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Nachdem, was uns unsere Mutter erzählte, war Paul Rößger der Großonkel unseres Vaters.
1923 war er Pfarrvikar der Westpfarrei der Christuskirche in Mannheim.
Mein Gewerbeschullehrer Weiß kehrte bei Rößgers ein- und aus. Laut ihm hatte Pfarrer Rößger lauthals von der Kanzel gegen Misstände des 3. Reiches gewettert. Er war begeisterter Flugzeug-Modellbauer.
In der Bombennacht am 23. Februar 1945, bei der wohl mehr als 20.000 unschuldige Menschen durch Kriegsverbrechen der Alliierten ihr Leben verloren, kam auch die Familie Rößger im Keller/ Bunker des Gemeindehauses ums Leben.
Die Tochter Hanni hatte den Bombenagriff überlebt, da sie während der Bomben-nacht nicht zuhause, sondern eingezogen war.
Zwei Berichte in der 'Pforzheimer Zeitung' aus dem Jahr 1989.
Und hier einige zusätzliche Infos von Herrn Pfisterer:
Die Pfarrfamilie Rößger von der Stadtkirche in Pforzheim war mir gut bekannt. Roland Rößger war mein Klassenkamerad im Reuchlin-Gymnasium Pforzheim. Am 23.2.1945 sind Paul Rößger, seine Frau und die Kinder Eva und Roland im Keller des Pfarrhauses umgekommen. Im März 1945 habe ich mitgeholfen, die Toten aus dem Schutt auszugraben. Die älteste Tochter Hanni stand oben am Rand des Schuttbergs. Sie war als "Blitzmädchen" eingezogen, deshalb am 23.2.1945 nicht daheim. Sie kam dann für wenige Tage zu uns nach Würm. Von dort aus haben mein großer Bruder und ich zusammen mit unserem Vater Hanni per Fahrrad nach Wurmberg gebracht. Beim Artilleriebeschuss ist Hanni aus dem Keller hinüber ins Wohnhaus gegangen, um dort etwas zu holen. Von der Granate, die in ihrer Nähe einschlug, traf ein kleiner Splitter ihren linken Knöchel. Hanni wurde den ganzen Tag von einem Krankenhaus zum anderen gefahren, weil sie operiert werden musste. Schließlich kam sie in Karlsruhe-Rüppur ins Diakonissenhaus. Dort mußte ihr das durch den Gasbrand ruinierte Bein abgenommen werden. Meine Mutter und ich haben sie dort besucht. Sie zeigte uns den verbundenen Stumpf ihres linken Beins.
Von Hanni Rößger habe ich nie wieder etwas erfahren. An sie gedacht habe ich jedoch immer wieder.
Die 3 Toten, Frau Rößger, Eva und Roland, haben wir im ausgebrannten Keller der Stadtkirche versteckt, um ihre Überführung in ein Massengrab zu verhindern. In einer Nacht im März 1945 haben wir die Särge auf Handwagen nach Würm gebracht. Vater hat die Toten dort auf dem Friedhof beerdigt. Jahre später hat der Vater von Frau Rößger "seine Kinder" heimgeholt nach Köndringen ( ? ) Pfarrer Rößger selbst war 1945 nicht gefunden worden. Erst Jahre später, als der Schutt aus Pforzheim abgefahren worden ist, wurde er an einer anderen Stelle des Kellers gefunden. Zu der Zeit wohnten wir aber nicht mehr in Würm, Deshalb weiß ich darüber nichts Näheres.
Lieber Herr Rößger,
Viel mehr als das, was ich Ihnen bereits mitgeteilt habe, weiß ich von Paul Rößger und Familie nicht.
Mein Vater war bereits 1934 von seiner Pfarrei Königschaffhausen vertrieben worden. Paul Rößger wurde wohl erst später Pfarrer an der Stadtkirche von Pforzheim. So viel ich weiß, hat er seine Antrittspredigt in der schwarzen SS-Uniform gehalten. Vater hat ihn gefragt: Paul, was hast du dir denn dabei gedacht ? Wenn zutrifft, was ich da in meiner Erinnerung habe, dann deutet das darauf hin, daß Pfarrer Paul Rößger die Ideologie des Nationalsozialismus nicht verstanden hat, wenigstens zu Beginn seiner Zeit als Pfarrer an der Stadtkirche.
Von Hanni Rößger habe ich nie wieder etwas erfahren. Sie muß ungefähr 6 Jahre älter als ich gewesen sein. Sie wäre heute also 92 oder 93 Jahre alt (2019). Wissen Sie, was aus ihr geworden ist, wo sie lebte ?