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XXXVIII. Geschäftsbericht des Zentralkomitees
des Zentralkomitees an die Abgeordnetenversammlung des Schweizer Alpenclub in Ölten Montag den 22. Oktober 1906.
Sehr geehrte Herren Delegierte!
Gestatten Sie mir, in Anbetracht der überreich besetzten Traktandenliste, Ihnen den üblichen Jahresbericht in möglichster Kürze vorzutragen und nur da etwas weiter auszuholen, wo es absolut notwendig erscheint.
Mitgliederbestand:
Die Mitgliederzahl hat sich im Zeiträume vom 1. Juli 1905 bis zum gleichen Tage 1906 nicht so stark vermehrt, wie in der gleichen Periode des verflossenen Jahres; in dieser betrug die Zunahme 566, im Berichtsjahre nur 360 Mitglieder; der S.A.C. zählte an diesem Tage 8599 Clubgenossen. Zu den bestehenden 50 Sektionen und drei Subsektionen ist neu hinzugekommen die Sektion de Montreux in Montreux, die wir als jüngstes Glied unseres Clubs willkommen heißen.
Finanzlage:
Erfreulicherweise hat sich der Rechnungsabschluß des letzten Jahres günstiger gestaltet, als sich voraussehen ließ.
Er ergab sogar eine Vermögensvermehrung von Fr. 548. 85.
Dieses Resultat ist allerdings ein scheinbares, denn nur dem Umstände, daß im letzten Jahre wegen des ungewöhnlich früh eingetretenen starken Schneefalles die Boval- und Claridahütte nicht fertig erstellt werden konnte, und infolgedessen die dafür bewilligten Subventionen nicht voll ausbezahlt wurden, ist es zuzuschreiben, daß an Stelle einer Vermögensverminderung von za. Fr. 5000 eine Vermögensvermehrung erzeigt werden konnte.
Die Rechnung pro 1906 wird glücklicherweise dadurch weniger beeinflußt, da die für den Umbau der Ruckhubelhütte bewilligte Subvention auch wieder erst im nächsten Jahre zur Auszahlung gelangen wird.
Das laufende Jahr wird voraussichtlich mit einem Defizit von za. Fr. 1000 schließen, und es wird auf 31. Dezember 1906 unser Vermögen rund Fr. 45,000 betragen.
Huberstiftung.
Aus diesem Fonds wurden im Berichtsjahre zwei Unterstützungen gewährt, von denen die eine, im Betrage von Fr. 500, an die Hinterlassenen des an der Sustenlimmi verunglückten Florian Gehrig, dem mit der Huberstiftung vereinigten Legat Horber entnommen wurde, weil dieses die Beschränkung nicht hat, daß nur die Hinterlassenen patentierter Führer und Träger unterstützt werden dürfen.
Herr Dr. Hermann Seiler hat in verdankenswerter Weise dem Zentralkomitee als Ertrag einer Kollekte auf Riffelalp Fr. 582 übermittelt, mit der Bestimmung, daß diese Summe für Führerunterstützungen verwendet werden solle.
Im Einverständnis mit demselben haben wir diese Schenkung nicht der Huberstiftung einverleibt, sondern verwalten sie als eigenen Fonds, um auch in solchen Fällen an Führer .oder deren Hinterlassene Unterstützungen gewähren zu können, wo dies nach den Satzungen der Huberstiftung nicht anginge.
Ein Clubmitglied, Herr W. Cohen in Duisburg, hat als Resultat einer bei seinen Bekannten vorgenommenen Sammlung für die Hinterlassenen des Florian Gehrig Fr. 100 eingesandt.
Auch ihm sei für seine hochherzige Gabe der beste Dank ausgesprochen.
Publikationen.
Die Auflage von Band 41 des Jahrbuches betrug 7100 Exemplare; denselben- war als willkommene Beilage ein Teil der vom Clubgenossen Barbey herausgegebenen Imfeldschen Mont Blanc-Karte beigelegt.
Den folgenden drei Jahrgängen werden die noch fehlenden Teile dieser Karte beigegeben werden.
Dank der steten Zunahme der Mitgliederzahl und der Umsicht und Sparsamkeit des Redaktors und Verlegers hat das Jahrbuch trotz der vor einigen Jahren erfolgten Preisermäßigung wieder einen namhaften Gewinn abgeworfen.
Dieser Umstand dürfte jedoch zurzeit kaum Veranlassung zu einer weiteren Herabsetzung des Preises, die ja immerhin nur unbedeutend sein könnte, bieten, sondern man wird in Zukunft das Jahrbuch in künstlerischer Beziehung etwas besser ausstatten können.
