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Die Stadt Badajoz
Als Zitadelle «Civitas Pacis» war Badajoz bereits unter den Römern bekannt. Doch der heutige Namen stammt von den Mauren, welche den Ort «Batalyoz» nannten und 845 zur Stadt erhoben. Grössere Bedeutung erhielt sie im 11. Jahrhundert, als sie unter der Herrschaft der Aftasiden Hauptstadt eines Taifa-Reiches wurde, das fast die ganze heutige Extremadura und weite Teile Portugals umfasste. Damals schrieb ein arabischer Dichter zu ihrer Schönheit: «Badajoz, ich werde dich niemals vergessen, auch wenn ich mich länger von dir fernhalte. Wie herrlich sind die hohen Bäume, von denen du, Wunderbare, umgeben bist.»
Die Notwendigkeit der Verteidigung durch all die Jahrhunderte spiegelt sich in ihrer strategischen Lage am Ufer des Flusses «Guadiana» und auf der Muela-Anhöhe sowie im befestigten Komplex aus Stadtmauer, Toren und Bollwerken wider. Aus diesen Befestigungen sticht die dominierende Alcazaba hervor, deren Umfas-sungsmauern auch eine schöne Parkanlage sowie den Plast der Duques de la Roca umschliessen. Die Rückeroberung der Stadt durch die Christen geschah im Verlauf des 13. Jahrhunderts.
Die maurische Alcazaba von Badajoz, im Vordergrund der breite Fluss Guadiana
Die malerischsten und typischsten Strassen und Arkaden der Stadt erstrecken sich zu Füssen der Alcazaba in der Umgebung der Plaza de San José und der Plaza Alta. Letztere (einst das Zentrum der Stadt) gehört mit ihrer farbenfrohen Bemalung der Gebäude und den Bogengängen zu den ganz besonderen Plätzen der Extrema-dura. Seine heutige Form erhielt er im 17. und frühen 18. Jahrhundert. Ursprünglich war er grösser geplant gewesen und sollte mit den Plazas Mayores von Córdoba und Salamanca in Konkurrenz treten.
Ausschnitt aus der Plaza Alta
An einem anderen Platz, der Plaza de España, befinden sich das Rathaus und die Kathedrale San Juan Baudista. Letztere besitzt in ihrem Äusseren einen festungs-ähnlichen Charkater. Das Innere ist im romanisch-gotischen Übergangsstil erbaut. Jerónimo de Valencia hat das schöne Chorgestühl (1548) geschaffen. Der eigenwil-lige Hochaltar ist im churrigueresken Stil um 1707 entstanden. In einzelnen Seiten-kapellen sind Gemälde des einheimischen Künstlers Luis de Morales zu bewundern. Ausserdem sind die Sakristei, der gotische Kreuzgang, der Kapitelsaal und das Kathedralmuseum sehenswert, das wirklich eine exquisite Sammlung von Gemäl-den, Skulpturen, Glasmalereien, Gobelins und Goldschmiedearbeiten sein eigen nennt. Jésus wird uns seine Schätze mit berechtigtem Stolz zeigen und uns ans Herz legen, dass man in Badajoz eigentlich nur sein Museum besichtigen muss. Für die Kunst vor 1800 dürfte er recht haben.
Der ziemlich wehrhafte Turm der Kathedrale
Auf einer kompletten Besichtigungstour durch Badajoz darf natürlich ein Besuch der kleinen Plätze und der Gartenanlagen, unter welchen die Parks Castelar und San Francisco hervorzuheben sind, nicht fehlen. Die Plätze Soledad, Libertad und San Juan eignen sich besonders dazu, das authentische Badajoz näher kennen zu lernen.
