Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03575.jsonl.gz/1421

(Dieser Artikel stammt aus meiner Kolumne der NZZ am Sonntag)
Stehen Sie aufrecht mit beiden Füssen am Boden, lassen Sie die Arme locker seitlich neben dem Körper hängen. Schliessen Sie die Augen. Schwanken Sie schon? Versuchen Sie, sich auszubalancieren, indem Sie ruhig atmen. Halten Sie die Augen geschlossen, heben Sie beide Arme über den Kopf, und stellen Sie sich zusätzlich auf die Zehenspitzen. Zählen Sie bis zwanzig. Senken Sie nun die Fersen wieder zum Boden ab, und heben Sie das linke Bein, die Augen bleiben zu. Zählen Sie wieder bis zwanzig, ehe Sie das linke Bein senken und die Seite wechseln.
Dies ist einerseits ein einfacher Test, andererseits ein gutes koordinatives Training.
Sollten Ihnen diese Übungen Schwierigkeiten bereiten, lohnt es sich, während drei bis vier Wochen täglich zehn Minuten zum Üben zu investieren. Sie werden in Kürze deutliche Fortschritte machen. Falls Ihnen die Übungen zu einfach fallen, dann rollen Sie zwei Badetücher zusammen, oder nehmen Sie zwei grosse Kissen als Fussunterlage und erhöhen Sie so den Schwierigkeitsgrad.
Wozu ist Koordinationstraining eigentlich gut? Wird es vernachlässigt, sehen Bewegungen plötzlich ungeübt und unkoordiniert aus. Wer nach einer längeren Pause wieder einen Tanz- oder Aerobic-Kurs besucht hat, weiss, was ich meine. Es fühlt sich an, als hätte man zwei linke Beine. Die Ursache liegt darin, dass die einzelnen Muskeln nicht mehr richtig zusammenarbeiten. Das ist vergleichbar mit einem Orchester. Damit eine Sinfonie in ihrer vollen Pracht erklingt, braucht es einen Dirigenten, der das Zusammenspiel der Musiker koordiniert. Der Dirigent unserer Muskeln ist das Gehirn, das deren Zusammenspiel über die Nervenbahnen steuert.
Durch Übungen wie die oben beschriebene wird das Zusammenspiel, die sogenannte intermuskuläre Koordination und Sensomotorik trainiert. Dadurch werden im Wesentlichen folgende Faktoren positiv beeinflusst:
01.
Die Bewegungsabläufe werden ökonomischer, Sie verbrauchen weniger Kraft und Energie.
02.
Es wirkt verletzungsprophylaktisch, da die Sensorik der Muskeln auch in unerwarteten Situationen besser funktioniert.
03.
Es ermöglicht sichere Bewegungsabläufe mit stabiler Haltung, was die sportartspezifische Technik fördert und die Gelenke schont.
Beginnen Sie einfach, ehe Sie den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Fordern Sie sich, aber überfordern Sie sich nicht.