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Der Pilz Diplocarpon mali mit der Nebenfruchtform Marssonina coronaria wurde 1907 erstmals in Japan beschrieben. Nächste dokumentierte Stationen des Auftretens waren Rumänien (1960), Korea (1963), Kanada (1971), Brasilien (1986), China und Indien (1992), Italien (2001). Im Jahr 2010 ist die Krankheit zum ersten Mal in der Schweiz, vor allem im Bodenseeraum, in einer Bioanlage und im Streuobstbau in starkem Ausmass beobachtet worden. 2012 etablierte sich die Krankheit aufgrund des nassen Sommers in verschiedenen Regionen der Deutschschweiz vor allem in Bioanlagen, Hochstammbeständen und Hausgärten und trat auch 2013 und 2014 fallweise stärker in Erscheinung.
Krankheitssymptome
Erste Symptome von Marssonina treten oft nach längeren Regenperioden in den Monaten Juli und August auf. Aus zunächst kleinen nekrotischen, dunklen Flecken auf der Blattoberseite entwickeln sich grössere grauschwarze, diffuse Blattflecken, die mit der Zeit ineinander laufen. Die Krankheit kann sich aber auch mit vielen nekrotischen Sprenkelungen auf den Blättern präsentieren (Bild 1).
Typisch sind auch die kleine runden bis ovalen, schwarzen Fruchtkörper, die sogenannten Acervuli. Diese sind zunächst glänzend und zwar so lange sie noch mit einer öligen Flüssigkeit gefüllt sind, fallen dann aber in sich zusammen (Bild 2). Starker Befall kann bis zu einem vollständigen frühzeitigen Blattfall führen (Bild 3) mit negativen Auswirkungen auf den Fruchtertrag, die Fruchtqualität und durch die Baumschwächung auch auf den Fruchtansatz im Folgejahr.
Auch auf den Früchten können sich Symptome in Form von meistens olivgrünen, leicht eingesunkenen Flecken bilden (Bild 4). Stärkerer Befall führt zu Fruchtdeklassierung der Tafelware und verminderter Lagerfähigkeit. Betroffen waren bisher vor allem der Streuobstbau sowie Bioapfelanlagen und insbesondere auch schorfresistente Sorten. Vor allem zu Beginn einer Epidemie ist häufig ein nestartiges Auftreten zu beobachten, das heisst, dass einzelne Bäume oder eine Gruppe von Bäumen schon einen starken Befall mit Blattfall aufweisen, währendem auf Nachbarbäumen noch kaum Symptome zu beobachten sind.
Marssonina überwintert im Falllaub. Nach neusten Untersuchungen entwickeln sich im Falllaub über den Winter auf den Blättern weitere Acervuli. In diesen Acervuli werden beim Austrieb die Konidien gebildet, welche bei Vorhandensein von tropfbarem Wasser mit Regenspritzern vom Falllaub auf den Baum gelangen. Die Konidienbildung im Fallaub endet etwa Mitte bis Ende Juni. Für eine Infektion der Apfelblätter sind längere Blattnässeperioden und Temperaturen über 15 °C notwendig. Solche Bedingungen sind bei uns in der Regel erst ab Juni vorhanden. Die weitere Ausbreitung erfolgt ebenfalls mit Regenspritzern von primär infizierten Blättern aus. Nach anhaltend feuchtwarmer Witterung setzt die Massenvermehrung ein mit epidemischem Auftreten. Für eine Infektion braucht es bei 15 °C mehr als 30 Stunden Blattnässe, bei höheren Temperaturen reichen allerdings schon weniger als 18 Stunden. Bereits zwei Wochen nach dem Auftreten der ersten Symptome können die Blätter schon so stark geschädigt sein, dass es zum Blattfall kommt (ab Mitte August). Im Spätherbst bilden sich in den Acervuli nebst den Konidien zunehmend auch kleine Sporen, die für die sexuelle Entwicklung von Bedeutung sein könnten.
