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Der Chilkoot Trail
Auf der Goldgräberroute von 1897/98 über den Chilkoot Pass
Der Chilkoot Trail ist die legendäre Route welche die Abenteurer während des Goldrausches im Winter 1897/98 unter die Füsse nahmen, um ins Quellebiet des Yukon River und dann weiter zu den Goldfeldern des Klondike zu gelangen.

Legende zur Karte
WPYR = White Pass & Yukon Route (Eisenbahn)
© Text und Fotos: Andreas Zimmermann
Das Profil des Chilkoot Trail
Am 17. August 1896 entdeckte Georg Washington Carmack und die Brüder seiner indianischen Ehefrau, Skookum Jim und Tagish Charlie am Bonanza Creek, einem Zufluss zum Klondike River, Gold. Damit haben sie den Klondike Goldrush ausgelöst. Aus den Westküstenstädten wie San Francisco oder Seattle brachen daraufhin tausende von Glückrittern auf Richtung Norden. Im Juli 1897 trafen die ersten Boote in Skagway ein und bis in den den Oktober wuchs die Bevölkerung auf etwa 20000 Personen an. Von dort gings im Winter über den Chilkoot Pass bis an den Lake Bennett oder Lake Lindeman. Es war allerdings nicht damit getan die Strecke einmal zu bewältigen. Auf der Passhöhe war die North West Mounted Police stationiert, und erst wer seine vorgeschriebe Tonne Material beisammen hatte, durfte die Grenze passieren. Im Quellgebiet des Yukon River angelangt wurde der Wald abgeholzt um mit dem Holz Boote und Flosse zu zimmern. Mit dem Aufbrechen des Eises im Frühling ging die Reise weiter auf dem Wasserweg bis nach Dawson City. Dort angekommen stellten sie fest, dass praktisch alle Claims bereits vergeben waren. Viele kehrten daraufhin völlig verarmt zurück oder verdingten sich als Lohngräber.
Literatur zum Einstimmen
Jack London: Lockruf des Goldes
Vorgeschichte
Es war einmal vor langer langer Zeit. Ich ging noch nicht zur Schule. Es gab weder Computer noch Smartphones. Das Telefon war ein schwarzer Klotz an der Wand, hatte eine Wählscheibe und war so massiv gebaut dass es wohl einen Atomkrieg überstanden hätte ohne Schaden zu nehmen. Wir Kinder hatten kein Zimmer voller Spielsachen. Uns war trotztdem nie langweilig. Wir wussten uns zu beschäftigen. Wir gingen einfach raus und kamen irgendwann wieder nach Hause, wenn uns der Hunger plagte. Den Fernseher kannten wir schon. Es liessen sich drei Sender einstellen, wobei auf zweien davon eine Sprache gesprochen wurde die ich nicht verstand. Farbe kannte unser Fernseher auch noch nicht, alles war in schwarzweiss. Wir durften auch nur sehr selektiv fernsehen, eine halbe Stunde Kinderprogramm um 17.00 Uhr, was aber nur bei schlechtem Wetter interessant war. Ja und noch etwas durften wir schauen: die Übertragung der Mondlandung und in den folgenden Jahren sämtliche weiteren Sendungen des schweizer Raumfahrtexperten Bruno Stanek. Es ist also wirklich lange her.
In diese Zeit fiel auch eine Dokumentation über den Goldrausch, oder besser gesagt ein Portrait über Dawson City, oder über das, was damals noch davon übrig war, bevor alles restauriert wurde. Captain Dick Stevenson, ein kauziges Original aus Dawson hatte einen kurzen Auftritt in der Sendung und er blieb in meiner Erinnerung haften. Da konnte ich noch nicht wissen, dass ich ihn viele Jahre später einmal persönlich treffen würde, aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall durch diese Fernsehsendung hat es mich gepackt. Lockruf des Goldes von Jack London habe ich daraufhin verschlungen und für mich war es damals ganz klar: Ich will Goldgräber, Trapper und Abenteurer werden.
