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Idee
Der Blaise Pascal zugeschriebenen Duktus ‘In einem Garten ging die Welt verloren, in einem Garten wurde sie erlöst’ verweist allegorisch auf die Gärten Edens und Gethsemane. Die Typologie des Stadtgartens ist für die Strategie der Erneuerung des Winkelriedplatzes Ausgangspunkt der Idee. Damit den grundlegenden Problemen des Strassenlärms und der unsicheren Spielsituation für Kinder entgegengewirkt werden kann, wird der Baumraum mit einer Mauer umgärtet (Pairi-Daeza) und impliziert das Paradiesische. Das Übertragen gerade dieses Unbegrifflichen als Methode eröffnet hier metaphorisch eine Chareographie für den neuen Stadtgarten – Umgrenzung, Schwelle, Schatten, Wasser, Vegetation, Spiel, Kontemplation und Lustwandel. Solidarisch und familiär der Idee des offenen Raumes verpflichtet, entsteht in Kombination mit dem Neuen eine prägnante Autorenschaft. Erst die entschiedene Wertschätzung des Vorhandenen eröffnet die Chance einen einzigartigen Stadtplatz entstehen zu lassen. Aufbauend auf dem historischen Plan von 1896 mit konvexer Innenraumfigur, besetzten Rändern und zwei kreisrunden Parterres sowie dem wertvollem figurativen Baumraster wird die bestehende Raumstruktur umgedeutet. Die Wertschätzung des Vorhandenen wird als Chance verstanden, die offene Struktur in eine neue urbanistische Anmutung zu transformieren und diktiert die Konzeption. Zusammen mit den neuen Überlagerungen und Nutzungen entsteht eine unzertrennbare Einheit kultivierter Leerräume. Was ist der Winkelriedplatz? Ein Ort der Sehnsucht, an dem die Widersprüche, die Gegensätze zwischen Natur und Kultur, zwischen Permanenz und Wandel, dem Profanen und dem Heiligen, dem Ephemeren und dem Bleibenden, zwischen individuellem Erleben und universell geltenden Regeln versöhnt werden? Ein Ort, an dem sich die Lust am Wissen und am Gestalten, am Schauen, Riechen und Spüren erfüllt? Ein Ort, an dem eine Idee Gestalt annimmt, um sich im Verlauf der Jahreszeiten und der Jahre zu wandeln, anderen Ideen seine Gestalt zu leihen? Der Winkelriedplatz ist ein Ort, der vom Setzen und Aufbrechen von Grenzen, von Permanenz und Transgression erzählt, dazu auffordert, über Eigenes und Fremdes, über Vergangenes und Kommendes nachzudenken. Beispielsweise wird die künftige Begegnungszone als konstituierendes Element zur Belebung des öffentlichen Raumes wird schon vorweggenommen und in der Gesamtkonzeption mitgedacht.
Baumfigur
Der bestehende Baumbestand wir weitestgehend erhalten. Nur vereinzelt werden Exemplare gefällt. Zusammen mit den Neupflanzungen entsteht eine neue Raumfigur mit zwei grossen Leerräumen. Die Auszeichnungen der konvexen, mittig angeordneten Raumabfolgen bedingen auch künftig feine, aber präzise Verschiebungen im Pflanzraster.
Pairi-daeza oder die Platzmauer
Die Normalien der Stadt Basel (103.01 Bäume im öffentlichen Raum) im Umgang mit Baumpflanzgruben sind Ausgangspunkt der Konzeption der Mauer. Die Wurzelräume der Bäume werden mit flachen Bogen überspannt und ermöglichen dadurch eine Kraftabtragung ausserhalb der Wurzelräume. Bei jedem Baumstandort erfährt die Mauer eine Ausbuchtung und weicht dem Baum, was gleichzeitig zu einer erhöhten Stabilität der Mauerkonstruktion führt. Bei bestehenden Bäumen und bei Neupflanzungen gelten unterschiedliche Vorgaben. Dadurch ergibt sich ein leicht modifiziertes Ansichtsbild. Mauer und Bäume werden zu einer Einheit und bedingen sich über die Nähe gegenseitig. Die trassgebundenen Beläge in den Eingangszonen (Schwellen) werden mit kreisrunden Löchern versetzt und leiten sich ebenfalls aus den städtischen Vorgaben ab. Für die Konstruktion der Mauer kommen grundsätzlich zwei Materialien zum Einsatz: Zum einen, reiner Trasskalk, welcher mit einer schlaffen Eisenbewehrung die Überspannung in der Sockelzone löst und Rissbildungen verhindert, zum anderen eine Trass-Stampflehmmischung welche im darüber liegenden, unbewehrten Mauerwerk zur Anwendung kommt und den Hauptteil der Einfriedung ausmacht. Die Schalungseinlagen werden in den geraden Abschnitten angewendet und lassen in der Mauer variantenreiche, dem Rhythmus der Bögen folgende Aushöhlungen frei. Somit entstehen typologisch verschiedene Bereiche: Sitznischen, spannende Fensterdurchblicke, Beleuchtungskörper, aber auch räumliche Erweiterungen der Spielanlagen für Kinder. Immer unter der Prämisse, dass die Mauer auf den unmittelbaren, von den Nutzungen bestimmten Kontext antwortet und reagiert. Angedacht ist, dass sich nebst den Nischen eine Spielwelt bestehend aus einer grossen Brunnenanlage, ein Sandbereich für Kleinkinder, ein Schaukel, eine Hängematte und Tische aus der Mauer entwickeln.
Infrastruktur und Ausstattung
Eine robuste und feine Chaussierung belegt die Anlage und nimmt Ausstattungen, Pflanzenfelder und Rasenparterres als Intarsien auf. In präzisen Pflanzfelder wurzeln geschnittenen Wildhecken und schaffen innerhalb der weitläufigen Anlage Teilräume und unterschiedlich belebte Zonierungen. Die mobile Buvette wird im Bereich des westlichen Zuganges in nötiger Distanz zur Bestandsbaute (ionisierender Strahlung) und den Sanitäranlagen platziert. Die Anschlussvorrichtungen für Elektro und Frischwasser werden in einem Senkelektrant im Belag eingelassen. Alle bestehenden Elektrobuffets werden an den heutigen Standorten belassen. Eine der beiden Telefonkabinen wird entfernt. Die Anlage kann mit den gängigen Unterhaltsfahrzeugen von drei Seiten angefahren werden.