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Zwölf Jahre stand der Milliardär Bloomberg an der Spitze New Yorks. Künftig wird ein linker Demokrat die Millionenmetropole steuern. Bill de Blasio will eine Reichensteuer und bezahlbaren Wohnraum - und triumphiert damit.
Aus den Lautsprecherboxen schallt der aktuelle Nummer-eins-Hit der US-Charts, als sich Bill de Blasio seinen jubelnden Anhängern präsentiert. Gerade hat er mit einem Erdrutschsieg den Republikaner Joe Lhota im Rennen um das Amt des Bürgermeisters von New York geschlagen. Am 1. Januar 2014 wird der grosse und schlaksige Demokrat Michael Bloomberg ablösen, der das Amt zwölf Jahre lang ausübte.
Jetzt reckt de Blasio zu Lordes Pophymne «Royals» die Arme in die Höhe und lässt sich feiern. «Die Menschen in dieser Stadt haben sich heute für einen progressiven Weg entschieden», ruft er in die Menge. «Und wir stehen zusammen in dem Glauben, dass dabei kein New Yorker auf der Strecke bleibt.»
Neben de Blasio strahlen seine afro-amerikanische Frau Chirlane im roten Kleid, seine Tochter Chiara mit Blumen in den Haaren und sein Sohn Dante, dessen riesige Afro-Frisur de Blasio zu Beginn des Wahlkampfs fast über Nacht zum Stadtgespräch werden liess.
Die Familie de Blasio steht für alles, was der Amtsinhaber und Milliardär Bloomberg nicht ist: Sie sind multi-ethnisch und wohnen im Trend-Bezirk Brooklyn und nicht auf der teuren Upper East Side. Die Kinder waren auf ganz normalen öffentlichen Schulen. Die Familie gilt als bodenständig, nahbar und bescheiden.
Trotzdem hatte kein Experte den 52-jährigen de Blasio zu Beginn des Wahlkampfs auf der Rechnung. Die vom Amtsinhaber Bloomberg unterstützte Christine Quinn, Chefin des Stadtrats, und der Skandalpolitiker Anthony Weiner galten lange als Favoriten.
Aber dann holte de Blasio auf, dominierte die Vorwahl seiner Partei deutlich und lag seitdem in allen Umfragen gegen seinen republikanischen Gegenkandidaten Lhota praktisch uneinholbar vorn. Auch die «New York Times» unterstützte de Blasio schliesslich.
Geschafft hat der Demokrat das mit einer Mischung aus «weiter so» und «alles neu»: Die bei den Einwohnern der Millionenmetropole New York beliebten Errungenschaften der zwölfjährigen Bloomberg-Ära will de Blasio beibehalten und fortsetzen, etwa die vielen neuen Radwege, die Wiederbelebung der Küstenstreifen, das vielerorts geltende Rauchverbot und die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit.
Aber er hat auch eine - unter dem Milliardär Bloomberg undenkbare - Reichensteuer angekündigt, um eine bessere Kinderbetreuung zu finanzieren. Ausserdem hat er mehr bezahlbaren Wohnraum und höhere Standards an den Schulen versprochen.
Einfach wird das alles nicht, warnt de Blasio nach seinem Wahlsieg noch einmal seine Anhänger. «Die Herausforderungen, die wir vor uns haben, sind über Jahrzehnte entstanden und die Probleme werden nicht über Nacht gelöst werden», ruft er in die jubelnde Menge. «All unsere Arbeit beginnt eigentlich erst jetzt und wir machen uns keine Illusionen darüber, was für Aufgaben vor uns liegen.»
(sda/ama/rcv)