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Erst im 9. Jahrhundert erkannte Sizilien die eigenen Möglichkeiten. Zu dieser Zeit eroberten und beherrschten Araber, Berber und Sarazenen die Insel und kultivierten den Boden. Hochentwickelte Bewässerungssysteme und geschätzte Produkte wie Orangen und Zitronen wurden eingeführt, und Arabiens Kunst, Literatur und Zahlensystem verbreiteten sich auf der ganzen Insel.
Die sizilianische Wirtschaft boomte unter arabischer Herrschaft. Landwirtschaft, Bergbau und Handel florierten, und die Insel genoss eine Phase der religiösen Toleranz. Palermo wurde zur Hauptstadt des Landes ernannt und es heisst, dass dort auf dem Höhepunkt arabischer Macht mehr als 100 Moscheen standen.
Doch der Aufschwung machte die Insel noch begehrenswerter für Europäer, die aus diesem Erfolg Nutzen ziehen wollten.
Die bedeutendsten Eindringlinge waren die Normannen, die Sizilien in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eroberten, was zu einem Goldenen Zeitalter führte, in dem die verschiedenen Kulturen friedlich zusammenlebten, und Muslime, Juden, Christen und Byzantiner alle einen Platz in der Gesellschaft hatten. Diese von König Roger geförderte bunte und tolerante Lebensart hatte eine unvorstellbare Verschmelzung architektonischer Stile zur Folge, eine Verbindung arabischer Elemente mit byzantinischen Besonderheiten, die heute als ‘Sizilianische Romantik’ bezeichnet wird. Dieser ganz besondere Kunst- und Architekturstil ist in den Kirchen und Kathedralen von Palermo, Cefalù und Monreale zu sehen, im Palazzo dei Normanni (dem Normannenpalast) und in der Capella Palatina (der Palatinischen Kapelle), ebenso wie im prächtigen Kastell von Erice.
Die Normannen genossen einen verschwenderischen Lebensstil, und König Roger liess viele Paläste und Monumente bauen. Palermo florierte unter normannischer Herrschaft und avancierte zur reichsten Stadt Siziliens. Doch diese dekadente Phase hielt nicht lange an, und nach nur einem Jahrhundert endete die normannische Dynastie. Sie wurde 1194 durch Friedrich II und die Staufer abgelöst.