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Die Mitte sei mit den Wahlen im Oktober gestärkt worden, heisst es landauf landab. Wer ist sie denn, diese Mitte? Vor allem von den Medien wird gerne eine "schöne" symmetrische Konstruktion gesucht: links ein Pol, rechts ein Pol, und dazwischen die "moderate" Mitte. Dabei werden dann so unterschiedliche Gesinnungen und Parteien wie die glp, EVP, CVP, FDP und BDP allesamt dieser ominösen Mitte zugeschlagen. Das dünkt mich absurd. Nach wie vor sind BDP, FDP und CVP stramm bürgerliche Parteien, daran ändern auch einzelne gemeinsame Abstimmungshaltungen oder einzelne Wahlallianzen mit den "linken" Parteien nichts.
Wenn wir danach fragen, wer bei den eidgenössischen Wahlen welcher Partei die Stimme gegeben hat, dann lässt sich unschwer nachverfolgen: Wer zum Beispiel glp gewählt hat, hat dies sehr oft im Verbund mit Grünen und SP-Wahlstimmen oder mit "Parteifreien" gemacht. Es handelt sich um Wählerinnen und Wähler, denen soziale Gerechtigkeit durchaus ein wichtiges Anliegen ist. Sie würden sich wahrscheinlich die Augen reiben, wenn sie genauer verfolgen würden, wie "ihre" neuen Kräfte der "Mitte" stimmen, wenn es um Steuersenkungen für die Superreichen und um den Schutz der Abzocker geht.
Es ist eine schöne Illusion zu meinen, alle politischen Gesinnungen liessen sich eindimensional auf einer einzigen Achse aufreihen, so dass es ein linkes Ende, ein rechtes Ende und demnach eine Mitte gibt. Wir müssen die Navigation anders einstellen und in mehreren Dimensionen denken. Wir könnten zum Beispiel danach fragen, wer für welche Werte einsteht. Meine Wertorientierung heisst "nachhaltige Entwicklung": Wann immer es zwei oder mehrere mögliche Antworten gibt, probiere ich mich danach auszurichten, welche Entscheidung künfigen Generationen sowie anderen Gesellschaften auf diesem Globus ein mindestens ebenso lebenswertes Leben bescheren, wie ich es zur Zeit geniesse. Dem gegenüber steht eine Werthaltung, die bei umstrittenen Fragen folgenden Massstab anwendet: Was trägt mir und meiner Klientel am meisten ein?