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Jüdisches Sonatenneuland
Bedeutenden Repertoirezuwachs erfährt die Bratschenliteratur durch lauter Ersteinspielungen von Werken jüdischer Komponisten.
Dem bekanntermassen entdeckungsfreudigen Schweizer Pianisten Timon Altwegg und der in Moskau geborenen Bratschistin Hana Gubenko ist eine Neuerscheinung zu verdanken, die ausschliesslich mit unbekannten Werken jüdischer Komponisten überrascht. Vom undatierten Sephardic Poem von Aaron Yalom (1918–2002) abgesehen, sind sie alle in dem geringen Zeitraum von 1972 bis 2012 entstanden und auf sehr unterschiedliche Weise der Sonatenform verpflichtet.
Die jüngsten beiden Kompositionen, die 2. Sonate von Frank Ezra Levy (geboren 1930) und die Sonata ebraica von Graham Waterhouse (geboren 1962), tragen Widmungen an die beiden Interpreten, denen nachzurühmen ist, dass sie sich für alle Stücke mit derselben Hingabe und Überzeugungskraft einsetzen.
Schon das in diesem Jahr von der Edition Kunzelmann veröffentlichte Eröffnungsstück der CD, Sephardic Poem von Yalom, hat grosses Überraschungspotential. Der Komponist, der als Sohn polnisch-jüdischer Immigranten in der Nähe von Genf geboren wurde und in New York starb, schuf damit ein auf einem lyrischen Thema basierendes, mit viel pianistischer Brillanz angereichertes Bravourstück von starker Eigenart. Eine solche weist auch die klanglich herbe 1. Bratschensonate des aus Basel stammenden Komponisten, Pianisten und Pädagogen Ernst Levy auf, fehlen doch verbale Tempoangaben und Vortragsbezeichnungen in allen vier Sätzen.
In der Sonata ebraica von Waterhouse, die der CD den Namen gibt, stellt das im kaddischartigen Mittelsatz zitierte jiddische Volkslied Oyfn Pripetshik den am deutlichsten hörbaren jüdischen Bezug zum Werktitel her.
Als besonders dankbare Repertoirebereicherungen erweisen sich die beiden Kompositionen von Ernst Levys Sohn Frank Ezra. Von der einsätzigen Sonata Ricercare mit ihrem häufigen Taktwechsel unterscheidet sich die 2. Sonate durch eine französisch anmutende Eleganz, geschmeidigen Fluss der eingänglicheren Melodik und grössere Kontraste: Sonore Orgelpunkte und unerbittliche Martellato-Attacken wechseln mit wunderbar zarten Tonrepetitionen der Bratsche und mit witzig eingeblendeten Jazzrhythmen effektvoll ab.
Sonata ebraica (Kompositionen von Aaron Yalom, Ernst Levy, Frank Levy, Graham Waterhouse). Hana Gubenko, Viola; Timon Altwegg, Klavier. Guild GMCD 7419