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Im Jahr 2009 brachte ein Gericht in Italien den Gehirntumor eines Managers mit seinem häufigen Mobiltelefonieren in Zusammenhang und sprach ihm eine Rente von 80 Prozent zu.
Mit dem Forschungsprojekt «Untersuchung athermische Wirkungen elektromagnetischer Felder im Mobilfunkbereich» (ATHEM-2) der AUVA sollte deshalb untersucht werden, ob und wie hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF) Zellen des menschlichen Körpers verändern (AUVA-Report 70, www.auva.at/publikationen).
Freiwillige Probanden wurden dabei an fünf aufeinanderfolgenden Tagen für jeweils zwei Stunden mit HF-EMF exponiert. Nach der Exposition wurden Zellproben der Wangenschleimhaut entnommen und untersucht. Zusätzlich wurden auch In-Vitro-Untersuchungen an Zellkulturen durchgeführt.
Als Effekt der Exposition wurden Schäden an der DNA festgestellt. Diese werden allerdings durch zelluläre Reparaturmechanismen behoben. Zwei Stunden nach der Exposition konnten keine DNA-Schäden mehr gemessen werden.
Diese Befunde decken sich mit den Ergebnissen von Studien, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 57 durchgeführt wurden. Dort stellten Forscher der Uni Basel fest, dass DNA-Strangbrüche, die auch bei der normalen Zell-Vermehrung auftreten, unter Einfluss der Mobilfunkstrahlung etwas häufiger zu beobachten sind. Für die Zellen würden diese Strangbrüche kein grosses Risiko darstellen, da die Brüche relativ leicht repariert werden können.
Die DNA-Schäden werden nicht direkt durch die Strahlung verursacht. Die österreichische Studie konnte feststellen, dass ein zellulärer Mechanismus über die Oxidation den Zusammenhang zwischen HF-EMF und der erhöhten Bruchrate erklären kann.
Keine der gefundenen Wirkungen lassen den Schluss auf direkte gesundheitsschädliche Wirkungen zu. Es kann jedoch nicht ganz ausgeschlossen werden, dass längerfristig ein Risiko von Fehlern bei der Reparatur steigt.
Die österreichischen Forscher empfehlen deshalb für Vieltelefonierer sowie für Kinder und Jugendliche Vorsorgemassnahmen:
l Handys mit niedrigem SAR-Wert kaufen (siehe www.handywerte.de).
l Handys zum Telefonieren nur während kurzer Zeit am Ohr halten (Headset oder Freisprechfunktion nutzen).
l Nur bei gutem Empfang telefonieren (nicht in der Tiefgarage, im Lift).
l Eingeschaltetes Handy auf Abstand zum Körper halten (nicht in der Hosentasche tragen).
l Pausen zwischen Telefonaten mit dem Handy am Ohr unterstützen die DNA-Reparatur.
Auch mit dieser Studie kann keine gesundheitsschädigende Wirkung des Mobilfunks bestätigt werden. Allerdings besteht ein signifikantes Gesundheitsrisiko durch Ablenkung, wenn beim Gehen oder Fahren das Mobiltelefon benutzt wird. Die in den Medien berichteten Unfälle von Pokémon Go-Spielern verdeutlichen dies einmal mehr.
Othmar Wettmann
AEH Zentrum für Arbeitsmedizin,
Ergonomie und Hygiene AG