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Lesbisch fürs männliche Vergnügen
Lesbians for Men
Von 1890 bis "today" reicht der Bilderreigen, den die für ihre Publikationen einschlägig bekannte Dian Hanson in der vorliegenden Prachtpublikation des Taschen-Verlages zusammengestellt hat. "Apocalipsis Sexual" steht auf einem darin publizierten Filmplakat und Hanson stellt sich die berechtigte Frage, warum eigentlich die männliche Fantasie vom Anblick zweier Frauen, die einander küssen und befummeln derart stimuliert werde. Der dreisprachige Text wird begleitet von Farb- und Schwarzweiß-Aufnahmen, die weit in die Fotografiegeschichte zurückreichen. Ein Foto von 1955 zeigt etwa Bettie Page in einem wrestling match, andere Fotos sind Werbeaufnahmen für Filme, Studiofotos oder Naturaufnahmen.
Sappho und ihre Schwestern
1980 seien in New York alle Frauen bisexuell gewesen, beginnt Hanson ihr Narrativ, aber wie sie schnell - innerhalb zweier Paragraphen - eingesteht, eigentlich nur deswegen, weil es die Männer wahnsinnig machte. "Seit mindestens hundert Jahren treiben es die Frauen mit Frauen, weil es Männern gefällt", setzt sich die Autorin und Herausgeberin provokant in die Nesseln aller Hardcore-Lesbierinnen, denn die würden das gar nicht gerne hören. In der Zeit der griechischen Antike sei "lesbisch" eigentlich nur eine Umschreibung für Frauen gewesen, die Fellatio liebten, also gerne Blowjobs machten, um sich der näheren Umarmung eines Mannes dadurch zu entziehen. Dian Hanson zitiert aus Chaträumen, wenn sie der Frage, was Männer an lesbischen Frauen anzieht, nachgeht. Oder sie bemüht eine - zugegebenermaßen wenig repräsentative - Cosmopolitan-Umfrage, dass weniger als 10% der Frauen an einem Dreier beteiligt gewesen seien.
Women’s Barracks
Die erste Postkarte mit einem Akt erschien am 7.Mai 1889 pünktlich zur dortigen Weltausstellung, die reißenden Absatz versprach, so Hanson. Die sog. "französischen Postkarten" zeigten nahezu alles, denn dank Napoleon sei Prostitution legal gewesen und von 1880 bis zum Ersten Weltkrieg galt das "Goldene Zeitalter der Bordelle" quasi uneingeschränkt. Der im mährischen Moravska Ostrava geborene Jacques Biederer produzierte zwischen 1920 und 1939 sogar schon Fotos mit Fetisch und S/M-Sujets, was zeigt, dass das Rad doch schon sehr früh erfunden wurde. "Strange Desire", "Gutter Star", "Queer for a day" oder "The Girl Habit" oder ganz einfach "Little Gay Girls" und "Gay Reunion" lauten einige der Groschenromantitel, die ab den Fünfzigern in Amerika produziert wurden. Beflügelt von "Women’s Barracks" von Terreska Torrès entstand eine ganze Publikationsserie über die Vorlieben des sog. "dritten Geschlechts". In den Siebziger Jahren sollte die Frauenbewegung sich auch darauf replizieren: "Lesbische Liebe ist keine Frage sexueller Vorlieben, sondern eine politische Entscheidung, die jede Frau treffen muss, will sie als Frau akzeptiert werden und auf diese Weise die männliche Vorherrschaft beenden." In diesem Sinne: Nur Mut, Schwestern!
Über 300 Fotos in Schwarzweiß und Farbe, zu den zeitgenössischen Fotografen gehören Nobuyoshi Araki, Guido Argentini, Bruno Bisang, Bob Carlos Clarke, Ed Fox, Ren Hang, Petter Hegre, Richard Kern, Will Santillo und Kishin Shinoyama. Ein Werk für alle drei Geschlechter eben...