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Die Rolle des US-Militärs als einer der grössten Umweltzerstörer der Welt.
von Michael Straumann
Wenn es um Umweltzerstörung oder dem Klimawandel geht - bei dem die Wissenschaftler sich immer noch streiten, ob er überhaupt CO₂-bedingt, geschweige anthropogen ist - wird in den Leitmedien vor allem der Ottonormalbürger als Hauptverursacher herangezogen. Ein Akteur wird bei dieser Debatte die ganze Zeit völlig ausgeblendet - das US-Militär. Das US-amerikanische Militär gehört zu den weltweit grössten Umweltverschmutzern, die es überhaupt gibt. Kaum eine Einrichtung, eine Organisation, ein Unternehmen oder ein Staat zerstört die Umwelt so sehr auf unterschiedlichen Ebenen, wie es die US-amerikanischen Streitkräfte tun.
Die rechtliche Befreiung des US-Militärs von Umweltregelungen
Um zu verstehen, wieso die amerikanischen Streitkräften in der Lage sind, ohne Konsequenzen die Umwelt derart zu zerstören, ist ein kleiner Einblick in die rechtliche Historie hinsichtlich der amerikanischen Umweltschutz-Regelungen sehr hilfreich.
Während des Kalten Krieges wurden viele Umweltbelange aufgrund von "nationaler Sicherheit" ignoriert. In den 1980er Jahren, in der Endphase des Kalten Krieges, sorgte der damalige Präsident Reagan dafür, dass das Militär hinsichtlich des Umweltschutzes nicht in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt wurde. Das Gegenteil machte er mit der Umweltschutzbehörde, denn sie wurde in ihrer Handlungsfreiheit via Anweisung von ihm eingeschränkt.
Im Jahr 1992 kam es endlich zur Verabschiedung des Federal Facilities Compliance Act durch den US-Kongress. Mit diesem Gesetz wurde das Militär gezwungen, sich nun an Umweltschutzregelungen zu halten. [1]
Das US-Kongress machte es dann wieder rückgängig und verabschiedete 1998 den Strom Thurmond National Defense Authorization Act for Fiscal Year 1999:
"(§ 1232) stellt fest, dass keine Bestimmung des Kyoto-Protokolls zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen oder einer damit zusammenhängenden Regelung die Beschaffung, Ausbildung oder O&M von US-Streitkräften einschränken darf." [2]
Später im Jahr 2003 unterschrieb der damalige amtierende Präsident George W. Bush ein Gesetz, welches das US-Militär von sämtlichen Umweltschutzauflagen frei machte. Die US-Armee muss laut dem von Bush unterschrieben Gesetz keine Rücksicht mehr auf vom Aussterben bedrohten Arten nehmen. [3]
Umweltverschmutzung durch exzessivem Energieverbrauch
Laut dem US-amerikanischen Journalisten John Lawrence handelt es sich beim US-Militär um den grössten Energieverbraucher der Welt. Wenn das US-Verteidigungsministerium ein anerkannter Nationalstaat wäre, denn würde es weltweit auf dem 34. Platz der Länder mit dem grössten durchschnittlichen Erdölverbrauch landen. Es würde hinter dem Irak und vor Schweden liegen. [4]
Das US-Verteidigungsdepartement ist auch der globale Spitzenreiter, wenn es um den Benzin- beziehungsweise dem Treibstoffverbrauch geht. [5] Der amerikanische GI ist der global am meisten Energie verbrauchende Soldat. [6]
Gemäss Schätzungen aus dem Jahr 2008 kaufte das Pentagon jedes Jahr fast 135 Millionen Fässer Erdöl. Wenn man die jährlich vom US-amerikanischen Militärapparat verbrauchten Erdölfässer aneinanderreihen würde, dann käme man auf eine Strecke, die den Planeten Erde mehr als dreimal umfasst. Gemäss Kalkulationen des Center for Defense Information könnte man mit dieser Erdölmenge das komplette Nahverkehrssystem der Vereinigten Staaten mehr als zehn Jahre lang in Betrieb nehmen. [7]
Auch der der Elektrizitätsverbrauch des amerikanischen Militärs ist gigantisch. Im Bilanzjahr hatte das Verteidigungsministerium fast 30'000 Gigawattstunden Elektrizität genutzt. Dies hatte 2.2 Milliarden US-Dollar gekostet. Dieses umfangreiche Nutzen von Elektrizität hätte für 2.6 Millionen amerikanische Haushalte ausgereicht. [8]
Umweltkontamination durch giftigem Müll
Kaum eine Instanz kann dem US-amerikanischen Militärapparat das Wasser reichen, wenn es um die Erzeugung von giftigem Abfall geht.
