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50. Todestag von Bauhaus-Gründer Walter Gropius
Walter Gropius gründete vor 100 Jahren das «Staatliche Bauhaus», um die Art, wie Dinge gestaltet werden, völlig neu anzugehen. Vor genau 50 Jahren am 5. Juli 1969 starb der berühmte Architekt. Wir zeigen einige seiner Werke, die bis heute die Architektur beeinflussen.
Walter Gropius führte Kunst, Handwerk und Technik zu einer neuen Art der Gestaltung zusammen (Bild um 1919).
Das Bauhaus und der Begründer
Walter Adolf Georg Gropius (* 1883, Berlin; † 1969, Boston) gilt als Mitbegründer der modernen Architektur neben Ludwig Mies von der Rohe, Le Corbusier und Frank Lloyd Wright. 1903 beginnt er ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule München, das er nach einem Wechsel an die Technische Hochschule Charlottenburg 1908 endgültig abbricht.
1908 engagiert ihn Peter Behrens, in dessen Architekturbüro er unter anderen mit Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier zusammenarbeitet. Seine Aufgaben beschreibt er später wie folgt: «Ich war Professor Behrens Faktotum». Nach einer Auseinandersetzung um Bauschäden an einem Gebäude, für das er die Aufsicht inne hatte, macht er sich selbständig.
1910 ergeben sich erste Kontakte zum Deutschen Werkbund während der Tätigkeit als Industriedesigner.
1911 führt Gropius die erste bedeutende architektonische Arbeit aus. Den Bau des Fagus-Werks realisiert er zusammen mit Adolf Meyer.
1918 wird er als Nachfolger von Henry van de Velde als Direktor der Grossherzoglich-Sächsischen Hochschule für bildende Kunst und Kunstgewerbeschule sowie der Grossherzoglichen Kunstgewerbeschule in Weimar berufen.
1919 fusioniert Gropius die beiden Institute zum «Staatlichen Bauhaus in Weimar».
1925 wird das Bauhaus nach Dessau verlegt.
1928 übernimmt der Schweizer Architekt Hannes Meyer die Direktion.
1930 rückt Mies van der Rohe als Direktor nach.
1933 wird das Bauhaus von den Nazis geschlossen.
1928 – 34 ist Gropius in Berlin als freier Architekt tätig.
1934 ist er gezwungen, nach England zu emigrieren, nachdem die Nationalsozialisten das mittlerweile etablierte Bauhaus als «Kirche des Marxismus» diffamieren und angreifen.
1937 folgt er dem Ruf an die Harvard University, Cambridge (USA).
1946 gründet Gropius zusammen mit anderen Architekten die Gruppe «The Architects Collaborative (TAC)», in dem junge Architekten in Teamarbeit an Projekten arbeiten sollen. In späten Lebensjahren ist er wieder öfters in Deutschland und insbesondere in Berlin tätig.
Anlässlich seines 50. Todestages stellen wir einige Werke vor:
«Gropiusstadt», Berlin.
Mutter aller Satellitenstädte
Geplant war die Grosswohnsiedlung als Mittel, um die Wohnungsnot im zerbombten Berlin zu lindern. Gropius betreute den Bau mit seinem Büro «The Architects Collaborative (TAC)» mit dem Ziel, die «mannigfaltigen Elemente des herkömmlichen Stadtlebens» zu verbinden. Weite Grünflächen sollten die Bebauung auflockern, auch Einfamilienhaussiedlungen waren vorgesehen. Weil in den Anfängen viele Berliner noch in Gebäuden mit dunklen Hinterhöfen hausten, waren die Wohnungen hochbegehrt.
Doch die riesigen Wohnblöcke mit 18 500 Wohnungen, davon 90 Prozent Sozialwohnungen, entwickelten sich in den 1980-er Jahren zum Problemviertel. Dunkle Ecken und Treppenhäuser lösten Ängste aus, das soziale Leben entwickelte sich nicht wie erhofft. Und Freiflächen fehlte die Aufenthaltsqualität, weil die Pläne von Gropius nicht umgesetzt wurden. Autorin Christiane F. schildert die Aspekte von «Gropiusstadt» im Buch «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo».
Schuld war Gropius für den jahrelangen Misserfolg nicht unbedingt: Der Mauerbau 1961 führte entgegen den ursprünglichen Plänen zu einer starken Nachverdichtung. Statt der maximal geplanten fünf Geschosse, wurde bis zu dreissig Etagen gebaut. «Die Siedlung war ein quälender Faktor für Gropius – vor allem, weil es sich als schier unendliches Projekt entpuppte», sagte Annemarie Jaeggi, Direktorin des Bauhaus-Archivs in Berlin, gegenüber der «Welt».
Gropius habe sich über die zunehmende Verdichtung wegen des Mauerbaus geärgert. «Das hat ihn bis zum Lebensende gequält.» Gropius erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Das «Wohnhaus Ideal» ist mit 90,85 Metern übrigens bis heute das höchste Wohnhaus in Berlin. Nach Aufwertungen ist Wohnraum in «Gropiusstadt» mittlerweile wieder gefragt (Bild: Ansicht von der Rudower Höhe auf «Gropiusstadt»).
«Prellerhaus», Dessau.
Ateliergebäude «Prellerhaus»
Das 1926 fertiggestellte Ateliergebäude ist auch als «Prellerhaus» bekannt, was aber keine Anspielung auf die Zahlungsmoral der einquartierten Studenten war. Der Name wurde vom Atelierhaus in Weimar übernommen und erinnert an den Maler Karl August Louis Preller.
Schüler und Lehrer arbeiten im Geiste des Bauhauses eng zusammen, um zur gesellschaftlichen Transformation beizutragen. Die Ausrichtung der Produkte auf die Bedürfnisse breiter Bevölkerungsschichten sollte zur sozialen Synthese führen. In der Ausbildung werden alle Kunstgattungen und Handwerksarten integriert. Gropius glaubte an die Macht guter Gestaltung bei der gesellschaftlichen Veränderung.
Fagus-Werk, Alfeld in Niedersachsen.
Fagus-Werk als grosser Wurf
Walter Gropius erster bedeutender Bau war eine Fabrik für Schuhleisten. Das Fagus-Werk im nierdersächsischen Alfeld, zwischen 1911 und 1913 entstanden, steht für ein architektonisches Konzept, das Licht, Luft und Klarheit besondere Bedeutung beimisst. Gropius und sein Mitarbeiter Adolf Meyer konnten den schon fertigen Grundriss von Eduard Werner nutzen und sich auf die Fassadengestaltung konzentrieren. Sie schufen eine Struktur aus Glas und Stahl. Neu waren etwa die «offenen» Ecken. Die freitragenden verglasten Ecken geben dem Bau eine Eleganz, damals unüblich bei Fabrikgebäuden. Seit 1946 steht die Fabrik unter Schutz, 2011 wurde das Gebäude in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen.
Meisterhäuser in Dessau.
Wo zuerst die Meister wohnten
Ineinander verschachtelte, unterschiedlich hohe kubische Körper: die Meisterhäuser in Dessau. Die Liste der Bewohner liest sich wie ein «Who is Who» der Moderne. Hier wohnten unter anderem Lyonel Feininger, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky, Paul Klee oder Ludwig Mies van der Rohe.
Kunstgewerbemuseum in Berlin.
Inspiration durch Grossonkel
Das ehemalige Kunstgewerbemuseum Berlin entstand nach Plänen Martin Gropius, einem Grossonkel von Walter Gropius. Im Krieg wurde das Gebäude stark beschädigt. Gropius setzte sich später für den Erhalt ein, 1966 wurde es unter Denkmalschutz gestellt.