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In der der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte Aufbruchstimmung in der Schweiz, das Land wurde von der Eisenbahn erschlossen, die Industrie entwickelte sich und neue Technologien wie Telegrafie, Telefonie, Fotografie und Elektrizität breiteten sich aus.
Eines der Symbole für die Stimmung in der damaligen Zeit ist der monumentale Eiffelturm, der zur Weltausstellung in Paris von 1889 errichtet wurde. In der Schweiz erinnern die Jungfraubahn wie auch der Gotthardtunnel an jene Phase der stürmischen Entwicklung.
Ausbau der Verkehrswege
In Wil machte sich der rasante Fortschritt im Bau von Bahnlinien in verschiedene Himmelsrichtungen, in der Errichtung von Fabriken und auch in der baulichen Entwicklung der Oberen Bahnhofstrasse bemerkbar. Zudem verfünffachte sich damals die Wiler Bevölkerung.
Ein Beispiel für den seinerzeitigen Zeitgeist ist die 1889 gebaute «Aktienbrauerei». Der eindrucksvolle Backsteinbau in Bahnhofsnähe machte später einem Grossverteiler Platz. Die Bierfirma war mit einem beachtlichen Aktienkapital von einer Million Franken ausgestattet.
Es fehlt an Geld
Für den enormen Entwicklungsschub der Wirtschaft und der Infrastruktur brauchte es erhebliche finanzielle Mittel. Auch in Wil benötigten die Unternehmen oft kurzfristig grössere Summen. Doch die Eisenbahn, die damals noch privatwirtschaftlich organisiert war, sowie andere Projekte benötigen grosse Beträge, sodass der Kapitalmarkt ausgetrocknet war. Gleichzeitig führte auch der Deutsch-Französische Krieg zu einem Geldmangel in der Schweiz, da damals das französische und das schweizerische Geldsystem verbunden waren.
Wildwuchs an Geldscheinen
Ein Dutzend Industrieller gründeten 1863 die Toggenburger Bank. Aus ihr ging in den 1870er-Jahrten die «Bank in Wyl» hervor, die das Gewerbe und die Landwirtschaft zu ihren Kunden zählte.
Als Folge des Mangels an verfügbarem Geld begannen manche Kantone eigene Banknoten zur drucken, es entstand gemäss des Historischen Lexikons der Schweiz ein Wildwuchs an regionalen Geldmitteln. Auch die «Bank in Wyl» erwog, eigene Banknoten herauszugeben, wie Verena Rothenbühler und Oliver Schneider schreiben. Die beiden Historiker haben die neue Wiler Chronik verfasst.
Neuer Akteur taucht auf
Die «Bank in Wyl» an der Oberen Bahnhofstrasse war zum einen auf das Wechsel- und Kreditgeschäft spezialisiert und führte gleichzeitig eine Sparkasse.
Trotz erfolgreichem Geschäftsgang schloss sie sich 1907 wieder mit der Toggenburger Bank zusammen, aus der sie ursprünglich hervorgegangen war. Auf diese Weise könne man der Kundschaft und den Anforderungen der Neuzeit besser dienen, begründete sie ihren Schritt. Gleichzeitig wollte man auch nicht mit der 1868 gegründeten St. Galler Kantonalbank konkurrieren, die damals in Wil eine Niederlassung eröffnete.