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Ein Favorit ist im Duell des Australian Open zwischen Roger Federer und Stan Wawrinka nicht auszumachen. Die beiden Schweizer ermitteln ab 9.30 Uhr Schweizer Zeit den ersten Finalisten.
Die Australier blicken heute neidisch auf die Schweiz. Ausgerechnet an deren Nationalfeiertag beanspruchen zwei helvetische Tennisstars die Rod Laver Arena in einem mit grosser Spannung erwarteten Halbfinal. Ein "Aussie" kam seit zwölf Jahren nicht mehr so weit. Empfangen werden wird Roger Federer wie einer der Ihren, doch davon kann er sich nichts kaufen. Genauso wenig wie von der Tatsache, dass er 18 von 21 Partien gegen Stan Wawrinka gewonnen hat.
Am Australian Open trafen die beiden schon einmal aufeinander. Federer deklassierte Wawrinka 2011 im Viertelfinal 6:1, 6:3, 6:3. Überhaupt hat er auf Hartplätzen überhaupt noch nie gegen seinen Waadtländer Kollegen verloren. "Wenn ich Stan sehe, denke ich nicht: 'Uff, ausser auf Sand habe ich noch nie gegen ihn verloren'", versichert der 35-jährige Basler, der nur noch die Nummer 17 der Welt ist. "Ich denke daran, dass er mich oft eine Stunde lang oder mehr dominiert hat."
Seit jenem einseitigen Viertelfinal 2011 hat sich die Dynamik zwischen den beiden Schweizer Stars signifikant gewandelt. Wawrinka ist nicht mehr der nervöse Zauberlehrling, der fast in Ehrfurcht erstarrt. Der 31-Jährige aus St-Barthélemy hat in den letzten drei Jahren drei Grand-Slam-Turniere gewonnen, während Federer seit 2012 auf seinen 18. Major-Titel wartet. Und er ist nach Raonics Ausscheiden der bestklassierte im Turnier verbliebene Spieler. Wawrinka wird am Montag wieder die Nummer 3 der Welt sein.
Federers Coach, Davis-Cup-Captain Severin Lüthi, will und kann sich nicht auf einen Favoriten festlegen. Tatsächlich gibt es für beide Spieler gute Argumente. Wawrinka schwächelt zwar oft bei kleineren Turnieren, wenn es um die grossen Trophäen und auf drei Gewinnsätze geht, ist er aber immer bereit. Und Lüthi sagt: "Der Stan im Halbfinal ist nicht der gleiche Stan wie in der 1. Runde." Seit dem Zittersieg zum Auftakt am Montag vor einer Woche in fünf Sätzen gegen Martin Klizan hat sich der Romand kontinuierlich gesteigert. Und er hat das kraftvolle Spiel, um jeden zu schlagen.
Es spricht aber auch einiges für Roger Federer. Im ersten offiziellen Turnier nach einer sechsmonatigen Verletzungspause spielte er gegen Tomas Berdych, Kei Nishikori und Mischa Zverev grandioses Tennis. Die Zweifel an seiner Fitness, an der fehlenden Matchpraxis oder an der Spielstärke sind verflogen. Bei den Wettbüros ist er sogar wieder der Topfavorit.
Federer hat auch den bisher einzigen Schweizer Halbfinal am US Open 2015 deutlich gewonnen. "Dieses Spiel ist eher ein Referenzmatch, aus dem Roger sehr viele Sachen übernehmen kann", denkt Lüthi. Er warnt aber auch: "Eine kleine Sache, die anders ist, kann daraus ein ganz anderes Spiel machen."
Psychologisch könnte Federer einen kleinen Vorteil haben, weil er auf Hartplatz alle Spiele gegen Wawrinka gewonnen hat. Wawrinka verspricht: "Ich habe viel mehr Vertrauen in mich. Egal gegen wen ich spiele, ich weiss jetzt, was ich tun muss um zu gewinnen." Er hoffe einfach, dass er ein grosses Spiel zeigen könne.
Die Tennisfans hoffen mehrheitlich auf einen Sieg Federers und einen Final gegen Rafael Nadal. Lüthi glaubt nicht, dass die Zuschauer das Zünglein an der Waage spielen werden. "Jeder wird versuchen, es für sich zu nutzen. Es ist natürlich schön für Roger, so unterstützt zu werden." Aber die Fans seien ja nicht gegen Wawrinka. Zudem habe dieser zum Beispiel am Davis-Cup-Final in Lille bewiesen, dass er sich dadurch sogar motivieren lässt.
Ein Sieger steht bereits fest: die Schweizer Tennisfan-Gemeinde. Oder, wenn es nach Rafael Nadal geht, alle Tennisliebhaber. "Wer dieses Spiel nicht schaut, der kann Tennis nicht sehr mögen", sagte der Spanier nach seinem Halbfinaleinzug.
SDA-ATS