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Einiges über das Schroten und die Schrotmühlen.
Von Ingenieur W. Schwanert, Halle a. S.
Zu den Fruchtarten, die geschrotet werden, gehört in erster Linie das Getreide. Sein Korn besteht aus zwei Teilen, aus der Schale und dem Mehlkörper. Die Teile setzen sich aus verschieden geformten Geweben zusammen, die ihre besonderen Aufgaben haben. Es gibt Getreidearten, deren Körner im reifen Zustande Spelzen besitzen, wie Hafer, Gerste, Reis und Hirse, und solche, sogenannte nackte, die diese nicht haben, wie Weizen und Roggen. Jedes Korn hat in seiner Länge eine stark eingreifende Vertiefung, die Furche. Ein Schnitt mit dem Messer durch diese zeigt, daß die Frucht aus zwei Teilen, dem weißen Mehlkern und der diesen umschließenden gelblichbraun gefärbten Hülle besteht. Diese ist bei gespelzten Getreidearten wieder aus der die innere Lage bildenden Samenschale, der Fruchtschale und dem Spelz zusammengesetzt. Der weiße Körper besteht aus der Keimanlage, die wieder aus verschiedenen Teilen zusammengefügt ist, und dem eigentlichen Mehlkörper, in dem der Keimling eingebettet liegt; der Mehlkörper ist noch mit einer Kleberzellschicht umgeben. Weizenkorn und Roggenkorn unterscheiden sich im Bau nicht wesentlich von einander. Das Korn der Gerste zeigt als hauptsächlichsten Unterschied den mit ihm verwachsenen Spelz. Das Haferkorn wird von diesem nur umschlossen, er löst sich schon durch leichten Druck. Bei dem Maiskorn bildet die Samenhaut die mit der Fruchthaut stark verwachsen ist, eine gelb bis braun gefärbte starke und harte Hülle. Das Innere besteht zum Teil aus Pflanzenfibrin, es hat eine hornartige Beschaffenheit.
Die zwei bzw. drei Schichten, die den Hüllkörper des Getreidekorns bilden, liegen sehr fest aufeinander und sind mit der darunter liegenden Kleberzellschicht verwachsen. Die Hüllen bilden ein härteres, widerstandsfähigeres Gefüge als der Mehlkörper. Durch ein rasches Schroten der Körner wird der Mehlkörper in ein feines Pulver verwandelt, während der Hüllkörper noch in Form größerer Stücke, der Kleie, vorhanden ist. Auch der Keimling setzt dem Zerreiben einen größeren Widerstand entgegen als der Mehlkörper, er vereinigt sich also auch mit der Kleie. Die Menge dieser hängt daher von der Keimgröße und der Hüllenstärke ab, große Keime und starke Hüllen geben viel Kleie.
Ist die Frucht in der Schrotmühle verarbeitet, so kann sie zum Füttern der Tiere benutzt werden. Die erforderliche Feinheit der aufgelösten Körner hängt ab von der Viehart, für die es gemahlen wird. Es erhalten zum Beispiel Schweine feines Schrot, für Pferde genügt ein Zerdrücken, Quetschen der Haferkörner. Diese in unzerkleinertem Zustande zu verfüttern, ist nicht ratsam; es wurde festgestellt, daß Pferde an gequetschtem Hafer nur 7 5 v. H. der für sie nötigen ungequetschten Menge bedürfen. Auch das Alter der Tiere ist bei der Zuteilung des Schrotes, ob dieses für sie fein oder grob sein muß, maßgebend.
Der nahrhafte innere Teil des Kornes, der Mehlkörper, besteht in der Hauptsache aus Stärke; der mit den Stärketeilchen innig vermengte Kleber enthält neben anderen Stoffen auch eine geringe Menge Fett. In Wasser ist die Stärke unlöslich, unter dem Einflüsse des Speichels und des Magensaftes wird sie jedoch in Lösung gebracht. Es entstehen dabei aus ihr Dextrin und Traubenzucker.
Der das Korn umgebende Hüllkörper wird zum größten Teil aus Zellulose, Holzfaser, gebildet. Gegen die Einwirkung der Verdauungssäfte ist diese sehr widerstandsfähig, so daß sie im Magen des Menschen so gut wie garnicht angegriffen wird. Etwas anders verhält sich die zerkleinerte Hülle im Magen der Wiederkäuer. Da sich bei diesen der Akt der Verdauung über einen längeren Zeitraum erstrekt, findet hier eine teilweise Lösung und Ausnützung statt.
Der Keimling besteht aus einer großen Zahl kleiner Zellen, diese bilden die Anlage für die künftige Pflanze. Der Keim zeichnet sich besonders durch seinen hohen Gehalt an Fett aus, auch die Spelzschicht ist ziemlich reich daran. Diese Fette sind sehr leicht dem Ranzigwerden unterworfen und können daher zum Verderben des Schrotes oder der von diesem ausgeschiedenen Kleie bei einer langen Lagerung Veranlassung geben.
