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www.cheops-pyramide.ch Copyright 2006 Franz Löhner und Teresa Zuberbühler
Die äusseren Steine ("Aussenverkleidung") - Methoden von Franz Löhner
Es ist zu bedenken, dass man die Pyramide zu jener Zeit nicht besteigen konnte. In dem Moment, als der Bau abgeschlossen war, präsentierten sich die Pyramidenoberflächen als makellose, gerade, steil aufragende Flächen, ohne irgendeinen Eingang. Der weisse Tura-Stein, der die Baumeister gewählt hatten muss einem ausserdem nahezu geblendet haben. Um diesen gewaltigen visuellen Eindruck zu erzeugen musste die Oberfläche der Pyramide als möglichst homogene Fläche erscheinen, die sozusagen aus dem Boden hinaus und zum Himmel wuchs.
Um dies zu erreichen mussten die Fugen zwischen den einzelnen Tura-Steinen, die die Oberfläche bildeten so schmal wie möglich sein. Dies wurde auch in einer beeindruckender Präzision gemacht, was man bei den untersten Steinen am Fusse der Cheops-Pyramide beobachten kann.
Die äussere Steinoberfläche durfte sich aber auch auf keinen
Fall verschieben, Risse bilden oder gar in Stücken hinunterfallen.
Deshalb mussten auch die nächst tieferen Teile der Pyramide, das
Futtermauerwerk, genauestens geplant werden. Die äusseren Tura-Steine
mussten durch exaktes Verlegen mit den inneren Kalksteinen verzahnt
werden. Schon eine leichte Steinverlagerung im Innern konnte zur Verschiebung
äusserer Steine und damit zum Sichtbarwerden von Rissen in der Aussenwand
führen und so den Eindruck von der glatten Oberfläche zu nichte
machen.
Wie bewundertswert die Baukunst der Ägypter war, zeigt die Tatsache, dass noch im 12ten Jahrhundert ein Grossteil der Aussenfläche vorhanden gewesen sein muss [10]. Die schönen weissen äusseren Steine waren jedoch sehr beliebt als Baumaterial und wurden nach und nach abgebaut und in Kairo für Moscheen und Häuser verwendet. Der Sultan Saladin verwendete Steine für Befestigungsmauern und die Sultan Hassan Moschee besteht zum Teil aus Steinen welche von den Giza-Pyramiden stammen.
1548 beschrieb der Franzose Jean Chesneau wie er ins Innere der Cheops-Pyramide eindrang und "Bei dieser Pyramide sind noch zwei weitere, die nicht so gross sind, die auch nicht in Stufen angelegt sind und keine Öffnung haben.." [11]. Das beweist, dass zu diesem Zeitpunkt die Chefren- und Mykerinos-Pyramide noch wesentliche Teile ihrer Vekleidung besassen. Noch im Jahre 1639 schrieb der Brite John Greaves, dass an der Chefren-Pyramide ausser auf der Südseite noch die ganze äussere Steinoberfläche intakt war, zu dieser Zeit waren jedoch die Tura-Steine der Cheops-Pyramide schon nicht mehr vorhanden [12]. Ein späterer Reisende, D'Anglure berichtete 1878 von Steinbrucharbeiten, die er bei seinem Besuch auf den Pyramiden beobachtet hatte und Steinen, die von hoch oben hinunterpurzelten [13].
Die äusseren Steine der Cheops-Pyramide bestehen aus Tura-Steinen.
Dieser ist ein besonders schöner weisser Kalkstein und stammt aus
Steinbrüchen südöstlich des Giza-Plateaus auf der andern
Seite des Nils. Tura-Kalkstein ist sehr weich und man kann ihn leicht
bearbeiten, er härtet jedoch nach einer gewissen Zeit an der Luft
nach. Dieser Stein wurde von den alten Ägyptern hoch geschätzt
und neben der Aussenhaut der Pyramide auch für Statuen verwendet.
Auch die Araber schätzten den Stein und verwendeten ihn für
den Bau von Moscheen, wobei sie auch die äusseren Steine der Grossen
Pyramiden wegtransportierten.
