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Phnom Penh
Vor noch nicht langer Zeit erlebte die Bevölkerung Kambodschas ein entsetzliches Grauen unter der Herrschaft der roten Khmer. Am 17. April 1975 übernahmen die Roten Khmer Phnom Penh. Die Khmer bilden die grösste Volksgruppe in Kambodscha und die Farbe Rot steht für den Kommunismus. Kurz darauf begannen sie mit einer Umstrukturierung der Bevölkerung, deren Brutalität nur schwer vorstellbar ist. Bis zum Sturz der Roten Khmer durch die Vietnamesische Armee starben mindestens 1.7 Millionen Menschen, fast ein Viertel der Bevölkerung. Trotz dieser dunklen Vergangenheit sollen die Kambodschaner sehr lebensfrohe und freundliche Menschen sein. Bevor wir das selbst bestätigen können, mussten wir allerdings zuerst mal nach Kambodscha kommen:
Dazu buchten wir in einem Reisebüro eine Tour über den Grenzübergang bei „Chau Doc“. Nach einer kurzen Bootsfahrt von Phu Quoc ans vietnamesische Festland fuhren wir mit einem in die Jahre gekommenen Public Bus bis nach Vinh Xuong. Dort verbrachten wir die Nacht in einem Floating Hotel. Das einfache Zimmer mit Balkon war auf einer Art Floss untergebracht. Auch wenn die Matratze gleich hart war wie der Holzboden unter ihr, freuten wir uns auf die Übernachtung in dieser speziellen Unterkunft. Am nächsten Morgen ging es früh los. Mit einem Speedboat fuhren wir wenige Minuten zu schwimmenden Häusern und begutachteten die Fischfarmen, welche sich darunter verstecken. Als nächstes besuchten wir noch ein floating Village. Den Besuch dieses Dorfes und der nahegelegenen Moschee empfanden wir als nicht lohnenswert, da wir ähnliches bereits während der Mekong Delta Tour gesehen hatten. Nur die Fischfarm war eindrücklich und interessant zugleich.
Endlich fuhren wir mit dem kleinen Schnellboot in einer mehrstündigen Fahrt zur Kambodschanischen Grenze. Nach dem Grenzübergang hätte es eigentlich per Boot weiter nach „Phnom Penh“ gehen sollen (zumindest hatte das die Dame im Reisebüro in Phu Quoc behauptet). Da dafür aber eine Zusatzgebühr verlangt wurde, stiegen wir in einen Bus um. Das war auf jeden Fall kein Nachteil, denn wir fuhren durch kleine Dörfer, saftig grüne Reisfelder vorbei an Wasserbüffeln und Fruchtplantagen. Unsere Vorfreude auf die Zeit in Kambodscha stieg mit jedem zurückgelegten Kilometer. Während der Fahrt lernten wir 5 liebe Leute kennen, die bereits seit fast einem Jahr auf einer Weltreise sind. Viele Länder die wir noch besuchen werden haben sie schon bereist und konnten uns dadurch tolle Tipps geben und von spannenden Erlebnissen berichten. Dies steigerte unserer Vorfreude auf die bevorstehende Zeit noch mehr.
Da wir in Phnom Penh nichts Spezielles geplant hatten und nur 2 Nächte bleiben wollten, buchten wir zwei Betten in einem günstigen Hostel. Für den Nächsten Tag wollten wir die Killing Fields und das Tuol-Sleng-Museum besuchen, um mehr über die dunkle Vergangenheit Kambodschas zu erfahren. Nach dem Frühstück wurden wir von einem witzigen „Remorque“ Fahrer (Ein Remorque ist die Kambodschanische Variante eines Tuk Tuks, die eigentlich ein Motorrad mit Anhänger ist) angesprochen. Ein Bild von diesen Gefährten gibts im nächsten Beitrag zu Siem Reap ;). Wir einigten uns auf 13 US-Dollar für eine Fahrt zu unseren beiden Zielen (normalerweise kostet das mindestens 15 $). In Kambodscha wird übrigens grösstenteils mit US-Dollar bezahlt. Die Währung Riel wird meist nur für kleinere Beträge verwendet.
