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Das Kreuz mit der Statistik. Der April 2021 war an vielen Orten auf der Alpennordseite seit 20 Jahren der kühlste. Diesbezüglich ist die Datenlage eindeutig. War der April aber wirklich zu kalt oder ganz normal, bzw. sogar leicht zu warm? Das ist nun die grosse Frage. Je nach Referenzperiode kommt man zu einer völlig anderen Aussage. SRF METEO klärt auf.
30-jährige Referenzperiode
Für klimatologische Aussagen werden die Wetterdaten immer mit den Durchschnitts- bzw. Extremdaten einer 30-jährigen Vergleichsperiode verglichen. Damit weltweit mehr oder weniger einheitlich verglichen wird, legt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die Referenz fest. Ursprünglich war die Basis 1931 bis 1960 und seit Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts gilt die Referenz 1961 bis 1990. Ein Grossteil der wissenschaftlichen Untersuchungen zum Klimawandel bzw. zur globalen Erwärmung beruht auf dieser Referenz.
Massive Erwärmung um das Jahr 1980
Zu Beginn der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurde es massiv wärmer. Die Folge war, dass kaum mehr ein Jahr oder auch ein Monat zu kalt war. Der eigentliche Bezugspunkt lag also ausserhalb der natürlichen Schwankungen der Temperatur. Stellt man sich nun die Frage: Wie warm wird der kommende Juli und nimmt den Mittelwert der Norm 1961 bis 1990, liegt man mit grosser Wahrscheinlichkeit deutlich zu tief. Diesem Umstand trug man Rechnung und führte die Zwischenreferenz 1981 bis 2010 ein. Damit lässt sich zwar nun der kommende Juli anhand des Mittelwertes besser einordnen, allerdings suggeriert er, dass es eigentlich nur wenig wärmer wird.
Normwert und Erwartungswert
Die WMO verwendet daher zwei Werte. Der Erwartungswert (Referenz: 1981 bis 2010) wird verwendet für Prognosen und tagesaktuelle Einordnungen, der Normwert (Referenz: 1961 bis 1990) wird für klimatologische Aussagen verwendet. Spannend wird es in naher Zukunft: Momentan wird die neue Klimareferenz 1991 bis 2020 aufgearbeitet. Eigentlich sollte diese in naher Zukunft die Referenz 1961 bis 1990 ersetzen. Wahrscheinlicher scheint aber, dass die Referenz 1991 bis 2020 der neue Erwartungswert wird, da sonst die Referenz für Aussagen im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung völlig verloren geht.
War nun der April zu kalt?
Aus Sicht der Klimatologen war auch der April 2021 zu warm. Auf der Alpennordseite und im Tessin bis zu einem halben Grad. Noch Mitte des letzten Jahrhunderts wäre der aktuelle April völlig normal gewesen. Würde man als Referenz sogar den vorindustriellen Wert nehmen, wäre der Temperaturüberschuss noch grösser. Nur in der Nordwestschweiz und im Hochgebirge war der April leicht zu kalt. Nimmt man allerdings den Erfahrungswert der Jahre 1981 bis 2010, dann war der April in der ganzen Schweiz zu kalt, teilweise sogar deutlich. Im Norden ergibt sich ein Minus von knapp 1 Grad, im Süden ist es etwa ein halbes Grad.