Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03579.jsonl.gz/449

Das deutsche Bundesland Hessen erkennt zum ersten Mal eine muslimische Vereinigung als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) an. „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ steht damit auf einer Ebene mit den grossen Kirchen. Damit ist der Islam nun offiziell ein Teil Deutschlands. Der Status bringt Vergünstigungen und Privilegien mit sich. Die Ahmadiyya-Gemeinde darf nun eigene Friedhöfe errichten und kann den Staat damit beauftragen, ihre Mitgliedsbeiträge einzuziehen. In Zukunft muss Hessen dazu die Möglichkeit der Errichtung von Moscheen in Neubaugebieten gewährleisten, sollten die Anwohner zur Ahmadiyya angehören. Die Nachricht aus Deutschland hat die Ahmadis der Schweiz sehr gefreut. Dies sei „ein sehr wichtiger Schritt für die Integration der Muslimen“, erklärte der Imam der Ahmadiyya Mahmud Moschee Ahmed Sadaqat im Gespräch mit Zukunft CH. „Wir wünschen uns sehr, dass wir auch in der Schweiz anerkannt werden“, so Sadaqat weiter. Damit würde die Gemeinde die Möglichkeit haben, „in den Regionen, in denen viele Mitglieder der Gemeinde leben, Moscheen zu bauen und den Islamunterricht in den Schulen durchzuführen“. Ahmadiyya-Anhänger berufen sich auf Mirza Ghulam Ahmad, der die Gemeinschaft Ende des 19. Jahrhunderts in Indien gründete. Er wird als Prophet verehrt, aber nicht von den grossen islamischen Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten akzeptiert. Diese Bewegung zeichnet sich durch einen grossen Missionseifer aus. Er zeigt sich in der Verbreitung von Schriften und dem Bau von grossen Moscheen. Sie hat inzwischen allein in Deutschland etwa 225 Gemeinden und mehr als 35‘000 Mitglieder. Dazu unterhält sie 36 Moscheen mit Minarett und Kuppel, weitere sollen in Kürze eingeweiht werden. In der Schweiz hat die Bewegung bereits lokale Gemeinden in Aargau, Altstetten, Basel, Bern, Genf, Graubünden, Jona, Luzern, Neuchâtel, St. Gallen, Tessin, Thurgau, Winterthur und Zürich. Ihre Zahl wird auf weltweit 10 Millionen geschätzt, etwa 80 Prozent davon in Asien, und zwar vor allem in Pakistan, Indien und Südostasien. Das geistliche Oberhaupt, Mirza Masrur Ahmad, nennt sich Kalif und residiert in London.