Viel Zeit ist unterdessen verstrichen. Im Verlauf der Jahre hat es mich immer wieder nach Kanada und Alaska gezogen. Dabei habe ich den Chilkoot Trail zweieinhalb Mal bezwungen. Das halbe Mal war im Jahr 1993. Bevor wir nämlich den Yukon in seiner Ganzen Länge befahren wollten, wollten wir es den alten Glücksrittern gleich tun und zu Fuss über den Chilkoot Pass ins kanadische Yukongebiet einreisen. Allerdings war es erst Mitte Mai, so dass wir es zwar bis auf die Passhöhe schafften, wegen der enormen Schneemassen jedoch den Rückweg antreten mussten.
The Golden Stairs 1897/98
Diese zwei Fotos sind von Eric A. Hegg (1867-1948). Durch seine Bilder wurde der Klondike Goldrush weltbekannt.
21. Mai 1993
Dieses Erlebnis im Schnee hat mir sehr plastisch vor Augen geführt was die Goldsucher vor über hundert Jahren auf sich genommen haben. Mit der Ausrüstung der damaligen Zeit war das ein Unterfangen von unglaublicher Härte.
Anreise nach Skagway
Die meisten Reisenden fliegen entweder nach Anchorage in Alaska oder direkt nach Whitehorse in Kanada. Mit Bus oder Mietwagen ist Skagway einfach zu erreichen. Wenn man mit dem Mietwagen unterwegs ist, so muss man bedenken, dass dieser während der Wanderung in Skagway oder Carcross parkiert und nicht mehr benötigt wird, obwohl man dafür bezahlt hat.
Eine sehr attraktive Variante ist die Anreise über den Seeweg, wie es die Goldsucher taten. Das heisst Flug nach Seattle, dann Transfer nach Bellingham und weiter mit der Fähre (Alaska Marine Highway) durch die Inside Passage bis nach Skagway. Die Fahrt mit der Fähre dauert rund 60 Stunden.
Skagway
Aber fangen wir doch nochmals von vorne an. Mit dem Ende des Goldrausches kam auch für Skagway der Niedergang. Erst die Anbindung ans Strassennetz mit dem Klondike Highway ins kanadische Yukon Territory und die Gründung des Klondike Goldrush National Historical Park bringt den wirtschaftlichen Aufschwung. Heute zählt Skagway wieder gegen 800 Einwohner. Auch immer mehr Kreuzfahrtschiffe legen in Skagway an. Durch den ansteigenden Tourismus konnte 1988 auch die Eisenbahn, die White Pass & Yukon Route, auf der Teilstrecke bis auf den White Pass wieder eröffnet werden. Früher führte die Strecke weiter über Carcross bis nach Whitehorse. Seit 2007 verkehrt die Bahn nun auch auf der erweiterten Strecke über Bennett bis nach Carcross. Dies gibt nun den Trekkern des Chilkoot Trails die Möglichkeit von Bennett aus mit der Bahn entweder zurück nach Skagway oder aber nach Carcross zu fahren. Eine Reservierung vorab ist aber unerlässlich, da die Platzzahl beschränkt ist. Ausserdem fährt die Bahn auf diesen Strecken nicht täglich.
Broadway in Skagway
Organisatorisches
Permits (Bewilligungen)
Jeweils zwischen dem 1. Juni und dem 5. September wird eine kostenpflichtige Bewilligung benötigt um den Chilkoot Trail zu laufen. Für alle übrigen Daten reicht eine Registrierung im Parkhauptquartier (Ecke 2nd & Broadway). Die tägliche Anzahl Wanderer, welche über den Pass nach Kanada einreisen darf ist auf fünfzig Personen pro Tag beschränkt. Diese Zahl schliesst auch kommerzielle Reisegruppen ein, von denen pro Tag eine einzige zugelassen wird. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite des Klondike Goldrush National Historical Park.
Zum Trailhead in Dyea
Der Trailhead in Dyea (siehe Pkt. 2 auf der Karte) liegt rund 16 Kilometer von Skagway entfernt. Zu Fuss bedeutet dies eine zusätzliche Tagesetappe. Allerdings wandert man da auf der Dyea Road, einer Schotterpiste, was nicht sehr attraktiv ist. Besser also, man leistet sich den Shuttlebus oder ein Taxi.
