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Die Schriftenreihe «Populäre Literaturen und Medien», herausgegeben von Ingrid Tomkowiak, veröffentlicht wissenschaftliche Beiträge zu unterhaltenden und informierenden Angeboten gedruckter Literatur wie audiovisueller Medien. Den Schwerpunkt bilden dabei Untersuchungen, die am Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich entstanden sind.
Die Reihe erscheint im Programm des Chronos-Verlags. Alle Bände der Publikationsreihe «Populäre Literaturen und Medien» können einzeln im Buchhandel bestellt werden.
Seiteninhalt
- Bd. 12: Lena Hoffmann: Crossover
- Bd. 11: Anna Lehninger: Vor-Bilder. Nach-Bilder. Zeit-Bilder.
- Bd. 10: Christine Lötscher: Das Zauberbuch als Denkfigur.
- Bd. 9: Raffael Schuppisser: Von der Simulation zum Text
- Bd. 8: Christina Ulm: Das Wilde und das Zivilisierte
- Bd. 7: Jacqueline Weber: Männlichkeit aus dem Äther
- Bd. 6: Bruno Wegmann: Postkoloniale Unterhaltung im Südpazifik
- Bd. 5: Lou-Salomé Heer: «Das wahre Geschlecht»
- Bd. 4: Manuela Kalbermatten: «Von nun an werden wir mitspielen»
- Bd. 3: Helene Mühlestein: Hausfrau, Mutter, Gattin
- Bd. 2: Petra Schrackmann: «An Awfully Big Adventure!»
- Bd. 1: Aleta-Amirée von Holzen: «A Pirate's Life for Me!»
Bd. 12: Lena Hoffmann: Crossover
Mehrfachadressierung in Text, Markt und Diskurs. Zürich: Chronos 2018.
380 S. ISBN 978-3-0340-1409-0
Die internationale Buchbranche bringt seit Rowlings Bestseller «Harry Potter» immer mehr Romane heraus, die ein erwachsenes Publikum ebenso ansprechen sollen wie Kinder und Jugendliche. Warum werden bestimmte Texte von unterschiedlichen Generationen gelesen? Ist diese Rezeption in den Texten angelegt oder wird sie über den Markt gesteuert? Lässt sich dieser überhaupt noch in einen allgemeinliterarischen und einen kinder- und jugendliterarischen Markt unterteilen?
In den komparatistischen Analysen dieses Buches werden Verfahren aufgeschlüsselt, die Texte an ein altersdiverses Publikum adressieren. Dabei wird eine Tradition nachgezeichnet, die von «The Adventures of Tom Sawyer» (1876) und «Treasure Island» (1883) über «Krabat» (1971) und «Die unendliche Geschichte« (1976) hin zu «The Book Thief» (2005) und «Tschick» (2010) verläuft. Im Zentrum der Verschränkung von Diskurs, Markt und Text entstand ein literarisches Phänomen, das veränderte Konzepte von Alter ebenso abbildet wie formt und das mit «Harry Potter» seinen bisherigen Erfolgshöhepunkt erlebte. Erstmals wird nachgewiesen, dass Texte vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart Charakteristika ausbilden, um zugleich am kommerziellen Aufschwung der Kinder- und Jugendliteratur zu partizipieren und von den Bewertungsinstanzen des allgemeinliterarischen Systems zur Kenntnis und ernstgenommen zu werden. Die kultur- und literaturwissenschaftlich fundierte Untersuchung liefert ein nützliches Instrumentarium, mit dem der variantenreichen Forschungslage zum Phänomen Crossover eine neue Richtung gegeben werden kann.
Bd. 11: Anna Lehninger: Vor-Bilder. Nach-Bilder. Zeit-Bilder.
Kommerzielle Zeichenwettbewerbe für Kinder in der Schweiz, 1935–1985. Zürich: Chronos 2015.
252 S. ISBN 978-3-0340-1304-8
Kommerzielle Mal- und Zeichenwettbewerbe erfreuen sich in der Schweiz seit dem frühen 20. Jahrhundert grosser Beliebtheit – sowohl bei den Initiatoren als auch bei den rege teilnehmenden Kindern und Jugendlichen. Vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund wurden solche Wettbewerbe erdacht, durchgeführt und von den zeichnenden Kindern aufgenommen? Inwiefern reflektieren Wettbewerbszeichnungen historische Ereignisse und gesellschaftliche Prozesse, aber auch Bildtraditionen und die sich wandelnden Methoden des Schulzeichnens? Die Autorin unternimmt anhand der Bilder aus Schweizer Zeichenwettbewerben einen Streifzug durch die Bildgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zeichnungen aus den Globi-Künstleralben, aus Wettbewerben schweizerischer Unternehmen wie SBB oder Coop, dem Pestalozzi-Schülerkalender und anderen Quellen zeigen die kreative Auseinandersetzung von Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungen und Ereignissen des Jahrhunderts. Aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive werden einzelne Motive und Themen der Zeichnungen ikonologisch analysiert und ihre tiefe Verankerung in der Alltagswelt der Schweizer Kinder untersucht.
