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Brachialgie - Heilung durch Bindegewebsdehnung
Als Brachialgie bezeichnet man starke, häufig in einen oder beide Arme ausstrahlende Schmerzen, oft mit einem Taubheitsgefühl verbunden, manchmal auch mit Lähmungserscheinungen. Als Ursache wird oft angenommen, dass Teile des Faserknorpelrings und des Gallertkerns der Bandscheibe nach hinten in den Wirbelkanal eingebrochen sind und jetzt auf Rückenmark und/oder Nervenwurzeln drücken. Das ist aber wohl nur selten der Fall.
Eine geradezu sensationelle Beobachtung muss diese Sicht relativieren. Wenden wir die myofasziale Dehnung bei den betroffenen, einengenden Muskeln an, dann verschwindet ein Grossteil der Schmerzen schon bei der ersten Behandlung und Bewegungen sind wieder sofort möglich.
Wenn weit entfernt vom Geschehen die Ausstrahlungen schmerzen und lähmen, sind Nerven beteiligt. Diese ziehen, meist zusammen mit Gefässen, durch verspannte und verklebte Muskelstränge. Deren bindegewebige Fasern sind verbacken, können nicht mehr geschmeidig gegenseitig gleiten und quetschen Nerven und Gefässe ab. Die Versorgung ist eingeschränkt. Die oberflächlichen Schichten der Nerven sind zuerst betroffen (Schmerzen, Taubheit, Kribbeln), später auch die tieferen Schichten (Lähmung).
Die einzeln, aus den verschiedenen Halswirbeln austretenden Nerven, die sich dann zu einem einheitlichen Nervenstrang verbinden (n.brachialis), müssen auf dem Weg bis in die Fingerspitzen verschiedene Engpässe überwinden. Gleich am Anfang können verschobene Wirbel und eingeklemmte Gelenke die Nervenwurzeln abknicken. Häufiger sind in diesem Bereich die Muskelstränge und Faszienbänder verklebt und miteinander verbacken, sodass die Beweglichkeit des Halses und der Nervenstränge eingeengt wird. Ein paar Zentimeter weiter muss der nächste Canyon überwunden werden. Muskelstränge, die von den Rippen und von den Lungenspitzen ausgehen und wie Finger zum Kopf ziehen, übrigens Überbleibsel ehemaliger Kiemengänge, quetschen die Nerven jedesmal ein, wenn die Muskeln angespannt werden (mm. scaleni). Als nächstes kommt wieder ein knöchernde Hindernis. Irgendwie müssen jetzt Nerven und Gefässe zwischen dem Schlüsselbein und den Rippen in Richtung Arm abbiegen. Je fester der Schulterpanzer aus Schlüsselbein und Schulterblatt auf die Rippen drückt, um so enger wird es. Das ist eigentlich jedesmal der Fall, wenn wir die Schultern nach vorne fallen lassen. Gleich danach werden die Versorgungsstränge des Armes noch dichter gegen die Rippen gepresst. Der Weg führt unter die Ansatzstellen des kleinen Brustmuskels (m. pectoralis minor). Dieser setzt am Schulterblatt an, zieht bei Verspannung das Schulterblatt nach vorne und ist einer der Hauptverantwortlichen für Schulterschmerzen. Exzentrisch fixiert (plattgewalzt) schmerzt der hintere Teil der Schulter. Druck und Massage in diesem Bereich kann zu keiner Erlösung führen, solange die vorderen Brustmuskeln nicht entspannt werden. Im Armbereich können Faszienbänder und quer verlaufene Fesseln in Ellenbogen und Handgelenk den freien Nervenverlauf behindern.
Aus der Lage der Sensibilitätsstörungen oder der Schmerzen kann kein Rückschluss geschlossen werden auf den Ort der Barriere. So kann ein Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk manchmal beseitigt werden durch eine Lockerung der Treppenmuskeln (mm. scaleni). In sehr vielen Fällen finden wir eine regelrechte Kaskade, einen Stau an mehreren Stellen, die in ihrer Gesamtheit zu schwer behandelbaren Schmerzen führt.
Sobald das Muskel-Bindegewebe-System durch unsere Methode systematisch von oben nach unten entspannt wird, sobald der knöcherne Kürass des Schultergürtels von den Rippen abgehoben wird und besonders die erste Rippe vom Schlüsselbein wieder nach unten gedrückt wird, verschwinden die Symptome wie Nebel in der Morgensonne. Allerdings ist zu beachten, ohne die Behandlung der Gegenmuskulatur und Anwendung der Dehnübungen wird es keinen (dauerhaften) Erfolg geben.