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Freiheitsbaum und Marseillaise auf dem Domplatz
Spuren der Französischen Revolution in der Arlesheimer Ermitage. Es ist Dezember 1792 und der Freiheitsbaum steht direkt vor dem Dom: eine Provokation für das Fürstbistum. Wie kommt der Freiheitsbaum, wie kommen die Französischen Soldaten nach Arlesheim?
Ein Freiheitsbaum auf dem Arlesheimer Domplatz! Französische Soldaten stellen ihn auf, schmücken ihn mit Bändern in den neuen Nationalfarben Frankreichs, blau, weiss und rot, der Trikolore. Sie krönen den Baum mit einer roten Jakobinermütze – Sinnbild der Befreiung und Zierde der Freiheitsbäume in ganz Frankreich und nun eben auch in Arlesheim. Sie singen das Lied, das im Frühling des gleichen Jahres für die Revolutionstruppen komponiert worden ist: Allons enfants de la patrie, le jour de gloire est arrivé, contre nous de la tyrannie, l’étendard sanglant est levé ..., die Marseillaise.
Leere Kassen und Hungersnot in Paris
Kurz zuvor, am 21. September 1792, wird in Paris die Monarchie abgeschafft und die erste Republik ausgerufen. Wie ist es dazu gekommen? König Ludwig XVI. von Frankreich blickt in den 1780er-Jahren nach der Beteiligung an Kriegen in Österreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika in ein grosses Loch in seiner Kasse und plant dieses durch die Aufhebung von Steuerprivilegien wieder aufzufüllen. Adel und Klerus wehren sich jedoch vehement gegen diese Reformen, haben sie doch bis anhin nur wenig Steuern bezahlen müssen. Weiter kommt es nach Missernten in den Jahren 1788 und 1789 zu einer massiven Steigerung des Brotpreises und zu einer Hungersnot. Soziale Spannungen und Konflikte breiten sich aus – die Französische Revolution kündigt sich an. Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 ist ein vorläufiger Höhepunkt. Doch was hat Arlesheim mit den Ereignissen in Paris zu tun?
Französische Revolutionssoldaten 1792
Beziehungen zwischen Frankreich, Preussen, Österreich und Fürstbistum: Es ist kompliziert
Arlesheim gehört zum Fürstbistum Basel, dieses ist wiederum Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das Fürstbistum hat wichtige Verbindungen zum Österreichischen Kaiser, ist aber auch mit Frankreich verbündet, von wo es Einkünfte bezieht. Im April 1792 erklärt Frankreich Preussen den Krieg. Preussen hofft, zusammen mit Österreich, auf einen schnellen Sieg, der erste Koalitionskrieg nimmt seinen Lauf.
Der Fürstbischof in der Zwickmühle, die Bevölkerung nicht erfreut
Als am 23. November 1792 zwei französische Kompanien in Arlesheim einmarschieren und den ersten Koalitionskrieg ins Dorf bringen, gerät der Fürstbischof in eine Zwickmühle. Was soll er tun? Er hat sowohl Frankreich als auch Preussen und Österreich seine Unterstützung im Kriegsfall zugesagt. Der Einmarsch der Revolutionstruppen ist ein Schock für den Vertreter des Fürstbischofs vor Ort, den Landvogt Franz Carl von Andlau: Er stirbt zwei Tage nach dem Einmarsch, am 25. November. Die Franzosen lassen den Fürstbischof und die Arlesheimer Bevölkerung zuerst im Glauben, sie seien als Freunde gekommen. Am 9. Dezember erklärt jedoch Frankreich dem Fürstbistum den Krieg. Die Französischen Soldaten stellen den Freiheitsbaum auf dem Domplatz auf, was den meisten Arlesheimerinnen und Arlesheimern gar nicht gefällt. Sie sind ihrem Fürstbischof treu ergeben. Die revolutionären Franzosen zögern nicht lange und setzen den Fürstbischof und das Domkapitel kurzerhand ab. Noch im Dezember erklären die Franzosen das von ihnen besetzte Gebiet und so auch Arlesheim zur Raurachischen Republik. Im März 1793 wird Arlesheim Teil des französischen Département du Mont-Terrible und steht damit bis zum Wiener Kongress 1815 unter der Kontrolle Frankreichs.
Warum zerstören die Französischen Truppen die Ermitage?
Balbina von Andlau, die zusammen mit ihrem Cousin Heinrich von Ligertz im Gobenmatttal einen Landschaftsgarten nach englischen Vorbild angelegt hat, muss Arlesheim verlassen – im Januar oder Februar 1793 flieht sie. Die Soldaten zerstören grosse Teile der Ermitage und stecken auch das Schloss in Brand. Die Ermitage ist, wie alle Landschaftsgärten der damaligen Zeit, ein Symbol der Macht. Der Garten ist in den Augen der Revolutionäre Sinnbild für die Knechtschaft des Dritten Standes unter Adel und Klerus. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Zerstörungswut erklären, der beispielsweise das Karussell auf dem Rittiplatz, die Waldbruderklause oder der chinesische Sonnenschirm zum Opfer fallen. Einige dieser Szenerien werden später, 1812, wieder rekonstruiert, andere sind nur noch auf historischen Abbildungen erhalten.
Text: Fabia Maieroni und Sibylle von Heydebrand, Bilder: zVg