Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03225.jsonl.gz/2830

Doch bald erkannte man, dass es sich lediglich um die Treppe zu einem alten Gefängnis handelte, von dem man schon vorher gewusst hatte. Die Berner hatten es während des Bauernkrieges [1653] gegraben und darin die Anführer des Bauernaufstandes aus dem Oberaargau gefangen gehalten. Später wurden die meisten Räume zugeschüttet, einige wenige noch als Notkeller verwendet. So endete denn auch die übriggebliebene Treppe an der Kellerwand des Pfarrhofes. Nun gab man die Suche nach dem goldenen Kalb auf.
Aber wer sollte die Kosten bezahlen, die Grablöcher zuschütten und den Chorboden neu belegen? Einige im Dorf wollten die Berner dafür verantwortlich machen, deren Reiter vor vielen Jahren in der Gemeinde geplündert, gemordet und Gefängnisse gegraben hatten. Andere meinten, die unterirdischen Gänge stammten von den Heidenpriestern, die hier gewohnt hatten. Jedenfalls mussten die Ortspfarrer von den Gängen und Höhlen gewusst haben. Darum beschloss die Gemeindeversammlung kurzerhand, der damalige Pfarrer Rufli müsse die Grabungsstelle auf eigene Kosten zuschütten und vermauern lassen. Um des Friedens willen fügte sich schliesslich der gute Mann.
Aus: Josef Geissmann / Andrea John / Heinz Erismann, Menschen – Geister – Fabeltiere: Aargauer sagen, Anekdoten und historische Texte, Aarau 1991, S. 173f.