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Welcher Segler ist eine Legende? Diese Frage wird ein jeder, ganz subjektiv, anders beantworten. „Wenn der eine oder andere jemanden in dieser Aufzählung vermisst, so liegt es daran, dass der Begriff der Legende auf dem Meer genauso wenig greifbar ist wie der Wetterbericht“, schreibt Rémy Fière im Vorwort seines Buches. „Ein jeder möge also bitte für sich die Namen derer hinzufügen, die ihm fehlen.“ Der Franzose konzentrierte sich in seinem 2010 in Frankreich erschienenen Buch verständlicherweise in erster Linie auf Franzosen – bevorzugt solche, die an der Vendée Globe teilgenommen haben. Seine 34 französischen Legenden ergänzte er um 25 weitere aus acht verschiedenen Ländern, etwa Dame Ellen MacArthur. Jene junge Frau, die „nicht müde wird, immer schneller die Erde zu umrunden. Dabei lernt sie gleichzeitig Französisch, was unumgänglich ist, wenn man sich auf den großen Regatten der Welt messen will“. Interessant ist, dass sich MacArthur, wie einige andere der Vorgestellten inzwischen aus dem Regattazirkus verabschiedet und dem Schutz der Meer verschrieben haben.
Weniger Porträts hätten die Qualität des Buches vermutlich erhöht. Diejenigen, die uns der Journalist und Fotograf Rémy Fière, der unter anderem für das führende französische Sportmagazin „L’Équipe“ übers Segeln berichtet, auf zwei Textseiten präsentiert, sind nämlich alle interessant und lesenswert. Die einseitigen Texte hingegen sind meist entbehrlich. Die wenigen Zeilen über Sir Robin Knox-Johnston beispielsweise beschäftigen sich im Wesentlichen mit dessen Bart. Auch sind die Texte an vielen Stellen sehr pathetisch. „Dennis Conner hat seine Zeit geprägt wie ein Tätowierer seinen Kunden: Das, was er gemacht hat, bleibt unauslöschlich im Großen Buch der Geschichte Amerikas.“ Liegt es an der Übersetzung, dass mancher Satz fast bis zur Unverständlichkeit verschachtelt und verworren ist? Mehrere Fehler im Text tragen auf jeden Fall ihren Teil zum unnötig erschwerten Lesefluss bei.
Da werten die neun von Tatjana Pokorny für die jetzt erschienene Übersetzung beigesteuerten Porträts deutscher Segler das Buch doch deutlich auf. Die durchweg zwei Textseiten füllenden Porträts sind interessant und kurzweilig geschrieben. Sie zeigen jedoch auch eindrucksvoll, dass die Leistungen der deutschen „Legenden“ im internationalen Vergleich tatsächlich weniger hell strahlen.
Die Porträts wurden in acht Kapitel unterteilt: „Die Vorreiter“ (gehört hier – bei aller Anerkennung seiner seglerischen Leistungen und seines Engagements – Arved Fuchs neben Tabarly, Slocum, Chichester, …?), „Die Autoritäten“ (beim America´s Cup), „Die Meilenfresser“, „Die Einhandsegler“, „Die Hartgesottenen“, „Die großartigen Verlierer“, „Die Ungezähmten“ (Boris Herrmann?) und „Die auf See Gebliebenen“. Bebildert ist das Buch mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen in sehr unterschiedlicher Qualität.
„Legenden des Segelns“ verschafft dem Leser einen lesenswerten, wenn auch nicht perfekten Überblick über 68 Segler und Seglerinnen, die Herausragendes geleistet haben. Natürlich können deren Geschichten jeweils nur kurz angerissen werden. Diesem Manko ist sich Rémy Fière bewusst und schreibt etwa, “… sein Leben, das man unmöglich kurz zusammenfassen kann“ über Bernard Moitessier. Glücklicherweise gibt es über den segelnden Philosophen wie auch über Sir Peter Blake, Eric Tabarly, Joshua Slocum, … umfangreiche, teils brillante Werke. Einfach erst mal nachlesen, wer für Sie eigentlich tatsächlich eine Legende ist.
Das Buch über Joshua Slocum: Nur Reisen ist Leben