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In der Schweiz ist der Abschluss einer Krankenversicherung obligatorisch. Dies gilt auch für ausländische Studierende, die einen Teil ihrer Ausbildung in der Schweiz absolvieren. Für Studierende, die ein kleines Budget haben und Schweizer Preise nicht gewohnt sind, kann ein Blick auf die Prämien der obligatorischen Krankenversicherung beängstigend sein.
Im Jahr 2018 beispielsweise bezahlt ein 20-Jähriger, der in Zürich eine obligatorische Grundkrankenversicherung mit Unfallversicherung und einer 300-Franken-Franchise abschliesst, monatlich zwischen 435 und 637 Franken.
Selbst die günstigsten Policen (Managed Care mit einer 2500-Franken-Franchise) würden diese Person monatlich immer noch zwischen 256 Franken und 383 Franken kosten, wie dies der Schweizer Krankenversicherungsvergleich von moneyland.ch zeigt.
Können ausländische Studierende die Krankenversicherungspflicht in der Schweiz umgehen?
Nach schweizerischem Krankenversicherungsgesetz können ausländische Studierende, die nicht länger als 6 Jahre in der Schweiz bleiben, sich von der obligatorischen Krankenversicherung befreien lassen.
Es gibt allerdings einen Haken: Um davon befreit werden zu können, müssen Sie durch eine Krankenversicherung gedeckt sein, die eine der obligatorischen Schweizer Krankenversicherung (KVG) gleichwertige Deckung bietet.
Nach Ihrer Ankunft in der Schweiz haben Sie 3 Monate Zeit, um sich von der obligatorischen Krankenversicherung befreien oder sich versichern zu lassen. Um eine Befreiung zu beantragen, muss eine Kopie Ihrer Krankenversicherungspolice an das Gesundheitsamt Ihres Wohnkantons zugestellt werden.
Ihr Antrag sollte folgende Punkte enthalten:
- Eine Kopie Ihrer bestehenden Krankenversicherungspolice;
- Einen Nachweis für eine gleichwertige Deckung, unterzeichnet von Ihrem aktuellen Versicherer (dieses Formular können Sie bei Ihrem kantonalen Gesundheitsamt beziehen);
- Eine Kopie Ihrer Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) oder Ihres S1/E 109-Zertifikats, wenn Sie in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) versichert sind;
- Eine Kopie Ihrer Schweizer Aufenthaltsbewilligung;
- Eine Kopie Ihrer Anmeldebescheinigung einer Schweizer Bildungsinstitution;
- Eine Kopie Ihres Arbeitsvertrags (wenn Sie Doktorand sind);
- Eine Kopie Ihres Praktikumsvertrags (wenn Sie Praktikant sind).
Falls Sie vor Erhalt eines Visums oder einer Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz einen Krankenversicherungsnachweis erbringen müssen, so müssen Sie die Versicherungsbefreiung allenfalls von Ihrem Heimatland aus beantragen.
Nur wenige nationale Versicherungseinrichtungen und private Versicherungsgesellschaften bieten einen gleich guten Krankenversicherungsschutz wie die obligatorische Schweizer Versicherung. Selbst die grosszügigsten Versicherungspolicen sind ausserhalb ihres Ausstellungslandes oftmals mit Einschränkungen versehen. Wer im Heimatland ausreichend versichert ist, ist es in der Schweiz also nicht unbedingt.
Ausländische Studentenversicherung von Schweizer Versicherungsanbietern
Eine Alternative bieten zahlreiche Schweizer Versicherer, die spezielle Versicherungspolicen für ausländische Studierende anbieten. In den meisten Kantonen werden diese Policen als Ersatz für eine obligatorische Schweizer Krankenversicherung akzeptiert.
Groupe Mutuel, eine der grössten Schweizer Krankenversicherungen, bietet ausländischen Studierenden Academic-Care-Policen an, deren Franchisen von 0 bis 500 Franken reichen (bei der obligatorischen Schweizer Krankenversicherung gibt es Franchisen von 300 bis 2500 Franken) und die keinen Selbstbehalt haben (bei der obligatorischen Versicherung gibt es 10% Selbstbehalt bis zur jährlichen Obergrenze von 700 Franken).
Diese Versicherung bietet einen der obligatorischen Krankenversicherung gleichwertigen Versicherungsschutz an. Zusätzlich erhalten Sie die gesetzliche Spitalversicherung von bis zu 300’000 Franken pro Fall und eine Lebensversicherung in Form einer Unfalltodleistung von 10’000 Franken.
Diese Versicherung wird im Allgemeinen über Bildungsinstitutionen angeboten. Die ETH in Zürich wirbt mit Prämien von nur 90 Franken (bei einer Police mit 500 Franken Franchise) bis 110 Franken (bei einer Police mit 0 Franken Franchise). Einzig die Kantone Aargau und Neuenburg akzeptieren Academic Care als Ersatz für die obligatorische Versicherung nicht. Aufnahmeberechtigt sind ausländische Studierende bis zum 40. Lebensjahr.
