Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03464.jsonl.gz/2023

Johann Friedrich Dietler, Basel, 1856 datiert
Ölmalerei auf Leinwand
H. 122,5 cm, B. 93 cm
Inv. 1990.559.
Das stattliche Dreiviertelporträt des Solothurner Malers Johann Friedrich Dietler (1804–1874) zeigt den 23- jährigen Basler Emil Forcart (1833–1890) mit ernster Miene als Leutnant der kaiserlich-habsburgischen Armee. Vor der kargen Landschaft und dem in der Dämmerung leicht rötlich schimmernden, mit weissen Wolken versetzten Himmel posiert der junge Mann stramm, regungslos und scheinbar unerschrocken – ausgezeichnete Voraussetzungen für eine militärische Karriere.
Emil Forcart begab sich nach der Absolvierung der Schulen nach Wien und meldete sich als Kadett in der kaiserlich-königlich österreichischen Armee. Er erwarb das Leutnantspatent und diente von 1852 bis 1858 als Offizier im 3. Husarenregiment Prinz Carl von Bayern, benannt nach dem Regimentsinhaber. Die Husaren gehörten zu der leichten Reiterei, jeder Soldat war mit einem eigenen Pferd ausgerüstet. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, Aufklärungsdienst zu tun und die feindlichen Versorgungslinien zu stören. Als Leutnant nahm Forcart an der Grenzbesetzung in Galizien (zwischen der heutigen Westukraine und Südpolen) teil. Seine für Husarenoffiziere typische Uniform weist ihn als Angehörigen des 3. Husarenregiments aus: Den kurzen, dunkelblau gehaltenen Waffenrock mit gelben Knöpfen, die sogenannte Attila, schnürte man mit fünf gelben Schnurreihen zu. Schräg über die Brust wurde ein gelber Bandolier, darüber ein rot gefütterter Pelz getragen.
Die dunkelblauen Hosen bezeichnete man als Charivari. Die Bewaffnung bestand bei Forcart aus einem Säbel, als Kopfbedeckung diente ihm ein zylindrischer, weisser Tschako aus Filz, der über dem Augenschirm mit dem kaiserlichen Doppeladler beschlagen war und bei Paraden mit einem Haarbüschel geschmückt wurde.
Die Rückkehr Forcarts aus österreichischen Diensten im Jahr 1858 fiel in die Zeit, als die Fremden Dienste im Allgemeinen abgeschafft wurden. Hatte schon die Bundesverfassung von 1848 den Abschluss neuer Kapitulationen verboten, so blieben bestehende Verpflichtungen und die Anwerbung von Einzelpersonen zunächst erlaubt. Von dieser gesetzlichen Regelung profitierte Forcart so lange, bis die Schweiz 1859 ein generelles Verbot der Fremden Dienste erliess, das nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Bundesrates umgangen werden durfte. Ob Forcart aus freien Stücken oder angesichts des sich abzeichnenden Verbots aus gesetzlichem Zwang den Dienst für den Kaiser aufgab, bleibt ungeklärt.