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Die Entwicklung von facilitated communication (fc) und der neue Ansatz efcic
Facilitated communication (fc) hat sich seit Anfang der 90er Jahre als eigener Zweig innerhalb der Unterstützten Kommunikation etabliert. Die Entwicklung von fc als «gestützte Kommunikation» für Menschen mit eingeschränkter Lautsprache war in der Folge ebenso spektakulär wie umstritten. Doch inzwischen gibt es neue Ansätze wie efcic: Ihre Methoden machen eine Berührung des Armes während der Zeigebewegung oft überflüssig, ohne dass dabei die Qualität der Äusserungen vermindert wird.
Innerhalb der Unterstützten Kommunikation, die zum Ziel hat, die Kommunikation von Menschen mit beeinträchtigter funktionaler Lautsprache zu verbessern, hat sich Anfang der 90ger Jahre ein neuer Zweig, die facilitated communication (fc) entwickelt. In verschiedenen Ländern, so auch im deutschsprachigen Raum, wurde fc als Methode bekannt, die einigen Menschen mit eingeschränkter Lautsprache und Schwierigkeiten bei zielgerichteten (kommunikativen) Handlungen ermöglichen sollte, sich zu äussern: indem sie mit Hilfe eines «Facilitator» auf Pictogramme und Buchstaben zeigten.
Spektakuläre Resultate, umstrittene Methode
Hier wie auch in anderen Sprachregionen war die Entwicklung von fc in der Folge sehr wechselhaft und teilweise unglücklich. Die Art der Hilfestellungen, die zu erfolgreichem Zeigen führen sollten, waren sehr unterschiedlich, es gab keine verbindliche Anleitungen für die «Facilitator» und im deutschsprachigen Raum war zudem die Übersetzung von facilitated communication als «gestützte Kommunikation» eher irreführend als hilfreich. Die Idee, dass die physische Begleitung und Unterstützung der Zeigebewegung durch die Stützperson das Spezifische der Methode darstelle, stand im Vordergrund – und machte fc bald einmal zu einer ebenso spektakulären wie umstrittenen Methode:
Nicht-sprechende Menschen, die als kognitiv stark beeinträchtigt diagnostiziert waren, fingen dank fc sehr schnell an, sich schreibend zu äussern. Diese Texte zeugten teilweise von erstaunlichen sprachlichen und intellektuellen Fähigkeiten und huldigten dem Bild des «idiot savant», des «genialen Idioten», das gerade im Zusammenhang mit Autismus und Inselbegabungen auch von der Wissenschaft oft und gern bemüht wurde. Aber die Beherrschung der Schriftsprache und die Themen, zu denen sich die fc-Nutzenden äusserten, schienen doch sehr weit über dem zu liegen, was man ihnen aufgrund ihrer Diagnose und ihres Verhaltens im Alltag an kognitiven Leistungen zutrauen konnte. So ist es nicht verwunderlich, dass Kritiker bald zu Recht auf die Gefahren dieser «Produktionsmethode» hinwiesen. Es kamen Zweifel auf, dass die behinderten Menschen tatsächlich die Autoren des gestützt Geschriebenen waren und der Vorwurf der Manipulation und Beeinflussung durch die Stützpersonen stand im Raum. Als dann noch sogenannte Validierungsstudien zeigten, dass es den fc-Nutzenden oft schwer fiel, eine Information zu äussern, die der Stützperson nicht bekannt war, sie teilweise sogar Informationen gestützt wiedergaben, die nur der Stützperson, nicht aber ihnen bekannt sein konnte, war für viele Kritiker klar, dass fc nicht funktionierte, ja sogar schädlich sein konnte.
Fokus auf Stützperson statt auf Eigenständigkeit
Einige Studien wiesen zwar die Einflussnahme der Stützpersonen für bestimmte Arten der Stütze klar nach, aber es gelang auch immer wieder einzelnen fc-Nutzenden, den Beweis ihrer Autorenschaft zu erbringen und sich mit der Zeit auch ohne Berührung zeigend und schreibend zu äussern. Ungeachtet dieser Kontroverse zeigte sich, dass der Fokus von fc-Anwendern auf die physische Unterstützung während der Zeigebewegung und die meist sehr einseitige Konzentration auf das buchstabierende Schreiben gewichtige Nachteile hatte: Die meisten fc-Nutzenden konnten aus Mangel an Stützpersonen und Zeit viel zu wenig und vor allem viel zu wenig alltagsintegriert kommunizieren. Im Extremfall – der aber leider nicht selten vorkam – hiess dies, dass ein fc-Nutzer vielleicht einmal pro Woche 1 Stunde mit einer Stützperson isoliert «fc machte».
Diese Entwicklung führte dazu, dass entscheidende Elemente bei der Förderung der Kommunikationsfertigkeiten oft in den Hintergrund traten oder vollständig vernachlässigt wurden: Dazu gehören die Förderung von Interaktionskompetenzen als Basis des kommunikativen Zeigens oder die Verwendung von Hilfsmitteln, die selbständigere, schnellere und damit selbstverständlichere und alltagstaugliche Kommunikation ermöglichen.
Neue Ansätze wie efcic fördern autonome, alltägliche Kommunikation
Aufgrund der zum Teil problematischen Erfahrungen mit fc musste die Forschung nach neuen Ansätzen suchen, es entstanden verschiedene Studien, welche zum Beispiel die Autonomie-Entwicklung untersuchten oder sich mit der Interaktionsanalyse beschäftigten (wie diejenige von efc-Coleiterin Andrea Alfaré). Aus solchen Forschungsarbeiten haben sich in den letzten Jahren relativ unbemerkt neue Methoden entwickelt: Sie haben die Förderung des autonomen kommunikativen Zeigens, des Aufbaus kommunikativ-sprachlicher Handlungsfertigkeiten und des Schriftaufbaus bei Menschen mit eingeschränkter funktionaler Lautsprache und kognitiven Beeinträchtigungen zum Ziel. Man könnte dabei auch von einer Entwicklung «vorwärts zu den Wurzeln» sprechen. Denn die neuen Ansätze stellen nicht mehr das «Stützen» sondern wieder das Zeigen und das Handeln in den Vordergrund, nicht einseitig das Schreiben sondern das Kommunizieren mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in alltäglichen Interaktionen.
Vertreter dieser aktuellen Ansätze sind W.O.C.E., das Programm des Centro studi è ricercha in neuroriabilitazione CNAPP in Rom sowie die Interaktions- und Kommunikationsförderung in der «Wohnstube» Tabula Rasa, ein Projekt in Trägerschaft der COMMUNI-CARE gUG in Heidelberg (s. auch Partner).