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Das Lob der Kopie – drei neuere Bücher
„Mashup – Das Lob der Kopie“ heisst ein Buch, das sich auf originelle Weise mit Fragen von Original und Kopie befasst. In zwei weiteren Büchern geht’s um einen gelehrten Fälscher aus dem 19.Jahrhunderts, den Griechen Konstantin Simonides sowie um das Plagiat in der Literatur
Die Aktualität der drei Titel ist gegeben, man denke an die Diskussion um die Dissertation des ehemaligen deutschen Verteidigungsministers Guttenberg, um den Szenenroman „Axolotl Roadkill“ und die dort eingearbeiten fremden Blogbeiträge, um gefälschte Resultate von wissenschaftlichen Studien an verschiedenen Universitäten oder ganz allgemein um den Download von Musik und Filmen.
Zentrale Feststellung in „Mashup – Das Lob der Kopie“ im ersten zu besprechenden Buch von Dirk von Gehlen ist die Feststellung, dass es in der Geschichte der Kunst gar keine solitären Werke gibt. „Die Idee des solitären Werks ist nicht nur theoretisch unmöglich, sondern – auch im Hinblick auf herausragende Werke – empirisch nicht haltbar“. (S.171) Der Autor plädierte denn auch für einen neuen Umgang mit der Kopie:“Denn für eine mit dem Internet sozialisierte Generation fällt auch die Form der Referenzkultur, die mit der Digitalisierung möglich wird und die sich unteer anderem in Bezugnahmen, Zitaten und Parodien äussert, unter den Schutz der Meinungsfreiheit“ (S.175)
Ganz handfest geht’s bei Rüdiger Schaper zu und her. In seinem Buch „Die Odyssee des Fälschers“ liefert der Untertitel gleich den Plot in Kurzform: „Die abenteuerliche Geschichte des Konstantin Simonides, der Europa zum Narren hielt und nebenbei die Antike erfand.“ Mit der letzten Aussage betreffs Erfindung der Antike hat der Autor zwar etwa hoch gegriffen, trotzdem ist sein Buch höchst unterhaltsam. Simonides genoss seine Ausbildung im griechisch-orthodoxen Kloster auf dem Berg Athos und kam dort mit dem ganzen Reichtum des Klosters in Berührung: Den alten Manuskripten. Sie wurden im 19.Jahrhundert wieder entdeckt und die Kuratoren aus London und Paris, aus New York und Berlin rissen sich um die besten Stücke. Diese Gier bediente der listige Grieche mit Fabrikaten aus seiner eigenen Küche…
Eine umfassende Abhandlung zum Plagiat bietet schliesslich der Zürcher Literaturwissenschafter Philipp Theisohn. Sein Buch „Plagiat“ nennt sich im Untertitel „Eine unoriginelle Literaturgeschichte“. Ein Versprechen, das der Autor auf über 500 Seiten einlöst und den Leser zu einem Streifzug durch die Weltgeschichte der Literatur einlädt.
Dirk von Gehlen: Mashup. Lob der Kopie. Frankfurt: Suhrkamp 2011.
Rüdiger Schaper: Die Odyssee des Fälschers. München: Siedler 2011.
Philipp Theisohn: Plagiat. Eine unoriginelle Literaturgeschichte. Stuttgart: Kröner 2009.