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Übernahme des literarischen Nachlasses von Plinio Martini durch das Schweizerische Literaturarchiv
Bern, 05.04.2022 - Das Schweizerische Literaturarchiv hat den literarischen Nachlass des Tessiner Schriftstellers Plinio Martini (1923–1979) von der Familie Martini übernommen. Für die italienischsprachige Schweiz ist sein Werk aufgrund seines Beitrags zur Erneuerung der erzählenden Literatur von grosser Bedeutung. Der Nachlass umfasst sein ganzes Schaffen von den ersten Gedichten aus den 1950er-Jahren bis zu den postum veröffentlichten Werken und kann voraussichtlich ab 2023 eingesehen werden.
Das zur Schweizerischen Nationalbibliothek gehörende Schweizerische Literaturarchiv (SLA) konnte von der Familie Martini den literarischen Nachlass des Schriftstellers Plinio Martini (1923–1979) aus dem Valle Maggia (TI) übernehmen. Es handelt sich um einen Bestand von grosser Bedeutung für die italienischsprachige Kultur der Schweiz. Der Nachlass umfasst sein ganzes Schaffen von den ersten Gedichten aus den 1950er-Jahren bis zu den postum veröffentlichten Werken. Besonders aufschlussreich sind die verschiedenen Fassungen seiner Romane, Gedichte, Erzählungen, Essays und Drehbücher. Der Erwerb durch das SLA erlaubt die Erschliessung des Nachlasses und damit die Gewinnung neuer Erkenntnisse zu Leben und Werk des Tessiner Autors, welche die bereits vorliegenden Forschungsarbeiten vertiefen und ergänzen. Das SLA plant, den Nachlass Plinio Martinis anlässlich seines 100. Geburtstag im Jahr 2023 zugänglich zu machen.
Erneuerung der erzählenden Literatur in der italienischsprachigen Schweiz
Plinio Martini ist ein weit über das Einzugsgebiet der italienischen Schweiz hinaus bekannter Autor. Mit seinen dem Neorealismus verpflichteten Romanen und Erzählungen vermittelte er die von täglicher Mühsal geprägte Welt der Bewohner und Bewohnerinnen der Tessiner Bergtäler. Martinis innovativer stilistischer Ansatz und seine der Volkskultur verpflichtete Authentizität leisteten einen wichtigen Beitrag zur Erneuerung der erzählenden Literatur in der italienischsprachigen Schweiz. Seine bekanntesten Werke Il fondo del sacco (1970) und Requiem per zia Domenica (1976) wurden wiederholt herausgegeben und waren auch in der deutschen und französischen Übersetzung erfolgreich (Dt: von Trude Fein: Nicht Anfang und nicht Ende: Roman einer Rückkehr, 1974 und Requiem für Tante Domenica, 1975; Fr: von Jeannine Gehring: Le fond du sac, 1977, von Christian Viredaz: Requiem pour tante Domenica, 1987).
Plinio Martinis Beitrag zur Entwicklung der Tessiner Täler
Neben seinem literarischen Werk macht der Nachlass auch die öffentliche Person Plinio Martini besser greifbar. Martini hatte eine aktive Rolle in diversen regionalen Vereinen inne, was in seiner Korrespondenz zum Ausdruck kommt. Er nahm in kritischer Art und Weise Stellung zur Entwicklung der Landschaft in den Tessiner Tälern und leistete damit einen Beitrag zu einem Thema, das heute noch Gegenstand von Diskussionen ist.
Das Schweizerische Literaturarchiv gehört zur Schweizerischen Nationalbibliothek und wurde 1991 auf Anstoss von Friedrich Dürrenmatt gegründet. Es betreut zahlreiche literarische Nachlässe, Archive und Autorenbibliotheken des 20. und 21. Jahrhunderts.
Die Schweizerische Nationalbibliothek sammelt Helvetica – Texte, Bilder und Töne der Schweiz – und sichert mit ihren Sammlungen das kollektive Gedächtnis der Schweiz. In Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ermöglicht sie einen breiten Zugang zum kulturellen Erbe des Landes. Als zentrale Gedächtnisinstitution schlägt die Nationalbibliothek eine Brücke von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. Sie spiegelt dabei die Vielfalt sowie die Mehrsprachigkeit des Landes und fördert Gemeinschaft und Innovation.
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