So produziert das US-Militär beispielsweise mehr hochgiftigen Müll als die fünf grössten amerikanischen Chemiekonzerne zusammen. [9]
Die Umweltschutzorganisation Environment America hat eine Untersuchung darüber gemacht, wer die grössten Verschmutzer der amerikanischen Gewässer sind. Sie sind dabei auf ein sehr interessantes Ergebnis gekommen: Ölkonzerne wie Phillips 66 und ExxonMobil belegten die Plätze 13 und 15, während die US-Regierung und das Defense of Departement auf dem 3. Platz landeten. Von 2010 bis 2014 waren etwa 29 Tonnen giftige Stoffe in die Gewässer abgleitet worden. [10]
Schon bei grundlegenden Dingen wird von den amerikanischen Streitkräften giftiger Müll produziert.
So kommt es zum Beispiel aufgrund der kompletten Militärausstattung wie Fahrzeuge, Panzer, Schiffen und Raketen bereits durch Routinebetrieb und Wartung zu Unmengen von produziertem giftigen Müll.
Giftiger Abfall wird ebenfalls in riesigen Mengen bei industriellen Verfahren erzeugt wie zum Beispiel beim Galvanisieren, Fräsen und anderweitigen Bearbeiten von Komponenten in den militärischen Einrichtungen, die für Forschung und Entwicklung zuständig sind.
Die Rüstungsfabriken stellen, vor allem wegen ihren schonungslosen Entsorgung explosiver Stoffe, das grösste Umweltproblem, was giftiger Müll angeht, dar. Laut eigener Aussage des Militärs sind bei mindestens 40 Werken verherrende Umweltprobleme festzustellen. [11]
Umweltirritationen durch maritime Übungen
Gemäss einer Studie von Seiten der US Navy können Marine-Übungen und -Tests versehentlich Hunderte von Delfinen und Walen töten und Tausende verletzen, deren Blessuren eine Heilung von 5 Jahren benötigen, wobei die Verletzungen häufig ein Ergebnis des unter Wasser explorierenden Sprengstoffes sind.
Die Studie fokussiert sich auf die Gewässern jenseits der Ostküste, des Golfes von Mexiko, von Südkalifornien und Hawaii im Zeitraum von 2014 bis 2019. Die meisten Toten kommen durch Explosionen zustande, gewisse aufgrund von Unterwasserschallgeräten-Tests. Es gibt ausserdem bestimmte Tiere, die von Schiffen getroffen werden.
Laut den Berichten zeigen die Computermodelle, dass die Übungen und Tests 186 Wale und Delfine an der Ostküste und 155 in der Umgebung von Hawaii und Südkalifornien töten würden. An der Ostküste könnte es 11’267 ernstzunehmende Verletzungen und 1.89 Millionen kleine Verletzungen wie zum Beispiel temporärer Hörverlust geben. Die Übungen und Tests können auch Verhaltensveränderungen bei Lebewesen im Wasser wie beispielsweise das Schwimmen in andere Richtungen verursachen. Davon wären 20 Millionen Fälle betroffen.
Um Hawaii und Südkalifornien können die Marinenaktivitäten 2030 ernstzunehmende Verletzungen, 1.86 Millionen temporäre Verletzungen und 7.7 Millionen Fälle von Verhaltensänderungen verursachen. [12]
Umweltkontamination durch Uranbergwerke
Durch das amerikanische Verteidigungsministerium kam indirekt zustande, dass Reservate von indigenen Stämmen kontaminiert wurden.
Als Paradebeispiel gilt die Navajo Nation, welche das grösste Reservat der indigenen Völker in den USA darstellt. Laut der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA gibt es dort insgesamt 520 offene stillgelegte Uranbergwerke. Marsha Monestersky, Programmdirektorin der Hilfsorganisation Forgotten People, welche sich für die westliche Region der Navajo Nation engagiert, behauptete sogar, dass es über 1300 Minen dort gibt.
Zur Zeit des Kalten Krieges hatten private Firmen wie die Kerr-McGee Corp. im vertraglichen Rahmen mit der US-Administration Uranbergwerke betrieben. Diese Firmen hatten vier Millionen Tonnen Uranerz abbauen müssen, welches dann in die Herstellung von Nuklearwaffen beziehungsweise in den Energiesektor gegangen war. Als die Nachfrage mit dem Ende der Ära gesunken war, hatten die Firmen die Bergwerke ohne bestimmte Sicherheitsvorkehrungen einfach so stehen lassen.
Aufgrund der Minen sind die Bewohner des Navajo Nation-Reservates bis heute dem von der Luft getragenen Uranstaub und dem verseuchten Trinkwasser ausgesetzt. Viele der Grundstücke der Bewohner sind aus Schlamm, Steinen und Felsen, die aus der Umgebung von Minen stammen, gebaut. Ein Teil des Baumaterials ist radioaktiv. Diese Uran-Strahlung kann Lungen- und Knochenkrebs, aber auch Nierenschäden verursachen. [13]
Umweltverseuchung durch Atomwaffen
Das US-Militär ist ebenfalls dafür verantwortlich, dass weltweit sämtliche Regionen durch Atombombentests verseucht worden sind.
Die US-Streitkräfte haben mehr Atombombentests absolviert, als alle anderen Militärs der jeweiligen Staaten zusammen. Bis heute gibt eine massive Menge an radioaktiver Strahlung, die viele Inseln im pazifischen Ozean kontaminiert. [14]
Von 1946 bis 1958 hatte das US-Militär innerhalb der Region der Marshallinseln 67 Atombombentests absolviert. Einer davon war der 15 Megatonnen schwere Bravo-Test, der am 1. März 1954 in Bikini-Atoll stattfand. Dieser Bravo-Test war tausendmal stärker als die gefallene Atombombe auf Hiroshima und verursachte in der Umgebung einen radioaktiven Fallout.
Die Bikinianer und deren Nachfahren waren seit 1946 - seit es die Nuklearwaffentests gegeben hatte - gezwungen gewesen, im Exil zu leben. Als Wissenschaftler der US-Administration Bikini für sicher erklärten, wurde es einigen Bewohnern erlaubt, in den frühen 1970er-Jahren in ihre Heimat zurückzukehren. Die Bewohner mussten jedoch 1978 wieder ihr Wohnort verlassen, weil eine hohe Radioaktivität beim Essen von Lebensmitteln auf ehemalige US-Testgeländen festgestellt wurde.
Ein UNO-Bericht aus dem Jahr 2012 besagt, dass die Effekte der Nuklearwaffen eine langfristige Wirkung zur Folge haben. Es handelt sich hierbei um eine "fast-irreversible Umweltverseuchung". Die Kontaminierung dieser Gebiete ist so stark, dass ehemalige Bewohner davon erzählten, dass sie dort nicht mehr hinziehen wollen. [15] Laut dem US-amerikanischen National Cancer Institute haben die Marshall Insulaner bis heute eine signifikant hohe Krebsrate. [16]
Umweltzerstörung durch Herbizide
Nicht nur mit den Atomwaffentests, sondern auch mittels Herbiziden wie Agent Orange, Agent Blue und Agent White kam es zu massiven Schäden bei Mensch und Umwelt.
Im Rahmen der Operation Ranch Hand (1962-1971) setzten die US-Streitkräfte unter anderem die Chemiewaffe Agent Orange in den südoasiatischen Staaten Kambodscha, Laos und Vietnam ein. [17]
Neben Agent Orange, das wegen in ihm enthaltenden Tetrachlordibenzodioxin vor allem die Funktion der Waldvernichtung erfüllt, gibt es noch die anderen Herbizide Agent White und Agent Blue. Agent White enthält die Komponenten Picloram und 2,4-D. Picloram sorgt für die Schädigung der Pflanzenwurzeln und 2,4-D für die Zerstörung der Blätter. Agent Blue, das zum grossen Teil aus Dimethylarinsäure besteht, fungiert als Vernichter der Reiskulturen. [18]
In einer vom Open Journal of Soil Science veröffentlichten Studie haben sich die Agrarwissenschaftler Kennedy Ray Olson und Lois Wright Morton mit den langfristigen Wirkungen von Agent Orange auseinandergesetzt. In dieser Studie wird von den Autoren erklärt, dass Vietnam weiterhin jahrzehntenlang an den Spätfolgen von Agent Orange zu leiden haben wird, da es zu einer Anreicherung eines grossen Teils des Giftes in Böden und Sedimenten kam.
Durch das Tetrachlordibenzodioxin, das ein Bestandteil von Agent Orange ist, kommt es zu Bindungen in tröpische Böden sowie Sedimenten an organischen Substanzen und Tonpartikeln. An der Oberfläche kommt es immerhin zum Zerfall in einem Zeitraum zwischen eins bis drei Jahren. Doch im Boden und in Fluss- und Meeressedimenten ist davon die Rede, dass das TCDD mehr als ein Jahrhundert lang bleibt.
