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STARKE UND GEBILDETE MÄDCHEN SIND UNAUFHALTSAM!
Eine Gemeinschaft versammelt sich auf einem Schulfeld in Burundi. Banner wehen in der Luft und energiegeladene Musik ertönt laut aus dem Lautsprecher am Fusse des Podiums. Zu Beginn der Veranstaltung tanzen und singen Eltern und Kinder abwechselnd, sehen sich Sketche an, spielen Spiele und hören den Gemeindeleitern zu, die über die Themen des Tages sprechen: Gleichberechtigung der Geschlechter und die Bedeutung von Bildung.
Diese Veranstaltung ist eine von vielen, die von mehr als 150, von Right To Play geschulten Community Coaches im Rahmen einer dreimonatigen Schulanfangskampagne in der Gemeinde Gisuru, in Burundi organisiert wurde. An der Kampagne nahmen mehr als 12.400 Eltern, Kinder und Gemeindemitglieder teil, die mit Aktivitäten und Botschaften an gesellschaftlichen Dogmen rüttelten, die Mädchen diskriminieren und sie vom Recht auf Bildung ausschliessen.
Mehr als 45% der Bevölkerung Burundis ist unter 14 Jahren. Im ganzen Land steigen die Einschulungsraten für Kinder im Vorschulalter, aber nur 50% der Kinder, die eingeschult werden, schliessen die Grundschule auch ab. Noch weniger, nämlich 22%, schliessen die neunte Klasse erfolgreich ab. Viele Kinder und Jugendliche, insbesondere Mädchen, werden von ihren Eltern ermutigt, die Schule abzubrechen, wenn ihre Familie von Armut betroffen ist. Von ihnen wird erwartet, dass sie Arbeit finden und in den Haushalt einzahlen, oder dass sie zu Hause bleiben und Hausarbeiten erledigen, während ihre Eltern arbeiten. Wenn ein Mädchen nicht arbeitet und keine Hausarbeit zu verrichten hat, ist die Kinderheirat eine gängige Methode, um die Kosten für die Versorgung des Mädchens auf einen Ehemann abzuwälzen.
Mehr als 550 Kinder, die die Schule abgebrochen hatten, konnten nach der Kampagne wieder mit dem Lernen beginnen. Ella und Joyce, beide 15, gehören dazu.
IHR RECHT AUF BILDUNG EINFORDERN: ELLAS GESCHICHTE
Mehr als 2 Jahre lang ging Ella nicht mehr zur Schule, bevor ihr die von Right To Play initiierte Kampagne den Wiedereintritt ermöglichte.
“Obwohl ich zwei Jahre lang nicht zur Schule ging, wollte ich meine Ausbildung wieder aufnehmen, weil ich bereits die 5. Klasse abgeschlossen hatte. Als das neue Schuljahr begann, bat ich meine Eltern, Schulmaterial für mich zu kaufen, aber sie weigerten sich. Sie sagten mir, dass Bildung für Mädchen wertlos sei und dass Mädchen sich stattdessen auf die Hausarbeit konzentrieren sollten.
Ich besuchte eine Freundin, die wieder zum Unterricht ging und Jugendleiterin im Right To Play-Programm wurde. Sie berieten mich, wie ich vorgehen und einen Weg finden könne, wieder zur Schule zu gehen. Wir gingen gemeinsam zum Schulleiter, der mich an den Lehrer der sechsten Klasse verwies, um mich zu erkundigen, ob in seiner Klasse noch ein Platz frei wäre. Der Lehrer bestätigte, dass es noch Platz für mich hätte, und ich sagte ihm, dass ich wieder zur Schule gehen wolle, auch wenn meine Eltern dem widerstreben.
Nachdem wir gesprochen hatten, setzte sich der Lehrer dafür ein, dass ich in seine Klasse aufgenommen wurde, und der Schulleiter stimmte dem zu. Aber ich hatte kein Geld für die Schulsachen. Also gab mir der Lehrer zwei Schreibhefte und sagte mir, ich solle am nächsten Tag zur Schule kommen. Meine Freundin gab mir ebenfalls zwei Hefte und einen Stift. Am nächsten Tag nahm ich zum ersten Mal am Unterricht teil. Ich war so aufgeregt.
