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Chirurgische Eingriffe können indiziert sein, wenn fortgeschrittene Stadien von Arteriosklerose vorliegen - manifestiert durch schwere wiederkehrende Episoden von Angina-Anfällen, die auf Medikation nicht deutlich ansprechen. Es gibt hauptsächlich zwei chirurgische Verfahren für herzkranke Patienten: Angioplastie und Bypass.
Angioplastie ist ein Verfahren zur Behandlung eines verengten oder blockierten Gefässes - typischerweise durch Arteriosklerose bedingt. Am häufigsten werden die grossen Arterien behandelt - besonders jene, welche die Nieren (Angioplastie an der Nierenarterie), die Beine (periphere Angioplastie), den Kopf (Carotis- Angioplastie) und vor allem das Herz (Koronarangioplastie) versorgen. Die Koronarangioplastie wurde durch Andreas Gruentzig entwickelt und erstmals 1977 in Zürich (Schweiz) durchgeführt.
Bei der Koronarangioplastie führt der Kardiologe einen dünnen Katheter direkt zur Stelle der Blockade im Gefäss (in der Regel durch eine grosse Arterie im Oberschenkel). Ein eng gefalteter Ballon wird durch den Katheter zur verengten Stelle geführt und hier aufgepumpt, um die Plaque gegen die Arterienwand zu drücken. Die verengte Stelle wird dann geöffnet. Um zu verhindern, dass gelockerte Plaque-Fragmente in andere Teile des Körpers verteilt werden, können spezielle Absaugvorrichtungen eingesetzt werden. Nach Öffnen der Verengung wird die Stelle der Blockade meistens durch eine meistens beschichtete Metallstütze (Stent) fixiert, um den Wiederverschluss (Restenose) der Arterie zu verhindern.
Stents für periphere Blutgefässe (CC Frank C. Müller).
Der Vorteil der Angioplastie gegenüber der Bypasschirurgie liegt darin, dass die Angioplastie weniger invasiv und kostengünstiger ist. Ausserdem ist die Angioplastie der bevorzugte Noteingriff nach einem Herzinfarkt, denn die damit einhergehenden Überlebensraten sind wesentlich höher als jene bei Patienten, die einen Bypass bekommen. Der Nachteil der Angioplastie liegt darin, dass die Gefässe wieder schliessen können (Restenose) und nochmals operiert werden müssen. Blutverdünnende Arzneimittel (wie Aspirin) und Medikamenten-beschichtete Stents können den Wiederverschluss verhindern. Strahlentherapie - genannt intrakoronare Brachytherapie - wird auch manchmal verwendet, um den Wiederverschluss der Blutgefässe zu verhindern; das Zellwachstum in den Arterien wird damit verlangsamt.
Bypass
Koronararterien-Bypasschirurgie oder einfach der Bypass ist ein chirurgisches Verfahren zur Linderung von Angina-Anfällen und Brustschmerzen durch mangelnden Blutfluss zum Herzmuskel. Die Bypasschirurgie kann auch das
Mortalitätsrisiko durch Krankheiten der Koronararterien reduzieren. Die erste Bypassoperation zur Behandlung von Angina wurde 1967 durch René Favaloro an der Cleveland Clinic in Ohio, USA, durchgeführt.
Bei der Bypassoperation werden Arterien oder Venen aus einer anderen Stelle im Körper des Patienten verwendet, um die von Arteriosklerose befallenen Anteile der Koronararterien zu überbrücken. Das Verfahren wird in der Regel am stillgelegten Herzen durchgeführt - in dieser Zeit wird der Blutkreislauf (die Herzfunktion) und der Sauerstoffgehalt des Körpers (die Lungenfunktion) durch ein Gerät – genannt Herzlungenmaschine - aufrechterhalten. Bypassoperationen können auch bei schlagendem Herzen durchgeführt werden - Operationen dieser Art werden „Off-Pump-Chirurgie“ genannt. Die Off-Pump-Chirurgie wurde entwickelt, um bestimmte Komplikationen zu reduzieren, die beim Bypass mit einer Herzlungenmaschine entstehen können. Es gibt jedoch keine Hinweise dafür, dass Off-Pump-Bypassoperationen mit einem längeren Langzeitüberleben verbunden sind. Die Off-Pump-Chirurgie ist jedoch das bevorzugte Verfahren bei manchen komplizierten Fällen (zum Beispiel bei Patienten mit einer extrem verkalkten Aorta).
Bypass-Verfahren werden manchmal nach der Anzahl der überbrückten Koronararterien benannt. Ein Zweifach-Bypass bedeutet, dass zwei Koronararterien überbrückt wurden. Ein Dreifach-Bypass bedeutet, dass drei Gefässe überbrückt wurden, etc. Ein Bypass von mehr als vier Koronararterien kommt relativ selten vor. Eine grössere Zahl von Bypasses heisst nicht unbedingt, dass die Person „kränker“ ist; in gleicher Weise bedeutet eine geringere Zahl von Bypasses nicht unbedingt, dass die Person „gesünder“ ist.
Wenn alle medizinischen Interventionen versagen, kann eine Herztransplantation die einzige Alternative für Patienten mit Herzinsuffizienz im Endstadium oder schwerer Erkrankung der Koronararterien sein. Wegen des knappen Angebots an Spenderorganen und der Tatsache, dass die Patienten ein Leben lang immusupprimierende Medikamente nehmen müssen, werden Herztransplantationen eher selten durchgeführt. Bei den meisten Transplantationsverfahren wird ein funktionierendes Herz aus einem kürzlich verstorbenen Organspender implantiert. Manchmal wird das Herz einer anderen Spezies oder ein künstlich hergestelltes Herz implantiert. Im Vergleich zu menschlichen Herzen waren diese beiden Verfahren jedoch weniger erfolgreich. Das postoperative Überleben mit transplantierten menschlichen Herzen hat inzwischen einen Mittelwert von ca. 15 Jahren erreicht.
Zusätzlich zur Angioplastie und Bypassverfahren gibt es einige weniger invasive Verfahren (genannt minimal-invasive Verfahren) zur Behandlung von Erkrankungen der Koronararterien. Manche davon sind bewährte Verfahren; andere sind experimentelle Methoden, die nur an manchen Krankenhäusern und bei ausgewählten Patienten durchgeführt werden. Beispiele anderer chirurgischer Verfahren sind Atherektomie (eine minimal-invasive Methode zur Entfernung von Plaque und Blockaden in einer Arterie unter Verwendung einer Rotationsstanze oder anderen Maschine), Laser- Revaskularisation des Herzens (dabei wird die Laserenergie direkt an der Stelle der Blockade angewendet) und pneumatische externe Gegenpulsation (eine nicht- invasive Technik, bei der luftgefüllte Manschetten zur Linderung von Angina eingesetzt werden).