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Das Jahr 1884 wird als entscheidender Meilenstein für den bahinischen Karneval betrachtet. Obwohl das Fest zu jener Zeit bereits eine gewisse Bedeutung und Grösse erreicht hatte – besonders in den Salons der Clubs – organisierte man in diesem Jahr erstmals das Fest auf den Strassen, mit Paraden der verschiedenen Clubs, mit allegorischen Wagen und vielen Spassmachern aus dem Volk. Von da an nahm das Volk jedes Jahr sehr intensiv am Karneval der Strasse teil, der bis heute in Bahia für dieses Volksfest charakteristisch geblieben ist.
Der Karneval von 1884 fiel in Salvador in eine Periode schnellen Wachstums der Stadt, und die fortschrittlicheren Geschäftsleute bedienten sich bereits der Anzeigenschaltung in den regionalen Zeitungen während des Festes. Sowohl die Personen, welche sich kostümierten, als auch jene, die sich als Zuschauer zum Fest begaben, kleideten sich festlich ein – ein paar sogar in Anzüge aus Leinen, mit Gamaschen und Zylindern.
Der “Clube Carnavalesco Cruz Vermelha“, gegründet am 1. März 1833, nahm nur einmal am Karneval von 1884 teil. Der Club organisierte ein Gefolge von Jungen und Mädchen in reichen Kostümen – und die Neuheit war ein allegorischer Wagen mit dem Thema “Crítica ao Jogo de Loteria“ (Kritik am Lotterie-Spiel), reichlich dekoriert mit importierten Stücken aus Europa. Der Zug bewegte sich aus einer der Geschäftsstrassen den Hügel hinauf, vorbei an der Barroquinha, Rua Direita do Palácio (heute Rua Chile), Direita da Misericórdia, Direita do Colégio und zurück in Richtung auf die Politeama de Baixo (Instituto Feminino).
Diese Initiative wurde ein Riesenerfolg, und sie erhielt viel Applaus und wurde mit Blütenblättern aus dem Volk überschüttet, das die Strassen des Umzugs säumte. Das Rote Kreuz hat den Karneval von Salvador grundsätzlich verändert.
Im März 1884 gründete eine Gruppe Jugendlicher den “Clube Carnavalesco Fantoches da Euterpe“. Diese Gruppe wurde von vier Köpfen der besseren Gesellschaft angeführt: Antônio Carlos Magalhães Costa (Urgrossvater von Antônio Carlos Magalhães, langjährigem Governeur von Bahia), João Vaz Agostinho, Francisco Saraiva und Luís Tarqüínio. (dem ersten Präsidenten des Clubs) .
1885 begann der Disput zwischen den beiden Clubs. Die “Diário de Notícias“, einflussreichste Zeitung jener Epoche, veröffentlichte auf Wunsch des “Cruz Vermelha“ (Club Rotes Kreuz) eine Anzeige auf einer Viertelseite, in der die Parade des Clubs beschrieben wurde. Der “Fantoches“ reagierte mit einer Publikation seines Festprogramms in drei Spalten. Beide gingen auf die Strasse mit wunderbaren Trachten und Themen, die sie aus Europa importiert hatten. Die Chef-Wagen der Cruz Vermelha präsentierte “Der Ruhm“ und jener des Fantoches “Europa“. Es paradierten auch andere Clubs, wie der “Saca Rolhas“ – der “Cavalheiros de Malta“ – der “Clube dos Cacetes“ und der “Grupo dos Nenês“.
Zu jener Zeit gab es noch keine Jury-Kommission, um einen Gewinner der Paraden zu bestimmen – das übernahmen die Zeitungen, die mittels des Publikum-Applauses zu messen versuchte, wer als Sieger infrage kam. Der Cruz Vermelha gewann immer, denn der Fantoches – besonders liiert mit der Aristokratie, hatte wesentlich weniger Fans. Alle anderen Einheiten repräsentierten die Mittelklasse.
Im Jahr 1886 entschlossen sich die Ladenbesitzer, am Karnevals-Dienstag den Kommerz nicht mehr zu öffnen. Die Präsidenten der grossen Clubs versammelten sich in der “Associação Comercial“ um eine einzige Marschroute für alle Teilnehmer festzulegen.
Zwei Jahre später erlebte Salvador einen seiner berühmtesten Karnevale der Geschichte. Der “Cruz Vermelha“ und der “Fantoches“ gaben zusammen einen graniosen Ball im Politeama. Dann kam der Karnevals-Sonntag. Viele Leute waren auf den Strassen, an den Fenstern der Wohnungen konnte man die Erwartung in den Gesichtern geschrieben sehen. Der erste Zug war der von “Cruz Vermelha“ – wunderbar koordiniert, in aller Pracht und mit viel Luxus. Die Menge vibrierte und bewarf die Wagen mit Rosen. Es folgte der Zug des “Fantoches“ mit seiner herrlichen Dekoration der allegorischen Wagen, viel künstlerisches Gespür, die feinen, luxuriösen Details rechtfertigten das Delirium der Menge. Ergebnis: Fantoches und Cruz Vermelha paradierten unter einem Blumenregen.
Im Jahr 1892 werden “Konfetti und Luftschlangen“ beim brasilianischen Karneval eingeführt. Konfetti war zwar schon vorher bei einigen Einheiten in Gebrauch – die Luftschlangen sollten die geworfenen Blumen ersetzen.
1894 gehörte der Karneval vorwiegend der Elite: den Clubs Cruz Vermelha und Fantoches, sowie ein paar anderen aus der High Society, die durch die Strassen marschierten und die Bälle der Theater von São João und Politeama bestritten. Die arme Bevölkerung fuhr fort mit ihren bescheideneren Manifesten.