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Projekt Fossa Nivalis
Im Rahmen der Teilauswertungen der Forschungs-und Lehrgrabungen in der Flur Kaiseraugst-Auf der Wacht stellte sich die Frage nach der primären Funktion des in der westlichen Unterstadt von Augusta Raurica entdeckten, rund 4 m tiefen gemauerten Schachts MR 6/MR 32.
Da eine Nutzung als Vorratskeller (fossa promptuaria) oder Eis- bzw. Schneekeller (fossa nivalis) nicht befriedigend geklärt werden konnte, lancierte die Vindonissa-Professur gemeinsam mit der Römerstadt Augusta Raurica, der Abteilung Ausgrabungen Kaiseraugst und der Kantonsarchäologie Aargau ein experimental-archäologisches Projekt, um abzuklären, ob sich die vermutete Nutzung als fossa nivalis mit Hilfe eines Versuchs verifizieren oder falsifzieren lässt. Im Rahmen des Experiments soll namentlich abgeklärt werden, wie lange sich Schnee/Eis auf diese Weise bis in die Sommermonate bevorraten lässt.
Des Weiteren sollen regelmässige Temperatur- und Feuchtigkeitsmessungen sollen zudem darüber Aufschluss geben, ob es möglich ist, Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Schacht bis in die Sommermonate hinein konstant unter +/- 10° bzw. über 80% zu halten.
Der erste Versuch im Jahr 2016 ist leider gescheitert: der Mitte März 2016 eingefüllte Schnee (rund 8 m3) war Anfang Juli restlos geschmolzen. Die Analyse des Vorgehens und der Rahmenbedingungen zeigte aber, dass verschiedene „system-immanente“ Fehler sowie suboptimale, aber grösstenteils beinflussbare Rahmenbedingungen zum Scheitern des Experiments geführt haben. Zu nennen sind unter anderem folgende Faktoren:
- Wegen des warmen Winters (kein Frost) konnte das Erdreich in der unmittelbaren Umgebung des Schachts nie richtig auskühlen.
- Es wurde frisch gefallener Schnee verwendet, der sich noch nicht verdichtet hatte. 3. Es wurde nur Schnee eingefüllt (kein Schnee-Eis-Mix).
- Der Schnee wurde in einem einzigen Arbeitsgang eingefüllt und konnte nicht genügend komprimiert werden.
- Das Volumen des eingefüllten Schnees umfasste ca. 7,5 m3, bei einem Volumen des Schachts MR 6/MR 32 von rund 12 m3.
- Ungenügender Schutz gegen Wärme-Zufuhr von aussen, weil der obere Teil des Schachts bereits bis unter das antike Bodenniveau abgetragen war.
- Der obere Teil der antik beschädigten, südwestlichen (sonnen-exponierten) Schachtmauer konnte lediglich mit Brettern ergänzt werden.
- Der Schmelzprozess wurde eindringendes Regenwasser (seitlich und von oben durch die Bretterabdeckung) beschleunigt!
Der Versuch wurde im Winter 2016/2017 wiederholt; am 22.01.2017 wurden 5 m3 Schnee eingefüllt. Sobald sich dieser genügend verdichtet hat, soll der Schacht in den nächsten Wochen vollständig mit Schnee und Eis gefüllt werden.