Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03614.jsonl.gz/86

"Als Minimalformel von Theater kann gelten: A spielt (B) und C schaut zu und beide haben ein Bewusstsein von ihren Rollen als Spieler und Zuschauer."
Quelle: Wikipedia
Wie lange gibt es das Theater bereits? Nehmen wir die obenstehende Definition, gibt es die Kunstform Theater ziemlich sicher schon so lange wie es Menschen gibt. Nicht verwunderlich, dass die Geschichte des Theaters unvorstellbar alt ist.
Der Grundstein für das (europäische) Theater wurde in der Antike gelegt. In dieser Epoche wurden zum ersten Mal schauspielerische Darbietungen in einer eigens dafür definierten Aufführungsstätte präsentiert. Mit dem Niedergang des römischen Reiches und der Herrschaft der katholischen Kirche verlor das Theater in Europa an Bedeutung. Eine wahre Blütezeit erlebte das Theater während des Barock. In derselben Zeitspanne entstanden die europäische Oper und das Ballett. Danach war das Theater aus der Gesellschaft nicht mehr weg zu denken. Dies ist jedoch nur eine äusserst rudimentäre Zusammenfassung der langen Geschichte des Theaters in Europa.
Da wir ein Wandertheater sind, möchte ich euch in diesem Beitrag die Geschichte des Wandertheaters etwas näherbringen.
Bereits 300 v.Chr. wurden bei den Römern die ersten Wandertheater gegründet. Das Theater wurde vor allem als politisches Medium eingesetzt. Brauchte doch das Volk «Brot und Spiele» um zufrieden zu sein. Die von den Herrschenden gegründeten Wandertheatergruppen hatten die Aufgabe Propaganda für das römische Reich zu machen und deren Truppen zu unterhalten.
Während des frühen Mittelalters verschwand das unterhaltende Theater fast gänzlich. Denn in der frühen katholischen Kirche galt jegliches Vergnügen als Lasterhaft. Schauspiele gab es zu dieser Zeit ausschliesslich in der Kirche oder bei Volksfesten. Während der Reformation lebte das Wandertheater kurzzeitig wieder auf, um die eine oder andere christliche Lehre zu verbreiten.
Während der Renaissance wurde die «nicht kirchliche» Kunst wieder entdeckt. Somit auch das Wandertheater. In Italien und England entstanden verschieden Wandertheatergruppen, welche durch Europa reisten. Auf Marktplätzen improvisierten die Schauspieler meist pantomimisch und ohne Bühne. Sie unterhielten die Bevölkerung mit Komödien. Einige Theatertruppen waren so bekannt, dass sie an königlichen Höfen aufführen durften. Während der Aufklärung verlor das Wandertheater wieder an Bedeutung. Das Publikum wollte anspruchsvollere Stücke präsentiert bekommen. In der vorgängigen Epoche (Barock) entstanden die ersten Theatergebäude mit dem heute klassischen Bühnenaufbau. Dank diesen neuen Aufführungsorten konnte das Publikum mit immer ausgefalleneren Bühnenbildern verblüfft werden. Zudem gab es immer mehr professionelle Schauspieler, welche den Rollen noch mehr tiefe verliehen und Theaterschreibende, welche immer komplexere und textreichere Stücke kreierten.
In der heutigen Zeit wurde das Wandertheater aufgrund seiner Flexibilität wieder beliebt.
Das Theater ist nicht nur eine Form der Unterhaltung. Sondern auch eine Lehrstätte und ein Ort an welcher Gesellschaftskritik verlautet wird. Es ist lebendig und wandelbar. Ich bin gespannt wie sich das Theater in der Zukunft weiterentwickeln wird.
Corina Omlin, Vorstandsmitglied
Zur Verständlichkeit und für den Lesefluss habe ich in diesem Beitrag ausschliesslich die männliche Form verwendet. Natürlich sind auch alle weiteren Geschlechter miteingeschlossen.
„Der Zuschauer im Theater will träumen. Freilich einen Traum, in dem man nicht schlafen soll.‟
Jean-Louis Barrault
Die Haare werden hübsch frisiert. Schmuck angelegt. Die Ausgansschuhe angezogen. Es ist Zeit für einen Theaterbesuch! Voller Vorfreude treffen die Zuschauer*innen beim Spielort ein.
Ah, siehe da, die ehemalige Arbeitskollegin und da drüben noch ein Mitglied aus dem Sportverein. Bei einem Theaterabend trifft man immer wieder ein bekanntes Gesicht.
