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Als der französische Gärtner Joseph Monier (1832–1906) Mitte des 19. Jh. begann, an langhaltbaren Pflanzenkästen zu tüfteln und Zement mit Eisendraht armierte, revolutionierte er damit das gesamte Bauwesen. Das «Monierbänkli» im Bauteillager zeugt von dieser Entwicklung.
In den 1840er Jahren kam der junge Gärtner Joseph Monier in der Orangerie des Jardin des Tuileries in Paris auf die Idee, einen Ersatz für hölzerne Pflanzenkästen zu entwickeln. Er hatte erkannt, dass die Holzbehälter, in denen die Orangebäume wuchsen, das Wasser schwammartig aufsogen und dadurch schnell vermoderten. In jahrelangen Experimenten erschuf er einen Zementmörtel, den er mit einem Eisengeflecht durchzog und damit verstärkte. Die Technik des «ciment et fer» setzte er bald auch beim Anlegen von künstlichen Felsengärten ein und erweiterte sie auf die Herstellung von Wassertanks, Rohren, kleineren Brücken, Treppen und Betonträgern. Zudem konnte er mit dem Material kleinere Pavillons und Fässer herstellen, die aussahen, wie aus Holz gebaut.
Als Landschaftsbauer und Unternehmer nahm Monier fortan Aufträge aus ganz Frankreich an. 1867 präsentierte er seine Entwicklung auf der zweiten Pariser Weltausstellung und beantragte sein erstes Patent. Doch zu Beginn der 1870er Jahre beraubte der Deutsch-Französische Krieg Monier praktisch seines ganzen Besitzes. Er und seine Familie entkamen nur knapp dem Erfrierungstod im bis zu -23 Grad kalten Winter. Nach überstandenen Kriegsleiden baute er 1875 die erste Eisenbetonbrücke der Welt über den Schlossgraben des Chateau de Chazelet bei Saint-Benoit-du-Sault. Auch der Kanton Zürich beherbergt eine Rekonstruktion einer Monierbrücke. Sie steht im Park der Villa Alma in Männedorf und erinnert in der typischen, Holz imitierenden Technik an ihren französischen Vorgänger.
Eisenbetonbrücke im Park der Villa Alma in Männedorf, erbaut 1906, rekonstruiert 2017. Foto: kantonale Denkmalpflege Zürich.
Moniers Patent Nr. 120989 für Betonschwellen enthielt die Aussage, dass der Zement das Armierungseisen vor Rost schützt. Es gilt heute als das grundlegende Patent des Eisenbetonbaus. Trotz seines Erfindergeists und der Geschäftstüchtigkeit verstarb Joseph Monier am 12. März 1906 verarmt in Paris.
Sein Name lebt in dem nach ihm benannten «Moniereisen» (Armierung resp. Bewehrungsstahl) fort. Durch die Verstärkung von Beton mit Eisen und Stahl wurden viele moderne Bauwerke wie Hochhäuser oder Brücken erst ermöglicht. Seither ist der Baustoff allgegenwärtig und aus unserer zeitgenössischen Architektur nicht mehr wegzudenken. Wie auch an dem Bänkchen im Bauteillager erkennbar, sind ihm neben der statischen, auch in ästhetischer Hinsicht kaum Grenzen gesetzt.
Monierbank im Park des Landhauses in Uitikon-Waldegg, 2019. Foto: kantonale Denkmalpflege Zürich.
Die Holzimitation des Betons spielte in Moniers Werk eine wichtige Rolle. Auch heute sind die Schalungsabdrücke an Betonfassaden moderner Bauten weit verbreitet. Monier ging jedoch weiter und übernahm nicht nur die Oberflächenstruktur von Holz. Er passte die ganze Formgebung seiner Objekte an Holzstämme an, bei denen man meint, noch ihren organischen Wuchs erkennen zu können. Dass Monier in seinen Objekten beide Materialien zu einer Symbiose vereint, passt zu seiner beruflichen Tätigkeit im Spannungsfeld zwischen Natur und Architektur. Ebenso erinnert die ästhetische Angleichung an den Schaffensprozess Moniers in der Entwicklung seines Eisenbetons. Dieser war zwar als Alternative zum Holz entstanden, den Anstoss dazu gab aber das organische Material. Auch ist gerade der Übergang dieser beiden Baumaterialien bezeichnend für den Verlauf des 19. Jh., einer Zeit, in der Eisenprofile die herkömmlichen Holzkonstruktionen immer mehr ersetzten.
Die Gartenbank vom Typ Monier im Bauteillager ist also ein wichtiger baukünstlerischer Zeuge und seit 2019 Teil unserer Studiensammlung. Einst standen zwei Moniergartenbänke im weitläufigen bewaldeten Park eines Landhauses beim Bahnhof Waldegg. Das Anwesen wurde 1981 abgerissen und die ganze Parzelle überbaut. Unser, mit Moos bewachsenes Bänkchen, wurde der kantonalen Denkmalpflege geschenkt. Sein Geschwisterchen steht heute beim Teehaus Jurablick auf dem Uetliberg.
Monierbank vor dem Jurablick in Uitikon-Waldegg, 2014. Foto: kantonale Denkmalpflege Zürich.
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Verfasst von:
Viviane Mathis
Viviane Mathis studierte empirische Kulturwissenschaften und Architekturgeschichte in Zürich und Bern und ist Master of Arts in Kunstgeschichte. Bei der Archäologie und Denkmalpflege des Kantons Zürich ist sie Vermittlungsbeauftragte und Projektleiterin der Europäischen Tage des Denkmals.
Die Zeit festhalten: Das kann audiovisuelles Kulturgut. Anlässlich der Europäischen Tage des Denkmals 2022 hat die Abteilung Archäologie und Denkmalpflege des Kantons Zürich in Zusammenarbeit mit Memoriav einen Film zur Offenen Radrennbahn Oerlikon produziert. Die historischen und aktuellen Filmaufnahmen transportieren flüchtige Momente der Geschichte.
In vier Kurzfilmen stellen zwei Mitarbeitende der kantonalen Denkmalpflege die Bauten der Kantonsschule Rychenberg in Winterthur vor. Sie erklären, wie rasant sich die Institution «Kantonsschule» nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte, wie ein Kunstwerk einen Schülerprotest auslöste und was die Bauten mit der Architektur von Le Corbusier gemeinsam haben.
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