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In den meisten Fällen jedoch und namentlich in denjenigen, wo größere Edelmetallgehalte behauptet wurden, konnte der freilich nicht eben einfache Nachweis erbracht werden, daß Irrtümer der chemischen Untersuchung vorlagen. Es ergab sich nämlich die überaus bemerkenswerte Tatsache, daß gewisse Laboratorien, in denen dauernd mit Edelmetallen gearbeitet wird, für derartige Feinuntersuchungen nicht benutzt werden dürfen, da sie, ebenso wie die in ihnen vorhandenen Reagenzien, Gefäße, Geräte usw., sämtlich mit Platin oder Gold infiziert werden, so daß peinliche Untersuchungen auf dem Schmelzwege hier unmöglich sind. Offenbar haben Gold und Platin im geschmolzenen Zustand eine hohe Verdunstungsfähigkeit; sie verrauchen und verimpfen sich so auf alle Gegenstände ihrer Umgebung. Es hat einer mehrjährigen angestrengten Untersuchung bedurft, ehe diese Verhältnisse völlig klargelegt werden konnten. Mit ihrem Abschluß ist die Hoffnung. weitverbreitete konzentrierbare Edelmetallgehalte in deutschen Gesteinen zu finden, wohl endgültig geschwunden.
Zusammenfassend kann man sagen: Wohl mag es im Innern Asiens, Afrikas, Amerikas und Australiens noch manche wenig erforschte Gebiete geben, in denen Edelmetalle in bauwürdiger Menge gefunden werden, aber der alte Kulturboden Europas, besonders Deutschlands, ist derart durchforscht, daß nennenswerte neue Funde nicht mehr zu erwarten sind.
Kommt also unsere deutsche Edelmetallerzeugung für unsere Wirtschaft in der Gegenwart und Zukunft überhaupt nicht mehr in Frage, müssen wir also Gold, Silber und Platin nach wie vor aus dem Auslande kaufen, so steht es nicht besser um unsere Bedürfnisse an Zinn und den sämtlichen Metallen, deren wir zur Veredlung und Härtung des Stahles bedürfen, d h. Nickel, Chrom, Wolfram, Molybdän und Vanadium.
Verweilen wir zunächst kurz beim Zinn. Mancher erinnert sich vielleicht noch des Zinngeschirrs aus Großvaters Hausrat, der Teller, Schüsseln und Leuchter, die die verhängnisvolle Eigenschaft hatten, wenn sie unbedacht auf die heiße Ofenplatte gestellt wurden, plötzlich lautlos in sich zusammenzusinken und zu schmelzen. Damals schien Deutschland kein zinnarmes Land, war es auch nicht, denn dem geringen Bedarf, der sich wesentlich auf Geschirr und Lötzinn beschränkte, stand die Erzeugung des Sächsisch-böhmischen Erzgebirges gegenüber. Dort hatte die Gewinnung gegen Ende des 12ten Jahrhunderts begonnen, kurz vor dem 30jährigen Krieg ihre Blütezeit erlebt, um gegen Ende des vorigen Jahrhunderts an Erschöpfung der Lagerstätten abzusterben. Insgesamt waren hier aus sehr armen Erzen mit nur 0,2 bis 0,8 VH Metallgehalt vom Jahre 1400 an etwa 225 000 t Zinn gewonnen worden. Wie bescheiden, da jetzt die Weltproduktion jährlich rd. 125 000 t, also mehr als die Hälfte beträgt! Sie stammt hauptsächlich von der Malayischen Halbinsel (den Straits Settlements, den holländischen Zinninseln Banka und Biliton, ferner aus Australien, Bolivien, China, Südafrika, Nigeria und endlich der südenglischen Halbinsel Cornwall, die, schon im Altertum wegen dieses Schatzes begehrt und besucht, heute immer noch rd. 4000 t jährlich erzeugt.
Vor dem Kriege betrug der jährliche Zinnverbrauch Deutschlands 19 300 t; davon wurden hauptsächlich aus bolivianischen Erzen in deutschen Hütten 11500 t verschmolzen, der Rest als Metall eingeführt. Während des Krieges hat Amerika, das kein eigenes Zinnerz besitzt, die bolivianische Erzgewinnung an sich gebracht und in Amerika selbst Hüt-. ten erbaut, die bis 30 000 t jährlich verschmelzen können. Es wird nach dem Friedensschluß schwer halten und günstigstenfalls erst allmählich glücken, die bolivianischen Erze, deren Verhüttung sehr lohnend war, wiederzuerlangen. Die Einfuhr an metallischem Zinn muß daher vorläufig tunlichst gering gehalten werden, was möglich ist, wenn die im Kriege ermittelten Ersatzstoffe für Zinn beibehalten und, soweit sie sich bewährt haben, weiter eingeführt werden. Das gilt für Lagermetalle und Weißmetalle, bei denen man gelernt hat, mit einem sehr viel geringeren Zinnanteil auszukommen als vor dem Kriege, das gilt aber auch bei Bronzen, Lötmaterial und verzinnten Blechen für Konservendosen, die sich durch Aluminium oder lackierte Schwarzbleche ersetzen lassen.
deutscher Ingenieure.
Da neben England vor allem Holland Besitzer von reichen Zinnvorkommen ist, darf man annehmen, daß es nach dem Kriege an Zufuhren nach Deutschland um so weniger fehlen wird, als wohl während des Krieges große Vorräte unverschifft und aufgestapelt liegen geblieben sind.
Unter den Stahlveredlungs-Metallen ist Nickel wohl das wichtigste. Deutschland besitzt ein einziges mit einer Hütte verbundenes Nickelerzbergwerk in Frankenstein in Schlesien, das vor dem Kriege aus seinen armen silikatischen Erzen und zugekauftem fremdländischem Rohmaterial kaum 500 t Nickel jährlich erzeugte. Das ist nur der 50 ste Teil der Welterzeugung, die in steigendem Maße aus kanadischem Nickelmagnetkies gedeckt wird, während die französische Förderung an neukaledonischen Garnieriten zurückgeht. Da die kanadische Erzeugung im Kriege weit über den Friedensbedarf von 20.000 t auf 38000 t gesteigert worden ist, werden die geschäftlichen Interessen nach Aufhören des Kriegsbedarfs wohl auf Ausfuhr drängen, und daher wird bald kein Nickelmangel
mehr bei uns bestehen.
Versuche während des Krieges, aus deutschen Serpentingebieten, die in der ganzen Welt die Heimstätten der Chromerze sind, solche zu gewinnen, blieben vergeblich. Südungarn, Kleinasien und Mazedonien deckten zu unglaublichen Preisen unsern Kriegsbedarf mit zum Teil höchst minderwertiger Ware. Nach wie vor werden wir all unser Chrom, das wir zu Eisen- und Stahllegierungen, basischem Futter für Schmelzöfen, chemischen und Farbwaren brauchen, aus dem Auslande beziehen müssen. Eine Erleichterung ist nicht zu erhoffen, da Ersatzmittel entweder nicht vorhanden oder ebenfalls nur aus dem Auslande zu beziehen sind.
