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Madrid ist in dieser Woche der Nabel des Fussballs. Innerhalb von 24 Stunden finden in der spanischen Hauptstadt die beiden Halbfinal-Hinspiele der Champions League statt. Heute Dienstag empfängt Atletico Madrid José Mourinhos Chelsea.
Es ist José Mourinhos Rückkehr nach Madrid. Vor einem Jahr hat der Portugiese Atleticos Stadtrivalen Real nach drei durchzogenen Jahren verlassen. In seiner letzten Saison blieb er ohne Titel, weil er zum Ende seiner Madrider Zeit den Cupfinal gegen Atletico verlor. Jetzt will Mourinho Revanche, denn wenn Chelsea in den Halbfinals der Champions League scheitert, muss er sich wohl frühzeitig mit der zweiten Saison in Folge ohne Titel abfinden.
Am Samstag erlitt Chelsea gegen den Tabellenletzten Sunderland eine Heimniederlage - die erste für Mourinho im 78. Premier-League-Heimspiel als Trainer der Londoner - und verspielte damit die letzte realistische Titelchance. Allerdings ist Mourinho jederzeit ein taktischer Geniestreich zuzutrauen, vor allem dann, wenn sein Team eher als Aussenseiter antritt. Der «Telegraph» beschrieb diese Fähigkeit: «Mourinho ist nie gefährlicher als nach einem Rückschlag.»
Doch auch im Madrider Stadion Vicente Calderon ist der smarte Taktiker José Mourinho darauf angewiesen, dass seine häufig gescholtenen Angreifer den Weg zum gegnerischen Tor finden. Im Viertelfinal-Rückspiel hatte Mourinho den richtigen Riecher, als seine Ersatzstürmer André Schürrle und Demba Ba mit ihren Toren den Weg in die Halbfinals ebneten. Wie sehr sich Chelsea vor dem gegnerischen Tor schwer tut, zeigt ein Blick auf die Tabelle der Premier League. Die Konkurrenten um den Titel, Liverpool und Manchester City, haben 29 beziehungsweise 21 Tore mehr erzielt.
Erschwerend kommt hinzu, dass neben dem am Knie verletzten Samuel Eto'o vermutlich auch der belgische Ideengeber Eden Hazard, Chelseas Topskorer mit 17 Toren in allen Wettbewerben, in Madrid wegen einer Wadenverletzung fehlen wird. Zudem stellt sich den Engländern die zähste Defensive des Kontinents entgegen. Sowohl in der Primera Division als auch in der Champions League hat Atletico Madrid von allen Teams am wenigsten Gegentore kassiert. Dabei ist die Abwehrreihe von Coach Diego Simeone mit dem Spanier Juanfran, dem Brasilianer Miranda, dem Uruguayer Diego Godin und dem Italo-Brasilianer Filipe nicht mit Stars bestückt.
Doch die intensive Laufarbeit aller zehn Feldspieler sorgt im Spiel von Atletico für permanente Überzahl in Ballnähe. «Auch wenn wir nicht besser sind als der Gegner, so sind wir zumindest in Sachen Begeisterung unschlagbar», erklärte Captain Gabi Fernandez. Wie bei Mourinhos Chelsea ist auch bei Atletico die defensive Ordnung die Erfolgsbasis und das Prunkstück zugleich. Doch etwas haben die Spanier ihrem heutigen Gegner voraus: Sie verfügen mit Diego Costa über einen Stürmer, der seit Monaten trifft, wie es ihm beliebt. 34 Tore hat er in Meisterschaft und Champions League für Atletico in dieser Saison erzielt. Genau gleich viele wie die vier Chelsea-Stürmer Samuel Eto'o, Fernando Torres, André Schürrle und Demba Ba zusammen. (si/qae)