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COOP-Laden Töss, das Ende
In Töss, an der Zürcherstrasse 135 (vis-à-vis Zentrum Töss), gab es 145 Jahre einen Konsumladen. Heute sagte man einen COOP. Seit der Lokwerk-Coop an der Zürcherstrasse 51, rund 600 Meter gegen die Stadtmitte hin, 2006 eröffnet war, dümpelten die Umsätze in beiden COOP-Filialen so dahin. COOP beschloss den Traditionsladen zu schliessen und durch einen Neubau (ohne Laden) zu ersetzen.
Als am 24. Mai 1868 ein „Provisorisches Comité" zur Gründung eines Konsumvereins in den Steinbock einlud, blickte der Arbeiterverein Töss bereits auf drei aktive Jahre zurück. Nebst den politischen Aktivitäten nahm er sich auch wirtschaftlichen Problemen an. 1869 mietete er einen ersten Laden an der Metzgerstrasse, um den Arbeiterfamilien zu ermöglichen, kostengünstige Lebensmittel zu kaufen. 1872 erwarb der Arbeiterverein die Liegenschaft an der Zürcherstrasse 135 und im Mai des Folgejahres wurde ein für damalige Verhältnisse grosser Laden eröffnet. Bereits 1870 war im Hinterhaus eine Bäckerei in Betrieb genommen worden.
Die Lebensmittel- und Konsumvereine überwanden mit ihren Aktivitäten die Boykottmassnahmen, die die regelmässige Versorgung mit Lebensmittel verunsicherte. Die Arbeiter, geführt von sozial gesinnten Männern mit guter Schulbildung, verbesserten mit dieser Selbsthilfe ihre soziale Stellung und begannen sich am politischen Leben zu interessieren. 1877 setzen sich Demokraten und die Arbeiterbewegung gemeinsam für das neue eidgenössische Fabrikgesetz ein, dass dann auch angenommen wurde. Es sah zwar noch immer nicht den Zehn-Stunden-Tag vor, aber immerhin wird der 11-Stunden-Tag Realität. In Töss wurde das Gesetz mit 485 Ja zu 51 Nein gutgeheissen. Gesamtschweizerisch sind es 181‘204 Ja gegen 170‘157 Nein.
Mit der Verwirklichung des Fabrikgesetzes neigte sich die Zusammenarbeit zwischen Demokraten und Arbeitervereinen ihrem Ende entgegen. Definitiv geht die Geduld den Tössemern aus, als die Demokraten, auch Salomon Bleuler, im Kantonsrat gegen eine von ihnen lancierte Initiative Stellung beziehen. Nationalrat Bleuler war ein verdienstvoller Förderer und Präsident des Konsumvereins Winterthur gewesen.
In Winterthur nahmen sich bis zur Jahrhundertwende ein Dutzend Genossenschaften mit unterschiedlichem Erfolg dem Lebensmittelverkauf an. Langsam kamen dann Fusionsgedanken ins Spiel. Der in der Folge erstarkte Konsumverein Winterthur blühte auf bis er dann Ende des 20. Jahrhunderts im COOP Schweiz aufging.
Das altehrwürdige Haus mit dem traditionellen Ladengeschäft wurde 1962 abgebrochen und durch ein modernes und viel grösseres Verkaufslokal ersetzt. Die entscheidenden Coop-Organe, inzwischen weit von Töss und Winterthur entfernt, haben nun entschieden die COOP-Filiale im bereits früher verkauften Haus nach 145 Jahren aufzugeben und definitiv zu schliessen. Ein Ersatzbau (fünfstöckiger Wohnblock) mit 79 Wohnungen wird erstellt. COOP hat entschieden den Standort Töss aufzugeben. Migros, Denner und Lidl, heute alle in Gehdistanz vom alten Konsum entfernt, werden die Nutzniesser sein.