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Frühkindliche Reflexe (Primitivreflexe)
"Frühkindliche Reflexe sind automatische, stereotype Bewegungen, die vom Gehirnstamm gelenkt und ohne Beteiligung des Kortex ausgeführt werden."
(Sally Goddard Blythe, Greifen und Begreifen)
Jedes Kind kommt mit einer Reihe an frühkindlichen Reflexen zur Welt. Diese unterstützen den Geburtsprozess und sichern das Überleben danach. Je nach Reflex, unterscheiden sich die Reizauslöser. Es können Kopfbewegungen, laute Geräusche, Gerüche, Lageveränderungen oder Berührungen einen Reflex auslösen. Das heisst, eine nicht steuer- oder kontrollierbare Bewegung. Jeder dieser Reflexe dient der Hirnreifung, dem Aufbau des Muskeltonuses und als Basis für spätere Fertigkeiten, welche bewusst ausgeführt werden. Die ersten frühkindlichen Reflexe beginnen sich, neben den intrauterinen Reflexe bereits ab der 9. Schwangerschaftswoche zu entwickeln und sind bei der Geburt (40. Woche) voll ausgebildet. Während den nächsten ca. 6 - 12 Lebensmonaten sollten sie nun langsam gehemmt werden und in steuerbare und kontrollierte Bewegungsmuster übergehen. Die Grob-und Feinmotorik, die Hör- und Sehverarbeitung und das taktile System werden nun so miteinander verschaltet und verknüpft, dass dem Kind die notwendigen Fertigkeiten zum Lesen, Schreiben und Rechnen, zur Verarbeitung von Sprache aber auch für das Gleichgewicht und die Haltungskontrolle zur Verfügung stehen.
Durch eine gesundheitlich oder emotional belastete Schwangerschaft, einen schwierigen Geburtsverlauf mit eventuellen Komplikationen und/oder Krankheiten des Säuglings, kann es dazu kommen, dass einige der frühkindlichen Reflexe nicht genügend ausreifen oder nur teilweise oder gar nicht gehemmt werden. Da jeder Reflex die Aufgabe hat eine spätere Funktionen vorzubereiten, kann das Persistieren/Andauern von mehreren frühkindlichen Reflexen zu verschiedensten Lern- und Verhaltensauffälligkeiten (z.B Legasthenie, Dyskalkulie, ADS/ADHS etc.) führen. Das Kind kann trotz guter Intelligenz sein Potenzial nur bedingt entfalten, da ein Grossteil der Energie in Kompensationsstrategien investiert werden muss. Beeinträchtigt wird zudem auch die optimale Entwicklung der Halte- und Stellreaktionen, welche lebenslang erhalten bleiben und für die Balance, Haltung und Stabilität notwendig sind und kontrollierte Augenbewegungen unterstützen.
"Menschen unter Einfluss persistierender Primitivreflexe mangelt es nicht an Kraft und Energie, aber an der Kontrolle, Steuerung und Dosierung von Kraft und Energie."
(Temple Fay)