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Man hätte sich gewünscht, nach der Abschiebung von Novak Djokovic aus Australien würden sich alle Beteiligten um versöhnliche Töne bemühen. Schliesslich haben alle Fehler begangen: Novak Djokovic, der sich nicht gegen das Coronavirus hat impfen lassen, obwohl das für die Einreise nach Australien Voraussetzung ist. Der Veranstalter der Australian Open, der zwei Schreiben des Bundesstaats Victoria vom November ignoriert hat. In diesen wurde darauf hingewiesen, dass eine kürzlich erfolgte Infektion, die Djokovic geltend gemacht hatte, nicht von der Impfpflicht befreit. Tennis Australia hat diese Information nicht an Djokovic weitergegeben.
Eine schlechte Figur machte auch die australische Justiz. Zunächst musste sie den ersten Visumsentzug, der auf Grundlage der fehlenden Impfung ausgesprochen worden war, als verfahrens- und rechtswidrig taxieren, weil Djokovic bei der Einvernahme am Flughafen von Melbourne in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar zu wenig Zeit eingeräumt worden war, um seine Berater zu konsultieren und weitere Unterlagen nachzureichen.
Zuletzt rückte eine Eigenheit der australischen Rechtsprechung in den Fokus der Öffentlichkeit, die in vielen Ländern der Welt auf Unverständnis stösst. Denn der Einwanderungsminister Alex Hawke, ein Politiker, verfügt über ein persönliches Recht, ein Visum zu entziehen und sich damit über die Justiz hinwegzusetzen. Nach Ausübung der Discretionary Power gilt nicht mehr die Unschuldsvermutung, sondern der Grundsatz: Schuldig bis zum Beweis der Unschuld. Das erreichten Djokovics Anwälte vor einem Gremium aus drei Richtern nicht. Der Tennisspieler wurde abgeschoben.
Dabei ging es im zweiten Prozess vom Sonntag gar nicht mehr darum, dass Djokovic als Ungeimpfter gar nie ein Visum hätte erhalten dürfen. Sondern es ging unbestritten auch um politische Überlegungen. Das Bundesgericht sah es als erwiesen an, dass Djokovic als Impfgegner betrachtet werde und seine Anwesenheit in Australien ihn zur «Ikone für Impfgegner» mache. Die Regierung argumentierte, eine gegenüber der Impfung kritische Haltung werde dadurch verstärkt und es drohten soziale Unruhen.
Während des Prozesses stützten sich beide Parteien auf absurd anmutende Argumente ab. Die Anwälte des Tennisspielers legten den Screenshot einer Online-Umfrage vor, der beweisen sollte, Djokovic sei in Australien sehr wohl willkommen. Und der Regierungsanwalt verwies darauf, besonders in Serbien geniesse Djokovic grosses Ansehen. Dort sei nicht einmal die Hälfte der Menschen geimpft. Er erweckte damit den Eindruck, man könnte Djokovic für diesen Umstand in die Verantwortung ziehen.
Serbiens Präsident, Aleksandar Vucic, bezichtigte Australiens Politiker der Lüge und formulierte (wie zuvor Djokovics Mutter Dijana) den Verdacht, der 34-Jährige sei im Park Hotel auch gefoltert worden, als er sagte: «Warum misshandeln Sie nicht nur ihn, sondern seine Familie und eine ganze freiheitliche und stolze Nation? Brauchen Sie das, um Wahlen zu gewinnen?» Dass Djokovic gefoltert worden sein soll, verwies Vucics australisches Pendant, Scott Morrison, umgehend ins Reich der Fabel.
Auch Milorad Dodik, der Präsident der Serben in Bosnien-Herzegowina, bediente die von Vucic lancierte Kriegsrhetorik und stellte Djokovic und Serbien als Opfer dar. Speziell für die bosnischen Serben sei Djokovic «viel mehr als ein Sportler». Die Serben seien «unendlich stolz» auf dessen Verhalten und überzeugt, «dass nur ein Serbe so weit gehen konnte», so Dodik in einem offenen Brief an den Sportler. «Du hast wieder einmal gezeigt, dass Du zu den besten Söhnen gehörst, die dieses Volk über die Jahrhunderte hervorgebracht hat», schrieb Dodik voller Pathos.
Statt ins spanische Marbella zu reisen, wo er vor etwas mehr als einem Jahr eine Zehn-Millionen-Villa gekauft hat und wo er inzwischen wohl am meisten Zeit verbringt, wenn er nicht bei Turnieren weilt, flog Djokovic über Dubai nach Belgrad, wo er am Montagmittag frenetisch empfangen worden ist. Bereits am Samstagabend wurde Djokovics Spitzname «Nole» zusammen mit der serbischen Flagge auf den 168 Meter hohen Belgrad Tower projiziert. Mit der Botschaft: «Du bist der Stolz Serbiens.»
Djokovic hat angekündigt, sich erst nach den Australian Open wieder zur Angelegenheit zu äussern. Doch ihm droht weiteres Ungemach. Denn, wie am Montag bekannt wurde, müssen bei den French Open (22. Mai bis 5. Juni) offenbar doch alle Spieler vollständig geimpft sein. Sollte Djokovic das weiter ablehnen, könnte er auch seinen Titel in Paris nicht verteidigen.
Gut möglich, dass er bis dann auch seinen Status als Nummer 1 der Weltrangliste verlieren wird. Der Russe Daniil Medwedew und der Deutsche Alexander Zverev haben die Möglichkeit, Djokovic mit einem Sieg bei den Australian Open von der Spitze zu verdrängen.
Siege gegen die Grossen – und dazu zählt ja Weltmeister Kanada – hatten in den letzten Jahren ein ähnliches Grundmuster: Die Hockey-Götter waren mit uns. Wir kassierten kaum Strafen und die Torhüter hexten. Kurzum: Wir spielten unser bestes Hockey. Hockey im Sonntagsanzug inklusive Krawatte und Boschettli.