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7. Januar, Freitag: Grenzerfahrungen
Gestern hatte ich unsere französischen Nachbarn, ein älteres Ehepaar, zu mir zum Apéritif eingeladen. Sie wohnen in der Gegend von Paris und kommen schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder nach Leukerbad. Während der Corona-Zeit wurden sie zu ihrer Verwunderung beim Grenzübertritt nie angehalten ausser diesem Mal bei der Herfahrt. Ein Schweizer Zollbeamter zeigte ihnen das Stoppschild, sie dachten, sie müssten jetzt das Covid-Zertifikat vorzeigen und machten ihre Handys bereit. Doch der Zöllner wollte davon gar nichts wissen. Er fragte, ob sie Fleisch importieren würden. Sie verneinten. Daraufhin bestand er auf einer Durchsuchung des Wagens, die er ohne Maske und Handschuhe durchführte. Nach kurzer Zeit fand er vier Stück Rindfleisch. Die Nachbarin erklärte, dass sie diese während ihrer Ferien in der Schweiz nicht zuhause im Kühlschrank verderben lassen wollten und deswegen mitgenommen hätte. Sie würden nicht beabsichtigen, das Fleisch in der Schweiz zu verkaufen. Schliesslich bekamen sie freie Fahrt.
Sie erzählen mir, wie sehr in Frankreich auf die Ungeimpften geschimpft werde. Offiziell wird gesagt, dass wegen einiger sturer Erwachsener, die sich nicht impfen lassen wollten, jetzt die Kinder geimpft werden müssten. Gestern habe Macron gesagt, er würde die Ungeimpften so lange «emmerder», bis sie endlich nachgäben. «Der Bund» übersetzt das präsidiale «emmerder» mit «auf die Nerven gehen». Das ist sehr milde ausgedrückt. Das französische Wort beinhaltet «merde», was «Scheisse» bedeutet. Die Nachbarin meint, Macron würde nur aussprechen, was viele Menschen im Land denken.
Foto und Text: Petra Dobrovolny