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Prinzip der Vasektomie
Die Vasektomie oder Unterbindung ist eine Operation, die der Unfruchtbarmachung beim Mann dient.
Im Gegensatz zur Sterilisationsoperation bei der Frau wird dafür keine Narkose benötigt: der Eingriff wird ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt. Auch die Risiken eines Eingriffes in der Bauchhöhle
fallen weg.
Bei der Operation wird von beiden Samenleitern, die den Nebenhoden mit der Harnröhre verbinden, je ein
ca. ein Zentimeter langes Stück entfernt. Die beiden Enden des durchtrennten Samenleiters werden mit Fäden unterbunden.
Ablauf der Operation
Von der Tagesklinik, wo Sie sich ausziehen müssen, werden Sie in die Schleuse des Operationssaales gebracht. Dort müssen Sie auf den Operationstisch 'umsteigen' und werden dann in den Operationssaal gefahren. Der Penis wird mit einem Klebestreifen auf der Bauchhaut fixiert. Der Hodensack wird vom Operationsgehilfen sparsam rasiert und danach desinfiziert. Anschliessend wird die Umgebung mit sterilen Tüchern abgedeckt.
Obwohl Sie danach keinen Sichtkontakt mit mir mehr haben werden, können Sie ohne weiteres mit mir sprechen. Ich werde Ihnen jeden weiteren Schritt des Vorgehens ankündigen und bin Ihnen dankbar, wenn Sie mir unverzüglich melden, wenn Sie Schmerzen haben oder sich unwohl fühlen.Noch bevor die Region unempfindlich gemacht wird, werde ich dann als erstes auf der einen Seite des Hodensackes durch die Haut den Samenleiter erfühlen. Dieser ist eine drahtige Struktur, die Sie selber spüren können, wenn Sie das Gewebe oberhalb des Hodens zwischen zwei Finger nehmen.
Wenn der Samenleiter identifiziert ist, wird er mit der einen Hand fixiert, und mit der anderen wird die Lokalanästhesie gesetzt. Nach dem Hautstich werden Sie ein Brennen verspüren, worauf das Gebiet innert kurzer Zeit völlig unempfindlich wird.
Jetzt kann der Eingriff beginnen: die Haut wird in der Mittellinie auf einer Länge von ca. 1 cm eröffnet, und der Samenleiter der einen Seite wird isoliert. Möglicherweise werden Sie in diesem Moment ein Ziehen in der Leistenregion verspüren, das durch den Zug am Samenleiter entsteht und sich kaum verhindern lässt.
Dann wird ein Stück von etwa 1 cm Länge herausgeschnitten und zur feingeweblichen Untersuchung
geschickt (s. unten). Die beiden Enden werden mit je einem Faden unterbunden. Danach wird über dem einen Ende des Samenleiters das Gleitgewebe zugenäht, über dem anderen Ende hingegen nicht, damit sich die beiden Enden in unterschiedlichen Gewebeschichten befinden. Damit wird eine spontane Rekanalisation verhindert.
Danach folgt die Operation der Gegenseite durch dieselbe Hautwunde, was also eine weitere Spritze zum Unempfindlichmachen des anderen Samenleiters, jedoch keinen weiteren Hautschnitt benötigt. Abschliessend wird die Haut mit wenigen Nähten verschlossen, die sich nach einigen Tagen selbst auflösen.
Nachbehandlung
Eine spezielle Nachbehandlung ist nicht notwendig, Sie sollten aber einen Slip und in den ersten Tagen keine Boxershorts tragen. Die am Ende der Operation aufgelegte Gazekompresse kann nach einigen Stunden entfernt werden, und es ist in der Regel kein weiterer Verband notwendig.
Duschen dürfen Sie nach 24 Stunden wieder, baden sollten Sie aber erst, nachdem die Hautfäden abgefallen sind, was 8 - 10 Tage dauert. Für den Fall, dass nach der Operation Wundschmerzen auftreten, bekommen Sie einige Schmerztabletten mit nach Hause.
Sollten die Schmerzen damit nicht zu beheben sein, so bitte ich Sie, sich mit Ihrem Hausarzt oder mit mir in Verbindung zu setzen. Normalerweise ist die Arbeitsfähigkeit nach 1-2 Tagen wieder gegeben.
Obwohl die Samenleiter durchtrennt sind, sind Sie nicht sofort unfruchtbar, da in den Samenblasen oberhalb der Vorsteherdrüse (Prostata) ein Vorrat an Spermien besteht. Sie sollten deswegen bis zur Spermien-Untersuchung (s.unten) die bisherige Form der Schwangerschaftsverhütung weiterführen, Ihre sexuelle Aktivität aber nach abgeschlossener Wundheilung wieder aufnehmen, um dieses Reservoir zu entleeren.
