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Der Wohlstand der Nachkriegsjahre dauert, an aber unter der friedlichen Oberfläche besteht ein wachsendes Verlangen nach Bürgerrechten. Louis Armstrong entscheidet seine Karriere zu riskieren, mit offenen Erklärungen zu der Verweigerung der Südstaaten. die Verfassung zu anerkennen. Nachdem Miles Davis seine Narkotikasucht, die so viele Jazzmusikerleben zerstörte, überwunden hat, unterzeichnet er einen Vertrag mit Columbia Records, macht eine Serie von legendären Albums und wird eine Ikone für eine ganze Generation Amerikaner. Der begabte, sauber lebende Trompeter Clifford Brown, ein Rollenmodell für jüngere Musiker, wird bei einem Autounfall getötet. Duke Ellington, der jetzt kämpfen muss, um seine Tourneen weiterzuführen, gelingt die Wiedergeburt seiner Karriere mit einem erstaunlichen Auftritt am Newport Jazz Festival 1956. Der Schlagzeuger Art Blakey bildet seine Jazz Messenger Gruppe, die während mehr als vierzig Jahre eine Ausbildungsstätte für junge Musiker wird. Zwei berühmte Persönlichkeiten der 30er Jahre - Billie Holiday und Lester Young - sterben nur kurze Zeit nach einer aussergewöhlichen Begegnung am Fernsehen. Unterdessen machen drei kühne Saxophonmeister ihr Debüt Sonny Rollins, John Coltrane und Ornette Coleman - deren dreiste ,,Free"-Spielweise dazu dient, eine neue Jazz - Richtung zu schaffen - die Avantgarde.
Im ersten Teil des heutigen Filmabends hören wir Sandy Randke mit seinen New York All-Stars. Der profilierte Swing Trompeter, stilistisch von Bix Beiderbecke und Ruck Clayton beeinflusst, ist bei seiner
Europa - Tournee 1993 am Jazzfestival aufgetreten. Erwähnenswert ist der mit ihm aufgetretene Klarinettist Ken Peplowski, der häufig mit Benny Goodman verglichen wird.
Anfangs der 1990er Jahre begann ein Bix Beiderbecke-Projekt mit dem Oktett "New York All-Stars. [Sandky /Peplowski).
Im zweiten Teil wandelt sich das Berner-Festival in den Cotton Club. Unter dem Titel "Jazzband Ball" sehen und hören wir Harry Strutters Hot Rhythm Orchester mit den Jiving Lindy Hopppers. Ansager ist der Bassist Milt Hilton. Weiter dabei sind der Trompeter Davis Davenport und die Sängerin Lilliane Boutte.
James Blood Ulmer ist ein faszinierender Musiker. Er wurde (wird] auch von Knox Troxler, dem langjährigen Organisator des Jazz Festivals Willisau, sehr geschätzt. Somit konnte er beim Willisau Festival immer wieder auftreten. Die grosse Wertschätzung, die ihm von Knox Troxler zuteil wurde, zeigt sich auch in der Tatsache, dass Knox ihn unbedingt bei seinem letzten von ihm organisierten Festivals dabei haben wollte. James Blood Ulmer verfügt über eine sehr persönliche, prägnante Spielweise auf der Gitarre. Er spielt diese versehen mit einer Spezial-Stimmung und Besaitung. Auch er spielt sie ausschiesslich mit dem Daumen und betont perkussiv. Den Ton, den er der Gitarre entlockt, kann man als spröd oder auch als schneidend bezeichnen. Man kann bei seinem Gitarrenspiel auch Bezüge zu anderen el-Gitarrenmusikem wie BB. King oder Sonny Sharrock finden. Seine Musik ist stark Blues-geprägt, aber enthält auch Bezüge zu Free- und Funk-Jazz, Auch finden sich in seinem Spiel Einflüsse von Ornette Coleman, insbesondere von dessen harmolodischer Theorie. Was die gesanglichen Daundrbietungen von James Blood Ulmer anbelangt, so erinnern diese an den archaischen Sprechgesang früher Gitarristen. Auf alle Fälle merke, was James Blood Ulmer sagt: 'Jazz is the teacher, funk is the preacherr
"You don't beat the drums, you play them" (Jo Jones)
„Ich war nie so vollständig von einem Drummer überwältigt, vorher nicht und seither nicht, wie damals, als ich 1936 den ersten Abend im Reno Club in Kansas City verbrachte. Jo war unendlich wandlungsfähig, mächtig
und weltmännisch." [John Hammond)
„Ich fühlte mich beim Spielen nie besser, als wenn Jo Jones in der Rhythmusgruppe war." (Milt Hinton)
Die Basie Band der dreissiger Jahre war der Inbegriff des Swing und des Swing. Und das verdankte sie nicht zuletzt den vier Leuten im „Maschinenraum", Walter Page am Bass, Freddie Green an der Gitarre, Count Basie am Klavier und dem Drummer Jo Jones. Die vier „atmeten wie ein Mann", produzierten einen relaxten, aber dennoch unbändig vorwärtsstürmenden Soundteppich, von dem Solisten wie Lester Young oder Buck Clayton in den Himmel getragen wurden und der ihr das respektvolle Etikett „All American Rhythm Section" einbrachte.
