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Der Dokumentarfilm „Tatort Regenwald – Undercover gegen die Holzmafia“ (WDR 14.11.2011, 22.00 Uhr) über Alexander von Bismarck zeigt eindrücklich, wie die illegal im Masoala Nationalpark gefällten Bäume nach China, Europa und in die USA gelangen. Ein grosser Abnehmer sind die Musikinstrumenten-Manufakturen, wie zum Beispiel die weltberühmte Firma Gibson Guitars, wie der Zoo Zürich in der aktuellen Medienmitteilung schreibt. In minutiöser Kleinarbeit, häufig als Holzhändler getarnt und immer in Gefahr aufzufliegen, beleuchtet Alexander von Bismarck von der Environmental Investigation Agency (EIA) die verschlungenen Wege des illegalen Edelholzhandels.
Edelholzschlag tötet Lemuren und Flughunde
Mit dem illegalen Schlag von Edelhölzern im Masoala Nationalpark beginnt eine Spirale der Zerstörung. Um das Holz abzutransportieren, werden zuerst Wege und Pisten im unberührten Wald angelegt. Damit die nicht schwimmenden Edelhölzer in den Flüssen an die Küste geflösst werden können, müssen fünf weitere Bäume geschlagen werden. Die Holzfäller schuften im Wald zu einem Taglohn von zwei bis fünf Franken. Dort ernähren sie sich auch und jagen deshalb Lemuren und Flughunde.
Zurück bleibt ein leergeschossener Wald, in dem die Lemuren und Flughunde, welche die Samen der Waldbäume verbreiten, fehlen. Auch die härtesten und widerstandsfähigsten Bäume, die Rosen- und Ebenhölzer, sind davon betroffen. In einem Gebiet, welches häufig von Wirbelstürmen heimgesucht wird, ist das fatal. Erosion und Überschwemmungen sind die Folgen. Auch die Siedlungen entlang der Flüsse sind dadurch bedroht.
Gibson verdreht die Fakten
Die amerikanische Staatsanwaltschaft hat die Firma Gibson Guitars, die Ikone aller Gitarrenhersteller, als Abnehmerin solcher illegal geschlagener Edelhölzer in Verdacht. Gibson wurde deswegen kürzlich von der Amerikanischen Staatsanwaltschaft zum zweiten Mal durchsucht. Der Direktor von Gibson mimt jedoch den Ahnungslosen. Offenbar scheut er auch nicht davor zurück, die konservative Tea Party gegen den Lacey Act zu mobilisieren. Dieser ist während der Amtszeit von Präsident Bush verschärft worden. Das Gesetz untersagt den Import von illegal gewonnenen Naturprodukten wie Holz.
Die Fakten widersprechen dem Bild des ahnungslosen Gitarrenherstellers: Gibson hat zusammen mit anderen grossen Musikinstrumenten-Herstellern im Jahr 2007 Madagaskar und die Masoala Region besucht, um sich ein genaues Bild über den lokalen Holzmarkt zu verschaffen1). Das Resultat war klar und eindeutig: Es wird Jahre dauern, bis aus Madagaskar legales Holz für die Musikinstrumenten-Industrie exportiert werden kann. Nur fertig bearbeitete Griffbretter oder andere Bestandteile für Geigen und Gitarren dürfen aus Madagaskar legal exportiert werden. In der Folge verzichteten alle anderen Hersteller auf die Beschaffung von unbearbeiteten Edelhölzern aus Madagaskar. Gibson aber griff zu, als ihm 2009 unbearbeitetes Ebenholz aus Madagaskar angeboten wurde, welches aus dem Graumarkt stammte.
Tatsachen, die für sich sprechen
2010 haben Mitarbeitende des Zoo Zürich, des Masoala Nationalparks und der Wildlife Conservation Society (WCS) die Forstkonzession, aus der das an Gibson gelieferte Holz angeblich stammen soll, überprüft. Die Fakten sind eindeutig: Die Menge des exportierten Holzes kann unmöglich aus der kleinen Konzession stammen. Das Kontingent wurde bei Weitem überschritten; sieben von acht Bäumen sind illegal gefällt worden. Zudem hat auch Alexander von Bismarck nachgewiesen, dass der Lieferant von Gibson das Edelholz im geschützten Masoala Nationalpark einschlagen lässt.
Bild: Frank Vassen (Wikimedia Commons)