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Über die gesundheitlichen Risiken der Grünen Gentechnik wird viel spekuliert. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA beschränkte sich in ihren Bewertungen bis 2012 stets auf 90-Tage-Studien. Kritiker bemängelten, diese Zeitspanne sei zu kurz, um wirkliche Gefahren abschätzen zu können.
Im Jahr 2012 publizierten französische Wissenschaftler von der Universität Caen eine der ersten Gentechnik-Langzeitstudien überhaupt. Dafür teilte das Team 200 Ratten in drei Gruppen und fütterte eine davon ausschliesslich mit Monsanto-Mais NK603, eine mit Herbizid-(Roundup) besprühtem Mais und die dritte mit normalem Mais. Der Versuch dauerte zwei Jahre, also solange wie Ratten durchschnittlich leben. Interessanterweise traten erste ernsthafte Probleme erst nach vier Monaten auf. 50 % der Rattenmännchen sowie 70 % der Rattenweibchen, die gentechnisch veränderten Mais frassen oder Herbizid-haltiges Wasser tranken, starben frühzeitig. Die Tiere erkrankten insbesondere an Brust- und Hautkrebs, an Leberschäden und an Nierenkrankheiten. In der Kontrollgruppe starben 30% beziehungsweise 20 % frühzeitig.
Die Studie weise erhebliche «methodische Mängel» auf, kritisierte unter anderem die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) das Ergebnis. Die Versuchszahl von 200 Tieren sei zu gering, um aussagekräftige statistische Resultate ableiten zu können. Auffällig ist auch, dass 25% der Ratten frühzeitig starben, obwohl sie normalen Mais frassen. 2013 wurde die Studie darum zurückgerufen. Mittlerweile hat allerdings auch die EFSA eingeräumt, dass Langzeitstudien für eine umfassende Abklärung unverzichtbar sind.
«Es ist höchste Zeit, dass dieser weltweite Testversuch an Mensch, Tier und Umwelt gestoppt wird.»
Greenpeace Schweiz
Im Jahr 2009 hat die Biologin Angelika Hilbeck von der ETH Zürich in einer eigenen Studie herausgefunden, dass ein Bt-Toxin – ein Gift gegen Schädlingsinsekten – im Monsanto-Mais MON810 für Marienkäferlarven tödlich ist. Auch dieses Resultat wurde von Kritikern angegriffen und ein Jahr später publizierte Jörg Romeis von der Schweizerischen Forschungsanstalt Agroscope eine Gegenstudie mit exakt gegenteiligen Resultaten. Hilbeck wiederum warf Romeis vor, ein anderes Testverfahren angewandt zu haben.
Die Debatte scheint insbesondere aus verhärteten Fronten zu bestehen, und ein eindeutiges Ergebnis fehlt immer noch. Doch ganz abgesehen davon, muss man sich fragen, ob wir auf gentechnisch veränderte Lebensmittel überhaupt angewiesen sind. Denn eines darf nicht vergessen werden: Grosse Saatguthersteller wie Syngenta oder Monsanto haben ein immenses wirtschaftliches Interesse daran, dass gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in der Bevölkerung als unverzichtbar und harmlos wahrgenommen werden. Dafür werden Fakten auch gerne mal verzerrt dargestellt: Gemäss Saatgutherstellern sind wir auf GVO unbedingt angewiesen, um den Hunger der wachsenden Weltbevölkerung stillen zu können. Doch das stimmt so nicht: Pro Jahr landen 30 bis 50 Prozent aller Lebensmittel im Abfall! Gemäss Welternährungsorganisation FAO handelt es sich dabei um rund 1,3 Milliarden Tonnen – genug um 3 Milliarden Menschen zu ernähren. Nicht die Menge an Nahrungsmitteln ist also das Problem, sondern deren Verteilung. Was GVO zu dessen Lösung beitragen sollen, ist schleierhaft und untermauert die Vermutung, dass GV-Saatgut primär dazu dient, die Kassen von Saatgut-Multis klingeln zu lassen! Denn Saatgut-Multis patentieren nicht nur immer mehr Saatgut – sie verändern es auch so, dass es nur noch eine Pflanzen-Generation hervorbringt und danach nicht mehr vermehrbar ist. Diese Praxis treibt immer mehr Bauern – vor allem in ärmeren Ländern – in eine extreme Abhängigkeit.
Solange die gesundheitlichen Risiken nicht abschliessend geklärt sind, empfiehlt es sich dringend, auf gentechnisch veränderte Nahrung zu verzichten. Ansonsten könnte der vermeintliche Gentech-Traum schnell zu einem Gentech-Alptraum mutieren.