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Am Übergang
Noch Stadt oder bereits Peripherie?
Der Kontrast könnte nicht grösser sein - kaum hat man die raumgreifende, den Bucheggplatz überspannende Wegskulptur stadtauswärts verlassen, beginnt eine andere Welt. Zierliche Birken säumen die Strassenränder. Sie erinnern schwach an die ursprüngliche Absicht eine städtische Strasse vom Schaffhauserplatz bis nach Oerlikon zu führen, vermögen es jedoch nicht, der Ausfallachse ihren Peripherie-Charakter zu nehmen. Die grosszügig angelegte Hofwiesentrasse mit Tramlinie und Vorgärten sollte den Quartierplänen aus den 30er-Jahren zufolge, wie im Milchbuckquartier, von dreigeschossigen Zeilen begleitet an der Kreuzung mit der Wehntalerstrasse einen Ort im Stadtgrundriss bilden. Die 60er-Jahre durchkreuzten diese Pläne jedoch mit markanten, aus der Reihe tanzenden Einzelgebäuden ohne strassenraumbildende Eigenschaften. Die gegenüberliegende westliche Strassenseite blieb bis ins 21. Jhd. unbebaut.
Stadtbaustein am Fuss des Käferbergs
Mit der Erneuerung und Verdichtung der Wohnquartiere um den Bucheggplatz wird nun auch dieses Gebiet von Süden her in mehreren Etappen entwickelt. Hohe, sich vom Strassenraum abwendende Zeilenbauten leiten den Übergang zum Norden Zürichs ein. Als mäandrierende Grosssiedlungen am Fuss des Käferbergs setzen sie neue Massstäbe was die Dichte betrifft. Sie wenden sich formal und von ihrer Lage her jedoch mehr dem Waldrand als dem städtischen Raum zu und bilden selbstbezogene Siedlungsinseln. Auf der Guggachbrache bietet sich die Gelegenheit die aktuelle Wachstumsphase für eine Korrektur im städtischen Gefüge zu nutzen und einen zentralen Ort im Quartier auszubilden. Mit einer starken Geste zum Strassenraum bildet der siebengeschossige Wohnungsbau zusammen mit dem quer zur Strasse gestellten Schulhaus einen räumlichen Abschluss und somit ein Gegenüber zum wenig raumbildenden Konglomerat des Radiostudios und den losen Einzelgebäuden auf der anderen Strassenseite.
Struktur der Gemeinschaft
Quartierpark, Schulhaus und Wohnsiedlung mit Nahversorgung bilden zusammen eine Einheit, sowohl räumlich als auch funktional. Die Gebäudevolumen sind volumetrisch aufeinander abgestimmt und über ihre Ausbildung und Materialisierung ihrer Bedeutung entsprechend differenziert. Das räumliche System nimmt neben seiner eigentlichen Bestimmung als Wohn-, Schul- und Freiraum Quartierfunktionen auf die einem weiteren Publikum offenstehen. Der Gemeinschaftsraum ist auch Teil des Quartierparks, die Eingangshallen öffnen sich zu den vorgelagerten Aufenthaltsbereichen, die Freiräume von Schule und Kindergarten sind in das freiräumliche Gesamtkonzept integriert.
Verortung im Quartier
Räumliche Vernetzungsstruktur
Der baulich gefasste Freiraum Guggach mit Quartierpark ist ein urbanistisches Element, das auf verschiedenen Ebenen das Quartier Unterstrass, Naherholungsgebiet und Langsamverkehr zusammenfasst. Es entsteht ein Ort klarer Erkennbarkeit, der innerhalb der umgebenden Wohnbaustrukturen, Erschliessungen und Anlagen des öffentlichen Verkehrs mit den spezifischen Freiräumen des Quartiers in Kontakt tritt. Offenes Familiengartenareal, Friedhof Nordheim, Freibad Allenmoos und Spielplatz GZ Buchegg sind mit dem neuen Quartierpark Guggach unmittelbar verbunden. Freiräumlich erweitert sich die Parkfigur in die grünen Innenwelten der benachbarten Wohnbauten und verbindet sich zum Wald des Käferberges. Hofwiesen- und Wehntalerstrasse sind die städtischen Strassenzüge, an denen die parkfassenden Neubauten klar adressiert sind. Der strassenbegleitende, über Eck gezogene Wohnungsbau mit Grossverteiler im Erdgeschoss und das Schulgebäude an der Wehntalerstrasse bilden das punktuell durchlässige Rückgrat des Quartierparkes. Der Park wird von den Strassenräumen aus über eine grosszügige, sich dynamisch entwickelnde Vorzone erschlossen. Gut sichtbare Zugänge verbinden den Strassenraum zur höher liegenden Parkebene. Die topografische Schärfung des Geländeprofils lässt den Park vom Wald her sanft abfallend in eine Ebene zu den Neubauvolumen auslaufen. Das zu erwartende Aushubmaterial kann wirtschaftlich sinnvoll umgelagert werden. Die Parkebene durchdringt die Bauten und tritt strassenseitig in Form einer Esplanade in Erscheinung. Sie markiert gleichzeitig die verbindende Sockelpartie zwischen Wohngebäude und Schulhaus. Treppenaufgänge, Liftanlagen und eine dem gewachsenen Terrain folgende Fussgängerrampe entlang dem Familiengartenareal erschliessen den Park. Entlang der abfallenden Hofwiesenstrasse bildet die Esplanade mit darunter liegender Veloeinstellhalle die Adressierung. An der Wehntalerstrasse sind die Hauptzugänge für das Wohnen und die Schule auf der Stadtebene angeordnet. Die bedeutende Zugangssituation am Brunnenhofweg erfolgt über eine von Bäumen durchsetzte Platzsituation. Besucherparkierung und Anlieferung sind informell organisiert. Der quartierverbindende Brunnenhofweg wird zum aufgefächerten Erschliessungsstrang mit Aufenthaltsqualität. Als aufgewerteter Grünzug fasst er Quartierpark und Wohnumfelder zusammen. Mit den Freiraumanlagen von Wohnen, Schule und Kindergarten entsteht eine räumliche Vernetzungstruktur auf verschiedenen Ebenen.
Spielwiese - Garten - Pausenplatz
Die Lage der Durchwegung und die Anordnung und Typologie der Vegetation organisieren die Öffentlichkeitsstufen im Park. Das offene Zentrum mit Spielwiese und Hartplatz wird vom verdichteten Rand, einer lebendigen, vegetativen Pufferzone, umfasst. Bandartige Strauchvegetation mit durchlaufenden Freiräumen und kleinräumiger Aufenthaltsqualität bilden ein eigenes Milieu. In diese robuste Vegetationsstruktur eingelagert sind die gemeinschaftlichen Aussenräume des Wohnens sowie die Spiel- und Aufenthaltsflächen des Kindergartens. Zu den erdgeschossigen Loggien hin erzeugt die Vegetation angemessene Privatheit. Locker angeordnete Gruppen von hochstämmigen Bäumen und Grossträuchern bilden die räumliche Parkstruktur, behaupten eine erkennbare Kulisse und spenden lichten Schatten für Spiel und Aufenthalt. Für das Quartier entsteht ein vielschichtiger Gesamtraum für Wohnen, Leben und Bildung, der in seiner räumlich differenzierten Masstäblichkeit vielfältigen Aneignungsspielraum durch die Benutzer zulässt. Das Schulhaus ist mit seiner Stirnseite an der Wehntalerstrasse verankert und über die Sockelpartie mit dem Wohngebäude verbunden. Vom Vorplatz aus erschliesst sich der Hauptzugang zur Schule und der Aufgang zum Park. Die Schulanlage wird in den Park integriert. Hartplatz und Spielwiese sind gleichermassen Freiräume für die schulischen Nutzungen und das Quartier. In Abhängigkeit der schulischen Nutzungen könnte der Hartplatz eingezäunt und mit einer Zugangsbeschränkung versehen werden. Die Aufenthalts- und Pausenfläche erstreckt sich um das Schulgebäude, die gedeckte Pausenhalle befindet sich vom Wohnen abgewandt im Nordwesten vor der Mensa, ein zweiter gedeckter Aufenthaltsbereich wird im Westen des Hartplatzes kombiniert mit dem Geräterraum angeboten, er dient auch dem Quartier. Die Vegetationsflächen sind weitgehend naturnah angelegt. Die gemähte Spielwiese liegt in einem Blumenrasen, der sich durch die Bänderung der einheimischen Straucharten bis zu den Bauten hinzieht. Gräserschichten strukturieren zusätzlich den Raum, einheimische Laubbäume und Grossträucher erzeugen eine jahreszeitlich spezifische Stimmung. Das heutige Bachgerinne wird angehoben und für die Ausbildung zweier wechselfeuchter Standorte mit Sumpf- und Wasserpflanzen genutzt. Sie sind im erweiterten Zugangsbereich des Brunnenhofweges und in der Nähe des Kindergartens mit seinem Spielplatz verortet. Die Möblierung erfolgt sehr extensiv. Bänke an der Peripherie der Spielwiese und im Umfeld des Schulhauses und Kindergartens laden zum Verweilen ein, die für den Betrieb notwendigen Installationen für Sport und Spiel im Bereich des Hartplatzes und der Spielwiese animieren zur Nutzung. Beleuchtungskörper entlang den Haupterschliessungen dienen der Orientierung und stellen die Sicherheit des öffentlichen Raumes her.
