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22 Mrz 18
Drehscheibe Schweiz für risikobehaftetes Gold?
Ein heute zum Auftakt der diesjährigen Baselworld veröffentlichter Bericht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kommt zum Schluss, dass Schweizer Firmen risikobehaftetes Gold aus Peru und den Vereinigten Arabischen Emiraten importiert haben und solches sehr wahrscheinlich nach wie vor importieren. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich darunter Gold aus den Konfliktgebieten in Afrika oder aus zerstörerischen Aktivitäten im Amazonas und den Anden befindet.
Der Bericht zeigt anhand eines Beispiels, dass selbst in der Schweiz die Audits der Goldraffinerien nicht immer mit der notwendigen Genauigkeit durchgeführt werden.
Der Bericht wirft einigen Schweizer Goldraffinerien- und händlern ungenügende Sorgfaltsprüfung vor und fordert sowohl von der Schweizer Politik wie von der Branche mehr Transparenz im Goldhandel und rechtlich verbindliche Sorgfaltsprüfungen und Haftungsmechanismen, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative vorsieht.
Gold aus Peru
Bereits im Jahr 2015 hat die GfbV offengelegt, dass Gold aus informellem und illegalem Kleinbergbau in Peru in die Schweiz gelangt. So beschlagnahmte die peruanische Zollbehörde im Januar 2014 in Peru unter anderem 10,56 Kilogramm Gold, welche für die Schweizer Raffinerie Metalor bestimmt waren.
Die neusten Erkenntnisse im heute publizierten Bericht legen nahe, dass die Schweizer Raffinerie Metalor mit grosser Wahrscheinlichkeit nach wie vor Gold aus Peru bezieht, das in Zusammenhang mit illegalem Abbau und Handel, Steuerhinterziehung und Umweltzerstörung steht. Lieferantin dieses Goldes ist die Exportfirma Minerales del Sur, die in den Jahren 2012 bis 2017 mehr als 47 Tonnen des Edelmetalls an die Schweizer Raffinerie lieferte und Metalors Hauptlieferantin aus Peru ist.
Bereits um das Jahr 2000 hatten die Oberaufsicht für Zoll und Steuern (SUNAT) und die peruanische Staatsanwaltschaft gegen Minerales del Sur und dessen Haupteigentümer Francisco Quintano Méndez wegen Steuerhinterziehung und Handel mit illegalem Gold ermittelt.
Wie die GfbV nun aufdeckt, wechselte Francisco Quintano Méndez kurz nach den oben erwähnten Ermittlungen seine beiden Nachnamen von „Quispe Mamani“ zu „Quintano Méndez“. Die Recherchen ergaben zudem, dass Francisco Quintano Méndez vier Konzessionen in Huepetuhe besitzt, einem Hotspot des illegalen Goldabbaus in Madre de Dios. Drei dieser Konzessionen genügen den nationalen Umweltschutzanforderungen nicht, eine davon überschneidet sich mit der Pufferzone eines indigenen Schutzgebietes. Von der vierten Konzession deklarierte Francisco Quintano Méndez 2016 und 2017 beim Energie- und Bergbauministerium die Produktion von 94 Kilo Gold. Satellitenaufnahmen zeigen Rodungen, die darauf schliessen lassen, dass auch auf den anderen drei Konzessionen gearbeitet wurde.
Die Exportfirma ist offiziell nur berechtigt, Gold in Puno auf- und weiter zu verkaufen. Die Recherchen zeigen jedoch, dass Minerales del Sur neben Filialen in Puno auch eine in Madre de Dios besitzt und seit 2014 pro Jahr mehr Gold in die Schweiz exportierte, als in der Provinz Puno offiziell abgebaut wird. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass sich bei der Differenz Gold befindet, das Minerales del Sur in Madre de Dios aufkauft oder abbaut.
Gold aus den Vereinigten Arabischen Emiraten
Der Bericht legt seinen zweiten Fokus auf die zunehmenden Goldimporte aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in die Schweiz. Dieses Land baut selber kein Gold ab, vertreibt aber etwa 20 bis 25 Prozent des weltweit gehandelten Goldes.
