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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Zweite Rede
12.
Doch sie sollen wieder dasselbe vernehmen und zunächst erfahren, daß das Wort, wie bereits früher gesagt, Sohn und nicht ein Geschöpf ist, und daß man solche Ausdrücke nicht von seiner Gottheit verstehen darf, sondern daß man nachforschen muß, warum und wie dies geschrieben ist, und sie werden bei ihrem Nachforschen auf das menschliche Heilswerk kommen, das er [S. 135] unsertwegen übernommen hat. Denn auch Petrus hat den Worten: "Er machte ihn zum Herrn und Gesalbten" sogleich beigefügt: "diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt". Und es ist allen klar geworden und wird es wohl auch diesen werden, wenn sie den Zusammenhang beachten wollen, daß er nicht von der Substanz des Wortes, sondern mit Rücksicht auf seine menschliche Seite von ihm sagte, er sei gemacht worden. Denn was anders ist gekreuzigt worden als der Leib? Wie aber konnte er die leibliche Seite im Wort anders zum Ausdruck bringen als mit dem Worte "er machte"? Übrigens hat der Ausdruck "er machte" an dieser Stelle auch sonst noch einen guten Sinn. Denn er hat nicht, wie vorhin bemerkt, gesagt: Er machte ihn zum Worte, sondern: "ihn zum Herrn", und nicht bloß dies, sondern "für euch" und "in eurer Mitte hat er [ihn] gemacht", was soviel heißt als: er gab [ihm] Zeugnis. Und eben dies hat Petrus, als er mit dieser Fundamentallehre begann, mit Bedacht zum Ausdruck gebracht, da er zu ihnen redete: "Israeliten, höret diese Worte: Jesum, den Nazarener, einen Mann, dem Gott unter euch Zeugnis gab durch Taten Wunder und Zeichen, welche Gott durch ihn in eurer Mitte wirkte, wie ihr selbst wisset"1 . Was also am Ende mit dem Worte "er machte" gesagt wird, das hat er am Anfang ausgesprochen mit dem Ausdruck "er gab Zeugnis". Denn in den Zeichen und Wundern, die der Herr wirkte, erwies er sich nicht als bloßen Menschen, sondern als Gott in einem Leibe, als den Herrn selbst und den Gesalbten. Ähnlich verhält es sich auch mit dem, was Johannes in seinem Evangelium sagt: "Darum verfolgten ihn die Juden noch mehr, weil er nicht nur den Sabbat nicht hielt, sondern auch Gott seinen Vater nannte und Gott sich gleichmachte"2. Denn nicht machte sich der Herr damals zu Gott, — denn es kann Gott überhaupt nicht gemacht werden, — sondern er wies sich aus3 durch seine Werke, wie er sagte: "Wenn ihr mir nicht glaubt, so glaubet meinen Werken, [S. 136] damit ihr erkennet, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist"4. So also hat der Vater ihn zum Herrn und Könige gemacht in unserer Mitte und für uns, die wir zuvor nicht glauben wollten. Und offenbar fängt der, der sich jetzt als Herr und König zeigt, nicht erst damals an, Herr und König zu werden, sondern fängt an, seine Herrschaft zu zeigen und sie auch auf die, welche zuvor nicht glaubten, auszudehnen.
1: Apg. 2,22.
2: Joh. 5,16.18.
3: Nämlich als Gott.
4: Joh. 10,38.