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Unter den Fernwaffen des Mittelalters kam neben dem Bogen der Armbrust die höchste Bedeutung zu. Als «tzagra» der Kreuzfahrer historisch erwähnt, wurde sie im 12. Jahrhundert im westlichen Europa die gefürchtete Trutzwehr englischer und französischer Söldnertruppen. Wohl verbot eine Lateransynode von 1139 die Armbrust im Kampfe wider Christen; doch blieb das Verbot ohne Erfolg. Die Armbrust erhielt sich im Feldgebrauch bis in die Zeit Kaiser Karl V.
In Basel wird seit dem 14. Jahrhundert der Armbrust als Kriegsinstrument Erwähnung getan. Beträge in den Ausgabenbücher des Rats, Hinweise in Wacht- und Kriegsordnungen, Notizen in Waffeninventarien und Zunftroteln bekunden ihre Verwendung. Im Jahre 1361 bewahrte die Stadt in der Waffenkammer im Rathaus 143 Armbrüste auf; 1415 war deren Zahl bereits auf 324 Stück nebst 60,000 Pfeilen gestiegen. Seinen Höhepunkt erreichte der städtische Besitz an Armbrüsten im kritischen Jahre 1444. Die Aeufnung dieses Waffenschatzes geschah durch direkten Kauf, durch vereinzelte Schenkungen und - durch Besteuerung. Denn 1411 verlangte der Rat von den sich durch Kauf Einbürgernden, es wäre Mann oder Frau, innert acht Tagen eine Armbrust, die mindestens fünf Gulden Wert haben musste. Drei Jahre später erweiterte sich diese Forderung auch auf Bürger, wenn sie ein öffentliches Amt erhielten.
Die häufige Verwendung der Armbrust lässt ihre unersetzlichen Dienste erkennen, die sie im Feld und besonders bei der Stadtverteidigung leistete. Ihr Kampfwert verschaffte ihr obrigkeitliche Geltung. Diese äusserte sich in der Bestallung eines handwerklichen Armbrusters von dem erstmals 1368 die Rede ist. Bald zählte dann der Stadtarmbruster zu den ständigen Staatsdienern, dessen Pflichten durch den ihm auferlegten Amtseid umschrieben waren. Neben der Anfertigung neuer Schiesszeuge oblag ihm die Instandhaltung des obrigkeitlichen Besitzes an Armbrüsten. Er sollte mit seiner Kunst «das beste ze tuonde, es sie ze bessernde, rat ze tuonde, oder ze machende, wie es denn ye zuo schulden kompt und empholen wirt, ze verhandelnde, es sie in der statt und uff dem velde, als dick das not durftig wirt, ouch von unsern herren den reten nit ze werbende noch von der statt ze farende one yren willen und wissen». Von Amtes wegen hatte er auch den privaten Schiessgesellen «zuo irem gezüge guotlich ze sehende, das beste ze tuonde und guot gerecht werck ze machende».
Waren es im 14. Jahrhundert hauptsächlich die geworbenen Söldner gewesen, die der Stadt als Schützen gedient hatten, so trat um die Jahrhundertwende deutlich das Bestreben zutage, aus den bürgerlichen Stadtinsassen eine zur Handhabung dieser Waffe kriegstüchtige Mannschaft heranzubilden. Die Aufmerksamkeit und Unterstützung, die der Rat dem Schützenwesen angedeihen liess, dokumentiert sich in erster Linie in der frühen Zuweisung und Herrichtung eines Schiessplatzes und Schützenhauses auf dem Petersplatz, dem klassischen Sportsplatz des mittelalterlichen Basels. Selbst den «kintsknaben», d.h. der noch nicht wehrpflichtigen Jugend, wurde dort, längs des Petersgrabens, eine kleine Zielstatt errichtet.
Die auf Ueberlieferung und Gewohnheitsrecht beruhenden Verhältnisse der Armbrustschiessgesellen liess der Rat 1466 in einer Ordnung dauernd klarlegen. Sie regelte sowohl die militärische Stellung der «Stachelschützen», die nicht bei ihrer respektiven Zunft dienten, sondern als Spezialtruppe dem Venner des Schützenfähnleins unterstanden. Ausführliche Bestimmungen galten des weitern der Schiessorganisation und den jährlich vom Rat gestifteten Natural- resp. Geldgaben, der sogenannten Hosenspende, die das eigentliche Bindeglied zwischen Schützen und Behörde bildete. Wer am Wettkampf um die «Hosen» teilnehmen wollte, musste sein eigenes Schiesszeug besitzen. Von dieser unerlässlichen Bedingung waren nur solche Schützen ausgenommen, denen unverschuldet ihre Armbrust unbrauchbar geworden war.
