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(Finot, 1892)
- DE: Bachufer-Beissschrecke
- EN: French Meadow Bush-cricket
- FR: La Decticelle des ruisseaux
- Syn.: No synonym!
Morphologie
Roeseliana azami unterscheidet sich im Aussehen nur geringfügig von Roeseliana roeselii. Die Grundfarbe variiert zwischen grau- bis rötlich-braun und gelblich-grün. Ausgehend von der Fühlerbasis sind die Seiten von Kopf, Halsschild und Hinterleib meistens etwas dunkler gefleckt. Die Rückenseite ist braun, wobei vom Stirngipfel eine dunkel gesäumte, helle Mittellinie bis zum Hinterrand des Halsschilds verläuft. Ein typisches Merkmal sind die hell umrandeten Halsschild-Seitenlappen. Die Flügel sind beim Weibchen etwa so lang wie Kopf und Halsschild zusammen und erreichen etwa die Hinterleibsmitte. Beim Männchen sind die Flügel länger, erreichen aber das Hinterleibsende nicht. Langflügelige Individuen kommen bei beiden Geschlechtern vereinzelt vor, besonders in höheren Lagen. Die wichtigsten Unterschiede zu Roeseliana roeselii befinden sich am Hinterleibsende. Die schlanken Cerci der Männchen tragen im hinteren Viertel einen kleinen, stumpfen Innenzahn. Die beiden Enden der weiblichen Subgenitalplatte, die durch den tiefen, v-förmigen Ausschnitt entstehen, sind an den Enden abgewinkelt. Die Titillatoren sind schlank und im letzten Drittel mit vielen kleinen Zähnchen versehen.
Gesang
Der Gesang von Roeseliana azami minor ist ein anhaltendes Sirren, das in unregelmässigen Abständen unterbrochen wird. Es lässt sich nicht vom Gesang von Roeseliana roeselii unterscheiden.
Spontangesang von Roeseliana azami minor - CH, TI, Meride, 23 °C, sonnig.
9 Silben pro Sekunde aus dem Spontangesang von Roeseliana azami minor - CH, TI, Meride, 23 °C, sonnig.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Roeseliana azami reicht von Südfrankreich über Nordostitalien bis in die Südschweiz (Tessin). Die Unterart Roeseliana azami minor ist in der Schweiz ausschliesslich im Tessin und in den beiden angrenzenden italienischen Regionen Piemont und Lombardei verbreitet. Sie tritt bis in Höhen von knapp 2000 m auf.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Roeseliana azami finden sich von Juni bis Ende Oktober.
Sie ist eine relativ frühe Art. Die Männchen steigen in der Vegetation gerne auf erhöhte Warten, um den anhaltenden, sirrenden Gesang zu erzeugen. Sie bleiben für kurze Zeit am gleichen Ort, um dann mit wenigen Sprüngen einen neuen Gesangsort zu suchen. So wandern sie aktiv durch die Vegetation auf der Suche nach Weibchen.
Lebensraum
Roeseliana azami besiedelt feuchtes Grünland. Als vertikal orientierte Art bevorzugt sie langgrasige und dichte Wiesen und Weiden, Feuchtwiesen und feuchte Böschungen entlang von Kanälen und Bächen. Nicht selten findet man die Art auch in Fettwiesen und Weiden, wo sie sich bevorzugt in höheren Vegetationsschichten bewegt.
Gefährdung & Schutz
Roeseliana azami minor ist trotz des kleinen Verbreitungsgebietes nicht gefährdet. Sie ist in der insubrischen Region weit verbreitet und häufig. Als eine der wenigen Arten kann sie vermutlich von einer geringen Nutzungsintensivierung profitieren. In der Magadino-Ebene und in der Leventina breitet sich Roeseliana azami minor aus.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: Abwesend
- AT: Abwesend
- Europa: VU (Verletzlich)
Ähnliche Arten
Roeseliana azami gleicht ihrer Schwesterart Roeseliana roeselii sehr. Die besten Unterscheidungsmerkmale sind die männlichen Cerci, die bei Roeseliana roeselii kräftiger und mit einem starken, spitzen Innenzahn ausgestattet sind. Die Titillatoren tragen zudem nur an der Spitze 2-3 grosse Dornen. Anhand der Verbreitung fällt zumindest in der Schweiz die Unterscheidung am einfachsten. Nördlich der Alpen kommt ausschliesslich Roeseliana roeselii vor, die bisher nur vereinzelt im nördlichen Tessin nachgewiesen werden konnte. Bisher sind keine gemeinsamen Vorkommen bekannt. Im südlichen Tessin kommt ausschliesslich Roeseliana azami minor vor. Der Gesang von Roeseliana azami kann mit den Gesängen von Roeseliana roeselii, Bicolorana bicolor, Polysarcus denticauda und Ruspolia nitidula verwechselt werden. Ruspolia nitidula, mit der Roeseliana azami oft gemeinsam anzutreffen ist, singt schriller und primär in der Nacht.