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Zusammenhang zwischen Zika-Virus und Missbildungen ist fraglich
Viele Zika-Fälle in Kolumbien, aber kaum Mikrozephalie
Die Studie wurde vom «Instituto National de Salud» von Kolumbien und den US-amerikanischen «Centers for Disease Control and Prevention» 2015 bis 2016 durchgeführt; der vorläufige Bericht dazu erschien am 15. Juni 2016 im angesehenen «New England Journal of Medicine». Von den Mainstream-Medien wurde die Nachricht allerdings nicht aufgegriffen.
Kaum Echo fand auch ein Bericht der Wissenschaftszeitschrift «Nature» vom 28. Januar 2016, nach dem von 4180 gemeldeten Fällen von Mikrozephalie nur 270 tatsächlich bestätigt werden konnten. Die für die Studie verantwortlichen Ärztinnen und Ärzte machen das «erhöhte Bewusstsein» für Zika-Infektionen für den Anstieg von irrtümlichen Fällen verantwortlich. Man könnte dafür auch ein klareres Wort gebrauchen: Hysterie. Tatsache ist aber, dass die Mikrozephalie-Fälle in Brasilien seit 2015 deutlich zugenommen haben. Aber: Von 49 Kindern, die bis zum 20. Januar 2016 an Mikrozephalie starben, gingen nur fünf auf eine bestätigte Zika-Infektion zurück.
Die Resultate aus Kolumbien bringen einen Verdacht argentinischer Ärzte der «Red Universitaria de Ambiente y Salud» wieder in die Diskussion, die das Insektizid Pyriproxyfen als Verursacher der Missbildungen vermuten. Das brasilianische Gesundheitsministerium begann 2014, das Insektizid dem Trinkwasser beizumischen, um Insektenlarven im Wachstum zu hemmen – ausgerechnet in den Gebieten, in denen sich ein Jahr später die Mikrozephalie-Fälle häufen sollten. Das Insektizid wurde von der WHO geprüft, gilt offiziell als ungefährlich und wird auch in Spanien, Italien und Israel eingesetzt.
In ihrem Bericht vom 3. Februar 2016 weisen die argentinischen Umweltmediziner ferner darauf hin, dass in südamerikanischen Ländern sehr viel mehr Insektizide verwendet werden, auch solche, die in westlichen Ländern verboten sind und die Wechselwirkungen des Chemiecocktails noch weitgehend unerforscht sind. Und betroffen seien vor allem die ärmeren Regionen. Die argentinischen Ärzte arbeiten in Gebieten, in denen Flugzeuge grossflächig Insektizide ausbringen, auch über Dörfern. Für sie ist die chemische Bekämpfung keine Lösung des Problems, sondern «bloss ein Geschäft innerhalb eines Problems».
In ihrem Papier erklären sie auch, warum die Verbreitung von gentechnisch veränderten männlichen Mücken, deren Nachkommen nicht überlebensfähig sind, keinerlei Wirkung zeigte: Die Weibchen stechen nur, wenn sie schwanger sind und Blut für ihre Eier brauchen. Mehr männliche Mücken: mehr schwangere Weibchen.
Fazit: Die Zika-Hysterie hat eine ähnliche kurze Halbwertszeit, wie die meisten Pandemien, die durch das globale Dorf getrieben werden. Ihre Ursachen aber – Armut, fehlende Hygiene, Umweltverschmutzung – bleiben bestehen.
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Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. "Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen".