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Die tierisch menschliche Zugfahrt
Auf dem Weg zum Pferdestall sass ich gemütlich in der Thurbo-Bahn Richtung Schaffhausen.
Im Abteil neben mir sass ein älterer Herr mit einem grösseren, kurzhaarigen hellbraun Hund. Der vierbeinige Begleiter des Zugpassagiers wollte spielen und stupste den Herrn mehrmals am Bein an. Darauf befahl das Hundeherrchen dem Vierbeiner mit leiser und fürsorglicher Stimme: ‚sitz‘.
Auf diese Aufforderung streckte der Hund die Vorderpfoten weit nach vorne, legte sein Kinn fast auf die am Boden liegenden Vorderbeine und das Hinterteil stand senkrecht in die Luft und der Schwanz wedelte freudig.
Der Herr schüttelte den Kopf und forderte noch mal den Hund auf mit ‚sitz‘. Wieder streckte der Hund seine Vorderpfoten weit nach vorne und legte sein Kinn auf die Vorderbeine und schaute treuherzig den Herrn an. Das Hinterteil war wieder hoch in die Luft gestreckt und der Schwanz wedelte kindlich freudig.
Dieselbe Szene wiederholte sich noch drei Mal. Jedes Mal bekam das Hundeherrchen die gleiche Antwort vom Hund auf das Wort ‚sitz‘.
Ich konnte ein Schmunzeln nicht verkneifen, denn es war köstlich und allerliebst die beiden ‚Sitz-Nachbarn‘ zu beobachten. Mein Buch legte ich wieder zurück in die Tasche.
Der ältere Herr bemerkte, dass ich die Sache beobachtete und schmunzelte. Er sah mich an und sagt: ‚Heilige Bimbam, irgendetwas mache ich falsch. Es ‚sitzt‘ immer die falsche Seite von meinem Lupino am Boden.‘
Ich konnte ein lautes Lachen nicht mehr underdrücken. Der nette Herr lachte mit und meinte: ‚Ja, das allerwichtigste im Leben ist über sich selbst herzlich lachen zu können, das hat schon meine Grossmutter zu mir gesagt.‘ ‚Da stimme ich vollends zu‘, erwiderte ich voller Überzeugung darauf.
Nach dem Lachen sagte ich dem Herrn, dass ich beobachtet habe, dass er sich immer sehr zum Hund herunterbeugt, wenn er das Wort ‚sitz‘ sagt. Und ich habe einfach das Gefühl, der Hund namens Lupino verstehe ihn vermutlich falsch. Er ahmt einfach das Herrchen nach und beugt sich VORNE nach unten.
Daraufhin blieb der Herr fast stramm aufrecht sitzen und wiederholte das Wörtchen ‚sitz‘ mit einem Blick auf Lupino. Lupino schaute ihn an und wiegte fragend den Kopf hin und her. Noch etwas strammer und aufrechter wiederholte der Herr das Wort nochmals und der Blick wurde fordernder. Lupino’s Schwanz bewegte sich in Zeitlupentempo nach unten. Die Hinterbeine tippelten Zentimeter um Zentimeter nach vorne, man hörte sogar die kleinen Krallen am Boden ‚tippeln‘. Das Hinterteil befand sich nun zwischen stehend und sitzend.
Der ältere Herr wiederholte nochmals leise ‚sitz‘. Das Hundehinterteil bewegte sich immer noch sehr langsam Richtung Boden. Mittlerweilen waren es fast Millimeter für Millimeter. Nach einer endlos scheinenden Zeit sass Lupino tatsächlich am Boden! Der Herr schaute mich an und sagte: ‚Das ist ja unglaublich, der hat mich wirklich imitiert, denn ich setze mich mit meiner Arthrose genau gleich ‚zackig‘ hin.
Schmunzelnd sagte ich zu ihm: ‚Tempo hin oder her, vergessen sie nicht, Lupino fest zu loben, dann weiss er was sie von ihm wollen.‘
Sofort bekam der lehrreiche und überaus schlaue und intelligente Hund ein Leckerli. Der Herr bemerkte: ‚Ja ja, Hund wie Herr und umgekehrt. Gleiches Tempo, gleicher aufmerksame und neugierige Gesichtsausdruck und gleiche Wurstvorliebe‘.
Es verging eine Weile und wir sassen schweigend im fahrenden Zug. Ein kurzer Blick ins Abteil nebenan verriet mir, dass sowohl Herr wie Hund eingeschlafen sind. Der Hund lag auf seines Herrchens Füssen und schnarchte leise. Der ältere sehr freundliche und herzliche Herr schlief tief und fest und schnarchte ganz leise mit der Hundeleine in der Hand.
Schön, dass ich beiden Persönlichkeiten begegnen durfte.