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Ich verwende das Wort "verhalten" auch metaphorisch. Eigentlich verwende ich es für ein Systemverhalten und umgangssprachlich für ein Verhalten, das ich anhand eines Systems erkläre.
Als Verhalten bezeichne ich - systemtheoretisch - beobachtbare konstruktiv vorgesehene Zustandsfolgen eines Systems.
Was ich nicht als System beobachten kann, zeigt kein Verhalten.
Beispiele:
Ein Stein oder ein Hammer kann sich nicht verhalten.
Das "Verhalten" meiner Heizung: Meine Heizung gibt beispielsweise zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr Wärme ab als zuvor, weil es kälter geworden ist - sie hat ihren Zustand - beobachtbar und konstruktiv vorgesehen - verändert.
Erläuterungen:
Von einem System spreche ich, wenn ich ein Phänomen einem geregelten Mechanismus erkläre. Die Heizung ist eine Heizung. Ich beschreibe sie aber als (thermostaten)geregeltes System, wenn ich ihr Verhalten erklären will. Dass die Heizung rostet ist konstruktiv nicht vorgesehen. Deshalb bezeichne ich solche Veränderungen nicht als Verhalten.
Was "konstruktiv vorgesehen" ist, entscheide ich durch die Definition des Systems, das ich für meine Erklärung verwende. Die Definition zeigt sich in einer Menge Variablen und deren Verknüpfungen.
Die konstruktiv vorgesehenen Zustandsänderungen umfassen auch, dass sich ein System zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht verändert. Die thermostatengeregelte Heizung reagiert auf die Temperatur des Thermometers. Sichtbar wird das bei Temperaturschwankungen, aber das Heizungssystem verhält sich natürlich auch, wenn sie ihren Zustand nicht ändert.
Von Verhalten spreche ich in der Perspektive des konstruierenden Beobachters. Wenn ich im Verhalten einen subjektive Sinn erkenne, spreche ich von Handlungen.
Wenn ich das Verhalten anweisend beschreibe, nenne ich es Verfahren. Ich kann also beispielsweise ein webendes System (das Weben eines Menschen oder eines Webstuhls erklärend) als ein sich verhaltendes System beobachten. Wenn ich einen webenden Menschen beobachte, kann ich wahrnehmen, dass er etwas sinnvolles tut, also handelt. Wenn ich einen Webstuhl beobachte, kann ich wahrnehmen, dass der Webstuhl in seinem Verhalten keinen Sinn erkennen kann, dass aber der Weber, der mit dem Webstuhl arbeitet, etwas sinnvolles tut. Und wenn ich jemandem sage, wie er weben muss, dann beschreibe ich seine Operationen oder eben das Verfahren.
"Verhalten" resultiert aus einer Beobachterperspektive, die idealtypisch von Behavioristen eingenommen wird.
W. Powers bezeichnet die Funktion von Verhalten als Kontrolle der Wahrnehmung. Ich fahre beispielsweise nach Paris (Verhalten), wenn ich den Eifelturm sehen will (Wahrnehmung). Automaten verhalten sich so, dass ihr kybernetisches Ziel aufrechterhalten bleibt. Die thermostatengeregelte Heizung verhält sich so, dass die Temperatur des Thermometers beim Sollwert bleibt. In einem metaphorischen Sinn kann man sagen, dass das Thermometer beispielsweise die Raumtemperatur beobachtet oder wahrnimmt.
siehe auch Verhaltensmuster, Verhaltenswissenschaft
Literatur
"Unter Verhalten verstehen wir die Haltungs- und Standortveränderungen eines Lebewesens, die ein Beobachter als Bewegungen oder Handlungen in bezug auf eine bestimmte Umgebung (Milieu) beschreibt" (H. Maturana: Baum:150).
Was Zustandsänderung operativ formuliert heisst, hat Ernst von Glasersfeld in "Kybernetik, Erfahrung und der Begriff des Ich (154ff)" in Anlehnung an J. Piaget's Objektpermanenz beschrieben.