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Die für die Erfüllung der Aufgaben notwendige Zeit ist das meistgenannte Kriterium für die VR-Entschädigung: Zwei Drittel der Befragten (67%) bezeichneten den Zeitaufwand als eines der fünf wichtigsten Kriterien für die VR-Entschädigung, knapp die Hälfte der Befragten (48%) führte den Umfang der Verantwortung und des Risikos und 42% die Anforderungen bezüglich Erfahrung, Fachwissen und Netzwerk als wichtigste Entschädigungskriterien an. Dies geht aus der halbjährlichen Umfrage von swissVR, einer Vereinigung für Verwaltungsratsmitglieder, dem Beratungsunternehmen Deloitte und der Hochschule Luzern hervor. Der Geschäftserfolg des Unternehmens (20%) und die persönliche Leistung des einzelnen Verwaltungsratsmitgliedes (16%) werden von weniger Befragten genannt.
Gemäss den Umfrageresultaten werden in der Praxis oft einfache und pragmatische Modelle für die VR-Entschädigungen gewählt. So erhält eine Mehrheit der befragten Verwaltungsratsmitglieder (57%) eine Pauschale ausbezahlt. Ein knappes Fünftel (18%) bezieht eine fixe Entschädigung in Kombination mit Sitzungsgeldern und 4% werden sogar nur für die Sitzungen bezahlt. Eine vom Geschäftsergebnis abhängige variable Vergütung erhalten nur neun Prozent der Befragten. Dies entspricht grundsätzlich den Vorgaben einer guten Corporate Governance, denn die finanziellen Anreizmechanismen der VR-Entschädigung sollten sich von denjenigen der Geschäftsleitung unterscheiden.
Grossverdiener in der Minderheit
Die pauschalen Entschädigungsmodelle werden relativ konsequent durchgezogen. So ist es bei über der Hälfte der Befragten (53%) nicht üblich, ausserordentliche Aufwände, zum Beispiel in Krisen, speziell zu entschädigen. Die konkrete Höhe der Entschädigungen variiert stark, insbesondere auch nach Unternehmensgrösse. Von den befragten Verwaltungsratsmitgliedern mit Mandaten in Grossunternehmen (über 250 Mitarbeitende) verdient über ein Drittel mehr als CHF 100'000 pro Jahr. Von den Befragten mit Mandaten in Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden erhalten über die Hälfte (54%) weniger als CHF 15'000 pro Jahr und rund ein Fünftel (19%) sogar weniger als CHF 5'000.
«Es zeugt von einer verantwortungsvollen Corporate Governance, wenn die Entschädigung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung auf unterschiedlichen Kriterien beruhen. Erfolgsabhängige Komponenten können bei der Entschädigung von Verwaltungsräten aber durchaus sinnvoll sein, diese müssen aber auf die langfristige Unternehmensentwicklung ausgerichtet werden. So kann ein Anteil der Entschädigung in Aktien ausgegeben werden, die für einen längeren Zeitraum gehalten werden müssen. Dies stärkt auch den Zusammenhalt des Gremiums, denn die Arbeit im Verwaltungsrat ist Teamarbeit», schlägt Reto Savoia, Vize-CEO von Deloitte Schweiz, vor.
Weitgehende Transparenz der Entschädigung
Verwaltungsräte pflegen eine transparente Kommunikation der Vergütung nach innen und aussen: So wissen 95% der Befragten über die Entschädigungen der anderen Mitglieder weitgehend Bescheid. Zudem gehört es für 92% der Befragten zu einer guten Corporate Governance, dass die Entschädigungen gegenüber den Aktionären im Detail dargelegt werden. «Diese Resultate sind überraschend hoch und sehr positiv: Auch die meisten Schweizer Unternehmen, die gesetzlich nicht dazu verpflichtet sind, kommunizieren die VR-Vergütung transparent nach innen und aussen. Die umfassenden Diskussionen über Löhne von Topmanagern in den letzten Jahren haben eine positive Wirkung gehabt. Transparenz hat an Bedeutung gewonnen und ist ein wichtiger, vertrauensbildender Faktor geworden», erläutert Cornelia Ritz Bossicard, Präsidentin von swissVR.
