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Der Bestand
Bei den fotografischen Beständen der SGV handelt es sich grösstenteils um Helvetica. Die im Folgenden aufgeführten, unterschiedlich umfangreichen Sammlungen sind als wichtiges kulturelles Gedächtnis der Schweiz einzustufen. Aus fotogeschichtlicher Sicht stellen die verschiedenen Sammlungen einen wahren Schatz dar, der von den Anfängen der Fotografie (1840er Jahre) bis in die späten 1980er Jahren reicht. Es finden sich auch einige fotohistorische Trouvaillen, die in dieser Form kaum zu finden sind. Die Sammlung der SGV beinhaltet Bilder aus allen vier Sprachregionen der Schweiz.
Die Sammlung Ernst Brunner
Der Nachlass des Fotojournalisten und Bauernhausforschers Ernst Brunner (1901–1979) ist die weitaus umfangreichste Sammlung der SGV mit einem Bestand von ca. 50’000 Mittelformat-Negativen (6x6 resp. 6x8cm) und ca. 20’000 Abzügen. Die Fotografien wurden von Ernst Brunner in einem Journalbuch verzeichnet. Die Formate der Abzüge variieren zwischen der Grösse von einzelnen Kontakt-abzügen, auf Karteikarten geklebt, bis zu losen Abzügen im Format 15 x 15cm. Die meisten Fotografien stammen aus den Jahren 1937–1962 und wurden von ihm häufig an die Illustrierten Schweizer Heim, Schweizer Familie und DU verkauft. «Ernst Brunners Werk hat ein klares Profil, das nicht vom Zufall regiert wird. Der Blick richtet sich auf kleine Handwerkerunternehmen und den ländlichen Alltag in einsamen Bergtälern und abgelegenen Dörfern.» (Peter Pfrunder. Ernst Brunner. Photographien 1937–1962, 1995).
Bereits 1958 wurde von Brunner in einem Schenkungsvertrag festgehalten, dass das im Laufe der Jahre entstandene Bildarchiv nach seinem Tod in den Besitz der SGV übergehen soll. Brunners Archiv befindet sich seit 1980 bei der SGV in Basel. Die Sammlung wurde während mehrerer Jahre von einer ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterin geordnet, katalogisiert und in einer Datenbank erfasst. Abgesehen von den 257 Bildern, die im Bildband Ernst Brunner, Photographien 1937–1962 erschienen, sind die Negative noch nicht digitalisiert. Peter Pfrunder ist der Autor des 1995 erschienenen Buches, welches leider nach vier Auflagen bereits seit längerer Zeit wieder vergriffen ist. Ausgewertet wurde für die Publikation jedoch nur ein kleiner Teil der Sammlung.
Die Sammlung Sterbendes bzw. Altes Handwerk
Zwischen 1996 und 1997 wurden mit Hilfe von MEMORIAV, dem Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz, Filmdokumente der SGV konserviert, die einen hohen dokumentarischen Wert haben. Die 16mm-Filme mit begleitenden Broschüren Sterbendes bzw. Altes Handwerk zeigen in erster Linie die ländlich-handwerklichen Arbeitsvorgänge, die vom Aussterben bedroht sind. Spätere Filme thematisieren auch den industriellen Wandel. 1993 hat die SGV einen Filmkatalog dazu herausgegeben (Filmkatalog der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, Hg. Hans-Ulrich Schlumpf, 1993).
Zu diesen rund 80 Filmen gibt es ca. 2’050 Fotografien und 1’300 Negative (1940er – 1970er Jahre). Die Autoren der Fotografien sind sehr unterschiedlich, manchmal sind es die jungen Filmemacher selbst, die zur Kamera griffen (u.a. bekannte schweizerische Filmschaffende wie Yves Yersin, Claude Champion, Hans-Ulrich Schlumpf, Friedrich Kappeler). Die Fotografien sind von hohem fotografischem und volkskundlichem Wert, zeigen sie doch gut dokumentierte Abläufe bei verschiedensten Handwerksgattungen auf, die längst ausgestorben sind oder auszusterben drohen.
Bildersammlung der Enquête I
Anlässlich der 1934 geplanten internationalen Volkskunstausstellung in Bern begann die SGV eine rege Sammeltätigkeit. Mit Frageheftaktion, Zeitungsausschnitt- und Bildersammlung wurde ein erster Überblick über die schweizerische Volkskultur versucht (sog. Enquête I). Die daraus entstandene Bildersammlung umfasst rund 3’300 fotografische Abzüge und 3’100 Negative. Die Fotografien wurden auf A4 grosse Karteikarten montiert. Hier konnten bei der Durchsicht der Sammlung auch zwei Daguerreotypien gefunden werden. Laut Eingangsbuch stammen sie ursprünglich aus dem Museum für Völkerkunde Basel (heute: Museum der Kulturen Basel) und kamen 1946 in die volkskundliche Sammlung. Sie sind heute gut 165 Jahre alt und in gutem Zustand. Nebst den Fotografien sind auch schriftliche Materialien vorhanden.
Die Sammlung Ex Voto (Votivsammlung)
Votive sind Opfer oder Weihegaben, die Gott und den Heiligen in Kirchen und Kapellen dargebracht werden, um besondere Hilfe oder Gnade zu erflehen oder für eine erlangte Hilfe Dank auszudrucken (Ex Voto). Die SGV leitete 1939 in der ganzen Schweiz eine vollständige Bestandsaufnahme aller Votivgaben und Votivbilder in die Wege. Die Stiftung Pro Helvetia stellte damals einen namhaften Betrag an die Kosten zur Verfügung. Jedes einzelne Votiv wurde von einem professionellen Fotografen oder gutem Amateur fotografisch dokumentiert, in einem Fragebogen wurden alle Einzelheiten festgehalten. Die Votivsammlung umfasst zusammen mit dem Ergänzungsmaterial rund 13’000 Negative, meist im Mittel- bis Grossformat und ähnlich viele Abzüge aus der Zeit zwischen 1938 und 1955. Das Trägermaterial der Negative ist meist aus Cellulosenitrat resp. -acetat, vereinzelt sind auch Glasnegative vorhanden. Die Abzüge wurden ausschliesslich auf Barytpapier vergrössert und sind meist sehr klein. Die Sammlung ist einzigartig in der Schweiz und für die Kultur- und Religionsgeschichte und Denkmalpflege sehr wertvoll. Es sind auch höchst beachtenswerte Dokumente zum Alltag und zur Glaubenskultur. Die Sammlung wird zurzeit von freiwilligen Mitarbeiterinnen erschlossen.
Atlas der Schweizerischen Volkskunde (ASV)
Der ASV entstand im Anschluss an die Enquête I und wertete das auf über 100’000 Zetteln gesammelte Material zur schweizerischen Volkskultur der 1930er und 40er Jahre aus. Der Atlas zeichnet das Verbreitungsbild charakteristischer Erscheinungen der alltäglichen Kultur wie Arbeitsgeräte, Kleidung, Nahrungsmittel, gewohnheits-rechtliche Überlieferungen, Sitte und Brauch im Jahresverlauf und im Menschenleben, Spiel und Fest, Glauben und Aberglauben. Gut 1’500 fotografische Abzüge und über 600 Negative dokumentieren die meist ländliche Alltagskultur zusätzlich zu den umfangreichen schriftlichen Materialien auf eindrückliche Weise. Die Erhebung gibt einen faszinierenden Aufschluss über den Alltag in der Schweiz gerade in dem Moment, in dem dieser durch die Industrialisierung, Urbanisierung und den Beginn der modernen Wohlstands- und Konsumgesellschaft vollständig umgewandelt wird.
Die Sammlung Hausforschung/Brauchtum
Ein Teil der grossformatigen Glasdia-Sammlung (1’700 Objekte) stammt vom bekannten Volkskundler Heinrich Brockmann-Jerosch und konnte 1941 als Grundstock der eigenen Sammlung erworben werden. Die Sammlung umfasst rund 4’000 grossformatige Glasdias, welche über einen Orts- und Sachkatalog erschlossen sind. Davon befinden sich 2’400 Glasdias in Zug bei der Schweizerischen Bauernhausforschung, einer Abteilung der SGV. Thematisch ist die Sammlung der SGV als schweizerisches «Brauchtum» einzuordnen: Begräbnis, Hochzeit, kirchliche Feste, Umzüge, Fasnacht, Trachten, bäuerliche Tätigkeiten (Alpaufzüge) etc. Die Glasdias wurden zwischen 1915 und 1946 aufgenommen und stammen neben Brockmann-Jerosch von verschiedenen Autoren wie Boissonas, Dorn, Engel, Jeck, Krenn und anderen. Das einzigartige an dieser Sammlung ist der Fokus auf ein übergeordnetes Thema, das Brauchtum in der Schweiz.
Die Sammlung Städtische Berufsberatung Zürich
Diese grossformatige Glasdia-Sammlung zeigt Menschen bei der Ausführung ihrer Arbeit. Die 1’230 Dias stammen aus den 1930er Jahren und sind alphabetisch nach Berufsgattungen geordnet. Sie zeigen sehr schön auf, wie vor 80 Jahren gearbeitet wurde, wie die Arbeitskleidung aussah und wie die Menschen ihre Berufe darstellen wollten. Die Sammlung bietet einen faszinierenden Querschnitt durch die Arbeitswelt der Zwischenkriegszeit.
Die Sammlung Appenzeller Senntumsmalerei
Die Sammlung umfasst 700 Negative, meist im Mittelformat und ca. 700 Abzüge im Postkartenformat. Der 1956/57 erstellte Zettelkatalog erfasst die Malereien nach Künstlern geordnet. Die Fotografien stammen aus den 1930er bis 1950er Jahre und zeigen sehr schön das künstlerische Bearbeiten von Alltagsgegenständen (z.B. von Kästen, Eimerbödeli etc.) im Kanton Appenzell. Diese Kartothek mit Fotografien zu einem spezifischen Thema ist einmalig in der Schweiz.
Die Sammlung Gebäckmodel
Die von Dr. Margarethe Pfister-Burkhalter bearbeitete Dokumentation der verschiedenen Gebäckmodel-Sujets in der Schweiz ist äusserst interessant und umfangreich. Die akribisch genau geführte Dokumentation ist in ihrer Art einzigartig. Die fotografisch und zeichnerisch angelegte Sammlung ist zwischen 1942 und 1968 entstanden und beinhaltet einen reichen Schatz an Gebäckmodeln aus privatem und öffentlichem Besitz. Die Gebäckmodel wurden in einer sehr guten Qualität im Grossformat aufgenommen und meist als Kontaktkopie im Format 10x15cm oder grösser auf Fotopapier kopiert. Der Umfang der Sammlung liegt bei ca. 4’400 Negativen und 5’000 Vintage Prints.
Die Sammlung Ursula Rellstab und Max Buchmann
Ursula Rellstab (Texte) und Max Buchmann (Fotografien) haben ein Werk zu seltenen Berufsgattungen geschaffen, die es in der Schweiz noch in den 1960er und 1970er Jahren gab. Dokumentiert ist z.B. die Arbeit des Weissküfers, der früher reichverzierte, geschnitzte Butterfässer, Melkkübel, Melkstühle und Käsegeschirre hergestellt hat, die aber heute aus lebensmittelhygienischen Gründen durch Metallgefässe ersetzt worden sind. Auch die Arbeit der Stickerin oder des Metalltreibers aus Appenzell wurden Schritt für Schritt fotografisch dokumentiert. Besonders schön verzierte Halsbänder für Kühe wurden von einem Sattler gefertigt und sind Kunstwerke für sich. Der Tessiner Stuhlflechter fehlt in dieser Sammlung genauso wenig wie der Papierblumenhersteller, Korbflechter oder Kupferstecher, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Die Sammlung ist ausgezeichnet dokumentiert, die 710 Negative wurden meist auf Mittelformat- resp. Grossformatfilm belichtet und sind qualitativ hochwertig, wie auch die 200 grossformatigen Abzüge auf Barytpapier. Diese Sammlung stellt einen wertvollen Fundus an kulturgeschichtlichen Dokumenten dar, die in einer seltenen Einheit aufgenommen und dokumentiert wurden.
