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Opernschmaus im Wasserschloss
Georges Bizets «Die Schöne von Perth» auf Schloss Hallwyl
C. Ballmer (NZZ, 31.07.2006)
Ch. B. Als im Sommer 2003 Mozarts «Entführung aus dem Serail» zum 200-jährigen Bestehen des Kantons Aargau auf die Freilichtbühne von Schloss Hallwyl gebracht wurde, war der Erfolg so überwältigend, dass man im Seetal kurzerhand beschloss, sich auch in künftigen Jahren wieder an die eine oder andere Opernproduktion zu wagen. Ein Trägerverein war bald gegründet. Und als der aargauische Grosse Rat eigens eine Spezialzone innerhalb des Hallwilersee-Schutzdekrets eingerichtet und die notwendigen Umbauten bewilligt hatte, stand dem ambitiösen Vorhaben auch von politischer Seite bald nichts mehr im Wege. Die Wahl für das zweite Projekt fiel auf ein weitgehend unbekanntes Werk von Georges Bizet, auf «La jolie fille de Perth», das dem Komponisten der «Carmen» seinerzeit einen beachtlichen Erfolg beschert hatte.
Kein tragisches Ende
Dass die mit herrlichen Melodien, Ensembles und Chören gespickte Oper im 20. Jahrhundert weitgehend vergessen ging, ist nebst der ziemlich verworrenen Handlung den teilweise kruden Fassungen zuzuschreiben, die im Laufe der Aufführungsgeschichte entstanden. Für die Deutschschweizer Erstaufführung auf Schloss Hallwyl ist darum eine eigene deutschsprachige Version erstellt worden. Sie bringt Sir Walter Scotts Erzählung um die schöne Tochter eines schottischen Handschuhmachers, die von einem aufrechten Waffenschmied geliebt wird, von einem frauenverschlingenden Herzog vermeintlich verführt wird und darob wahnsinnig wird, in einen mehr oder minder nachvollziehbaren Ablauf. Dass die Handlung nicht arg so tragisch endet, ist dabei allein der List und dem guten Herzen einer Zigeunerin zuzuschreiben, die - als einstige Geliebte des Herzogs von diesem inzwischen verschmäht - dazwischen in die Kleider der naiven Bürgerstochter (und damit in des Herzogs Arme) schlüpft. Der Herzog bereut, der wackere Henry findet seine schöne Kathrine, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
Dies oder Ähnliches mochte sich auch der Regisseur Peter Schweiger gesagt haben, der das im düsteren Mittelalter angesiedelte, bald schrecklich ernste, bald augenzwinkernd heitere Spiel um Liebe, Verrat und Leidenschaft genüsslich in die Gegenwart transferiert. Und da stehen sie nun inmitten der stimmungsvollen Kulisse eines mittelalterlichen Schlosshofs: die koketten Damen in luftigen Sommerkleidchen, der Schmied in der Montur eines Karosseriespenglers, der Herzog als eitler Dandy in Golfer-Staffage. Derweil nimmt das bunte Treiben auf der Bühne seinen tragikomischen Lauf. Einmal braust eine Vespa über den weiten Hof, dann lugt eine Mickymaus aus dem Türspalt hervor. Für neckische Unterhaltung ist ausreichend gesorgt, nicht zu viel und nicht zu wenig, gerade recht, um das Publikum über knappe drei Stunden bei Laune zu halten. Das Bühnenbild von Ueli Binggeli und Simone Baumberger ist wohltuend schlicht und hat mit den Lichtsäulen, die den Ballsaal des Herzogs markieren, effektvolle Momente. Ein Genuss fürs Auge sind auch die Kostüme von Bernhard Duss, die im Maskenball zu bezaubernden Phantasiegebilden heranwachsen.
Musikalisch beachtliches Niveau
Musikalisch bewegt sich die Aufführung auf beachtlichem Niveau. Das in luftiger Höhe über dem Schlosstor untergebrachte Aargauer Symphonie-Orchester unter seinem Chefdirigenten Douglas Bostock weiss Bizets schillernde Partitur in kraftvollen Farben, die attraktive Mischung von französischer Grand Opéra, Verdischer Italianità und operettenhafter Spritzigkeit wirkungsvoll und präzise nachzuzeichnen. Und wenn Holzbläser und Harfe zu besonders innigen Arien leiten, dann wird es mucksmäuschenstill im Schlosshof, und ausser der bezaubernden Musik ist nur das Rauschen der das Schlösschen umgebenden Wasser zu vernehmen. Auf vokaler Seite sind abwechselnd zwei Besetzungen im Einsatz. Die von uns gehörte Besetzung A mit Edith Lorans und Daniel Zihlmann in den beiden Hauptpartien und Leila Pfister, Randal Turner, Richard Ackermann und Grzegorz Rozycki in den weiteren Rollen überzeugte durch ihren Elan und eine für Freilichtaufführungen nicht selbstverständliche Differenziertheit der Tongebung, liess stimmlich aber da und dort doch kleinere Wünsche offen. Eine rundum hervorragende Leitung vollbrachte der von Jürg Hämmerli vorbereitete kleine Chor. Klasse statt Masse - das Prinzip hat sich neuerlich bewährt.
Weitere Aufführungen bis zum 19. August. Informationen und Karten unter www.operschlosshallwyl.ch oder Tel. 0848 000 410 (Mo-Fr 9-12 Uhr).
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