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Informatik-Olympiade offenbart: Schweiz weit abgeschlagen13. Juli 2010 um 11:19
Bisher hat das noch immer vernachlässigte Informatik-Ausbildungsangebot an Schweizer Gymnasien den hiesigen Teilnehmern der internationalen Wissenschaftsolympiaden im Fach Informatik keine Chance auf einen Spitzenplatz gelassen.
Bisher hat das noch immer vernachlässigte Informatik-Ausbildungsangebot an Schweizer Gymnasien den hiesigen Teilnehmern der internationalen Wissenschaftsolympiaden im Fach Informatik keine Chance auf einen Spitzenplatz gelassen.
Ob es an dem diesjährigen Wettbewerb, der im August im kanadischen Waterloo über die Bühne geht, anders sein wird, muss sich erst noch zeigen. Doch der mit der fachlichen Betreuung der vier teilnehmenden Schweizer Jugendlichen unter 20 Jahren betraute Lehrstuhl für Informationstechnologie und Ausbildung von Prof. Juraj Hromkovic an der ETH Zürich macht wenig Hoffnungen auf einen Goldmedaillenplatz.
In den Jahren 2007 bis 2009 haben zwar begabte Jugendliche aus unserem Land an der internationalen Informatikolympiade (IOI) insgesamt drei Silber- und drei Bronzemedaillen gewonnen. Doch ist das nur insofern eine hervorragende Leistung, weil es an den hiesigen Gymnasien kein Pflichtfach zu den Grundlagen der Informatik gibt. "Unsere Mittelschülerinnen und Mittelschüler sind gegenüber den Teilnehmenden aus vielen anderen Staaten benachteiligt", schreibt denn auch Herbert Bruderer, Medienbeauftragter des Lehrstuhls von Prof. Juraj Hromkovic.
Schweiz gehört nicht zu den 33 Besten
Bruderer hat jetzt erstmals die Ergebnisse der letzten zehn Jahre dieser Wettspiele ausgewertet und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Bei den Goldmedaillen liegt die Schweiz weit abgeschlagen auf Platz 34 im Mittelfeld der rund 80 teilnehmenden Nationen. An der Spitze der Weltrangliste stehen China und Russland mit 29 respektive 22 Goldmedaillen, gefolgt von Polen (19), den USA (18), Südkorea (16) und Rumänien (14). Wobei allein China und Russland 51 der 242 Goldmedaillen heim brachten oder rund 21 Prozent der Spitzenplätze belegen. Deutschland liegt auf Rang 17 und Österreich auf Platz 33. Was auffällt, ist, dass neben der Schweiz auch Indien in dieser Aufzählung fehlt und sechs der rund 80 Teilnehmerländer die Hälfte der Goldmedaillen erobern konnten. Osteuropa bekommt über ein Viertel der Goldmedaillen und schlägt das übrige Europa haushoch.
IT-Bildungsmisere in der Schweiz
Für Bruderer sind die noch knapp mittelmässigen Schweizer Ergebnisse vor allem ein Spiegelbild der hiesigen Situation im IT-Bildungswesen. Das Fach Informatik werde an den Gymnasien sträflich vernachlässigt, erklärt Bruderer gegenüber inside-it.ch. Der ausbleibende Nachwuchs an Studierenden für das Informatiklehramt sei äusserst unbefriedigend. Als freiwilliges Ergänzungsfach sei Informatik im Schuljahr 2009/2010 zwar von rund 50 Gymnasien im Lande angeboten worden. Doch die Grundlagen der Informatik kämen aufgrund des im schweizerischen Schnitt nur 4,5 Lektionen umfassenden Unterrichts erheblich zu kurz.
Während die blosse Anwendungskompetenz der Jugendlichen durchaus erfreulich sei, zeige sich bei den an den IOI abgefragten Informatikgrundlagen (Programmierung) die ganze Misere der Matura-Reform von 1995. Damals sei die Informatik als gymnasiales Pflichtfach abgeschafft worden. Im Rahmenlehrplan von 1994 habe es kein eigenständiges Fach Informatik mehr gegeben, die Informatik sei in die übrigen Fächer eingebettet worden. Das sei jedoch ein Misserfolg gewesen.
Angesichts dieser prekären Situation sei es nicht verwunderlich, dass man auch am Lehrstuhl von Prof. Juraj Hromkovic Mühe habe, IT-Spezialistinnen und -spezialisten für das von den Schulen vernachlässigte Fach Informatik zu finden, erklärt Bruderer. (Volker Richert)
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