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Pferde sind Pflanzenfresser und darauf ausgerichtet den Grossteil ihres Tagesablaufs mit Fressen oder Nahrungssuche (16 bis 20 Stunden pro Tag) zu verbringen. Und das vorwiegend in Bewegung. Mit Haltungsformen wie Offenställen oder Paddockboxen ermöglichen wir den Pferden zumindest ein Mindestmass an Bewegung, die Fütterung beschränkt sich aber oft noch auf 3 kleine Portionen Heu am Tag. Die fehlenden Futtermengen versucht man dann allzu oft mit grossen Kraftfuttermengen auszugleichen.
Warum ist es so wichtig, dass Pferde immer Heu zu Verfügung haben?
Pferde produzieren ständig Magensäure, auch wenn sie nicht fressen (im Gegensatz zum Hund bspw.). Nur beim Fressen wird genug Speichel gebildet, der die Magensäure puffern kann, weil dieser beim Pferd sehr viel Bicarbonat enthält. Der gesamte Verdauungsapparat des Pferdes ist auf seine ursprüngliche Form der Nahrungsaufnahme ausgerichtet:
Als Beispiel noch der Vergleich Heu und Kraftfutterration:
Speichelbildung bei 1kg Heu (40 bis 50 Minuten Fresszeit) –> 4L
Speichelbildung bei 1kg Hafer (8 bis 15 Minuten Fresszeit) –> 1L
Die Magensäure hat natürlich auch seine Berechtigung – der Magen des Pferdes ist zweigeteilt: zuerst kommt der gut durchspeichelte Nahrungsbrei aus der Speiseröhre in den ersten Teil des Magens (der gegenüber der Magensäure noch sehr empfindlich ist), hier startet die Vorverdauung und leicht zugängliche Kohlenhydrate werden abgebaut. Dann gelangt der Brei in den weiteren Teil des Magens, wo dann durch die Magensäure Mikroben und Keime abgetötet werden.
Lange Leerzeiten (alles länger als 4 Stunden ohne Raufutter) führen aber zu Säureansammlungen im Magen, das kann zu Magenschleimhautreizungen bis hin zu Magengeschwüren führen. Diese Leerzeiten senken dann in weiterer Folge den pH-Wert im Magen, Dünndarm und Dickdarm und der saure pH-Wert kann zu Reizungen & Entzündungen in der der Darmschleimhaut führen. Eine dauernde Versorgung mit Heu ist auch für die Psysche des Pferdes enorm wichtig, einfach weil es ein Grundbedürfnis des Pferdes ist, mindestens 16 Stunden am Tag zu fressen.
Das ist nun alles sehr vereinfacht erklärt – wichtig ist mir nämlich einfach die Take Home Message: Heu, Heu, Heu und nochmals Heu für die Pferde! Und wie kann man das im Alltag umsetzen?
Für übergewichtige Pferde kann es zum Problem werden – dann sollten man aber zumindest die Fresspausen nicht allzu lange gestalten und mit Heunetzen
arbeiten. Eine weitere Möglichkeit wäre das Heu zu waschen (Achtung: man wäscht damit auch Mineralien mit raus) oder auch darauf zu achten, wie die Heuzusammensetzung ist (1.Schnitt oder 2.
Schnitt, welche Gräser kommen darin vor, usw.).
Noch zum Thema Heucobs: Diese sind als Alternative/Notfalllösung für ältere Pferde ohne Zähne oder für Pferde die vorübergehende Zahnprobleme haben (jährlich die Zähne kontrollieren lassen!) ok, aber kein Heu Ersatz für gesunde Pferde mit gesunden Zähnen.
Heu ist das wichtigste Futtermittel für Pferde. Dementsprechend sollten Besitzer auf gute Qualität achten. Überprüfen lässt sich diese ganz einfach durch den «Knautschtest».
Wenn das Heu beim Zusammendrücken in der Handfläche unangenehm piekst, ist es zum Füttern ungeeignet.
Gutes Heu erkennt man ausserdem an der grünen Farbe und einem intensiven Heugeruch. Auch wenn witterungsbedingt nicht immer optimales Heu zu bekommen ist: Offensichtlich schimmeliges, feuchtes oder muffiges Heu sollte immer sofort aus der Pferdebox entfernt werden.