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Roaring 20s - die goldenen 20er Jahreerstellt am 10. Dezember 2014
Filme wie "Chicago" aus dem Jahre 2002 und "The Great Gatsby" von 2013 lösten in der Vergangenheit jeweils einen Hype um die goldenen 1920er Jahre aus. Sogar Hoteliers und Restaurants sind auf den Zug aufgesprungen und versuchen mit Veranstaltungen die Partywelt der "Roaring 20s" zu uns zurück zu bringen. Was wurde in den 1920er Jahren am Abend wirklich getragen und wie weit stimmt das Bild, welches uns Hollywoods Filmindustrie vorzeigt? Folgend ein kleiner Überblick über die Mode und anderes der 20er Jahre.
Wir verzichten hier bewusst auf die Fehlersuche in Filmen. Machen Sie sich selbst ein Bild.
Viel Spass.
Einleitung:
Die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts war der Beginn der Mode-Neuzeit. Es war das Jahrzehnt, in welchem die Frauen je länger desto mehr bequeme Kleider, wie auch Hosen anfingen zu tragen. Herren trugen je nach Tageszeit weniger formelle, dafür mehr sportliche Kleidung. Die Schnitte der heutigen Anzüge haben ihren Ursprung in den 20er Jahren, obschon der körperbetonte Schnitt jener Zeit heute (leider) verschwunden ist.
Die 1920er Jahre sind durch zwei verschiedene Perioden der Mode geprägt. In der ersten Hälfte des Jahrzehnts war die Veränderung eher spärlich. Ab 1925 blühte die Leidenschaft in der Öffentlichkeit auf, was dem Stil der Roaring Twenties eintrug. Die Weltwirtschaftskrise beendet die Zeit der goldenen 20er Jahre und ihrer ausgeprägten Mode. Die Roaring 20s lösten nach dem Ende des ersten Weltkrieges eine regelrechte Revolution aus. Vor allem in den USA, in welchem die Frauen einen grossteil der Belegschaften in Fabriken stellten und das Wahlrecht erhielten. Das Korsett wurde ein Ding der Vergangenheit.
Neue technologische Entwicklungen von neuen Stoffen beeinflussten ebenfalls die Moden der 1920er Jahre. Natürliche Stoffe wie Baumwolle und Wolle waren reichlich vorhanden. Seide wurde zwar wie auch schon in der Belle Epoque für seine luxuriösen Qualitäten gewünscht, war jedoch wegen dem begrenzten Angebot sehr teuer.
Obwohl die Kleidung der Damen jener Tage eine einfach Linie und nur eine minimale Zierde hatte, war diese nicht frei von Luxus. Teure Stoffe, darunter Seide, Samt und Satin wurden durch High-End-Designer favorisiert, während in den klassischen Kaufhäusern eher billige Variationen aus den neu verfügbaren synthetischen Stoffen angeboten wurden.
Schenkelstrümpfe mit Naht als Zeichen der neuen technologische Entwicklungen
Damenmode
Die Mode hatte den Vorteil, dass es möglich war, die Rolle in der Gesellschaft innert kürzester Zeit zu verändern. Obwohl die Matronen eines bestimmten Alters in jener Gesellschaft weiterhin konservative Kleider trugen, wurde von den jüngeren zukunftsgerichtete sportliche Bekleidung bevorzugt, was zu den grössten Veränderungen in der Nachkriegsmode zählte. Die röhrenförmigen Kleider der jungen Generation hatte eine ähnliche Silhouette wie die Konservativen Kleider, wurden jedoch kürzerer getragen, waren mit Falten, Raffungen und/oder Schlitze versehen, was ihnen diesen karakteristischen Look verliehen.
Der denkwürdigste Mode-Trend der "Roaring '20s" war zweifellos aber die "Flabber-Mode". Das Flabber-Kleid war funktional und hatte eine abgeflachte Brustpartie. Die Flabber-Kleider waren jedoch nicht nur ausschließlich mit Fransen versehen, wie meist zu erfahren ist, sondern es geht um die Stilrichtung und den Schnitt dieser Kleider mit einer ganzen Fülle von Ausführungen mit unterschiedlichen Materialen. Das Wort "Flabber" im Zusammenhang mit den Mode der 20er Jahre kommt ursprünglich von einem in den USA populären Film aus dem Jahr 1920 von Frances Marion, "The Flapper" mit Olive Thomas. In der Folge verhalfen die Schauspielerinnen Clara Bow, Louise Brooks, Colleen Moore und Joan Crawford dem Flabber zu weiterer Beliebtheit.
Schwarzes Flabberkleid mit schwarz weissen Riemchenschuhen. Die Perlenkette, welche die Dame auf viele unterschiedliche Arten tragen konnte, sowie ein Stirnband gehörten zur typischen Abendgarderobe.
Mit den Folgen der Prohibition in den USA, zum Beispiel geschlossene Nachtclubs, war das Flabber-Kleid für die Damen die darauf folgende Reaktion von Freiheit und Unabhängigkeit. Die wenig taillierten Kleider mit weitem Saum erlaubten es den Frauen neue Tänze wie den Charleston zu tanzen. Daraus entstanden in der Folge 1925 die sogenannten "shift type dresses", also Kleider ohne Taille. Knöpfe und Perlen waren damals sehr beliebt, sowie Faltenröcke, bei welchen der Saum etwa 2,5 cm unterhalb des Knies endete. Einzig Variete-Tänzerinnen trugen bei ihren Bühnenshows Kleider, welcher kürzer waren. Bei alle der neuen Offenheit, gehörte es weiterhin zum guten Ton, die Knie bedeckt zu halten.
Auch die Hüte veränderten die Mode der 20er Jahre, oder besser gesagt die Haarmode. Der geradlinige Hut mit nach unter laufender Krempe war in fast identischer Form schon 1914 zu sehen, setzte sich aber in den frühen 20er Jahren definitiv durch. Um diesen, zu dieser Zeit, populären Hut tragen zu können, schnitten sich viele Damen ihre Haare kurz. Wurde dieser Kurz-Haarschnitt zu Beginn 1920 noch als radikaler Schnitt bezeichnet, so gehörte dieser Schnitt am Ende der 20er Jahre zu den populärsten.
Wie schon in der Belle Epoque bei denn Gut betuchten Herrschaften, setzte sich in den 20er Jahren im Allgemeinen bei den Frauen die korrekte Kleidung für den Vormittag, Nachmittag und Abend durch. So waren vor allem Tageskleider einfacher in der Form und wadenlang. Tageskleider hatten fliessende Ärmel und waren mit Schärpen, Schleifen und Blumen geschmückt. Abendkleidung war etwas länger bis bodenlang und meist aus Satin oder Samt und mit Perlen, Strasssteinen oder Fransen verziert. Die stark aufkommende Frauenrechtsbewegung hatte zu dieser Zeit einen grossen Einfluss auf die Damenmode jener Zeit. So sollten die Ideale eine flachere Brust und mehr jungenhafte Figur entsprechen. So verschwanden die Korsetts komplett und wurden durch ein Hemd / Leibchen und einer Pluderhose ersetzt, später Höschen oder Schlüpfer. Ab der Mitte der 1920er Jahre wurden all-in-one-Dessous beliebt.
20er Jahre Damenkleid (Tagesgarderobe) mit braunem Filzhut links, und beiges Abendkleid mit goldenen Pailletten rechts
Alles zusammen führte zu diesem populären, maskulinen Look, einschliesslich abgeflachten Brüsten und Hüften, Kurzhaarfrisuren wie der Bob-Schnitt, Wasserwellen-Frisuren und den Marcellling (viele kleine Locken in den Haaren). Erfunden von Marcel Grateau, Pionier der Haarwelltechnik. Der grosse Durchbruch dieser Frisur erfolgte jedoch erst im Jahrzehnt danach. Als Erfinder des modernen Kurzhaarschnittes der Damen gilt jedoch der Pole Antoine, welcher in Paris einen Coiffeur-Salon betrieben hatte.