Auch Wolfram, der treue und stete Gefährte des Zinns, fehlt uns fast völlig. Während des Krieges haben uns alte Halden der Zinnbergwerke im Sächsisch-böhmischen Erzgebirge und die namentlich auf böhmischer Seite bei Schlaggenwald noch vorhandenen Vorräte, mit denen man in früheren Jahrhunderten nichts anzufangen wußte, geholfen. Soweit die Anlagen mit Hilfe der hohen Kriegspreise stark abgeschrieben sind, werden sie auch bei den durch ausländischen Wettbewerb ermäßigten Preisen weiter bestehen. Im ganzen dürfte sich aber bald die vor dem Kriege vorhandene Abhängigkeit von der ausländischen Zufuhr wieder einstellen.
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Aehnlich liegen die Verhältnisse bei Molybdän, wo sich die inländischen Vorkommen auf zwei Gebiete und Formen beschränken. Ueber der so manchem Touristen bekannten Höllentalklamm unfern Garmisch im Bayerischen Hochland, durch die man zur Zugspitze aufsteigt, lag an schwer zugänglicher, im Winter unerreichbarer Bergwand ein kleiner Bergbau, in dem Gelbbleierz, d. i. molybdänsaures Blei, ähnlich wie im Bleiberg in Kärnten, gewonnen wurde. Kriegsbedarf brachte ihn ebenso rasch zur Blüte wie zur Erschöpfung. Inländischer Ersatz erschien nur durch den ganz geringen Molybdängehalt des Mansfelder Kupferschiefers möglich, der sich bei dessen Verhüttung im Eisen am Boden der Schmelzöfen, also in den sogenannten Eisensauen, im Laufe der Zeit ansammelt. Die Erinnerung, daß der berühmte Chemiker Bunsen seinerzeit im Kupferschiefer des Riechelsdorfer Gebirges unweit Gerstungen Molybdän ent deckt hatte, wurde die Veranlassung, hier mit Aufwand von Millionen noch während des Krieges eine neue Hütte zu erbauen, die neben dem Kupfer auch das Molybdän nutzbar machen soll. Dem vor der Vollendung stehenden Werk, das natürlich während der Kriegszeit teuer erbaut ist, wünschen wir, daß es dem mit Friedensschluß wahrscheinlich einsetzenden Wettbewerb mit dem ausländischen Kupfer und Molybdän gewachsen sei, was nur möglich ist, wenn es uns gelingt, es vor plötzlicher und rücksichtsloser Ueberschwemmung unseres Marktes aus dem Ausland zu schützen.
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Das letzte Stahlveredlungsmittel, das Vanadium, bezogen wir vor dem Kriege in Form von Legierungen aus Amerika. Gewisse heimische Eisenerze und auch viele deutsche Ziegeltone enthalten geringe Mengen von Vanadin. Es gelang während des Krieges, Verfahren zur Konzentration auszuarbeiten. und man erzeugte aus Eisenschlacken ein freilich sehr teures Vanadium, das sehr bald vor dem ausländischen Wettbewerb wieder verschwinden dürfte.
Außer diesen Stahlveredlungsmetallen fehlt uns noch völlig ein unentbehrliches Metall, das Quecksilber, von dem wir jährlich rd. 800 t verbrauchen, die wir aus Almaden in Spanien, aus Adria in Krain und vom Monte Amiata in Toskana beziehen. Die einzige deutsche Quecksilberlagerstätte bei Moschellandsberg in der Pfalz ist längst erschöpft; wiederholte Versuche, den Bergbau dort wieder zu beleben, blieben erfolglos.
Ich verzichte natürlich darauf, alle diejenigen uns fehlenden mineralischen Rohstoffe zu besprechen, deren verhältnis
29. März 1919.
mäßig geringe Mengen nur zu bestimmten Spezialartikeln gebraucht werden, deren Fehlen uns zwar in Zeiten des Krieges und der Absperrung fühlbar wird, aber doch in unserer Gesamtwirtschaft eine entscheidende Rolle nicht spielt; solche sind Antimon-, Uran- und Radiumerze und die für die Beleuchtungsindustrie wichtigen Thorium- Ceriumerze, ferner Asbest, Glimmer usw.
Die zunehmende Verfeinerung der Technik, ihrer Vorrichtungen und Geräte, die immer größer werdende Anwendung der Chemie bei Zerlegung und Verfeinerung ursprünglich einfacher Naturprodukte in Dutzende, ja Hunderte von Erzeugnissen, die ständigen Fortschritte der Beleuchtungsindustrie, die stets weiter um sich greifende Anwendung der Elektrizität, endlich die Bedürfnisse der Pharmazie und Medizin fordern aus den entlegensten Quellen jeden Stoff, dessen Vorzüge durch eine den technischen Fortschritt der ganzen Erde verzeichnende und verbreitende Zeitschriftenund Fachschriftenliteratur bekannt werden.
Der Verwendungskreis vieler Stoffe hat sich gewaltig erweitert, neue sind dazu gekommen.
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Wer brauchte früher brasilischen Monazitsand, heute zur Herstellung der Glühstrümpfe und des Mesothoriums unentbehrlich ist? Wer brauchte indischen oder ostafrikanischen Glimmer, der heute in jedem Phonographen und in jeder Glanz- oder Brokat-Tapete steckt? Wer wußte etwas davon, daß der Docht einer aus thüringischer oder sächsischer Braunkohle entstehenden Paraffinkerze mit chilenischem Borax getränkt wird?
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Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß im einfachsten bürgerlichen Haushalt, im schlichtesten Bureau wie vielmehr in jeder neuzeitlichen Luxuswohnung Erzeugnisse zahlreicher Länder und mehrerer Erdteile einander begegnen.
Zu der Reihe derjenigen wichtigen Rohstoffe, über die wir in beschränktem, aber immerhin nicht genügendem Maße verfügen, rechnen wir Graphit, Schwefel, Phosphor, Blei, Zink und vor allem Mangan, Eisen und Kupfer.
