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Das Schweizer Frauen Nationalteam verpasst mit dem 0:1 gegen Italien in Thun eine goldene Chance, sich direkt für die WM 2023 zu qualifizieren. Einmal mehr zeichnet sich der Gang in die Playoffs ab.
Gut acht Minuten und die Nachspielzeit fehlten der SFV-Auswahl am Dienstag, um den Rivalen und Gruppenfavoriten Italien nach dem überraschenden Sieg im Hinspiel auch in Thun in Schach zu halten. Letztlich entschied die individuelle Klasse – Cristiana Girelli verwandelte in der 82. Minute einen Freistoss – das von viel Nervosität und Intensität geprägte Spitzenspiel der Gruppe G zugunsten des Favoriten.
Dass Italien, an der WM 2019 immerhin Viertelfinalist, seinen Vorteil im Herbst noch einmal aus den Händen gibt, damit rechnet im Lager des SFV niemand. «Ich bin 100 Prozent sicher, dass Italien seine letzten beiden Spiele gewinnt», sagte Nationaltrainer Nils Nielsen. «Für uns geht es darum, nach Abschluss der Gruppe so gut zu sein, dass wir nur eine Playoff-Runde bestreiten müssen.»
Komplizierte Playoffs
Für die Playoffs zur Vergabe der letzten WM-Tickets haben sich die Verantwortlichen einen besonders kreativen und komplizierten Modus ausgedacht. Die besten drei Gruppenzweiten sind für die zweite Playoff-Runde gesetzt und treffen auf einen Sieger der ersten Runde, welche die restlichen sechs Gruppenzweiten bestreiten. Von den letztlich drei Siegern qualifizieren sich aber nur zwei direkt für die WM 2023, der schwächste europäische Playoff-Gewinner bestreitet ein weiteres, interkontinentales Playoff, das Anfang 2023 in Ozeanien über die Bühne geht.
«Für diese letzte Runde habe ich null Verständnis», sagt Tatjana Haenni, die Chefin Frauenfussball im SFV. «Aber wir hoffen, dass wir uns schon vorher qualifizieren.» Playoffs sind für die SFV-Frauen nichts Neues. In der Qualifikation für die WM 2019 in Frankreich scheiterte das Team in der zweiten Runde an den Niederlanden, den Platz an der EM in diesem Sommer in England sicherten sich Lia Wälti und Co. dank einem Sieg in den Playoffs gegen Tschechien.
Haenni glaubt an die Qualifikation für die WM 2023 in Australien und Neuseeland, es wäre die zweite in der Geschichte des SFV nach der Premiere 2015. Die Niederlage gegen Italien ist für sie aber auch ein weiterer Fingerzeig dafür, dass der Verband, aber auch Wirtschaft und Gesellschaft weiter in den Frauenfussball investieren müssen. Italien sei einer der schwächsten Gruppenköpfe gewesen, die Schweiz im europäischen Ranking nur noch irgendwo zwischen Rang 12 bis 16 platziert, so Haenni. «Wenn wir regelmässig an den Endrunden teilnehmen wollen, müssen wir Gas geben und aufholen.»
Nicht gegen Russland
Der SFV-Auswahl fehlt nach wie vor die Breite. Die Abhängigkeit von den Stars wie Lia Wälti, Ramona Bachmann oder Ana-Maria Crnogorcevic zeigte sich auch in den Partien in Rumänien (1:1), wo Bachmann wegen einer Corona-Erkrankung fehlte, und gegen Italien. Die zwar talentierten, aber noch jungen Spielerinnen wie Riola Xhemaili, Svenja Fölmli oder die erst vor kurzem von einem Kreuzbandriss genesene Géraldine Reuteler können in solchen Partien noch kaum Akzente setzen.
Gerade für diese Spielerinnen sind Erfahrungen an grossen Turnieren enorm wichtig. Mit der EM in England steht ein solches Highlight vor der Tür. Gegen wen die Schweiz ihr Eröffnungsspiel am 9. Juli in Leigh spielen wird, ist allerdings noch nicht klar. «Ich weiss nur, dass wir nicht gegen Russland spielen», sagte Nielsen. «Denn falls Russland letztlich doch nach England reisen sollte, treten wir nicht an.» Noch hat die UEFA den Entscheid, Russland von der EM zu suspendieren, nicht gefällt.
sda