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Sanierung: Industriekletterer im Bourbaki-Panorama
Das Bourbaki-Panorama in Luzern ist aktuell geschlossen. Grund sind aufwendige Sanierungsarbeiten, an denen auch Industriekletterer beteiligt sind. Neben anderem wird der rund 200 Kilogramm schwere Baldachin über dem spektakulären Rundbild ausgewechselt.
Quelle: Bourbaki Panorama / Foto: Gabriel Ammon / AURA
Industriekletterer von der Firma Nordwand Arbeit am Seil GmbH bei Installierungsarbeiten im Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten des Bourbaki-Panoramas.
Eigentlich waren es Vorläufer der Kinos: Panoramen von Städten, Landschaften oder Schlachten und anderen historischen Ereignissen, die ihren Betrachtern die Illusion vermitteln, direkt vor Ort zu sein. Als ihr Erfinder gilt der in Irland geborene Maler Robert Barker (1739-1806): Er schuf 1788 in Edinburgh eine Ansicht der Stadt in Form eines Rundbilds. Das heisst, das Publikum stand nicht davor, sondern in der Mitte. Wenige Jahre später stellte Barker sein Werk in London aus, wo es zum Publikumsmagnet avancierte und er weitere Panoramen zeigte. 1793 erhielt die Attraktion ein eigenes dafür eingerichtetes Gebäude, sie war zum regelrechten Publikumsmagneten avanciert. Allerdings ist keines der grossen Panoramen Barkers erhalten geblieben.
Eine Blüte erlebten die Panoramen im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts. Zu den weltweit zirka 30 noch erhaltenen zählt das Bourbaki-Panorma in Luzern: Auf einer Länge von 112 Metern und einer Höhe von 10 Metern zeigt es die französische Ostarmee von General Charles Denis Sauter Bourbaki, wie ihre vom Krieg gezeichneten 87'000 Soldaten zusammen mit Gefangenen und wenigen Flüchtlingen am Ende des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 bei Les Verrières NE über die Schweizer Grenze traten und von der Bevölkerung versorgt wurden.
Bis heute hat das Panorama nichts von seiner Wirkung eingebüsst, nach wie vor erscheint es beinahe real. Das liegt nicht nur an den Darstellungen von Edouard Castres (1838-1902), sondern auch an den vor der Leinwand platzierten Figuren, die ebenfalls beinahe echt erscheinen.
Ein neuer Himmel für die Aussichtsplattform
Quelle: Bourbaki Panorama / Foto: Gabriel Ammon / AURA
Der Baldachin des Bourbaki-Panoramas über Zuschauerplattform.
Aktuell ist das Panorama allerdings geschlossen. Dies, weil
aufwendige Restaurierungsarbeiten laufen: Der sogenannte optische
Apparat wird ersetzt. Dieser besteht aus einem Baldachin, einem
sogenannten Velum – oder Schleier – sowie Sonnensegeln. Er sorgt dafür,
dass das Licht beinahe wie unter freiem Himmel die Szenerie erleuchtet.
(Mehr zum Optischen Apparat in der Box am Ende des Artikels.)
Herzstück der Arbeiten ist die komplette Erneuerung des Baldachins über der Aussichtsplattform: Hierfür müssen insgesamt rund 1600 Quadratmeter und 200 Kilogramm Stoff ausgetauscht werden. Der Grund sind Abnutzungs- und Alterserscheinungen: Laut Medienmitteilung des Bourbaki-Panoramas ist durch eine zwischenzeitlich reparierte Dachlaterne Wasser eingedrungen und hat Flecken auf dem Baldachin hinterlassen, zudem hat die altersbedingte Übermüdung des Stoffs zu «unschönen Überlappungen an den Kanten» geführt.
Damit das Riesengemälde nicht in Mitleidenschaft
gezogen wird, führen - wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist - die
entsprechenden Arbeiten hauptsächlich Industrieklettern aus.
Neben dem Optischen Apparat werden auch die Aussichtsplattform mit den
denkmalgeschützten, aus dem Baujahr 1899 stammenden Sitzbänken und
Metallgeländern sowie die Beleuchtung instandgesetzt. Des Weiteren wird
der Kronleuchter über der Aussichtsplattform mit einer dimmbaren,
energieeffizienten LED-Konstruktion ausgetauscht, sie sorgen bei
ungünstigen Lichtverhältnissen für die nötige Helligkeit. (mai)
Der Optische Apparat des Bourbaki-Panporamas
Neben dem Baldachin, der die Plattform überdacht, besteht der sogenannte «Optische Apparat» aus einem Stoffzylinder oder vielmehr dem Velum, der sich über dem Baldachin befindet, sowie aus mehreren Sonnensegeln, senkrecht zum Velum gespannte Tücher.
Der Baldachin dient dabei gewissermassen als künstlicher Himmel: Er verdeckt den oberen Bildrand verdeckt und lässt das Rundgemälde dadurch unendlich erscheinen. Derweil reflektieren sowohl Velum als auch Sonnensegel das durch Glas der Kuppel einfallende Tageslicht und verhindern gleichzeitig, dass das Licht direkt auf die Leinwand fällt, und sorgen dafür, dass das Monumentalwerk ausgewogen ausgeleuchtet und seine Wirkung nicht durch Schlagschatten beeinträchtigt wird.
Auch der Baldachin hat noch einen weiteren Zweck: Umso dunkler er ist, umso leuchtender erscheinen die Farben des Panormas. (mgt/mai)
Quelle: AURA / Emanuel Ammon
Über die Fenster im Dach gelangt bei Tag das Licht ins Panorama - allerdings sorgt der Optische Apparat für perfekte Beleuchtungsverhältnisse und dafür, dass das Licht nicht direkt auf das Gemälde fällt.
Quelle: Gabriel Ammon / AURA
Detail des Bourbaki-Panoramas von Edouard Castres, 1881, Oel auf Leinwand
Quelle: Bourbaki Panorama / Foto: Gabriel Ammon / AURA
Figuren ergänzen das Gemälde.
Quelle: Bourbaki Panorama / Foto: Gabriel Ammon / AURA
Detail des Panoramas.