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SRF. Die Frontenbewegung, das war Faschismus nach Schweizer Art. Ein Knäuel von Gruppierungen, die nach einer autoritären Schweiz strebten. Einer ihrer geistigen Führer war Hans Kläui, der unzählige antisemitische Texte verfasste. Später wurde er trotz der dunklen Vergangenheit zum gefeierten Historiker.
Als Hans Kläui im April 1992 stirbt, trauert die Stadt Winterthur um ihren preisgekrönten Lokalhistoriker und seine Tochter trauert um ihren Vater. Doch, was Elisabeth Schmid im Nachlass ihres Vaters findet, erschüttert sie. Es sind stapelweise Zeitungsartikel mit rassistischem und antisemitischem Inhalt. Geschrieben von ihrem Vater. Die hetzerischen Worte wollen nicht zum liebenswürdigen Mann passen, den sie und ihre Familie gekannt hatten. Und doch steht da sein Name.
Hans Kläui war Mitglied der Nationalen Front und damit Teil der sogenannten Frontenbewegung in den 1930er- und 40er-Jahren. Die Fronten waren ein Knäuel von rechtsextremen Gruppierungen, welche aus der Schweiz einen autoritären Staat nach Vorbild Nazi-Deutschlands oder des faschistischen Italiens machen wollten. Dies in der Zeit der Geistigen Landesverteidigung, als ein Grossteil der Bevölkerung skeptisch war gegenüber jeglichem Einfluss von aussen.
Diese Zeitblende klärt, wie nahe die Frontisten ihrem Ziel kamen und wie Hans Kläui nach dem Krieg trotz seiner Vergangenheit als hetzerischer Faschist zum gefeierten Lokalhistoriker werden konnte. Zu Wort kommen Kläuis Tochter Elisabeth Schmid sowie die beiden Autoren Yves Schumacher und Daniel Gut.
Weiterführende Literatur
- Daniel Gut, Neidkopf. Zur Naturgeschichte des Schweizer Frontisten Hans Kläui – eine literarische Recherche.
- Walter Wolf, Faschismus in der Schweiz. Die Geschichte der Frontenbewegungen in der deutschen Schweiz, 1930–1945.
- Yves H. Schumacher, Nazis! Fascistes! Fascisti. Faschismus in der Schweiz 1918–1945 (Überarbeitete Neuauflage am 15. März 2023).