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Die Insel Sizilien im Süden Italiens ist uns oft bekannt als der Ort, wo Zitronen wachsen, der Ätna ausbricht und die Mafia ihr Unwesen treibt. Doch sie bietet auch ein wunderbares Ferienziel, das das ganze Jahr über Faszination ausübt.
Durch die strategische Lage im Zentrum des Mittelmeers hat Sizilien eine äusserst weitreichende und wilde Geschichte hinter sich. Bis heute erzählen zahlreiche Ausgrabungsstätten und Gebäude davon.
Sizilien hatte drei eigene Völker, doch seit Beginn der schriftlichen Geschichtsdokumentation ist die Insel unter Regierungen, die ihren Sitz anderswo haben. Die ersten Kolonialherren waren gegen 800 v.Chr. die Phönizier. Deren Hauptstadt Karthago lag auf der gegenüberliegenden Seite des Mittelmeers – auf diese Weise hatten sie uneingeschränkte Kontrolle über das zentrale Mittelmeer.
Den Griechen war das ein Dorn im Auge, also eroberten sie selbst einen Teil Siziliens im Jahr 480 v.Chr. In dieser Zeit erlebte die Insel eine Blüte und enormen Reichtum, wovon bis heute viele Denkmäler zeugen. In den Punischen Kriegen im 3. Jahrhundert v.Chr. eroberten die Römer schließlich Sizilien, doch bis zum Ende der Antike 800 Jahre später wurde von vielen Bewohnern Griechisch und nicht Latein gesprochen.
Ab dem Mittelalter war die Geschichte von zahlreichen Besetzungen charakterisiert: von Ostgoten, über Konstantinopel, Araber, Normannen, Staufer, Aragón (Nordspanien), Österreich bis zu Neapel regierte beinahe jede Macht irgendwann mal in Sizilien. Erst 1861 formte sich das heutige Italien mit Sizilien als Teil davon.
Geografisch ist die Insel Sizilien ein „Überrest“ der einstigen Landbrücke von Italien nach Afrika. Sie hat drei Ecken, daher auch der ursprüngliche griechische Name Trinakría, was “Dreikap” bedeutet. Im Osten dominiert der Vulkan Ätna, dessen häufige Ausbrüche der Region den fruchtbaren Ascheboden bescheren.
Von Zentraleuropa aus gibt es das ganze Jahr über tägliche Flüge nach Catania oder Palermo, wer lieber mit dem Auto anreist, kann die Überfahrt über die nur 3km schmale Strasse von Messina antreten.
Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass allein das Essen auf Sizilien eine Reise wert ist. Nicht nur Eis und Pizza, sondern alle Gerichte und Süssspeisen sind hier extrem gut. Neben Zitrusfrüchten wachsen auf der Insel viele Pistazien, die in der Küche oft auftauchen.
Ein traditionelles Pastagericht ist Pasta Norma mit Tomatensosse, gerösteten Auberginen und gesalzenem Ricotta. Planen Sie nicht, während den Ferien auf Sizilien abzunehmen!
Die Hauptstadt Siziliens liegt an der Nordküste in einer geschützten Bucht, die von Bergen umgeben ist. Bereits vor 2.800 Jahren von den Phöniziern gegründet, ist Palermo selbst für italienische Verhältnisse eine alte Stadt. In der Altstadt gibt es diverse Bauwerke der Araber, Normannen und Staufer, die zum Weltkulturerbe erklärt wurden.
Die Kathedrale Maria Santissima Assunta ist ein Muss für alle, die Palermo besuchen. Die ursprüngliche Kathedrale wurde schon vor 1.500 Jahren von Papst Gregor errichtet, von den Sarazenen in eine Moschee umgewandelt und später unter den Normannen wieder zur Kirche geweiht. Das heutige Gebäude stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde in nur 2 Jahren errichtet, denn 1169 wurde die alte Kathedrale in einem Erdbeben so stark beschädigt, dass Reparaturen sich nicht mehr lohnten.
