Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03314.jsonl.gz/411

Hüpfend und flatternd tappst das Möwenmännchen auf dem Rücken des Weibchens umher: Was für uns unterhaltsam aussieht, ist für die Möwen lebensnotwendig. Es handelt sich nämlich um deren Paarungsakt.
Das gutturale „graou“ der Möwen kann man auch hierzulande vielerorts vernehmen: seit den Sechzigerjahren brütet mit der Mittelmeermöwe eine Vertreterin dieser Vogelfamilie in der Schweiz. Und wem sich die Gelegenheit bietet, die Paarung zweier Exemplare beobachten zu können, dem offenbart sich ein wahrer Balanceakt. Das dargebotene Schauspiel erweckt den Anschein, dass das Männchen dem Weibchen eine ausgedehnte Rückenmassage erteilt. Aber sehen Sie selbst:
Kloake: Körperöffnung für Verdauungs- und Fortpflanzungsorgane
Wie die meisten Vogelarten besitzen auch die männlichen Vertreter von Möwen keinen Phallus (Penis). Stattdessen geben sie ihre Spermien über die Kloake ab, mit der somit gleichzeitig Urin, Kot und Spermien ausgeschieden werden. Aufgrund dieser Tatsache erschwert sich der Paarungsakt natürlich: Zwar schwillt die Kloake während der Brutzeit an, dennoch verlangt die Paarung etwas mehr Feingefühl und Balance ab.
Wie National Geographic berichtet, platziert sich das Männchen auf dem Rücken des Weibchens, um seine Paarungsbereitschaft zu signalisieren. Sobald er einen sicheren Stand erlangt hat, kann er seine Spermien in die Kloake des Weibchens übergeben. Kommt es zur erfolgreichen Befruchtung und Entwicklung eines Eis, wird dieses ebenfalls über die Kloake gelegt.
Und um auf Nummer sicher zu gehen, vollzieht ein Möwenpaar – das in der Regel während mindestens einer Brutsaison monogam lebt – den Paarungsakt mehrfach.