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Fort Myers ist eine schöne, etwas verschlafene Stadt mit rund 65‘000 Einwohnern im Südwesten Floridas. War die Stadt früher vor allem eine Sommerresidenz wohlhabender US-Bürger – man kann heute noch die benachbarten Villen des Autobauers Henry Ford und des Erfinders Thomas Edison besuchen (Link) – ist sie heute zudem ein beliebtes Ziel bei Touristen. Genauer gesagt zieht es die Touristen aber meist auf die der Stadt vorgelagerten Inseln Sanibel, Captiva oder Fort Myers Beach – oder allenfalls in die für ihre Mietvillen bekannte Ortschaft Cape Coral.
Während die genannten Inseln gleich wie andere der Küste vorgelagerten Inseln Floridas über traumhafte Strände, viel Natur und viele Wildtiere sowie zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten bieten, so stechen sie doch aus einem Grund heraus: Vor allem in Sanibel und in Captiva kann man wunderbar Muscheln sammeln. Einige Touristen kommen sogar eigens dafür in die Region.
Im Prinzip bestehen beide Inseln fast vollständig aus Muscheln. Aber warum gibt es hier mehr Muscheln als anderswo? Das hat mit der besonderen Geographie der Inseln und mit Meeresströmungen zu tun: Der Verlauf der Strömung aus dem Golf von Mexiko verläuft meist von Süden nach Norden; während die meisten Inseln im Westen Floridas parallel zur Strömung verlaufen, wirkt die West-Ost-Ausrichtung von Sanibel, mitsamt einer sehr seichten Steigung der Kontinentalplatte, wie eine Schaufel. So werden zahllose Muscheln unbeschädigt an die Strände von Sanibel, aber auch von Captiva, Fort Myers Beach oder abgelegenen Inseln ohne Brückenzugang, wie etwa North Captiva oder Cayo Costa, angespült. Darüber hinaus bieten die warmen Golfgewässer den Weichtieren ideale Fortpflanzungsmöglichkeiten.
Die gebückte Haltung namens «Sanibel Stoop»
An jedem Tag des Jahres wird man an den Stränden von Sanibel und Captiva Menschen sehen, welche gebückt und konzentriert nach den schönsten Muschelexemplaren suchen. Hier spricht man vom «Sanibel Stoop», wobei «stoop» im Englischen soviel wie «gebeugte Haltung» bedeutet. Also ein eigener Begriff für das Verhalten beim Muschelsuchen!
Das Schöne am Muschelsuchen: Manchmal hat es nur wenige Muscheln, manchmal findet man eine bestimmte gewünschte Muschelart nicht, manchmal hat es Muscheln im Überfluss. Es gibt sogar spezielle Bootscharter, welche Interessenten an Orte bringt, welche weniger frequentiert sind und wo man besonders gute Chancen hat, unversehrte oder seltene oder besonders schöne Muscheln zu finden. Dabei wird meistens in der Dämmerung und bei Ebbe losgefahren. Die «Muschelführer», wovon es in der Gegend rund 40 bis 50 gibt, kennen alle besten Orte.
Wer auf Nummer sicher gehen will, kann allenfalls auch in Läden vorbeischauen. Bekannt und beliebt ist etwa das Lokal «She Sells Sea Shells». Es gibt rund 50 bis 80 leicht erkennbare Muscheln an den Stränden von Fort Myers Beach, Sanibel und Captiva. Insgesamt kann man jedoch 400 Muschelarten finden. Den besten Überblick erhält man an der alljährlich im März stattfindenden «Sanibel Shell Fair & Show», welche dieses Jahr bereits zum 80. Mal stattfand. Wer sich seriös auf die Muschelsuche vorbereiten will, sollte vielleicht zuerst das Bailey-Matthews Shell Museum besuchen. Es besitzt die grösste Muschelsammlung in Nordamerika und hat vor kurzem sein Angebot um ein umfassendes Web-basiertes System erweitert. [Text geht unter dem Bild vom Strand in Sanibel weiter...]
Kein Wunder also, hat «USA Today» das Muschelsuchen auf Sanibel auf Rang 7 der besten Attraktionen Floridas gesetzt. Falls auch Sie am Muschelsuchen interessiert sind, haben wir noch die weiteren wichtigsten Infos zusammengetragen:
Welches sind die besten Orte zum Muschelsuchen?
Vom Leuchtturm von Sanibel ganz im Osten bis zum Nordende Captivas sind eigentlich alle dem Golf von Mexiko zugewandten Strände ideal für die Muschelsuche geeignet. Als Faustregel gilt, dass beim Leuchtturm, also im Süden und Osten, eher kleinere Muscheln zu finden sind als ganz im Norden. Einen besonders guten Ruf hat die Bowman’s Beach am nordwestlichen Ende von Sanibel. Einen Überblick über die Strände von Sanibel und Captiva gibt es unter diesem Link.
Wann lohnt sich die Muschelsuche?
Suchen kann man das ganze Jahr über. Die besten Bedingungen gibt es bei Ebbe, insbesondere bei Voll- und Neumond. Auch nach Stürmen lohnt sich die Suche, weil dann in der Regel viele neue Muscheln an die Strände gespult wurden.
Wie wird gesucht und was ist erlaubt?
Ein Kessel und eine Schaufel reichen. Schuhwerk ist empfehlenswert, weil es so viele Muscheln gibt… Es gibt zwar keine Limite, wie viele Muscheln man mitnehmen darf. Allerdings gibt es eine wichtige Regel zu beachten: Lebende Muscheln, also solche mit einer Muschel oder einem anderen Lebewesen darin, dürfen in ganz Florida nicht gesammelt werden. Auch die «Sand Dollars», Seesterne und Seeigel sind, sofern lebendig, geschützt. Also bitte nur leere Muschelschalen mitnehmen.
Einen kleinen Überblick dazu, was man so alles finden kann, bietet das folgende Video: