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Der Churer Bischof Karl Rudolf von Buol-Schauenstein hat sich 1819 nicht darum beworben, den Kanton Zürich zu seinem Bistum zugeschlagen zu erhalten. Dieses von Katholiken kaum bevölkerte Gebiet wurde ihm zugeteilt, weil für die in der Schweiz liegenden ehemaligen Konstanzer Bistumsteile keine Alternative zu Chur bestand. Aus Pflichtbewusstsein gegenüber dem unverhofften Geschenk haben die Bischöfe von Chur, mit tatkräftiger Unterstützung der Bündner und Innerschweizer, in der Folge 150 Jahre lang «Katholisch Zürich» personell und finanziell aufgebaut. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche im Kanton Zürich selbsttragend und begann nun ihrerseits, Graubünden und die Innerschweiz zu unterstützen. Der Apostolische Stuhl trug der veränderten Situation Zürichs Rechnung, indem er die Einsetzung eines eigenen Generalvikars verlangte. Zürich kam dadurch zu einer Art Halbselbstständigkeit und die dortigen Generalvikare seit Alfred Teobaldi in eine schwierige Rolle. In Chur waren sie die wenig geliebten Vertreter einer halbautonomem Teilrepublik. Und in Zürich waren sie doch nur ungekrönte Vizekönige. Am Antagonismus Chur-Zürich laboriert das Bistum Chur somit schon über 50 Jahre.
Zürich nur administrativ unterstellt
Zürich ist formal dem Bischof von Chur nach wie vor nur administrativ unterstellt. Trotzdem gibt es nun immer mehr Stimmen, welche die Churer Bistumsverwaltung und den Diözesanbischof sukzessive nach Zürich verschieben möchten. Der 451 erwähnte Churer Bischofssitz - aufgrund seines schieren Alters ein Monument des Glaubens - verkäme dadurch zu einer Art «Castel Gandolfo». In der Wirtschaft würde man dies ein «unfriendly takeover» nennen, eine unfreundliche Übernahme, allerdings verkleidet als «friendly takeover», als eine für alle gute Lösung. Tatsächlich aber wäre es, angesichts der Entwicklung seit 1819, ein geschichtsvergessener Akt der Undankbarkeit, der in Graubünden nicht hingenommen würde.
Beispiel Bern und Jura
Die Industrialisierung, der Bedeutungszuwachs Zürichs und neuerdings die Migration fordern nun eine Korrektur der Improvisation von 1819. Bern und Jura, ebenfalls durch historische Zufälle zusammengewürfelt, haben nach einer letztlich mit Anstand vollzogenen Trennung ihren Frieden gefunden. Diesem Beispiel sollten Chur und Zürich folgen, indem sie in gegenseitiger Dankbarkeit für eine gemeinsame 200-jährige Geschichte in Frieden ihres Weges gehen. In Graubünden bliebe die Kirche im Dorf, also die Kathedrale in der Stadt. Und im Kanton Zürich könnte ein eigener Bischof inmitten seiner urbanen Schäfchen Hirte sein.