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Bereits 1873 wird erstmals durch ein Dokument die Existenz einer Betriebsfeuerwehr der Firma Rieter belegt.
Henry Müller erzählt über die Entwicklung von den Anfängern bis zur topausgerüsteten Spezialistentruppe.
Ein Dokument belegt, dass die Firma Johann Jacob Rieter & Co. bereits im Jahre 1873 eine Betriebsfeuerwehr besass.
Damals bestand in der Gemeinde Töss noch nicht einmal eine Wasserversorgung. Die Erstellung derselben wurde erst im Jahre 1890 beschlossen und am 2. September 1891 mit einem Volksfest eingeweiht. Dass diese Einrichtung nicht zuletzt für die Brandbekämpfung von grosser Bedeutung war, dokumentierten damals die Vorführungen der Feuerwehrleute aus zehn benachbarten Gemeinden, die unter dem Motto «Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Feuerwehrwesens» standen.
Aufsehen erregte dabei vor allem die von der Firma Rieter angeschaffte 18 Meter hohe, fahrbare und freistehende Feuerwehrleiter.
Bis zur Errichtung der Wasserversorgung mit Hydranten benutzte man bei Feuersbrünsten die sogenannten Feuerspritzen.
Das dafür benötigte Wasser führte die Mannschaft aus Brunnen und Weihern mit Schläuchen und Gefässen heran. Noch früher gab es in jedem Haus einen ledernen Feuerkübel, denn jeder Mann war verpflichtet, bei der Heirat einen solchen anzuschaffen. Auch die Gemeinde und das Amt besassen solche Eimer. In der Regel waren diese mit dem Wappen der Gemeinde oder des Besitzers bemalt. Zur höchst bescheidenen Ausrüstung der Feuerwehr gehörten auch Windlichter und Wassertansen.
Über die Anschaffung der ersten Feuerspritze in der Gemeinde Töss fehlen die Angaben.Den Akten kann aber entnommen werden, dass 1755 und 1796 solche Geräte angeschafft wurden. Im Jahre 1850 erwarb die Gemeinde eine neue Saugspritze und andere Feuerlöschgeräte. Das Amt besass ebenfalls eine vollständige Ausrüstung mit einer Druckspritze, welche neben dem Zürcher Wappen die Aufschrift «Amthaus Töss» und die Zahl «1793» trug, offensichtlich das Jahr der Anschaffung. Diese Spritze ging später in den Besitz der Rieter-Feuerwehr über.
Erste grosse Bewährungsproben hatte die Feuerwehr Rieter in den Jahren 1876 und 1877 zu bestehen.
Allerdings bestanden diese Einsätze nicht in der Brandbekämpfung, sondern im Kampf gegen die Wassermassen der Töss. Nach schweren Unwettern hatte der unberechenbare Fluss vor allem weite Teile des Chrugeler-Quartiers überschwemmt und zerstört. Vermutlich galten die Bemühungen der Rieter-Feuerwehr aber auch der Sicherung des Flussufers längs des Fabrikareals. Dies war auch im Juni 1953 der Fall, als die Töss nach schweren Regenfällen bedrohlich hoch anstieg. Damals wälzten sich 350 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu Tal. Im Gebiet des heutigen Schwimmbades Auwiesen frass sich der Fluss bedrohlich ins Püntenland hinein. Der ganze Reitplatz stand unter Wasser und beim hinteren Wuhr schossen die Wassermassen nur noch knapp unter der Eisenbahnbrücke hindurch. Ein letztes Hochwasser erlebten wir 1977. Unter gleichzeitiger Stauung des Kanals überschwemmte die Töss die Autobahn.
Im Jahre 1889 erfolgte in der Schleife der mechanischen Werkstätte Obertöss der Einbau einer ersten
stationären Feuerlösch-Pumpenanlage. Zwei Jahre später gab sich die Rieter-Feuerwehr eine neue Organisation und trat als Sektion No. 665 dem Schweizerischen Feuerwehrverein bei. 1902 erhielt sie
eine eigene Feuerwehrverordnung für die beiden Piketts Obertöss und Niedertöss.
Gleich zweimal wurde die Neumühle Töss durch Brände zerstört. Der erste Brand ereignete sich am 1. August 1881 und der zweite am 18. Juni 1924. Dass bei diesen beiden Schadenereignissen auch die Rieter-Feuerwehrleute zum Einsatz kamen, versteht sich. Dies dürfte wohl auch in der Nacht vom 23. auf den 24. September 1964 der Fall gewesen sein, als auch die Steigmühle ein Raub der Flammen wurde.
