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- Gibt es ein Label für fair produziertes Spielzeug?
Leider nicht. Alle bisherigen Labels für Spielsachen garantieren Spielzeugsicherheit, Schadstofffreiheit und Umweltverträglichkeit. Keines steht jedoch für soziale Verantwortung. Das zeigt: Die Markenhersteller von Spielzeug werden erst dann aktiv, wenn kritische KonsumentInnen auf Transparenz bestehen.
- Gibt es eine Liste mit fair produziertem Spielzeug?
Bisher gibt es keine zuverlässige Quelle, die fair produziertes Spielzeug auflistet. Es gibt Bestrebungen des ICTI-Care-Prozess (ICP), ein Programm für Unternehmensverantwortung in der Spielwarenindustrie, faire Arbeitsbedingungen in Spielwarenfabriken sicherzustellen. Bisher mit mässigem Erfolg, da der Prozess die Verantwortung der Markenhersteller nicht konsequent einbezieht und daher nicht wirklich greift.
- Wie weiss ich, wer mein Spielzeug produziert hat und wo es produziert wurde?
Erste Informationsquelle ist die Verpackung. Dort ist der Markenname deklariert. Der Herstellungsort ist jedoch nicht immer angegeben. Allerdings sagt auch diese Information nicht viel über die tatsächlichen Herstellungsbedingungen aus.
Eine Möglichkeit ist im Geschäft nachzufragen, ob die Spielwaren unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Haken Sie nach und fordern Sie Transparenz.
Fairtrade-Shops sind eine Alternative. Sie bieten online oder meist auch in Ihrer Nähe ein beschränktes Sortiment an Spielzeug an.
- Wieviel verdienen chinesische ArbeiterInnen an einem Spielzeug?
Auch hier gilt: je weiter unten in der Hackordnung umso weniger erhalten sie. Vom Ladenpreis erhielten die ArbeiterInnen 2010 gerade einmal 0,08 Prozent (Quelle: Stop Toying Around Campaign, Südwind 2010), fünf Jahre später waren es nur 0,05 Prozent (Quelle: CLW Report 2015). Die Situation hat sich also keineswegs verbessert.
Würde der Lohn der FabrikarbeiterInnen verdoppelt, ginge eine Barbie, die in der Schweiz aktuell 16 Franken kostet, also für 16.008 Franken – nicht einmal 1 Rappen mehr – über den Ladentisch.
- Weshalb sind die Löhne in den Fabriken so tief?
Auch die chinesischen Produktionsfabriken erhalten nur einen kleinen Teil vom Kuchen. Den grössten Teil des Profits streichen die Markenunternehmen ein (bei Mattel, Disney und Hasbro betrug er 2014 zwischen 415 Millionen und 7,5 Milliarden US-Dollar).
Die chinesische Spielzeugindustrie zahlt ihren ArbeiterInnen in der Regel den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Dieser reicht aber nicht für eine menschenwürdige Existenz.* Nur mit extremen – häufig obligatorischen – Überstunden kommen die ArbeiterInnen auf einen Lohn, der zum Leben reicht. Für die chinesischen ArbeiterInnen ist daher vor allem entscheidend, dass sie ohne überlange Arbeitszeiten einen existenzsichernden Lohn erreichen können.
- Was sind die schwersten Missstände?
Neben dem tiefen Lohn und den horrenden Überstunden ist es der mangelnde Gesundheitsschutz. So ist die Gebäudesicherheit wegen versperrten Notausgängen und defekten Feuerlöschern häufig mangelhaft. Auch fehlende Gesichtsmasken und Handschuhe sind an der Tagesordnung. Trotz existierender Alternativen wird beim Lackieren, Kleben oder Reinigen nach wie vor meist Benzol eingesetzt. Benzol ist hochgradig krebserregend und das Einatmen der Dämpfe führt häufig zu akuten Benzolvergiftungen, die sich mit Koma, Herzrhythmusstörungen oder Atemlähmung zeigen. Chronische Vergiftungen schädigen die inneren Organe und das Knochenmark, was oft akute Leukämie verursacht.
Ausserdem fehlen gesetzlich vorgeschriebene Sozialversicherungen, sowie die Möglichkeit für die ArbeiterInnen, sich zu beschweren oder gewerkschaftlich zu organisieren, und die Lebensbedingungen (Schlafsäle, sanitäre Anlagen und Essen) sind prekär.
- Warum sind die Markenhersteller verantwortlich für die Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken?
Das Geschäftsmodell der Markenhersteller fördert die Ausbeutung von ArbeiterInnen in Billiglohnländern. Durch die Auslagerung der Produktion profitieren die Markenunternehmen von tiefen Löhnen. Gleichzeitig erhöhen kurzfristige Bestellungen und Verträge den Zeitdruck, weshalb die ArbeiterInnen Überstunden leisten müssen. Der Druck, möglichst billig zu produzieren, wird vom Markenhersteller auf die chinesische Fabrik und von dieser an die ArbeiterInnen weitergegeben. Denn die Kosten von Material und Transport bleiben gleich, als „variable Masse“ bleiben die Arbeitskosten: Löhne, Arbeitszeiten, Sozialversicherungen, Arbeitsschutz etc.
Markenunternehmen haben mit ihrer Geschäftspolitik einen direkten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen und müssen ihre Verantwortung wahrnehmen.
- Sollen kritische KonsumentInnen chinesische Spielzeuge boykottieren?
Ein Boykott verbessert die Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnen nicht. Im schlechtesten Fall wandern die Markenfirmen in andere, noch billigere Länder ab, in denen die Arbeitsbedingungen ebenso prekär sind. Damit stünden die chinesischen ArbeiterInnen auf der Strasse und erreicht wäre nichts. Ziel muss es sein, die bestehenden Bedingungen zu verbessern. Der Hebel dazu liegt bei den Markenherstellern. Sie müssen Verantwortung für ihre Lieferkette übernehmen, ihr Geschäftsmodell anpassen und ihre Marge nicht auf Kosten der Arbeitskräfte hochtreiben.
Spielzeug kann nicht immer schneller, billiger und kurzfristiger hergestellt werden ohne negative Folgen für die ArbeiterInnen. Es ist die Aufgabe der Markenhersteller, nachhaltige und sozial verantwortliche Langzeitverträge mit den Herstellern ihrer Spielwaren einzugehen.