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Tansania
Seit 2013 ist Apotheker ohne Grenzen Schweiz (AoG Schweiz) in der Region Morogoro in Tansania aktiv und unterstützt sowohl Patienten beim Zugang zu qualitativ hochwertiger Versorgung als auch das Gesundheitspersonal bei der Stärkung ihrer Kompetenzen. Dies ist in Tansania besonders wichtig, denn das Land leidet unter einem chronischen Mangel an Gesundheitspersonal. Es gibt weniger als einen Arzt pro 10.000 Einwohner und weniger als einen Apotheker und einen pharmazeutischen Assistenten pro 100.000 Einwohner. In den rund 5.200 Apotheken des Landes gibt es nur 703 Apotheker, von denen die meisten aufgrund der Isolation und der schlechten Lebensbedingungen auf dem Land in städtischen Gebieten arbeiten. Die Anwesenheit von ehrenamtlichen Apothekern ermöglicht es, das oft überforderte lokale Personal, durch die Einführung von etablierten Prozessen zu unterstützen.
Das mehrjährige Projekt 2018 bis 2020
Bisher wurde das mehrjährige Projekt in Tansania in zwei verschiedene Arbeitsbereiche unterteilt:
► Unterstützung von Gesundheitszentren: Auf diese Weise stellt die PSF Schweiz sicher, dass die Patientinnen und Patienten eine qualitativ hochwertige Versorgung erhalten und Medikamente über das lokale Netzwerk geliefert werden. Um mehr über die Politik der PSF Schweiz zu diesem Thema zu erfahren, hier klicken.
► Stärkung der Fähigkeiten von Fachleuten und Unterstützung des lokalen Personals: Durch die Entsendung eines ehrenamtlichen Apothekers vor Ort gewährleistet AoG Schweiz den Wissens- und Kompetenztransfer an das lokale Personal, das oft schlecht ausgebildet und überlastet ist. Im Vordergrund steht das Know-how über Einkauf, Verwaltung und Lagerung von Medikamenten zu vermitteln und so die Nachhaltigkeit des Projekts zu gewährleisten.
Das Projekt findet in der Apotheke des Krankenhauses Lugala statt, welches eine Bevölkerung von etwa 150.000 Menschen erreicht. Diese Einrichtung ist von grosser Bedeutung, denn es gibt in einem Umkreis von rund 150 km keine anderen Gesundheitszentren, welche eine weitergehende Versorgung anbieten! Die Komplexität der Situation liegt in der Knappheit des Zugangs zu fortgeschrittener Versorgung in den ländlichen Gebieten des Landes. Für Grundbedürfnisse unterhält das Krankenhaus zwei Dispensarien Masagati und Ngalimila, die den Kontakt zu noch abgelegeneren Gebieten ermöglichen. AoG Schweiz ist nicht nur im Gesundheitszentrum in Lugala, sondern auch in diesen Dispensarien aktiv.
Mit der Zweiteilung des Ulanga-Distrikts plant AoG Schweiz, das Mahenge-Spital zu unterstützen. Die Umsetzung dieser Dimension wird zur Zeit diskutiert.
Wie wird sich das Projekt weiterentwickeln?
Im Jahr 2019 sind trotz erheblicher Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Visa für die ehrenamtlichen Apotheker alle geplanten Aktivitäten durchgeführt worden.
Im Spital Lugala konnten hochwertige Medikamente und Geräte im Wert von 39 353 Franken beschafft werden. Die Bestandsverwaltung wurde durch kontinuierliche Schulungen und optimierte Datenerfassung verbessert. Das Ergebnis: eine Verringerung der Abfallmenge und eine Optimierung der Bestellungen, was zu einem Rückgang der abgelaufenen Medikamente um 37% führte!
Diese Initiative hat das Angebot an qualitativ hochwertigen Medikamente im lokalen Netzwerk verbessert und zusätzlich unnötigen Abfall reduziert.
Ende 2018 wurde im Krankenhaus ein neues IT-System installiert, das nun vollständig digital arbeitet. Die Hauptaktivitäten konzentrierten sich auf die Schulung, Verbesserung und Nutzung des neuen IT-Systems durch die verschiedenen Mitarbeiter und Abteilungen des Krankenhauses. Das neue System trägt dazu bei, den rationellen Einsatz von Arzneimitteln zu verbessern und die Lagerverwaltung zu optimieren. Dieser Punkt ist von wesentlicher Bedeutung ist, weil die Lagerverwaltung der Grundstein für den langfristigen Betrieb, die Kontrolle und die Qualitätssicherung einer Krankenhausapotheke.
Beim korrekten Umgang mit Medikamenten ist es unerlässlich, das richtige Medikament in der idealen wirksamen Dosierung zu verwenden. Um den richtigen Einsatz von Medikamenten zu unterstützen wurrden deshalb kontinuierlich Schulungen durchgeführt und Nachschlagewerke erstellt.
In den Dispensarien in Masagati und Ngamilia muss der Bestellprozess weiter optimiert werden, z.B. nach dem Vorbild des Krankenhauses von Lugala.
Die Bewältigung von Covid-19
Das dritte Jahr des Projekts hätte sich auf die Schulung der Teams in dem neuen Computersystem und die Optimierung des Medikamenteneinkaufs konzentrieren sollen.
Leider verkomplizierte die Covid-19-Krise die Situation im Land und veranlasste AoG Schweiz, ihre freiwillige Apothekerin Caroline Brügger zurückzuschicken. Vor ihrer Abreise führte sie aber Richtlinien für den Einkauf von Medikamenten ein, ein entscheidender Punkt des Projekts. Aufgrund der Abgeschiedenheit der Apotheken und der kurvenreichen Straßen zwischen der Hauptstadt und den ländlichen Gebieten folgt der Kauf von Medikamenten einem Protokoll, das eine gute Lagerhaltung erfordert, wie in diesem Artikel ab April 2020 erläutert wird. AoG Schweiz hat sich auch an der Einrichtung der Spitalräumlichkeiten für mögliche Fälle von COVID-19 beteiligt. Darüber hinaus wurden diverse Massnahmen zum Schutz des Pflegepersonals und der Patienten des Krankenhauses getroffen:
► Herstellung von hydroalkoholischem Händedesinfektionsmittel und anderen Desinfektionsmitteln auf Alkohol- oder Chlorbasis für Oberflächen.
► Schulung über die Regeln der Herstellung von Desinfektionsmitteln für Happy, die Leiterin der Apotheke, und Helena, die Leiterin der Infusionsherstellung
► Ausbildung des lokalen Gesundheitspersonals, das für die neue Einheit COVID-19 zuständig ist
► Herstellung von Schutzmasken durch die umgebenden Näherinnen
► Einrichtung eines Handwaschplatzes für alle, die aus dem Krankenhaus kommen und gehen
Aus der Ferne hielten Caroline Brügger und die Projektleiterin, Klara Hess, Kontakt mit dem Pflegepersonal der Apotheke und des Krankenhauses, um die Entwicklung der Pandemie vor Ort zu beobachten und weiterhin Ratschläge zu geben. Ihre Präsenz über Telekommunikationsplattformen ermöglichte es dem örtlichen Personal, sich unterstützt zu fühlen.
Darüber hinaus schickte die Vereinigung fast 20.000 Franken für den Kauf von Medikamenten.