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Für Christa

Das erste und das letzte Gespräch
Zum ersten Mal gesehen haben wir uns vor über 23 Jahren in einem Hotel in Vorarlberg. Die Krebsforscherin aus Wien genoss einen Kurzurlaub und ich war bei der Frauenselbsthilfe nach Krebs für einen Vortrag angefragt worden. 4 Monate später begegneten wir uns wieder an einem Kongress in Wien. "In welcher Funktion sind Sie hier?" fragte sie mich. "Ich habe Brustkrebs und soll hier über unsere Selbsthilfeorganisation und über den Besuchsdienst bei Gleichbetroffenen, den wir in Basel gestartet haben, sprechen" antwortete ich. "Sind Sie ganz frisch erkrankt?" Fragte sie weiter. "Nein, es ist schon 2 Jahre her". "Wurden Metastasen festgestellt?" "Ähm, nein, also ich glaube nicht, ich hoffe nicht, nein…" antwortete ich leicht verwirrt über die merkwürdige Ausfragerei. "Ich frage Sie, weil Sie sagten, Sie hätten Brustkrebs" sagte Christa. "Ja, das habe ich…" "Nein", sagte sie, "Sie HATTEN Brustkrebs. Wenn keine Metastasen nachgewiesen werden konnten, haben Sie ihn doch nicht mehr, oder? Sie sollten sagen: ich habe Brustkrebs gehabt!" "..das weiss man ja nie" konterte ich. So folgte die erste von vielen Nächten, die wir im Laufe der Zeit nutzten, um über Krebs, Krebsforschung, Krebsheilung oder nicht, über ihre Arbeit und über meine Arbeit zu reden. Und ich genoss den allerersten ihrer Vorträge über "die Entstehung einer Krebszelle" und über die 9 Schritte die notwendig sind, dass sich eine Metastase entwickeln kann".
23 Jahre Freundschaft folgten. Wir haben viel Frohes und auch Trauriges geteilt, haben gefachsimpelt, Pläne geschmiedet, Konzepte ausgetauscht, Bulletinbeiträge mitten in der Nacht telefonisch kreiert und wieder umgeschrieben, waren traurig, als ihre Mutter auch an Brustkrebs erkrankte, haben uns gefreut über die gelungenen lwz-Tagungen, an denen sie seit 1991 nie fehlte (bis letztes Jahr), fuhren an den Gardasee und ins Engadin, immer bepackt mit Fachliteratur. Und dann, im Herbst 2002, sprach sie über länger bestehende diffuse Bauchschmerzen, liess sie abklären und bekam einen niederschmetternden Bescheid. "Ein dummes Ding in meinem Bauch, das mit Operation und Chemotherapie zum Verschwinden gebracht wird", umschrieb sie den Befund. Doch das dumme Ding im Bauch wollte nicht verschwinden, es wollte sich ausbreiten.
Unser letztes Gespräch, im Dezember 2003, drehte sich um Leben und Lebensqualität. Wir haben beschlossen, im nächsten Jahr nicht mehr so viel zu arbeiten, nicht alles so perfekt machen zu müssen, sondern mehr zu LEBEN. "Und Ende 2004 nehmen wir uns fürs folgende Jahr wieder das Gleiche vor", lachte sie. "Ja, wenn wir dann noch leben.." sagte ich. "Warum sollten wir dann nicht mehr leben" fragte sie. "Ich habe noch für mindestens 10 Jahre Material fürs Bulletin!" Ach liebe Christa, wir wussten es beide, wie es um Dich stand, aber Du wolltest es nicht aussprechen. Und ich hatte dies zu respektieren.
Eine Woche später dann ein letztes kurzes Telefongespräch. Sie war erschöpft aber glücklich, sie hatte im Labor mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein wunderschönes Vorweihnachtsfest gefeiert.
"Mach dir keine Sorgen, es wird schon wieder werden!" Mit diesen Worten hat Christa sich von mir verabschiedet. Eine Woche später starb sie, meine hochgeschätzte liebe Freundin Christa.
Susi
Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines,
dies eine Blatt, man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein
war ein Teil von unserem Leben,
drum wird dies eine Blatt allein
uns immer wieder fehlen.
