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Der
Spiegel
[* 7] des
Sees (s.
Juragewässerkorrektion) liegt jetzt 434 m ü. M.; die
Tiefe beträgt bis 77 m. Der Seestrand bildet einen der ergiebigsten Fundorte für Pfahlbaualtertümer;
eine Sammlung derselben enthält das sehenswerte
MuseumSchwab. Am östlichen, resp. südöstlichen
Ufer liegen die bernischen
Städtchen Nidau und
Erlach (Cerlier). Am schmalen Nordwestufer des
Sees, zu
Füßen des
Jura, führt die
Bahn nach Neuveville
und weiter nach
Neuchâtel. Auf einer aussichtsreichen
Höhe des
Jura westlich der Stadt das Kurhaus Magglingen. -
die Zihl bis zum See zu begleiten. Zwei Drittel des Amtsbezirkes liegen an den Jurahängen, deren unterer Teil, bis 500 m Höhe,
mit Reben von ziemlich gutem Ertrag bestanden ist, während die höheren Gegenden Nadelholzwald und Alpweiden tragen und,
besonders zwischen Biel und Magglingen, mit zahlreichen erratischen Blöcken übersäet sind. Die malerischste
Stelle des Bezirkes u. zugleich eine der schönsten Landschaften des Jura überhaupt bildet der Durchbruch der Schüss, die
Taubenlochschlucht der Bieler, der sich auf eine Strecke von 4 km von Frinvillier bis Bözingen zieht.
Die tief in die Jurakalke eingeschnittene Kluse wird in ihrer ganzen Länge begleitet von der Kantonsstrasse,
der Eisenbahnlinie Basel-Biel und einem 1889 eröffnetem Fussweg, der zum Teil in die Kalke und Tuffe eingehauen ist. Die Schlucht
wird jährlich von ungefähr 70000 Fremden besucht. Oestlich von dieser jurassischen Via Mala ziehen sich die Waldungen der
ersten Jurakette weiter, nur hie und da unterbrochen von einigen senkrechten Felswänden, trockenen Wiesen
und Lichtungen, von denen aus, wie z. B. bei Magglingen und Leubringen, der Blick auf die ganze Alpenkette vom Mont Blanc bis
zum Säntis schweift.
Das bedeutendste fliessende Gewässer ist die Schüss (Suze), die in der Taubenlochschlucht mehrere Turbinen treibt und damit
der Zahnradbahn Biel-Magglingen, der Gemeinde Bözingen, der Jura-Simplon-Bahn und einer Drahtzieherei Kraft
und Licht liefert. Nachdem sie bei Bözingen den Jura verlassen, fliesst die nun kanalisierte Schüss durch die Ebene bis Mett,
von wo sie sich nach SW. wendet. Ein geradliniger Abzugskanal für die Hochwasser des Flusses durchschneidet den unteren
Stadtteil von Biel und mündet w. vom Bahnhof in den Bielersee.
Im Allgemeinen ist der Amtsbezirk Biel recht fruchtbar, die unproduktiven Flächen sind an Raum beschränkt
und der Ackerbau blüht. Doch lebt der grössere Teil der Bevölkerung von der stark entwickelten Industrie. In erster Linie
kommt in Betracht die Uhrenindustrie; zu nennen sind ferner Eisen- und Messinggiessereien, Maschinenfabriken aller Art, Velofabriken,
Stahlfedern-, Piano-, Cement- und Möbelfabriken, Steinschleifereien für die Uhrenindustrie. Grosse Eisenbahn-Reparaturwerkstätten
etc.
Das Klima ist ein verhältnismässig mildes u. gesundes. Seines klaren Himmels und seiner reinen Luft wegen ist Magglingen
mit Recht berühmt, während die Ebene im Frühjahr, Herbst u. Winter oft lange Tage im Nebel steckt.
