Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03550.jsonl.gz/669

Die Kaixana sind antike Bewohner einer weiten Fläche von “Terra-firme“ (nie überschwemmter Regenwald), die sich vom Rio Tonantins bis zum Igarapé (Bach, kleiner Wasserlauf) Coperçu erstreckt – heute leben sie am Mittellauf des Rio Japurá. Dokumente vom Beginn des 18. Jahrhunderts haben bereits Gewaltaktionen gegen diese Bevölkerung erwähnt, die in erzwungenen Umsiedelungen und Morden gipfelten. In den 40er und 50er Jahren verdichtete sich die Invasion von Nicht-Indianern ins Territorium der Kaixana, insbesondere durch die Latex-Sammler.
Neue Abwanderungswellen der Indios fanden statt, diesmal in Gebiete, die für die Latexsammler uninteressant waren: die “Várzea“ (sporadisch überschwemmte Tiefebene) und das Innere des Dschungels. Die aus dem Festland-Regenwald geflüchteten Kaixana arrangierten sich mit den Kokama – besonders in deren Kommunen “Jacapari“ und “Bararuá“, die im “Várzea-Gebiet“ lagen. Dann führte die “Gummi-Krise“ zum Rückzug vieler Nicht-Indianer aus der Region und erlaubte so den Kaixana, in einige ihrer traditionellen Wohngebiete zurückzukehren. Trotzdem wird das Leben dieser Índios immer noch mit Drohungen bedacht, besonders durch in ihrem Gebiet illegal arbeitende Goldsucher und ebenso illegale Fischer von ausserhalb.
Kaixana

Andere Namen: Caixana

Sprachfamilie: Aruák
Population: 572 (2010)
Region:Bundesstaat Amazonas
|INHALTSVERZEICHNIS|
Sprache
Lebensraum und Bevölkerung
Geschichte des Erstkontakts
Wirtschaftliche Aktivitäten
Wohneinheiten
Gemäss einer historischen Karte von Curt Nimuendaju gehört die eingeborene Sprache der Kaixana zur linguistischen Familie Aruák. Obgleich diese Indios, durch ihre Verpflichtung gegenüber den Missionaren, sich auch den Gebrauch der “Língua Geral“ (Regionale Umgangssprache – eine Variation des Tupi-Guarani) angewöhnt haben. Schliesslich verschwand die Originalsprache der Kaixana vollständig während des 19. Jahrhunderts – ab Beginn des 20. Jahrhunderts verständigten sie sich auch untereinander nur noch in der “Língua Geral“. Und schon vor einigen Jahren verlor sich auch die – heute sprechen sie alle nur noch Portugiesisch.
Die Kaixana leben in Orten, die heute „Vila Presidente Vargas, São Cristóvão, Espírito Santo, Paraná das Panelas, Bom Futuro, Nossa Senhora de Nazaré, Santa Vitória, São Francisco de Tonantins, Jerusalém” und “Santa Maria” heissen, im Gebiet des Oberen Solimões, an den Ufern der Flüsse “Putumayo, Içá, Japurá, Tonantins” und “Mapari”. Der grösste Teil ihrer Bevölkerung konzentriert sich in den Munizipien von “Tonantins, Japurá“ und “Santo Antonio do Içá“ – und in kleinerer Zahl in den Munizipien von “São Paulo de Olivença“ und “Amaturá“.
Sie sind verteilt auf drei Indianer-Territorien (IT): eins befindet sich am Mittellauf des Rio Japurá, im Munizip gleichen Namens, ein anderes an beiden Ufern des Rio Solimões, im Munizip Tonantins, und das dritte am Mittleren Solimões, im Munizip Tefé.
Im ersten IT, genannt “Mapari”, ist die Bevölkerung auf zwei Kommunen verteilt: “Caixana de Japurá“ – an der linken Seite des Mapari-Sees – 1997 mit einer Bevölkerung von 80 Personen, und die Kommune “Mapari“ an der rechten Seite des gleichnamigen Sees, in der 13 Personen lebten.
