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Was ist Autismus?
Autismus wird von der Weltgesundheitsorganisation zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gerechnet. Es ist eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns, die sich schon im frühen Kindesalter bemerkbar macht. In den aktuellen Diagnosekriterien wird zwischen frühkindlichem Autismus (Kanner-Syndrom) und dem Asperger-Syndrom unterschieden, das sich oftmals erst nach dem dritten Lebensjahr bemerkbar macht. Zur Unterscheidung der verschiedenen Ausprägungen dient das Autismusspektrum (Autismus-Spektrum-Störung (ASS. Die genaue Abgrenzung ist jedoch schwierig, da die Verläufe fliessend sind.
Menschen mit einer autistischen Störung nehmen ihre Umwelt anders wahr
Oft orientieren sie sich an Details und haben Mühe eine Situation ganzheitlich zu erfassen. Sie suchen selten den Blickkontakt und können die Stimmung ihres Gegenübers aus dessen Gesicht kaum erkennen.
Über- oder Unterempfindlichkeiten auf Licht, Geruch, Geräusche oder Berührungen sind häufig
Beispiele: Faszination für Licht und glänzende Oberflächen, Angstreaktionen bei speziellen Geräuschen, eine Vorliebe für kräftige Körperkontakte, auffälliges Beriechen von Oberflächen oder Ertasten von Gegenständen. Diese Schwierigkeiten führen dazu, dass Kinder oder Erwachsene mit Autismus grosse Probleme haben, ihre Umwelt als sinnvolles Ganzes zu verstehen. Ihre Lernmöglichkeiten sind dadurch beeinträchtigt. Betroffenen fällt es schwer, sich in ihre Mitmenschen einzufühlen und adäquate Beziehungen zu ihnen aufzubauen.
Genetische Ursachen
Die Vermutung der Erblichkeit beruht unter anderem auf der schon von Hans Asperger beschriebenen Beobachtung, dass Personen mit „autistischer Psychopathie“ fast immer mindestens einen Elternteil haben, der ähnliche Persönlichkeitsmerkmale aufweist. Auch die Verlaufsuntersuchung von Wolff weist auf eine „familiäre Belastung“ hin. Während die genetische Verursachung beim frühkindlichen Autismus durch Familien- und Zwillingsuntersuchungen inzwischen nachgewiesen werden konnte, fehlen entsprechende Untersuchungen beim Asperger-Syndrom aber noch. Vermutet wird eine Beteiligung der Chromosomen 1, 3 und 13.
Was ist Autismus NICHT?
1. FALSCH: Autismus ist eine Krankheit.
RICHTIG: Autismus ist eine Art zu sein, eine Wesensart, ein Naturell. Experten sprechen von Menschen im „Autismus Spektrum“.
2. FALSCH: Autismus ist psychisch bedingt.
RICHTIG: Autisten haben ein alternatives Gehirndesign, eine ungewöhnliche neurologische Verdrahtung, eine andere Art der Wahrnehmungsverarbeitung. Es gibt viele sehr intelligente Autisten. Auch nicht-sprechende Autisten sind häufig intelligent.
3. FALSCH: Alle Autisten sind gleich.
RICHTIG: Autistische Menschen sind genauso unterschiedlich und individuell wie Nichtautisten.
4. FALSCH: Autismus ist die Folge von emotionaler Vernachlässigung, emotionalem Stress, Missbrauch oder Traumata.
RICHTIG: Ein nicht-autistisches Kind kann man so schlecht erziehen, wie man will, es wird nie autistisch werden. Trotzdem halten sich immer noch falsche Ansichten aus den 50er-Jahren, so dass Müttern die Schuld zugeschoben wird, wenn die Kinder nicht so sind, wie die Gesellschaft es wünscht.
5. FALSCH: Autismus kann nach der Kindheit verschwinden.
RICHTIG: Aus autistischen Kindern werden autistische Erwachsene. Obwohl es hin und wieder als Wunderheilung verkauft wird, fangen viele Autisten irgendwann an zu sprechen – ganz ohne Therapie. Das heisst nicht unbedingt, dass sie irgendwann Durchschnittsmenschen werden.
6. FALSCH: Man erkennt Autisten an ihrem Äusseren.
RICHTIG: Autistische Menschen sehen aus wie andere Menschen auch.
7. FALSCH: Alle Autisten sind Genies.
RICHTIG: Dieser falsche Eindruck entsteht, weil autistische Genies besonders eindrucksvoll sind. Wie bei Nichtautisten gibt es solche und solche: Einige Autisten lernen sehr schnell, andere brauchen länger. Jeder hat seine individuellen Begabungen und Schwächen.
8. FALSCH: Autisten wollen keine sozialen Kontakte und haben keine Gefühle.
RICHTIG: Oft scheitert der soziale Kontakt daran, dass Autisten und Nichtautisten keine gemeinsame Sprache finden. Viele autistische Menschen wollen gern Kontakt zu anderen, wissen aber nicht, was eine sozial angemessene Art der Kontaktaufnahme sein könnte. Andere autistische Menschen wollen keine Kontakte. Wie alle Menschen wollen aber auch Autisten selbst auswählen, wann sie mit wem ihre Zeit verbringen, und wann sie lieber allein sind. Autistien haben Gefühle für andere Menschen, auch wenn man ihnen dies nicht immer anmerkt. Viele führen zufriedene Freundschaften, Partnerschaften und gründen Familien.
9. FALSCH: Autisten können keine normale Schule besuchen.
RICHTIG: Die meisten autistischen Kinder und Jugendlichen besuchen Regelschulen und werden oft nicht als solche etikettiert – können aber vielfach nicht ihr Potential entfalten, weil sie anders lernen und eine angepasste Lernumgebung bräuchten.
10. FALSCH: Autismus bedeutet, kein selbständiges Leben führen zu können.
RICHTIG: Manche Menschen brauchen viel Unterstützung von anderen, andere leben gänzlich ohne spezielle Unterstützung.
11. FALSCH: Autisten haben keine Empathie.
RICHTIG: Autisten haben sehr wohl Empathie. Sie können jedoch nicht gleich erkennenen. welche Emotionen das Gegenüber hat. Diese Unsicherheit wird dann oft als „gefühlskalt“ interpretiert.