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Anfang Juli ist die Gewalt in Cajamarca eskaliert. Innerhalb von drei Tagen gab es fünf Todesopfer - ermordet durch die Kugeln der Polizei. Weitere Personen wurden teils schwer verletzt, misshandelt oder willkürlich verhaftet. Am 7. Juli hat der Peruanische Präsident Ollanta Humala den Notstand über die Provinzen Cajamarca, Celendín und Hualgayoc ausgerufen. Die Stadt wurde vom Militär besetzt, Busse fahren hier nicht mehr, die Läden bleiben seit Wochen geschlossen. Das bedeutet, dass in diesen Regionen die Bürgerrechte ausgesetzt sind und Militär sowie Polizei die Macht übernehmen. Das Internationale Rote Kreuz hat eine Beobachtermission nach Cajamarca entsandt.
Der Generalstreik richtet sich insbesondere gegen die geplante Erweiterung der Mine Yanacocha. Durch das Erweiterungsprojekt Conga würden zwei Seen, welche Cajamarca und Umgebung mit Trinkwasser versorgen, verschwinden. Die Verwendung von hochgiftigen Subsanzen im Goldabbau steigern das Risiko von Wasser- und Bodenverschmutzung. „Die Menschen in Cajamarca leben zum grössten Teil von der Landwirtschaft. Durch die Verschmutzung des Wassers wird ihnen also die Lebensgrundlage entzogen“, erklärt Eva Schmassmann, GfbV-Expertin für das Thema Bergbau. Die Streikenden sprechen sich für ein Moratorium für weitere Bergbauprojekte aus, welche sich negativ auf natürliche Wasserquellen auswirken.
Im Jahr 2011 war Yanacocha der fünftgrösste Exporteur Perus mit einem Exportvolumen von 2.1 Milliarden US-Dollar, wovon Güter – in erster Linie Gold – im Wert von 1.4 Milliarden US-Dollar in die Schweiz exportiert wurden. Somit wird mehr als die Hälfte des in Yanacocha geförderten Goldes in einer der in der Schweiz ansässigen Goldraffinerien weiterverarbeitet. „Genaue Zahlen sind schwer zu finden, da der Goldhandel in der Schweiz nicht offengelegt werden muss. Die Konsumentinnen und Konsumenten sind sich nicht bewusst, dass das Gold in Schmuck oder Uhren aus Minen mit menschenrechtlich bedenklichen Abbaumethoden stammt“, so Schmassmann.
Der aktuelle Präsident Ollanta Humala wurde überwiegend von den ärmsten Teilen der ländlichen Bevölkerung gewählt – weil er ihnen im Wahlkampf versprach, sich für ihre Rechte und den Erhalt der Umwelt einzusetzen. Humala kündigte an, Bergbau nicht mehr um jeden Preis durchsetzen zu wollen, sondern versprach der Bevölkerung ein Mitspracherecht bei solchen Mega-Projekten. Im November stellte er noch fest: „Die Minenindustrie hat ihre soziale Rolle in den Gemeinden nicht erfüllt. Dieser Missbrauch schafft Misstrauen". Doch seit Beginn von Humalas Amtszeit im Juli 2011 ist die Zahl der sozialen Konflikte im ganzen Land auf 247 gestiegen. Die Anzahl Todesopfer, die auf Auseinandersetzungen zwischen Bergbaukritikern und der Regierung Humalas zurückgehen, belaufen sich bereits auf 17. Mit seiner repressiven Politik im Fall Conga verstärkt Humala das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Bergbauunternehmen und Regierung. Die GfbV fordert die peruanische Regierung auf, die Kriminalisierung der Protestierenden zu beenden, die Bürgerrechte wieder einzusetzen, und die Todesfälle durch eine unabhängige Untersuchung aufzuklären.Gemeinsame Medienmitteilung der GfbV, Multiwatch und der Solidaritätsgruppe Schweiz-Peru