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Am Anfang stand die Idee, die Veränderungsprozesse und ihre Echos im zeitgenössischen Kunstschaffen in den Ländern aufzuspüren, die durch eine 40- bis 80-jährige eiserne Grenze vom Westen Europas getrennt waren. Nach und nach löste sich dieser Bezug. Die Aufmerksamkeit wandte sich Ländern und Regionen zu, deren „Kulturlandschaften" nicht nur durch eine lange Tradition künstlerischer Vielfalt, sondern auch durch historische, politische, soziale oder wirtschaftliche Spannungsfelder und Aufbrüche geformt werden.
CULTURESCAPES GEORGIEN 2003
Junge Dichter wie Rati Amaglobeli und Pako Swimonischwili oder der grosse Komponist Giya Kancheli standen 2003 ebenso im Zentrum, wie eine Ausstellung mit Miniaturen aus Emaille, Künstler im Bereich der Neuen Medien oder Filme der reichen georgischen Filmgeschichte. Dass das Podiumsgespräch "Georgien - Wohin?" gerade an dem Tag angesetzt war, an dem die Demonstranten der Rosenrevolution Eduard Schewardnadse aus dem Parlament gejagt haben, bescherte uns enormes mediales Interesse.
CULTURESCAPES UKRAINE 2004
Literatur aus Czernowitz, eine Stadt in der heutigen Ukraine und dem früheren Habsburgischen Reich, die Katastrophe von Tschernobyl (Ausstellung) sowie die Musik von Valentin Silvestrov waren 2004 die Hauptthemen. Und erneut wollte es der Zufall, dass während des Podiumsgesprächs "Ukraine Wohin?" die Demonstranten der Orangen Revolution auf dem Kiewer Maidan, dem Platz der Unabhängigkeit, um eine Neuauszählung der Wahlen kämpften.
CULTURESCAPES ARMENIEN 2005
Das Gedenken zum 90. Jahrestag des von den Osmanen an den Armeniern verübten Genozids gab hier den Anstoss zu einem umfassenden Portrait Armeniens. Die Themen: "Paradies auf Erden", "Stimmen der Stille" und "Gedächtnis und Identität" eröffneten neue Zugänge und Dialoge. Zum ersten Mal fand ein internationales Symposion zu dem Thema des Genozids in der Öffentlichkeit statt - ohne Einladung und ohne Polizeischutz. Besondere Highlights waren religiöse Gesänge der ältesten Staatskirche der Welt und ein Kompositionsauftrag an Tigran Mansurian, der von den Weltspitze-Musikern Patricia Kopatchinskaja und Sol Gabetta zusammen mit dem Hilliard Ensemble und Kim Kashkashian uraufgeführt wurde. Eine Retrospektive zu Sergei Paradschanows Werk mit zum Teil noch nie im Westen gezeigten Filmen bot auch Cineasten Stoff zum Entdecken.
CULTURESCAPES ESTLAND 2006
Mit einem Symposion zum
15. Jahr der Unabhängigkeit Estlands schärften wir den Blick für die enorme
Geschwindigkeit der Modernisierung in diesem Land, die dazu führte, dass Estland
als erstes baltisches Land auch der Europäischen Gemeinschaft beigetreten ist.
Neu war in diesem Jahr auch, dass Estland als erstes Land einen finanziellen Beitrag zur Realisierung des Festivals geleistet hat. Das konnten wir seitdem so beibehalten.
CULTURESCAPES RUMÄNIEN 2007
Diesmal war ein Land zu
Gast, welches von enormen Umwälzungen betroffen war und kurz nach dem Festival EU-Mitglied
wurde. Die Theaterszene in Bukarest ist sehr wichtig für die Verarbeitung der Post-Ceaucescu
Zeit. Humorvoll, selbstkritisch und lebendig sind die Texte und Inszenierungen
von Peca Stefan, Lia Bugnar, Ana Margineanu und dem Monday Theatre@Green Hours.
Allesamt wichtige Exponenten der Szene, die wir präsentieren konnten und die später
u.a. in London und Berlin grosse Bekanntheit erlangten.
CULTURESCAPES TÜRKEI 2008
Diese Entwicklung hat
sich 2008 noch weiter fortgesetzt, so dass sich CULTURESCAPES mit weiteren
Veranstaltungspartnern in Genf und Chur zu einem schweizweiten Netzwerkfestival
entwickelte. Die Türkei zeigte sich mit einem Fokus auf das zeitgenössische
Tanz- und Theaterschaffen: Neben Taldans, Aydın Teker, Şahika Tekand war auch
die erste Produktion „Das hässliche Menschlein" (trk. „Çirkin İnsan Yavrusu") der
Gruppe oyun deposu zu sehen. Politische und gesellschaftliche Fragen, z.B. zum
Verhältnis Türkei und Europa, wurden bei Podiumsgesprächen und bei überdurchschnittlich
gut besuchten Vorträgen an der Volkshochschule sowie bei Lesungen von Autoren
im Literaturhaus Basel und der Buchbasel thematisiert.
CULTURESCAPES ASERBAIDSCHAN 2009
Angestossen durch die bisherigen Erfahrungen konnten wir 2009 mit einer
Publikation im Christoph Merian Verlag ein absolut unabhängiges Medium
schaffen, welches Hintergründe und allgemeine Information mit einer
journalistisch-kritischen Auseinandersetzung verbindet.
CULTURESCAPES CHINA 2010
Eine neue Dimension
erreichten wir 2010 mit CULTURESCAPES China. Da sind es die Zahlen, die eine
wenn auch einseitige Sprache sprechen: über 400 Künstler aus dem Land der
Mitte, über 180 Veranstaltungen bei mehr als fünfzig Partnerveranstaltern und
über 60.000 Besucher. Koproduktionen mit dem Video und Performance-Künstler
Wang Jianwei, der Choreografin Jing Xing, einen Kompositionsauftrag für ein Klavierkonzert
an Wang Xilin, die achtstündige Performance "Memory" (zum Thema der Kulturrevolution) von
dem Living Dance Studio aus Beijing, ein Teezeremonienmeister, um nur einige Höhepunkte
zu nennen.
Das Programm der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia "Swiss Chinese Cultural Explorations" war substantieller Bestandteil mit neun Kooperationen zwischen schweizerischen und chinesischen Künstlern in den Sparten Theater, Musik und Bildende Kunst.