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Das Landgut Jetschwil wird erstmals 1243 erwähnt und befindet sich im Mittelalter im Besitz der Familie Velga. Seit dem Jahr 1710, als Marie-Rose de Maillard, die Gattin von Pierre-Nicolas de Boccard, das im Besitz ihrer Schwester Marie-Marguerite de Pontherose befindliche Landgut erwarb, ist die Familie de Boccard Besitzerin, ein im Kanton einmaliger Fall. Das zu den «Scheunen, Wiesen, Gehegen, Ackern, Hanifeldern, Wäldern und anderen Landstücken» gehörende Herrenhaus dürfte eher bescheiden gewesen sein. 1729 lässt der zur Bischofswürde berufene Jean-Hubert de Boccard vorerst eine Kapelle errichten. Nach einer glanzvollen, 1762 beendeten militärischen Karriere im Dienst Frankreichs, anlässlich welcher er an der Spitze seines Regiment von 1734 bis 1735 am Feldzug im Rheinland und von 1742 bis 1748 in Flandern, im Elsass und im Brabant teilnahm, zieht sich François-Jean-Philippe de Boccard (1696-1782) auf sein Landgut zurück und unternimmt, dem Beispiel anderer freiburgischer Offiziere folgend, den Umbau seines Landsitzes. Mangels eingehender Studien ist nichts über die näheren Umstände der Errichtung eines der schönsten Herrenhäuser des Kantons bekannt. Der Bauherr sicherte sich die Mitarbeit des in Mengen (Schwaben) beheimateten Malers Gottfried Locher, «Hof»-Maler ihrer Exzellenzen, welche ihm 1775 die Ausführung des Deckengemäldes im gegenwärtigen Grossratssaal in Freiburg anvertrauen werden.
Er hatte bereits 1760 oder 61 die Deckengemälde im grossen Salon des Hauses von Francois-Philippe Reyff de Cugy in Freiburg (Herrengasse 14) realisiert. 1765 begibt er sich nach Jetschwil und malt dort die fünf grossen Kompositionen an der Decke des grossen Salons. Dieses Werk wird geschätzt, denn zwei Jahre später gibt ihm Tobie de Castella de Delley einen ähnlichen Auftrag für seine städtische Residenz in Freiburg. Der für Empfänge ausgelegte Raum an der Herrengasse 14 und der grosse Salon in Jetschwil zeichnen sich durch die ungewöhnliche Flache der Fenster aus. In Jetschwil wurde dieser lichtdurchflutete Raum in der Art einer geschlossenen Gartenlaube konzipiert. Hinter der zweigeschossigen und asymmetrischen, achtachsigen Fassade und unter einem Mansart-Dach findet sich eine ungewöhnliche Raumverteilung. Es handelt sich wohl um einen geschickten Kompromiss zwischen der vom Bauherrn gewünschten Art Herrenhaus, dem vorhandenen Bau, der leichten Neigung des Grundstückes und dem dem Architekten auferlegten Programm. Vermutlich ist diese Raumverteilung auf den sehr geschlossenen Kreis des aus dem Vorarlberg eingewanderten Meisters zurückzuführen. Der L-förmige Plan mit einer von der Kreuzung der beiden Flügel ausgehenden Verteilung ist dem Grundstück angepasst. Im Erdgeschoss befinden sich die Kapelle und das Esszimmer, während im ersten Stock eine Reihe Zimmer dem galerieartigen Salon vorausgehen. Diese Anordnung durfte den Willen bestätigen, dem alten Herrenhaus einen Nord-Süd orientierten Flügel anzugliedern, der dazu bestimmt ist, der Haupttrakt der neuen Residenz zu werden.
Zusätzlich zu seinem architektonischen Wert hat das Haus seine aus der Bauzeit stammende Ausstattung - Möbel aus Paris, Kachelöfen von André Nuoffer und schmiedeiserne Arbeiten von Josef Soler - sowie sein gemaltes Dekor bewahrt.
Bibliographie