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Ethan Hawke wird in Locarno mit dem Excellence-Award ausgezeichnet. Ausserdem zeigt er auf der Piazza Grande seine neuste Regie-Arbeit «Blaze». Der Film erzählt die wahre Geschichte des Country-Musikers Blaze Foley. Der hatte eine bewegte Karriere, lebte zeitweise in einem Baumhaus und trank viel. 1989 wurde er schliesslich unter mysteriösen Umständen erschossen.
Ethan Hawke
Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller
Der US-Amerikaner hatte schon früh Erfolg als Schauspieler. Bereits mit 19 war er in «Der Club der toten Dichter» zu sehen. Seither spielte er in zahlreichen Filmen wie «Training Day» oder «Before Sunrise» mit. Als Regisseur hat er drei Spielfilme gedreht, zudem hat er vier Romane veröffentlicht.
SRF: Wie entstand die Idee für diesen Film?
Ethan Hawke: Die Idee kam vom Musiker Ben Dickey, der im Film Blaze Foley spielt. Wie wir zu diesem Film kamen, ist selbst für uns beide etwas mysteriös.
Es begann mit der Idee, einen Film über die Stadt Austin zu machen, in dem auch Blaze Foley vorkommen sollte. Und plötzlich dachten wir – es sollte nur um Blaze gehen. Blaze wurde für mich interessanter.
Der Film konzentriert sich stark auf Foleys Musik. War das von Anfang an so geplant?
Wir hatten die Idee für den Film – aber wussten nicht, worum es genau gehen sollte. Ich wollte nicht wieder einen Film über Drogensucht machen. Als ich dann das Buch von Foleys Frau Sybil Rosen las, war ich begeistert.
Ich begann, es als Liebesgeschichte zu sehen. Und weil Sybil Rosen auch eine Künstlerin war, eine Schauspielerin und Schriftstellerin, wurde es ein Film über Kreativität.
Es geht im Film auch um Foleys Freund, den Musiker Townes Van Zandt. Auch er lebte nah am Abgrund.
Es gibt eine berühmte Rede von Townes, die wir in den Film geschmuggelt haben. Ich habe sie als junger Mann gehört, und sie hat mich umgehauen. Townes erzählte, er habe am Fenster gesessen und sich in seinem Stuhl zurückgelehnt, bis er rausgefallen sei.
Die Leute fragten, warum er das gemacht hat und er sagte: «Die Leute denken jetzt, ich sei dumm. Aber ich weiss etwas, das sie nicht wissen.» Nämlich wie es sich anfühlt, da rauszufallen.
Wenn man so viel Benzin auf sich schüttet und es anzündet, erhält man eine grausame Art von Weisheit. Das ist keine besonders gesunde Form von Kreativität, aber es fasziniert mich.
Wir liessen die Songs die Geschichte erzählen.
Sie wollten aber nicht diese selbstzerstörerische Seite von Foley zeigen?
In der Geschichte von Blaze Foley hat man zum Einen Depression und Selbsthass. Aber da ist auch der Mann, der sich in einem Baumhaus verliebt. Auch dort gibt es Kreativität. Und sie ist gesund.
In Ihrem Film spielen viele Musiker mit, zum Beispiel der Gitarrist Charlie Sexton. Gibt es eine Verbindung zwischen Musik und Schauspiel?
Ich hatte schon immer das Gefühl, dass diese Künste symbiotisch sind. Die Leute sagen dann: «Wow, Charlie Sexton kann schauspielern?» Natürlich kann er das! Er geht jeden Abend mit Bob Dylan auf die Bühne. Klar, er nutzt ein Instrument. Aber er versteht Sprache, er versteht Tempo, Stimmungen und Energie. Er hat ein Verlangen, sich auszudrücken, das ist das Wichtigste.
Was fasziniert sie an den Songs von Blaze Foley?
Seine Songs sind so simpel. «Cold Cold World» fühlt sich an, als wäre er schon immer dagewesen. Er ist so perfekt, dass er schon existiert haben muss. Er konnte nicht einfach geboren werden.
Ich habe vier Kinder – ich habe also viel Harry Potter gelesen. Da gibt es den «Horkrux», in dem Seelen aufbewahrt werden. Ich mag die Vorstellung, dass irgendwo eine Seele drin ist.
Ich habe die Musik von Blaze gehört, und ich konnte ihn darin einfach fühlen. Wir haben die Songs dann verwendet wie in einer Oper oder in einem altmodischen Musical. Wir liessen die Songs die Geschichte erzählen.
Das Gespräch führte Eric Facon.