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Zersiedelungsinitiative: Eine Denkzettel-Abstimmung?
Wenn Bundesrätin Simonetta Sommaruga damit argumentiert, dass «die Fläche der Bauzonen (…) seit 2012 stabil (sei)», ist damit auch gesagt, dass es nicht gelang, die völlig überdimensionierten Bauzonen mit Platz für zehn Millionen Einwohner zu reduzieren – verhindert von einer mächtigen Lobby und willfährigen Behörden. Bereits bei den Zweitwohnungen hat der Souverän Exzessen einen Riegel geschoben. Dies kaum aufgrund von raumpolitischem Sachverstand, sondern als Abwehrreflex gegen Privilegierte und Reiche, nicht wenige davon begüterte Ausländer. Auch bei der Zersiedelungsinitiative könnte das Kind mit dem Bad ausgeschüttet werden, wenn einer simpel gestrickten und vielleicht gerade deshalb populären Initiative aus Frustration zugestimmt wird. Offensichtlich ist eine Mehrheit von Mietern mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von etwa 100 Quadratmetern nicht mehr bereit, die Expansion von Villenquartieren und die Besetzung von Seeufern und anderen besten Lagen durch diejenigen weiter zu tolerieren, welche die Mietzinse innert zehn Jahren verdoppelt haben. Die Geschichte der letzten Jahrzehnte zeigt, dass entgegen den Illusionen von Frau Sommaruga – selbst eine Vertreterin der Besitzenden – eben kein Umdenken bei den Landbesitzern und deren Politikvertretern stattfindet. Deshalb braucht es einen Ausgleich zwischen den uferlosen Bauzonen in ländlichen Gebieten zugunsten des Bedarfs im städtischen Umfeld.
Hans-Ruedi Hertig, Strengelbach