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Die gegenwärtige Ringvorlesung an der Universität Basel stellt Basler Persönlichkeiten vor, die sich für längere Zeit im Orient aufgehalten und dort gelebt haben – wobei der Sammelbegriff ʽOrientʼ hier vor allem Ägypten, den Nahen Osten, die Türkei und Iran bezeichnet. Die Gründe für Reisen dorthin waren mannigfach: Faszination, mitunter Abenteuerlust, der Wunsch nach Auseinandersetzung mit einer als „anders“ erfahrenen Welt, geschäftliche Interessen (für Basel typisch etwa die Seidenbandproduktion) und wissenschaftliche Erforschung der lokalen Sprachen und Kulturen.
Unter den aus Basel stammenden Orientwissenschaftlern kommt Albert Socin besondere Bedeutung zu. Mehr als zwei Jahre lang betrieb er Feldforschung im Nahen Osten.
Albert Socin, geboren am 13. Oktober 1844 in Basel, durchlief die Schulen in seiner Heimatstadt, begann 1862 zu studieren, wechselte aber 1864 nach Göttingen, weil damals in Basel ausser Hebräisch keine im Nahen oder Mittleren Osten beheimatete Sprache gelehrt wurde. Nach weiteren Stationen in Leipzig – der dort lehrende Heinrich Fleischer war der angesehenste Arabist der damaligen Zeit – und Halle promovierte Socin 1867 mit einer Dissertation über den Diwan des altarabischen Dichters ʿAlqama. Von 1868 bis 1870 unternahm Socin – zunächst mit seinem Studienkollegen Eugen Prym, ab Ende Dezember 1869 allein – eine erste Studienreise in den Vorderen Orient. 1871 begann er als Privatdozent in Basel zu lehren. 1873 reiste er im Auftrag der Firma Karl Baedeker ein zweites Mal nach Syrien und Palästina. Im selben Jahr wurde er in Basel zum ausserordentlichen Professor ernannt, Ende 1875 aber nach Tübingen wegberufen. Die Krönung seiner akademischen Karriere bildete 1890 die Berufung auf den Lehrstuhl seines zwei Jahre zuvor verstorbenen Lehrers Fleischer. In Leipzig lebte und lehrte Socin bis zu seinem Tod am 24. Juni 1899.
Socins wissenschaftliche Interessen, die er während seiner Orientaufenthalte verfolgte, umfassten drei Schwerpunkte: 1. die Sammlung von sprachlichem Quellenmaterial, vor allem zu arabischen Dialekten, zeitgenössischer Beduinendichtung, Neuaramäisch und Kurdisch. Die Ergebnisse dieser Sammeltätigkeit schlugen sich in mehreren wegweisenden Publikationen nieder. 2. die exaktere kartographische Erfassung der bereisten Gebiete. Dies betraf vor allem die Geographie des Ṭūr ʿAbdīn (in Nordmesopotamien, am Oberlauf des Tigris, heute Südosten der Türkei), für die Socin dem deutschen Kartographen Heinrich Kiepert (1818-1899) wertvolle Daten lieferte. 3. die Dokumentierung der lokalen materiellen Kultur. Eng damit verbunden war Socins Interesse am damaligen Alltagsleben im Vorderen Orient. Nicht von ungefähr ist er der Verfasser des Baedeker-Reiseführers Palaestina und Syrien, der 1875 erschien und mehrmals wieder aufgelegt wurde.
Auf seinen Reisen nahm Socin grosse Strapazen auf sich. Er war mit wenig Gepäck unterwegs, in Begleitung nur von Beduinen, und übernachtete trotz empfindlicher Kälte unter freiem Himmel. Dies dürfte für westliche Reisende damals eher die Ausnahme gewesen sein. So schreibt Socin in einem Brief an seinen Vater am 15. April 1869:
„Einigemal begegneten uns hier [am Hermon] schon von Jerusalem kommende Carawanen von Fremden, meist Engländern und Americanern, die mit einer ungeheuren Escorte von Maulthiertreibern und Dragomanen und einem colossalen Tross schwer beladener Thiere reisten und gewöhnlich Abends unter Zelten schliefen. Die Leute zahlen daher colossale Summen für ihre Reisen und werden obendrein noch von ihren Dragomanen fabelhaft betrogen; zudem nehmen sie immer entsetzliche Massen Gepäck mit“ (Ein Ritt durch Palästina im Jahre 1869. SA aus der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins. Leipzig 1937, 9-10).
Wie solche westlichen Reisegruppen damals in etwa ausgesehen haben könnten, dokumentiert eine zeitgenössische Aufnahme im Besitz der Universitätsbibliothek Basel, die von Félix Bonfils (1831-1885) angefertigt wurde (NL 287 : U:II:1).
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