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Eine der wichtigsten Hormondrüsen des Körpers ist die Schilddrüse. Diese schmetterlingsförmige Drüse, die sich vorne am Hals, unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre befindet, bildet zwei wichtige Hormone: Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3). Diese Hormone binden an Rezeptoren, die auf unzähligen Zielzellen vorkommen. Das bedeutet, dass Schilddrüsenhormone eine Vielzahl von Funktionen erfüllen.
Schilddrüsenhormone regulieren Stoffwechsel, Körpertemperatur, Verbrennungsgeschwindigkeit, Fortpflanzung und Wachstum, Bildung von Blutkörperchen, Nerven- und Muskelfunktionen, Calciumhaushalt und vieles mehr. Nahezu jede Zelle im Körper benötigt gewisse Mengen von Schilddrüsenhormonen, um ihre Aufgaben richtig zu erfüllen.
Eine schlecht funktionierende Schilddrüse, die sich oft in Form einer Struma bemerkbar macht, stellt weltweit ein ernstes und oft noch zu wenig beachtetes Problem dar. Bei einer Struma (Kropf) ist die Schilddrüse so stark vergrößert, dass dies im Halsbereich tastbar und/oder sichtbar ist. Die Struma kann verschiedene Formen annehmen: gleichmäßig (diffus), knötchenförmig (nodulär), toxisch oder nicht toxisch. Mitunter wird zu viel oder zu wenig Schilddrüsenhormon gebildet und dabei kann in beiden Fällen eine Struma auftreten. Strumasymptome können unter anderem durch Kompression lebenswichtiger Strukturen im Hals oder im oberen Teil der Brusthöhle verursacht werden.
In den Niederlanden wurde bei mehr als 500.000 Menschen eine Schilddrüsenerkrankung diagnostiziert. Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich viel höher, da viele Symptome zunächst nicht auf die Schilddrüse zurückgeführt werden und an der relativen Unzuverlässigkeit der üblichen Bluttests. Oft wird möglicherweise irreführenden Testergebnissen zu viel Bedeutung beigemessen und den tatsächlichen Beschwerden des Patienten zu wenig Beachtung geschenkt. Schilddrüsenerkrankungen treten bei Frauen häufiger als bei Männern auf.
Nicht nur eine zu träge arbeitende Schilddrüse (Hypothyreose), sondern auch eine zu schnell arbeitenden Schilddrüse kann Probleme verursachen (Hyperthyreose). Die meisten der Betroffenen, etwa 90 Prozent, leiden an Hypothyreose. Da der Begriff Schilddrüsenerkrankung streng genommen nicht das gesamte Spektrum klinischer Anomalien infolge einer verminderten oder erhöhten Schilddrüsenhormonwirkung abdeckt, wäre es eigentlich genauer, von Schilddrüsenhormonstörungen zu sprechen.
Die Funktionsweise der Schilddrüse und der Vorgang zur Bildung und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen sind komplex. Die Schilddrüsenzellen bilden Thyreoglobulin, ein Protein, das große Mengen der ringförmigen Aminosäure Tyrosin enthält. Mithilfe eines spezifischen Enzyms, der Thyreoperoxidase (TPO), werden Jodatome an Tyrosin gekoppelt. Wenn Tyrosin ein Jodatom bindet, entsteht Monoiodtyrosin (MIT). Bindet Tyrosin zwei Jodatome, dann entsteht Diiodtyrosin (DIT).
T4 besitzt vier Jodatome und wird durch Kopplung von zwei DIT-Molekülen gebildet. T3 besitzt drei Jodatome und entsteht durch Koppelung von einem DIT- und einem MIT-Molekül.
Allerdings bildet die Schilddrüse viel weniger T3 als T4, obgleich T3 die aktivere Form des Hormons ist. T4, die relativ inaktive Form des Schilddrüsenhormons, wird erst nach der Umwandlung in Triiodthyronin (T3) wirksam. Diese Umwandlung erfolgt vor allem in Leber und Nieren und weiteren umliegenden Geweben. Bei der Umwandlung von T4 in T3 wird durch ein anderes spezifisches Enzym (Dejodase) ein Jodatom abgespalten. Die bei dieser Umwandlung entstehende Menge von T3 entspricht ungefähr 80 Prozent der im Körper enthaltenen Gesamtmenge, die restlichen 20 Prozent werden direkt von der Schilddrüse gebildet. Das bedeutet also, dass T3 aktiver ist als T4, aber in geringerem Maße gebildet wird.
Sollen Schilddrüsenhormone freigesetzt werden, muss zunächst die Schilddrüse aktiviert werden. Die Bildung von T4 wird durch den Hypothalamus und die Hypophyse gesteuert. Das vom Hypothalamus ausgeschüttete Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) bindet an Rezeptoren thyreotroper Zellen der Hypophyse, die dann Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) abgeben. Dieses TSH regt wiederum die Schilddrüse zur Bildung von T4 an. Der Hypothalamus und die Hypophyse arbeiten im Rahmen eines Rückkopplungsmechanismus (Feedback). Das bedeutet: Je höher die Konzentration der Schilddrüsenhormone (T4 und T3) im Blut ist, desto weniger TRH und TSH werden freigesetzt und damit auch weniger T4!
Die Schilddrüse ist für ein gesundes Funktionieren auf eine große Anzahl von Mikronährstoffen angewiesen. Jod, Selen und Zink sind davon die wichtigsten, aber auch Vitamin D, Magnesium und L-Tyrosin sind beteiligt.
Sicher ist, dass Jodmangel zu Hypothyreose führen kann. Daher ist es sehr wichtig, dass genügend Jod über die Nahrung aufgenommen wird. Aus der Nahrung aufgenommenes Jod wird mithilfe eines als Jodpumpe bezeichneten Mechanismus in die Schilddrüsenzellen befördert und kann sich dann an die dort vorhandenen Tyrosinringe binden. Nach Schätzungen der WHO leiden etwa 40 Prozent der niederländischen Bevölkerung unter Jodmangel. Das ist besonders riskant für Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit. Angeborene Hypothyreose (Kretinismus) hat schwerwiegende neurobiologische Folgen für das Neugeborene. Der Bedarf an Jod ist während dieser Wachstums- und Entwicklungsphase stark erhöht. Natürlich sollten Männer und Frauen ganz generell auf einen möglichen Jodmangel achten.
Es ist jedoch wichtig, bei einer Jodsupplementierung äußerst sorgfältig vorzugehen. Eine zu hohe Dosierung kann nämlich ebenfalls zu einer Hypothyreose führen: Aufgrund einer negativen Rückkopplung kommt es dann paradoxerweise zu einer Hemmung von TRH und TSH. Auch bei Personen mit Autoimmunerkrankungen (Hashimoto oder multinoduläres Struma) kann eine Supplementierung mit Jod unerwünschte Wirkungen auslösen. Daher ist es ratsam, bei Personen mit Merkmalen von Hypothyreose stets den Jodstatus zu bestimmen.
Ambooken Betsy, MP Binitha, S Sarita, Zinc Deficiency Associated with Hypothyroidism: An Overlooked Cause of Severe Alopecia, Int J Trichology. 2013 Jan-Mar; 5(1): 40–42. doi: 10.4103/0974-7753.114714