Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/211749

<h2>SubmittedText<h2><p>Während der Corona-Pandemie hat die Landwirtschaft substanzielle Arbeit geleistet und sich als robust und versorgungsrelevant erwiesen. Da aber die Schweiz einen Grossteil der Saat- und Pflanzgutproduktion aus wirtschaftlichen Gründen im Ausland bezieht, stellt sich die Frage, ob es bei einer langanhaltenden Krise zu einem Engpass und folglich zu Ernteausfällen kommen könnte. Dasselbe gilt auch für Futtermittel, welche für die Fleisch- und Eierproduktion unerlässlich sind. Daher muss für diese und künftige Krisen geklärt werden, ob die Produktion an inländischem Saat- und Pflanzgut sowie an Futtermitteln gefördert werden muss.</p><p>Meine Fragen an den Bundesrat:</p><p>1. Wie hat sich in den letzten Jahren die Inlandversorgung mit Saat- und Pflanzgut sowie mit Futtermitteln anteilsmässig entwickelt?</p><p>2. Was wird der Bundesrat unternehmen, um die einheimische Produktion von Saat- und Pflanzgut sowie von Futtermitteln zu stärken und allenfalls über die Agrarpolitik zu fördern?</p><p>3. Bei welchen Kulturen sieht der Bundesrat bezüglich der Notwendigkeit der Stärkung der inländischen Saatgutproduktion den grössten Handlungsbedarf?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Schweizer Ackerfläche bemisst sich auf 400'000 Hektaren oder rund 5 Aren pro Einwohner. Der im internationalen Vergleich tiefe Wert in Verbindung mit den klimatischen Gegebenheiten ermöglicht kalorienbasiert einen Nettoselbstversorgungsgrad von rund 50 Prozent.</p><p>1. und 3. Die Zucht wichtiger Pflanzenarten konzentriert sich auf eine sinkende Zahl international tätiger Firmen. In der Schweiz erbringen Hochschulen grundlagenorientierte Forschung in der Pflanzenzüchtung. Agroscope bearbeitet Äpfel, Reben, Weizen, Sojabohnen, Futtergräser und -leguminosen züchterisch. Weitere Institute und private Organisationen engagieren sich in der Zucht von Gemüsearten sowie Obst- und Ackerkulturen. An die Selektion neuer Sorten mit den erwünschten Eigenschaften schliesst sich die Saatgutvermehrung an. Die Anteile im Inland vermehrten Saatguts am Inlandbedarf betragen für Getreide über 90 Prozent, für Kartoffeln über 80 Prozent, für Sojabohnen über 50 Prozent für Eiweisserbsen über 40 Prozent und für Mais rund 30 Prozent.</p><p>Saatgut für Zuckerrüben und für Raps wird vollständig und Saat-/Pflanzgut im Gemüsebereich zu rund 90 Prozent importiert. Bei einem jährlichen Mischfutterbedarf von 1.6 Mio. Tonnen beträgt die inländische Futtergetreideproduktion rund 0.5 Mio. Tonnen.</p><p>Eiweisspflanzen von 20'000 Tonnen sowie Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung wie der Getreidevermahlung, Pflanzenöl- und Bierherstellung kommen hinzu. Witterungsbedingt variiert die Produktion, doch sind die Inlandanteile an Saatgut und Futtermitteln in den letzten Jahren recht stabil. Für Pflanzenarten, die keine rationelle Saatgutproduktion in der Schweiz zulassen, werden derzeit Alternativen wie die Einführung der Pflichtlagerhaltung geprüft, z.B. für Rapssaatgut.</p><p>2. Versorgungssicherheit lässt sich im Zusammenwirken verschiedener Instrumente am zuverlässigsten gewährleisten wie Förderung der inländischen Produktion, tragfähiger und vielfältiger Handelsbeziehungen und Pflichtlagerhaltung. Wichtig ist zudem, dass Produktions- (z.B. fruchtbarer Boden) und Verarbeitungskapazitäten erhalten werden, um in Krisensituationen gezielt reagieren und die Produktion den Bedürfnissen anpassen zu können. Die inländische Ackerfläche reicht unter den aktuellen Ernährungsgewohnheiten nicht aus zur Deckung des Bedarfs an Lebens- und Futtermitteln. Eine Ausdehnung der Futterproduktion zu Lasten der Produktion zur direkten menschlichen Ernährung ergäbe aufgrund der geringeren Effizienz der tierischen Produktion insgesamt ein niedrigeres Kalorienangebot für die menschliche Ernährung. Mit der Agrarpolitik ab 2022 (AP22+) hat der Bundesrat Massnahmen vorgeschlagen, um die Produktionsgrundlagen zu erhalten (z.B. Reduktion von Bodenverdichtung, Nützlingsförderung), die ökologische Tragfähigkeit der Ökosysteme besser zu berücksichtigen (z.B. Reduktion der Nährstoffverluste) und die Importabhängigkeit von Produktionsmitteln (z.B. Futtermittel, Dünger, Pflanzenschutzmittel) zu senken. Damit wird die Versorgungssicherheit langfristig besser sichergestellt als mit der heutigen Agrarpolitik. Den Erkenntnissen der "Strategie Pflanzenzüchtung 2050" Rechnung tragend, soll mit dem Aufbau eines Kompetenz- und Innovationsnetzwerks die öffentliche und private Pflanzenzüchtung gestärkt werden. Seit 2020 werden bereits mehr Mittel für die Pflanzenzüchtung eingesetzt und mit der AP22+ sollen zusätzliche Mittel zur Stärkung des Netzwerks umgelagert werden.</p>  Antwort des Bundesrates.