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Die Demenz zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen im höheren Lebensalter. Als "Demenz" bezeichnet man in der Medizin einen andauernden oder fortschreitenden Zustand, bei dem die Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens und/ oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns beeinträchtigt sind. Oft kommt es auch zu Veränderungen des zwischenmenschlichen Verhaltens und des Antriebs. Damit unterscheidet sich die medizinische Verwendung des Begriffs deutlich von der Übersetzung des Ausdrucks aus dem Lateinischen ("Fehlen des Verstands").
Der Begriff "Demenz" beschreibt ein bestimmtes Muster von Symptomen ("Syndrom"). Er steht selbst nicht für eine bestimmte Krankheit.
Demenzerkrankungen können viele Ursachen haben, wobei die Alzheimer-Krankheit (benannt nach dem Psychiater Alois Alzheimer) die häufigste ist: rund 60% aller Demenzen werden durch sie hervorgerufen. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen.(Quelle:deutsche-alzheimer.de)
In der Schweiz sind ca.107`000 Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen (2012). Die meisten sind 85 Jahre und älter.
Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen nimmt mit dem Lebensalter zu: sind in der Altersgruppe von 70 bis 74 Jahre noch unter 4 % betroffen, so sind es bei den 80 bis 84jährigen bereits mehr als 15 %, bei den über 90jährigen mit 41 % sogar rund zwei Fünftel. In Einzelfällen können aber auch unter 65jährige an einer Demenz erkranken (im Alter von 45 - 65 Jahre etwa 0,1%).
Da die Anzahl der alten Menschen in den nächsten Jahren weiter wachsen wird, ist davon auszugehen, dass die Zahl der Demenzkranken massiv steigen wird.(Quelle:deutsche-alzheimer.de)
Bislang gibt es leider keinen Schutz davor, an Alzheimer zu erkranken. Es gibt aber einige Faktoren, die das Risiko zu erkranken verringern können.
Dazu gehören:
geistige, körperliche und soziale Aktivität,
ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Karotin,
fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren und
Eine sorgfältige Diagnose umfasst die gründliche Untersuchung deskörperlichen und des geistigen Zustandes.
Psychologische Tests werden eingesetzt, um Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit zu prüfen. Dem Ausschluss anderer Erkrankungen dienen neben körperlichen Untersuchungen auchLaborbestimmungen und bildgebende Verfahren wie etwa Computer-Tomographie oder MRT. Besonders wichtig ist das Gespräch mit dem Betroffenen und seinen Angehörigen (Anamnese).
Die Diagnose können erfahrene Ärzte bzw. Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie stellen. Gedächtnisambulanzen (auch "Gedächtnissprechstunden" oder "Memory Kliniken" genannt) sind besonders spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen.(Quelle:deutsche-alzheimer.de)
Grundsätzlich haben Patienten Anspruch darauf, über ihre Diagnose aufgeklärt zu werden. Ebenso haben sie aber auch das Recht, die Diagnose nicht zu erfahren. Im Gespräch mit dem Arzt kann geklärt werden, ob und wie viel jemand über seine Krankheit wissen möchte. Die Vermittlung der notwendigen und gewünschten Information muss in einer Sprache geschehen, die die Betroffenen verstehen können.
Es ist zunächst sicher schockierend und schmerzlich zu erfahren, dass man selbst oder ein Familienangehöriger an einer Demenz leidet.
Die ärztliche Diagnose kann aber auch eine wichtige Hilfe sein. Sie gibt eine Erklärung für die vorhandenen Probleme, bildet die Grundlage für eine gezielte Behandlung und ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere Lebensplanung.(Quelle:deutsche-alzheimer.de)
Die Alzheimer-Krankheit ist heute noch nicht heilbar, das Fortschreiten der Symptome lässt sich jedoch vorübergehend hinauszögern. Medikamente ("Antidementiva") stehen zur Verfügung, die über ungefähr ein Jahr die geistige Leistungsfähigkeit aufrechterhalten können und sich auch positiv auf die Alltagsbewältigung auswirken.
Um die Lebensqualität Demenzkranker und ihrer Angehörigen zu verbessern, aber auch um Verhaltensstörungen zu lindern, kann der Arzt Ergotherapie, Logotherapie (Sprachtherapie) und Krankengymnastik verordnen. Andere nichtmedikamentöse Ansätze wie Musik- und Kunsttherapie, Verhaltenstherapie, Selbst-Erhaltungs-Therapie oder Erinnerungstherapie können ebenfalls sehr hilfreich sein. Dabei sollten stets die Persönlichkeit und die individuellen Besonderheiten der Erkrankten berücksichtigt werden.
Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechteGestaltung der Umwelt ("Milieutherapie") sind darüber hinaus für Demenzkranke von besonderer Bedeutung.(Quelle:deutsche-alzheimer.de)
Demenzerkrankungen verlaufen unterschiedlich, und ebenso unterschiedlich sind die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Betroffenen.
