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Die Geschichte der Walliser Weine reicht sehr viel weiter zurück, als man bisher annahm.
Ursprünglich schrieb man den Römern die Einführung der Rebe ins Wallis zu. Die vom Weinmuseum durchgeführten Forschungsarbeiten haben allerdings einen vorrömischen Weinbau ans Tageslicht gebracht, der bis in die Eisenzeit zurückreicht, also etwa in die Epoche um 600 bis 500 v. Chr., während die Römer doch erst 15 v. Chr. ins Wallis kamen.
Das war eine spektakuläre Entdeckung, die dank dem Einsatz von Archäobotanikern gelungen ist, die eng mit den Walliser Archäologen zusammenarbeiteten.
Diese lange Geschichte erlaubt es vielleicht, die starke Bindung der Walliser an ihre Rebparzellen zu verstehen; noch heute hat eine von drei Familien mit Reben zu tun. Auch wenn mittlerweile das Metier des Winzers und die Arbeit in den Reben stark professionalisiert wurden, bekunden Rebbesitzer doch immer Mühe, sich von ihren Parzellen zu trennen.
Die Römer brachten in der Zeit, als sie das Wallis beherrschten, eine ganze Reihe von Rebsorten und Techniken mit ins Wallis.
Man weiss auch, dass in dieser Zeit Weine aus dem gesamten Mittelmeerraum ins Wallis importiert wurden, was paradox anmuten mag und der Idee des geschlossenen Landes widerspricht. So wurden Amphoren gefunden, die nachweislich aus Nordafrika, Palästina, der Türkei, Gallien oder Italien stammten.
Die Walliser sind folglich seit vielen Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden Weinkonsumenten.
Die vom Walliser Weinmuseum durchgeführten Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass die geografische Karte der Rebberge im Mittelalter fast identisch war mit der heutigen. Es wurden Reben zwischen dem Oberwallis und Monthey kultiviert, die Rebberge wiesen klar bezeichnete Konturen auf. Weinbau war zu jener Zeit eine bedeutende Aktivität, die Rebberge befanden sich im Besitz des Adels und des Klerus. Die Arbeit in den Reben und das Keltern des Weins wurde Bauern anvertraut, im Austausch gegen einen Zins, den sogenannten Zehnten.
Der Wein galt im Mittelalter und bis weit in die moderne Zeit hinein als Lebensmittel. Der Weinbau wurde in der Familie betrieben und man produzierte Wein für den lokalen Konsum und vor allem für den Eigengebrauch innerhalb der Familie.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts verlor der Klerus als Folge des Sonderbundskriegs seine Güter, die an bedeutende Grundbesitzer im Wallis und auch im Kanton Waadt verkauft wurden. In dieser Zeit entstanden die ersten grossen Weinhandelshäuser. Das Ende des 19. und der Begin des 20. Jahrhunderts brachten vielerlei Umwälzungen mit sich. Die Rhone wurde eingedeicht, und die Eisenbahn kam ins Wallis, was neue Exportmärkte eröffnete. Das Wallis ging von einer selbstversorgenden zu einer kommerziellen Landwirtschaft über.
Anfang des 20. Jahrhunderts mussten die Weinberge wie im restlichen Europa neu angelegt werden, nachdem die Reblaus sie verwüstet hatte. Das war die Epoche, als das Wallis fast all seine einheimischen Rebsorten verlor und produktivere Sorten wie Chasselas, Pinot Noir, Gamay und Johannisberg zu fördern begann.
Das Ende des Ersten Weltkriegs ging einher mit einer tiefgreifenden Weinbaukrise, wurde doch der Markt mit ausländischen Weinen überschwemmt. Als Antwort auf dieses angekündigte Desaster schlossen sich viele Produzenten zusammen und gründeten die Winzergenossenschaft Provins, die noch heute existiert.
Während des Zweiten Weltkriegs erlebten die Walliser Weine und die Schweizer Weine im Allgemeinen einen Aufschwung, weil die Grenzen geschlossen waren.
Die Nachkriegsjahre waren eine erfolgreiche Zeit. Die Produktion war bedeutend, die Rebfläche nahm auf über 5000 Hektar zu. Allerdings sorgte man sich in dieser Periode noch kaum um die Weinqualität.
Die Krise der Überproduktion in den 1980er-Jahren brachte die Produzenten dazu, sich mehr und mehr an einem qualitativen Zugang zu orientieren. Die Einführung der AOC (Appellation d’Origine Contrôlée = kontrollierte Ursprungsbezeichnung) im Jahr 1992 konkretisierte diesen Ansatz. Die Krise führte auch zu einem Nachdenken über die Rebsortentypen, die zu fördern wären, um eine eigene spezifische Identität zu entwickeln. So begannen die einheimischen Rebsorten endlich wieder den Platz im Walliser Weinbau einzunehmen, der ihnen zustand.
Während Jahrhunderten und bis in die 1980er-Jahre bewirtschafteten die Walliser Familien ihre Reben. Die Landwirtschaftsschule erteilte zwar Instruktionen, aber die Winzer führten zu jener Zeit gemischte Landwirtschaftsbetriebe mit Ackerbau, Viehwirtschaft und Rebbau.
Seit den 1980er-Jahren hat die Professionalisierung stark zugenommen, sodass heute 80% der Walliser Reben von Profis kultiviert werden.
Die Walliser Rebfläche liegt heute leicht unter 5000 Hektaren.