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Der Rombach ist zuständig für die Entwässerung des gesamten Val Müstair. Nachdem er in den 40er Jahren (im Rahmen des Anbauplanes Wahlen) im Gebiet Palüds begradigt und kanalisiert wurde, wurde zwar das Landwirtschaftsland er-tragreicher, in seiner Funktion als Entwässerer war der Fluss aber eingeschränkt. Im Zuge der Begradigung wurde die Schwemmebene auch mit einem umfangrei-chen Drainagesystem versehen. Damit wurde bereits damals eine erste Neustruk-turierung der Parzellen vorgenommen. Danach wurde 1968 die erste offizielle Gü-terzusammenlegung geplant, welche in einer Neuverteilung 1981 resultierte. Der Boden begann sich aber zu verändern und das Bachbett des Rombachs wurde immer schmaler und diverse Geschiebesammler in den Seitenbächen mussten einen Kieseintrag verhindern, bis die Vorflut erneut als ungenügend eingestuft wurde. 1978 wurde die Entwässerung im Rahmen der Gesamtmelioration bereits einmal verbessert, indem Leitwerke aus Holz installiert wurden, welche gleichzeitig auch Schutz für Fische boten. Die Lösung mit den Leitwerken im Rombach war jedoch noch nicht befriedigend und eine Sanierung der gesamten Ebene drängte sich auf. In den 90er Jahren wurde dann nochmals die nun aktuelle Flächenzutei-lung überarbeitet. Man wollte auch der Umwelt etwas zurückgeben und hat deshalb 1998 im Rahmen der Gesamtmelioration mit der Projektierung einer Revitalisierung begonnen. Bei gleich bleibendem oder erhöhtem landwirtschaftlichen Ertrag sollte der Fluss mehr Freiheit bekommen, damit der Abfluss selbst (Wassermenge ist sehr variabel durch starke Niederschläge und Gewitter oder bei Schneeschmelze) das Flussbett verändern kann. Die Massnahmenplanung der Revitalisierung geschah auf der Basis eines neu erstellten Kataloges von schützenswerten Gebieten im Tal. Diese wurden dann über die Pläne der Ingenieure gelegt und es wurden Kompromisslösungen gesucht, welche den Ansprüchen aller Beteiligten weitgehendst zu genügen vermochten. Im Partizipationsprozess wurden alle einge-laden und alle Meinungen zur Kenntnis genommen. Es gab harte Auseinanderset-zungen und man wusste, dass es einige Treffen brauchen würde um zu einem Konsens zu gelangen. Mit einer Verbreiterung des Bachs sollte er seinen ökologi-schen Wert zurückgewinnen, die Vorflut verbessert werden, das Landschaftsbild verschönert und das gewonnene Material für Bodenverbesserungen auf einer Flä-che von ca. 15 ha eingesetzt werden können. Diese Verbreiterung war von ca. 6m auf ein ausgeweitetes Bett von 25-30m Breite geplant, in welchem verschiedene Strömungsformen vorkommen sollten und in welchem möglichst naturnahe Bedin-gungen zu schaffen wären. Dies wurde auch getan: Die harten Verbauungen wur-den ganz entfernt, die Kiesfänge aufgehoben resp. umfunktioniert. Neu besteht an einem geeigneten Ort die Möglichkeit zur Ausbaggerung. Nun wird auch zur Kenntnis genommen, dass das Kies in den Bach gelangt. Bei allen Seitenbächen wurden die Kiesfänge revitalisiert und neu gestaltet. Der Güterweg im Gebiet rechts des Rombaches wurde aufgehoben und ein neuer Weg entlang des Bachs erstellt. Dadurch konnten neu grossflächige Parzellen zugeteilt werden und der Bach ist gleichzeitig vor schädlichen Einflüssen durch die Landwirtschaft (dient z.B. als Puffer beim Ausbringen von Gülle) geschützt. Auch für die Naherholung wird er rege genutzt. Das notwendige Realersatzland wurde über drei verschiedene Komponenten or-ganisiert: - Erstens über Massenlandparzellen: Das sind jene Flächen, welche bei einer Me-lioration mit dem allgemeinen Abzug (hier im Landwirtschaftsgebiet Palüds = 3%) einerseits das notwendige Land für die Realisierung der Infrastrukturanlagen be-reitstellen und andererseits eine Manövriermasse (Massenland) bei der Neuzutei-lung schaffen. Während der Melioration wird dieses Massenland normalerweise verpachtet und nach Abschluss der Neuzuteilung verkauft. Hier konnte es als Rea-lersatz verwendet werden. - Zweitens haben sowohl Kirchgemeinde wie auch die politische Gemeinde Flächen zu Gunsten des Projektes abgetreten, und - drittens hat der entwässerte Boden durch die Aufschüttungen teilweise eine be-deutende Aufwertung erfahren (Erhöhung der Bonitierungspunkte). Da die Flächen nach Punkten verteilt werden, blieben mehr Flächen übrig, welche wiederum als Realersatz verwendet werden konnten. Das Projekt konnte 2009 abgeschlossen werden, nachdem 2004/2005 bereits die neue Flächenzuteilung in Kraft getreten war.