Die Sammlung Kreis
Die Sammlung Kreis ist ein Familiennachlass aus Basel, wie es ihn selten in dieser Qualität gibt. Neben einem Ordner mit vielen Informationen zu Lebensdaten der verschiedenen Familienmitglieder, zu Berufen und Stammbaum, ist die Sammlung nach Themen geordnet und beinahe jedes Foto ist auf der Rückseite mit Bleistift beschriftet. Mehrere Familienmitglieder waren Amateurfotografen im besten Sinne des Wortes: Die Bilder weisen einen guten Tonwertumfang auf, wurden sorgsam aufbewahrt (viele in wunderschönen Lederalben aus der Zeit) und weisen einen hohen Grad an fotografischem Können bei der Aufnahmetechnik auf. Ein Teil der Fotografien (v.a. Porträts) wurde von namhaften Basler Fotografen in ihren Studios aufgenommen (R. Spreng, H. Eidenbenz, Höflinger, C. Ruf, W. Dierks, A. Dériaz etc.). Die Bilder widerspiegeln das Basler Leben der gehobenen Gesellschaft (Ärztefamilie über mehrere Generationen), die es sich leisten konnte in der Schweiz und im Ausland Ferien zu machen. Auf diese Weise wurden Kurorte, Wintersportorte und andere Ferienorte fotografiert. Das gesellschaftliche Leben wurde auch ausserhalb der Familie im Bild festgehalten. Zudem gibt es Fotografien im Zusammenhang mit der ärztlichen Tätigkeit an einem Basler Spital oder gar beim Sezieren von Leichen während des Studiums. Einige Familienzusammenkünfte im Haus oder Garten dienten ebenfalls als Sujets. Die ersten Aufnahmen wurden in den 1860er Jahren gemacht, die letzten stammen aus den 1970er Jahren. Die Sammlung enthält neben 3’000 Negativen und 10’000 Abzügen (meist auf Papier) auch zwei handkolorierte Porträts auf Glas (sog. Crystoleum-Fotografien), eine Ambrotypie und mehrere Ferrotypien, die sogar noch aus der Zeit vor 1860 stammen könnten.
Die Sammlung Olga Frey-Schmidlin
Der Nachlass enthält rund 1’000 Fotografien in sechs grossen Alben und ein dazugehörendes Manuskript aus der Feder von Olga Frey-Schmidlin (Aarau). Die Fotoalben selbst sind in einem konservatorisch sehr schlechten Zustand, die Fotografien aber von einzigartiger Handschrift. Die Bilder stammen mehrheitlich aus der Schweiz, einige aus der Gegend um Aarau, aus Feriendestinationen in der Schweiz und dem nahen Ausland (Deutschland, England).
Das umfangreiche Manuskriptbuch enthält viele Fotografien und Postkarten aus der Zeit um 1900 und beschreibt eine Reise aus dem kleinstädtischen Aarau ins imperiale Berlin und an die Ostsee im selben Jahr. In der Reihe «Das Volkskundliche Taschenbuch» ist 1997 ein Band mit den Aufzeichnungen von Olga Frey herausgekommen (Grossstadtluft und Meeresluft: Eine Reise nach Berlin und an die Ostsee 1900). Der Text und die dazugehörenden Bilder belegen die enge Verbindung zwischen dem deutsch-schweizerischen Bürgertum und dem kaiserlichen Deutschland. Sie gewähren spannende Einblicke in die bürgerliche Kultur der Jahrhundertwende.
Die Sammlung Heinrich Surbeck
Heinrich Surbeck, Ingenieur-Chemiker (1876-1945) aus Hallau (Schaffhausen) studierte an der ETH Zürich Chemie und schloss 1900 dort ab. Ein Album in der Sammlung erinnert an diese Studienzeit mit Porträts aller Professoren und Studenten seines Jahrgangs. Ein Lungenleiden setzte dem jungen Forscher schon früh zu, so kam eine Stellenausschreibung aus dem fernen Sumatra gerade recht. Für eine von Schweizern geführte Gambir-Plantage (Gambir ist ein Farb- und Gerbstoff, der aus den Blättern des Strauches Nauclea Gambir gewonnen wird) wurde ein technischer Leiter gesucht. Heinrich Surbeck nahm die Stelle an und erholte sich gesundheitlich rasch. Er leistete für die Plantage Pionierarbeit, Maschinen mussten erfunden und konstruiert werden, dabei konnte der Wissenstransfer aus der Schweiz rege genutzt werden. Das Resultat seiner Arbeit war ein vorzüglicher Seidenfarbstoff. Der Absatz dieses Produkts in europäischen Ländern brachte seiner Gesellschaft grosse