Als ich den Abend "Wie ich zum Jazzliebhaber wurde" vorbereitete, hätte ich den Cotton Teil mit Ella Fitzgerald und dem Ellington-Orchester in den 1960er-Jahren an der Cöte d'Azur vorspielen wollen. Dies brachte mich
auf die Idee, dieses Stück noch passender auf einen Paul Gonsalves gewidmeten Abend zu verschieben.
Trotz seines Grosserfolges mit dem Duke Ellington Orchester gehört er zu den unterschätzten Musikern im Jazz. Sein denkwürdiges Solo vor bereits bald 60 Jahren [1956 in Newport] machte in legendär, wenn ihm auch viele puristische Jazzkritiker [oder -polizisten?] Vulgarität vorwarfen. Wir lassen heute Abend einen verschwindend kleinen Teil seines Werkes innerhalb und ausserhalb der Ellington-Band Revue passieren. Seine Spieiweise dürfte auch viele moderne Musiker beeinflusst haben. Mir scheint, was der Mann gespielt hat, klingt in unseren Ohren auch heute nach so langer Zeit absolut modern.
Anfangs der 60er Jahre hatte der Jazz Probleme. Die Jugend zieht jetzt in grosser Mehrheit Rock & Roll vor - obwohl es Louis Armstrong mit „Hella Dolly" gelingt die Beatles zu überfliegen, und Stan Getz schafft eine erstaunliche Sympathiewelle für Bossa Nova. Viele Musiker sind arbeitslos und nicht wenige verlassen die U.S.A., um hauptsächlich in Europa Unterschlupf zu finden - so der Tenorsax-Meister Dexter Gordon. Kritiker teilen die Musik in entgegengesetzte „Schulen" - Dixieland, Swing, Be Bop, Hard Bop, Modal, Free, Avantgarde und mehr. Während des Bürgerrechtskampfes mischen einige Musiker die Musik mit sozialem Protest, vornehmlich Max Roach, Charles Mingus, Archie Shepp und das Art Ensemble of Chicago. John Coltrane stirbt viel zu früh und Miles Davis entscheidet, dass, falls er nicht mehr Albums als die Rockmusiker verkaufen kann, er sich ihnen annähern wolle durch eine neue, rasch sehr populäre Stilrichtung, genannt Fusion. Sowohl Louis Armstrong wie Duke Ellington verlassen in den 70er Jahren die Bühne und viele meinen, dass der Jazz mit ihnen stirbt. Aber genau, als alles aussichtslos erscheint, kommt Dexter Gordon zurück aus Dänemark und beweist, dass es immer noch eine Zuhörerschaft für den Mainstream Jazz gibt. Eine neue Generation von Musikern, angeführt vom Trompeter Wynton Marsalis, zielt begierig auf einem eigenen Ausdruck innerhalb der grossen Traditionen dieser Musik.
Coleman Hawkins wird als Vater des Tenorsaxophons bezeichnet, was seiner Vorreiterrolle im frühen Jazz sicher gerecht wird.
Er ist aber auch Wegbereiter und Vorbild für unzählige weitere Saxophonisten aller Stilrichtungen im Laufe des 20. Jahrhunderts.
Er gehört zu den 3 Giganten des Tenors, zusammen mit Ben Webster und Lester Young. Der Referent versucht, einen kleinen Teil seines immensen und umfangreichen musikalischen Werkes in 2 Etappen zu präsentieren und freut sich, diesen Ausnahmekünstler wieder in Erinnerung zu bringen.
Für das schwarze Amerika war dieser Gentleman mit seiner legendären rauchigen Stimme DER absolute Superstar des Blues, populärer vielleicht noch als B.B. King, John Lee Hooker oder Muddy Waters.
Ausserhalb dieses Kulturkreises blieb sein Name jedoch stets mehr oder weniger nur ein "Geheimtipp" unter Musik-Fans. Man kann sich da fragen: Wieso? Vielleicht war es der Umstand, dass sich Bland während seiner langen Musikkarriere nie eine Gitarre umgehängt hatte und stets Nur-Sänger blieb und so nie ganz dem bei uns so weit verbreiteten Musterbild eines Bluesmannes in Gitarren-Pose entsprach. Bland kam am 27. Januar, 1930 unter seinem richtigen Namen Robert Calvin Bland in Rosemark, Tennessee, zur Welt. Am 23. Juni letzten Jahres ist seine Stimme leider für immer verstummt. Wir werden Blands Karriere, die in den frühen Fünfziger-Jahren in Memphis/TN begann, noch einmal nachzeichnen und auch auf den grossen Einfluss, den seine Musik auf viele jüngere Künstler der Blues- und Soul-Szene aus¬übte, eingehen.
