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Wie viel historische Substanz steckt noch hinter den Fassaden? Ein bauhistorisches Gutachten des Büros ADB, Siegfried Möri, Burgdorf gibt darüber Aufschluss. Lesen Sie die Kurzzusammenfassung oder das Gutachten.
Mit dem „Comödienhaus ob der Sakristei“ bei der Jesuitenkirche verfügt Luzern bereits seit 1741 über ein Theater. Nach einer längeren Standortsuche wird 1838/39 nach Plänen von Architekt Louis Pfyffer von Wyher ein neues Theater erbaut und am 7. November 1839 mit der Aufführung von Schillers Wilhelm Tell eingeweiht.
Der Theaterbau von 1839
Der viergeschossige, verputzte Baukörper mit steilem Satteldach steht parallel zur Reuss. Gegen Norden tritt ein kurzer Querbau als fünfachsiger Risalit in Erscheinung. Die Nordfassade ist im Vergleich zu den übrigen Fassaden reicher ausgestaltet und schliesst mit einem Dreiecksgiebel ab. Die unteren drei Geschosse sind durch eine kolossale Pilaster-Ordnung zusammengefasst. Im zweiten Obergeschoss schmücken runde Nischen mit fünf Dichterbüsten die repräsentative Reussfront. Der Theatereingang befindet sich an der westlichen Schmalseite des längsrechteckigen Hauptbaus. Die Bühne ist im Ostteil und der Zuschauerraum im Westteil angeordnet.
Die Hauptumbauphasen
Bereits 1870/71 wird eine Umgestaltung des Eingangs notwendig. Der vorspringende Querbau wird durch Eckbauten zwischen Risalit und Längsbau ergänzt. Ein weiterer Umbau 1899/1900 vereinheitlicht die Bodenniveaus, vergrössert die Vestibüle und ersetzt den gesamten Zuschauerraum mit seinen Galerien, das Proszenium, die Garderoben und Kassen. Im Zusammenhang mit einer Erneuerung des Aussenputzes 1901 werden die Embleme im Giebelfeld durch ein Stadtwappen aus Stuck ersetzt.
1907 erhält die Südseite einen dreigeschossigen, laubenartigen Anbau. Nach einem Grossbrand 1924 wird das Theater wieder aufgebaut und dabei um ein Geschoss aufgestockt. Das äussere Erscheinungsbild wird durch eine neoklassizistische Fassadengestaltung vereinheitlicht. Dabei wird das Stadtwappen durch figürlichen Giebelschmuck ersetzt. Die Erweiterung des Theaters nach Westen Richtung Jesuitenkirche macht 1968 den Abbruch der Westfassade notwendig. Das Foyer gelangt nun in den neuen Westanbau. 1984 wird der Zuschauerraum erneut umgestaltet und das Theater mit neuer Bühnentechnik ausgestattet. 1997 erfährt der Orchestergraben verschiedene Veränderungen.
Schlussfolgerung
Im Vergleich zu den beiden anderen frühen schweizerischen Theaterbauten des 19. Jahrhunderts, La-Chaux-de-Fonds und Bellinzona, ist die Originalsubstanz des Luzerner Theaters massiv reduziert.
Das heutige Erscheinungsbild des Luzerner Theaters geht im Wesentlichen zurück auf den Wiederaufbau und die Aufstockung von 1925 nach dem Grossbrand und die Westerweiterung in den 1960er-Jahren. Die bereits in der Publikation von Beat Wyss „Louis Pfyffer von Wyher, Architekt, 1783-1845“ gemachte Feststellung, Pfyffers Theaterbau von 1839 habe sein originales Aussehen bis auf den Mittelteil an der Reuss gänzlich verloren, bestätigt sich. Vom Originalbau haben sich nebst dem Mittelteil an der Reussfassade, bestehend aus den drei ursprünglichen Aussenwänden des vorspringenden Querbaus, lediglich die Ost- und Südfassade des Hauptbaukörpers erhalten. Durch die zahlreichen, tiefgreifenden Umbauten, sowie durch einen Brand anfangs des 20. Jahrhunderts wurde der Denkmalwert des Stadttheaters leider stark geschmälert.
Hingegen ist der Bau als Teil der linksufrigen Reussfront und als direktes Gegenüber des Rathauses von städtebaulicher Bedeutung. Durch die Ausrichtung des Rathaussteges auf die Mittelachse der Theaterfront wurde der räumliche Bezug noch gestärkt. Die Neugestaltung und Vergrösserung des Baukörpers im Rahmen des Wiederaufbaus 1925/26 hat die städtebauliche Wirkung gesteigert. Der Situationswert ist also von Bedeutung. Ein allfälliger Neubau müsste dementsprechend dieser hohen städtebaulichen Bedeutung Rechnung tragen.
Hinweis: Als Grundlage für diesen Beitrag diente das bauhistorische Gutachten des Büros ADB, Siegfried Möri, Burgdorf.