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Louis Rollier (1859–1931)
Privatdozent für Stratigraphie und Petrefaktenkunde und Titularprofessor an der ETH Zürich
Louis Rollier wurde am 19. Mai 1859 in Nods im bernischen Jura geboren. Er entstammte einer Familie von Bauern und Handwerkern. Sein Vater wollte ihm jedoch eine höhere Bildung ermöglichen und schickte ihn nach der Übersiedlung der Familie nach La Neuveville ins dortige Progymnasium. Später besuchte Louis Rollier das Collège in St-Imier. Dort weckte ein engagierter Lehrer in ihm das Interesse für die Geologie.
Studium
Dank der finanziellen Unterstützung eines Freundes seines Vaters konnte Rollier 1876 bis 1877 in Porrentruy Geologie studieren, danach an der ETH (damals noch Eidgenössisches Polytechnikum) in Zürich bei Albert Heim, Oswald Heer und Karl Mayer-Eymar. 1880 schloss er sein Studium mit einer Diplomarbeit über die Geologie der Umgebung von Besançon als Fachlehrer für Naturwissenschaften ab.
Revision der geologischen Karte
In der Folge unterrichtete Rollier während 10 Jahren Mathematik und Naturkunde an der Sekundarschule in St-Imier. Nebenher widmete er sich der Erforschung der Geologie des Jura. Für die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit erhielt er 1899 den Ehrendoktor der Universität Bern. Seine Forschungen dienten ihm auch als Grundlage für die Revision der geologischen Karten des bernischen Jura und angrenzender Gebiete im Auftrag der Schweizerischen Geologischen Kommission. Daneben bestimmte er Jurafossilien für verschiedene Museen und Sammlungen.
Konservator und wissenschafltiche Tätigkeiten
1902 bekam Rollier eine Assistentenstelle in der Geologischen Sammlung in Zürich. Nach dem Tod von Karl Mayer-Eymar im Jahre 1908 trat er dessen Nachfolge als Konservator der Sammlung an. Seit 1903 wirkte er als Privatdozent für Stratigraphie und Petrefaktenkunde an beiden Hochschulen in Zürich. 1911 wurde er im Zuge einer Reorganisation der ETH Zürich zum Titularprofessor ernannt. Rollier blieb Zeit seines Lebens Junggeselle und widmete sich ganz der Wissenschaft und dem Sammeln von Fossilien und Gesteinen. Seine erste Sammlung verkaufte er 1890 dem Museum Schwab in Biel. Die Früchte seiner späteren Sammlungstätigkeit sind heute Teil der Geologisch-paläontologischen Sammlung der ETH Zürich. Der Schwerpunkt von Rolliers wissenschaftlicher Tätigkeit lag in der Erforschung der wirbellosen Tiere der Jura- und Tertiärperiode. Seine stratigraphischen Kenntnisse konnte er auch bei verschiedenen technischen Fragen einbringen. So verfasste er unter anderem ein geologisches Gutachten für das Projekt der Bahnlinie Grenchen-Moutier und einen Bericht über die geologischen Verhältnisse des Lötschberg-Tunnels. Die Tunnelkatastrophe am Lötschberg veranlasste ihn jedoch dazu, sich wieder ausschliesslich der theoretischen Arbeit zuzuwenden. Louis Rollier starb kurz nach seinem 73. Geburtstag am 3. Juni 1931 in Zürich.
Handschrift
Ausschnitt aus den "Lötschberg-Akten": Vorläufiger Bericht über die geologischen Verhältnisse am Nord- und Südende des Lötschberg-Tunnels 1906, Profil des Südportals (Hs 321:113). In dem Bericht nimmt Rollier Stellung zu einer geologischen Expertise aus dem Jahr 1900 und äussert sich skeptisch bezüglich der geologischen und hydrologischen Verhältnisse unter dem Gasternboden: Die Alluvialbildungen könnten im Gasterntal möglicherweise tiefer reichen, als es das frühere Expertenprofil vorsah; der Boden wäre dann für einen Tunnelbau nicht günstig. Just an dieser Stelle brachen bei Bohrarbeiten am 24. Juli 1908 grosse Mengen Wasser und Sedimentgestein in den Tunnelstollen und begruben 25 italienische Bergarbeiter.
Bestand
Informationen über Louis Rolliers Leben und Werk bietet das biographische Dossier im Hochschularchiv der ETH Zürich. Dort befindet sich auch der Nachlass von Louis Rollier mit zahlreichen Manuskripten, Vorlesungsnotizen und Korrespondenz. Das entsprechende Nachlassverzeichnis (Link verlässt diese Seite) kann online eingesehen werden. Eine vollständige Liste der Publikationen von Louis Rollier ist zusammen mit einem Porträt und Lebenslauf in der Vierteljahresschrift der Zürcher Naturforschenden Gesellschaft 74 (1929) abgedruckt (P 8317 oder 8 Conv 08).
Rund 80 Werke sind im Suchportal der ETH-Bibliothek. verzeichnet und bestellbar. Darunter finden sich zahlreiche Separata, aber auch seine Hauptwerke:
- Bibliographie géologique de la Suisse 1770 bis 1900 (veröffentlicht in den Beiträgen zur geologischen Karte der Schweiz, Lfg. 29, Partie 1–2, 1907–1908)
- Les faciès du Dogger ou Oolithique dans le Jura et les régions voisines (1911)
- Synopsis des Spirobranches (Brachiopodes) jurassiques celto-souabes (erschienen in den Abhandlungen der Schweizerischen Paläoontologischen Gesellschaft, vol. 41–44, 1916–1919).