Das Tetrachlordibenzodioxin gelangt durch ihre Verbreitung über Wind, Erdrutsche, Flüsse und starker Bodenerosion während des Monsums in die Nahrungskette. Vor allem die Umgebungen um die kontaminierten Militärbasen sind verseucht. Ein grosser Teil der Vietnamesen sind von diesem toxischen Stoff betroffen.
Der verseuchte Staub wird von ihnen eingeatmet. Bei der Bestellung der landwirtschaftlichen Felder geraten sie mit dem toxischen Dioxin auch in Kontakt. Und Die Bevölkerung nimmt über die primären Nahrungsquellen Fisch und Reis, welche das grösste Problem darstellen, TCDD auf. [19]
Aufgrund des starken Herbizideneinsatzes wurden in Vietnam 44 Prozent des Waldbestandes vernichtet. Einige Pflanzen- und Tierarten sind in dieser Region nicht mehr vorzufinden. Auch ein riesiger Anteil der Nutzholzproduktion und der Agrarwirtschaft (43 Prozent der Ackerfläche) wurde zerstört. Diese massive Umweltzerstörung hatte einen Anstieg der Überschwemmungen, Erosionen und Dürrephasen zur Folge. Dementsprechend bedrohen diese Umweltfolgen bis heute die Lebensgrundlage vieler Bewohner in Vietnam. [20]
Da Agent Orange Tetrachlordibenzodioxin - die giftigste Verbindung aller Dioxine - enthält, kommt es bei der Aufnahme zu einer starken Schädigung an der DNA und dementsprechend zu Missbildungen, die generationsübergreifend sind.
Diese Fehlbildungen können beispielsweise in Form von Gliederlosigkeit, Wasserköpfen, Klumpfüssen und Hautkrankheiten kommen. Agent Orange hat auch zur Folge, dass Krebskrankheiten und Stoffwechselstörungen exorbitant zunehmen. Es ist nicht unüblich, dass Betroffene dieser Chemiwaffe unter Diabetes zu leiden haben und vom Herzkollaps betroffen sind. [21]
Umweltvergiftung durch Uranmunition
Auch die Uranwaffen stellen bei den Massenvernichtungswaffen ein grosses Thema dar, wenn es um die Zerstörung der Umwelt geht.
Uranmunition wurde tonnenweise unter anderem im Golfkrieg und im Jugoslawien-Krieg, eingsetzt. Diese Art von Munition ist ideal dafür da, Panzer und Bunker zu zerstören. Wenn ein Geschoss aus Depleted Uranium den Panzer durchbricht, dann kommt es zu einer enormen Temperaturzunahme auf 3000°C. Das entsprechende Ziel verbrennt dabei. Beim Verbrennen geschieht eine massenhafte Freisetzung von Uranpartikeln.
Diese Partikel werden durch den Wind über lange Strecken getragen und landen irgendwann einmal im Boden und versickern im Grundwasser. Dementsprechend gelangen die radioaktiven Uranpartikel in die Nahrungskette. Das bedeutet, dass die tierischen sowie menschlichen Organismen von dieser Kontaminierung betroffen sind. Uranpartikel können aber auch via Atemluft und Trinkwasser in die Organismen gelangen.
Ein grosser Anteil der Partikel gelangt über das Blut in allen Organen des menschlichen Körpers. Bei den Frauen herrscht zusätzlich das Problem, dass auch der Mutterkuchen von der Uranverseuchung tangiert wird und dementsprechend das ungeborene Kind davon betroffen ist. [22]
Aufgrund des Einsatzes der Uranmunition von Seiten der amerikanischen und britischen Streitkräfte im Zweiten Golfkrieg explodierte in den 1990er-Jahren die Sterblichkeits- und Krebsrate bei den Kindern. Es kam bei den Minderjährigen zu sehr vielen Missbildungen.
Zum Beispiel gibt es Fälle von Kindern, die ohne Gehirn, mit einem Zyklopenauge, ohne Augen, mit einem Wasserkopf oder mit einer Fehlbildung an den Extremitäten auf die Welt kommen. [23]
Die Beobachtungen in Serbien sind vergleichbar mit denen im Irak. Nach dem Jugoslawien-Krieg ist hier ebenfalls eine Explosion der Krebsrate festzustellen. Die Anzahl der Patienten mit Karzinomen wächst Jahr für Jahr.
