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Nur etwas mehr als 4000 Stimmen hatten Marina Carobbio (SP) im ersten Wahlgang vom Erstplatzierten Filippo Lombardi (CVP) getrennt. "Ich hatte bereits nach dem 20. Oktober Zweifel, ob Lombardi die Wiederwahl schaffen würde", sagt Stojanovic.
Dass nicht nur die CVP, sondern auch die FDP ihren Ständeratssitz verloren hat, erklärt der Politologe mit der gescheiterten Allianz der beiden Parteien. "Die Anhänger von CVP und FDP hätten gemeinsam einen Wähleranteil von rund 38 Prozent", erklärt Stojanovic.
Damit hätten die Mitte-Wähler im Tessin mehr Gewicht als die Linke und die Rechte, die gemäss Stojanovic auf rund 33 beziehungsweise 28 bis 30 Prozent Wähleranteil kommen.
Doch weil die Listenverbindung in der Mitte nicht wirklich gespielt habe, seien Stimmen nach links und nach rechts abgewandert. "Es fehlte das Vertrauen in der CVP-FDP-Allianz." Für eine wirkliche Zusammenarbeit der beiden Tessiner Mitte-Parteien würde es viele Jahre brauchen, ist der Politologe überzeugt.
Politologe Oscar Mazzoleni sieht den Grund für das politische Erdbeben im Tessin eher in der zunehmenden politischen Polarisierung. Diese habe sich bereits in den Kantonsratswahlen vom vergangenen April angekündigt. Damals sei sichtbar geworden, dass die Mitte-Parteien schwächer und die Pol-Parteien stärker würden.
Für den Erfolg der SP-Kandidatin sehen beide Politologen mehrere Gründe. Zum einen habe es sicher geholfen, dass die Grüne Greta Gysin sich zurückgezogen und ihre Partei zur Wahl von Carobbio aufgerufen habe, denkt Stojanovic.
Zudem habe die scheidende Nationalratspräsidentin von ihrer Bekanntheit profitieren können. "Auch der Frauenbonus hat in diesem Jahr stärker gespielt als in früheren Wahljahren", ist Stojanovic überzeugt.
Letzterem stimmt Mazzoleni zu: "Marina Carobbio profitierte von der schweizweiten Erfolgswelle linker Frauen." Ausserdem hätten die schwachen Tessiner Mitte-Parteien ihren Teil zum Erfolg der SP-Kandidatin beigetragen.
(sda)