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| Athanasius (295-373) - Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii)

67. Kapitel. Die Verehrung des Antonius gegenüber Bischöfen und Priestern. Sein Äußeres.
In seinem Wesen war er langmütig im Ertragen von Unrecht und demütig in seiner Seele; in dieser Gesinnung ehrte er den Kanon der Kirche über die Maßen und wünschte, daß jeder Kleriker an Ehre vor ihm käme; vor den Bischöfen und Presbytern sich zu verneigen, nahm er keinen Anstand, und wenn einmal ein Diakon der Erbauung wegen zu ihm kam, dann sprach er mit ihm über das, was nützlich war; im Gebete aber gab er ihm den Vortritt, da er gerne selbst lernte. Er fragte oft und wollte von seiner Umgebung etwas hören; und er gestand, daß es ihm nützlich sei, wenn jemand etwas Treffliches gesagt habe. Sein Angesicht strahlte in reicher und seltener Anmut. Auch diese Gnade besaß er vom Heiland. Wenn er sich nämlich unter der Schar der Mönche befand und es wollte ihn jemand sehen, der ihn noch nicht kannte, dann trat er sogleich hinzu, überging die anderen und eilte zu ihm, gleichsam angezogen von seinen Augen. Aber nicht durch Größe oder kräftige Gestalt unterschied er sich von den übrigen, sondern durch die Art seines Wesens und die Reinheit der Seele. Denn da sie voll Ruhe war, waren auch seine äußeren Sinne im Gleichgewicht; die Heiterkeit der Seele drückte auch seinem Gesicht den Stempel der Freude auf und umgekehrt, aus den Bewegungen seines Körpers merkte und ersah man die Verfassung der Seele nach dem Worte der Schrift: "Wenn das Herz sich freut, strahlt das Antlitz. Wenn es aber traurig ist, sieht es finster aus".1 So merkte Jakob, wie Laban [S. 754] ihm Böses zufügen wollte und sagte zu den Frauen: "Das Gesicht eures Vaters ist nicht wie gestern und vorgestern".2 So erkannte Samuel den David; denn er hatte freundliche Augen und Zähne weiß wie Milch.3 So erkannte man auch den Antonius; denn er war niemals in Unruhe, da seine Seele voll heiteren Friedens war; niemals wurde er finster, da sein Geist sich freute.
1: Prov 15,13.
2: Gen 31,5.
3: Vgl. 1Kön 16,12.