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Johannes Karcher war ein Mediziner, der von 1933 bis 1945 als Chefarzt für Innere Medizin am Diakonissenspital in Riehen tätig war. Aufgrund seiner medizinhistorischen Forschungen ernannte ihn 1939 die Universität Basel zum Ehrendozenten für Geschichte der Medizin.
Sohn des Jakob Karcher (Kaufmann) und der Anna Maria Theresia, geborene Zumstein. Heirat 1886 mit Jeanne Biedermann.
Johannes Karcher wurde am 15. Juli 1872 in Colmar geboren. Er wuchs seit früher Jugend zweisprachig, deutsch und französisch, in Basel auf und durchlief hier alle Schulenstufen. Sein Medizinstudium absolvierte er in Basel, Strassburg und Leipzig. Das Staatsexamen bestand er 1895. Besonders beeindruckt war er offenbar von den Vorlesungen des Physiologen Friedrich Miescher. Miescher konnte Karcher nach bestandenem Doktorexamen im Jahr 1897 über die Fragmentation des Herzmuskels auch zu experimentellen medizinischen Untersuchungen über den Einfluss des Hochgebirges auf den menschlichen Körper anregen. Gemeinsam mit Emmanuel Veillon und Alfred Jacquet untersuchte Karcher in den Jahren 1897 und 1898 am eigenen Körper, wie sich das Höhenklima auf die Menge an roten Blutkörperchen und die Physiologie des Körpers auswirkte: Nach langen Märschen über den Chasseral untersuchten die drei später in Basel sehr bekannten Mediziner in einem primitiven Labor vor Ort, wie sich ihr eigener Blutdruck und die Zusammensetzung ihres Blutes veränderten.
Ab 1896 war Karcher Assistenzarzt von Professor Hermann Immermann am Basler Bürgerspital. Danach war er ein halbes Jahr lang Volontärarzt an der Klinik des Gynäkologen Hermann Fehling in Halle und schliesslich hielt er sich zur Weiterbildung bis 1898 am Hôpital de la Salpêtrière in Paris, einer psychiatrischen Klinik, auf.
Nach der Rückkehr nach Basel begann Karcher seine Tätigkeit als praktischer Arzt und wurde bald zu einem der beliebtesten Ärzte der Stadt. Durch die reine Besuchs- und Sprechstundentätigkeit war er nie ganz befriedigt. Sogar in seiner Privatpraxis führte er Autopsien durch, um sich weiterzubilden.
1933 trat er als Chefarzt der neu eingerichteten Abteilung für Innere Medizin ins Diakonissenspital Riehen ein, wo er bis 1945 tätig war, behielt aber seinen Wohnsitz an der Eulerstrasse in Basel. Bei seiner neuen Tätigkeit hatte er Gelegenheit zur diagnostischen und therapeutischen Tätigkeit mit seinem persönlichen Freund Emmanuel Veillon, Chefarzt der chirurgischen Abteilung. Die Jahre in Riehen betrachtete er selbst als den Höhepunkt seines ärztlichen Wirkens.
Daneben galt Karchers Interesse vor allem den Basler Ärzten des 16. und 17. Jahrhunderts. Er hielt zahlreiche Vorträge zur Medizingeschichte, wozu er auch regelmässig publizierte. 1939 ernannte ihn die Universität Basel zum Ehrendozenten für Geschichte der Medizin.
Karcher war von 1897 bis zu seinem Tod 61 Jahre lang Mitglied der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft, 1905 als Präsident und ab 1952 als Ehrenmitglied. Daneben gehörte er in Basel viele Jahre der Inspektion der Knabenprimarschule an, war Mitglied der Wundschau, des Vorstands der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft, des Consistoire de L’Eglise Française und von 1917 bis 1933 der Kuratel der Universität.
Hans Karcher verstarb unerwartet am 27. April 1958.
Autorin / Autor: Peter Nussberger | Zuletzt aktualisiert am 26.10.2023
Über die Fragmentation des Herzmuskels. Naumburg a.d.S. 1897 (Diss. med. Basel).
Zur Entwicklung der medizinisch-historischen Forschung in der Schweiz. Basel 1942.
Paracelsus, Stadtarzt von Basel, und Vesal. In: Basler Jahrbuch 1942. S. 7–16.
Andreas Vesalius in Basel. Zur Feier des 400. Jahrestages des Erscheinens seiner ‹Fabrica Corporis Humani›. In: Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel. 1944. S. 180–240.
Die Befreiung der Tollhausnarren im Zeitalter der Französischen Revolution. Aarau 1947.
Felix Platter. Lebensbild des Basler Stadtarztes, 1536–1614. Basel 1949
Die jüdischen Arztphilosophen Spaniens und Lusitaniens vom Mittelalter bis zur Neuzeit. In: Gesnerus 8 (1952). S. 124–148.
Theodor Zwinger und seine Zeitgenossen. Basel 1956.
Einiges über Samuel Thomas Sömmering und seine Zeitgenossen. Aarau 1953.
Thomas Erastus (1524–1583), der unversöhnliche Gegner des Theophrastus Paracelsus. Aarau 1957.
UBH NL 35: Nachlass
Bickel, Marcel H.: Karcher, Johannes. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/014717/2014-11-26/ (10.10.2023).
Buess, H[einrich]: Ehrendozent Dr. med. Johannes Karcher zum Gedenken. In: Gesnerus 15 (1958). S. 67–69.
Hoch, Fritz: Hundert Jahre Diakonissenanstalt 1852–1952. Riehen o.J. [1952]. S. 60, 165.
Schweizerische Medizinische Wochenschrift. 1958. S. 886f.