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Die Angst vor der Gesellschaft
Bei sozialen Phobien meiden Menschen Auftritte in der Gesellschaft. Sie fürchten, Erwartungen anderer nicht zu erfüllen und auf Ablehnung stossen zu können. Oder Sie haben Angst, dass man ihnen die Nervosität – zum Beispiel bei einem Vortrag vor vielen Menschen – ansieht.
Die erwähnten Symptome können auftreten, ebenso Sprachhemmung, häufige Versprecher oder Atemnot, Übelkeit, wiederum bis hin zu Panikattacken. Es liegt in der Natur der Sache, dass Menschen mit sozialen Ängsten versuchen, „gefährdenden“ Situationen aus dem Weg zu gehen. Dies kann die schulische oder berufliche Karriere ebenso beeinträchtigen wie das Privatleben und zu einer völligen sozialen Isolation führen.
Flugzeuge, Aufzüge, Spinnen…
Und schliesslich gibt es die spezifischen Phobien, die sich gegen ein bestimmtes Objekt oder gegen eine bestimmte Situation richten. Zum Beispiel entwickeln Menschen Tierphobien wie die allseits bekannte Arachnophobie, die Angst vor Spinnen.
Bei situativen Phobien entstehen Angststörungen in Flugzeugen, in der Höhe oder in Aufzügen. Andere Menschen wiederum entwickeln eine Phobie vor Spritzen oder vor Blut.
Panik ohne ersichtlichen Grund
Das Hauptmerkmal der Panikstörung sind immer wieder auftretende, nicht durch äussere Umstände ausgelöste Panikattacken. Diese Panikattacken stellen eine extreme körperliche Angstreaktion aus scheinbar heiterem Himmel dar, die die Betroffenen als extreme Bedrohung ihrer Gesundheit erleben. Der Körper bereitet sich mit erhöhter Adrenalin-Ausschüttung blitzschnell auf eine Kampf-/Fluchtreaktion vor. Es kommt zu Symptomen wie Atemnot, Engegefühle in der Brust, Herzrasen- oder schmerzen, Zittern, Schweissausbrüchen, Übelkeit oder anderen Beschwerden.
Betroffene glauben oftmals, sie würden einen Herzinfarkt erleiden. In der Regel lassen die Symptome mit dem Adrenalin-Abbau nach einigen Minuten wieder nach. Das Auftreten vereinzelter Panikattacken ist noch keine Erkrankung. Erst wenn die Panikattacken wiederholt auftreten, wenn sich eine eigentliche Angst vor der Angst entwickelt, spricht man von einer Angststörung.
Die Sorge um alles und jeden
Sehr häufig sind auch die sogenannten „generellen“ Angststörungen. Menschen mit einer generalisierten Angststörung sorgen sich krankhaft um alles und jeden, haben negative Vorahnungen. Es könnte sich ein Unfall ereignen, dem Kind könnte dieses und jenes passieren, das Gehalt könnte zu spät ausbezahlt werden usw.
Die Betroffenen sind sorgenvoll und ängstlich, ohne dass tatsächlich ein Anlass zur Sorge bestehen würde. Vor lauter Sorge und Angstzuständen sind sie kaum mehr in der Lage, die alltäglichen Herausforderungen zu meistern. Die Angst zeigt sich in Beschwerden wie Zittern, Herzrasen, innerer Unruhe, Hitzwallungen, Schlafstörungen und vielem mehr.
Isolation und Depression
Angststörungen können neben den jeweiligen akuten Symptomen längerfristig zu Depressionen und völliger Isolation führen, aber auch zu einem gesteigerten Suchtverhalten. Andauernde Ängste, Phobien und Panikattacken nehmen den Betroffenen alle Lebensenergie. Alles ist negativ beeinflusst. Die Betroffenen meiden die Öffentlichkeit, Orte, wo ihre Ängste noch akuter werden, wo Panikattacken entstehen könnten.
Patienten kapseln sich immer mehr auch von ihrem privaten Umfeld ab und isolieren sich. Um aufkommende Angst zu unterdrücken oder um sich einstellende körperliche Beschwerden zu bekämpfen, greifen viele Betroffene zu Medikamenten, Alkohol oder Drogen und geraten so in einen Kreislauf, aus dem auszubrechen nun noch schwieriger ist.
Frühestmögliche Diagnose wichtig
Dabei wäre es wichtig, die Diagnose so früh wie möglich stellen zu können. Denn bei rechtzeitiger Therapie ist eine Angststörung gut behandelbar. Der wichtigste Schritt ist dabei, dass sich Betroffene frühzeitig die richtigen Fragen stellen, wie
- Beschäftige ich mich mehrmals täglich mit meinen Ängsten?
- Habe ich wiederholt Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Zittern usw.?
- Beeinträchtigen meine Ängste meine normale Lebensführung?
- Ist meine Stimmung gedrückt oder depressiv?
- Bekämpfe ich meine Ängste mit Alkohol, Medikamenten oder Drogen?
und sich je nach Resultat eingestehen, dass sie Hilfe benötigen. Die Behandlung beruht meist auf einer individuell zugeschnittenen Psychotherapie, die bei starken Symptomen von einer medikamentösen Therapie begleitet wird. Eingesetzt werden dabei meist Antidepressiva, die einerseits die Ängste reduzieren und gleichzeitig eine mögliche Depression lindert. Bei der Psychotherapie lernen Betroffene zu verstehen, dass die Beschwerden nach einer gewissen Zeit wieder abklingen und die befürchteten Konsequenzen ausbleiben.
Bei der kognitiven Verhaltenstherapie der Phobien, Angst- und Panikstörungen geht es unter Einbezug von Wissensvermittlung, kognitiven Interventionen und Konfrontationsverfahren darum, sich den Ängsten oder mit Angst verbundenen Situationen gezielt und in zunehmender Dosis auszusetzen, bis alle zuvor gemiedenen Situationen wieder zu bewältigen sind und in das normale Leben integriert werden können.
Text: P. Gunti