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Der Mythos «der Taugenichts»
Der Mythos «der Taugenichts» des Stammes der Bwaba, Burkina Faso, beschreibt, wie das Balafon zu den Menschen kam. Alaye Diarra, Balafon- und Djembespieler von «les frères Coulibaly» erzählte uns die Geschichte des Taugenichts und seiner Entdeckung des Balafons.
Es gab nichts, was mich in dieser Zeit interessierte ausser zwischendurch mit Bosco, dem Boxerhund meiner Tante, zu spielen. Manchmal gingen wir zusammen in den nahen Wald, spielten und streiften dort den ganzen Tag lang herum. Eines Tages sprang plötzlich ein Hase aus einem Gebüsch und provozierte Bosco mit einem lustigen Tanz, bevor er blitzschnell davonrannte. Bosco war nicht mehr zu halten. Ich fand ihn erst nach einer Stunde wieder. Er steckte mit dem Kopf in einem Erdloch und schnaubte und scharrte wütend. Ich verstand, dass sich der Hase in dieses Loch gerettet hatte und dass Bosco zu dick war, als dass er mehr als seinen Kopf in das Loch hätte zwängen können. Ich beruhigte ihn und wies ihn an, zu warten und mich in das Loch kriechen zu lassen. Ich würde ihm den Hasen schon bringen. So kroch und kroch ich immer tiefer ins Loch hinein, bis ich plötzlich keinen Boden mehr unter mir spürte und ich fiel und fiel und fiel...
Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich in einer grossen dunklen Höhle. Ich war ziemlich verwirrt, verspürte aber gar keine Angst, viel mehr kam mir der Ort seltsam vertraut vor. Auf einmal kam langsam eine dunkle und grosse Gestalt auf mich zu. Als sie dicht vor mir stand, sagte sie: «Ich bin der Hase, den dein Hund verfolgt hat. Willkommen in der Unterwelt.» «Bin ich also tot?», fragte ich. «Nein», sagte die Gestalt, «du sollst hier ein Geschenk für die Menschheit erhalten.» Sie führte mich in einen anderen, grösseren und in vielen Farben leuchtenden Raum. In seiner Mitte stand ein Gerät in der Art eines Bettrostes. Plötzlich fing ein anderes Wesen an, diesem Gerät zarte Klänge zu entlocken. Augenblicklich flossen mir Tränen über die Wangen, ich war von diesen Klängen zutiefst ergriffen und erschüttert. Ich weiss nicht mehr, wie lange ich dort sass, hatte kein Zeitempfinden mehr und auch keine Erinnerungen oder Gedanken. Ich sass bloss da, weinend, dann wieder von grosser Zufriedenheit erfüllt, ohne Hunger oder Durst, ohne Eile oder Bedürfnisse. Nach einiger Zeit kam eine zweite Gestalt mit einem zweiten Bettrost in den Raum und setzte sich dicht zur anderen hin. Die Art ihres Spielens wurde intensiver und dichter, die Luft fing an zu vibrieren, es riss mich buchstäblich aus den Socken.
Ich stand plötzlich aufrecht trippelnd, zitternd da, dann stampfend und rennend und drehend, drehend, drehend – bis die Lichter erloschen und ich einschlief. Ich blieb noch eine ganze Weile in der Unterwelt. Mit der Zeit machte ich die Bekanntschaft mit zahlreichen und unterschiedlichsten Wesen. Jedes wies mich an, wie ich selbst auf dem Bettrost Klänge, Rhythmen und Melodien erzeugen könnte. Wir tanzen, sangen und schrien vor Glück. Bis eines Tages die Hasengestalt wieder auftauchte und mir sagte: «Nun endet deine Zeit hier. Das BALA nimmst du mit zu deinen Leuten. Trage es auf Reisen stets wie eine Krone auf dem Kopf.» Plötzlich spürte ich die warme Zunge meines Hundes Bosco und hörte sein Wimmern und Bellen. Ich war wieder in der Welt der Lebendigen. Mit dem Balafon auf dem Kopf wanderte ich in Richtung meines Dorfes und Bosco kündigte mein Kommen lauthals an.