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Geschichte der Schule Buhn
Reformationszeit
Vor der Reformation gab es im Kanton Zürich nur auf städtischem Gebiet Schulen. Die in Zürich durch Ulrich Zwingli reformierte Kirche wollte allerdings, dass jeder Gläubige die Bibel lesen konnte. Diese war deshalb auch das „Hauptlehrmittel“ der neu gegründeten Landschulen im ganzen Kanton. Doch bald wurden die Ortspfarrer von Schulmeistern als Lehrer verdrängt. Diese zogen wandernd durchs Land, im Winter 1633/34 machte erstmals einer im Dörfchen Seebach Halt. Zwei Dutzend Knaben und ein Mädchen aus der 200-Seelen-Gemeinde erhielten in diesem Winter Unterricht. Doch verliess der Schulmeister das Dörfchen bereits im nächsten Jahr wieder – so mussten die Kinder wieder den weiten Schulweg nach Kloten oder Rümlang auf sich nehmen.
Erste Schule in Seebach
Seit 1671 besteht der Nachweis einer ständigen Schuleinrichtung in Seebach. Die Kinder besuchten, je nach Alter, zu unterschiedlichen Tagen und Tageszeiten den Unterricht. Dieser fand jedoch nur im Winter statt. Im Jahr 1743 wurde erstmals die Einführung einer Ganzjahresschule in Betracht gezogen. Dafür wurde eigens das Haus von Jakob Bentheli (Buhnrain 5) gekauft, in dem die erste Schul- und Gemeindestube untergebracht wurde. Bereits damals bestand für alle Bürger die Schulpflicht, die Landschulordnung von 1778 fand deutliche Worte dafür: «Alle, die nit können schryben und lesen, sigen des Tüfels, kommen in die Höll».
Ein eigenes Schulhaus
Im Jahr 1818 bauten die Seebacher unterhalb der Kirchenmauer (Buhnrain 1) ihr erstes, eigenes Schulhäuschen. Als 1831 die Zürcher Bevölkerung die demokratische Kantonsverfassung annahm, wurde die Schule aus der Vormundschaft der Kirche befreit. Die Alltagsschule wurde in sechs Klassen unterteilt, die Sekundarschule war zu dieser Zeit noch freiwillig. Sie konnte von sehr begabten Schülern ab 1837 in Unterstrass besucht werden. Schulpflegen aus Volksvertretern entstanden, die über Lehrer, Schüler und Schulhaus wachten.
Immer mehr Schülerinnen und Schüler
In den 1850er-Jahren war die Schule Seebach vor allem mit finanziellen Engpässen und Platzproblemen konfrontiert. Die Schülerzahl war inzwischen auf über hundert angewachsen. So konnte 1859 ein neues Schulhaus eingeweiht und von Lehrer Weidmann mit seinen Schülern bezogen werden. Doch erst sieben Jahre später erhielt die Schule einen zweiten Lehrer.
Zusammen mit dem neuen Schulhaus wurde 1859 ein neues Unterrichtsgesetz eingeführt, das Handarbeit und Turnen für die Mädchen vorsah. Eine Arbeitslehrerin wurde aus diesem Grund zusätzlich engagiert, da Lehrer Weidmann bereits insgesamt über 170 Kinder unterrichtete. Dieser erhielt ab 1866 mit Jakob Hotz einen Kollegen an seiner Seite. Der frische Lehrerzugang wurde mit einem Fest im «Ettenfeld» gefeiert. Die Kinder wurden, wie damals üblich, reichlich mit verdünntem Wein beschenkt.
Aus dieser Zeit stammen auch Berichte von Schulreisen: Begleitet mit Fahnen und Musik reisten alle Schüler auf den Etzel, den Bachtel, nach Glarus oder Stans.
Die erste Turnhalle
Jakob Hotz entpuppte sich bald als Turnpionier und veranlasste die Pacht einer Turnwiese in der Kiesgrube und den Bau des Turnschopfs an der Seebacherstrasse. Dieser soll die erste Turnhalle in einer zürcherischen Landgemeinde gewesen sein.
