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Als der Gemeinderat Uznach in einer Wirtschaft tagte
Obwohl es in Uznach längst ein Rathaus gab, tagte der Gemeinderat über viele Jahre nicht dort, sondern in einer Wirtschaft. Lokalhistoriker Alois Beretta weiss einiges über die Beizen in früheren Zeiten zu berichten.
Heute hält der Gemeinderat Uznach seine Sitzungen im Vettiger-Zimmer im Rathaus. Zwar hiess das grosse Haus mitten im Städtchen immer Rathaus, aber hier tagte früher nicht der Uzner Rat, sondern hier hielten der Landrat und das Gericht seine Sitzungen ab. Es wurden hier die Grafschaftsgeschäfte erledigt. Das Haus gehörte denn auch zu einem Drittel der Stadt, zu zwei Dritteln den umliegenden Gemeinden Schmerikon, Eschenbach, Goldingen, St. Gallenkappel, Gommiswald und Ernetschwil.
Die Behörde der Gemeinde tagte in einer Wirtschaft, und das auch nach Schaffung der Politischen Gemeinde. Zeitweise sassen bis zu drei Wirte im Rat. Die Gastwirte waren oft angesehene und einflussreiche Persönlichkeiten. Es lag nahe, bei ihnen die Sitzungen abzuhalten, schon weil es keine andere Möglichkeit gab. Diese Praxis dauerte bis um 1900, als das Rathaus zur Nutzung durch die Behörden umgebaut wurde. Schreiber und Säckelmeister standen im Nebenamt und erledigten ihre Arbeiten zu Hause. Erst allmählich war zuerst der Gemeinderatsschreiber, dann der Kassier vollamtlich tätig.
Dass zu den Zeiten, als der Gemeinderat in einer Wirtschaft tagte, das Amtsgeheimnis locker gehandhabt wurde, ist nicht überliefert. Später wurde es dann legendär, dass noch am Abend nach Schluss der Gemeinderatssitzungen in der gegenüberliegenden Wirtschaft «Blume» brühwarm über die Sitzung berichtet wurde. Am nächsten Tag wurde dann das Neueste im «Bahnhof» ausgebreitet.
Partei-Wirtschaften
Einige Gaststätten waren eindeutige Parteilokale. Die «Blume», das «Brüggli» und die «Krone» waren freisinnig; das «Schäfli» und der «Falken» galten als konservativ. Weil die beiden Steiner-Söhne Otto und Adolf erfolgreich Eishockey spielten, war der «Falken» das Clublokal, während sich die Mitglieder der Harmonie bei ihrem Vereinsmitglied Alfred Steiger in der «Rose» trafen. In der «Krone» trafen sich die Männerchorsänger, im «Rössli» die Turner. Die «Sonne» war das Lokal der Fussballer. Dies darum, weil das Fussballfeld im Ausserhirschland, etwa im Gebiet der Afex-Maschinenfabrik lag.
Zur Zeit der Anbauschlacht wurde die Ortsgemeinde als Grundeigentümerin vor die Wahl gestellt, entweder das Fussballfeld zur Bepflanzung freizugeben oder den oberen Buchwald zu fällen und hier Äcker zu schaffen. Was man heute nach den Erfahrungen an Klaus- und Maimarkt nicht erwarten würde: Die Markttage waren für die Wirtschaften ausgezeichnete Tage. Man erzählt sich, dass der «Burg»-Wirt aus den Erträgen an diesen drei Tagen den Zins zu bezahlen vermochte.
Der inzwischen aufgegebene Tönimarkt war der bedeutendste. Bis zu diesem Tag im Januar wussten die Bauern, ob sie über genügend Futter bis zum Frühjahr verfügten, um ihre Tiere durchzufüttern, ob sie Vieh verkaufen oder gar kaufen sollten. An den Marktabenden wurde im «Burg»-Saal, im «Hirschen», in der «Rose», im «Ochsen» und im «Gemsli» zum Tanz aufgespielt. Am Sonntag klagte der Pfarrer auf der Kanzel über das sündhafte Treiben am Vorabend. Im Saal der «Burg» stand etwa ab 1955 der erste öffentliche Fernseher.
Gegen eine Gebühr von 50 Rappen und bei Konsumation – versteht sich – durfte man hier die Fernsehprogramme verfolgen» (aufgezeichnet von Kilian Oberholzer).
Museum gibt Einblick
Das Museum Uznach zeigt die erfolgreiche Sonderausstellung über heutige und ehemalige Gastwirtschaften in Uznach im oberen Geschoss. Das Museum Uznach ist am kommenden Sonntag, 4. Februar, von 10 bis 12 Uhr geöffnet.