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Wissenschaftler des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe haben in alkoholhaltigen Getränken den unerwünschten Stoff Acetaldehyd gefunden.

In Mexiko und Brasilien gibt es Grenzwerte für Acetaldehyd von 30 bis 40 Gramm je Hektoliter reiner Alkohol. Warum erfolgt die Angabe in Gramm pro Hektoliter? Geschieht der Konsum hektoliterweise oder entspricht dies der Menge, die ein Labor in diesen Ländern für eine Analyse benötigt?
Wissenschaftler des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe (CVUA, www.cvua-karlsruhe.de) haben in allen Arten von alkoholhaltigen Getränken Konzentrationen des Stoffes Acetaldehyd gefunden. Die internationale Krebsforschungsagentur (www.iarc.fr, IARC) hat bei der Auswertung von Tierversuchen festgestellt, dass Acetaldehyd krebserregend ist.
In der Studie untersuchten der Lebensmittelchemiker Dirk Lachenmeier und sein Team mehr als 1.500 Getränkeproben. "Dabei stiessen wir vor allem bei Likörweinen wie Sherry oder Portwein auf hohe Acetaldehyd-Werte", so Lachenmeier gegenüber pressetext. Niedrige Konzentrationen fanden sie hingegen in Bier, Wein und Wodka. Rum und Whisky wiesen mittelhohe, aber nicht besorgniserregende Werte auf.
Seit den 1970er Jahren ist bekannt, dass beim Alkoholkonsum Acetaldehyd im Körper gebildet wird. Denn es ist das erste Abbauprodukt von Ethanol und entsteht bereits in der Mund- und Rachenhöhle. Die dort ansässige Mikroflora stürzt sich förmlich auf den Alkohol, sobald man einen Schluck Bier, Wein oder Schnaps nimmt. Neu war nun jedoch, dass sich Acetaldehyd aber bereits in der Flasche finden lässt.
"Acetaldehyd wird bei der Oxidation von Ethanol gebildet", erläutert Lachenmeier. Da Liqueurweine unter Lufteinfluss in Fässern gelagert werden, kommt es bei diesen zu einer erhöhten Konzentration des Stoffes. Von daher macht den Forschern auch eher der Acetaldehyd-Gehalt in Spirituosen zu schaffen. "Es ist absolut nicht notwendig, dass sich der Stoff in diesen finden lässt. Denn aus Spirituosen lässt sich Acetaldehyd gut mit dem Vorlauf abtrennen", so der Lebensmittelexperte. Gerade in wertgeminderten Spirituosen hätten die Wissenschaftler eine erhöhte Konzentration an Acetaldehyd festgestellt.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigte mittlerweile gegenüber dem Spiegel, dass sich auch in Backwaren, Fetten, Milchprodukten und Fleischwaren Acetaldehyd finden lässt. "Allerdings seien Angaben darüber schon älter und heute möglicherweise nicht mehr aktuell. Zudem komme der Aldehyd auch von Natur aus etwa in Früchten, Gemüse, Getreide und Joghurt vor", so Reiner Wittkowski, Vizepräsident des BfR. "Deshalb lasse sich bei solchen Lebensmitteln nicht beurteilen, ob die gefundenen Gehalte auf ein natürliches Vorkommen oder auf einen Zusatz zurückzuführen sind."
In Europa gibt es bislang noch keine Grenzwerte für Acetaldehyd in Spirituosen wie Rum, Whisky oder Obstbränden. "In Mexiko und Brasilien gibt es Grenzwerte in Höhe von 30 bis 40 Gramm je Hektoliter reiner Alkohol", meint Lachenmeier. "Zwar wiesen die von uns untersuchten Getränke im Durchschnitt nur einen Wert von 17 Gramm je Hektoliter auf, doch konnten wir auch Spitzenwerte von über 40 Gramm messen". Von daher sei eine gesetzliche Regelung auch in Europa sinnvoll. (pte)
(gb)
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