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Weltgeschichte in Fleisch und Blut: Als eine britische Legende des Zweiten Weltkrieges in Basel-Mulhouse landete, wurde sie begeistert empfangen.
Das Bild und die Geschichte dazu gehören zum Typus «Ein Grosser besucht uns». Der Grosse entstieg am 11. August 1957 auf dem noch kleinen Flughafen Basel-Mulhouse einer DC-3. Das aus zivilen und militärischen Funktionsträgern bestehende Empfangskomitee sowie Presseleute standen bereit. Das Wetter war schlecht, trotzdem soll, wie die Presse anschliessend berichtete, eine ansehnliche Menge Schaulustiger zugegen gewesen sein.
Nach der Landung trug er für einmal nicht sein Mode bildendes Béret (round, flat-crown-ed hat). Der Grosse wurde von der Presse als sonnenverbrannt und trotz seiner 70 Jahre nicht alt geworden beschrieben. Er nahm erst im folgenden Jahr nach insgesamt 50 Jahren im aktiven Militärdienst seinen Abschied aus der Army.
Der Grosse war, kann man sagen, weltbekannt, auch unter dem Kürzel «Monty». Es war Bernard Law Montgomery, britischer Berufsoffizier, Feldmarschall (seit 1944) und Viscount (seit 1946).
Nach Kriegsende war Montgomery bis Ende Januar 1946 Oberbefehlshaber der britischen Besatzungstruppe in Deutschland und somit Teil des Alliierten Kontrollrats. Anschliessend befehligte er die Landstreitkräfte der 1949 gegründeten Nato, von 1951 bis 1958 war er stellvertretender Oberbefehlshaber der Nato. Seinen Weltruhm begründete er (beziehungsweise das britische Propagandaministerium) 1943 mit dem Sieg über den ebenfalls sehr bekannten deutschen «Wüstenfuchs» Erwin Rommel in der Schlacht von El Alamein in Ägypten.
Und dieser Grosse kam 1957 nach Basel! Was war der Grund? Geheimabsprachen mit dem ehemaligen General Guisan waren es nicht, obwohl solche «Schulterschluss»-Gespräche (1947/1949/1951) in Bern und Mürren und wo immer geführt wurden (vgl. Mauro Mantovani, Schweizerische Sicherheitspolitik im Kalten Krieg 1947–1963. Zürich 1999). Hier ging es nur um eine Inspektionsfahrt, die er auf der Rheinlinie Basel–Speyer–Bonn–Rotterdam mit dem französischen Kriegsschiff «Amiral Exelmans» durchführte.
Basel gab sich Mühe und zu seinen Ehren ein Bankett im «Drei Könige». Vor seiner Weiterreise gab es noch zwei «Highlights» – das eine sonderbar, das andere rührend: Der alte Marschall besuchte, aus welchen Gründen auch immer, das Druckereiunternehmen Schwitter AG und liess sich dort die neusten Reproverfahren zeigen. Und er liess sich vom Kunstmuseumsdirektor Georg Schmidt durch die Holbeinsammlung führen. Holbein und England ist bekanntlich ein Thema. Zum Glück für «Monty» und Holbein war das Kunstmuseum damals nicht gerade im Umbau.
Artikelgeschichte
Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 30.08.13