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Die Fête
Die Fête des Vignerons ist eine Hommage an die Weinbaukultur einer ganzen Region, die seit Jahrhunderten mit einer spektakulären Aufführung und der Krönung der Weinbauern und Rebarbeiter zelebriert wird.
Organisiert von der Confrérie des Vignerons, findet dieses weltweit einzigartige Fest einmal pro Generation in der Stadt Vevey statt, im Herzen der Weinberge des Lavaux im Schweizer Kanton Waadt.
Sie ist die erste lebendige Tradition der Schweiz, die von der UNESCO als solche anerkannt wurde.
DIE FÊTE DES VIGNERONS 2019
Vom 18. Juli bis 11. August
Vom höchsten Punkt der Stadt aus, der Kirche Saint Martin, führte sie ihre Mitglieder gefolgt von den Rebbauern und zahlreichen Schaulustigen durch die Strassen von Vevey bis zum Ufer des Sees, wo alle ein einfaches Mahl erwartete.
Der ausgelassene Umzug wurde von Musik, Gesang und Tänzen begleitet und machte auf kleinen Plätzen und vor den Fenstern hochrangiger Stadtvertreter halt. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Parade immer grösser. Nun nahmen auch Musiker teil, kleine Figuren wurden in einem Prozessionszug getragen. Junge Leute spielten die Rollen von Bacchus, dem Weingott, und Ceres, der Göttin des Korns und der Ernte.
Zu diesem Zeitpunkt strömten bereits Menschen aus der gesamten Region herbei, um an dieser fröhlichen Parade teilzunehmen. Da die Veranstaltungskosten ständig stiegen, wurde sie bald nicht mehr alle drei, sondern alle sechs Jahre abgehalten.
Die Parade von 1791 war die letzte echte Prozession, bevor sie zur Fête des Vignerons wurde.
Um 1770 setzte sich die Confrérie des Vignerons von Vevey zum Ziel, die Verbesserung des Rebbaus zu fördern und die gute Arbeit der Rebbauern zu belohnen, anstatt sich auf allfällige Kulturlücken zu konzentrieren. Als es die finanziellen und politischen Umstände ermöglichten, wurden die besten Arbeiter prämiert und gekrönt.
1797 beschlossen der Abbé-Président und der Rat der Confrérie des Vignerons die besten Rebbauern im Rahmen einer offiziellen und öffentlichen Zeremonie zu belohnen. Diese Krönung der besten Arbeiter führte zur Transformation der alten Parade hin zur Fête des Vignerons. Auf dem Marktplatz wurde eine erste Tribüne mit 2‘000 Plätzen errichtet, damit die vielen Neugierigen an dieser Krönung teilnehmen konnten.
Angesichts des Erfolgs dieser ersten Krönungszeremonie wurde aus dem Anliegen, diese neuartige Veranstaltung besser hervorzuheben, eine veritable Aufführung konzipiert. Eine neue Struktur, neue Symbole, eine Unterteilung in vier Jahreszeiten und der Einbezug von neuen Figuren wie die Gottheit Pales, vollendeten die Verwandlung von der Parade in eine echte Darbietung.
Die schwierigen Jahre nach der Waadtländer Revolution verhinderten die Gründung eines neuen Festivals. Zweiundzwanzig Jahre später, 1819, war es endlich an der Zeit, die Fête des Vignerons den jungen Generationen vorzustellen. In diesem Jahr vervollständigen die Anciens Suisses, Symbole des neuen patriotischen Bewusstseins der Waadtländer und das Lied des «Ranz des vaches», die alte Hymne, die den engen wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen zwischen den Rebbauern am Ufer des Sees und den Bauern der Freiburger Veveyse gewidmet war, die bis heute bestehenden Themen. Mit der Verbesserung der Transportmittel – den Dampfschiffen ab 1833, der Eisenbahn ab 1865 – kamen immer mehr Zuschauer nach Vevey.
Die Fête des Vignerons wuchs weiter, sowohl was die Bedeutung der Veranstaltung als auch ihre künstlerische Qualität betrifft. Auf das musikalische und poetische Flickwerk der ersten Fêtes des 19. Jahrhunderts, bei denen die Bearbeitung von Texten auf bekannte Volksweisen in Auftrag gegeben wurde, folgten die Fêtes, für die bekannte Künstler originelle und stimmige Originalwerke schufen. Im Jahre 1851 komponierte François Grast die erste vollständige Partitur, die den noch ungleichen Texten verschiedener Amateurdichter eine gewisse Einheitlichkeit gab. Er komponierte auch die Partitur für das Festival 1865. 1889 wurde die Komposition Hugo de Senger anvertraut. Das Festival versuchte bereits Populär- und Elitekultur in Einklang zu bringen. Inspiriert wurde sie durch die Oper und die Alpenfestspiele.
