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Eine Studie der Universität Zürich (UZH) untersucht den Zusammenhang zwischen Moral und Lohn und zeigt auf: in der Öffentlichkeit als «unmoralisch» wahrgenommene Tätigkeiten, wie etwa die Arbeit in der Tabakindustrie oder in Waffenfabriken, sind besser bezahlt.
Unmoralisches Verhalten am Arbeitsplatz kann grossen sozialen Schaden anrichten. Beispielsweise führten Beilhilfen zur Steuerhinterziehung in der Vergangenheit zu Skandalen im Finanzsektor und Tabakunternehmen sahen sich dem Vorwurf irreführender Werbemethoden gegenüberstehen, was das Vertrauen in die jeweiligen Branchen schmälerte oder zu grossen Belastungen für die öffentliche Hand führte.
Eine Studie des Wirtschaftsdepartements der Universität Zürich stellt nun den Wirkungszusammenhang von als «unmoralisch» geltender Arbeit und den damit verbundenen Lohnprämien sowie die Frage, wer solche Arbeiten ausführen mag, in den Mittelpunkt der Untersuchung.
Arbeit in Tabakunternehmen wird besser entlohnt
Die Verhaltensökonom*innen zeigen auf, dass es anhaltend höhere Löhne in Unternehmen gibt, deren Arbeit in der Wahrnehmung der Allgemeinheit als «unmoralisch» angesehen wird - im Gegensatz zu vergleichbaren Jobs in als «moralisch» geltenden Firmen. Diese sogenannte Lohnprämie ist hoch und sinkt nicht mit der Markterfahrung der arbeitsnehmenden Person.
Die Studie bat hierfür Studierende der ETH und Universität Zürich in einer Umfrage, Jobs in unterschiedlichen Branchen auf einer Skala zwischen «sehr unmoralisch» und «sehr moralisch» einzustufen. Unternehmen, deren Tätigkeiten tiefe ethische Standards zugeschrieben werden, sind beispielsweise im Glücksspiel, der Geldvermittlungen, der Kreditgewährung, in der Herstellung von Tabakwaren und im Grosshandel mit Tabakwaren sowie in der Herstellung von Waffen und Munition tätig. Die zugrundeliegenden Lohndaten stammen vom Bundesamt für Statistik (BFS).
Unmoralische Jobs ziehen unmoralische Personen an
In einem Laborexperiment wurden die Teilnehmenden zudem in «moralische» und «unmoralische» Personen eingeteilt und bezüglich ihrer Bereitschaft, für bestimmte Unternehmen arbeiten zu wollen oder nicht, bewertet. Das Resultat: Menschen, welche moralisches Handeln weniger hochhalten oder über keine sehr hohen ethischen Standards verfügen, zieht es eher zu «unmoralischen» Unternehmen und haben bessere Löhne. Für die Studienautor*innen resultiert dies auch aus der Tatsache, dass die Mehrheit der Bevölkerung moralisches Handeln – auch aus Imagegründen - hochhält und sich somit weniger Leute auf eine Stelle in einer «unmoralischer» Firma bewerben, was diese durch finanzielle Anreize auszugleichen versucht. Problematisch hierbei; dies kann zu einer Verfestigung des wahrgenommenen unmoralischen Handelns im Unternehmen selbst führen und somit einen negativen gesamtgesellschaftlichen Effekt haben, selbst wenn dieses Unternehmen zu Unrecht als amoralisch angesehen wird.
Grosse gesellschaftliche Auswirkungen
Die Studie weist zudem auf politische und gesellschaftliche Konsequenzen der dargelegten Ergebnisse hin. Denn Firmen, die das grösste Potential haben für das Anrichten gesellschaftlichen Schadens (bspw. ein Tabakunternehmen), ziehen Arbeitnehmer an, die moralisches Handeln weniger hoch gewichten. Dies schmälert die Wahrscheinlichkeit, dass unmoralische Branchen potentielle gesellschaftliche Schäden in den Unternehmensentscheiden berücksichtigen.