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Nach der Bronzemedaille an der Juniorenweltmeisterschaft 2018 träumte ich davon, ein Jahr später im italienischen Val di Fossa Gold zu holen. Dass ich es nun tatsächlich geschafft habe, ist fantastisch. Aber eine Selbstverständlichkeit ist es nicht, da es in jedem einzelnen Jahrgang starke Fahrer gibt. Weil mir aber, nach einem eher harzigen Saisonstart, zu Jahresbeginn einige sehr gute Abfahrtsrennen im Europacup gelungen sind – ich denke da an einen dritten Rang in Kitzbühel (21.1.), einen vierten Platz in Chamonix (29.1.) und zwei Top-Ten-Klassierungen in Sarntal (13./14.2.) – wusste ich, dass ich sehr gut in Form bin und ohne groben Fehler sicher eine Medaille erwarten durfte. Einen belastenden Druck spürte ich als einer der Favoriten nicht; ich bin ja von meinem Naturell her eher ein ruhiger Typ.
Die vielen Gratulationen nach dem Sieg haben mich sehr gefreut. Aber erst jetzt, mit ein paar Tagen Abstand, realisiere ich, dass mir etwas Besonderes gelungen ist: Ich bin Juniorenweltmeister. Erst der achte Schweizer, der dies in der Abfahrt in 38 Jahren geschafft hat. Und erst der dritte Berner nach Beat Feuz (2007) und Nils Mani (2013). Beat Feuz macht mir als Vorbild vor, was ein Juniorenweltmeister später alles erreichen kann. Die Karriere meines Kollegen Nils Mani, der insgesamt vier WM-Medaillen erobert hat, verdeutlicht mir, dass Erfolge im Weltcup keine Selbstläufer sind. Die Konkurrenz ist riesig, und die meisten Nachwuchsfahrer müssen Jahr für Jahr Erfahrungen sammeln und auch Rückschläge in Kauf nehmen, bis sie den Sprung an die Weltspitze schaffen.
Für mich geht es nun aber vorerst darum, mir überhaupt erst die Startberechtigung für den Weltcup in der kommenden Saison zu sichern. In der Abfahrt werde ich noch diese Saison erste Erfahrungen sammeln – der Schweizer Skiverband hat mich für die Abfahrt in Kvitfjell in Norwegen aufgeboten; eigentlich war ja meine Premiere bereits für Garmisch vorgesehen, aber dort fielen die Rennen der Witterung zum Opfer.
Im Übrigen weiss ich nun, was ein Dilemma ist: Soll ich Mitte März am Weltcupfinale in Andorra starten, wozu ich nun als Juniorenweltmeister berechtigt bin, oder soll ich in Sella Nevea in Italien die letzte Europacupabfahrt bestreiten? Dort könnte ich vielleicht die Chance nutzen, um vom derzeit fünften Rang in der Disziplinenwertung noch unter die ersten drei vorzustossen und mir damit die Startberechtigung für den kommenden Weltcup sichern. Im Moment geben Herz und Verstand nicht die gleiche Antwort auf diese Frage. Aber ich bin sicher, dass die Trainer und ich die beste Lösung finden werden.
Beim Super G bin ich an der Juniorenweltmeisterschaft auf Rang 5 gefahren. Das ist sicher ein gutes Resultat, aber ich hätte schon gerne eine weitere Medaille geholt. Dieses Rennen, das mir gut, aber längst nicht optimal gelungen ist, widerspiegelt ein bisschen die gesamte Super-G-Saison. In den fünf bestrittenen Europacuprennen klassierte ich mich in den Rängen 12 bis 35. Zwei Top-15-Plätze sind ansprechend, aber ein Podestplatz in der Disziplinenwertung ist natürlich in unerreichbare Ferne gerückt.
Und noch ein drittes Rennen bestritt ich an der Juniorenweltmeisterschaft. In der Kombination landete ich nach einem sehr guten zweiten Platz im Super G im Schlussklassement auf Rang 23. Ich bin definitiv nicht zum Slalomfahrer geboren. Eigentlich ist mir ja ein ansprechender Lauf geglückt; aber der Abstand zu den Spezialisten war eben doch riesig.
Nun freue ich mich auf das Weltcupdebüt in Norwegen und hoffe, dass ich nachher im Europacup in Hinterstober (Au) noch einige gute Rennen fahre; leider stehen dort keine Abfahrten auf dem Programm.
Zuletzt möchte ich allen danken, die mich an mich geglaubt und mich unterstützt haben. Auch wenn ich zuletzt immer allein auf den Skiern stehe, weiss ich, dass ich nur erfolgreich sein kann, wenn ich von vielen Seiten Hilfe erhalte. Daher widme ich meine Goldmedaille meinem Team, zu diesem gehören die Familie und Freunde, die Trainer und Serviceleute, aber auch die Sponsoren und die Fans. Danke für Euren Support.
Lars Rösti