Die gesundheitliche Lage in Serbien ist inzwischen so verheerend, dass es der europäische Spitzenreiter in Sachen Krebserkrankten ist. Auch hier ist eine exorbitante Zunahme von Säuglingen mit genetischen Fehlbildungen zu beobachten. [24]
In Serbien sind auch immer häufiger Symptome wie beispielsweise Störungen im Knochenmark, Kollabierungen des Immunsystems mit zunehmenden Infektionskrankheiten und gravierenden Funktionsstörungen bei Nieren und Leber anzutreffen. [25]
Umweltschäden in und um den Militärstützpunkten
Die von US-Militärbasen verursachten Umweltverschmutzungen sind sowohl im Inland, als auch im Ausland kaum noch zu übersehen.
Maureen Sullivan, die Leiterin der Pentagon-Umweltprogramme, behauptete, dass ihre Behörde mit 39'000 kontaminierten Standorten zu kämpfen hat. Laut dem Ex-Kongressabgeordneten und Kriegsveteranen John D. Dingell ist jede Militärbasis auf ernstzunehmender Weise kontaminiert. Gemäss Sullivan würde die Reinigungsarbeit der Verschmutzungen, welche vom Pentagon verursacht wurden, dem US-amerikanischen Steuerzahler 27 Milliarden Dollar kosten. [26]
Wolfgang Jung, Herausgeber der Luftpost, zeigte am Beispiel der amerikanischen Luftbasis Ramstein in einem Bericht - veröffentlicht von der Bürgerinitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung - auf, wie US-Militärbasen die Natur und die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen.
Durch den Bau und Ausbau der Air Base Ramstein am Anfang der 1950er-Jahren wurde der Landstuhler Bruch mit Beton zugepflastert. Einer der natürlichen Räumen mit ihrem Naturschutzgebiet war damit vom Erdboden verschwunden. Aufgrund der Erweiterung der Basis mussten grossflächige Bereiche des Waldes zwischen dem Flugplatz und den angrenzenden Gemeinden verschwinden.
Die Militärflugzeuge werden mit dem Spezialtreibstoff JP-8 betrieben, dessen Komponenten toxische und krebserregende Substanzen aufweisen. Der Treibstoff JP-8 gelangt ins Grundwasser, weil er aus Tankanlagen, die nicht dicht sind, in den Boden versickert.
Wolfgang Jung stellte fest, dass die toxischen Substanzen, die seit Dekaden aus Treibstoffen, Lösungs- und Reinigungsmitteln in die Luft, in den Boden und ins Grundwasser gelangen, Fauna und Flora schaden und somit den Menschen direkt und über die Nahrungskette beeinträchtigen. Gemüse und Obst aus Gärten in der Anflugschneise sind nicht mehr konsumierbar. Nutzvieh und Feldfrüchte aus den Übungsgebieten TRA-Lauter undPOLYGONE haben viel zu hohe Schadstoffwerte.
In der Region Kaiserslautern wird schon bei Kleinkindern zunehmend chronische Haut- und Atemwegserkrankungen festgestellt. Die Anzahl von Krebserkrankungen, vor allem Leukämie, ist hier wesentlich höher als in anderen Regionen, die ähnliche Strukturen, aber nicht die oben genannten Belastungen ausweisen. [27]
Nicht nur in Ramstein, sondern auch in anderen amerikanischen Militärbasen sind Umweltschäden festzustellen. Laut dem US-amerikanischen Friedensaktivisten und Direktor der National Coalition to Protect Student Privacy Pater Elder gibt es in der deutschen Air Base Spangdahlern und in der Region der Kadena Luftbasis in Japan Spuren von PFOS und PFOA in beträchtlichen Konzentrationen in Teichen und Bächern. Die Anwohner an jeweiligen Basen wurden dabei vor den toxischen Substanzen nicht gewarnt. Die gesundheitlichen Folgen von PFOS und PFOA sind verherrend:
Sie verderben die Muttermilch, sorgen für Übelkeit bei den gestillten Kindern, verursachen Schwangerschaftsprobleme, vergrössern die Wahrscheinlichkeit bei Fehlgeburten, sorgen für Unfruchtbarkeit, erzeugen Leberschäden, erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Nierenkrebs, heben den Cholesterinspiegel an, vermindern die Wirkung von Impfstoffen, erhöhen das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen, können Hodenkrebs verursachen, sorgen für verringertes Peniswachstum und vermindern die Spermienproduktion. [28]
Ähnliche umwelttechnische Verwerfungen sind auch in Südkorea zu sehen. Das Camp Humphreys, 70 Kilometer vom Seoul entfernt, gehört zu den grössten US-Stützpunkten im Ausland. Dort wurde nachgewiesen, dass das Grundwasser stark verunreinigt ist. Stichproben ergaben, dass das karzinogene Benzol um fast das 700-fache des erlaubten Höchstwertes übersteigt. [29]
Als ob die amerikanische Streitkräfte nicht genug Schaden angerichtet hätten, wollen sie sich nun auch auf den Galapagosinseln - die als Weltkulturerbe und essentielle Grundlage für Charles Darwins Evolutionstheorie gelten - militärisch niederlassen. Ecuador erlaubt den USA, die Galapagos als "natürlichen Flugzeugträger" zu nutzen.
