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Warum das wichtig ist: Offensichtlich waren es nicht die Verstösse gegen die Corona-Regeln allein, die Horta-Osório zu Fall gebracht hatten. Im Verwaltungsrat stiess sein Flugverhalten auf Unverständnis. Die CS hat sich «Nachhaltigkeit» auf die Fahne geschrieben.
Jeweils am Donnerstag bestieg Sir António Horta-Osório das Privatflugzeug und liess sich nach London oder Lissabon fliegen, wo er mit seiner Familie das Weekend verbrachte. Am Montag holte ihn das Flugzeug wieder ab und flog ihn nach Zürich zurück.
Weil man das Flugzeug nicht tagelang herumstehen lassen konnte, – es war gemietet – flog der Pilot den Jet jedes Mal leer nach Zürich zurück – um es am Montag wieder leer nach London oder Lissabon zu bringen, damit der Bankier rechtzeitig in sein Büro am Paradeplatz kam. Das steht gemäss Wall Street Journal im internen Bericht, den die CS in Auftrag gegeben hatte. Dieser Bericht brach Horta-Osório das Genick.
Natürlich sah Horta-Osório zu, dass er am Freitag auch geschäftliche Termine wahrnehmen konnte – was in der City Sinn ergab, in Lissabon wohl weniger – doch für den Verwaltungsrat lag auf der Hand, dass da einer auf Kosten der Firma sein Privatleben gestaltet hatte. Es läpperte sich Einiges zusammen, was ihn als Spesenritter erscheinen liess:
- mehrfache Flüge mit dem Privatjet ins Wochenende
- ein Zwischenhalt mit dem Privatjet auf dem Rückflug von Singapur auf den Malediven, wo er seine Frau traf, um mit ihr Urlaub zu machen
- Eine Reise nach London, um mit seiner Familie dem Wimbledon-Final beizuwohnen. Dabei brach er die Corona-Regeln in Grossbritannien
- Neu kam heraus: Am gleichen Tag besuchte er mit seiner Familie auch das Finale der Fussball-Europameisterschaft und erlebte, wie Italien England schlug (3:2)
- Horta-Osório benutzte dafür Tickets, welche die CS eigentlich für Kunden gekauft hatte, doch diese waren nicht aufgetaucht, wie er der Bank gegenüber versicherte. Dieser Sporttag für die Familie Horta-Osório kostete mehrere zehntausend Franken. Bezahlt von der CS, wie es aussieht
Siegreiche Italiener im Wembley-Stadion von London, Juli 2021
Dass der Verwaltungsrat an seiner Krisensitzung den durchaus fähigen Bankier nicht mehr stützen mochte, erscheint vor diesem Hintergrund verständlich. Das Reputationsrisiko für die ganze Bank war zu gross, zumal weitere Indiskretionen jederzeit zu befürchten waren. Denn wie immer, wenn solche vorkommen, waren sie auf einen verbissenen internen Machtkampf zurückzuführen.
Horta-Osório hatte sich zu viele Feinde gemacht.
- Er begann eigene Leute zu platzieren und entliess bewährte (oder angeblich bewährte) CS-Veteranen
- Er trug in manchen Sitzungen keine Maske, was den bankinternen Vorschriften widersprach
- Er wirkte arrogant und snobistisch («Sir Antonio, bitte schön!», so viel Zeit muss sein)
- Er zeigte keinerlei Gespür für die schweizerische DNA der Bank
- er redete dauernd davon, wie jeder einzelne CS-Mitarbeiter die Regeln einzuhalten hatte, um den ruinierten Ruf der Firma zu verbessern – und hielt sich an keine
Wie manche Firma heutzutage, die sich für modern hält, bemüht sich auch die Credit Suisse darum, als ein Unternehmen im Ruf zu stehen, das nicht bloss eine gute Rendite für seine Aktionäre erwirtschaftet, sondern dem gleichzeitig das Überleben der Menschheit und unseres Planeten am Herzen liegt.
In ihrem Sustainability Report aus dem Jahr 2020 schreibt die CS:
«Wir setzen uns dafür ein, eine ökologisch nachhaltigere Wirtschaft zu ermöglichen, und wir erkennen den Klimawandel als eines der wichtigsten Risiken an, mit denen unser Planet konfrontiert ist. Im Jahr 2020 haben wir uns ein neues Ziel gesetzt, bis spätestens 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.»
Es war das Memo, das Sir António Horta-Osório offenbar übersehen hatte – bevor er den Privatflieger bestieg.
In einem aufschlussreichen Anhang zur ihrem Umweltbericht belegt die CS ihre ökologischen Anstrengungen auch – die Bilanz ist zweifellos beeindruckend (wobei das Corona-Jahr entscheidend geholfen haben dürfte). In allen Details – und untermauert mit Zahlen – listet die Bank auf, wie sie Jahr für Jahr ihren ökologischen Fussabdruck verkleinert hat, – unter anderem, indem sie ihre Mitarbeiter dazu gebracht hat, weniger Flugmeilen zurückzulegen.
Gut dürfte diese Politik nicht immer angekommen sein.
«Sie wollen nach London?» «Gehen Sie zu Fuss! Wir zahlen Ihnen den Landjäger und das Ovo-Sport.»
Während sich die Mitarbeiter nun für jeden Flug zu rechtfertigen hatten, scherte sich ihr Präsident einen Deut darum – und viele wussten Bescheid in der Bank.
«Quod licet Iovi, non licet bovi», hiess es bei den Römern:
«Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt»
Und Sir António, der Lateiner, glaubte wohl, das gelte auch in der Schweiz.
Er vergass, dass bei uns Kuhschweizern der Ochse mehr Ansehen geniesst als Jupiter.
Ich wünsche Ihnen einen nachhaltigen Tag Markus Somm