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Ein altes Zenwort sagt: Wenn der Schüler bereit ist erscheint der Meister!
Einführung
Sprechen wir von Zazen, meinen wir sitzen, bzw. Meditation, mit anderen Worten: Kontemplation und Konzentration, sich bemühen, sich überwinden in einer expliziten Körperhaltung. Es ist die Körperhaltung, die Buddha und viele Nachfolger auch eingenommen haben, um zu meditieren. Als Bodhidharma (der sechste Patriarch) von Indien nach China kam, lehrte er auch in der ganz- halb- oder viertel- Lotushaltung zu sitzen - nichts über das man hätte angenehm meditieren können. Bodhidharma soll neun Jahre lang fortwährend vor einer Wand Zazen praktiziert haben. Er blieb sitzend vor seiner Wand ohne zu sprechen und nahm keine Schüler an. Er wusste wohl, wie schwer es ist - Ein bisschen Neugierde oder guter Wille genügt nicht - Man braucht leidenschaftliche Bestimmtheit.
Eines Tages, so sagt eine lehrreiche Legende, ist ein Schüler (Eka) gekommen und bewies seine Beharrlichkeit, indem er sich einen Arm abschnitt. Worauf, so sagt die Legende weiter, Bodhidharma ihn als Schüler annahm. Man sollte sich jeden Tag ein wenig vom Arm abschneiden; aber um heute Schüler zu werden, muss man sich nur hinsetzen. Es ist aber nicht Gegenstand dieser Schrift sich über diese explizite Haltung auseinander zu setzten. Diese Angaben können aus x-facher Literatur entnommen werden, in der eingehend darauf eingegangen wird.
Hier aber paar kurze Worte dazu. Ehei Dogen, der Begründer des japanischen Soto-Zen und Verfassers des Shobogenzo sagte: Zen ist nur Zazen. Er meinte, ohne Zazen ist Zen nicht möglich. So meint auch die Form Shikantaza (nur sitzen): sich genau auf die sitzende Haltung zu konzentrieren. Das ist die Methode des Zen, vor allem in der Soto- Rinzai Richtung (Rinzai, Koan-Methode - das Koan ist eine Art Rätsel, das nicht durch eine logische Schlussfolgerung gelöst werden kann). Bei Rinzai wie Soto aber muss man sich ein wenig Zeit nehmen und sich vor eine Wand setzen. Einfach nur sitzen, ohne Grund und ohne ein Ziel zu haben. Das ist nicht schwer, wenn man denkt, wie viel Arbeit und Energie wir aufwenden für Dinge, die uns langweilen, gleich nachdem wir sie erreicht haben. Was sind schon ein paar Stunden in der Woche, ohne Grund und Ziel zu sitzen? Nichts, wenn man bedenkt, dass man damit sein Leben verändern kann, (das aber auch nicht ein Ziel sein sollte). Zen ist gleichzeitig Haltung und Kontemplation, und besonders für unsere Zeit geeignet.
Die Worten, mit denen ich mich in dieser Schrift an Dich wende, sind Worte, die ich nach dem Ende der letzten Zazeneinheit vorbereitet oder spontan gesprochen habe. Die wöchentliche oder tägliche Praxis in Dojos beträgt in der ersten Einheit ca. vierzig Minuten (oder auch mehr) und zehn Minuten Kinhin (Gehmeditation). Die zweite Einheit dauert ca. eine halbe Stunde, in der in der letzten Viertelstunde eine Lehrrede gehalten wird. Weil es in vielen Dojos Sitte ist und es mir notwendig vorkam, habe ich mir auch zur Gewohnheit gemacht, ein paar Worte an die Übenden zu richten.
