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Stillstand ist Rückschritt – nirgends wird das im modernen Fussball so deutlich sichtbar wie bei den Stadien. Deshalb haben fast alle europäischen Grossklubs Pläne für eine neue oder modernisierte Arena im Köcher.
Als die Fenway Sports Group im Oktober 2010 den FC Liverpool übernahm, dachten die neuen Besitzer öffentlich über ein neues Stadion nach. Schnell regte sich Widerstand und so wurde beschlossen, die damals 45'522 Zuschauer fassende Arena zu erweitern.
Im April 2014 wurden die Pläne veröffentlicht: Geplant waren der Ausbau des Main und des Anfield Road Stand. Die neue Haupttribüne mit einer zusätzlichen Kapazität von 8500 Plätzen wurde im September 2016 nach einer 643-tägigen Bauzeit eröffnet. 54'074 Zuschauer fasst das Stadion dank der grössten Einzeltribüne im englischen Fussball jetzt.
Noch unklar ist, ob auch der Ausbau des Anfield Road Stand umgesetzt wird. Die LFC-Besitzer erklärten zuletzt, dass die Entscheidung gefällt werde, wenn der Innenausbau der neuen Haupttribüne (im Februar 2017) komplettiert ist. Geplant war eine Erweiterung von 9074 auf 13'860 Plätze, was die Kapazität des Stadions auf rund 58'000 Zuschauer erhöhen würde.
Im Sommer 2003 zog Manchester City von der Maine Road ins City of Manchester Stadium, welches die Stadt für die Commonwealth Games 2002 gebaut hatte. Dazu wurde die Leichtathletik-Bahn zurückgebaut, so dass 48'000 Zuschauer Platz fanden. Zu wenig für die reichen Besitzer aus Abu Dhabi.
2013 wurde deshalb beschlossen, die Kapazität auf 62'170 Zuschauer zu erhöhen, indem die beiden Hintertortribünen um einen dritten Rang erweitert wurden. Im August 2015 war der Ausbau des South Stand abgeschlossen, neu fanden 55'097 Zuschauer Platz in der 2011 in Etihad Stadium umbenannten Arena. Die Arbeiten am North Stand sollen bald beginnen. 61'000 Zuschauer werden nach deren Beendigung ins Etihad passen.
Das 1909 erbaute Old Trafford wurde immer wieder erweitert, letztmals 2006. Momentan fasst die zweitgrösste Fussball-Arena Englands (nach dem Wembley-Stadion) 75'731 Zuschauer. Momentan gibt es keine öffentlichen Umbau-Pläne, längerfristig wollen die «Red Devils» die Kapazität von Old Trafford aber weiter erhöhen.
Vorgesehen ist ein Neubau der Südtribüne, die als einzige noch immer nur über einen Rang verfügt. Doch es gibt Probleme: Hinter dem Sir Bobby Charlton Stand (ehemals South Stand) verläuft in unmittelbarer Nähe zum Stadion eine Eisenbahnlinie, was einen Neubau stark verteuern würde. Ausserdem liegt dahinter eine Häuserreihe, die einst aufgekauft, mittlerweile aber wieder abgestossen wurde.
Deshalb tauchten zuletzt Gerüchte auf, dass die Glazer-Familie einen Neubau ein paar 100 Meter nördlich des Old Trafford anstreben könnte. Diese Grundstücke wurden in den letzten Jahren kontinuierlich übernommen.
Seit 1905 trägt der FC Chelsea seine Heimspiele an der Stamford Bridge aus. Dreimal wurde das Stadion seither renoviert, momentan bietet es 41'629 Zuschauern Platz. Ein weiterer Ausbau scheint ausgeschlossen, da das Areal begrenzt und mittlerweile bis an den Rand bebaut ist.
Im Dezember 2015 veröffentlichte die Klubführung deshalb Pläne für einen kompletten Neubau auf dem heutigen Areal. Das neue Stadion soll 60'000 Zuschauer fassen und bis 700 Millionen Euro kosten. Vorbild für die Architekten war die Westminster Abbey, Metall-Elemente sollen für einen Silberschein sorgen und an eine Kathedrale erinnern. Für die Zeit der Bauarbeiten wird Chelsea ins Wembley ausweichen.
