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Der Historiker arbeitet am letzten Band seiner gigantischen Biographie von Lyndon B. Johnson. Doch nun wird er Gegenstand einer Museums-Ausstellung und übergibt sein immenses Archiv an eine Sammlung.
In den USA ist Robert Caro eine Legende zu Lebzeiten. Der 84-Jährige war zunächst Reporter und wurde für bahnbrechende Biographien des New Yorker Stadtplaners Robert Moses (1888-1981) und von Präsident Lyndon B. Johnson (1908-1973) mehrfach mit Pulitzer- und anderen Literaturpreisen ausgezeichnet. Doch ausserhalb seiner Heimat ist der gebürtige New Yorker kaum bekannt. Denn seine Bestseller sind zwar ebenso aufschlussreich, wie unterhaltsam, aber auch derart voluminös, dass etwa keine Übersetzungen auf Deutsch vorliegen. Die Moses-Biographie «The Power Broker» von 1974 ist rund 1300 Seiten stark. Und sein «The Years of Lyndon B. Johnson» misst in vier Bänden bislang 3400 Seiten. Der erste Teil ist 1982 erschienen. Der vierte folgte 2012. Und der letzte Band wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Laut der «New York Times» ist Caro dabei bereits auf Seite 604 angekommen und hat weder den Vietnam-Krieg, noch Johnsons Verzicht auf eine zweite Kandidatur 1968 beschrieben.
Doch nun wird Caro selbst Geschichte. Die New York Historical Society hat sein Archiv erworben und wird ihm und seinen Arbeitsmethoden eine eigene Ausstellung widmen. Die Papiere füllen gut 60 Meter an Kisten und umfassen handschriftliche Notizen, sowie Niederschriften tausender Interviews, aber auch handschriftliche und getippte Lang-Fassungen der Bücher. So kürzte der Verlag allein aus dem «Power Broker» 300'000 Worte. Diese Materialien sind für Zeitgeschichtler von immensem Wert.
Caro hat seine Methoden im Frühjahr in dem lesenswerten, für seine Verhältnisse aber sehr kurzen Band «Working» beschrieben (Alfred A. Knopf, 207 Seiten). Er verwendet grosse Mühe auf Recherchen und das Schreiben, die unter Sachbuchautoren einzigartig ist. Caro fertigt erste Fassungen immer noch in Handschrift an und tippt diese später in vielen weiteren Versionen in seine mechanische Schreibmaschine vom Typ Smith-Corona Electra 210. Bei seinen Recherchen unterstützt ihn allein seine Frau Ina.
Als junger Journalist war ihm Mitte der 1960er Robert Moses aufgefallen. Dieser immens einflussreiche «Makler der Macht» konnte als Strippenzieher zwischen Wirtschaft, Behörden und Politik Dutzende von Autobahnen, Brücken oder Parks durchsetzen, ohne dass er je ein eigenes Mandat gewonnen hätte. Mindestens eine halbe Million New Yorker verloren durch die Projekte ihre Wohnungen und Nachbarschaften. Caro enträtselte die Macht von Moses in siebenjähriger Arbeit. Finanzieren konnte das Paar dies nur durch den Verkauf ihres Hauses.
Der Erfolg des Moses-Buches gab Caro Mittel und Zeit für die monumentale Johnson-Biographie. Für Recherchen zu Johnsons Jugend im «Hill Country» verbrachte das Paar drei Jahre für Interviews in dieser kargen Hügellandschaft westlich der texanischen Hauptstadt Austin. Caro hat ein fast unheimliches Talent, Menschen zum Sprechen zu bringen. Dafür setzt er gerne auf Schweigen. In seinen Notizbüchern steht oft «Shut Up!», denn die Stille des Fragers löst selbst verschlossenen Charakteren die Zunge. So konnte er einem Weggefährten von Johnson persönliche Memoiren entlocken. Das Schriftstück schildert die Details eines von Johnson 1948 in Texas eingefädelten Wahlbetrugs, dem er offenbar sein erstes Kongress-Mandat zu verdanken hatte. Auch dieses Dokument geht nun an die New York Historical Society (Link).