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Weggis, Hotel Albana
(Auszug aus dem Inventar der Hotel- und Tourismusbauten in Kanton Luzern [IHT], erstellt von Dr. Roland Flückiger-Seiler, Architekturhistoriker, Bern, im Auftrag der Denkmalpflege des Kantons Luzern)
Baugeschichte
1878/80 oder 1881 oder 1884 (?)
1884
1890 oder 1905 (?)
1919 (?)
(1893-) 1895 (-1896)
1898 (1899)
Bau des sogenannten Chalets an Stelle einer Scheune (östlicher Bau, später mit Passerelle verbunden). Genannt werden auch ein neuer Holzschuppen und ein Eishaus.
vor 1910
24. Oktober 1910
1911
1911/12
Aufstockung der Dépendance (18 zusätzliche Betten). Verbindungspasserelle zum Hauptgebäude.
1912
1913/14
1919
um 1920
1925 - 1929
1927
1935
1940
1946
1947
1951
1951/52
1956
Zusammenlegung des "Salon à fumer" und des Billard-Salons (mit original MORGENTAL Carambole-Tisch) zum Murano-Salon.
1957-1967
1961/62
1966/67
1969/70
Erstellung eines Mitteltrakts zwischen Haupt- und Annexbau (vier neue Doppelzimmer). Architekten Fritz Schilliger und Nicola Famos-Schilliger, Luzern.
1976
1977
1980/81
1984
1986
1990
1991
1991/92
1992/93
1993
1993/94
1994/95
Reinigung der Decke im Spiegelsaal und der Friese im Kleinen Saal (Restaurator Otto Dürmüller, Horw. Ausführung W. Greter, Udligenswil).
1995
1996
1997
Restaurierung der Stühle "Horgen-Glarus" von 1965/69.
1998
2000
Restaurierung von Eingangshalle, Réception, Treppenhaus. Fassaden-Neuanstrich. Restaurierung des Murano-Salons und Einbau des Murano-Leuchters "Classico" von ca. 1880.
2002
2003
März 2004
2005
Zukunft
Es ist das erklärte Ziel, den ganzen Bau der "Villa Köhler" in seiner Originalform möglichst authentisch zu restaurieren und Mitglied von Swiss Historic Hotels zu werden (www.swiss-historic-hotels.com und www.historichotelsofeurope.com).
Folgende Institutionen haben bis jetzt ihre Unterstützung zugesagt:
- Denkmalpflege Kanton Luzern
- ICOMOS Schweiz
- Zusammenarbeit mit Stadt Dresden
Beschreibung
Das Hotel Albana entstand im ausgehenden 19. Jahrhundert am erhöhter Lage über dem Vierwaldstättersee, zwischen dem Ober- und dem Unterdorf von Weggis. Die aus mehreren Gebäuden bestehende Hotelanlage in einer grösseren Parkanlage geht auf die Initiative des sächsischen Fabrikanten Carl Gottlieb Köhler (1839-1907) zurück, der als Besitzer einer Brauerei und einer Kupferfabrik in Freiberg (Sachsen) zur wohlhabenden Oberschicht der damaligen Zeit gehörte.
In einer ersten Phase hatte Köhler gegen 1880 im sogenannten "Thalacher" Land gekauft und dort mehrere Gebäude erbauen lassen. Um 1880 entstand die "Pension Belvedere", ein Gebäude in italianisierender Neorenaissance mit asymmetrisch zusammengesetzten Baukörpern. Von diesem in der Weggiser Architekturlandschaft einmaligen Gebäude sind weder der entwerfende Architekt noch das genaue Baujahr bekannt. Nur wenig später (1884) erstellte der erfolgreiche Hotelier mit der "Villa Köhler" unmittelbar östlich davon eine weitere Pension, ein Gebäude in romantisierender Holzfachwerk-Backstein-Architektur mit bewegter Dachlandschaft und markantem Eckturm. Auf zeitgenössischen Fotos im Gemeindearchiv ist der Neorenaissancebau auf dem Dach mit "Pension Belvedere", das östlich davon gelegene Gebäude im Giebel mit "Pension" beschriftet. 1905 veräusserte Köhler seine Liegenschaften an den ehemaligen Hochseekapitän Gustav Brand aus Hannover. Dabei ist die Rede von zwei Bauten bei der "Villa Belvedere", einem Holzbau (als Speisesaal bezeichnet) sowie einem Steinbau, die sogenannte "Villa Köhler". Nach dem Tod von Brand 1918 wurden dessen Liegenschaften, die "Villa Brand" (ehemals Pension Belvedere), die "Villa Köhler" und ein drittes Gebäude an die Polizeigemeinde Weggis verkauft. Der älteste Bau wurde bei einer tiefgreifenden Renovation in den frühen 1990er-Jahren all seiner bedeutenden architekturgeschichtlichen Elemente beraubt; er wird heute als Gemeindehaus genutzt. Die ehemalige "Villa Köhler" wurde von 1949 bis 1974 nochmals als Hotel betrieben. Heute dient das Haus, 1978 ebenfalls radikal umgebaut und aller wertvollen Architekturelemente beraubt, als Wohnhaus mit Arztpraxis (Adresse Luzernerstrasse 21).
