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Eine extreme Trockenheitsperiode in Kalifornien zwingt Bauern, tief gelegenes, verschmutztes Grundwasser zu nutzen. Etliche Grundwasser-Reservoirs darf die Fracking-Industrie sogar mit dem Segen der Behörden verschmutzen. Die nationale US-Aufsichtsbehörde EPA hat die Schlamperei beziehungsweise das grosszügige Wegschauen der kalifornischen Behörden jetzt gerügt.
Am 7. Juli 2014 mussten Kaliforniens Behörden ein erstes Mal handeln: Sie haben die Notausschaltung von elf Eindüsungsstellen für Öl- und Gasabfälle und eine Überprüfung von weiteren hundert Stellen im Central Valley verfügt, das von einer Dürre geplagt wird. Die Behörden befürchten, dass Firmen flüssige Abfälle aus Fracking sowie andere giftige Abfälle zurück in den Boden pumpen, wo sie die Trinkwasserreserven kontaminieren könnten.
Die «Division of Oil and Gas and Geothermal Resources» des US-Bundesstaates Kalifornien erliess am 7. Juli Betriebseinstellungsverfügungen gegen sieben Energieproduzenten und warnte diese, dass ihre Abfälle ins Grundwasser gelangt sein könnten. Grundwasser ist eine wichtige Quelle von Trinkwasser. Die Abfallentsorgung der Konzerne sei «eine Gefahr für Leben, Gesundheit, Eigentum und natürliche Ressourcen». Über diese amtlichen Verfügungen hat zuerst die Zeitung «Bakersfield Californian» berichtet; die Behörden bestätigten jetzt gegenüber «ProPublica», dass ihre Untersuchungen noch auf weitere Bohrschächte ausgedehnt werden.
Diese Aktion erfolgt zu einem Zeitpunkt, da die kalifornische Landwirtschaft mit einer Dürre konfrontiert ist, welche die Wasser-Reservoirs geleert und den Staat allein in diesem Jahr bereits 2,2 Milliarden Dollar gekostet hat. Der Wassermangel zwingt die Bauern des Staates, ihre Wasserversorgung aus unterirdischen Wasserreserven zu ergänzen; dies zeigt eine Studie, welche die University of California in Davis vor kurzem veröffentlicht hat.
Die Nutzung der über hundert Grundwasserreservoirs in Kalifornien ist nur sehr eingeschränkt möglich, weil wahrscheinlich viele als Trinkwasser und oft sogar zum Bewässern in der Landwirtschaft ungeeignet sind. Entweder ist die Qualität des Wassers schlecht, oder das Reservoir liegt zu tief, um angezapft zu werden. Der Staat hat letztere deshalb von Umweltschutzvorschriften ausgenommen und der Öl- und Gasindustrie erlaubt, sie zu verschmutzen.
Flickenteppich aus geschützten und ungeschützten Resevoirs
Aber nicht alle Grundwasserreservoirs sind ausgenommen. Das Resultat ist ein Flickenteppich aus geschützten und ungeschützten unterirdischen Wasserressourcen. Gemäss den von Kalifornien erlassenen Einstellungsverfügungen zeigt sich nun, dass an mindestens sieben Bohrstellen vermutlich Abfälle in Grundwasserreservoirs gepumpt werden, die gesetzlich geschützt sind, und nicht in solche, die vom Staat als Trinkwasser-Reserve schon lange aufgegeben wurden.
«Die fraglichen Grundwasserreservoirs, für welche die Einstellungsverfügungen ausgesprochen wurden, haben keine Ausnahmebewilligung», erklärte Ed Wilson, Sprecher des «California Department of Conservation», gegenüber «ProPublica».
Protest gegen das Zurückpumpen von Fracking-Abfällen in Ohio
Eine landesweite Untersuchung von «ProPublica» im Jahr 2012 bei mehr als 700’000 Bohrstellen mit Eindüsung von Abwässern kam zum Schluss, dass diese Stellen oft schlecht reguliert waren und es zu vielen Pannen kam, bei denen vermutlich Grundwasser verseucht wurde, das aufgrund von Bundesgesetzen geschützt sein sollte. Die Untersuchung brachte auch eine wenig bekannte Regulierung der US-Umweltschutzbehörde EPA zutage, auf deren Grundlage mehr als tausend Grundwasserreservoirs der USA für die Trinkwasserversorgung von jeglichen Umweltschutzassnahmen ausgenommen sind, viele davon in Kalifornien.
Schlampige Regulierung
Dies sind die Grundwasserreservoirs um die es heute geht. Gemäss Dokumenten, die Kalifornien der amerikanischen Umweltschutzbehörde 1981 einreichte und die «ProPublica» vorliegen, sind die von Schutzmassnahmen ausgenommenen Grundwasserreservoirs schlecht definiert und nicht eindeutig abgegrenzt. Sie sind oft nur durch von Hand eingetragene Linien auf einer Karte gekennzeichnet, was es schwierig macht, heute sicherzustellen, welche Wassermassen als geschützt zu gelten haben und aufgrund welcher Gesetzesbestimmungen. Die Ausnahmebewilligungen und Dokumente sind von Gouverneur Jerry Brown unterzeichnet, der schon 1981 Gouverneur von Kalifornien war.
