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Markttechnik 4: Golden- und Death Cross
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Dieter Haas
Einfache gleitende Durchschnitte zählen zu den beliebtesten technischen Indikatoren. Sie können oft brauchbare handelbare Hinweise auf zukünftige Trendentwicklungen liefern.
Am gebräuchlichsten ist die Variante des einfachen gleitenden Durchschnitts. Dabei werden die Schlusskurse des definierten Beobachtungszeitraumes addiert und durch deren Anzahl dividiert. Für eine langfristige Optik wird in der Regel auf den Durchschnittswert der letzten 200 Tage abgestellt. Mittelfristig orientierte Anleger nehmen meist den 50-Tage-Durchschnitt zu Hilfe und kurz- fristige den 21-Tage-Durchschnitt. Kreuzt ein Kurs einen der genannten Durchschnitte wird ein Ein- bzw. Ausstiegssignal generiert. Ein Durchbrechen von unten nach oben wird dabei als positiv angesehen und umgekehrt. Stellt ein Anleger ausschliesslich auf solche Kreuzungspunkte ab, dann muss er mit etlichen Fehlsignalen rechnen. Diese sind umso häufiger, je kürzer die Beobachtungsperiode für die Durchschnittsberechnung gewählt wurde. Sehr schwierig sind insbesondere länger währende Seitwärtsbewegungen. In solchen Fällen bringt die Anwendung gleitender Durchschnitte kaum einen Mehrwert. Um allfällige Fehlsignale zu minimieren wird daher oft ein längerfristiger Durchschnitt mit einem mittel- und allenfalls kurzfri-stigen verknüpft. Als eines der zuverlässigsten Signale hat sich die Kreuzung von unten eines 50-Tage gleitenden Durchschnitts mit einem 200-Tage gleitenden Durchschnitt entpuppt. Im Fachjargon wird dieses Muster als «Golden Cross» bezeichnet. Im umgekehrten Fall, wenn der kürzere den längeren Durchschnitt von oben durchstösst, handelt es sich um ein negatives Signal. Die Markttechniker sprechen dann martialisch von einem «Death Cross». Mit Hilfe weiterer Indikatoren wie MACD, RSI, Volumen u.a. lässt sich die Aussagekraft von Signalen im Zusammenhang mit gleitenden Durchschnitten zusätzlich steigern. Die Anwendung von «Golden Cross» und «Death Cross» wird in der Regel dazu verwendet langfristige Trends zu identifizieren.
Positive, neutrale und negative Signale
Am Beispiel von Aixtron über die letzten zehn Jahre können Nutzen und Grenzen von «Golden Cross» und «Death Cross» lehrbuchhaft dargestellt werden. Dem ersten Golden Cross im Jahre 2008 folgte eine längere Hausse. Nach einer rund einjährigen Seitwärtsphase mit einem wenig ergiebigen Death Cross und einem wenig ergiebigen Golden Cross, schützte das zweite Death Cross im Sommer 2011 den Anleger vor grösseren Verlusten. Danach folgte eine mühselige Seitwärtsphase mit vier Fehlsignalen, bevor der Death Cross im Sommer 2014 den Anleger korrekterweise vor dem Kurssturz im Zeitraum bis 2016 warnte. Das Golden Cross im Frühjahr 2016 war ein «Dead Cat Bounce», da die Trendwende vom Handelsvolumen nicht bestätigt wurde. Erst das Golden Cross im Frühjahr 2017 war der eigentliche Durchbruch. Dieses Mal zogen die Volumina an und bestätigten damit das Signal.
«Golden Cross und Death Cross werden verwendet, um langfristige Trends zu identifizieren.»
Sehr nützlich erwiesen sich die Golden-Cross- und Death-Cross-Signale in der Vergangenheit beim Handeln mit SMI-gelinkten Produkten. Es gab kaum Fehlsignale. Eine konsequente Anwendung hätte den Anleger vor mancher Unbill bewahrt! Momentan stehen die Ampeln zwar noch auf grün. Sollte es der aktuellen Erholung jedoch nicht gelingen, neue Höchstkurse zu erreichen, könnte sich das markttechnische Bild entscheidend eintrüben und ein Death Cross nach sich ziehen.
