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27. Februar 2013 / Kommentare (17)
Am 26. Juli 2012 sagte EZB-Präsident Mario Draghi auf einem Podium in der Londoner City: “Die EZB ist bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten … Und glauben Sie mir, es wird genug sein.”
Seither stieg der Euro gegenüber dem Yen um über 30 Prozent und gegenüber dem Dollar um über 10 Prozent. Auch gegenüber dem Franken stieg er, allerdings etwas weniger (plus 3 Prozent), weil die Märkte mit dem Verkauf der SNB-Bestände rechnen müssen.
Die Aktienmärkte haussieren in Erwartung, dass die EZB notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von kriselnden EU-Mitgliedern aufkaufen wird. Die Frage stellt sich: Wie will die EZB den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen finanzieren? Beziehungsweise wie hat sie solche Käufe bisher finanziert?
Ein Blick in die konsolidierte Bilanz der EZB gibt uns die Antwort: Von Januar 2009 bis Januar 2013 hat der aktive Bilanzposten “Wertpapiere in Euro von Ansässigen im Euro-Währungsgebiet” um rund 300 Milliarden Euros auf 585 Milliarden Euro zugenommen.
Der Aktivposten “Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet” hat sich gar um rund 370 Milliarden auf fast 1’120 Milliarden Euro vergrössert.
Die Finanzierung erfolgte, genau gleich wie bei unserer Nationalbank, zum weitaus grössten Teil über die Erhöhung der Einlagen von Kreditinstituten bei der Zentralbank.
In der konsolidierten Bilanz der EZB heisst dieser Posten: “Verbindlichkeiten in Euro aus geldpolitischen Operationen gegenüber Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet”. Darunter befinden sich auch die “Girokonten”, “Mindestreserven” und “Termineinlagen”.
Dieser Passivposten kletterte um 560 Milliarden auf fast 925 Milliarden Euro (siehe EZB: Konsolidierter Wochenausweis des Eurosystems zum 4. Januar 2013).
Mitgeholfen bei der Finanzierung von Staatsanleihen (in weitaus geringerem Ausmass) hat ferner die Emission von zusätzlichen Banknoten dank der Erweiterung der EU (Banknoten sind Kredite der Konsumenten an die Zentralbank; beziehungsweise Banknoten sind von der Zentralbank emittierte Obligationsscheine).
Was zeigen uns diese Zahlen? Sie sind Beweis dafür, dass die EZB – genauso wie unsere SNB – “nur mit Wasser kocht”.
Will heissen: Keine Notenbank kann “aus dem Nichts heraus” Kapital schaffen. Notenbanken können erst Kredite sprechen, wenn sie selber Kapital aufgenommen haben.
Dasselbe gilt auch für das US-Fed: Wenn das Fed beispielsweise im Zuge eines sogenannten “quantitative easing” Wertpapiere kauft als Aktivposten “Securities”, so muss auch das Fed sich refinanzieren.
Das Fed nimmt Kredit auf vorwiegend über den Passivposten “Deposits”, was Einlagen von Kreditinstituten gleichkommt (siehe Federal Reserve Statistical Release, h.4.1.).
Der Glaube, dass eine Notenbank selber Kapital schaffen und die Zinsen senken könne, ist naiv.
Sie kann sich am kurzen Ende verschulden und am langen Ende investieren – aber das ist nur eine Drehung der Renditekurve. Sie kann die Renditekurve als Ganzes nicht verschieben.
Wenn eine Notenbank behauptet, sie “schöpfe Geld” beziehungsweise sie “erschaffe” Geld – dem “Schöpfer” gleich –, so bedeutet das im Klartext: Die Zentralbank nimmt Kredit auf.
Warum aber haben die Zentralbanken seit Ausbruch der Finanzkrise solche Unmengen von Staatsanleihen und anderen Obligationen aufgekauft?
Die Antwort ist einfach: Viele Staaten und Unternehmen bekommen am Kapitalmarkt aufgrund ihrer schlechten oder zweifelhaften Bonität kein Kapital mehr. Hier springen die Notenbanken ein: Sie kaufen qualitativ minderwertige Wertschriften.
Diese finanzieren sie mit Kapital von Finanzinstituten, welche ihr Vermögen in qualitativ gute Wertschriften investieren möchten. Anstatt also selber minderwertige Finanzprodukte zu kaufen, ziehen es die Investoren vor, in Schulden der Zentralbank zu investieren.
Die heutigen Zentralbanken betätigen sich somit als gigantische Kreditwaschmaschinen: Sie kaufen minderwertige Wertschriften und verpacken diese als Schulden der Zentralbank mit der besten Bonität.
Letztlich garantiert für die Zentralbank der Steuerzahler. Das verbessert die Bonität. Aus “schlechter Bonität” wird vermeintlich “gute Bonität”.
Diese Rechnung ist bisher aufgegangen – siehe jüngstes Rallye. Aber wie lange noch wird es gehen, bis die erste Zentralbank negatives Eigenkapital aufweist und keinen Kredit mehr bekommen wird?
Wie hat die Finanzkrise überhaupt angefangen?
Genau – mit der Verwässerung der Bonität von ganzen Immobilienpaketen. Genau dasselbe tun heute die Zentralbanken.
Und unsere Nationalbank? Auch sie hilft munter mit bei der “Umverpackung” von schlechten Staatsanleihen in vermeintlich “gute” Schulden der Notenbank. Über 400 Milliarden Staatsschulden hat sie dafür bis jetzt à fonds perdu “aufgeworfen”.
Damit liegt unsere SNB einsam an der Spitze. Während die Schulden von Fed und EZB rund 3 mal so hoch sind wie die Menge an emittierten Banknoten, erreicht diese Zentralbank-Finanzkennzahl bei der SNB über 7 mal (siehe SNB, Statistische Monatshefte).
Dadurch wird die Bonität des ganzen Finanzplatzes am Paradeplatz “verwässert” – zudem noch wesentlich schlimmer als alle übrigen Finanzmärkte. (Siehe auch den Beitrag “Bürkliplatz – massive Bedrohung für Paradeplatz”.)
Erstaunlich ist, dass internationale Rating Agenturen wie Standard and Poor’s oder Moody’s die immer schlechter werdende Bonität der Zentralbanken – der grössten und bedeutendsten Schuldner unserer Zeit – nicht beurteilen und herunterstufen.
Es wird Zeit für die Finanzmärkte, sich von den Zentralbanken zu emanzipieren.