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Vor kurzem ist ein neuzeitliches Rara-Buch zurück an die UB gekommen. Es handelt sich dabei um die deutsche Erstausgabe der Übersetzung des Tagebuchs von Anne Frank.
Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den berühmtesten Schriftstücken des 20. Jahrhunderts und ist eines der zentralen Selbstzeugnisse des Holocaust. Auf ihren 13. Geburtstag hat Anne Frank ein rot-weiss-braun kariertes Buch zum Geschenk bekommen, das sie als ihr Tagebuch verwendete. Zu diesem Zeitpunkt lebte sie bereits mit ihrer Familie, der Familie Pels und Fritz Pfeffer versteckt in einem Hinterhaus in Amsterdam, um der Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten zu entkommen. Bereits 1933 war die Familie Frank von Frankfurt nach Amsterdam geflüchtet.
In diesem karierten Buch, auf weiteren Büchern, Heften und losen Blättern schrieb sie auf insgesamt 800 Seiten Tagebucheinträge, Briefe und weitere Texte. Die Eintragungen beginnen am 12. Juni 1942 und enden am 1. August 1944. Am 4. August 1944 entdeckte der Sicherheitsdienst aufgrund eines Hinweises die acht Untergetauchten. Sie wurden bereits am 8. August 1944 von Amsterdam ins Durchgangslager Westerbork gebracht und von dort in Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, wo sie in der Nacht vom 5. auf den 6. September eintrafen.[1] Anne und ihre Schwester, Margot Frank, wurden Ende Oktober oder Anfang November nach Bergen-Belsen gebracht. Sie starben im März 1945 an Typhus. Zwei Monate später wurde das Lager von den Alliierten befreit. Edith Frank, Annes Mutter, war bereits im Januar 1945 in Auschwitz an einer Atemwegsinfektion mit Fieber gestorben. Als einziger der acht Untergetauchten überlebte Annes Vater, Otto Frank, das nationalsozialistische Regime und die Konzentrationslager. Er kehrte nach einer langen Odyssee nach Amsterdam zurück. Als klar wurde, dass Anne nicht überlebt hatte, bekam er ihre Tagebücher, Hefte und Blätter von Miep Gies überreicht. Sie hatte der Familie geholfen und die Schriftstücke bis dahin aufbewahrt.[2]
Otto Frank verfasste mehrere Abschriften des Materials und widmete der Veröffentlichung und Verbreitung des Tagebuchs seiner Tochter viel Zeit. Er hatte auch einen starken Bezug zu Basel. Otto Franks Schwester, Leni Elias, lebte hier. 1952 zog Otto Frank nach Basel, wo er zunächst an der Herbstgasse wohnte. Von 1961 bis zu seinem Tod 1980 lebte er in Birsfelden. Er deponierte das Tagebuch im Safe einer Basler Bank.[3] 1963 gründete er den «Anne Frank Fonds Basel» und setzte ihn als Universalerben ein. 1980 starb Otto Frank, bis zu seinem Tod engagierte er sich für das Tagebuch seiner Tochter.
1947 wurde das auf Niederländisch verfasste Tagebuch unter dem Titel «et Achterhuis: Dagboekbrieven van 12 Juni 1942 – 1 Augustus 1944» veröffentlicht. 1950 erschien es zum ersten Mal in Deutscher Übersetzung, im Lambert Schneider Verlag Heidelberg. Ein Exemplar dieser Ausgabe befindet sich im Bestand der UB Basel. Seinen Weg hat es über die Nachlassbibliothek des Mediziners, Psychiater, Psychoanalytikers und Autors Aron Bodenheimer genommen. Seine Bibliothek wurde in den Bestand der Bibliothek des Zentrums für Jüdische Studien eingegliedert. In den letzten zwei Jahren wurde das Buch in der Ausstellung «Ende der Zeitzeugenschaft» des Jüdischen Museums Hohenems, zunächst in Hohenems und anschliessen in Flossenbürg dem Publikum präsentiert. [4] Die Ausstellung wird an weiteren Stationen gezeigt. Zurück in Basel wurde es nicht mehr in den Bestand der Jüdischen Studien, sondern der neu eröffneten UB Religion eingearbeitet, die in den letzten zwei Jahren aus dem Zusammenschluss der UB, der Bibliothek der Theologischen Fakultät und der Bibliothek des Zentrums für Jüdische Studien hervorgegangen ist.
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[1] Vgl. Heimsath, K. (2013) Trotz allem glaube ich an das Gute im Menschen. Das Tagebuch der Anne Frank und seine Rezeption in der Bundesrepublik Deutschland. [Online]. Hamburg: Hamburg University Press. S. 107-108.
[2] Vgl. Heimsath, K. (2013) Trotz allem glaube ich an das Gute im Menschen. Das Tagebuch der Anne Frank und seine Rezeption in der Bundesrepublik Deutschland. [Online]. Hamburg: Hamburg University Press. S. 108.
[3] Vgl. Picard, Jacques: Jüdisches Leben in Basel gestern und heute. Feiern, Ausstellungen und Publikationen
rund um das Jubiläum 200 Jahre israelitische Gemeinde Basel». Basler Stadtbuch 2005. S. 245–251. S. 246. https://www.baslerstadtbuch.ch/stadtbuch/2005/2005_2944.html und: Jüdisches Museum der Schweiz (2004) Anne Frank und Basel. Eine Familiengeschichte ohne Grenzen. S. 6.