Seit seinem Bestehen hat unser Jahrbuch, nach Abzug aller früheren Defizite, der Zentralkasse die schöne Summe von Fr. 40,084. 58 eingebracht.
Die Verträge mit dem Redaktor und Verleger sind im beidseitigen Einverständnis provisorisch um ein Jahr verlängert worden; es sind für Band 42 keinerlei Änderungen, weder in der Einteilung, noch im Stoff der Jahrbuchbeiträge, vorgesehen.
Vielfach geäußerten Wünschen nachkommend, hat das Zentralkomitee den Versuch gemacht, die „ Alpina11 mit kleineren Bildern illustrieren zu lassen. Nach allem, was wir darüber gehört haben, wird diese Neuerung, welche die Zentralkasse nur in ganz geringem Maße belastet, allgemein günstig beurteilt.
Der Redaktor der „ Alpina " gibt sich alle Mühe, sein Blatt interessant zu gestalten, ist aber selbstverständlich auf seine Mitarbeiter angewiesen, und es wäre sehr zu begrüßen, wenn namentlich unsere Clubgenossen welscher Zunge fleissiger als bisher dieses Bindegliedes zwischen den romanischen und deutschen Sektionen gedenken wollten.
Den beiden Herren Redaktoren des Jahrbuches und der „ Alpina " sei für ihre ersprießliche Mühewaltung der beste Dank ausgesprochen.
An das „ Echo des Alpes ", auf dessen Herausgabe das Zentralkomitee keinerlei Einfluß hat, wurden als Subvention die üblichen Fr. 1000 geleistet.
Die Nachfrage nach dem Clubfülirer durch die Urneralpen ist keine so rege, als wir erwartet hatten, und wie es die anerkanntermaßen vorzügliche Arbeit verdient hätte; von der 6000 Exemplare betragenden Auflage sind bis jetzt noch za. 4000 Stück unverkauft.
Alpines Rettungswesen.
Zu den bisher bestandenen alpinen Rettungsstellen sind im Laufe des Jahres 1906 neu hinzugetreten die Stationen: Meiringen, Grimsel, Chur, Arosa, Filisur, Zu lis, Promontogno; ferner sind im Kanton Uri noch drei Rettungsstationen in Aussicht genommen, und zwar in Amsteg, Göschenen und Unterschächen.
Bis jetzt haben die Rettungsstationen fast ohne Ausnahme tadellos funktioniert.
Die großen Auslagen, welche der Zentralkasse durch eine von einer Rettungsstation ausgeführte Leichenbergung'erwuchsen, haben das Zentralkomitee veranlaßt, Ihnen für die heutige Delegiertenversammlung einen Zusatz zu den Verordnungen und Ausführungsbestimmungen über das alpine Rettungswesen in der Schweiz vorzulegen.
Wir glauben, im Sinne aller unserer Clubgenossen zu handeln, wenn wir für solche Fälle, in denen durch rasches Eingreifen einer Hülfsexpedition ein Menschenleben erhalten werden kann, den Obmännern vollständig freie Hand lassen, daß wir aber bei eigentlichen Leichenbergungen die Sorge hierfür den Gemeinden überlassen.
I ühr erver Sicherung.
Im Vergleiche zum Vorjahre weist die Führerversicherung auch dieses Mal wieder höhere Ziffern auf.
Die Anzahl der Versicherten ist von 639 auf 703, die Versicherungssumme von Fr. 2,372,000 auf Fr. 2,649,000 angestiegen.
An die Gesamtprämie von Fr. 19,608 hat die Zentralkasse 12,619 Franken bezahlt, d.h. annähernd den vierten Teil der gesamten Jahres-einnalimen des S.A.C.
Seit 1903 hat sich dieser Ausgabeposten durchschnittlich um Fr. 1000 pro Jahr erhöht, und ein Ende dieser Progression ist vorläufig noch nicht abzusehen.
Durch die weitgehende Unterstützung, welche der S.A.C. der Führerversicherung hat angedeihen lassen, ist das Interesse und die Beteiligung der Führer an dieser wohltätigen Institution in erfreulicher Weise geweckt worden.
Die wachsenden Kosten drohen nun aber mit der Zeit unsere, für andere Zwecke verfügbaren Mittel über Gebühr zu beschränken, und wir halten es deshalb, in Übereinstimmung mit der von den Herren Rechnungsrevisoren geäußerten Ansicht, für unsere Pflicht, auf Abrüstung bedacht zu sein.
Unser Versicherungsvertrag mit der „ Zürich " normiert die Höhe der Prämie und die Verteilung derselben zwischen dem S.A.C. und den Versicherten bis Ende 1907 in der Weise, daß an die Prämie von 7 °/oo für das Sommerhalbjahr die Zentralkasse 5 °/oo ( bis zum Maximum von Fr. 4000 per Kopf ), und die Führer 2 °/oo bezahlen. Wir nehmen nun in Aussicht, nächstes Jahr, bei Erneuerung des Vertrages, die Beitragspflicht des S.A.C. einzuschränken, etwa so, daß die Prämie künftig zur Hälfte, anstatt, wie bisher, zu 5/7 zu tragen, und das Maximum, bis zu welchem ein Betrag aus der Zentralkasse in Anspruch genommen werden kann, von Fr. 4000 auf Fr. 3000 per Kopf herabzusetzen wäre.
Eine Berechnung auf dieser Grundlage ergäbe gegenwärtig eine Reduktion des Ausgabepostens für die Führerversicherung von zirka Fr. 12,600 auf Fr. 7000—8000 und ein künftiger Zuwachs der Frequenz dürfte dann unsere Kasse nicht mehr so empfindlich belasten.
Wir behalten uns vor, Ihnen nächstes Jahr eine Änderung der Vertragsbestimmungen in diesem Sinne zu beantragen.
Unfallversicherung der Mitglieder.
Die verschiedenen Formen, unter welchen die Mitglieder des S.A.C. sich bei der schweizerischen Unfallversicherungs-A. G. in Winterhur und der „ Zürich ", allgemeine Unfall- und Haftpflichtversicherungs-A. G. in Zürich einerseits und bei der schweizerischen National-Versicherungsgesell-schaft in Basel anderseits gegen alpine Unfälle versichern können, scheinen allen berechtigten Wünschen zu entsprechen.
Führerkurse und Führerwesen.
Im Berichtsjahre wurden zwei Führerkurse abgehalten, von denen der erste im Juni in Sitten seinen Anfang nahm. Von den 52 Aspiranten konnten 51 patentiert werden; leider zog sich der Kursleiter, Herr Prof. Wolff in Sitten während dieses Kurses bei einer Übungstour auf den Grand Muveran eine Erkältung zu, die in eine bösartige Lungenentzündung ausartete und den zwar bejahrten, aber immer noch rüstigen Mann unerwartet rasch dahinraffte. Der S.A.C. verliert in dem Verstorbenen einen seiner Pioniere im Wallis, einen seiner begeistertsten Anhänger und das Zentralkomitee eine kräftige Stütze, die es schwer vermissen wird.
Der S.A.C. wird das Andenken an sein hochverdientes Mitglied stets in Ehren halten.
Ein zweiter Kurs fand im Oktober in Altdorf statt. An demselben beteiligten sich 15 Aspiranten, die alle zur Patentierung empfohlen werden konnten.
Damit haben wir im Kanton Uri einen Nachwuchs von jüngeren Führern bekommen, der einem wirklichen Bedürfnis entspricht.
Große und nicht immer die angenehmsten Arbeiten bringen dem Zentralkomitee die Führertarife. Nur wer selbst einmal den oft penibeln Verhandlungen beigewohnt hat, kann die Schwierigkeiten ermessen, mit welchen die Vertreter des Zentralkomitees zu kämpfen haben, um nur einigermaßen annehmbare Taxansätze zu erwirken.
Nach zweijährigen Vorarbeiten wurde in diesem Jahre ein Fuhrertarif für den Kanton Wallis unter Dach gebracht. Die Schluß Verhandlungen gestalteten sich in der von der Regierung des Kantons Wallis, Vertretern des Zentralkomitees und der Sektion Monte Rosa und Abgeordneten der Führerschaft beschickten Konferenz in Sitten zum Teil recht mühsam; schließlich gelang es, mit Ausnahme der Taxen für das Val d' Hérens, dessen Führerschaft absolut keine Konzessionen an ihren abnorm hohen Ansätzen machen wollte, einen für beide Teile annehmbaren, möglichst vollständigen Tarif festzusetzen.
Die Differenzen mit den Führern von Evoléna und Arolla wurden später vom Chef des Polizeidepartementes des Kantons Wallis entschieden, und wir danken Herrn Staatsrat Couchepin für seine Mithülfe zur Regelung dieser Angelegenheit bestens.
