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Mausohren - Die typischen Dachstockbewohner
Nur ein Jungtier pro Jahr
Im April treffen die Weibchen zu Dutzenden oder gar zu Hunderten in ihren Wochenstubenquartieren ein. Sie hängen im Dachstock in Gruppen kopfüber an den Dachbalken und Dachlatten. Männchen übertagen einzeln, oft in Balkenkehlen oder zwischen Ziegeln verkrochen.
|Ein Mausohrweibchen bringt im Juni oder Juli frei hängend meist nur ein einziges Junges zur Welt. Dieses hält sich sofort, noch nackt und blind, selbständig mit den Krallen der bereits kräftigen Hinterfüsse und den Daumenkrallen an der Dachkonstruktion fest.|
Jede Mausohrmutter säugt nun während etwa sechs Wochen normalerweise nur ihr eigenes Junges. Das Jungtier besitzt bereits bei der Geburt Milchzähnchen. Es kann sich mit diesem sogenannten «Klammergebiss» an einer der beiden achselständigen Milchzitzen festbeissen.
Paarung im Herbst
Im August werden die Jungen entwöhnt und sind dann selbständig. Sie ernähren sich von nun an wie ihre Mütter von Insekten und müssen sich im Laufe des Herbstes genügend Fettreserven für den Winterschlaf anfressen.
|Sobald die Jungen selbständig sind, verpaaren sich die Mausohrmütter wieder. Die Spermien werden vom Weibchen in der Gebärmutter gespeichert und erst im Frühling kommt es zur Befruchtung. Mehr als 20 Jahre alt können Mausohren werden. Zeitlebens und über Generationen hinweg ziehen die Weibchen ihre Jungen in denselben Dachstöcken auf.|
Mausohren jagen vor allem in Wäldern und Wiesen im tiefen Flug nach bodenbewohnenden Insekten. Mit ihren grossen Ohren orten sie die Krabbelgeräusche der Beute und landen oft kurz am Boden um sie zu fangen. Vom Tagesschlafquartier in die Jagdlebensräume können Mausohren mehr als zehn Kilometer weit fliegen.
Winterschlaf zum Energie sparen
Im Spätsommer und Herbst verlassen die Mausohren die Dachstockquartiere und ziehen sich in ihre Winterquartiere zurück. Die kalte und nahrungsarme Jahreszeit überdauern sie in Höhlen, Kellern und Stollen.
In diesen unterirdischen, frostsicheren Verstecken fallen die Mausohren in tiefe Winterschlaflethargie. Die Herzschlagfrequenz sinkt von über 600 auf nur noch 18 bis 80 Schläge pro Minute ab. Die Körpertemperatur sinkt auf die Umgebungstemperatur von meist nur wenigen Grad Celsius hinunter und es treten Atempausen von mehr als 60 Minuten auf.
Mausohren sind im Winterschlaf hilflos und jeder Aufwachvorgang ist mit grossem Energieverlust verbunden. Damit ihre Fettreserven ausreichen, sind sie darauf angewiesen, den Winter ungestört «auf Sparflamme» überdauern zu können. Höhlen mit winterschlafenden Mausohren soll man darum nicht betreten.
Wohnungsnot bei den Mausohren
Mausohren gehören mit einer Spannweite von 40 Zentimetern und 35 Gramm Körpergewicht zu den grössten unserer 30 einheimischen Fledermausarten. Sie sind typische Dachstockfledermäuse.
Vor fünfzig Jahren lebte in fast jedem Kirchendachstock im Mittelland eine grosse Wochenstubenkolonie. Diese Situation hat sich seither drastisch geändert. Mausohren wurden aus Unwissen ausgesperrt, aus Aberglaube erschlagen und aus Unvernunft vergiftet. In der Schweiz kennen wir heute nicht einmal mehr 100 Dachstöcke, in denen sie ihre Jungen aufziehen, und viele dieser Wochenstubenkolonien bestehen aus nur wenigen Dutzend Tieren.
In jeder Gemeinde sollte darum heute wieder mindestens ein ruhiger Dachstock, beispielsweise in der Kirche oder im Gemeindehaus, für Mausohren zugänglich gemacht werden.
Grosses und Kleines Mausohr
Sind sich zwei Tierarten so sehr ähnlich, dass man sie beim ersten Hinschauen kaum unterscheiden kann, so spricht der Zoologe von sogenannten «Geschwisterarten». Grosses und Kleines Mausohr (Myotis myotis und M. blythii) sind solche Geschwisterarten.
In der Schweiz sind gut zehn Wochenstuben des Kleinen Mausohrs bekannt. In allen Fällen leben im selben Dachstock auch Grosse Mausohren und diese hängen auch in derselben Gruppe. Man spricht darum von Mischkolonien. Beide Arten stellen wahrscheinlich ähnliche Ansprüche an die Dachstockquartiere. Darum dürften die angestrebten Quartierschutzmassnahmen beiden Arten zugute kommen.
Grosses und Kleines Mausohr haben aber unterschiedliche Jagdlebensraumansprüche: Das Kleine Mausohr jagt hauptsächlich über Grasland und erbeutet mehrheitlich Laubheuschrecken. Das Grosse Mausohr hingegen jagt oft in Wäldern mit wenig Unterwuchs oder über Wiesen, wo es nach Laufkäfern und Schnaken sucht.