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REGELN DER MONSTERWERDUNG
Habe keinen Job. Auch wenn die Monster AG (Trademark) dir etwas anderes über Monster erzählen will, es stimmt nicht. Monster haben keinen Job. Sie entziehen sich dem utilitaristischen Kapitalismus unserer Zeit und würden ihn auch niemals reproduzieren, um zum Beispiel so etwas herrlich-nutzloses wie ihre Fähigkeit, Alpträume zu erzeugen, in Kapitalpotenzial zu verwandeln wie in eben besagter Hollywood-Grossproduktion.
Kümmere dich um nichts. Jegliche Werte müssen dir egal sein. Ein Monster hat kein Ziel und keine Agenda. Ein Monster ist kein wertvolles Mitglied der Gesellschaft und will auch nicht die Weltherrschaft. So was wollen nur Menschen.
Sei nutzlos.
Sei widersprüchlich.
Sei willkürlich.
Sei faul (ausser du bist ein Arbeitsmonster).
Ein Monster braucht immer ein Gegenüber. Es existiert nicht ohne jemanden, den es als Monster benennt.
Ein Monster hat immer seine Zeit, in der es ein Monster ist. Ausserhalb dieser Zeit existiert es als Wesen.
Sei ein uneinheitlicher Körper. Bestehe aus verschiedenen Materialien. Werde von deinem Körpermaterial beherrscht. Die Existenz deines Subjektes reiht sich deiner körperlichen Existenz (und ihren Bedürfnissen) völlig unter.
Die meisten Monster stehen in enger Verbindung mit einem Ort, an welchem sie sich meistens aufhalten. Oft bewachen sie dort ihre Schätze. Diese Orte können Höhlen, Kluften, verwunschene Schlösser, unterirdische Kellersysteme und dergleichen sein. Auch eine Hütte im Wald oder sogar ein verrostetes Auto im Nichts sein. Manchmal halten Monster sich gar nicht so weit von der menschlichen Zivilisation auf. Natürlich, der Ort unter einem Bett oder auf einem Dachboden ist für viele Monster ein passender Aufenthaltsort. Aber auch ein in einem Bürokomplex in den hintersten und dunkelsten Gängen versteckter Serverraum oder die oberste Spitze eines Kirchenturmes.
Solltest du dich also unversehens in ein Monster verwandelt haben – sei dies unter Fremdeinwirkung oder unter Selbstbeschwörung – so sei es dir angeraten, dir einen solchen Ort zu suchen, solltest du ihn nicht bereits gefunden haben. Du solltest unbedingt eine besondere Beziehung zu diesem Ort haben. Du bist bei der Wahl an keine Regeln gebunden, es kann jedoch auf keine Fälle irgendein beliebiger Ort sein. Er muss dir etwas bedeuten. Du solltest dich hier sehr wohl fühlen und am besten so ungestört wie möglich. Der Verlust eines Ortes ist für ein Monster in den meisten Fällen ein traumatisches Erlebnis, oft sogar mit dem Ende ihrer Existenz als Monster verbunden. In vielen Fällen befinden sich die Orte genau dort, wo die ursprüngliche «Monster-Werdung» stattfand und deshalb auch ein tiefes, psychologisches Band zwischen Ort und Monster besteht. Manchmal waren die Orte – oder ein für den Ort charakteristisches Merkmal – sogar dafür verantwortlich, dass die Verwandlung überhaupt erst ausgelöst wurde. So kann zum Beispiel die Dunkelheit einer Kellerecke eine solche Anziehungskraft auf ein Wesen ausüben, dass es fortan beschliesst, der Zivilisation des Lichtes den Rücken zuzukehren und fortan ein Wesen der Dunkelheit zu werden. Gerade die oben erwähnten Serverräume, die nur scheinbar von Ordnung, System und Logik beherrscht werden, in Wirklichkeit aber wahre Aborte des Chaos, der Verwirrung, der endlosen Datenschlaufen und Zwischenvirtualitäten sind, üben deshalb eine besonders «anarchistische» Wirkung auf jene auf, die es wagen, diese Orte aufzusuchen. Und jene Menschen werden oftmals von dieser Energie in Bann gezogen. Oftmals behalten diese Monster ihre Identitäten als IT-Technikerinnen bei, als Alter Ego oder Alias, um nicht in ihrer neuen, wahren Existenz erkannt zu werden. Sie tun dies, um die Wartung und Verwaltung des versteckten Chaos in den Bürokomplexen noch weiter auszubauen. Sie sehen es dabei als eine Kunstform an, das System der Ordnung und Logik wie eine leere Hülle aufrecht stehen zu lassen und so erkennen nur wenige Spezialisten auf diesem Gebiet die äusserst kunstvoll eingerichteten Verzweigungen, welche sich hinter dieser Fassade aus geordneten Kabelkanälen und Kommunikationssystemen eröffnet und erkennt, wie sehr das blanke Chaos, die tolle Wildheit, der Un-Sinn die Geschehnisse dieses Bürokomplexes (und eigentlich auch die ganze Welt ausserhalb) lenken.
VORSCHLAG EINER MONSTRÖSEN KÜNSTLER*INNEN-IDENTITÄT
Muss ich meine Küntsleridentität als Noemi Egloff aufgeben und Mormi werden. Oder für Mormi arbeiten? Ist Mormi ein versuch einer Neu-Subjektivierung meiner Künstlerinnenidentität?
Gibt
es Gegenstände, die Fragen stellen? (nun, es gibt sicher solche, die Aufforderungen in den Raum stellen – manchmal geradezu schreien…!)
I am not a consistent one in my artistic expressions. I wander around in my shabby scratchbook of a repertoire of media (that is text, costume, performance, installation, object
and audio – quite everything except painting, music, photography and film). But I am consistent in my twisted thoughts, in a way that they always are somewhat off. I am consistent in my search
for morphosis and continuing processual becoming , I seek a position that let’s you see the world upside down – or just very very close or very very far away. a position that even let’s me see my
own organs from inside.
I choose the expressions of my projects liberately and instinctively – there is no system behind. They just seem to offer themselves with their different qualities and I take the
one that is flirting in the most convincing way.
I am not a conceptual one and in times like these, it seems that this is an almost monstruous uttering. For I actively seek the moments that even surprise myself, moments of loss
of power in my own art work. moments of complete failure. Moments where the brain goes off without me and I alone remain in a lost spot while the brain, the body, the knowledge and the project
material have a party of their own. Similarly my mode of working is the mode of layering – like a painter gently applies layers of oil over layers of oil seeking to shadow and enlighten the
depths of their interplay I follow echoes.
Why do I seek what others might call incompetence? Because humans have had enough power. It’s time to let go of it – or at least loosen the grip around the sceptre that bears the
powers of logocentrism, utilitarism and anthropocentrism. And I am far from willing to reproduce in my doings the gloomy effects that sprawl and sprout from that paradigmatic trinity. This all is
not about us. It’s the story of the planet gaia that will – as all things do – end once. It’s
her story.