Die Gassen der Altstadt laden aber auch ganz einfach zum Bummeln ein. Ausser einzelnen Häusern und Kirchen des 17. bzw. 18. Jahrhunderts sind hier stilmässig vor allem Gebäude des 19. und 20. Jahrhunderts stark vertreten. Historismus, Ju-gendstil und Neues Bauen laden zum Betrachten ein. Natürlich hat es aber auch jede Menge Bars und Verkaufsläden inklusive der Hochzeitsgeschäfte mit den obli-gaten verschwenderischen Roben.
Farbenfroher Strassenzug in der Altstadt von Badajoz
In zwei Stadtpalais ist das Museum de Bellas Artes untergebracht, das 1200 Wer-ke von über 300 Malern und Bildhauern aus dem 18. bis 20. Jahrhundert zeigt. Be-sonders hingewiesen sei auf Gemälde von Zubarán und Esquivel, Skulpturen von Cabrera, Zeichnungen von Lorca und Alberti sowie Stiche von Picasso und Dalí. Wer sich in Erinnerung rufen will, wie isoliert Spanien unter dem Franco-Regime war, dem sei das Besichtigen der Bilder und Skulpuren ab 1930 sehr empfohlen. Da wird einem der Gegensatz vor Augen geführt zwischen dem zeitgleichen Kunstschaffen in Mitteleuropa und in Spanien.
La Giralda von Badajoz, Palais aus der Zeit des Historismus und des Jugendstils
Ebenfalls in der Altstadt angesiedelt ist das Museo de la Ciudad im einstigen Wohn-haus des Malers Luis de Morales. Das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert ist mit einem modernen Annex verbunden. Ein Rundgang mit Animationen vermittelt einen Überblick über die Geschichte der Stadt von den ersten Sidlern, über die Römer, Westgoten, Mauren bis in unsere Zeit. Ein Raum ist dem ehemaligen Besitzer des Hauses gewidmet.
Ein ganz besonderes Museum ist das Museo Extremeño e Iberoamericano de Arte Contemporáneo (MEIAC), schon allein wegen seiner guten Architektur. José Anto-nio Galea hat sich bei der Planung vom Vorgängerbau inspirieren lassen, einem
Das Museum für zeitgenössische Kunst (MEIAC), ein Werk von José Antonio Galea
Gefängnis mit Verwaltungszentrum und davon ausgehenden Achsen als Zellen-trakte aus den 1950er Jahren. Im runden Hauptgebäude ist auf vier Etagen die Sammlung (zeitgenössische Kunst seit 1980) untergebracht. Temporären Ausstellungen dienen die grosszügig gestalteten Räumlichkeiten im Soussol. Strahlenförmig angelegte Wege führen die Besucher durch die mit Palmen und anderen Bäumen strukturierte Umgebung zurück zu den Ausgängen in die Stadt oder zum Verwaltungsgebäude. Das Museum hat eine Ausstellungsfläche von 4 800 Quadratmetern. Es wurde 1995 eröffnet.
Moderne Architektur lässt sich aber auch sonst immer wieder entdecken, sei es in den neueren Wohnquartieren der Stadt, im Wirtschftsviertel oder im öffentlichen Raum. Dazu gehören als besondere Leistungen sicher die Puente Real, aber auch der Palacio de Congresos.
Die Puente Real im Abendlicht
Die Puente Real wurde 1994 als vierte Brücke über den Fluss «Guardina» bei Ba-dajoz eröffnet. «Königliche Brücke» heisst sie, weil König Juan Carlos und Königin Sofia zwei Jahre vorher mit der Grundsteinlegung den Startschuss zum Bau dieses filigran wirkenden Monuments gegeben haben und auch bei der Einweihung dabei waren.
Den Kongresspalast haben die spanischen Star-Architekten José Selgas und Lucia Cano Laso entworfen. Er wurde 2006 eingeweiht und ein Jahr später in einer Jurie-rung in der USA in die Reihe der 50 besten und repräsentativsten spanischen Bau-werke der letzten 30 Jahre aufgenommen.
Palacio de Congresos. Ein Spiel mit Licht, Formen und Farbe