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Chefredaktor der Zeitschrift DU
Nach der Rückkehr in die Schweiz schuf sich Manuel Gasser einen damals legendären Salon, mit Montagabenden, zu denen er das künstlerische und intellektuelle Zürich einlud und mit verschiedenen Suppengerichten verköstigte. Einmal waren auch Thomas, Katia und Erika Mann zu Gast.
1957 starb sein grosser Förderer Karl von Schumacher. Kurz darauf beschloss Gasser, die Weltwoche zu verlassen. Er schaffte es, den Herausgeber der Kulturzeitschrift Du zu überzeugen, den Gründer und ersten Chefredaktor, Arnold Kübler, zugunsten Gassers in Pension zu schicken. So wurde Gasser der nicht unumstrittene Nachfolger Küblers. 1957 verstarb auch Gassers jüngerer, ebenfalls schwuler Bruder Hans-Uli, der seit 1940 als Kunsthändler tätig gewesen war.
In den Jahren von 1958 bis 1974 verantwortete Gasser 204 Du-Nummern, darunter viele Hefte, die als Höhepunkte in der Geschichte dieser ausserordentlichen Monatszeitschrift gelten dürfen. Hier konnte er endlich zur Anwendung bringen, was in der Weltwoche nicht möglich war: seinen ungeheuren Sinn für Werke der bildenden Kunst und der Fotografie. Er suchte grundsätzlich in jedem Heft ein Gleichgewicht zwischen Bild und Text; aber zwischenhinein wagte er ein Heft zu gestalten, in dem die Bilder fast ohne Erklärungen auskamen.
Natürlich waren diese Hefte nicht alle von ihm betreut. Es gelang ihm, als Co-Redaktoren Persönlichkeiten wie Hugo Loetscher, Willy Rotzler und Peter Killer zu gewinnen, als Mitarbeiter viele weitere Fachleute, als Fotografen alles, was Rang und Namen hatte. Wichtig war für ihn nach wie vor die Möglichkeit des Reisens, sei es im Hinblick auf Du-Hefte oder um neue Gegenden und Länder zu entdecken. Einige Reisen machte er mit seinem engen Freund Golo Mann, andere mit den Fotografen, die er für den Bildteil der Hefte vorgesehen hatte. René Burri beispielsweise begleitete ihn auf zwei mehrere Wochen dauernden Reisen nach Japan und Thailand. Sein wichtigster Begleiter war der junge Franco Cianetti, den er auf einem Fussballplatz in Perugia "entdeckt" hatte und den er in Zürich zum Fotografen ausbilden liess. Immer, ob er allein oder in Begleitung reiste, einen hohen Stellenwert hatte die Suche nach jungen Burschen, deren Gesellschaft er für ein paar Stunden oder Tage genoss.
1974, mit 65, liess sich Gasser pensionieren und zog von Zürich ins Pächterhaus des Schlosses Brunegg bei Lenzburg, das Jean Rudolf von Salis und seiner Frau Elsie gehörte.
In diesen letzten Jahren entstanden vor allem die drei Kochbücher, die bis heute in vielen Haushalten im Einsatz sind und an den Namen Manuel Gasser erinnern. Im Sommer 1979 feierte Gasser, gesundheitlich schon schwerst angeschlagen, auf Brunegg seinen 70. Geburtstag im Kreise seiner engeren Freunde und Bekannten. Am 16. September desselben Jahres erlag der lebenslange Raucher einem Lungenkrebs.
David Streiff, Januar 2017
Literaturhinweis
David Streiff: Manuel Gasser - Biografie. Limmat Verlag, Zürich 2016.