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Mitsubishi Motors Corporation – das klingt imposant und ist es auch. International bietet der Hersteller ein recht buntes Modellprogramm an, das vom Klein- bis zum schweren Geländewagen reicht. Auch im Bereich von Elektromobilität hat Mitsubishi Pionierarbeit geleistet und mit dem i-MiEV das erste in Masse produzierte E-Auto auf den Markt gebracht. Die Markenhistorie selbst ist dabei gar nicht so lang, da sie erst mit der Selbstständigkeit im Jahr 1970 begann. Wenn man jedoch zu den Ursprüngen der Mitsubishi Heavy Industries Ltd. zurückkehrt, ist die Geschichte weit über 100 Jahre alt.
Der Konzern stellt heute nicht nur Autos her, sondern auch andere Produkte des täglichen Lebens wie zum Beispiel Audio- und Video-Geräte, Klimaanlagen, Kühlschränke, Waschmaschinen oder Computer. Darüber hinaus taucht der Firmenname in Bereichen des Energiewesens, in der Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie, im Schiffs- und Maschinenbau, in der Chemie, der Verkehrsinfrastruktur, der Banken- und Aktienbranche, der Versicherungswirtschaft, dem Immobiliengeschäft, der Forschung oder dem Lebensmittelhandel auf. Die Motor-Sparte ist also nur ein Bruchteil der Mitsubishi-Gruppe, und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der Aufschwung und die Modernisierung Japans ganz eng mit der Geschichte dieses Konzerns verbunden waren.
Mitsubishi Heavy Industries gehörte der Mitsubishi-«Zaibatsu»: Das Wort wurde in Japan erstmals um 1900 gebraucht und wies darauf hin, dass es sich um eine sehr wohlhabende Familie handelte. Solche Clans haben damals grosse Holdings oder Dachgesellschaften gegründet, um ihr Kapital anzulegen. In ihnen wurden wiederum mehrere Unternehmen als Tochtergesellschaften für verschiedene Bereiche gegründet. Die Töchter selbst waren bereits stattliche Firmen, die in ihren Bereichen schnell eine führende Stellung einnahmen. Somit standen Familien wie Mitsubishi an der Spitze einflussreicher Konzerne: Zusammen mit der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ, Ltd. und der Mitsubishi Corporation (Mitsubishi Shoji) werden diese drei Unternehmen heute noch als Mitsubishis «Big Three» (Gosanke) bezeichnet.
Neben den Mitsubishi-Zaibatsu gab es noch die Mitsui-Zaibatsu und die Sumitomo-Zaibatsu, die als die «grossen drei Zaibatsu» bezeichnet wurden. Interessant dabei ist, dass sowohl Mitsui als auch Sumitomo eine über 300 Jahre alte Geschichte vorweisen können und von berühmten Persönlichkeiten gegründet wurden. Mitsubishi hingegen wurde während des Wechsels des Tokunaga-Shogunats zur Meiji-Zeitrechnung von einem einfachen Geschäftsmann namens Yataro Iwasaki (1835–1885) aus der Provinz Tossa (der heutigen Präfektur Kochi) ins Leben gerufen, der in einer Zeit voller Unruhen unglaubliche Reichtümer angehäuft hatte. Iwasaki gelang das, weil die Meiji-Regierung beschlossen hatte, die verschiedenen Währungen der japanischen Edo-Länder zu vereinheitlichen, und er schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt davon wusste. So konnte er die Banknoten der verschiedenen Länder im Voraus preiswert erwerben, um sie dann teuer an die Regierung zu verkaufen. Da Iwasaki die Information von einem hohen Regierungsbeamten erhalten hatte, würde man heute von einem Insiderhandel sprechen…
Mit dem gewonnenen Wohlstand übernahm Yataro Iwasaki im Jahre 1871 die Handelsfirma «Tsukumo-Shoukai» in Tossa und begann mit dem Seefrachthandel. 1873 änderte er den Namen dann in «Mitsubishi-Shoukai», weil das Familienwappen der Iwasakis aus drei (mitsu) aufeinanderliegenden Rauten (bishi) bestand. Während der Satsuma-Rebellion (Südwestjapanischer Krieg) im Jahre 1877 übernahm Mitsubishi-Shoukai für die Regierung den Transport der Soldaten und aller für den Krieg benötigten Produkte und machte damit einen Gewinn von 15 Millionen Yen, was knapp einem Drittel der staatlichen Kriegsausgaben entsprach… Seit dieser Zeit unterhält Mitsubishi-Zaibatsu sehr enge Beziehungen mit der Regierung. Im Laufe der Zeit wurden die Geschäftsfelder erweitert: Mitsubishi-Shoukai begann mit dem Kohlebergbau, gründete eine Bank, eine Lagerhaus-, Handels- und Stromgesellschaft und fing auch mit Papierherstellung an.
