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Die Jugendarbeitslosigkeit wird sowohl durch die Wirtschaftskrise in Europa als auch durch das Bevölkerungswachstum in den Ländern des Südens verschärft. Wie reagiert die UNESCO auf dieses Problem?
Die verschiedenen Foren, die die UNESCO zwischen 2011 und 2012 organisierte, haben gezeigt, dass die Stimme der Jungen bei Fragen, die sie direkt betreffen, wie Bildung und Beschäftigung, unbedingt berücksichtigt werden muss. Dabei muss auch der grossen Vielfalt junger Menschen Rechnung getragen werden.
Was die Arbeitsmarktfähigkeit betrifft, ist die UNESCO der Auffassung, dass das Engagement junger Menschen sowohl auf der Ebene der Bildung als auch auf staatsbürgerlicher und kultureller Ebene gefördert werden muss. Das Ziel besteht darin, dass Jugendliche nicht mehr nur als Problem wahrgenommen werden, sondern dass sie selbst fähig sind, Lösungen zu suchen. Ihre Erwartungen gegenüber der Gesellschaft müssen mit einer Partizipation an der Gesellschaft einhergehen. Dies bedeutet einen regelrechten Perspektivenwechsel, der die Schaffung neuer Mitwirkungsmechanismen erfordert.
Im Mai 2012 fand in Schanghai der dritte internationale Berufsbildungskongress statt. Im September 2012 lancierte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon seine Initiative «Bildung zuerst» (Education First). Diese hat zum Ziel, die globale Bewegung für eine qualitativ hochstehende Bildung zu stärken und genügend Mittel zu beschaffen, damit allen Kindern der Schulbesuch ermöglicht, die Qualität der Bildung verbessert und der globale Bürgersinn gefördert werden kann. Gibt es Synergien zwischen diesen Ereignissen, und welche Rolle spielte die UNESCO dabei?
Aufgrund ihrer Überlegungen und ihrer analytischen Arbeit steht die UNESCO im Zentrum der Initiative des UNO-Generalsekretärs. Dieser setzte zuerst einen beratenden Ausschuss ein, dessen Sekretariat von der Generaldirektion der UNESCO geführt wird. Mit diesem Plädoyer für die Bildung soll die Verwirklichung der im Rahmen der Millenniumsentwicklungsziele festgelegten Ziele im Bereich Bildung für alle vorangetrieben werden. Der Kongress in Schanghai war ebenfalls Teil dieser Debatte. Hier haben fast 120Länder, die von rund 40Ministern und Staatssekretären vertreten wurden, einen Konsens verabschiedet, der die internationalen Grundsätze der Bildung für alle definiert. Dabei wurde unterstrichen, wie wichtig Bildungschancen für junge Menschen sind. Zur Bewältigung von Herausforderungen wie Jugendarbeitslosigkeit, Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung müssen die bestehenden Systeme angepasst werden. Ausserdem trug der Kongress in Schanghai zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit bei, da die UNESCO ihn gemeinsam mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Weltbank, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und den Entwicklungsbanken organisierte.
Der Weltbericht Bildung für alle 2012 erwähnt die Gefahr eines Rückzugs der Geber. Tragen diese unterschiedlichen Initiativen nicht zur Verzettelung der Kräfte bei?
Im Gegenteil. Angesichts der Finanzierungsprobleme wird es umso wichtiger, sich noch stärker für Bildung für alle einzusetzen, um die politischen Prioritäten der verschiedenen Länder beeinflussen zu können. Mit seinem persönlichen Engagement setzt der Generalsekretär auf internationaler Ebene ein sehr starkes politisches Zeichen. Seine Initiative wird wahrscheinlich den Rückgang der Mittel ausgleichen. Die Initiative des Generalsekretärs richtet sich direkt an die Staatschefs und wird deshalb von entscheidender Bedeutung sein.
Welche Ziele, die im Rahmen der Bildung für alle festgesetzt wurden, werden prioritär unterstützt?
Der Weltbildungsbericht 2012 zeigt, dass 61 Millionen Kinder und Jugendliche keine Schule besuchen. Diejenigen, die in die Schule gehen, verfügen oftmals nicht über die grundlegenden Kompetenzen, die es ihnen erlauben, Arbeit zu finden. Viele Jugendliche verlassen die Schule vorzeitig, während andere die Grundschule beenden, ohne die entsprechenden Kompetenzen erworben zu haben. Junge Menschen müssen diese notwendigen Grundkenntnisse entwickeln können, deshalb muss die Qualität der Bildung verbessert werden.
Die Frist für die Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele, zu denen auch die Bildung für alle gehört, läuft 2015 ab. Trotz der bisher erreichten Fortschritte bleibt noch viel zu tun. Wie sieht man die Zeit nach 2015 bei der UNESCO?
Trotz der substanziellen Erhöhung der Zahl der Kinder und Jugendlichen, die die Schule besuchen, wird das Millenniumsziel Bildung für alle bis 2015 tatsächlich nicht erreicht. Es braucht deshalb neue Millenniumsziele. Die Entwicklung der Kompetenzen, die Fachausbildung und die Berufsbildung wären wesentliche Elemente einer neuen Agenda im Bereich Bildung für alle. Gegenwärtig arbeiten wir mit unseren Partnern an einer Einigung in Bezug auf die Ziele, die sich die internationale Gemeinschaft setzen muss. Angesichts der neuen Herausforderungen wie die Arbeitsmarktfähigkeit junger Menschen oder die wachsende Bedeutung der Sekundarschule müssen wir unsere Anstrengungen verdoppeln.