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Diese Normallehre würde allgemein für alle Messungen dünner Metalle einzuführen sein, also für fämmtliche Eisens blech, Draht- und Bandeisensorten, ferner für die gleichen Fabricate aus Stahl, Kupfer, Meffing, Zink, Silber 2c., ebenso für die daran anschließenden Artikel (Drahtstifte, Holzschrauben, Nieten, Ketten, Nadeln, Klavierstifte und dergl.), deren Dide stets nach den Nummern der Normallehre, die Länge nach Millimetern auszudrüfen sein würde. So wäre dann z. B. Bandeisen, deffen Breite meistens in französischen Linien, und dessen Dicke in Nr. der Birmingham gauge angegeben wird, später nachy Millimtr. und nach Nr. der Normallehre zu bezeichnen, z. B.: die jebige Sorte 12 Linien Nr. 20 würde dann 27 Nr. 21 sein; ferner Drahtstifte, welche nach der jegt in Deutschland und Franfreich üblichen Methode in der Dice nad Nr. der französischen Drahtlehre und in der Länge nach altfranzösisden Linien bezeichnet worden sind, wären ebenfalls später nach Nr. der Normallehre und in der Länge nad Millimtr. zu classificiren; *. B. die jebige Sorte Nr. 15 18 Linien oder kurz 15/18 wäre später zu benennen LNr. 13 41mm oder abgefürzt 13/41.
Um die Angaben nach Nummern der Normallehre stets von denen nach anderen Lehren einfach zu unterscheiden, könnte inan denselben das Zeichen L als Findeutung auf , normal“ hinzufügen, . B. Nr. 187 oder L Nr. 20.
Es dürfte festzustellen sein, daß die im Sandel zulässige Abweichung von den geseßlich oder conventionell zu ergebenden Stärfen der Nummern der Normallehre nicht mehr als 1 Nr. auf- und abwärts betragen solle. Da die Verdünnungsfactoren bei den dickeren Sorten 0,900, bei den mittleren 0,860 und bei den dünneren 0,820 kaum überschreiten, einer Abnahme von 10 resp. 14 und 18 p6t. entsprechend, so fönnen als zulässige Differenzen festgestellt werden:
5 pt. für stärfere Sorten bis Nr. 10 der Normallehre, 7 mittlere
= 11 bis 30 9 • schwächere feiner als 30 was als Usance zur Schlichtung von Differenzen im Handel zu beachten sein würde.
Was oben von der Karmarfch'den Reibe behauptet wurde, fann ebenso von dieser projectirten Normallehre gelten: Sie entspricht allen oben besprochenen Anforderungen, welche Theorie und Praxis zu machen haben, und fügt zu den Vorzügen der Karmars dy'schen Reihe noch den hinzu, daß fie zum Metermaß in einfacher und bequemer Beziehung steht.
Es bleibt mir schließlid, nod) übrig zu zeigen, daß diese Normallebre auch wirklich, wenn auch nid)t für alle, so dody für die bei weitem überwiegende Mehrzahl von Fällen genügt, wo in der Praxis das Bedürfniß einer Messung durch Lehren auftritt, und habe ich hierbei namentlid, gegen die jo schwer wiegende Autorität von Karmaric anzufämpfen, welcher bei Besprechung des Quirin'schen Vorschlages zur Einführung einer rationellen allgemeinen Drahtlehre sagt:
Es geht schon darum nicht an, cine allgemeine Lehre aufzustellen, weil versdiedene Gebrauchszwede bald feinere, bald gröbere Abstufungen verlangen.
Jo fchließe mich dieser Ansicht durchaus nicht an, sondern pflichte ganz den Worten bei, welche Thomée Bd. X, S. 624 d. 3. im Hinblicke auf diese Meinung von Stars marsch ausspricht:
Man muß fich um so mehr zur inöglichen Beseitigung der dabei entgegenstehenden Schwierigkeiten aufgefordert fühlen, als nach meinen früheren Auslassungen in der That nicht wohl einzusehen, welchen wirklichen Nußen unsere beiderseitigen Untersuchungen sonst noch gewähren könnten, wenn ste anders nicht die Herbeiführung einer allgemeinen Normallehre oder Landesflinke zum Endzwede haben sollten."
