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Im Folgenden sind alle mediävistischen Lehrveranstaltungen aufgelistet, die im Frühlingssemester 2018 an der Universität Zürich angeboten werden. Die Veranstaltungen sind in fünf Rubriken eingeteilt:
Vorlesungen
Silke Petra Bergjan (Theologie)
Antikes Christentum
Di 16:15-18:00
Maria del Carmen Cardelle Gonzalez (Mittellatein)
Lateinische Literatur: Frühmittelalter
Mi 10:15-12:00
Die Vorlesung behandelt das beginnende Frühmittelalter, vom 6. bis zur Mitte des 8. Jh.s., als sich nach der Auflösung des Römischen Reiches im Westen neue, vorerst instabile Reiche konstituierten. Der Verlust der politischen Einheit und die häufigen Kriege bedeuteten auch einen Rückgang in den Bildungsmöglichkeiten und erschwerten die Zirkulation von Texten. Inhaltlich ist die Literatur der Zeit vom Christentum, aber auch vom häufigen Bestreben, Wissen zu sammeln, geprägt. In der Romania zwang das Auseinanderdriften von gesprochener und Schriftsprache die Autoren zu unterschiedlichen Formen der Anpassung. Die Verbreitung des Christentums zu neuen Völkern bedeutete auch, dass nun Latein auch außerhalb der Romania als Literatursprache verwendet wurde. In der Vorlesung werden einige Autoren und Texte behandelt, die die mittelalterliche Kultur tief geprägt haben: Boethius, Cassiodor, die Regula Benedicti, Gregor der Große, Isidor von Sevilla; ferner Autoren wie Columban, Aldhelm und Hugeburg, die uns einen Einblick in die ‚neuen Gebiete’ der lateinischen Literatur gewähren.
David Ganz (Kunstgeschichte)
Kunst der Karolingerzeit
Do 14:00-15:45
Martin-Dietrich Glessgen (Romanistik)
Analyses philologique et linguistique de textes galloromans anciens
Mo 14:00-15:45
Ce cours magistral prolonge les cours d'introduction à l'ancien français et à l'ancien occitan. Il présentera un certain nombre de textes médiévaux significatifs, appartenant à différents genres textuels et en proposera une analyse philologique et une lecture linguistique pour permettre une meilleure familiarisation avec les langues galloromanes anciennes. Une telle lecture est utile autant pour les études de littérature médiévale que pour celles de l'histoire de la langue. Nous étudierons dans ce cadre également les aspects de la philologie informatique, incontournable dans la recherche actuelle notamment sur le français médiéval (les dictionnaires et éditions électroniques et les outils d'interrogation des textes).
Carola Jäggi (Kunstgeschichte, Mittelalterarchäologie)
Der Alpenraum in der Spätantike und im Frühmittelalter. Kunsthistor. und archäologische Aspekte
Do 16:15-18:00
Die Vorlesung, die sich sowohl an MittelalterarchäologInnen als auch an KunsthistorikerInnen, MediävistInnen und HistorikerInnen richtet, widmet sich dem Alpenraum in seiner Rolle als wichtiger Transitraum zwischen Norden und Süden. Sie fragt nach den kulturellen Akteuren, die hier in der Spätantike und im Frühmittelalter gewirkt haben, und wird in diesem Zusammenhang ihren Blick auf die römischen Städte und ihr Fortleben richten, ferner auf weltliche Herren und geistliche Zentren wie Klöster und Bischofssitze. Ausgehend von Mailand als überragendes politisches und kirchliches Zentrum werden sowohl Orte in der Schweiz (Genf, Chur, St-Maurice, Müstair, Zillis etc.) als auch solche in Österreich (Hemmaberg, Teurnia etc.) und Italien (Aosta) vorgestellt und auf dieser Basis nach Verbindendem und Trennendem gefragt.
Johannes Kabatek (Romanistik)
Fenómenos de gramaticalización en las lenguas iberorrománicas
Mi 16:15-18:00
Se llama gramaticalización el proceso a través del cual elementos del léxico se vuelven elementos de la gramática o elementos de la gramática se vuelven "aún más gramaticales". Bajo ese denominador común, se han analizado en las lenguas iberorrománicas procesos como la evolución de las formas verbales, el artículo, la creación de los adverbios en -mente así como otros, menos "prototípicos". En este curso partiremos de algunas nociones teóricas fundamentales, analizaremos algunos de los casos clásicos y trataremos además algunos fenómenos que han despertado el interés de los investigadores recientemente.
Christian Kiening (Germanistik)
Literatur an der Schwelle zur Neuzeit
Di 10:15-12:00, ab 27.2.
Die Vorlesung behandelt Hauptbeispiele aus der Literatur des 15. und frühen 16. Jahrhunderts, die mit thematischen, formalen oder medialen Neuerungen operieren. Sie eignet sich damit auch, um einen generellen Einblick in die Epoche zu erlangen.
Peter Opitz (Theologie)
Grundkurs Reformationsgeschichte
Mo 10:15-12:00
Der Grundkurs bildet zusammen mit der Vorlesung "Das Christentum der Neuzeit" das Modul KG 2 und kann vor oder nach dieser besucht werden. Der zeitliche Schwerpunkt des Grundkurses liegt im Zeitalter der Reformation bzw. der Frühen Neuzeit (ca. 1500-1648). Behandelt werden die lutherische und die reformierte Reformation in ihren unterschiedlichen Ausprägungen in Theologie, Frömmigkeit und Sozialgestalt und in den politischen und kulturellen Zusammenhängen ihrer Zeit, aber auch das Täufertum und die katholische Reform im Umfeld des Trienter Konzils.
Lena Rohrbach (Nordistik)
Skandinavistische Mediävistik
Fr 09:00-09:45
Diese Vorlesung führt ein in zentrale Themen und Fragestellungen der skandinavistischen Mediävistik. In einem Rundgang durch die wichtigsten Medien und Gattungen der altnordischen Kulturgeschichte werden wir uns auch dem kulturhistorische Kontext und den materiellen Bedingungen der Dicht- und Schreibkunst im vormodernen Norden zuwenden. Der Fokus wird dabei auf der westnordischen (isländischen und norwegischen) Überlieferung liegen; in Seitenblicken werden wir aber auch Entwicklungen in Schweden und Dänemark mit in dem Blick nehmen.
