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Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 1945 endete am 8. Mai vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg, der insgesamt 60 bis 65 Millionen Tote forderte, darunter 6 Millionen ermordete Jüdinnen und Juden.
Die Schweiz war zwar nicht direkt in die Kriegshandlungen involviert, aber doch vom Krieg betroffen. Gerade der Krisendiskurs dieser Tage und Wochen nimmt oft Bezug auf das Ende des Zweiten Weltkriegs, wenn er von einer sich heute abzeichnenden gesellschaftlichen Zäsur spricht.
Innerhalb der ETH war das Kriegsende ein Thema. Der damalige Präsident des Schweizerischen Schulrates sprach gemäss Schulratsprotokoll vom 24. März 1945 Rektor Franz Tank sein Bedauern aus, «dass anlässlich der Bombenabwürfe [über Zürich Strickhof/Irchel, Anmerkung der Verfasserin] vom 4. März sein Haus derart beschädigt wurde, dass es gänzlich abgebrochen werden muss. Gottlob sind jedoch die Mitglieder der Familie des Herrn Rektors unversehrt geblieben.»
Bei der ETH-internen «Feier der Waffenruhe» hielt neben Rektor Tank auch Professor Karl Schmid, dessen Nachlass sich im Archiv für Zeitgeschichte befindet, eine Ansprache. Die NZZ berichtete in der Morgenausgabe des 11. Mai 1945 über den gut besuchten Anlass:
Zudem diskutierte der Schulrat die Beschäftigung von Flüchtlingen an der ETH, die Rückkehr des späteren Nobelpreisträgers Professor Dr. WolfgangPauli, der nach Übernahme einer Gastprofessur in den USA wegen des Kriegs Schwierigkeiten hatte, wieder in die Schweiz zurückzureisen, und die Auswirkungen von Gasrationierungen auf die Lehr- und Forschungstätigkeit der ETH.
Ein Quellendossier aus dem Archiv für Zeitgeschichte
In dem Dossier «75 Jahre Kriegsende – Rezeption Schweiz» hat das Archiv für Zeitgeschichte Quellen zusammengestellt, die innerhalb der drei thematischen Sammlungsschwerpunkte seiner Fachreferate («Jüdische Zeitgeschichte», «Politische Zeitgeschichte» sowie «Wirtschaft und Zeitgeschichte») die unterschiedlichen Wahrnehmungen des Kriegsendes aufzeigen. Die ausgewählten Dokumente wurden kontextualisiert, teilweise transkribiert, und können zur weiteren Beschäftigung heruntergeladen werden.
Der Schweizer Gewerkschaftsfunktionär, Redaktor und Sozialattaché Emil Friedrich Rimensberger, der ein passionierter Tagebuchschreiber war, entwickelte beispielsweise eine politische Perspektive auf das Kriegsende, die wenig optimistisch ist. Er sah vor allem die Verantwortung und die Herausforderungen, die mit einem Sieg der Alliierten verbunden waren.
Das Zuger Unternehmen Landis & Gyr andererseits hatte durch die Tochterfirma Paul Firchow Nachfolger verschiedene Niederlassungen im Ausland, u.a. in deutschen und deutsch besetzten Gebieten. Die ausgewählten Unterlagen belegen die Bemühungen des Konzerns, nach Kriegsende verlässliche Informationen zum Zustand seiner Fabriken zu erhalten sowie seine wirtschaftlichen Interessen zu wahren.
Und anhand der Berichterstattung in der jüdischen Wochenzeitung Israelitisches Wochenblatt wird schliesslich auf die schweizweiten religiösen Feiern zum Kriegsende in den jüdischen Gemeinden eingegangen. Obwohl die Synagogen gut besucht waren, herrschte nicht das Gefühl der Euphorie vor, sondern Dankbarkeit darüber, den Krieg überstanden zu haben, und Trauer über die Opfer von Krieg und Verfolgung.