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Italien
Neapel und nicht etwa Rom stand im Mittelpunkt des Streitkräfte-Tages vom 4. November 20191. An der Seepromenade Caracciolo defilierten fünf Bataillone.
Höhepunkt war jedoch der Ausstellungsbereich der verschiedenen Waffengattungen, der fünf Tage lang auf der Piazza del Plebiscito vor allem von Jugendlichen und Kindern besucht wurde. Sie konnten einen Jagdbomber besteigen, einen Hubschrauber mit einem Flugsimulator steuern, eine Predator-Drohne bewundern, in einen Panzer klettern, mit Militärlehrern trainieren und anschliessend in den Hafen fahren, um ein amphibisches Angriffsschiff und zwei Fregatten (FREMM) zu besteigen. Eine grosse «Kriegsmesse», die für einen bestimmten Zweck eingerichtet war: die Rekrutierung neuer Kräfte.
70 % der Jugendlichen, die in die Armee eintreten wollen, leben im Mezzogiorno, insbesondere in Kampanien und Sizilien, wo die Jugendarbeitslosigkeit 53,6 % beträgt, gegenüber einem EU-Durchschnitt von 15,2 %. Der einzige Arbeitgeber, der ihnen einen «sicheren» Job bietet, ist die Armee.
Nach dem Auswahlverfahren ist die Anzahl Rekruten jedoch geringer als die, welche notwendig wäre. Die Streitkräfte benötigen mehr Personal, da sie in 35 Operationsgebieten in 22 Ländern von Osteuropa bis zum Balkan, von Afrika bis zum Nahen Osten und Asien tätig sind. Es sind «Friedensmissionen», die insbesondere dort durchgeführt werden, wo die Nato unter US-Führung und aktiver Beteiligung Italiens Kriege ausgelöst hat, die ganze Staaten zerstört und Regionen destabilisiert haben.
Um Streitkräfte und Waffen zu modernisieren – wie die von der Nato in Island eingesetzten italienischen F-35-Kampfjets, die am 4. November vom Fernsehsender Rai gezeigt wurden – werden in Italien jährlich etwa 25 Milliarden Euro öffentliche Gelder ausgegeben. 2018 stiegen die italienischen Militärausgaben weltweit vom 13. auf den 11. Platz, die USA und die Nato drängen trotzdem auf einen weiteren Anstieg, vor allem auf Grund der Verschärfung der Situation gegenüber Russland.
Zur Erhöhung der Militärausgaben hat die Regierung Conte I vergangenen Juni 7,2 Milliarden Euro «gesprochen». Im Oktober, beim Treffen des Premierministers mit dem Nato-Generalsekretär, verpflichtete sich die Regierung Conte II, die Militärausgaben ab 2020 um rund 7 Milliarden Euro zu erhöhen («La Stampa» vom 11. Oktober). Damit bewegen wir uns von Militärausgaben in Höhe von rund 70 Millionen Euro pro Tag auf rund 87 Millionen Euro pro Tag. Öffentliche Gelder werden so von grundlegenden produktiven Investitionen abgezogen, – insbesondere in Regionen wie Kampanien, um die Arbeitslosigkeit zu verringern, angefangen bei der Jugendarbeitslosigkeit.
Ganz anders sind die «Investitionen», die in Neapel getätigt werden. Die Stadt hat zunehmend die Rolle als Hauptsitz einiger der wichtigsten US/Nato-Befehlszentralen übernommen. In Neapel-Capodichino befindet sich der Hauptsitz des US Naval Forces Command in Europa unter dem Kommando eines US-Admirals, der gleichzeitig die US Naval Forces for Africa und den Allied Joint Force Command (Jfc Naples) mit Sitz in Lago Patria (Neapel) leitet. Alle zwei Jahre übernimmt Jfc Naples das Kommando über die Nato-Reaktionsstreitmacht, eine gemeinsame Truppe für militärische Operationen im «Zuständigkeitsbereich» des Obersten Alliierten Kommandanten in Europa, der immer ein US-General ist, und «über diese Zone hinaus». Im Hauptquartier von Lago Patria befindet sich seit 2017 der Nato Strategic Direction Hub für den Süden, ein Zentrum des Nachrichtendienstes, d. h. der Spionage, die auf den Nahen Osten und Afrika ausgerichtet ist. Die 6. US-Flotte, deren Hauptstützpunkt der Hafen von Gaeta ist und die – gemäss der amerikanischen Vizeadmiralin Lisa Franchetti – «zwischen dem Nordpol und dem Südpol» operiert, steht auch unter dem Kommando von Neapel.
Dies ist die Rolle Neapels im Rahmen der Nato, die Präsident Mattarella in seiner Botschaft vom 4. November beschrieben hat als «ein Bündnis, zu dem wir uns freiwillig entschlossen haben, zum Schutz des internationalen Friedens und zur Rettung der Schwächsten und Unterdrückten sowie der Menschenrechte». •
1 Der 4. November ist der Tag der nationalen Einheit und der Streitkräfte, ein seit 1919 bestehender Gedenktag an den italienischen Waffenstillstand nach dem Ersten Weltkrieg (1915–1918 in Italien), [Anm. d. Übers.]
Quelle: Il manifesto vom 5. November; https://ilmanifesto.it/4-novembre-vedi-napoli-e-poi-muori/
(Übersetzung Zeit-Fragen)
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