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Wie ist der aktuelle Status der einzelnen Kernkraftwerkseinheiten in Frankreich?
In Frankreich sind derzeit 31 von 56 Atomreaktoren abgeschaltet. Bei 29 Reaktoren erfolgte die Abschaltung für Nachladung und Wartung. Davon wurden zwölf für Diagnosen oder Reparaturen von Spannungsrisskorrosionsproblemen heruntergefahren. Zwei weitere Blöcke wurden im Hinblick auf den Wintereinbruch zur Brennstoffeinsparung abgeschaltet.
Aus welchen Gründen sind die Reaktoren ausser Betrieb?
Es gibt keinen Reaktor, der aufgrund von Kühlungsproblemen abgeschaltet wurde. Was die «Kühlungsprobleme» betrifft, so zielen diese Auflagen bezüglich der Einleitungstemperaturen und der Erwärmung von Ober- und Unterwasser, die alle Wärmekraftwerke betreffen, auf den Schutz der Ökosysteme ab. Sie wirken sich im Wesentlichen auf die Stromerzeugung von Kraftwerken aus, die an Wasserläufen liegen und nicht mit Luftkühlungssystemen ausgestattet sind, die das eingeleitete Wasser über einige Stunden bis einige Tage im Jahr ausreichend kühlen können.
Die globale Erwärmung wird die Wahrscheinlichkeit solcher Nichtverfügbarkeiten erhöhen, aber diese zukünftigen Auswirkungen werden auf der Grundlage der GIEC-Szenarien modelliert. Bis 2050 bleibt der Produktionsverlust sehr gering. In den ungünstigsten Szenarien handelt es sich um eine Grössenordnung von 3%. Es gibt bereits technische Lösungen, und der Standort künftiger Reaktoren kann unter Berücksichtigung dieser Einschränkung geplant werden, so können neue Reaktoren an der Küste statt an Flüssen gebaut werden.
Wann ist damit zu rechnen, dass die derzeit nicht in Betrieb stehenden KKW wieder ans Netz gehen?
Zum Beispiel wurde Gravelines-4 am 03.09. wieder in Betrieb genommen. Bis Dezember werden auch die Reaktoren wieder in Betrieb genommen, die wegen der Einsparung von Brennstoff abgeschaltet wurden.
Auch in der Schweiz sorgt man sich, dass die Stromproduktion in Frankreich im kommenden Winter so niedrig bleibt, dass nicht – wie bisher – Strom in die Schweiz exportiert werden kann. Wie schätzen Sie dieses Szenario ein?
Eine mögliche Verringerung der Exporte in die Schweiz kann nicht ausgeschlossen werden aufgrund der noch bestehenden Unsicherheiten über die tatsächlich nutzbare steuerbare Kapazität, insbesondere bei einem kalten Winter einerseits, und der erwarteten Schwierigkeiten in Deutschland und Italien andererseits, die aufgrund der Solidaritätsregeln innerhalb der EU Vorrang haben werden.
Wie beurteilen die Menschen in Frankreich die aktuelle Situation der französischen Kernkraftwerke?
Da ein Grossteil der Reaktoren für die laufende Wartung abgeschaltet wird (was häufig im Sommer der Fall ist, um dann mit möglichst wenigen Abschaltungen durch den Winter zu kommen), werden viele von ihnen bis Dezember wieder in Betrieb genommen werden können, wie die Regierung und EDF angekündigt haben.
Generell wächst das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Bedeutung der Energie in unserem Leben und stellt die energiepolitischen Entscheidungen der Regierenden in den letzten Jahrzehnten in Frage: Die Fragen, die sie sich stellen, betreffen insbesondere die Aufrechterhaltung einer massgeblich auf Kernenergie basierenden Versorgung und das Ende der irrsinnigen Entwicklung der Strompreise.
Diese Ereignisse und die Begleitumstände sollten Politiker und Bevölkerung dazu veranlassen, die Frage des künftigen Energiemix mit mehr Rücksicht auf die physikalischen Realitäten anzugehen: Was soll man tatsächlich von Verhaltensänderungen erwarten, die sich auf den Verbrauch auswirken, und wie schnell? Muss man sich wirklich auf die erhofften Innovationen verlassen, um die Produktionsbasis zu sichern? Sollte die Solidarität zwischen den Ländern nur beim Import bestehen, und was passiert, wenn jeder importiert und niemand in der Lage ist, Energie zu liefern?
Die kritische Rolle, welche die Energie einnimmt, sollte eine Planung auf der Basis einer Reduktion von Risiken und Herausforderungen erfordern. Dies wurde von der Vereinigung Voix du Nucléaire für Frankreich in Form eines Szenarios durchgespielt, das bewusst aufgrund pessimistischer Annahmen aufgebaut wurde, damit die Chancen auf eine wirklich zuverlässige, dekarbonisierte und hoheitliche Energieerzeugung ungeachtet der Umstände erhöht werden können. Wir beabsichtigen, die Ergebnisse dieser Übung mit unseren Schweizer Nachbarn zu teilen, damit jeder von den Rückmeldungen der anderen zu diesem Problem profitieren kann.
Verfasser/in
Aileen von den Driesch, Projektleiterin Kommunikation