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Meerrettich stammt ursprünglich aus Ost- und Südeuropa. Oft liest man, er sei schon den Römern bekannt gewesen – als Beleg wird ein pompejisches Wandgemälde erwähnt. Wir haben ein solches jedoch bisher nicht zu Gesicht bekommen. Auch soll Cato der Ältere (234-149 v.Chr.) in seiner Abhandlung zur Agrikultur über Meerrettich geschrieben haben – auch da allerdings liegt uns bisher die entsprechende Stelle nicht vor. Vielleicht wurde Meerrettich also doch erst ab dem Mittelalter als Gewürz und als Heilpflanze genutzt. Ab dem 12. Jahrhundert soll er nördlich der Alpen angebaut worden sein. Meerrettich wächst wild am Rand von Bachläufen und Flussufern. Er wird im nördlichen Europa (vor allem in Deutschland und Österreich), in den USA und offenbar auch Südafrika angebaut. Für Robert Habs und Leopold Rosner löst der Meerrettich zu Ende des 19. Jahrhunderts den Knoblauch ab («Appetit-Lexikon», S. 321): «Dies Vordringen des Meerrettichs steht im genauen Verhältnis zum Zurückweichen des Knoblauchs, so dass man den Kren mit Fug und Recht den lachenden Erben des Knoblauchs nennen kann». Ganz eingelöst hat sich diese Prognose wohl nicht.
Meerrettich wächst als mehrjähriges Kraut 50 bis 150 cm hoch. Die Pflanze ist winterhart und soll Temperaturen bis -50°C aushalten. Sie hat eine fleischige Pfahlwurzel, die in der Regel 30 bis 40 cm lang und 4 bis 6 cm dick wird. Aus dieser Wurzel treibt sie im ersten Jahr eine Blattrosette, in den folgenden Jahren ausserdem Blütenschäfte. Die Blätter sind grundständig, gestielt, eiförmig, wellig mit gekerbtem Rand und 30 bis 80 cm lang. Die Stämme tragen kleinere Blättchen und enden in Rispen von gestielten, blendend weissen, vierzähligen, etwa 1 cm grossen Blüten. Aus ihnen entwickeln sich etwa 5 mm lange Samenschötchen. Die Wurzel der Pflanze wird als Gemüse oder Gewürz verwendet. Für den Verkauf wird sie gewaschen und in Folie eingepackt, was das Austrocknen verhindert.
Aroma und VerwendungUnverletzt hat die Meerrettichwurzel keinerlei Geruch – bei Verletzung aber entwickelt sie einen Duft, der zu Tränen reizt und einen beissend-scharfen Geschmack. Diese Schärfe, die eigentlich gefrässige Tiere abschrecken soll, war und ist in manchen Küchen vor allem im nördlichen Europa überaus beliebt. Die Intensität der Schärfe nimmt innerhalb von kurzer Zeit ab – sie kann jedoch mit Hilfe von Säuerungsmitteln wie Essig oder Zitrone stabilisiert werden. Auch getrocknet oder gekocht verliert die Wurzel ihre Schärfe.
Frischer, roh geriebener Meerrettich wird zu geräuchertem Fisch, zu Siedfleisch respektive Tafelspitz, zu Roastbeef, Schinken oder Würstchen serviert. Auch würzt man Quark oder Frischkäse mit Meerrettich. Meerrettich ist Bestandteil vieler industriell produzierter Saucen und findet sich besonders oft auch als Zutat zu Senf. Seltener wird Meerrettich auch als Gemüse gekocht.
Japanischer Meerrettich (Wasabi – Eutrema japonica) hat ein ähnliches Aroma aber eine markant grüne Farbe.
Der Name Meerrettich hat wahrscheinlich nichts mit dem Meer zu tun. Er meint wahrscheinlich lediglich einen «grösseren Rettich» und geht auf das Mittelhochdeutsche Wort mehr für für «stark» oder «gross» zurück. Das Österreichische «Kren» (für Meerrettich) stammt aus dem slawischen Sprachraum (polnisch zum Beispiel «chrzan»).
Das Mittelalter hat ganz verschiedene Krankheiten mit Meerrettich behandelt - vor allem auch Skorbut. Heute wird Meerrettich hauptsächlich zur Stärkung der Abwehrkräfte eingesetzt da er sehr viel Vitamin C enthält.
Familie: Brassicaceae(Kreuzblütengewächse)
Gattung: Armoracia
Art: Meerrettich
Wissenschaftlich: Armoracia rusticana
Deutsch: Kren, Kree, Meerettig, Beisswurzel
Englisch: horseradish
Französisch: raifort
Spanisch: rábano picante, rábano rusticano, raíz picante
Italienisch: rafano, barbaforte, cren
First Publication: 6-12-2010
Modifications: 10-12-2010, 7-10-2011