Die Weltproduktion an Kupfer ist von 1 Mill. t im Jahre 1913 auf 1,7 Mill. t im Jahre 1918 gestiegen. Diese gewaltige Steigerung ist eine Folge des Krieges und war bedingt durch die steigenden Bedürfnisse der Rüstungsindustrie. In den Vereinigten Staaten von Amerika war die Erzeugung am höchsten; hier wurden in letzter Zeit allein jährlich 1,1 Mill. t Kupfer verschmolzen, davon 850 000 t aus eigenen Erzen. Weit dahinter folgt Japan, das übrigens ebenfalls seine Erzeugung während des Krieges fast verdoppelt hat und im Jahre 1917 110 000 t lieferte. Dann folgen China und Bolivia mit 80 000 t. Deutschland brachte es trotz aller Anstrengung nur auf wenig über 40 000 t, von denen 25 bis 30 000 t aus einheimischen Erzen, zum größten Teil aus Mansfeld, daneben in bescheidenem Umfang auch vom Rammelsberg am Harz, aus dem Rheinischen Schiefergebirge und aus Niederschlesien stammten. Unsere Kriegsbedürfnisse konnten mit dieser Erzeugung nicht voll gedeckt werden. Die serbische Lagerstätte von Bor gab rd. 10 000 t dazu. Schweren Herzens mußte man sich entschließen, nicht nur den Hausrat des deutschen Hauses, sondern sogar die Glocken der deutschen Kirchen zu opfern und damit eine Stimme verstummen zu lassen, die den heimkehrenden Kriegern schon von fernher als Gruß aus der Heimat entgegenschallen sollte.
In Deutschland wurden vor dem Kriege 260 000 t Kupfer verarbeitet, von denen rd. 60 000 t wieder ausgeführt wurden. Wir waren und sind daher bei der bescheidenen eigenen Erzeugung von 25 bis 30 000 t aus eigenen Erzen auf starke Erz und Metalleinfuhr an Kupfer aus dem Ausland angewiesen. Fachkreise schätzen, daß nach dem Krieg etwa ein Drittel unseres bisherigen Kupferbedarfs durch Aluminium, für dessen Erzeugung während des Krieges im Inland große Fabriken errichtet worden sind, ein gewisser Teil vielleicht auch durch Zink ersetzt werden wird. Das wäre sehr erwünscht und erfreulich, weil es uns unabhängiger machen würde. Aber ich fürchte, daß wir bald nichts weniger als eine Kupferknappheit haben werden, sondern daß die Ueberproduktion Amerikas über den Friedensbedarf hinaus und die 700 000 t, die dort als gewaltiger Ueberschußvorrat nach Verzinsung und nach dem Markte drängen, uns eine Ueberschwemmung mit Kupfer bringen, so daß unsere eigene inländische Kupfererzeugung nicht mehr lohnend sein wird. Daß ein gewaltiger Kupferüberschuß in der Welt vorhanden ist, ergibt sich auch aus folgenden allgemeinen Erwägungen. Nach langjähriger Erfahrung stehen Kupfer- und Eisenverbrauch in einer gesetzmäßigen Beziehung: eines steigt und fällt wie das andre. Während sich aber im Kriege die Weltproduktion an Kupfer von 1 Mill. t auf 1,7 Mill. t erhöht hat,
ist die Eisenerzeugung nur ganz unbedeutend, nämlich von 70 auf 80 Mill. t gestiegen.
Ob es unsern Friedensunterhändlern glücken wird, die Gefahr einer Ueberschwemmung unseres Marktes mit fremdem Kupfer durch Zölle und Verträge abzuwehren, ist heute unmöglich zu sagen, da unsere Stellung bei den Friedensverhandlungen voraussichtlich sehr schwer sein wird.
Eine gewisse Beruhigung wird der Umstand bieten, daß die Erzeugungskosten des Kupfers in Amerika inzwischen um mehr als die Hälfte gestiegen sind, so daß das Metall nicht ohne große Verluste billig angeboten werden kann. Anderseits sind die durch den Friedensschluß in Amerika verfügbar werdenden Kupfermengen so groß und stellen so enorme Werte dar, verschlingen also so außerordentliche Zinsbeträge, daß sie unter allen Umständen in absehbarer Zeit dem Verbrauch zugeführt werden müssen, schließlich also auch mit Verlust losgeschlagen werden dürften.
Blei und Zink sind in der Natur zwei fast unzertrennliche Brüder. Oberschlesien, der Harz und das Rheinische Schiefergebirge sind die Hauptstätten ihrer Gewinnung, deren Anfänge in Westdeutschland, wie zahlreiche Bauwerke namentlich in der Eifel und bei Aachen erweisen, bis in die Römerzeit zurückgehen.
Man hat Grund zur Annahme, daß die Thermalquellen des Rheinischen Schiefergebirges räumlich und genetisch mit dieser Erzbildung zusammenhängen, was besonders deutlich in Ems, Bertrich und Aachen hervortritt.
Wo immer in Deutschland Blei- und Zinkerze zusammen als Gangfüllung von Gebirgsspalten auftreten, wie im Rheinland und im Harz, da zeigt sich als Naturgesetz, daß der Bleiglanz nach der Tiefe abnimmt und hier mehr und mehr von der Zinkblende verdrängt und ersetzt wird. Deshalb und weil man bis um die Mitte vorigen Jahrhunderts das hauptsächlichste Zinkerz, die Zinkblende, nicht verschmelzen konnte und daher in den Bergwerken und Halden zurückließ, sind heute unsere Vorräte an Zink größer als an Blei. Dem entspricht es, daß wir unsern Bleiverbrauch schon seit dem letzten Jahrzehnt nicht mehr aus eigenen Erzen decken können. Dagegen haben wir an eigenen Zinkerzen zu gewissen Zeiten wenigstens sogar noch einen Ueberschuß über unsern Bedarf.
Deutschlands Bleiverbrauch war vor dem Kriege in stetem Steigen begriffen und erreichte im Jahre 1913 225 000 t, wovon allerdings 55000 t in Form von Bleiwaren wieder ausgeführt wurden; immerhin blieb noch ein Eigenbedarf von 170000 t. Demgegenüber betrug die Erzeugung deutscher Bleihütten 180 000 t, wovon aber nur 70000 t aus eigenen Erzen fielen. Diese heimische Erzgewinnung dürfte nicht steigerungsfähig sein. In noch geringerem Maße konnten die übrigen europäischen Länder, mit Ausnahme von Spanien, ihren Bedarf an Blei aus eigenen Erzen decken. In England stand einem Verbrauch von 200.000 t eine Eigenerzeugung von 30000 t, in Frankreich einem Bedarf von 107000 t eine Gewinnung von 27000 t gegenüber. In Italien betrug das gleiche Verhältnis 37000 zu 12000 t, in Rußland 50 000 zu 1000 t. Die kleineren Länder blieben wesentlich hinter diesen Zahlen zurück.