Auslöser für die Revitalisierung war die Entwässerung im Rahmen der Gesamtme-lioration im Val Müstair. Man wollte auch etwas für die Natur tun, weshalb seit 1998 auch eine Revitalisierung „als Prestigeprojekt“ mitgeplant war.
1400 ha für die Gesamtmelioration, 30 ha für die Revitalisierung. Die revitalisierte Flussstrecke misst 1940m2 und umfasst 6.05 ha Land (im Gegensatz zum alten Zustand: 1.95ha). Die Meliorationsgenossenschaft hat das Projekt mit 4.1ha Land-wirtschaftsboden unterstützt, welcher anhand eines Landumlegungsverfahrens auch als Realersatzboden verwendet wurde.
Flurbewässerungen (600 ha -> 80% feste Installationen wie Leitungsnetz und Hyd-ranten), punktuelle und Flächenentwässerungen, Erschliessung, neue Wasserfas-sungen mit Ableitungen in Reservoire zur allgemeinen Nutzung und Verwendung des Überwassers für Beregnung, Möglichkeit zur Aushubdeponie, Erstellung einer zentralen Schiessanlage für alle Gemeinden mit einer viel besseren Ausstattung, Ermöglichung des Baus einer kantonalen Fischzuchtanstalt (Bereitstellung von Land an geeignetem Ort sowie Zuteilung des Quellgebietes für Wasserversorgung der Anstalt)
Es gab sehr viele Akteure und es war schwierig, alle auf einen Nenner zu bringen: Landwirtschaft vs. Naturschutz vs. Fischerei. Es war wichtig, als Einheit aufzutreten um das Budget zu legitimieren. Aus der Bevölkerung erfuhr man zuerst eine gewisse Skepsis, mittlerweile sind aber alle zufrieden und sehen die neu entstandenen Vorteile.
Meliorationsgenossenschaft bestehend aus Vorstand, Schätzungskommission und Genossenschafter (Generalversammlung).
Bund, Kanton (Amt für Flussbau, Amt für Natur und Umwelt, Fischereiamt), Melio-rationsgenossenschaft Val Müstair, Pro Natura, Stiftung Landschaftsschutz, B. Suhner Stiftung, Grundeigentümer, Bewirtschafter, Gemeinde, Forstvertretung, Fischerei
Gesamtmelioration und Landumlegungsverfahren für die Realersatzleistungen
Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktionsfläche,
Weiterverwendung des Bodens für Bodenverbesserungen,
Bodenverbesserungen durch Entwässerung,
Landschaftliche Verbesserung im ästhetischen Sinn,
Fischbestände haben sich massiv verbessert/ erhöhte Artenvielfalt allgemein,
Realersatzlösung als Glücksfall,
Gute Zusammensetzung des Leitungsteams: Urs Darnuzer war Projektleiter und verantwortlich dafür, dass ein Konsens gefunden wurde. Dadurch, dass sein Ingenieurbüro eine Filiale im Val Müstair eröffnete und er eng mit dem Filialleiter zusammenarbeitete, konnte er dabei von der Innensicht des Filialleiters profitieren (er kannte die Leute und den Ort) wie auch von seiner Aussensicht (Übersicht, Unvoreingenommen).
Alle Beteiligten ins Boot zu holen!
Es gab Probleme mit den zuständigen Ämtern, weil sich durch die Auf-schüttungen des ausgehobenen Bodens bei der Revitalisierung die Differenz des Grundwasserspiegels zum Boden vergrösserte. Es wurde kritisiert, dass dies eher eine Deponie sei und nicht wie geplant eine Bodenverbesserung. Dies führte zu vielen Diskussionen und es wurde viel Zeit und Energie investiert.