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Leonor Antunes (*1972 in Lissabon, lebt und arbeitet in Berlin) ist bekannt für ihre raumgreifenden Installationen, in denen sie auf Themen und Künstlerpersönlichkeiten aus den Bereichen Architektur, Design und Kunst des 20. Jahrhunderts Bezug nimmt.
In ihren kunsthistorischen Recherchen fokussiert sich Antunes auf einzelne Details von Werken – zumeist weiblicher – Kunstschaffender und setzt sie in unerwarteter Weise zu neuen Objekten, Skulpturen und Installationen zusammen. Zu ihren Vorbildern zählen beispielsweise die irische Designerin und Architektin Eileen Gray (1878–1976) und die in Italien geborene brasilianische Architektin Lina Bo Bardi (1914–1992). Die Künstlerin wählt architektonische Details oder Teile von Möbeln und Objekten aus, die sie anschliessend dupliziert, vergrössert, reduziert und für ihre eigenen Interpretationen transformiert. Dabei sind ihr der historische Kontext der Werke, ihre Machart und Produktionsweise ebenso wichtig wie die soziale Rolle, welche die Kunst- und Designobjekte einst einnahmen. Den künstlerischen Prozess beschreibt Antunes als einen, der in zahlreichen Schichten stattfindet und skulptural ist insofern, als er die Möglichkeit von Subtraktion und Addition bereithält.
Die Jury ist insbesondere von Leonor Antunes’ ortsspezifisch ausgerichteten Konzeptionen begeistert, die auf Formen und Motive der Moderne rekurrieren und sie in überzeugender Manier skulptural und installativ übersetzen. Mit Antunes wird eine herausragende Gegenwartskünstlerin ausgezeichnet, die in ihrem Werk eine Brücke zur Architektur-, Design- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts schlägt.