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Das Rätsel um das plötzliche Massensterben von 200’000 Saiga-Antilopen in 2015 scheint gelüftet zu sein. Als Ursache geben die Wissenschaftler eine durch die Klimaerwärmung verursachte Massenvergiftung an.
Innerhalb von nur drei Wochen starben 2015 in Kasachstan über 60% des weltweiten Saiga-Antilopen-Bestands auf unerklärliche Weise. Über zwei Jahren später vermuten Wissenschaftler den Grund ausfindig gemacht zu haben. Sie nehmen an, dass die Tiere an einer plötzlich auftretenden Blutvergiftung, ausgelöst durch die massenhafte Vermehrung eines Bakteriums, gestorben sind. Dies ist bereits seit einiger Zeit bekannt. Neu sind jedoch die Indizien, dass die rasante Vermehrung der Bakterien durch Faktoren der Klimaerwärmung ausgelöst worden ist. Diese Erkenntnisse wurden im Fachmagazin «ScienceAdvances» publiziert.
Klimaerwärmung triggert Massenvermehrung von Bakterien
Das Team von Wissenschaftlern, unter der Leitung von Richard Kock vom Royal Veterinary College in London, untersuchte Blutproben von sowohl toten als auch überlebenden Tieren. Dabei fanden sie ein Bakterium namens Pasteurella multocida, das als Schuliger angesehen wird. Das Bakterium findet sich in allen untersuchten Individuen, jedoch kann sich das Bakterium unter bestimmten Umweltbedingungen in der Blutbahn unkontrolliert vermehren und zu einem tödlichen toxischen Schock führen. Kurz vor dem Massensterbeereignis herrschten in der Region, in der das Massensterben auftrat, eine unnatürlich hohe Luftfeuchtigkeit von ca. 80% und hohe Temperaturen von ca. 6°C . Diese Gegebenheiten führten laut den Wissenschaftlern zu der unkontrollierten Vermehrung der Bakterien. Das Immunsystem der Antilopen wurde durch deren toxische Wirkung vollkommen überrumpelt und die Tiere starben innerhalb von wenigen Stunden an einer Sepsis.
Auch bei zwei vorangehenden Massensterbeereignissen der Saiga-Antilopen (1982 und 1988) wurden Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsanomalien registriert.
Viele der toten Tiere wurden weit voneinander entfernt gefunden, was darauf hindeutet, dass sie während der Futtersuche gestorben sind und der Tod sehr plötzlich eintrat. Die Todesrate der Jungtiere lag bei 100%, wenn sie die kontaminierte Milch der Mütter tranken.
Klimawandel beeinflusst Dynamik der Krankheitserreger
Sicher ist, dass die Tiere an einer Blutvergiftung gestorben sind. Dennoch kann noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit der Link zwischen Klimaerwärmung und diesem Massensterbeevent gezogen werden. Die bisherigen Erkenntnisse deuten stark darauf hin. Krankheitserreger können durch die geänderten Umweltbedingung eine komplett neue Dynamik entwickeln, deren die Wirtsorganismen machtlos ausgeliefert sind.
Die in Zukunft vermehr auftretenden Wetterextreme könnten im Fall der Saiga Antilope zum kompletten Aussterben führen. Saiga-Antilpen sind sehr scheue Tiere, wodurch eine medizinische Behandlung kranker Tiere so gut wie unmöglich wird.