1884 wurde die Sparte für den Schiffsbau in Nagasaki gegründet, welche erst «Mitsubishi Zosen» (Schiffsbau) hiess und später in «Mitsubishi Heavy Industries Ltd.» umbenannt wurde. In ihr entstand dann auch die Autosparte «Mitsubishi Motors», die im Jahre 1917 das erste Auto gebaut hat: Der Mitsubishi Model A war eine Kopie des italienischen Fiat Zero.
Durch den Schiffsbau nahm Mitsubishi Heavy Industries bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine führende Stellung in der japanischen Rüstungsindustrie ein. Sowohl der 263 Meter lange und 65 000 Tonnen schwere Schlachtkreuzer «Musashi» als auch weitere 20 Kriegsschiffe, der Standardpanzer der kaiserlichen Armee (Typ 97 Chi-Ha) oder die trägergestützten Jagdflugzeuge Mitsubishi A6M Zero oder Typ Null wurden von Mitsubishi Heavy Industries entworfen und hergestellt. Es ist also leicht verständlich, weshalb Mitsubishi bereits in den 1930er-Jahren beim Motorenbau, in der Fahrzeugentwicklung oder bei den Produktionstechnologien führend gewesen ist.
Nach 1945 wurden sämtliche Zaibatsu-Konglomerate durch das GHQ (General Headquarter – oberster Befehlshaber der alliierten Streitkräfte) zerschlagen und aufgelöst. Auch Mitsubishi Heavy Industries wurde 1950 in drei Unternehmen aufgeteilt – die «East-Japan Heavy Industries», «West-Japan Heavy Industries» und «Middle-Japan Heavy Industries». Schon 1964 sollten diese drei Unternehmen während einer grossen Wachstumsphase wiedervereinigt werden, weil sich ihre Produktpaletten zu sehr überschnitten. Ein Beispiel: Die Autosparte hatte zwar der «Middle-Japan Heavy Industries» angehört. Erste nennenswerte Erfolge im Automobilsektor feierte aber «East-Japan Heavy Industries», nachdem man 1950 eine Kooperation mit dem US-amerikanischen Hersteller «Kaiser-Frazer-Corporation» eingegangen war, für das Modell «Henry J» in CKD-Form (Completely Knocked Down) die asiatischen Fertigungs- und Vermarktungsrechte erworben und 1951 mit dem Verkauf begonnen hatte. Der Henry J war der erste ausländische Pw, der nach dem Krieg als CKD gefertigt wurde. Die meisten japanischen Autohersteller, unter ihnen Nissan, Hino, Isuzu und auch Toyota, interessierten sich fortan für dieses Verfahren und haben die Mitsubishi-Produktion in der Stadt Kawasaki besichtigt.
1953 begann man mit der CKD-Produktion und dem Verkauf des Jeep, bevor dann einzelne Teile selbst angefertigt worden sind. Das erste selbst entwickelte Auto wurde erst 1960 vorgestellt – der Mitsubishi 500. 1962 folgte mit dem Minica der erste Kleinwagen und 1969 (nach der Wiederzusammenführung des Konzerns) wurde der von Giorgetto Giugiaro entworfene Colt Galant vorgestellt.
