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Hereditärer Faktor X-Mangel (hF10M) ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die autosomal rezessiv vererbt wird und mit einer hämorrhagischen Diathese einhergeht, weil eine Aktivierung von Faktor X ist sowohl im Rahmen der intrinsischen Gerinnungskaskade als auch im Verlauf der extrinsischen Blutgerinnung erforderlich ist. Im Fall einer hochgradigen Defizienz kommt es schon bei Säuglingen zu lebensbedrohlichen Blutungen. Leichte Fälle verlaufen dagegen asymptomatisch und werden häufig nicht erkannt.
Das klinische Bild wird von einer unterschiedlich stark ausgeprägten Blutungsneigung bestimmt. Da der hereditäre Faktor X-Mangel angeboren ist, kann es bereits beim Neonaten zu einer ungewöhnlich starken Blutung aus dem Nabelschnurrest kommen [1]. Darüber hinaus zählen rekurrentes Nasen- und Zahnfleischbluten sowie Menorrhagie bei Frauen zu den häufigsten Symptomen eines hF10M. Viele Patienten berichten, zur Entwicklung von Hämatomen zu neigen, ohne dass diese einem größeren Trauma zuzuordnen wären. Auf der anderen Seite können auch ungewöhnlich starke Blutungen, die nach einem Trauma auftreten, auf eine bestehende Koagulopathie hinweisen. Im weiteren Sinne zählen zu diesen "Traumata" auch chirurgische Eingriffe [2] [3]. Eine Einblutung in ein Gelenk führt zur Hämarthrose: Das betroffene Gelenk schwillt an, bereitet Schmerzen, und seine Beweglichkeit ist eingeschränkt. Seltener kommt es zu gastrointestinalen Blutungen, zu Hämorrhagien in den harnableitenden Wegen und folgender Hämaturie, oder zur intrakraniellen Blutung. Diese selteneren aber folgenschwereren Blutungen - eine intrakranielle Blutung verläuft oft letal [4] - werden vor allem bei Patienten mit sehr niedriger Faktor X-Aktivität (<2%) beobachtet und treten spontan bei Säuglingen auf [5] [6] [7].
Eine gründliche familiäre Anamnese ist bei Verdacht auf eine hereditäre Hämophilie immer durchzuführen. Im Allgemeinen ist bei homozygoten und komplex-heterozygoten Patienten eine deutliche Symptomatik zu erwarten, allerdings können heterozygote Patienten mit hoher Residualaktivität des Faktor X asymptomatisch bleiben [7] [8]. Deshalb ist eine negative Familienanamnese kein Ausschlusskriterium für einen Gendefekt.
Neben Blutbild und Blutchemie sollten Gerinnungsstudien ausgewertet werden: Bei bestehendem Faktor X-Mangel ist ein verminderter Quick-Wert (verlängerte Prothrombinzeit) und eine verlängerte aktivierte partielle Thromboplastinzeit zu erwarten, weil sowohl das intrinsische als auch das extrinsische System der Blutgerinnung gestört ist. Nach Vermischen der Probe mit dem Plasma eines gesunden Patienten normalisieren sich die Werte. Die Thrombinzeit ist bei Faktor X-Defizienz unverändert. Weiterhin kann die Gerinnungszeit in Gegenwart des Giftes der Kettenviper gemessen werden, das Faktor X direkt zu aktivieren vermag. In diesem Experiment ist demzufolge eine verzögerte Gerinnung zu beobachten, wenn ein Faktor X-Mangel vorliegt.
Spezifische diagnostische Maßnahmen wie die Messung der Plasmakonzentration des Faktor X und seiner Aktivität sollten angeschlossen werden, um einen quantitativen oder qualitativen Faktor X-Mangel nachzuweisen [9]. Hierzu kommen einerseits immunologische Methoden zum Einsatz, mit denen sich die Menge des vorhandenen Antigens bestimmen lässt [10], und auch Assays zur Einschätzung des Substratumsatzes. Die Ergebnisse korrelieren für gewöhnlich gut mit der Klinik: Bei einer Residualaktivität von >20% sind die Patienten meist asymptomatisch, während Aktivitäten von <10, <5 und <1% mit einer milden, mittelschweren und schweren Symptomatik einhergehen [8].
Befunde, die gegen eine erworbene Kondition und für den hF10M sprechen, sind die Abwesenheit von Anzeichen einer Hepatopathie oder eines Vitamin-K-Mangels, und Konzentrationen der übrigen Gerinnungsfaktoren im Referenzbereich. Beweisend ist aber erst der molekularbiologische Nachweis der zugrunde liegenden Mutation. Gelingt dieser nicht, kann alternativ die Faktor X-Aktivität bei Familienmitgliedern gemessen werden [5].