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Toni Brun: Bündner Bergluft
MedaMion.
Bündner Bergluft. Memoiren des alten Toni Brun, Bergführer von Flims. Herausgegeben von Ingenieur W. Derichsweiler S.A.C. Verlag von F. Schuler, Chur 1917.
Seitdem ich in diesem Jahrbuche ( Band XLV, pag. 410-12 ) über die von f Dr. Andreas Fischer herausgegebenen „ Aufzeichnungen zweier Haslitaler " und insbesondere über die „ Alpenreisen 1850-1851 von Johann von Weißenfluh dem Jüngeren ( 1799-1885 ) " berichtet habe, ist mir kein gleichwertiges Schrifttum eines Führers zu Gesicht gekommen wie die oben genannten Memoiren des Anton Brun von Flims ( 1829-1915 ). Mit dem Berner teilt der Bündner Oberländer den Vorzug, daß er nicht auf den Führerberuf allein angewiesen war, sondern „ einem einfachen Hauswesen und gelegentlich auch einem Gemeindeamt gewissenhaft und nicht ohne Erfolg vorstand ". Und wenn der Flimser, der nach der Gemeindeschule eine Lehrzeit in Chur und einige Wanderjahre in Mailand, Genua und an der Riviera zugebracht hatte, den schlichten Gadmer,, der nie weit über sein enges und armes Heimattal hinausgekommen ist, an Schulung und Weltgewandtheit übertraf, so war anderseits der Rätoromane Brun „ im Schriftdeutschen nicht ganz firm ". Aber bodenständig und eigenwillig ist auch sein Stil und seine Erzählungskunst nicht gering zu taxieren, sei es, daß er uns von seinen Ringelspitzbesteigungen ( von 1865 an ) oder von „ Führers Freud' und Leid " berichtet oder verschiedene Touren, die er als Führer oder Tourist gemacht hat, erzählt; so Piz Fess ( 1882, mit Oberst P. Reinhart aus Winterthur ), Piz Mundaun ( 1882, mit dem nämlichen, Oberst Knnz von Winterthur und Baron v. Hatzfeld aus Wien; ergötzliche Schilderung des Familienfestes mit Frauen und Kindern, das sich diese „ Millionäre " nachher im Gasthaus Demont zu Villa leisteten ), Piz Beverin allein, Rundtour im Pontegliasgebiet mit Besteigung des Piz Tumbif, 9. bis 11. August 1882, allein. Im Jahre 1883 war er allein auf dem Bärenhorn, und mit Ingenieur Gelpke zur Triangulation auf dem Vorab, eine Besteigung, welche er noch mehrmals wiederholte, zuletzt am 13. August 1911 als 83jähriger! Als Führer oder mit Freunden und Klubgenossen — Brun war einer der Gründer der Sektion Piz Terri — bestieg Brun wohl alle Gipfel seines nähern und weitern Reviers. Genannt werden und sind von ihm mehr oder weniger ausführlich beschrieben: Weißhorn, Piz Segnes, Zwölfihorn, Laxerstöckli, Rheinwaldhorn ( mit Kreistöster Enderlin ), Piz Aul ( allein ), Piz Aela ( mit P. Koch und P. Mettier ), Piz Kesch ( mit Richard Coray ), Tinzenhorn ( mit P. Mettier ), Piz Uertsch ( allein ), Scesaplana ( mit Richard Coray und Buchli ), Piz Linard ( mit Coray ), Piz Morteratsch von der Tschiervahütte zur Bovalhütte ( 1904, mit Martin Feitscher ), Piz Languard, Piz Julier. Dazwischen wird unter der Rubrik Verschiedenes in verschiedenen Jahren von Streifzügen berichtet, die den unermüdlichen Fußgänger und Alleinwanderer in sämtliche Täler Graubündens und darüber hinaus ins Urnerland, Glarus, ins Sankt-Gallische, nach Appenzell und nach Vorarlberg führten. Den Säntis, Hohen Kasten und Kamor bestieg er zum letztenmal 1909. Manche dieser Reisen galten klubistischen Anlässen: so der Einweihung der Segnesklubhütte 1899, wobei auch die Sardonahütte besucht wurde; Im gleichen Jahre leiteten er und sein Schwiegersohn Pankraz Koch eine Sektionstour auf den Piz Terri, wobei ein neuer „ Kletterweg ' ' begangen oder beritten wurde, wie Brun munter erzählt. Überhaupt hat er viel Humor und das Führerauge für die Schwächen seiner Pflegebefohlenen, ohne Hochmut und mit voller Anerkennung der Leistungen eines Dr. Gröbli, über den er manches mir sonst nicht Bekannte mitteilt. Die Schilderungen Bruns sind auch topographisch und alpinhistorisch wertvoll und werden es noch mehr durch die sachkundigen Anmerkungen Derichsweilers, welcher sonst die Ausdrucksweise Bruns zu stilisieren sich wohl hütete. Anklänge an die Schriften des P. Placidus verrät, nicht nur im Titel, das Kapitel: Kurze Beschreibung der Bergpässe, die über die Tödikette führen und das Bündner Oberland mit den Kantonen Uri und Glarus verbinden. Hier war Brun als in Flims stationierter Führer besonders landeskundig. Als Führer hat er sicherlich gute Eigenschaften entwickelt, wenn er auch zu ganz großen Hochtouren keine Gelegenheit fand. So scheint ihm eine Berninabesteigung nie geglückt zu sein. Das lesenswerte Büchlein ist geschmückt mit Bildnissen von Brun selbst ( als Patriarch, Offizier und Bergsteiger ) und seinen Führerkollegen Conrad Joos und Martin Feitscher und Ansichten des Brunsteins, der Ringelspitze von Westen, der Signinagruppe von Südosten und der Segneshütte während der Einweihung.
Redaktion.