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Massnahmen zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen mit China: Neuorganisation der diplomatischen und konsularischen Vertretungen.
Printed in
dodis.ch/165
Der Delegierte des Bundesrates für Handelsverträge, M. Troendle, an den Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements, W. Stämpfli1
Im Zusammenhang mit dem Vorschlag Ammann3 betr. Errichtung einer Verkaufsorganisation wurde auftragsgemäss die Frage der Förderung unserer Wirtschaftsbeziehungen mit China mit den interessierten Stellen und Organisationen, unter Beiziehung von Herrn Dr. Schindler4, der soeben aus China zurückgekehrt ist, konferenziell abgeklärt.
Von den Ausführungen Herrn Dr. Schindlers ist festzuhalten, dass die wirtschaftliche Erholung von den Folgen der 8 Kriegsjahre nur langsame Fortschritte macht. Eine nennenswerte Besserung kann erwartet werden, wenn die massgebenden wirtschaftlichen und politischen Organe ihre Tätigkeit von Tschungking nach den weiter im Osten des Landes gelegenen Zentren Nanking und Shanghai verlegt haben, was kaum vor dem nächsten Frühling oder Sommer der Fall sein dürfte.
Bei den heute noch ganz unstabilen Verhältnissen ergeben sich daher vorläufig für die Schweiz noch keine grösseren Exportmöglichkeiten. Eine wichtige Voraussetzung ist zudem die Aufrechterhaltung des politischen Friedens im Innern des Landes. In dieser Beziehung ist die Lage noch keineswegs abgeklärt. Grösste Bedeutung kommt sodann der Ordnung der Währungsverhältnisse zu. Solange die heutigen Schwierigkeiten in bezug auf die Überweisung von Zahlungen nicht behoben werden können, sind schon aus diesem Grunde grössere Geschäftstransaktionen kaum möglich. Es kommen höchstens kleinere Geschäfte in Betracht. Auf alle Fälle stehen Staatsaufträge noch in ziemlich weiter Ferne.
Trotz oder vielleicht gerade wegen diesen vorerst noch wenig günstigen Aussichten für unsern Handelsverkehr mit China ist es auch nach der Meinung des Herrn Dr. Schindler unbedingt nötig, die Vertretungen der Schweiz in diesem Lande gut auszubauen.
Die erwähnte Aussprache zeitigte diesbezüglich folgendes Resultat:
1. Der neue schweizerische Gesandte in China sollte nach Möglichkeit in wirtschaftlichen Dingen versiert sein, damit er selbst die handelspolitischen Belange bei der chinesischen Regierung vertreten kann. Die Zuteilung eines besonderen Handelsattachés kann zwar in Aussicht genommen werden, voraussichtlich würde es aber zweckmässiger sein, ihn der konsularischen Vertretung in Shanghai, dem unbestrittenen Wirtschaftszentrum, zuzuteilen.
2. Mit Wegfall der Kapitulationen wird das Konsulat in Shanghai das Schwergewicht seiner Tätigkeit ins Wirtschaftsgebiet zu verlegen haben. Ob neben den Konsulaten in Shanghai und Canton und der Konsularagentur in Tiensin weitere Konsularposten zu errichten sind, wird erst die Erfahrung lehren.
3. Die im Jahre 1937 in Shanghai errichtete Agentur der Schweizerischen Zentrale für Handelsförderung ist beizubehalten und auszubauen. Ob die bisherige Angliederung an das Generalkonsulat (Vizekonsul Dr. Schilling amtiert zugleich als Agenturleiter) beizubehalten ist, bedarf der Abklärung auf Grund der künftigen Erfahrungen5. Wünschbar erscheint, einen in Tschungking lebenden Landsmann namens Senn als Mitarbeiter der Agentur heranzuziehen.
4. Nach Durchführung der erwähnten Massnahmen werden die schweizerischen Vertretungen in der Lage sein, den an sie gestellten Anforderungen in vollem Umfange gerecht zu werden, so dass die durch Herrn Bernhard Ammann vorgeschlagene Organisation keine Existenzberechtigung hätte.
- 1
- (Kopie): E 2001 (E) 2/624.↩
- 2
- Kopien dieser Notiz gingen an J. Hotz, F. Bauer, W. Stämpfli, R. Hohl, A. Zehnder und P. J. Pointet.↩
- 3
- Es handelt sich um einen Brief B. Ammanns an die Handelsabteilung des Volkswirtschaftsdepartements vom 5. September 1945; nicht ermittelt. Über die Bemühungen der schweizerischen Industrie, die Wirtschaftsbeziehungen mit China zu vertiefen, vgl. DDS, Bd. 15, Dok. 324, dodis.ch/47928.↩