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eine für Handelssachen) u. entscheidet in allen den Betrag von 250 Franken nicht übersteigenden Streitigkeiten. Das Zivil-, Straf- und Korrektionsgericht besteht aus 3 Richtern, 2 Beisitzern, 5 stellvertretenden Richtern und 3 stellvertretenden Beisitzern. Zwei seiner Richter bilden mit 3 Richtern des gewerblichen Schiedsgerichtes die sog. Cour mixte. Oberste kantonale richterliche Instanz endlich ist das Kassationsgericht mit einem Präsidenten und 3 Richtern.
Der Kanton Genf umfasst 48 politische Gemeinden, wovon 13 rechts und 34 links der Rhone liegen und eine (Stadt Genf) beide Ufer des Flusses umfasst. Jeder Gemeinde steht ein alle 4 Jahre der Neuwahl unterliegender Gemeinderat vor, dessen Mitgliederzahl je nach der Grösse der einzelnen Gemeinden 9, 12 oder 15 betragen kann. Ausübende Behörde jeder Gemeinde ist der Gemeindepräsident (maire) mit 2 Adjunkten. Gemeinderäte, Gemeindepräsident und Adjunkten werden von den Stimmberechtigten ihrer Gemeinde direkt gewählt. Die davon abweichenden Verhältnisse der Stadt Genf S. im Art. Genf (Stadt).
Der Kanton Genf gehört zum 4. eidgenössischen Schwurgerichtskreis, zum 6. Zollkreis, zum 1. Postkreis und zur 1. und 2. Armeedivision. Er stellt zur eidgenössischen Armee die Infanterie Auszügerbataillone 10 und 13, das Bataillon 105 Landwehr ersten und zweiten Aufgebotes, die dritte Kompagnie des Schützenbataillons 2 Auszug, die 4. Kompagnie des Schützenbataillons 9 Landwehr 1. und 2. Aufgebotes, die Batterien 1 und 2 Feldartillerie, die Positionskompagnie 1 Auszug und Positionskompagnie 1 Landwehr.
Endlich liefert er auch noch Truppen zu folgenden Einheiten: Festungsartillerie III, Guidenkompagnie 1, Dragonerregiment 1, Parkkolonnen 1 u. 2, Geniebataillon 1, Trainbataillon 1, Feldlazaret 1, Verwaltungskompagnie 1. 1901 belief sich der Effektivbestand der Genfer Miliz auf 5830 Mann, von denen 3602 dem Auszug und 2228 der Landwehr zugeteilt waren. Militärsteuer bezahlten 9460 Mann, und 261 waren von jeder Dienstleistung befreit. 1902 wurden von 990 Stellungspflichtigen 540 diensttauglich befunden, 100 auf ein Jahr und 48 auf zwei Jahre zurückgestellt und 302 dienstuntauglich erklärt.
Kirchliche Verhältnisse.
Reformierte u. katholische Staatskirche stehen beide unter der Oberaufsicht des Staates, der die Kosten für den Kultus trägt. Der reformierten Kirche steht das Konsistorium vor, dessen je während 5 Jahren amtende 25 Laien- und 6 geistliche Mitglieder von der Gesamtheit aller im Aktivbürgerrecht nicht eingestellten reformierten Schweizerbürger des Kantons gewählt werden. Auf gleiche Weise erfolgt auch die Wahl der Geistlichen. Die Theologieprofessoren an der Universität und die im Amte stehenden Geistlichen bilden zusammen das Kapitel (Compagnie des pasteurs), das den religiösen und Theologieunterricht überwacht, über die Zulassung von Pfarramtskandidaten sein Gutachten abgibt, Kandidaten für die Wahl von Theologieprofessoren empfiehlt (unter Vorbehalt von deren Genehmigung durch das Konsistorium und den Staatsrat), die Aufsicht über die einzelnen Geistlichen ausübt etc. Die katholische Staatskirche hat als Aufsichtsbehörde den sogen. Conseil Supérieur, der sich aus 5 Geistlichen und 25 Laien zusammensetzt.
Während die (alt-)katholische Staatskirche nur einige Tausend Gläubige zählt, gehört die weitaus überwiegende Anzahl der übrigen Katholiken der vom Staate nicht anerkannten römisch-katholischen Konfession an. Römisch-Katholische und Reformierte halten sich im Kanton Genf an Zahl ungefähr die Wage. Die evangelisch-protestantische, deutschreformierte, lutherische, anglikanische, römisch-katholische und griechische Kirche, sowie die Juden sind vom Staat vollkommen unabhängig, haben ihre eigenen kirchlichen Behörden und tragen die Kosten für ihre respektiven Kulte selbst. Das Budget für den Kultus betrug im Jahr 1901 die Summe von 201475 Franken, wovon 122500 Fr. auf die reformierte, 62175 Fr. auf die katholische Kirche und 16800 Fr. auf Verschiedenes entfielen.
