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Getränkedose
Getränkedosen sind neben Flaschen die wichtigste Handelsverpackung für Getränke und dienen in der Regel zugleich als Trinkgefäß. Sie werden vor allem für kohlensäurehaltige Getränke wie Dosenbier und Softdrinks verwendet und mittels Aufreißlasche geöffnet. In Deutschland wurden 2011 erstmals seit der Pfandeinführung wieder über eine Milliarde Dosen verkauft.
Allgemein
Moderne Getränkedosen bestehen aus einem einteiligen, zylindrischen Behälter aus Aluminium oder Weißblech und einem aufgefalzten Deckel aus Aluminium mit einer ovalen Ritzlinie und einer angenieteten Metalllasche, die beim Anheben das angeritzte Oval durch Hebelwirkung ins Doseninnere drückt und so eine Ausgieß- bzw. Trinköffnung erzeugt (Stay-On-Tab). Die in Europa meistverbreiteten Dosengrößen sind 0,33 und 0,5 Liter; seltener ist auch ein Liter.
Daneben gibt es für Bier Fünf-Liter-Dosen mit Zapfhahn, die als Partyfässer vermarktet werden. Partyfässer gibt es auch mit integriertem Carbonator mit Kohlensäurevorrat, so dass sich das Bier nach Anzapfen noch mehrere Wochen frisch hält. Die Kohlensäure dient auch als Treibmittel für die integrierte Zapfanlage.
Andere weltweit verbreitete Größen sind 0,15 Liter (z. B. in einigen Linienflugzeugen), 0,25 Liter, 0,355 Liter (entspricht zwölf Unzen; reguläre Größe z. B. in den USA), 0,44 Liter (u. a. Bier in Großbritannien und Irland) und 0,47 Liter (z. B. Guinness). Es gibt noch weitere Größen, die jedoch nur selten Verwendung finden. Neben den o. g. Materialien werden auch Polyethylenterephthalat (PET) und beschichtete Pappe zur Getränkedosenherstellung verwendet.
Getränkedosen halten einem Innendruck von bis zu sechs bar stand und verfügen durch den nach innen gewölbten Boden über eine Sicherheitsreserve; bevor die Dose platzt, wölbt sich der Boden nach außen und vergrößert so das Volumen, wodurch der Druck vermindert wird.
Geschichte
Die Idee, Getränke in Konservendosen anzubieten, stammt aus der Prohibitionszeit in den USA. Nach ihrem Ende 1933 bot als erstes die Gottfried Krueger Brewing Company Dosenbier an. Verwendet wurden übliche Konservendosen, denen ein Öffner beilag, mit dem sich eine dreieckige Öffnung in den Deckel stoßen ließ. Nach einer Testphase wurden Krueger-Dosenbiere auch überregional angeboten und bis 1935 konnte die Brauerei ihren Umsatz um über 500 Prozent steigern. Im gleichen Jahr entwickelte die damals größte US-amerikanische Brauerei Schlitz eine flaschenähnliche Getränkedose mit konischem Deckel und einer durch einen Kronkorken verschlossenen Öffnung, die sogenannte Cone Top Can.
In dieser Form wurde die Getränkedose 1937 von Schmalbach-Lubeca (heute Ball Packaging Europe) in Deutschland angeboten, fand aber zunächst wenig Verbreitung, da schon bald Metalle bevorzugt der Rüstungsindustrie zugeführt wurden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahm Schmalbach-Lubeca 1951 die Produktion in Deutschland wieder auf, diesmal mit einfacheren Dosen aus drei Teilen (Boden, Korpus und Deckel), die auf den Kronkorken verzichteten. Sie wurden zunächst aus Schwarzblech hergestellt. Die ersten (Test-)Dosen mit Softdrinks wurden 1936 in den USA produziert und enthielten Coca-Cola. In Deutschland wurde Coca-Cola erstmals 1963 in Dosen abgefüllt, 1965 folgten auch Fanta Orange (Limonade mit Orangensaft) und Fanta Zitrone (Limonade mit Zitrusauszügen).