Im Inneren befindet sich unter anderem der Sarkophag des Staufers Friedrich II., besser bekannt als Barbarossa. Klettern Sie die Treppen auf das Dach hinauf, von dem aus man wunderbare Blicke auf ganz Palermo hat.
Ein weiteres Muss ist der Normannenpalast, wo die Herrscher seit dem Mittelalter wohnten. Er ist von aussen recht unspektakulär, doch innen verbirgt sich ungeahnter Prunk. Heute ist er Sitz des Sizilianischen Parlaments, kann aber auch besucht werden. In diesem Gebäude findet man Ausgrabungen römischer und phönizischer Mauern und Innenarchitektur aller Zeitalter von 1160 bis heute.
Wer sich für Geschichte und Architektur interessiert, sollte sich einfach durch die Gassen der Altstadt treiben lassen. An jeder Ecke gibt es interessante Gebäude und Kirchen zu entdecken. Der Hafen in Palermo ist bis heute ein Nabelpunkt der Stadt und der ideale Ort, um einen guten Kaffee zu geniessen und das Treiben zu beobachten.
Palermo ist eine arme Stadt, was sich unter anderem dadurch zeigt, dass viele Leute auf der Strasse Waren verkaufen. Man kann hier fast alles erhalten, ohne je einen Laden zu betreten.
Am anderen Ende Siziliens, ganze 210km entfernt von Palermo, liegt Catania. Die zweitgrösste sizilianische Stadt liegt an der Ostküste und nur wenige Kilometer unterhalb des aktiven Vulkans Ätna. Alle paar Jahre stösst dieser Lava und Aschewolken aus, wodurch die Gegend rund um Catania extrem fruchtbare Böden besitzt.
Die Geschichte ist hier griechisch geprägt und später römisch mit weiterhin griechischem Einfluss. Auch hier steht die Altstadt auf der Liste der UNESCO Weltkulturerbe, jedoch ist sie von der in Palermo stark zu unterscheiden.
Durch die Nähe zum Ätna ereigneten sich hier in der Vergangenheit schwerste Erdbeben, zuletzt im Jahr 1693. Damals erholte sich Catania noch von der fast kompletten Zerstörung durch den Vulkanausbruch. Unter der Leitung des Baumeisters Giovanni Battista Vaccarini wurde Catania im Stil des römischen Barocks wieder errichtet, und zwar die ganze Innenstadt! Das Leben am Vulkan ist eben Segen und Fluch zugleich.
Zur Orientierung in der Stadt flanieren Sie am besten auf der Via Etnea vom Hafen in Richtung Ätna. Tipp: besuchen Sie den Fischmarkt am Hafen, er ist sehr sehenswert und hier finden Sie den Puls des sizilianischen Lebens. Auf dem Weg kommen Sie am Hauptplatz, Piazza del Duomo und der Kathedrale Santa Agatha vorbei. Weiter in die Stadt hinein liegen die meisten Geschäfte.
Wer Catania im Winter besuchen möchte, sollte nicht das Fest zu Ehren von Sant’Agatha verpassen, das immer vom 3. bis 5. Februar stattfindet und eine Million Besucher anlockt.
Von hier aus bietet sich natürlich auch eine Exkursion auf den Ätna an, zum Beispiel mit dem Zug Ferrovia Circumetnea, der den Vulkan zu drei Vierteln umrundet und wunderbare Ausblicke auf typisch sizilianische Landschaften, Plantagen und Dörfer bietet.
Mit Seilbahn und Bussen kommt man bis auf ungefähr 3.000 Meter Höhe. Besteigungen bis zum Krater sind meistens möglich, doch sollten Sie sich unbedingt vorher beim Personal des Naturparks erkundigen, wie die Lage ist und welche Routen gerade aufgrund von Gasaustritten ungünstig sind. Dies kann sich zum Teil von Woche zu Woche ändern.
