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Im Herbst 1994 entdeckte der australische Parkranger David Noble bei einem seiner Streifzüge durch die Wildnis von Australien einen sehr auffälligen, grossen Baum, der ihm unbekannt war. Er nahm einen Zweig dieses Baumes mit um ihn in Sydney von einem befreundeten Botaniker bestimmen zu lassen. So fängt die Geschichte um die wohl grösste botanische Sensation des 20. Jahrhundert an. Nach etlichen Besuchen vor Ort kamen mehrere Botanik-Spezialisten zum selben Schluss, dass es sich bei dieser urtümlichen Pflanze um eine Art handelt, die seit über 65 Millionen Jahren als ausgestorben galt! Bis dahin war die Pflanze nur von Versteinerungen bekannt! Die Bedeutung dieses Fundes wurde verschiedentlich verglichen mit einem Fund eines noch lebenden Dinosauriers!
Überlebende aus der Dinosaurier Zeit
Der Ausdruck lebendes Fossil stammt von Charles Darwin (1809-1882) der den Ginkgobaum (Ginkgo biloba) als solchen bezeichnete. Die Wollemia nobilis, wie der botanische Name der Wollemi Pine lautet, darf mit gutem Gewissen auch dazu gezählt werden. Anhand von Fossilfunden, (Versteinerungen und Pollenfunden im Erdöl), ist belegt, dass vor 100 Millionen Jahren einst riesige Bestände rund um den Erdball vorhanden waren. Da es in dieser Zeit noch kein Gras gab, dienten die nadelartigen Blätter als Futter für die sich vegetarisch ernährenden Dinosaurier. Weitere Vertreter aus dem Erdmittelalter (Mesozoikum 251-65,5 Mio. Jahre v.Chr.), die bis in die heutige Zeit überlebt haben, sind der Riesenmammutbaum (Sequoiadenron giganteum) und der Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides).
Die Wollemi Pine gehört in die gleiche Familie wie die Chilenische Araukarie (Araucaria araucana), doch sie unterscheidet sich so stark von der Araukarie, dass ihr eine neue Gattung gewidmet wurde.
Es bleibt ein Rätsel, wie ein so grosser Baum, wie die Dinosaurier-Pflanze so lange überleben und unentdeckt bleiben konnte. Das erstaunt umso mehr, weil dieses Gebiet, häufig von Buschbränden heimgesucht wird.
Herkunft
Der Wollemi Nationalpark grenzt fast direkt an den weiter südlich gelegenen bekannten Blue Mountains Nationalpark. Er liegt ungefähr 100 km nordöstlich von Sydney entfernt. Der Wollemi Nationalpark hat eine stattliche Grösse von 500'000 Hektaren. Unzählige Flüsse haben im Laufe der Zeit ein System von vielen tiefen Schluchten und Canyons entstehen lassen. Dieses sehr schwer zugängliche Gebiet ist ein Traum für Wissenschaftler und Abenteurer, denn nach wie vor sind einige dieser Canyons unerforscht. Die Schlucht, in der sich David Noble nach zahlreichen Abseilmanövern befand, war ein wundersamer Ort. Plötzlich stand er vor einem noch nie gesehenen Baum. Die Blätter wirkten wie der Schwanz eines Stegosauriers. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf…
Sehr bald wurde der Fundort von einigen ausgewählten Wissenschaftlern untersucht. Sie fanden dort ca. 40 Exemplare der Wollemi Pine. Später wurden zwei weitere Fundorte im selben Canyon entdeckt. So sind heute, nach mehrjähriger Suche, nicht mehr als 100 Bäume bekannt. Somit zählt die Wollemi Pine zu den akut vom Aussterben bedrohten Pflanzen. Die genauen Standorte werden geheim gehalten, um die Pflanzen zu schützen.
Artenschutz und Vermarktung
Als eine Massnahme zur Erhaltung der Wollemi Pine wurden Samen gesammelt und Stecklinge geschnitten. Das Ziel war, eine zweite Population ausserhalb der Schlucht aufzubauen. Die Vermehrung und Vermarktung wurde bald von einer eigens gegründeten Kooperation zwischen einer Baumschule und dem zuständigen australischen Ministerium für primäre Wirtschaftsgüter übernommen.
