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t = 7:41:17 +15 min vmax = 52,5 km/h
Wetter: Von morgens bis abends sonnig. Nachmittags wurde es wieder sehr heiß, ich musste mich immer von neuem überwinden weiterzufahren.
Die heutige Strecke begann mit einem kilometerlangen Anstieg. Schließlich gelangte ich an eine Kreuzung, die nicht auf der Karte zu finden war. Am Straßenrand befand sich ein Brunnen, wie sie in den südlichen Ländern oft zu sehen sind: mehrere Becken nacheinander, in denen das Wasser von einem ins nächste fließt. Im untersten Becken wusch eine alte Frau Schafwolle, indem sie abwechselnd mit einem Holz darauf einschlug und sie spülte. Ich fragte sie anhand der Karte nach dem Weg. Es stellte sich heraus, dass ich in Svalenik falsch abgebogen war. Dann bat ich die Frau noch, sich fotografieren zu lassen. Sie lachte etwas verlegen, hatte aber nichts dagegen einzuwenden.
Das Tal, in dem ich auch übernachtet hatte, war von Nord nach Süd ausgerichtet, die Sonnenstrahlen hatten die Straße noch nicht erreicht. Bei der Talfahrt wurden Hände und Füße empfindlich kalt.
Ansonsten war es wieder ein herrliches Fahren. Die Luft hatte eine angenehme Temperatur, der Verkehr auf der Straße ging gegen Null. Die Strecke war relativ eben, sie verlief wie erhofft in einem Flusstal. Hier und da trieben Männer im morgendlichen Dunst ihre Kühe auf die Weide und hüteten sie dort. (Leider machte ich davon nirgends ein Bild.) Die Dörfer waren zum großen Teil noch sehr ursprünglich, viele Häuser bestanden aus lehmverputzten Flecht- oder Fachwerk. Ich fand wieder einmal meine Theorie bestätigt: Je kleiner und abgelegener der Ort, desto schöner die Buswartehäuschen. Ich sah eines, das so groß und schön war, dass es als Datsche hätte dienen können. In einem Dorf geriet ich in eine Kuhherde, die gerade über die Straße getrieben wurde. Kurz danach überholte mich ein Kleinlaster, auf dessen Pritsche zwei Frauen am Fahrerhaus lehnten und mir zuwinkten.
Heute (glaube ich) wurde ich gegen Mittag beim Fahren von einem Insekt während der Fahrt unterhalb des linken Auges getroffen und halbherzig gestochen. Ich machte sofort Mittagspause und presste nacheinander mehrere frisch abgebissene Knoblauchzehen, die ich zu Salami und Brot aß, auf den Stich.
Kurz nachdem ich das Autowaschen am Brunnen fotografiert hatte, durfte ich den ersten Plattfuß bisher genießen. Mein erster Gedanke: die (Jugendlichen, die ihre Autos wuschen) warns! - wie hässlich von mir. Der zweite: Sie hatten doch gar keine Gelegenheit dazu, aber im Dorf zuvor hatte ich ein übles Schlagloch übersehen und war mit vollem Tempo hindurchgefahren. Im Schlauch war allerdings nur ein Loch, kein typischer "Schlangenbiss", aber an der richtigen Stelle.
Zum Glück hatte ich Flickzeug nachgekauft - und eine Luftpumpe. Nur fand ich von letzterer den Adapter Kfz => Fahrradventil nicht. :( Ich bastelte dann aus Pumpengummi, Gepäckträgerdistanzring (von der gebrochenen Schraube) und Plastikbeutel ein Etwas, mit dem ich das Hinterrad auf ~45 PSI pumpen konnte
Später kam ich durch ein Dorf namens Partizani. Ob der Ort etwas mit den gleichnamigen Kämpfern gemein hat? In den nahe gelegenen Hügeln, die sich steil aus dem Tal erhoben, sah man etliche Höhlen. Die nackten Felsen wurden malerisch von der Abendsonne angestrahlt. Auf den Fotos ist das leider nicht so gut zu sehen.
Auf der Karte war etwa 30 Kilometer nördlich von Aytos ein großer See verzeichnet; dort wollte ich übernachten. Er lag traumhaft zwischen Felsen, die man teilweise für eine Filmkulisse halten könnte. Da überall Schilder standen, die auf ein Campingverbot hinzuweisen schienen, suchte ich einen möglichst abseits gelegenen Platz. Ich schob das Rad einen sehr schmalen Pfad sehr dicht am Wasser entlang.
Der einzige abgelegene, für eine Übernachtung geeignet Platz lag in einem kleinen, spärlich bewachsenen Sonnenblumenfeld. Viele Vorgänger hatten dort schon Müll deponiert, den Acker festgetrampelt und Sonnenblumen herausgerissen. Aber die Aussicht war herrlich, von hier sah ich auch das erste Minarett dieser Reise (zwei Bilder vom Morgen des nächsten Tages). Heute schwamm ich ein wenig herum, bevor ich mich und die Sachen wusch. Bisher hatte ich wenig Gelegenheit und Muße, rein zu meinem Vergnügen zu planschen. Dass es um 21:04 völlig dunkel war, hatte ich im Tagebuch festgehalten - wahrscheinlich meinte ich "meine" Zeit, die eine Stunde hinter der Ortszeit lag.