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welches 4½ m über dem Boden der Grabeskirche liegt, den Griechen gehört und in eine Kapelle verwandelt ist, die durch weiße Marmorsäulen in zwei Hälften geschieden wird. Die nördliche Hälfte enthält die Stelle, wo man Jesus ans Kreuz [* 2] schlug, die südliche diejenige, wo die drei Kreuze aufgerichtet wurden. Die Vertiefung, in welcher das Kreuz Christi stand, ist in Silber gefaßt. Zu beiden Seiten sieht man die Locher, wo die Kreuze der Schächer standen, und dicht dabei im Felsen den beim Verscheiden Jesu entstandenen Riß, welcher der Legende nach bis in den Mittelpunkt der Erde hinabreicht.
Eine Marmorplatte verdeckt die (in Wahrheit etwa 20 cm tiefe) Spalte. Steigt man wieder hinab, so führen etwas weiter zur rechten Hand [* 3] 29 Stufen aus dem Rundgang in den östlichsten, den Abessiniern gehörigen Teil des Gebäudes, eine ziemlich geräumige Kapelle, hinunter. Noch 13 Stufen tiefer steht in einer Felsenhöhle ein Altar [* 4] über der Stelle, wo das Kreuz mit der Dornenkrone, den Nägeln etc. gefunden worden sein soll. In besagtem Rundgang finden sich die kleinern Kapellen der Verspottung, der Kleiderteilung und des Kriegsknechts Longinus, der Christi Seite mit dem Spieß durchstach und, später bekehrt, hier jahrelang als Büßender gelebt haben soll.
Alle diese Kapellen sind je nach ihrer Bedeutung in der Legende mit einer größern oder geringern Anzahl Lampen, [* 5] meist auch mit Bildern, welche aber alles Kunstwertes entbehren, ausgestattet. Dieser Rundgang mit seinen Kapellen gehört zu der von der eigentlichen Grabeskirche ursprünglich getrennten, um die Mitte des 12. Jahrh. erbauten Kreuzfahrerkirche, deren Hauptteil das sogen. Katholikon oder Griechenchor, der imposanteste Raum des ganzes Baues, ist, in dessen Mitte eine Kugel den »Mittelpunkt der Welt« bezeichnet.
Gold [* 6] und Silber, Bronze [* 7] und Marmor sind hier bis zur Überladung verwendet. Westlich von dieser Kirche liegt die große Rotunde der Grabeskirche; 16 Pfeiler bilden die Rippen des Rundbaues und haben Arkaden zwischen sich, welche sich in einer Galerie darüber wiederholen und sich oberhalb der Hohlkehle als Nischen fortsetzen. Die oben offene Kuppel drohte lange den Einsturz, bis Napoleon III. ihre Ausbesserung durchsetzte; dieselbe wurde 1868 vollendet. Unmittelbar darunter befindet sich die das Heilige Grab umschließende Kapelle, ein längliches Viereck, [* 8] das mit rötlichem Marmor überkleidet, ringsum mit Pilastern und andern Zieraten im Rokokostil geschmückt und oben mit einer durchbrochenen Brüstung versehen ist, hinter welcher eine kleine Kuppel hervorragt.
Die ganze Kapelle ist 8 m lang und 5½ m breit. Vor der Thür derselben, die gegen O. liegt, befindet sich ein von zwei Steinbänken und großen Leuchtern umgebener Vorplatz. Das Innere der Grabkapelle ist in zwei Abteilungen geschieden, von denen die vordere, die sogen. Engelskapelle, den Stein umfaßt, auf welchem sitzend der Engel den Jesu Leichnam suchenden Frauen die Worte zurief: »Warum suchet ihr den Lebendigen bei den Toten?«;
die zweite Abteilung, ein niedriger Raum von 2 m Länge und 1,8 m Breite, [* 9] enthält das heilige, ganz mit neuen Marmorplatten bedeckte Felsengrab selbst, an welchem täglich Messe gelesen wird.
Von der Decke [* 10] des Gemachs hängen 43 Ampeln von edlem Metall herab, welche durch die Wappen [* 11] Österreichs, Spaniens und andrer katholischer Mächte als Geschenke des Abendlandes bezeichnet und stets brennend erhalten werden. Je 13 davon gehören den Griechen, Lateinern und Armeniern, 4 den Kopten. [* 12] Durch die Arkaden des nördlichen Teils der Rotunde gelangt man in eine den Lateinern gehörige dunkle Kapelle, auf deren Fußboden ein Marmorring die Stelle bezeichnet, wo der Auferstandene der Maria Magdalena als Gärtner erschien, und gleich nördlich daneben befindet sich die Kapelle, wo er sich seiner trauernden Mutter zeigte.
