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«Wie man einen Molotwo-Cocktail mixt», in: Die Woche, 17.-23. Dez, 1956, Nr. 52, S. 18+19
Eine weitere Kuriosität aus den heiss umkämpften fünfziger Jahren: 1956 verbreiteten Studenten der Uni Bern in der ganzen Schweiz Bauanleitungen für Molotow-Cocktails. 5′000 Stück, inkl. Zündvorrichtung. Interessierten Passanten führten sie ausserdem vor, wie die Flaschenwaffe gemixt, gerührt und geworfen wird. «Wer in dieser Aktion aber nur Dilettantismus und Räuberlis-Spielen sieht, hat nicht erfasst, welche tiefgreifende Bewegung durch unser Volk geht», schrieb darauf die Zeitschrift «Die Woche».
Eine starke Armee alleine kann kein Land verteidigen. Zur Landesverteidigung gehört auch eine schlagkräftige Zivilbevölkerung. Die Aufstände in Ungarn und der Einmarsch sowjetischer Truppen in Finnland während dem 2. Weltkrieg hätten dies gezeigt. «Was hilft unser geistiger Widerstand in diesen Tagen, wenn wir nicht auch bereit sind, uns mit den Händen zu wehren?» fragen die Studenten in ihrem Merkblatt und greifen als Antwort zur Flasche.
Die beste Waffe im Kampf mit Händen und Füssen gegen Panzer und Kanonen ist unbestritten der Molotow-Cocktail. Für die «Woche» führte einer der Studenten auf einem Infanterie-Übungsplatz vor, wie ein solcher Cocktail gemixt und dem Feind serviert wird (siehe Abbildung). Der Platz-Kommandant hatte dazu einen alten Panzer zur Verfügung gestellt.
Montage:
a) Schutzhülle erst vor dem Gebrauch entfernen.
b) Watte mitten an einer mit Benzin ganz gefüllten Flasche nicht straff festbinden
Wurf:
a) Kapselspitze der beigelegten Ampulle wegschneiden.
b) Inhalt ohne Verlust über den trockenen Wattebausch verteilen.
c) Watte anzünden
d) sofort, gezielt, aber nicht rasant werfen
Die Flasche sollte möglichst gegen die Lüftungsschlitze geworfen werde. Das heizt das Fahrzeug von innen ein und schlägt die Insassen in die Flucht.
Die «Woche» war übrigens eine weit verbreitete Zeitschrift für die ganze Familie. Jung und alt sollten so erfahren, wie man hierzulande fremde Feinde empfängt. «Heute wie ehedem gilt der Satz, dass im Ausland ein Angriff auf die Schweiz als unrentabel gelten muss, und dazu trägt zweifellos bei, wenn jedes Haus, jedes Dorf und jede Stadt zur gefürchteten Panzerfalle wird.»
Ich bleibe am Thema dran und melde mich zurück!
PS: Sobald 700 Franken zusammen sind, können weitere 5′000 Zünder produziert werden. Postcheck–Konto: «Niemals vergessen, III 7837».
Quellen: Die Woche, 17.-23. Dez, 1956, Nr. 52, S. 18+19; Ins gleiche Kapitel gehört das berühmt-berüchtigte Büchlein «Zivilverteidigung» von 1969. Dazu ein Vortrag von Philipp Sarasin.
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