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- Familie: Coenagrionidae – Schlanklibellen
- Gattung: Erythromma – Granataugen
- Art: Erythromma najas (Hansemann, 1823)
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- DE: Grosses Granatauge
- FR: Naïade aux yeux rouges
- IT: Ninfa dagli occhi rossi, Occhirossi maggiore
- EN: Large Redeye, Red-eyed Damselfly
Wissenswertes
Die Männchen von Erythromma najas sind im Frühling häufig auf See- oder Teichrosenblättern sitzend zu beobachten. Sie kommt häufig an den selben Gewässern wie ihre Schwesterart Erythromma viridulum vor, erscheint aber rund einen Monat früher und wird je nach thermischen Bedingungen im Juni oder Juli ziemlich plötzlich von dieser abgelöst.
MerkmaleGesamtlänge: 30-36 mm
Gesamthaft sehr dunkle Kleinlibelle mit deutlich roten Augen. Abgesehen davon sind Männchen und Weibchen sehr unterschiedlich gefärbt.
Männchen
Augen leuchtend rot, Postokularflecken und Antehumeralstreifen fehlend. S2-S8 komplett schwarz ohne blaue Seiten, im Alter ins Gräuliche verblassend, was das ganze Tier auf Distanz je nach Lichteinfall hell erscheinen lässt. S9-S10 bilden ein vollständiges blaues Schlusslicht, welches von der Seite betrachtet klar und gerade gegen S8 abgegrenzt ist.
Weibchen
Oberseite fast vollständig schwarz, Unterseite gelb, später grünlich. Augen braun-rötlich, Postokularflecken abwesend oder zu Schlitzen reduziert. Antehumeralstreifen nicht vollständig, Pronotum-Hinterrand mit mittigem Lappen (dreilappig).
Jungtiere
Junge Männchen sind weibchenfarbig gelblich mit Schlusslicht, Farben blass. Junge Weibchen können auch bronzefarbig erscheinen (Achtung: Verwechslung mit Lestes spp.).
Belegfoto
M: Sicht auf Thorax-Oberseite. / Sicht auf Abdomen-Seite (besonders S8-S10).
W: Sicht auf Thorax-Oberseite.
Verbreitung
Erythromma najas ist in den mittleren Breitengraden Europas weit verbreitet. Die nördliche Grenze läuft von Mittelengland bis zum Polarkreis in Skandinavien und Russland. Im Süden ist sie seltener und kommt im Mittelmeerraum nur verstreut vor.
Die meisten Vorkommen bei uns liegen in der Nordostschweiz und im westlichen Mittelland. In den Alpen und im Wallis gibt es nur wenige Beobachtungen. Populationen aus der Magadino-Ebene wurden nicht mehr bestätigt. Die meisten Vorkommen liegen auf 300-500 m (höchster Fund: 1200 m).
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Anfang Mai bis Anfang Juli (schlüpft ca. 1 Monat früher als Erythromma viridulum).
Flugzeit: Mitte Mai bis Mitte August (Hauptflugzeit bis Ende Juni).
Lebensraum
Erythromma najas kommt nur an Gewässern mit Schwimmblattvegetation vor. Bevorzugt werden grössere Stillgewässer mit offenen Wasserflächen und gut besonnten Schwimmblattfluren, seltener auch ehemalige Torfstiche, Grubengewässer und langsam fliessende Fliessgewässer. Die Art kommt häufig zusammen mit Fischen vor.
Lebensweise Imagines
Während der Reifungszeit halten sich die Tiere in unmittelbarer Umgebung des Fortpflanzungsgewässers auf (Wiesen, Gebüsch, Wälder).
Um fortpflanzungsbereite Männchen zu entdecken, lohnt es sich, Schwimm- und Tauchblattpflanzen, Sprossspitzen oder Algenwatten abzusuchen. Hier besetzen sie Sitzwarten und verteidigen die unmittelbare Umgebung gegen Rivalen. Ihr Flug ist geradlinig und tief über der Wasseroberfläche. Weibchen halten sich meist im Landlebensraum und Uferbereich auf und kommen nur für die Paarung ans Gewässer. Die Paarung findet auf Schwimmblättern oder bei starker Strömung in der Ufervegetation statt.
