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Wer auf der A2 von Wasen via Göschenen nach Andermatt fährt, kommt, bevor er Andermatt erreicht, durchs Urner Loch und an der Teufelsbrücke vorbei. Parkplätze am Ende der Verkehrsbrücke ermöglichen einen lohnenswerten Stopp an diesem geschichtsträchtigen Ort. Beim Rundgang durch die Schöllenenschlucht kann man sich auch in einem kleinen Restaurant mit Blick auf die Schlucht stärken. Lest im Folgenden, warum ihr beim nächsten Mal hier eine Pause auf dem Weg zum Gotthard einlegen solltet. Die Geschichte der Schlucht ist äusserst abwechslungsreich.
Die Twärrenbrücke
Vorbei an steilen Felswänden hat die Reuss eine tiefe Schlucht gegraben und ein grosses Hindernis auf dem Weg von Nord nach Süd geschaffen.
Obwohl der Fluss im Moment wenig Wasser führt, bekommt man eine gute Vorstellung wie der Fluss zu anderen Jahreszeiten durch die Schlucht rast.
Mit der Bezwingung der Schöllenenschlucht um 1200 wird die Nord-Süd-Passage über den Gotthard frei. Die Bedeutung des bis dato abgeschiedenen Urserntals geht jedoch über die Nord-Süd-Verbindung hinaus. Verbindet das Tal doch auch den Westen über den Furkapass und den Osten über den Oberalppass. Zusätzliche Bedeutung erhält die Region dadurch, dass die Alpenüberquerung beim Gotthard der einzige Übergang ist, bei dem man nur einen Pass überqueren muss.
Die erste Teufelsbrücke in Verbindung mit der Twärrenbrücke ermöglicht eine abenteuerliche Durchquerung der Schöllenenschlucht. Die Twärrenbrücke ist ein 60 m langer, an Ketten aufgehängter Holzsteg an der Aussenseite des Felsens entlang. Bei Hochwasser wird er regelmässig beschädigt. Wahrscheinlich erbauten die Walser die Konstruktion womit ein wichtiger Säumerweg erschlossen wurde. In den steilen Abgründen lauerte jedoch nicht selten der Tod auf die Reisenden. Die Twärrenbrücke wird 1708 durch den Bau des Urner Lochs ersetzt.
Wie der Teufel beim Bau der Teufelsbrücke überlistet wird
1595 wird die erste feste Brücke über die Schöllenenschlucht gebaut. Deren Fundamente sind heute noch zu bewundern.
Der Sage nach standen die Urner mal wieder rätselnd vor der Schlucht und überlegten wie diese sicher zu überqueren sei. Verzweifelt rief ein Ratsherr: «Do sell der Tyfel e Brigg bue!» (Da soll der Teufel doch eine Brücke bauen!).
Dieser eilte sofort herbei und schloss einen Pakt. Er verpflichtet sich, innerhalb von drei Tagen eine haltbare Brücke über die Schlucht zu bauen. Dafür erhält er die erste Seele, die die Brücke überquert.
Schon nach kurzer Zeit stand die Brücke. Nun hatten die Urner jedoch ein Problem. Wen sollten sie als erstes über die Brücke schicken? Da hatte ein schlauer Bauer die Idee, einen Ziegenbock über die Brücke zu jagen. Als der Teufel auf der anderen Seite der Brücke sah, dass man ihn um seinen Lohn betrügen wollte, wurde er wütend. Er holte einen haushohen Stein aus dem Wassner Wald, mit dem er die Brücke wieder zerstören wollte. Unterhalb von Göschenen musste er jedoch kurz verschnaufen. Er stellte seine schwere Last kurz ab. Da kam jedoch ein altes Mütterchen des Weges, erkannte den Teufel und ritzte ein Kreuz in den Stein. Als der Teufel dieses sah, liess er den Stein stehen und verschwand. Beim Bau der Autobahn musste der Stein 100 m versetzt werden.
Das Urner Loch
Das Urner Loch ist der erste Tunnel in den Alpen. Innerhalb von nur 11 Monaten wurde der Tunnel zwischen 1707 und 1708 mit Schwarzpulver aus dem Fels gesprengt. Als sein Erbauer gilt der Tessiner Baumeister Pietro Morettini.
Bei seiner Erbauung war der Tunnel gerade mal 64 m lang, 2,20 m breit und und so hoch, dass die Saumtiere ohne Reiter hindurch passten. Seit damals verbreiterte und modernisierte man den Tunnel immer wieder.
