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Die
Mehrzahl der Katholiken trat aber dem auf das entschiedenste entgegen und verlangte, daß jeder geistliche
Fürst, der
die alte
Kirche verlasse, seines
Standes und
Amtes verlustig werde. Man nannte dies den geistlichen Vorbehalt
(reservatum ecclesiasticum).
Derselbe ward zwar schließlich in den
Vertrag aufgenommen und als
Reichsgesetz ausgesprochen, aber mit
der ausdrücklichen
Erklärung, daß die evangelischen
Stände demselben nicht zugestimmt hätten. In ganz ähnlicher
Weise
wurde ein zweiter Hauptpunkt erledigt, der im
Passauer Vertrag noch unentschieden geblieben war: ob die geistlichen
Fürsten
ihre bereits damals protestantisch gewordenenUnterthanen zwingen dürften, zum
Katholizismus zurückzukehren.
Die Katholiken verlangten dies durchaus und verwarfen jede Festsetzung darüber als eine Beschränkung der Regierungsgewalt.
Man kam auch hier nur zu einer königlichen
Deklaration, die unter ausdrücklichem
Protest der katholischen
Fürsten erlassen
wurde. Diese beiden Hauptfragen blieben also unentschieden, und der
Religionsfriede enthielt in ihnen
den
Keim künftiger Zwistigkeiten. Der
Religionsfriede war überhaupt keine endgültige
Lösung der kirchlichen
Frage, sondern
nur ein aus dem allgemeinen Friedensbedürfnis hervorgegangenes
Kompromiß.
Die augsburgische Konfession wurde vom Kaiser alsbald den katholischen Theologen Eck; Faber, Cochläus und Wimpina übergeben mit dem Auftrag, eine
Widerlegung anzufertigen; dieselbe fiel aber so plump und ungeschickt aus, daß der Kaiser das ihm übergebene Exemplar übel
»geraufet und gerollet« haben soll. Ein Umarbeitung
von nicht viel höherm Wert wurde bis 3. Aug. fertig und durch den kaiserlichen Sekretär
[* 22] Augsburgische Schweiß den Protestanten vorgelesen
und zugleich ihnen befohlen, sich danach zu richten, eine Abschrift aber dieser Confutatio confessionis ihnen verweigert.
Melanchthon hörte nämlich nicht auf, die von ihm verfaßte als augsburgische Konfessionals sein geistiges Eigentum anzusehen, und trug deshalb kein
Bedenken, nachdem er noch 1530 während des Reichstags eine deutsche und eine lateinische Ausgabe veranstaltet und diesen 1531 eine
neue hatte folgen lassen, in den spätern Ausgaben seit 1540 Änderungen namentlich in der Lehre vom Abendmahl
vorzunehmen in Gemäßheit seiner eignen veränderten Lehrauffassung. Es wird daher die augsburgische Konfession von 1530 als
die »ungeänderte«, invariata (Ausg. von 1561),
unterschieden von der »geänderten«, variata (Ausg.
von 1540). Anfänglich blieb der Unterschied zwischen beiden unbeachtet. Mit der Zeit bestritten aber
die strengen Lutheraner (Flacianer) die Geltung der Variata; sie besorgten 1561 einen unveränderten Abdruck der Ausgabe von
1531, und der LichtenbergerKonvent von 1576 beschloß ausdrücklich, an der ungeänderten Augsburgischen Konfession als dem
Bekenntnis der lutherischen Kirche festzuhalten. Demgemäß wurde diese in das Konkordienbuch aufgenommen, ohne daß
aber dadurch die staatsrechtliche Geltung der Variata erschüttert worden wäre.
Ja, an manchen Orten, z. B. in Brandenburg, ist später ausdrücklich wieder die Variata als die gültige Bekenntnisnorm proklamiert
worden. Neuere Untersuchungen haben überdies als sehr wahrscheinlich
erwiesen, daß wir auch in der sogen.
ungeänderten Augsburgischen Konfession keineswegs die Redaktion besitzen, welche auf dem Reichstag übergeben
worden ist. Es sind nämlich beide dem Kaiser überreichten Originale verloren gegangen. Das lateinische kam in das kaiserliche
Hausarchiv nach Brüssel
[* 23] und ist nicht wieder aufzufinden gewesen.
Zöckler, Die augsburgische Konfession historisch und
exegetisch untersucht (Frankf. 1870).
Die repetition confessionis augustanae saxonica ist eine neue Bekenntnisschrift, welche Melanchthon 1551 ausarbeitete, damit
sie dem Tridentiner Konzil vorgelegt würde, und welche fast in allen deutschen Landen approbiert und unterzeichnet worden
ist.