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Wir Menschen besitzen die aussergewöhnliche Fähigkeit, vernünftig zu denken und zu handeln, was es uns ermöglicht, aus Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen, nach vorne in die Zukunft zu blicken und Pläne für unsere Zukunft zu entwerfen.
Oder anders ausgedrückt: Wir verfügen mit unserem Verstand oder Intellekt über ein hoch leistungsfähiges Instrument, welches es uns ermöglicht, zielgerichtet vorzugehen und uns Ziele für unser Leben zu setzen. Für ein besseres Leben.
Einschub: Und gleichzeitig Meister*in darin ist, auf kreative Weise immer wieder Hindernisse und Blockaden zu kreieren, die es uns erschweren oder verunmöglichen, unsere Ziele zu erreichen.
Einschub zwei: Insbesondere WENN 1. Unsere Ziele nicht auf unsere Bedürfnisse abgestimmt sind und 2. Wir uns keine schlauen Ziele setzen.
In diesem Artikel geht es um Punkt 2: Wie setzen Sie sich schlaue Ziele?
Das unter Psycholog*innen und Coaches beliebteste Instrument für die Zielformulierung ist das S.M.A.R.T.-Modell des österreichisch-amerikanischen Managementforschers und Unternehmensberaters Peter Drucker und basiert auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen über Strategien, die sich bewährt haben, damit Menschen tatsächlich mit hoher Wahrscheinlichkeit Ihre Ziele umsetzen und erreichen können.
Ich möchte Ihnen dieses Modell anhand eines konkreten Beispiels vorstellen.
Nehmen wir an, dass Frau Smart sich bei mir für eine psychotherapeutische Behandlung meldet mit dem Wunsch, dass sie sich mit Hilfe der Behandlung besser fühlen kann. Ihr Ziel ist also, sich besser zu fühlen. Wie soll das nun gehen? Was würden Sie Frau Smart raten? Vielleicht kommen Sie auf eine schlaue Idee, ich auf jeden Fall nicht. Noch nicht. Das Ziel von Frau Smart ist zwar ein sehr nachvollziehbares, aber nicht schlau formuliert. Wie kann Frau Smart ihr Ziel nun also smarter formulieren?
Das S.M.A.R.T.-Modell geht davon aus, dass Menschen Ihre Ziele leichter umsetzen und erreichen können, wenn sie diese auf folgende Weise formulieren:
S. wie specific oder spezifisch:
Ein Ziel soll so eindeutig wie möglich formuliert werden. Statt der vagen Formulierung „ich möchte mich besser fühlen“, würde ich mit Frau Smart nun anschauen, wie sie möglicherweise einen Beitrag dazu leisten könnte, dass sie sich besser fühlt. Sei es auf der Verhaltens-, Denk- oder Gefühlsebene. Frau Smart hat zum Beispiel in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass sie sich besser fühlte, wenn sie sich täglich eine halbe Stunde Zeit nahm, um an die frische Luft zu gehen und einen Spaziergang zu machen. Ein spezifisch formuliertes Ziel würde nun also folgendermassen lauten: „Ich möchte mir in der kommenden Woche jeden Abend eine halbe Stunde Zeit nehmen für einen Spaziergang.“
M. wie measurable oder messbar:
Es soll möglich sein, zu überprüfen anhand von objektivierbaren Kriterien, ob jemand sich auf dem Weg zum Ziel befindet oder nicht. Vielleicht möchte Frau Smart auch noch ihre Abgrenzungsfähigkeit verbessern. Wie misst man diese? Es gibt meines Wissens keinen Bluttest dafür. Wir müssten nun also Situationen, Verhaltensweisen, Abläufe besprechen, welche dafür sprechen würden, dass Frau Smart diese Fähigkeit entwickelt oder entwickelt hat. Einfacher lässt sich dies am Spazier-Beispiel zeigen: Frau Smart kann ein Protokoll führen und darin eintragen, ob und an welchen Tagen sie sich die Zeit für ihren Spaziergang genommen hat. Und Ende Woche messen, ob sie auf Kurs ist.
A. wie achievable oder erreichbar.
Damit ist gemeint, dass schlaue Ziele eine persönliche Relevanz besitzen sollten. Wenn Frau Smart sich für ihr Leben mehr Bewegung wünscht, weil ihre Nachbarinnen alle am Abend ums Quartier walken und sie denkt, das müsste sie auch tun, um von ihren Nachbarinnen respektiert zu werden, besitzt das Ziel vermutlich wenig wirkliche persönliche Relevanz für Frau Smart, da es extrinsisch, d.h. von aussen motiviert ist. Wenn sie persönlich überzeugt ist, dass sie für ihr Wohlbefinden von mehr Bewegung profitieren kann, wird das Ziel für sie intrinsisch, relevant und somit erreichbar.