Es dauert noch einige Minuten, bis die Vorführung beginnt. Der perfekte Zeitpunkt für einen Apéro, bei welchem bereits über das anstehende Theaterstück diskutiert wird. Was erwartet uns? Wie sieht das Bühnenbild aus? Welche Kostüme tragen die Schauspieler*innen? Wie wird wohl das Stück inszeniert?
Langsam begibt sich das Publikum auf die Plätze. Schon bald geht es los. Ein aufgeregtes Stimmgewirr erfüllt den Saal. Und dann – Licht aus! Es herrscht Ruhe. Der Vorhang geht zur Seite und gibt den Blick auf die Bühne frei. Es beginnt. Das Publikum taucht für kurze Zeit in eine andere Welt ein. Dabei ist es egal, ob sie in eine farbenfrohe Märchenwelt oder einen minimalistisch gestalteten Klassiker eintauchen. Jedes Stück hat die Kraft, uns für kurze Zeit aus dem Alltag zu holen. Uns zum Lachen zu bringen, zum Weinen, zum Mitfiebern und zum Mitleiden. Total gebannt hängen alle an den Lippen der Protagonist*innen. Keine Mimik, keine Geste will verpasst werden. Der Vorhang schliesst sich wieder. Es ist Halbzeit. Während der Pause werden die ersten Eindrücke ausgetauscht und es wird intensiv darüber diskutiert, wie das Stück wohl enden wird. Es läutet. Endlich geht es weiter! Das grosse Finale steht an. Die Spannung steigt. Es herrscht eine unglaubliche Energie im Saal, welche das Ensemble auf der Bühne aufnimmt. Es entsteht eine einmalige Dynamik. Bang! Und fertig ist die Geschichte. Durch den tosenden Applaus wird wohl noch die aller letzte Zuschauer*in aus dem Theatertraum geholt. Noch ein wenig benommen von all den Eindrücken, wird der gelungene Abend bei einer gemütlichen Runde in der «Theaterbeiz» ausgeklungen.
Klingt das nicht nach einem perfekten Abend? Bis es wieder heisst «Vorhang auf», müssen wir uns noch ein wenig gedulden. Schau dich doch um, ob Künstler*innen, Vereine oder Institutionen aus deiner Region ein Alternativ- / Onlineprogramm anbieten. Und hör dir unbedingt den neuen Podcast «Nämmer eis» an!
Corina Omlin, Vorstandsmitglied
„Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.‟
aus „die Physiker‟, Möbius zu Newton und Einstein
Ideen: Sie kommen und gehen, wie es ihnen gerade passt. Sie lassen uns nicht mehr los! Inspirieren uns! Treiben uns an! Verbinden uns!
Das TheaterWärch Stans gibt es, weil Franziska Filliger genau solch eine fesselnde Idee hatte.
Franziska hat einen grossen Teil ihres Lebens vor, auf oder hinter der Theaterbühne verbracht. Durch all die Jahre beobachtet sie, dass eine gute Organisation zentral ist, um ein erfolgreiches Projekt auf die Beine zu stellen. Sie erlebte bereits, dass aufgrund einer nicht optimal organisierten Produktion viel Leidenschaft und Herzblut verpulvert wurde. Was sehr schade war. Dabei war sich Franziska sicher, dass es möglich wäre mit wenigen Mitteln, ein fantastisches Theater auf die Beine zu stellen.
Obwohl es in der Region Nid- und Obwalden viele grossartige Theatervereine gibt, hatte Franziska immer das Gefühl, dass „ihr‟ Theater noch ein bisschen anders sein sollte. Einen Verein der ein wenig kleiner, familiärer, unabhängiger, spontaner, lockerer, jünger und flexibler ist. Da Franziska eine Macherin ist, zögerte sie nicht lange und begann ihre Idee in die Realität umzusetzen.
Damit ein neuer Theaterverein entstehen konnte, brauchte Franziska Unterstützung. Sie begann verschiedene Personen mit den unterschiedlichsten Fertigkeiten für ihr Vorhaben zu begeistern. Aufgrund ihrer guten Vernetzung in der Theaterszene kannte sie viele Leute. Jedoch benötigte sie nicht nur kreative Köpfe im Team sondern auch weitere MacherInnen, zuverlässige PlanerInnen und mitanpackende HelferInnen. Daher fragte Franziska nicht nur Personen an, welche aktiv in der Theaterszene waren. Sondern auch Personen, die noch nie etwas mit Theater zu tun hatten. Leute, welche ausserordentliche Organisationstalente sind, oder einfach gerne bei etwas Neuem mithelfen wollten. Schnell liessen sich etliche Personen für die neue Idee begeistern und sie konnten beginnen, diese weiter zu verfolgen.
