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Zürich, 22.11.2017
Schlechte Stromversorgung behindert nach einem neuen UNO-Bericht den Fortschritt in den 47 ärmsten Ländern der Welt. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen in diesen Staaten können ihr Potenzial nicht ausschöpfen, weil der Strom nicht ausreicht, nicht zuverlässig verfügbar oder viel zu teuer ist.
Die Unternehmen müssten im Durchschnitt zehn stundenlange Stromunterbrechungen pro Monat hinnehmen, wie die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) am Mittwoch in Genf berichtete. Zudem hätten 60 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner der am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries LDC) noch keinen Strom.
Die "Agenda 2030" der Vereinten Nationen sieht vor, allen Menschen bis ins Jahr 2030 einen bezahlbaren und zuverlässigen Zugang zu Elektrizität ermöglichen. Um das Ziel zu erreichen, müssten die Stromausbaumassnahmen um 350 Prozent gesteigert werden. Nur vier der betroffenen Länder dürften dies gemessen an der aktuellen Entwicklung schaffen.
Allein die Minimalanforderungen zu erfüllen, koste nach Schätzungen 12 bis 40 Milliarden Dollar im Jahr. Investitionen in dieser Höhe hätten aber noch keine stimulierende Wirkung auf die Wirtschaft der Länder.
Ressourcen ungenutzt
Bisher würden die ärmsten Länder der Welt nur wenige der eigenen Ressourcen für die Stromgewinnung nutzen. Solar- und Windanlagen hätten grosses Potenzial, aber auch Wasserkraft und Kohle müssten genutzt werden. So liesse sich eine Überschuldung der Staaten vermeiden.
"Dabei geht es nicht nur darum, dass jeder Haushalt eine Grundversorgung hat", sagte UNCTAD-Generalsekretär Mukhisa Kituyi. Die LDC entkämen der Armutsfalle nur mit bezahlbarem und verlässlichem Strom, den Unternehmen produktiv einsetzen könnten.
Geberländer müssten ihre Entwicklungshilfe in dem Bereich dringend aufstocken, fordert die UNO. Das Problem ist, dass die für die ärmsten Länder zugewiesene finanzielle Unterstützung bloss 3 Milliarden Dollar umfasst, wovon nur 1,8 Prozent für die Energieversorgung vorgesehen ist.
Die kürzlich gegründete Technologiebank für die ärmsten Länder könnte laut UNCTAD die Entwicklung unterstützen. Doch appelliert die UNO-Organisation auch an die Industrieländer, einen Technologietransfer zu fördern. Dieser Vorschlag sei im Rahmen der Klimarahmenkonvention von den UNO-Staaten angenommen worden.
Die LDC liegen überwiegend in Afrika und Asien. Zu ihnen zählen unter anderen Afghanistan, Bangladesch, der Jemen, die Demokratische Republik Kongo, der Sudan, Nepal, Niger, Mosambik, Uganda und Tansania.