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(Linnaeus, 1758)
- DE: Maulwurfsgrille
- EN: European Mole-cricket
- FR: La Courtilière commune
- Syn.: Gryllus talpa Olivier, 1791 | Gryllotalpa vulgaris Latreille, 1804
Morphologie
Auf der Rückenseite ist Gryllotalpa gryllotalpa dunkelbraun gefärbt, auf der Bauchseite ockergelb. Den Körper überziehen feine, gelbliche Haare, die den Tieren einen matten Glanz verleihen. Die relativ kurzen Fühler sind nur etwa so lang wie Kopf und Halsschild zusammen. Die Vorderbeine sind zu auffälligen Grabschaufeln umgewandelt, welche die Art unverkennbar machen. Der runde Halsschild ist gegen hinten trichterförmig erweitert. Die Vorderflügel sind etwa so lang wie der Halsschild und reichen bis zur Mitte des Hinterleibs. Anhand der Aderung der Vorderflügel können die Geschlechter unterschieden werden, wobei das Männchen eine nach vorne gerichtete, y-förmige Verzweigung aufweist, die an eine Stimmgabel erinnert. Die Hinterflügel sind voll entwickelt und ragen nach unten gebogen meist bis zum Hinterleibsende. Die Cerci sind bei beiden Geschlechtern lang und behaart. Die weibliche Legeröhre ist reduziert und von aussen nicht erkennbar.
Gesang
Die Männchen von Gryllotalpa gryllotalpa singen normalerweise in ihren Gängen an Stellen, die knapp unter der Bodenoberfläche liegen. In Feuchtgebieten befinden sich diese nicht selten nur wenig über dem Wasserspiegel. Der Spontangesang von Gryllotalpa gryllotalpa besteht aus lang anhaltenden Versen, die in unregelmässigen Abständen nur kurz unterbrochen werden. Je nach Temperatur werden 30-60 Silben pro s erzeugt. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum bei ca. 1,5 kHz. Da der Gesang unter der Bodenoberfläche erzeugt wird, ist er je nach Aufenthaltsort der Männchen und dem Zustand der Gänge unterschiedlich weit zu hören (ca. 20-40 m). Manchmal sind die Wände löchrig und die Männchen können beim Singen beobachtet werden. Oft wird der Gesang von Paarungsrufen der Froschlurche übertönt.
Spontangesang von Gryllotalpa gryllotalpa - HU, Hajdu-Bihar, Nagyivan, 17 °C, Abenddämmerung.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Gryllotalpa gryllotalpa reicht von Portugal über Spanien, Frankreich bis in den Süden Englands und Schwedens, wo die nördliche Verbreitungsgrenze erreicht wird. Gegen Süden wird die Art häufiger und kommt im Südosten bis in die Türkei vor. In vielen Gebieten Südeuropas ist allerdings die Artzugehörigkeit unklar. In der Schweiz kommt Gryllotalpa gryllotalpa zerstreut in den tieferen Lagen vor. Auch in Deutschland kommt die Art zerstreut über das ganze Land vor, wobei sie im Süden deutlich häufiger ist.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Gryllotalpa gryllotalpa ist mehrjährig und kann daher während des ganzen Jahres gefunden werden. Während der Paarungszeit im Mai und Juni kann man sie am besten beobachten. Die Eiablage erfolgt zwischen April und Juni in selbst gegrabenen Erdkammern, die bis zu 1 m unter der Erdoberfläche liegen. Die Wände werden mit Speichel gefestigt und abgedichtet. Die Brutpflege der Weibchen umfasst die Verteidigung vor Fressfeinden, das regelmässige ablecken der Eier zum Schutz vor Pilzen und eine Art Feuchteregulation. Bei zu viel Bodenwasser werden z.B. Drainagegräben um die Brutkammer gegraben. Die Larven durchlaufen 10 Larvenstadien und sind im zweiten Jahr ausgewachsen. Die Geschlechtsreife erreichen sie erst im dritten Jahr. Gryllotalpa gryllotalpa ernährt sich hauptsächlich von tierischer Nahrung wie anderen Insektenlarven und Würmern. Pflanzliche Nahrung wird ebenfalls aufgenommen, macht aber einen geringeren Bestandteil aus. Bei grösseren Vorkommen können durch Pflanzenfrass Schäden im Garten- oder Ackerbau entstehen. Die Art ist bestens an die unterirdische Lebensweise angepasst. In feuchtem und lockerem Boden gräbt sie sich in kürzester Zeit ein. Trotzdem kann sie gut schwimmen und auch fliegen.
Lebensraum
Als wärme- und feuchtigkeitsbedürftige Art ist Gryllotalpa gryllotalpa meist in Feuchtwiesen, Flachmooren, Gräben oder an Gewässerufern zu finden. Neben den natürlichen Lebensräumen besiedelt sie auch menschlich geprägte Habitate wie Gärten, Kompost- und Misthaufen oder Äcker.
Gefährdung & Schutz
Aufgrund der schwierigen Erfassung und der geringen Datenmenge konnte die Gefährdung von Gryllotalpa gryllotalpa in der Schweiz nicht beurteilt werden. Die Meinungen in der Literatur zur Bestandesentwicklung sind jedoch eindeutig. Und zwar wird ein teils drastischer Rückgang der Art beklagt, was sich mit unserer Erfahrung deckt. Die Gründe dafür sind in der intensiven Landwirtschaft und der aktiven Bekämpfung im Siedlungsraum und im Rebbau zu suchen. Ebenso wichtig für die Bestandesentwicklung ist die Trockenlegung feuchter Gebiete. Zum Schutz der Art sollte auf Insektizide im Garten- und Rebbau verzichtet werden.
- CH: DD (Ungenügende Datengrundlage)
- DE: 2 (Stark gefährdet)
- AT: NT (Potenziell gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Unter den Heuschrecken kann der Gesang von Gryllotalpa gryllotalpa mit den Gesängen der beiden Pteronemobius-Arten verwechselt werden. Diese singen aber höher und heller und die einzelnen Verse sind deutlich kürzer. In Feuchtgebieten mit Schilfgürteln ist speziell auf den Gesang des Rohrschwirls (Locustella luscinioides) zu achten. Die beiden Gesänge sind sich sehr ähnlich. Zudem sind beide zur selben Jahreszeit dämmerungs- und nachtaktiv. Der Gesang des Ziegenmelkers (Caprimulgus europaeus) ist ebenfalls ähnlich, jedoch wechselt dieser alle paar Sekunden zwischen zwei unterschiedlichen Tonlagen. Die sich überlagernden Paarungsrufe mehrerer Wechselkröten (Bufo viridis) können aus der Distanz kaum von Gryllotalpa gryllotalpa unterschieden werden.