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Schon um 1919 begann Max Ernst in der Technik der Collage zu arbeiten, welche ihm dazu verhalf, neue Bildwirklichkeiten zu entwerfen oder zu simulieren. Max Ernst fügte seine Collagen aus Illustrationen zusammen, die er verschiedenen Romanen, Lehrmittelkatalogen und Modebroschüren des 19. Jahrhunderts entnahm. Die Fragmente stammten aus Holzstichen, die er mit dem Skalpell ausschnitt, um ein perfektes Ergebnis mit exakten, glatten Schnittkanten zu erzielen.
Um 1929/30 schuf Max Ernst seine berühmtesten Collageromane La femme 100 têtes (Die hundertköpfige/kopflose Frau) und Rêve d'une petite fille qui voulut entrer au Carmel (Traum eines jungen Mädchens, das in den Karmeliterorden eintreten möchte), die zu den faszinierendsten und rätselhaftesten Werke des Surrealismus zählen.
Frottage
Um 1925 begann Max Ernst seine Serie der Histoire Naturelle (Naturgeschichte), in der er zum ersten Mal die Technik der „Frottage“ (frz.“frotter“ = „abreiben“) als halbautomatisches Verfahren anwendete. Dabei legte er Fundstücke aus der Natur etwa Blätter oder Holz, unter ein Blatt Papier und rieb sie mit Bleistift durch. Die so entstandenen Strukturen ergänzte der Künstler zu phantastischen Bildern. In seinen Frottagen erweckt er die unbelebten Gegenstände zu neuem Leben und gibt ihnen eine andere, teilweise ungewohnte Bedeutung.
Max Ernst entwickelte die Frottage während eines Aufenthalts in der Bretagne. In seiner Schrift „Jenseits der Malerei“ schildert er eine Art visionäre Heimsuchung, die ihn dazu brachte, den Holzfußboden und weitere Gegenstände in seinem Gasthauszimmer auf Papier durchzureiben.
Grattage
Die „Grattage“ ist eine künstlerische Technik, die Max Ernst als Übertragung der „Frottage“ auf die Malerei um 1927 entwickelte. Dabei brachte er zunächst auf einer Leinwand mehrere Farbschichten übereinander auf. Unter den so vorbereiteten Malgrund legte der Künstler Gegenstände wie z. B. Metallgitter, Holzbretter oder Schnüre, deren Relief sich durch die Leinwand hindurch abzeichnete. Um diese Strukturen auf das Bild zu übertragen, wurden die oberen Malschichten abgekratzt (frz. „gratter“ = „kratzen“). In einem weiteren Schritt überarbeitete der Künstler dann die sichtbar gewordenen Muster und deutete sie zu Wäldern, Muschelblumen, Vögeln oder versteinerten Städten um.
Die Dekalkomanie ist eine Abklatschtechnik auf Leinwand, bei der die noch feuchte Farbe auf einer Glasplatte oder einem Papier flachgedrückt wird, so dass beim Abheben feine Farbverläufe, Blasen und Marmorierungen entstehen. Anschliessend bearbeitet der Künstler die komplexe Oberflächenstruktur weiter.
Dieses künstlerische Verfahren war schon im 18. Jahrhundert entstanden und wurde auch von anderen Künstlern des Surrealismus aufgegriffen. Max Ernst übernahm die Technik gegen Ende der 1930er-Jahre, sie diente ihm bei der Darstellung von rätselhaften Landschaften bevölkert von unheimlichen Gesichtern, Gestalten und Tieren, die sich im Dickicht der Natur verbergen.
Um 1942 im amerikanischen Exil begann Max Ernst die Technik der Oszillation zu entwickeln. Dabei liess der Künstler die Farbe aus einer mit Löchern versehenen Dose tropfen, die er in pendelnden Schwüngen an einer langen Schnur über die Leinwand führte. Dieses weitgehend unkontrollierbare und ebenfalls halbautomatische Verfahren bringt netzartige Kompositionen aus Kreisen, Linien und Punkten auf die Bildfläche, die an Planetenbahnen erinnern.
In Gestalt der Oszillation kündigte sich also eine innovative Technik an, die zunächst die künstlerischen Verfahren des Surrealismus um eine weitere Facette erweiterte, aber welche auch Jackson Pollocks Drip-Painting vorwegnahm.