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Gleichzeitig warnten französische Kulturerbe-Experten in einem offenen Brief, dass Denkmäler im ganzen Land von Verfall bedroht seien. "In jedem Dorf in Frankreich gibt es eine "Notre-Dame", die manchmal in den Flammen der Gleichgültigkeit verbrennt."
Kulturminister Riester betonte rund eine Woche nach dem Brand, dass alle sensiblen Teile in dem berühmten Gotteshaus mittlerweile gesichert und stabilisiert worden seien. Er kündigte ausserdem an, den Brandschutz in den vielen staatlichen Kathedralen Frankreichs zu überprüfen.
"Aber ich widerspreche dem Zusammenhang, den einige Leute zwischen angeblich zu wenig Investitionen des Staates und dem Ausbruch des Brandes herstellen", betonte Riester in einem Interview der Zeitung "Le Figaro". Zahlreiche Fachleute sehen allerdings grosse Mängel in der Finanzierung von Kulturdenkmälern und fordern mehr Engagement von der Regierung.
"Seit Jahrzehnten zieht sich der Staat politisch und finanziell aus dem Erbe zurück", kritisierten die Unterzeichner der Stellungnahme, die der Sender Franceinfo auf seiner Webseite veröffentlichte. Mit dem vorhandenen Geld könnten an den Gebäuden nur die schlimmsten Notfälle behoben werden, aber nicht einmal die Instandhaltung finanziert werden.
Sie fordern eine Art Notfallplan für Frankreichs gesamtes Kulturerbe. "Es hat eine internationale Katastrophe gebraucht, bis unsere gewählten Vertreter die Dringlichkeit der Situation erkannt haben", erklärten die Unterzeichner.
Mit Blick auf den Wiederaufbau von Notre-Dame mahnten sie Präsident Emmanuel Macron und die Verantwortlichen zu Sorgfalt. "Es wäre schade, wenn Notre-Dame de Paris Jahre nach Beendigung der Arbeit Mängel aufweisen würde." Das würde bei den Franzosen und in der Welt auf komplettes Unverständnis stossen.
Macron hatte kurz nach dem Brand angekündigt, die Kathedrale innerhalb von fünf Jahren wiederaufzubauen - und zwar schöner als zuvor.
In Frankreich wird gestritten, ob die Kathedrale originaltreu oder im modernen Stil wiederaufgebaut werden soll. Der Kulturgut-Beauftragte Stéphane Bern sprach sich für einen originalgetreuen Wiederaufbau aus und forderte "Demut für die Vergangenheit".
Macron seinerseits wünscht sich bei der Wiederrichtung des zerstörten Vierungsturms eine "zeitgenössische architektonische Geste" und hatte einen internationalen Architekturwettbewerb ausgerufen.
Unterdessen kamen am Ostersonntag Gläubige zur Ostermesse in der Pariser Pfarrkirche Saint-Eustache zusammen, die traditionell in Notre-Dame stattfindet. In seiner Predigt würdigte Erzbischof Michel Petit die Leistung der Feuerwehrleute, die den Brand gelöscht hatten.
Er überreichte dem Pariser Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet ein Buch mit biblischen Lesungen, das bei dem Brand gerettet worden war. Die Gläubigen applaudierten für Gallet und seine Kollegen.
Auch die Spieler von Frankreichs neuem Fussballmeister Paris Saint-Germain erwiesen der Feuerwehr eine besondere Ehre. Sie trugen im Spiel gegen AS Monaco am Sonntagabend Trikots mit dem Logo der Kathedrale. Auf der Tribüne wurde zudem ein grosses Banner der Kathedrale gezeigt.
Einige Einsatzkräfte und deren Kinder waren bei dem Match am Sonntag im Stadion. Der Hauptstadt-Club kündigte zudem an, eine auf 1000 Stück limitierte Auflage des Sonder-Trikots verkaufen zu wollen. Der Erlös soll an Feuerwehrverbände gespendet werden.
Die Ursache für das am Montagabend ausgebrochene Feuer ist bisher nicht geklärt. Ermittler gehen davon aus, dass die Katastrophe auf einem Unfall beruht. Die Ermittler vernahmen Zeugen - darunter auch Arbeiter, die vor dem Feuer an Renovierungsarbeiten beteiligt waren.
(sda)