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Blauweisser Delfin
Stenella coeruleoalba
© 2011 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Der Blauweisse Delfin (Stenella coeruleoalba) gehört innerhalb der Ordnung der Waltiere (Cetacea) zur Familie der Eigentlichen Delfine (Delphinidae). Mit einer Länge von durchschnittlich 2,4 Metern bei den erwachsenen Männchen beziehungsweise 2,2 Metern bei den erwachsenen Weibchen und einem Gewicht von zumeist 100 bis 130 Kilogramm gehört er zu den kleineren der 33 Mitglieder seiner Familie.
Ein gutes Artkennzeichen ist der dunkle Seitenstreifen, der vom Auge ausgeht und entlang der hellen Flanke bis zur Analregion verläuft. Der Blauweisse Delfin wird deshalb auch «Streifendelfin» genannt.
Das Verbreitungsgebiet des Blauweissen Delfins erstreckt sich über die tropischen, subtropischen und gemässigten Klimazonen sowohl des Atlantischen als auch des Indischen und des Pazifischen Ozeans und umfasst zudem die meisten Randmeere wie das Karibische Meer und das Mittelmeer. Im Allgemeinen bewegt sich der zierliche Meeressäuger küstenfern im offenen, tiefgründigen Wasser umher. In Küstennähe ist er nur dort anzutreffen, wo der Meeresboden steil in die Tiefe abfällt.
Der Blauweisse Delfin ist ein schneller und wendiger Unterwasserjäger, der gewöhnlich in Tiefen von 0 bis 200 Metern, manchmal aber auch bis 500 oder gar 700 Metern auf Beutefang geht und dabei bis acht Minuten ohne Atem zu schöpfen unter Wasser bleiben kann. Aufgrund von Untersuchungen des Mageninhalts erlegter Individuen wissen wir, dass er sich hauptsächlich von freischwimmenden, schwarmbildenden Fischen und Tintenfischen ernährt, gelegentlich aber auch Garnelen und andere frei im Wasser schwimmende Krebstiere zu sich nimmt. Die Länge seiner Beutetiere liegt im Allgemeinen zwischen 5 und 30 Zentimetern.
Wie alle Delfine sind die Blauweissen Delfine gesellige Wesen. Sie streifen in Gruppen («Schulen») unterschiedlicher Grösse umher. Im Bereich von Japan beträgt die mittlere Gruppengrösse rund 100 Individuen; es gibt aber auch Gruppen mit bis zu 500 Individuen. Im Gegensatz hierzu bestehen die Gruppen im östlichen Nordatlantik meistens aus 10 bis 30 Individuen, während solche mit 100 und mehr Individuen selten sind. Soweit wir wissen, sind die Gruppen nicht alle gleich zusammengesetzt. Es gibt reine Erwachsenengruppen und reine Jugendgruppen, aber auch gemischtaltrige Verbände.
Die weiblichen Blauweissen Delfine erreichen die Geschlechtsreife gewöhnlich im Alter von ungefähr 10 Jahren und bringen danach etwa alle 4 Jahre ein einzelnes Junges zur Welt. Die Tragzeit dauert mit 12 bis 13 Monaten recht lang. Bei der Geburt sind die jungen Delfine denn auch entsprechend gross: Sie weisen eine Länge von etwa einem Meter auf und wiegen ungefähr 11 Kilogramm. Rund 16 Monate lang werden sie von der Mutter gesäugt.
Nach der Entwöhnung bleiben die Jungtiere noch ein oder zwei Jahre in ihrer Geburtsgruppe mit den erwachsenen Tieren zusammen. Danach schliessen sie sich für ein paar Jahre einer Jugendgruppe an. Männchen wie Weibchen haben eine Lebenserwartung von 35 bis 50 Jahren. Das älteste bisher gefundene Individuum war geschätzte 57 Jahre alt.
Der Blauweisse Delfin ist weit verbreitet, gilt in verschiedenen Regionen als häufig und wird darum von der Weltnaturschutzunion (IUCN) nicht als gefährdet eingestuft. Es ist allerdings sehr schwierig, sich einen wirklich verlässlichen Eindruck von der Gefährdungssituation der Art zu verschaffen, da sowohl regional als auch global keine fundierten Einschätzungen der Grösse und Entwicklung der Bestände vorliegen.
Gewiss ist, dass der Blauweisse Delfin - wie alle Delfine ausserhalb der antarktischen Gewässer - vielfältigen, vom Menschen ausgehenden Gefahren ausgesetzt ist. Eine davon ist die direkte Verfolgung. Vor allem im Bereich von Japan werden Blauweisse Delfine wegen ihres in der lokalen Küche sehr geschätzten Fleischs in grösserer Zahl erlegt. Eine erhebliche Gefahr bildet sodann der unbeabsichtigte «Beifang» in Fischernetzen. Beispielsweise verenden im Mittelmeer jedes Jahr 3000 bis 4000 Gemeine Delfine und Blauweisse Delfine in den mehrere Kilometer langen Nylonwandnetzen der Schwertfischfänger. Solcher Beifang kann einen merklichen Einfluss auf regionale Bestände haben. Als Gefahr zu nennen ist ferner die Anreicherung von Pestiziden und Schwermetallverbindungen in den Körpergeweben des Blauweissen Delfins. Wie bei vielen anderen Endgliedern von Nahrungsketten ist dies bei ihm nachweislich der Fall und kann zu Gesundheitsschäden führen.
Zu Bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass bei Tierarten, welche eine geringe Fortpflanzungsrate haben - und zu diesen zählt der Blauweisse Delfin -, kaum mehr zu bremsende Bestandsabnahmen einsetzen können, lange bevor sie für den Menschen offenkundig sind. Es gilt darum, die Bestandssituation des eleganten Meeressäugers mit wachsamen Augen zu verfolgen.
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