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Die Geschichte der Grafschaft Toggenburg
Der erste urkundliche Toggenburger ist ein Diethelm von Toccanburch, der mit seinen Söhnen Ulrich und Berchtold 1044 als Zeuge bei der Ausfertigung einer Schenkungsurkunde anwesend war. Etwa 30 Jahre später werden die beiden Brüder Diethelm II. und Folknand von Toggenburg genannt.
In den Kämpfen zwischen Kaiser Heinrich IV. und seinem Gegenkönig Rudolf von Schwaben hielten die Brüder unter der Führung des Abtes von Reichenau zum Kaiser. Nachdem Folknand bei der Erstürmung der Feste Berneck durch die Truppen des Abtes Ulrich von St. Gallen 1081 getötet worden war, fiel auch die Toggenburg der Zerstörung anheim und so musste Diethelm II. nach der Niederlage im Krätzerntobel bei Bruggen 1085 Frieden schliessen. Für über ein Jahrhundert hört man nichts mehr von den Toggenburgern.
Erst Ende des 12. Jahrhunderts erscheint ein dritter Diethelm von Toggenburg, der erst kurz vor seinem Tod (1207) den Grafentitel erhalten haben muss. denn auf seinem Grabstein in dem von ihm gestifteten Kloster Bubikon wird er als Graf bezeichnet. Unter seinem Sohn Diethelm IV. wächst infolge von dessen Vermählung mit Guta, der Tochter Ulrichs von Rapperswil, die Hausmacht des Toggenburger Geschlechts durch den Anschluss von Uznach und Grinau, sowie die Erwerbung der Stadt Wil und durch nördlich davon gelegenen thurgauischen Ländereien.
Von den beiden Söhnen Diethelms IV. ehelichte Diethelm V. die Gräfin Gertrud von Neuenburg und Friedrich I. verlobte sich mit einer Gräfin von Montfort, wo deren Vater, Graf Hugo, im obern Toggenburg grosse Besitzungen hatte. Weil Diethelm seinen Bruder Friedrich ermordete zerfiel die Grafschaft, indem mehrere Teile durch den alten Grafen mehrheitlich der Abtei St. Gallen übertragen wurden. Diethelm V. und seine Söhne suchten nach dem Tod des Abtes Konrad (20.12.1239) vergeblich, Wil und die übrigen Besitzungen dem Kloster St. Gallen wieder zu entreissen.
Erst mit Graf Kraft I. erholte sich das gräfliche Haus wieder, obwohl er die Hoffnung auf eine Wiedererwerbung der verloren gegangenen Güter und namentlich der alten Stammburg aufgeben musste, dafür aber durch seine Heirat mit Elisabeth von Bussnang seinen Besitz mehren konnte. Seinen Wohnsitz nahm er in der neu erbauten Feste Neu Toggenburg oberhalb von Lichtensteig. Beinahe zur nämlichen Zeit baute ein Vasall des Klosters St. Gallen gegenüber auf einem Hügel links der Thur die Burg Iberg.
Durch eine List nahm Graf Kraft 1248 den Iberger und seinen Sohn gefangen, worauf er dessen Schloss gegen den Abt von St. Gallen zu halten vermochte, bis er selbst auf einem Ritt nach Winterthur meuchlings ermordet wurde. Unter seinem Nachfolger Friedrich III. traten finanzielle Probleme auf, so dass das Städtchen Lichtensteig, der Hof Bütswil und die Burg Rudberg dem Abt von St. Gallen verpfändet werden mussten, aber bald wieder eingelöst werden konnten. Friedrich IV. kaufte von den Edeln von Sax 1313 die Wildenburg bei Wildhaus im obersten Toggenburg und legte bei den damaligen Bedrängnissen des im Kampfe mit den Waldstätten stehenden Herzogs von Oesterreich den Grund zur selbständigen Stellung seiner Grafschaft Toggenburg. Graf Kraft III. schloss mit der Stadt Zürich ein Burgrechts- und Schutzbündnis und hob ebenfalls das Ansehen seiner Herrschaft. Während der Fehden von 1288/89 zerstörten die Habsburger die Alt Toggenburg. Durch seine Vermählung mit Kunigunde von Vaz fügte Graf Friedrich V. seinen Landen die Herrschaft Vaz bei. Er erwarb ferner den Prätigau und die Thalschaft Davos, Stadt und Herrschaft Uznach, Schloss Grinau und die Orte Tuggen und Wangen, das Schanfigg hinter Chur und verschiedene Güter im Gebiet des heutigen Kantons Zürich. Seinem Rang und Besitz entsprechend genoss er grosses Ansehen. Er war herzoglich österreichischer Rat und österreichischer Landvogt über Gaster und Windegg, auf welch letzterm Schloss er auch residierte. Zürich und Luzern erkoren ihn als Schiedsrichter. 1378 erlangten die Grafen Diethelm IX. und Donat von Toggenburg von Österreich die Pfandherrschaft über Rapperswil und Umgebung, die March und das Wäggithal, sowie 1384 über die Feste Kiburg und die Stadt Winterthur. Zur Schlacht von Näfels zog Graf Donat als österreichischer Bundesgenosse mit 1600 Mann aus. Nachdem er aber 400 Mann und das Panner verloren, zog er sich vom Kampf mit den Eidgenossen zurück und schloss Frieden mit ihnen.
Unter Friedrich VII. erlangte die Grafschaft Toggenburg ihre grösste Machtentfaltung, worauf aber nach des Grafen Tod (30. April 1436) durch das Fehlen eines männlichen Erben sofort deren Zerfall erfolgte. Zu dieser Zeit umfasste die Herrschaft das Toggenburg, Uznach, Maienfeld, Prätigau und Davos, Schanfigg und Churwalden, sowie die Pfandherrschaft über Feldkirch, das Rheinthal, Sargans, Windegg, March, Rapperswil. Friedrichs VII. Hinterlassenschaft gab infolge der Ansprüche von Zürich und Schwyz, mit denen der Graf im Burg-, bezw. Landrecht gestanden, den Anlass zu dem lang andauernden alten Zürichkrieg. Während Schwyz die March besetzte, schlossen die rätischen Gebiete der Grafschaft den Zehngerichtenbund; Rheinthal, Sargans, Windegg (Gaster) und Uznach wurden nach dem Abschluss des Zürichkrieges zu eidgenössischen Vogteien, und das eigentliche Toggenburg kam an die dem letzten Grafen verwandten Brüder Raron aus dem Wallis, von denen Petermann 1468 das Land um die Summe von 14500 Gulden an die Abtei St. Gallen verkaufte.