Die Lehrmeinung sagt, dass die Steine auf der Pyramide zugerichtet wurden
(Details). Dies ist absurd, denn es gibt keine guten
Gründe, weshalb man das erst dort machen sollte. Im Gegenteil, es
ist sehr wichtig, dass die Steine bereits in den Steinbrüchen
und nicht auf der Pyramide nach Mass zugehauen wurden. Um die
gewünschte Genauigkeit vor allem der äusseren
Steine mit dem wichtigen gleichbleibenden Neigungswinkel zu erreichen
braucht es genug Arbeitsraum, um den Stein von allen Seiten her bearbeiten
zu können. Dazu ist auf dem immer enger werden Pyramidenplateau schlichtwegs
nicht genug Platz.
Auf dem Pyramidenplateau sollten die Steine nur noch verlegt
werden und noch die äusseren Steine poliert werden. Das ist auf der
immer kleiner werdenden Oberfläche schon schwierig genug!
Kann so die nötige Präzision erreicht werden?
Es stand also nicht wie auf gewissen Illustrationen noch eine Bauhütte auf dem Pyramidenplateau - und auf keinen Fall durfte man eine Schmiedewerkstatt auf dem Plateau errichten - die Hitze des Schmiedefeuers hätte den darunterliegenden Steinen geschadet!
Fakten, die für die Verwendung von Seilrollenstationen
sprechen
Beim Transport auf einer Rampe ist es besonders wichtig
ist, dass man je höher man ist, desto kleinere Blöcke verwendet,
denn die Rampe wird immer schmaler und zum Teil steiler. Dieses Problem
stellt sich bei der Verwendung von Seilrollenböcken nicht. Die unterschiedliche
Höhe der Blöcke ist deshalb ein weiteres Argument gegen
den Gebrauch von Rampen für den Pyramidenbau und für
Löhners Methoden.
Ausserdem folgen einander immer wieder Steinschichten, die
nur 1-2cm in der Höhe variieren. Dies sieht Franz Löhner als
einen Beweis an, dass die Steine einer Gesteinsschicht jeweils
gemeinsam gebrochen wurden, und dann gemeinsam wenn möglich
nebeneinander eingebaut wurden.
Bei zweischaligem Mauerwerk werden die Steine auch untereinander verzahnt
- man spricht von Läufern und Binder, von Block- oder Kreuzverband.
Als Läuferschichten bezeichnet man die in Längsrichtung der
Mauer liegende Mauersteine, als Binderschichten die quer zur Längsrichtung
liegende Mauersteine.
Es ist anzunehmen - und bautechnisch wichtig - dass die grössten
und besten Steine aussen liegen. W. Petrie [6]
vermutet, dass die Steine welche genau in der Mitte liegen sowie die Ecksteine
besonders sorgfältig verlegt wurden und danach die restlichen Steine
in Relation zu diesen Fixpunkten verlegt wurden. In der Mitte wurden wohl
speziell lange und grosse Steinblöcke verwendet und als Binder
verlegt, so dass sie tief in die innere Steinschichten hineinragten und
mit ihnen verzahnt wurden. An den durch den Ausbau dieser äusseren
Steine zurückgebliebenen Leerräumen erkennt man, wie ungleich
tief sie in die Steinlagen hineingereicht haben, wahrscheinlich bis zu
2 Meter [14]. Da heute gerade diese Steine fehlen
ist eine leichte Einbuchtung und damit eine konkave Formung der Mitte
der Pyramidenseitenflächen feststellbar.
Steine welche für die Verankerung der Zwischenstationen verwendet
werden, sollten massiver und dicker als die übrigen Steine sein und
mit dem dahinter liegendem Mauerwerk verzahnt werden. Die Cheops-Pyramide
weisst alle 15-20 Meter Höhe solche besonders massive Steinschichten
auf. Franz Löhner vermutet, dass diese Steinschichten so geplant
wurden, um die Zwischenstationen stabil zu verankern.
