Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03322.jsonl.gz/110

Eingereichter Text
Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament eine Teilrevision des Jagdgesetzes (JSG), insbesondere von Artikel 5 Absatz 3 Buchstabe a, vorzulegen, mit dem Ziel, die Jagd auf verwilderte oder streunende Katzen zu verbieten.
Alternativen zur Jagd, beispielsweise Sterilisations- und Kastrationskampagnen, müssen vorgesehen werden.
Ausnahmen vom Verbot können im öffentlichen Interesse, besonders in sanitarischen Notsituationen (z. B. bei Tollwutepidemien), genehmigt werden.
Begründung
Dieser Motion geht eine Petition des Verbandes "SOS Chats" in Noiraigue/NE voraus, mit der ein absolutes Verbot der Jagd auf streunende Katzen gefordert wird und die von mehr als 12 000 Menschen unterschrieben wurde. Im JSG ist die Jagd während des ganzen Jahres erlaubt, um zu verhindern, dass sich die Katzen zu stark vermehren und damit der Flora und Fauna schaden.
Es gilt festzuhalten, dass in der Schweiz und in den europäischen Nachbarländern Methoden zur Bekämpfung von Schäden, die von Tieren verursacht werden, nur selektiv eingesetzt werden dürfen, und dass diese Methoden im Verhältnis zum verursachten Schaden stehen müssen. Ausserdem dürfen die Tiere nicht schlecht behandelt werden, und es dürfen keine Gräueltaten an ihnen verübt werden.
Doch ist die Zahl von Katzen, die von Schüssen verstümmelt wurden und Qualen erleiden müssen, die eines modernen und zivilisierten Landes unwürdig sind, sehr hoch. Oftmals findet die Jagd auch in städtischen Gebieten statt, was für die Sicherheit und die Ruhe der Einwohnerinnen und Einwohner eine Gefahr darstellt.
Zudem wird das traditionelle Halsband nach und nach durch die neuen Mittel zur Identifizierung von Hauskatzen, wie durch den Mikrochip, ersetzt. So wird es zunehmend schwieriger, Hauskatzen von streunenden Katzen zu unterscheiden, wodurch die Jagd stark vom Zufall bedingt ist.
Die Verhältnismässigkeit dieser Methode ist ebenfalls sehr fragwürdig. Wie "SOS Chats" betont, wäre es weit wirksamer und weniger grausam, die Tiere einzufangen und zu sterilisieren, um ihre Vermehrung zu verhindern.
Zuletzt sei angeführt, dass die verwilderte Hauskatze in Frankreich von der Liste der jagdbaren Arten (Beschluss vom 26. Juni 1987, mit dem die Liste der jagdbaren Wildtiere festgelegt wurde) und der Liste der als schädlich eingestuften Tierarten (Beschluss vom 30. September 1988, mit dem die Liste der als schädlich eingestuften Tierarten festgelegt wurde) entfernt wurde.
Stellungnahme des Bundesrates vom 24.08.2011
Artikel 5 des Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG; SR 922.0) regelt, welche Tierarten gejagt werden dürfen. Verwilderte Hauskatzen, also Katzen, die unabhängig von der Pflege und Obhut des Menschen leben, können ganzjährig gejagt werden. Dies ist aus zwei Gründen angezeigt: Erstens bedrohen verwilderte Hauskatzen die einheimische Wildkatze durch eine Vermischung des Erbgutes (genetische Hybridisierung); zweitens stellen verwilderte Hauskatzen eine beachtliche Gefahr für Vögel, Feldhasen und Reptilien dar.
Der Abschuss von verwilderten Hauskatzen ist nun, anders als es die Motion darstellt, keinesfalls häufig. Gemäss den Kantonen stellen verwilderte Hauskatzen heutzutage nur ein punktuelles Problem dar.
Der Abschuss verwilderter Hauskatzen kann durch die kantonalen Jagdverwaltungen, die Polizei oder die kantonalen Veterinärämter angeordnet werden. Einfänge mit Kastenfallen sind schwierig, da sich solche Katzen nur schwer einfangen lassen. Die Einschränkung auf behördlich angeordnete Kampagnen zum Einfang und zur Sterilisation verwilderter Hauskatzen würde einen unverhältnismässig grossen Aufwand und hohe Kosten verursachen. Es soll den Kantonen deshalb freigestellt bleiben, wie sie mit dem Problem verwilderter Hauskatzen umgehen. Viele Kantone haben bereits heute den Abschuss auf Aufsichtsorgane eingeschränkt.
Der Bundesrat erachtet deshalb ein bundesrechtliches Verbot des Abschusses verwilderter Hauskatzen nicht als sinnvoll. Dieses würde einen unnötigen Übergriff in die kantonale Hoheit im Jagdbereich darstellen.
Antrag des Bundesrates vom 24.08.2011
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.