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«Fuck you Putin», «Fuck Russia», «Russia go home» – die Wände in Tiflis sind voll mit solchen Graffitis. Sie seien ein Grund dafür, warum er sich nicht immer wohl fühle in Georgien, erzählt Alexandr Plotnikov. Wir sind auf dem Weg zu seinem Lieblingsort in Tiflis: eine Galerie mit einer Bibliothek. Da, umringt von Fotos und Büchern, findet er Zuflucht. Es sind Bücher berühmter Fotografen. In Russland war er selbst ein erfolgreicher Fotograf – in Georgien hat er schon länger keine grossen Aufträge mehr erhalten. Das Leben in Tiflis ist schwierig für ihn.
Alexandr ist in St. Petersburg aufgewachsen. Nach der Schule hat er ein Studium begonnen – dieses jedoch wieder abgebrochen. Stattdessen hat er sich selbst alles beigebracht: zu fotografieren, zu drehen und Regie zu führen. Er hatte berühmte Tänzerinnen und Choreografen vor der Linse und hat für bekannte Mode-Marken fotografiert. Seine Bilder wurden zum Beispiel im Mode-Magazin «Elle Kasachstan» veröffentlicht.
Er kam im September 2022 in die georgische Hauptstadt – kurz nach der Teilmobilmachung durch Putin. So wie Alexandr sind mehr als 100’000 Russinnen und Russen nach Georgien geflüchtet. Seitdem sind die Mietpreise um bis zu 40% gestiegen. Die Einheimischen, die oft ein viel geringeres Einkommen haben als Russinnen und Russen, leiden darunter. Aber nicht nur deshalb herrscht Misstrauen im Land. Vielen Georgierinnen und Georgiern ist noch sehr präsent, dass russische Truppen im Kaukasuskrieg 2008 fast bis zur Hauptstadt vorgerückt sind. Hinzu kommt, dass russische Truppen nach wie vor in Südossetien und Abchasien stationiert sind.
Ein schwieriger Entscheid
«Die derzeitige Situation zwischen Russland und der Ukraine hat viel Kummer und Leid gebracht und zerstört weiterhin die Zukunft der Menschen. Ich möchte, dass diese Hölle aufhört,» sagt Alexandr. Da er an Asthma leidet, wurde er als Jugendlicher von der Wehrpflicht in Russland befreit. Als Präsident Putin im September 2022 die Teilmobilmachung ankündigte, hatte er Angst, trotz seiner Krankheit in den Krieg ziehen zu müssen. «Es fiel mir sehr schwer, mein Land zu verlassen», sagt der 33-jährige. Alexandr beschloss, nach Georgien zu gehen, weil seine Freunde bereits dort waren, und er bei ihnen Unterschlupf finden konnte. In Georgien hat er bereits einige Regionen besucht. Er liebt die schöne Natur und das gute georgische Essen. Doch sein Herz sei gebrochen. Dank der Fotografie könne er seine Gefühle ausdrücken.
Der Russe lebt nun seit gut einem Jahr in Tiflis. Er arbeitet Teilzeit in der Kommunikation einer russischen Firma. Es gehe ihm gut, verglichen mit seinen Freunden, die allerlei Jobs machen müssten, um zu überleben. Trotzdem fehlt ihm etwas. Er kann nur noch selten seiner Leidenschaft nachgehen. Er bekomme viele Aufträge für Fotoshootings, müsse jedoch alle ablehnen, da er nicht vor Ort sei. In Georgien sei der Markt viel kleiner und Firmen würden lieber einheimische Fotografen engagieren. «Für mich ist es auch sehr schwierig, neue Freunde zu finden», sagt er etwas traurig. Er möchte gerne weg. Hofft, ein Visum für Frankreich zu bekommen. Dort sei der Markt für kommerzielle Fotoshootings grösser, und er hofft, wieder als Fotograf arbeiten zu können. «Mein grösster Wunsch ist es jedoch, bald wieder in meine Heimat zurückkehren zu können».