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«Die ‹Zauberflöte› ist ein modernes Stück», sagt Joan Mompart. Der Westschweizer Schauspieler und Regisseur ist verantwortlich für die Inszenierung der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, welche am Samstag im Equilibre in Freiburg Premiere feiert. Es ist die erste eigentliche Opernproduktion der Neuen Oper Freiburg, die aus der Fusion zwischen der Oper Freiburg und der Opéra Louise hervorgegangen ist (siehe Kasten).
Suche nach Weisheit und Liebe
Geschrieben hat Mozart die wohl populärste seiner Opern in seinem Todesjahr 1791: Die Königin der Nacht beauftragt den Fürstensohn Tamino, ihre Tochter Pamina aus dem Tempel von Sarastro zu retten. Dabei begleitet ihn Papageno, der Vogelfänger der Königin. Tamino erfährt im Tempel, dass Sarastro gute Absichten verfolgt. Er wird mit Papageno in den Prüfungstempel geführt und von Pamina getrennt. Drei Prüfungen müssen die Männer bestehen, um in den «Kreis der Eingeweihten» aufgenommen zu werden und ihre Liebe zu finden. Denn, so Sarastro, Tamino und Pamina seien für einander bestimmt, auch für Papageno gebe es eine Papagena. Papageno tut sich mit den Prüfungen jedoch ungleich schwerer als Tamino.
Sowohl Wolfgang Amadeus Mozart als auch Librettist Emanuel Schikaneder, der Verfasser des Textbuchs, sympathisierten mit den Freimaurern. Diese Gruppierung versteht sich als Bund freier Menschen, dessen Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität durch praktische Einübung im Alltag gelebt werden sollen. Musikwissenschafter sind überzeugt, dass die Freimaurerei als Vorlage für die «Zauberflöte» diente. Wirkt die Oper vor diesem Hintergrund nicht etwas altbacken? Regisseur Mompart verneint: «Man muss sie vor dem Hintergrund der Gegenwart sehen.» Die drei Prüfungen, welche Tamino und Papageno bestehen müssten, liessen sich durchaus modern interpretieren. «Schweigen, nicht handeln, abwarten und Geduld aufbringen: Das sind Tugenden, die auch in der heutigen Welt gefragt sind.» Die Oper zeige, dass sich im Abwarten die Chance biete, sich die nächsten Schritte besser zu überlegen. Vielleicht, so Mompart, wäre es auch in der heutigen schnelllebigen Welt manchmal besser, im Voraus besser nachzudenken. Die Oper habe deshalb eine hoch aktuelle Aussage. Mompart ist überzeugt: «Ein Regisseur muss solche Bezüge zur Gegenwart herausarbeiten.» Die Inszenierung dürfe deshalb auch gewagt daherkommen, wenn dies helfe, die Botschaft des Werks zu vermitteln.
Eine Premiere
Entsprechend inszeniert Mompart auch die «Zauberflöte» in Freiburg: «Die ganze Handlung wird sich als Traum von Tamino abspielen. Wir sehen so seine ganzen Gefühle, die sehr gegensätzlich sein können: seinen Mut, seine Angst, seinen Zorn oder auch seine Bequemlichkeit, die von Papageno symbolisiert wird.»
Für Mompart ist die «Zauberflöte» auch eine Premiere: Zum ersten Mal inszeniert er eine Oper mit allem, was dazugehört. «Ich habe zwar bereits früher neben den Schauspielen auch musikalisch gearbeitet.» Dazu gehörten etwa halbszenische Aufführungen verschiedener Opern. Doch eine komplette Operninszenierung ist für den viel gefragten Westschweizer Neuland. In der «Zauberflöte» könne er die Erfahrungen aus den halbszenischen Opern mit seinen Erfahrungen als Theaterregisseur verbinden.
Wer ist eigentlich der Chef in einer Oper: der Regisseur, der Dirigent oder gar die Solisten? «Das Textbuch und die Partitur», meint Mompart, «sie geben die Leitlinien vor.» Es sei interessant, wenn Dirigent Laurent Gendre die Musiker noch ohne schauspielerische Elemente dirigiere. «Dann hört man, dass in der Musik schon ganz viele Elemente der Inszenierung angelegt sind.» Die Musik übernehme die Führung, wo die Worte nicht mehr ausreichten. Das höre man in der «Zauberflöte» etwa im ersten Auftritt der drei Knaben. «Die Musik hat etwas Kindliches, das Worte so nicht ausdrücken könnten.» Mozart zeige hier seine Gefühle als Familienvater.
Freiraum fürs Ensemble
Seine Erfahrung als Schauspieler helfe ihm durchaus auch in seiner Funktion als Regisseur. «Ich lasse dem Ensemble verhältnismässig viel Freiraum, weil ich weiss, dass die Schauspieler sich intensiv mit der Rolle auseinandersetzen.» Er lasse zum Beispiel die Schauspieler das Stück zuerst einmal spielen und lasse sich überraschen, was dabei herauskomme. So könne das Ensemble dem Stück eigene Impulse geben, meint Mompart. «Ein Schauspiel oder eine Oper gehört den Menschen, die mit dem Werk arbeiten.»
Zahlen und Fakten
Fusion schafft neue Möglichkeiten
Im Verlauf dieses Jahres haben die Oper Freiburg und die Opéra Louise zur Neuen Oper Freiburg fusioniert. Damit wollten die Verantwortlichen unter anderem den Platz der Oper in Freiburg langfristig sichern. Mit der Fusion wurden auch die Budgets der bisherigen Organisationen zusammengelegt. Mit den zusammengerechnet 1,1 Millionen Franken bis 2020 wollen die Verantwortlichen laut eigenen Aussagen dem Publikum mit dem gleichen Geld mehr bieten. Ende August feierte die Neue Oper mit «Ouvertüre» Premiere: Pianist Teo Gheorghiu und das Freiburger Kammerorchester lieferten mit Klaviermusik von Robert Schumann die Vorlage für eine Tanzchoreografie. Im nächsten Frühling wird im Freiburger Equilibre die komische Oper «The Importance of Being Earnest» von Gerald Barry zu Gast sein. s
Aufführungen der «Zauberflöte»: Premiere (ausverkauft): Samstag, 29. Dezember. Weitere Aufführungen: Montag, 31. Dezember, 19 Uhr; Freitag, 4. Januar, 19.30 Uhr; Sonntag, 6. Januar, 17 Uhr; Freitag, 11. Januar, 19.30 Uhr; Sonntag, 13. Januar, 17 Uhr. Informationen: www.nof.ch