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Ob auf dem Feld, bei der Hausarbeit oder auf dem Weg zum Markt, Moses ist immer in Bewegung.
Text: Fred Ouma, Development Communications Coordinator, World Vision in Uganda
Fotos: Brian Jakisa Mungu, MEAL Assistant, World Vision in Uganda
Moses Jansuk Ezibon, 35, muss lachen, als er einen Wurf Ferkel füttert, die übereinander fallen, um ihn zu erreichen. «Sie sind immer hungrig», sagt er. Der Vater von fünf Kindern hat auch Ziegen und Hühner zu füttern.
Moses wurde 2016 zum Flüchtling. Er ist einer von mehr als 215'000 südsudanesischen Geflüchteten, die im Distrikt Adjumani in Uganda leben und in der Landwirtschaft tätig sind. Aufgrund seiner Nähe zum Südsudan hat der Bezirk die zweitgrösste Flüchtlingsbevölkerung in Uganda. Die meisten von ihnen wissen nicht, ob und wann sie in ihr Heimatland zurückkehren werden.
Zu Hause im Südsudan baute Moses alles an, was er hatte, um seine Familie zu ernähren und um mit dem Verkauf von Waren sein karges Einkommen ein wenig aufzustocken. Als der Krieg sie zur Flucht ins benachbarte Uganda zwang, machte es Moses traurig zu sehen, dass seine Familie auf Lebensmittelrationen von humanitären Organisationen angewiesen war.
Gewusst wie
Das Leben der Familie veränderte sich grundlegend, als Moses an Schulungen zu moderner Landwirtschaft teilnehmen konnte. In der Schulung von World Vision lernte Moses beispielsweise, welche Pflanzen man anbauen soll. Auch, wie man sie in Reihen anbaut und was ein angemessener Abstand zwischen den Pflanzen ist. Er erfuhr, wie man mulcht, um Wasser im Boden zu sparen, wie, wann und mit welcher Dosierung man Düngermittel einsetzt und wie man Nachernteabfälle vermeidet. Er lernte zu berechnen und zu wissen, welche Pflanzen für die Ernährung der Familie am besten geeignet sind, welche mehr Geld einbringen, wo er die besten Preise für seine Ernte erzielen kann und wie er dorthin kommt.
Nun war Moses mit landwirtschaftlichen Kenntnissen und Fertigkeiten ausgestattet und unterstützt mit Gemüsesamen von Tomaten und Paprika sowie mit Maniok-Stecklingen. Er wollte unabhängig werden und war entschlossen, die Lebensumstände seiner Frau Janet Lurit und ihrer jungen Familie mit Kindern im Alter von sechs Monaten bis 10 Jahren zu ändern.
Nach der Schulung und dem Erhalt von Gemüsesamen pachtete Moses für 600'000 Ugandische Dollar (ca. CHF 155) jährlich vier Hektar Land in der Gastgemeinde. Er zog das Saatgut auf und erntete bereits in der ersten Saison mehr als 50 Säcke Tomaten und 50 Säcke grünen Pfeffer. «Ich fühlte mich sofort reich», sagte Moses, und kümmerte sich um seine Tomatenernte.
Zwei Jahre später
Zwei Jahre später hat Moses genug Geld verdient, um eine Reihe weiterer kleiner Unternehmen zu gründen. Er hat ein Motorrad und ein Fahrrad gekauft und seine Frau hat einen Lebensmittelladen eröffnet. «Mit den neuen Geschäften sind wir unabhängiger geworden. Ich benutze das Motorrad, um Passagiere zu befördern und um die überschüssige Ernte zum Markt zu bringen», erzählt Moses.
Und damit noch nicht genug: Das Paar hat auch mit der Aufzucht von Schweinen, Ziegen und Hühnern begonnen. «Die Landwirtschaft ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern auch ein Weg, den Gewinn zu nutzen, um sich in anderen Lebensbereichen zu etablieren», sagt Moses. «Mein Traum, das Einkommen meiner Familie zu verbessern, hat sich erfüllt.»
