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Leiser als sie konnte keine
Montserrat Caballé ist 85-jährig gestorben. Ein Nachruf auf die grosse Sopranistin, deren Glück gleichzeitig ihr grösstes Problem war.
Dieses Pianissimo! Es war das Markenzeichen der Montserrat Caballé, der Kern ihrer Kunst. Selbst in den höchsten Höhen konnte sie leise singen, unendlich leise, und dann noch leiser – man hört es hingerissen, nach wie vor. Zum Beispiel auf ihrer 1970er- Aufnahme von Verdis «Don Carlo», mit der sie an der Seite des jungen Plácido Domingo Massstäbe setzte, die bis heute gelten.
Angefangen hatte sie bescheiden. Geboren 1933 in Barcelona in einfachen Verhältnissen, konnte Montserrat Caballé dank eines Stipendiums studieren. Wenn die grosse Renata Tebaldi in Barcelona gastierte, leistete sie sich einen Stehplatz. Und hin und wieder hatte sie kleinere Auftritte; zu mehr kam es damals nicht in Spanien.
Belcanto-Sängerin schlechthin
Dafür erhielt sie gleich bei ihrem ersten Vorsingen im Ausland ein festes Engagement: In Basel, wohin sie 1956 mit ihrer ganzen Familie zog. Der Vater arbeitete als Buchhalter in einer Möbelfabrik, die Mutter beim Unterwäschehersteller Hanro, der Bruder (der später ihr Manager wurde) studierte.
Montserrat Caballé selbst sang kleine Rollen und lernte grosse - um einspringen zu können, wenn sich die Gelegenheit bot. Sie bot sich in Puccinis «La bohème», ihrem ersten Erfolg. 1965 schaffte sie dann in New York als Ersatz von Marilyn Horne ihren Durchbruch: Ab dann galt Montserrat Caballé als die Belcanto-Sängerin schlechthin.
Das war ihr Glück, und gleichzeitig ihr Problem. Neben der puren Schönheit ihrer Stimme hatte sie wenig zu bieten; ihre phänomenalen Pianissimi täuschten nicht darüber hinweg, dass ihr zuweilen die dramatische Kraft fehlte.
Liebling der Massen
Auch ihr Gewicht setzte ihr zunehmend Grenzen, die sie mit einiger Gelassenheit akzeptierte. Als Herbert von Karajan ihr einst vor einer Salzburger Produktion schrieb, er würde es schätzen, wenn sie zehn bis zwölf Kilogramm abnehmen würde, antwortete sie jedenfalls ebenso sec wie souverän: Sie habe keine Zeit, abzunehmen, und steige deshalb aus dem Vertrag aus.
Ihrer Beliebtheit und ihrer Karriere hat das alles ebenso wenig geschadet wie ihre Verurteilung wegen Steuerbetrugs. Montserrat Caballé sang bis ins hohe Alter, verehrt als Belcanto-Ikone – und seit ihren Crossover-Auftritten mit Freddie Mercury («Barcelona») oder der Schweizer Band Gotthard auch als Liebling der Massen.
Auftreten sei das beste Vitamin für sie, hat sie einmal gesagt, und an jede Abschiedstournee noch eine weitere angehängt.
Nun ist sie in Barcelona gestorben, 85 Jahre alt. (Redaktion Tamedia)
Erstellt: 06.10.2018, 14:17 Uhr
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