Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03658.jsonl.gz/303

Diabetes mellitus ist eine Störung im Zuckerstoffwechsel mit der Folge zu hoher Blutzuckerwerte. Die Gefährlichkeit der Krankheit beruht auf schwerwiegenden Spätfolgen und akuten Komplikationen.
Voraussetzung für die reguläre Zuckerverwertung ist das Vorhandensein von Insulin, einem Hormon, das in so genannten Inselzellen (daher der Ausdruck „Insulin“) der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Dem momentanen Bedarf entsprechend erfolgt die Abgabe des Hormons direkt in die Blutbahn. Insulin sichert die Aufnahme des im Blut frei zirkulierenden Zuckers (Blutzuckers) in die Körperzellen und reguliert den Blutzuckerspiegel. Fehlt Insulin, oder kann es seine Wirkung nicht voll entfalten, entsteht Diabetes mellitus (meist kurz nur „Diabetes“ genannt).
Die Zahl der Zuckerkranken in der Schweiz wurde 2011 allgemein auf etwa 500‘000 beziffert. Weltweit gab es 2013 schätzungsweise 371 Millionen an Diabetes erkrankte Menschen. Laut Schätzungen werden im Jahr 2030 weltweit 552 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein (Zahlen der IDF, der International Diabetes Federation, schweizerische Diabetesgesellschaft).
Bei dieser Diabetesform sind die meisten oder alle insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Folge ist ein extremer Mangel oder das völlige Fehlen von Insulin, weshalb Insulin gespritzt werden muss. Diabetes bei Kindern und jungen Erwachsenen gehört fast immer zu diesem Typ I, doch können auch ältere Menschen daran erkranken.
Insulin wird zwar gebildet, jedoch entweder in zu geringer Menge, oder die Wirkung des Hormons ist unzureichend. Als weiteres wesentliches Kriterium gilt, dass die Körperzellen nur ungenügend auf Insulin reagieren – die Zellen sind „insulinresistent“. Wenn Diät und Bewegung allein nicht ausreichen, wird versucht, das Freisetzen und die Wirkung von Insulin mit Tabletten zu steigern.
Ein Diabetes, der erstmals in der Schwangerschaft diagnostiziert wird und in der Regel nach der Geburt wieder verschwindet. Das Risiko später (in den nächsten 10-15 Jahren) an einem Diabetes mellitus Typ II zu erkranken ist stark erhöht. Von diesem eigentlichen „Schwangerschaftsdiabetes“ zu unterscheiden ist eine Zuckerkrankheit, die schon vor der Schwangerschaft bestand.
Er ist definiert als krankhafte Zunahme des Blutzuckerspiegels, die sich erst bei einem Belastungstest (Glukosetoleranztest) mit Glukose (Traubenzucker) bemerkbar macht. Der Nüchternblutzuckerwert ist hingegen normal. Latenter Diabetes ist deshalb sehr gefährlich, weil er fast immer lange unentdeckt und unbehandelt bleibt.
Das metabolische Syndrom ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel und weitere typische Befunde wie Übergewicht – insbesondere bauchbetontes –, Bluthochdruck oder zu hohe Blutfette.
Man versteht darunter einen zu tiefen Blutzuckerwert, wie er besonders beim Typ I-Diabetes als Folge von Hunger oder zu hoher Insulindosierung auftreten kann. Symptome sind kalter Schweiss, Zittern, Schwindel, Herzklopfen, Hungergefühl und andere, siehe unten.
Die ersten Symptome sind abhängig vom Typ. Der Diabetes Typ I manifestiert sich zu Beginn als akute Erkrankung mit heftigen Symptomen: extremer Durst, entsprechend grosse Urinausscheidung, Müdigkeit und Schwindel, verschwommenes Sehen. Bauchschmerzen und Bewusstseinstrübung können bei Kindern weitere erste Symptome sein. Die Wundheilung ist verzögert und trotz geregelter Ernährung verlieren Betroffene an Gewicht.
Fehlt Insulin, ist auch die Fettverwertung unvollständig. Dies kann zur Übersäuerung des Blutes führen, zur so genannten Ketoazidose mit charakteristischem Azetongeruch des Atems und später – bei steigendem Blutzuckerwert – zum Koma (hyperglykämisches oder diabetisches Koma). Azetongeruch: Geruch nach überreifem Obst.
Die viel häufigere Typ II-Zuckerkrankheit (in rund 90%) setzt allmählich ein und wird nicht selten zufällig entdeckt. Sie tritt überwiegend nach dem 45. Lebensjahr oder im höheren Alter auf und wurde deshalb früher „Altersdiabetes“ genannt. Heute wird diese Krankheit jedoch vermehrt auch bei übergewichtigen Jugendlichen diagnostiziert. In den USA haben 4% der jugendlichen Adipösen einen Diabetes mellitus Typ II. Erste Krankheitszeichen wie vermehrter Durst, häufiges Wasserlösen, Müdigkeit und Juckreiz werden gelegentlich nicht beachtet oder fehl gedeutet. Oft fallen zuerst Folgeschäden auf wie schlecht heilende Wunden, Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Beinen, Sehstörungen oder gehäufte Infektionskrankheiten.
