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Statt nach neun Tagen ging die CannaBioland-Verhandlung nach drei Stunden zu Ende
«Mein Kollege Joachim Lerf und ich sehen uns ausserstande, unserem Auftrag in diesem Verfahren unter diesen Bedingungen noch nachzukommen», erklärte André Clerc, der Verteidiger des CannaBioland-Bauern Armin Käser, gestern Morgen vor dem Strafgericht des Sensebezirks. Und stellte damit zweieinhalb Stunden nach Pro-
zessbeginn die Weichen dafür, dass die CannaBioland-Verhandlung ein weiteres Mal vertagt werden musste.
Der erste Prozess platzte im Oktober letzten Jahres, weil Armin Käser krankheitshalber nicht vor den Schranken des Sensegerichts erscheinen konnte.
«Angemessene Durchführung
nicht mehr gewährleistet»
Was genau André Clerc unter «diesen Bedingungen» verstand, hatte er zuvor in einer zwanzigminütigen Verbalattacke gegen den Mitangeklagten Jean-Pierre Egger, den Inhaber des CannaBio-Vertriebes und früheren Geschäftspartner seines Mandanten, ausgeführt. Egger, sagte Clerc, schrecke vor immer weniger zurück, um eine angemessene Durchführung des Verfahrens zu unterbinden, und verunglimpfe nicht nur, aber auch die zwei Käser-Verteidiger, in schriftlicher und mündlicher Form, immer wieder aufs Übelste.
Dazu gehört laut Clerc die Tatsache, dass Egger gegen Clerc eine (noch hängige) Standesbeschwerde eingereicht hatte, weil Clerc gleichzeitig den CannaBio-Bauern Armin Käser und den früheren Chef der Freiburger Drogenfahndung, Paul Grossrieder, verteidigt (siehe FN von gestern).
Dass Jean-Pierre Egger Clercs Verteidigerkollegen Joachim Lerf bezichtigt, Armin Käser zur Begehung von schwerwiegendsten Vermögensdelikten ermuntert zu haben, brachte Clercs Toleranzfass endgültig zum Überlaufen. «Aus Gründen der Standespflicht», fasste Clerc zusammen, «sind wir nicht mehr in der Lage, unseren Klienten zu verteidigen.» Deshalb würden er und Lerf ihre Mandate abgeben, falls sich das Gericht nicht für eine Trennung der Verfahren «Käser» und «Egger» entscheiden würde.
Abgesehen davon pochte André Clerc darauf, den Prozess gegen Armin Käser solange auszusetzen, bis die von ihm selbst, Clerc, eingereichte Klage gegen Kantonsrichter Paul-Xavier Cornu und den früheren «CannaBio»-Untersuchungsrichter behandelt worden ist. Die beiden sollen, wie Clerc «von dritter Seite» erfahren hat, verfahrensrechtliche Absprachen getroffen und damit gegen die Strafprozessordnung verstossen haben.
Zu viele Schnitte ins eigene Fleisch
Jean-Pierre Egger seinerseits trug in seinem Vortrag wenig dazu bei, um das Verfahren in letzter Minute noch in geordnete Bahnen zurücklenken zu können: Er breitete vor Gericht einmal mehr seine Verschwörungstheorien aus, ohne dafür Beweise vorbringen zu können. Dazu beschimpfte er André Clerc, Joachim Lerf und Armin Käser aufs Übelste und schreckte schliesslich auch nicht davor zurück, Inge Waeber, die Substitutin der Staatsanwältin, eine Lügnerin zu nennen.
Nach einer langen Beratungspause kam das Gericht zum Schluss, das Käser/Egger-Verfahren wie geplant in einem Durchgang durchzuziehen. Clerc und Lerf packten ihre Unterlagen daraufhin wie angekündigt zusammen und verliessen den Saal.
Reinold Raemy, der Gerichtspräsident des Sensebezirks, gab nach einem weiteren Unterbruch die Vertagung des Prozesses bekannt, da der von Clerc und Lerf allein gelassene Käser Anrecht auf eine Verteidigung habe. Dreieinhalb Stunden, nachdem er begonnen hatte, war der auf neun Tage angesetzte CannaBioland-Prozess damit schon wieder Geschichte.
Zurück blieben ein sichtlich frus-trierter Jean-Pierre Egger, der vom Strafgericht des Sensebezirks nur zu gerne gehört hätte, dass der Anbau, Verkauf und die Verarbeitung von Naturhanf ab sofort legal sei. Auf der Verliererseite stand aber auch eine nicht minder enttäuschte Vertreterin der Freiburger Staatsanwaltschaft. Inge Waeber hatte sich – wie das Sensegericht, Clerc, Lerf und Egger auch – bereits zum zweitenmal innerhalb eines halben Jahres auf diesen womöglich wegweisenden Prozess vorbereitet und musste nun unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen.
Zumindest Inge Waeber bleibt ein kleiner Trost: Sie hat ihren Posten auf den 31. Juni dieses Jahres quittiert. Mit der dritten Auflage des CannaBio-Prozesses wird zumindest sie nichts mehr zu tun haben. Wann die Verhandlung von neuem beginnt, war gestern noch unklar.