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Kurzporträt Kirchgemeinde St. Verena Gonten
Die Kirchgemeinde ist die älteste gesellschaftliche Struktur in Gonten wie in den anderen appenzellischen Gemeinden. An der Versammlung der Einwohner bzw. der Kirchgenossen wurden schon im 15. Jahrhundert alle Geschäfte, politische und kirchliche und sogar militärische, behandelt. Die Verteidigung war Aufgabe der sog. Rhoden oder Geschlechterverbände. Die Kirchhöri und die Rhodsversammlung waren vermutlich identisch. So gibt es heute noch auch eine Rhode Gonten. Ihr gehören acht Geschlechter an, nämlich Broger, Peterer, Mock, Kegel, Hersche, Rechsteiner, Fuchs und gewisse Fässler. Familienwappen Rhode Gonten Ihre Wappen sind im Foyer des Mehrzweckgebäudes festgehalten. Ins Bezirksgebiet gehören übrigens Richtung Urnäsch auch die Halbrhode Stechlenegg und Richtung Appenzell die Halbrhode Rinkenbach. «Rhode» kommt von lat. «rota», das Rad, der Kreis, und bezeichnet eine verwaltungsmässige Einheit. Erst 1873 wurden die Rhoden als politisch-militärische Organisation aufgelöst und die Bezirke geschaffen. Die Rhoden mit unterschiedlich hohem Vermögen haben heute nur noch kulturelle Bedeutung. Traditionell werden allen Rekruten ein sog. Rekrutengeld ausbezahlt, kulturelle Zwecke unterstützt und am Fronleichnam sowie an der Landsgemeinde Ehrenleistungen erbracht. Schon seit 1865 liegt die Verwaltung der kirchlichen Angelegenheiten nicht mehr bei der Rhode. Die neue Kirchgemeinde mit der Kirchgemeindeversammlung, Kirchhöri genannt, erfüllt die staatskirchenrechtlichen Aufgaben mit Steuerbezugsrecht. Die Kirchhöri wird seit 2002 am Freitagabend vor Palmsonntag durchgeführt. Vorher fand sie am Nachmittag des Palmsonntags bzw. des Passionssonntags statt.
1895 wurde die Schulgemeinde geschaffen, welche den Aufbau der Volksbildung gemäss der Bundesverfassung zu besorgen hat. Vor 1848 war auch die Schulung faktisch Angelegenheit der Kirche. Meistens waren die Pfarrherren die einzigen, die gebildet waren und lesen und schreiben konnten; sie gaben diese Fertigkeiten in privatem Unterricht und als Lateinschulen weiter.
Die Kirchgemeinde Gonten erstreckt sich geographisch nicht ganz auf die gleichen Gebiete wie der Bezirk. Rapisau und Hinterkau gehören nicht mehr dazu. Sie endet östlich im Wesentlichen bereits am Rotbächlein zwischen Gontenbad und Appenzell. Der Kirchgemeinde Gonten gehörten am 31. Dezember 2013 1'100 Personen an. Seelsorgerisch oder kirchen-rechtlich sprechen wir von der Pfarrei Gonten mit der heiligen Verena als Patronin. Betreut wird die Pfarrei Gonten im Rahmen des Seelsorgeteams Appenzell durch Pfarreileiter Pfarrer Josef Fritsche. Kirchenrechtlich amtet ab 8. März 2015 Lukas Hidber als Pfarrer. Die Seelsorge wird unterstützt durch die Liturgiegruppe des Pfarreirates Gonten. Der siebenköpfige Kirchenrat besorgt die Verwaltung. Seit 1970 besteht einPfarreirat mit zehn Mitgliedern, die alle vier Jahre gewählt werden. Er gewinnt in der Zeit des Priestermangels ständig an Bedeutung. Er berät den Pfarrer und übernimmt viele liturgische, katechetische und soziale Aufgaben, z. B. die Gestaltung von Gottesdiensten verschiedener Art, Vorträge, Erwachsenenbildung oder Altersbetreuung. Er ist quasi die Kerngruppe der Pfarrei. Die Kirchgemeinde stellt die finanziellen Mittel für die Seelsorge und den Unterhalt der Pfarrkirche, des Pfarrhauses sowie des neuen und des alten Mesmerhauses zur Verfügung. In letzterem bietet die Kirchgemeinde als bewussten Beitrag an den öffentlichen Wohnungsbau drei günstige Altwohnungen an. Der Haushalt der Kirchgemeinde beläuft sich zur Zeit auf rund Fr. 400'000.- bei einem Steuerfuss von 16%. 1983 betrug er noch 55%. Pfarrer Josef Fritsche ist angestellt durch die Kirchgemeinde Gonten; er arbeitet zu 40% für diese und im übrigen für die anderen Pfarreien des inneren Landesteils. Der Pfarreileiter wird nebst dem Pfarreirat und einem Pfarrsekretär (Hans Fuchs) unterstützt durch die Katechetinnen Sr. Mirjam Pia Huber, Frau Mutter im Kloster «Leiden Christi», und Frau Luzia Fässler-Bechtiger. Der Kirchenchor St. Cäcilia mit 25 Mitgliedern hilft Gottesdienste musikalisch mitgestalten. Probe ist jeden Dienstag um 20.15 Uhr im Mehrzweckgebäude unter der begeisternden Leitung von Br. Karl Bauer vom Kapuzinerkloster Wil. Gottesdienste sind jeden Sonntag um 09.15 Uhr sowie jeden Mittwoch um 07.15 Uhr für die Schüler und am Donnerstag um 09.00 Uhr für Frauen und Mütter. Als weiterer kirchlicher Verein nebst der Frauengemeinschaft (FG) bietet das Jugendforum Gonten (JFG), unterstützt durch Kirche und Bezirk, den Jungen ab dem sechsten Schuljahr ein Angebot für eine sinnvolle Freizeitgestaltung in sozialer, kultureller und religiöser Art. Das JFG steht allen offen ohne Unterschied der Konfession oder Religion.
