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Der Traum vom Fliegen 2.0
Unter den Tausenden von Videos im Netz hat eines zuletzt unsere Aufmerksamkeit erregt, weil wir glauben, dass das, was dort zu sehen ist, eine ganz neue Mobilitätsära einleiten wird. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als eine neue individuelle Variante, den uralten Menschheitstraum vom Fliegen in eine neue Realität umzusetzen. Leonardo da Vinci, Otto Lilienthal und nun wieder Franky Zapata haben sich des Themas angenommen. Aber wer ist Franky Zapata?
Der Gründer der Firma "Zapata Racing", deren Sitz in Marseille zu finden ist, war einst Weltmeister im Jet-Ski-Fahren, was ganz offensichtlich noch nicht sein Lebensziel markierte, denn kürzlich zeigte er sich auf seiner neuen fliegenden Erfindung "Flyboard Air." Zu sehen ist da ein fliegender Mensch, der nicht wie ein Vogel mit den Ärmchen flattert, sondern souverän in der Luft steht oder sich in dieser etwas instabil anmutenden Position rasch voran bewegt.
Sein "Fluggerät" ist so klein, dass man es von Weitem kaum ausmachen kann. Es befindet sich unter seinen Füssen und "katapultiert" den Mann geradezu senkrecht in die Luft. Das Flyboard wird zuweilen auch als Hoverboard bezeichnet, erinnern Sie sich noch an Letzteres?
In dem Science-Fiction-Film "Zurück in die Zukunft II" des Jahres 1989 lieh sich Marty McFly (gespielt von Michael J. Fox) kurzerhand ein schwebendes Skateboard, ein sogenanntes Hoverboard, aus. Ein Flyboard dagegen ist ein Wassersportgerät, angetrieben durch den Rückstoss eines starken Wasserstrahl eines Jetskis. Mit diesem kräftigen Antrieb kann sich der Benutzer bis zu 9 m über der Wasseroberfläche halten oder auch in einem Tauchgang schnell durch das Wasser geschoben werden.
Catalin Alexandra Duru erflog sich 2015 einen Weltrekord mit dem schwebenden Hoverboard. Nur ein Jahr später präsentiert Franky Zapata sein "Flyboard Air", das wahrlich viel mehr als schweben kann, es erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 150 km/h und Höhen bis ca. 3.000 m.
Das oben erwähnte erste Flyboard baute Franky Zapata vor ungefähr 5 Jahren. Aber diese lange, einschränkende Schlauchverbindung zum Jetski überzeugte ihn nicht wirklich, und deshalb tüftelte er weiter mit dem aktuellen Ergebnis des "Flyboard Air", das dem Nutzer ein Erlebnis ermöglicht, das Reinhard May schon vor 45 Jahren so treffend mit der Zeile besang: "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen." Damit stellte Zapata am 30.04.2016 einen neuen Weltrekord auf und erlangte selbstverständlich auch noch einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde, indem er vor der südfranzösischen Küste 2.252 m weit flog (der Kanadier Catalin Alexandru Duru erreichte zuvor nur knapp 276 m).
Funktion der neuen Höllenmaschine
Das Flyboard Air besteht aus 4 Jetmotoren mit insgesamt 1.000 PS. Das Kerosin dafür wird in einem Rucksack auf dem Rücken mitgeführt. Der Nutzer hält in jeder Hand eine Fernbedienung, die den Antrieb sowie seitliche Stabilisierungsdüsen steuern. Durch Gewichtsverlagerungen findet der Nutzer seine Balance, wobei aber auch unterstützende Elektronik zum Einsatz kommt. Gerade in der Weiterentwicklung und Optimierung der Elektronik für das Gleichgewicht lässt sich noch viel verbessern mit Blick auf die Sicherheit des Anwenders.
Die jetzige Prototypvariante ist noch extrem gefährlich, eine Art Sicherheitsgurt ist hier kaum denkbar, und der Anwender muss die ganze Zeit aufrecht auf einer winzigen Plattform stehen, unter der das Triebwerk angebracht ist. Dem Betrachter vermittelt sich der Eindruck, als würde das Fluggerät durch die Körperbewegungen und vielleicht auch nur durch die Gedanken des Piloten gelenkt werden.
Die Wolken im Visier
Bei seinem kürzlichen Rekordflug war Zapata "nur" ca. 60 km/h schnell und stieg auf Höhen um 50 m über dem Boden beziehungsweise über der Wasseroberfläche auf. Theoretisch ist hier noch viel "Luft nach oben" drin. Selbstverständlich denken Zapata und sein Team an einen späteren kommerziellen Einsatz und entwickeln bereits ein dafür geeignetes Flyboard Air, das im Sitzen geflogen werden kann. Schon Mitte Mai 2016 will Zapata die 5-km-Distanz knacken, um schliesslich auf einem zentralen Platz einer französischen Stadt werbewirksam zu landen.
http://video.golem.de/wissenschaft/17026/hoverboard-flyboard-air-zapata-racing.html
Bildquelle: MemoryCatcher / pixabay.com