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Es gibt wirklich seltsame Frösche: Manche Arten können in den trockensten Wüsten bis zu zwei Jahre ohne Nahrung in unterirdischen Kokons ausharren, andere überleben dank natürlichem Frostschutzmittel bei weniger als 10 Grad minus. Die bekannten Pfeilgiftfrösche könnten mit der Giftmenge, die ihr Körper enthält, 20 000 Mäuse töten – auch für Menschen ist das Gift tödlich. Doch die erstaunlichste Froschart ist wohl Rheobatrachus – was die Forscher an ihm beobachteten, macht ihn zu einer der eigenartigsten Lebensformen auf diesem Planeten – und zu einem grossen Fragezeichen hinter die komplette Evolutionstheorie!
Es war eine unglaubliche Entdeckung, damals im Dezember 1974: Eine neu entdeckte Froschart, Rheobatrachus silus, wurde von Biologen in Australien untersucht. Was sie eines Morgens im Aquarium entdeckten, stellte sie vor ein Rätsel. Plötzlich waren Froschkinder da, wo sich vorher nur ein erwachsenes Tier aufgehalten hatte. Wo kamen sie her?
Wie jeder weiss, laichen gewöhnliche Frösche. Die Eier entwickeln sich zu Kaulquappen, aus denen dann über
einen Zeitraum von einigen Wochen kleine Frösche entstehen. Aber hier erschienen plötzlich fertige Jungfrösche aus heiterem Himmel, in den folgenden Stunden folgten weitere.
Eine neue Froschart in Queensland
1973, ein Jahr zuvor, war David Liam in einem Flusssystem im Südosten von Queensland auf die Froschart gestossen. Im Rahmen einer grossangelegten Aktion war in einem Gebiet von etwa 1000 Quadratkilometern immer wieder dieser Frosch aufgefunden worden. Der Biologe Michael J. Tyler, der als einer der weltweit grössten Froschexperten gilt («australischer Froschmann»), dokumentiert in seinem 1983 erschienenen Buch «The Gastric Brooding Frog» den Rheobatrachus ausführlich. Er bezeichnet den Frosch als «eine der bizarrsten Arten aus dem Reich der Tiere» (GBF, S. 1).
Woher kommen die Kinder?
Schon im November 1973 beobachtete man, dass Rheobatrachus beim Transfer von einem Aquarium in ein anderes sechs Kaulquappen ausspuckte. Es wurde vermutet, dass die Jungen verschluckt worden waren und vielleicht in der Schallblase transportiert wurden. Bekannt für dieses Verhalten ist der südamerikanische Darwin-Nasenfrosch, bei dem das männliche Elterntier die befruchteten Eier aufnimmt. Im Kehlsack schlüpfen die Kaulquappen, werden durch ein Sekret ernährt und verlassen schliesslich als kleine Frösche das Innere des Vatertiers durch sein Maul.
Beim Rheobatrachus war dies noch aussergewöhnlicher. Tyler schreibt: «18 Tage nach dem Auswurf der Kaulquappen (37 Tage nach der Gefangennahme des Froschs) wurde ein Jungfrosch gefunden, der neben der Mutter schwamm. Zwei Tage später waren zwei weitere Jungtiere geboren. Nun wurde entschieden, das Elterntier zu opfern, um die übrigen Jungtiere in der Schallblase zu lokalisieren. Als aber nach der Mutter gegriffen wurde, wand sie plötzlich ihren Körper, hob ihren Kopf an und öffnete weit den Unterkiefer. In krampfhaften Bewegungen spuckte sie acht Jungtiere innerhalb von nicht mehr als zwei Sekunden aus. In den nächsten paar Minuten wurden fünf weitere Frösche ausgestossen. Die Mutter wurde getötet und seziert. Eine Schallblase wurde gar nicht gefunden, aber man konnte feststellen, dass es sich in der Tat um ein weibliches Tier handelte, gekennzeichnet durch einen sehr grossen, dünnwandigen, erweiterten Magen.»
Nun sei auch endlich der deutsche Name des Frosches verraten: «Magenbrüterfrosch». Nach der Befruchtung der Eier durch das Männchen verschluckte das weibliche Tier die Eier. Im quasi zu einer Gebärmutter umgewandelten Magen wuchsen die Kaulquappen heran und nach etwa sechs Wochen schlüpften 20 bis 25 Jungfrösche aus dem Maul der Mutter!
Der Magen als Gebärmutter!
Diese seltsame und einzigartige Brutpflege bringt ein Problem mit sich: Die Mutter kann in der ganzen Zeit keine Nahrung aufnehmen. Durch das von den Larven produzierte Hormon Prostaglandin E2 wird die Produktion von Magensäure und damit die Verdauung des Mageninhalts im Muttertier unterdrückt. In umfangreichen Versuchen haben Tyler & Co. diese Ursache untersucht und in Versuchsreihen nachgewiesen. Dass dabei mehrere Tiere der Wissenschaft «geopfert» wurden, ist im Licht des späteren Aussterbens sehr bedauerlich. Damit wurde aber ein aussagekräftiges Argument gegen die Evolutionstheorie mit glaubwürdigen Fakten untermauert, denn Tyler ist völlig unverdächtig, an der Evolution zu zweifeln. Vielmehr ist er nach der Feststellung der Probleme sehr bemüht, die «Evolution des Magenbrütens» zu erklären.
(Artikelauszug aus ethos 01/2016)