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Nach dem Morgenessen verlassen wir etwa um 9 Uhr frohen Mutes den Camping und marschieren der Hauptstrasse entlang Richtung des etwa 1.5 km entfernten Zentrums von Kalambaka.
Eigentlich wollten wir von hier aus mit dem öffentlichen Bus zu den Meteora-Klöstern hochfahren. Ein Serviceangestellte eines Restaurants erklärte uns wo die Busstation sei. Weil sie den Fahrplan nicht kannte kam sie nach kurzer Zeit zurück und sagte uns, dass gemäss telefonsicher Anfrage beim Unternehmer heute erst um 1300 Uhr ein Bus verkehre.
Für 9 Euro karrt uns dafür ein Taxitunternehmer zum Kloster Metamórphosis hoch. Unterwegs erfahren wir dafür noch manch Wissenswertes nur keine Wahrheiten.
Die Meteora-Klöster bestehen aus 24 einzelnen Klöstern und Eremitagen, von denen heute nur noch sechs bewohnt sind. Die restlichen achtzehn Klöster sind entweder zu schwer zu erreichen oder wurden wegen Einsturzgefahr verlassen.
Die ersten nachgewiesenen Einsiedeleien gibt es in Metéora seit dem 11. Jahrhundert; Überlieferungen berichten sogar von einer Besiedelung bereits vor dem 10. Jahrhundert. Im Laufe der Jahre wuchsen diese Einsiedeleien zu einer organisierten Gemeinschaft nach Vorbild des heiligen Berges Athos zusammen und bildeten das Klostergebilde Doúpiani.
Mit der Ankunft des von Athos geflohenen Mönches Athanasios im Jahr 1334 begann der Aufstieg des Klosterlebens von Meteora. Zusammen mit seinem geistlichen Ziehvater Gregorios und 14 weiteren Mönchen gründete er 1344 das Kloster Metamórphosis, auch bekannt als Megálo Metéoro. Und genau dieses wollen wir heute Sonntag als erstes Kloster besuchen.
Der Gebäudekomplex des Megálo Metéoro ist mit etwa 60.000 m² das Größte der Metéora-Klöster. Es liegt 613 m über dem Meeresspiegel und ist noch immer von Mönchen bewohnt. Seinen Namen Metéoro (der Schwebende) erhielt der Fels vom Gründer des Klosters, dem Mönch Athanasios. Zuvor hieß das Plateau lediglich Platýlithos (breiter Stein). Bis zum Jahr 1923 war das Kloster nur über Strickleitern bzw. eine Seilwinde mit Netz zu erreichen. Heute führt eine Steintreppe mit 143 Stufen und ein Tunnel in den Gebäudekomplex. In der Hauptkirche sind Fresken aus dem Jahr 1552 erhalten geblieben. Sehenswert ist auch die Einsiedlerhöhle des Athanasius am Klostereingang.
Die Kraxelei bei den Steintreppen bei Temperaturen um die 40 Grad bringen uns ordentlich ins schwitzen. Heidy noch vorschriftsgemäss mit Jacke und ich in langen Hosen geben heute zusätzlich warm. Die vielen Leute oben bei den Kirchen und unten in der Küche geben noch zusätzlich Wärme ab. Selbst im Weinkeller spüre ich nichts von erfrischender Kühle. Dass auch Mönche einen guten Wein gern getrunken haben ist bekannt aber gesottener Wein? Nein danke.
Also Treppe runter und dann wieder rauf und Fussmarsch von etwa 15 Minuten zum nächsten Kloster Varlaám:
Das Mitte des 14. Jahrhunderts zunächst als Einsiedelei gegründete Kloster ist noch ebenfalls bewohnt. Nach dem Tod des ersten Einsiedlers blieb das Gelände zunächst einige Jahre ungenutzt. 1518 wurde mit dem Bau des Klosters begonnen der wahrscheinlich 1535 abgeschlossen werden konnte. Die Stifter des Baus legten testamentarisch die zönobitische Lebensweise fest.
Die erste koinobitische (zönobitisch) Mönchsregel stammt vermutlich von Pachomios (um 292–346) aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts.
Im Koinobitentum sind eine größere Anzahl von Mönchen zu einem Leben in räumlicher und asketischer Gemeinschaft unter einheitlicher Leitung und hinter hohen Mauern vereint. Die wesentlichen Merkmale sind die Gemeinsamkeit des Lebensraumes, die Gleichartigkeit der Kleidung und die Unterordnung durch Zucht und Gehorsam.