Gewinne ein. 1908 heiratete er die Schweizerin Setty Fankhauser von Konolfingen; vier Kinder kamen auf die Welt. Surbeck war nicht nur Chemiker, er verstand auch sehr viel von Botanik und von Fotografie. Ihm verdanken wir, dass wir eine grosse, gut dokumentierte, fotografische Sammlung haben, die weit mehr als nur Fotos enthält. Die Fotografien zeigen das Leben vor Ort und dokumentieren die Arbeitssituation der Auslandschweizer in Sumatra. Bei seinen vielen Reisen in die Schweiz geizte er nicht mit Film und nahm manche Veranstaltungen (Landesausstellung 1939) und Feste mit seiner Kamera auf. Sein Nachlass enthält Hunderte von Stereodias und Stereonegativen, Autochrome, sehr schöne Abzüge aus der Zeit, die er zusätzlich auch vor Ort (in Sumatra) gekauft hat, und etwa 1’500 Postkarten, die er aus der Schweiz zugesandt bekam. Seine gesamte Fotoausrüstung mit Rolleiflex-Kamera, Stereodiabetrachter in den verschiedensten Grössen und Ausführungen, seine Labor-Ausrüstung, unbelichtetes Filmmaterial aus der Zeit um 1920 sind erhalten. Die Geschichte der Fotografie lebt neu auf, braucht aber konservatorische Hilfe. Ein Teil des Bestandes ist von Schimmel befallen, der grösste Teil der Sammlung stark verschmutzt. Zurzeit wird die fotografische Sammlung sorgfältig gereinigt, restauriert und digitalisiert.
Die Trachtenbilder der Sammlung Julie Heierli
Die Fotografien der Sammlung «Trachtenbilder von Julie Heierli» sind aus der Zeit zwischen 1855 und ca. 1950. Julie Heierli (1859–1938) begründete auf der Basis von Feldforschungen die wissenschaftliche Erschliessung und Erforschung der schweizerischen Trachten. Sie gründete die Trachtensammlung des Schweizerischen Landes-museums mit und beriet verschiedene Museen. 1897 publizierte sie nach Aufnahmen des Trachtenfests, das der Lesezirkel Hottingen 1896 in Zürich veranstaltet hatte, Die Schweizer-Trachten vom 17.-19. Jahrhundert nach Originalen. Es folgten wissenschaftliche Artikel, und 1922–32 veröffentlichte sie ihr fünfbändiges Werk Die Volkstrachten der Schweiz, bis heute die umfassendste und fundierteste Arbeit zum Thema. Mit ihren historisch begründeten Vorschlägen zur Erneuerung der Trachten wirkte Heierli dem folkloristischen Aspekt der neuen Trachtenbewegung entgegen. Die SGV besitzt ihren Nachlass.
Die Sammlung umfasst keine Negative, nur Abzüge. Diese zeigen Frauen und Männer in ihren Alltags- und Sonntagstrachten. Es gibt auch Kinder, welche Trachten präsentieren. Es handelt sich vor allem um Studiofotografien von zum Teil sehr guter Qualität, aber auch um Amateurbilder. Zudem finden sich auch Fotografien von Volksfesten und anderen Anlässen.
Die Sammlung ist sehr gut beschrieben und mehr oder weniger sorgfältig aufbewahrt. Es fehlen keine Mappen, insgesamt existieren 242 davon in 16 grossen Schachteln. Die Sammlung ist fotohistorisch gesehen sehr wertvoll, da es aus den verschiedensten fotografischen Epochen Beispiele gibt. Es finden sich nicht nur Fotografien, sondern auch sehr viele verschiedenen fotomechanische Druckverfahren (z. B. Chromophotogravuren, Farblithographien, Heliogravüren resp. Lichtdrucke – meist für historische Postkarten um die Jahrhundert-wende).
Wir finden ca. 2'030 Fotografien in verschiedensten Formaten: von der «Carte de visite» und der «Carte de cabinet» bis zum grossformatigen Abzug auf Albuminpapier, auskopierte und entwickelte Silbergelatinepapiere. Auch matte Kollodiumpapiere (um 1900) kommen in beiden Varianten vor (als Auskopier- und Entwicklungspapiere). Salzpapiere sind eventuell auch vorhanden (ab 1855). Die Sammlung hat jedoch einen Nachteil: Praktisch alle Fotografien sind auf Karton aufgeklebt, sind zum Teil beschädigt, haben Risse und sind schmutzig. Die Fotografien sind keineswegs in einem schlechten Zustand, brauchen aber konservatorische und restauratorische Hilfe, die ihnen die SGV geben kann.