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Segelschiffe mit Handelsgütern pflügten einst durch den Genfersee. Im Museum des Grenzorts St. Gingolph wird die Geschichte der berühmten "Barques du Léman" anschaulich erzählt.
Und auch, dass am Genfersee früher falsche Perlen gezüchtet wurden.
Das Schloss aus dem 16. Jahrhundert im Grenzort an der französischen Grenze beherbergt ein Schulzimmer, eine Töpferei und ein Museum: Es erzählt die Geschichte der Handelsschifffahrt auf dem Genfersee.
Berühmt waren die "Cochères" - kleine, flache Transportschiffe - und die Barken mit grossen lateinischen Segeln. Diese Schiffe verkehrten ausschliesslich auf dem Genfersee. In einer Werft in St. Gingolph wurden die schönsten "Barques du Léman" gebaut.
Zuerst, im Mittelalter, entstanden die Nachen. Sie transportierten Gewürze, Seide, Farben, Stoffe, Leinen, Hanf, Salz, Reis, Pfeffer, Öl, Seife, Pelze, Wachs, Tiere und Käse.
Im 17. Jahrhundert ersetzte die "Cochère" den Nachen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts verkehrten sie in grosser Zahl auf dem Genfersee. Heute sind die "Cochères" ausgestorben - sie existieren nur noch als Modelle und auf Bildern im Museum von St. Gingolph.
Galeerenschiffe
Die Barke, die im 15. Jahrhundert entstand, entwickelte sich aus den Galeeren des Mittelmeers, auf denen angekettete Gefangene rudern mussten. Die ersten Barken wurden für die Herzöge von Savoyen gebaut. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Schiffe immer eleganter und schöner.
Im 16. Jahrhundert kam die "Brigantine" oder "Brick" hinzu: sie war kleiner als die Barke. Die einzige "Brigantine" auf dem Genfersee ist heute noch die "Vaudoise".
Schiffe fürs Grobe
Zum eigentlichen Symbol für die Handelsschifffahrt auf dem Genfersee wurde die "Barque latine": Mit diesen Schiffen wurden ausschliesslich schwere Frachten wie Holz, Steine, Sand und Kalk befördert. Im 19. Jahrhundert verkehrten rund 50 solcher Transportbarken auf dem See.
Das goldene Zeitalter der "Barques du Léman" ist längst vorbei: Transport auf Strasse und Schiene hat die Schiffe ersetzt. Im Museum in St. Gingolph sind 33 Modelle von Nachen, Cochères, Brigantinen und Barken zu sehen. Ein Diaporama (Diaschau) illustriert die Geschichte der Handelsschifffahrt auf dem Genfersee.
Perlen aus Fischschuppen
Das Museum in St. Gingolph erzählt aber auch die Geschichte des Handwerks - und einer exklusiven Industrie: Der Herstellung der Perlen aus Fischschuppen.
Nur Experten soll es gelungen sein, echte Perlen von jenen "Made in St. Gingolph" zu unterscheiden. Ein Pariser Chemiker erfand die See-Perle: Aus Fischschuppen, aufgelöst in einer chemischen Lösung, wurden Perlen hergestellt, indem kleine Glaskugeln bis zu zwanzig Mal in die Lösung eingetaucht wurden.
Die Perlen-Industrie zog zahlreiche Besucher an - die meisten kamen aus Montreux: Die Perlenfabrik war eine Sehenswürdigkeit. Zwischen 1920 und 1970 wurden solche Perlen hergestellt.
Als immer mehr japanische Zuchtperlen auf den Markt kamen, endete in St. Gingolph die Perlen-Ära.
Nur noch die Perlencolliers, Ohrringe und Broschen im Museum von St. Gingolph zeugen noch von dieser untergegangenen Industrie.
swissinfo und Margrith Widmer, sda
In Kürze
Auf dem Genfersee transportierten Segelschiffe seit dem Mittelalter Handelsgüter.
Die berühmtesten Schiffe kamen aus der Werft von St. Gingolph an der Grenze zu Frankreich.
Dort wurden auch Perlen aus Fischschuppen produziert.
Heute sind die Segelschiffe Geschichte und die Perlen-Fabrikation eine vergangene Industrie-Ära.
Im Museum von St. Gingolph leben sie wieder auf.