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Dies ist die Geschichte von June Spencer. Dem ältesten Menschen, den die BBC jemals unter Vertrag hatte. June wurde am 19. Juni 2022 103 Jahre alt. Jetzt hat sie ihren Job geschmissen. Nach über 70 Jahren. Nicht etwa, weil sie seit ihrem Platin-Jubiläum arbeitsmüde ist, sondern weil sie keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr sieht. Nicht für sich. Aber für Peggy Woolley.
Seit 1951 spielt June nämlich für das BBC-Radiohörspiel «The Archers» Peggy Woolley und sie hat so ihre Probleme damit, dass die aktuellen «Archers»-Drehbuchautoren alle noch nicht auf der Welt waren, als sie schon lange arbeitete. Es würde den jungen Leuten ganz schrecklich an Verständnis für die ganze Geschichte und die Entwicklung von Peggy fehlen.
«Dieser alte, als Peggy bekannte Ast ist schwach und unsicher geworden. Also habe ich ihn ordnungsgemäss gekappt», sagt sie und benutzt dabei das ländliche bis landwirtschaftliche Vokabular, das für die «The Archers» so wichtig ist. Ursprünglich war die Radio-Soap, die sich bald der 20'000. Folge nähert, nämlich ein Weiterbildungsprogramm für Bauern nach dem Zweiten Weltkrieg.
June war 31, als sie zur fünf Jahre jüngeren Londonerin Peggy wurde, die aufs Land zieht, dort den Alkoholiker Jack heiratet, der nach wenigen Jahren bis zu seinem Tod in der Rehab verschwindet, weshalb Peggy den gemeinsamen Pub alleine weiterführen muss und allmählich zu einer wohlhabenden Matriarchin wird. Ursprünglich hatte die Tochter eines Biscuit-Vertreters aus Nottingham eine Theaterkarriere im Sinn gehabt, doch dann zerstritt sie sich mit einem Theatermanager, wurde zuerst Telefonistin und danach Sprecherin bei der BBC.
In «The Archers» folgte auf Peggys ersten Ehemann namens Jack ein zweiter, der ebenfalls Jack hiess, an Alzheimer erkrankte und ebenfalls starb. Jacks Krankheitsgeschichte war die Verarbeitung von Junes eigener Leidensgeschichte: Ihr erster und einziger Gatte aus dem richtigen Leben war nämlich schwer an Alzheimer erkrankt. Die beiden hatten sich 1939 auf der Party zu Junes 21. Geburtstag ineinander verliebt, kurz darauf wurde er nach Burma und Indien geschickt, drei Jahre später kehrte er zurück und sie heirateten. Die sensible Nachzeichnung seiner Krankheit in der Soap machte June zu einer Alzheimerbotschafterin.
Wie jede zeitgemässe Soap bemühte sich auch «The Archers» um aktuelle Themen. Also um den Tod von Prinzessin Margaret, die Maul- und Klauenseuche, organische Landwirtschaft, die FIFA, Terroranschläge, Backwettbewerbe und so weiter. Den Konservativen war das alles zu linksliberal.
Der heftigste Kritiker des Hörspiels wurde allerdings dessen Erfinder Godfrey Baseley, der 1993 im «Independent» zum Thema Homosexualität sagte: «Es ist ekelhaft ... Es ist geschmacklos, weil Schwulsein so ein Minderheiteninteresse ist. Landbewohner tun so etwas nicht. Sie haben Sex auf die richtige Art und Weise.» June Spencers Kommentar zu Baseley lautete: «Niemand von uns hat ihn gemocht.»
Die 103-Jährige besitzt ein Haus in Surrey und eins auf Menorca, bis vor acht Jahren fuhr sie noch täglich ins Aufnahmestudio, seither kam ein Aufnahmewagen zu ihr. Am 31. Juli sprach sie zum letzten Mal die Peggy, die inzwischen Urgrossmutter ist. Jetzt will June endlich ihren Ruhestand geniessen.
Zu ihren grössten Fans gehört übrigens Herzogin Camilla. So sehr diese mit einer anderen Lady mit Nachnamen Spencer, nämlich Diana, ihre Probleme hatte – June Spencer ist für sie «ein wahres nationales Kulturgut, das zu meinem Leben und dem von Millionen anderer Menschen gehört, solange ich denken kann».
Weil «It's October 3rd» aber bei Weitem nicht das einzig bekannte Zitat von «Mean Girls» ist, müssen wir zuerst eines regeln: