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ausgewaschen. Alph. Favre hat ihre durchschnittliche Mächtigkeit zu 10 m und ihr Gesamtvolumen im Kanton Genf auf 245 Millionen m3 geschätzt. 3. Postglaziale Alluvionen, die aus Sanden und Kiesen bestehen und deren Grenzen oft schwierig zu bestimmen sind. Sie treten in drei von einander verschiedenen Formen der Ausbildung auf: a) Alluvionen auf den heute nicht mehr von einem Flusslauf durchzogenen Hochflächen, deren Vorhandensein auf einst weit grössere und über weite Flächen hin und her pendelnde Wassermassen schliessen lässt (Ebene zwischen der Seimaz und dem Foron, Thal der Aire, SW.-Abschnitt des Kantons); b) Flussalluvionen, an den konvexen Krümmungen der Serpentinen in horizontalen Bänken abgelagert; die am höchsten gelegenen Bänke sind im Allgemeinen zugleich auch die ältesten und sind zu einer Zeit abgelagert worden, da das Bett der Flüsse noch in höherem Niveau lag als dies heute der Fall ist (Plainpalais, Thal der London, Les Pâquis, Les Eaux Vives, Uferterrassen der Rhone etc.); c) Seealluvionen, bestehend aus Deltabildungen von Wildbächen, deren schief geneigte Schichten zu einer Zeit im See abgelagert worden sind, da dessen Wasserspiegel noch weit höher stand als heute. Das bedeutendste dieser heute trocken liegenden Deltas ist das bei den Tranchées, ö. der Stadt; da es aus denselben Materialien besteht, wie sie heute von der Arve verfrachtet werden, hat man daraus den Schluss gezogen, dass dieser Fluss einst an dieser Stelle in den See ausgemündet haben müsse.
Im Verlauf der Quartärzeit hat die Bodenoberfläche des Kantons Genf durch die ihn durchziehenden Wasserläufe grosse Veränderungen erlitten. So hat besonders die erosionskräftige Arve zu Ende der Eiszeit das Becken ausgewaschen, das sich von Le Bachet de Pesay bis La Treille und vom Bois de la Bâtie bis Pinchat erstreckt und in dem heute die Ortschaften Plainpalais und Carouge liegen. Später, in historischer Zeit, ist dann dieses Becken von den Geschieben derselben Arve wieder teilweise aufgeschüttet worden.
Die Arve hat überhaupt während der Quartärzeit ihren Lauf vielfach gewechselt und als Zeugen hiefür zahlreiche Kiesablagerungen hinterlassen. Bei der Rhone ist dies dagegen trotz ihrer beträchtlichen Wassermenge nicht der Fall gewesen, da sie einerseits als geschiebearmer Fluss aus einem läuternden Seebecken kommt und andererseits zu tief eingeschnitten ist, als dass sie in ihrem Lauf beträchtlich hätte hin und her pendeln können. Wie die Arve haben sich aber auch die kleinen Flüsse des Kantons in beträchtlichem Umfang an der Umgestaltung seiner Oberfläche beteiligt: grosse Ablagerungen der Aire liegen zwischen Saint Julien u. Confignon, ebensolche der Laire bei Avusy und Chancy, und der Foron hat mit seinen Geschiebemassen die einstigen Sümpfe bei Puplinge überführt. (Näheres siehe bei Favre, Alphonse. Description géolog. du cant. de Genève. 2 vol. Avec planches. Genève 1880).
Die der aquitanischen Stufe angehörenden Ablagerungen des Tertiärs gliedern sich in drei Horizonte: einen unteren (gipsführende Mergel und Gips), einen mittleren (kalkige Mergel, Holzkohlen und einige Fossilien) und einen obern (mit Mergel als Basis und Sandsteinen als Decke). Diese tertiären Schichten treten in den von den Flussläufen ausgewaschenen Tobeln und an einigen Stellen der Rhoneufer zu Tage.
