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Reisebericht: Hoshino 24.-25. April 2017
Montag und Dienstag 24.-25. April
Morgens um zehn wurden wir in der Firma Hoshino Seichaen von Sakada Kenji und Koga Reiko erwartet. Wir beziehen seit einigen Jahren Gyokuro, Sencha und Maccha aus dem Dorf Hoshino, oder etwas grösser gefasst, aus dem Gebiet der Stadt Yame. Als erstes fuhren wir zu einem Teeanbaugebiet etwas weiter weg bei Yame, um beim Teepflücken zuschauen zu können; die Teegärten in Hoshino sind grösstenteils noch nicht so weit. Hier ist ein recht grosses, zusammenhängendes Anbaugebiet, doch eher landwirtschaftlich-industrielle Teeproduktion; Hoshino Seichaen hat grundsätzlich keine Tees von hier. Neben den beiden für uns zuständigen Sakada-san und Koga-san haben uns die Brüder Yamaguchi begleitet, Präsident und Vorsitzender der Firma. Auf dem Rückweg nach Yame sind wir bei einem Teebauern vorbeigegangen, der gerade Tee verarbeitete; so konnten wir die japanischen Teemaschinen auch in Aktion erleben. Wie befürchtet, ist die japanische Teeproduktion auf Fotos nur schwer wiederzugeben. Japanische Teebauern produzieren oft den Aracha genannten unfertigen Tee, der dann in grösseren Firmen wie Hoshino Seichaen oder Koga Chagyo (siehe unten) raffiniert oder fertig gemacht werden. Dieser elektrostatisch gesiebte, elektronisch aussortierte, in einer elektrisch beheizten Drehtrommel endgetrocknete und zum Teil auch aus verschiedenen Partien gemischte Tee heisst dann Shiagecha.
Vor und nach dem Mittagessen sind wir diverse Teegärten anschauen gegangen. Neben ihrem „Mustergarten“, wo sie ihren Wettbewerbs-Gyokuro produzieren, gehören die anderen Teegärten diversen Teebauern, von denen sie mittels langfristigen Verträgen Tee (Aracha) kaufen und dann fertig verarbeiten und in den Handel bringen. Am späten Nachmittag sowie am nächsten Morgen haben wir diverse runden Tee degustiert: die frischen Shincha (in den letzten Tagen verarbeitete Tees), kurz bedeckt und unbedeckte Sencha aus verschiedenen Teepflanzenvarietäten und Gyokuro vom letzten Jahr sowie eine grosse Reihe Maccha in verschiedenen Qualitäten, natürlich ebenfalls vom letzten Jahr. Hier ging es einerseits um das Teesortiment von Länggass-Tee, andererseits darum unsere Kenntnisse zu vertiefen. Zwischendurch sind wir noch die Maccha-Produktion anschauen gegangen. In insgesamt 95 (!) Steinmühlen werden täglich 30kg Maccha aus Tencha gemahlen. Jeder Stein hat seinen eigenen Charakter und kann bis zu 130 Jahre in Betrieb sein. Die Pulverpartikel haben einen Durchmesser von einem bis fünf Mikrometer. Sozusagen zwischen zwei Runden Tee sind wir mit Sakada-san, Koga-san und dem Geschäftsführer Yamashina-san Abendessen gegangen. Nachdem wir sie verabschiedet haben, sind wir im Hoteleigenen Onsen (Warme Quellen) baden gegangen. Am nächsten Morgen sollten dann die Degustionen weitergehen, wir konnten auch die Endverarbeitung zum Shiagecha bei Hoshino Seichaen sehen.
Wie wir gesehen haben, wird in dieser Gegend sehr viel Tee aus bedeckten Büschen produziert; die Region ist berühmt für ihre Gyokuro und Maccha, von Top-Qualitäten bis zu Maccha für Süssigkeiten und Backwaren in grossen Mengen. Gute bis sehr gute Qualitäten werden in traditioneller Manier mit Bambus und Reisstroh bedeckt, günstigere in grösseren Mengen produzierte Tees werden direkt auf den Büschen mit schwarzen Plastiknetzen beschattet. Auch Sencha werden oft einige Tage vor der Ernte mit den schwarzen Plastiknetzen abgedeckt.
Am Dienstag Nachmittag waren wir bei einem weiteren Lieferanten zu Besuch, bei Koga Chagyo. Diese Teehandelsfirma kauft ebenfalls Aracha und veredelt und handelt den Tee, so dass viel oben Erklärtes auch hier gilt. Auch über diese Firma kaufen wir seit einigen Jahren japanische Tees ein, vor allem auch die günstigen Qualitäten, die sie aus Kumamoto kaufen. Über Koga Chagyo konnten wir die letzten Jahre auch von den besten Gyokuro Japans kaufen; der Tee von einem „ihrer“ Teebauern, Miyahara-san, hat 2014 und 2016 den alljapanischen Wettbewerb für Gyokuro gewonnen. Wir haben uns vor einem Nudelrestaurant in Hoshino mit Koga Kumiko und ihrer Mutter getroffen, die uns dann zum Teegarten des Wettbewerbs-Gyokuro von Miyahara-san geführt haben: ein sehr schöner Gyokuro-Garten, in traditioneller Manier mit Stroh bedeckt und sorgfältig gepflegt. Die Büsche sind nicht extrem eng gepflanzt, zwischen den Blättern sind Spinnennetze zu sehen. Wir haben einen Sencha von einem zehn Kilometer entfernten Feld zu trinken erhalten, der wie der Wettbewerbs-Gyokuro eine spannende würzige Note enthält, was offenbar zur charakteristischen Verarbeitung dieses Teebauern gehört.
Später sind wir nach Sataka ausserhalb des Gebietes der Stadt Yame gefahren, wo die Firma Koga Chagyo ihre Fabrik hat. Dort wurden wir von Koga Masahiro empfangen, Kumikos Vater. Den Rest des Nachmittags haben wir bei Koga Chagyo mit weiteren Degustationen verbracht. Zum einen Shincha von drei verschiedenen Teebauern und die Mischung aus diesen drei Tees, die dann so in den Handel kommt, zum anderen die jeweiligen (unfertigen) Aracha mit den dazugehörigen (fertig gemachten) Shiagecha, zum dritten letztjährige Sencha aus verschiedenen Regionen aus dem Gebiet der Stadt Yame, davon einer aus Hoshino und sogar noch ein (nicht zu Maccha gemahlener) Tencha. In den nächsten Tagen werden weitere frische Tees eintreffen, die dann sofort endverarbeitet, gemischt und als Shincha in den Verkauf gebracht werden. Entsprechend beginnt jetzt für die Produzenten eine sehr intensive Zeit.
Wir haben uns dann verabschiedet und sind nach Takeo Onsen zum übernachten gefahren.
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