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Meine erste Begegnung mit den “Colhereiros“, wie sie in Brasilien genannt werden, fand vor vielen Jahren im Süd-Pantanal statt, an einer der zahlreichen seichten Lagunen, die von den Überschwemmungen der Regenzeit in dieser Tiefebene zurückbleiben.
Dort kann man mehrere dieser schönen Vögel in Gemeinschaft mit anderen Arten beobachten – zum Beispiel mit Kormoranen (Nannopterum brasilianus), Waldstörchen (Mycteria americana), weißen Reihern (Ardea alba), Scharlachsichlern (Eudocimus ruber) und Jaburus (Jabiru mycteria) – die alle mit ihren Schnäbeln im schlammigen Untergrund herumstochern, um mit Schnecken, Krebstieren und kleinen Fischen ihren Nahrungsbedarf zu decken.
Colhereiros (Platalea ajaja) leben auch gerne an schlammigen Stränden an der Küste und an Flussufern in Mangroven, Sümpfen, Seen und Auwäldern. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von den Vereinigten Staaten über Mittelamerika und Brasilien, bis nach Argentinien. In Brasilien gilt dieser Vogel als aus dem Pantanal stammend, kommt aber inzwischen in verschiedenen brasilianischen Regionen vor. Obwohl er insgesamt nicht zu den gefährdeten Vögeln gehört, ist er im Pantanal und im Bundesstaat Minas Gerais stark bedroht. Diese Tiere sind aufgrund ihrer Schönheit und ihres Gefieders ein beliebtes Ziel des illegalen Tierhandels.
Beschreibung
Das markanteste Merkmal des Rosalöfflers ist sein langer löffelförmiger Schnabel. Er hat einen weißen Kopf und eine weiße Brust und hellrosa Flügel mit einem dunkleren rosa Saum und sehr langen rosa Beinen. Männchen und Weibchen haben das gleiche Federkleid und die gleiche Färbung. Das Männchen ist etwas größer als das Weibchen, und sein Schnabel ist ein wenig länger. Rosalöffler werden bis zu 81 cm groß und haben eine durchschnittliche Flügelspannweite von 127 cm.
Ihre rosafarbene Befiederung rührt von ihren Ernährungsgewohnheiten her, die vor allem aus Krustentieren bestehen, die Substanzen enthalten, welche “Carotinoide“ genannt werden und die Färbung der Federn verursachen. Noch intensiver rot erscheinen sie während der Paarungszeit, wenn sie sich in den Baumkronen der Uferwälder versammeln, um ihre Balztänze zu aufzuführen. Die Fortpflanzungszeit ist von Juli bis Oktober, und auch die beste Zeit, um diese Vögel beim gemeinsamen Flug mit anderen Vögeln zu beobachten.
Verhalten
Rosalöffler sind sehr gesellig. Sie leben in großen Kolonien mit anderen Löfflern, Ibissen, Störchen, Reihern, Silberreihern und Kormoranen. Rosalöffler fliegen in Schwärmen in langen diagonalen Linien mit ausgestreckten Beinen und Hals. Der Rosalöffler bevorzugt Mangrovensümpfe, Gezeitenteiche, Salzwasserlagunen und andere Gebiete mit seichtem Wasser zur Nahrungssuche.
Lebensraum
Von März bis Oktober bevorzugen Rosalöffler die Buchten, Sümpfe und Flussmündungen entlang der Küsten. Gelegentlich ziehen sie auch ins Landesinnere, wie im Beispiel des Pantanals.
Ernährung
Im Gegensatz zu den meisten Vögeln verhalten sich Rosalöffler bei der Nahrungsaufnahme lautlos, auch wenn sie mit anderen Arten zusammen sind. Sie schwenken ihre löffelförmigen Schnäbel im Wasser nach rechts und links, hin und her, um Nahrung wie kleine Fische, Garnelen, Weichtiere, Schnecken und Insekten aufzuspüren. Ihre Schnäbel haben Tastrezeptoren, mit denen sie ihre Beute ertasten können.
Löffler fressen Krabben, Krabben fressen Algen, und die Algen produzieren rote und gelbe Pigmente, die so genannten “Carotinoide“. Wissenschaftler nehmen an, dass die rosarote Färbung, welche die Rosalöffler mit zunehmendem Alter annehmen, auf ihre Ernährung mit carotinoidreichen Organismen wie Garnelen und Krebsen zurückzuführen ist. Je mehr sie davon fressen, desto intensiver färbt sich ihr Gefieder.
In Gefangenschaft verbleiben ihre Federn hellrosa bis ganz weiß, wenn sie keine Nahrung erhalten, welche die entsprechenden Pigmente liefert. Nur die freie Natur bringt die ganze Schönheit dieses Vogels hervor. Übrigens ist er in freier Wildbahn ein zuverlässiger Indikator für die Umweltqualität, da er sehr empfindlich auf eine Verunreinigung der Natur, insbesondere des Wassers, reagiert – mit anderen Worten: Wo diese Vögel sich in Schwärmen aufhalten, ist die Natur noch in Ordnung.
Enge Verwandte der Rosalöffler sind die Flamingos, deren Rötung ihres Gefieders auf dieselbe Nahrungsgrundlage zurückzuführen ist.
Brutzeit
In Brasilien fällt ihre Paarungszeit auf die Monate Juli bis Oktober. Während der Brutzeit lockt das Männchen das Weibchen mit Geschenken aus Nistmaterial an. Gemeinsam bauen sie ein großes Nest aus Zweigen – in der dichten Vegetation über dem Wasser – das mit Gras und Blättern ausgekleidet ist.
Das Löfflerweibchen legt zwei bis vier weiße Eier mit bräunlichen Flecken. Sowohl das Weibchen als auch das Männchen bebrüten die Eier. Die Küken schlüpfen nach etwa drei Wochen und werden nach 35 bis 42 Tagen flügge. Sowohl das Männchen als auch das Weibchen füttern die Küken, bis sie etwa acht Wochen alt sind. Junge Rosalöffler haben weiße Federn mit einer leichten rosa Färbung auf den Flügeln. Sie werden erst im Alter von drei Jahren geschlechtsreif. Einmal gepaart, bleibt das monogame Elternpaar ein Leben lang zusammen.
Bedrohung
Wie viele andere Vogelarten mit schönem Gefieder wurde auch der Rosalöffler in den 1800er Jahren fast bis zur Ausrottung gejagt. Ihre auffälligen rosa Federn waren auf Frauenhüten und Fächern sehr beliebt, und Jäger wetteiferten um die Federn der Löffler. In den frühen 1900er Jahren begannen Rosalöffler, Gebiete entlang der Küsten wieder zu besiedeln und ihre Zahl fing wieder langsam an zu wachsen. Heute sind die Populationen der Rosalöffler nur noch durch den Verlust ihrer Lebensräume bedroht.