Golden Cross Signale
Für Optimisten bietet diese Variante ideale Einstiegsmöglichkeiten. Derzeit finden sich Golden-Cross-Signale besonders häufig im Rohstoffbereich. Während etliche Energie- und Industriemetallwerte bereits vor Monaten ein Golden Cross bewerkstelligen konnten, stehen die Edelmetallwerte erst am Beginn oder kurz vor einer Trendwende. Ein neuerliches Golden Cross beim VanEck Vectors Gold Miners GDX könnte endlich das entscheidende Signal einer mittel- bis längerfristigen Trendwende bedeuten, zumal Gold diesbezüglich eine Führungsrolle einnimmt.
Beim gelben Metall kam es bereits im Mai 2017 zu einem Golden Cross. Trotz diverser Korrekturen mit zwei kurzen Tauchern unter die 200-Tage-Durchschnittlinie hielt sich der 50-Tage-Durchschnitt permanent über dem längeren Mittel. Markttechnisch sieht es bei Gold somit vielversprechend aus. Gelingt in den kommenden Wochen ein Ausbruch über das Hoch vom Juli 2016, dürfte sich der am Jahresbeginn 2016 eingeleitete Aufwärts- trend fortsetzen. Ein weiterer Schwächeanfall des US-Dollars könnte sich dabei als Katalysator entpuppen.
Auf der Suche nach Golden Cross-Kandidaten können sich Anleger auf Seiten wie https://trendlyne.com/stock-screeners/simple-moving-average/ oder via Analyse-Tool und Ranking auf www.swissquote.ch abstützen. Sie erleichtern das ansonsten sehr mühselige Auffinden neuer Signale.
Ein Golden Cross der negativen Sorte lieferten im November 2017 die zehnjährigen US-Staatsanleihen. Der Renditeanstieg seit Mitte September entwickelt sich zunehmend zur Gefahr für den US-Aktienmarkt. Solange die US-Notenbank nicht von ihren drei geplanten Leitzinserhöhungen abrückt, dürfte es den Weltbörsen schwerfallen, ihren im Februar gebrochenen Aufwärtstrend wiederaufzunehmen.
«Gleitende Durchschnitte verdeutlichen die Trendentwicklung einer Anlage.»
Death Cross Signale
Nach der langjährigen Hausse war es bis vor kurzem schwieriger, Aktienkurse zu finden, bei denen sich jüngst ein Death Cross gebildet hat. Seit dem heftigen Taucher im Februar hat sich die Zahl der Aktien mit einem Todeskreuz jedoch markant erhöht. In der Schweiz sieht das Kursbild von Roche schon länger zweifelhaft aus, auch wenn bislang eine grössere Korrektur ausgeblieben ist. Relativ betrachtet, hinkt der Genussschein dem Marktgeschehen seit Monaten hinterher. Klassische Pharmawerte bekunden generell Mühe und vermochten in den vergangenen Monaten nur selten mit der allgemeinen Marktentwicklung Schritt zu halten. Sie leiden an sinkenden Wachstumsraten der Verkäufe, Patentabläufen bestehender Blockbuster und einem zunehmenden Preisdruck.
Aufgrund der Entwicklung der gleitenden Durchschnitte klar negativ zu beurteilen ist die Entwicklung des Dollarkurses (hier im Vergleich zum CHF). Das kürzliche Death Cross sowie das Unterschreiten der mehrjährigen Unterstützungszone lässt ein weiteres Abgleiten erwarten. Die jüngste Steuerreform von Donald Trump dürfte wie ihre Vorgänger unter den Präsidenten Ronald Reagan und George Walker Bush negative Folgen für den USD nach sich ziehen (www.zerohedge. com/news/2017-12-06/tax-reform-good-us-dol-lar-how-about-gold). Die Markttechnik spricht hier bereits eine klare Sprache.
Kurz vor einem Death Cross (Stand 19.2.) befindet sich der Kursindex des europäischen Leitindizes Euro Stoxx 50. Steigende Zinsen, politische Unwägbarkeiten (Italien, Brexit u.a.) und ein starker Euro setzen dem Index zu. Markttechnisch macht es ganz klar den Anschein, als ob 2018 die Börsenbonanza in Europa, zumindest in den kommenden Monaten, eine Verschnaufpause einlegen wird.