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Autor: Anton Jungo
Freiburg Rita Binz-Wohlhauser aus Düdingen hat sich erst im zweiten Anlauf der Wissenschaft zugewandt. Nach der Matura liess sie sich zuerst zur Physiotherapeutin und zur Feldenkraislehrerin ausbilden.
Schon immer hätten sie die Arbeit mit Menschen und die gesellschaftlichen Mechanismen interessiert, betonte sie am Dienstagabend in ihrem Vortrag im Geschichtsforschenden Verein.
Als es ihm Rahmen ihres Geschichtsstudiums an der Universität darum ging, ein Thema für die Lizentiatsarbeit zu wählen, entschied sie sich für «eine soziologische Fragestellung in einem historischen Kontext». Konkret untersuchte sie die Eliten innerhalb der Bevölkerung der Stadt Freiburg im 18. Jahrhundert und die Frage, wie diese ihren Status verteidigten. Das gleiche Thema vertieft sie zurzeit in einer Doktorarbeit.
Nur gegen aussen eine geschlossene Gruppe
Bei der Analyse des Bürger- und des Besatzungsbuches stellte sich heraus, dass unter den damaligen rund 5000 Einwohnern 96 Familien zum Patriziat gerechnet werden können. Rita Binz-Wohlhauser konnte aber feststellen, dass es sich dabei keineswegs um eine geschlossene Gruppe handelte.
Geschlossen trat das Patriziat nur gegen aussen auf, wenn es darum ging, seine Privilegien gegenüber der übrigen Bürgerschaft zu verteidigen. Innerhalb des Patriziats selbst gab es verschiedene Gruppen und Rivalitäten untereinander. Sie konnte auch aufzeigen, dass Zugehörigkeit zum Patriziat nicht unbedingt auch viel Geld bedeutete.
Erstrebenswerte Positionen
Drei Top-Positionen hielt das Patriziat bei den zivilen Ämtern für besonders erstrebenswert: die Mitgliedschaft im Kleinen Rat und in der Geheimen Kammer (eine Art Beaufsichtigungsgremium) sowie das Schultheissenamt.
Es waren vor allem zwei Mittel, mit welchen das Patriziat versuchte, seinen Status zu verteidigen: durch das Knüpfen von Netzwerken und durch eine geschickte Heiratspolitik. Mit diesen zwei Mechanismen gelang es den adligen Familien, das Vermögen zusammenzuhalten und den sozialen Aufstieg zu schaffen.
An zahlreichen Beispielen zeigte die Referentin diese Strategien auf. So gingen von den 16 Kindern der Familie Castella de Wallenried nur vier eine Ehe ein und von den elf Enkeln ebenfalls wiederum nur vier.