Es fragt sich also: Verlangen verschiedene Gebrauchszwecke wirklich bald feinere, bald gröbere Abstufungen, und zwar in dem Maße, daß dieselben nicht durch die Nummern der projectirten Normallehre auszudrücken find?
Die einfachste und zugleich präcifeste Antwort darauf giebt uns ein Blick auf die Construction der oben besprochenen Lehren: Wir sehen, daß bei den 4 Lehren, welche bei weitem die gangbarsten von allen find (westphälische und französische Drahtlehre, englische Lehre, Dillinger Blechlehre), die Verdünnungsfactoren so nahe übereinstimmen, daß feine irgend erhebliche Differenz im Principe zwischen ihnen besteht; ebenso folgen
die westphälische Walzs und Rettendrahtlehre,
mit Ausnahme der gröberen Sorten der sogenannten
Messingmusterdrähte,
die Lehren für Gold- und Silberdraht, fämmtlich den für die Normallehre aufgestellten Principien und zeigen feine feineren Abstufungen, als diese.
Die Fälle, wo eine feinere Scala als in der Normallehre verlangt wird, reduciren sich auf folgende wenige: Lehren für Stahldraht,
Klaviersaitendraht,
Kragendraht,
= groben Messings (Musters) Draht. Wie bereits im Abschnitt II bemerkt wurde, entsprechen bei der Lancashire steel wire gauge 73 Nr. der gröberen Sorten 20 Nr. der Birmingham gauge, ebenso 16 Nr. für die feineren Sorten 5 gewöhnlichen Nummern, so daß, um Dort überall äquivalente Zahlen und eine hinreichend feine Scala Herzustellen, halbe und viertel Nummern zwischen die der englischen oder der Normallehre einzuschalten fein würden.
Bei den anderen 3 Lehren genügt eine Einschiebung halber Nummern zwischen die der Normallehre vollkommen, um die nöthige Feinheit der Abstufung für die betreffenden Artifel zu erhalten.
Vergleichen wir die Bedeutung dieser 4 Sorten mit der der übrigen, für welche die Normallehre in obiger Weise anwendbar ist, so glaube ich nicht zu viel zu behaupten, wenn ich sage, daß jene Artifel, welche eine feinere Scala, als die Normallehre, verlangen, noch nicht ein hundertstel Brocent von der Gesammtproduction an Draht, Blech und verwandten Fabricaten ausmachen.
Ist es nun wirklich gerechtfertigt, die Herbeiführung einer allgemeinen Normallehre nur darum als unthunlich zu bes zeichnen, weil ein so verschwindend fleiner Bruchtheil des Ges fammtgebietes, für welches die Lehre überhaupt bestimmt ist, eine feinere Abstufung verlangt?
voit
Ich glaube es nicht, bin vielmehr überzeugt, daß der kleine Nachtheil, welcher aus der Nothwendigkeit einer nur selten vorkommenden Einschiebung von halben oder viertel Nummern får einzelne Fälle entspringt, bei weitem durch den unendlichen Gewinn aufgewogen wird, welchen die Herstellung und Einführung einer allgemeinen Lehre für das gesammte Gebiet der Arbeiten in dünnen Metallen bewirfen müssen.
Daß auch gröbere Abstufungen, als in der Normallehre, zuweilen in der Praxis vorfoinmen, kann ebenfalls kein Motiv gegen ihre Einführung abgeben, da es unbenommen sein wird, in diesem Falle einzelne Nummern zu überspringen. Die Normallehre stellt in der Aufeinanderfolge ihrer Nummern die Regel dar, nach welcher ein Material ohne zu große Anstrengung und andererseits ohne zu bedeutenden Zeitaufwand von einem Loche zum anderen gezogen werden kann. Nun bietet aber schon die Variation der Qualität der verschiedenen zu verarbeitenden Materialien häufig genug Beranlassung, um von dieser Regel abzugeben: es wird fich z. B., wie bereits bei Besprechung der französischen Drahtlehre bemerkt wurde, noch ein mittelmäßiges Eisen zu grobem Draht verarbeiten lassen, wenn man die für die stärkeren Nummern sehr allmäligen Abstufungen der französischen oder der Normallehre befolgt, also z. B. von L Nr. 6 = 500,01 bis LNr. 11 = 3mm,02
den Draht durch die nach der Reihenfolge der Nummern vorges zeichneten 5 Löcher passiren läßt; ein besseres Eisen wird dieselbe Verdünnung schon in 4 oder 3 Durchgängen gestatten. Wollte man aber für alle diese Fälle besondere Lehren aufstellen, so würde eine noch heillosere Complication, als schon jest, ents stehen, und dürfte also auch hieraus fein Grund gegen die Einführung einer Normallehre abzuleiten sein.