Durch den Zusammenschluss mit Chrysler im Jahre 1970 wurde die Autosparte von Mitsubishi Heavy Industries ausgegliedert und als «Mitsubishi Motors» selbstständig gemacht. Mit Mitsubishi-Unterstützung gelang es den Amerikanern, den Charger und weitere für den australischen Markt gedachte Modelle auch in Japan anzubieten. Doch nach der Ölkrise verlief der Verkauf so schleppend, dass sich Chrysler bald wieder zurückzog. Die Kooperation selbst wurde 1985 aufgelöst. Wiederum mit Chrysler-Hilfe war es Mitsubishi da bereits gelungen, den eigenen Absatz in den Vereinigten Staaten zu steigern. Parallel hatte Mitsubishi schon 1973 eine technische Partnerschaft mit Hyundai in Korea unterzeichnet, und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der Grundstein für den heutigen Hyundai-Erfolg in dieser Allianz gelegt worden ist.
1976 begann Mitsubishi mit dem Europa-Verkauf. Ähnlich wie in Japan hat man sich dort ab den frühen 1980er-Jahren den Ruf als Hersteller «echter SUV» erarbeitet – und den mit 26 Jahren Teilnahme an der «Dakar» (1983 bis 2009) sowie zwölf Gesamtsiegen auch gefestigt. Der 1982 eingeführte Pajero jedenfalls war schnell weltbekannt und dank seiner Qualitäten auch gefragt. Mitten in der Bubble Economy und der wachsenden Wirtschaft wurden Softroader immer beliebter, und Mitsubishi erweiterte die Palette mit erfolgreichen Modellen wie dem Pajero Pinin, K-Car Pajero Mini, Pajero Sport oder dem RVR (Space Runner).
Auch im Sportwagensegment kann Mitsubishi eine erfolgreiche Vergangenheit vorweisen. Erwähnen sollte man dabei vor allem den ebenfalls 1982 präsentierten Starion: Im zweiten Teil des «Cannonball Run»-Hollywoodfilms («Auf dem Highway ist wieder die Hölle los») wurde das FR Coupé von Jackie Chan und Richard Kiel gefahren, was dem Auto einen Imageschub bescherte. Auf dem nordamerikanischen Markt wurde der Wagen sogar als direkter Konkurrent des Porsche 924 angesehen. Beeindruckend für ein japanisches Modell ist, dass man immer noch Ersatzteile für den 2,6-L-Turbo bekommt, obwohl dessen Produktion schon vor 20 Jahren gestoppt wurde.
Als Starion-Nachfolger debütierte 1990 der GTO; in Europa hiess er 3000GT. Dieser Sportwagen mit seinem aggressiven Design wurde damals mit allen möglichen Optionen ausgestattet und war während des Wirtschaftswachstums in Japan ein begehrenswertes Auto. Der GTO hatte einen einzigartigen Muscle-Car-Charme und wurde zehn Jahre lang produziert. Welches Modell man auf keinen Fall vergessen sollte, ist der in den USA produzierte Eclipse. Das spezielle Coupé hatte man 1989 auf der Plattform des Galant entwickelt und es war bis zu seinem Produktionsstopp 2012 über vier Generationen lang auch sehr populär – nicht zuletzt wegen der sportlichen Optik. Obwohl es den Eclipse nur als Linkslenker gab, wurde er auf vielfachen Wunsch auch in Japan verkauft.
Erwähnen muss man natürlich den berühmten Lancer Evolution: Er entstand, als Mitsubishi einen Hochleistungs-Zweilitermotor mit vier Turboladern in einen praktisch-kompakten Viertürer verpflanzte. Damit diese 4WD-Sportlimousine mit dem Spitznamen Lan-Evo in der Rallye-Weltmeisterschaft starten konnte, wurde extrem auf die Homologationsvorgaben geachtet und teilweise umfangreich entwickelt. Der aktuelle Lancer Evolution X wurde im Jahre 2007 zwar in seiner vierten Generation eingeführt, doch Mitsubishi hatte sich bereits Ende 2005 aus der WRC zurückgezogen. Die Erfolge sind trotzdem bemerkenswert: Von 1996 bis 1999 konnte Tommi Mäkinen die Fahrerwertung viermal in Folge für sich entscheiden; ausserdem gewann er 1998 zusammen mit seinem Beifahrer Richard Burns den Konstrukteurs-Titel.
