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Gegenstromlage
Am Donnerstag lag die ganze Schweiz im Einflussbereich eines schwachen, aber ausgedehnten Tiefdruckgebiets. Zwischen bodennahen und hochreichenden Luftschichten lagen die Schwerpunkte der Tiefdruckzonen geographisch weit auseinander, was zu entgegen gerichteten Windrichtungen zwischen Boden- und Höhenlagen über der Schweiz führte, und letztendlich zu anhaltenden Regenfällen. Diese niederschlagsreiche Wetterlage störte weder die weissen, noch die schwarzen Schafe in ihren Aktivitäten.
Boden- versus Höhentief
Ab Mittwochabend gelangte der Alpenraum allmählich in den Einflussbereich eines Tiefs, das sich innerhalb etwa 24 Stunden von Frankreich nach Niederösterreich bewegte. Allerdings verlief diese Verlagerung je nach Höhe sehr unterschiedlich. Etwa unterhalb von 3000 Metern lag das Tiefdruckzentrum bereits am Donnerstagnachmittag deutlich östlich der Schweiz, nachdem es sich ziemlich genau über die Alpen bewegt hatte. Oberhalb von 4000 Metern verlief die Verlagerung des Tiefzdruckzentrums gemächlicher. Am Donnerstagmittag lag der Schwerpunkt über Norditalien und nahm anschliessend Kurs Richtung Niederösterreich und das Tirol. Die unterschiedlichen Positionen äusserte sich mit einer unüblichen Struktur der Windverhältnisse in der Vertikalen über der Schweiz. Während die bodennahe Strömung tagsüber meist auf Südwest gerichtet war, blies der Höhenwind von Ost. Im meteorologischen "Jargon" wird diese Konstellation als Gegenstromlage bezeichnet, und ist berühmt und berüchtigt für deren anhaltende Niederschlagstätigkeit. Die von der Ostströmung herangeführte Luft wird nämlich von der entgegen gerichteten bodennahen Strömung angehoben, was zu ergiebigen Niederschläge führt.
Auswirkung des Gegenstroms
Als quasi kollaterale Auswirkung führte der Gegenstromprozess zu einer ausgedehnten und sehr mächtigen Bewölkungsschicht, die keine Sonnenstrahlen durchliess. Einzig am östlichen Ufer des Genfersees sowie auf einzelnen Engadiner Gipfeln wurden einige Minuten Sonne registriert. Da die Gegenstromlage erst am Anfang steht, sind bis jetzt, dh. in etwa 8 Stunden, verhältnismässig geringe Regenmengen, von etwa 15 und 30 mm in der Deutschschweiz und sogar weniger als 10 mm in der Westschweiz und im Wallis, gemessen worden. In den nächsten 48 Stunden dürfte die akkumulierte Regenmenge auf der Alpennordseite auf Grund von der andauernden Gegenstromlage deutlich zunehmen.
Es gibt mehr als eine niederschlagsreiche Wetterlage
Auf der Alpensüdseite fiel in den letzten 24 Stunden auch ohne Gegenstrom eine erhebliche Regenmenge. Im Südtessin wurde zwischen 50 und 100 mm gemessen. In den übrigen Gebieten der Alpensüdseite, inklusiv Engadin, schwankten die Regenmengen zwischen 30 und 40 mm. Die Ursache für diese bemerkenswerten Niederschläge ist eher in der Topographie der Alpensüdseite zu suchen: Die aus Süden herangeführte feuchte Luft wurde am Alpensüdhang gestaut.