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Bessere B-Vitamin-Versorgung durch Milch und Milchprodukte?
Milch und Milchprodukte sind wichtige Quellen für Makro- und Mikronährstoffe und tragen u. a. auch zur einfachen ausreichenden Versorgung mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 bei. Diese sind Coenzyme bzw. Cofaktoren, die zahlreiche metabolische und zelluläre Funktionen vermitteln. Sie sind beispielsweise erforderlich für den Energiestoffwechsel und helfen bei der Umwandlung von Homocystein in Methionin: bei zu geringer Zufuhr ist ein erhöhter Homocysteinspiegel im Blut die Folge, was einen unabhängigen Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten und Schlaganfall darstellt, aber auch mit einer verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit einhergeht. Vitamin-B12-Mangel wiederum beeinträchtigt die Zellteilung und kann zu megaloblastischer Anämie und Neuropathie führen. Die Vitamin-B12-Versorgung ist insbesondere für Veganer:innen und ältere Erwachsene problematisch, für Erstere wegen des Verzichts auf die wichtigsten B12-Quellen und für Zweitere wegen der mit dem Alter abnehmenden Fähigkeit, diesen Nährstoff zu absorbieren, und weil die Einnahme bestimmter Medikamente die Absorption verringern kann. Folat bzw. Folinsäure wird insbesondere bei prämenopausalen Frauen im ersten Trimester der Schwangerschaft als kritischer Nährstoff eingestuft, da eine unzureichende Folsäurezufuhr mit einem erhöhten Risiko für die Geburt von Kindern mit Neuralrohrdefekten (NTD) einhergeht. Bei Schwangeren wird häufig eine unzureichende Folsäurezufuhr beobachtet.
Um den Zusammenhang zwischen der Gesamtaufnahme von Milch und Milchprodukten wie auch die differenzierte Aufnahme von Milch, Käse und Joghurt auf den Nährstoffstatus der Vitamine B6, B12 und Folsäure objektiv zu überprüfen, haben Wissenschaftler:innen in den USA deren Einfluss auf Basis einer national repräsentativen Stichprobe (das National Health and Nutrition Examination Survey 2001–2018 mit n = 72’831 Teilnehmenden) analysiert (1): Der durchschnittliche Konsum von Milch und Milchprodukten in «Cups» pro Tag betrug bei den Teilnehmenden im Alter von 2–8, 9–18, 19–50 und 51+ Jahren 2,21 bzw. 2,17 bzw. 1,83 und 1,51 Cups (Cup = Tassenäquivalent, wobei 1 Cup der Menge von 235 Millilitern entspricht). Es fand sich ein direkter Zusammenhang zwischen höherem Verzehr von Milchprodukten insgesamt, aber auch von einzelnen Milchprodukten (insbesondere von Milch und Joghurt) mit höheren Folat-Spiegeln (sowohl im Serum als auch in den roten Blutkörperchen) wie auch mit höheren Blutspiegeln von Vitamin B6 und Serum-B12. Gleichzeitig wurde nachgewiesen, dass mit reichlichem Konsum von Milch und Milchprodukten ein signifikant gemindertes Risiko für eine unzureichende Versorgung mit diesen Vitaminen oder mit einem manifesten Mangel assoziiert ist.
Die Wissenschaftler:innen schliessen aus ihren Ergebnissen, dass die Förderung des Milchkonsums eine wirksame Strategie zur Verbesserung des Mikronährstoffstatus sein kann und dass ihre Studie die aktuellen Ernährungsempfehlungen für Milch und Milcherzeugnisse untermauert.
Zucker in Getränken erhöht das Übergewichtsrisiko bei Kindern
Der vermehrte Konsum zuckerhaltiger Getränke ist als Übergewichtsrisiko etabliert. Eine chinesische Arbeitsgruppe hat kürzlich auch den Zusammenhang zwischen dem Konsum von zuckersüssen Getränken bzw. von Getränken mit zugesetztem Zucker und Übergewicht sowie Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen überprüft (1). Dazu hatten sie die Ess- und Trinkgewohnheiten von 1068 Kindern und 751 Jugendlichen aus der chinesischen Provinz Shandong analysiert. Im Ergebnis bestätige sich, dass ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit durch den Konsum von zuckerhaltigen Getränken bereits bei Kindern und Jugendlichen besteht. Das Risiko konnte direkt auf die Höhe des Zuckergehalts zurückgeführt werden: Bei einem Konsum von mehr als 25 Gramm täglich stieg die Wahrscheinlichkeit signifikant an. Die grosse Ausnahme bildeten Milch wie auch Milchgetränke mit zugesetztem Zucker: Obwohl Milch, Milchgetränke, Joghurt und Käse gleich viel Zucker pro 100 Milliliter oder zum Teil sogar mehr lieferten als die zuckergesüssten Getränke, fand sich durch den Konsum von Milch und Milchprodukten keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Übergewicht oder Fettleibigkeit.
Zudem wurden kürzlich Ergebnisse einer Studie von Wissenschaftler:innen der Harvard-Universität in Boston (USA) an 796 Kindern aus dem Grossraum Boston veröffentlicht (2). Dabei ging es allerdings nicht um den Zucker-, sondern um den Fettgehalt der konsumierten Milch. Im Ergebnis zeigte sich, dass frühkindlicher Konsum von fettreicherer Milch im Vergleich zu fettärmerer Milch mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für Übergewicht und Adipositas verbunden war. Auch war der frühkindliche Konsum von fettreicher Milch (im Vergleich zu fettarmer Milch) keinesfalls mit ungünstigen Entwicklungen bezüglich des Herz-Kreislauf-Risikos assoziiert.
