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Am kommenden Mittwoch wird in Südkorea das nächste Staatsoberhaupt gewählt – und erstmals hat in diesem von konfuzianischer Geschlechterideologie geprägten Land eine Frau die Chance, Präsidentin zu werden. Es ist Park Geun Hye, die sechzigjährige Tochter von Park Chung Hee, der sich 1961 an die Macht geputscht und das Land bis zu seinem Tod 1979 diktatorisch regiert hatte. Sie geniesst vor allem bei älteren WählerInnen hohes Ansehen, weil diese ihren Vater als «Architekten des Wirtschaftswunders» verehren und hoffen, dass seine Tochter den Wohlstand sichert und einen weiteren Aufschwung herbeiführt.
Für linke und weltoffene Kreise ist der Name ihres Vaters jedoch nach wie vor ein rotes Tuch. Park Chung Hee hatte in ihren Augen zwei Generationen von ArbeiterInnen verheizt und jedwede Opposition martialisch unterdrückt. Seine Tochter, bis vor kurzem Vorsitzende der konservativen Saenuri-Partei, hält das Andenken an ihn aufrecht: Im Februar beteiligte sie sich an der Einweihung einer Gedenkstätte, die nach jahrelanger erbitterter Kontroverse das Leben und Vermächtnis ihres Vaters zelebriert. Auch im Wahlkampf musste sich Park Geun Hye mit diesem Erbe auseinandersetzen. In der Asienausgabe des US-Magazins «Time» vom 17. Dezember erscheint sie auf dem Cover. MitarbeiterInnen ihres Stabs übersetzten den Titel «The Strongman’s Daughter» (im Sinne von «Die Tochter des Machthabers») mit «Die Tochter eines starken Führers» ins Koreanische.
Der nordkoreanische Strongman Kim Jong Un, Enkel des Staatsgründers Kim Il Sung, bereitet sich jedenfalls auf einen Regierungswechsel im Süden vor. Mit dem Start einer Langstreckenrakete am Mittwoch sollten der wiedergewählte US-Präsident Barack Obama und die künftige Führung in Seoul ermahnt werden, Nordkorea wieder auf die politische Agenda zu setzen. Und innenpolitisch wollte er damit eine Scharte auswetzen, nachdem die anlässlich des 100. Geburtstags seines Grossvaters im April gezündete Rakete kurz nach ihrem Start ins Meer gestürzt war.
Übrigens bekam es auch Kim mit einem US-Blatt zu tun. Ende November kürte das Satiremagazin «The Onion» Kim Jong Un zum «Sexiest Man Alive», was zumindest die chinesische Staatszeitung «People’s Daily» einen Tag lang für bare Münze nahm. «Mit seinem umwerfend hübschen, runden Gesicht, seinem jungenhaften Charme und seiner starken, stämmigen Figur ist dieser Herzensbrecher aus Pjöngjang der wahr gewordene Traum aller Frauen», zitierte die Zeitung aus dem Originaltext der Satirewebsite.