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<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie weit ist die Murgangvorsorge in der Schweiz?</p><p>2. Wurde die Idee einer schweizweiten Murgangvorhersage analog zum bestehenden Lawinenbulletin bereits einmal geprüft, und falls ja, wie wird die Wirksamkeit beurteilt?</p><p>3. Teilt er die Auffassung, dass namentlich unterhalb vergletscherter Einzugsgebiete der Bau von Wasserkraftdämmen prioritär gefördert werden sollte, um die Bevölkerung vor künftigen Murgangrisiken durch auftauenden Permafrost zu schützen?</p><p>4. Ist er bereit, eine schweizweite Murgangvorhersage zu initiieren und die Murganggefahrenstufen auf dem Naturgefahrenportal des Bundes zu veröffentlichen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Durch den Klimawandel wird das Potenzial für Massenbewegungen in Gebieten mit auftauendem Permafrost und bei schmelzenden Gletschern, wo leicht mobilisierbares Material zurückbleibt, zunehmen. Die Veränderungen im Gebirge werden heute nicht flächendeckend überwacht.</p><p>Die Murgänge sind Teil der Massenbewegungen, welche auch permanente und spontane Rutschungen und Stürze umfassen. Das Auftreten von Murgängen hängt wesentlich vom Wassergehalt des bewegten Materials ab. Ohne direkte Beobachtungen vor Ort und lokale Daten können Murgänge nicht vorhergesagt werden. Auch eine schweizweite Warnung könnte deshalb - wie auch bei den Lawinenwarnungen - nur eine Warnung vor einer erhöhten Disposition sein. Die lokale Warnung wird folglich immer Aufgabe der Gemeinden und Kantone bleiben. Im Fall von schnellen Murgängen sind automatische Alarmsysteme notwendig.</p><p>1. Die technischen Möglichkeiten für die Prävention gegen Massenbewegungen sind verschieden: bauliche Massnahmen (Leitdämme, Auffangbecken usw.), planerische Massnahmen (Anpassung in der Raumplanung) und organisatorische Massnahmen (Alarmsysteme, Detektion und Überwachung von Massenbewegungen, Notfallplanung usw.). Sie erlauben es, eine hohe Sicherheit zu erreichen, wenn die Gefahren erkannt und entsprechende Mittel eingesetzt werden. Die Wahl der technischen Massnahmen ist regional sowie lokal unterschiedlich. Vor Ort sind die Gemeinden und die Kantone für die Realisierung der Massnahmen zuständig. Hingegen ist die Erfassung der sehr seltenen und potenziell grossen Ereignisse mit Extremabflüssen schwierig. Es bestehen diesbezüglich Wissenslücken, weil man den Untergrund und die hydrogeologischen Verhältnisse nicht bis ins letzte Detail und flächendeckend kennt.</p><p>2. In der Schweiz existieren keine Warngefahrenstufen im Sinne der generellen Vorhersage für Massenbewegungen und für die Folgeprozesse. Die Auslösung von Rutschungen, Felsstürzen und Murgängen ist primär von geologischen Faktoren und der Wassersättigung abhängig. Diese Faktoren sind lokal sehr unterschiedlich ausgeprägt, weshalb eine räumlich präzise Vorhersage ohne lokale Messdaten schwierig ist. Der Kanton Wallis und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) entwickeln in einem gemeinsamen Pilotprojekt Vorhersagemethoden, die auf meteorologischen, hydrogeologischen und hydrologischen Messdaten basieren. Ziel ist es, bestehende Wissenslücken mit einer Dispositionswarnung und dank dem Monitoring von Massenbewegungen zu schliessen. Der Bund prüft zurzeit im Rahmen des Folgeberichtes zum Projekt "Optimierung von Warnung und Alarmierung bei Naturgefahren" (Owarna) eine schweizweite Dispositionswarnung für Massenbewegungen analog zum Lawinenbulletin. Es wird aber nie möglich sein, alle Ereignisse zeitlich und räumlich genau vorherzusagen und entsprechend detaillierte Warnungen zu publizieren, weil man den geologischen Untergrund, die Sättigungsverhältnisse und die Auslösemechanismen, die zu Instabilitäten führen können, nicht für jede potenzielle Massenbewegung der Schweizer Alpen kennen kann.</p><p>3. In einigen Permafrostgebieten und in vergletscherten Einzugsgebieten, d. h. primär im Hochgebirge, werden aufgrund der geologischen Veränderungen (Eisrückgang aufgrund der Klimaerwärmung und potenzielle Destabilisierung von Gesteinsmassen) zusätzliche Schutzmassnahmen notwendig. Mit dem Bau von Wasserkraftdämmen könnte man beispielsweise den Schutz vor Hochwassern verbessern und den kontinuierlichen Transport von Geschiebe reduzieren. Bei grossen Massenbewegungsprozessen (z. B. Rutschungen und Bergstürzen mit Volumen von mehr als eine Million Kubikmeter) in ein Staubecken erhöht sich aber die Gefahr von unerwarteten Flutwellen. Die Wahl der optimalen Massnahmenkombination aus baulichen, planerischen und organisatorischen Massnahmen muss fallweise, auf der Basis von unterschiedlichen Szenarien erfolgen.</p><p>4. Eine schweizweite Dispositionswarnung vor Massenbewegungen, welche die daraus hervorgehenden Murgänge einschliesst, ist ein Ziel der laufenden Entwicklungsprojekte und der Owarna-Aktivitäten ab 2019 (gemäss Planung). Das Bafu strebt die Veröffentlichung auf dem Naturgefahrenportal des Bundes mittelfristig an, allerdings sind vorher noch Entwicklungsarbeiten, praktische Erprobungen sowie die Klärung der Finanzierungsfrage notwendig.</p>  Antwort des Bundesrates.