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«Die halbherzigen Arbeitsrechts-Reformen der katarischen Regierung laden dazu ein, die Rechte der ausländischen Arbeiterinnen und Arbeiter weiterhin mit Füssen zu treten», sagt Mustafa Qadri, Researcher von Amnesty International für die Golf-Region.
«Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten sind weiterhin auf Gedeih und Verderb dem Gutdünken ihrer Arbeitgeber ausgeliefert. Wenn sich nicht bald etwas tut, wird sich jeder Fussballfan, der zur Weltmeisterschaft nach Katar reist, fragen müssen, ob er nicht eine Mitverantwortung trägt an der Ausbeutung und Misshandlung von Arbeitern.»
«Auch das Verhalten der Fifa trägt dazu bei, dass in Katar nichts vorangeht. Die Fifa-Funktionäre wissen um die miserable Situation der Arbeitsmigranten. Sie sollten eng mit der katarischen Regierung und ihren Geschäftspartnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Austragung der Weltmeisterschaft nicht auf Ausbeutung fusst.»
Auch nach fünf Jahren kaum Fortschritte
Amnesty International hat in den vergangenen vier Jahren fünf Research-Reisen nach Katar durchgeführt, um die Situation der fast zwei Millionen Arbeitsmigrantinnen und –migranten zu untersuchen. In einem Bericht, der im Mai 2015 veröffentlicht wurde, hat Amnesty neun Bereiche aufgelistet, die mit Blick auf die Rechte ausländischer Arbeiternehmender verbessert werden müssen. Die katarische Regierung hat fünf dieser Empfehlungen nur zögerlich oder gar nicht in Angriff genommen. Unter anderem:
- Löhne müssen rechtzeitig ausbezahlt werden: Im Februar 2015 wurde ein sogenanntes Arbeitslohn-Schutz-Gesetz erlassen, wonach Gehälter rechtzeitig per Banküberweisung ausbezahlt werden müssen. Das Gesetz trat erst diesen November in Kraft. Die verzögerte Auszahlung von Löhnen ist ein weit verbreitetes Problem, dass die Arbeitsmigranten und ihre Familien in der Heimat vor grosse Probleme stellt.
- Bis Ende 2015 sollen 400 Arbeits-Inspektoren eingesetzt werden. Dieses Vorhaben wurde um ein Jahr verschoben.
- Das Kafala-System muss reformiert werden. Die katarische Regierung versprach bereits im Mai 2014, dieses System, das für die ausländischen Arbeiterinnen und Arbeiter das grösste Problem darstellt, mit Einschränkungen zu reformieren. Die Neuerungen wurden im Oktober 2015 vorgestellt, sollen aber erst Ende 2016 in Kraft treten. Auch nach Inkrafttreten dieser Reformen müssen Arbeitsmigranten die Erlaubnis ihres Arbeitgebers einholen, wenn sie den Job wechseln oder das Land verlassen wollen.
«Solange das Kafala-System existiert, bleibt es für Arbeitgeber ein Leichtes, die Löhne der Arbeiter spät oder gar nicht auszuzahlen, sie in schmutzigen und völlig überfüllten Hütten unterzubringen und ihnen zu drohen, sobald sie sich beschweren wollen», sagt Mustafa Qadri.
«Arbeitsmigranten sind kaum in der Lage, ihren Arbeitgeber zu verklagen. Es ist ihnen nicht gestattet, sich in Gewerkschaften zu organisieren. Viele haben keinen Zugang zu einfachster medizinischer Versorgung, bekommen nur mit grosser Verzögerung eine Aufenthaltsbewilligung (Resident Permit), und leben und arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen.»
Die Fifa könnte der Schlüssel sein
Die Fifa hat in den vergangenen fünf Jahren so gut wie nichts unternommen, um den Gastgeber ihres prestigeträchtigen sportlichen Grossereignisses zu zwingen, die Menschenrechts situation zu verbessern. Die Fifa hat auch ihr Versprechen vom Mai 2015 nicht eingelöst, die Verhaftung eines britischen und eines deutschen Journalisten zu untersuchen, die über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeitsmigranten berichten wollten.
Amnesty International fordert die Fifa nachdrücklich auf, die katarischen Behörden zur Umsetzung und Überwachung von Reformen im Arbeitsrecht zu drängen.
Amnesty International erwartet von der Fifa und ihren Geschäftspartnern, Massnahmen zu erlassen, um Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Fussball-Weltmeisterschaft zu verhindern und dies auch zu überwachen.
«Die Fifa hat alles daran gesetzt, die Fussball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar stattfinden zu lassen. Sie hat das Turnier sogar erstmalig vom Sommer in den Winter verlegt. Aber abgesehen von einigen öffentlichkeitswirksamen Äusserungen hat sie nichts unternommen, um einen klaren und konkreten Fahrplan vorzulegen, wie die Rechte der Arbeitsmigranten in Katar geschützt werden sollen», sagt Mustafa Qadri.