Ragusa im Süden Siziliens hat eine sehr ähnliche Geschichte wie Catania hinter sich und wurde ebenfalls 1693 zerstört und anschliessend im barocken Stil wieder erbaut. Die Stadt liegt auf einem Hang ein wenig im Landesinneren und teilt sich in zwei Hälften auf: Ragusa Ibla, die Unterstadt, ist die alte Stadt, welche im Barockstil auf einen Hügel neu gebaut wurde. Auf der anderen Seite einer Schlucht liegt Ragusa Superiore, die Oberstadt auf einem höheren Hügel. Beide Teile waren bis 1926 offiziell zwei getrennte Städte, jede mit eigenem Rathaus.
Sie werden bei Ihrem Besuch in Ragusa also auf jeden Fall viel bergauf und bergab gehen, denn ebenen Boden gibt es hier fast nur innerhalb von Gebäuden. Lassen Sie sich trotzdem nicht von einem Aufenthalt in dieser Stadt, die ebenfalls dem Weltkulturerbe der UNESCO angehört, abschrecken. Entdecken Sie die spannenden Quartiere und geniessen Sie den Flair des Südens.
Übrigens, die Kathedrale San Giovanni Battista wurde zweimal errichtet. Nicht, weil sich ein Schaden ereignete, sondern weil die Bürger und Kirche den ersten Bau einfach als unpassend einstuften und kurz nach der Einweihung wieder abreissen liessen.
Neben den Restaurants mit der typischen schmackhaften Küche der Region gibt es in Ragusa auch mehrere Sternerestaurants. La Fenice und La Locanda di Don Serafino haben je einen und das Duomo sogar zwei Sterne im Michelinführer.
Wenn Sie ein Auto haben, nehmen Sie sich einen halben Tag Zeit und besuchen Sie den 20 Kilometer entfernten Palast Castello di Donnafugata. Er ist nur etwas über 150 Jahre alt, aber dennoch beeindruckt die Anlage. Der Palast mit 122 Räumen hat ein nüchternes Äusseres, das eine imposante Innenarchitektur versteckt.
Auch der Garten ist mit all seinen künstlichen Grotten, Steinsoldaten und Pavillons ein wunderbares Refugium an heissen Sommertagen. Nicht zuletzt ist der Palast für die gleichnamige und preisgekrönte Weinkellerei Donnafugata bekannt, die in einem der Aussengebäude Weinproben anbietet.
Wenn man sich Taormina im Osten Siziliens zum ersten Mal nähert, kommen einem Begriffe wie „prekäre Lage“ in den Kopf. Die Stadt liegt auf einem Hügel einer Landzunge direkt über dem Meer und sieht aus, als würde alles im nächsten Moment abrutschen können.
Die Altstadt liegt auf etwa 200 Metern, doch das Stadtgebiet breitet sich bis zum Strand aus. Das Besondere an Taormina, oder in der Antike als Tauromenion bekannt, ist die Unversehrtheit. Trotz der Lage unweit des Ätnas ist die Stadt von verheerenden Erdbeben und Vulkanausbrüchen weitgehend verschont geblieben, weshalb bis heute sehr viel antike Architektur erhalten blieb.
Das Glanzstück darunter ist das Teatro Greco, welches eigentlich ein römisches Theater ist. Es wurde 200 v.Chr. gebaut und 400 Jahre später erweitert und ist, abgesehen von Verwitterung, bis heute genauso erhalten. Hier fanden zunächst Theateraufführungen statt und später Gladiatorenkämpfe. Vor diesem Theater stand hier ein griechisches, kleineres Theater.
Es wurde zwar von den Römern komplett abgerissen, doch man sieht den Ursprung bis heute, da das Theater in griechischer Tradition in den Berg eingegraben wurde. Echt römische Theater sind freistehend.
