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Ausdrucke, auch in den Bewegungen, die immer lebendig und kraftvoll sind. Seine auf das Erhabene und Großartige gerichtete Kunstweise konnte daher auch eher Anklang finden, als jene Caravaggios, und man ließ sich die Lebenswahrheit gefallen, weil sie doch über das Gewöhnliche hinaus gesteigert erschien.
Ribera hatte daher nicht nur in Spanien, sondern auch in Italien eine ziemliche Anzahl von Nachfolgern, so daß die neapolitanische Schule längere Zeit einen gewissen Einfluß behielt, ja im 18. Jahrhundert sogar zu einer, allerdings nicht gerechtfertigten Bedeutung gelangte. Dies verdankte sie freilich mehr dem Umstande, daß sie den ursprünglichen «Naturalismus» erheblich gemildert und dafür vieles von der Richtung der Ziermalerei angenommen hatte. Dieser Mischung begegnen wir bereits bei Luca Giordano (1632-1705) genannt Fapresto (der Blitzmaler). Der hauptsächlich ob seiner erstaunlichen Fruchtbarkeit und Handfertigkeit (er malte wandgroße Bilder in wenigen Tagen fertig) bemerkenswert ist. Begabung und Sinn für das Malerische war bei ihm vorhanden, seinen Werken fehlt jedoch der innere Gehalt; es sind oft geistvoll, nicht selten aber auch schleuderhaft behandelte Farbenstücke, die nur schmuckhaft wirken und das Auge blenden sollen.
Salvator Rosa. Eine selbständige Stellung nimmt dagegen der mittelbar auch aus Riberas Schule hervorgegangene Salvator Rosa (1615-1673) ein, unstreitig der bedeutendste Landschaftsmaler, den Italien in diesem Zeitraume aufzuweisen hat. Die Hauptmeister des Cinquecento, auch die Caraccis, hatten der Landschaft zwar ihre Aufmerksamkeit gewidmet, doch wurde sie selten als selbständige Hauptsache behandelt und ausschließlich in den Vordergrund gestellt. Für die italienische Kunst blieb das Menschliche immer der vornehmste Gegenstand der Darstellung, dessen man nicht entbehren zu können glaubte.
Salvator Rosa hatte schon landschaftliche Naturstudien in den Gebirgen und an der Küste Süditaliens gemacht, ehe er zu dem Schlachtenmaler Falcone in die Lehre kam. Von diesem nahm er zwar die Darstellung von Gefechtsvorgängen auf, aber seine eigentliche künstlerische Neigung blieb dauernd dem Landschaftlichen gewidmet, das in allen seinen Bildern die erste Rolle spielt, ob sie nun Schlachten, biblische, mythologische oder geschichtliche Vorgänge vorstellen sollen.
Dabei bekundet er eine Vorliebe für das Abenteuerliche, das «Phantastische» und «Romantische», wie man sie bei keinem anderen Italiener, nur bei Niederländern und Deutschen findet. Diese Hingabe an die Einfälle einer lebhaften Einbildungskraft ist für seine Eigenart ebenso bezeichnend, wie das tiefe Verständnis für die «Stimmungen» der Natur. Seine Landschaften sind nicht Wirklichkeitsbilder, sondern künstlerisch zusammengestellt, aber jeder einzelne Zug ist naturwahr, aus gewissenhafter Beobachtung der Wirklichkeit hervorgegangen und mit einem feinen Empfinden für das innerste Wesen der Natur verwertet. Durch den Gegensatz starker Lichter und tiefer Schatten erzielt Salvator eine mächtige Wirkung; das Spiel der Wolken, die Wildnis der Gebirgsschluchten, die Großartigkeit der Meeresküste, hatte in ihm einen meisterhaften Schilderer gefunden, der mit dichterischer Kraft den Reiz der unbeseelten Natur in ihrer schwermütigen Einsamkeit erfaßte und wiedergab (Fig. 674). Das Anmutige und Heitere lag seinem
^[Abb.: Fig. 677. Sassoferrato: Madonna.
