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Seine Tessiner Wahlheimat beschrieb er einst folgendermassen: „Berzona, das Dorf wenige Kilometer von der italienischen Grenze entfernt, hat 82 Einwohner, die italienisch sprechen, keine Restaurants, nicht einmal eine Bar. Jeder Gast sagt sofort: diese Luft und dann diese Stille!“
Frisch setzte dem Onsernone-Tal mit der Erzählung „Der Mensch erscheint im Holozän“ ein literarisches Denkmal. Das Werk erschien erstmals 1979. Für den isoliert lebenden Protagonisten der Erzählung, einen 73-jährigen Rentner aus Basel, wird ein tagelanges Unwetter in einem abgeschnittenen Bergdorf – wer denkt da nicht an Berzona? – zur Parabel des eigenen Verfalls und Sterbens.
Gegen seinen fortschreitenden Gedächtnisverlust kämpft der Rentner durch das Sammeln von lexikalischen Informationen auf unzähligen Zetteln an, die er in seinem Haus aufhängt, ehe er nach einem abgebrochenen Fluchtversuch aus dem Tal erkennt, dass die Welt sein Gedächtnis nicht braucht.
Frischs Lieblingswerk
Während die Erzählung in den USA auf Anhieb als Meisterwerk gefeiert wurde, erfuhr sie bei ihrem Erscheinen im deutschen Sprachraum keine grosse Resonanz bei Publikum und Kritik. Sie wurde als Nebenwerk des Autors abgetan, in Rezensionen fielen Stichworte wie „Autobiographisches“ und „Alterstrübsinn“.
Inzwischen wird die Bedeutung von der „Der Mensch erscheint im Holozän“ im Spätwerk Max Frischs, für das die Erzählung mit ihrer Thematik von Alter und Tod, der formalen Reduktion und sprachlichen Knappheit als beispielhaft gilt, allgemein anerkannt. Frisch selbst sagte rückblickend in einem Interview, er habe diese Erzählung in seinem Gesamtwerk „weitaus am liebsten“.
Als Frisch 1991 im Alter von 79 Jahren starb, verstreuten Freunde seine Asche in Berzona. An der Mauer des Friedhofes erinnert heute eine Gedenktafel an ihn.