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Auslieferung an China durch Hongkong kann auch Ausländer betreffenSchreiben Sie einen Kommentar
«Es sind nicht nur die Hongkonger, deren Schicksal hier auf dem Spiel steht.» So die Warnung des renommierten China-Experten, Jerome Cohen.
Das Gesetz würde Hongkongs Behörden erlauben, von Chinas Justiz verdächtigte Personen auszuliefern. Der US-Jurist sah Auswirkungen auch auf andere Länder: «Selbst Personen, die durch eine dritte Jurisdiktion nach Hongkong ausgeliefert werden, könnten nach China weiter überstellt werden.» Um das zu verhindern, müssten die Länder ihr Auslieferungsabkommen mit Hongkong ändern. Deutschland hat mit Hongkong eine Auslieferungsvereinbarung, aber nicht mit China.
Wenn also beispielsweise Deutschland als Drittland einen mutmasslichen Straftäter nach Hongkong ausliefert, könnte China die Überstellung beantragen, weil er vielleicht auch in China wegen etwas anderem angeklagt werden soll. Will Deutschland das nicht, müsste das eigens in der bestehenden Auslieferungsvereinbarung festgehalten werden.
Cohen, ein Kenner des chinesischen Justizsystems, wies auf grosse Defizite und Missbrauch in China hin. «Selbst formelle, autorisierte Festnahmen sind häufig von physischer und mentaler Folter gekennzeichnet, die oft dazu führt, dass Verdächtigte im Fernsehen «gestehen», noch bevor sie angeklagt sind.» Vielfach werde ein rechtzeitiger Zugang zu einem Anwalt oder überhaupt ein juristischer Beistand freier Wahl verweigert.
«Prozesse in heiklen Fällen sind normalerweise eine Farce», sagte Cohen. «Haftbedingungen sind häufig abscheulich.» Das führe dazu, dass einige Beschuldigte ein Geständnis abgeben, um besser untergebracht zu werden. «Menschenrechtsanwälte bekommen häufig die Lizenz entzogen, werden inhaftiert oder anderweitig kaltgestellt.»