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und verursachen ein Steigen des Wassers um 3-7 m, die Bucht wird daher von den Eskimo gemieden. Sophiahafen ist von 200-300
m hohen Gneismassen umgeben, welche mit niedrigen Weidengebüschen und üppig blühenden Moosen und Flechten bedeckt sind.
Nordenskjöld begann von hier seine Expedition zur Erforschung Innergrönlands.
4) Heinrich Eugen Philipp Ludwig von Orléans, Herzog von, wurde nach der Ausweisung der Thronprätendenten aus Frankreich
auf Grund des Gesetzes vom von der Armeeliste gestrichen und schrieb darauf an den Präsidenten Grévy einen Brief,
in welchem er ihm das Recht bestritt, ihm seinen militärischen Grad zu nehmen. Der Ministerrat beschloß
daher 13. Juli die Ausweisung des Herzogs, der sich nach Brüssel begab. Von hier aus veröffentlichte er die Briefe des Kriegsministers
Boulanger (der seine Ausweisung betrieben), in welchen sich dieser früher demütigst um des Herzogs Gunst und Fürsprache
beworben, und sein Testament von 1884, in welchem er sein herrliches Schloß Chantilly mit seinen reichen Kunstschätzen nach
seinem Tode dem Institut de France vermachte; die Akademie nahm das Geschenk an. Im März 1889 erhielt Aumale die Erlaubnis, nach
Frankreich zurückzukehren, weil er sich auf das entschiedenste gegen die Unterstützung Boulangers durch
die orléanistische Partei ausgesprochen hatte. Von seiner »Histoire des princes de Condé« erschienen noch Bd. 3-5 (1886-89).
*, Ludwig, Schriftsteller, geb. zu Türkheim im bayr. Kreise Schwaben, trat 1801, um Priester
zu werden, in das Kloster Ottobeuern, nach dessen Aufhebung in das österreichische Stift Wiblingen, nahm aber 1804 eine Hofmeisterstelle
an und wirkte dann 1809 - 34 als Professor der Rhetorik und Poetik am königlichen Kadettenkorps in München, wo er starb.
Eine Perle deutscher Volkspoesie ist sein »Volksbüchlein«
(Münch. 1826, neue Ausg. in Reclams »Universalbibliothek«). Seine »Gesammelten
größern Erzählungen« wurden von Sarreiter (Freiburg
1881) herausgegeben, der auch Aurbachers Leben beschrieb (Münch. 1880).
archäologische. In mancher Hinsicht hat heute die Altertumswissenschaft einen ähnlichen
Reiz wie zur Zeit der Renaissance; damals tauchten aus dem Staub der Bibliotheken die vergessenen Handschriften der alten Dichter,
Philosophen, Historiker auf, von denen man bis dahin kaum mehr als den Namen kannte: heute erstehen aus der Tiefe der Erde die
begrabenen Denkmäler der Vergangenheit. Die seit 1884 gemachten Funde sind so reichlich, daß wir hier
nur eine Übersicht des Wichtigsten geben können; wir folgen der geographischen Ordnung und beginnen bei dem Wiegenland unsrer
Kultur, in Asien.
Ausgrabungen in Vorderasien und Persien.
Das Ehepaar Dieulafoy (s. d., Bd.
17) grub 1884 bis 1886 in der vom Schutt gänzlich begrabenen Königsstadt Susa; es wurden gefunden der
Palast (Apadana) Artaxerxes' II., besonders seine westliche Säulenreihe; die Brüstung der Plattform war mit herrlichen Friesen
in griechischem Stil und mit schreitenden Löwen geschmückt. Aus dem ältern Palast des Dareios stammen die wie die eben genannten
Bildwerke aus Ziegeln mit Schmelzfarben zusammengesetzten, überlebensgroßen Leibwachen (Doryphoren) mit
dem Unterschied, daß diese letztern zugleich in Relief gehalten sind. Hände und Gesichter sind schwarz. Löwen, Doryphoren und
ein Marmorknauf von 12,000 kg sind nach Paris übergeführt.
Vgl. Jane Dieulafoy, A Suse, journal des fouilles 1884-86 (Par.
1888).
Der ältesten Periode der babylonischen Kultur gehören die Funde der vom Kommerzienrat Simon ausgerüsteten
Expedition von 1886/87 an. Sie stammen aus Verbrennungsstätten ältester Zeit; die Babylonier verbrannten ihre Leichen an
bestimmten Stellen; die Verbrennungsreste wurden an Ort und Stelle unter Beigabe von Totengaben verscharrt, schichtenweise übereinander,
und bildeten im Lauf der Jahrhunderte Hügel von beträchtlicher Größe. Im südlichen Teil des Landes wurde
der Hügel von Surgul erforscht (140 m lang, 15 m breit) und die gemachten Funde, meist primitive Gefäße, nach Berlin geschafft.
Der Fund ist darum so wichtig, weil er zum erstenmal uns einen Begriff von der altbabylonischen Totenbestattung gewährt.
In Vorderasien gruben in Nordsyrien in dem Hügel von Sendscherly Humann, v.Luschan, Winter im Frühjahr 1888 den
Zugang eines Palastes auf, dessen Seitenwände mit primitiven Reliefs hethitischer Kunst geschmückt waren: Jagd, Krieg, tierköpfige
Göttergestalten, Privatleben. Das Wichtigste ist das Siegesdenkmal des assyrischen Königs Asarhaddon (681 - 668 v. Chr.):
der König im Königsornat mit der assyrischen Krone;
vor ihm der besiegte Pharao Taharka und ein syrischer
Fürst. Die Säule war im Königspalast von Sendscherly aufgestellt und ist mit den übrigen Funden, darunter dem untern Teil
einer Kolossalstatue mit aramäischer Inschrift (dem Panamnu, König von Saru'el, einem Zeitgenossen Tiglat Pilesars III. von
Assyrien, von seinem Sohn geweiht), jetzt in Berlin.
