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Systemwandel: Unterschied zwischen den Versionen

K (→Kommunikation)

K (Das Wort "kein" war falsch an das männliche Nomen "Konsens" angepasst.)
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''"Falls'' den [[Nationale Forderungen|nationalen Forderungen]] im aktuellen System nicht nachgekommen werden kann, fordert [[Klimastreik Schweiz]] einen solchen Systemwandel."
''"Falls'' den [[Nationale Forderungen|nationalen Forderungen]] im aktuellen System nicht nachgekommen werden kann, fordert [[Klimastreik Schweiz]] einen solchen Systemwandel."
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Wie dieser aussehen soll und welche alternativen Systeme an die Stelle des jetzigen treten sollten, wird in der Bewegung aktuell kontrovers diskutiert. Es herrscht auch
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Wie dieser aussehen soll und welche alternativen Systeme an die Stelle des jetzigen treten sollten, wird in der Bewegung aktuell kontrovers diskutiert. Es herrscht auch Konsens dazu, was genau unter dem Begriff des Systems verstanden werden soll. Alle Vorschläge, die einen Systemwandel fordern, gehen aber davon aus, dass einzelne Massnahmen und Veränderungen nicht ausreichen werden, um die Klimakrise abzuwenden. Stattdessen müsse das jetzige System nicht nur teilweise, sondern ganzheitlich verändert werden.
==Die aktuellen Systeme==
==Die aktuellen Systeme==
Version vom 12. August 2019, 14:26 Uhr
Der Begriff Systemwandel (häufig auch im Plural verwendet, um zu verdeutlichen, dass es dabei um viele Systeme geht) beschreibt die Idee, unser Zusammenleben grundlegend zu verändern.
Er hat sich als umstrittener Sammelbegriff etabliert, um zu verdeutlichen, dass wir nicht nur fast alle Parameter des täglichen Lebens verändern müssen, um einen Ausweg aus der Klimakrise zu finden, sondern auch das systemische Zusammenspiel dieser Faktoren. Viele sehen unsere aktuellen Systeme als verursachende Faktoren der aktuellen Krise.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Klausel der Forderungen
- 2 Die aktuellen Systeme
- 3 Die gewandelten Systeme
- 4 Gründe für das Fordern eines Systemwandels
- 5 Gründe gegen das Fordern eines Systemwandels
- 6 Kommunikation
- 7 Literatur
Klausel der Forderungen
Wie dieser aussehen soll und welche alternativen Systeme an die Stelle des jetzigen treten sollten, wird in der Bewegung aktuell kontrovers diskutiert. Es herrscht auch kein Konsens dazu, was genau unter dem Begriff des Systems verstanden werden soll. Alle Vorschläge, die einen Systemwandel fordern, gehen aber davon aus, dass einzelne Massnahmen und Veränderungen nicht ausreichen werden, um die Klimakrise abzuwenden. Stattdessen müsse das jetzige System nicht nur teilweise, sondern ganzheitlich verändert werden.
Die aktuellen Systeme
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Das aktuelle System, welches die Forderung des Systemwandels verändern möchte, wird von der Bewegung nicht einheitlich begriffen und benannt. Unter anderem wird es als unser wirtschaftliches System, als unsere zerstörerische Lebensweise, als Kapitalismus oder als untätige Politik bezeichnet. Ausserdem wird der Begriff des Systemwandels auch häufig im Plural verwendet, um zu verdeutlichen, dass mehrere Systeme (zum Beispiel ökologische, wirtschaftliche oder politische Systeme) im Wandel stehen.
Wachstum
Unsere westliche Welt geht stark von grenzenlosem Wachstum aus. Die kapitalistische Wirtschaft muss wachsen, sonst funktioniert sie nicht mehr.
Die Globalisierung hat diesen Trend noch verstärkt, und die Angst, dass es in der weltweiten Marktwirtschaft immer noch jemanden gibt, der die selbe Sache tut oder produziert, nur besser, schneller oder günstiger führt zwangsläufig dazu, dass wir so effizient wie möglich werden. Effizienz im wirtschaftlichen Sinn bedeutet, möglichst günstig. Damit zwingen wir Menschen, sich gegenseitig auszubeuten, und so viele umweltschädigende Kosten wie möglich nicht zu berücksichtigen.
