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Bauleiter Gianni über die Maistra-Baustelle
«Die Arbeit liegt mir am Herzen»
«Die Arbeit liegt mir am Herzen»
Nach dem Militärdienst in Italien startete Gianni am 1. Mai 2000 zunächst als Hilfsarbeiter, später als Maurer bei der Firma Seiler. Nach vier Jahren ermutigte sein Arbeitgeber ihn zum Besuch der Vorarbeiterschule. Anschliessend folgten ein Hausbau sowie mehrere kleinere Jobs, bevor er schliesslich die Bauleitung des grossen Projekts «Il Piz» übernehmen konnte. Gianni ist bereits seit 21 Jahren im Engadin. Wir haben den Bauleiter auf der Baustelle besucht und ihn zum Bau des Hotel Maistra interviewt.
Ist das Maistra 160 die grösste und komplizierteste Baustelle, die Sie bisher geleitet haben?
Von der Grösse her war «Il Piz» etwas grösser, aber es gab keinen Sichtbeton, viel weniger Details und keine Einlagen. Auf der Baustelle des Maistra ist dadurch alles etwas komplexer.
Sie sind der Bauleiter der gesamten Baustelle. Wie gehen Sie damit um?
Ich bin ein Typ, dem die Arbeit am Herzen liegt. Wenn ich gute Arbeit leiste, bin ich zufrieden. Und dies ist auch für die Firma Seiler gut. Das ist mir sehr wichtig. Nach den vielen Jahren der Zusammenarbeit ist die Firma für mich sowas wie eine Familie. Ich überprüfe die Arbeiten nicht nur einmal, sondern zweimal, wenn nicht gar dreimal. Ich habe aber auch Leute vor Ort, die sehr gut arbeiten und denen ich vertraue.
Wie kommunizieren Sie mit den Arbeitern auf der Baustelle?
Ich habe vier, fünf Teams organisiert und teile diese nach Bedarf auf. Jedes Team hat einen Teamleiter, dem ich vollkommen vertraue. Ich arbeite seit Jahren mit Seiler und inzwischen wissen die Arbeiter auch wie ich bin und wie sie mit mir arbeiten müssen. Ich verstehe aber auch, dass die Costa-Jungs, die erst seit einem Jahr mit mir arbeiten, noch weniger mit uns und unserer Arbeitsweise vertraut sind.
Gibt es eine spezielle Herausforderung beim Bau des Hotels Maistra, die Sie auf anderen Baustellen noch nie gesehen haben?
Ich habe noch nie mit so viel Sichtbeton gearbeitet. Das ist sehr interessant. Die Architekten geben mir eine Zeichnung und ich muss mich danach richten. Hier ist besondere Vorsicht geboten, weil Sichtbeton keine Fehler verzeiht - sie können nicht einfach versteckt werden.
Hat das Engadiner Klima Auswirkungen auf die Baustelle? Haben Sie auch Erfahrungen in anderen Regionen gemacht?
Ich habe in Italien gearbeitet und das Klima dort war völlig anders. Man konnte zwölf Monate im Jahr bauen, was hier im Engadin nicht möglich ist. Hier arbeitet man gute sechs bis sieben Monate. Die zweite Hälfte des Jahres sorgen Schnee und Kälte für viele Herausforderungen. Trotz Frostschutzmittel und zusätzlichem Heizen trocknet der Beton im Winter langsamer. Im Sommer können wir bereits nach 24-36 Stunden die Schalung entfernen. Im Winter müssen wir mindestens 48 Stunden warten, besonders bei Sichtbeton.
Lernt man nach all den Jahren noch etwas bei der Arbeit oder ist alles Routine geworden?
Natürlich lernt man immer etwas Neues. Aber nach zwanzig Jahren werden bestimmte Abläufe zur Routine. Die Arbeit mit Architekten, die man noch nicht kennt, ist immer eine neue Herausforderung. Viele grundlegende Dinge können mit Erfahrung schnell und einfach erledigt werden. Und wenn ich die Prozesse kenne, kann ich sofort den Arbeitsaufwand für bestimmte Schritte abschätzen.
Bei all dem Stress und Zeitdruck … gefällt Ihnen das Projekt?
Man muss die richtie Einstellung für diesen Job haben. Wenn wir weitere zwölf Monate so arbeiten würde wie in den letzten drei, wäre das ermüdend. Zum Glück geht es nun aufwärts mit dem Bau, alles wird besser und der Stress ein bisschen weniger. Aber ein paar graue Haare sind mir schon gewachsen.
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie ein grosses Projekt endlich fertiggestellt sehen?
Wenn ich jetzt auf der Baustelle herumlaufe und die Treppen nehme, bin ich sehr zufrieden. Es ist alles noch unfertig, nimmt aber langsam Gestalt an. Es hilft mir sehr zu sehen, was wir alles bereits gemacht haben. Ich mag dieses Projekt, weil es so besonders ist. Es gibt einen Wellnessbereich und Spa, ein Schwimmbad, ein Fitnessstudio, verschiedene Räume … Wir werden jetzt auch die Bar bauen und dann das Restaurant. Es gibt so viele Dinge. Wenn man ein Haus baut, baut man zuerst die Garage und dann das Haus mit zwei, drei Stockwerken. Hier hingegen haben wir Steinsäulen und sehr viele Details. Der Bau des Hotel Maistra ist fordernd, aber sehr interessant.