Durch die enge Zusammenarbeit der Brüder René und Jean Morax (Autor des Librettos bzw. des Malers) mit dem Komponisten Gustave Doret entstand 1905 erstmals ein zusammenhängendes Werk. Sie schufen eine wahre Hymne an das Land, die beim Volk Generationen von Sängern prägte. Nach einem so durchschlagenden Erfolg veranlassten schwierige Zeiten und die Angst vor Enttäuschung die Confrérie, sich 1927 erneut an Gustave Doret zu wenden. Das Libretto wurde Pierre Girard anvertraut. Der zweite Weltkrieg verzögerte aber die Durchführung einer neuen Fête. Die Welt hatte sich verändert. Die Confrérie des Vignerons befürchtete 1955, dass ihre traditionelle Fête in einer Gesellschaft, die mit Begeisterung neue Zerstreuungen entdeckte, nicht mehr den Erwartungen ihres Publikums entsprechen würde. Carlo Hemmerling und Géo-H. Blanc trugen dazu bei, die Fête aus ihren regionalen Grenzen herauszuführen. Dank einer beeindruckende Palette internationaler Künstler wehte auch ein wenig Broadway-Luft auf Veveys Marktplatz.
1977 komponierte Jean Balissat eine Musik, die den Wunsch des Librettisten Henri Debluë bewundernswert unterstützte. Der Waadtländer Autor träumte nach dem Prunk der Ausgabe von 1955 davon, die Fête zu ihren Ursprüngen zurückzuführen und eine Verbindung zur christlichen Tradition – wie die christliche Symbolik von Rebstock und Wein – herzustellen, die bis dahin nur zaghaft inmitten eines Pantheons alter und heidnischer Götter erschien. Die Fête von 1999 wurde von François Rochaix erdacht und in Szene gesetzt. Die Rebbauern wurden ins Zentrum der Dramaturgie gerückt. Stellvertretend für alle Rebbauern wurde während den letzten 14 Aufführungen fiktiv und scherzhaft «Arlervin» gekrönt.
Der Platz ist zur Seeseite hin offen und erstreckt sich in einem sanften Gefälle zum Ufer und zu den Bergen. Hier finden zweimal pro Woche ein Markt statt, der jahrhundertealte Sankt-Martins-Umzug, Zirkusaufführungen und einmal pro Generation die Fête des Vignerons.
Die grösste Herausforderung für die Veranstalter der Fête des Vignerons besteht darin, einerseits den ästhetischen Wünschen der Regisseure gerecht zu werden und andererseits eine Bühnenkonstruktion technisch umzusetzen, die Platz für mehrere Tausend Statisten bietet. Die Fête des Vignerons ist eine Open-Air-Veranstaltung. Die Bühnen müssen so gebaut sein, dass sie den Belastungen der Vorführungen einen ganzen Monat lang standhalten können. Die Arena von 2019 muss Platz für bis zu 20.000 Zuschauer bieten, die in Massen kommen, um dieses Grossereignis zu feiern.
Ziel der Confrérie des Vignerons ist es, Weingüter zu besuchen, zu kontrollieren und im Auftrag der Grundbesitzer die Arbeit der Rebbauern zu beurteilen, deren Aufgabe es ist, die ihnen anvertrauten Rebparzellen zu pflegen.
Der Ursprung der Confrérie des Vignerons von Vevey bleibt bis heute rätselhaft. Das älteste Dokument, das sich darauf bezieht, ist das «Premier Manuel» der Vereinigung, das ihre Protokolle enthält. Es wurde der Confrérie des Vignerons am 22. Tag des Monats Juni 1647 vom «weisen, tugendhaften und klugen» Chrétien Montet, Abt der ehrwürdigen Abbaye de l‘Agriculture von Vevey (Sankt Urban) überreicht.
Die Widmung und die ersten Seiten dieses Dokuments der Confrérie (damals noch Abbaye de l‘Agriculture genannt) bestätigen ihre langjährige Existenz. Ihre Tätigkeiten, ihr benediktinisches Motto «Ora et Labora» (bete und arbeite) und ihr Beschützer (Sankt Urban) weisen darauf hin, dass die Confrérie des Vignerons bereits im Mittelalter existierte. 1647 ist die Abbaye de l‘Agriculture nur eine kleine Vereinigung. Sie entwickelt sich im Laufe des 17. Jahrhunderts aber so, dass 1776 beinahe ein Viertel der männlichen Bevölkerung dazugehört.
