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Wie vor jedem Grenzübergang nach Chile haben wir unseren Kühlschrank geleert. Es ist verboten, frische Lebensmittel (wie Gemüse, Früchte, Fleisch etc.) nach Chile einzuführen. Auch vakuumierte Produkte (Trockenfleisch, Käse) oder Yoghurt dürfen nicht über die Grenze genommen werden. Dies alles wegen der Fruchtfliege, oder so.
Und der Witz diesmal: wir wurden nicht kontrolliert! Unser Kühlschrank war leer und wir befanden uns in Cochrane, mit 3’000 Einwohner der grösste Ort im Umkreis von 300 km! Der einzige „Supermarkt“ hatte auf einer Fläche von 200 m2 zu verkaufen: Werkzeuge und Baumaterialien, Kühlschränke und Tiefkühltruhen, Kleider und Schuhe, Pneu und Sonstiges für das Auto und dann noch ein paar halbleere Regale mit Lebensmitteln. Wir kauften, was es noch hatte und einigermassen frisch aussah, und fuhren auf der Carretera Austral nach Süden bis nach Villa O’Higgins. Für ein Raclette auf dem wirklich tollen Campingplatz in Villa O’Higgens reichten unsere Vorräte gerade noch aus!
Die Carretera Austral ist eine Schotterpiste mit zwei schmale Spuren in der Mitte. Kommt ein Fahrzeug entgegen, muss man auf die Seite in das abfallende und sehr weiche Bord ausweichen. Auf der Fahrt sahen wir einen umgekippten Bus und ein PW, die wohl zu schnell ausgewichen und dann gekippt sind. Wie wenig es braucht, sahen wir, als bei einer Baustelle ein Bus dem Lastwagen ausweichen wollte. Der Bus grub sich in das Bord regelrecht ein und wankte bedrohlich. Schnell verliessen alle Passagiere den Bus. Mit Hilfe des Baustellentraxes und einer Kette wurde er wieder auf die Fahrbahn gezogen.
Auf einem kleinen Abstecher zum Rio Baker fuhren wir auf einer Hängebrücke, die bedrohlich knarrte und schwankte. Doch sie hielt!
Und dann sahen wir zwei Huemuls, den äusserst seltene Hirsch von Patagonien (weniger als 2’000 soll es von diesen Südandenhirsche noch geben!). Ein Muttertier und ihr Junges überquerten die Strasse. Wir waren uns nicht sicher: sind es Huemuls oder doch Rehe. Am Abend zeigten wir die Bilder einer Chilenin und sie bestätigte uns, dass es Huemuls waren. Weil sie so selten sind, gibt es gleich drei Bilder:
Die Hinfahrt von Cochrane nach Villa O’Higgins und wieder zurück war auch wegen der Landschaft eindrücklich. Je näher wir Villa O’Higgins kamen, deste mehr meinten wir, dass wir uns in einem Regenwald befänden – wenn die Gletscher, Schneeberge, kristall- oder graublaue Seen und Flüsse nicht wären.
In Villa O’Higgins stauten sich die schwarzen Regenwolken an den hohen Bergen im Osten. Richtung Westen schien die Sonne. Wir unternahmen eine 6-stündige Wanderung im Sonnenschein und blickten immer wieder zurück, ob die Wolken grösser werden. Nein, der Regen kam erst am Abend!