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Das "Forced Use Verfahren" in der Neurorehabilitation
- 24. Januar 2018 - Blog
Unter dem Begriff „Forced Use” wird ein therapeutisches Verfahren verstanden, welches zu unseren wesentlichen Strategien in der Behandlung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen zählt.
Dabei wird der Gebrauch der weniger betroffenen Körperbereiche (der nicht-betroffene Arm, das nicht-betroffene Bein, oder beide) eingeschränkt, sodass die betroffenen Körperbereiche genutzt werden müssen, um eine bestimmte Aktivität auszuführen. So wird die betroffene Körperseite trainiert und deren verloren gegangene Funktionen wieder hergestellt.
Die Charakteristika dieses Verfahrens sind:
- Der gesamte Körper wird genutzt: Alle Körpersegmente werden bis zu einem gewissen Grad in das Training mit einbezogen. Um die Funktion der Arme und/oder der Beine zu trainieren, wird beispielsweise auch allgemeine Körperkoordination benötigt. Die einzelnen Körperteile werden dementsprechend nie isoliert trainiert.
- Es wird in aufrechter Körperhaltung ausgeführt, also im Sitzen oder Stehen, je nach Mobilität des Patienten. Training in aufrechter Körperhaltung ist besonders funktionell und hat einen starken Alltagsbezug.
- Es nutzt Closed-Chain-Übungen: Unter Chains (engl. = Ketten) versteht man miteinander verbundene Körperteile, die bei Bewegung genutzt werden – beispielsweise die Kette vom Fuß über das Knie bis zur Hüfte. Bei Closed-Chain-Übungen steht das Ende einer solchen Kette – also Fuß oder Arm – im stetigen Kontakt zum Boden oder einer anderen Oberfläche. Auf diese Weise kann das Körpergewicht auf Arm oder Fuß wirken und dabei die Muskulatur dazu anregen, die jeweilige Körperposition zu halten und die Gelenke zu stabilisieren.
- Es ist fordernd und intensiv und setzt eine erhöhte Aufmerksamkeit des Patienten voraus. Das fördert die sogenannte neurale Plastizität des Gehirns – also dessen Fähigkeit, sich neu zu strukturieren und verloren gegangene Funktionen wieder zu erlangen.