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Diese Magie hat sich unter anderem die Kriminalistik zu Nutzen gemacht. Bei der Aufklärung von Verbrechen haben sie eine ganze Palette von Zaubertricks, die auf wundersame Art neue Hinweise auf den Täter geben. Einer dieser Zaubertricks lässt unsichtbare Blutflecken neu erstrahlen.
Dieses Kunststück nennt sich Luminolnachweisreaktion. Mit Hilfe dieser Reaktion ist es möglich, unsichtbare Blutflecken, sogenannte latente Blutspuren, wieder sichtbar zu machen. Dabei sprüht ein Kriminaltechniker eine Luminolmischung auf eine Oberfläche, auf welcher er Blut vermutet. Dunkelt er den Raum danach ab, erstrahlen gewisse Stellen hellblau. An diesen Stellen befindet sich Blut, welches für das Auge nicht mehr sichtbar ist. Die vermeintliche Magie dieses Vorgangs liegt hierbei in einer chemischen Reaktion, die Oxidation genannt wird.
Abrakadabra und Simsalabim
Um diese Reaktion zu verstehen, muss der Aufbau eines chemischen Stoffes betrachtet werden. Etwas vereinfacht beschrieben, gibt es chemische Stoffe aus Atomen, die wiederum aus sogenannten Elementarteilchen – den Elektronen, Neutronen und Protonen – bestehen. Bei einer Oxidation gibt ein chemischer Stoff ein oder mehrere Elektronen (Elementarteilchen) an einen anderen ab. Eine Oxidation ist also ein Elektronenverlust des reagierenden Stoffes.
Bei der Luminolnachweisreaktion ist das Luminol und Wasserstoffperoxid an der Oxidation beteiligt. Diese beiden Stoffe werden vorgängig im Labor miteinander vermengt. Dabei kommt es zu der besagten Oxidation: Das Luminol gibt Elektronen an das Wasserstoffperoxid ab. Diese Reaktion findet allerdings sehr langsam statt.
Der doppelte Boden
Nun kommen die latenten Blutspuren mit ins Spiel. “Das Luminol reagiert mit dem Hämoglobin im Blut, durch diese Reaktion leuchtet das Luminol hellblau”, erklärt Dominique Vindayer. Er arbeitet beim kriminaltechnischen Dienst Bern (KTD) als Kriminaltechniker, wo er im Bereich des Labors tätig ist und die Fachgruppe Bio- und Mikrospuren leitet. Das Eiweiss Hämoglobin ist für die rote Farbe des Blutes verantwortlich und enthält einen Eisenkomplex, der aus Eisenionen besteht. Diese wirken als Katalysator, das sind Stoffe, welche die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion beeinflussen und sich dabei nie abnutzen. In diesem Fall beschleunigt er die Oxidation des Luminols. Die Energie, welche durch die Reaktion freigesetzt wird, ist elektromagnetisch und im Bereich des sichtbaren Spektrums. Dadurch kann ein hellblaues Leuchten während der Reaktion beobachtet werden.
Schwierigkeiten
Eine magische Wunderwaffe gegen das Verbrechen ist die Luminolnachweisreaktion dennoch nicht. Die Reaktion hat einige Schwachstellen. Vindayer erläutert die Nachteile im praktischen Alltag an einem Tatort: “Das Problem dieser Reaktion ist, dass alles abgedunkelt werden muss. Das Leuchten, die Chemilumineszenz, ist nur bei vollkommener Dunkelheit sichtbar. Zudem dauert die Reaktion nur etwa eine halbe Minute. In dieser Zeit muss das Ganze fotografisch festgehalten werden.« Ein weiteres Problem der Luminolnachweisreaktion sei, dass nicht nur Hämoglobin als Katalysator wirkt. Auch andere Substanzen, wie zum Beispiel bestimmte Waschmittel, können unter besonderen Umständen eine positive Reaktion liefern. Seit der Entdeckung 1937 durch den deutschen Kriminologen Walter Sprecht, hat sich die Kriminalistik stark gewandelt. Mittlerweile seien andere Spuren wichtiger. “DNA ist heute eine der wichtigsten Spuren in Delikten”, erklärt Vindayer. Jedoch habe die Luminolnachweisreaktion immer noch ihren Platz bei Ermittlungen: “Die Luminolreaktion ist eine Art Vortest. Sie dient der Lokalisierung des Blutes. Danach kann mit einer DNA-Analyse nachgewiesen werden, ob es sich tatsächlich um menschliches Blut handelt.”
Die Luminolreaktion ist also der Kartentrick einer Ermittlung, der Einstieg in eine gelungene Zaubershow, deren Höhepunkt die Verhaftung des Täters bildet. Ein Kartentrick, hinter dem keine Magie steckt sondern Chemie.
Lies hier das ganze Interview mit dem Kriminaltechniker Vindayer.