Ludwig Rübekeil (Vergleichende germanische Philologien)
Ringvorlesung Historische Linguistik
Di 16:15-18:00
Die Vorlesung wendet sich an fortgeschrittene Studierende; sie vermittelt einen Überblick über die wichtigsten Teildisziplinen der historischen Linguistik und vertieft das Grundlagenwissen zur historischen Betrachtung von Sprache. Dabei wird die diachrone Perspektive der Sprachwissenschaft ebenso thematisiert wie die synchrone Querschnittsperspektive durch historische Sprachstufen; zur Sprache kommen sowohl grammatische wie auch aussergrammatische Fragestellungen (Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik, Pragmatik, Methodik und Methodologie usw.). Die Themen setzen sich aus dem Lehr- und Forschungsspektrum verschiedener Institute zusammen (Allgemeine Sprachwissenschaft, Anglistik, Germanistik, Indogermanistik, Klassische Philologie, Romanistik und Slavistik), wobei einzelne Fachvertreter sowohl den Forschungsstand als auch eigene Forschungsergebnisse präsentieren. Die Vorlesung bietet damit auch eine gute Möglichkeit, die mit Historischer Linguistik befassten Fächer und Fachvertreter der Universität Zürich kennen zu lernen. Literatur: Lyle Campbell: Historical Linguistics. An Introduction. Cambridge 2004.
Paul Meinrad Strässle (Geschichte)
Konstantinopel - Weltstadt und Kulturzentrum des Mittelalters
Mo 14:00-15:45
Diachrone und synchrone Betrachtung der Stadtgeschichte von der Entstehung und Entwicklung Byzantions in der Antike, bes. aber seit 324 bis 1453. Historisch-geographische und geostrategische Bedingungen und Stadtanlage. Konstantinopel als politisches, militärisches, kommunikatives, wirtschaftliches, soziales und kulturelles Reichs- und Weltzentrum.
Simon Teuscher (Geschichte)
Geschichte des Mittelalters: Europa im Spätmittelalter
Do 10:15-12:00
Epidemien, Krisen und Verfolgungswellen kennzeichnen das Spätmittelalter ebenso wie die Anfänge von städtischer Wirtschaft, Staatlichkeit und europäischen Weltherrschaftsambitionen. Die Vorlesung verfolgt Kontroversen über die Deutung Europas und seiner Stellung in einer "global history" am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Sie behandelt neben politischen Ereignissen ausgewählte Themen der Sozial- und Kulturgeschichte: die Ausbreitung marktorientierter Wirtschaftsformen, Netzwerke von Fernhändlern und Kriegsunternehmern, die Entstehung früher Administrations- und Herrschaftskulturen, die Konsequenzen neuer Medien und den Wandel von Konzeptionen der Armut, der Familie und des Geschlechts. Berücksichtigt werden gerade auch die Ränder Europas (z. B. Skandinavien und Mittelmeerraum) und ihre Interaktionen mit anderen Weltregionen.
Andreas Thier (Rechtsgeschichte)
Rechtsgeschichte
Mi 10:15-12:00
In der Vorlesung sollen Recht und Rechtswissen einzelner historischer Epochen aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Dabei richtet sich der Blick nach einer kurzen Einführung in die Eigenheiten der Zeit zunächst auf die zeitspezifischen Typen rechtlicher Normativität, anschliessend wird nach den für die je behandelte Epoche prägenden Entwicklungen des Rechtswissens gefragt. Im nächsten Schritt wird die Bedeutung von Rechtswissen für die Bildung von Verbänden und Institutionen ins Blickfeld genommen, bevor dann die Steuerungsmechanismen und Steuerungswirkungen rechtlicher Normativität untersucht werden. Die Vorlesung setzt nach einer kurzen Einführung ein mit der Betrachtung des frühen und hohen Mittelalters, wendet sich dann dem Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit zu, um schliesslich die Moderne zum Thema zu machen. Quellenauszüge sollen die Inhalte der Veranstaltung konkreter und anschaulicher machen.
Andreas Thier (Rechtsgeschichte)
Wirtschaftsrechtsgeschichte
Di 14:00-15:45
Die Veranstaltung wird die Entwicklung der Wirtschaftsverfassung, von Märkten und Marktmechanismen sowie die Organisation der Marktteilnehmer betrachten. Besonderes Gewicht hat dabei die Frage nach der Verflechtung mit dem historischen Wandel politischer Herrschaft, der gesellschaftlichen Ordnung und den kulturellen Rahmenbedingungen. Die Veranstaltung wird diese Phänomene jeweils im Zusammenhang von Mittelalter, früher Neuzeit und Moderne untersuchen. Einzelthemen sind dabei etwa die Entwicklung von Zünften und Gilden in der mittelalterlichen Stadt, die Entstehung von Fernhandelsgesellschaften und der Verlauf von Spekulationsblasen in der frühen Neuzeit, die Entstehungsbedingungen des Handelsrechts, die historischen Grundlagen des Aktienrechts und die Ausformung des Kartellrechts.
Andreas Thier (Rechtsgeschichte)
Staatskirchen- und Kirchenrecht
Mo 10:15-12:00
Die Vorlesung setzt ein mit einer Einführung zu den Grundproblemen des Kirchenrechts. In einem zweiten Schritt wendet sich die Betrachtung kirchlichen und kirchenrechtlichen Selbstbeschreibungen der beiden grossen christlichen Konfessionen zu. Im dritten Schritt werden vor diesem Hintergrund zunächst staatskirchenrechtliche Grundstrukturen betrachtet, um dann in einem vierten Abschnitt staatskirchenrechtliche Organisationsmodelle der schweizerischen Kantone zu untersuchen. Auf dieser Grundlage werden in einem letzten Vorlesungsblock aktuelle staatskirchenrechtliche Problemfelder (etwa Kirchensteuer, Rechtsschutzfragen, Personal) detailliert analysiert.
Richard Trachsler (Romanistik)
Introduction à la littérature française du Moyen Age
Mi 12:15-13:45
Ce cours d’introduction veut présenter le contexte culturel du Moyen Age et illustrer les moments les plus importants de la tradition littéraire. Il fera connaître les différentes formes poétiques pratiquées dans la France médiévale et initiera à la lecture de quelques textes représentatifs, dont on commentera des passages du point de vue littéraire.
