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Cernunnos
[Karnuntinus, Karnonos, Kornunus, Cornutus, Cerunincos, Cernenus,]
keltisch *cernu- für Trompete, carnu- für Horn
Der Name Cernunnos wurde bisher erst einmal verstümmelt gefunden als .ERNVNNOS auf dem römisch-gallischen Pfeiler der Nautae Parisiaci in Lutetia, dem heutigen Paris. Von den weiteren Schreibweisen tauchen drei als Beinamen des gallo-römischen Jupiters auf, ausserdem wird ein Cerunincos auf einer luxemburgischen Inschrift genannt. Zu der stets rezitierten und voneinander abgeschriebenen Behauptung vom angeblich keltischen Gott oder vermeintlichen Gottheiten lesen Sie bitte hier: keine keltischen Götter und Göttinnen. Keltisch ist das natürliche selber jenes, was andernorts als etwas über-natürliches benannt wurde, direkt und ohne Symbole. Ein Verständnis der keltischen Mythologie setzt voraus den zentralen Inhalt jener Vorstellungen, wie sie, als Beispiel, vom römischen Lucanus [Pharsalia, I, 455] überliefert sind: Der Tod sei die Mitte eines langen Lebens ... es herrsche weiterhin der gleiche Gedanke [nicht Geist], nur in einem anderen Körper und in einer anderen Welt.
keltisch monistisch ist die Anderswelt [l'autre monde] hier in dieser Welt
Der Name der umsetzenden Person, vermutlich ein Druide, hat ohnehin keine Bedeutung: Nicht die männliche Gestalt der Darstellung sondern das Hirsch-Geweih, keltisch carnu selber ist Cernunnos, als Inhalt und Handlung. In keltischer Kultur sind keine Bilder vom Menschen als stellvertetende meta-physische Figuren [Gottheiten]. Die vielen gefundenen Figuren und Inschriften aus keltischer und gallo-römischer Kultur sind keine als Menschen abgebildete Götter oder Göttinnen, sind keine Gottheiten, sondern Signatur [Hinweis] auf einen gedanklichen Inhalt, auf einen Zusammenhang. Vergleichbar heute dem Hauptwort, einer sprachlichen Substantivierung mit Ober-Begriff. [Durch Diodor von Sizilien ist überliefert [Fragm. XXII] wie Brennus, der Führer der Gallier auf dem Zug durch Griechenland, in Lachen ausbrach angesichts der Tatsache, dass dort dem Natürlichen im Tempel menschliche Gestalten zugemutet und Symbol-Figuren aus Holz und Stein hergestellt wurden].
Der weisse Hirsch - Wegweiser in die AndersweltWeisse Hirsche sind märchenhafte Wesen mit weissem Fell und betörend blauen Augen, deren Ursprung noch heute [2014] geheimnisumwittert ist. Mit grosser Wahrscheinlichkeit stammen sie aus Persien. Möglicherweise wurden sie mit den proto-indoeuropäischen Zügen vom Osten nach Westen als Zucht mitgeführt wie die historisch nachgewiesenen weissen Rinder bzw. Stiere. Zoologisch bildet der weisse Hirsch eine eigene Gattung vom Rotwild, ist also kein Albino. In freier Wildbahn sind diese einzigartigen Tiere praktisch ausgestorben. An wenigen Orten weltweit werden weisse Hirsche gezüchtet.
In der Wahrnehmung der Menschen erscheint der Hirsch im Frühjahr überraschend ohne sein stattliches Geweih. Dabei handelt es sich aber um dieselben Tiere wie vorher mit Geweih, die lediglich in jedem Februar ihre Hörner abstossen. Die magische Tiermaske der Figur Cernunnos als angeblichem gehörnten Hirsch-Gott ist kein stellvertretendes Symbol sondern der Inhalt selber und erfasst vermutlich lediglich den Wechsel des Geweihs, im übertragenen Sinne eine Art von vorher und nachher, dargestellt im Silber-Kessel von Gundestrup als persönlichem Halsring und der Widderkopf-Schlange, [Schlangen häuten sich normalerweise alle 4-6 Wochen, fahren also aus ihrer Haut], und bezogen auf die nach überall und nirgends davon schwimmende Figur. Die Widderkopf-Schlange verbindet Cernunnos [Samonios,Samain] mit Belenos [Beltane,Beltaine] und erscheint im Silber-Kessel von Gundestrup auch auf der Abbildung zum Lughnasad. In den gefundenen Bruchstücken vom keltischen Kalender von Coligny wird für den Zeitraum Juli-August mit dem Namen Elembiv[os] etymologisch ein Horntier erwähnt.
Cernunnos gehört in den Zusammenhang des keltischen Samonios, Allerseelen, im Angesicht der unvergänglichen, todlosen Seele. Die Legenden der neuen, christlichen Geistlichkeit berichten bereits im 8. Jh. von einem angeblich im 1. Jh. lebenden Eustachius [Placidus], der auf der Jagd von einem Hirsch mit dem Gekreuzigten in grossem Strahlenglanz zwischen seinem Geweih dazu aufgefordert worden sei, ihm, dem Hirsch nicht weiter zu folgen. In Anlehnung an diese Geschichte wird im deutschen Sprachraum seit etwa dem 15. Jahrhundert die Legende vom Jäger Hubertus erzählt, dem ein mächtiger Hirsch mit dem Kruzifix zwischen dem Geweih erschien, was ihn bekehrte und davon abhielt, dem Hirsch weiterhin nachzufolgen. Der Gedenktag von Hubertus ist der 3. November, die Zeit von Samonios.
