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Soziale Medien präsentieren sich heute in Bhutan als Rettungsleine für die Sprachen der einheimischen Menschen. Viele dieser Sprachen haben keine Schriftsprache und es fehlt ihnen auch an einer entsprechenden Dokumentation. Die Kommunikation mittels Sprachnachrichten bietet hier eine neue Möglichkeit zur Nutzung der lokalen Sprachen. Bhutan ist ein sehr kleines Land im Himalaya. Die Bevölkerung liegt bei unter 800.000 Personen. Internet und Fernsehen wurden erst 1999 eingeführt. Seit 2004 gibt es auch Handys. Bhutan verfügt über mehr als 20 regionale Sprachen. Es verfügt jedoch nur Dzongkha über eine Verschriftlichung.
Diese Sprache wird als die Landessprache gefördert. Es fällt Bhutan jedoch nicht leicht, die Landessprache und ihre Nutzung gegen das Englische zu behaupten. Vor allem in den Städten sprechen insbesondere die Eliten vorwiegend Englisch. Der Linguist Pema Wangdi von der Central Queensland University befürchtet daher, dass viele Menschen bereits ihre eigene Sprache verlieren. Auch findet der Unterricht in den Schulen meist auf Englisch statt. Von Dzongkha werden nur Grammatik und Literatur unterrichtet.
Die Studenten schämen sich und werden häufig für das Benutzen ihrer Sprachen bestraft. Eine Erhaltung und Förderung der lokalen Sprachen hängen daher von ihren Sprechern ab, so der Wissenschaftler. Einer Sprache droht das Aussterben, wenn ihre Sprecher sterben oder zu einer anderen Sprache wechseln. Laut Wangdi verlieren bereits viele Menschen ihre eigene Sprache. "Verlieren wir unsere Sprache, dann verlieren wir auch einen Teil unserer nationalen Identität", meint Wangdi.
Laut dem Linguisten gibt es heute keine Menschen mehr, die Olekha sprechen. Das ist ein indigener Dialekt aus Rukha in Wangdue Phodrang. "Ist eine Sprache verloren, verschwinden damit auch die Lieder, Mythen und die Dichtung für immer", so Wangdi. Andere Sprachen wie Tshophu, Monpa und Gongdukha seien bereits gefährdet und stünden vor dem Aussterben. Die Verfassung von Bhutan verfügt zwar die Erhaltung und Förderung. Es gibt aber keine offiziellen Anstrengungen zur Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Sprachen.
Das Ermutigen der Menschen, in ihren eigenen Sprachen zu sprechen, kann jedoch weitreichende Vorteile in diesem Bereich bringen, heisst es. Dazu gehört auch, dass Identität, Ethnizität und kulturelle Werte an die jüngere Generation weitergegeben werden. Soziale Medien könnten bei dieser Erhaltung ein unbezahlbares Tool sein. Auch der Sprachunterricht könnte über Social-Media-Plattformen durchgeführt werden. Nutzen mehr Menschen die lokalen Sprachen in den sozialen Medien, könnten sich auch die jungen Menschen wieder dafür interessieren und sie lernen.
Eine Dokumentation der gefährdeten Sprachen wäre zudem über Wechat ganz einfach möglich, glaubt der Wissenschaftler. Viele ältere Menschen seien ihrer lokalen Sprache stark verbunden. Es sei ihnen sehr wichtig, sie an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Sich mit den jungen Menschen auf den ihnen vertrauten Plattformen zu treffen, wäre eine gute Möglichkeit des Fortschritts. Die Forschungsergebnisse wurden bei "The Conversation" veröffentlicht.