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Seit etwas mehr als einem Jahrhundert betreibt die Schweizer Armee eine intensive unterirdische Bautätigkeit. Die Einweihung des Gotthard-Eisenbahntunnels im Jahr 1882 markiert den Beginn der sogenannten modernen Befestigung der Schweiz. Dieses Datum bezeichnet nämlich auch den Beginn des Zusammenschlusses der sogenannten Mittelmächte (Österreich-Ungarn, Deutschland und Italien). So begannen Schweizer Ingenieure eine neue Art von Festung gänzlich im Fels anzulegen.
Die Machtergreifung Hitlers in Deutschland führte dazu, dass man 1935 hierzulande mit dem grossangelegten Bau von Grenzfestungen begann, wobei über 300 Bunker errichtet wurden. Mit der Niederlage Frankreichs drängte sich eine neue Strategie auf: Das Reduit. Errichtet teilweise in den Bergen, entstand ein ausgesprochen dichtes Netz mit Hunderten von Bunkern, Artilleriefestungen und logistischen Lagern (teilweise entworfen und realisiert von Ingenieuren wie Robert Maillard oder Alexandre Sarrasin), das zur Basis der Landesverteidigung wurde. Im Kalten Krieg schliesslich wird in der Schweiz gegen Ende der 50er-Jahre ein Bauprogramm gestartet für neue Festungstypen: Kugelbunker und Atom-Schutz-Unterstände.
Die Möglichkeiten zur zivilen Nutzung aller dieser Bauten sind heute eingeschränkt. Im Kanton Fribourg reift heute in einer Artilleriefestung immerhin die lokale Käseproduktion, verschiedene Kommandoposten dienen als Rechenzentren und im Thurgau wurde ein ehemaliges Munitionsdepot als Lager der Kantonsarchäologie umgenutzt. Wenn diese Festungen auch niemals ihre Feuertaufe erlebten, so sind sie Zeugen des nationalen Reduits, das in der Schweizer Identität noch immer stark verwurzelt ist.
Bild: Maurice Lovisa, Morges
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