- Yu L, Zhou H, Zheng F, et al. Sugar Is the Key Cause of Overweight/Obesity in Sugar-Sweetened Beverages (SSB). Front Nutr 2022
- McGovern C, Rifas-Shiman SL, Switkowski KM, et al. Association of cow's milk intake in early childhood with adiposity and cardiometabolic risk in early adolescence. Am J Clin Nutr 2022
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Milch und Joghurt assoziiert mit geringerem Leberkrebs-Risiko
Eine hochwertige epidemiologische Studie kommt auf Basis genetischer Daten zum Schluss, dass der Konsum von Milch und Joghurt vor Leberkrebs schützen kann (1).
Um den Ernährungseinfluss auf das hepatozelluläre Karzinom näher zu untersuchen, haben Wissenschaftler:innen aus China Daten der «BioBank Japan» herangezogen und mit Hilfe einer «Mendelschen Randomisierung» ausgewertet. Diese Methode bedient sich genetischer Marker, die mit bestimmten Ernährungs- oder Lebensgewohnheiten assoziiert sind. Bei dieser Methode minimiert sich die Wahrscheinlichkeit, dass entdeckte Zusammenhänge bzw. Ergebnisse nicht durch die untersuchten Variablen, sondern durch nicht erfasste Einflüsse (Confounder) zustande kommen. Somit werden ursächliche Zusammenhänge mit weit höherer Wahrscheinlichkeit identifiziert, als es herkömmliche Beobachtungsstudien können (2).
Die Wissenschaftler:innen untersuchten jene Polymorphismen von Einzelnukleotiden in der DNA, die mit vermehrtem Alkoholkonsum, Kaffee- und Teekonsum, Milch- und Joghurtkonsum assoziiert sind. Die Konsumdaten wurden mittels eines standardisierten Fragebogens erhoben. Für Kaffee, Tee (grüner Tee und anderer traditioneller Tee), Milch und Joghurt mussten die Teilnehmenden die Konsumhäufigkeit auf einer vierstufigen Skala (1: fast täglich; 2: 3-4 Tage pro Woche; 3: 1-2 Tage pro Woche; und 4: selten) dokumentieren.
Im Ergebnis zeigte sich einerseits, dass Alkoholkonsum, wie zu erwarten, mit einem signifikant erhöhten Leberkrebs-Risiko assoziiert war. Hingegen fand man für Kaffeekonsum eine 38% geminderte Wahrscheinlichkeit. Für Teekonsum war das Risiko sogar um 89% gesenkt. Und für Milch und Joghurt fand sich jeweils eine um 82% geminderte Wahrscheinlichkeit, an Leberkrebs erkrankt zu sein.
Die Forschenden führen für Milch und Joghurt mehrere Mechanismen an, die diesen schützenden Effekt biologisch plausibel erklären können:
- Milch und Milchprodukte enthalten Kalzium, das toxische sekundäre Gallensäuren und freie Fettsäuren bindet und damit deren krebserregende Wirkung hemmt.
- Lactoferrin hat aufgrund seiner Fähigkeit, DNA-Schäden zu reduzieren, eine antitumorale Eigenschaft und verbessert die Immunfunktion und hemmt die Entzündungsneigung.
- Milchprodukte und insbesondere Joghurt sind mit verschiedenen Darm-Bakterien assoziiert, die krebshemmendes Potenzial besitzen, wie beispielsweise Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus. Beide Milchsäurebakterien sind an der Herstellung von Joghurt beteiligt und können nachweislich die Karzinogenese hemmen und das Immunsystem stimulieren.
Zusammenfassend schliessen die Forschenden aus ihren Daten, dass u.a. ein höherer Konsum von Milch und Joghurt mit einem geringeren Leberkrebs-Risiko verbunden ist, wobei vor dem Hintergrund der verwendeten Methodik von einem ursächlichen präventiven Effekt ausgegangen werden kann.
- 1. Deng Y, Huang J, Wong MCS. Associations between six dietary habits and risk of hepatocellular carcinoma: A Mendelian randomization study. Hepatol Commun 2022
- 2. Katzmann JL, Ference BA, Laufs U. Prinzip der mendelschen Randomisierung und Anwendung in der kardiovaskulären Medizin. Der Kardiologe 2019
Auch Käse verstärkt den Muskelaufbau nach Krafttraining
Dass Krafttraining für Jung und Alt gesundheitlich bedeutend ist, erfährt immer mehr wissenschaftliche Anerkennung. Besonders um den Muskelerhalt im höheren Alter zu fördern, ist es unerlässlich. Ebenso ist Krafttraining wichtig für alle, die «Diät» halten, also kalorienreduziert essen, um Körperfett abzubauen. Hierbei lässt sich nur mit Krafttraining und gleichzeitig erhöhter Proteinzufuhr ein Muskelabbau minimieren oder vermeiden. Proteinkonzentrate werden oft mit der Botschaft angepriesen, dass sie zum Muskelaufbau den natürlichen Nahrungsmitteln überlegen seien.
