Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03546.jsonl.gz/936

Der Gutshof Enggistein ist ein auf biologische Landwirtschaft ausgerichteter Betrieb mit den Schwer-gewichten Acker- und Futterbau sowie Pensionspferdehaltung und Pferdezucht.
Die zum Gutshof Enggistein gehörende Gebäudegruppe liegt harmonisch in Hanglage zum „Enggist“, eingebettet in der Voralpinen Hügelzone auf 740m ü. M.
Hinweise über den Ursprung des Gutshofs findet man im Band 76/77 "Worb Schloss und Dorf" aus der Reihe der Berner Heimatbücher von Emil Schneiter, Verlag Paul Haupt Bern:
Im Jahre 1860 wurde ein Gebäude, das Schüp-bachgut im damaligen Ortsteil 'Oberenggistein', (später als 'Gutshof Enggistein benannt), vom Verein zur Gründung einer Armenerziehungs-anstalt des Amtes Konolfingen gekauft. Der Verein nahm im Jahre 1861 zwölf Waisenknaben im Alter von 9 bis 14 Jahren als Zöglinge auf. Im Jahr 1863 und 1866 wurde das Heimwesen durch Kauf von weiteren Liegenschaften erweitertet.
1911 wurde die Armenerziehungsanstalt aufgelöst - die Knabenerziehungsanstalt bestand weiter und beherbergte 40 bis 50 Knaben aus dem Amt Konolfingen, der Stadt Bern und weiteren Umgebung. Neben dem Schullehrplan wurden die Knaben für landwirtschaftliche Arbeiten eingesetzt. Durch Rückgang der Zahl der Zöglinge wurde das Gut im Jahre 1934 vom Amt Konolfingen an die Stadt Bern verkauft und noch bis 1936 als Knabenerziehungsanstalt Enggistein weitergeführt. So liest sich dann im Berner Heimatbuch: "Mit diesem Vermächtnis ging die umfangreiche, schöne Liegenschaft am Hang des Enggist mit dem herrlichen Ausblick auf die Bundesstadt, dem Amte verloren".
Das Gut, resp. der landwirtschaftlich genutzte Teil, wurde fortan durch die Stadt Bern bewirtschaftet und später verpachtet. Die Liegenschaften wurden im Lauf der Jahre für verschiedene Zwecke einge-setzt: während dem 2. Weltkrieg als Abhörstation der Schweizer Armee und Internierungslager für polnische Flüchtlinge, für Kleingewerbe wie Schmiede, Schreinerei und Gärtnerei, als Truppenunter-kunft sowie von 1990 bis 2019 als Durchgangszentrum für Asylsuchende.
Im Jahr 2003 erwarb die Familie Reusser den Gutshof Enggistein mit den dazugehörigen Liegenschaften nach insgesamt 27-jähriger Pacht.