Eigentlich sollte mit dem Neubau im Oktober 2016 begonnen werden, doch noch fehlt die Baugenehmigung. Die «Blues» hoffen, dass sie bis zu Beginn der Saison 2020/21 an der neuen Stamford Bridge spielen können.
Ab der Saison 2018/19 ziehen die «Spurs» in ein komplett neues Stadion. Anstelle der White Hart Lane, die lediglich 36'284 Zuschauer fasst, wird derzeit an der neuen Arena mit rund 61'000 Sitzplätzen gebaut. 550 Millionen Euro soll die Schüssel kosten, gebaut wird in drei Phasen.
In der ersten Phase wurden alle verbleibenden Gebäude auf dem Stadiongelände abgerissen, damit mit dem Bau der West- und Nordtribüne begonnen werden konnte. Diese Arbeiten sind derzeit voll im Gang, weshalb Tottenham in der Champions League im Wembley spielte.
Die zweite Phase umfasst den Abriss der 119-jährigen White Hart Lane, den Bau des Daches und der restlichen Tribünen. Sie soll im kommenden Sommer beginnen, die «Spurs» werden dann die komplette Saison im Wembley absolvieren. In der dritten Phase sind schliesslich das ausfahrbare Spielfeld und die Infrastruktur des Stadions an der Reihe.
Zwischen 1913 und 2006 spielte Arsenal im altehrwürdigen Highbury (eigentlich Arsenal Stadium), dann zogen die «Gunners» ins nahe gelegene Emirates Stadium, das für rund 600 Millionen Euro aus dem Boden gestampft wurde. Die neue Heimat des 13-fachen englischen Meisters beherbergt im besten Fall 60'260 Zuschauer. Offizielle Pläne für einen Ausbau bestehen derzeit nicht, obwohl sich nicht wenige Fans eine noch grössere Arena wünschen.
Barça präsentierte im April 2016 die Umbaupläne für ein «Nou Camp Nou». Von 2018 bis 2022 soll die aktuell 99'354 Zuschauer fassende Arena zum dritten Mal komplett renoviert und auf 105'000 Plätze erweiterte werden. Die Stadionränge sollen in Zukunft komplett überdacht sein, bisher ist nur die Haupttribüne geschützt. Auch während des Umbaus wird der FC Barcelona seine Heimspiele im Camp Nou austragen, das Stadion wird in verschiedenen Phasen umgebaut.
Einst wurde das Projekt, das vom japanischen Architektur-Büro Nikken Sekkei entworfen wurde, als allzu gigantisch abgetan und deswegen verworfen. Bereits 2007 war der Umbau des 1957 fertig gestellten Kolosses angedacht worden, 600 Millionen Euro hätte das Projekt damals verschlungen. Zu viel, befand die damalige Klubführung und legte die Pläne 2010 in die Schublade. 2014 wurden sie wieder hervorgeholt, da die Kosten auf 420 Millionen Euro gesenkt werden konnten.
Auch der Fussball-Tempel von Barcelonas Erzrivalen Real Madrid wird renoviert. Das Estadio Santiago Bernabéu soll ab 2017 für 400 Millionen Euro umgebaut und in ein modernes Hightech-Stadion verwandelt werden.
Unter anderem sind ein 360-Grad-Videoblock, überdachte Sitze, ein Schiebedach und Tausende LED-Leuchten geplant, die eine Seite des Aussenbereiches an Spieltagen in eine Mega-Leinwand verwandeln. Das derzeitige Fassungsvermögen von etwas mehr als 81'000 Zuschauern soll beibehalten werden. Die Neueröffnung ist für 2019 geplant.
Um die Pläne hatte es lange Streit gegeben. Die «Königlichen» hatten zunächst vor, ihr Stadion auf den angrenzenden Paseo de la Castellana – eine der Hauptverkehrsadern Madrids – auszuweiten und ein Hotel und ein Einkaufszentrum zu bauen. Der zuständige Gerichtshof lehnte dies aber ab.
Die «Colchoneros» spielen derzeit ihre letzte Saison im Estadio Vicente Calderón. Im Sommer 2017 zieht der zehnfache spanische Meister ins Estadio de Madrid. Dieses wurde zwischen 1990 und 1994 als Leichtathletik-Stadion mit 20'500 Plätzen erbaut. Bei den gescheiterten Bewerbungen Madrids für die Olympischen Spiele 2012, 2016 und 2020 war die Arena als Olympiastadion vorgesehen.
