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Wir hatten geplant, einen Monat auf den Bahamas zu verbringen und dann weiter nach Süden zum Panamakanal zu segeln. Nun, diesen Plan müssen wir ändern.
Wir haben unser Visum für die Bahamas tatsächlich um 4 Monate verlängert, und wir wissen nicht, was wir in den nächsten Monaten tun werden.
Oben am Mast
Als wir in der Bucht vor Royal Island waren, sprachen wir mit Jochen von der Arcadia und stellten fest, dass die beiden Masten von seinen 2 letzten Boote auch von Hans Georg Gross gebaut worden waren, wie der Mast von vela dare. Als wir die Genua in St. Simons im Juli herunternahmen, stellten wir fest, dass das Genuafall beschädigt war, fast durchgescheuert war. Wir hatten uns nicht allzu viel Sorgen gemacht, wir hatten tatsächlich ein zweites Fall im Mast und kürzlich ein neues Rollsystem mit einem zweiten Vordersegel. Willi hatte Kontakt mit Hans Georg gehabt, der mehrere mögliche Ursachen aufgezeigt hatte. Am plausibelsten war, dass das Seil beim Transport des Mastes von der Schweiz nach Frankreich eingeklemmt war. Also hatten wir das beschädigte Ende des Falles ersetzt und planten, es nach ein paar hundert Meilen zu überprüfen.
Jochen mochte dieses beschädigte Fall überhaupt nicht, er fand keinen plausiblen Grund dafür. Also lieh er uns seine Minikamera und ich zog Willi zur Mastspitze. Dort schob Willi die Kamera in den Mast, so dass wir hineinschauen konnten. So wie die Bilder aussehen scheint es, dass 3 der 4 Seile im Inneren des Mastes über das obere Stützrohr liegen, und das Problem des Genuafalls war wieder da: Das Klebeband, das wir zum Schutz unseres Genuafalls angebracht hatten, war wieder beschädigt und das schon nach einigen Tagen Segeln. Nach Jochens Erläuterungen haben wir auch verstanden, warum dies sehr gefährlich sein kann. Wenn das Fall reisst, geht das Ende, das sich im Mast befindet, in den Mast hinunter und kann sich um die anderen Seile wickeln. Dadurch wird es unmöglich, die Seile für die anderen Segel zu bewegen, da alle Seile durch den Mast laufen! Sehr schlechte Nachrichten… Willi schickte deshalb Bilder von der Situation im Mast an Hans Georg, damit er sich ein Bild von der Möglichkeit einer Reparatur machen kann.
Entlang der Westküste der Eleuthera
Während wir auf eine Antwort von Hans Georg warteten, segelten wir entlang der Küste von Eleuthera. Wir stoppten in Rainbow Cay und Ten Bay Beach. Da wir oft bewölktes Wetter hatten und der Wind ständig wechselte, hatten wir nicht die besten Bedingungen um diesen Teil der Insel zu genießen. Wir hatten schon viele der Strände Eleutheras gehört, aber für uns sind die Exumas-Strände schöner.
Schließlich kamen wir in Rock Sound an, am südlichen Ende von Eleuthera. Dort konnten wir unser Visum am Flughafen verlängeren welcher auf der anderen Seite der Bucht liegt. Glücklicherweise funktioniert unser neuer Dinghymotor gut, denn wir mussten den Weg zweimal machen. Das erste Mal, hatten wir keinen Anker lagen dabei, was es unmöglich machte am Ponton in der Nähe des Flughafens festzumachen. Also die 1nm zurück und den Anker holen. Am zweiten Tag besuchten wir die beiden Sehenswürdigkeiten von Rock Sounds, das „Blue Hole“ und die Grotten. Das Blue Hole war nicht so spektakulär. Es sah aus wie ein ganz normaler Teich, auch wenn dieser in einer Tiefe von einigen Hunderten Metern vom Wasser aus dem Meer gespeist wird. Von den Grotten waren wir beeindruckt mit ihren Fledermäusen, den Wurzeln der Bäume, die durch die Höhlendecke hinunter bis in den Boden gingen. Nach einem Abstecher zum Supermarkt (ziemlich teuer aber ziemlich gut bestückt) kehrten wir zum Boot zurück, fuhren auf die andere Seite der Bucht und gingen dort vor Anker, wo es weniger Wellengang gab.