Um diese These systematisch zu überprüfen, hat die Arbeitsgruppe um den weltbekannten Protein-Forscher Prof. Luc van Loon vom Department of Human Biology (NUTRIM, School of Nutrition and Translational Research in Metabolism) an der Universität von Maastricht (Niederlande) eine randomisierte Studie an 20 gesunden Männern im Alter von 18 bis 35 Jahren durchgeführt. Getestet wurde, wie sich 30 g Protein in Form von Milchprotein-Konzentrat oder Käse (Milner 30+ Jong, mit 18 g Fett und 29 g Protein pro 100 g) auf die postprandiale Plasma-Aminosäure-Konzentrationen wie auch auf die Muskelprotein-Syntheseraten, sowohl in Ruhe als auch in der Erholungsphase vom Training, auswirkt. Die Kraftübungen bestanden aus 12 Sätzen mit Beinpresse und Beinstrecker.
Nach dem Konsum von Käse wie auch des Milchproteinkonzentrats kam es zu einem signifikanten Anstieg der zirkulierenden Aminosäurekonzentrationen. Dabei fiel nach Käse der frühe postprandiale Anstieg verglichen zum Milchprotein-Konzentrat schwächer aus, dafür wirkte er aber nachhaltiger. Entsprechend stiegen die Muskelprotein-Syntheseraten nach beiden Produkten vergleichbar an. Zudem wurde nachgewiesen, dass die Muskelprotein-Synthese grösser ausfiel, wurde vor der Proteinzufuhr trainiert. Und, dass sich die postprandialen Muskelprotein-Syntheseraten weder in Ruhe noch während der Erholungsphase zwischen Käse und Milchproteinkonzentrat unterschieden. Aus den Ergebnissen folgt, dass proteindichte, weitgehend naturbelassene Vollwert-Nahrungsmittel, wie ein gereifter Käse, ebenso effektiv zum Muskelmasse-Aufbau in Ruhe und während der Erholung vom Sport eingesetzt werden können wie Proteinkonzentrate.
Globale Mammut-Studie: Zu wenig Milch erhöht das Darmkrebs-Risiko
Weltweit nimmt Darmkrebs für beide Geschlechter dramatisch zu und ist inzwischen die dritthäufigste Ursache aller Krebs-Todesfälle. Er ist auch die zweithäufigste Ursache für behinderungsbereinigte Lebensjahre (DALY), d. h. durch gesundheitliche Probleme verlorene Lebensjahre.
Die Global Burden of Diseases, Injuries and Risk Factors Study (GBD) hat kürzlich, unterstützt von der WHO und gefördert von der Bill & Melinda Gates Foundation, die aktuellen Daten zu Inzidenz, Sterblichkeit und DALY getrennt nach Alter, Geschlecht und geografischer Lage präsentiert:1 Die Analyse bezog 87 Risikofaktoren für Darmkrebs ein. Für 10 von ihnen wurde ein statistisch signifikanter Bezug zu den Todesfällen und DALY durch Darmkrebs nachgewiesen: Alkoholkonsum, Ernährung mit hohem Anteil an rotem Fleisch, kalziumarme Ernährung, ballaststoffarme Ernährung, «milcharme» Ernährung, hoher Body-Mass-Index, hohe Nüchternglukose, geringe körperliche Aktivität und Rauchen.
In der Rangordnung der Risikofaktoren stand an erster Stelle die «milcharme» Ernährung mit 15,6%, gefolgt von Rauchen mit 13,3% und an dritter Stelle eine kalziumarme Ernährung mit 12,9%. Dagegen lag der, in der Ernährungslehre am häufigsten benannte, Risikofaktor «Ballaststoffzufuhr» mit 1,8% an letzter Stelle. Diese globale Auswertung unterstreicht die Datenlage aus Langzeitbeobachtungs-Studien (Kohortenstudien), die eine konsistente Risikominderung für Darmkrebs bei hohem Verzehr von Milch und Milchprodukten ausweist.2
- 1. GBD 2019 Colorectal Cancer Collaborators. Global, regional, and national burden of colorectal cancer and its risk factors, 1990-2019: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2019. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2022
- 2. Barrubés L, Babio N, Becerra-Tomás N, et al.: Association Between Dairy Product Consumption and Colorectal Cancer Risk in Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis of Epidemiologic Studies. Adv Nutr. 2019
Der Beitrag der Milch zur Welternährung
Angesichts des prognostizierten Anstiegs der Weltbevölkerung, des gegenwärtigen Ausmasses an Unter- und Überernährung sowie der unausgewogenen Lebensmittelverteilung in der Welt ist es eine grosse Herausforderung, eine globale Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit zu erreichen. Eine wichtige Rolle dabei spielen nährstoffdichte Lebensmittel – also solche mit einem hohen Verhältnis von essenziellen Nährstoffen zum Energiegehalt. Sie sind bedeutend für die Prävention von ernährungsabhängigen Krankheiten und den daraus resultierenden Gesundheitskosten.
