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- Heute tritt der neugewählte US-Kongress zu seiner ersten Sitzung in Washington zusammen.
- Haupttraktandum ist die Wahl der oder des neuen Parlamentsvorsitzenden.
- Als Sprecherin des Repräsentantenhauses ist erneut Nancy Pelosi gewählt.
Pelosi ist damit nicht nur die erste Frau, die ins dritthöchste Amt der USA gewählt wurde – sie ist auch eine der wenigen, die die Wahl ein zweites Mal schaffte.
Kritiker auch in den eigenen Reihen
Die 78-Jährige gilt als gewiefte Strippenzieherin und effiziente Macherin. Das kommt nicht überall gut an. Pelosi gilt als Lieblingsfeindin der Republikaner. Doch auch demokratische Kandidaten hielten bei den jüngsten Zwischenwahlen Distanz zu Pelosi.
Im November 2018 drohten gut zwei Dutzend demokratische Kongressmitglieder damit, nicht für Nancy Pelosi als Sprecherin des Repräsentantenhauses zu stimmen. Doch sie holte die Aushängeschilder der jungen Progressiven wie Alexandria Ocasio-Cortez geschickt zurück ins Boot. Der Widerstand gegen die 78-jährige Doyenne der Demokraten sackte so rasch in sich zusammen.
Den Vorwurf, sie sei zu alt, wischte sie mit einem Lachen zur Seite: Mitch McConnell, der fast gleichaltrige republikanische Mehrheitsführer im Senat werde nie nach seinem Alter gefragt, parierte Pelosi eine Journalistenfrage.
Im Visier der Kritiker sind regelmässig auch ihr Vermögen, ihre Designerkleider und ihre mutmasslichen Schönheitsoperationen. Nancy Pelosi nimmt es gelassen: «Wenn du als Frau wirksam und erfolgreich bist, dann bist du eine Bedrohung und wirst zur Zielscheibe, wie sonst nur Präsidentschaftskandidaten.»
Pelosi brachte Fraktion auf Linie
Nancy Pelosi werde wohl in die Geschichte eingehen als eine der wirkungsvollsten Kongress-Führerinnen, lobte Ex-Präsident Barack Obama im letzten November. Zu ihren Qualitäten gehörten Beharrlichkeit, Ausdauer, Weitsicht und die Bereitschaft unpopuläre Entscheidungen zu treffen.
In ihrer ersten Zeit als «Speaker of the house», während der Präsidentschaft Obamas, ist es ihr immer wieder gelungen, die demokratische Fraktion auf Linie zu bringen. Ohne Nancy Pelosi wäre vor knapp zehn Jahren zum Beispiel die Gesundheitsreform (Obamacare) im Kongress stecken geblieben.
Nancy Pelosi ist mit Politik aufgewachsen. Ihr Vater sass einige Jahre im US-Kongress und war Bürgermeister von Baltimore, später wurde auch ihr älterer Bruder Bürgermeister. Pelosis Vorbild war aber ihre Mutter, erklärte sie vor zwei Monaten einer CNN-Journalistin.
Das Rüstzeug für die Politik holte sie sich als Mutter
Der Gedanke, selber für ein politisches Amt zu kandidieren sei ihr erst mit 47 gekommen, als sie bereits 5 Kinder grossgezogen hatte. Die Fähigkeiten, die sie heute auszeichneten, habe sie sich vor allem als Mutter angeeignet: zuhören, vermitteln, organisieren und die Zeit effizient nutzen.
Wir haben ein Problem mit den Demokraten, weil Nancy Pelosi das Sagen hat.
Heute sagt Nancy Pelosi, dass sie die politische Auseinandersetzung liebe, vom Wettstreit beflügelt werde. Im Streit um den teilweisen Verwaltungsstillstand, den Shutdown, ist sie es, die im demokratischen Lager das Sagen hat. Das anerkannte vor Weihnachten selbst Präsident Donald Trump: «Wir haben ein Problem mit den Demokraten, weil Nancy Pelosi das Sagen hat.»
Viele halten Nancy Pelosi für arrogant, wenn sie Dinge sagt wie: «Niemand ist unersetzlich, einige machen bloss ihren Job besser als andere.»
Sie sage solche Dinge um den Frauen eine wichtige Botschaft zu vermitteln: «Lasst euch nicht herumkommandieren und geht der Auseinandersetzung nicht aus dem Weg.»