Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/170879

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, das Medizinstudium in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen und Hochschulen zu reformieren und im Rahmen der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2021-2024 das System der Medical Schools einzuführen. Gestützt auf den Bericht des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation aus dem Jahr 2015 sorgt er insbesondere dafür, dass mit der Einführung von Medical Schools die Medizinstudienkosten reduziert werden, die Hausarztmedizin weiter gefördert wird und der Numerus clausus abgeschafft wird.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Ausgestaltung von Ausbildungsangeboten gehört in die Kernkompetenz der Hochschulen und ihrer Trägerschaften. Entsprechend hat der Bund keine Kompetenz, das System der Medical Schools an den kantonalen Universitäten einzuführen. Der Bundesrat teilt aber die in der Motion formulierten Ziele, wonach die Kosten für ein Medizinstudium unter Wahrung der Qualität der Ausbildung möglichst reduziert werden sollen, die Hausarztmedizin bereits während der universitären Ausbildung verstärkt gefördert sowie für eine möglichst faire Selektion der Studienanwärterinnen und -anwärter gesorgt werden soll.</p><p>Der Bundesrat hat die Förderung der Humanmedizinerausbildung als Schwerpunkt in die BFI-Botschaft 2017-2020 aufgenommen. Mit dem von Bund und Kantonen in der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK) verabschiedeten Sonderprogramm soll die Anzahl Masterabschlüsse in Humanmedizin pro Jahr bis spätestens 2025 auf mindestens 1300 erhöht werden. Dies entspricht einer Steigerung um rund 50 Prozent im Vergleich zu heute. Die von den Universitäten und ihren Trägern eingereichten und von Swissuniversities koordinierten Projekte im Rahmen des Sonderprogramms tragen auch den von der Motionärin erwähnten Anliegen Rechnung: So berücksichtigt die Mehrheit der Projekte die Hausarztmedizin sowie die Interprofessionalität verstärkt in den Studienprogrammen. Die Kosten pro Abschluss sollen zudem bei gleichbleibend hoher Qualität der Ausbildung gehalten oder reduziert werden. Schliesslich werden neue Studienangebote und Kooperationen im Vergleich zu heute zu einer stärkeren Diversifikation der Curricula (Bachelor-Master-Tracks) führen.</p><p>Die Universitäten Lausanne und Genf zusammen mit der ETH Lausanne sowie die Universität Zürich zusammen mit der ETH Zürich wenden bereits eine Art von Medical School an, indem sie für Bachelorabsolventinnen und -absolventen aus naturwissenschaftlichen Fachrichtungen eine einjährige Passerelle anbieten, die den Zugang zu einem Medizinmaster der Universitäten Lausanne oder Genf bzw. Zürich ermöglicht.</p><p>Die von der Motionärin unterstrichene Kostentransparenz in der Medizinerausbildung wird im Rahmen eines Projekts der SHK sowie der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) erarbeitet, mit dem Ziel, die gesamten Kosten des Humanmedizinstudiums, inklusive der Kosten der klinischen Ausbildung an den Spitälern, zu ermitteln und damit auch eine Vergleichsgrundlage für Effizienzanreize zu erstellen. Im Hinblick auf die BFI-Botschaft 2021-2024 soll zudem der heutige Finanzierungsmechanismus des Bundes im Bereich der Humanmedizin auf seine Wirkung hin geprüft werden, mit dem Ziel, wirksame Anreize zur Effizienzsteigerung in der Humanmedizinerausbildung zu schaffen.</p><p>Was den Numerus clausus betrifft, muss festgehalten werden, dass die Nachfrage nach Studienplätzen das Angebot, insbesondere in der klinischen Ausbildung an den Spitälern, bei Weitem übertrifft. An diesem Nachfrageüberhang, der vor allem an den Universitäten Basel, Bern und Zürich besteht, würde auch die Einführung einer Medical School kaum etwas ändern können.</p><p>Angesichts der verschiedenen national koordinierten und mehrheitlich bereits laufenden Massnahmen der Universitäten und ihrer Träger im Bereich der Humanmedizinerausbildung erachtet es der Bundesrat nicht als zielführend, in diesen Prozess einzugreifen. Der Bundesrat ist aber bereit, zu gegebener Zeit die Umsetzung der Massnahmen auf ihre Zielerreichung hin zu evaluieren und auf dieser Basis zusammen mit den Kantonen die Situation neu zu beurteilen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.