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Das Modell der 2000-Watt-Gesellschaft
Die «2000-Watt-Gesellschaft» ist ein bewährtes, energiepolitisches Modell, das zum Ziel hat, den Energieverbrauch zu minimieren und somit zur Nachhaltigkeit auf der Erde beizutragen. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die konkreten Ziele des Modells und den aktuellen Stand der Schweiz im internationalen Vergleich auf. Anhand von einigen Beispiel-Projekten, erfahren Sie zudem, wie sich die Ideologie einer 2000-Watt-Gesellschaft beim Wohnungsbau -und Vergabe in die Tat umsetzen lässt.
Robin Wagner, 14. März 2022
Update vom Beitrag: „2000-Watt-Gesellschaft – das Konzept für Nachhaltiges Wohnen“
Ursprung und Definition
Um das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft zu verstehen, ist es sinnvoll, den Ursprung des Modells zu kennen. Entwickelt wurde das Modell im Rahmen des «Novatlantis-Programm» an der ETH Zürich. Dabei orientiert man sich für die Entwicklung des Modells der 2000-Watt-Gesellschaft am Effizienzziel der Energiestrategie 2050 sowie an den internationalen Klimazielen von Paris 2015.
Bei der 2000-Watt-Gesellschaft wird darauf geachtet, dass der Energieverbrauch nicht zunimmt und die Emission von Treibhausgasen auf das Minimum reduziert wird, so dass der globale Anstieg der Temperatur zwei Grad Celsius nicht überschreitet. Der Energieverbrauch wird dabei in Watt (oder kWh) gemessen. Energie wird bei Tätigkeiten, wie beispielsweise Autofahren, Zugfahren, Heizen, Staubsaugen, Waschen oder Kühlen/ Gefrieren verbraucht. Darunter fällt auch die graue Energie, welche verbraucht wird um etwas herzustellen bzw. zu bauen.
Ideologie und Ziele
Der Grundgedanke hinter einer 2000-Watt-Gesellschaft besteht darin, dass jedem Menschen der gleiche Anteil an Energieverbrauch & Emissionen zustehen sollte. Weltweit betrachtet liegt der durchschnittliche Energiebedarf pro Person und Jahr zurzeit tatsächlich bei ca. 17’520 Kilowattstunden (kWh), was 2000 Watt entspricht (2000 Watt • 24 h • 365 Tage = 17’520 kWh/Jahr). Wie beim Einkommen und bei der Nahrung ist die globale Verteilung jedoch nicht gerecht. Während der Energie-verbrauch in den meisten Entwicklungsländer sehr gering ist, wird in Industrie-ländern oft viel zu viel Energie pro Kopf verbraucht. Dies ist eindrücklich auf der untenstehenden Weltkarte zu sehen.
Jährlicher Bruttoenergieverbrauch in Kilowattstunden pro Kopf im internationalen Vergleich
(Quelle: Factsheet Energieverbrauch: energieschweiz.ch // BP Statistical Review of World Energy 2020).
Um die ungerechte Verteilung auszugleichen soll in der Schweiz deshalb nebst einer 2000-Watt-Gesellschaft auch «Netto Null» angestrebt werden. Es soll also nicht nur der Energieverbrauch, sondern auch der Emissionsausstoss minimiert werden. In der Schweiz liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch an Primärenergie zurzeit noch bei über 4000 Watt pro Jahr (36’527 kWh = 4167 Watt). Der CO2-Ausstoss hierzulande liegt bei 5 Tonnen im Jahr und die erneuerbare Energieversorgung ist zu ¼ gegeben.¹ Bund und Kantone haben sich deshalb folgende Ziele bis im Jahr 2050 gesetzt:
- Ziel 1: Energieeffzienz
2000 Watt Primärenergie Dauerleistung pro Person (Heute: >4000 Watt)
- Ziel 2: Klimaneutralität
Null energiebedingte Treibhausgasemissionen (Heute: 5 Tonnen CO²)
- Ziel 3: Nachhaltigkeit
100 % erneuerbare Energieversorgung (Heute: 25% erneuerbar)²
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¹Quelle: Factsheet Energieverbrauch: energieschweiz.ch // BP Statistical Review of World Energy 2020
²Quelle: local-energy.swiss
Umsetzung in der Immobilienbranche
FALLBEISPIEL – HUNZIKER AREAL ZÜRICH
Die Stadt Zürich hat sich zum Ziel gesetzt sich in absehbarer Zeit zu einer 2000-Watt-Stadt zu entwickeln. Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, sind auch im Bausektor und in der Immobilienbranche verschiedenste Denkanstösse und Veränderungen nötig. Ein diesbezüglich vorbildliches Beispiel kann am Projekt «Hunziker Areal» der Wohnbaugenossenschaft «mehr als wohnen» aufgezeigt werden.
Das Hunziker Areal in Zürich-Leutschenbach ist das erste Projekt der Baugenossenschaft «mehr als wohnen». Seit 2014/2015 bietet das Hunziker Areal Wohnraum für 1’200 Personen und etwa 150 Arbeitsplätze.
Nebst den energieeffizienten Häusern wurde bei der Vermietung der Wohnungen auf die Ökobilanz der Interessenten geachtet. Die Wohnungen konnten mittels intuitiver Interessentenselektion der Vermietungsapplikation von emonitor bevorzugt an Bewerber vermietet werden welche kein Auto besitzen. Somit wurde eines der Projektziele – den CO²-Ausstoss zu reduzieren – und das Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft erreicht.
Durch die Einhaltung der Belegungsvorschriften konnte ein weiterer wertvoller Beitrag zur Erreichung der 2000-Watt Gesellschaft beigetragen werden. Die Belegungsvorschriften für Wohnungen in Zürich sind grundsätzlich «Zimmer minus 1», was bedeutet, dass beispielsweise in einer 4-Zimmer-Wohnung mindestens drei Personen wohnhaft sein müssen. Drei Personen in einer 4-Zimmer-Wohnung verbrauchen verhältnismässig weniger Energie, als wenn die drei Personen beispielsweise je in einer separaten Wohnung wohnen würden. Dies hat sich positiv auf die Ökobilanz des Projekts ausgewirkt und somit dem Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft in die Karten gespielt.³
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³Quelle: stadt-zuerich.ch
Weitere zertifizierte Projekte
Im Frühjahr 2022 sind schweizweit 43 Areale zertifiziert – 26 davon als 2000-Watt-Areal «in Entwicklung», bereits 11 erhielten die Auszeichnung «in Betrieb» und 6 Areale besitzen das Zertifikat «in Transformation».4
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4Quelle: 2000watt.swiss
KALKBREITE ZÜRICH
Beim der Kalkbreite handelt es sich um das erste mit emonitor vermietete Projekt, weshalb diese Projekt einen ganz speziellen Platz im Herzen der Gründer von emonitor hat. Die Genossenschaft Kalkbreite hat sich zum Ziel gesetzt, an der Kalkbreite nicht nur baulich die Voraussetzungen für die 2000-Watt-Gesellschaft zu schaffen, sondern den Energieverbrauch auch im Betrieb stark zu reduzieren und die MieterInnen auf einen schonenden Umgang mit Ressourcen zu verpflichten.
Mehr zum Projekt finden Sie hier.
ZÜRCHER FREILAGER
Bereits während dem Bau des Freilagers Zürich wurde das Augenmerk auf die Ökologie und Biodiversität gelegt und das Aushubmaterial wurde per Bahn abtransportiert. So konnten 300 Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden. Auf dem Areal wurden 12’600 Hainbuchen und 540 Bäume gepflanzt – ein Naherholungsgebiet direkt vor der Haustür. Dazu kommen die ökologische Bauweise (Minergie-Eco oder -P-Eco-Standard), die gute ÖV-Erschliessung, die Energieversorgung mit einer Kombination aus Abwärmenutzung und Erdsondenspeicher inklusive Energiemanagement.
Die Wohnungsvergabe erfolgte ebenfalls über die Vermietungsapplikation von emonitor. Am 22. September 2016 wurde das Projekt mit dem Zertifikat 2000-Watt-Areal ausgezeichet. Mehr zum Projekt finden Sie hier.
LOKSTADT WINTERTHUR
Die Lokstadt wird nach den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft entwickelt und ist das erste Areal mit dem Zertifikat «2000-Watt-Areal in Entwicklung» von Winterthur. Die Erstzertifizierung als «2000-Watt-Areal in Entwicklung» erhielt die Lokstadt bereits im Herbst 2019. Zwei Jahre später, im Herbst 2021, wurde auch die erste Rezertifizierung mit 65 Prozent Erfüllungsgrad erfolgreich erreicht.
Mehr zu den Projekten finden Sie hier.
Fazit
Unterm Strich lässt sich sagen: Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft ist ökologisch, gerecht und vor allem zeitgemäss. Sie lässt sich in vielen Unternehmensbereichen umsetzen – auch in der Immobilienbranche. Mit 2000-Watt-Gesellschaft-zertifizierten Projekten tragen Wohnbaugenossenschaften und Städte aktiv zum ökologischen und sozialen Wohnungsbau bei.
Mit der geeigneten Vermietungslösung lassen sich Interessenten auch bei stark nachgefragten Wohnungen einfach & effizient nach individuellem Kriterienkatalog filtern. Sodass die Wohnungen von Anfang an die richtigen Interessenten vergeben werden kann und der Mehraufwand dabei überschaubar bleibt.
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Robin ist unser Content Spezialist. Er kommt aus Arbon am Bodensee und ist damit ein richtiges Seekind. Wenn Robin in unserem Büro in St. Gallen am arbeiten ist, dann sprudeln wir alle nur so vor Ideen. Er liebt es, sich in neue Themen rund um die Digitalisierung in der Immobilienbranche einzulesen und darüber zu schreiben.