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Kitt,
eine
Substanz, welche, im flüssigen oder breiartigen Zustand zwischen gleichartige oder ungleichartige
Flächen
gebracht, diese nach dem Erstarren fest miteinander verbindet und dabei den Einflüssen, denen der ge
kittete Gegenstand ausgesetzt
zu sein pflegt, hinreichend widersteht. Die aneinander zu
kittenden
Flächen sind stets sorgfältig zu
reinigen, namentlich von jeder
Spur
Fett zu befreien, und dann nicht mehr mit den
Händen zu berühren. Der
Kitt ist in möglichst
gleichmäßiger, dünner
Schicht aufzutragen, und falls er warm angewandt werden muß, sind die zu ver
kittenden Gegenstände
mindestens auf dieselbe
Temperatur zu bringen, auch dürfen dieselben nicht vor dem völligen Erhärten
des
Kittes in
Gebrauch genommen werden.
Die Öl
kitte bestehen aus
Leinöl oder Leinölfirnis, mit
Bleiglätte,
Mennige und erdigen
Substanzen gemischt; sie sind luft-
und wasserdicht, erhärten etwas langsam, werden aber endlich sehr fest und sind ziemlich dauerhaft. Man benutzt sie besonders
zum Verbinden von
Röhren,
[* 2] zum
Kitten von
Porzellan und
Stein etc. Zum Dichten von Dampfleitungsröhren
mischt man
Bleiweiß,
[* 3]
Bleiglätte oder
Mennige und
Leinöl mit einem
Hammer
[* 4] zu einer steifen
Masse, bestreicht einen Bleiring auf
beiden Seiten messerrückendick mit dem
Kitt und legt ihn zwischen die
Flantschen. Man kann den
Kitt auch dünner machen, einen
Hanfzopf damit tränken und diesen zwischen die
Flantschen legen. In allen
Fällen muß der
Kitt reine Metallflächen
berühren. Zum Ein
kitten von
Glas
[* 5] in Metallhülsen benutzt man denselben
Kitt, muß aber die gekitteten
Stücke einige
Tage hindurch
erhitzen. Zur Bereitung des
Mastic Serbat reibt man 50 Teile
Zinkoxyd und 50 Teile schwefelsaures
Bleioxyd mit 36 Teilen
Leinöl
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zusammen, fügt 100 Teile gemahlenen Braunstein und 100 Teile Englischrot hinzu, stößt die Masse 12 Stunden in einem gußeisernen
Mörser und fügt allmählich noch 100 Teile Braunstein und 100 Teile Englischrot hinzu. Die Masse muß sich, ohne zu brechen,
zwischen den Fingern rollen lassen. Aus gelöschtem Kalk, Roggenmehl und Leinölfirnis erhält man einen
Kitt, der für Holzfugen u. dgl. sehr geeignet
ist. Der ähnliche Graphitzement besteht aus Graphit, an der Luft zerfallenem gebrannten Kalk, schwefelsaurem Baryt und gekochtem
Leinöl.
Der Diamantmetall
kitt enthält außerdem Bleiglätte und Schlämmkreide. Der Mastixzement wird aus gemahlenem Kalk und Sandstein,
Bleiglätte und Leinöl zur Konsistenz von feuchtem Sand angemacht und in Steinfugen etc. gestampft oder
in Formen gepreßt. Der Mennig
kitt soll durch eine Mischung von 6 Teilen Graphit, 3 Teilen zu Pulver gelöschtem Kalk, 3 Teilen
schwefelsaurem Baryt und 3 Teilen gekochtem Leinöl weit übertroffen werden. Glaserkitt besteht aus Schlämmkreide und Leinölfirnis,
erstarrt schneller bei Zusatz von etwas Bleiglätte, Zinkweiß oder Mennige.
