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Seit Anfang des 4. Jahrh. ergehen an mehreren Orten der Kirche schon Gesetze in dieser Richtung, und der auf dem ökumenischen
Konzil zu Nicäa (325) von einer asketischen Partei gemachte Versuch, den verheirateten Klerikern bis zum Subdiakon die eheliche
Beiwohnung nach erlangter Weihe zu verbieten, scheiterte nur an der Beredsamkeit des Paphnutius, der, obwohl
selbst strenger Asket, die Heiligkeit des ehelichen Lebens mit solchem Erfolg verteidigte, daß nur den unverheiratet in den
Klerus eintretenden Geistlichen der drei obern Grade nach Erlangung derselben die Eingehung der Ehe untersagt wurde. Hierzu stimmt
es, wenn noch
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die Synode von Gangra 355 einen jeden für anathematisiert erklärte, der an dem Gottesdienst eines verehelichten Priesters
teilzunehmen sich weigere. Nichtsdestoweniger wirkte das Vorbild des Mönchsstandes, hinter welchem die Priesterschaft nicht
allzuweit zurückbleiben durfte, entscheidend zu gunsten des Cölibats, und es wurde namentlich in der orientalischen Kirche
bald vorwaltende Observanz, daß wenigstens die Bischöfe, wenn sie verheiratet waren, aus dem ehelichen
Verhältnis heraustraten.
Calixtus II. (1119 und 1123) und Innocenz II. (1139) erklärten sämtliche Priesterehen überhaupt für ungültig. Das spätere
kanonische Recht hat diese Bestimmungen zu wiederholten Malen bestätigt, und der von einem Kardinal auf
dem Konstanzer Konzil gemachte Vorschlag der Wiedereinführung der Priesterehe sowie die selbst von katholischen Fürsten ausgehenden
Bemühungen, das Konzil zu Trient
[* 7] zur Aufhebung des Cölibats zu bewegen, hatten nur die Bestätigung der ältern Bestimmungen
zur Folge.
Die jetzt bestehende Disziplin hinsichtlich des Cölibats in der römisch-katholischen Kirche ist mithin im wesentlichen folgende:
Eine verheiratete Person kann nicht ordiniert werden, denn die Ehe ist unauflöslich und doch mit einem höhern geistlichen
Grad unvereinbar. Eine Ausnahme tritt nur dann
ein, wenn sich die Frau bereit erklärt, ins Kloster zu gehen.
Schließt ein höherer Kleriker dennoch eine Ehe, so ist dieselbe gesetzlich nichtig. Den Geistlichen trifft zugleich die Exkommunikation
und Suspension.
In der griechischen Kirche gelten noch die alten Gesetze. Die Geistlichen der höhern Grade dürfen nach erhaltener Weihe nicht
heiraten. Da aber bereits Verheiratete ordiniert werden können, so ist es Observanz geworden, daß jeder angehende Geistliche
kurz vor dem Empfang der Weihe zur Ehe schreitet. Die zweite Ehe und die mit einer Witwe schließen vom geistlichen
Amt aus. Die Bischöfe müssen stets ehelos gewesen sein und werden daher regelmäßig aus dem Mönchsstand gewählt.
Die evangelische Kirche hat nach ihrem Grundprinzip der Freiheit sogleich von Anfang an ihre Geistlichen von der Verpflichtung
zum Cölibat befreit. Schon ehe Luther in der Schrift »Ermahnung an kaiserliche Majestät und den christlichen
Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Verbesserung« 1520 sich ausführlich über die Zulässigkeit der Priesterehe
ausgesprochen hatte, setzten sich einige seiner Anhänger unter den Geistlichen über das Cölibatsgesetz hinweg, und Luther
selbst machte 1525 von der evangelischen FreiheitGebrauch.