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David Walter 22. Februar 2015
Dia #24: Heute verlasse ich Bolivien und reise nach Perú. Das heisst, die Uhr schon wieder eine Stunde zurückstellen, jetzt sind es 6h Zeitunterschied zur CH.
Puno (3830müM) ist ebenfalls am Titicacasee gelegen. Nach der Ankunft am Busterminal, fahre ich mit einem Mototaxi zu meinem Hostel. Nach einem reichhaltigen Mittagessen mit Fischsuppe und Milanesa de Pollo schaue ich mir die Stadt an, wobei ich auch hier auf Umzüge mit Musikkapellen treffe. An der Strasse meines Hostels findet täglich ein riesiger Früchte- und Gemüsemarkt statt. Zwar löst er sich gegen Mitternacht auf, dennoch gibt es die ganze Nacht über Lärm und am Morgen stehen schon wieder neue Stände da.
Dia #25: Heute mache ich eine Tour zu den Uros Inseln und zur Taquile Insel. Insgesamt gibt es 87 Uros Inseln, auf jeder Insel leben zwischen 5-8 Familien. Jedes Jahr gibt es einen neuen Präsidenten pro Insel, und es gibt keine Polizei, da die Gemeinschaften auf Vertrauen aufbauen.
Es dauert ungefähr 1,5 Jahre um eine solche Uros Insel zu bauen, diese hält dann jedoch 20-30 Jahre. Noch einige Ergänzungen zum Titicacasee: Er ist der zwanziggrösste See der Welt, hat 27 Zuflüsse aber nur einen Abfluss, welcher in Bolivien ist. 56% des Sees gehört zu Peru, 44% zu Bolivien. Dies wurde so geregelt, weil Bolivien seinen Meeranstoss in einem Krieg gegen Chile verloren hat.
Nach fast 2h Fahrt kommen wir auf einer der Uros-Inseln an. Eindrücklich wie klein sie ist, und alles nur aus Schilf! Die Inseln werden aus ausgeschnittenen Blöcken der Schilfwurzeln inkl. Erde von 10m l x 5m b x 1m h zusammengeschnürt. Danach gibts einige Schichten loses Schilf obendrauf, was wöchentlich wiederholt wird! Dies alles wird vom Präsidenten der Insel modellartig nachgebaut und erklärt. Auch die Hütten bestehen ganz aus Schilf und haben nur einen Raum. Allerdings haben sie hier seit einigen Jahren auch Solarpanels um Licht zu machen. Aber wie sie sich waschen und ihr Geschäft verrichten bleibt mir unklar. Die Kinder gehen hier auch zur Schule, müssen dazu aber 1h mit dem Boot fahren.
Die Bewohner ernähren sich hauptsächlich von Fischen, Enten, Quinua, Reis und auch das Schilf ist essbar. Danach gibts eine Fahrt auf einem Schilfboot, welches die Männer mit ca. 5m langen Eukalyptusstöcken vorwärtsstossen. Das Wasser ist also nicht so tief hier.
Danach gehts weiter zur Taquile Insel, welche die drittgrösste Insel des Sees ist und auch bekannt ist als “Insel der strickenden Männer”. Und tatsächlich sehe ich einige Männer beim Stricken, es gibt auch einen Laden, wo man die Mützen und Pullover kaufen kann. Alle Bewohner tragen Mützen (Männer) oder Umhänge über den Kopf (Frauen). An den Farben der Mütze sieht man ob man ledig oder verheiratet ist. Die Frauen haben an den Enden des Umhangs eine Art Wollknäuel, wenn er gross ist, ist sie ledig, wenn er klein ist, ist sie verheiratet.
Früher wurde auf der Insel innerhalb der Familie geheiratet (also Inzest), was es heute nicht mehr gibt. Wenn ein Paar heiraten will, müssen sie zuerst 2 Jahre zusammenleben (auf der Insel gibt es keine Scheidungen!) und der Mann muss kochen, waschen und stricken können. Gewaschen wird mit einem natürlichem Waschmittel, aus einer Pflanze, was uns nach dem Mittagessen mit einem Stück Schafwolle von einem Jungen auch vorgeführt wird. Ariel und Vanish können einpacken! Nach diesen eindrücklichen Erfahrungen gehts in 3h Fahrt zurück nach Puno.
Dia #26: Nach einem gemütlichen Morgen gehe ich am Nachmittag nach Sillustani. Ein ca. 30km von Puno entfernter heiliger Ort der Inkas, welcher als Friedhof diente. Die Gräber sind runde, aus grossen Steinen gebaute Türme. Es gibt zwei verschiedene Typen. Diejenigen der Pre-Inka Zeit und diejenigen der Inkas. Die Türme wurden 1931 archäologisch erforscht und alle Mumien ausgehoben. Bis 1986 waren sie alle intakt, aber in diesem Jahr wurden sie durch heftige Gewitter zerstört. Da die Steine aus Vulkangestein (und magnetisch) sind, schlugen die Blitze mehrfach ein und zerstörten praktisch alle, sodass heute nur noch Ruinen übrig sind.
