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Nachdem sich der Industrielle Gédéon Thommen 1884 von Architekt Paul Reber eine Villa oberhalb des Bahnhofs in Waldenburg bauen liess, engagierte er ihn vier Jahre später erneut für die Planung eines neuen Schulhauses. Nachdem die Waldenburger Kinder ab 1656 nach Oberdorf zur Schule mussten, richtete man um 1730 erneut eine Gemeindeschule im ersten Stock der umgebauten Kirche ein. Nun aber sollte der Schulweg wieder kürzer werden.
Rebers Pläne wurden an einer Gemeindeversammlung gutgeheissen, worauf man bereits 1890 mit dem Bau ausserhalb der Altstadt talabwärts beginnen konnte. In das verwinkelte Städtchen hätte ein solch voluminöser Neubau wohl auch gar nicht reingepasst. Der dreigeschossige neobarocke Bau mit Walmdach basiert auf einem rechteckigen Grundriss. Strassenseitig verfügt der Bau über sieben Achsen. Eine zentrale Freitreppe führt zum Eingang im Mittelrisalit. Dieser wird durch Pilaster gefasst und mit einem auffällig gefriesten Giebelfeld, ergänzt durch eine mit einem Rundmedaillon eingefasste Uhr, abgeschlossen. Die Gebäudeecken werden durch Quadersteine definiert, das Erdgeschoss mittels Gurtgesims von den Obergeschossen getrennt. Der Eingangsbereich wird durch eine Rustizierung im Bereich vom Mittelrisalit weiter hervorgehoben. Stirnseitig wachen zwei Dachaufbauten über vier Fensterachsen.
Das beiden grossen Räume im Erdgeschoss für die Gemeindeversammlung und den Gemeinderat sind heute noch erhalten. Die Schulzimmer sind in den oberen Geschossen. Ursprünglich befand sich im zweiten Obergeschoss eine Lehrerwohnung. Die Einheit der Fassade wird durch nachträglich angebrachte sichtbare Storenkästen im ersten und zweiten Geschoss etwas getrübt. Das Schulhaus hatte einen grossen Einfluss auf den Bau weiterer Bildungsbauten im Waldenburgertal. So stand Paul Reber dem Architekten Ernst Wenger beim Bau der Schulhäuser in Oberdorf und Niederdorf um 1900 beratend zur Seite. Paul Reber (1835-1908) hat sich insbesondere durch diverse Sakralbauten profiliert, darunter die Reformierte Kirche in Kilchberg BL 1868 oder das Kirchli in Allschwil 1888.
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Gemeindeschulhaus Waldenburg
Adresse: Haupstrasse 36, 4437 Waldenburg
Architektur: Paul Reber
Baujahr: 1890
Funktion: Schulhaus, Gemeindeverwaltung
Fotos:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Gamp A. & Sommerer S. (2014), Der Bezirk Waldenburg: Kunstdenkmäler der Schweiz Kanton Basel-Landschaft, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgerschichte GSK, Bern. ISBN: 978-3-03797-115-4 ISSN: 2235-0632
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2007), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeinde Waldenburg