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DSD neu entdeckt?
Direct Stream Digital kurz DSD heisst das digitale Format mit dem Sony den Tonträgermarkt Ende der 1990er Jahre neu definieren wollte. Nun gibt es echte DSD-Aufnahmen auch vermehrt als Download zu kaufen. In Folge unterstützen Audioplayer vermehrt das DSD-Format und neue D/A-Wandler ebenfalls. Ein Trend?
Die ursprünglichen Absichten und die Ergebnisse:
Sony verfolgte mit DSD mehrere Absichten:
- Ein digitales Archivformat, mit dem man analoge und digitale Master in höherer Qualität in Mono oder Stereo dem Musikhörer anbieten wollte. Die Digitalisierung analoger Masterbänder mit DSD verdient eine gewisse Beachtung, sagen viele Musikhörer. Die besseren Resultate sind aber kritisch betrachtet auch mit PCM und hohen Samplingraten zu erzielen. Die Abkehr von physischen Tonträgern (SACD) und die Dominanz von PCM im Aufnahmestudio bei neueren Aufnahmen relativieren die Eignung von DSD.
- Ein wirkungsvoller Kopierschutz zur Bekämpfung von Raubkopien. DSD kann bis heute von SACDs als Datenstrom nicht kopiert werden. Insofern wurde das Ziel erreicht. Das Potenzial von PCM-basierenden Digitalformaten mit hoher Auflösung (WAV, AIFF, FLAC) und deren Kopierbarkeit schufen eine beliebte Alternative zu DSD.
- Ein damals neuer Tonträger (Datenträger) die SACD, mit der man die Grundlage für mehrkanalige Musikwiedergabe schuf. Die mehrkanalige Musikwiedergabe vermochte sich nicht durchzusetzen. Zu aufwändig ist das dafür notwendige Wiadergabesystem, zu gering (wenn überhapt) erwiesen sich die Klangvorteile. DSD-Aufnahmen, DSD-Master und die SACD wurden relativ schnell nach der Markteinführung fast ausschliesslich in Stereo angeboten. Die SACD konnte sich dennoch als Tonträger (unter den Erwartungen) etablieren. Sie ist heute die einzige Möglichkeit, hochauflösende Digitalaufnahmen direkt von einem physischen Tonträger mit einem Gerät (SACD-Player) abzuspielen.
Die ursprünglichen Absichten liessen sich mit DSD und der SACD nicht erreichen. Trotzdem könnte DSD eine Zukunft haben, wie die folgende Betrachtung zeigt.
DSD als Download-Format:
DSD-Aufnahmen werden zunehmend als Download-Format angeboten, nicht billig, aber verfügbar. Dabei handelt es sich um echte DSD-Aufnahmen, solche also, die im Studio oder live mit DSD-Eqipment aufgenommen wurden. Bereits von der SACD weiss man, dass die auf der Delta Sigma Modulation beruhenden Klangvorteile von DSD nur wirklich zum Tragen kommen, wenn die Aufnahme mit dem DSD-Verfahren gemacht wurde. Die Umwandlung von PCM-Aufnahmen in DSD wird allgemein als nicht zielführend beurteilt, was die meisten SACDs betrifft.
Durch die Möglichkeit von DSD-Downloads ist der Kopierschutz bei den verfügbaren Aufnahmen natürlich aufgehoben. Die Daten können gespeichert, kopiert und übertragen werden. Das betrifft aber nur die verfügbaren Musikaufnahmen und keineswegs etwa den gesamten SACD-Katalog. Wenn man DSD-Daten auf SACDs herankommen will, scheint es eine Möglichkeit zu geben, mit einer alten Playstation 3 (auch von Sony) und zusätzlicher Software den Kopierschutz zu knacken. Ich verweise auf einschlägige Foren. Das ist aber etwas für Nerds und kaum mehrheitsfähig. Trotzdem scheint die Musikindustrie auch mit DSD den Weg zum Download-Format zu suchen, auch wenn man damit nur eine kleine Zielgruppe anspricht.
Eine sehr ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema finden Sie hier.
Die bekannten Audioplayer für Mac, Audirvana Plus und Pure Music können DSD abspielen, allerdings nicht via iTunes, sondern über die Playliste des jeweiligen Players. Das letzte Glied ist schliesslich der D/A-Wandler, der ebenfalls DSD-fähig sein muss. Es gibt schon einige DACs, die das können und weitere sind bald zu erwarten. Zum beispiel der Zodiac Platium von Antelope und der geplante DAC301 von Weiss.
Klingt DSD besser?
Ich bin eher skeptisch, muss aber zugeben, nur einige wenige DSD-downloads gehört zu haben und dazu hatte ich keinen direkten Vergleich zu denselben Aufnahmen in einem PCM-Format. Dazu spielt mein Antelope Zodiac Gold DSD zwar ohne Unterbruch, allerdings nicht mit der maximalen Auflösung. – Dasselbe Manko wie bei der SACD übrigens. Aus meiner SACD-Zeit habe ich dieselbe Erfahrung der meisten Musikhörer: Der SACD-Layer klang eigentlich immer etwas besser als der CD-Layer. Dieser Vergleich sagt heute natürlich nichts mehr aus.
Bei meinen Recherchen für diesen Beitrag stiess ich auf eine umfangreiche Diplomarbeit mit dem Titel ‚Untersuchung zur auditiven Differenzierbarkeit digitaler Aufzeichnungverfahren‘. Sie finden diese Arbeit hier. Man hat bei der Erhebung 145 Hörvergleiche zwischen DSD-Aufnahmen und PCM-Aufnahmen (24bit/176.4kHz) durchgeführt. Lediglich bei 4 der 145 Hörvergleiche gab es ein Resultat mit statistischer Signifikanz. Die zahlreichen Probanden waren sich kritisch-analytisches Musikhören gewöhnt, allerdings machten ihnen die konsequenten Doppel-Blindtests zu schaffen, da diese Methode visuelle und informative Assoziationen ausschliesst und die Erwartungshaltung ausschaltet. Musikhörer kennen das Dilemma: Man hört nicht nur was man hört, sondern auch was man zu hören erwartet. Trotzdem scheint mir das Fazit aus dieser Arbeit bemerkenswert und nicht ausser Acht zu lassen. Das Fazit der Arbeit kommt zu einem Schluss, den ich durch alle Böden vertreten kann: Eine stärkere Besinnung der Tonmeisterarbeit – die Auswahl geeigneter Mikrophone, deren Positionierung, Schnitt, Mischung, eine musikalisch fundierte Produktion der aufzunehmenden Musiker, etc. vermag erheblich grössere klangliche Verbesserungen zu bewirken, als die Entscheidung für oder wider ein digitales Kodierungsverfahren. – Denn Immer mehr moderne Produktionen verachten die Tugenden der hochwertigen Tonmeisterarbeit.
Musikhörer vertreten gerne den beliebten Standpunkt, die Aufnahmequalität nicht beeinflussen zu können. Weit gefehlt: Wenn das Gros der Musikhörer nur noch hohe Qualität kauft, dann wird die Musikindustrie nur noch solche Qualität anbieten können. Die Nachfrage nach guter Qualität schafft das Angebot. – In Zeiten der iTunes-Store-Dominanz zugegeben ein idealistischer Standpunkt.
(Bild: www.avguide.ch)