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Wann brauchen Eltern professionelle Hilfe?
Was meinen Sie mit anderen Themen? Können Sie da ein Beispiel machen?
Überforderung in der Schule oder Ängste. Die heutige Elterngeneration ist oft gut informiert, auch über solche Themen wie Krisen in der Adoleszenz. Wenn dem nicht so ist, ist der erste Schritt sich zu informieren. Dann können Eltern auch sachlich argumentieren. Wenn der Sohn sagt «aber alle kiffen», können sie sich auf eine der zahlreichen Studien beziehen und anmerken: «Aber schau mal, 70 Prozent der 15-Jährigen haben noch nie gekifft.»
Warum fällt es vielen Eltern schwer, Hilfe anzunehmen? Was raten Sie als Experte, wann sollten Eltern professionelle Unterstützung suchen?
Eine Abhängigkeit zu therapieren ist schwierig. Eltern sollten so früh wie möglich intervenieren und nicht zulassen, dass sich Suchtverhalten entwickelt. Vor dem Entscheid einen Profi aufzusuchen können Eltern mit Lehrern oder Sporttrainern sprechen, aber nicht Cannabis Konsum zentriert, sondern mit Fragen wie: «Wie nehmen sie unser Kind wahr? Haben sie eine Veränderung an unserem Kind bemerkt?» Eine Entscheidung, die Eltern treffen müssen, ist, ob es professionelle Hilfe braucht. Eltern können Kinder nicht therapieren.
Ganz konkret: Was sind Anzeichen dafür, dass ein Kind regelmässig Cannabis konsumiert?
Problematischer Cannabiskonsum kann sich auf verschiedenen Ebenen zeigen: der Verhaltensebene, der Beziehungsebene, der Gefühlsebene und der körperlichen Ebene. Körperlich kann sich Problemkonsum so zeigen: Jemand hustet chronisch, leidet an Müdigkeit, hat gerötete Augen oder Heisshungerattacken. Auf der Verhaltensebene kann das zum Beispiel Gleichgültigkeit, Unzuverlässigkeit oder die Vernachlässigung der Körperpflege bedeuten. Auf der Beziehungsebene kann sich das so äussern, dass sich das Kind nur noch mit Freunden trifft, die auch dieselbe Substanz konsumieren. Auf der Gefühlsebene kann es ein emotionaler Rückzug sein, das was Eltern als «Abblocken» empfinden. Häufen sich solche Zeichen, sollten sich Eltern professionelle Hilfe holen. Aber Achtung – alle in Zusammenhang mit Cannabiskonsum auftretenden Symptome können auch andere Ursachen haben.
Szenario 2: Der Vater bemerkt, dass seine Tochter immer ruhiger und lustloser wird und sich oft zurückzieht. Er hat den Verdacht, dass sie kifft. Wie soll er auf sie zugehen?
Er sollte den Dialog suchen, Fragen stellen, sich selbst informieren. Er sollte nicht zu schnelle Schlussfolgerungen ziehen. Das sage ich jetzt auch als Vater: Es ist nicht immer möglich, mit den eigenen Kindern alles auszudiskutieren. Auch wenn ich mir gewünscht habe, so offen wie möglich mit meinen Kindern über Drogen und Sexualität zu sprechen - man muss als Vater und Mutter respektieren, dass man nicht zu jedem Thema ein Gesprächspartner sein kann.
Was können Eltern in so einer Situation tun?
Dann müssen Eltern jemanden in der Familie oder im Bekanntenkreis suchen. Idealerweise ist es jemand aus dem Freundeskreis des Kindes. Eine Ansprechperson die beim Kind nicht auf Widerstand stösst. Vielleicht die Gotte oder der Götti?