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"You gotta kill the person you are to become the person you wanna be", einen gut gemeinten Rat eines schwarzen Musikerkollegen an den jungen Elton John als er noch Reginald Dwight hieß, nimmt sich dieser zu Herzen und vor allen Dingen: wörtlich. Nach einem unvergleichlichen Höhenflug zum Rockstar und Millionen verkauften Platten stürzt sich Elton voll mit Medikamenten und Alkohol bei einem Familientreffen vor allen Verwandten und Freunden in seinen Swimming Pool. Will Elton Reginald töten oder sich selbst?
Der Preis der Liebe
"My name is Elton John. I’m an Alcoholic." Im Vogelkostüm im Kreise der anonymen Alkoholiker (AA) stellt sich der gescheiterte Paradiesvogel den Verfehlungen seines Lebens. Denn Alkohol war beileibe nicht die einzige Sucht, die Elton in seiner weiteren Bilanz aufzählt. Sein Selbstmordversuch im Pool zu den Klängen vom titelgebenden "Rocketman" ist ein cineastischer Leckerbissen und ein visueller Höhepunkt eines Biopics über einen weiteren englischen Popstar ("Bohemian Rhapsody" stammt vom selben Regisseur), der einen großen Preis für seine Homosexualität zu zahlen hatte: Einsamkeit. Den Poolgrund als Mondlandschaft zu inszenieren und den kindlichen Reginald Dwight mit dem erwachsenen Elton John, der sich gerade ertränken möchte, am Poolgrund zu konfrontieren, ist ungelogen eine der eindrucksvollsten Kinomomente der letzten 100 Jahre. Die Rockballett-Choreographie wird dann noch als Massenszene im Krankenhaus fortgesetzt, alle singend und tanzend und eine Szene abschließend, die in die Filmgeschichte eingehen wird.
Schillerndes Rockmusical mit Tiefgang
Aber Dexter Fletcher, der Regisseur von "Bohemian Rhapsody" und "Rocketman" gräbt noch tiefer, bis in die Kindheit von Reginald Dwight zurück: In proletarischen Verhältnissen war es wohl eher eine Plage, wenn man an einem Kind eine bestimmte Begabung entdeckte und so ging es wohl auch den Eltern von Reginald, als sie ihren Sohn das erste Male eine Melodie aus dem Radio am Klavier aus dem Gehör nachspielen hörten und er an dem verblüfften Ausdruck seiner Mutter auch seine eigene Begabung erst entdeckt. Sein Vater verhielt sich weiterhin kaltherzig gegenüber ihm und erst durch die Trennung der Eltern wird es für Reginald etwas besser. Elton John, wie sich Reginald bald nennt, rennt und tanzt und swingt in "Rocketman" von einem Lebensalter ins nächste. Er trägt auffällige Brillen und Kostüme und verbirgt dennoch seine sexuellen Vorlieben vor seinem Publikum und der Presse, da es seiner Karriere schaden würde, wie zumindest seine Manager meinen. Zudem ist Rocketman aber auch eine Liebesgeschichte zwischen seinem Texter, Bernie Taupin, und Elton. Ob seine Mutter wohl doch recht hatte mit dem Satz, dem sie ihm nach seinem verzweifelten Comingout in einer Telefonzelle, sagte:
"You’re never going to be loved properly"?
Ein buntes Rockmusical im Stile von Baz Luhman, Bohemian Rhapsody, Birdman und der Rockoper Tommy, das man nicht so schnell vergessen wird.