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tiefsten gelegenen, diese Erscheinung noch niemals beobachtet worden, weil hier die unterirdischen Abflussrinnen bereits genügend weit sind, um auch bei Hochwasserstand sowohl das Seewasser wie das Schmelzwasser vom Risoux fassen zu können.
Klimatische Verhältnisse.
Die Höhenlage des Hauptthales (Lac de Joux bei Mittelwasserstand 1008 m) bedingt ein ziemlich rauhes Klima. Der mittlere Barometerstand beträgt hier 675 mm, die mittlere Jahrestemperatur 4,7 °C. Die Temperaturschwankungen sind am geringsten im Herbst, da der im Frühjahr und Sommer viel Wärme absorbierende See diese im Herbst wieder nach Aussen abgibt und so eine Art Wärmeflasche darstellt. Grossen Einfluss auf die Temperaturverhältnisse haben der N.-Wind (Bise) und der SW.-Wind (vent de la Combe genannt).
Die tiefe Einsenkung des Thales zwischen zwei Bergketten bedingt bei Windstille eine sehr bedeutende nächtliche Strahlung. So hat man z. B. am bei Le Sentier eine Temperatur von -41° C. gemessen. Sogar im Sommer kann das Thermometer bis unter den Gefrierpunkt sinken (so z. B. -1,2 °C am und -1,9 °C am Die höchste Temperatur ist bisher mit 31,7° am beobachtet worden. Diese grossen Schwankungen zeigen sich aber nur in der Thalsohle; die Unterschiede an den beidseitigen Berghängen sind viel ausgeglichener.
Die Niederschlagsmenge ist nicht im ganzen Thal dieselbe. Im Dorf Le Sentier, das in der Thalmitte und am obern Ende des Sees liegt, beträgt sie etwa 150 cm im Jahr, in Le Pont am untern Ende des Sees steigt sie auf 250 cm, in Le Carroz an der französischen Grenze erreicht sie 187 cm und an den Hängen des Risoux über 200 cm. Diese Unterschiede erklären sich aus der topographischen Beschaffenheit der Thalmulde. Le Pont liegt am N.-Ende des ziemlich engen Thales und am Fuss der die SW.-Winde auffangenden und verdichtenden Dent de Vaulion und erhält daher mehr Niederschlag als die übrigen Orte. Sogar die stark dem Regen ausgesetzten Hänge des Mont Risoux erreichen nicht die Ziffer von Le Pont. Wenn bei Windstille weder ein ständiger noch ein periodischer Wind weht, entstehen an den Thalgehängen lokale Luftströmungen, die als Berg- und Thalwinde im Laufe eines Tages regelmässig mit einander abwechseln.
Ein Ereignis ganz ausserordentlicher Art war der Zyklon, der am einen Teil des Thales heimsuchte und auf einer Breite von etwa 1500 m Alles verwüstete, was in seiner Bahn lag. Er ging von Oyonnax aus in der Richtung SW.-NO., legte in 37 Minuten 80 km zurück und warf allein im Jouxthal etwa 300000 m3 Wald zu Boden. Dieser in seiner Art einzig dastehende Sturm hatte eine Reihe von schwächeren Vorläufern, trat zu einer Zeit ein, da ein anhaltender S.-Wind die Temperatur ausnahmsweise gesteigert hatte und war von so starken elektrischen Entladungen begleitet, dass der ganze Himmel in Feuer zu stehen schien.
Die Blitze gingen als breite Bänder und nach allen Seiten hin sich verzweigend sowohl von den Wolken als vom Erdboden aus. Diese Entladungen begannen zwischen 7 und 7½ Uhr abends. Um 8 Uhr war der ganze Himmel nur noch ein einziges Feuermeer; jetzt begannen auch schwere Regentropfen und mächtige Hagelkörner zu fallen. Plötzlich ertönte ein unheimliches Pfeifen: Fensterladen flogen in Stücke, Türen wurden eingedrückt, Dächer weggerissen, Menschen in die Luft gehoben und weithin weggetragen;
Teile von Bäumen, Heu, Holzstücke, Ziegel und Dachschindeln wirbelten in der Luft herum.
