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Der Strauch im Wald
Was sind Sträucher?
Sie fehlen in keinem Garten und sind uns als Mittelhohe Gewächse wohlvertraut. Die Kennzeichnung „grösser als eine Krautpflanze und kleiner als ein Baum“ reicht indessen bei weitem nicht aus, der Eigenart und Vielfalt unserer Strauchgehölze gerecht zu werden. Die uns für einen Strauch vielleicht typisch erscheinende mittlere Grösse stellt nur eine Gruppenkennzeichnung und ein in vielen Fällen unbrauchbares Erkennungsmerkmal dar.
Der Zwerg-Kreuzdorn, der im Gebirge mit flach ausgebreiteten Ästen und kaum 1 cm hohen Zweiglein auf einem Felsblock kriecht, ist genauso ein Strauch wie die über mannshohe Purpurweide am Bachufer. Zwei wesentliche Merkmale verbinden diese in ihrem äusseren Erscheinungsbild so verschiedenen Pflanzen: Im Gegensatz zu den Krautpflanzen weisen sie verholzte Sprosse auf, unterscheiden sich aber von den ebenfalls holzigen Bäumen durch ihre von Grund auf verzweigte, nicht in Stamm und Krone gegliederte Wuchsform.
Weil sich der Hauptspross schon wenig über dem Boden in mehrere etwa gleich starke Stämmchen teilt, werden Sträucher in der Regel nicht so hoch wie Bäume, die meistens einen Hauptstamm entwickeln. Die Sträucher brachten vielfältige Wuchs- und Lebensformen hervor. In Mitteleuropa besonders gut vertreten sind sommergrüne Sträucher mit grossen Blättern, die von einer reichlichen Wasserversorgung abhängen, wie die Hasel und der Holunder. An trockene und heisse Klimate passen sich die Rutensträucher an, die immergrünen Hartlaubsträucher, die Dornensträucher und die Halbsträucher.
Rutensträucher, wie etwa die Ginsterarten, kennzeichnen sich durch blattlose oder nur mit kleinen Schuppenblättern besetzte, schlanke, grüne Sprosse; diese „Ruten“ assimilieren wie Blätter, verdunsten aber bedeutend weniger Wasser; durch Abwerfen des kleinblättrigen Laubes kann die Verdunstung noch zusätzlich eingeschränkt werden. Bei den immergrünen Hartlaubsträuchern, etwa beim Lorbeer und bei der Stechpalme, sind die Zellen des Abschlussgewebes stark verdickt, oft verkorkt und mit Wachs- oder Harzschichten überzogen, womit ein wirkungsvoller Verdunstungsschutz erreicht wird.
Auch bei den Dornensträuchern, assimiliert häufig die grüne Rinde, während die Blätter oder die Sprossachsen zu Dornen umgebildet sind, wie bei der Berberitze, beim Stechginster und beim Schwarzdorn. Die Verdornung setzt nicht nur die Transpiration herab, sondern schützt gleichzeitig vorzüglich gegen Tierfrass.
Die Nadelsträucher, wie der Wachholder, sind ebenfalls recht unempfindlich gegen Verbiss und wegen der geringen Verdunstung der Nadeln oft auch ziemlich unempfindlich gegen Trockenheit.
Eine Anpassungsform an Klimazonen mit langen und kalten Wintern stellen die Zwergsträucher dar. Dank ihres niedrigen Wuchses entgehen sie im Schutz der Schneedecke den härteren Frösten und den heftigen Winterstürmen. Sie sind vorwiegend im Hochgebirge und in den arktischen Tundren verbreitet Halbsträucher stellen Übergangsformen zwischen Sträuchern und Kräutern dar: ihre unteren Sprossteile verholzen, die oberen sind krautig.
In der Trockenzeit dorren die oberen Teile ab, während der verholzte untere Teil, der die Überdauerungsknospen trägt, erhalten bleibt Zur Vorherrschaft gelangen Halbsträucher vor allem in Trockengebieten mit häufigen Bränden.
Strauchförmige Halbparasiten, wie die Mistel, dringen mit wurzelähnlichen Gebilden in ihre Wirtspflanzen ein und entnehmen diesen Nährsalze und Wasser. Als grüne Pflanzen sind sie jedoch selber zur Assimilation befähigt.
Die Sträucher in ihren natürlichen Lebensgemeinschaften
Sträucher und Zwergsträucher sind Gewächse, deren Überdauerungsknospen oberhalb bzw. unterhalb von 0,5 m Höhe liegen und die sich von der Basis her verzweigen, also keinen eigentlichen Stamm bilden. In dieser Lebensform sind sie den Bäumen unter unseren Klimabedingungen unterlegen.
