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„Welches Wirbeltier kann über Wasser laufen?“, hatte mich mein Zoologieprofessor in der Prüfung gefragt.
Ich: „Äh, welches denn??“
Professor, mit geblähter Brust: „Der Stirnlappenbasilisk.“
Ich: „?“
Professor: „Das ist eine Echse, die lebt in Mittelamerika.“
Ich: „Aha. Mittelamerika.“
Immerhin wusste ich, wo das liegt. Von dem besagten Tier hatte ich allerdings noch nie was gehört. Vergessen hab ich ihn seitdem aber nicht mehr, den Stirnlappenbasilisk, der übrigens tatsächlich den Spitznamen „Jesus Echse“ trägt.
Dem Stirnlappenbasiliken ist sein Spitzname wahrscheinlich ziemlich egal, er lässt sich da wenig anmerken. Wobei das etwas schwierig zu sagen ist, da er in etwa die Mimik einer alternden Hollywooddiva hat. Aber unter Basilisken ist es eigentlich gar nichts Besonderes, übers Wasser zu sprinten. Das können sie alle. Allerdings machen sie das nur, wenn sie vor einem ihrer zahlreichen Feinde flüchten. Aber auch der Stirnlappenbasilisk ist Fressfeind und hat andere Tiere auf seinem Speiseplan stehen: Insekten, Schnecken, Fische, Frösche und auch andere Eidechsen wandern in den Basiliskenmagen. Daraus ist wohl zu schliessen, dass der Stirnlappenbasilisk alles frisst, was kleiner ist als er, und potentieller Snack ist für alles, was ihm körperlich überlegen ist. Der Stirnlappenbasilisk ist sehr schlank und ziemlich lang, so um die 80 Zentimeter, davon entfallen etwa zwei Drittel auf seinen Schwanz.
Der Stirnlappenbasilisk ist eine echte Echsenschönheit. Da sind zum einen seine Hautlappen an Stirn und auf dem Rücken, die ziemlich lang werden können. Die Hautlappen am Kopf stehen wie Segel im Sturm nach hinten weg, was dem Stirnlappenbasilisken ein recht windschnittiges Aussehen verleiht. Zum anderen ist der Stirnlappenbasilisk wunderschön gefärbt: grün mit mal mehr mal weniger Blaustich, mit gelbem Bauch und orangenfarbener Iris. Seine Schönheit ist zugleich auch sein Verhängnis. Immer wieder werden Stirnlappenbasilisken in freier Wildbahn eingefangen und in Terrarien gesperrt, was sie nicht lange überleben. Wachsen sie Gefangenschaft auf, werden Stirnlappenbasilisken aber immerhin fast doppelt so alt wie ihre wildlebenden Artgenossen, bei guter Pflege etwa 15 Jahre.
Der Stirnlappenbasilisk ist in den Feuchtgebieten und Regenwäldern Mittelamerikas zu Hause. Im Wald und immer in Wassernähe. Er schwimmt sehr gut und taucht sehr gerne, was wohl kein Terrarium wirklich bieten kann.
Sein Special-Feature, die Fähigkeit, über Wasser zu laufen, verdankt er den langen, verbreiterten Zehen an seinen Hinterfüssen. Dabei hat er ein ziemliches Tempo drauf. Etwa 7 Kilometer pro Stunde, klingt nach wenig, ist aber, gemessen an der Grösse der Echse, doch relativ schnell.
Wie bei fast allen Reptilien ist das mit der Fortpflanzung und Brutpflege denkbar simpel. Mann trifft Frau, Mann begattet Frau, Frau legt nach einem guten Monat Eier und fertig. Die Kleinen schlüpfen nach etwa zwei Monaten aus und kommen dann allein zurecht. Was ist nur in der Evolution falsch gelaufen, dass das bei uns Säugetieren so kompliziert geworden ist???
Die Stirnlappenbasilisken sind mit ihrer Methode jedenfalls erfolgreich, sie sind nicht einmal vom Aussterben bedroht. Nur der weltweite Handel setzt ihnen zu, trotz aller Regularien und Kontrollen.
Mein Professor damals war von dem Stirnlappenbasilisken so begeistert, dass er einige Prüfungsminuten daran gab, mir von ihm zu erzählen. Mit leuchtenden Augen und fliegenden Haaren. Allein dafür werde ich dem Stirnlappenbasilisken ewig dankbar sein…