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Science Fiction zu zukünftigen Arbeitswelten
Zukunft ist ein Thema das nicht nur die Unternehmen beschäftigt, sondern auch schon ein langes Thema in der Literatur war. Ute Klotz, Professorin an der Hochschule Luzern, beforscht im Forschungsprojekt „Die Zukunft der Arbeit in der Vergangenheit des Science Fiction“ das Thema, wie Zukünfte in der Science Fiction Literatur dargestellt werden. Wir haben Ute Klotz einige Fragen zu ihren Erkenntnissen gestellt:
Was für Texte habt ihr euch angesehen? Wie seid ihr zu den Zukunftstexten gekommen? Wie seid ihr vorgegangen? Auf welche Texte habt ihr geachtet?
Wir haben zusammen mit einem Buchhändler ca. 50 Bücher ausgewählt, die mehrheitlich in den Jahren 2012 bis 2013 auf Deutsch geschrieben und als E-Books publiziert wurden. Diese konnten dann bis zu einem bestimmten Punkt mit einer qualitativen Analysesoftware (Atlas.ti) ausgewertet werden. Die E-Books wurden gezielt nach definierten Fachbegriffen der Arbeitswelt durchsucht und die gefundenen Textstellen analysiert. Die Bücher wurden nicht gesamthaft gelesen.
Und was waren die Resultate? Wie wird die Zukunft der Arbeit in der Science Fiction Literatur beschrieben? Was fällt auf?
Das Thema Automatisierung steht immer wieder im Zentrum. So wird bei Schmidt (2013), Das Prinzip von Hell und Dunkel) eine Gesellschaft beschrieben, in der die Menschen von der mechanischen Arbeit durch Roboter freigestellt sind, so dass sie entsprechend ihren eigenen Vorstellungen leben können.
Bei Anderson (2009, Science Fiction Kurzgeschichten) wird die Arbeit teilweise von Robotern übernommen, aber nicht jeder Mensch traute ihnen, so dass trotzdem wieder Menschen für diese Arbeiten eingesetzt wurden. Hinzu kommt, dass die Roboter Gefühle und Ängste entwickelt haben, nicht sterben und deshalb keine gefährlichen Arbeiten mehr übernehmen wollten, für die sie eigentlich bestimmt waren. Sie sagen: „Wir können nicht hinausgehen. Wir wollen nicht sterben. Alle bleiben hier.“
Androiden, gezüchtete Roboter, die so programmiert sind, dass sie einfache, aber gefährliche Arbeiten übernehmen können und nur beschränkt Entscheidungen treffen müssen, werden bei Anton (2008, Venus ist tot) beschrieben. Sie sind günstig in der Herstellung, kommen ohne Ruhe und Schlaf aus, ernähren sich von einem Proteinbrei bis sie verschlissen sind.
Welche Parallelen gibt es zur aktuellen Diskussion der Automatisierung?
Erwähnt werden einerseits die fast vollständige Abhängigkeit der Menschen vom Computer und die unterschiedliche Anpassungsfähigkeit der Menschen an technologische Veränderungen und andererseits Roboter, die menschliche Arbeiten übernehmen, weil sie kostengünstiger, schneller und genauer sind sowie der permanente Wettbewerb bei Innovationen. Einen Schritt weiter gehen die folgenden Themen: Menschen, die automatisiert und stark beschleunigt lernen können und Menschen, die für spezifische Aufgaben gentechnisch gezüchtet werden.
Science Fiction Bücher beschreiben gerne Utopien der Zukunft? Wie sieht eine utopische Arbeitswelt aus?
Es gibt nicht nur positive oder nur negative Arbeitswelten. Meistens ist eine Mischung aus beidem. Aber hier die positiven Elemente: Elsner (2011, Rudolf Wundersam und das Arche-Noah-Prinzip) beschreibt, welche Regeln auf dem Planeten Estragonien gelten sollen, einem Planeten, der erst noch besiedelt werden soll. Man wirbt also Menschen an. U.a. sollen folgende Regeln gelten: Jeder muss arbeiten, aber nur drei Tage in der Woche. Es gibt keine Beamten, bestimmte Posten übernehmen Androiden. Leute, die 55 Jahre alt sind, brauchen nur noch zwei Tage die Woche arbeiten.
