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Jaeger LeCoultre lancierte zum Salón Internacional Alta Relojeríain 2016, kurz SIAR, der vom 18. – 20. Oktober 2016 iin The St. Regis Mexico-City stattfand, die Atmos 568 by Marc Newson. TICK-Talk hatte die Möglichkeit sich mit Marc Newson vor Ort zu unterhalten.
Blicken wir zurück, Ihre erste Zusammenarbeit mit Jaeger-LeCoultre fand 2008 statt, als Sie die Atmos 561 entwarfen. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut, eine Atmos zu entwerfen. Ich liebe diese Uhren, seit ich in meiner frühen Jugend das erste Mal eine zu Gesicht bekam. Es war eine fantastische Erfahrung, einen Entwurf für Jaeger-LeCoultre anzufertigen. Zumal ich ein Modell designen sollte, für das ich mich schon immer begeisterte.
Was genau faszinierte Sie so sehr an der Atmos, dass Sie einen neuen Entwurf anfertigten?
Die Atmos ist eine komplexe und verblüffende Uhr. Sie scheint quasi wie ein Perpetuum Mobile zu laufen und braucht eine konstante Umgebung, um zu funktionieren. Sie wirkt wie ein lebendiges Wesen – man bekommt das Gefühl, als spüre sie unsere Anwesenheit –, und das finde ich sehr faszinierend. Mir gefällt, dass die Atmos ein richtiger Anachronismus ist: Sie hat bis heute nichts von ihrer Modernität verloren, und niemandem ist es bisher gelungen, ihre wesentlichen technischen Merkmale zu verbessern oder zu optimieren. Es ist toll, wenn ein Unternehmen wie Jaeger-LeCoultre seinen Spitzenplatz in einer solchen Disziplin verteidigt.
Wie fühlte es sich an, im Vergleich zu anderen Objekten auf einmal eine Uhr zu entwerfen?
Ich verfolge bei all meinen Kreationen dasselbe Konzept – in dieser Hinsicht stellen Vorgaben ein Problem dar –, eine Art Designrätsel, das ich mit Kreativität, Sachkunde und Innovation lösen muss. Das gilt für alle meine Entwürfe, sei es ein Auto oder ein Stuhl. Allerdings versuche ich immer, Kreationen zu entwerfen, denen man sich verbunden fühlt, die einen das ganze Leben lang begleiten und die man nicht ersetzen möchte. Stattdessen werden sie repariert, um weiterhin zu funktionieren und zu Klassikern zu avancieren. Die Atmos passt perfekt in dieses Konzept. Auf philosophischer Ebene ist sie ein perfektes Beispiel für Nachhaltigkeit, zumal es in unserer heutigen Zeit fast schon selbstverständlich ist, dass digitale Produkte nur eine begrenzte Lebensdauer haben. Die Atmos steht genau für das Gegenteil – sie wird nie auf der Müllhalde landen.
Hatten Sie die Absicht, bei diesem Entwurf etwas Besonderes zum Ausdruck zu bringen? Und wie sehr unterscheidet er sich von ihren vorherigen Kreationen?
Bei einem anspruchsvollen Design werden Objekte konzipiert, die über aktuelle Trends erhaben sind, die nie aus der Mode kommen und hochwertig und zugleich zeitlos sind. Das hat sich nicht geändert – zumal wir heute in einer absoluten Wegwerfgesellschaft leben. Kreationen wie die Atmos sind keine Wegwerfgegenstände, sondern sehr wertvoll. Zu ihnen haben die Menschen eine ganz besondere emotionale Bindung, da sie Teil ihres Lebens sind. Produkte von Jaeger-LeCoultre bestehen diesen Test ohne Probleme, da sie Werte schaffen und Geschichten schreiben, die von den zukünftigen Generationen geschätzt werden.
Bei der neuen Atmos hoffe ich, dass sie gleichzeitig modern ist und die Werte von Jaeger-LeCoultre vermittelt. Für mich ist es sehr wichtig, die DNA der Marke, mit der ich zusammenarbeite, aufzugreifen und im Design zum Ausdruck zu bringen. Ich möchte nicht das Rad neu erfinden, sondern mich an die DNA der Marke halten. Für die neue Atmos waren ausdrucksstarke Merkmale erforderlich, um ihr ein anderes Antlitz zu verleihen, das einer neuen Zielgruppe gefällt.
Wie würden Sie den kreativen Prozess beschreiben? /den Prozess bis zur Entstehung der neuen Atmos?
Bei dieser neuen Atmos habe ich viele sichtbaren Teile neu entworfen: wie das Zifferblatt, die Zeiger, das Gehäuse, die Trägerplatte des Uhrwerks sowie seine Schnittstelle mit dem Glas. Dieser Entwurf verfügt über drei Füße (wie bei der 566), damit die Atmos sicher steht. Darüber hinaus stützen sie die Vordertür, die vollständig abnehmbar ist, um das Uhrwerk einzustellen. Die Form und die optische Klarheit, die dem transparenten Gehäuse zu verdanken sind, heben das sichtbare Uhrwerk hervor. Das Ergebnis ist eine verblüffende und fast schon magische Kreation, die in gewisser Hinsicht einem Flaschenschiff ähnelt.
Warum ich Glas verwendet habe? Weil es wunderschön und edel ist. Da ich die Atmos schon gut kannte, hatte ich sehr viel Spaß an den kreativen Ideen. Ich fragte mich, wie weit ich gehen könnte, um dieser Kreation meine persönliche Note zu verleihen. Und das war die echte Herausforderung. Schließlich gibt es das Uhrwerk bereits, und die grundlegende Mechanik darf nicht verändert werden. Auch wenn der Entwurf der inneren Elemente dieser Uhr sehr anspruchsvoll war, sorgt das Gehäuse aus Baccarat-Kristallglas mit seiner gerundeten Kubusform für Staunen. Allerdings war das Gehäuse sehr arbeitsaufwendig in der Herstellung. Es nahm viel Arbeit und einen großen Entwicklungsaufwand in Anspruch, um die perfekte Form zu erhalten.
Was bedeutet „Design“ für Sie?
Ein gutes Design … erkennt man, wenn man es sieht. Ziel ist es, Gegenstände zu schaffen, die nie aus der Mode kommen. Und ein Problem intelligent, mit Sachkunde und durch Erforschung von Materialien und Wissenschaft zu lösen. Bei einem guten Design weiß man, wenn es Zeit ist, aufzuhören …
Wie würden Sie Ihren Bezug zur Zeit beschreiben?
Eines ist sicher – ich habe nie genug Zeit! Allerdings hat mich das Verstreichen bzw. das Messen der Zeit schon immer fasziniert. Eine Uhr ist wie ein magisches Objekt, das die ganze Welt in ihrer Halbkugel einfängt.
Wann arbeiten Sie am liebsten an Ihren Entwürfen?
In meinem Kopf arbeite ich unentwegt an neuen Entwürfen, das kann ich nur selten unterbinden. Und egal wo ich hingehe, mein Skizzenbuch kommt mit. Vielleicht bin ich am effizientesten an einem ganz ruhigen Ort, wo mich niemand erreichen kann. Wie in 12.000 Metern Höhe an Bord eines Flugzeugs, da bin ich sehr produktiv.
Besten Dank für das interessante und informative Gespräch.