Behördevertreter sagten gegenüber «ProPublica», dass sie jetzt an den fraglichen Bohrschächten Wassertests und Kontrollen verlangen wollen. Bis jetzt, sagten sie, hätten sie noch bei keinem der besser regulierten Wasserreservoirs Verschmutzungen festgestellt.
«Wir haben keinen direkten Nachweis, dass Trinkwasser beeinträchtigt wurde», schreibt Steven Bohlen, der Überwacher der Öl- und Gasindustrie des Staates, in einem Bericht an «ProPublica». Bohlen sagt, sein Amt handle aufgrund «einer übervorsichtigen Haltung», und ein Sprecher meinte, der Staat sei durch das Überprüfen von Einrichtungen auf das Problem aufmerksam geworden. Seit vergangenem Jahr gilt in Kalifornien ein Frackinggesetz, das den Staat verpflichtet, die Auswirkungen von Fracking zu prüfen und Vorschriften zur Behebung von Risiken zu erlassen. Dazu gehört auch die unterirdischen «Entsorgung».
Tiefe Grundwasser-Reservoirs werden zunehmend gebraucht
Die staatliche Verwaltung von Kalifornien ist seit langem unter Beschuss wegen ihrer Bewilligungspraxis zur Eindüsung in Bohrlöcher. Es ist ein Abfallentsorgungsprogramm, das der Staat entgegen Bundesgesetzen betreibt. Er stützt sich dabei auf eine Art von Lizenz-«primacy» (Vorrang), die ihm die EPA erteilt hatte.
Laut Experten könnten die Grundwasserreservoirs, von denen die US-Bundesstaaten und die EPA einst annahmen, sie würden nie benötigt, bald wichtige Wasserquellen werden, wenn das Klima ändert und die Technologie die Kosten für das Pumpen von Wasser aus der Tiefe und dessen Aufbereitung zu Trinkwasser verringert. Tatsächlich wird in Gemeinden in Wyoming und Texas – zwei Staaten die ebenfalls unter anhaltender Dürre leiden – bereits Wasser aus Grundwasserreservoirs gepumpt, aufbereitet und als Trinkwasser in die Haushalte geliefert, die gemäss der kalifornischen Vorschriften für die Öl- und Gasindustrie als nicht nutzbar betrachtet worden waren.
EPA rügt Schlamperei der kalifornischen Behörden
Im Juni 2011 führte die EPA eine Überprüfung weiterer Aspekte der kalifornischen Eindüsungs-Vorschriften durch. Dabei stellte sie so gravierende Probleme bei der Durchsetzung, Prüfung und Überwachung fest, dass die EPA Kalifornien aufforderte, die Reglementierung zu verbessern. Zudem wies sie darauf hin, dass die Behörden des Staates abgesetzt werden könnten.
Unter anderem sind Kalifornien und die Bundesregierung nicht einig darüber, welche Art von Wasser überhaupt schützenswert ist. Die kalifornischen Gesetze schützen nur einen Bruchteil der Gewässer, die das Bundesgesetz über Trinkwassersicherheit verlangt.
Der Bericht der EPA, der von unabhängigen Beratern erstellt wurde, erwähnte auch, dass die kalifornischen Behörden es regelmässig unterliessen, die geologischen Verhältnisse rings um einen Bohrschacht mit Eindüsung zu untersuchen um sicherzustellen, dass die dort hineingepumpte Flüssigkeit nicht in den Untergrund sickern und Trinkwasserreservoirs kontaminieren kann. Der Bericht stellte fest, dass die staatlichen Inspektoren oft eine Eindüsung mit einem Druck zuliessen, der die Kapazität der Schächte übersteigt. Damit riskierten sie Risse im Gestein und die Verbreitung von verschmutzenden Substanzen. Mehrere Zwischenfälle in den letzten Jahren in Kalifornien betrafen eingedüste Abfälle, die aus verlassenen Bohrschächten ausliefen, oder Dampf, der aus dem Boden herausschoss und Bodeneinbrüche verursachte, wie in einem Fall von 2011, bei dem ein Ölarbeiter getötet wurde.
«Trinkwasserreserven nicht der Öl- und Gasindustrie opfern»
«Die Ausnahmebewilligungen und andere Nachlässigkeiten», sagt Damon Nagami, ein erfahrener Anwalt beim «Natural Resources Defense Council», «sind besonders beunruhigend in einem Staat, der seit einem Jahrhundert strenge Wasserbeschränkungen kennt und gegenwärtig unter einer erstickenden Trockenheit leidet. Unsere Wasserquellen müssen geschützt und als kostbare Ressourcen gepflegt werden. Sie dürfen nicht als Abfalldeponie der Öl- und Gasindustrie geopfert werden.»
Aber heute, drei Jahre nach dem Bericht der EPA, hat Kalifornien nach Angaben der kalifornischen Behörden seine Tiefeneindüsungs-Regulierung immer noch nicht revidiert. Die genaue Prüfung der Bohrlöcher in der Gegend von Bakersfield könnte ein Anfang sein.
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Dieser Beitrag erschien auf «ProPublica». Übersetzung aus dem Englischen von Barbara Stiner.
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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
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