Dagegen sind nun die Vereinigten Staaten, ferner Mexiko, Spanien und Australien die Besitzer der größten Bleireichtümer, mit denen sie sich nicht nur selbst versorgen, sondern auch die übrige Welt beliefern. Nordamerikas Bleiproduktion ist, ebenso wie die Erzeugung anderer Metalle und Rohstoffe des Landes, während des Krieges erheblich gestiegen; sie hob sich von 407 800 t im Jahre 1913 auf 650 000 t im Jahre 1917; in Mexiko fiel sie infolge der Unruhen im Lande von 62000 auf 15000 t. Spanien lieferte gegen 170000 t und Australien, an dem wir vor dem Kriege besonders interessiert waren, weil es uns Erze lieferte, die wir mit gutem Nutzen im Lande verhütteten, 110000 t.
Da nun während des Krieges Australien und Amerika ihre Hütten vergrößert haben, werden wir leider voraussichtlich nicht mehr Erze, sondern fertiges Blei von ihnen kaufen müssen, bis wir wieder andere ausländische Erzquellen gefunden haben. Hierfür kommen Mexiko und Spanien in Betracht. Wenn auch durch den Krieg erhebliche Verschiebungen zwischen den Blei-Erzeugungs- und Verbrauchsländern verursacht worden sind, so dürfte doch infolge der allgemein gestiegenen Erzeugung, wenn erst die Schwierigkeiten der mangelnden Tonnage überwunden sind, keinerlei Bleimangel, sondern eher eine Ueberproduktion entstehen, mit der die deutsche Eigenerzeugung konkurrenzfähig bleiben muß. Auch hier droht also unsern heimischen Werken in der Zukunft mehr die Gefahr des Erdrücktwerdens durch die überseeische Einfuhr als die Gefahr des dauernden Rohstoffmangels
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Beyschlag: Wiewelt ist Deutschland nach dem Weltkriege vom Bezug ausländischer Mineral-Rohstoffe abhängig?
Bei Beurteilung unseres zukünftigen Zinkbedarfs kommt in Betracht, daß das Zink während des Krieges in steigendem Maße als Ersatz für Kupfer und andere Metalle Verwendung gefunden hat, was sich jedoch schwerlich in gleichem Umfange fortsetzen dürfte.
Vor dem Kriege waren Deutschland, Belgien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 283000 bezw. 200 000 und 320000 t die Großerzeuger von Zinkmetall; alle andern Länder blieben dahinter weit zurück.
Deutschland versorgte sich dabei zu zwei Dritteln aus heimischem Material, während der Rest im wesentlichen aus australischen Erzen gedeckt und auf deutschen Lohnhütten. verschmolzen wurde. Diese vorzugsweise aus der berühmten Kontaktlagerstätte von Brooken Hill in Neusüdwales stammenden Erze sind während des Krieges größtenteils als Ersatz für den fortfallenden belgischen und deutschen Zinkimport nach England gegangen und dort verhüttet worden. Auch hat sich die englische Regierung noch auf 10 Jahre hinaus durch Ankauf den Alleinbezug dieser australischen Zinkerze gesichert.
Belgien, dessen früher bedeutende Lagerstätten jetzt erschöpft sind, und das vor dem Kriege fast die Hälfte seiner Erze aus Australien, daneben auch aus den Mittelmeerländern und Ostasien bezog, ist somit von England stark abhängig geworden.
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika endlich deckten ihren Zinkerzbedarf der Hauptsache nach im eigenen Lande, in Zeiten besonders hohen Bedarfs mit Zuschüssen aus Mexiko und Japan. Während nun im Kriege in allen europäischen Ländern die Zinkerzeugung zurückging, sind in Australien, Japan und Amerika die Hüttenanlagen erheblich erweitert worden, so daß es schwer halten wird, nach dem Kriege Erze für unsere Lohnhütten zu erhalten. Dagegen ist die Zinkmetallerzeugung derart gestiegen hat sie sich doch in den Vereinigten Staaten allein in den Jahren 1918 bis 1916 von 320000 auf 610 000 t erhöht, also fast verdoppelt, daß sicher der Weltbedarf mit Leichtigkeit gedeckt werden kann. Jetzt bereits stockt der Absatz der erhöhten amerikanischen Erzeugung, die Vorräte wachsen und ein Teil der Anlagen ist ungenügend beschäftigt.
Unsern Inlandsbedarf an Rohzink
vor dem Kriege etwa
230000 t können wir auf alle Fälle auch weiterhin aus eigenen Erzen decken. Aber selbst wenn es uns darüber hinaus gelingen sollte, nachdem uns die bisherigen Erzquellen versiegt sind, fernerhin für unsere Lohnhütten aus dem Auslande, z. B. aus dem neu erschlossenen großen Vorkommen von Burma in Hinterindien oder aus Kleinasien neue Erze heranzuschaffen, so dürfte doch die Zeit lohnender Verhüttung und Zinkausfuhr für uns auf lange Jahre hinaus vorüber sein, da die großen Zinkmetallvorräte der Welt im Verein mit den erweiterten Gewinnungs- und Verhüttungseinrichtungen, denen mit Aufhören des Krieges nicht mehr die entsprechenden Steigerungen des Zinkverbrauchs gegenüberstehen, schwer auf die Preise drücken werden. So sehr auch unsern durch den Krieg über die Maßen in Anspruch genommenen Lagerstätten eine Zeit der Erholung zu gönnen ist, so droht ihnen doch anderseits die Gefahr der Erdrückung durch die ausländische Konkurrenz.
Von ganz besonderer, ja alles andere überragender Bedeutung ist die Lage unserer Eisenwirtschaft. Wir besitzen eine gewaltige Eisenindustrie; etwa der zehnte Teil des deutschen Volkes lebt von der Eisenwirtschaft im weiteren Sinn. Steinkohlen zur Erzeugung von Schmelzkoks, Kalk als Schmelzzusatz stehen uns im Inland in reichstem Maße zur Verfügung, keineswegs jedoch die Eisenerze, die seit der Jahrhundertwende in immer steigendem Maße nicht mehr mit der Eisenerzeugung Schritt halten, so daß bereits 1913 mehr als die Hälfte alles in deutschen Hochöfen erblasenen Eisens aus ausländischen Erzen stammte.
Wir waren gezwungen, im Auslande, wo nur immer möglich, Eisenerze und Bergwerke zu kaufen, gegen den steigenden Widerstand des immer zurückhaltender werdenden Auslandes. Auf den Möllerplätzen rheinischer Hochöfen konnte man eine wahre Musterkarte aller möglichen Eisenerze sehen. Da begegneten sich Siegerländer Spat, nassauisches Roteisenerz, lothringische Minette mit nordspanischem Rubio oder Espatico von Bilbao, Purple Ore, d. i. entkupferter Rückstand südspanischer Kiese vom Rio Tinto, tunesische Roteisensteine, Manganerze von Tschiatura im Kaukasus, vor allem aber Magneteisenerze von Kirunavara und Gellivare aus dem schwedischen Lappland. Aehnlich war es auf den oberschlesischen Hütten, wo man neben schwedischem Magneteisenstein polnische Toneisensteine, Roteisen von Krivoi Rog in der Ukraine, oberungarischen und steierischen Spat, fränkischen Brauneisenstein und Harzer Roteisenstein traf
Zeitschrift des Vereineš deutscher Ingenieure.