Die bemerkenswerte Lage von Biel musste auf die Entwicklung der Stadt naturgemäss einen grossen Einfluss ausüben. 1870: 8113 Ew.;
1880: 11623 Ew.;
1888: 15407 Ew.;
1900, mit Einschluss der weitausgedehnten u. ohne Zweifel in naher Zukunft mit der
Stadt zu einem einzigen Gemeinwesen vereinigten Nachbargemeinden: über 30000 Ew. Mit vollem Recht nennen deshalb die unternehmungslustigen,
intelligenten, arbeits- und fortschrittsliebenden Bieler ihre Stadt die «Zukunftsstadt».
Biel ist die zweitgrösste Stadt
des Kantons Bern
und zugleich eines der wichtigsten Handels- und Industriecentren der Schweiz überhaupt.
Biel ist eine Stadtanlage von hohem Alter, und die an
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mehr
seinem N.-Ende noch erhaltenen alten Mauertürme verleihen ihm, von dieser Seite aus gesehen, einen stark mittelalterlichen
Charakter. Hier, in der Oberstadt, finden sich auch die Pfarrkirche und einige Ueberreste ehemaliger Bogengänge. Im Gegensatz
zur alten Oberstadt dehnt sich die neue Unterstadt mit ihren geraden u. in rechtem Winkel sich schneidenden
Strassenzügen in der Ebene aus. Sie ist ausgezeichnet durch grossartige Bauten und Verkehrsadern, die jeder Grosstadt zur
Zierde gereichen würden, wie die Pasquart- und die Lindenpromenade, die Bahnhofstrasse, die Centralstrasse, die Nidaugasse,
die Dufourstrasse. In der Oststadt schneidet die Schützenhausstrasse ein neuentstandenes Villenquartier, das mit der Pasquart-Promenade
zusammen den sonnenreichsten u. wärmsten Stadtteil bildet. Der neue Quartierplan dehnt das städtische
Bebauungsgebiet bis vor Nidau und den See aus, wo sich das seit der Juragewässerkorrektion trocken gelegte beträchtliche
Sumpfgebiet zum Teil bereits in Promenaden und öffentliche Gartenanlagen umgewandelt hat. Hier liegt auch der Hafen von Biel.
Biel wird durch ein ziemlich mildes, gesundes Klima begünstigt; immerhin halten sich im Herbst und Winter
die Nebel oft verzweifelt lange, während im Frühjahr die Vegetation sich zwei bis drei Wochen früher zu entwickeln beginnt
als in den Jurathälern und die nahen Weinberge einen nicht zu verachtenden Tropfen erzeugen. Eine starke, am Ausgang der
Kluse von Rondchâtel (Chasseralkette) gefasste Stromquelle (source vauclusienne), die durch das Taubenloch zu dem im Riedwald
gelegenen Reservoir geleitet wird, versorgt die Stadt mit Brauchwasser, während die öffentlichen Brunnen von der ausgezeichneten
sog. «Römerquelle» gespiesen werden.
Die musterhafte Kanalisation der Stadt und ihre Wasserleitungen sind der Stolz der Bewohner und werden
von Fachleuten oft bewundert. Elektrische Kraft liefern die mächtigen Turbinenanlagen an der Schüss und dem Hagneckkanal.
Die Bevölkerung Biels erfreut sich der bestmöglichen Entwickelungsbedingungen. Da
die Stadt gerade an der Sprachgrenze gelegen
ist, setzt sich ihre Einwohnerschaft aus deutsch und französisch sprechenden Elementen zusammen. Vor noch nicht langer Zeit
hatten die Deutschen weitaus die Oberhand; seit den letztvergangenen 20 Jahren hat sich aber das französische Element rasch
vermehrt, wie folgende Zahlen erweisen:
Es rührt diese Erscheinung hauptsächlich davon her, dass in Biel das Leben angenehmer und billiger und das
Klima milder ist als in den Hochthälern des Jura, sodass die französische Industriebevölkerung des Jura immer mehr sich
der Stadt zuwendet, wo zugleich das geistige Leben ein rühriges ist und die Schulen zu den besten der Schweiz zählen.
