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Wilde Blattern (Windpocken)
Wilde Blattern (Windpocken, spitze Blattern, Schafblattern, Varizellen) werden durch das Varicella-Zoster-Virus verursacht. Sie sind verwandt mit dem Dreitagefieber und den ebenso Herpesvirus-bedingten Fieberblasen (Lippenherpes). Sie sind hochgradig ansteckend. 80 bis 90 Prozent aller Kinder stecken sich an, wenn sie Kontakt mit einem erkrankten Kind hatten. Und oft schon, bevor dieses Kind die typischen Bläschen zeigt. Ein umfassender Schutz vor einer Ansteckung ist daher gar nicht möglich.
Der Name „Windpocken“ erinnert daran, dass sie zu den „fliegenden Infektionen“ gehören, die sich auch über kürzere Distanzen auf dem Luftweg und nicht nur direkt von Körper zu Körper verbreiten können. Solch eine Tröpfcheninfektion wird durch vor allem durch Niesen, Husten, Sprechen übertragen. Andererseits können die Viren in der trockenen Raumluft nur etwa 10 Minuten überleben. Eine Übertragung nur über Kleidungsstücke von Erkrankten ist eher unwahrscheinlich.
Bei Kindern im Vorschulalter verläuft die Erkrankung in der Regel mild, mit wenig Juckreiz, relativ schnell und ohne Komplikationen. Nach zwei bis drei Tagen mit Fieber und Unwohlsein und mehr oder weniger starkem Juckreiz ist der Spuk nach fünf bis sieben Tagen meist vorbei.
Trotzdem sind Windpocken nicht harmlos, da als Folge schwere Komplikationen auftreten können. Ein schwerer Verlauf ist bei Erwachsenen, bei Schwangeren (s.u.), Immungeschwächten, bei älteren Menschen und bei Menschen aus südlichen Ländern häufiger. Zu den möglichen Komplikationen gehören zum Beispiel bakterielle Infektionen, eine Lungenentzündung, Störungen des zentralen Nervensystems wie eine Gehirnentzündung, eine Hirnhautentzündung und ein Befall innerer Organe.
Neugeborene und junge Säuglinge (bis etwa zum dritten Lebensmonat, bei gestillten Babys etwas länger) erkranken nur, wenn sie keinen Nestschutz mitbekommen haben - das heisst, wenn die Mutter bisher keine Windpocken durchgemacht hat oder sich so spät in der Schwangerschaft angesteckt hat, dass noch keine schützenden Antikörper entwickelt werden konnten. Da aber 95% der Frauen gegen Windpocken immun sind, ist das sehr selten der Fall.
Die Krankheit hinterlässt einen lebenslangen Schutz vor Windpocken. Allerdings ruht der Erreger nur in den Nervenzellen des Rückenmarks und kann Jahrzehnte später, oft bei einer Immunschwäche oder im Alter, wieder aktiv werden. Diese Zweiterkrankung an Windpocken, ein sogenanntes endogenes Rezidiv, nennt man Gürtelrose (Herpes Zoster). Sie ist für Nicht-Immune genauso ansteckend wie die Windpocken. Kinder können sich also ohne weiteres bei der Grosi mit der Gürtelrose anstecken!
Von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) vergehen im Extremfall nur 8 Tage, aber höchstens 28 Tage. Der Durchschnitt liegt bei etwa 14 Tagen. Ansteckend ist ein Kind bereits einen Tag vor Ausbruch der Bläschen und bis zu deren Eintrocknen - in deutlich absteigender Intensität. Die Ansteckungsgefahr ist also am grössten zu Beginn der Erkrankung (auch wenn noch gar keine Bläschen zu sehen sind) und am kleinsten, wenn die ersten Tage vorbei sind. Hochinfektiös ist der Inhalt frischer, gerade aufgeplatzter Bläschen.
Die Krankheitsphase dauert zwischen fünf und maximal zehn Tage. Da die Kinder ab dem 7. Krankheitstag kaum noch ansteckend sind - auch wenn die letzte Kruste noch nicht abgefallen ist - kann das Kind wieder in den Kindergarten oder in die Schule gehen. WICHTIG: Es sollten sich in derselben Einrichtung keine gefährdeten immungeschwächten Kinder befinden (z.B. nach Krebstherapie oder Organtransplantation). Die Eltern solcher Kinder (bei Schulkindern auch der Schularzt) müssen vom Personal informiert werden.
Auch Schwangere, die nicht immun sind, sollten keinen direkten Kontakt haben. Denn wenn Frauen während der Schwangerschaft zum ersten Mal an Varizellen erkranken, weil sie sich bei einem erkrankten Kind oder einem Erwachsenen mit Gürtelrose (Herpes Zoster) angesteckt haben, ist der Verlauf wesentlich schwerwiegender als bei einer Infektion im Kindesalter und kann sogar eine Lungenentzündung zur Folge haben. Darüber hinaus kann eine Varizelleninfektion der Schwangeren in seltenen Fällen zu Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen beim Kind führen. Gefährlich ist auch eine Ansteckung in der Spätschwangerschaft, bei der das Neugeborene sehr schwer erkranken kann.
Die Impfung gegen Varizellen gehört in der Schweiz nicht zum Impfplan für Säuglinge und Kleinkinder. Sie wird erst Jugendlichen von 11 bis 15 Jahren empfohlen, wenn die Windpocken noch nicht durchgemacht wurden. Eine Impfung ist auch sinnvoll bei chronisch Kranken mit geschwächtem Immunsystem und deren Angehörigen, dabei werden bereits Kinder ab neun Monaten geimpft. Kinder mit Neurodermitis, deren Haut besonders empfindlich ist und für die juckende Bläschen eine zusätzliche Qual bedeuten würden, sind ebenfalls Impfkandidaten. Für einen langfristigen Schutz wird die Impfung nach vier bis sechs Wochen wiederholt.
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Letzte Aktualisierung : 08.2018, BH