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Erst kürzlich wurde der Genfer Arzt Didier Pittet in Paris zum Präsidenten jener unabhängigen Fachkommission ernannt, die die Pandemie-Massnahmen Frankreichs analysieren und aufarbeiten soll. Wer ist dieser Mann, der nun in Frankreich sogar zum Ehrenlegionär ernannt werden soll, und den in der Deutschschweiz kaum jemand kennt?
Anfang der 90er-Jahre hat alles begonnen. Und zwar in der Apotheke des Genfer Unispitals, wo er sich als junger Arzt der Hygiene im Spital verschrieben hat: «Es ist in dieser Apotheke, in der ich zum Apotheker William Griffiths kam und sagte: Wir müssen ein Desinfektionsmittel herstellen, welches effizient Bakterien abtötet, aber gleichzeitig sehr gut hautverträglich ist», erzählt Pittet. Sie hätten dann verschiedene Mischungen getestet, damit sie das Beste fänden.
Gratis Wundermittel für die Welt
Mitte der 90er-Jahre war es dann soweit: Die Lösung aus Alkohol, Wasser und Glycerin wurde produziert und wird seither im Genfer Unispital verwendet. Für Didier Pittet war klar, dieses Wundermittel sollte auf der ganzen Welt verfügbar sein – und dafür musste es möglichst billig sein und einfach herzustellen. Anstatt das Rezept zu patentieren, stellten es die beiden der Weltgesundheitsorganisation gratis zur Verfügung.
Das Desinfektionsmittel ist das Allgemeingut der Pflege.
Für den Arzt kam es nie infrage, damit Geld zu verdienen: «William Griffiths und ich wussten schon am Anfang, dass wir kein Patent wollten, sondern es allen zur Verfügung stellen. Denn es ist ein Allgemeingut, wie Wasser, Luft oder Sonne.» Das Desinfektionsmittel sei das Allgemeingut der Pflege und sollte es auch für die ganze Gesellschaft sein.
Spitalinfektionen als Todesursache
Professor Pittet und sein Team sind von der Handhygiene besessen, weil der Arzt damals die erschreckend hohen Infektionsraten im Spital untersuchte, und herausfand, dass die Handhygiene dabei eine zentrale Rolle spielt: Die Infektionsrate lag in den Spitälern bei ungefähr 15 Prozent, es gab also viele kranke Personen, die sich im Spital infizierten. «Wir haben entsprechende Studien gemacht und festgestellt, dass die Handhygiene das wichtigste Element ist, um Infektionen zu reduzieren. Es war klar, dass wir die Handhygiene fördern müssen.»
Daraus machte Pittet sein Lebensziel. Er trug das Handdesinfektionsmittel in die Welt hinaus – und bewarb die Wichtigkeit der Handhygiene – seit 15 Jahren auch als offizieller Botschafter der Weltgesundheitsorganisation. Damit seine Botschaft rüberkommt, ist Pittet um keine Aktion verlegen. Er ist König der Selbstinszenierung, omnipräsent in den Medien.»
Pittets medizinischer Vater war Francis Waldvogel. Er ist stolz darauf, was sein Ziehsohn erreicht hat: «Natürlich fällt er aus dem Rahmen und das war nicht immer einfach, weil die anderen ihm diese extrovertierte, weltgewandte Seite vorgeworfen haben, um etwas populär zu machen, dass eigentlich sehr simpel ist. Aber wenn man Apostel ist eines Prinzips, wie das seine, glaube ich, ist dies keine Schwäche.» Man müsse es so machen, anders gehe es nicht.
Indirekt 5 bis 8 Millionen Menschen gerettet
Didier Pittet und sein Team konnten zeigen, dass sie die Infektionen um die Hälfte oder sogar bis 80 Prozent reduziert haben. Sie retten so indirekt 5 bis 8 Millionen Menschen pro Jahr, nur durch die Handhygiene mit Desinfektionsmittel. Pittet findet, Covid habe die Gewohnheiten der Leute verändert und «das ist eine gute Sache; die Handhygiene muss ihren richtigen Platz einnehmen, auch in der Gesellschaft!»
Die Früchte von Pittets Arbeit sind nicht in erster Linie finanziell, sondern die Ehre, die ihm zuteil wird, zum Beispiel als er 2007 von der Queen als «Commander of the British Empire» ausgezeichnet wurde. Der 63-jährige Arzt steht bis heute unermüdlich im Einsatz für seine Überzeugung – und wird dabei auch von seiner Familie unterstützt.