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How to Wave
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QuoteZitat von Karsten_KagelsDisplay More
Da wir das Thema Elliott versus Ross haben, möchte ich mir erlauben, meine Erfahrung dazu weiterzugeben.
Anno 1988, ich war Wirtschaftsstudent und Jungbörsianer, erhielt ich von Siegfried Rambaum, damals Chefredakteur von Eberts Terminmarktmagazin (heute Traders'), den Tip, ich sollte mich mal bei Robert Prechter in den USA nach den Rechten für sein Buch "The Elliot Wave Principle" erkundigen. Vielleicht könnte ich die Rechte bekommen und das Buch übersetzen und in Deutschland auf den Markt bringen.
Die Elliott-Wellen-Theorie war damals relativ neu und das ganz heiße Ding....Robert Prechter war der Oberguru und teilweise mit seinen Äußerungen marktbewegend.
Ich schrieb Prechter an und bekam die Rechte, das Buch übersetzen und veröffentlichen zu dürfen. Ich machte mich sofort an die Übersetzung, das war ein gutes Stück Arbeit, und konnte dann den Markt & Technik Verlag dazu gewinnen, das Buch zu verlegen. Das war im Jahr 1989. Sehr schnell wurden mehr 3.000 Exemplare verkauft. Das Buch erschien unter dem deutschen Titel "Das Elliott-Wellen-Prinzip" und wurde zum Standardwerk der Elliott-Waver.
Zu der Zeit war Prechter auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit, denn er hatte den Bullenmarkt der 80er Jahre und den Crash von 1987 ziemlich exakt vorhergesagt. Nach seiner Aussage sollte es dannach einen sehr, sehr langen Bärenmarkt geben.
Prechter brachte zwei Jahre später ein zweites Buch heraus mit dem Titel "A Turn in the Tidal Wave". Auch für dieses Buch erhielt ich deutschsprachigen Rechte, welches ich dann umgehend übersetzte. Es erschien 1989 unter dem Titel "Gezeitenwechsel". Dort erklärte Prechter auf ca. 250 Seiten, warum die Weltwirtschaft in eine Megakrise stürzen und die Aktienmärkte komplett kollabieren würden.
Nun, ich war durch die Übersetzungsarbeiten zu einem Elliott-Wave-Fachmann geworden und hatte einen guten Teil dazu beigetragen, die Elliott-Wellen-Theorie im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen.
Das Problem für mich war allerdings, dass ich durch die intensive Arbeit mit der Analyse der Elliott-Wellen nach Prechter kopfmäßig ein Mega-Börsenbär geworden war. Jedes Zeichen, was für einen schwachen Aktienmarkt sprechen konnte, wurde übergewichtet, und jedes Zeit für einen Bullenmarkt wurde igoniert. Auch habe ich viele Jahre lang den monatlichen Börsenbrief von Robert Prechter übersetzt: "The Elliott Wave Theorist"
Die Folge war: Ich verpaßte einen der größten Bullenmärkte aller Zeiten, nämlich den Anstieg von 1989 bis zum Jahr 2000, wo sich z.B. der Dow Jones Index mehr als verfünffachte und andere Indizes noch besser liefen.
Prechter hielt die ganzen 11 Jahre dagegen, denn nach seiner Elliott-Wellen-Analyse mußte ja die Fünfte der Fünften der Fünften Welle bevorstehen, das Ende des Bullenmarktes und danach der jahrzehntelange Bärenmarkt.
Mitte der 1990er Jahre schmiß ich das Handtuch...ich hatte es aufgegeben, die Märkte nach der Elliott-Theorie profitabel handeln zu können.
Auch Prechter hatte unter seiner extremen und hartnäckigen Fehlprogrose zu leiden. Als ich ihn kennenlernte und auch persönlich traf im Jahr 1989, da war er ein noch relativ junger Mann, kaum 1o Jahre später grauhaarig geworden und stark gealtert. Kein Wunder, wenn man 10 Jahre lang dazu beigetragen hat, das Elliott-Wellen-Anleger ihr Geld verloren haben bzw. den Bullenmarkt verpaßt hatten. Für mich ist es unverständlich, dass Prechter immer noch seine Firma hat und seine Börsenbriefe an dem Mann bringen kann. Die Beliebtheit der Elliott-Wellen-Theorie scheint immer noch extrem groß zu sein.
So und nun zu Ross: Was ist der Unterschied zu Prechter oder dem Elliott-Wellen-Prinzip?
Die Ross-Methode versucht nicht, den Markt in bestimmte Wellen und Muster zu packen...sondern läßt sich vom Markt leiten. Das ist der entscheidene Unterschied.
Zum Beispiel bedeutet es nach Ross, wenn ein Markt ein neues Hoch macht, dass dann prinzipiell erst mal ein Kaufsignal gegeben wurde. Wogegen die Elliott-Waver dann oft die unregelmäßige Korrektur heranziehen, und das Kaufsignal ignorieren.
Für mich war es eine große Erlösung, als ich 1996 das erste Ross-Buch gelesen habe, nach den vielen Jahren auf dem elenden Elliott-Wellen-Trip. Ich hatte zwar nicht gegen den Bullenmarkt gehandelt, wie es die meisten Jünger von Prechter taten, die dann Haus und Hof verloren hatten. Aber ich konnte auch nicht von dem Bullenmarkt profitieren, weil ich Kopfmäßig ein Elliott-Wellen-Bär war.
Erst duch die Übersetzung der Ross-Bücher in den Jahren 1996-1999 konnte ich für mich selbst wieder ein rational denkender Analyst und Anleger werden und mich von der Last der Elliott-Wellen befreien. Dafür werde ich Joe Ross immer danken.
Noch eine Sache möchte ich sagen: Wer die aktuelle Ausgabe des Buches "Das Elliott Wellen Prinzip" hat, wird auf der Rückseite ein Zitat von mir finden, in dem ich sage, dass die Elliott-Theorie dazu beitragen kann, ein besseres Verständnis für die Märkte zu bekommen. Ja, das ist auch wirklich möglich. Aber erst mit einer Handelsmethode wie die von Joe Ross hat man das Handwerkszeug, um in den Märkten antreten zu können.
Beste Grüße
Karsten