Schnittstelle zum Quartier
Lebensraum Schule
Die Schule ist heute weit mehr als ein Ort des Lernens. Das Schulhaus hat sich seit der Einführung der obligatorischen Schulpflicht um 1830 vom Objekt das die erzieherische Absicht und somit Autorität ausstrahlte zum alltäglichen Lebensraum für Heranwachsende entwickelt. Viele Kinder und Jugendliche verbringen den ganzen Tag auf dem Schulareal. Dieses wird somit viel stärker Teil des Alltags und somit Teil des persönlichen Lebensraums. Angebote für externe Nutzerinnen und Nutzer verstärken dieses Phänomen zusätzlich. Das Guggach-Schulhaus wurde explizit als Teil des Quartiers konzipiert. Es greift mit seiner Volumetrie sowohl in den Guggach-Park als auch in den Strassenraum ein und ist somit auf beiden Zugangsebenen fest verankert. Die innere Organisation folgt der Logik des Quartiers. Auf dem Strassenniveau befinden sich der Mehrzweckraum und die Sportanlagen die auch unabhängig vom Schulbetrieb nutzbar sind, alle Unterrichts- und Aufenthaltsräume liegen lärmabgewandt in den oberen Geschossen und haben mehrheitlich einen direkten visuellen Bezug zum Freiraum. Zentral in ihrer Lage und Funktion ist die zweiseitig belichtete Erschliessungshalle die in jedem der drei Unterrichtsgeschosse zwischen den zueinander versetzten Zimmerstapeln liegt. Auf dem Dach befinden sich neben der Bibliothek Räume für die Lehrerinnen und Lehrer sowie das Sekretariat. Dachgarten und Terrasse bilden einen Rückzugsraum mit Aussicht.
Erscheinungsbild
In seiner Masstäblichkeit gleicht sich das Schulhaus dem schlanken Wohnungsbau an. Die hochwertige Materialität der Fassade ist ein subtiler Hinweis auf seine Bedeutung als öffentliche Institution. Die Fassade des Wohnhauses ist hingegen leicht und fein strukturiert. Die semitransparente Haut reflektiert spielerisch Licht und Witterung und lässt die Wohnwelten durchschimmern die sie verhüllt.
Viel Raum wenig Quadratmeter
Wohnen zwischen Frei- und Stadtraum
Die Wohnsiedlung Guggach III soll nicht nur in ortsbaulicher Hinsicht eine Lücke schliessen, die Stiftung Einfach Wohnen beabsichtigt hier, als Ergänzung zu den zahlreichen Familienwohnungen in unmittelbarer Umgebung sehr günstigen Wohnraum für Menschen in der Vor- oder Nachfamilienphase zu erstellen. Trotz Kostendruck und stark einschränkender Lärmbelastung steht die Absicht eine hohe Wohnqualität für alle zu erreichen im Vordergrund. Die Lage des Gebäudes zwischen Frei- und Stadtraum wirkt sich unmittelbar auf die Grundrisse aus und zeichnet sich auch in deren Ausstattung ab. Lange Wohnhallen entlang der Strassen verleihen den knapp bemessenen Wohnungen eine überraschende Grosszügigkeit. Zum Park hin entwickeln sich dreiseitig orientierte Wohnungen um den mäandrierende Wohnraum. Alle Wohn- und Schlafräume liegen direkt am Park und sind somit ausnahmslos lärmabgewandt lüftbar. Die Verteilung der Kleineinheiten in Erd- und Dachgeschoss stärk das Treppenhaus als soziale Einheit.