Dies ist jedoch verfassungswidrig, denn die ecuadorianische Verfassung verbietet die Errichtung von ausländischen Militärstützpunkten im eigenen Land. Die Vereinigten Staaten beabsichten offiziell damit, den "Drogenschmuggel" in dieser Region zu unterbinden. [30]
Ablenkung, Fragmentierung, Dekontextualisierung und Angsterzeugung
Dass der Militärapparat der Vereinigten Staaten in sehr vielen Bereichen die Umwelt extremen Schaden zufügt, wird in den Massenmedien im Rahmen der Umweltdebatte sehr selten thematisiert. Es herrscht grosses Schweigen im Walde, wenn es um die Benennung dieser Tatsachen geht. Dabei wäre die Benennung der Hauptverursacher extrem wichtig, um die globalen Umweltprobleme mit adäquaten Lösungen zu begegnen.
Da nur selten darüber berichtet wird, bekommt man den Eindruck, dass es sich hierbei nur um einzeln vorkommende Fälle handelt. Ausserdem kommt es in den Massenmedien zu einem überproportionalen Fokus auf die CO ₂-Problematik, die - wenn überhaupt - nur ein kleiner Teil der riesigen Baustelle der ökologischen Zerstörung auf unserem Globus darstellt. Die Schuld wird dabei vor allem auf den Ottonormalbürger geschoben. Weder die multinationalen Grosskonzernen noch das US-Militär geraten hierbei ins Visier.
Zudem wird eine Emotionalisierung des Diskurses rund um den Klimawandel vorangetrieben, bei der die Angst eine wichtige Rolle spielt. Durch die hysterische und nicht sachliche Auseinandersetzung mit dem Klimawandel wird den Bürgern so sehr Angst eingejagt, dass sie jede von der Politik angebotene Lösung ohne Reflexion zustimmen würden, nur damit dieser Angstzustand wieder verlassen werden kann.
So kann es beispielsweise passieren, dass von der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland kein grosser Widerstand kommt, wenn von der Einführung der CO₂-Steuer gesprochen wird. Sie wird geradezu gefordert. Diese CO₂-Steuer oder andere oberflächliche Massnahmen von Seiten der Politik treffen jedoch nicht das Kern das Problems, sondern nützen lediglich wirtschaftlichen Interessensgruppen, die zum Beispiel mit CO₂-Zertifikaten oder über Greenwashing ihr Geld verdienen.
Diese Beeinflussungsstrategien sind aus der Sicht der Machteliten betrachtet nachvollziehrbar. Denn laut Rainer Mausfeld - emeritierter Professor für Allgemeine Psychologie an der deutschen Universität Kiel - kann man unter anderem durch Manipulationstechniken wie Fragmentierung und Dekontextualisierung dafür sorgen, dass Fakten unsichtbar gemacht werden, weil sie keinen Sinnzusammenhang mehr besitzen und als "isolierte Einzelfälle erscheinen". [31]
Laut Mausfeld schränkt man mit der Angsterzeugung die Aufmerksamkeit und das Denken enorm ein. Die Angst lässt sich gut instrumentalisieren, um gesellschaftliche Veränderungsenergien auf Ablenkziele umzuleiten, welche die Zentren der Macht nicht tangieren. [32]
Wenn man die vom US-Militär verursachten Umweltzerstörungen thematisieren und entsprechende Massnahmen dagegen unternehmen würde, dann gefährdet man die Zentren der Macht. Das wollen jedoch die Nutzniesser der machtelitären Strukturen des Westens nicht, weshalb sie mit dem Finger auf die Mehrheit der Bevölkerung als Hauptverantwortliche der globalen ökologischen Zerstörung zeigen.
Da von den Leitmedien und der Politik aus meiner Sicht nicht sehr viel zu erwarten ist, ist es die Aufgabe der Zivilgesellschaft, im Rahmen von eigenen freien Medien und sozialen Bewegungen diese ökologischen Verwerfungen, die ich oben darzustellen versucht habe, ins kollektive Bewusstsein zu bringen. Nur so kann man Druck nach oben erzeugen.
