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Wenn das Zahnfleisch schwindet (=Zahnfleischschwund oder Zahnfleischrückgang), blutet, schmerzt oder geschwollen ist, kann das verschiedene Ursachen haben. Beim Zahnfleischschwund unterscheidet man grundsätzlich zwischen entzündlichen und nicht entzündlichen Formen, also zwischen einer Rezession und einer Parodontitis. Es gibt auch verschiedene Formen von überschiessender Neubildung von Zahnfleisch (=Hyperplasie).
Eine Zahnfleischoperation ist immer nur als letzte Massnahme in Erwägung zu ziehen, wenn alle konservativen (also nicht chirurgischen) Behandlungen ausgeschöpft sind. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem Zahnfleischaufbau bei Rezessionen (z.B. Zahnfleischtransplantation) und den verschiedenen OP-Techniken zur Behandlung einer Parodontitis. Sämtliche Operationen können absolut schmerzfrei in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Die entsprechenden Eingriffe sollten aber nur von Spezialisten durchgeführt werden.
Rezession
Bei einer Zahnfleischrezession handelt es sich um einen nicht entzündlichen Rückgang des Zahnfleisches. Die Ursachen für diesen Schwund liegen häufig in einer falschen Putztechnik, bei der das Zahnfleisch über viele Monate und Jahre „weggeputzt“ wird. Aber auch bestimmte Zahnbewegungen bei einer kieferorthopädischen Behandlung können Rezessionen begünstigen (typischerweise bei Frontzähnen im Unterkiefer). Manchmal ist auch ein Lippenbändchen, das einen starken Zug auf das Zahnfleisch ausübt, dafür verantwortlich.
Die Folgen einer Rezession können unterschiedlich sein und sind nicht immer gleich stark ausgeprägt. Grundsätzlich besteht bei einer nicht entzündlichen Rezession keine Gefahr, dass der betroffene Zahn verloren geht. Die Angst vor einem Zahnverlust ist somit unbegründet und stellt für sich genommen keinen Grund für eine Zahnfleisch-OP dar. Eine Rezession kann insbesondere bei den Frontzähnen im Oberkiefer jedoch die Ästhetik beeinträchtigen. Auch sensible Zahnhälse können eine Beeinträchtigung darstellen und als sehr unangenehm empfunden werden. Zudem besteht bei freiliegenden Wurzeloberflächen die Gefahr von Wurzelkaries, weil das freiliegende Zahnbein (Wurzeldentin) nicht so hart und widerstandsfähig ist wie der Zahnschmelz. In solchen Situationen kann ein Zahnfleischaufbau sinnvoll sein, wobei die Indikation für eine Zahnfleischoperation immer individuell zu stellen ist.
Bevor die Deckung einer Rezession überhaupt in Erwägung gezogen wird, muss unbedingt die Ursache abgeklärt werden. Die Elimination des auslösenden Faktors stellt die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung im Sinne eines Gesamtkonzeptes dar. Am einfachsten sind Rezessionen zu behandeln, die durch ein Lippenbändchen verursacht werden. Nach Durchtrennung und teilweiser Entfernung bzw. Versetzung des Lippenbändchens kommt es oft schon von selbst zu einer Erholung, sodass kein weiterer Eingriff mehr erforderlich ist. Häufiger entstehen Rezessionen jedoch durch eine falsche Putztechnik. Deshalb steht in diesen Fällen das Erlernen einer korrekten Putztechnik mit weicher Zahnbürste an erster Stelle. Erst danach kann eine Zahnfleischoperation erwogen werden.
Für eine Rezessionsdeckung stehen verschiedene OP-Techniken zur Verfügung. Typischerweise kommen unterschiedliche Arten von Verschiebelappen zum Einsatz, wie z.B. der sogenannte koronale Verschiebelappen. Dabei wird das Zahnfleisch nach entsprechender Präparation über die freiliegende Wurzeloberfläche in Richtung Zahnkrone gezogen und mit Nähten fixiert. Idealerweise wird zusätzlich noch ein Bindegewebstransplantat aus der Tiefe der Gaumenschleimhaut „untergelegt“, um ein stabileres Resultat zu erzielen.
In bestimmten Situationen ist zu wenig festes Zahnfleisch vorhanden. Wenn man sich vor einem Spiegel an der Unterlippe zieht, sieht man wie die rötliche Mundschleimhaut dem Zug an der Lippe folgt. Im Gegensatz zu dieser beweglichen Mundschleimhaut (Mukosa) ist das hellrosa erscheinende Zahnfleisch (Gingiva) nicht beweglich, weil es am Kieferknochen angewachsen ist. Wenn man an der Lippe zieht, kann man deshalb die Grenze zwischen der beweglichen Mundschleimhaut und dem befestigten Zahnfleisch sehr gut erkennen. Wenn bei einem Zahn mit einer Rezession nicht zumindest 1-2 mm befestigtes Zahnfleisch vorhanden sind, sollte zunächst ein Zahnfleischtransplantat von der Oberfläche der Gaumenschleimhaut an die entsprechende Stelle verpflanzt werden. Erst danach kann gegebenenfalls eine Rezessionsdeckung erfolgen.
