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Manuele Fior ist kein Unbekannter. Einige der Werke des 1975 geborenen Künstlers erschienen schon beim Avant-Verlag. Zuletzt arbeitete er für das Musée d'Orsay in Paris und es erschienen im Oktober 2016 seine "d'Orsay Variationen", 2017 erfolgte die Neuauflage der beliebten Schnitzler-Adaption Fräulein Else.
In Celestia widmet sich der Künstler einer Insel in der Nähe Venedigs, wo der Autor, der inzwischen in Paris lebt, einmal Architektur studierte. "Die 'grosse Invasion' kam vom Meer und bewegte sich entlang der Küste nach Norden. Viele sind geflohen, einige haben auf einer Inselstadt Zuflucht gesucht, die vor über tausend Jahren auf dem Wasser erbaut wurde. Sie heißt Celestia. Vom Festland abgeschnitten, ist sie zu einem seltsamen Ghetto geworden, einer Heimat für Kriminelle und Außenseiter, aber auch der Zufluchtsort für eine Gruppe junger Telepathen." Zwei dieser Telepathen, Dora und Pierrot, fliehen von Celestia aufs Festland und entdecken dort eine Welt, in der Erwachsene sich als Hüter der "alten Welt" verstehen. Eine neue Generation von Kindern soll die Gesellschaft zu einer neuen Menschlichkeit führen. Aber zuvor müssen sie sich aus den Fesseln ihrer Gemeinschaft befreien. Ein gewisser Dottore Vivaldi hat illustre Gesellen wie Toni, Gianluca, Rebecca um sich versammelt und will auch Pierrot in seinen Reihen wissen. Aber der junge Mann, der sich stets eine Träne unter sein rechtes Auge schminkt, drückt sich nur in Gedichten aus, die kein Mensch versteht. Pierrot: "Es ist kein Gedicht. Es ist eine Vorahnung.", entgegnet er auf fragende Blicke. Dora wiederum besitzt die Gabe, im Kopf eines anderen zu sein und beschreibt das, was der Besuchte erlebt, als Déjà-vu: "...dem kommt es dann vor, als hätte er das schon erlebt und er sagt sich: sieh an!" Ein Déjà-vu ist für Dora nur "das Echo der Gedanken im Kopf eines anderen".
Pierrot zeichnet ebenso wie sein Schöpfer Fior und inspiriert sich etwa an Paul Delvaux "Die zwei Freundinnen". So wie Pierrot sind auch die Zeichnungen von Manuele Fior ein Tor in eine andere Welt, in der Farben intensiver und bunter wahrgenommen werden und die Formen impressionistisch verschwimmen ohne dabei ihre Konturen zu verlieren. Etwa wenn Dora und Pierrot die Kastellanin besuchen, fühlt man sich an Godards "Le Mèpris" erinnert, wo die Architektur des Schriftstellers Curzio Malaparte in schroffem Gegensatz zu den Rundungen einer gewissen Brigitte Bardot gerät. Aber auch Sequenzen aus Antonioni und Kubrick verschmelzen zu einem epischen Gedicht aus explodierenden Farben und Formen. Wie sagt Dottore Vivaldi immer? "Der Gedanke gehört dem Einzelnen. Die Telepathie der Gruppe." Ein Buch wie ein federleichter Traum, der einen ein Déjà-vu erleben lässt, das aus dem Kopf eines wahren Künstlers stammen muss. Eine Hommage an das Meer und den Himmel und natürlich auch Venedig, da wo sich Illusion und Realität zu einem unendlich und ewiglich gefühlten Tagtraum vereinigen.