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Nach einem nicht nur aus Schweizer Sicht enttäuschenden M&A-Jahr 2009 war zu Beginn des laufenden Jahres eine gewisse Zuversicht bezüglich einer Erholung des Marktes in der Branche zu spüren. Die positive Grundstimmung wurde unter anderem durch zwei Grosstransaktionen genährt: Novartis übernahm für 39,3 Mrd Dollar das auf Augenheilkunde spezialisierte Unternehmen Alcon und Nestlé für 3,7 Mrd Dollar das amerikanische Tiefkühl-Pizza-Geschäft von Kraft Foods. Zudem wurde erwartet, dass Schweizer Unternehmen nach der Stabilisierung der Weltwirtschaft international Ausschau nach Akquisitionsmöglichkeiten zur Marktanteilsgewinnung halten würden und dass der durch die Krise verstärkt hervorgerufene Fokus auf Kerngeschäft und Liquiditätssicherung Bereinigungsaktivitäten hervorrufen würde.
Hinzu kam in der Schweiz noch der durch die ve ränderten Rahmenbedingungen verstärkt hervorgerufene Konsolidierungsdruck in bestimmten Branchen. Als Beispiel können an dieser Stelle Teile der Finanzbranche genannt werden.
Die Quellen sind ernüchternd
Der verhaltene Optimismus zu Jahresbeginn konnte allerdings bisher nicht durch entsprechende M&A-Aktivitäten im Schweizer Markt bestätigt werden. Vergleicht man die Anzahl der angekündigten Transaktionen mit Schweizer Beteiligung in den ersten sechs Monaten des Jahres mit der von 2009, stellt sich eine gewisse Ernüchterung ein. Je nach Quelle zeigt diese Analyse eine Abnahme von 36% (Bloomberg) respektive von 26% (Mergermarket).
Schaut man sich die Anzahl der Übernahmen und Fusionen mit Schweizer Beteiligung an, welche tatsächlich zum Abschluss kamen, wurde in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zur Vorjahresperiode eine noch bedeutendere Abnahme von 43% (Bloomberg) respektive von 37% (Mergermarket) verzeichnet. Diese Zahlen lassen darauf schliessen, dass Schweizer Firmen ihr Wachstum nach der Krise während des allfällig imminenten Aufschwungs (noch) nicht durch Übernahmen beschleunigen werden.
Diese Vermutung wird durch die Ergebnisse der von Deloitte quartalsweise durchgeführten CFO-Umfrage aus dem 1. Quartal 2010 unterstützt. Die Umfrage hat zum Ziel, die Einschätzungen von Finanzchefs zu Risiken, Chancen und Wendepunkten der aktuellen Wirtschaftslage zu erfassen. Obschon die Beurteilung der Wirtschaftsaussichten durch Schweizer CFO in der letzten Umfrage deutlich positiver ausgefallen ist als noch im 4. Quartal 2009, stehen für sie dennoch defensive Themen auf der Prioritätenliste ganz oben. Die Lösung der durch die Wirtschaftskrise hervorgerufenen aktuellen Probleme steht damit nach wie vor deutlich im Vordergrund. Demgegenüber wird dem Bereich M&A derzeit eine niedrige Priorität eingeräumt - er schafft es in der Prioritätenliste der CFO auf Platz neun von elf Positionen. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass diejenigen Firmen, die sich trotz der unsicheren wirtschaftlichen Lage an Übernahmen heranwagen, der Analyse der Zielgesellschaft im Rahmen der Due Diligence mehr Bedeutung schenken als dies vor der Krise der Fall war.
Die Gründe für die anhaltend zurückhaltende Haltung der CFO gegenüber Übernahmen liegen in den Bedenken der Unternehmensführungen bezüglich der Nachhaltigkeit der zurzeit beobachtba- ren wirtschaftlichen Stabilisierung und des Tempos eines allfälligen Aufschwungs in naher Zukunft. Nach den grossen Anstrengungen der letzten 18 Monate, welche für die Sanierung und Risikoentlastung der Bilanzen unternommen wurden, hat die Erholung bezüglich der Risikoneigung bei der Ausarbeitung und Umsetzung der M&A-Strategie erst eingesetzt. Diese vorsichtige Haltung zeigt sich auch im Resultat der CFO-Umfrage des 2. Quartals 2010. Nur noch rund 22% der befragten CFO (gegenüber 47% im 1. Quartal) sehen eine positivere Zukunft und nur noch rund 65% der Befragten (72%) erwarten, dass sich die M&A-Aktivität steigert.
Und wie geht es weiter?
Glaubt man dem Trend der M&A-Aktivität der ersten sechs Monate dieses Jahres, sind die Aussichten einer bedeutenden Erholung des Schweizer M&A-Marktes in den kommenden drei bis sechs Monaten eher getrübt und nur mit Vorsicht zu deuten. Die wirtschaftliche Stabilisierung und ein allfällig einsetzender Aufschwung werden zuerst das Vertrauen der Entscheidungsträger in die wirtschaftliche Erholung stabilisieren müssen, bevor M&A-Wachstums- und Entwicklungschancen stärker in den Mittelpunkt der Unternehmensführungen rücken. Trotz aller Vorsicht, gezielte Übernahmen können unter Anwendung der Sorgfaltspflicht und Due-Diligence-Prüfung das Wachstum beschleunigen. Ganz nach dem Motto «Nur wer wagt, gewinnt».