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Beschreibung
Werner Wild: Die mittelalterlichen Bauten auf der Kyburg ZH. Eine Bestandesaufnahme mit neuen Erkenntnissen
Werner Wild: Die Rekonstruktion eines Becherkachelofens im Museum Schloss Kyburg
Die mittelalterlichen Bauten auf der Kyburg, ZH. Eine Bestandesaufnahme mit neuen Erkenntnissen
Die Kyburg ist eine der wichtigsten Burgen der Nordostschweiz. Bauhistorische und archäologische Untersuchungen der Kantonsarchäologie Zürich haben in den letzten Jahren das Wissen um die mittelalterliche Entwicklung der Kyburg bedeutend erweitert, aber auch zahlreiche Fragen unbeantwortet gelassen oder neu aufgeworfen. Dies vor allem auch deshalb, weil die sanfte Umgestaltung des Museums keine ausgedehnten Grabungen und Bauuntersuchungen erforderte.
Die erste Nutzung des Burgareals fällt in die jüngere Eisenzeit, wie zwei im Zeitraum von 420–100 v.Chr. liegende C14-Daten aus einer Grubenfüllung zeigen. Über das Aussehen und die Grösse der im 11. Jahrhundert zweimal urkundlich erwähnten Kyburg liegen weiterhin keine Informationen vor. Bis um 1250 – zur Zeit als sich die Burg im Besitz der Grafen von Kyburg befand – entstanden sechs stattliche Steinbauten, darunter der Bergfried und die Kapelle. Von diesen Bauten könnten der Kernbau Nord und die Kapelle noch im 12. Jahrhundert entstanden sein. Die übrigen Bauten besassen aus Buckelquader gefügte <gebaute> Aussenwände.
Die Datierung in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts beruht auf dem stilistischen Vergleich von drei Doppelrundbogenfenster im Kernbau Ost und dürfte auch für die übrigen Kernbauten zutreffen. Somit stellen wir fest, dass zu dieser Zeit der südliche Teil der Burganlage vollständig neu konzipiert wurde. Der Verlauf und das Aussehen der Ringmauerabschnitte, die sich zwischen den Gebäuden befanden, bleiben ebenso wie die Lage des Burgtors aber unbekannt. Auffallend ist die Häufung von statischen Probleme, die sich in heute noch sichtbaren Bauschäden und Teilabbrüchen äusserten.
Nach dem Aussterben der Kyburger 1264 erbten die Habsburger die Burg. Einige Bauarbeiten, die Zusammenlegung zweier Steinbauten zu einem neuen Gebäude im Süden der Burg sowie der Bau der Schildmauer und der Nord-Ringmauer, sind innerhalb der zweiten Hälfte des 13. und des 14. Jahrhunderts nicht genauer datierbar. Im frühen 14. Jahrhundert oder um 1370 entstand im Süden das heutige «Ritterhaus». Das repräsentative, zweigeschossige Gebäude, welches pro Stockwerk immerhin rund 290 m2 Fläche aufweist, wird in den erhaltenen Schriftquellen nie erwähnt.
Die Stadt Zürich führte unmittelbar nach der Übernahme der Burg 1424 Umbauarbeiten am Bergfried, an der Kapelle und am «Ritterhaus» aus. Bemerkenswerterweise ergänzte man die Kapelle zwischen 1424 und 1480 mit einem Turm, der ein «romanisches» Doppelfenster enthält. Dies wird als bewusstes Anknüpfen an romanische Bautradition interpretiert. Um 1500 hatte die Kyburg weitgehend das heute erhaltene Aussehen erreicht.