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|Kölliker, Kuhglocken und Chilbi in Johannesburg|
Auch Jakob "Köbi" Kölliker, eine der Schweizer Spielerlegenden in der IIHF Hall of Fame und langjähriger U20-Nationaltrainer und Assistenztrainer der Nationalmannschaft von Ralph Krueger bis zu den Olympischen Spielen in Vancouver, verbrachte einen Sommer in Südafrika. hockeyfans.ch sprach mit ihm über das Gastgeberland der Fussball-WM bevor es ihn mit der Familie etwas nördlicher, nach Ägypten, in die Ferien zog.
Wie kam es, dass du gefragt wurdest, ob du in Südafrika spielen mochtest?
In Biel spielte damals Bernhard Burri, und der war zwei, drei Mal dort bevor ich ging. Damals war ich aber erst so 16, 17. Als junger Spieler war es nicht selbstverständlich, so um die Welt herum zu kommen. 1973 beendete ich jedoch meine Lehre und sie suchten einen Verteidiger. Da er wusste, dass ich Lust hätte, frage er mich und ich hatte 24 Stunden Zeit, mich zu entscheiden und entschied mich hinunter zu gehen.
Wie kann man sich das Spielerleben in der Schweiz vorstellen damals?
Wir waren alles Amateure bis auf ein, zwei Ausländer, die Profis waren, aber wir Schweizer mussten alle arbeiten. Ich machte damals meine Schriftsetzerlehre. Unser Präsident Willy Gassmann gab ja das Bieler Tagblatt heraus. Danach war ich in Südafrika eine Art Profi, auch wenn ich nebenbei noch Arbeiten erledigte, um ein paar Rand zu verdienen. Man hat einfach gelebt, gereist und zwischendurch Hockey gespielt. Dafür nahm ich ein halbes Jahr Urlaub und kam dann im Oktober zurück, als die Saison in der Schweiz begann. Eine Meisterschaft in Afrika zu spielen war sozusagen mein Sommertraining. In Südafrika holte ich auch meinen ersten Meistertitel, abgesehen von einem Juniorentitel mit Biel. Die Schweizer Titel kamen erst später.
Wie war der Alltag in Südafrika?
Man schlief am Morgen aus, ab und zu gab es davor auch längere Nächte, aber nicht immer. Ich lebte mit Andy Jorns zusammen. Wir hatten eine Wohnung. Dann gingen wir einkaufen. Dann ging ich ins Büro zu unserem Präsidenten für kleinere Aufträge. Um 4, 5 gingen wir wieder heim und etwas in die Stadt machen. Wir hatten einmal pro Woche Training und einmal pro Woche ein Spiel. Von dem her war es ein lockerer Hockeyalltag. Wir kriegten ein bisschen was um zum Leben und Reisen. Wir hatten vier, fünf Tage Zeit zum Reisen. Wir waren mal beim grossen Loch, die Kimberly Goldmine anschauen, wir waren in Kapstadt, machten die Garden-Route bis nach Durban, wir waren im Krueger-Park, in Mozambique, in Botswana, wir hatten allerhand erlebt. Ich wurde damals 20 in Afrika. Es war natürlich etwas einzigartiges, dort zu sein.
Welches Erlebnis war am Eindrücklichsten?
Im Krueger-Park, die Wildnis, die Tiere, man kam bis auf wenige Meter an die wilden Tiere, an Elefanten, Löwen, sogar ein Leopard, was sehr selten sein soll. Es war schon eindrücklich.
Hattet ihr da nicht Angst?
Es gab schon Momente, in denen es kribbelte, vor allem in der Nacht, als man die verschiedenen Geräusche hörte. Man war zwar in einem Park, aber die Tiere kamen bis auf einige Meter nahe.
Wie war denn das Eishockey dort.
Das Hockey war fantastisch. Wir spielten im sogenannten „Wembley-Stadion“ in Johannesburg, das mittlerweile nicht mehr für Eishockey genutzt wird. Es war ein uraltes Stadion für rund 3500 Zuschauer. Jedes Spiel war ausverkauft. Es waren viele Schweizer da mit Glocken und Pfeifen. Wie man es jetzt im Fussball merkt, ist es etwas lärmig in Afrika. Es waren super Spiele mit einer guten Ambiance. Es machte wirklich Spass. Es waren auch gute Gegner. Es hatte Kanadier, die Maple Leafs, und ein österreichisches Team, Edelweiss, das mit ein, zwei Kanadier verstärkt war. Wir Swiss Bears waren Schweizer mit zwei, drei Deutschen. Auch die Österreicher hatten ein paar Nationalspieler dabei. Einige Kanadier kamen später nach Europa, zum Beispiel Gerry Aucoin, der später für Biel und Fribourg spielte.
