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Abgeschirmt von Lärm und Hektik, umgeben von sanften Tälern, führt einen der Weg nach Saignelégier fast an die französische Grenze. Das Hauptstädtchen der jurassischen Franche-Montagnes ist nicht bloss für seine Pferdezucht und die Käseproduktion «Tête de Moine» bekannt hier haben sich schon immer Zulieferer der Uhrenindustrie angesiedelt. Und hier beginnt auch die Geschichte der Uhrenmarke Maurice Lacroix der Zürcher Desco von Schulthess AG.
Know-how-Aufbau
Die Familiengesellschaft (Hauptaktionärin ist heute die Zürcher Familie Bodmer) wurde 1889 als Handelsunternehmen für Rohseide und Bekleidungstextilien gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die weltweite Vermarktung von Schweizer Uhrenunternehmen der gehobenen Klasse dazugekommen, etwa Audemars Piguet, British Masters oder Parmigiani. Als 1961 in Saignelégier eine Uhrenmontagefabrik für die Fertigung von Private-Label-Uhren zum Verkauf stand, diversifizierte das Handelsunternehmen in die Uhrenproduktion und übernahm den Betrieb.
Die Montage von Label-Uhren in Saignelégier und die weltweit tätigen Marktbearbeitungsmassnahmen für Uhren der Topklasse brachten über Jahre die nötige Erfahrung für eine eigene Uhrenmarke. 1975 war es so weit: Die erste selbst entwickelte Uhrenkollektion wurde unter der Marke Maurice Lacroix in Österreich lanciert. In den folgenden Jahren entstanden Tochtergesellschaften in Deutschland, Grossbritannien und den USA; ein weiterer Ausbau wurde via Desco-Filialen in Australien, Hongkong, Japan, Malaysia, Singapur und Thailand sowie im Nahen und Mittleren Osten unternommen. Im Heimmarkt Schweiz sind die Maurice-Lacroix-Uhren seit 1983 im Fachhandel eingeführt.
1989 konnte in Saignelégier mit einer Gehäusefabrik ein weiterer Zulieferer übernommen werden. Seither zählt Maurice Lacroix zum kleinen Kreis der Uhrenmarken, die ihre Gehäuse nicht nur selbst entwerfen, sondern auch im eigenen Betrieb herstellen. Das kommt zwar nicht kostengünstiger, lässt jedoch den Designern mehr Spielraum offen und erhöht die eigene Unabhängigkeit und damit Flexibilität.
Qualitätsausbau
Nicht nur die Technik wird laufend auf den neusten Stand gebracht, ein eigenes Schulungs- und Informationszentrum trägt ein Weiteres zum steten Qualitätsausbau bei. Nur so ist es möglich geworden, in Saignelégier auch mechanische Zeitmesser mit reizvollen Komplikationen zu fertigen. Den Grundstein dafür legte die 1990 ins Leben gerufene «Masterpiece Collection» (siehe Kasten). Diese Meisterstücke entwickeln die Uhreningenieure in räumlich abgetrennten Masterpiece-Ateliers. Die Komplikationen selbst werden auf eingekaufte mechanische Basiswerke aufgebaut. Dazu braucht es erfahrene Uhrmacher mit ruhigen Händen, denn Werk und Komplikation müssen perfekt ausgeführt und aufeinander abgestimmt werden. Dies sowie das abschliessende Verzieren der Werke bedingt nach wie vor zeitaufwendige Handarbeit.
Nachdem Philippe Merk (48) vor fünf Jahren die Funktion eines CEO übernommen hat, wurde die Uhren-Division der Desco von Schulthess in eine juristisch eigenständige Einheit umgewandelt: In die Maurice Lacroix S.A. mit Sitz in Saignelégier. Dort sind die Produktentwicklung bis und mit Prototyp, die Produktion und Qualitätskontrolle sowie der Service après-vente zuhause. Von Zürich aus werden die Fäden der weltweiten Vermarktung gesponnen, längerfristige Produkt- und Finanzstrategien entwickelt und die gesamte Administration abgewickelt.
Insgesamt beschäftigt das 30-jährige Uhrenunternehmen heute 220 Mitarbeitende, wovon rund 150 in Saignelégier. Jährlich werden rund 150000 Uhren hergestellt: 20000 Masterpieces, 20000 weitere mechanische Zeitmesser der Linie Pontos und rund 110000 Quarzuhren in fünf Modelllinien. Sie finden durch 3700 Fachgeschäfte in über 60 Ländern eine anspruchsvolle Kundschaft in aller Welt.