Dem Schrot wird durch die Kleie je nach deren Menge eine gelbliche, graue oder dunkle Farbe erteilt. Zur Erzielung eines hellen, für die Ernährung des Menschen tauglichen backfähigen Mehles ist das Schrot durch eine Sichtmaschine zu führen. In dieser kann die Kleie durch geeignete Siebe von den Griesen und dem Mehl getrennt werden. Die Griese zeigen noch Körnchenform, sie eignen sich zum Kochen; fein gemahlenes Schrot enthält auch feine Griese. Zur Erreichung solcher wird das Schrot mehreremale durch die Mühle geschickt. In dem zum Backen bestimmten Mehl dürfen sich die Grieskörnchen beim Anfühlen nicht mehr bemerkbar machen. Zu weit darf jedoch die Zerkleinerung auch nicht getrieben werden, da das Mehl sonst seine Backfähigkeit verliert und nicht aufgeht.
In der Müllerei, zur Erzeugung von feinen Mehlen und Griesen, werden die Körner vor dem Schroten noch von den mechanisch beigemengten Verunreinigungen getrennt. Ferner werden von dem Mehlkörper die Hüllen zum größten Teil abgeschält und das Bärtchen und der Keim durch das sogenannte Spitzen entfernt. Das Schrot wird auf diese Weise reiner und heller. Die zum Verkauf bestimmten Kochgriese werden meist in vier Nummern, von denen das feinste der Kindergries ist, hergestellt.
Zum Zerkleinern der Körner usw. werden Walzen und Scheiben aus Eisen sowie Steine verwandt. Mit diesen soll jede der oben angeführten Fruchtarten zu einem wolligen Schrot in allen Feinheitsgraden gemahlen werden können. Das Mahlgut darf sich während des Schrotens nicht erwärmen, durch Erhitzen wird der Nährwert des Schrotes herabgemindert.
Früher wurde das Schrot fast nur in den Mühlen auf Mahlgängen mit geschärften Steinen oder durch Schrotstühle mittels geriffelter Hartgußwalzen hergestellt. Seitdem der Landwirt Verbrennungsmotoren und die elektrischen Ueberlandleitungen zu Kraftzwecken zur Verfügung hat, ist er in die Lage gekommen, eine Schrotmühle aufzustellen und das Schroten auf seinem Hofe zu besorgen. Die Mühlen können zum Mahlen von Roggen, Gerste, Weizen, Hafer, Erbsen, Mais und Bohnen benutzt werden und sind meistens auch zum Quetschen zu verwenden. Sie werden ausgeführt:
- 1. mit geriffelten oder glatten Walzen aus Hartguß,
- 2. mit natürlichen oder künstlichen Mahlsteinen und wagerecht gelagerter Antriebswelle,
- 3. mit Mahlscheiben aus Hartguß und wagerecht liegender Achse,
- 4. mit natürlichen oder künstlichen Mahlsteinen, bei denen die Welle des Läufersteins stehend angeordnet ist.
In Abb. 1a bis d ist eine Walzenmühle in der üblichen Ausführung dargestellt. D. R. M, a. Der gußeiserne Rahmen mit den Ringschmierlagern für die Walzenwellen ist mit vier Füßen aus starken Winkeleisen, die gegeneinander verstrebt sind und unten Schuhe zum Befestigen auf dem Boden tragen, verschraubt. Der Rahmen kann auch unter Wegfall der Füße auf Balken, einen Tisch oder ein Fundament geschraubt werden. Auf dem Unterteil ist der die Walzen von allen Seiten dicht umschließende Rumpf mit dem Einfülltrichter A befestigt.
Von dem Trichter gelangt das Mahlgut auf die geneigte Bahn B; diese wird durch eine unrunde Scheibe C und die Hebel D und E in schwingende Bewegung gebracht. Durch das Verstellen des Zapfens für den Hebel D mittels Handrad und Gewindespindel F wird erreicht, daß die Bahn B in einem größeren oder geringeren Abstand von der Abschlußkante des Regulierschiebers G schwingt. Auf diese Weise wird die Einlaufmenge reguliert. Nach dem Auslösen der Stütze H drückt die Feder den Schieber G gegen die Bahn B und schließt damit den Einlauf. Metallteile verletzen die Walzen, sie müssen daher zurückgehalten werden. Dies wird durch Magnete, die bei J eingelegt sind, erreicht. Sonstige Unreinigkeiten bleiben auf dem Siebe K liegen und können von dort nach Oeffnen der Klappe L entfernt werden. Nach dem Verlassen des Siebes wird das Mahlgut zu den Walzen, die von gleicher Größe sind, geführt. Die eine M mit der Antriebscheibe hat die dreifache Umdrehungszahl als die andere N, die von ersterer durch Zahnräder angetrieben wird.