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Pünktlich zum meteorologischen Frühlingsbeginn will es der Winter noch einmal richtig wissen. Normalerweise ist die Sturmsaison im März beendet, was in der jahreszeitlich bedingt tiefsten Wassertemperatur des Nordatlantiks begründet liegt. Die geringeren Gegensätze zwischen Wasser und Landmassen bewirken, dass sich die Westwinddrift im Frühling abschwächt und die Tiefdruckgebiete nicht mehr die Kraft der Herbst- und Wintermonate entwickeln. Meridionale Grosswetterlagen, vor allem aus Nord und Ost, nehmen statistisch zu. Wir wissen jedoch, dass seit dem Herbst in der nordhemisphärischen Zirkulation 2013 nichts mehr normal ist, und das dürfte sich nicht von heute auf morgen ändern. Die jetzt anstehende Sturmserie ist verglichen mit den Orkanen vom Dezember/Januar harmlos, soll aber aufgrund des jahreszeitlich unpassenden Auftretens näher betrachtet werden:
Am Sonntagmorgen erreichen uns die Ausläufer des ersten Sturmtiefs mit Kerndruck von ca. 960 hPa an der Nordspitze Schottlands. Mit der Warmfront setzt Niederschlag ein, der zunächst noch bis in tiefe Lagen als Schnee fällt. Mit zunehmendem Südwestwind dürfte aber die Grundschicht im Lauf des Vormittags durchmischt werden, dabei sind Windspitzen im Flachland von 50 bis 60 km/h zu erwarten, in exponierten Lagen kann es auch stürmisch werden. Die Schneefallgrenze steigt auf 1500 bis 1800 m, wo sie bis Montagmittag verharrt. Die derzeit gerechneten Niederschlagsmengen von bis zu 80 mm in diesem Zeitraum können verbunden mit dem markanten Tauwetter (Schneeschmelze in mittleren Lagen) für kleinere Abflüsse durchaus kritisch werden.
Am Montag verläuft die Luftmassengrenze knapp nördlich der Schweiz, nach dem amerikanischen Modell soll sich daran eine Welle bilden und das Sturmfeld verstärken:
Das Durchgreifen von Sturmböen bis in die Niederungen ist vor allem beim Eintreffen der Kaltfront am späteren Nachmittag oder Abend wahrscheinlich. Im Lauf der Nacht auf Dienstag dürfte die Schneefallgrenze vorübergehend bis in die Niederungen sinken. Bereits am Dienstag erreicht uns aber der Warmsektor des nächsten Randtiefs. Naturgemäss ist die Ausprägung und Position eines Randtiefs auf mehrere Tage hinaus kaum prognostizierbar, sodass Windstärken und Niederschlagsmengen sowie das Verhalten der Schneefallgrenze im Detail noch unklar sind. Relativ sicher ist nach den heutigen Unterlagen, dass wir ab der Nacht auf Mittwoch endgültig in die polare Luftmasse geraten, sodass der Niederschlag ab diesem Zeitpunkt auch in den Niederungen vorwiegend in fester Form fallen wird. Mit allmählichem Drehen des Windes auf Nordwest werden vor allem die Gebiete am Alpennordhang mit ordentlich Neuschnee eingedeckt.
Die feucht-kalte Nordwestströmung sorgt auch am Donnerstag noch für anhaltenden Schneefall im Nordstau der Alpen, während sich im Süden starker Nordföhn bemerkbar macht:
Ab hier gehen die Prognosemodelle auseinander. Am Freitag soll nach EZ trockenere, aber sehr kalte Luft aus Nordosten den Weg zu uns finden, während GFS bei einer Nordwestlage bleibt. War GFS in den bisherigen Läufen mit EZ noch weitgehend einig, soll sich nach dem neuesten Lauf am Freitag bereits das nächste Tief mit offenem Warmsektor nähern:
Die Frage stellt sich also, ob der in den letzten Tagen gerechnete Märzwinter voll zuschlägt oder nur eine zwei- bis dreitägige Episode bleibt. Nach den neuesten GFS-Rechnungen soll das ursprünglich blockierende Hoch bei den Britischen Inseln von weiteren Tiefdruckgebieten überlaufen werden, was eine Fortsetzung des wechselhaften Westwindwetters bedeuten würde. Dafür spricht die Wassertemperatur des Nordatlantiks, hier ein Blick auf die gesamte Nordhemisphäre. Dargestellt ist die Abweichung der Wassertemperatur im Vergleich zum Klimamittel 1981-2010:
Zwischen der Ostküste der USA und den Azoren ist der Atlantik verbreitet zu warm mit regionalen Abweichungen bis knapp 3 Grad. Gleichzeitig bricht immer wieder extreme Kaltluft vom Kontinent über Neufundland aus, was dort die Entwicklung kräftiger Tiefdruckgebiete anfeuert. Die nächste Karte zeigt die markanten Temperaturgegensätze in rund 1500 m Höhe in diesem Gebiet (am linken Rand der Karte):
Der Warmlufttransport nach Norden auf der Vorderseite dieser Tiefs kann immer wieder die Bildung von Hochs zwischen den Azoren und den Britischen Inseln begünstigen, womit Europa in eine kalte Nordströmung gerät. Die Frage ist nun, wie nachhaltig diese Situation ist oder ob die Neufundland-Tiefs sich derart stark entwickeln, dass sie das Hoch regelmässig überlaufen können. In diesem Fall hätten wir es statt mit einem nachhaltigen Märzwinter mit einem stetigen Wechsel zwischen feucht-milder Westlage und nass-kalter Nordlage zu tun, dazwischen kann sich das Hoch auch mal für ein paar Tage nach Mitteleuropa verlagern. Für Spannung ist in den nächsten Wochen jedenfalls gesorgt.