Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03361.jsonl.gz/449

Die wachsartig durchscheinende Haut hat manchmal ein gelbliches bis blaßgrünliches Kolorit. Vorübergehend
kann auch Rötung einzelner Hautstellen vorkommen. Bei manchen Fällen von Bleichsucht werden leichte wassersüchtige Anschwellungen
um die Knöchel herum, im Gesicht,
[* 5] an den Augenlidern beobachtet, welche aber meist ebenso schnell vergehen, wie sie entstanden
sind. Die Kranken kommen beim schnellen Gehen, beim Treppensteigen etc. sehr leicht außer Atem; sie ermüden
leicht, klagen über Schwere in den Füßen und über Schmerzen in den Muskeln.
[* 6]
Neben der Menstruationsstörung besteht häufig noch ein Katarrh der Gebärmutter
[* 9] und Scheide mit Abfluß eines weißen Sekrets
(weißer Fluß). Die allgemeine Ernährung scheint dem Laien zuweilen besonders gut, da Bleichsüchtige zu Fettbildung neigen.
Der Verlauf richtet sich ganz danach, ob durch übermäßige Anstrengungen, durch Krankheiten, durch ungesunde
Lebensverhältnisse die angeborne Anlage der Bleichsucht noch gesteigert wird, oder ob sich bei geregelter Lebensweise im weitern Wachstum
der Fehler durch Vergrößerung des Herzens wieder ausgleicht.
Bleichsucht bei Schafen und andern Wiederkäuern ist eine chronische Störung des Allgemeinbefindens, bei welcher das Blut sehr
dünnflüssig, nur wenig klebend, fleischwasserähnlich erscheint, nicht leicht
¶
mehr
gerinnt und sich durch großen Reichtum an Blutwasser bei vermindertem Gehalt an Faserstoff, Eiweiß und Blutkörperchen
[* 14] auszeichnet.
Man unterscheidet vielfach eine symptomatische und eine essentielle Bleichsucht. Erstere ist eine Folge andrer Leiden,
[* 15] namentlich der
Wurmkrankheiten: der Leberegelseuche, der Lungenwurm-, Magen- und Bandwurmseuche. Die essentielle Bleichsucht entsteht aus Einflüssen,
welche die Ernährung und Blutbildung beeinträchtigen: ungenügende, nicht zusagende Nahrung, ungünstige
Witterung, besonders anhaltende Nässe, wobei sowohl diese selbst als nicht minder deren Einwirkung auf die Futterpflanze
in Betracht kommt.
Wassersüchtige Anschwellungen unter der Haut, besonders am Kopf und Hals (der sogen. Kropf), treten dazu,
und unter Zunahme der Abmagerung und Hinfälligkeit erliegen die Tiere, nachdem endlich noch übelriechende Durchfälle sich
eingestellt haben, an Erschöpfung nach einer oft monatelangen Krankheitsdauer. Eine Heilung der Krankheit ist nur im Beginn
und bei der Möglichkeit, die schädlichen Außeneinflüsse abzuhalten und kräftig nährendes Futter:
Körner, gutes Heu, Hülsenfrüchte etc., in genügender Menge zu verabreichen, zu erwarten. Arzneilich werden unzählige Mittel
empfohlen; die bitter-aromatischen und die zusammenziehenden (Gerbstoff enthaltenden): Enzian, Wermut, Wacholderbeeren, Eichenrinde
etc., Eisenvitriol, bewähren sich am meisten.
Bleichsucht der Pflanzen ist eine Krankheitserscheinung, bei welcher Pflanzen, die für gewöhnlich grün
gefärbte Teile haben, bleich erscheinen. Sie beruht aus einem Nichtausgebildetsein der die grüne Färbung der Gewächse
veranlassenden Chlorophyllkörner in den Zellen der betreffenden Teile. Die Bleichsucht ist von dem Gelbwerden bei Lichtmangel, dem
sogen. Etiolement (s. d.), durchaus verschieden, da dieses von einer Gestaltsveränderung
der Pflanze begleitet ist.