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"Die erste Schwachstelle des Dualismus ist seine Vagheit: Er sagt nicht, was der Geist ist, weil er keine Theorie des Geistes, ja nicht einmal eine Definition anbietet. Allenfalls wird gesagt, was der Geist nicht ist, nämlich nicht materiell, nicht räumlich, nicht lokalisierbar usw. ...
Aufgrund seiner völligen ontologischen Unklarheit gibt der Dualismus nicht nur keine Antwort auf die Frage, wie der Geist mit dem Gehirn interagieren soll, sondern auch auf die Frage, warum mein Geist nur mit meinem Gehirn interagiert und nicht mit mehreren, ja warum er überhaupt mit dem Gehirn interagiert statt mit der Leber oder dem Herzen oder ganz anderen Gegenständen (s. auch Beckermann 2001).
Ein dritter Defekt des psychophysischen Dualismus besteht in seiner Unvereinbarkeit mit der Evolutionstheorie. Ist der Geist immateriell, dann steht er im wahrsten Sinne des Wortes über der lebenden Materie und kann daher kaum Selektions- und Evolutionsprozessen unterliegen. Im Gegensatz dazu kann Geist als Gehirnfunktion zusammen mit dem Gehirn evolvieren.
Das schlimmste und wohl für seinen Bankrott entscheidende Kennzeichen des Dualismus ist seine wissenschaftliche Sterilität: Weder erweist er sich als heuristisch fruchtbar für die Forschung noch kann er irgendetwas zur Erklärung des Mentalen beitragen. In der Tat hat er für jedes Problem bereits eine Antwort parat: Die "Tätigkeit" des immateriellen Geistes. Welche neuen Forschungen sollte er so inspirieren? Gleichzeitig erklärt er mit seiner Allzweckantwort alles, was je einer Erklärung bedarf. Doch etwas, das alles erklärt, erklärt nichts. Damit ist er als Erklärungsinstanz unzulässig und auch überflüssig. Zu guter Letzt ist der Dualismus unprüfbar, bzw. unfalsifizierbar:"
Bunge 2004. S. 145f.