Auch Herrn J. Gallet, Sektion Chaux-de-Fonds, der den Vertretern des Zentralkomitees bei den Unterhandlungen in Sitten tatkräftig zur Seite stand, sowie den Sektionen, welche uns durch ihre Vorschläge wünschenswerte Wegleitungen gaben, sei hierorts der verbindlichste Dank ausgesprochen.
Wenn schon der neue Walliser Führertarif hie und da eine Erhöhung gegenüber den früheren Taxen bringt, so kann das Zentralkomitee doch mit gutem Gewissen sagen, daß es sein Möglichstes getan hat, die Interessen der Mitglieder des S.A.C. zu wahren; da und dort gelang es sogar anerkannt zu hohe Ansätze zu reduzieren.
438.Chronik.
Wir hoffen, daß nunmehr, nachdem der neue Tarif im Einverständnis mit der Führerschaft zu stände gekommen ist, die oftmals geäußerten Klagen, daß die Walliser Führer sich nicht an die Tarife halten, verstummen werden, und daß die Regierung des Kantons Wallis gegen solche Führer, die sich Überforderungen zu schulden kommen lassen, mit Energie vorgehen wird.
Ende Juni 1904 war von der Regierung des Kantons Bern ein von der Führerschaft des Kientales vorgelegter Führer- und Trägertarif für die Station Kiental provisorisch in Kraft gesetzt und dem Zentralkomitee Ende Juli hiervon Kenntnis gegeben worden, mit der Bemerkung, daß der Tarif sowohl von der Sektion Alteis, als von der Ftthrerprü-fungskommission geprüft und empfohlen worden, dem Zentralkomitee des S.A.C. aber nicht unterbreitet worden sei, weil angesichts der beginnenden Saison die Zeit dazu nicht hingereicht habe.
Wir fanden, daß die Taxen in vielen Fällen unverhältnismäßig hoch festgesetzt seien und legten den Entwurf dem vorzüglichen Kenner jener Gegend, Herrn Dr. Dübi, zur Begutachtung vor. Dieser teilte vollständig unsere Ansicht, machte seine Abänderungsvorschläge, welche wir fast unverändert der Regierung des Kantons Bern übermittelten. Wir bemerkten hierbei, daß die von uns gemachten Ansätze allerdings mit den Taxen des Tarifs für Adelboden, Kandersteg und Lauenen vom Jahre 1903 nicht übereinstimmen, daß dieser Tarif aber für uns nicht wegleitend sein könnte, weil er ohne Mitwirkung des S.A.C. aufgestellt worden sei und entschieden auch zu hohe Taxen aufweise.
Als wir Anfang 1906 Kenntnis davon erhielten, daß der 1904 herausgegebene provisorische Tarif im Jahre 1905 immer noch in Kraft gewesen sei, wandten wir uns von neuem an die Regierung des Kantons Bern, welche sodann auf Ende April zur endgültigen Regelung der Angelegenheit eine Konferenz einberief.
Den Delegierten des Zentralkomitees gelang es dabei, eine Anzahl der von ihr vorgeschlagenen Änderungen zu erwirken.
Ende Mai erließ die Regierung des Kantons Bern eine Verordnung, welche einige Ansätze des vom Zentralkomitee nicht begutachteten Tarifs für Adelboden, Kandersteg und Lauenen mit dem genehmigten Tarif im Kiental in Einklang bringen sollte.
Hierbei wurde einzig, was die Fuhrertaxen anbelangt, die Wilde Frau um Fr. 5 niedriger bewertet, als dies im Generaltarif von 1899 der Fall war; die übrigen Fuhrertaxen, soweit sie Überhaupt herabgesetzt wurden, gingen nicht unter das Niveau des genannten Tarifes herunter.
Dieses Vorgehen scheint die Billigung der Führer von Kandersteg nicht gefunden zu haben, denn es erschien alsbald im „ Bund " ein Artikel aus Kandersteg, der, wie wir nachträglich erfuhren, allerdings nicht von einem Führer geschrieben war, aber doch jedenfalls den Gefühlen, welche die Führer bewegten, lebhaften Ausdruck gab.
In demselben wurde der S.A.C. wegen seiner Bestrebungen, die Führertaxen auf einer gerechten Basis zu erhalten, heftig angegriffen und zugleich verkündet, daß sich ein Verband schweizerischer Bergführer bilden werde, um die Führer gegenseitig vor Übergriffen von außen zu schützen.
Das Zentralkomitee sah sich genötigt, in Nr. 10 der „ Alpina " verschiedene in diesem Artikel aufgestellte irrige Behauptungen richtig zu stellen.