Die gewandelten Systeme
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Auch über die alternativen Systeme, in welches sich die aktuellen Systeme entwickeln sollten, besteht keine Einigkeit. Verschiedene Ansätze wie die Bedarfswirtschaft, Kreislaufwirtschaft, Verstaatlichung von Konzernen, die Abschaffung des Flugverkehrs, Sozialismus, Kommunismus, demokratischer Konföderalismus, Errichtung von internationalen Behörden und ökologischen Gerichtshöfen und viele mehr werden aktuell kontrovers diskutiert.
Damit wir nicht in diesen Schlagworten ersticken, versucht die Bewegung, den Diskus auf weniger ideologische Ebene zu verschieben. Folgende Ansätze sind Teil des Diskurs und so weder im Konsens verabschiedet, noch bereits breit diskutiert.
Grundsätzlicher Wertewandel
Ein "gutes Leben" ist viel weniger von "materiellem Wohlstand" geprägt, als von vielen anderen Faktoren:
- Zeit zu haben, sich ein stabiles, soziales Umfeld aufzubauen: Erfüllung durch Freundschaften und Liebe.
- Zeit zu haben, sich selbst zu entdecken: Erfüllung durch Kreativität und Selbstverwirklichung, jenseits der Lohnarbeit.
- Zeit zu haben, sich zu bilden: Erfüllung durch Inspiration, Bewusstseinserweiterung, Bildung.
Wie kann Mensch weniger materiellen Wohlstand besitzen und trotzdem das Gefühl haben, nicht zu verzichten?
- Mehr Teilen: Kein Komfortverzicht, aber weniger Konsum.
- Nachhaltigere Produkte: Eine Bedarfswirtschaft, die haltbare und reparierbare Dinge herstellt, die wir wirklich brauchen.
- Besinnung aufs Wesentliche: Welcher Besitzt mach mich wirklich Glücklich?
- Stärkung des nicht-materiellen Wohlstands
- Überwinden der eigenen Trägheit
- Überwinden der Angst, dass durch den Konsumverzicht die Wirtschaft kaputt geht.
Wandel des Energiesystems
Massive Reduktion des Verbrauchs und wegkommen von fossilen Energieträgern. Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Dezentrale Produktion und intelligente Verbraucher, welche Netzschwankungen stärker ausgleichen.
Wandel des Ernährungssystems
Lokale und saisonale Produkte. Permakultur statt Monokulturen. Kleinere Bauernbetriebe statt industrieller Produktion mit Pestiziden. Reduktion der Wege: Abschaffung der Grossverteiler und Rückkehr zu einem gewissen Selbsversorgungsgrad. Weniger stetige Auswahl, dafür aufs Jahr gesehen mehr Vielfalt, weil saisonal.
Wandel des Mobilitätssystems
Abkehr von ineffizienten Mobilitätsformen wie dem motorisierten Individualverkehr: Autofreie Städte und Aufhebung von Autobahnen; Autos nur noch für ländliche Gebiete und Strecken bis unter 100 km. Ansonsten Verlad auf den Zug. Abschaffung von Pendler-Abzügen. Erschaffen von fairen Rahmenbedingungen für Velos und Fussgänger*innen: Zersiedelung stoppen durch menschengerechtes Bauen: Kein Platz für Parkplätze und weite Wege. Vergünstigung des öffentlichen Verkehrs, Ausbau des europäischen Schienennetz, Ausbau von Nachtzugverbindungen. Massive Reduktion und Verteuerung des Flugverkehrs.
Wandel des Produktionssystems
Erschaffen einer Kreislaufs- und Bedarfswirtschaft, welche kein Interesse auf quantitatives Wachstum hat, sondern auf Qualitätssteigerung und Nachhaltigkeit: Abschaffen der Produktionshierarchien und Einbinden aller Mitarbeitenden in die Entscheidungsfindung der Unternehmen: Geimeinwohlökonomie. Neudenken der Finanzindustrie.
Wandel der Demokratie
Erschaffen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung, die finanzielle Interessen nicht mehr über das Interesse der breiten Bevölkerung stellt: Umgang mit Medien, sozialen Medien und Werbung muss sich lösen von den Interessen einzelner. Politiker*innen müssen Sachpolitik betreiben können und sollten sich nicht um ihre Wiederwahl kümmern. Lobbyismus und finanzielle Interessen müssen offengelegt werden. Alle Bürger*innen müssen sich die Zeit nehmen können, politische Prozesse zu verstehen und sich daran zu beteiligen.
