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Bei der Muschel vom Lac Flouz handelt es sich um eine Süsswassermuschel, die durchschnittlich 4 bis 8 cm gross und 20 Jahre alt wird. Es wurden allerdings auch schon Exemplare gefunden, die 24 cm gross waren und solche, die 250 Jahre alt gewesen sein sollen. Von der Form her gleicht Margaritifera blagbellia der Miesmuschel (Mytilus edulis) – sie ist jedoch eher mit der Teichmuschel (Anodonta cygnea) oder mit der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) verwandt. Die charakteristische, leuchtend grünliche Farbe an den Rändern der Schale soll von einem Plankton herrühren, das im Lac Flouz stark verbreitet ist. Jüngere Muscheln haben eine dünne, glatte und eher zerbrechliche Schale, die jedoch mit zunehmendem Alter dickwandiger und schrundiger wird.
Die Muschel vom Lac Flouz vermehrt sich nach einem relativ komplizierten System. In speziellen Kiementaschen der weiblichen Muschel reifen aus Eiern zweiklappige Larven heran (sogenannte Glochidien). Sind diese mikroskopisch kleinen Larven reif, muss als Wirt die Forelle vom Lac Flouz her (eine Art Bachforelle). Für diese ‹Übergabe› bedient sich die Muschel eines raffinierten Tricks. Mit Hilfe eines speziellen Gliedes mimt sie einen kleinen Fisch, um so als potenzielle Beute den Räuber anzulocken – kommt die Forelle in die Nähe, wird ihr Mund mit den kleinen Larven vollgespritzt. Kaum haben die Glochidien das Kiemengewebe des Fisches berührt, klappen sie ihre Schalen zu und halten sich fest. Der Fisch reagiert auf die dabei entstehende Wunde und es bildet sich innerhalb von Stunden eine Zyste, dank derer die Muschel nun fest mit dem Leib des Fisches verbunden ist. Innerhalb von einigen Monaten wandeln sich die sehr einfach gebautenGlochidien zu Jungmuscheln um und ihre Grösse verzehnfacht sich. Nun fallen die Muscheln vom Fisch ab und graben sich für etwa fünf Jahre im Seegrund ein. Ausgewachsen sitzen dieMargaritifera blagbellia in Kolonien auf dem Seegrund – während ihr Vorderteil im Sediment eingegraben ist, schaut ihr Hinterteil heraus. Da die Muscheln ihr Hinterteil stets in gleicher Weise nach der Strömung richten, sieht eine Kolonie von Margaritifera blagbellia aus wie ein grosses Stück Zwetschgenkuchen.
Die eher komplizierte Vermehrung der Margaritifera blagbellia funktioniert nur in einem ökologisch intakten Umfeld. Das ist mit ein Grund dafür, dass der Lac Flouz schon vor Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.
Perl-FundeIn sehr seltenen Fällen wurden in den Muscheln vom Lac Flouz auch schon Perlen gefunden. In den 1960er Jahren provozierte ein solcher Perlfund gar eine wahrhaftige Goldgräberstimmung auf Santa Lemusa – einige Wochen lang tauchten Männer, Frauen und vor allem Kinder mit fiebrigen Augen nach der Muschel. Die Ausbeute war jedoch eher mager und so verebbte die Begeisterung nach einiger Zeit. Eine wichtigere Rolle spielen die Muscheln in der Gastronomie der Insel – bis zu einem gewissen Alter werden sie als Delikatesse in den verschiedensten Zubereitungen gereicht. Margaritifera blagbellia ist auch teil eines berühmten Eintopfes, der auf ein indianisches Rezept zurückgeht und Pwèl Bokai oder Pwèl di Lac Flouz genannt wird. Eine Muschel mit einer roten Innenseite, wie sie in der Geschichte von «Bokai und der Traummuschel» vorkommt, wurde allerdings bis heute nicht entdeckt.
Wissenschaftlich: Margaritifera blagbellia (benannt nach dem Arzt Lucien Blagbelle)
First Publication: 8-2007
Modifications: 15-2-2009, 9-10-2011