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Sind wir allein in den unendlichen Weiten des Alls? Oder gibt es ausserirdisches Leben? Gibt es da draussen Welten, die wie unsere Erde Leben tragen – oder die uns dereinst als neue Heimat dienen könnten? Seit Astronomen in den Neunzigerjahren die ersten Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems entdeckten, fragen sie sich, ob auf diesen entfernten Welten Leben, wie wir es kennen, existieren könnte.
Mittlerweile sind fast 2000 dieser Exoplaneten bekannt, die nicht unsere Sonne, sondern einen fremden Stern umkreisen. Die ersten, die entdeckt wurden, waren jedoch allesamt lebensfeindliche Gasriesen vom Kaliber eines Jupiter. Viele umkreisen zudem ihr Zentralgestirn in einer ungünstigen Distanz – entweder sind sie zu weit von ihrer Sonne entfernt oder kommen ihr zu nah. Nur in einem relativ engen Abstandsbereich kann Wasser in flüssiger Form vorkommen. Das ist die sogenannte habitable Zone.
Es ist nicht leicht, Exoplaneten aufzuspüren. Weil das Licht ihres Zentralgestirns sie überstrahlt, können sie nur indirekt nachgewiesen werden. Dennoch kennen die Astronomen eine wachsende Anzahl von Exoplaneten, die sich in der habitablen Zone befinden und auf denen potentiell Leben existieren könnte.
Der «Habitable Exoplanets Catalog» des Planetary Habitability Laboratory der Universität von Puerto Rico listet derzeit 31 Kandidaten auf. Zehn davon sind ungefähr so gross wie die Erde, 21 sind sogenannte Supererden, das heisst, sie weisen eine Masse auf, die grösser als jene der Erde, aber kleiner als jene des Uranus ist.
Hier die Top Ten daraus:
Der 2012 entdeckte vierte – aber noch unbestätigte – Planet der Sonne Tau Ceti weist einen Earth Similarity Index («Erdähnlichkeits-Index», ESI) von 0,78 auf. Das ist mehr als der Mars, der mit einem Wert von 0,697 der erdähnlichste Planet in unserem Sonnensystem ist. Tau Ceti e, der seine Sonne einmal in 168 Tagen umkreist, ist ein wenig grösser als die Erde und weist eine schweisstreibende Oberflächentemperatur von 68 °C auf (der entprechende Wert der Erde ist 15 °C).
Wie bei seinem Nachbarplaneten Tau Ceti f ist die Wahrscheinlichkeit eher klein, dass sich dort extraterrestrisches Leben entwickelt hat. Dafür ist Tau Ceti e der unserem System nächstgelegene Exoplanet auf dieser Liste: Das Tau-Ceti-System ist «nur» knapp zwölf Lichtjahre von der Erde entfernt – in kosmischen Dimensionen ist das ein paar Hausnummern weiter in der gleichen Strasse. Für uns ist das trotzdem unerreichbar weit weg. Zum Vergleich: Unser Mond ist nur gerade 1,3 Lichtsekunden von der Erde entfernt.
Der erst 2014 mit Hilfe des «Kepler»-Teleskops entdeckte Planet mit einem ESI von 0,79 kreist in 93 Tagen einmal um sein Zentralgestirn, eine Sonne der Spektralklasse K. Auf seiner Oberfläche ist es nicht gerade gemütlich warm: −34,6 °C dürften für das eine oder andere Frösteln sorgen, sind aber noch warm genug für potentielles Leben.
Das Kepler-283-System ist allerdings satte 1741 Lichtjahre von uns entfernt – das ist die grösste Distanz von allen zehn Kandidaten auf der Liste. Eine Reise dorthin würde für ein heutiges, konventionelles Raumschiff mehrere Millionen Jahre dauern.
Bedeutend näher liegt der Rote Zwerg EPIC 201367065: Er ist nur ca. 150 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt. Drei Supererden kreisen um diesen lichtschwachen Stern; die äusserste davon, EPIC 201367065d, befindet sich in der habitablen Zone und hat einen ESI von 0,8.
Dieser Exoplanet ist 1,5-mal grösser als die Erde und empfängt von seiner roten Sonne 1,4-mal so viel Licht. Deshalb ist seine Oberflächentemperatur eher hoch, aber möglicherweise gibt es dennoch flüssiges Wasser. Ein Jahr auf EPIC 201367065d dauert nur knapp 45 Tage.
Noch kürzer ist das Jahr auf Gliese 832c: Dieser Planet, der 5,4-mal so schwer wie die Erde ist und einen ESI von 0,81 aufweist, umkreist seine Sonne in knapp 36 Tagen. Der Stern Gliese 832 ist ein Roter Zwerg und nur 16 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Obwohl sich der Exoplanet bedeutend näher an seinem Zentralgestirn befindet als die Erde, erhält er von diesem nicht mehr Energie als unser Planet von der Sonne. Manche Astronomen gehen deshalb davon aus, dass auf Gliese 832c angenehm erdähnliche Temperaturen herrschen. Wenn allerdings seine Atmosphäre dichter ist als die irdische, dann könnten die Temperaturen schnell mal zu hoch sein, um noch Leben zu ermöglichen.
Auch dieser Exoplanet wurde vom Weltraumteleskop «Kepler» identifiziert, und zwar erst im vergangenen Juli. Kepler-452b hat einen ESI von 0,83 und einen um 60 Prozent grösseren Durchmesser als die Erde, was bedeutet, dass die Schwerkraft rund doppelt so hoch ist. Seine Oberflächentemperatur ist mit jener der Erde vergleichbar. Er benötigt 385 Tage für eine Umkreisung seiner Sonne Kepler-452.
Diese ist unserer Sonne recht ähnlich – Kepler-452 ist zehn Prozent grösser und 20 Prozent heller. Das 1402 Lichtjahre entfernte System ist etwa 1,5 Milliarden Jahre älter als unser Sonnensystem. Dies bedeutet, dass allfälliges Leben mehr Zeit gehabt hätte, um sich zu entwickeln.
Die Entdeckung dieses Exoplaneten verdanken wir ebenfalls dem NASA-Weltraumteleskop «Kepler». Er befindet sich am inneren Rand der habitablen Zone um den 1200 Lichtjahre von uns entfernten Stern Kepler-62, den er einmal in 122 Tagen umrundet.
Diese Supererde mit einem ESI von 0,83 ist rund 60 Prozent grösser als unser Heimatplanet und verfügt wahrscheinlich über eine warme und feuchte Atmosphäre. Möglicherweise handelt es sich um einen Ozeanplaneten, das heisst, seine gesamte Oberfläche ist von einem grossen Meer bedeckt. Falls es auf diesem blauen Planeten Leben geben sollte, dann müsste es sich notgedrungen unter Wasser entfalten.
Kepler-442b kennen wir erst seit Januar 2015. Es handelt sich wahrscheinlich um einen Gesteinsplaneten, der um einen Drittel grösser als die Erde ist. Seine Sonne ist ein Roter Zwerg, der sich 1115 Lichtjahre von unserem System entfernt im Sternbild Leier befindet.
Kepler-442b umkreist sein Zentralgestirn in gut 112 Tagen. Der Exoplanet mit einem ESI von 0,84 gilt, was Grösse und Temperatur anbelangt, als einer der erdähnlichsten Planeten, die bisher entdeckt worden sind.
Nur 22,1 Lichtjahre von der Erde entfernt umrundet der Exoplanet Gliese 667 Cc sein Zentralgestirn, einen Roten Zwerg im Dreifach-Sternsystem Gliese 667. Dafür benötigt er gut 28 Tage. Seinen ESI von 0,84 verdankt der Planet unter anderem der angenehmen Oberflächentemperatur von schätzungsweise 27 °C. Seine Masse ist noch nicht genau bestimmt und wird auf mindestens 4,39 Erdmassen geschätzt.
Gliese 667 Cc gehört zu einer Dreiergruppe von Gesteinsplaneten, die alle in der habitablen Zone um ihren Stern liegen. Insgesamt umkreisen mindestens sieben Planeten diesen Roten Zwerg.
Kepler-296e, der einen ESI von 0,85 aufweist, wurde im Februar 2014 entdeckt. Er umkreist als zweitäusserster von fünf Planeten den Roten Zwerg Kepler-296 im Sternbild Leier einmal in 34 Tagen. Der Radius des Exoplaneten ist 1,75-mal so gross wie jener der Erde.
Astronomen schätzen die Chance als hoch ein, dass es an der Oberfläche von Kepler-296e Wasser gibt. Die Distanz zur Erde ist freilich beeindruckend: Es sind 1692 Lichtjahre.
Der aussichtsreichste Kandidat für ausserirdisches Leben ist derzeit Kepler-438b mit einem ESI von 0,88. Dieser Exoplanet, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent ein Gesteinsplanet ist, wurde 2015 entdeckt, zusammen mit Kepler-442b (Nr. 4). Er ist mit 1,12 Erdradien nur wenig grösser als die Erde. Seine Oberflächentemperatur beträgt 3 °C.
Da Kepler-438b einen Roten Zwerg umkreist, dauert sein Jahr nur wenig länger als ein Erdmonat: 35,2 Tage. Er erhält von seiner Sonne 40 Prozent mehr Licht, als dies bei der Erde der Fall ist. Ganz in der Nähe befindet sich der mögliche Cousin unserer Erde allerdings nicht: 473 Lichtjahre Distanz machen eine Reise zu Kepler-438b zu einer Science-Fiction-Angelegenheit.