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Die Anzahl der Tagfalterarten im Kanton Zürich hat in den letzten 100 Jahren um einen Drittel abgenommen. Im Vergleich zum Bestand vor 20 Jahren ist die Artenzahl stabil, aber viele Arten sind heute vom Aussterben bedroht. Vor allem spezialisierte Arten, und in Feuchtgebieten lebenden Arten, leiden an der Verminderung der Lebensraumqualität.
Schmetterlinge, und dabei vor allem die bunten tagaktiven Arten, die Tagfalter, erweckten schon früh das Interesse von Naturliebhabern. Die ältesten Aufzeichnungen und Sammlungen stammen noch aus dem 19. Jahrhundert. Diese Belege zeugen von der unglaublichen Vielfalt der früheren einheimischen Tagfalterarten. Heute hat sich der Fokus der Schmetterlingsenthusiasten weg von der Sammlung auf den Schutz und Förderung gewendet.
Der Verein Schmetterlingsförderung im Kanton Zürich hat ein Inventar während der Jahre 2011 und 2012, zur Erfassung der Bestände im Kanton, durchgeführt. Das Wissen über die Situation der Tagfalterfauna im Allgemeinen und einiger besonders wichtigen Arten, war eine der Motivationen für das aufwändige Projekt. Dazu kommt, dass der Vergleich mit der Bestandsaufnahme von 1990/92 Aussagen über die Entwicklung der Tagfaltersituation zulässt.
Die Schwerpunkte der Kartierung wurden auf das Oberland, das Knonaueramt-Albis-Zimmerberg und auf der Nordwestteil des Kantons gelegt. Darin wurden in 46 Gemeinden die Bestände gezählt, was dann repräsentativ für den Kanton gewertet werden kann.
Vergleicht man die Ergebnisse mit den Belegen aus dem 19. Jahrhundert, so sieht die heutige Situation eher düster aus. Wo um 1900 noch 130 verschiedene Schmetterlingsarten gezählt wurden, zählte man jetzt nur noch 90. Dies ist circa einen Drittel weniger – und das obwohl einige neue Arten registriert wurden.
Der Vergleich zwischen den Inventaren von 1990/92 und 2011/12 zeigt aber, dass die Gesamtartenzahl in den letzten 20 Jahren etwa gleich geblieben ist. Trotzdem ist dieses Ergebnis nicht so rosig wie es scheint. Denn eine Mehrheit der Arten zeigen eine abnehmende Tendenz in der Individuenanzahl, was schlussendlich zum Verschwinden der Arten führen kann. Zwei dieser Arten, das Grosse Wiesenvögelchen und der Betonien-Dickkopffalter sind bereits ausgestorben.
Positiv hingegen ist das wieder auftauchen von 4 lange verschwundenen Arten und das erstmalige Vorkommen des Karstweisslings im Kanton. Auch hat die Anzahl der Arten pro Gebiet zugenommen, wobei diese teilweise durch die Zunahme von weit verbreiteten Arten erklärt werden kann.
Generell wird eine Zunahme von Arten mit wenig spezifischen oder flexiblen Ansprüchen an den Lebensraum beobachtet. Auch Arten die mehrere Generationen pro Jahr erreichen, nehmen zahlenmässig zu. Zu den Gewinnern zählen auch häufig Arten die trockenen Standorte bevorzugen. Im Gegenteil dazu stehen Arten die einen hohen Spezialisierungsgrad aufweisen und dabei wenig flexibel sind. Diese und Feuchtgebiet bewohnende Arten zeigen mehrheitlich einen sinkenden Bestand.
Mögliche Ursachen liegen sicher in der Umwandelung der Landschaft, von der extensiv zur intensiven Bewirtschaftung und zum Siedlungs- und Strassenbau. Eine intensive Bewirtschaftung schwächt die Schmetterlingspopulation durch die verminderte Biodiversität. Die Umwandlung der lichten Wälder in Holzproduktionswälder lässt diese dunkler und artenärmer werden, wodurch ein Lebensraum, der für viele Arten essentiell ist, verloren geht.
Die verlängerte Vegetationsphase, ausgelöst durch den Klimawandel, bevorzugt Arten mit mehreren Generationen pro Jahr. Auch Arten die trockene Lebensräume brauchen, profitieren von der Änderung des Klimas, wobei Feuchtgebiet Arten durch das sinkende Grundwasser bedroht sind.
Durch die Verkleinerung und den Verlust vieler Lebensräume sind Schmetterlingspopulation häufig zu weit von einander entfernt, als das noch einen Austausch von Individuen stattfinden kann. Diese Isolierung erhöht ihr Aussterberisiko extrem, so dass ohne Fördermassnahmen ein langfristiges Überleben unwahrscheinlich ist. Die betroffenen Arten befinden sich dann in der sogenannten Aussterbeschuld.
Der Verein Schmetterlingsförderung im Kanton Zürich engagiert sich mit Förderungsmassnahmen, erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen und stellt Information und Beratungen zur Verfügung. Ohne diese Bemühungen würde die Situation im Kanton Zürich noch düsterer aussehen. Das neue Inventar erlaubt nun aber Fördermassnahmen gezielt einzusetzen.