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Ringier Axel Springer Schweiz begründet die Einstellung der Wochenzeitschrift "L'Hebdo" mit konstant rückläufigen Anzeigen- und Verkaufserlösen bei gleichzeitig schlechten wirtschaftlichen Perspektiven. Das 1981 gegründete Nachrichtenmagazin "L'Hebdo" werde am 2. Februar zum letzten Mal erscheinen.
L'Hebdo war die meistgelesene Zeitschrift der Westschweiz. Die Auflage und die Leserzahlen erodierten jedoch seit mehreren Jahren unaufhaltsam. Laut den WEMF-Zahlen erzielte das Magazin 2016 noch eine Auflage von 33'706 verkauften Exemplaren und eine Reichweite von 156'000 Leserinnen und Lesern, verglichen mit 36'935 verkauften Exemplaren und einer Reichweite von 172'000 Leserinnen und Lesern im Vorjahr.
WERBEMARKT EINGEBROCHEN
"Wir reagieren mit diesem Entscheid auf die konstant defizitäre wirtschaftliche Situation von "L'Hebdo" sowie den Umbruch im Werbemarkt", wird Ralph Büchi, Verwaltungsratsdelegierter Ringier Axel Springer Schweiz in der Mitteilung zitiert. Laut Büchi weist L'Hebdo seit 2002 ein negatives operatives Ergebnis (EBITDA) aus und hat allein in den letzten vier Jahren mehr als die Hälfte des Werbemarktes eingebüsst.
Bedauerlicherweise sei es trotz konzeptioneller Überarbeitungen und organisatorischer Anpassungen in den letzten 15 Jahren nicht gelungen, das Magazin auf ein sicheres wirtschaftliches Fundament zu stellen. Die mit dem Entscheid verbundenen personellen Folgen seien leider unabwendbar.
Das Verlagshaus erachte es für die Zukunft seines Standortes in der Westschweiz aber als entscheiden, dass es seine Ressourcen in Geschäfte mit einer stabilen wirtschaftlichen Perspektive investiere.
Der Entscheid führt laut Mitteilung zu einem Stellenabbau im gemeinsam von "L'Hebdo" und der Tageszeitung "Le Temps" geführten Newsroom sowie im Verlag in Lausanne, von dem 37 Mitarbeitende betroffen sind. Es werde geprüft, wie weit ein Teil des Stellenabbaus über Frühpensionierungen und interne Aufgabenverschiebungen aufgefangen werden könnten.
Für die betroffenen Mitarbeitenden soll ein flankierender Massnahmenplan zur Anwendung kommen, der sich nach dem bestehenden Sozialplan von Ringier richtet. Das Konsultationsverfahren wurde umgehend eingeleitet.
INVESTITIONEN IN "LE TEMPS"
Die frei werdenden Mittel sollen in den Ausbau der Tageszeitung "Le Temps" investiert werden. Ringier hatte diese überregionale Westschweizer Tageszeitung im April 2014 vollständig übernommen, nachdem Tamedia ihren Anteil abgestossen hatte.
Im März 2015 war die Redaktion von "Le Temps" um zehn Redaktoren respektive 8,8 Vollzeitstellen verkleinert worden. Ringier Axel Springer Schweiz scheint aber nach wie vor an die Zeitung zu glauben. "Le Temps" sei aufgrund ihrer starken digitalen Präsenz und dem 2011 erfolgreich eingeführten Online-Abonnementmodell die führende Qualitäts-Tageszeitung der Westschweiz.
Unter anderem sollen Investitionen in neue Geschäfte von "Le Temps" wie das regionale Konferenzgeschäft verstärkt und die Dialogplattform "Forum der 100" weiter ausgebaut werden. Zusätzlich lanciert "Le Temps" am 18. Februar 2017 die neue Samstagsbeilage "T", die das Wochenend-Angebot für die Leserschaft und die Werbekunden erweitern soll.
Ringier Axel Springer beschäftigt aktuell in der Romandie 212 fest angestellte Mitarbeitende. Die Mitarbeitenden von L'illustré", "TV8", "Boléro" und "PME Magazine" sind laut der Mitteilung von der Einstellung von "L'Hebdo" nicht betroffen.
JOURNALISTENVERBAND KONSTERNIERT
Der Journalistenverband impressum zeigte sich konsterniert und wütend über die Einstellung des Westschweizer Wochenmagazins "L'Hebdo". Es sei eine Schande, dass ein so grosses Medienhaus wie Ringier Axel Springer 37 Personen auf die Strasse stelle.
Der Verband appelliert an die soziale Verantwortung des Unternehmens und verlangt, dass alle Alternativen geprüft würden, um Entlassungen zu verhindern. Ringier Axel Springer Schweiz müsse in einen Dialog treten mit der Politik und der Zivilgesellschaft, schreibt impressum in einer Mitteilung. Das Verschwinden von "L'Hebdo" stellt aus Sicht des Verbandes ein unermesslicher Verlust für die Vielfalt und Qualität der Medienlandschaft in der Romandie dar.
Die Waadtländer Regierung zeigte sich beunruhigt und traurig über den Entscheid und verlangte eine Zusammenkunft mit der Ringier-Konzernleitung, um Alternativen zu diskutieren.
(AWP)