Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03193.jsonl.gz/1338

Das Koffergerät ist in den Farben schwarz,
"Alu" und hellblau gehalten
(Kunststoff-Gehäuse). Auffallend ist die große,
übereck ausgeführte Skala. An der Gehäuseoberseite die
Knöpfe für Skalenbeleuchtung bei Batteriebetrieb und
der Batterie-Tester, daneben die Schaltgruppe für die
Bandwahl, leichtgängige Tipptasten.
Die Skala enthält oben die übersichten für LW, MW,
Marineband (SW 1 inklusive Tropenband) und den
durchgehenden Kurzwellenbereich, vorne jene für LW, MW,
Marineband und UKW (letztere nach Frequenzen und Kanälen
bezeichnet) sowie die Skala des Spreizband-Trommeltuners.
Darunter befinden sich links die drei Drehknöpfe für
ein/aus und Lautstärke, Höhen und Bässe, in der Mitte
der Umschalter für Radio/Phono-Wiedergabe, Squelch und
AFC (der Squelch-Einsatz ist mit einem Drehknopf auf der
Gehäuserückseite regelbar) und das
Anzeigeninstrumentfür Feldstärke und Batteriespannung;
schließlich rechts der Bandbreitenschalter, die
Umschaltung für automatische oder manuelle
Regelspannung, der RF-Knopf und der Ziehschalter für
Zuschaltung des BFO - mit Pitch-Control.
Die Abstimmung erfolgt durch zwei Knopfgruppen für
FM/LW, MW, SW und KW/Antennentrimmer. Der Trimmer ist nur
bei Anschluß einer Außenantenne wirksam.
Der eingebaute Lautsprecher (Frontabstrahlung) gibt mit
der eingebauten Endstufe sieben Watt Musikleistung ab. An
der linken Gehäuseseite befinden sich eine DIN-Buchse
für NF-ein/aus, der Ausgang für den Zweitlautsprecher,
eine Klinkenbuchse für Kopfhörer und eine (etwas knapp
darunter liegende) Buchse für eine externe 12
V- Versorgung.
An der rechten Gehäuseseite befinden sich der
Knebelschalter für den Trommeltuner und die beiden
Koaxialbuchsen für die Außenantennen FM und LW, MW, KW.
An der Gehäuserückseite die Squelch-Regelung, Batterie-
und Netzkabelfach, Netzsteckerbuchse und
Spannungsregelung.
Die kombinierte Teleskopantenne kann für UKW und KW in
verschiedener Länge ausgefahren werden. Die eingebaute
Ferritantenne für LW/MW ist durch Tastendruck
abschaltbar. In diesem Fall kann ein Peilzusatz für LW
zugeschaltet werden und das Signal der Peilsonde über
die Lautsprecherbuchse abgenommen werden.
(Umrüstmöglichkeit für MW- Rahmenantenne)
Die Stromversorgung kann mittels sechs Monozellen, einem
Akku-Block, einer externen 12 Volt-Versorgung oder über
Netz erfolgen.
Technischer Aufbau
Der Globetrotter 808 ist ein Vorstufen-
Doppel-Super mit Trommel-Tuner. Die üblichen ZFs 1.2
MHz, 2.460 MHz und 10.7 MHz für UKW erleichterten die
Entwicklung erheblich. Er ist mechanisch einfacher als
seine Vorgänger und dafür elektrisch etwas modernisiert
(integrierte FM/AM-Schaltung).
Das Trommeltuner-Prinzip erlaubt einfache und
wirkungsvolle Aufteilung der Bereiche, wenngleich dafür
etwas mehr mechanischer Aufwand notwendig ist.
Gutdimensionierte niederohmige Antennenanpassung sollte
auch zusammen mit einem AF 106 in der Vorstufe noch
heutigen Bedürfnissen genügen.
Der erste Oszillator ist ohneTrennstufe direkt an den
Mischer (BF 451) gekoppelt. Nach dem 2 MHz-Filter der 1.
ZF geht's sofort zum zweiten Mischer. Der zweite
Oszillator ist ebenfalls sehr übersichtlich aufgebaut.
