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Scham im Kontext der Sozialen Arbeit
Dimensionen von individuellen Schamgefühlen und systematischer Beschämung bei Menschen mit Armutserfahrungen in der Schweiz
Scham ist ein universelles, peinigendes Gefühl und deshalb eines der wichtigsten Entwicklungsimpulsgeber des Menschen. Schamgefühle sind subjektiv und können in diversen Ausprägungen erscheinen, von einer kleinen Verlegenheit bis hin zu starken Zweifeln am Selbstwert. Scham wird empfunden, wenn eigene Erwartungen und Normen nicht erfüllt werden. Dies kann das Grundbedürfnis nach Anerkennung verletzen, denn die Angst hinter der Scham ist häufig die vor sozialer Ausgrenzung. Es gilt zu unterscheiden zwischen einem gesunden Mass an Scham und einem pathologischen Zuviel. Beschämung oder die Angst davor führt zu Blockaden und Ausgrenzungen. Diese können das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl senken.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Ausschlussmechanismen die Schamthematik mit sich bringt im Kontext von Armutserfahrungen. Statusarmut führt zu einem Gefühl der gesellschaftlichen Nichtzugehörigkeit. Dies steht in einem direkten Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen und der Beschämung, welche mit einer Abweichung derer einhergeht. Anhand des Phänomens des Nichtbezugs von Anspruchsberechtigten in der Sozialhilfe werden Hürden benannt, welche dieses zu verschulden haben, und es wird untersucht welche Relevanz die Schamthematik, aber auch Faktoren wie Stigma, dabei haben. Bezüglich der Armutsthematik koordiniert die Soziale Arbeit mit verschiedenen Agierenden aus Staat und Gesellschaft und sieht sich mit Themen wie dem Sozialabbau auch mit sozialpolitischen Angelegenheiten konfrontiert. Im neoliberalen Verständnis wird die Lage von Armutsbetroffenen schnell als selbstverschuldet betrachtet. Die Soziale Arbeit muss sich in der Alltagspraxis gegen solche Zuschreibungen wehren, um nicht eine Reproduzierung von diskriminierenden Bildern mitzuverantworten, indem sie solche Ansichten unreflektiert übernimmt. Beschämende Zuschreibungen müssen erkannt werden, um die Gefühlsreaktionen ihrer Adressat_innen verstehen zu können. (Scham-)Gefühlen muss Raum gegeben werden. Neben dieser Herausforderung steht die Soziale Arbeit mit ihren sozialen Sicherungssystemen auch vor der, sich gegenüber Kapitalinteressen zu positionieren damit ihr eigentlicher Zweck, nämlich Menschen in prekären Lebenslagen zu unterstützen, nicht in den Hintergrund gerät. Ökonomische Konzepte dürfen nie über soziale Gerechtigkeit, die Achtung der Menschenwürde und das Ermöglichen von sozialer Teilhabe gestellt werden.