Ein trauriger, sehr trauriger Tag. Er bahnte sich schon länger an, leise und unerbittlich, seitdem wir in Brunnen erfahren haben, warum unsere Christa nicht bei uns war - - Jetzt ist der Tag gekommen, nach welchem Christa nie mehr zu uns kommt…
Nie mehr? Nein, das kann nicht sein, sie ist doch da! Ich suche fieberhaft meine fein geordneten gelben Bulletins hervor, von 0 bis 54 und finde in Nummer 2, Dezember 1990, den allerersten Beitrag von Dr. Christa Cerni. Ich beginne zu lesen, lese fast die halbe Nacht und dann weiter, da es in jedem Heftli einen Christa-Artikel gibt… Nicht nur über die Krebszellen und Co. in verständlichem Deutsch, auch über Schokolade und Müesli - da kommen mir die Tränen vor Lachen (und vor Leid) - - Und ich denke zurück an die Zeit, wo ihre Artikel - unmittelbar nach meiner Operation - der leuchtende Rettungsring waren. Ich schrieb ihr damals, im Herbst 1992 (es lag beim Bulletin): Liebe Frau Dr. Cerni, Ihre Art zu schreiben ist nicht nur sonnenklar und erfrischend, was bei so schwierigem Thema gar nicht einfach ist, aber auch höchst qualifiziert durch Ihre Arbeit und Wissen und darüber hinaus noch witzig! Genau das wirkt wie ein Balsam auf meine verzweifelten Fragen. Gestützt auf Ihre Artikel, habe ich viel Hoffnung… Ich vertraue den wunderbaren Kräften des Körpers, die Sie so glänzend beschrieben haben. Allen betroffenen Frauen empfehle ich Ihre Artikel. Sie sind ein sonniger Mensch, der andere erfreut!"
Prompt kam die Antwort: "über Ihren lieben Brief habe ich mich besonders gefreut. … durch die Versicherung, dass mir keine allzu grossen Fehler bisher passiert sind… um mich gegen tückische Fehler abzusichern muss ab und zu einer meiner Elternteile "herhalten" und meine Artikel auf bezug Klarheit überprüfen".
Der Anstand und die Bescheidenheit! Sie war ein grosser Mensch und wird es für immer bleiben, unsere Christa.
Sie bleibt für immer bei uns nur schon durch ihre unschätzbar wertvollen Artikel.
Unlängst, im Herbst letzten Jahres, haben einige unserer Frauen gefragt, ob Prof. Cernis Artikel nicht zusammengetragen werden und in Bulletin-Spezialausgabe erscheinen könnte. Jetzt wäre dies doppelt aktuell. Ich glaube, wir würden dies mit dankbarem Herzen begrüssen.
So, wie ihre letzten Worte im Bulletin Dezember 2003:
"Hoffen wir gemeinsam auf ein unbeschwertes Neues Jahr. Geschenke sind überflüssig. Es reicht dass wir leben."
Christa, Dein Wunsch berührt uns zutiefst. Du bist eine edle Frau. Wir lieben Dich.
Ein trauriger, sehr trauriger 26. Dezember 2003
Vera
Zum Abschied von Christa Cerni
Vor ca. 10 Jahren bin ich Christa Cerni an der Tagung in Thun zum ersten Mal begegnet. Sie war immer dabei an den Tagungen und faszinierte mich mit ihren interessanten Referaten. Sie war eine freundlich distanzierte Professorin die mit den Frauen respektvoll umging. Wenn wir uns begegneten, unterhielten wir uns kurz und schwupps, war sie schon wieder weg.
Wieder war ich in Brunnen an der Tagung und es war Kaffeepause. Der Zufall wollte es, dass Christa neben mir stand und ich fragte sie:" Wie geht es dir und wie geht es deiner Mutti." Dann sprudelte es nur so aus ihr. "Der blöde Brustkrebs, musste das meine Mutti nun auch treffen." Sie erzählte, wie sehr sie diese Diagnose auch betroffen gemacht hat. Sie hat gebangt und sich gesorgt um ihre Mutti. Das Warten auf die Befunde war für sie genau so belastend, es war, als wäre sie selbst betroffen. Sie hat nicht nur gefühlt, wie schmerzlich es ist, eine Brust zu verlieren, sie hat auch mitgelitten. Es war eine schwere Zeit für sie und wie sie mir das alles erzählte und ich dastand und ihr zuhörte, sagte sie:" Jetzt, wo wir darüber reden, kommen wieder die Gefühle hoch und es ist, als wäre es gestern passiert." Sie hatte Tränen in den Augen.