Mehr als 40 Häuser des Thales wurden zerstört, mehr als 150 Menschen obdachlos und 15 davon verwundet. Kurz nach 9 Uhr strahlten die Sterne wieder vom wolkenlosen Himmel herunter. Die Bahn des Sturmes hat sich an Hand der angerichteten Verwüstungen sehr genau feststellen lassen. Er erreichte den Erdboden in Oyonnax im französischen Département de l'Ain und ging zunächst über Saint Claude, wo er sein Zerstörungswerk am gründlichsten besorgte. Hier warf er ganze Häuser, Oekonomiegebäude, Eisenkonstruktionen (worunter einen 4 Tonnen schweren Krahn und eine Brücke) zu Boden, riss sie in Stücke und trug diese weithin fort, indem er zugleich viele Menschen entweder verwundete oder tötete.
Von Saint Claude aus folgte er dem Gehänge der Vallée des Rousses, alles verheerend und unberechenbaren Waldschaden anrichtend. Am Crêt Meylan, nahe Le Brassus und gegenüber dem Lac de Joux, bog der Sturm etwa um 40° nach S. ab, kreuzte das Jouxthal, ging über Le Campe weg, richtete im Bois de Ban enormen Schaden an, sprang zum Mont Tendre hinauf und brauste über den Col de Molendruz, um endlich bei Croy sein Ende zu erreichen. Die Streuungszone der mitgerissenen Gegenstände liegt n. der Ausgangszone des Sturmes und nw. seiner von SW.-NO. fortschreitenden Richtung. Einzelne Gegenstände wurden bis 80 km weit getragen. Die Wirkungen des Sturmes machten sich von Oyonnax bis Croy, d. h. auf eine Entfernung von 80 km fühlbar. Seine auf 100 km in einer Stunde berechnete Geschwindigkeit wurde durch die wirbelnde Drehung der Bahn noch erhöht. Eine besonders bemerkenswerte Erscheinung waren auch die elektrischen Entladungen. Neben dem ununterbrochenen Feuermeer sah man Feuerkugeln, überall machte sich ¶
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ein starker Ozongeruch bemerkbar, die vom Sturm getroffenen Gegenstände waren versengt und von kleinen runden Löchern durchbohrt (Laubblätter, Papier etc.). Dass z. T. sehr schwere Eisengegenstände weggerissen und fortgetragen und Holzstücke zu Hunderten zerfetzt und aufrecht in den Erdboden hinein gesteckt worden sind, kann nur durch die elektrische Anziehung erklärt werden. Nach dem Sturm konnte die Gemeinde L'Abbaye für 500000 Franken Holz verkaufen, was ihr in ihrer damaligen misslichen Finanzlage sehr zu Statten gekommen ist.
Von Weitem gesehen, erschien der Sturm als eine über den Jura hinziehende, dunkelschwarze, trichterförmige und rings von Blitzen umgebene Wolke. Dies und die hinterlassenen Verwüstungen zeigen, dass dieses denkwürdige meteorologische Phänomen ein richtiger Wirbelsturm gewesen ist, bei dem nur die mächtigen elektrischen Erscheinungen eine aussergewöhnliche Beigabe bildeten. (Vergl. Gauthier, L. Notice sur le cyclone du 19 août 1890 in Bull. de la Soc. vaudoise des sc. nat. Tome 25).
[Dr. H. Schardt.]
Flora.
Auch die Flora des Jouxthales bietet ein ganz besonderes Interesse. Ihre charakteristischen Züge und seltenen Pflanzenarten haben uns zu Beginn des 19. Jahrhunderts Thurmann, Schleicher, Reuter u. A. kennen gelehrt. In erster Linie bemerkenswert ist die Daphne cneorum, die im Val des Amburnex zu dichten Büscheln gedrängt auf eine Länge von 8 km auftritt, während sie sonst überall im Thal fehlt. In den Torfmooren stehen Saxifraga hirculus, Trifolium spadiceum, Betula nana etc., an den Berghängen findet man die rostblätterige Alpenrose und Iris sibirica, und auch die Ufer des Sees weisen ihnen eigene Arten auf, wie Arenaria gothica, Braya supina, Linaria petraea, Scrophularia Hoppei etc. Die Flora des Jouxthales umfasst nach einer neueren Untersuchung (Aubert, Sam. La Flore de la Vallée de Joux in Bull. de la Soc. vaud. des sc. nat. Tome 36, 1900) mehr als 900 Phanerogamen, unter denen sich arkto-alpine (entweder zirkumpolare oder alpine) montanmediterrane, asiatische, ostasiatisch-amerikanische, südeuropäische, südwesteuropäische und nordeuropäische Elemente erkennen lassen.
