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Kastlanei Lötschen - Niedergesteln
Das Wallis um 1350
Das Wallis war aufgeteilt in bischöfliche Gebiete (hellblau), savoyische Gebiete (rosa), Gebiete der Abtei von Saint-Maurice (hellgrün) und Gebiete der Freiherren von Turn, welche sich in den Kanton Bern ausdehnten.
Streit um das Erbe Antons von Turn
Nach der Vertreibung der Herren von Turn im Jahre 1376 entbrannte ein Streit um ihr Erbe. Bischof Eduard hatte die Herrschaft Gesteln vom Herzog von Savoyen gekauft, dieser zuvor von Anton von Turn. Die Patrioten meinten, sie hätten dieselbe mit ihrem Blut bezahlt. Sie liessen es nicht gelten, dass der Bischof 1377 die Lötscher und Gestler als freie Landsleute angenommen hatte.
Ab dem Jahr 1426 wurden die Einkünfte aus den Gebieten der von Turn zwischen Bischof Andreas von Gualdo und den fünf oberen Zenden aufgeteilt.
1430 Einrichtung der Kastlanei
Die fünf oberen Zenden fanden sich mit dem Verlust von Gesteln-Lötschen nicht ab. Sie versuchten in der Folge immer wieder, dem Bischof die Herrschaft über die ehemaligen Besitzungen der Familie von Turn zu entreissen.
Im Jahr 1430 erreichten die fünf oberen Zenden auf dem Verhandlungsweg die Macht. Gesteln, Eischoll und Lötschen kamen unter die Verwaltung der fünf oberen Zenden. Sie setzten einen Kastlan ein und behandelten die „befreiten“ Leute als Untertanen. Ähnliches erlebten später (1475) die Unterwalliser.
Fortan ritt also jeder neue Kastlan in die Herrschaft ein und nahm den Lehenseid entgegen. Zwar durfte die Kastlanei 1448 wie die andern Zendendrittel Mörel und Raron eine Militärfahne führen, zwar sass zur Schinerzeit Christian Plast von Kippel im Landrat; doch nach dem „Trinkelstierkrieg“ 1550 wurde den Untertanen die Schuld am unblutigen Bauernaufstand zugeschoben und alle Sonderrechte wurden ihnen weggenommen.
Im 17. Jh. durfte sich das Untertanen-Drittel des Zenden Raron, vor allem auf Initiative des östlichen Drittels Mörel, an Wahlen beteiligen.
1663 wurde Melchior Werlen aus Ferden der erste Bannerherr von Raron, der aus dem unteren Drittel (Lötschen – Niedergesteln) stammte.
Häufig wurden die Leute des Priorats zur Ausbesserung der Landstrasse verpflichtet.
1790 Loskauf
Das Untertanen-Verhältnis blieb im Wesentlichen bis zum Loskauf 1790 bestehen. Einige Jahre später, beim Einmarsch der Franzosen, hätte man die Freiheit einfacher und billiger erhalten können.