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06.08.2018 – Wegen der anhaltenden Wärme und Trockenheit ist die Waldbrandgefahr in der Schweiz hoch. Die Niveaus der Gewässer sind in dieser Jahreszeit im Vergleich mit den vergangenen Jahren tief. Die Niedrigwasserlage in der Schweiz bleibt bestehen. Die Hitze führt zu hohen Wassertemperaturen und intensiver Gletscherschmelze in den Hochalpen. Das BAFU informiert über die Auswirkungen der fehlenden Niederschläge auf Flüsse, Seen, Grundwasser, Wälder und Gletscher.
Aktuelle Lage der Flüsse und Seen
Die Niedrigwasserlage in der Schweiz bleibt bestehen. In der ganzen Schweiz sind die Abflüsse stark unterdurchschnittlich. Eine Ausnahme bilden die Einzugsgebiete mit Gletscherschmelze. An vielen Flüssen werden derzeit Abflussmengen gemessen, wie sie statistisch gesehen nur alle 2 bis 5 Jahre auftreten. An einigen Flüssen liegt die Jährlichkeit des Niedrigwassers auch deutlich höher. Sehr tiefe Abflüsse werden nicht nur an kleineren und mittleren Bächen und Flüssen gemessen, sondern auch bei vielen grösseren Fliessgewässern wie Thur, Limmat, Reuss, Aare, Rhein und Ticino. Hier liegen die registrierten Abflussmengen nahe oder teils auch unterhalb der langjährigen saisonalen Tiefststände. An einigen Stationen wurden seit dem Hitzesommer 2003, an einzelnen Stationen gar seit 1949, nicht so tiefe Pegelstände gemessen.
Bei den regulierten Seen werden zum Teil noch durchschnittliche Wasserstände gemessen. Ausserordentlich tiefe Wasserstände werden aber am Vierwaldstätter-, Zuger- und Zürichsee gemessen. Einen natürlichen Abfluss haben und somit nicht reguliert sind der Boden- und der Walensee. An beiden Seen werden für Anfang August extrem tiefe Wasserstände gemessen.
Infolge von Gewittern können kleine und mittlere Flüsse lokal und kurzzeitig stark ansteigen. In Kombination mit der Gletscherschmelze können die Anstiege besonders markant sein, so etwa in den stark vergletscherten Einzugsgebieten des Wallis.
Die geringe Wasserführung in Kombination mit der starken Sonneneinstrahlung und den hohen Lufttemperaturen führt an vielen Flüssen im Mittelland aktuell zu sehr hohen Wassertemperaturen.
Grundwasser
Im Zuge der seit etwa drei Monaten anhaltend deutlich unterdurchschnittlichen Niederschläge gingen Grundwasserstände und Quellabflüsse stetig zurück. Sie liegen heute verbreitet normal bis tief. Lokale Starkniederschläge infolge von Gewittern können vor allem bei oberflächennahen Lockergesteins- und Karst-Grundwasserleitern einen kurzfristigen Anstieg bei Grundwasserständen und Quellabflüssen zur Folge haben. Insgesamt ist bei den Grundwasserständen und Quellabflüssen aber weiterhin eine sinkende Tendenz zu verzeichnen.
Auswirkungen auf die Wasserversorgung
Aufgrund der Trockenheit kann es lokal Einschränkungen der Wassernutzung geben, dies vor allem an kleineren und mittleren Fliessgewässern sowie lokalen Grundwasservorkommen. Kantone und Gemeinden können Einschränkungen verfügen, etwa für die landwirtschaftliche Nutzung, oder auch Verbote und Wassersparaufrufe aussprechen. Dies ist in einigen Kantonen geschehen.
Mit einer flächendeckenden Wasserknappheit ist zurzeit aber nicht zu rechnen. Als Wasserschloss Europas verfügt die Schweiz über grosse Wasserreserven. 80 Prozent des schweizerischen Trinkwassers werden aus Grundwasser gewonnen, das erst mit einer Verzögerung von Wochen bis Monaten und deshalb weniger akut auf Trockenheit reagiert.
Auswirkungen auf Wasserlebewesen
Die tiefen Wasserstände und die hohen Wassertemperaturen wirken sich auf die Lebewesen im Wasser aus. Sehr hohe Temperaturen können bei Fischen, insbesondere die kaltliebenden Arten wie Forelle und Äschen, Stress verursachen oder gar zum Tod führen. Zudem steigt für die Tiere das Risiko, krank zu werden. In flachen Gewässern kann die Temperatur sehr rasch ansteigen, besonders, wenn keine Ufervegetation vorhanden ist und somit Schatten fehlt. Wenn die Wassertemperatur stark ansteigt, können die kantonalen Behörden zum Beispiel die Fische ausfischen und in grösseren und somit kälteren Gewässern wieder aussetzen. Diese Massnahme bedeutet aber einen zusätzlichen Stress für die Fische und sollte deshalb zurückhaltend eingesetzt werden. In naturnahen und vernetzten Gewässern können die Fische selber kühlere Abschnitte finden. Das zeigt, wie wichtig renaturierte, naturnahe und vernetzte Gewässerstrecken für Wasserlebewesen sind.
Besonders in kleinen Gewässern im Mittelland und im Jura steigen die Wassertemperaturen schnell an. Zurzeit liegen die Temperaturen in den Gewässern im Mittelland über dem Durchschnittswert für den Monat August. Gewässer, die von der Schnee- und Gletscherschmelze betroffen sind, bleiben in der Regel kälter als die übrigen. Zurzeit werden dort keine Rekordwerte registriert.
Gletscher
Die Hitze führt in den Alpen zu einer starken Gletscherschmelze. Sollten die Temperaturen hoch bleiben, dürfte dieser Vorgang in den kommenden Sommerwochen andauern. Dabei verlieren die grossen Gletscher weniger stark an Masse als die kleinen, weniger mächtigen Gletscher. Eine erste Einschätzung der Gletscherschmelze 2018 wird erst im Oktober möglich sein, wenn die hydrologischen Messdaten analysiert sein werden. Die definitive Bilanz wird Ende Jahr nach Auswertung der glaziologischen Daten erstellt.
Waldbrandgefahr
Die Waldbrandgefahr ist in den meisten Gebieten der Schweiz zurzeit erheblich bis sehr gross. Verschiedene Kantone haben Massnahmen wie bedingte oder absolute Feuerverbote im Wald und in Waldesnähe oder überhaupt ein Feuerverbot im Freien verhängt. Die Weisungen der lokalen Behörden sind strikt zu befolgen. Das BAFU und die Kantone verfolgen die Lage laufen.
Weitere Informationen über die aktuelle Waldbrandgefahr in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein sowie über Verhaltenstipps sind auf dem Portal www.waldbrandgefahr.ch zu finden. Die Behörden rufen generell dazu auf, mit Feuer im Freien vorsichtig umzugehen.
Wie lange braucht es für eine Normalisierung der Lage?
Das hängt von der Wetterentwicklung ab. Generell braucht es eine längere Phase mit regelmässigen, ergiebigen Niederschlägen, um ein Wasserdefizit in den Böden und im Grundwasser wieder auszugleichen und damit sich die Abflussmengen in den Fliessgewässern wieder normalisieren. Kaltfronten können die Wassertemperaturen relativ rasch abkühlen. Die Waldbrandgefahr wird ebenfalls erst durch länger anhaltende Niederschläge eingedämmt.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 14.08.2018