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Süsswasser Perlen
Süsswasserperlen unterscheiden sich von anderen Zuchtperlen dadurch, dass sie nicht mit einem Nukleus versehen werden. Stattdessen wird nur ein kleiner Schnitt im Gewebe vorgenommen, in den ein Gewebeteilchen einer anderen Muschel eingesetzt wird. Dieser Vorgang wird bis zu 25 mal in jede Hälfte der Muschel vorgenommen, so dass bis zu 50 Perlen entstehen können. Die Muscheln werden dann zurück in ihren Lebensraum ins Süsswasser gesetzt und zwischen zwei und sechs Jahre gehegt. Die Perlen bestehen aus solidem Perlmutt, das sie sehr leuchtend und farbenfroh macht. Sie sind aber nur selten rund (meistens barockförmig), da kein Nukleus eingepflanzt wurde, der die Form beeinflussen konnte. Die Muscheln sind auch viel leichter anzubauen. Ihre Sterberate ist deutlich niedriger als die der mit Nukleus bestückten. Im Gegensatz zu den Meerwasser-Perlenfarmen werden Süsswassermuscheln auch viel seltener Opfer von Naturkatastrophen wie Taifunen und Flutwellen.
Die meisten Süsswasserperlen kommen heutzutage aus China, nachdem Anfang der 1960er Jahre die ersten kernlosen Süsswasserzuchtperlen in den Handel kamen. Heute ist es möglich, annähernd runde Perlen von bis zu 12 Millimeter Grösse mit feinem Lüster zu züchten. Dazu werden geerntete Perlen mit neuem Epithelmaterial ein zweites oder auch drittes Mal in eine Perlmuschel eingepflanzt. In neuerer Zeit werden chinesische Süsswasserperlen auch mit Nukleus gezüchtet, die dann Perlen mit einem Durchmesser von bis zu 14 Millimetern hervorbringen und der japanischen Salzwasserzuchtperle sehr ähnlich sind.
Biwa Perlen
Der grösste See Japans ist der Biwa-See. Biwa-Perlen sind bekannt für ihre hohe Qualität, gleichmäßigen starken Lüster und glatte Oberfläche. Das Farbspektrum umfasst Cremeweiß, Weißrosa, Lachsorange, dunkles Weinrot und Violett. Die Austern nehmen keine Kerne an, somit sind sie kernlose Perlen und wachsen deshalb oft in bizzaren Formen. Viele Süsswasserperlen werden als Biwa-Perlen bezeichnet, obwohl sie aus China stammen.
Südsee Perlen
Südsee-Perlen aus der Perlmuschel Pinctada maxima werden in Indonesien, Australien und auf den Philippinen gezüchtet. Diese Perlenart ist für ihre weissen, silbernen und goldenen Perlen bekannt. Ihr Wachstum dauert normalerweise zwei bis sechs Jahre. In die Muscheln lässt sich immer nur jeweils ein Nukleus implantieren, sie können aber mehrmals nacheinander besetzt und schließlich sogar in die freie Natur entlassen werden, um ihre Gene an zukünftige Generationen weiterzugeben. Südsee-Perlen gehören zu den größten Perlen; meist haben sie 10 bis 16 Millimeter Durchmesser, können aber auch bis zu 20 Millimeter gross werden. Weil sie gut zu hellen Hauttönen passen, sind weisse Perlen nach wie vor die beliebtesten und teuersten Perlen.
Tahiti Perlen
Die Tahiti-Perle aus der Perlmuschel Pinctada margaritifera ist nach der tropischen Insel in Französisch-Polynesien benannt. In Europa ist sie erst seit 1845 bekannt. Dieser Perlentyp verfügt über einen grossen Kontrast zwischen seiner grauen, silbernen oder schwarzen Grundfarben und dem farbenfrohen Orient. Typisch sind Blau, Grün (die häufigste Orient-Farbe der Tahiti-Perle ist Dunkelgrün und wird „fly wing“ genannt), Pink (in Kombination mit einer schwarzen Grundfarbe entsteht die Farbe „Aubergine“) oder Purpur. Die seltensten und daher wertvollsten Oriente der Tahiti-Perle sind „Peacock“ (d. h. „Pfau“, eine Grün-Pink-Kombination) und reines Purpur. Tahiti-Perlen wachsen meist vier bis fünf Jahre lang. In die Muscheln lässt sich immer nur jeweils ein Nukleus implantieren, sie können aber mehrmals nacheinander besetzt und schliesslich sogar in die freie Natur entlassen werden. Tahiti-Perlen gehören zu den grössten Perlen; sie haben etwa 8 bis 16 Millimeter Durchmesser. In der westlichen Welt wurden sie durch Kaiserin Eugenie, Ehefrau Napoleons III., berühmt.
Keshi Perlen
Keshi Perlen bilden sich, wenn die Auster das Implantat abstösst, bevor der Wachstumsprozess abgeschlossen ist, oder wenn das Mantelgewebe aufbricht und sich mehrere Perlensäckchen ohne Kern bilden. Diese Perlensäckchen produzieren dann kernlose Perlen.
Keshi Perlen können sich im Salz- oder Süsswasser bilden. Sie sind gewöhnlich klein, und, da es keinen Kern gab, der die gewünschte Form beeinflusste, in unterschiedlichen Formen zu finden. Keshi Perlen gibt es in vielen Farben, oft sind sie stark glänzend, manchmal sogar mit dem seltenen Orient Schimmer versehen. Dies ist möglich, weil sie ganz aus solidem Perlmutt bestehen. Da der implantierte Kern der Perle von der Muschel abgestossen wurde, besteht die Keshi Perle zu 100% aus Perlmutt. Daraus ergibt sich die besonders strahlende und schimmernde Oberflächenqualität. Die meisten Keshi Perlen besitzen tatsächlich einen strahlenderen Glanz als die besten Zuchtperlen. Die Tatsache, dass die Keshi Perle ganz aus Perlmutt besteht, erlaubt dennoch nicht, sie als Naturprodukt zu klassifizieren. Das liegt daran, dass die Keshi Perle ein Zufallsprodukt ist und kein natürliches Ereignis.
Keshi Perlen, besonders Tahiti und Südsee Keshis waren einmal ganz besondere Schnäppchen, sind sie doch wunderschöne und einzigartige Stücke. Heute sind Keshi Perlen sehr viel seltener als früher. Die Perlenfarmen, die Tahiti und Südseeperlen kultivieren, röntgen ihre Austern heutzutage, um festzustellen, ob die Auster den Kern abgestossen hat oder nicht. Wenn eine kernlose Auster dabei gefunden wird, wird erneut ein Kern implantiert, bevor die Keshi Perle Zeit hat zu wachsen. Diese Praxis macht die Keshi Perle zu seltenen Funden.
Das Wort Keshi bedeutet "Mohnsamen" auf japanisch, deshalb werden diese Perlen auch "Mohnsamenperlen" genannt. Die meisten Perlen erreichen eine Grösse von 5-9mm. Einzelne aber auch bis zu 20mm.
Wegen der interessanten Form werden diese Perlen gerne zu Schmuck verarbeitet.
(Quelle Text: Edelkontor)