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Schmerzen können den Alltag stark beeinträchtigen. Teils verschwinden sie, sobald die Ursache beseitigt ist, teils bestehen sie auch monate- bis jahrelang.
Schmerzen sind eine Sinneswahrnehmung – ähnlich wie der Mensch Hitze, Kälte oder Berührungen empfindet, nimmt er auch Schmerzen wahr. Akuter Schmerz ist ein Hinweis des Körpers, dass im Moment irgendetwas nicht stimmt.
Verselbstständigt sich der Schmerz und dauert über lange Zeit an, kann er seinen Warncharakter jedoch verlieren und sich zu einer eigenständigen Erkrankung entwickeln, dem chronischen Schmerz.
Bei akutem Schmerz ist die Ursache meist eindeutig erkennbar und kann gezielt behandelt werden. Die Zeitgrenze, ab der man Schmerzen als chronisch bezeichnet, liegt bei drei bis sechs Monaten.
Schmerzen haben nicht immer eine körperliche Ursache. Manchmal kommt es auch im Verlauf psychischer Erkrankungen (wie einer Depression) zu Schmerzempfindungen, die jedoch eher auf psychische Faktoren zurückzuführen sind. Anhaltende Schmerzen können allerdings umgekehrt auch zu einer Depression führen.
Was kann man gegen chronische Schmerzen und für ein gutes Leben tun?
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Die International Association for the Study of Pain (Internationale Schmerzgesellschaft) liefert für Schmerzen folgende Definition: «Ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.»
Typische Formen von Schmerzen sind:
Akuter Schmerz signalisiert dem Körper, dass eine Gefahr besteht, beispielsweise eine Verletzung. Bei akutem Schmerz ist die Ursache daher meist eindeutig erkennbar und kann gezielt behandelt werden.
Chronischer Schmerz nimmt im Unterschied zum akuten Schmerz mit der Zeit die Form eines eigenen Krankheitsbildes an. Die Ursache ist meist nicht mehr feststellbar oder nicht mehr vorhanden und damit nicht mehr behandelbar. Die Nerven senden anhaltend Schmerzimpulse an das Gehirn, obwohl kein Reiz mehr vorhanden ist. Die Nervenzellen haben eine Art Schmerzgedächtnis entwickelt. Die Zeitgrenze, ab der schmerzhafte Empfindungen als chronische Schmerzen bezeichnet werden, liegt bei drei bis sechs Monaten.
Neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) entstehen dann, wenn Nervengewebe – zum Beispiel durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus – Schaden nimmt. Je nach Ursache kann diese Schädigung das periphere (in Armen und Beinen) oder auch das zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) betreffen.
Eine der häufigsten Ursachen für periphere neuropathische Schmerzen ist zum Beispiel Diabetes mellitus. Mediziner sprechen in so einem Fall auch von diabetischer Polyneuropathie. Auch andere Ursachen können zu einer Polyneuropathie führen, so zum Beispiel ein übermässiger Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente (z.B. bei Chemotherapie) oder ein Vitamin-B12-Mangel.
Entstehen die neuropathischen Schmerzen durch geschädigte oder verletzte Nerven im Gehirn oder im Rückenmark, sprechen Mediziner von sogenannten zentralen neuropathischen Schmerzen. Beispiele hierfür sind etwa Erkrankungen wie multiple Sklerose (MS) oder ein Schlaganfall.
Im Verlauf psychischer Erkrankungen, beispielsweise einer Depression, kommt es bei einigen Betroffenen zu Schmerzempfindungen (psychosomatische Schmerzen). Die Ursache der Schmerzen liegt hier jedoch nicht im Körper, sondern ist eher auf psychische Faktoren zurückzuführen. Umgekehrt können anhaltende Schmerzen aber auch selbst eine Depression verursachen.
Körperteile, an denen Schmerzen häufig auftreten, bzw. häufige Schmerzarten sind:
Schmerzrezeptoren (med. Fachbegriff: Nozizeptoren) leiten Reize an das zentrale Nervensystem (ZNS, also Gehirn und Rückenmark) weiter. Die Rezeptoren reagieren dabei auf Temperaturreize (Hitze und Kälte) sowie chemische und mechanische Reize (z.B. Druck, Verletzungen).
