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1. Was versteht man unter Finanzrepression?
Der eigentliche Zweck finanzieller Repression ist es, finanzielle Mittel vom Sparer zum Schuldner umzuleiten. Staaten üben über finanzpolitische Instrumente Einfluss aus, um die staatliche Schuldenlast zu verringern. Das kann mittels Zinssenkung geschehen, aber auch über eine starke Regulierung der Finanzindustrie und der Kapitalströme.
2. Wie kommt Finanzrepression zustande?
Das häufigste Ziel der finanziellen Repression ist es, das reale Zinsniveau in einer Volkswirtschaft auf einen möglichst tiefen Stand zu drücken. Wenn die Verzinsung von Staatsanleihen nicht reicht, um den Wertverlust durch Inflation auszugleichen, spricht man von negativen Realzinsen.
Durch negative Realzinsen werden alle Bürger heimlich enteignet, denn das Ersparte verliert real an Kaufkraft. Dadurch erhoffen sich Staaten, ihre Zinszahlungen auf Staatsschulden zu senken. Nimmt zusätzlich die Geldentwertung mittels Inflation zu, wird der Schuldenberg abgetragen.
3. Wo tritt Finanzrepression besonders deutlich auf?
Die Folgen der Finanzkrise machen deutlich: Viele Industrieländer sind heute so hoch verschuldet wie zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg. Die finanzielle Repression ist das subtilste Instrument, das Staaten anwenden, um diesen Schuldenberg zu verkleinern - andere sind Wirtschaftswachstum, Austerität, Schuldenschnitt und Inflation.
Finanzrepression findet in ausgeprägter Form in China statt, wo strenge Kapitalverkehrskontrollen vorgeschrieben sind. Oder in den USA, wo Banken gezwungen werden, einen Teil ihrer Anlagen in US-Treasuries zu halten. Aber auch in Europa werden Banken und Versicherungen gezwungen, Staatsanleihen zu halten. Besonders drastisch war die Situation in Zypern, als im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise der Abfluss von Spargeldern in Ausland verhindert wurde.
4. Wie weit ist die Finanzrepression in der Schweiz fortgeschritten?
Im Unterschied zu anderen Ländern hat die Schweiz eine liberale Finanzpolitik. So sind beispielsweise die hiesigen Pensionskassen in der Zusammenstellung ihrer Anlageportfolios relativ frei. Per Ende Mai 2014 wiesen sie einen Obligationenanteil von 34,5 Prozent auf, wie aus Angaben von Swisscanto hervorgeht. Doch auch in der Schweiz sind die Zinsen derart tief, dass Spareinlagen kaum Ertrag abwerfen.
5. Was bedeutet das für die Ersparnisse?
In der Schweiz ist die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen seit Monaten im Sinkflug und die Zinsen auf Sparkonten liegen im Durchschnitt bei tiefen 0,2 Prozent. Die Schweiz steht dabei unter dem Einfluss internationaler Trends. Durch den garantierten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken wird die schweizerische Geld- und Zinspolitik von der Europäischen Zentralbank diktiert, die ihren Leitzins auf rekordtiefe 0,15 Prozent gesenkt hat. Auch die amerikanische Notenbank hält ihre Zinsen seit mehr als fünf Jahren nahe Null.
6. Welche Alternativen zur Finanzrepression gäbe es?
Im Moment wenige. Solange die Konjunkturerholung in den führenden Industrienationen fragil ist und die Arbeitslosigkeit insbesondere in Europa auf hohem Niveau verharrt, ist eine Zinserhöhung unwahrscheinlich. Jan Amrit Poser von der Bank J. Safra Sarasin etwa rechnet erst ab 2018 mit einer Zinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank. Alternativen wie Sparprogramme oder das Umschichten von Schulden sind zudem politisch unpopuläre Werkzeuge, die von den Regierungen ungern angewendet werden.
7. Wie kann ich davon profitieren?
Wer sein Geld auf dem Sparkonto liegen lässt, erhält schon seit längerem kaum mehr Zins. Umso wichtiger ist es, den Anbieter mit den attraktivsten Konditionen auszuwählen. Auch Investitionen in Staatsobligationen sind zurzeit nicht sehr einträglich. Für risikoaffine Personen bieten sich deshalb Aktieninvestments an. Der Dow Jones hat im Frühling 2009 nach dem Ausbruch der Finanzkrise seinen Tiefpunkt erreicht. Seither hat er seinen Wert verdoppelt. Ähnliches gilt für den Swiss Market Index (SMI), den japanischen Nikkei oder den deutschen Dax. Trotz dieser Rally sehen Aktienexperten momentan in vielen Märkten immer noch günstige Einstiegsmöglichkeiten.
8. Wann hört das Ganze auf?
Wenn sich Wirtschaft und Arbeitslosigkeit auf internationalem Niveau so weit erholt haben, dass eine Zinserhöhung möglich ist. Für die Fed rechnen Marktbeobachter nicht vor 2015 mit diesem Schritt. Bleibt die Staatsverschuldung auch in Zukunft hoch, werden die Staaten aber wohl mit der repressiven Finanzpolitik fortfahren.