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Nicht alle Tierarten leiden unter dem Klimawandel. Quallen gedeihen mit ihm. Die wärmeren und verschmutzteren Gewässer bieten ihnen vorteilhafte Lebensbedingungen, sagt Expertin Juli Berwald zu «abc news».
Quallen gibt es schon seit Millionen von Jahren. Vor den Dinosauriern, vor den Menschen waren Quallen bereits auf der Erde. Sie sind extrem anpassungsfähig. Das wärmere Wasser in den Ozeanen stört sie nicht bei der Fortpflanzung oder Nahrungsaufnahme. In verschmutztem Wasser haben sie keine Probleme, an Sauerstoff zu kommen. Sie benötigen sehr wenig, im Gegensatz zu den meisten Fischen. Das verschafft ihnen einen Vorteil gegenüber ihren Jägern.
«Quallen können in verschmutztes Wasser fliehen, in Wasser mit wenig Sauerstoff. Dort verstecken sie sich dann vor Fischen, die sie essen würden», erklärt Berwald.
Quallen vermehren sich schnell
In vielen Gegenden der Welt wurde in den letzten Jahrzehnten unkontrolliert gefischt. Die daraus resultierende Überfischung führt jetzt dazu, dass sich Quallen jetzt dort einnisten, wo früher Fische gelebt haben. Das hat weitreichende Konsequenzen. Nicht nur für menschliche Fischer. Auch Vögel und Seelöwen, die auf Fische als Nahrung angewiesen waren, finden nun keine Beute mehr. Quallen sind für sie keine Option.
Quallen vermehren sich extrem schnell. Gewisse Arten tragen Millionen von Eiern mit sich, aus denen Polypen entstehen. Da Quallen es heute einfacher denn je haben, sich fortzupflanzen, wird sich ihr Bestand in den nächsten Jahren exponentiell erhöhen.
Die riesige Nomura-Qualle war früher ein extrem seltenes Tier. Japanische Fischer hatten Glück, alle 30 Jahre ein Exemplar zu finden. Im 21. Jahrhundert wurden sie jedes einzelne Jahr gesichtet. 2009 ermittelten Forscher, dass ihr Bestand inzwischen im Milliardenbereich befindet. Die Nomura-Qualle ist nicht einfach zu übersehen. Sie hat einen Durchmesser von bis zu 2 Metern und ein Gewicht von ca. 200 Kilogramm. Ihre Tentakel werden bis zu fünf Meter lang. Für Fischer sind sie eine Plage, denn sie sind gross, schwer und verkaufen sich nicht. 2009 kenterte ein Boot, weil es versuchte, ein Fangnetz mit drei Nomura-Quallen an Bord zu ziehen.
Die Meere müssen gesund bleiben
Eine ganz andere Industrie als die Fischerei, nämlich Stromkraftwerke, haben ebenfalls Probleme mit Quallen. In Ländern wie Schweden, Israel, den USA, Japan und den Philippinen müssen immer wieder dutzende Quallen aus Kraftwerken gefischt werden. In Japan sorgten sie bereits mehrmals dafür, dass ein Kraftwerk den Betrieb zeitweilig einstellen musste. Quallen gelten nach Erdbeben zur zweithöchsten Gefahr für das Stromnetz Japans.
Wenn wir an den Klimawandel denken, haben wir oft als erstes Bilder des schmelzenden Eises oder sich zurückziehender Gletscher im Kopf. Doch in den Ozeanen braut sich etwas zusammen. Die Meere um Australien und Alaska litten 2016 unter der schlimmsten je gemessenen Meereshitzewelle. Die Konsequenzen: tote Korallen und eine Überwucherung von Algen, die Giftstoffe enthalten und Wasser den Sauerstoff entziehen.
Unsere Meere bedecken den Grossteil der Erde und wir sollten schleunigst etwas unternehmen, damit sie gesund bleiben. Die Quallen sagen uns etwas.
Bilder: Shutterstock, Anynobody CC3.0, Janne Hellsten Flickr CC2.0
Bettina hat Journalismus studiert und arbeitet seit drei Jahren in diesem Beruf. Sie interessiert sich für Klimaschutz und die Natur und setzt sich für die Rechte von Tieren ein.