Außerdem wird hier hinter einem Gitter die eine Hälfte der Säule verwahrt, an der Christus gegeißelt ward. Eine beträchtliche Anzahl von Heiligtümern zweiten und dritten Ranges wird außen an der Mauer gezeigt, darunter eine Kapelle, wo Maria und Johannes der Kreuzigung zusahen, eine Jakobskapelle, eine Kapelle der 40 Märtyrer und sogar eine Kapelle über der Stelle, wo Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte. Der Haupteinwand, welcher dagegen erhoben wird, daß die Kirche des Heiligen Grabes wirklich da stehe, wo die ganze Szene spielte, nämlich der, daß sie wahrscheinlich innerhalb der zweiten Mauer des Josephus steht, Kreuzigungsstätte und Grab Christi aber außerhalb der Stadt gelegen waren, ist neuerdings durch Funde des Baurats Schick entkräftet worden (»Zeitschrift des Deutschen Palästinavereins« 1885). Was die Geschichte der Kirche anlangt, so sind die Hauptdaten folgende.
Zuerst ließ Konstantin d. Gr. nach der angeblichen Auffindung des Heiligen Grabes hier eine 336 eingeweihte Basilika [* 13] errichten, die aber 614 von den Persern zerstört ward. Nachdem um 620 ein Abt Modestus den Bau wiederhergestellt hatte, wurde derselbe im 10. Jahrh. zweimal durch Feuer und 1010 von den Türken völlig zerstört. Bis 1055 war sie indessen schon wieder neu aufgebaut, und nun geschah durch die Kreuzfahrer viel zu ihrer Erweiterung und Verschönerung. Diese letztern Bauten haben sich, nur durch spätere Zuthaten entstellt und teilweise verdeckt, bis heute erhalten.
Von neuem wurde die Kirche zerstört, als 1244 die Charesmier die Stadt eroberten; gleichwohl besaß sie um 1310 wieder viele reich geschmückte Altäre. 1664 ließ sie der griechische Patriarch gründlich reparieren. Die Grabkuppel ward besonders durch Beiträge aus Frankreich hergestellt und zwar durch Franziskanermönche, doch ganz in der alten Weise; auch durften die Griechen und Armenier in ihrem Mitbesitz der Grabkapelle nicht beeinträchtigt werden. Dieser Neubau ward 1719 beendet. Am entstand durch eine Kerze [* 14] ein Brand, welcher die Kirche so sehr beschädigte, daß man sie ganz neu aufzubauen beschloß.
Die Kosten wurden vornehmlich von den Griechen und Armeniern bestritten, und 1810 war derselbe vollendet. Von alters her hat der konfessionelle Hader sich in der Kirche des Heiligen Grabes in den widerwärtigsten Händeln Luft gemacht, und oft wurde der weiße Marmor, der das Grab des Friedensfürsten deckt, mit dem Blut seiner Bekenner befleckt. Die höchste Feierlichkeit findet von alters her am Osterheiligabend statt, wo das angeblich Wunder wirkende heilige Feuer vom Himmel [* 15] herabgebetet wird und unter den Gläubigen, welche, jeder womöglich zuerst, ihre Kerzen daran anzünden wollen, nicht bloß das schrecklichste Gedränge, sondern auch oft wilde Prügelei veranlaßt.
Die Stätte des alten jüdischen Tempels bezeichnet auf dem heiligen Tempelplatz im SO. der Stadt, dem Haram esch Scherif, eine 3 m hohe Plattform von 160 m Länge und 125-155 m Breite, die mit bläulichweißem Marmor getäfelt ist, und zu welcher marmorne Stufen führen. In der Mitte derselben steht der achteckige, noch bis vor 30 Jahren für jeden Christen verschlossene Felsendom (auch Omar-Moschee genannt), ein leichter, schöner Bau aus dem 7. Jahrh. mit 30 m hoher und 20 m im Durchmesser haltender ¶
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Kuppel, nächst der Moschee zu Mekka die heiligste der ganzen mohammedanischen Welt, an welche wie an den darin befindlichen heiligen Felsen sich eine Menge jüdischer und arabischer Sagen knüpft. Eine andre Moschee, El Aksa, ehemals die schöne, der Jungfrau Maria geweihte Basilika Justinians, liegt im südlichen Teil des Tempelplatzes.
[Bevölkerung.]
Die mächtigste christliche Gemeinde in J. ist die griechische, 4600 Seelen stark; sie besitzt einen Patriarchen, 17 Klöster, welche Raum für 2500 Pilger bieten, ein Seminar für griechische Priester (im Kreuzkloster), eine Mädchen- und eine Knabenschule, ein Hospital etc. Die Katholiken (2100 Seelen) besitzen das Salvatorkloster im W. der Stadt mit Pilgerherberge, schöner Druckerei, Schule und Spital, mehrere Mädchenerziehungsinstitute und das österreichische Hospiz.
