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Graceland
Paul Simon und das Cultural Register der UN
Internationales Aufsehen erregte der amerikanische Folk-Rock Musiker Paul Simon als er 1985 mit südafrikanischen Musikern – darunter auch Ladysmith Black Mambazo – in Soweto das Album Graceland aufnahm, das am 1. September 1986 veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit diskutierte der ANC intensiv über eine Änderung seiner Kulturboykott-Regularien und plante den Total- durch einen selektiven Boykott zu ersetzen.
Dieser sollte Künstlern, die sich für eine Beendigung des Apartheid-Systems einsetzten, nach vorheriger Rücksprache mit dem ANC die Genehmigung zur Ausübung ihrer Kunst erteilen.[63] Simon hatte aber weder mit dem ANC noch mit kooperierenden Anti-Apartheid Organisationen in den USA oder Europa Kontakt aufgenommen, um über sein Vorhaben zu informieren, geschweige denn um eine Genehmigung für die Aufnahme des Albums und für eine geplante Tournee gebeten. Damit hatte er klar gegen die 1980 von der UN beschlossene Resolution verstoßen, in der Künstler zum Boykott des Apartheid Regimes aufgefordert wurden. Da der Musiker aber in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der UN versicherte, dass er das Apartheid-System weiterhin ablehne und auch zukünftig nicht in Südafrika auftreten werde – Simon hatte wiederholt Einladungen nach Sun City abgelehnt – zeigte sich die UN versöhnlich und verzichtete auf einen Eintrag in das Cultural Register.[64]
Hiervon gänzlich unbeeindruckt erklärte Paul Simon in einer Pressekonferenz zwei Tage vor Tourneebeginn am 1. Februar 1987, dass er als Künstler niemanden bezüglich seiner Projekte konsultieren müsse und dass er sich in dem, was er sage oder nicht sage, denke oder schreibe keine Auflagen machen ließe. Simons Einstellung wurde nicht nur von den im Exil lebenden südafrikanischen Musikern Miriam Makeba und Hugh Masekela unterstützt, die ihn ebenso wie Ladysmith Black Mambazo auf der Graceland Tournee als Musiker begleiteten, sondern stieß auch beim Pan African Congress und dem US-amerikanischen Black Consciousness Movement auf positive Resonanz.[65, 66] Diese sahen in der Tournee auch eine Möglichkeit, der Welt die Kultur schwarzer Südafrikaner zu präsentieren, anstatt sie immer nur als Opfer darzustellen. Vor dem Hintergrund dieser Geschehnisse verkündete der Präsident des ANC, Oliver Tambo, im Mai 1987, dass sich die Organisation zu einer Revision seiner Kulturboykott-Regularien entschlossen habe und von nun an Projekte unterstütze, die die Präsentation der südafrikanischen „Volkskultur“ förderten.[67]
Album und Tournee wurden ein großer Erfolg und ebneten nicht nur vielen südafrikanischen Musikern den Weg zu einer internationalen Karriere, sondern ermöglichten ihnen, die Welt auf die menschenverachtende Politik des Apartheid Regimes aufmerksam zu machen. Nach Einschätzung des Journalisten Michael Maren hat das vordergründig unpolitische Graceland Projekt somit sein Publikum nicht nur für das Thema Südafrika sensibilisiert, sondern auch ein grundlegendes Umdenken bei ANC und UN hinsichtlich der bisherigen Kulturboykott-Politik angestoßen, die, so Maren, die Präsentation des schwarzen Südafrikas und seines Freiheitskampfes in der Welt unnötig eingeschränkt und damit letztendlich dem Apartheid-Regime in die Hände gespielt habe.[68]
Paul Simon & Forere Motloheloa: The Boy in the Bubble, auf: Simon, Paul: Graceland, Warner Bros. 1986.
Paul Simon & Ladysmith Black Mambazo: Diamonds on the Soles of her Shoes, auf: Simon, Paul: Graceland, Warner Bros. 1986.
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