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Der Begriff "Integration"
Der Begriff "Integration" steht für alle Bestrebungen, die dem gegenseitigen Verständnis zwischen der schweizerischen und der ausländischen Bevölkerung dienen. Zentrale Anliegen sind das Zusammenleben auf der Basis gemeinsamer Grundwerte und Verhaltensweisen und die gegenseitige Information. Der Prozess der Integration setzt sowohl die Bereitschaft der Ausländerinnen und Ausländer zur Eingliederung als auch die Offenheit der schweizerischen Bevölkerung voraus. Integration bedeutet auch die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen, die einen chancengleichen Zugang zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ressourcen unseres Landes ermöglichen.
Integration: wichtigste Akteure
Die Integration ist eine Querschnittaufgabe, welche von der Gesellschaft und den eidgenössischen, kantonalen und lokalen Behörden zusammen mit den Ausländerorganisationen wahrzunehmen ist.
„Marginal man“
-ein Rezept für gesunde Integration in schweizerische Gesellschaft-
Ein Migrant kann zwischen verschiedenen Optionen der Eingliederung in die Schweizer Gesellschaft oder des Ausschlusses aus ihr wählen. Eine Option ist sogenannte Parallelgesellschaft. In der Parallelgesellschaft entscheiden sich Migranten für einen eigenständigen Selbstausschluss. Der Migrant anerkennt also die Schweizer Gesellschaft nicht an (oder wird nicht von ihr anerkannt) und entscheidet sich für das Leben in einer „Mikrowelt“ mit seinen Gleichgesinnten (in der Regel handelt es sich um Ko-Nationale oder um Angehörige der gleichen Religionsgemeinschaft). Diese Selbstabgrenzung vermindert auf vielerlei Art die Karrieremöglichkeiten der Migranten, so dass bei der ersten gesellschaftlichen Erschütterung, sei sie politischer oder ökonomischer Art, diese Leute am heftigsten getroffen werden. Die Idee von der Rückkehr in die Heimat verschwindet nie ganz, aber sie alle warten auf einen besseren Zeitpunkt, um diesen Wunsch zu erfüllen. In dieser Erwartung und einer Lebenssituation, die sich mit „weder hier noch dort“ beschreiben liesse, bleiben sie marginalisiert und die Fälle, denen es gelingt, da rauszukommen, sind selten, sofern die Migranten natürlich nicht ihr Verhältnis zur Gesellschaft ändern.
Die zweite Option ist das Akzeptieren der Gesetze, Verhaltenscodizes und Normen der einheimischen Gesellschaft, aber ohne eine aktive Teilnahme am Leben der Gemeinschaft. Das wäre der erste und, würde ich meinen, grundlegende Schritt zur Integration in die Schweizer Gesellschaft. Der Migrant ändert nicht seine Gewohnheiten, Bräuche und Kultur, entwickelt aber gleichzeitig einen Respekt gegenüber den Gesetzen und Normen der Gesellschaft des Gastgeberlandes, bringt sich selbst aber nicht ein, weshalb niemand von ihm etwas erwartet.[1] Diese Wort des gesellschaftlichen Verhaltens ist eine Art der Integration oder, besser gesagt, der Beginn des Integrationsprozesses.
Im nächsten Schritt des Integrationsprozesses ist der Migrant bereit, seine Bräuche zu ändern und sich langsam aktiv am Leben der Gemeinschaft zu beteiligen. Er ist sich der Bedeutung der Integration bewusst, aber es existiert weiterhin eine gesteckte Grenze, die er nicht überschreitet oder nicht überschreiten möchte. Die Integration wird also bejaht, aber keine Assimilierung. An dieser Stelle verstehen wir Assimilierung als einen Prozess der kompletten Aufgabe der Kultur, der Traditionen und Bräuchen des Volkes und des Staats, aus denen der Migrant kommt, und die Annahme des Wertesystems der Gesellschaft des Gastgeberlandes.
