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Visuelle Wahrnehmungsstörungen – harmlos oder medizinischer Notfall?
Optische Wahrnehmungsstörungen wie Blitze, Rauch, dunkle Flecken oder Schatten können Teil einer Augenkrankheit, ein Signal für einen ophthalmologischen Notfall oder gänzlich harmlos sein. Die Symptome sind oft charakteristisch für eine Grunderkrankung. In jedem Fall ist eine Untersuchung beim Augenarzt empfehlenswert, um die Ursache zu ermitteln und eine ernsthafte Gefährdung der Augengesundheit zu vermeiden.
Mouches volantes / Floater
Die optischen Phänomene „Mouches volantes“, für „fliegende Mücken“, beschreiben das Erscheinen dunkler, sich bewegender Strukturen. Sie werden auch als Punkte oder Linien gesehen. Beim Lesen oder beim Betrachten heller Oberflächen werden sie intensiver und auffälliger. Sie erscheinen stärker, wenn Betroffene der Sichtlinie folgen, also nicht auf einen Punkt fixiert sind. „Floater“ bewegen sich im Blickfeld. Mögliche Gründe für das Auftreten dieser optischen Täuschung sind:
- Plötzliche, kurzfristige Trübung, die durch eine geringe Blutung verursacht wird, beispielsweise durch heftiges Husten oder schweres Heben.
- Hintere Glaskörperabhebung, normalerweise kombiniert mit Lichtblitzen.
- Glaskörpertrübungen durch altersbedingte degenerative Prozesse im Glaskörper.
Mouches volantes können Manifestationen des Alterungsprozesses des Glaskörpers, harmlose Trübungen oder Zeichen einer hinteren Glaskörperabhebung sein. Im letzteren Fall sind oft zusätzliche Blitze vorhanden, was auf die Gefahr einer Netzhautablösung hinweist. Daher ist eine augenärztliche Abklärung empfehlenswert. Eine akute Glaskörperabhebung birgt immer das Risiko einer Netzhautablösung. Eine augenärztliche Untersuchung und jegliche Behandlung sollten innerhalb von 24 Stunden erfolgen.
Russregen oder nebliger Regen
Eine Illusion oder ein Eindruck von Schwärze, sich bewegenden Punkten und punktförmigen Strukturen und Objekten entsteht normalerweise aufgrund einer Glaskörperblutung, verursacht durch Blutgefässrisse. Typischerweise hat der Glaskörper eine nahezu zellfreie, transparente Struktur. Die Opazität wird durch die Projektion von freiem Zellmaterial aus dem Glaskörper auf die Netzhaut verursacht. So können freie Zellen im Glaskörper und präretinalen Bereich zum Sehen von Rauchregen führen. Da dieses optische Phänomen ein Zeichen für eine drohende Netzhautablösung sein kann, ist es immer dringend notwendig, sofort einen Notfall Augenarzt aufzusuchen.
Blitz- und Lichtphänomene
Visuelle Täuschungen wie Blitze entstehen häufig durch eine mechanische Einwirkung auf die Netzhaut. Einrisse oder Netzhautablösungen sind häufig mit der Wahrnehmung heller Lichtreize verbunden. Aber auch eine Glaskörperablösung kann zu hellen Blitzschlägen führen. Betroffene erleben helle Lichtblitze, überwiegend von der gleichen Stelle im Gesichtsfeld. Sie sind besonders im Dunkeln oder bei geschlossenen Augen auffällig. Da diese Störung ein Warnzeichen für Netzhautrisse sowie eine drohende oder abgeschlossene Netzhautablösung sein kann, muss umgehend eine Augenuntersuchung und Diagnostik erfolgen.
Schatten, fallender Vorhang oder dunkle Wand
Auch diese visuellen Wahrnehmungsstörungen stehen im Verdacht einer Netzhautablösung. Durch die Ablösung des Netzhautareals wird die noch intakte Netzhaut von dem abgelösten Areal „beschattet“. Betroffene beschreiben dieses optische Phänomen als einen fallenden Vorhang oder eine sich bewegende schwarze Wand. Eine Augenuntersuchung wird dringend empfohlen.