Der geologische Bau des Kantons Genf, wie wir ihn eben geschildert haben, erklärt dessen Armut an abbaufähigen Steinbrüchen oder Erz- u. Kohlenlagern. Anlass zu fabrikmässigem Abbau haben einzig die Bänke von Sand, Kies und brennbaren Tonen gegeben, von denen Sande und Kiese an zahlreichen Stellen des Kantons, der Töpferton bei Hermance und Bellevue ausgebeutet werden. Immerhin hat man zu verschiedenen Zeiten jeweilen auch Brüche auf Molasse (mit oder ohne Gips) aufgetan, die aber heute alle wieder aufgegeben sind. Im W. des Kantons findet man an mehreren Punkten (Choully, Granges, Dardagny) Lager von Bitumen und Holzkohle; auch diese sind heute nach verschiedenen unergibigen Abbauversuchen alle wieder verlassen. Der hie und da (bei Choully, Bernex, am Nant d'Avanchet) vorkommende Gips lohnt seiner geringen Mächtigkeit wegen den Abbau ebenfalls nicht. Der Kanton Genf hat einige Mineralquellen, so bei La Croix de Rozon (gefasst und benutzt), bei Drize und Hermance.
Klima.
Da der Kanton Genf von bis zu über 1700 m Höhe aufsteigenden und erst im Mai ihrer winterlichen Schneedecke sich entledigenden Bergmassen umrahmt ist und dazu den NO.-Winden ungehinderten Zugang gestattet, so müssten seine klimatischen Verhältnisse ziemlich ungünstige sein, wenn nicht als thermischer Ausgleicher die grosse Wasserfläche des Genfersees ihre Wirkung geltend machen würde. Sie mildert im Sommer die Hitze, im Winter die Kälte, so dass die mittleren Temperaturen für Genf im Winter 0,7°, im Frühjahr 8,9°, im Sommer 17,9°, im Herbst 9,7° und im Jahr 9,3 °C betragen.
Unter 0 °C fällt die Temperatur an durchschnittlich 65 Tagen im Winter (davon 20 Tage mit ganztägigem Frost), 18 Tagen im Frühjahr und 12 Tagen im Herbst (davon für Frühjahr und Herbst zusammen pro Jahr je ein Tag mit ganztägigem Frost), zusammen also im Jahr an 95 Tagen, wovon an 21 der Frost, jeweilen den ganzen Tag andauert. Im Zeitraum 1826-1895 sind folgende Temperaturextreme beobachtet worden: Minimum mit -25,3° am und Maximum mit +36,4° am Das Mittel aus den absoluten Minima eines Jahres gibt -13,27° für den 15. Januar und dasjenige aus den absoluten Maxima +32,51° für den 20.-21. Juli. Der mittlere jährliche Barometerstand ist 726,65 mm (im Winter 727,6 mm, im Frühjahr 724,8 mm, im Sommer 727,4 mm und im Herbst 726,8 mm). Während der letztvergangenen 50 Jahren hat das Barometer am mit 748,7 mm seinen höchsten und am mit 700,16 mm seinen tiefsten Stand erreicht.
Seit 1826 wird in Genf die Menge der Niederschläge regelmässig berechnet. Das Mittel aus diesen Beobachtungen gibt 836,6 mm für das Jahr, 138,0 für den Winter, 189,7 für das Frühjahr, 233,3 für den Sommer und 275,6 für den Herbst. Am geringsten ist der Niederschlag in den Monaten Januar, Februar und März, am stärksten im August, September und Oktober. Die dem Jura näher gelegenen Teile des Kantons weisen in dieser Hinsicht höhere Zahlen auf, als das übrige Kantonsgebiet; doch sind die Regenmessstationen (mit Ausnahme derjenigen der Sternwarte) noch zu jungen Datums, als dass aus ihren Ergebnissen jetzt schon brauchbare Mittelzahlen berechnet werden könnten.
Regentage zählt man jährlich 130,5, Regenstunden 716,2. Gewitter treten im Jahr durchschnittlich an 24,94 Tagen auf; sie sind am häufigsten im Juni und Juli und am seltensten im Dezember und Februar. Die Schneedecke bleibt nur ausnahmsweise länger als 15 Tage hintereinander liegen. Aus allen diesen Verhältnissen ergibt sich, dass das Klima von Genf im Vergleich zu der Menge der atmosphärischen Niederschläge weit milder ist, als dasjenige der den Kanton ¶
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umrahmenden Gebirgszone und selbst noch milder als das der übrigen Ufergebiete am Genfersee.
Beobachtungen über den Wasserdampfgehalt der Luft (durch Bestimmung der Spannkraft des Wasserdampfes oder des Dampfdruckes - absolute Feuchtigkeit - und des Verhältnisses der zu einer bestimmten Zeit in der Luft vorhandenen Wasserdampfmenge zu der bei der herrschenden Temperatur möglichen Dampfmenge - relative Feuchtigkeit -) sind seit 1819 angestellt worden und haben folgende Mittelwerte ergeben:
|Mittlere relative Feuchtigkeit in ‰|
|Winter||844|
|Frühjahr||713|
|Sommer||693|
|Herbst||810|
|Jahr:||765|
|Jahr||Mittlere absolute Feuchtigkeit = 731 mm|
Ueber den Grad der Bedeckung des Himmels mit Wolken oder die Bewölkung gibt uns in Anzahl Tagen folgende Tabelle Auskunft:
|Hell||Schwach bewölkt||Stark bewölkt||Bedeckt|
|Winter||7.5||10.0||13.8||59.0|
|Frühjahr||19.0||16.2||19.1||37.7|
|Sommer||26.8||21.8||19.2||23.2|
|Herbst||13.9||14.3||18.3||43.5|
|Jahr:||67.2||62.3||70.4||163.4|
Nebel ist in Genf, besonders in den tiefer gelegenen Teilen des Kantons, ziemlich häufig und tritt hauptsächlich während der Zeit von Oktober bis Februar auf. Im Mittel hat man jährlich 32,8 Nebeltage festgestellt. Beobachtungen über die Dauer des Sonnenscheins werden in Genf erst seit einigen Jahren angestellt, so dass brauchbare Mittelzahlen noch nicht gegeben werden können. In Bezug auf die Windverhältnisse ist folgendes zu bemerken: Im Winter herrscht der trockene, kalte und oft sehr heftig wehende NO., die sog. Bise, vor, die die Temperatur fühlbar erniedrigt, aber auch die Luft kräftig reinigt; im Sommer weht meist der S. oder SW. (Vent du midi genannt), ein warmer und feuchter Luftstrom, der gewöhnlich Regen bringt. Neben diesen grossen Strömungen der Atmosphäre unterscheidet man in Genf noch zwei Arten von lokalen Winden, nämlich den von den Jurahöhen von W. und NW. her absteigenden Joran und den aus der Richtung des Môle von SO. her durch das Thal der Arve wehenden Môlan, der oft der Vorläufer eines Gewitters oder eines plötzlichen Witterungsumschlages ist.
Flora.
Seiner Lage zwischen dem Jura einerseits und den Voralpen andererseits verdankt der Kanton Genf die reiche Entwicklung seiner Flora, wie sie sich sonst in der Schweiz nicht wieder an vielen Stellen zeigt. Diese Flora setzt sich aus Elementen zusammen, die den Alpen von Savoyen, dem Jura, der Uferregion des Genfersees und dem französischen Rhonethal eigen sind, und bildet damit das Verbindungsglied zwischen der Flora des zentralen Europa und derjenigen des Mittelmeergebietes.
Sie ist, wie sich H. Christ ausdrückt, «eine Etappe in der Wanderung vieler südlicher Arten nach Norden». Von einzelnen bemerkenswerten Arten führt derselbe Forscher (Pflanzenleben der Schweiz. 2. Aufl. 1882. S. 71 f.) an: für den Fuss der Juraklusen beim Fort l'Écluse (Département de l'Ain) Acer monspessulanum, Helianthemum pulverulentum, Cytisus laburnum u. C. alpinus;
Arabis saxatilis, A. muralis und A. stricta;
Hutchinsia petræa, Ononis natrix, Potentilla rupestris, Sedum anopetalum, Parietaria diffusa, Ruscus aculeatus, Astragalus monspessulanus und Colutea arborescens;
für die Thalebene Fumaria capreolata, Reseda phyteuma;
Trifolium elegans, T. striatum u. T. scabrum;
Vicia lutea, Lathyrus sphæricus, Eruca sativa, Micropus erectus, Carduus tenuiflorus und C. pycnocephalus, Kentrophyllum lanatum, Centaurea calcitrapa, Picris echioides, Lactuca jvirosa und L. saligna, Crepis nicæensis, Anarrhinum bellidi folium, Anchusa italica, Lappula myosotis, Solanum miniatum, Scrophularia aquatica, Erythronium Jens canis, Narcissus biflorus, Gastridium australe Aira aggregata, Gladiolus segetum, Plantago ramosa und P. cynops, Amaranthus silvestris und A. deflexus;
Festuca tenuiflora, F. ciliata und F. sciuroides;
Bromus squarrosus, Lolium multiflorum, Ornithogalum pyrenaicum, Carex nitida, Rosa systyla und Calepina Corvini. Es sind dies meist Arten des grossen Rhonethales, von denen einige auch weiter oben, im Walliser Thalbecken, sich finden.
Weitere Arten gehören der deutschen und mittelfranzösischen Flora an und sind für die Schweiz Seltenheiten, so z. B. Agrimonia odorata, Dipsacus laciniatus, Vicia lathyroides, Silene otites, Veronica acinifolia, Gagea stenopetala, Allium scorodoprasum, Leonurus marrubiastrum, Pulmonaria angostifolia, Leontodon taraxacoides, Centaurea nigra, Asperula galioides, Rosa gallica, Potentilla alba, Lamiuni incisum. Von der sehr reichen Sumpf- und Uferflora nennt Christ Viola persicifolia, V. persicifolia var. staqnina, V. persicifolia var. elatior und V. pratensis; Lathyrus palustris, Isnardia palustris, Peplis portula, Ceratophyllum submersum, Apium nodiflorum, Oenanthe fistulosa und O. Lachenalii, Gladiolus palustris, Cirsium bulbosum, Inula Vaillantii, Blackstonia serotina, Mentha pulegium, Samolus Valerandi, Cladium mariscus und Naias minor.
Landwirtschaft, Weinbau, Wald.
Der Boden des Kantons Genf ist von Natur aus wenig ergibig, gibt aber dank einer rationellen Bewirtschaftung doch normalen Ertrag. Wesentlich haben zur Bodenverbesserung die Entwässerungsarbeiten beigetragen, und im Kanton Genf ist 1847 zum erstenmal in Europa die Drainage vermittels zylindrischer Röhren angewendet worden. Ferner haben auch Bewässerungsanlagen bei diesen Bodenverbesserungen eine bedeutende Rolle mitgespielt. Dem Weinstock sagen am besten die Molasse und die darüber liegenden Lehme, dem Weizen dagegen der Glaziallehm zu. Natürliche Wiesen finden sich wenige, und auch Baumgärten und Wald sind nicht stark vertreten; dagegen nehmen Weizen-, Hafer- und Kartoffelfelder, Kunstwiesen (Klee, Esparsette, Luzerne) und Weinberge einen verhältnismässig grossen Platz ein.
|ha||%|
|Wald||2144.79||9|
|Weiden und Gebüsch||511.81||2|
|Sümpfe||130.03||1|
|Kunstwiesen||6465.87||29|
|Aecker||10325.77||46|
|Weinberge||1928.13||8|
|Garten- und Gemüseland||422.30||2|
|Baumgärten||590.29||3|
|Total||22518.99||100|
Im Vergleich zu seiner Fläche besitzt der Kanton Genf von allen Kantonen die meisten Reben, die 1901 eine ¶