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Findet Olympia 2030 in der Schweiz und in Graubünden statt?
Kommen die Olympischen Winterspiele 2030 in die Schweiz? Swiss Olympic prüft eine Kandidatur. Auch Graubünden könnte zum Handkuss kommen – trotz schwieriger Olympiavergangenheit.
Kommen die Olympischen Winterspiele 2030 in die Schweiz? Swiss Olympic prüft eine Kandidatur. Auch Graubünden könnte zum Handkuss kommen – trotz schwieriger Olympiavergangenheit.
von Simone Zwinggi und Lars Morger
Die Nachricht kommt doch etwas überraschend. Die Schweiz soll, wenn es nach dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geht, 2030 die Olympischen Winterspiele ausrichten. Wie «CH Media» berichtet, sei das IOC auf den Schweizer Sport-Dachverband Swiss Olympic zugegangen und habe nach der Möglichkeit gefragt, ob für die Schweiz eine Kandidatur für die Spiele in sieben Jahren in Frage käme. Das sei passiert, weil dem IOC langsam, aber sicher die Bewerber ausgehen. Und der mächtigste Sportverband der Welt mittlerweile eine nachhaltigere Strategie zur Ausrichtung der Spiele verfolgt. Wo ginge das besser als im Wintersport-Paradies Schweiz?
Das Interesse bei Swiss Olympic und den Schweizer Wintersportverbänden ist vorhanden. Letzte Woche fanden Gespräche zwischen allen Beteiligten statt, am Donnerstag hat Swiss Olympic entschieden, dass man eine Kandidatur sorgfältig prüfen möchte, wie der Dachverband in einer Medienmitteilung schreibt.
Die Spiele sollen in der ganzen Schweiz auf bereits bestehenden Infrastrukturen stattfinden, nachhaltig sein und möglichst wenige Kosten verursachen. Sollte Olympia in die Schweiz kommen, dürfte auch Graubünden eine Rolle spielen. So könnte der Kanton als Austragungsort für Langlauf (Davos), Biathlon (Lenzerheide) oder Bob (St. Moritz) in Frage kommen.
Graubünden sagte schon dreimal Nein
Bei der Austragung von Olympischen Spielen gehört unser Kanton zu den Pionieren: So fanden 1928 die zweiten Olympischen Winterspiele der Geschichte in Graubünden statt, genauer in St. Moritz. 1948 wurden die Winterspiele erneut im Oberengadin ausgetragen. Seither aber ist die Schweiz zwar stolz auf all ihre Olympiasieger und Olympiamedaillen-Gewinner, Gastgeber will sie aber nicht mehr sein. Mehrere Kandidaturen wurden in der Vergangenheit abgelehnt, darunter auch zweimal in Graubünden.
Es war am 3. März 2013, als 41’758 Bündnerinnen und Bündner Nein sagten zu einer Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022. Das entsprach knapp 53 Prozent der abgegebenen Stimmen. 2017 war die Ablehnung noch deutlicher. Doch das Thema Olympiakandidatur in der Schweiz nahm schon viel früher seine Anfänge. Eine Übersicht:
2. März 1988: Eine Bündner Olympia-Kandidatur wird mit 77 Prozent der Stimmen abgelehnt.
In den 1990-er-Jahren: Das Wallis bewirbt sich mit einer Kandidatur für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2006 – Sion 2006 lautete der Kandidaturname.
Juni 1999: Sion 2006 erhält vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine Absage. Die Spiele finden 2006 in Turin statt.
Herbst 2010: Swiss Olympic evaluiert, ob eine Schweizer Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 Sinn machen würde und schreibt interessierte Regionen an, damit diese ihre Meinung kundtun können.
Oktober 2010: Eine Arbeitsgruppe rund um den damaligen FDP-Nationalrat Tarzisius Caviezel will die Olympischen Spiele nach Graubünden holen.
Ende 2011: Der Verein XXIV. Olympische Winterspiele Graubünden 2022 wird für die Vorbereitung und Promotion einer Kandidatur ins Leben gerufen.
Anfang 2012: Gian Gilli wird Kopf des Pro-Olympia-2022-Teams.
Anfang September 2012: Der Bundesrat gibt seine Unterstützung für eine Olympiakandidatur bekannt und stellt dazu 30 Millionen Franken in Aussicht und spricht eine Defizitgarantie von einer Milliarde Franken.
September 2012: Auch die Bündner Regierung steht hinter einer Olympia-Kandidatur 2022. Sie führt die positiven wirtschaftlichen Effekte ins Feld: Sie rechne mit einem Beschäftigungseffekt von 12’000 – 15'000 Vollzeitstellen im Kanton und rund 30'000 Stellen in der ganzen Schweiz, macht sie bekannt und beantragt beim Grossen Rat einen Verpflichtungskredit von acht Millionen Franken. Die Regierung rechnet mit Gesamtausgaben bis 2,8 Milliarden Franken, mit Einnahmen von 1,5 bis 1,8 Milliarden Franken und einem Defizit von 1 bis 1,3 Milliarden. Franken.
Herbst/Winter 2012/13: Beide Seiten – Pro und Contra Olympia – sind im ganzen Kanton aktiv.
Die Befürworter sind überzeugt, dass die Spiele dank bereits bestehender Infrastruktur und temporären Bauten, dank jahrelanger Erfahrung bei der Durchführung von Wettkämpfen auf höchster Stufe – etwa in St. Moritz, Davos, Flims/Laax – nachhaltig sein werden. Die Wirtschaft werde einen Aufschwung erhalten und die Infrastruktur im Kanton – Strasse und Bahn – könnte im Zuge dieser Spiele aufgewertet werden.
Die Gegner, vor allem Umweltverbände, die SP, Juso, Verda Graubünden und der Bündner Heimatschutz, argumentieren, dass Olympische Spiele weder sozial verträglich noch umweltfreundlich seien, dass sie weder wirtschaftlich, ökologisch noch sozial nachhaltig seien. Der Internetauftritt der Olympiagegner ist noch immer aktiv. Dort werden laufend Neuigkeiten zu den aktuellen Olympischen Spielen publiziert.
3. März 2013: Graubünden sagt mit einem Stimmenanteil von rund 53 Prozent Nein zu einer Olympiakandidatur. Das Abstimmungsergebnis zeigt: Je näher die Gemeinden bei den potenziellen Austragungsorten liegen, desto eher war die Bevölkerung für eine Olympiakandidatur zu begeistern. So sagten beispielsweise Davos und St. Moritz Ja zu den Kandidaturbeiträgen.
Nachdem ursprünglich neben Graubünden auch Oslo, Stockholm, Krakau und Lwiw (Ukraine) Pläne für eine Olympiakandidatur hatten, regte sich bei der Bevölkerung dieser Regionen und Länder immer mehr Widerstand. Letztlich reichten nur Almaty (Kasachstan) und Peking eine Kandidatur ein.
Oktober 2014: Der Bündner Gewerbeverband denkt über eine erneute Olympiakandidatur 2022 nach, nachdem Oslo sich selbst aus dem Rennen nahm.
31.7.2015: An der 127. Session des IOC in Kuala Lumpur wird entschieden: Peking wird Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2022.
Februar 2017: Ein weiteres Mal stimmt das Bündner Stimmvolk über eine Kandidatur für Olympische Winterspiele ab, dieses Mal über jene im Jahr 2026. Auch dieses Mal legt das Bündner Stimmvolk ein klares Nein in die Urne.
März 2017: Swiss Olympic entscheidet, die Kandidatur Sion 2026 zu lancieren.
Juni 2018: Die Walliser Stimmbevölkerung sagt Nein zu einer Kandidatur Sion 2026. Damit waren Olympische Winterspiele in der Schweiz vorerst vom Tisch.
Bis heute, wo nun eine Kandidatur für das Jahr 2030 geprüft wird. Noch ist diese nicht konkret. Es ist noch ein weiter Weg, bis Olympia nach 82 Jahren wieder in der Schweiz stattfinden wird. Bund, Kantone und Volk dürften ebenfalls noch ein Wort mitreden. Doch der Traum eines jeden Sportlers und Fans ist wieder erwacht. Die grösste Herausforderung dürfte werden, das in jüngerer Vergangenheit immer olympiakritischere Schweizer Volk davon zu überzeugen, warum Olympische Spiele in der Schweiz für alle ein Gewinn wären.