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Der von einem Skandal um angebliche Schmiergeldzahlungen und Justizermittlungen bedrängte spanische Ex-König Juan Carlos geht mit 82 Jahren ins Exil. Das spanische Königshaus versuche die Monarchie zu retten, sagt die Journalistin Julia Macher.
Julia Macher
Journalistin in Barcelona
Julia Macher berichtet aus Spanien für verschiedene Radio- und TV-Sender, hauptsächlich über Gesellschaft und Kultur.
SRF News: Wie überraschend ist es, dass Juan Carlos sich gerade jetzt ins Ausland absetzt?
Julia Macher: Es kam sicher nicht unvermittelt. Schon im Frühjahr hatte König Felipe seinem Vater die Pension entzogen, Juan Carlos absolvierte keine öffentlichen Auftritte mehr. Jetzt kommt mit dem Exil ein zweiter Versuch, die spanische Monarchie zu retten. Offenbar verlässt der Altkönig das Land auf Bitten des Königshauses, er wird also quasi hinausgeworfen.
Seit 2018 ermitteln die zuständigen spanischen Behörden wegen Korruption gegen Juan Carlos. Worum geht es dabei?
Er soll für den Bau eines Hochgeschwindigkeitszuges in Saudi-Arabien Schmiergeld in Höhe von bis zu 100 Millionen Dollar erhalten haben. Noch ist aber nicht klar, ob in Spanien ein Prozess gegen ihn geführt werden kann, weil der König während seiner Amtszeit eine verfassungsmässig verbriefte absolute Immunität geniesst.
Juan Carlos soll seiner Ex-Geliebten ein Geschenk im Umfang von 65 Millionen Dollar gemacht haben.
Um ihn auf die Anklagebank zu bekommen, muss die Staatsanwaltschaft beweisen, dass er auch nach seiner Abdankung gegen das Gesetz verstossen hat. Hier spielt ein angebliches Geschenk an seine Ex-Geliebte Corinna im Umfang von 65 Millionen Dollar eine Rolle. Der Vorwurf lautet auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung.
Angeblich in der Dominikanischen Republik
Laut spanischen Medienberichten verliess Juan Carlos Spanien am Montagmorgen mit dem Auto in Richtung Portugal, von wo aus er in die Dominikanische Republik geflogen ist. Dort wolle er einige Wochen bei einer Familie bleiben, die ihr Vermögen mit Zuckerrohr-Plantagen gemacht habe. Danach wolle er sich nach einem neuen Ziel umschauen. (reuters)
Wie sehr hat sein Verhalten das Königshaus beschädigt und die Arbeit von König Felipe beeinträchtigt?
Das Image der Monarchie in Spanien ist schon seit Längerem angeschlagen, doch die Korruptionsvorwürfe gegen Juan Carlos haben die Krise des Königshauses sicher verschärft.
Laut seinem Anwalt will sich Juan Carlos der Justiz zur Verfügung halten.
Er trat schon 2014 nach verschiedenen Affären ab. Sein Sohn Felipe gilt als kühl und distanziert, er bekundet bei seinen Auftritten stets Mühe, den Funken auf die Untertanen überspringen zu lassen.
Spanische Medien melden, Juan Carlos habe Spanien verlassen und halte sich vorübergehend in der Dominikanischen Republik auf. Wohin könnte ihn sein Exil noch führen?
Der Anwalt von Juan Carlos liess verbreiten, der Altkönig werde sich der spanischen Justiz auf jeden Fall zur Verfügung stellen. Er soll Freunden gesagt haben, vielleicht sei er schon im September wieder zurück in Spanien. Es ist also nicht klar, ob er sich durch seinen Gang ins Ausland wirklich der Justiz entziehen will.
Jüngere Historiker sehen in Juan Carlos eher einen Ziehsohn von Diktator Franco.
Juan Carlos hat als junger Monarch entscheidendes für die spanische Monarchie getan, unter anderem hat er einem Militärputsch standgehalten. Wieso hat er sich später selbst demontiert?
Dafür gibt es in Spanien keine stringente Erklärung. Mehrere Bücher über Juan Carlos in den letzten Jahren versuchen aber, ein neues Bild von ihm zu zeichnen. So wird jetzt auch sein Einsatz für die Demokratie kritischer gesehen. Demnach hat er oft eher aus Pragmatismus denn aus Idealismus gehandelt. Jüngere Historiker sehen in ihm denn auch weniger den Garanten für die Demokratie als vielmehr einen Ziehsohn des 1975 verstorbenen Diktators Franco – schliesslich ist Juan Carlos von diesem eingesetzt worden.
Das Gespräch führte Susanne Stöckl.