Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03250.jsonl.gz/2222

Romantische Operette in drei Akten, Text von Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda nach dem Libretto der Erstfassung von Viktor Léon
Als romantische Operette hat Franz Léhar sein Erfolgsstück «Das Land des Lächelns» (1929) bezeichnet. Was er damit meinte, wird durch den Vergleich mit der Erstfassung des Werks klar. Diese hatte sechs Jahre vorher unter dem Titel «Die gelbe Jacke» Premiere; die Unterschiede betreffen weniger die Handlung selbst als deren dramatischen Kern. In beiden Fällen steht der Protagonist, der chinesische Prinz Sou-Chong, vor der Frage, ob er seinen Gefühlen folgen soll oder gesellschaftlichen Pflichten. Wo in der Erstfassung alles auf ein operettentypisches Happy End zusteuert, gibt es für diesen zutiefst romantischen Konflikt im «Land des Lächelns» keine Lösung – es endet tragisch.
Eine Neugewichtung, die nicht von ungefähr kam. Léhar, Sohn eines Militärkapellmeisters und Schüler von Antonín Dvořák, hatte seine ersten Erfolge mit heiteren Bühnenwerken gefeiert. Ob «Die lustige Witwe», «Eva» oder «Der Graf von Luxemburg»: Stets setzt sich die Sprache des Herzens gegen Standeskonventionen durch. In den Zwanzigerjahren aber, bedingt auch durch die Erfahrungen des Weltkriegs, begann sich der Publikumsgeschmack zu wandeln. Lehár und seine Librettisten bauten nun zunehmend tragische Elemente in ihre Stücke ein: «Paganini» und «Der Zarewitsch» enden mit Entsagung und Verzicht, schärfen andererseits aber auch das charakterliche Profil ihrer Protagonisten – die Nähe zur Oper ist unübersehbar. Im «Land des Lächelns» sind die beiden Hauptfiguren von Beginn an unterschiedlich gezeichnet: hier Lisa, die lebenslustige Tochter aus gutem Wiener Hause, dort Sou-Chong, der zurückhaltende Prinz aus dem Fernen Osten. Was beide eint, ist nicht nur die Liebe, die sie füreinander empfinden, sondern auch das Geflecht aus sozialen Zwängen, in dem sie gefangen sind. Sou-Chong darf keine Ausländerin heiraten, Lisa kann nicht aus ihrer europäisch-bürgerlichen Haut. Im zweiten Akt, am chinesischen Hof, werden diese Differenzen offensichtlich, so sehr man sich auch der gegenseitigen Gefühle versichert. Die Trennung ist unausweichlich und wird nur dadurch abgemildert, dass beide auf treue Weggefährten aus der jeweils eigenen gesellschaftlichen Sphäre bauen können: Lisa auf den ihr ergebenen Grafen Gustav, Sou-Chong auf seine Schwester Mi.
Für «Das Land des Lächelns» bzw. für die Erstfassung von 1923 entwickelte Lehár eine ganz eigene Musiksprache mit zahlreichen Exotismen und schillernden Klangfarben. Einige Arien, darunter das berühmte «Dein ist mein ganzes Herz» aus dem zweiten Akt, schrieb er als Zugnummern für den Startenor Richard Tauber. Dank Tauber wurde das Werk, anders übrigens als «Die gelbe Jacke», von Beginn an ein grosser Erfolg. Schon ein Jahr nach der Uraufführung in Berlin wurde es verfilmt.