E8 fragt fich, ob die oben als zuweilen nothwendig ers fannten Einschaltungen von Zwischennummern in der bisher meist üblichen Weise mit halben oder viertel Nummern erfolgen foll, oder nach Thomée's Vorschlag (Bd. X, S. 624 dieser Zeitschrift) durch Einschiebung von zehntel Nummern. Ein praktisches Bedürfniß liegt, wie oben bemerkt wurde, nur für ersteren Modus vor, da hierdurch für alle Fälle genügend feine Abstufungen zu erzielen sind. Dagegen faun die dem immer allgemeiner zur Geltung kommenden und einzig ratios nellen Decimalsystem entsprechende Einschaltung von fünftel oder zehntel Nummern namentlich dann sehr zwedmäßig fein, wenn es gilt, für eine bestimmte Nummer irgend einer der jepigen Lehren ein ganz exactes Aequivalent in Nummern der Normallehre zu finden.
(Sdluß folgt.)
Einige Worte über den ,,Constructeur" des Professor Reuleaur.
Von 3. Lüders.
(Fortseßung von Seite 451.)
Bei den Kuppelungen §. 75 bis 76 müssen wir vorerst anerkennen, daß Þr. Reuleaug die einfache Muffenkuppelung wieder aufgenommen hat, welche wir, obwohl sie ohne Frage am meisten angewendet wird, in der ersten Auflage des „Constructeur" nicht fanden.
Als Bezugseinheit wird bei der Construction der Kuppe: (ungen die Wandstärke derselben benußt, für welche ør. Reus leaug die Regel 8=10mm + giebt. Gewöhnlid legt man nun der Bezugseinheit den wirklichen Durchmesser der Welle zu Grunde; dagegen empfiehlt der , Constructeur" für gußeiserne Wellen die Kuppelung der gleichwerthigen schmiedeeisernen Welle zu erweitern, also die Länge und die Wandstärke derselben für den größeren Durchmesser der gußeisernen Welle beizubehalten. Es wäre nun nur consequent gewesen, wenn Hr. Reuleaux hierbei nicht stehen geblieben wäre; er hätte vielmehr auch bei den schmiedeeisernen Wellen normale und erweiterte Kuppelungen unterscheiden müssen, von denen jene für den Durchmesser d=VPr construirt würden, und dann, da doch nicht der geringste Grund vorliegt, die Länge und die Torsion der Wellen auch bei den Kuppelungen zu berücksichtigen, solche für die nach d= 4,13
„18 VPI
vorschreibt, auch dieses und werden im Allgemeinen die Rups pelungen dem wirklichen Durchmesser entsprediend construiren.
Es ist hier am Plaße, vorerst zwei Punfte der Details construction der Wellenleitungen zur Sprache zu bringen, welche unserer Meinung nach im „Constructeur“ hätten ansdrüdlich besprochen werden müssen, während wir jeßt auf Hrn. Reus leaur' Ansicht über dieselben nur aus den Figuren zu diesen Paragraphen fchließen können. Es handelt sich nämlich darum, ob die Wellen verstärfte kuppeltöpfe haben sollen, und dann, ob den Lagerhälsen Anläufe zu geben find, woran sich noch die Frage schließt, wie die Längenverbindungen der Wellen herzustellen sind. Gr. Reuleang giebt nun in feinem Falle den Wellen Kuppelföpfe; dagegen macht er durchgehends Anläufe und scheint sehr dafür zu sein, die Wellen durch eigene Constructions: theile der Länge nach miteinander zu verbinden, so in Fig. 122 durch ein Hafenblatt und in Fig. 125 durch Nasenteite.