Die Versorgungsspannung des zweiten Oszillators besitzt
eine bescheidene Stabilisierung. Die
Bandbreitenumschaltung wird nun durch Veränderung des
Koppelungsgrades der nächsten beiden Filter der 2. ZF
bewirkt. Die LC-Filter lassen hier auch Möglichkeiten
für individuelle Eingriffe erkennen. Nach der
Verstärkerstufe der 2. ZF folgt ein sehr selektives
Filter aus zwei (durch ein Keramikfilter gekoppelte)
LC-Filtern. Die letzte Stufe bildet ein TAA 991. Dieser
sorgt auch für die Erzeugung der Regelspannung. Das
S-Meter wird direkt am Demodulator betrieben. Die
BFO-Frequenz wird über einen LC-Oszillator erzeugt,
wobei die Feinregelung durch eine Kapazitäts-Diode
vorgenommen wird. Interessant ist die Richtungsschaltung
des BFO. Mit einer Brückenschaltung von RC-Gliedern und
Transistoren wird ein symmetrischer Mischer aufgebaut.
Das scheint eine sehr gute und anpassungsfähige Lösung
zu sein, wenn nicht gleich auf einen integrierten
Baustein umgestiegen wird.
Die übrigen Bereiche des Empfängers sind als Einfach-
Vorstufen-Super konzipiert. Diese Vorstufen haben es
dafür aber zu einem FET im Vorkreis gebracht.
Interessant ist der Versuch, eine wirklich merkbare
Richtcharakteristik in die Ferritantenne zu bekommen. In
der Stellung Peilen wirkt sie recht gut. Der UKW-Teil
bietet nichts Aufregendes. Die wirksame Stabilisierung
kostet bei Batteriebetrieb merklich Energie - aber ein
Ladezusatz für Akkus ist im Gerät enthalten.
Im Trend zum billigen Gerät bleiben die
Gehäusefestigkeit und die Abschirmungsmaßnahmen auch
bei diesem Empfänger auf der Strecke.
Bewertung im Betrieb
Es können drei verschiedene Stationen vorgewählt und
auf Tastendruck abgerufen werden; davon eine UKW-Station.
Das bietet den Vorteil, eine KW-Station auf zwei
verschiedenen Bändern einstellen und das Signal
vergleichen bzw. das jeweils bessere Signal wählen zu
können.
Auf UKW bietet der Globetrotter exzellente
Klangqualität; Squelch und AFC arbeiten wirksam; man
darf nur nicht übersehen, daß der Squelch auch auf den
anderen Bändern wirkt und bei DX-Empfang ausgeschaltet
werden muß.
Bei LW und MW ist der eingebaute Ferrit-Stab nur eine
Hilfe; die Verwendung einer Außenantenne ist dringend
anzuraten. Übersteuerungen ("Zustopfen") sind
kaum möglich.
Nur bei Verwendung der Bereiche SW 1 - 3 ist das Gerät
ein durchgehender Empfänger; der Trommeltuner enthält
lediglich die herkömmlichen Rundfunk- und
Amateurfunk- Bänder. Für Tropenband ist der Globetrotter
nicht das ideale Gerät.
Bedauerlich: in allen Skalenbereichen läßt die
Ablesegenauigkeit zu wünschen übrig. Der Skalenstrich
selbst ist so breit, daß man sich daran gewöhnen muß,
entweder die rechte oder linke Kante als Einstellmarke
anzusehen. Beim Trommeltuner ist der Skalenstrich zwar
schmal, dafür die Hilfsskala nur sehr mager unterteilt.
Man greife also zurück auf das altbewährte Hilfsmittel,
sich einen Streifen Millimeterpapier unter die Skalen zu
kleben und die jeweilige Sendereinstellung dort zu
notieren.
Die Abstimmknöpfe sind etwas klein dimensioniert;
versehentlich kann auch mal der FM-Knopf mitverstellt
werden, während man auf LW/MW/KW abstimmt.
Die Ablesegenauigkeit innerhalb der Grenzen, die das
überholte Trommeltuner-Prinzip setzt, ist recht gut; auf
mehr als 20 kHz Genauigkeit abzulesen ist ohne manuelle
oder elektronische Hilfe (Hilfsskala, Frequenzzähler)
nicht möglich.
