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UNO Sonderberichterstatter für Umwelt und Menschenrechte verlangt Unterbruch der Bergbauoperationen von Cerrejón
Von Stephan Suhner
Cerrejón muss einen Teil des Betriebes suspendieren, weil der Kohleabbau der Umwelt und der Gesundheit der Wayúu schweren Schaden zufügt und sie während der COVID19 Pandemie noch verletzlicher macht, wie der UNO Sonderberichterstatter für Umwelt und Menschenrechte am 25. September in Genf sagte.
“Ich rufe Kolumbien dazu auf, dass sie die Weisungen des Verfassungsgerichts umsetzen, um die verletzliche indigene Wayúu-Gemeinschaft des Schutzgebietes Provincial vor der Umweltverschmutzung der Mine El Cerrejón und vor COVID19 zu schützen“, sagte David Boyd, der Sonderberichterstatter. „Zumindest während der Pandemie sollte der Betrieb der Abbaufront Tajo Patilla in der Nähe des indigenen Schutzgebietes Provincial unterbrochen werden, bis bewiesen ist, dass der Abbau sicher erfolgen kann“.
Boyd hielt fest, dass verschmutzte Luft einatmen und keinen Zugang zu ausreichend sauberem Wasser zu haben das Risiko für die Personen erhöht, zu erkranken. Dies sei während der Corona-Pandemie eine tödliche Bedrohung. „Die Aussagen der Wissenschaft sind klar: Personen die in Gebieten leben wo die Luftverschmutzung die höchsten Niveaus erreicht – wie beispielsweise im Umfeld der Kohlemine El Cerrejón – weisen ein wesentlich höheres Risiko auf, wegen COVID19 verfrüht zu sterben“, hielt Boyd unmissverständlich fest.
Das Verfassungsgericht forderte im Dezember 2019 die kolumbianischen Behörden sowie die Besitzer der Kohlemine El Cerrejón auf, die Luftqualität zu verbessern und die schädlichen Auswirkungen der Mine auf die Anwohner zu reduzieren. Trotzdem würden bis jetzt nur ungenügende Massnahmen ergriffen. Das Verfassungsgericht kam zum Schluss, dass die Mine die Gesundheit der Bewohner von Provincial durch die Verschmutzung der Luft, der Vegetation und des Wassers sowie durch den Lärm und die Sprengungen beeinträchtigt. Deshalb gelangten im Juni 2020 mehrere Frauen und Mütter der Wayuu-Gemeinschaft Provincial mit Hilfe des Anwaltkollektivs CAJAR und der britischen Anwältin Mónica Feria-Tinta an verschiedene UNO-Instanzen, um auf ihre schwierige Situation und das Risiko für die Gesundheit aufmerksam zu machen, dem sie durch COVID19 aufgrund der Luftverschmutzung und der Verletzung des Rechts auf Wasser ausgesetzt sind. Sie baten die UNO darum, Cerrejón zu einer vorübergehenden Aufhebung des Kohleabbaus aufzurufen.
Die Anwohner der Mine leiden an Kopfweh, Atemwegserkrankungen, Reizhusten, brennenden Augen und Beeinträchtigung des Sehvermögens wegen des rund um die Uhr stattfindenden Kohleabbaus. Der Abbau und Transport der Kohle verursacht unter anderem lungengängigen Feinstaub PM2.5, der Asthma, Atemwegs- und Herzerkrankungen, Krebs, Hautkrankheiten und Fehlgeburten verursachen kann. PM2.5 wird erst seit 2018 gemessen, 35 Jahre nach dem Beginn des Kohleabbaus. Cerrejón hat auch das Wasser der Region verschmutzt und Fliessgewässer umgeleitet und teilweise ausgetrocknet. Obwohl Cerrejón den Gemeinschaften Trinkwasser liefert, hält Boyd fest, dass die Verschmutzung des Wassers die Wayúu ihrer primären Trinkwasserversorgung beraubte und sie nun von Wasserlieferungen abhängig seien, was ihr Risiko gegenüber COVID19 erhöhe.
„Es ist absolut dringlich, dass Kolumbien die Rechte der indigenen Völker auf Leben, Gesundheit, Wasser, Hygiene und eine saubere Umwelt schützt und deshalb den Kohleabbau in der Nähe des indigenen Schutzgebietes Provincial stoppt, bis dieser sicher stattfinden kann. Zudem ermahne ich das Unternehmen, seine Anstrengungen zu erhöhen, um zu verhindern, dass die Personen geschädigt werden und um zu garantieren, dass diejenigen die schon geschädigt wurden, Zugang zu rascher Entschädigung bekommen“, schloss Boyd.
Dieser Aufruf wurde ebenfalls von Michael Fakrih, Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, von Tlaleng Mofokeng, Sonderberichterstatterin für das Recht auf Gesundheit, sowie Anita Ramasastry (Präsidentin), Dante Pesce (Vizepräsident), Surya Deva, Elżbieta Karska und Githu Muigai von der Arbeitsgruppe über Menschenrechte und transnationale Unternehmen, Olivier De Schutter, Sonderberichterstatter zu extremer Armut und Menschenrechte, Marcos A. Orellana, Sonderberichterstatter für den Umgang und die Beseitigung von giftige Substanzen, und Francisco Cali Tzay, Sonderberichterstatter für die Rechte indigener Völker mitgetragen.
Cerrejón reagierte mit einem Communiqué vom 28. September auf die Aufforderung der UNO Sonderberichterstatter. Cerrejón habe mit Sorge die Verlautbarungen zur Kenntnis genommen, sei aber an einem konstruktiven Dialog mit den Sonderberichterstattern interessiert. Cerrejón habe auch einen Brief von Sonderberichterstatter Boyd erhalten, mit einer Frist bis 7. November 2020 um zu antworten; Cerrejón werde dem selbstverständlich nachkommen. Cerrejón verpflichte sich dazu, den Minenbetrieb mit Respekt für die Umwelt und die Menschenrechte der Arbeiter und der umliegenden Gemeinschaften durchzuführen. Die Prozesse der Sorgfaltspflicht würden fortwährend verbessert, um jegliche schädliche Auswirkung zu identifizieren, zu verhindern oder zu mindern. Cerrejón respektiere Gerichtsurteile und setze sie um, so auch das Urteil T-614, das Cerrejón verpflichte, Massnahmen zur Verbesserung der Luft- und Wasserqualität zu ergreifen. Trotz der schwierigen Umstände wegen COVID19 und dem Streik von Sintracarbón habe Cerrejón bei der Umsetzung dieses Urteils Fortschritte gemacht. Zudem unterhalte Cerrejón einen dauernden, konstruktiven und respektvollen Dialog mit der Gemeinschaft von Provincial über die Erfüllung der Auflagen des Urteils und früherer Abkommen. Weiter erwähnt Cerrejón verschiedene Massnahmen wie Benetzung der ungeteerten Strassen und das Verteilen von Trinkwasser, Lebensmittelkörben und medizinisches Material während der Corona-Pandemie.
Quellen: