Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03409.jsonl.gz/2073

05.07.2019 Graz
Da mein linkes Fussgelenk höllisch schmerzt, kaufe ich mir eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsbetriebe, obwohl die Strecken nicht so riesig sind. Ich fahre in die Innenstadt, zum Hauptplatz, laufe zum Kunsthaus, zum Mariahilferplatz, zur Murinsel (eine künstliche Stahl- und Glaskonstruktion). Beim Schlossberg laufe ich zuerst durch den „Dom im Berg“, einer gewaltigen Stollenanlage im Schlossberg drinnen. Dann erklimme ich den Schlossberg, wo ich erst zum Uhrenturm gelange und eine schöne Aussicht über Graz habe. Etwas weiter oben ist die Kanonenbastei, der Glockenturm und dann weiter oben ein Restaurant und eine Aussichtsterrasse. Ich laufe wieder hinunter zur Altstadt. Ich komme am „gemalten Haus“ (Herzogshof), an der modernen, aus Edelstahlrohr gefertigten Statue "Lichtschwert" vor dem Opernhaus, am Opernhaus, am Opernring, am Roseggergarten vorbei und gelange zum Dom und Mausoleum. Der Dom ist wegen Renovationsarbeiten geschlossen, jedoch ist das Mausoleum offen. Danach gelange ich zum Freiheitsplatz, wo ein Denkmal für Franz I steht. Weiter geht es zum Karmeliterplatz und zum Stadtpark hinter der Burg. So laufe ich quasi im Kreis um die Burg herum. Auf dem Weg zur Doppelwendeltreppe fällt mir ein in die Mauer des Gebäudes eingelassener, in Ivrith beschrifteter Grabstein von Rabbi Nissim (1387) auf. Die Doppelwendeltreppe besteht aus zwei gegenläufigen, miteinander verbundenen Wendeltreppen. Ich laufe zurück zum Hauptplatz und nehme das Tram Nr. 1 zum Schloss Eggenberg. Dort kaufe ich eine Tageskarte für alle Museen und nehme an einer Führung der Prunkräume und dem Astronomiesaal teil. Danach besuche ich die Alte Gallerie, ebenfalls im Schloss, die eine erstklassige Sammlung vor Allem mittelalterlicher Kunstwerke aufweist. Ein grosser Teil ist Sakralkunst, so z.B. der Flügelaltar mit Kreuzigung (1518) oder das Büstenreliquiar des Hl. Oswald (1400). Eines der ganz besonderen Stücke ist Jan Breughel d.Ae., Triumph des Todes (1597). Mehrere Gemälde der Herren von Eggenberg sind vorhanden, so z.B. Giovanni Pietro de Pomis, Fürst Hans Ulrich von Eggenberg (1600s). Das zweite Museum im Schloss ist das Münzkabinett mit der Ausstellung „Einprägsam“, die das Münzwesen im späteren Mittelalter und danach thematisiert, sehr gut aufgebaut. Im ganz modernen Archäologiemuseum werden beim Eingang Römische Grabsteine gezeigt. Höhepunkte der Ausstellung sind aber: ein Kultstab aus Bronze, ein Kultwagen (Kesselwagen), Bronze (7. Jhdt. v.Chr.), diverse Depotfunde, ein reich verzierter Zistendeckel aus Bronze (6.Jhdt. v.Chr.). Draussen wartet noch der Planetengarten auf einen Besuch. Im „Merkur“ leiste ich mir ein dickes Mittagessen. Mit dem Tram fahre ich zurück ins Stadtzentrum, wo ich nun das Kunsthaus besuche. Das Gebäude des Kunsthauses gleicht einem schottischen Haggie, es ist eine Blase mit mehreren „Abgängen“. Die Ausstellung heisst "Connected, Peter Kogler with...“ Fernand Léger, Dudley Murphy, George Antheil, Winfried Ritsch etc. Im ersten Stock werden einige Werke von Fernand Léger und Zeitgenossen gezeigt, im zweiten Stock gibt es eine Projektions- und Soundaufführung von Peter Kogler innerhalb dieses bemerkenswerten Gebäudes. Schliesslich gelangt man noch in die „Needle“, den aussen vorgehängten Gang mit schöner Sicht auf die Altstadt. Alle halben Stunden wird im ersten Stock mit einem elektronisch gesteuerten Orchester die moderne Interpretation des „Ballet Mécanique“ (1923-25/2019) aufgeführt, Komposition George Antheil, Interpretation Winfried Ritsch. In der „Camera Austria“ gibt es die Ausstellung „Mladen Bizumic/Sophie Thun“, mit (konventionellen) Fotografien. Mir gefallen die Werke gar nicht, sie grenzen an Kitsch, obwohl sie sozialkritisch sein sollten. Mein nächster Stopp gilt dem Landeszeughaus. Das historische Zeughaus ist tatsächlich noch bis unters Dach mit den historischen Waffen, die es immer beherbergt hat, gefüllt. Es gibt Schilder mit gewaltigen Einschlägen von Pistolenkugeln, viele Rüstungen, Hellebarden, Spiesse, Schwerter, Dolche, eine schmuckvoll verzierte Pferderüstung, einige Prunkrüstungen, Harnische, Pistolen mit Pommelgriffen, Gewehre, Arkebusen, türkische Helme, was das Herz des Landknechts begehrt. Es ist schon vier Uhr, als ich das Joanneum besuche, dessen Eingang in einem neu erbauten Untergeschoss des an sich historischen Palastes ist. Ich entscheide mich für dessen Neue Galerie. Die Ausstellung widmet sich der Porträtmalerei und ist thematisch klug gegliedert, so hat es Porträts von Herrschern (z.B. Adolf Pirsch, Kaiser Franz Joseph I [1900]). Dann gibt es Porträts von reichen Auftraggebern (z.B. Wilhelm Thöny, Portrait einer Dame mit Hut [1913]), Selbstbildnisse, ein paar Bilder von Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Eine weitere Ausstellung ist das "Bruseum, Günter Brus, Edruckt und erstochen“. Mit dem Künstler, auch seinem Stil, kann ich wenig anfangen. Er gehörte zu den Avantgardisten und musste schliesslich vor einer Strafverfolgung fliegen. Ich laufe nun hastig zum Volkskundemuseum, das erst um sechs Uhr schliesst. Eine Sonderausstellung widmet sich dem „Mythos Tankstelle“. In der ständigen Sammlung gibt es eine Rauchstube, Geschichten zum bäuerlichen Leben, Truhen, eine Küche und eine gute Stube, Gegenstände zum Aberglauben und zum Wunderglauben. Ein Durchgang führt zur Antoniuskirche, ein weiterer zur eigenartigen Trachtensammlung. Alle Figuren haben überdimensionale, bedrohlich wirkende Köpfe. Mit dem Tram fahre ich zurück, hole mir einen Döner und im Lidl einen Joghurt zum Dessert.