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| Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)

Erstes Buch [323—337]
31. Die Kirchweihe in Jerusalem und die Verbannung des großen Athanasius
[S. 87] Der Kaiser hatte nämlich angeordnet, daß die ganze Versammlung von Tyrus nach Aelia sich begebe1, und befohlen, daß auch alle anderen von allen Seiten her hier zusammenkommen und die von ihm erbauten Tempelgebäude einweihen sollten. Gleichzeitig schickte er auch einige besser gesinnte Beamte, die sich durch Frömmigkeit und Glauben auszeichneten, dorthin mit dem Auftrage, in freigebiger Weise allen alles zu liefern, nicht nur den Bischöfen und Priestern und ihrem Gefolge, sondern auch allen Dürftigen, die von allen Seiten her zusammenströmten. Es wurde auch der göttliche Opferaltar mit königlich schönen Vorhängen und goldenen, juwelenverzierten Kleinodien geschmückt. Nachdem sodann das Fest in der glänzendsten Weise gefeiert worden war, kehrten alle wieder in ihre Heimat zurück; der Kaiser aber ward, als er von dem Glanz und der Pracht der Festfeier erfuhr, von inniger Freude durchdrungen und pries den Geber alles Guten dafür, daß er auch diesen Wunsch ihm erfüllt habe.
[S. 88] Als dann der bewunderungswürdige Athanasius kam und sich über das ungerechte Prozeßverfahren beschwerte, ließ der Kaiser die beschuldigten Bischöfe herbeirufen. Diese kamen, ließen aber jetzt die früheren Verleumdungen angesichts der offenkundigen Widerlegung fallen, versicherten dagegen dem Kaiser, Athanasius habe mit Verhinderung der Getreideausfuhr (aus Ägypten) gedroht. Diesen Versicherungen schenkte der Kaiser Glauben und verbannte den Athanasius in eine Stadt des sogenannten Galliens mit Namen Trier. Es war dieses das dreißigste Jahr seiner Regierung.
1: Aelia = Jerusalem. Kaiser Hadrian (117—138), mit seinem vollen Namen Titus Aelius Hadrianus, hatte nach dem zweiten jüdischen Krieg (132—135) auf den Trümmern von Jerusalem eine neue, heidnische Stadt gegründet, die er nach seinem Familiennamen (Aelius) Aelia nannte. Er baute auch dem Juppiter Capitolinus auf dem Berge Moriah einen Tempel, wovon die neue Stadt noch den Zunamen Capitolina erhielt (Aelia Capitolina). Den Juden und damit auch den Judenchristen war das Betreten der neuen Stadt unter Todesstrafe verboten. Dagegen wurden die Heidenchristen von diesem Verbot nicht betroffen. So konnte sich in Aelia allmählich eine blühende Gemeinde von Heidenchristen ansiedeln. Der Metropolitanrang war nach der Zerstörung Jerusalems von Aelia auf die Kirche von Cäsarea Stratonis übergegangen. Erst seit dem vierten Jahrhundert brachte der Sieg des Christentums und der Kult der heiligen Stätten auch den alten Namen der heiligen Stadt wieder in lebhaftere Erinnerung, so daß dieser die Bezeichnung Aelia allmählich verdrängte. Auf dem Konzil von Chalzedon 451 erhielt Jerusalem die angestrebte Patriarchatswürde mit einem eigenen von Antiochien losgetrennten Patriarchatssprengel.