Werkzeuge und Diener dieses in Ernst und Lust sich ergehenden Schützenwesens waren nun die Armbruster. Ursprünglich als frei geübtes Handwerk unzünftig, nahmen später seine Vertreter hauptsächlich zu Safran die Zunft an; vereinzelt gehörten sie auch der Schmiedenzunft an, so 1468 Cuonrat Schrier und um 1505 Vogelhans und Hans Heider. Jedenfalls anerkannte sie die Safranzunft als zu ihr gehörenden Beruf. Noch in dem 1601 vom Zunftvorstand aufgestellten der safranzünftigen Gewerbe und Handwerke werden die Armbruster ausdrücklich unter den Berufsgenossen aufgeführt, die zu Safran hoch und nieder dienen sollen. Bemerkenswert ist auch, dass man zu einer Zeit, da man das Bürgerrecht nicht mehr durch Beteiligung an einem Kriegszug sich verdienen konnte, dasselbe den Armbrustern - wie noch 1541 dem Marx Ankenfässlein von Ober Bergheim - «altem Brauch nach» geschenkt wurde. Freilich war die Zahl der zünftigen Meister nie gross. Umso besser scheint im 15. Jahrhundert das Handwerk seinen Mann genährt zu haben. Konrad von Amberg, der 1424 auf dem Zuge nach Hirsingen Bürgerrecht und Zunft verdiente und Stadtarmbruster war, versteuerte bereits fünf Jahre später das ansehnliche Vermögen von 300-500 Gulden. Und der 1448 auf dem Rheinfelderzug zum Bürger angenommene Marx von Wimpfen an der Todgassen (Totengässlein) besass laut der Margzahlsteuer von 1453/54 sogar ein Vermögen von über tausend Gulden. Auch der 1459 gewordene Hans von Landau, der «armbroster zem Blawenstein», in Kleinbasel, der ein Jahrzehnt später unter den Geschädigten bei der Nome in der Grafschaft Nellenburg erwähnt wird, war wohlhabend. Denn zur Kundsame der Armbruster gehörten nicht nur die Schiessgesellen der Stadt, sondern auch jene bunte Reihe der vornehmen Edelgeschlechter Basels. Zwar verschmähte der Adel die Armbrust im persönlichen Kampf als unritterlich; um so lieber benützte er sie aber beim Weidwerk, wo sie wegen der Geräuschlosigkeit des Schusses treffliche Dienste leistete.
Bereits mit den Burgunderkriegen verschwindet die Armbrust aus den baslerischen Auszugsröteln; ihre Rolle als Kriegswaffe ging mehr und mehr zu Ende. Wohl vernehmen wir noch von vereinzelter Verwendung bis in die dreissiger Jahre des 16. Jahrhunderts; aber die bedeutsamen Auslagen, wie sie das 14. und die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts charakterisieren, treten in den Ausgaben des Stadthaushalts nicht mehr auf, ein Beweis, dass die Armbrust im grössern Verband militärisch nicht mehr in Betracht kam. Sie wurde zum Standgeschoss und ihre Hantierung fröhliches Spiel der feudalen Stachelschützengesellschaft. Als Jagd- und Sportwaffe hat denn auch die Armbrust im 17. Jahrhundert an der künstlerischen Renaissance der Waffen teilgenommen und in den Liebhaberkreisen bis in die Dreissigerjahre des 19. Jahrhunderts ihre Daseinsberechtigung behauptet. Um diese Teit starb auch der Armbruster J.H. Bienz, mit dessen Tode der letzte Vertreter eines der Bevölkerung schon längst fremd geworden Handwerks ins Grab sank. Das Porträt des letzten Basler Armbrusters wurde nach der Auflösung der Stachelschützengesellschaft im September 1856 an Ratsherr Peter Merian zu Handen des Museums übersandt.