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Millionen verschwendet
Schweizer Firma in «Luanda Leaks» involviert
Sie dachte, sie sei durch ihren Familiennamen geschützt. Doch nun wird Milliardärin Isabel dos Santos beschuldigt, ihr Imperium durch Plünderung der Ressourcen Angolas aufgebaut zu haben.
- von
- rab
Um was geht es bei «Luanda Leaks»?
Das Datenleck «Luanda Leaks» umfasst über 700'000 Dokumente aus dem Innersten des Imperiums von Isabel dos Santos (46) und ihrem Ehemann Sindika Dokolo. Dos Santos ist die Tochter des ehemaligen Präsidenten von Angola, José Eduardo dos Santos, der Angola von 1979 bis 2017 regierte, und gilt als erste Milliardärin Afrikas. Ihr Vermögen wird auf über zwei Milliarden Dollar geschätzt.
Im Dezember froren die angolanischen Behörden ihr Vermögen ein, nachdem die Staatsanwaltschaft ihr und ihrem Mann vorgeworfen hatte, Zahlungen staatlicher Unternehmen an Firmen weitergeleitet zu haben, an denen sie beteiligt seien. Die beiden haben die Vorwürfe zurückgewiesen.
Dos Santos schreibt in einem Twitter-Post: «Mein Vermögen wurde mit meinem Charakter, meiner Intelligenz, Bildung, Arbeitsfähigkeit, Ausdauer geboren. Heute sehe ich mit Trauer den Rassismus und die Vorurteile von Sic-Expresso, die uns an die Ära der Kolonien erinnern, in der kein Afrikaner so viel wert sein konnte wie ein Europäer.»
Die Dokumente wurden der in Paris ansässigen Platform to Protect Whistleblowers in Africa (PPLAAF) übergeben, welche die Unterlagen mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) teilte. Über 120 Journalisten aus 36 Medienhäusern haben sie ausgewertet, darunter auch Tamedia.
«In Abertausenden von E-Mails, Verträgen oder Excel-Tabellen lässt sich nachvollziehen, wie die Familie des langjährigen Staatspräsidenten Angolas von Hunderten Millionen öffentlicher Gelder profitierte. Die Dokumente legen komplexe Vorgänge offen, die oft über verschachtelte Firmenkonstrukte liefen und nur dank eines Heers von Helfern möglich waren», schreiben die Journalisten des Tamedia-Recherchedesks durch die zur Verfügung gestellten Dokumente in ihrem Beitrag.
Zwei Fälle mit direktem Bezug zur Schweiz stünden «exemplarisch dafür», wie «hemmungslos der Dos-Santos-Clan öffentliche Gelder in die eigene Richtung lenkte».
Fall 1: Genfer Schmuckfirma
2011 stand die Genfer Firma De Grisogono hochverschuldet vor dem Konkurs. Wie der Tamedia-Recherchedesk schreibt, sollen die staatliche angolanische Diamantenfirma Sodiam und Dokolo De Grisogono je zur Hälfte übernommen haben. Das Geld dafür soll von der Staatsfirma stammen.
140 Millionen Dollar sollen danach vom angolanischen Staat in die Genfer Firma geflossen sein und das, ohne je einen Gewinn dafür erhalten zu haben. Die Schweizer Schmuckfirma soll sogar weiterhin hohe Verluste geschrieben haben.
De Grisogono soll Angolas Staatsgeld laut den Journalisten für glamouröse Luxuspartys verschleudert und in ambitionierten, aber völlig unwirtschaftlichen Expansionsplänen verspekuliert haben. Auf eine gemeinsame Anfrage von ICIJ und Partnermedien soll Dokolo behauptet haben, in De Grisogono selber gleich viel Geld wie die Staatsfirma Sodiam gesteckt zu haben – und zwar 115 Millionen Dollar.
Dokumente, die das beweisen würden, legte Dokolo nicht vor. Gemäss «Luanda Leaks» soll Dokolo der Firma De Grisogono zu diesem Zeitpunkt ein Darlehen von rund 17 Millionen Dollar gewährt haben. Vom Staat hingegen kamen schon damals rund 110 Millionen. Dokolo soll seine Hälfte an De Grisogono bis 2015 via eine Holding-Firma in Zug behalten haben.
Fall 2: Die angolanische Ölgesellschaft Sonangol
Anfang 2006 stieg Angola mit der staatlichen Ölgesellschaft Sonangol beim portugiesischen Energieriesen Galp ein. Gleichzeitig gründete ein Zuger Anwalt und ehemaliger Lokalpolitiker oben erwähnte Holding für den Schwiegersohn des Staatspräsidenten.
Sonangol verkaufte Ende 2006 40 Prozent der Beteiligung an eine holländische Tochter der Zuger Holding, also an den Schwiegersohn des Staatspräsidenten. In seiner Rolle als Verwaltungsratspräsident der Zuger Holding soll der Anwalt einen wichtigen Vertrag für den Deal unterschrieben haben.
Der Wert der Galp-Aktien soll sich bis heute mehr als verdoppelt haben, die Rede ist von einem Buchgewinn von gegen 400 Millionen Euro. Letzterer hätte auch in der Bilanz der Staatsfirma Sonangol stehen können, hätte Sonangol das Aktienpaket nicht geteilt.
Weil Sonangol den grössten Teil des Kaufpreises in ein Darlehen – das Dokolo über zehn Jahre lang nicht angetastet hat – umgewandelt haben soll, soll Dokolo für die meisten der wertvollen Aktien zunächst gar nichts bezahlt haben.
Dos Santos plötzlich im Chefsessel
2016 wurde Dokolos Ehefrau Isabel dos Santos zur Sonangol-Chefin ernannt. «Damit war der Interessenkonflikt perfekt», schreibt das Tamedia-Recherchedesk. Kurz darauf seien denn auch die Rückzahlungsbedingungen plötzlich viel lukrativer geworden.
Im Herbst 2017 gab Dos Santos' Vater das Präsidialamt ab. Sein Nachfolger João Lourenço versprach dem Volk ein scharfes Vorgehen gegen Korruption und Vetternwirtschaft – und entfernte Isabel dos Santos sogleich von der Sonangol-Spitze. Ihr Nachfolger goutierte die Kwanza-Zahlung nicht und liess sie an die Firma des Schwiegersohns zurücküberweisen. Seither sei umstritten, ob die Schuld von 2006 nun beglichen sei oder nicht.
Kurz nach der Konfrontation mit der «Luanda Leaks»-Recherche hat der Zuger Anwalt übrigens sein Mandat als Verwaltungsratspräsident der Holding per sofort niedergelegt. «Nun ist die Angola-Party auch für ihn vorbei», schreiben die Journalisten.
Kommt Isabel Dos Santos ans WEF in Davos?
Vor einem Monat bestätigte ein Sprecher des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos die Teilnahme von Isabel dos Santos. Doch weil Angola seit Neustem gegen die Ex-Präsidententochter vorgeht, musste sie ihren Auftritt wieder absagen.