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Verhaltensmerkmale des Storches
Klappern
Ihr kennt alle das Klappern des Storches. Aber wozu dient es? Damit begrüssen sich die Störche oder wehren Konkurrenten um das Nest ab.
Der Horst
Das "Nest" des Storches nennt man Horst. In West- und Mitteleuropa werden die Horste auf den höchsten Gebäuden eines Dorfes, auf Masten von Stromleitungen, auf Bäumen oder hohen Pfählen errichtet.
Im Winter ziehen Männchen und Weibchen getrennt nach Afrika, aber Störche kommen jedes Jahr wieder an denselben Horst zurück. Wenn dann ein Konkurrent das Nest besetzt hat, kommt es häufig zu Kämpfen. Wenn ihr die Störche im Frühling genau beobachtet, seht ihr vielleicht einmal, wie sie in der Luft miteinander kämpfen.
Störche sind nesttreu, nicht partnertreu. Wird z.B. ein Nest nach der Rückkehr im Frühjahr von einem Konkurrenten besetzt, dann kann der Storch, der im Jahr vorher darin gelebt hatte, auch sein Weibchen verlieren. Denn dieses ist ihrem Nest treu, aber nicht unbedingt ihrem Partner.Oft wird ein Horst aber über viele Jahre vom gleichen Paar bewohnt.
An der Fertigstellung des Horstes beteiligen sich beide Partner. Er wird immer wieder ausgebaut und kann so eine beträchtliche Höhe erreichen. Alte Horste können über 2m hoch, bis 2,2m breit und über 1000kg schwer sein. Die mit Feinmaterial wie Altgras oder Moos ausgepolsterte Nestmulde wird während der Brutzeit immer wieder zerstochert und aufgelockert, um den Nestuntergrund trocken zu halten. Heutzutage wird leider auch Unrat wie Plastiktüten, Gummibänder und Schnurmaterial eingetragen. Verheddern sich die Jungstörche darin, so kann es zu lebensbedrohenden Unfällen kommen. Plastikmaterial dichtet darüber hinaus den Untergrund ab, so dass Regenwasser nicht mehr ablaufen kann. Unterkühlungen sind die Folge.
Paarung
Zum Verhaltensrepertoire des Ehepaares Storch gehört natürlich das gemeinsame Schnabelklappern, wobei auf typische Art Kopf und Hals zuerst nach vorne unten und dann ruckartig weit nach hinten bewegt werden. Auch ein Kraulen an Kopf und Hals des anderen Partners dient der Paarbindung.
Das Paarungsritual wird dadurch eingeleitet, dass das Männchen das Weibchen krault, im Nestgrund stochert und das Weibchen umschreitet. Nach Schüttelbewegungen des männlichen Tieres erhebt sich das Weibchen, zeigt Bereitschaft an und senkt den Kopf. Das Männchen hakt über dem Hals des Weibchens ein, steigt auf, schnäbelt erregt das Weibchen an Hals und Kopfgefieder. Das Männchen schlägt mit den Flügeln aus Erregung und um Gleichgewicht zu halten, wobei das Weibchen den Kopf zurücklegt und das Schnäbeln erwidert. Es gibt durch Öffnen der Flügeln und Heben des Schwanzgefieders die Kloake frei. Während der Kopulation, wobei die Kloaken aufeinander gelegt werden, sind halblautes Zischen und andere leise Laute zu hören. Nach dem Zurückspringen des Männchens auf den Nestboden, vollführen beide Partner gleichsinnige zeremonielle Putzbewegungen. Auch nach Ablegen der Eier werden immer wieder Kopulationen durchgeführt, die täglich mehrfach stattfinden können. Offensichtlich dienen sie dem Zusammenhalt des Paares.
Im Abstand von zwei Nächten werden sehr bald nach Ankunft aus dem Winterquartier die Eier gelegt. Die Eier sind klein, elliptisch und rein weiß. Das Gewicht beträgt etwa 110g. Die Gelegegröße ist abhängig von der Fitness des Weibchens. Kommt dieses entkräftet auf Grund schlechter Bedingungen im Winterquartier oder extremer Witterung während des Rückfluges zurück, so werden weniger oder in besonderen Fällen überhaupt keine Eier gelegt. Die Gelegegröße umfasst meist 3-5 Eier, die in der Zeit zwischen Mitte April bis Mitte Mai abgelegt werden.
Gefahr durch Nässe und Kälte
Die Jungen sind in den ersten 4-6 Wochen äußerst witterungsempfindlich. Ihnen fehlt noch das vollständige Federkleid als Schutz. Es besteht die Gefahr, dass sie bis Ende Mai/ Anfang Juni regenreichem und zusätzlich kaltem Wetter zum Opfer fallen. Anhaltende Regenfälle bei kalter Witterung sind also für den Storchennachwuchs ein großes Problem.
Die Nässe und die daraus resultierende Unterkühlung führen zu nachlassender Vitalität. Die ausgepolsterte Nestmulde verwandelt sich in einen Morast, vor allem dann, wenn das Wasser nicht ablaufen kann. Lassen die Bettelbewegungen nach oder fallen ganz aus, so verlassen die Altvögel die Brut, in der Regel werden die toten Jungtiere aus dem Nest geworfen.
