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Das Innere
Die Kirche Mandach ist ein rechteckiger, einschiffiger Predigtsaal, unterteilt in Kirchenschiff, Empore und Chor. Sie hat drei Eingänge, einen Haupt- und einen Emporeneingang im Westen und einen Seiteneingang in der Nordwand.
Der Haupteingang führt durch den Turm im Westen. Dabei durchschreitet man einen schmalen, niederen Gang, begrenzt durch kalte, unverputzte Steinwände.
Je nach Wetterlage und Tageszeit kann dieser tunnelartige Gang sehr düster wirken. Doch wie im 23. Psalm führt die Wanderung «durch das finstere Tal» am Schluss ins «Haus des Herrn».
Um das Kirchenschiff zu betreten, wird man zur Seite weichen müssen, denn Mandach hat seit 1962 eine Blockbestuhlung. Vorher gab es zwei Reihen. Die linke war für die Einwohner Hottwils, die rechte für die Mandacher reserviert. Das Kirchenschiff ist ein schlichter Saal mit weissen Seitenwänden, unterbrochen von jeweils vier rundbogigen Fenstern, die mit einem steinernen Gesims 2 m über dem Boden beginnen. Die Wände verlaufen oben in einen Stuckgürtel der in die Decke hinein reicht und dort den Rahmen für die Louis XV-Rocaillen bildet. Der rötliche Boden setzt sich farblich beidseits in einer Wandtäfelung fort, die bis ca. 1 Meter hoch reicht. Der Raum wird durch symmetrisch angeordnete Lampen an den Seitenwänden beleuchtet. Das Kirchenschiff endet auf der Höhe der Seitentür, der gegenüber ein hölzernes Kreuz an der Südwand hängt.
Die Symmetrie zwischen der Süd- und der Nordwand wird durch das Fresko zwischen dem zweiten und dem dritten Fenster in der Nordwand gebrochen. Es hat eine quadratische Form von 2 Metern Seitenlänge und liegt etwas vertieft in der Wand. Seinem Stil nach ist es der Spätgotik zuzuordnen und im Vergleich mit den Bauphasen der Kirche um 1520 zu datieren. Im Zuge der Reformation wurde es übermalt und erst bei der Renovation 1962 wieder gefunden.
Das spätgotische Wandbild zeigt die Ereignisse im Garten Gethsemane, welche in der Kunst während Jahrhunderten zu den beliebtesten Szenen des Passionszyklus gehörten. Es zeigt im Vordergrund die Gethsemaneszene (vgl. Mt 26,36-46; Mk 14,32-42; Lk 22,39-46) mit dem betenden Jesus und den schlafenden Jüngern. Durch den Hintergrund werden fast filmisch bereits die nächsten Ereignisse angekündigt: der Verrat des Judas und die Gefangennahme Jesu. «Gethsemane» bedeutet im Hebräischen «Ölkelter» und bezeichnet einen Garten mit Olivenbäumen am Fuss des westlichen Ölbergabhangs in Jerusalem.
Das Mandacher Fresko ist von einem roten Band mit Auswüchsen als Verzierung am oberen Rand umgeben. Im Zentrum steht der purpurn gekleidete Jesus, der folgendes Gebet spricht: «Vater, wenn du willst, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.» (Lk 22,42). Als Antwort kommt ihm von rechts oben her, wo eine Felswand steht, ein Engel mit einem Kreuz entgegen, um ihn zu stärken. In der unteren Bildhälfte liegen die drei schlafenden Jünger. Ganz links befindet sich Petrus, aus dessen Mantel ein Schwertknauf herausragt. In der Mitte ist Jakobus an einen Baum gelehnt. Ganz rechts liegt Johannes mit der Bibel unter dem Arm. Die Köpfe der drei Jünger bilden zusammen mit jenem von Jesus ein Dreieck (mit Jesu Kopf als Spitze), wobei Jesus und Johannes durch ihre Silhouetten noch einmal ein eigenes Dreieck bilden, was letzteren als Jesu Lieblingsjünger auszeichnet. Links oben rücken die Soldaten auf einer Strasse heran, geführt vom gelb gekleideten Judas. Die Soldaten tragen gestreifte Gewänder. Diese waren im frühen 16. Jahrhundert Mode und stellen somit ein Datierungskriterium dar. Ein besonderes Detail ist der Hund, der vor dieser Truppe steht und einen Menschen neben der Strasse anschaut. In der Mitte der oberen Hälfte sind die Mauern Jerusalems zu sehen, darunter ein See mit einem Boot voller Menschen (vielleicht eine Anspielung auf die Stillung des Seesturms in Mk 4,35-41).
