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Eine neue Generation von Forschern räumt auf mit gewissen Legenden und Mythen über die Vergangenheit Brasiliens – sie erneuern die Geschichte Brasiliens. Sie enthüllen uns ein stärkeres, komplexeres und auch humaneres Land, als man bis jetzt angenommen hat.
Mythos 1
“Die brasilianische Gesellschaft war unterteilt in Herren und Sklaven.”
Es gab viel mehr freie Personen als bisher angenommen. Im 18. Jahrhundert waren 40% der Bevölkerung Sklaven – Anfang des 19. Jahrhunderts 25%. Und einige jener Herrschaften arbeiteten zusammen mit den Schwarzen, da sie bereits weniger Sklaven hielten.
Mythos 2
“Portugal hat lediglich die Reichtümer Brasiliens ausgebeutet.”
Die Anlagen der Zuckerfabriken und die Ausbeutung der Goldlager brachten Brasilien viel Reichtum und schufen einen Kommerz in Brasilien. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte deshalb die Wirtschaft Brasiliens jene von Portugal überholt.
Mythos 3
“Lampião (ein als “brasilianischer Robin Hood” verehrter Räuber) kämpfte gegen die feudalistischen Grossgrundbesitzer.“
Dieser König der Gesetzlosen ging jenen Grossgrundbesitzern mit mancherlei Diensten zur Hand. Gleichzeitig bedrohte er verarmte Familien und exekutierte Arbeiter, welche im Auftrag der Regierung Strassen durchs Interior des Nordostens verlegten.
Mythos 4
“Santos Dumont hat das Flugzeug erfunden.”
Der brasilianische Ingenieur war ein Genie. Aber die Gebrüder Wright waren bereits 3 Jahre vor ihm, im Jahr 1906, mit ihrem Flugapparat aufgestiegen – und als Dumont mit seinem “14-BIS“ abhob, hatten die schon einen verbesserten Flugapparat zur Verfügung. Das grosse Werk des Brasilianers ist ein anderes: Seine DEMOISELLE von 1908, war das erste Ultraleicht-Flugzeug der Geschichte.
Mythos 5
“Die Bananen und die Kokosnuss stammen aus Brasilien.”
Diese Früchte – wie auch die Jaca, die Mango, die Avocado und auch einige Tiere, wie Hunde zum Beispiel – existierten nicht im Brasilien vor der Kolonisation. Sie wurden an Bord der europäischen Caravellen mitgebracht.
Mythos 6
“Die Feijoada (brasilianisches Bohnen-Nationalgericht) wurde aus Resten des Herrenhauses von den Sklaven kreiert.“
Im Gegensatz zu dem, was viele Brasilianer glauben, stammt die Feijoada aus Europa. Sie stammt direkt aus der Tradition, Gemüse mit Fleisch zu mischen, wie zum Beispiel beim französischen “Cassoulet“, das im Wesentlichen aus einer Mischung von Schweinefleisch und weissen Bohnen besteht.
Mythos 7
“Die Afrikaner lebten in Brasilien wie ehemals in wilden Stammesverbänden.“
Die Zuckermühlen und Fabriken mit vielen Sklaven waren sehr selten. Im 18. Jahrhundert befanden sich die meisten auf kleineren Pflanzungen – im Allgemeinen nicht mehr als 4 oder 5 Personen.
Mythos 8
“Die Indianer des Südostens wurden praktisch ausgerottet”.
Während Tausende von Indianern abgeschlachtet wurden, weil sie sich zur Wehr setzten, entschlossen sich andere, ihre Dörfer zu verlassen und sich der Bevölkerung in den Städten anzuschliessen. Heute haben etwa 8% der Brasilianer indianische Vorfahren.
Mythos 9
“Die Indianer wurden nicht versklavt.“
Im wesentlichen während des 16. und 17. Jahrhunderts wurden Tausende Indianer aus allen Teilen Brasiliens und Paraguay als Sklaven nach São Paulo verschleppt. Weil diese Indianer allerdings unter der harten Fron schnell dahinstarben, begann man Schwarze aus den afrikanischen Kolonien zu importieren – die ausdauernder waren als die Indianer.
Mythos 10
“Der Samba ist ein rein brasilianischer Rhythmus.”
Der Samba weisst Einflüsse auf, die weder brasilianischen noch afrikanischen Ursprungs sind. Donga, der erste Musiker, der 1917 den ersten Samba aufnahm, stellte Jazz-Bands zusammen. Sinhô, der “König des Samba“ in den 30er Jahren, benutzte europäische Melodien in seinen Songs!