Die Kosten für den Bau fielen viel höher aus als erwartet und Morettini verschuldete sich. Da aber die Verbindung wesentlich verbessert worden war, konnten mehr Güter gehandelt werden. Zusätzlich erhöhte man die Zölle. Durch die Zahlung eines Bonus konnte Morettini seine Schulden bezahlen.
1958 wurde die jetzige Verkehrsbrücke eröffnet. Heute führt die A2 hindurch. Am Tunneleingang sieht man das Bild des Teufels und eines Ziegenbocks.
Die Schlacht in der Schöllenenschlucht
Bei seinem Rundgang durch die Schöllenenschlucht begegnet man überall dem Bild und Namen eines russischen Generals, bevor man zum nach ihm beannten eindrucksvollen Denkmal kommt.
Doch wer war Alexander Wassiljewitsch Suworow und wie kam er in die Alpen? Unter Zarin Katharina der Grossen war er ein berühmter Militärstratege, der nie eine Schlacht verlor. Nach dem Tod der Zarin fiel er jedoch in Ungnade. Später rehabilitierte ihn Zar Paul I. Als Befehlshaber der russisch-österreichischen Armee kämpfte er während des zweiten Koalitionskriegs.
Am 24. September 1799 verdrängte Suworow die Franzosen aus dem St. Gotthard Hospiz. In der Schöllenenschlucht trafen die beiden Armeen am nächsten Tag wieder aufeinander. Während der Kampfhandlungen wurde die Teufelsbrücke zerstört. Je nach Quelle sprengten die Franzosen sie, um den Vormarsch der russisch-österreichischen Truppen zu verhindern.
Suworow liess jedoch Holzbalken herbeischaffen und band sie mit Halstüchern der Offiziere zusammen. Damit reparierte er die Teufelsbrücke provisorisch und erzwang so unter grössten Verlusten den Übergang. Das Denkmal wurde 1898 von Russland zu Ehren Suworows und der gefallenen Soldaten errichtet. 2009 besuchte es der russische Präsident Dmitri Medwedew anlässlich eines Staatsbesuchs.
Rund um das Suworow Denkmal und seinen Bau und die Unterhaltung gibt es auch die eine oder andere Anekdote. Kam doch der Verdacht auf, dass mitten im Kalten Krieg ein Stück Schweiz den Sowjets gehörte.
Rundgang durch die Schöllenenschlucht
Vom Parkplatz kommend führt der Rundgang vorbei am Restaurant und Franzosenplatz. Nach dem Abstecher zum Suworow Denkmal kann man unter der Verkehrsbrücke durchgehen und anschliessend über die Teufelsbrücke von 1830 laufen.
Es lohnt sich, bevor man in den Tunneln des Berges verschwindet, dem Weg noch ein wenig weiter zu folgen. Zum einen bekommt man noch einmal einen schönen Blick auf das gewaltige Denkmal und die Schlucht. Zum anderen kann man mit etwas Glück Mutige auf einem Klettersteig neben dem Denkmal beobachten.
Anschliessend führt der Weg durch die Tunnel im Berg. Dieses Tunnelsystem ist Bestandteil der noch vorhandenen Verteidigungsanlagen. Das ganze Gotthard Gebiet wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit Hilfe von Bunkern, Kasernen und Festungen gesichert. Um die Teufelsbrücke notfalls sprengen zu können und dennoch die Schöllenenschlucht passieren zu können realisierte man ein Tunnelsystem im Berg.
Unterhalb des Eisenbahntunnels erreicht man wieder Tageslicht. Es ist ein komisches Gefühl mit dem Gewicht des Felsmassivs auf den Schultern durch den Tunnel zu laufen.
Der Weg führt weiter zum Platz der Begegnungen. Die Wappen des Kantons Uri und des Urserentals prangen an einer Mauer. Eine Gedenktafel verweist auf das Verbindende des Säumerverkehrs über den Gotthard.
Beim Dotierkraftwek überquert man wieder die Reuss und läuft zum Parkplatz zurück.
Gut zu wissen
Dieser Rundgang ist nur von ungefähr Mai bis Oktober geöffnet. Man braucht ohne Einkehr im Restaurant ca. eine halbe Stunde, wenn man sich Zeit lässt und die Hinweistafeln liest.
Hinweis: Schaut man vom Parkplatz Richtung Verkehrsstrasse sieht man noch ein grosses Wandmosaik. Werner E. Müller schuf dieses Wandbild anlässlich der Eröffnung des Gotthardtunnels 1956. Das Mosaik erinnert an die Bedeutung der Transportwege. Es schlägt den Bogen von der Zeit als die Händler auf Säumerwegen mit Lasttieren zu Fuss ihre Waren transportierten zur Zeit des modernen Transitverkehrs.