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Die Enthüllung der Beschriftung am Kamin «Anna» hat am 13. August 2020 stattgefunden – Anna Göldi Museum als «Leuchtturm».
1865 ist der Hänggiturm für die Stoffdruckerei Conrad Jenny, Ennenda, vom Architekten Hilarius Knobel erbaut worden. Der dreigeschossige, gemauerte Unterbau diente der Fabrikation und der hölzerne Oberbau zum Verhängen und Trocknen bedruckter Tücher. Das monumentale Fabrikations- und Lufthängegebäude gehörte nach 1900 zur Schweizerischen Teppichfabrik und ab 1978 zum Forbo Konzern. Zwischen 1828 und 1856 diente das Gebäude der Zeugdruckerei Bartholome Jenny. 1992 und 1993 geschieht der Wiederaufbau der alten Holzkonstruktion auf einem modernen Unterbau, nach dem Abriss des Gebäudes um 1987. Der Wiederaufbau wurde durch Beiträge des Bundes, des Kantons, des Heimatschutzes, der Forbo AG und weiteren Spendern ermöglicht.
Das Gebäude ist unter den Schutz von Bund und Kanton gestellt worden. Seit 2017 ist das Anna Göldi Museum im Dachstock beheimatet. 2018 musste entschieden werden, was mit dem baufälligen Kamin geschehen soll. Dank privater Unterstützung ist eine eingreifende Restaurierung möglich geworden. Heute ist der Kamin Teil des «Leuchtturms» Anna Göldi.
Die Restaurierung stellte höchste Anforderungen an die Handwerkskunst. Die ausgewählten Firmen stammen aus dem Glarnerland, was für vorhandene, moderne Baukompetenz spricht. Das gilt auch für den Schriftzug, der vom emeritierten ETH-Professor Peter Jenny gestaltet worden ist.
In seiner Ansprache erklärt Peter Jenny die hintergründigen Gedanken für die Gestaltung des Schriftzugs «Anna» wie folgt: «Das Wort Anna kann vor- und rückwärts gelesen werden, was auch für die Geschichtsschreibung wichtig ist, besonders diejenige über Anna Göldi. Der Name Anna kann bis ins 15 Jahrhundert rückverfolgt werden und ist auch heute noch weit verbreitet. Viele Personen kennen wohl in der Vertwandtschaft eine Frau mit dem Namen Anna. Die Suche nach Wahrheit verlangt den Blick von der Gegenwart zurück in die Vergangenheit und umgekehrt. Die schwarz und weiss gestaltete Signaletik – schwarze und weisse Buchstaben – steht symbolisch für den Mord an Anna Göldi und andererseits für die Hoffnung auf Gerechtigkeit. Schwarz steht für den Tod und Weiss für die Hoffnung.»
Das Anna Göldi Museum ist Teil eines grösseren, historisch bedeutenden Architekturensembles. Die Neugestaltung des Kamins mit einer modernen Beschriftung – ohne historisierende «Altertümelei» – verweist durch eine sorgfältige Restauration des alten Kamins, auf dessen ursprüngliche Funktion und den neuen, heutigen Verwendungszwecken einer Umnutzung.
Die Reduktion auf den Vornamen «Anna» erfolgte für die angestrebte Prägnanz des Signals, aber nicht nur. «Anna» ist im Glarnerland schon immer sehr verbreitet. Die Betrachter*innen sollen sich die Frage stellen, «welche Anna ist hier gemeint?» Der Name steht in erster Linie für Fragen, ist nicht nur als blosser Wegweiser gedacht. Die Neugierde ist wichtiger.
Die Gestaltung und die Platzierung der Beschriftung erlauben einen sehr grossen Wahrnehmungsbereich, was wiederum ein Bekenntnis für angestrebte Weitsicht sein könnte, und, wie bereits erwähnt «gwündrig machä». Gedanken sind bekanntlich frei. Darum werden hoffentlich auch andere Ansichten durch «Anna» mobilisiert. Hier sind nur ein paar aufgeführt, die zum Entwurf und zur Ausführung führten. Soweit einige Gedankensplitter zur Signaletik «Anna».
Das Wortspiel «Signaletik» und «Signal-Ethik» könnte aus den vergangenen Geschichten auch auf die aktuelle Gegenwart verweisen. Der neue Kamin kann als Leitstern wirken und zum Besuch des Museums animieren. Die stark angestiegenen Besucherzahlen können dies in der Zukunft vielleicht bestätigen. Die Menschen, welche mit der Eisenbahn oder mit dem Auto vorbeifahren, werden die prägnante Schrift mit Sicherheit wahrnehmen. Vielleicht ergeben sich, auf der Basis vielfältiger Wahrnehmungen, auch weitere Fragen zum Namen «Anna» und der damit verbundenen Geschichte von Anna Göldi. Es ist kein schriller Auftritt des Kunstwerks am Bau. Bescheidenheit ist im Zentrum. Auch auf eine nächtliche Beleuchtung des Kamins wurde verzichtet, wohl mit dem Hintergrundgedanken, dass schon viele Gebäude beleuchtet werden um Aufmerksamkeit zu erreichen.
Die Website des Anna Göldi Museums verweist auf laufend angebotene Veranstaltungen und lädt zum Besuch ein: www.annagoeldimuseum.ch
Autor: Eduard Hauser
Autor
Kulturblogger Glarus
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Kategorie
- Kultur
Publiziert am
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