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mehrere Stollen in den Berg getrieben und auf Boden der Gemeinde Vouvry das Steinkohlenbergwerk am Blanc Sex, in dem den Südhang des Thales von Vernaz über Vouvry beherrschenden Kamm, längere Zeit in Betrieb gehalten hatte. Einige Spuren von Steinkohlen sind auch am jenseitigen Gehänge dieses Thales, in der Umgebung von Miex, zum Vorschein gekommen, doch finden sich die ansehnlichsten Flöze obern Abschnitt des genannten Thales bei den Hütten von Combre und La Callaz. Bei den Hütten von Combre öffnen sich drei Stollen, wovon der eine noch zugänglich ist und in denen mehrere ziemlich umfangreiche Schmitzen des Brennmateriales angetroffen worden sind. Nicht so günstig zeigen sich die Verhältnisse bei La Callaz, wo das Kohlenflöz sich als weit stärker ausgewalzt erwiesen hat. Am Beatenberg ist bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts eozäne Steinkohle aus der Nummulitenformation gegraben worden.
Tertiäre Braunkohlen oder Lignite finden sich sowohl in der Molasse des Mittellandes als auch in den tertiären Mulden des Juragebirges. Sie werden zwar nicht sehr eifrig abgebaut, haben aber doch im allgemeinen ziemlich befriedigende Ausbeute geliefert. Wir wollen, in der Richtung von Westen nach Osten fortschreitend, diese Flöze der Reihe nach etwas näher betrachten.
Paudex bei Lausanne liefert einen in den Schichten mit Helix Ramondi der untern Süsswassermolasse (aquitanische Stufe) eingeschlossenen schwarzen Lignit (Pechkohle), der Uebergänge zur Steinkohle zeigt. Für Paudex datieren die ersten Arbeiten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, während der Abbau der der nämlichen Zone angehörenden Flöze von Belmont-La Conversion erst gegen Ende des selben Jahrhunderts in Angriff genommen worden ist. Es teilen sich hier ganze 8 Konzessionen (wovon 4 in Betrieb stehende) in ein verhältnismässig nicht grosses Stück Land, das vom Kohlenflöz in zwei Gängen, einem obern («grand filon» genannt) von 20-25 cm Mächtigkeit und dem 4,5 m tiefer gelegenen «petit filon» von nur 8-9 cm Mächtigkeit, durchzogen ist.
Der «grand filon» erreicht aber in den hintersten Stollen (namentlich der Konzession von La Conversion) bei weitem nicht mehr 20 cm Dicke. Alle Konzessionen zusammen ergaben im Jahr 1898 einen Ertrag von etwa 850 Tonnen. Mehrere Gänge von schwarzem Lignit im nämlichen geologischen Niveau zeigen auch die Umgebungen von Châtillens und Oron, wo gleichfalls zwei Lager von je 10-14 cm Mächtigkeit abgebaut werden, deren Ertrag sich aber innerhalb mässiger Grenzen bewegt und von 150 Tonnen im Jahr 1881 auf 31 Tonnen im Jahr 1898 gesunken ist.
Damit sind die in der Westschweiz heute noch im Abbau stehenden Lignitflöze bereits aufgezählt, während man Kohlenspuren im Tertiär an unzähligen andern Stellen nachgewiesen und auch schon seit dem 18. Jahrhundert verschiedene Konzessionen verlangt und erhalten hat. Die ohne Zweifel in Angriff genommenen Arbeiten, von denen beute keine Spur mehr vorhanden ist, scheinen nicht zu befriedigenden Ergebnissen geführt zu haben. Neuerdings, d. h. 1888 und 1889, wurden in der Umgebung von Corpataux (im Kanton Freiburg) zwei Tiefbohrungen zum Zweck der Suche nach Kohlenflözen in der aquitanischen Molasse ausgeführt, von denen die eine bis nahe an 100 m tief hinab getrieben wurde ohne dass man irgend etwas abbaufähiges angetroffen hätte. Zahlreiche ziemlich umfangreiche Vorarbeiten zur Entdeckung und allfälligen Ausbeutung von aquitanischen Ligniten sind ganz besonders im Tal der Monnaz ausgeführt worden. Das Brennmaterial, nach dem man hier suchte, fand sich in einer grossen Anzahl (oft mehr als 10) von kleinen Flözen, von denen einige mächtig genug schienen, um abgebaut werden zu können. Diese heute alle aufgegebenen Abbauunternehmungen erstreckten sich zwischen Palézieux und Semsales auf eine Länge von etwa 7 km und sind zum Teil schon während der zweiten Hälfte des 18 Jahrhunderts in Betrieb gestellt worden. Es sind folgende Werke:
1) Pierre Confry mit zwei Kohlenadern; Arbeiten 1771 begonnen, 1837 wieder aufgenommen und 1857 aufgegeben.
2) Essert; Stollen 1873 begonnen und 1887 verlassen, da man nur auf eine einzige Kohlenader gestossen war. Andere verlassene Gruben finden sich bei Praz Peton.
3) Am Nordwesthang der Höhe von Progens liegen die alten Gruben von Semsales, die bedeutendsten der ganzen Gegend, die lange Zeit die Glashütte Semsales mit Brennmaterial versorgten. Die umfangreichsten Anlagen zeigen sich an der Lokalität La Combaz, bei Froumy und dann namentlich bei Praz Montésy. Der 1776 in Angriff genommene Betrieb wurde während mehr als einem Jahrhundert mit grösserem oder geringerem Erfolg fortgesetzt. Bei La Combaz hat man zwei Kohlenflöze von 30 und 23 cm Mächtigkeit, bei Froumy 10-13 Flöze und bei Praz Montésy mit einem mehr als 300 m langen Stollen volle 15 Flöze angeschnitten, von denen zwei (wie bei Paudex-Belmont «grand filon» und «petit filon» genannt) mit 20 bezw. 30 cm Dicke. Diese Kohlenvorkommnisse im Thal der Mionnaz sind denjenigen der erstgenannten Zone parallel angeordnet und scheinen einem höhern Horizont anzugehören, was aber in Wirklichkeit nicht zutrifft, da zwischen beiden Zonen die bedeutenden Verwerfungen liegen, die die subalpine Molasse hier durchsetzen. Es ist daher wahrscheinlich, dass es sich hier wie dort um die nämlichen Schichten, d. h. den nämlichen geologischen Horizont handelt.
Abgesehen von den eben genannten bergmännischen Betrieben hat man öfters auf Grund von blossen Andeutungen, wie der in diesen Süsswasserbildungen so überaus häufigen Kohlenspuren, Nachforschungen gemacht, so u. a. bei Rivaz, Savigny, Forel, Chexbres, Epesses, Chailly und Châtelard (bei Clarens).
Im Gebiet nördlich von Semsales sind ähnliche Versuche an folgenden Orten gemacht worden: bei Marsens (1856), im Gurnigelwald (1797);
am Grüsisberg bei Thun, der schon von Scheuchzer erwähnt wird und für den 1766 eine Konzession verlangt wurde;
im Thal von Eriz, dann bei Marbach, Bächlen und Escholzmatt.
Ausserhalb der subalpinen Zone sind Abbauversuche bekannt aus dem Thal der Petite Glâne, aus der Gegend von Granges de Vesin (schon von Razumovsky genannt), von Neuenegg (1798), Laupen (1812), Frienisberg (1747) und Winau. An diesen Stellen handelt es sich überall eher um vereinzelte Schmitzen von glänzender Pechkohle, als um regelrechte Flöze. Es kann daher nicht überraschen, dass trotz aller Anstrengungen ein nachhaltiger Erfolg sich nicht einstellen wollte. In der Tat keilten sich die vermeintlichen Kohlengänge nach kurzer Strecke alle aus, nachdem sie den Unternehmer ihres sehr reinen Produktes wegen zuerst voller Hoffnung gemacht hatten. Solche Nester von Pechkohle finden sich auch in der sog. grauen Molasse der Umgebung von Lausanne.
In der marinen Molasse der helvetischen Stufe hat man ebenfalls Spuren von mineralischem Brennstoff angetroffen, der aber hier nicht in Gestalt von eigentlichen Schichten, sondern bloss in Schmitzen von glänzender Pechkohle auftritt. Trotz dieser ziemlich ungünstigen Verhältnisse sind zahlreiche Konzessionen verlangt und erteilt worden. Tatsächlich konstatiert hat man das Vorhandensein von Kohlennestern am Belpberg, Gurten und Bantiger, sowie bei Burgdorf, Madiswil, Ruswil etc.
