Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03362.jsonl.gz/2438

HP: Tragik und Komik vor dem Kongress-Ausschuss29. September 2006 um 10:19
Abgeordneter zu Dunn: "Wieso treten sie nicht zurück?" Dunn: "Ich bin bereits zurückgetreten."
Abgeordneter zu Dunn: "Wieso treten sie nicht zurück?" Dunn: "Ich bin bereits zurückgetreten."
Zwei Dutzend Vertreter des US-amerikanischen Computerkonzerns Hewlett-Packard mussten gestern vor einem Ausschuss des US-Kongresses zur Schnüffelaffäre Stellung nehmen. Anfang September war bekannt geworden, dass HP mittels höchst fragwürdiger Mittel Journalisten bespitzelt hatte. Das Ziel der HP-Manager war, herauszufinden, welches Verwaltungsratsmitglied der Presse firmeninterne Informationen zuspielte.
Die meisten Manager verweigerten gestern die Aussage. Einzig die zurückgetretene Verwaltungsratspräsidentin Patricia Dunn, CEO Mark Hurd und der externe Anwalt Larry Sonsini liessen sich vernehmen. Sonsini war derjenige, der die ganze Affäre anfänglich hätte untersuchen müssen, da er aber nicht weiterkam, leitete HP eine interne Untersuchung ein.
"Es wird nie wieder passieren"
Die Atmosphäre während der über sechsstündigen Anhörung erinnerte laut dem 'Wall Street Journal' eher an Watergate (Nixon-Affäre) als an Wall Street. Die Kongressmitglieder hätten sich zudem als David aufgeführt, die den grossen HP-Goliath zurechtweisen wollten. Dunn, die vor Hurd aussagte, wies persönliche Anschuldigungen zurück: "Ich trage keine persönliche Verantwortung für das, was geschehen ist", sagte sie. Hurd gab sich hingegen erneut reuig und meinte: "Ich wünschte mir, ich hätte mehr Fragen gestellt."
Dann gab er sogar die von Pathos durchtränkte Aussage zu Protokoll, dass die HP-Gründer Bill Hewlett und Dave Packard, wenn sie heute am Leben wären, "entsetzt" wären. "Es gibt keine Entschuldigung für diesen Fehler. Er ist geschehen und er wird nie wieder passieren", so Hurd.
Keine Ahnung von Tracer und Pretexting
Beide erklärten mehrmals, gewisse Dokumente nicht gelesen oder gewisse Dinge nicht gewusst zu haben. Beispielsweise sagte Dunn, sie habe das Wort "Tracer" gehört, sie habe aber gemeint, dass damit der Empfang eines E-Mails bestätigt wird. Das "Tracer"-Email an den Newsdient 'CNET' hatte allerdings für HP die Funktion, herauszufinden, mit wem von HP die 'CNET'-Reporterin es zu tun hatte. Ein als HP-Manager posierender Ermittler schickte ihr die E-Mails, bei denen der ursprüngliche Sender sieht, an wen es weitergeleitet wird.
Solche Methoden - vor allem aber die Praxis, sich bei einer Telefongesellschaft unter fremdem Namen zu melden, um an private Telefonlisten dieser Person zu kommen - werden als "Pretexting" bezeichnet. Laut 'CNET' sagte Dunn gestern, sie habe wohl das Wort "Pretexting" irgendwo gesehen, sie habe aber nicht gewusst, dass damit illegale Machenschaften gemeint sind. "Das Wort erschien in Dokumenten, die ich gesehen habe", sagte sie. Hurd wiederholte gestern, dass er davon wusste. Andere Informationen habe er hingegen nicht erhalten.
"Wieso treten sie nicht zurück?"
Während den Gesprächen gab es laut 'CNET' auch einen heiteren Moment. Der republikanische Abgeordnete Cliff Stearns, fragte Dunn, ob sie denn nicht zurücktreten wolle. Daraufhin habe sie geantwortet, sie sei bereits zurückgetreten, sie könne es aber wiederholen, wenn er das wünsche, was natürlich einen kurzen Moment lang Heiterkeit auslöste - dann wurde es aber wieder ernst. (mim)
Loading
"Früher machte man einfach die Türe zu und war sicher"
Gil Shwed ist CEO des Security-Unternehmens Check Point. Im Interview erklärt der Veteran, was sich in den letzten 30 Jahren verändert hat und wie es in der Schweiz läuft.
Tiktok soll sich von chinesischen Besitzern lösen
Die Biden-Regierung will offenbar, dass der chinesische Tiktok-Besitzer die beliebte App verkauft. Ansonsten droht laut Medienberichten ein Verbot.
Ransomware-Bande attackiert Rubrik
Die Cyberkriminellen haben über eine Zero-Day-Schwachstelle Daten gestohlen.
Sabine Seme übernimmt Managed-Printing-Business bei HP Schweiz
Als Sales Director Printing & Solutions wird sie auch Mitglied der Geschäftsleitung.