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Entgegen allen Befürchtungen mündete das Ende des Krieges nicht in eine Wirtschaftskrise. Vielmehr setzte mit voller Dynamik eine Hochkonjunktur ein, die knapp drei Jahrzehnte anhielt und auf der Ausbeutung der fossilen Energiequellen, auf der Industrieproduktion sowie einem massiv zunehmenden Konsum bei steigenden Reallöhnen basierte. Neu geschaffene Arbeitsplätze liessen die Bevölkerungszahl ansteigen, in Thun verdoppelte sie sich zwischen 1940 und 1970 beinahe. Die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte stieg hier jedoch weniger stark an als anderswo, da in den Militärbetrieben vorwiegend Schweizer beschäftigt waren.
Der steigende Wohlstand löste in Thun einen Bauboom aus. Vor allem südwestlich des Zentrums entstanden neue Wohnquartiere, häufig private Einfamilienhaussiedlungen, etwas später auch Überbauungen mit grossen Häuserblocks. Viele Häuser der Thuner Wohnbaugenossenschaften, die in der Regel im Baurecht auf städtischem Boden erstellt wurden, stammen aus der Zeit der Hochkonjunktur. Gleichzeitig benötigten Industrie und Gewerbe mehr Fläche für ihre Produktion, zahlreiche Firmen verlagerten deshalb ihren Betrieb an den Stadtrand. Aufgrund dieser baulichen Dynamik mussten die Stadtbehörden die räumliche Entwicklung besser koordinieren. So entstand 1963 erstmals ein Bauzonenplan als Steuerungsinstrument. Eine weitere Herausforderung war die Motorisierung des Verkehrs. Der Platz auf den Strassen im Stadtkern wurde schon in den 1950er-Jahren knapp, dennoch verfünffachte sich in Thun von 1955–1971 die Zahl der registrierten Personenwagen.4 Die Verkehrsplanung setzte zwar in den 1950er-Jahren ein, realisiert wurden aber fast nur Sanierungen der schon bestehenden Strassen, die durchgehend eine feste Oberfläche erhielten. Ab 1971 ermöglichte die Autobahn mit den beiden Einfahrten Thun Nord und Thun Süd eine Umfahrung der Stadt. Sie brachte jedoch längerfristig kaum Entlastung, weil der Binnenverkehr nach einer kurzen Stagnation in den 1970er-Jahren wieder stark zunahm.
1963 baute die Firma Habegger an der Industriestrasse eine Versuchsanlage für die Personentransportbahn, die an der Expo 1964 in Lausanne fahren sollte. Neben der Fabrikhalle ist die orange Drehscheibe gut sichtbar, die den Passagieren als Bahnhof diente.
Quer durch die Bildmitte verläuft die Militärstrasse von Norden nach Süden. Auf dem Areal von Habegger steht heute der städtische Werkhof.
Die Entwicklungen nach 1945 waren von grossen gesellschaftlichen Veränderungen begleitet: Die meisten Menschen profitierten von den steigenden Reallöhnen und dank der Verkürzung der Arbeitszeiten stand mehr Freizeit zur Verfügung, die neue kulturelle und sportliche Aktivitäten ermöglichte. Die Behörden überliessen diese Bereiche weiterhin der Initiative von Vereinen und Privatpersonen. Einzig in der bildenden Kunst zeigte die Stadt mehr Initiative und setzte 1947 eine Kunstkommission ein, deren Aufgabe es war, die städtische Kunstsammlung aufzubauen und für Kunst im öffentlichen Raum zu sorgen. Gleichzeitig flossen mehr staatliche Mittel in das Bildungswesen, mehr Menschen konnten eine höhere Ausbildung abschliessen. In Thun gab es seit dem 19.Jahrhundert verschiedene Berufsschulen und ab 1918 das Lehrerinnenseminar. 1953 eröffnete die Stadt ein Gymnasium, doch Bildungseinrichtungen der tertiären Stufe gab es nicht. Am Ende der Hochkonjunkturphase erhielten die Frauen das Stimmrecht: 1968 im Kanton Bern und in Thun, 1971 auch auf eidgenössischer Ebene. Damit fand der lange Kampf der Frauen um die politische Mitsprache ein Ende.