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Die Grossbanken müssen Vorkehrungen treffen, wie die systemrelevanten Bereiche in einer Krise zu retten sind. Die CS könnte sich vorstellen, die heiklen Geschäfte im Krisenfall an die Neue Aargauer Bank zu übertragen.
Glass Steagall. Die Namen früherer Abgeordneter der USA stehen für ein spezielles Bankengesetz: den Glass-Steagall Act. Sie verlangte die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken in den USA. Mit diesem 1933 erlassenen Gesetz sollte verhindert werden, dass die Geldhäuser zu viel Macht bekommen und zu hohe Risiken darstellen.
Das Trennbankensystem ist nicht mehr in Kraft. Doch im Nachgang zur Bankenkrise verlangten nicht wenige prominente Köpfe eine Rückkehr zu diesem Modell, so auch der US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz neulich an einem Vortrag in Zürich.
Anderer Meinung ist die Expertenkommission des Bundes, welche vor zwei Wochen den Schlussbericht zur Bankenrettungsproblematik veröffentlichte. Die von Peter Siegenthaler präsidierte Kommission sieht von einer Zerschlagung oder einer Grössenbeschränkung der Bankenmultis ausdrücklich ab.
Zerschlagung im Notfall
Sollte jedoch wieder eine Krise im Anzug sein, müsste die Grossbank gewissermassen als vorbeugende Massnahme dennoch zerschlagen werden. So verlangt der Expertenbericht für den Krisenfall vorbereitende organisatorische Massnahmen, die die rasche Abtrennung sowie die Weiterführung der systemrelevanten Bereiche wie etwa des Kreditgeschäfts oder des inländischen Zahlungsverkehrs gewährleisten könnten (Ausgabe vom 5. Oktober 2010).
Hans-Ulrich Dörig, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, könnte sich vorstellen, dass die systemrelevanten Geschäfte in die Tochterfirma Neue Aargauer Bank (NAB) übertragen würden. «Das kann im Krisenfall eine mögliche Lösung sein», sagte er in einem Interview mit der Zeitung «Sonntag». «Die Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen. Vielleicht kommen wir auch zum Schluss, dass wir die systemrelevanten Bereiche in eine gänzlich neue Bank integrieren, die vorher gegründet wird, aber innerhalb weniger Stunden und Tage mit Kapital ausgestattet werden und operativ sein könnte.»
Für Dörig hat die CS das Privileg, bereits heute über eine Holdinggesellschaft zu verfügen. Denn Patrick Raaflaub, der Direktor der Aufsichtsbehörde Finma, hat unlängst in einem Interview gesagt, die Grossbanken kämen nicht umhin, sich als Holding zu organisieren. Allerdings wird das Holdingkonstrukt im Krisenfall kaum genügen, wie schon im Expertenbericht zu lesen steht.
Solange eine Obergesellschaft weiter funktioniert, gilt der bankenrechtliche Beistandszwang.
Obschon der Massnahmenkatalog der Expertenkommission für die Grossbanken einschneidende und zum Teil schmerzhafte Massnahmen fordert, hofft Hans-Ulrich Dörig, dass das Paket in seiner Gesamtheit rasch verabschiedet wird. «So haben wir Planungssicherheit.»
Erschienen in der BZ am 18. Oktober 2010