Eine der ersten Frauen, die anfing Hosen tragen, ihre Harre kurz zu schneiden und das Korsett abzulegen war Coco Chanel. Eine der einflussreichsten Frauen in der Mode des 20. Jahrhunderts. Coco Chanel tat viel für die Emanzipation und Freiheit der Frauen-Mode.
Die Marcellling (Erfunden von Marcel Grateau) Frisur war in den 20ern, wie auch 30er Jahren äusserst beliebt.
Make-Up:
Zu Beginn der 1920er Jahre verwendete man meist creme- oder elfenbeinfarbiges Gesichtspuder. Ab etwa 1925 ein Puder welches eine Nuance heller der Gesichtshaut entsprach.
Für das populäre Rouge kamen die Farben Rose, Himbeere, und um 1925 Orange zum Einsatz.
Die Augen wurden komplett schwarz umrundet und anschliessend leicht verwischt. Es kamen aber auch andere Farben zum Einsatz. Auch die Augenbrauen wurden mit einem schwarzen Augenstift nachgezogen.
Die Lippen wurden in der Höhe eher etwas übermalt, dafür in der Breite sehr schmal gezeichnet. Das ganze in Verbindung mit einem stark gezeichneten Bogen. Dabei verwendeten die Damen gerne dunkle Farben wie Pflaume, Dunkelrot, Dunkel-Rotbraun und Orange. Gegen Ende der 20er Jahre kamen auch Mittelrote Farben zum Einsatz.
Die Fingernägel, welche man neu dank der Lacke aus der Autoindustrie ebenfalls lackieren konnte, wurden nur in der Nagelmitte lackiert.
Smokey-Eyes und rote Lippen als Sinnbild des 20er Jahre Make-Ups.
Sehr kurzes Tanzkleid aus den 20er Jahren mit Fransen, welche beim tanzen wild hin und her schwangen. Solche kurzen Kleider wurden ausschliesslich an Shows und Tanzwettbewerbe getragen.
Der Charleston Tanz wurde ursprünglich von Afroamerikanern getanzt. Dieser mauserte sich innert kürzester Zeit in den USA zum „weissen“ Gesellschaftstanz. Dieser wurde von den Damen alleine oder zusammen getanzt und galt im Allgemeinen als provokativ und unsittlich.
Herrenmode:
Die Herrenmode teilt man in zwei verschiedene Perioden in den 1920er Jahren. Im Laufe des Jahrzehnts trugen Männer vermehrt kurze Sakkos. Gehröcke und Cutaways wurden nur noch für formelle Anlässe verwendet. In den frühen 1920er Jahren war die Herrenmode durch ihre extrem hohe Taille gekennzeichnet. Revers auf Sakkos waren nicht sehr breit, da sie tendenziell hoch zugeknöpft wurden. Dieser Stil der Jacken war stark von den Uniformen des Militärs während des Ersten Weltkrieges beeinflusst. Hosen waren relativ schmal und gerade, sowie eher kurz geschnitten.
Kurzer Herren-Sakko mit 2-reihiger Weste und farbiger Krawatte
Nach 1925 wurden die Hosen allgemein etwas breiter, während die Sakkos wieder eine normale Taille bekamen und die Revers breiter wurden. Die Ärmel wurden locker und wurden nicht mehr verjüngt. In den späten 1920er Jahren trug der modische Herr eine zweireihige Weste, kombiniert mit einer einreihigen Jacke. Für formelle Anlässe während des Tages reichte ein normaler Anzug meistens. Für Abendanlässe bevorzugten die Herren einen kurzen taillierten Smoking, anstatt des Frackes, welcher nun als eher altmodisch und versnobt zu sehen war.
In den 1920er Jahren wurde die Herrenmode auch weniger reglementiert als noch vor dem 1. Weltkrieg. Männer bevorzugten meist kurze Jacken mit zwei oder drei Knöpfen, anstatt Cutaways, Gehröcken oder Fräcken sowie Nadelstreifenanzügen.
