Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03656.jsonl.gz/2218

Handfeste Nächstenliebe
Vinzenz, 1581 in Frankreich geboren, stammte aus einer armen Bauernfamilie. Sein Ziel war eigentlich eine Karriere mit einem entsprechenden Einkommen. Er wurde Priester und das mit 19 Jahren! Doch dann änderte sich sein Leben. Zuerst geriet er für zwei Jahre in die Gefangenschaft von Seeräubern. Nach seiner Flucht legte ein Bauer bei ihm die Lebensbeichte ab. Vinzenz war erschüttert über die seelische und geistliche Verarmung der Land-Bevölkerung.
Um Abhilfe zu schaffen gründete Vinzenz 1625 die Congregatio Missionis (Lazaristen). Der Orden engagierte sich in der Seelsorge auf dem Land. Danach kam die Priesterausbildung dazu. Weiter dehnte man die Arbeit auf die Galeerensträflinge und andere Gefangene aus. Dabei stand neben der Seelsorge auch die Erleichterung der Haftbedingungen. Vinzenz besuchte viele Gefangene persönlich!
1617 weihte Vinzenz sein ganzes Leben den Armen mit dem Motto Lieben wir Gott - aber auf Kosten unserer Arme und im Schweisse unseres Angesichts. Mitgefühl und Erbarmen waren für ihn das innerste Geheimnis Gottes; und diese wollte er wirksam werden lassen.
Nächstenliebe mit Kompetenz
Vinzenz gründete viele soziale Einrichtungen, etwa zusammen mit der Witwe Louise de Marillac die Töchter der christlichen Liebe (Vinzentinerinnen). Diese waren etwas Neues: Die Frauen gingen in einer einfachen Landfrauentracht von Haus zu Haus und pflegten kranke und alte Menschen. Ausserdem stiftete er Einrichtungen für Waisenkinder, stand Flüchtlingen und Verwundeten bei. Immer ging es auch um kompetente organisierte Hilfe!
Als Vinzenz am 27. September 1660 mit 79 Jahren starb, hatte er ein fast übermenschliches Lebenswerk vollbracht. Hunderttausenden von Menschen war er beigestanden, viele verdankten ihm ihr Leben.
Er wurde 1729 selig und 1737 heiliggesprochen Papst Leo XIII. erhob ihn 1855 zum Patron der Nächstenliebe und Schutzpatron aller caritativen Vereine. Sein Grab befindet sich in der Kapelle des Mutterhauses der Vinzentiner in der Rue de Sérves in Paris.
Frédéric Ozanam wählte Vinzenz von Paul zum Patron für sein Werk der Nächstenliebe; die Zusammenkünfte der Studenten, bei denen die Hilfe für die Armen geplant wurde, gab er den Namen Vinzenzkonferenz.
Die Ausstrahlung von Vinzenz von Paul hält bis heute an. Die verschiedenen Zweige des Werks wie Priester, Brüder, Schwestern und Laien arbeiten bis heute nach seinem Vorbild für und mit den Armen.
St. Gallen, Ende April 2019 von Christiane Faschon