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Der Lotus kommt im asiatischen Raum von Japan über China bis Nepal und nach Westen bis zum Kaspischen Meer vor. Seine grossen, wohlriechenden Blüten wachsen oft aus Sümpfen heraus und haben die besondere Fähigkeit, sich selbst zu reinigen. Die Lotusblüten haben im tibetischen Buddhismus eine tiefgreifende Symbolik, die weit über ihre Schönheit und Reinheit hinausgeht und verschiedene Aspekte der spirituellen Praxis und des Glaubens versinnbildlicht.
Zahlreiche Texte und Schriften des Buddhismus beziehen sich auf den Lotus, um buddhistische Konzepte und Lehren zu vermitteln, wie Erleuchtung, Mitgefühl, Reinheit und die gegenseitige Abhängigkeit aller Dinge. Hier sind einige Beispiele:
Om Mani Padme Hum: das berühmteste Mantra wird mit «Oh du Juwel in der Lotusblüte» übersetzt.
Lotussutra (Saddharma Puṇḍarīka Sūtra): Dieses Sutra ist eines der wichtigsten Texte im Mahayana-Buddhismus. Es enthält zahlreiche Lehren des Buddha, darunter die berühmte Metapher des «Lotus Sutra», die die universelle Erleuchtung und das Potenzial aller Lebewesen zur Erleuchtung betont.
Lalitavistara Sutra: Dieses Sutra ist eine der wichtigsten Quellen für das Leben und die Lehren des Buddha Shakyamuni. Es beschreibt, wie der Bodhisattva Siddhartha Gautama in einer Lotusblüte geboren wurde.
Avatamsaka Sutra (auch Blumenornament-Sutra): Dieses umfangreiche Sutra betont die gegenseitige Abhängigkeit aller Phänomene und wird oft mit der Symbolik des Lotus in Verbindung gebracht, um diese Idee zu veranschaulichen.
Surangama Sutra: Dieses Sutra ist ein wichtiger Text im Chan- und Zen-Buddhismus und enthält eine Passage, in der der Buddha seine Schüler auffordert, das Bewusstsein als «wie ein Lotusblatt, das sich nicht im Wasser befindet» zu betrachten.
Amitabha Sutra (Sukhavati-Vyuha): Dieses Sutra beschreibt das «Reine Land» des Buddha Amitabha, in dem diejenigen wiedergeboren werden können, die seinen Namen rezitieren und nach dem Tod in einem reinen und glückseligen Zustand wiedergeboren werden. Der Lotus ist ein häufiges Symbol für dieses Reine Land.
Vimalakirti Sutra: In diesem Sutra gibt es eine Passage, in der der Bodhisattva Vimalakirti auf wundersame Weise einen riesigen Lotus erblühen lässt, um die Anwesenden zu unterweisen.
Bedeutung und Symbolik
Reinheit und Erleuchtung: Die Lotusblume ist ein Symbol für Reinheit und Erleuchtung im tibetischen Buddhismus. Sie wächst aus schlammigem Wasser, bleibt jedoch stets makellos und unberührt. Dies symbolisiert die Fähigkeit, trotz der Weltlichkeit und Unvollkommenheit der Welt spirituell zu wachsen und Erleuchtung zu erreichen.
Spirituelles Erwachen: Die Art und Weise, wie die Lotusblume aus dem Dunkel emporsteigt und sich zur Sonne hin öffnet, wird als Metapher für das spirituelle Erwachen und die Entfaltung des inneren Potenzials gesehen. Es steht für die Entwicklung des Geistes und die Befreiung von Ignoranz.
Vergebung: Die Lotusblume symbolisiert auch die Idee der Vergebung und des Mitgefühls. Ähnlich wie die Blume aus unreinem Wasser wächst, ermutigt sie dazu, Mitgefühl für alle Lebewesen zu empfinden und sie trotz ihrer Mängel und Fehler zu akzeptieren.
Darstellungsformen
Lotusthron: In vielen Darstellungen im tibetischen Buddhismus sitzt Buddha oder ein Bodhisattva auf einem Lotusthron. Dies unterstreicht die Erhabenheit und Reinheit der spirituellen Lehre und der erleuchteten Wesen.
Anzahl der Blütenblätter: Die Anzahl der Blütenblätter variiert und trägt ihre eigene Bedeutung. Eine Lotusblume mit vier Blütenblättern symbolisiert oft die Erde, während eine mit acht Blütenblättern das Universum repräsentiert und symbolisch für den «achtfachen Pfad» praktizierender Buddhisten stehen.
Farben: Die Farbe der Lotusblume hat ebenfalls eine Bedeutung. Ein zartrosa Lotus gehört zum historischen Buddha Shakyamuni. Weisse Lotusblumen symbolisieren allgemein Reinheit und spirituelle Perfektion, während rote Lotusblumen für Mitgefühl und Liebe stehen und zum Bodhisattva der Barmherzigkeit, Avalokiteshvara, gehören. Blaue Lotusblumen können Weisheit und Einsicht verkörpern und werden deshalb mit Manjushri in Verbindung gebracht, einem Bodhisattva, der mit seinem Flammenschwert den Fesseln der Unwissenheit und Verblendung entgegentritt.
Offene oder geschlossene Blüten: Eine geschlossene Lotusblume steht oft für das noch nicht vollständige spirituelle Erwachen, während eine offene Blüte die vollständige Erleuchtung und Entfaltung des Geistes repräsentiert.
Verbindung zu Gottheiten: Lotusblumen sind oft in Verbindung mit bestimmten buddhistischen Gottheiten zu sehen. Zum Beispiel werden Avalokiteshvara, der Bodhisattva des Mitgefühls, oder die Grüne Tara oft mit einer Lotusblüte in der Hand dargestellt.
Die Lotusblüte ist eines der kraftvollsten Symbole im tibetischen Buddhismus, das daran erinnert, dass spirituelles Wachstum und Erleuchtung trotz der Herausforderungen und Unvollkommenheiten des Lebens möglich sind. Sie lehrt Mitgefühl, Reinheit und spirituelle Transformation und hat einen festen Platz in der Ikonografie und Philosophie des tibetischen Buddhismus, aber auch in der buddhistischen Kunst und Architektur. Sie schmückt Tempel, Statuen (so als Sockel oder Thron für den Buddha oder andere erleuchtete Wesen wie Bodhisattvas) und Thangkas, aber auch Alltagsgegenstände wie z.B. Sockel für Räucherstäbchen, Kerzenschalen oder Geschenkpapiere. Und aus ihren Samen werden traditionelle Mala Gebetsketten geknüpft.