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1914-1945
Inhaltsverzeichnis
Eine Gesellschaft im Übergang
Wie andere Epochen ist die Zwischenkriegszeit im Wallis, vielleicht umso mehr aufgrund ihrer emotionalen Belastung, noch recht wenig bekannt. Mangels geschichtlicher Forschung nehmen wir die Gesellschaft dieser Zeit anhand starrer, leicht verzerrter Bilder wahr. Gewisse Autoren, welche die ländlichen Gemeinschaften betonen, legen den Nachdruck auf das Fortbestehen der Traditionen. Andere hingegen nehmen vor allem die landschaftlichen Veränderungen, die Industrie, Tourismus und Moderne mit sich brachten, wahr. Sie betrachten diese Periode als Geburt des modernen Wallis. In Tat und Wahrheit war das Wallis der Zwischenkriegszeit eine Gesellschaft im Wandel. Einen ersten Wirtschaftsaufschwung hatte es bereits zwischen 1895 und 1914 erlebt. Dieser wurde durch den Ersten Weltkrieg ausgebremst. Die Zwischenkriegszeit erwies sich als Zeit der Festigung, gestört durch die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1920er- und in den 1930er-Jahren. Diese Lage war einer regionalen Entwicklungspolitik natürlich wenig förderlich.
Eine mehrheitlich landwirtschaftliche Gesellschaft
In diesem Zusammenhang war das Wallis, da die Revolutionierung vor 1914 nur teilweise erfolgt war, im Wesentlichen eine landwirtschaftliche Gesellschaft geblieben, mit einem Beschäftigungsanteil in der Landwirtschaft von 57,9 % im Jahr 1910 und 47,8 % im Jahr 1941. In Tat und Wahrheit wollten die Behörden diesen Anteil absichtlich so erhalten. Ab dem Ersten Weltkrieg war die Mehrheit der Führungsschicht, auf Anstoss von Maurice Troillet, entschieden für eine Politik der Modernisierung und der Rentabilität der Landwirtschaft, die als Mittel zur Krisenbekämpfung und gegen die Abwanderung erachtet wurde.
Bekräftigung der Arbeitnehmer
Dieser politische Entscheid und die dadurch entstandene gesellschaftliche und wirtschaftliche Realität dürfen jedoch eine andere bedeutende Tatsache nicht überdecken, nämlich die Bekräftigung des Arbeitnehmertums und zwar nicht nur in der Industrie, sondern in allen Sektoren. Seit dem Krieg und besonders seit dem Streik von Chippis 1917 machte die Arbeitnehmerschaft ihre Rechte geltend. Ab 1919 begannen die politischen Parteien, vorerst auf eidgenössischer Ebene, allmählich mit dem Entwurf eines Sozialgesetzes, dem sich die Kantone anpassen mussten. Im Übrigen wandte sich die Arbeiterklasse in der Krisenzeit dem Protektionismus zu und kämpfte verbissen gegen die ausländische Konkurrenz. Aufgrund all dieser Faktoren wurde das Wallis zu einem Sozialraum, der für das ganze Land kennzeichnend war.
Auf politischer Ebene
Seit Beginn des Jahrhunderts ging das Wallis von einer Form der «regierten» Demokratie zu einer Referendumsdemokratie mit einer Parlamentsvertretung nach dem Verhältnis der Parteien über.
Bibliographie
- Histoire du Valais, Annales valaisannes 2000-2001, Sion, 2002