Harz
kitte bestehen aus Harzen, die geschmolzen angewandt werden, oder aus Harzlösungen, die durch Verdunsten des Lösungsmittels
erstarren. Sie sind sehr widerstandsfähig gegen Wasser und Säuren, eignen sich besonders zum
Kitten von Glas, Porzellan, Thon,
Leder, Holz
[* 7] etc., zum Verschließen von Steinfugen, halten aber in der Regel keine große Wärme
[* 8] aus. Um
Bernstein
[* 9] und Schildpatt zu kitten, schmelzt man gleiche Teile Mastix und Leinöl zusammen. Ein wasserdichter Leim für Holz auf
Holz besteht aus einer dicken Auflösung von Schellack mit Alkohol, mit welcher man beide Flächen bestreicht.
Beim Zusammenfügen legt man ein Stückchen von zartem Flor dazwischen. Metall auf Holz kittet man mit einer heißen Mischung von 4 Teilen gelbem Harz, 1 Teil schwarzem Pech, 2 Teilen Wachs und 1 Teil Ziegelmehl. Zur Befestigung von Glas in Metallhülsen dient eine Mischung von 8 Teilen Kolophonium, 2 Teilen weißem Wachs, 4 Teilen Englischrot und 1 Teil venezianischem Terpentin. Schellack, vorsichtig mit seinem gleichen Gewicht Bimssteinpulver oder Kieselgur zusammengeschmolzen, gibt einen trefflichen Kitt für Glas auf Metall, Metall auf Holz oder Porzellan.
Schellack, mit Mastix und etwas Terpentin zusammengeschmolzen, liefert einen guten Glas- und Porzellankitt. Um Messer [* 10] in den Heften zu befestigen, füllt man letztere mit einem Pulver aus 1 Teil Ziegelmehl und 2 Teilen Kolophonium, erhitzt die Angel der Klinge und stößt sie hinein. Dieser Kitt ist auch brauchbar, um die Fugen in Holzgefäßen zu verschließen etc. Der Seeleim (Marineleim) wird erhalten, indem man 1 kg Kautschuk in 50 Lit. Schwefelkohlenstoff löst, ein gleiches Gewicht Schellack hinzusetzt und unter Erwärmen die Masse gleichförmig macht.
Statt des Schwefelkohlenstoffs kann man auch gereinigtes Steinkohlenteeröl anwenden und davon so viel nehmen, daß der Kitt flüssig wird. Er dient zum Aneinanderleimen der Hölzer, zum Anbolzen von Zimmerwerk mit Holz oder Eisen, [* 11] zum Kalfatern der Schiffe, [* 12] zum Ausfüllen von Rissen und Spalten in Holz, Mauerwerk etc. Mit der flüssigen, auf etwa 140° erhitzten Mischung überstreicht man Metalle, Holz, Leinwand, Taue, Ziegel, Röhren, Papiere etc. Der Seeleim widersteht der Temperatur in allen Jahreszeiten [* 13] und besitzt eine sehr große Festigkeit. [* 14]
Leimkitte. Zum Kitten von Holz aus Glas, Metall, Stein etc. mischt man sirupdicke Leimlösung mit so viel Holzasche, daß eine firnisähnliche Masse entsteht, die warm verwendet werden muß. Kocht man 2 Teile Leim mit Wasser zu starker Konsistenz und setzt 1 Teil Leinölfirnis zu, so erhält man eine Masse, die sich zum Verkitten der Fugen in Holzgefäßen und zum Kitten von Metall auf Glas eignet. Um Leder auf Metall zu befestigen, bestreicht man ersteres mit einer heißen Galläpfelabkochung, letzteres mit Leim und drückt beides fest zusammen.
Gummikitt aus 4 Teilen arabischem Gummi und 16 Teilen weißem gebrannten Gips [* 15] eignet sich zum Kitten feiner Porzellanwaren, widersteht aber der Nässe nicht. Zur Darstellung des Diamantkitts löst man 2 Teile Hausenblase in 16 Teilen wässerigem Alkohol, vermischt die heiße Flüssigkeit mit einer Lösung von 1 Teil Mastix in 16 Teilen Alkohol und fügt noch ½ Teil Gummi ammoniacum hinzu. Der Diamantkitt eignet sich zum Kitten von Glas und Porzellan, er haftet nicht auf Metall und widersteht auch der Nässe nicht.