Richard Trachsler (Romanistik)
Les romans de la Table Ronde français. Du vers à la prose et retour
Mi 10:15-12:00
Traditionnellement, les romans arthuriens en vers sont considérés comme un genre à part et étudiés séparément des romans arthuriens en prose, la plupart du temps, à la lumière des œuvres de Chrétien de Troyes. Dans ce cours, on tentera de faire le contraire: à une époque où le roman arthurien en prose s’impose comme le genre dominant, les romans en vers sont l’exception et accusent alors forcément l’influence, thématique, mais aussi sur le plan de la composition, des écrits en prose. Nous étudierons donc les deux traditions de front, celle des romans en vers et celle des romans en prose, pour pouvoir mieux apprécier quelques oeuvres octosyllabiques tardives comme Escanor, Claris et Laris ou Méliador.
Claudia Zey (Geschichte)
Geschichte des Mittelalters: Europa im 13. Jahrhundert - Kreuzzüge II
Mi 10:15-12:00
Ausdehnung und Zerfall des staufischen Imperiums im römisch-deutschen Reich und im gesamten Italien, das spannungsreiche englisch-französische Verhältnis, die Formierung der neuen Königreiche an den Rändern des christlichen Europa, die Bedeutung der italienischen Stadtstaaten für das wirtschaftspolitische Leben, die Eroberung Konstantinopels durch Kreuzfahrer und das Scheitern der Kreuzzugsbewegung in Ägypten, die Entstehung der Bettelorden, die kriegerischen und kulturellen Kontakte des Abendlandes mit den Mongolen sowie die päpstlichen Konzilien als Kulminationspunkte gesamteuropäischer Kommunikation sind herausragende Beispiele für politische und geistesgeschichtliche Umwälzungen im 13. Jahrhundert, die nur durch ihre Einordnung in den gesamteuropäischen Zusammenhang verständlich werden. In der Vorlesung werden diese Entwicklungslinien verfolgt.
Seminare
Maria del Carmen Cardelle Gonzalez (Mittellatein)
Endzeitvorstellungen
Di 14:00-15:45
Mittelalterliche Menschen haben das Weltende erwartet, zwar nur selten als unmittelbar bevorstehendes, aber doch meistens als baldiges Ereignis. Im Seminar lesen wir die wichtigsten Texte, die das Weltende darstellen: verstreute biblische Aussagen, das Buch der Offenbarung, die so genannte Tiburtinische Sibylle und die nützliche Übersicht im Traktat De ortu et tempore Antichristi des Abtes Adso von Montier-en-Der. Wir machen uns außerdem mit deren Rezeption in verschiedenen Textsorten (Exegese, Drama und Parodie) vertraut. Anhand dieser Texte lässt sich nachvollziehen, welche Vorzeichen man erwartete und wie man sich die Zeit vor dem Weltende und dem Jüngsten Gericht vorstellte.
Enzo Franchini Letsch (Romanistik)
El "Poema de Santa Oria" de Gonzalo de Berceo
Mo 14:00-15:45
Por medio de la lectura ejemplar del Poema de Santa Oria de Gonzalo de Berceo, el primer poeta español de nombre conocido, que vivió en la primera mitad del siglo XIII en la Rioja Alta, trataremos de familiarizarnos con diversos aspectos de la poesía clerical de la Edad Media. Esto se refiere tanto a la misma comprensión del texto como también a un conocimiento de base de los problemas filológicos y literarios que plantea esta obra a los hispanomedievalistas. Nuestro instrumento de trabajo será la conocida edición crítica de Isabel Uría: Gonzalo de Berceo, Poema de Santa Oria, edición de Isabel Uría, Madrid, Castalia, 2015 (Clásicos Castalia 107). Se espera de los/las estudiantes que presenten una ponencia (con handout) y participen activamente en el curso. La lengua del proseminario será el español.
David Ganz (Kunstgeschichte)
Italienische Malerei des Trecento (BA)
Mo 14:00-15:45
David Ganz (Kunstgeschichte)
Die Kunst des Psalters. Bild und Gebet im Früh- und Hochmittelalter
Di 10:15-12:00
Martin-Dietrich Glessgen (Romanistik)
La variation en français médiéval (grapho-phonétique, morphologie, lexique)
Di 10:15-12:00
Ce séminaire donne suite aux cours d'outils d'édition de textes médiévaux et de lexicographie historique et prend appui sur la base de données des "Documents linguistiques galloromans", élaborée à Zurich. Le séminaire présentera d'abord les choix et problématiques philologiques qui sont présents dans ce corpus de référence pour l'ancienne langue. Ensuite, nous étudierons plus en détail le potentiel d'un tel corpus un vue d'analyses scriptologiques et lexicologiques. Nous allierons la méthodologie traditionnelle (mais néanmoins très avancée) en phonétique historique, en morphologie et dans la description des lexèmes médiévaux à la méthodologie informatique (permettant des relevés quantifiables).
Carola Jäggi (Kunstgeschichte und Mittelalterarchäologie)
Transitwege im Mittelalter
Mi 14:00-15:45
Bereits vor der "Erfindung" der Globalisierung waren die Menschen unterwegs - und zwar durchaus über weite Distanzen. Die jeweilige Motivation, seine Heimat zu verlassen, war dabei durchaus unterschiedlich: Es gab Pilger, die zu heiligen Orten reisten, um dort Heil und Heilung zu finden, es gab Händler, die aus ökonomischen Gründen lange Strecken auf sich nahmen, es gab Vertriebene, die zur Migration gezwungen waren, Soldaten, die im Zuge von Truppenbewegungen in fremde Länder gelangten, und schliessich gab es Abenteurer, die in der weiten Welt ihr Glück suchten. Das Seminar widmet sich einer breiten Palette von Aspekten des Unterwegsseins, stets allerdings in Rückbindung auf materielle Befunde, die - wo vorhanden - mit den Schriftquellen in Dialog treten sollen. Mit dieser interdisziplinären Fragestellung richtet sich das Seminar an Studierende der Mittelalterarchäologie, der Kunstgeschichte, der Mediävistik und der Geschichte. Je nach spezifischer Interessenlage der Seminarteilnehmenden werden folgende Themen zur Auswahl stehen: Mittelalterliche Karten und Portolane; Begehung der Alpenpässe (S. Bernardino, Gotthard etc.); Orte und Dinge in Pilgerberichten; Graffiti von reisenden Adligen und Pilgern; die Seidenstrasse; die römischen Konsularstrassen im Mittelalter; byzantinische Häfen in Konstantinopel; Flüsse als Wege; Hospize und Gasthäuser.