Bd. 10: Christine Lötscher: Das Zauberbuch als Denkfigur.
Lektüre, Medien und Wissen in der zeitgenössischen Fantasy für Jugendliche. Zürich: Chronos 2014.
191 S. ISBN 978-3-0340-1252-2
Das Buch hat bei seinen jungen Leserinnen und Lesern so viel Konkurrenz wie noch nie. Einst König der Medien im Kinderzimmer, ist es heute von Smartphones, Computerspielen und einem riesigen Angebot an Filmen und TV-Serien im Internet umzingelt. Fantasy-Romane für Jugendliche zelebrieren das Lesen hingegen als das grösste und aufregendste Abenteuer. Aufgeladen mit magischen Kräften, die den Funktionen von Multimedia-Gadgets entsprechen, erscheint das Zauberbuch als Supermedium. Mit einem kulturwissenschaftlich-medientheoretischen Ansatz untersucht die Autorin eine Reihe von Fantasy-Romanen, darunter Michael Endes Klassiker «Die unendliche Geschichte», Cornelia Funkes «Tintenwelt»-Trilogie und Walter Moers’ «Die Stadt der Träumenden Bücher». Sie zeigt auf, wie eng die Narrative rund um Lektüre, Medien und Wissen mit der Kulturgeschichte des Buches und den Debatten um Medienpädagogik verflochten sind und dass die Zauberbuch-Fantasy die Sehnsucht nach einem vormedialen Paradies sichtbar macht.
Bd. 9: Raffael Schuppisser: Von der Simulation zum Text
Narrative Strukturen in Computerspielen. Zürich: Chronos 2014.
160 S. ISBN 978-3-0340-1236-2
Computerspiele haben sich in ihrem über fünfzigjährigen Bestehen von Geschicklichkeitsspielen zu narrativen Simulationen entwickelt. Dabei nimmt der Rezipient selbst Einfluss auf die Entwicklung der Handlung. Raffael Schuppisser führt Ansätze aus den ludologisch orientierten Game Studies mit Konzepten der Erzähltheorie zusammen, um daraus eine medienspezifische Narratologie für das Computerspiel zu entwickeln. Spielen und Erzählen werden hier also nicht als Gegensatzpaar betrachtet, sondern über das Konzept der Simulation vereint. Ebenso sind Spielen und Interpretieren keine Gegensätze. Vielmehr wird der Spieler ständig herausgefordert, sein Handeln (narrativ) zu deuten, etwa wenn moralische Entscheidungen gefällt werden müssen. In solchen Momenten fliessen die Wertvorstellungen des Spielers in den Interaktionsprozess ein – Computerspielen wird zu einer komplexen ästhetischen Erfahrung.
Bd. 8: Christina Ulm: Das Wilde und das Zivilisierte
Eskalierende Inselszenarien der aktuellen Jugendliteratur. Zürich: Chronos 2014.
144 S. ISBN 978-3-0340-1234-8
Ausgehend vom Paradigmenwechsel der (negativen) Robinsonade, den William Golding 1954 mit «Herr der Fliegen» begründet hat, untersucht die Autorin eskalierende Inselszenarien der aktuellen Jugendliteratur. Im Spannungsfeld von Robinsonade, Utopie und Dystopie werden die Wechselwirkungen von Isolation, Eskalation, Identität und Kollektiv dargestellt und in Auslöser, Indikatoren und Formen der Eskalation differenziert. In den dargestellten Texten stehen «insula amoena» und «insula terribilis» – zivilisiert und wild – einander antagonistisch gegenüber. Die Entscheidung zugunsten des «beast within» wird durch psychische und physische Degeneration der Figuren deutlich und durch die textimmanente Tabula rasa begründet. Dabei wird dem romantischen Verständnis des wilden Kindes, dessen Urzustand mit dem Naturzustand der Insel korrespondiert, eine Absage erteilt, es weicht einem barbarischen Menschenbild. Die jugendliterarische Insel ist so kein Ort mehr der Utopie, sondern der Eskalation.