Im Munizip von Tonantins leben die Kaixana zusammen mit den Kokama im IT “São Sebastião“. Die Bevölkerung ist auf fünf Kommunen verteilt: “Nova Jerusalém, Santa Fé“ und “São Sebastião“ – am Zusammenfluss der Igarapés Kumã und Coperçu befinden sich die Kommunen “Novo Kumã“ und “Lago Baixo“. Zirka 60% dieser IT-Bevölkerung sind Kaixana.
Und es gibt auch einige Kaixana-Familien, die im IT “Barreira da Missão“ leben, es befindet sich zirka eine halbe Boots-Stunde von dem Städtchen Tefé entfernt. Dieses IT wird hauptsächlich von Mitgliedern der Kokama, Tikuna und Kambeba bewohnt, die sich auf sieben Dörfer verteilen. Die Gesamtbevölkerung wurde 2009 (FUNASA) auf knapp 1.000 Personen geschätzt.
Die ersten Informationen über die Besetzung der Region am Oberen Solimões durch die Kaixana-Indios stammen aus dem Jahr 1691, dem Jahr, in dem Samuele Fritz eine Karte vom Amazonas-Becken erarbeitete, mit einer annähernden Ortsbestimmung verschiedener indigener Gruppen. Obwohl auf jener Karte das Wohngebiet der Kaixana nur an den Ufern des Rio Tocantins angegeben war, wo immer noch ihre Nachkommen wohnen, gibt es vielerlei Indizien dafür, dass der gesamte Festlandwald zwischen Rio Tocantins und dem Igarapé Coperçu in der Antike von ihnen bewohnt war.
Wie aus den bibliografischen Quellen jener Zeit ebenfalls hervorgeht, wurden die Kaixana-Indios massakriert, versklavt und viele von ihnen, schon am Anfang der Zusammenstösse zwischen Spanien und Portugal wegen der Inbesitznahme Amazoniens, aus ihrem traditionellen Territorium vertrieben.
Im Jahr 1697 zum Beispiel, erzählt Samuel Fritz (Porro, 1992; Fritz ,1922), dass er von der Absicht der portugiesischen Kolonisierungsagenten und Missionare erfahren hätte, die “bis zum Dorf der Cayuisana (Kaixana) hinauffahren wollten, um dort ein Fort zu gründen, um sich auf diese Weise zu Herren jener Provinzen zu machen“.
Es gibt allerdings keine Informationen darüber, ob die Absicht der Portugiesen, ein Fort im Land der Kaixana am Rio Tocantins zu erbauen, tatsächlich durchgeführt wurde. Aber der Jesuit Samuel Fritz hat ebenfalls registriert, im Jahr 1702, dass Indios der Stämme Kaixana und Guareico von den Portugiesen gefangen wurden, die schwer bewaffnet in ihre Dörfer eindrangen. Einige dieser Indios, die sich den Eindringlingen nicht ergeben wollten, wurden ermordet. Wahrscheinlich ist diese Episode die erste historische Aufzeichnung über die Vertreibung und Ausrottung der Kaixana.
Was das hydrografische Becken des Rio Japurá betrifft – zu dem auch der Rio Mapari gehört – registriert Francisco Xavier Ribeiro de Sampaio die Präsenz von Kaixara-Indios anlässlich seiner Reise durch dieses Gebiet (1775). In Wirklichkeit beschränkt sich dieser Autor auf die Anfertigung einer Aufstellung über die Ethnien am Ufer dieses grossen Flusses, ohne darüber hinaus einige andere Referenzen zu liefern, die uns mit grösserer Genauigkeit angegeben hätten, wo dieses und andere Völker zu finden waren, die zu jener Zeit das besagte Flussbecken bewohnten.
