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Besonderes Merkmal und Unterschied zu anderen Pflanzen sind bei der Sojabohne der Proteingehalt und die Proteinqualität. Das macht die Sojabohne so beliebt unter Vegetariern, denn der Anteil an Proteinen beträgt 34%. Zudem besteht sie aus 22% Ballaststoffen, 18% Fett, 9% Wasser, 6% Kohlenhydraten und 5% Mineralien und Vitaminen. Die Fettsäurezusammensetzung besteht zum Grossteil aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Sie enthält zahlreiche Vitamine (Vitamin B1 und B2, Folsäure und Vitamin E) und ist reich an Kalzium und Magnesium. Die Sojabohne ist ausserdem eine effiziente und ökologische Nutzpflanze, denn sie deckt ihren Stickstoffbedarf zu zwei Drittel selbst und benötigt daher wenig zusätzlichen Dünger. Der Anbau von Soja fördert die Humusanreicherung im Boden. Der Ackerboden bleibt somit fruchtbar und besser durchlüftet.
Die einzigartige Zusammensetzung der Sojabohne machen sie zur vielseitigen Kulturpflanze. So wird sie für Lebensmittel (5%), in der chemischen Industrie (20%) und als Tiernahrung (75% der weltweiten Produktion) verwendet. Sojaöl wird für die Herstellung von technischen Ölen und Schmieren oder für Seife, Waschpulver und Kosmetik genutzt. Ausserdem lässt es sich in Margarine, Speiseöl, Kochfett und Mayonnaise finden. Sojaschrot oder -bohnen werden zu Sojamilch oder -joghurt, Sojasauce, Tofu, Teigwaren, Backwaren u.v.m. weiterverarbeitet.
Drei Viertel der Soja wird als Mischfutter in der Tiernahrung eingesetzt. Der hohe Proteingehalt macht Sojaschrot zum idealen Futter für Geflügel und Schweine. Gerade Geflügel, das sich natürlicherweise von Würmern und Käfern ernährt, hat einen hohen Proteinbedarf. Rinder, die sich sonst vor allem von Gräsern ernähren, brauchen weniger Proteine.
Der durchschnittliche tägliche Sojabedarf in Gramm pro Kilo Fleisch/ Ei beträgt:
Huhn 575g
Ei 307g
Schwein 263g
Rind 173g
In den letzten 40 Jahren hat sich die weltweite Sojaproduktion verfünffacht. Gründe dafür sind der steigende Bedarf in Asien, der weltweit gesteigerten Konsum an Fleisch, Eiern und Milchprodukten und die Verlagerung des Fleischkonsums zu Geflügel. Natürlich hat dies negative Folgen in den Anbauländern: Abholzung, Wasserverschmutzung, Bodenerosion, abnehmende Artenvielfalt, Konflikte zwischen Erzeugern und lokaler Bevölkerung wegen Land- und Arbeitnehmerrechten. Im Amazonasgebiet Cerrado in Brasilien ist seit 1950 die Hälfte der Fläche zur landwirtschaftlichen Nutzfläche umgewandelt worden.
Die Schweiz war das erste Land, das sich auf den Anbau und Import von nachhaltiger Soja festlegte. Nach Schätzungen sind 82% des weltweiten Anbaus von Soja gentechnisch verändert. Der Grossteil des Schweizer Imports stammt aus Brasilien. Da dort immer mehr gentechnisch veränderte Soja angebaut wurde, steigerte man den Import aus Europe um 20%. Obwohl die Schweiz im globalen Kontext nur ein unbedeutender Sojaproduzent und –verbraucher ist, ist sie dennoch Wegbereiterin für die nachhaltige Sojaproduktion. Die 2004 von WWF und Coop initiierten „Basler Kriterien“ sind die Grundlage für nachhaltige Standards von ProTerra und RTRS (Round Table for Responsible Soya). Dabei soll Einfluss auf die Anbaubedingungen von Soja genommen werden mit dem Ziel, die Produktion in eine nachhaltigere Richtung zu lenken und artenreiche Flächen zu schützen. Ein weiteres Grundprinzip der „Basler Kriterien“ ist gentechnikfreie Soja.
Bei den RTRS- und ProTerra-Standards müssen folgende Kriterien eingehalten werden:
- Ökologische Kriterien: Keine Rodung von Primärwäldern und artenreichen Lebensräumen sowie Reduktion von potenziell schädlichen Pflanzenschutz- und Düngemittel
- Soziale Kriterien: Einhaltung von Arbeitsrechten, Mindestlohn, keine Kinderarbeit
- Kein Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen
- Die Kontrolle erfolgt durch unabhängige Stellen.
Die Schweiz gehört 2013 zu den Erstunterzeichnern der Donau Soja Erklärung. Diese Organisation will den nachhaltigen Sojaanbau in Europa unterstützen. 2016 wurde dann von 19 Gründungsorganisationen das Soja-Netzwerk Schweiz gegründet. Der Verein setzt sich für den Anbau sowie die Beschaffung, Vermarktung und Verwendung von verantwortungsbewusst produzierter Soja ein. Ziel des Netzwerkes ist es dabei, für die Schweiz eine Marktabdeckung von mindestens 90% mit verantwortungsbewusst produzierter Soja zu erreichen.
Durch die Zusammenarbeit wichtiger Akteure der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft ist die Schweiz ein Vorbild für viele andere Länder: Seit 2011 ist der Importanteil von verantwortungsbewusster Soja von 40% auf 96% gestiegen. Durch die ProTerra- und RTRS-Standards konnte der Einsatz von chemischen Wirkstoffen in Brasilien reduziert bzw. verboten werden. Durch den gesteigerten Import aus Europa hat sich die Ökobilanz laut Agroscope verbessert. Andere europäische Länder (Schweden, Deutschland, Niederlande und Belgien) starteten ähnliche Initiativen. In der Folge haben sich in Brasilien Anbieter an den europäischen Bedarf nach verantwortungsbewusster, zertifizierter und gentechnikfreien Soja angepasst. Grosse Agrokonzerne bieten mittlerweile zertifizierte Soja an. Dennoch macht diese Soja bislang nur 4% des weltweiten Handels aus, und ihre Verwendung in der Fleischerzeugung bleibt ökologisch bedenklich.