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Ende der Subsidenz - Subsi...was?
Heute versuchen wir den im Titel verwendeten Fachbegriff in Wort und Bild zu erklären - die aktuelle Wetterlage eignet sich bestens dazu.
Subsidenz - was ist das?
Fleissige Leser dieser Zeilen dürften den Begriff "Subsidenz" kennen, er gehört vermutlich zu den am häufigsten verwendeten meteorologischen Fachbegriffen in unserem täglichen Wetterblog. Grundsätzlich versuchen wir, möglichst wenige Fachwörter zu verwenden oder diese zumindest kurz zu erklären. Die Subsidenz beschreiben wir heute etwas ausführlicher, die aktuelle Wetterlage bietet sich dafür an.
Die Bezeichnung stammt vom lateinischen „subsīdĕre“ und bedeutet „sich niedersetzen, sich festsetzen“. In der Meteorologie beschreibt die Subsidenz ganz einfach die absinkende Bewegung der Luftmasse in einem Hochdruckgebiet.
Sinkt ein Luftpaket ab, so gelangt es unter höheren Luftdruck und wird demzufolge komprimiert und erwärmt. Man erinnere sich an den Physikunterricht und an das Experiment mit der Fahrradpumpe: Beim Pumpen erwärmt sich die Luft durch Kompression.
Dasselbe passiert in der Atmosphäre, gleichzeitig wird die Luft dabei auch trockener - die relative Luftfeuchtigkeit nimmt ab. Soweit die Theorie…
Die Absinkbewegung wird in der Regel durch einen Hochdruckrücken ausgelöst. Gestern lag der Alpenraum genau unter einem solchen - die Subsidenz war maximal.
Heute hat sich der Hochdruckrücken ostwärts verlagert und die sogenannte Rückenachse (s. unten) überquerte die Schweiz bereits in der Nacht. Damit wurde die Subsidenz beendet, respektive ins Gegenteil umgewandelt - es haben Hebungsvorgänge eingesetzt:
Kurz zusammengefasst kann man folgendes sagen:
Sind wir im Einflussbereich von einem Hochdruckrücken und die Achse des Hochs befindet sich westlich von uns, weht der meist schwache Höhenwind aus West bis Nordwest und die kräftige Subsidenz sorgt für:
- trockene und warme/milde Luftmasse mit sehr guter Fernsicht in den Bergen
- Dunst (oder Nebel) über den Tälern
- eingeschränkte oder keine Quellwolkenbildung
- eine hohe Nullgradgrenze
Überquert uns nun die Rückenachse, so dreht die Strömung auf Südwest. Die einsetzende Hebung sorg für:
- Anfeuchtung der Luftmasse und damit Verschlechterung der Sichtverhältnisse in den Bergen
- Abkühlung in den mittleren und oberen Luftschichten (sinkende Nullgradgrenze)
- verstärkte Quellwolkenbildung, in der Folge allenfalls erste Schauer oder Gewitter
Grössere Quellwolken, erste Schauer und Gewitter
Das oben beschriebene Konzept hat auch heute funktioniert. Während gestern nur auf der Alpensüdseite ein paar wenige Quellwolken entstanden sind, gab es heute im Laufe des Nachmittags vor allem über den Bergen zahlreiche Cumuli. Kurz nach 17 Uhr zeigte das Niederschlagsradar erste Schauerzellen über dem Jura und im Gebiet des Monte Rosa, kurz nach 18 Uhr gab es am Jura erste Blitzschläge.
Späte Hitzetage
Typisch ist auch, dass in den tiefen Lagen erst bei nachlassender Subsidenz und gleichzeitig bereits sinkender Nullgradgrenze die höchsten Temperaturen gemessen werden. Der Grund dafür ist in der beschriebenen Winddrehung auf Südwest zu suchen. Der aufkommende Südwestwind führt in den unteren Luftschichten in der Regel noch etwas wärmere Luft als an den Vortagen heran.
Somit war heute in den tiefen Lagen vielerorts der wärmste Tag der aktuellen Hochdruckphase. Für einen späten Hitzetag mit einer Temperatur von 30 Grad oder mehr reichte es in Teilen des zentralen und westlichen Mittellands, in der Nordwestschweiz sowie im Zentralwallis.
Hitzetage zu dieser Jahreszeit sind eher selten, nach Septembermitte kommen sie nur noch vereinzelt vor. Hier zur Einordnung die spätesten Hitzetage an einigen Stationen mit längeren homogenen Beobachtungsreihen:
- Basel: 19. September 1947 (seit 1931)
- Sion: 17. September 1975 (seit 1958)
- Genf: 16. September 1947 (seit 1931)