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Über den Nutzen von Krebs-Früherkennungsprogrammen ist man sich schweizweit uneinig. Gewisse Kantone sind überzeugt, dass sie Leben retten und bieten Ihrer Bevölkerung flächendeckende Screeningprogramme. Andere Kantone wiederum verzichten darauf.
Bei der Darmspiegelung gilt es, zwei Varianten zu unterscheiden: die kleine und die grosse Darmspiegelung. In vielen europäischen Ländern wird lediglich die kleine Darmspiegelung durchgeführt (auch Teildarmspiegelung beziehungsweise Sigmoidoskopie); in der Schweiz wird dagegen in der Regel die «grosse» Darmspiegelung (auch Koloskopie) durchgeführt. Diese läuft ähnlich ab wie eine kleine Darmspiegelung, dringt jedoch tiefer vor. Beide Tests beinhalten die Untersuchung der Darmwand von innen. Dabei wird ein flexibler Schlauch in den Darm eingeführt. Bei beiden Varianten der Darmspiegelung kann der Arzt Vorstufen zu Krebs direkt entfernen, die er während der Untersuchung an der Darmwand entdeckt.
Eine weitere Form der Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchung ist der Test auf okkultes (nicht sichtbares) Blut im Stuhl.
Sind diese Früherkennungsuntersuchungen sinnvoll? Medizinische Fragestellungen können oft nicht pauschal beantwortet werden. Auch diese nicht. Transparente Informationen sind wichtig. Damit Sie den Nutzen und die Risiken der Darmspiegelung abwägen können, zeigen wir an dieser Stelle die Faktenlage auf – in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz. Die wichtigsten Vor- und Nachteile werden klar und übersichtlich gegenübergestellt.
Die Zahlen beziehen sich auf Personen über 50 Jahre, die über einen Beobachtungszeitraum von zehn Jahren mindestens eine Darmspiegelung durchgeführt haben (Screening-Gruppe), und eine gleich grosse Gruppe, die nicht am Screening teilgenommen hat (Vergleichsgruppe).
Langzeitstudien zur Früherkennung von Darmkrebs
Die Auswertung der wissenschaftlichen Studien zeigt, dass von je 1000 Menschen, die an der Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchung durch eine kleine Darmspiegelung (Sigmoidoskopie) teilnahmen, in einem Zeitraum von mindestens zehn Jahren sechs an Darmkrebs starben. In der Gruppe, die nicht an der Untersuchung teilnahm, starben im selben Zeitraum acht von je 1000 Personen an Darmkrebs. Das wirkte sich allerdings nicht auf die Gesamtsterblichkeitsrate aus: Die Anzahl der Menschen, die insgesamt in dem Zeitraum starben, war in beiden Gruppen gleich gross. Durch die Entfernung von Darmkrebsvorstufen bei der Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchung wurde in der Screening-Gruppe von je 1000 Menschen bei vier Personen weniger Darmkrebs diagnostiziert.
Von je 1000 Menschen, die an der Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchung teilnahmen, traten während der Untersuchung bei 200 mittelstarke bis starke Schmerzen oder Beschwerden auf. Von je 1000 Menschen, die an Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchung teilnahmen, traten bei weniger als einer Person schwerwiegende Komplikationen (z.B. starke Darmblutungen oder ein Riss in der Darmwand) auf.
Die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) übernimmt die Kosten der Darmspiegelung auch dann, wenn im engen familiären Umfeld der zu untersuchenden Person keine entsprechende Erkrankung bekannt ist. Abgedeckt ist der Nachweis von Blutspuren im Stuhl (alle zwei Jahre) sowie Dickdarmspiegelungen (alle zehn Jahre) bei Frauen und Männern zwischen 50 und 69 Jahren. Koloskopien im Rahmen der Screening-Programme in den Kantonen Waadt und Uri sind von der Franchise befreit.