Sie als Wissenschaftlerin und Forscherin, war in dem Moment, als ihre Mutter die Diagnose Brustkrebs hatte, einfach traurig.
Die Pause ist vorbei. Sie richtet sich auf, wischt sich mit den Fingern vorsichtig über die Augen. "Komm, es ist Zeit zu gehen um wieder interessanten Referaten zuzuhören," und unsere Wege trennen sich. Es war das letzte Mal, dass ich mit Christa zusammen war. Wer weiss, vielleicht sitzt sie mit Barbara auf dem Regenbogen, lässt ihre Beine baumeln und sie plaudern und kichern zusammen.
Lou
Au revoir Christa
Une femme de taille moyenne, qui inspire le respect, distinguée, soignée et même dans sa simplicité très moderne, un tantinet gourmande, voici le portrait de Mme Prof.Dr.med. Christa Cerni de Vienne.
Lorsque l'on assiste à une de ces conférences, c'est l' apothéose ! Avec des mots simples, compréhensibles de tous, elle base ses exposés sur les molécules, les gênes, la recherche, les traitements et les thérapies et ses mots si difficiles à exprimer, sortant de sa bouche ont l'air tout à fait limpides.
A Noël, après quelques mois de souffrances, Christa qui a tant oeuvré contre le cancer, s' en va, laissant dans la peine et la tristesse, ses parents, ses collaborateurs, ses étudiants et toutes ses amies de Leben wie zuvor. Merci Christa, merci pour tout ce que tu nous as enseigné, pour ton immense gentillesse et personnellement pour ta précieuse amitié.
Au revoir Christa, je ne t'oublierai jamais.
Celle qui a eu l'honneur d' être une amie
Monique Frochaux
ADIEU Christa,
All die Jahre in welchen in die Bulletins gelesen habe, durfte ich die interessanten Berichte über Krebs, Forschung, Therapien etc. erfahren von Dir, Christa Cerni. Ich habe sehr viel gelernt. Die Berichte waren wissenschaftlich perfekt, doch für und Laien gut verständlich.
Durch die lustigen unterhaltsamen Erzählungen lernte ich Dich immer besser kennen. Stets war "Schokolade", die Du so heiss geliebt hast, ein Thema. Oder die Geschichte mit den Wunderstrumpfhosen, die Susi Dir geschenkt hat. Ja, und dann war noch die "Mozartkugel im Pelz". Alles so lustig, einfach genial.
Ich durfte Dich auch persönlich kennen lernen an einer Tagung in Valbella, ein andermal in Brunnen. Gut bist Du mir in Erinnerung, wo Du uns auf einer Schifffahrt begleitet hast. So sah ich endlich wie die brillante Literatin aussieht. Eine quirlige, temperamentvolle, liebenswürdige, strahlende, zierliche und hübsche Persönlichkeit. Auch Deine spezielle Kleidung und die Frisur passten perfekt zu Dir. Dein Wiener-Dialekt, der ja beim Lesen Deiner Berichte nicht hörbar war, vollendete Dein Erscheinungsbild.
Unermesslich sind all die Berichte die Du mit einem enormen Engagement in jedes Bulletin gebracht hast. Ein riesengrosses Dankeschön möchte ich aussprechen für die Hinterlassenschaft, die ein wertvolles Geschenk für uns alle darstellt.
In Gedanken und im Herzen bleibst Du weiterhin bei uns.
In dankbarer Liebe, ADIEU Christa.
Helene
Das schönste Denkmal,
das ein Mensch bekommen kann,
steht im Herzen der Mitmenschen
Ein neuer Stern
Am Morgen, wenn die Nacht beginnt -
und die Dunkelheit nicht weicht -
Am Morgen, wenn die Nacht beginnt -
und der Schmerz uns fast erdrückt -
Am Morgen, wenn die Nacht beginnt -
bist du, still und ohne uns gegangen.
Die Helle des Weihnachtslichtes hast du benutzt
und so deinen Weg in Ruhe und Frieden gefunden.
Der Schein dieses Lichtes -
wird niemals erlöschen.
Der Schein dieses Lichtes -
zeigt uns den richtigen Weg.
Der Schein dieses Lichtes -
gibt uns die Kraft, den Glauben und
die Erkenntnis, dass es dir gut geht.
Und wenn die Nacht und die Dunkelheit
wieder kommt, erinnern wir uns daran,
dass der Himmel nun um einen Stern reicher ist.
Wir danken dir
Papillon