Franz Löhner ist der Meinung, dass die äusseren Steine - er spricht bewusst nicht von der Verkleidung oder vom Aussenmantel - erstens gleichzeitig mit den inneren Steinen verlegt wurden und zweitens mit ihnen bestens verzahnt und verbunden wurden. Da das Kernbauwerk offen liegt, konnte man feststellen, dass die äusseren Steine mit dem inneren Mauerwerk verkeilt sind. Dabei werden sogenannte Binder verlegt, das heisst die Steine werden mit der Schmalseite nach aussen verlegt und sind so mit den inneren Steinen verzahnt.

Illustration [8]: Unterste Schichten der Cheops-Pyramide: 1 = Basaltpflaster / 2 = Sockel / 3 = abgeschrägte Tura-Steine (1. Schicht ca. 150cm hoch) / 4 = dahinterliegende Kalksteine aus dem Giza-Steinbruch, sogenannte "backing stones" (Stützsteine) / 5 = zweite Steinschicht, nur noch Kalksteine vorhanden / gestrichelte Linie = Standspuren der darüberliegenden Steine
Die äusseren Steine werden in den Tura-Steinbrüchen nach Mass
bestellt, zugehauen und nach genauem Plan geliefert. Eine Verfugung verlangt
bestens geplante Vorarbeit. Die behauenden Steinmetze müssen rechtzeitig
vor der Verlegung wissen, wohin jeder Stein zu liegen kommt, müssen
die ihn umgebenden Steine kennen. Wurde unachtsam ein Block daraufgelegt,
konnte es zu Spannungen im Bauwerk, zu Materialbruch führen, wie
sich denn auch die Pyramide insgesamt um etliche Zentimeter gesetzt zu
haben scheint. Deshalb wurden die Blöcke im Bauhof nach einem genauen
Lageplan zugerichtet, gekennzeichnet (Graffiti Abbildung),
gelagert, in der richtigen Reihenfolge auf den Bau transportiert und an
der vorgesehenen Stelle eingesetzt.
An der Cheopspyramide tritt Mörtel in zwei Varianten auf. Die äusseren Steine werden mit einem milimeter dünnen Gipsmörtel verbunden, der zementartig abhärtet [1]. Für die Kernmauerblöcke wurde eine Mischung aus Gips, Kalkmehl, Sand verwendet. Abbildung Fugen Westseite.
Während in den unteren Schichten mehrere Tausend Standardsteine verlegt wurden, waren es jeweils nur wenige Hunderte Verkleidungssteine aus Tura-Kalkstein. Die Glättung (nicht Bearbeitung) der äusseren Steine konnte deshalb noch während des Verlegens des Kernmauerwerks durchgeführt werden. Zu diesem Zweck wurden Arbeitsbühnen an zwei Tauen von oben an die Schräge gehängt, um möglichst bequem die Glätt- und Schleifarbeiten ausführen zu können. Für die Glättung wurde feiner Quarzsand vermischt mit etwas Wasser verwendet.
Franz Löhner geht davon aus, dass ein Team von 20 Zuschleifern pro
Tag etwa eine Oberfläche von 1.5m² glätten konnte. Dies
entspricht in etwa der Oberfläche eines durchschnittlichen Verkleidungsteines.
Der Tura-Stein wird vom Steinbruch angeliefert, er ist aber nur an der Unterfläche geglättet. Nun wird er zur gewünschten Stelle an der Pyramidenaussenseite gebracht. Die beiden Seitenflächen werden geglättet bis sie an den Nachbarstein passen. Die gewünschte Schräge wird an der Seitenfläche markiert. Nun wird der Stein oben flach geglättet (Illustration links - gelb = wird abgeschlagen). Der Stein liegt nun auf dem unteren Stein, aber ein Stück steht über. Dort, wo die zwei Steine einander berühren wird die Schräge grob abgehauen [5]. Hier gibt es zwei Varianten zum weiteren Vorgehen - entweder werden die Steine vor dem Einbau der nächsten Schicht überall richtig abgehauen bis sie eine schräge Oberfläche bilden. Oder die Steine werden weiter so belassen, da sie helfen, die Rampen an der Pyramide zu verankern, und werden erst ganz abgeschrägt, wenn die Rampen abgebaut werden (Herodot schreibt, die Steine wurden erst im Nachhinein geglättet).
