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15 unternehmerische Leitsätze
Kosten- und Ziel-Crush
Idealvorstellungen und hohe Ziele machen Schwieriges möglich
Kostenziele werden oft über-, Sachziele unterschritten: Resultate kosten mehr und bringen weniger als angestrebt.
Hier helfen Idealvorstellungen und Reserven-Bildung als "Vier-Schritt-Vorgehen":
Erster Schritt, Idealvorstellungen
Die Frage stellen, was im Idealfall zu erreichen wäre: Möglichst hohe Ziele setzen und als Richtschnur benützen: Hochgesteckte Eigenschaften und tiefe Kosten. Dafür eine Liste erstellen.
Zweiter Schritt, Minimalziele
Nur bedeuten mehr Eigenschaften für gewöhnlich auch mehr Kosten. Deshalb - als Kontrapunkt - eine Liste mit Minimalvorstellungen erstellen: Eigenschaften definieren, die allenfalls zur Lösung der Aufgabe gerade noch genügen würden: Abgestrippte Kostenüberlegungen.
Dritter Schritt, Reserve-Bildung
Ein Projekt nur beginnen, wenn für Eigenschaften und Kosten eine Reserve für "Unvorhersehbares" ausgewiesen werden kann.
Vierter Schritt, Reserve-Überwachung
Eigenschaften- und Kostenentwicklungen laufend überwachen. Sind die Reserven aufgebraucht, so darf ein Projekt nicht weiterverfolgt werden, es sind neue Runden zur Kosten-Minimierung notwendig. Wird dieser Ratschlag nicht befolgt, so ist fast immer mit Kostenüber- und Zielunterschreitung zu rechnen.
Simplifiziertes Beispiel "Energiesparhaus"
Erster Schritt, Idealvorstellungen
Ein "normales" Haus kostet 300 k€. Idealvorstellung ist, ein Energiesparhaus für weniger, z.B. 280 k€ zu erstellen. Es sollte volle Energie-Unabhängigkeit, 6 Zimmer, eine Nutzfläche von 200m² und Betonbauweise aufweisen.
Zweiter Schritt, Minimalziele setzen
Minimal gesehen würden 5 Zimmer, 180m² Nutzfläche, Energie-Verbrauchsreduzierung vom Normalwert um 50%, Holzbauweise und 310 k€ auch zufriedenstellen.
Dritter Schritt, Reserve-Bildung
Nun werden Anfragen gestartet und Preisverhandlungen geführt. Als sinnvolle Reserve, um den Maximalbetrag nicht zu überschreiten, werden 280 k€ gesehen. Also wird versucht, durch gerissenes Konzipieren (kreative Arbeit, kreatives Verhandeln) möglichst viele "Ideal-Eigenschaften" in ein Konzept, das unter diese 280 k€-Limite kommt, eingebracht.
Vierter Schritt, Reserve-Überwachung
Während dem Bau wird nun mit Akribie darauf geachtet, dass die einzelnen Positionen (die sich auf die 280 k€ summieren), nicht überschritten werden. Einzelne Überschreitungen (Unvorhersehbares) werden nicht ausbleiben. Drohen die 310 k€ erreicht oder gar überschritten zu werden, wird Alarm ausgelöst - nötigenfalls das Projekt gestoppt und erst Kostensenkungsmassnahmen eingeleitet.
Dieses Vier-Schritt-Vorgehen hilft,
»Wichtiger Leitsatz zur Kosten-Minimierung:
Keep it simple and stupid«
Stark verwurzelt sind oft "alte" Überzeugungen. Dazu gehören:
Sich seinen Arbeitsplatz gut einrichten wollen ist zwar sinnvolle Absicht. Das ist aber oft der Anfang für Verlust von Fitness und Marktgefühl: Man beschäftigt sich mit sich selbst - und verdrängt die wirklichen Abhängigkeiten unternehmerischen Wirtschaftens.
Keine Frage: Wer stets versucht ist, Aufgaben auf dem einfachsten, kürzesten Weg zu erledigen, Probleme mit anderen freundlich und offen bespricht und Idealvorstellungen im Visier hat, erreicht oft Aussergewöhnliches.
Gekonnter Umgang mit Kosten-Zielen
Kosten-Voraussichten im Planungs-Stadium fallen zumeist tiefer aus als bei der Realisierung, weil nicht alle Ereignisse, die zu Mehrkosten führen können, voraussehbar sind. Das bringt meistens Ärger.
Anzuwendende Taktik: Zu Planungs-Beginn das Kostenziel tiefer setzen als angestrebt. Das zwingt zu radikalerer Auseinandersetzung mit dem Kostenziel.
Ideal-Visionen erweitern die Grenzen des Machbaren
Nehmen Sie - getreu nach Antoine de Saint-Exupéry (1900—1940) ein Team auf eine visionäre Reise. Und erklären sie ihm, welche Vorteile es erreicht, wenn eine anstehende Aufgabe auf Idealweg gelöst wird. Das bedeutet in der in der Industrie-Welt meistens besonders einfach, zu wenig Kosten, mit hoher Qualität und besonders schnell. Setzen Sie ein hohes Ziel! Weil wir das, was wir nicht anzustreben wagen, auch kaum erreichen werden.
Der kreative Umgang mit Normen, Pflichtenheften, Qualitäts-Systemen
Für kreative Aufgaben schränkt das vorgängige Definieren von Pflichtenheft-Punkten Innovationsarbeit ein. Anstatt Ideallösungen zu überlegen, konzentrieren sich die Ausarbeitenden auf die Erfüllung der Vorgaben, was die Kreativ-Perspektive einschränkt. Ein "umgestülptes" Vorgehen:
1. Vorschriften und Pflichtenheftpunkte erst mal vergessen
2. Idealüberlegungen anstellen
3. Gefundene Lösungs-Möglichkeiten an bestehenden Normen und Vorschriften (Qualitätssystem) messen
Solche Überlegungen eröffnen neue Möglichkeiten!