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#Fall – Nägelbeissen
Anamnese und Ziel
Kunde, 22-jährig, beisst seine Nägel und zerrt die Häutchen blutig.
Die Belastung des Nägelbeissens wurde immer grösser, so dass der Kunde entschied, das Thema mittels Hypnose aufzuarbeiten. Sein Ziel: „Ich akzeptiere mich, so wie ich bin, mit allen Hochs und Tiefs und habe gesunde, schöne Fingernägel.“
Der Kunde wuchs mit einer jüngeren Schwester und einem älteren Bruder auf. Seine Kindheit beschrieb er als unkompliziert und bunt. In der Schule war er gut unterwegs und hatte viele Freunde. Er ist sportlich sehr ambitioniert und leitet selber Jugendriegen. Mit den Eltern versteht er sich gut. Soweit so gut…
Nach der ausführlichen Anamnese und Festlegung der Ziele, erfuhr ich weiter, dass der Kunde ein Perfektionist ist und sein Energielevel momentan nicht zum Besten bestellt sei. Der stressige Job, die aktuelle Weiterbildung und der Sport fresse seine ganze Zeit. Weiter beschrieb der Kunde sein Nägelbeissen wie folgt: Es sei „grusig“ und unhygienisch, nicht schön, dreckig, es mache ihn nervös und er fühle sich schlecht, wenn er ans Nägelbeissen denke.
Behandlung
Die Hypnose wurde eingeleitet und die Gefühle von “nervös sein, sich unhygienisch fühlen, etc.” verstärkt. In Hypnose führte ich der Kunde zurück zur Ursache, zu den Ereignissen, welche im Zusammenhang mit den heute bekannten Gefühlen stehen. Wir landeten beim ersten ausschlaggebenden Ereignis. Es fand während des Übertrittsgesprächs vom Kindergarten in die Schule mit seinen Eltern statt. Da fühlte sich der Kunde erstmals „nervös und unhygienisch“. Die Kindergartenlehrerin sagte nämlich anlässlich des Gesprächs unter anderem: „Ihr Sohn helfe immer allen und stelle sich so über sie. Er sei besserwisserisch!“ Ich fragte nach, was das denn zu bedeuten hätte, warum er sich dreckig, unhygienisch fühle? Der damals 6-jährige Junge antwortete: „Die Worte der Kindergärtnerin gehen ungefiltert in meinen Körper (in mein System…), das fühlt sich nicht gut an, grusig, unhygienisch. Die Worte müssen weg resp. ich muss gereinigt werden.“ „Aha“, dachte ich.
Weitere Ereignisse folgten in der Primarschulzeit. Während dieser Zeit wurden einige Jungs immer wieder dafür angeschuldigt, ungehorsam zu sein, viele Streiche und Blödsinn zu machen. Mein Kunde verarbeitete einige Situationen nur schlecht bis gar nicht, da er nicht immer wirklich mitschuldig war. Mit ungefähr 12 Jahren erzielte er aus Sicht der Eltern noch schlechte Noten und mit 18 Jahren fiel er durch die Autoprüfung.
Nach der Desensibilisierung aller Ereignisse stärkte sich sein System dahingehend, dass die Überreaktionen von sich dreckig, unhygienisch fühlen im Unterbewusstsein abnehmen konnten und sich mein Kunde wieder voll und ganz akzeptiert fühlte. Seine Worte nach der Sitzung: „Ich fühle mich erlöst, stark und frei.“
Und in der Zwischenzeit verfügt er über gesunde, schöne Fingernägel. Wie wunderbar!