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Vom 8. bis 14. April lief im Theater 11 in Zürich eine Tanzaufführung unter dem Namen Shen Yun. Berichtet wurde darüber bereits in den Zeitungen. Man war unerfreut, dass in ihrer Werbung kein Zusammenhang mit Falun Dafa (auch Falun Gong) ersichtlich war, obwohl in der Vorstellung stark für die Gruppe geworben wurde.
Tatsächlich wurde es gemieden, den Namen der Gemeinschaft sofort zu nennen. Dennoch ist es nicht schwer, einen spirituellen Hintergrund zu erahnen, beschreiben sie doch die Aufführung als „Rückkehr der Göttlichen Kultur“ in ihrem Trailer. Und wer auf ihrer Webseite auf die Rubrik „Über Uns“ klickte, hatte zumindest die Möglichkeit zu lesen, dass die Künstler Falun Dafa praktizieren.
Gezeigt wurden mehrere Tanzeinlagen, zwei Lieder und ein Instrumentalstück. In den Tanzsegmenten wurde meist eine Geschichte aus der chinesischen Kultur kurz zusammengefasst dargestellt. Dazu nutzten sie die moderne Technik kreativ, indem sie auf einer riesigen Leinwand den Hintergrund der Szene projizierten, mit dem die Darsteller teils auch interagierten. So kam es vor, dass ein Tänzer den hinteren Rand der Bühne hinabsprang, während an derselben Stelle sein Charakter auf der Leinwand erschien und sich in die Lüfte erhob, um zu fliegen. Landete er wieder auf dem Boden, kam der Darsteller perfekt getimt wieder auf die Bühne. Der Anlass wurde von einem Mann und einer Frau gemeinsam moderiert. Sie gaben sowohl auf Deutsch als auch auf Chinesisch in wenigen Sätzen den Inhalt der Geschichten und Tänze an, damit sie für die Zuschauer verständlich waren.
Zwei der Tanzstücke sowie die beiden Lieder befassten sich mit Falun Dafa und der Kommunistischen Partei Chinas. Darin wird von der Verfolgung und Folterung von Mitgliedern der religiösen Gemeinschaft durch die Partei berichtet. Während Falun-Dafa-Mitglieder als gut, tugendhaft und unschuldig dargestellt werden – ist es doch eine Frau der Gruppe, die als einzige einem in Not scheinenden Mann zu Hilfe eilt, während die restlichen Passanten ihn ignorieren und auf ihre Handys starren – ähneln ihre Verfolger in schwarzer Kleidung und mit rot (auf Chinesisch) beschriftet schon fast dem bösen Widersacher in einem Kinderfilm.
In den beiden Liedern, die vorgetragen wurden, werden sie sogar noch deutlicher. Im Lied „Das Schiff der Erlösung“ heisst es in der Übersetzung:
„Menschen sind auf verhängnisvollem Weg
Wer den Lügen der Verfolgung glauben schenkt,
dem wird der Weg in den Himmel versperrt
Mit modernen Anschauungen, modernem Verhalten,
kommt niemand in die himmlischen Reiche“
Ein Wahrheitsanspruch und Elitarismus werden hier offenkundig, demnach nur Mitglieder von Falun Dafa den Eintritt in den Himmel schaffen. Aufdringlicher ist wohl nur noch die Zeile:
„Falun Dafa ist dabei, Menschen zu erretten“
Aber worum geht es denn eigentlich bei Falun Dafa?
Der Gründer Li Hongzhi lehrt das Bestreben sich an die „höchsten kosmischen Eigenschaften“ Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht anzugleichen mithilfe von Kultivierung. Dazu werden Kultivierungsübungen durchgeführt, die an Meditationsübungen erinnern und dem Erarbeiten von Kultivierungsenergie dienen soll. Anders als bei anderen buddhistischen Kultivierungslehren allerdings, wird einem Praktizierendem bei Falun Dafa –so die Vorstellung – ein Falun (Gebotsrad), ein Wesen aus einer höheren Dimension, welches sich ununterbrochen dreht, in den Unterbauch eingesetzt, indem er oder sie sich mit Li Hongzhis Lehren befasst. Durch das Drehen wird bei einem Schüler von Falun Dafa der Kultivierungprozess nie unterbrochen, im Gegensatz zu Schülern anderer Kultivierungslehren, die nur kultivieren, während sie die Übungen durchführen. Dadurch sollen sie viel schneller auf einer höheren Ebene kultivieren und ihre Präsenz soll wohltuend sein für andere, da das Falun diese Energie auch nach aussen abgeben könne.
Typischerweise ist es möglich durch das Kultivieren in eine höhere Dimension aufzusteigen. Auch soll man aber die ewige Jugend und Unsterblichkeit sowie übernatürliche Fähigkeiten erhalten können. Krankheiten sollen durch die Kultivierung geheilt werden können, da sie durch schlechtes Karma entstehen sollen.
Um erfolgreich zu sein, ist es aber nötig, persönliche Interessen und Eigensinn hinter sich zu lassen. Etwas haben oder erreichen wollen ist hinderlich bei der Kultivierung. „Schlechte Gedanken“ im Alltag sollen vermieden werden. Angestrebt werden soll die höchste Tugend und Moral.
Die Shen Yun Truppe behauptet, dass ihre Ausübung von Falun Dafa, sie dazu befähigt, den Tanz auf ihrem Niveau aufzuführen. Beurteilen kann man das als Aussenstehender natürlich nicht, dennoch war ihre Leistung beachtlich und, Propagandaeinlagen aussenvorlassend, war es eine schöne, gelungene Aufführung.
Nicole Rieder, 18. April 2019