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Meilensteine
Seit ihrer ersten Durchführung 1933 ist die Tour de Suisse Schauplatz unzähliger Geschichten. Leidenschaft, Hoffnung, Enttäuschung, Stolz, Schmach und Freude – Dramen und Heldengeschichten wurden auf der Tour-de-Suisse-Strecke geschrieben. Einige Highlights aus über 80 Jahren:
1933: Bulla kam, sah und siegte
Lediglich eine Stunde vor dem Start zur ersten Etappe traf Max Bulla in Zürich in. Der Österreicher hatte noch Startgelegenheiten in Antwerpen (Be) und Troyes (Fr) wahrgenommen und reiste mit dem Nachtzug an. Dies hinderte Bulla nicht, 1933 der ersten Tour de Suisse seinen Stempel mit zwei Etappensiegen und einem Schlussvorsprung von 9:01 Minuten auf Albert Büchi aufzudrücken. Bulla war einer der erfolgreichsten Radprofis Österreichs und 1931 auch Sieger der Meisterschaft von Zürich.
1940-er Jahre: Entscheidung im Hallenstadion
Während des 2. Weltkrieges konnte die Schweizer Rundfahrt nur zweimal ausgetragen werden. 1942 ging der Stern von Ferdi Kübler auf, der nach der 2. Etappe in Bellinzona die Gesamtführung von seinem Lehrmeister Paul Egli übernahm. Dieser wurde wegen vermeintlichem Benzinfahren mit einem Zeitzuschlag bestraft. Kübler brachte danach den Gesamtsieg über die restlichen drei Tagesabschnitte sicher nach Hause. 1941 hatten sich 44 Radprofis zur Fahrt über lediglich drei Etappen eingefunden. Nach 606 km herrschte zwischen Sepp Wagner und Werner Buchwalder Zeitgleichheit. Ein Bahnspurt sollte über den Sieg entscheiden. Wegen Regens und einbrechender Dunkelheit wurde von der Offenen Rennbahn Oerlikon ins Hallenstadion disloziert. Sieger: Sepp Wagner.
Die ‚campionissimi‘ Bartali und Coppi
Unter den italienischen Tifosi gab es die Anhänger von Gino Bartali und jene von Fausto Coppi. 1947 lockte der Schweizer Franken die beiden Italiener in unser Land. Coppi hielt sich zwar mit einem Triumph im Zeitfahren von Lausanne nach Genf (60 km) schadlos. Doch in den Bergen war Bartali allen Gegnern hoch überlegen.
Er feierte überlegen seinen zweiten Gesamterfolg, nachdem er die Rundfahrt schon ein Jahr zuvor überlegen dominiert und die Gesamtführung nie abgegeben hatte.
Coppi trat 1954 nochmals zur Tour de Suisse an und wurde erneut Fünfter.
Die Duelle der beiden ‚K‘
Mit den Duellen zwischen Ferdi Kübler und Hugo Koblet erlebte die Tour de Suisse In den 50er-Jahren ihre Blütezeit. Drei Gesamterfolge, ein zweiter Platz, elf Etappensiege, 14 Tage im Goldtrikot lautete die Bilanz des ‚Chrampfers‘ Kübler und des ‚pédaleurs de charme‘ Koblet. Der einzige Unterschied: Kübler startete acht Mal, Koblet nur sieben Mal. Küblers spektakuläre Vorausfahrten und Einbrüche sorgten unter den Fans für ebenso viel Gesprächsstoff wie Koblets Dominanz in den Zeitfahren.
Pasquale Fornara der Rekordsieger
Als Helfer von Hugo Koblet hatte Pasquale Fornara 1952 seine dritte Tour de Suisse In Angriff genommen. Im Zeitfahren von Monthey nach Crans-Montana eroberte der Italiener das Leadertrikot und raubte Ferdi Kübler am vorletzten Tag in Arosa die Aussicht, noch eine Wende herbeizuführen. Fornara doppelte 1954 nach, als sowohl Kübler wie Koblet nicht an der Tour de Suisse teilnahmen. Mit seinen weiteren Triumphen 1957 und 1958 avancierte Fornara – der Fahrer mit dem leichten Tritt – zum Rekordsieger der Tour de Suisse.
Der ‚Kannibale‘ Merckx räumte ab
Die Konkurrenz durch die Fussball-WM in Deutschland zwang Veranstalter Sepp Voegeli zu einem Coup. Mit einer grosszügigen Gage brachte er Eddy Merckx 1974 erstmals in die Tour de Suisse. Der erfolgreichste Radprofi aller Zeiten (525 Siege) zeigte sich wenige Tage nach seinem fünften Giro-Gesamtsieg nicht müde: Leadertrikot vom Prolog bis am Schluss, drei Etappenerfolge, Erster im Bergpreis, der Punkte- und Kombinationswertung. Merckx nahm noch 1974 (2.) und 1977 (12.) an der Schweizer Landesrundfahrt teil.
Beat Breu und seine Sprüche
Dank seinen träfen Sprüchen erfreute sich Beat Breu einer grossen Popularität. 1981 Eroberte der Bergfloh im Bergzeitfahren Solothurn – Balmberg das Leadertrikot. Den ‚Sagg‘ musste er zwei Tage später allerdings dem Teamkollegen Godi Schmutz abtreten, der eine Teamorder missdeutete: „De Gopfried isch für mich gschtorbe.“ Im Bergzeitfahren von Lugano auf den Monte Bre vermochte Breu die Situation dann doch noch zu korrigieren. Acht Jahre später feierte Breu bei seiner elften Teilnahme seinen zweiten TdS-Triumph: “Ein Erfolg auf Schweizer Strassen ist mit nichts zu vergleichen.“
Sepp Voegeli, Monsieur Tour de Suisse
Eine unbezahlte Rechnung in der Höhe von 92‘000 Franken, ein kleines Aktenbündel sowie ein einziger Vertrag mit einem Etappenveranstalter – mit dieser Hinterlassenschaft übernahm Sepp Voegeli 1967 die Tour de Suisse. Der Aargauer machte aus der serbelnden Rundfahrt ein Event, das die Massen wieder an den Strassenrad und die Fans vor das TV-Gerät lockte. 1991, 25 Jahre nach seinem Debüt, stand Voegeli Letztmals ‚seiner‘ Tour de Suisse vor. Ein knappes Jahr später starb Voegeli im Alter von 69 an den Folgen einer Operation.
Armstrong und Ullrich – zwei zweifelhafte Sieger
2001 wollte der damals zweifache Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong seine dritte Tour-Teilnahme in der Schweiz vorbereiten – ohne Ambitionen, wie er sagte. Im Zeitfahren von Sitten nach Crans-Montana trumpfte der Amerikaner so stark auf, dass ihm letztlich der Gesamtsieg nicht zu nehmen war. Auch für Jan Ullrich stand die Schweizer Rundfahrt jeweils im Zeichen der Vorbereitung auf die Tour de Suisse. 2004 entriss der Deutsche Fabian Jeker im abschliessenden Zeitfahren in Lugano Den Gesamtsieg um eine einzige Sekunde. Zwei Jahre später setzte sich Ullrich erneut in der Prüfung gegen die Uhr an die Spitze der Gesamtwertung. Dieser Triumph wurde Ullrich später aberkannt und auch die Leistungen von Armstrong wurden von seinem späteren Dopinggeständnis getrübt.