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Regenwürmer fressen rund das Zehnfache ihres eigenen Gewichtes pro Tag. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebensweise lassen sie sich in drei verschiedene ökologische Gruppen einteilen. Der Kompostwurm gehört zu den epigäischen Wurmarten. Diese leben an der Oberfläche, in der organisch-angereicherten Streuschicht des Bodens oberhalb des Mineralbodens, und ernähren sich von zersetzendem pflanzlichem Material wie Blättern. Zum nötigen Schutz vor UV-Licht sind sie dunkel gefärbt. Die bleichen endogäischen Würmer hingegen kommen nur bei Regen an die Oberfläche und zeigen sich dann sehr zahlreich. Sie leben in horizontalen Gangsystemen im Oberboden, dem Wurzelbereich der Pflanzen, in fünf bis 40 Zentimeter Tiefe. Ihre Nahrung besteht aus der organischen Substanz des gefressenen Bodens. Zur dritten Gruppe, den anektischen Würmern, zählt der bis zu 30 Zentimeter lange Tauwurm, auch Gemeiner Regenwurm genannt. Als Meister des Tiefbaus wohnt er in zwei bis drei Meter tiefen, senkrechten Röhren. Seine Nahrung, das sich zersetzende Bodenstreu, zieht er nachts oder bei Dämmerung von der Oberfläche in seine Wohnröhre hinein, wo er seinerseits mineralisches Material aus tieferen Schichten via Kot abgibt. Vertreter dieser Gruppe fördern auf diese Weise die Durchmischung der Mineralerde mit Humus.
Mehr als 7000 Arten von Regenwürmern zwischen einem Millimeter und einem Meter Länge sind derzeit bekannt, die vorwiegend in gut durchlüfteten, humusreichen, nicht zu feuchten und tiefgründigen Böden beheimatet sind.
Den Boden verstehen, Buch von O. Nestroy
Des Landwirts Freund und Helfer
Dank ihrer Wühlaktivität spielen die Würmer eine zentrale Rolle für die Entwicklung und Qualität des Bodens. Sie tragen zur Bildung von fruchtbarem Humus bei, indem sie mittels Verdauung organische Materie in den Boden einbringen und den Boden durchmischen. Im Wurmkot werden pflanzenverfügbare Nährstoffe, beispielsweise das Phosphat, gebunden und ausgeschieden. Vom Darm der Regenwürmer gelangen auch nützliche Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzsporen in den Boden. Die Ton-Humus-Komplexe, welche man im Kot von Regenwürmern findet, sorgen dafür, dass die Ausscheidungen zu stabilen Erdkrümeln verkleben. Würmer schaffen ausserdem ein Hohlraumsystem im Boden, was nicht nur das Wurzelwachstum der Pflanzen, sondern auch die Belüftung und Bewässerung des Bodens begünstigt. Überdies ergänzen sie als wichtige Nahrungsquelle den Speiseplan von Vögeln, gewissen Säugetieren und Insekten. Ihr Gesamtgewicht auf einer Weide beträgt je nach Bodentyp ein bis drei Tonnen pro Hektare. Böden von reinen Nadelwäldern allerdings sind für sie aufgrund des hohen Säuregehalts der Tannennadeln eher ungeeignete Lebensräume.
Erschwerte Bedingungen für Regenwürmer
In landwirtschaftlich genutzten Böden haben es Regenwürmer ebenfalls nicht leicht. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und mineralischem Kunstdünger setzt ihnen zu. Intensives Pflügen und Bodenverdichtung aufgrund der Belastung mit schweren Fahrzeugen machen ihnen ebenso zu schaffen. Langfristig sind nicht nur die Regenwürmer, sondern auch der Boden selbst betroffen. Denn die verminderte Bodenbelüftung und eine beeinträchtigte Wasserversickerung führen zu Ertragseinbussen.