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Weltliteratur für Kinder: Der zerbrochene Krug nach Heinrich von Kleist
Gesprochen von Nicki von Tempelhoff, Stefan Kurt und Martin Baltscheit, 1 CD, Digipac, ca. 75 Min.
"Stockfinster wars, und alle Katzen grau." Tragisch, komisch und aktuell: Amtsmissbrauch, Lug und Trug Auch in dieser Folge erzählt Barbara Kindermann ein Stück der Weltliteratur leicht verständlich und mit viel Gespür für Kleists "Lustspiel". Frau Marthe Rull entdeckt die Scherben eines wertvollen Kruges im Zimmer ihrer Tochter Eve. Dort hat sie am Vorabend den Verlobten ihrer Tochter, den Bauernsohn Ruprecht ertappt. Dieser wiederum hat einen Fremden beobachtet, der eilig durch das Fenster aus Eves Zimmer floh und dabei den Krug vom Kaminsims warf. Keiner ahnt, dass dies der Dorfrichter Adam war, der sich bei der Flucht Verletzungen zuzog und seine Perücke einbüssen musste. Frau Marthe bringt den Fall vor Gericht und Adam muss widerwillig eine Verhandlung abhalten! Er versucht, die Aufklärung des Falles zu verhindern und den Verdacht auf andere zu lenken. Kleists tragikomisches Lustspiel um Amtsmissbrauch, Erpressung und Lüge ist wie eh und je hochaktuell. Die Nacherzählung wird durch Original-Szenen ergänzt, gesprochen von renommierten Schauspielern. Diese Szenen und weitere Informationen sind im umfangreichen Beiheft abgedruckt.
Portrait
Barbara Kindermann, geb. 1955 in Zürich, studierte Germanistik, Philosophie und Sprachen in Genf, Dublin, Florenz und Göttingen. Nach dem Abschluss ihrer Promotion war sie mehrere Jahre als Lektorin tätig. 1994 gründete sie in Berlin den Kindermann Verlag, den sie seither leitet. Heinrich von Kleist, dessen Werk bereits auf die Moderne vorausweist, wurde am 18. Oktober 1777 in Frankfurt/Oder geboren. Die Beschäftigung mit Kants Philosophie löste 1801 eine Krise aus, die zur Infragestellung der Lebenspläne Kleists führte. Es folgten Reisen durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz. 1807 wurde Kleist von französischen Behörden unter Spionageverdacht verhaftet. 1809 publizierte er patriotische Lieder und Aufsätze gegen die französische Besatzung. Von 1810-11 war er Herausgeber der Berliner Abendblätter , zunehmende Schwierigkeiten mit der Zensur führten zu deren Verbot. Gemeinsam mit der krebskranken Henriette Vogel beging Kleist am 21. November 1811 am Ufer des Wannsees in Berlin Selbstmord. Von den Dichtern der Goethezeit ist Heinrich von Kleist einer der lebendigsten und zerrissensten. Sowohl sein Leben als auch sein Werk standen im Zeichen einer aus den Fugen geratenen Zeit, und die extremen Gefühlslagen und radikalen Zweifel, die sich in den Werken dieses zu Lebzeiten erfolglosen Dichters Bahn brachen, sind auch heute noch höchst aktuell.