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Störungen der Sprachentwicklung
Über die Sprachentwicklung bei Kindern ist besonders in den letzten 25 Jahren intensiv geforscht worden. Die Fortschritte im Erkennen einer kindlichen Sprachstörung (Dyslalie) werden sowohl von Kinderärzten als auch von Logopäden genutzt, um so früh wie möglich eine Diagnose zu stellen und eine geeignete Therapie zu beginnen. Es ist bekannt, dass durch die Früherkennung und Therapie Spätfolgen wie Legasthenie und Lernstörungen vorgebeugt werden kann.
Vor allem zwischen dem ersten und dem dritten Lebensjahr nimmt in der kindlichen Entwicklung der Spracherwerb einen wichtigen Platz ein. Sollten sich in dieser Zeit Probleme oder Auffälligkeiten (z.B. Stottern oder Lispeln) zeigen, kann eine sprachtherapeutische Behandlung besonders effektiv sein.
Es gibt Risikofaktoren, die eine ungestörte und erfolgreiche Sprachentwicklung behindern oder verzögern. Dazu gehören bestimmte Infektionen in der Schwangerschaft (Röteln, Toxoplasmose usw.), bei oder nach der Geburt (Neugeborenengelbsucht) und chronische Mittelohrentzündungen zwischen 1 1/2 und 3 Jahren. Sie können zu Hördefiziten führen und dadurch Störungen beim Spracherwerb begünstigen. Genetische Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen; Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie einige schwere Erkrankungen der Mutter führen häufig zu einer frühkindlichen Hirnschädigung und damit zu Entwicklungsstörungen des Kindes, auch beim Spracherwerb. Nicht zuletzt ist ein verkürztes Zungenbändchen oder eine Verletzung der Artikulationsorgane ein Grund für verspätetes und fehlerhaftes Sprechen. Auch eine für das Kind belastende Situation, wie ein Umzug, die Trennung der Eltern oder Eifersucht auf ein Geschwisterkind, kann der Auslöser sein, in die Babysprache zurück zu fallen. Dies wird dann als "Regression" bezeichnet, ein Rückzug in eine vorhergehende Entwicklungsstufe.
Interviews
Corine Verna zum Thema Babyzeichensprache
Remo H. Largo: Was verstehen wir unter Entwicklung?
Als ein weiterer Grund für eine verzögerte Sprachentwicklung gilt der eigene Fernsehapparat im Kinderzimmer, den es leider immer häufiger schon für Kleinkinder und Kindergartenkinder gibt. Wenige ausgewählte und altersgerechte Sendungen möglichst gemeinsam mit den Eltern anzusehen, kann anregend sein, für die Sprachentwicklung unentbehrlich ist aber das Anschauen und Vorlesen von Büchern.
Sprachentwicklungsstörungen sind anzunehmen, wenn sich ein Kind im Vergleich zu seiner Altersgruppe wesentlich schlechter ausdrücken kann und auch sein Sprachverständnis deutlich weniger entwickelt ist. Oft gehen diese Störungen einher mit einer Konzentrations- und Wahrnehmungsstörung. Seien Sie aber nicht sofort beunruhigt, wenn Ihr Kind zu den eher "späten Sprechern" gehört, zeitliche Abweichungen und Verzögerungen sind auch hier normal.
Wissen
Newsticker
Sprechenlernen beginnt im Uterus: Neugeborene können bereits zwischen Mutter- und Fremdsprache unterscheiden. Ein Forscher-Team spielte jeweils 40 amerikanischen und schwedischen Babys im Alter von 7 bis 75 Stunden beide Sprachen vor. Sie hatten dabei einen speziellen Schnuller im Mund, der die Saugbewegungen registrierte. Saugen bedeutet Neugierde, und diese galt jeweils der Fremdsprache. Der Schluss ist, dass die Kinder bereits Erfahrungen mit der eigenen Sprache haben. Ab der 30. SSW können Feten Töne wahrnehmen. (Newsticker, 24.2.2013)
Letzte Aktualisierung: 05.2016, AG