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A.7 Wozu ein Denkmal für Winkelried? —
Vom Umgang mit Helden und Erinnerung
© Margret Omlin
Denkmäler sind Erinnerungszeichen. Sie erinnern uns an wichtige Ereignisse oder bedeutsame Personen aus der Vergangenheit (vgl. Was das Denkmal erzählt). In einem Denkmal werden die drei Zeitdimensionen vereint: Ein Denkmal erinnert aus der Gegenwart heraus an Vergangenes und ist mit einem Appell für die Zukunft verknüpft. Auch das Winkelried-Denkmal in Stans wurde mit dem Ziel erstellt, dem «Helden Winkelried» ein Andenken zu setzen. Darüber hinaus soll es die Menschen dazu aufrufen, sich Winkelried zum Vorbild zu nehmen. Aber: Warum galt Winkelried als Held? Und gilt er auch heute noch als Held? Was ist denn ein Held? Was zeichnet Helden aus? Brauchen wir heute überhaupt noch Helden? Wo bleiben die Heldinnen?
Wer oder was ist ein Held? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Aus der Vielzahl von Erklärungsversuchen kann man zwei Aspekte herausgreifen: Helden scheinen einerseits allgemein gültige Merkmale zu besitzen. Anderseits ist die Frage, was einen Helden ausmacht, immer aus der Sicht einer bestimmten Zeit und einer bestimmten Gruppe der Gesellschaft zu beantworten.
Meistens sind es universale Werte wie Selbstlosigkeit, Rücksichtnahme, Mut oder die Zurücknahme eigener Interessen zugunsten übergeordneter Ziele, die Helden auszeichnen. Im Fall von Winkelried ist es der selbstlose und aufopfernde Einsatz für die Gemeinschaft. Auch wenn wir heute wissen, dass es einen Arnold von Winkelried in der Schlacht von Sempach nicht gegeben hat, erscheint uns sein erdichteter Einsatz oder sein erfundener Tod für die Sache der Gemeinschaft erinnerungswürdig.
Für den jungen Schweizer Bundesstaat nach 1848, der sich den Leitspruch «Einer für alle – alle für einen» auf die Fahnen geschrieben hatte, war Winkelried die ideale Identifikationsfigur, der perfekte Held (vgl. Wirkungsgeschichte). Mit Winkelried hatte man einen Helden, der eben diesen Wahlspruch mit seiner Aufopferung für «alle» eingelöst hatte und somit für die Zeitgenossen ein Vorbild war und sein sollte. Die Identifikationsfigur Winkelried rief die Bürger auf, sich mit dem Staat zu identifizieren und ihren persönlichen Beitrag zum Ganzen, zum Gemeinwohl zu leisten.
Heute tut man sich schwer, Heldinnen und Helden zu benennen. Dennoch kann die Auseinandersetzung mit dem Winkelried-Denkmal wichtige Fragen aufwerfen: Wer wäre heute wohl eine Heldin oder ein Held? Welche heutigen Taten könnten für gegenwärtige und zukünftige Generationen vorbildlich und erinnerungswürdig sein?
Hier gelangen Sie zu den Unterlagen A.7.1 Wozu ein Denkmal
© Peter Mosimann – Swiss Parliament