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Am südwestlichen Ausgang, etwas entfernt vom ursprünglichen Kern des lang gestreckten Bachdorfes, erhebt sich auf einem weithin sichtbaren Hügelsporn unsere altehrwürdige St.-Martins-Kirche. Ihre Lage, aber auch die Wahl ihres Patrons lassen vermuten, dass es sich bei unserer Pfarrkirche ursprünglich um ein Gotteshaus für einen grösseren Kirchensprengel oder vielleicht sogar um eine fränkische Gaukirche handelt. Einer weit verbreiteten Tradition der frühen Christenheit folgend, wurde unser Gotteshaus auf römischen Grundmauern errichtet. Zur Zeit der Renovation und Erweiterung der Kirche 1934-1936 wurden die Überreste einer römischen Villa rustica freigelegt. Sie ist wie alle frühen Kirchen geostet und liegt auf einer Geraden, vielleicht einer römischen Vermessungslinie, welche Trimbach mit Erlinsbach verbindet. Die alten Gotteshäuser der Gemeinden auf dieser Linie (Trimbach, Lostorf, Stüsslingen und Erlinsbach) wurden alle auf den Grundmauern römischer Villen errichtet. Die Römersiedlung auf dem Gebiet unseres Dorfes ging wohl während der Alemanneneinfälle des 3. Jahrhunderts zugrunde. Wahrscheinlich konnte sich ein Rest der kelto-romanischen Bevölkerung noch im Schutz des nördlich des Bades Lostorf befindlichen Kastells halten, aber 401 wurden die noch verbleibenden römischen Truppen nördlich der Alpen nach Italien zurückgerufen. Die germanischen Alemannen nahmen vom Land Besitz.
Nach der dunklen und unruhigen Zeit der Völkerwanderung beginnt mit dem 6. Jahrhundert die Christianisierung durch irische Wandermönche. Die Glaubensboten Columban und Gallus sollen auch bei uns missioniert haben. Für die Festigung des Glaubens war nach der alemannischen Landnahme sicher auch das Stift Werd (ursprünglich ein Kloster, später in das Chorherrenstift Schönenwerd umgewandelt) wesentlich mitverantwortlich. Eine entscheidende Rolle spielte bei der Christianisierung die Zugehörigkeit unserer Gegend zum Frankenreich. Dieses rühmte sich, die älteste Tochter der Kirche zu sein. In diese Zeit dürfte auch der Bau einer ersten Kirche gefallen sein. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass unsere Kirche - wie viele andere Kirchen im fränkischen Herrschaftsgebiet - dem fränkischen Reichspatron Martin von Tours (gestorben um 387) geweiht wurde. Wie die meisten andern wurde sie auf römischen Überresten errichtet. Diese im ganzen Abendland geübte Praxis hat eine doppelte Bedeutung. Einerseits wollte das junge Christentum symbolisch andeuten, dass die Kirche Bestehendes nicht grundsätzlich ablehnt und die Menschen dort abholen will, wo sie stehen. Aus diesem Grund wurden auch bestehende heidnische Feste christlich umgedeutet. So wurde das Fest des Sonnengottes Sol zum Geburtsfest der „neuen Sonne“, Christus, zu unserem Weihnachtsfest. Anderseits sollten die auf den Trümmern römischer Bauten errichteten Kirchen sichtbar den Sieg des Christentums über das antike Heidentum verkünden. Die erste Kirche ging nicht über die Ausmasse einer Kapelle hinaus, bestand sie doch bloss aus dem heutigen Chor und der Sakristei, die ursprünglich als Turmchor gestaltet war. Obwohl die damaligen Kirchensprengel recht gross waren und der Pfarrei Lostorf mindestens Obergösgen und Winznau angegliedert waren, genügte die kleine Kirche der damals noch sehr geringen Bevölkerungszahl.