Man kann ihn in einer gut verschlossenen Flasche [* 16] lange aufbewahren und erwärmt ihn bei jedesmaligem Gebrauch. Crystal-Palace-Kitt wird erhalten, indem man zerschnittene wasserhelle Gelatine mit etwas konzentrierter Essigsäure in einem Porzellanschälchen erwärmt, bis eine dickflüssige, gleichmäßige Masse entstanden ist, die in verschlossenen Gefäßen aufbewahrt und zum Gebrauch jedesmal durch Einstellen des Gefäßes in heißes Wasser geschmolzen werden muß.
Man streicht sie dann auf die erwärmte Bruchfläche und läßt diese fest aneinander gedrückt 12-14 Stunden ruhig liegen. Sehr vielseitig verwendbar ist ein Kitt aus fein gepulverter Bleiglätte und Glycerin. Er erhärtet schnell, wird steinhart und widersteht sehr gut dem Wasser und den Säuren. Man benutzt ihn auf Holz, Glas, Porzellan, Stein und Metall, besonders zum Befestigen von Eisen auf Eisen, Eisen in Stein etc. Ein vielfach brauchbarer Metallkitt wird aus Stärkemehl und Chlorzinklösung erhalten.
Kasein- und Eiweißkitte. Ein zäher Brei aus 4 Teilen altem magern Käse, 1 Teil zu Pulver gelöschtem Kalk und wenig Wasser eignet sich zum Kitten von Porzellan, von Glas auf Metall etc. Eine Lösung von möglichst fettfreiem Käsestoff in dem sechsfachen Gewicht einer konzentrierten Wasserglaslösung liefert ebenfalls guten Kitt. Eine Lösung von gereinigtem, fettfreiem Käsestoff in der doppelten bis vierfachen Menge einer kalt gesättigten Boraxlösung kann statt Klebleim oder Mundleim, überhaupt als Ersatzmittel des Leims in der Kunsttischlerei und Portefeuillefabrikation benutzt werden.
Alle diese Kitte widerstehen wenig der Feuchtigkeit und verlieren allmählich durch Zersetzung des Käsestoffs ihre Bindekraft. Zum Verkitten von Destillationsapparaten dient ein Kitt aus 3 Teilen Leinkuchenmehl, 2 Teilen Roggenmehl und Wasser. Wasserglas (von 30 Proz.) eignet sich recht gut zum Kitten von Porzellan, muß warm aufgetragen werden, widersteht aber nicht der Nässe. Gesprungene Glasflaschen oder irdene Krüge [* 17] kittet man mit Wasserglas; man erwärmt das Gefäß, [* 18] verschließt es dann luftdicht, streicht das Wasserglas von außen auf die Risse, läßt erkalten und spült, wenn das Wasserglas nach einigen Tagen getrocknet ist, mit Kalkwasser und dann mit reinem Wasser aus. Eine sehr haltbare Mischung zum Ausfüllen der Fugen und zum Kitten von Stein wird erhalten, wenn man das Wasserglas mit hydraulischem Kalk zum Brei mischt. Die Masse erhärtet sehr schnell und darf deshalb nur in geringen Quantitäten angefertigt ¶
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werden. Ein Kitt aus Wasserglas, Kreide [* 20] und Zinkstaub haftet sehr fest an Metallen, Stein und Holz. Thonkitte dienen hauptsächlich zum Dichten und Verkitten. Der gewöhnliche Ofenkitt wird aus Lehm und Salzwasser angemacht. Ofenkitt, der keine Sprünge bekommt und nicht aus den Fugen herausfällt, bereitet man aus einem zwei Faust großen Stück nicht zu fetten Lehms, indem man denselben mit einem Bogen [* 21] grauem, grobem und mit Milch angefeuchtetem Löschpapier gleichmäßig durchknetet, 15 g Kochsalz und 15 g Eisenvitriolpulver hinzusetzt und ihm mit Milch die gehörige Konsistenz gibt.
