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Militärisches Desaster und politische Unzulänglichkeiten hin oder her, der Aufbau der Dörfer und der Gesellschaft im Kosov@ muss vorangehen. Die GSoA beteiligt sich an einem internationalen Freiwilligenprojekt des Service Civil International SCI in Vushtrri/Vucitrn
Vushtrri (oder serbisch Vucitrn) liegt zwischen der Hauptstadt des Kosov@ Pristhina und der ethnisch zwischen SerbInnen und AlbanerInnen geteilten Stadt Mitrovica im Norden. Vushtrri gehört zu den am stärksten beschädigten Gemeinden in der ganzen Region. Über 6000 Häuser wurden beschädigt, rund 4200 total zerstört. Heute leben ungefähr 90'000 kosov@-albanische EinwohnerInnen in der Stadt. Während die ethnischen Minderheiten vertrieben wurden, leben die AlbanerInnen von humanitärer Hilfe. 80% der EinwohnerInnen sind wegen der Zerstörung der Fabriken und Firmen arbeitslos.
Bisher sind trotz der zentralen Lage und der grossen Zerstörung erst wenige internationale Organisationen in Vushtrri/Vucitrn tätig. Die Hilfswerke konzentrieren sich zudem auf die humanitäre Hilfe und den materiellen Wiederaufbau der zerstörten Gebäude. Damit besteht einerseits ein grosser Bedarf, aber auch eine Grundlage für die Arbeit am gesellschaftlichen Wiederaufbau vor Ort.
Freiraum für die Menschen
Die Nachwirkungen des Krieges erfahren alle Menschen in Kosov@. Frauen, Kinder und Jugendliche leiden jedoch ganz besonders darunter. Viele Frauen haben durch den Krieg den Mann verloren und müssen sich heute alleine um die Kinder kümmern. Zur Zeit gibt es in Vushtrri/Vucitrn weder einen Jugendtreffpunkt noch einen Kinderhort, der alleinerziehende Mütter entlasten würde. Im Rahmen des geplanten internationalen Freiwilligenprojektes in Vushtrri soll ein Raum als Begegnungsort geschaffen werden: Für Jugendliche als Treffpunkt und Ausgangsort für verschiedenste Aktivitäten, für Eltern und alleinerziehende Mütter als Möglichkeit, Kinderbetreuung in Anspruch zu nehmen und sich zu entlasten.
Ziviler Friedensdienst konkret
Mit freiwilligen und zivilem Engagement soll Jugendlichen aus der Schweiz die Möglichkeit gegeben werden, einen eigenen Beitrag zum gesellschaftlichen Wiederaufbau der Region zu leisten. In Anlehnung und aufbauend auf die Erfahrungen ähnlicher Projekte in den letzten Jahren (SCI-Einsätze in Flüchtlingslagern, Wiederaufbauprojekte in Pakrac und Gorni Vakuf) und heute im Kosov@ (Balkan Peace Team, Forum ZFD aus Deutschland, Balkan Sunflower) wird die Perspektive eines qualifizierten, aber auf das zivilgesellschaftliche Engagement beruhenden Einsatzes zur Stärkung lokaler gesellschaftlicher Potenziale verfolgt.
Ein Team von drei gut qualifizierten Langzeitfreiwilligen übernimmt die Aufbau- und Koordinationsarbeit vor Ort. Sie werden den Einbezug von Kurzzeitfreiwilligen vorbereiten, die jeweils für vier Wochen im Projekt mitarbeiten. Zu ihren Aufgaben gehört die Koordination mit den lokalen Behörden, mit internationalen Organisationen und mit dem Projektteam in der Schweiz. Sie organisieren Unterkunft, Verpflegungsmöglichkeiten sowie Arbeitseinsätze der Kurzzeitfreiwilligen. Dabei wird auf eine aktive Mitarbeit durch lokale Freiwillige gezählt.
Die Freiwilligen werden durch die SCI-Projektverantwortlichen in der Schweiz anhand vorgegebener Kriterien (Mindestalter, sprachliche, berufliche und soziale Qualifikationen) ausgewählt und sowohl in der Schweiz wie vor Ort auf ihren Einsatz vorbereitet. Sie erhalten Unterstützung und Begleitung durch Fachpersonen verwandter Organisationen (Schweizer Hilfswerke, Koordination mit Bundesstellen vor Ort, andere lokal tätige Hilfswerke).
Das Projekt ist vorerst auf einen Zeitraum von sechs Monaten angesetzt. Es soll allerdings bei Bedarf und bei einer positiven Evaluation der Startphase langfristig weitergeführt werden. Mit nur 50'000 Franken können die Projektkosten für das erste halbe Jahr gedeckt werden. Zur Finanzierung hat der SCI Schweizer Hilfswerke und andere Organisationen angefragt. Die GSoA leistet einen finanziellen Beitrag von 5000 Franken an die Startphase und ruft alle LeserInnen der GSoA-Zitig auf, dieses Projekt mitzutragen. Meldet euch als Freiwillige (siehe untenstehende Ausschreibung) und unterstützt das Freiwilligenprojekt finanziell mit beiliegendem Einzahlungsschein, Vermerk: Vushtrri.
In der Region Biel lebt zudem eine grössere Gemeinde der kosov@-albanischen Diaspora aus Vushtrri/Vucitrn, die aktiv in dieses Projekt einbezogen wird. Das Freiwilligenprojekt soll eine Brücke schlagen zwischen der Rückkehrorientierung der Flüchtlinge in der Schweiz und dem Wiederaufbau vor Ort. Eine ideelle und auch finanzielle Beteiligung der Diaspora-Gemeinde wurde zugesagt.
Projekt Frieden
Unter Beteiligung von über 20 Hilfswerken, entwicklungs- und friedenspolitischen Organisationen entstand eine 40seitige Broschüre, die Fragen nach friedensfördernden Ansätzen in der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz und in Projekten im eigenen Land stellt: Wie werden die Entwicklungszusammenarbeit, die Not- und Katastrophenhilfe und die Friedens- politik einer sich rasch verändernden Welt gerecht, in der die gewalttätige <Lösung> von Konflikten immer <normaler> scheint? Welche Konsequenzen ziehen die Organisationen aus ihrer bisherigen Arbeit? Wie tragen konkrete Projekte zu einer langfristigen Gewaltprävention, einer gewaltfreien Konfliktbearbeitung und einer dauerhaften Friedenssicherung bei? Mehr als ein Dutzend Beispiele zeigen innovative Ansätze, wie Menschen befähigt werden, Ungerechtigkeit und Gewalt friedlich zu überwinden. Literaturhinweise, eine Adressliste und Ideen für die Verwendung der Broschüre in Schulen und Gruppen schliessen die Publikation ab.
Die Broschüre <Projekt Frieden> kann für 6 Franken bestellt werden bei: OeME, Speichergasse 29, 3011 Bern. Fax 031/313 10 11.