Bd. 7: Jacqueline Weber: Männlichkeit aus dem Äther
Geschlechterkonstruktion in einer Unterhaltungssendung für Männer von Schweizer Radio Beromünster, 1945–1948. Zürich: Chronos 2013.
328 S. ISBN 978-3-0340-1203-4
Die Stunde für ihn – Männermagazin. Zwar sind die Frauenstunden von Radio Beromünster ein Begriff. Aber dass im Deutschschweizer Radio 1945–1948 mit dem Männermagazin eine spezielle Sendung für Männer zu hören war, ist in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, ist diese Sendereihe doch ein überraschendes Zeitdokument und gleichzeitig Spiegel der Geschlechterordnung. Die Männersendung hielt thematische Vielfalt bereit: Technik, Gesundheitspolitik und Kriegsabenteuer wurden besprochen, aber auch private und berufliche Beziehungsprobleme erheiternd in Szene gesetzt. Warum startete Radio Beromünster kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Männersendung und setzte sie nach nur vier Jahren wieder ab? Warum konnte sich das Männermagazin nicht durchsetzen, während die Sendegefässe für die Frauen über viele Jahrzehnte erfolgreich waren? Wie wurde Geschlecht konstruiert?
In ihrer Analyse verbindet die Autorin mehrere geschlechter– und medientheoretische Ansätze und stellt den Bezug zur Schweiz der 1940er Jahre her. Sie macht mannigfaltige, teils verblüffende Formen von Geschlechter- und speziell Männlichkeitskonstruktion sichtbar. Das Männermagazin nahm Geschlechterdiskurse auf, reproduzierte und variierte sie und bot plausible und integrierende, aber auch widersprüchliche und disparate Ressourcen für die männliche Identitätsbildung.
Das Buch ist ein innovativer Beitrag zur Programmgeschichte des Schweizer Radios und zur Geschlechtergeschichte des 20. Jahrhunderts.
Bd. 6: Bruno Wegmann: Postkoloniale Unterhaltung im Südpazifik
Gastauftritte prominenter Figuren in der neuseeländischen Animationssitcom "bro’Town". Zürich: Chronos 2013.
132 S. ISBN 978-3-0340-1164-8
Die mittlerweile weltweit rezipierte Animationssitcom bro’Town erzählt auf komödiantische und kritische Weise vom vermeintlichen Alltag südpazifischer Teenager im Vorort einer neuseeländischen Grossstadt. Aufgrund der zahlreichen Gastauftritte berühmter Figuren in bro’Town wird die Serie zur Bühne für lokale und internationale Prominenz, wodurch das Unterhaltungsangebot für Stars und Publikum an Relevanz gewinnt. Sowohl in wissenschaftlichen und journalistischen Rezensionen als auch in Reaktionen von Fans wird die «New Zealandness» von bro’Town betont. Die neuseeländische Animationssitcom wurde 2004 erstmals ausgestrahlt. Das Autorenteam verbindet in den Geschichten fünf befreundeter Jugendlicher eine grosse Portion Comedy mit einer kritischen Haltung gegenüber dem postkolonialen multikulturellen Kontext. Prominente Gäste bevölkern den fiktionalen Medientext, und so entsteht ein Raum, in welchem Diskurse der Alltagsrealität auf kreative Weise weitergeführt werden. Zum einen wird bro’Town in dieser Studie in einem vielfältigen Umfeld verortet – dazu gehören auch Fragen zur Repräsentation im postkolonialen Staat –, zum anderen wird die Bedeutung der Animationssitcom als spezifisches Unterhaltungsangebot unterstrichen: Weder soll die Serie als Manifestation des südpazifischen Alltagsdiskurses allzu ernst genommen noch als blosses Amüsement abgetan werden. Die herausgearbeiteten Funktionen der Gastauftritte prominenter Figuren veranschaulichen dies.
Bd. 5: Lou-Salomé Heer: «Das wahre Geschlecht»
Der populärwissenschaftliche Geschlechterdiskurs im SPIEGEL (1947–2010). Zürich: Chronos 2012.
