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<h2>SubmittedText<h2><p>Das BLV publizierte im Schweizer Ernährungsbulletin 2021 kürzlich eine Studie, die den Einfluss des Nitratgehaltes im Trinkwasser auf das Dickdarmkrebsrisiko untersucht. Der zufolge "ist nicht auszuschliessen, dass die Nitrataufnahme über Trinkwasser einen [...] Anteil an den auftretenden Dickdarmkrebsfällen verursacht".</p><p>Für die Studie wurden mehrere Untersuchungen aus Dänemark und den USA analysiert, welche einen positiven Zusammenhang zwischen Nitratgehalt im Trinkwasser und Dickdarmkrebsrisiko festgestellt hatten. So wurde für die USA geschätzt, dass 1-8 Prozent aller Dickdarmkrebsfälle auf die Nitratexposition im Trinkwasser zurückgeführt werden können. Die dänische Studie zeigt, dass das Krebsrisiko ab einer Nitrat-Belastung &gt;3,87mg/l Trinkwasser statistisch signifikant zunimmt: Bei einer Nitrat-Belastung &gt;16,75mg/l liegt das Krebsrisiko um fast 20 Prozent höher, als bei einer Belastung &lt; 0,69 mg/l. </p><p>Laut Studie des BLV ist "die in der Schweiz geschätzte Nitrataufnahme aus Trinkwasser [...] etwas höher als in Dänemark und in den USA". Dennoch kann der Beitrag der Nitratbelastung des Trinkwassers zum Risiko für kolorektale Tumore nicht abgeschätzt werden: "Für die Schweiz fehlen derzeit [...] bevölkerungsbezogene Daten, die auf individueller Ebene die Nitratbelastung des Trinkwassers zeigen und die mit Daten zur Dickdarmkrebsinzidenz verknüpft werden könnten." </p><p>Wir bitten den Bundesrat auf folgende Fragen Auskunft zu geben:</p><p>1. Wie viele Schweizer KonsumentInnen beziehen heute Trinkwasser mit einem Nitratgehalt &gt;3,87mg/l, bzw. &gt;16,75mg/l, bzw. &gt;25,00mg/l (Grenzwert), bzw. &gt;40,00mg/l?</p><p>2. Um wie viel steigt das Krebsrisiko jeweils, bei diesen Werten und gegenüber einer Belastung &gt;0,69 mg/l.?</p><p>3. In welchen Regionen der Schweiz, sind die Nitratkonzentrationen höher als der heute geltende Grenzwert von 25 mg/l bzw. als der im Bericht erwähnten Höchstwert von 40 mg/l - und warum? </p><p>4. Ist der Bundesrat bereit, eine breite Kohortenstudie unter Berücksichtigung des individuellen Trinkwasserkonsums zu erfassen, welche auf nationaler Ebene bislang fehlt? Wenn ja, bis wann? Wenn nein, warum?</p><p>5. Welche grundsätzlichen Schlüsse zieht der Bundesrat aus den Ergebnissen dieser Studie? Welche Massnahmen will er ergreifen?</p><p>6. Müssen die heute geltenden Grenzwerte angepasst werden? Wenn nein, warum?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die im Schweizer Ernährungsbulletin 2021 veröffentlichte Studie zeigt, wie schwierig es ist, die genaue Nitratbelastung der Bevölkerung durch das Trinkwasser zu bestimmen und folglich das damit verbundene Darmkrebsrisiko genau abzuschätzen. Durch die Verknüpfung der Ergebnisse dieser Studie mit anderen Informationsquellen können die folgenden Antworten gegeben werden.</p><p>1. Zahlen der Einwohnerinnen und Einwohner, die von einem Verteilungsnetz versorgt werden, sind nicht flächendeckend verfügbar. Die genaue Anzahl Konsument/innen, die Trinkwasser mit einem bestimmten Nitratgehalt beziehen, ist daher nicht eruierbar. Analysen der kantonalen Behörden und Wasserversorger im Jahr 2019 zeigen jedoch, dass der Höchstwert für Nitrat im Trinkwasser von 40 mg/l nie überschritten wird.</p><p>Die Daten zeigen weiter, dass im Einzugsgebiet der Landwirtschaft</p><p>- rund 10 Prozent der Bevölkerung Trinkwasser konsumiert, dessen Nitrat-Konzentration zwischen 25 und 40 mg/l liegt, und</p><p>- beinahe die Hälfte der Bevölkerung Trinkwasser mit Konzentrationen über 10 mg/l konsumiert.