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Die kleine Thurgauer Gemeinde Schlattingen dürfte sicher zu den Gemeinden der Schweiz zählen, welche die grösste Dichte an 8.1 cm Festungsminenwerfern
aufweist, beherbergt doch dieses Dorf gleich zwei solcher Anlagen. Dies kommt nicht ganz von ungefähr, wenn man sich die geographischen Gegebenheiten
etwas genauer ansieht.

Der Rhein galt als respektables Geländehindernis, welches allerdings durch Artilleriefeuer verstärkt werden musste. Als besonders günstig für den
Angreifer galten unter anderem die Übersetzmöglichkeiten bei Stein am Rhein und Diessenhofen, von wo aus ein Vorstoss in die Räume Winterthur und
Frauenfeld fortgesetzt werden konnte. Die Achse für diese Vorstösse führte durch die Senke bei Unterstammheim und Schlattingen, welche nur 3 km von
der Landesgrenze entfernt ist. Dies führte dann dazu, dass im Kalten Krieg in der Stammheimer
Senke drei Sperrstellen errichtet wurden. Diese verstärkte man mit zwei 8.1 cm Festungsminen- werfern (A5575 Hohbüel und A5576 Junkerenboden), welche
sowohl auf diese gegnerische Vorstossachse, als auch auf die Übersetzstellen zwischen Stein am Rhein und Schaarenwald wirken konnten.
Wirkungskarte von A5575 und A5576 (1:100'000) [ Friends only ]
Kartenausschnitt Sperrestelle Schlattingen - Unterstammheim (1:25'000)
[ Friends only ]
Der 8.1 cm Festungsminenwerfer 1956/60
Gegen Ende der 50er Jahre begann man in der Schweiz damit, bestehende Sperrstellen und Artilleriewerke mit 8.1 cm Festungsminenwerfern zu verstärken.
Im Rahmen dieses Bauprogramms erstellte man 52 Werfer in 24 Anlagen entlang der nördlichen und südlichen Landesgrenze sowie entlang wichtiger Achsen im Alpenraum.
Alle Anlagen wurden mit Einführung der Armee 95 nicht mehr weiter benötigt und entklassifiziert.
Es gab vier verschiedene Bauformen:
- mit Fertigelementen
- angehängt an bestehendes Felswerk
- als separates Felswerk mit/ohne Unterkunft/Infrastruktur
- als separater Monoblock mit/ohne Unterkunft/Infrastruktur
Alle Werke verfügten über 2 oder 4 (je nach Konfiguration) 8.1 cm Festungsminenwerfer 1956/60. Diese als Hinterlader mit Bajonett-Verschluss konstruierte
Waffe hatte eine Rohrlänge von 1340 mm und einen Seitenschwenkbereich von 6400 A o/oo, was 360 Grad entspricht. Das Rohr ist in einem Kugelgelenk am obersten
Punkt der Stahl- oder Betonkuppel aufgehängt. Die Feuergeschwindigkeit betrug - je nachdem wie gut eingespielt die Mannschaft war - 8 bis 10 Schuss pro Minute.
Je nach Munition und Ladung betrug die Reichweite bis zu 5 km.
Der Monoblock Typ 50
Die beiden Minenwerfer in Schlattingen waren Monoblock-Anlagen ohne Infrastruktur, welche ab 1962 erstellt wurden. Die Typenbezeichnung dieses Anlagentyps
lautete Monoblck Typ 50. Die kleine, kompakte, ortsbetonierte Anlage umfasste zwei Waffenstellungen, einen kleinen Maschinenraum mit Notstromgruppe und Filteranlage,
sowie eine Feuerleitstelle. Mannschaftsunterkunft und Munition befand sich im nahe gelegenen Wald in je einem U22 Norm-Unterstand, welcher aus vorfabrizierten
Betonelementen besteht. Im K-Mob Fall wären Unterstände und Festungsminenwerfer durch Laufgräben miteinander verbunden worden.
Beide Minenwerfer wurden leergeräumt. Ehemalige Angehörige des Festungswachtkorps haben aber in ihrer Freizeit A5575 Hohbüel wieder ausgerüstet. Dazu haben sie die
Minenwerfer in einer Anlage im Tessin ausgebaut und in A5575 wieder eingebaut.
Plan 8.1 cm Festungsminenwerfer Typ 50
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Filmausschnitt: 8.1 cm Festungsminenwerfer im scharfen Schuss [ Friends only ]
Effektive Tarnung
A5575 hat im Gegensatz zu A5576 für den Notausgang zusätzlich einen kleinen Turm erhalten, welcher mit der Aufschrift "Wasserreservoir" getarnt wurde. Diese Tarnung
ist offenbar auch heute noch effektiv. Dazu gibt es eine kleine Anekdote.
2010 haben wir im Rahmen eines geschäftlichen Anlasses in Diessenhofen für unsere Kunden am Abend eine Führung durch A5575 organisiert. Der in meiner Firma
verantwortliche Kollege wollte vorher einmal am Wochenende bei A5575 vorbei fahren, um zu sehen, wo das genau ist und wie es dort aussieht. Ich gab ihm die Koordinaten
und erklärte ihm den Weg. Enttäuscht kam er am Montag in die Firma und sagte mir: "Ich habe die Anlage nicht gefunden. Dort, wo du mich hin geschickt hast, gab es nur
ein Wasserreservoir." Er hat so eine wichtige Lektion gelernt: Nicht überall, wo Wasser drauf steht, ist auch Wasser drin.

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A5575 Hohbüel
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A5575 Hohbüel
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A5575 Hohbüel
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A5575 Hohbüel
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A5576 Junkerenboden
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