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Reformationsgeschichte in Gebenstorf
Gebenstorf ist ein
besonderes Beispiel für verfolgte, vertriebene und getötete «Märtyrer»
der Reformation. Es finden sich nicht sonderlich viele einschlägige
Quellen, die zur Beschreibung der «Reformation im Dorf» Informationen
liefern, aber das «Märtyrerthema» ist hier (und in Birmenstorf)
besonders präsent.
Einleitende Bemerkungen
Die Ortschaft Gebenstorf liegt in der ehemaligen Grafschaft Baden, die im Gegensatz zum «Berner Aargau» eine abweichende reformationsgeschichtliche Entwicklung aufweist. Ab 1330 gehörte die Dorfkirche zum Kloster Königsfelden (vorher habsburgischer Besitz). Wie einige andere Kirchen in der Grafschaft wurde das Gotteshaus in Gebenstorf 1528/1529 zur Simultankirche, das heisst, sie diente fortan beiden Konfessionen als Gemeindekirche. Das Verhältnis Reformierte / Katholiken lag bei etwa 2:1. Während die Katholiken von Birmenstorf her seelsorgerisch betreut wurden, verfügte Gebenstorf ab der Reformation über einen eigenen Prädikanten, der aber – wie mehrere seiner Nachfolger – vertrieben oder sogar umgebracht wurde.
Notizen zur Reformation in Gebenstorf
Da im Rahmen der bernischen Reformation die Klöster im Herrschaftsgebiet aufgehoben (säkularisiert) wurden, traten Verwalter an die Stelle der geistlichen Klosterleitung. In Königsfelden war dies ein Hofmeister, dessen Aufgabe es war, die dem ehemaligen Kloster zustehenden Rechte, Güter und Einnahmen zu verwalten. Das Kloster liess man als «juristische Hülle» bestehen, damit die alten Urkunden, Güterverzeichnisse etc. ihre Gültigkeit nicht verloren.
Der Hofmeister in Königsfelden war nach der Säkularisierung des Klosters nun im Namen Berns auch zuständig für das Patronatsrecht der Kirche St. Margaretha in Gebenstorf. Er förderte natürlich die reformatorischen Ansätze in der Bevölkerung vor Ort. Der 1528 amtierende Leutpriester in Gebenstorf, Abraham von Immer, nahm zusammen mit einem grossen Teil der Dorfbevölkerung die reformatorischen Ideen an und führte die im bernischen Reformationsmandat vorgesehenen Massnahmen aus. Dazu gehörte auch die Entfernung des gesamten Kirchenschmuckes aus dem Gotteshaus (Bildersturm). Bis 1531 (2. Kappeler Landfrieden) dürften dann wohl nur noch reformierte Gottesdienste in der Ortskirche abgehalten worden sein.
Nach der Niederlage der Reformierten in Kappel 1531 und dem Abschluss des 2. Kappeler Landfriedens musste in den reformierten Gemeinden der Grafschaft Baden nun auch den verbliebenen katholischen Minderheiten die Mitbenutzung der Kirche und der Kirchengüter zugestanden werden. Daraus resultierte die Verwendung des lokalen Gotteshauses als Simultankirche bis 1889.
Im mehrheitlich reformierten Gebenstorf residierte der neugläubige Prädikant, der gleichzeitig die in der Minderheit stehenden Reformierten von Birmenstorf betreute. In Birmenstorf dagegen sass der katholische Priester, der für Birmenstorf und Gebenstorf zuständig war.
Der Reigen der ersten reformierten Prädikanten bis 1550
Man geht davon aus, dass in den ersten 20 Jahren der Reformation in Gebenstorf neun Pfarrpersonen als Prädikanten tätig waren (vgl. 05-03-PRÄ_Gebenstorf.pdf). Von vier dieser neun Seelsorger ist der Name nicht bekannt.
Kaum einer dieser Pfarrer hat seine Amtszeit in ruhigen Bahnen durchlebt, offenbar tobten zeitweise heftige, konfessionell bedingte Kämpfe in und um Gebenstorf.
Der erste Pfarrer (Name unbekannt, im Amt bis 1531) «wurde in die Rüss gesprengt (getrieben/gejagt) und ertrenckt, mit was Fuogen weiss Gott wol, hat ein Frouwen und ein klein Kind gelassen», wie Bern im Dezember 1531 an den Landvogt in Baden schrieb.
Der zweite Pfarrer, Bonaventura Liebi (im Amt 1531(?)–1533), musste ebenfalls aus Gebenstorf fliehen, nachdem dort offenbar (konfessionelle) Kämpfe ausgebrochen waren. Der Hofmeister zu Königsfelden wurde im Februar 1532 angewiesen, ihn aufzunehmen. Die Gnädigen Herren in Bern würden ihn dann schon an einen anderen Ort versetzen.
Der dritte Pfarrer (Name unbekannt, im Amt bis 1533–1534) musste ebenfalls flüchten, auch hier wurde im Februar 1524 wieder der Hofmeister zu Königsfelden angewiesen, den alten Prädikanten zu Gebenstorf bei sich aufzunehmen, ihn zu behalten und mit Nahrung zu versorgen, bis man weiter für ihn sorgen kann.
Der vierte Pfarrer (Name unbekannt, im Amt ab 1534, unbekannt wie lange) wurde als «Tapferer und Tauglicher» beschrieben, der trotz Kämpfen in Gebenstorf dort belassen werden sollte, wie der Berner Rat im August 1534 protokollierte.
Der fünfte Pfarrer, Jakob Appenzeller, blieb nur wenige Jahre in Gebenstorf, bevor er nach Ammerswil wechselte und dort einige Jahre später versetzt wurde, nachdem der Landvogt auf der Lenzburg seine Händel schlichten musste und vom Berner Rat aufgefordert worden war, einen geschickteren Mann in Ammerswil einzusetzen.
Der sechste Pfarrer, Johannes Miltenberger (im Amt 1541–1542), war früher 1532 im Amt weggelaufen, ohne dass jemand wusste, wohin. Er wechselte nach Oberwil bei Büren.
Der siebente Pfarrer, Johannes Balthasar (im Amt bis 1544), wechselte nach Zweisimmen.
Der achte Pfarrer, Abraham Steinegger (im Amt bis 1549), wurde im Januar 1549 wegen eines «bösen Handels» (wüsten Streits) abgesetzt, vielleicht – so der Berner Rat – könne man ihn noch auf einer Helferei gebrauchen.
Der neunte Pfarrer, Sebastian Hauswirth (im Amt 1549–1550) wurde nach Köniz versetzt, nachdem er offenbar den für die Reformierten nachteiligen 2. Kappeler Landfrieden von 1531 öffentlich als «Lumpenwerch» bezeichnet hatte. Der Landvogt von Baden wollte ihn dafür belangen, er wurde jedoch von Bern in Schutz genommen, musste aber (wohl deshalb) versetzt werden.