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1968 WAR DER HÖHEPUNKT
der linksgerichteten Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen. Es wurde marschiert – gegen den Vietnamkrieg und das Establishment, für die Bürgerrechte der schwarzen Bevölkerung in den USA und eine freiheitliche politische Ordnung in Europa. Und es wurde gefeiert – die Landung der amerikanischen Raumsonde Surveyor 7 auf dem Mond, die Uraufführung des Musicals Hair am New Yorker Broadway und Bob Beamons legendärer Weitsprung anlässlich der Olympischen Spiele in Mexiko City über 8,90 Meter. Der Blick richtete sich nach vorne, alles schien möglich.
IM GLARNERLAND BLICKTE
man derweil eher mit Wehmut zurück auf die grossen Zeiten der Baumwollindustrie, die im 19. Jahrhundert in den Bereichen Stoffdruck, maschinelle Spinnerei und Weberei weltweite Erfolge feierte. 1868 beschäftigten 22 Druckereien 5516 Arbeiterinnen und Arbeiter. Glarus war schon damals einer der am stärksten industrialisierten Kantone und führte schon sehr früh ein Arbeitsgesetz ein. Viel ist von der blühenden Textilindustrie nicht übrig geblieben: 2013 produzierten gerade noch drei Webereien und zwei Textildruckereien im Glarnerland. Was aber geblieben ist, ist das Wissen im Umgang mit Textilien – eines der Grundmaterialien für die Produktion von Skitourenfellen.
EIN LEIDENSCHAFTLICHER TÜFTLER
in der Entwicklung neuer Produkte war der passionierte Glarner Bergsteiger und Kletterer Hans Fischli. 1948 mietete er Gewerberäumlichkeiten an, gründete die Firma Tödi Sport und begann mit der Produktion von Metall-Skistöcken und Kletterrucksäcken. Bald schon ergänzte er sein Angebot um Skifelle. Die Eigenentwicklung Favoritfell mit Metallbügel und -endhaken war Mitte der 50er-Jahre so erfolgreich, dass Fischli sich fortan voll und ganz auf die Entwicklung und Produktion von Fellen konzentrierte. Die damaligen Felle waren für den Perfektionisten allerdings ein stetes Ärgernis, weil das Klebwachs nicht nur am Fell selber, sondern auch auf dem Skibelag, der Bekleidung und an den Händen kleben blieb. Fischli experimentierte mit alternativen Lösungen. Nach etlichen Rückschlägen hatte er die zündende Idee: Er ersetzte das Klebwachs durch einen Haftkleber, der ausschliesslich an der Textilfläche des Fells haftete und mehrfach verwendet werden konnte. Diese Erfindung brachte den unternehmerischen Durchbruch und die Position des Weltmarktführers in einem Nischenmarkt. 1980 verliess das millionste Paar Skifelle die Produktionsstätte in Glarus.
DIE LIEBE ZUM DETAIL
und den Anspruch der fortlaufenden Weiterentwicklung pflegte auch Werner Fischli, der die Leitung des Unternehmens 1982 von seinem Vater übernahm. Früh schon erkannte er die Notwendigkeit, gerade in der Outdoor- Industrie möglichst nachhaltige Produkte herzustellen. 1990 wurde deshalb der neue Klebstoff hotmelt eingeführt – der erste Klebstoff ohne umweltbelastende Schadstoffe. 2016 ging colltex noch einen Schritt weiter und lancierte mit dem ECO-Fell das erste, zu 100 % nachhaltige Fell auf dem Markt – bestehend aus 100 % reiner Wolle der Mohairziege, ohne fluorcarbonhaltige Imprägnierung, ohne Farbstoff, der Klebstoff aus reinem Naturkautschuk und Baumwolle. Bereits 2006 führten die findigen Glarner die Fell-Befestigung Camlock ein, mit der das Fell einfach und schnell an jedem Ski fixiert werden kann. Seine Merkmale: Ein schnörkelloses Design, quasi unzerstörbar, ganz ohne Nieten und blitzschnell montiert. Ähnlich populär war zum Zeitpunkt der Einführung 2009 der neue Haftkleber ct40. Basis hierfür sind Moleküle der Nanotechnologie, die sich unter Druck neu ausrichten und so eine ungewöhnlich starke Haftung entwickeln – und zwar bei Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius.
DIE ÄRA FISCHLI ENDETE
im Jahr 2015 mit der Firmenübernahme durch den Amdener Richard Bolt. Der erfolgreiche Expeditionsalpinist und Bergführer bringt viel Praxiserfahrung in das Unternehmen mit ein. Innert kürzester Zeit werden zwei Innovationen auf den Markt gebracht: die Fellbefestigung ACE für das einfache und schnelle Auf- und Abfellen sowie das neue Leichtfell Combin, dessen Packmass um 30% reduziert werden konnte. Bolt steht aber zugleich für Kontinuität, denn er weiss als langjähriger Nutzer der Produkte auch, was colltex so besonders macht: «Seit 2004 hat colltex die Längen und Taillierungen von über 10'000 Skimodellen von Hand vermessen und erfasst und bietet massgeschneiderte Felle für alle erhältlichen Ski an. Inklusive einer skispezifischen Wahl des Fixierungssystems.» Die Lieferfristen sind dank Schweizer Produktion zwar sehr kurz, doch Bächli Bergsport setzt hinsichtlich Servicequalität noch einen oben drauf: Die colltex-Felle werden in jeder Filiale vor Ort zugeschnitten, damit jeder Kunde sofort bedient werden kann. Für die Erbringung der Serviceleistungen wie Neuimprägnierungen, Klebstofferneuerung und Wachsen arbeitet Bächli Bergsport hingegen sehr eng mit colltex zusammen.