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Zunächst mal, es ist keine Blamage, etwas abstrus zu finden, mit einer geäusserten Ansicht nicht übereinzustimmen oder was immer. Allerdings, als ich von Möglichem Abstrusem schrieb, dachte ich nicht ans Thema der Wiedergeburt, sondern ich dachte eher an die "Anhäufungen", mit denen wir uns identifizieren, also kurz gesagt, mit Geist und Körper, (Nama-Rupa in Pali), oder an die illusionäre Ich-Erfahrung, an das Prozesshafte der Wirklichkeit etc.Ich muss - vielleicht zu meiner Blamage - gestehen, dass vieles was ich in deinen Texten immer noch abstrus finde.
Das deutsche Wort "Wiedergeburt" suggeriert eine falsche Vorstellung, nämlich die einer Wiederholung, im Sinne von "jetzt bin ich dies, nach dem Tod bin ich jenes, und früher war ich das". Aber da wir ja grosso modo wissen, was wir meinen, also dass der Tod nicht das Ende ist, können wir es dabei belassen.
Zu viele offene Fragen? Wie hier schon oft geschrieben, Buddhas Ausspruch alles selbst "erfahren", nicht "einfach so annehmen". Wer aber vermag zu "erfahren"? Wiedergeburten - und das war ja der eigentlich Anlass für die buddhistischen Überlegungen; diese (das Leben an sich) halt nicht mehr erfahren zu müssen - kann "ich" doch nur "erfahren" wenn ich mich an meine eigenen "erinnere".
Mit der Erinnerung ist es so eine Sache. Erinnerst du dich, was du letztes Jahr gefühlt und gedacht hast (dh wer oder was du da warst)? Erinnerst du dich an vorgestern? Wir erinnern uns bestenfalls an besondere Ereignisse, die nicht alltäglich waren, aber schon die konkreten Gefühle und Gedanken, die wir da hatten, entgehen uns. Weisst du noch, was du vor 10 Minuten gefühlt und gedacht hast?
Wie aber würde man sich an ein früheres Leben erinnern? An welche Merkmale oder Prozesse würde man sich erinnern, und anhand welcher Merkmale im jetzigen Zeitpunkt? Ich denke, jeder von uns kennt die "Déjà-vu" Erfahrung, also dass wir plötzlich das Gefühl haben, etwas schon zu kennen, obwohl wir ihm zum ersten Mal begegnen. Dann gibt es auch bestimmte Verhaltensweisen, die einem leichter fallen als andere, an denen man merkt, dass man sie schon irgendwie kennt. Man mag auch Menschen antreffen, mit denen man eine Verbindung zu haben fühlt, während einem viele andere "nichts sagen". Oder man lernt etwas Neues, das einem bis zu einem gewissen Punkt unheimlich leicht fällt, danach aber geht es nur noch harzig vorwärts damit.
Dies sind alles so indirekte Hinweise auf etwas bereits Bekanntes, das man intuitiv verstehen kann, wenn man die Neigung dazu hat. Auf diese Weise kann eine Art Erinnerung an etwas Früheres entstehen, ohne dass das notwendigerweise sehr konkret werden muss.
Bewiesen ist damit natürlich noch nichts. Aber was heisst denn Beweisen? Kann man beweisen, dass morgen die Sonne aufgeht (oder die Erde sich entsprechend dreht)? Wir wissen es einfach auf Grund der wiederholten Erfahrung und schliessen von der Vergangenheitserfahrung auf die Zukunft. Es ist evident, dass die Sonne jeden Tag neu aufgeht. So ist es mir persönlich auch evident (d.h. von sich selber einleuchtend), dass es nach dem Tod weiter geht, wobei auch für mich offen bleibt, wie...
Für mich ist die Tatsache der Reinkarnation auch evident auf Grund meiner Beobachtungen in der Astrologie (auch für manche ein rotes Tuch, ich weiss, aber seis drum). Menschen sind derart unterschiedlich, und kommen mit derart vielen verschiedenen "Rucksäcken" in die Welt, dass ich es mir nur anhand eines möglichen Vorlebens erklären kann. Das muss nicht jedem so gehen, ich rede hier nur von mir.
Dann: wie erklärst du dir einen Mozart, der mit 6 schon ganze Orchesterstücke komponierte. Da hatte ich im Kindergarten noch Mühe mit Mecano und Lego... ;) Oder das Schicksal von Reich und Arm. etc
Das Wissen um die Vorleben kann eintreten, gilt aber als unwillkommene Ablenkung von den Zielen der Meditation. Sogenannte Siddhis (dt. für "mystische Fähigkeiten", besondere Ermächtigungen) können eintreten auf Grund von intensiver Meditations-Praxis, die ja eine intensive Geistesschulung ist."Erinnert" man sich (als Buddhist) bei intensiven Meditationen?
