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Diätologie-Kongress in Wien
Ballaststoffe sollte man bei CED nicht meiden
Für die Ernährung zur Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn gibt es neue Evidenz. Vielversprechend sind etwa Flohsamen und Curcumin. Reduziert werden sollten rotes Fleisch, Süsses, Fettes und Fertigprodukte. (Medical Tribune 17/18)
90 Prozent der Morbus-Crohn (MC)-Patienten und 71 Prozent der Colitis-ulcerosa (CU)-Patienten halten während der Remission eine Eliminationsdiät, und 71 Prozent der Patienten mit CED glauben, dass die Ernährung die Krankheitssymptome beeinflusst. Eliminiert oder reduziert werden meist Milchprodukte, Gemüse und Obst – wodurch es zu reduzierter Aufnahme von Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Kalzium und verschiedenen Vitamine kommt. Doch welchen Weg sollte man empfehlen? Die Diätologin und Gesundheitswissenschafterin Mag. Ilse Weiss fasste beim Diätologen-Kongress in Wien die wissenschaftliche Evidenz zu den bei Patienten kursierenden Diäten zusammen:
- Zur FODMAP-armen Diät, bei der fermentierte Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole reduziert werden, liegen drei retrospektive Studien vor, die eine signifikante Verbesserung der gastrointestinalen Symptome zeigen.
- Was die spezielle Kohlenhydrat-Diät (SCD) angeht, so gibt es zwei Internet-Untersuchungen und zwei sehr kleine pädiatrische Studien, wobei Letztere eine signifikante Verbesserung des CDAI, Calprotectin, CRP etc. ergaben.
- Die rückstandsarme Diät (Low Residue Diet), die unter anderem Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse meidet, wurde mittels einer Pilotstudie auf mögliche negative Folgen untersucht, und es wurde schon nach wenigen Wochen eine Abnahme der bakteriellen Diversität bei MC-Patienten festgestellt.
- Was die Semi-Vegetarische Diät (Fisch einmal pro Woche, Fleisch nur alle zwei Wochen) betrifft, so ergab eine prospektive Studie bei MC eine Remissionsrate von 100 Prozent nach einem Jahr und 92 Prozent nach zwei Jahren.
- Eine doppelblinde RCT gibt es nur für die IgG4-gestützte Eliminationsdiät bei MC, wobei eine signifikante Verbesserung des CDAI festgestellt wurde (bei 41 % versus 16 % in der Kontrollgruppe). Auffallend laut Weiss: Die Elimination von Milch, rotem Fleisch und Eiern war am häufigsten mit einer Verbesserung assoziiert.
- Für die Antientzündliche Diät (Limitierung bestimmter Kohlenhydrate, vermehrte Zufuhr löslicher Ballaststoffe in Form von Zwiebeln, Lauch, Berücksichtigung individueller Trigger und der Phase der CED) belegt eine retrospektive Fallserie (n = 40) eine signifikante Verbesserung der gastrointestinalen Symptome.
In einer aktuellen Übersichtsarbeit (Haskey N., Gibson D.L., Nutrients 2017) wird die FODMAP-arme Diät bei Patienten mit Reizdarmsymptomatik optional genannt; wobei mögliche negative Effekte auf das Mikrobiom in laufenden Studien noch untersucht werden. Für die übrigen der erwähnten Diäten gibt es noch keine Empfehlung für die Praxis. Für die bei Patienten kursierende Paleo-Diät liegt hinsichtlich MC und CU keine einzige Studie vor. Neben den Eliminationsdiäten wurde auch untersucht, was für Effekte sich durch künstliche Nahrungssupplemente für die Remissionserhaltung erzielen lassen: Hier verzeichnete eine systematische Übersichtsarbeit bei MC einen Effekt durch supportive enterale Ernährung (im Ausmass von 35 bis 50 Prozent des Energiebedarfs). Trotz vielversprechender Ergebnisse gibt es aufgrund der Inkonsistenz der Daten jedoch noch keine Handlungsempfehlung für die Praxis.
