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| Hieronymus († 420) - Leben des hl. Einsiedlers Hilarion (Vita Hilarii)

37.
Aus Besorgnis, es möchten Kaufleute aus dem Morgenlande kommen und bezüglich seiner Person den Schleier lüften, zog er sich landeinwärts zurück, ungefähr zwanzig Meilen vom Meere entfernt. Dort band er täglich auf einem einsamen Gütchen ein Bündel Holz zusammen und bürdete es seinem Schüler auf. In einem benachbarten Landhause wurde es veräußert, und dann kauften sie für sich und etwaige Gäste ein wenig Brot zur Nahrung. Doch nach dem Worte der Schrift kann eine auf dem Berge liegende Stadt nicht verborgen bleiben1. Ein Skutarier2 wurde in der Basilika des hl. Petrus zu Rom3 vom Teufel gequält und der böse Geist in ihm rief aus: „Vor wenigen Tagen hat Hilarion, der Diener Christi, Siziliens Boden betreten. Niemand kennt ihn, er wähnt sich in Verborgenheit, aber ich will hingehen und ihn verraten." Sofort bestieg er mit seinen Dienern im Hafen ein Schiff und landete zu Pachynum. Kaum hatte er sich vor der Zelle des Greises, zu welcher er von dem bösen Geiste geführt worden war, zu Boden geworfen, als er sich [S. 65] auch schon geheilt sah. Dies war sein erstes Wunder4 in Sizilien, welches zur Folge hatte, daß eine ungezählte Menge von Kranken und gottesfürchtigen Menschen ihn aufsuchte. Unter ihnen befand sich auch ein angesehener Mann, der an Wassersucht litt; er genaß am Tage seiner Ankunft. Als er später reichliche Geschenke anbot, bekam er das Wort zu hören, welches der Erlöser an seine Jünger gerichtet hatte: „Was ihr umsonst empfangen habt, sollt ihr auch umsonst geben"5.
1: Matth. 5, 14.
2: Scutarii waren nach Ammianus Marcellinus in der späteren Kaiserzeit eine Art mit Schilden bewaffnete Leibgarde.
3: Es ist eine von Constantin erbaute fünfschiffige Basilika, die Vorgängerin der jetzigen Peterskirche. Vgl. Grisar, Geschichte Roms und der Päpste im Mittelalter. I, 238 f. Freiburg 1901.
4: Joh. 2, 11.
5: Matth. 10, 8.