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Wann werden Gutachten verlangt?
- Im Rahmen der Beurteilung von Konstruktionen.
- Bei der Abklärung von Projektgrundlagen und der Beurteilung von Projektvorschlägen.
- Wenn die Frage beantwortet werden muss, ob sich ein bestimmtes Material für eine bestimmte Anwendung eignet oder eine bestimmte Variante den Anforderungen genügt.
- Bei Bauschäden.
- Bei Streitigkeiten darüber, ob Arbeiten vertragskonform oder eben nicht vertragskonform ausgeführt wurden.
Aufgrund des speziellen Fachwissens desjenigen, der das Baugutachten erstellt, kann leichter entschieden werden, ob der Vorschlag geeignet ist, oder die Arbeit richtig oder falsch ausgeführt wurde.
Wichtig
Im Gegensatz zur Vorstellung vieler Laien ist es nicht möglich, jede technische Fragestellungen abschließend zu beantworten. Je nach Fragestellung erfordert die Antwort eine umfassende technische Abklärung und umfassende Kenntnis der technischen Randbedingungen in einer bestimmten Situation.
Gerade bei den erforderlichen umfassenden, technischen Kenntnissen scheitern viele Baugutachten. Viele, für das Beurteilen der technischen Fragen entscheidende Elemente können im Rahmen von einem Baugutachten nicht mehr ermittelt werden, sei es, weil kein genügender Einblick in die Konstruktion besteht, sei es, weil im Rahmen von Mangelbehebungsmassnahmen Konstruktionselemente zerstört oder beseitigt wurden.
Was, wenn die Frage nicht beantwortet werden kann?
Wichtig
Stellt der Gutachter fest, dass die an ihn gestellte Frage aus bestimmten Gründen nicht oder nicht abschließend beantwortet werden kann, dann ist es unabdingbar, dies in seinem Baugutachten klar und unmissverständlich zu sagen.
Eine klare Aussage darüber, eine bestimmte technische Frage könne nicht beantwortet werden, ist in vielen Fällen für die Parteien auch hilfreich. Versucht der Gutachter, aufgrund von nicht nachvollziehbaren Hypothesen eine technische Antwort zu erstatten, hilft dies in den meisten Fällen den Fragestellern nicht. Baugutachten, die technische Fragen nicht oder unklar beantworten, sind für den Auftraggeber wenig hilfreich. Solche Baugutachten schaffen bezüglich der gestellten Fragen statt Klarheit Unklarheit, was schnell völlig unnötig zu zusätzlichem Streit führt. Bei unsorgfältig ausgeführten Baugutachten kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Gutachter für falsche Aussagen zur Verantwortung gezogen wird, d.h. dass er für einen gewissen Schaden haften muss.
Baugutachten, um eine bestimmte Parteimeinung zu unterstützen?
Im Rahmen der Beurteilung von Bauschäden und bei Baustreitigkeiten besteht eine Tendenz - insbesondere bei sogenannten Privaten Baugutachten - vom Gutachter zu erwarten, er hätte einen ganz bestimmten Sachverhalt nicht aufgrund seiner spezifischen Sachkenntnisse zu beurteilen, sondern eine Parteibehauptung im Rahmen eines Streites zu stützen. Hier muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass dies zwar im Rahmen von einem Partei- Baugutachten grundsätzlich möglich und in einem beschränkten Rahmen auch zulässig ist.
Hinweis
Es ist aber die ureigene Aufgabe des Gutachters, eine unabhängige Meinung darzulegen und diese Meinung fachlich zu begründen.
Sollte ein Gutachter daher durch eine Partei genötigt werden, bestimmte Fragen in einer ganz bestimmten Art zu beantworten, oder bestimmte Fragen nicht zu behandeln, um damit den Interessen einer bestimmten Partei entsprechen zu können, ist vor diesem Vorgehen grundsätzlich zu warnen. Damit verlässt er das eigentliche Arbeitsgebiet des Gutachters. Mit solchen Handlungen übernimmt der Gutachter die Stellungnahmen einer bestimmten Partei und wird somit zum Anwalt einer bestimmten Partei. Dies kann nicht nur bei einem Streit, sondern auch bei der Entscheidung für ein bestimmtes Material schlimme Folgen haben.
Achtung
Ein solches Vorgehen kann dem Ersteller im Rahmen eines später zu erstellenden weiteren Baugutachten schaden, da er nun auch von Aussenstehenden nicht mehr als der unabhängige Gutachter angesehen wird, weil ihm nun der Makel des Parteivertreters anhaftet.
