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In Hongkong sind am Samstag erneut Tausende Menschen gegen eine zunehmende Einflussnahme Chinas in der früheren britischen Kronkolonie auf die Strasse gegangen. Die Behörden schlossen vier U-Bahn-Stationen, um die Demonstration in einem Industriegebiet zu erschweren.
Die Menschen liessen sich davon jedoch nicht abhalten. Der Betrieb am Flughafen und auf den Strassen und Bahnverbindungen dorthin verlief zunächst normal, obwohl die Demonstranten die Verkehrsinfrastruktur eigentlich einem «Stresstest» unterziehen wollten.
Die Behörden hatten einen Gerichtsbeschluss erwirkt, der Proteste am Flughafen untersagte. Wegen der Belagerung des Hauptterminals durch Tausende Demonstranten hatte der Flughafen vergangene Woche zeitweise den Betrieb einstellen müssen. Rund tausend Flüge wurden abgesagt.
Ein in China verhaftete Mitarbeiter des britischen Konsulats in Hongkong kam unterdessen wieder frei. Er sei am Samstag freigelassen worden, teilte die Polizei mit. Simon Cheng habe die Anschuldigungen zugegeben, die gegen ihn erhoben worden seien. Der chinesische Konsulatsmitarbeiter sei 15 Tage in Haft gewesen, weil er gegen gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der öffentlichen Sicherheit verstossen habe, erklärte die Polizei über den Kurznachrichtendienst Weibo.
Am Freitagabend hatten bei Demonstrationen nach Angaben der Organisatoren 135’000 Menschen eine Menschenkette rund um die Stadt gebildet. Sie folgten damit einem Vorbild aus dem Jahr 1989, als schätzungsweise zwei Millionen Menschen in den drei baltischen Staaten so gegen die Sowjetunion protestierten.
In Hongkong demonstrieren seit Wochen Hunderttausende Menschen. Sie fürchten eine Beschneidung ihrer Rechte durch China und werfen Regierungschefin Carrie Lam eine zu grosse Nähe zur kommunistischen Regierung in Peking vor. Die frühere britische Kronkolonie Hongkong ist seit 1997 chinesische Sonderverwaltungszone, deren Einwohner grössere persönliche Freiheiten geniessen als in der Volksrepublik.