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Fake News anno 1855
«Ich küsste die Fahne, und wir begannen gegen drei Uhr unseren Rückweg. Nur sehr mühsam stiegen wir den Abhang des Mönchs hinab.» Es war der 12. Juni 1855, die Fahne steckte zuoberst. Aber nicht auf dem noch unbestiegenen Mönch (4109 m), sondern wohl in der Firnkuppe (3680 m) auf dem Verbindungsgrat vom Unteren Mönchsjoch (3529 m) zum Mönch. Die rumänisch-russische Fürstin und Schriftstellerin Dora d’Istria bereiste damals die Schweiz und wollte die Jungfrau besteigen. Mit fünf Bergführern und vier Trägern brach sie in Grindelwald auf, in einer Felshöhle am Eismeer wurde übernachtet. Anderntags verunmöglichten Nebel und Schneegestöber den Weg zur Jungfrau. Als Ersatz schlugen die Führer die erste Besteigung des Mönchs vor und führten Dora d’Istria auf die namenlose Kuppe, nachzulesen in ihrem Buch Die deutsche Schweiz und die Besteigung des Mönchs (1858). Dass sie den Mönch wirklich bestiegen habe, bestätigten ihr die fünf Führer auf einer von ihnen am 13. Juni 1855 eigenhändig unterschriebenen Urkunde. Hätten die Führer für einen männlichen Gast auch so gelogen?