Hildegard Elisabeth Keller (Germanistik)
Brunngasse 8. Literaturgeschichte und Film
Mo 14:00-18:00, alle 2-3 Wochen, 26.2. bis 7.5.
In den letzten Jahrzehnten wurden immer wieder mittelalterliche Wandmalereien in der Zürcher Altstadt entdeckt. Die Brunngasse 8 zählt zu den spannendsten Fundorten: die Wandmalereien im Treppenhaus und in einer der Wohnungen zeigen u.a. Tanz- und Jagdszenen aus dem höfischen Kontext, die für die Literatur-, Kunst- und Sozialgeschichte neue Erkenntnisse bringen. Die Wandmalereien wurden von einer reichen jüdischen Familie in Auftrag gegeben und geben Einblick in die Koexistenz von Juden und Christen im spätmittelalterlichen Zürich. Das Haus bietet Stoff für Geschichten, wie sie vielleicht nur Studierende der Mediävistik/Literaturwissenschaften erzählen können. Gemeinsam machen wir die Probe aufs Exempel in diesem Transmedia-Projekt.
Christian Kiening (Germanistik)
Literarische Kalendarien
Mi 10:15-12:00, ab 28.2.
Kalendarische Texte gibt es seit der Antike und das ganze Mittelalter hindurch. Sie erfahren aber im 15. und 16. Jahrhundert, nicht zuletzt im Gefolge des Buchdrucks, eine enorme Vermehrung und literarische Pointierung. Es entstehen spannungsvolle Mischungen aus heils- und zeitgeschichtlichen, astronomischen und lebensweltlichen Dimensionen, wobei der Drang, die Zukunft berechnen zu wollen, auch satirische Entwürfe auf den Plan ruft. Behandelt wird im Seminar eine repräsentative Auswahl von Texten aus der Zeit zwischen ca. 1420 und 1570. Die Texte werden auf Olat zur Verfügung gestellt.
Susanne Köbele (Germanistik)
Wolfram von Eschenbach, Parzival
Mi 14:00-15:45, ab 28.2.
In Wolframs 'Parzival' wimmelt es geradezu von vorbildlichen, aber auch dubiosen Liebespaaren. Man fragt sich, wie all diese exzentrischen, tod- und gewaltbesetzten, glücklichen und unglücklichen Liebesgeschichten aufeinander bezogen werden können. Unabsehbar vielfältig ist, wovon im 'Parzival' erzählt wird: vom Schmerz des Erwachsenwerdens, von Liebe und Tod, vom Rätsel des Grals, von Rittertum und Gewalt, von der Krise der ritterlichen Identität, von Erlösung, und, nicht zuletzt, vom Romanschreiben selbst. Im Seminar suchen wir gemeinsam einen Zugang zu Wolframs vielschichtigem Roman.
Susanne Köbele (Germanistik)
Ketzer und Heilige. Mystik im Zwielicht
Do 14:00-15:45, ab 1.3.
Eine bemerkenswerte Mystikerin des 13. Jahrhunderts, Mechthild von Magdeburg, erzählt vom Liebesspiel zwischen der Seele und Christus: den nim ich minstú sele in den arm min und isse und trinke in und tun mit im, swas ich wil. Das könne den Engeln nie geschehen: "Was kümmert's mich, was die Engel fühlen?" Erzählt wird diese überraschende Liebesgeschichte zwischen Seele und Gott ausserhalb des dogmatischen Diskurses, nicht gegen ihn. Um solche Spielräume der mystischen Literatur soll es im Seminar gehen. Sind es Freiräume gegenüber der theologisch-dogmatischen Diskussion? Wenn ja, welche? Der Zusammenhang von Orthodoxie, Heterodoxie und Poesie wird die Leitfrage des Seminars sein. Im Zentrum stehen mystische Texte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit: u.a. Mechthilds von Magdeburg 'Fließendes Licht der Gottheit', Predigten Meister Eckharts, Den 'Spiegel der einfachen Seelen' von Margareta Porete und 'Heilige Seelen-Lust oder Geistliche Hirten-Lieder der in ihren Jesum verliebten Psyche' des Angelus Silesius (1657).
Max Lieberman (Geschichte)
Ehre und Pragmatik im Mittelalter (BA)
Mi 12:15-13:45
Ehrenvolles und pragmatisches Handeln kann als gegensätzlich verstanden werden. Geht es darum, das Gesicht zu wahren, treten oft Eigenschaften wie Flexibilität oder Besonnenheit in den Hintergrund. Handlungen wiederum, welche auf gewisse Vorteile ausgerichtet sind, werden nicht selten als unehrenhaft angesehen (dies gilt insbesondere für Vorteile materiell-finanzieller oder strategischer Art). Findet sich dieser Gegensatz auch in Quellen aus dem Mittelalter? Was genau galt wem als ehrenhaft, was nicht? Und: War Ehre ausschliesslich Sache adliger Männer? Wie stand es um die Ehre von Frauen, Söldnern, Stadtbürgern, Kaufleuten oder Bauern? Im Mittelpunkt stehen erzählende und normative Quellen aus dem hohen und späteren Mittelalter. Ein Ziel des Seminars ist auch der Vergleich Festlandeuropas und Englands mit keltischen und skandinavischen Gebieten, besonders Wales und Island.