So ist Biel eine ausgeprägt doppelsprachige Stadt, in der ebensosehr französisch wie deutsch gesprochen
wird u. die Tafeln mit den Strassennamen in beiden Sprachen abgefasst sind. Diese Doppelnatur verleiht den Bielern ihre ganz
besonderen Charaktereigenschaften: mit der Munterkeit, der Geselligkeit und dem Esprit des Franzosen paart sich der Ernst,
die Ueberlegung, der Unternehmungsgeist und die Zähigkeit des Deutschen. Der Bieler liebt geselliges
Leben und Sport, er hält Theater u. Musik in Ehren, zeichnet sich aus im Gesang, Turnen, Schiessen und Schwimmen. Nach Schluss
der Wochenarbeit wandern Samstag Abends und Sonntags ganze Familien und Gesellschaften ins Freie, um in den mit vollendetem
Geschmack zu diesem Zwecke eingerichteten reizenden Umgebungen einen angenehmen und vergnügten Tag zu
verleben. Es genüge, Magglingen, Leubringen, das Taubenloch und die St. Peters-Insel zu nennen.
Sehr gut eingerichtet ist Biels Schulwesen; die Primarschulen sind vorzüglich und die Sekundarschulen gehören zu den besten
der Schweiz. Den besondern lokalen Verhältnissen ist durch Schaltung von deutschen und französischen Klassen Rechnung getragen.
Dazu kommen ein
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(Kt. Bern,
Amtsbez. Biel).
Die gegenwärtige Bevölkerungszahl (1909) von Biel beträgt rund 28000 Ew.
Vingelz ist seit einigen Jahren mit Biel verschmolzen. An öffentlichen Gebäuden wurden seit 1901 errichtet: die französische
Kirche neben der Besitzung Rockal, eine katholische Kirche bei der Römerquelle, die Palmkapelle an der Phantasiestrasse.
Seit 2 Jahren arbeitet man am Gebäude für Progymnasium und Gymnasium, einem gewaltigen Bau, der die
Klassen des Progymnasiums und des Gymnasiums aufnehmen soll.
Das Krankenhaus ist um ein Stockwerk erhöht worden, indessen man
einen Anbau im Auge hat, der im Vertrag mit den Gemeinden
des südlichen Juras und des Seelands vorgesehen ist, durch den das Ortskrankenhaus zum Bezirksspital umgewandelt
wird. Neue Primar- und Sekundarschulhäuser an der Plänkematt, ebenso eine Turnhalle. Kinderspital (SpitalWildermett) eröffnet 1903. Eine
Menge Villen entstanden längs der Alpenstrasse, die zum neuen Progymnasium führt, sowie am Rebberg und den Höheweg. Neue
Uhrenfabrik und Schreibbücherfabrik.
Als neues Denkmal ist das zu erwähnen, das zum Andenken an die verstorbenen Louis-Paul und César Brandt
erstellt wurde. Seit 3 Jahren hat der Staat der Stadt um eine Summe von Fr. 250000 die Staatsstrassen abgetreten, die sie
durchziehen, was den Baubehörden erlaubte, alle öffentlichen Plätze, Gassen und Trottoirs, die vordem sehr zu wünschen
gelassen hatten, wieder in bessern Stand zu stellen. Neuer Friedhof, 1903 eröffnet, ½ Stunde von der
Stadt, zwischen Madretsch und Brugg.
Weder von Bonifacius' That noch von Biel ist etwas überliefert. Er gehört zu den erlogenen Gottheiten,
die nach dem Dreißigjährigen Kriege überall auftauchten, ist aus «Bielshöhle» erschlossen und von J. Grimm als spätes Machwerk
entlarvt.
1) Bezirk im schweiz. Kanton Bern,
hat (1888) 18 633 E.,
darunter 2505 Katholiken und 225 Israeliten, in 4 Gemeinden. - 2) Biel, frz.
