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Im sogenannten autonomen Gebiet Guangxi (das bezieht sich nur auf bestimmte Verwaltungsbereiche, aber nicht auf den Bereich politische Autonomie), in der sowohl Yangshuo als auch das gestern erreichte Ping'An liegen, zählt man alleine zwölf der offiziell 56 anerkannten Minderheiten Chinas. Insbesondere ist es historisches Siedlungsgebiet der Zhuang, der grössten Minderheit Chinas mit allerdings unter 20 Mio. Zugehörigen. Beide Volksgruppen, also die Zhuang und die Yao treffen wir in Longsheng-County, zu dem Ping'An gehört, an. Das Gebiet wird auch "Longji" genannt oder das Rückgrat des Drachens, weil die Terrassen wie die Schuppen des Drachens aussähen und die Bergrücken wie eben ein Rückgrat. Jaja, so viel mal wieder zur Bildsprache der Chinesen.
Guangxi liegt ganz im Südwesten von China und ist fast acht Mal so gross wie die Schweiz. Es zählt bald 50 Mio. Einwohner, wovon nicht ganz ein Drittel Zhuang sind. Guangxi grenzt u.a. an Vietnam.
Bei der Ankunft am Eingang zu Longsheng muss man den grossen Bus stehen lassen, die Koffer nehmen und auf einen kleineren Bus umsteigen. Wir hatten mit all unseren Koffern gerade so Platz. Peter Gleich sei Dank, der sich dabei als kleines Logistik-As in Szene gesetzt hat. Wenn man die Fahrt auf der engen und kurvenreichen Strecke überstanden hat (einige Fahrer sollten sich allenfalls mal bei der Formel 1 bewerben), werden die Koffer von Trägerinnen (meistens sind es Frauen) ins Hotel hoch getragen, weil man nur bis in die Nähe des Dorfes fahren kann. Es ist schon jedes Mal beeindruckend, wie viel diese kleinen Menschen tragen können.
Auf dem Weg von Guilin nach Longsheng sahen wir, dass ab Guilin eine Autobahn gebaut wird, welche Guilin mit Changsha verbinden soll. Die Autobahn wird unweit des Eingangs zu Longsheng vorbei kommen. Viele Dörfer waren hier lange nur zu Fuss erreichbar. In den letzten Jahren nun hat man begonnen, Verbindungsstrassen zu bauen. Man versucht damit wohl zum einen, den Tourismus weiter zu entwickeln, aber zum andern sicherlich auch das Leben der lokalen Bauern zu erleichtern. Denn wie wir heute auf der Wanderung gesehen haben, sind zunehmend Reisterrassen verlassen. Auch hier zeigt sich explizit die grosse Landflucht in China. Es gibt sicherlich weniger anstrengende Berufe, als derjenige des Reisbauern, welcher Reisfelder auf einer Höhe von 600 bis vielleicht 1100 m Höhe zu pflegen. Aber wenn niemand mehr Reisbauer sein will, dann gibt es hier auch keinen Tourismus mehr. In Ping'An und Dazhai war dieses Phänomen allerdings noch weniger ausgeprägt als in den Gebieten dazwischen.
Wir haben uns hier also vor allem an der wunderschönen Szenerie satt gesehen, aber auch versucht, andere Dinge aufzunehmen. Bei unseren Baufachleuten sind natürlich die Häuser und ihre Bauweise immer ein Thema. Hier besonders spannend waren die traditionellen Holzhäuser, welche ohne Nägel auskommen. Aber nun sieht man als Baustoff vermehrt den Beton. Wir wünschen uns natürlich, dass die Reisterrassen noch lange in ihrer Schönheit erhalten bleiben. Letztlich dürfen wir uns aber auch nicht vor der Tatsache verschliessen, dass die Leute hier immer noch - wenigstens zum Teil - einen beschwerlichen Alltag haben und sie auch an der Entwicklung teilhaben wollen. Wir werden sehen, wie sich das Ganze hier in der nahen Zukunft entwickelt.
Morgen geht es nun mit dem Bus nach Fenghuang, einem Ort, den ich - nachdem ich mir das schon lange gewünscht hatte - letztes Jahr erstmals besuchen konnte und sogleich ins Reiseprogram aufgenommen habe. Fenghuang liegt ca. 6 h weiter im Nordosten in der Provinz Hunan.