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Das Bundeshaus in Bern – ein aktives Denkmal
Das Bundeshaus in Bern ist nicht nur Sitz des Schweizer Parlaments und der Regierung, sondern steht als eines der wichtigsten historischen Gebäude im Land auch unter dem besonderen Schutz der Denkmalpflege. Zudem ist es im Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung aufgelistet. Der gesamte Komplex besteht aus drei Bauten im südwestlichen Teil der Altstadt von Bern, die miteinander verbunden sind. Die Gesamtlänge beträgt rund 300 Meter.
Das sogenannte Bundeshaus West wurde in den Jahren von 1852 bis 1857 erbaut und ist damit der älteste Teil des Ensembles. Den damals von der Stadt ausgeschriebenen Architekturwettbewerb hatte zunächst Ferdinand Stadler gewonnen. Nach verschiedenen Einwänden zog er sich allerdings von der Aufgabe zurück. Am Ende erhielt Jakob Friedrich Studer den Auftrag.
Schon bald wurde das Gebäude für die Zwecke des Parlaments, der Bundesverwaltung und der Regierung zu klein. Daraufhin entstand das Bundeshaus Ost. Auch in diesem Fall gab es Zwistigkeiten bei der Auftragsvergabe. Obwohl Alfred Friedrich Bluntschli die Projektausschreibung gewonnen hatte, verwarf die Bundesversammlung die Entscheidung der Jury und beauftragte Hans Wilhelm Auer mit der Planung.
Dieser war schliesslich auch verantwortlich für die Errichtung des letzten Teils, dem Sitz des Parlaments, in den Jahren von 1895 bis 1902. Die drei Gebäudeteile Ensemble erfuhren ihre erste vollständige Sanierung unter begleitender Aufsicht der Denkmalpflege seit Anfang dieses Jahrhunderts und dauern derzeit noch an.
Aus der Entfernung scheint das in einem schlichten Rundbogenstil errichtete Bundeshaus vollständig symmetrisch zu sein. Im Vergleich zur Ost-West-Ausrichtung des Ostteils sind die beiden anderen Gebäude allerdings etwas in Richtung Südwesten abgewinkelt. Das Bundeshaus nimmt wegen seiner gewaltigen Grösse und der exponierten Lage eine beherrschende Stellung über der Berner Altstadt ein, sprengt dabei aber nicht den harmonischen Gesamteindruck. Dies liegt nicht zuletzt an der mit Berner Sandstein gestalteten Fassade, dessen grünlichgraue Farbe sich in den übrigen Gebäuden der Altstadt fortsetzt.
Nachdem 1848 die Bundesverfassung in Kraft getreten war, musste die Frage nach der zukünftigen Hauptstadt der Eidgenossenschaft geklärt werden. Bern erhielt den Zuschlag bereits im ersten Wahlgang der Bundesversammlung, verfügte damals allerdings nicht über ein geeignetes Gebäude. Deshalb wurden die einzelnen Regierungsorgane zunächst in Provisorien untergebracht.
Auf der Suche nach einem geeigneten Standort wählte der Bundesrat schliesslich unter mehreren Vorschlägen das Gelände des stadteigenen Holzwerkhofes. Zu den grundlegenden Voraussetzungen bei der Ausschreibung des Wettbewerbs gehörte vor allem die Forderung, einen schlichten und zweckmässigen, aber trotzdem würdevollen Auftritt zu gestalten. Unnötiger Prunk sollte vermieden werden. Auch der bereits genannte Berner Sandstein als Baumaterial war vorgegeben.
Wie schon erwähnt, stiess der siegreiche Entwurf von Ferdinand Stadler bei verschiedenen Kritikern auf Widerspruch. Auch eine Überarbeitung seinerseits wurde nicht akzeptiert. Jakob Friedrich Studer, der am Ende den Auftrag erhielt, orientierte sich an Stadlers erstem Entwurf und führte dessen Rundbogenstil sogar noch stärker aus. Nach der Revision der Bundesverfassung 1874, mit der die Kompetenzen des Bundes verstärkt wurden, wuchs die Bundesverwaltung so rasch, dass die Räumlichkeiten zu eng wurden. Das Bundeshaus Ost wurde schliesslich nach Plänen von Hans Wilhelm Auer ausgeführt.
In einer dritten Phase und nach einem weiteren Wettbewerb vollendete Auer auch das Parlamentsgebäude. In ihm wollte er die gesamte Schweiz sinnbildlich festhalten. Deshalb sollten sämtliche Gesteinsarten des Landes in dem Gebäude verarbeitet werden. Das Ziel wurde nicht zu 100 Prozent erreicht, aber die wichtigsten Gesteine kamen doch zum Einsatz – neben so unverzichtbaren Arten wie Carrara-Marmor aus Italien für Bildhauerarbeiten. Am Ende trugen 13 Kantone 30 Gesteinssorten bei.
Das Prinzip, soviel Schweiz wie möglich unterzubringen, wandte Auer auch auf andere Bereiche bei der Ausgestaltung des Parlaments an, unter anderem bei der Auswahl der gestaltenden Künstler.
In den Jahrzehnten nach der Vollendung des gesamten Komplexes änderten sich die Anforderungen an das Gebäude in einem immer schnelleren Rhythmus. Neue Bedürfnisse verlangten ausgiebige Nutzungsänderungen. Nicht nur technische Verbesserungen waren notwendig. Das Zeitalter von Radio und Fernsehen verlangte ebenfalls seinen Tribut. Die immer stärkere Nutzung des Bundeshauses und die steigenden Ansprüche von Parlamentariern, Verwaltung und Medien führten zu Problemen der Organisation, die nach einer Lösung verlangten.
Deshalb entschied man sich, für die Medien ein neues und eigenständiges Medienzentrum gegenüber dem Westflügel zu errichten. Dies geschah in den Jahren 2003 bis 2006. Anschliessend begannen die eigentlichen Renovationsarbeiten, beginnend beim Bundeshaus West. Fassade und Dach wurden saniert, neue Arbeitsräume entstanden und verschiedene Sicherheits- und Brandschutzmassnahmen wurden nach modernstem Stand der Technik durchgeführt. 2006 folgte das Parlamentsgebäude, seit September 2012 wird das Bundeshaus Ost einer Generalsanierung unterzogen. Bei der Renovation mussten selbstverständlich auch die Belange der Denkmalpflege berücksichtigt werden.
Die Arbeiten werden voraussichtlich im Jahr 2016 abgeschlossen sein. Wenn dann die Gerüste abgebaut sind, kann das geschichtsträchtige Hauptgebäude der Eidgenossenschaft wieder seine imposante Erscheinung ohne störendes Beiwerk zeigen.
Oberstes Bild: Das Bundeshaus in Bern – Sitz des Schweizer Parlaments und der Regierung (Bild: Flooffy, Wikimedia, CC)