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Eine wunderbare Lektüre für einen verregneten Sonntag. Gonzague, der treue Sohn des Herrn Ladmiral, der mit seiner Familie seinen Vater auf dem Lande besucht, wird nicht gerade herzlich empfangen. Die väterlichen Gefühle sind eher kühl, gegenüber seinem Sohn, seiner Schwiegertochter und seinen beiden Enkeln. Doch wie jeden Sonntag wird das Ritual durchgespielt. Die verschiedenen Gefühle auf diesen Sonntag werden aus der Innensicht aller Beteiligten geschildert. Eine beklemmende Atmosphäre entsteht, die noch gesteigert wird, als Irène, die Tochter und Schwester, unangemeldet eintrifft. Obwohl sie in nichts den Erwartungen des Vaters entspricht, hegt er ihr gegenüber doch sehr warme Gefühle.
Der kurze Roman schafft es, uns ganz nah an diese verknarzte Familienkonstellation heranzubringen. Die Festgefahrenheit der Beziehungen, die vielen unerfüllten Erwartungen und das aneinander vorbei Leben von Vater und Sohn werden fast physisch greifbar. Ein Roman, der vielleicht nicht unbedingt gleich vor dem nächsten Familientreffen genossen werden sollte ... cnKlappentext:
Monsieur Ladmiral, ein erfolgreicher, wenn auch konventioneller Maler, hat sich ausserhalb von Paris niedergelassen, wo ihn – wie jeden Sonntag – der Sohn Gonzague mit seiner Familie besucht. Man isst, man spaziert, alles ist wie immer, bis Irène, die Tochter, auftaucht. Während Gonzague ein eher langweiliges bürgerliches Leben führt, geht Irène undurchschaubaren, doch umso lukrativeren Geschäften nach und lässt sich von niemand in die Karten ihres (Liebes-)Lebens blicken.
Der Sonntag wird in Pierre Bosts Roman zu einem Panorama der Gefühle, wie sie in Familien nicht nur kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges unter der Oberfläche brodeln. Rivalität unter Geschwistern, Eifersucht und die Angst vor dem Tod des Vaters treten zutage – nur würden sich die Familienmitglieder dies nie eingestehen.Über die Autorin / über den Autor:
1901 in Lasalle geboren, wuchs in Le Havre auf und kam kurz nach dem Ersten Weltkrieg nach Paris. Zwischen 1924 und 1945 veröffentlichte er mehr als ein Dutzend Romane, Erzählbände und Essays. Er gehörte zu den bedeutendsten Literaten und Journalisten der Zwischenkriegszeit. Zu seinen wichtigsten Werken gehören Le scandale (1931), Porte-Malheur (1932), Ein Sonntag auf dem Lande (Monsieur Ladmiral va bientôt mourir, 1945) und der Roman Bankrott (Faillite, 1928). Pierre Bost starb 1975 in Paris.Preis: CHF 20.50