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Mit Swiss Re und Converium, dem weltweit grössten, respektive zehntgrössten Spezialisten der Branche, ist die Schweiz eine Marktführerin in der Rückversicherung.
Die Branche kommt ursprünglich aus Deutschland, wurde aber auch in der Schweiz wegen ihrer Exportindustrie für Endprodukte und Maschinen sehr schnell zu einer Notwendigkeit.
Kurz gesagt versichert der Rückversicherer den Versicherer. Anstatt ein (meteorologisches, finanzielles, epidemiologisches...) Risiko seiner Kundschaft allein zu tragen, delegiert der Versicherer einen Teil der "heissen Kartoffel" an den Rückversicherer.
"Die Rückversicherung kommt zum Zug, wenn gewisse Risiken die Möglichkeiten einer Versicherungs- Gesellschaft übersteigen", erklärt André Dubey, Professor an der Handelshochschule (HEC) Lausanne.
Für den Versicherer bedeutet diese Diversifizierung Einsparungen, Effizienz, Stabilität und Sicherheit. Begriffe, die in den Ohren von Herrn und Frau Schweizer harmonisch tönen. Aber obwohl die zwei wichtigsten Rückversicherer
der Welt ihren Sitz in der Schweiz oder im angrenzenden Ausland haben (Swiss Re in Zürich, Munich Re im süddeutschen München), ist das sicher weniger soziologisch als wirtschaftlich zu erklären.
"Die Schweiz ist, wie das übrige Europa, Ende des 19. Jahrhunderts eine Industriemacht geworden", meint Dubey. "Das Aufkommen der Rückversicherungen hängt mit dem Export von Maschinen und Endprodukten zusammen."
Zuerst in Italien
In Wirklichkeit gab es die erste Rückversicherung bereits Ende des 14. Jahrhunderts in Italien. Es wird berichtet, dass ein Venezianer die Fracht eines Schiffes versicherte, das zwischen Venedig und Holland
fuhr. Und dass er die Idee hatte, das Risiko auf dem gefährlichsten Teil der Reise (um Spanien) einem Kollegen zu überlassen.
Die moderne Rückversicherung jedoch ist in Deutschland entstanden. Denn Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Versicherungen mit der Schwierigkeit konfrontiert, immer grössere industrielle Einheiten zu versichern.
1845 wird die "Kölnische Rückversicherung 1845" gegründet. Danach tauchen ähnliche Institutionen in der Schweiz, in Frankreich, Belgien und Österreich auf. Darunter die Swiss Re (1863) und die Munich Re (1880). Der Branchenverlauf hängt mit den Wirtschaftszyklen und Kriegen
zusammen. Ihre Entwicklung im 20. Jahrhundert ist aber von Anfang an geprägt vom schrecklichen Erdbeben in San Francisco 1906 mit anschliessender Feuersbrunst.
Die Swiss Re war vor Ort aktiv. Sie sieht darin ein ausschlaggebendes Moment sowohl für die eigene Entwicklung wie für die gesamte Branche.
Erdbeben mit Folgen
"Dieses Erdbeben hatte eine Menge wissenschaftlicher und technischer Forschungen zur Folge", gibt der Rückversicherer an.
"Die Wahrnehmung des Risikos wurde in Frage gestellt und die Entwicklung der Branche, des Risikomanagements und
der Management-Techniken wurde beschleunigt." Die Rückversicherung deckt heute praktisch alle Sektoren und Weltmärkte ab. Neben der Schweiz, Deutschland und den USA haben sich die Bermuda-Inseln seit kurzer Zeit eine beneidenswerte Position geschaffen, namentlich wegen der Stürme und Hurrikane in diesem Teil der Welt.
"In Europa haben sich Swiss Re und Munich Re auf Rückversicherung spezialisiert. Anderswo hat man es eher mit Abteilungen von Versicherungs-Gruppen oder Filialen zu tun", so André Dubey.
"Die Schweiz ist sehr gross in der Rückversicherung, weil Swiss Re sehr gross ist", präzisiert der Professor. Zwar drücke Swiss Re ihre Nationalität im Firmennamen
aus. "Dass ihr Sitz sich in der Schweiz befindet, spielt aber für die Gruppe eine zweitrangige Rolle".
Die 1000 Berufe von Swiss Re
Die "wirtschaftliche Mission" eines Rückversicherers der Grösse von Swiss Re besteht darin, seine Risiken so weit wie möglich unter eine grosse Zahl von Teilnehmern zu verteilen.
"Im Fall von Naturkatastrophen zum Beispiel ist es nicht sehr sinnvoll, sich im selben Land rückzuversichern, in dem das Risiko besteht und bereits erstversichert ist", erklärt Dubey.
Anders gesagt, "die Rückversicherungs-Branche ist extrem international."
Allerdings beschränkt sich die Aktivität der Rückversicherer im Wesentlichen auf die Industriestaaten.
Swiss Re wird auch etwa die "Firma mit den tausend Berufen" genannt. Denn um die Kundschaft rückzuversichern und zu beraten, braucht es Ingenieure, Ärzte usw. - eine ganze Reihe von Kompetenzen.
"Die besten Risikospezialisten für Erdbeben zum Beispiel findet man bei den grossen Rückversicherern", stellt Dubey fest. "Diese sind zwangsläufig wichtiger als jene, welche die Grundaufgabe erfüllen."
swissinfo, Pierre-François Besson (Übertragen aus dem Französischen: Charlotte Egger)
Fakten
Die Rückversicherungs-Industrie zählt 150 Firmen.
Swiss Re ist die weltweite Nummer 1 (vor Munich Re), Converium steht auf Rang 10.
2004 wurden 222 Milliarden Franken Prämien einbezahlt, davon 31 Milliarden allein an Schweizer Rückversicherer.
16% des weltweiten Angebots sind in der Schweiz zu finden.
Diese liegt auf dem 4. Rang, hinter Deutschland, den USA und den Bermudainseln.
In Kürze
Als Versicherer der Versicherungen schützt die Rückversicherung den Erstversicherer gegen Vermögensverluste durch Zahlungen an ihre Versicherten, wenn ein gedecktes Risiko eingetreten ist.
Im Prinzip geht es darum, dass der Erstversicherer per Vertrag sein Portefeuille - Risiko und Prämie - ganz oder teilweise einem oder mehreren Rückversicherern abtritt, um seine Risikoverteilung zu optimieren.
Die Rückversicherung stärkt die Beständigkeit der Ergebnisse und die finanzielle Sicherheit des Erstversicherers.
Sie schützt diesen vor Schäden, welche seine Existenz gefährden könnten. Er verfügt damit über eine grössere Liquidität und kann so mehr oder grössere Risiken versichern.