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Mit dem Normpositionen-Katalog NPK lassen sich Bauleistungen in Bezug auf Art, Qualität und Quantität beschreiben. Dass der NPK auch aus rechtlicher Sicht eine geeignete Grundlage darstellt, um übersichtliche, vollständige und verständliche Ausschreibungen durchzuführen, verdeutlicht der folgende Beitrag.
Mit der Beschreibung der Bauleistung zeigt die Bauherrschaft den offerierenden Bauunternehmern im Rahmen der Ausschreibung an, was in quantitativer und qualitativer Hinsicht gebaut werden soll. Dies geschieht häufig mit einem Leistungsverzeichnis, was dessen herausragende Bedeutung in der Baupraxis unterstreicht.
Mit einer «klaren Ausschreibung» ist natürlich nicht eine Submission gemeint, die sämtliche Missverständnisse ausräumt und spätere Streitigkeiten gänzlich verhindert. Nach diesem Verständnis dürfte nämlich nur dann von einer klaren Ausschreibung gesprochen werden, wenn die Ausschreibung sowohl dem bauherrenseitigen als auch dem unternehmerseitigen Idealzustand entspricht. Das ist utopisch.
Im Folgenden wird der Ausdruck «klare Ausschreibung» deshalb nicht in seiner strengsten terminologischen Form verwendet, sondern aus einer bescheideneren Perspektive betrachtet. Sie setzt sich mit der Frage auseinander, ob der NPK aus rechtlicher Sicht eine übersichtliche und verständliche Ausschreibung ermöglicht, die Missverständnisse unter den Beteiligten minimiert und Streitigkeiten vermeidet.
Vorteile bei Ausschreibungen mit dem NPK
Der NPK ist in der Schweiz nicht die einzige, aber eine weitverbreitete und standardisierte Methode, um Leistungsverzeichnisse zu erstellen. Er umfasst über eine Million standardisierter Normpositionen aus dem Hoch-, Tief- und Untertagbau. Auf Grundlage der Ausführungsunterlagen (Ausschreibungspläne, Baubeschrieb usw.) kann mit den standardisierten Textbausteinen der einzelnen Normpositionen ein Leistungsverzeichnis erstellt werden, das alle Leistungen beinhaltet, die der Bauunternehmer zur Ausführung des Bauwerkes zu erbringen hat. Damit bildet der NPK das Gerüst, um Bauarbeiten auf Grundlage eines Leistungsverzeichnisses auszuschreiben.
Rationalisierung der Ausschreibung
Die Aufgliederung der Bauleistung in Einzelleistungen ist ein komplexer Vorgang, der vom Ersteller des Leistungsverzeichnisses hohe Fachkenntnisse erfordert. Je komplexer die auszuschreibende Bauarbeit ist, desto detaillierter fällt für gewöhnlich die Beschreibung der Einzelleistungen aus. Indem die Anwender auf standardisierte, vorgefertigte Normpositionen zu den bauspezifischen Arbeitsleistungen zurückgreifen können, wird die Aufgliederung der Bauleistung stark vereinfacht. Damit geht auch eine Rationalisierung der Ausschreibung einher.
Darüber hinaus kann der Unternehmer auf Grundlage der standardisierten Textbausteine im NPK das Leistungsverzeichnis direkt in seine Kalkulationssoftware importieren, um die Preise der einzelnen Leistungen zu bestimmen. Auch deshalb wird die Offertstellung und damit die Ausschreibung rationalisiert.
Rechtssicherheit
Die einheitliche Formulierungsweise, der einheitliche Aufbau und die einheitliche Gliederung des NPK tragen dazu bei, dass die an der Ausschreibung beteiligten Personen (Architekt, Ingenieur, Bauherr, Unternehmer usw.) das Leistungsverzeichnis besser und vor allem gleich verstehen.
Damit werden einerseits die Risiken für Widersprüche und Lücken im Leistungsverzeichnis minimiert. Andererseits helfen standardisierte Textbausteine somit, den Ausschreibungen mehr Rechtssicherheit zu verleihen, indem sie für Klarheit, Beständigkeit und Vorhersehbarkeit bei der Aufgliederung der Bauleistung in Einzelleistungen sorgen.
Es ist unbestritten, dass der NPK als Grundlage für klare Ausschreibungen taugt – auch aus rechtlicher Sicht. Insbesondere Fehler, Widersprüche und Unvollständigkeiten, die bei der Erstellung von Leistungsverzeichnissen immer wieder auftreten und sich auf die Ausschreibung niederschlagen, können durch die Verwendung von vorgefertigten Standards wie dem NPK minimiert werden. Dies ist neben der Zeitersparnis, die mit der Verwendung des NPK einhergeht, ein Grund dafür, dass der NPK in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Dennoch ist der NPK kein «Wundermittel» für klare Ausschreibungen. Zwar vermögen vorgefertigte Standards allfällige Fehler, Widersprüche und Unvollständigkeiten bei der Erstellung von Leistungsverzeichnissen zu minimieren, sie lassen sich aber nicht gänzlich ausschliessen. Schlussendlich kommt es auch bei Ausschreibungen auf Grundlage des NPK immer darauf an, ob die Beteiligten gewillt sind, ihre Vorstellungen und ihr Verhalten im Rahmen der Ausschreibung der Bauarbeit so aufeinander abzustimmen, dass die Ausschreibung an Übersichtlichkeit und Verständlichkeit gewinnt. Zu einer transparenten Kommunikation gehören auch eine gemeinsame Kontrolle des Leistungsverzeichnisses und eine Koordination der Ausschreibungsunterlagen, damit Fehler, Unvollständigkeiten und Widersprüche minimiert werden können. Dabei ist eine schriftliche Dokumentation anzuraten – einerseits zu Beweiszwecken und andererseits deshalb, weil Änderungen, die bei der Ausschreibung getätigt werden, bis zum Vertragsschluss oft in Vergessenheit geraten.
Autor: Dr. iur. Carlo Peer