Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03572.jsonl.gz/574

Die lebhafte Geschichte der Burgen Alt-Bechburg und Neu-Falkenstein
Die römische „Schnellstrasse“, die Avenches (Aventicum) und Kaiseraugst (Augusta Raurica) verband, führte über den Oberen Hauenstein bei Langenbruck. Nach der Christianisierung wurde die Region der Herrschaft der Fürstbischöfe von Basel unterstellt. In der Folge bewachten die Bechburger und Falkensteiner die Gegend von strategisch wichtigen Hügeln und Felsen aus: Im Mittelalter liessen die Freiherren von Bechburg vier Burgen erbauen, von denen später zwei in den Besitz der Freiherren von Falkenstein gelangten.
Ein Foto, welches ich von der Burg Neu-Falkenstein sah, weckte mein Interesse. Also begann ich ein wenig zu recherchieren und beschloss spontan, meine Wandergruppe zu einer Burgenwanderung einzuladen, um vor Ort mehr über die Geschichte der Bechburger und der Falkensteiner zu erfahren. Die Angaben, die ich im Internet las, waren teilweise unvollständig oder widersprüchlich. Auch in der Bibliothek fand ich nicht viel über das Leben auf diesen Burgen. Wir besuchten die beiden, ganzjährig freizugänglichen, Ruinen Alt-Bechburg und Neu-Falkenstein. Diese möchte ich Ihnen hier näher vorstellen, wobei ich versuche, die recherchierten Informationen mit denen der Infotafeln vor Ort in einen Zusammenhang zu bringen.
Burg Alt-Bechburg
Es wird angenommen, dass Alt-Bechburg ursprünglich nur ein ummauertes Holzhaus war, das die Freiherren von Bechburg im 11. Jahrhundert auf dem schroffen Felsen errichten liessen. Die Anfänge dieser Anlage liegen also rund 1000 Jahre zurück. Ab etwa 1200 bauten die Bechburger ihren Sitz immer weiter aus und schufen mit der Zeit eine stattliche Burg von über 100 Metern Länge. Die verschiedenen Burgteile gelangten mit der Zeit an unterschiedliche Besitzer, womit sie zu einer Ganerbenburg wurde.
Die Bechburger bewohnten den hinteren Teil, der vordere war als Lehen im Besitz des Bischofs von Basel. Die Lehensträger wiederum hatten ihren Anteil an die Grafen von Falkenstein verliehen, die mit den Bechburgern verwandt waren. Als der Einfluss der Freiherren von Bechburg immer mächtiger wurde, rodeten sie Land und breiteten ihren Einflussbereich noch weiter aus. Sie erbauten oberhalb von Oensingen die Burg Neu-Bechburg und machten auch die Burg Neu-Falkenstein zu einem ihrer Wohnsitze. Doch dazu später.
Ritter Heinrich von Ifenthal kaufte im 14. Jahrhundert beide Teile von Alt-Bechburg, womit die gesamte Anlage nun wieder einen einzigen Besitzer hatte. Seine Enkelin, Margreth von Ifenthal, verkaufte die Burg Anfang des 15. Jahrhunderts an die Stadt Solothurn. Fortan lebten hier Privatleute, die das Erblehen erhielten. Aus Geldmangel konnten diese den Besitz nicht ordentlich unterhalten, und schon im 17. Jahrhundert war der Zerfall des Schlosses nicht mehr aufzuhalten. 1713 sorgte ein Grossbrand, dessen Ursache nie geklärt werden konnte, dafür, dass Alt-Bechburg künftig nicht mehr bewohnbar war.
In eine Tafel an einer der Mauern sind alle Bewohner der Burg eingraviert. Eine andere weist darauf hin, dass die Ruine seit 1930 Eigentum des Historischen Vereins ist, der sie 1936/1937 ausgrub und konservierte. Ein drittes Schild schliesslich erinnert an die Freiwilligenarbeit, die dabei geleistet wurde. 1936 kam bei den Ausgrabungen ein Krug mit 5000 Münzen zum Vorschein, die eine Prägung aus Solothurn aus dem Jahr 1180 tragen. Der Schatz kann im Historischen Museum Blumenstein bestaunt werden. Burg Alt-Bechburg ist in der Liste der geschützten Kulturgüter von Holderbank im Kanton Solothurn aufgeführt.
Neu-Falkenstein
Auch die Ruine Neu-Falkenstein steht unter Schutz. Das gesamte Gebiet der Burg gilt als Stätte von nationaler Bedeutung. Sie ist besser erhalten als Alt-Bechburg. Schwindelfreie Besucher können sogar heute noch den Bergfried besteigen. In den alten Gemäuern ist man versucht, sich vorzustellen, wie das Leben wohl damals hier gewesen sein mag. Wirklich nachvollziehen können wir das heute wohl kaum noch.