Rückreise von Bennett
Die White Pass & Yukon Route Eisenbahn bietet einen komfortablen Chilkoot Trail Hiker Service an. Auf Vorbestellung ist sogar eine warme Mahlzeit in Bennett erhältlich. Plätze unbedingt vor dem Start reservieren!
Eine sehr attraktive aber kostspielige Angelegenheit, ist es, sich mit dem Wasserflugzeug ausfliegen zu lassen.
ACHTUNG: Für Leute, welche den Trail noch von früher kennen. Damals gab es die Möglichkeit kurz nach Bare Loone Lake (Pkt. 11 auf der Karte) einen Cut-Off Trail bis zu den Gleisen der Bahn zu nehmen und diesen dann bis nach Log Cabin (Pkt. 15 auf der Karte) zu folgen. Von dort kam man dann per Anhalter weiter oder hat einen Shuttlebus vorbestellt. Seit Dezember 2010 besteht diese Möglichkeit nicht mehr! Dieser Trail ist gesperrt und eine Brücke über einen gefährlichen Fluss wurde entfernt. Grund: Seit die Bahn diese Strecke wieder regelmässig befährt ist es aus Sicherheitsgründen verboten auf und entlang der Gleise zu laufen.
Die Vorbereitung
Ich habe zwei Wochen mit verschiedenen Wanderungen im Kluane Nationalpark in Kanada verbracht und bin nun mit meinem Mietwagen über Whitehorse und Carcross nach Skagway gefahren. Die historischen Orte aus der Goldrauschzeit ziehen mich immer wieder in ihren Bann uns so lande ich früher oder später garantiert wieder in Skagway. Ich sitze also im Red Onion Saloon und trinke gemütlich ein Bier als ich vor dem Fenster einige vollbepackte Hiker (Wanderer) vorbeiziehen sehe. Die machen sich auf den Weg zum Trailhead des Chilkoot Trail denke ich. Ja, das wäre toll, den Chilkoot Trail auch wieder mal zu laufen. Ich kann nicht mehr ruhig sitzen und so mache mich auf ins Parkhauptquartier. Ich kann mich ja zumindest erkundigen, ob so spontan überhaupt noch eine Bewilligung erhältlich wäre. Ich habe tatsächlich Glück und kann gleich am nächsten Tag starten. Ich plane vier Etappen, was auch perfekt mit dem Fahrplan der Eisenbahn zusammenpasst. Ich habe den Trail auch schon in drei Tagen bewältigt. Im Fall von schlechtem Wetter (Nebel/Sturm) in der Gipfelregion habe ich so auch gleich einen möglichen Reservetag eingebaut. Viel Zeit für Vorbereitungen habe ich nicht mehr, aber ich habe ja noch vom Appalachian Trail her mehr als genug Erfahrung im Rucksack packen.
Packliste
- Rucksack
- Leichtes Zelt
Die Schutzhütten sind Notunterkünfte, z. B. bei Sturm. Sie sind nicht fürs Übernachten vorgesehen.
- Schlafsack
- Thermarest-Matte
- Bekleidung für alle Wetterlagen (Regen, Wind, Schnee) am Besten nach dem Zwiebelprinzip, Mütze und Handschuhe nicht vergessen!
- Benzinkocher, Pfanne, Taschenmesser, Besteck
- genug Lebensmittel für die geplante Anzahl Tage + 1 Tag. Wegen der Bären möglichst KEINE stark riechenden Lebensmittel wie z. B. Speck mitnehmen. Die Lebensmittel sollten in einem wasserfesten Sack verstaut sein.
- Wasserflasche und Wasserfilter oder ein chemisches Mittel zur Wasserentkeimung
- Ca. 10m dünnes Seil um den Lebensmittelsack bärensicher aufzuhängen.
- Persönliche Hygieneartikel (Zahnbürste, Zahnpasta, Toilettenpapier, Medikamente, Sonnenschutz usw.)
Auch diese Artikel gehören nicht ins Zelt sondern müssen bärensicher gelagert werden.
