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Der Wettbewerb (2006–2007) stellte die Frage, woran sich die neue Bebauung der Bleiche anlehnen sollte: an die lockere Wohnlandschaft in ihrem grünen Grund, die sich den Hügel hinaufzieht, an die Industrielandschaft mit ihren eindrücklich grossvolumigen Bauten, die sich dem Talverlauf entlang aufreihen, oder an die Altstadt, die von hier aus hinter den Geleisen, hinter der Mauer verborgen ist? Und wenn die Stadt ihr Bezugspunkt ist, was ist mit Stadt gemeint, auf welche Weise soll ein Zusammenhang hergestellt werden?
Unser Entwurfskonzept organisierte das verlangte Bauvolumen als fünf Gebäude über der gemeinsamen Substruktion einer Parkierungshalle um einen Platz. Auf diesem verzweigen sich alle Wege vom Bahnhof her ins Tal, auf den Berg, in die Wohnviertel. Als Neustadt sollte sie ein Echo der alten Stadt darstellen, und darum mit deren Gassen durch die Fussgängerpassage verbunden sein, in ihrer Struktur die urbane Flächenökonomie unter heutigen Bedingungen fortsetzen und gestalterisch den Spielregeln des alten städtischen Bauens folgen und die Vielfalt ihrer Erscheinung aus einer beschränkten Anzahl von Elementen erzeugen.
Heute (im Juli 2014) beginnt der neue Stadtteil sichtbar zu werden. Während sich das alte Schaffhausen noch vor der Bahn versteckte, öffnet sich der neue Stadtteil und zeigt sich an jener Fernbahnlinie durch die europäische Stadtlandschaft von Stuttgart bis Mailand. Markanter Auftakt ist der Hotelbau, danach fällt der Blick in die Tiefe der Anlage über den neuen Platz hinweg. Dorthin gelangt man durch die Passage und über die Rampe hinauf, und taucht zwischen den Häusern auf. Ihre Fassaden sind alle über einem durchlaufenden Horizont der Sockel aus weissen Fensterelementen komponiert, die in zwei Proportionen zu je drei Anschlagsarten vorkommen. Ihre freie Verteilung überspielt erst einmal die Unterschiede zwischen Büros und Wohnungen oder Hotelzimmer, lässt ihre Nutzungsspezifik zugunsten ihres urbanen Zusammenspiels zurücktreten. Die Baukörper sind zudem in einem warmen grauen Ton verputzt, der dem Sandstein des alten Bahnhofgebäudes abgenommen ist und damit diesem die Referenz erweist, am Anfang zu stehen. Alle umfliesst der Platz, er fasst sie zusammen und läuft als schräge Ebene bergauf, bis er sich zwischen grünen Büschen und Bäumen verliert. Von seiner Mitte aus, sogut wie aus den Obergeschossen, werden die Ausblicke auf die umliegende Stadt von Neubauten gerahmt, ob nun über die rotbraunen Dächer der Altstadt auf den Munot, der als Wehrturm und Wahrzeichen über der Stadt sitzt, oder bergauf zur Berufsschule, die dessen neueres Gegenstück darstellt, oder quer ins weitere Gelände, auf die klassizistischen Einzelbauten der älteren Vorstadt. Diese Bilder überlagern und verdichten sich zum Eindruck, dass die Neustadt auf der Bleiche keine Kulisse oder Imitation ist, sondern eine Erweiterung der erfahrbaren Urbanität.
Bilder: Hannes Henz
24.11.2015 | Pfister Schiess Tropeano & Partner Architekten AG | von Thomas Pfister, Rita Schiess, Cristina Tropeano, Hauke Möller, mit Beiträgen von Jens Andersen, Thomas Held, Markus Grob
1.10.2014 | Schaffhauser Nachrichten | 227 | von Markus Grob, Hans-Caspar Ryser
Urbahn-Projekt vollendet / Neues Stadtquartier in Sichtweite der Altstadt
Auf dem Bleicheareal westlich des Bahnhofs Schaffhausen ist ein lebendiges Stadtquatier entstanden, welches Wohnen, Arbeiten und Lebensqualität verbindet. Das neue urbane Stadtquartier bildet eine gute Ergänzung zur historischen Schaffhauser Altstadt.