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Lage im Birstal
Reinach liegt am Südfuss des Bruderholz im Birstal. Die Ostgrenze der Gemeinde bildet der Fluss Birs mit seinem dichten Auenwald und der Reinacher Heide, einem Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 700 Hektaren. Davon sind heute mehr als die Hälfte Siedlungsfläche, 201 Hektaren landwirtschaftliche Fläche und 118 Hektaren Wald. Das Gewerbe beansprucht 44 Hektaren.
Geschichte
Die ältesten archäologischen Funde (Gräber und Werkzeuge) gehen in die mittlere Steinzeit zurück. Verschiedene Funde im Ortsgebiet beweisen, dass Reinach auch in der Zeit von etwa 7.000 bis 800 v. Chr. besiedelt war. Spuren der Besiedlung fanden sich auch aus der Römerzeit (ab 100 v. Chr.) Beim grossen Basler Erdbeben im Jahr 1356 wurde ein Grossteil des Dorfes zerstört. Als 1501 Basel der Alten Eidgenossenschaft beitrat, blieb Reinach ein Teil des Bistums Basel. Während der Basler Kantonstrennung, der Auseinandersetzung zwischen der Stadt und der Landschaft, verhielten sich die Reinacher stadttreu, wurden dann aber 1833, mit dem übrigen Birseck, Teil des neuen Kantons Basel-Landschaft.
Mit seinen etwas mehr als 1200 Einwohnern war Reinach auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein reines Bauerndorf. Der grosse Rebberg gehörte zum Ortsbild. Ab 1855 entstanden Höfe ausserhalb der Siedlung, wie der Reinacherhof 1856, der Predigerhof 1906 und der Erlenhof 1908. Die Industrialisierung blieb im 19. Jh. gering. Bis um 1920 entstanden um den alten Dorfkern und ganz im Norden von Reinach neue Bauten. In der folgenden Phase verdichtete sich das Baugebiet an der Grenze zu Münchenstein im Bereich der Tramhaltestelle Surbaum. Noch bis in die 1930er Jahre war das heutige Schulgelände der Gemeinde mit dem Bachmatten-, dem Lochacker- und dem Weiermattschulhaus eine weite offene Flur. Wie der Name andeutet, war es sumpfig und teilweise sogar mit Schilf bestanden, so dass sich auch Störche wohl fühlten.
Vom Bauerndorf zur «Stadt vor der Stadt»
Mit der Nachkriegszeit setzte ein eigentlicher Bauboom ein, der nach 1960 die Überbauung des Rebberges und die Verdichtung in der Ebene bewirkte. In einem nächsten Schub wurde 1970 der Kägen zum Industrie- und Gewerbestandort ausgebaut. Der Kägen gehört heute zu einem der wichtigsten Arbeits- und Wirtschaftsstandorte des Kantons Basel-Landschaft. Durch die Nähe zu Basel, die Ausrichtung in der Talachse, die gute Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr sowie mit einer sehr gross dimensionierten Bauzone hat sich Reinach innert kurzer Zeit vom landwirtschaftlich orientierten Haufendorf zur städtischen Agglomerationsgemeinde entwickelt, was zum Verlust des dörflichen Bildes führte. Lebten 1950 3'475 Menschen in Reinach, wuchs in den folgenden Jahrzehnten die Bevölkerung bis auf über 19'000.
Dorfbach prägt Siedlungsgrundriss
Der Dorfbach entspringt in den Riedmatten auf Aescher Boden. Im Gebiet Erlenhof lag bis ins 19. Jh. ein kleines Moor mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt. Die Reinacher nutzten dieses auf verschiedene Weise. Sie stachen an einigen Stellen Torf und mähten den Sumpfrasen für ihr Vieh. 1903–1907 wurde das gesamte Erlenhofgebiet melioriert. In einem Bogen floss und fliesst auch heute noch der Dorfbach durch Reinach. Das ursprüngliche Dorf und die Strassen haben sich dem Verlauf des Bachs mit einem typischen Bogen angepasst. 1906 wurde der Bach in Röhren gefasst und tritt seither erst wieder östlich des heutigen Schwimmbades an die Oberfläche und ergiesst sich nach kurzem Lauf durch die Reinacherheide in die Birs.
Neue Perspektiven der Birsstadt
Nachdem der Ort in einer ersten Phase der Entwicklung vor allem als Wohnort diente, hat seine Bedeutung als Arbeitsort nach dem Bau des Industriequartiers Kägen stark zugenommen. Dieses verdankt seine Entwicklung in erster Linie der in den 1970er-Jahren neben der Birs angelegten Hochleistungsstrasse J18 (heute H18). Reinach hat im Jahr 2006 mit verschiedenen Nachbargemeinden die «Birsstadt» ins Leben gerufen. Dies ist eine Raumplanungsidee, mit der die Planung der Agglomerationsgemeinden im Birseck aufeinander abgestimmt und gemeinsam weiterentwickelt werden soll. Die Gemeinden an der Birs sollen als zusammenhängende «Stadt vor der Stadt» gedacht werden. Erste Projekte der Birsstadt sind eine gemeinsame Freiraumplanung, welche im Modell Birspark-Landschaft realisiert werden soll. Schon im Jahr 2012 wurden diese Anstrengungen der acht Birsstadt-Gemeinden mit der Erkürung zur „Landschaft des Jahres 2012“ der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz ausgezeichnet. Im Jahr 2014 haben die Gemeinden Aesch, Arlesheim, Birsfelden, Dornach, Münchenstein, Muttenz, Pfeffingen und Reinach erste Pilotprojekte in Auftrag gegeben. 2020 konnte die Gemeinde Reinach am Standort der ehemaligen Abwasserreinigungsanlage ARA ihr „Leuchtturmprojekt“ Natur- und Erlebnisweiher einweihen.
Naturschutzgebiete
Auf dem Gemeindegebiet von Reinach befinden sich verschiedene kleinere, unter Naturschutz stehende, Flächen. Das wertvollste Naturschutzgebiet ist die Reinacher Heide. Nach langwierigen politischen Prozessen wurde die Reinacher Heide 1974 zum kantonalen Naturschutzgebiet und 1994 sogar zum Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung erklärt. Faszinierend an der «Heide» ist, wie auf verhältnismässig kleiner Fläche fast mediterran anmutende Trockenrasen neben feucht-grünen Auenwäldern existieren. Ein Streifzug durch die Entstehungsgeschichte zeigt, dass dieses einzigartige Lebensraummosaik das Resultat menschlicher Eingriffe ist.
Quelle: www.regionatur.ch