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Kolloidzyste
Klinische Bedeutung
Kolloidzysten sind gutartige, zystische Strukturen, die mit einer Epithelschicht ausgekleidet sind und mukoide (schleimige) Flüssigkeit enthalten. Durch die Ansammlung der mukoiden Flüssigkeit welche von den Zellen der Zystenwand ausgeht, kommt es im Verlauf häufig zu einem langsamen Zystenwachstum. Kolloidzysten sind typischerweise im vorderen, oberen Bereich des dritten Ventrikels lokalisiert. Dort können sie den Übergang von beiden Seitenventrikel zum dritten Ventrikel, das sogenannte Foramen Monroi, verschliessen, so dass es zu einem Aufstau des Liquor cerebrospinalis in einem oder meistens beiden Seitenventrikeln kommen kann(Hydrocephalus occlusus). Hierzu kann es bei einem nicht vollständigen Verschluss zu einer chronischen oder bei vollständigem Verschluss zu einem plötzlichen Anstieg des intrakraniellen Druckes kommen.
Symptomatik
Die häufigsten Beschwerden sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen, Verschwommensehen, Inkontinenz, sowie Einschränkungen der Konzentrationsfähigkeit und des Gedächtnisses. Seltener sind Doppelbilder, epileptische Anfälle oder ein Tinnitus beschrieben. Symptome treten erst auf wenn es zu einer Einengung der Liquorabflusswege kommt, vorher sind Kolloidzysten asymptomatisch (und oft als Zufallsbefund diagnostiziert). Die Beschwerden können bei einem nicht vollständigen Verschluss langsam progredient oder auch intermittierend vorkommen (eventuell in Abhängigkeit der Kopfposition). Bei einem akuten Verschluss der Liquorwege kann es zu plötzlich einsetzenden und schnell progredienten Beschwerden kommen mit einer lebensbedrohlichen Hirndrucksteigerung. Ein ganz plötzlicher Anstieg des intrakraniellen Druckes kann akut lebensbedrohlich sein und es sind selten Fälle von plötzlichem Tod aufgrund von Kolloidzysten beschrieben.
Ursachen
Die Zysten entspringen dem neuroendodermalen embryonalen Gewebe des Diencephalsons. Es handelt sich um eine Anlagestörung. Durch die Absonderung von Sekret von den Epithelzellen ins Zysteninnere wächst die Zyste.
Diagnostik
Die Raumforderung im Foramen Monroi und die Zyste können bereits im Computertomogramm erkannt werden. Hier zeigen sich die Zysten meistens hyperdens und können leicht Kontrastmittel aufnehmen (ca. 50 Prozent). Verkalkungen sind selten. Im MRI stellen sich die Zyste und deren Abgrenzung zu den Nachbarstrukturen deutlicher dar. In T1-gewichteten Aufnahmen sind Kolloidzysten typischerweise iso- oder hyperintens, in T2-gewichteten hypointens, in Flair-Aufnahmen hyperintens. Leichte randständige Kontrastmittelanreicherungen sind möglich. Auch im MRI zeigt sich das Ausmass des Liquoraufstaus anhand der Weite der Seitenventrikel. Lumbalpunktionen zur Liquorgewinnung oder Druckmessung sind kontraindiziert.
Behandlung
Nicht jede Kolloidzyste wächst und muss behandelt werden. Kleine Kolloidzysten, die keine Obstruktion und Liquorzirkulationsstörung verursachen, können in regelmässigen Abständen kontrolliert und durch die oben genannte Bildgebung beobachtet werden. Zysten, die das Foramen Monroi relevant einengen oder bereits zu einem Liquoraufstau führen, sollten entfernt werden. Die Operation wird über einen minimalinvasiven Zugang endoskopisch oder mikrochirurgisch durchgeführt. Das ideale operative Vorgehen wird im Einzelfall anhand der genauen Zystenlokalisation und Grösse sowie des Ausmasses des Hydrocephalus bestimmt. Die postoperative Nachbetreuung beinhaltet eine MRT-Kontrolle im Verlauf um eventuelle Rezidive, die aber selten sind, rechtzeitig zu erkennen.
Erfolg der Operation
Durch die Zystenentfernung kann der Liquorfluss wiederhergestellt werden. In einigen Fällen kann es jedoch nach dem Eingriff (innerhalb von Tagen oder Wochen) zu einem Hydrocephalus malresorptivus kommen was allenfalls die Implantation eines Shunts notwendig macht. Weiter kann es zu Rezidiven kommen wenn ein Rest der Zystenwand am Dach des 3. Ventrikels zurückbleibt, z.B. bei stark adhärenten Zysten.
Häufigkeit und Risikogruppen
Die Erkrankung ist relativ selten und macht lediglich 0.5–1 Prozent aller intrakraniellen Raumforderungen aus. Am häufigsten ist die Altersgruppe zwischen 20–50 Jahren betroffen.