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<h2>SubmittedText<h2><p>Die Schweiz schickt auf Anfrage der "Fédération suisse de déminage" einen Festungswächter als Minenexperten nach Afghanistan. Laut Shafiqullah Seddiqi, Regionalkoordinator des "Mine Action Center" in Mazar-e-Sharif, benötigt Afghanistan im Kampf gegen Minen jedoch weder ausländische Experten noch Geld.</p><p>Südwestlich von Mazar-e-Sharif, etwa eine Autostunde vom Stadtzentrum entfernt, bereiten afghanische Spezialisten tagtäglich die fachmännische Entsorgung von Blindgängern, Munitionsresten und Minen vor. Seit mehr als zehn Jahren wird das Land - Afghanistan ist in fünf Minenregionen aufgeteilt - mit Anti-Minenprogrammen minutiös durchforstet. Und die Experten von Hasard-Life-Organisation (HALO-Trust) geben der lokalen Bevölkerung nach gewalteter Arbeit Garantie, dass ihre Felder gefahrlos betreten werden können.</p><p>Der Schweizer Minenexperte soll laut Auskunft von Herrn Martin Hasler, zuständige Stelle im Generalstab für humanitäre Minenräumung, als Supervisor eingesetzt werden und für die Einhaltung von Sicherheit und internationalen Standards sorgen. Ein Augenschein im Felde in Mazar-e-Sharif hat aber bewiesen, dass die einheimischen Minenexperten mit sehr hohem Sicherheitsbewusstsein vorgehen. Sie haben heute schon einen sehr hohen Wissensstand. Laut Seddiqi habe man nach dem Ende der Kampfhandlungen sofort amerikanische Experten beigezogen, um den Umgang mit neuen Blindgängern und Minen zu erlernen. Schwerpunkt sei dabei die Schulung bei der Entschärfung von nicht explodierten Objekten, speziell von Munitionsteilen aus Kanisterbomben, gewesen, welche relativ leicht zu lokalisieren seien. Die USA-Streitkräfte wüssten genau, in welchen Gebieten solche Waffen eingesetzt worden seien, und zeigten sich bei der Entschärfung und Entsorgung sehr kooperativ.</p><p>Was soll also dieser Festungswächter in Afghanistan, und mit welchen Kosten ist zu rechnen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Afghanistan gehört zu den am stärksten mit Minen und Blindgängern verseuchten Gegenden der Welt. Das Land besass schon vor den Ereignissen vom 11. September 2001 eines der weltweit grössten Minenräumprogramme. Durch die Ereignisse im vergangenen Herbst wurde das Programm zeitweise unterbrochen, Material wurde zerstört oder geplündert, und ein Teil des Personals wurde vertrieben. Neben der Minenräumung im Hinblick auf die Rückkehr der Flüchtlinge und den Wiederaufbau des Landes geht es im Moment noch vor allem darum, Entminungsarbeiten im Sinne der Nothilfe zu leisten (z. B. im Zusammenhang mit Hilfslieferungen).</p><p>Schon seit dem vierten Quartal 2001 läuft unter der Leitung der Uno der (Wieder-)Aufbau des Minenräumprogrammes in Afghanistan. Es geht darum, die rund 4500 im Bereich der humanitären Minenräumung tätigen Afghanen wieder auszurüsten, zusätzlich auszubilden und effizient einzusetzen. Die "Fédération suisse de déminage" ist eines von 15 NGO, die in diesem Bereich in Afghanistan tätig sind. Zudem ist die "Fédération suisse de déminage" auch durch das Uno-Welternährungsprogramm (WFP) beauftragt worden, im Sinne der Nothilfe die vom WFP benützten Verkehrswege und Infrastrukturen von Minen und Blindgängern zu befreien.</p><p>Das VBS ist bereits im vergangenen Monat (Februar 2002) einer Anfrage der Uno um Lieferung von spezialisiertem Material zur berührungsfreien Zerstörung von Minen und Blindgängern nachgekommen. Diese Materiallieferung im Wert von rund 25 000 Schweizerfranken erfolgte via die "Fédération suisse de déminage", kommt aber allen unter dem Uno-Schirm arbeitenden Minenräumorganisationen zugute.</p><p>Der seit dem 8. März 2002 für die "Fédération suisse de déminage" in Afghanistan tätige Angehörige des Festungswachtkorps wird konkret in diesen erwähnten Bereichen tätig sein:</p><p>- Räumprogramm zugunsten des WFP;</p><p>- Training in der Anwendung des durch das VBS gelieferten Materials;</p><p>- Zusatzausbildung zugunsten einheimischer Minenräumteams, Wiederaufbau der lokalen Minenräumkapazitäten.</p><p>Dieser für vorläufig drei Monate geplante Einsatz folgt also dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Er ergänzt die Arbeit der lokalen Minenräumer, stellt aber in keiner Weise eine Duplizierung lokal bereits vorhandener Ressourcen dar.</p><p>Zu den Kosten: Bei dem in Afghanistan zum Einsatz gelangenden Angehörigen des Festungswachtkorps handelt es sich um einen Kampfmittelbeseitigungsspezialisten der Armee. Neben der ordentlichen Entlöhnung schlägt ein Mannjahr Auslandeinsatz im Bereich der humanitären Minenräumung erfahrungsgemäss mit Zusatzkosten (Taggelder, Versicherungen, Transport usw.) von rund 50 000 Schweizerfranken zu Buche. Der Einsatz in Afghanistan verursacht so, wie er momentan geplant ist, also Zusatzkosten von unter 15 000 Schweizerfranken.</p><p>Die Einschätzung des im Artikel der "Aargauer Zeitung" zitierten afghanischen Minenräumexperten widerspricht deutlich der Beurteilung der Lage durch die involvierten internationalen Institutionen und Experten. Es ist sicher richtig, dass in Afghanistan die konkrete Minenräumung im Felde bereits jetzt über weite Strecken durch einheimische Arbeitskräfte erfolgen kann. Andererseits sind noch grosse Anstrengungen in den Bereichen Nothilfe, Ausbildung, Koordination und Ausrüstung nötig. Noch während längerer Zeit wird dabei Hilfe durch die internationale Staatengemeinschaft nötig sein.</p>