Noch ein kurzes Wort zur Zazenhaltung: Die Zazenhaltung ist aufrecht und unbeweglich. Wenn wir diese Haltung einnehmen, besitzen wir die rechte Geisteshaltung. Ebenso wie eine regungslose Haltung, beruhigt auch ruhiges Atmen den Geist. Durch diese Haltung und die dadurch indizierte Bauchatmung wird (durch Botenstoffe z.B. Seratonin, die das Gehirn erreichen), die Tätigkeit beruhigt. Die Vorstellungsbilder vom Körper und seiner Position sowie Lokalisierung entsprechen den philosophischen Lehren des Zen-Buddhismus und den neurophysiologischen Auswirkungen, insbesondere von der Ansicht über das individuelle Ich, das nicht als dauerhafte Wesenheit, sondern als eine Folge physischer und geistiger Ereignisse verstanden wird, die Hier und Jetzt in Erscheinung treten und wieder vergehen. Jede Existenz ist in ständiger Wandlung begriffen. So gibt es kein bleibendes Ich oder Selbst. Zazen verändert demzufolge das Körpergefühl, das empfundene Selbst löst sich plötzlich in Nichtselbst auf. Wir sind nicht mehr getrennt von unserer Welt. Wir sind das Gewebe, das uns mit ihr verbindet. Traditionell Samadhi genannt, eine Art Leerheit, bedeutet relativ unabgelenkt vom Hintergrund, von Gedanken und Vorurteilen, Begierden und Phantasien. So kann der Zen-Übende im Idealfall in einer Situation vollkommen >dasein< und diese Situation daher wirklich sehen. Diese ununterbrochene aktive und nichtaktive Aufmerksamkeit kann der Übende durch zählen der Atemzüge und durch das einfach >nur zu sitzen< intensivieren. Diese inhärente Aktivität erfordert ständige Wiederholung, die nicht auf unmittelbaren Gewinn >Mushotoku< (Arbeit ohne Verdienst) sondern auf den Sinn physischer Selbsterhaltung gerichtet ist. Eine Art im radikalen Sinn zu sein, ohne am Ich interessiert zu sein. Zen vertritt die Auffassung, dass diese zur ichlosen Aufmerksamkeit nur durch disziplinierte Übung entwickelt werden kann - wie geht das?
Von der physischen Seite betrachtet übt selbst der Erfahrene permanenten Druck auf Muskeln und Gelenke aus, weshalb auch erfahrene Zenübende in dieser lang anhaltenden Zazenposition letztlich Schmerzen empfinden. Das ist der Grund, dass Zen-Lehrer die Zen praktizierenden auffordern, sich auf gar keinen Fall zu bewegen, das heisst die Haltung zu verändern. Der Übende tendiert häufig dazu, seinen Schmerzen auszuweichen, die Atmung zu beschleunigen, zu forcieren, Muskeln anzuspannen, um dadurch den Schmerzen im Körper entgegenzuwirken. Der Übende merkt aber, dass die Schmerzen eher verstärkt werden. Er lernt mit zunehmender Übung, die Haltung beizubehalten, mit der Atmung fortzufahren und die Muskeln >durch< den Schmerz hindurch zu entspannen. In dem er sich in den Schmerz hinein entspannt und mit ihm eins wird, erfährt er nach einer bestimmten Dauer ein Nachlassen des Schmerzes. Auf diese Weise veranschaulicht er oder sie sich selbst die praktische Wahrheit und Wirklichkeit der >monistischen< (wie viele meinen) Lehre des Zen. So lange wir am Schmerz festhalten, dagegen ankämpfen, als wäre der Schmerz ein getrenntes Objekt, wird der Schmerz intensiver. Sobald wir den Schmerz akzeptieren, mit ihm verschmelzen, kommt und geht der Schmerz im Körper; in den Beinen mit einer erträglichen Konstanz. Wenn wir nur sitzen, >Shikantaza< kann der Schmerz vorübergehend vollständig verschwinden. Analog dazu die geistige Dynamik. Die stark eingeschränkte Situation ermöglicht es uns, ansonsten unbewusste, unterdrückte oder rationalisierte Assoziationen, Gedanken Begierden und Ängste, sobald sie im Geist auftauchen, zu beobachten, ohne sie zu manipulieren. Wirkt man dem allen wieder entgegen, tauchen die Schmerzen erneut auf. Wir lernen den Geist zu belassen, wie er ist, in dem wir die Aufmerksamkeit immer wieder auf die Atmung und Körperhaltung richten. Wie ein Bogen gespannt aber nicht überspannt erfahren wir tiefes Sein: begegnen wir unserem Meister.
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