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Schrifttheorie
Eine ältere geisteswissenschaftliche Richtung hat die Frage nach der Verfassung menschlichen Geistes verfolgt und es eher in Kauf genommen als thematisiert, dass auf der medialen Ebene einschlägige Produktionen von sehr unterschiedlicher Art vorliegen. Wer sich etwa mit dem „Rechnen“ genannten Prozess beschäftigt, wird vielleicht über einen geistigen Prozess nachsinnen, der mit solchem „Rechnen“ gemeint sei. Aber es kann es auch jemand fragwürdig – einer Frage würdig – finden, ob eine Rechenoperation immer unter die gleiche Rubrik fällt, unerachtet dem Umstand, ob ein Rechenschieber, eine Kalkulation mit Abzählen von Fingern oder Steinen, ein Computer, ein Blatt Papier mit Bleistift im Spiel ist. Wird die Art dieser Fragestellung für die Notationsgeschichte bedacht, dann wird zum Thema, was die mediale Komponente, die jeder einzelnen Notation zukommt, bezüglich der Musik meint. Anders formuliert: verbleibt eine Übertragung einer Aufzeichnung aus der Musikgeschichte in heutige Standard-Notation im gleichen Feld – so, wie man annimmt, dass man unbeschadet einen in karolingischer Minuskel geschriebenen Text in heutigen Schriftgebrauch umsetzen kann –, oder wird hier eine bestimmte schriftliche Disposition in eine ganz andersartige transformiert?
Seit längerem ist werden Fragen der medialen Verkörperung von Gedanken, Ideen, Sätzen, Vorstellungen diskutiert. Auf den Seiten unter dem Titel „Schrifttheorie“ wird dazu keine ausführliche Berichterstattung geliefert. Mit Kürzestbeiträgen soll verdeutlicht werden, worum es geht und was als Grundlage einer auf Notationsgeschichte bezogenen Schriftgeschichte dienen kann.
Materialien:
Sybille Krämer: Das ‚Auge desDenkens‘. Visuelle Epistemologie am Beispiel der Diagrammatik (-> http://userpage.fu-berlin.de/~sybkram/media/downloads/Vorlesung_AugeDesDenkens/VL12%20-%20Peirce.pdf)
Eikones (Bildtheoretisches Projekt an der Uni Basel, begründet von Gottfried Boehm)