In der Pfarrei Gonten liegt auch das Kloster «Leiden Christi» im Jakobsbad. Es konnte 2001 sein 150jähriges Bestehen feiern. Zehn Schwestern leben nach den Regeln des Kapuzinerinnenordens in Arbeit und Gebet. Der Landwirtschaftsbetrieb ist seit 2008 verpachtet. Danebst betreiben die Schwestern eine bekannte und erfolgreiche Klosterapotheke mit ihrem einzigartigen «Angelika»-Schnaps. Jeden Sonntag um 08.00 Uhr wird ein öffentlicher Gottesdienst gefeiert. Im Altersheim Gontenbadbesteht eine Hauskapelle; die Hausgemeinschaft wird durch den Pfarreileiter von Gonten betreut. Die kirchliche Prägung Gontens schlägt sich heute noch im Wappen der politischen Gemeinde nieder. Gelb und Rot sind die Farben Spaniens, wohin sich früher viele Landsleute als Söldner verdingten. Grün bedeutet vermutlich die grüne Landschaft Gontens. Spanien war die Heimat des hl. Apostels Jakobus, der in Santiago de Compostela begraben liegt. Im Mittelalter und heute wieder zunehmend aktuell ist die Wallfahrt nach Santiago. Der sog. Jakobsweg führte vermutlich auch viele internationale Pilger über Gonten. 2008 wurde er neu lanciert. Die sonderbaren Gegenstände im Gontner Wappen stellen die Wanderstäbe des hl. Jakobus dar. Er hat sie nach einer Legende von Santiago weggeschleudert; sie sollen an den Kronberg gefallen sein; es gibt auch die umgekehrte Version. An seinem Nordhang entspringt daher die sog. Jakobsquelle. Bis 1925 stand dort eine Kapelle. Sie wurde nach Osten verlegt und wird durch die Pfarrei Appenzell betreut. Das Wasser der Quelle kommt gemäss Farbversuchen in Rapisau wieder zum Vorschein. Die Siedlung am Fusse der Jakobsquelle bzw. des «Krähenberges» heisst denn auch Jakobsbad. Mineralhaltige Quellen liessen dort seit 1576 einen bekannten Badebetrieb entstehen, der bis zum Ersten Weltkrieg blühte.
Die Gontner standen in den verschiedenen Auseinander- setzungen stets zum hergebrachten katholischen Glauben. Zusammen mit den Brülisauer Bauern zogen sie in der stürmischen Zeit der Reformation 1522 bewaffnet nach Appenzell und sorgten so dafür, dass wieder die hl. Messe nach dem alten Ritus gefeiert wurde. Damit trugen sie entscheidend dazu bei, dass Appenzell Innerrhoden katholisch blieb. Von der Religiosität der Gontner zeugen verschiedene Flurkapellen auf privatem Grund. Die älteste und wertvollste steht gleich auf der Liegenschaft dieses Quartiers und hat ihm den Namen gegeben: St. Maria von Loreto (1686) bei Ancona. Weitere sind Kapellen sind St. Anna beim Campingplatz Anker, St. Johann am Himmelberg, St. Georg in Hinterkau, im Bezirk Gonten, aber pfarreilich zu Appenzell gehörend ebenso wie die Kapellen zur Heiligen Dreifaltigkeit und St. Johann zum Guten Brunnen in Rapisau. Der jüngste Bildstock wurde in den siebziger Jahren im Park der Stiftung Altersheim Gontenbad erbaut und ist Maria und Bernadette von Lourdes geweiht. Die Errichtung der Pfarrei Gonten musste hart erkämpft werden. Vorher gehörte das Hochtal von Gonten zur Pfarrei St. Mauritius Appenzell. Erst 1647 bekam Gonten die Pfarrrechte. Ab 1478 stand in Gonten eine Kapelle, die der heiligen Verena, der Gefährtin von St. Mauritius, geweiht war. Sie wurde im Jahre 1600 durch einen Turm ergänzt und 1623 und 1776 zu einer eigentlichen Kirche samt Beinhaus vergrössert. 1863-66 wurde die heutige Kirche im neugotischen Stil mit viel Fronarbeit der Bauern und Handwerker erstellt. 1970/71 wurde sie renoviert und dem damaligen Geschmack und den Neuerungen der Liturgie angepasst. Auch eine neue Orgel wurde eingebaut. 1980 wurde wieder eine Friedhofkapelle als Aufbahrungsstätte errichtet. Nach wie vor gehören der Friedhof ins Eigentum und das Bestattungswesen in den Aufgabenbereich der Kirchgemeinde Gonten. Seit 1. Januar 2004 wird dieses allerdings im Leistungsauftrag des Bezirkes geführt. Schon im 17. Jahrhundert wurde übrigens in Gonten ein Marienbildnis verehrt, und es entwickelte sich eine Wallfahrt zu Maria zum Trost, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt war und sehr gepflegt wurde.
Alle Bauten und Einrichtungen nützen nichts, wenn eine Gemeinde nicht lebt und wirkt, zusammenarbeitet und zusammenhält. Dies darf erfreulicherweise bis heute doch bejaht werden.
Wir würden uns freuen, wenn auch Sie das Angebot der Pfarrei und der Kirchgemeinde Gonten rege nutzen und aktiv mitmachen würden und wir Sie da oder dort begrüssen dürften. Wir heissen Sie in diesem Sinne alle herzlich willkomm in der Verena-Pfarrei!
Januar 2014 / Josef Manser
Fotos: Lui Nef, Gonten