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Kap. 23 - Reparaturen
Reparaturarbeiten; Bolzen festziehen und Schrauben lockern
Kapitel 23. des Buches Sabotage - ArbeiterInnen aus den USA erzählen
Inhaltsverzeichnis
Instandhaltungsschlosser in der Industrie - Max
Ich wurde mit einer strengen Arbeitsethik erzogen. Ich arbeite selbst dann hart, wenn ich weiß, daß ich nicht entsprechend bezahlt werde. Normalerweise versuche ich auch nicht, Maschinen kaputtzumachen, denn ich habe großen Respekt vor ihnen. Ich arbeitete in einer Instandhaltungstruppe in einer großen Fabrik in Massachusetts, die Plastikteile herstellte. Eine hydraulische 900-Tonnen-Presse arbeitete nicht richtig. Mit ihr wurden diese Periskoprohre für das Verteidigungsministerium gepreßt. Wir nahmen die Maschine auseinander, und als ich sie wieder zusammenbaute, entdeckte ich diesen stählernen Sicherheitsring, der das Maschinengehäuse aus Gußaluminium vor den Lagern schützte. Ich brauchte einige Zeit um herauszufinden, auf welche Seite er gehörte, und mir wurde klar, daß die Maschine in den Arsch gehen würde, falls ich ihn auf der falschen Seite einbauen würde. Zuerst dachte ich: »Wow, gut daß ich das rausgekriegt habe; ich hätte die Maschine zerstören können, wenn ich diese Platte auf der falschen Seite eingebaut hätte.« Aber dann ging mir durch den Kopf: »Yeah, ich kann diese Maschine zerstören!« Das war eine total spontane Sache. Die Maschine würde laufen, aber die Lagerrollen würden sich schließlich durch das Aluminium hindurchscheuern und die ganze Maschine ruinieren. Diese Maschine läuft mit hoher Geschwindigkeit, vierundzwanzig Stunden am Tag. Ich schätzte, es würde zwei bis vier Wochen dauern, bis sich die Rollen durchgescheuert hätten. Ich hätte das nicht getan, wenn ich diesen Ort nicht gehaßt hätte. Selbst gemessen an anderen Fabriken, in denen ich gearbeitet habe, war das Arbeitsklima grotesk. Sie waren ultra autoritär. Ständig stand irgendein Aufseher hinter mir, der mir über die Schulter guckte und jede meiner Bewegungen beobachtete.
Kühlgerätemechaniker - Ernest
Ich arbeitete für meinen Vater, der Wartungsarbeiten für die Mark Restaurant-Kette in Akron, Ohio, machte. Ich wandte mich an die Firma, um für sie die Arbeiten an der Kühlung zu übernehmen. Sie gaben mir zur Probe acht ihrer Läden. Ich hatte überhaupt keine Erfahrung. Wenn eine Eismaschine kaputt war, ging ich also zur Herstellerfirma und ließ mir Reparaturanleitungen und die benötigten Ersatzteile geben. Meine Firma bezahlte dann die Ersatzteile und ? ohne es zu wissen ? auch die Reparaturanleitungen. Da mir technische Sachen wirklich liegen, lernte ich schnell und machte die Arbeiten dann ziemlich gut. Sie wiesen mir alle Restaurants ihrer Kette zu und gaben mir eine Blankovollmacht für die Teilebestellungen. Wenn ich eine Maschine repariert hatte, gab es selten Beanstandungen. Alle mochten mich und man vertraute mir. Ich konnte Teile kaufen und sie der Firma als Teil meiner Arbeit in Rechnung stellen. Auf diese Weise habe ich mir mein ganzes Werkzeug gekauft, Strommeßgeräte und solche Sachen. Es waren bestimmt gut 3000 Dollar für Werkzeug. Da ich als Subunternehmer arbeitete, schrieb ich die Rechnungen selber. Das ganze war eine Art spezieller Zuschlag. So arbeitete ich etwa zwei Jahre. Um es kurz zu machen, ich kündigte den Job und ging zu einer privaten Kühlgerätefirma ? mit einem gut gefüllten Werkzeugkasten. Ich brauchte nicht mal die Hälfte davon.