Schulwesen.
Schon im 15. Jahrhundert besass Genf eine höhere Schule (Collège), die für ihre Zeit ziemlich umfassende Kenntnisse vermittelte und von Calvin in wesentlichen Punkten verbessert worden ist. Zu gleicher Zeit wurde auch das Volksschulwesen kräftig gefördert, dem seither Staat und Bürger ununterbrochen ihre besondere Sorgfalt zugewendet haben. Wir werden im Abschnitt Finanzwesen zeigen, dass der Staat für seine Unterrichtsanstalten grosse Opfer bringt und alljährlich für das Schulwesen mehr als 2 Millionen Fr., d. h. etwa einen Vierteil der gesamten kantonalen Einnahmen ausgibt.
Dem Departement des Erziehungswesens ist die kantonale Schulkommission beigegeben, welche Behörde aus vom Staatsrat ernannten Nichtschulmännern und aus von den verschiedenen Unterrichtsanstalten erwählten Lehrern besteht. Nach dem Schulgesetz ist der Besuch der Schule obligatorisch vom 6.-15. Altersjahr für alle im Kanton wohnenden Kinder ohne Unterschied der Nationalität. Schon die Verfassung von 1847 hatte die Einteilung in Primar-, Sekundar- und höhern Schulunterricht aufgestellt und auch das Prinzip der Unentgeltlichkeit des Primarschulunterrichtes angenommen. Später hat man dann noch beschlossen, an die Primarschüler auch alle Schulmaterialien gratis abzugeben.
Der Primarschulunterricht umfasst die Kleinkinderschule, die Primarschule im engeren Sinn und die Fortbildungsschule. Diese letztere folgt auf die oberste Klasse der Primarschule und ist obligatorisch für junge Leute im Alter von 13-15 Jahren, denen eine andere Fortsetzung ihres Schulunterrichtes nicht zugänglich ist. Seit 1895 sind mit der Primarschule zwei Einrichtungen verbunden, die bisher in den interessierten Kreisen gute ¶
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Aufnahme gefunden haben: Kinderhort (classes gardiennes) und Schülersuppe (cuisines scolaires). Jener ist dazu bestimmt, die Kinder von den ganzen Tag auswärts beschäftigten Eltern und überhaupt solche, die ohne häusliche Aufsicht bleiben, auch ausserhalb der Schulstunden aufzunehmen, zu beschäftigen und zu überwachen, diese (deren Organisation mit dem Kinderhort verbunden ist) liefert denselben Kindern ihr tägliches Mittagsmahl.
Dem Mittelschulunterricht dienen als die zwei wichtigsten derartigen Einrichtungen das Collège (Kantonsschule) und die höhere Mädchenschule (École secondaire et supérieure des jeunes filles). Beide teilen sich in eine Unter- und Oberstufe und umfassen 7 Schuljahre. Die Oberstufe des Collège gliedert sich ihrerseits wieder in 4 Abteilungen (Realgymnasium, humanistisches Gymnasium, Industrieschule und Lehrerseminar), die Oberstufe der höheren Mädchenschule umfasst eine pädagogische Abteilung (Lehrerinnenseminar) und litterarische Abteilung.
Mit dem Mittelschulwesen verknüpft sind die verschiedenen Zweige des beruflichen Unterrichtes: Berufsschule als Vorbereitung zur Industrieschule (Section technique du Collège), zur Gewerbeschule (Ecole des Arts industriels), zur Kunstschule (École des Beaux-Arts), zur Uhrenmacherschule (École d'Horlogerie), zum Technikum etc.;
freiwillige Abendschulen;
die 12 Sekundarschulen der Landgemeinden des Kantons, deren Unterricht vorzüglich praktische und landwirtschaftliche Ausbildung bezweckt.
Die 1893 begründete Bauhandwerkerschule (École des Métiers) unterrichtet in den dem Bauwesen dienenden Fächern. Das erst seit kurzer Zeit bestehende Technikum gliedert sich in eine Abteilung für Bau- und Ingenieurwesen und eine Abteilung für Mechanik und Elektrotechnik. Bauhandwerkerschule und Technikum dienen beide vorzugsweise der praktischen Berufsbildung. Unterricht in den landwirtschaftlichen Disziplinen erteilen die ländlichen Sekundarschulen, die kantonale Gartenbauschule Châtelaine und die schon früher genannte landwirtschaftliche Winterschule.
Die ehemalige Genfer Akademie datiert aus dem Jahr 1559. 1871 wurde sie zur Universität umgestaltet, die fünf Fakultäten umfasst: eine naturwissenschaftliche, philosophisch-philologische und volkswirtschaftliche, juristische, theologische und medizinische. Dieser letztern ist noch eine zahnärztliche Schule angegliedert. Näheres darüber s. im Art. Genf (Stadt).
