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Der Klimawandel ist bereits unumkehrbar: Selbst wenn wir sämtliche CO2-Emissionen stoppen würden, würde die Erwärmung von Luft und Ozeanen noch mindestens bis zum Jahr 3000 anhalten. Das zeigt die erste umfassende Simulation der Klimafolgen der nächsten 1’000 Jahre. Nach der kürzlich in „Nature Geoscience“ veröffentlichten Studie würden auch die Meeresspiegel trotz Emissions-Stopp um bis zu vier Meter weiter ansteigen.
Wie lange die Trägheit des Klimasystems nach einem Ende der Emissionen für ein Anhalten der Erwärmung sorgen würde, dazu gab es bisher keine Daten oder Prognosen. Jetzt haben Wissenschaftler verschiedener kanadischer Universitäten genau diesen Fall für die nächsten 1’000 Jahre untersucht. „Wir haben ‚was wäre wenn‘-Szenarios erzeugt: Was wäre wenn wir die Nutzung fossiler Brennstoffe komplett stoppen würden und kein CO2 mehr in die Atmosphäre abgeben?“, erklärt Shawn Marshall, Klimaforscher und Professor für Geografie an der Universität von Calgary. „Wie lange würde es dann dauern um die jetzigen Klimawandel-Trends umzukehren?“
Das ernüchternde Ergebnis zeigt, dass selbst wenn wir bereits im letzten Jahr sämtliche Treibhausgas-Emissionen abgestellt hätten, die Meeresspiegel bis zum Jahr 3000 allein durch die thermische Ausdehnung um 23 Zentimeter weiter steigen würden. Hinzu kämen noch Effekte durch Schmelzwasser. Die Erwärmung der Atmosphäre und der atmosphärische CO2-Gehalt würden zwar nicht weiter ansteigen, doch reversibel wären sie innerhalb der nächsten 1’000 Jahre nicht. Noch gravierender wären die Folgen bei einem simulierten Emissionsstopp erst im Jahr 2100, hier sind die meisten Klimafolgen nicht nur anhaltend und unumkehrbar, sondern verstärken sich im Laufe der Zeit sogar noch. Die Meereserwärmung würde einen zusätzlichen Meeresspiegelanstieg von einem Meter verursachen.
Die Forscher erklären in ihrem Artikel, dass verschiedene Regionen ganz unterschiedlich reagieren: Während die Nordhalbkugel sich nach Stopp der Emissionen sogar wieder ein wenig abkühlt, bleibt die Südhalbkugel anhaltend warm. In Nordafrika führt dies zu einer Verschlimmerung der Desertifikation, die 30 Prozent der Landfläche zusätzlich zur Wüste macht. Das Südpolarmeer vor der Antarktis wäre um bis zu 5°C erwärmt und dies würde höchstwahrscheinlich einen Kollaps der westantarktischen Eisschilde und damit einen weiteren Meeresspiegelanstieg nach sich ziehen.
Die jetzt ermittelte große Trägheit des Klimasystems würden im Übrigen auch Geo-Engineering-Maßnahmen relativ nutzlos machen, wie die Forscher betonen: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Geo-Engineering-Aktion mehrere Jahrhunderte lang ineffektiv bleiben würde, aufgrund der langen Verzögerung durch die Erwärmung der tieferen Meeresschichten.“ Ihrer Ansicht nach ist es daher umso wichtiger, nicht bis zum Jahr 2100 zu warten, sondern möglichst frühzeitig die Treibhausgas-Emissionen zu vermindern.
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Bild: Jgremillot/wikimedia