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(v. griech. museion, »den
Musen
[* 4] gehörig«, lat. Opus musivum, ital. Musaico, franz. Mosaïque, musivische Arbeit), jede Flächenzeichnung oder Flächenmalerei,
welche durch eine Nebeneinanderreihung von festen verschiedenfarbigen Körpern hervorgebracht wird. Wahrscheinlich stammte
die Kunst der aus dem Orient. Ciampini will die ersten Spuren bei den Persern, Abbé Häffelin bei den Ägyptern
gefunden haben. Anfänglich wurde sie nur zur Verzierung der Fußböden benutzt, und zwar begann man mit großen Mustern, welche
aus geometrisch zugeschnittenen Scheiben von Stein oder Marmor gebildet wurden (pavimenta sectilia), die
aber auch später noch in Gebrauch blieben.
Allmählich wurden kleinere Würfel benutzt und die Zeichnung dadurch reichhaltiger, sie blieb aber zunächst auf den Fußboden
beschränkt (pav. tendata, lithostrata), der in Tempeln, Säulengängen, Prachtgemächern immer prunkender wurde und in der
alexandrinischen Zeit selbst figürliche Darstellung nicht verschmähte. Nun wendete man kleinste Stein-
oder Glasflußstifte zur Erreichung feinerer Zeichnung an, behielt jedoch die Bestimmung des Fußbodens im Auge
[* 5] und ahmte im
M. entweder Teppichmuster mit breiten Borten (so in dem durch die französische Expedition ausgegrabenen Mosaikfußboden in der
Vorhalle des Zeustempels zu Olympia, s. auch Tafel »Ornamente
[* 6] I«,
[* 3]
Fig. 45 und 46) oder für Speisezimmer
den Abfall der Mahlzeit nach, den man unter den Tisch zu werfen pflegte.
Mosaiken dieser Art, oikos asarōtos (»ungekehrter Fußboden«) genannt, hatte besonders Sosos von Pergamon
[* 7] in hoher Vollendung
ausgeführt. Ein andres, aus dieser Zeit vermutlich stammendes Motiv schildert das berühmte Taubenmosaik aus Hadrians Villa
bei Rom,
[* 8] jetzt im kapitolinischen Museum, ein auf dem Boden stehendes Wasserbecken, auf dessen Rändern
Tauben
[* 9] sitzen. Erst der alle Grenzen
[* 10] überschreitende Luxus der ersten Kaiserzeit hielt die natürlichen Schranken des Mosaik, welches
Ornament des Estrichs sein soll, nicht mehr ein, überzog mit Mosaik selbst die Wände und Decken und versuchte
sich endlich mit steigendem Erfolg in der Wiedergabe von Gemälden, die schließlich, auf den Boden gelegt, dem Betreten preisgegeben
wurden.
Über das ältere römische Mosaik sind wir nicht unterrichtet, das spätere ist durchweg von griechischen Motiven abhängig und
hat uns verschiedene Gemälde alexandrinischer Zeit in gelungenen Nachbildungen gerettet. Das bedeutendste
ist die 1831 in Pompeji
[* 11] in der Casa di Goethe gefundene Alexanderschlacht (s. d.), eins der herrlichsten Kunstwerke dieser Art,
jetzt im Nationalmuseum zu Neapel.
[* 12] Das umfangreichste Mosaik, welches uns teilweise erhalten ist, befand sich in Präneste (daher
das
¶
Eine besondere Ausbildung erfuhr die Mosaik durch das Christentum schon im Anfang des Mittelalters; dieser Teil der Geschichte der
Mosaik kann als die zweite Periode derselben betrachtet werden, welche vom 5.-12. Jahrh. reicht, da die Mosaik später,
verdrängt durch die Freskomalerei, nur noch in einzelnen Fällen zur Anwendung kam. Die Ausschmückung der Chornischen, Kuppeln
und Seitenwände, auch der Fassaden der Kirchen wurde durch das byzantinische Kaisertum begonnen. Man verwendete meist
farbige Glasstifte dazu und, wie auch bei der eigentlichen byzantinischen Malerei, einen Goldgrund, der ebenfalls mit durchsichtigem
Glasfluß überzogen war, so daß diese Art der Malerei ebenso glänzend wie dauerhaft in der Wirkung war. In diesen musivischen
Malereien lehnte sich die altchristliche Kunst noch entschieden an den antiken Stil an (s. Tafel »Ornamente
II«,
[* 16] Fig. 1-4). Zu den frühsten Werken dieser Art gehören die aus der Zeit Konstantins stammenden Mosaiken an den Gewölben
des Mausoleums der Constantia bei Rom; sie enthalten zwar bacchische Embleme, jedoch in der Weise der christlichen Symbolik, da
der Weinstock auf Christus, als den Herrn im Weinberg, deutet.
