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Prophylaktische Massnahmen, Gastarbeiter
Ausbau auf Allerheiligenberg
Als weitere Errungenschaft des Zweiten Weltkrieges kamen auch neue Techniken, insbesondere die operative Lungenresektion (Entfernung erkrankter Lungenteile), mehr und mehr zur Anwendung. Dies bedingte auch im solothurnischen Sanatorium neue Bauten mit einem Operationssaal: «Seit Februar 1954 sind schon mehrere Operationen (auf Allerheiligenberg) durchgeführt worden. Durch die überall zunehmenden operativen Fälle waren die chirurgischen Zentren in den Kliniken überfüllt, es bestanden lange Wartezeiten, zudem waren die Taxen hoch. Nun können unsere Kranken in der Heilstätte operiert werden, als Chirurg kommt Privatdozent Dr. W. Brunner, Zürich.» Eine ergänzende Methode der TB-Behandlung, die schliesslich nur noch einige Jahre in grösserem Stil Anwendung fand. Mit der zunehmenden Akzeptanz der Medikamente durch Ärzte und Patienten verschoben sich die Probleme der TB-Bekämpfung auch für die Liga.
Schirmbild und BCG-Impfungen
Die prophylaktischen Massnahmen gegen die TB wurden für ihre Tätigkeit zentral. Ein kantonaler Impfdienst und eine Schirmbildzentrale arbeiteten als Organe der Liga im ganzen Kanton. Die Schirmbildaktionen werden immer systematischer durchgeführt, gefährdete Gruppen von Personen auf Grund des kantonalen TB-Gesetzes dazu aufgeboten, ganze Industriebelegschaften untersucht und in Gemeindeaktionen das Schirmbild allen Interessierten angeboten. Die Anzahl der im Kanton jährlich gemachten Schirmbilder erreichte 1962 mit über 50000 Aufnahmen ein Maximum. Davon hatten lange Zeit 10,5% einen krankhaften Befund. Bei Beginn der Beschirmbildung wurden recht häufig behandlungsbedürftige Tuberkulöse gefunden (1962 z.B. 62 Personen). Über die Jahre nahm aber diese Anzahl dann ab. Tuberkulintests, die von Impfungen gefolgt waren, wurden jährlich bei 4000 bis 5000 Kindern (Schulanfänger und -abgänger) und bei einer wechselnden Anzahl Erwachsener durchgeführt. Im Übrigen war die Arbeit der Liga zunehmend von Routine geprägt, die Jahresberichte gleichen sich von Jahr zu Jahr. Die Statistiken über die grosse umsichtige Tätigkeit in der Fürsorge, dem Impfdienst und der Schirmbildzentrale differieren in diesen Jahren nicht erheblich. Interessante Farbtupfer, die auch auf zukünftige Entwicklungen hindeuten, sind auszumachen. So liest man nur am Rande von einem Versuch der Geschäftsleitung, die Fürsorge «der veränderten Aufgabestellung und Kampfmethoden anzupassen. Vor allem drängt sich eine Koordination der Fürsorge auf.» Dieser Versuch muss wohl auf Widerstand gestossen sein, da weiter ausgeführt wird: «Wir haben im Berichtsjahre einen Anfang gemacht, sind aber nicht überall verstanden worden. Die Geschäftsleitung bedauert dies.» Es sollte noch vierzig Jahre dauern, bis diese Koordination in der Fürsorge Tatsache wurde.
Dann wird 1960 erstmals eine Zusammenarbeit mit einer anderen Gesundheitsliga, der Krebsliga, erwähnt: «Das Sekretariat besorgte nebenbei auch die administrativen Arbeiten der kantonalen Krebs-Liga, wofür die Liga entsprechend entschädigt wird.»
Die Tuberkulose bei den Gastarbeitern
In diesen Jahren nahmen die Aufgaben, die die Liga im Zusammenhang mit der Tuberkulose und der Tuberkuloseprophylaxe bei Gastarbeitern hatte, zu. Wir finden dazu in einem Jahresbericht Folgendes: «Gegen 15% unserer Einwohner sind heute Einwanderer. Durch unseren Grenzsanitätsdienst wurden in dieser Zeit (1950–1963) rund 2,8 Millionen Einwanderer mit der Durchleuchtung und dem Schirmbild untersucht und davon 13500 (rund 5%) wegen Tuberkulose zurückgewiesen. Bei den Eingewanderten ist die Tuberkulose-Erkrankungshäufigkeit um 12–15% grösser als bei der einheimischen Bevölkerung.» Weiter erfährt man, dass dem Bund durch ausländische Behörden eine Lockerung dieses Kontrollsystems aufgezwungen wurde. Diese führte dazu, dass dem Kanton und damit der Liga die arbeitsintensive Kontrolle der Verdachtsfälle von TB der Gastarbeiter überlassen wurde.