Venedig. Maria della Salute.] ¶
ganzen Wesen fern, für düstere Stimmungen fand er aber den wirkungsvollsten Ausdruck. Seine Art war eine so persönliche, daß sie nicht wohl nachgeahmt werden konnte. Es fanden sich zwar einige Nachfolger, die aber nur die Aeußerlichkeiten, den romantischen Aufputz der Landschaft, nicht aber deren geheimnisvolle Wesenheit in ihren Bildern nach Salvator Rosas Vorbild geben.
Die Schmuckmaler. Die genannten drei Führer und Hauptmeister der italienischen Naturalisten vermochten sich einen dauernden Ruhm zu gewinnen, ihre Werke erscheinen uns auch heute noch von Bedeutung und Wert. Seiner Zeit vielleicht größer, aber auch vergänglicher war das Ansehen der dritten Richtung: der Zier-Malkunst. Diese hatte sich allmählich herausgebildet im Anschlusse an die Baukunst, welche für den Schmuck der Innenräume auch der Dienste der Malerei bedurfte.
Entwickelt finden wir sie bei dem Florentiner Pietro Berretini da Cortona (1596-1669), der im Palazzo Pitti die umfangreichen Deckengemälde schuf, die zwar vortrefflich zu der ganzen Ausstattung stimmen, aber eines höheren künstlerischen Gehaltes entbehren. Mit anerkennenswerter Gewandtheit in der Formbehandlung und geschickt berechneter Farbenwirkung wurde die Aufgabe des «Schmückens» gelöst, und von diesem Standpunkte aus betrachtet verdienten Cortona und viele seiner Nachfolger die Wertschätzung ihrer Auftraggeber.
Tiepolo. Der Hauptvertreter der Richtung ist der Venetianer Giambattista Tiepolo (1696-1770), der in dieser Art eine vollendete Meisterschaft entfaltete. Er ist der eigentliche Barockmaler Italiens, und hier zweifellos die bedeutendste künstlerische Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts. Das Erbteil Venedigs, die von Tizian begründete Farbenkunst, wurde von Tiepolo nochmals in vollem Glanze der Welt vor Augen geführt. Er ist kein Nachahmer irgend welcher Schule, sondern eine völlig selbständige, eigenartige Erscheinung; den Kunstgeist, welcher im Bauwesen des Barock sich kundgiebt, hat er in seinen Gemälden, wie kein anderer vor ihm, zum Ausdruck gebracht.
Geistreich und immer ursprünglich in der Anordnung, kühn und schwungvoll in der Formgebung, meisterlich in der lichtvollen Behandlung der Farbe, - das sind die Vorzüge, welche ihn auszeichnen. Man kann allerdings viel zu tadeln finden, wenn man den «klassischen» Maßstab anlegen will, ihm Willkür und Unnatürlichkeit vorwerfen. Er verfährt eben im barocken Geiste rücksichtslos mit den Formen, weil er nur die «Wirkung» auf das Auge berücksichtigt, den höchsten Sinnenreiz erzielen will.
Dies versteht er gründlich, und zu diesem Endzwecke bringt er auch alles in vollsten Einklang, Farbe und Form entsprechen stets vollkommen dem Vorwurf des Bildes. Wenn er lebhaft bewegte Linienführung anwendet, im Beiwerk einen üppigen Reichtum entfaltet, gewagte Verkürzungen und starke Gegensätze bietet, so liegt dies eben in dem Geiste des Barocken. Der mächtigste Reiz liegt, wie erwähnt, in der Farbe, also dem rein Malerischen; es ist nicht die leuchtende Glut Tizians, auch nicht das Helldunkel Corregios, sondern das klare, freie Licht, durchsichtig und schillernd, welches den Farbenzauber Tiepolo's ausmacht.
Mit erstaunlicher Fertigkeit und Fruchtbarkeit begabt, hat Tiepolo eine ungemein große Zahl von Werken geschaffen, ohne daß man nur einem derselben Flüchtigkeit oder Unsicherheit vorwerfen könnte, wirkungsvoll
^[Abb.: 678. Allori: Judith.
Florenz. Galerie Pitti.] ¶