Um 1895 errichtete Köhler östlich seiner ersten Pensionen und in schönster Aussichtslage eine neue Villa Köhler, die er als Pension für die Beherbergung von Fremden betrieb. Als architektonisches Vorbild diente ihm das sogenannte Spitzhaus mit kühn geschwungener Dachlandschaft auf dem Weinberg über seiner Heimatstadt Radebeul bei Dresden. In diesem kurfürstlichen Sommerhaus aus dem Jahre 1749 waren im 19. Jahrhundert zahlreiche Mitglieder des europäischen Hochadels zu Festlichkeiten geladen. Sein neues Hotel stattete Köhler mit zahlreichen Kostbarkeiten aus seiner alten Heimat aus, unter anderem mit wertvollen Möbeln sowie mehreren echten, in Dresden hergestellten Meissner Kachelöfen.
Kurz vor der Jahrhundertwende erbaute Köhler eine Dépendance, später auch "Villa Anna" genannt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besass der initiative Hotelier in Lugano auch das "Köhlers Hotel Garni", das 1903 erstmals im Baedeker erwähnt wird. Bis 1910 kam die "Villa Helena" unterhalb des Hauptgebäudes hinzu, die gemäss einem Hotelprospekt "mit dem Hauptbau durch einen gedeckten Übergang verbunden" war.
Nach der Ersteigerung der gesamten Liegenschaft durch Carl Moritz Wolf und Eugen Adam (Besitzer eines Hotels im Elsass) im Jahre 1910 erhielt das Hotel 1911 den Namen Albana. Die neuen Besitzer führten sogleich umfassende Um- und Ausbauten durch: Bis 1913 erhielt das Haupthaus einen Lift, eine Zentralheizung sowie eine Verglasung der offenen Veranda. Die Dépendance wurde aufgestockt (18 zusätzliche Zimmer) und mit einer Passerelle zum Haupthaus verbunden.
Um 1920 bestand das Hotel somit aus Haupthaus und zwei sogenannten Villen, der "Villa Anna" (auch Neubau oder Dépendance genannt) und der "Villa Helena" (später Chalet genannt). In den späten 1920er-Jahren erhielten alle Hotelzimmer fliessendes Wasser, für die damalige Zeit eine fortschrittliche Ausstattung. 1927 kam ein Mercedes-Benz-Auto als Hoteltaxi in Betrieb, 1935 machten die vermehrt mit Autos anreisenden Gäste den Bau von zwei Garagen an der Strasse unterhalb des Hotels nötig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Phase der Vereinfachung von Hotelfassaden nach den damals staatlich subventionierten Leitlinien zur Sanierung von Hotels. Bereits 1946 erhielt die Dépendance an Stelle der alten Dachgestaltung mit Flachdach und zwei Türmchen ein zeitgemässes Walmdach. 1956 wurde im Hauptbau die dritte Etage ausgebaut, bis 1967 kamen 26 Privatbadezimmer hinzu. Die markanteste Umgestaltung der Fassaden fand in den Jahren 1961/62 unter der Leitung des Architekten Fritz Schilliger statt: Auf Druck der kantonalen Gebäudeversicherung wurde der originale Eckturm abgebrochen und ein neues Dach mit grosser Dachterrasse realisiert. Gleichzeitig erhielten die Fassaden eine neue deckende Einkleidung über die ursprüngliche Konstruktion mit Backstein und Fachwerk.
1969/70 entstand aus der schmalen Verbindungspasserelle zwischen Hauptbau und Dépendance ein neuer Zwischentrakt mit Treppe und zusätzlichen Hotelzimmern. 1976 wurde das Chalet umgebaut und mit einem Walmdach eingedeckt, 1977 das Panorama-Restaurant mit einem rustikalen Dekor versehen.
1980 wurde mit dem neuen Konferenzsaal Park 1 ein erster Ausbau auf der Nordseite gegen die Parkanlage realisiert. Dadurch erhielt auch die dritte Fassade des Hauptgebäudes einen Anbau. Nach Erstellung der Strasse zur neuen Alterssiedlung Hofmatt wurde 1984 auch die Gartenanlage umgestaltet. Mit dem Konferenzsaal Park 2 und den Sauna/Fitness-Räumen auf dem Dach des bestehenden Park 1 endete 1993/94 die langjährige Ausbauphase.
Mitte der 1990er-Jahre begann die Umsetzung einer neuen Erhaltungsstrategie, die sich auf die Instandstellung der vorhandenen architektonischen Kostbarkeiten abstützt. Mit dieser neuen Phase, in der die fachgerechten Renovationen und Restaurierungen dominieren, endet die jahrzehntelange "Flick-Phase".
