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Nach der turbulenten letzten Periode mit aussergewöhnlichen Schneefällen und teils sehr grosser Lawinengefahr (Stufe 5) war diese Berichtsperiode vielerorts von schönem Wetter, Pulverschnee und einer günstigen Lawinensituation geprägt. Einzig im Westen blieb die Lawinengefahr gebietsweise erheblich (Stufe 3). Hier ereigneten sich am Wochenende zahlreiche Lawinenunfälle, wovon zwei leider tödlich endeten.
Das Wetter war meist hochdruckbestimmt und kalt. Lange sonnige Phasen wechselten sich mit kurzen bewölkten Intervallen ab. In der Nacht auf den Freitag, 18.01. fiel vereinzelt noch wenig Schnee, sonst war es die ganze Woche mehrheitlich trocken. Während im Flachland teils zäher Hochnebel häufig die Sonne verdeckte, waren vor allem der Samstag, 19.01. und der Dienstag, 22.01. in den Bergen perfekte Wintersporttage.
Die Nullgradgrenze (Abbildung 1) lag durchgehend in tiefen Lagen, das heisst unterhalb von 1000 m. Im Flachland wurden zum Teil Eistage, also Tage an denen die Lufttemperatur immer unter 0 °C lag, verzeichnet.
Viel Schnee gleich erhöhte Lawinengefahr? Die Lawinensituation der aktuellen Periode zeigte deutlich, dass diese Aussage häufig nicht zutrifft. In den Gebieten, die in der Vorwoche viel Neuschnee zu verzeichnen hatten, war die Lawinengefahr diese Woche nur mässig (Stufe 2). In den schneearmen Regionen des Westens hingegen blieb die Situation mit gebietsweise anhaltend erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) kritisch.
Vor allem im Chablais, in den Waadtländer und Freiburger Alpen und in Teilen des westlichen Berner Oberlandes befanden sich in der Schneedecke oberhalb der Regenkruste, die sich durch die starken Regenfälle an Weihnachten gebildet hatte, stark aufgebaute Schneeschichten. Diese waren nur geringmächtig vom Neuschnee der letzten Woche überdeckt und konnten sehr leicht ausgelöst werden. Dieses Altschneeproblem war auch im Wallis und am übrigen westlichen Alpennordhang vorhanden, jedoch weniger stark ausgeprägt. Die Schwachschicht war vor allem im Bereich der Waldgrenze sehr störanfällig und zahlreiche Lawinen wurden in diesem Höhenbereich ausgelöst.
Beispielsweise in der Region Hohmattli (Plaffeien, FR) lösten Personen eine Lawine im Altschnee aus (Abbildung 2). Sie ist repräsentativ für die Situation in der Berichtswoche. Ein Schneeprofil (Abbildung 3), das oberhalb des Anrisses aufgenommen wurde, zeigt den schwachen Schneedeckenaufbau. Beim Rutschblocktest glitten die Neuschneeschichten bereits beim Wippen auf dem Block (Rutschblockstufe 3) auf dem grobkörnigen, kantigen Altschnee ab. Dieses Testergebnis deutet auf einen eher instabilen Schneedeckenaufbau hin. Ein Foto der Schneedecke aus der Region Ovronnaz, VS (Abbildung 4) zeigt ein sehr ähnliches Bild. Hier ist im durchscheinenden Profil der grobkörnige lockere Altschnee aufgrund der grösseren Lichtdurchlässigkeit gut erkennbar. Solche Schwachschichten sind sehr langlebig und stabilisieren sich, im Gegensatz zu Neu- und Triebschneeschichten, nur langsam. Dieses Altschneeproblem wird die Lawinengefahr wohl in nächster Zeit weiterhin beeinflussen.
Anders präsentierte sich die Situation in den schneereichen Regionen am zentralen und östlichen Alpennordhang über Nordbünden bis in die Silvretta und nach Samnaun. Hier hatten sich die mächtigen Neu- und Triebschneeschichten der Vorwoche bestens verfestigt (Abbildung 5). Dies führte zu einem sehr günstigen Schneedeckenaufbau bei dem Lawinenauslösungen zunehmend nur noch mit sehr grosser Zusatzbelastung, im extrem steilen Gelände oder an schneearmen Stellen möglich waren. Gegen Ende dieser Berichtswoche ging die Gefahr vor allem noch von Gleitschneelawinen aus. Tourengeher und Variantenfahrer fanden in diesen Gebieten häufig ideale Bedingungen vor.
Vor allem am Anfang der Periode wurden verbreitet Gleitschneelawinen beobachtet. Hauptsächlich in den schneereichen Gebieten im Norden und Osten waren diese teils gefährlich gross und konnten exponierte Verkehrswege gefährden. Die Aktivität von Gleitschneelawinen nahm im Verlauf der Woche wieder ab. Gleitschneerisse wurden an Südhängen teilweise bis in Höhenlagen von 2500 m beobachtet. So zum Beispiel im Val d’Urezza (GR): hier wurden eine Gleitschneelawine und Gleitschneerisse, sogenannte Fischmäuler, an einem Südosthang auf 2400 m fotografiert (Abbildung 6).
Mit den anhaltend tiefen Temperaturen und mehreren klaren Nächten haben sich die oberflächennahen Schneeschichten aufbauend umgewandelt und es hat sich vielerorts Oberflächenreif gebildet. Diese lockere Schneeoberfläche könnte beim nächsten Schneefall zu einer neuen Schwachschicht in der Schneedecke werden. Mehr dazu täglich im Lawinenbulletin sowie im nächsten Wochenbericht am 31. Januar.
In dieser Wochenberichtsperiode ereigneten sich 7 Lawinen mit Personenbeteiligung, wobei 13 Personen erfasst und 8 Personen ganz verschüttet wurden. Zwei dieser Unfälle hatten leider je ein Todesopfer zur Folge.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.