Parodontitis
Die Parodontitis, umgangssprachlich oft fälschlicherweise als „Parodontose“ bezeichnet, wird in erster Linie durch bakteriell besiedelte Zahnbeläge („Plaque“) verursacht, wobei es eine Vielzahl von Bakterien gibt, die eine derartige Entzündung auslösen. In den allermeisten Fällen stellt eine unzureichende bzw. falsch durchgeführte Mundhygiene den Hauptfaktor für die Ausbreitung der Bakterien dar. Aber auch genetische und hormonelle Faktoren, Rauchen, falsche Ernährung sowie ein schlecht eingestellter Diabetes (Zuckerkrankheit) spielen eine wichtige Rolle.
Die Folgen einer Parodontitis umfassen einen fortschreitenden Knochenabbau mit Ausbildung von Zahntaschen sowie Zahnfleischschwund, häufiges Zahnfleischbluten (v.a. beim Zähneputzen) und eine zunehmende Beweglichkeit der betroffenen Zähne. Da die Erkrankung in vielen Fällen nicht mit Schmerzen einhergeht, wird eine Parodontitis bei Patienten, die nicht regelmässig zur Kontrolle und Mundhygiene bei Ihrem Zahnarzt gehen, oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt.
Auch durch eine Therapie der Parodontitis wird das Zahnfleisch schrumpfen, was aus medizinischer Sicht durchaus erwünscht ist, weil es dadurch zu einer Verringerung der Tiefe von Zahnfleischtaschen kommt. Aus ästhetischer Sicht stellt dieser Zahnfleischschwund aber oft ein Problem dar, weil die Zähne länger erscheinen und die dunklen Stellen zwischen den Zähnen („black triangles“) meist als störend empfunden werden.
Chirurgische Parodontitistherapie
Die wichtigste Grundlage für die erfolgreiche Behandlung einer Parodontitis stellen die professionelle Zahnreinigung in der Praxis und die tägliche Mundhygiene zu Hause dar. Erst wenn alle konservativen (=nichtchirurgischen) Massnahmen über mehrere Wochen bzw. Monate konsequent durchgeführt wurden und ausgeschöpft sind, wird eine chirurgische Therapie der Parodontitis in Erwägung gezogen.
Die einfachste Form der chirurgischen Parodontitistherapie stellt das „Open Flap Debridement“ dar, bei der – nachdem das Zahnfleisch von den Zähnen und vom Knochen abgelöst wurde – unter Sicht die tiefen Taschen gereinigt werden. Zudem können dann diese tiefen Stellen mit antibakteriellen Substanzen gespült werden. Da bei einer Parodontitis immer der Knochen abgebaut ist, kann es sinnvoll oder notwendig sein, das Niveau des Zahnfleischansatzes in Richtung Wurzel zu verschieben. Bei dieser als „apikaler Verschiebelappen“ bezeichneten Technik wird das Zahnfleisch nicht mehr an der gleichen Stelle angenäht, an der es abgelöst wurde. Durch diese Positionierung in Richtung Wurzelspitze werden kritische Bereiche für die tägliche Mundhygiene zugänglich gemacht und die Tiefe von Zahntaschen wird reduziert.
Es kann aber auch versucht werden, den verlorenen Knochen wiederaufzubauen. Diese sogenannten „regenerativen“ Methoden kommen jedoch nur bei bestimmten Arten des Knochenabbaus in Frage (sog. vertikale Defekte), während sie bei anderen Formen (sog. horizontaler Knochenabbau) nicht erfolgversprechend sind. Die unterschiedlichen OP-Techniken können – je nach Art der Operation – unter den Begriffen „gesteuerte Geweberegeneration“ (auf Englisch: GTR=Guided Tissue Regeneration) bzw. „gesteuerte Knochenregeneration“ (auf Englisch: GBR=Guided Bone Regeneration) zusammengefasst werden. Gerne zeige ich Ihnen die unterschiedlichen Defektarten direkt bei einem Beratungsgespräch auf dem Röntgenbild. Im Rahmen einer ausführlichen Beratung kann dann geklärt werden, welche Methoden in Ihrer individuellen Situation in Frage kommen und erfolgversprechend sind.
Gummy Smile
Beim sogenannten „Gummy Smile“ oder „Zahnfleischlächeln“ ist im Oberkiefer beim Lachen viel Zahnfleisch sichtbar. Entsprechend dem gängigen Schönheitsideal wird ein Lächeln als schön empfunden, wenn die Oberlippe die Oberkieferzähne etwas überdeckt, sodass kein Zahnfleisch sichtbar ist. Das „Zahnfleischlächeln“ stellt zwar kein medizinisches Problem dar, entspricht aber nicht diesem Schönheitsideal und kann deshalb ästhetisch als störend empfunden werden. Je nach individueller Situation kommt zur Korrektur des Gummy Smile eine chirurgische Kronenverlängerung oder eine Lippenreposition (auf Englisch: Lip Repositioning) in Frage. In bestimmten Fällen kommt auch eine chirurgische Versetzung des Oberkieferknochens in Frage, wobei es sich hier um eine grössere Operation handelt, die meist im Krankenhaus durchgeführt wird.
Gingivektomie
Bei der Gingivektomie wird überschüssiges Zahnfleisch (Gingivahyperplasie) entfernt, das sich durch Einnahme bestimmter Medikamente gegen Epilepsie, Herzerkrankungen (z.B. Phenytoin, Amlodipin) oder eine immunsuppressive Therapie mit Cyclosporin bilden kann. Nicht nur vor, sondern auch nach der chirurgischen Zahnfleischabtragung ist eine gute Mundhygiene sehr wichtig, weil dadurch das Risiko des Wiederauftretens deutlich verringert werden kann.