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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

7. Buch
13. Saturnus und Genius erweisen sich in der Auslegung als identisch mit Jupiter.
Doch wozu soll ich mich noch weiter über diesen Jupiter verbreiten, auf den vielleicht alle übrigen Götter zurückzuführen sind1 , sodaß der Wahn von einer Vielheit der Götter zerstört wird, indem alle dieser einzige sind, etwa in der Art, daß sie für seine Teile oder Machtbetätigungen gelten, oder so, daß die seelische Macht, die man sich über das All ausgegossen denkt, die Namen mehrerer Götter erhalten hat von den Teilen der Masse, die zusammen die sichtbare Welt bilden, und von der vielseitigen Betätigung der Natur. Was ist auch zum Beispiel Saturnus? „Einer von den obersten Göttern“, sagt Varro, „der, dem die Herrschaft über jegliche Besamung zusteht“. Lautet nicht die Erklärung der oben angeführten2 Verse des Valerius Solanus dahin, daß Jupiter die Welt sei und diese jeglichen Samen von sich gebe und in sich aufnehme? Also ist es Jupiter, dem die Herrschaft über alle Besamung zusteht. Was ist Genius? „Er ist der Gott“, sagt Varro, „der über das zu Erzeugende gesetzt ist und Gewalt hat“. Wer sonst hat solche Gewalt nach ihrer Ansicht als die Welt, von der es heißt: „Jupiter, Vater und Mutter zugleich“? Und wenn Varro an einer anderen Stelle sagt, der Genius sei der vernunftbegabte Geist eines jeden und deshalb habe jeder seinen besonderen Genius, der analoge Geist der Welt aber sei ein Gott, so kommt er damit ja auf dasselbe hinaus, daß nämlich der Geist der Welt für den allgemeinen Genius zu halten ist. Diesen Geist der Welt nun aber nennen sie Jupiter. Denn wenn jeder Genius ein Gott und der Geist jedes Mannes ein Genius wäre, so folgte daraus, daß der Geist jedes Mannes ein Gott wäre; und da diese Folgerung doch zu ungereimt ist, als daß sie sie hätten ziehen mögen, so bleibt nur übrig, daß sie speziell und in prägnantem Sinne als den Gott Genius das bezeichnen, was sie als Geist der Welt und demnach als Jupiter bezeichnen.
1: Vgl. IV 11.
2: Kap. 9.