Die erste Verarbeitung der Signale erfolgt im Rückenmark und löst häufig einen Reflex aus, der eine erste Reaktion möglich macht. Dies dient als Schutz, um den Körper aus der Gefahrensituation zu entfernen. So zieht man etwa bei Verbrennungen automatisch die Hand von der heissen Gefahrenquelle zurück. Die von den Schmerzrezeptoren kommenden Informationen gelangen über Nervenbahnen zum Gehirn, das sie weiter verarbeitet – auf diese Weise entsteht ein individuelles Schmerzempfinden.
Das Schmerzempfinden (sog. Nozizeption) ist immer individuell ausgeprägt. Über körpereigene Botenstoffe – zum Beispiel durch sogenannte Endorphine – ist der Körper in bestimmten Situationen in der Lage, das Schmerzempfinden zu dämpfen. Auch einige Schmerzmittel machen sich diesen Mechanismus zunutze.
Viele Menschen gehen mit Schmerzen, insbesondere mit chronischen Schmerzen, nicht zum Arzt. Daher kann keine genaue Angabe über die Häufigkeit gemacht werden. Schätzungen zufolge sind in der Schweiz etwa 1,2 Millionen von chronischen Schmerzen betroffen. Dabei werden am häufigsten Kopfschmerzen genannt, gefolgt von Rücken- und Gelenkschmerzen.
Für Schmerzen kommt eine Vielzahl von Ursachen infrage, denn viele unterschiedliche Mechanismen können das Körpergewebe schädigen und so die Schmerzempfindung auslösen: Zu niedrige und zu hohe Temperaturen (z.B. Erfrierungen oder Verbrennungen), Gewalteinwirkung (z.B. Stich- und Schnittverletzungen) oder giftige Substanzen (z.B. Säure) sind Beispiele, die Schmerzen hervorrufen können.
Das Schmerzempfinden ist allerdings nicht allein eine Reaktion auf Gewebeschäden, sondern an eine komplexe Verarbeitung durch das Nervensystem geknüpft. So können Schmerzen auch psychische Ursache haben – und jede Art von Schmerz kann sich zum chronischen Schmerz entwickeln. Schmerz wird als chronisch definiert, wenn er länger als drei bis sechs Monate besteht. Häufig tritt er begleitend zu einer Erkrankung auf, besteht jedoch noch über diese hinaus weiter. Auch Schmerzen ohne klare Ursachen kommen häufig vor.
Schmerz kann auf vier unterschiedliche Arten entstehen:
Der Begriff psychosomatisch umfasst die Wörter psyche (Seele) und soma (Körper). Psychosomatische Erkrankungen sind damit die Äusserung psychischer Probleme oder Krankheiten, die sich in körperlichen Beschwerden äussern. Im Verlauf psychischer Erkrankungen, beispielsweise einer Depression, kommt es bei einigen Betroffenen zu Schmerzempfindungen. Die Ursache der Schmerzen liegt hier jedoch nicht im Körper, sondern ist eher auf psychische Faktoren zurückzuführen. Umgekehrt können anhaltende Schmerzen aber auch selbst eine Depression verursachen.
Das vegetative Nervensystem bildet eine Brücke zwischen Psyche und Körper. So kann es bei Angst- oder Stresssituationen beispielsweise zu erhöhtem Herzschlag und gesteigerter Durchblutung kommen. Dauert die Überbelastung zu lange an, können psychosomatische (somatoforme) Störungen auftreten. Äussern sich diese in dauerhaften Schmerzen, so wird wiederum eine Stresssituation geschaffen und der Teufelskreis schliesst sich.
Unabhängig von der Ursache führt Schmerz zu einer reflexhaften Spannung in der jeweiligen Muskelpartie. Diese wiederum verursacht erneuten Schmerz, der weitere Muskelanspannung nach sich zieht. Grundsätzlich verursacht Stress eine erhöhte Muskelspannung. Es hat sich gezeigt, dass Schmerzpatienten eine erhöhte Neigung haben, auf Stress mit Muskelspannung zu reagieren und auch längere Zeit brauchen, um diese Anspannung abzubauen. Sie zeigen also eine besondere Anfälligkeit für diesen Teufelskreis von Muskelspannung und Schmerz.
