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Abstraktionen-Die Suche nach einer Ausdrucksform
Eintauchen in eine imaginäre Welt. Gerhard Richter, Lèopold Survage, Anton Stankowski
Collage (Modell für einen Holzschnitt)
Warum fasziniert uns die Abstraktion so sehr? Ist es, weil sie uns in eine, uns unbekannte Welt, entführt? Weil es in unserer Natur liegt, dem, schon einmal Gesehenen, keine Aufmerksamkeit mehr zu widmen? Weil sie die Neugier für Neues, den Forschungsdrang in uns weckt? Weil sie Illusionsräume öffnet?
Wenn wir z.B. im Museum vor einem modernen, abstrakten Bild stehen, suchen wir in der Regel nach einer Bezeichnung, nach uns bekannten Dingen. Wir fragen uns: "Was will uns der Künstler damit sagen, was bedeutet diese Darstellung". Oft heisst es dann: "das könnte mein Kind auch". Damit hat man nicht ganz Unrecht. Aber ist es wirklich so? Sicher könnte das Kind ein Bild fertigen, welches dem an der Wand ähnelt, doch fehlt ihm die Geschichte dazu. Einem abstrakten Bild liegt meist ein Anlass zu Grunde. Wer nicht ein Motiv oder ein Gefühl als Ausgangspunkt besitzt bleibt an der Oberfläche.
Aber nicht immer!
"Wenn wir einen Vorgang beschreiben, eine Rechnung aufstellen oder einen Baum fotografieren, schaffen wir Modelle; ohne sie wüssten wir nichts von Wirklichkeit und wären Tiere. Abstrakte Bilder sind fiktive Modelle, weil sie eine Wirklichkeit veranschaulichen, die wir weder sehen noch beschreiben können, auf deren Existenz wir aber schließen können."
Text für Katalog documenta 7 1982 von Gerhard Richter
Fuji von Gerhard Richter (geb. 1932)
Und hier, wie immer, ein kurzer Überblick über sein Schaffen.
Gerhard Richter ist der zurzeit bekannteste und einflussreichste, lebende Künstler der Abstrakten Malerei. Er begann mit Werbeanzeigen, bevor er mit der Malerei begann. Zu den Abstraktionen fand er erst 1976. Seine Bilder sind inzwischen die teuersten der Welt. In seinen Anfängen war er fasziniert von Landschaftsmotiven.
Landschaft von Gerhard Richter
In der Kunstkritik wurde diesen Landschaften kaum Beachtung geschenkt. Vielleicht waren sie zu romantisch.
Es folgten Fotografien (vorwiegend aus der eigenen Familie) die er überarbeitete.
Das Bild "Tante Marianne" zeigt die Schwester seiner Mutter und Richter als Baby. Seine Tante erkrankte als junge Frau an Schizophrenie und wurde später von den Nationalsozialisten im Rahmen des Euthanasieprogramms ermordet. Dieses Bild wurde 2006 für mehr als zwei Millionen englische Pfund bei Sotheby`s versteigert.
Richter porträtierte seine Familie immer wieder, besonders seine Töchter Ella und Betty, sowie seine 3 Ehefrauen, Ema, Isa Genzken (seine Meisterschülerin) und Sabine Moritz, seine letzte Schülerin, mit der er drei Kinder hat.
Richter mit Frau Sabine
Sabine Moritz
Gerhard Richter prägte mit Sigmar Polke und Konrad Fischer den Begriff des "Kapitalistischen Realismus" (kritische Auseinandersetzung mit der Kunst der sozialistischen Staaten und der westlichen Konsumgesellschaft)
1976 war er Gastdozent an der Hochschule für bildende Kunst in Hamburg. Er nahm 1972 an der XXVI Biennale in Venedig teil und immer wieder an der Documenta.
Gerhard Richter war ein vielseitiger Künstler. Seine internationale künstlerische Anerkennung nahm in den Folgejahren zu, sodass ihm in den Jahren 1993/1994 eine umfassende Retrospektive mit Stationen in Paris, Bonn, Stockholm und Madrid gewidmet wurde. 2002 feierte ihn das Museum of Modern Art, New York, anlässlich seines 70. Geburtstags mit einer umfassenden Retrospektive. In ihr wurde mit 188 Exponaten die dort größte jemals einem lebenden Künstler gewidmete Ausstellung gezeigt.
Er ist mit seinen 90 Jahren inzwischen ein Urgestein und lebt zurückgezogen in Köln, der Stadt am Rhein. Im dortigen Dom ist ein Kirchenfenster zu bewundern, welsches Richter schuf.
