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Ein Kloster mit 1'300-jähriger Geschichte im Wandel der Zeit: Als lebendiger Ort des Glaubens und der Kontemplation prägt das Dominikanerinnen-Kloster das Dorf Cazis schon seit Jahrhunderten. Heute führt das Kloster auch ein Gästehaus.
Frühmittel- und Hochmittelalter
Das Stift wird um 700 durch den Churer Bischof Viktor II. gegründet. Cazis ist das erste Frauenstift in Churrätien. Wegen der Abhängigkeit vom Bischofssitz Chur sind die «moniales», wie sie in den Quellen genannt werden, eher Kanonissen oder gemeinschaftlich nach der Aachener Regel von 816 lebende Chorfrauen ohne Gelübde, aber mit einer rechtlichen Bindung an das Stift und die Klausur. Diese Lebensweise ist von 1045 bis 1156 eindeutig bezeugt. 1156 erfolgte die Einführung der Augustinerregel. Allerdings waren laut Urkunde nur wenige Kanonissen bereit, Augustinerinnen zu werden und sich auf jene strengere Lebensweise zu verpflichten.
Reformation: das vorläufige Ende
Der zweite Ilanzerbrief von 1526 unterstellt die Verwaltung der Klöster der weltlichen Obrigkeit und verbietet die Aufnahme von Novizen. Damit erlischt das Klosterleben und 1570, nach dem Tod der letzten Augustinerin, wird das Kloster aufgehoben. In den Klosterräumen wohnen anfangs die Schauenstein, später die Planta, schliesslich wird es baufällig und steht leer. Ein Kapuzinerpater schildert: «Das Kloster machte nicht mehr den Eindruck eines Ordenshauses, vielmehr eines Waldes für wilde Tiere. Das morsche Dach fiel zusammen infolge des Alters. Die Klosterhöfe waren voll von Steinen und Trümmer, so dass einem die Tränen kamen beim Anblick.»
17. Jahrhundert: Neugründung
1647 beruft Bischof Johann VI. die Chorfrau Johanna Gauwin aus dem Dominikanerinnenkloster in Bludenz zur Neugründung und Leitung des Frauenklosters Cazis. Johann VI. hat dabei vor allem schulische Absichten. Die kleine Schar von Dominikanerinnen - zu Beginn sind es sechs Schwestern - hat lange Zeit einen Existenzkampf zu führen. Um den Weiterbestand der Gemeinschaft zu sichern, sind die Churer Bischöfe immer wieder genötigt, sich für das materielle Wohl der Schwestern einzusetzen. Dazu führt 1768 ein Brand das Kloster beinahe in den Ruin.
Ein Ort für die Mädchenbildung
Bis 1919 gehören die Dominikanerinnen zum sogenannten zweiten Orden, dann aber, mit der Übernahme neuer Konstitutionen, treten sie in den dritten Orden über. Dadurch ist es der Gemeinschaft möglich, ihren Wirkungskreis ausserhalb der Klausur zu entfalten. Die Schule St. Catharina, die 1866 eine kurze Blütezeit erlebt hat, wird neu ins Leben gerufen. So kann die Gründungsabsicht des Bischofs Johann VI. verwirklicht werden, der 1647 mehrfach in seinen Urkunden betont hat, er wolle mit den Dominikanerinnen in Cazis einen Ort für Mädchenbildung in Graubünden schaffen. Diesem Anliegen entspricht auch die Lehrtätigkeit der Schwestern in den verschiedenen Gemeinden. 2002 sind mehrere Schwestern aus dem Kloster Cazis nach Bludenz entsendet worden. Wie das dortige Dominikanerinnenkloster um 1647 den Fortbestand des Cazner Konvents gesichert hat, so sollen sich heute die Schwestern aus Cazis um den Fortbestand des inzwischen fast leer stehenden Bludenzer Klosters kümmern.
Heute leben 45 Schwestern im Kloster. Sie sind nicht nur innerhalb der Klostermauern sehr engagiert. Das Kloster Cazis bietet eine breite Auswahl an Kursen an. Ein detailliertes Programm kann auf der klostereigenen Homepage bezogen werden. Im Kloster werden verschiedene Produkte aus hauseigener Produktion verkauft, vom Bienenhonig bis hin zu Kunstgegenständen.