Ich paßte immer gut auf. Ich bekam eine Menge Werkzeuge, aber ich tat auch viele Dinge, für die jemand anderes sehr viel besser bezahlt worden wäre. Ich hatte immer ein ruhiges Gewissen. Ich hielt mein Verhalten für einen gerechten Tausch. Ich glaubte, das wert zu sein, was ich bekam. Ich würde so etwas nie einfach so tun, nur um Mist zu bauen. Ich glaube, ich habe es tatsächlich nie mit der Absicht getan, sie zu bescheißen.
Kopiermaschinentechniker - C.J.
Meine Arbeit bei Kodak in Denver, Colorado, bestand darin, Schnellkopierer in den Büros der Kunden zu reparieren. Ich dachte, bei dieser Arbeit würde man nicht so kontrolliert werden. Ich hatte keine Ahnung, daß »ein professionelles und schickes Äußere zu jeder Zeit« das Wichtigste bei dem Job war. In den ersten fünf Monaten hatte ich mit meinem Vorgesetzten Steve wenig zu tun. Diese Situation veränderte sich schlagartig, als sich das Konjunkturklima veränderte und die Kunden weniger Kodak-Kopierer kauften oder leasten. Steve fing an, meine Arbeit zu bewerten, indem er zu Kontrollbesuchen in die Büros der Kunden kam, in denen ich Kopiergeräte reparierte. Dann schrieb er mich an, und machte mich auf bestimmte Mängel meines Erscheinungsbildes aufmerksam, wie zum Beispiel meine nicht »professionell« wirkenden Hosen. Einmal ging er mit mir und meinen Kollegen zum Essen aus, um festzustellen, wie ich mit ihnen »interagieren« würde. Als Steve mich feuerte, verlangte er von mir, ein Papier zu unterschreiben, demzufolge ich auf eigenen Wunsch aus der Firma ausscheide. Ich sagte ihm, daß er lange warten könne, bevor ich das unterschreiben würde. Weil ich das durchhielt, bekam ich zwei Wochen Lohn als Abfindung, blieb zwei Monate krankenversichert und erhielt Arbeitslosengeld ? das alles hätte ich nicht bekommen, wenn ich diese Vereinbarung mit Steve unterschrieben hätte. Ich ging nach Kalifornien, um dort bei einer kleinen Firma in der Gegend von San Jose zu arbeiten, die Kodak-Kopierer betreute. Sie suchten jemanden für sofort und vermittelten mir den Eindruck, ich sei genau der, den sie suchten. Mir wurde schnell klar, daß der Manager hier ein noch »professionelleres« Aussehen von mir erwartete als bei Kodak. Eine Woche nach meiner Einstellung erzählte ich meinem Vorgesetzten, daß ich surfe und vorhabe, mein Brett auf dem Dach meines Wagens zu lassen, damit ich gleich nach der Arbeit surfen gehen könne. Der Vorgesetzte ermahnte mich. Das würde »unprofessionell« aussehen. Ich blieb natürlich nur zwei Wochen und bei meinem »Ausstellungsgespräch« ? dem Rausschmiß ? wurde mir erklärt, warum ich nicht in den Laden passe. Der Vorgesetzte konnte es sich nicht verkneifen, mich zu beschimpfen und mir von seinen ganzen Problemen zu erzählen, obwohl ihn meine Probleme überhaupt nicht interessierten. Dann verlangte ich meinen Scheck. Nachdem ich ihn bekommen hatte, »brachte« ich die Ersatzteile und Werkzeuge zurück, die ich in meinem Wagen hatte. Ich schleuderte sie quer über den Parkplatz vor dem Bürogebäude und schrie dabei: »Wenn du dich einen Scheiß um mich kümmerst, warum soll ich dann Rücksicht auf dich nehmen!« Mein Vorgesetzter starrte mich völlig verdutzt an, als würde er denken: »Diese Person macht einen verrückten und gedemütigten Eindruck; Mensch Meier, warum bloß ...« Nachdem ich in meinen Wagen eingestiegen war, fuhr ich noch über die Teile, die ich auf dem Parkplatz verstreut hatte. Wie ein rasender Irrer verließ ich den Platz und das war nicht ganz so demütigend, wie es der Vorgesetzte gern geglaubt hätte.