Den Teerthonkitt für Salzsäureapparate in den Sodafabriken erhält man durch Zusammenkneten von dickem Steinkohlenteer mit so viel fein gepulvertem feuerfesten Thon oder Pfeifenthon, als sich einverleiben läßt, und fleißiges Schlagen mit dem Hammer. Er wird mit mäßig erwärmten Eisenstücken in die zu dichtende Fuge eingestemmt, gibt völlig dichte, säurefeste Verbindung und wird mit der Zeit sehr hart. Einen vorzüglichen Zementkitt, der langsam erstarrt, große Härte annimmt und die teuren fetten Kitte ersetzen kann, erhält man aus fein gesiebtem Zement, mit 25 Proz. seinem Ziegelmehl und saurer Milch zu einem zähen Teig angemacht; derselbe eignet sich zum Verkitten der Fugen an Brunnenkasten, zum Verkitten der Steinaufsätze an den Siedekesseln der Seifensieder und Färber etc. Zement haftet auf Holz und Stein besser, wenn dieselben vorher mit etwas verdünnter Wasserglaslösung angestrichen wurden.
Rostkitte. Zum Verkitten von Fugen zwischen Eisen dient eine Mischung von 100 Teilen rostfreien Feil- oder Bohrspänen, welche gepulvert und gesiebt wurden, ¾ Teil Salmiak und ½ Teil Schwefelblumen. Man befeuchtet diese Substanzen mit Essig, knetet und schlägt sie so lange, bis die Masse fest und brüchig geworden ist, bringt diese dann in die rost- und fettfreien Fugen, treibt sie mit Hammer und Stemmeisen gut ein, wobei sie wieder feucht wird, und läßt alles zwei Tage ruhig stehen.
Bei sehr weiten Fugen nimmt man einen Kitt aus 3 Teilen gebranntem Gips, 2 Teilen Eisenfeilspänen, 1 Teil Hammerschlag und 1 Teil Kochsalz, fein gepulvert und mit Ochsenblut zu einem steifen Teig angemacht. Zum Verkitten von Eisen in Stein dient ein Brei aus 3 Teilen Gips, 1 Teil Eisenfeile und Wasser. Luftdichte Ofenthüren verkittet man mit einem Teig aus 120 Teilen Eisenfeile, 2 Teilen Salmiak, 8 Teilen Feldspat, 1 Teil Schwefelblumen und Wasser. Einen feuerfesten Eisenkitt für Röhren, welche im Feuer liegen, erhält man aus 4 Teilen Eisenfeilspänen, 2 Teilen Thon, 1 Teil Scherben von hessischen Tiegeln, mit gesättigter Kochsalzlösung zu einem Brei angerührt. Vor dem Anfeuern muß der Kitt gut trocknen. Einen feuerfesten Eisenkitt zum Ausstreichen von Fugen bereitet man aus grober Eisenfeile, Lehm, Salz, [* 22] Sand und Kuhhaaren, mit frischem Blut gemischt. Auch dieser Kitt muß sehr langsam trocknen, ehe gefeuert wird.
Porzellan und Glas kann man ziemlich dauerhaft mit einem Ölkitt (s. oben) kitten, wenn derselbe bei höherer Temperatur getrocknet wird. Am besten benutzt man aber Glasflüsse, welche gepulvert und mit Wasser zu einem Brei angerührt, zwischen die Bruchflächen gebracht und nach dem Trocknen geschmolzen werden. Man schmelzt z. B. 4 Teile Mennige, 4 Teile gebrannten Borax [* 23] und ½ Teil Kreide, gießt die flüssige Masse in kaltes Wasser, pulvert und reibt sie auf einer matt geschliffenen Glasplatte mit einem Läufer und Wasser ganz fein. Nachdem der gekittete Gegenstand getrocknet ist, entfernt man vorsichtig den überflüssigen Kitt und erhitzt ihn in einer Muffel oder in einem unglasierten irdenen Topf mit Deckel bis zum Schmelzen des Glasflusses.
Vgl. Lehner, Die Kitte und Klebmittel (Wien [* 24] 1877).