Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03368.jsonl.gz/1846

»Geschieht nicht seit Jahren alles, was geschieht, um der Nation den Geist auszutreiben, den Franklin Roosevelt ihr einflößte?« Anfang Juni des Jahres 1948 wurde Thomas Mann gebeten, auf der Abschlusssitzung der »Peace Conference« im Masonic Temple in Hollywood zu sprechen. Um den zunehmend aggressiven antikommunistischen Umtrieben des House of Unamerican Activities Committee (HUAC) etwas entgegenzusetzen, mobilisierten überall in den USA zahlreiche ähnliche Initiativen ihre Unterstützer. Auch Mann ergriff entschieden Partei und äußert hier besorgt: »Das Wort Friede zum Beispiel, darf man es noch frei im Munde führen, ohne sich dem Vorwurf von unamerican activities auszusetzen?« Die Rede hatte ihn einige Tage beschäftigt und rief, wie er im Tagebuch vermerkte, andauernden Beifall hervor. Sie stimmt in einigen Teilen mit dem kurz zuvor entstandenen Rede-Entwurf zur Wahl von Henry Wallace überein. Beide Texte wurden auf Deutsch zuerst in den Tagebüchern 1946 bis 1948 abgedruckt.
Autorentext
Thomas Mann, 1875 1955, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns vielschichtiges Werk hat eine weltweit kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Ab 1933 lebte er im Exil, zuerst in der Schweiz, dann in den USA. Erst 1952 kehrte Mann nach Europa zurück, wo er 1955 in Zürich verstarb.