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Nach seiner oscargekrönten, feinsinnigen Literaturverfilmung «Call Me by Your Name» überrascht Luca Guadagnino mit einem Remake von Dario Argentos wahrscheinlich bekanntestem Film. Er verlegt die Geschichte aus Freiburg im Breisgau nach Berlin und verwandelt den Originalstoff in Vielem in sein Gegenteil, irgendwo zwischen Arthaus und Horror. Nicht verpassen!
Soeben ist die fromme Susannah (Dakota Johnson), auch genannt Susie, aus Ohio ins Berlin der 70er Jahre gekommen. Dort erwartet sie das Tanzstudio von Mutter Markos (Tilda Swinton), in der kurz vor ihrem Eintreffen eine andere Tänzerin spurlos verschwunden ist. RAF-Terrorismus und das geteilte Berlin bilden den Hintergrund, vor dem Susie ihr neues Leben in der Fremde kennenlernt…
Luca Guadagnino ist ein grosser Stilist, andererseits ist es auch verblüffend, wie gross die Bandbreite seines Schaffens ist – ob Literaturverfilmung («Melissa P», «Call Me by Your Name»), Remake («A Bigger Splash») oder Originalstoff («Io sono l’amore»), ob Spielfilm oder Dokumentarfilm («Inconscio italiano»), ob auf Englisch oder Italienisch oder auch in verschiedenen Sprachen wie nun mit «Suspiria» – Guadagnino versteht sich selber zweifellos als auteur; und deshalb versteht es sich auch von selbst, dass «Suspiria» sich nicht sklavisch an den Originalfilm von Dario Argento hält.
Ganz im Gegenteil: seine Bearbeitung des Stoffs (nach einem Drehbuch von David Kajganich, der bereits den klassischen SF/Horror-Stoff «Invasion of the Body Snatchers» in die heutige Zeit geholt hat und mit dem Guadagnino bereits bei «A Bigger Splash» zusammengearbeitet hat) ist ganz originell und in entfernt sich in Vielem sehr stark vom Originaldrehbuch von Daria Nicolodi und Dario Argento.
Mit «Call Me by Your Name» (und «Inconscio italiano») verbindet Guadagninos «Suspiria» das Interesse für die Geschichte; hier die 70er Jahre, dort die 80er Jahre (bzw. die jüngere italienische Geschichte). Die Geschichte – die deutsche Geschichte – ist in Guadagninos Film so oder so omnipräsent; die Hexen stehen dabei für den Faschismus (Motto der spanischen Faschisten: «viva la muerte») – ein Thema, dem Guadagnino gerade als Italiener besonderes Augenmerk schenkt. Gedreht wurde in Berlin und in Varese, Italien an sich spielt dabei keine Rolle, aber die Aufarbeitung der deutschen Geschichte steht hier auch für die italienische Geschichte.
Da non perdere – nicht verpassen! Und wer «Suspiria» gesehen hat, wird sich noch mehr freuen auf das Sequel zu «Call Me by Your Name» und «Blood on the Tracks», einem neuen Film von Guadagnino, der auf dem gleichnamigen Album von Bob Dylan basiert.
«Suspiria». Italien/USA 2018. Regie: Luca Guadagnino. Mit Dakota Johnson, Tilda Swinton, Chloë Grace Moretz, Doris Hick, Malgorzata Bela, Angela Winkler, Mia Goth, Ingrid Caven, Sylvie Testud, Renée Soutendijk, Jessica Harper u.a. Deutschschweizer Premiere am 1. Februar 2019 im B-Movie Basel. www.b-movie.ch
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