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In Perth erholen wir uns erst einmal von den Strapazen, die wir in den letzten Wochen durchlebt haben. Mit Strapazen meine ich, abertausende von Fliegen und fast unerträgliche Hitze und Staub im Zentrum Australiens. Der Lohn für unsere Strapazen könnt ihr in unserem letzten Reisebericht nachlesen, wer dies nicht schon getan hat.
Im Haus meiner Cousine, in City Beach, machen wir es uns gemütlich. Wir verbringen vier Wochen mit nichts tun, nebst einigen formellen Dingen, die wir erledigen müssen. Kevin bekommt seinen 8 Monats Check up und die nötigen Impfungen. Nicky backt Butterzöpfe und ich kümmere mich inzwischen um Gandalf.
Juhuu, endlich back on the road! Dieses Mal gehts Richtung Norden. Auf dem Weg nach Geraldton besuchen wir die legendären Pinnacles im Nambung National Park, welcher sich 245 Kilometer nördlich von Perth entlang der Swan Coastal Plain erstreckt.
Die Entstehung der Pinnacles
Die charakteristischen Kalksteinsäulen entstanden durch Pflanzenwuchs vor etwa 500.000 bis 50.000 Jahren auf der aus Quarzsand bestehenden Wanderdüne. Deren Wurzeln drangen tief in die ältere, sich zeitgleich verfestigende Tamala-Kalksteinschicht vor. Dabei durchbrachen sie an brüchigen Stellen zunächst eine extrem harte Kalksteinkruste, die durch nach unten sickernde Säuren entstanden war. Unter dieser Kruste verfestigte sich der Kalkstein besonders kompakt zwischen den eingedrungenen Pflanzenwurzeln, da diese Bereiche viel Wasser aufsogen.
Die quarzsandhaltige Wanderdüne zog jährlich ca. 2,5 m weiter, die frei liegende Kalksteinschicht war der Erosion ausgesetzt, die innerhalb der letzten 20.000 Jahre abgestorbene Vegetation hinterließ Lücken, in die Quarzsand eindrang, der dann wiederum abgetragen wurde. Nur die extrem harten Bereiche der durch viel Wasser zementierten Kalksteinschicht waren von der Erosion nicht betroffen. Diese sehen wir heute als Pinnacles. Gelegentlich zeugen Kappen auf den Säulen noch von der Kruste.
Wo die unterirdische Vegetation vollständig vom harten, erosionsunfähigen Kalkstein umschlossen wurde, entstanden versteinerte Pflanzenwurzeln.
Wir durchqueren die 4 km lange Sandpiste, die das Gebiet erschliesst und ermöglicht uns einen spektakulären Überblick über die unterschiedlich gestalteten kleineren und größeren Formationen.
Nach zwei Tagen "back on the road" heisst es bereits in Geraldton wieder Fuss vom Gas zu nehmen. Wir sind zu Gast bei meinem Cousin, der auch Namensvetter ist von unserem Sohn Kevin. Kevin, seine Frau Theresa und ihre Söhne Kay und Rhys sind passionierte Windsurfer, Wellenreiter und Kitesurfer. Geraldton bietet natürlich auch die dafür erforderlichen perfekten Wellen- und Wind-Bedingungen. Kevin bringt uns jeweils an die richtigen Spots in Geraldton, wo wir uns mit seinem Equipment austoben dürfen.
Nach einigen Stunden auf dem SUP (Stand Up Paddle Board) und den ersten Erfolgen auf den Wellen sind wir bereits so süchtig, dass wir uns überlegen ein eigenes Board zu kaufen. Weitere Stunden auf dem SUP und einige Tage später sind wir stolze Besitzer unseres eigenen SUP's. Tja und jetzt heisst es für mich wieder mal zu schrauben, denn das grosse Board muss ja auf dem Dach fixiert werden. Mit ein paar Winkel, Holzlatten und Schrauben wird gewerkelt bis das Brett seinen neuen Platz auf Gandalfs Dach einnimmt. Es sitzt, passt und hat Platz.
In der lokalen 4x4 Garage in Geraldton treffen wir auf ein Zürcher Pärchen. Julia und Christoph bleiben gezwungenermassen wenige Tage in Geraldton um ihren Nissan Patrol zu reparieren. Mit ihrem in Perth gekauften 4x4 fahren sie ebenfalls die Westküste hoch bis nach Darwin. Sie sind unserem Zeitplan mindestens eine Woche voraus und so müssen wir vorerst auf gemeinsame Reisetätigkeiten verzichten.
