Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03509.jsonl.gz/1289

Mein Name ist Jon Ruiz Martínez, ich bin 17 Jahre alt und besuche die Schweizer Schule Barcelona (ESB). Der Grund dafür ist nicht, dass meine Familie aus der Schweiz kommt, sondern dass meine Eltern wollten, dass sich meine Bildung auf einer fremden Sprache basiert. Dank der festen Beziehung zwischen der ESB und der Schweiz konnte ich vor zwei Jahren ein Semester an der Kantonsschule St.Gallen verbringen und letztes Jahr an einer von Schweizer Jugend Forscht (SJF) organisierten Forschungswoche in Bern teilnehmen. Ich werde nächstes Semester nach Zürich umziehen, um an der ETH Physik zu studieren.
Spanien ist nach den Vereinigten Staaten das Land mit der zweithöchsten Anzahl an Coronavirusfällen, mit ungefähr 217´000 Angesteckten, 25´000 Todesfällen und etwa 117´000 Genesenen (03.05.2020). Am Donnerstag, 15. März begann die Ausgangssperre, doch schon eine Woche zuvor schickten einige Unternehmen ihre Arbeiter nach Hause. Die Schulen wurden auch einige Tage früher geschlossen, nämlich am Freitag, dem 13. März. Seit dem ersten Tag der Ausgangssperre konnten nur essentielle Unternehmen wie Supermärkte und Apotheken öffnen und man konnte das Haus nur verlassen, wenn es unbedingt nötig war. Es gab viel Polizei und sogar Drohnen, die kontrollierten, dass niemand herumspazierte. Trotzdem wurden sehr viele Personen schon in den ersten Tagen mit Bussen gestraft.
Obwohl es strenge Massnahmen gibt, werden sehr wenige Tests durchgeführt, auch wenn man glaubt, dass man das Coronavirus hat. Es gibt auch eine Telefonnummer, die man anrufen kann, falls man Symptome hat, doch diese kollabierte, weil zu viele Personen angerufen haben. Heutzutage wächst die Anzahl der Angesteckten noch, aber wir alle hoffen, dass die Fälle an Coronavirus nach einen Monat Ausgangssperre bald zu sinken beginnen.
Damit diese Situation die Bildung der Schüler so wenig wie möglich benachteiligt, wird der Unterricht im Internet weitergeführt, in unserem Fall benutzen wir Google Classroom. Es hängt von der Stufe ab, doch in der zwölften Klasse sollen wir theoretisch von 9:00 morgens bis 17:00 nachmittags ohne jegliche Leitung arbeiten, schlussendlich waren es jedoch viele Stunden mehr, weil es keine gute Organisation gab und man immer verfügbar sein sollte, falls ein Lehrer eine neue Arbeit um 21:00 online stellt.
Die spanische Regierung befasst sich gerade mit der Frage, ob alle Schüler in Spanien dieses Jahr automatisch bestehen sollen. Die Schweizer Schule Barcelona hat beschlossen die Noten vom letzten Quartal nicht gelten zu lassen, falls sie die Promotion der Schüler benachteiligen. Wir wissen noch nicht ob wir als Schüler der zwölften Klasse die Matura absolvieren werden. In den nächsten zwei Tagen soll der definitive Entscheid des Kantons Bern eintreffen. Die spanische Matura, die sogenannte Selectividad, wird vom 22. Juni bis zum 19. Juli durchgeführt werden, das exakte Datum kommt auf die Region an.
Seit dem Sonntag, dem 26. April können Kinder für eine Stunde spazieren gehen. Letzten Dienstag, dem 28. April, hat die spanische Regierung die Phasen der Deeskalation der Coronavirusmassnahmen angekündigt. Die erste Phase wurde am 2. Mai im ganzen Land eingeführt und erlaubt den Bürgern in Zweiergruppen und während spezifischen Zeiten (je nach Alter) spazieren zu gehen. Wenn alles läuft wie erwartet, wird alle zwei Wochen eine neue Phase eingeführt (es hängt von der Situation der Region ab), und als Folge davon werden die Massnahmen immer weiter gelockert, bis sich die Situation bis Ende Juni fast normalisiert haben sollte. Bestimmt soll es manchmal noch Distanzierung geben oder man wird nicht ins Ausland reisen und keinen Touristen willkommen heissen können, doch die Situation wird hoffentlich besser aussehen als jetzt.
Wir werden das Coronavirus besiegen, zumindest hier in Spanien, doch wir müssen einiges verbessern. In Spanien werden sehr wenige Tests durchgeführt und die Massnahmen wurden zu spät eingeführt. Wir müssen uns auch für eine ökonomische Krise und als Folge davon eine hohe Anzahl an Arbeitslosigkeit vorbereiten. Besonders wichtig ist, dass die Regierung diese gut handhabt, denn die letzte grosse Krise im Jahre 2007 hat Spanien stark getroffen.
Bild: Jon Ruiz