Die Schulferien richteten sich in dieser Zeit übrigens noch stark nach dem landwirtschaftlichen Kalender: So gab es laut Verordnung von 1875 beispielsweise Ferien für die Kartoffelernte, für die Heuet, für die Weinlese oder sogenannte «Getreideferien».
Zeit der Industrialisierung
Mit der Entwicklung der Maschinenindustrie in Oerlikon verwandelte sich das Bauerndorf Seebach in einen Industrievorort. Der Zustrom von Arbeitern und Arbeiterinnen in die Gemeinde sorgte für einen starken Anstieg der Schülerzahlen, nicht aber der kommunalen Steuereinnahmen. Seebach musste mit einem geringen Steuereinkommen einen grossen Bedarf an Wohn- und Schulraum decken. So vervierfachte sich die Bevölkerung innerhalb von knapp 30 Jahren auf über 3000 Einwohner im Jahr 1898. Das bestehende Schulhäuschen musste bereits 1888 aufgestockt werden, der Bau von Kanalisationen sowie Strassenpflästerungen war für die Gemeinde aber aus Geldmangel nicht realisierbar.
Bau des Schulhauses Buhn
Dennoch reichten die finanziellen Mittel für ein neues Schulhaus: Im Jahr 1899 wurde die achtjährige Schulpflicht per Gesetz eingeführt, was weiter steigende Schülerzahlen zur Folge hatte. So war bereits 1897–1899 das Schulhaus auf der Buhn gebaut worden, das für neun Klassen und einen Abwart Platz bot. Es wurde am 1. Mai 1899 mit Umzug, Feuerwerk und Spielen eingeweiht. 1905 folgte die Einweihung der Turnhalle – der alte Turnschopf an der Seebacherstrasse hatte für die Schule ausgedient.
1903 erfolgte die Einrichtung einer eigenen Sekundarschule mit zwei Klassen. Sie besetzte alle vier Zimmer im Schulhäuslein an der Ecke Buhnrain/Seebacherstrasse. Doch bald bahnten sich wieder erste Platzprobleme an. Der rasche Bevölkerungszuwachs der Gemeinde führte dazu, dass 1920 in den neun Zimmern des Schulhauses auf der Buhn 14 Klassen untergebracht werden mussten.
Weitere Schulhäuser entstehen
So wurden im Jahre 1921 in der mechanischen Schreinerei Frei an der heutigen Friesstrasse provisorische Klassenzimmer für die 7. und 8. Klasse eingerichtet. Die finanzschwache Industriegemeinde Seebach musste erneut einen Schulhausbau erwägen.
Jedoch durfte sie auf die finanzielle Unterstützung der Stadt Zürich zählen. Für 3,1 Millionen Franken wurde 1933 das Schulhaus Buhnrain gebaut. Architekt R. Rohn wählte eine kostengünstige Eisenbetonkonstruktion in Sichtbeton. Es ist noch heute eines der grössten Schulhäuser der Stadt Zürich und ein reines Oberstufenschulhaus.
Nach der Eingemeindung in die Stadt Zürich im Jahr 1934 wurde Seebach mit Oerlikon, Schwamendingen und Affoltern zum städtischen Schulkreis Glattal zusammengefasst.
Die Quartierbevölkerung wuchs innerhalb von 20 Jahren noch einmal beträchtlich auf 17‘500 im Jahr 1960. Der neu erbaute Mitteltrakt Buhn konnte 1946 den ersten Schülerandrang ausgleichen. Jedoch mussten bald neue Schulhäuser errichtet werden, wie das Kolbenacker (1954), das Buchwiesen (1957), das Staudenbühl (1968) und das Heumatt (1973).
Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Quartiervereins Seebach aus:
Schyrr, A. (1983). Die Schule im Wandel der Zeit. In Quartierverein Seebach (Hrsg.), Unser Seebach (S. 113-119). Zürich-Seebach: Quartierverein Seebach.