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Bereits als die Farbfotografie noch nicht erfunden war, gab es Farbfotos. Wie das? Ein kompliziertes Verfahren ermöglichte es, Schwarz-Weiss-Fotografien zu kolorieren. Solche Postkarten waren sehr beliebt – und sie sind es auch heute noch. Eine der grössten Sammlungen ist jetzt online zugänglich.
Die Zürcher Zentralbibliothek besitzt eine der grössten Sammlungen von so genannten Photochrom-Postkartenexterner Link aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Diese sind seit letztem Jahr auch online zugänglichexterner Link.
Solche Postkarten wurden ab den 1880er-Jahren mit dem Photochrom-Druck hergestellt, der es ermöglichte, die Schwarz-Weiss-Fotografien einzufärben. Dabei wird das Negativ für jede gewünschte Farbe auf einen mit einer Asphaltmischung überzogenen lichtempfindlichen Stein belichtet. Dafür sind je nach Anzahl der gewünschten Farben zwischen vier und 14 Durchgänge nötig. Nach weiteren komplexen Bearbeitungsschritten kann schliesslich das Motiv mit den verschiedenen Farbtönen gedruckt werden. Oft blieb die Farbwahl den Druckern vorbehalten, die teilweise nach ihrer Fantasie kolorierten.
Der Schweizer Hans Jakob Schmid brachte die Technik für die Zürcher Firma Photochrom, eine Tochterfirma des Druckunternehmens Orell Füssli, zur Marktreife. 1895 wurde die Firma in Photoglob umgetauft. Als die Photochrom-Postkarten nach dem I. Weltkrieg nicht mehr gefragt waren, konzentrierte sich Photoglob auf den Verkauf von herkömmlichen Postkarten. Das Unternehmen ist auch heute noch in diesem Geschäft tätig.
Die meisten kolorierten Postkarten der Belle Epoque zeigten Ansichten von touristischen Sehenswürdigkeiten. In der Schweiz besonders beliebt waren Darstellungen der zahlreichen Wintersportarten und von tief verschneiten Landschaften.
(Text: Christian Raaflaub, swissinfo.ch; Bilder: Keystone, Photoglob, Photochrom Collection)