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Delhi wird Tokio überholen
Megastädte im Jahr 2030 – das wird die Rangliste sein.
Welche Megastadt hat die meisten Einwohner? Die richtige Antwort auf die Millionenfrage lautet: Tokio. 37,5 Millionen Menschen leben gegenwärtig im urbanen Ballungsraum der japanischen Hauptstadt – eine nur schwer vorstellbare Zahl. Die Schweizer Bevölkerung könnte man in Tokios Häuserschluchten 4½ Mal unterbringen. Anders formuliert: Tokio ist 92 Mal grösser als Zürich oder 263 Mal grösser als Bern.
Indiens Hauptstadt Delhi (28,5 Millionen) und Chinas Wirtschaftsmetropole Shanghai (25,5 Millionen) folgen in der Rangliste der aktuell grössten Städte der Welt auf den Rängen 2 und 3. Sieben der zehn Top-10-Vertreter sind in Asien zu Hause.
Die Hierarchie der Megastädte – Metropolen mit mindestens zehn Millionen Einwohnern – werde sich bis ins Jahr 2030 verändern, prognostiziert eine Studie der Vereinten Nationen. Dannzumal soll Delhi mit einer unfassbaren Einwohnerzahl von 39 Millionen Menschen die bevölkerungsreichste Stadt der Welt sein (siehe Grafik). Tokio (36,5 Millionen) und Shanghai (33 Millionen) würden die Plätze 2 und 3 belegen; Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch (28 Millionen), Platz vier. Neu in die Top Ten vorstossen würde Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Eine europäische Stadt würde sich nicht in den Top 10 finden lassen – die Experten erwarten jedoch, dass Europa vier Megastädte stellen würde: Istanbul, Moskau, Paris und London.
Die Wachablösung an der Spitze des Rankings soll im Jahr 2028 erfolgen, wenn Delhi einwohnermässig an Tokio vorbeizöge.
Die Abwanderung in die Städte schreitet voran. Die UN-Forscher bestätigen diesen Trend mit bemerkenswerten Zahlen: Im Jahr 1950 lebten 751 Millionen Menschen im urbanen Raum – weniger als ein Drittel der Weltbevölkerung. Gemäss einem Bericht von World-Economic-Forum-Autor Alex Thornton gab es damals nur zwei Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern: New York und Tokio.
Heute leben über 55 Prozent der Weltbevölkerung oder 4,2 Milliarden Erdenbürger im städtischen Raum. Das bedeutet: Die Zahl der Megastädte ist seit 1950 von 2 auf gegenwärtig 33 angestiegen – die meisten von ihnen liegen in Asien (19) und Lateinamerika (6). Die UN-Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten (UN DESA) rechnet damit, dass bis ins Jahr 2030 zehn weitere Megastädte dazukommen werden, die überwiegend in Entwicklungs- und Schwellenländern in Afrika und Asien angesiedelt sind. Die Folgen könnten verheerend sein: Ghettoisierung, Umweltzerstörung und soziale Segregation.
Was auffällt: Die Vereinigten Staaten von Amerika verlieren immer mehr an Terrain. 1950 figurierten noch 6 US-amerikanische Städte in den Top 20, im Jahr 2030 werde New York im Ranking einziger Vertreter der USA sein, schreibt Thornton.
Momentan gibt es weltweit 548 Millionenstädte. Diese Zahl werde bis 2030 auf 706 Städte ansteigen, prognostizieren die Forscher der Vereinten Nationen.
Osaka und Tokio bilden einen Gegentrend zu den rasant wachsenden Megastädten in Afrika und Asien: Laut den Vereinten Nationen würden sich die beiden japanischen Grossstädte in umgekehrter Richtung entwickeln. Heute figuriert Osaka mit 19,3 Millionen Einwohnern gerade noch in den Top Ten. Im Jahr 2030 soll die Hafenstadt aus den Top Ten fallen, was auch damit zu tun haben dürfte, dass ihre Bewohner vermehrt nach Tokio abwandern. Aber auch Tokios Bevölkerung soll bis 2030 um eine satte Million schrumpfen – schuld daran dürfte auch die stark sinkende Geburtenrate in Japan sein.
Autor: Thomas Wälti