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Die Stadt Solothurn und ihre Landschaft waren in der Reformationszeit eingekeilt zwischen den Ständen Bern und Basel. Beide Stände waren schon früh offen für die Gedanken der Reformation, was zur Folge hatte, dass reformatorische Einflüsse auch in die Dörfer der solothurnischen Untertanengebiete und in die Stadt selbst eindrangen. Bereits 1527 bekannten sich einzelne Geistliche der solothurnischen Landschaft zum neuen Glauben. Auch in der Stadt selbst hatte dieser viele Anhänger. Ab 1529 waren katholische und reformierte Gottesdienste gleichermassen erlaubt. Zum Höhepunkt der Reformation 1531 waren auf dem Land 2/3 der Pfarrer evangelisch, in der Stadt Solothurn standen 151 reformierte 188 katholischen Bürgern gegenüber. Die evangelische Bürgerschaft gewann Einfluss auf Rat und Zünfte. Den Reformierten in Solothurn fehlte aber ein eigentlicher Anführer. Dazu kam die mangelnde Geschlossenheit der Anhänger des neuen Glaubens. So begann nach der Niederlage der Reformierten im 2. Kappeler Krieg 1531, mit Unterstützung der Inneren Orte der Eidgenossenschaft, die Rekatholisierung Solothurns. Der reformierte Gottesdienst wurde innerhalb der Stadt verboten. Die erste reformierte Gemeinde in Solothurn existierte nicht mehr.
Ab 1534 wurde der reformierte Gottesdienst im ganzen Kantonsgebiet verboten. Nur im Bucheggberg, der der bernischen Hochgerichtsbarkeit unterstand und kirchenrechtlich Bern zugeordnet war, konnte sich die Reformation durchsetzen.
Rund dreihundert Jahre lang blieb Solothurn rein katholisch. Dies änderte sich erst mit der 1831 eingeführten und später in der Bundesverfassung von 1848 verankerten Niederlassungsfreiheit. Diese, sowie die Industrialisierung brachten viele Protestanten aus anderen Gegenden nach Solothurn und in die umliegenden Dörfer. Die nächstgelegene reformierte Kirche befand sich damals im bucheggbergischen Lüsslingen.
Am 31.März 1834 versammelten sich im Restaurant Adler in Solothurn 24 reformierte Familienväter. Sie verfassten die «Bittschrift um Erlaubnis zur Gründung einer reformierten Kirchgemeinde» an die Regierung des Standes Solothurn. Nachdem die finanziellen Mittel sichergestellt waren (Beiträge anderer reformierter Kantone sowie Spenden der Solothurner und Bucheggberger Protestanten) stimmte der Grosse Rat der Gründung am 1. April 1835 zu, verbunden mit der Zusage, während 10 Jahren einen jährlichen Beitrag von Fr. 300.- zu leisten. In der zum St. Urs-Stift gehörenden St. Stephanskapelle am Friedhofplatz durften die Gottesdienste gefeiert werden. Am 24. August 1835 wählte der Regierungsrat Johann Ludwig Lindt, Lehrer in Biel, zum ersten Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde. Die Gemeinde wuchs stetig: 1850 hatte sie bereits 1300 Gemeindeglieder, 1860, nachdem die Regierung die in den Bezirken Lebern und Kriegstetten lebenden Protestanten offiziell der Kirchgemeinde Solothurn zugeteilt hatte, 2573. In der St.Stephans-Kapelle wurde es langsam eng und man machte sich erste Gedanken zu einem Neubau. 1863 trat die Stadt Solothurn der reformierten Kirchgemeinde unentgeltlich einen Bauplatz vor dem Bieltor ab. Am 30. September (St. Ursen-Tag) 1867 konnte die neue Kirche eingeweiht werden.
Beim 50 Jahr-Jubiläum 1885 zählte die Kirchgemeinde bereits 4000 Mitglieder, obwohl die Grenchner Reformierten 1880 eine eigene Kirchgemeinde gegründet hatten. Durch das starke Wachstum der Gemeinde wurde 1897 eine zweite Pfarrstelle und eine weitere Trennung notwendig: Die Kirchgemeinde Derendingen wurde gegründet, zu der auch Kriegstetten gehörte. Bereits 1898 trennten sich Biberist und Gerlafingen ihrerseits von Derendingen.
1910 zählte die reformierte Kirchgemeinde Solothurn (Stadt und 14 Gemeinden im Leberberg) 7700 Gemeindeglieder. 1914 wurde eine dritte Pfarrstelle nötig. 1920 war die reformierte Kirchgemeinde Solothurn mit über 9300 Gemeindegliedern grösser als die katholische Gemeinde.Da sich die 1867 erstellte Kirche als schlecht gebaut erwies und auch bereits wieder zu klein war, stellte sich erneut die Frage eines Neubaus. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben und der erste Preis ging an die Architekten Heinrich Meili-Wapf und Armin Meili. Die Kirchgemeinde folgte dem Entscheid der Jury und bewilligte den Neubau. So konnte am 30. August 1925, 90 Jahre nach dem ersten protestantischen Gottesdienst in der St. Stephanskapelle, die heutige Stadtkirche feierlich eingeweiht werden.
Ab 1926 gab es Gottesdienste in den umliegenden Dörfern. Diese sogenannten «Filialgottesdienste» fanden zuerst in Oberdorf, später auch in Selzach, Flumenthal, Lommiswil, Niederwil, Bellach und Langendorf statt.
1946 erhielten Bellach und Riedholz eigene Vikare. 1956 bekamen die Gemeinden des mittleren Leberbergs (Langendorf, Oberdorf und Rüttenen) eine eigene Pfarrstelle und ab 1968 folgten die Gemeinden Bellach, Selzach und Lommiswil. Die Kirchenbehörde berief jeweils zuerst einen Seelsorger in die Aussenbezirke und erst dann machte sie sich an die Aufgabe, Gemeinde- und Pfarrhäuser zu bauen. Priorität hatte die Kirche in Bellach, welche 1957 eingeweiht wurde. Nach und nach folgten weitere Gemeindehäuser sowie das ökumenische Zentrum in Langendorf.
Aus Orten mit gemeinsamen Seelsorgern bildeten sich die Gemeindekreise, deren Einteilung immer wieder zu reden gab. Die heutige Aufteilung in die fünf Kreise Bellach, Langendorf/Oberdorf, Selzach/Lommiswil, Solothurn-Rüttenen-Feldbrunnen und Unterer Leberberg besteht seit Mitte der 70-er-Jahre.
Der Ausbau der Gottesdienst-und Versammlungsmöglichkeiten führte zu einer Aktivierung des Gemeindelebens. So entstanden von Selzach bis in den unteren Leberberg Gemeindevereine, die für das kirchliche Leben in den Dörfern zuständig waren. Die Gemeindevereine wurden 1981 im Zuge der Strukturrevision in Kirchenkommissionen(Kiko) übergeführt. Dieser Schritt wurde nicht überall begrüsst: Die Landgemeinden befürchteten, ihre Selbständigkeit zu verlieren und mehr vom Zentrum Solothurn abhängig zu werden.
2013 mit Inkrafttreten der neuen Gemeindeordnung verloren die Kikos ihren Kommissionsstatus und wurden zu Kirchenkreisteams. Diese sind heute für das kirchliche Leben in den fünf Gemeindekreisen mit rund 9400 Gemeindegliedern zuständig.
von Ariane Zellweger