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|Wie wird man Professor?||Der Weg via Universität oder via BBT anerkannter Fachhochschule||

Der Weg von
Dr. Christian Buss
|Der Weg via Horgen am Beispiel Jacqueline Fendt|
Professor tönt gut.
In Österreich fast schon eine Vorstufe zu einem Adelstitel, in Italien tönt Professore einfach schon in der Aussprache geil, und wie ist es in der Schweiz?
Bisher konnte ein Hr. oder eine Frau Professor davon ausgehen, dass der Titel gegenüber Dritten als Beweis von Seriosität und Können in einem Fachbereich gilt. Der Mann von der Strasse ging nämlich davon aus, dass der Titel von einer staatlich anerkannten Universität verliehen wurde.
Mit dem Aufkommen der staatlich anerkannten Fachhochschulen erweitere sich das Feld der Professorentitel, die von einem staatlich anerkannten Institut verliehen wurden.
Seit kurzem fällt auf, dass ein Herr Professor oder eine Frau Professor nicht unbedingt einen von einer Universität oder anerkannten Fachhochschule verliehenen Titel erhält, sondern sich auch einfach so mit diesem Titel schmücken darf.
Wikipedia geht beispielsweise Stand Juli 2007 jedoch immer noch von folgendem aus und schreibt u.a.:
... After the doctorate, German scholars who wish to go into academic work are supposed to take a Habilitation, i.e., they write a second thesis mostly on a position as a Wissenschaftlicher Mitarbeiter or Wissenschaftlicher Assistent ("scientific assistant", C1) or a non-tenured position as Akademischer Rat ("academic councilor", both 3+3 years teaching and research positions) . Once they pass their Habilitation, they are called Privatdozent and are eligible for a call to a chair.
...
Similar or identical systems as in Germany (where a Habilitation is required) are in place, e.g., in Austria, the German-speaking part of Switzerland, ...
Die Sache mit dem Doktortitel ist in der Schweiz einiges klarer geregelt als die Frage, wie es mit dem Tragen eines Professoren-Titels steht. Ein bekannter Inhaber eines Übersetzungsbüros hat verschiedentlich erfolglos versucht, im Handelsregister Doktor-Titel aus verschiedensten Ländern einzutragen. Mit BGE 113 II 280 wurde auch sein Dr. h.c. nicht zum Eintrag zugelassen. Ausführungen zu Professor- (oder z.B. auch Doktor-) Titeln finden sich z.B. in VPB 51.47 und 51.48, VPB ist die Abkürzung für Verwaltungspraxis der Bundesbehörden, sowie in dort aufgeführten Bundsgerichtsentscheiden. In diesen VPB ist u.a. zu lesen:
aus VPB 51.48
3. Das Bundesrecht definiert die Begriffe Universität, Hochschule, Akademie, Fakultät, Professor usw. nicht ausdrücklich. Wo es an Definitionen fehlt, ist auf den heutigen Sprachgebrauch und das allgemeine Sprachverständnis abzustellen. Das Bundesgericht hat sich mit den Ausdrücken Hochschule, Akademie, Fakultät und Professor bereits befasst. In BGE 97 I 123 führte es aus: «... die (…) Bezeichnung <Akademie>, die im heutigen Sprachgebrauch, (…) auch für andere als akademische Berufsschulen und Ausbildungsstätten verwendet wird. Andererseits ist aber nicht zu bestreiten, dass das Hauptwort <Hochschule>, für sich allein genommen, heute in der Schweiz die Vorstellung einer staatlichen oder doch vom Staate getragenen Lehr- und Forschungsanstalt erweckt, und das gleiche muss (…) auch für die Bezeichnung <Fakultät> gelten.» In einer jüngeren Dissertation wird diese Meinung übernommen: «Dass es sich bei den schweizerischen Universitäten um staatliche Einrichtungen, die dem öffentlichen Recht unterstehen, handelt, ist unzweifelhaft. Dies ergibt sich schon aus ihrer Bezeichnung als <Hochschule> oder <Universität> (…)» (Schnyder Matthias, Die Universität Basel als öffentlich-rechtliche Anstalt, Diss. Basel, 1985, S. 77). Beim Titel «Professor» stellte das Bundesgericht auf den örtlichen Sprachgebrauch ab. So stellte es in BGE 50 I 165 fest, «... dass mit dem Namen Professor im zürcherischen Sprachgebrauch nur der gegenwärtige oder frühere Lehrer an einer höheren staatlichen Lehranstalt bezeichnet zu werden pflegt, dem dieser Titel in Verbindung mit der Übertragung des betreffenden Amtes durch die Wahlbehörde verliehen worden ist».
