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Der akute Funktionsverlust oder Ausfall eines Gleichgewichtsorgans äussert sich in plötzlich einsetzendem Schwindel mit Gangunsicherheit und Fallneigung, welcher in der Regel für Tage anhält und sich dann im Laufe mehrerer Wochen wieder bessert. Im Falle eines chronischen Funktionsverlustes entwickeln sich diese Symptome schleichend.
Meistens kann beim akuten Funktionsverlust eines Gleichgewichtsorganes (AUVP = akute unliaterale Vestibulopathie) keine zugrundliegende Ursache gefunden werden. Dann sprechen wir von einer Neuropathia vestibularis. Diese wird auch Neuritis vestibularis genannt, da man davon ausgeht, dass der Erkrankung eine Reaktivierung von Herpes-simplex-Viren in den Nervenzellen des Gleichgewichtsorgans zugrundliegt. Ein akuter Ausfall des Gleichgewichtsorgans kann auch durch eine Mittelohrentzündung ausgelöst werden, welche auf das Innenohr übergreift (sog. Labyrinthitis) oder durch ein Schädel-Hirn-Trauma (Contusio labyrinthi) bzw. einen Schädelbasisbruch im Bereich des knöchernen Innenohres (sog. Felsenbeinfraktur).
In seltenen Fällen sind die Symptome eines akuten Gleichgewichtsausfalls durch eine Durchblutungsstörung (Labyrinthischämie) oder eine Blutung im Innenohr (Labyrinthblutung) bedingt.
Falls sich das Gleichgewichtsorgan nach einem akuten Ausfall nicht erholt, wir die fehlende Funktion vom Gehirn und dem Gleichgewichtsorgan der Gegenseite ausgeglichen (sog. vestibuläre Kompensation). Mit zunehmender Kompensation nehmen die Symptome der akuten Gleichgewichtsstörung im Verlauf von Wochen und Monaten ab.
Ein chronischer Ausfall eines Gleichgewichtsorgans ist z.B. durch einen gutartigen Tumor am Gleichgewichtsnerv (Vestibularisschwannom), einen M. Menière oder eine Autoimmunerkrankung des Innenohres bedingt. Auch hier ist eine zentral-vestibuläre Kompensation möglich.
Der akute Gleichgewichtsausfall wird in der Regel mit Corticosteroiden (einer Art Cortison) in Tablettenform behandelt. Aus klinischen Studien wissen wir, dass sich mit dieser Therapie die Wahrscheinlichkeit einer Erholung des Gleichgewichtsorgans erhöht. In den ersten Tagen kommen zusätzlich Medikamente zur Linderung des Schwindels und der Uebelkeit zum Einsatz (sog. Antiemetika, Antivertiginosa). Danach werden diese Medikamente bewusst nicht mehr eingesetzt, um die Kompensation der Gleichgewichtsfunktion im Gehirn nicht zu beeinträchtigen.
Beim chronischen Gleichgewichtsausfall richtet sich die Therapie nach der Grunderkrankung. In beiden Fällen ist ein spezialisiertes Gleichgewichtstraining zur Förderung der Kompensation essenziell (vestibuläre Physiotherapie).
Im Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen erfolgt die interdisziplinäre Abklärung möglicher Differenzialdiagnosen eines akuten oder chronischen Funktionsverlustes des Gleichgewichtsorgans (z.B. Vestibularisschwannom, M. Menière, Durchblutungsstörung des Gleichgewichtsorgans / Gehirns). Abhängig von der Ursache wird für jeden Patienten ein individuelles Therapiekonzept erstellt.
Einen besonderen Stellenwert nimmt hier die vestibuläre Physiotherapie durch die Abteilung für Physio- und Ergotherapie ein. Unsere Therapeutinnen und Therapeuten sind auf die Rehabilitation von Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans spezialisiert und erarbeiten zusammen mit Ihnen ein individuelles Trainingsprogramm, damit sie bald wieder mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen.
Sie können sich als Patientin oder Patient nicht direkt zu einer Konsultation anmelden. Bitte lassen Sie sich durch Ihren Hausarzt, Ihre Hausärztin, Ihren Spezialisten oder Ihre Spezialistin überweisen.
Universitätsspital Zürich
Klinik für ORL
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