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Felswände oberhalb der Kantonsstrassen werden regelmässig überwacht und nach wissenschftlichen Kriterien beurteilt. Die Felswand Wangflue an der Kantonstrasse A18 bei Bärschwil Station ist über 60 Meter hoch. Die Kantonsstrasse verläuft nur wenige Meter neben der Felswand. Aufgrund verschiedener Sturzereignisse in den vergangenen Jahren und dem grossen Gefahrenpotential für die Strassenbenutzerinnen und Strassenbenutzer musste ein modernes Steinschlagschutznetz in der Wand errichtet werden.
Beim Ausbau der Kantonsstrasse A18 zwischen Liesberg und Laufen in den späten 40er und frühen 50er Jahren, musste im Bereich der Wangflue durch Felssprengen zusätzlicher Platz für die Strasse geschaffen werden. In der Kurve verläuft die Strasse an der engsten Stelle nur zwei Meter vom Fuss der Felswand entfernt. Die natürliche Verwitterung (hauptsächlich Frostsprengung und Wurzeldruck) führt dazu, dass sich kleinere und grössere Felsblöcke aus der Wand lösen können und wegen der Lage der Felswand direkt auf die Strasse abstürzen. Gämsen die sich gerne in der Wand aufhalten, lösen ebenfalls gelegentlich Steinschlag aus.
Nachdem in den letzten Jahren wiederholt grössere Objekte auf die Strasse abgestürzt sind, war die Sicherheit auf der Strasse nicht mehr gewährleistet. In enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Wald und verschiedenen Experten wurde ein ganzheitliches Konzept ausgearbeitet, welches die Sicherheit auf der Strasse über Jahre gewährleisten soll. Aufgrund der Wichtigkeit der Strasse und der Schutzwirkung der Massnahme wurde es möglich, dass der Bund einen Subventionsbeitrag von 35 Prozent zugesichert hat.
Damit die Bundesbeiträge geltend gemacht werden können, müssen die Schutzziele nach Bundesvorgaben und kantonalen Weisungen für Strassen von nationaler Bedeutung erfüllt sein. Diese sehen vor, dass Verbauungen auch einem seltenen Ereignis mit einer Wiederkehrperiode von 100 Jahren standhalten müssen. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass auch ein Block von rund zwei Kubikmeter mit einem Gewicht von circa fünf Tonnen, der aus dem Überhang rund 40 Meter oberhalb der Verbauung abstürzt, durch die Verbauung aufgehalten werden muss.
Um die Schutzziele erfüllen zu können, musste die Position des Netzes in der Wand im Detail berechnet werden. Das moderne, dynamische Steinschlagschutzsystem, wurde im direkten Sturztest geprüft. Dabei musste das System einem aus einer Höhe von 32 Meter frei fallenden Block von 6.4 Tonnen (entspricht einer Einschlaggeschwindigkeit von 90 km/h) standhalten. Solche Netze bauen gewaltige Energien dank ausgeklügelter Bremssysteme und Sollbruchstellen ab. Das gesamte System kann dank der Bremselemente bis zu 6.5 Meter auslenken ohne zu versagen.
Der Bau des Netzes in die 70 Grad steile Felswand, auf einer Höhe von bis zu 26 Meter über der Strasse war für alle Beteiligten eine Herausforderung. Ringnetze wurden auf Stützen vormontiert, was aber zu sehr grossen Lasten führte. Eine Stütze mit Netz wiegt gegen 900 Kilogramm. Stahlkabel von bis zu 22 Millimeter Durchmesser, welche mehrere 100 Kilogramm wiegen, mussten über die gesamte Werkslänge von Hand eingezogen werden. Solche Arbeiten lassen sich nur dank Innovation, Geschick und viel körperlicher Kraft in schwindelerregender Höhe ausführen.
Damit auch von unterhalb der Netze keine Steine auf die Strasse abstürzen können, wurde im kritischen Bereich die Felsoberfläche mit einer leichten, rund 1‘000 Quadratmeter umfassenden Netzabdeckung gesichert. Diese Abdeckung wird auch als Sekundärgeflecht in die Netze gelegt, um auch kleine Steine von oben aufzufangen.
Heute sichert eine zertifizierte Steinschlagschutzverbauung, bestehend aus drei einzelnen Werken von fünf Metern Höhe und einer Gesamtlänge von 160 Meter die Felswand und schützt die die Strasse vor Stein- und Blockschlag.