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Wichtig ist dabei, die aktuelle Verbreitung der jeweiligen Erreger zu berücksichtigen - denn die Endemiegebiete verschieben sich über die Jahre, derzeit vor allem in Richtung höherer Lagen.
Erreger jetzt auch in höheren Lagen
Die Erreger typischer Tropenkrankheiten oder ihre Überträger – meist Mücken – kommen mit den kühleren Bedingungen im Gebirge eigentlich nicht gut zurecht. Bei Aufenthalten in hochgelegenen Gebieten sinkt das Infektionsrisiko daher rapide ab. «Allerdings beobachten wir, dass manche Erreger ihre Verbreitungsgebiete zunehmend auch in höhere Lagen ausdehnen - womöglich getrieben durch den Klimawandel», sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin.
Viszerale Leishmaniose - Kala-Azar
Dies sei auch im südlichen Himalaya der Fall. Als Beispiel nennt er die viszerale Leishmaniose, eine durch einzellige Parasiten (Leishmanien) hervorgerufene Erkrankung der inneren Organe. Für Nepal habe man bis vor einigen Jahren eine Grenze von 700 Metern angenommen, oberhalb derer die Leishmaniose nicht vorkomme, so Jelinek. Inzwischen seien aber Infektionen bis zu einer Höhe von 1500 Metern nachgewiesen worden.
Die auch als Kala-Azar bezeichnete Erkrankung beginnt schleichend mit Fieber, Erschöpfung und einer Vergrösserung der Milz und der Leber. Manchmal treten erste Symptome erst Monate nach der Infektion auf – oft ist es dann schwierig, noch den Zusammenhang mit der Reise herzustellen. «Unbehandelt kann die viszerale Leishmaniose tödlich verlaufen», betont Jelinek. Verfügbare Therapien sind oft mit starken Nebenwirkungen verbunden. Umso wichtiger ist die Prävention: Da die Leishmanien durch nachtaktive Mücken übertragen werden, sollte auf engmaschige Moskitonetze geachtet und ein wirksames Repellent verwendet werden.
Dengue-Fieber
Auch das Dengue-Fieber, eine von tagaktiven Mücken übertragene Tropenkrankheit, hat sich vom tiefergelegenen Süden Nepals aus in die höhergelegenen Gebiete ausgebreitet. «Die erste Dengue-Infektion in Nepal wurde erst 2004 bestätigt», sagt Jelinek. In den Folgejahren sei es ausschliesslich zu kleineren Ausbrüchen im Süden gekommen, inzwischen sei die Zahl der Infektionen jedoch auf einige hundert bis tausend pro Jahr angestiegen – auch in hochgelegenen Gebieten. Das Dengue-Fieber wird von Viren verursacht und macht sich bereits wenige Tage nach der Infektion durch grippeähnliche Beschwerden bemerkbar. «Eine Ersterkrankung verläuft in der Regel mild und klingt nach rund einer Woche wieder ab», sagt Jelinek. Infiziert man sich erneut, ist jedoch ein dramatischerer Verlauf mit Schocksymptomen und inneren Blutungen möglich, der auch zum Tode führen kann.
Tsutsugamushi-Fieber
Eine weitere Infektionskrankheit, gegen die sich Outdoor-Touristen in Nepal wappnen sollten, ist das Tsutsugamushi-Fieber, eine bakterielle Erkrankung, die durch blutsaugende Milben übertragen wird. Diese halten sich vor allem in Sträuchern und Büschen entlang von Flussläufen auf. «Charakteristisch für das Tsutsugamushi-Fieber ist ein kleiner schwarzer Schorf, der sich zehn bis zwölf Tage nach dem Milbenstich an der Einstichstelle bildet», erklärt Tomas Jelinek. Die benachbarten Lymphknoten schwellen an, die Betroffenen entwickeln Fieber, Kopfschmerzen und einen fleckigen Hautausschlag. In wenigen Fällen kommt es zu schwereren Komplikationen wie Hirnhaut- oder Herzmuskelentzündungen; auch tödliche Verläufe sind bekannt.
Da es keine Impfung gegen die Erkrankung gibt, sollten sich Reisende im Gelände mit langärmeliger Kleidung und DEET-haltigen Repellents schützen – diese seien auch gegen Milben wirksam, so Jelinek. Ausserdem solle man Tierkontakte vermeiden und sich nicht auf den Boden setzen. Für den Fall, dass es dennoch zu einer Infektion kommt, empfiehlt der Reisemediziner, ein Notfallantibiotikum mitzuführen – in der Regel Doxycyclin – das gegen die verursachenden Bakterien wirksam ist.
«Das gilt insbesondere für Reisende, die ausgedehnte Touren in abgelegene Gebiete planen und im Fall des Falles nicht mit rascher ärztlicher Hilfe rechnen können. Wann und wie das Antibiotikum anzuwenden ist, sollte vorab im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung besprochen werden.» Dort gebe es auch Informationen zu weiteren Erkrankungen, zu Impfungen, oder dazu, wie die Reiseapotheke ausgestattet sein sollte – Fragen, die vor jeder längeren Fernreise professionell geklärt werden sollten.PS