Andere bibliografische Daten über die Gegend des Rio Japurá weisen auf zwei Lokalitäten hin, die von Kaixana-Indios besetzt waren – beide liegen auf der rechten Seite dieses Flusses, an den Ufern seiner Nebenflüsse mit “schwarzem Wasser“, und zwar: der Rio Mapari und der Rio Acunauí,
Nach dem Bericht des Naturalisten Martius (Spix & Martius, 1981) bezüglich seiner Reise im Jahr 1819 zu diesen beiden Orten, waren die Dörfer am Rio Mapari die ältesten Kaixana-Siedlungen – dort konzentrierten sich zu jener Zeit zirka 600 Personen dieses Volkes..
Der Grund, warum die Kaixana nach der Vertreibung aus ihrer Stammheimat vor allem in unwirtlichen Gegenden Zuflucht suchten – Gegenden, die auch in punkto Fruchtbarkeit des Bodens sehr zu wünschen übrig liessen – ist durch zahlreiche historische und kulturelle Ereignisse zu erklären. Ohne sich in diese Frage vertiefen zu wollen, kann man behaupten, das mindestens einige zu dieser Ethnie gehörenden Gruppen, zu bestimmten historischen Zeiten, solche Orte zur Isolation vor Verfolgung aufsuchten.
Die Ankunft der Nicht-Indianer in dem Gebiet des Rio Mapari und dem Acunaí-See, getrieben von der Möglichkeit der Latex-Ausbeutung, in den 40er und 50er Jahren, führte zur Vertreibung der Kaixana aus den leicht zu erreichenden Dörfern, gelegen am linken Ufer, nahe des Zusammenflusses von Rio Mapari und Rio Japurá – eine von den Invasoren bevorzugte Stelle, um dort ihre Camps zu errichten.
Im speziellen Fall des IT “São Sebastião“, in dem sich grössere Gruppierungen von Latex-Bäumen befanden, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Unternehmen zur Latex-Extraktion installiert. Hier kommandierte der “Patron“ – er allein bestimmte, was Recht oder Unrecht zu sein hat, er war das Gesetz. Die Indios wurden zur Latex-Gewinnung angestellt in einem sklavischen Dienstleistungssystem, das typisch wurde für alle Latex-Produzenten: die gnadenlose Ausbeutung der Arbeitskraft. Der Latex-Sammler wurde gezwungen, seinem Patron das Produkt seiner Arbeit billig anzubieten – aber dafür bekam er kein Geld, sondern eine Entlohnung in Form von teuren Verbrauchsgütern aus derselben kommerziellen Niederlassung seines Patrons, der damit doppelt verdiente.
Es gab Momente, in denen jene Situation der Unterordnung unerträgliches Leid provozierte und zu einer Reihe von Konflikten und Ermordungen eskalierte. Der Abschluss dieser historischen Periode im Leben der Kaixana erreichte ihren Höhepunkt in einer Massenflucht der Indios in Gebiete, welche ihnen als uninteressant für die “Gummibarone“ erschienen: die “Várzea“ und das unzugängliche Interior des Dschungels. Für die Indios bedeutete diese Flucht, obwohl in vieler Hinsicht widersprüchlich, in erster Linie eine Möglichkeit des physischen Überlebens – aber auch eine Bedrohung für ihr Wohlergehen und ihre angestammte Lebensart, wenn man bedenkt, dass sie ihr traditionelles Territorium aufgaben, mit allem, was dies in wirtschaftlicher, historischer und kultureller Hinsicht bedeutet.
Mit einer erneuten Krise in der Latex-Gewinnung mussten sich schliesslich die nicht-indigenen Besetzer in anderen Aktivitäten engagieren und zogen sich wieder aus dem traditionellen Indianerterritorium zurück.