Nach einer 30 minütigen Fahrt über teilweise sehr holprige und staubige Strassen, erreichten wir die „Killing Fields“. Für 3 $ Eintritt erhält jeder Besucher einen Audio Guide. Damit kann man selbständig über das Gelände schlendern und den mitreissenden aber auch herzzerreissenden Erzählungen lauschen. Bei den Killing Fields wurden tausende Personen grausam hingerichtet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Um Gewehrkugeln zu sparen, wurden die Gefangenen (viele davon aus dem Security Prison S-21, welches wir im Anschluss besuchten) zu Tode geprügelt. Sehr mitreissend fanden wir die Erzählungen der zahlreichen Augenzeugenberichte. Die traurigen Erläuterungen bei den Erzählungen zu einem Baum bildeten den Höhepunkt des Erschütterns. Hier wurden Kinder und Neugeborene an den Füssen gehalten und vor den Augen ihrer Mütter mit dem Kopf gegen den Baum geschlagen. Die leblosen Körper wurden in eine angrenzende Grube geworfen.
Auf dem ganzen Gelände sind Kleidungsstücke und Knochen der Opfer ausgestellt, die noch heute immer wieder bei stärkeren Regenfällen an die Oberfläche getragen werden. In der Pagode werden über 8000 Schädel und unzählige Knochen der Opfer aufgetürmt. Der Besuch der Killing Fields ging uns sehr nahe. Zugleich bewunderten wir den ungebrochenen Lebenswillen der Kambodschaner. Tatsächlich sind diese Leute sehr lebensfroh und unglaublich freundlich. Die meisten sind offen und interessiert an kurzen Gesprächen.
Direkt nach den Killing Fields, machten wir uns auf den Weg zum Tuol-Sleng-Museum, auch „Security Prison S-21“ genannt. Dabei handelt es sich um eine Schule, die von den Roten Khmer zu einem Gefängnis modifiziert wurde. Darin wurden hunderte Menschen gefangen gehalten und gefoltert. Die meisten, welche die Qualen vor Ort überlebten, wurden früher oder später zu den Killing Fields gebracht und ermordet. Auch dieser Besuch ist sehr eindrücklich und man kann ansatzweise mit den Gefangenen mitfühlen, die hier gelitten haben. Viele Informationen überschneiden sich jedoch mit den Erläuterungen, welche wir bereits bei den Killing Fields erhalten hatten. Wer nicht zu viel Zeit mit diesem traurigen Abschnitt der kambodschanischen Geschichte verbringen möchte, entscheidet sich vermutlich am besten für die Killing Fields. Der Rundgang mit dem Audioguide bringt einem diese prägende wie auch traurige Geschichte sehr nahe.
Nach dem Besuch des S-21 verabschiedeten wir uns von unserem Fahrer und gingen in das Italienische Restaurant „Luna“, welches wir in einem lokalen Guidebook gefunden hatten. Dort genossen wir die beste Pizza und den schmackhaftesten Salat, die wir seit langem gegessen hatten. Der anschliessende Spaziergang vorbei am Königspalast, zeigte uns die nette Seite von Phnom Penh. Im schönen Park und der angrenzenden Promenade entlang des Flusses trifft man auf Familien beim Pick-Nick, Kinder beim Fussballspielen oder grosse Gruppen, die gemeinsam Tanzen. Wir fühlten uns in dieser Umgebung sehr wohl. In einem nahegelegenen Shop fanden wir einen Prosecco, den wir Zuhause in der Schweiz gerne trinken. Natürlich liessen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen und machten es uns am Flussufer mit dem Martini Asti Prosecco gemütlich. An diesem Abend hatten wir mehrere sehr spannende Gespräche mit Einheimischen. An Kambodscha gefiel uns wirklich ausserordentlich gut, dass die Leute sehr offen und freundlich sind. Auf unserer Asienreise hatten wir bisher den Eindruck, dass die meisten Leute nur freundlich sind, wenn man etwas kauft. Bei den meisten Kambodschaner, denen wir in Phnom Penh begegneten war das anders. Auch wenn man die Angebote eines Verkäufers ablehnte, konnte man noch ein nettes und interessantes Gespräch mit ihnen führen :).
Nachdem wir in der Kambodschanischen Hauptstadt eine dunkle Epoche der Khmer kennen gelernt hatten, wollten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Siem Reap machen, um bei den Tempeln von „Angkor Wat“ die Bauten aus der Blütezeit der Khmer Könige zu bestaunen.