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Entscheidungen am Lebensende stellen grosse Anforderungen an die Patientinnen und Patienten selbst, aber auch an Angehörige und an das medizinische Betreuungsteam. Die SAMW setzt sich seit Jahrzehnten mit den Fragen zum Umgang mit Sterben und Tod auseinander.
Bereits 1976 hat die SAMW medizin-ethische Richtlinien zum Themenbereich «Lebensende» veröffentlicht. Diese werden regelmässig überarbeitet und setzen die Standards für das medizinische Handeln in diesem Bereich. 2006 wurden Richtlinien zum frühzeitigen und umfassenden Ansatz von Palliative Care veröffentlicht.
Die Behandlung, Betreuung und Begleitung von Patientinnen und Patienten, die mit dem eigenen Sterben konfrontiert sind, ist eine zentrale Aufgabe der Medizin, die hohen Respekt und grosse ethische Verantwortung verlangt. Im Mai 2015 hatte die Zentrale Ethikkommission der SAMW eine Subkommission beauftragt, die Richtlinien «Betreuung von Patientinnen und Patienten am Lebensende» aus dem Jahr 2004 zu überarbeiten. Die Subkommission führte Expertenhearings durch, berücksichtigte die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms Lebensende (NFP 67) und stützte sich bei der Revision u. a. auf die im Auftrag der SAMW durchgeführte Studie «Haltung der Ärzteschaft zur Suizidhilfe».
Die überarbeiteten Richtlinien wurden 2018 veröffentlicht. Neben der Betreuung von Sterbenden behandeln die Richtlinien neu auch Gespräche mit Patientinnen und Patienten, bei denen eine tödlich verlaufende Erkrankung diagnostiziert wurde sowie den Umgang mit Sterbewünschen. Explizit wird auch die Suizidhilfe bei Patientinnen und Patienten, deren Todeseintritt noch nicht absehbar ist, thematisiert.
Gemäss den SAMW-Richtlinien ist Suizidhilfe bei einem urteilsfähigen Patienten dann vertretbar, wenn dieser unerträglich unter den Symptomen einer Krankheit und/oder Funktionseinschränkungen leidet, andere Optionen erfolglos geblieben sind oder von ihm als unzumutbar abgelehnt werden. Der Wunsch des Patienten, in dieser unerträglichen Situation nicht mehr leben zu wollen, muss für die Ärztin/den Arzt aufgrund der Vorgeschichte und wiederholter Gespräche nachvollziehbar sein. Er muss wohlerwogen, dauerhaft und ohne äusseren Druck entstanden sein. Die Richtlinien betonen aber auch, dass Patienten keinen Anspruch auf Suizidhilfe haben, und es jedem Arzt freisteht, diese Handlung für sich in Betracht zu ziehen oder nicht.
Die Richtlinien vermitteln zwischen unterschiedlichen Sichtweisen und Wertvorstellungen und wirken darauf hin, dass die Selbstbestimmung aller Beteiligten – der Patientinnen, der Angehörigen und der medizinischen Fachpersonen – geachtet und geschützt wird.
Im Oktober 2018 hat die Ärztekammer der FMH entschieden, dass die Richtlinien «Umgang mit Sterben und Tod» der SAMW nicht in den Anhang der Standesordnung übernommen werden. Siehe dazu die Stellungnahme der SAMW vom 26. Oktober 2018.
Im Menü Publikationen können die Richtlinien kostenlos gedruckt bestellt werden (in deutsch und französisch).
Früher gültige SAMW-Richtlinien zum Umgang mit Fragen am Lebensende und Unterlagen zum Entstehungsprozess der aktuellen Richtlinien (2018) sind unter Hintergrund zugänglich.