Schmerzen können überall am Körper auftreten. Besonders häufig sind Kopf- und Rückenschmerzen.
An der Verarbeitung von Schmerzreizen sind verschiedene Nervenstrukturen beteiligt, so dass sich Schmerzen und ihre Symptome in mehrere Bestandteile unterteilen lassen:
Viele Menschen mit Schmerzen beginnen sich zu schonen, um weitere Schmerzen zu vermeiden. Solch ein Schonverhalten kann bei akuten Schmerzen für eine kurze Zeit auch durchaus sinnvoll sind. Auf Dauer können durch das Schonverhalten jedoch weitere Schmerzen entstehen.
Chronische Schmerzen können den Alltag stark belasten. Viele Betroffene ziehen sich deshalb allmählich immer mehr aus ihrem Bekannten- und Freundeskreis zurück, weil sie sich nicht in der Lage sehen, am sozialen Leben teilzunehmen. Als Folge kann es jedoch zu weiteren Gesundheitsproblemen kommen, etwa zu Ängsten und Depressionen. Zudem besteht die Gefahr einer Medikamentenabhängigkeit, da Menschen mit chronischen Schmerzen oft höhere Dosen an Schmerzmitteln brauchen, um (annähernd) schmerzfrei zu sein und am Alltag teilnehmen zu können.
Um bei Schmerzen eine möglichst genaue Diagnose stellen zu können, sind folgende Informationen wichtig:
Im Anschluss an das Gespräch führt die Ärztin möglicherweise einige körperliche, neurologische und orthopädische Untersuchungen durch. Mithilfe von sogenannten bildgebenden Verfahren kann sie ausserdem organische Ursachen der Schmerzen erkennen beziehungsweise ausschliessen. Zu den bildgebenden Verfahren, die im Rahmen der Schmerz-Diagnose häufig zum Einsatz kommen, zählen unter anderem
Schmerzen sind nur in begrenztem Ausmass messbar. Bei bestimmten Schmerzformen (z.B. Spannungskopfschmerz) kann man objektive Daten gewinnen – etwa durch die Messung der Muskelspannung. Allerdings lassen diese Daten nur begrenzt Aussagen über den Schmerz zu, da dieser eine subjektive Empfindung ist.
Bei Schmerzen stützt sich die Diagnose deshalb auf subjektive Aussagen: So werden die Betroffenen gebeten, die Schmerzstärke anhand einer Skala anzugeben (etwa mit einer Zahl zwischen 0 = kein Schmerz und 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz). In sogenannten Schmerztagebüchern sollen die Betroffenen über mehrere Wochen mehrmals täglich den Ort, die Stärke und die Dauer des Schmerzes beschreiben und Angaben dazu machen, wie viel und welche Schmerzmittel sie eingenommen und wie stark sie sich durch den Schmerz beeinträchtigt gefühlt haben.
Um neben der Schmerzintensität auch die Qualität dieser Empfindung einschätzen zu können, kann der Schmerz genauer beschrieben (brennend, ziehend, klopfend, ...) sowie die allgemeine emotionale Stimmung und die Bewertung des Schmerzes erfragt werden. Alle diese Angaben helfen dabei, den individuellen Verlauf der Schmerzen und der zugrunde liegenden Erkrankung sowie den Erfolg ihrer Behandlung zu beurteilen.
Bei plötzlich auftretenden starken Schmerzen sowie bei länger anhaltenden Schmerzen, die mit weiteren Beschwerden (z.B. Fieber) einhergehen, sollten Sie nicht zögern einen Arzt aufzusuchen, um spätere Komplikationen zu vermeiden.
Schmerz ist ein Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Faktoren – entsprechend gibt es in der Schmerztherapie verschiedene Ansätze, die kombiniert angewendet werden können.
