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Dass der Umgang mit depressiver Erkrankung vielfältig sein kann, zeigt sich in der vorliegenden Ausgabe des SANP anhand zweier Beiträge: In der Analyse des Films Cake von Gerard Calzada wird vor Augen geführt, welche Folgen eine unzureichende Behandlung mit sich bringt. Unter anderem wird die Protagonistin aus der Gruppentherapie ausgeschlossen. Hätte die Filmfigur nur gewust vom «Citizens against Depression project». Bei diesem Angebot werden Patienten, die psychiatrische Hilfe in Anspruch nahmen, dazu angeleitet, selbst Depressions-Selbsthilfegruppen aufzubauen. Der Artikel dazu von Angeliki Menediatou und Koautoren zeigt auf, wie sich die schwere sozioökonomische Krise in Griechenland auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung auswirkt. Im Rahmen des Projektes wurde eine grössere Anzahl von Gesundheitsfachleuten trainiert, Moderatoren für Selbsthilfegruppen auszubilden. Die Autoren heben hervor, dass es sich um ein sehr innovatives Projekt für Griechenland handelt, da in diesem Land Selbsthilfegruppen-Angebote für psychische Probleme bislang kaum zu finden waren und gruppentherapeutische Angebote kein fester Bestandteil der psychiatrischen Grundversorgung sind.
Um ein schwieriges Thema der Akutpsychiatrie, die Behandlung von Patienten in Intensivpflege- bzw. Isolationszimmern, geht es im Beitrag von Autoren um Aurélie Perritaz, die über eine naturalistische Studie des Freiburger Netzwerks für psychische Gesundheit (FNPG) informieren. Zwangsmassnahmen wurden quantitativ erfasst und die Patienten der Psychiatrischen Klinik bezüglich ihrer Erfahrungen befragt. Als Ergebnis aus der interdisziplinären Arbeitsgruppe werden vier Managementphasen vorgeschlagen, um die Abläufe künftig zu verbessern und das Risiko einer Traumatisierung von Patienten im Rahmen einer zwangsweisen Isolation zu reduzieren.
Im Zusammenhang mit Behandlungsmöglichkeiten der schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose stellen Théaudin und Eden Eskalations- und Induktionstherapie einander gegenüber. Die grundsätzlichen Unterschiede der beiden Therapieansätze werden erläutert und die in Frage kommenden Medikamente diskutiert.
In der Arbeit «Burnout und Neurasthenie – die Zeitdiagnosen der Jahrhunderte» wird der Leser auf eine Reise durch die jüngere Psychiatriegeschichte mitgenommen. In ihrer Arbeit setzen sich die Autoren um Sarie Haisch mit der spannenden Frage auseinander, ob es sich bei den beiden Konzepten um Modediagnosen in einem zeitspezifischen Gewand, also letztlich ein und dieselbe Störung handeln könnte. Auf der Suche nach einer Antwort erfährt der Leser viel Interessantes über das Krankheitsverständnis im 19. Jahrundert und die Auswirkungen sich verändernder Arbeitsbedingungen im Zusammenhang mit Industrialisierung und erstarkendem Kapitalismus auf die Menschen.
Auch in der Psychiatrischen Klinik in Littenheid muss schon Neurasthenie behandelt worden sein, handelt es sich doch hier um eine im vorletzten Jahrhundert gegründete Einrichtung. Über die Charakteristika der Führung einer Psychiatrischen Privatklinik mit öffentlichem Versorgungsauftrag gibt die Ärztliche Leiterin Professor Silke Bachmann im Interview mit Dr. Karl Studer Auskunft.
Den unmittelbaren Rückblick in die Archive des SANP schliesslich bietet der Beitrag von Kesselring, der über den Artikel von Economos zur Encephalitis lethargica berichtet.