Alle diese Mosaiken zeigen noch Anklänge an die Antike, bis sich im 7. Jahrh. der eigentliche byzantinische Stil vollständig
ausbildete, welcher in seiner starren Leblosigkeit und konventionellen Formenbehandlung für die Schöpfungen der Kunst überhaupt
stereotyp wurde. Dahin gehören die Mosaiken in der Altartribüne von Sant' Agnese in Rom (630), in den
Baptisterien des Laterans und in San Pietro in Vincoli. Noch mehr zeigt sich der Verfall in den Mosaiken des 9. Jahrh., z. B.
in den Kirchen von Santa Cecilia und Santa Maria della Navicella zu Rom. Selbst die äußere Arbeit ist schon
sehr roh; die Gestalten sind mit breiten dunkeln Strichen umrahmt,
die Flächen der Figuren eintönig und ohne Schattenangabe.
diente sie zuweilen zur Kopierung von Originalgemälden alter Meister, wie noch in neuerer Zeit das AbendmahlLeonardo da Vincis
auf Veranlassung Napoleons I. in der Größe des Originals in Mosaik nachgebildet wurde. Im 18. Jahrh. entstand sogar in Rom eine
neue Schule Mosaizisten, die bis auf die neueste Zeit insofern wirksam gewesen ist, als sie den modernen
römischen Mosaiken, im Gegensatz zu der mehr industriellen Fabrikmosaik der Florentiner, einen mehr künstlerischen Charakter
bewahrt hat.
Mit der Gründung dieser römischen Schule hebt die vierte Periode der Mosaikmalerei an, welche einen dem der frühern Periode
ganz unähnlichen Charakter angenommen hat. Beide, die heutige römische und die florentinische Mosaik, beschäftigen
sich, außer (in Rom) mit Nachbildung älterer Meisterwerke, nur noch mit kleinern Arbeiten, und zwar die römische mit musivischen
Verzierungen von Schmuckgegenständen, wie Broschen, Halsbändern etc., die florentinische mit Herstellung musivischer Tischplatten,
Thürpfosten, Kamine, Vasen
[* 31] u. dgl. Das technische Verfahren ist ebenfalls bei beiden wesentlich verschieden.
In Rom ist seit längerer Zeit eine offizielle Fabrik im Vatikan
[* 32] errichtet, aus welcher namentlich für Kirchen zahlreiche Werke
hervorgehen. In Venedig gründete Salviati eine große Glasmosaikfabrik, die sich auch mit Nachbildung großer Werke der Malerei
befaßt und bei wesentlich vervollkommter Technik einen großen Aufschwung genommen hat. - Auch in der
arabischen und maurischen Baukunst
[* 33] spielt die eine große Rolle bei der Bekleidung von Wänden und Fußböden durch glasierte
Thonplatten und Ziegel, die zu geometrischen Mustern verbunden wurden (s. Tafel »Ornamente II«,
[* 16] Fig. 7 u. 13).
Bei der mittelalterlichen Mosaik wurden die darzustellenden Gegenstände auf die Putzfläche gemalt
und die Glaspasten an Ort und Stelle fertig eingefügt. Dies Verfahren wird jetzt dadurch ersetzt, daß der Künstler das ganze
Bild in seinem Atelier auf einem horizontalen Boden aus den Pasten zusammensetzt, wobei ein Verbessern fortwährend möglich
ist, und dann mit starkem Papier überklebt. Das auf diese Weise zu einem Ganzen vereinigte Werk wird hierauf
in einzelne Stücke zerschnitten, welche numeriert, verpackt, versendet, am Verwendungsort auf die Rüstung
[* 34] geschafft und dort
ihren Nummern entsprechend in den weichen Mörtel gedrückt werden.
Nach Erhärtung des Mörtels wird das Papier abgeschabt, die störende Helligkeit der weißen Mörtelfugen dadurch gedämpft,
daß die einzelnen Teile in ihrer Hauptfarbe übermalt werden, und dann das Ganze abgewaschen, wobei
die Farbe an dem Mörtel haften bleibt. Von dem Festhalten der Pasten überzeugt man sich durch mäßiges Anschlagen mit dem
Hammer.
[* 35] Das größte derartige seit dem Mittelalter ausgeführte Werk sind die nach zweijähriger Arbeit von Salviati, welchem
man auch die Herstellung der nach A. v. WernersKarton ausgeführten Mosaiken der Berliner
[* 36] Siegessäule verdankt, vollendeten
Mosaiken an der Kuppel des Münsters zu Aachen.
[* 37]
Vgl. B. Bucher, Geschichte der technischen Künste, Bd. 1 (Stuttg. 1876,
mit Litteraturnachweisen);
Gerspach, La mosaïque (Par. 1881).
Die musivische Technik, d. h. das Zusammensetzen von verschiedenfarbigen Plättchen zu dekorativen Mustern, ist auch auf andre
Materialien als Glas
[* 39] und Stein ausgedehnt worden, so besonders auf Holz
[* 40] und Leder. Die Holzmosaik (Marketerie)
hat ihre höchste künstlerische Ausbildung in der Intarsia (s. d.) erfahren (s. Tafel »Ornamente III«,
[* 41] Fig. 14; Tafel IV,
[* 30]
Fig. 14 u.
15). Die Ledermosaik wird vornehmlich von der modernen Buchbinderei und Albumfabrikation geübt.