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Giovanni Giacometti - Pizzo Bacone, 1916
Öl auf Leinwand
70 x 50 cm
Das Gemälde Pizzo Bacone entstand wohl während Giacomettis Militärdienst im Engadin während des Ersten Weltkrieges. Er war in Maloja stationiert ganz in der Nähe des Gipfels Bacone im Engadin. Giacomettis Darstellung des Gipfels erscheint dem Betrachter wie ein Porträt, eine Personifizierung des Gesteins und dessen eigenwilliger Spitzen Silhouette. Es erscheint wie ein Versuch die Charakterzüge dieses Massivs bildlich zu übersetzen. Sowohl in Komposition, Tiefenwirkung und Duktus scheint er fast keine Unterscheidung zwischen Fels, Schnee, Himmel und Wolken zu machen. Er betont nicht die Grösse und Mächtigkeit des Alpenmassives, oder erzeugt eine Tiefenwirkung, die flächige Darstellung lässt den Gipfel geradezu auf Augenhöhe herabsinken. Es ist die Idee eines Berges.
Giacomettis Gesamtwerk zeichnet sich auch darin aus, dass er nie versucht hat seine divisionistische, pointilistische oder flächig- dekorative Arbeitsweise einer konsequenten Logik zu unterwerfen, darin sah er künstlerische Freiheit und die Freiheit sich ausserhalb einer modernistischen Stilabfolge verorten zu dürfen. Während seines Aufenthalts im Engandin, zur Zeit als auch Pizzo Bacone entstanden ist, schrieb er nach einem Besuch im Segantini Museum seinem Freund Cuno Amiet: "Es überfällt mich immer ein merkwürdiges Gefühl vor diesen Bildern [vor Segantinis] Der erste Eindruck ist nicht gewaltig. Es fehlt darin eigentlich die grosse Linie die eine einheitliche Composition zusammenhalten sollte. Es ist etwas eine panoramische Auffassung. Nach und nach lösen sie aber eine Stimmung und eine poetische Empfindung aus, die doch gefangen nehmen. Man meint den Geruch der Erde zu spüren und die Details sind voll Leben. Man hat den Eindruck dass dieser Künstler wirklich ganz mit seinen Werken lebte oder viel mehr in seinem Gegenstand verwachsen war. Ist das im Grunde nicht die Haupteigenschaft, welche seinem Kunstwerk das Leben sichert? [...] Ich war immer gegen jede Formel und jeden Zwang, sehe es aber immer mehr ein dass in der Beschränkung eigentlich die Stärke liegt und auch die Freiheit. Sich einschränken können ist aber nicht jedermannssache."
Der Pizzo Bacone erscheint als genauso malerisch lustvolles und verspieltes Werk wie auch als Zeugnis einer tiefen künstlerischen Reflexion.