</p><p>Schweizweit konsumieren rund 150 000 Einwohner/innen Trinkwasser mit einer Nitrat-Konzentration über 25 mg/l.</p><p>2. Um einen möglichen Anstieg des Krebsrisikos durch Nitrat im Trinkwasser zu bestimmen, braucht es Daten, die die Nitratbelastung des Trinkwassers für eine einzelne Person zeigen. Diese Informationen müssen mit Daten zu Dickdarmkrebsfällen verknüpft werden, um zu bestimmen, ob das Dickdarmkrebsrisiko bei bestimmten Nitratgehalten im Trinkwasser zunimmt. Weil Daten zur individuellen Nitratbelastung in der Schweiz zurzeit fehlen, ist keine Aussage möglich. Unabhängig davon müssten weitere Risikofaktoren für Dickdarmkrebs in die Auswertungen einbezogen werden (Konsum von Pökelsalz, Übergewicht etc.).</p><p>Mit einem in der zitierten Studie geschätzten Median von 6.8 mg/l lag die Nitratkonzentration in der Schweiz jedoch deutlich unter dem Trinkwasser-Höchstwert von 40 mg/l, wodurch von einem geringen Risiko auf die menschliche Gesundheit auszugehen ist.</p><p>3. Rund 80 Prozent des Trinkwassers in der Schweiz stammt aus Grundwasser, 20 Prozent wird aus Seen gewonnen. Für Trinkwasser gilt ein Nitrat-Höchstwert von 40 mg/l. Für Seen, aus denen Trinkwasser gewonnen wird, und für Grundwasser, das als Trinkwasser genutzt wird oder dafür vorgesehen ist, gilt ein Grenzwert von 25 mg/l. In den Seen, aus denen Trinkwasser gewonnen wird, liegt die Nitrat-Konzentration typischerweise bei weniger als 10 mg/l und damit deutlich unter den genannten Grenzwerten.</p><p>Zu hohe Nitratbelastungen im Grundwasser sind in der Regel eine Folge der landwirtschaftlichen Nutzung und Düngung. Die Nitratauswaschung ist dabei unter Acker- und Gemüsebau deutlich grösser als unter Grasland. Daher wird im Grundwasser überwiegend ackerbaulich geprägter Gebiete der Grenzwert von 25 mg/l an mehr als 40 Prozent der Messstellen der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA überschritten. Betroffen ist primär das Mittelland vom Lac Leman bis zum Bodensee.</p><p>4. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) entwickelt ein allgemeines Biomonitoring-Programm für die Schweizer Bevölkerung, dessen Pilotphase dieses Jahr endet (https://www.schweizer-gesundheitsstudie.ch). Der Bundesrat ist der Meinung, dass eine Untersuchung der Nitratbelastung sehr gut in diesem Programm behandelt werden kann und eine spezifische Kohortenstudie überflüssig ist.</p><p>5. und 6. Die Ergebnisse der im Schweizer Ernährungsbulletin publizierten Studie deuten darauf hin, dass der Einfluss von Nitrat im Trinkwasser auf das Auftreten von Darmkrebs nicht ausgeschlossen werden kann, aber wahrscheinlich gering ist. Sie zeigen auch, dass die extremste geschätzte Exposition immer noch unter der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegten tolerierbaren Tagesdosis von 40 mg/l liegt, die als sicher gilt. Der Bundesrat ist daher der Ansicht, dass der Höchstwert für Nitrat im Trinkwasser nicht geändert werden muss. Er ist aber bestrebt, den Nitratgehalt im Grundwasser - der wichtigsten Schweizer Trinkwasserressource - im Sinne der Vorsorge unter den Grenzwert der Gewässerschutzverordnung von 25 mg/l zu senken. Die Änderungen der Landwirtschaftsverordnungen, die der Bundesrat in Umsetzung der parlamentarischen Initiative 19.475 "Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren" in diesem Frühjahr vorgeschlagen hat, verfolgen diese Stossrichtung.</p>  Antwort des Bundesrates.