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Mi, 30. September 2020, Ralf Hersel
Wer noch eine alte Zuse Z4 im Keller stehen hat, kann sich jetzt freuen. In alten Unterlagen eines ehemaligen Mitarbeiters des Instituts für Flugzeugstatistik und Flugzeugkonstruktion an der ETH in Zürich, fand die Tochter von René Boesch das 16-seitige Handbuch aus dem Jahr 1952. Das Dokument gilt als eines der ältesten technischen Dokumentationen über Computer.
Zuse Z4
Evelyn Boesch aus dem Universitätsarchiv der ETH Zürich teilte Anfang März 2020 mit, dass ihr Vater René Boesch (geb. 1929), der seit 1956 unter Manfred Rauscher am Institut für Flugzeugstatik und Flugzeugbau der ETH Zürich tätig war, seltene historische Dokumente aufbewahrt habe. Nachforschungen ergaben, dass die Dokumente ein Benutzerhandbuch für die Z4 und Hinweise zu Flatterberechnungen enthielten. Gemäss dem Historischen Lexikon der Schweiz war Rauscher, der von 1950 bis 1974 Professor für Flugzeugstatik und Flugzeugbau an der ETH Zürich war, als Berater für das Kampfflugzeug P-16 tätig. Das Institut wurde später in Institut für Leichtbaustrukturen und Seilbahntechnik umbenannt und im Jahr 2000 geschlossen. Es ist daher kein Zufall, dass das Handbuch von den Flugzeugherstellern aufbewahrt wurde.
Es kamen auch handschriftliche Dokumente vom 27. Oktober 1953 ans Licht, die arithmetische Probleme betreffen, die mit der Z4 gelöst wurden. Die Überschriften "Tabelle der Luftwaffen-Koeffizienten" und "Tragflächen mit Querrudern" weisen darauf hin, dass es sich um Flatterberechnungen handelt. Alleine diese Berechnung soll sich auf 800 Stunden Rechenzeit belaufen haben. Ausserdem wurden Raketenflugbahnen, Flügelformen und Sturzflüge für verschiedene Schweizer Unternehmen errechnet. Für eine Addition hat der Zuse Z4 400 Millisekunden benötigt, für eine Multiplikation drei Sekunden. Bei der P-16 war für 2,4 Sekunden Flugzeit eine Rechenzeit von 50 Stunden erforderlich. Diese Arbeiten waren damals streng geheim. Nachdem das Z4 an die Zuse KG zurückgegeben worden war, wurden die Berechnungen mit dem an der ETH entwickelten Ermeth-Vakuumröhrenrechner fortgesetzt.