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Es gibt Dinge, die ändern sich nie. Dazu gehörte die Stimme von Elisabeth Schnell: klar, melodisch, bestens ausgebildet. Schnell sprach ein Zürittütsch, das selbst für Basler schön klang. Und sie wurde selbst im fortgeschrittenen Alter noch immer erkannt: «Als ich neulich im Zug sass und mich mit einer Kollegin unterhielt, sagte ein Mann zu mir: 'Meitli, du hast mich oft am Morgen geweckt», erzählte sie an der Feier zu ihrem 90. Geburtstag am 22. Januar im Zunfthaus zur Schmiden im Zürcher Niederdorf, dem Wohnhaus in ihrer Kindheit.
Elisabeth Schnell war kein Meitli mehr, aber sie hatte noch immer den Schalk in den Augen. Und sie freute sich, dass sie von den Kollegen geehrt und hoch respektiert wird. Erich Vock hielt ihr einen ganz speziellen Platz in seinem letzten Stück «8 Frauen» frei. Schnell war stimmlich präsent – mit den legendären Worten: «Hier ist der Schweizer Landessender Beromünster.» Es war die Rolle ihres Lebens.
S'«strübschte Meitschi vom Dorf»
Bevor Schnell in den 1950-er Jahren im Radio – für einen Stundenlohn von fünf Franken – als eine der ersten Frauen am Mikrofon ihre Premiere als Ansagerin machte, hatte sie die Handelsschule absolviert und die Schauspielschule besucht. Ihr Talent machte die Zürcherin zu einer der beliebtesten Komödiantinnen jener Zeit – und zu einer gefragten Darstellerin. 1948 spielte sie am Stadttheater Luzern im Sommernachtstraum den Part der Hermia, später übernahm sie am Schauspielhaus in Zürich kleinere Rollen. Mit César Keisers legendärem Cabaret «Kikeriki» trat sie im «Kom(m)ödchen» in Düsseldorf auf.
Wenn sie von ihrer Rolle in «Ueli der Knecht» (1954) erzählte, lachte sie herzhaft. Sie habe nicht das liebe Vreneli, sondern das Annelisi, das «strübschte Meitschi vom Dorf», gespielt. Die Rollen seien so vergeben worden, dass sie zu den Persönlichkeiten passten. Gestört habe sie dies nie.
Schnell gehörte zu den kreativsten Köpfen des Landes
Elisabeth Schnell war immer eine Frau für alle Fälle: Bevor sie auf der Bühne und in den Medien von ihren Jobs leben konnte, arbeitete sie als Reiseleiterin, badete Hunde und tippte Manuskripte ab.
Auf ihrer schön gestalteten Homepage (www.elisabethschnell.ch) lassen sich alte Sketsches anhören – etwa von der «Automaus Möpsli», die 1974 unter dem Motto «Bi Panne bruuchts kei Manne» einen humoristischen Auto-Reparaturkurs für Frauen anbot.
Schnell gehörte zu den kreativsten Köpfen jener Zeit, gestaltete eigene Sendungen wie «Kafichränzli», «Espresso» und «Im Auto durch die Schweiz». Und sie erfand mit dem «Nachtexpress» ein Format, das sich bis heute gehalten hat und im vergangenen Sommer das 50-Jahre-Jubiläum feierte. Auch auf dem Fernsehbildschirm war sie präsent. In der Sendung «Ratatouille» wurde sie zur ersten Quizmasterin des Landes.
Wenn Schnell bei einem Glas Rotwein aus ihrem bewegten Leben erzählte, mischte sich auch ein wenig Melancholie in ihre Stimme. Viele ihrer ehemaligen Weggefährten waren von der irdischen Bühne abgetreten – so 2010 Ueli Beck oder im vergangenen Jahr Ines Torelli. Nun ist Elisabeth Schnell ihren Freunden gefolgt. Die schönsten Radio-Sendungen werden künftig in himmlischen Gefilden ausgestrahlt.