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Eine Novembernacht 1970: Dennis Hopper reitet gerade auf der Erfolgswelle von «Easy Rider». Regielegende Orson Welles lässt ihn von New Mexiko nach Los Angeles einfliegen.
Gin Tonic und Pasta
Im flackernden Licht des Kaminfeuers und einer Petroleumlampe wollen sie «The Other Side of the Wind» besprechen. Hopper soll in Welles’ Film einen Cameo-Auftritt haben.
Zu diesem Zweck interviewt der Regisseur von «Citizen Kane» den 34-jährigen Hopper. Das Gespräch wird mit zwei Kameras festgehalten. Wobei man nur Dennis Hopper sieht – Orson Welles bleibt im Hintergrund. Angeblich soll er Hopper vor dem Gespräch noch Pasta gekocht haben.
In «Hopper/Welles» philosophieren die beiden Cineasten auch ganz generell übers Filmemachen. Hopper erzählt mit einem Gin Tonic in her Hand, dass er es liebe, Ideen zu entwickeln, zu filmen und zu casten. «Aber wenn es um den Schnitt geht, ist es, als würdest du deinem Kind die Arme abschneiden und die Augen rausnehmen», sagt Hopper.
Premiere in Venedig
«Eigentlich sollte es diesen Film gar nie geben», sagt Filip Jan Rymsza im Interview in Venedig. Der Amerikaner mit polnischen Wurzeln hat die Dokumentation produziert. Er erzählt, dass ihm diese Aufnahmen bereits für die Produktion von «The Other Side oft the Wind» in die Hände gefallen waren.
«Aber weil sie nicht in den Film passten, habe ich sie zur Seite gelegt», sagt Rymsza. Zwei Jahre später realisierte er in einem Gespräch mit Nick Ebeling, dem Regisseur von Hoppers Dokumentarfilm «Along for the Ride», dass die fünf Stunden Archivmaterial grosses Potenzial für einen eigenständigen Film besitzen.
Gegenseitige Bewunderung
Dennis Hopper und Orson Welles führen kein normales Gespräch. Vielmehr ist es ein Verhör: Welles stellt Hopper Fragen und dieser antwortet.
«Ich glaube, Welles war von Hopper fasziniert, weil er zum neuen König des New Hollywood gekrönt wurde. Easy Rider war ein grosser Kassenschlager, der die Filmbranche revolutionierte», sagt Produzent Rymsza.
Das Roadmovie «Easy Rider» kam 1969 in den USA in die Kinos und spaltete das Publikum: Die Hippiebewegung konnte sich mit seinem Lebensgefühl identifizieren. Konservativere Zuschauer waren dagegen irritiert und jubelten, als die beiden Protagonisten erschossen wurden.
Politisch relevantes Zeitdokument
Auch im Dokumentarfilm «Hopper/Welles» ist die Spaltung der Gesellschaft omnipräsent. Und diese Kluft spürt man bis heute.
«Selbst 50 Jahre später haben wir immer noch dieselben politischen Debatten. Es geht immer noch um Bürgerunruhen und Bürgerrechte. Das ist ein solch aktuelles Thema in den USA. Und leider haben sich diese Dinge bis heute nicht verändert», sagt Rymsza.
«Hopper/Welles» erweckt zwei Ausnahmeregisseure wieder zum Leben. Aber nicht nur das: Die Doku ist auch ein spannendes Zeitdokument, das dank politischer Relevanz erstaunlich aktuell geblieben ist.