Im schroffen Gegensatz zu diesen Ermahnungen, dem keltischen Cernunnos nicht mehr zu folgen, entstand in Zürich, wo auf dem Uetliberg ein frühkeltisches Fürstinnengrab nachgewiesen ist, eine Ermunterung mit der Aussage, dem Hirsch zu folgen:
Die Geschichte beginnt mit dem Märtyrerstein der Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula und, ab dem 13. Jh. als Dritten, Exuperantius [von manchen Häxebränz = Hexen-Brandwein genannt]. Diese drei Flüchtlinge der historisch nicht nachgewiesenen römischen Thebäischen Legion waren zwar um das Jahr 302 dem Blutbad in Agaunum [St. Maurice] im Wallis entkommen, wurden aber in Zürich gefangengenommen und auf der Limmatinsel, auf der heute die Wasserkirche steht, durch Enthaupten hingerichtet. Worauf die drei Heiligen ihre abgeschlagenen Köpfe aufhoben, das Ufer empor stiegen und sich den Ort ihres Grabes selber ausgesucht haben. Sich den Ort nach dem Tod selber aussuchen ist ein zentrales Element der keltischen Mythologie.
Nach den Legenden soll Karl der Grosse auf der Jagd einst einem Hirsch nach Zürich gefolgt sein, bis zu der Stelle als sich sein Pferd vor der Grabstelle der Enthaupteten niederkniete. Als Karl von der Hinrichtung erfuhr, habe er die Gebeine heben lassen und am Ort des Grabes eine Probstei gegründet. Später wurde dort das Grossmünster gebaut, nicht wie üblich christlich geostet, sondern exakt mit der Altarseite auf den Sonnenuntergang bei der Sommersonnwende gerichtet. Neben dem Märtyrerstein auf der Limmatinsel sei eine Säule mit einer Glocke daran aufgericht worden, damit alle, die einen Rechtsspruch, Gerechtigkeit, vom Kaiser wollten ihn damit rufen können. Als die Glocke erstmals läutet und die vom Herrscher eingesetzten Hüter nachsehen, können sie niemanden erblicken. Erst beim dritten Läuten bemerken sie eine um den Klöppel geschlungene Schlange, die sich dem Kaiser zu Füssen legt. Karl deutet das Verhalten als Aufforderung zur Rechtsprechung und beauftragt seine Hüter, der Natter zu ihrem Nest zu folgen. Bei der Richtstätte erblicken sie über den Eiern der Natter eine Kröte, die Karl töten lässt, was ihm die Schlange verdankte indem sie aus ihrem Mund einen Edelstein auf des Kaisers Tisch fallen liess. Der Stein war von wundersamem Glanz und Feuer und hatte die geheime Kraft, bei Weitergabe eine unwiderstehliche Bindung, Sehnsucht und Zuneigung des Erstbesitzers zum jeweiligen Eigner, über dessen Tod hinaus, auszulösen. Selbst verstorbene Besitzer würden damit so erscheinen, als ob sie noch lebendig wären. Leblos so erscheinen als ob noch lebendig ist ein zentrales Element der keltischen Mythologie. Zum Andenken an Felix und Regula veranlasste Kaiser Karl den Bau der ersten Wasserkirche über dem Richtplatz.
Die Legende vom leuchtenden HirschNach der Sage lebten um die Mitte des 9. Jh. die zwei Töcher Hildegard und Berta des Königs Ludwigs des Deutschen in einsamer Zurückgezogenheit auf der Burg Baldern. Die Burg stand oben auf dem Grat des Uetlibergs, exponiert auf 810m Höhe, etwa drei Kilometer südlich des keltischen Fürstinnengrabes. Heute ist da ein Gedenkstein, verborgen im Wald. Nachts beteten die beiden Schwestern in den Wäldern bei der Baldern, wo ihnen ein schöner weisser Hirsch mit brennenden Lichtern auf seinem Geweih erschienen und bis zur Kapelle von Felix und Regula an der Limmat vorangeschritten sei. Wiederholt wanderten sie in die benachbarte Stadt und verrichteten ihre Andacht und so schritt der Hirsch alltäglich vor den Schwestern bis zum Limmatufer, jenseits der Grossmünsterkirche. Hier wartete er auf sie und begleitete sie zurück nach ihrer Bergfestung. Da der Hirsch immer wieder an der selben Stelle vor der Limmat stehen blieb und nicht zu bewegen war, weiter zu schreiten, erkannten die frommen Schwestern, dass es der Wille Gottes sei, an diesem Ort ein Gotteshaus zu errichten. Sie unterbreiteten ihren Wunsch dem König Ludwig der Deutsche, ihrem Vater, der ihnen gerne willfahrte. Dem neuen Kloster, das um 853 reich ausgestattet wurde, stand zunächst Hildegard und nach ihrem frühen Tod ihre jüngere Schwester Berta als Äbtissin vor. Das der Äbtissin vom Kaiser Heinrich III. verliehene Münz-, Markt- und Zollrecht machte sie zur Stadtherrin von Zürich. Vom 13. Jahrhundert an nannten sich die Äbtissinnen vom Fraumünster offiziell Fürstin.
So hat sich mit dem voranschreitenden Hirsch Cernunnos im Mirakel der Stadtheiligen von Zürich [sich den Ort nach dem Tode selber aussuchen] eine keltische Trias der Fürstin vom Uetliberg erhalten können.Zusammenfassend wird die keltische Mythologie ganz einfach verständlich: Zu Samonios werden die Personen, lebendige und verstorbene, unwiderstehlich an die ausgleichende Gerechtigkeit der Kooperation gebunden. Mit der Widderkopf-Schlange wird der Edelstein als Halsring [Torques] mit Beltane verbunden. Belenos [Beltane, Beltaine] und Cernunnos [Samonios, Samain] gehören untrennbar zusammen.
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