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In der Physik und Mathematik ist man sich schon lange einig, dass Experimente nicht mehr wie in den Gründerjahren auf einem Küchentisch oder in der Garage durchgeführt werden können. Die Erzeugung von Materie aus Licht, welche Physikern in Stanford anfangs Oktober 1997 gelungen ist, setzte eine unglaublich präzise Maschinerie voraus, die schon beim Sonnenaufgang unerträgliche Schwankungen erlitt durch die Sonnenerwärmung des Experimentiergebäudes! Oder: Die Klassifikation der endlichen mathematischen Gruppen umfasst etwa 30 Jahre Zusammenarbeit, welche sich in einem Beweistext von rund 10'000 Seiten niederschlägt.
Auch geisteswissenschaftliches Experimentieren muss die involvierten Daten und Strukturen im einzelnen darstellen und verwalten. Ohne leistungsfähige Informationsmaschinen kann dies nicht bewerkstelligt werden. Es wäre eine contradictio in adjecto, wenn man die Tiefe geistiger Leistungen, etwa in Beethovens "Neunte" oder Goethes "Faust" oder Raffaels "Schule von Athen", mittels trivialer Experimente zu ergründen suchte. Interpretation als Experiment in der Geisteswissenschaft kann sich aus dieser Perspektive heraus nicht heraushalten aus dem Einsatz von Mitteln, die der Qualität des Objekts angemessen sind. Wenn die Neunte wirklich so genial ist, wie wir alle ja zugestehen wollen, dann müsste deren Verständnis einen experimentellen Aufwand von ungeheuren Ausmassen rechtfertigen. Wir kommen darauf detaillierter zu sprechen im Abschnitt 7.
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