Nahrungsergänzug
Untersucht wurden auch verschiedene Nahrungsergänzungen zur Remissionserhaltung:
- Für Curcumin ergab eine RCT (n = 82) bei 2 g pro Tag eine signifikante Reduktion der Rezidivrate bei CU (Hanai et al., Clin Gastroenterol Hepatol 2006). Laut einer Cochrane-Übersichtsarbeit ist dies eine effektive und sichere Therapie zusätzlich zur Standardtherapie bei CU (Kumar S. et al., Cochrane Database Syst Rev 2012).
- Für ein Kombinationspräparat aus Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle ergab eine RCT (n = 96) bei inaktiver CU keinen signifikanten Unterschied zwischen Mesalazin und diesem Kombinationspräparat.
- Vitamin D wird ein positiver Einfluss auf die Krankheitsaktivität zugeschrieben, wobei die ideale Serumkonzentration unbekannt ist, die derzeitige Empfehlung liegt daher bei 75 nmol/l.
- Keine Empfehlung gibt es für eine Supplementierung mit Omega- 3-Fettsäuren bei MC und CU.
- Glutamin wurde nicht hinsichtlich Remissionserhaltung, sondern hinsichtlich Remissionsinduktion bei MC untersucht, wobei jedoch kein Benefit nachgewiesen werden konnte.
Ballaststoffe
Was die ergänzende Einnahme von Ballaststoffen betrifft, so zeigen verschiedene Studien positive Effekte bei inaktiver CU: So führte eine Verabreichung von Flohsamenschalen zu einer Verbesserung der gastrointestinalen Symptome, eine weitere Studie mit Flohsamen ergab keinen signifikanten Unterschied gegenüber Mesalazin und zeigte einen erfreulichen Butyrat-Anstieg im Stuhl. Auch bei einer Studie mit Haferkleie wurden ein Anstieg von Butyrat und eine Verbesserung der gastrointestinalen Symptome nachgewiesen. Eine Studie mit gekeimter Gerste ergab eine CRP-Reduktion und eine Verbesserung der gastrointestinalen Symptome. Schlechter als bei inaktiver CU ist die Datenlage bei inaktivem MC: Allerdings konnte auch hier bei einer Studie mit Weizenkleie eine Verbesserung der gastrointestinalen Symptome festgestellt werden. Insgesamt bewertete Weiss die Studien jedoch als zu heterogen, um Handlungsempfehlungen für die Praxis geben zu können. Aus allen Studien gehe jedoch hervor, dass es überhaupt keine Evidenz gibt, die Ballaststoffe zu reduzieren, sofern keine Passagenbehinderung vorliegt. Gerade das werde aber leider häufig gemacht.
Empfehlungen
Welche Nahrungsergänzungen zur Remissionserhaltung werden für die klinische Praxis empfohlen? Haskey N., Gibson D.L. (Nutrients 2017) raten nachdrücklich zur Supplementierung mit Vitamin D, auch Flohsamen werden empfohlen (mindestens 4 g pro Tag). Curcumin, Haferkleie, gekeimte Gerste und Weizenkleie werden optional genannt. Zusammenfassend und unter Berücksichtigung der vorhandenen Guidelines rät Weiss zu folgender Remissionsdiät: Vermehrt konsumieren sollten Patienten Obst, Gemüse, Fisch und Geflügel; lösliche Ballaststoffe (Hafer, Flohsamen, Hülsenfrüchte), hochwertige Pflanzenfette, unlösliche Ballaststoffe (Vollkornprodukte), Milchprodukte, Nüsse und Samen. Reduzieren sollten sie dagegen rotes Fleisch, verarbeitete Fleischwaren, gezuckerte Getränke, Süssigkeiten, hochverarbeitete Lebensmittel/ Fertigprodukte, Fette mit einem hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren und generell sehr fette Nahrung. Zu achten ist darüber hinaus auf den Vitamin-D-Haushalt. Optional nannte Weiss eine Nahrungsergänzung mit Curcumin oder dem Präparat aus Myrrhe, Kamille, Kaffeekohle. Je nach Patient individuell festzulegen seien Zusatzernährung und Ballaststoffpräparate.
35. Ernährungskongress des Verbandes der Diaetologen Österreichs; Wien, März 2018