Hier hat sich ein Orientkomitee gebildet, welches
bestrebt ist, dem Berliner Museum Denkmäler Vorderasiens und der
mehr
Euphratländer zuzuführen. In Sidon ward 1887 ein großer Grabfund aus hellenistischer Zeit gemacht.
Ein Schacht führte zu unterirdischen Grabtammern hinab, welche Marmorsarkophage, zum Teil ägyptischen Stils, nach Mumiensärgen
geformt, zum größern Teil hellenistisch-griechischer Kunst, enthielten. Der größte (2,30 m lang, 1,70 m breit und
ohne den 0,80 m hohen Deckel 1,40 m hoch) wird
als Meisterstück der Skulptur, Architektur und Malerei bezeichnet. Alles ist wohlerhalten mit natürlichen Farben bedeckt, vor
allem mit den verschiedenen Arten der Purpurfarbe, welche bekanntlich in Sidon angefertigt wurde.
Die Skulpturen sind alle in Hochrelief gehalten und dabei die losgelösten Glieder ganz ohne Stützen gearbeitet. Zwei
Darstellungen nehmen die vier Seiten ein, jede eine Lang- und eine Schmalseite, erstens eine Schlachtszene, zweitens eine Jagdszene.
Der Kampf findet zwischen Griechen und Persern statt; jene sind nackt dargestellt, nur mit Helm und Schild bekleidet, die Perser
dagegen sind voll bekleidet, mit einer Tiara auf dem Haupt, wie auf dem berühmten Alexandermosaik in Neapel.
Auch die Hosen charakterisieren die Perser. In dem Anführer der Griechen, dessen Haupt mit einem Löwenfell bedeckt ist, glaubt
man Ähnlichkeit mit Alexander zu finden. Das Jagdbild zeigt einen außerordentlich bewegten Löwenkampf. Sämtliche Sarkophage
befinden sich jetzt im Museum zu Konstantinopel.
Ausgrabungen in Ägypten.
In Ägypten wurden die interessantesten Funde gemacht, so überraschend, wie niemand erwartet hatte.
1) 1881 bereits wurden bei Theben durch Brugsch eine große Anzahl einstmals in unruhiger Zeit besonders hoch im Gebirge versteckter
Königsmumien gefunden, 1885 aber wurden im Museum zu Bulak die wichtigsten ihrer Bindenumhüllung entkleidet, so daß die
alten Könige, deren Namen wir schon als Schüler lernen, wieder leibhaftig vor uns treten, vor allen der
große Sesostris, Ramses II. (ca. 1300 v. Chr.). Die Züge des großen Eroberers sind fast vollständig erkennbar und deuten auf
das Alter eines Mannes in den 80er Jahren.
Die Nase ist stark gekrümmt, der Mund fest geschlossen, der Kopf oben abrasiert, das Haar an den Schläfen
und am Hinterhaupt vollständig erhalten und von großer Weiche und Feinheit. Der Ausdruck der Gesichtszüge ist der eines
Mannes von entschlossenem, fast tyrannischem Charakter. Die Größe der Mumie beträgt 173 cm. Rechnet man hierzu die durch das
Zusammenschrumpfen entstandene Differenz, so ergibt sich die Gestalt eines Mannes, dessen Maß über die
mittlere Größe hinausgeht.
2) Hieran schließen sich die reichen Funde ägyptischer Porträte aus hellenistischer Zeit aus dem Fayûm, welche, jetzt im
Besitz des Wiener Kaufherrn Th. Graf, 1888 und 1889 in München, Berlin u. a. O. ausgestellt waren. Meist ist
nur Kopf und Hals mit dem obern Teil der bekleideten Brust dargestellt, hin und wieder auch die Hände; sie waren mit Asphalt
auf den Binden des Kopfendes der Mumien befestigt, von andern Binden eng umrahmt, so daß meist nur das Gesicht hervorschaute.
In einigen Fällen waren die Porträte von wirklichen Bilderrahmen umgeben. Sie stellen also den Verstorbenen
dar. Die Zeit ist nicht mit absoluter Sicherheit anzugeben, doch darf nicht über das 3. Jahrh.
v. Chr. hinaufgegangen werden; wahrscheinlich fallen sie in die erste römische Kaiserzeit.
Vgl. Graul, Die antiken Porträtqemälde
aus den Grabstätten des Fayûm (Leipz. 1889).
3) Von dem geistigen Leben geben
uns Kunde: a) die Papyri
von Fayûm, jetzt meist in Wien als Papyrus Rainer, welche Fragmente aus allen Zeiten der griechischen Litteratur, aber auch der
mohammedanischen bieten (eine besondere Publikation erscheint in Wien: »Die Papyrus Rainer«); d) die Thontafeln von Tell el Amarna.