In Roo (2012, Magic Manna) entdeckt man Möglichkeiten, unbegrenzt auf Energie, Lebensmittel und Heilmittel zugreifen zu können. Die Folge ist, dass Menschen nicht mehr arbeiten. Das Bildungssystem bricht zusammen. Es heisst: „Manche Eltern sehen keinen Sinn in Bildung, da niemand mehr gezwungen ist, etwas zu lernen, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. „
Dystopien, d.h. negative Zukunftsszenarien sind auch ein beliebtes Topos. Wie sieht eine dystopische Arbeitswelt aus?
Vielleicht so: Wenn man die Fabrikationshalle betritt, wird die Identität aufgegeben, man heisst dann z.B. nur noch CC-114. Die Tätigkeiten sind rein überwachende Tätigkeiten. Die Arbeitsleistung eines jeden Mitarbeitenden wird gemessen und sichtbar gemacht. Es gibt Menschen, die nicht wissen, dass sie moderne Roboter sind, oder so konzentriert arbeiten, dass sie nach einigen Jahren verbraucht sind. Sie werden durch neue ersetzt. Mensch oder Maschine -sie zählen nur solange sie gebraucht werden. Es ist eine unbegrenzte Zahl von Arbeitskräften vorhanden. Die Bevölkerung arbeitet und wohnt 24 Stunden lang zeitversetzt, weil die Erde überbevölkert ist, die Wohnungen begrenzt und die Verkehrssysteme überlastet sind. Immer wieder versuchen fehlerhaft programmierte Androiden zu fliehen, um wie Menschen zu leben. Neue Welten mit neuen Gesellschaftsordnungen sollen den Menschen als Traum verkauft werden.
Wir beschäftigen uns sehr viel mit mobiler und flexibler Arbeit oder neuen Formen der Organisation, wie Holacracy. Ist das in der Science Fiction Literatur ein Thema?
Es werden hier eher Gesellschaften, Planeten oder Bevölkerungsgruppen beschrieben als Organisationen, aber einige Hinweise lassen sich finden: so bezieht man sich bei Bekker (2012, Chronik der Sternenkrieger) auf (militärische) Forschungsgruppen, in denen flache Hierarchien und Teamgeist vorhanden und keine Orientierung an Rangstufen erfolgen soll, bei Tholey und Förster (2013, Der Erneuerer) wird erwähnt, dass gegen Ende des 23. Jahrhunderts die Erde überbevölkert ist und deshalb mehr als die Hälfte der Menschen von zu Hause aus arbeitet und
bei Simak (2010, Als es noch Menschen gab) spricht man von „nahezu perfekter gesellschaftlicher Organisation“ der Ameisen. Diese Organisation hat sich bis zu einem bestimmten Punkt entwickelt und ist dann stehen geblieben. Das lag einerseits am Hunger und andererseits am Winterschlaf. Der Winterschlaf hat dafür gesorgt, dass das Gedächtnis der Ameisen während des Winterschlafs ausgelöscht wurde, d.h. im Frühjahr haben sie immer wieder von neuem angefangen. Sie hatten somit keine Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen. Ein Mutant hat sie deshalb, teilweise aus Spass oder Neugierde, ernährt und ihren Ameisenhügel beheizt. Ein Winterschlaf war somit nicht mehr nötig. Die Ameisen haben ungefähr 10 Jahre gebraucht, bis sie lernten, die kleinen Schubkarren, die ihnen der Mutant einfach hingestellt hat, mit Heizmaterial zu füllen, und sie für das Beheizen ihres Ameisenhügels zu nutzen.
Wie nutzt ihr die Erkenntnisse in der Praxis und mit Kunden?
Wir haben zuerst bei einem Selbstversuch (15 Mitglieder des Kernteams CreaLab) ausprobiert, wie es ist, selbst kurze Science Fiction Geschichten (Flash Fiction) unter Zeitdruck zu schreiben. Das waren für jeden von uns sehr unterschiedliche Erfahrungen. Im nächsten Schritt haben wir das Ganze strukturiert, wieder ausprobiert und verbessert, bis wir die Methode dann mit Personen am Future Forum Lucerne 2016 zur Problemlösung von Fragestellungen zum ersten Mal professionell einsetzen konnten. Die Unternehmensvertreter fanden das sehr spannend und wir natürlich auch.
Gibt es ein Buch, welches ihr empfehlen würdet?
Dave Eggers (2013). The Circle. Es handelt sich hier um eine Dystopie, in der eine Internet-Firma, ihre Organisation und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft beschrieben werden.
Vielen Dank für die vielen Einsichten und Leseempfehlungen. Was denkt ihr? Welche Zukunftsvision sagt euch am meisten zu? Welche wünscht ihr euch gar nicht?