In einem Turm wurden 5-6 Menschen in der Kauerstellung mumifiziert, da die Inkas an eine Reinkarnation glauben, und da man sich schon im Mutterleib, in der Kauerstellung befindet.
Jeder Turm hat ein Loch, welches als Eingang diente und alle Eingänge schauen Richtung Sonnenaufgang. Am Eingang einer dieser Türen erklärt der Guide das für mich unheimlich interessante und vollumfassende Cruz Andina oder auch die Triologia Andina.
Sillustani liegt an einem See, welcher eine Insel in Form eines Hochplattos hat. Anscheinend gibt es bisher noch keine wissenschaftlichere Erklärung für diese Hochebene, als dass diese als Landefläche für Ausserirdische gedient haben soll.
In Peru und Bolivien wird nebst Castellano auch Quechua und Aymara gesprochen:
“Hola, que tal?” in
Quechua: Camisaraci;
Aymara: Amintschisi
Dia #27: Während der Nacht bin ich nach Arequipa (2335müM) gefahren, wo ich um 0430 Uhr ankomme. Nach einiger Zeit des Wartens fahre ich zum Hostel um den Rucksack zu deponieren. Als Frühstück finde ich eine französische Bäckerei mit herrlichen Croissants, welche ich auf der Plaza de Armas geniesse. Was für ein schöner Platz! Von 3 Seiten umgeben von Lauben und von der vierten Seite von der riesigen Kathedrale. Etwas hinter der Kathedrale befindet sich das Kloster Santa Catalina, welches ein ganzes Quadra des heutigen Stadtbaus einnimmt.
Während der Croissants sitzt plötzlich ein Betrunkener, etwa in meinem Alter, neben mich auf die Bank und fragt mich nach einer Zahl. Anhand dieser Zahl (4), beschrieb er mehr oder weniger meine Persönlichkeit. Zudem las er aus Coca-Blättern, welche ich dabei hatte, meine Zukunft. Ich mag solche Sachen eigentlich nicht, aber es war ein unterhaltsamer Zeitvertrieb und dank seiner lallenden Aussprache habe ich auch nicht alles verstanden.
Gegen Mittag mache ich eine Bustour durch die Stadt, wie es sie in vielen europäischen Städten auch gibt. Allerdings steigt man hier immer vom Bus herunter, und schliesslich waren wir mehr als 6,5h unterwegs, statt den angegebenen 4h. Die Tour war teils sehr interessant (Alpaca-Museum, älteste, hydraulische Mühle Perus), teils langweilig und in die Länge gezogen. Allerdings ist Arequipa die für mich bisher schönste Stadt, welche ich auf meiner Reise gesehen habe.
Dia #28: Heutige Tagwache: 0230 Uhr, da ich auf eine Tour zum Colca Canyon gehe. Um 0630 Uhr kommen wir in Chivay (3635müM) an, wo wir zu Morgen essen. Der Colca Canyon ist mit 100km Länge und 3,4km Tiefe am tiefsten Punkt, der zweitgrösste Canyon der Welt. Zu Beginn ist es allerdings ein Tal, in welchem noch heute auf den Terrassen der Pre-Inkas Landwirtschaft betrieben wird. Diese Terrassen sind die Vorläufer der Bauten der Inkas in Cuzco und Machu Picchu. So wurden die Ingenieure dieser Terrassen für die Bauten in Machu Picchu auch beigezogen.
Und wie ichs in Cachi gelernt habe, braucht es für einen Canyon einen Fluss. Hier ist es der Rio Colca, welcher die Abgründe geschaffen hat.
Beim Cruz del Condor haben wir wenig Glück mit dem Wetter und sehen aufgrund des Nebels keinen Kondor herumkreisen.
Etwas weiter unten, können wir diese Riesenvögel dann doch noch sehen.
Nach dem Mittagessen gehts zurück nach Arequipa, wobei wir einen Pass von 4900m Höhe überqueren. Den Rest des Nachmittags geniesse ich in der Altstadt.
Um 2130 Uhr fährt mein Bus nach Nazca. Und was für ein Bus! Wie am Flughafen wird eingecheckt, und das Gepäck abgegeben, normalerweise trägt man es selber zum Bus. Im Bus hat jeder Sitz einen eigenen Bordcomputer. Luxus pur!
