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EM mit Medaillenlosen und Medaillengaranten
An den am Samstag beginnenden Curling-Europameisterschaften in Tallinn gehören die Schweizer Teams aus Genf um Skip Peter De Cruz und aus Aarau um Skip Silvana Tirinzoni zu den Medaillenanwärtern.
Müsste man einzig nach der Erfahrung eine Prognose stellen, würde man auf eine sichere Medaille für die Genfer tippen und darauf, dass die Aarauerinnen mit leeren Händen zurückreisen werden.
Silvana Tirinzoni, die 39-jährige Zürcherin, hat als Skip drei Weltmeisterschaften sowie je einmal Olympische Spiele und Europameisterschaften bestritten, ohne jemals unter die ersten drei gekommen zu sein. An der letztjährigen EM in St. Gallen trumpfte sie in der Vorrunde mit 7:2 Siegen auf, bevor sie sowohl den Halbfinal als auch - gegen Aussenseiter Italien - das Spiel um Bronze verlor. Der darauffolgende Wettkampf an den Winterspielen in Pyeongchang missriet. Mit 4:5 Siegen scheiterte das Team als Siebenter der Vorrunde.
Auf diese Saison ist anstelle von Manuela Siegrist eine Spielerin ins Team gekommen, die weiss, wie man Medaillen holt. Die sogar weiss, wie man auf höchster Ebene Gold gewinnt: Alina Pätz. Die 28-jährige Urdorferin gewann 2015 in Sapporo als Skip des Teams Baden Regio den WM-Titel. Sie gilt als technisch ausgezeichnete Curlerin und insbesondere als nervenstark. Im Team des CC Aarau spielt sie als Nummer 4, während Skip Tirinzoni auf die dritte Position ausgewichen ist.
An dem erstmals in Estland stattfindenden EM-Turnier wird die Konkurrenz der Schweizerinnen stark sein, aber nicht stärker als üblich. Hinter den Olympiasiegerinnen aus Schweden (Anna Hasselborg) und den letztjährigen Europameisterinnen aus Schottland (Eve Muirhead) stellt die Schweiz auf den Papier die drittbeste Formation. In der von Hasselborg angeführten Team-Weltrangliste liegt Tirinzoni als Sechste sogar recht deutlich vor Muirhead (13.). Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die für die Weltrangliste massgebenden Ergebnisse an den freien Turnieren der World Tour nicht viel bedeuten, sobald es um einen internationalen Titel geht.
De Cruz bald besser als Jürg Tanner?
Im Unterschied zu Silvana Tirinzoni ist Peter De Cruz noch nie ohne Medaille von Grossanlässen zurückgekehrt. Ein Titel fehlt noch, aber drei EM- und zwei WM-Medaillen sowie Bronze von den Olympischen Spielen bedeuten nach sechs Starts an grossen Meisterschaften eine hundertprozentige Ausbeute. Mit der siebten Medaille würden Valentin Tanner, Peter De Cruz, Sven Michel und Benoît Schwarz den Rekord brechen, den das Team Lausanne Riviera in den Achtzigerjahren für das Schweizer Curling aufgestellt hatte. Die legendäre Crew von Skip Jürg Tanner blieb seinerzeit beim siebten Start erstmals ohne Medaille.
Schweden mit Skip Niklas Edin ist der hohe Favorit in der Männerkonkurrenz. Der Curler aus Karlstad gewann die letzten vier EM-Turniere am Stück, womit er einen Rekord aufstellte. Letzten April errang er in Las Vegas seinen dritten WM-Titel. Hinter den Schweden sind die Schweizer sowie die mit jungen, aber starken Teams antretenden Schotten (Bruce Mouat) und Norweger (Steffen Walstad) untereinander ähnlich stark einzuschätzen.
Im Genfer Team trat der Zürcher Claudio Pätz nach den Winterspielen aus beruflichen Gründen zurück. De Cruz konnte die Vakanz auf der gleichen Position, der dritten, mit dem Engagement des erfahrenen Sven Michel füllen. Der langjährige Adelbodner Skip ist seit 2013 der bislang letzte Europameister aus der Schweiz.