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Staatsanleihen haben die Schutzfunktion in einer Rezession verloren. Karsten Bierre, Fixed Income Manager bei Nordea Asset Management, setzt deshalb auf Anleihen, die bessere Rendite-Risiko-Eigenschaften aufweisen, um Anlegern eine sichere Alternative zu Cash zu bieten.
12.10.2020, 10:26 Uhr
Redaktion: cwe
Wie beurteilen Sie das derzeitige globale Wirtschaftsumfeld?
Karsten Bierre: Wir sind momentan Zeuge der Mutter aller Rettungsaktionen, wobei die Lockerung der Geld- und Fiskalpolitik fast beispiellos ist. Es ist bemerkenswert, wie viel Intervention stattgefunden hat, seit Covid-19 die Wirtschaft und die Märkte getroffen hat. Das hat weltweit zu einer Explosion der Staatsverschuldung und der Defizitlevels geführt, die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zu beobachten war. Es handelt sich dabei ist ein globales Phänomen, bei dem alle Zentralbanken aufs Gas drücken, wenn es um die Ausweitung der öffentlichen Haushalte geht. Diese Unterstützung wirkt sich auch auf die privaten Haushalte aus, da die verfügbaren Einkommen während der gegenwärtigen Rezession tatsächlich gestiegen sind. Dies ist wahrscheinlich die erste Rezession, in der die verfügbaren Einkommen grösser geworden sind.
Welche Auswirkungen haben diese Interventionen?
Die Regierungen sowohl in den USA als auch in Europa haben nun die Einbussen bei den nationalen Einkommen effektiv absorbiert. Normalerweise trägt der Privatsektor den grössten Teil der Last in einer Rezession, diesmal ist es jedoch der öffentliche Sektor. Dies hat die üblichen Auswirkungen in der zweiten Runde eines Abschwungs gedämpft; wie Kreditprobleme, Preisrückgänge bei Vermögenswerten und Insolvenzen von Haushalten. Normalerweise würde es während einer Rezession zu einer Kreditverknappung kommen, aber diesmal gibt es tatsächlich eine Kreditausweitung.
Wie bewältigen Sie die aktuellen Herausforderungen auf den Anleihenmärkten?
Die normale Schutzfähigkeit von Staatsanleihen in einem Rezessionsszenario ist nicht mehr vorhanden. Dies zeigte sich in der jüngsten Volatilität, da keine negative Korrelation zwischen hochwertigen Staatsanleihen und Risikoaktiva wie Aktien oder Krediten bestand. Unser Team hat verschiedene Instrumente entwickelt, um die Herausforderung zu bewältigen und Quellen zum Schutz vor Abwärtsrisiken zu finden.
Erstens verfolgen wir einen flexiblen Ansatz bei der strategischen Vermögensallokation. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass wir Segmente im Bereich qualitativ hochwertiger Anleihen finden, die bessere Rendite-Risiko-Eigenschaften aufweisen als beispielsweise herkömmliche deutsche Bundesanleihen. Wir verwenden auch ein erhöhtes Mass an taktischer Anpassung, um Flexibilität und Schutz zu bieten. Offensichtlich können Sie sich bei niedrigen Anleiherenditen und niedrigen Kreditspreads nicht in gleichem Masse auf eine strategische Diversifizierung zwischen Durationsrisiko und Kreditrisiko verlassen. Ein höheres Mass an taktischen Anpassungen kann daher die Robustheit des Portfolios erhöhen.
Darüber hinaus suchen wir nach defensiven Strategien, die eine Alternative zur Duration bieten. Während des starken Covid-19 Ausverkaufs boten beispielsweise defensive Währungen im Vergleich zu vielen traditionellen Anleihenarten einen überlegenen Schutz vor Abwärtsbewegungen. In der Tat sind Bargeld und Liquidität immer dann König, wenn es im Finanzsystem Unruhe gibt und die Risikoaversion steigt. Unsere alternativen Strategien, wie beispielsweise unsere FX-Strategien, die als Anleihenersatz gesehen werden können, basieren alle auf sehr liquiden Instrumenten, die in hohen Volumina und zu geringen Kosten gehandelt werden können.
Sie verwalten eine ganze Palette festverzinslicher Produkte. Hat jede Strategie dieselbe Anlagephilosophie?
Ja. Wir verfolgen den gleichen Ansatz und die gleiche Philosophie beim Ausgleich des Anlagerisikos. Dabei kombinieren sie defensive und aggressive Renditetreiber mit einer verlässlichen negativen Korrelation miteinander. Unser Spektrum verschiedener Strategien versucht dann, den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Kunden gerecht zu werden.
Im heutigen Niedrigzinsumfeld suchen einige unserer Kunden nach einer hochliquiden Lösung, die als Alternative zu Bargeld dienen kann. Dies ist unsere Conservative Fixed Income Strategie, die auf eine Rendite von Cash plus 100 Basispunkten abzielt.
Wir haben auch eine etwas risikoreichere Variante: unsere Flexible Fixed Income Strategie. Sie hat den gleichen Schwerpunkt – also die Begrenzung von Abwärtsbewegungen und einen hohen Liquiditätsgrad – jedoch mit einem Ziel von Cash plus 200 Basispunkten.
Schliesslich haben wir unsere Balanced Income Strategie, bei der zusätzlich zu den traditionelleren festverzinslichen Instrumenten der Flexible Fixed Income Strategie ein gewisses Aktienexposure verwendet wird. Dieses erhöhte Risikoprofil ermöglicht es uns, Cash plus 300 Basispunkte zu erreichen.
Können Anleger angesichts der niedrigen Renditen an den Märkten für Staatsanleihen zuversichtlich sein, in den kommenden Jahren robuste Renditen zu erzielen?
Das ist eine gute Frage. Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken in den nächsten zwei bis drei Jahren akkomodierend sein werden – wobei die Zinssätze für längere Zeit nahe oder sogar unter Null bleiben werden. Dies bedeutet, dass die erwarteten Renditen für sicherere Segmente des Rentenuniversums niedrig sind. Gleichzeitig glauben wir nicht, dass es Spielraum für weitere Impulse gibt, da die Instrumente auf der geldpolitischen Seite ziemlich erschöpft sind. Mit Blick auf die Zukunft bestehen Risiken für festverzinsliche Wertpapiere in steigenden Renditen, was die derzeit verhaltenen Renditeerwartungen für hochwertige Staatsanleihen antreibt. Wie bereits erwähnt, ermöglicht uns unser differenzierter Ansatz des Risikoausgleichs den Zugang zu zusätzlichen Renditequellen, indem wir alternative Strategien zum Schutz der Abwärtsrisiken anwenden, ohne die Volatilität zu erhöhen.
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