176 S. ISBN 978-3-0340-1100-6
Seit Mitte der 1990er-Jahre machen Gene-Shopping, die Natur der Untreue, die Biologie der Partnersuche oder das Gen für Homosexualität in den deutschsprachigen Massenmedien vermehrt Schlagzeilen. Weshalb stehen biologistische Erklärungsansätze für «Geschlechterfragen» derart hoch im Kurs? Welche anderen Ansätze lösen sie ab? Welche Wissenschaften erhalten eine Stimme? Und welche Entwicklungen und diskursiven Verknüpfungen ermöglichen die Rede von «Spermienwettbewerb», «kostspieligen Männchen» und «Bio-Emanzen»? Die Autorin geht diesen Fragen exemplarisch anhand des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL nach und untersucht einen Ausschnitt aus dem weiten Feld des populärwissenschaftlichen Geschlechterdiskurses. Dieser erweist sich dabei nicht nur als Verhandlungsfeld von Geschlechterrollen und Geschlechterverhältnissen. Vielmehr werden auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen via Geschlecht zur Sprache gebracht. Und nicht zuletzt ist der populärwissenschaftliche Geschlechterdiskurs Teil der Aushandlungen darüber, was allgemein als wissenschaftliches Wissen und als Wahrheit gilt.
"Die Studie ist ausgesprochen kenntnisreich, basiert auf einem weitreichenden Literaturhorizont, diskutiert kritisch wichtige Fragen der Wissensrezeption in erfrischender Offenheit." Bea Lundt in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 9/2014, S. 780.
Bd. 4: Manuela Kalbermatten: «Von nun an werden wir mitspielen»
Abenteurerinnen in der Phantastischen Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart. Zürich: Chronos 2011.
278 S. ISBN 978-3-0340-1046-7
Von Daniel Defoes Robinson Crusoe bis Karl Mays Old Shatterhand: Aktiv, autonom und souverän agierende literarische Figuren, die raumgreifende Abenteuer erleben, grosse Leistungen vollbringen und dabei Tapferkeit, Grandiosität und Durchsetzungskraft verkörpern, sind bis weit ins 20. Jahrhundert fast ausschliesslich Männer. Als Protagonisten des traditionellen Abenteuerromans drücken sie kraft ihrer grandiosen Eigenschaften die Grössenphantasien gerade auch jugendlicher LeserInnen aus und fungieren trotz aller berechtigten Kritik an Eurozentrismus und männlicher Heroik der Abenteuerliteratur als Identifikationsfiguren. Heute ist das literarische Abenteuer, gerade in seiner Aktualisierung in der Phantastischen Kinder- und Jugendliteratur, nicht länger eine Domäne männlicher Figuren. Ausgehend vom Typ des traditionellen Abenteu(r)ers analysiert die Autorin drei aktuelle populäre Fantasy-Abenteuer und ihre Heldinnen in Bezug auf alte und neue Abenteuerkonzepte. In Joanne K. Rowlings «Harry Potter»-Serie, Philip Pullmans Trilogie «His Dark Materials» und Cornelia Funkes «Tintenwelt»-Büchern treten junge Abenteurerinnen auf, die Eigenschaften ihres traditionellen Vorgängers aufweisen und diese durch neue ergänzen: Kulturell männlich konnotierte Eigenschaften wie Konfliktbereitschaft und Autonomie verbinden sich mit traditionell Frauen zugesprochenen Tugenden wie Teamgeist, Empathie und Beziehungsbereitschaft. Weiter wird deutlich, dass die Abenteurerinnen der Gegenwart sozialkritische und emanzipative Funktionen übernehmen, zugleich aber gesellschaftlich zentrale Ideale und Normen wie Leistungsdenken und Sozialkompetenz bekräftigen. Im Zentrum der Analyse steht der Lern- und Entwicklungsprozess dieser Figuren. Denn diese verfügen zwar über grandiose – darunter auch magische – Talente, sind im Grunde aber «ganz normale» Mädchen und drücken gerade als solche die Botschaft aus, dass jeder Mensch grandios und erfolgreich sein kann, wenn er sich aktiv und ausdauernd darum bemüht.
Bd. 3: Helene Mühlestein: Hausfrau, Mutter, Gattin
Geschlechterkonstituierung in Schweizer Ratgeberliteratur, 1945-1970. Zürich: Chronos 2009.
