Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03605.jsonl.gz/1609

Am 1. Dezember 1967 weihte die Schweiz den ersten Strassentunnel durch die Alpen ein, der vollständig auf Schweizer Boden liegt. Der 6,6 Kilometer lange San Bernardino-Tunnel brachte nicht nur die Bündner Täler Misox und Rheintal näher zusammen, sondern gab der Region ihre wichtige Rolle auf der Nord-Süd-Achse zurück.
Der San Bernardino ist einer der ältesten Pässe der Alpen und als solcher seit Jahrhunderten ein wichtiger Verkehrs-Knotenpunkt in Europa. Bereits die Römer nutzten den Passübergang. Die Eröffnung der Gotthardeisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts reduzierte jedoch den Verkehr über die Bündner Pässe.
In der Nachkriegszeit im vorigen Jahrhundert kam die Idee auf, einen Strassentunnel durch den San Bernardino zu bauen, der im Unterschied zum Pass auch im Winter leicht zugänglich wäre.
Die Bauarbeiten begannen 1962. Mit Hilfe von Tunnelbohrmaschinen wurden durchschnittlich 115 Meter pro Monat auf der Südseite und 95 auf der Nordseite ausgehoben. Nach drei Jahren Arbeit mit 500 Arbeitern wurde am 10. April 1965 das letzte Felsstück durchbrochen.
Die offizielle Einweihung fand allerdings erst zwei Jahre später statt, mit Vertretern aus fünf europäischen Ländern: Österreich, Italien, Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz. Der damalige Schweizer Innenminister Hans-Peter Tschudi sagte über die Pionierrolle der Schweiz beim Bau von Strassen- und Eisenbahnstrukturen über die Alpen in einem Interview mit dem italienischsprachigen Schweizer Fernsehen: "Geografie und Geschichte haben der Schweiz die Aufgabe übertragen, die Alpenpässe zu öffnen und zu sichern, und ihr damit eine wichtige Vermittlungsfunktion zwischen Norden und Süden übertragen. Mit dem neuen San Bernardino-Tunnel bekräftigen wir unsere europäische Mission."