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Betroffene anhören, um Kinderarbeit zu verstehen
Weltweit verrichten schätzungsweise 79 Millionen Kinder eine gefährliche Arbeit. Diese Zahlen erscheinen jedoch nicht in den offiziellen Statistiken der betroffenen Länder. Kinderarbeit erfolgt oft illegal und im Verborgenen. In mehreren Ländern Asiens versucht Terre des hommes (Tdh), Licht in dieses Phänomen zu bringen, und hört sich an, was die Kinder selbst dazu sagen.
Farida* ist elf Jahre alt. Sie arbeitet in einer Lederverarbeitungsfabrik in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Jeden Tag trägt sie Tierhäute auf dem Rücken in den fünften Stock hinauf, um sie an der Sonne trocknen zu lassen. Elf Stunden am Tag für weniger als 90 Franken im Monat. Eine Situation, die ihre Gesundheit gefährdet.
In Bangladesch, Myanmar und Nepal will Tdh gemeinsam mit anderen Partnern des Konsortiums CLARISSA die schlimmsten Formen von Kinderarbeit sichtbar machen und bekämpfen. Wir arbeiten mit lokalen Organisationen, Gemeinschaften und Familien zusammen, um die Funktionsweise von Sektoren zu verstehen, in denen Arbeit unter gefährlichen Bedingungen vorkommt. Das Ziel ist auch, die Gründe zu erkennen, weshalb Kinder für ein Einkommen ihre Gesundheit riskieren. Dazu lassen wir die Kinder selbst zu Wort kommen und hören uns ihre Lebensgeschichten an.
Als wir Farida zuhören, erfahren wir, dass sie in einem der vielen Slums von Dhaka wohnt. Ihre Familie stammt ursprünglich aus Kurigram, einer Region im Norden Bangladeschs, und musste in die Stadt abwandern, um den Überschwemmungen zu entkommen, die die Region verwüstet hatten. Eines Tages wurde ihr Vater krank. Um ihrer Familie das Überleben zu ermöglichen, begann Farida in der Lederindustrie zu arbeiten.
"Die Kinder entscheiden selbst, ob sie uns ihre Geschichten erzählen wollen. Im Allgemeinen sind sie dankbar, sich ausdrücken zu können, ohne dass jemand über sie urteilt. Das gibt ihnen Selbstvertrauen. Oft kommen dabei auch Emotionen hoch, weshalb wir ihnen wenn nötig psychologische Unterstützung bieten", erklärt Sudarshan Neupane, Regionalkoordinator des Programms. "Wir schulen die Kinder anschliessend, damit sie selbst andere Lebensberichte sammeln und analysieren können."
Die Kindergruppen durchleuchten diese Geschichten, um die Hauptgründe zu definieren, weshalb Kinder arbeiten, und um Tendenzen zu erkennen. Die jungen Teilnehmenden schlagen auch Lösungen für diese Schwierigkeiten vor. Die Ergebnisse ihrer Überlegungen werden anschliessend dazu verwendet, Anträge und Empfehlungen an Regierungen, aber auch Arbeitgeber zu formulieren. Das Ziel ist, die Situation der am meisten benachteiligten Familien zu verbessern und damit die Anzahl der Kinder zu verringern, die dazu gezwungen sind, unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen zu arbeiten.
"Es ist eine neue Arbeitsweise, bei der wir Recherche, Aktivitäten und Kinderpartizipation kombinieren", fährt Sudarshan Neupane fort. "Die Lösungen werden von den Kindern selbst entwickelt und ihnen nicht aufgedrängt. Die Resultate sind somit ganz unterschiedlich und dem jeweiligen Kontext angepasst."
*Der Name wurde zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Bildernachweis: © Tdh/Didier Martenet