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Als er ein Ohr bekommen hat für die tausend Arten, wie Regen klingen kann, ist er in seiner neuen Heimat Irland angekommen. Er, das ist der Schriftsteller und Icherzähler in Hansjörg Schertenleibs neuem Roman «Das Regenorchester». Nachhilfe in der Wahrnehmung gibt ihm Niamh, eine 64-jährige Frau, die ihm dafür einiges abfordert: dass er sich ihre Geschichte anhört, dass er sie aufschreibt und schliesslich auch, dass er bei ihr bleibt, als sie, die Krebskranke, stirbt.
Hansjörg Schertenleib, der seit 12 Jahren in Donegal im Norden Irlands lebt, gelingt eine wunderbare Balance zwischen einer berührenden Lebensgeschichte und skurrilen Alltagssituationen. Sein Held durchleidet alle Stadien des Trennungsschmerzes, aber das wird mit solch feiner Ironie berichtet, dass man (und frau) es amüsiert und teilnehmend zugleich lesen kann - ob er sich nun mit Sport zu retten versucht oder ob er mit einer Männergruppe den Waldboden prügelt, um Aggressionen abzubauen. Oder sich von einem anwachsenden Schwarm von Bienen aus dem Arbeitszimmer vertreiben lässt, weil diese ihre Flugroute genau über seinen Schreibtisch gelegt haben.
«So you’re the Swiss who lost his wife», spricht Niamh den jungen Mann trocken auf der Strasse an und lädt ihn auf eine Tasse Tee ein. Sie nennt ihn Sean und hat nicht vor, ihn zu trösten. Dass das Leben hart sein kann, weiss sie nur zu gut, seit sie als Mädchen nach England ging, um dort zu arbeiten, ihrer grossen Liebe begegnete und als Schwangere sitzen gelassen wurde. Ihr kleiner Sohn wurde zur Adoption freigegeben.
Das Verhältnis zwischen dem Schriftsteller und Niamh ist innig, aber keine Liebesgeschichte à la «Harold und Maude», auch wenn sie sich diesen Film anschauen. Die Beziehung besteht eher in der gemeinsamen Aufgabe, ein Leben aus dem Dunkel hervorzuholen. Der Irin erleichtert es das Sterben. Dem Schriftsteller hilft es, loszulassen. Am Ende lässt er auch den verhassten Papagei fliegen, den seine Ex zurückgelassen hat und der nur einen Satz krächzen kann: «Bern isch schön.»