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GG 427
Theophylacti Bulgariae Archiepiscopi in omnes divi Pauli Apostoli Epistolas Enarrationes, iam recens ex vetustissimo archetypo Graeco, per D. Ioannem Lonicerum fidelissime in Latinum conversae. Ad haec Eiusdem Theophylacti in aliquot Prophetas minores compendiaria explanatio, eodem Ioanne Lonicero interprete... Basel: Andreas Cratander März 1540. Fol.
Siebenmal ist Oecolampads 1524 bei Cratander erschienene Übersetzung des Evangelienkommentars des Theophylaktos (GG 426) bis 1540 (insgesamt elfmal) von Cratander und auswärtigen Druckern nachgedruckt worden, bis die 1469 entstandene Übersetzung seines Kommentars zu den Paulusbriefen aus der Feder des Priors von Santa Sabina, Christophorus Porsena, 1477 in Rom und 1518 in Paris noch unter dem Namen des bekannteren Athanasius erschienen, dann unter seinem Namen 1527, 1528, 1529, 1531, 1532 und 1537 bei verschiedenen Druckern in Köln, durch eine neuere ersetzt wurde, die denn auch sofort von den späteren Druckern übernommen wurde, in Paris 1542, 1545 und 1554, dann auch in Antwerpen.
Der neue Übersetzer, der lutherische Theologe und seit 1527 Professor für Griechisch, später daneben auch für Hebräisch, an der Universität Marburg Johannes Lonicerus, der auch weitere Arbeiten in Basel hat drucken lassen, hat sein Manuskript offenbar schon zwei Jahre bevor die Übersetzung dann, wenige Monate vor dem Tod Cratanders, erschienen ist, vollendet gehabt und mit der Widmung verschickt, denn diese datiert von Marburg 1538. Gerichtet ist sie an den König der Dänen, Vandalen, Goten und Norwegens, Herzog von Schleswig, Holstein, Dittmarschen, Grafen von Oldenburg Christiern. Er wage es, ihm, dessen Frömmigkeit er wie Glauben und Nächstenliebe seines Volkes etwas schwülstig lobpreist, die Erstübersetzung des Kommentars des Theopylaktos zu den vier kleinen Propheten und die gänzliche Neufassung seines (um vieles umfangreicheren) Kommentars zu den Paulusbriefen nach einer griechischen Handschrift zu widmen, da Petrus Suavenius aus seinem Gefolge wie der junge Hermann Schel ihm dies empfohlen hätten. Der erste Übersetzer des Briefekommentars, der Römer Porsena, habe sich nicht immer an das Original gehalten und auch manches ausgelassen, sonst wäre seine Arbeit nicht nötig gewesen. Man erkenne es bei einem Vergleich beider Übersetzungen mit dem griechischen Text (dieser erschien dann im Druck erst 1636 in London, der hier mitübersetzte Hoseaskommentar erst 1702 in Helmstedt, eine Gesamtausgabe der dannzumal greifbaren Schriften sogar erst 1754-1763 in Venedig).
Auf der Rückseite des letzten Textblatts dieser Ausgabe ist ein Privileg Kaiser Karls V. für den Drucker von Genua, 13. November 1536, in vollem Wortlaut abgedruckt, das sich speziell auf seine Kirchenväterdrucke bezieht: Chrysostomus, Theophylactus und Cyrillus. Zusammengefasst lautet es: Für die Verdienste Cratanders um Beiziehung von Gelehrten, die der drei Sprachen (d.h. Latein, Griechisch und Hebräisch) kundig seien, um die Übersetzungen des Chrysostomus, Theophylactus und Cyrillus und ihre Drucke verbiete er, um ihn vor Nachteilen zum Vorteil derer, die diesen Aufwand selber gescheut hätten, zu bewahren, jedem von Cratander selber oder in seinem Auftrag erschienene Erstdrucke und von Gelehrten bearbeitete Neuauflagen, soweit sein Hoheitsgebiet reiche, in Einzel- oder Sammelausgaben innert sechs Jahren nachzudrucken oder anderswoher einzuführen, bei Strafe von zehn Goldmark und Einziehung aller Exemplare bei ihm und allen daran beteiligten Buchhändlern. - Unser Druck könnte der letzte zu Lebzeiten des Druckers in seiner Offizin erschienene sein.
Rc 88
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Signatur: Rc 88