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Bild
Titel:
Taschenuhr eines stolzen Appenzeller Eidgenossen
Thema: Leute
Datum: 17.12.1963
Masse: Taschenuhr: d = 5.2 cm x 1.4 cm / Fünfliber: d = 3.3 cm
Standort: Privatbesitz Hermann Sieber, Diessenhofen TG
Urheber/-in:
Beschreibung:
Appenzeller Taschenuhr aus Blech mit Kette und angehängtem Fünfliber aus Silber.
Die Fassung der Taschenuhr ist schlicht, die Minuten- und Sekundenzeiger sind golden und filigran gebaut. Das Zifferblatt ist weiss grundiert. Die Stunden 1 bis 5 und 7 bis 12 sind in schwarzen römischen Zahlen kreisförmig angelegt, die Stunden 13 bis 17 und 19 bis 24 in roten lateinischen Zahlen. Dort, wo die Stunden 6 und 18 abgebildet sein müssten, ist stattdessen ein weiterer Kreis aufgezeichnet, der in ebenfalls schwarzen lateinischen Zahlen die Sekunden zählt. Darüber steht in Grossbuchstaben „Incabloc“ geschrieben; der Name einer Uhren-Stosssicherung, die insbesondere in den Nachkriegsjahren grosse Verwendung fand. Unter der Ziffer 12 ist die Signatur „Elmas Watch“ zu lesen. Der Rest des Zifferblattes ist mit Sennen, Kühen, Wiesen, Blumen, Punkten und Sternen fein aber farbig bemalt, wahrscheinlich die Uhrenmarke. Die Rückseite der Taschenuhr ist mit dem Bild eines Stalls graviert, in dem fünf Kühe und ein Kalb in einer Reihe vor dem Futtertrog stehen. Ein Bauer melkt eine der Kühe, ein zweiter tritt gerade zur Tür herein. Im Gang befinden sich zwei Hühner und ein Hahn. Am Boden sind Sennenbecki und Besen abgelegt.
Am Aufziehmechanismus der Taschenuhr ist eine geflochtene Silberkette angebracht. An dieser ist ein Fünfliber festgemacht, auf dem in Grossbuchstaben eingraviert ist: „1513. Das Land Appenzell. Vierhundertfünfzig Jahre im Bund der Eidgenossen. 1963.“ Die Rückseite des Talers zeigt vier Personen, die sich den Eid schwören; sie symbolisieren zum einen die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden, zum anderen das Land Appenzell, das der Eidgenossenschaft beitritt. Daneben prangt ein Schweizerkreuz.
Geschichte:
Die Taschenuhr liegt auf einem Regal in Hermann Siebers Wohnzimmer. Ein prominenter Platz, an dem das heutige Ausstellungsstück die bewundernden Blicke der Besucherinnen und Besucher auf sich zieht. Sie war ein Geschenk der Mutter an ihre Söhne; die Zwillingsbrüder Hanspeter und Hermann hatten sich das Stück zu ihrem zwanzigsten Geburtstag gewünscht. Seit 1967, als Hermann Sieber aus beruflichen Gründen nach Ruanda zog, hat sie der Herisauer nicht mehr getragen, geschweige vom Uhrenmacher auf Vordermann bringen lassen. Wenn er sie aber wieder einmal aufzieht, tickt sie noch immer reibungslos vor sich hin.
Die Taschenuhr – oder vielmehr der Fünfliber, der an ihrer Kette hängt – ist etwas Besonderes; genauso das Datum, an dem das Geschenk überreicht wurde. Am 17. Dezember 1963 hatte nämlich nicht nur die Familie Sieber einen Geburtstag zu feiern, sondern ganz Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden gleich mit dazu. Denn damals, vor 450 Jahren, war das Land Appenzell in die Schweizerische Eidgenossenschaft aufgenommen worden. Der Beschluss gewährte zum einen gegenseitige Handelsfreiheit und Hilfeleistung im Kriegsfall, forderte zum anderen, feindliche Feldzüge nur im Einverständnis mit den restlichen Eidgenossen zu bestreiten, Auseinandersetzungen zwischen den Eidgenossen friedlich zu lösen und einzustellen, eine neutrale Haltung gegenüber den Eidgenossenschaftsmitgliedern zu wahren und keine anderen Verbindungen einzugehen.
Von diesem Ereignis zeugt der silberne Fünfliber, der an der Taschenuhrkette festgemacht ist und eigens für das Jubiläum des Eidgenossenschaftsbeitritts angefertigt wurde. Mit Stolz hat Hermann Sieber damals das Geschenk zu seinem Konfirmandenanzug getragen, ist doch der in Herisau Aufgewachsene eng mit der Eidgenossenschaft und dem Appenzellerland verbunden. „Ich bin ein Chauvinist“, gesteht er schmunzelnd. Für ihn zeichnet sich die Schweiz insbesondere durch Stabilität, Sozialität, Bildungsmöglichkeit und Seriosität aus. Das Appenzellerland wiederum birgt viele seiner Erinnerungen: An seine Kindheit und das Appenzeller Volkstum, mit dem der heute 67-Jährige aufgewachsen ist. An das „Schilte-Sibni-Huus“ an der Burghalde – wegen seiner Form und seiner sieben Fenster so genannt –, in dem die Familie eine Zeit lang zu Hause war. Schliesslich an Wochenenden, die der eidgenössisch diplomierte Buchhalter während seines Studiums in Zürich mit Freunden im Alpstein oder einfach zu Hause verbrachte.
Autorin: Susanna Schoch, Herisau
Literatur:
Andriessen, Piet: Incabloc. In: Watch-Wiki. Das grosse Uhrenlexikon, Version vom 26.12.2010. http://watch-wiki.de/index.php?title=Incabloc (24.02.2011).
Schläpfer, Walter: Geschichtlicher Überblick. In: René Bieri und Toni Küng (Hg.): Das Appenzellerland im Wandel der Zeit. Herisau 1989. S. 7-15, hier S. 10-12.
Würgler, Andreas: Eidgenossenschaft. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.10.2006. http://hls-dhs-dss.ch/textes/d/D26413.php (28.01.2011).
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