Die Einwanderung wird im Laufe der geologischen Zeiten nach und nach erfolgt sein und zwar sowohl im Tertiär als während der verschiedenen Glazial- und Interglazialzeiten der quartären Periode. Wenig vertreten und daher um so auffallender ist das arkto-alpine Element; die Bergflora setzt sich meist aus mediterranen und die Waldflora aus in vorglazialer Zeit eingewanderten asiatischen und westamerikanischen Typen zusammen, während an den tiefern Gehängen und in der Thalsohle südeuropäische, südwesteuropäische und nordeuropäische Formen vermischt erscheinen. Obstbäume fehlen fast ganz. 1890 hat man mit bisher zufriedenstellenden Erfolgen verschiedene ausdauernde Abarten des russischen Apfelbaumes eingeführt. Gut gedeihen Weiss- und Rottanne, die Buche, Eberesche, Ahorn, Haselstrauch und Vogelbeerbaum.
Verkehrswege.
Dem NW.-Ufer des Lac de Joux folgt die Linie Vallorbe-Le Pont-Le Brassus. Das Thal steht ausserdem durch eine Reihe von Strassen mit den angrenzenden Gebieten in Verbindung: Le Brassus-Le Bois d'Amont (französ. Département du Jura), Le Brassus-Col du Marchairuz-Bière, L'Abbaye-Col du Molendruz-Mont la Ville, Le Pont-Les Époisats-Vallorbe und der Chemin de l'Échelle ebenfalls von Le Pont nach Vallorbe. Neben zahlreichen Fusswegen überschreitet den Mont Risoux nur die eine Fahrstrasse Les Charbonnières-Mouthe (Département du Doubs).
Acker- und Waldbau.
Die Gehänge des Mont Risoux, Mont Sallaz-Saumont und Mont Tendre sind mit prachtvollen Nadelwäldern bestanden. Besonders geschätzt sind mit Recht die Staatswaldungen des Mont Risoux, die für das Thal von grosser Bedeutung sind, weil hier dessen Bewohnern noch alte Nutzungsrechte zustehen. Zwischen den einzelnen Waldkomplexen liegen Sennberge, die meist ebenfalls mehr oder weniger lichtes Gehölz tragen. Die grossen Weidenflächen findet man aber in den Seitenmulden des Thales und da, wo die mergeligen Schichten des Purbeck, Sequan und Argovian (Combe du Couchant n. vom Mont Sallaz) anstehen.
Auf dem noch mit Moränenmaterial überstreuten Tertiär der zentralen Mulde kann der Boden überall, wo nicht Torfmoore liegen, angebaut werden. Hier wird Wiesen-, Gemüse- und Kartoffelbau getrieben; von Getreidearten werden Roggen und die gewöhnlich ausreifende Gerste gebaut. Der in nicht besonders günstigen Jahren kaum zur Reife kommende Hafer wird meist im August geschnitten und findet dann als Viehfutter Verwendung. Durch Entwässerungsarbeiten könnten noch grosse Bodenflächen dem Anbau zurückgewonnen werden.
Bevölkerung und Siedelungen.