200 S. ISBN 978-3-0340-0982-9
«Von einem ‹Beruf als Gatte und Vater› hat man nie gehört. Der Beruf als ‹Gattin und Mutter› dagegen ist in aller Munde», schrieb Iris von Roten 1958. Damit traf die Schweizer Frauenrechtlerin den Nerv der Zeit, denn Recht und Politik stützten die als traditionell angesehene Rollenverteilung der Geschlechter, die den Mann als Allein ernährer einsetzte und der Frau den Beruf der Hausfrau, Mutter und Gattin zuwies. Der Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegszeit machte die Umsetzung dieses Ideals erstmals für viele möglich. In diesem Kontext erschienen zahlreiche Ratgeber für Frauen auf dem Buchmarkt. Sie zeigen der Hausfrau, wie sie ihren Haushalt zu führen hat, der jungen Mutter, wie sie ihr Kind am besten pflegt, und der Gattin, wie Weiblichkeit gesellschafts konform repräsentiert wird. Meist als Lehrbücher gedacht, sollten sie Frauen, die gerade geheiratet hatten, den Übergang in ihre neuen Arbeitsbereiche erleichtern. Dabei vermittelten sie sich wandelnde professionelle und verhaltensnormierende Strategien zur alltäglichen Aufgabenbewältigung. Die Autorin untersucht Haushalts-, Mutter-Kind- und Schönheitsratgeber, die zwischen 1945 und 1970 in der Schweiz publiziert wurden. Ihre kulturwissenschaftliche Analyse liefert einen Beitrag zur Geschlechtergeschichte der Schweizer Nachkriegszeit, sie zeigt auf, dass die Ratgeber auch als Anleitungen dafür zu lesen sind, wie weibliches Geschlecht korrekt gelebt wird. Dabei erweisen sich diese Publikationen als erstaunlich offen für gesellschaftliche oder wissenschaftliche Neuerungen. Deutlich wird, wie sich im Spannungsfeld von wirtschaftlicher Aufbruchstimmung und politischem Rückgriff auf traditionelle Rollenbilder die Geschlechternormen neu manifestierten. Das Bild von Ratgebern als lediglich passiven Übermittlern «alter» Normen ist zu revidieren: Sie trugen aktiv zur Geschlechterkonstituierung bei.
Bd. 2: Petra Schrackmann: «An Awfully Big Adventure!»
J. M. Barries Peter Pan im medialen Transfer. Zürich: SSI 2009.
218 S. ISBN 978-3-0340-0991-1
Peter Pan hat sein Publikum schon immer in mehr als einem Medium gefunden. Seinen ersten Auftritt hatte er im Roman «The Little White Bird» (1902) des Schottischen Dramatikers und Romanautors James Matthew Barrie (1860–1937). 1904 liess Barrie den schelmischen Jungen durch das erfolgreiche Theaterstück «Peter Pan or The Boy Who Would Not Grow Up» fliegen, 1911 erzählte er die Geschichte noch einmal in Romanform («Peter and Wendy»). Seit damals durfte Peter seine Abenteuer immer wieder in anderen Medien erleben, in Realspielfilmen, Animationsfilmen und Comics. Ist es möglich oder überhaupt wünschenswert, einen literarischen Text eins zu eins in ein anderes Medium zu übertragen? Am Beispiel von sieben ausgewählten Umsetzungen von Barries Werken zeigt die Autorin auf, wie die Geschichte um Peter Pan in anderen Medien neu erzählt wird. Sie hebt dabei wichtige Aspekte der Peter-Pan-Texte hervor und fragt nach Variationen, Übereinstimmungen und Tendenzen der medialen Umsetzungen. Zur Autorin: Petra Schrackmann (* 1979) stammt aus dem Kanton Aargau und hat an der Universität Zürich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Europäische Volksliteratur und Englische Literatur studiert. Sie wohnt in Baden und ist Assistentin im Fach Populäre Kulturen an der Universität Zürich.
Rezension
Bd. 1: Aleta-Amirée von Holzen: «A Pirate's Life for Me!»
Von The Black Pirate bis Pirates of the Caribbean - Abenteuerkonzepte im Piratenfilm. Zürich: SSI 2007.
336 S. ISBN 978-3-0340-0990-4
Bevor 2003 der erste Teil der Filmtrilogie «Pirates of the Caribbean» («Piraten der Karibik») weltweit sensationelle Erfolge feierte, galt das Genre der Piratenfilme seit Ende der 1950er Jahre als ‹gestorben›. Dennoch wurden immer wieder Piratenfilme gedreht, und das Stichwort ‹Pirat› verhiess weiterhin Abenteuer. Unter Einbezug der Piratenliteratur aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert und der ihr als Kulisse dienenden historischen Piraterie in der Karibik untersucht die Autorin Vorstellungen von Abenteuer und Abenteurern in Hollywood-Piratenfilmen aus den Jahren 1926 bis 2007. Sie bestimmt die Konventionen des Genres und fragt nach Variationen und Aktualisierungen. Zur Autorin: Aleta-Amirée von Holzen (* 1980) ist in der Innerschweiz aufgewachsen und hat an der Universität Zürich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Europäische Volksliteratur und Ältere Nordistik studiert. Sie wohnt in Schwyz und ist Assistentin im Fach Populäre Kulturen an der Universität Zürich.