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Child Focus, ein Modell, dem die Schweiz nacheifern sollte
Zur Erfüllung ihres Auftrags arbeitet die belgische Organisation Hand in Hand mit den lokalen Behörden. Davon sind wir in der Schweiz noch weit entfernt.
Child Focus ist eine wahrhaftige europäische Referenz auf dem Gebiet der vermissten Kinder und ist fest in den Protokollen zur Suche nach Kindern und zur Unterstützung der Opfer in Belgien verankert. Und wenn die Organisation in ihrer Arbeit eine wesentliche Ergänzung zu den Behörden darstellt, dann deshalb, weil ihre Existenz auf gesellschaftlichen Veränderungsforderungen basiert.
Nach den weltweiten Auswirkungen der Dutroux-Affäre fand 1996 in den Straßen Brüssels ein Weißer Marsch statt, um die polizeilichen und justiziellen Missstände anzuprangern, die die Affäre zum Vorschein gebracht hat.
Parallel zu einer Polizeireform, die einige Jahre später durchgeführt werden sollte, wurde ein besserer Schutz von Kindern gefordert.
Ein Jahr später unterzeichneten die Eltern vermisster Kinder eine Charta, die zum Gründungsakt von Child Focus wurde.
Zwei Situationen, ein Ziel
Wie Missing Children Switzerland wurde auch die belgische Organisation im Anschluss an eine mediatisierte Tragödie gegründet. Aber die Anerkennung von Child Focus durch die Behörden und die Mittel, die zur Sicherstellung seiner Mission eingesetzt werden, unterscheiden sich drastisch von der Situation, in der sich unsere Stiftung befindet.
In der Schweiz bleibt das Phänomen der vermissten Minderjährigen fast schon unsichtbar. Es gibt keine offiziellen nationalen Statistiken, die dieses Phänomen veranschaulichen.
Außerdem zögern die Schweizer Behörden, eine externe Organisation in Prozesse bezüglich vermisster Kinder einzubeziehen. Auch wenn es um die Begleitung von Familien geht.
Raum für Verbesserungen
Die Zahlen sprechen für sich: Child Focus befasst sich mit mehr als 1,000 Fällen von vermissten Kindern pro Jahr in einem Land mit fast 11,5 Millionen Einwohnern, während die Zahl der vermissten Kinder in der Schweiz bei einer Bevölkerung von 8,6 Millionen bei 65 liegt.
Es ist daher zu befürchten, dass viele Fälle, in denen die Stiftung nützlich sein können, leider unbehandelt bleiben werden, mit möglichen Folgen für die betroffenen Menschen.
Obwohl einige Fortschritte erzielt wurden, wie zum Beispiel die kürzliche Teilnahme von Missing Children Switzerland an einer Übung der Waadtländer Polizei, gibt es noch viel Raum für Verbesserungen in der Zusammenarbeit mit den Behörden. Da die Stiftung die einzige Schweizer Organisation ist, die sich um die Opfer von Vermisstenfällen kümmert, muss sie so schnell wie möglich als echte Ergänzung zur Arbeit von Polizei und anderen sozialen Akteuren betrachtet werden.
Diese Art der Zusammenarbeit hat sich in der überwiegenden Mehrheit der Länder, in denen es die 116 000 Hotline gibt, bereits bewährt. Für die Schweiz ist es nun an der Zeit, sich auf den neuesten Stand zu bringen.