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Articulus 7
Iª q. 1 a. 7 arg. 1
Ad septimum sic proceditur. Videtur quod Deus non sit subiectum huius scientiae. In qualibet enim scientia oportet supponere de subiecto quid est, secundum philosophum in I Poster. Sed haec scientia non supponit de Deo quid est, dicit enim Damascenus, in Deo quid est, dicere impossibile est. Ergo Deus non est subiectum huius scientiae.
Iª q. 1 a. 7 arg. 2
Praeterea, omnia quae determinantur in aliqua scientia, comprehenduntur sub subiecto illius scientiae. Sed in sacra Scriptura determinatur de multis aliis quam de Deo, puta de creaturis, et de moribus hominum. Ergo Deus non est subiectum huius scientiae.
Iª q. 1 a. 7 s. c.
Sed contra, illud est subiectum scientiae, de quo est sermo in scientia. Sed in hac scientia fit sermo de Deo, dicitur enim theologia, quasi sermo de Deo. Ergo Deus est subiectum huius scientiae.
Iª q. 1 a. 7 co.
Respondeo dicendum quod Deus est subiectum huius scientiae. Sic enim se habet subiectum ad scientiam, sicut obiectum ad potentiam vel habitum. Proprie autem illud assignatur obiectum alicuius potentiae vel habitus, sub cuius ratione omnia referuntur ad potentiam vel habitum, sicut homo et lapis referuntur ad visum inquantum sunt colorata, unde coloratum est proprium obiectum visus. Omnia autem pertractantur in sacra doctrina sub ratione Dei, vel quia sunt ipse Deus; vel quia habent ordinem ad Deum, ut ad principium et finem. Unde sequitur quod Deus vere sit subiectum huius scientiae. Quod etiam manifestum fit ex principiis huius scientiae, quae sunt articuli fidei, quae est de Deo, idem autem est subiectum principiorum et totius scientiae, cum tota scientia virtute contineatur in principiis. Quidam vero, attendentes ad ea quae in ista scientia tractantur, et non ad rationem secundum quam considerantur, assignaverunt aliter subiectum huius scientiae, vel res et signa; vel opera reparationis; vel totum Christum, idest caput et membra. De omnibus enim istis tractatur in ista scientia, sed secundum ordinem ad Deum.
Iª q. 1 a. 7 ad 1
Ad primum ergo dicendum quod, licet de Deo non possimus scire quid est, utimur tamen eius effectu, in hac doctrina, vel naturae vel gratiae, loco definitionis, ad ea quae de Deo in hac doctrina considerantur, sicut et in aliquibus scientiis philosophicis demonstratur aliquid de causa per effectum, accipiendo effectum loco definitionis causae.
Iª q. 1 a. 7 ad 2
Ad secundum dicendum quod omnia alia quae determinantur in sacra doctrina, comprehenduntur sub Deo, non ut partes vel species vel accidentia, sed ut ordinata aliqualiter ad ipsum.

Siebenter Artikel.
Gott ist der Gegenstand der heiligen Wissenschaft.
a) Diese Behauptung scheint gegen das tiefste Wesen jeder Wissenschaft zu sein. Denn die erste Voraussetzung dafür, daß überhaupt eine Wissenschaft bestehe, ist die, daß man weiß, was denn eigentlich der Gegenstand, den sie behandelt, seiner Natur nach sei. Das quid est von einem Gegenstande muß nach Aristoteles (2. Posterior.) gewußt werden, damit dieser Gegenstand für eine Wissenschaft Subjekt sei. Gottes Natur oder Wesen aber ist hier auf Erden unbekannt. Damascenus drückt dies mit den Worten aus: „Zu sagen, was Gott seinem Wesen nach sei, ist unmöglich." (3. de fid. 24.) Also fehlt jede Voraussetzung dafür, daß Gott für die heilige Wissenschaft Subjekt oder Gegenstand sein könne. Davon bildet zumal die heilige Schrift [S. 94] selber das einschneidendste Zeugnis. Denn sie handelt nicht nur von Gott, sondern von vielem anderem, wie z. B. von den Geschöpfen und von den Sitten der Menschen.
