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Die neue Stadtbibliothek am Kirchplatz vereinigt seit 2003 mitten in der Winterthurer Altstadt auf acht Stockwerken die aktuellsten Bestände der Stadtbibliothek, der Bibliothek Altstadt und der ehemaligen Gewerbebibliothek. Für die neue Bibliothek wurden zwei Altstadtliegenschaften an der Oberen Kirchgasse erneuert, der «Blumengarten» und das «Tösserhaus»
Bis im 15. Jhdt. waren Bibliotheken kirchlichen Institutionen vorbehalten. Die Reformation brachte den Umschwung. Jeder Gläubige soll die Möglichkeit haben die Heilige Schrift selber zu lesen. Erste Bürgerbibliotheken entstanden 1528 in Bern, 1551 in St. Gallen und 1559 in Genf. 1593 kam die Idee eine eigene Bibliothek in Winterthur zu errichten erstmals auf, aber sie versandete wieder. Nebst dem Aufblühen des (Kunst)-Handwerks erwachte auch das Kulturverständnis in der Eulachstadt. 1629 wurde das Musikkollegium zur Hebung des Kirchengesangs und zur Förderung der Orchestermusik gegründet. Aus diesen Kreisen kam auch der Wunsch nach einer Bürgerbibliothek wieder auf den Tisch. Vorbild war Zürich (seit 1629) und Schaffhausen (seit 1636), die diese Errungenschaft eingeführt hatten. Mit der Zustimmung von Schultheiss Hans Ulrich Hegner gründeten Heinrich Meyer, Stadt- und Landschreiber Jakob Hegner, Hans Georg Künzli und Diakon Jakob Meier am Martinstag, 11. November 1660 im Pfarrhaus die Bürgerbibliothek. Ein Aufruf für Geld- und Bücherspenden war überaus erfolgreich. Im Hinwilerhaus, der heutigen Rathausapotheke, stand ein erster Raum zu Verfügung.
Gegen Ende des 19. Jhdts. kam Bewegung in das Winterthurer Bibliothekwesen. 1872 wurde der antiquierte Name „Bürgerbibliothek“ durch „Stadtbibliothek“ abgelöst. Das Schulwesen wurde ausgebaut und die Bevölkerung in das politische Leben miteinbezogen. Das Bedürfnis nach Lesestoff stieg. Neben Büchern wurden neu auch Zeitungen und Zeitschriften aufgelegt. Die neue Publikumsflut überforderte die Räumlichkeiten im alten Schulhaus. 1906 wurde die Projektierung eines neuen Museums- und Bibliotheksgebäudes an die Hand genommen. Das Konzept sah nun definitiv vor, eine offene Publikumsbibliothek zu erstellt. Doch weil gute Dinge, Zeit benötigen, konnte das neue Museums- und Bibliotheksgebäude an der Museumsstrasse erst am 2. Januar 1916 eröffnet und bezogen werden. Geplant und gebaut wurde es durch die Architekten Rittmeyer & Furrer. Die Stadtbibliothek präsentierte sich nun in grossartiger Umgebung. Nun war auch Raum vorhanden für den Ausbau der Büchersammlung. Waren 1916 80‘000 Bücher vorhanden, betrug der Bestand 1930 bereits 135‘000 Bände. Ein Verfasserkatalog in Karteiform war bereits 1902 in die Wege geleitete worden. 1931 wurde der Aufbau eines Sachkataloges begonnen.
Geschichte und Gegenwart der neuen Stadtbibliothek und des «Tösserhauses» in Winterthur
Die neue Stadtbibliothek am Kirchplatz vereinigt mitten in der Winterthurer Altstadt auf acht Stockwerken die aktuellsten Bestände der Stadtbibliothek, der Bibliothek Altstadt und der ehemaligen Gewerbebibliothek. Damit besitzt Winterthur eine der grössten Freihandbibliotheken der Schweiz. Für die neue Bibliothek wurden zwei Altstadtliegenschaften an der Oberen Kirchgasse erneuert, der «Blumengarten» und das «Tösserhaus».
Mit der Umgestaltung der beiden Altstadtliegenschaften wurden nebenbei wertvolle historische Erkenntnisse erworben, die dank archäologischen und bauanalytischen Untersuchungen gewonnen wurden. In den noch erhaltenen mittelalterlichen Mauern wurde das älteste datierte Steinhaus der Stadt aus dem Jahre 1197 gefunden; seine Aussenmauer ist im Erdgeschoss der neuen Stadtbibliothek wieder sichtbar.