Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03390.jsonl.gz/981

Warum lesen wir in der Schule Klassiker und wie deute ich einen Text, der vor über hundert Jahren geschrieben wurde? Es gibt nur wenige Jugendliche, die während ihrer Schulzeit nicht mit einer Textanalayse konfrontiert werden. Worauf du dabei achten musst und weshalb es einfacher ist als gedacht, erfährst du in diesem Artikel.
Was ist eine Textanalyse?
Ob Gedicht, Theaterstück oder Novelle. Wenn du in der Schule einen Text analysieren musst, dann wirfst du einen Blick auf den Inhalt, die Epoche, die Sprache und deren Struktur. Mit deinen Ergebnissen kannst du später besser interpretieren.
💡Tipp: Finde bei der Textanalyse zuerst heraus, welcher Epoche dein Text zugeordnet werden kann und schaue, was typisch für die literarische Epoche ist. Dies hilft dir, den Inhalt, aber auch die Sprache und Struktur besser zu verstehen.
Weshalb müssen wir in der Schule analysieren und interpretieren?
Sei ehrlich! Fühlst du dich manchmal von der Deutsch-Lehrperson gequält, wenn sie dir erneut einen Klassiker in die Hände drückt? Hast du dich auch schon gefragt, warum du «Der Sandmann» von E.T.A Hoffmann oder «Die Leiden des jungen Werther» von Goethe lesen musst? Nun, auf den ersten Blick mag es einfach mühsam und unnötig sein. Doch in Wahrheit ist es unglaublich wichtig, dass wir in der Schule lernen, Texte zu analysieren, interpretieren und deuten.
First of all, Lesen ist cool! Ja, ja, du kannst deine gelesenen Bücher an einer Hand abzählen, ich nicht. Du auch nicht? Megaaa.
Du erhälst eine Nachricht von deiner besten Freundin auf Whatsapp, hörst einen Songtext oder siehst Werbung auf YouTube, weil du den Ad Blocker noch nicht installiert hast. Wir werden ständig mit Texten zugeballert, die wir analysieren und interpretieren. Unbewusst fragst du dich, ob deine Freundin übertreibt, was die Sängerin in ihrem Song sagen will oder ob du das Produkt aus der Werbung wirklich kaufen solltest oder ob es schlecht produzierte Ware ist.
Oft ist es einfach einen Text zu deuten, aber manchmal braucht es Vorwissen und Übung. Und diese Übung solltest du in der Schule erhalten.
Wie analysiere ich genau?
An den Schulen wird jeweils sehr unterschiedlich analysiert und interpretiert. Was dir oftmals vermittelt wird, sind die unterschiedlichen Epochen, was typisch ist und welche Autoren und deren Werke Epochen geprägt haben. Das mag alles ziemlich trocken und langweilig sein, weill du es einfach wissen «musst.» Aber:
💡Merke: Theorie zu den Epochen auswendig lernen bringt dir genauso viel, wie wenn du über Memes Bescheid weisst. Nicht immer nötig, aber trotzdem cool für Funfacts oder Witze.
Inhalt
Ganz wichtig für eine Textanalyse ist der Inhalt. Zum Inhalt gehören:
📖 Handlung
📖 Figuren
📖 Ordnung
Bei der Handlung fragst du dich, was genau passiert und was vielleicht nur angedeutet, aber nicht geschrieben wird. Stell dir vor, du liest ein Buch über eine junge Frau, die in der Hälfte des Buches schwanger wird. Auch wenn im Buch nie davon die Rede war, dass sie Sex hatte, musste es geschehen sein.
Figuren haben immer einen Charakter und unterschiedliche Merkmale. Wie die Figuren genau ticken, erfährst du selten gleich auf den ersten zwei Seiten. Sie stellen sich auch nicht mit ihren Mackel vor. Wenn du dennoch herausfinden kannst, dass eine Figur egostisch und eine andere immer hilfsbereit handelt, dann hast du bereits analysiert.
Die Ordnung könnten wir auch «Weltordnung» nennen. Eine Geschichte funktioniert immer, wenn es Gegensätze gibt. Ein bekanntes Beispiel ist Gut und Böse. Manchmal ist es sonnenklar, wer böse und wer gut ist. Aber nicht immer ist es auf den ersten Blick erkennbar. Auch zur Ordnung gehören Informationen über Welten, in denen die Geschichten spielen. In den Narnia-Büchern gibt es zum Beispiel die reale Welt und die Fantasiewelt.
Vermittlungsebene
«Vermittlungsebene» hört sich kompliziert an. Aber keine Angst, völlig machbar.
💡Tipp: Wenn dein Lehrer dich fragt, wer die Geschichte erzählt, dann sage NICHT, es sei der Autor.
Die Erzählstimme ist nie der Autor oder die Autorin, die die Geschichte geschrieben hat. Aber wer kann eine Geschichte erzählen? Welche Art von Erzähler gibt es?
📖 Auktorialer Erzähler
📖 Personaler Erzähler
📖 Neutraler Erzähler
📖 Ich-Erzähler
💡Merke: Du kannst nicht nur analysieren, was erzählt wird, sondern auch wer und wie erzählt wird.
Kultureller und historischer Kontext
Wie wir bereits gelernt haben, ist es ultrahilfreich zu schauen, zu welcher Epoche ein Text gehört. Was dir das Leben beim Anaylsieren und Interpretieren ebenfalls erleichtert, ist, wenn du die kulturellen Normen und Werten kennst, die zur Zeit herrschten, als das Buch erschienen ist. Was ich damit meine? Ich mache dir ein Beispiel.
In «Faust» von Johann Wolfgang von Goethe ist die Figur namens Gretchen gerade einmal 14 Jahre alt. Der alte Faust, der sein Leben bereits gelebt habt und sich verjüngern lässt, nähert sich Gretchen an und schwängert sie sogar. Als Goethe das Theaterstück schrieb, war es nicht ungewöhnlich, dass Mädchen im Alter von 14 Jahren schwanger wurden. Jetzt stell dir aber vor, ein Autor schreibt im Jahr 2023 eine Geschichte, in der ein alter Mann eine Jugendliche schwängert. Mit unseren heutigen Werten nehmen wir den Text ganz anders wahr.
💡Merke: Was heute (zurecht) uncool ist, war früher vielleicht die Norm. Dadurch kann sich deine Perspektive auf die Geschichte stark ändern. Also: Mach dich schlau und wirke schlau!
Noch Fragen? Dann stelle sie gerne in den Kommentaren.
Zum Schluss (of course) noch ein Buchtipp
«Muss ich das gelesen haben?»
Das fragte sich auch Teresa Reichl. Sie bezeichnet sich selbst als Deutsch-Nerd und las zum Spass Gustav Freytags «Die Technik des Dramas.» Später studierte sie Deutsch und Englisch auf gymnasialem Lehramt. Auch wenn sie das Lesen liebt, hat sie sich schon einige Male über die Leseliste geärgert. Auf YouTube hat sie angefangen (auch kritisch) über Klassiker zu sprechen und hat nun ein Buch dazu geschrieben. Teresa Reichl zeigt auf, dass immer nur die gleichen Gesellschaftsformen dargestellt werden, da früher auch hauptsächlich Männer des Bürgertums geschrieben haben. Das will Teresa Reichl ändern.
Teresa Reichl stellt die literarischen Analyse- und Interpretationsgrundlagen sehr gut dar, und fasst perfekt zusammen, was wichtig ist, um Literatur zu analysieren und deuten.
Zudem ist ihr Buch super witzig geschrieben und mit vielen TikTok- und Memes-Insider und Fusszeilen versehen.