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Die von Jerneja Jezernik einfühlsame und gut recherchierte Biografie rückt eine bis heute für viele noch unbekannte slowenische Schriftstellerin ins Blickfeld: Alma M. Karlin. Überzeugend wird O-Ton mit eigener Sprache ineinander verwoben. Der Text wird durch Fotografien aus Karlins Kindheit und als Erwachsene wie auch durch Abbildungen ihrer Buchcovers ergänzt.
Karlin (1889-1950) wuchs im kleinbürgerlichen Milieu der deutschsprachigen Minderheit von Cilli (Celje) auf, einer Stadt 70km von Ljubljana entfernt, aus dem sie sich durch einen Umzug nach London zu befreien versuchte. Sie schlägt sich als Übersetzerin oder Sprachlehrerin durch, und reist so acht Jahre lang alleine und unabhängig um die Welt. Karlin ist eine widersprüchliche Person. Obwohl wissbegierig und weitgereist, kann sie das rassistische Gedankengut ihrer Herkunft (die meisten deutschsprachigen Slowenen und Sloweninnen standen dem Nationalsozialismus nahe) nicht ganz ablegen. Trotzdem, als es darauf ankam, zeigte sie sich als kategorische Pazifistin. So entging sie nur knapp dem Konzentrationslager, als sie versucht hatte, Partisanen vor den Nationalsozialisten zu retten.
Karlin durchlebte den Zerfall der k.u.k. Monarchie, den 1. und 2. Weltkrieg und den Aufbau des kommunistischen Jugoslawiens. Eine äusserst packende und überraschende Lebensgeschichte eines radikal handelnden Menschen vor dem Hintergrund einschneidender historischer Ereignisse. apKlappentext:
Alma M. Karlin – Mit Bubikopf und Schreibmaschine um die Welt ist die erste deutsche Biographie in neun Kapiteln über das Leben und Werk einer der grössten Weltreisenden und der deutschsprachigen Schriftstellerin Alma M. Karlin (1889-1950) aus Celja, Slowenien.
Nach einer unglücklichen Kindheit in der zweisprachigen untersteiermärkischen Provinzstadt am Sann in der alten k.u.k. Monarchie entflieht sie dem kleinbürgerlichen Milieu und geht 1908 nach London. Dort arbeitet sie in einem Übersetzungsbüro, legt Prüfungen in Norwegisch, Schwedisch, Dänisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch ab.
Am 24. November 1919 verlässt sie mit dem Reisepass ihrer neuen Heimat, des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, den Cillier Bahnhof und bereist in den Jahren 1919-1927 als allein reisende Frau alle Kontinente. Mit dabei im Koffer sind ihre Schreibmaschine Marke Erika und ihr handgeschriebenes Wörterbuch in zehn Sprachen. Acht Jahre lang ist sie unterwegs, einzig im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, sich überall auf der Welt durch Unterrichten und Dolmetscherdienste als auch journalistische und belletristische Arbeit Verdienstmöglichkeiten zu verschaffen. Sie überschreitet auf ihrer Weltreise nicht nur geographische Grenzen, sondern auch die der Gesellschaftskonventionen, indem sie die Welt als Frau, Künstlerin und Forscherin auf ihre eigene Art "erleben" will und damit ihre Leistung bis heute einzigartig bleibt.Über die Autorin / über den Autor:
Jelena Jezernik wurde 1970 in Celje in der Untersteiermark (Slowenien) geboren. Sie studierte Slowenisch und Deutsch in Ljubljana. Zwischen 2000 und 2014 arbeitete sie in Deutschland (Stuttgart, Berlin) und in Österreich als Sprachlehrerin, Redakteurin, Journalistin und Leiterin der Slowenischen Studienbibliothek in Klagenfurt. Sie beschäftigt sich seit zweieinhalb Jahrzehnten mit dem Nachlass von Alma M. Karlin und verfasste 2009 die erste Biographie über ihr Leben und Werk, zudem übersetzte sie 13 ihrer Werke aus dem Deutschen und Slowenischen. Sie lebt als freie Übersetzerin, Autorin und Redakteurin in Ljubljana.Preis: CHF 29.90