Wissenschaftler:innen aus dem Riddet Institute an der Massey University und dem Fonterra Research and Development Centre (beide in Palmerston North, Neuseeland) haben kürzlich auf Basis der Daten der Food and Agriculture Organization (FAO) den globalen Beitrag der Milch zur Verfügbarkeit von 29 relevanten Nährstoffen berechnet. Zudem haben sie die Positionierung der Milch hinsichtlich des Bereitstellens und der Dichte dieser Nährstoffe im Vergleich mit insgesamt 98 bei der FAO gelisteten Lebensmitteln dokumentiert.
Die Ergebnisse weisen für 23 Nährstoffe der Milch einen besonders hohen Versorgungsbeitrag aus, allen voran für Kalzium, Protein und die essenziellen Aminosäuren, für Phosphor und Kalium, für mehrere Vitamine sowie für Nahrungsfett.
Global an erster Stelle in der Rangordnung steht Milch für Kalzium, Vitamin B2 und Lysin. An zweiter Stelle steht sie für Kalium, Phosphor, Vitamin B5 (Pantothensäure), Vitamin B12, Leucin und Threonin. Und an dritter Stelle für Gesamt-Protein, Vitamin A, Zink, Cystein, Histidin, Methionin und Tryptophan.
Die essenziellen Nährstoffe der Milch zeichnen sich durch die hohe Bioverfügbarkeit aus. Sie bleiben während des gesamten Lebens unverzichtbar. Gleichzeitig liefert der Milchkonsum nur 7 % der verfügbaren Nahrungskalorien.
Fazit: Wegen ihrer hohen Nährstoffdichte muss der Beitrag der Milch zur globalen Ernährung als besonders wertvoll eingeschätzt werden.
Milch, Joghurt und Käse gegen Stürze und Knochenbrüche bei Senior:innen?
Eine aktuelle, gut kontrollierte Studie bestätigt eindrucksvoll, wie präventiv vermehrter Konsum von Milch und Milchprodukten wirkt: Wissenschaftler:innen der Universitäten von Melbourne und Sydney (Australien) überprüften, ob und inwieweit mit der empfohlenen Zufuhr von 1300 mg Kalzium pro Tag und 1,1 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag das Risiko von Stürzen bei Senior:innen verringert werden könne. Dazu rekrutierten sie im Grossraum Melbourne und in der Region Victoria (Australien) an 60 stationären Altenpflegeeinrichtungen insgesamt 7195 ältere Erwachsene, die zwar reichlich mit Vitamin D versorgt waren, aber in Bezug auf die Protein- und Kalziumzufuhr unter den empfohlenen Werten lagen.
Davon wurden 30 Einrichtungen zufällig ausgewählt, deren Bewohner:innen mit zusätzlich Milch, Joghurt und Käse so versorgt wurden, dass ihre Kalzium- und Proteinzufuhr den Empfehlungen entsprach. So kamen sie durchschnittlich auf 1142 Milligramm Kalzium pro Tag und 69 Gramm Protein pro Tag (1,1 g Protein/kg Körpergewicht). Die 30 Kontrolleinrichtungen behielten ihre üblichen Tagesrationen bei und kamen damit auf durchschnittlich 700 Milligramm Kalzium pro Tag sowie 58 Gramm Protein pro Tag (0,9 g/kg Körpergewicht).
Nach einer durchschnittlichen Interventionsdauer von 13 Monaten ergaben sich eine um 11% signifikant geminderte Sturzwahrscheinlichkeit und in Folge ein um 33% gesenktes Risiko für Frakturen. Die typischen Hüftfrakturen waren um 46% zurückgegangen. Statistisch sicherbare präventive Effekte fand man bereits nach 3 Monaten bezüglich Stürzen und nach 5 Monaten für Hüftfrakturen. Auf die Sterblichkeit fand sich kein Einfluss.
Die Autor:innen kamen zum Schluss, dass eine bessere Kalzium- und Proteinzufuhr mittels vermehrtem Konsum von Milchprodukten eine einfache Massnahme ist, die das Risiko für die so häufig vorkommenden Stürze und Frakturen bei Bewohner:innen von Altenheimen deutlich mindern kann.
Konsum von Milch und Milchprodukten senkt das Endometriose-Risiko
Endometriose ist eine gutartige, aber oft schmerzhafte chronische entzündliche Erkrankung von Frauen, bei der sich Gewebe, das dem der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, an Eierstöcken, Eileiter, Darm oder Bauchfell ansiedelt. Selten können solche Endometrioseherde auch ausserhalb des Bauchraums zu finden sein, etwa in der Lunge. Typische Symptome sind starke Menstruationsschmerzen, jedoch können die Schmerzen auch zyklusunabhängig auftreten. Schliesslich können Endometrioseherde metastasieren und bleibende Schäden an Organen verursachen. Etwa 4 bis 12 % aller Frauen erkranken zwischen der Pubertät und den Wechseljahren daran – die Endometriose ist damit die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung.
Obwohl die Ursachen für diese Erkrankung noch unzureichend erforscht sind, stehen Einflüsse aus Umwelt und Lebensstil im Verdacht, die Entstehung zu triggern bzw. zu hemmen. Um den Einfluss des Konsums von Milch und Milchprodukten auf das Risiko für Endometriose zu klären, haben Wissenschaftler:innen an der Jining Medical University in Zaozhuang (China) die Datenlage aus epidemiologischen Studien überprüft. Nach strengen Ein- und Ausschlusskriterien fanden sie 7 Studien mit genügend hoher Qualität, die sie in eine Meta-Analyse einschlossen.