Trotz dreimaligem Nicht-Zuschlag für die Sommerspiele wurde im November 2011 mit den Bauarbeiten begonnen. Denn von Anfang an war klar, dass Atlético später ins Stadion mit 73'729 Plätzen ziehen wird. Ab der Saison 2017/18 wird es so weit sein. Da die Olympia-Kandidaturen allesamt scheiterten, wird keine Leichtathletik-Bahn eingebaut. Für die Atlético-Fans wird es dennoch ein harter Abschied von ihrem Vicente Calderón, das für seine fantastische Stimmung bekannt war.
Immerhin: Die neue Arena wird bereits vor ihrer Eröffnung mit zahlreichen Superlativen umschwärmt. Die Fassade wird mit dem modernsten Beleuchtungssystem der Welt erstrahlen, welches es ermöglicht, über 16 Millionen Farben darzustellen. 276 Millionen Euro soll der Umbau kosten, die Namensrechte hat sich bereits ein chinesischer Investor gesichert.
Seit Jahren müsste das Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion (auch als San Siro bekannt) dringend renoviert werden. Das ikonische Stadion mit den vier Türmen wurde vor dem Champions-League-Final im Frühling 2016 zwar für 23,5 Millionen Euro leicht saniert, doch das war nur ein Tropfen auf den heissen Stein: Ein Abbau von Barrieren zwischen Tribünen und Spielfeld, neue Toiletten und ein paar zusätzliche VIP-Logen, das war's dann auch schon. Sonst ist seit der WM 1990 nicht viel passiert.
Kein Wunder, sind die AC Milan und Inter Mailand mit der aktuellen Situation mehr als unzufrieden. Die «Rossoneri» planten zuletzt gar einen Neubau bis 2018 auf dem Expo-Gelände im Nordwesten der Millionenstadt, Inter hätte das San Siro nach eigenen Vorstellungen renovieren können. Doch das offiziell vorgestellte Projekt musste mangels finanzstarken Investors verworfen werden. Schade, denn die 320 Millionen Euro teure Arena für 48'000 Zuschauer wäre ein Schmuckstück geworden.
Nun müssen Milan und Inter auf unabsehbare Zeit zur Miete im San Siro bleiben. Doch es gibt Vorschläge, das Dilemma der beiden Mailänder Klubs zu lösen: Die 80'074 Zuschauer fassende Arena soll künftig zweigeteilt werden. Gemäss Bürgermeister Beppe Sala könnten zwei getrennte Bereiche entstehen, die jeweils nur durch einen der beiden Vereine genutzt werden. Im Stadion sollen auch Logen und Business-Plätze auf beide Seiten des Stadions aufgeteilt werden, damit jeder Verein diese individuell vermarkten kann. Einen Finanzierungsplan gibt es dafür allerdings noch nicht …
Ähnlich wie in Mailand ist die Situation in Rom. In der Hauptstadt spielen die AS Roma und Lazio Rom seit 1953 im Olympiastadion, doch auch das 72'698 Zuschauer fassende Olimpico ist längst angestaubt und seit der WM 1990 nicht mehr umfassend renoviert worden.
Die Roma plant deshalb seit 2014, ein eigenes Stadion zu bauen. Bis Sommer 2019 soll im Stadtteil Tor di Valle auf dem Gelände einer ehemaligen Pferderennbahn das «Stadio della Roma» entstehen. Derzeit sieht es so aus, als könnten die Träume der «Giallorossi» in Erfüllung gehen, doch noch ist Geduld gefragt: Eigentlich sollten die Bauarbeiten für die neue Heimat mit 52'500 Plätzen im März 2017 beginnen.
Die Stadt hat die Pläne nach anfänglichen Bedenken zwar bewilligt, allerdings steht noch die Zustimmung der Region Latium aus. Das Amt für Landschaftsplanung hat allerdings eine Untersuchung des Geländes, auf dem das Stadion gebaut werden soll, angeordnet. Bevor diese abgeschlossen ist, geht vorerst gar nichts.
Gleich noch so eine alte Kiste wie in Mailand und Rom steht in Neapel: Das Stadio San Paolo. Die Schüssel aus dem Jahr 1959 wurde für die WM 1990 so richtig und zuletzt 2010 ein wenig aufgemöbelt. Doch nun soll das Kultstadion zum dritten Mal ein Facelifting erhalten. Im Mai 2016 gab die Stadt Neapel die Zustimmung für eine sanfte Modernisierung.