Dem Gandalf werden neue Radlager verpasst. Die in Indien eingebauten Lager sind nämlich bereits wieder kaputt, da diese - wie ich befürchtete, viel zu fest (brachial) angezogen wurden. Zwei neue Batterien und neue Zahnriemen müssen auch noch her um Gandalf wieder flott zu kriegen.
Das Städtchen Geraldton will uns fast nicht mehr loslassen. Jetzt aber endlich gehts los nach rund fünf Wochen Sesshaftigkeit. Alle Vorräte auffüllen und los gehts. Die erste Anlauftstelle ist Corronation Beach nur gerade 25 Kilometer nördlich von Geraldton, wo es sagenhafte SUP und Surf Wellen gibt...judihudi
Weitere 400 Kilometer weiter auf guter Asphaltstrasse erreichen wir Monkey Mia. Der Strand von Monkey Mia an der nordöstlichen großen Halbinsel der Shark Bay in Westaustralien, welche größtenteils zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, ist berühmt für die wildlebenden Delfine, die am Vormittag mehrfach an den Strand kommen, um sich aus der Hand füttern zu lassen. Der perfekt schöne Strand lädt auch zum SUPen ein, wo dann auch die Delfine und Schildkröten direkt neben uns auftauchen. Ein tolles Erlebnis, dass man nicht missen möchte. Die geführten und etwas überteuerten Boots Touren können wir uns somit ersparen. Zwei super schöne Strand-Tage vergehen wie im Fluge und weiter geht unsere Reise entlang der Küste bis zum Red Bluff. Für diesen Strand nehmen wir 150 Kilometer Umweg auf Gravel Road in Kauf, um die super grossen Wellen zu sehen. Leider sind uns die Wellen dann doch etwas zu agressiv, um darin selber zu surfen. Jedoch gefällt uns der Camping direkt am Strand super gut, so dass wir eine Nacht bleiben.
In Coral Bay möchten wir uns einige Tage erholen und buchen sieben Nächte auf dem Camping. Auf dem Campingplatz staunen wir dann nicht schlecht als wir Martina und Silvan antreffen!! :) Sie zählen und geniessen hier in West Australien noch ihre letzten Tage, bevor sie dann von Perth aus zurück in die Schweiz verschiffen. Gemeinsam verbringen wir noch vier super schöne Tage mit schnorcheln und SUPen, am wohl bekanntesten und schönsten Strand in West Australien, der mit seiner türkisblauer Bucht sehr einladend wirkt auf abertausende Touristen.
Auf einem gebuchten Snorkling Trip taucht Nicky ab um die Manta Rays zu sehen, welche hier in Coral Bay zu dieser Jahreszeit besonders aktiv sind. Nebst den Manta Rays waren auch Schildkröten, Sharks und andere Fische zu sehen wie die Fotos zeigen.
Geplant war die Strecke nach Exmouth entlang der Küste per 4x4 Track zu erreichen. Seit der letzten Ueberschwemmung ist die Offroad Strecke aber unpassierbar. Somit fahren wir auf dem Highway die 150 Kilometer hoch bis nach Exmouth. Die Stadt liegt an der Spitze der Halbinsel Vlaming Head, wo auch der Cape Range Nationalpark stationiert ist. Der besagte Nationalpark und die Strände überzeugten uns nicht so sehr und somit verabschieden wir uns noch am gleichen Tag wieder. Zu sagen ist auch, dass die Camp Spots im Nationalpark mehrere Tage im voraus reserviert werden müssen, um im Park übernachten zu dürfen.
Weiter gehts zum Karijini Nationalpark, der uns von Martina und Silvan als besonders schön empfohlen wurde. Die 600 Kilometer Umweg haben sich wirklich gelohnt. Der Karijini Nationalpark bietet eine spektakuläre, raue Kulisse in einer uralten geologischen Formation. Die trockene, staubige Steppe des Hochplateaus wird durchzogen von windungsreichen Flussläufen, die plötzlich in bis zu 100 Meter tiefe Schluchten stürzen und Bassins füllen, in denen das klare, frische Wasser für eine erstaunliche Flora und Fauna sorgt. Zu Fuss erkunden wir die spektakulären und zum Teil sehr engen Schluchten.
Die Nächte hier im Zentrum der Pilbara sind so bitterkalt, dass wir nach drei Tagen bereits wieder aufbrechen um das tausend Kilometer entfernte Broome unter die Räder zu nehmen. In Broome warten nämlich bereits Julia und Christoph, die uns ja sozusagen eine Woche voraus sind. Durch ein erneutes Fahrzeugproblem hat sich diese Zeitspanne aber so verkürzt, dass wir ab heute zusammen weiterreisen.
Bevor es los geht plündern wir in Broome noch einmal richtig den Supermarkt um dann danach wieder Tetris in unseren Fahrzeugen zu spielen. Wow...soviel haben wir noch nie eingekauft auf unserer ganzen 2.5 Jährigen Reise. Naja wir werden auch gut 3 Wochen unterwegs sein ohne unsere Vorräte wieder auffüllen zu können.
Von Broome nach Darwing führt uns die Strecke auf der Gibb River Road durch die legendären Kimberleys. Die Geschichte der Gibb River Road beginnt 1960 als beef road. Sie wurde also angelegt, um Schlachtvieh von den entlegenen Farmen der Kimberley-Region nach Derby zu transportieren. Zunächst existierte nur der südliche Abschnitt von der Gibb River Station, der die Straße auch ihren Namen verdankt, bis nach Derby. 1962 bekam die Gibb River Road schließlich ihren heutigen Streckenverlauf, als der nördliche Teil hinzugefügt wurde.
Von der Gibb River Road machen wir unter anderem einen Abstecher nach Kalumburu. Der Ort wurde früher auch Drysdale River Mission genannt und ist die nördlichste Siedlung im Bundesstaat Western Australia und hat etwa 410 Einwohner. Das Land gehört den Aborigine-Völkern der Wunambal und Kwini. Die Straße dorthin ist in einem extrem schlechten Zustand nur in der Trockenzeit mit Allrad-Fahrzeugen befahrbar. Wie sich herausstellt gibts ausser der Mission auch nicht viel zu sehen da oben. Trotzdem verbringen wir zwei Nächte auf dem Camping der Mission und fahren dann die 550km wieder zurück.
Weiter gehts auf der Gibbriver Road wo wir entlang der Strecke verschiedene Wasserlöcher (Billabongs) besuchen und beschwimmen.
Ein weiteres Highlight sind die Bungel Bungels im Purnululu Nationalpark, wo wir drei Nächte bleiben und uns die Bienenkörben ähnliche Sandstein-Gebirgskette anschauen. Die verlorene Welt der Bungle Bungles, wie sie beschrieben werden, ist ein Naturwunder mitten in entlegener Wildnis. Bis vor kurzem war diese Gegend aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage nur den traditionellen Ureinwohnern und einigen Farmern, Viehtreibern, Geologen, Wissenschaftlern und Einheimischen bekannt. Erst seitdem diese Gegend Anfang der 1980er-Jahre in den Medien Schlagzeilen machte, wurde auch die Öffentlichkeit auf sie aufmerksam.
Auf dem gemeinsamen Road Trip mit unseren neu gewonnenen Freunden besuchen wir als krönender Abschluss den Kakadu Nationalpark, der 170 Kilometer östlich von Darwin liegt. Der Park gilt aufgrund seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt als einer der schönsten Nationalparks in Australien. Der Park umfasst ein Gebiet von etwa 19.804 Quadratkilometer und erstreckt sich fast 200 Kilometer von Nord nach Süd und über 100 Kilometer von Ost nach West.
Nach fast sechs Wochen verlassen wir das Outback und erreichen die Stadt Darwin bei Sonnenuntergang. In einem Steakhouse stillen wir unseren Heisshunger nach Fleisch und lassen den Abend in einer Bar mit vollen Bäuchen gemütlich ausklingen. Die Wege von Fernweg und Globexplorer trennen sich hier vorerst, da sich unsere Freunde nach Bali abgeseilt haben, um sich im Urlaub vom Urlaub zu erholen...tsss. Das Team GlobeXplorer relaxed derweil ein paar Tage in Darwin, bevor wir die extreme Strecke (3000km) nach Cairns unter die Räder nehmen. Tschüss und bis demnächst wieder :)