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Der Zeitungsname war Programm, als «Der Bund» 1850 erstmals erschien. Das Blatt trat zwei Jahre nach Gründung des Bundesstaats an, um «die Errungenschaften von 1848 zu erhalten und zu vertheidigen und zugleich die aus denselben resultirende Entwicklung zu unterstützen, mit einem Worte: die eidgenössische Politik zu vertreten.» Den Anstoss dazu hatte 1847 eine Gruppe radikal-liberaler Schweizer in London gegeben; hier keimte «die Idee eines grösseren, ausser und über den Parteien stehenden, die allgemeinen schweizerischen Fragen vertretenden Blattes, welches namentlich auch dem Auslande die schweizerischen Zustände in wahrem Lichte vorführen sollte».
Dieser landesweite Anspruch wurde ab 1894 auch in Untertiteln festgehalten, die nach einer leichten Umformulierung ab 1911 «Organ der freisinnig-demokratischen Politik» sowie «Eidgenössisches Zentralblatt und Berner Zeitung» lauteten. Nie ein reines Parteiblatt, nannte sich der «Bund» seit 1958 «unabhängige liberale Tageszeitung», nur bis 1962 mit dem Zusatz «für den Kanton Bern und die Schweiz». Über die Bundesstadt hinaus gehört zu werden, blieb aber eine Ambition, und in manchen ausländischen Botschaften meinte man noch lange, die Zeitung sei eine inoffizielle Regierungsstimme.
Paul Schaffroth, der letzte langjährige Chefredaktor (1964–1985), prägte in sprachlichem Anklang an die Londoner Anfänge die interne Losung, Journalismus «Bund»-like zu betreiben. Damit waren Fairness und Offenheit ohne Verzicht auf eigene Meinungen gemeint; mit Liberalität auch im Innern der Redaktion. Den Bedeutungen des Wortes «liberal» in der Geschichte der Zeitung nachzuspüren, fehlt hier der Raum. 1995 hielt das erste und einzige Redaktionsstatut fest: «Der ‹Bund› ist eine politisch engagierte, dem Streben nach hoher journalistischer Qualität verpflichtete bernische Tageszeitung von überregionaler Bedeutung und nationaler Ausstrahlung. Er bekennt sich zum freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat, zur sozialen und ökologischen Marktwirtschaft sowie zum politischen Liberalismus im Sinn von Toleranz, Solidarität und Selbstverantwortung.»
Zuvor waren unter der Federführung von Ringier Pläne zum «Going national» geschmiedet worden. Doch vor dem Kraftakt, mit einer überregionalen Qualitätszeitung den Londoner Gründungsanspruch doch noch einzulösen, scheute der Verlag zurück. Vielmehr liess er der «Neuen Zürcher Zeitung» den Vorrang, die auch bei den grossen Regionalzeitungen in St. Gallen und Luzern Fuss fasste. Sie kam jedoch nicht über schonende Ansätze hinaus, im Dreieck mit dem «Bund» eine engere Zusammenarbeit herbeizuführen. Nach dem Rückzug der NZZ aus Bern kam es hier zuerst zur Verlagsfusion mit der «Berner Zeitung» bei Espace Media, dann mit dem «Tages-Anzeiger» unter dem Tamedia-Dach; schliesslich Schritt für Schritt zur redaktionellen Zusammenlegung – für den «Bund» ein passives «Going national».
Damit nicht genug: «Bund»-Wurzeln finden sich auch beim andern nach Flächendeckung strebenden Verlag, CH-Media. Er umfasst die zentral- und ostschweizerischen NZZ-Schützlinge sowie die Mittelland-Zeitungen mit dem «Badener Tagblatt» als Keimzelle. Und in Baden kam, während ich dort meine ersten Schritte als Korrektor und Reporter machte, eine als Occasion dem «Bund» abgekaufte Rotationsmaschine wieder in Gang. Drei Maschinengenerationen danach erlebte ich noch vor meiner Pensionierung, wie die neue Espace-Media-Druckerei am Zentweg mit dem «Bund» als erster Zeitung in Betrieb ging.
Dieser «Bund» erscheint auch in der neuen Konstellation unter seinem angestammten Namen. Für die «Sprachlupe» bringt die redaktionelle Zusammenlegung den Abschied mit sich. Ich erlaube mir zum Schluss einen Vorschlag, wie der Zeitungstitel nicht nur dauerhaft beibehalten, sondern auf den ganzen Verbund ausgeweitet werden könnte: eben «Ver-Bund».
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Der Autor war Redaktor beim «Sprachspiegel» und zuvor beim Berner «Bund». Dort ist die «Sprachlupe» nun zum letzten Mal erschienen. Auf Infosperber ist eine Fortsetzung vorgesehen.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.