- Erste Hilfe Kit
- Karte: Chilkoot / Klondike Gold Rush (National Geographic Maps)
- Kompass
- Wanderstöcke sind kein muss, aber sehr nützlich
- Kamera mit Ersatzakku
- Reisepass, Permit
- Bärenglocke, ev. Bärenspray
Nach dem Appalachian Trail habe ich begonnen mich mit Ultraleicht Trekking zu befassen und bin auf das 343-Prinzip gestossen. 343 bedeutet "three for three", das heisst, dass die drei Grossen zusammen nicht mehr als drei Kilogramm wiegen sollten. Die drei Grossen sind Rucksack, Zelt und alles zum Schlafen. Darauf lässt sich dann aufbauen.
Hier noch ein Buchtipp zum Ultraleicht-Wandern: Trekking ultraleicht
Gleich am Morgen früh als das Parkhauptquartier öffnet bin ich dort um mich offiziell abzumelden. Bevor es aber losgehen kann muss ich mich noch der Bärenschulung unterziehen. Dies ist nämlich Bärengebiet und Begegnungen sowohl mit Schwarzbären wie auch mit Braun- oder Grizzlybären sind hier möglich. Unfälle sind sehr selten und meist auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Das Schulungsvideo dauert rund 20 Minuten und macht einen mit den wichtigsten Verhaltensweisen vertraut. Auch wenn ich schon einige Erfahrungen mit Bären gemacht habe und schon einige Schulungen hinter mir habe ist es doch gut mein Wissen einmal mehr ein wenig aufzufrischen. Bisher sind alle meine Bärenbegegnungen problemlos verlaufen. Doch rasch kann aus Gewohnheit und einem falschen Sicherheitsgefühl Nachlässigkeit entstehen, was fatale Folgen haben kann. Vor Bären muss niemand Angst haben, aber es braucht das richtige Verhalten und den nötigen Respekt. Weitere Infos finden Sie in den Bear Facts (englisch).
Auf zum Trailhead des Chilkoot Trail
Gegen 10 Uhr bin ich bereit und fahre mit dem Taxi Richtung Dyea. Die Fahrt geht zuerst ein wenig in die Höhe und gibt ab und zu schöne Ausblicke über Skagway frei. Danach folgt die Strasse der Küste des Taiya Inlet. Ich halte Ausschau nach den majestätischen Weiskopfseeadlern, welche hier oft anzutreffen sind. Stattdessen endecke ich in der Bucht einen Seeotter, welcher auf dem Rücken schwimmend auf seinem Bauch mit Hilfe eines Steines eine Muschel aufklopft.
Hiker ohne Taxi
Mein Taxifahrer betätigt sich gleich noch als Reiseführer und macht einen kurzen Abstecher zum berühmten Friedhof von Dyea. Dort liegen all diejenigen begraben, welche am Palmsonntag, dem 3. April 1898, bei einem Lawinenniedergang ums Leben gekommen sind. Die Zahlen der Opfer widersprechen sich. Je nach Quelle variiert die Zahl zwischen 65 und 100.
Tag 1: Dyea - Sheep Camp
Um 11.30 Uhr bin ich endlich marschbereit. Da ich im Moment alleine unterwegs bin montiere ich zur Sicherheit meine Bärenglocke an meinem Rucksack. Dies stört zwar die Stille der Natur, doch im Dickicht dieses Regenwaldes auf einen Bären zu treffen wäre wohl um einiges unangenehmer. Ich könnte natürlich auch singen. Dies ist jedoch nicht mein Ding, obwohl mein Gesang wohl jeden Bären vertreiben würde. Einem Bären hier auszuweichen wäre praktisch unmöglich. Schon einige Male konnte ich beobachten, mit welcher Leichtigkeit und Geschwindigkeit sich Bären und Elche in einem Gelände bewegen können, welches für uns Menschen undurchdringbar scheint.
Elchkuh im Regenwald
Es nieselt leicht als ich starte, aber dies ist ja fast der Normalfall in dieser Gegend. Mit den Westwinden schlägt sich die ganze Feuchtigkeit am Küstengebirge nieder, was einen urigen, üppigen Regenwald gedeihen lässt. Das Gebirge wirkt wie eine Klimascheide. Die kanadische Seite ist dann eher trocken und mit schönerem Wetter gesegnet. Dort werden wir später den borealen Nadelwald oder die Taiga antreffen. Gleich zu Beginn ist eine ruppige Steigung zu bewältigen. Danach fällt der Weg wieder bis zum Taiya River ab und folgt diesem bis Pleasent Camp. Im Winter 1897/98 wurde der zugefrorene Fluss als Transportweg genutzt.