Gründe für das Fordern eines Systemwandels
Die in den letzten Jahrzehnten ergriffenen Massnahmen reichen nicht aus, um den Klimawandel zu bekämpfen. Das habe damit zu tun, dass das aktuelle System nicht in der Lage ist, effektiv etwas gegen die Zerstörung des Planeten zu unternehmen. Da sich die Lebensweise in der Schweiz und damit viele Parameter des täglichen Lebens verändern müssen, um den Klimawandel zu bekämpfen, ist ebenfalls ein Wandel des Systems notwendig, welcher diese notwendige Umstellung garantieren kann. Denn das aktuelle System bietet zu viele Anreize für die Zerstörung der Umwelt, aber kaum welche gegen sie. Auch der Sonderbericht des Weltklimarates IPCC unterstreicht die Wichtigkeit von "weitreichenden Systemübergängen"[1], um die globale Erwärmung auf maximal 1,5 °C begrenzen zu können.
Der Umweltbericht 2018 des Bundesamtes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation[2] schreibt dazu:
"Notwendiger Systemwandel: Die Europäische Umweltagentur (EUA) kommt nach einer umfassenden Analyse von Umweltindikatoren und unter Berücksichtigung der Fortschritte bei den politischen Zielen zum Schluss, dass wahrscheinlich weder Umweltmassnahmen allein noch wirtschafts- oder tech- nologiebedingte Effizienzverbesserungen ausreichend sein werden, um die Ziele der Europäischen Union (EU) für das Jahr 2050 zu verwirklichen. Stattdessen seien grundlegende Veränderungen der Produktions- und Verbrauchssysteme nötig (EUA 2015a). Das offizielle Beratungsgremium der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) kommt im Rahmen der Arbeiten zum sechsten globalen Bericht über den Zustand der Umwelt (GEO-6) ebenfalls zum Schluss, dass weder umweltpolitische Massnahmen noch ökonomische und technologische Effizienzgewinne allein zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele genügen werden. Um innerhalb der planetaren Belastbarkeitsgrenzen zu bleiben (Rockström et al. 2009), wird nach Einschätzung der Expertinnen und Experten vielmehr eine fundamentale Transition der Energie-, Ernährungs- und Mobilitätssysteme sowie der urbanen Systeme nötig sein, die mit tief greifenden Veränderungen der vorherrschenden Praktiken, Technologien, Politiken und Lebensstile einhergehen muss."
Gründe gegen das Fordern eines Systemwandels
Die Forderung nach einem Systemwandel wird als problematisch eingestuft, weil sie dem aktuellen System nicht die Chance gibt, den Klimawandel zu bekämpfen. Statt auf eine riskante Umstellung der gesamten Gesellschaft soll stattdessen auf wirksame Massnahmen gesetzt werden, die bereits jetzt möglich sind. Ausserdem möchten sich viele Mitglieder von Klimastreik Schweiz nicht mit alternativen wirtschaftlichen und politischen Systemen als demjenigen der Schweiz identifizieren.
Kommunikation
Bei der in Zürich stattgefunden Diskussion zum Systemwandel (organisiert von der AG Bildung & Werte (Zürich)) wurde der Entscheid gefasst, den Begriff "Systemwandel" dem Begriff "Systemwechsel" zu bevorzugen, weil er den Prozess des Wandels und des aktiven Gestaltens eines neuen Zusammenlebens integriert. Der Begriff kann im Gegensatz zum "Wechsel" - der Implementierung einer völlig neuen Alternative - auch den Wandel eines Systems zu einer besseren Form von sich selbst beschreiben. Weiter wurde beschlossen, dass wir Diskussion unbedingt in die breite Bevölkerung tragen müssen, weil es ein breit abgestützter Prozess sein muss, bei dem so viele Menschen wie möglich mit einbezogen werden müssen.
Trotzdem wird der Begriff "Systemwandel" von vielen Seiten als problematisch eingestuft, weil er in der Wahrnehmung vieler als polemisch gilt und mit sozialistisch-kommunistischen Vorstellungen assoziiert wird. Hier ist es wichtig, sachliche Aufklärung zu leisten und sich klar an den Vorteilen, aber auch an den unübersehbaren Nachteilen des Realkommunismus zu orientieren. Für die Zukunft bietet der Ausdruck "eine neue, nachhaltige Form des Zusammenlebens" eine interessante Alternative.