Paolo Ostinelli, Stefan Sonderegger (Geschichte)
Schriftlichkeit nördlich und südlich der Alpen im Vergleich (BA)
Fr 14:00-15:45
Schon im frühen Mittelalter wurde Schrift von Klöstern, Adligen, städtischen Institutionen und Kaufleuten für die Administration eingesetzt. Mit der Zunahme der Schriftlichkeit im späten Mittelalter prägte das Verwaltungsschriftgut zunehmend das rechtliche, wirtschaftliche und religiöse Leben: Schreiben, rechnen und kontrollieren wurde zur Alltäglichkeit in der Gesellschaft. Doch wer schrieb und über wen wurde geschrieben? Für welche Zwecke nutzte man die Schriftlichkeit? In welchen Bereichen bediente man sich lieber der Mündlichkeit? Diesen und anderen Fragen zur Bedeutung und Entwicklung der Schriftlichkeit wird im Seminar anhand von edierten und unedierten Archivquellen nachgegangen. Im Seminar arbeiten wir mit Dokumenten aus der Süd- und Ostschweiz. Urkunden, Gerichtsprotokolle, Supplikationen, Zins-, Rechnungs- und Lehenbücher sowie weiteres Verwaltungsschriftgut werden gemeinsam gelesen und interpretiert. Die Arbeit an den Quellen ermöglicht auch Vergleiche zur unterschiedlichen Entwicklung der Verwaltungsschriftlichkeit dies- und jenseits der Alpen. Paläologische Kenntnisse werden für die Teilnahme am Seminar nicht vorausgesetzt.
Andreas Nievergelt (Nordistik)
Einführung in das Altsächsische
Mo 14:00-15:45
Das Altsächsische gehört zu den kleineren altgermanischen Korpussprachen, neben wenigen kleineren Texten ist der "Heliand" das wichtigste und umfangreichste Textzeugnis. Die altsächsische Sprache zeigt einerseits deutliche Übereinstimmungen mit dem gleichzeitig überlieferten Althochdeutschen sowie dem Altniederfränkischen, unterscheidet sich von beiden aber auch in wichtigen Punkten; ähnliches gilt für das Verhältnis zu den nordseegermanischen Sprachen Altenglisch und Altfriesisch. Die Stellung des Altsächsischen zwischen Nordseegermanisch und Kontinentalgermanisch bildet deshalb den Hintergrund jeder Beschäftigung mit der altsächsischen Sprache. Das Seminar vermittelt die grammatischen Grundstrukturen sowohl in ihrer synchronen Systematik als auch in ihrer diachronen Entwicklung. Darüber hinaus üben wir anhand einfacher und mittelschwerer Ausschnitte des "Heliand" Übersetzung und Analyseverfahren sowie den Umgang mit den dazu benötigten wissenschaftlichen Hilfsmitteln. Vorausgesetzt wird der abgeschlossene sprachgeschichtliche Teil des Einführungskurses (bzw. Basismodul 2 LING Einführung in die diachrone Sprachwissenschaft) oder vergleichbares sprachgeschichtliches Grundlagenwissen. Literatur: James E. Cathy, Heliand. Text and Commentary. Morgantown 2002 (Anschaffungsempfehlung). - Johan Hendrik Gallée, Altsächsische Grammatik. 3. A. Tübingen 1993.
Lena Rohrbach (Nordistik)
Begegnungen mit dem Anderen. Konstruktionen des Fremden in der altnordischen Literatur
Mi 10:15-12:00
In diesem Seminar werden wir Konstruktionen des Anderen und Fremden in der altnordischen Literatur mit aktuellen Theorien zu kulturellen Differenzierungen in Beziehung setzen. Wir werden uns dabei mit Schilderungen fremder Kulturen (etwa den skraelingar, Finnen oder den blámenn) ebenso beschäftigen wie mit Begegnungen mit dem Übernatürlichen in christlichem und heidnischem Kontext. Auch die Konstruktion der nichtmenschlichen Umwelt (etwa der Tierwelt, des Hochlands und der rauhen See) wird Gegenstand unserer Untersuchungen sein. Wir werden die narrativen Rahmungen solcher Begegnungen mit dem Anderen analysieren und danach fragen, welche Funktionen sie innerhalb der verschiedenen Gattungen der altnordischen Literatur erfüllen.
Das Seminar ist für Studierende der Universitäten Zürich und Basel geöffnet und findet nach Absprache zu Semesteranfang wechselnd an beiden Standorten statt.
Carla Rossi (Romanistik)
Lingua e cultura italiana nell'Inghilterra rinascimentale
Mo 14:00-15:45
Il seminario intende indagare e mettere in luce l'influsso della lingua e della letteratura italiana in Inghilterra nel corso del Rinascimento. Si affronteranno diversi aspetti della questione, concentrandosi sia sulla presenza a Londra di un’importante comunità di esuli "religionis causa", ossia di riformati ed ‘eretici’ italiani. Una fonte per comprendere questo genere di presenza culturale italiana è rappresentata dai sermoni e dalle prediche religiose, nonché dalla traduzione in italiano di testi quali il Catechismo di Ponet, sia sulla fortuna inglese di autori centrali del Rinascimento italiano, come Machiavelli (di cui, negli anni ’80 del Cinquecento, sono pubblicate in Inghilterra, in lingua italiana, tutte le opere).
Ludwig Rübekeil (Vergleichende germanische Philologien)
Sprachgeschichte der Völkerwanderungszeit
Mi 14:00-15:45
Die Völkerwanderungszeit (4.-6. Jahrhundert nach Christus) war für Europa auf allen Ebenen eine Zeit besonders tiefgreifender Umwälzungen. Das betrifft soziale und politische Ordnungen ebenso wie kulturelle Ausdrucksformen und die sprachliche Gliederung des Kontinents. Im Fokus der Lehrveranstaltung steht die sprachgeschichtliche Situation Westeuropas während dieser Zeit, wobei den germanischen Sprachen besondere Aufmerksamkeit gilt und die zeitliche Begrenzung gegenüber der traditionellen Chronologie etwas weiter gefasst werden soll. Wir beschäftigen uns dementsprechend mit konkreten Sprachüberlieferungen und -korpora der "Völkerwanderungszeit"; wir versuchen eine Sprachgeographie der ausgehenden Antike und des beginnenden Mittelalters und beschäftigen uns mit den Aussagen lateinischer und griechischer Autoren über "barbarische" Sprachen und Ethnien. Alle Interessierten müssen vor Semesterbeginn folgenden Artikel genau gelesen haben: Heinrich Beck, Die germanischen Sprachen der Völkerwanderungszeit. In: Werner Besch, Anne Betten, Oskar Reichmann & Stefan Sonderegger, Sprachgeschichte, 1. Teilband (HSK 2.1), S. 979-993. Einführung und Vorbereitung in den historischen Teil: Walter Pohl: Die Völkerwanderung. Stuttgart 2005. - Klaus Rosen: Die Völkerwanderung. München 2009.
