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heroische Bogenstriche, 1938,1 (1)
Der Graue und die Küste, 1938,125 (J 5)
Klee hat bei den Heroischen Bogenstrichen an Adolf Busch gedacht, mit dem er befreundet war. Das Bild ist eine Hommage an den grossen Geiger und lässt die Erinnerung an die federnde und energische Art seiner Bogenführung wieder lebendig werden. Für den Geigenspieler Klee war er das bewunderte Vorbild. Die dicken Balkenstriche, die es seit 1937 gibt, kommen dem Wunsche Klees nach einer direkten Übertragung des musikalischen Phänomens ins Bildernische weit entgegen. Für Differenzierungen lassen sie allerdings wenig Raum, es sei denn, man sähe sie in dem Aussetzen des verhältnismässig trockenen Pinsels an einigen Stellen der unteren Hälfte. Was am Assoziationen möglich ist, wird herangezogen; es ist nicht viel; man sieht einen Geigenwirbel, ein Stück der Schnecke, den Steg, aber abgelöst von ihrer Zweckbestimmung. Die Punkte könnten Noten sein, doch sie wirken mehr wie rhythmische Angaben. Klee hat vielleicht an eine bestimmte Komposition gedacht, darauf könnten sich die Zeichen rechts beziehen, der Kreis, der Halbkreis, das Rad, natürlich auch die Farbe, die drei Blau, ein Königsblau innerhalb der Bogenführung, ein nach Grau gebrochenes ausserhalb und ein Türkisblau in der Umrandung. Das Blau klingt voll und tief wie die Musik Bachs, vielleicht war an eine Fuge gedacht.
Das erstaunlichste Phänomen an dem Bild ist, dass eine zweite Fassung, die Klee beabsichtigte, in eine ganze andere Sphäre geriet; sie heisst Der Graue und die Küste und entstand etwa zwei Monate später. Aus den Bogenstrichen werden grünlich-blaue Landzungen, sie in das tiefblaue Meer vorstossen, bzw. frisst sich das Meer in die Küste ein. Am Strand ein Seestern oder ein Windrad, Halbmonde, Tränen, im Meer drei Punkte über einem schwarzen Strich – eine Barke? Was aber will der Graue, diese Halbfigur, in dessen rechte Wange eine der Landzungen einschneidet? Ist es ein Fischer, der seine Habe bedroht sieht, oder schaut der Graue nach dem Glöckchen am linken Bildrand? Auf alle Fälle hat Klee, hier nicht das einzigemal, dasselbe Schema für zwei ganz verschiedene Themen verwendet, die eine Fassung bewegt sich ausschliesslich im Geistig-Musikalischen, die andere im Schicksalhaft-Menschlichen – Kampf zwischen Meer und Land und als Betroffener der Mensch.
Quelle: Will Grohmann, Der Maler Paul Klee, Dumont ›Bibliothek grosser Maler‹