Am Aufbau der Wälder der mitteleuropäischen Naturlandschaften sind die Sträucher so nur unter bestimmten strukturellen Bedingungen beteiligt. An natürlichen Waldrändern können von Sträuchern beherrschte Gesellschaften Waldmäntel bilden, die zwischen Wald und Aussensaum vermitteln. Die beteiligten Straucharten können zwar auch im Inneren lockerer Wälder vorkommen. Ihr Optimum haben sie aber, von Ausnahmen abgesehen, am Waldrand oder in freien Hecken und Gebüschen mit hoher Lichtintensität.
Waldmantel-Strauchgesellschaften
Je nach Klima und Boden haben sich von Natur aus besondere Waldmantelgesellschaften gebildet, die sich in ähnlicher Weise standörtlich gliedern lassen wie die Waldgesellschaften. In einigen Punkten unterscheiden sich diese Gesträuche der Waldmäntel jedoch wesentlich von den Wäldern:
Sie bestehen fast ausschliesslich aus Lichtholzarten, die im Schatten der natürlichen Wälder kümmern oder Zugrundegehen würden. Deshalb konnten sie sich in der Naturlandschaft nur an baumfreien Standorten wie Uferabbrüchen, Geländekanten, flachgründigen Steilhängen, Felsschultern bzw.an nassen Moorrändern, versumpften Ufern etc. halten. Sie haben ihre Chance also im Standortsgefälle zwischen den Waldstandorten und den für Gehölze unzugänglichen Saumstandorten. Letztere konnten z.B. zu trocken sein, wie im Steppenheide-Komplex, oder zu nass, wie im Uferkomplex.
Eine saubere Trennung der strauchigen Waldränder von den eigentlichen Wäldern ist oft nur schwer möglich, weil Lichtsträucher infolge von Katastrophen immer wieder auch in die Wälder eingedrungen sind. Der Höhepunkt ihrer Ausbreitung war vor ca. 200 Jahren kurz vor Beginn der neuzeitlichen Forstwirtschaft erreicht, nachdem die Wälder durch Übernutzung mehr oder weniger verlichtet waren. Gleichzeitig sind aus dem Waldinneren und einer breiten Übergangszone Waldpflanzen bis an den äussersten Buschrand vorgedrungen.

Nur ein Teil unserer Waldgesellschaften hat einen solchen gesellschafts-
fremden Mantel, Schatthölzer, namentlich Fichte und Tanne, aber auch
Buche, neigen dazu, sich am Waldrand bis auf den Boden herab zu beasten.
Sie lassen lichtliebende Gesträuche gar nicht erst aufkommen.
Obwohl in Jahrhunderten als eigenständige Landschaftseinheiten herausgebildet, sind die Gebüschgesellschaften auf die bewahrende Hilfe des Menschen angewiesen.
Lichtgenuss, Schlag und Wiederaustrieb, sind Faktoren für die Existenz und Erneuerung von Strauchgesellschaften.
Vögel und Sträucher
Vögel und Sträucher treten in vielerlei Hinsicht miteinander in ökologische Beziehungen. Sträucher können Vogelarten als Nistplatz, Deckungsort, Nahrungsraum und Sitzwarte dienen. Viele unserer bekanntesten Sträucher besitzen ihren Verbreitungsschwerpunkt im ursprünglichen Auwald. Auch viele unserer bekanntesten Vogelarten sind dort zu Hause. Ähnliche Sträucher und Strukturvielfalt finden diese Vogelarten in unseren Gärten. Aber auch Sträucher an Waldrändern bieten Vogelarten gute Versteck- und Nistmöglichkeiten. Intakte Waldmäntel tragen als Grenzlinien besonders zur Strukturvielfalt bei. Sie bedürfen der Pflege des Forstmannes, wobei es das Ziel ist, reich strukturierte, Waldränder im Innen- und Aussenbereich aufzubauen und zu erhalten. Dabei werden lichtbedürftige Arten der Kraut- und Strauchschicht besonders berücksichtigt und seltene Baum- und Straucharten gefördert. Gefährdete Vogelarten profitieren vor allem in wärmebegünstigten Gebieten davon.
Daneben spielen Sträucher durch die grosse Vielfalt der auf ihnen vorkommenden Insektenarten eine grosse Rolle beim Nahrungserwerb der Vogelarten. Am deutlichsten werden jedoch die ökologischen Beziehungen der Vögel und Sträucher beim Verzehr von auffällig gefärbten Früchten und Beeren und deren Verbreitung. Eine besondere Rolle spielen auch hier die Sträucher an Waldrändern.
Niststandorte in Sträuchern
Eine reichhaltig strukturierte Strauchschicht am Waldrand bietet beste Voraussetzungen für eine hohe Brutvogeldichte.
Die Verschiedenartigkeit des Nistplatzangebotes in Sträuchern kann durch die Heterogenität der Strauchgehölze (verschiedene
Wuchshöhen, Breiten, Wuchsformen, Dornen und Stacheln) und die Ausbildung von Krautsäumen gefördert werden.
Am Boden und in Bodennähe unter dichtem Gezweig, Ästen und umgefallenen Strauchteilen brüten besonders gerne Rotkelchen,
Zaunkönig und Zilpzalp.