Daneben bestehen noch vom Staat eingerichtete Unterrichtskurse für Rekruten und in der Stadt und auf dem Lande gehaltene öffentliche und unentgeltliche Fortbildungskurse. Der Kanton Genf unterhält eine vom Bund subventionierte blühende Gewerbeschule (École des Arts industriels), die in Keramik, Gravüre, Skulptur, Kunstschlosserei und Emailmalerei unterrichtet. Einige weitere Institute sind von der Stadt Genf eingerichtet worden und werden von ihr unterhalten, so die Handelsschule (École de Commerce), Kunstschule (École des Beaux-Arts), Uhrenmacherschule (École d'Horlogerie).
Neben diesen zahlreichen und allen denkbaren Zwecken dienenden öffentlichen und staatlichen Anstalten bestehen noch mehrere Institute, die ihre Entstehung der privaten Initiative verdanken und von denen hier die freie Theologieschule (École libre de Théologie) und das Konservatorium (Conservatoire de Musique) namhaft gemacht werden sollen.
Oeffentliches Gesundheits- und Armenwesen.
Vor dem Jahre 1884 war die staatliche Fürsorge für das öffentliche Gesundheitswesen in Genf noch eine recht unvollkommene. Es ist dann zu jener Zeit eine Amtsstelle für das öffentliche Gesundheitswesen (Bureau de Salubrité publique) eingerichtet worden, die zuerst dem Justiz- u. Polizeidepartement angegliedert war, später aber der Direktion des Innern unterstellt ward. Die diesem Bureau zufallenden Aufgaben sind recht zahlreich und bestehen z. B. in der Ueberwachung und Durchführung der staatlichen Impfung, in der Feststellung der verschiedenen Todesursachen, in der sanitarischen Aufsicht über die Schulen, in der Aufsicht über das Marktwesen, in der Kontrole von Nahrungsmitteln und Getränken, in der sanitarischen Aufsicht über Wohnungen, Fabriken, Gefängnisse etc., in der Inspektion aller zur Herstellung von Nahrungsmitteln und Getränken dienenden Lokale, in der Aufsicht über das Bestattungswesen, die Totenhalle und das Abfuhrwesen, in Massnahmen gegen Epidemien und, Viehseuchen und überhaupt in allen das öffentliche Gesundheitswesen betreffenden Angelegenheiten.
Mit diesem Gesundheitsamt sind ein bakteriologisches und ein chemisches Laboratorium verbunden, deren letzteres im Besonderen die Nahrungsmittel und Getränke zu analysieren und zu prüfen hat. Das Personal des Bureaus besteht aus einem dirigierenden Arzt, einem Assistenzarzt, einem Vorstand des chemischen Laboratoriums mit 2 Gehilfen, einem Vorstand des bakteriologischen Laboratoriums, zwei Architekten, einem kantonalen Tierarzt mit zwei Fleischschauern, zwei Marktaufsehern etc. Dem staatlichen Gesundheitsdienste sind ferner noch Aerzte beigegeben, denen die Impfungen, Totenschau, die Anordnung von Desinfektionsarbeiten und die gesundheitliche Inspektion der Schulen obliegen.
Zur Vornahme der öffentlichen und unentgeltlichen Impfungen ist der Kanton Genf in 10 Kreise eingeteilt. Dieses vom Volke zuerst wenig gewürdigte Institut wird heute sehr geschätzt, so dass die Zahl der Geimpften stetig wächst und von 636 im ersten Jahr bis auf 1094 im Jahre 1894 gestiegen ist. Die sanitarischen Schulinspektionen, deren Dienst in 12 Kreise eingeteilt ist, erstrecken sich im Besonderen auf Hautkrankheiten, von denen als am meisten vorkommend Kopfgrind, Haarschwund, Flechten und als am seltensten auftretend die Krätze konstatiert worden sind.
Seit der Einrichtung dieser zweimal im Jahr stattfindenden ärztlichen Schulbesuche sind sehr wesentliche Fortschritte in der Reinlichkeit der Schulkinder erzielt worden. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch eines in verschiedenen Schulhäusern Genfs unternommenen Versuches gedenken, der in der Errichtung von Schulbädern und warmen Douchen besteht, wo die Schüler in der Zeit vom Oktober bis April zweimal im Monat baden können. Diese Neuerung ist ausserordentlich günstig aufgenommen worden. Sehr schätzenswerte Dienste leistet der Oeffentlichkeit auch das chemische Laboratorium des Gesundheitsamtes, so dass von Jahr zu Jahr die Verfälschungen von Lebensmitteln und Getränken abnehmen. Im Jahr 1901 hat der Kanton für das öffentliche Gesundheitswesen die Summe von 73833 Fr. verausgabt. (Vergl. Vincent, Dr. L'hygiène publique à Genève pendant la période décennale de 1885 à 1894. Genève 1896).
Durch Gesetz vom ist die Organisation der öffentlichen ärztlichen Krankenpflege (Assistance publique médicale) geregelt worden. Man ¶