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M.A. in Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich, Doktorand am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik der Universität St. Gallen und ehemaliger Praktikant bei iconomix.
Themenbereich: Wachstum und Entwicklung, Buch-Besprechungen
Warum sind einige Länder so arm? Liegt es daran, dass warmes Wetter faul macht? «Nein», sagt der Ökonom Doran Acemoglu, «die Ursache liegt in schlechten Institutionen».
Im Jahr 1948 wurde Korea in zwei Staaten aufgeteilt. Nord- und Südkorea entstanden. Nordkorea schaffte den Privatbesitz von Land und Kapital ab. Südkorea versuchte die Wirtschaftsentwicklung über Märkte und private Anreize zu fördern. Zum Zeitpunkt der Teilung hatten beide Ländern eine ähnliche Kultur, Geographie und einen ähnlichen Entwicklungsstand.
Wenige Jahrzehnte später. Südkorea boomt, während Nordkorea auf einem nächtlichen Satellitenbild als dunkler Fleck erscheint. Weshalb haben sich die beiden Nachbarn so unterschiedlich entwickelt?
Eine Antwort liefert der Ökonom Daron Acemoglu. Er ist der Meinung, dass geografische Unterschiede erklären, warum die Menschen nach Südfrankreich und nicht in die Arktis in die Ferien fahren, nicht aber, warum ein Land arm oder reich ist.
Nicht heisses Klima oder Mangel an Rohstoffen sind Gründe für Wohlstandunterschiede zwischen Ländern. Es sind die Institutionen die über arm oder reich entscheiden. «Menschen müssen gute Institutionen aufbauen», so Acemoglu.
So weit so gut. Doch was meint man mit dem Begriff «Institutionen»?
Der Begriff «Institution» ist weit gefasst. Eine Institution kann als ein System von Regeln verstanden werden. Diese Regeln geben Individuen, Gruppen oder Gemeinschaften vor, wie sie sich verhalten sollen. Institutionen reduzieren die Unsicherheit und Willkür im menschlichen Miteinander.
Gute Institutionen haben einen Einfluss auf den Wohlstand, weil sie bestimmen, was belohnt und was bestraft wird. Menschen reagieren auf Anreize und sich bietende Chancen – auf Regeln, welche von Institutionen geschaffen werden.
Eine Schule oder ein Gefängnis ist ebenso eine Institution, wie die Güter «wirtschaftliche Freiheit» oder die «Rechtssicherheit». Sie alle haben gemeinsam, dass sie Regeln vorgeben, nach denen sich Menschen verhalten. Je besser die Regeln sind, desto besser entwickelt sich die Wirtschaft.
Nur wenn in einem Land gute Institutionen geschafft werden, kann langfristig Wohlstand gedeihen. Zu den wichtigsten guten Institutionen gehört laut Acemoglu die staatliche Ordnung: fähige Behörden, eine unabhängige Zentralbank, eine freiheitliche Gesellschaftsordnung und Rechtsstaatlichkeit. Die politische Macht sollte zudem gleichmässig verteilt sein und keine Gruppe sollte eine andere Gruppe politisch oder wirtschaftlich ausbeuten können.
Ausbeutung führt dazu, dass die Menschen bald zu wenig Anreiz haben sich anzustrengen. Staaten mit einem hohen Enteignungsrisiko und einer schlechten Institutionenqualität weisen einen wesentlich tieferen Wohlstand aus. Institutionen sind besser, wenn die Herrschaft breit abgestützt ist und die Menschen an den Früchten ihrer Arbeit teilhaben können – wie dies in der Schweiz der Fall ist.
Auch die Frage, weshalb ehemalige Kolonien sich unterschiedlich entwickelt haben, kann gemäss Acemoglu mit Hilfe unterschiedlicher Institutionen geklärt werden. Wieso florieren einige der ehemaligen europäische Kolonien wie die USA, Kanada, Australien, Neuseeland, während andere einen viel tieferen Lebensstandard aufweisen?
In ursprünglich reichen Kolonien wie Indien, Brasilien oder Mexiko
war die Siedlersterblichkeit, wegen Krankheiten und einem ungewohntem Lebensumfeld, viel höher. Weil diese Gegenden zudem noch sehr ressourcenreich waren, stand eher eine kurzfristige Ausbeutung als eine langfristige Niederlassung im Mittelpunkt. In der Annahme, das neue Land bald wieder zu verlassen, gaben sich die Siedler erst gar keine Mühe, gute Institutionen aufzubauen.
Im Gegensatz dazu bauten die Siedler in weniger dicht besiedelten und rohstoffärmeren Gebieten Institutionen nach europäischem Vorbild auf. Sie hatten vor, sich längerfristig niederzulassen. Eigentumsrechte, Vertragssicherheit, eine breite Mittelschicht und eine Vielzahl von Unternehmen führten dazu, dass ursprünglich arme Kolonien wie das britische Nordamerika Institutionen besassen, die ihnen eine Industrialisierung ermöglichten.
Weil man es in der Kolonialzeit unterlassen hatte, gute Institutionen zu verwirklichen, haben viele Entwicklungsländer noch heute einen grossen Rückstand. Institutionen sind in vielen Ländern nicht auf den Wohlstand der Bevölkerung, sondern auf den Nutzen der Machthaber ausgerichtet. Korruption ist allgegenwertig – Rechtssicherheit nur schwach vorhanden. Wachstumsschädigendes Verhalten wird in Kauf genommen, wenn es den Machthabern nützt. Innovationen werden verhindert, wenn sie die Führung gefährden.
Zum Thema:
- Finanz und Wirtschaft. Italien ist das grösste Risiko für die Währungsunion. Wirtschaftsprofessor Ziliboti, beklagt in einem Interview die schlechten Institutionen Italiens. (02.04.2013)
- Spiegel Online. Nationen und ihr Wohlstand: Schlüssel zum Reichtum. Über das Buch «Why Nations fail». (07.04.2012)
- Tages Anzeiger Online. Armut ist nicht per se gefährlich. Interview mit dem Acemoglu. (17.11.2012)
- Daron Acemoglu und James Robinson. Why Nations fail. Buch über die Ursachen der Armut. (auf Englisch – 2012)
- Financial Times. The wealth of nations. Buchrezension. (03.03.2012 – auf Englisch )
- Daron Acemoglu und James robinson. Why nations fail. Blog zum Buch. (auf Englisch)
- iconomix-Baustein: Wachstum und Entwicklung
Für das iconomix-Team
Patrick Keller
M.A. in Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich, Doktorand am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik der Universität St. Gallen und ehemaliger Praktikant bei iconomix.