In Bezug auf die Kuppeltöpfe theilen wir die Anfichten Hrn. Reuleaur', indem auch wir dieselben für übers flüssig halten; wir würden sogar fein Bedenken tragen, beim Anschlusse einer schwächeren Welle an eine stärfere, diese auf den Durchmesser der ersteren herunter drehen zu lassen und die Kuppelung danach zu bemessen, während es fonst üblich ist, die schwächere Welle mit einem Kuppelfopfe zu versehen und die Ruppelung der stärferen Welle vorzuschreiben. Wir find übrigens nur aus öfonomischen Rüdfichten gegen Kuppeltöpfe und legen auf den Punft fein Gewicht, daß ihrethalben die Naben der Riemenscheiben 2c. erweitert werden müßten, da
und d=4,18 VPr.
4,18ÝPr. Va construirten Wellen erweitert würden.
So weit geht aber ør. Reuleaus nicht und läßt, wie gesagt, nur die Kuppelungen für gußeiserne Wellen erweitern; wir verwerfen aber bei der geringen Wandstärfe, welche er
wir die Riemenscheiben immer mit Ringkeilen befestigen, und ihre Naben also ohnehin schon weit genug werden, um über die Kuppelföpfe zu gehen.
In der Praxis pflegt man bei Scheibenkuppelungen niemals fuppeltöpfe anzuwenden; dagegen findet man sie noch immer häufig bei Muffenfuppelungen. Einerseits ist nämlich bei diesen die durch den verstärkten Durchmesser des Kopfes bedingte Gewichtszunahme der Kuppelung nicht so beträchtlich, wie bei jenen; andererseits läßt sich das Ein- und Austreiben der Keile bei Anwendung von Köpfen viel leichter bewertstelligen. Sind solche nicht vorhanden, so muß die Keilbahn die doppelte Länge des Keiles haben, was ihre Herstellung natürlich entsprechend vertheuert, und der Keil mit einer Nase versehen sein, wenn nicht anders die Kuppelung so weit von dem Lagerhalse abliegt, daß die Keilbahn vor der Kuppelung so weit verlängert werden kann, daß ein Treibdorn fich bequem an das hintere Ende des Seiles anlegen läßt. Wir sind ganz entschieden hierfür und gegen die Verwendung von Najenfeilen, welche Sr. Reuleaux aber unbedingt anwenden muß, weil er die Kuppelung so nahe an den Lagerhals legt, daß fie fich gegen den Anlauf desselben stüßt, und dieser bis in die Lauf: fläche des Halles aufgeschnitten werden müßte, um das Ende des Reiles frei zu legen.
Wie aber sind in Fig. 123 und 124 die Keile aig den rechts am Anlaufe liegenden Hälften der Kuppelungen herauszutreiben? Man seßt allerdings wohl Muffenfuppelungen hart an einen Anlauf, aber auf einen Kopf, dessen Durchmesser nur wenig fleiner ist, als der des Anlaufes. Die so entstehende niedrige Schulter genügt zur Stüße der Kuppelung, während es nun möglich ist, die Keilnuthe durch den Anlauf fortzuseßen, welcher davon nur wenig ausgeschnitten wird. Gründe, welche dafür sprächen, die Kuppelungen gegen einen Anlauf zu stügen, find uns nicht befannt, und würden wir mit Rüdficht darauf die Anläufe unbesorgt fortsassen, wenn wir sie nicht schon ohnehin für überflüssig hielten.
