Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03210.jsonl.gz/951

Etwas mehr als einen Monat nach ihrem überraschenden Ausstieg aus dem WM-Zeitfahren war Marlen Reusser in ihrer Paradedisziplin wieder in gewohnt starker Manier unterwegs. Die zweitplatzierte Britin Anna Henderson distanzierte die als Topfavoritin gestartete Schweizerin auf dem knapp 30 km langen Parcours in der niederländischen Provinz Drenthe um 43 Sekunden. Bronze ging an die Österreicherin Christina Schweinberger.
Für Reusser war die erneute Titelverteidigung mit ihrer Vorgeschichte alles andere als Formsache. Im August hatte sie im WM-Zeitfahren in Glasgow die Reissleine gezogen und das Rennen unter Tränen aufgegeben.
Das Lachen hatte die Olympia- und WM-Zweite unlängst wieder gefunden. Am Sonntag strahlte sie als Gesamtdritte der Tour de Romandie Féminin vom Podest. Die Ärztin hat das Geschehene reflektiert und mit ihrem Umfeld die Schlüsse daraus gezogen.
Vor ihrem ersten Zeitfahren seit dem Ausstieg war sie sich aber nicht sicher, ob sie wieder bereit sein würde, in der Prüfung im Kampf gegen die Uhr an und über die Schmerzgrenzen zu gehen. Den Beweis, dass sie wieder zum Leiden bereit ist, lieferte Reusser an ihrem Geburtstag eindrücklich. Nach der Zieldurchfahrt streckte sie begleitet von einem breiten Lachen die Faust in die Höhe - die Tränen aus Schottland waren weit weg.
Bissegger holt EM-Silber
Stefan Bissegger konnte seinen Europameistertitel nicht verteidigen. Der Schweizer wurde deutlich vom 19-jährigen Briten Joshua Tarling geschlagen, holte sich aber Silber. Wie bei den Frauen distanzierte auch Tarling seinen ersten Verfolger um fast 43 Sekunden.
Umso knapper wurde es im Kampf um den zweiten Platz. Belgiens Allrounder Wout van Aert blieb 0,22 Sekunden hinter Bissegger, der die drei harten Wochen an der Vuelta offenbar gut verdaut hatte. Als der 25-Jährige im Vorfeld auf die fehlende Pause angesprochen wurde, antwortete er: «Ich weiss nicht, wie mein Körper reagieren wird. Top oder Flop, es ist ein Experiment.» Und es ist gelungen.
Stefan Küng, der sich im Vorjahr im Schweizer Duell um den Sieg um 0,53 Sekunden geschlagen geben musste, wurden die besseren Chancen eingerechnet. Tatsächlich lag Küng bei den Zwischenzeiten jeweils vor Bissegger, doch kurz vor Schluss stürzte er in einer schwierigen Kurve. Der 29-Jährige, der schon zwei EM-Titel gewonnen hatte, verletzte sich dabei sichtlich. Blutüberströmt und mit kaputtem Helm nahm er das Rennen wieder auf und konnte sogar ins Ziel fahren. Er wurde Elfter.