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Der Gründer von Frankreichs rechtsextremer Partei Front National, Jean-Marie Le Pen, ist unter Druck. Er soll auf einem geheimen Konto in der Schweiz Millionensummen angelegt haben. Das berichtet das für seine Enthüllungen bekannte Online-Nachrichtenmagazin Mediapart am Montag.
Le Pen habe über eine Treuhandgesellschaft, als deren Rechtsvertreter sein persönlicher Assistent Gerald Gérin eingesetzt worden sei, 2.2 Millionen Euro bei der Grossbank HSBC und später bei der schweizerischen Privatbank CBH angelegt, meldete «Mediapart». 1.7 Millionen Euro davon seien in Form von Goldbarren und Münzen angelegt worden.
«Mediapart» schrieb weiter, die Staatsanwaltschaft von Nanterre sei über die Konten von der Anti-Geldwäscherei-Behörde Tracfin informiert worden. Der Bericht verwies überdies auf einen Brief aus dem Jahr 2008, der Gérin als Bevollmächtigten des Trust nennt. Dieses Schreiben sei der Justiz übergeben worden.
Bei der Treuhandgesellschaft handelt es sich dem Bericht zufolge um Balerton Marketing Limited mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln. Zunächst hätten die Gelder auf einem HSBC-Konto gelegen, dieses sei aber im Mai 2014 geschlossen worden. Das Guthaben sei auf die Bahamas auf ein CBH-Konto transferiert worden.
Aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen verlautete, die Vermögenserklärung des Europaabgeordneten Le Pen werde derzeit von der Hohen Behörde für Transparenz im öffentlichen Leben (HATVP) unter die Lupe genommen. Es gebe den Verdacht, dass es eine Treuhandgesellschaft in der Schweiz gebe, aber bislang sei nicht bewiesen, dass Le Pen Nutzniesser sei.
Im April 2013 hatte Le Pen zugegeben, 1981 ein Konto bei der Schweizer Bank UBS gehabt zu haben. Ausserdem ermittelt die Justiz seit Ende 2013 gegen Le Pen wegen nicht deklarierten Vermögens in Höhe von 1.1 Millionen Euro.
Le Pen und sein Umfeld wollten sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht zu dem Bericht äussern. Auch die Banken HSBC und CBH wollten keine Stellungnahme abgeben.
FN-Vizechef Florian Philippot sagte dem Sender iTELE, er sei über die Angelegenheit «überhaupt nicht auf dem Laufenden». «Ich weiss überhaupt nicht, ob das wahr ist, es erscheint mir merkwürdig, da ich Jean-Marie Le Pen kenne.»
Philippot fügte hinzu, er habe mit Le Pens Tochter, FN-Chefin Marine Le Pen, am Telefon über die Angelegenheit gesprochen. Diese sei «sehr überrascht». Sie wisse ebenfalls nichts darüber und erwarte «wie wir alle Aufklärung und Erklärungen von Jean-Marie Le Pen».
Die neuen Vorwürfe treffen Le Pen kurz nach einer Fehde mit seiner Tochter um den Kurs der FN. Weil er zum wiederholten Male die Gaskammern der NS-Konzentrationslager als «Detail» der Geschichte bezeichnet hatte, brach die Parteichefin diesen Monat mit ihrem 86-jährigen Vater und zwang ihn zum Verzicht auf eine Spitzenkandidatur bei den Regionalwahlen im Dezember.
Marine Le Pen versucht, ihrer Partei ein respektableres Ansehen zu geben und sie für eine breitere Schicht wählbar zu machen. Ihr wegen rassistischer und antisemitischer Äusserungen mehrfach verurteilter Vater hatte die rechtsextreme Front National 1972 mitgegründet und dann vier Jahrzehnte lang geführt. Anfang 2011 trat er den Parteivorsitz an Marine Le Pen ab. (feb/sda/afp)