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Die Gemeinde erhält ein
repräsentatives Postgebäude
Im Herbst 1891 suchte die Kreispostdirektion im «Amtsblatt» in der Nähe des geplanten Bahnhofs Küsnacht für Dauermiete einen geeigneten Postraum von 100 bis 120 Quadratmeter Bodenfläche, beziehbar auf den Herbst 1893. Unmittelbar unterhalb der im Bau begriffenen Bahnstation besaß der Sonnenwirt Eduard Guggenbühl-Brunner eine Wiese von größerem Ausmaß. Schon vor Jahren hatte er die Initiative ergriffen für die Anlegung einer breiten Verbindungsstrasse zwischen der Schiffs- und der neuen Bahnstation. Er war bereit, hierzu das nötige Land gratis abzutreten und überdies an die auf ungefähr 8000 Franken veranschlagten Straßenbaukosten 2000 Franken aus eigener Tasche beizusteuern. Der Sonnenwirt beauftragte die Architektenfirma Kehrer und Knell mit der Erstellung von Projektplänen für ein repräsentatives Postgebäude unterhalb des neuen Bahnhofs und trat mit der Postdirektion in Mietverhandlungen ein.
Das ganze Erdgeschoss sollte der Post überlassen werden; in den Obergeschossen waren Wohnungen für den Posthalter und die Pächterin eines projektierten Bahnhofrestaurants vorgesehen. Der Sonnenwirt sah voraus, dass nach der Eröffnung der rechtsufrigen Zürichseelinie die Bahnpassagiere an Zahl den Schiffsbenützern weit überlegen sein würden. Es sollte daher bergseits an den dreigeschossigen Bau des Postgebäudes ein eingeschossiges Restaurant angebaut werden, das dann von der Verwandten Frau Bertha Burger-Guggenbühl geführt wurde.
Die großzügigen Pläne des Sonnenwirts fanden sowohl beim Gemeinderat für die Strasse wie auch bei der Postdirektion für die Einmietung ins Postgebäude Zustimmung. Die in Küsnacht bald beliebte Bahnhofswirtschaft trug den Übernamen «Zum Schneggen». Die Längswand auf der Seeseite erhielt nämlich eine künstlerische Bemalung durch den hiesigen Maler Otto Weber im „Maientraum“, welche einen von einer Schnecke gezogenen Eisenbahnzug darstellte mit dem Vermerk «Jetzt haben wir doch die Eisenbahn«. Ulkig wurde damit auf den schleppenden Gang der Bahnprojektierung und des Bahnbaus am rechten Ufer hingewiesen.
Eine der letzten Postkutschen bei ihrem Halt in Zollikon um 1894
Mit der Eröffnung der rechtsufrigen Zürichseebahn am 15. März 1894 fiel die Postbeförderung auf dem Wasserweg dahin. In jeder Richtung führten vier Züge Post mit. Als auf den 1. Januar 1902 der Schiffsbetrieb der Nordostbahn ohne Entschädigung in die Hände der «Zürichsee-Dampfboot-Gesellschaft» überging, musste sich diese als Gegenleistung verpflichten, in Zukunft keine Gütertransporte und keine Postbeförderung mehr auszuführen.
Architekt Albert Winiger weiss zu berichten, dass er als Schulknabe seinem Vater, der von 1905 bis 1918 in Küsnacht Postbeamter war, oftmals am Sonntagmorgen beim Stempeln der Briefe behilflich gewesen sei. In jenen Jahren wurde die Post auch am Neujahrsmorgen normal vertragen. Die täglich dreimalige Postzustellung, die am Morgen, vor dem Mittag und am frühen Abend erfolgte, dauerte bis 1962.
Erst rund dreißig Jahre nach der Einführung des Telefons in Küsnacht, nämlich im Jahre 1912, erhielt das Küsnachter Postbüro einen Telefonanschluss. Im Jahre 1921 ging das Postbüro von der Familie Guggenbühl in den Besitz des Bundes über. 1927 wurde die Telefonzentrale von der Dorfstrasse (heute Haus Humm) in das erste Stockwerk des Postgebäudes verlegt. 1940 erhielt Küsnacht im Postgebäude an der Poststrasse eine neue Schalteranlage; während der Umbauarbeiten diente ein Automobilpostbüro als Aufgabestelle. Nachdem die Räumlichkeiten an der Poststrasse von der Telefonverwaltung voll beansprucht werden mussten, erstellte die Post 1953 ein neues Postgebäude an der Bahnhofstrasse. 1959 erhielt Küsnacht eine Ortswerbeflagge mit einer von Graphiker Hans Richard Benz gezeichneten Ansicht von Kirche und Seminar. Seit dem 3. April 1992 wird der von Fred Bauer gestaltete Ortswerbestempel eingesetzt. Seit der Einführung des Taktfahrplans am rechten Ufer im Sommer 1968 werden (neben der Beförderung der Post in den Postwagen der Güterzüge) auch Postsäcke im Gepäckabteil von Vorortstriebzügen und S-Bahn-Lokomotiven befördert. Daneben verkehren täglich mehrmals direkte Postfourgons auf der Strasse ab Sihlpost.
Neben dem Postamt beim Bahnhof und den während Jahren geöffneten privaten Paketannahmestellen in Küsnacht-Goldbach (Drogerie an der Zürichstrasse 77) und in Itschnach (Spezereihandlung Geschwister Herder) existierte in den Jahren 1969 bis 1971 eine spezielle Weihnachtspoststelle im «Jürgehus» zur Annahme von Paketen. Heute besorgen jeweils am Sonntag Beamte der SBB-Station die Leerung der Briefkästen bei der Post und auf dem Bahnperron, sowie die Weiterleitung nach Zürich. Der Personalbestand (Frühling 1992) umfasst 67 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 22 Postaspirantinnen und -aspiranten.