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1 Flasche Likör (30 %) am Wochenende
Hallo, ich trinke beinahe jedes Wochenende eine 7 dl-Flasche Likör (30 %), verteilt über Freitagabend bis Sonntag. Unter der Woche bleibe ich trocken. Manchmal beeilt mich das schlechte Gewissen. Ich habe weder Kater-Erscheinungen, noch fühle ich mich dabei körperlich schlecht (bin Mittedreissiger). An den ersten Wochentagen denke ich mir jeweils, dass ich am Folge-Wochenende sicher gut verzichten kann. Wenn es dann aber wieder Freitag ist, kaufe ich mir aber trotzdem wieder eine Flasche. Ist dieses Trinkverhalten Gesundheitlich überhaupt schädlich/zu viel? Das ich ein psychisches Problem hab, ist mir klar… danke für Ihre Hilfe.
Hallo Lorenzo
Danke für Ihre Anfrage, die ich sehr spannend finde und wo ich auch erst einmal überlegen, nachschauen und „nachrechnen“ musste. Man geht davon aus, dass gesunde Erwachsene, die nicht mehr als 2 Standardgläser alkoholischer Getränke am Tag zu sich nehmen, sich und andere nicht gefährden. In Ausnahmefällen sollten es nicht mehr als 4 Standardgläser sein (nicht mehr als 1 Glas in der Stunde). In Deutschland und in der Schweiz entspricht ein Standartglas 10-12 Gramm reinen Alkohols. Ein Standardglas Likör wäre ca. 0,3 dl. Wenn Sie also am Wochenende eine 7 dl Flasche trinken, ist dies deutlich mehr als empfohlen. Ich möchte jedoch weniger auf die Menge eingehen als auf die Bedeutung, die dieser Konsum anscheinend für Sie hat. Im Laufe der Woche entsteht bei Ihnen ein starker Wunsch, am Freitag wieder zu trinken. Wenn Sie dann zu trinken begonnen haben, setzt sich der Konsum am Wochenende jeweils fort. Ich nehme an, dass Sie eine bestimmte Wirkung spüren, die Sie zunächst auch wünschen (z.B. Entspannung, abschalten können etc.). Damit handelt es sich nicht mehr um einen genussvollen, risikoarmen Konsum, sondern um einen zumindest problematischen Konsum (episodisch zu hoch). Die Risiken des Alkoholkonsums können im körperlichen, psychischen und sozialen Bereich liegen. Das toxische Potenzial des Alkohols kann fast jedes körperliche Organ schädigen. Nicht nur die Menge des konsumierten Alkohols hat dabei einen Einfluss, sondern auch das Trinkmuster. Sie schreiben, dass es Ihnen klar ist, dass Sie ein psychisches Problem haben. Es liegt nahe zu vermuten, dass Sie mit Hilfe von Alkohol versuchen, dieses Problem zu „lösen“, bzw. es nicht mehr so stark wahrzunehmen (zu verdrängen). Ich möchte Ihnen daher empfehlen, dass Sie sich dafür Hilfe und Unterstützung bei einer Beratungsstelle (Suchtberatung) oder in einer Psychotherapeutischen Praxis holen. Wenn Sie beginnen, sich mit dem eigentlichen Problem auseinander zu setzen und versuchen, dieses zu lösen, kann sich auch Ihr Alkoholkonsum wieder verändern. Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiter helfen und wünsche Ihnen alles Gute! Herzliche Grüsse, Antje