Unter dem Namen des Sängers, Entertainers und Pianisten Bob Howard kamen in den 1930-er Jahren etwa 80 Seiten zustande [ohne Zählung von Takes], die stark von Fats Waller & His Rhythm inspiriert sind, und die ich als äusserst wertvolle Swingaufnahmen betrachte. Swing im doppelten Sinne: Die Aufnahmen gehören zur Epoche des Swing, aber gleichzeitig swingen sie auch wie der Teufel im Sinne der allgemeinen musikalischen Eigenschaft, ohne die der Jazz nicht Jazz wäre, egal welchen Stils. Bemerkenswert an den zahlreichen Aufnahmen unter dem Namen Bob Howards sind einerseits deren hochkarätige Begleiter auf allen Instrumenten. Andererseits setzt sich meistens Bob Howard nicht selber ans Klavier, sondern überlässt diesen Job diversen anderen Pianisten, die trotz ihres meisterhaften Spiels „underrecorded" geblieben sind und deren Präsenz auf den Aufnahmen von Bob Howard allein schon deshalb den Abend wert sind. Mehr möchte ich im Moment nicht verraten.
Serge Chaloff wurde am 24. November 1923 in Boston geboren, seine Eltern waren beide berühmte und beliebte Musiker. Sein Vater Julius Chaloff war Pianist beim Boston Symphonie Orchester, und seine Mutter
Margaret Stedmann Chaloff war die Pianolehrerin von Berühmtheiten wie Leonard Bernstein, George Shearing, Dick Twardzik, Herbie Hankock, Chick Corea und Keith Jarret.
Serge erhielt zwischen seinem 6. und 12. Lebensjahr Klavierstunden von seiner Mutter und Klarinetten-Unterricht von einem Herrn Manuel Valerio, der auch bei den Boston Symphonikern tätig war. Mit 12 Jahren wechselte Serge Chaloff zum Baritonsaxofon, was er sich weitgehend selbst beibrachte.
Sein Vorbild war Harry Carney, dem er aber wegen laufender Tourtätigkeit nicht folgen konnte. Serge Chaloff gilt als einer der ersten Baritonisten, der die Eigenheiten des Bebob erfasst hat [ein Zeitgenosse von ihm ist Leo Parker). Beide Herren waren schon ab 1947 im modernen Jazz tätig, während Gerry Mulligan erst Anfang der 50-er Jahre berühmt wurde.
Serge Chaloff hat einen eigenen, sehr persönlichen Stil entwickelt und sein Ton ist durch eine Art dramatisches Vibrato erkennbar. Als Mitglied des Second Herd von Woody Hermann, wurde er erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Er war damals schon sehr stark heroinsüchtig und war zeitweise nicht spielfähig. In jungen Jahren schon durchlief er eine Hodenkrebsoperation, wobei die eigentliche Todesursache ein Krebs im Rückenmark war (im Jahre 1957).
Serge Chaloff galt als zwiespältige Persönlichkeit, der nüchtern von ausserordentlicher Liebenswürdigkeit, geistreich und witzig war. Unter Heroineinfluss jedoch ekelhaft und unfreundlich. Um an Heroin zu kommen, bat er einmal in Minneapolis seine geliebte Mutter um 1000 USD für einen Heimflug. Die Mutter, die ihren Pappenheimer kannte, schickte ihm aber ein Flugbillet für die Rückreise nach Boston, die er aber nie antrat.
Bei einer seiner letzten Aufnahmen erschien er mit Krückstöcken und Rollstuhl, er war so schwach, dass ein Ersatzbaritonist seine geschriebenen Sätze der Four Brothers spielen musste, während Cherge Chaloff nur die Soli selber spielen konnte.
Milt Buckner [1915-1977), der lebenslustige Meister des „block chord" Stils auf dem Piano, ist aus dem Jazz nicht wegzudenken. In den vierziger Jahren hat er den Klang des Lionel Hampton Orchesters mitgeprägt.
Sein Aktionsradius erstreckte sich vom Pianisten, Organisten und Vibrafonisten bis zum Arrangeur, Komponisten und Bandleader. Er war ein hervorragender Boogie Woogie Interpret, fühlte sich aber genau so wohl in trickreichen Be Bop Nummern wie zum Beispiel Round About Midnigh