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'Immer wenn ich gerade beschlossen habe, weniger zu schreiben und stattdessen etwas für meine Gesundheit zu tun - vielleicht Eistanz oder so -, ruft mich garantiert irgendein glattzüngiger Verleger an und macht mir ein Angebot, das ich unmöglich ablehnen kann. In gewisser Weise ist dieses Buch also schlicht das Ergebnis meiner unterentwickelten Fähigkeit, nein zu sagen.' Ob Rezensionen zu John Updike und Toni Morrison oder eine Würdigung Dashiell Hammets; ob ein Afghanistan-Reisebericht, der zur Grundlage für den Report der Magd wurde, ob leidenschaftliche Schriften zu ökologischen Themen, herrlich komische Geschichten über 'meine peinlichsten Momente' oder Nachrufe auf einige ihrer großen Freunde und Autorenkollegen: Margaret Atwoods Vielfalt, ihr großes Engagement und ihr herrlicher Witz machen dieses durchaus lehrreiche Kompendium zu einem Riesen-Lesevergnügen.
Margaret Atwood, geboren 1939 in Ottawa, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Ihr 'Report der Magd' wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Bis heute stellt sie immer wieder ihr waches politisches Gespür unter Beweis, ihre Hellhörigkeit für gefährliche Entwicklungen und Strömungen. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Pen-Pinter-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Margaret Atwood lebt in Toronto.
Vorwort
»Eine Goldmine für die Bewunderer ihre Bücher.« Sunday Times
Autorentext
Margaret Atwood, geboren 1939 in Ottawa, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Ihr "Report der Magd" wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Bis heute stellt sie immer wieder ihr waches politisches Gespür unter Beweis, ihre Hellhörigkeit für gefährliche Entwicklungen und Strömungen. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Pen-Pinter-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Margaret Atwood lebt in Toronto.
Leseprobe
Allgemeines Vorwort
Aus Neugier und Leidenschaft ist ein Mischmasch aus Gelegenheitswerken, also Werken, die für bestimmte Gelegenheiten geschrieben wurden. Manchmal waren diese Gelegenheiten Bücher von anderen, sodass Artikel oder Rezensionen entstanden; manchmal waren sie politischer Natur, dann entstanden journalistische Arbeiten unterschiedlicher Art; manchmal, und mit der Zeit immer häufiger, waren es Tode, und die Bitte um einen Nachruf ereilte mich gern kurzfristig und an seltsamen Orten (den Text zu Carol Shields schrieb ich zum Beispiel in einem fahrenden Zug).
Im Rückblick über die Jahrzehnte habe ich wohl um die zwanzig solcher Artikel pro Jahr geschrieben. Dabei erspare ich dem Leser die politischen Pamphlete zu den Bürgermeisterwahlen in Toronto genauso wie die flammenden Umweltschutztraktate, jedenfalls die meisten, und genauso die Parodien à la Gilbert and Sullivan anlässlich von Ruhestandsfeiern und zudem die verhunzten Popsongs, die ich mit allen anderen verfügbaren Witzbolden für Organisationen wie den PEN vortrug. Sich für einen guten Zweck lächerlich zu machen hat in Kanada lange Tradition, und hinter dieser Tradition stehe ich felsenfest.
Begonnen habe ich mit dem Schreiben von Gelegenheitswerken in den 1950er-Jahren, mit sechzehn: Ich war offiziell dazu abgestellt, die Treffen des Schulbeirats an meiner Schule zu dokumentieren, und meine Berichte über diese mitunter mühsamen Zusammenkünfte erschienen im hektografierten Newsletter an die Eltern, der über Themen wie die schickliche Rocklänge für Schülerinnen Auskunft gab. Schon damals hatte ich beschlossen, passionierte Schriftstellerin zu werden - so richtig passioniert, also mit den entsprechenden Lungenkrankheiten, unglücklichen Liebesgeschichten, mit Alkoholsucht und einem höchstwahrscheinlich frühen Tod -, aber mir war auch klar, dass ich, um das schäbige Kämmerchen und den Absinth finanzieren zu können, einen Brotjob brauchte, und das war mein erster Ausflug in die schmachvolle Welt der Auftragsschreiberei. Und? Habe ich dabei etwas gelernt? Eigentlich hätte mir klar werden können, dass es für jede Geschichte nicht nur eine Erzählerin gibt, sondern auch eine Zuhörerin und dass so mancher Witz nicht zu jeder Gelegenheit passt, aber speziell diese Lektion begriff ich erst relativ spät.
An der Universität schrieb ich dann Rezensionen und Artikel für unser Literaturmagazin - zum Teil unter fremdem Namen, da wir damals gern so taten, als interessierten sich mehr Menschen für die Kunst, als tatsächlich der Fall war. Wie so viele junge Leute war ich intolerant und anspruchsvoll, was ich allerdings in den Rezensionen nicht allzu sehr heraushängen ließ; die sind eher freundlich-herablassend und strotzen vor langen Wörtern und Nebensätzen. Das mit den Rezensionen behielt ich jedenfalls auch nach meinem ersten Abschluss bei, auch während meines Graduiertenstudiums in Harvard in den Sechzigerjahren und auch noch, als ich mich mit diversen schlecht bezahlten Jobs finanzierte und begann, in kleinen Zeitschriften Prosa und Gedichte zu veröffentlichen.
Diese Sammlung fängt nicht mit dem Anfang an. Die Meisterwerke auf Matrize erspare ich dem Leser genauso wie meine vollmundigen Äußerungen als Undergraduate. Wir beginnen 1970, als ich bereits zwei Gedichtbände und einen Roman veröffentlicht hatte und auf dem Buchrücken als »preisgekrönte Autorin« beschrieben werden konnte. Die Frauenbewegung in ihrer Ausprägung des späten zwanzigsten Jahrhunderts war 1968 losgetreten worden und hatte mittlerweile volle Fahrt aufgenommen, zumindest in Nordamerika, und jede Frau, die je den Griffel in die Hand genommen hatte, wurde in einem neuen Licht gesehen, dem rotäugigen Schein flammenden Feminismus. Anhänger favorisierten sie, Gegner attackierten sie - neutralen Grund und Boden gab es nicht. In diesem Strudel wurde ich mitgerissen, und dabei tate