Mit diesen Methoden kann weder eine glatte Oberfläche noch die gewünschte Genauigkeit erreicht werden! Im Gegenteil, bei beiden Methoden würden darunterliegende Steine durch die Schläge auf die oberen Steine verletzt werden und Risse bilden. Franz Löhner ist der Meinung, dass die Tura Steine wurden schon im Steinbruch äusserst genau auf die verlangte Grösse, Form und Schräge zugerichtet und erst dann zur Pyramide gebracht. Hier muss er nur noch verlegt und die Aussenfläche muss poliert werden.
Die Argumente sprechen dagegen (siehe Details) - es ist nicht nur bedeutend ökonomischer, die Steine schon im Steinbruch zuzurichten, sondern die gewünschte Genauigkeit kann nur erreicht werden, wenn der Stein von allen Seiten her bearbeitet, gekantet und ausgemessen werden kann. Die Gefahr, dass beim nachträglichen Abschrägen darunterliegende Steine Risse bilden und sich ganze Stücke lösen ist gross und solche Fehler können nur mühsam oder gar nicht verbessert werden.
Weshalb sagen alle namhaften Ägyptologen jedoch trotzdem, dass die Aussenflächen der Pyramiden erst beim Einbau oder von oben nach unten geglättet wurden? Das hat aber damit zu tun, dass diese Ägyptologen alle das eine oder andere Rampenmodell vertreten. Bei Rampen werden ja grosse Teile der Pyramide mit Rampenmaterial zugedeckt. Diese riesigen Rampen müssen am Bauwerk verankert werden, das kann nur funktionieren, wenn die äusseren Steine in die Rampe hineinragen. Diese Steine können aber deshalb erst abgeschliffen werden, wenn die Rampen entfernt werden, das heisst, nachdem der eigentliche Bau schon beendet ist. Auch das ist nicht so einfach. Zwar überdeckt beispielsweise das von den meisten Ägyptologen bevorzugte Modell, die Schnecken- oder Wendelrampe, fast die gesamte Oberfläche der Pyramide, aber die Rampe erreicht keineswegs alle Steinpositionen der Oberfläche direkt. Daher müssten beim Abbau der Rampen ununterbrochen kleinere Rampen oder Gerüste gebaut werden, um alle Verkleidungssteine zu erreichen.Hier zeigt sich wieder eine Schwachstelle der Rampenmodelle. Mit grossem Aufwand wird nicht nur ein Bauwerk erstellt - die Pyramide - sondern mit fast ebenso grossem Aufwand wird eine Rampe aufgebaut und danach wieder abgebaut! Mit Franz Löhners Methoden ist die Pyramide in dem Moment, wenn das Pyramidion aufgesetzt wird praktisch fertig, die Aussenfläche ist schon geglättet und präsentiert sich als fugenlose Oberfläche - einzig die Steinbossen, die dazu dienten, die letzte Gleisanlage mit den Seilrollenböcken zu verankern, müssen noch abgeschlagen werden.
Kontrollmessungen
Man stelle sich nun vor, wie sich die Messfehler addieren würden,
wenn man diese Kontrollmessungen nicht machen könnte! Dies
ist aber der Fall, wenn man an der Aussenkante nur grob behauene Blöcke
verlegt (siehe Lehrmeinung) - während des Baus kann
weder der rechte Winkel, noch die genaue Länge des Kegels bestimmt
werden. Ausserdem ist es bei der Glättung von oben nach unten durchaus
möglich, dass Steine leicht unterschiedliche Neigungswinkel haben,
schliesslich können sie nicht mehr gekantet und genau vermessen werden.
