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Dreifach-Triumph der Glarner Schwinger – im Alphornblasen
Am ersten Nordostschweizer Schwingfest in Glarus im Jahre 1905 mussten sich die rund 300 teilnehmenden Schwingern noch in anderen Disziplinen beweisen. Im Sägemehl dominierten die Berner Gäste.
Am ersten Nordostschweizer Schwingfest in Glarus im Jahre 1905 mussten sich die rund 300 teilnehmenden Schwingern noch in anderen Disziplinen beweisen. Im Sägemehl dominierten die Berner Gäste.
von Jakob Heer
Der Nordostschweizer Schwingerverband ist einer von fünf Schweizer Teilverbänden, die dem Eidgenössischen Schwingerverband angehören. Neben dem Nordostschweizer Verband (NOSV) gibt es noch die Teilverbände Inner-, Nordwest- und Südwestschweiz sowie den Kanton Bern, der einen eigenen Teilverband bildet. Die Gründung des NOSV geht ins Jahr 1893 zurück und fand zwei Jahre vor der Gründung des Eidgenössischen Schwingerverbandes statt.
Am 26. Februar 1893 gründeten einige initiative Männer im Restaurant «Weisser Wind» in Zürich den NOSV. Diesem ersten Schwingerverband gehörten die Kantone Zürich, St. Gallen, Aargau, Thurgau, Appenzell, Graubünden, Glarus und Basel an. Mit der Gründung des Nordwestschweizer Schwingerverbandes 1899 wechselten Aargau und Basel (richtigerweise) den Verband.
Dennoch fand 1899 das Nordostschweizer Schwingfest in Baden statt. Obwohl der Kanton Glarus von Beginn an zum NOSV gehörte, dauerte es bis zur Gründung des Glarner Schwingerverband bis 1904. Inititalzündung dafür war das Nordostschweizer Schwingfest (NOS), das der NOSV 1904 nach Glarus vergeben hatte. Denn an einem NOS durften nur Mitglieder eines Schwingklubs teilnehmen. Und ohne Klub hätten die Glarner am Heimwettkampf gemäss Statuten gar nicht mittun dürfen. Der kantonale Schwingerverband hiess damals noch Glarner Schwingklub. Der offizielle Eintritt des Glarner Verbandes in den NOSV erfolgte dann 1912.
Eröffnung mit Böllerschüssen
Das erste Nordostschweizer Schwingfest im Glarnerland ging am 4. Juni 1905 bei prächtigem Festwetter auf Erlen in Glarus über die Bühne. Eröffnet wurde das Fest am Sonntagmorgen um 6 Uhr mit Böllerschüssen. Anwesend waren annähernd 300 Schwinger. Damals gehörten noch Disziplinen wie Hochweitsprung, Weitsprung, Steinstossen, Fahnenschwingen, Jodeln und Alphornblasen zum Wettkampf.
Die Attraktion des Anlasses bildete ein imposanter Alpaufzug. Für den Festplatz standen zahlreiche Sitzplätze und über 1000 Stehplätze zur Verfügung. Am Sonntag nach dem Wettkampf gab es ab 20 Uhr im «Schützenhaus»-Saal noch ein Abendprogramm. Damals bestand ebenfalls noch die Variante, dass der Anlass bei schlechtem Wetter in die Reitbahn verlegt werden könnte. Ein Stehplatz kostete 80 Rappen, ein Sitzplatz 1.50 Franken.
Vier von fünf Kränzen nach Bern
Total wurden fünf Kränze abgegeben, vier gingen in den Kanton Bern. Festsieger wurde Christian Hostettler aus Holligen. Es stellt sich die berechtigte Frage, wie und wann diese Berner Schwinger damals – in Zeiten ohne Autos – nach Glarus gereist waren. Auch gab es damals keine Gästeregelung, ansonsten wären nicht vier Berner Kränze möglich gewesen. Heute kann jeder Teilverband maximal zwei Gäste an ein auswärtiges Teilverbandsfest entsenden.
Die Glarner blieben ohne Kranz, stellten aber beachtliche 13 Teilnehmer. Immerhin gelang den Glarnern ein Dreifachsieg im Alphornblasen durch Adolf Menzi (Ennenda), Heinrich Gallati (Glarus) und Fridolin Beglinger (Mollis). Bester Nicht-Glarner im Alphornblasen war Josef Ulrich aus dem Muotathal auf dem 4. Platz. Als OK-Präsident amtete Fabrikant Kaspar Luchsinger-Trümpy. Gemeinderat Julius Staub und Ziegenhändler Müller waren zuständig für die Hauptattraktion des Festes, den Alpaufzug.
Eine Schwingarena für 8350 Zuschauer
Seit Februar sind Billette für das Nordostschweizer Schwingfest am 25. Juni in Mollis der Tribünen Nord und Ost erwerbbar. Plätze auf der Süd-Tribüne kommen später in den Vorverkauf, und die Tribüne West ist in erster Linie für die Ehrengäste reserviert. Tickets gibt es als Stehplätze (16 Franken), Rasensitzplätze (21 Franken) oder gedeckte Tribünenplätze für 48 Franken. Diese können unter www.nos2023.ch gekauft werden.
Die Schwingarena, die in der Nähe des Biotops auf der Wiese von Landwirt Hansruedi Lütschg entstehen wird, umfasst 5000 Tribünenplätze, dazu 1360 Rasensitzplätze und 2000 Stehplätze. Dies ergibt eine Arena für rund 8350 Zuschauer. Am «Nordostschweizerischen» in Balterswil waren 2022 über 9000 Festbesucher anwesend. Ein Fest dieser Grössenordnung ist für die Organisatoren des 127. NOS-Schwingfestes in Mollis mit Präsident Rolf Figi an der Spitze eine grosse Herausforderung.