Schutzhütte Finnegan's Point
Bei Canyon City lohnt sich ein Abstecher auf die andere Seite des Flusses zum originalen Standort dieses Camps. Es lässt sich dort einiges an Relikten aus der Goldrauschzeit entdecken. Imposant ist ein riesiger Dampfkessel, welcher zum Antrieb der Seilbahn diente, welche bis auf die Passhöhe führte. Wer über die nötigen Finanzen verfügte, konnte seine Tonne Material per Seilbahn auf den Chilkoot Pass schaffen lassen. Alle anderen waren auf ihre Muskelkraft angewiesen.
Canyon City
Von Canyon City bis Pleasent Camp ist nochmals eine Steigung zu bewältigen, welche es in sich hat. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mit den Distanzangaben etwas nicht ganz stimmen kann. Wahrscheinlich liegt es aber daran, dass der Weg nass und rutschig ist und ich oft sumpfigen Stellen ausweichen muss, was mein Marschtempo deutlich verlangsamt. Im Sommer bleibt es zum Glück lange hell, so dass das nicht weiter ein Problem ist. Gegen 20.00 Uhr erreiche mein Tagesziel das Sheep Camp, welches seinen Namen daher hat, dass früher von hier aus Dallschafe gejagd wurden. Das Sheep Camp ist recht gross angelegt, da die meisten Wanderer hier übernachten um am nächsten Tag den Pass zu bezwingen. Auf der Passhöhe gibt es keine Möglichkeit zu Übernachten, ausser der Nothütte. Man muss also zwingend bis nach Happy Camp laufen. Das Sheep Camp ist mit mehreren Schutzhütten ausgerüstet und fürs Campieren sind hölzerne Plattformen vorhanden.
Lebensmittel werden bärensicher aufgehängt!
2. Tag: Sheep Camp - Happy Camp
In der Nacht hatte ich einen kurzen Schreckmoment. Ich hörte merkwürdige Geräusche und plötzlich wurde mein Zelt durchgeschüttelt. Ich rührte mich nicht vom Fleck und wagte kaum noch zu atmen. Als sich die Geräusche entfernten öffnete ich leise den Reissverschluss vom Zelt und wagte einen Blick nach draussen. Im Schein des Mondes konnte ich die Silhouette einer Elchkuh mit ihrem Kalb erkennen. Eines der Beiden ist wohl über eine der Spannschnüre meines Zeltes gestolpert. Die Inspektion am Morgen zeigt, dass das Zelt glücklicherweise keinen Schaden genommen hat. Das Wetter der Nacht hat sich gehalten und so kann ich bei herrlichem Sonnenschein starten.
Motivierende Distanz- und Zeitangabe
Schon bald lasse ich die letzten kümmerlichen Bäume zurück. Ziemlich abrupt kommt der Wechsel in die hochalpine Zone obwohl ich noch keine 500 Höhenmeter erreicht habe. Die Vegetation und die Landschaft zeigt sich im selben Gewand wie bei uns in den Alpen auf 3000 Metern Höhe.
Kräftezehrender Aufstieg
Der Trail führt vorwiegend über Geröllfelder welche häufig auch mit riesigen Felsbrocken gespickt sind. In der Ferne kann ich tatsächlich ein paar Dallschafe beobachten und ab un zu schrecke ich ein Alpenschneehuhn (engl. Ptarmigan) auf, welches ich nicht gesehen habe. Diese Vogelart, welche zu den fasanenartigen gehört, ist in der tundrenzone der nördlichen Hemisphäre weit verbreitet. Die Ptarmigen sind sehr gut getarnt, so dass sie sich kaum von ihrer Umgebung abheben.
Auf einer kleinen Ebene im steilsten Stück des Aufstiegs befindet sich der Ort, welcher unter dem Namen "The Scales" in die Geschichte einging. Es ist der Ort, wo das ganze Gepäck der Goldsucher auf riesigen Waagen gewogen wurde, bevor sie die Erlaubnis erhielten nach Kanada einzureisen. In diesem Gebiet liegen noch massenhaft Ausrüstungsgegenstände herum, welche langsam vor sich hin rosten.
