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Mit ihrem höchst erfolgreichen ‹Vivaldi-Album› von 1999 hat Cecilia Bartoli mit einem Schlag Antonio Vivaldi als Opernkomponisten in das Bewusstsein eines breiten Publikums gerückt. Tatsächlich hat der Venezianer fünfzig Opern geschrieben, von denen allerdings nur ein Teil erhalten ist. Einige davon sind, wenn auch oft in fragwürdigen Bearbeitungen, auf CD erhältlich.
Nun präsentieren zwei der wichtigsten Vertreter der historischen Aufführungspraxis Opern Vivaldis in vollständiger Fassung: Jordi Savall den 1727 in Venedig uraufgeführten ‹Farnace› und Jean-Claude Malgoire ‹Catone in Utica› von 1737. Von ‹Catone› ist allerdings nur die Musik der letzten beiden Akte erhalten, den ersten rekonstruierte Malgoire aufgrund des Librettos mit Arien aus anderen späten Opern Vivaldis. Savall wiederum ergänzte ‹Farnace› mit einigen Ausschnitten aus einer 1739 in Madrid aufgeführten Vertonung des gleichen Stoffs von Francesco Corselli. Zu entdecken ist in den beiden Live-Aufnahmen ein einfallsreicher, ausdrucksstarker Musikdramatiker, der durchaus an Händel heranreicht; die Arie Farnaces am Grab seines (vermeintlich) toten Sohnes etwa ist von einer geradezu bestürzenden Expressivität, die allerdings von Bartoli um einiges eindrücklicher umgesetzt wird als von Furio Zanasi bei Savall.
Beide Einspielungen überzeugen durch lebendiges, zupackendes Musizieren und ausgezeichnete sängerische Leistungen, wobei Malgoire die Partitur dramatischer zuspitzt und seine SolistInnen im Dienst des Ausdrucks auch gelegentlich ‹hässlich› tönen dürfen. Sein insgesamt homogenes Ensemble wird angeführt von der differenziert gestaltenden Veronica Cangemi und dem mit verblüffenden Spitzentönen aufwartenden Sopranisten Jacek Laszczkowski. Aus Savalls Team ragt Sara Mingardo heraus, die mit farbigem, vollem Alt Farnaces Gattin Tamiri bewegendes Profil gibt, während Adriana Fernandez mit ihrem leichten Sopran als von Hass getriebene Gegenspielerin Berenice viel zu harmlos bleibt. Die Orchesterbesetzung beider Aufnahmen ist nahezu identisch, jeweils mit einem farbenreichen, differenziert eingesetzten Continuo. Es mag an der Aufnahmetechnik liegen, dass Savalls Le Concert des Nation etwas voller tönt als La Grande Ecurie et la Chambre du Roy; dafür klingen seine SängerInnen manchmal allzu hallig. | Alfred Ziltener
‹Catone› (Malgoire), CDS 403/1—2; ‹Farnace› (Savall), AV9822A7C