R. wie reasonable oder realisierbar.
Schlaue Ziele sind realistisch gesetzt. Sie führen weder zu Unter- noch zu Überforderung, sondern sind im aktuellen Alltag realisierbar. Frau Smart stellt fest, dass sie an zwei Tagen pro Woche keine Zeit für ihren Spaziergang finden wird, da sie an einem Abend ins Yoga geht und einen Abend pro Woche einfach frei halten will. Sie korrigiert ihr Ziel dahingehend, dass sie sich vornimmt, an fünf Abenden pro Woche an die frische Luft zu gehen.
T. wie time-bound oder terminiert.
Es ist möglich, sich eine Frist zu setzen, innerhalb welcher das Ziel erreicht werden kann. Frau Smart könnte sich beispielsweise ein kurzfristiges Ziel setzen: „Innerhalb der kommenden beiden Wochen werde ich an fünf Abenden pro Woche einen halbstündigen Spaziergang machen.“ Und für die Zeit danach ein längerfristiges: „In den kommenden drei Monaten werde ich es mir zur Gewohnheit machen, an mindestens zwei Abenden pro Woche einen Spaziergang zu machen.“
Das ist schon alles. Keine Hexerei, oder?
Noch als Ergänzung, insbesondere zu Punkt A wie achievable: Hier spielt die Selbstkenntnis eine wichtige Rolle. Nur wenn sich Menschen ihrer Bedürfnisse und ihrer gegenwärtigen Bedürfnisstruktur bewusst sind, können sie sich erreichbare Ziele setzen. Aus der psychologischen Forschung wissen wir, dass das Bedürfnissystem und das Zielsystem in unserem Gehirn komplett unabhängig voneinander funktionieren, bzw. unterschiedlichen Funktionseinheiten zugeordnet sind. Gemäss dem Osnabrücker Persönlichkeitspsychologen Julius Kuhl befindet sich unser Bedürfnissystem im sogenannten „Extensionsgedächtnis“, das Zielsystem im „Intentionsgedächtnis“. Er macht auch die interessante Unterscheidung unserer Gefühlswelt in ein emotionales und ein affektives System: Unser System der Emotionen (Freude, Angst, Wut, Trauer, Ekel etc.) hängt stärker mit unseren Zielen zusammen, unser affektives System (System der Körperempfindungen wie Druck, Leichtigkeit, Schwere, Anspannung, Entspannung, Kribbeln, Fliessen etc.) stärker mit unseren Bedürfnissen. An unseren Emotionen erkennen wir, ob wir uns auf dem Weg zur Zielerreichung befinden, an unseren Körperempfindungen, ob unser Vorgehen und unser Verhalten unseren Bedürfnissen entsprechen. Aus diesem Grund arbeite ich in meiner Tätigkeit immer auch mit und auf der Körperebene. Ich würde Frau Smart nun also fragen, welche Körperempfindungen sie erlebt, nachdem sie ihr Ziel smart formuliert hat. Wenn sie ein Gefühl von Leichtigkeit, Beschwingtheit, Kraft und Energie erlebt, weist das darauf hin, dass ihr Ziel zu ihrem Bedürfnis passt und tatsächlich zu mehr Wohlbefinden führen könnte. Fühlt sie sich eher schwer, träge, energielos, düster, könnte das darauf hinweisen, dass dieses Ziel zu einem früheren Zeitpunkt in ihrem Leben richtig war, es aktuell aber um ein anderes Bedürfnis gehen könnte. Dann würden wir den Fokus darauf richten, dieses zu identifizieren und daraus ein anderes SMARTEs Ziel abzuleiten.
Wenn Sie mehr über die beiden Systeme und die Theorie von Julius Kuhl erfahren möchten, lesen Sie doch diesen Blog-Artikel: Die PSI-Theorie von Julius Kuhl.
Ansonsten hoffe ich, Sie fühlen sich nun schlauer und spüren ein Gefühl von Beschwingtheit und Energie, das Sie nutzen können, sich schlaue Ziele zu setzen für mehr Freude, Kraft, Energie und Wohlbefinden in Ihrem Leben.
Und falls Sie sich für Ihre Zielsetzung Unterstützung wünschen, melden Sie sich bei mir, ich helfe Ihnen gerne dabei. Oder schauen Sie auch noch in diesem Blog-Artikel vorbei: Von Vorsätzen zum Umsetzen.
Vielen Dank für Ihre Interesse und willkommen bei Ihnen.
Gehen Sie smart mit sich, Ihren Zielen und auch Ihren Mitmenschen um, das ist das Beste, was Sie für sich und andere tun können. Smartness ist ansteckend.
Herzlich,
Simon Gautschy