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Beben in der Kryptowelt: Die Kryptobörse FTX ist Pleite und hat nach gescheiterten Rettungsversuchen in den USA Gläubigerschutz beantragt. Zudem ist Firmengründer Sam Bankman-Fried von seinem Posten als Vorstandschef zurückgetreten, teilte FTX am Freitag mit.
Der Schaden ist enorm: Das Krypto-Imperium von Sam Bankman-Fried war noch vor wenigen Monaten mit 32 Milliarden Dollar bewertet, wie die «Financial Times» berichtet. FTX habe zudem zahlreiche bekannte Investoren wie Paradigm, SoftBank, Sequoia Capital und Temasek aus Singapur umworben. Die Risikokapitalfirmen Sequoia und Paradigm hätten in den vergangenen Tagen ihre Beteiligung auf Null reduziert, so die «FT».
Das internationale Geschäft des FTX-Konzerns ist auf den Bahamas ansässig. Das US-Verfahren nach Kapitel 11 des Insolvenzrechts betrifft dem Konzern zufolge unter anderem die amerikanische Kryptobörse FTX US und 130 weitere Firmen, die zusammen die FTX Group bilden.
Bankman-Fried hatte mit Konkurrenten und anderen Investoren über eine milliardenschwere Finanzspritze verhandelt, um sein Unternehmen zu retten. FTX war in den vergangenen Tagen in Schieflage geraten, weil Kunden massenhaft Gelder abzogen. Branchenprimus Binance wollte FTX daraufhin übernehmen, machte im letzten Moment aber einen Rückzieher.
Der Krypto-Broker Genesis wird von seiner Muttergesellschaft, der Digital Currency Group, eine Finanzspritze in Höhe von 140 Millionen US-Dollar erhalten, nachdem bekannt wurde, dass sein Derivategeschäft 175 Millionen US-Dollar auf einem FTX-Handelskonto lagert.
Die Kapitalinfusion wird zur Stärkung der Bilanz von Genesis verwendet, wie aus einer Notiz an eine Gegenpartei hervorgeht, die von einem Sprecher der DCG bestätigt wurde.
Der Konkurs von Sam Bankman-Frieds FTX-Imperium hat den Krypto-Sektor aufgewühlt und die Anleger wegen der Ansteckungsgefahr verunsichert. Genesis sagte am Donnerstag in einem Twitter-Thread, dass «unser Betriebskapital und unsere Nettopositionen in FTX nicht wesentlich für unser Geschäft sind. Die Umstände, die FTX umgeben, haben das volle Funktionieren unseres Handelsgeschäfts nicht beeinträchtigt». (Bloomberg)
FTX ist schnell gefallen
FTX geriet in Krise, nachdem die Preise für den Krypto-Token der Börse, FTT, stark gesunken waren. So ist er am Dienstag, 8. November um 72 Prozent eingebrochen. Nutzerinnen und Nutzer zogen darum ihre Vermögenswerte ab.
Ein Tag später kündete die rivalisierenden Kryptobörse Binance in einer unverbindliche Vereinbarung an, FTX zu retten. Am Donnerstag, 10. November musste FTX dann die Aufnahme von Neukunden und Abhebungen bis auf weiteres aussetzen. Gleichzeitig verkündete der Gründer Bankman-Fried, dass er eine Kapitalerhöhung anstrebe und Gespräche mit Justin Sun, dem Gründer des Krypto-Tokens Tron, geführt habe.
Auch versuchte er noch ein Rettungspaket von rund 9,4 Milliarden Dollar für FTX auf die Beine zu stellen. Währenddessen erklärte die Wertpapieraufsichtsbehörde der Bahamas, sie habe die Vermögenswerte von FTX Digital Markets, einer Tochtergesellschaft von FTX, eingefroren. Das führte am Freitag dazu, dass die Börse Gläubigerschutz beantragen musste.
(Reuters/Awp/bsc)