Über das frühe und hohe Mittelalter ist uns urkundlich sehr wenig bekannt. 1147 wird erstmals ein Pfarrer von Lostorf mit dem Namen Bernerus erwähnt, der zugleich der erste namentlich bekannte Dekan des alten Landkapitels Buchsgau war. Vermutlich gingen im hohen Mittelalter die kirchlichen Rechte an die Grafen von Froburg über, um 1200 von diesen an die Herren von Wartenfels und nach deren Aussterben an die Freiherren von Thengen. Diese gaben ihre Rechte 1358 an den Johanniterorden weiter. Dieser veräusserte sie schliesslich an die Gnädigen Herren von Solothurn. Das Recht zur Pfarrwahl übergaben sie dem Chorherrenstift Schönenwerd.
Im späten Mittelalter nahm die Bevölkerung zu, ausserdem muss die Aufnahme Solothurns in den Bund der Eidgenossen 1481 in der Stadt und ihren Vogteien ein Hochgefühl ausgelöst haben. So wurden im Gebiet des Standes Solothurn in dieser Zeit viele Kirchen erweitert oder neu errichtet. An unserer Pfarrkirche haben Jahrhunderte gebaut; es ist eine so genannte gewachsene Kirche. Während das Untergeschoss des Turmes in die vorromanische und der Chor in die romanische Zeit zurückreichen, wurde die Kirche gegen Ende des 15. Jahrhunderts im spätgotischen Stil umgebaut und erweitert. In dieser Zeit wurde auch der Käsbissenturm errichtet. Der Turmchor wurde mit einem bemalten Kreuzrippengewölbe eingedeckt und einem fein polychromierten Schlussstein versehen. Das spätgotische Sakramentshäuschen wurde leider bei der Renovation 1934-1936 verständnislos zerstört. Im Jahre 1487 wurde die umgebaute gotisierte Kirche eingeweiht. Sie behielt ihre Grösse bis zur Erweiterung im 18. Jahrhundert.
Die Reformation löste auch im Stand Solothurn schwere Wirren aus. Als Bern 1528 zur Reformation übertrat, forderten auch viele Solothurner in der Stadt, aber auch im Untertanengebiet den Übertritt zum neuen Glauben. In allen Gemeinden entstand eine reformierte Partei. In der Kirchgemeinde Lostorf fand die Bewegung unter dem Einfluss ihrer Pfarrherren Heinrich Brügger (1514-1529) und Daniel Räber (1529-1532), der sich ab 1530 als reformierter Prädikant bezeichnete, rasch Anklang. Dieser dehnte seine reformatorische Tätigkeit auch auf die Nachbargemeinden Stüsslingen und Obergösgen aus. Im November 1529 kam es unter der Führung des Prädikanten Räber in Lostorf sogar zu einem Bildersturm. In einem Bericht der Solothurner Regierung heisst es: „Zu Lostorf in der Kirche ist alles zerstört und zerbrochen und verkauft.“ Die Regierung in Solothurn war anfänglich noch zwischen den Anhängern der alten und der neuen Lehre gespalten. Deshalb führte sie in 55 Gemeinden in den Jahren 1529 und 1530 zwei Abstimmungen durch, ob sie zur neuen Lehre übertreten oder beim alten Glauben verharren wollten. Lostorf stimmte beide Male für den neuen Glauben. Im Bericht an die Regierung hiess es: „Wir wollen alles wegtun, Messe und Bilder und wünschen allein das lautere, klare und göttliche Wort.“ Im Jahre 1533 kam es in Solothurn zum Aufstand der Reformierten, der jedoch misslang. Stadt und Land mussten wieder zum katholischen Glauben zurückkehren. Aber nicht alle Bewohner unserer Gegend befolgten so rasch die obrigkeitlichen Weisungen. Ausserdem setzte sich in unserer Gegend die Täuferbewegung fest, welcher die Reformation zu wenig weit ging. Die Täufer legten die Bibel wörtlich aus, erstrebten eine Gemeinschaft der Heiligen, lehnten eine staatliche Obrigkeit ab und anerkannten bloss die Erwachsenentaufe. Die reformierten Orte bekämpften die Bewegung energisch. Die katholischen Stände sahen dieser „Entartung“ der Reformation teils schadenfreudig, teils gleichgültig zu. Der Bischof von Basel wies ihnen sogar Wohngebiete im Jura zu. Von daher stammt der Name „Freiberge“. Erst auf energischen Druck des reformierten Bern und aufgrund der anarchistischen Tendenzen der Täufer, die sich jedem staatlichen Befehl widersetzten, begann Solothurn, sie zu verfolgen. Winznau galt aber noch bis weit ins nächste Jahrhundert hinein als Täufernest.
