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«Englisch zu lernen wird zu einem integralen Bestandteil einer neuen Militärkultur, die in die Streitkräfte der Ukraine eingeführt wird und auf euro-atlantischen Werten und Prinzipien basiert», so der Pressedienst des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Die Prüfung der englischen Sprache werde obligatorisch werden. Es gehe um die Erreichung der «Interoperabilität» mit den NATO-Truppen, so die Mitteilung des Ministeriums. Dank Englischkenntnissen sollen Militärangehörige künftig in der Lage sein, an internationalen Missionen und Trainings im Ausland teilzunehmen. Ausserdem führe die US-Regierung ein Projekt zur Bereitstellung neuer Sprachlabors, Lehrbücher und Handbücher durch, wie die «Kyiv Post» rapportiert.
Sprachunterdrückung als Ursache des Bürgerkriegs
Man erinnert sich: 2014, im Jahr der Maidan-Kravalle – neuerdings «Revolution der Würde» genannt – und des anschliessenden Putsches gegen die gewählte Regierung unter Präsident Wiktor Janukowytsch setzten ukrainische Nationalisten in der Verhovna Rada, im ukrainischen Ein-Kammer-Parlament, erste Behinderungen der russischen Sprache in jenen ukrainischen Regionen im Süden und im Osten durch, in denen die Bevölkerung mehrheitlich Russisch spricht. Nicht zuletzt diese Versuche, den dortigen Leuten die Muttersprache abzugewöhnen, führten zum Bürgerkrieg im Donbass. Ein neues ukrainisches Sprachgesetz verbietet nun seit 1. September 2020 den Schulunterricht in russischer Sprache. Das politische Ziel ist, die Ukraine auch sprachlich zu einer «Nation» zu machen, was sie historisch ja eben nie gewesen ist.
Russisch verbieten, aber Englisch fördern?
Dass nun ausgerechnet in der Armee, jener Institution, die das Land gegen ausländische An- und Eingriffe schützen sollte, die englische Sprache gefördert und für die Offiziere sogar obligatorisch gemacht werden soll, hat natürlich ebenfalls einen politischen – und nicht einmal verheimlichten – Grund: Man will NATO-kompatibel werden. Schon seit längerer Zeit führt die ukrainische Armee mit NATO-Truppen gemeinsame Manöver durch, ja selbst die Hierarchiestufen der ukrainischen Armee sind der NATO-Hierarchie angepasst worden.
De iure kann die Ukraine noch nicht NATO-Mitglied werden, weil sie auf ihrem Territorium einen kriegerischen Konflikt hat, was gemäss NATO-Satzungen einen Beitritt verhindert. De facto aber kommt die Zusammenarbeit der ukrainischen Streitkräfte mit den NATO-Truppen einer Mitgliedschaft immer näher. Auch NATO-Generalsekretär Stoltenberg ist in der Ukraine ein gern gesehener Gast.
Die eigene Sprache verboten, die fremde aber eine Pflicht
Die neuen Sprachregelungen in der Ukraine zeigen, welche einschneidenden Massnahmen nötig sind, um etwas zu erreichen, was nicht einigermassen natürlich gewachsen ist: aus einem Land mit unterschiedlichen Sprachen, unterschiedlichen Kirchen und unterschiedlichen Nachbarschaftsbeziehungen eine homogene «Nation» zu schaffen. Die treibende Kraft dazu, der vor allem im Nordwesten des Landes militante Nationalismus, ist gleichzeitig die Ursache, warum die Hoffnungen auf einen baldigen Beitritt zur EU so schnell nicht in Erfüllung gehen werden. Die EU ist an neuen Märkten, an neuen Abnehmern für ihre eigenen Produkte interessiert, nicht an den Produkten der Ukraine, die eh wenig Exklusives zu bieten hat. Makaber: Erfolgreich ist fast nur noch das Geschäft mit preisgünstigen Leihmüttern, obwohl in Covid-19-Zeiten auch diese Branche mit Problemen kämpft.
Ein Drittel des ukrainischen Staatsbudgets geht in die Streitkräfte – ein Hohn in Anbetracht der unbeschreiblichen Armut in der Ukraine. Würde das Abkommen Minsk II eingehalten, könnten nicht nur weitere Kriegsopfer verhindert werden, auch die finanzielle Belastung des Staates würde massiv reduziert.
Warum nicht tun, was Deutschland und Frankreich 1955 in vorbildlicher Weise getan haben? Sie haben die Bevölkerung des Saarlandes darüber abstimmen lassen, ob sie lieber zu Deutschland oder zu Frankreich gehören. Das Resultat der Abstimmung – mit 67 Prozent zu Deutschland – haben beide Staaten anerkannt.
Warum wird im Donbass seit sechs Jahren Krieg geführt? Wäre die Regierung in Kiev ihrer Sache so sicher, dass sie ihren Bürgerinnen und Bürgern ein glücklicheres Leben bieten kann als Russland, sie könnte doch diesen friedlichen Weg der Selbstbestimmung anbieten.
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Siehe dazu das Infosperber-Dossier