Ergebnis: Beim höchsten Konsum fand sich, verglichen mit dem geringsten Konsum, ein um 17 % signifikant niedrigeres Risiko, an Endometriose zu erkranken. Im Prinzip zeichnete sich eine inverse Dosis-Wirkungs-Beziehung mit dem Endometriose-Risiko ab: Mit steigendem Konsum sank das Risiko fast linear, und ab 21 Portionen pro Woche erreichte die Risikosenkung nahezu statistische Signifikanz. Die Risikominderung erklärte sich primär über den Konsum fettreicher Milchprodukte: Bei mehr als 18 Portionen pro Woche sank das Risiko signifikant um 14 %. Bei Differenzierung nach Produktarten fand sich für hohen Käsekonsum ein signifikant geringeres Risiko, während für Vollmilch und fettreduzierte Milch, Joghurt und Eiscreme die Risikominderung keine statistische Signifikanz erreichte.
Die Wissenschaftler:innen schliessen aus ihren Analysen, dass der Konsum von Milchprodukten mit einer Verringerung des Endometrioserisikos einhergeht, wenn der durchschnittliche tägliche Konsum mindestens 3 Portionen beträgt.
Milch und Milchprodukte schützen vor Darmkrebs
Zahlreiche Langzeitbeobachtungsstudien haben in der Vergangenheit ausgewiesen, dass der Konsum von Milch und Milchprodukten das Risiko für Darmkrebs signifikant senkt (1). So hat der jüngste Bericht des World Cancer Research Fund (WCRF) und des American Institute of Cancer Research (AICR) im Jahr 2020 dargestellt, dass der Milch- und Milchproduktekonsum mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Schutz vor dem Kolorektalkarzinom (KRK) beitragen kann (2). Aber erst wenige Studien haben bislang die Beziehung zwischen Milch- und Milchproduktekonsum einerseits und kolorektalen Adenomen und serratierten Läsionen, die als Vorstufen von Darmkrebs gelten, andererseits untersucht. Deshalb hat kürzlich eine Gruppe chinesischer Gastroenterologen eine Meta-Analyse der zu dieser Fragestellung vorliegenden Studien durchgeführt (3).
Insgesamt schloss die Analyse 12 Studien ein: 3 Kohortenstudien und 9 Fall-Kontroll-Studien. Im Ergebnis ergab sich für den höchsten im Vergleich zum niedrigsten Konsum von Milch und Milchprodukten ein signifikant gesenktes Risiko für kolorektale Adenome und serratierte Läsionen (relatives Risiko [RR] = 0,80; 95 % CI: 0,68–0,96). Während es für den Konsum von Vollmilch oder fettarmer Milch keinen Zusammenhang gab, liess sich für alle fermentierten Milchprodukte zusammengenommen (RR = 0,97; 95 % CI: 0,96–0,99), wie auch für Joghurt (RR = 0,93; 95 % CI: 0,87–0,99) und auch für Käse (RR = 0,96; 95 % CI: 0,93–0,99) bei höchstem im Vergleich zum geringsten Konsum eine signifikante Minderung des Risikos für kolorektale Adenome und serratierte Läsionen nachweisen. Dosis-Wirkungs-Analysen ergaben einen linearen Zusammenhang für den Gesamtmilch- und -joghurtkonsum: Das Risiko verringerte sich pro Mehrkonsum von Milch und Milchprodukten um 200 g/Tag um 12 % (RR = 0,88; 95 % CI: 0,81–0,95) bzw. um 8 % pro Mehrkonsum von Joghurt um 50 g/Tag (RR = 0,92; 95 % CI: 0,85–0,99).
Die Wissenschaftler:innen kamen zum Schluss, dass insbesondere fermentierte Molkereiprodukte wie Joghurt und Käse signifikant mit einem geringeren Risiko für konventionelle und serratierte Vorstufen des kolorektalen Karzinoms einhergehen. Die Daten unterstreichen die Wahrscheinlichkeit, dass die Minderung des Darmkrebsrisikos ursächlich durch den Konsum von Milch und Milchprodukten bewirkt wird.
- 1. Barrubés L, Babio N, Becerra-Tomás N, et al. Association Between Dairy Product Consumption and Colorectal Cancer Risk in Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis of Epidemiologic Studies. Adv Nutr 2019
- 2. Clinton SK, Giovannucci EL, Hursting SD. The World Cancer Research Fund/American Institute for Cancer Research Third Expert Report on Diet, Nutrition, Physical Activity, and Cancer: Impact and Future Directions. J Nutr 2020
- 3. Guo LL, Li YT, Yao J, et al. Dairy Consumption and Risk of Conventional and Serrated Precursors of Colorectal Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies. J Oncol 2021
Biomarker zeigen: Mehr Milch und Milchprodukte – weniger Typ-2-Diabetes
Zahlreiche epidemiologische Studien haben gezeigt: Vermehrter Konsum von Milch und Milchprodukten senkt die Wahrscheinlichkeit, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Daten zum Ernährungsverhalten von Versuchspersonen basieren meist auf Interviews oder selbst ausgefüllten Fragebögen und Ernährungsprotokollen, die als fehleranfällig gelten und nur unzuverlässige Ergebnisse generieren. Genauer kann man den Konsum von Nahrungsmitteln dokumentieren, wenn es spezifische Biomarker im Blut oder Urin gibt, die man mit Krankheitsentwicklungen in Beziehung setzen kann.
