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| Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)

Vierzehnte Unterredung, welche die elfte des Abtes Nesteros ist, über die geistliche Wissenschaft.
5. Von der Beharrlichkeit in der angenommenen Lebensweise.
So ist es denn für Jeden nützlich und passend, daß er gemäß dem Vorsatze, den er faßte, oder der Gnade, die er [S. 102] erhielt, mit größtem Eifer und Fleiß zu der Vollendung des ergriffenen Werkes zu gelangen eile; und daß er zwar die Tugenden Anderer lobend anerkenne und bewundere, aber durchaus nicht von seinem einmal erwählten Berufe abgehe, da er weiß, daß nach dem Apostel 1 der Leib der Kirche zwar einer ist, die Glieder aber viele, und daß er verschiedene Begabungen habe je nach der Gnade, die uns verliehen ist, entweder die Prophezie nach dem Verhältnisse des Glaubens, oder die Beschäftigung in der Dienstleistung, oder wer lehrt, im Lehren, wer ermahnt, in der Ermahnung, oder wer spendet, in der Einfalt, wer vorsteht, in der Sorgfalt, oder wer Erbarmen übt, in der Freudigkeit. Denn kein Glied kann die Dienstleistung der andern Glieder sich herausnehmen, weil weder die Augen die Verrichtungen der Hände haben, noch die Nase die der Ohren; deßhalb sind nicht Alle Apostel, nicht Alle Propheten, nicht Alle Lehrer, nicht Alle haben die Gabe der Krankenheilung, nicht Alle sprechen in Sprachen, nicht Alle legen aus.
1: Röm. 12, 4.