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Jahrhundert-Regenmangel
Die Ostschweiz leidet unter der extremsten April-August Regenarmut seit Messbeginn 1864. Es fehlt der Niederschlag von zweieinhalb bis drei normalen Sommermonaten. In der Westschweiz und auf der Alpensüdseite ist das Regendefizit weniger massiv.
Ein Jahrhundert-Ereignis
In der Ostschweiz hat sich die monatelange Regenarmut zu einem Jahrhundert-Ereignis entwickelt. Im Gebiet zwischen Zürichsee/Walensee und Bodensee fielen in den fünf Monaten von April bis August im Mittel nur 45 Prozent der normalen Regensumme. Hier fehlt der Regen von zweieinhalb bis drei normalen Sommermonaten. Das ist das deutlich massivste April-August Regendefizit in der Ostschweiz seit Messbeginn 1864. Auf Rang zwei liegt die April-August Periode aus dem Jahr 1870 mit nur 50 Prozent der Norm 1981‒2010. Die vier weiteren sehr regenarmen April-August Perioden aus den Jahren 1868, 1911 sowie 1947 und 1949 lieferten immerhin um 60 Prozent der Norm.
Regenmangel in der ganzen Schweiz
Auch in der West- und Südschweiz herrscht anhaltender Regenmangel. In der Westschweiz fielen von April bis August im Mittel 66 Prozent, in der Südschweiz waren es 70 Prozent der Norm 1981‒2010 (Stand 19.08.2018).
Vergleichbar regenarm war die April-August Periode in der Westschweiz nur in den Jahren 1984, 1976 und 1962, dann 1949 und 1947, und schliesslich noch 1906 und 1870. Weniger Regen von April bis August fiel in der Westschweiz einzig im Jahr 1893 mit nur 53 Prozent der Norm 1981‒2010.
Auf der Alpensüdseite lieferte letztmals das Jahr 2005 eine vergleichbar regenarme April-August Periode. In der gesamten Messgeschichte seit 1864 gibt es auf der Alpensüdseite weitere 15 Jahre mit ähnlich regenarmen oder regenärmeren April-August Perioden. Das absolute April-August Regenminimum von nur 43 Prozent der Norm stammt auf der Alpensüdseite wie in der Westschweiz aus dem Jahr 1893.
Kein Trend zu weniger Regen
Die Regenarmut der letzten Monate ist nicht Teil eines laufenden Klimatrends. Das Sommerhalbjahr von April bis September zeigt im langjährigen Verlauf weder auf der Alpennordseite noch auf der Alpensüdseite einen Trend zu weniger oder mehr Niederschlag. Das sommerliche Niederschlagsregime ist also seit Messbeginn sehr stabil was die Niederschlagssummen betrifft.
Klimaänderung bringt mehr Verdunstung
Doch auch ohne Niederschlagsänderung hat sich die verfügbare Wassermenge verringert. Die seit den 1990er Jahren markant angestiegene Sommertemperatur verstärkte die Verdunstung. Entsprechend ist heute häufiger mit Sommertrockenheit zu rechnen als früher. Mit der erwarteten weiteren Sommererwärmung wird die Sommertrockenheit in den nächsten Jahrzehnten zunehmend akuter, auch ohne Änderung der sommerlichen Niederschlagssummen. Diese werden sich ab dem Jahr 2050 verringern und die Sommertrockenheit zusätzlich verstärken.
Die Schweiz mit subtropischem Sommer
Die abnehmenden Sommerniederschläge hangen mit der grossräumigen Entwicklung über Europa zusammen. Mit fortschreitendem Klimawandel zeigen die Klimamodelle ein Muster mit Niederschlagszunahmen im Norden und -abnahmen im Süden Europas. Dieses Muster verschiebt sich mit dem Gang der Jahreszeiten. Im Sommer liegt die Schweiz unter dem Einfluss der Niederschlagsabnahme im Mittelmeerraum. Diese Niederschlagsabnahme kann wiederum mit einer grossräumigen Änderung der meridionalen Zirkulation von den Tropen zu den Subtropen erklärt werden. Die subtropische Zone wird sich weiter nach Norden bis Süd- und Zentraleuropa verschieben.