Wir sind also in Betreff der Anläufe ganz entgegenges fepter Ansicht, wie Ør. Neuleaux, welcher sie überall anwendet und sogar so weit geht, bei den späteren Beispielen von Lagers stühlen die stehenden Wellen damit auszurüsten. Der eigents liche Zwed der Anläufe ist, gegen Längenverfchiebungen zu schüben; dazu reicht es aber aus, wenn ein Fals an jedem Wellenstrange mit Anläufen versehen ist, vorausgeseßt, daß die Längenverbindung der einzelnen Stücke der Welle eine sichere ist, und daß nicht etwa größere Kräfte in der Längsrichtung der Wellen wirken. Ist dieses nicht der Fall, so ist es nicht nur überflüssig, sondern sogar verwerflich), Anläufe zu verwenden, vor allen wenn die Verbindung der einzelnen Wellenstücke eine starre ist, wie bei der Kuppelung mit Hakenblatt (Fig. 122) und der Schalenkuppelung (Fig. 125), weil dann die Lage aller Lager gegeneinander eine durchaus bestimmte ist, und die Montirung so gescheben muß, daß jedes Lager die der Länge der Welle entsprechende Entfernung von dem nächsten, in weldiem ein Lagerhals mit Anläufen zu liegen kommt, erhält. Der ältere Maschinenbau wandte fast immer Anläufe an; man verband aber nicht, wie jest Hr. Reuleaur will, die Enden der Wellen unwandelbar mit einander, sons dern wandte im Gegentheile Kuppelungen an, welche Diffes renzen zwischen der Länge der Wellen und der Lagerdistanz
gestatteten. Die Wellen wurden erst nach Vollendung der Bauten mit Benußung von an Ort und Stelle möglichst genau genommenen Längenstichmaßen angefertigt; die kleinen Diffes renzen, welche dann nod) blieben, glichen sich bei Anwendung von Klauens oder Blattfuppelungen von selbst aus. Aber auch die gewöhnliche Muffenkuppelung ohne Ueberblattung der Wellenenden wurde verwendet, da diese bei guter Ausführung und bei Uebertragung von ruhigen Kräften auch nicht unbe: dingt erfordert, daß die Enden der beiden Wellen sich berühren.
Heutigen Tages werden wir keine Anläufe mehr machen, welche nur dadurch entstanden sind, daß man sich nicht zutraute, eine billige und einfache Längenverbindung durch die Kuppelung selbst herzustellen. Mit den Mitteln, über welche wir heute gebieten, ist das leicht, und fragt sich nur, ob dazu eigene Vorkehrungen nothwendig find, oder ob die Reibung der Muffen auf ihren Sißen dazu hinreicht. Die Praxis hat nun längst bewiesen, daß fünstliche Verbindungen, wie Batenblätter u. dgl. überflüssig sind, und daß nicht zu befürchten ist, daß die Erschüts terungen des Betriebes von Zahnrädern, geschweige denn von Riemenscheiben eine Ruppelung losrütteln, welche nur mit Hülfe eines entsprechend schweren Hammers hat aufgetrieben werden fönnen.
Freilich haben angesehene Fabriken, z. B. noch vor Kurzem Efder, Wyß & Co. in Zürich, wenn wir recht berichtet sind, feste Längenverbindungen bei Muffenkuppelungen angewendet, aber nicht so complicirte, wie Fr. Reuleaux, sondern eine mit zwei cylindrischen Nasen versehene Feder, die sich in eine Nuthe der Welle einlegt, welche an jedem Ende ein dem Zapfen der Feder entsprechend eingebohrtes Lody hat.
Bei andern, als den Muffenkuppelungen haben wir starre Längenverbindungen bis jeßt nicht gesehen; auch Fr. Reuleauy giebt den Scheibenfuppelungen nichts derartiges, obgleich fich ohne große Kosten dafür Sorge tragen ließe.
Wellen, welche conische Räder tragen, find in ihrer Achsenrichtung wirkenden Kräften ausgelegt und erhalten dess halb Anläufe; nöthig find sie bei guter Ausführung der Kuppelungen streng genommen nicht und fommen überdies selten zur Wirkung, da die von der Temperatur hervorgerufenen Verlängerungen der Wellen bald solche Abnußungen der Lagerfdhalen bewirfen, daß die Anläufe nur bei einer bestimmten Temperatur sämmtlid tragen. Dennoch giebt man Anläufe, da die Möglichkeit des Auseinandergehens bei Anwendung ges wöhnlicher Kuppelungen nicht absolut ausgeschlossen ist, und die Räder gegen jede Eventualität ficher gestellt werden müssen. Wenn die Wellen durch Hakenblätter oder sonst starr verbunden werden, so könnte die Anzahl der Anläufe so weit vers ringert werden, als die Rücfidyt auf die zu erwartende Abs nußung gestattete. In feinem Falle ist es zur Sicherung gegen Verschiebungen nöthig, daß jede Welle ein Paar Anläufe erhält; vielmehr fichert ein Paar Anläufe vorn und hinten den ganzen Wellenstrang, und würden der Abnußung balber Anläufe auf der Druckseite der Lagerhälse ausreichen.