Die ersten Getränkedosen aus Aluminium kamen 1958 in den Handel. Bei ihnen bestanden Korpus und Boden aus einem Stück, wodurch sich zusätzlich das Auffalzen eines separaten Bodens erübrigte. Sie waren zunächst fließgepresst, ab 1966 kamen tiefgezogene Aluminiumdosen auf den Markt.
Im Laufe der Weiterentwicklung der Getränkedose wurde ihr Gewicht durch Material- und Fertigungsoptimierungen stetig reduziert. Wog eine Getränkedose mit 0,33 Liter Inhalt in den 1930er Jahren etwa 100 Gramm und in den 1950er Jahren noch über 80 Gramm, so weist eine moderne Aluminium-Dose mit nun 0,5 Liter Inhalt nur noch ein Gewicht von etwa 16 Gramm auf, was rund der Hälfte des Gewichts ihres Weißblechpendants entspricht. Ein einziges Gramm weniger Gewicht der Dose spart bei einem gesamten europäischen Marktvolumen von rund 54 Milliarden Stück ca. 54.000 Tonnen Metall pro Jahr. Technisch möglich soll die Herstellung von Getränkedosen mit einer Wandstärke von lediglich 0,097 Millimetern sein. Der weltweit größte Hersteller von Getränkedosen ist die Firma Rexam.
Seit 1962 gab es Getränkedosen auch mit Trinköffnungen, die ohne Werkzeuge zu öffnen waren – ein Metallstreifen, Lift-Tab genannt, ließ sich direkt mit der Hand von der Trinköffnung abreißen. Er wurde vom von Ermal Fraze erfundenen Ring-Pull-System (das er 1963 hatte patentieren lassen) abgelöst, bei dem ein durch eine Ritzlinie markierter, ovaler Bereich des Deckels mit einer angenieteten, metallenen Lasche, später in Form eines Rings, herausgerissen werden konnte. Heutige Getränkedosen haben in der Regel den 1974 von Dan Cudzik erfundenen Stay-On-Tab, bei dem dieser Bereich nicht herausgerissen, sondern ins Innere der Dose gedrückt wird. Erstmals eingesetzt wurde der Stay-On-Tab von der Falls City Brewing Company aus Louisville, Kentucky. In Österreich fand er vor allem ab den 1990er Jahren große Verbreitung. Darüber hinaus gab es Mitte der 1990er Jahre Getränkedosen mit einem weiteren Trinköffnungssystem: Zwei kleine Metall-„Knöpfe“ mussten in die Dose gedrückt werden. Zuerst der kleinere, welcher als Lufteinlass diente, danach der größere als Trinköffnung.
Mit thermochromen (temperaturabhängigen) Druckfarben erhalten Dosendekore Infotainment-Charakter. Je nach Temperatur ändert sich das Dekor. Diese temperaturabhängige Wechselwirkung wird durch die Beimischung spezieller Farbpigmente in den Druckfarben erzielt. 2010 brachte die Molson Coors Brewing Company (MCBC) in Großbritannien das erste, in thermochromen Getränkedosen der Ball Packaging Europe abgefüllte Produkt auf den Markt. 2011 werden neben individuell bedruckbaren Getränkedosen die ersten Dosen mit fluoreszierenden Farbauftrag erhältlich sein. Wenn eine solche Getränkedose mit Schwarz- bzw. UV-Licht angestrahlt wird, leuchtet die Farbe im Dunkeln.
Herstellungsprozess
Die Herstellung beginnt mit dem Benetzen eines Weißblech- oder Aluminiumbandes mit einem Abstreckmittel (Schmiermittel) und dem Ausschneiden passender Scheiben, aus denen der Korpus gezogen wird.
Zuerst entsteht ein flacher Napf, der in der Abstreckmaschine über einem Stößel durch mehrere, zunehmend engere Abziehringe geschoben wird – dabei verformt sich der Napf zu einer immer längeren und dünnwandigeren Dose. Am Ende der Abstreckmaschine wird durch einen Stempel der Boden geformt. Anschließend wird der Rohling beschnitten und gewaschen, um das Abstreckmittel zu entfernen. Danach wird die Dose zuerst von außen lackiert und schließlich in einem Arbeitsgang über ein Gummituch bedruckt. Das Gummituch enthält bereits das gesamte Motiv in sämtlichen Farben, diese wurden in vorhergehenden Arbeitsgängen im Hochdruckverfahren auf das Tuch übertragen. Nach dem Trocknen erfolgt die Innenlackierung mit einer Spritzpistole und nochmaliges Trocknen. Die Innenlackierung dient als Korrosionsschutz und somit zur Vermeidung von Geschmacksveränderungen des Inhalts.
Für die Aufnahme des im Durchmesser kleineren Deckels wird der Dosenrand in mehreren Arbeitsschritten mittels Formwerkzeugen eingezogen, so dass sich die Dose im oberen Bereich etwas verjüngt. Um eine sichere Verbindung mit dem Deckel zu gewährleisten, muss der Dosenrand noch gebördelt, also nach außen gebogen werden.
Nach einer separaten Lackierung des Bodens und eventuell einer zweiten Innenlackierung sind die Getränkedosen fertig für den Abfüllbetrieb, wo den gefüllten Dosen der Deckel aufgefalzt wird. Dabei wird der gebördelte Rand der Dose einmal, der des Deckel zweimal umgelegt, so dass die Verbindung aus fünf sich formschlüssig umfassenden Metallschichten besteht.
Die Herstellung einer Dose kostet im Mittel acht Cent.
Maße und Abpackungen
Früher gab es Standardgrößen für Produkte des täglichen Bedarfs. Mit der Zeit wurden die Packungsgrössen für immer mehr Produkte dereguliert. Mit Umsetzung des EU-Beschlusses zur kompletten Freigabe der Packungsgrössen gibt es in Deutschland und Österreich seit 11. April 2009 nur mehr für Wein, Schaumwein und Spirituosen Beschränkungen. So gibt es dort die Hauptmaße 330 und 500 ml, die althergebrachten Standardmaße mit 150, 200 und 250 ml für bestimmte Produktgruppen (Kaffeespezialitäten, Proseco, Energy-Drinks) und Anwendungen (beispielsweise Flugzeug) und die neueren, kreativeren und eventuell logistikunterstützenden Maße.
Die verbreiteten 330- und 500-ml-Getränkedosen haben einen Durchmesser von 67 mm. Die Höhe der 330-ml-Variante beträgt 115 mm, die der 500-ml-Variante 168 mm.[20] Die wiederverschließbaren 485-ml-Getränkedosen haben die gleichen Außenmaße wie die 500-ml-Getränkedosen.
Vor allem für Energy-Drinks setzte Red Bull seit 1984 mit 250 ml einen Standard. Auch für speziellere Getränke wie Mangosaft wird diese Größe verwendet. Sie sind schmaler und höher, haben einen Durchmesser von 57 mm und eine Höhe von 135 mm. Red Bull gibt es in denselben Proportionen seit 2007 auch in 355 ml und seit 2009 in 473 ml (63 mm x 180 mm).
Getränkedosen sind im Handel meist als Einzelgebinde erhältlich und werden im offenen oder folierten Papp-Tray zu Einheiten von je 24 oder seltener 18 Stück ausgeliefert. Oftmals sind sie auch in Multipacks mit verschiedenen Stückabpackungen erhältlich. Das bekannteste und am meisten verbreitete ist das sog. Sixpack bzw. der Sechserträger, in dem die Dosen zweireihig zu je drei Dosen angeordnet sind. Es gab und gibt aber auch Dreier- (1×3 Dosen), Vierer- (2×2), Achter- (2×4) und Zwölfer-Packs (3×4). Bestanden die Multipacks früher noch aus Pappe, so wird heute aus Kostengründen zunehmend Folie verwendet. Multipacks werden oft mit einem Preisvorteil gegenüber dem Einzelkauf angeboten um so einen höheren Abverkauf zu fördern. Teilweise werden auch Sechser-Packs um zwei weitere Dosen erweitert und als 6+2 Gratis-Achter-Packs angeboten. Hierbei bezahlt der Kunde den Preis von sechs Dosen und den Einwegpfand von acht Dosen.
Quelle: Wikipedia