Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03645.jsonl.gz/2464

Naturschutzgebiet Schintere, Thun
Das Schutzgebiet Schintere im Lerchenfeld, Thun, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Das Areal liegt im Bereich des alten Kanderlaufs, welcher etwas weiter nördlich in die Aare mündete, bevor 1714 die Umleitung in den Thunersee erfolgte. Der Boden besteht deshalb aus jungem, unverwittertem Schotter, welcher etwa 30 m mächtig ist. Auf den Kiesterrassen bildete sich standorttypischer Föhrenwald. In Teilen des heutigen Schutzgebiets wurde in den 50er-Jahren Kies abgebaut. Ein Teil des Abbaubereichs wurde in der Folge aufgefüllt und mit Fichten aufgeforstet. Sturm Lothar fällte Ende 1999 einen Grossteil des monotonen und dichten Bestandes, worauf eine teilweise Wiederaufforstung mit Laubbäumen erfolgte. Eine etwa 100x60 m messende Mulde, die bis in den Grundwasserbereich reicht, wurde jedoch seinerzeit nicht zugeschüttet und bildet heute einen Grundwasserweiher.
Kauf und Aufwertung
Pro Natura, Pro Natura Bern und Pro Natura Region Thun konnten das Gelände im Jahr 2001 gemeinsam vom VBS erwerben. Kurz darauf begannen wir, die offene Fläche aufzuwerten. Bis 2007 wurden fünf neue, ablassbare Weiher mit insgesamt 1000 m2 Fläche erstellt, eine Wasserversorgung installiert, Rundsteinmauern von 70 m Länge erbaut, Hecken gepflanzt und Kleinstrukturen angelegt. Um dem Publikum einen direkten Kontakt mit den Lebensräumen und ihren Bewohnern zu ermöglichen, wurde ein öffentlich zugänglicher Bereich mit einem Weiher und Sitzbänken geschaffen, während das restliche Gelände zum Schutz der Naturwerte abgezäunt ist.
Grosse Artenvielfalt
Die Artenvielfalt im Gebiet kann sich sehen lassen: Sechs Amphibienarten bevölkern die Gewässer, darunter der stark gefährdete Laubfrosch. Lange handelte es sich dabei um die letzte Population im Aaretal, bis sich vor einigen Jahren in einem renaturierten Auenbereich weiter nördlich eine Ablegerpopulation bildete. Das Überleben des Laubfrosches ist zweifelsohne der Tatsache zu verdanken, dass der Grundwasserweiher regelmässig im Winter austrocknet. Dies verhindert einen Fischbestand und sichert optimale Gewässerbedingungen für den Bewohner von Überschwemmungsflächen in Auen. Nebst den Amphibien besiedeln zahlreiche Libellen die vorhandenen Gewässer: 22 Arten wurden in den letzten Jahren gezählt. Die trocken-warmen Verhältnisse auf den mageren, steinigen Böden mit ihrer blumenreichen Vegetation schaffen auch günstige Voraussetzungen für andere Insekten. So findet sich als Spezialist etwa die Blauflüglige Ödlandschrecke. Während Zauneidechsen die gleichen Strukturen nutzen und sich von diesen Insekten ernähren, nutzt die Ringelnatter die Amphibien als Hauptnahrungsquelle und taucht eher um den Grundwasserweiher und am Waldrand auf.
Die geschaffenen Naturwerte bedingen eine dauernde Pflege, um ihre Eignung als Lebensraum zu erhalten. Pro Natura Region Thun unter Leitung von Verena Wagner widmet sich seit Übernahme des Objektes intensiv dem Unterhalt und verbessert das Lebensraumangebot laufend. Dabei werden sowohl Gruppen wie auch Einzelpersonen als freiwillige Helfer eingesetzt.