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Melanie Barbezat, Esther Neuenschwander, Skip Silvana Tirinzoni und Alina Pätz vom CC Aarau spielen seit der Saison 2018/19 zusammen. Mit ihrem vorherigen Team hatte Silvana Tirinzoni an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang eine Medaille klar verpasst. Nach vier Siegen und fünf Niederlagen schaute der 7. Platz heraus. In der internen Schweizer Qualifikation hatte sich Tirinzoni unter anderem gegen das Badener Team von Skip Alina Pätz durchgesetzt. Pätz war 2015 in Sapporo Weltmeisterin geworden. Sie galt schon damals als sowohl technisch als auch mental stärkste Curlerin der Schweiz.
Im Sommer 2018 taten sich die Alphatiere Tirinzoni und Pätz zusammen, sozusagen zu einem Beta-Biest. Jede von ihnen verzichtete bei der Fusion auf einen Teil des Besitzstands. Tirinzoni rückte von der vierten auf die dritte Position zurück, blieb aber Skip. Pätz behielt ihre vierte Position, trat aber die Skip-Funktion ab. Auf diese Weise konnten beide ihre Vorzüge am besten einbringen: Tirinzoni Wissen und Können in der Taktik, Pätz Technik und Nervenstärke.
Dem Schweizer Curling hätte nichts Besseres passieren können. Die neue Formation, zu der auch die Seeländerin Melanie Barbezat auf der ersten Position stiess, gewann die letzten zwei Meisterschaften auf Weltniveau vor den Winterspielen in Peking: die Weltmeisterschaften 2019 und 2021. Die WM 2020 fiel wegen der Pandemie aus. Die Aarauerinnen triumphierten 2019 mit 11:4, 2021 sogar mit 14:1 Siegen. Die Gesamtbilanz von 25:5 Siegen ist sagenhaft, wenn man bedenkt, dass die Schweizerinnen sehr viele Partien gegen ungefähr gleichwertig eingestufte Teams bestreiten mussten, so gegen die Schwedinnen, die Schottinnen, die Russinnen und natürlich die Kanadierinnen.
Curling über allem
Vor dem Turnier in Peking warnt Silvana Tirinzoni vor Hochrechnungen, die ergeben, dass die Schweiz auf jeden Fall den zweiten Olympiasieg nach jenem von Patrick Hürlimanns Lausannern in Nagano 1998 erringen wird. «Olympia ist ein ganz eigenes Turnier», sagt sie. «Es ist mit nichts zu vergleichen.» Alle setzen sich unter den allergrössten Druck. Das gilt auch für Tirinzoni selbst. Die 42-jährige Zürcherin hat diesem Anlass alles untergeordnet. Sie gab eine gute Arbeitsstelle auf und zog, um besser über die Runden zu kommen, in eine Wohngemeinschaft. Ob sich die Askese lohnt, entscheidet sich in den nächsten anderthalb Wochen.
Die Schweizerinnen beginnen ihren Marathon über neun Round-Robin-Spiele in der Nacht auf Donnerstag Schweizer Zeit just mit dem Match gegen das britische Europameister-Team.
Zu grosse Unterschiede
Das Genfer Männerteam – Valentin Tanner, Skip Peter De Cruz, Sven Michel und Benoît Schwarz – kommt erfahrungsgemäss für den Gewinn einer Medaille in beliebiger Farbe in Frage. Ab dem Frühling 2014 kamen sie nur von zwei von zehn grossen Meisterschaften ohne Auszeichnung zurück.
Aber die Europameisterschaften in Lillehammer im vergangenen November machten nicht gerade Mut. Denn die Teams aus Schottland (Bruce Mouat) und Schweden (Niklas Edin) waren der ganzen Gegnerschaft haushoch überlegen – also auch den Genfern. Nationalcoach Thomas Lips hat dies registriert. Er setzt darauf, dass das Team in den fast drei Monaten zwischen EM und Olympia aufholen kann. Sonst wird es schwierig werden, wie 2018 eine Olympiamedaille (Bronze) zu gewinnen. Zumal die Kanadier etwa gleich stark einzuschätzen sind wie die Schweden und die Briten. Gleich stark heisst: sehr stark.