Erst mit der Durchführung der Reformbeschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563) kam es zu einer neuen Blüte des katholischen Glaubenslebens. Immerhin scheint sich schon um 1540 die Lage so beruhigt zu haben, dass die Gemeinde Lostorf durch Meister Lienhard Steinmüller aus Basel eine grosse Turmuhr installieren und 1566 den gross dimensionierten spätgotischen Massivbau des Pfarrhauses errichten lassen konnte. Die Martinskirche wurde erst am 24. Oktober 1616 durch Bischof Johann Bernhard von Angeloch nach der Exkommunikation rekonziliiert, d.h. wieder mit der römisch-katholischen Kirche versöhnt und neu geweiht. Am Jahrestag der Einweihung sollte den Gläubigen ein vierzigtägiger Ablass gewährt werden. Vermutlich geht das nur in Lostorf bekannte und bis vor wenigen Jahren gefeierte „Aplisfest“ auf diesen Einweihungstag zurück.
Weil die Kirche von Obergösgen durch die Reformationswirren vollkommen unbrauchbar geworden war, mussten die Obergösger und Winznauer ab 1534 die etwas weniger beschädigte Kirche von Lostorf benützen. Während die Obergösger ihre Kirche nach einer Restauration wieder benutzen konnten, blieb Winznau über 100 Jahre bei Lostorf, stellte dann aber wegen des weiten Weges das Gesuch an die Regierung, wieder nach Obergösgen pfarrgenössig zu werden. Nachdem die Kirche von Obergösgen vergrössert worden war, bewilligte die Regierung den Wechsel auf das Jahr 1646. Nach äusserst harten Auseinandersetzungen mit Obergösgen war Winzau 1887 gezwungen, eine eigene Kirchgemeinde zu gründen.
Beim Mahrer Kreuz, einem bis ins letzte Jahrhundert hinein oft besuchten Wallfahrtsort, handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um ein Pestkreuz aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Seit dem Jahre 1483 bis zur letzten Epidemie 1636 wurden die solothurnischen Gebiete immer wieder von Pestzügen heimgesucht. Die seit 1610 regelmässig geführten Totenregister geben uns eine Vorstellung vom unsagbaren Leid, das unsere Gegend in den Jahren 1611, 1628/29 und 1636 heimgesucht hat. Im schlimmsten Pestjahr 1611 sind in der damaligen Pfarrei Lostorf-Winznau 159 Tote eingetragen.
Im 17. und 18. Jahrhundert nahm die Bevölkerung Lostorfs allmählich zu. Um 1780 zählte Lostorf rund 700 Einwohner. Eine Vergrösserung der Kirche drängte sich auf. Nachdem Pfarrer Urs Viktor Gassmann (1775-1786) das Vorhaben vorangetrieben und wesentliche eigene finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt hatte, wurde es unter seinem Nachfolger Pfarrer Josef Anton Tschann (1786-1805) durch den Baumeister Thomas Burg aus Däniken 1787 verwirklicht. Er erweiterte die Kirche zur kreuzförmigen Anlage. Die Kirche wurde flach gedeckt. Auch das rechte barocke Altarblatt, welches den Tod Josefs darstellt, ist dieser Stilepoche zuzurechnen.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche spätklassizistisch ausgestattet. Aus dieser Zeit stammt das linke Seitenaltarblatt. Es ist ein Werk Deschwandens, des bekanntesten Schweizer Kirchenmalers des 19. Jahrhunderts. Um die Wende zum 20. Jahrhundert sind die Kirchenfenster im Chor, im Haupt- und Querschiff entstanden.
Die vom Jugendstil geprägten Glasmalereien gehen auf Entwürfe des künstlerisch begabten Pfarrers Josef Pankraz Schoch (1891-1915) zurück.