Im Jahre 1937 erhielt die Feuerwehr Rieter eine Motorspritze Typ CR 2 mit einer Förderleistung von 1200 Liter pro Minute und im darauffolgenden Jahr die ersten vier Gasschutzgeräte.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 stellte auch die Betriebsfeuerwehr Rieter vor neue Herausforderungen. Sie wurde samt Material der ILO (Interne Luftschutz-Organisation) unterstellt. Während der zweiten Mobilisation im Frühjahr 1943 stand sie während mehreren Tagen einsatzbereit im Betrieb und tagsüber im normalen Arbeitsprozess.
In einer ernstfallmässigen Einsatzübung wurde im Jahre 1943 das 36 Meter hohe Hochkamin der alten Heizung gesprengt und im folgenden Jahr, in einer weiteren Übung, auch die Fassaden des alten Speditionsgebäudes an der Klosterstrasse. Nach der Bombardierung der Stadt Schaffhausen am 1. April 1944 durch amerikanische Bomber stand der technische Dienst der ILO bei der Blindgänger-Vernichtung im Einsatz.
Jährlich etwa 10 Brandfälle
Nach dem Krieg galt es jährlich gegen zehn Brandfälle zu bekämpfen. Mehrmals im Laufe der Zeit stand die Feuerwehr Rieter bei Bränden im Eisenspänesilo der Giesserei im Einsatz, so 1943 und 1964. Bei diesem letzten Einsatz standen die Feuerwehrleute während 10 Tagen insgesamt 1086 Stunden im Dienst. Einen anderen Rekord gab es im Jahre 1963 zu verzeichnen: Damals wurden insgesamt 18 Brandfälle und 47 Einsätze im Betrieb registriert.
2 Grossbrände 1972 und 1991
Ein Grossbrand am 10. Oktober 1972 betraf die Giesserei und Kleinformerei. An den Hydraulikanlagen waren grosse Mengen Öl sowie Gummibänder in Brand geraten. Bedingt durch den Hitzestau entstanden grosse Schäden an Decke und Pilzstützen. 1975 mussten zwei Brände gelöscht werden, die durch unachtsam weggeworfene Raucherabfälle entstanden waren. Im Jahre 1979 wurden die Liegenschaften Bütziackerstrasse 4 bis 8 abgebrochen, was der Rieter-Feuerwehr erlaubte, eine realistische Übung in Rauch und Feuer durchzuführen. Dank dem Abbruch zweier Häuser an der J.-C.-Heer-Strasse gelangte das Korps schon zwei Jahre später zu einem ähnlichen Einsatz.
Am 27. Februar 1991 brach im ersten Untergeschoss des Teillagers in der Werkhalle 58 ein Grossbrand aus. Der starke Rauch und die grosse Hitze hatte zur Folge, dass im Innern des Gebäudes nur Feuerwehrleute, die mit Atemschutzgeräten ausgerüstet waren, eingesetzt werden konnten. 108 Feuerwehrleute der Betriebsfeuerwehren Rieter, Sulzer und SLM sowie der Berufsfeuerwehr Winterthur standen im Einsatz. 240’000 Liter Wasser wurden bei diesem Einsatz verbraucht. Der Schaden an Gebäude und Sachwerten betrug 20 Millionen Franken.
Als historisches Ereignis darf wohl die Aufnahme von sechs Frauen im Jahre 1992 in das Korps der firmeneigenen Feuerwehr bezeichnet werden. Damals wurde im Kanton Zürich auch die neue Verordnung «Feuerwehr 2000» in die Vernehmlassung geschickt. Sie bedeutete den Abschied von der sogenannten «Schlauchwägeli-Feuerwehr».
Ein weiteres Rekordjahr war wohl 1994: Gleich dreissig Mal musste die Rieter-Feuerwehr ausrücken. Anlässlich des 200jährigen Bestehens der Firma Rieter erhielt die Feuerwehr eine neue, topmoderne Ausgangsuniform, die bei wichtigen Anlässen wie Generalversammlungen, Betriebsbesichtigungen und anderen Anlässen getragen wird.
Seit 1964 standen der Betriebsfeuerwehr Rieter nur sechs Kommandanten vor:
H. Störi (1964 bis 1970)
A. Arnold (1971 bis 1974)
Jos. Beeler (1975 bis 1984)
N. Tischhauser (1985 bis 1990)
Wyss (1991 bis 1995
und seit 1996 R. Roost.
Zum 125jährigen Jubiläum, das im Laufe dieses Jahres gebührend gefeiert wurde, erhielt die modern ausgerüstete und einsatzfreudige Rieter-Feuerwehr ein neues Tanklöschfahrzeug. Das alte, 24jährige Gefährt wurde in diesem Frühjahr der Feuerwehr Rieter Tschechien übergen. Die Rieter-Feuerwehr ist damit für künftige Schadenereignisse bestens gerüstet. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht allzu oft ausrücken muss und vor Unfällen möglichst verschont bleibt.
Henry Müller