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Der Künstler Tito Lee stellt während drei Wochen in Biel aus. Die Ausstellung «Hotel Annelie» ist eine Fortsetzung seines Films «Annelie» aus dem Jahr 2012. Kontrovers ist neben den Motiven auch der Ausstellungsort: Die katholische Pfarrei Bruder Klaus.
Eine ältere Frau schüttelt den Kopf. Sie sitzt eine Reihe vor mir. Noch etwas weiter vorne – auf der Leinwand – setzt sich Max gerade einen Schuss. Er ist Heroin-Junkie und lebt zusammen mit etwas mehr als einem Dutzend Alkis und Kleinkriminellen unter einem Dach. In der «Annelie». Einem ehemaligen Hotel in München. Die Stadt kaufte es nach der Schliessung auf und stellte es Obdachlosen zur Verfügung. In diesem Mikrokosmos spielt der Film mit dem passenden Namen Annelie.
Regisseur Tito Lee, der mit bürgerlichem Namen Antej Farac heisst, wohnte während drei Jahren im Haus gegenüber und teilte sich den Innenhof und schon bald erste Erfahrungen mit den lauten Bewohnern. Zuerst durch kleine und dann immer grössere Dokumentationen wuchs der Zusammenhalt. Und so entstand zusammen mit den Bewohnern ein Spielfilm, der gleichzeitig ein Dokumentarfilm über die Armut inmitten einer der reichsten Städte Europas ist. Denn von den 21 Filmrollen werden ganze 18 von den Hausbewohnern selbst gespielt.
«Was ihr ihnen antut, tut ihr mir an»
Die Handlung des Films ist die Grundlage für die Ausstellung «Hotel Annelie», die zur Zeit in der Kirche Bruder Klaus in Biel gastiert. «Kirche und Kunst gehören seit jeher zusammen» steht auf der Homepage der Produktionsfirma El Patrol. Die Ausstellung dreht sich um den bekannten Satz von Jesus aus der Bibel: «Was ihr einem meiner geringsten Brüdern und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.»
Auf dem Flyer blickt man deshalb in das Gesicht von Laura, einer Transsexuellen, die einst als Lastwagenfahrer arbeitete. Um ihre langen roten Haare ist ein oranger Heiligenschein ersichtlich. Ihre rechte Hand liegt auf Herzhöhe. In der linken Hand hält sie eine Art Zepter mit einem Kreuz. Es ist eine verfremdete Ikonografie von der Jungfrau Maria. Eine verarmte Transsexuelle als Mutter Gottes, ausgestellt in einer katholischen Kirche?
Maria Regli, Leiterin der Bildungsstelle der katholischen Kirche Biel, die zusammen mit Tito Lee die Ausstellung organisierte, sagte gegenüber dem Bieler Tagblatt: «Es ist eine Herausforderung, alte Vorstellungen loszulassen, die sich vor die Realität stellen. Wenn die Stellung der Frau zur Zeit Jesu eine andere gewesen wäre, hätte er auch eine Frau sein können.» Regli will mit dieser künstlerischen Auseinandersetzung auf das Thema Armut aufmerksam machen und «ein Zeichen setzen gegen die grassierende Entsolidarisierung und für die Akzeptanz der Andersartigkeit». Mutige Aussagen von einer katholischen Kirche.
Die Ausstellung umfasst noch weitere Aktionen. So finden in den nächsten Tagen und Wochen ein Taizéabendgebet, eine MIttagsmeditation und ein Gottesdienst zum Thema statt. Die Ausstellung endet am 24. März mit einem Benefizessen. Das Geld wird der Gassenküche gespendet.