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Die Universität Zürich spielt bei der Entwicklung und Förderung der Ostasienwissenschaften in der Schweiz eine wichtige Rolle: Im Jahr 1950 wurde der erste Lehrstuhl für das Fach Sinologie in der Schweiz eingerichtet. Seit diesen bescheidenen Anfängen haben die Zürcher Ostasienwissenschaften internationale Bedeutung erlangt, sowohl hinsichtlich der akademischen Kompetenz als auch der Infrastruktur.
Die Anfänge der Ostasienwissenschaften an der Universität Zürich gehen auf einen Beschluss des Regierungsrats über die Einrichtung eines kleinen Extraordinariats ad personam für Sinologie hervor, das mit Eduard Horst von Tscharner (1901-1962) besetzt wurde. Tscharner war bereits seit 1940 als Privatdozent für Sinologie tätig gewesen. Seine Forschungsgebiete umfassten chinesisches Theater, Literatur und daoistische Philosophie. Er war ausserdem Mitbegründer der “Schweizerischen Gesellschaft der Freunde Ostasiatischer Kultur”, der heutigen “Schweizerischen Asiengesellschaft”. Das Vereinsbulletin dieser Gesellschaft ist der Vorläufer der international anerkannten Fachzeitschrift Asiatische Studien / Études Asiatiques.
Im Jahr 1964 trat der in Leiden ausgebildete Robert P. Kramers (1920-2002) seine Nachfolge an. Robert P. Kramers befasste sich in seinen Studien mit der klassischen chinesischen Philosophie und Religionsgeschichte, insbesondere dem Konfuzianismus, und schloss damit an die von Tscharner begründete und bis heute fortbestehende, auf das traditionelle Schrifttum ausgerichtete philologische Tradition der Sinologie Zürich an. Zugleich förderte er die Erforschung des zeitgenössischen China, indem er etwa ein Curriculum zum modernen China entwickelte.
Im Wintersemester 1968/69 beschloss die Fakultät die Schaffung eines neuen Lehrstuhls unter gleichzeitiger Einführung des Studienganges Japanologie, und gründete das “Ostasiatische Seminar”. Den Ruf erhielt der ebenfalls in Leiden ausgebildete Holländer Cornelius Ouwehand (1920–1996), dessen wissenschaftliche Interessen der Ethnologie, insbesondere der Erforschung von Okinawa und der Ryûkyû-Inseln galt.
Das am 22. Mai 1970 bezogene Seminargebäude an der Mühlegasse beherbergte nach seiner Eröffnung die Sinologie, Japanologie und nach 1975 auch die Koreanistik, wobei letztere nur für eine kurze Zeit Bestand hatte. Aus dieser Zeit stammt die Dreiteilung der Bibliotheksbestände in die chinesischsprachige, japanischsprachige und abendländische Bibliothek. Die letztgenannte beherbergt Bücher in den westlichen Bildungssprachen.
Im Wintersemester 1983/84 wurde Robert P. Kramers unter gleichzeitiger Ernennung zum Honorarprofessor emeritiert. 1986 wurde Robert H. Gassmann als sein Nachfolger berufen. Er setzte die philologische Tradition Tscharners fort und ergänzte diese mit seinen linguistischen Forschungsinteressen. Im selben Jahr trat Eduard Klopfenstein die Nachfolge von Professor Ouwehand an. Als ausgebildeter Germanist galten und gelten seine Forschungsinteressen insbesondere der japanischen Literatur, Poesie und dem Theater.
Erneut stark angewachsen, zog das Ostasiatische Seminar 1992 an den heutigen Standort an der Zürichbergstrasse 4. Im Jahr 2002 wurde ein zweiter Sinologie-Lehrstuhl für moderne Sinologie eingerichtet, auf den Andrea Riemenschnitter berufen wurde. Mitte 2008 wurde Robert H. Gassmann emeritiert. Auf den Lehrstuhl traditionelles China folgte ihm Wolfgang Behr. Nach der Emeritierung von Eduard Klopfenstein im Jahr 2005 wurde Raji C. Steineck im Jahr 2008 auf den Lehrstuhl für Japanologie berufen. 2010 erfuhr die Japanologie durch die Einrichtung einer Mercator-Professur für sozialwissenschaftliche Japanologie eine Erweiterung. David Chiavacci ist erster Mercator-Professor für sozialwissenschaftliche Japanologie.
Auch der Bestand der Bibliothek wuchs weiter an. Heute umfassen die Bibliotheken der Ostasienwissenschaften mehr als 170'000 Bände sowie einen umfangreichen Zeitschriftenbestand. Die chinesische Bibliothek mit ca. 91’000 Bänden, die japanische Bibliothek mit gegen 36'000 Bänden und die abendländische Bibliothek mit 46'000 Bänden haben einen ausgezeichneten Ruf und zählen zu den besten Europas.
Am 1. Januar 2013 wurde das Ostasiatische Seminar Teil des neugegründeten Asien-Orient-Instituts der Universität Zürich.