Indirekte Massnahmen
Die ganze pilzliche Entwicklung und Übertragung ins Folgejahr erfolgt im Blatt. Die Förderung des Blattabbaus ist deshalb eine wichtige und wirksame indirekte Regulierungsmassnahme. Der Blattabbau kann durch Mulchen und Hacken nach dem Blattfall oder Ausbringen von ausgereiftem Kompost stark gefördert werden (Bilder unten). Die Entfernung befallener Blätter kann sehr effizient mit dem Einsatz eines Laubsaugers oder von Hand mit dem Herausrechen der Blätter aus dem Baumstreifen und anschliessendem Mulchen erfolgen. Feuchtigkeit fördert die Ausbreitung der Krankheit, deshalb sind die Pflanzung an gut durchlüftetem Standort und ein die Durchlüftung fördernder Schnitt wichtig.
Massnahmen zur Förderung des Blattabbaus und damit des Pilzsporenpotentials für das Folgejahr durch...
Erhebungen in der Schweiz und im Ausland haben klare Unterschiede in der Sortenanfälligkeit aufgezeigt. Leider gehören die schorfresistenten Sorten wie Topaz, Otawa und Rubinola eher zu den anfälligen Sorten gegenüber Marssonina. Die bei diesen Sorten extensiver ausgeführten Pflanzenschutzmassnahmen dürften diese Unterschiede zumindest teilweise mitbeeinflusst haben. Laut Untersuchungen in China gibt es auch Unterschiede in der Anfälligkeit von Wurzelunterlagen. Unsere hauptsächlich verwendeten M 9 Unterlagentypen zeigen aber keinen den Befall beeinflussenden Effekt.
Wirkung von Biopflanzenschutzmitteln
Versuche in den letzten Jahren im In- und Ausland mit biokompatiblen Mitteln haben gezeigt, dass saure Tonerdepräparate wie Myco-Sin oder Myco-San die beste Wirkung gegen Marssonina aufweisen. Auch Kupfer und Schwefelkalk erzielten eine befriedigende Wirkung. Schwefelkalk ist für den Biolandbau in der Schweiz allerdings bislang nicht zugelassen und die geringe Menge an erlaubtem Kupfer wird vor allem für die Schorfregulierung in der Austriebsperiode benötigt. Keine oder nur eine unbedeutende Wirkung üben Kaliumbicarbonat-Präparate (Armicarb, Vitisan) und Schwefel aus. So bleibt zurzeit der Einsatz von Tonerdepräparaten die einzige Möglichkeit, um eine Epidemie im Sommer einzugrenzen.
Empfehlungen zur direkten Regulierung
Aufgrund der bisherigen Kenntnisse können Infektionen mit Marssonina ab Blüte bis September stattfinden. Untersuchungen deuten darauf hin, dass für den Epidemieaufbau aber vor allem Infektionen ab Anfang Juni entscheidend sind. Für eine starke Infektion sind eine lange Blattnassdauer von 2 bis 3 Tagen und eine Temperatur zwischen 20 und 25 °C ideal.
Von Mitte Juni bis drei Wochen vor der Ernte (Einhaltung der Wartefreist) kann einer Marssonina-Epidemie mit Behandlungen mit einem Tonerdepräparat vorgebeugt werden. Behandlungen sind vor allem vor Niederschlagsperioden mit warmen Temperaturen angesagt.
Mit einer Tonerde + Schwefel- Behandlung wird gleichzeitig eine Wirkung gegen Schorf, Mehltau, Pseudomonas und Gloesporium-Lagerkrankheiten erzielt. Nicht mischbar sind Tonerdepräparate mit Kaliumcarbonat-Präparaten (Armicarb, Vitisan), Cocana und Granulosepräparaten (Apfelwicklerbekämpfung). Um die Kulturen auch gegen die Regenfleckenkrankheit ausreichend zu schützen, empfiehlt sich deshalb eine alternierende Anwendung mit Kaliumbicarbonat (Armicarb) + Schwefel oder eventuell Kokosseife (Cocana).
Ein mögliches Behandlungsregime gegen Marssonina wird anhand des Beispiels der Witterungsereignisse am Standort Frick 2012 in der Grafik unten vorgeschlagen.
Artikel aus der «Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau» Nummer 16/13:
Projekt "Entwicklung direkter und indirekter Maßnahmen zur Bekämpfung von Marssonina coronaria auf Basis von Parametern zur Infektionsbiologie des Erregers unter westeuropäischen Klimabedingungen" (FiBL-Projektdatenbank)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 09.08.2018