Wegen der Bauarbeiten während der Renovation 1962 wurden die untersten 30 Zentimeter des Freskos stark beschädigt. Sie mussten mit Hilfe von analogen Darstellungen in anderen Fresken aus dieser Zeit restauriert werden. Der Maler ist unbekannt. Anhand des Stils wird er aber in der Region der Schweiz und des Oberrheins vermutet.
Der Chor liegt im Osten der Kirche und sieht in die Richtung der aufgehenden Sonne. Baulich setzt er das Kirchenschiff um eine Stufe erhöht fort. Er wird durch die beiden Rundbogenfenster zu seinen Seiten und durch das Chorfenster in der Ostwand beleuchtet.
Das Chorfenster mit der Glasmalerei von Fritz Strebel (1920–1997) aus dem Jahr 1982 besteht aus vier Panneaux. In den mittleren zwei Panneaux zeigt es Jesus beim Abendmahl mit seinen Jüngern. Das unterste Panneau stellt die Abendmahlselemente Brot und Wein in Form von Reben und Weizen dar. Es handelt sich dabei auch um die landwirtschaftlichen Produkte des Dorfes Mandach. Das oberste Panneau in Halbkreisform zeigt einen Sonnenaufgang über den Jurahöhen und verbindet die Abendmahlszene auch lokal mit dem Ort der Kirche.
Wie das Chorfenster bereits andeutet, ist der Chor gerade für die Sakramente relevant. So steht in der Mitte ein hölzerner Abendmahlstisch und nördlich davon der Taufstein aus dem Jahr 1878. Da in der reformierten Tradition der Predigt eine mindestens so grosse Bedeutung beigemessen wird wie den Sakramenten, ist der Chor auch dafür ausgestattet. So befinden sich südlich des Abendmahlstischs eine moderne Kanzel aus Holz und dahinter das Steuerungszentrum der Audioanlage.
Die Empore befindet sich im Westen des Kirchenschiffs. Sie besteht aus Holz und ist im schlichten Stil der 60er-Jahre gehalten. Zugänge gibt es zwei. Entweder man benutzt die Treppe an der Südseite der Begegnungszone oder man gelangt von aussen durch den Turm auf die Empore. Ihr Rand ist durch eine metallene Reling begrenzt. Vom Rand steigt sie in Stufen zur rundbogigen Westpforte auf und bietet ein Panorama über das Kirchenschiff und die Stuckdecke. Wer hier steht, nimmt sich am besten kurz Zeit, um die schillernde Atmosphäre auf sich wirken zu lassen, die aus der Spannung zwischen dem warmen vom rötlichen Boden und dem Holz geprägten Unterbau und der kühleren weissen Stuckdecke entsteht. Auf der Empore gibt es keine Bankreihen, sondern nur mobile Stühle. Die Empore war von der Reformation bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ausschliesslich für die Männer reserviert. Die Frauen sassen im Kirchenschiff. Diese Norm nahm auch Ehepaare nicht aus. Setzte sich eine Frau auf die Empore oder ein Mann ins Kirchenschiff, wurde dies sofort beargwöhnt und man handelte sich einen schlechten Ruf z.B. als ‹Wiberschmöcker› ein.
Auf der Nordseite der Kanzel steht die Orgel. Es handelt sich dabei um eine Metzlerorgel, die aus dem Jahr 1962 stammt und sieben Register hat. Sie fügt sich mit ihrer Naturholzausstattung harmonisch in die Empore ein.
Hat man die Kirche durch den Haupteingang betreten, findet man sich unter der Empore wieder. Im sich nun zeigenden Kirchenraum korrespondiert die rötliche Farbe des Tonplattenbodens mit der
Holzfarbe der Bänke, der Empore und der Täfelung im unteren Bereich der Wände. Zusammen mit dem gelblichen Licht der Wandbeleuchtung entsteht eine warme Atmosphäre, die den kalten Eingang kontrastiert. Aus dem Bereich unter der Empore wurden 2010 drei Bankreihen entfernt, um ein ein Begegnungsbereich für Anlässe und Apéros zu schaffen. Bei grösseren Gottesdiensten können in diesem Bereich zusätzliche Stühle hingestellt werden.