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Fallbericht zu Gallensäuren: Peggy
Catalyst Bile Acids führte zu einer unerwarteten Diagnose bei einem Welpen, der mit Beschwerden beim Wasserlassen vorgestellt wurde
Name: Peggy
Alter: 9 Monate
Rasse: Labrador Retriever
Geschlecht: Weiblich, nicht kastriert
Vorstellungsgrund und Anamnese
Peggy wurde zur Bewertung einer Strangurie und von unkontrolliertem Harnverlust vorgestellt. Die Halter hatten Peggy im Alter von 10 Wochen aufgenommen. Der Grund, weshalb ihre Halter sie ausgesucht hatten, war ihr sanftes Gemüt. Sie hat sich gut in ihr neues Zuhause eingelebt und die Halter waren beeindruckt, wie schnell sie stubenrein war. Sämtliche Impfungen, Floh- bzw. Zeckenschutz und Wurmkur waren bei ihr aktuell. Als Futter bekam sie Welpennahrung für große Rassen, die ihre Halter in der örtlichen Tierhandlung bezogen. Die Halter äußerten Bedenken über das kürzlich bei Peggy aufgetretene unkontrollierte Wasserlassen sowie die Beschwerden beim Urinieren.
Klinische Untersuchung
Für einen jungen Labrador Retriever war Peggy eine ruhige Hündin, dabei jedoch lebhaft und aufmerksam. Körpertemperatur, Puls und Atmung lagen im physiologischen Bereich. Ihre Statur war für ihr Alter und ihre Rasse etwas zu klein, aber ihr körperlicher Zustand war gut. Die übrige klinische Untersuchung verlief unauffällig.
Diagnostischer Plan
Der anfängliche diagnostische Plan bestand darin, eine vollständige Urinanalyse einschließlich spezifischer Dichte, chemischer Analyse mit dem IDEXX Vetlab UA Analysegerät und Urinsedimentuntersuchung mit dem SediVue Dx Urinsediment-Analysegerät durchzuführen.
Labordiagnostische Befunde
Potenziell bedeutende Ergebnisse der Urinanalyse von Peggy umfassten Ammoniumbiuratkristalle (> 50/HPF) und 30 mg/dL Protein.
Ammoniumbiuratkristalle treten am häufigsten bei Hunden auf, die erworbene oder angeborene Abweichungen der Gefäßeingänge mit Leberdysfunktion aufweisen, und kommen bei einigen Rassen auch aufgrund einer vererbten Störung des Urattransports vor.1
Der Urin von Peggy war stark konzentriert und wies eine spezifische Dichte von 1,037 auf. Bei der Untersuchung des Harnsediments wurden weiterhin minimal Erythrozyten und Leukozyten gefunden. Bakterien konnten nicht nachgewiesen werden.
Nächste Schritte
Um die Ammoniumbiuratkristalle und Proteinurie genauer zu untersuchen, wurden zusätzliche diagnostische Schritte eingeleitet, u. a. die Bestimmung des Urin-Protein/Kreatinin-Quotienten (UPC), Urinkultur inkl. Antibiogramm mit Angabe der minimalen Hemmkonzentration (MHK) sowie eine Messung der Gallensäuren präprandial und zwei Stunden postprandial.
Das UPC-Verhältnis ergab keine signifikante Proteinurie und die Urinkultur war negativ.
Catalyst Bile Acids ergab bei Peggy zu beiden Zeitpunkten deutlich erhöhte Werte für Gallensäuren, was die Wahrscheinlichkeit für eine hepatobiliäre Erkrankung erhöhte
Diagnose und weitere Untersuchungen
Die erhöhten Gallensäurewerte wiesen auf eine mögliche Funktionsstörung der Leber hin und führten zu einer Überweisung an eine spezialisierte Tierklinik für weitergehende Untersuchungen. Dort wurden auf einem ProCyte Dx Hämatologie-Aanalysegerät und dem Catalyst One Blutchemie-Analysegerät ein großes Blutbild und klinisch-chemische Tests durchgeführt. Mehrere Befunde in Peggys Blutbild und klinisch-chemischen Untersuchungen deuteten auf eine Leberdysfunktion hin, z. B. ein geringeres mittleres Zellvolumen (MCV) und Werte im unteren Bereich des Referenzintervalls für Harnstoff-Stickstoff (BUN) und Cholesterin. Ein abdominaler Ultraschall offenbarte eine subjektiv kleine Leber und eine Gefäßanomalie, die einem intrahepatischen portosystemischen Shunt entsprach. Daneben wurden Harnsteine in der Blase festgestellt.
