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Die Roten Varis haben Nachwuchs. Es ist bereits die zweite Generation, die im Masoala Regenwald geboren ist.
Wenn lautstarke Rufe durch die Baumwipfel des Masoala Regenwaldes schmettern, sind die Roten Varis mitten in einer Unterhaltung. Was für uns rau und unfreundlich anmutet, ist die alltägliche Kommunikation unter Lemuren: «Ich bin hier, wo bist du?» Und umgekehrt. Die zwei Männchen und vier Weibchen haben einen starken Gruppenzusammenhalt. Während die Weibchen – das ältere Muttertier Sambara und ihre drei Töchter – langjährige Bewohnerinnen des Masoala Regenwaldes sind, kamen die Männchen Tsoka und Tantely 2014 zur Blutauffrischung von Frankreich nach Zürich. Der Zuchtbuchführer des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes EEP koordinierte damals die Rochade, an der drei Zoos beteiligt waren.
Übung macht die Mutter
Im vergangenen Januar zeigte die zehnjährige Garabola erstmals mütterliches Verhalten. Sie baute an verschiedenen Orten kleine Nester. Das Vari-Nest ist eine spartanische Bettstatt: Es besteht aus ein paar Ästchen oder Blattwedeln und ist meist in einer Höhe von wenigen Metern angelegt. Garabola stand zu jenem Zeitpunkt noch weit von einer Geburt entfernt – viel eher war es der Anfang ihrer Trächtigkeit, die rund 100 Tage dauerte. In der Zeit der Schwangerschaft verhielt sich Garabola immer deutlicher als Chefin. Auch in der Wildnis auf der madagassischen Halbinsel Masoala, wo die Roten Varis ausschliesslich verbreitet sind, führt immer ein Weibchen die Gruppe an. Sie geniesst das Exklusivrecht bei der Fortpflanzung und ist auch an den Futterstellen privilegiert. Offenbar löste Garabola ihre Mutter Sambara Schritt für Schritt in dieser Rolle ab.
Drei auf einen Streich
Eine Woche vor der Geburt startete Garabola wiederum, ein Nest zu bauen. Am 23. April war es so weit: Die Drillinge lagen dicht aneinander gerollt im Nest, auf einem Treppenabsatz in etwa drei Metern Höhe. Garabola behütete ihre Jungen und liess sie nur kurz zur Futtersuche alleine. Wenn der aktuelle Standort des Nestes ihren Ansprüchen nicht mehr gerecht wurde, zügelte sie die Drillinge jeweils in ein neues Nest. Der Umzug erfolgte im Maul, eins nach dem anderen. Auch der Vater, die Grossmutter und die Tanten übernahmen Betreuungsaufgaben. Inzwischen entdecken die Kleinen den Masoala Regenwald – begleitet von der Gruppe – bereits auf eigenen Beinen. Bis sie sich in die lautstarken Unterhaltungen der Erwachsenen einmischen, werden allerdings noch ein paar Monate vergehen.
Mutter Garabola und ihre Drillinge, einen Tag nach der Geburt. Die Augen der Kleinen waren in den ersten Tagen blau.
Zoonews Sommer 2016
Dieser Artikel erschien im Zoonews Sommer 2016. Dies gesamte Ausgabe können Sie sich hier online durchblättern oder herunterladen.