Auch die obere Süsswassermolasse (Oeningerstufe) weist ziemlich häufig Einschlüsse einer glänzenden und leichten Kohle auf, die aber niemals regelrecht abgebaut worden ist. Nachforschungen hat man gemacht bei Lützelflüh (1804), im Wildeneigraben bei Bowil (1803), im Thal der Ilfis zwischen Langnau und Trubschachen (1784), im Thal der Grünen (1779), im obern Fontannenthal (1808), bei Büron (1853), am Schwarzenberg bei Gontenswil (1785), bei Hägglingen (1818). An dieser Stelle möge auch der völlig erfolglosen Versuche gedacht sein, die zahlreichen kleinen Adern von schwarzem Lignit den Oeningerschichten des Thales von Le Locle (Neuenburger Jura) nutzbar zu machen (1800-1810). Die bedeutendsten Versuche zu diesem Zwecke waren an den Lokalitäten La Philosophière und La Jambe Ducommun angestellt worden.
Verschiedene Lager von tertiärer Braunkohle (Lignit) treffen wir dann auch noch ostwärts der Reuss, d. h. im östlichen Abschnitt des Mittellandes. Sie gehören den gleichen geologischen Horizonten an wie die eben genannten Vorkommnisse und sollen im Folgenden der Reihe nach besprochen werden.
1) Am Nordwesthang des Hohen Ronen sind in der aquitanischen Molasse in der Nähe von Steinerfluh, Greit-Wurf und Ober Sparen seit 1835 etwa 15 Stollen ein, ¶
Bergwerke und Steinbrüche der Schweiz
Lief. 199.
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Verlag von Gebrüder Attinger, Neuenburg.
^[Karte: 6° 0’ O; 47° 0’ N; 1:1500000]
Hauptsächliche Fundorte von Rohprodukten
T Torf
L Braunkohle
C Steinkohle
G Graphit
A Asphalt
A Ziegel- und Töpferthon
C Zementstein
△ Gyps
- Dachschiefer
⌻ Granit, Gneiss
□ Kalkstein, Marmor
⑃ Sandstein
░ Quarzsand
o Ofenstein
+ Tuffstein
Mineralien
Meist verlassene Bergwerke und Schürfungen
△ Eisenerze
∎ Blei
+ Kupfer
. Silber
o Gold
^ Arsenik
△ Nickel und Kobalt
⌞ Salz
- Asbest
░ Verschiedene Mineralien
Dr H. Schardt
Attinger Sc.
BERGWERKE UND STEINBRÜCHE DER SCHWEIZ ¶
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getrieben worden. Die Kohle findet sich als einzelnes Flöz von 15-21 cm Mächtigkeit. Seit 1860 hat man hier alle Arbeiten eingestellt, obwohl der Abbau zeitweise ein recht lebhafter gewesen war und einen Brennstoff von guter Qualität geliefert hatte.
2) In der Umgebung von Luzern hat man auf der Probsteimatte 1858-1867 ein allerdings stark durch Pyrit verunreinigtes Kohlenflöz von 30 cm Mächtigkeit abgebaut.
3) In der marinen Molasse (Helvetian) des Sonnenberges bei Littau findet sich eine wechselnd mächtige (10-45 cm) und nahezu saigere (85°) Schicht von Glanzkohle, die von 1866 bis 1881 abgebaut worden ist und im ganzen einen Ertrag von 10000-20000 Meterzentnern geliefert hat.
4) Käpfnach am linken Ufer des Zürichsees. Sehr bedeutendes Kohlenlager in der obern Süsswassermolasse (Oeningerstufe). Besteht aus einem einzigen, 10-42 cm mächtigen Flöz von Pech- oder Glanzkohle (schwarzem Lignit). Diese Kohle war schon 1548 dem Chronisten Stumpf bekannt und wurde 1663 zum erstenmal bergmännisch gewonnen. Ein regelrechter und ununterbrochener Abbau findet aber erst seit 1784 statt. Das Kohlenflöz erstreckt sich über eine grosse Fläche und steigt vom Spiegel des Zürichsees langsam etwa 40 m an, um dann horizontal zu werden und selbst wieder etwas bergeinwärts (gegen die Höhe von Moorschwand) zu fallen.
Der Ertrag, der bis ums Jahr 1850 sehr bescheiden war und kaum 1000 Tonnen im Jahr überstieg, hob sich dann bis 1858 auf jährlich 2000 Tonnen und nachher bis auf 5000 Tonnen und darüber. Das Maximum erreichte man 1871 mit 11669 Tonnen. Seit 1876 hat ein beständiger Rückgang im Ertrag eingesetzt, sodass das Bergwerk als solches heute ohne jegliche Bedeutung ist, indem es in seiner durchschnittlichen Jahresproduktion (268 Tonnen im Jahr 1896) zu derjenigen der Zeit vor 1817 zurückgesunken ist.