Ein paar Wochen später wurde Peggy operiert, wobei ein Ameroid-Konstriktor um den intrahepatischen Shunt angebracht wurde, was den allmählichen Verschluss des Shunts ermöglichte. Darüber hinaus wurde bei der OP auch eine Leberbiopsie durchgeführt. Die Histopathologie ergab eine moderate arterioläre Hyperplasie und eine leichte vakuoläre Degeneration der Leberzellen. Diese Resultate stimmen mit denen, die üblicherweise bei portosystemischen Shunts vorkommen, überein. Aus der Blase wurden zwei Harnsteine entfernt. Die Analyse der Steine bestätigte, dass es sich um Uratsteine handelte.
Peggy hat sich gut von der OP erholt und wurde mit einer guten Prognose entlassen.
Befunde
Harnuntersuchung
Bakteriologische Untersuchung inkl. Antibiogramm
Gallensäuren
Diskussion
Ein portosystemischer Shunt (PSS) zählt zu den häufigsten angeborenen Veränderungen der Leber bei Hunden und Katzen.1 Zu den häufigsten klinischen Anzeichen zählen neurologische Symptome wie Auf- und Abgehen, Anfälle und grundloses Bellen als Folge einer hepatischen Enzephalopathie. Symptome im Zusammenhang mit dem Harnabsatz, wie sie bei Peggy auftraten, kommen bei Tieren mit portosystemischen Shunts weniger häufig vor, werden jedoch für 20 %–53 % der Hunde beschrieben.2
Peggys Blutbild und klinisch-chemische Untersuchungen ergaben geringfügige Abweichungen, die bei Tieren mit PSS beobachtet werden können. Mikrozytose tritt bei über 60 % der Hunde auf. Die Ursache für Mikrozytose konnte noch nicht gänzlich geklärt werden. Ein möglicher Grund könnte jedoch in einer Eisenverwertungsstörung liegen.3 Eine Abnahme der Syntheseleistung aufgrund einer Leberdysfunktion führt in der Regel zu biochemischen Abweichungen, z. B. zu leicht bis stark verringerten BUN-, Cholesterin-, Albumin- und Glukosewerten. Geringe bis mäßige Erhöhungen der Leberenzyme (ALT, ALKP) treten bei Tieren mit PSS ebenfalls häufig auf, so auch im Fall von Peggy.1
Ein Gallensäuren-Stimulationstest ist die Methode der Wahl zur Bewertung der Leberfunktion von Tieren mit Verdacht auf PSS.1 Studien zufolge ist die Sensitivität der prä- und postprandialen Bestimmung der Gallensäurenkonzentration beim Nachweis von PSS bei Hunden und Katzen fast 100 %.4 Eine erhöhte Gallensäurenkonzentration bei Tieren mit PSS kann auf den Shunt der wiederaufgenommenen Gallensäuren in den Kreislauf zurückgeführt werden.
Anhand von Peggys Fall wird deutlich, dass Gallensäuren ein wichtiger Bestandteil der Diagnosestellung sind, wenn Tiere seltenere klinische Symptome aufweisen oder leichte Veränderungen ihrer Minimalen Datenbasis zeigen, die auf eine Leberdysfunktion hinweisen könnten.
Literatur
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Weisse C, Berent AC. Hepatic vascular anomalies. In: Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E, Hsg. Textbook of Veterinary Internal Medicine: Diseases of the Dog and the Cat. 8. Ausgabe; St Louis, MO: Elsevier; 2017:1639-1658.
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Berent A, Weisse C. Portosystemic shunts and portal venous hypoplasia. Stand Care Emerg Crit Care Med. 2007; 9(3).
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Simpson KW, Meyer DJ, Boswood A, White RN, Maskell IE. Iron status and erythrocyte volume in dogs with congenital portosystemic vascular anomalies. J Vet Intern Med. 1997;11(1):14–19. doi:10.1111/j.1939 1676.1997.tb00067.x
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Winkler JT, Bohling MW, Tillson DM, Wright JC, Ballagas AJ. Portosystemic shunts: diagnosis, prognosis, and treatment of 64 cases (1993–2001). J Am Anim Hosp Assoc. 2003;39(2):169 185. doi:10.5326/0390169