In anthropologischer Beziehung weiss man von den Bewohnern des Jouxthales noch wenig. In einer schon vor einer Reihe von Jahren ausgeführten Untersuchung hat Eugen Pittard eine starke Mehrheit von Brachycephalen (etwa 70%) mit Vorherrschen der reinen Brachycephalen festgestellt. Dolichocephale (Langschädelige) fanden sich dabei nur zu etwa 10%. Interessant ist, dass in Bezug auf die Körperlänge die Bewohner des Jouxthales den übrigen Waadtländern überlegen zu sein scheinen. Pittard hat nämlich auf Grund einer Statistik über etwa 6000 Rekruten die Körperlängen bezirksweise zusammengestellt und dabei für das Val de Joux im Mittel 1,664 m gefunden, während die jungen Männer der übrigen Bezirke das Mittel von 1,65 nicht überschritten.
Das Val de Joux ist nur sehr wenig dicht besiedelt. Mit Ausnahme von Les Bioux sind die Dörfer sowohl im Hauptthal wie in der Combe von Le Lieu alle langgestreckte Strassendörfer. An den Berghängen finden sich über 1200 m Höhe kaum noch ständig bewohnte Siedelungen. Auf den Sennbergen und Heuwiesen (fenages) stehen in den ebenen Sohlen der die Bergflanke unterbrechenden Mulden zerstreute Hütten. Haupterwerbszweig der Thalbewohner war während langer Zeit der Holzschlag, besonders in den Waldungen am Risoux, deren Holz an Feinheit und Härte sich mit jedem andern messen kann.
Guten Ertrag gibt auch der Fischfang, besonders auf Hechte und Forellen. Einst standen bei den Quellen der Lionne nahe Le Pont Hüttenwerke, die Bohnerz (Eocän) verarbeiteten. Bei Le Campe hat man früher Ziegellehm (Albien) abgebaut; überall findet man gute Bausteine und Kiese (entweder als Moränenmaterial oder in den Seeterrassen). Die geringe Ergibigkeit des Bodens hat der Bevölkerung des Jouxthales schon früh den Weg zu industrieller Tätigkeit gewiesen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts schon begann man mit der Fabrikation von Wand- und Stockuhren, Messern, Rasiermessern und Waffen, sowie mit Steinhauerei.
Ums Jahr 1748 liess sich der in Rolle und Neuenburg ausgebildete Uhrenmacher Olivier Meylan in Le Chenit nieder und führte die Fabrikation von Taschenuhren im Thal ein, die trotz wachsender Konkurrenz heute noch stark betrieben wird. In Le Sentier hat man 1901 eine Uhrenmacherschule eröffnet. In Le Sentier bestehen ferner je eine Sieb-, Messer- und Rasiermesserfabrik. Sägen, Holzhandel. Seit einigen Jahren bemüht man sich auch, das Thal zur Sommerfrische für Touristen und zum Winteraufenthalt für Schlittschuh- und Skifahrer zu gestalten.
Unter den Erwerbsquellen des Jouxthales nehmen Sennerei und Viehzucht einen nicht unbedeutenden Rang ein. Eine Spezialität der Vallée, wie man im Kanton Waadt kurzweg sagt, sind die unter dem Namen Vacherins wohlbekannten Weichkäse. Seit einiger Zeit wird beim Bahnhof Le Pont auf dem Lac de Brenet im Winter Eis gebrochen, zu dessen Aufbewahrung hier grosse Schuppen erstellt worden sind. Abbau von Torf. Da bei der isolierten Lage der Thalschaft von einer Zuwanderung fremder Elemente kaum gesprochen werden kann, herrscht eine beschränkte Zahl von Geschlechtsnamen vor, deren Träger die Mehrzahl der Bevölkerung ausmachen. Solche sind z. B. die Rochat, Lecoultre, Reymond, Piguet, Capt, Meylan u. a. Die beschränkten Erwerbsverhältnisse bedingen dagegen eine starke Auswanderung der «Combiers», wie die Bewohner des Thales scherzhaft genannt zu werden pflegen, aus ihrer Heimat.
Geschichtliche Skizze.
Der vom mittellatein. juria hergeleitete Name Joux bedeutet «Hochwald». Die Ueberlieferung erzählt, dass Pater Poncet, ein Mönch aus Saint Claude (französisches Département du Jura), im 6. Jahrhundert in Le Lieu ein Kloster gegründet habe, das schon um 610 wieder zerstört worden sei. Ueber die späteren ¶