Die Verhaltensweisen der Kranken ändern sich im Verlauf der Krankheit und körperliche Symptome nehmen häufig zu. Demenzerkrankungen haben zahlreiche Erscheinungsformen. Einige der Kranken sind freundlich, andere aggressiv, einige sind körperlich gesund, andere wiederum bettlägerig. Das Krankheitsbild verändert sich nicht nur im Verlauf der Krankheit, sondern ist häufig auch abhängig von der Tagesform und der Tageszeit.
Auch die pflegenden Angehörigen befinden sich in sehr unterschiedlichen Situationen. Meist sind es die Ehepartner im höheren Alter oder die Kinder bzw. Schwiegertöchter/-söhne, die auch noch eine eigene Familie zu betreuen haben und/oder berufstätig sind.
Es gibt deshalb keine allgemeingültigen Rezepte für den Umgang mit Demenzkranken, sondern es gilt auszuprobieren, was im Einzelfall hilft.
Folgende Tipps und Umgangsformen haben sich in der Praxis bewährt:
Die Krankheit annehmen statt sie zu verleugnen.
Wissen über die Krankheit erwerben und sich auf deren Verlauf einstellen.
Den Kranken, sein Verhalten, seine Äußerungen beobachten und versuchen sie zu verstehen.
Das eigene Verhalten auf den Kranken einstellen, zum Beispiel langsam und deutlich sprechen, Zuwendung geben, für einen gleich bleibenden, aber flexiblen Tagesablauf sorgen, Sicherheit und Geborgenheit schaffen.
Den Kranken nicht auf seine Fehler hinweisen, ihn nicht korrigieren, kritisieren, überfordern.
Vorhandene Fähigkeiten erhalten, die Kranken in Alltagstätigkeiten, die ihnen Spaß machen, einbeziehen. Dabei an gewohnte Handlungsmuster anknüpfen. Welche Vorlieben und Abneigungen hat der Kranke?
Wie beeinträchtigt eine Demenzerkrankung das Sprachvermögen?
Reden setzt vielfältige geistige Fähigkeiten voraus. Nicht nur müssen Wörter gespeichert und abrufbar sein. Wer einen Apfel möchte, muss den Satz bilden können: "Darf ich diesen Apfel haben?" Wörter allein genügen aber nicht. Man muss auch den Apfel als Frucht erkennen, muss eine Vorstellung davon haben, was ein Apfel ist. Wissenschaftler bezeichnen diese Vorstellungen als "Konzepte". Demenzkranke vergessen nicht nur immer mehr Wörter, sondern mit der Zeit auch die Konzepte, auf die sich die Wörter beziehen. Damit wird der sprachliche Austausch über Gefühle, Gedanken, Absichten und Wünsche mit der Zeit fast unmöglich. Gesprochenes zu verstehen und verständlich zu sprechen, beides geht Demenzkranken zunehmend verloren.
Wie sollen Angehörige auf die Sprachprobleme Demenzkranker reagieren?
Für die Kommunikation im Alltag bedeutet das: Es ist wichtig, Demenzkranke nicht zu überfordern, sondern ihre Fähigkeiten richtig einzuschätzen und sich ihnen anzupassen. Es macht zum Beispiel keinen Sinn, einem Demenzkranken, der die Abfolge der Wochentage nicht mehr erfassen kann, einen Zahnarzttermin von "übermorgen" anzukündigen, oder einen Spielfilm zu zeigen, der in verschiedenen Zeitebenen handelt. Weiter bringt es nichts, einen Demenzkranken zu kritisieren, wenn dieser immer wieder das Gleiche fragt oder erzählt, weil er sich nicht daran erinnern kann.
(Tipps zum sprachlichen Umgang mit Demenzkranken vgl. unten)
Wie mit Demenzkranken kommunizieren, die weitgehend sprachlos geworden sind?
Sprache und Denkvermögen mögen zunehmend erlöschen, doch auch Demenzkranke in fortgeschrittenem Stadium haben Gefühle und teilen sie mit. Blicke, Gesten, Mimik, die ganze Körpersprache können negative Gefühle wie Angst und Ängstlichkeit, Ärger, Wut, und Traurigkeit ausdrücken, aber auch Aufmerksamkeit und Interesse oder Freude. Häufig liefern Gefühlssignale die einzigen Hinweise auf Vorlieben und Abneigungen eines sprachlosen Demenzkranken, wobei es nicht immer leicht ist, die Gefühle richtig wahrzunehmen. So werden negative Gefühlssignale schnell als Ärger wahrgenommen, obwohl sie auch Zeichen von Angst oder Trauer sein könnten. Weiter werden weniger auffallende Gefühle und ihre Auslöser leicht übersehen. Die Auslöser für ein Gefühl zu erkennen, ist sehr wichtig. Nur so ist es möglich, Demenzkranken gezielt zu guten Gefühlen zu verhelfen und schlechten Gefühlen vorzubeugen oder sie aufzufangen.
(Quelle: SF, Puls)