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Der am 28. Oktober 1936 in Brooklyn geborene Carl Davis kann auf eine mittlerweile 50-jährige Karriere zurückblicken, in deren Verlauf er sich mit Musik für Kino, Fernsehen und Dokumentarfilmen profilierte. Einem breiteren Publikum dürfte er sich mit Karel Reisz‘ The French Lieutenant’s Woman (1981) einen Namen gemacht haben, zu seinen weiteren bekannten Filmen gehören Bruce Beredfords King David(1985) und Ken Russells The Rainbow (1989). Spezialisiert hat er sich aber insbesondere auf Neuvertonungen bekannter Stummfilme wie die 1925-Version von Ben Hur oder Komödienklassiker von Buster Keaton und Harold Lloyd. Ausserdem ist er auch als Dirigent von Fremdkompositionen tätig, so dürfte beispielsweise Korngold-Fans seine Einspielung von The Private Life of Elizabeth and Essex aus dem Jahre 1991 für Bruce Kimmels damaliges Label «Bay Cities» ein Begriff sein.
Auf seinem eigenen Label veröffentlicht hat Carl Davis mit The Understudy (2008) seinen bis dato aktuellsten Filmscore. Die Verpflichtung für diesen in der intriganten New Yorker Theaterszene angesiedelten Streifen ist wohl familiär begründet, zeichnet doch Hannah Davis, die Tochter des Komponisten, sowohl als Co-Drehbuchautorin, Co-Regisseurin als auch als Produzentin verantwortlich.
Carl Davis gestaltet seine Musik zum einen mit Jazz und zum anderen mit Streichern, denen die Erzeugung von Spannung und Dramatik obliegt. Eine siebenköpfige Combo, bei der sich das Tenorsaxophon, die Klarinette und im swingenden Hauptthema die Trompete immer mal wieder solistisch hervortun, tummelt sich in etlichen Bereichen des Jazz, sei es Bossa Nova in „Casual Bossa“, Funk-Crossover in „Restaurant“, klassische Varianten im Stile der 1920er-Jahre wie in „The La La La Song“ (in einer Vokal- und in einer Instrumentalversion zu hören) oder Lounge in „Deli“.
Die Streicher wandeln auf Bernard Herrmanns Spuren, am augenscheinlichsten in „Blind Vertigo“ und „The Coin“, geben romantische und düstere Walzerklänge zum Besten („Rebecca’s Waltz“und „First Night“, eine weitere Verneigung vor Herrmann) und drücken pizzicato und von Snare-Drums begleitet in „Retrieval“ aufs Tempo. Der längste Track, „Waking“, markiert auch gleichzeitig den dramatischen, schizophren veranlagten Höhepunkt, wo die beiden Ensembles fusionieren und die dadurch entstehende Wechselwirkung eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt.
The Understudy ist ein recht ansprechender Score und hat mehr zu bieten, als man ihm nach dem ersten Anhören zugestehen würde (zumindest mir ist dies so ergangen), zerfällt aber trotzdem ein wenig in seine Einzelteile. Dies zum einen wegen etlicher kurzer Tracks und zum anderen, weil die Musik durch das stete Pendeln zwischen Jazz und Suspense insgesamt den Eindruck hinterlässt, weder Fisch noch Vogel zu sein. Für eine ordentliche Durchschnittsbewertung reicht es aber trotzdem allemal.