Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03444.jsonl.gz/244

Auslandsemester in der nördlichsten UNI Norwegens
«Das ist ein Ort, den ich unbedingt erleben wollte», so begründet Andreas Ruf, EUT-Student im 7. Semester, seine Motivation ein Auslandsemester im Norden Norwegens zu absolvieren. Was er dort erleben durfte, beschreibt er in seinem Erfahrungsbericht.
Ich habe mein Auslandsemester im Frühling 2022 in Longyearbyen, dem nördlichsten zivilen Dorf der Welt, verbracht. Das Dorf befindet sich im Svalbard-Archipel auf dem Breitengrad 87° Nord. Auf der ganzen Insel, die etwa 1.5-mal so gross ist wie die Schweiz, leben ca. 3’000 Personen. Ein Grossteil der Insel ist unbewohnt und gilt als Naturschutzgebiet. Für das Leben gibt es dort einige aussergewöhnliche Gegebenheiten. Das Hauptfortbewegungsmittel ist neben dem Auto auf den wenigen Kilometern Strasse im Winter das Schneemobil und im Sommer das Boot. Eine weitere Besonderheit ist die anhaltende Gefahr von Eisbärattacken, weswegen das Dorf nicht ohne Waffe verlassen werden darf. Dazu habe ich ein Jagdgewehr bekommen, zu dem ich auf dem Schiessstand instruiert wurde. Dazu kommen natürlich noch die tiefen Temperaturen, die ewige Nacht und die Mitternachtssonne und die Polarlichter.
Als ich erfahren habe, dass dort die UNIS (The University Centre in Svalbard), die nördlichste Universität der Welt steht, wusste ich, dass es ein Ort ist, den ich unbedingt erleben will und was gibt es Besseres als ein Auslandsemester und damit ein halbes Jahr dort zu leben.
Longyearbyen
Das Dorf Longyearbyen ist mit ca. 2’400 Einwohner der Hauptort der Insel. Das Leben im Dorf unterscheidet sich im Wesentlichen nicht viel zu jenem in der Schweiz. Besonders ist die Tatsache, dass die Einwohner und Einwohnerinnen mit Schneemobilen unterwegs sind. Es ist mehr oder weniger alles verfügbar, was man im alltäglichen Leben braucht. Es gibt einen Supermarkt, ein Einkaufszentrum, eine Bibliothek, eine Post, Kindergärten, eine Schule, ein Sportzentrum mit Schwimmbad, Kletterhalle, Fitness und vieles mehr. Zudem gibt es einige Bars und Restaurants, ein Café und sogar einen Club.
Das Studium
Ich habe in meinem Semester dort die beiden Kurse AGF-211: “Air -Ice-Sea Interactions” und AGF-212: “Snow and Ice processes” für je 15 ECTS belegt. Zusätzlich müssen alle Studierenden den Sicherheitskurs AS-101: “Arctic Survival and Safety” besuchen. Darin wird gelernt wie man sich sicher auf Gletschern und auf Eis bewegt. Es gibt zusätzlich einen Schneemobilkurs, sowie ein Schiesskurs, der es einem dann ermöglicht, eine Waffe für Ausflüge auszuleihen.
Die regulären Kurse bestehen jeweils aus einem Theorieteil mit Vorlesungen und einem Praxisteil, wo im Feld etwas erforscht und dann ein Bericht darüber verfasst wird. In AGF-211 haben wir eine Woche auf einem Forschungsschiff verbracht und Turbulenzen im Meer und unter dem Eis in St. Jonsfjorden gemessen. In AGF-212 haben wir die Schneeverteilung auf dem Gletscher Tellbreen analysiert.
Das Wohnheim
Alle Studierenden wohnen zusammen im Studenthousing von Samskipnaden. Ich habe mir mit acht weiteren Studierenden eine Küche geteilt, wodurch wir schnell Freunde geworden sind. Da alle Studierenden am selben Ort wohnen, entstand auch schnell eine kleine Gemeinschaft, in der wir viel zusammen unternommen haben und dabei Events oder Trips zusammen organisiert haben.
Meine Freizeit und Trips
Svalbard ist für Outdoormenschen ein Paradies. Die Berge, die das Dorf umgeben, sind super zum Wandern und für Skitouren. Nachdem die Sonne nachts nicht mehr unterging, haben wir abends oft noch eine Tour auf einen der umliegenden Berge gemacht. Und mit dem Schneemobil gibt es auf der Insel auch viel zu entdecken, wie die Ruinen von alten sowjetischen Kohleminen oder das russische Dorf Barentsburg. In einer Nacht unternahmen wir eine Schneemobiltour zur Eishöhle im Gletscher Rabotbreen, ein anderes Mal haben wir Fussspuren von Eisbären im Schnee entdeckt.
Es gibt so viele Eindrücke und Erlebnisse, die ich in dieser kurzen Zeit mitnehmen durfte, und ich kann mir gut vorstellen wieder einmal dorthin zu gehen, um noch mehr mitzunehmen. Ich empfehle diesen Ort allen, die Abenteuer, die unglaubliche Natur und auch die speziellen Wetterphänomene erleben möchten.
Andreas Ruf