Luigina Rubini Messerli (Germanistik)
Buchdruck und Literatur (15.- 16. Jahrhundert)
Fr 14:00-15:45
Johann Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, eine Geheimkunst, die er und die "Zunft" lange nicht preisgeben wollten, wird u.a. als eine Summe von verschiedenen, zusammenhängenden Erfindungen und Maßnahmen beschrieben. Die potentiell unbegrenzte Wiederholbarkeit und Vervielfältigung durch den Buchdruck führten allmählich zu einem tiefgreifenden Umbruch in der Medienlandschaft so wie im ökonomischen und soziokulturellen Gefüge. In Verbindung mit der Reformation bildete sich mit Hilfe des Buchdrucks in der Vormoderne eine Protoform der öffentlichen Meinung heraus. Das lawinenartige Anschwellen der Bücherproduktion beseitigte dennoch nicht die alten (mündlichen, skriptographischen, visuellen) Medien, sondern bewirkte ihre Umstrukturierung und neue Gewichtungen. Die Buchproduktion bis 1500 löst sich allmählich vom Vorbild der handschriftlichen Kultur in inhaltlicher, materieller und medialer Hinsicht. Am Anfang allerdings ahmten die gedruckten Bücher im äußeren Erscheinungsbild und in ihrer Aufbereitung den mittelalterlichen Codex nach. Rund die Hälfte aller Wiegendrucke waren keine Erstausgaben, sondern "Nachdrucke" von Handschriften, so dass es paradoxerweise nicht zu einer Erweiterung sondern zu einer Verringerung des Angebots an Titeln kam. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden neue erzählende Werke gedruckt und damit neue Käuferschichten erschlossen. Im Seminar wollen wir dieses diachrone Phänom themenartig fokussieren: Druckzentren (Augsburg, Straßburg, Basel u.a.), Akteure (Verleger, Drucker, Autoren, Korrektoren, Buchführer, Buchhändler usw.), Medien auch in ihren Übergangsformen (Buchtypen, Hybride bzw. halbfertige Drucke mit Zeichen der Handschriftenkultur, die illustrierte Druckprosa, neue Wort-Bild-Verknüpfungen, Flugblätter und -schriften mit einem ersten Höhepunkt ihrer Produktion in der Reformationszeit und den Jahren der Bauernkriege 1520-1525, die Sprache, die standardisiert wird und sich literarisch herausbildet, das Problem der Verfestigung der Texte) sowie Autorkonzept und Marktmechanismen (Anonymisierung der Leserschaft) sollen ins rechte Licht gerückt und diskutiert werden.
Mireille Schnyder (Germanistik)
Lesen im Mittelalter
Do 10:15-12:00
Das Seminar fragt nach Lesekonzepten in der religiösen und weltlichen Literatur des Mittelalters. Dabei geht es genauso um den performativen Akt des Lesens wie die kulturelle Geste. Neben sozial- und geschlechtergeschichtlichen Aspekten werden vor allem Fragen einer Geschichte der Imagination und Fiktionalität sowie Fragen nach Wissens- und Wahrnehmungskonzeptionen in den Blick genommen. Diskutiert werden ausgewählte Stellen aus geistlicher und weltlicher Literatur, in denen Lektüreerleben und Lektürevollzug dargestellt und reflektiert sind sowie theoretische Überlegungen zum Akt des Lesens aus dem geistlichen Bereich.
Sebastian Scholz (Geschichte)
Geschichte des Mittelalters: Papsttum, Gesellschaft und Politik im 8. und 9. Jahrhundert
Do 16:15-18:00
Die Beziehung zwischen den Päpsten und dem Frankenreich im 8. und 9. Jahrhundert hat in der Forschung überaus grosses Interesse gefunden. Im Seminar sollen wichtige Etappen dieser Beziehung untersucht werden. Daneben soll aber auch die Wirkung päpstlicher Erlasse auf das Leben im Frankenreich sowie die Wahrnehmung des jeweils anderen in den Blick genommen werden.
Gerald Schwedler (Geschichte)
Europa in der Zeit der Salier (BA)
Mi 14:00-15:45
Das 11. Jahrhundert war von einer vielschichtigen gesellschaftlichen Dynamik geprägt, die ganz Europa ergriff. Einerseits waren es Veränderungen, die sich aus militärisch-politischen Verschiebungen ergaben. So verweist die Bezeichnung als "normannisches Jahrhundert" auf die normannischen Landnahmen in Frankreich, England und Sizilien, doch auch im Reich unter den Saliern kam es zu territorialen Umgestaltungen und auf der Iberischen Halbinsel zur Eroberung Toledos durch Alfons VI. Von durchaus grösserer Bedeutung waren indes strukturelle Veränderungen, die im 11. Jahrhundert die soziale und kulturelle Entwicklung Europas prägten. Umbrüche im Bereich des Glaubens (neue Orden breiten sich aus, Umstrukturierung des lat. Christentums) und der überkommenen Wissensstrukturen und Kommunikationsweisen (Ausbreiten der hohen Schulen, Beginn der Scholastik) führen zu tiefgreifenden Veränderungen. Im Mittelpunkt des Kurses steht die politische, soziale und auch wirtschaftliche Veränderung Europas im 11. Jahrhundert.
Martina Stercken (Geschichte)
Politische Ordnung im Spätmittelalter. Erscheinungsformen – methodische Zugänge
Do 16:15-18:00
In Zeiten politischer Fragilität und der Brüchigkeit von Gesellschaften wird das Thema 'Ordnung' zum Leitbegriff. Auch die Geschichtswissenschaft hat die Frage nach Konzepten, Machbarkeit, Grenzen und Massstäben gesellschaftlicher Ordnung seit einiger Zeit in den Vordergrund gerückt. Dies zeichnet sich in besonderer Weise ab, wenn Praktiken in der Geschichte untersucht werden, in denen Ordnungsvorstellungen gesellschaftliche Distinktion begründen, wenn zeitspezifische Ordnungsentwürfe analysiert werden oder wenn nach bedrohten Ordnungen, nach Szenarien und Wahrnehmungen von Zerfallsprozessen gefragt wird. Ausgehend von spätmittelalterlichen Verhältnissen und ihrer Erforschung gibt das Seminar Einblick in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Ordnungsgefügen.
