Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/2457

Der Schweizer Wasserkonsum
Wo steht die Schweiz im globalen Vergleich zum Pro-Kopf Wasserkonsum? Wie abhängig ist die Schweiz von internationalen Wasserressourcen? Wo wird das Wasser zur Produktion von Gütern für den Schweizer Konsum entnommen? Dies und mehr erfahren Sie hier.
Pro-Kopf Wasserkonsum der Schweiz im globalen Vergleich
Der Schweizer Wasser-Fussabdruck beziffert das Volumen von Regen-, Oberflächen- und Grundwasser, das global für die Erzeugung von Waren und Dienstleistungen für den Schweizer Konsum verwendet wird (blauer und grüner Wasser-Fussabdruck). Dazu kommt die Wassermenge, die benötigt wird, um die entstehende Schadstoffbelastung aufzunehmen (grauer Wasser-Fussabdruck).
In Schweizer Privathaushalten werden pro Person und Tag zum Trinken, Kochen, Reinigen und Waschen sowie für die Toilettenspülung im Durchschnitt rund 160 Liter Wasser (GAILLE 1999) verbraucht (= direkter Verbrauch). Unter Berücksichtigung des indirekten Verbrauchs (= virtuelles Wasser) - jener Wassermenge, die zur Produktion von Lebensmitteln, Getränken, Kleidung sowie anderer Konsumgüter (Autos, Computer, Papier) sowie zur Aufnahme der dabei entstehenden Schadstoffbelastung benötigt wird - beläuft sich der Wasserkonsum auf ca. 4’000 Liter pro Person und Tag (oder rund 1’500 m3 pro Jahr pro Person, dies entspricht dem Volumen eines zu ca. 2/3 gefüllten olympischen Schwimmbeckens), davon kommen 82% aus dem Ausland (GNEHM 2012).
Die Vereinigten Staaten von Amerika haben mit ca. 7’500 Liter pro Person pro Tag (oder rund 2’500 m3 pro Jahr pro Person, dies entspricht dem Volumen eines komplett gefüllten olympischen Schwimmbeckens) den grössten Pro-Kopf-Wasserkonsum aller Länder. Damit belegen die USA mit 9% den dritten Platz nach Indien (13%) und China (12%) auf der Liste der weltweit grössten absoluten Wasserverbraucher.
Der durchschnittliche weltweite Wasserkonsum beträgt rund 3’800 Liter pro Person pro Tag (HOEKSTRA und MEKONNEN 2011).
Die Abhängigkeit der Schweiz von internationalen Wasserressourcen
Der gesamte Wasserkonsum der Schweiz beläuft sich auf 11’000 Millionen m3 pro Jahr, das entspricht einem Würfel mit einer Kantenlänge von 2’200 Metern. Mit 81% machen Produktion und Konsum landwirtschaftlicher Erzeugnisse den Grossteil des Wasserkonsums aus. Auf Industriegüter entfallen 17%, während in privaten Haushalten 2% verbraucht werden (GNEHM 2012). Damit umfasst der für die Bevölkerung direkt wahrnehmbare Wasserkonsum nur einen sehr kleinen Anteil.
Nur rund 18% des Wasser-Fussabdrucks werden innerhalb der Schweiz erzeugt (= interner Wasser-Fussabdruck). Der Löwenanteil von 82% entfällt auf importierte Waren und Dienstleistungen und wird daher durch Wasser erzeugt, das in anderen Ländern (viele davon mit Wasserstress) zur Produktion dieser Güter genutzt wird (= externer Wasser-Fussabdruck) (GNEHM 2012).
Diese Zahlen beleuchten einerseits die enge Verknüpfung der Schweizer Wirtschaft mit internationalen Wasserressourcen sowie die Abhängigkeit des „Wasserschlosses Europas“ - mit seinen scheinbar unerschöpflichen Wasserressourcen - von eben diesen externen Wasserressourcen.
Brennpunkte des Schweizer Wasserkonsums
In vielen Gebieten, in denen Güter für den Schweizer Konsum produziert werden, nimmt die Verfügbarkeit von Wasserressourcen ab. In diesen Wassereinzugsgebieten wird zu bestimmten Zeiten des Jahres zu viel Wasser aus Seen, Flüssen oder dem Grundwasser entnommen. Sie werden deshalb als Brennpunkte des Schweizer Wasserkonsums bezeichnet. Zu den kritischsten Brennpunkten gehören die Einzugsgebiete des Aralsees, Indus, Ganges, Euphrats, Tigris und des Nils (GNEHM 2012). Am Indus liegen Schwellenländer wie China, Indien und Pakistan, in denen während acht Monaten im Jahr schwere Wasserknappheit herrscht. Einige Brennpunkte liegen in Industrieländern wie Spanien und Portugal, die während sechs Monaten mit schwerer Wasserknappheit konfrontiert sind. Regionen in Frankreich oder den USA müssen ebenfalls während zwei bis vier Monaten mit mittlerer bis schwerer Wasserknappheit auskommen, während dem sie landwirtschaftliche Produkte erzeugen, die in der Schweiz konsumiert werden.
Verwendete Literatur
GAILLE, P. (1999): Der Wasserverbrauch im Schweizer Haus. Messbericht über den Wasserkonsum und Abschätzung des Sparpotenzials. Umweltmaterialien Nr. 114. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL, Bern.
WWAP (2012): The United Nations World Water Development Report 4. Managing Water under Uncertainty and Risk. URL [Zugriff: 18.02.2013]