The Golden Stairs
Kurz darauf wird es noch steiler, der letzte Aufstieg steht bevor. Es sind die berühmten "Golden Stairs" mit ihren 45 Grad (100 Prozent) Steigung. Diese letzte Steigung im losen Geröll ist die reinste Tortur und ich wünschte mir die Schneefelder vom Frühjahr 1993 zurück. Im Schnee ging alles so einfach. Zum Teil kraxle ich auf allen Vieren hoch, um mit meinen schweren Rucksack nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
Geschafft!
Ich habe es geschafft. Bei schönstem Wetter erreiche ich die Passhöhe und kann die wohlverdiente Rast so richtig geniessen. Vor allem die Aussicht auf der kanadischen Seite über den Crater Lake ist spekakulär.
Crater Lake
Nun führt der Weg noch über einige Schneefelder steil runter zum Crater Lake. Es ist steil genug, um es rutschen zu lassen, was riesigen Spass macht. Weiter geht es dem See entlang bis zum nächsten Abstieg, welcher mich dann zum Happy Camp führt. Von der Passhöhe bis zum Happy Camp sind es nur gerade 7 Kilometer, doch das Gelände mit viel Geröll macht das Laufen nicht gerade einfach, zumal schon der strenge Aufstieg in meinen Beinen steckt. Im Camp angekommen, weiss ich dass es seinen Namen zu recht trägt. Ich bin glücklich mein Tagesziel erreicht zu haben.
Happy Camp
3. und 4. Tag: Happy Camp - Bare Loon Lake - Bennett
Es sind nur noch 20 Kilometer bis Bennett und ich habe ganze zwei Tage Zeit dafür. Mein Zug fährt um 14.10 Uhr. Ich werde heute also die 13,7 Kilometer bis Bare Loon Lake wandern, dann ist es am letzten Tag nur noch ein kurzes Stück bis nach Bennett. Vom Happy Camp aus gibt es erst noch einen kurzen ruppigen Aufstieg. Danach geht es nur noch runter, vorbei am Deep Lake bis nach Lindeman City.
Deep Lake
Langsam wird es wieder grün. Erste Bäume finden wieder ein Klima, wo sie gedeihen können. Die übrige Vegetation besteht häufig aus Heidelbeeren und Wachholder. Am Deep Lake hatte ich das Glück einige Schneehüner und Erdhörnchen (Groundsquirrel) beobachten zu können.
Ptarmigan und Groundsquirrel
In Lindeman City sind schon einige Wanderer vor mir eingetroffen. Der Ranger, welcher hier stationiert ist informiert alle, dass in der Gegend Bären gesichtet wurden. Wer noch weiter laufen will, soll das nicht mehr alleine tun, sondern bitte in der Gruppe. Das gilt dann auch Morgen für das letzte Stück nach Bennett.
Bär? Wo?
Ich bin froh, dass alle Plätze am Trail, welche das Campieren erlauben mit Einrichtungen versehen sind um seine Lebensmittel bärensicher zu verstauen. Dies sind zum Beispiel die Gestänge um die Lebensmittelsäcke auzuhängen oder noch viel komfortabler massive Stahlcontainer. Ich habe mir einmal ein Survival-Handbuch
gekauft, wo sehr genau beschrieben wird, wie man seine Lebensmittel fachgerecht zwischen zwei Bäumen aufhängt. Wie das aber in der Taiga mit ihren mickrigen Bäumchen vonstatten gehen soll bleibt mir ein Rätsel.
Das Stück nach Bare Loon Lake bringen wir ohne Bärenbegegnung hinter uns uns so auch die letze Strecke nach Bennett.
Bahnhof von Bennett
Die Rucksäcke werden verladen
Während wir unser Gepäck verladen kommen wir doch noch in den Genuss einer Begegnung mit einem Bären. Gemütlich trottet ein Schwarzbär den Gleisen entlang Richtung Bahnhof.
Bär!
Es ist Zeit Abschied zu nehmen vom Chilkoot Trail. Die Dampflokomotive lässt ihr Horn erklingen und setzt sich langsam in Bewegung. Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal.
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