Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/177779

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt aufzuzeigen, ob das System einer Warenterminbörse für Schweizer Agrargüter umsetzbar wäre und welche Effekte dieses haben würde.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich der Bedeutung transparenter und vorhersehbarer Preise für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft bewusst. Innerhalb des gesetzlichen Rahmens setzt er sich für bestmögliche Rahmenbedingungen für die Wirtschaft ein.</p><p>An einer Warenterminbörse werden Kontrakte von Waren einer definierten Qualität mit einer in der Zukunft liegenden Fälligkeit gehandelt. Oft wird vor der Fälligkeit ein Gegengeschäft eingegangen, sodass keine physische Lieferung der Ware stattfindet. Um die Zahlungsfähigkeit beim Gegengeschäft sicherzustellen, muss ein Geldbetrag als Sicherheit hinterlegt werden. </p><p>Voraussetzung für einen erfolgreichen Betrieb einer Warenterminbörse ist ein breiter Kreis interessierter Marktteilnehmer, um eine ausreichend hohe Liquidität am Markt zu erreichen. Für den kleinen und geschützten Schweizer Markt dürfte dies eine wesentliche Restriktion sein. Mit einem Ausschluss von Akteuren ohne Interesse an physischer Ware würde die Liquidität auf dem Terminmarkt zusätzlich verringert. </p><p>Warenterminmärkte bieten sich vor allem für lagerfähige Produkte homogener Qualität an. Am für die Schweiz bedeutenden Milchmarkt haben sich international nur Kontrakte für verarbeitete Produkte wie Milch- und Molkenpulver sowie Butter etabliert. Milchproduzenten müssten sich somit indirekt über den Kauf von Butter- und Magermilchkontrakten absichern. </p><p>Dadurch würde sich das Risiko erhöhen, dass die Entwicklung des tatsächlich vom Landwirt erzielten Milchpreises nicht der Preisentwicklung der auf dem Terminmarkt gehandelten Kontrakte entspricht. </p><p>Für Produzenten mit geringen Mengen ist der Warenterminhandel kaum attraktiv, da erstens die Einarbeitung in das Termingeschäft und das Verfolgen des Marktgeschehens einen beträchtlichen Zeitaufwand erfordern und zweitens beim Handeln Gebühren anfallen und an der Börse eine Sicherheit zu hinterlegen ist. Bereits bei ausländischen Warenterminbörsen ist die Teilnahme von Landwirten gering. Für die kleinstrukturierten Schweizer Märkte ist deshalb nicht zu erwarten, dass eine Schweizer Warenterminbörse Relevanz für die Preisabsicherung der Landwirte erlangen kann. </p><p>Auch wenn die ökonomischen Bedingungen für eine Warenterminbörse für Agrarprodukte im kleinen Markt der Schweiz nicht gegeben sind, können Terminkontrakte (Futures, Call- und Put-Options) zwischen Anbietern (Landwirte) und Abnehmern jederzeit abgeschlossen werden. Dazu ist eine Warenterminbörse nicht notwendig.</p><p>Der Bundesrat beurteilt somit das System einer Warenterminbörse für die Schweizer Agrarmärkte als nicht umsetzbar.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.