Auf der anderen Seite aber wird „Subjekt einer Wissenschaft" jenes Sein genannt, von welchem hauptsächlich die Rede ist. In der heiligen Wissenschaft aber ist hauptsächlich die Rede von Gott; sie heißt demnach auch Theologie. Also ist Gott das „Subjekt dieser Wissenschaft".
b) Ich antworte, daß Gott das „Subjekt" oder der Gegenstand der heiligen Wissenschaft ist. Denn so verhält sich das Subjekt zu einer Wissenschaft wie der Gegenstand der Thätigkeit zu einem Vermögen oder einem Zustande. Nun wird Gegenstand eines Vermögens jenes genannt, unter dessen Gesichtspunkte alles Übrige zum selben Vermögen Beziehung hat; wie z. B. der Mensch und der Stein zur Sehkraft Beziehung haben unter dem Gesichtspunkte und dem Formalgrunde des Farbigseins; das Farbigsein also ist der Gegenstand der Sehkraft. Alles aber wird in der heiligen Wissenschaft behandelt unter dem Gesichtspunkte Gottes. Denn entweder handelt sie über Gott selber oder über das, was auf Gott Beziehung hat als auf den Urgrund und den letzten Endzweck. Daraus folgt, daß Gott das „Subjekt" dieser Wissenschaft ist. Dieses selbe wird auch offenbar aus den Principien dieser Wissenschaft, welche die Glaubensartikel sind. Denn diese sind ganz und gar über Gott. Ein und dasselbe „Subjekt" aber gilt für die Principien einer Wissenschaft und für die ganze Wissenschaft; da ja in den Principien die ganze Wissenschaft der Kraft nach wie in einem Samenkorne enthalten ist.
Manche gaben nun allein acht auf das, was in der heiligen Wissenschaft behandelt wird; nicht aber, unter welchem Gesichtspunkte dies alles behandelt wird. Sie bezeichneten deshalb ein anderes Sein als „Subjekt" dieser Wissenschaft: nämlich den wirklichen Inhalt und die äußeren Zeichen (Sakramente); oder die Thätigkeit der Erlösung; oder den ganzen Christus, Haupt und Glieder. Davon ist allerdings wohl die Rede in dieser Wissenschaft; aber nur insoweit dies alles Beziehung hat auf Gott.
c) Es verschlägt deshalb durchaus nichts, wenn wir von Gott als dem „Subjekte" der heiligen Wissenschaft nicht wissen, was Er seiner Natur nach ist. Er bleibt trotzdem immer nach seinem wirklichen Sein, nach seiner reinsten, alles überragenden Thatsächlichkeit und nicht bloß als Grund dessen, daß etwas über die natürliche Vernunft hinaus offenbart werden kann, das „Subjekt" der Theologie. Es handelt sich ja in unserer Theologie hier auf Erden zuvörderst darum, daß wir überhaupt Gott finden. Und dazu ist es vollauf genügend, wenn wir auf Grund der Offenbarung wissen, wie alles zu Gott zu führen geeignet ist, wie alles zu Gott Beziehung hat als zum unerschöpflichen Urgrunde und zum letzten Endzweck. Wir gebrauchen also in dieser Wissenschaft nicht zwar das Wesen oder die Natur Gottes selber als Ausgangspunkt und Grundlage, sondern die Beziehungen, welche die Werke Gottes, sei es im Bereiche der Natur sei es im Bereiche der Gnade, zu Ihm haben. Das geschieht aber auch in so manchen philosophischen Wissenschaften, daß betreffs der Ursache etwas bewiesen wird auf Grund der Wirkung, daß man also anstatt der Begriffsbestimmung oder des inneren Wesens der Ursache die Wirkung setzt.
Das angerufene Zeugnis der Schrift hat hier gar keinen Belang. Denn in der heiligen Wissenschaft ist alles andere, alles, was außer Gott existiert, mitinbegriffen; nicht etwa wie selbständige Teile derselben oder [S. 95] als Untergattungen oder wie zum Wesen des Gegenstandes der Theologie von außen her hinzutretende Eigenschaften; wie etwa die Mathematik geteilt wird in Geometrie, Trigonometrie, Stereometrie etc.; — vielmehr ist alles andere Gegenstand der Theologie, weil es in irgend einer Weise auf Gott zeigt.