Aber überall im Auslande sah man unsere Käufe nicht gern und suchte sie zu erschweren. Rußland verbot die Ausfuhr von Krivoi Rog nach Deutschland, und Schweden untersagte durch Gesetz den Ankauf von Bergwerken und Eisenerzfeldern durch Nichtschweden. Daneben versucht es seit Jahren in zähem Bemühen, wenngleich bisher mit wenig Erfolg, mit Hilfe der aus seinen Wasserläufen, seiner sogenannten »Weißen Koḥle« erzeugten Elektrizität die eigenen Erze im Inlande zu verschmelzen und unsere durch unsern Kohlenreichtum bedingte Ueberlegenheit zu beseitigen.
Das Bedenklichste an der schmalen deutschen Erzbasis war aber schon vor dem Kriege der geringe, kurzlebige Vorrat an Erzen. Mit meinem Kollegen, Geh. Bergrat Prof. Dr. Krusch, errechnete ich im vorigen Jahre den gewinnbaren Gesamtvorrat Deutschlands einschließlich Deutsch-Lothringens zu nur 2,3 Milliarden t mittelreicher, vielfach armer und nach amerikanischen Begriffen nicht schmelzwürdiger Eisenerze, die beim bisherigen Verbrauch in 45 bis höchstens 60 Jahren erschöpft sind.
Unter allen Ländern ist die Position Nordamerikas in Kohle und Eisen am stärksten und auf unabsehbare Zeit hinaus gesichert. Wesentlich schwächer war vor dem Kriege diejenige von Deutschland und England in bezug auf Eisenerze, während beide über sehr lange vorhaltende Kohlenschätze verfügen, England aber infolge der Lage auf einer Insel besonders gut imstande ist, sich über See aus den küstennahen Eisenlagerstätten von Algier, Spanien, Frankreich und Skandinavien zu versorgen.
Durch den unglücklichen Ausgang des Krieges ist nun unsere an sich schon nicht eben starke Position von Grund aus gestört worden, denn es besteht wohl keine Hoffnung mehr, das lothringische Minette-Eisenerzgebiet, unsere bisherige bedeutendste Eisenerzquelle, von der die ganze westdeutsche Eisenindustrie unabänderlich abhängig ist, für Deutschland zu retten.
Was aber der lothringische Minettebezirk für uns bedeutet, mögen Sie daraus erkennen, daß von insgesamt 28.6 Mill. t Eisenerzen, die 1913 im deutschen Zollgebiet gewonnen wurden, 21,1 Mill. t auf Lothringen entfallen, so daß für das gesamte übrige Deutschland nur 7,5 Mill. t verbleiben, neben 7,3 Mill., die auf Luxemburg entfallen. Lothringen deckte also der Tonnenzahl nach allein 3/4 der gesamten deutschen .Gewinnung, während das dann folgende Siegerland noch nicht 1/10, der Lahn- und Dillbezirk nur 1/26, das Gebiet von PeineSalzgitter 31, der Vogelsberg und der bayerisch-württembergische Bezirk nur 60 brachte. Alle sonstigen Gebiete spielen eine noch geringere Rolle.
Durch den Krieg wird anderseits Frankreich, das bisher schon eisenreich war, das bei weitem eisenreichste Land Europas, und zwar, wie man sagen muß, zum großen Teil durch die Geistes- und Tatkraft deutscher Männer, die nicht nur nach 1870 das deutsch-lothringische Minettegebiet aus allerkleinsten Anfängen zu seiner heutigen Höhe entwickelten, sondern dadurch auch die Anregung für die Weiterverfolgung der Minettelager in das Gebiet Französisch-Lothringens gaben. Hier erwarben deutsche Gesellschaften vor dem Kriege 1/20 des ganzen Bergwerks besitzes, beuteten die Eisenschätze aus und führten jährlich 3 Mill. t Eisenerz zur Versorgung deutschlothringischer und westdeutscher Eisenhütten aus.
Auch bei der im letzten Jahrzehnt erfolgten Durchforschung und Erschließung der großen und reichen französischen Eisenerzlagerstätten der Normandie, deren heute, bekannter Vorrat allein 4,7 Milliarden t beträgt, und der bisher kaum nennenswert in Angriff genommen ist, hat deutscher Unternehmungsgeist die wesentlichste Rolle gespielt.
Da nun Frankreich als kohlenarmes Land nicht imstande ist, diese seine großen Erzvorräte zu verhütten, so wird es vorausgesetzt, daß es uns nicht außer den deutschen Teilen von Elsaß-Lothringen auch noch das kerndeutsche Saargebiet raubt immerhin auf die Ausfuhr seiner überreichen Eisenerzvorräte angewiesen sein. Es könnte also durch einen verständigen Friedensvertrag unserer Eisenindustrie, wenn auch nicht ihre bisherige Stellung, so doch wenigstens die Möglichkeit ihrer Existenz gerettet werden.
Neben einem verstärkten Eisenerzbezug aus dem Ausland und einer entsprechenden Einrichtung unserer Tarif- und Zollpolitik bleibt uns zur Erhaltung unserer Eisenindustrie kein anderes Mittel als der Versuch, die ziemlich bedeutenden deutschen Vorräte an bisher ungenutzten, sehr armen heimischen Eisenerzen durch allmähliche Vervollkommnung der Gewinnung, Aufbereitung und Verhüttung nutzbar zu machen und daneben auf eine sorgfältige und vollständige Einsammlung aller Eisenabfälle, des sogenannten Schrotts, zwecks Wiedereinschmelzung bedacht zu sein Endlich könnte durch
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29. März 1919.
vermehrte Anwendung von Rostschutzmitteln und Ersatz des Eisens bei manchen Bauten durch Stein und Beton Eisen gespart und damit unsere Abhängigkeit vom Ausland vermindert werden.
Mit unserm Eisenerzbedarf läuft der Manganbedarf parallel. Nur einzelne unserer Eisenerze enthalten von Natur die zur Spiegeleisen- oder Stahlerzeugung erforderlichen Manganmengen, so der Siegerländer Spateisen mit durchschnittlich 6,6 vH Mangan, während anderseits die Lothringer Minette beim Schmelzen nach dem Thomasprozeß neben den erforderlichen 2 vH Phosphor einen erheblichen Manganzusatz verlangt.
Reichere Manganerze fehlen Deutschland fast gänzlich. Die kleinen Vorkommen bei Elgersburg im Thüringer Wald und bei Ilfeld Im Harz sind nahezu erschöpft, dienen auch als hochwertige Erzeugnisse in der chemischen und keramischen bezw. Glas-Industrie oder zur Herstellung von Trockenelementen.
