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Niklas Luhmann/Peter Fuchs:

Niklas Luhmann/Peter Fuchs: Reden und Schweigen Suhrkamp 848
Geht man davon aus, dass soziale Systeme autopoietisch verfasst sind und dass ihre Elemente Kommunikationen sind, die Kommunikationen mit Hilfe von Kommunikationen erzeugen, dann heisst das: Jede Kommunikation ist rekursiv vernetzt in und mit anderen (früheren oder späteren) Kommunikationen und wird durch dieses Netzwerk produziert. Das schliesst nicht aus, dass man Episoden bildet, bei deren Ende bestimmte Kommunikationen, bestimmte Interaktionen beendet sind. Interaktionen sind hoch zeitabhängig und können kaum, indem sie laufen, auch noch zeitlich parallel agierende Subsysteme ausprägen. Gerade das macht, nebenbei bemerkt, die Differenz von Gesellschaft und Interaktion als Kombination von Diachronie und Synchronie funktionsfähig.59 Episodenbildung und Episodenwechsel sind möglich, weil sie die gesellschaftliche Kommunikation nicht beenden, sondern nur mit Zäsuren versehen. Keine Kommunikation ist die letzte Kommunikation, und wenn eine Kommunikation die letzte wäre, dann wäre auch die Kommunikation sinnlos die zur letzten Kommunikation geführt hat.
Bei dem Phänomen der Zen
Die selbstreferentielle Reproduktionsweise autopoietischer Systeme fordert zwingend, daß Elemente, die sich aus >Reprodukten< reproduzieren, ihrerseits ihre Verwendbarkeit im Netzwerk der Reproduktionen garantieren: Sie müssen anschlußfähig sein. Das heißt zunächst, daß sie selbstreferentiell agieren können, daß sie selbstreferentiell gebaut sein müssen. Basale Selbstreferenz bezeichnet die diesem Erfordernis Tribut zollende Kombination von Identität und Differenz. Das ereignishafte Element Kommunikation hat Bedeutung für sich durch Bezug auf das, was es nicht ist, es hat seine Einheit in gebrochenem (enttautologisiertem) Selbstbezug, und das bedeutet: in seiner Anschlußfähigkeit61. An dieser dynamisierten Form der Einheitsbildung setzt die Technik der Zen
Sie versucht, wenn man so sagen darf, Retautologisierung. Sie kappt Anschlußmöglichkeiten durch Präsentation von Informationen, die sich gegen nichts (oder gegen alles und deswegen gegen nichts) de
Dies geschieht, wie wir behaupten wollen, durch eine Simplifikation: durch Reduktion auf Handlung.
61 Vgl. umfangreicher Niklas Luhmann, Autopoiesis, Handlung und kommunikative Verständigung, in: ZfS, Jg. Il, H.4, Okt. 198z, S. 366
Die These ist, daß Sozialsysteme sich als Handlungssysteme der Selbstbeobachtung zugänglich machen, daß Kommunikationen (weil ihre Differentialität in der Welt verteilt, mutualistisch vorkommt) sich unmittelbarer Beobachtung entziehen und deswegen in ihrem Verlauf unentschieden Vorkommendes als Handlungen unterscheiden bezeichnen, zurechnen müssen, weil Kommunikation der laufenden Selbstbeobachtung bedarf.
Handlungen >sind< unkomplizierter als Kommunikationen. Sie können als Ketten punktuell fixierter Ereignisse gelesen werden, als Tatsachensequenzen, die die Zeit irreversibel interpunktieren und insofern Strukturen ausprägen, die als Bedingung der Möglichkeit von Anschlußfähigkeit fungieren. Das Ereignis, das als Einzelhandlung dem, was in einem fort geschieht und geschieht, abgewonnen wird, kann nur isoliert (und als Handlung verstanden) werden, wenn sie sich im Fundus sozialer BeschreiLungen wiedererkennt.62 Als Handlung oder Handlungssequenzen können Ereignisse in sozialen Systemen als beginnend, begonnen sich beendend oder beendet beobachtet werden, ohne daß die Autopoiesis der Kommunikation ihrerseits beginnt oder stoppt. Im Gegenteil: An ihnen entzündet sich weitere Kommunikation und setzt sich die Autopoiesis des sozialen Systems fort.
Dies gilt nun auch für Zen
Von diesen Bestätigungen her, die sich der rekursiven Absicherung von Kommunikationen im Netzwerk von Kommunikationen verdanken, entwickelt sich, wie wir hier nur noch andeuten wollen, das Sozialsystem Zen
62 Vgl. dazu Charles K.Warriner, The Emergence of Society, Homewood Ill. I970, S. 14ff.
Diese Nukleolen bedienen sich der operativen Grundlagen von Kommunikation so (und dies scheint einmalig zu sein), daß die zugrunde liegende Paradoxie bzw. Tautologie präsentiert und nicht invisibilisiert wird. Die Kommunikation fällt dabei in sich . zusammen, liefert aber noch Anhaltspunkte für Verstehens/ Nichtverstehens
Gesichert bleibt auf diese Weise, daß Satori sich nicht kommunizieren lässt, aber die darauf bezogene Kommunikation verwickelt immer noch den Adepten so in die Paradoxie, hinter der sich Satori verbirgt, daß sie ihn an die Schwelle psychischer Sonderzustände treibt.63
Ihm bleibt dann nur der Sprung. Entweder er springt aus der Kommunikation und läuft weg, um weitere Jahre verzweifelt angestrengten Denkens auf sich zu nehmen, oder er springt durch die Kommunikation mitten in die Paradoxie hinein, und zwar so daß er des Prä
Dieser Weg (tao), so heißt es von altersher, ist auch schon das Ziel.