Für 25 Millionen Euro soll bis 2018 gebaut werden. Durch den Abriss des obersten Ranges ist geplant, die Kapazität von 60'240 auf 55'000 Plätze zu verringern. Es sollen neue Grossbildschirme, LED-Anzeigetafeln, neue Umkleidekabinen und Konferenzräume entstehen. Die Leichtathletik-Bahn wird entgegen ersten Plänen vorerst erhalten bleiben.
Für Napoli-Präsident Aurelio De Laurentiis ist dies alles aber nicht genug: Er hat im September 2016 angekündigt, erst wieder einen Match zu besuchen, wenn sein Klub in einem neuen Stadion spielt. Ihm schwebt eine Arena mit rund 20'000 Plätzen vor, die dafür immer ausverkauft sein soll. Noch sind das aber alles nur Hirngespinste.
Die «Alte Dame» aus Turin darf als einziges Topteam der Serie A eine nigelnagelneue Arena ihr Eigen nennen. Seit 2011 spielt Juve im 41'507 Zuschauer fassenden Juventus Stadium, das für 155 Millionen Euro auf dem Areal des atmosphärearmen Stadio delle Alpi errichtet wurde. Es ist eine einzige Erfolgsgeschichte: Seit dem Umzug in die neue Heimat hat Juventus fünfmal hintereinander den Scudetto gewonnen.
Ausbaupläne gibt es derzeit nicht, der italienische Rekordmeister modernisiert allerdings die Infrastruktur rund um die Arena fortlaufend. Im März 2016 konnte beispielsweise das neue Medical Center eröffnet werden. Momentan laufen die Arbeiten am J-Village, einem Trainingszentrum in Stadionnähe inklusive Fanshop, Bürogebäuden und Hotel. Im Sommer 2017 sollen seine Pforten öffnen.
Auf die Bundesliga-Saison 2016/17 hat Bayern München seine im Mai 2005 eröffnete Allianz Arena erneut erweitert. Statt wie zuvor 71'100 passen neu 75'000 Zuschauer in den Kessel im Norden der Stadt. Bei internationalen Spielen konnte die Kapazität dank Umgestaltung der Sitzordnung von 67'800 auf 69'344 Plätze gesteigert werden.
Gemunkelt wird auch immer wieder, dass in der Allianz Arena dereinst ein vierter Rang installiert werden könnte. Bayerns Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen tat dies im Sommer allerdings als «Traum» ab, der «in weiter Ferne» liege. Die Nachfrage nach Tickets ist aber bereits jetzt so hoch, dass alle Heimspiele der Bayern längst ausverkauft sind.
Anders als die Münchner Allianz Arena ist der Signal Iduna Park von Borussia Dortmund nicht neu gebaut worden, sondern kontinuierlich gewachsen. Für die WM 1974 wurde auf dem heutigen Areal ein Stadion für 54'000 Zuschauer errichtet. Bis Ende der 90er-Jahre blieb das Stadion unverändert, dann wurden sämtliche vier Tribünen ausgebaut und modernisiert.
Zwischen 2000 und 2003 wurden schliesslich die Stadionecken geschlossen. Seither wird die Arena, die mittlerweile 81'360 Zuschauern Platz bietet, immer wieder auf den neusten Stand der Technik gebracht. Pläne für einen Ausbau gibt es derzeit nicht.
Für die EM 2016 wurden in Frankreich viele Stadien renoviert oder neu gebaut. Auch der Parc des Princes, der 1897 als Pferderennbahn eröffnet worden war, wurde für rund 75 Millionen Euro modernisiert. Aktuell fasst das Stadion 49'000 Zuschauer, was mittelfristig zu wenig sein könnte. Der PSG hatte lange Mühe, genügend Fans in seine Arena zu locken. Momentan liegt der Zuschauerschnitt allerdings bei fast 45'000, Tendenz steigend.
Langfristig planen die Hauptstädter darum einen umfangreichen Ausbau des Stadions auf bis zu 75'000 Plätze. Die Erweiterung könnte auch für die Pariser Olympiabewerbung interessant werden. Die französische Hauptstadt möchte die Olympischen Spiele 2024 austragen (Vergabe im September 2017).
(mit Informationen von stadionwelt.de)