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Er zählt die Titel nicht mehr, die er als Dirigent seiner Formationen errungen hat. Er ist charismatisch, authentisch, talentiert, aber auch ein «Arbeitstier», das eine bedingungslose Liebe zur Musik hegt. Arsène Duc, der Preisträger des Stephan-Jaeggi-Preises 2023, im Interview.
Arsène Duc, was bedeutet Ihnen der Stephan-Jaeggi-Preis?
Es ist eine Überraschung, aber vor allem eine grosse Ehre. An dieser möchte ich meine Familie und meine Musikerinnen und Musiker teilhaben lassen, die mich in all den Jahren meiner Arbeit begleitet haben und ohne die dies nicht möglich gewesen wäre.
Können Sie uns ein wenig mehr von sich erzählen? Über Ihren Werdegang?
Ich wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren; mein Vater, Philibert, spielte 68 Jahre lang in der Ancienne Cécilia Chermignon. So begann ich im Alter von 7 Jahren mit dem Musizieren auf dem Euphonium im selben Verein, dem ich mit 11 Jahren beitrat. Die Rekrutenschule absolvierte ich als Militärtrompeter und leitete anschliessend das Regimentsspiel 6. Während ich meinen Wirtschaftsabschluss an der Universität in Lausanne machte, perfektionierte ich parallel dazu meine musikalischen Fähigkeiten am Konservatorium in Genf. Zu diesem Zeitpunkt dirigierte ich bereits die Ancienne Cécilia, deren Leitung ich mit 23 Jahren von Michel Barras übernommen hatte.
Sprechen wir über die Ancienne Cécilia. Sie leiten diesen Verein seit 35 Jahren und immer noch sehr erfolgreich. Somit widerlegen Sie das Sprichwort «Niemand ist Prophet im eigenen Land». Wie lautet Ihr Rezept?
Im Grunde muss man diesen Verein wie eine Familie führen, um in jeder Hinsicht ein gesundes Gleichgewicht sicherzustellen. Die Musik spielt natürlich eine herausragende Rolle, ebenso wie die Musikschule, aber nicht nur. Ich habe das Glück, dass ich immer auf einen Vorstand zählen konnte, der sich voll und ganz dem Verein verschrieben hat und auf den ich mich jederzeit verlassen kann. Das ist entscheidend.
Lassen Sie uns noch einen Augenschein auf Ihren Musikverein nehmen. Wie funktioniert er?
Seine Arbeitsweise hat sich nie verändert. Er wird von einem Vorstand und einer Musikkommission geleitet und stützt sich ausserdem auf eine sehr aktive Musikschule, die sich um die musikalische Früherziehung der kleinsten kümmert. Danach ist der Weg geebnet, um in die Jugendmusik – die hauptsächlich im Sommer auftritt und im Juli ein Musiklager veranstaltet – und später in die Ancienne Cécilia einzutreten.
Unmöglich, die Valaisia Brass Band nicht zu erwähnen, die Sie selbst gegründet haben. Können Sie die Rolle dieser Band erklären?
Erlauben Sie mir vorher noch einen Rückblick auf die sechs aussergewöhnlichen Jahre, die ich von 2002 bis 2008 als Dirigent der Brass Band Freiburg verbracht habe und die für mich ein echtes Sprungbrett waren. Es war nämlich die erste «externe» Anfrage, die ich erhielt, während ich die Ancienne Cécilia bereits seit 14 Jahren leitete. Diese Erfahrung war also ein Meilenstein für mich.
… und hat Sie dazu gebracht, die Valaisia Brass Band zu gründen?
Angesichts des grossen Potenzials an Musikerinnen und Musikern, über das wir in unserer Region verfügten, erschien es uns sinnvoll, ja sogar unbedingt nötig, ein Spitzenensemble zu gründen, um unsere Leute dazubehalten. Wir stellten es mit Georges Romailler und Grégoire Barras, seinem derzeitigen Präsidenten, auf die Beine. Natürlich kamen auch Musiker von anderen Musikvereinen aus dem ganzen Wallis. Wir beschlossen, um die Agenden nicht zu überlasten, uns hauptsächlich auf die Wettbewerbe zu konzentrieren. So bleibt jeder Instrumentalist für seinen Verein verfügbar.