Eine Wissenschaftsgruppe hat sich diese Methode zunutze gemacht und die Assoziation zwischen dem Konsum von Milch und Milchprodukten und dem Risiko für Typ-2-Diabetes erforscht. Die Population umfasste Teilnehmer*innen aus den Studien Prevención con Dieta Mediterránea (PREDIMED), Nurses' Health I und II wie auch aus dem Health Professionals Follow-Up.
Insgesamt gab es 38 Stoffwechselprodukte, die mit dem Konsum der verschiedenen Milchprodukte assoziiert waren. Davon waren drei Metabolite als Biomarker verwendbar und sowohl mit dem Gesamtkonsum wie auch mit dem spezifischen Konsum von Milch, Joghurt, Käse etc. assoziiert (C14:0 Sphingomyelin, C34:0 Phosphatidylethanolamin, γ-Butyrobetain). Relevante Risiko- und Einflussfaktoren wurden statistisch berücksichtigt und es fand sich ein signifikanter Zusammenhang: Je höher der Konsum von Milch und Milchprodukten, desto niedriger das Diabetes-Risiko, wobei der Effekt bei den spanischen Teilnehmenden etwas stärker ausfiel (Hazard-Ratio: 0,76; 95% KI: 0,63-0,90) als bei den US-Amerikaner*innen (HR: 0,88; 95% KI: 0,78-0,99).
Mit den neuen Daten wird deutlich, dass das geminderte Diabetes-Risiko bei vermehrtem Milchproduktekonsum mit hoher Wahrscheinlichkeit ursächlicher Natur ist. Die Forschenden führen verschiedene bioaktiv wirksame Verbindungen in Milchprodukten an, die für diese präventive Wirkung verantwortlich sein könnten, u. a. weil sie die Insulinsensitivität fördern, wie beispielsweise Kalzium, Milchsäurebakterien, Magnesium, Milchfettglobuline, Osteocalcin, Vitamin K2, Vitamin D, Molkenprotein und einige milchspezifische Fettsäuren. Die Wissenschaftler*innen weisen aber darauf hin, dass die genauen Wirkmechanismen noch erforscht werden müssen.
Langzeitstudie: Käse und Joghurt senken Hirngefässerkrankungen
Die französische "NutriNet-Santé"-Studie hat untersucht, wie der Konsum von Milch und Milchprodukten mit dem Risiko für Herzkreislauferkrankungen zusammenhängt. Insgesamt nahm man 104'805 französische Erwachsene (> 18 Jahre; mittleres Alter bei Studienbeginn 42,8 Jahre) in die Studie auf. Zu Beginn wurde die tägliche Nahrungsaufnahme anhand von 24-Stunden-Ernährungsaufzeichnungen erfasst. Nach 5,5 Jahren wurde die Gesamtzufuhr von Milchprodukten, Milch, Käse, Joghurt, fermentierten sowie fettreichen und fettreduzierten Milchprodukten mit der Inzidenz von Herzkreislauferkrankungen in Beziehung gesetzt.
Ende April 2021 wurden die Ergebnisse veröffentlicht: Insgesamt wurden 1952 Herzkreislauferkrankungen diagnostiziert, davon 1219 Fälle von koronarer Herzkrankheit und 878 Fälle mit Hirninfarkt. Man fand keinen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Milchprodukten und dem Gesamtrisiko für Herz- oder Hirninfarkt. Hingegen war der Konsum von mindestens 160 Gramm fermentierte Milchprodukte (z.B. Käse, Joghurt) pro Tag sogar signifikant mit einem reduzierten Risiko für Hirngefässerkrankungen assoziiert.
Diese grosse Langzeitbeobachtungsstudie lässt bei täglichem Konsum von Milchprodukten kein erhöhtes, sondern ein eher vermindertes Herz-Kreislauf-Risiko erkennen. Dabei schnitten vollfette Milch und fettreiche Milchprodukte gleich günstig ab wie die fettarmen Varianten.
Herzinfarktpatient*innen: Butter, Milch und Milchprodukte mit gutem Gewissen geniessen
Herzinfarktpatient*innen hören häufig die Empfehlung, möglichst auf Milch und Milchprodukte zu verzichten, weil diese gesättigte Fettsäuren und Cholesterin enthalten, oder nur die fettärmsten Varianten zu geniessen und Butter durch Margarine zu ersetzen.
Gute Nachrichten: Inzwischen ist durch zahlreiche Meta-Analysen geklärt, dass gesättigte Fettsäuren und Nahrungscholesterin für Gesunde kein Risiko für Herzinfarkt (oder auch Hirninfarkt) darstellen und dass Milch und Milchprodukte das Risiko nicht erhöhen. Zu dieser Fragestellung wurden bislang nur wenige Studien an Herzinfarktpatient*innen durchgeführt. Um das Erkenntnisdefizit weiter zu schliessen, haben Wissenschaftler*innen an der Universität von Wageningen (Niederlande) in einer Langzeitbeobachtungsstudie die Daten von 4365 holländischen Postinfarktpatient*innen im Alter von 60 bis 80 Jahren (21 % Frauen) aus der Alpha-Omega-Kohorte ausgewertet. Ihre Ernährungsdaten wurden zu Beginn der Studie (2002–2006) mit einem 203 Items umfassenden Food Frequency Questionnaire erhoben, und sie wurden bis Dezember 2018 hinsichtlich der ursachenspezifischen Mortalität beobachtet. Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, ischämische Herzerkrankung und Hirninfarkt wurde aus Cox-Modellen errechnet, die für Alter, Geschlecht, Energieaufnahme, körperliche Aktivität, Rauchen, Alkoholkonsum, Diabetes, Adipositas und Ernährungsfaktoren adjustiert wurden.
