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Staader Eiche
Inhaltsverzeichnis
Vom Untergang der berühmten Staader Eiche[Bearbeiten]
1937 gelang es drei Arbeitslosen, einen Eichenstamm aus der Aare bei Staad zu bergen. Dort war er seit urdenklichen Zeiten gelegen. Der Stamm war eine Staader Sehenswürdigkeit, doch um 1970 wurden seine kümmerlichen Reste weggewischt.
In seinem Schauplatz II berichtete 1666 der berühmte Solothurner Chronist Anton Haffner, dass im Eichenwald von Staad unweit der Aare gelegen der „schönste und grösste Eichenbaum des ganzen Landes“ stehe. Offenbar war der Baum so verzweigt, dass sich aus ihm hätten drei veritable Sagbäume schneiden lassen. Das sogenannte Staader-Hölzli umfasste 45.75 Jucharten Wald und gehörte mehreren Besitzern, darunter auch solchen aus Grenchen, Bettlach, Haag und Altreu. Im März 1824 wurde die erste Hälfte des Staader Hölzli ausgeholzt und zwei Jahre später folgte die zweite Hälfte.
Grenchen zu treuen Handen gegeben[Bearbeiten]
Man wusste seit langem, dass einer der mächtigen Eichstämme in der Aare, etwa 20 Meter vom solothurnischen Ufer entfernt lag. Immer wieder versuchte man, diesen prächtigen Stamm zu bergen, doch immer vergebens. Endlich gelang es 1937 drei Arbeitslosen aus Aegerten und Busswil die Eiche zu bergen. Mit Hilfe einfacher Zuggeräte und mit Unterstützung durch die Staader Bevölkerung gelang es den drei, den Stamm ans Ufer zu ziehen. Der Stamm war 6 Meter lang, besass einen Umfang von 6.4 Meter und einen Durchmesser von 2 Meter. Das Holz wurde als das einer Eiche bestimmt. Im Querschnitt war das Holz abgedunkelt und wies schwarze Stellen auf. Untersuchungen in der Eidgenössischen Versuchsanstalt von Zürich ergaben, dass es sich hier nicht um Feuereinwirkung handelte, sondern um die Folge eines natürlichen Karbonisierungsprozesses. Ein solcher tritt immer dann auf, wenn Holz über längere Zeit hinweg im Wasser liegt. Das genaue Alter des Stammes liess sich damals nicht bestimmen, doch halt es als sicher, dass er vor mehreren Jahrhunderten im Staader Eichholzwald gestanden hatte. Am 7. Dezember 1938 beschloss der Solothurner Regierungsrat, es sei den drei Männern für die Bergung der Eiche zusammen 1'200 Franken aus der Staatskasse auszurichten. Der Baumstamm gehöre dem Staate Solothurn, und die Stadt Grenchen wurde verpflichtet ihn aufzubewahren. Damit übernahm Grenchen die Verpflichtung, „für seine Erhaltung auf eigene Kosten zu sorgen und die Kosten des Transportes an den Aufbewahrungsort zu tragen.“ - In der Folge konnte der mächtige Baumstamm in Staad bewundert werden und galt als eigentliche Attraktion.
Das Ende der Staader Eiche[Bearbeiten]
In den Jahren nach 1965 gehörten zwei Staader Landwirte mit gleichem Namen oder unterschiedlicher Parteizugehörigkeit dem Gemeinderat an. Beide hiessen Werner Stauffer, waren aber nicht verwandt. Der eine gehörte der FdP – Fraktion an, der andere der SP und war gleichzeitig auch Mitglied der Gemeinderatskommission und bewirtschaftete den letzten Staader-Hof in westlicher Richtung gegen Reiben zu. Beide waren ernsthafte und über alle Parteigrenzen hinweg geschätzte Politiker, die sich unter anderem auch für den Erhalt des speziellen Charakters des Dörfchens Staad einsetzten. – Es verwundert deshalb nicht, dass eines Tages Werner Stauffer, Mitglied der Gemeinderatskommission, den Rat darauf aufmerksam machte, dass die Staader-Eiche unter den Witterungseinflüssen stark gelitten habe und dass etwas unternommen werden müsse, diesen Zeugen der Vergangenheit zu retten. Es stellte sich sehr rasch heraus, dass der Stamm nie richtig konserviert worden war und deshalb ein kleines Dächlein nicht ausreichen konnte, den Zerfall des Holzes aufzuhalten. Holzfachleute kamen nach Staad und berieten, was zu tun sei. Inzwischen setzte sich der Zerfall des Naturdenkmals rasend fort, und als der Stadtammann bekannt geben konnte, die Fachleute hätten sich nun auf eine Rettungsmethode geeinigt und man könne daran gehen, die notwendigen Kredite zu sprechen, meinte Werner Stauffer trocken:
„Herr Stadtammann, gestern Abend haben wir die letzten Reste der Staader Eiche weggewischt!“
Quelle[Bearbeiten]
- Text von Rainer W. Walter