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25.08.2004 - Lettland
- Tagesstrecke: Ruhetag
Als am Morgen die ersten Regentropfen fallen, verlängern wir den Aufenthalt in der trockenen Villa Mazais um eine weitere Nacht. Als es mittags etwas aufklart, erkunden wir die Stadt ein wenig.
Auch die Gründung von Ventspils geht auf die deutschen Ordensritter zurück. Sehr rasch entwickelte sich eine umtriebige Hansestadt, die jedoch mit dem Aufkommen der Pest in der Bedeutungslosigkeit versank. Ganze sieben Familien sollen die Epidemie überlebt haben. Erst im 20. Jahrhundert fand die Stadt zur alten wirtschaftlichen Blüte zurück. Wesentlicher Grund ist die ganzjährig eisfreie Bucht, was für den Hafen von Riga nicht zutrifft und dort den Handel erschwert. Den neuen Aufschwung brachte aber vor allem die Eisenbahn, die Ventspils mit Rybinsk (Рыбинск) in Russland verband. Damit die aus Russland und Sibirien antransportierten Waren verarbeitet werden konnten, wurde der Hafen laufend ausgebaut und vergrössert. Von zentraler Bedeutung für Russland wurde der Hafen auch im Zusammenhang mit den russischen Erdölexporten, wobei der Bau einer Pipeline in den 60er Jahren mit dem symbolischen Namen "Druschba" (für Freundschaft) das schwarze Gold aus den sibirischen Ölfeldern direkt an den Hafen führte. Neben dem Rohöl diente der Hafen unter anderem auch als Umschlagplatz für Düngemittel. Der Lockere Umgang mit den toxischen Stoffen führte zu erheblichen Umweltbelastungen an Land ebenso, wie zu Wasser und in der Luft. Daneben war der Fischfang und vor allem die fischverarbeitende Industrie ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, der zwar Arbeitsplätze brachete, aber sich gleichermassen an der Zerstörung und Ausbeutung der Lebensgrundlagen beteiligte.
Die Belastung der Gewässer führte bald zum Badeverbot an den einladenden Sandstränden. Daneben besorgte die Luftqualität den Rest. Wie sämtliche Balten, sind auch die Letten dem politischen Widerstand historisch entwachsen. Am 3. September rief der ansässige Umweltschutzclub zu einem "Gebet für die Ostsee" auf. 300'000 Menschen aus dem ganzen Baltikum folgten dem Protestaufruf und bildeten eine 20 Km lange Menschenkette.
Die Proteste führten zur Einrichtung von grünen Parks in der Stadt und verhinderten einen weiteren Ausbau des Hafens durch Russland als wirtschaftliches Nadelöhr zum Westen.
Die Stadt selbst ist eher bescheiden. Das Zentrum mit Fussgängerzone beschränkt sich auf einen Abschnitt von ca. 200 Metern. Durch die vielen Parks geht Ventspils die städtische Atmosphäre weitestgehend verloren. Der Stadtkern ist verstreut, weitläufig und wird von grösseren Transitstrassen durchzogen.
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