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Ölpalmen und Palmöl
Jedes sechste verkaufte Produkt im Schweizer Detailhandel enthält Palmöl. Weltweit belegt Palmöl den ersten Platz aller konsumierten pflanzlichen Öle. Unser Verbrauch hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt.
Woher kommt diese enorme Zunahme? Für die Nahrungsmittelindustrie bietet Palmöl zahlreiche qualitative Vorteile. Es ist lang haltbar, geruchslos und für zahlreiche Verbrauchsarten leicht bei Zimmertemperatur verwendbar. Vor allem aber ist es sehr billig: Das Land, das im Süden für seinen Anbau verwendet wird, ist nicht teuer und die Löhne der Landarbeiter sind sehr tief.
Die Folgen sind dramatisch: Immer mehr für den Anbau geeignete Flächen werden zu Palmölplantagen. Dies betrifft vor allem die Regenwälder der Tropen und ihre Ökosysteme, die zu den reichhaltigsten der Erde zählen. Die einst riesigen Wälder Indonesiens und Malaysias schrumpfen dramatisch. Der Plantagenboom erfasst zunehmend auch Afrika und den tropischen Teil Südamerikas.
Die Auswirkungen auf die Umwelt sind enorm, besonders auf das Klima wegen der massiven CO2-Emissionen als Folge der Abholzung. Die Bilanz für die Menschen sieht nicht besser aus: Enteignung der lokalen Gemeinschaften, Verletzung der Menschenrechte und Kinderarbeit.
Eine Zertifizierung wie diejenige des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist keine Lösung. Das Zertifikat wird an Unternehmen und Plantagen vergeben, die ein angeblich nachhaltig gewonnenes Palmöl produzieren. Dies führt zu keiner echten Verbesserung. Die Wälder verschwinden weiterhin und die Plantagen dehnen sich weiter aus.
Ein Projekt von Friends of the Earth International in drei Kontinenten
Seit 2016 unterstützt und beteiligt sich Pro Natura in Zusammenarbeit mit HEKS-Brot für alle an einem Projekt von Friends of the Earth International, um den Widerstand gegen Monokulturplantagen zu stärken und die Entwicklung von Agrarökologie zu fördern. Mit dem ursprünglichen Fokus auf Palmöl wurde das Projekt nun auf andere Situationen ausgeweitet, die für die Natur und die lokale Bevölkerung ebenso problematisch sind .
Mehrere Friends of the Earth Mitgliederorganisationen sind an dem Projekt beteiligt: in Malaysia (Sarawak), Honduras und in verschiedenen afrikanischen Ländern (Togo, Ghana, Nigeria). Das Projekt arbeitet auf mehreren Ebenen:
- Auf lokaler Ebene unterstützt es die lokale Bevölkerung dabei, agrarökologische Praktiken anzuwenden und sich zu organisieren, um ihre Rechte zu verteidigen.
- Auf der Ebene der betroffenen Länder oder in regionaler Zusammenarbeit entwickeln die Partnerorganisationen ihre Kommunikation weiter. Sie konfrontieren die Verantwortlichen multinationaler Unternehmen und versuchen, die nationale Politik so zu beeinflussen, dass die gemeinschaftliche Waldbewirtschaftung gefördert wird.
- Auf internationaler Ebene sammelt Friends of the Earth International die verschiedenen lokalen Erfahrungen und tauscht sie im gesamten Netzwerk aus. Das Projekt ermöglicht es auch, auf der Ebene der globalen Politik zu agieren, insbesondere im Rahmen der Biodiversitätskonvention (CBD). Es ist essenziell, dass das neue Rahmenwerk, das 2022 verabschiedet werden soll, die Probleme im Zusammenhang mit den verheerenden Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft vollständig einbezieht und die Rechte lokaler Gemeinschaften und indigener Völker stärkt, die eine wirksame Erhaltung der biologischen Vielfalt gewährleisten.
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