Hier kann ich übrigens einfügen, dass die Thais glauben, dass "gute" Mönche hellsichtig sind und die Zahlen im Lotto voraussagen können, und dass sie Gedanken lesen können. Sie glauben das, weil es bei ganz wenigen, hoch-verwirklichten Menschen der Fall sein kann, dass sie solche besonderen Fähigkeiten (eben "siddhis") haben, die sie aber sicher nicht fürs Lotto einsetzen würden. Nur übertragen sie die Erwartung des Vorhandenseins der Voraussage-Fähigkeit vorsichtshalber auf jeden einigermassen ernsthaft erscheinenden Mönch. Das geschieht übrigens offenbar auch den westlichen Mönchen in Thailand, dass sie nach den Lotteriezahlen gefragt werden, weil sie als besonders ernsthaft wahrgenommen werden können.
Also ich kann dich beruhigen: Im Normalfall führt Meditation nicht zu solchen Fähigkeiten. Man muss schon die Technik der Jhanas (besondere meditative Tiefenerfahrungen) besonders gut beherrschen, bevor überhaupt von solch speziellen Einsichtsfähigkeiten die Rede sein kann. In Thailand wird diese Technik heute noch von Ajahn Plien in Mae Taeng, Chiang Mai, gelehrt, ein Nachfolger des legendären Ajahn Mun, der von vielen Thais verehrt wird. Ebenso im Kloster von Ajahn Maha Bua in der Nähe von Udon Thani, der vor nicht allzu langer Zeit als Arahant (völlig Erwachter) verstorben ist. Ajahn Maha Bua berichtete in der Biografie seines Lehrers Ajahn Mun, wie bei diesem sogar Devas aus Deutschland Zuflucht suchten, wenn er in Samadhi war (Samadhi = lichtvolle Geistesruhe). Ajahn Mun war unter seinen Schülern gefürchtet für seine Fähigkeit des Gedankenlesens. Solche Geschichten verbreiten sich natürlich auch in Thailand, so dass einfachere Gemüter gerne solche Fähigkeiten auch Leuten andichten, die weit entfernt davon sind.
Der Buddha unterschied zwischen Ordinierten und Nicht-Ordinierten (also Laien). In dem Sinne sind also alle Nicht-Mönche und Nicht-Nonnen Laien. Der Begriff selbst stammt aus der christlich-abendländischen Tradition. Im Buddhismus hat der Begriff keinerlei herabwürdigende Bedeutung. In Thailand, wo das Mönchswesen schon ziemlich korrumpiert ist, haben wohl viele Laien mehr Ernsthaftigkeit als manche Mönche.Pardon für den "Zwischeneinwurf": Ist meine th. Frau eigentlich Buddhistin,... . Oder ist sie "nur" Laie?
Müssen tut man gar nichts (ausser sterben); aber ich verstehe was du sagen willst. Deine Frau tut was sie tut, vermutlich aus einer Innigkeit heraus, vielleicht auch ein Stück weit aus einer Gewohnheit, die sie trägt und die ihr hilft. Zu deinem Verständnis: was die Mönche chanten, verstehen sie idealerweise, und was sie da verstehen, ist die Wiederholung der Kerngedanken der Lehre. Das ist der Sinn des Chantens, dass man tiefer und tiefer eindringt in die Texte, die man aufsagt. In dem Sinne ist das Wiederholen der Worte eine Vertiefung des im Herzen Gefühlten, und so wächst das Vertrauen in die Inhalte des Ausgesagten.Was ich versuche mitzuteilen: Muss man zum Glauben wirklich verstehen/studieren? Kommt ein (oder hat jeder ein eigenes) Verständnis der Lehre erst mit dem Glauben? Weiß nicht!
Mit dem Verstehen der Aussagen wächst der Glaube an ihre Richtigkeit, mit dem Wachsen des Vertrauens wächst die Hingabe-Bereitschaft, und damit auch die Freude, und andere Qualitäten, die auf dem Weg anzutreffen sind. Der Weg ist selbst zu gehen; das ist mit "Erfahren" gemeint.
Der Buddha hat keinen Buddhismus gelehrt (er wurde Zeit seines Lebens nicht einmal mit "Buddha" tituliert, sondern wurde bloss als "Herr Gotama" angesprochen). Herr Gotama hat allgemeine und besondere menschliche Einsichten gelehrt, unter ihnen auch den Sinn und die Würde der Entsagung, die du hier sinnigerweise mit "Abkehr" bezeichnest. Wir alle erfahren gelegentlich die Kraft, die aus der Abwendung von allerlei Verlockendem erwachsen kann. Verzicht kann ein Gewinn sein. Das ist etwas, das jeder selbst erfahren muss, um es einzusehen. Das ist mit Selbst-Sehen und Erfahren gemeint, an Stelle von unreflektiertem Übernehmen und Glauben. Aber selbst das unreflektierte Übernehmen kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein, sofern das Übernommene heilsam und zu Gutem führend ist.So macht für mich die "Abkehr" vom Leben doch wieder Sinn.