Es war ja wahrscheinlich auch etwas familiärer. Hatte man da viel Kontakt zu den Fans?
Ja, nach jedem Match war grosse Chilbi. Es gab so Privatbars, die illegal waren. Rund 100-200 Schweizer kamen nach dem Spiel in diesen Holzschuppen, jeweils bis es eine Razzia gab und man flüchten musste. Es gab viel Jubel und Trubel, und man kannte sich.
Waren die Swiss Bears in der Schweiz überhaupt ein Thema?
Damals hat man schon ab und zu darüber gesprochen. Es gab ein paar Jahre, als immer einige Schweizer runter gingen, daher waren sie schon ein Begriff. Jürg Zimmermann ging Ende der 60er-Jahre und war lang dort. Andy Jorns, Peter Schmid, Bruno Zahnd, Bernhard Burri, die Lindemanns gingen nach meiner Zeit. Es waren viele Schweizer, die dort das Abenteuer gesucht haben und eine Sommersaison eingeschoben haben. Dazu gab es ein paar weitere Schweizer, die nicht grad auf diesem Niveau spielten, aber dort arbeiteten und vielleicht 1. Liga oder NLB in der Schweiz gespielt hatten. Wir waren sozusagen die Verstärkung aus dem Ausland, aber es gab auch Schweizer, die permanent dort lebten. Marco Torriani war unser Teamcaptain und hatte sogar ein Hotel dort. Im ersten Monat übernachteten wir bei ihm im Hotel Santa Barbara, in der Mitte zwischen Johannesburg und Pretoria, bis wir eine Wohnung hatten. Wir hatten eineinhalb, zwei Stunden bis Johannesburg, es war im Busch draussen. Die ersten paar Tage waren sehr erholsam.
Wer hat denn das Ganze überhaupt finanziert?
Der Präsident war ein Basler, René Burkhalter. Er war ein Fan und Gönner zu den grossen Basler Zeiten, hat glaub ich auch in unteren Ligen gespielt. Er ging dann beruflich nach Südafrika, zeichnete Eisenbahn-Tankwagen und liess sie bauen. Er verpflichtete uns dann mit verschiedenen Kontakten und zahlte uns. Er war ein Fan und Vater für uns und ein korrekter Mann. Er war sehr stolz auf das Team.
Der Ligapräsident war Mister Hertz. Er hatte in ganz Südafrika Garagen für Mietwagen und war verwandt mit der Besitzerfamilie der Kette. Er war ein älterer Herr damals, vielleicht 60, 70, der die ganze Liga schmiss und wusste, was er will.
Fuhrst du auch mit seinen Autos herum?
Ja, ich hatte grad frisch die Autoprüfung mit 18, 19. Es war Linksverkehrt dort. Ein gutes Erlebnis. Es ist fast einfacher, auf links umzustellen, als danach wieder zurück auf rechts.
Du hattest auf den Fotos als einziger einen gelben Helm auf, weshalb?
Damals gab es noch keine Vorschriften für den Helm. Ich war ein Fan von Jan Suchy und er hatte bei Dukla Jihlava und in der tschechoslowakischen Nationalmannschaft als einziger einen gelben Helm, deshalb tat ich das auch.
Wie war für dich Johannesburg als Stadt?
Damals war die Apartheid, die Rassen waren strikte getrennt. Das war schon Neuland für mich. Man hat immer davon gehört, doch ich wollte es nicht wahrhaben, da für mich alle Menschen gleich sind. Aber dort kam man automatisch in diesen Konflikt und es gab dort nichts anderes. Schwarze wurden behandelt wie Dreck. Das gab mir schon zu denken, wie das Leben war, schwarz-weiss im wahrsten Sinne des Wortes. Ich konnte auch kaum Kontakt haben zu Schwarzen, ausser am Arbeitsplatz, wo Schwarze die Arbeit machten, die die Weissen nicht machen wollten.
Kannst du dir heute eine Sommerliga überhaupt noch vorstellen heutzutage?
Heute wäre das unvorstellbar, das ginge nicht mehr. Der Aufwand, den Spieler heutzutage betreiben müssen, ist ganz anderes. Ich denke es hat auch nicht mehr so viel Hockey dort unten, auch wenn ich den Stand der Dinge nicht kenne dort. Nachdem das Wembley nicht mehr für Eishockey genutzt wurde, gab es glaub ich in Johannesburg auch nur noch eine Eisbahn für Showzwecke auf einem Parkhaus. Aber es gibt ja eine südafrikanische Nationalmannschaft, von dem her wird das Hockey dort irgendwie leben.
Was wirst du in Zukunft machen?
Ich habe zwei, drei Optionen offen, aber vor Juli wird da wohl nichts geschehen.