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Die Tafeln als Form der Lebensmittelhilfe in der Schweiz
Zur Entstehung und Etablierung der Tafeln in der Schweiz
Ernährungsarmut ist eine Form der Armut, durch welche betroffene Personen Hungererfahrungen ausgesetzt sind und von der Teilhabe an gesellschaftstypischen Essensangeboten ausgeschlossen sind. Dies führt zu einer Inanspruchnahme von Angeboten im Bereich der Lebensmittelhilfen, zu welchen die Tafeln gehören.
Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie die Tafeleinrichtungen in der Schweiz entstanden sind und sich etablierten und mit welchen Herausforderungen Tafelkund*innen aktuell konfrontiert sind. Das Phänomen der Tafeln in der Schweiz wurde bisher wissenschaftlich noch nicht behandelt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Beitrag zur Schliessung dieser Wissenslücke zu leisten.
Um den ersten Teil der Fragestellung zu beantworten, wird die Entstehungsgeschichte der Tafeln in der Schweiz in den Blick genommen. Dabei wird ein Vergleich zur Entwicklung und Entstehung der Tafeln in Deutschland, Frankreich und in den Vereinigten Staaten gezogen. Die Entstehung und Etablierung werden in Zusammenhang mit der Entwicklung und Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaats betrachtet, da dies einen beträchtlichen Einfluss auf die Tafeln hat. Um die Frage nach den Herausforderungen, welchen Tafelkund*innen begegnen, zu beantworten, wurde ein qualitatives Forschungsvorgehen gewählt. In vier Leitfadeninterviews wurden insgesamt sieben Personen befragt, welche Kund*innen eines Tafelangebots in einer Schweizer Grossstadt sind und dort wöchentlich Lebensmittel beziehen. Die Datenauswertung erfolgte mittels der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kuckartz.
Als Herausforderungen konnte identifiziert werden, dass der Tafelbesuch mit Ausschluss- und Stigmatisierungserfahrungen einhergeht, dass der Zugang zum Tafelangebot mit einem Zeit- und Ressourcenaufwand verbunden ist, dass die Qualität der erhaltenen Ware teilweise mangelhaft ist und dass einer religiös, kulturell oder gesundheitlich bedingten Ernährungsweise durch die verteilten Lebensmittel nicht nachgegangen werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass der Grad der Abhängigkeit von den Tafeln vom Grad der Prekarität der Lebenslagen bestimmt wird und dass ebendiese von gesellschaftlichen und politischen Bedingungen beeinflusst werden. Viele Tafelkund*innen haben Erfahrungen mit sozialstaatlichen Hilfeleistungen und haben erlebt, dass diese ihre Bedürfnisse und Notlagen nicht ausreichend abdecken. Die Tafeln sind nur als temporäre Notlösung zu betrachten und nicht als längerfristige Existenzsicherung armutsbetroffener Personen. Armutsfeste Sozialleistungen und eine gewährleistete Teilhabe- und Verteilungsgerechtigkeit hingegen sind wegweisend für die Bekämpfung der Ernährungsarmut.