Sie stammen aus dem Archiv des ägyptischen Königs Amenophis IV. (um 1350 v. Chr.), jenes ketzerischen Königs,
welcher an Stelle der alten ägyptischen Religion den Sonnenkultus gewaltsam einführte und sich eine neue Residenz gründete,
die ihn freilich nur wenige Jahre überdauerte. Sie enthalten Briefe asiatischer Könige und ägyptischer Präfekten an die
Pharaonen Amenophis III. und Amenophis IV. Die Schrift ist die babylonisch-assyrische Keilschrift, die Sprache
die semitisch-babylonische. Für die Kenntnis jener Zeit sind sie von unschätzbarem Wert. Sie befinden sich größtenteils
seit 1888 im Berliner Museum.
4) Für die Aufdeckung der alten Städte und Baudenkmäler ist besonders thätig die englische Gesellschaft des Egypt exploration
fund unter Leitung des verdienten Flinders Petrie. Wichtig besonders für unsre Kenntnis der griechischen
Ansiedelungen sind die Funde von Naukratis, der ersten Stadt, in welcher den Griechen die Niederlassung erlaubt wurde; die
zahlreichen Scherben bemalter Vasen mit Inschriften geben uns reichliche Auskunft auch über die Geschichte des griechischen
Alphabets, besonders seines ionischen Zweigs. Die Zeiten der Hyksos, die Pfade der auswandernden Juden erfahren
neue Beleuchtung. Auch die Pyramide von Hawarah hat Flinders Petrie eröffnet. Veröffentlicht sind: »The Store-City of Pithorn
and the route of Exodus«;
»Tanis I und II«;
»Naukratis I und II«;
Goslen and the Shrine of Saft-el-Hemach";
»Bubastis«, alle
unter dem gemeinsamen Titel: »Egypt exploration fund publications«.
Ausgrabungen in Griechenland und auf den griechischen Inseln.
Zwischen Ägypten und Griechenland, glaubte man lange Zeit, hätten die engsten Beziehungen bestanden, ja man leitete griechische Mythologie
(Athene-Neith) wie Kunst (sogen. protodorische Säule von Beni-Hassan) von dem Pharaonenland her, während in den letzten 30 Jahren
die entgegengesetzte Ansicht überhandnahm, welche die griechische Kunst als völlig unbeeinflußt von außen darstellte. Die
neuesten Funde geben der ältesten Tradition recht, welche z. B. in der Argolis eine ägyptische Kolonie annahm.
Die mykenische Kultur, deren Blüte vor die Dorische Wanderung fällt, zeigt sich in einigen Punkten von der ägyptischen
beeinflußt. Diese Kultur umfaßt den östlichen Rand Griechenlands von Thessalien bis zum Eurotasthal und liegt uns in Gräbern
und Palästen vor. Die Gräber sind meistens unterirdische, bienenkorbartige Gewölbe von den kleinen Dimensionen des Privatgrabes
bis zum 16 m hohen Kuppeldom des Königsgrabes. In den letzten Jahren sind neu gefunden, resp. neu untersucht
worden von den größern Kuppelgräbern 1) das Kuppelgrab von Volo am Golf von Volo 1886. Es war seit dem Altertum unberührt,
der Zugang noch verrammelt und bot eine große Anzahl kleiner Fundgegenstände aus Perlen, kleinen Goldrosetten und -Voluten
und Glasgegenstünden, alle vom Schmuck der ganz verwesten Leichen herrührend;
2) neu untersucht durch Dörpfeld wurde das berühmte »Schatzhaus des Minyas« zu Orchomenos. Die Spiralendecke seines Seitengemachs,
der eigentlichen Totenkammer, steht ganz unter ägyptischem Einfluß. Es ist in römischer Zeit
mehr
wieder benutzt worden, wie dies eine große Marmorbasis beweist, welche in der Mitte des Hauptraums gefunden wurde, sie hat
jedenfalls Marmortafeln getragen; vor ihr hat, wie die in den Fels gehauenen Standspuren beweisen, ein Tisch oder Sarkophag
mit zwei Füßen gestanden. Das Innere war nur nach Art eines Sternenhimmels mit Bronzerosetten in regelmäßigen
Abständen bekleidet, nicht, wie man bisher annahm, mit Bronzeplatten zusammenhängend bedeckt (vgl.
»Verhandlungen der Berliner Anthropologischen Gesellschaft 3) auch im «Schatzhaus des Atreus« zu Mykenä zeigte es
sich, daß die Wölbung nur mit Bronzerosetten bekleidet war;
4) eine besonders wichtige Ausgrabung ist 1889 gemacht und von bedeutenden Resultaten gekrönt gewesen.
In der Nähe des alten Amyklä bei Sparta im Eurotasthal ist ein schon länger bekanntes Grab ausgeräumt worden, in welchem
sehr wichtige Gold- und Silbersachen (Trinkgefäße mit figürlichen Reliefs, Schmuckgegenstände und Waffen) gefunden wurden.
In Mykenä selbst wurden von Tsuntas 1887 und 1888 ein großes Kuppelgrab und einige 50 kleinere Gräber
ausgegraben.
Dabei wurden sehr reichhaltige Funde an Gefäßen und geschnittenen Steinen gemacht.
Vgl. Belger, Beiträge zur Kenntnis der
griechischen Kuppelgräber (Programm des Friedrichs-Gymnasiums zu Berlin, 1887).
