Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/3360

Erkrankung des tiefen Venensystems
Die chronische venöse Insuffizienz ist Folge eines chronischen Überdrucks im oberflächlichen und/oder tiefen Venensystem. Ursachen sind undichte Venenklappen der oberflächlichen Venen bei langjährigen Krampfadern oder Zerstörung der Venenklappen nach durchgemachter tiefer Beinvenenthrombose. Der chronische Überdruck führt zu Schwellungen und zu Hautveränderungen an den Unterschenkeln. Im Endstadium drohen offene Beine (Ulcus Cruris). Diese sich meist an der Innenseite des Unterschenkels befindlichen nässenden und meist infizierten Wunden heilen über längere Zeit nicht ab, da das Gewebe nicht mehr fähig ist, sich selber zu regenerieren.
Diagnose
Die chronische venöse Insuffizienz mit Hautveränderungen erfordert eine fachärztliche Beurteilung mit Ultraschall (farbkodierte Duplexsonographie). Gelegentlich kommen CT- (MR-) Phlebographien, selten konventionelle Phlebographien zur Anwendung.
Da es viele andere mögliche Ursachen eines Ulcus cruris gibt, sind nicht selten weitere Abklärungen notwendig: Zum einen erfolgen Abklärungen zur Beurteilung der arteriellen Beindurchblutung, zum anderen werden auch andere Grunderkrankungen wie z.B. Diabetes oder Infektionen ausgeschlossen. Gelegentlich ist das Ulcus cruris Folge mehrerer Grunderkrankungen. Um ein Ulcus cruris optimal behandeln zu können, müssen daher zuerst die Ursachen bekannt sein.
Therapie
Die Therapie einer chronischen venösen Insuffizienz richtet sich nach der Ursache. Bei einer chronischen venösen Insuffizienz als Folge einer langjährigen Varikose (Krampfadern), erfolgt in der Regel eine Operation der Krampfadern. Gelegentlich eignen sich chemische und thermische Verfahren. In einigen Fällen kommen Kompressionsstrümpfe allein zum Einsatz.
Helfen bei einem Ulcus cruris konservative moderne Wundbehandlungen nicht, bedarf es einer chirurgischen Säuberung der Wunde. Dabei werden Teile des Bindegewebes entfernt (Faszien-Chirurgie). Anschliessend wird die Wunde mit einer Hauttransplantation verschlossen. Zusätzlich kommen je nach Ursache des Ulcus die jeweiligen Behandlungsmethoden zur Anwendung. Um beispielsweise die Blutversorgung des Unterschenkels zu verbessern, kann eine Katheterintervention mit Ballon oder eine Bypassoperation erforderlich sein.
Die komplexe Therapie eines offenen Beines bedarf einer fein abgestimmten interdisziplinären Behandlung und Betreuung.
Bei einer tiefen Becken- und Beinvenen-Thrombose bilden sich Blutgerinnsel im tiefen Venensystem, die sich über Knie-, Oberschenkel- und Beckenvenen erstrecken. Verschiedene erworbene oder angeborene Faktoren können das Risiko einer Thrombose oder Lungenembolie erhöhen.
Diagnose
Die klinischen Zeichen einer Thrombose oder Lungenembolie sind nicht immer typisch ausgeprägt. Die Diagnose erfolgt auf zwei Ebenen: Eine klinische Untersuchung umfasst Schwellung der Beine, Schmerzen und Blauverfärbung. Bei einem klinischen Verdacht wird in der Folge laborchemisch die Erhöhung der Blutabbauprodukte getestet. Der Hausarzt bestimmt die Fibrinspaltprodukte (sogenannte D-Dimere), die entstehen, wenn der Körper versucht ein Blutgerinnsel aufzulösen. Fällt der Test positiv aus, sollte mit Ultraschall eine Thrombose gesucht werden. Die Ultraschalluntersuchung sollte am gleichen oder nächsten Tag bei einem erfahrenen Untersucher erfolgen.
Therapie
Bei Bein-Becken-Venenthrombosen gibt es prinzipiell zwei therapeutische Ansatzpunkte: die konservative Therapie und die lumeneröffnende Therapie.
Bei der konservativen Therapie werden Blutverdünner kombiniert mit Kompressionsstrümpfen eingesetzt.
Bei der lumeneröffnenden Therapie gibt es die Lysetherapie (Medikament, das den Thrombus auflöst) und die chirurgische Thrombenentfernung. Modernster Ansatz ist die Kombination beider Methoden.
Mittelpunktartikel 2/2014:
Bein-Becken-Venenthrombose: Behandlungskonzepte in der akuten und chronischen Phase