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Tierarten wegen Hochwasser aus Naturschutzgebiet verschwunden
Wegen des Hochwassers am Neuenburgersee sind einige Tierarten aus der Grande Cariçaie, dem grössten zusammenhängenden Feuchtgebiet der Schweiz, verschwunden. Viele Insekten ertranken und Vögel flogen weg an andere Orte.
Die Grande Cariçaie erstreckt sich über einen 40 KiIometer langen Streifen entlang des Südostufers des Neuenburgersees und umfasst acht Naturschutzgebiete mit insgesamt rund 3000 Hektaren. Normalerweise bewegen sich Spaziergänger auf Besucherwegen durch das Schutzgebiet, das aus Mooren, feuchten Wäldern und Flachwasserzonen besteht.
«Heute sieht die Grande Cariçaie wie ein mit Schilf bewachsener See aus. Wir fahren in Kanus oder mit Stiefeln dorthin, die uns bis zur Brust reichen», sagte Antoine Gander, Biologe des Vereins Grande Cariçaie der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage.
Erste Beobachtungen zeigten einen drastischen Rückgang der Zahl der Libellen, Heuschrecken und Grillen). Die seltene und stark gefährdete Zwerglibelle zum Beispiel sei aus ihrem üblichen Verbreitungsgebiet fast vollständig verschwunden, erklärte der Experte. Nur wenige Eier überlebten das Hochwasser.
Ein weiteres Opfer ist die sehr seltene und auf wenige Standorte beschränkte Glänzende Glattschnecke, die Sümpfe und Feuchtwiesen bevorzugt. «Tagelange Überschwemmungen überlebt sie nicht. Zuerst hat sie versucht, sich auf Pflanzenstängel zu flüchten», sagte Gander. «Dann ertrank sie.»
Bruten aufgegeben
Die Zahl der Vögel ist stark zurückgegangen. «Haubentaucher, Rohrammer, Teichrohrsänger und Haubentaucher sind dorthin geflüchtet, wo sie mehr Nahrung finden können. Sie können weit weg sein, bis zu hundert Kilometer, eher aber in den umliegenden Teichen», sagte Christophe Sahli, Ornithologe des Vereins Grande Cariçaie.
Auch einige Bruten wurden vernichtet. Enten und andere Bodenbrüter haben oft ihre Eier verloren. «Glücklicherweise war die erste Brut der im Sumpf lebenden Singvögel durch», sagte der Experte.
Hingegen wird der in der Schweiz besonders seltene Purpurreiher wird in diesem Jahr wahrscheinlich keine Küken aufziehen, da seine Nester überflutet wurden. Im Reservat leben zwischen fünf und zehn Paare.
Natur regeneriert sich
Die Folgen der Überschwemmungen für das Schutzgebiet im Detail abzuschätzen, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig. Sie dürften aber vorübergehender Natur sein. Die Biologen erwarten, dass die Vögel, die weggezogen sind, im nächsten Jahr wieder zurückkehren und dass Insekten die überschwemmten Flächen wieder besiedeln werden.
Die Natur sei widerstandsfähig und sehr gut darin, sich zu regenerieren. Ein Hochwasser könne auch etwas Positives sein und die Ausbreitung bestimmter Arten an anderen Orte beschleunigen. «Das Hochwasser vom Mai 2015 lag zwar 30 bis 40 Zentimeter tiefer, hat aber den Populationen der prioritären Arten nicht geschadet», erinnert sich Biologe Gander.
In der Grande Cariçaie lebt rund ein Viertel der Tier- und Pflanzenarten der Schweiz, darunter zahlreiche seltene und bedrohte Arten. Die vier Kantone Waadt, Freiburg, Neuenburg und Bern teilen sich in diesen natürlichen Reichtum.
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