Die Analyse der GfbV von Daten aus den Jahren 2012 bis 2017 hat ergeben, dass Dubai als Standort mehrerer entsprechender Firmen ein Umschlagplatz für geschmuggeltes Edelmetall und Gold aus Konfliktgebieten war und mit grösster Wahrscheinlichkeit immer noch ist, mit Goldimporten etwa aus den Produzentenländern Sudan, Demokratische Republik Kongo (DRK) und Liberia.
Der Bericht legt offen, dass die grösste Goldraffinerie in Dubai, Kaloti, im Jahr 2012 allein über 50 Tonnen aus dem Sudan importierte, also mehr als die offiziell 2012 im Sudan deklarierten 46 Tonnen. Kaloti führte den Goldhandel mit dem Sudan, wo der blutige Konflikt andauert, bis mindestens 2014 weiter. Gemäss UNO-Datenbank Comtrade importierten die VAE auch 2015 94 Prozent des aus dem Sudan exportierten Goldes, und Goldschmuggel aus dem Sudan besteht laut UNO auch im Jahr 2017. Aus Liberia, einem der ärmsten Länder Afrikas, bezog Kaloti beispielsweise 2012 hunderte von Kilo mehr, als offiziell in Liberia deklariert wurden. Liberia entgingen damit dringend nötige Einkünfte. Firmendaten aus den Jahren 2012-2014 belegen Goldimporte aus der kongolesischen Bürgerkriegsregion an Goldhändler in Dubai. Die Expertengruppe des UN-Sicherheitsrates geht davon aus, dass nach wie vor Konfliktgold aus der DRK nach Dubai gelangt.
Der Bericht beschreibt weiter, wie ein beachtlicher Teil der Transaktionen in bar abgewickelt wurde. Sowohl die OECD als auch die Financial Action Task Force warnen vor Barbezahlungen im Goldgeschäft, da dies oft zur Vertuschung der Herkunft des Goldes angewendet wird. Zudem hält die UNO fest, dass Importe am Zoll in Dubai nur oberflächlich geprüft werden.
Irritierende Erkenntnisse zu Audits durch Ernst & Young von PAMP, Kaloti und Al Etihad
Besorgniserregend sind auch die Audits der Schweizer Raffinerie PAMP und Kaloti sowie Al Etihad Gold in Dubai im Jahr 2013 durch den Wirtschaftsprüfer Ernst & Young. Im Falle von PAMP SA wurde die Prüfung fehlerhaft durchgeführt: Ein (eigentlich dafür nicht zuständiges)Team von Ernst & Young Schweiz stellte der Raffinerie ein Unbedenklichkeitszeugnis aus, während gleichzeitig ein Audit-Team in Dubai bei PAMP’s Zulieferern Kaloti und Al Etihad Gold Verstösse gegen internationale Standards zu Bezug von Konflikt- und Krisengold feststellte. Diese Resultate von September 2013 wurden nie veröffentlicht. Zwei Monate später wurden stattdessen auch Kaloti und Al Etihad Gold als „fully compliant“ erklärt.
Forderungen
- Die GfbV fordert von der Schweizer Regierung und Politik die Durchsetzung von erhöhter Transparenz im Goldhandel (Offenlegung von Lieferant und Empfängerfirma) sowie die Einführung einer gesetzlich verankerten Sorgfaltspflicht, sowie einem international anwendbaren Haftungsmechanismus, wie dies die Konzernverantwortungsinitiative fordert.
- Von den Goldraffinerien – und händlern fordert die GfbV die Einstellung der Geschäftsbeziehungen mit Goldproduzenten, wenn sie bei der Sorgfaltsprüfung als riskant erachtet wurden, oder die Ergreifung klarer Massnahmen, die zur Lösung der Probleme führen.
- Von der Schweizer Vereinigung Edelmetallfabrikanten und Händler erwartet die GfbV ein eindeutiges Bekenntnis zu den OECD-Leitsätzen und die zwingende Einhaltung der internationalen Standards zu Konflikt- und Risikogold.
Der Bericht wurde mit der Unterstützung von Greenpeace Schweiz recherchiert.