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Pumas statt mehr Wohnraum in Woodside
Dank einem neuen Gesetz können in Kalifornien auf Einfamilienhaus-Grundstücken auch Doppelhäuser gebaut werden. Davon will man in Woodside nichts wissen und hat deshalb das ganze Städtchen zum Lebensraum von Pumas erklärt.
Quelle: National Park Service, USA, Gemeinfrei
Pumaweibchen, in der Nacht unterwegs in der Nähe von Los Angeles.
Woodside liegt im Silicon Valley, rund 15 Kilometer südlich von San Francisco. Das Städtchen mit 5500 Einwohnern gilt als eine der wohlhabendsten und exklusivsten Kommunen der USA. Unter anderem leben hier einige Tech-Milliardäre. Einer davon ist Oracle-Gründer und -CEO Larry Ellison, er hat sich hier ein 200 Millionen Dollar teures Anwesen bauen lassen, das einer kaiserlichen japanischen Palastanlage aus dem 16. Jahrhundert nachempfunden ist.
Berglöwen in San Francisco und LA?
Dass, wer sich in Woodside niederlassen will, ziemlich tief in die Tasche greifen muss, hätte ein neues für ganz Kalifornien geltendes Gesetz zumindest teilweise ändern sollen: Es ermöglicht die Bebauung von bislang Einfamilienhäusern vorbehaltenen Grundstücken mit Doppelhäusern und ist per 1. Januar in Kraft getreten. Geht es nach den Behörden von Woodside wird daraus nichts: In diesen Tagen haben sie bekannt gegeben, dass der gesamte Ort von dem Gesetz ausgenommen ist. Wie die Los Angeles Times berichtete, haben sie dazu kurzerhand ganz Woodside zur „Cougar Town“ oder vielmehr zum Lebensraum für potenziell gefährdeten Pumas oder Berglöwen erklärt.
Geht diese Strategie auf, könnte laut der Zeitung ein grosser
Teil Kaliforniens, inklusive der grossen Städte, für den Bau von Doppelhäusern
auf Einfamilienhausgrundstücken gesperrt werden: Das gesamte Küstengebiet
Kaliforniens südlich von San Francisco, samt der Bezirke Los Angeles, Orange
und San Diego, würde als Lebensraum für Berglöwen gelten, wenn die
kalifornischen Naturschutzbehörden den Antrag auf Ausweisung als gefährdete Art
prüfen würden.
Gefängnisbetten als günstiger Wohnraum
Allerdings versuchen nicht nur die Zuständigen in Woodside mit kreativen Konzepten, Auflagen für günstigem Wohnraum zu umgehen. Und dies auch nicht erst seit dem neuen Gesetz: So hat man zum Beispiel vor rund zwanzig Jahren in Folsom versucht, die Betten des Gefängnisses als günstigen Wohnraum zu deklarieren und somit anzurechnen.
Wie Daniel Yost, Jurist und bis 2020 Stadtrat von Woodside gewesen,
gegenüber der Los Angeles Times erklärt, hätten manche Einwohner den
kalifornischen Traum verwirklicht und seien nun geizig geworden, wenn es darum ginge,
andere auch nur einen Bruchteil daran teilhaben zu lassen. „Man sollte nicht
eine Sekunde glauben, dass es hier um den Lebensraum der Berglöwen geht“, wird
Yost zitiert. „Das ist es nicht. Es ist der Widerstand einiger Mitglieder des
Stadtrats, unseren fairen Anteil an der Erfüllung der Wohnungsanforderungen zu
leisten.“ (mai)