Amsel, Singdrossel und Gartengrasmücke brüten vorwiegend in grösseren Sträuchern. Heckenbraunelle,
und Hänfling bevorzugen dagegen kleinere, niedrige
Sträucher. Günstig für den Schutz der Neststandorte
der freibrütenden Vogelarten in Sträuchern sind bedornte Straucharten wie zum Beispiel Weiss- und
Schwarzdorne.
Waldrandgestaltung
Funktionen und Leitbild der Waldränder
Waldränder erfüllen als Übergangszonen von geschlossenen Wäldern zu offenen Flächen vielfältige Aufgaben in unserer Kulturlandschaft:
Sie erhöhen die Stabilität der Wälder (vor allem gegen Sturm, Untersonnung, Duftanhang, Feuer, Immissionen).
Sie sind optisch und ästhetisch ein „Aushängeschild“ unserer Wälder und dienen in besonderem Masse der Landschaftspflege und einem ansprechenden Landschaftsbild.
Als Randbereiche sind sie wichtige Lebensräume für viele heimische Pflanzen- und Tierarten (einschliesslich Wild) sowie wichtige naturnahe Vernetzungslinien (Biotopverbund) in unserer Kulturlandschaft.
Sie sind oft Zufluchtsort seltener und gefährdeter Arten und sind damit für den Naturschutz von besonderer Bedeutung; der Waldrand beherbergt eine grössere Zahl von Tier- und Pflanzenarten als der angrenzende Wald und die offene, überwiegend landwirtschaftlich genutzte Fläche; er vermag Tier- und Pflanzenarten zu schützen und zu erhalten, die an anderen Orten gefährdet sind.

Aufbau der Waldränder
Für den Aufbau der Waldränder lassen sich allgemeine Grundsätze aufstellen; die
endgültige Form und Zusammensetzung hängen ab von den Funktionen, die der Waldrand erfüllen soll, dem Standort sowie dem Bestand, dessen Teil der Waldrand ist.
Waldaussenränder bestehen in der Regel aus 3 Zonen, welche folgendermassen
aufgebaut sind.
Baumzone: Sie ist die innerste Waldrandzone (Trauf). In ihr lockert sich der Bestand nach aussen hin auf. Die Bauarten können sich durch weiteren Stand
im Wurzel- und Stammbereich festigen. Im Unterstand finden sich Schattenbaumarten und nach aussen hin auch schon Sträucher auf geeigneten Standorten.
Die Tiefe der Baumzone beträgt etwa 15 Meter.
Baum-Strauchzone: (Mantel): Sie schliesst sich in einer Tiefe von etwa fünf bis zehn Metern nach aussen an die Baumzone an und wird aus locker und unregelmässig verteilten, niedrig wachsenden Bäumen und Sträuchern gebildet.
Krautzone (Saum): Die äusserste Zone des Waldaussenrandes hat eine Tiefe von drei bis fünf Metern und wird im Allgemeinen von Sträuchern und Kräutern gebildet, die nach aussen niedriger werden.
Waldinnenränder liegen innerhalb des Waldes an durch Wege, kleine Gewässer und sonstige Gliederungslinien voneinander getrennten Beständen. Sie bestehen aus den bestandstypischen Baumarten, möglichst ergänzt durch zwischen- und unterständige Laubbaumarten. Sträucher fehlen im Allgemeinen oder sind wesentlich geringer vertreten als im Aussenrand.
Bei der Behandlung der Waldinnenränder kommt es darauf an, sie durch intensive Pflegeeingriffe standsicher zu erziehen. Auf eine ausreichende Traufbildung (Erhalt einer Tiefreichenden Beastung) ist besonders zu achten. Konkurrenzstarke Baumarten, wie Buche oder Fichte, lassen auf wuchskräftigen Standorten licht- und wärmeliebende Bäume und Sträucher (auch an Aussenrändern) kaum aufkommen.
Tiefbetraufte Waldränder sind natürlich und sollen nicht zum Einbringen wärmeliebender Sträucher aufgelichtet werden. Dies wäre längerfristig wenig erfolgreich und würde den gut ausgebildeten natürlichen Trauf gefährden.
Der Waldrand ist ein Bestandteil des Waldes und nicht eine von ihm losgelöste, eigenständige Fläche. Er darf nicht als spezieller „Sträucher- und Exotengarten“ missverstanden werden. Standortgerechte und naturnahe Wälder einschliesslich ihrer Waldränder erfüllen am besten die von ihnen erwarteten Aufgaben. Künstliche, sich vom Wald unnatürlich absetzende und der Landschaft fremde Waldränder sollte man vermeiden.
Der Waldrand soll aus Baum- und Straucharten der natürlich vorkommenden Waldgesellschaften bestehen. Die meisten der heutigen stabilen Waldränder haben sich in langen Zeiträumen natürlich entwickelt. Sie sollten unbedingt erhalten und geschont werden (Dauerwald).