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Was tun, wenn man als Mädchen keinen Schulabschluss hat und dazu verpflichtet ist, die Familie zu unterstützen? Laut Unicef besuchen in Mauretanien 95 % der ärmsten Kinder und Jugendlichen keine Oberstufe mehr. Hinter jedem einzelnen Prozent steht ein Schicksal, wie jenes von Halima (18) und ihrer Freundin Oumou (17). Halima, die früher ein Patenkind im Entwicklungsprojekt Sebkha von World Vision Schweiz war, scheiterte im Schulexamen mehrmals und brach deshalb die Schule ab. Ihre Freundin Oumou musste die Schule verlassen, weil ihr Vater plötzlich verstarb und sie als ältestes Kind dazu angehalten war, die Familie zu unterstützen.
Schlecht bezahltes Talent
Beide Freundinnen haben ein Talent fürs Haare flechten und ihr Können in ihrer Nachbarschaft auch demonstriert. «Ich habe ab und zu in den Quartieren Haare geflochten, aber leider hat man mich nicht immer dafür bezahlt… Ich hatte eben Mühe, mir Respekt für meine Arbeit zu verschaffen, die viel Zeit und Energie fordert», erzählt die 18-jährige Halima.
Weil Oumou ihre Mutter nicht im Stich lassen wollte, fing auch sie an, den Leuten in ihrer Umgebung ihre Coiffeur-Dienstleistungen anzubieten. Sie erinnert sich: «Ich konnte meine Mutter doch nicht alleine lassen. Und da ich wusste, wie man Haare flechtet, konnte ich mich damit nützlich machen.»
Frauen Startups gegen Armut und Gewalt
Glücklicherweise blieb die Begabung der beiden Teenager nicht sehr lange unbemerkt. Habi Diallo, Präsidentin des World Vision-Partnervereins der freiwilligen Helferinnen von Sebkha, hatte erfahren, dass sich in ihrer Nähe talentierte Mädchen ohne Schulabschluss durchkämpfen müssen. «Da ich selbst Mutter von Teenage-Mädchen bin, kann ich meine Augen vor diesen Fällen nicht verschliessen. Es geht darum, solche Mädchen zu beschützen, ihr Talent zu fördern und ihnen zu zeigen, dass ihre Arbeit etwas wert ist – auch wenn sie keinen Schulabschluss haben», erzählt die Präsidentin.
Ziel des World Vision-Partnervereins ist es, das Haushaltseinkommen der bedürftigsten Familien zu verbessern, indem er Frauen Zugang zu Finanzdienstleistungen verschafft und sie durch die Gründung von Kleinunternehmen finanziell unabhängig macht. So werden auch die Risiken von Frühheiraten und geschlechterspezifischer Gewalt reduziert.
Heute arbeiten Halima und Oumou im Coiffeursalon «Für immer jung», den sie im Juni 2017 zusammen mit fünf weiteren passionierten Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren gegründet haben. «Die Mädchen sind unabhängig, zielstrebig und haben dank World Vision das nötige Inventar, um erfolgreich zu arbeiten. Sie verdienen mindestens dreimal so viel wie früher und bilden sogar noch einen Praktikanten aus», erzählt Habi Diallo stolz.
Geben auch Sie Mädchen wie Halima und Oumou eine Chance und werden Sie noch heute Kinderpatin oder Kinderpate.