Im Alter von 3 Wochen sitzen die Jungen vermehrt auf den Läufen und dem Steiss. Bei heißem Wetter hecheln sie mit geöffnetem Schnabel. Es kann dann vorkommen, dass sie vom Altvogel getränkt werden, der aus seinem Schnabel Wasser laufen läßt. Das Aufstehen gelingt den Nestlingen erst mit 22 bis 28 Tagen. Im Alter von 6 Wochen, also etwa mit 42 Tagen beginnt das Training der Flügelmuskulatur. Auch springen sie im Wind in die Höhe, die Flügel werden bewegt. Die Flugfähigkeit reift also ohne elterliche Hilfe. Der erste Ausflug ereignet sich um den 62. bis 70. Lebenstag. Das Nest wird weiterhin zum Ruhen und zum Schlafen aufgesucht.
In den folgenden Wochen erkunden die Jungstörche die Umgebung, wobei erste Höhenflüge stattfinden. Die Heimat wird ca. 4 Wochen später also etwa im letzten Augustdrittel verlassen.
Bebrütung und Aufzucht
Bei der Bebrütung erhebt sich der Brutvogel von Zeit zu Zeit, betrachtet das Gelege, lockert das Nistmaterial, lässt sich zum Weiterbrüten behutsam nieder, räkelt sich hin und her und macht ein Schläfchen. Die Ablösung erfolgt in ganz unterschiedlichen Intervallen.
Nach 31 bis 32 Tagen Bebrütung schlüpfen die bedunten, sehr kleinen Jungen mit einem Schlüpfgewicht von 70 -74g. In den ersten Lebenstagen werden sie andauernd gehudert. Dabei liegt der Altvogel mit breitgestreckten Flügeln über den Jungen. Dann werden die Kleinen allmählich der Sonne und dem Wind freigegeben. Bei starkem Sonnenschein wird Schatten gespendet. Beide Eltern tragen Futter ein, zunächst nur sehr kleine Tiere wie Kaulquappen, Spinnen, kleine Schnecken, Egel aus Flachtümpeln und überschwemmten Wiesen. Man kann von einer speziellen Babykost sprechen. Zur Futterübergabe senken die Alttiere den Schnabel zwischen die Jungen und erbrechen das Futter aus dem Schlund in das Nest. Die Nahrungstiere sind stets in Schleim gehüllt und mehr oder weniger vorverdaut.
Die Nestlinge nehmen es im Fallen auf oder picken es vom Nestgrund weg. Die Jungen müssen dies bereits in den ersten Lebensstunden beherrschen, auch wenn der Kopf noch sehr wackelt. Überzähliges Futter frisst der Altstorch selbst. Die Jungvögel betteln durch miauende Töne. Auch machen sie „melkende“ Bewegungen am Schnabel des Altvogels. Sind die Jungen bereits groß, so verstärkt sich die Bettelintensität derart, dass die Alttiere nach dem Herauswürgen sofort das Nest wieder verlassen.
Alltagsgeschäfte wie Gefiederpflege und Schlafen
Da das Federkleid sehr großen Strapazen unterliegt, ist die Pflege eine zeitaufwendige Angelegenheit. Sie gehört zu den Haupttätigkeiten im Storchenleben und umfasst das Ordnen, Reinigen und Einfetten der Federn. In der Kropfgegend wird mit der Pflege begonnen, an den Halsseiten fortgesetzt und schließlich wird das gesamte Federkleid bearbeitet. Diese Behandlung kann Stunden in Anspruch nehmen. Das Kratzen mit den Zehen in der Gegend des Kinns zeigt, dass die Hautparasiten sich gerade dort aufhalten, wo der Schnabel sie nicht erreicht. Geschlafen wird stehend, oft auf einem Bein, oder auch liegend. Die tagsüber in die Ruhephasen eingeschobenen Schlafphasen sind nur kurz. Der Schnabel ruht dabei auf dem S-förmig gebogenen Hals. Die Lider schließen sich von unten nach oben.
Lebensdauer
Die Brutreife erreichen Störche mit 3-4 Jahren. Zwischen 12-20 Jahren sind sie im besten Alter“. Bei jugendlichen Störchen ist der Rückkehrtrieb erst schwach ausgeprägt. Sie bleiben auch im Sommer in ihren Winterquartieren und kehren in der Regel erst im brutreifen Alter, also im dritten oder vierten Lebensjahr, in die Heimat zurück, allerdings nach Mitteleuropa nur einer von zehn Störchen! Junge Störche weisen eine sehr hohe Sterblichkeit auf. Man weiß, dass ein Drittel der Jungtiere an Stromleitungen umkommt, etwa 10% werden überfahren, ein hoher Prozentsatz wird abgeschossen, der Rest wird durch Insektizide vergiftet. Bei diesen hohen, durch den Menschen verursachten Ausfällen und den vielen zusätzlichen Opfern durch natürliche Gefahren wie Stürme, Dürren mit Nahrungsengpässen und Krankheiten kommen zu wenig Vögel zurück, um den Bestand an Brutvögeln zu erhalten. Nach Untersuchungen in der Schweiz kommt nur etwa jeder zehnte Jungvogel in das Brutgebiet zurück, wobei ein Teil der ehemaligen allerdings auch in anderen Brutgebieten zur Brut schreitet.
(Quelle: Storch flieg)