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Wie bewertet man eine Lehrveranstaltung im Rahmen von einer Hospitation? Von der Hochschuldidaktik werden dazu unterschiedliche Instrumente zur Verfügung gestellt, die meist auf eigenen Erfahrungen beruhen, oder auf spezielle Aspekte des Unterrichts ausgerichtet sind.
An der vergangenen AAPT Konferenz hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen eines Workshops, RTOP (Reformed Teaching Observation Protocol) auszuprobieren. RTOP wurde in den späten 1990er Jahren an der Arizona State University entwickelt, um Lehrveranstaltungen aus den MINT-Fächern nach den Standards des studierendenzentrierten Unterrichtens zu evaluieren. Es handelt sich um einen Fragebogen mit insgesamt 25 Items, die jeweils auf einer fünfstufigen Likert-Skala («nicht vorhanden» bis «sehr anschaulich») zu beantworten sind. Die Items sind dabei in drei Hauptkategorien aufgeteilt:
- Planung und Umsetzung (lesson design and implementation)
- Inhalt (content)
- Gegenseitiger Umgang (classroom climate)
Typische Items aus RTOP lauten:
The instructional strategies and activities respected students’ prior knowledge and the preconceptions inherent therein.
Connections with other content disciplines and/or real world phenomena were explored and valued.
There was a climate of respect for what others had to say.
Der gesamte Fragebogen (in Englisch) kann hier eingesehen werden:
http://physicsed.buffalostate.edu/AZTEC/rtop/RTOP_full/PDF/RTOPform_IN001.pdf
Üblicherweise protokolliert der Hospitant seine Beobachtungen während der Lehrveranstaltung und füllt den Fragebogen nachträglich aus. Um einheitliche, vergleichbare und zuverlässige Ergebnisse zu ermöglichen, stehen diverse Anleitungen und Videos mit Trainingsbeispielen zur Verfügung.
Das Instrument basiert auf Ergebnissen der Lehr- und Lernforschung, es ist validiert und kann sogar für Forschungszwecke verwendet werden. In einer grossangelegten Studie benutzen Granger et al. (2012) RTOP zur Bewertung der Lehre und konnten damit die erhöhte Lernwirksamkeit von studierendenzentriertem Unterricht nachweisen.
Bei einer Hospitation lässt sich das Instrument jedoch auch, ohne grossen Trainingsaufwand, als Diskussionsbasis im Rahmen einer Nachbesprechung mit den Dozierenden verwenden. Nächste Woche beginnt das Frühlingssemester und ich werde RTOP bei meinen Hospitationen auf jeden Fall ausprobieren. Zu den konkreten Erfahrungen mit RTOP berichte ich dann gerne hier im Blog.
Alle Infos und Materialien zu RTOP finden sich hier:
http://physicsed.buffalostate.edu/AZTEC/RTOP/RTOP_full/index.htm
Eine deutsche Übersetzung liegt vor und kann bei der Projektverantwortlichen Kathleen Falconer (http://www.physikdidaktik.uni-koeln.de/falconer.html) beantragt werden.