Dieser Zustand erklärt sich ohne Zweifel nicht sowohl aus der Erschöpfung des Kohlenlagers, als vielmehr daraus, dass die Kohlen von Käpfnach mit den aus dem Ausland eingeführten Steinkohlen nicht mehr konkurrieren können. Um einer Krise vorzubeugen, hat darum der Staat Zürich als Eigentümer des Kohlenbergwerkes Käpfnach zum Grubenbetrieb noch die Fabrikation von hydraulischen Baumaterialien gefügt, wie gebranntem Kalk, Romanzement und (seit 1890) künstlichem Portlandzement, sowie Ziegeln und Backsteinen.
Das Rohmaterial dazu liefern die das Kohlenflöz einschliessenden Mergel, die als Abraum aus dem Bergwerk herausgeschafft werden. Das wahre Mittel zur Rettung einer Kohlengrube, wie sie heute das Bergwerk Käpfnach darstellt, ist in der Tat: Nutzbarmachung der Abraummaterialien und Verbrauch des geförderten Brennstoffes an Ort und Stelle. Das gleiche Verfahren hat man, allerdings mit geringerm Erfolg, vor rund zehn Jahren auch beim Bergwerk Paudex angewendet, indem man hier eine Fabrik hydraulischer Produkte mit Ziegelei errichtete, die bis heute schon mehr als 2 Millionen Fr. Kapital verschlungen hat. In Käpfnach hatte man schon vor Einrichtung der Fabrikanlagen begonnen, einen Teil des Abraummateriales (schwarze bituminöse Mergel) als Dünge- und Bodenverbesserungsmittel zu verkaufen.
Die Menge der in Käpfnach auf einer abgebauten Fläche von 1 Million m2 bis 1896 gewonnenen Kohle kann auf insgesamt 250000 Tonnen geschätzt werden. Das nämliche Kohlenlager ist, von Privaten, auch noch bei Gwandlen ausgebeutet (1777-1849; Ertrag rund 3500 Tonnen) und bei Aabach abgebaut worden, doch erwies sich die Kohle an diesem letztern Ort als sehr wenig rein und stark mit Mergel vermengt. Etwas weiter gegen Südosten hat man beim Weiler Gottshalden ebenfalls stark erdige Kohlen gegraben, deren Ausbeute im Zeitraum 1874-1891 einen Ertrag von 4050 Tonnen ergab.
3) Das Kohlenflöz von Riedhof im Aeugsterthal wurde 1786 entdeckt und dann gleich dem Bergwerk Käpfnach vom Staat Zürich abgebaut. Nachdem etwa 2000 Tonnen Kohlen gefördert worden, stellte man den Betrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein. Auch dieses Flöz gehört der obern Süsswassermolasse an, wie ferner noch verschiedene andere bekannte aber kaum abgebaute Vorkommnisse im obern und untern Reppischthal, so namentlich bei Sellenbüren und dann wieder bei Spreitenbach (im Kanton Aargau).
4) Das Sihlthal bietet an manchen Stellen anstehende Kohlenschichten, die stellenweise bis zu 30 cm Mächtigkeit aufweisen können und ebenfalls der Oeningermolasse, vielleicht sogar noch dem nämlichen Horizont wie Käpfnach angehören. Abbauversuche wurden gemacht bei Obstgarten (nahe Adliswil) und Hintersteig, im Schweizertobel, am Rossweg etc.
5) Bergwerk Elgg, ebenfalls in der obern Süsswassermolasse. Das bei Schneitberg gelegene Flöz ist 1763 aufgefunden und oberhalb des Bahnhofes Elgg an drei Stellen (während der Jahre 1782-1838, 1811-1827 und 1827-1837) abgebaut worden. Die Menge der geförderten Kohle ist nicht bekannt, kann aber in Anbetracht der Unregelmässigkeit des Flözes nicht sehr bedeutend gewesen sein.
6) Ebenfalls der Oeningermolasse gehört die um 1789/1790 abgebaute Mine von Raat an, die sich in einem zwischen Weiach und Kaiserstuhl gegen den Rhein sich öffnenden Thälchen befand. ¶