Die Eiablage beginnt im Tandem und findet meist unter Wasser statt. Das Weibchen sticht dabei die Eier in Zickzack-Linienform in Wasserpflanzensprosse ein. Dabei kann es bis 80 cm tief tauchen und über eine Stunde unter Wasser bleiben.
Schlupfsubstrate sind Schwimmblätter sowie aus dem Wasser ragende Pflanzen.
Lebensweise Larven
Erythromma najas überwintert im Larvenstadium, die Entwicklung dauert 1 Jahr. Die Larven leben in der Unterwasservegetation, im Winter befinden sie sich zwischen zersetzten Pflanzenteilen auf dem Gewässergrund.
Gefährdung und Schutz
Erythromma najas ist in der Schweiz und gesamteuropäisch nicht gefährdet (LC). Lokale Gefährdungsursachen sind zu hoher Fischbesatz (insbesondere mit Graskarpfen), Entfernen von Wasserpflanzen und Ablassen von Teichen.
Zur Förderung sollen Wasserpflanzen geschützt, verlandete Gewässer sorgfältig geräumt und beschattende Uferpflanzen entfernt werden. Zudem hilft die Erstellung neuer grösserer Weiher und Teiche.
- Rote Liste: LC - Nicht gefährdet
- Nationale Priorität: Keine
- NHV: -
Ähnliche Arten
Besonders ähnlich in Habitatpräferenz, Verhalten und Aussehen ist Erythromma viridulum. Obschon Erythromma lindenii in die gleiche Gattung eingeteilt ist, weist sie kaum offensichtliche Gemeinsamkeiten auf. Dagegen können Männchen und Weibchen der beiden Pechlibellen (Gattung Ischnura) leicht mit Erythromma najas verwechselt werden. Die weitgehend schwarz gefärbten Weibchen haben Ähnlichkeiten mit vielen dunklen Formen weiblicher Kleinlibellen und müssen für eine sichere Bestimmung genau betrachtet werden.
Erythromma viridulum – Kleines Granatauge
Erscheint etwa einen Monat später am Gewässer und ist häufig etwas kleiner.
M: S10 mit schwarzer X-Zeichnung, das blaue Schlusslicht zieht sich seitlich als Keil auf S8 weiter. S2-S3 mit seitlicher blau-Zeichnung. Antehumeralstreifen komplett oder unterbrochen (nie fehlend). Fliegt hektischer und in Zickzack-Linien, beim Sitzen auf Seerosenblättern oft mit aufwärts gebogenem Abdomen.
W: Antehumeralstreifen komplett, Pronotum-Hinterrand ohne Lappen.
Ischnura spp. – Pechlibellen
Ebenfalls sehr dunkle Kleinlibellen, halten sich aber selten über dem offenen Wasser, sondern eher in der Ufervegetation auf. Stets mit runden Postokularflecken.
M: Augen nie leuchtend rot. Blaues Schlusslicht nicht endständig, S10 immer schwarz. Vorderflügel mit zweifarbigem Pterostigma.
W: Pterostigmen hell und rautenförmig.
Erythromma lindenii – Pokaljungfer
Ebenfalls oft weit vom Ufer entfernt über dem Wasser fliegend, allerdings häufiger an langsam fliessenden Flüssen.
M: Augen leuchtend blau (nie rot), Abdomen grösstenteils blau.
W: Dreifarbige Grundfärbung (gelblich-blau-grünlich), breite Antehumeralstreifen.
Coenagrion spp. und Enallagma cyathigerum – Azurjungfern und Gemeine Becherjungfer
W: Postokularflecken voll ausgebildet, Antehumeralstreifen komplett.