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Internationaler Mädchentag am 11. Oktober - Kinderheirat besteht weiter
Eine qualitative Studie des Kinderhilfswerks Terre des hommes unter syrischen Flüchtlingsgemeinschaften im Libanon und in Jordanien erklärt den kausalen Zusammenhang zwischen Flüchtlingsstatus, der prekären Situation von Familien und Kinderheirat. Bei einem Viertel der befragten Mädchen besteht ein hohes Heiratsrisiko.
In syrischen Flüchtlingsgemeinden erhält ein Mädchen den ersten Heiratsantrag im Schnitt mit 14.5 Jahren. Fast alle Mädchen in der Studie haben mindestens einen Antrag erhalten bevor sie 16 Jahre alt waren. 24% sind einem hohen Frühheiratsrisiko ausgesetzt, während diejenigen Mädchen, die zur Schule gehen, ein geringeres Risiko haben.
Der Flüchtlingsstatus und die prekäre Situation der syrischen Flüchtlingsfamilien begünstigen die Kinderheirat. Die Mädchen gehen oft nicht zur Schule und es ist schwierig, für sie zu sorgen und ihren Status innerhalb des Hauses und der Gemeinschaft zu definieren. Der Mangel an Bildung und Zukunftsperspektiven hat die Sichtweise der Familien, einschliesslich der Mädchen, auf die Heirat verändert. Was früher undenkbar war, wird heute akzeptiert. Die Ehe wird als eine annehmbare Alternative angesehen. In dieser Unsicherheit gibt sie den Eltern die Illusion, die prekäre Zukunft ihrer Töchter zu sichern, und bietet den Familien die mit den psychischen Konsequenzen ihrer Reise und Flucht zurechtkommen müssen, ein Gefühl von Normalität und Kontrolle.
Obwohl Familien die Kinderheirat nicht als schädlich erachten, können die Folgen dramatisch sein. Keines der befragten Mädchen war darauf vorbereitet - noch im Teenager-Alter sind sie weder psychologisch noch sexuell bereit, die Rollen der Hausfrau, Mutter und Ehefrau zu übernehmen. « Ich war noch sehr jung. Ich wusste nicht alles über die Ehe. Jetzt, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, habe ich Verantwortung: kochen, Geschirr spülen und die Wäsche waschen. Ich habe einen Mann, der Erwartungen an mich hat», sagt eine 16-jährige Syrerin, die seit zwei Jahren verheiratet und mit ihrem zweiten Kind schwanger ist. Einige der Teilnehmerinnen beschrieben den Schock und die Verzweiflung beim ersten Geschlechtsverkehr, den sie als eheliche Vergewaltigung bezeichnet haben. Auch körperliche, verbale und emotionale Misshandlungen haben sie erlitten.
« Angesichts seiner neuen Verantwortlichkeiten wird ein junges Mädchen nicht in der Lage sein, normale Aktivitäten auszuüben, die zu seiner Entwicklung förderlich sind, und wird sozial isoliert sein. Das Mädchen wird nicht die Zeit gehabt haben, die für das Leben als Ehefrau und Mutter notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln. Dies kann eine sehr traumatische und lang anhaltende Erfahrung sein. Internationale Konventionen betrachten die Kinderheirat eindeutig als ein Kinderschutzanliegen und als eine Form sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt », erklärt Marta Gil Gonzalez, die in Jordanien regionale Koordinatorin des Programms Zugang zu Justiz für Kinder von Terre des hommes ist.