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Auf einer Ebene oberhalb des Bisitobels im Gebiet Bernhardzell in der Gemeinde Waldkirch SG liegt der Hof namens „Bisihus“. Raphaela Lengwiler möchte gerne wissen, was der Name genau bedeutet. Wer nun an ein Pissoir denkt, liegt falsch, auch wenn es den Namen „Le Pissoir“ in Trient (VS) tatsächlich gibt, der dort einen Felskopf bezeichnet. Der Name „Bisihus“ ist sehr alt und erscheint im St. Galler Namenbuch erstmals im Jahr 1370. Im Jahr 1464 wird der Name als ein Eigengut eines Gotteshauses beschrieben: „unseres gotzhus aigen gutt genant bisihus“. Das bedeutet, Bisihus war früher im Besitz einer Kirche oder eines Klosters.
Vom heiligen Bernhard in Waldkirch
Das Gebiet, auf dem das Bisihus steht, heisst Bernhardzell. Auch dieser Name ist sehr alt und erstmals im Jahr 898 schriftlich erwähnt. Es handelt sich hierbei um eine Zusammensetzung aus dem Personennamen Bernhard und dem Wort „Zell“, das auf eine Kapelle oder ein Klostergut zurückzuführen ist. Dieses Gebiet muss also früher zu einem Kloster gehört haben, das unter dem Patrozinium des heiligen Bernhard stand. Gut möglich, dass „Bisihus“ auch zu diesem Klostergut gehörte. Doch was bedeutet genau „Bisi-“?
Der germanische Name Bizo
Der Name geht auf den germanischen Personenname Bizo zurück. Gemeint ist also das Haus der Person namens Biso oder Bizo. Gleich neben dem Hof befindet sich der Name „Bisitobel“. Der schweizerdeutsche Ausdruck „Tobel“ bezeichnet ein enges, meist von einem Bach durchflossenes und bewaldetes Tal oder einen tiefen Einschnitt im Gelände. Das heutige Wort Tobel geht auf das mittelhochdeutsche Wort „tobel“, das enges Waldtal oder Schlucht bedeutet, zurück. Tatsächlich fliesst der Giessbach durchs Bisitobel. Somit hat die Person namens Biso auch dieses bewaldete Tal zum Namen motiviert.
Hus-Namen in St. Gallen
Ähnliche Namen, wie das Bisihus, gibt es in unmittelbarer Nähe. So etwa das Gonzhus, wobei in diesem Fall das Wort „Gonz“ als Kosename für den Personennamen Günther zu verstehen ist. Es handelt sich hier also um das Haus einer Person namens Günther. In der Gemeinde Häggenschwil befinden sich auch zwei Hausnamen – das Eglishus und das Fidenhus. Auch hier handelt es sich um zwei Personennamen im ersten Glied. Der Familienname Egli ist eine Kurzform des Familiennamens Egloff. In diesem Fall handelt es sich um ein Haus einer Familie namens Egloff. Beim Fidenhus geht der Name „Fides“ auf einen Personennamen zurück. So hat angeblich eine der drei Töchter der heiligen Sophia geheissen. Der Name hat in St. Gallen auch den Stadtteil St. Fiden motiviert. Das Fidenhus ist also entweder das Haus einer Person namens Fides oder aber ein Haus, das zu einer ehemaligen Kirche namens St. Fiden gehörte.
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin am aktuellen Band "Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu". Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.
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