Flimmerskotom (Augenflimmern)
Sehstörungen (Skotome) mit Flackern und Flimmern oder Wahrnehmung heller Lichtreize und leuchtender punktförmiger Strukturen oder Objekte werden auch als Flimmerskotome bezeichnet. Oft sind flackernde, schimmernde oder leuchtende Flecken zu sehen, die wandern und sich ausdehnen. Dieser Zustand kann bis zu einer Stunde andauern und dann verschwinden. Beispielsweise ist ein Augenflimmern bei Migräne (insbesondere ophthalmischer Migräne) üblich. Diese optischen Störungen können jedoch auch von Migräne-typischen einseitigen Kopf- und Augenkopfschmerzen begleitet sein. Dieses Phänomen hat einen Effekt auf die Augengesundheit. Betroffene sollten jedoch einen Augenarzt aufsuchen, wenn sie Strukturen oder Gegenstände sehen, die im Sichtfeld eigentlich nicht vorhanden sind.
Gesichtsfeldausfall
Als Skotome („skotos“, griechisch für Dunkelheit) werden in der Augenheilkunde nicht mehr oder weniger wahrnehmbare Bereiche des Gesichtsfeldes bezeichnet. Die Ursache können Erkrankungen im Augenbereich oder im Sehbahnverlauf sein. Gesichtsfeldausfälle können unter anderem in folgenden Situationen auftreten:
- Augenerkrankungen: Glaukome, verstopfte Blutgefässe, Netzhautablösung, Augentumor
- Bereich der Sehbahn: Schädigung des Sehnervs, Tumor im Bereich der Sehbahn. Oft ist bei Tumoren im hinteren Bereich des Gehirns ein Gesichtsfeldausfall das erste Krankheitszeichen.
- Sehzentrum: Blutungen oder unzureichende Blutversorgung im visuellen Kortex
Je nach Lokalisation der Verletzung können Gesichtsfeldausfälle nur in einem Auge oder in beiden gleichzeitig auftreten. Weiterhin lassen sich verschiedene Arten von dunklen Flecken unterscheiden:
- Blinder Fleck: Physiologisches, also natürliches Skotom, das durch den Austritt des Sehnervs aus dem Auge verursacht wird.
- Zentralskotom: Verlust in der Mitte des Gesichtsfeldes, oft begleitet von schwerer Sehbehinderung
- Flimmerndes Skotom: Reduziert die Sicht im Gesichtsfeld durch flackernde und flimmernde Strukturen, häufig bei Migräne
- Bogenskotom: Verlust des Bogensehens, normalerweise bei Glaukom
Gesichtsfeldverluste werden immer ernst genommen, da sie sowohl auf Augenerkrankungen als auch auf eine Beeinträchtigung der Sehbahn hindeuten können. Daher sollten diese optischen Phänomene immer von einem Augenarzt überprüft werden.
Zusammenfassung
Wie wir Dinge wahrnehmen, hängt von der Fähigkeit unseres Gehirns ab, die von den Augen erfassten Informationen zu verarbeiten. Neu auftretende und plötzliche Störungen wie Schatten, Blitze und schwarze Flecken bedürfen immer einer augenärztlichen Untersuchung, egal ob bei Erwachsenen oder bei Kindern. Visuelle Phänomene können zwar harmlos sein und von sich selbst wieder zurückbilden. Wenn aber die Beschwerden bei Ihnen oder bei Ihren Kindern länger andauern und Schwierigkeiten im täglichen Leben verursachen, ist eine medizinische Untersuchung erforderlich. Ernsthafte Gefährdungen des Auges, wie Netzhautrisse oder gar eine Netzhautablösung, müssen jedoch von einem Facharzt ausgeschlossen werden.
Quellen
Timothy L Jackson: Moorfields Manual of Ophthalmology, third edition, Kapitel Medical Retina (Seite 465 -584.) und Neuro-Ophthalmology (Seite 693-754.)