Der neue Theaterverein sollte unbedingt anders sein als alle bisherigen Theater in der Region. Doch wie konnte sich der neue Verein hervorheben? Ausserdem musste festgelegt werden, wo die Aufführungen stattfinden sollen. In einer Mehrzweckhalle - wie viele andere? Oder in einem Theatergebäude - wie viele andere? Irgendwann kam die Idee auf, eine mobile Bühne zu bauen, um von Ort zu Ort zu touren. Es wäre das erste Wandertheater in der Region!
Ein Wandertheater auf die Beine zu stellen ist kein einfaches Unterfangen. Die grösste Herausforderung ist die Logistik und der Transport. Zumal die Theaterbühne pro Saison mehrere Male aufgestellt und wieder abgeräumt wird. Doch ein solches Theater zu realisieren ist kein Ding der Unmöglichkeit. Na, dann los!
Von der Idee bis zur Gründung des Vereines vergingen gerade einmal vier Monate! Im November 2014 hatte Franziska die Idee. Am 13. März 2015 wurde der Verein gegründet und am 16. April 2016 fand die allererste Premiere statt. Das alles konnte in so kurzer Zeit realisiert werden, weil alle Mitwirkenden ausserordentlich motiviert waren und vollen Einsatz leisteten.
Gemäss Franziska war es das einzig Richtige, einfach loszulegen und nicht lange zu träumen. Sonst würde die Idee, einen neuen Theaterverein zu gründen, immer noch in ihren Gedanken herumgeistern.
Genau heute (13. März) vor sechs Jahren wurde der Verein TheaterWärch Stans gegründet. Da bleibt nicht weiteres zu sagen als: Alles Gute zum Gründungstag!
Corina Omlin, Vorstandsmitglied
Am 13. März 2015 haben wir unseren Verein gegründet. Am 13. März 2020, genau an unserem 5-jährigen Jubiläum, mussten wir uns schweren Herzens dazu entscheiden, die Saison 2020 abzusagen und alles um ein Jahr zu verschieben. Wie sich später zeigte, war dieser Entscheid goldrichtig.
Aber zuerst alles von Anfang an...
Im vergangenen Herbst starteten wir mit viel Motivation in die neue Theatersaison. Eine neue Regisseurin sorgte für frischen Wind und auch das Gesamtkonzept unserer Produktion Die Spieler motivierte uns sehr. Bereits beim Abendessen möchten wir unseren Zuschauern ein Erlebnis bieten, sie sollen sich fühlen wie im russischen Zarenreich. Im Dezember startete unser Bühnenensemble mit den Proben und an unserem Weihnachtsapéro am 21. Dezember 2019 gewährten sie uns bereits einen kleinen Einblick ins Stück. Im Januar 2020 begann auch der Bühnenbau mit der Arbeit. Der Betrieb lief auf Hochtouren, bereits im Februar waren alle Kostüme fertig! Wir freuten uns immer mehr und hatten noch viele Ideen, welche es umzusetzen galt. Unter anderem hat der Bühnenbau ein ganzes Klavier ausgehöhlt, welches im Saal stehen soll und mit welchem eine Pianistin während dem Essen die Zuschauer unterhält. Alles lief wunderbar und wir fühlten uns sorglos und gut vorbereitet.
Aber irgendwann kam ein mulmiges Gefühl dazu. Angespannt verfolgten wir die aktuellen Entwicklungen rund um die Corona Pandemie. Eine Veranstaltung nach der anderen wurde abgesagt.
Am 13. März 2020 verkündete der Bundesrat weitere Massnahmen zur Eindämmung des Virus. Die Durchführung unseres Theaters unter diesen Bedingungen wurde unmöglich. Noch am selben Abend hat sich das Produktionsteam und der Vorstand zu einer Notfallsitzung getroffen und wir sagten die Produktion ab. Natürlich sind in diesem Moment auch Tränen geflossen. Es war eine vernünftige Entscheidung, das ist klar. Jedoch tat es uns für jeden geleisteten Einsatz leid. Ihr alle habt so viel Herzblut und Zeit investiert und schlussendlich können wir unsere Arbeit nicht präsentieren.
Am Montag, 16. März verkündete dann der Bundesrat den Lockdown. Ab diesem Moment mussten wir alles stehen und liegen lassen. Das Einzige, was wir nun noch machen mussten, war alle Beteiligten zu informieren. Besonders hervorheben möchte ich hier die Reaktionen unserer Sponsoren. Alle zeigten volles Verständnis und waren sofort bereit, uns die bereits bezahlten Beiträge zu überlassen. Die Gegenleistungen erhalten sie in der kommenden Saison. Vielen herzlichen Dank gilt vor allem unseren Hauptsponsoren Nidwaldner Kantonalbank, Profiblech AG, Kleinlaut GmbH und Die Zentralbahn!
