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Reisen bildet. Und sei es nordwärts an die Ski-Alpin-WM des Jahres 2019. Denn seit dem Sprachriff «Gib mir ein Å!» vom 6. Februar 2019 weiss die CH-Media-Leserschaft, was es mit dem Kringel auf dem A auf sich hat: Es wird O gesprochen, Åre klingt also wie Ore und nicht wie Are.
Nur weiss man immer noch nicht, wie es dazu kam. Unter (Indo-)Germanisten machen hübsche Geschichten die Runde. Bei der «bolle», wie der Kringel über dem A im Nordischen auch genannt wird, könnte es sich um eine Nachahmung des mit gerundetem Mund gebildeten o-Lautes handeln, wird gemunkelt. Und seit wann? Gerne wird eine schwedische Handschrift aus dem 15. Jahrhundert herangezogen, in der der kleine Kreis über dem Å – ursprünglich ein winziges, über den Buchstaben gesetztes a – zum ersten Mal in Erscheinung trat. Fest steht auch, dass das in den nordischen Sprachen neben Ø/ø häufig vorkommende Å/å, das etymologisch ein altnordisch «langes a» anzeigt, bis 1938 in Norwegen (bzw. 1948 in Dänemark) auch als aa geschrieben werden durfte. Warum aber vor Jahrhunderten das aa plötzlich als oo gesprochen wurde, kann niemand mehr mit Sicherheit sagen. Å im übrigen ist der kürzeste Ortsnamen für skandinavische Orte und bedeutet so etwas wie Bach, Fluss.
Ironie des Schicksals: der erfolgreichste Skirennfahrer bei Olympischen Spielen und einer der erfolgreichsten Skiraser aller Zeiten ist der Norweger namens Kjetil. Kjetil André Aamodt, gesprochen mit einem langen, geschlossenen O.
Aber warum in die Ferne schweifen? Könnte man sich durchaus in Anlehnung an Goethe fragen, denn die Lösung liegt so nah: im Doppel-A. Wie Aare, die bekanntlich durch eine deren vielen Aue, unter anderem Aarau (ebenfalls gesprochen mit langem A) fliesst.
Allerdings hat sich der Norden anderweitig klammheimlich in heimischen Gefilden eingenistet, steckt der Norden drin, wo er drauf steht: «Sødergården» z. B. nennt sich das hauseigene Streichfett eines schweizerischen Grossverteilers und will sich mit dieser Bezeichnung offensichtlich von der Konkurrenz abheben wie auch Institutionon, die ebenfalls Anleihen beim skandinavischen Alphabet machen mit nicht ganz lupenreinem Deutsch wie Mørtelwerk oder Ølwechsel.
Und da wäre noch aus dem Bereich der Physik das Å (Kürzel für Ångström), das eine zeitlich weit längere, wenn auch als zehnmillionster Teil eines Millimeters räumlich äusserst winzige Karriere hinter sich hat.