Der Verband schweizerischer Bergfühhrer ist inzwischen ins Leben getreten und hat in Nr. 14 der „ Alpina " sein Programm veröffentlicht.
Zwei Punkte desselben wären sehr zu begrüßen; er will für die innere Hebung des Führerstandes allerorten durch vorzügliche Berufsbildung sorgen und zu dem S.A.C. und den anderen alpinen Vereinen und den Bergsteigern überhaupt gute Beziehungen pflegen.
Gelingt ihm dies, so kann er uns nur willkommen sein.
Wir hoffen, daß der neue Verband eine Ehre darein setzen wird, Ordnung in seinen Reihen zu schaffen, und daß die Klagen über Führer, die ab und zu beim Zentralkomitee einlaufen, und namentlich im Auslande den Ruf unserer im allgemeinen gewiß sehr tüchtigen Führergilde schädigen, in Zukunft nicht mehr laut werden.
Das Zentralkomitee wird auf dem Standpunkte, den es bis jetzt eingenommen hat, verharren, nicht nur im Interesse der Clubisten allein, sondern auch im Interesse der Führer selbst, die es zwar immer noch nicht begreifen wollen, daß sie durch allzu hohe Taxen manchen Bergsteiger zum Führerlosgehen veranlassen und den Touristenstrom in die Ostalpen ablenken.
Im Kanton Graubünden, wo der S.A.C. seit längerer Zeit keinen Einfluß mehr auf das Fuhrerwesen hatte, scheint endlich eine Wendung zum besseren eintreten zu wollen, und wir hoffen, Ihnen in Bälde mitteilen zu können, daß auch dort wieder geordnete Zustände im Führerwesen herrschen.
Clubhütten.
Der bauliche Zustand unserer Hütten kann im allgemeinen als befriedigend bezeichnet werden.
In den letzten Jahren sind nicht nur viele alte ungenügende Hütten durch Neubauten ersetzt worden, sondern es geht auch das Bestreben der Sektionen fast überall dahin, die alten Hütten sorgfältig zu unterhalten und immer wohnlicher auszugestalten.
Dagegen macht sich ein Übelstand, die zeitweise Überfüllung einzelner Hütten, durch Nichtmitglieder des S.A.C. immer mehr fühlbar. Das Zentralkomitee hat deshalb auftragsgemäß Mittel und Wege gesucht, diesen Mißstand soviel als möglich zu beseitigen.
Die schlechten Witterungsverhältnisse im Spätsommer 1905 haben die Fertigstellung verschiedener von der Delegiertenversammlung im Herbst 1904 genehmigter Hüttenbauten verunmöglicht. Aus diesem Grunde konnten die neue Bovalhütte, die vergrößerte Claridahütte, sowie die Finsteraarhornhütte ( d.h. die ans Finsteraarhorn versetzte alte Oberaarjochhütte ) erst im Sommer 1906 dem Betriebe übergeben werden.
Entsprechend den Beschlüssen der letztjährigen Delegiertenversammlung wurden im Laufe dieses Jahres neue Schutzhütten erstellt auf der Alp Sciora im Bondascatal ( Bergell ), und die Cabane Julien Dupuis am Col d' Orny.
Sodann hat die Sektion Bern eine neue Trifthütte, unmittelbar neben der alten am Thältistock erstellt und dem Betriebe übergeben; über deren Subventionierung durch die Zentralkasse hat die Delegiertenversammlung noch zu entscheiden.
An der letztjährigen Abgeordnetenversammlung wurde die Erstellung eines Neubaues als Ersatz für die Plankenalphütte auf dem Euckhubel oberhalb Engelberg unter der Bedingung genehmigt, daß bezüglich des Standortes der näher bei dem Engelberger Botstock zu erstellenden neuen Hütte eine Verständigung zwischen der Sektion Titlis und dem Zentralkomitees stattzufinden habe.
Die Untersuchung der bestehenden Hütte durch zwei Mitglieder des Zentralkomitee hat nun ergeben, daß sie sich noch in einem befriedigenden baulichen Zustande befindet, daß ihr Standort als zweckentsprechend bezeichnet werden muß, und daß sich in der Nähe des Engelberger Rotstockes schwerlich ein lawinensicherer Standort finden lasse. Deshalb wurde vereinbart, es solle von einem Neubau abgesehen, die bestehende Hütte wohnlicher ausgebaut und durch Aufsetzen eines Stockwerkes vergrößert werden.
Die Ausführung dieser Arbeit soll 1907 erfolgen.