Auch Neu-Falkenstein hat eine turbulente Geschichte: Die Vermutung liegt nahe, dass die Burg ebenfalls von den Bechburgern errichtet wurde. Im 13. Jahrhundert teilte sich das Geschlecht in zwei Linien: die Bechburger und die Falkensteiner. Die Ausgrabungen zeigten, dass die Burg in vier Bauetappen erstellt wurde. Aus welchem Jahr die Vorburg stammt, konnte man nicht in Erfahrung bringen, die anderen Bauten sollen aus dem 11. und 12. Jahrhundert, dem 13. Jahrhundert und von ca. 1640 stammen.
Es zeigte sich, dass Neu-Falkenstein eigentlich aus zwei Burgen besteht. Neben der ersten wurde eine zweite, in sich geschlossene, erstellt und erst später verband man beide zu einer einzigen mächtigen Anlage. Unklar ist, wann Vorhof, Torhaus und Zwinger dazukamen.
Wie bei den meisten Burgen wechselten auch auf Neu-Falkenstein die Besitzer mehrfach. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, ausführlich darauf einzugehen. Sie ist übrigens älter als Alt-Falkenstein und bekam ihren Namen aufgrund des Neuaufbaus nach dem schweren Erdbeben, welches 1356 die Region Basel erschütterte. Auch während des Safrankrieges wurde sie stark in Mitleidenschaft gezogen und waren umfangreiche Reparaturen notwendig. Während der Helvetischen Revolution im Sommer 1798 steckte die aufgebrachte Landbevölkerung die Burganlage in Brand.
Daraufhin kümmerte sich erst einmal niemand mehr darum, sie zerfiel und wäre wohl für immer verloren gewesen, hätte sich nicht 1900 die Dienstagsgesellschaft von Balsthal der Ruine angenommen. Während der Konservierungsarbeiten wurde zuerst der Bergfried gerettet. 1938/1939 entdeckte man bei Grabungen wertvolle Funde und verlor diese für immer, da die Arbeiten unsachgemäss ausgeführt wurden.
Im Burghof steht heute ein schöner Picknickplatz mit Tischen, Bänken und Grillierstelle zur Verfügung. Da, wo wir es uns gemütlich machten, wurden als Folge des Safrankrieges die 16 Söldner, die damals die Burg verteidigten, enthauptet. An diesem historischen Ort sorgt heute die Stiftung Schloss Neu-Falkenstein für den Unterhalt. So wurden im vergangenen Jahr die Wasserleitungen, die den Brunnen sowie die WC-Anlage versorgen, erneuert. Zudem müssen Stromleitungen neu verlegt werden, die unter anderem die romantische nächtliche Beleuchtung des Wahrzeichens von Balsthal sichern. Da auf der Burg auch verschiedene Veranstaltungen stattfinden, werden Wasser und Strom benötigt. Laut Nino Joller, dem Präsidenten der Stiftung, handelt es sich um ein Jahrzehnte-Projekt, welches für die nächste Generation Bestand haben müsse. Unterstützt wird das Projekt vom Holzfluh-Verein.
Beide Vereine können auch gemeinsam die Kosten nicht ohne Unterstützung tragen. Die Bevölkerung ist aufgerufen, für ihr Wahrzeichen zu spenden und symbolisch den einen oder anderen Meter Leitung zu erwerben. Natürlich rechnet man auch damit, dass sich verschiedene Organisationen beteiligen werden. Wer mehr über dieses Projekt wissen oder es unterstützen möchte, findet weitere Informationen auf www.neu-falkenstein.ch. Ob auch die Denkmalpflege dieses Projekt mitfinanziert, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.
Vielleicht haben Sie Lust bekommen, diese beiden faszinierenden Burgruinen zu besuchen? Ich stelle Ihnen die Wanderung ausführlich auf unserem Partnerblog www.reiseziele.ch vor. Die Wanderung startet in Langenbruck, wo auf der Hauptstrasse gleich mehrere stattliche, Hunderte Jahre alte Gasthäuser zu bewundern sind, und endet in Balsthal. Im Weiler St. Wolfgang fiel uns die interessante, denkmalgeschützte Kapelle aus dem 15. Jahrhundert auf, leider war sie verschlossen.
Oberstes Bild: Ruine Neu-Falkenstein (©Roland Zumbuehl, Wikimedia, CC)