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Vor knapp zehn Jahren wurde vom Schweizer Stimmvolk eine Initiative für die Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile ist im Umgang mit dieser Heilpflanze weltweit viel passiert.
Der medizinische, kulinarische, spirituelle und rohstoffliche Gebrauch von Cannabis hat eine jahrtausendealte Tradition in verschiedensten Kulturen quer durch die Weltgeschichte. In Uruguay wurde Hanf im Jahre 2013 legalisiert. In den USA wurde der medizinische Handel von Cannabis in den letzten Jahren in verschiedenen Bundesstaaten wie etwa Kalifornien, Denver und Oregon erlaubt. Seither ist daraus eine Milliardenindustrie entstanden, die den jeweiligen Bundesstaaten grosse Mengen an Steuergelder einbringt. In Holland wird in Coffeshops schon seit Jahren legales Cannabis verkauft. In Bern findet sich in der Altstadt mittlerweile eine Hanf-Apotheke, in der Cannabisblüten, Öle und Tröpfchen mit einem THC-Wert (der psychoaktive Stoff im Cannabis) unter 1% verkauft werden und im Coop können CBD-Hanfzigaretten gekauft werden.
Ein Drittel der Schweizer Bevölkerung gibt an, schon einmal gekifft zu haben und der süssliche Duft von verbranntem Hanf weht uns an den meisten Festivals und Konzerten entgegen. So plante die Universität Bern dieses Jahr eine Studie, bei der KonsumentInnen über eine beschränkte Zeit in zwei Apotheken legal hätten Hanf beziehen können, um dann Auskunft über ihr Konsumverhalten zu geben. Die Studie hätte zur Erforschung des gesellschaftlichen Umgangs mit dieser Pflanze gedient. Nun hat das Bundesamt für Gesundheit diese Studie gestoppt. Die Schizophrenie hinter diesem Entscheid ist schwer zu übersehen. Wie kann das BAG, das sich eigentlich um die Volksgesundheit zu kümmern hätte, eine solche Studie verbieten, die zu Erkenntnissen für einen mündigeren und sichereren Umgang mit Cannabis geführt hätte? Haben die lieben Damen und Herren des BAGs noch immer nicht begriffen, dass der Rausch zu einem ganz normalen Bedürfnis des Menschen gehört und dass es deshalb illusionär ist, ihn zu verbieten, zu unterdrücken oder zu verdrängen? Ohnehin, wie kommt man überhaupt auf die Idee, eine Pflanze zu verbieten? Und wie kommt man auf die Idee, wissenschaftliche Forschung zu verbieten, die bemüht ist, Gefahren und Risiken des Cannabis-Gebrauchs aufzudecken?
Die Politik hinkt in diesen Fragen mit ihren ideologischen Kämpfen den gesellschaftlichen Entwicklungen meilenweit hinterher. Um die Studie trotzdem durchführen zu können, die übrigens von der kantonalen Ethikkommission bereits geprüft und politisch abgestützt wurde, ist ein Experimentierartikel, für den sich beispielsweise Franziska Teuscher einsetzt, auf politischer Ebene durchzusetzen. Die Durchsetzung dieses Artikels wäre insofern wichtig, da sich auch andere Städte wie Zürich, Luzern und Biel für die Studie interessieren. Zudem wird es im Parlament nächstes Jahr ohnehin zu einer Diskussion zur Hanfregulierung kommen, da die Grüne Partei eine parlamentarische Initiative vorlegen wird.
Die JA! setzt sich dafür ein, dass wir endlich eine mündige, sachliche und abgeklärte Debatte zur Integration von Cannabis in unsere Kultur führen können – ohne unnötige Stigmatisierung und Schikanierung von PatientInnen, KonsumentInnen, Hanfbauern und -bäuerinnen, Kräuterhexen und -buben und PflanzenliebhaberInnen.
Im Ja!rgon 1/18 von Jonas H.