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Am 7. Mai 2006 hat WeiachBlog die ketzerische Frage gestellt (vgl. Artikel Nr. 184), ob die in der Literatur erwähnten Glockensprüche überhaupt auf den Glocken drauf seien. Antwort: Der verstorbene Sigrist Werner Attinger hatte recht. Auf den Glocken sind wirklich Sinnsprüche (auch Glockengedichte genannt) zu finden.
Weiter wurde im selben Artikel die Frage aufgeworfen, ob die Fassung von Marcel Hintermann in seinem Büchlein «Rund um Kaiserstuhl» aus dem Jahre 1955 den Text der Glockensprüche korrekt wiedergibt. Oder doch eher die am 6. Mai 2006 vorgestellte Fassung von Emil Maurer (vgl. WeiachBlog Nr. 183) in «Die Kirche zu Weiach» aus dem Jahre 1965.
Am 7. September 2006 machte ich dann den lapidaren Vermerk: «Mittlerweile ist die Frage nach den Glockensprüchen gelöst», versäumte es aber, gleich auch die korrekte Antwort mitzuliefern (vgl. WeiachBlog Nr. 271).
Nachdem die Inschriften auf den Glocken in der 2006 publizierten Broschüre zum 300-Jahr-Jubiläum der Kirche fehlen (der beschränkte Platz forderte eine Auswahl) sei dies hiermit - Jahre später - endlich nachgeholt.
Das Fazit nach einem persönlichen Augenschein im Glockenstuhl lautet: Keiner der beiden hat die Inschriften wirklich korrekt abgedruckt. Maurer liegt der Wahrheit immerhin näher als Hintermann.
Zusätzlich zu den - wie auf den Originalen in Grossbuchstaben wiedergegebenen - Glockensprüchen ist nachfolgend auch eine Beschreibung der übrigen Inschriften und Verzierungen der Glocken beigefügt.
Grosse Glocke – Nr. 1
Beschreibung
Unter sechszackigem, facettiert erhabenem Weiacherstern, der von einem runden Lorbeerkranz (?) umgeben ist, die Inschrift «DER LÖBLICHEN GEMEINDE WEYACH», welche von zwei Eichenzweigen eingerahmt ist (eindeutig, wg. Blattform und Eicheln):
Auf der Glocke sind ausserdem auf der Chorseite und der Schiffseite je zwei Figuren, ein Mann im Wintermantel mit Pelzkragen und Pelzmütze und eine Trachtenfrau mit Hut abgebildet:
Glockenspruch
WO IMMER WIRD MEIN TON ERSCHALLEN,
SOLL IEDER GERN ZUM TEMPEL WALLEN,
WO GOTTES WORT REIN WIRD VERKÜNDET,
DIE SEELE TROST UND LABUNG FINDET.
Gewicht 690 kg
Mittlere Glocke – Nr. 2
So genannte Betzeitglocke.
Beschreibung
Eichenzweige mit kleinem Weiacherstern in der Mitte
Glockenspruch
BIST MÜDE VON DER ARBEIT DU,
SO LADE ICH DICH EIN ZUR RUH,
UND WENN DANN FROH DER TAG ERWACHT,
MEIN RUF DICH WIEDER MUNTER MACHT.
O MENSCH ! GEDENK ZU IEDER FRIST,
DASS DU IN GOTTES HÄNDEN BIST.
Gewicht 340 kg
Kleine Glocke – Nr. 3
So genanntes Totenglöcklein.
Beschreibung
Nur Weiacherstern mit rundem Lorbeerkranz.
Weiter findet man auf der Glocke die Herstellerbezeichnung:
GEGOSSEN
VON
JAKOB KELLER
IN UNTERSTRASS
Glockenspruch
DU EILEST IETZ DER HEIMAT ZU,
IN DEINE EW’GE HIMMELSRUH,
WO DEIN HEILAND IESUS CHRIST,
EWIG NUR DEIN ALLES IST.
Gewicht 195 kg
[Fotos eingestellt am 27. Juli 2015]