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Am nächsten Samstag jährt sich der Berliner Mauerbau zum 50. Mal. Ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf ein Areal zu werfen, das sich vom Todesstreifen während der Mauer bis hin zu einem modernen Stadtquartier heute gewandelt hat: Der Potsdamer Platz in Berlin.
Zwei grosse Gebäudeblocks
An der Bebauung am Potsdamer Platz wird vor allem zwischen zwei grossen Gebäudeblocks unterschieden: Einerseits das SONY-Center mit seinem markanten Zeltdach und dem Deutsche Bahn-Tower, andererseits das auf den ersten Blick in architektonischer Hinsicht wenig anspruchsvolle Quartier Daimler. Jedoch besitzt dieses einen genialen Innenhof und trotzdem spielen die verschiedenen Gebäudeformen elegant miteinander. Der Platz hat seine verkehrstechnische Bedeutung, den er vor den beiden Weltkriegen innehatte, wieder erlangt. Nebst stark befahrenen Strassenzügen kreuzen sich im unterirdischen Bahnhofsgelände diverse U-Bahn, S-Bahn und auch Regionalzugslinien der Nord-Süd-Transversale. Der Legende nach habe sich am Platz einer der ersten Lichtsignalanlagen des europäischen Kontinents befunden, zudem ein Kopfbahnhof für den Verkehr in Richtung Wannsee, Potsdam und Westbrandenburg.
SONY-Center mit BahnTower
Das zwischen 1998 und 2000 erbaute SONY-Center wiederum besteht aus einem beinahe als Vollkreis gebauten Glasbau, in dem der namensgebende japanische Elektronikkonzern unter anderem einen Megastore betreibt, dazu ist ein Multiplexkino vorhanden, welches sehr beliebt für Deutschland- oder Europapremieren von US-amerikanischen Streifen ist. Gedeckt wird die Freifläche innerhalb des Kreises durch eine markante Zeltdachkonstruktion, das an den japanischen Berg Fuji-san erinnern soll. Alle Bauten bilden ein Dreieck, an dessen Spitze der BahnTower steht. In diesem Turm hat sich die Konzernzentrale der Deutschen Bahn eingenistet. Pläne der Bahn, nach Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs an dessen Seite eine neuer Hauptsitz zu erstellen, sind mittlerweile vom Tisch. Interessant ist auch, dass der von Architekten Helmut Jahn geplante Komplex historische Elemente beinhaltet. Erhaltene Ruinen, die vom zerbombten Hotel Esplanade übriggeblieben sind, wurden verschoben und in den Bau integriert. Der Namenspate, der sich das Gelände zur Zeit der Wiedervereinigung herum gesichert hatte, veräusserte die Bauten Anfang 2007 an Finanzinvestoren.
Quartier Daimler und Potsdamer Platz Arkaden
Markantestes Elemet des Daimler-Quartiers ist das debis-Haus, in dem heute die Zentrale der Daimler Financial Services untergebracht ist. Höchster Punkt des Gebäudes ist der 106 Meter hohe Turm mit dem
tükisfarbenen Kubus, der das Logo der nicht mehr existenten Daimler-Tochter debis darstellen soll. An ihn angegliedert ist das Turmhaus mit 23 Stockwerken. Das Atrium hat dieselben Grösseneinheiten wie das Mittelschiff der Pariser Notre-Dame und war bis zu den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001 öffentlich zugänglich. Es ist mit viel Glas verkleidet und steht somit im Kontrast zur Aussenfassade, die viel Wärme ausstrahlt. Die Südwestfassade ist mit Stahl und Glas über den Terracotta-Platten versehen.
Auch die Daimler AG baute historische Elemente in ihr Konzept ein. Das als einziges Gebäude am Platz beinahe unbeschädigt geblieben Weinhaus Huth stand während der Nachkriegszeit als Symbol der Teilung und wurde unter Denkmalschutz gestellt. Im Quartier Daimler bildet es das Bindeglied zwischen den debis-Haus und den Potsdamer Platz Arkaden. Heute finden im Huth-Haus Wechselaustellungen der Daimler-Kunstsammlung statt.
An das Weinhaus Huth schliessen die Potsdamer Platz Arkaden an, ein Einkaufszentrum mit 133 Ladengeschäften. Sie sind über diverse Strassen- und Gassenzeilen angeordnet. Zentrales Element ist ein Glasquader quer zur Joseph von Eichendorrf-Gasse, unter dem Quader ist die zentrale Mall der Arkaden angelegt worden.
Weitere Bauten
Auch abseits des Sony-Centers und des Daimler-Quartiers wurden sowohl am Potsdamer als auch am benachbarten Leipziger Platz zahlreiche neue Bauten hochgezogen. Nicht unerwähnt bleiben darf dabei der 103 Meter hohe Kolhoff-Tower, der nach seinem Architekten Hans Kolhoff benannt wurde. Das Gebäude wurde in den Jahren 1998/1999 erbaut und zehn Jahre später einer Sanierung unterzogen. Der Grund für die Sanierung waren herunterstürzende Fassadenteile, die durch eindringende Nässe verursacht wurden. Kolhoff orientierte sich bei der Planung stark an die US-Hochhausarchitektur im 19. Jahrhundert, sichtbar an der Klinkerfassade, aber auch an der abgestuften Bauform des Gebäudes.
Daneben steht mit dem Beisheim-Center ein grosser Hotelkomplex, der anders als die anderen Platz-Anrainer auf Unterhaltungselemente wie ein Kino verzichtet hat. Nebst dem Ritz befindet sich auch das Mariott Hotel im Beisheim-Center, sowie Luxusappartements. Geplant wurde der Appartementteil vom Briten David Chipperfield, der sich unter anderem den Schweizer Le Corbusier als Inspiration ausgesucht hatte. Den Hotelkomplex entstand nach Plänen des Architekturbüros Hilmer & Sattler und Albrecht, das unter anderem an die ersten, in Chicago hochgezogenen Wolkenkratzer erinnert.
Warum der Potsdamer Platz in die Serie gehört
Für mich hat das ganze Gelände eine erstaunlich Entwicklung hinter sich und steht als Vorbild für alle grossen Urbanisierungsprojekte dieser Welt. Auch wenn die diversen Bauten von unterschiedlichen Architekten errichtet wurde, so spielen die Gebäudeformen elegant miteinander. Egal, ob das futuristische Sony-Center oder der historisch anmutende Kolhoff-Tower, jeder einzelne Bau passt in das Areal.
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