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In Burkina Faso bestreiten 80 % der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt mit Landwirtschaft und Viehzucht. Die Wirtschaft von Burkina Faso beruht auf landwirtschaftlichen Familienbetrieben. Diese sind aber wegen des niedrigen Ausrüstungs- und Ausbildungsniveaus der Produzenten sehr ertragsschwach. Viehzucht und Landwirtschaft werden zudem durch den mangelnden Zugang zu Wasser beeinträchtigt, da sich die Regenfälle aufgrund des Klimawandels nach Süden verschoben haben. Die Bauern haben kaum Zugang zu Betriebsmitteln (Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel usw.) oder modernen Landwirtschaftsgeräten, insbesondere weil der Staat nur den Anbau von Baumwolle unterstützt. Dadurch ist die Situation sehr fragil, mit wiederkehrenden Nahrungskrisen aufgrund der ausbleibenden Regenfälle, wie zuletzt im Jahr 2012.
Seit 2007 unterstützt ein Projekt der DEZA Familienbetriebe in Gebieten, in denen die Ernährungssicherheit am stärksten gefährdet ist. Ziel dieses Projekts ist es, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern. Zu diesem Zweck erleichtert die DEZA den Zugang zu Bewässerungsanlagen, Werkzeugen und landwirtschaftlichen Betriebsmitteln. Zudem vermittelt sie ihnen effiziente Landwirtschaftsmethoden und hilft ihnen, Netzwerke zu bilden.
Tröpfchenbewässerung zur Bekämpfung der Trockenheit
Die Tröpfchenbewässerung bildet Teil der Techniken, die von der DEZA propagiert werden. Mit diesem wassersparenden System können Felder ganzjährig bewässert werden. Mit einer Pumpe, einem Reservoir und Bewässerungsleitungen kann während der Trockenzeit Gemüse angebaut werden. Jede Anlage kostet durchschnittlich 840 Franken für eine Fläche von 1000 m2. Mit diesem System kann die Zahl der Ernten verdoppelt oder sogar verdreifacht werden. Zudem entfällt das tägliche Wasserschöpfen und das Wasserschleppen vom Brunnen bis zum Feld. Dank der Tröpfchenbewässerung und dem Einsatz von widerstandsfähigem Saatgut und Dünger konnte der Ertrag in Testkulturen um 30 % gesteigert werden. Zwischen 2007 und 2014 konnten sich dank der DEZA über 10 000 Gemüsebauern in einem bewässerten Gemüsegarten weiterbilden. Mehrere Hundert Bauern konnten dank einem Bankdarlehen oder der Unterstützung durch Familienangehörige ein Bewässerungssystem kaufen.
Saatgut und Beratung aus einer Hand
Die Schweiz unterstützt auch alternative Beschaffungssysteme, um den Zugang der Produzenten zu landwirtschaftlichen Betriebsmitteln zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden über 300 Läden in verschiedenen Gemeinden Burkina Fasos in einer Genossenschaft zusammengefasst. Die Inhaber dieser Läden verkaufen Saatgut, Dünger und Landwirtschaftsgeräte.
Sie sind im optimalen Einsatz von Betriebsmitteln geschult und können die Produzenten bei der Verbesserung ihrer Erträge unterstützen. Im Jahr 2013 unterstützten sie zwei Millionen Produzenten mit Beratung und Dienstleistungen.
Karitébutter als alternative Einkommensquelle
Bäuerliche Partnerorganisationen der DEZA unterstützen Kleinbauern mit technischer Beratung und setzen sich für deren Interessen ein. Frauenorganisationen fördern zum Beispiel die Herstellung von Karitébutter, einem kosmetischen Produkt, das in Burkina sehr gefragt ist.
Die Frauen haben sich das Recht auf die Bewirtschaftung von Waldparzellen gesichert und verwerten auch andere Produkte als Holz. Dadurch verfügen sie neben dem Ackerbau über eine alternative Einkommensquelle, insbesondere lebenswichtig wenn die Ernte schlecht ausfällt.
Mit Hilfe dieser Partnerorganisationen können sich die Produzentinnen zudem an den politischen Prozessen zur Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen ihrer Region beteiligen. Die Frauen setzen sich für den Schutz des Karité-Nussbaums in den Feldern und die Schaffung von Schutzgebieten für Agroforstwirtschaft ein.
Erfolgsgeschichte:
Die Vermehrung der Zwiebeln von Bibata Kindo
Bibata Kindo ist Mitglied des Bauernverbands von Koumbri, der von der DEZA unterstützt wird. Bibata hat Zugang zu einem Tröpfchenbewässerungssystem. So konnte sie die Zwiebelproduktion intensivieren und zusätzlich verschiedene Gemüse anbauen.
«Als ich mit dem Gemüseanbau begann, bewirtschaftete ich 100 m2, die ich mühsam giessen musste, da ich noch keine Tröpfchenbewässerung hatte. Damals produzierte ich sieben«Tinen» Zwiebeln im Jahr [eine «Tine» entspricht etwa 12,5 kg]. Aber seit 2005 bewirtschafte ich dank dem Tröpfchensystem 500 m2, die Arbeit ist nicht mehr so hart, und ich kann zwei- bis dreimal im Jahr anpflanzen und ernten. Mit jedem Produktionszyklus ernte ich durchschnittlich 60 «Tinen» Zwiebeln, die ich für etwa 300 000 CFA-Francs (565 CHF) verkaufe.
Neben den Zwiebeln pflanze ich jetzt auch einige Reihen Salat, Karotten, Bohnen und Ampfer für meine Familie an. Was übrig bleibt, wird getrocknet und dient als Vorrat für das restliche Jahr.
Mit dem Erlös aus den geernteten Zwiebeln übernehme ich einen grossen Teil der Schul- und Gesundheitskosten der Kinder. Ich habe einen Ochsen für die Aufzucht gekauft. Der Rest des Erlöses kommt der ganzen Familie zugute.»