Die Behandlung von akuten Schmerzen ist vor allem auf die Beseitigung der Ursachen ausgerichtet. Bei chronischen Schmerzen zielt die Therapie dagegen auf den Schmerz selber ab. Hauptanliegen ist es, den Prozess der Chronifizierung – also den Übergang von vorübergehenden Schmerzen hin zu länger andauernden Schmerzen – zu verlangsamen beziehungsweise zu stoppen.
Hierbei kommen neben Schmerzmedikamenten auch verschiedene psychologische und psychotherapeutische Methoden zum Einsatz. Diese Verfahren werden unabhängig davon eingesetzt, ob eine nachgewiesene organische Schmerzursache vorliegt oder es sich um sogenannte psychogene Schmerzen handelt, also um Schmerzen, die auf psychische Probleme oder Erkrankungen zurückgehen.
Entspannend wirkende Verfahren wie das autogene Training oder besonders die progressive Muskelentspannung eignen sich für die Schmerztherapie. Sie steigern das allgemeine Wohlbefinden und können den Kreislauf aus Schmerz und Muskelspannung durchbrechen. Häufig werden diese Entspannungsverfahren mit Vorstellungsübungen kombiniert (z.B. Reise in den Körper, die Betroffenen sollen sich die Schmerzen bildlich vorstellen). Diese Methoden zeigen Ähnlichkeit mit der heute häufig eingesetzten Hypnotherapie, die dazu dient, die Schmerzwahrnehmung positiv zu beeinflussen. Mithilfe von Biofeedback werden den Betroffenen körperliche Veränderungen (Atemfrequenz, Muskelspannung, ...) durch optische oder akustische Signale zurückgemeldet. Sie lernen dadurch, Veränderungsprozesse in ihrem Körper aktiv zu steuern.
Um die Einnahme von Schmerzmitteln zu reduzieren, sollten chronisch Betroffene Medikamente nicht nach Bedarf, sondern nach einem ärztlich festgelegten Zeitschema einnehmen. Zunächst soll der Betroffene dazu angeben, wie lang bei ihm der kürzeste schmerzfreie Zeitraum ist. Anfänglich erhält er dann immer nach diesem Zeitabschnitt Schmerzmittel, unabhängig davon, ob zu diesem Zeitpunkt Schmerzen vorliegen. Nach und nach wird dieser Zeitraum langsam gestreckt. Denn nimmt man die Schmerzmedikamente immer bei Bedarf ein, wird der Betroffen durch die Schmerzfreiheit «belohnt» – es besteht die Gefahr einer Abhängigkeit.
Manchmal wird auch die Einnahme eines «Schmerzcocktails» vereinbart, bei dem die Medikamente zum Beispiel mit Kirschsirup gemischt werden. Der Medikamentenanteil wird dann bei gleichbleibendem Kirschgeschmack langsam verringert, so dass der Betroffene nicht weiss, wie hoch die gegenwärtige Dosierung ist.
Um dem Schon- und Rückzugsverhalten entgegenzuwirken, ist es sinnvoll, neben der eigentlichen Schmerztherapie allmählich körperliche Aktivitäten in den Alltag einzubauen. Zu diesem Zweck werden Aktivitäten in überschaubare Arbeitseinheiten eingeteilt und schrittweise gesteigert. Die Betroffene soll hierbei die Aktivitäten protokollieren und die Arbeitseinheiten möglichst zu Ende führen, auch wenn vorher Schmerzen auftreten. So soll sie lernen, realistische Arbeitsabschnitte und Pausen zu planen.
Fortschritte sollten Ärzte und Angehörige würdigen und den Betroffenen entsprechend bestärken. Es ist jedoch wichtig, darauf zu achten, das Schmerzverhalten nicht durch gesteigerte Aufmerksamkeit zu verstärken. Hier ist es besonders wichtig, Angehörige mit einzubinden und die Behandlungsfortschritte so auch in den Alltag zu übertragen. Die Erfolgsaussichten sinken, wenn ein Patient in der Therapie zwar für seine Aktivitätssteigerung belohnt wird, er zuhause aber weiterhin von seiner Schonhaltung profitiert, weil seine Umgebung ihn auf sein Schmerzverhalten hin von unangenehmen Pflichten entlastet.
