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Als ich am Dienstag in Warner Springs wieder zurück auf den Trail ging, führte der Weg fast den ganzen Tag leicht bergauf. Zuerst wollte ich bei Mike übernachten. Mike ist ein Trailangel, der Hiker im „Garten“ seines Hauses in der Wüste übernachten lässt. Doch als ich am späteren Nachmittag dort ankam, füllte ich nur schnell mein Wasser auf und ging gleich weiter. Sein Grundstück war ein richtiger Schrottplatz, die Hälfte der Leute waren entweder besoffen oder bekifft, ein Mann warf Dartpfeile auf eine Scheibe während ein anderer versuchte sie von Hand abzufangen und auf dem Tisch stand ein grosser Kübel, den sie Pot-Pot nannten und von dem sich jeder bedienen konnte ;-). Ein richtiges Chaos also! Ich lief daher noch ein paar Kilometer weiter und stellte mein Zelt dann in einem ausgetrockneten Bachbett bei Meile 129.5 (Km 208) auf. Weil der Wind wieder sehr stark war, musste ich meine Heringe mit Steinen beschweren und vor dem Eingang eine kleine Steinmauer bauen, damit der Wind nicht zuviel Sand ins Zelt bläst.
Nachdem sich der Wind in der Nacht etwas beruhigt hatte, führte der Weg am nächsten Vormittag wieder mehrheitlich nach unten. Ich konnte in der Ferne das erste Mal die verschneiten Berge sehen, auf die ich dann am Freitag traf. Auch die Landschaft veränderte sich wieder. Anstatt kleinen Sträuchern, hatte es wieder grössere Bäume, Kakteen und Blumen. Gegen 15 Uhr bin ich bei Mary‘s Oase bei Meile 145 (Km 234) angekommen. Mary ist ebenfalls ein Trail Angel, die Hiker auf einem Teil ihres riesigen Grundstückes schlafen lässt. Ausserdem gab es dort einen grossen Wassertank, Bänke und Tische, ein WC und sogar eine kleine Bibliothek. Hier gefiel es mir viel besser und ich verbrachte den Rest des Nachmittags mit ein paar anderen Hikern.
Am nächsten Tag lief ich um 7:30 Uhr los, da ich vor dem Mittag im Paradise Valley Cafe sein wollte. Das ist ein kleines Restaurant, ca. 1.5 Kilometer vom Trail entfernt an einem Highway, das für seine Burger bekannt ist. Nachdem ich French Toast und einen feinen Burger gegessen hatte, bin ich am Mittag wieder zurück auf den Trail gegangen. Vom Paradise Valley Cafe führt der Weg nun für die nächsten knapp 100 Kilometer durch die San Jacinto Mountains. Der höchste Punkt des Trails wird auf 2750 MüM sein. Nachdem der Weg den ganzen Nachmittag hinauf geführt hat, war ich am Abend bei Cedar Spring auf 2000 MüM bei Meile 163 (Km 262).
Gestern war für mich der bis jetzt anstrengendste Tag auf dem PCT. Ich bin total 37 Kilometer und 1500 Hm hoch und 1800 Hm runter gelaufen. Zuerst zwei Kilometer von meinem Zeltplatz in Cedar Spring zurück auf den Trail, dann 27 Kilometer auf dem Trail bis zu Meile 179.5 (Km 289) und anschliessend noch 8 Kilometer über den Devils Slide Trail runter bis nach Idyllwild. Dieser Abschnitt des Trails, von Cedar Spring bis zum Devils Slide Trail, wurde erst Anfang Jahr nach einer sechsjährigen Sperre wegen einem Waldbrand wieder geöffnet. Die Landschaft war sehr speziell und doch wunderschön. Von weitem sah es wie eine Mondlandschaft aus, auf der abgebrannte Zündhölzer stehen. Ich kam fast nicht vorwärts, da ich immer wieder stehen bleiben musste, um Fotos zu machen. Die letzten paar Kilometer auf dem Trail in 2600 MüM musste ich sogar durch Schnee gehen.
In Idyllwild bin ich nun für zwei Nächte auf dem Campingplatz. Heute Morgen konnte ich Duschen, meine Kleider waschen, mein Schlafsack und die Jacken auslüften und meinen Camelbak, den Wasserfilter und den Kochtopf richtig putzen. Am Nachmittag war ich für die nächste Etappe, die etwa sechs Tage dauern wird, einkaufen. Morgen früh werde ich wieder auf den Trail zurückgehen und dann bis Big Bear weiterwandern.