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3.
Achtsamkeitstraining
Ich kenne nichts, was das Elend so fördert wie ein ungeschulter, untrainierter Geist.
Ich kenne nichts, was das Wohlergehen so fördert wie ein geschulter, gut trainierter Geist.
Buddha
Wie sieht es in Ihnen aus – sind Sie voller Aufmerksamkeit oder voller Gedanken? Im ersten Fall haben Sie einen weiträumigen Geist, der offen für neue Möglichkeiten ist; im zweiten Fall ist Ihr Geist voll mit Meinungen, Vorurteilen und Vorstellungen.
Hierzu eine bekannte Geschichte: Ende des 19. Jahrhunderts empfing der japanische Meister Nan-in einen Professor, der etwas über Zen erfahren wollte. Nan-in servierte ihm Tee, den er in die Tasse seines Besuchers goss. Als die Tasse voll war, hörte er nicht auf zu gießen, sondern goss weiter, sodass sie überfloss.
Als der Professor sah, dass der Meister nicht aufhörte zu gießen, rief er aus: »Stopp! Die Tasse ist bereits voll, es passt nichts mehr hinein.«
Der Meister blickte auf und erwiderte: »Sie gleichen dieser Tasse, denn Sie sind voll mit Ihren Meinungen und Annahmen. Ich kann Ihnen Zen nicht zeigen, wenn Sie nicht vorher Ihre Tasse leeren.«
Ich will annehmen, dass der besagte Meister ein liebenswürdiger Gastgeber war und bereits versucht hatte, seinem Gast etwas über Zen zu vermitteln, und dabei auf Widerstand gestoßen war. Vielleicht war der Professor ein häufiger Besucher, und der Meister wusste bereits, mit wem er es zu tun hatte. Nichts gegen Professoren, aber man braucht nicht als Alleswisser aufzutreten. Viele Menschen, die in Wirklichkeit sehr wenig wissen, können sehr rechthaberisch und von ihren eigenen Vorstellungen eingenommen sein.
Das Problem, das entsteht, wenn jemand »voller Gedanken« ist, besteht darin, dass dadurch die eigene Fähigkeit blockiert wird, im Augenblick gegenwärtig und offen für Erfahrungen zu sein.
Ich habe mein eigenes Achtsamkeitstraining mit diesen beiden Grundlagen begonnen: der Offenheit für Erfahrungen und der Bereitschaft zur Gegenwärtigkeit. Und auch mit der Wahrnehmung des Atmens, was diese beiden Prinzipien fest in meinem Körper verankert hat.
Dann wurde mir klar, dass Erinnern auch wichtig ist: Die vielen Ablenkungen des Lebens ziehen uns ständig von der Wahrnehmung des Atems fort. Wir müssen uns daran erinnern, zu dieser Wahrnehmung zurückzukehren, um das Gegenwärtigsein sinnvoll zu üben.
Kurz danach zeigte sich, dass »zu Sinnen kommen« ein wichtiger Teil dieser Übung ist: Wir neigen dazu, häufig in unseren Gedanken zu sein, und Gedanken können uns von dem Augenblick fortziehen. Die Sinne nehmen den gegenwärtigen Augenblick auf, und wenn wir zu Sinnen kommen, verankert uns das im Körper.
Dann folgte die Wahrnehmung von Gefühlen und verschiedenen mentalen Befindlichkeiten. Sie führte zum besseren Verstehen positiver und negativer mentaler Zustände und zur Übung des Glücklichseins. Wenn man erst einmal den Blick nach innen gerichtet hat, kann man die dortigen dunklen Wolken ebenso wie den Sonnenschein, die Stürme ebenso wie den blauen Himmel kaum noch übersehen.
Schon bald entwickelte sich aus der Übung zum Glücklichsein eine Betrachtung von Beziehungen. Erinnern Sie sich an die Raupe in Alice im Wunderland? Sie treibt Alice an, ihr Selbstgefühl zu vertiefen.
»Wer bist du?«, fragte die Raupe.
Alice wird angespornt, über Vergänglichkeit und Wandel nachzudenken.
»Ich weiß, wer ich heute früh war, als ich aufstand, aber ich glaube, ich muss seither ein paar Mal verwandelt worden sein.«
Dann drängt die Raupe sie, ein emotionales Bewusstsein zu entwickeln.
»Sei nicht empfindlich«, sagte die Raupe.
Meine Begegnung mit der Achtsamkeit hat eine ähnliche Wirkung auf mich gehabt und mich zu einer größeren Bewusstheit an vielen unterschiedlichen Fronten bewegt. Die Achtsamkeit hat wirklich eine große Reichweite. Wenn Sie sich mit dem Buddhismus befassen, ist sie Teil Ihrer Übungen. Wenn Sie an einem achtsamkeitsbasierten Kursus zum Stressabbau teilnehmen, dient sie dem Stressabbau. Wenn Sie an einer Achtsamkeitsbasieren Kognitiven Therapie teilnehmen, ist sie Teil einer Behandlungsmethode. Achtsamkeit ist all das und mehr.
In einem Artikel in der New York Times erzählt Gina Kolata, wie achtsames Schwimmen einer Athletin half, als Erste ans Ziel zu kommen. Sie schreibt: »Wie viele andere Streckenschwimmer auch, die endlose Stunden im Pool verbringen, pflegte Natalie Coughlin, 30, ihren Tagträumen nachzuhängen, während sie ihre Bahnen schwamm. Sie ist fast ihr ganzes Leben lang eine Wettkampfschwimmerin gewesen, und auf diese Weise hat