Ergebnisse: Während der Nachbeobachtungszeit von ca. 12 Jahren (48'473 Personenjahre) traten 2035 Todesfälle auf; davon waren 903 kardiovaskulär bedingt, 558 waren auf ischämische Herzerkrankung und 170 auf Schlaganfall zurückzuführen. Es gab keinen Zusammenhang zum gesamten Milch- und Milchproduktekonsum. Auch bei Differenzierung nach Frischmilch, fermentierten Milchprodukten, Käse und Butter fand sich kein Risiko auf die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Aber man fand mit steigendem Joghurtkonsum eine lineare, inverse Beziehung: Je mehr Joghurt konsumiert wurde, desto mehr nahm das Risiko für Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ab.
Täglich 2 bis 4 Portionen Milch und Milchprodukte: Brustkrebsrisiko um die Hälfte reduziert
In Spanien läuft eine Langzeitbeobachtungsstudie mit dem Namen "SUN-Projekt" (SUN: Seguimiento Universidad de Navarra), die von Wissenschaftlern der Universitäten von Navarra, Madrid und Valencia durchgeführt wird. Unter anderem überprüfen sie, wie die Ernährung verschiedene Erkrankungen beeinflusst. Ende Februar 2021 veröffentlichten sie eine Analyse zum Einfluss des Konsums von Milch und Milchprodukten auf das Brustkrebsrisiko. Dabei wurden die Ernährungsdaten von 10’930 Frauen einbezogen. Zu Milchprodukten zählten Rahm, Kondensmilch, Joghurt, Käse, Hüttenkäse, Frischkäse, Flan und Glace. Während 12 Jahren Beobachtungszeit wurden 119 Brustkrebsfälle identifiziert.
Nach statistischer Berücksichtigung vieler möglicher Einflussfaktoren fand sich eine U-förmige Risikobeziehung, wobei das niedrigste Risiko bei 2 bis 4 Portionen Milch oder Milchprodukten pro Tag beobachtet wurde. In diesem Bereich war das Brustkrebsrisiko um 51 % reduziert. Nach Differenzierung hinsichtlich prä- und postmenopausalem Brustkrebs fand sich für diese Konsummenge eine statistisch signifikante Senkung des Risikos um 58 bis 72 % für postmenopausalen Krebs. Bei prämenopausalem Brustkrebs war das Risiko zwar im Trend ebenfalls reduziert, aber nicht mehr statistisch signifikant. Ebenso verlor sich die statistische Signifikanz zu Brustkrebs, wenn 4 und mehr Portionen Milch und Milchprodukte pro Tag konsumiert wurden.
Mädchen und junge Frauen mit Problemzonen aufgepasst: Bessere Figur mit Milch und Milchprodukten!
Kanadische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Mädchen und junge Frauen durch eine einfache Ernährungsumstellung ihre Figur verbessern können. Dazu wurden 54 übergewichtige Teilnehmerinnen im mittleren Alter von 15 Jahren einem 12 Wochen dauernden strukturierten Trainings- und Ernährungsprogramm unterzogen. Das Sportprogramm bestand aus 3 Einheiten pro Woche – jeweils eine 60 bis 90 Minuten dauernde Mischung aus Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining.
Das Ernährungsprogramm hatte nicht eine Kalorienreduktion zum Ziel, sondern man testete den Einfluss von Milch und Milchprodukten auf die Körperzusammensetzung. Ein Teil der Teilnehmerinnen erhielt die Vorgabe, möglichst wenig Milch und Milchprodukte zu konsumieren – genau genommen höchstens zwei Portionen pro Tag. Eine zweite Gruppe sollte dagegen täglich vier Portionen Milch und/oder Milchprodukte zu sich nehmen.
Am Ende der 12 Wochen ergab sich zwar kein Unterschied im reinen Körpergewicht, aber sehr wohl in der Körperzusammensetzung: Im Mittel hatten die jungen Frauen mit reichlich Milch und Milchprodukten signifikant mehr Fett ab- und mehr fettfreie Körpermasse, d.h. vor allem Muskelmasse aufgebaut als die Teilnehmerinnen ohne oder mit nur geringem Milchkonsum.
Eine solche Veränderung der Körperzusammensetzung bedingt nicht nur eine "bessere" Figur, sie schützt besser vor weiterer Gewichtszunahme und fördert die Gesundheit.
Milchprodukte haben unterschiedliche Einflüsse auf die Stoffwechselgesundheit
Eine Arbeitsgruppe von Ernährungswissenschaftlern aus verschiedenen Instituten der Universität von Dublin (Irland) hat kürzlich eine umfassende Literaturanalyse zur Frage veröffentlicht, inwieweit Milch und Milchprodukte Einfluss auf unterschiedliche gesundheitlich relevante Stoffwechselparameter nehmen (1).
