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Bier für Reiche
Das Bier am Züri-Fäscht wird um knapp einen Drittel teurer. Selbst wenn ich Bier trinken würde, niemals würde ich sieben Franken für einen halben Liter ausgeben. Nicht, weil ich es mir nicht leisten kann, sondern weil es eine verdammte Frechheit ist, am grössten Volksfest der Stadt so einen Preis zu verlangen.
Wenn das Ganze in einem Club stattfinden würde, für eine bestimmte Klientel, die sich aussuchen kann, ob sie im Club feiert oder nicht, hätte ich nichts gegen einen solchen Bierpreis für importiertes Industriebier von Carlsberg und Heineken – also von genau den Unternehmen, die nach und nach alle Schweizer Biermarken aufkaufen. (Es ist übrigens auch nicht so, dass sich die Anbieter aussuchen könnten, was für ein Bier sie verkaufen wollen. Die beiden Monopolisten beherrschen den Markt am Züri-Fäscht).
Aber das Züri-Fäscht ist kein Club. Es ist ein Ereignis, für das unsere Stadt an Private vermietet wird. Wenigsten können die Biermonopolisten den Zürchern nicht wie an den Public Viewings der EM 2008 den Zutritt mit mitgebrachten Getränken auf öffentlichem Grund verbieten.
Das Züri-Fäscht ist eine flächendeckendes Ereignis im öffentlichen Raum. Aber offenbar nicht für alle Zürcher. Mit dem Gegenwert von zwei Züri-Fäscht-Bieren kann eine alleinerziehende Mutter ohne weiteres ein Zmittag und ein Znacht für sich und ihre zwei Kinder finanzieren, mit Dessert. Ein Rentner mit Minimalrente kann sich damit die Verpflegung für einen Wandertag für in den Rucksack poschten. Ein Lehrling könnte sich vom Gegenwert in Gras zwei Joints drehen, die ihn durch den Abend fliegen liessen. Die werden sich sicher kein Bier in dieser Preisklasse in einem Plastikbecher im Stehen leisten.
Natürlich können sich viele Zürcher sieben Franken für einen Becher Bier leisten. Vielleicht denkt sogar die Hälfte der Zürcher nicht mal eine Sekunde darüber nach, sondern bezahlt einfach. Aber die andere Hälfte zuckt sicher zusammen, oder überlegt es sich zweimal, obs für ein Bier reicht. Und natürlich geht man lieber heim, als sich vor den Kollegen zu blamieren, weil man sich kein zweites Getränk leisten kann. Ich kenn das, denn ich gehörte nicht immer zu den Privilegierten.
Offenbar soll die Stadt mehr und mehr ein Raum werden, in dem sich Menschen, die nicht zum oberen Mittelstand oder zu den Reichen gehören, besser nicht mehr zeigen sollten. So meinte Anna Schindler, Direktorin Zürcher Stadtentwicklung, kürzlich in einem Tagi-Kommentar: «Gut die Hälfte aller Personen wohnt in Haushalten, die eine Miete von über 2500 Franken bezahlen könnten, wenn sie dafür ein Viertel ihres Einkommens ausgeben würden.» Für sie war das eine Entschuldigung für die Mietpreise der Stadt. Dabei zeigt es nur, auf wen die Stadtentwicklung ausgerichtet ist. Da passen sieben Franken für ein Bier ja auch ganz gut rein. Die anderen 50 Prozent der Stadtbevölkerung, die keine 10 000 Franken im Monat verdienen, sollen gefälligst woanders feiern. Darunter sind wohl auch die Angestellten, die den Feiernden das Bier verkaufen. Die verdienen sicher auch keine 10 000 Franken im Monat.
Natürlich werden viele Junge sich beim Detailhändler mit Alkohol eindecken, natürlich werden sie eher Vodka als Bier kaufen (Preis/Promilleleistung) und natürlich wird es so mehr Glasscherben, mehr Komasäufer und mehr Querelen geben. Aber das kennt man ja von der Unterschicht, nicht?
Die Veranstalter bringen natürlich wirtschaftliche Gründe für den Preisaufschlag an: Da der ZVV die Nachtzuschläge dieses Jahr nicht wegfallen lässt, müssen die Veranstalter diese Abgaben bezahlen. Aber ich bezweifle, dass dies einen Aufschlag um einen Drittel rechtfertigt. Rechnen wir doch mal nach: 400 000 Liter Bier wurden beim letzten Züri-Fäscht getrunken. Das sind 800 000 Becher. Mal 1.50 Franken Zuschlag sind das 1.2 Millionen Franken Mehreinnahmen.
Nun würde mich interessieren, wie viel der ZVV von den Veranstaltern für die Nachtzuschläge verlangt. Und vielleicht noch, warum sie überhaupt etwas verlangen.