Die Fertigstellung des im letztjährigen Berichte erwähnten von der Sektion Bern an der Lötschenlücke zu errichtenden Egon von Steiger-Hütte hat sich infolge unvorhergesehener Schwierigkeiten bedeutend verzögert und ist erst pro 1907 zu erwarten.
Da viele Sektionen es sich zur Pflicht machen, die Reparaturen sowie die Mobiliarbeschaffung in der Regel aus eigenen Mitteln zu bestreiten, wird die Zentralkasse dadurch relativ wenig belastet.
Ueber die Ausgaben auf diesem Gebiete verweisen wir auf die gedruckt vorliegende Rechnung.
Für zwei Hütten wurde das Bewirtschaftungsdefizit übernommen. Infolge Eröffnung der Station Eismeer an der Jungfraubahn hat die Frequenz der Berglihütti gewaltig zugenommen, so daß sich die Sektion Bern genötigt sah, zur Aufrechterhaltung der Ordnung sofort einen ständigen Hüttenwart anzustellen.
Ebenso hat die Oberaarjochhütte der Sektion Biel einen Hüttenwart erhalten auf Grund eines vom Zentralkomitee genehmigten Réglementes.
In Anwendung des letztjährigen Delegierten-Versammlungsbeschlusses betreffend Ausstattung bestehender Alphütten für Skizwecke hat das Zentralkomitee zwei Sektionen Beiträge bewilligt.
In genereuser Weise sind uns die nötigen Mittel in Aussicht gestellt worden für eine in halber Höhe des Matterhorns auf Schweizerseite zu erstellende Schutzhütte, welche den Zweck hätte, Katastrophen, wie solche infolge plötzlicher Witterungsumschläge mehrmals vorgekommen sind, möglichst zu verhüten.
Leider haben wir bis jetzt bezüglich Abtretung des für den Bau nötigen Grund und Bodens seitens der Gemeinde Zermatt noch nicht das nötige Entgegenkommen gefunden.
Es scheint auch jetzt endlich einmal der Zeitpunkt gekommen zu sein, in welchem es möglich wird, die untere Matterhornhütte in einen, allen gerechten Anforderungen entsprechenden Zustand setzen zu können, und wir glauben, Ihnen im nächsten Jahre einen dahingehenden Antrag unterbreiten zu können.
20 unserer Hüttenstatuten weist einen Unterschied zwischen dem deutschen und französischen Text auf.
Der erstere lautet: „ Die den Sektionen für Bewirtschaftung der Hütten nach Abzug der Einnahmen, allfällig erwachsenden Defizite, werden aus der Zentralkasse bis zu Fr. 200 per Jahr vergütet. "
Im französischen Text dagegen heißt es: „ Les déficits éventuels occasionnés aux sections par l' entretien dun gardien dans leurs cabanes seront
Das Zentralkomitee hat bis jetzt die deutschen Statuten in der weit-herzigeren Auffassung des französischen Textes interpretiert und auch an die Defizite von solchen Hütten Beiträge geleistet, welche nicht bewirtschaftet, sondern von einem Hüttenwart ständig beaufsichtigt waren.
Wegbauten und Wegmarkierungen.
Die Sektion Prättigau hat mit Unterstützung aus der Zentralkasse im Grenzgebiete gegen Vorarlberg die Weganlagen Garschine-Furke-Bregez-Schweizertor und Wegverbesserungen und Markierungen Colrosa-Schuderser Maiensäß ausgeführt.
Ebenso die Sektion Toggenburg Weganlagen und Markierungen auf der Westseite des Säntisgebietes.
Verschiedene Unglücksfälle am Tödi, die von der Tagespresse irrtümlicherweise ohne weiteres den Steinschlägen und Eisbrüchen an der Schneerunse zugeschrieben wurden, veranlaßten die Sektion Tödi und das Zentralkomitee, die dortigen Verhältnisse an Ort und Stelle einläßlicher zu untersuchen.
Man verständigte sich schließlich dahin, noch im Laufe dieses Herbstes an einer steinfallsicheren Stelle am unteren Ende des Gelbwandgrates mittelst in die Felsen eingelassener Eisensprossen und eines Drahtseiles einen sicheren Aufstieg herzustellen.
Hinsichtlich der Wegbauten und Markierungen steht dem S.A.C. noch ein weiteres dankbares Arbeitsfeld offen.
Immerhin wird nach unserer Ansicht die Zentralkasse nur in solchen Fällen mitwirken können, in denen es sich um Anlagen in den Voralpen und im Hochgebirge handelt.
Mitgliedskarten.
