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Dem Aspekt des Unvollendeten bei Cézanne widmet das Kunsthaus Zürich erstmals eine Ausstellung. Mit 84 Ölbildern und 57 Aquarellen aus Museen und Privatsammlungen werden noch bis Ende Juli vor allem Reife- und Spätwerke gezeigt.Dieser Inhalt wurde am 05. Mai 2000 - 09:14 publiziert
Spätwerke die einen grossen Einfluss auf die moderne Malerei des 20. Jahrhunderts ausübten. Die aufwändige Ausstellung trägt den Titel "Paul Cézanne. Vollendet - unvollendet".
Paul Cézanne: Vater der Moderne
In seiner französischen Heimat wurde der in Aix-en-Provence geborene und am selben Ort gestorbene Maler Paul Cézanne (1839-1906) zuerst von Berufskollegen geschätzt und verschiedener Neuerungen wegen "Vater der Moderne" genannt. Cézanne löste sich nicht nur von der in Akademien gelehrten Zentralperspektive, sondern befreite auch die Farbe vom Gegenstand, um zusätzlich mit unfertigen Bildern eine neue Ästhetik zu begründen.
Mit geometrischen Grundformen und einer für ihn kennzeichnenden Flächigkeit eröffnete Cézanne der vom Realismus und Impressionismus dominierten Malerei seiner Zeit neue Möglichkeiten. Sie wurden im gleichen Masse von den Kubisten Braque, Picasso und Léger genutzt, wie sich die Fauvisten um Matisse der ebenfalls wegweisen Leerstellen auf der Leinwand bedienten.
Vollendet - unvollendet
Cézanne hatte schon 1874 erklärt: "Ich muss stets weiterarbeiten, doch nicht etwa, um zu jener Vollendung zu gelangen, welche die Bewunderung der Dummen erregt". In Übereinstimmung mit dieser Aussage gehören unvollendete Gemälde in der abschliessenden Schaffensphase von 1885 bis 1909 zu Cézannes bildnerischem Konzept.
In der Kunst der Reduktion auf das Wesentliche entwickelte er kurz vor der Jahrhundertwende einen so hohen Abstraktionsgrad, dass Picasso dazu und zur ökonomischen Malweise bemerkte: "Kaum hat er einen Farbfleck gesetzt, ist es schon ein Bild."
Mit den nur gerade aus der Grundierung bestehenden Leerstellen schuf der Maler eigentliche Lehrstellen für die folgenden Künstlergenerationen.
Zu dieser raffiniert mit Aussparungen arbeitenden Ölmalerei gelangte Cézanne, indem er die Technik seiner äusserst transparenten Aquarellmalerei zunehmend auch für das kompaktere Ölbild nutzbar machte.
Cézanne verstand die Kunst als "eine Harmonie, die parallel zur Natur verläuft". Dem akademisch tradierten Stillleben zog er den freiheitlichen Umgang mit Landschaften vor. Und indem er sich auf wenige Themen beschränkte, strebte er ein Kunstwerk an, das mehr sein sollte als nur die Abbildung der Wirklichkeit. "Die Malerei ist die Kunst", schrieb er, "Wirkungen zu kombinieren, das heisst Verhältnisse zwischen Farben, Umrissen und Flächen herzustellen."
Letzte grosse Ausstellung von Kunsthaus-Direktor Felix Baumann
Als letzte grosse Ausstellung des scheidenden Kunsthaus-Direktors Felix Baumann besticht die systematische Umkreisung des Unvollendeten und Torsohaften in Cézannes Malerei durch ihre ausserordentlich instruktive Präsentation. Die lichtempfindlichen Aquarelle werden innerhalb thematischer Serien jeweils versetzt in einer farblich dunkleren Koje gezeigt.
Ein Schwerpunkt in den Motivreihen bildet eine besonders gewichtige Gruppe von sehr unterschiedlich differenzierten Umsetzungen der Montagne Sainte-Victoire - darunter eine Fassung in Öl aus dem Todesjahr im Besitz des Zürcher Kunsthauses.
Weitere Höhepunkte sind die mit weissen Leerstellen glänzenden Darstellungen des Gärtners Vallier, diverse offene provenzalische Landschaften, Porträts von Madame Cézanne sowie die entwicklungsgeschichtlich aufschlussreichen Badenden und Alleen.
Laut Baumann handelt es sich um die teuerste je vom Zürcher Kunsthaus veranstaltete Ausstellung. Sie kostet 2,7 Milllionen Franken.
Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich, die zuvor vom Kunstforum Wien gezeigt worden war, dauert bis zum 30. Juli. Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag: 10.00 - 2l.00 Uhr, Freitag bis Sonntag: 10.00-17.00 Uhr.
swissinfo und Agenturen
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