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Zurich-CFO beklagte «aggressive Gesprächskultur»
Der Selbstmord des Zurich-Finanzchefs belastet den Versicherungskonzern.
1.09.2013 00:22
Nach dem Selbstmord des Finanzchefs der Zurich-Versicherung kommen immer mehr Details ans Licht.
Der verstorbene Finanzchef von Zurich Insuranace Group, Pierre Wauthier, hat offenbar zwei Abschiedsbriefe hinterlassen. Wie das deutsche "Handelsblatt" am Samstag auf seiner Website berichtet, hat Wauthier, der zu Wochenbeginn Selbstmord verübt hatte, zwei Abschiedsbrife hinterlassen.
Einer war an die Familie gerichtet, ein zweiter an den Arbeitgeber Zurich. Im Brief an den Konzern sei Ackermann als einziger Manager namentlich genannt. Das "Handelsblatt" beruft sich dabei auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen.
Wauthier beklagt im Schreiben die Gesprächskultur bei Zurich. Er habe die Situation insgesamt als "furchtbar" empfunden, sagen Personen, die Kenntnis vom Inhalt des Schreibens haben, gegenüber dem "Handelsblatt". Der Finanzchef habe seinen Abschiedsbrief an Zurich mit dem Computer in englischer Sprache verfasst. Er ist an niemanden bestimmtes adressiert, in der Anrede steht lediglich "to whom it may concern".
"Rein emotionale Gründe"
In dem Schreiben bezieht sich Wauthier auf zwei Aufeinandertreffen mit Ackermann. Um den Vorwurf geschönter Zahlen sei es nicht gegangen. Vielmehr habe Wauthier bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen im Verwaltungsrat die Einschätzung geäussert, dass die Anleger die Zahlen recht gut aufnehmen würden.
Dem habe Ackermann widersprochen, was eine Diskussion zur Folge hatte, berichten hochrangige Zurich-Kreise. Der Aktienkurs der Zurich fiel nach der Bekanntgabe der Halbjahresergebnisse am 15. August dann deutlich.
Laut der "Süddeutschen Zeitung" habe Wauthier "rein emotionale" Gründe für seine Tat genannt. Er habe sich von Ackermann "schlecht behandelt gefühlt und dass seine Arbeit nicht gewürdigt würde", hieß laut der Zeitung aus der Konzern-Spitze. Ackermann würde die Firma schlecht führen und habe "eine aggressive Gesprächskultur" eingeführt.
Existenz des Abschiedsbriefs bestätigt
Ein Sprecher der Zurich wollte auf Anfrage keine weiteren Angaben machen, dementierte die Informationen des "Handelsblattes" aber nicht. Die Witwe Wauthiers wollte gegenüber der deutschen Zeitung keinen Kommentar abgeben. "Ich werde dazu nichts sagen", erklärte sie am Samstag.
An einer ausserordentlich einberufenen Telefonkonferenz am Freitagmorgen hatte Interims-VR-Präsident Tom de Swan die Existenz eines solchen Abschiedsbriefs bestätigt - und auch, dass es darin um das Verhältnis zwischen dem Finanzchef und Ackermann gehe. Auf den Inhalt ging er jedoch nicht ein.
Am Freitag hatte der "Tages-Anzeiger" berichtet, dass der verstorbene Finanzchef der Zurich sich unter Druck gesetzt gefühlt habe und in einem Abschiedsbrief an die Adresse von Verwaltungsratspräsident Josef Ackermann Vorwürfe richtete. Die Zeitung bezog sich dabei insbesondere auf die letzten beiden Quartalsausweise. Beide Male hatten die Zahlen des Zurich-Konzerns die Erwartungen der Analysten verfehlt.
(cash)