Die oben aufgeführte Form der Assimilierung bekommt einen negativen Beiklang, der sich konkret aber nicht immer verwirklichen muss. Der Assimilierungsprozess kann auch beinhalten, dass eine Person, im Ziele, sich der Gesellschaft, in der sie lebt, anzupassen, bereit ist, ihre Bräuche und Gewohnheiten, sogar ihren Charakter, zu ändern, aber dass es in diesem Prozess dennoch nicht zu einer kompletten Entfremdung von der Kultur und den Traditionen des Herkunftslandes kommt, der Bezugsrahmen, an den er sich anpasst, aber dominant und bedeutender als der, aus dem er stammt oder in dem er war, wird. Viele Migranten entscheiden für eine solche Art der Eingliederung in die Schweizer Gesellschaft.
Eine sehr interessante Theorie, die Robert Ezra Park aufgestellt hat und die von Professor Stichweh weiter ausgearbeitet wurde, ist die Theorie des „marginal man“. Mit „marginal man“ ist hier aber nicht einfach jemand gemeint, der am Rand steht. Unter Marginalität versteht man viel eher eine Stellung an der Grenze zweier Kulturen, an der sich der Fremde befindet. Diese Stellung des Fremden ermöglicht es, „Synthesen zu formulieren, die Momente beider Kulturen aufnehmen und zu einer neuen Einheit verschmelzen. An diese Stelle der Integration des Fremden tritt das Moment kultureller Innovation, das der Fremde in die Gesellschaft einbringt.“[2] In diesem Fall ist der Fremde ein „interdisziplinärer Innovator“, wie Professor Stichweh weiter ausführt. Dieser „interdisziplinäre Innovator“ kann, sofern er kreativ genug ist, einen Bereich voranbringen, in dem es viele Ideen und wenig „Innovationskraft“ gibt. Mit seiner Kreativität kann der „marginal man“ Grenzen auswischen und aus beiden Kulturen das Beste herausziehen und daraus eine allgemein akzeptierbare Synthese gestalten. „Der „marginal man“ ist eigentlich nicht mehr als Migrant erkennbar, verkörpert vielmehr eine Kondition der immer nur partiellen Teilnahme an vielen Sozialsystemen, die für alle Menschen in der funktional differenzierten Weltgesellschaft normal geworden ist und eine Formen der Unerkennbarkeit oder Universalität des Fremden in unserer Welt darstellt.“[3] Meine bescheidenen Meinung nach ist die Theorie des „marginal man“ eine der besten Lösungen und ein Beispiel, wie sich Migranten in der Praxis verhalten sollten.
Das Verhältnis der Schweizer Gesellschaft zu Ausländern hängt aber nicht nur von den Migranten ab, auch das Verhalten des Gastgebers spielt eine grosse Rolle. Man kann vom Gastgeber natürlich nicht erwarten, dass er sich verändert und seine Gewohnheiten an die Zugezogenen anpasst, allerdings kann man erwarten, dass er seine Position und Macht ausnutzt, um die heisse Migrationsdebatte zu dämpfen und sich für einen konstruktiveren Zugang zum Problem einsetzt. Für den Anfang würde es genügen, wenn man die allgemein akzeptierte Phrase „Alle Probleme kommen von aussen.“ aufhört zu gebraucht. Der „marginal man“ braucht Hilfe, um seine Innovationen durchsetzen zu können. Der Gastgeber könnte sich bemühen, etwas mehr über die Kulturen der Ausländer, die 25% der Wohnbevölkerung ausmachen, in Erfahrung zu bringen und einen neuen Weg zu finden, der nicht zu Indifferenz und Intoleranz führt.
[1] Siehe dazu Rudolf Stichweh, http://www.unilu.ch/files/stw_von-der-soziologie-des-fremden-zur-soziologie-der-indifferenz.pdf
[3] Vgl. ebd