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«… um nicht einen anderen morden zu müssen …»
In memoriam Otto Weininger, gestorben am 4. Oktober 1903
von Thomas Meyer
Otto Weininger war eine der interessantesten Gestalten der Wiener Jahrhundertwende. Am 3. April 1880 als Sohn eines jüdischen Goldschmieds geboren, wuchs der von einem starken Lebenshunger und Lernwillen beseelte Weininger in alle damaligen Zeitströmungen hinein, von der materialistischen Naturwissenschaft bis zur beginnenden Psychoanalyse. Wie Rudolf Steiners Wiener Freundin Rosa Mayreder oder August Strindberg und Laurence Oliphant rang er auf ganz eigene Weise mit der Geschlechterfrage. Er bildete in einseitig materialistischer, das heißt allein den physischen Leib berück- sichtigender Form eine Theorie der Bisexualität aus: In jedem Menschen sind die Elemente M (Männliches) und W (Weibliches) in verschiedenartiger Form gemischt.