Die Bandbreitenschaltung bringt wenig Gewinn an
Trennschärfe, eher mehr Verlust an Verständlichkeit
durch die Kombination mit einem Hochpaßfilter. Es ist
ratsam, die AGC auszuschalten, die RF hochzuregeln und
die Station auf SSB abzustimmen. In diesem Fall läßt
sich ein erstaunlich selektives Signal gewinnen. Das
S-Meter ist nicht geeicht und nicht nach S-Stufen
kalibriert. SSB-Demodulation ist - wie bei allen
vergleichbar konzipierten Geräten - recht mühsam, da
die Feineinstellung viel Fingerspitzengefühl erfordert
und abwechselnd die Skala, der BFO und die RF-Gain
(HF-Verstärkung) nachtrimmt werden müssen.
Beispielhaft ist das Begleitmaterial: Der "Shortwave
Guide" enthält alle wichtigen Informationen für
den Newcomer, eine (gute) Anleitung zum Abfassen eines
Empfangsberichtes, zur Führung des Logbuches usw., sowie
eine Sendertabelle, die zwar zwangsläufig nur in Grenzen
zutreffen kann, aber bestimmt als erstes Hilfsmittel
willkommen ist. Einziges Detail, das verbesserungswürdig
wäre: es fehlt der Hinweis auf die DX-Zeitschriften; es
werden nur das WRTH und das Jahrbuch der Deutschen Welle
angeführt. Die technischen Unterlagen enthalten neben
dem Schaltplan auch eine genaue Abgleich-Anleitung.
Zusammenfassung
Der Globetrotter ist trotz seiner Grundkonzeption mit
Trommeltuner, die nicht mehr den heutigen Anforderungen
an die Ablesegenauigkeit entspricht, ein in seiner
Preisklasse zu empfehlendes Gerät. Dies vor allem, weil
Trennschärfe und Empfindlichkeit, Bedienungskomfort und
Beigeben (Shortwave Guide) den Anforderungen entsprechen,
die ein Anfänger für den Einstieg ins DX-Hobby
erwartet. Für spezialisierten Betrieb, vor allem auf den
Tropenbändern, ist der Globetrotter in seiner
Preisklasse anderen Geräten bereits unterlegen. Wer
ohnedies über einen digitalen Frequenzmesser verfügt,
wird das Gerät voll nützen können und vor allem die
Einsatzmöglichkeit von besonderen LW-MW-Antennen
schätzen.
Die etwas verfehlte Gesamtkonzeption hat zum Preisverfall
geführt. Das Gerät wird für unter DM 500.- angeboten.
Nordmende Globetrotter 808: Technische Daten
Hersteller Nordmende
Vertrieb Fachhandel
Gerätetyp Kofferempfänger
Schaltungstyp Doppelsuper
Frequenzbereiche KW 1 - 3: 1.6 - 19 MHz sowie 11
Rundfunk- und Amateurfunkbänder und LW, MW, UKW
Frequenzanzeige analog
Ablesegenauigkeit +/- 20 kHz
Besonderheiten gespreizte Kurzwellenbänder auf
Trommeltuner
HF-Teil
Empfindlichkeit (6 dB S+N/N)
5 uV (AM breit), 4 uV (AM schmal)
Trennschärfe (kHz) -6 dB / -60 dB:
schmal 6.0 / 15.0 kHz
breit 7.0 / 18.0 kHz
Spiegeltrequenzsicherheit besser als 65 dB
Abstimminstrument vorhanden
Antennen Teleskopantenne, Ferritantenne für MW und LW
Antennenanschlüsse für KW und UKW vorhanden
NF-Teil
Leistung, Sinus 1.5 Watt, 10% THD
Tonblende Höhen, Tiefen
Lautsprecher zwei
Anschlüsse Ohrhörer, Lautsprecher, Aufnahme
Stromversorgung Netz 110/220 Volt umschaltbar; Batterie
sechs Monozellen oder Akku
Leistungsaufnahme ca. 16 Watt bei Netzbetrieb
Maße 40 > 25 x 12 BHT in cm
Gewicht 4,4 kg mit Batterien
FTZ-Nummer 8.104 A
Preis DM 600,-