Auch wenn man den Stein abschrägt und glättet, nachdem man ihn
verlegt hat, so würden sich an einem Ort gemachte Fehler (etwa keine
ganz horizontale Oberkante) auf die Nachbarsteine und die darüberliegenden
Steine auswirken. Mit den Methoden von Franz Löhner wird im Steinbruch
eine Serie möglichst genauer Steine hergestellt. Zur Kontrolle werden
sie hier auch schon zusammengestellt und bei Bedarf nochmals geändert
und erst dann beginnt der Transport zur Pyramide. Dort angelangt
ist dann jeder Stein ein Teil eines riesigen dreidimensionalen Puzzles,
das genau zum Nachbarstein links und rechts, darunter und gegebenenfalls
auch oberhalb, passt!
Das Steinvolumen der Verkleidung entspricht 5% des Gesamtvolumens der
Pyramide und würde etwa einen Würfel von 50m Breite bilden.
Ein Grossteil der Tura-Steine waren Standardsteine für die Seitenflächen,
zwar auf Mass zugehauen, aber in ähnlicher Form. Zusätzlich
mussten jedoch auch viele Spezialsteine zugehauen werden, beispielsweise
die Ecksteine. Die Form dieser Steine wurde genaustens geplant und war
sehr aufwendig bei der Ausführung.
Steine zur Verankerung der Gleisanlagen
Zur Verankerung des Seilrollenbocks werden alle 30-37 Höhenmeter
je zwei spezielle Steine aus Tura-Kalkstein eingebaut. Sie sind gegen
oben abgewinkelt und so verlegt, dass sie mit den andern Steinen verzahnt
sind (= mittig verlegt). Da dieser Steinblock die Seilführung nach
unten zum Schlitten behindern würde, wird ein Schlitz herausgemeisselt.
Illustration
Variante Form des Steins zur Verankerung der Seilrolle.
Pyramidion
Es ist nicht bekannt, ob jemals ein Leichnam in der Cheops-Pyramide lag. Man weiss deshalb auch nicht, ob zugewartet wurde, bis Khufu starb, bevor der Eingang geschlossen wurde, oder ob dies beim oder nach dem Bau geschah. Man weiss nur, dass der Sarkophag schon beim Bau in die Königskammer gebracht wurde, denn er sit zu gross, um durch die Gänge zu passen. Der Eingang zur Pyramide ist aus massiven Steinen gebaut und von einem zweifachen Giebel überdeckt.
Steine des Eingangs zur Cheops-Pyramide [2], heutiger Zustand
Der Eingang, oder besser gesagt, Ausgang der Cheops-Pyramide - wenn man die Sicht des Pharaohs annehmen will - liegt nicht genau in der Mitte der nördlichen Seitenfläche, sondern um 7.29m nach Osten verschoben, früher auf 16.86m [6] Höhe (19te Schicht). Eine grosse Bresche wurde gesprengt, der heute sichtbare Eingang liegt auf 13.71m (16te Schicht) und ist um mehrere Meter zurückversetzt. Er war früher durch Tura-Kalksteinblöcke verborgen, bis man begann die äusseren Steine für den Bau von Häusern in Kairo abzutransportieren.
Wann genau der Eingang gefunden wurde ist unklar. Auch ob der sogenannte "Grabräubereingang" wirklich unter dem Kalifen Abd Allah al-Mamun gegraben wurde (ca. 820 v. Chr.) ist unsicher, denn interessanterweise wurde der Gang direkt zum absteigenden Gang hin gegraben, und umging damit die Granitblöcke. Es ist also zu vermuten, dass dieser Gang von jemandem gegraben wurde, der noch wusste, wie das Gangsystem im Innern der Pyramide aussah oder zumindestens bei welcher Steinschicht er beginnen musste, zu graben. Wahrscheinlich hat der Kalif wohl eher diesen Grabräuberstollen etwas erweitert. Foto Eingang der Cheops-Pyramide / Foto 2 / Illustration
Ein Teil der "Verkleidung" der Chefren-Pyramide hängt schon seit Jahrhunderten sozusagen in der Luft, denn die unteren Steine fehlen. Noch im Jahre 1639 schrieb der Brite John Greaves, dass an der Chefren-Pyramide ausser auf der Südseite noch die ganze äussere Steinoberfläche intakt war [10].
