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Hintergrund
Leberhämangiome (auch als kavernöse Hämangiome bezeichnet) sind die häufigsten gutartigen mesenchymalen Lebertumore. Hämangiome treten meistens einzeln auf, bei bis zu 40% der Patienten finden sich diese Läsionen jedoch beidseitig im rechten und linken Leberlappen. Die Grösse von Hämangiomen kann zwischen wenigen Millimetern und mehr als 20 cm variieren.
Die Mehrheit ist jedoch klein (<5 cm). Bei den meisten Patienten wird die Diagnose im Rahmen der Abklärung einer fokalen Leberläsion gestellt.
Intraoperative Ansicht eines
Riesenhämangioms der Leber
Epidemiologie
Die geschätzte Häufigkeit von Hämangiomen der Leber liegt zwischen 0.4 und 20 Prozent der Bevölkerung. In 60-80% sind die Patienten zwischen 30. und 50. Jahre alt. Frauen sind 3x häufiger betroffen als Männer. Bei jungen Frauen verursachen die Hämangiome häufiger Symptome.
Die Ätiologie/Ursache der Hämangiome ist bis heute nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass es sich um Gefäss-Missbildungen oder um sog. Harmatome (versprengtes embryonales Gewebe) handelt.
Ein hormoneller Einfluss auf das Wachstum wird vermutet, da man eine Grössenzunahme in der Schwangerschaft, sowie unter dem Einfluss von Östrogen und Gestagenen beobachten konnte. Trotzdem konnten bisher keine Östrogen-Rezeptoren auf den Tumorzellen nachgewiesen werden, und es zeigte sich auch bei Patientinnen ohne Östrogentherapie oder in der Postmenopause eine Grössenzunahme.
Verlauf
Das Verhalten der Hämangiome ist bis heute nicht vollständig geklärt. Eine signifikante Grössenzunahme konnte bei einzelnen Patienten aufgezeigt werden, so dass eine chirurgische Intervention notwendig wird. Spontane Rupturen sind insgesamt selten und treten meist bei grossen, peripher gelegenen Tumoren auf. Traumatische Rupturen infolge stumpfer Gewalteinwirkung sind ebenfalls selten, machen aber deutlich, dass einer traumatischen Ruptur auch eine primäre Lebererkrankung zugrunde liegen kann. Iatrogene Rupturen oder Einblutungen in der Tumor sind im Rahmen von Leberbiopsien und Feinnadelpunktionen beschrieben worden, so dass diese Untersuchungsmethoden zur Abklärung bei Hämangiomen weitgehend verlassen worden sind.
Symptome
Typischerweise werden Hämangiome im Rahmen von Laparotomien, Autopsie oder während bildgebender Untersuchungen (CT, MRT) zufällig entdeckt. Läsionen >5 cm versuchen häufiger Beschwerden. Die häufigsten Symptome sind Bauchschmerzen und ein Druckgefühl im rechten oberen Quadranten. Die körperliche Untersuchung zeigt gelegentlich eine tastbare Leber, bei Blutuntersuchungen finden sich normalerweise keine Veränderungen.
Diagnose
Die Diagnose kann anhand von charakteristischen Merkmalen mittels Ultraschall, CT oder MRI gestellt werden. In wenigen Fällen können atypische Hämangiome erst durch die Kombination von verschiedenen bildgebenden Verfahren diagnostiziert werden.
Riesenhämangiom der Leber
Behandlung/Therapie
Asymptomatische Patienten, insbesondere mit Läsionen <5cm, benötigen keine Therapie und werden beobachtet. Langzeit-Beobachtungen haben gezeigt, dass es in den meisten Fällen weder zu Wachstum noch zu Komplikationen kommt.
Auf der anderen Seite finden sich vor allem bei Läsionen >5 cm, Verläufe mit schnellem Wachstum, was eine engmaschige radiologische Kontrolle notwendig macht. Bei asymptomatischen Patienten ist das Blutungsrisiko zu gering, um eine prophylaktische Resektion zu rechtfertigen.
Die Behandlung von symptomatischen Hämangiomen oder solchen mit einer Grösse >10 cm erfordert eine Resektion. Verschiedene chirurgische Verfahren, wie die Enukleation, die Leberresektion oder sogar eine Lebertransplantation stehen zur Verfügung – am häufigsten durchgeführt wird die Leberresektion mit Erhaltung des umgebenden Lebergewebes.