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In Kuba werden Besucher ohne Dazutun zu Pegeltrinkern. Morgens kurz vor Zehn hielten wir in Cinfuegos den ersten Drink mit einem gerüttelt Mass an Rum in den Händen und schon vor der Mittagszeit den nächsten in Trinidad.
Zwischen den Vitaminpausen gab es auch einige japanische Pausen, wie unser Reiseleiter meinte, wobei japanisch „mit Fotoapparat“ bedeutet. Der Rundgang in Cienfuegos, UNESCO-Weltkulturerbe, war eher kurz. Wir besuchten das Teatro Terri, ein im 19. Jahrhundert von einem philanthropen Zuckerbaron gesponsertes Kulturhaus, in dem heute immer noch täglich Aufführungen stattfinden. Sitzplätze kosten 5 und Stehplätze in den oberen Rängen 1 Kubanischer Peso, also Kultur für alle.
Einen Häuserblock weiter traten wir dann in eine Markthalle hinein. Die Bauern verkauften dort verschiedene Gemüse und Fleisch, das ungekühlt von der Decke hing oder zugeschnitten auf dem Tresen lag. Feliz meinte lapidar, dass Kühlung nicht nötig wäre, weil dann das Fleisch bei der Hitze bereits vorgerart sei. Die Waagen, die im Markt verwendet wurden und aus einer verbeulten Schale und einem Gewichtsstein bestanden, mussten die Bauern vom Staat mieten. Mit 6 Pesos für ein Pfund Bananen, das heisst rund 25 Rappen, lässt sich die Einkommens- und Lebenssituation in Kuba etwa einschätzen.
Beim Weitergehen durch die Strassen Cienfuegos drang plötzlich Rauch aus einem Haus heraus und zwei Herren traten mit einem qualmenden und nach Mineralöl stinkenden Gerät heraus. Was nach Ghostbusters aussah waren Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die eine Hausausräucherung gegen Mücken durchführten. Feliz erklärte, das dies hier regelmässig durchgeführt wird.
Nach ca. 80 km Fahrt erreichten wir die Stadt Trinidad. Vom Turm eines Palazzos, der einst ein spanischer Zuckerbaron mit Bemalungen und Ornamenten im römisch-antiken Stil hat errichten lassen, genossen wir den Herrlichen Ausblick auf die karibische Küste und die malerischen Strässchen von Trinidad.
In einem nahe gelegenen Tempel folgte dann eine kurze Lektion in afrikanischer Religion, die einst von den vielen während der Kolonialzeit eingeschleppten Sklaven mit nach Kuba gebracht wurde. Noch heute ist der Anteil Afrokubaner in Trinidad besonders hoch.
Vielerorts wollen einem Leute drei kubanische Pesos für einen Peso Convertible ‚tauschen‘. Auf der Drei-Pesos-Note ist drum Ché Guevara drauf. Da der Wechselkurs jedoch 25 ist, macht man da natürlich kein gutes Geschäft. Eigentlich ist das eine Form von Betteln, weil den Kubanern das Betteln verständlicherweise schwer fällt. Vom Lohn alleine kann hier aber niemand leben. Als mir heute einer einen solchen ‚Tauschhandel‘ vorschlug, bot ich ihm zwei Zigarren an. Komplett aus dem Konzept wich er zurück, er glaubte wohl, dass ich ihm diese verkaufen wollte. Also bot ich die Zigarren, wir bekamen diese gestern unsereins als ‚Geschenk‘, dem ihm Nebenstehenden an. Dann war ersterer aber schnell wieder bei mir und wollte die Zigarren doch. Ich denke, dass er eine Minute später Drei-Pesos-Noten und Zigarren im Angebot hatte.
Mit Blick von unserem Hotelzimmer aufs Meer liessen wir von einem Hügel etwas oberhalb Trinidad den Tag ausklingen.