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Im Dezember 1602 wollte sich der Herzog von Savoyen Genf mit einem Handstreich sichern. Der Angriff scheiterte und die Stadt wurde endgültig unabhängig.
Andrej Abplanalp
Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.
In der Nacht auf den 12. Dezember 1602 erlebte Genf unruhige Stunden. Die Savoyarden griffen die Stadt mit einigen tausend Männern an. Ihre Vorhut hatte die Stadtmauer bereits mit Leitern überwunden, als Alarm geschlagen wurde. Die savoyardischen Soldaten sollten das Stadttor für die restlichen Truppen öffnen, schafften es jedoch nicht. Damit war der Plan des Herzogs von Savoyen gescheitert. Noch vor Sonnenaufgang zog er sich zurück. Dabei hatte Karl Emmanuel, der schon seit einiger Zeit ein Auge auf das reiche Genf geworfen hatte, mit einem einfachen Handstreich gerechnet.
Die Niederlage war das endgültige Aus der savoyardischen Grossmachtsträume in dieser Region und eine Schmach für Karl Emmanuel. Nicht nur hatte er sich in dieser Dezembernacht militärisch blamiert. Der Herzog musste 1603 im Frieden von Saint-Julien auch die Unabhängigkeit von Genf anerkennen. Damit war sein Vorhaben, den Ort als Hauptstadt der Voralpen zu etablieren ebenso vom Tisch wie die Beseitigung des Protestantismus in dieser Region. Um sicherzustellen, dass die Savoyarden dies auch einhielten, wurde ihnen auferlegt, im Umkreis von vier Meilen rund um Genf keine Truppen zu sammeln oder Festungen zu bauen. Ausserdem wurde die Rhonestadt von der Steuerpflicht an Savoyen befreit.
Legende vom Suppentopf
Seither feiert Genf diesen Erfolg mit einem Volksfest namens Escalade. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Holzleitern, mit denen die ersten Angreifer die Stadtmauer überwunden hatten. Immer wieder und gerne wird im Zusammenhang mit dieser Nacht die Legende von Madame Royaume erzählt. Die Genferin soll einen vollen Suppentopf über Soldaten aus Savoyen geschüttet und damit einen wichtigen Beitrag zur Verteidigung der Stadt geleistet haben. Der Inhalt des Topfs variiert, je nach dem, wer die Geschichte erzählt. Noch heute wird an der jährlichen Feier mit kleinen Suppentöpfen aus Schokolade an diese Geschichte erinnert.
Der Genfer Sieg freute die Stadtbewohner und band Savoyen erheblich zurück. Das war auch den Eidgenossen Recht. Allerdings schieden sich die Gemüter an der Frage, wie es mit der Rhonestadt weitergehen sollte. Während die reformierte Orte Bern und Zürich die Genfer unterstützten und dies seit 1584 in einem ewigen Burgrecht auch schriftlich vereinbart hatten, wollten die katholischen Orte die Stadt nicht vollständig in die Eidgenossenschaft aufnehmen. Der Konfessionskonflikt schwelte nach wie vor unter den 13 Orten und eine Verschiebung des fragilen Gleichgewichts war riskant. So blieb Genf ein zugewandter Ort und wurde nach einem kurzen französischen Intermezzo zwischen 1798 und 1814 erst anfangs des 19. Jahrhunderts ein eigenständiger Kanton.Bereits vor der Niederlage in Genf hatte Savoyen grosse Gebiete in der heutigen Westschweiz verloren. So musste Herzog Emmanuel Philibert beispielsweis die Waadt 1564 an Bern abtreten. Dass das Adelsgeschlecht seinen Wirkungskreis im 17. Jahrhundert Richtung Italien verschob, ist deshalb logisch. Ganz von Savoyen lösen konnten sich die Genfer allerdings erst 1816. Im Turnier Vertrag trat König Viktor Emanuel, inzwischen waren die Savoyarden Könige von Sardinen-Piemont geworden, einige Gemeinden, darunter Carouge, das erst 1786 zur königlichen Stadt erhoben worden war, und Onex an Genf ab.
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