Manche Teile des Zuschauerraums sind überhaupt nicht „gebaut“ worden, sondern man hat einfach den Fels des Berges zu Bänken gemeisselt. Die Kapazität des Teatro Greco beträgt ungefähr 5.400 Personen.
Mit dem Odeon gibt es noch ein zweites römisches Theater, das allerdings sehr viel kleiner ist. Man vermutet, dass es der Oberschicht vorbehalten war. Es ist weniger gut erhalten, denn es lag für lange Zeit unter anderen Gebäuden und Erde verborgen. Erst 1892 wurde es beim Aushub einer Baugrube durch Zufall entdeckt.
Am unteren Ende der Stadt befinden sich die Strände Mazzarò und Spisone, sowie die kleine Insel Isola Bella. Sie ist ein Fels im Meer, der durch einen Sandstrand mit Sizilien verbunden ist. Von der Altstadt können Sie sogar mit einer Seilbahn ans Meer gelangen. Auch wenn Sie sich nicht für den Strand interessieren sollten, die Seilbahn ist eine Fahrt wert!
Ansonsten lädt Taormina zum spazieren ein. Die Strasse Coso Umberto verfügt nicht nur über hübsche Läden, sondern auch antike Denkmäler und die Piazza IX. Aprile hat die beste Aussicht der Stadt. Vom Meer bis zum Gipfel des Ätna sehen Sie hier die volle Pracht Siziliens.
Die Gruppe von 8 Inseln liegt nördlich von Sizilien und ist auch unter dem Namen „Äolische Inseln“ bekannt. Bis heute gibt es hier nicht viel Tourismus, da die Anreise etwas weiter ist. Am besten fliegen Sie nach Palermo auf Sizilien und nehmen von dort aus die Fähre.
Seit 2000 sind die Liparischen Inseln UNESCO Weltnaturerbe und das zu recht. Hier dreht sich vieles um Vulkane und mit dem Stromboli gibt es hier einen weiteren aktiven Vulkan. Verteilt über 7 der Inseln liegen mehrere Dörfer und Orte, einer idyllischer wie der nächste. Lipari ist die grösste Insel und der grösste Ort.
Hier befinden sich eine griechische Akropolis, normannische Kathedrale und die Burg Castello di Lipari, welche ein sehr sehenswertes antikes Museum beherbergt. Sie sehen schon, die Geschichte der Liparischen Inseln ist ein Spiegelbild der sizilianischen Geschichte.
Doch eine Bootstour ist hier die beste Sehenswürdigkeit. Rund um die Steilküsten von Lipari liegen diverse Höhlen, die zum Teil im Meer liegen. Die Insel Panarea verfügt über Lavaformationen unter Wasser und ist deshalb ein Paradies für Taucher.
Die Insel Vulcano sieht zum Teil etwas unwirtlich aus, doch das liegt lediglich an der vulkanischen Aktivität. Hier befinden sich Fumarolen und Solfataren, warme Schwefelquellen, die über eine Heilwirkung verfügen.
Doch auch wenn man keine Leiden zu kurieren hat, ist ein Bad unter freiem Himmel in diesen Quellen ein echter Wohlgenuss. Auf einer Wanderung können Sie sich von den vielen verschiedenen Farben der Insel faszinieren lassen. Wenig Vegetation bedeutet nicht Eintönigkeit und Farblosigkeit. Die vielen Minerale, die bis heute aus dem Erdboden treten, bilden schillernde Regenbogenfarben, die die Insel überziehen.
Stromboli ist die Insel am Rand im Nordosten der Inselgruppe und ihr gleichnamiger Vulkan ist der aktivste in Europa, nicht der Ätna. Eine Besteigung oberhalb von 400 Metern ist nur mit einem ortskundigen Führer erlaubt, aber ein wahres Erlebnis. Wenn Sie fit genug sind, um die 926 Meter bergauf zu gehen, sollten Sie dieses einmalige Erlebnis nicht verpassen. Anschliessend haben Sie das gute Essen der Region mehr als verdient.