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| Tertullian († um 220) - Über die Seele. (De anima)

13. Cap. An der Einheit der Seele ist festzuhalten, trotz der verschiedenen Ausdrücke (animus und anima), die dafür in der lateinischen Sprache existieren.
Ausserdem ist noch übrig, zuzusehen, wo sich der Vorrang befindet, d. h. wer von ihnen die Vorstandschaft ausübt, und über wen, und das, bei dem sich der Vorrang findet, das wird auch die Masse der Substanz bilden. Dasjenige aber, worüber die Masse der Substanz die Führerschaft ausübt, das wird als blosse natürliche Verrichtung der Substanz angesehen werden müssen. Aber wer wollte nicht das Ganze der Seele zuerkennen, deren Name ja als Bezeichnung des gesamten Menschen förmlich anerkannt ist? So und so viel Seelen animae habe ich zu ernähren, sagt der Reiche, nicht animi; der Steuermann wünscht die Erhaltung der Seelen, die Seele versichert der Landmann bei seiner Arbeit, der Soldat in der Schlacht einzusetzen, ein, nicht den animus. Wessen Gefahren und Wünsche werden häufiger genannt, die der Seele oder die des animus? Was geben die Menschen nach der allgemeinen Ausdrucksweise beim Tode auf, die Seele oder den animus? Und sie selber zuletzt, die Philosophen und die Ärzte, sie schreiben, wenn sie gleich über den animus handeln wollen, doch einer wie der andere auf die Stirn ihres Werkes und an die Spitze des Gegenstandes de anima. Dieselben Ausdrücke bekommt man von Gott zu hören. Gott redet immer nur die Seele an, zur Seele spricht er; sie ruft er, auf ihn Acht zu haben. Sie selig zu machen kam Christus, sie droht er in der Hölle zu verderben, sie verbietet er zu hoch zu schätzen. Sie ist es, die er selbst einsetzt, der gute Hirt, für seine Schafe. Da hast du den Vorrang der Seele, da hast du auch die Einheit der Substanz in ihr und siehst, dass der animus nur ihr Werkzeug ist, nicht ihr Beschützer.