Abstrakte oder Gegenstandslose Kunst ist im Grunde eine Sammelbezeichnung für die Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke sind losgelöst vom Gegenstand, von der genauen Darstellung der Natur, der Realität. Sie wirken durch Farben, Formen, Linien und Fläche. Es ist also eine Abkehr von der klassischen und traditionellen akademischen Malerei.
Die neue Art der Malerei galt bald als "Reine Kunst", da die Motive ausschliesslich aus den Köpfen der Künstler kamen und nicht kopiert werden konnten.
Es gibt aber Unterschiede in der einfachen Abstraktion eines Motivs und den Werken, die in keiner Beziehung zur Umwelt stehen.
Die oben aufgeführten Bilder von G. Richter stufe ich als Kunstwerke ein, die keinerlei Wiedererkennungswert besitzen. Dagegen sind die Arbeiten von Lèopold Survage (eigentlich heisst er Lèopold Sturzwage) der ersten Gruppe zuzufügen. Ich betrachte sie, als zum Kubismus zugehörig oder zum Abstrakten Realismus, welcher die Grauzone ist zwischen dem Gegenständlichen und dem Abstrakten.
Beim Abstrakten Realismus braucht es eine realistische Szene, eine konkrete Situation, eine gegenständliche Vorlage, die als zentrale Bildaussage arrangiert wird. Im Gegensatz zur rein Abstrakten Kunst gibt es also beim Abstrakten Realismus immer eine reale Vorlage oder Idee.
Bilder von Lèopold Survage
Das Imaginäre ist ein Sammelbegriff für alles „Bildhafte“. Darunter fallen materielle Bilder, aber auch mentale Vorstellungsbilder.
Lèopold Survage war ein französischer Maler des Kubismus, 1879 in Finnland geboren und 1968 in Paris, Frankreich gestorben. An der Kunstakademie in Moskau studierte er Malerei, zog später mit seiner Frau Helène Moniuschko nach Paris, wo er die Bekanntschaft vieler Künstler machte. Mit Henri Matisse, der ihn künstlerisch beeinflusste verband ihn eine enge Freundschaft. Wie viele damaligen Künstler verdiente er sich den Lebensunterhalt mit Tapisserien, Buchillustrationen, Bühnendesign, sowie Textil-Designs für das Haus Coco Chanel.
Seine Bilder erzielen bei Sotheby`s und Christies hohe Preise.
Lèopold Survage
Anton Stankowski
Begonnen hatte dieser als Dekorations- und Kirchenmaler in Deutschland. 1929 siedelte er nach Zürich und arbeitete dort in einem Reklameatelier von Max Dalang. 1938 übersiedelte er zurück nach Deutschland, wo er mit Emil Zander ein grafisches Atelier eröffnete. Zwischen 1940 und 1948 leistete er Kriegsdienst und kam in Gefangenschaft. 1962 und 1963 war er Gastdozent an der Schule für Gestaltung in Zürich.
Anton Stankowski, 1906-1998
Anton Stankowski war ein deutscher Grafikdesigner, Fotograf und Maler.
Sein Spektrum reichte vom Design bis hin zur Kunst und wird der "Konkreten Kunst" zugeschrieben. Darin leistete er Pionierarbeit und war Vorbild für jüngere und ältere Kollegen.
In seinem Buch "Bildpläne" beschreibt Stankowski seine Arbeit folgendermassen:
"Finden, vereinfachen, versachlichen und vermenschlichen, das sind meine Antriebsfaktoren. Dabei ist das Letzte das Schwierigste. Es geschieht meist durch den ästhetischen Prozess, der mit Ordnung verbunden ist. Man kann nicht vermenschlichen, indem man Wirrwarr schafft. Vermenschlichen kann man auch nicht dadurch, dass man Emotionen einbringt."
Ich habe bewusst Beispiele aus unterschiedlichen Kunstrichtungen gewählt: dem "Kapitalistischen Realismus", "dem Kubismus" und der "Konkreten Kunst".
Ihre Formensprachen sind unterschiedlich und lassen sich nicht vergleichen. Dennoch sind sie der Abstraktion zuzurechnen. Nicht das eigentliche Motiv und auch nicht die Ausführung sind von Bedeutung, sondern ob ein Bild Emotionen weckt beim Betrachter. Kunst ist immer subjektiv und manchmal findet man keinen Zugang zu einem Bild.
Ich glaube, es ist im Grunde nicht wichtig, in welche Stilrichtung ihr euch bewegt. Seid kreativ mit Pinsel und Farbe und habt Mut, Neues zu wagen.
Ich grüsse euch alle.
Katharina