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Das Stammesrecht der Durrani– und Ghilzai-Paschtunen in Afghanistan, das Paschtunwali, wird durch mehrere Komponenten bestimmt. Dazu gehören melmastia, die Gastfreundschaft, und badal, die Rache.[1]
In melmastia ist melma der Gast. Solange dieser im Haus eines Gastgebers ist, darf er nicht angerührt werden. Ein paschtunischer Gastgeber wird sich, wenn notwendig, für seinen Gast in erhebliche Unkosten stürzen. Der Gast ist aber nur so lange sicher, als er im Haus seines Gastgebers weilt. Verlässt er das Haus, dann ist er möglicherweise bereits während seines Aufenthaltes an seine Feinde verkauft worden. Um ihn wird es geschehen sein.
Eine Verletzung der Ehre, nang, kann gemäss dem Kodex zu badal und damit zur Abrechnung zwischen Stämmen, Clans oder gar Familienmitglieder führen. Diese Abrechnung ist gleichzusetzen mit Mord. Gleichgültig wie hoch die Folgen sind, badal kann über Generationen andauern und zur Auslöschung ganzer Familien führen.
Gouverneur der Nangarhar-Provinz, Paschtune und Bruder des 2001 durch die Taliban hinterhältig ermordeten Mujaheddin-Kommandanten Abdul Haq (2004)
Eine historische Anekdote für die Umsetzung des Kodex ist der Verrat und die Ermordung des britischen Gesandten William Macnaghton durch Akbar Khan, Sohn des afghanischen Emir Mohammed Dost,1841 in Kabul. Nachdem Akbar Khan dem Briten das sichere Geleit für Verhandlungen zugesichert hatte, wurde er während der Verhandlungen durch seinen Gastgeber grausam ermordet. Die Leichenteile wurden anschliessend in Kabul zur Schau gestellt. Akbar Khan brüstete sich auch mit dem Mord.[2]
Das Paschtunwali ist den Paschtunen in Afghanistan und Pakistan heute noch nicht fremd geblieben.
[1] Stahel, A.A., Das Frontier Corps, in: Indien und Pakistan – Atommächte im Spannungsfeld regionaler und globaler Veränderungen, Buciak, S. und R. von Dehn (Hrsg.), Verlag Dr. Köster, Berlin, 2010, S. 496.
[2][2] Tanner, St., Afghanistan, Dao Press, Cambridge, USA, 2002, S. 174-176.