Im Gebiet der Lahn, am Südrande des Taunus bis über den Rhein hinaus und bei Elbingerode im Harz tragen mitteldevonische Kalkzüge unregelmäßig geformte, oberflächennahe Maganeisenerzlagerstätten, die uns während des Krieges, solange wir von der ausländischen Zufuhr abgeschnitten waren, unschätzbare Dienste geleistet haben. Aber ihr Mangangehalt beträgt nur 10 bis 20 vH, und ihre Mengen sind gegen unsern 1913 über 700 000 t betragenden Normalbedarf an reichen, d. i. 50 prozentigen, Manganerzen nur bescheiden, so daß wir hier stark auf ausländische Zufuhr angewiesen sind. Von diesen 700 000 t bezogen wir rd. 434000 t aus dem Kaukasus, 177000 t aus Indien, 85000 t aus Spanien und Brasilien und endlich unbedeutende Mengen aus Griechenland, Ungarn und Schweden.
Wenn nun auch der Krieg gezeigt hat, daß die erwähnten Manganeisenerzlager der Lahn usw. noch entwicklungsfähig sind und weiter entwickelt werden müssen, so können sie uns doch niemals auf die Dauer von dem Zwange der Zufuhr reicher Auslanderze befreien. Es ist für unsere heimische Eisenindustrie geradezu eine Lebensfrage, daß uns durch den Friedensschluß die Erze von Tschiatura im Kaukasus zugänglich bleiben, um so mehr, als die indischen und brasilischen Lagerstätten voraussichtlich mehr und mehr von der englischen und amerikanischen Eisenindustrie beschlagnahmt werden.
Tschiatura im Kaukasus (Gouvernement Kutais) ist die gewaltigste Manganerzlagerstätte der Erde; ihr Vorrat beträgt etwa 110 Mill. t; sie bedeckt eine Fläche von 120 qkm auf einer tafelförmigen Hochfläche, die in der Längsrichtung von einem Fluß mit zahlreichen Nebenbächen durchsägt wird. Ueberall sieht man das Lager an den Talwänden wenig unterhalb der Plateaufläche als schwarzen Streifen, wie ein regelmäßig und normal gelagertes Kohlenflöz, zutage streichen. Skelette von meeresbewohnenden Sirenen, die sich gelegentlich im Erz finden, beweisen, daß wir es mit dem Niederschlag auf einem ehemaligen Meeresboden zu tun haben. Auf steilen Pfaden tragen heute Pferde die in primitivem Stollenbetriebe gewonnenen Erze zu Tal. Von hier werden sie zunächst auf einer Nebenbahn, dann auf der Hauptbahn Tiflis-Batum verfrachtet, um schließlich, wieder von dieser abzweigend, den Schwarzmeerhafen Poti zu erreichen. Von diesem Hafen aus verteilen sie sich unter dem Namen PotiErze über die halbe Welt; sie gehen nach belgischen und holländischen Häfen, versorgen Deutschland, England, Frankreich und Oesterreich, ja sogar in erheblichem Maße die Vereinigten Staaten von Amerika.
Eine Absperrung von dieser gewaltigsten Mangananhäu fung der Erde, die für den Bedarf Rußlands viel zu groß erscheint, würde den Niedergang unserer Eisen- und Stahlindustrie bedeuten..
Was schließlich noch unsere im Ueberschuß über den Eigenbedarf vorhandenen Mineralrohstoffe anbetrifft, so hat sich in ähnlicher Weise wie beim Eisen unsere früher glänzende Stellung durch den Krieg beim Kalisalz, diesem bisher urdeutschen Nationalschatz, verschlechtert. Bisher besaßen wir im Steinsalz einen schier unerschöpflichen Reichtum, in Kalisalzen ein natürliches Weltmonopol, das auch alle die zweideutigen Funde im Westen der Vereinigten Staaten von Nordamerika oder in Mexiko, ja selbst die sicheren Entdeckungen in den Fiebersümpfen Erythräas ebensowenig wie diejenigen in der spanischen Provinz Catalonien ernsthaft bedrohten. Aber mit der Abtretung der Kalischätze des Elsaß ist unser deutsches Weltmonopol vernichtet. Dieser jüngste Zweig der deutschen Kaliindustrie entsproß und erblühte aus dem Gesamtschatz der zum Teil recht kostspieligen, aber weitverzweigten Erfahrungen des mittel- und norddeutschen Kalibergbaues. Von der Natur verschwenderisch mit reichen Salzen und günstigen Abbauverhältnissen
ausgestattet, verhältnismäßig frei von der die norddeutschen Werke oft tückisch umlauernden Gefahr der Wassereinbrüche, entbehrt er gegenüber dem deutsch verbleibenden Kalibergbau nur die günstige Frachtlage für die Ausfuhr über See. Rotterdam, Marseille und Genua liegen von ihm ungefähr gleich weit entfernt. Sicher werden die Franzosen alles tun, um die weit über die bisherige Förderung von 150000 t leistungsfähigen Anlagen, die zum Teil noch in der Fertigstellung begriffen sind, weiterzuentwickeln. Sie sind imstande, der Menge nach unsere ganze Ausfuhr zu ersetzen. Es wird sich also unter Umständen ein scharfer Wettbewerb mit einer. die Ententeländer begünstigenden Preis- und Tarifpolitik entwickeln. Freilich, gegenüber einem Weltverbrauch von 1,1 Mill. t, an dem Deutschland mit 0,6 Mill, die Vereinigten Staaten von Amerika mit 0,25 Mill. t, dagegen Frankreich nur mit 40000, Italien mit nur 7500 t beteiligt ist, spielt schließlich der Verlust des Absatzgebietes in Südeuropa noch keine entscheidende Rolle, zumal wenn man bedenkt, daß unser deutscher Inlandverbrauch sich von 1910 bis 1917 von 0,42 auf 0,87 Mill. t, ja sogar während des Krieges von 0,45 Mill. t im Jahre 1914 auf 0,87 Mill. t im Jahre 1917 gehoben hat.
Bei der vortrefflichen Organisation unseres Kalisyndikats, bei den gefestigten Erfahrungen sowohl im Bergbau wie in der chemischen Verarbeitung und im Handel, über die wir verfügen, kann es gestützt auf den nicht zu unterschätzenden Frachtvorzug unserer Werke nicht zu schwer fallen, den Wettbewerb eines französischen Elsaß in Amerika und in unsern östlichen und nördlichen Nachbarländern zu überwinden. Wir zweifeln nicht, daß die vaterländische KaliIndustrie in dieser Beziehung ihre Pflicht erkennen und tun wird.
Und nun zum Schluß noch einige Worte über unsern größten Reichtum an mineralischen Rohstoffen, über die Brennstoffe, als da sind: Steinkohle, Braunkohle, Torf, Erdöl 'und bituminöse Gesteine aller Art.
