Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03271.jsonl.gz/136

Bis zu 70 Prozent aller Deutschen leiden zwei- bis dreimal im Monat unter Spannungskopfschmerz, meldet die Zeitung “Die Welt” und fragt, was man dagegen tun könne.
Neben Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Paracetamol, Ibuprofen und Ketoprofen finden dabei zwei Naturheilmittel Erwähnung:
“ Auch Pfefferminzöl oder Tigerbalsam, vorsichtig auf die Schläfen gestrichen, können Linderung bringen.”
Für vorübergehende Spannungskopfschmerzen sei eine kurzfristige, kontrollierte Selbstbehandlung völlig in Ordnung.
Problematisch werde es, wenn der Spannungskopfschmerz chronisch wird. Dies sei der Fall, wenn die Schmerzen mindestens drei Monate lang hintereinander mehr als 15 Tage im Monat auftreten.
Kommentar & Ergänzung:
Die Wirksamkeit von Pfefferminzöl ist in der Phytotherapie gut etabliert und dokumentiert. Menthol als Hauptbestandteil des Pfefferminzöls erregt die Kälterezeptoren in der Haut. Offenbar wird durch die “Kältemeldung” die “Schmerzmeldung” in den Hintergrund gedrängt.
Tigerbalsam dürfte wohl ähnlich wirken. Ausserdem hat er eine interessante Geschichte. Tigerbalsam (Engl. Tiger balm) wurde in den 1870ern von dem Drogisten Aw Chu Kin in Rangun entwickelt und nach dem Tod des Erfinders vom Pharmaunternehmen Haw Par Healthcare mit Sitz in Singapur industriell produziert, das seine Söhne Aw Boon Haw und Aw Boon Par gründeten und dessen bekanntestes Produkt Tiger Balm ist.
Dabei muss immer wieder einmal klargestellt werden, dass keines der Produkte Inhaltsstoffe enthält, die von Tigern stammen. Tiger Balm ist nach dem chinesischen Heilkundigen benannt, der vor 100 Jahren anfing, die Salbe serienmäßig herzustellen. Sein Vorname „Haw“ bedeutet übersetzt „Tiger“.
(Quelle: Wikipedia)
Tiger-Balsam weiss (mild) enthält Menthol, Kampfer, Minzöl, Nelkenöl, Cajeputöl.
Tiger-Balsam rot (stark) enthält dazu noch Cassiaöl (durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und jungen Zweigen von Cinnamomum cassia Blume (= Cinnamumum aromaticum Nees, = Zimtkassie) gewonnen). Cassiaöl (Synomym: Kassiaöl, Kassiazimtöl).
Cassiaöl kann Hautreizungen bewirken, vor der Anwendung ist ein Allergie- und Reiztest am Innenarm empfehlenswert. Cassiaöl nicht anwenden bei Babys und Kleinkinder.
Wegen dem Menthol und dem Kampfer sind aber sowieso beide Tigerbalsam-Varianten ungeeignet für Babys und Kleinkinder.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch