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Weinanbau in Ungarn
Nachdem die Reblausplage im 19. Jahrhundert auch in Ungarn gewütet hatte, ebbte die Weinproduktion zunächst ab. Während des Sozialismus lag der Schwerpunkt auf Massenweinen. In grossen Mengen lieferten die staatlichen Betriebe die Massenware an die UdSSR. Wenig Raum war während dieser Zeit für die Kelterung der Spezialitäten, die dem Weinbau Ungarns einst hohes Ansehen bescherten. Nach der politischen Wende im Jahr 1989 wurde aufgrund des Wegfalls staatlicher Subventionen ein Weinbauverband gegründet. Auch internationale Investoren erkannten das Potenzial und griffen den ungarischen Winzern unter die Arme. Man begann, sich wieder zur Qualitätsweinproduktion hin zu orientieren. Das Weinviertel Tokaj-Hegyalja ist seit Juni 2002 als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt.
Am Balaton halten die Wasserflächen Temperaturunterschiede gering und sorgen für einen ausgewogenen Wasserhaushalt. Die verschiedenen Bodentypen bringen frische Weissweine aus Olasz und halbtrockene Pinot-Gris-Kreszenzen mit komplexen Aromen hervor. Die grossen Kellereien in Balatonboglár beliefern traditionsreiche Sekthäuser aus Deutschland mit Stillwein zur Herstellung frischer Schaumweine.
Im Pannon liegt die berühmte Anbauzone Villány, die neben Eger im Weinanbau Ungarns für die Rotweinproduktion die Hauptrolle spielt. Aus den Trauben der auf den Ausläufern des Kalksteingebirges wachsenden internationalen Sorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc entstehen körperreiche Tropfen mit hohem Tanningehalt, die vor dem Verkauf mehrere Jahre im Fass reifen.
Im Südosten des Landes liegt zwischen den Flüssen Donau und Theiss die Region Duna. Dieses steppenartige Tiefland mit seinen sandigen Untergründen eignet sich nur für Rebsorten, die grosse Trockenheit und Frost vertragen. Dennoch erbringt die Region in etwa die Hälfte des Gesamtertrags des Weinanbaus in Ungarn. Bekannt ist sie für trockene ebenso wie süsse Weissweine und einfache Rotweine.
Von grösster Bedeutung für Ungarns Weinbau ist der Norden des Landes unweit des Mátra-Gebirges und der slowakischen Grenze. Dieses Gebiet umfasst die Anbaugebiete Eger und Tokaj-Hegyalja. In Eger entsteht ein Rotwein von Weltruhm: der Egri Bikavér (Erlauer Stierblut). In diesem sehr kräftigen Cuvée dominiert Kékfrankos, der mit den Sorten Cabernet Sauvignon, Kékoportó (Blauer Portugieser) und Merlot verschnitten wird. Auch sortenrein ausgebaut ergeben diese Trauben im Eger hochwertige Rotweine. Die Hügel des nordöstlichen Teiles sind hingegen hauptsächlich mit weissen Muskatellersorten bestockt.
Im bekanntesten Gebiet des Weinbaus Ungarn, dem am Fuss des Tokaj-Gebirges gelegenen Tokaj-Hegyalja, dominieren neben der Muskattraubenfamilie die einheimischen Sorten Furmint und Hárslevelü. Die klimatischen Bedingungen in Flussnähe sorgen für eine gute Zuckerkonzentration zur Herstellung von Süssweinen. Sie begünstigen im Herbst die Bildung von Edelfäule und trocknen noch am Rebstock hängende Beeren ein. Vulkanische Böden verstärken das Aroma. Die süssen Tropfen des Tokaj-Hegyalja sind mit den edelsüssen Sauternes des gleichnamigen Weinanbaugebiets Bordeaux vergleichbar.
Weltberühmt ist der traditionsreiche Süsswein Tokaji Aszú, den die Ungarn sogar in ihrer Nationalhymne würdigen. Die gefragteste Spezialität des Weinanbaus Ungarn betört bereits seit Jahrhunderten Weinliebhaber durch ihr breites Aromenspektrum. Die edelfaulen und rosinierten Trauben geben dem Tropfen eine angenehme Süsse. Für die zweite Gärung verweilt der Tokaji Aszú mindestens drei Jahre im Eichenfass, sodass die an Honig, Sultaninen und Pflaumen erinnernden Aromen besonders gut zur Geltung kommen.