Doch als ich nach der Schule nach Hause kam, wurde ich von meinen Eltern und Geschwistern eingeschüchtert, weil ich zur Schule ging.
Am nächsten Tag erzählte ich sowohl dem Schulleiter als auch dem Lehrer, dass ich beschlossen hatte, den Schulbesuch aufzugeben, da meine Eltern mir sagten, dass die Ausbildung von Mädchen nutzlos sei. Aber der Schulleiter und die Lehrer, zusammen mit den Community Coaches von Right To Play und der Gemeindeverwaltung, gaben nicht auf. Sie forderten meine Eltern auf, in die Schule zu kommen und sprachen mit ihnen über die Bedeutung der Bildung für Mädchen. Nach einiger Zeit begannen sie schliesslich zu akzeptieren, dass die Bildung von Mädchen wichtig ist und erlaubten mir den Schulbesuch."
EIN “NEIN” IST KEINE OPTION: DIE GESCHICHTE VON JOYCE
Joyce, 15, hatte einen Schulunterbruch von 3 Jahren, bevor die ”Zurück in die Schule” – Kampagne sie darin bestärkte, wieder in die 6. Klasse einzusteigen. Auch sie stiess auf Widerstand in ihrer Familie.
"Ich war drei Jahre lang nicht in der Schule. Meine Eltern weigerten sich, mich wieder zur Schule gehen zu lassen, mit dem Argument, dass es für Mädchen wichtiger sei, sich um den Haushalt zu kümmern. Sie wollten kein Schulmaterial für mich kaufen, weil sie sicher waren, dass das Lernen mich abschrecken würde und ich mich entschliesse, zu Hause zu bleiben.
Ich sprach mit einem Lehrer, der mir nicht nur anbot, mir die nötigen Schulmaterialien zu besorgen, sondern sich auch dafür einsetzte, dass ich einen Platz in der Klasse bekam. Mit der Unterstützung des Lehrers akzeptierte der Schuldirektor meine Bitte. Am nächsten Tag ging ich heimlich zur Schule und nahm am Unterricht teil und freute mich sehr darüber, wieder Schülerin sein zu können.
Als Joyce nach Hause kam, waren ihre Eltern ausser sich vor Wut, weil sie sich ihnen widersetzt hatte. Mehrere Tage lang musste sie harte Strafen über sich ergehen lassen. Aber sie blieb fest entschlossen, wieder in den Unterricht zu gehen.
Eine von Joyces Freundinnen lud sie ein, ihre Eltern zu einem von Right To Play organisierten Gemeindetreffen über Geschlechtergleichstellung, Kinderschutz und Integration mitzubringen. Joyces Vater weigerte sich zu gehen, aber ihre Mutter stimmte zu - eine Entscheidung, die Joyce den Weg ebnete, ihr Recht auf Bildung wahrnehmen zu können.
"Dank der Inhalte, die in diesem Training vermittelt wurden, hat meine Mutter zugestimmt, mich weiter zur Schule gehen zu lassen und mich nicht länger dafür zu bestrafen. Wir trafen Community Coaches, Gemeindeleiter, Junior Leiter und Lehrer, die zu uns nach Hause kamen, um sich für mich einzusetzen und mein Recht darauf, auch als Mädchen ausgebildet zu werden. Jetzt bin ich froh, dass ich weiterhin zum Unterricht gehen kann. Mein Vater investiert nicht in meine Bildung, aber zum Glück glaubt meine Mutter an mich."
Die ”Zurück in die Schule” – Kampagne ist eine Aktivierung im Rahmen von “My Education, My Future”, einem Programm, das darauf abzielt, Kindern im Grundschulalter, insbesondere Mädchen, die von der burundischen Flüchtlingskrise betroffen sind, einen besseren Zugang zur Bildung zu verschaffen. Und ebenso die Qualität der Bildung zu erhöhen. Das Programm ist seit 2020 in Tansania und Burundi aktiv und wird durch die finanzielle Unterstützung der kanadischen Regierung über Global Affairs Canada ermöglicht.