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Unerhörte Jugendliche
Artikulationen von Klasse und Geschlecht in der stationären Jugendhilfe
Nadine Sarfert
Wie gehen Jugendliche in der stationären Jugendhilfe mit gesellschaftlichen Normen, Anforderungen und Zuschreibungen um? Welche Selbstverhältnisse und Subjektivierungsweisen entwickeln sie? Und wie werden dabei hegemoniale Ordnungen von Klasse und Geschlecht verhandelt?
Das Dissertationsprojekt untersucht, wie Jugendliche in der stationären Jugendhilfe innerhalb bestehender Macht- und Herrschaftsverhältnisse angerufen werden und welche Umgangsweisen sie daraus entwickeln. Im Anschluss an die frühe Kritische Theorie der Frankfurter Schule und an die Machtanalyse Foucaults wird die Jugendhilfe als Sozialisationsagentur und Normalisierungsmacht bestimmt. Anhand einer tiefenhermeneutischen Interpretation von Beobachtungsprotokollen aus dem Einrichtungsalltag und narrativen Interviews mit Jugendlichen werden pädagogische Interaktionen wie auch subjektive Handlungs-, Denk- und Gefühlsweisen in den Blick genommen und dabei auch gesellschaftlich verworfene Dynamiken und Lebensentwürfe rekonstruiert.
Die Analyse zeigt, wie die Subjektivierungsweisen der Jugendlichen mit dem spezifischen Kontext der Jugendhilfe, mit neoliberal-kapitalistischen Verhältnissen und mit hegemonialen Geschlechternormen zusammenhängen. Ziel ist es, die Momente von Herrschaft verstehen, die in einzelnen Situationen wirksam werden und die Lebensweisen in der öffentlichen Erziehung prägen.
Dieses Buch basiert auf einer Promotion im Fach der Geschlechterforschung an der Universität Basel (2022) und wurde von Prof. Dr. em. Andrea Maihofer (Universität Basel) sowie Prof. Dr. María do Mar Castro Varela (Alice Salomon Hochschule Berlin) begutachtet.