Unserer Mitgliedskarte hafteten bis jetzt zwei Übelstände an; für-die Sektionskassiere, namentlich der größeren Sektionen, war es sehr zeitraubend, jedes Jahr für jedes Mitglied eine neue Karte ausfertigen zu müssen; für unsere Clubgenossen umständlich, bei Beginn der Saison sowohl ihre Photographie als auch ihre Unterschrift von neuem legalisieren zu lassen.
Hier Abhülfe zu schaffen, war schon lange das Trachten des Zentralkomitee.
Obwohl das Modell für eine praktischere Ausweiskarte schon seit einiger Zeit bestimmt war, glaubten wir doch mit der Herausgabe derselben noch zuwarten zu sollen, bis wir unser Amt unseren Nachfolgern abgeben könnten, weil ja selbstverständlich die Karte für die Dauer ihrer Verwendung die Unterschrift des jeweiligen Zentralpräsidenten tragen muß.
Schließlich aber haben wir. uns doch entschlossen, die Mitgliedskarte schon für das nächste Jahr in der neuen Form drucken zu lassen, da ja die Kosten hierfür ungefähr die gleichen sind.
Allerdings wird im darauffolgenden Jahre mit dem Wechsel des Zentralkomitees wieder ein Neudruck nötig werden, allein von da an gilt sie vier Jahre, d.h. so lange der gleiche Zentralpräsident seines Amtes waltet, und die Mitglieder erhalten alljährlich statt einer neuen Karte nur einen Zettel mit der Jahrzahl und der Kontrollnummer, mit welchem einfach die frühere Jahrzahl überklebt wird.
Der Text, der bisher in der Karte eingeheftet war, wird in Zukunft als Beilage der „ Alpina " in einer Form erscheinen, die das Einlegen in die Mitgliedskarte gestattet.
Diese letztere Änderung hat noch den Vorteil für die Herren Sektionskassiere, daß ihnen die Karten schon vor Neujahr zugestellt werden können, was bisanhin nicht gut möglich war, da von verschiedenen Bahnen trotz frühzeitiger Anfragen unserseits oft erst nach Neujahr die Antworten auf unsere Gesuche um Taxermäßigung einliefen. ( Zur Orientierung liegen eine Anzahl solcher Karten hier auf. ) Besiehungen zu anderen Alpenvereinen.
Unsere Beziehungen zu den alpinen Brudervereinen sind die gleich freundlichen geblieben wie früher.
In diesem Jahre ließ sich das Zentralkomitee beim Kongreß des italienischen Alpenclubs in Mailand durch Herrn Dr. Romedi in Madulein und beim Bankett in Pontresina, wohin die Mitglieder dieses Clubs einen Ausflug unternahmen, durch das Zentralkomitee-Mitglied Herrn Cherno vertreten; beide Delegierte wurden in überaus liebenswürdiger Weise aufgenommen.
Eine Vertretung bei dem Kongreß des französischen Alpenclubs und der Generalversammlung des D. & Ö.A.V. war wegen der weiten Entfernung der Festorte und der dadurch bedingten großen Kosten nicht möglich.
Unsere Bestrebungen, den bei den D. & Ö.A.V. und dem S.A.C. eingeführten alpinen Notsignalen einen internationalen Charakter zu verleihen, hatten nur teilweisen Erfolg; der französische Alpenclub hat dieselben angenommen, der italienische Alpenclub dagegen erklärt, er stehe der Sache sympathisch gegenüber, könne aber keine bestimmte Zusicherung geben.
Es ist uns gelungen, mit dem französischen Alpenclub, der bis jetzt ohne irgendwelche Gegenleistung in unseren Clubhütten die gleichen Vergünstigungen wie unsere eigenen Clubgenossen genoß, ein Abkommen zu treffen, wonach die Mitglieder des S.A.C. auch in seinen Clubhütten den eigenen Mitgliedern gleichgestellt werden.
Weniger glücklich waren wir mit unseren Bestrebungen in dieser Richtung bei dem italienischen Alpenclnb. Die Direktion dieses Vereines erklärte, sie würde ein solches Übereinkommen begrüßen, aber die hüttenbesitzenden Sektionen seien in bezug auf ihre Clubhütten ganz selbständig, und sie habe keinen Einfluß darauf.
Die unseren Mitgliedern- in einem großen Teile der- Schutzhäuser des D. & Ö.A.V. bisanhin gewährten Vergünstigungen werden in Zukunft wegfallen.