Wenn man die Chefren-Pyramide anschaut fällt zudem auf, dass die Oberfläche in drei Teile geteilt werden kann - zuoberst die noch intakten Tura-Steine (70 bis 90 Schichten) die abrupt abbrechen, dann ein Bereich, das wie ein Gürtel unter den Tura-Steinen liegen, wo gleichmässig die Verkleidungssteine fehlen. Nicht nur die Tura-Steine, sondern auch schätzungsweise drei darunterliegende Steinschichten sind in dem Gürtel nicht mehr vorhanden. Dies sieht man besonders gut an der nordöstlichen Ecke, wo ein praktisch senkrechter Bruch auszumachen ist. Unter diesem Gürtel liegt ein dritter Bereich, in dem die Steine nicht gleichmässig verwittert oder abgeschlagen sind. Diese Beobachtungen lassen vermuten, dass dieser Gürtel von Steinen alle auf einmal von der Pyramide hinunterrutschte, zum Beispiel, als zuviel der unteren Steine entfernt wurden und die oberen Steine keinen Halt mehr hatten oder bei einem Erdbeben.
Tatsächlich führte eine Untersuchung der Verkleidung durch italienische Fachleute zur Feststellung, dass die Eckkanten des erhaltenen Verkleidungsrestes nicht gradlinieg verlaufen, sondern dass einzelne Eckblöcke in verschiedene Richtungen abgelenkt sind. Computersimulationen bestätigten, dass Erdbeben die Ursache waren [9]. Abbildung
Interessant ist ausserdem, dass auch bei der Chefren-Pyramide immer wieder
dickere Steinschichten auszumachen sind, zum Teil in grosser Höhe.
Das heisst, dass die Pyramide also nicht mit unten dicken und oben immer
dünner werdenden Steinschichten aufgebaut wurde. Dies wurde bei der
Cheops-Pyramide und bei der Knickpyramide ebenfalls festgestellt [2].
Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten, eine Schräge herzustellen. Ein bestehendes Mauerwerk kann abgeschrägt werden, das heisst der überstehende Stein wird abgeschlagen. Oder man kann ein bestehendes Mauerwerk mit einem Mantel umgeben, der ihm eine neue Form gibt. Hier wird der Begriff Verkleidungssteine verwendet, da sie nach dem Bau als Verkleidung angefügt werden. Oder man kann ein Bauwerk so planen, dass ins Bauwerk integrierte Steine die Schräge bilden. Dazu werden die Steine präzise schräg zugehauen und so verlegt, dass sie fest mit dem übrigen Bauwerk verzahnt sind.
Nach der Meinung von Franz Löhner wurden bei der Cheops-Pyramide schräge Aussensteine gleichzeitig mit den Steinen für den Pyramidenkern hochtransportiert, eingefügt und während der ganzen Bauzeit nach dem Verlegen auch gleich zugeschliffen. Die äusseren Steine aus Tura-Kalkstein waren integraler Bestandteil des Bauwerks, d.h. mit den inneren Steinen verzahnt und verbunden und nicht etwa zwiebelschalenartig auf ihnen draufgesetzt. (Die nachfolgenden Ilustrationen sind nicht im gleichen Massstab gezeichnet)
Zwar findet man Darstellungen von Mauerschalen (Kernmantel) immer noch in der Literatur, sogar bei Kennern der ägyptischen Architektur [2 und 7]. Gemäss diesen Theorien wurde der Kern (1 auf der Illustration) zuerst gebaut und dann eine Verkleidung oder äussere Schale (2) wie ein Mantel angefügt. Wären die äusseren Steine schalenartig um ein inneres Bauwerk (Kernmantel) gelegt, so würden sich bei der grossen Höhe der Pyramide diese Schalen vom Gewicht ablösen und ganze Schalenwände kämen ins Rutschen. Dies wäre wahrscheinlich schon beim Bau geschehen. Ausserdem ist es offensichtlich schwierig, in einem aus aufeinanderfolgenden Schichten gebildetem Mauerwerk Räume zu bauen. Ein Kern mit senkrechten Schichten konnte zudem weder bei der Cheops-Pyramide noch an der Chefren Pyramide, die fast ebenso gross ist, nachgewiesen werden. Er sollte jedoch zu mindestens an der Spitze der Cheops-Pyramide, an der ja 9 Steinschichten fehlen, sichtbar sein. Illlustration der obersten Schichten der Cheops-Pyramide.
