Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03537.jsonl.gz/1561

Kirchgemeinde Beromünster
Zwei Pfarreien, aber nur eine Kirchgemeinde
Sowohl in den Urkunden von 1036, 1045 und 1173 wird die untere Kirche als erste Kirche aufgeführt. Sie war also schon damals eine Leut- oder Pfarrkirche, wenn dies auch nicht ausdrücklich gesagt ist. Aus der Matricula von 1326 (älteste bekanntes Statut, welche bis 1928 in Kraft waren) geht deutlich hervor, dass sie Seelsorgediente anbot, dort getauft und beerdigt wurde, auch die Hl. Sakramente wurden gespendet.
Nach der Matricula gehörte "die kirchliche Leitung der Seelen von Münster dem Propste, und von alters her sei die Seelsorge in der untern Kirche, welche die Tochter oder Magd der obern sei, zugunsten der obern Kirche, der Mutter oder Gebieterin, ausgeübt worden."
Diese Worte drücken das Abhängigkeitsverhältnis der untern von der oberen Kirche deutlich aus; sie stammen noch aus dem Zeitalter der Lebeigenschaft … Die Matricula bezeugt nur das Rechtsverhältnis, wie es zwischen Stifts- und Pfarrkirche bis 1798 tatsächlich bestanden hat. Die Stiftskirche war für die Chorherren und ihre Offizialen, die untere oder Leutkirche für die übrigen Gotteshausleute ... die weder zur weltlichen noch zur kirchlichen Administration etwas zu sagen hatten.
Die Stiftsstatuten von 1694 sprechen in Art. 59 §9 deutlich von zwei Pfarreien, die man als bis ins Mittelalter zurückreichende Personalpfarreien bezeichnen kann, die unter sich nicht abgegrenzt waren, sondern die Zugehörigkeit so bestimmten, dass die Chorherren, Kapläne und Beamten des Stifte samt ihren Familien … zur oberen Kirche gehörten, während das gesamte übrige Volk innerhalb des Sprengels der unteren zugeteilt blieb.
Erst 1849 mit dem Abgrenzungsakt von Bischof Joseph Anton Salzmann wurde "der "Hirschen" und alle Stiftshäuser oberhalb desselben in die Stiftspfarrei gehören, sie mögen von wem immer bewohnt sein."
Es gab also in Beromünster seit alters zwei Pfarreien, aber nur eine Kirchgemeinde. Dabei betrachtet der Staat St. Stephan als die eigentliche Pfarrkirche dieser Kirchgemeinde. … Ebenso hat nur St. Stephan einen Kirchenrat und den Kirchmeier zu wählen...
Aus "Die Geschichte der Pfarrei St. Stephan Beromünster" von Josef Wallimann-Huber, Helyas-Verlag 1959