Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03411.jsonl.gz/218

Wolf
Canis lupus
© 1990 Markus Kappeler
(erschienen im Kindersachbuch «Hunde»)
Kopfrumpflänge: 100 - 160 cm
Schulterhöhe: 60 - 100 cm
Gewicht: 15 - 80 kg
Das Verbreitungsgebiet des Wolfs, des Stammvaters all unserer Haushunde und grössten Mitglieds der Hundefamilie, war einst riesengross. Es umfasste fast ganz Europa und Asien - vom Nordpolarmeer bis nach Portugal, Arabien, Indien und Japan - und reichte in Nordamerika von Alaska bis nach Mexiko. Im Lauf der letzten 300 Jahre ist der kräftige Wildhund aber aus vielen Gebieten verschwunden.
Neben der gnadenlosen Bejagung des «bösen» Wolfs durch den Menschen spielte dabei auch die Umwandlung seines Lebensraums in Kulturland eine wichtige Rolle. Heute findet man gesunde, umfangreiche Wolfsbestände nur noch in der Sowjetunion sowie in Kanada und Alaska. In Restbeständen lebt er aber sogar noch in recht dicht besiedelten Ländern wie Italien und Spanien.
Innerhalb ihres weiten Verbreitungsgebiets sehen natürlich nicht alle Wölfe genau gleich aus. So kann zum Beispiel der Tundrawolf Sibiriens bis 80 Kilogramm schwer werden, während der Indische Wolf oft nur 15 bis 20 Kilogramm wiegt. Und während die «normalen» Wölfe Osteuropas vorwiegend grau gefärbt sind (und darum «Grauwölfe» heissen), können die «Timberwölfe» der nordamerikanischen Wälder ganz schwarz und die «Polarwölfe» im Bereich des arktischen Eismeers von Kopf bis Fuss weiss sein.
Wölfe leben in Rudeln von zumeist etwa fünf bis zehn Tieren zusammen. In vielen Teilen ihres Verbreitungsgebiets betätigen sie sich als Grosswildjäger. Gemeinsam sind sie stark und können grosse Huftiere wie Rothirsch, Ren und Elch erlegen, welche oft das Zehnfache ihres eigenen Körpergewichts besitzen. Ein Wolf kann erstaunliche Mengen Fleisch verzehren: an einem Tag bis zehn Kilogramm. Kein Wunder, dass der «Wolfshunger» sprichwörtlich geworden ist!
Hat der Wolf bei der Grosswildjagd kein Glück, so begnügt er sich durchaus auch mit kleineren Säugetieren wie Hasen und Bibern und verzehrt selbst Frösche, bodenlebende Vögel und Aas. Zur Not vermag er sogar mehrere Tage lang ohne jegliche Nahrung auszukommen. In solch mageren Zeiten kann es dann geschehen, dass sich der Wolf, der normalerweise die Nähe menschlicher Siedlungen meidet, an Haustieren wie zum Beispiel Schafen, Gänsen und sogar Hunden vergreift. Geschichten über Angriffe der «blutrünstigen Bestien» auf Menschen sind jedoch «Schauermärchen». Seit vielen Jahrzehnten gibt es jedenfalls keinen einzigen verbürgten Bericht über die Tötung eines Menschen durch Wölfe!
Innerhalb jedes Rudels herrscht eine strenge Rangordnung sowohl unter den Männchen als auch unter den Weibchen. Rangkämpfe gehören aber keineswegs zur Tagesordnung, wie man vielleicht annehmen mag. Im Gegenteil: Das «Familienleben» der Wölfe ist ausgesprochen freundlich. Eine vielfältige «Sprache», bei der neben Knurren, Winseln, Bellen, Fiepen und anderen Lauten auch die Haltung des Schwanzes, die Stellung der Ohren und der Ausdruck des Gesichts eine wichtige Rolle spielen, sorgt dafür, dass es nicht ständig zu unnötigen Raufereien kommt.
Das Wolfsrudel ist eine «eingeschworene Bande», welche durch dick und dünn zusammenhält. Dem wird immer wieder durch das berühmte «Wolfsgeheul» Ausdruck gegeben. Fast wie der Schlachtruf eines Sportvereins fördert dieses gemeinschaftliche Heulen das Zusammengehörigkeitsgefühl der Rudelmitglieder ausserordentlich. Gleichzeitig verkündet das Rudel mit dem Chorgeheul lauthals, dass es sein Jagdrevier nötigenfalls erbittert gegen alle Eindringlinge verteidigen wird. Nachbarrudel wie auch durchziehende Fremdlinge können so den «Grundstücksbesitzern» rechtzeitig aus dem Weg gehen.
ZurHauptseite