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Ein Gastbeitrag von Jürg Vogel. Er hat in der Edition Unik sein Buch geschrieben, die Anekdote «Französischprüfung» ist darin erschienen.
Zweimal im Jahr hatten wir Examen. Das bedeutete schriftliche und mündliche Prüfungen in den Hauptfächern, die in gleicher Art und Weise durchgeführt wurden, wie später die Maturaprüfung. Die Noten zählten dabei überdurchschnittlich stark für das Zeugnis. Das war ein gutes Training für den Abschluss. Dabei war Französisch für mich das Fach mit dem grössten Potential. Ich fürchtete alle Prüfungen und Examen in dieser Disziplin ganz besonders. Meine Mutter, die viel Sinn für das Praktische hatte, riet mir, vor dem mündlichen Examen einen Schluck Wermut zu trinken, das löse die Zunge und beflügle den Redefluss.
Ich war dankbar für den Hinweis. Weil ich ein grosses Lockerungsbedürfnis hatte, beschloss ich, mir nicht nur einen grossen Schluck zu genehmigen, sondern deren drei. Da ich nach kurzer Zeit keine Wirkung verspürte, wiederholte ich das Ganze noch mindestens zweimal. Auf dem Weg von unserer Wohnung zum Schulhaus begann der Wermut seine Wirkung zu entfalten. In der Prüfung dann rang ich mehr um Haltung als mit der französischen Sprache. Vielleich war gerade diese Ablenkung der Grund, dass ich das Examen bestanden hatte, wenn auch nur knapp.