Zu den Details der Ruppelungen ist wenig zu bemerfen: Daß in Fig. 123 und 124 die Reile rechts fich nicht heraustreiben lassen, ist don erwähnt; zu tadeln ist ferner, daß der Anlauf an der Seite, wo die Kuppelung fißt, scharf herausgedreht ist. Bei der Kuppelung mit Batenblatt ist
darauf aufmerksam zu machen, daß das Blatt noch nicht die halbe Stärfe der Welle besigt und deshalb, wenn diese nach VPr © I
schwach ftele, um, ihrem eigentlichen Zwede gemäß, zur Uebertragung der Kraft benußt werden zu fönnen, welche Aufgabe dann dem Keile zufiele, der ursprünglich nur zum Zusammenhalten des Ganzen dienen soll. Die Klauenfuppelung von Sharp ist heutzutage veraltet; sie macht natürlich nothwendig, daß jedes Wellenstück Anläufe erhält. Wir würden ste jeßt nur noch da verwenden, wo die Befestigung der Lager eine unfolide ist, und dann zur Ausgleichung der Einflüsse der Temperatur auf sehr lange Wellenleitungen, indem wir etwa in der Mitte derselben eine derartige Kuppelung statt einer gewöhnlichen einschalteten.
Der Einfluß der Wärme auf die Länge der Wellen pflegt selten beachtet zu werden, obgleich er unter Umständen nicht unwesentlich ist. Es fragt fich zuerst, bei welcher Temperatur montirt worden ist; in sehr vielen Fällen wird nad, Bollens dung der Baulichkeiten im Laufe des Winters bei einer Temperatur in der Nähe des Gefrierpunktes montirt, so daß gegen den Hochsommer eine Differenz von mindestens 30° C. entsteht. Da das Schmiedeeisen sich für jeden Grad um den seiner Länge ausdehnt, so würde für 30° Temperaturzunahnie die Länge der Welle um azio wachsen, mithin für 100 Fuß Länge um nahezu į Zoll (für 100m um 37mm). Man sieht sogleich, zu welchen linzuträglichkeiten es führen würde, wenn man Anläufe und starre Längenverbindungen zugleich verwenden wollte. Wenn die Wellen nur Riemenscheiben tragen, so können ihre Verlängerungen schlimmsten Falles nur das Auflaufen der Riemen beeinträchtigen; fißen aber Zahnräder auf den Wellen, so ist es sehr gut möglich, daß diese tief in die von ihnen getriebenen Räder gesdoben werden, so daß ein Bruch entsteht. Hätten sich in einem Königsthurme die Mauern nur um ; Zoll (3mm) nach der Montage geseßt, und die Lager sich um ein anderes Achtel ausgelaufen, so würde, wenn sich der König, dessen Länge 50 FUB (16") betragen mag, im Sommer noch um 1 Zoll (6mm) ausdehnte, das oberste Rad bald zerbrochen sein. Das neu angefertigte Rad, welches dann montirt würde, während die Welle noch ausgedehnt ist, würde der Gefahr eines Bruches nicht inehr ausgeseßt sein.
Die Muffenkuppelingen haben den Nachtheil, daß fie aufgebracht werden müssen, während die Wellen in ihren Lagern liegen, was bei größeren Kuppelungen, wenn sie anders ords nungsmäßig aufgepaßt sind, mit großer Arbeit verbunden ist; noch mühsamer ist es gewöhnlich, die Kuppelung wieder zu entfernen. Wo es nun nothwendig werden fann, ein Wellens stück herauszunehmen, also vor allem, wenn Zahnräder auf den Wellen Fiben, verdienen Scheibenf uppelungen den Vorzug; freilich sind sie erheblich kostspieliger als Muffen, indem sich ihr Gewicht zu dem der leteren nach den Reulea ur'ichen Verhält: nißzahlen reichlidy mie 3 : 1 stellt.