Den nächsten Tag verbrachten wir mit Reparatur- und Wartungsarbeiten. Frustrierend, nach zweimal die neue Rollanlage nutzen und schon ein Riss im Segel zu haben…. Also musste die Fock wieder runter und Willi nahm die Nähmaschine heraus und reparierte das Segel. Es ist ein altes Segel und es gab schon einen Riss direkt neben dran mit einem alten Reparaturstück. Hoffen wir, dass es hält…. Außerdem haben wir unseren Entsalzungsanlage zur Produktion von Süßwasser in Betrieb genommen und die Backstagen nachgezogen.
Dilemma im Paradies
Wir erhielten eine Antwort von Hans Georg, der uns anbot, uns Reparaturgeräte zu schicken. Aber die Frage ist, wohin man es schicken soll. Auf den Bahamas haben wir keine Adresse und die Pakete liegen mehrere Wochen in Nassau fest. Wir hätten eine Adresse in Jamaika, aber von dort haben wir keine Auskünfte über Transportzeiten oder Zollprobleme. In Panama müssen wir 100% Steuern auf alle Teile zahlen und die Zollformalitäten sind kompliziert und wir sind nicht sicher, ob wir die Reise dorthin machen können, ohne dass das Genuafall durchscheuert. Alle 3 Lösungen brauchen jedenfalls Wochen.
Eine Alternative wäre, das Paket nach Miami in den USA schicken zu lassen. Willi könnte in Nassau auf dem Boot bleiben und ich würde die Fähre nehmen, um das Paket in Amerika abzuholen. Auch eine sehr komplizierte Lösung und auch nicht billig…. Die einzige Alternative ist, dass Willi Hilfe von Jochen bekommt und die Reparaturen mit den zur Verfügung stehenden Bordmitteln durchführt. Das bedeutet aber auch, dass ein zusätzliches Seil an der Spitze des Mastes installiert werden muss, damit Willi an der Spitze des Mastes gesichert werden kann. Tatsächlich benutzen wir normalerweise das Fall des Großsegels und der Dirk, um Willi auf die Spitze des Mastes zu ziehen, aber genau diese beiden Seile müssen bewegt werden…. Und dann müssen wir oben am Mast die Rollen für die Seile herausnehmen, Teile abschrauben und die Seile unter dem Stützrohr zu „angeln“ und wieder einziehen, ohne etwas fallen zu lassen. Daher ist es unerlässlich, einen Tag ohne Wind und eine Bucht ohne Wellen zu haben. Was derzeit ein großer Wunsch ist, mit wenig Aussicht auf Realisierung, da wir mehr als 25 Knoten Wind haben und für nächste Woche auch mehr Wind angekündigt wird…. Willi schrieb noch eine E-Mail an Hans Georg, um herauszufinden, ob unsere Idee machbar ist oder nicht.
Exumas
Wir haben Eleuthera verlassen und sind in die Exumas gesegelt, wo wir hoffen, eine gut geschützte Bucht für die Arbeiten oben am Mast zu finden. Wir kamen bei bewölktem Himmel in Allan’s Cay an und ankerten zwischen den Inseln und hatten nicht auf die Tiefe und die Gezeiten des Ankerplatzes geachtet. Das bescherte uns eine sehr hektische Nacht. Da die Strömung gegen den Wind stand und dadurch grössere Wellen bildeten mussten wir während der Nacht „umparkieren“. Bei Ebbe so gegen 8 Uhr abends sassen wir unsanft in den Wellen immer wieder auf Grund auf. Am nächsten Tag gingen wir zu den Leguanen. Sie sind sehr neugierig haben keine Angst vor den vielen Touristen, von denen sie auch immer gefüttert werden. Sie machen mir eher Angst, wenn sie mit voller Geschwindigkeit in meine Richtung laufen und das Maul aufreissen. Ein Biss muss sehr wehtun…
Dann fuhren wir zur Nachbarinsel nach Highbourne. Nach einem sehr teuren Besuch auf dieser privaten Insel mit Fahrrad und Kajak Ausflug ankerten wir in einer Bucht auf der anderen Seite der Insel.
Starke Südwinde mit Böen von 40 Knoten sind für die nächsten Tage vorhergesagt und es gibt nur wenige Buchten, die unter diesen Bedingungen geschützt sind. Das türkisfarbene Wasser ist wunderschön, aber immer ein wenig kühl. Hier wollen wir warten bis der Sturm vorüber ist und dass sich der Wind beruhigt. Willi nahm seinen Bohrer heraus, um einen neuen Ankeraufsatz zu montieren, er schrieb auch E-Mail an Hans Georg wegen unserem Mast, ich backte einen Kuchen und ich hatte Zeit, diesen Blogbeitrag zu schreiben.
Wir wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.