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Allgemein Bezeichnung für politisch hervorragende Personen in Gem. und Staat sowie Mitglieder der Obrigkeit. In den dreizehn Orten der alten Eidgenossenschaft wurden die höchsten Magistratspersonen H. genannt: In den Städten der Bürgermeister (Basel, Zürich), Schultheiss (Bern, Luzern) und Oberstzunftmeister (Basel), in den Landsgemeindeorten die Träger der wichtigsten, durch die Landsgemeinde bestellten Landesämter wie der Landammann, die ehem. Landammänner, der Landesstatthalter (Statthalter), Bannerherr, Säckelmeister, Landeshauptmann, Landesfähnrich (Fähnrich) und Zeugherr. In Glarus hiessen die obersten Magistratspersonen auch Schrankenherren, in Uri Vorsitzende Herren und in Appenzell Ehrenherren; in der Westschweiz wurde für die H. der Kollektivbegriff le Magistrat gebraucht. Die H. bildeten, wo das Kollegium existierte, den Geheimen Rat. Sie nahmen in der Behördenstruktur eine zentrale Stellung ein, denn sie präsidierten allgemein die Räte und Gerichte. In Uri hatten die Vorsitzenden Herren das Privileg der Anfrage, mithin konnten sie alle Vorlagen und Anträge kommentieren. Im Zuge der zunehmenden Abkapselung der regierenden Geschlechter im 17. und 18. Jh. und aufgrund der materiellen Voraussetzungen zur Erlangung dieser wichtigsten Landesämter (Ausbildung, finanzielle Auflagen, Abkömmlichkeit) wurde der Kreis der beteiligten Fam. in der frühen Neuzeit immer kleiner (Aristokratisierung, Patriziat). Die Häuptergeschlechter ragten unter den Fam. mit Zugang zum Regiment heraus, indem sie die wichtigsten Staatsämter vielfach traditionell besetzten. In Uri hatten im 18. Jh. neunzehn Geschlechter Zugang zu den Vorsitzenden Ämtern, die sieben wichtigsten Fam. unter ihnen stellten aber allein 77% der Amtsträger. In Graubünden bezeichnete der Ausdruck "Häuptergeschlechter" Fam. mit einer polit. Hauptstellung in den Bünden (Bundeshäupter).
Literatur
– Idiotikon 2, 1496
– U. Kälin, Die Urner Magistratenfam., 1991
– S. Schüpbach-Guggenbühl, Schlüssel zur Macht, 2002
Autorin/Autor: André Holenstein