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Drü Egg
[CH]
- DAS WERK -
Connection
TITEL: Connection
TECHNIK: pinsel, rolle
ENTSTEHUNGSJAHR: 2022
STANDORT: Route Cantonale
FLÄCHE: 240 m2
Bei Sonnenuntergang verliert sich Le Locle in der Ebene des Col-des-Roches. Unauffällig, zwischen Hainen und Grossen Fabriken. Der Fluss Bied taucht aus den Tiefen der Muttergemeinde auf, aus der rechteckigen Mündung des Untergrunds, die wie ein überfluteter Tunnel aussieht. Bevor der Fluss Anfang des 19. Jahrhunderts kanalisiert wurde, überschwemmte er die Talsohle regelmässig während der Schneeschmelze und in langen Regenperioden.
An seinem rechten Ufer, am Ende des langen Grabens, der als Flussbett dient, wird sein Wasser von den technischen Anlagen von Actiflo bei schweren Gewittern gereinigt, um die flussabwärts gelegene Kläranlage zu entlasten. An seinem linken Ufer erstreckt sich eine große, blumenübersäte Wiese, die ein Zufluchtsort für eine Vielzahl von Insekten ist. In dieser ländlichen Umgebung wird der Schutt aus dem Tunnelbau für die Umgehung von Le Locle aufgetürmt.
Dieses Strassenbauprojet soll ab 2030 die durch den täglichen Pendlerverkehr verstopften Straßen der Stadt entlasten. Neben der Eisenbahnlinie und der Straße zur französisch-schweizerischen Grenze gelegen, nur einen Steinwurf entfernt vom künftigen Tunnel und des zukünftigen Sees, ist das Actiflo ideal gelegen, um an seinen Wänden ein Wandgemälde über die Veränderung der Landschaft durch den Menschen aufzunehmen. Zu diesem Zweck hat das Exomuseum Drü Egg eingeladen, einen St. Galler Street Artist, der grafische Kompositionen schafft, in denen sich architektonische und organische Symbole vermischen.
Drü Egg ist der Ansicht, dass das Streben nach Harmonie zwischen der Natur und den menschlichen Errungenschaften im Mittelpunkt jeder architektonischen Vorgehensweise sein sollte. In Le Locle bedeutet der Bau eines Umfahrungstunnels, dass es weniger Umweltverschmutzung im Stadtzentrum gibt. « Die Leute haben so lange darauf gewartet den Tunnel benützen zu können, dass sie alle ein Lächeln auf den Lippen haben werden wenn sie aus ihm herauskommen, erklärt der Künstler, um zu erklären, warum er zwei Smileys in sein Wandgemälde integriert hat, und fügt hinzu, « Für Ausländer, die über den Col-de-Roches in die Schweiz kommen, werden diese Piktogramme als ein Zeichen der Gastfreundschaft und Heiterkeit verstanden werden.
Dieses mit Rolle und Pinsel gemalte Wandbild ist repräsentativ für den « doodle art »-Stil von Drü Egg. Ein « Doodle » ist eine Zeichnung, die aus zufälligen Motiven besteht, die so gezeichnet werden, dass sie ein hypnotisches Geflecht aus figurativen oder abstrakten Formen bilden. Drü Egg bemüht sich, extrem vereinfachte Piktogramme zu schaffen, die manchmal an die Grenze zur Abstraktion gehen. Seine Vorgehensweise ist nicht weit entfernt von der von Keith Haring oder Mr. Doodle.
Instinktiv erkennt das Auge Straßen, Brücken, Tunneleingänge und -ausgänge, weiter hinten einen Bus und einen Zug, einen Wasserfall, Berge, Tannenbäume und Wolken. In grafischer Hinsicht amüsierte sich der Künstler, die Ebenen und Rhythmen des Gebäudes zu betonen oder zu verwischen. Indem er die quadratischen Fenster aus einer Klapp-Perspektive visuell hervorhob, illustriert Drü Egg die Pfähle, die das Stadtzentrum von Le Locle abstützen. Um die Fenster des Komputerbetriebssystems, das von der Firma Apple entwickelt wurde, zu erwähnen, hat der Künstler über den Türen des Gebäudes Balken gemalt, welche die drei Knöpfe enthalten, mit denen die besagten Fenster maximiert, minimiert oder geschlossen werden können. « In manchen Formen erinnern die Raster, die aus Punkten bestehen, an bestimmte Druckverfahren. Jene in den blauen Flächen erinnern an Wasserwirbel, etwas Organisches », erklärt der Künstler.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Actiflo einem Bunker ähnelt, zog es Drü Egg vor, türkisfarbene statt grüne Farbe zu verwenden.
Grün ist eine natürlichere, aber « militärischere » Farbe, vor allem in Kombination mit beigen Tönen.
In den 2030er Jahren, wenn dieser Tunnel endlich in Betrieb genommen wird, wird der hektische Ball der Bagger und Betonmischer jedoch nicht aufhören. Denn nach dem Durchbohren der Berge wird die Ebene ausgehoben, um einen See zu schaffen. Dieser soll das Wasser des Bied regulieren und die durch die titanischen Bauarbeiten verursachten Beeinträchtigungen der Artenvielfalt « ausgleichen ». Bevor sie im See von Le Locle baden und eine von Staus und Maschinenlärm befreite Ebene genießen können, müssen sich die Einwohner von Le Locle also noch gedulden und eine lange Zeit erhöhten Chaos in Kauf nehmen.
© exomusée – Mai 2022 – Redaktion: François Balmer – Übersetzung: Wolfgang Carrier
Route Cantonale
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