Ausgangspunkt der Analyse war die in vielen Ländern verbreitete Empfehlung, den Fettkonsum auf 30 Prozent der Energiezufuhr (E%) zu beschränken; und dies vor allem durch die Minderung von gesättigten Fettsäuren auf weniger als 10 E%. Diese seit Jahrzehnten unveränderte Empfehlung soll vor allem das Risiko für kardiometabolische Erkrankungen senken. Da Milchfett besonders reich an kurz-, mittel- und langkettigen gesättigten Fettsäuren ist, bedingt die Empfehlung immer auch, den Konsum von Milch und Milchprodukten generell einzuschränken und fettarme Varianten zu bevorzugen. Dabei wird aber die Datenlage aus der Epidemiologie ignoriert, die seit Langem ausweist, dass ein vermehrter Konsum von Milch und – auch vollfetten – Milchprodukten nicht mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko assoziiert ist, sondern zum Teil sogar mit einem signifikanten Schutzeffekt (2).
Die irischen Wissenschaftler folgern, dass eine reduktionistische Sichtweise irreführend ist: Menschen konsumieren nicht «gesättigte Fettsäuren», sondern Nahrungsmittel. In Milch und Milchprodukten sind die gesättigten Fettsäuren in eine komplexe, aus Dutzenden von Nährstoffen bestehende Matrix eingebunden. Überdies unterscheiden sich die vielen verschiedenen Milchprodukte in ihrer Struktur und den Inhaltsstoffen, was unterschiedliche biologische Antworten bedingt und damit auch unterschiedliche metabolische Effekte auslöst. Das bei Ernährungsempfehlungen gängige Zusammenfassen von Milch und Milchprodukten als einheitliche Nahrungsmittelgruppe verstellt somit die Sicht auf deren individuell sehr unterschiedlichen metabolischen Effekte.
Die Wissenschaftler fordern, dass zukünftig die unterschiedlichen metabolischen Effekte der verschiedenen Milchprodukte differenziert betrachtet und diskutiert werden müssen. Zudem müssen auch die Effekte einer unterschiedlichen Einbindung in die Nahrungsaufnahme berücksichtigt werden.
Milch und Milchprodukte erhöhen keinesfalls das Risiko für Hüftfrakturen
Oftmals wird behauptet, dass der Konsum von Milch und Milchprodukten die Knochengesundheit gefährde. Verwiesen wird dann meist auf eine schwedische Studie, die bei vermehrtem Konsum ein erhöhtes Hüftfraktur-Risiko festgestellt haben wollte. Um die Fragestellung zum Milchkonsum und dem Hüftfrakturrisiko zu klären, hat eine Arbeitsgruppe der Soochow University in Suzhou (China) die Datenlage zusammengefasst. Dazu wurden 14 Langzeitbeobachtungsstudien in einer Meta-Analyse zusammenfassend ausgewertet.
Ergebnisse: Beim höchsten Konsum von Joghurt ergab sich im Vergleich zum geringsten Konsum ein um 22 % gesenktes relatives Risiko für Hüftfrakturen. Für Milchkonsum fand sich bei den vier thematisch treffenden US-amerikanischen Studien ebenfalls ein signifikant um 25 % gesenktes Risiko bei höchstem versus niedrigstem Konsum. In den entsprechenden vier schwedischen Studien hingegen konnte kein Zusammenhang festgestellt werden. Insgesamt war der Käsekonsum zwar im Trend, aber nicht statistisch signifikant mit einem geminderten Risiko assoziiert. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass es keine Evidenz für ein erhöhtes Knochenbruchrisiko durch Konsum von Milch und Milchprodukten gibt und dass eher ein Schutzeffekt erwartet werden kann.
Vollmilchkonsum bremst das Fortschreiten der Herzgefässverkalkung
Eine US-amerikanische Langzeitbeobachtungsstudie an 5273 Teilnehmern mit unterschiedlichem ethnischem Hintergrund (Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis; MESA-Study) hat nach 12 Jahren Beobachtungszeit den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Vollmilch und dem Fortschreiten einer Herzgefässverkalkung überprüft. Dazu war der koronare Kalzium-Score nach Agatston bei den Probanden einmal bei Aufnahme in die Studie und ein zweites Mal am Ende der Beobachtungszeit ermittelt und der Vergleich gezogen worden. Bestimmt wurde der Agatston-Score mittels Multidetektor-Computertomografie (MDCT). Nach Adjustierung hinsichtlich zahlreicher möglicher Einflussfaktoren zeigte sich, dass das Risiko eines Fortschreitens der Gefässverkalkung bei regelmässigem Vollmilchkonsum signifikant gesenkt war (OR = 0,765; 95% KI 0,600–0,977; P = 0,032). Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Normalgewichtigen und bei Teilnehmenden unter 64 Jahre. Analysen zum möglichen Wirkmechanismus ergaben, dass der Konsum von Capronsäure, eine für das Milchfett typische, kurzkettige gesättigte Fettsäure, zu einem erheblichen Anteil den präventiven Effekt erklärt. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass gesättigte Fettsäuren und die entsprechenden Lebensmittel neu und differenziert eingeschätzt werden müssen.
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