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«Was soll nicht alles Meine Sache sein!»
Max Stirner, 1845
Der Einzige und sein Eigentum
Arroganz der "Allgemeingültigkeit"
Klar! Kriterien dienen der
Orientierung. In der Welt der Sprache, der Begriffe gar,
wollen wir wissen, wovon die Rede ist. Was meinst du, wenn du "Gedicht" sagst
oder gar "ein gutes Gedicht" oder gar "Kunst"?
Naturwissenschaftlich
formulierte "Naturgesetze" sind allgemeingültig ―
jedenfalls bis zur nächsten Theoriekreation.
Die Palaver über "Kunst" und "Ästhetik" fragten einst
nach den Kriterien des Schönen, des Vollkommenen.
Die Ehrfurcht vor ihrer Allgemeingültigkeit jedoch
hat ihre Ansteckungskraft verloren.
Irgendwann galt die Aufmerksamkeit auch dem Hässlichen
(der Vollkommenheit der Darstellung des Hässlichen?),
der Schönheit des Unvollkommenen, Alltäglichen, Banalen
(die Kunst des Kitsches?).
Die Ästhetik-Dogmen der Kunst-Päpste sind schließlich überrollt worden
von den Diktaturen der modischen Mainstreams,
von den ökonomischen Zwängen der Auflagesteigerung,
der Erhöhung der Einschaltquoten,
der Gewinnmaximierung auf den Märkten der Kunst.
Doch die Behauptungen der
Allgemeingültigkeiten sind heimtückisch,
in den Welten der Ethik und Moral, wie der Ästhetik und Kunst.
Manchmal zwischen den Zeilen, Tönen und Farben versteckt,
manchmal plump offenkundig, geradeheraus,
werden meine Vorlieben diffamiert:
«Kitsch & Schund, seicht wie ein warmes Bad»,
»Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.«
(Adorno - hätte er wenigstens "wenn ich eines schreiben täte" gesagt,
aber er ist ja auf das Kriterium der Weltverbesserung fixiert:
Das Kunstwerk als «Negation eines allgemein gesellschaftlichen
Verblendungszusammenhangs» - die Vergnügungsindustrie etwa
sei der trügerische Schein, der die manipulierte Mehrheit der Menschen
über die Amoralität der staatlich-gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Wirklichkeit hinwegtäusche - die Ästhetik wird beherrscht von der Arroganz
der gesellschaftstheoretisch geheiligten Moraldiktatur ...
Auch Ernst Bloch anerkennt Kunst nur als «Vor-Schein einer besseren Welt»)
Auf der Seite
"Was ist (k)ein Gedicht?" habe ich formuliert:
«Gute Kunst ist eine Herausforderung für Sinn und Geist ...
schlechte (oder misslungene) Kunst ein bloßes Beruhigungsmittel»
Ob ich so denke oder nicht, das auszusprechen verrät
den zumindest unterschwelligen Willen zur Bevormundung.
Das ist bare Arroganz
(wenn ich da nicht «pah!» sage, bin ich selber schuld).
Wer will mir meine lyrischen Beruhigungsmittel schlecht machen?
Soll ich der Moralischen Aufrüstung beitreten?
Regenbogenbannerträger werden?
Wenn ein Gedicht auf mich wie ein stilistisches Beunruhigungsmittel wirkt,
werde ich gelegentlich sauer.
Wenn es mir sagt, wo das Gute fehle,
werde ich böse;
auch dann wenn einer glaubt, über seinen Zeilen nachdenklich zu werden,
sei ein Beitrag zu meinem Heil oder dem der Welt.
Ich lasse mich gerne zum Denken & Fühlen anregen,
aber bitte als Unterhaltung!
Ja: Unterhaltung! Mit oder ohne Industrie. Sie darf auch geistreich sein.
In der Welt der Literatur & Kunst wimmelt es von ignoranten
Besserwissern
& bigotten Moralisten & arroganten Selbstdarstellern.
Auch mein Geschreibe hier ist arrogant,
will Arroganz!
Nur der Starke wird das Schicksal zwingen,
Wenn der Schwächling untersinkt.
(Friedrich Schiller: Das Ideal und das Leben)
«Pah!»
Wie schön, wenn das auch ein wenig unterhaltsam gewesen sein sollte.
Übrigens: Es gibt auch biologisch begründbare und interkulturell nachweisbare,
insofern doch allgemeingültige, Gemeinsamkeiten im Urteil der meisten
Personen, dass bestimmte Dinge «schön» seien, sowohl auf die Natur (Menschengestalten,
Naturphänomene) als auch auf künstliche (künstlerische) Erzeugnisse bezogen!
Der hässlichen Welt zum Trotz: das Schöne bleibt Lieblingskind.
Trotz andauerndem Weltkrieg. Mit den preisgekrönten Fotos.
Auch das hässliche Entlein soll ein schöner Schwan werden.
Und die Schönheitschirurgen ... - nein, jetzt ende ich.
antonio cho
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