Zurück zu Ihnen. «Sympathisch, kompetent und zugänglich». So beschreibt Sie Luana Menoud-Baldi, die Präsidentin des SBV und der Stephan-Jaeggi-Stiftung. Erkennen Sie sich wieder?
Ich nehme das Kompliment sehr gern an.
Ihnen wird eine unvergleichliche musikalische Arbeitskraft zugeschrieben. Woher nehmen Sie die Ressourcen, die Sie brauchen, obwohl Sie kein Musikprofi sind?
Es ist vor allem eine Frage der guten Organisation. Dass ich für einen Teil des Tages nicht in der Musikwelt bin, ist sicher kein Nachteil, so kann ich meinen Kopf freibekommen und mit klaren Gedanken in die Probe gehen. Ausserdem habe ich das Glück, eine äusserst verständnisvolle Frau und zwei Kinder zu haben, die meine Leidenschaft teilen. Das ist ein unbestrittener Pluspunkt.
Sie arbeiten oft mit Gastdirigenten zusammen und werden selbst von Formationen im In- und Ausland eingeladen. Ein unverzichtbarer Austausch?
Ich habe manchmal den Eindruck, dass man bei der Vorbereitung auf einen Wettbewerb etwas kopflos vorgeht oder zu viele Punkte als selbstverständlich ansieht. Eine Aussensicht hilft, die Arbeit mit etwas Abstand zu betrachten, und eröffnet auch interessante Diskussionen sowie den Austausch von Meinungen auf allen Ebenen. Manchmal, wenn ich als Berater fungiere, sage ich genau das, was der Chef sagt, aber mit anderen Worten, was wiederum frischen Wind in das Ensemble bringt.
Was muss man tun und darf man nicht tun, um einen Wettbewerb zu gewinnen?
Clever zu arbeiten ist offensichtlich unverzichtbar. Es gilt, Übermut zu vermeiden und mit den ständigen Zweifeln, die uns plagen, bestmöglich umzugehen. Und vor allem sollte man die Musiker immer respektieren, denn das ist der Schlüssel zum Erfolg.
Titel
- Siege an Kantonalfesten: 1990, 2014, 2019 (Ancienne Cécilia)
- Siege an Eidgenössischen Festen: 2011, 2016 (Ancienne Cécilia)
- Brass Band Schweizer Meister: 2002, 2005, 2007 (Brass Band Fribourg), 2009, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2021 (Valaisia Brass Band)
- Swiss Open Champion: 2013 (Valaisia Brass Band)
- British Open Champion: 2017 (Valaisia Brass Band)
- Brass Band Europameister: 2018 (Valaisia Brass Band)
Wie sieht die Zukunft von Arsène Duc kurz-, mittel- und langfristig aus?
Nach dem Schweizer Brass Band Wettbewerb mit Valaisia Ende November steht das Walliser Kantonale Musikfest 2024 bevor, das die Ancienne Cécilia zusammen mit den vier anderen Musikvereinen des Hochplateaus organisiert und an dem sie teilnehmen wird.
Wie schätzen Sie die Blasmusik in der Schweiz im Allgemeinen ein?
Es ist ein Lebensstil, eine gesellschaftsorientierte Kultur, die tief in unserer DNA verankert ist, und die wir dauerhaft erhalten müssen. Ich komme nicht darum herum, an das wunderbare Bild eines Seniors zu denken, der mit seinen beiden Enkelkindern zur Probe kommt. Und in einem objektiveren Ansatz muss unser Wirkungskreis unbedingt die Qualität der Ausbildung bei den Jugendlichen in den Vordergrund stellen. Das ist unsere einzige Chance für die Zukunft.
Wenn Sie …
… ein grosses sinfonisches Werk …
Strawinskys Le Sacre du printemps
… ein anderer grosser Musiker …
Daniel Barenboim
… eine Epoche wären
… die sogenannte «impressionistische» Bewegung, die vor allem von Ravel und Debussy verkörpert wurde