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Medien sind keine neutralen Publikationen und Journalisten sind keine Wissenschafter. Ein Verlag ist (praktisch immer) ein kommerzielles Unternehmen und muss sein Produkt am Markt positionieren, um möglichst viele Leser anzusprechen. Es gibt deshalb auch überhaupt keinen Grund sich zu enervieren, wenn ein Magazin einen klaren politischen Kurs fährt und entsprechend seinem Weltbild Artikel publiziert. Nebst wertenden Analysen und Kommentaren kann ein Verlag natürlich auch die öffentliche Meinung beeinflussen, indem er entscheidet, welche Themen er überhaupt aufgreift und damit erst zu einem Thema macht.
Ein schönes Beispiel bietet aktuell die Luzerner Zeitung: Am 10.08.12 erschien der Artikel «Sechs Kantone sollen fusionieren», in welchem alt Regierungsrat Ulrich Fässler einen Kanton Zentralschweiz postuliert. Aus dem Artikel geht nicht hervor, was der Hintergrund des Artikels ist, ob Fässler die Luzerner Zeitung kontaktiert hat oder (vermutlich) umgekehrt. Die befragten Kantonsvertreter reagierten allesamt negativ und verwiesen auf die gut funktionierende Zusammenarbeit, z.B. in Konkordaten. Am Tag darauf dann die nächste Titelstory: Die Luzerner Regierungsrätin Yvonne Schärli befürwortet eine Kantonsfusion, merkt aber ganz klar an, dass Luzern auf keinen Fall den Anstoss dazu geben dürfe. Die dieses Mal befragten Landammänner äussern sich wiederum ablehnend. Die Zentralschweizer Regierungskonferenz spricht gar von «Sommerlochpolitik».
Das Thema ist grundsätzlich journalistisch abgehandelt, man könnte es abhaken. Nicht aber die Luzerner Zeitung: In der «Zentralschweiz am Sonntag» vom 19.08.12 titelt sie wiederum «Zentralschweizer Kantone sollen näher zusammenrücken». Dazu hat die Zeitung bei Demoscope eine Umfrage in Auftrag gegeben. Bezeichnenderweise wurde aber nicht gefragt, ob die Zentralschweizer Kantone fusionieren sollen. Man war sich offenbar bewusst, dass dies ein klares Nein ergeben hätte. Die Fragen tangieren deshalb das Thema nur: Kann mit der Fusion von Kantonen Geld eingespart werden (60% ja)? Schadet die Fusion von Kantonen der Identität (55% ja)? Können dank Fusion leichter fähige Leute für politische Ämter gefunden werden (50% ja)? Die übergrosse Grafik stellt die Frage, ob eine verstärkte Zusammenarbeit der Zentralschweizer Kantone begrüsst würde. Wenig überraschend bejahen dies mehr als 70%. Wer aber ein bisschen etwas von empirischer Sozialforschung versteht, kann die Frage korrekt interpretieren: Auf so eine suggestive Frage sagt fast niemand nein, denn was gibt es schon grundsätzlich dagegen zu sagen? Was aber überhaupt nicht bedeutet, dass eine Fusion unterstützt würde. Selbstverständlich erhält auch alt Regierungsrat Fässler seine Plattform und fordert umgehend, dass die Behörden nun Projekte starten müssen.
Auch der Chefredaktor Thomas Bornhauser kommt zu Wort. Gemäss ihm «ist der Teufel los» und «es regnete engagierte Leserbriefe». Letztere lassen sich (zumindest in der Zuger Ausgabe) an einer Hand abzählen. Und im entsprechenden Online-Forum gab es gerade einmal magere 14 Kommentare, nach dem Artikel in der «Zentralschweiz am Sonntag» sogar gar keiner mehr. Bezeichnend ist auch, dass kein anderes Medium die Thematik aufnahm, trotz Sommerloch. Die Luzerner Zeitung treibt das Agenda Setting aber subtil weiter: In der gleichen Ausgabe wird der CEO der Zentralbahn interviewt. Eine Frage betrifft – wen wundert’s? – einen potentiellen Kanton Zentralschweiz.
Fazit: Man mag darüber spekulieren, was genau die Motivation der Luzerner Zeitung ist. Geht es nur darum, eine Diskussion zu lancieren und dafür das Leitmedium zu sein (um schlussendlich die Auflage zu erhöhen)? Steckt politische Einflussnahme dahinter (denn die Journalisten scheinen eine Fusion klar zu befürworten)? So oder so ist es ein sehr anschauliches Beispiel für die Macht der Medien. Seien wir uns ungeachtet der politischen Einstellung immer bewusst, dass viele Themen nur deshalb zu Themen werden, weil die Medien sie aufgreifen und weiterführen!