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Der hochkomplexe Prozess der Pâte de cristal-Technik hat in François Décorchemont (1880–1971) einen Meister gefunden. Aus der raffinierten Umrisslinie des Bechers materialisieren sich fünf detailreiche weibliche Köpfchen, die aus der Antike in die Zukunft des Art déco blicken.
Im September 1976 teilte der Schulvorstand der Stadt Zürich dem Schulamt mit, dass auf Wunsch der Kuratorin des Museum Bellerive für 16.300 Schweizer Franken eine Vase des berühmten französischen Glaskünstlers François Décorchemont angekauft werde, um die Sammlung (die heute Teil des Museum für Gestaltung Zürich ist) «um ein sehr hervorragendes Objekt» zu bereichern. Der aussergewöhnliche Ankauf betraf die dekorative Bechervase aus Pâte de cristal. Décorchemont hatte sich nach Ende des Ersten Weltkriegs wieder zurück an seine Öfen in seiner Geburtsstadt im normannischen Conches begeben, wo er 1902 – begeistert von den Werkstücken seines Landsmanns Albert-Louis Dammouse – mit der Glasmasse Pâte de verre zu arbeiten begann. In eine Künstlerfamilie hineingeboren, studierte Décorchemont bei seinem Vater Malerei und Keramik und verbrachte lange Jahre mit technischen Experimenten. Glas wurde zunächst mit Silikaten versetzt, als erstarrtes Material pulverisiert und unter Beigabe von Quittenkernen (als Bindemittel) als Grundmasse benutzt. In späteren Jahren griff Décorchemont auf fertige Rohmasse zurück. Die Feuerung erfolgte auf unterschiedlichen Hitzestufen, und die tagelange kontrollierte Abkühlung schloss den Prozess ab. Dass zahlreiche Stücke durch Risse in den schwer zu steuernden Koksöfen verlorengingen, machte die wenigen perfekten Stücke so kostbar. Erst ein ölgeheizter Ofen ermöglichte bessere Bedingungen, während sich in der Gestaltung die stilistischen Impulse des Art déco durchsetzten. (Sabine Flaschberger)