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Meiner kommt aus Bülach ZH. Dort ist er 1912 geboren. 1938 ist er mit seiner Frau , einer Appenzöllerin, ins Aargauer Seetal eingewandert. Hier ist ein Jahr darauf mein Vater geboren, und nochmals 35 Jahr später ich. Ende des letzten Jahrhunderts ist mein Grossvater dann gestorben.
Folglich bin ich ein Zürcher der dritten Generation im Aargau. Wäre mein Grossvater noch etwas weiter aus dem Osten gekommen und hätte er bei der Geburt den Pass der Bundesrepublik Österreich erhalten (äh, nein, das war damals ja noch das Kaiserreich Österreich), und hätte sich mein Vater nicht darum gekümmert, so hätte ich 2012 erstmals die Einbürgerung beantragen können - genau 100 Jahre nach der Geburt meines letzten Vorfahrs, der seine Heimat (und meine Papierheimat) noch persönlich kennengelernt hatte. Vorher hatte ich erst kein Geld und dann nie lange genug im selben Dorf gewohnt.
Ich hätte also ein Gesuch gestellt, die Bundesräte auswendig gelernt und den Heimatkundestoff der vierten Klasse repetiert. Dann den Einbürgerungs- und den deutschen Sprachtest absolviert, einige 1000 Franken Gebühren bezahlt und schliesslich an der Gemeindeversammlung erklärt, dass ich mich in dem Tal, in dem meine Eltern geboren sind, inzwischen gut integriert fühle, dass ich in mindestens zwei Vereinen mitmache und dass ich nun einer der hiesigen werden möchte. Für die Diskussion hätte ich den Saal verlassen müssen. Vielleicht wäre mein Nachbar aufgestanden und hätte gesagt, mit der Integration sei es doch nicht so weit her, denn ich sei ja manchmal stur wie ein Appenzöller und vorlaut wie ein Zürcher (Nun, der kannte eben meinen Grossvater nicht mehr, dieser war nämlich nie vorlaut). Aber vermutlich hätte man mich trotzdem eingebürgert, mit 132 gegen 58 Stimmen etwa, denn Gottseidank bin ich weder strenggläubig vegan noch habe ich je gegen Kuhglocken prozessiert, und dass ich gelegentlich politisch ein wenig links der Mitte stehe, hätte ich in der Situation natürlich schön für mich behalten. Anschliessend hätte man mit mir angestossen, und alle wären stolz gewesen über die weltläufige Grosszügigkeit ihres Dorfes.
Lächerlich finden Sie das? Ich auch ein bisschen. Und manch einer, der persönlich davon betroffen ist, wird es zu lächerlich finden, um überhaupt mitzumachen. Deshalb denken Sie daran, wenn Sie in einem Monat über das Bürgerrechtsgesetz abstimmen: Ausländer der dritten Generation sind in der Schweiz geborene Kinder von in der Schweiz geborenen Eltern, wie Sie auch. Die haben mit dem Heimatland ihres Passes nicht mehr zu tun als mit dem Land ihres letzten Badeurlaubes. Es gibt nicht den geringsten Grund, weshalb sie hier weniger Rechte und Pflichten haben sollen als irgend sonst jemand. Und es gibt keinen Grund, sie schlechter zu behandeln als andere Nutzniesser der erleichterten Einbürgerung, wie zum Beispiel staatenlose Kinder oder Leute, welche die Aufenthaltserlaubnis in der Schweiz aufgrund ihrer Ehe mit einem Schweizer Bürger erhalten haben.
Stimmen Sie ja zur "erleichterten Einbürgerung von Personen der dritten Ausländergeneration". Danke.