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Die Dreigliederung des sozialen Organismus ist ein organizistisches Gesellschaftskonzept. >
Richtig ist, dass Rudolf Steiner Vergleiche anstellte zwischen dem menschlichen Organismus und dem sozialen Organismus. Dies war in seiner Zeit üblich. Steiner wollte zu Beginn vor allem auf falsche Analogien aufmerksam machen (z.B. wurden damals Menschen mit Zellen verglichen, was Steiner kritisierte). Nach seiner Analyse der Auf- und Abbaukräfte im menschlichen Organismus und im sozialen Organismus kam er dazu, das Wirtschaftsleben mit dem menschlichen Nerven-Sinnessystem, das Rechtsleben mit dem menschlichen Herz-Kreislaufsystem und das Geistesleben mit dem menschlichen Stoffwechsel-Gliedmassensystem zu vergleichen. Im Unterschied zu organizistischen Gesellschaftsvorstellungen, in denen der einzelne Mensch ein untergeordnetes Element des «Volksorganismus» ist, stellt jedoch die Dreigliederung die Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen an oberster Stelle.
Rudolf Steiner war ein «Anti-Demokrat» >
Richtig ist, dass es kritische Aussagen Rudolf Steiners über die Demokratievorstellungen der damaligen Zeit gibt. Diese sind jedoch nie generell gegen die Demokratie gerichtet, sondern gegen bestimmte Anwendungen. Er kritisierte z.B. vor Schweizern die Idee, man könne über alles demokratisch entscheiden, so wie z.B. auch über die Schulen. Wenn man so denkt, so habe man aus seiner Sicht noch nichts von Demokratie verstanden. Steiner wollte aufzeigen, dass Demokratie nur im Rechtsleben berechtigt ist. Dort befürwortete er sie aber voll und ganz.
Die Dreigliederung ist vor 100 Jahren entstanden und ist heute veraltet. >
Rudolf Steiner rechnete selbst damit, dass die Dreigliederung für «drei bis vier Jahrhunderte» aktuell ist, danach aber wieder durch etwas Neues abgelöst werden müsse. Unabhängig davon kann jedoch die Frage gestellt werden, ob die durch die Dreigliederung aufgezeigten Zusammenhänge heute noch hilfreich sind, die gegenwärtigen Herausforderungen zu bewältigen. Dabei können viele Ansätze entdeckt werden, die hochaktuell sind. Die Idee eines «freien Geisteslebens» könnte z.B. einen wesentlichen Beitrag spielen, um die Tendenzen der «Re-Nationalisierung» zu unterbinden und anstelle dessen eine friedenstiftende internationale Völkerverständigung zu ermöglichen.
Die Dreigliederung ist eine Utopie. >
Insofern es das Merkmal einer Utopie ist, dass sie von einem einzelnen Menschen ausgedacht wird, um von der Gesellschaft dann umgesetzt zu werden, ist die Dreigliederung das Gegenteil einer Utopie! Sie wird nur häufig als solche Missverstanden, weil wir es gewohnt sind, in Utopien zu denken. Die Dreigliederung ist das Resultat einer Erforschung der sozialen Zusammenhänge und des Menschen. Es folgt aus der Natur des Menschen, dass er, um sein Potential voll zu entwickeln, sich in einem freien Geistesleben mit seinen Mitmenschen organisieren muss. Dies ist genauso wenig Utopie, wie die die Gesetzmässigkeit der Schwerkraft eine Utopie ist.
Die Dreigliederung ist erst möglich, wenn die Menschen weniger egoistisch sind. >
Gerade das Gegenteil ist richtig. Wären die Menschen alle Engel, so würde sich die Dreigliederung erübrigen.
Die Dreigliederung möchte die alte Ständeordnung wiederbeleben. >
Die Ständerordnung bezeichnet eine Gesellschaft, in welcher die Menschen nur in einem Stand – nach Plato: Nährstand, Wehrstand, Lehrstand – tätig sind. Diese drei Stände haben ähnlich je eine spezifische Aufgabe, wie die drei Gebiete: Wirtschaftsleben, Rechtsleben und Geistesleben. Im Unterschied zur Ständeordnung sollen in der Dreigliederung jedoch alle Menschen in allen drei Bereichen partizipieren und mitgestalten. In diesem Sinne ist die Dreigliederung eine Überwindung der Ständeordnung.
Dreigliederung kann in einem Betrieb umgesetzt werden. >
Die Idee, die Dreigliederung betriebsintern umsetzen zu können, stammt nicht von Rudolf Steiner, sondern ist erst in den 1970er entstanden. Für Rudolf Steiner war es klar: Solange eine staatlich anerkannte Lehrerausbildung die Voraussetzung ist unterrichten zu dürfen, kann es keine «freie Schulen» geben. Dieses Beispiel zeigt deutlich, weshalb die Dreigliederung nicht innerhalb eines Betriebes umgesetzt werden kann. Dasselbe gilt auch für das Wirtschaftsleben: Assoziationen entstehen erst, wenn sich verschiedene Branchen assoziieren. Ein Betrieb allein kann dies unmöglich.
Dreigliederung kann nur umgesetzt werden, wenn viele Länder das gleichzeitig tun. >
Für eine solche Ansicht gibt ist keine sachlichen Gründe. Jeder Staat kann die gesetzlichen Grundlagen dahingehend verändern, dass der Raum für ein freies Geistesleben geschaffen wird. Dafür brauchen die umliegenden Länder nicht mitzumachen. Sie können dadurch jedoch beobachten, welche positiven Auswirkungen ein solches Geistesleben hat und dann nachziehen. Dasselbe gilt auch für das Wirtschaftsleben. Zieht sich ein Staat aus der Wirtschaftsverwaltung zurück, so können die entstehenden Assoziationen als Vertragspartner mit den anderen Ländern abkommen schliessen. Die wirtschaftlichen Vorteile eines assoziativen Wirtschaftslebens werden kaum unbemerkt bleiben und könnten dazu führen, dass sich diese Wirtschaftsorganisation weltweit schnell verbreitet.