Die meisten formalen Herrenanzüge bestanden aus einer schwarzen oder nachtblauen schwalbenschwänzigen Jacke (Cutaway / Frack) mit Satinfutter, sowie einem Paar passender Hose. Auf beiden Aussenseiten der Hose verlief ein Satin oder gewobenes Band. Dazu eine weisse Fliege, schwarzer Zylinder, weiße Glacé-Handschuhe, Lackleder Schuhe, ein weißes Seidentuch und eine weisse Blume vollendeten das Outfit.
Die Smoking-Weste konnte schwarz oder weiß sein, aber im Gegensatz zu der obligatorischen weisse Fliege beim Frack, war die Fliege beim Smoking immer schwarz. Auch wurde zum Smoking kein Zylinder, sondern ein Bowler (Melone) getragen. Wie bei den Damen, hatten auch Herren bestimmte Kleidung, welche sie nur bei bestimmten Ereignissen trugen. Prinzipiell gilt aber beim Smocking, wie auch beim Frack, dass man diesen nur bei gesellschaftlichen Anlässen nach 18:00 Uhr trug.
Zigaretten in den 20er Jahren hatten noch keine Filter. Neben den bekannten langen eleganten Zigarettenspitzen der Damen, wurden kurze auch von den Herren verwendet. Taschenuhren waren zwar nicht komplett verschwunden, jedoch trug der moderne Herr der 20er Jahre eine Armbanduhr, welche sich während des 1. Weltkrieges durchgesetzt hatte.
Taillierter Smoking mit tiefgezogener schwarzer Weste.
Gruppenbild im typischen 20er Jaher Look.
Sommer- und Sportkleidung:
Für Gartenpartys und bei sportlichen Anässen trug der Herr Tagsüber mehrheitich helle Kleidung. Enweder aus Wollstoff, Tweet oder Leinen. Die Hose konnte lang, aber auch knielang sein. Die sogenannten Knickerbockerhosen gab es zwar schon in der Belle Epoque, waren dazumal aber noch enger geschnitten als in den späten 20er, resp. frühen 30er Jahren, als diese Hosen weit über das Knie bis mitte Wade reichten.
Sportliche und Sommerkleidung aus den 20er Jahren. Pullunder wurden zudem ebenfalls bei Sportanlässen verwendet. (Cricket)
Herrenhüte:
Auch in den 20er Jahren trugen Männer in der Regel Hüte je nach ihrer Klasse. Herren der Oberschicht trugen in der Regel Zylinderhüte oder einen hohen, aus Filz gefertigten Homburg-Hut. Gut bürgerliche Herren trugen entweder einen Borsalino aus Filz, eine Melone oder einen kleinen Trilby Filzhut. Während der Sommermonate war der klassische Strohhut beliebt für Ober- und Mittelschicht. Die Arbeiterklasse trug meist einfach wollene Schiebermützen.
v.l.n.r. Zylinder - Homburg-Hut - Borsalino - Schiebermütze
Die 1920er Jahre bedeutete für viele, sich mit der Mode zu bewegen und damit auch etwas auszudrücken. Mit dem Kauf neuer und aktueller modischer Mode deutet man den eigenen Wohlstand an.
Bei den Frauen waren Gesicht, Figur, Frisur, Körperhaltung und Körperpflege die wichtigsten Mode-Faktoren geworden. Insbesondere wurde neu auch die Kosmetik ein wichtiger Wirtschaftszweig. Zum ersten Mal in der Geschichte war in Folge des Einflusses der Filmindustrie und den berühmten weiblichen Filmstars Glamour nun ein wichtiger Modetrend. Nicht anders als heute. Frauen und Männer aus den 1920er Jahren sahen die Filmstars wie ihre Mode-Ikonen. Frauen und Männer im Stile von Hollywood-Stars wie Clark Gable, Greta Garbo, Louise Brooks und Rudolph Valentino.