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Eine stattliche dreistöckige Fassade am vielbegangenen Fischmarkt, eine mächtige Giebelmauer mit dem Hauseingang im Kellergässlein, ein ansehnlicher Flügelbau an dem bergaufwärts folgenden Plätzchen. So präsentierte sich die gotische Liegenschaft am Fischmarkt 11. Sie bildete mit anderen gotischen Liegenschaften ein harmonisches Ensemble um den alten Fischmarkt. Die Hauptfassade zeigte im ersten Stock eine flotte gotische Fenstergruppe mit sehr schönen Profilen, im zweiten Stock einfachere Fenster, und das Ganze war gekrönt von einem mächtigen Dach mit dreistöckigem Estrich. Der Pfeiler links in der Hauptfassade trug die Jahreszahl 1539, im Gässlein beim Haus zum Brunnen (Petersberg 1), an der nördlichen Seite des Gebäudes, fand man in einem Türsturz die Jahreszahl 1535. Ein altes gotisches Fenster auf jener Seite wies ein sehr hübsches Steinmetzzeichen auf.
Betrat man das Innere des Hauses durch die Haustüre im Kellergässlein, so kam man in ein geräumiges Treppenhaus, von dem aus, auf jedem Stock, das sonnige Flügelgebäude mit seinen drei Wohnungen betreten werden konnte. Im ersten Stock gegen den Fischmarkt lag der schönste Wohnraum des Hauptgebäudes; dort war zwischen den beiden gotischen Fenstern ein prächtiges Beispiel einer spätgotischen Fenstersäule erhalten.
Zur Geschichte der Liegenschaft
Eine Urkunde des Steinenklosters aus dem Jahr 1344 meldet, dass Gertrud und Greta Hauenstein, Schwestern und Jungfrauen, das Haus einem Fischer Johann Virley verkauften. Sie hatten es von Frau Adelheid selig, ihrer Muhme, geerbt. 1358 ist erwähnt, dass die Liegenschaft sich neben der „Fischertrinkstube“ befindet. 1413 sehen wir das Haus im Besitz von Hemann Fröwler von Ehrenfels, dem Oberstzunftmeister, der 1410 im Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen Adel und Zünften um die Vorherrschaft in der Stadt für 10 Jahre nach Thun verbannt wurde. Sein und seiner Gattin Wappen sind noch an der Hauptfront der Barfüsserkirche zu sehen. Die Liegenschaft gelangt dann durch Vergabung in den Besitz zum Teil des Domstifts und zum Teil des Siechenhauses zu St. Jakob, an die auch später noch lange der Bodenzins abzuführen ist.
Im Jahre 1532 wird das Haus Eigentum des Druckerherrn und Buchführers Conrad Rösch. Es darf als sicher angenommen werden, dass das Vordergebäude um diese Zeit ungefähr die Gestalt gewann, die es bis zuletzt hatte. Die Jahreszahl 1539 an der Fassade gegen den Platz sprach dafür, während die Jahreszahl 1535 am hinteren Teil der Liegenschaft auf einen Münzmeister Carolus Brenner deutet, der 1510 auf eigene Kosten dort eine Münzwerkstätte einrichtete. Diese wird dann offenbar übernommen von dem Münzmeister Jakob Wonlich, der von 1569 an Eigentümer des Hauses ist und in den Jahren bis 1590 hier eine rege Tätigkeit entfaltete. Das Silber, das er verarbeitete, bezog er aus den Bergwerken von Giromagny und Rosemont, in der Gegend von Belfort. 1607 wohnte im Hause zur Glocke der Hauptmann Hieronimus Curio, der in französischem Dienste reich geworden war. Vorübergehend ist es auch einmal Apotheke unter Niklaus Werenfels. Dann kommt 1658 der Goldschmied und Zunftmeister Martin Stähelin, auf den sein Sohn, der Huthändler Emanuel Stähelin, folgt. Ein markantes Bild des ersteren ist im zweiten Band der Sammlung von „Basler Portraits“ aufgenommen.
1713 erwirbt für 5141 Pfund der Handelsmann Emanuel Stupanus die Liegenschaft mitsamt Garten, Matten und Rebland vor dem Spalentor. Auch sein Portrait findet sich in der genannten Bildersammlung. Sein Nachfolger ist Hans Heinrich Ryhiner, ebenalls ein Handelsmann. 1761 wird die Liegenschaft noch erweitert, indem der Besitzer sich einen Teil des Kellers unter dem Diakonathaus, dem Haus zum kalten Keller, sichert; ein eigentümliches Besitzrecht, das bis zuletzt bestand.
Ende des 18. Jahrhunderts kommt das Haus „zur Glocke“ in den Besitz der Familie Raillard. Niklaus Raillard, der Dreierherr, und sein Sohn Jeremias Raillard, Staatsrat und Deputat, wohnen hier von 1776 bis 1823. Um diese Zeit errichtet der vom Spalenring 13 hierher gezogene J.H. Bernoulli auf dem Fischmarkt eine Apotheke, die dann von Karl Betulius-Bernoulli von 1859 an fortgeführt wird. Seine Nachfolger waren die Apotheker Schellhas und Th. Lappe-Jahn, von dem der letzte Besitzer, Bäcker-Konditor Kastl, das Haus erwarb.
Die Berufe oder Nekrologe, die über verschiedene dieser Besitzer erhalten sind, sagen uns über ihre Erlebnisse nicht viel, aber aus den meisten geht hervor, dass es wohlhabende und angesehene Leute waren; angesehen deshalb, weil sie sich meist auf Reisen im Ausland eine tüchtige Bildung und Weltkenntnis erworben hatten, angesehen auch deshalb, weil sie ihre Kenntnisse, neben ihrem Beruf, in allerhand Ämtern zum Besten ihrer Vaterstadt dem allgemeinen Wohl zur Verfügung stellen konnten.
Das Ende der 400-jährigen Liegenschaft
Im Dezember 1925 noch wurde ein Umbau fertig gestellt, der als „den Bedürfnissen der Zeit angepasst“ gepriesen wurde. Das gute Alte werde möglichst geschont und damit der Charakter der Umgebung des Fischmarktes erhalten. Im Zuge der Spiegelhof-Überbauung war die Liegenschaft jedoch bald vom Abbruch bedroht. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Besitzer des Hauses "zur Glocke" kam man zu einer Einigung, die zur Folge hatte, dass man dem Besitzer entsprechendes Areal am verbreiterten Blumenrain bereitstellte. Die Liegenschaft wurde im September 1938 zusammen mit den Nachbarhäusern Fischmarkt 12 und Kellergässlein 2 und 4 niedergelegt.
Quellen:
- Nationalzeitung vom 9. September 1938
- Nationalzeitung vom 20. Dezember 1925