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Ganz in der Nähe meines Hotels befindet sich der Yasukuni-Schrein. Die alljährlichen Besuche des Premiers führen jeweils zu grosser Verärgerung der Nachbarn Südkorea und China, auch die USA geben ihrer Verstimmung darüber Ausdruck. Das Grundproblem ist, dass hier einerseits aller japanischen Gefallenen seit dem Beginn der Meiji-Zeit gedacht wird. Sie sind durch die Einschreibung in ein „Seelenregister“ im Tempel zu Kami, übernatürlichen Wesen geworden, denen man hier gedenkt. Die Trägerschaft des Shinto-Schreins liess andererseits in den 1970er-Jahren auch die Namen von Kriegsverbrechern eintragen – jeder Besuch eines Politikers gilt also auch ihnen. Die Zeit und die Deutsche Welle haben das beleuchtet.
Das Museum (fotografieren verboten) schildert all die Kriege seit 1868 aber aus einer extrem einseitigen Perspektive. Japanisch-chinesischer Krieg, russisch-japanischer Krieg und die Annexion Koreas, Mukden-Zwischenfall („Manchurian Incident“) (-> Wikipedia) und Errichtung des Marionettenstaates Manchuko: das alles wird als unumgänglich dargestellt. Auch der „grosse pazifische Krieg“, der mit dem Angriff auf Pearl Harbor begann, war nötig. Der Bedarf an Rohstoffen, deren Lieferung die USA mutwillig unterbunden hätten, sei der Grund für den Krieg gewesen, den die USA ohnehin schon beschlossen gehabt hätten, ist das Narrativ im Museum. (Vgl. aber z.B. Christoph Neidhart in der Süddeutschen.)
Beelendend ist, dass zwar die Opfer der japanischen Soldaten (wie es ja dem Zweck von Schrein und Museum entspricht) in aller Ausführlichkeit gezeigt werden – sie werden immer als Helden dargestellt. Auf die von Japan ausgehende Gewalt und das damit verbundene Elend wird aber mit keinem Wort eingegegangen. Dazu passt, dass Schrein und Museum von Schulklassen besucht werden, die z.B. Lieder darbieten oder über den Krieg zeichnen. (Das erste Bild und die Zeichnungen sind in der Eingangshalle des Museums ausgestellt, das unterste habe ich beim Schrein gemacht).