Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/146871

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, zukünftige BAG-Aids-Kampagnen ohne über Medien verbreitete pornografische oder pornografieähnliche Videos oder Fotos zu führen und zielgruppenorientierter zu arbeiten.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Kampagne richtet sich an die gesamte sexuell aktive Bevölkerung der Schweiz. Sie zeigt Menschen, welche sich zu einer verantwortungsvollen Sexualität bekennen. Sie bringt zum Ausdruck, dass Sexualität ein wichtiger Teil des Lebens ist und dass damit eine Verantwortung verbunden ist: Verantwortung für die eigene Gesundheit und die des Partners, der Partnerin. Das Thema der Kampagne ist Schutz bei sexuellen Kontakten. Wenn die Prävention wirkungsvoll sein will, ist es wichtig und angemessen, über alltägliche Sexualität zu sprechen.</p><p>Die Kampagne erfüllt den in Artikel 197 des Strafgesetzbuches formulierten Tatbestand nicht. Die Bildsprache wäre eine ganz andere. Pornografie zielt auf die pure Befriedigung des Sexualtriebs, klammert andere emotionale und soziale, partnerschaftliche und weitere wichtige Aspekte der Sexualität (insbesondere Verantwortung) aus. Sie steht damit in Widerspruch zu den Botschaften der Kampagne, die Selbstbestimmung und Verantwortung als zentrale Werte vermittelt. Diese Werte sind es auch, die Jugendlichen die Entwicklung einer unbeschwerten Sexualität ermöglichen.</p><p>Alle Massnahmen der Kampagne tragen die breit bekannte Marke "Love Life" als Absender. Sie macht mit der Kondomverpackung und dem seit 27 Jahren eingesetzten Kondom-O deutlich, dass es sich bei den Massnahmen um eine Botschaft der HIV-Prävention handelt.</p><p>Die angesprochene Evaluation wurde 2006 veröffentlicht und hat einzelne Sujets der ersten "Love Life, Stop Aids"-Kampagne von 2005 untersucht. Eine Aussage dieser Evaluation war, dass die untersuchten Sujets einige der damals definierten Zielgruppen nicht optimal erreicht hatten. Die Bildwelt und -sprache für diese spezifischen Zielgruppen müsste laut Evaluatoren besser auf sie fokussiert sein. Die Kampagne würde damit aber in der breiten Bevölkerung an Akzeptanz verlieren. Aufgrund dieser Erkenntnis wurde empfohlen zu prüfen, ob diese spezifischen Zielgruppen über eigene Massnahmen und Kanäle direkt angesprochen werden sollen. Zugunsten der Schlagkraft der Kampagne in der Gesamtbevölkerung wurde darauf verzichtet.</p><p>Seit Beginn der HIV-Prävention hat die Schweiz einerseits die gesamte Bevölkerung über die Gefahren und Schutzmassnahmen mittels der "Stop Aids"-Kampagne informiert und andererseits unter dem Dach der Kampagne zielgruppenspezifische Prävention vor allem durch die privaten Partner (Aids-Hilfe Schweiz, Sexuelle Gesundheit Schweiz, Checkpoints) organisiert. Diese Kombination von Information der Gesamtbevölkerung und zielgruppenspezifischer Aufklärung war und ist erfolgreich: Die HIV-Epidemie konnte sich nicht in der Bevölkerung generalisieren, sondern ist auf die seit Anbeginn besonders betroffenen Gruppen konzentriert geblieben. Der Bundesrat will dieses bewährte Konzept weiterführen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.