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Zürich: Kündig wird hingerichtet
Das Begnadigungsgesuch für Jakob Kündig aus Bauma betont die schlechte Erziehung, den Bettel, zu dem ihn die Mutter anhielt, schlechte Nahrung bei einem seiner ersten Meister, Zusammenwohnen mit einem total verdorbenen Individuum im Bezirksgefängnis 1855, den Einfluss seiner Geliebten, den Mangel an Handreichung, die geringe geistige Begabung, das jugendliche Alter, 21 1/2 Jahr, ein mildernder Umstand der umso mehr wiegt als Kündig erst im achten Jahre die Schule betrat und erst im achtzehnten Jahre konfirmirt wurde, sofortiges Geständnis des Verbrechers.
Nach Verlesung der Majoritäts-und Minoritäts Anträge der Petitionskommission resumirt der Herr Referent den Unterschied beider Anschauungen dahin, dass die Minderheit eine verdorbene Natur annehme, die Mehrheit dagegen die unglücklichen Einflüsse ins Auge fasse.
Herr Präsident ermahnt die Versammlung bei dem ernsten Gang zu der Urne, nur durch die durch Akten gewonnene Ueberzeugung und nicht durch eine ausser den Berathungen flehende Stimmung bewegen zu lassen.
Der grosse Rath trat dann 8 Minuten vor Mittag den Gang zur Ballotage über den Mörder Kündig an.In der verhängnisvollen Urne fanden sich nach dem Wiedereintritt der 201 Mitglieder 102 schwarze gegen 99 weisse Kugeln. Es ist somit das Begnadigungsgesuch des Kündig verworfen. Kündig hat die Ankündigung seines Todes ruhig und ergeben hingenommen.
Artikel aus dem St. Galler Zeitung vom Oktober 1859
Quelle: http://www.schweizerpressearchive.ch/
Schreiben der Polizei - Direktion Zürich vom 26.10.1859
Die Direktion der Polizei berichtet dem Regierungsrat, dass Jakob Kündig aus Bauma am 26.Oktober 1859 morgens um 6 3/4 Uhr hingerichtet worden sei. Der Delinquent sei ruhig und ergeben gestorben.
Kündig hatte ein altes Ehepaaar auf grausame Weise umgebracht.