Die ersten, knapp 300, nachgezogenen Pflanzen wurden 2005 von einem Auktionshaus an Pflanzenliebhaber versteigert. Der Erlös war mit 1,8 Millionen Franken beachtlich. Ein grosser Teil des Geldes wurde für Artenschutzmassnahmen eingesetzt. Die Arterhaltung und der Naturschutz werden auch weiterhin gefördert. Mit jeder verkauften Dinosaurier-Pflanze wird ein Beitrag für Schutzmassnahmen im Wollemi Nationalpark und für andere bedrohte Pflanzenstandorte weltweit geleistet.
Aussehen
Abhängig vom Alter werden unterschiedliche Laubformen gebildet. In der Jugend sehen die Blätter denen der Eibe (Taxus baccata) ähnlich und sind zunächst hellgrün gefärbt. Erst mit der Zeit werden diese Zweige eine dunkelgrüne Farbe annehmen. Die Blätter von älteren Pflanzen sehen sehr viel urzeitlicher aus. Zwei Reihen entlang des Astes bilden ein Gebilde, das dem Schwanz eines Stegosauriers gleicht. Bei kühleren Temperaturen erhalten die Blätter eine leichte Bronzefärbung. Die Rinde ist von Blasen übersäht und erinnerte den Entdecker, David Noble spontan an blubbernde Schokolade. Erst im Alter von 12-15 Jahren entwickeln sich Zapfen. Weibliche und männliche Zapfen werden am selben Baum entwickelt, jedoch an den Enden unterschiedlicher Äste.
Die Wollemi Pine hat einen raffinierten Kälteschutz entwickelt. In den kalten Wintermonaten verfallen die Pflanzen in einen Winterschlaf ähnlichen Zustand. In dieser Winterruhe sind die Zweigenden mit einem attraktiven, wachsartigen Überzug bedeckt. Diese sogenannten Polarkappen schützten die empfindlichen Wachstumsspitzen wie warme Mützen vor der Kälte. Im Frühling durchbricht der Neuaustrieb die Polarkappe und diese bröckelt langsam ab. Am Naturstandort in Australien werden die Bäume bis 12 Meter hoch. Erfahrungswerte in unseren Breitengraden sind noch keine vorhanden.
Standort und Pflege
Sehr gut eignet sich die Wollemi Pine als Kübelpflanze. Ein sonnig bis halbschattiger Standort auf einem Balkon oder einem Sitzplatz ist ideal. Im Wollemi Nationalpark liegen die Temperaturen zwischen -5ºC bis 45ºC. Ausserhalb des fünften Kontinents sollen die Pflanzen an geschützten Standorten auch -12ºC überstehen. Wird eine Wollemi Pine an einen solchen Ort ausgepflanzt, so sollte dies zur besseren Akklimatisation im Frühjahr geschehen. Und auch in den ersten Jahren ist je nach Lage ein Winterschutz sehr empfehlenswert. Der Boden muss sehr durchlässig sein. Viel Kies und Sand sind ideal. Lehmböden sind absolut ungeeignet. Gerade im Winter ist ein guter Wasserabzug enorm wichtig. Bei Kübelpflanzen sollte eine Drainageschicht z.B. mit einer Schicht Blähton (Lecca) oder kleineren Steinen, die von der darüber liegenden Erde mit einer Filtermatte getrennt ist, eingebaut werden. Der Kübel oder der Topf sollte nicht direkt auf dem Boden stehen, damit überflüssiges Wasser gut ablaufen kann. Grundsätzlich erträgt die Wollemi Pine sehr viel Trockenheit.
Die ideale Überwinterungstemperatur für Kübelpflanzen liegt bei etwa 5-10ºC. Im Frühjahr kann die Kübelpflanze ein wenig gestutzt werden, damit sie noch buschiger wird und möglichst lange kompakt bleibt.
Die Wollemi Pine hat sich jahrtausendelang erfolgreich vor dem Menschen versteckt. Doch 1994 wurde sie entdeckt. Wer weiss, vielleicht begegnen wir eines Tages auch einem lebendigen Dinosaurier…
Spannendes Video über die Entdeckung der Wollemi Pine.