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Die Kantonsbibliothek Graubünden (KBG) ist eine Studien- und Bildungsbibliothek in der Bündner Kantonshauptstadt Chur. Sie verpflichtet sich zur Unterstützung von Bildung, Wissenschaft und Kultur und vermittelt entsprechende Medien in den drei Kantonssprachen deutsch, rätoromanisch und italienisch. Neben einem breiten Angebot an Sachthemen bietet die Kantonsbibliothek auch Klassiker in den Bereichen Literatur, Film und Musik an.
Sie fungiert auch als Beratungsstelle für öffentlich zugängliche Bibliotheken im Kanton und fördert damit die Entwicklung und Koordinierung des bündnerischen Bibliothekswesens.
Geschichte
Vor 1804 existierte in Chur eine Bibliotheca civitatis Curiensis, von deren Existenz wir vor allem aus dem 17. und 18. Jahrhundert wissen. Sie schien keine regionale Bedeutung gehabt zu haben, denn als 1756 die Stadt Chur die grosse Privatbibliothek des bündnerstämmischen Berner Pfarrers Elisaeus Malacrida als Schenkung entgegennehmen durfte, war von keiner städtischen Bibliothek mehr die Rede.
In der Blütezeit des 18. Jahrhunderts entstanden im Zuge der Aufklärung private Gelehrten- und Lesegesellschaften. Ein Bücherkatalog aus dem Jahr 1782 zeigt in diesem Zusammenhang wiederum Aktivitäten einer Stadtbibliothek in Chur. Erst die Gründung der Bündner Kantonsschule im Jahr 1804 brachte auch eine Bibliotheksgründung mit sich. Die Erwerbung der Bücher wurde durch einen Beitrag, eine Art Buchgeld, gesichert, das die Schüler zu entrichten hatten; dieser Beitrag belief sich 1804 auf einen halben Louis d’or. Ausserdem bemühte sich die evangelisch ausgerichtete Kantonsschule auch um Schenkungen aus grossen Privatbibliotheken.
Im Jahr 1816 wies der Kantonsschullehrer und über die Grenzen hinaus bekannte Philologe Johann Caspar von Orelli darauf hin, in der Bibliothek neben historischen, philologischen, theologischen und literarischen Werken auch Karten und Publikationen zu sammeln, die in einem Bezug zu Graubünden stehen. Im Jahre 1848 wurde sogar im Erziehungsrat angeregt, eine Pflichtexemplarsabgabe an die Bibliothek gesetzlich einzuführen; dies blieb jedoch ein Desiderat.
In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts konnte die Bibliothek eine stattliche Anzahl an romanischsprachigen Büchern erwerben und kam so den heutigen Anforderungen an eine Kantonsbibliothek für Graubünden einen beachtlichen Schritt näher. Aus dem Schuljahr 1865/66 stammt auch das erste Mal die Bezeichnung Kantonsbibliothek für die alte Kantonsschulbibliothek. Die offizielle Umwandlung in eine klassische Kantonsbibliothek erfolgte 1883. Auf Weisung des Kleinen Rates (= damaliges Landesparlament) hatte der Erziehungsrates des Kantons Graubünden am 13. Mai 1882 die Bibliothekskommission beauftragt, «ein Regulativ über die Benutzung der Kantonsschulbibliothek und des Naturalienkabinetts der Kantonsschule auszuarbeiten». Dieser Entwurf wurde bereinigt und vom Kleinen Rat 1883 in der «Verordnung über die bündnerische Kantonsbibliothek» genehmigt.
Die Bibliothek gewann nach ihrer Loslösung von der Kantonsschule durch zahlreiche grössere und kleinere Schenkungen an Bedeutung. Doch bald empfand man gewisse Schenkungen als Last und auch der Bibliothek unwürdig. Im Jahre 1919 kam es zur Ausscheidung sogenannter Trivialliteratur, was zur Gründung einer Volksbibliothek führte. Diese Churer Volksbibliothek fristete bis 1973 ihr Dasein neben der Niederlassung der Schweizerischen Volksbibliothek, die 1922 gegründet worden war. Seit 1905 befindet sich die Kantonsbibliothek im Archiv- und Bibliotheksgebäude am Karlihof, das nach einer intensiven Renovierung im Jahre 1992 in attraktiver Architektur und Gestaltung dem Publikum wieder freigegeben worden ist.