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Gerade die Schweiz sollte sich für den Klimavertrag von Paris starkmachen, da sie besonders stark vom Klimawandel betroffen ist, schrieb Christian Speicher in der NZZ vom 2. März 2017. Am 18. März 2017 bezeichnet Sven Titz ebenfalls in der NZZ Szenarien, die dem Pariser Klimaschutz-Übereinkommen entsprechen, als zu ehrgeizig, sogar als Traum. Dabei sind es genau solche Szenarien, die Christian Speicher wegen der verstärkten Betroffenheit der Schweiz durch den von Menschen gemachten Klimawandel einfordert. Sven Titz will solche Szenarien sogar aus der Diskussion ausschliessen. Er möchte ebenso die Szenarien am anderen Ende ausschliessen. Es wären dies Szenarien, die beschreiben, was passiert, wenn die Menschheit entsprechend den Absichten von Nicht-Wirklich-US-Präsident Donald Trump gar nichts gegen den Mensch gemachten Klimawandel unternehmen würde. Das sind jene Szenarien, die beschreiben, was passiert, wenn die These wahr wird, dass die Menschheit alle fossilen Brennstoffe aufbraucht, unabhängig von den Klimaauswirkungen. Er will nicht den Anschein erwecken, er habe bezüglich Klimaschutz resigniert – was er aber durch den Ausschluss des «Traum»-Szenarios trotzdem tut.
Wenn die Welt das Pariser Klimaschutz-Übereinkommen ernst nimmt, ist alles daran zu setzen, die globale Erwärmung auf 1.5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu beschränken. Was dies bedeutet, ist in Wikipedia nachzulesen: Soll das 1,5°-Ziel ohne Einsatz der CCS-Technik erreicht werden, muss die Verbrennung fossiler Energieträger bis ca. 2040 komplett eingestellt werden und die Energieversorgung – d.h. Strom, Wärme und Verkehr – in diesem Zeitraum vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden. PS: CCS-Technik meint den Entzug des Treibhausgases aus der Atmosphäre mit anschliessender sicherer und dauerhafter Lagerung – eine Technik, die bestenfalls experimentellen Charakter hat, mit massiven physikalischen, ökologischen und ökonomischen Vorbehalten, aus heutiger Sicht eine unrealistische Angelegenheit.
Das 1.5 °C-Ziel ist in das Pariser Klimaschutz-Übereinkommen aufgenommen worden, weil dadurch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschheit insgesamt vermindert werden können. Damit verbunden ist die Zuversicht, dass sich die Menschheit bei einer etwas langsameren Klimaveränderung besser an den Klimawandel anpassen kann – dies betrifft alle Lebensbereiche. Somit ist klar: Ein 1.5 °C-Szenario zur Beschränkung des von Menschen gemachten Klimawandels ist kein Traum, sondern eine zwingende Notwendigkeit. Und es ist alles daran zu setzen, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen.
Neuere Studien zeigen, dass etwa die katastrophale Situation in Syrien unmittelbar mit dem von Menschen gemachten Klimawandel in Verbindung gebracht werden kann. Ebenso klar ist, dass ein weiterer Klimawandel die Situation drastisch verschärft: Die Ernten in Afrika südlich der Sahara werden in den kommenden Jahrzehnten wegen des Klimawandels in einigen Ländern um mehr als 20 Prozent sinken, sagen Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT). In dieser Region leben heute 25 Prozent aller unterernährten Menschen der Welt. 300 Mio. sind dort auf Getreide und Mais als Hauptnahrungsmittel angewiesen. Ernteausfälle aufgrund von Trockenheit könnten noch mehr Menschen zur Flucht veranlassen. (Zitat aus dem Beitrag Klimawandel vernichtet Ernten in Afrika massiv von sonnenseite.com.)
Ehrgeiziger Klimaschutz darf nicht bloss Traum bleiben, sondern muss Realität werden.
Was ist zu tun?
Menschen gerade in reichen Ländern wie der Schweiz haben zu vereinbaren, dass bis spätestens 2040 auf den Einsatz fossiler Energien verzichtet wird. Ab diesem Zeitpunkt sind ausschliesslich erneuerbare Energien zur Deckung der diversen menschlichen Bedürfnisse einzusetzen. Dies erfordert deutlich mehr Beiträge zum Transformationsprozess – Sven Titz traut genau dies der Gesellschaft nicht zu, wenn er auf «… die mageren klimapolitischen Entscheidungen in der letzten Zeit» verweist. Wenn offenbar die Politik nichts taugt beim Klimaschutz ist die Zivilgesellschaft, ist jede und jeder Einzelne gefragt: ich, du, er, sie, wir, ihr, sie!
23 Jahre sind eine ausreichend lange Zeitspanne, um dafür zu sorgen, dass
- in jedem Gebäude für Heizung, Wassererwärmung und Stromversorgung ausschliesslich erneuerbare Energien verwendet werden,
- unsere Mobilitätsbedürfnisse ausschliesslich mit Verkehrsmitteln abgedeckt werden, die für den Antrieb erneuerbare Energien nutzen (im Wissen darum, dass die beim Flugverkehr eine besondere Herausforderung darstellt),
- die Ernährung deutlich stärker auf Nahrungsmitteln pflanzlicher Herkunft aufbaut,
- beim Konsum – von Geräten über Freizeitangebote bis zur Bekleidung – Ressourcenschonung in Vordergrund stehet,
- erste Anpassungen an den von Menschen gemachten Klimawandel erfolgen – dies betrifft voraussichtlich nicht nur die Sportferien in den Skigebieten.
Energien und Ressourcen, auch wenn sie erneuerbar sind, sind nachhaltig zu nutzen, und es sind die Nachhaltigkeitsprinzipien Suffizienz, Effizienz und Konsistenz in dieser Reihenfolge umzusetzen.
In 23 Jahren wird das Leben deutlich anders aussehen als heute. Das Leben wird auch in 23 Jahren ein lebenswertes Leben sein, sogar für mehr Menschen als heute. Es ist offensichtlich: Wenn wir wollen, ist diese grosse Transformation gesellschaftsverträglich zu erreichen. Und einmal mehr stehen jene, die diese Transformation aus welchen Gründen auch immer nicht wollen, jenen im Weg, die dies überhaupt probieren wollen – exemplarisch outet sich SVP-Rösti dauernd als Zukunftsverhinderer. Klar ist: Der Nicht-Transformationspfad hat ebenfalls Kosten zur Folge, und diese Kosten dürften sogar deutlich höher sein als die Kosten des erfolgreichen Transformationspfades! Die Frage «Was kostet die Nicht-Energiestrategie, die Nicht-Energiewende» muss endlich beantwortet werden. Es ist zu hoffen, dass in 23 Jahren das zynische BIP nicht mehr alle Lebensbereiche übersteuert.
Wir brauchen viele BotschafterInnen aus beispielsweise Politik, Kultur, Sport, Wissenschaft und Gesellschaft, die dafür einstehen, dass dieser Transformationspfad möglich und notwendig ist, auch wenn wir wissen, dass dies kein Spaziergang wird, sondern eine anspruchsvolle Wanderung. Wir wollen diesen Transformationspfad begehen, weil wir unseren Beitrag leisten wollen, dass unser Lebensraum auch für zukünftige Generationen lebenswert ist.