Ein weiteres Argument gegen Mauerschalen (Kernmantel)
ist der Fakt, dass sich die Höhen der Steinschichten bei den vier
Pyramidenecken zum grössten Teil nur um wenige Zentimeter unterscheiden.
Die grössten Unterschiede zeigen sich in den ersten 15 Schichten,
wo um den Felsenkern herumgebaut wurde und dann nochmals auf Höhe
der Decke der Königskammer (Schicht 58-59). Diese Unterschiede werden
jedoch bis auf eine Genauigkeit von etwa 1cm in den nachfolgenden Schichten
ausgeglichen. Diese Genauigkeit ist nur dann wichtig, wenn die nachfolgende
Steinschicht flach aufliegen soll. Bei Mauerschalen ist das nicht nötig,
die schmale Aussenschicht sollte sogar zur besseren Stabilität eher
nach innen geneigt verlegt werden - siehe nachfolgendes Beispiel!
In Medûm steht eine Pyramide des Snofru, die möglicherweise nach dem Prinzip des Kerns mit Pyramidenmantel gebaut wurde. Die Pyramide wurde zuerst als siebenstufige Pyramide gebaut, nach ihrer Fertigstellung in eine achtstufige umgebaut und anschliessend wurde noch ein äusserer Mantel angefügt. Bei dieser Pyramide ist interessant, dass die Stufenpyramide in eine echte Pyramide umgewandelt wurde, indem ein Mantel angefügt wurde [4]. Während die Steine für die inneren Schichten leicht gegen unten geneigt verlegt wurden, war der Mantel mit horizontalen Schichten gebaut [5]. Eine Theorie sagt, dass die äusseren Steine bereits während des Baus abrutschten. Der innere Kern der Pyramide blieb stehen, umgeben von der gewaltigen Trümmerhalde des Pyramidenmantels. In Zawiyet el-Aryan steht ebenfalls der Stumpf einer Pyramide, die in solchen Schichten gebaut wurde.
Wie problematisch es ist, auf eine Schicht im Nachhinein anzubringen, die nicht (oder nur wenig) mit den inneren Steinen verzahnt werden kann, kann man auch bei der Eingangspassage der Knickpyramide in Dahschur zu beobachten. Hier befindet sich eine 23cm hohe Stufe im Gang (Foto), wo sich der zu einem späteren Zeitpunkt angefügte äussere Teil der Pyramide gegenüber dem inneren Kern verschob und absackte.
Diese Pyramide war zuerst als Bauwerk mit einem steilen Neigungswinkel
geplant worden, aber da sich noch während des Baus der Baugrund senkte,
musste die Pyramidenbasis verlängert und ein neuer Neigungswinkel
bestimmt werden. Als dies die strukturellen Probleme auch nicht löste,
wurde der Neigungswinkel und damit die Höhe der Pyramide nochmals
drastisch reduziert. Dass die Baumeister das Problem doch noch in den
Griff bekamen zeigt einerseits, dass die Knickpyramide auch noch heute
steht und andererseits, dass die ganze Seitenwand der Pyramide noch nicht
abgerutscht ist, obwohl die verbindenden Ecken entfernt wurden.
Wie gut die alten Ägypter ihre Arbeit machten und wie gut die äusseren
Steine mit dem inneren Kern verzahnt worden sind, zeigt uns die Spitze
der Chefren-Pyramide. Dieser Teil der "Verkleidung"
hängt schon seit Jahrhunderten sozusagen in der Luft, denn die unteren
Steine fehlen.
[1] V. Maragioglio und
C. Rinaldi Architettura delle Piramidi Menfite. Le grande piramide
di Cheope
www.cheops-pyramide.ch Copyright 2006 Franz Löhner und Teresa Zuberbühler