Mitte der 1990er Jahre brach der SUV-Absatz von Mitsubishi plötzlich ein: Die Zeiten hatten sich geändert – Verbraucher suchten jetzt mehr nach umweltfreundlichen Modellen mit geringerem Verbrauch. Der Hersteller trug dem zwar Rechnung und brachte 1997 im Carisma GDI (Gasoline Direct Injection) den ersten Grossserien-Benzindirekteinspritzer auf den Markt. Doch davon abgesehen hinkte man der Konkurrenz technologisch und auch optisch hinterher: Mitsubishi schaffte es damals einfach nicht, attraktive Modelle zu produzieren, nach denen sich Neuwagen-Interessenten umschauten. Des Weiteren wurde im Jahre 2000 die Mitsubishi-Affäre der «versteckten Rückrufe» sowohl in der Auto- als auch in der Lkw- und Bussparte aufgedeckt, die sich 2004 bewahrheiteten und mehrere Verhaftungen (unter anderen auch die des damaligen Präsidenten Katsuhiko Kawaose) nach sich zogen. Das führte zu einem erheblichen Imageschaden; das Vertrauen der Verbraucher sank dramatisch. Darüber hinaus verkaufte die damalige Muttergesellschaft DaimlerChrysler ihre gesamten Beteiligungen, und nachdem sämtliche Kapitalbeziehungen aufgelöst worden waren, stand Mitsubishi kurz vor einem Konkurs.
Rettung kam in Form einer Modell-Kooperation mit Nissan Motors und PSA (Mitsubishi fungierte hier als Lieferant) sowie einer Kapitalerhöhung durch die zur Mitsubishi-Gruppe gehörende Tokyo-Mitsubishi-Bank (gegenwärtig Bank of Tokyo-Mitsubishi-UFJ): Unter dem Dach von Mitsubishi Heavy Industries konnte der Automobilhersteller den Wiederaufbau anstreben. Nachdem man die Finanzen 2009 stabilisiert hatte, kamen neue innovative Modelle wie das eingangs schon erwähnte Elektroauto i-MiEV: Es basiert auf dem japanischen K-Car Mitsubishi i, wird also am Fliessband hergestellt und von einer Lithium-Ionen-Batterie gespeist. Der i-MiEV wird seit 2010 auch an PSA geliefert und läuft dort als Peugeot iOn und Citroën C-Zero. Mit den bis Ende 2012 weltweit verkauften 22 000 Exemplaren (alle drei Versionen) ist man nicht mehr allzu weit vom Break-even-Point entfernt (30 000 Einheiten) und konnte zudem wertvolle Erfahrungen für die nächste Modellgeneration gewinnen. Ende 2012 hat man ausserdem den Outlander PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicle) vorgestellt: Der ist für die Marke besonders wichtig, vereint er doch Umweltbewusstsein mit der erwähnten 4×4-Tradition des Hauses. In der Schweiz wird der Elektro-Allradler seit November verkauft.
Womit wir in der Gegenwart angekommen wären, in der es für den Hersteller wieder sehr viel besser aussieht. Für kommende Zeiten gilt nach wie vor ein Leitspruch aus der Zaibatsu-Ära, der da lautet: «Mitsubishi ist nicht nur eine Sache der Familie Iwasaki, Mitsubishi ist für die Volksgemeinschaft da.» Wie ist das zu verstehen? Selbstverständlich strebt der Hersteller wie jedes Unternehmen nach Profit, doch darüber hinaus sollte die Einstellung vorhanden sein, auch zum Gemeinwohl beizutragen. Im Portfolio von Mitsubishi Motors, das die Schwerpunkte auf Fortschritt, Praktikabilität und Sicherheit legt, spiegelt sich genau dieser Anspruch. Und der soll bei zukünftigem Handeln stärker berücksichtigt werden denn je.