Dabei können Sie in der ersten Zeit beim Samenerguss ein Ziehen im Hodensack verspüren, wenn sich der
unterbundene Samenleiter zusammenzieht. Dieses unangenehme Gefühl verschwindet aber innert Monaten vollständig. Die Ergussmenge bleibt durch die Unterbindung unverändert, da 90% der Samenflüssigkeit aus der Prostata stammt.
Ebenso werden weder das sexuelle Verlangen (Libido) noch die Erregbarkeit (Potenz) oder die sexuelle Empfindung beim Orgasmus verändert.
Komplikationen
Diese sind insgesamt selten: am häufigsten kommt es mit 3,5% zu leichten Nachblutungen, die entweder nach innen (Bluterguss) oder nach aussen (Blutung aus der Wunde) stattfinden können. Steht die Blutung nicht von selbst, so melden Sie sich bitte unverzüglich bei mir oder auf der Notfallstation des See-Spitals Horgen.
Noch seltener kommt es zu Infektionen. Diese äussert sich durch eine schmerzhafte Schwellung, pulsierende
Schmerzen oder den Austritt von Eiter. Meist lässt sich dieses Problem lösen, indem die Hautfäden vorzeitig entfernt werden.
Sicherheit
Die Vasektomie ist ein ausserordentlich sicheres Verfahren zur Unfruchtbarmachung. Wenn die untenstehenden Vorsichtsmassnahmen eingehalten werden, besteht ein Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft von 99,9%. Das heisst aber, dass in 1 von 1000 Fällen trotzdem eine Schwangerschaft möglich ist, indem der Samenleiter sich rekanalisiert.
Die entfernten Stücke beider Samenleiter werden separat feingeweblich untersucht. Damit wird sichergestellt, dass tatsächlich der Samenleiter und nichts anderes unterbunden worden ist.
Die zweite Sicherung besteht darin, dass 3 Monate nach der Operation ein Spermiogramm durchgeführt wird. Das dazu notwendige Plastikfläschchen wird Ihnen vor Austritt von der Tagesklinik mitgegeben. Erst
wenn Sie nach der Sperma-Untersuchung durch unser Labor von mir schriftlich Bescheid erhalten, dass Sie steril sind, können die bisherigen Massnahmen zur Schwangerschaftsverhütung weggelassen werden.
In etwa 1 - 2% der Fälle finden sich im Spermiogramm noch Spermien. Ist dies auch bei einer Wiederholung
nach weiteren 6 Wochen (bei normaler sexueller Aktivität und unter anderweitigem Schutz vor einer Schwangerschaft) noch der Fall, so muss eventuell erneut operiert werden.
Rückgängigmachung
Obwohl die Vasektomie grundsätzlich als definitive Form der Schwangerschaftsverhütung zu betrachten ist, kommt es vor, dass nach einigen Jahren der Wunsch entsteht, den Eingriff rückgängig zu machen. Am häufigsten ist dies bei Männern, die die Vasektomie in einem Alter unter 35 Jahren oder in einer Gefühls- oder Beziehungskrise haben durchführen lassen.
Technisch ist dies möglich: die beiden Enden des Samenleiters müssen in Narkose unter dem Operationsmikroskop aufgesucht und mit mikrochirurgischer Technik neu miteinander verbunden werden.
Die Rekanalisationsrate, das heisst das Wiederauftauchen von Spermien in der Samenflüssigkeit, liegt heute bei über 90%. Die Schwangerschaftsraten liegen aber deutlich tiefer; diese hängen insbesondere von der Zeit seit der Vasektomie ab. Durchschnittlich darf nicht mit mehr als etwa 50% gerechnet werden.
Vorbesprechung mit Ihrer Partnerin
Obwohl dies rechtlich nicht gefordert wird, ist es doch sinnvoll, wenn Sie mit ihrer Partnerin den vorgesehenen Eingriff besprechen. LASSEN SIE SICH KEINENFALLS ZUR VASEKTOMIE ÜBERREDEN! Überlegen Sie sich stets, wie sie damit umgehen würden, wenn Sie aus irgendwelchen Gründen Ihre Partnerin oder ein Kind verlieren würden. Wenn Sie in einer solchen Situation unbedingt noch zeugungsfähig sein wollen, so ist die Vasektomie nicht die richtige Methode der Schwangerschaftsverhütung für Sie.
Kosten
Der Eingriff muss selbst bezahlt werden, da die Krankenkassen diesen kaum je übernehmen. Wir bieten
die Vasektomie für eine Pauschale an (Operation inkl. Honorar und OP-Benützung und feingewebliche Untersuchung), die 850 Franken beträgt. Die vorgängige Besprechung in meiner Sprechstunde wird separat verrechnet, in aller Regel aber von den Krankenkassen übernommen. Die Spermakontrolle nach 3 Monaten muss ebenfalls separat bezahlt werden: die aktuellen Kosten sind 60 Franken.