Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03637.jsonl.gz/1383

In Langnau im Emmental entwickelte sich im 17. Jahrhundert eine bedeutende Keramikproduktion, die besonders durch die über mehrere Generationen tätige Hafnerfamilie Herrmann geprägt wurde. Aus der Werkstatt des Johannes Herrmann (1754–1820) stammt diese Zuckerdose, die sich in eine Vielzahl von Zuckerdosen unterschiedlichster Formen einreiht. Diese Dosen verschönerten neben Schalen und Tellern die Stuben und Festtafeln einer gut situierten ländlichen Ober- und Mittelschicht im Emmental.
Insgesamt haben sich bis heute über 100 dieser dreifüssigen Dosen aus Langnau erhalten. Diejenigen aus der Werkstatt von Johannes Herrmann weisen charakteristische Füsschen, gekerbte Ringgriffe und tordierte Vertikalgriffe mit seitlichen Blättchen auf, die sich von den übrigen Werkstätten unterscheiden. Als Deckelgriffe erscheinen bandförmige Volutengriffe mit unterschiedlichen Vögelchen, die entweder auf einem Spitzenknopf oder in einem Nest aus vier dicken, gekerbten Blättern sitzen wie im vorliegenden Fall. Grossflächige weisse Punktierungen mit dem Malhörnchen sind typisch. Sie können mit weiteren Mustern wie Punktrosetten oder ein- bzw. zweifarbigen Kreisen kombiniert sein. Die kleine Zuckerdose ist so ein Zeuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der ländlichen Regionen im Kanton Bern, der bereits um 1800 eine stolze, selbstbewusste und gebildete Mittel- und Oberschicht hervorbrachte, für die der Genuss von Kaffee mit Rahm und Zucker eine alltägliche Selbstverständlichkeit war. (Andreas Heeg und Franziska Müller-Reissmann)