Mandate-Sammler sind Auslaufmodell
Sitzungen machen nur einen kleinen Teil des Gesamtaufwandes für ein VR-Mandat aus: Zwei Drittel der befragten Verwaltungsratsmitglieder treffen sich drei bis sechsmal pro Jahr als gesamtes Gremium. Gleichzeitig wenden 87% der Befragten jährlich über sechs Tage für das VR-Mandat auf. «Die Annahme mehrerer Mandate muss gut überlegt sein, denn die Verwaltungsratsarbeit ist über die letzten Jahre aufwändiger und komplexer geworden und die Verantwortlichkeiten gewachsen. Aktenstudium, Ausschuss-Meetings und Recherchen benötigen ein Mehrfaches der reinen Sitzungszeit. Der Mandate-Sammler ist daher ein Auslaufmodell», sagt Prof. Dr. Christoph Lengwiler, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern und Vizepräsident von swissVR.
Regulierung: Hohe Bedeutung – negative Einschätzung
Die Umfrage zeigt weiter, dass Verwaltungsrätinnen und Verwaltungsräte damit rechnen, dass sich Regulierungsdichte und -komplexität aus Unternehmenssicht negativ entwickeln. Den verschiedenen abgefragten Regulierungsfeldern werden allesamt eine relativ hohe Bedeutung zugemessen. «Die Steuerungsgremien der Schweizer Wirtschaft haben grossen Respekt vor wachsender und komplexer werdenden Vorschriften. Ein Verwaltungsrat muss daher mit entsprechend qualifizierten Persönlichkeiten besetzt sein, die sich mit den relevanten Regulatorien auskennen sowie insgesamt einem starken CEO Paroli bieten können», sagt Reto Savoia.
Besserer Versicherungsschutz sinnvoll
Weiter legt die Studie offen, dass über drei Viertel (76%) der Befragten über eine Organhaftpflichtversicherung verfügen. Je kleiner die Unternehmen, umso weniger sind die Verwaltungsratsmitglieder versichert: Bei kleinen Unternehmen sind 56% nicht versichert, bei mittelgrossen 31% und bei den grossen Unternehmen sind es 13%. «Verantwortlichkeitsklagen gegen Mitglieder von Unternehmen haben in den letzten Jahren auch in der Schweiz zugenommen. Es ist zudem zu erwarten, dass der Gesetzgeber die Ansprüche an die Verantwortlichkeit des Verwaltungsrates in Zukunft weiter verschärft. Ich rate daher auch kleineren Unternehmen, eine Organhaftpflichtversicherung für seine VR- und GL-Mitglieder abzuschliessen. Alternativ können sich Personen natürlich auch selbst versichern», führt Ritz Bossicard aus.
Positive Geschäftsaussichten bleiben bestehen
60% der befragten Verwaltungsratsmitglieder rechnen gemäss der regelmässigen Konjunkturbefragung damit, dass sich ihr Geschäft in den nächsten 12 Monaten positiv entwickeln wird. Damit werden die Geschäftsaussichten insgesamt leicht negativer eingeschätzt als vor einem halben Jahr (64%), jedoch weiterhin positiver als die Aussichten der Konjunktur (54%) und der eigenen Branche (46%). Die VR-Mitglieder aus der IT-Branche (76%) sowie aus dem verarbeitenden Gewerbe (73%) schätzen ihre Geschäftsaussichten am rosigsten ein. Demgegenüber liegen die positiven Einschätzungen für den Detailhandel und die Konsumgüterindustrie (57%) sowie die Finanzdienstleistungsindustrie (51%) unter dem Gesamtdurchschnitt.
swissVR Monitor
Die halbjährliche Umfrage «swissVR Monitor» zielt darauf ab, die Einschätzungen von Verwaltungsratsmitgliedern zu Geschäftsaussichten, Umfeldfaktoren und strukturellen VR-Themen sowie in dieser Ausgabe zum Fokusthema VR-Vergütung zu erfassen. Die Umfrage wurde von swissVR in Zusammenarbeit mit Deloitte und der Hochschule Luzern im Zeitraum vom 18. Juni bis zum 28. Juli 2018 durchgeführt. Die 344 teilnehmenden Personen repräsentieren sowohl Verwaltungsratsmitglieder von börsenkotierten Unternehmen als auch von KMU und stammen aus allen relevanten Branchen.
Hier findet sich die vergangene Ausgabe des swissVR Monitors.