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Aretha Franklin: You Make Me Feel (Kennedy Center Honors 2015)
Der Auftritt von Aretha Franklin bei den Kennedy Center Honors zu Ehren von Carole King vom 30. Dezember 2015 war ein grosser Triumph und wurde als solcher inszeniert. Ihre Aufführung vom Carole King-Klassiker «(You Make Me Feel Like) A Natural Woman» ist ein Beispiel für einen Populären Song, der in den Dunstkreis der Akademischen Musik übertritt. Präsident Barack Obama wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. Dass Aretha Franklin, die ehemalige Sängerin an Protestmärschen der Bürgerrechtsbewegung im hohen Alter und mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium (ohne dass man das bereits sieht) vor dem ersten afroamerikanischen US-Präsidenten auftritt, schliesst einen historischen Kreis: Die Afroamerikaner*innen sind nach langem Ringen an der Spitze der Gesellschaft angekommen und ihre Musik dient nun Repräsentationszwecken.
Erklärt werden muss das Ablegen des Pelzmantels, eine Geste, die ihr Standing Ovations einbringt. Die Soul-Diva trug meist Pelz und gern Pelz. Es ging mitunter darum, der Welt zu zeigen, dass sie ein Star, die «Queen of Soul» war. Gegenüber ihrer Stimme waren diese Pelze nichts. Das ist ein Grund, weshalb sie sich ihrer entledigen kann. Der zweite persönliche Grund war, dass sie die «natural woman» aus dem Song verkörperte. Franklin war nie ein gängiges Schönheitsideal, aber bestand mit unglaublicher Selbstsicherheit darauf, dass ihr Wert als Mensch nicht davon abhängig sei. Der Pelz bedeckt den fülligen Körper und hüllt ihn mit viel Würde. Im Moment, wo sie diese künstliche Würde abwirft, macht sie klar, dass sie ohne Pelz kein geringerer Mensch ist. Sie tut das sogar mit einer leisen Koketterie. Es gibt eine dritte Bedeutungschicht an dieser Geste. Das Ablegen des Mantels, schrieb Mikal Gilmore im Nachruf auf Franklin im Rolling Stone, sei eine alte Tradition von Gospel Queens, die ihre Mäntel auf die Särge anderer Gospel Queens warfen. Falls Franklins Act hier wirklich an diese Tradition anschliesst, heisst das Fallenlassen des Pelzes möglicherweise, dass sie die letzte Vertreterin einer grossen Tradition ist, denn sie lässt den Mantel auf die Bühne fallen und nicht auf einen Sarg.
Schier unerträglich dagegen ist Carole King mit ihrem Casting-Show-Jury-Act. Zum Fremdschämen.
Links
– Robin Givhan: Aretha Franklin, secret style icon: With the drop of a fur coat, she proclaimed her worth (Washington Post, 17. August 2018).
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