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Eine ältere Dame und eine adretter Herr sitzen in der Küche und bereiten Proviant vor; sie verarbeiten Toastbrotscheiben zu Sandwiches. Die Frau schafft mit zwei eleganten diagonalen Messerschnitten vier Dreiecke pro Scheibe, der Mann versucht auf umständliche Weise, kleine Quadrate zu erzeugen. «Ich bin schwul», sagt er beiläufig. «Ich weiss», antwortet sie ohne sichtliche Erregung, und fügt hinzu: «Ich weiss es seit 1968».
Kurz zuvor hatte sie ihm erklärt, er brauche seine Brote nicht «straight» (englisch für gerade, oder eben auch hetero) zu schneiden – und hatte wahrscheinlich noch nicht einmal die Absicht, damit sein Coming-out zu provozieren. Doch jetzt schneidet er seine Brotscheiben quer, oder eben «queer».
Bewährte Rezeptur, mit Lust umgesetzt
«Pride» ist eine klassische britische Feel-Good-Komödie, ganz in der Tradition von «The Full Monty», «Calendar Girls», «Made in Dagenham» und wie sie alle heissen. Ein leicht bekömmlicher Mix aus sozialen Themen, harmlosen Anzüglichkeiten und einem Plädoyer für mehr Toleranz und Eigenverantwortung. Eigentlich kennt man die gesamte Rezeptur, den Ablauf und die Stereotypen, die dem Genre eigen sind, schon lange. Und trotzdem macht es immer wieder Spass – in «Pride» ganz besonders, weil die Darsteller mit auffallend viel Lust an der Sache sind, und weil auf jede Derbheit auch ein unterschwelliger Lacher folgt, wie etwa in der eingangs beschriebenen Szene.
Die Geschichte von «Pride» spielt 1984 und beginnt in London. An der sommerlichen «Gay Pride» sammelt ein junger Aktivist namens Mark (Ben Schnetzer) Geld für die streikenden Bergarbeiter. Sein Plan: Solidarität unter gesellschaftlichen Randgruppen und gemeinsame mediale Aufmerksamkeit für den jeweiligen Protest. Doch ein erster Rückschlag erfolgt früh: Die angeschriebene Gewerkschaft will das Geld gar nicht erst annehmen, sie befürchtet einen Imageschaden.
Flamboyanter Protest in walisischer Landidylle
Mark gibt nicht auf: Er findet in Wales eine Untersektion der Bergarbeiterbewegung, die das Geld – wenn auch aufgrund eines Missverständnisses – annimmt. Sogleich reisen Mark und seine Mitstreiter in besagtes Dorf, machen dort tanzend und brüllend sowohl für die Kohlearbeiter und als auch für Schwulenrechte Stimmung. Mit ihrer flamboyanten Art mischen sie das konservative walisische Landleben natürlich tüchtig auf. Die Gegensätzlichkeit der beiden Seiten ist derart überzeichnet, dass sich die Pointen daraus quasi von allein ergeben.
Die Macher von «Pride» (Regie: Matthew Warchus) tendieren manchmal dazu, den Humor auf sein Selbstläufer-Potenzial zu reduzieren, unter dem Motto: Die Situation ist derart ulkig, dass wir uns um spezifische Gags kaum noch zu bemühen brauchen. Doch im Gegensatz zu anderen Komödien von ähnlicher Machart sind die Figuren hier sorgfältig, liebevoll und mehrdimensional gezeichnet, die Beschränkung auf Klischees – da die Kampflesben, dort die Landmatronen – wird weitgehend vermieden, der Platz für Zwischenmenschliches wird freigehalten.
Kritik an naiven Untertönen
Natürlich kann man sich trotzdem am naiven politischen Unterton stören, der da suggeriert, der Bergarbeiterstreik sei für alle Beteiligten eine löbliche Sache gewesen – in Wirklichkeit wurde er für die Gewerkschaften eher zum Fiasko. Mindestens ein britischer Journalist hat das – wohl einer redaktionellen Linie folgend – dem Film angekreidet. Wie er es allerdings geschafft hat, sich von der guten Laune und Musik in «Pride» nicht anstecken zu lassen, ist nicht überliefert.