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|Mit Protobulgaren, Ur-Bulgaren oder auch Hunno-Bulgaren bezeichnet man ein Turkvolk, das am Mittellauf der Wolga und dem Kam-Fluss siedelte. Teile dieses Reitervolks wurden slawisiert und zählen zu den Vorfahren der heutigen Bulgaren. Sie hatten eine eigene Runenschrift, einen eigenen Kalender und eine eigene Religion, deren oberste Gottheit der Himmelsgott Tangra war. Als Opfergabe an den Himmelsgott wurden weisse Pferde bevorzugt. Mit den Eingeweiden der geopferten Tiere wurden dann Wahrsagungen erstellt. Dabei handelt es sich um eine animistische Religion, die durch Schamanismus und Ahnenkult geprägt war. Neben den Bergen wurden auch die Sonne, der Mond und die ihnen damals bekannten fünf Planeten Jupiter, Venus, Merkur, Mars und Saturn verehrt. Ihre Sprache wird als Bolgarische Sprache bezeichnet. Chroniken berichten über kompakte Siedlungen, die im 3. Jahrhundert n.Chr. entstanden.

Bei den Protobulgaren handelte es sich um mehrere turksprachige Nomadenstämme aus dem zentralasiatischen Raum. Sie hatten sich im 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. mit den Schwarzen Hunnen zusammengeschlossen. Nach dem Tod Attilas und dem Zerfall des Hunnenreiches liessen sich die Protobulgaren, mit weiteren Hunnen, in der pontischen Steppe (Steppe zwischen Wolga und Dnipro) nieder, wohin sie geflohen waren. Dazu kamen finno-ugrische Stämme. Ihnen schlossen sich weitere Turkstämme an, so wie die Kutriguren, Utriguren, Saguren und Oguren; diese siedelten ursprünglich südlich des Baikalsees, jenseits des Altai- und Sajangebirges. Sie waren um 463 n. Chr. von den sprachverwandten Sabiren, auch ein Turkvolk, aus ihrer Heimat nach Westen verdrängt worden. Die neue Liga wurde gegründet, der auch die Onoguren - Zehn Stämme (Altungaren aus der Wolgaregion) - angehörten, wie auch alanische Elemente; sie standen unter der Führung von Imik (Sohn von Attila).
Um 567 n.Chr. wurden die Protobulgaren von den Awaren besiegt. Einige schlossen sich den Awaren an und zogen mit diesen weiter westwärts. Grosse Teile der Protobulgaren, Hunnen und andere Reiternomaden verblieben aber in den südrussischen Steppen. 635 n.Chr. erhoben sich die Protobulgaren-Onoguren unter Khan Kubrat mit Erfolg gegen die Herrschaft der Awaren. Kubrat vereinte die Völker zum Grossbulgarischen Reich. Mit Byzanz verbündete er sich. Das Grossbulgarische Reich an der Nordküste des Schwarzen Meeres reichte von der Maeotis (Asowsches Meer) bis nach Kuban. Hauptstadt war Phanagona am Asowschen Meer, dem heutigen Taman. An der Spitze des Reiches stand der Khan. Das Grossbulgarische Reich wurde jedoch schon in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts n. Chr. von den ebenfalls anrückenden turkstämmigen Chasaren vernichtet.
