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Über Metamorphose der Schmetterlinge am Beispiel der Wolfsmilchraupe
Heftiges Fressen zuletzt.
Zeigt von der gewaltigen Forderung der Systeme, die nun zur Vollendung eilen.
Größe der Raupe.
Auf einmal hört sie zu fressen auf Entladung der Exkrernente.
Schwere einer Wolfsmilchraupe in diesem Moment.
1 Dukaten 17 1/2 as.
Unruhe. Flucht vor der Weite.
Sie sucht Verborgenheit und engen Anschluß.
Es bewirkt dieses durch halbes Einwühlen in die Erde. Zusammenspinnen von Erdknöllchen, Reisern und dergleichen.
Beim Spinnen werden die Spinnwerkzeuge aufgezehrt. Das Tier läßt etwas Saft, womit die Erde und andere
Teile benetzt und zusammengeleimt werden. Wahrscheinlich verdunstet es auch.
In 28 Stunden hatte es verloren. 13 as.
Indessen wachsen die innern Teile sehr mächtig. Das Tier hat keinen Raum mehr in der Haut, es schwillt in die Breite. In dreimal 24 Stunden 18 as.
Es krümmt sich und macht durchs Spinnen einen engern Raum, als es selbst ist.
Ähnlichkeit mit dem Nisten der Vögel. Ich brachte eine Wolfsmilchraupe, die aufhörte zu fressen, in ein leeres Pappenkästchen, das ich um der Beobachtung willen mit einer Glasscheibe bedeckte. Sie lief heftig 24 Stunden ohne anzuhalten in dem Kästchen herum, der Kasten mochte bei Tag vor Licht verwahrt sein oder nicht. Bei Nacht setzte sie ihre Promenade fort. Endlich versuchte sie sich in die Ecke des Kästchens einzunagen. Sie gab diesen schweren Versuch mehrmals auf und fing ihre Tour wieder an, endlich nagte sie beständiger an demselben Flecke, brachte die Papierspäne, einige Exkremente, und was sonst beweglich war, dorthin, verließ dieses unzulängliche Werk aber oft wieder. Es ging einiges Wasser von ihr, endlich blieb sie zusammengezogen und starr liegen, ohne im mindesten gesponnen zu haben.
Am sechsten Tage vom Aufhören des Fressens, ungefähr um dieselbe Stunde, verpuppte sie sich. Bei der Sektion der Puppe fand ich eine Spur von Spinnewerkzeugen.
Einer andern, nachdem sie lange im Kästchen herumgelaufen war, warf ich etwas Erde, Zweige der Wolfsmilch, aber nur wenig, hinein, so daß sie daraus nichts zusammensetzen konnte, ich legte ein kleines von Papier gedrehtes Horn dazu, in welches sie hineinkroch und vor der Öffnung Erde und Zweige zusammenspann. Diese verpuppte sich in acht Tagen.
Eine dritte brachte ich in eine hölzerne ovale Schachtel. Nach einem gleichen lebhaften Umgang fing sie an zu nagen, ließ es jedoch bald und fing an zu spinnen; sie machte es wirklich ganz geschickt, und es schien als wenn es ein Nest werden wollte, das für die künftige Puppe paßte, allein sie ließ ab und nicht aus Mangel von Spinnstoff, denn sie machte noch mehrere unvollkommene Spinnversuche um die ganze Schachtel herum.
Der Instinkt dieses Tieres ist, wie man sieht, auf äußere Bedingungen angewiesen, wogegen das Gespinst des Seidenwurms unbedingt erscheint.
Diese dritte sezierte ich, ehe sie sich verpuppte, und fand keine Spur von Spinnewerkzeugen.
Das Gefühl der sonderbaren bevorstehenden Entwicklung mag dem Gefühl nach der Empfängnis ähnlich sein; doch droht hier die ganze Existenz umgeboren zu werden.
Die schöne bunte Haut wird mißfärbig. Veränderung in den Systemen.
Schlund, Magen und After haben aufgehört zu wirken. Im Magen bleibt ein Saft zurück.
Das Spinnsystem wird durchs Spinnen aufgezehrt. Durch beides entsteht sowohl im untern als obern Teile des Körpers eine große Leere.
In dem Muskelsystem scheint auch eine Veränderung vorzugehen, indem sie sich stärker zusammenziehen, wodurch der Rücktritt der Bauchwarzen, welche vorher als Hinterfüße erschienen, bewirkt wird.
Bedeutend muß die neue Bestimmung der Muskeln an dem obern Teile zu künftiger Bewegung der Flügel werden.
Das sogenannte Drüsen-, wahrscheinlich das Fortpflanzungssystern, wird in einen engern Raum zusammengedrängt und wahrscheinlich entwickelt. Hierüber künftig nähere Versuche. Es besteht aus farblosen hohlen Fäden, um die hochgelbe Drüsen herum befestigt sind. Letztere zeigen sich unterm Mikroskop als aus unzähligen kleinen runden Körperchen zusammengesetzt.
Vermutung, daß das erste die weiblichen, das zweite die männlichen Organe sind, die sich in jeder Raupe finden; davon aber zuletzt im Schmetterlinge einer oder der andere unterdrückt oder begünstigt wird, wodurch denn die beiden Geschlechter entstehen. Hierüber künftig genau nachzusehen.
Das System, welches entschieden seine Wirkung behauptet und vieles gewinnt, ist das Luftsystem. Am Kopf in der Nähe desselben besonders am dritten und vierten Ring, wo keine Stigmata sind, innerhalb der Vorderfüße geht die große Veränderung vor. Die Flügel stecken zusammengeschlagen in den Vorderfüßen und bilden sich in diesen letzten Zeiten aus den Bronchien, welche sich innerhalb eines gallertartig scheinenden, aber doch festen Häutchens fortbilden und die man bei einer erst ausgekrochenen Puppe durchs Mikroskop sehr gut beobachten kann.
Die letzte Hauptepoche scheint mit großer Schnelligkeit vor sich zu gehen; die bisher zusammengefalteten und eingescheideten Teile werden aus ihren Scheiden hervorgezogen, indem die alte Raupenhaut hinten auf dem Kopfe platzt und das neue Geschöpf hervordringt.
Durch ein bewundernswürdiges organisches Manöver werden die Rüsselteile, die künftigen Hörner und die Flügel herabwärts über den Körper hergestreckt und bedecken die neuen Füße, die wie längliche Warzen an der Brust hängen. Durch dieses Manöver gedachter Organe wird auch ein Teil des im Körper befindlichen Saftes zwischen den Flügeln und dem Oberleib eingeschlossen.
Dieser Saft scheint derselbe zu sein, der in dem übrigen Körper der Raupe in spätern Zeiten, und nun auch der Puppe zurückbleibt, durch den sie einzig ihr Wachstum bewirken mag.
Die Flügel sind in dem Zustande viel kleiner als künftig, aber nicht zusammengefaltet, sondern völlig ausgestreckt.
Wenn die Raupe als ein Wurm von gleichen Teilen erschien, so ist in der Puppe der Ober- und Unterteil voneinander deutlich entgegengesetzt. Die Absonderung des Kopfes vorn Rumpfe und dadurch die völlige Vollendung des Tiers ist der letzten Häutung vorbehalten.