4. Das Bundesrecht enthält auch keine besonderen Bestimmungen zum Schutz der erwähnten Begriffe. Hingegen können sich Einschränkungen für die Verwendung dieser Ausdrücke aus dem Firmenrecht, dem Handelsregisterrecht, dem Namensrecht und dem Recht über den unlauteren Wettbewerb ergeben.
aus VPB 51.47
2. Die Bedeutung von Titeln erschöpft sich aber nicht nur in ihrem Wert für den wirtschaftlichen Wettbewerb, sondern erstreckt sich ihrem Wesen nach auch und sogar in erster Linie auf geistiges und gesellschaftliches Gebiet. Wer sich beispielsweise fälschlicherweise den Anschein gibt, einen akademischen Grad erworben zu haben, verschafft sich damit eine ihm nicht zukommende gesellschaftliche Geltung. Sodann schadet die unberechtigte Führung akademischer Titel dem Ansehen der schweizerischen Universitäten und der von ihnen verliehenen Grade. Aber auch, soweit es sich um die Erwerbstätigkeit des Titelträgers handelt, können neben den durch das BG über den unlauteren Wettbewerb und das Strafgesetzbuch geschützten Rechtsgütern polizeiliche Interessen allgemeiner Art das Verbot des Titelmissbrauchs rechtfertigen: wer zum Beispiel in einem Kanton, in dem die Ausübung des ärztlichen Berufs frei ist, sich fälschlicherweise als «Doktor» oder «Dr. med.» bezeichnet, gefährdet durch Vortäuschung wissenschaftlicher Kenntnisse gesundheitspolizeiliche Interessen.
Es haben denn auch verschiedene Kantone (etwa Al, BL, BS, SG, SZ, VS, NE) aufgrund des Art. 335 Ziff. 1 Abs. 1 StGB Bestimmungen über Titelanmassung und Titelmissbrauch erlassen. Daran schliessen sich in einzelnen Kantonen noch Schutzbestimmungen für die Bezeichnung derjenigen Berufe, zu deren Ausübung es einer staatlichen Bewilligung bedarf (z. B. Arzt, Anwalt).
Beispiel: Nach Art. 40 Abs. 1 des schwyzerischen Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch wird mit Busse bestraft, wer sich ohne Berechtigung als Inhaber eines akademischen Grades bezeichnet oder wer den akademischen Grad einer Anstalt führt, deren Grade denen der schweizerischen Hochschulen nicht gleichwertig sind. Aufgrund dieser Bestimmung wurde X, der durch Vermittlung des Agenten Y in Genf den Titel eines Dr. phil. der «Universitas studiorum Friderica» in Salt-Lake City (USA) erworben hatte, vom Bezirksammann von Schwyz wegen Führung eines Doktortitels mit Fr. 50.- gebüsst. Bezirks-, Kantons- und Bundesgericht haben in der Folge dieses Urteil bestätigt (vgl. BGE 74 IV 108; vgl. auch BGE 74 IV 110 und BGE 74 IV 111).
In einem Urteil des Kassationshofes vom 18. Dezember 1980 in Sache S. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen (Nichtigkeitsbeschwerde) wurde der Tatbestand der Arglist (gemäss Art. 148 StGB) bejaht im Fall eines selbständigerwerbenden Psychologen, der durch Verwendung von in Tat und Wahrheit wertlosen akademischen Titeln seine Kunden über seine berufliche Qualifikation irregeführt hatte (BGE 106 IV 358).
3. Als wettbewerbszulässiger Doktortitel gilt in der Praxis nur «der an einer in- oder ausländischen Hochschule aufgrund längeren Studiums und eines darauf gründenden fachlichen Ausweises erworbene» (VEB 31.53). Da ein Studium an einer ausländischen Hochschule mit einem solchen an inländischen Hochschulen oft nicht unmittelbar vergleichbar ist, sollten beim Verwenden des dort erworbenen Doktortitels in der Schweiz entsprechende Zusätze oder Herkunftsbezeichnungen angeführt werden, welche ihn deutlich von ähnlichen schweizerischen akademischen Titeln unterscheiden. Es ist nicht die Aufgabe der Bundespolizeibehörden, die Rechtmässigkeit der Tragung von akademischen oder andern Titeln nachzuprüfen und deshalb auch nicht notwendig, den Titelträgern eine diesbezügliche Bewilligung auszustellen (VEB 31.53; vgl. auch VPB 44.117).
4. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass der Titelmissbrauch bundesrechtlich ausser im Bereich des Wettbewerbsrechtes und im Zusammenhang mit der Umschreibung gewisser Tatbestände im Strafgesetzbuch nicht geregelt ist. Die Kantone sind indessen befugt, den Titelmissbrauch generell als Übertretung unter Strafe zu stellen. Die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen ein im Ausland erworbener Titel in der Schweiz getragen werden kann, richtet sich damit vornehmlich nach kantonalem Recht.