Die zweite Gattung von Resten der mykenischen Kultur sind die Palastbauten von Tiryns und Mykenä. Die erstern
sind seit Schliemanns großer Ausgrabung (1884) bekannt (vgl. Schliemann, Tiryns, 1886). Der Palast von Mykenä liegt auf der Akropolis;
bei der Ausgrabung fanden sich auch Inschriften, welche beweisen, daß Mykenä auch nach der Zerstörung durch die Argiver (468)
noch existiert hat. Da Tiryns auf einem ziemlich niedrigen Hügel aus der Ebene sich erhebt, so ist dieser
natürliche Mangel durch ganz kolossale Mauern ausgeglichen worden.
Sie sind aber nicht völlig massiv, sondern von korridorartigen Hohlräumen durchsetzt; da die Mauer nach außen größtenteils
verfallen ist, so öffneten sich diese »Galerien« in Spitzbogenform nach außen, und man glaubte lange, daß dies der ursprüngliche
Zustand gewesen sei, indem man die ganze Einrichtung für Ausfallsgalerien hielt. Die letzten Ausgrabungen haben aber bewiesen,
daß es Innenräume waren. Da die Mauern von Karthago ähnlich konstruiert sind, mit Hohlräumen, welche als Elefantenställe
und Magazine benutzt wurden, so hat man auch hier phönikische Verwandtschaft gesucht.
Scheinen so sich Fäden nach dem Orient hinüberzuspinnen, so gewinnt es auch immer mehr Wahrscheinlichkeit,
daß auch die spätere griechische Kultur, so grundverschieden sie auf den ersten Blick von der mykenischen zu sein scheint,
doch mit ihr zusammenhängt. So sind in allerletzter Zeit in einem mykenischen Grab zwei Fibeln (unsern Plaidnadeln durchaus
ähnlich) gesunden worden, welche bisher als ein spezifisches Eigentum der spätern griechischen Kultur
gehalten wurden. Geographisch war auch der mykenische Palastbau selbst in Attita vertreten. Bei der großartigen Aufräumung
der Akropolis von Athen haben sich namentlich auf der Nordseite tief unter dem heutigen Niveau beträchtliche Reste der alten
vorpersischen Bauten gefunden, welche in Gesamtanlage und Einzelheiten zu Tiryns und Mykenä Analogien zeigen.
Wir verlassen jetzt die mykenische Kultur, deren Denkmälerkreis sich noch beständig erweitert und uns sicherlich noch die
Zusammenhänge der uralten Kulturen Ägyptens, Babyloniens, Griechenlands aufzeigen
wird,
und gehen über zu der eigentlich griechischen Kunst, wie sie etwa vom 6. Jahrh. v. Chr. uns entgegentritt.
Im Peloponnes gräbt die hochverdiente griechische Archäologische Gesellschaft schon seit Jahren das berühmteste Asklepiosheiligtum,
den beliebtesten Kurort Griechenlands, Epidauros, aus. Gefunden wurde der Asklepiostempel aus dem Ende des 5. Jahrh. v. Chr.
mit vielen Resten der Giebelgruppen, welche im Stil der Nikebalustrade zu Athen am nächsten kommen, ein
Tempel der Artemis, Hallen für den Kurgebrauch, das wohlerhaltene Theater und der berühmte, säulenumgebene, kleine Rundtempel
des großen Polyklet, die sogen. Tholos.
Letztere ist in allen Ornamenten von wunderbarer Schönheit und Feinheit der Ausführung, ja der Bau macht in allen Einzelheiten
so starken individuellen Eindruck, daß Furtwängler ihn wirklich für das Werk des berühmten Polyklet
hält. Das Theater wird mit Recht demselben Architekten zugeschrieben, ist wohl das schönste aller erhaltenen und gibt wichtige
Aufschlüsse über den Theaterbau der Griechen vor der Zeit des römischen Einflusses. An Skulpturen wurden die Giebelgruppen
des Asklepiostempels, Amazonenkämpfe darstellend, gefunden, sind aber noch nicht zusammengesetzt, ferner
herabschwebende Nikefiguren, als Krönung der Giebeldreiecke, welche deutlich den Einfluß der Nike des Päonios von Olympia
zeigen, Statuen des Asklepios selbst und ein ganz wundervolles Relief, welches, wohl nach dem Goldelfenbeinbild gemacht, den
Gott in ruhig heiterer Würde thronend darstellt.
Für die allgemeine Kulturgeschichte am wichtigsten aber sind die gefundenen Inschriften, unter welchen
wir drei Stelen hervorheben, die Kur- und Wundergeschichten enthalten. Sie sind genau so wie etwa mittelalterliche Berichte
vom heiligen Blut oder moderne von Lourdes, ja manche Einzelheiten wiederholen sich so frappant, daß man sieht: der Mensch
bleibt wenigstens in seinen Bedürfnissen immer derselbe. Der ganze heilige Bezirk war mit Weihgeschenken
der Geheilten angefüllt wie ein moderner Wunderkurort: Blinde werden sehend, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, unfruchtbare
Weiber erhalten Nachkommenschaft. Auch Epidauros ist noch nicht erschöpft und wird noch vielerlei Aufschlüsse geben. In Sikyon
ist das Theater ausgegraben worden, aber noch nicht publiziert; in Korinth sind die Fundamente des uralten
dorischen Tempels freigelegt worden, welcher wohl bis ins 6. Jahrh. v. Chr. hinaufreicht, und dadurch hat sich der Grundriß
wiederherstellen lassen; in Patras ist eine Art von Odeion, ein bedecktes Theater, aufgefunden worden.
Ausgrabungen in Athen.
