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Dreierkette – Das Mysterium
Erlebt die Dreierabwehrreihe ein Revival? Vielfach wird darüber beschmunzelt, wenn Trainer eine Dreierkette – zumeist im 3-4-3-System – aufbieten. Man meint das sei eine Amateurtaktik. Doch dabei liegt eine Verwechslung vor. Man erinnert sich fälschlicherweise an frühere Zeiten, wo ein Libero mit zwei Manndeckern in der Defensive spielten.
Natürlich existiert auch in der modernen Dreierkette ein Mittelmann, der sich wahlweise fallen lässt oder nach vorn einschaltet. Das 3-4-3 ist darauf angelegt, dass die beiden äußeren Verteidiger sich im Spielaufbau mehr in Richtung Außenbahn bewegen und den Flügelspieler unterstützen. Dieser steht sonst allein an der Linie und muss so einerseits enorme Laufwege gehen und anderseits hat er wenig Möglichkeiten mit simplen Überlaufaktionen sich oder den Partner auf außen frei zu spielen. Im Rückwärtsgang wiederum rücken die Verteidiger ein und die äußeren Mittelfeldspieler werden zu Außenverteidigern.
Dieses System erfordert einerseits ein enormes Maß an taktischer Intelligenz und sogleich müssen die Flügelspieler vor allem konditionell und spieltechnisch stark sein. Ansonsten geht es in die Hose. So gesehen beim Testspiel der DFB-Elf in der Ukraine 2011. Auf den Außenbahnen agierten Dennis Aogo und Christian Träsch, die keine Durchschlagskraft nach vorne entwickelten. Zugleich funktionierte das Rückwärtsspiel nur mäßig, sodass beim ersten Treffer der Ukrainer die beiden äußeren deutschen Glieder der Dreierkette sich an den Flügelstürmern orientierten und damit der Mittelmann allein gegen zwei anlaufenden Ukrainer war. Dies war natürlich auch ein Fehler des defensiven zentralen Mittelfelds, das in dieser Situation geschlafen hat. Es blieb bei diesem einen Versuch von Jogi Löw.
Eine etwas andere Variante ist das 3-3-3-1-System, was vor allem auf optimale Raumaufteilung ausgelegt ist. Das Agieren der Dreierabwehrreihe gestaltet sich dabei ähnlich wie beim 3-4-3. Der FC Barcelona hat in letzter Zeit dieses System des öfteren benutzt und den Vorteil mit Spielern wie Dani Alves extrem laufstarke Außenspieler aufbieten zu können. Aber auch hier sind defensive Schwächen in der gesamten Taktik erkennbar.
Alternativ dazu existiert die Möglichkeit die Dreierkette rochierend in der Defensive zu einer Viererkette umzugestalten. In diesem Fall wird der äußere Verteidiger bei einem Angriff über seine Seite zu einem Außenverteidiger. Seine beiden Kollegen formieren sich zu einer Innenverteidigung und der äußere Flügelspieler übernimmt die Außenverteidigung und rückt gegebenenfalls noch etwas ein. Aber auch hier braucht es ein hohes taktisches Verständnis der Spieler.
Die Dreierkette hat mit eben dem FC Barcelona oder dem SSC Neapel bereits wieder Anhänger gefunden. Nicht ausgeschlossen, dass es in Zukunft noch mehr Mannschaften mit dieser Abwehrformation geben wird.