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Reis hat seinen Ursprung im Gebiet zwischen Südchina und Ostindien, in Burma und Assam. Ausgrabungen im Mündungsdelta des Jangtsekiang Flusses haben ergeben, dass Reis in diesem Gebiet schon vor 7000 Jahren kultiviert wurde. Damals siedelten im südlichen China allerdings noch keine Chinesen, sondern Malayo-Polynesier. Die Chinesen stiessen erst um 1000 v. Chr. aus dem Norden in die Region vor. Sie brachten eine hochentwickelte Landwirtschaftstechnik mit und ihnen ist es wohl zu verdanken, dass sich die Kultur des Reises von Südchina aus nach Norden und Westen ausbreiten konnte. Sehr früh schon hatte Reis als Nahrungsmittel in den meisten Gebieten Asiens grosse Bedeutung. Das drückt sich auch in Traditionen aus, die teilweise bis in unsere Tage hinein lebendig geblieben sind. In Japan etwa pflanzt der Kaiser auch heute noch jedes Jahr im Rahmen eines speziellen Zeremoniells eigenhändig Reis. Und auch die modernen japanischen ‹Kaiser› der Automobilindustrie sind dem Reis sehr eng verbunden. Immerhin bedeutet Toyota so viel wie «Reiches Reisfeld» – und wer auf einer Honda sitzt, hat gar ein ganzes «Hauptreisfeld» unter seinem Hintern.
In Asien, Afrika, Australien und Südamerika findet man verschiedene wilde Formen von Reis (nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Wildreis). All dies sind potenzielle Urahnen unseres heutigen Reises. Eigentliche Reiskulturen aber haben sich nur in Asien und im westlichen Afrika entwickelt – völlig unabhängig voneinander. Wie sich der Reis von Asien aus über die Welt verbreitet hat, lässt sich genau nicht rekonstruieren. Über Persien gelangte der Reis vermutlich irgendwann nach 1000 v. Chr. bis nach Ägypten. Zur Zeit von Alexander dem Grossen dann kam er von dort als Import nach Griechenland, Sparta und Rom. In Griechenland erhielt er auch seinen heutigen botanischen Namen: Oryza ist das griechische Wort für Reis. Zur Zeit von Julius Cäsar war Reis in Europa zwar allgemein bekannt, er wurde aber (ähnlich wie der Zucker) fast ausschliesslich als Medizin verwendet.
Ab etwa 700 n. Chr. brachten dann die Mauren das Wissen um den Anbau des Reises auch nach Spanien und Portugal. Von dort aus erreichte er im frühen 15. Jahrhundert die Po-Ebene. In Italien wurde seine weitere Verbreitung über die Halbinsel allerdings verhindert – nicht ohne Grund: Ohne die genaueren Zusammenhänge zu kennen wusste man damals schon, dass das Auftreten der Malaria mit der Nähe von Sümpfen zusammenhing. Aus demselben Grund baut man auch in Ostafrika bis heute keinen Nassreis an.
Die Entdeckung der Neuen Welt durch Columbus zu Ende des 15. Jahrhunderts ebnete der Rispe den Weg nach Amerika, wo 1647 erstmals Reis geerntet worden sein soll. Wann auf Santa Lemusa das erste Reisfeld angelegt wurde, lässt sich nicht sicher sagen − wahrscheinlich aber schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Der Historiker Jean-Marie Tromontis vermutet, dass der Reis vielleicht schon Ende des 17. Jahrhunderts, sicher aber im 18. Jahrhundert auf der Insel verbreitet war. Seine Vermutung wird dadurch gestützt, dass es sehr viele alte, teils mündlich oder in Einzelfällen auch schriftlich überlieferte oder zumindest erwähnte Rezepte gibt, die auf Reis basieren.
First Publication: 12-2002
Modifications: 9-2-2009, 11-10-2011