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Bauablauf
Für die Ausführung der Bauarbeiten war der Gotthard-Strassentunnel in zwei Baulose aufgeteilt. Bei den beiden Tunnelportalen in Göschenen und in Airolo konnten die Arbeiten im Herbst 1969 aufgenommen werden. Ein feierlicher Akt am 5. Mai 1970 war das eigentliche Startzeichen für den offiziellen Beginn der Vortriebsarbeiten.
Von beiden Seiten wurde der Tunnel grundsätzlich im Vollausbruch nach dem konventionellen Verfahren vorgetrieben: man bohrte Sprenglöcher an der Tunnelbrust, lud diese mit Sprengstoff, sprengte einen Abschlag, lud das Material auf Fahrzeuge und transportierte es weg. Für diese Transporte wählte die Unternehmung im Los Nord den Pneubetrieb, im Los Süd hingegen den Gleisbetrieb.
Der parallel zum Hauptstollen verlaufende Sicherheitsstollen wurde gleichzeitig ausgebrochen und ging dem Haupttunnel immer ein Stück voraus. Kurz nach dem Beginn der Arbeiten für den Ausbruch des Tunnels wurden auch die Baustellen für die Vertikalschächte Guspisbach und Hospental in Betrieb genommen. Diese Schächte wurden nach der konventionellen Methode von oben nach unten abgeteuft.
Für die Schrägschächte Bäzberg und Motto di Dentro konnten die Bauarbeiten erst beginnen, nachdem der Vortrieb des Haupttunnels den Schachtfuss passiert hatte. Zuerst erfolgte eine Pilotbohrung von unten nach oben, und anschliessend eine Ausweitung von oben nach unten. In beiden Richtungen wurden Fräsmaschinen eingesetzt.
Im Verlaufe der Bauarbeiten musste zur Einhaltung des gesamten Bauprogrammes ein Zwischenangriff des Haupttunnels über den Lüftungsschacht Hospental Richtung Süden in Angriff genommen werden. Für diesen Einsatz wurde im Vertikalschacht Hospental eine vollautomatische Material- und Personenförderanlage installiert.
Bauliche Erschwernisse ergaben sich im südlichen Portalbereich, wo der Tunnel wegen der bautechnisch schlechten Trias-Formationen im Tagbau erstellt werden musste.
Grosse Schwierigkeiten zeigten sich auch im Bereich der Paragneise im Los Süd, wo man auf einer Strecke von 300 m auf Teilausbruch umstellen musste und wo die noch nicht verkleideten Tunnelwände trotz umfangreicher Sicherungsmassnahmen erheblich deformiert wurden.
Beim Nordportal musste zuerst eine 160 m lange Lockergesteinsstrecke im Teilausbruchverfahren durchörtert werden. Im Bereich der Kreuzung mit dem bestehenden Bahntunnel, wo zwischen dessen Sohle und der Kalotte des Strassentunnels lediglich eine dünne Felsbrücke von 5.2 m Dicke übrig blieb, musste der Vortrieb im Teilausbruch unter Anwendung grösster Vorsichtsmassnahmen und ständiger Kontrolle der im Bahntunnel resultierenden Erschütterungen erfolgen.
Eine weitere schwierige Zone waren die schlechten Sedimentformationen des Mesozoikums, etwa 4 km südlich des Nordportals, wo ebenfalls auf einer Strecke von 300 m im Teilausbruch vorgegangen werden musste.
Das Ausbruchsmaterial des Gotthard-Strassentunnels wurde im Norden als Strassenkörper für das Anschlussbauwerk Göschenen verwendet. Im Süden wurde es für Dammaufschüttungen des Autobahntrassees eingesetzt.