Wie den meisten bleibt mir diese Zeit genaustens in Erinnerung. Ein Jahrhunderterlebnis. Umso glücklicher waren wir dann im Juni, als Vereinsaktivitäten unter besonderen Schutzbedingungen erlaubt wurden. So konnten wir endlich das Bühnenbaulokal aufräumen. Wir entschieden, weitere Arbeiten für die Produktion auf den Spätsommer zu verschieben und konnten so einen entspannten Sommer geniessen.
Das tat richtig gut!
Sehnsucht hatten wir trotzdem. Und deshalb haben wir am 11. Juli 2020 eine Sommerparty durchgeführt. Wir wollten uns bei allen Beteiligten bedanken.
Was von dieser Saison bleibt sind viele Erinnerungen und einmalige Eindrücke. Jetzt bin ich richtig theaterhungrig und ich kann es kaum erwarten, wenn sich bald irgendwo in Nidwalden wieder ein Vorhang öffnet!
Franziska Filliger, Vorstandsmitglied
Anfang diese Woche haben wir auf der Crowdfunding-Plattform Funders ein Projekt lanciert. Darin geht es um die Anschaffung von eigenen Bühnenelementen.
Über unser Projekt:
Jedes Jahr touren wir von Ort zu Ort und bauen unsere mobile Bühne immer aufs Neue auf. Um unserem Publikum einen optimalen Blick auf das Spiel zu gewährleisten, benötigen wir einen schrägen Bühnenboden. Aufgrund unserer speziellen Tischanordnung und zugunsten des Servicepersonals ist es für uns nicht möglich, eine schräge Rampe oder Ähnliches im Zuschauerbereich zu bauen. Für uns ist es wichtig, dass der Auf- und Abbau in einem zeitlich moderaten Rahmen stattfinden kann. Deshalb möchten wir spezielle Bühnenelemente kaufen, welche in der Höhe und in der Schräge verstellbar sind. Diese ermöglichen uns grossen Gestaltungsfreiraum der Bühne und dadurch wird auch der Aufbau schneller gehen. Bisher haben wir jeweils gerade Bühnenelemente aufgestellt und darauf nochmals einen separaten Schrägboden.
Das Ziel ist ganz klar: Unserem Publikum eine möglichst optimale Sicht auf das Schauspiel bieten in einer entspannten, lockeren Atmosphäre. Aus diesem Grund wählen wir auch eine asymmetrische Tischordnung. Das Theatererlebnis soll packen und begeistern. Dazu gehört auch ein möglichst einwandfreier Blick auf die Bühne.
Warum solltet ihr das Projekt unterstützen?
Theater kann in vielerlei Hinsicht eine grosse Bereicherung sein. Natürlich für alle Theaterschaffenden, welche auf und hinter der Bühne zum Gelingen des Projekts beitragen. Bei uns können sich alle "austoben". Auch für Besucherinnen und Besucher bietet das Theater immer wieder eine Möglichkeit, der Realität zu entfliehen und komplett in eine andere Welt einzutauchen.
Theater dient zur Entschleunigung, Entwicklung, Entfaltung, Freundschaftspflege, Unterhaltung und soll auch zum Nachdenken anregen. Mit einer finanziellen Unterstützung wird beigetragen, dass es auch weiterhin viele grosse und kleine Lebensbereicherungen gibt.
Zitat: "Jedes Theaterspiel ist völlig zwecklos, aber höchst sinnvoll. Es regt den Geist an, die Fantasie, die Einbildungskraft,
es füllt den unwiederholbaren Moment des Lebens,
in dem es sich vollzieht,
und zieht den Betrachter auf diese Weise
hinein in ein geistiges Abenteuer.
So weitet jedes fantasievolle Spiel, auch das Theaterspiel, den Blick hinaus aus den Engen des normalen Lebens."
Die Gegenleistungen:
Über Theatertickets, einem TWS-Shirt oder sogar einem VIP-Theatererlebnis gibt es viele tolle Gegenleistungen. Ein Blick auf unsere Funders-Seite lohnt sich auf jeden Fall!
Wir freuen uns über jede Unterstützung!
Und natürlich hilft uns auch das Weiterverbreiten unseres Videos, unserer Bilder oder des Links.
Franziska Filliger, Vorstandsmitglied