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Schuldverschreibungen, auch Anleihen oder Obligationen, sind zinstragende Wertpapiere. Wer ein solches Papier erwirbt, leiht dem Emittenten (Herausgeber) Kapital, wird dadurch also zum Gläubiger. Der Emittent räumt im Gegenzug dem Gläubiger das Recht auf Rückzahlung des Kapitals sowie auf Zahlung der vereinbarten Zinsen ein.
Schuldverschreibungen können von Privaten, aber auch von Städten und Staaten (oder Stadtstaaten) ausgegeben werden. In solchen Fällen dienten und dienen Anleihen beispielsweise zur Finanzierung von Investitionen oder zur Deckung von Haushaltsdefiziten.
Eine rentable Sache?
So emittierte das Königreich Serbien 1888 ein Anlehen «zum Zwecke der Geldbeschaffung für die Ablösung des Tabak-Monopols und für den Betrieb desselben» in der Höhe von zehn Millionen Dinar. Eine sichere und lohnende Investition: 1910 z.B. resultierte aus dem Betrieb des Monopols ein Nettogewinn von 12,326 Millionen Dinar. Dieses Geld diente als Sicherheit für die Auszahlung der Zinsen sowie die Rückzahlung des Kapitals.
Um die prekäre Finanzlage der Weimarer Republik zu bekämpfen, erliess diese 1922 eine Zwangsanleihe, an der sich alle vermögenssteuerpflichtigen Personen mit einem Vermögen von mehr als 100’000 Mark beteiligen mussten – ohne Kündigungsrecht.
Zu einer Tilgung dieser Schuld kam es nicht mehr: Durch die grassierende Hyperinflation wurden die Guthaben vollständig vernichtet.
Ein Dokument der Mehrsprachigkeit
Auch die österreichische Schuldverschreibung von 1868 ist längst nur noch Papier. Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich der Wert dieser Anleihe in Luft aufgelöst, da Österreich zu den Verlierern gehörte . Es bleibt das historische Dokument. Herausgegeben ist es von der „k. k. Direction der Staatschuld“. „k. k.“ steht für kaiserlich-königlich und bezog sich nach dem sogenannten Ausgleich von 1867 nur noch auf die westliche Reichshälfte (dagegen bezog sich die Abkürzung „k.u.k.“ auf den Gesamtstaat, die Doppelmonarchie Österreich -Ungarn).
Die Vorderseite ist mit Ornamenten geschmückt. Der Wert von „Ein Tausend Gulden“ steht am Rand in verschiedenen Sprachen. Die Rückseite enthält den Text der Schuldverschreibung in den Amtssprachen des damaligen österreichischen Imperiums und in den Sprachen der damaligen Finanzplätze: Ungarisch, Rumänisch, Serbisch, Kroatisch, Italienisch… sowie Englisch, Französisch und Niederländisch.
Es ist also ein Dokument der Mehrsprachigkeit. Beim Versuch, die einzelnen Sprachen zu bestimmen, bekommt man eine Ahnung, wie kompliziert die Verwaltung des Vielvölkerstaats gewesen sein muss.
Die Dokumente stammen aus der Sammlung historischer Dokumente von Marcel Langel, welche das Schweizerische Wirtschaftsarchiv kürzlich übernehmen konnte (Signatur: SWA PA 635).
Autoren: Urs Bieri und Martin Lüpold