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Die Champions League ist der Geldesel des europäischen Klubfussballs. Wer es schafft, dabei zu sein, profitiert. YB darf in dieser Saison mit Einnahmen in der Höhe von rund 35 Millionen Franken rechnen, auf diese Zahl kam der «Blick».
Nicht eingerechnet wurden Bussen, welche die Klubs möglicherweise kassieren. Etwa dafür, dass Fans Gegenstände auf den Platz werfen, für Versäumnisse bei der Stadion-Organisation – oder eben dafür, dass Anhänger «Scheiss UEFA!» rufen.
10'000 Euro kostete das die Young Boys. Die Geldstrafe werde «wegen der Übermittlung provokativer und beleidigender Botschaften, d.h. wegen unerlaubter Gesänge» verhängt, heisst es im Urteil der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer (CEDB) des europäischen Fussballverbands UEFA.
Festgestellt wurden die Verstösse beim Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Ferencvaros Budapest im Berner Wankdorfstadion. Die gesamte Busse für YB betrug 47'125 Euro, zu jener für die Sprechchöre wurden 3375 Euro für das Werfen von Gegenständen fällig, 15'750 Euro für das Abbrennen von Feuerwerk und 18'000 Euro für versperrte Fluchtwege.
Martin Endemann von der Vereinigung «Football Supporters Europe» (FSE) liegt die Urteilsbegründung vor, die er am Donnerstagmittag auszugsweise veröffentlichte. Detailliert wird dort aufgeführt, was unter «unerlaubten Gesängen» zu verstehen ist. Demnach sei in der 38. und in der 63. Minute des Spiels ohne einen besonderen Grund «Scheiss UEFA» («Fuck UEFA») zu hören gewesen, gerufen von YB-Fans in ihrer Kurve.
Daraufhin nahm der Klub gegenüber dem Verband Stellung – und versuchte die UEFA davon zu überzeugen, dass «Scheiss UEFA» nicht wie im Urteil beschrieben mit «Fuck UEFA» übersetzt werden müsse, sondern dass dies «Shit UEFA» bedeute.
Auf Schweizerdeutsch gäbe es viele verschiedene Interpretationen der Ausdrücke «Scheiss» und «Scheisse», so YB. «Es bedeutet nicht in jedem Fall ‹Scheisse›. Der Begriff kann auch verwendet werden, um auszudrücken, wenn bestimmte Dinge nicht funktionieren oder wenn man unzufrieden ist.» In diesem Zusammenhang seien die «Scheiss UEFA»-Sprechchöre eher ein Ausdruck der Unzufriedenheit als eine Beleidigung. Die Bestrafung sei daher «weder verhältnismässig noch gerechtfertigt», hielt YB fest.
Die UEFA-Kommission liess sich von diesem Versuch der Berner nicht beeindrucken. Man könne der Aussage des Klubs nicht zustimmen. Die «Scheiss UEFA»-Rufe hätten nicht dazu gedient, eine Unzufriedenheit auszudrücken oder eine Diskussion über ein bestimmtes Thema zu ermöglichen. «Sie wurden lediglich in einer beleidigenden und provokativen Art und Weise, die nicht zu einer Sportveranstaltung wie einem UEFA-Champions-League-Spiel passt, geäussert.»
Jeder Franken einer Busse schmerzt, aber angesichts der immensen Einnahmen kann YB die Strafe wohl verkraften. Und für die Anhänger der Gelb-Schwarzen hat Fan-Vertreter Martin Endemann folgenden, nicht ganz ernst gemeinten Ratschlag:
Vorschlag an YB Fans für Gesänge bei den nächsten Spielen: “Scheiss UEFA, wir sind sehr enttäuscht über bestimmte Themen, wie CL Reform, Geldverteilung, Kollektivstrafen, Stehplatzverbot, lasst mal konstruktiv drüber reden!” Sollte funktionieren, braucht nur eine gute Melodie.— Martin Endemann (@EndemannMartin) November 25, 2021
(ram)
Am Freitagmorgen des 3. Dezember 2010 gibt es in England nur ein Thema: die FIFA und Sepp Blatter. Selten wehte einem Schweizer auf der britischen Insel so viel Hass entgegen wie an jenem Dezembertag. Keine Zeitung, kein Pubgespräch, in dem der FIFA-Boss und seine Organisation unbescholten davonkommen.