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Nach der späten Bettruhe gönnen wir uns etwas Extra-Schlaf und brechen dann Richtung Norden auf. Auf einer erstklassigen, dreispurigen Autobahn brettern wir durch eine Gegend, die gegenüber dem Indus-Tal wie aus einer anderen, viel moderneren Welt erscheint. Beim Passieren von Abottabad ergibt sich eine kurze Diskussion mit unserem Guide zum Thema Osama bin Laden. Er ist - wohl zusammen mit vielen Einheimischen - der Auffassung, dass der Bärtige nicht hier gelebt haben kann (weil die Nachbarn nie Security-Guards vor dem fraglichen Haus gesehen hatten). Der Hintergrund dieser Skepsis ist wohl, dass viele Pakistani immer noch nicht verdaut haben, dass das amerikanische Spezialteam unangemeldet seine Aktion auf pakistanischem Territorium durchgeführt hat.
Unsere Fahrt wird mit einer gewissen Regelmässigkeit von Polizeikontrollen unterbrochen, unser Führer nervt sich bei jedem Halt. Weiter nördlich gibt es sogar einen sogenannten Forest Checkpoint, wo die LKW’s überprüft werden, ob sie illegal geschlagenes Holz geladen haben. Je weiter wir nach Norden kommen, wird die Strasse zunehmend schlechter. An vielen Orten rutscht der Hang regelmässig, was zu den vielen Fahrbahnschäden beiträgt. Auch sonst geht es wieder einfacher zu und und her, primitive Zelte am Strassenrand sind eines der Zeichen dafür.
Ungefähr in der Mitte des Naran-Khagan-Tals wechseln viele Wegweiser plötzlich von Urdu auf Chinesisch. Die Chinesen bauen in diesem Tal nämlich ein Wasserkraftwerk mit einer grossen Talsperre, grösstenteils mit eigenen Arbeitern. Selbst wenn in diesem Projekt nur wenige Einheimische Arbeit finden, stösst dieses mehrheitlich auf Zustimmung. Anders als in Belutschistan gibt es hier offensichtlich keine Probleme mit den chinesischen Gastarbeitern. Wenigstens soll der zukünftig produzierte Strom ins pakistanische Netz eingespeist werden. Wie Pakistan die Investitionen zurückzahlen soll, ist dann wieder eine andere Frage.
Am Strassenrand werden gefühlt alle 10m sackweise Baumnüsse verkauft. Zwischendurch werden Kokosnüsse angeboten, das Zielpublikum sind wohl die einheimischen Touristen. Sie kommen in den Sommermonaten in Heerscharen hierher, um der Hitze in den tiefer gelegenen Gebieten zu entfliehen. Jedes Restaurant hat lokal gezüchtete Forellen im Angebot und überall wo ein Bach durchfliesst, stehen Tische und Stühle im Wasser, womit die Gäste von unten Kühlung bekommen. Zu dieser Jahreszeit ist allerdings keine zusätzliche Kühlung notwendig, jedenfalls beträgt die Temperatur bei unserer Ankunft im heutigen Etappenziel Naran nur noch etwa 12°, immerhin ca. 30° weniger als gestern. Auch die Dusche in unserer Unterkunft liefert nur kaltes Wasser, dafür hat es keine Heizung. Ab unter die Bettdecke, gute Nacht!