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Kirche
Lage
Unsere Kirche liegt am östlichen Ortseingang an der Schwertgasse. Der Bau repräsentiert den in der Schweiz vor dem 18. Jahrhundert ungewöhnlichen Typus der Querkirche. Im Grundriss beschreibt er ein gestrecktes Achteck, dessen Länge das Doppelte der Breite misst. Der Turm steht an der Breitfront und dient als Haupteingang mit Vorhalle. Ihm gegenüber befinden sich der Taufstein und die Kanzel. Bestuhlung und Empore sind an drei Seiten um den Chorraum mit dem Taufstein angeordnet.
Geschichte
Zurzach als internationaler Messeort kam früh mit fremden Einflüssen in Berührung. Kein Wunder, dass sich im Jahr 1529 Zurzacher Bürger für den neuen Glauben entschieden. Die Obere Kirche (auch Marienkirche) diente lange Zeit beiden Religionen als Gotteshaus. Doch das Zusammenspiel von altem und neuem Glauben verlief nicht immer ohne Probleme, weshalb bei den Neugläubigen der Wunsch nach einer eigenen Kirche zunahm. Aus Mangel an finanziellen Mitteln konnte aber erst im Jahr 1716 mit dem Bau einer eigenen Kirche begonnen werden, welche dann im Jahr 1717 fertig erstellt wurde.
Über die Erbauer ist wenig bekannt. Auf einem alten Stich wird Matthias Vogel aus Zürich als Architekt benannt. Für die damalige Zeit war der Bau einer Querkirche noch untypisch. Sie entwickelte sich aus der spätmittelalterlichen Langkirche, in der die Kanzel in der Regel seitlich angebracht war.
Für die Finanzierung des Baus wurden die Ratsherren von Zürich um Hilfe gebeten. Dies mit dem Argument, dass die Kirche auch für die reformierten Kaufleute aus Zürich, die den Zurzacher Markt besuchten, bestimmt sei.
(aus: Schweizerischer Kunstführer, Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel, 1973)
Orgel
Eine Kirche ohne Orgel? Unvorstellbar, und doch kommt es vor. Die reformierte Kirche Zurzach, erbaut im Jahr 1717, hatte bis ins Jahr 1884 keine Orgel. Die frühen reformierten Gottesdienste sollten, ganz entsprechend der geltenden Zürcher Ordnung, vor allem der Predigt und dem Worte dienen. Im 17. Jahrhundert bürgerte sich allmählich der Psalmengesang ein, der dann im Laufe des 18. Jahrhunderts durch den Gemeindegesang abgelöst wurde. Anstelle von Instrumenten wurde die Funktion des Vorsingers eingeführt, welche oft durch erfahrene Lehrkräfte wahrgenommen wurde.
Nachdem diese bewährte Praxis allmählich einzuschlafen schien, begann man, über den Kauf einer Orgel nachzudenken, vor allem auch zur Förderung des Gemeindegesangs. Ab dem Jahr 1870 wurde ein Orgelfonds geäufnet.
Wohl aus finanziellen Gründen entschied man sich 1880 für den Kauf eines Harmoniums, welches dann auch regelmässig eingesetzt wurde. Doch schon bald zeichnete sich die Möglichkeit ab, eine Orgel anzuschaffen. Die katholische Kirchgemeinde wollte sich von ihrer Bosshard-Orgel trennen. An der Kirchgmeindeversammlung vom 11. Mai 1884 wurde der Kauf der Bosshard-Orgel beschlossen.
Die Orgel wurde an der Ostseite des Kirchenraums aufgestellt und am 14. September 1884 eingeweiht. Mit der Zeit begann der Glanz der Orgel jedoch zu erblassen, es mussten immer wieder Erhaltungsarbeiten vorgenommen werden. In den 1960er Jahren wurde die Erneuerung der Orgel immer dringender. Gleichzeitig wurde auch entschieden, die Orgel über dem Eingang, gegenüber dem Taufstein, an der südlichen Empore aufzubauen.
Nach umfangreichen Renovationsarbeiten durch die Firma M. Mathis & Co. erklang die Orgel im Oktober 1968 in einem Festgottesdienst zum ersten Mal in ihrer vollen Herrlichkeit. Seither sprach sich ihr Ruhm weit herum und die Anfragen für Konzerte häuften sich. Im Jahr 1989 mussten nochmals kleinere Renovations- und Ergänzungsarbeiten ausgeführt werden. Mit ihrer überaus wohltönenden Stimme verschönert und bereichert die Bosshard-Mathis-Orgel unzählige Gottesdienste und Konzerte.
(aus: Claus Rückert, Die Bosshard-Mathis Orgel in der ref. Kirche Zurzach, Historische Gesellschaft Zurzach, Sonderdruck aus der Jahresschrift 1996, Nr. 22)