Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03546.jsonl.gz/2107

Es „wienert“ gewaltig in dem aus sieben Bildern bestehenden Volksstück Geschichten aus dem Wiener Wald von Ödön von Horváth.
Merkwürdige Figuren treten da auf! Also da wäre zum Beispiel der „Zauberkönig“, Inhaber einer Puppenklinik (also eines Geschäfts, in dem Puppen repariert werden – so etwas gab es damals noch) in Wien. Dann seine Tochter Marianne. Ferner der Fleischhauer (also Metzger) Oskar, Schwiegersohn in spe. Bei der oben erwähnten Frau Kanzleiobersekretärswitwe (buchstabieren Sie das mal!) handelt es sich um eine etwas zweifelhafte Dame namens Valerie, die immer an das Grab ihres Verflossenen denken muss, wenn sie diesen imposanten Titel hört. Sie führt eine sogenannte „Trafik“, also einen Tabak- und Zeitungsladen. Ein junger Mann namens Alfred tritt ebenfalls auf, mitsamt Mutter und Grossmutter in der Wachau. Ausserdem gibt es da noch einen pensionierten Rittmeister, der heute mit einer Majorspension gesegnet wäre, wenn der Krieg nur zwei Wochen länger gedauert hätte. Und den Studenten Erich aus Kassel, einen sogenannten „Saopreissn“ (Sau-Preussen). Und damit es keine Missverständnisse gibt: „Volksstück“ bedeutet noch lange nicht „Komödie“ und schon gar nicht „Happy End“!
Bekannt ist Horváth auch für seinen dramatischen Tod: Am 1. Juni 1938 wurde er in Paris auf den Champs-Élysées während eines Unwetters von einem herabstürzenden Ast erschlagen.