Ein innovatives Siedlungskonzept
Im Laufe der Jahre hat Uganda Tausende Geflüchtete aufgenommen und ihnen einen sicheren Zufluchtsort geboten, an dem sie sich erholen und ein neues Leben aufbauen können. Wie viele Geflüchtete erhielten auch Moses und seine Frau im Rahmen eines innovativen Siedlungskonzepts ein Grundstück, um ein Haus zu bauen und Landwirtschaft zu betreiben. Sie sind in ihrer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt und können Geld verdienen, da sie das Recht haben, zu arbeiten und Unternehmen zu gründen.
Jesca Alanyo ist die Koordinatorin für den Lebensunterhalt im West Nile Livelihoods Project. Sie sagt, dass World Vision durch das Projekt die Flüchtlingsgemeinschaften stärkt, sie anleitet, ihre eigenen Ziele zu setzen, und sie so ausrüstet, dass die erzielten Fortschritte nachhaltig sind und lange anhalten. «Wir unterstützen die Geflüchteten dabei, ein Leben in Würde zu führen und das auch dann noch, wenn unsere Arbeit bereits beendet ist. Wir schulen sie in modernen landwirtschaftlichen Methoden, damit sie Geld verdienen können. Wir helfen ihnen, sich an ihre neue Umgebung anzupassen und mit ihren ugandischen Nachbarn friedlich zusammenzuleben», sagt Jesca.
Moses und seine Familie vor ihrer Hütte.
Der Sparplan
Ein Plan, der Moses und Janet hilft, ihr Geld aus der Landwirtschaft zu sparen und zu investieren, ist alles, was sie brauchten, um ein zuverlässiges Einkommen aufzubauen. Ihr Wissen geben sie heute auch an andere Geflüchtete weiter. In der Zwischenzeit hat sich die Familien auch einer Spargruppen angeschlossen. Die Gruppen geben ihren Mitgliedern Kredite, damit sie ihre Familien selbst versorgen und kleine Unternehmen gründen können, um ihr Einkommen zu verbessern. Seit der Rückzahlung dieses ersten Kredits haben Janet und Moses drei weitere aufgenommen – für den Kauf von Schweinen und Ziegen sowie zur Unterstützung ihrer landwirtschaftlichen Arbeit. «Das Leben macht jetzt Spass», sagt Moses. «Es fehlt uns an nichts mehr.»
Gemeinsam auf eigenen Füssen stehen
Für Moses und Janet ist die grösste Veränderung die Fähigkeit, auf eigenen Füssen zu stehen und ihre Familie mit allen lebensnotwendigen Dingen zu versorgen, einschliesslich der Schulgebühren für ihre Kinder. Sie sind mehr als entschlossen, ihren neu gefundenen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Wenn Janet nicht zu Hause ist, um sich um ihre Familie zu kümmern, ist sie in ihrem Lebensmittelladen, der nur wenige Schritte von ihrem Haus entfernt ist. Wenn Moses nicht auf der Farm ist, um sich um seine Ernte zu kümmern, sitzt er auf seinem Fahrrad und befördert Fahrgäste. An einem guten Tag verdient das Paar etwa 40'000 UGX (ca. CHF 10) mit dem Verkauf von Lebensmitteln und dem Transport von Fahrgästen.
Als wir das Interview beenden, bittet Moses Janet, ihn beim Füttern der Hühner zu vertreten, während er die Ziegen zum Grasen in die nahegelegenen Büsche treibt. «Hier gibt es keine langweiligen Momente. Wir sind immer auf den Beinen und helfen uns gegenseitig bei der Hausarbeit. Das ist der lustige Teil unseres neuen Lebens. So gefällt es uns», meint Janet, während sie die Hühnertränke mit frischem Wasser auffüllt.
Unterstützen Sie Geflüchtete wie Moses und Janet in ihrer neuen Heimat: Übernehmen Sie die Patenschaft für ein Kind in Uganda.
Das von World Vision durchgeführte West Nile Livelihoods-Projekt wurde durch Mountain Blue Farms finanziert.