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Früher Widerstand gegen die Wasserkraft im Urserental
Zum Artikel Der vergessene Widerstand,«Die Alpen» 10/2020
Es ist schade, dass Ihre schöne Serie nichts vom Widerstand gegen den Staudamm im Urserental erwähnt hat. Hier eine Zusammenfassung: Bereits in den 1920er-Jahren widersetzten sich die Bewohner des Urserentals dem Projekt eines Wasserkraftwerks am Eingang der Schöllenen, welches das Tal überschwemmt hätte. Der Historiker Anselm Zurfluh erzählt in Un monde contre le changement (1993), wie sich die Bauern in einem vom Fortschritt noch unberührten Tal jahrelang so vehement zusammenschlossen, dass es sogar in Gewalt ausartete.
Als ein Zürcher Ingenieur nach Andermatt fuhr, um die Pläne für den Staudamm zu zeigen, drängten sich 800 Personen vor seinem Hotel, sie plünderten sein Büro, schleppten ihn zur Stelle des künftigen Staudamms und setzten ihn in den Zug zurück nach Zürich. Er wurde wegen der Misshandlungen ins Spital eingeliefert. Er klagte wegen Körperverletzung und forderte 140 000 Franken Schadenersatz. Im örtlichen Gericht erklärten die Angeklagten, dass der Kläger betrunken war und sich auf dem Heimweg verletzt haben musste, als er aus dem Tram fiel. Der wiederum wandte sich an das Bezirksgericht Altdorf, wo man die Verantwortlichkeit unter den Streitparteien aufteilte. Daraufhin wandte sich der Ingenieur an das Bundesgericht in Lausanne, wo die Angeklagten zu hohen Entschädigungszahlungen verurteilt wurden. Die Talkorporation übernahm diese. Laut Zurfluh sind in den mündlich überlieferten Urner Sagen zehn Gebote festgelegt, die unter Strafandrohung nicht gebrochen werden dürfen. Der Zürcher Ingenieur konnte nicht verstehen, dass ein Staudammprojekt das Kostbarste bedrohte, was die Bauern besassen: das heilige Gras für ihre Kühe, den Grund und Boden ihrer Vorfahren. Und das ebendies zu einer instinktiven Feindseligkeit führen kann, die letztendlich in einem handgreiflichen Konflikt ausartet. Am Ende wurde das Projekt aufgegeben.