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Die Kleinstadt Nikel im äußersten Nordwesten Russlands liegt nur sieben Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt und etwa 200 Kilometer nordwestlich von Murmansk. Der hauptsächliche Wirtschaftszweig ist die Ausbeutung der regionalen Nickelvorkommen, die dem Ort seinen Namen gegeben haben. Klingt alles sehr unspektakulär, die Verschmutzung der Umwelt bei der Nickelschmelze hat aber selbst für russische Verhältnisse so erschreckende Formen angenommen, dass die Schwefeldioxid-Emissionen nicht mehr tragbar waren. Die industrielle Tätigkeit hat im Umland zu einem großflächigen Absterben der Vegetation geführt.
Wie schon seit längerer Zeit angekündigt entsprach die veraltete Schmelze in Nikel nicht mehr den Umweltauflagen der Regierung und hat seine Produktion nach 74 Betriebsjahren eingestellt. Die Produktion von Nickel wurde teilweise nach Monchegorsk, südlich von Murmansk verlegt. Hier kam es Anfang März 2021 zu einer Schliessung der Kupferschmelze. Diese wird nun nach Norilsk verlegt.
Das benachbarte Norwegen begrüßte die Schließung des Werks in Nikel. 2007 waren die Emissionen der Anlage so hoch, dass Oslo erwog, seine Grenzbewohner zu evakuieren. Die lokale Umwelt-NGO Bellona lobte die Entscheidung und meinte, es sei ein „Geschenk an die Natur“.
Die Zukunft der Stadt mit ihren 11.000 Einwohnern ist nach der Schliessung der Nickelproduktion jedoch ungewiss. Das nun geschlossene Werk in Nikel mit seinen heruntergekommenen Gebäuden und seiner veralteten Technologie soll bis 2029 abgebaut werden.
In naher Zukunft soll in der Gegend in Tourismus investiert werden. Geplant sind mehrere Hotels, ein Yachthafen und Anlagen für Skisport. Nach Plänen zu urteilen wird ein Tourismus- und Abenteuerzentrum geplant, welches in dieser Form im Norden Russlands noch nie zuvor gesehen wurde. Das Tourismusprojekt wurde in ein günstiges Steuerregime aufgenommen, das kürzlich in der Region Murmansk eingeführt wurde. Das Liinakhamari-Projekt wird von NorNickel als eine Möglichkeit präsentiert, die wirtschaftliche Aktivität zu ersetzen, die mit der Schließung des Werks in Nikel verloren geht. So könnten mehrere hundert Menschen, die nach der Schliessung ohne Arbeit da stehen, eine Beschäftigung finden.
Nornickels Probleme mit der Umwelt
Die Schmelze in Nikel befindet sich im Besitz des Bergbaugiganten «Nornickel» und ist seit Jahrzehnten eine wichtige Verschmutzungsquelle. Nicht nur in Nikel, sondern auch im sibirischen Norilsk, wo ebenfalls Nickel produziert wird, kam es immer wieder zu massiven Umweltschäden. Zuerst liefen im vergangenen Frühjahr mehr als 21.000 Tonnen Dieselöl aus einem geborstenen Tank in die Umwelt. Umweltschützer sprachen von der größten Ölkatastrophe in der Geschichte der russischen Arktis. Nur wenige Wochen später gelangten beim Entladen eines Schiffes 44 Tonnen Treibstoff in die Tundra. Bei einem weiteren Vorfall entdeckten Umweltschützer die Ableitung von mit Schwermetall verseuchten Abwässern in einen Bach. Der Brand in einer Mülldeponie ausserhalb von Norilsk war da nur noch Nebensache.
«Nornickel» behauptet, nach der Katastrophe in Norilsk im Mai 2020 „seine Lektion gelernt“ zu haben.
Heiner Kubny, PolarJournal