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8 bis 10% aller Menschen erleben einmal im Leben ein Gelegenheitsanfall, jedoch nur 2-3% entwickeln eine Epilepsie (Gavvala et al., JAMA 2016). Die Diagnose Epilepsie ist emotional belastend und hat erhebliche soziale Konsequenzen. Es ist daher wichtig so gut wie möglich ein Gelegenheitsanfall von einer Epilepsie zu unterscheiden.
Wie kann man entscheiden, ob ein Patient nach einem erstmaligen Gelegenheitsanfall eine Epilepsie entwickeln würde? Oft bleiben diese Ereignisse unbeobachtet, was die Diagnose weiter erschwert. Sind eine klinisch-neurologische Untersuchung, eine Bildgebung und ein EEG ausreichend?
Gemäss der Internationalen Liga gegen Epilepsie kann die Diagnose nach zwei unprovozierten epileptischen Anfällen, bei der Diagnose eines Epilepsie-Syndroms oder nach einem erstmaligen Anfall und eine mindestens 60%-ige Wahrscheinlichkeit für weiteren Anfällen in den nächsten 10 Jahren gestellt werden (Fisher et al., Epilepsia, 2014). Die letzte gilt als vorhanden beim Nachweis epilepsietypischer Potentiale in der Elektroenzephalographie oder bei potentiell epileptogene strukturelle Läsionen im MRT.
Eine neue Studie aus Genf (De Stefano et al., Epilepsia 2023) zeigt die Vorteile einer Langzeit-Video-EEG im Vergleich zu Standard-EEG im Rahmen einer erweiterten Abklärung nach einem erstmaligen epileptischen Anfall. Die Autoren haben Übernacht-Langzeit-Video-EEG, Durchschnittsdauer von 18 Stunden bei 238 Patienten mit einem vermuteten erstmaligen epileptischen Anfall durchgeführt. In 46% der Patienten mit unauffälligem Standard-EEG zeigten sich im Langzeit-EEG epilepsietypische Veränderungen.
Weiter konnte die Rate der falsch als nicht-epileptisch diagnostizierten Fälle mittels Langzeit-EEG von 27% auf 5% reduziert werden. Damit konnte in vielen Fällen die Diagnose Epilepsie gestellt werden und frühzeitig eine anfallssuppressive Therapie gestartet.
Die Langzeit-Video-EEG-Untersuchung erhöht die diagnostische Sicherheit einer Epilepsie nach einem erstmaligen epileptischen Anfall sowie bei unklaren epilepsieverdächtigen Ereignissen. Ein Langzeit-EEG kann auch nach Absetzen der anfallssuppressiven Therapie zur Prognose-Beurteilung dienen.
Seit September 2023 werden Übernacht-Langzeit-Video-EEG auch in unserem Epilepsie Ambulatorium im Neurozentrum Oerlikon angeboten.