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Der französische Arzt Paul Nogier lebte 1908 bis 1996. Ihm verdanken wir die systematische Erforschung und Anwendung der Ohrakupunktur. Er behandelte bestimmte Stellen der Ohrmuschel seiner Patienten, die unter Ischialgien und Lumbalgien (Hexenschuss) litten. Aufmerksam auf die Wirkung der Ohrakupunktur wurde er durch Narben an der Ohrmuschel. Damals wandte er eine Technik an, die den Namen Kauterisation trug (Behandlung mit einem Brenneisen). Später begann er mit Nadeln zu experimentieren. Als er ähnliche Behandlungsergebnisse erzielen konnte wie bei der Kauterisation, entwickelte er eine eigene Theorie. In dem von ihm erstellten System, der sogenannten «Aurikulotherapie», korrespondieren 108 Punkte am Ohr mit bestimmten Körperbereichen. Durch deren Reizung können Beschwerden am gesamten Körper positiv beeinflusst werden. Beispielsweise finden sich am Ohrläppchen die Reflexzonen der Kopforgane, entlang der Ohrmuschen die Reflexzonen der Wirbelsäule, im oberen Ohrbereich die der Beine und Arme. Interessant ist, dass diese Reflexlokalisationen am Ohr seit 1990 von der WHO anerkannt und in neueren Studien mittels funktioneller Magnetresonanz bestätigt wurde.
Die Aurikolomedizin lässt sich ideal mit der Traditionellen Chinesischen Medizin kombinieren. Dass der ganze Körper im Ohr abgebildet ist, ist in der TCM seit langem bekannt. Die Behandlung über das Ohr ist schon immer Bestandteil der Akupunktur. Um krankhafte oder schmerzhafte Körperareale längerfristig zu beeinflussen, gibt es sogar die Option, Dauernadeln zu setzen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Dauernadeln:
Die Behandlung mit Dauernadeln ist eine Variante der Akupunktur. Sie wird angewandt, um eine konstante Stimulation von bestimmten Akupunkturpunkten zu erreichen. Das Ohr eignete sich besonders gut für eine Behandlung. Dauernadeln sind feine, stecknadelkopfgrosse Nadeln. Der spitze Teil wird an einem ausgewählten Punkt im Ohr gesetzt. Der obere Teil der Dauernadel ist zu einem kleinen Zirkel gedreht. Auf dessen Rückseite befindet sich ein Pflaster, mit dem die kleine Nadel an der entsprechenden Stelle festgeklebt wird. So kann sie an dieser Stelle bis zu einer Woche kleben bleiben.
Klebesamen:
Eine Alternative zur Ohrakupunktur mit Dauernadeln sind Ohrsamen. Sie können bei Angst vor Nadeln eingesetzt werden. Ähnlich wie die Dauernadeln sind die Samen auf einem pflasterähnlichen Klebestreifen befestigt und werden – je nach Indikation - am gewünschten Akupunkturpunkt im und am Ohr aufgeklebt. Sie dringen nicht in die Haut ein. Trotzdem wirken sie ähnlich wie Dauernadeln, allerdings etwas schwächer. Der Patient kann die Stimulation verstärken, indem er die entsprechende Stelle mit dem aufgeklebten Samen vorsichtig drückt. So werden die Akupunkturpunkte immer wieder stimuliert.
Dauernadeln und Klebesamen eignen sich besonders gut zur Behandlung von chronischen Schmerzen wie Migräne, Neuralgien oder rheumatologische Erkrankungen. Auch bei chronischen Erkrankungen, die schulmedizinisch als nicht heilbar gelten, können Dauernadeln als sinnvolle Begleittherapie eingesetzt werden. Tinnitus, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Restless-Legs-Syndrom eignen sich ebenso wie die unterstützende Behandlung bei Raucherentwöhnung, Alkoholentzug oder Abnehmwunsch.
Ob mit Dauernadeln oder Klebesamen im Ohr, Sie werden auf jeden Fall gestärkt aus unserer TCM-Behandlung nach Hause gehen. Vereinbaren Sie doch einen Termin mit uns. Wir beraten Sie gerne in unserer Praxis über die Möglichkeiten und Einsatzgebiete der Ohrakupunktur.