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Rund vier Milliarden Menschen, fast zwei Drittel der Weltbevölkerung, leiden mindestens einen Monat pro Jahr unter Wasserknappheit. Und 2015 hatten drei von zehn Menschen auf der Welt keinen Zugang zu Trinkwasser. Diese Zahlen gehen aus einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen hervor.
160 Liter Wasser für eine Tasse Kaffee
Die Schweiz, wegen ihrer Berge und Gletscher als das Wasserschloss Europas bekannt, verfügt über reichlich Wasserressourcen. Trotzdem ist sie nicht immun gegen globale Probleme des Wasserhaushalts. Die Zahlen der Uno zeigen, dass eine Person in der Schweiz pro Tag im Schnitt 4200 Liter Wasser verbraucht. Der Wasser-Fussabdruck berücksichtigt sowohl die direkte Nutzung von Wasser – etwa zum Kochen, Waschen und Putzen – als auch die indirekte Nutzung, sozusagen das virtuelle Wasser, das für die Produktion von landwirtschaftlichen und industriellen Gütern benötigt wird. Im Fall von Kaffee beispielsweise brauche es 160 Liter Wasser, um eine einzige Tasse voll zu produzieren, erklärt Emmanuel Reynard, Professor für Geographie und Nachhaltigkeit an der Universität Lausanne.
Schweizer Wohlstand dank ausländischen Wasserressourcen
Auch wenn der Wasserverbrauch der Schweiz pro Kopf im weltweiten Durchschnitt liegt, zeigt die Analyse ihres Wasser-Fussabdrucks eine Besonderheit: Ein Grossteil des von den Schweizerinnen und Schweizern verbrauchten Wassers ist importiert: 82 Prozent des Schweizer Wasserverbrauchs fällt nämlich durch Waren und Dienstleistungen an, die aus dem Ausland eingeführt werden. Zum Vergleich: Dieser Wert liegt in den USA bei 20 Prozent und in Italien bei 60 Prozent, wie die Stiftung Barilla Center for Food & Nutrition erklärt.
Dieser hohe Prozentsatz für die Schweiz sei problematisch, sagt Sophie Nguyen Khoa Man, Expertin für den Bereich Wassersicherheit beim Hilfswerk Helvetas, gegenüber swissinfo.ch. «Die Mehrheit dieser importierten Waren und Dienstleistungen stammt aus Entwicklungsländern, in denen die Wasserressourcen nicht immer in ausreichender Menge und/oder Qualität zugänglich sind, um den Bedürfnissen des Erzeugerlandes gerecht zu werden.»
Laut einem Bericht der Umweltschutz-Organisation WWF, der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit Deza und einiger Universitäten von 2012 «verdankt die Schweiz ihren Wohlstand den Wasserressourcen anderer Länder (….), oft in Gebieten der Erde, in denen das Wasser sehr knapp ist». Darunter Äthiopien, Sudan, Kenia, Indien, Afghanistan und Pakistan.
Schweiz kann Reduktion fördern
Laut der Helvetas-Spezialistin Sophie Nguyen Khoa Man kann die Schweiz eine entscheidende Rolle bei der Reduktion des Wasser-Fussabdrucks spielen, indem sie diese Herstellerländer unterstützt, insbesondere durch Programme zur nachhaltigen Wasserwirtschaft. Dazu gehören die Einführung von Methoden zur Senkung des Wasserverbrauchs bei der Herstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die Verringerung der Wasserverschmutzung während industrieller Prozesse und die Förderung von Plattformen für Dialog und Austausch zwischen allen Beteiligten, damit die Wasserwirtschaft effektiver und gerechter wird.
Emmanuel Reynard hingegen findet, dass man die Konsumenten stärker sensibilisieren müsste. Zum Beispiel indem man Produkte mit einem geringeren Wasserverbrauch speziell kennzeichnet.