In dieser Form der Schmerztherapie soll die Betroffene lernen, hinderliche schmerzbezogene Kognitionen zu erkennen und zu kontrollieren. Darunter versteht man negative Gedanken und Bewertungen des Schmerzes, die ein Gefühl der Machtlosigkeit hervorrufen. Gelingt es, den Schmerz als herausfordernde Belastung anzusehen, steigt die eigene Überzeugung, das Leid kontrollieren zu können. Infolgedessen sinkt die Angst vor dem Schmerz und möglicherweise schmerzverursachende Situationen werden seltener gemieden.
Um den Umgang mit dem Schmerz zu erleichtern, soll der Betroffene sich auf die objektive Schmerzwahrnehmung konzentrieren und dabei die emotionale Komponente zurückstellen: Die genaue Beschreibung von Ort, Dauer und Stärke des Schmerzreizes ermöglicht es, zumindest vorübergehend die Rolle eines unbeteiligten Beobachters einzunehmen.
Im Rahmen der Therapie lernt die Betroffene, in welcher Form ihr Körper auf Stress reagiert und inwiefern diese Stressreaktionen das Schmerzgeschehen beeinflussen und zum Beispiel verstärken. Können diese ausgemacht werden, lässt sich zum Beispiel frühzeitig mit Entspannungsmethoden gegensteuern.
Als weitere Strategie können individuell verfügbare innere und äussere Ablenkungsmöglichkeiten gesammelt und geübt werden (z.B. angenehme innere Bilder oder attraktive Aktivitäten). So soll die erhöhte Aufmerksamkeit für Schmerzreize (und die dadurch bedingte verstärkte Schmerzwahrnehmung) verringert werden. Auch verändert sich die Bewertung des Schmerzes positiv, wenn der Betroffene gelernt hat, schon den ersten Schmerzimpuls als einen Hinweis zu sehen und sich eine angenehme Ablenkung als Bewältigungsstrategie zu suchen.
Treten chronische Schmerzen als Folge einer psychischen Erkrankung auf (z.B. einer Depression), steht die Therapie dieser Erkrankung im Vordergrund. Dennoch können ergänzend Methoden der Schmerzbehandlung eingesetzt werden.
Schmerzmittel spielen in Akutsituationen (z.B. nach einem Unfall oder nach Operationen) aber auch in der Therapie vieler chronischer Erkrankungen wie Arthrose oder bei Krebserkrankungen eine sehr wichtige Rolle. Generell sollte eine medikamentöse Schmerztherapie jedoch von einer Ärztin begleitet werden, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und eine Medikamentenabhängigkeit zu verhindern.
Die Basismedikation bei schwachen chronischen Schmerzen besteht aus nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR, z.B. Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol, Naproxen oder Acetylsalicylsäure). Bei mittleren bis schweren Schmerzen verschreibt der Arzt auch Schmerzmittel, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen (z.B. Opioide wie die Wirkstoffe Tilidin, Tramadol oder Buprenorphin).
Um den Schmerzkreislauf bei chronischen Schmerzen kurzzeitig zu unterbrechen, kann der Arzt zum Beispiel den Wirkstoff Lidocain (ein örtliches Betäubungsmittel) spritzen oder die Schmerzen mittels Vereisung (Kryoanalgesie) stoppen.
Schmerzmittel lindern zwar die Schmerzen, an der Ursache der Schmerzen ändern sie jedoch in der Regel nichts. Allerdings kann die durch die Medikamente erreichte Schmerzfreiheit zum Beispiel bei Rückenschmerzen dafür sorgen, dass sich die verkrampfte Muskulatur wieder lockert.
Eine Langzeiteinnahme von Schmerzmitteln kann mit verschiedenen Nebenwirkungen einhergehen, etwa einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Magenproblemen. Besprechen Sie die Dosierung und Anwendungsdauer von Schmerzmitteln daher immer mit Ihrer Ärztin. Nehmen Sie Schmerzmittel auf eigene Faust nicht länger als vier Tage ein beziehungsweise halten Sie sich an die Empfehlungen im Beipackzettel.
