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Im 19. Jahrhundert war die Welt – auch in Zürich – noch eine andere. In Europa lebte die Mehrheit der Bevölkerung in einfachen Verhältnissen. Es war die Zeit der grossen Abenteurer, die ihr Glück in Amerika oder in den fernen Kolonien suchten. So auch Karl Fürchtegott Grob, Sohn eines Bäckers, Zunftobmanns und Mitglied des grossen Stadtrats von Zürich. Karl sah seine berufliche Zukunft nicht im väterlichen Betrieb, sondern in den Kolonien Hollands. 1869 wanderte er mit einem Geschäftspartner nach Sumatra aus und wurde Teilhaber bei einem Schweizer Muskatnussproduzenten. Bald machten sich die beiden Auswanderer unter dem Namen «Näher & Grob» als Tabakpflanzer selbständig. Sie pachteten vom Sultan 5‘000 ha Land und erweiterten dieses später auf 25’000 ha. Insgesamt beschäftigte das Unternehmen über 4000 Arbeiter. Der Export des Tabaks in die USA bescherte den beiden in wenigen Jahren einen horrenden Reichtum.
Nach nur 10 Jahren kehrte Grob nach Zürich zurück, etablierte sich in der Zürcher Gesellschaft und heiratete 1881 die Schwester seiner Schwägerin, Anna Dorothea Zündel. 1883 konnte er von seinem Bruder 13’000 Quadratmeter Land an bester Lage im damals noch selbständigen Riesbach erwerben. Er engagierte die angesagtesten Architekten jener Zeit, Chiodera und Tschudy, welche innert zwei Jahren die Villa Patumbah im Stil des Historismus erbauten. Grob liess mit diesem Bau seine Träume und Erinnerungen von Sumatra in Stein und Holz umsetzen und legte einen phantastischen Park an.
Die Villa zeugt vom Reichtum und Selbstverständnis des Eigentümers, die Räume orientieren sich an unterschiedlichen Baustilen: Renaissance im Herrenzimmer, Barock im Damenzimmer, fernöstliche Elemente in der Galerie und Lichtkuppel im obersten Stockwerk.
Die Besucher tauchen auf dem Rundgang in die Traumwelt eines erfolgreichen Zürcher Kaufmanns des vorletzten Jahrhunderts ein und bestaunen die Deckengemälde, Wandverkleidungen, Schnitzereien, Holzintarsien an Türen, Fenstermalereien – und eben – die wunderschöne Lichtkuppel im Zentrum der Villa, die durch alle Stockwerke hindurch sichtbar ist, dank einem Loch in der Mitte der einzelnen Stockwerke.
Der Hausherr konnte sich über den Prunk der Villa nur wenige Jahre erfreuen. Er verstarb 1892 an einer tropischen Krankheit. Seine Frau und die beiden Töchter wohnten noch bis 1910 in der Villa. Die Witwe fühlte sich da aber nie ganz heimisch. 1910 verschenkte die Familie deshalb das Anwesen an die Diakonie Neumünster.
Diese unterhielt im Gebäude über viele Jahrzehnte ein Altersheim mit 13 Zimmern für Frauen. Nach damaliger gut zürcherischer reformierter Zurückhaltung, liessen die Diakonissinnen alle Wände und teilweise auch Decken regelmässig weiss tünchen, so dass über die Jahrzehnte mehrere Farbschichten die ursprünglichen Malereien und Tapeten überdeckten. Im Park wurde Gemüse zur Selbstversorgung angepflanzt.
Mitte der 70er Jahre taugte das Gebäude nicht mehr als Altersheim und war stark sanierungsbedürftig. Die Stadt Zürich kaufte das Anwesen und trug sich mit dem Gedanken, das Gebäude abzureissen und neue Alterswohnungen zu erstellen. Der damalige Stadtrat verwarf diese Pläne jedoch, wohl auch aus denkmalschützerischen Überlegungen.
Das Gebäude pflegte über viele Jahre ein Dornröschendasein. Studenten feierten in den 80er Jahren dort ihre Partys. Schliesslich setzten sich Quartiervertreter für die Rettung und den Erhalt des Gebäudes ein und gründeten eine Stiftung. Dieser gelang es, das nötige Geld zu sammeln, um das Gebäude wieder in Stand zu setzten. In den Jahren 2010 – 2013 wurde es mit grossem Aufwand für rund 13 Mio. fachmännisch saniert: Die weissen Farbschichten abgetragen, Malereien wieder aufgefrischt und ergänzt, alte Tapeten in Digitaldruck nachempfunden. Es wurden aber auch bewusst die Veränderungen am Gebäude, die es über all die Jahrzehnte erfahren hat, teilweise belassen. So erzählt das Gebäude heute eine spannende Geschichte eines reichen Zürcher Kaufmanns und seiner Familie und auch die Geschichte des bescheidenen Lebensstils der Diakonissinnen von Neumünster.
Heute ist das Gebäude an das schweizerische Heimatschutzzentrum vermietet, welches dort seine Geschäftsstelle unterhält. Der Park ist öffentlich zugänglich und bildet eine wunderbar ruhige grüne Oase im Zürcher Seefeld. Das Gebäude kann zu den Öffnungszeiten gegen eine Eintrittsgebühr auch besichtigt werden. Für Gruppen gibt es zudem spezielle Theatertouren und für Schulklassen aller Stufen Workshops (vgl. www.heimatschutzzentrum.ch)
Die 27 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ZRV liessen sich in zwei Gruppen auf ihrem Rundgang vom 14. Juni 2022 für 90 Minuten in die koloniale Welt des 19. Jahrhunderts entführen. Das hochsommerliche Wetter machte den Besuch besonders reizvoll.