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Der Nominalwert einer fällig gewordenen griechischen Staatsanleihe betrug 436 Millionen Euro. Die griechische Übergangsregierung zahlte die Anleihe Anfang Woche zu 100 Prozent zurück. Neunzig Prozent oder 392 Millionen Euro flossen an eine Investoren-Gesellschaft namens «Dart Management» mit Sitz im Steuerparadies Cayman Islands. Das berichtet die New York Times.
Diese Investoren hätten die Obligationen für 274 Millionen gekauft und streichen jetzt einen Gewinn von 118 Millionen Euro ein. «Dart Management» hat sich darauf kapriziert, leidende Staatsanleihen von fast bankrotten Staaten billig zu kaufen. Falls sie der Staat bei Fälligkeit nicht zu 100 Prozent zurück zahlt, betreibt «Dart Management» diesen Staat auf volle Rückzahlung. Entweder erklärt dann dieser Staat Zahlungsunfähigkeit mit allen Konsequenzen, oder er zahlt doch die ganze Summe zurück.
US-Steuerflüchtling auf den Cayman Islands
Mit solchen Klagedrohungen hat «Dart Management» gemäss New York Times in der Vergangenheit vor allem in Südamerika lukrative Geschäfte gemacht. Gründer von «Dart Management» ist der amerikanische Milliarden-Dollar-Erbe Kenneth Dart, der als US-Steuerflüchtling auf den Cayman Islands lebt.
In Griechenland versuchten und versuchen die EU-Länder, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds mit immer unheimlicheren Kreditpaketen zu verhindern, dass Griechenlands Gläubiger (anfangs vor allem Bank- und Versicherungskonzerne) ihre Guthaben ans Bein streichen müssen.
«Freiwilliger» Verzicht vieler Banken
Trotzdem mussten viele europäische Banken, die in griechische Staatsanleihen investiert hatten, auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen «freiwillig» verzichten, damit eine Hoffnung bleibt, wenigstens den Rest der Gelder zurück zu erhalten.
Unterdessen fehlt in Griechenland das Geld an allen Ecken und Enden. Arbeitslosigkeit und soziale Not verbreiten sich. Extremistische Parteien stossen mit ihren Parolen auf Gehör.
Trotzdem will die EU weiterhin verhindern, dass Griechenland die ausstehenden Staatsobligationen auf Kosten der Gläubiger – darunter unterdessen auch die Europäische Zentralbank – abschreiben und trotzdem den Euro behalten darf.
Hätte sich die griechische Regierung jetzt geweigert, der «Dart Management» die Anleihe vollumfänglich zurück zu zahlen, hätte eine Klage zur Zahlungsunfähigkeit geführt.
Munition für die EU-Gegner
Die Situation wird sich weiter zuspitzen: Nach Angaben der deutschen Fachzeitschrift «Finanz-Test» stehen noch griechische Anleihen in Höhe von rund sechs Milliarden Euro aus, deren Gläubiger ebenfalls keinen «freiwilligen« Abschreiber hingenommen haben.
Die volle Rückzahlung an «Dart Management» macht in Griechenland grosse Schlagzeilen und ist Wind auf die Mühlen auf die Linksparteien: «Das ist Munition für die EU-Gegner», meint Jason Manolopoulos, Investor und Autor eines Buches über die griechische Staatschulden.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine