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Restaurant Schützengarten – Buurecasino
An das ehemalige Restaurant Schützengarten an der Bielstrasse erinnert heute nur noch eine hohe Mauer mit einem Eisenring zum Anbinden der Pferde sowie der nach dem Restaurant benannte Schützenweg. Seit 1896 existierte das Gasthaus Schützengarten, erster Wirt war Anton Walther-Düblin. Da das Restaurant damals noch weit ausserhalb des Dorfes lag, machte er 1901 Rekurs wegen zu hoher Taxierung, denn an Werktagen hatte der Wirt fast keine Einnahmen.
Am 15. Juli 1898 erteilte der Kanton Basel-Landschaft der Feldschützengesellschaft Oberwil die Baubewilligung für einen Scheibenstand. 1911 erfolgte die Bewilligung der Baudirektion für den Bau einer 50 Meter Schiessanlage an den „Flobertklub“. Der Scheibenstand befand sich hangaufwärts. Nach der Einrichtung des Schiessstandes lief die Wirtschaft besser. Ein weiterer Scheibenstand wurde auf dem Bernhardsberg eingerichtet. Die Schützen lagen vor dem Schopf auf dem Boden und nahmen die Zielscheiben über die Bielstrasse hinweg ins Visier.
1919 übernahm Emil Kohler mit seiner Frau Maria und seinen zwei ledigen Schwestern Rosi und Emmeli den Schützengarten. Das Gasthaus war einfach eingerichtet, im ersten Stock wohnte die Wirtsfamilie, die Mansarden waren ursprünglich als einfache Gästezimmer gedacht. Das Restaurant mit der schönen Gartenwirtschaft im Schatten der mächtigen Linden und Kastanienbäume trug den Namen „Buurecasino“: Nicht nur Oberwiler Bauern, Dorforiginale und Knechte, sondern auch Elsässer und Allschwiler kehrten ein und so mancher hat hier sein Erspartes „versoffen“, wie alte Oberwiler zu berichten wissen. An den Sonntagnachmittagen wurde gejasst, gefeiert und die Kongoboys (René Stöcklin, Albert, Paul, Ernst und Emil Kohler) musizierten.
Das Restaurant stand am Hang des Vorderbergs leicht erhöht über der Bielstrasse. An einer hohen Stützmauer befanden sich 6 Ringe an denen die Bauern, Fuhrleute aber auch der Milchmann Josef Wehrlin ihre Pferde anbanden, um im Wirtshaus ihren Durst zu stillen. Da das Restaurant ausserhalb des Dorfes lag, konnten die Gäste auch über die Polizeistunde hinaus weiter trinken. Ausser der Dorfpolizist kam vorbei, da wurden schnell alle Lichter ausgeschaltet und kein Ton mehr war zu hören, bis er auf seinem Fahrrad weiter radelte und das fröhliche Treiben weiter ging.
Nach dem Tod von Emil Kohler 1956 wurde der Schützengarten an eine Interessensgemeinschaft verkauft, welche auf dem Areal ein künstliches Thermalbad plante. Der Gemeinderat lehnte das Gesuch ab und die neuen Besitzer Rosmarie und Paul Kohler-Kuhn führten die Wirtschaft weiter. 1969 musste das Gasthaus geschlossen werden, weil es nicht mehr den Vorschriften genügte. Das Wirtshaus stand ein paar Jahre leer und war Tummelplatz für Eindringlinge und Vandalen. 1972 ging der Schützengarten in Flammen auf, 1974 wurde die Wirtschaft abgerissen und die Parzelle mit Einfamilienhäusern überbaut.
Männer und Frauen in Sonntagstracht vor dem Schützengarten im Jahre 1909 (AG Ob)
Ein verwahrloster Schützengarten kurz vor dem Abriss (AG Ob)
Die Stützmauer und der „Schützenweg“ erinnern an das Gasthaus zum Schützengarten, 2012 (Ry)
Ein letzter stummer Zeuge einer bewegten Zeit: einer von sechs Ringen hat die Sanierung der Bielstrasse überlebt. Hier haben die Bauern und Fuhrleute ihre Pferde angebunden, 2012 (Ry)