Eine der bedeutendsten und ertragreichsten Ausgrabungen, die je unternommen worden sind, geschah in den
letzten fünf Jahren zu Athen. »Man glaubte bis vor kurzem, daß auf der athenischen Burg jeder Winkel genügend durchforscht,
jeder Erdhaufe durchsucht sei, und doch hat man noch beträchtliche Reste von großen Bauwerken aufgedeckt und eine solche
Masse von Statuen, Bronzen, Terrakotten, Vasen und Inschriften gefunden, daß nicht nur das vorhandene Museum
damit gefüllt werden konnte, sondern noch ein neues hinzugebaut werden mußte. Für Jahrzehnte werden diese Funde der Wissenschaft
noch reichlichen und lohnenden Stoff zu Studien aller Art bieten.« So schreibt Dörpfeld in den »Mitteilungen des Kaiserlich
Deutschen Archäologischen Instituts« (athenische Abteilung, 1888, S. 431), in welchen überhaupt über
die neuen Funde seit einigen
mehr
Jahren regelmäßig berichtet wird. Danach bildete die Akropolis, ehe sie mit Mauern umgeben war, einen langgestreckten, zerklüfteten
Felsrücken, welcher nur im SW. bequem zu ersteigen war. Die ersten Bewohner stellten auf diesem unebenen Fels durch Abarbeiten
und Aufschütten mehrere kleine Plateaus für ihre Wohnungen und Heiligtümer her und erbauten auch wahrscheinlich
an der ganzen Westseite ein großartiges Festungswerk, welches den Namen Pelasgikon trug; eine Fortsetzung war auf der Südseite,
allen Windungen und Einbuchtungen des Felsens folgend, eine starke Polygonalmauer.
Die allgemeine Form des Burgfelsens aber wurde dadurch wenig verändert. Als die Perser im 1.480 die Burg durch Ersteigen der
Felswand an der Nordseite eingenommen hatten, wurden die Tempel und die übrigen Gebäude in Brand gesteckt
und soweit möglich zerstört, die vielen Statuen und Weihgeschenke, welche neben den Tempeln aufgestellt waren, wurden teilweise
weggeschleppt, zumeist aber umgestürzt und zerschlagen, sogar die Postamente beschädigt.
Erst nach nochmaliger Verwüstung im folgenden Jahr und nach vollständiger Fertigstellung der Stadtmauer
konnte man an den Wiederaufbau der Burg denken. Einen bedeutenden Teil an der Ausführung dieses Plans hat Kimon, die Hauptarbeit
aber blieb Perikles und seinen großen Künstlern; ihnen war es vorbehalten, der athenischen Burg jene Gestalt zu geben, welche
sie zu einem Zentrum der Kunstgeschichte gemacht hat: die ganze Burg sollte mit einer mächtigen, am äußern
Rande des Felsens aufgeführten Stützmauer umgeben und zu einem einzigen großen Plateau hergerichtet werden.
Auf dem so gewonnenen großen Unterbau sollten die Heiligtümer in prächtigerer und großartigerer Gestalt errichtet werden.
Dabei benutzte man alle vorhandenen alten Werkstücke der zerstörten Tempel als Bausteine, doch so, daß
man sie durch Abarbeitung der Profilierungen neuen Quadern möglichst ähnlich machte. Nur bei der Einmauerung der schon früher
bekannten großen Gebälkstücke in der Nordmauer zwischen Erechtheion und Propyläen wurde ein andrer Zweck verfolgt. Da diese
Epistyle, Triglyphen, Metopen und Geisa genau in derselben Anordnung verbaut sind, welche sie früher am
alten Athenetempel hatten, so waren sie sicher bestimmt, nicht nur als Schmuck der Burgmauer zu dienen, sondern auch die Athener
immer an die ruhmreichen Perserkriege zu erinnern.
Von unschätzbarem Wert nun ist es für uns geworden, daß man in das leere Dreieck, welches zwischen der
neuen Stützmauer und dem ansteigenden Burgfelsen entstand, alles nur mögliche vorhandene Material an Statuen, Basen, Inschriftsteinen,
Werkstücken, Scherben zur Füllung hineinschüttete. Man wollte das Alte nicht wiederherstellen, sondern alles aus eigner Kraft
neu und viel schöner herstellen. Ein so gewaltiges Selbst- und Kraftgefühl hatte der gewonnene Sieg den Athenern
verliehen.
Wie in einem Archiv lagen also wohlbewahrt bis auf unsre Tage ganze Reihen fast ganz erhaltener Statuen nebeneinander, die für
uns noch den unschätzbaren Wert haben, daß wir wissen, sie gehören alle in die Zeit vor 480. Zur Verdeutlichung dieser
durch die neuen Ausgrabungen konstatierten Auffüllung gibt Dörpfeld folgendes Bild: er vergleicht den
Durchschnitt durch den Burgfelsen mit dem Durchschnitt durch ein einfaches Haus, welches ein Giebeldach trägt. Die vertikalen
Hauswände entsprechen den steil abfallenden Abhängen der Burg und die beiden schrägen Dachlinien der nach beiden Seiten
sanft abfallenden Oberfläche des natürlichen
Burgfelsens.
Denkt man sich nun die Außenmauern dieses Hauses bis zur Firsthöhe hinaufgeführt und die
beiden Dreiecke zwischen diesen Mauern und den ansteigenden Linien des Daches mit Schutt ausgefüllt, so hat man ein schematisches
Bild der Akropolis mit den Mauern des Kimon und ihrer Hinterfüllung zur Herstellung des großen Burgplateaus.