Die Periode danach war geprägt von einer Veränderung in der Natur der Kontakte von weissen Siedlern und ihren Nachkommen mit den Kaixana: Die Unterdrückung und Ausbeutung, mit der sich die Zeit des Latex-Sammelns unauslöschlich in die Erinnerung eingegraben hatte, wurde nunmehr abgelöst durch eine partnerschaftliche Haltung der Solidarität und eines gegenseitigen Wissensaustauschs.
Und diese neue Phase erlaubte nunmehr den Kaixana ans linke Ufer des Rio Mapari zurückzukehren – in die Umgebung seiner Mündung, wo eine ihrer Kommunen bis heute ihr Dorf bewohnt.
Jener Teil der Kaixana, die im IT “Mapari” leben, bewohnten traditionell das Mikrobecken eines Schwarzwasserflusses mit Namen Rio Mapari, eine aus ökologischer Sicht schwache und limitierte Region. Zweifellos ist die wirtschaftliche Organisation dieses Volkes das Ergebnis eines langen Anpassungsprozesses an die Grenzen dieser Umwelt, sie spiegelt sich in einem besonderen Beschäftigungsstandard und einem gesammelten spezifischen Wissen dieses Volkes, wie auch in ungewöhnlichen Strategien zur Diversifikation der produktiven Aktivitäten.
Die Aktivitäten zum Fischfang, der Ernte von Pflanzen und des Ackerbaus spielen eine beherrschende Rolle in der Wirtschaft der Kaixana im IT “Mapari“. Die Produktion von Maniokmehl, die in einem dafür eingerichteten kommunalen Haus stattfindet, steht ebenfalls an erster Stelle wirtschaftlicher Aktivitäten der Gruppe, besonders weil dieses Produkt, neben dem Eigenkonsum, auch ein wertvolles Tauschmittel auf dem Markt in Japurá darstellt.
Die ökologischen Bedingungen des Mapari-Beckens begünstigen eine grössere Verteilung der lokalen Fauna, was jenen indigenen Expeditionen zur Jagd von terrestrischen wilden Tieren nicht entgegenkommt. Deshalb legt man in “Mapari“ auch grösseren Wert auf den Fischfang, denn Fisch gibt es reichlich in dieser wasserreichen Umgebung, und das Sammeln von Paranüssen – erst dann nutzt man eventuelle Zwischenzeiten für die Jagd.
Die Arbeit der Nussextraktion spielt eine aussergewöhnlich wichtige Rolle im Leben der Kaixana von “Mapari“ aufgrund folgender Faktoren:
Mobilisierung vieler Dorfbewohner, während einer bestimmten Jahreszeit, rund um die Paranuss – ein gesellschaftliches und kulturelles Ereignis von Bedeutung.
Einfache Kommerzialisierung des Produkts, was den Indios ermöglicht, andere Konsumartikel anzuschaffen, die sie nicht selbst herstellen können.
Hoher Nährwert der Nuss – eine reiche Proteinquelle für die Indios.
Auf diese Weise ernten die Kaixana die Nüsse verschiedener Nussbaumgruppen, die sich innerhalb des IT “Mapari“ finden – genauer im Umfeld der Igarapés “Pelari, Cujubim“ und “Repartimento“. Die Jahreszeit der intensivsten Paranuss-Ernte sind die Monate Mai und Juni – wenn die meisten Nüsse reif sind.
Es sollte noch hervorgehoben werden, dass die Jagd trotz ihrer Zweit- bis Drittrangigkeit eine wichtige Quelle tierischen Proteins darstellt und eine komplementäre Rolle in der Ernährung dieser Indios spielt.
Was den Fischfang betrifft, so organisieren die Kaixana Expeditionen, die Tage oder sogar Wochen dauern können – dazu navigieren sie auf dem Rio Mapari und/oder seinen Nebenflüssen, wie zum Beispiel den Igarapés Urucu, Pelari, Andiroba und Mocozinho.
Die Harpune mit drei Spitzen (Azagaia), Bogen, Pfeile und ein Herd aus Keramik, der zum Garen von Nahrungsmitteln verwendet wird, sind ein paar Beispiele von Arbeitsgerät, das von den Indios selbst hergestellt wird.
