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Eine bewegte Geschichte
Autor: Anton Jungo
Erfasst von der Reformbewegung, die vom Kloster Cluny ausging, wurde auf dem Gebiet der heutigen Schweiz vor allem das ehemalige burgundische Herrschaftsgebiet. Die deutschsprachige Schweiz war davon kaum betroffen. Mit den ehemaligen Klöstern von Romainmôtier und Payerne (Peterlingen) sowie der Klosterruine Rüeggisberg hat Cluny in der Schweiz wichtige romanische Baudenkmäler hinterlassen (vgl. Kasten).
Spuren in Deutschfreiburg
Der Deutschfreiburger Heimatkundeverein hat das Jubiläum der Abtei Cluny zum Anlass genommen für einen Besuch der Abteikirche von Payerne. Dies mit gutem Grund, hatte dieses Kloster doch durch königliche Schenkungen Besitztümer unter anderem auch in Bösingen, Kerzers und Ferenbalm.
Hans Bommer hat den rund 40 Exkursionsteilnehmern die Entstehungs- und Baugeschichte des Klosters nähergebracht. Payerne geht auf eine helvetisch-römische Siedlung zurück. An Bedeutung gewann der Ort, als Marius, der erste Bischof von Lausanne, hier 587 eine Kapelle errichtete. Auf der Flucht vor den Alemannen war er dabei, seinen Bischofssitz von Avenches nach Lausanne zu verlegen.
Bertha oder Adelheid?
Über die Gründung des Klosters gibt es verschiedene Traditionen. Gemäss einer – allerdings gefälschten Urkunde – geht die Gründung auf die Mitte des 10. Jahrhunderts durch Königin Bertha zurück. Sie gilt auch als Stifterin einer Kirche in Bösingen. Eine andere Tradition schreibt die Gründung Kaiserin Adelheid, der Tochter von Bertha, zu. Anlässlich eines Besuchs am Grab ihrer Mutter in Payerne soll sie das Kloster gestiftet (oder neugegründet?) haben und es mit vielen Besitztümern der Abtei Cluny unterstellt haben. Bekannt ist, dass ab 960 in Payerne neues klösterliches Leben einsetzte. Über die Zahl der Mönche ist wenig bekannt. Im 13. Jh. sollen es 30, im 15. Jh. noch 15 und bei der Aufhebung anlässlich des Einmarsches der Berner ins Waadtland und der Durchsetzung der Reformation noch zwölf gewesen sein. Das Kloster stand im übrigen in ständigem Konflikt mit der Bürgerschaft des Ortes, so dass diese schon im 13. Jh. in unmittelbarer Nähe des Klosters – ihm sozusagen die Stirne bietend – eine eigene Pfarrkirche baute.
Systematisch renoviert
Nach der Aufhebung diente die Klosterkirche als Kornspeicher, Kaserne, Gefängnis, Verwaltungsgebäude, Turnhalle usw. Mitte des 19. Jh. wurde man sich allmählich der Bedeutung des Gebäudes bewusst. 1899 wurde die Kirche unter den Schutz der Eidgenossenschaft gestellt. 1926 begann die systematische Renovation. Sie fand 1963 ihren Abschluss.
Trotz ihrer bewegten Geschichte blieben in der ehemaligen Abteikirche wertvolle Bauelemente und Malereien erhalten.
Aus Anlass des Jubiläums findet in der Galerie du Musée de Payerne eine Ausstellung zur Geschichte Payernes und seiner Abtei statt. Öffnungszeiten: Di. bis So. von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.