginnt sie neben der Highschool Englisch und Schauspielkunst an der Edinboro University in ihrer Heimatstadt zu studieren.
Stone ist eine Kämpferin
Sie hat mehr Leben als manche Katze. Mit 14 hätte sie sich fast selbst geköpft. Eine Narbe am Hals erinnert an einen Ausritt, bei dem sie eine Wäscheleine übersieht, die sie vom Pferd reisst. Später trifft sie beim Bügeln ein Blitz. 2001 erleidet sie eine Gehirnblutung, liegt neun Tage im Koma. Die Ärzte geben ihr eine Überlebenschance von einem Prozent. Stone, die mit fünf lesen und schreiben kann, muss mit 43 nochmals «gehen, sprechen und leben» lernen. Ihre eigene Unterschrift gelingt ihr erst wieder nach drei Jahren. Obschon dem Tod näher als dem Leben, gewinnt sie dem Schicksalsschlag Positives ab. «Die grundlegendste Veränderung für mich war, dass die Krankheit mir meine Ängste genommen hat.»
Nicht nur ihr zweiter Ehemann, der Journalist Phil Bronstein, 70, wendet sich kurz darauf von Stone ab, auch in Hollywood ist die einst für einen Oscar nominierte und mit einem Golden Globe (an der Seite von Robert De Niro in Martin Scorseses Thriller «Casino») ausgezeichnete Schauspielerin auf einmal abgeschrieben. Von heute auf morgen wie vergessen. «Ein brutales Geschäft, das dir schnell die Augen öffnet.» Stone vertieft sich in den Buddhismus, beginnt seither jeden Tag mit Atemübungen und Meditation. «Das hilft mir, die Balance zu finden, die ich benötige, um mein Leben zu meistern.»
Stone feuert ihre Agenten, hat die Nase voll davon, dass andere entscheiden, in was für Filmen sie spielt, welche Drehbücher für sie infrage kommen. Sie will selbst bestimmen. Auch wenn sie seither oft in Filmen mitspielt, die zu Kassenflops werden, und sie nicht immer das Gespür hat für tolle Rollen und erfolgversprechende Stoffe. Es kümmert sie nicht. «Ich liebe die Schauspielerei nach wie vor. Aber es ist nicht mehr mein ganzes Leben.»
Sie prangert öffentlich Missstände an
Heute nimmt in ihrem Leben das Engagement für wohltätige Zwecke einen grossen Platz ein. Ob notleidende Kinder oder Homosexuelle – für ihren Beitrag im Kampf gegen HIV erhält Stone 2013 beispielsweise den Peace Summit Award der Friedensnobelpreisträger. Und sie erhebt ihre Stimme. Erst letztes Jahr wendet sie sich in einem emotionalen Instagram-Video an die Öffentlichkeit und macht die schwere Erkrankung ihrer Schwester an Covid-19 öffentlich, um zahlreiche Missstände in den USA anzuprangern. Die Hauptrollen im Leben von Stone spielen allerdings ihre drei Adoptivsöhne – Roan, 21, Laird, 16, und Quinn, 15.
Einst als Ausziehpuppe abgestempelt, ist Stone längst als toughe Frau anerkannt. Ihr Aussehen, das ihr mit 17 den Titel «Miss Pennsylvania» verschafft und sie auf Covers von «Vogue» und «Elle» bringt, hat sie sich erhalten. 2006 engagiert die Luxusmarke Dior sie als Werbegesicht. «Als Frau mittleren Alters noch Werbung für Hautcremes machen zu dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit», freut sie sich da. Stone ist früh Feministin gewesen. Schon in «Basic Instinct». In der Figur von Catherine als einer Frau, die ihre Sexualität skrupellos als Machtmittel einsetzt. Heute sieht sie ihre Paraderolle mit einem Augenzwinkern: «Mit 75 mache ich dann ‹Basic Instinct 4›: heisser Sex im Altersheim.»