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Erno Gereben (18. Juni 1907 – 16.5.1988)
Ernö Gereben flüchtete im Dezember 1956 aus dem von einer Revolution heimgesuchten Ungarn. Erst erreichte er Wien und danach entschied er sich in die Schweiz zu gehen, wo er rasche eine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Via Neuenburg kam er durch Vermittlung des damaligen Chefredakteurs der Schweizerischen Schachzeitung, Paul Müller-Breil, nach Basel resp. nach Binningen, wo er vor allem durch die Familie Eitler, einem seit einiger Zeit in Arlesheim ansässigen, ungarischen Musikers betreut wurde. Im Schachklub Birseck, dem sich Gereben anschloss, wurde bald klar, dass mit ihm eine ganze besondere Schachpersönlichkeit hier Einsitz genommen hat. Le Baron tsigane … so nannten ihn Schachfreunde und das war sehr zutreffend. Sein Leben war bewegt, seine Schlagfertigkeit ohne Beispiel und sein Humor, der im Gespräch und vor allem bei seinen unzähligen Demos am Wandbrett sprudelte, war wohltuend. Niemals sprach er von der Diagonale, stets von der Diagnose. Ein auf f5 (f4) eingenisteter Springer ist eine Qualität wert, war ein weiterer Lehrsatz von Gereben. Am Spielabend war er zuerst im Lokal und griff er zu den Figuren und spielte gegen wen auch immer. Ein wenig begütertes Mitglied fragte er nach der x-ten Niederlage, „spielst Du gerne Schach? Ja! Aber was ist der Grund, dass Du das Spiel nicht richtig lernen willst?“ Schliesslich kam das Ehepaar Gereben, die Frau inzwischen aus Ungarn nachgekommen, in den Besitz eines Autos und auch Betty sollte fahren lernen. Auf dem Weg zu einem SMM-Match in Zürich griff Ernö der Lernenden in einer 90° Kurve in Pratteln ins Steuer. Der Wagen fuhr ins anschliessende Kartoffelfeld und überschlug sich. Ernö und Betty blieben unverletzt. Sie kümmerte sich um den Totalschaden, er nahm unverzüglich den nächsten Zug nach Zürich und erreichte das Spiellokal unmittelbar vor Ablauf der ersten Stunde. In der Fasnachtszeitung des SK Birseck erschien danach ein Inserat mit dem Text „Ich gebe Schachstunden und nehme Austausch Fahrstunden“. Ernö ging auf die Leute zu, er war ein ausgezeichneter Unterhalter. Gesellschaftlicher Mittelpunkt war das Weekendhaus von Georges Vogel ob Röschenz. Georges war Präsident des Basellandschaftlichen Schachverbandes und er war es, der die Fusion zwischen dem Verband und der Schachgemeinschaft zum Nordwestschweizer Schachverband betrieb. Betty kochte im Haus oft ungarischen Spezialitäten, was sich leider, nicht ohne negative Folgen, im Dorf herumgesprochen hatte. An seinem eigenen Hochzeitsessen blieb er ohne Entschuldigung fern; er hatte mit seinem Klub ein wichtigen Match zu spielen. Das alles liest man sehr ausführlich bei Gottardo Gottardi: Ernö Gereben (1991). Oefters verlies Gereben seinen Arbeitsplatz um an einem Schachanlass teilzunehmen und mehr als ihnen lieb war, bemühten sich Mitglieder des SKB, Ernö eine neue Stelle zu finden.