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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Erste Rede
31.
Wenn sie aber meinen, richtig zu fragen mit den Worten: Ist das "Unentstanden" Eins oder sind es zwei? so mögen sie zunächst als Unwissende vernehmen, daß es vieles ist und nichts, sehr vieles das, was entstehen kann, nichts aber, soweit es nicht entstehen kann, wie wir gesagt haben. Wenn sie aber in dem Sinne fragen, wie es dem Asterius gefiel, wonach unentstanden wäre, was kein Geschöpf, sondern immer ist, so sollen sie nicht einmal, sondern oft vernehmen, daß auch der Sohn in gleicher Weise nach dieser Auffassung unentstanden genannt werden kann. Denn er gehört weder zu den gewordenen Dingen noch ist er ein Geschöpf, sondern existiert, wie bereits erwiesen, ewig mit dem Vater, wie oft sie auch sich drehen und wenden mögen, nur um wider den Herrn die Worte richten zu können: "Er ist aus Nichtseiendem und er war nicht, bevor er gezeugt wurde". Wenn sie nun, überall durchgefallen, mit jenem Ausdruck zuletzt noch das bezeichnet wissen wollen, was existiert, aber aus nichts geworden ist, und keinen Vater hat, so sollen sie von uns vernehmen, daß der so Bezeichnete der eine und einzige unentstandene Vater ist; sie werden aber, wenn sie solches hören, nichts gewinnen. Denn auch, wenn Gott in diesem Sinn unentstanden genannt wird, ist dies kein Beweis, daß der Sohn entstanden sei, da aus den vorausgegangenen Beweisen erhellt, daß das Wort so beschaffen ist, wie sein Erzeuger. Es ist also, wenn Gott unentstanden ist, dessen Bild nicht entstanden, sondern eine Zeugung, die sein Wort und seine Weisheit ist. Denn welche Ähnlichkeit besteht zwischen dem Entstandenen und Unentstandenen? Denn wiederum dasselbe zu sagen, davor darf man sich nicht scheuen. Denn wenn sie das Entstandene dem Unentstandenen ähnlich finden wollen, so daß, wer dieses schaut, jenes sehe, so sind sie nahe daran, zu behaupten, daß auch das Unentstandene ein Bild der Geschöpfe sei, und nunmehr wird von ihnen alles durcheinander geworfen, das Entstandene wird dem Unentstandenen gleichgestellt, der Unentstandene [S. 64] wird erniedrigt und bemessen nach den Geschöpfen, nur um den Sohn unter die Geschöpfe einreihen zu können.