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In der aktuellen Diskussion um ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU wird immer wieder der seit Mitte 2007 liberalisierte Käsemarkt herangezogen. Und zwar bemerkenswerterweise von Gegnern und Befürwortern, von Optimisten und Pessimisten. Die Optimisten argumentieren, die Liberalisierung des Käsehandels sei bisher erfolgreich verlaufen, es werde immer mehr Schweizer Käse exportiert. Dem halten die Pessimisten entgegen, dass wohl die Exporte angestiegen seien, die Käseimporte seien aber noch stärker angestiegen. Die Bilanz sei deshalb aus Schweizer Sicht negativ.
Falsch, sagen wiederum die Optimisten: Wenn man die Exporte wertmässig betrachte, dann zeigte sich, dass die teureren Schweizer Käse für mehr Umsatz gesorgt haben als die billigeren Importkäse.
Mehr Exporte, mehr Umsatz
Wer hat Recht? Die Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (alle Zahlen ohne Fertigfondue) zeigen folgendes:
- Der Handel hat zugenommen. Mengenmässig sind sowohl Importe wie auch Exporte in den letzten fünf Jahren angestiegen, die Importe stärker als die Exporte (s. Grafik 1). Auch wertmässig stiegen sowohl Importe wie auch Export an (s. Grafik 2).
- Die Differenz zwischen Exportmenge und Importmenge hat abgenommen, die mengenmässige Handelsbilanz hat sich verschlechtert, weil die Importe stärker wachsen als die Exporte.
- Die Differenz zwischen Export- und Importwert hingegen ist angewachsen, die wertmässige Handelsbilanz hat sich verbessert. Der Wert der Schweizer Käseexporte wuchs stärker an als der Wert der Importe. Ein Punkt also für die Optimisten.
Nicht so rosig wie diese mehrjährige Bilanz sieht hingegen der Zwischenstand für das Jahr 2009 aus. Die Wirtschaftskrise zeigt Auswirkungen, vor allem in Deutschland und Italien ist der Verkauf von teurem Schweizer Käse schwieriger geworden. Das ruft die Pessimisten auf den Plan, und es schlägt sich in den Statistiken nieder:
- Die Importe nahmen von 2008 auf 2009 um 6,7 Prozent zu, von 33'206 auf 35'432 Tonnen. Die Exporte hingegen nahmen um nur 1,6 Prozent zu, von 44'588 auf 45'329 Tonnen (s. Grafik 3).
- Der Wert der Importe ging um 3,6 Prozent zurück, von 309 auf 298 Millionen Franken. Das heisst, die Preise der importierten Käse sind deutlich gesunken. Auch im Export waren deutliche Preissenkungen notwendig. Der Wert der Exporte sank um 5,8 Prozent von 475 Millionen auf 447 Mio. Franken (s. Grafik 4).
- Daraus ergibt sich auch, dass die Wertschöpfung in Franken pro Kilogramm bei den Importen wie bei den Exporten sinkt. Im Export sank der durchschnittliche Käsepreis von 10.65 auf 9.87 Franken/Kilogramm. Bei den Importen sank der Wert von 9.31 auf 8.42 Franken/Kilogramm (s. Grafik 5). Prozentual gesehen sank der Wert der Importe stärker, nämlich um 9,6 Prozent, der Exportwert sank um 7,4 Prozent. Also noch ein Punkt für die Optimisten.
Keine voreiligen Schlüsse
Trotzdem: 2009 wird kein glorioses Jahr für den Käseexport werden, auch wenn die Verkäufe auf die Festtage hin noch anziehen sollten. Daraus lässt sich aber schwerlich bereits schliessen, dass der liberalisierte Käsehandel gescheitert ist. Ebenso wenig jedoch lässt sich mit Zahlen aus dem Käsehandel – egal ob man sie als positiv oder negativ beurteilt – eine Prognose für einen Agrarfreihandel für die ganze Schweizer Lebensmittelwirtschaft begründen. Denn beim Gemüse-, Obst- und Ackerbau sieht es mit der Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zum Ausland bedeutend schlechter aus.