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Ausserhalb der Stadt Burgdorf – von der Stadt durch Emme, Gisnauflühe und Wald isoliert – an der früheren Hauptstrasse von Bern nach Zürich gelegen – finden wir die Gebäudegruppe Siechenhaus (1506–1508), Friedhof und Kapelle des hl. Bartholomäus (1446) auch Siechenkappelle genannt.
Das Siechenhaus in Burgdorf ist ein ehemaliges, spätmittelalterliches Leprosorium und als einziges in der Schweiz in seinen Grundformen noch unverändert. Es diente bis ins 17. Jahrhundert als Pflegehaus für Aussätzige.
1316 wird in Burgdorfer Schriftquellen erstmals ein Siechenhaus erwähnt. Die Kapelle wird 1446 urkundlich nachgewiesen, und vermutlich stand der ursprüngliche Vorgängerbau des noch bestehenden Siechenhauses von 1506 bis 1508 an ähnlicher Stelle. Nach dem Erlöschen der Lepra-Seuche beherbergte das Siechenhaus im 17. bis 18. Jahrhundert jeweils etwa zehn Insassen, meist Frauen, dazu eine Köchin. Die Aufsicht und Verwaltung oblag dem Siechenvogt. Der letzte Insasse wechselte 1798 vom Siechenhaus ins Krankenhaus, und auch der Gottesdienst wurde aufgehoben. Danach wurde der Innenausbau wohl aus Angst vor Ansteckung völlig ausgekernt und diente fortan als Lagerraum für Gewerbebetriebe. 1925 kaufte die Burgergemeinde Burgdorf das Haus mit der Kapelle und stellte beide unter Denkmalschutz.
Die Kapelle
Der Werkmeister Heinrich Fritag rechnete am 6. August 1446 mit dem Rat über den Neubau «der Capellen ze den Siechen wegen...» ab. Am 22. August konsekrierte Weihbischof Johannes von Konstanz Altar und Kapelle. Sie war dem hl. Bartholomäus, der Hl. Magdalena, Barbara, Verena und dem hl. Oswald geweiht. Den Gottesdienst versah wohl der Spitalkaplan, der auch die Kirche Heimiswil zu betreuen hatte. Nach der Reformation blieb die Kapelle erhalten und der Gottesdienst wurde, wie auch in Bern, weiter gehalten.Der Schulmeister der schon 1300 erwähnten städtischen Lateinschule versah von der Reformation bis zur Anstellung eines Provisors (1575) auch das Siechenhaus und die Kirche Heimiswil.
1854 erwarb Hans Schnell vom benachbarten Sommerhaus, das leerstehende “Siechenkilchlein”, um es zu erhalten. Es diente bis 1884 als Gerätemagazin. Danach bis 1930 wieder als Gotteshaus für die neu entstandene Christkatholische Gemeinde Nach mehreren Versuchen liess die Burgergemeinde 1955 durch den Burgdorfer Architekten Ernst Bechstein (1889–1960) unter Mitwirkung Michael Stettlers als Experten, die Kapelle bis auf die Mauern und den Dachstuhl ausräumen. Das Dach und das umgebaute Türmchen wurden neu gedeckt und die Leistendecke als Kopie der alten eingezogen. Die Kapelle konnte mit der neuen Ausstattung wieder für den protestantischen Gottesdienst verwendet werden.
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