Quellen:
[1]Shulman, Seth: Ökologische Schäden des Kalten Krieges in den USA, in: Greiner, Bernd / Müller, Christian Th./ Weber, Claudia (Hg.): Ökonomie im Kalten Krieg. Studien zum Kalten Krieg, Hamburg 2010, S. 258, Online: https://zeithistorische-forschungen.de/sites/default/files/medien/material/2012-1/Shulman_2010.pdf, Stand: 25.7.2019.
[2]Spence, Floyd: H.R.3616 - 105th Congress (1997-1998).Strom Thurmond National Defense Authorization Act for Fiscal Year 1999, in: congress.gov, 17.10.1998, Online: https://www.congress.gov/bill/105th-congress/house-bill/3616, Stand: 16.8.2019.
[3]Streck, Michael: Umweltverschmutzung gegen den Terror, in: taz, 27.11.2003, Online: https://taz.de/!674499/, Stand: 25.7.2019.
[4]Lawrence, John: The US Military is a Major Contributor to Global Warming, in: San Diego Free Press, 14.11.2014, Online: https://sandiegofreepress.org/2014/11/the-us-military-is-a-major-contributor-to-global-warming/, Stand: 16.8.2019.
[5]Whitlock, Craig/ Woodward, Bob: At the Pentagon, overpriced fuel sparks allegations — and denials — of a slush fund, in: Washington Post, 20.5.2017, Online: https://www.washingtonpost.com/investigations/at-the-pentagon-overpriced-fuel-sparks-allegations--and-denials--of-a-slush-fund/2017/05/20/c5ff4bf4-31b2-11e7-9dec-764dc781686f_story.html, Stand: 21.7.2019.
[6]Meyer, Sarah: The Pentagon and Oil, in: Global Research, 24.7.2008, Online: https://www.globalresearch.ca/the-pentagon-and-oil/9670, Stand: 20.6.2019.
[7]Shulman, Seth: Ökologische Schäden des Kalten Krieges in den USA, in: Greiner, Bernd / Müller, Christian Th./ Weber, Claudia (Hg.): Ökonomie im Kalten Krieg. Studien zum Kalten Krieg, Hamburg 2010, S. 255, Online: https://zeithistorische-forschungen.de/sites/default/files/medien/material/2012-1/Shulman_2010.pdf, Stand: 25.7.2019.
[8]Lawrence, John: The US Military is a Major Contributor to Global Warming, in: San Diego Free Press, 14.11.2014, Online: https://sandiegofreepress.org/2014/11/the-us-military-is-a-major-contributor-to-global-warming/, Stand: 16.8.2019.
[9]Webb, Whitney: U.S. Military Is World’s Biggest Polluter, in: EcoWatch, 15.5.2017,Online:https://www.ecowatch.com/military-largest-polluter-2408760609.html, Stand: 24.6.2019.
[10]Urry, Emerson: The Department of Defense Is the Third Largest Polluter of US Waterways, in: Truthout, 15.2.2016, Online: https://truthout.org/articles/the-department-of-defense-is-the-third-largest-polluter-of-us-waterways/, Stand: 20.6.2019.
[11]Shulman, Seth: Ökologische Schäden des Kalten Krieges in den USA, in: Greiner, Bernd / Müller, Christian Th./ Weber, Claudia (Hg.): Ökonomie im Kalten Krieg. Studien zum Kalten Krieg, Hamburg 2010, S. 257, Online: https://zeithistorische-forschungen.de/sites/default/files/medien/material/2012-1/Shulman_2010.pdf, Stand: 25.7.2019.
[12]Mcavoy, Audrey: Navy.Training, Testing May Kill Whales, Dolphins,in:Military.com, 2019, Online: https://www.military.com/daily-news/2013/08/30/navy-training-testing-may-kill-whales-dolphins.html, Stand: 31.7.2019.
[13]Diep, Francie: Abandoned Uranium Mines. An «Overwhelming Problem» in the Navajo Nation, in: Scientific American, 30.12.2010, Online: https://www.scientificamerican.com/article/abandoned-uranium-mines-a/, Stand: 24.6.2019.
[14]Webb, Whitney: U.S. Military Is World’s Biggest Polluter, in: EcoWatch, 15.5.2017,Online:https://www.ecowatch.com/military-largest-polluter-2408760609.html, Stand: 24.6.2019.
[15]Bikini Atoll nuclear test.60 years later and islands still unliveable, in: The Guardian, 2.3.2014, Online: https://www.theguardian.com/world/2014/mar/02/bikini-atoll-nuclear-test-60-years, Stand: 24.6.2019.