Das Vorgehen dieses Vereines ist von verschiedenen Seiten als eine Unfreundlichkeit gegen den Schweizer Alpenclub ausgelegt worden; wir können aber versichern, daß sich die Spitze durchaus nicht gegen den S.A.C. richtet. Auf die Anfrage, die wir am letzten April an den Zentralausschuß richteten und um Auskunft baten, wie sich der D. & Ö.A.V. in Zukunft den größeren ausländischen Vereinen, die selbst über eine Anzahl von Hütten verfügen, zu verhalten gedenke, teilte er uns die Gründe mit, die ihn dazu zwangen, zum Schütze seiner eigenen Mitglieder den Antrag zu stellen, die anderen Alpenvereine ausnahmslos von Vergünstigungen auszuschließen.
Wir mußten die angeführten Motive als stichhaltig anerkennen und begriffen, daß er bei ausländischen Alpenvereinen nicht gut eine Ausnahme machen könne, wenn er den inländischen Vergünstigungen versagen müßte, und erklärten uns mit seinem Vorgehen einverstanden.
Wie sehr der Antrag in Anbetracht der dort herrschenden Zustände einem wirklichen Bedürfnis entsprach und Anklang bei den Sektionen fand, beweist das Abstimmungsresultat; er wurde mit 3149 gegen 583 Stimmen angenommen.
Wir hatten zwar geglaubt, daß die einzelnen Sektionen nach wie vor soweit selbständig bleiben würden, daß sie von sich aus Vergünstigungen gewähren dürften und hofften, namentlich mit den Sektionen, welche in der Nähe der Schweizergrenze Schutzhäuser besitzen, in Kartell treten zu können.
In dieser Annahme scheinen wir uns aber getäuscht zu haben; wie uns vom Zentralausschuß auf unsere Anfrage mitgeteilt wurde, bezieht sich der Beschluß auf alle Hütten, welche unter Bewilligung von Subventionen aus den Gesamtvereinsmitteln erbaut worden sind.
Doch ist bei der Sympathie, welche der Zentralausschuß sonst bei allen Gelegenheiten dem S.A.C. entgegenbringt, die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, für das Grenzgebiet einen modus vivendi zu finden.
Wollen Sie unsere beiden Anträge, 7 und 9, die auf dem Prinzip der Reziprozität basieren, nicht als Repressalien gegen das Vorgehen des D. & Ö.A.V. auffassen; wir hätten Ihnen dieselben ohnedies gestellt; das Zusammentreffen mit dem Leipziger Beschluß ist nur ein zufälliges. Durch deren Annahme wird es keinen alpinen Krieg mit dem D. & O. A. V. geben.
Sie sind das Ergebnis der Studien, über den uns in der letzten Delegiertenversammlung gegebenen Auftrag, Vorsorge zu treffen, daß den Mitgliedern des S.A.C. in unseren Clubhütten in erster Linie ein Anrecht auf Unterkunft gewahrt bleibe.
Der D. & Ö.A.V., auf den von den Motionsstellern besonders hingewiesen wurde, hat schon seit dem Jahre 1890 in seinen Hüttenstatuten die Bestimmung, daß nur den Mitgliedern solcher Vereine ein Vorzugs-recht und ein'niederer Satz eingeräumt werden darf, welche Gegenrecht halten, und wir werden uns auf den gleichen Boden stellen müssen, wenn wir unseren Mitgliedern nützen wollen.
Beziehungen zu den Seidionen.
Mit Freuden können wir konstatieren, daß unser Appell an die Sektionsvorstände in der letzten Generalversammlung nicht ungehört verhallt ist; denn fast ausnahmslos ist jetzt der Verkehr mit den Sektionen, namentlich im Kassawesen, ein glatter und prompter.
Nur die verschiedenen Ansichten über die Feststellung des Termins, bis zu welchem die von den Saktionskassieren der Zentralkasse einbezahlten, aber von den betreffenden Mitgliedern nicht erhältlichen Jahresbeiträge wieder zurückverlangt werden können, brachte einigen Anstand in einer Sektion.
Sie werden heute Gelegenheit haben, diese Frage zu entscheiden.
Wir danken allen Sektionsvorständen für ihre Bestrebungen, die von ihnen übernommenen Pflichten getreulich zu erfüllen, und geben der angenehmen Erwartung Ausdruck, daß Sie, auf dem betretenen Pfade fortschreitend, das Zentralkomitee in seiner mühevollen Arbeit auch fernerhin ebenso kräftig unterstützen, zu Nutz und Frommen unseres teuren S.A.C.
Solothurn, den 22. Oktober 1906.
Der Berichterstatter des Zentralkomitees: W. Förster, Vizepräsident.