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Gleich zu Beginn des Megaprozesses in Perpignan gab es am Donnerstag einen Zwischenfall: Der Pariser Anwalt eines Angeklagten kam mit Verspätung zur Verhandlung, da sein Flugzeug wegen starker Winde in Montpellier hatte landen müssen. So, als ob der Wind des Languedoc noch etwas mehr Verwirrung hätte schaffen wollen in der «Affäre Bouille». Der Prozess trägt den Namen des ehemaligen Bürgermeisters des Ferienortes St. Cyprien: Er soll ein Korruptionssystem aufgebaut haben. Auch der Freiburger Anwalt und Immobilien-Promotor Damien Piller soll den Bürgermeister geschmiert haben, damit seine Immobiliengeschäfte an der Küste auf keine Hindernisse stossen (die FN berichteten).
Ein Suizid
Gerichtspräsident Jean-Luc Dooms erinnerte die dreizehn Angeklagten und ihre Anwälte daran, dass in dieser Affäre ein Mann sein Leben verloren hat: Der Bürgermeister hatte sich im Mai 2009 nach sechs Monaten in Untersuchungshaft in seiner Zelle erhängt. Das hinderte die Verteidiger nicht daran, schnell in die Offensive zu gehen. Sie kritisierten unter anderem die Zurückhaltung eines Staatsanwaltes und zweier Untersuchungsrichter, die zu Beginn der Untersuchungen eine wichtige Rolle gespielt hatten.
Der Kriminalkommissar
Unterdessen arbeiten sie nicht mehr in Perpignan und gaben an, es sei ihnen nicht möglich, vor Gericht zu erscheinen. Einer der Verteidiger betonte, er hätte den früheren Staatsanwalt gerne gefragt, ob er von der «unangebrachten Beziehung» zwischen dem zuständigen Kriminalkommissar und der Ex-Freundin des Kabinettchefs des Bürgermeisters gewusst habe. Der Kabinettchef ist einer der wichtigsten Zeugen und Zivilkläger. Nun fragt sich der Anwalt, ob das Verhältnis des Kriminalkommissars mit dessen Freundin einen Einfluss auf den Verlauf der Untersuchung gehabt hat.
Anne Bessonnet und André Clerc verteidigen Damien Piller, welcher der aktiven Bestechung angeklagt ist. Sie haben sich den Anträgen der anderen Verteidiger angeschlossen und die Nichtigkeit des gesamten Prozesses beantragt. Clerc kritisierte vor allem, dass der Ermittlungsrichter Damien Piller nie befragt habe, trotz dessen Anfragen.
Weitere Geschäfte
Das Gericht in Perpignan wird am Montag und Dienstag über die Anträge der Verteidiger entscheiden. Gibt es den Anträgen statt, könnte der Prozess bereits zu Ende sein. Zugleich hat das Gericht die Möglichkeit, den Prozess durchzuführen und erst am Schluss im Lichte der Verhandlung zu entscheiden, ob die Nichtigkeitsbegehren gerechtfertigt waren. In diesem Fall dauert der Prozess bis Ende Februar.
Damien Piller wird am 16. Februar vernommen. Er sagt, er gehe mit ruhigem Gewissen in den Prozess: Er könne seine Unschuld beweisen. Er betont, dass er weiterhin in St. Cyprien tätig sein wird. «Der neue Bürgermeister hat mich kontaktiert.» Seit 2010 reist er im Schnitt einmal im Monat in den Ferienort, um seine sieben Angestellten im Unternehmen Lodef zu treffen. Lodef ist immer noch auf dem Immobilienmarkt aktiv. Piller sagt zudem, er habe nie am früheren Bürgermeister gezweifelt – bis die Affäre aufgeflogen sei.
bearbeitet von njb/FN