[16]NCI Dose Estimation and Predicted Cancer Risk for Residents of the Marshall Islands Exposed to Radioactive Fallout from U.S. Nuclear Weapons Testing at Bikini and Enewetak,in: National Cancer Institute, 1.1.1980, Online: https://dceg.cancer.gov/research/how-we-study/exposure-assessment/nci-dose-estimation-predicted-cancer-risk-residents-marshall-islands, Stand: 24.6.2019.
[17]Glass,Andrew: U.S. launches spraying of Agent Orange, in: Politico, 18.1.1962, Online: https://politi.co/2FFU3Vv, Stand: 19.8.2019.
[18]Gallo, Werner: Wirkungen des Giftkrieges in Vietnam, in: AG Friedensforschung, 9.3.2007,Online: http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Vietnam/fabig-gallo.html, Stand: 29.7.2019.
[19]Frey, Andreas: Agent Orange. Das Gift, das bleibt, in: Spektrum.de, 15.6.2019, Online:https://www.spektrum.de/news/das-gift-das-bleibt/1652026, Stand: 26.7.2019.
[20]Gallo, Werner: Wirkungen des Giftkrieges in Vietnam, in: AG Friedensforschung, 9.3.2007,Online: http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Vietnam/fabig-gallo.html, Stand: 29.7.2019.
[21]Langels, Otto: Vor 50 Jahren - «Agent Orange» erstmals flächendeckend eingesetzt, in: Deutschlandfunk, 7.2.2017, Online: https://www.deutschlandfunk.de/vor-50-jahren-agent-orange-erstmals-flaechendeckend.871.de.html?dram:article_id=378261, Stand: 28.7.2019.
[22]Claussen, Angelica / Eisenberg, Winfrid / Hall, Xanthe / Mohr, Manfred / Steffen, Jens-Peter / Stöcker, Alexander: Die gesundheitlichen Folgen von Uranmunition. Die gesellschaftliche Debatte um den Einsatz einer umstrittenen Waffe, in: ippnw.de, Dezember 2012, S. 10, Online: http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/IPPNW_ICBUW_Report_DU_Munition_2012.pdf, Stand: 28.7.2019.
[23]Günther, Horst Siegwart: Epidemiologische Daten aus dem Irak, in: Uranmunition, Online: http://uranmunition.net/?epidemiologische_daten, Stand: 28.7.2019.
[24] Lukic, Mirjana Andjelkovic: Serbien – gestern und heute, in: Zeit-Fragen, 23.4.2012, Online:https://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2012/nr17-vom-2342012/serbien-gestern-und-heute.html, Stand: 28.7.2019.
[25]Hänsel, Rudolf: Der Krieg, der nicht zu Ende geht. Serbien und die Nachwirkungen des Uranwaffen-Einsatzes der US-NATO 1999, in: Neue Rheinische Zeitung, 4.10.2017, Online: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24205, Stand: 28.7.2019.
[26]Nazaryan, Alexander: The US Department of Defense Is One of the World's Biggest Polluters, in: Newsweek, 17.7.2014, Online: https://www.newsweek.com/2014/07/25/us-department-defence-one-worlds-biggest-polluters-259456.html, Stand: 24.6.2019.
[27]Jung, Wolfgang: Auswirkungen von Militärbasen auf die Natur und auf die Menschen, aufgezeigt am Beispiel US-Air Base Ramstein, in: Bürgerinitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung, 4.3.2011, Online: http://fluglaerm-kl.de/dl/Auswirkungen_von_Militaerbasen.pdf. Stand: 23.7.2019.
[28]Elder, Pat: Rücksichtslose Besatzungsmacht, in: Rubikon, 26.1.2019, Online: https://www.rubikon.news/artikel/rucksichtslose-besatzungsmacht, Stand: 24.7.2019.
[29]Kretschmer, Fabian: US-Stützpunkt in Südkorea. Korruption und verseuchte Umwelt, in: taz, 4.12.2017, Online: https://taz.de/US-Stuetzpunkt-in-Suedkorea/!5463880/, Stand: 24.7.2019.
[30]Ecuador lässt USA die Galapagoinseln als "Flugzeugträger" nutzen (Video), in: RT Deutsch, 18.6.2019, Online: https://deutsch.rt.com/amerika/89306-ecuador-gewaehrt-usa-flugzeugtraeger-galapagos/, Stand: 24.7.2019.
[31]Mausfeld, Rainer: Warum schweigen die Lämmer?, Frankfurt/Main 2018, S. 34.
[32]Mausfeld, Rainer: Angst und Macht, Frankfurt/Main 2019, S. 21-22.
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