Hr. Reuleaur stößt die beiden Scheiben der Kuppelung stumpf voreinander; sehr häufig läßt man aber das eine Wellenende in die Bohrung der andern Kuppelung etwas eintreten oder verschränkt auch die beiden Scheiben um ý bis Zoll (3 bis 6mm) mit einander, so daß das Gewicht der frei lies genden Welle von den Kuppelschrauben aufgenommen ist. Diese
Anordnung, welche an sich gewiß sehr zu empfehlen ist, hat aber den Nachtheil, daß ein einzelnes Stüď der Welle fichi nicht mehr herausheben läßt, ohne die Fortseßung der Welle etwas der Länge nach verschieben zu müssen, was gerade in dem Falle, wo eine Lösung der Welle am häufigsten nothwens dig wird, also bei þauptwellen, in der Regel durch Unläufe oder andere Räder verhindert wird. Unbedingt nothwendig ist es feineswege, daß die Scheiben ineinander greifen, denn bei den Schraubenwellen, welche bekanntlich durch aufgeschweißte Scheiben verkuppelt werden, findet es auch nicht Statt; dafür geht bei diesen ein fräftiger Querfeil durch beide Scheiben, welcher zur Uebertragung der Kraft dient, indem nun die Schrauben dann nur das Gewicht der Welle zu tragen haben. Man könnte diese Anordnung auch bei schweren Triebwerfen anwenden, wenn man nicht den einfacheren Weg, die Kuppels schrauben recht kräftig zu machen, vorziehen wird.
Die im ,, Constructeur“ für Scheibenkuppelungen gegebenen Verhältnißzahlen können wir nicht unbedingt billigen. Nehmen wir d=200mm, so wird der Durchmesser der Schrauben 42mm,5, der Durchmesser ihrer Muttern 85mm und der des Loches für den Rohrsdlüssel höchstens 110mm betragen. Die Entfernung des Mittelpunktes der Schraube von dem Umfange der Nabe der Kuppelung braucht also nur 11° = 55mm zu betragen, wofür wir 70mm nehmen würden. Fr. Neuleaux aber macht ihn = 1,28, also, da 8 = 76mm fein würde, = 91mm,2 und erhält den äußeren Durchmesser der Kuppelung zu 732mm, während nadh dein oben Gesagten 632mm ausreichen würden. Die Kuppelung könnte also ganz erheblich leichter gemacht werden. Die Anzahl der Schrauben soll n = 2+ 9 bes tragen; wir ziehen wenige stärkere Bolzen vor, für welche reichlid Play vorhanden wäre.
Die hohe Meinung, welche Hr. Reuleaux von der Schalenkuppelung hat, theilen wir nicht; ihre Anferti: gung ist kostspielig, ohne daß sie solide wäre, denn die Federn, welche die Kraftübertragung bewirken, fönnen nie so scharf eingepaßt werden, um Stößen und rüttelnden Bes wegungen auf die Dauer zu widerstehen; für gewöhnliche Zwecke aber wird man so complicirte Constructionen nicht adops tiren. Zweitheilige Kuppelungen dieser Art find übrigens alt; im Armengaud z. B. finden sich ähnliche Sachen, natürlich aber mit mehr Schrauben und mit einem Keile statt der Federn. Wir erinnern und auc, am Triebwerfe der Borsig'schen Werts stätten in Berlin folche Kuppelungen gesehen zu haben, können aber nicht angeben, in welcher Ausdehnung fie sonst von dieser Fabrif verwendet worden sind.
Zum Schlusse dieses Capitels wollen wir noch auf's Neue auf die Bd. IX, S. 299 d. 3. beschriebene Debess selle’sche Ruppelung aufmerkjam machen, welche gar keine Keile und Schrauben hat, indem die außen nach der Mitte zu conisch gedrehten Kuppelungshälften durch aufgetriebene Ichmiedeeiserne Ringe zusammen gehalten werden, so daß sowohl die Uebertragung der Kraft, wie die Längenverbindung der Wellen nur durch die Reibung geschehen. Diese Kuppelung, welche wir selbst für dünnere Wellen mit Erfolg verwendet geseben haben, soll sich auch bei stärkeren Wellen bewähren und verdient jedenfalls einen Plaß in den technischen Lehrbüchern. Wir haben deshalb mit Bedauern die neueste Auflage des
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