Schwangerschaftsdiabetes: Die Häufigkeit liegt in den Industrienationen bei 3 bis 5 % aller Schwangerschaften. Wenn eine Diätbehandlung nicht genügt, ist Insulin erforderlich wie beim Typ I-Diabetes. Meist fallen der Schwangeren selbst keine Symptome auf, doch ein unerkannter oder schlecht eingestellter Schwangerschaftsdiabetes kann die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Das Risiko für die Mutter, später zuckerkrank zu werden, ist beträchtlich erhöht.
Akute Stoffwechselkomplikationen sind bei allen Typen möglich. Unterzuckerung (Hypoglykämie) und deren Gegenteil, die Hyperglykämie können beide zum Bewusstseinsverlust führen.
Gefährdet sind überwiegend Menschen mit schlecht eingestelltem Blutzucker. Je länger erhöhte Blutzuckerwerte bestehen, desto grösser ist das Risiko von Spätfolgen. Diese betreffen
Diabetesverdächtige Symptome sind Grund, einen Arzt aufzusuchen. Dieser wird die Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen und die Frage beantworten, ob Insulin gespritzt werden muss oder ob Tabletten genügen. Wenn bereits eine Zuckerkrankheit bekannt ist, werden Medikamente und Speiseplan regelmässig auf ihre Wirkung überprüft. Behandlungsziel ist es, Spätkomplikationen zu vermeiden oder frühzeitig zu erkennen und zu behandeln und damit die Lebensqualität zu verbessern.
Typ II-Diabetes: Wenn Diät und Bewegung allein nicht ausreichen, wird versucht, das Freisetzen und die Wirkung von Insulin mit Tabletten und wenn nötig Insulin zu steigern. Wichtig sind zudem regelmässige Blutdruck- und Blutfettkontrollen.
In der Behandlung des insulinbedürftigen Typ I-Diabetes nimmt die Transplantation von insulinproduzierendem Gewebe (Inselzellen) der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) einen zunehmenden Stellenwert ein. Beim Grossteil der in Frage kommenden Patienten wird gleichzeitig eine Niere transplantiert. Grund: Das Verhindern der Abstossung des transplantierten Gewebes erfordert eine immunsuppressive Therapie, welche vorgeschädigte eigene Nieren in ihrer Funktion noch weiter beeinträchtigen würde. (Immunsuppression: Unterdrückung des Abwehrsystems.) Versuche sind im Gang, die transplantierten Pankreaszellen so zu isolieren, dass eine Abstossungsreaktion ausbleibt („Immunisolation“) und sich damit die lebenslange Immunsuppression erübrigt. Dies wäre ein zusätzlicher, entscheidender Schritt in Richtung bessere Lebensqualität, der annähernd einer wirklichen Heilung entspräche.
Ulmer Zuckeruhr: Dies ist ein in Entwicklung befindliches System mit dem Ziel ein künstliches Pankreas zu konstruieren. Mittels Mikrocomputer und kontinuierlich arbeitendem Glukosesensor wird der Blutzuckerspiegel konstant gemessen und mit einer integrierten Insulinpumpe, Insulin bei Bedarf zugeführt. Dadurch wird eine zuckerkontrollierte Insulinzufuhr gewährleistet.
Gentherapie des Typ I Diabetes: Mithilfe der Gentechnologie ist es bislang möglich Leberzellen zur Insulinproduktion umzuprogrammieren. Diese Therapieformen befinden sich jedoch noch in klinischer Erprobung.
Bei Schwangerschaftsdiabetes werden in erster Linie Bewegung und eine fettarme sowie faserreiche Kost verordnet. Reicht dies nicht aus, wird zusätzlich Insulin gegeben.
Ein vorbestehender Diabetes schliesst eine Schwangerschaft nicht aus, doch müssen die Blutzuckerwerte besonders genau kontrolliert und eingestellt werden.Schwangerschaften mit Gestationsdiabetes und vorbestehendem Diabetes gelten als Risikoschwangerschaften und werden besonders intensiv ärztlich betreut.
Möglichkeiten zur Prophylaxe von Typ I- und Schwangerschaftsdiabetes sind bis heute nicht bekannt. Anders sieht es beim Typ II aus. Vermeiden von Übergewicht, viel Bewegung und geeignete Ernährung – das heisst fettarm, mit viel Früchten und Gemüse – senken das Diabetesrisiko.
Eine Kontrolle des Blutzuckers bei gesunden Erwachsenen ab dem 45. Lebensjahr alle 3 Jahre ist empfehlenswert, damit möglichst frühzeitig mit einer allfälligen Therapie begonnen werden kann.