Kubrats ältester Sohn Batbajan (Führer der Schwarzen Bulgaren) hatte sich 640 n.Chr. den Chasaren unterworfen und blieb in der alten Heimat. Seine vier Brüder aber spalteten sich mit bedeutenden Stammensteilen ab. Die nordwärts Ziehenden unter Führung von Kontrag gründeten das Reich der Wolgabulgaren (Weisse Bulgaren). Obgleich sich schon der Khan Shilki (Regierungszeit 855-882 n Chr., Vater von Almusch) von dieser Vormundschaft zu befreien suchte, wurden die Wolgabulgaren wahrscheinlich erst mit der Zerstörung des Chasarenreiches durch die Kiewer Rus und den Petschenegen um 966 unabhängig (Petschenegen = ein Turkvolk, wahrscheinlich oghusischer Herkunft, wurden später Mitte des 11. Jahrhundert n. Chr. von den Kiptschaken, auch Kumanen genannt, abgelöst). Sie nahmen unter Khan Alamusch (Regierungszeit 895-925 n Chr.) um 922 n.Chr. den Islam an und entwickelten sich zu einer Handelsmacht zwischen der Kiewer Rus und den islamischen Ländern im Süden. Dieses Volk war aber militärisch nicht expansiv, man beschränkte sich auf Ackerbau, Handel und die Tribute von benachbarten finno-ugrischen Stämmen. Das Reich existierte bis Anfang des 13. Jahrhunderts, als es von der Goldenen Horde (Khan Batu) der Mongolen besiegt wurde. Das neue Volk der Tschuwaschen, Tataren, Mordwinen und Baschkiren sieht sich als Nachfolger der Protobulgaren-Onoguren. Ein anderer Teil verschmolz mit den Kasan-Tataren, die sich noch bis ins späte 19. Jahrhundert als Bolgaren = Bulgaren bezeichneten.
Die südwärts ziehenden Teile unter Asparuch überquerten die Donau und verbündeten sich mit der lokalen slawischen Bevölkerung der Seweren und den Sieben Stämmen und errichteten 678 n.Chr. das Donaubulgarische Reich. Asparuch gilt daher als Gründer des heutigen Bulgarien auf dem Balkan. Bis zum Einbruch von Ungarn 895 n. Chr. umfasste das Bulgarenreich den gesamten (nicht-byzantinischen) Balkan und reichte im Norden nach dem Sieg über die Awaren bis nach Budapest.
Die beiden jüngsten Söhne Kubrats, Kuver und Alzek, zogen mit ihren kleineren Stammesverbänden ebenfalls Richtung Westen und schlossen sich in Pannonien (Ungarn) den Awaren an. Nach einer misslungenen Revolte gegen die Stammesführung trennten sich ihre Wege wieder. 680 n. Chr. zog Kuver Richtung Süden, zusammen mit Teilen der Sermesianoi, Nachfahren der römischen Provinzialbevölkerung in Pannonien und den von den Awaren 626 n.Chr. verschleppten und in Pannonien angesiedleten römischen Gefangenen. Er liess sich im unbesiedelten Gebiet um Bitola in Makedonien nieder, das zur byzantinischen Verwaltung Thesalonika gehörte, wo Kuver ein Khaganat errichtete. Unter Khan Malamir und Khan Presian I. vereinigten sich die Kuverbulgaren mit dem Bulgarenreich von Asparuch.
Alzek zog weiter westlich, überquerte 667 n.Chr. die Alpen und zog nach Norditalien in die Gegend um Ravenna ein. Die Gastfreundschaft der Römer war nur eine Tarnung. Im selben Jahr mussten die Bulgaren bei mehreren Hinterhalten um ihr Überleben kämpfen. Daher zogen sie immer weiter südwärts, bis sie schliesslich das Herzogtum Benevent errichteten. Khan Alzek wurde vom Langobardenkönig Grimoald empfangen, und es wurde ihm die Region Molise zugesprochen, aber nur unter der Voraussetzung, dass er auf seinen Titel dux und den Herrschaftsanspruch verzichtet, da Grimoald selbst dux von Benevent war.
In Bulgarien und Mazedonien verschmolzen die Protobulgaren vor allem mit den Anten (ein Volksstamm, der ursprünglich nördlich des Schwarzen Meeres zwischen Dnepr und Don siedelte und im 6. Jahrhundert n. Chr. auf die Balkanhalbinsel übersiedelte) und weiteren slawischen Stämmen sowie mit der römischen Provinzialbevölkerung zum heutigen Volk der Bulgaren.