Simon Teuscher (Geschichte)
Geschichte des Mittelalters: Mediengeschichte des Archivs
Di 14:00-15:45
Archive vermitteln zwischen der Geschichtsforschung und der Vergangenheit und spielen eine oft zu wenig problematisierte Rolle bei der Entstehung von Geschichtsbildern. Das Seminar setzt sich mit aktuellen Forschungsdebatten auseinander, welche die medialen Vermittlungsfunktionen von Archiven mediengeschichtlich problematisieren. Sie fragen jenseits der herkömmlichen Quellenkritik, wie nebst Einzeldokumenten ganze Überlieferungszusammenhänge Vergangenes gleichzeitig zugänglich machen und formatieren. Wir schauen bis in die Zeit zurück, in der aus Ablagen in Schatztruhen und Sakristeien die ersten Archive entstanden. Wir untersuchen, wie sich Praktiken der Aufbewahrung, der Umordnung, Katalogisierung, Befragung, aber auch der systematischen Kassierung und Vernichtung von Dokumenten veränderten und welche Spuren diese Prozesse in heutigen Archiven (und in Geschichtsschreibung) hinterliess. Gleichzeitig beschäftigen wir uns kritisch mit neuen, digitalen Such- und Schrifterkennungstechniken. Diese werfen die Frage auf, ob die Zukunft Forschungsprojekten gehört, die sich statt auf einzelne Quellen auf ganze Überlieferungsbestände und Archive ausrichten. Mit Exkursion, irgendwo in alte Verliese.
Simon Teuscher (Geschichte)
Transnationale Akteure in der Alten Eidgenossenschaft (BA)
Di 10:15-12:00
Die Schweiz war nie eine Insel. Herkömmliche Darstellungen ihrer Geschichte beschreiben die Alte Eidgenossenschaft oft wie ein Pflänzchen, das aus einem Kern in der Innerschweiz herausgewachsen und durch die Beitritte neuer Orte gross geworden ist. Dies verdeckt die entscheidende Rolle von politischen Verflechtungen mit benachbarten Monarchien und ihrer Koppelung mit privaten Geschäften, vor allem im Söldnerhandel. Im Seminar fragen wir, wie die Geschichte der Entstehung der Schweiz aus einer transnationalen Perspektive neu geschrieben werden könnte. Als Schlüsselfiguren von Verflechtungsgeschichten gehen wir einzelnen Akteuren wie Jörg Werdenberg, den Grafen von Neuchâtel oder Gian Giacomo Trivulzio nach. Sie waren Bürger eidgenössischer Orte, Minimonarchen über kleine Territorien im Gebiet der heutigen Schweiz und standen zugleich im Dienst der grossen Höfe Europas.
Olga Timofeeva (Anglistik)
Bible translation: From Ælfric to King James
Do 10:15-12:00
Translation of the Word of God in the Middle Ages was never an straightforward matter. The ecclesiastical community often felt uneasy about making the Bible available for lay interpretation and, therefore, tried to control both its translation and the circulation of vernacular versions. Towards the end of the fourteenth century Bible translation became downright dangerous, and many supporters of the English Bible and other church reforms ended their lives at the stake or in exile. In the early seventeenth century, King James appointed a special committee to prepare ‘his’ Authorised Version. This course will offer a historical overview of these developments from the earliest Psalter glosses of the ninth century to the Wycliffite translations of the late fourteenth, the Reformation and the Authorised Version of 1611. It will tackle both the ideological problems associated with vernacular bibles and the technical problems encountered by the medieval translators at the level of syntax, lexis, and cultural knowledge.
Claudia Zey (Geschichte)
Das Staunen der Welt? Friedrich II. aus der Sicht der Geschichtsschreibung
Mi 14:00-15:45
Der staufische Kaiser Friedrich II. (1194-1250) ist eine der schillerndsten Herrschergestalten des Mittelalters. Von Zeitgenossen wurde er als "Staunen der Welt" (stupor mundi) bezeichnet. Obwohl er als Herrscher eines riesigen Reiches, das von Norddeutschland bis Sizilien reichte, letztlich an der Vielzahl seiner Feinde scheiterte, war seine wissenschaftliche Neugier, sein gesetzgeberischer Impetus, seine Offenheit gegenüber anderen Kulturen für seine Zeitgenossen ebenso faszinierend wie abstossend. Facetten der Persönlichkeit Friedrichs sollen anhand ausgewählter Zeugnisse aus der umfangreichen Geschichtsschreibung der Zeit beleuchtet werden. Damit geht die Frage nach den Möglichkeiten von Persönlichkeitsdarstellung und Individualität im 13. Jahrhundert einher.
Claudia Zey (Geschichte)
Normannen und Staufer in Süditalien (BA)
Di 14:00-15:45
Von Parvenüs zu Bündnispartnern, so wurde der erstaunliche Aufstieg der Normannen von Söldnern über Fürsten zu Königen in Süditalien im 11. und 12. Jahrhundert beschrieben. Dabei schafften sie es, das Papsttum für ihre Sache zu instrumentalisieren und den imperialen Herrschaftsanspruch der Staufer über das gesamte Italien solange abzuwehren, bis sich aus dynastischen Gründen ein Bündnis anbot. Die staufische Herrschaft im Königreich Sizilien, zu dem auch das gesamte Unteritalien zählte, hatte ihren glanzvollen Höhepunkt in der Zeit Kaiser Friedrichs II. (+ 1250). Kennzeichnend für das Normannen- wie auch für das Stauferreich sind ein straffe und effiziente Verwaltungsorganisation, eine weitgehend eigenständige Kirchenpolitik und eine ausserordentliche kulturelle Blüte, zu der die multikulturelle Bevölkerung ebenso beitrug wie der kontinuierliche Wissensaustausch mit der arabischen Welt. Das Selbstbewusstsein der Herrscher manifestierte sich gleichermassen in Schrift-, Bild- und architektonischen Zeugnissen. Diese sollen im Rahmen des Seminars unter den genannten Aspekten analysiert werden.
