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Ende der Siebzigerjahre konnten nicht mehr alle Musik-interessierten Kinder und Jugendlichen von Münsingen in den umliegenden Musikschulen unterrichtet werden.
Guter Rat war teuer! Am 31. August 1979 gelangte deshalb eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Jean-Pierre Frésard mit einem Gesuch um finanzielle Unterstützung für eine zu gründende Musikschule an den Gemeinderat von Münsingen.
Am 16. Oktober 1979 gründete die Arbeitsgruppe den „Verein Musikschule Münsingen“. Ihr erster Präsident war Herbert Fischer. Der Mitgliederbeitrag betrug damals wie heute Fr. 20.–.
Die Gemeindeversammlung von Münsingen sicherte am 17. Dezember 1979 einen jährlichen Gemeindebeitrag von Fr. 20’000.– und eine befristete Defizitgarantie von Fr. 30’000.– zu. Der Verein musste die Defizitgarantie bereits im ersten Betriebsjahr in Anspruch nehmen!
Im Januar 1980 wurde Werner Schmitt als Leiter der Musikschule gewählt und im April 1980 nahm die Musikschule mit 311 Schülerinnen und Schülern (statt der geplanten 200!) und 36 Lehrpersonen den Betrieb auf.
Am 3. Mai 1980 fand die Eröffnungsfeier in der Aula der Sekundarschule Münsingen statt. Die Festansprache hielt der damalige Direktor des Konservatoriums Bern, Urs Frauchiger. Die Rede mit dem Titel „Von Kunst und Kartoffeln“ erschien später in seinem Bestseller „Was zum Teufel ist mit der Musik los?“. Das Orchester Münsingen unter der Leitung von Hans Gafner sorgte für die musikalische Umrahmung.
Es ist bewundernswert, wie viel Herzblut und Engagement in die Entwicklung der Musikschule flossen. Die Gründergeneration stiess am Anfang auf viel Skepsis („Brauchen wir eine Musikschule?“) und musste sich mit etlichen Widerständen auseinandersetzen. Viel Überzeugungsarbeit musste geleistet werden, Improvisation und Durchhaltewille war das Gebot der Stunde!
Im angeregten Gespräch mit Werner Schmitt, dem ersten Schulleiter, und Rosmarie Nydegger, die das Sekretariat übernahm, werden Erinnerungen wach. Das Büro befand sich im Untergeschoss des Privathauses von Rosmarie Nydegger. Begonnen wurde mit einer elektrischen Schreibmaschine, einem Block Papier und einem Bleistift. Telefoniert wurde noch über den Privatanschluss der Sekretärin. Das Lohnwesen wurde vom damaligen Vereinskassier, Herbert Egger, betreut.
In den Anfängen waren die Lehrpersonen stark auf sich alleine gestellt: Gemeinsame Begegnungsorte gab es nicht; man sah sich einmal pro Semester an der Lehrpersonenkonferenz. Die Lehrpersonen unterrichteten bei sich zu Hause oder in von Privatpersonen zur Verfügung gestellten Räumen. Stellte jemand sein Wohnzimmer, das über ein Klavier verfügte, zum Unterricht zur Verfügung, wurde das von der Musikschule mit einer jährlichen Klavierstimmung abgegolten. Es kam sogar vor, dass der Geigenunterricht mangels verfügbarer Räume im Gasthof Ochsen stattfand!
Die Bezahlung der Lehrpersonen und des Verwaltungspersonals war in den Anfängen nicht mit dem heutigen Niveau vergleichbar. 1985 wurde das kantonale Musikschuldekret in Kraft gesetzt, welches die Beiträge des Kantons Bern und der beteiligten Gemeinden an die anerkannten
Musikschulen regelte. Damit wurde erreicht, dass qualifizierte Lehrpersonen angemessen besoldet werden konnten, ohne dass die Schulgelder zu hoch angesetzt werden mussten.
1998 schloss der Verein mit den Gemeinden Rubigen, Ober- und Niederwichtrach sowie Heimberg Leistungsverträge ab, womit diese Gemeinden zusammen mit Münsingen zu den Stützen der Musikschule wurden. Sie erhielten dafür ein Mitspracherecht in der Musikschulkommission.
Im Jahre 2008 wurde der Name Musikschule Münsingen in Musikschule Aaretal geändert. Damit wurde zum Ausdruck gebracht, dass die Musikschule nicht nur eine Institution allein der Gemeinde Münsingen ist, sondern eine Bildungsstätte für Musikerziehung, die von den meisten Gemeinden des Aaretals mitgetragen wird.
Mit dem Musikschulgesetz von 2012 wurde die Position der Musikschulen im Kanton Bern noch einmal gestärkt.
2019 erfolgte die bisher letzte Umstrukturierung der Musikschule Aaretal. Der Verein Musikschule Aaretal wurde in den Förderverein Musikschule Aaretal übergeführt, die beteiligten Gemeinden schlossen sich zum Trägerverein Musikschule Aaretal zusammen. Der Vorstand dieses Vereins ist das strategische Organ der Musikschule und übt die Aufsicht über deren Tätigkeit aus. Ebenfalls 2019 wurde die Musikschule Aaretal mit dem Qualitätsmanagementsystem «quarte Open Label» zertifiziert. Aktuell unterrichten an unserer Musikschule 43 Lehrpersonen gegen 600 Schülerinnen und Schüler. Unterrichtet wird in Münsingen, Heimberg, Rubigen und Wichtrach in insgesamt 35 Unterrichtsräumen.
Urs Weibel, Schulleiter