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Die ungenügende Leistungsfähigkeit der Rüstungsindustrie Russlands im Krieg gegen die Ukraine
Im Juni 2023 hat das schwedische Institut für Verteidigungsforschung FOI die Studie «Russia War Against Ukraine and the West: The First Year» veröffentlicht. Das Kapitel über die Produktionskapazitätder russischen Rüstungsindustrie an Kampfpanzern, Artilleriegranaten und Lenkwaffen ist als Separatum«Russia’s defense Industry at war: Can it live up to expectations» erschienen.
Die Russische Föderation verfügt über eine Rüstungsindustrie, die beinahe alle Waffensystemeproduzieren kann. 2019 umfasste der Rüstungskomplex über 1’353 Unterorganisationen, in denen zwei Millionen Menschen wirkten. Für die Forschung und Entwicklung waren 250 Forschungsinstitute und 300 Entwicklungsbüros zuständig. Die Effizienz des Rüstungskomplex wurde und wird durch die Korruption, den Nepotismus und die Bürokratie behindert.
Im Dezember 2017 wurden den Streitkräften für die Rüstungsbeschaffung im Zeitraum 2018-2027 20 Billionen Rubel (ça 330 Milliarden Dollar) zugesprochen. Anstelle der Produktion modernisierter Versionen der Waffen aus der Sowjetzeit sollte der Anteil an modernen Waffen für die Land-, und See- und Luftraumstreitkräfte zunehmen.
Vor dem Angriff auf die Ukraine verfügten die russischen Landstreitkräfte über 3’940 einsatzfähige Kampfpanzer. Vom 24. Februar 2022 bis 29. Mai 2023 betrug der Verlust an Kampfpanzern pro Tag 1.54. Ohne Ersatz dieser Verluste würden die Landstreitkräfte innert 62 Monate nach der Invasion über keine Panzer mehrverfügen. Beruhend auf die bisherige Kapazität könnte Russland 480 Kampfpanzer (T-72, T-80, T-90) pro Jahr herstellen. Aufgrund des politischen Druckes wäre es denkbar, dass die Rüstungsindustrie pro Jahr 560 Kampfpanzer produzieren könnte und damit die bisherigen Verluste ausgleichen würde. Eine solcheSteigerung der Produktion beurteilen die schwedischen Analysten aufgrund der Schwächen des Industrie allerdings als nicht erreichbar.
Ein weiteres Problem für die russischen Landstreitkräfte ist der Bestand an Artilleriegranaten. Im Sommer 2022 verschoss Russland im intensiven Artilleriefeuer im Donbass pro Tag 20’000 – 30’000 Granaten. Gleichzeitig erhielt die Ukraine pro Tag 10’000 – 30’000Granaten. Ende 2022, bis Frühjahr 2023 nahm die Intensität des russischen Artilleriefeuers, bedingt durch die verschossenen Bestände, ab. Bei der bisherigen Produktionsrate von 2’000 Granaten pro Tag wäre Russland 2 Jahre nach der Invasion ausgeschossen. Deshalb verlangte der russische Verteidigungsminister Shoigu bereits 2022 von der Rüstungsindustrie eine Steigerung der Produktion an Artilleriegranaten und Lenkwaffen. Dazu ist zu bemerken, dass auch eine Steigerung auf 16’000 Granaten pro Tag für die weitereAufrechterhaltung des bisherigen Einsatzes nicht genügen würde. Russland könnte auch nach weiteren 1.5 Jahren über keine Artilleriegranaten mehr verfügen.
Fazit: Durch eine Steigerung der Produktion an Kampfpanzern und Artilleriegranaten könnte Russland zwar seine bisherigen Verluste ausgleichen, aber der Krieg dürfte gemäss den schwedischen Analytikern dadurch nicht entschieden werden. Erhältdie Ukraine weiterhin westliche Unterstützung, dann wäre der weitere Verlauf des Krieges ein Abnützungskrieg, der irgendwann in einem Patt enden könnte.
Schwerer Kampfpanzer T-10 (Geschütz 122mm)der sowjetischen Panzerdivisionen (A.S.)