Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03458.jsonl.gz/100

Trump deutete in einem Interview diese Woche an, dass der Greenback zu einer so starken Währung werde, dass sie der Wirtschaft schade. "Ich denke, der Dollar wird zu stark, und das ist teilweise meine Schuld, weil mir die Menschen Vertrauen schenken", sagte er dem "Wall Street Journal". "Doch es schadet - es wird letztlich schaden."
Der Präsident liess auch die Möglichkeit offen, Janet Yellen für eine weitere Amtszeit als Fed-Vorsitzende zu ernennen. Er fügte hinzu, dass ihm "eine Niedrigzinspolitik" lieb sei. Nach Veröffentlichung seiner Äusserungen rutschte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ab und der Dollar gab nach. Yellens gegenwärtige Amtszeit endet im Februar.
Trump sollte sich genau überlegen, was er sich wünscht. Belege für eine bessere Lage am Arbeitsmarkt hatten die US-Notenbank dazu veranlasst, seit seiner Wahl als Präsident im November ihre Leitzinsen zwei Mal anzuheben.
Die US-Aktien haben seither eine Rally von fast zehn Prozent hingelegt und der Dollar hielt sein Niveau. Grund dafür ist die Zuversicht, dass Trump die in Aussicht gestellten Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen für Infrastruktur verwirklichen wird. Die optimistische Stimmung verflog zuletzt wieder etwas, da Zweifel aufkamen, ob die Regierung das alles wirklich durchziehen kann.
Nur eine Notenbank sucht Gründe, um Zinsen zu erhöhen
"Wenn man Janet Yellen beim Wort nimmt, steigen die Zinsen aufgrund des zunehmenden Vertrauens in die Robustheit des Arbeitsmarkts und der Wirtschaft", sagte Scott Clemons, leitender Investmentstratege bei Brown Brothers Harriman in New York. "Mir fällt nur eine grosse Zentralbank auf dem Planeten ein, die nach Gründen sucht, die Zinsen zu erhöhen, und das ist die Fed. Der Weg des geringsten Widerstands sollte ein stärkerer Dollar sein."
Trumps unverblümte Aussagen zum Greenback stellen eine Abkehr von der zuletzt vorherrschenden Praxis dar, dass sich Präsidenten nicht eindeutig zum Wert der Währung äussern, der von den Märkten bestimmt werden soll. Solche Beobachtungen waren im Allgemeinen dem Finanzminister vorbehalten - und seine standardmässige Wortwahl lautete dann: ein starker Dollar ist gut für Amerika.
"Der wahre Bedeutung der Politik war, dass die USA nicht versuchen würden, die Währung hoch- oder runterzureden", erklärte Brad Setser, Senior Fellow beim Council on Foreign Relations, der früher im Finanzministerium gearbeitet hatte. "Das ist eine bedeutende Veränderung."
China kein Währungsmanipulator
Die wichtigere Frage sei, wie Trump den Dollar nach unten schmeicheln und gleichzeitig noch immer Konjunkturimpulse versprechen könne, so Setser. "Historisch betrachtet sorgte ein höheres Haushaltsdefizit für Aufwärtsdruck auf den Dollar."
Ein schwächerer Dollar würde die US-Exporte wettbewerbsfähiger machen und dürfte Trump somit helfen, seine Wahlversprechen einzulösen, das hohe Handelsbilanzdefizit abzubauen und die Arbeitsplatzverluste im verarbeitenden Gewerbe der USA zu stoppen. Trump distanzierte sich zwar in dem Interview von seinem Versprechen, China als Währungsmanipulator anzuprangern, er bestand aber darauf, dass andere Nationen weiterhin ihre Währungen abwerteten.
"Ich verstehe nicht, warum es einem Präsidenten nicht erlaubt sein sollte, darüber zu sprechen", sagte Joseph Gagnon, ein ehemaliger Fed-Mitarbeiter, der nun Senior Fellow am Peterson Institute for International Economics ist. "Die Politik des starken Dollar hat ausgedient."
(Bloomberg)