Wir rühmen uns, das kohlenreichste Land Europas zu sein, und schätzen unsere Vorräte an Steinkohlen bei einem Jahres verbrauch von 190 Mill. t im Jahre 1913 auf 140 Milliarden t. Außerdem berechnete die Geologische Landesanstalt 1917 den im Tagebau gewinnbaren Vorrat an Braunkohlen zu 13,97 Milliarden cbm. Die Torfmoore Preußens allein sollen rd. 2 Mill. ha bedecken und würden, in Kraft umgesetzt, dem gegenwärtigen Pferdestärkenbedarf sämtlicher gewerblichen Unternehmungen Preußens für rd. 750 Jahre genügen können.
Unsere Erdölvorräte sind namentlich nach dem Verlust des Elsaß verschwindend gering, und für die in erheblicher Verbreitung vorhandenen bituminösen Gesteine fehlt zurzeit die Möglichkeit einer einigermaßen zuverlässigen Berechnung.
Die Energiequellen sind die wirtschaftlichen Grundfesten des Staates. Möchten das unsere Machthaber in diesen Schicksalsstunden Deutschlands beherzigen, da polnische Frechheit, Gier und Machtgelüste an die Tore Oberschlesiens pochen und französische Herrschaftsgelüste den Saarkohlenbezirk bedrohen. Spiegelt sich schon im eigenen Lande die ungleichmäßige Verteilung des Kohlenreichtums in der Verschiedenheit der wirtschaftlichen und industriellen Kraft der einzelnen Landesteile wieder, wieviel mehr in der verschiedenen wirtschaftlichen Struktur und Macht ganzer Länder und Nationen!
Die wirtschaftliche Ueberlegenheit des deutschen Westens über andere deutsche Gebiete entspringt den Kohlen; auf dem gleichen Grunde beruht neben andern Umständen die größere Wirtschaftsenergie Deutschlands seinen Nachbarn Frankreich, Rußland, Oesterreich und Italien gegenüber.
Hier liegt eine der Hauptwurzeln neuer Wirtschaftskräfte, an denen sich das tiefgebeugte Deutschland wieder aufzurichten vermöchte, wenn nicht Verblendung und Unverstand verhetzter Arbeiter sie zerstört.
Wie mannigfaltig sind doch heute die Sprossen und Triebe, die sich aus dieser einen Wurzel entwickeln können. Es sind noch keine hundert Jahre vergangen, daß unsere Kohlen noch ausschließlich als Wärmequelle für den Haushalt dienten. Allmählich und langsam folgte ihre Verwendung zur Erzeugung von Licht durch Vergasung und von Kraft durch die dampfgetriebene Maschine, die Lokomotive. - Und heute? Ich will nicht reden von den zahllosen wichtigen Stoffen und Erzeugnissen der Sprengtechnik, der Farbindustrie, der Pharmazie, die die chemische Wissenschaft durch Zerlegung der Kohle schuf, ich will nur zwei Gebiete andeuten, auf denen uns die kluge und sparsame Verwendung des Kohlenüberschusses, der uns nach Befriedigung unseres Wärme-, Licht- und Kraftbedürfnisses noch verbleibt, von wichtigen, umfangreichen, kostspieligen und unentbehrlichen ausländischen Rohstoffbezügen befreien kann. Das eine ist das Ge
biet des für die Düngung der Felder unentbehrlichen Stickstoffs und des als Kupferersatz wichtigen Aluminiums, das andere ist das Gebiet der Oele fast in seinem ganzen Umfang, also beginnend mit den benzinartigen Stoffen, ferner den Leucht- und Maschinentreibölen und endlich den Schmierölen bis zum Pech und Goudron.
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Zur Gewinnung des Stickstoffs aus der Luft und des Aluminiums aus der Tonerde bedarf es gewaltiger Energiemengen, die uns in Deutschland nicht in Form von Wasserkräften, sondern von Kohlen zur Verfügung stehen. Für Stickstoff, den wir in Form von Kalisalpeter bezogen haben, gaben wir vor dem Kriege jährlich mehr als 135 Mill. M aus. Während des Krieges baute das Deutsche Reich drei große Werke zur Erzeugung von Stickstoff aus Luft, ferner die Badische Anilin- und Sodafabrik das riesenhafte Leunawerk bei Merseburg, das nach einem besonderen Verfahren arbeitet. Das Aluminium wurde vor dem Kriege aus südfranzösischem Bauxit durch Elektrolyse der geschmolzenen Tonerde im elektrischen Flammbogen von einer schweizerischen Gesellschaft erzeugt, die die erforderliche bedeutende Kraft dem Rheinfall bei Schaffhausen entnahm. Während des Krieges gelang es, nicht nur den französischen Bauxit durch neuaufgefundene Lager in Oesterreich und Ungarn, sondern vor allem durch Verwendung deutscher einheimischer Tone zu ersetzen. In der Lausitz wurde für viele Millionen das riesenhafte Lauta-Werk in unmittelbarer Nähe von Ton- und Braunkohlenlagern erbaut.
Die Aufgabe ist nun: Sollen sich diese neuen Verfahren der Stickstoff- und Aluminiumgewinnung im Frieden halten und uns von fernerem Rohstoffbezug unabhängig machen, so muß die für die Herstellung erforderliche Kohle sowohl, wie auch namentlich die daraus erzeugte elektrische Energie in Deutschland mindestens ebenso billig oder billiger hergestellt werden, als das in andern Ländern mittels der dort vorhandenen natürlichen Wasserkräfte möglich ist. Der Kampf ist dank unserer Braunkohle keineswegs aussichtslos.
Wie verschieden sich die Kosten der Wasserkraftanlagen stellen, mag daraus erhellen, daß die Anlagekosten von 30 der bekanntesten Kraftwerke in Schweden, Norwegen und der Schweiz zwischen 4 und 1044 M/PS schwanken. In den Vereinigten Staaten von Amerika stellt sich die mit Wasserkräften erzeugte elektrische Kraft keineswegs besonders billig, und in England hat man die Absicht, die großen schottischen Wasserkräfte auszunutzen, vorläufig vertagt. Man rechnet in England bei den neuen Ueberkraftanlagen mit 11⁄2 bis 2/kW-st. In unsern Braunkohlengebieten dürften sie sich noch billiger stellen. Können wir aber große Massen billigen Stickstoffs herstellen, so kann damit die Ergiebigkeit unserer Felder noch außerordentlich gesteigert werden.
Was schließlich die Oele anbelangt, die sich aus unsern verschiedenen Brennstoffen (Steinkohle, Braunkohle, bituminösen Schiefern) gewinnen lassen, so ist uns auch in dieser Beziehung der Krieg ein großer Lehrmeister gewesen.