Vorbehalt gegenüber Parteigutachten
Leider wird von gewissen Leuten - insbesondere Juristen - die Meinung vertreten, dass jedes Parteigutachten einzig erstellt worden sei, um einen bestimmten Parteistandpunkt zu untermauern. Es können durchaus auch neutrale Parteigutachten erstellt werden.
Ermahnung bei gerichtlichem Baugutachten
Der Gutachter kann, wenn er im Rahmen eines gerichtlichen Baugutachten ein Baugutachten erstattet, das - entgegen seines eigenen Wissens - eine bestimmte Parteibehauptungen stützen soll, in große Schwierigkeiten kommen. Mit der Beauftragung des Gutachters durch den Richter ist meist auch die Ermahnung (Art. 307 Abs. 1 StGB) des Richters an den Gutachter zur sorgfältigen Begutachtung und neutralen Beantwortung der Frage des Gutachtens verbunden. Der Richter macht dann den Gutachter darauf aufmerksam, dass dieser, sollte er ein Baugutachten nicht unabhängig und unparteiisch erstatten, sich selber strafbar machen kann. Diese Drohung kann mit einem Parteigutachten oder vereinbarten Baugutachten kaum verbunden werden.
Unabhängigkeit wahren
Der Gutachter muss also beim Erstellen seines Gutachtens immer darauf achten, sein Baugutachten nicht zu Gunsten einer bestimmten Partei, sondern zu Gunsten der technischen Wahrheit abzugeben.
Wer kann Experte sein?
Nicht jedermann kann über jede Frage ein Baugutachten erstellen. Das Erstellen eines Gutachtens setzt eine gewisse Persönlichkeit sowie fachliche Qualifikationen voraus.
Fachliche Voraussetzungen
Wenn ein Experte ein Baugutachten erstellt, wird von ihm erwartet, den letzten Stand der Technik zu kennen. Er muss wissen, welche neuen Erkenntnisse in den letzten Jahren in seinem Fachgebiet gemacht wurden. Er sollte sich laufend über neue Tendenzen, neue Materialien und auch Schäden informieren, damit er auf Grund der Erfahrung anderer neue Fragen seriös bearbeiten kann. Von einem Experten wird erwartet, dass er bezüglich der zu beantwortenden Fragen grössere Kenntnisse hat als ein durchschnittlicher Handwerksmeister.
Wichtig
Stellt er bezüglich einer konkreten Fragestellung fest, dass diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, dann ist es seine Aufgabe, diese Fachkenntnisse entweder zusätzlich zu erwerben, eine Person beizuziehen, die über diese Fachkenntnisse verfügt, oder die Erstellung vom Baugutachten zurückzuweisen.
Persönliche Voraussetzungen
Von einem Experten wird erwartet, dass er die zu beantwortenden Fragen unabhängig von der Person des Auftraggebers und der weiteren Beteiligten behandelt und beantwortet. Der Experte muss, wenn es um das Erstellen einer Expertise in einem Streitfall geht, oft dieselben Voraussetzungen erfüllen, die an einen Richter gestellt werden, der in einem Prozess zwischen zwei Parteien entscheidet. Unbefangenheit setzt voraus, dass er weder mit der einen noch mit der andern beteiligten Partei verwandt, verschwägert und befreundet und nicht die eine oder andere Partei sein direkter Konkurrent ist. Auch darf ein Experte die eine oder andere Partei nicht schon vorgängig beraten haben, will er als unabhängiger Experte im Rahmen eines Streites eingesetzt werden. Hat der Experte vorher mit der einen oder anderen Partei einen bestimmten Fall schon behandelt, dann darf er nachher nicht als unabhängiger Experte eingesetzt werden. Darum dürfen im Rahmen der Abklärung von Expertenmandaten nicht mit der einen oder anderen Partei am Telefon die ganzen Fragen schon einseitig erläutert werden. Ansonsten schon die Gefahr besteht, dass der Experte nicht mehr unabhängig ist und ein Mandat nicht mehr annehmen kann.
Hinweis
Es wird empfohlen, bei der Annahme eines Mandates als Experte vorgängig zu klären, wer die beteiligten Parteien sind und ob der Experte mit diesen Parteien in irgendeinem vertraglichen, verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Verhältnis steht oder mit diesen Parteien in einen persönlichen Streit verwickelt ist. Ist eine dieser Voraussetzungen erfüllt, dann wird geraten, das Mandat abzulehnen. Der Experte muss den Mut haben, sich mit seinem Urteil in Widerspruch zu seinem Auftraggeber zu setzen. Er muss verschwiegen sein und die erfahrenen Tatsachen nicht unberechtigt weitergeben.
Achtung
Ein Baugutachten, das durch eine befangene Person erstellt wurde, mag technisch zwar hervorragend sein, im rechtlichen Sinn ist es unbrauchbar.