Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03380.jsonl.gz/1669

Vor zehn Jahren fanden Forscher in einem britischen Kühlturm Viren, die etwa so gross wie ein kleines Bakterium waren und ein viel grösseres Erbgut hatten als diese. «Dieser Fund forderte alle Kriterien und Grenzwerte heraus, mit denen man bisher Viren von lebenden Organismen abgrenzte», schreiben Nadège Philippe von der Universität Aix-Marseille und ihre Kollegen im Fachblatt «Science».
Nun hat das Team sogar noch grössere Viren entdeckt: Die als Parasiten von Amöben lebenden Pandoraviren fanden sie in einer Flussmündung in Chile und am Grund eines Süsswasser-Teichs in Australien. Beide Arten sind gut einen Mikrometer, also ein Tausendstel Millimeter gross, ihr Erbgut ist mit 2,8 respektive einer Million Basenpaaren doppelt so gross wie das gängiger Bakterien.
Darin fanden die Wissenschaftler 2500 respektive 1500 Gene - auch das sind doppelt so viele wie bei anderen Mikroben. Noch erstaunlicher: «93 Prozent der Gene dieser Pandoraviren sind völlig fremdartig, sie lassen sich auf keinen bekanntenZellstammbaum zurückführen», schreiben die Forschenden.
Zwar seien bereits vor 13 Jahren Pandoraviren-ähnliche Partikel gefunden, aber nicht als Viren interpretiert worden. Die Forschenden erwarten, dass die Erforschung dieser Viren, die nach gängiger Definition nicht einmal als Lebewesen gelten, «noch einige Überraschungen bereithalten wird».