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In den Kantonen Zürich und Solothurn, aber auch im Kanton Bern kündigt sich ein Lehrerinnen- und Lehrermangel an. Überall fehlen ab nächstem Sommer Lehrkräfte. Einer der Gründe für den Mangel: Viele Lehrkräfte aus den Babyboomer-Jahren werden pensioniert, wie der Präsident des Schulleiterverbands, Thomas Minder, sagt.
Thomas Minder
Präsident des Schulleiterverbands
Thomas Minder ist seit 2019 Präsident des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz (VSLCH). Davor war er Präsident des Thurgauer Schulleiterverbands.
SRF News: Haben sich die Kantone und Schulen nicht genügend auf die vielen Pensionierungen von Lehrerinnen und Lehrern vorbereitet?
Thomas Minder: Ja, möglicherweise. Einerseits verlassen starke Jahrgänge die Schulen aufgrund von Pensionierungen, und andererseits kommen starke Jahrgänge bei Kindern nach, im Kindergarten und den ersten Klassen. Dazu kommt, dass sehr wenige neue Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet werden.
Mir ist nicht bekannt, dass Massnahmen ergriffen worden sind.
Sie kommen aus dem Kanton Thurgau, wo es vor allem an Lehrkräften für den Kindergarten und die Unterstufe fehlt. Welche Massnahmen hat dieser Kanton gegen den Mangel ergriffen?
Mir ist nicht bekannt, dass Massnahmen ergriffen worden sind. Der Mangel ist allerdings nicht nur auf den Thurgau beschränkt. Er zeigt sich in der ganzen Deutschschweiz im Bereich des Zyklus 1 sehr stark, das heisst, die Stufen vom Kindergarten bis zum Ende der zweiten Klasse.
Warum ist das so?
Bisher waren die Ostschweizer Kantone noch nicht so stark vom Lehrermangel betroffen. Dieser Mangel hat sich vor allem in den Kantonen Bern und Aargau zuerst manifestiert, weil da die Saläre tiefer sind als in den umliegenden Kantonen. Im Aargau wurden die Saläre erhöht; doch der Mangel an Lehrkräften setzt sich trotzdem fort.
Man muss sich überlegen, dass ein Mensch, der in der Mitte seiner Berufstätigkeit steht, nicht so einfach in eine Ausbildung wechselt, in der er über mehrere Jahre nichts verdient.
Demnach geht es nicht nur um mehr Lohn. Gibt es weitere Massnahmen, die schweizweit ergriffen wurden?
Ich denke, es wäre klug, wenn sich die Kantone und die Verantwortlichen überlegen würden, wie man mehr Leute in die Ausbildung zur Lehrperson bringen könnte, zum Beispiel mit Quereinsteiger-Programmen. Man muss sich aber überlegen, dass ein Mensch, der in der Mitte seiner Berufstätigkeit steht, nicht so einfach in eine Ausbildung wechselt, in der er über mehrere Jahre nichts verdient. Da müssten Überlegungen angestellt werden, wie Leute, die interessiert und vor allem auch geeignet sind, motiviert werden könnten, in den Lehrberuf zu wechseln.
An der pädagogischen Hochschule in Zürich haben sich rekordverdächtig viele für den nächsten Studiengang angemeldet. Klagen Sie nicht einfach auf hohem Niveau?
Es nützt nicht viel, wenn sich im Kanton Zürich an der pädagogischen Hochschule Zürich viele für den Beruf anmelden. Es kommt darauf an, ob alle ihr Studium fertig machen und ob das in allen anderen pädagogischen Hochschulen ebenfalls der Trend ist. Ausserdem ist es so: Wenn sehr viele Leute in Pension gehen und zusätzlich aufgrund starker Geburtenjahrgänge mehr Klassen gebildet werden müssen, nützt es nichts, wenn wir Lehrpersonen auf dem Niveau der Vorjahre ausbilden.
Das Gespräch führte Adam Fehr.