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Das EM-Quali-Spiel vom Montag zwischen Bulgarien und England wurde von rassistischen Zwischenrufen, Hitler-Grüssen und Affenlauten überschattet. Das Spiel hatte aber auch Gutes zu bieten, zum Beispiel die sechs Tore Englands, oder das Nati-Debüt von Tyrone Mings.
Denn lange sah es nicht danach aus, als ob es mit der Fussball-Karriere von Mings, einem baumlangen Innenverteidiger, noch etwas werden würde. Dafür legte ihm das Leben zu viele Steine in den Weg.
Die Familie war obdachlos
Das Martyrium ging los, als seine Mutter ihren damaligen Partner verliess. Weil die Familie mittellos war, kamen Mings und seine drei Geschwister in einem Heim für Obdachlose unter. Sie lebten zu fünft in einem Raum mit drei Betten, teilten sich Waschraum und Duschen mit anderen, die sich am Rand der Gesellschaft befanden.
Mings weiss heute nicht mehr genau, wie alt er damals war. Er kann sich auch nicht mehr erinnern, wie lange die Familie genau im Obdachlosenheim war. «Vielleicht ein halbes oder ganzes Jahr», sagt er in einem Interview. Was er jedoch genau weiss: Seine Zuflucht war der Fussball.
Tyrone Mings verbrachte seine gesamte Freizeit auf dem Fussballplatz. Das zahlte sich aus, er schaffte es mit acht Jahren in die Jugendabteilung des FC Southhampton. Mit 16 wurde er aber bereits wieder ausgemustert. Er sei zu klein gewesen, erzählt der 1,95 Meter grosse Titan heute.
Für sich selbst hatte Mings bereits akzeptiert, dass er es nicht zum Profi schaffen würde, er kickte hobbymässig auf hohem Niveau und arbeitete nebenher als Hypothekenberater auf Provision.
Der beschwerliche Weg in die Nationalmannschaft
Er habe damals nicht daran geglaubt, einmal für England zu spielen. «Das schien mir wie eine andere Welt. Ich war ja nicht einmal im Profi-Geschäft», sagt Mings. Doch seine Chance kam durch ein Angebot von Ipswich Town, damals in der zweithöchsten Liga.
Mings unterschrieb. Er war wieder zurück im Spiel - ohne es zu spielen. Erst im dritten Jahr bei Ipswich mauserte er sich zum Stammspieler, wurde sogar zum besten Innenverteidiger der Liga, erspielte sich einen Wechsel zu Bournemouth für satte 12,5 Millionen Franken.
Angekommen auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere, zeigte die Achterbahnfahrt seines Lebens wieder steil nach unten. Nach einer schweren Knieverletzung plagten Mings Depressionen, gefolgt von einer weiteren schweren Verletzung.
Erst nach einem Wechsel zu Aston Villa in der zweiten Liga konnte sich Mings wieder stabilisieren. Er schaffte mit Aston Villa als unumstrittener Stammspieler den Aufstieg in die Premier League. Die Umstellung bereitete ihm bislang keine Probleme: Statistisch gesehen ist er der beste Verteidiger der Liga. Kein Spieler blockte mehr Schüsse ab oder klärte mehr heikle Situationen.
Sein Debüt in der englischen Nationalmannschaft hat er sich damit mehr als verdient. Tyrone Mings steht am zwischenzeitlichen Höhepunkt seiner ungewöhnlichen Karriere. Dabei hat er nie vergessen, wie es ganz unten aussieht. Er verteilt jedes Jahr im Winter selbst gekaufte Geschenke und Essen an die Obdachlosen von Bath, seiner Heimatstadt.