Unter Merks Ägide entstand in Saignelégier ebenfalls der neue Erweiterungsbau des Assemblage-Betriebes. Ferner wurde ein eigenständiger Kommunikationsauftritt mit dem Approach «Passion for Details» entwickelt und realisiert sowie ein neues Erscheinungsbild am POS (Verkaufspunkt) umgesetzt.
Eigenes Manufakturwerk
Persönlichen Kontakten zuzuschreiben ist die Gewinnung des Tennistalents Roger Federer als Botschafter der aufstrebenden Marke für den Zeitraum von 2004 bis 2009. «Dank Federers erfolgreichen Auftritten auf der Tennis-Weltbühne konnten wir die Marke Maurice Lacroix international besser emotionalisieren und verankern», ist Merk überzeugt. Die USA und Asien zählen denn auch zu den stärksten Absatzmärkten; in Europa ist es Deutschland.
Auf der Messe «BaselWorld 2006» präsentiert Maurice Lacroix einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer Manufaktur. In der Uhrmacherei ist der Begriff Manufaktur (lat. manu facere = von Hand machen) jenen Betrieben vorbehalten, die den grössten Teil der Einzelteile ihrer Uhren, auch die Werke, selbst herstellen und zu fertigen Uhren montieren.
In einem langwierigen und kostenintensiven Prozess entwickelte Maurice Lacroix mit dem Chronographenwerk, Kaliber ML 106, das erste eigene Werk. Der Durchmesser von 36,6 mm erlaubte die Verwendung von grösseren Bauteilen, was der Zuverlässigkeit und Präzision zugute kommt und das Schauspiel hinter dem Saphirglasboden in voller Pracht entfaltet. Um den Blick auf das chronographische Zusammenspiel von Rädern und Hebeln nicht zu beeinträchtigen, wurde auf ei-nen automatischen Aufzug verzichtet.
Die Steuerung der Chronographen-Funktionen übernimmt ein klassisches Säulenrad, das durch einen eigens entwickelten Hebelmechanismus (Pat. ang.) für die sensible Phase des Stopp- und Nullstellvorgangs ergänzt worden ist. Anstelle der üblichen 30 oder 45 Minuten verfügt der Masterpiece Le Chronographe über eine 60-Minuten-Anzeige, was einen deutlich höheren uhrmacherischen Aufwand darstellt. Eingebettet ist das sorgfältig dekorierte mechanische Manufakturwerk in einem Roségold-Gehäuse 45 mm ¯, limitiert auf 250 Stück.
Masterpiece Collection: Meisterstücke für Sammler
Gehört zur Renaissance der mechanischen Uhren @_Kastentext:Mit der «Cinq Aiguilles», einer Fünf-Zeiger-Uhr, legte Maurice Lacroix 1990 den Grundstein für ihre exklusive «Masterpiece Collection». Seither ist die Kollektion Synonym für innovative und optisch wunderschöne mechanische Meisterstücke, die zur allgemeinen Renaissance der mechanischen Uhren beiträgt. Maurice Lacroix kann heute vor allem in den Bereichen Mondphasen und retrograde Indikationen eine hervorragende Kompetenz vorweisen.
Ein weiterer Meilenstein wurde 2003 mit der Masterpiece Double Rétrograde gelegt: Sämtliche Zusatzfunktionen sind vollständig in den eigenen Masterpiece-Ateliers in Saignelégier entwickelt worden. Dort ist seit Kurzem auch ein Museum für die limitierten Preziosen der exklusiven «Masterpiece Collection» eingerichtet. Diese limitierten Raritäten, in denen rare Werke wie etwa das 13-linige Handaufzugswerk Unitas 6376 oder das Chronographen-Kaliber Vénus 175 ticken, sind bei Sammlern auf der ganzen Welt beliebt.
Zum 30-jährigen Firmen- und 15-jährigen Masterpiece-Jubiläum lancierte Maurice Lacroix im Herbst 2005 zwei Masterpiece-Modelle, limitiert zu je 30 Stück: Ein kunstvolles Tourbillon Rétrograde (Bild links) in einer Platinuhr mit retrograder Datums- und Gangreserve-Anzeigen. Das zweite Jubiläumsmodell ist die Lune Rétrograde, je 30 Mal in Weiss- und Gelbgold und mit folgenden Indikationen: Mondphase, kombiniert mit Wochentag bei sechs Uhr, retrogrades Datum bei 10 Uhr und Gangreserve bei zwei Uhr.
Und die bisher wohl wertvollste Rarität aus dem Hause Maurice Lacroix, der auf 250 Stück limitierte Masterpiece Le Chronographe mit dem ersten eigenen Manufakturwerk Kaliber ML 106, wird erstmals auf der «BaselWorld» 2006 vorgestellt.