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Die Varroamilbe (Varroa destructor) ist ein Spinnentier, das in einem konstanten Wirt-Parasit-Verhältnis mit der östlichen Honigbiene lebt. Vor über 30 Jahren wurde die parasitäre Milbe in unseren Breitengraden eingeschleppt. Seither hat sie sich in der Population der westlichen Honigbiene drastisch vermehrt. Die Varroamilbe ist deshalb zu einer der wichtigsten Ursachen für die grossen Verluste von Bienenkolonien geworden und bedroht somit auch die globale Wirtschaft. Als einzige Strategie gegen das Zusammenbrechen von Bienenvölkern werden die Bienen hierzulande mit zugelassenen Produkten, vor allem organischen Säuren, behandelt. Solche Behandlungen sind aber ein massiver Eingriff in die Gesundheit der Völker. Die Bienen werden geschwächt und das Risiko einer Medikamenten-Resistenzen steigt.
Die Varroamilbe ist dafür verantwortlich, dass sich Viren in Bienenvölkern ungehemmt vermehren können. Die Varroamilbe ernährt sich vom Fettkörper der Bienen. Durch entsprechende Verletzungen an den Bienen werden Viren übertragen. Bei zunehmender Parasitierung hat dies tödliche Folgen. Bereits nach einem halben Jahr ist die Virenlast derart gross, dass die Schäden im Bienenvolk von Auge erkennbar werden, z.B. durch flügellose Jungbienen oder zitternde, orientierungslose Bienen.
Nach einer Behandlung gegen die Varroamilbe geht die Virusinfektion nur langsam zurück (über Wochen und Monate). Die Milbenpopulation wächst im Bienenvolk nach der Behandlung von neuem, die Viren vermehren sich erneut und das Sterben von Bienenvölkern geht weiter.
VSH: Überleben aus eigener Kraft
Ein Volk mit der VSH-Eigenschaft setzt diesem Parasiten aus eigener Kraft etwas entgegen. Varroa Sensitiv Hygiene (VSH) ist ein Verhaltensmerkmal bei Honigbienen. Die Bienen tun etwas, was Imker nicht können – sie entfernen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche Varroamilben. Es ist eine Form der Nestreinigung, genetisch veranlagt. Bienen erkennen in der Brutanlage Bienenpuppen, die durch die Varroamilbe parasitiert werden, öffnen die Zellen und räumen die befallene, 12 bis 18 Tage alte Brut aus. Dadurch wird der Vermehrungsakt der Muttermilbe gestört. Sie ist gezwungen, die Zelle zu verlassen und unternimmt einen neuen Versuch in einer anderen Zelle. Auch dieser Versuch wird vereitelt und nach einigen Versuchen ist die Muttermilbe zu alt für die Reproduktion, sie stirbt. VSH-Bienenvölker zeigen daher einen ungewöhnlich niedrigen Anteil an reproduktionsfähigen Milben in der Brut. Sie können die Milbenpopulation tief halten, unter dem Schwellenwert, der eine Varroa Behandlung nötig macht. Es stellt sich ein Wirt-Parasit-Verhältnis ein mit tatsächlichen Überlebenschancen für den Wirt.
«Varroaresistenz 2033»
In jeder Nutztierzucht werden Eigenschaften definiert und bewertet, so auch in der Bienenzucht. Die Eigenschaft der Varroa Sensitiv Hygiene (VSH) wurde erst vor einigen Jahren entdeckt und in die Bienenzucht eingeführt. Züchter sind heute in der Lage, Bienen zu züchten, die eine hohe Varroaresistenz aufweisen.
Mit der Projektidee «Varroaresistenz 2033» (www.varroaresistenzprojekt.eu) soll durch flächendeckende Zusammenarbeit von Imkerschaft, Verbänden, Instituten und Beratenden erreicht werden, dass diese Eigenschaft in der gesamten Bienenpopulation etabliert werden kann.
Seit dem Jahr 2017 betreiben Züchterinnen und Züchter des Buckfastimkerverbands Schweiz Varroaresistenz-Zucht. Die Finanzierung erfolgt ausschliesslich durch Eigenleistung. Die Stiftung «Arista Bee Research» begleitet die Zuchtbemühungen seit Beginn. Es reicht aber nicht aus, dass sich 10% fortschrittliche Imker damit beschäftigen. Der Bienenforscher Dr. Ralph Büchler vom Institut Kirchhain (D) sagt: «Die Imkerschaft als Ganzes muss mitmachen», und «wir sollten uns weniger über Rassen unterhalten, sondern über gute Zuchtmethoden».
Was ist eine VSH-Königin?
Gelegentlich werden VSH-Königinnen zum Kauf angeboten. Der Buckfastimkerverband Schweiz distanziert sich in aller Form von Angeboten ohne entsprechenden Nachweis (Pedigree, Milbenauszählung). VSH-Zuchtmaterial macht vorläufig nur Sinn innerhalb eines Züchterrings, unter Einsatz von künstlicher Besamung und sicheren Belegstellen. Die Zuchtarbeit mit brauchbaren VSH-Königinnen ist aufwändig und derzeit weder konsolidiert noch abgeschlossen. Es liegen noch einige Jahre intensive Zuchtarbeit vor uns. Vorläufig haben deshalb die erzielten züchterischen Ergebnisse ihren besonderen Wert für die strategische Weiterzucht des Zuchtmaterials innerhalb des Zuchtkonzepts.
VSH-Zucht braucht Unterstützung
VSH-Zucht ist spannend, verbindend, rasseübergreifend und geht uns alle an. Interessierte, die sich an der Zucht beteiligen möchten, als Helferin und Helfer, unterstützend oder fördernd, sind herzlich willkommen. Wir bitten, mit dem Vorstand Kontakt aufzunehmen.
Tobias Maeder, Zuchtkoordinator BIVS