Höhepunkt dieser Rückbesinnung auf die noch vorhandenen architekturgeschichtlichen Kostbarkeiten im Gebäudeinnern bildete die grosse Umbauphase von 1994/95 mit der fachgerechten Instandsetzung des Kleinen Saals, des Treppenhauses im Hauptbau sowie des Panorama-Restaurants, bei der das rustikale Dekor von 1977 wieder entfernt und neue Gipsdecken sowie Parkettböden eingebaut wurden. Im Panorama-Saal kam gleichzeitig ein neuer Murano-Leuchter zum Einbau. Im Jahr 2000 wurde der Leuchter "Classico" aus der Erbauungszeit der Pension Köhler mit Hilfe von venezianischen Handwerkern restauriert und im Murano-Salon eingebaut.
Würdigung
Die imposante Hotelanlage Albana befindet sich in einem Park an bevorzugter Aussichtslage oberhalb von Weggis zwischen Ober- und Unterdorf. Beeindruckend ist der wunderschöne Ausblick auf den Vierwaldstättersee. Durch seine erhöhte Lage über dem Dorf tritt das Hotelensemble im Ortsbild markant in Erscheinung. Die in zwei Etappen kurz vor 1900 entstandene Anlage gehört zu den seltenen schweizerischen Hotels mit mehreren Pensionsgebäuden. In seiner heutigen Erscheinung wirkt das Ensemble als grösstenteils purifizierter Gebäudekomplex, dessen im Innern vorhandene wertvolle originale Bausubstanz von aussen leider kaum noch wahrgenommen wird.
Die grössten architektonischen Qualitäten weist das Hauptgebäude auf. Dort finden sich noch heute Bauelemente und Mobilien aus der ursprünglichen Bauzeit. Als wertvollster Raum erscheint der heutige Spiegelsaal in der Mitte des ursprünglichen Hauptbaus mit U-förmigem Grundriss. Zahlreiche Elemente der historischen Ausstattung reichen dort noch in die Bauzeit das Hauses zurück. Als besonders wertvoll erscheinen das aufwändige Neorenaissancetäfer, der zweifarbige Parkettboden, die barockisierende Gipsdecke mit illusionistischer Malerei, der (letzte im Haus noch vorhandene) Meissner Kachelofen, die vergoldeten Leuchter, das Louis-XVI-Mobiliar sowie zahlreiche Spiegel, die den Aufenthalt in diesem Prachtssaal noch heute als Erlebnis im Glanz der Belle Epoque erscheinen lassen.
Der an den Spiegelsaal angebaute Kleine Saal im ehemaligen östlichen Seitenrisalit wies ursprünglich ebenfalls einen Meissner Ofen auf, der 1969 entfernt wurde. Der Raum besitzt heute eine Ausstattung aus der Restaurierung von 1994/95.
Der anschliessende Panorama-Saal mit einer modernen Verglasung aus grossen Fenstern mit Aluminiumrahmen wurde 1969 neu angebaut und 1994/95 ebenfalls instand gestellt.
Der Murano-Saal im Westtrakt des Ursprungsbaus entstand durch Zusammenlegung und Umbau des ehemaligen Billardzimmers und des Rauchsalons im Jahre 1956. Wertvollstes Ausstattungsstück ist dort der 2000 fachgerecht restaurierte Murano-Leuchter von ca. 1880, der dem Raum heute seinen Namen gibt.
Das dem ganzen Hauptgebäude auf der Südseite vorgelagerte Panorama-Restaurant entstand in der Umbauphase von 1951/52, als dort eine Heizung eingebaut wurde und fortan als Restaurant für die Hotelgäste dienen konnte. 1975 wurde auf der Westseite die sogenannte "Hertensteinecke" angebaut und zwei Jahre später erhielt das Panorama-Restaurant ein rustikales Interieur im Stil der damaligen Zeit. 1994/95 erfolgte die fachgerechte Rückführung mit Parkettboden und Stuckdecke.
Nebst den beschriebenen Erdgeschossräumen gehört das Haupttreppenhaus zu den architekturgeschichtlich wertvollen Raumelementen. Es handelt sich um die Originaltreppe von 1895: eine Gusseisenkonstruktion mit üppig verziertem Geländer und Holzhandlauf, die sich in zwei Läufen über ein Zwischenpodest auf Stahlträgern in die Höhe windet und dabei in der Mitte ein grosszügiges Treppenauge frei lässt.
Einen besonderen Wert verkörpern schliesslich die im ganzen Haus noch vorhandenen Parkettböden: Würfelparkette und Fischgratmuster in verschiedenartigen Ausführungen und von aussergewöhnlicher Qualität. Die anderswo weitgehend unbekannten, mit dunklen und hellen Quadraten ausgezeichneten Fischgratmuster gelten als eigentliche Unikate.

Wunderbarer Hotel-Prospekt aus den 1920er Jahren

Historisches Hotel Albana