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Schön wäre es, wenn Grenzssteine dereinst nur noch als historische Wanderziele dienen würden, wie in diesem Buch vorgestellt. Die Zeichen der Zeit zeigen in eine andere Richtung: man macht wieder dicht oder schlägt gar neue Pflöcke – sicher nicht so schön, wie die «bornes» in den Bergen des Wallis.
„Le col de Balme, point de passage et de séparation entre les bassins du Trient et de l’Arve, possède la première borne de la frontière franco-valaisanne. C’est une borne principale de 1891 avec les inscriptions «SUISSE» et «FRANCE».“
Der Grenzstein Nr. 1 zwischen Frankreich und der Schweiz liegt auf dem Col de Balme (2204 m), diesem klassischen Übergang vom Tal von Chamonix ins Unterwallis, mit dem „hôt. Suisse, médiocre“ und der „vue célèbre de la chaîne du Mont-Blanc“, wie der Bädeker „La Suisse“ von 1887 schreibt. Der Grenzstein Nr. 2 ist nur 70 Meter vom ersten Stein entfernt, und so geht es der franco-walliser Grenze entlang bis zur Borne Nr. 98 in St-Gingolph am Ufer des Lac Léman. 98 Grenzsteine, um die 91 km zwischen Frankreich und dem Wallis festzulegen. Verhältnismässig wenig, wenn diese Zahlen mit den mehr als 400 Steinen für die 105 km zwischen Frankreich und dem Kanton Genf verglichen werden. Nun, es ist ja auch leichter, im Gebirge den Grenzverlauf zu bestimmen: einfach über Gipfel und Grate. So gibt es zwischen dem Mont Dolent und dem Col de Balme gar keine Grenzsteine.
In seinem dritten Band zur Geschichte der Grenzsteine zwischen Frankreich und der Romandie befasst sich der EPFL-Ingenieur Olivier Cavaleri eben mit denjenigen im Wallis und stellt sie Stein um Stein, Bolzen um Bolzen, Markierung um Markierung vor. Da gibt es Prachtsexemplare, wie an der Tête de Balme die Nr. 4, die aus zwei Steinen besteht. Aus demjenigen von 1891 im gleichen Format wie die Nr. 1, und aus einem bereits 1738 gesetzten Block. Dieser zeigt auf der einen Seite das Kreuz von Savoyen, das von der Krone des Königreiches Sardinien gekrönt ist, und auf der andern die Walliser Flagge mit nur sieben Sternen sowie ein Wappen mit gekreuzten Schwert und Stab, über denen eine Bischofsmütze schwebt. Europäische, schweizerische und kirchliche Historie, in Stein gemeisselt.
Spannend also, diese Geschichte der Grenze und ihrer Markierungen. Olivier Cavaleri verbindet sie mit 22 Wanderungen, von der strengen Hüttentour zur Cabane de l’A Neuve am Mont Dolent bis zum Spaziergang in St-Gingolph. Letzterer wäre sicher etwas für den Freitag, 20. Juni 2014, wenn um 21 Uhr das WM-Fussballspiel SCHWEIZ – FRANKREICH beginnt. Je nach Sympathien schaut man dem Match westlich oder östlich des Grenzflusses La Morge zu. In diesem Sinne: Alles les Bleus – hopp Schwiiz!
Olivier Cavaleri: Histoire de bornes. La frontière entre le Valais et la France. Balades, découvertes, histoire. Éditions Slatkine, Genève 2014, Fr. 34.-
Ebenfalls von Cavaleri bei Slatkine in gleicher Ausstattung erschienen:
A la découverte des bornes-frontière du Jura neuchâtelois und A la découvertes des bornes-frontière du Jura vaudois.