In den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts drängte sich erneut eine Vergrösserung der Kirche auf. Treibende Kraft war Pfarrer Dr. Franz Niggli (1928-1938), der trotz der schweren Wirtschaftskrise, welche die Bevölkerung hart bedrängte, die Kirchgemeinde für eine Renovation zu begeistern vermochte. Mit der Renovation wurde der damals führende Kirchenarchitekt Adolf Gaudy aus Luzern betraut. Der Kirche wurde zwar ihr klassizistisches Gepräge belassen, doch durch den Einzug eines mächtigen Tonnengewölbes und die Verlängerung des Schiffes um sieben Meter, die pompösen, etwas schwerfälligen Marmoraltäre und die Kanzel aus dem gleichen Material sowie durch die unpersönliche, dunkelbraun gebeizte Kreuzigungsgruppe, welche das Altarbild ersetzte, wurde sie in ihrem Charakter doch wesentlich verändert.
1950 erhielt auch der Weiler Mahren mit der dem Volksheiligen Antonius von Padua geweihten Kapelle ein eigenes Gotteshaus. Die schlichte Wegkapelle wurde auf Initiative des 1947 gegründeten Kapellenvereins St. Antonius unter rühriger Mithilfe der Mahrer Bevölkerung nach den Plänen von Werner Guldimann gebaut. Die künstlerische Vollendung erhielt die Kapelle erst in den neunziger Jahren durch den Oltner Kunstschaffenden Willi Fust. 1992 wurden die farbigen Glasfenster eingesegnet, welche den Schöpfer inmitten der vier Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser darstellen. Das schmiedeiserne Kreuz wurde anlässlich der Feier des 800. Geburtstages des Kapellenpatrons am 10. Juni 1995 eingeweiht.
Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1961-1965) und zahlreiche in der Zwischenzeit aufgetretene bauliche Mängel riefen in den achtziger Jahren unter Pfarrer Ignaz Josef Suter (1978-1988) nach einer weiteren Renovation und Umgestaltung der Pfarrkirche St. Martin. Gemeinsam mit dem Künstler Hanspeter von Ah gaben die beiden Lostorfer Architekten Werner Guldimann und Alois Meier dem Kirchenraum ein einfaches, den neuen liturgischen Bedürfnissen entsprechendes Gepräge. Der handwerklich gefertigte Zelebrationstisch aus gelblichem Solothurner Kalkstein ersetzt den Hochaltar aus poliertem Marmor. Aus demselben Stein sind der Ambo, welcher an Stelle der Kanzel das Wort Gottes näher zu den Gläubigen bringen soll, und die Kredenzen, welche die Seitenaltäre ersetzen. Am 8. November 1987 wurde die renovierte Kirche durch Bischof Dr. Otto Wüst eingeweiht.
Da das Deckengewölbe nicht isoliert blieb und der Anstrich stark wasserabstossend war, wurden Decke und Wände innerhalb weniger Jahre wiederum stark verschmutzt, sodass sich nach der relativ kurzen Zeit von 17 Jahren eine Instandstellung des Innenraums der Kirche aufdrängte. Der Kirchgemeinderat, Architekt Alois Meier und der kantonale Denkmalpfleger Dr. Samuel Rutishauser empfahlen nach der Isolation des Deckengewölbes eine fachgerechte Entfernung der Verschmutzung und einen Leimfarbenanstrich mit grosser hydrophiler Fähigkeit. Mit den Reinigungs- und Malerarbeiten wurde die auf diesem Gebiet über grosse Erfahrungen verfügende Firma Fontana & Fontana aus Jona-Rapperswil betraut. Die sanfte Renovation hat sich gelohnt. Am 7. November 2004 konnte das gelungene Werk in einem würdigen Rahmen eingesegnet werden.
In den Jahren 1992/1993 wurde die Scheune des ehemaligen Sigristenhauses nach den Plänen von Alois Meier in ein Pfarreiheim umgestaltet, das allen Ansprüchen eines zeitgemässen Pfarreilebens entspricht. Die Einsegnung fand am 26. Juni 1993 statt.
Die mit der Aufklärung, der Französischen Revolution, dem Liberalismus, der Bundesverfassung von 1848 und dem Kulturkampf eingeleiteten Ideen führten zusammen mit der Industrialisierung und dem aufkommenden Sozialismus, der wirtschaftlichen Prosperität nach dem Zweiten Weltkrieg und der immer grösser werdenden Mobilität der Menschen zu einem gesellschaftlichen Pluralismus und zu einem starken Rückzug des religiösen Lebens ins Private. Die Konfessions- oder Religionszugehörigkeit der Bevölkerung von Lostorf hat sich innerhalb eines Jahrhunderts grundlegend verändert. Noch vor hundert Jahren besass Lostorf ein homogenes katholisches Milieu. Dieses zerbrach aber seit der Mitte des 20. Jahrhunderts endgültig. Im Jahr 1860 gab es beispielsweise unter der ausschliesslich katholischen Bevölkerung von 1095 Einwohnern nur gerade einen Reformierten. Die zunehmende Mobilität führte im 20. Jahrhundert zu einer sich ständig vergrössernden religiösen und konfessionellen Durchmischung. So zählte Ende 2007 die Statistik Lostorfs 3'688 Einwohner. Davon waren 1541 römisch-katholisch, 1061 evangelisch-reformiert, 39 christkatholisch, 1047 gehörten anderen Glaubensgemeinschaften an oder bezeichneten sich als konfessionslos.
Seit 1968 verfügt die evangelisch-reformierte Ortskirchgemeinde in einem lichtdurchfluteten, die umgebende Natur einbeziehenden Bau über eine eigene Kirche. Der lamellenumzogene Glas-Beton-Bau wurde vom Architekten Hans R. Bader aus Solothurn entworfen. In den letzten Jahren wurde zwischen der römisch-katholischen und der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde eine intensive ökumenische Zusammenarbeit aufgebaut, bei der jeder Konfessionsteil den Reichtum seiner religiösen Erfahrung einzubringen versucht.
Auch unsere katholische Ortskirche wurde in vielfacher Hinsicht in den Strudel des Umbruchs hineingerissen. Offen oder versteckt spielten sich Auseinandersetzungen zwischen bewahrenden und zeitoffenen Kräften ab. Besonders zu schaffen machte unserer Gemeinde der Priestermangel und das dafür teilweise verantwortliche Festhalten der Kirchenleitung am priesterlichen Zölibat. So steht in der bald 1500-jährigen Geschichte der Pfarrei St. Martin in der Person von Dr. Michael Born seit 1993 zum ersten Mal ein Laientheologe an der Spitze der Pfarrei. Der Priestermangel und das Denken in grösseren Pastoralräumen haben auch dazu beigetragen, dass sich die Pfarrgemeinden Winznau, Obergösgen, Niedergösgen, Erlinsbach, Stüsslingen-Rohr und Lostorf zu einem Seelsorgeverband zusammengeschlossen haben mit der Absicht, die seelsorglichen Dienste in allen Pfarreien nach Möglichkeit voll aufrecht zu erhalten. Die sechs Pfarreien haben sich in zwei Gruppen aufgeteilt. Zur Gruppe Jura gehören Erlinsbach, Stüsslingen-Rohr und Lostorf. Die Gruppe Aare umfasst Niedergösgen, Obergösgen und Winznau. Angesichts des allgemeinen Umbruchs bietet eine solch enge Zusammenarbeit in einem Seelsorgeverband die Chance, gemeinsam am Aufbau einer geschwisterlichen, offenen und einladenden Kirche der Zukunft mitzuwirken.
Unsere Ortskirche hat auf ihrem Weg durch die Zeiten helle und dunkle Epochen durchschritten. Die Geschichte hat die meisten Namen der Bewohner unseres bis in die neuste Zeit hinein armen Dorfes vergessen. Die Kirche machte ihnen aber immer wieder die Würde der Kinder Gottes bewusst. Ihre Namen sind eingetragen in einem Buch, das kein Moder frisst. Mag der Weg der Kirche bisweilen einer Wüstenwanderung gleichen, als Gemeinschaft der Heiligen und Sünder zugleich ist sie aber ein notwendiges Werkzeug zur Verwirklichung des Reiches Gottes.