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Wer seine Hemmungen überwindet und sich an das Unbekannte wagt, fördert seine Kreativität. Doch dazu gehört auch, dass man Fehler akzeptiert.
Loszulassen und zu akzeptieren, dass Fehler passieren können, sind Dinge, die vielen äusserst schwerfallen. Für die Kreativität kann das jedoch ein guter Weg sein. Jeder weiss, dass Kinder, die ihre Impulse weniger kontrollieren als Erwachsene, einen viel grösseren Ideenreichtum an den Tag legen. Entdeckungen aus den Neurowissenschaften bieten einen Erklärungsansatz: Die Hirnregion, mit der die eigenen Hemmungen gesteuert werden können, der dorsolaterale präfrontale Cortex, wird in der menschlichen Entwicklung als eine der letzten Regionen ausgebildet. Sobald sie vollständig ausgereift ist, also mit rund 10 Jahren, nimmt der Ideenreichtum immer mehr ab. Kann man diese Zone als Erwachsener bewusst deaktivieren und das Feld den Regionen überlassen, die mit Expressivität verbunden sind?
Kontrollierte Improvisation
Improvisierende Jazzmusiker scheinen zu beweisen, dass das möglich ist. Allerdings sind die besten Improvisatoren offenbar diejenigen, die sich nicht völlig gehen lassen. Experimente, bei denen die Hirnaktivität abgebildet wurde, zeigten, dass ein Jazzmusiker die Region, die die Impulse kontrolliert, also den dorsolateralen präfrontalen Cortex, gerade so weit deaktivierten, dass sie ihre Kreativität freisetzen und eine Melodie improvisieren konnten, aber nicht so sehr, dass sie zum Beispiel vergessen würden, wie man eine Partitur liest.
Allan Snyder, Neurowissenschaftler an der University of Sydney in Australien, hat Versuche zu dieser Form der "kontrollierten Enthemmung" durchgeführt. Mithilfe der Technik der transkraniellen Magnetstimulation konnte er gezielt bestimmte Regionen im Gehirn "anschalten" oder "ausschalten", die normalerweise unübliche Verhaltensweisen zurückhalten. Dieses ungefährliche Verfahren wurde bei gesunden freiwilligen Versuchspersonen angewendet. Bei knapp 40% der auf diese Weise "enthemmten" Probanden kamen ungeahnte neue Talente zum Vorschein. Beispielsweise zeigten sie plötzlich eine zeichnerische Begabung.
Auflockerung einer Gruppe mit der Kuh-Übung
Bei einem Treffen mit dem Ziel der Ideenbildung sollte man am besten mit einem kleinen Warm-up anfangen, das die Atmosphäre entspannt und die kreative Dynamik der Gruppe in Gang bringt. Besonders gut eignet sich dafür die Kuh-Übung, die mit Unternehmern, Führungskräften und Risikomanagern ausprobiert wurde. Ziel der Übung: die Entwicklung von drei Wirtschaftsmodellen, die auf einer Kuh basieren. Bitten Sie Ihr Team, sich verschiedene Eigenschaften einer Kuh zu überlegen (gibt Milch, muht usw.) und diese zu nutzen, um ein innovatives Wirtschaftsmodell zu entwickeln. Geben Sie der Gruppe drei Minuten. Das Ziel besteht darin, den Teilnehmenden zu zeigen, dass man sich manchmal von den bekannten Verfahren lösen und seiner Kreativität freien Lauf lassen muss, um gute Ideen zu entwickeln.
Mit "Und wenn...?" den Status quo hinterfragen
Fragen vom Typ "Und wenn...?" können nützlich sein, um sich von vorherrschenden Annahmen zu befreien und die eigene Denkweise zu hinterfragen. Damit es funktioniert, müssen die Fragen radikal sein und stören. Der Herausgeber einer grossen Zeitschrift kann sich zum Beispiel fragen: "Und wenn wir unsere gedruckte Auflage einstellen würden, um uns ausschliesslich auf die digitale Version zu konzentrieren?" Welche Veränderungen würde diese Entscheidung für das Personal, die Kosten und die Leserschaft bedeuten? Das ist ein guter Einstieg, um über neue Vertriebskanäle nachzudenken.
Die Angst vor dem Scheitern wird durch die Krise gemildert
Die Angst vor dem Scheitern nimmt Unternehmerinnen und Unternehmern häufig den Mut zu versuchen, ihre Ideen umzusetzen, selbst wenn sie noch so kreativ und vielversprechend sind. Im internationalen Vergleich zeichnen sich Schweizer Unternehmende zwar durch eine relativ hohe Selbsteinschätzung ihrer Fähigkeiten im Zusammenhang mit einer Firmengründung und zusätzlich durch eine geringe Angst vor Misserfolg aus, wie aus dem Switzerland Report 2012 des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) hervorgeht (nächste Aktualisierung: 2015). Doch sie liegen in dieser Hinsicht noch weit hinter den Amerikanern, die mehr Selbstvertrauen an den Tag legen. Die Zahlen des GEM-Index zeigen allerdings, dass sich die Situation verändern könnte. Die Finanzkrise von 2008 hatte positive Auswirkungen auf die unternehmerische Aktivität in der Schweiz, da in der Folge die Angst vor dem Scheitern abnahm.
Quellen: Imagine: How Creativity Works, Jonah Lehrer, Houghton Mifflin Harcourt; Business Model Generation, Alexander Osterwalder und Yves Pigneur, Campus Verlag sowie der untenstehende Link.