Kolloquien und Übungen
Nathalie Büsser (Geschichte)
Ad Fontes: Handschriften lesen und historisch erforschen
Mi 14:00-15:45
Ad fontes! – In diesem Kolloquium geht es um Quellen und was wir HistorikerInnen mit ihnen tun können. Gerade vormoderne Quellen kommen selten so rein und klar daher, wie der wissenschaftliche Fachbegriff suggeriert. Meist sind sie sperrig und schwer zugänglich, in einer uns fremden Schrift und teilweise auch Sprache abgefasst. Wer mit schriftlichen Überresten arbeiten, sie befragen und interpretieren will – kurz: wer Geschichte wissenschaftlich betreiben will –, muss über ziemlich viele Werkzeuge und Techniken verfügen. Ebendiese vermittelt die Veranstaltung. Wir werden uns im Kolloquium schwergewichtig mit Handschriften beschäftigen, die wir lesen, transkribieren und bearbeiten. In diesem Zusammenhang kommen auch die Materialität, Herstellung, Gebrauch und Überlieferung von Schriftstücken zur Sprache. Darüber hinaus führt die Veranstaltung auch in die Archivarbeit ein. Es besteht die Möglichkeit, das Kolloquium mit dem BA-Seminar „Transnationale Akteure in der Alten Eidgenossenschaft" von Simon Teuscher zu kombinieren: TeilnehmerInnen des Seminars können im Kolloquium Archivalien transkribieren, die sie dann in ihrer Seminararbeit behandeln. Die anderen TeilnehmerInnen des Kolloquiums bearbeiten thematisch unterschiedliche Dokumente aus dem Raum der vormodernen Deutschschweiz.
Maria del Carmen Cardelle Gonzalez (Mittellatein)
Spezialkurs: Liturgie
Mi 16:15-18:00
Im Mittelpunkt des Spezialkurses stehen die grundlegenden Formen der Gebets- und Gesangstexte: Orationen, Benediktionen, Präfationen, Litaneien, Antiphonen, Responsorien, Cantica. Wir lesen und kommentieren verschiedene Beispiele, um uns mit Sprache und Stil der lateinischen Liturgie vertraut zu machen. Weitere Inhalte des Kurses sind der Aufbau der größeren liturgischen Feiern (die Messe und das Stundengebet) und die Typologie liturgischer Handschriften. Es sollen – neben der römischen – auch die mailändische, gallikanische und mozarabische Liturgie zumindest ansatzweise vertreten sein. Außerdem werden wir einen Einblick in die wichtigsten mittelalterlichen Liturgiebeschreibungen und –deutungen gewinnen.
David Ganz, Marius Rimmele (Kunstgeschichte)
Medialität der Mittelalterlichen Bildkünste
Mo 16:15-18:00, alle 2-3 Wochen, 26.2. bis 7.5.
Lena Rohrbach (Nordistik)
Aktuelle Ansätze in der skandinavistischen Mediävistik
Mi 09:00-09:45
In diesem Kolloquium werden wir neuere Publikationen aus dem Feld der skandinavistischen Mediävistik gemeinsam lesen und diskutieren sowie auf ihre Einbettung in aktuelle allgemeinere Trends in der kulturwissenschaftlichen Forschung befragen. Dabei werden wir auch die Übertragbarkeit der Ansätze auf eigene Forschungsprojekte erproben.
Mireille Schnyder (Germanistik)
Lyrik lesen
Di 14:00-15:45
In dem Kolloquium werden anhand von intensiven Lektüren Zugänge zu mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Lyrik erprobt.
Bettina Schöller, Sarina Tschachtli (Geschichte, Germanistik)
Familie und Herrschaft
Mo 14:00-15:45
Weltliche Herrschaftsverhältnisse der Vormoderne sind divers, aber weitgehend verwandtschaftlich strukturiert. Das Kolloquium nähert sich den Konsequenzen der Verstrickung von familiärer Nähe und Machtverhältnissen aus historischer und literaturwissenschaftlicher Sicht. Dazu werden wir in einem ersten Schritt die methodologischen Differenzen und Konvergenzen der Fächer thematisieren und über Aspekte der Narrativität (Hayden White) gemeinsame Blickpunkte suchen, die wir im Verlauf des Semesters an den Texten überprüfen. Dabei werden wir sechs Themenbereiche erarbeiten, die in historischen Quellen und literarischen Texten gleichermassen virulent sind. - Ursprungsmomente: Herrschaftsfamilien und genealogische Narrative - Kontinuitäten: Sukzession und Herrschaftsinszenierungen - Allianzen: Heiratspolitik, Exogamie und Brautwerbungserzählungen - Konkurrenzen: Herrschaftskrisen und Brudermordstragödien - Herrscherinnen: Machtpositionen zwischen Defizit und Differenz - Näheverhältnisse: Inzest und fama
Sebastian Scholz (Geschichte)
Lateinische Quellenlektüre: Kirchliche und weltliche Gesetzgebung im frühen Mittelalter
Mi 14:00-15:45
In dem Kolloquium werden Rechtstexte zu verschiedenen Themen aus der Zeit vom 6. bis zum 9. Jahrhundert gemeinsam übersetzt und interpretiert. Dabei geht es darum, die Lateinkenntnisse an kurzen, überschaubaren Texten zu schulen und zugleich eine wichtige Quellengattung des Mittelalters kennen zu lernen. Die Texte werden für die Teilnehmer rechtzeitig zur Verfügung gestellt.
Raji Steineck (Japanologie)
Kanbun/Kundoku
„Kanbun" bezeichnet im weitesten Sinne das mit chinesischen Schriftzeichen niedergelegte japanische Schrifttum, das bis in die frühe Moderne hinein den grössten Anteil der japanischen Literatur ausmachte. Dabei können in „kanbun" sowohl Texte verschriftlicht sein, die sich stark an der Grammatik des klassischen Chinesisch orientieren, als auch solche, die nahe am gesprochenen Japanisch ihrer Zeit sind. Möglich ist dies aufgrund einer „kundoku" genannten Lesetechnik. In diesem Seminar wollen wir die Regeln und Wendungen erarbeiten und einüben, die man kennen muss, um diese Art von Texten verstehen und analysieren zu können. Da der grösste Teil der vormodernen Literatur in Kanbun verfasst worden ist, sind grundlegende Kanbun-Kenntnisse für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Japan unabdingbar.