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AUSSTELLUNG 1994
Game Girl
vom 1994-04-23 bis 1994-06-05
Eröffnung: 1994-04-23
GAME GIRL sammelt Argumente gegen die Wünsche und Hoffnungen, welche zur Zeit auf Bio- und Gentechnologien projiziert werden: Abwerten der öffentlichen Bilder von Technologie, wie sie industrielle Werbung, Dokumentationen in TV und Zeitschriften und inzwischen auch künstlerische Projekte formulieren.
Anwendbarkeit: Wenn medizinisch-technologische Anwendungen sich auf den menschlichen Körper beziehen, erscheinen sie als Möglichkeit, Krankheiten zu verhindern oder auszugleichen (Pharmakologie, Chirurgie), aber auch ausserhalb physischer Bedrohung Wünsche zu erfüllen, welche die Lebensgestaltung (z.B. Reagenzglasbefruchtung) oder die Gestaltung des eigenen Körpers betreffen (Schönheitschirurgie).
Madonna ist deshalb oft zitiert, weil sie ein Modell vorgibt, durch die Gestaltung des eigenen Körpers mittels Chirurgie, Kleidung und Make Up einer angeblichen "Natur" von Selbst und Körper zu entgehen (und damit einem vorbestimmten Lebensweg). Die Inszenierungen des Körpers und ihre Wirkungen stützen ein Konzept von Identität als sozial gemachter und historisch wandelbarer Konstruktion. Es ist attraktiv, denn das eigene "Ich" erscheint für Veränderung offen. Der Frage, ob Skalpell und Retroviren ähnlich zu benutzen sind we Kleidung und Make Up, wird das Projekt GAME GIRL nachgehen.
Dass die Vorstellung einer "freien" Wahl technologischer/medizinischer Anwendungen offensiv vermittelt werden kann - so die für GAME GIRL vorgeschlagene These - ist Effekt eines bestimmten Modells des Körpers, welches das Material des Körpers vom sog. Sozialen trennt. So bereitet die vorgebliche Entdeckung eines Gens für Homosexualität seine gentechnologische "Reparatur" vor, nicht einen politischen Angriff gegen das "heterosexuelle Zwangsregime" (Judith Butler)
GAME GIRL sammelt Positionen und Praxis zu Technologiekritik, welche als Argument gegen ein solches reduktionistisches Modell des Körpers benutzt werden können. Das Projekt geht davon aus, dass Technologie sich ihren Gegenbegriff angeeignet hat (Natur). Der Versuch, Technologie zu kritisieren, kann daher nicht in die Opposition gehen ("zurück zur Natur"). Ziel ist eine Politisierung von Technologie, indem technologische Konzepte und Bilder auf ihre Abstraktionen, Reduktionen und Wertorientierungen hin untersucht werden, ohne zu verleugnen, dass wir in das Feld Technologie/Synthetik und die davon ausgehenden Attraktionen involviert sind.
Eine kritische Neufassung von Technologie erfordert danach, die Ebene der Phänomene zu verlassen und diese als Effekt kulturell verfasster Bilder und Annahmen zu sehen. Eine Veränderung des Körperbildes anzustreben heisst, andere Bilder zu lancieren: Abwerten und Umdeuten.
Renate Lorenz