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Von der Webtechnik zum Papier
Wandbekleidungen sind so alt wie die Menschheit. Die Kulturvölker der Antike - Ägypter, Perser und Griechen - beherrschten bereits Webtechniken zur Herstellung textiler Wandbekleidung. Die Entwicklung der Tapete war abhängig von ihrem Hauptbestandteil, dem Papier. Chinesen haben es in der Zeit um 100 n. Chr. erfunden. In Deutschland wurde das erste Papier um 1389 in Nürnberg hergestellt. Bis daraus auch Papiertapeten hergestellt werden konnten, vergingen noch weitere 350 Jahre.
Domino Papiere und Holzmodelle
Erst die Fortentwicklung und Kombination von Papierherstellung und Drucktechnik hat die Tapete nach heutigem Verständnis möglich gemacht. Ihre Vorläufer, die sogenannten Domino-Papiere, wurden im 17. Jahrhundert in Frankreich und England produziert. Gefertigt wurden diese zunächst mit Holzmodellen, die im Zusammendruck einen Rapport ergaben.
Musteraufdruck mit Holzformen
Im 18. Jahrhundert kamen Tapeten aus Papier auf den Markt, deren Herstellung zuerst in England begann. Da es noch keine langen Papierbahnen für die Rollenherstellung gab, mussten diese erst zu längeren Bahnen zusammengeklebt werden. Für den Musteraufdruck benutzte man geschnitzte Holzformen, die mit Farben eingebürstet wurden, bevor man sie mit einem Hebelmechanismus auf die Papierbahn presste.
Dampfbetriebene Tapetenmaschienen
Um ca. 1860 machte der technische Fortschritt dem Handdruck starke Konkurrenz. Anlass dafür waren die Erfindung der maschinellen Papierherstellung und der Druckmaschinen. Aus England kamen damals die ersten dampfbetriebenen Tapetenmaschienen, mit denen sich bereits 2000 Rollen pro Tag herstellen liessen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann der industrielle Höhenflug der Tapete. Als entscheidende Neuerung wurde die Bedruckung "am laufenden Band" eingeführt, also der Rotationsdruck.
Leimdruck
Über 100 Jahre dominierte der Leimdruck, der seinen Namen den mit Leim gebundenen Druckfarben verdankt. Auf den riesigen Trommeln der Leimdruckmaschinen konnten bis zu 18 Farben gleichzeitig gedruckt werden. Die Druckwalzen aus massivem Holz wurden von Formstechern kunstvoll mit Metall-Stegen bestückt, grössere Flächen mit Filz ausgefüllt. Beim Leimdruck handelt es sich um ein Hochdruckverfahren, bei dem die Farben von Musterwalzen aus Holz mit Filz-, Gummi- und Metallprofilen auf die Papieroberfläche übertragen werden. Für jede Druckfarbe des Musters ist eine eigene Walze erforderlich. Der Leimdruck erzeugt weiche Übergänge im Druckbild. Das leichte Ineinanderfliessen der Farben gehört zum Charakter dieser Tapeten.
Tapetenherstellung heute
Für den Tapetendruck werden heute mehrheitlich die Druckverfahren Flexodruck, Tiefdruck, Siebdruck, Prägedruck angewendet. In allen Fällen kommen runde, um sich geschlossene Druckformen zum Einsatz, die einen endlosen Druck erlauben. Es handelt sich um Rotationsdruckverfahren. Die Grösse des gedruckten Motivs wird dabei von der Breite und dem Umfang des Druckzylinders bestimmt. Das Merkmal moderner Produktionstechnologie besteht darin, dass in der Regel mehrere dieser Grundverfahren in Kombination in einer Maschine zusammengefasst sind, d.h. dass von der Rohpapierrolle bis zur fertig verpackten Tapetenrolle alle Arbeitsabläufe in einem verketteten Produktionsprozess erfolgen.