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Bienne, Hauptstadt des Bezirks Biel im Seeland des schweiz. Kantons Bern,
in 440 m Höhe, 26 km nordwestlich von
Bern,
in freundlicher, wohl angebauter Gegend am Fuß des Jura und an den Linien Basel-Olten-Biel (100 km) der Centralbahn und Chaux-de-Fonds-Biel-Bern
(79 km) sowie Delsberg-Biel (52 km) der Jura-Simplonbahn, hat (1888) 15 407 E.,
darunter 2199 Katholiken, 225 Israeliten und 123 andere; 77 Proz. der Einwohner sprechen deutsch, 22 Proz.
französisch, 1 Proz. andere Sprachen.
Der Ort ist gut gebaut, hat breite Straßen und wird von der Schüß, die sich 1 km weiter südwestlich in den Bieler See ergießt,
in 2 Kanälen durchflossen; die bergwärts gelegenen Teile bieten mit ihren Türmen, ihren unregelmäßigen
Gassen und massiven Häusern einen ziemlich altertümlichen Anblick dar. Die neuen gegen den Bahnhof und den See sich ausdehnenden
Stadtviertel dagegen sind regelmäßig angelegt. Ein Kranz von Villen mit Gärten und Parkanlagen umgiebt die Stadt auf allen
Seiten und prächtige Alleen erstrecken sich fast bis zu dem 800 m entfernten See hinab.
Bemerkenswert sind von den 6 Kirchen die Stadtkirche und die neue kath. Kirche in der Juravorstadt, ferner die Synagoge, die
alte Burg (jetzt Rathaus), das Bürgerspital, die Waisen- und Pfrundanstalt, das Museum Schwab mit einer besonders
an Pfahlbaufunden, kelt. und röm. Waffen
[* 19] reichen Sammlung, das Schlachthaus,
das prächtige Schützenhaus und die großartige Wasserleitung.
[* 20] An Unterrichtsanstalten besitzt die Stadt außer den Primärschulen
ein Progymnasium, eine Mädchensekundärschule, Handwerker-, Handels- und Uhrmacherschule, ein Technikum mit Specialschule für
Eisenbahnangestellte.
Gewerbfleiß und Handel sind sehr lebhaft; wichtig ist besonders die Uhrenfabrikation, die Baumwollspinnerei,
die Cigarrenfabrikation, die Gerberei und Färberei, ferner besteht Fabrikation von elektrischen Apparaten, Bijouteriewaren,
Maschinen, Schrauben,
[* 21] Nägeln, künstlichen Blumen, Holzstoff
[* 22] und Papier, 7 Buchdruckereien und mehrere Banken. Eine Trambahn
führt vom Bahnhof durch die Stadt nach Nidau und dem 2 km im Norden
[* 23] liegenden Bözingen (frz.
Boujean).
Die Umgebung ist anmutig, reich an Reben und Waldungen; die schönsten Punkte sind die wilde Klus, genannt
die Taubenlochschlucht, durch welche die Schüß aus dem Jura hervorbricht, das Kurhaus Magglingen (frz. Macolin), 900 m ü.
d. M. auf einer aussichtsreichen Höhe des Jura westlich von der Stadt gelegen, zu dem eine Drahtseilbahn hinaufführt,
mit großem Waldpark und Alpenfernsicht vom Sentis bis zum Montblanc, und im Bieler See (s. d.) die durch Rousseaus Aufenthalt
(1765) bekannte St. Petersinsel mit Wein- und Obstgärten, prächtigem Eichenwald und gutem Kurhaus. - Biel, das schon im 9. Jahrh.
gegründet sein soll, kam 1264 unter Vorbehalt ihrer Rechte an den Bischof und schloß 1352 ein ewiges Bündnis
mit Bern.
Seit den Burgunderkriegen, in denen Biel auf der Seite der Eidgenossen focht, bildete die Stadt einen Freistaat unter sehr
eingeschränkter Herrschaft des Bischofs und gehörte zu den «zugewandten Orten». 1797 von Frankreich besetzt und seinem Depart.
Haut-Rhin einverleibt, kam die Stadt 1815 mit den leberbergischen Ämtern des Bischofs von BaselanBern.-
Vgl. Blösch, Geschichte der Stadt Biel (3 Tle., Biel 1855-56).