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von Anna Keller, März 2020 (Name geändert, dem Verein jedoch bekannt)
Was wir heutzutage als Armut bezeichnen, bezieht sich auf die Standards, welche unsere Gesellschaft selbst definiert hat. Armut kann je nach Staaten auch variieren. Was in einer Gesellschaft Armut bedeutet, muss in einer anderen Gesellschaft nicht dasselbe sein.
War das schon immer so? Vor 10‘000 Jahren war zum Beispiel eine Höhle als Unterkunft ein Luxus. Wenn man zu Essen hatte und sich in Sicherheit fühlte, war das schon genug. Heute haben wir vieles für unseren Wohlstand geschaffen. Die Menschen, welche sich das alles aber nicht leisten können, werden als „weniger“ angesehen. Als ob es obligatorisch wäre, diese Standards zu verfolgen.
Ist es zwingend, uns den Standards anzupassen? Die erwähnten Lebensstandards haben wir teilweise sogar gesetzlich festgelegt. In der Schweiz verpflichtet zum Beispiel das Gesetz alle Schweizer Haushalte und Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, Empfangsgebühren für Radio und Fernsehen zu bezahlen. Hier sieht man, wie die Gesellschaft einen Standard definiert und gesetzlich die Menschen zwingt.
Unsere Welt ist von der Armut befangen. Die Wissenschaft hat uns Wohlhaben, Komfort und Bequemlichkeit geschenkt. Aber immer noch müssen viele Menschen bescheiden leben und wissen nicht, wie sie den Monat überstehen sollen.
Heute befindet sich die Welt wegen dem Corona Virus in einer Krisensituation. Zuhause bleiben, selbstständig lernen, genug zu Essen haben – das alles fällt derzeit leichter, wenn man über genug Geld verfügt. Menschen am Rande der gesellschaftlichen Standards leiden besonders darunter. Während die Einen Hamstereinkäufe von günstigeren Angeboten tätigen, fehlen den Anderen genau diese Produkte. Die Standards verschieben sich.
Armut bezeichnet nicht unbedingt den Zustand, ob man ein Auto oder ein grosses Haus besitzt. Es ist die Gleichung darüber, wie hoch die Standards der Gesellschaft definiert werden. Armut misst sich auch nicht nur an materiellen Dingen.
Viele PolitikerInnen kämpfen jeden Tag gegen Armut und für die Verteilung des Wohlstandes. Sie versuchen, bezahlbare Wohnungen für die Gesellschaft bauen zu lassen, setzen sich dafür ein, dass es mehr Arbeitsplätze und Weiterbildungsangebote gibt, um die Eingliederung in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Es wird versucht, ein bedingungsloses Grundeinkommen für die Bevölkerung für die Zeit der Epidemie zu schaffen.
Ohne die Hilfe der Bevölkerung wird dieser Kampf sich jedoch nicht ausbezahlen. Das Volk muss an der Seite dieser PolitikerInnen stehen und sich aktiv an der Politik beteiligen. Denn die Forderungen, ein würdiges Leben führen zu können, ist nicht nur berechtigt, sondern ein Grundrecht der Menschen.
Jeder kann sich irgendwann in der gleichen Situation befinden. Die Gründe dafür sind oft Krankheit, Familiengrösse, ungenügende oder fehlende Bildung. Deswegen müssen diese Personen besonders unterstützt werden. Die Empathie mit Menschen in Notlagen darf in der Gesellschaft nicht fehlen oder verloren gehen.
Am Ende des Tages wünschen wir immer noch dasselbe wie vor 10 000 Jahren: Essen, Schutz und Sicherheit.