Der Tagesablauf im Kloster beruht auf dem Wechsel von Arbeit und Gottesdienst. Die militärische Ordnung ist nicht zu übersehen: es herrscht strenge Zucht, Pachomios übte die Prügelstrafe selbst oft aus. Dagegen gibt es eine gute Versorgung der Kranken und Bedürftigen, sowie eine Ausbildung für die Jungen. Die strenge Askese der Einsiedler tritt zurück zugunsten eines geregelten Gemeinschaftslebens.
Die Mönche sind in ein einfaches, dunkles Gewand gekleidet, das Schema. Es ist mit Lederriemen zusammengebunden, die als Symbol für die Bindung des Mönchs an die Gemeinschaft durch sein Gelübde gelten. Am Ende von Pachomios Wirken gab es 9 Männer- und 2 Frauenklöster, mit über 10.000 Mönchen und Nonnen. Er stand in regem Schriftverkehr mit den Verwaltern seiner Klöster. Dieser Klosterverband war eine große Wirtschaftseinheit, eine Art Produktivgenossenschaft deren wirtschaftlichen Leitung einem Großökonom sogenannten Verwalter unterstand. Er legte zweimal im Jahr seine Generalabrechnung vor.
Pachomios ist heute leider nicht im kühlen Vorraum zur Kirche anzutreffen sonst würde er noch immer mit eigener Hand für Ruhe sorgen.
Hier versuchen wir an der Tür zu den für Mönche vorenthaltenen Räumen dem Gesang der Gottesmänner zu folgen. Mit kräftigen Stimmen sind harmonische Klänge zu vernehmen die wir förmlich Aufsaugen. Geistige Kraft eben die uns Gut tut und nicht von palavernden Italienern in verbotenen Shorts gestört werden sollten. Pachomios fehlt eben heute überall.
Wieder untem am Felsen zum Kloster Varlaam haben wir offensichtlich einen Fussweg nach Kalambaka entdeckt. Er ist zwar nicht bezeichnet und auch nichts angeschrieben, doch geländemässig könnte es hier zur 10 Kilometer weit entfernten Stadt und damit zum Camping gehen.
Gegen 1400 Uhr wollen wir jedoch nur verpflegt und mit der notwendigen Tranksame in dieser Hitze das Wagnis eingehen. Eine einfache Skizze und unser Urteilsvermögen im Gelände ist alles was wir derzeit haben. Als Versicherung haben wir noch unser GPS-Händi und die Telefon-Nummer 1414 dabei. Ob allerdings hier im Dschungel der Meteora-Gipfel uns die Rega rausholen würden bleibt unbekannt.
Bald haben wir das Tor des Klosters erreicht und der Weg führt steil hinab in die Meteora Felsen hinein. Sollen wir nun dem nur obeflächlich verlegten Kanalisationsrohr folgen oder lieber links halten. Wir entschliessen uns für links doch dieser Weg endet gerade dort wo es nur noch mit Klettergurt weitergeht. Als zurück durch Dornen und Brennesseln zum Kanalisationsrohr. Dies scheint der richtige Weg zu sein denn auch Scheisse will ja auch in die Stadt.
Plötzlich hinter mir ein markergreifender Angstschrei von Heidy und ein gewaltiger Satz vorwärts. Reflexartig schreie ich gleich mit und bewege mich ebenfalls nach vorn. Dann ein Blick zurück und sehe keinen Elefanten nur seinen Rüssel am Boden schleichen.
Eine beinahe armdicke Schlange verfolgt Heidy. Die überraschend auftauchende, dunkel gefärbte, etwa 1 Meter lange Schlange ist wahrscheinlich selbst überrascht und verfolgt Heidy nur, weil es praktisch in der Fallinie nach unten geht. Wo sie herkommt und wo sie hingeht ist uns gleich. Ob giftig oder ungiftig ebenfalls.
Einzige Konsequenz: Heidy lässt ihr hochgeknöpften Hosenbeine wieder runter und wird etwas mehr schwitzen. Im Traum wird die Schlange sie nächste Nacht nochmals verfolgen. Vielleicht findet sie dann auch noch die Lautsprecher in den Bäumen des Campingsplatzes welche Vogelgezwitscher verursachen.