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Safaga: Weltenwandern an der Küste des Roten Meeres
Die idyllische kleine Hafenstadt Safaga blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück und verführt seine Besucher seit jeher, die verschiedenen Lebenswelten seiner Bewohner zu erkunden. Nur wenige Touristen wissen, dass Safaga zu den ältesten Hafenstädten Ägyptens zählt. Bereits um 2450 vor Christus wurde der Küstenort von Pharao Shahure gegründet und etablierte sich schnell als blühendes Handelszentrum.
Daneben nutzten schon damals die Pharaonen die schwarzen und in harmlosen Konzentrationen leicht radioaktiven Sandstrände in und um Safaga für ihre Kuraufenthalte.
Handel wurde in Safaga jedoch nicht nur vom Meer, sondern auch von Land aus betrieben: Aufgrund der geographischen Lage der Stadt am Ende einer historischen Karawanenstrasse, die vom Niltal durch die Östliche Wüste – genauer durch das Wadi Hammamat – führte, war die Stadt schon zur Zeit der Pharaonen ein Umschlagplatz verschiedenster Waren des afrikanischen Kontinents.
Mit der Verbreitung des Islam ab dem 7. Jahrhundert avancierte Safaga schliesslich auch zum wichtigsten Hafen Ägyptens für Pilgerreisende, denn von hier aus wurden Überfahrten nach Saudi Arabien unternommen. Noch heute gehen mehrmals wöchentlich Fähren, die es den gläubigen Muslimen ermöglichen, die fünfte Säule des Islam zu erfüllen und nach Mekka zu pilgern, um die Kaaba zu umrunden.
Die meisten Besucher sind sich dieser traditionsreichen Geschichte Safagas jedoch nicht bewusst und nehmen das 60 Kilometer südlich von Hurghada gelegene Örtchen heute eher als eine normale ägyptische Provinzstadt war. Derzeit wird der Hafen von Safaga, in dem sich auch ein grösserer Stützpunkt der ägyptischen Armee befindet, neben Port Suez zum grössten Rotmeerhafen Ägyptens ausgebaut, so dass der Ort zumindest wirtschaftlich wohl noch einiges zu erwarten hat.
Betonen noch immer manche Reiseführer, Safaga hätte für Touristen neben ein paar Korallenriffen keine besonderen Sehenswürdigkeiten zu bieten, ist dies schlichtweg falsch. Natürlich ist das Rote Meer vor allem für Wassersportler ein Paradies, allerdings ist Safaga auch ein perfekter Ausgangspunkt, um die nähere Umgebung sowie das Landesinnere zu erkunden. Wer abseits der üblichen Touristenpfade wandeln und an der ursprünglichen Lebenswelt der Ägypter teilhaben möchte, kann von hier aus nicht nur die Universitätsstadt Quena mit den Tempelanlagen von Dendera erforschen, sondern auch in die Gebirgswüste eintauchen, um der Geisterstadt Um el Huwaytat einen Besuch abzustatten.
Ghost City: Um el Huwaytat
Etwa 26 Kilometer südlich von Safaga liegt eine alte verlassene Stadt, umgeben von Bergen im Herzen der Wüste: Um el Huwaytat. Allen interessierten Reisenden, die in der Gegend rund um Safaga mehr als einen entspannten Strandurlaub suchen, wird schnell auffallen, dass Phosphat allgegenwärtig ist. Dabei hat Phosphat vor allem die jüngere Geschichte Safagas entscheidend geprägt, so dass die Spuren des Phosphatabbaus ebenso überall in Erscheinung treten wie die der Verarbeitung und der Verschiffung des Mineralstoffes.
Wer eine Reise in die Vergangenheit unternehmen, dem Charme der Ruinen alter Häuser begegnen und den Geist vergangener Zeiten atmen möchte, der sollte sich einen Besuch von Ghost City nicht entgehen lassen. Einer Filmkulisse gleich scheint die Zeit in dieser Stadt stillzustehen. Einst lebten in Um el Huwaytat lebten die Mitarbeiterder umliegenden Phosphatminen mit ihren Familien, so dass neben den ehemaligen Wohnhäusern und Verwaltungsgebäuden auch ein Krankenhaus, diverse Schulgebäude und natürlich eine Moschee zu bestaunen sind.
Expeditionen nach Um el Huwaytat findet man im Allgemeinen jedoch nicht im Programm grosser Reiseveranstalter. Vielmehr werden die Touren von kleinen lokalen Anbietern organisiert, die nicht selten Nachfahren der später umgesiedelten Familien sind. Die eher privaten Trips, die meist in kleine Gruppen und zu unterschiedlichen thematischen Programmpunkten stattfinden, werden von Einheimischen geführt.
So kann man beispielsweise an einer kombinierten Quad-Jeep-Tour am frühen Morgen teilnehmen und dabei von den Bergen aus den Sonnenaufgang über dem Roten Meer geniessen. Wer lieber den nächtlichen Sternenhimmel über der Wüste bestaunen möchte, hat die Möglichkeit auf einen Camping-Trip zu gehen. Möchte man indessen doch lieber zurück in die Zukunft, dann besteht auch die Option, sich bei einem spannenden Paintballmatch in der Geisterstadt auszutoben.
Safaga: Nicht nur unter Wasser ein Biodiversitätshotspot
Reisende, die Safaga in den Sommermonaten besuchen, werden schnell merken, dass man sich – wenn die Sonne sehr hoch am Himmel steht und man kaum ein schattiges Fleckchen findet – auf dem Meer am wohlsten fühlt. Denn das Rote Meer, das inmitten des grössten Wüstengürtels der Welt liegt, birgt eine paradiesische Unterwasserwelt.
Taucht man nach einem Besuch von Um el Huwaytat im Landesinneren in den üppigen Korallengärten, ist unübersehbar, dass Ägypten kontrastreicher nicht sein könnte. Während die unglaubliche Pracht des Roten Meeres durch ihre Fülle an Leben besticht, besteht der überwiegende Teil des Landes aus Sand und Felsen, so dass man in der Wüste auf den ersten Blick kaum sichtbare Lebenszeichen findet.
Doch bereits auf den zweiten Blick stellt jeder Besucher der Östlichen Wüste, die zweifelsohne an Szenen der Mondlandung erinnert, unumwunden fest: Die Wüste lebt und ist ein ebenso faszinierender Biodiversitätshotspot wie die mannigfaltige Unterwasserwelt des Roten Meeres. Diese natürlichen Gegensätze charakterisieren das Land am Nil und laden zweifelsohne zum Wandern zwischen den Welten ein.
Text: Romy Schmidt
Oberstes Bild: Safaga – die Stadt unter der glühenden Sonne Ägyptens (Bild: Romy Schmidt)