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Die Aussicht von der Terrasse des Cafés Belvédère in der Freiburger Altstadt ist atemberaubend: Die Terrasse thront über der mittelalterlichen Unterstadt, durch die sich die Saane schlängelt. Genauso spektakulär ist der Blick in die Tiefe, denn das Café ist an den Felsrand gebaut. Eine Stützmauer unterhalb des Belvédère schützt das Gebäude – wie viele andere in der Altstadt – vor dem Abrutschen. Die Mauer ist aber voller kleiner Risse, der Mörtel zwischen den Steinen ist vielerorts ausgewaschen. Bereits vor drei Jahren ist ein Teil der Stützmauer in die Unterstadt gestürzt. Seither hält Drahtgitter die Mauer zusammen, und das Gelände unter dem Belvédère ist abgesperrt, damit ein weiterer möglicher Steinschlag niemanden gefährdet.
Die alten Steine wieder nutzen
Nun wird die Stützmauer saniert. Der Besitzer hatte auf Anraten eines Ingenieurbüros erst auf Beton setzen wollen. Doch das geht nicht: «Die Stützmauer steht unter Denkmalschutz», sagt Raja Benzaitar, Freiburgs stellvertretende Stadtingenieurin. Darum muss die Mauer Stein für Stein abgetragen werden. «Wir werden die Mauer von oben nach unten abtragen und die freigewordenen Felsteile mit Verankerungen sichern», sagt Raja Benzaitar. «Alle Steine, die wir noch nutzen können, werden beim Bau der neuen Mauer wieder eingesetzt.»
Ziel ist es, dass die Mauer zumindest optisch wie die alte daherkommt. «Reichen die Steine nicht aus, kann es auch sein, dass wir den Felsen mit einer Betonschicht sichern und dann nur eine Steinschicht auf dem Beton anbringen», sagt Raja Benzaitar. «Dann sieht die Mauer wenigstens historisch aus.» Die Schmiedmauer (mur des Forgerons) am Eingang des Galterentals ist ein Beispiel für diese Art der Sanierung. Die Arbeiten an der gesamten Mauer unterhalb des Belvédère sind in zwei Etappen eingeteilt: In einer ersten Etappe wird der Teil saniert, der nach Aussage von Fachleuten jederzeit zusammenbrechen könnte. In einer zweiten Etappe muss auch der Rest der Mauer erneuert und der Felsen saniert werden.
Die Felswände und Mauern der Altstadt gehören den Besitzern der Gebäude über dem Felsen. «Sie sind verantwortlich für die Sicherheit», sagt Benzaitar. «Das kann natürlich ins Geld gehen.» Zurzeit sei auch nicht genau klar, wie viel Subventionen von welchen Stellen für die Sanierung der denkmalgeschützten Mauern kommen könnten. Für die Belvédère-Mauer hätten sich der private Besitzer, die Stadt und der Kanton nun zumindest für die erste Etappe auf eine Kostenverteilung geeinigt. Die Stadt spricht Gelder für den Schutz vor Naturgefahren, der Kanton für das Baudenkmal. Aber auch so trägt der Besitzer die Hauptlast.
Besitzer Patrice Gumy sagt: «Wir sind nun seit mehreren Jahren daran, eine gute Lösung zu finden – seit das erste Mal Steine hinuntergefallen sind.» Er hat das Belvédère 1996 gekauft. «Damals war das Gebäude eine Ruine, und ich habe vor allem Geld in das Haus investiert.» Zwanzig Jahre später müsse nun die Mauer, die rund tausend Jahre alt sei, saniert werden.
«Man muss etwas verrückt sein»
Die eine Stützmauer muss nun dringend saniert werden; den grossen restlichen Teil der Mauer und die Felswand unter der Terrasse möchte Patrice Gumy möglichst im Winterhalbjahr sanieren lassen, wenn die Terrasse zu ist. Der Restaurantbetrieb soll so wenig wie möglich gestört werden. «Natürlich ist die Sanierung finanziell ein bedeutender Aufwand.» Gumy geht von Sanierungskosten in der Höhe von 500 000 bis 750 000 Franken aus. «Aber wer ein Gebäude wie das Belvédère kauft, macht das nicht aus Gewinnstreben. Man muss etwas verrückt sein, um ein solches Haus zu erwerben», sagt er lachend.
Naturgefahren
Die Grundfesten der Stadt Freiburg stehen unter Beobachtung
Die Altstadt von Freiburg erhebt sich rund 40 Meter über dem Talboden der Saane, deren Flussbett tief in die Molassesandsteinschichten eingeschnitten ist. Im Jahr 2015 hat die Stadt Freiburg damit begonnen, die Felswände systematisch zu überwachen. Aus der Luft wurden die Wände gescannt, und die Ingenieure des städtischen Bauamts haben ihren Zustand studiert: Gibt es Erosion, gleiten einzelne Teile, kommt es zu Felsstürzen? «Nun sind wir daran, Fall für Fall zu behandeln», sagt Raja Benzaitar, Freiburgs stellvertretende Stadtingenieurin. Viele Felswände gehörten Privaten, doch sei es auch an der Stadt, die Felswände zu beobachten. «Das bedeutet aber nicht, dass wir aktiv Massnahmen ergreifen müssen», sagt Raja Benzaitar. «Gehört die Felswand Privaten, müssen diese für den Unterhalt und die Sicherheit sorgen.»