Vom Weltmarkt, ja von den galizischen und rumänischen Erdölgebieten abgeschnitten, auf die eigenen, völlig ungenügenden Erdölquellen Nordhannovers und des Elsaß beschränkt, mußten wir den Riesenverbrauch unserer Unterseeboote und Kraftfahrzeuge ansschließlich mit den inländischen Erzeugnissen der Steinkohlenverarbeitung decken. Dabei zwangen die dauernd steigenden Anforderungen an Menge
Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure.
und Güte dieser flüssigen Brennstoffe, trotz ständig zunehmender Bauschwierigkeiten, trotz Material- und Menschenmangels, zur Errichtung immer neuer Versuchsanlagen für Oel- bezw. Teergewinnung aus Braunkohle und Schiefer. Unter dem Leitstern der vervollkommneten und wirtschaftlichen Ausnutzung der Brennstoffe durch Verkokung, Vergasung und Verschwelung arbeiteten und arbeiten die besten Köpfe an der Frage der Verflüssigung der Brennstoffe. An Franz Fischers und Dr. Kellers Arbeiten in der Destillation der Kohle unter hohem Wasserstoffdruck schließen sich diejenigen von Dr. Bergius und der Goldschmidt - Aktiengesellschaft der Hydrierung der Kohlenwasserstoffe, ferner Arbeiten zur Aufschließung der Kohle mittels Ozons und schwefliger Säure usw.
Sind auch alle diese Arbeiten und die zu ihrer Erprobung errichteten Anlagen unter den erdrückenden Kriegsschwierigkeiten noch nicht zu abschließender Entwicklung oder zur Durchführung im fabrikmäßigen Maßstab gelangt, so sind sie doch hochwichtige Staffeln auf dem Wege der Brennstoffverflüssigung und damit unserer Unabhängigkeit von der ausländischen Oeleinfuhr.
Freilich, darüber müssen wir uns klar sein: gelingt es uns nicht, bezüglich der Oeleinfuhr unsern vor dem Kriege vorhandenen mäßigen Zollschutz gegen die Ueberschwemmung mit amerikanischem Oel wiederzuerlangen, fällt vielmehr dieser Schutz, unter dem allein die noch der Entwicklung harrenden Knospen dieser neuen Brennstoff-Industrie sich zur Blüte entfalten können, so müssen wir auch hier eine Fülle von hoffnungsreichen Arbeiten für Jahrzehnte hinaus zu Grabe tragen.
Neben diesen aus unsicherer Ferne drohenden Gefahren sehen wir zwei aus sicherer Nähe erkennbare, im Inlande entstandene, unsere Wirtschaft der mineralischen Rohstoffe, unseren Bergbau unmittelbar und aufs schwerste gefährdende Bewegungen. Zunächst die unsinnigen, jede Industrie zu grunde richtenden Lohnforderungen der Arbeiter und dann die Bestrebungen einer überstürzten Sozialisierung und Vergesellschaftung der Betriebe. Unsere Industrie war gut gerüstet auf den Uebergang zur Friedenswirtschaft, sie hätte die Umstellung wahrscheinlich trotz des unglücklichen Kriegsausganges noch glänzender vollbracht als seinerzeit die Einstellung auf den Krieg. Da kam der verhängnisvolle Gedanke einer raschen Sozialisierung der mächtigsten Industrien, und mit einem Schlage war jede Unternehmungslust, jeder Unternehmungsmut verschwunden. Nur das Heer der Arbeitslosen war entstanden! Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht!
Sollte uns das nicht eine tiefernste Mahnung sein! Unsere Abhängigkeit von den Rohstoffen des Auslandes ist groß. Durch den unseligen Krieg sind wir zwar kein armes Land, aber ein armes Volk geworden, das überall sparen muß, namentlich an Auslandsware, die wir mit Arbeit bezahlen müssen. Wir dürfen nur da kaufen, wo wir günstig kaufen können: in allen andern Fällen heißts: sich einschränken! Also nationale Wirtschaft und Unabhängigkeit vom Auslande muß der Wahlspruch sein! Darüber hinaus aber gilt die Losung: Arbeiten und nicht verzweifeln! Arbeiten, nicht nur weil Arbeit Werte schafft, unsere Schulden tilgt und uns wieder frei zu machen verspricht, nicht nur weil sie uns ernährt und erhält, nein, weil Arbeiten, zumal in dieser schweren Zeit, ein Gottesgeschenk, eine Hilfe und Gnade, weil es eine sittliche Forderung und Pflicht ist.
Die Einspritzkondensation in Amerika. "
Von Dipl.-Ing. Leopold Heimann.
Die hohe Luftleere, die für den wirtschaftlichen Betrieb der Dampfmaschinen, insbesondere der Abdampfturbinen gefordert werden muß, hat das Kondensationswesen während der letzten 15 Jahre gründlich umgestaltet. Während die Möglichkeit, das Kondensat im Kreislauf zur Kesselspeisung zu verwenden, namentlich bei Großkraftanlagen dem Oberflächenkondensator ein weites Feld schuf, hat sich der Einspritzkondensator dort, wo Kühlwasser schwer zu beschaffen ist oder dessen Eigenschaften den Kühlröhren des Oberflächenkondensators gefährlich wären, leicht behauptet. Leitende Gesichtspunkte für seine Umgestaltung waren:
1) Aeußere Bauform, die sich bei geringstem Platzbedarf der Dampfturbine anschmiegt, so daß zwischen Turbinenauspuff und Kondensator kein erheblicher Druckverlust auftritt;
1) Sonderabdrücke dieses Aufsatzes (Fachgebiet: Dampfkraftanlagen [Kondensatoren]) werden abgegeben. Der Preis wird mit der Veröffentlichung des Schlusses bekannt gemacht werden
2) innere Bauweise, die gründliche Kondensation beị geringstem Kühlwasserbedarf gewährleistet;
3) eine Gesamtanordnung, die alle unter Luftleere stehenden Rohrleitungen möglichst kurz hält und damit die an Verbindungsstellen eindringende Luft auf das Aeußerste be
schränkt.
Forderung 1 und 3 weisen klar in die Richtung des Einspritzkondensators ohne barometrisches Fallrohr, der im folgenden >>Flurkondensator< genannt sei. So ist es nicht verwunderlich, daß der früher so beliebte barometrische Kondensator mehr und mehr verschwindet und auf die Zentralkondensation für Hüttenwerke angewiesen ist, wo später zu beleuchtende Gründe ihm die Führung geben. Hand in Hand mit dieser Umwälzung ging das Anpassen der Kondensations-Hilfsmaschinen an die Forderung höchster Luftleere und in vielen Fällen an die Forderung einheitlichen Antriebes durch Dampfturbine oder Elektromotor.
Die Einspritzkondensatoren können entweder im Gegen
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