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Wie oft sich jemand weiterbildet, hängt massgeblich davon ab, wie erfolgreich die Schul- und Ausbildungskarriere verlaufen ist: Es bilden sich insbesondere jene häufiger fort, die bereits höher qualifiziert sind. Während 2016 rund ein Drittel der 25- bis 64-jährigen Erwerbstätigen mit nur einem obligatorischen Schulabschluss an einer Weiterbildung teilgenommen haben, waren es bei jenen mit einer Berufslehre 60% und bei den Hochschulabgängern mehr als 80%.
Höherqualifizierte nehmen nicht nur öfter an Weiterbildungen teil, sondern investieren in der Regel auch mehr Zeit: Über die Hälfte der Teilnehmenden mit Hochschulabschluss bildeten sich innerhalb eines Jahres an mehr als 40 Stunden fort – bei jenen mit nur einem obligatorischen Schulabschluss waren es rund ein Drittel. So gesehen verkleinert Weiterbildung die Kluft zwischen schlechter und besser Gebildeten nicht, sondern verschärft die Unterschiede.
Gemäss dem Bildungsbericht der Schweiz hat eine Hochschulabgängerin bereits nach Abschluss der Ausbildung rund zweieinhalbmal mehr Stunden in Klassenzimmern und Hörsälen verbracht, wie jemand, der nur die obligatorische Schule besucht hat. Dieser Bildungsvorteil der Tertiärgebildeten steigt während des Erwerbslebens weiter: Am Ende der Berufskarriere hat die Hochschulabsolventin viermal so viel Zeit in Weiterbildung investiert wie jemand ohne nachobligatorische Bildung.
Grosse Mehrheit ist zufrieden mit der Weiterbildungssituation
Dennoch waren jene mit nur einer obligatorischen Schulbildung am zufriedensten mit ihrer Weiterbildungssituation. Überraschend ist, dass 37% dieser Bildungsgruppe bewusst auf Weiterbildung verzichtet haben. Hier stellt sich die Frage, worin der fehlende Bildungswunsch begründet ist: Lohnt sich der Besuch einer Fortbildung für Niedrigqualifizierte nicht?
Verschiedene Analysen untersuchen, inwiefern sich Weiterbildung positiv auf das Einkommen auswirkt und zeigen, dass eine Teilnahme in der Regel für Erwerbstätige auf allen Qualifikationsstufen mit einem kleinen Lohnzuschlag einhergeht. Auch Fourage et al. (2013) finden in ihrer Studie ähnlich hohe Weiterbildungsrenditen für Niedrigqualifizierte wie für Hochqualifizierte. Sie führen die Unterschiede in der Weiterbildungsbeteiligung auf andere Faktoren zurück: So bilden sich jene mit einer höheren Zukunftsorientierung, einer niedrigeren Präferenz für Freizeit, aber auch Personen, die eher überzeugt sind, dass ihre wirtschaftliche Situation vom eigenen Verhalten abhängt, tendenziell öfter weiter.
Personen mit nur einem obligatorischen Schulabschluss unterscheiden sich also nicht nur bezüglich des Diploms von Uniabgängern, sondern sie weisen oft auch andere Persönlichkeitsmerkmale auf. Diese Unterschiede erklären einerseits einen Teil der Differenz in der Weiterbildungsbeteiligung. Andererseits dürften sie in manchen Fällen bereits dazu beigetragen haben, dass diese Personen keine Lehre gemacht oder Uni besucht haben.
Verglichen mit den anderen Bildungsgruppen ist bei jenen mit nur einer obligatorischen Schulbildung auch der Anteil Personen am höchsten, die keine Weiterbildung besucht haben, obwohl sie dies gerne getan hätten. Der Verzicht lag oft an der mangelnden Zeit oder den zu hohen Kosten.
Weiterbildung nur gezielt fördern
Was bedeutet dies nun für die Bildungspolitik? Eine breitangelegte staatliche Weiterbildungsoffensive ist nicht notwendig, denn vor allem bei den Hochschulabsolventen ist die Weiterbildungsbeteiligung hoch. Eine gezielte Weiterbildungsförderung kann jedoch bei Erwerbstätigen sinnvoll sein, die nur über einen obligatorischen Schulabschluss verfügen: Denn gerade jene, die sich gar nie oder nur selten weiterbilden, laufen Gefahr an Arbeitsmarktfähigkeit einzubüssen – was zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit zu gesellschaftlichen Folgekosten führen kann.
Längerfristig sollte die Bildungspolitik jedoch so ausgerichtet sein, dass Bildungslücken möglichst früh geschlossen werden – oder noch besser, gar nicht erst entstehen. Zudem muss das Ziel weiterverfolgt werden, für alle mindestens einen Abschluss auf Sekundarstufe II anzustreben. Denn eine erfolgreiche Schul- und Ausbildungskarriere ist die beste Voraussetzung für die Teilnahme am lebenslangen Lernen.
Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie in der Studie «Weiterbilden, aber gezielt».