Was nun die Einzelfunde betrifft, so hat zunächst die Architektur eine große Bereicherung erfahren.
1) Die ältesten Gründungen, das »Haus des Erechtheus«, scheinen auf der Nordseite gestanden zu haben, von wo eine durch die
Burgmauer gehende Treppe bis zur Perserzeit einen nähern und auch leicht verschließbaren Weg zur Unterstadt vermittelte.
2) Unter Peisistratos' Regierung fällt die Erbauung eines großen Athenetempels zwischen dem heutigen Erechtheion
und dem Parthenon. Das Verdienst, seinen Grundriß und die Baugeschichte festgestellt zu haben, gebührt Dörpfeld; es war ein
dorischer Peripteros aus Porosstein mit je sechs Säulen an den kurzen, je zwölf an den Langseiten. Die innere Einteilung entsprach
fast genau dem spätern Parthenon. Die Zerstörung durch die Perser traf auch ihn, doch wurde er nachher
notdürftig wiederhergestellt. Wie lange er in dieser Form gestanden hat, darüber ist noch Streit; wahrscheinlich wurde
er nach Vollendung des neuen Parthenon als störend und überflüssig abgebrochen, während er bis dahin zur Aufbewahrung des
Bundesschatzes gedient hatte. Von seinem Giebelschmuck ist eine größere Anzahl Fragmente gefunden worden;
er bestand aus Marmor und stellte den Kampf der Giganten gegen die Götter dar.
3) An der Nordseite sind verschiedene Baulichkeiten gefunden worden, die vielleicht den Priesterinnen der Athene zum Aufenthalt
dienten.
4) An der Südseite ist ein großer Bau mit Vorhalle, wahrscheinlich die Chalkothek, eine Art von Rüstkammer.
5) Von nicht weniger als sieben verschiedenen Gebäuden sind die Dachleisten, die Simen, gefunden worden, aber die Gebäude
selbst sind noch nicht rekonstruiert; dagewesen sein muß mindestens ein, vielleicht zwei Heraklestempel, wie sich das aus
der zweiten großen Fundabteilung ergibt. Die Skulptur hat den Löwenanteil. Die Fragmente der Marmorfiguren
von Giganten und der Athene vom großen Tempel des Peisistratos erwähnten wir bereits, noch merkwürdiger aber und ganz überraschend
sind die Skulpturen aus mergeligem Kalkstein, dem sogen. Poros. Es sind zunächst zwei Giebelgruppen in Hochrelief, die zu einem
Tempel gehört haben müssen: die eine Herakles mit dem Triton, die andre Zeus und Herakles mit dem dreiköpfigen,
schlängenleibigen Typhon und der Echidna kämpfend.
Jeder dieser Giebel war nach Brückners Berechnung 8,50 m lang und ca. 1 m hoch. Fremdartig sehen uns die Skulpturen an: glotzäugig,
vergnüglich lächelnd, die Typhonköpfe mit zottigem Haar und langen, spitzen Bärten, alles aufs bunteste
und sauberste bemalt, nicht so sehr in der Absicht, der natürlichen Erscheinung nahezukommen, als vielmehr mit beschränkten
Mitteln ein farbenleuchtendes Bild zu schaffen. Es wird vermutet, daß der ganze Tempel unter asiatischem Einfluß stehe; sind
doch Säulen gefunden worden, deren Kannelierungen nicht parallel mit der Hauptachse von oben nach unten,
sondern spiralförmig rings um die Säule laufen. Möglicherweise hat Krösos den Heraklestempel gestiftet. Er ist in die Zeit
Drakons und Solons hinaufzurücken. Auch von einem dritten Giebel sind beträchtliche Fragmente da: Herakles im Kampf mit der Hydra;
auch diese aus Poros.
mehr
Als Übergang zu den plastischen Rundwerken
können wir die sehr zahlreich gefundenen Vasen rechnen, zum Teil in Form kannelierter Säulen, zum Teil als viereckige, im
Verhältnis zu den Statuen ziemlich schwache Pfeiler. Ihre Bekrönungen, meist in Kapitälform, geben den Beweis, daß die uns
überlieferten drei Säulenordnungen erst nach langem Tasten und Versuchen ihre endgültige Form erhalten
haben; namentlich für die Geschichte des ionischen Kapitäls sind die Funde wichtig. Die Weih- und Künstlerinschriften stehen
teils in den Kannelüren, teils auf den bekrönenden Standplatten. So ist es gelungen, eine ganze Statue mit dem zu ihr gehörigen
[* ]
^[Abb.: Plan der Ausgrabungen auf der Akropolis.]
Fußgestell wieder zusammenzusetzen, eine Athenepriesterin mit wohlerhaltener, zierlicher Bermalung, das Haar in Löckchen
und Strähnen frisiert, der Kopf von einem Diadem umgeben, nach der Inschrift ein Werk des Antenor. Es bildet heute eine Hauptzierde
des neuen Akropolismuseums. Mit dem einheimischen Kalkstein fängt die athenische Plastik an, die Marmorskulptur kommt
herüber von den Inseln; denn auch die Namen der chiotischen Bildhauer erscheinen auf den neugefundenen vorpersischen Inschriften
der Akropolis. Die gefundenen Bildwerke sind entweder lebensgroße, aufrecht stehende Statuen von Priesterinnen, meist in demselben
Schema: die linke Hand erfaßt zierlich das faltige Gewand, während die rechte vorgestreckt ist, alle sind namentlich
an den Säumen der Gewänder aufs sorgfältigste bemalt;
oder einzelne Köpfe, auch männliche, endlich sind sogar Reiterstatuen
gefunden worden.
Unsre Kenntnis der vorpersischen Skulptur wird durch diese Funde eine ganz neue, und viele Hände sind noch damit beschäftigt,
den Bau zu errichten. Auch die Geschichte der Vasenmalerei trägt Gewinn davon, da nunmehr durch die Fundstellen
im Perserschutt die alte Ansicht
von Ludwig Roß unumstößlich
geworden ist, daß die rotfigurige Vasenmalerei bereits in der Zeit vor den Perserkriegen geübt wurde (vgl. Vasen, Bd. 16,
S. 57).
Wir erfahren durch die Ergebnisse dieser Ausgrabungen, daß auch den Griechen nicht die Kunst wie ein Geschenk
vom Himmel herab auf einmal gespendet worden ist, sondern daß viele Generationen in angestrengter Mühe gearbeitet haben,
ehe aus den glotzäugigen, thöricht lächelnden Versuchsköpfen der ältesten Zeit die idealen Züge wurden, die wir an den
Skulpturen des Parthenon bewundern. Auch für die untere Stadt hat sich mancherlei gefunden, doch nicht
von großer Bedeutung; es hat sich gezeigt, daß der Tempelplatz des Zeustempels am Ilissos an der Nordseite ein kleines Propyläon
hatte, daß der Tempel selbst nur acht Säulen Fronte besaß, und daß die Stadtmauer im W. etwas (nach O. zu einzurücken ist.
Im Piräeus haben die Franzosen 1887 nach der Lage des Aphrodisiums gesucht, dieselbe nur ungefähr bestimmt,
aber das Thor, welches von der Halbinsel Eetinöa nach außen führt, genauer untersucht; 1884 wurde beim Bau eines neuen Theaters
ein Gebäude gefunden, welches als Versammlungsraum der Dionysiasten bezeichnet wird. In Eleusis wurde 1887 die Ausgrabung
des großen Mysterientempels und seiner Umgebung zu einem vorläufigen Abschluß gebracht. Mindestens
drei übereinander gebaute Tempel lassen sich unterscheiden; außerdem wurde ein Buleuterion, ein Tempelchen des Pluton, vor
dem Haupteingang ein großes Wasserbecken und ein Triumphbogen, und vielerlei andres gefunden. An Skulpturen sind hervorzuheben
sehr schöne archaische Köpfe und ein etwas schwermütig blickender Kopf, der heute als ein Original des
Praxiteles, sein Gubuleus, betrachtet wird. Am Westabhang des Pentelikon wurde das Heiligtum des Dionysos in Ikaria mit
mehr
vielen Skulpturen und Inschriften von Milchhöfer entdeckt und durch die Amerikaner ausgegraben, in Thorikos wurde ein zweites
Theatergebäude ebenfalls von den Amerikanern aufgedeckt;
auf Kap Sunion wurde der bekannte, weit hinaus ins Meer leuchtende
Athenetempel neu untersucht;
es zeigte sich, daß ursprünglich ein Tempel aus Poros dagestanden hatte, der aber
in der Zeit nach den Perserkriegen (ca. 400) in einen Marmortempel umgebaut worden ist;
der Neubau hatte nicht 12, wie man
bisher annahm, sondern 13 Säulen an den Langseiten. Im benachbarten Böotien wurde das Heiligtum des ploischen Apollon bei
dem Dorf Karditza von den Franzosen ausgegraben und dabei eine große Anzahl von altertümlichen Skulpturen,
Bronzen, Inschriften und Vasenscherben gefunden.
Vei Theben wurde 1887 das Heiligtum der Kabiren vom Deutschen Institut ausgegraben.
Der nach O. gerichtete Tempel zeigte die Spuren mehrfachen Umbaues. In der letzten Zeit bestand er aus einem Pronaos, einer
Cella, in der das Bathron des Gottes erhalten ist, und einem dahinterliegenden, von N. und S. zugänglichen
Gemach mit einer doppelten Opfergrube; die eine Hälfte war noch ganz mit Knochen gefüllt. Steininschriften und Marmorskulpturen
wurden nur in beschränkter Anzahl gefunden, sehr reich dagegen waren die Funde an Werken der Kleinkunst.
Dieselben entstammen einer gleichmäßig innerhalb und außerhalb des Tempels abgelagerten alten Schutt-
und Aschenschicht, welche von einer Zerstörung des Heiligtums herzurühren scheint. Die Funde sind nicht jünger als das 4. Jahrh.,
die meisten entstammen diesem und dem vorhergehenden. Von den mehreren tausend bemalter Vasenscherben sind die meisten mit
Weinlaub und Epheu, schwarz auf gelblichem Grund, verziert, die figürlichen Darstellungen ebenfalls schwarz
auf gelblichem Grund, aber jünger als die gewöhnlichen schwarzfigurigen Vasen, zeigen eine Vorliebe für groteske und komische
Darstellungen und beweisen, daß der Kult der Kabiren dem bacchischen verwandt war.
Die vielen Tausende von Terrakotten verteilen sich ungefähr gleichmäßig auf Darstellungen von Menschen und Tieren; letztere,
Stiere, Schweine, Widder und Böcke, auch Löwen, sind meist von geringem Kunstwert. Erstere zeigen zum Teil
die gewöhnlichen böotnchen Typen älterer Art, zum Teil in vorzüglichen Exemplaren; vom Stil der feinen tanagräischen Figuren
wurde nichts gefunden. Zahlreich sind kleine Anatheme aus Bronze und Blei, von denen mehrere hundert Stiere darstellen.
