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Transplantation von Stammzellen & soliden Organen einige Gemeinsamkeiten, viele Unterschiede
Die Transplantation von soliden Organen – wie z.B. Nieren, Herz, Lunge oder Leber - weist im direkten Vergleich zur Transplantation von (Knochenmarks-)Stammzellen, kurz SZT, einige Gemeinsamkeiten, jedoch noch mehr Unterschiede auf. In der Schweiz wird die Stammzellen-Transplantation, seit über 30 Jahren durchgeführt. – Und die medizinische Entwicklung in der Stammzellen-Transplantation macht weiter Fortschritte: Seit einigen Jahren besteht zudem die Möglichkeit, Patienten mit Nabelschnurblut zu transplantieren, welches nach der Geburt abgenommen wurde.
Autologe und allogene SZT – was ist das?
Im Knochenmark befinden sich die Blutstammzellen, aus denen die verschiedenen Blutzellen
gebildet werden. Bei einer SZT werden diese von einem Spender auf einen Empfänger übertragen.
Wenn Spender und Empfänger (= Patient) identisch sind, spricht man von einer sogenannten autologen SZT (autolog = medizinischer Begriff für "zum selben Individuum gehörig"). Dem Empfänger werden vor einer geplanten Behandlung Blutstammzellen entnommen und anschliessend wieder zugeführt – somit erübrigt sich auch die Spendersuche. Die Stammzellen werden während Phasen entnommen, in denen der Betroffene gesund ist – zum Beispiel nach einer Chemotherapie.
Bei der allogenen SZT – die bei bösarten Erkrankungen des Blutsystems zum Einsatz kommt - werden Blutstammzellen von einem Spender zu einem Empfänger übertragen: Spender und Empfänger sind nicht dieselbe Person. Beim Spender handelt es sich in aller Regel um ein Geschwister des Patienten oder aber um einen gewebskompatiblen Fremdspender. In den letzten Jahren hat sich hierbei eine Verschiebung gezeigt und es werden heute mehr Stammzelltransplantationen von unverwandten als von verwandten Spendern durchgeführt.
Hauptkomplikation der allogenen Transplantation ist das Auftreten einer Graft-versus-Host-Erkrankung. Dabei handelt es sich um eine systemische Entzündungs-Reaktion, ausgelöst durch eine sogenannt umgekehrte Abstossung, d.h. einer Abstossung von gesundem Gewebe des Patienten durch das transplantierten Knochenmark bzw. das Spenderimmunsystem. – Die Graft-versus-Host-Erkrankung bleibt schwierig zu behandeln und vorherzusagen. Prophylaktisch werden die Patienten nach Transplantation immunsuppressive Medikamente verabreicht.
«Die Möglichkeit des Absetzens von Immunsuppressiva bei den meisten Patienten im Therapieverlauf sowie die seltenen auftretende Organabstossung, sind die wichtigsten Unterschiede der Stammzell-Transplantation im direkten Vergleich zur Transplantation von soliden Organen.»
Zitat Prof. Martin Stern
SZT: indiziert bei bösartigen Erkrankungen oder Chemotherapie
Eine SZT ist vor allem bei bösartigen Erkrankungen, zum Beispiel Leukämie (Blutkrebs) oder Lymphome (Lymphdrüsenkrebs) indiziert. Auch durch eine Chemotherapie oder Bestrahlung kann es zu einer Schädigung des Knochenmarks kommen, die dann eine Transplantion von Stammzellen erforderlich macht.
Die Blutstammzellen können aus dem Knochenmark gewonnen werden; meist durch eine Entnahme aus dem Beckenkamm. Dank der heutigen modernen Medizin wurde die Knochenmarksentnahme allerdings weitestgehend von der sogenannten peripheren Blutstammzellspende abgelöst. Damit können Blutstammzellen nach entsprechender Vorbereitung direkt aus dem Blut gewonnen werden. Im Anschluss erhält der Empfänger sie über eine Vene zugeführt. Die Blutstammzellen siedeln sich dann im Knochenmark an und nehmen allmählich – meist innerhalb von 14 Tagen - ihre Funktion auf.
Bei beiden Entnahmeverfahren - aus Beckenkamm oder durch periphere Blutstammzellspende - muss zunächst ein geeigneter Spender gefunden werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die transplantierten Zellen abgestoßen werden. Enge Verwandte kommen deshalb am ehesten für eine Stammzellen-Transplantation infrage. Um möglichst schnell einen geeigneten Spender zu finden, wurden Datenbanken wie die “Swiss Blood stem cells Foundation” eingerichtet (Kontaktinfos siehe Infokasten). - Seit einigen Jahren besteht zudem auch die Möglichkeit, Patienten mit Nabelschnurblut zu transplantieren, welches nach der Geburt abgenommen wurde.
«Ziel aktueller Bemühungen ist, nicht mehr nur den Patienten in der Akutphase von seiner Krankheit zu befreien, sondern auch langfristige Komplikationen der SZT rechtzeitig zu erkennen und womöglich zu verhindern.»
Zitat Prof. Martin Stern
SZT: immer mehr auch bei älternen Patienten
Seit Einführung der Stammzell-Transplantation hat sich eine deutliche Veränderung des Patientenprofils ereignet. Patienten werden heute früher im Verlauf ihrer Krankheit behandelt, insbesondere aber wurde die Population von Transplantations-Kandidaten ausgeweitet. So werden immer mehr auch ältere Patienten behandelt werden. Dies schafft vielerlei neue Herausforderungen, was z.B. die Nachbetreuung anbelangt. Komplikationen, die teilweise erst nach Jahrzehnten auftreten, werden heute erkannt.