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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

76. Vortrag
3.
Nun also ist es Zeit, daß wir verstehen lernen, sofern er zu öffnen sich würdigt, in welchem Sinne es heißt: „Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr, ihr aber werdet mich sehen“. Es ist allerdings wahr, daß er nach kurzer Zeit auch seinen Leib, in welchem ihn auch die Gottlosen sehen konnten, ihren Augen entziehen wollte, da ja nach der Auferstehung ihn keiner von ihnen mehr sah. Allein, weil durch das [S. 890] Zeugnis der Engel verkündet wurde: „So wird er wiederkommen, wie ihr ihn in den Himmel habt gehen sehen“1, und wir nicht anders glauben, als daß er in demselben Leibe zum Gerichte über die Lebendigen und Toten kommen werde, so wird ihn ohne Zweifel dann die „Welt“ sehen, unter welchem Namen die von seinem Reiche Ausgeschlossenen gemeint sind. Und darum versteht man es weit besser so, er habe mit den Worten: „Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr“, jene Zeit andeuten wollen, da er am Ende der Welt den Augen der Verdammten entzogen sein wird, so daß ihn fortan nur die sehen, bei welchen, da sie ihn lieben, der Vater und er selbst Wohnung nehmen. „Eine kleine Weile“ aber sagte er, weil auch das, was den Menschen lange scheint, vor den Augen Gottes sehr kurz ist. Von dieser kleinen Weile sagt ja auch derselbe Evangelist Johannes: „Kindlein, es ist die letzte Stunde“.
1: Apg. 1, 11.