Um Stresszustände und Verspannungen zu lindern und so in den Schmerzkreislauf einzugreifen, empfehlen sich je nach Art und Auftreten des Schmerzes
Sinnvoll ist manchmal ausserdem eine begleitende Psychotherapie wie die Verhaltenstherapie. Ein wichtiges Ziel dabei ist, die Lebensumstände zu analysieren und möglicherweise zu ändern.
Schmerzen können einen chronischen, also langfristigen Verlauf nehmen. Während akute Schmerzen direkt im Anschluss an ein auslösendes Ereignis (z.B. eine Verletzung) entstehen und wieder abebben, sobald die Ursache behoben ist, dauern chronische Schmerzen über mehrere Monate an und stellen dann ein eigenes Krankheitsbild dar. Der Schmerz hat sich dann in gewisser Weise verselbstständigt – Mediziner verwenden dafür den Begriff «Schmerz-Chronifizierung».
Chronische Schmerzen können auf Dauer schwerwiegende Folgen haben. Häufig dauert es lange, bis Schmerzpatienten den geeigneten Arzt finden. Wiederholt erfolglose Behandlungsversuche verursachen oft erhebliche Kosten für den Betroffenen. Zudem unterziehen sich Schmerzpatienten zum Teil unnötigen Operationen, die – abgesehen davon, dass der gewünschte Erfolg ausbleibt – auch weitere Schmerzen verursachen können. Ausserdem besteht bei dauerhafter Selbstmedikation die Gefahr der Medikamentenabhängigkeit.
Menschen, deren chronische Schmerzen nicht oder nicht ausreichend behandelt werden, werden häufiger krankgeschrieben und in vielen Fällen frühzeitig berentet. Beim Betroffenen selbst verursachen die Erkrankung und ihre Folgen meist grosses Leid, häufig kommt es zu Angstzuständen und Depressionen.
Liegt eine somatoforme Störung vor, gibt es also keine organischen Ursachen für die chronischen Schmerzen, lässt dies viele Betroffene verzweifeln. Die Tatsache, dass es in diesem Fall keine körperliche Quelle gibt, die das Ausmass der vorhandenen Schmerzen erklären könnte, nährt so unter Umständen Ängste.
Im Verlauf von Schmerzen können Komplikationen auftreten: Als Schmerzverhalten bezeichnet man jede Reaktion, durch die der Betroffene seine Erkrankung mitteilt (Äusserungen, Mimik, Schonhaltung, Rückzug, Schmerzmitteleinnahme). Dieses Verhalten ist sinnvoll, wenn es der Schmerzverringerung dient. Andererseits kann aber eben dieses Verhalten auch dazu beitragen, dass Schmerzen chronisch werden: So kann eine dauerhafte Schonhaltung zur Schwächung der Muskulatur führen und dadurch Bewegung noch schmerzhafter machen – was wiederum stärkeres Schonverhalten nach sich zieht und der Beginn eines Teufelskreises sein kann.
Bei einer Dauermedikation mit Schmerzmitteln ist als Komplikation mit Nebenwirkungen (z.B. Magenprobleme) zu rechnen. Manchmal können Schmerzmittel auch selbst Schmerzen hervorrufen (sog. schmerzmittel-induzierter Kopfschmerz).
Ausserdem reagiert die Umwelt häufig einfühlsam, wenn der Schmerz des Betroffenen für sie sichtbar wird – sie schenken ihm Aufmerksamkeit und entlasten ihn, um ihm schmerzhafte Bewegungen oder Situationen zu ersparen. Diese Anteilnahme tut dem Betroffenen einerseits gut, andererseits wird er – ohne dies zu beabsichtigen – für seine Erkrankung durch die Entledigung von unangenehmen Pflichten und die Zuwendung belohnt. Wenn er hingegen weniger Schmerzverhalten zeigt und wieder aktiver wird, wird er für diesen Fortschritt quasi bestraft, da nun die Unterstützung wegfällt.