Dia #29: Am frühen Morgen komme ich in Nazca (520 müM) an. Von mind. 5 Taxifahrern werde ich bedrängt, ihr Taxi zu nehmen. Ich entscheide mich für den 2 Soles Typen, welcher mir auf dem Weg zum Hostel auch noch gleich einen Flug zu den Nazca Linien verkauft! Der Flug in der kleinen Cessna (6 Pers.) ist wacklig, aber die Aussicht ist toll! Nach 30 Minuten Flug bin ich dann jedoch froh, wieder festen Boden unter meinen Füssen zu haben. Die Figuren/Linien hatte ich mir grösser vorgestellt, sie sind aber dennoch eindrücklich. Bis heute ist nicht klar, weshalb es diese Linienbilder gibt, aber es gibt verschiedenste Thesen, welche ziemlich unterschiedlich sind.
Am Nachmittag entschliesse ich mich spontan eine Nazca 4×4 Tour zu machen. Einerseits besichtigen wir archäologische Stätten, andererseits brettern wir mit dem Sandbuggy durch das Gesteine und die Sanddünen. Jetzt verstehe ich auch, weshalb sich Bud und Terence in “Zwei wie Pech und Schwefel” derart um ihren Sandbuggy prügeln!;)
Am besten gefällt mir jedoch das Sandboarding.
Zu den archäologischen Stätten gehört ein Friedhof, wo man die Knochenteile frei herumliegen sieht, Cahuachi, welches aus heute noch 3 Pyramiden besteht (früher 36 Pyramiden), welche von den Nazcaner nur für Zeremonien gebraucht wurden, und Ocongalla, ein Bau von über 1800 Jahren nur aus Steinen, welcher zur Wassergewinnung aus dem Untergrund genutzt wurde.
Dia #30: Heute fahre ich mit einem Bus zuerst nach Ica und von dort aus nach Pisco, welches ein Städtchen am Ufer des Pazifiks ist. Von Pisco stammt das bekannte Getränk Pisco Sour. Pisco bedeutet in Quechua Vogel. In der ganzen Gegend hier gibt es Vögel, weshalb die Inkas diesem Ort diesen Namen gaben. Den Nachmittag verbringe ich am Strand, wobei es ziemlich stark windet. Das Städtchen Pisco ist hübsch und hat ein belebtes Zentrum, wie ich am Abend feststelle.
Dia #31: Heute gehts ins benachbarte Paracas (Paracas heisst einerseits der ziemlich starke Wind, welcher hier meistens weht und teils zu einem starken Sandsturm mutiert, andererseits heisst “Para” Regen und “Acca” Sand in Quechua), ein kleines Fischerstädtchen. Es ist die bisher schlechteste organisierte Tour, die ich mitmache. Langes Warten am Hafen und irgendwie überhaupt keine Koordination, hier noch die Hafengebühr, da noch der Eintritt in den Nationalpark…
Wir schaffens doch irgendwie ins Boot und fahren zu den felsigen Islas Ballestas hinaus, welche voll gesäumt mit Seelöwen und vielen verschiedenen Vögel wie Möwen oder Pelikane gesäumt sind. Auch Delfine sind zu sehen. Sehr eindrücklich all diese Tiere in dieser Anzahl wild zu sehen! Allerdings stinkts gewaltig in der ganzen Umgebung. Gut 2h dauert die ganze Tour, danach kehren wir nach Paracas zurück. Hier startet die nächste Tour zum Nationalpark, diesmal mit dem Bus. Angefangen beim Museum, welches über den Nationalpark berichtet, weiter zu einem Aussichtspunkt, wo man “La Cathedral” und den Playa Supay sieht. Die Kathedrale ist eine Steinformation, die an einen Kirchturm erinnert. Allerdings wurde diese beim starken Erdbeben vom 17.08.2007, welches ganz Pisco erschütterte, mehrheitlich zerstört. Playa Supay heisst Teufelsstrand, was von den riesigen Wellen die hier an Land schlagen kommt.
In Lagunillas gibts den letzten Halt. Hier setze ich mich auf einen Hügel und schaue dem Meer, den Möwen und Pelikanen, und den Seelöwen zu. Krass wie die Möwen fischen: Im Sturzflug stürzen sie sich von etwa 20-30m ins Wasser. Die Pünktlichkeit der grösstenteils peruanischen Gruppe lässt zu wünschen übrig. Nach einer halben Stunde des Wartens sind wir endlich wieder alle…
Hier ist es eines der wenigen Male heiss, da ich sonst immer viel höher bin.
Das Abendessen nehme ich in einem etwas teureren Restaurant ein, aber hier kann ich wieder einmal Fleisch essen, die Küche sieht sauber aus!
Dia #32: Nach wieder einmal ausschlafen, frühstücken und Marktbesuch, gehe ich am Nachmittag an den Strand. Als Wolken aufziehen, gehe ich wieder ins Hostel zurück. Und día muy tranquillo!
Dia #33: Heute fahre ich nach dem Mittag zurück nach Ica und verbringe den Nachmittag in der Stadt. Um 1800 Uhr startet meine 17 stündige Busfahrt nach Cusco…