Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03362.jsonl.gz/1915

Inhalt und Ziel des Forschungsprojektes
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts sind Notare vor allem in den südlichen Teilen des heutigen Europas im Zuge der Verstädterung und der Kommerzialisierung zu einer wichtigen professionellen Gruppe geworden. Als berufliche Schreiber verfassten sie Gerichtsakten, Verträge und arbeiteten für zahlreiche kommunale Ämter.
Ziel meiner Arbeit ist es, anhand kultureller Tätigkeiten der Notare zu untersuchen, wie Notare die bürokratischen Institutionen nicht nur verwalteten, sondern aktiv mit gestalteten. So lassen sich Parallelen zwischen vertraglichen Beziehungen und Beziehungen der Akteure in Liebespoesie beobachten, die Notare in ihre Register mit eingeschrieben haben. Dieses und andere Beispiele zeigen, dass Notare den vertraglichen und bürokratischen Beziehungen eine moralische Dimension verliehen, in der sie Emotionen nicht als Gegenteil der Rationalität ausgeschlossen, sondern als konstitutive Bestandteile menschlicher Beziehungen im Medium der Schrift mit einbezogen haben.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Im Sinne eines medien- und emotionsgeschichtlichen Ansatzes kombiniert meine Arbeit Quellen, Methoden und Untersuchungen der Kunst-, Musik-, Religions- und Literaturgeschichte mit traditionelleren Studien der Wirtschafts-, Sozial- und Rechtsgeschichte zu einer Untersuchung der Kultur und des Selbstverständnisses von Notaren in norditalienischen Kommunen. Dadurch eröffnet sie neue Perspektiven auf das Verständnis des Bürokratisierungsprozesses und der Ausbildung von Vertragsgesellschaften im mittelalterlichen Europa.