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Ein Prestigeprojekt verkommt zur Peinlichkeit: Ursprünglich sollte die grenzüberschreitende Ferrovia Mendrisio–Varese (FMV) im Dezember 2013 auf der gesamten Länge in Betrieb gehen. Ein Jahr später wurde der Betrieb nun aufgenommen, allerdings nur auf dem Schweizer Abschnitt zwischen Mendrisio und Stabio/TI. Die Gleise reichen noch bis zur Grenze, auf der anderen Seite des Zaunes sind Spuren von Bauarbeiten erkennbar, doch auf eine Fertigstellung deutet nicht viel hin. Ein filmisches Porträt einer halbfertigen Bahnstrecke – nach dem Break.
Erlösung für Grenzorte
Etliche Grenzgänger pendeln jeden Tag über die schweizerisch-italienische Grenze. Die Dörfer entlang der Hauptstrasse leiden seit Jahren unter dem immer stetig wachsenden Durchgangsverkehr. Abhilfe sollte da die Ferrovia Mendrisio–Varese (FMV) schaffen, ein Mischprojekt aus Reaktivierung einer alten Bahnstrecke und einer Neubaustrecke. Der Abschnitt Mendrisio–Stabio war Teil einer 1926 eröffneten und unter der faschistischen Regierung Benito Mussolinis bereits 1928 wieder eingeschränkten internationalen Bahnverbindung Mendrisio–Malnate, Ferrovia di Valmorea genannt, bis auf einen kurzen Abschnitt in Malnate sind die Gleisanlagen noch durchgehend vorhanden, abschnittsweise wird seit 1995 durch den Club del San Gottardo, welcher die Strecke in Fronarbeit wieder instand stellte, Museumsbahnverkehr unter anderem mit einem Tigerli E 3/3 oder ehemaligen SZU- und VHB/EBT/SMB-Fahrzeugen durchgeführt, auf der Schweizer Seite gar regelmässiger Güterverkehr durch SBB Cargo und railCare. Zwischen Stabio und Arcisate ist eine Neubaustrecke mit Viadukten und zwei Tunnels vorgesehen, anschliessend wird die bereits bestehende Linie Varese–Porto Ceresio ausgebaut. Geplant sind eine halbstündliche S-Bahnverbindung vom Flughafen Milano–Malpensa über Varese nach Mendrisio, mit alternierender Durchbindung nach Lugano oder Chiasso–Como–Albate-Camerlata/ITA. Ergänzend dazu soll zwischen Locarno und Malpensa ein halbstündlicher RegioExpress verkehren, mit Benutzung des Ceneri-Basistunnels. Zudem wird die Strecke auch noch die beiden lombardischen Städte Como und Varese miteinander verbinden.
Zwischen Mendrisio und der Systemtrennstelle südwestlich von Stabio auf Schweizer Boden ist die Strecke bereits mit dem SBB-Einphasenwechselstrom von 15 kV 16.67 Hz elektrifiziert, auf dem italienischen Abschnitt wird dann dereinst die Fahrleitung mit 3000 V Gleichstrom versehen sein. Die TILO-RABe 524 können unter beiden Systemen fahren, die Umschaltung erfolgt bei freier Fahrt zwischen den Stationen Stabio und Arcisate.
Trauerspiel in mehreren Akten
Nach ersten Planungen sollte die Ferrovia Mendrisio–Varese als gesamte Bahnstrecke per Fahrplanwechsel im Dezember 2013 in Betrieb gehen. Doch nach etlichen Verzögerungen war der Termin nicht haltbar. Aufgrund von Problemen bei der Entsorgung natürlichen Arsens wurden die Bauarbeiten auf italienischer Seite dann komplett eingestellt. Die staatliche Infrastrukturbetreiberin Rete Ferroviaria Italiana (RFI) entzog danach dem Baukonzern ICS gar den Auftrag und plant für Sommer 2015 eine Neuausschreibung der Bauarbeiten. Bis dann ruhen sie, teils mit verheerenden Folgen: Da in Arcisate die bisher durch den Ort verlaufende einspurige Bahnstrecke nach Porto Ceresio infolge des Doppelspurausbaus tiefergelegt wird, lief der Baugraben während den Unwettern im Herbst 2014 voll, so dass man statt einer Bahnlinie einen neuen Fluss durch den Ort hatte. Mittlerweile rechnet RFI mit einem sehr optimistisch berechneten Inbetriebnahmetermin von Dezember 2017 auf der Gesamtstrecke.
Auf der Schweizer Seite enden die Gleise am Grenzzaun bei Gaggiolo abrupt, seit dem 14. Dezember 2014 verkehren montags bis samstags einige wenige Zugspaare der Linien S40 und S50 zu den Hauptverkehrszeiten zwischen Stabio und Mendrisio mit TILO-Flirt des Typs RABe 524, die Züge der S40 werden dann über Chiasso und Como nach Albate-Camerlata durchgebunden. Die restlichen 1.5 Streckenkilometer auf der Schweizer Seite bleiben vorerst ohne Verkehr. Je nach Verzögerung des italienischen Streckenabschnittes wären dann auf diesem Teilstück wohl Sanierungsarbeiten fällig, bevor überhaupt der erste Zug darübergefahren ist. Auch bereits teil- oder vollständig vollendete Bauwerke auf italienischer Seite müssten wohl für den Weiterbau zunächst instand gestellt werden, da Verwitterung und Korrosion ihre Spuren hinterlassen.
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Sicherheitshinweis: Alle Fotos sind in sicherheitstechnisch ungefährlichen Bereichen entstanden. Die Eindrücke, dass der Fotograf auf dem Gleisbett steht, wurde durch Zoom erreicht. Ebenso wurden keine abgesperrten Bereiche betreten.
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