Die Abbaye de l‘Agriculture war – und bleibt – ein Verein zur Versorgung der Bevölkerung. Sie vereinigte nie die Rebbauern, wie es ihr aktueller Name vermuten lassen könnte, sondern die Besitzer der Rebberge, die die Arbeit an ihrem Besitz den Rebbauern anvertrauten. Die Confrérie des Vignerons ist somit keine Zunft. Sie vertrat nicht die Interessen einer Berufsgruppe oder eines Gewerbes, sondern die der Grundbesitzer, vor allem der städtischen Gemeinschaft, der Bourgeoisie und der Behörden, ihre Exzellenzen von Bern sowie der Gerichtsvollzieher, für die sie die jährlichen Besuche auf dem Rebgut von Vevey machte.
Im 17. Jahrhundert führt die Confrérie des Vignerons jedes Jahr eine Parade durch die Stadt durch. Der Umzug folgte auf eine Generalversammlung, in der die Arbeit der Rebbauern kommentiert und kritisiert wurde – und auf ein traditionelles Bankett.
Um 1770 setzte sich die Confrérie des Vignerons zum Ziel, die Perfektionierung des Rebbaus zu fördern und die gute Ausführung der Arbeit der Rebbauern zu belohnen, anstatt sich auf potenzielle kulturelle Lücken zu konzentrieren. Die Besten wurden also prämiert und gekrönt. Diese Zeremonie der Krönung der besten Arbeiter führte zur Transformation der alten Parade hin zur Fête des Vignerons. Im Jahre 1797, als die Volksfeste und alles, was mit der Natur zu tun hatte, in der guten Gesellschaft in Mode waren, wurde in Vevey auf dem Marktplatz eine erste Plattform errichtet, damit die vielen Neugierigen an dieser Krönung teilnehmen konnten. Die Fête des Vignerons war geboren.
Heute ist die Confrérie des Vignerons von Vevey dem grossen Publikum nur als Organisatorin der Fête des Vignerons bekannt. Auch wenn die Durchführung dieses imposanten Festes einen beträchtlichen Teil der Tätigkeit ausmacht, bleibt es dennoch das Hauptziel dieser Vereinigung, die Perfektion des Rebbaus zu fördern und zu unterstützen. Zu diesem Zweck organisiert sie im Auftrag der Grundstückbesitzer jährlich drei Besuche in den Rebbergen. Die Rebberge befinden sich in einem Gebiet zwischen Pully, im Osten von Lausanne und Lavey, vor den Toren des Kantons Wallis. Während dieser Besuche wird die Arbeit der Rebbauern dokumentiert, und alle drei Jahre findet eine Zeremonie statt, bei der Auszeichnungen an die der Confrérie unterstellten Rebbauern verteilt werden. Diese Zeremonie wird «Triennale» genannt. Ungefähr ein Mal pro Generation nimmt diese Zeremonie einen aussergewöhnlichen Umfang an und wird zur Fête des Vignerons.
Die Confrérie des Vignerons zählt zurzeit ungefähr 1700 Mitglieder. Sie sind nicht mehr zwangsläufig Grundbesitzer, sondern gemäss den Statuten werden bei ihrem Aufnahmegesuch ihre Verbundenheit mit dem Land und ihr Interesse am Rebbau berücksichtigt. Um in die Confrérie aufgenommen zu werden, muss ein schriftlicher Antrag beim Abbé-Président gestellt werden, ein guter Ruf ausgewiesen werden, man muss Schweizer Staatsbürger sein, sechzehn Jahre oder älter sein und die vom Rat festgelegte Aufnahmegebühr muss bezahlt werden. Seit 2008 steht die Confrérie auch Frauen offen. Die Mitglieder der Confrérie treffen sich alle zwei Jahre im Rahmen ihrer Biennale zu einer Generalversammlung. Die Vereinigung der Confrères wählt die 24 Mitglieder des Rates mit einem Abbé-Président an der Spitze. Die Confrérie des Vignerons ist eine Ausprägung des Bürgertums von Vevey. Seine Abbés (die Präsidenten der Confrérie) waren – und sind noch immer – meist Mitglieder des Stadtrates, Advokaten, Notare oder Richter.