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Dem Lingeriekonzern Triumph geht es gut: Ein Umsatz von 2,37 Milliarden Franken und trotz Krise ein Minus zum Vorjahr von nur 4,2 Prozent; Einzelhandel und Markengeschäft haben gar zugelegt und «besonders die asiatischen Tochtergesellschaften haben sich zufriedenstellend entwickelt». So steht es im letzten Jahresbericht von «Triumph international» mit Sitz in Bad Zurzach (AG), datiert vom 29. Juni 2009.
29. Juni 2009, Bangplee, Thailand: In der Triumph-Tochterfirma «Body Fashion Thailand» wird mitgeteilt, dass per Ende August von den 4200 Arbeiterinnen 1959 entlassen werden. Die Gewerkschaften werden vorgängig nicht konsultiert. Einen Sozialplan gibt es keinen. 13 von 19 Mitgliedern der betrieblichen Gewerkschaftsleitung werden entlassen.
Am 9. Juli wird zudem bekannt, dass zwei weitere Triumph-Tochtergesellschaften in der philippinischen Stadt Taguig City geschlossen werden. 1663 Arbeiterinnen werden entlassen.
Wenn sich das Triumph-Geschäft in Asien 2008 «zufriedenstellend» entwickelt hat, erstaunt es, dass ein halbes Jahr später «aus wirtschaftlichen Gründen» über 3600 Leute entlassen werden müssen.
Tatsächlich aber scheinen andere Gründe ausschlaggebend gewesen zu sein.
• «Auffällig ist, dass Triumph die Kündigungen in gewerkschaftlich gut organisierten Fabriken ausgesprochen hat», sagt Christa Luginbühl, die den Fall kennt. Sie setzt sich als Koordinatorin der internationalen Clean Clothes-Kampagne bei der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern (EvB) für gerechte Arbeitsbedingungen in der weltweiten Textilindustrie ein.
• Im thailändischen Bangplee haben die Arbeiterinnen im Sommer 2008 mit Demonstrationen anderthalb Monate lang Widerstand geleistet gegen die Entlassung ihrer Gewerkschaftspräsidentin. Ein Jahr später ist die Abteilung, in der sie gearbeitet hat, vollständig geschlossen worden.
• Bekannt ist, dass der Triumph-Konzern zwischen 2006 und 2008 eine gewerkschaftlich nicht organisierte Tochtergesellschaft in Thailand stark ausgebaut hat.
• Neuerdings wird, so Luginbühl, einzelnen der auf den Philippinen entlassenen Näherinnen angeboten, für den Konzern neu Heimarbeit zu verrichten.
Offensichtlich geht es Triumph auch um die systematische Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Zur Erinnerung: 2001 war Triumph erst nach starkem internationalem Druck bereit, sich aus Myanmar zurückzuziehen. Dort hat der Konzern mit dem Segen der devisenhungrigen burmesischen Militärdiktatur produziert. In einem Land also, in dem bis heute Zwangsarbeit an der Tagesordnung ist.
Seit Ende Juni 2009 wehren sich die Näherinnen in Thailand und auf den Philippinen gegen ihre Entlassungen:
• Nach wochenlangen Mahnwachen vor den Betrieben demonstrieren sie am 24. Juli 2009 vor den Schweizer Botschaften in Bangkok und Manila.
• Ende August versuchen 2000 Arbeiterinnen vor dem Parlament in Bangkok dem thailändischen Arbeitsminister eine Petition zu übergeben. Statt des Ministers erscheint die Polizei, setzt Schallkanonen ein und spricht Haftbefehle gegen drei Gewerkschaftsführerinnen aus.
• Am 2. Dezember zieht eine Delegation der Näherinnen vor den Konzernsitz in Bad Zurzach und verlangt vergeblich ein Gespräch mit dem Firmenchef Markus Spiesshofer.
• Am 3. Dezember reicht diese Delegation beim Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) eine Beschwerde gegen Triumph ein wegen Verletzung der OECD-Leitsätze für multinationale Konzerne.
• Am 4. Dezember informiert die Delegation am Weltkongress der Internationalen Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeitervereinigung (ITGLWF) in Frankfurt.
• Seit Oktober halten zudem Näherinnen das Arbeitsministerium in Bangkok besetzt. Mit ihren privaten Nähmaschinen produzieren sie Protestunterhosen. Ihre materielle Situation ist prekär: Das thailändische Arbeitsrecht sieht für sie die Zahlung von 50 Prozent des letzten Lohnes während sechs Monaten vor. Ende Februar laufen die Zahlungen aus.
Triumph stellt sich auf den Standpunkt, die «Restrukturierung» in Thailand und auf den Philippinen sei wegen Verlusten von insgesamt 38 Millionen Franken nötig geworden. Triumph-Pressesprecherin Charlotte Hegnauer gegenüber work: «Das Unternehmen hat alle Verpflichtungen gegenüber seinem Personal erfüllt und die OECD-Richtlinien eingehalten.»
Der «Nationale Kontaktpunkt der OECD-Leitsätze» beim Seco bestätigt lediglich den Empfang der Beschwerde. Bis Ende Februar soll entschieden werden, ob auf die Beschwerde eingetreten wird: «Der weitere Verlauf und die Dauer eines solchen Verfahrens hängt stark von der Komplexität des konkreten Falls ab», sagt Seco-Pressesprecherin Rita Baldegger.
Corrado Pardini, Chef Industrie der Unia, kennt die Politik des Triumph-Konzerns. «Kurzfristig lässt die Unia den Näherinnen einen Solidaritätsbeitrag für ihren Kampf zukommen», sagt er auf Anfrage. Und, als Delegierter in der ITGLWF, fügt er hinzu: «Damit solche Schweinereien nicht mehr vorkommen, ist aber politisch die internationale Netzwerkarbeit entscheidend.»
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Gegründet worden ist Triumph von einem Vorfahren des heutigen CEO Markus Spiesshofer. Der Hauptsitz des Konzerns liegt im aargauischen Bad Zurzach. Heute betreibt Triumph in über 40 Ländern 49 Tochtergesellschaften mit mehr als 40’000 Angestellten. Produziert werden Marken wie Triumph, sloggi, Valisère oder HOM.
Zur 7. Berner Aktionswoche gegen Rassismus: