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Die Urheber der Studie, drei Wissenschaftler des University College London, standen vor dem Problem, dass sie den vermuteten Zusammenhang nur über Umwege aus den Probanden herauskitzeln wollten. Die Männer direkt nach der Grösse ihres Geschlechtsteils zu fragen, war aufgrund vermutlich unzuverlässiger Aussagen nicht angezeigt.
Studie mit Trick
Also bedienten sich Daniel Richardson, Joseph Devlin und John Hogan eines Tricks. Sie zeigten den 200 Teilnehmern der Studie auf einem Bildschirm vermeintlich zufällige Fakten. Anschliessend wurde ihnen das Bild eines Produkts präsentiert. Die Männer mussten nun angeben, wie sehr sie dieses Produkt begehren.
Um bei den Teilnehmern keinen Verdacht zu wecken, wurden diese im Glauben gelassen, es gehe bei der Studie nur um die Fähigkeit, sich während des Einkaufens Informationen merken zu können.
Falsche Grössen, echter Zusammenhang?
Die Forscher teilten die Probanden in zwei Gruppen. Einem Teil wurde die Information gezeigt, der durchschnittliche Penis sei 18 Zentimeter lang. Die andere Gruppe wurde informiert, das männliche Glied habe im Schnitt eine Länge von 10 Zentimetern.
Beide Informationen sind falsch. Die Idee hinter der Gaukelei: Die Psychologen nahmen an, dass Männer bei der übertriebenen Durchschnittslänge das Gefühl bekommen, untenrum nicht ausreichend bestückt zu sein – und deshalb eher auf Sportwagen ansprechen. Der anderen Gruppe sollte ein Gefühl von Selbstsicherheit in Bezug auf ihr Genital vermittelt werden.
Und tatsächlich: Diejenigen Männer, denen in der Studie der 18-Zentimeter-Fakt vorgesetzt wurde, hielten Sportwagen für besonders begehrenswert. Für die 10-Zentimeter-Fraktion waren die Fotos der schnellen Autos dagegen weniger interessant. Wurden den Teilnehmern andere Luxusprodukte präsentiert, etwa eine teure Uhr, zeigte sich der Effekt übrigens nicht.
Sportwagen als Kompensatoren
Der Zusammenhang von Einschätzung der eigenen Länge und Interesse für Sportwagen hängt laut den Studienautoren auch mit dem Alter zusammen. Ab einem Alter von 29 Jahren wachse der Wunsch nach PS-starken Boliden.
Stellt sich die Frage, warum so ein Zusammenhang zwischen Penisgrösse und dem Wunsch nach einem Sportwagen überhaupt besteht. Die Londoner Forscher gingen dieser Frage nicht weiter nach. Sie weisen aber auf zwei Vermutungen hin, die in der Psychologie diskutiert werden.
Die erste These dreht sich ums Thema Sex. Der Kauf eines teuren Sportwagens könnte beim männlichen Homo Sapiens die gleiche Rolle spielen wie der Schwanz beim Pfau: Eine kostspielige Zurschaustellung von scheinbar verschwendeten Ressourcen, die nur dazu dient, potenzielle Partner anzulocken. Dazu kommen die (vermuteten) Assoziationen, die Sportwagen in Bezug auf Manneskraft und Form auslösen.
Imaginierter Luxus hebt das Selbstwertgefühl
Die zweite Hypothese betrifft das Selbstwertgefühl. Menschen zeigten demnach ein gesteigertes Interesse an Luxusgütern, wenn ihr Selbstwertgefühl herabgesetzt ist. Schon alleine die Vorstellung, einen Sportwagen zu kaufen, lindere die eigenen Selbstzweifel, die durch die falsche Durchschnittsgrösse hervorgerufen wurde. Hier würde aber auch ein andere Luxusartikel Erleichterung verschaffen.
Bleibt noch die Auflösung der falschen Fährte. Die durchschnittliche Grösse des männlichen Geschlechtsteils schwankt von Land zu Land. Beim Schweizer Mann beträgt sie laut einer Erhebung aus dem Jahr 2015 14,35 Zentimeter – in erigiertem Zustand. Damit befinden sich die Schweizer im europäischen Vergleich im unteren Drittel. Gleichzeitig stehen wir beim weltweiten Supercar-Ranking auf dem respektablen Platz 13.
(osc)