Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03497.jsonl.gz/529

Have any questions?
+44 1234 567 890
In der Zeit als wir begannen von dieser Reise zu träumen haben wir unzählige Bücher von Weltumseglern verschlungen. Und immer waren da diese San Blas Inseln mit dem Indigenen Volk der Kuna. Und jetzt sind wir selber da. Dürfen es selber erleben und geniessen.
Kuna Yala ist eine autonome indigene Region, was bedeutet, dass sie eine gewisse Selbstverwaltung und Kontrolle über ihre Angelegenheiten hat. Dies wurde durch das panamaische Gesetz anerkannt, um die kulturelle Identität und die Rechte der Kuna-Gemeinschaft zu schützen. Die Kuna sind eine indigene Ethnie, die hauptsächlich in Kuna Yala lebt. Sie haben ihre eigene Sprache, Kuna, die von den Mitgliedern der Gemeinschaft gesprochen wird.
Was mich schon lange interessiert und zu Recherchen bewogen hat ist die Tatsache, dass die soziale Kultur der Kuna als matriarchalisch beschrieben wird. Die Gesellschaft folgt einem matrilinearen System, in dem die Abstammung und Erbschaft durch die weibliche Linie verfolgt werden. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft und der Erhalt vom Land werden von Mutter zu Tochter weitergegeben.
In den traditionellen Dorfgemeinschaften der Kuna spielen Frauen auch in politischen Belangen eine wichtige Rolle. Es gibt das Konzept der "Saila", einer weiblichen Führungsperson, die eine Schlüsselrolle in der Dorfgemeinschaft einnimmt. Sie wird von älteren Frauen unterstützt und berät sich mit ihnen, um wichtige Entscheidungen zu treffen.
Die Kuna-Kultur betont die spirituelle Bedeutung der Weiblichkeit. Frauen sind oft mit Fruchtbarkeit, Natur und dem Zyklus des Lebens verbunden. In der traditionellen Religion der Kuna gibt es auch göttliche weibliche Figuren. Es ist aber wichtig zu beachten, dass, obwohl die Kuna-Gesellschaft als matriarchalisch betrachtet wird, dies nicht bedeutet, dass Männer keine wichtige Rolle spielen. Die Kuna-Kultur schätzt die Harmonie und das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern, und Männer können ebenfalls bedeutende Positionen in der Gemeinschaft einnehmen.
Innerhalb der Kuna-Gesellschaft gibt es eine interessante kulturelle Praxis, die als "mujerado" bekannt ist. Wenn eine Familie keine weiblichen Nachkommen hat, kann ein Junge dazu bestimmt werden, die Rolle einer Frau zu übernehmen und als solche erzogen werden. Dieser Junge wird dann als "mujerado" bezeichnet und geniesst einen besonderen gesellschaftlichen Respekt.
Die Entscheidung, einen Jungen als "mujerado" zu erziehen, erfolgt in der Regel, wenn es keine Mädchen in der Familie gibt, um sicherzustellen, dass die matrilineare Abstammungslinie fortgesetzt wird. Der "mujerado" übernimmt bestimmte Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die traditionell Frauen zugeordnet sind, und wird oft in weibliche Gewänder gekleidet.
Es ist wichtig zu beachten, dass der "mujerado" nicht als Transgender-Person im modernen westlichen Sinne betrachtet wird. Diese Praxis ist vielmehr eine kulturelle Anpassung, um sicherzustellen, dass die familiäre Linie und die damit verbundenen Rechte innerhalb der Kuna-Gemeinschaft erhalten bleiben. Der "mujerado" kann später im Leben heiraten und eigene Kinder haben, aber diese Kinder werden weiterhin der matrilinearen Linie der Familie der Mutter folgen.
„Wie sind sie denn so die Kuna“ wollte mein Patenkind wissen. Schwierige Frage, finde ich. Wir hatten einige kurze Kontakte, wenn sie uns am Schiff besuchten, Fische, Kokosnüsse, Limonen feil hielten, oder um Wasser baten. Wir erlebten ruhige, diskrete, zurückhaltende Menschen. Ausser Lisa und ihre Freundin, die ihre wunderschönen Molas und Fuss und Arm Schmuck anboten und just aufs Boot hüpften. Die beiden haben wir auch als einzige Menschen fotografiert, weil sie es selber anboten, aber erst nachdem sie selbstbewusst Limonade und Kaffe bestellten. Diesem Wunsch kamen wir gerne nach. Es waren heitere Momente auf der Lille Venn. Lisa ist eine gute Businessfrau mit Humor und Schalk und sie zögerte keine Sekunde Ralphs Trinkbecher mit einer Mola zu umhüllen und zwei Tage später vorbeizubringen.
Bei all den neuen Eindrücken ging es fast vergessen, dass die Versorgungslage wegen der anhaltenden Proteste in Panama immer schlechter wurde. Wir hatten ja das Glück, die zwei Wochen in den San Blas Inseln in Gesellschaft von Andrea und Ingo von der Easy One zu verbringen. Da wir beide, also Andrea und ich gerne kochen, plünderten wir unsere Vorräte und kochten Currys aus Linsen, aus Kürbis und aus Süsskartoffeln. Wir buken Nan Brot und Pasta war auch noch da. Es schmeckte immer wunderbar und wir verbrachten herrliche Tage mit den beiden. Auf der zauberhaften Insel Holandeses assen wir bei Ibin Pizza. Pizza dachten wir. Ohjee was haben wir schon alles gegessen was sich Pizza nannte. Aber dieses Mal waren die Vorurteile, die wir ja immer nie haben wollen, völlig verfehlt. Wir assen auf der kleinen Insel in der einfachen Strandhütte schlicht die beste Pizza der Karibik. Mea Culpa!
Wie fast alle Segler, die länger mit uns Zeit verbringen, mussten Andrea und Ingo Brändi Dog spielen lernen. Ja was soll ich sagen, auch hier war der Erfolg weiblich. Nun gut, einmal liessen wir die Männer gewinnen. Ein bisschen Ausgleich ist wichtig, das haben wir von den Kuna gelernt. Danke liebe Andrea und lieber Ingo für eure Freundschaft und die gemeinsame Zeit. Es war wunderschön und unvergesslich!