Die armenische Kirche zählt etwa 450 Bekenner unter einem Patriarchen und hat 2 Mönchsklöster (darunter das erwähnte Jakobskloster) und ein Nonnenkloster; die 85 koptischen (ägyptischen) Christen unter einem Patriarchen haben 2 Klöster, die Jakobiten ein kleines Kloster mit einem Bischof; desgleichen haben die wenigen (56) Abessinier einen Bischof. Eine protestantische Gemeinde (1886: 850 Seelen) besteht in J. seit den 40er Jahren. Ihr gehören die anglikanische Christuskirche auf dem Berg Zion (1842-48 erbaut), die deutsche Kapelle auf dem Johanniterplatz (seit 1871) und die St. Paulskirche für die arabischen Protestanten vor der Stadt, nahe dem Damaskusthor (seit 1874). Auf Anregung Friedrich Wilhelms IV. von Preußen [* 17] wurde 1841 ein evangelisches Bistum von England und Preußen gemeinsam errichtet und der erste Bischof von Preußen, der zweite 1879 von England ernannt; als aber 1883 der letztere starb, blieb die Stelle unbesetzt, und 1886 wurde der Vertrag seitens Preußens [* 18] gekündigt. Die Gemeinde besitzt eine anglikanische und eine deutsch-evangelische Schule, einige Knabeninstitute, eine englische Industrieschule für Proselyten, ein Hospital mit Diakonissinnen aus Kaiserswerth, ein Mädchen- und ein Knabenwaisenhaus, ein Kinderspital, das Johanniterhospiz und das Aussätzigenhaus. Die Sekte der »Templer« hat ein Lyceum mit 9 Lehrern. J. ist Sitz eines deutschen Berufskonsuls.
Die Gesamtzahl der Einwohner wird 1886 zu 33,850 angegeben, worunter 8250 Christen, 20,000 Juden und 5600 Mohammedaner, deren Zahl beständig abnimmt. Die Hauptsprache ist die arabische; außerdem hört man italienisch, griechisch, französisch, englisch, deutsch und russisch sowie türkisch sprechen. Im allgemeinen stehen die Bewohner Jerusalems nicht im besten Ruf, indem sie für träg, ränkesüchtig, lügenhaft und feig gelten. Doch halten sie streng auf Beobachtung ihrer verschiedenen kirchlichen Gebräuche. Von Industrie ist kaum die Rede, man treibt nur etwas Weberei [* 19] und Pantoffelmacherei. Ausgeführt werden Pilgermuscheln, Rosenkränze, Amulette, Kruzifixe, [* 20] Reliquien, doch nicht mehr in solcher Menge wie früher. Der neuerlich im Wachsen begriffene Handel ist unbedeutend, wiewohl es in J. manche reiche Kaufleute, namentlich unter den Armeniern, gibt.
[Umgebung.]
Was die Umgebung Jerusalems anbelangt, so fehlt, wie bemerkt, der Stadt an der Nordseite der natürliche Schutz durch ein tiefes Thal, [* 21] da sich hier eine Hochebene anschließt. Hier sind die sogen. Königsgräber, die aus Christi Zeit herrühren mögen, und die »Gräber der Richter«; näher der Stadt zeigt man eine geräumige Höhle, worin Jeremias seine Klagelieder gedichtet haben soll. Im NW. liegen die ausgedehnten Gebäude des russischen Konsulats und Hospizes, die des österreichischen Konsulats, das evangelische Mädchenwaisenhaus Talitha Kumi etc. Hier hat sich in den letzten Jahren eine große, zumeist von Juden bewohnte Vorstadt gebildet. Im W. sind die beiden in den Felsen gehauenen viereckigen Teiche Mamilla und Birket es Sultan im Felsenthal Er Rababi (Ben Hinnom), wo zahlreiche Felsengräber sich erhalten haben; Zion gegenüber liegt der Töpferacker (nachher Blutacker oder Hakeldama genannt).
Auf der Ostseite der Stadt fließt der Bach Kidron durch das Thal Josaphat. Ganz im S. liegt der Teich Siloah, welcher von der intermittierenden Quelle [* 22] Siloah gespeist wurde. Das Thal Kidron wird im O. vom Ölberg (s. d.) begrenzt, an dessen südwestlichem Fuß das Dorf Kefr Silwan mit meist in den Felsen gehauenen Wohnungen liegt. Nördlich davon das sogen. Grab Absaloms, Zacharias' und viele andre alte Gräber. Weiter thalaufwärts kommt man zunächst nach Gethsemane, einem etwa 70 Schritt im Quadrat großen, mit einer Mauer umgebenen Garten [* 23] mit einigen sehr alten Ölbäumen, wo verschiedene durch die Leidensgeschichte Jesu geheiligte Lokalitäten gezeigt werden. Weiter nördlich, ebenfalls am Fuß des Ölbergs, zeigt man das angeblich von der heil. Helena errichtete Grabmal der Jungfrau Maria, daneben die Gräber ihrer Eltern und ihres Gatten Joseph.
[Spätere Geschichte.]
J. blieb unter der Herrschaft der oströmischen Kaiser, bis es von Chosroes II., König der Perser, 614 erobert ward. Zwar gewann der Kaiser Heraklios die Stadt im Frieden 628 wieder; doch
[* 16] ^[Abb.: Karte der Umgebung von Jerusalem.] [* 24] ¶