Eine andere Option sind Studentpass-Policen vom internationalen Versicherungsanbieter Swisscare (die zur Europäischen Versicherung ERV der Helvetia-Gruppe gehört). In den meisten Kantonen (24 von 26 Schweizer Kantonen) wird diese Online-Studentenversicherung auch als Ersatz für eine obligatorische Krankenversicherung akzeptiert. Sie können wählen zwischen einem Standard-Plan, welcher die erforderliche Grunddeckung einer obligatorischen Krankenversicherung bietet, einem Komfort-Plan (mit Zahnarztleistungen und ambulanten Zusatzleistungen) und dem teuersten Premium-Plan, welcher erweiterte Zahnarzt-, Ambulanz-, Reise- und Optikerleistungen umfasst. Swisscare wirbt mit Prämien ab nur 65 Franken. Diese Versicherung kann direkt online beantragt werden. Aufnahmeberechtigt sind ausländische Studierende bis zum 45. Lebensjahr.
Eine weitere Option offeriert der Schweizer Krankenversicherer Swica mit dem Versicherungsprodukt Swica Student Care. Diese Versicherung bietet eine zur Schweizer Grundversicherung analoge Deckung für ausländische Studenten. Verfügbar sind zwei Franchisen in der Höhe von 300 oder 500 Franken. Ein prozentualer Selbstbehalt fällt hingegen nicht an. Bei der ETH wird die Versicherung mit Prämien ab 91.70 Franken pro Monat angeboten.
Ausländische Studentenversicherung von ausländischen Versicherungsanbietern
Neben Schweizer Versicherungen bieten auch verschiedene ausländische Versicherungsanbieter und Broker Studentenversicherungen an. Dazu gehören die folgenden Angebote:
Advisor Swiss Insurance bietet eine Studentenkrankenversicherung für ausländische Studierende an der Universität Zürich, Genf und St. Gallen sowie an vielen anderen Schweizer Bildungsinstitutionen. Einzig die Kantone Aargau, Wallis und Tessin akzeptieren diese Versicherung nicht als Ersatz für eine obligatorische Versicherung. Die Prämien reichen von 87 Franken pro Monat für eine Police mit einer 300er-Franchise bis 68 Franken pro Monat mit einer 750er-Franchise. Erwachsene ab dem 32. Lebensjahr bezahlen 87 Franken pro Monat für eine Police mit einer 1500er-Franchise.
Eine weitere Option einer Krankenversicherung für ausländische Studierende sind Studentcover-Policen von Golden Care, einem anderen internationalen Versicherungsanbieter mit Sitz in der Schweiz. Diese Versicherung bietet 1 Million Franken pro Schadenereignis, Direktabwicklung von Spital- und Unfallrechnungen und Deckung von Spitalaufenthalten und ambulanten Behandlungen in der ganzen Welt. Zur Anwendung kommt eine 75er-Franchise pro Schadenfall. Auf Unfallschäden gibt es keine Franchise. Aufnahmeberechtigt sind Studierende bis zum 41. Lebensjahr.
Aufnahme ist nicht garantiert
Wichtig: Beachten Sie, dass die erwähnten Spezial-Policen zwar eine ähnliche Deckung bieten wie eine obligatorische Krankenversicherung, es sich aber um private Zusatz-Krankenversicherungen handelt. Das heisst, dass die Versicherer nicht zur Annahme Ihres Antrags verpflichtet sind (in der obligatorischen Schweizer Krankenversicherung hingegen besteht eine Aufnahmepflicht).
Ist Ihr Gesundheitszustand schlecht oder stuft der Versicherer Sie als hohes Risiko ein, kann Ihr Antrag abgelehnt werden. Obwohl diese Policen von Schweizer Versicherungsgesellschaften ausgestellt werden, müssen Sie beim kantonalen Gesundheitsamt eine Befreiung von der obligatorischen Krankenversicherung beantragen. Ihre Universität kann Ihnen allenfalls weiterhelfen.
Fazit
Bietet die Krankenversicherung, die Sie von der Regierung oder vom Versicherungsanbieter in Ihrer Heimat erhalten, keine genügende Deckung für eine Versicherungsbefreiung, so ist eine Studentenkrankenversicherung eine verhältnismässig preiswerte Alternative. Dies gilt auch dann, wenn Sie vor Ihrem Umzug in die Schweiz noch keine Krankenversicherung haben.
Im Durchschnitt belaufen sich die von Schweizer Versicherungsgesellschaften angebotenen Prämien von ausländischen Studentenkrankenversicherungen etwa auf einen Drittel der Prämien der obligatorischen Schweizer Krankenversicherung.
Die Befreiung von der obligatorischen Schweizer Krankenversicherung und der Antrag einer Versicherung für ausländische Studierende sind zwar mit einem Aufwand verbunden. Sie können auf diese Weise jedoch Hunderte von Franken sparen.