Neben der Kommerzialisierung oder dem Tausch von Produkten auf dem lokalen Markt, geschieht ein anderer Austausch zwischen den Indios selbst, der, weil er von gesellschaftlichen und kulturellen Regeln bestimmt wird, sich nicht auf den wirtschaftlichen Bereich beschränkt. Diese Regeln basieren auf Prinzipien der Gegenseitigkeit und der Solidarität, sie bestimmen die Verteilung der materiellen Güter und den Austausch von Dienstleistungen. Je näher sich die einzelnen Grade der Verwandtschaft stehen, umso enger sind die Bindungen, die diesen Austausch lenken. Die Bedeutung der verwandtschaftlichen Beziehungen wird auch durch die Verteilung des Wohnraums deutlich – das Haus zur Herstellung von Maniokmehl ist eine Räumlichkeit, in der sich die gesamte Grossfamilie zu gemeinsamer Arbeit und dem Austausch von Small-talk trifft.
Die im IT “São Sebastião“ stattfindenden Aktivitäten werden von zwei unterschiedlichen Biomen bestimmt: der “Várzea“ (dem saisonal überschwemmten Tiefland) und der “Terra-firme“ (dem höher liegenden Festlands-Wald). Der indigene Kalender für die produktiven Aktivitäten besteht aus ökologischem Wissen und wirtschaftlicher Nutzung. Weil sie wissen, dass der ideale Zeitpunkt für eine Aussaat der meisten Kulturen auf der Terra-firme kurz vor dem Einsetzen der ersten Regenfälle liegt, beginnen die Indios von “São Sebastião“ mit dem Säubern ihrer Felder sowie sie bemerken, dass eine Veränderung der Saison bevorsteht.
Die Kaixana wenden das “Coivara“ genannte System der Feldbearbeitung an – eine Brandrodung, die im Rahmen der so genannten Subsistenzwirtschaft eingesetzt wird, die einer Produktion für den Eigenbedarf. Die Säuberung des Terrains ist eine Etappe, die den Einsatz grosser physischer Kraft verlangt, deshalb wird sie in gemeinschaftlicher Kooperation getätigt (Ajuri). Auf den überschwemmbaren Flächen (Várzea) pflanzen die Indios – schon während der Trockenperiode, wenn der Wasserspiegel der Flüsse niedrig ist – Kulturen mit kurzem Wachstumszyklus, deren Früchte sie noch vor dem Hochwasser ernten können. Für die Bepflanzung der Festlands-Areale graben sie tiefere Löcher, um den feuchten Teil des Bodens zu erreichen. Jede “Haushaltsgruppe“ besitzt in der Regel zwei landwirtschaftlich genutzte Flächen – sie werden zu unterschiedlichen Jahreszeiten bestellt, sodass man das eine Feld abernten kann, während sich das andere noch in der Reife befindet.
Obgleich man den Fischfang während des gesamten Jahres praktiziert, verstärken die Kaixana von “São Sebastião“ ihre diesbezüglichen Aktivitäten während der Trockenperiode (Sommer) im Gebiet der “Várzea“, weil sich die Fische dann in den zurückbleibenden kleineren und grösseren Seen und Lagunen konzentrieren und eine leichte Beute sind. Der Fischfang wird vorzugsweise im Rio Solimões, den Igarapés Kumã und Coperçu praktiziert, in der “Várzea“ in den Seen Marimari, Araçazal und Mucura.
