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Den grössten seiner Coups landete der Fotograf René Burri 1963 in Havanna, als er vom kubanischen Industrieminister Ernesto Che Guevara empfangen wurde. Bei diesem Besuch entstanden zahlreiche Porträts, eines davon ging sofort um die Welt.
Es zeigt den ehemaligen Commandante der kubanischen Rebellenarmee mit einer dicken Zigarre. Die brillante Fotografie wurde millionenfach reproduziert, landete auf T-Shirts und Base-Caps und wurde zurecht zur Ikone. Che sieht wegen des Schattenwurfs der heruntergelassenen Jalousien aus wie ein unruhiger Tiger im Käfig.
Die Bilder kennt man noch, den Namen nicht mehr
Trotzdem: Die Fotografie-Studenten würden heute den Namen René Burri nicht kennen, sagt Reto Camenisch, Studienleiter Fotografie am Medienausbildungszentrum MAZ: «Aber seine Bilder haben alle gesehen, vor allem die Porträts von Pablo Picasso, Alberto Giacometti, Jean Tinguely oder Le Corbusier. Die sind heute immer noch sehr präsent.»
Die Form des Bildermachens, wie sie Burri praktiziert hatte, ist allerdings heute nicht mehr möglich, erklärt Camenisch: «Burri ist damals einfach vor der Haustür von Picasso aufgetaucht, hat sich vorgestellt und wurde zu einem Atelierbesuch eingeladen. Sowas wäre heute nicht mehr vorstellbar. Da sind Agenten und Manager zwischen geschaltet, man muss 20seitige Verträge unterschreiben und genau angeben, zu welchem Zweck die Bilder gemacht werden sollen.»
Vollmitglied bei Magnum
Burri, Jahrgang 1933, hatte in den 1950er Jahren an der damaligen Kunstgewerbeschule in Zürich bei Hans Finsler studiert, 1959 wurde er Mitglied bei der renommierten Fotoagentur Magnum. Burri reiste um die Welt und publizierte seine Reportagen über die grossen politischen Geschehnisse des 20. Jahrhunderts in «DU», «Life», «Picture Post», «Stern», «Geo» oder «Paris Match».
Damals seien die Fotografen wochen- und monatelang unterwegs gewesen, sagt Camenisch. Deshalb sei auch die Agentur Magnum gegründet worden: «Man wollte Fotografen die Möglichkeit geben, ohne zeitliches Limit an ihren Themen zu arbeiten und diese zu vertiefen. Heute hat die Pressefotografie andere Kriterien. Die Unmittelbarkeit, die Aktualität ist nun das Mass aller Dinge geworden.»
«Die Deutschen» und andere Fotobücher
Neben seinen Porträts ist Burri vor allem für seine Fotobücher berühmt. Seine Reisen zwischen 1959 und 1961 nach Deutschland hielt er im Fotoband «Die Deutschen» (1962) fest. Er fotografierte vor dem Mauerbau, nach dem Mauerbau und nach dem Mauerfall – und schuf so ein umfassendes Bild eines erst geteilten und später wiedervereinigten Landes.
Daneben erschienen zahlreiche weiter Fotobücher, unter anderem «The Gauchos» (1968), «Japan» (1970), «Behind the Great Wall of China» (1972), «One World. Fotografien und Collagen» (1950-1983) und zuletzt «René Burri Fotografien» (2004).
René Burris Werk ist mehrfach ausgezeichnet worden. Zuletzt erhielt der Fotograf 2011 den Swiss Press Photo Life Time Achievement Award. Reto Camenisch: «Burris Arbeiten haben eine formale Brillianz, und sie sind der Beweis, dass der Faktor Zeit und die Faktor Qualität zusammenhängen, dass es sich lohnt, sich lange Zeit einem Thema zu widmen.»