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Originalbild: Marlen 1951 (© Sybille Haushofer, Steyr/Wien)
Bald machte Hermann Hakel auch Marlen Haushofer Avancen. Zunächst durch die Annäherungsversuche gedemütigt, erlag sie schliesslich Hakels Charme, und eine intensive Beziehung begann. Für Hakel war Marlen nicht jene komplizierte Melancholikerin, sonder die helle Frau aus den dunklen Wäldern. Sie gab ihm das Gefühl, dass sie von ihm etwas lernen will, umsorgt ihn und heitert ihn auf. In ihrem Wiener Freundeskreis gab Marlen sich bescheiden, ruhig, warmherzig...als das Mädchen vom Lande. Welche intellektuelle Grösse sich hinter diesem Schein verbarg, bemerkten die Freunde sehr bald. Für Marlen Haushofer bedeuteten die Besuche in Wien einen Einblick in die ehrliche, etwas burschikose Welt der literarischen Bohème; ganz im Gegensatz zum bürgerlichen Spiessertum einer Zahnarztgattin. So wurde das Schreiben für Marlen immer wichtiger, während in ihrer Ehe sich die Dinge zuspitzten und die Affären ihres Mannes stadtbekannt waren. Die Situation gestaltete sich für sie bald als unerträglich. Fragt sie deshalb in der Novelle Wir töten Stella, ob der Mensch sich an alles gewöhnen könne? "Wenn wir in ein gewisses Alter kommen, befällt uns Angst und wir versuchen etwas dagegen zu tun. Wir ahnen, dass wir auf verlorenem Posten stehen, und unternehmen verzweifelte kleine Ausbruchsversuche. Wenn der erste dieser Versuche misslingt, und er tut es in der Regel, ergeben wir uns bis zum nächsten, der schon schwächer ist und uns noch elender und geschlagener zurückwirft."
Mit Dreissig unternahm Marlen einen einschneidenden Ausbruchsversuch: Sie liess sich im Juni 1950 von Manfred Haushofer scheiden. Diese Trennung fand statt, ohne dass Jemand davon wusste; auch der Sohn Manfred sollte erst Jahre später durch Mitschüler davon erfahren. Eskaliert war die Krise zwischen den Ehepartnern wegen einer Frau, zu der Manfred Haushofer nach Marlens Überzeugung seit langer Zeit eine aussereheliche Beziehung unterhielt. So wurde die Ehe nach achteinhalb Jahren aufgelöst. Doch weder Marlen noch Manfred zogen aus der gemeinsamen Wohnung aus. Nach wie vor glaubte Marlen, ihrem Ex-Mann Rücksichtnahme und Unterstützung auf seinem beruflichen Weg zu schulden. Deshalb versorgte sie auch weiterhin den Haushalt und betreute die Kinder, als wäre nichts geschehen.