Ein Diskuswerfer von Bronze ist die einzige menschliche
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Figur darunter. Die größte Anzahl der Bronzetiere,
deren durchschnittliche Größe 7 cm beträgt, ist von vorzüglicher Ausführung und Erhaltung und entstammt wohl der ersten
Hälfte des 5. Jahrh. Auch von ihnen zeigen viele Weihinschriften, vor allen an den Kabiren (immer im Singular) und seinem
Sohn (πα^^). Eine inschriftlich gesicherte Darstellung findet sich auf einer großen Vasenscherbe. In
Oropus, dem Heiligtum des Amphiaraus, gruben die Griechen 1886 das Theater und eine anstoßende gedeckte Halle auf. Die Orchestra
ist kreisrund, die Proszeniumswand läßt sich völlig wieder rekonstruieren. Das oben erwähnte Theater von Epidaurus und
das von Oropus werden noch in der Geschichte des griechischen Theaterbaues, welche Dörpfeld plant, als
Zeugen der ursprünglich griechischen Anlage eine Rolle spielen. Ungehobene Schätze ruhen noch in Delphi, dessen Ausgrabung wohl
an Wichtigkeit der von Olympia gleichkommen kann. Sie ist längst von Frankreich ins
Auge gefaßt, doch sind die Unterhandlungen mit den Griechen bisher gescheitert. Am Nordabhang des
Parnaß ist das Musenheiligtum von den Franzosen untersucht worden.
Auf den Inseln wurde 1884 in Kreta eine lange, außerordentlich wichtige archaische Inschrift von Fabricius entdeckt; sie enthält
ein eingehendes Erbrecht und Heiratsrecht von Gortyn und hat schon eine reiche Litteratur hervorgerufen. Zahlreiche andre alte
Inschriften wurden vom Italiener Halbherr später veröffentlicht. Im Idagebirge, ungefähr in der Mitte der Insel, ist auf
der Hochebene 1885 die idäische Zeusgrotte gefunden worden, die Stätte, wo Zeus als Kind von Nymphen und Kureten gepflegt und
behütet worden sein soll.
Zahlreiche hochaltertümliche Weihgeschenke wurden dabei entdeckt. Auf Delos graben die Franzosen schon
mehrere Jahre und geben in ihrem »Bulletin de correspondabce hellénique« jeweilige Rechenschaft. Ungemein zahlreich sind
die gefundenen Inschriften, sehr bedeutend aber auch die Funde hochaltertümlicher Statuen chiotischer Kunst; besonders wichtig
ist die geflügelte Nike, welche eine höchst wahrscheinlich zugehörige Inschrift dem Mikkiades und Archermos zuweist.
Unter den spätern Skulpturen ragt als Prachtstück ein jetzt in Athen befindlicher Krieger etwa pergamenischer
Zeit hervor. Auf Samos wurde ein Werk der Alten aufgedeckt, welches auch wohl den heute Lebenden wieder zu gute kommen wird.
Herodot erzählt in Ausdrücken der höchsten Bewunderung von einem Tunnel von 7 Stadien Länge, welcher eine
Wasserleitung durch! einen hohen Berg nach der Stadt hinführe. Dieser Bau des Architekten Eupalinos, zur Zeit des Polykrates,
ist aufgefunden worden und dient vielleicht nach einigen Reinigungsarbeiten schon jetzt wieder seinemi alten Zweck. Besonders
merkwürdig war die Beobachtung, daß die Arbeiten gleichzeitig von beiden Enden aus begonnen worden sind und
in der Mitte des Bergs nach kurzem Verfehlen sich getroffen haben. Genau untersucht hat den Bau im Auftrag des Deutschen Archäologischen
Instituts Fabricius.Vom Quellhaus bis zum Eingang des Tunnels sind 835 m Röhrenleitung, der Tunnel selbst ist etwas über 1000 m,
in gerader Linie führend, lang.
Ausgrabungen in Italien.
In Italien ist die Kultur im ganzen eine jüngere als in Griechenland, also können weit hinaufreichende
Funde nicht gemacht werden. Fort und fort wird systematisch an den längst bekannten Fundstätten gegraben und gefunden; in
Pompeji, in Etrurien (Toscana), in Ostia, namentlich aber in Rom. Hier fördern die Grundgrabungen für neue Stadtviertel,
die Uferbauten zur Regelung des Tiber alljährlich Inschriften, Statuen, Ruinen zu Tage; unter anderm sind in den letzten Jahren
zwei völlig intakte überlebensgroße Bronzestatuen gefunden worden; da Bronzedenkmäler sehr selten sich erhalten haben,
so ist der Fund doppelt wichtig.
Bedeutend sind namentlich die Resultate für die Topographie von Rom; wir erwähnen nur den einen Umstand,
daß in der Zeit des Augustus eine von Agrippa erbaute Brücke das Marsfeld mit dem heutigen Trastevere verband. Sie ist später
abgetragen und etwas stromabwärts durch den bekannten Ponte Sisto ersetzt worden. Bieten uns also die Ausgrabungen in Griechenland
gerade heute völlig neue Perspektiven in die älteste Geschichte Europas, so liefern die Ausgrabungen in
Italien zumeist nur Ergänzungen zu bekannten Dingen.
Vgl. O. Richter, Topographie von Rom (Nördl. 1889).