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"Ich spiele in der 1. Runde übrigens gegen Steve Johnson." Roger Federer hatte die Lacher auf seiner Seite, als er am Samstag an der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Start des Australian Open die rund 100 Journalisten im überfüllten Pressesaal darauf aufmerksam machte, warum er eigentlich nach Melbourne gereist war: um Tennis zu spielen.
Die Partie am Dienstag zwischen dem sechsfachen Australian-Open-Champion und der Nummer 81 der Welt aus den USA interessierte kaum jemanden. Die Buschbrände in Australien, die schlechte Luftqualität in Melbourne zu Beginn der Woche, die Risiken und möglichen Folgen für die Spieler sowie die Beweggründen für seine Replik vergangene Woche, als sich Federer nach der Kritik der Klimaschutzbewegung an seinem Sponsor Credit Suisse öffentlich äusserte, waren die dominierenden Themen.
Bei der Debatte um die Qualität der Luft diene er nicht als Gradmesser, sagte Federer. "Ich habe bei geschlossenem Dach trainiert." Auch er habe sich aber bei der Turnierleitung erkundigt, wie schlimm die Situation sei. Die slowenische Qualifikantin Dalila Jakupovic war am Dienstag kollabiert, andere Spieler spürten die Folgen der aufgrund der Buschbrände verunreinigten Luft über Melbourne. Stefanos Tsitsipas, der im letzten Jahr im Achtelfinal Federers Serie von 17 Siegen in Folge im Melbourne Park beendet hatte, klagte: "Ich erlitt nach dem Training einen Hustenanfall und hatte zwei Stunden Mühe zu atmen."
Federer kritisierte die mangelnde Kommunikation von Seite der Turnierleitung, zumal die offiziellen Behörden des Bundesstaats Victoria die Empfehlung abgegeben hatten, die Gebäude nicht zu verlassen. Inzwischen sind die Regeln laut Federer klar: "Wir gehen kein Risiko ein." Wird der Index der Luftqualität von 200 überschritten, wird der Spielbetrieb unterbrochen oder unter geschlossenem Dach fortgesetzt. An den Olympischen Spielen in Tokio soll der Grenzwert bei 300 liegen.
Ein Thema, das die Schweizer Öffentlichkeit bewegt hatte, war das von Federer veröffentlichte Communiqué nach der Kritik der jugendlichen Klimaschützer an seinem Sponsor Credit Suisse. "Mir war wichtig zu zeigen, dass ich solche Dinge auch mitbekomme und nicht total abgeschottet lebe", so der vierfache Familienvater. "Das Thema berührt mich, weshalb es mir wichtig war, Stellung zu nehmen und ich nicht so tue, als wäre mir das egal oder ich davon nichts mitkriegen würde."
Der 38-Jährige hatte in seinem Schreiben Sympathie und Respekt für die Klimabewegung geäussert und versprochen, den Dialog mit seinen Partnern zu suchen. "Wir alle können in Zukunft mehr machen, müssen aber am gleichen Strick ziehen", sagte Federer nun in Melbourne. Das Klima sei nur eines von vielen Themen. Mit seiner Stiftung unterstütze er etwas anderes. Die Möglichkeit zur Schule zu gehen und eine bessere Ausbildung zu haben, würden aber ebenfalls helfen, die Vorgänge in der Welt und das Thema Klima besser zu verstehen.
"Als Tennisspieler kann ich aber nicht das Sprachrohr der Klimabewegung sein", sagte Federer. "Das wissen auch diejenigen, die eine Reaktion von mir erhofft haben." Er habe andere Möglichkeiten, treffe viele wichtige Leute, mit denen er jeweils diverse Themen anspreche. "In Zukunft kann ich das Thema Klima sicherlich mehr einbringen."
Die sportlichen Erwartungen vor dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres hält Federer bewusst tief. Einige hätten schon sehr viele Matches gespielt und ihre starke Form unter Beweis gestellt. "Ich muss mich aber zuerst beweisen." Bevor er das nicht getan habe, könne er nicht zum Favoritenkreis gezählt werden. "Vielleicht sieht die Situation in einer Woche anders aus."
Erstmals seit 2013 tritt er ohne Matchpraxis am Australian Open an, was beim 20-fachen Grand-Slam-Sieger bei dessen 21. Teilnahme in Down Under für Unsicherheit sorgt. "Ich habe alles gemacht, was ich kann, aber Trainings sind keine Matches." Die Vorbereitung in Dubai verlief laut Federer nach Plan. "Das ist Gold wert - auch für den Rest des Jahres, falls es hier nicht so gut funktionieren sollte."
(sda)