Während der Hochwasserzeit (Winter) werden die Gebiete des Interiors der “Terra-firme” leicht zugänglich, weil man sie jetzt über die mit Kanus befahrbaren Igarapés erreichen kann. Dies ist auch die Zeit, in der man grössere Tiere per Kanu transportieren kann, und deshalb wird sie von den Indios genutzt, um nach jagdbaren Tieren grösseren Kalibers Ausschau zu halten. Ihre Jagdmethoden sind nicht etwa rein zufälliger Art, sondern sie basieren auf einem über Generationen weitergegebenen Wissen um die Lebensgewohnheiten der lokalen Fauna. Die Jagd ist ein Bereich, der ausschliesslich den Männern vorbehalten ist – diese Aktivität ist von fundamentaler Bedeutung für die Ernährung der Kommunen dieser Gegend, und sie stellt auch einen begehrten Tauschartikel dar.
Durch den Kontakt mit der sie umgebenden nationalen Gesellschaft haben die Kaixana ihre traditionellen Jagdwaffen gegen Gewehre ausgewechselt, mit denen sie heutzutage auf die Jagd gehen – vorzugsweise im Regenwald der “Terra-firme“, aber auch in Gebieten der “Várzea“ oder am Ufer von Igarapés. Bevorzugte Jagdbeute sind: Tapir, Aguti, Wildschwein, Hirsch, Brüll- und Wollaffe, sowie bestimmte Vogelarten, wie Auerhahn, Socó und Wildente.
Das Sammeln von Waldfrüchten ist ebenfalls eine wichtige Tätigkeit, der man sich während der Regenperiode (Winter) widmet, weil die meisten Früchte dann reif sind. Das Sammeln von pflanzlichen Produkten dient unterschiedlichen Bedürfnissen. Viele Spezies spielen natürlich in der Ernährung eine Rolle – wie die Paranuss, die Açaí-Palmfrucht, die Bacaba-Palmfrucht, die Abiurana und verschiedene andere. Aber auch bei den Hauskonstruktionen in traditionellem Stil spielen pflanzliche Produkte eine bedeutende Rolle, wie zum Beispiel das Holz und die Fasern der “Matamatá, Abacatirana, Anuirá, Guariúba“ und “Paxiúba“ – und zum Decken des Daches die Blätter der “Caranã- und Ubim“-Palmen.
Im Gegensatz zum IT “Mapari“ hat man im IT “São Sebastião“ die Produktion von Keramik-Utensilien vollkommen eingestellt. Jedoch fertigt man noch solche Artikel an, die ausschliesslich aus pflanzlichen Rohstoffen bestehen, wie Körbe und Matten, Siebe, Fächer und Sonnenhüte – ausserdem Produkte aus Holz, wie Kanus und Paddel, die Mühle für Zuckerrohr und die Maniokpresse (Tipiti).
Eine neue Wohneinheit entsteht in der Regel nach 2 bis 5 Jahren ehelicher Gemeinsamkeit. Nach einer solchen Zeit des Zusammenlebens mit der Familie der Ehefrau ist das junge Paar im Allgemeinen in der Lage, seine hauswirtschaftlichen Angelegenheiten unabhängig von der elterlichen Familie selbst in die Hand zu nehmen. Bemerkenswerte Entscheidungsmerkmale für eine bevorstehende Trennung von der bisherigen Haushaltsgruppe ist die Wahl einer Feldfläche, die von der “neuen Familie“ bestellt werden wird, sowie die Einweihung der neuen Wohneinheit. Die Wahl dieser neuen Wohnung ist abhängig von der verwandtschaftlichen Bindung. Und man ist daran interessiert, dass sie sich nicht allzu weit weg vom “Casa da Farinha“ (dem Maniokmehl-Haus) befindet, in dem man sich täglich mit anderen Mitgliedern der Kommune trifft.
Schliesslich ist noch zu bemerken, dass eine starke Fluktuation der jüngeren Mitglieder besteht, die Arbeit in Städten wie Tonantins und Manaus suchen. Die Frauen suchen nach einer Anstellung als Putzfrau oder Dienstmädchen, die Männer als Schreiner, Maurer und Weissbinder (Herstellung von Fässer oder Eimer). Jedoch kehren die Meisten schliesslich wieder in ihr Dorf zurück.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther