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Justitia-Brunnen
Nach mehrmaligem Standortwechsel steht der Justitia-Brunnen heute in der Marktgasse vor der Liegenschaft Nummer 66 (SIRO SPORT AG).
Auch in Winterthur ziert die Justitia, römische Göttin der Gerechtigkeit und des Rechtswesens den Gerechtigkeitsbrunnen. Er stammt aus dem Jahre 1537 und stand ursprünglich am Obstmarkt. So hiess damals der Platz bei der Einmündung der Obergasse in die Marktgasse. Seit jeher wird die Justitia mit einer Waage in der einen und mit einem Schwert in der anderen Hand dargestellt. Das Attribut der verbundenen Augen kam erst um 1520 dazu. Das christliche Mittelalter kennt nur die sehende Justitia, so wie sie durch die Winterthurer Ausführung dargestellt ist.
Justitia wird meist als Jungfrau mit verbundenen Augen oder einem Diadem dargestellt, die in einer Hand eine Waage, in der anderen das Richtschwert hält. Dies soll verdeutlichen, dass das Recht ohne Ansehen der Person (Augenbinde), nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage (Waage) gesprochen und schließlich mit der nötigen Härte (Richtschwert) durchgesetzt wird. Ende des 15. Jahrhunderts war die Augenbinde noch als Spott gemeint: Spott für die Blindheit der Justitia. Erst im 16. Jahrhundert erhält sie die Bedeutung der Unparteilichkeit.
Nach der Ausebnung der Marktgasse wurde an der breitesten Stelle der 1871 aus der Altstadt entfernte Justitiabrunnen wieder aufgerichtet. An dieser Stelle hatte zwar früher der 1536 vom Schaffhauser Meister Hans Hiltbrand geschaffene Kreuzbrunnen gestanden. Dieser war 1829 aber durch einen Biedermeierbrunnen ersetzt worden, welcher 1871 abgetragen und verkauft wurde.
An seiner Stelle steht nun der Justitia- oder Gerechtigkeitsbrunnen, der 1537 am Obstmarkt bei der Einmündung der Obergasse in die Marktgasse errichtet worden war. Allerdings handelt es sich nicht mehr um das Original aus dem 16. Jhdt. Regen und Frost hatten ihm zugesetzt, dass er 1791 durch eine Kopie von Peter Moser aus Würenlos ersetzt werden musste. Den Stock verpflanzte man 1871 vom Obstmarkt an den Holderplatz (Ecke Technikum-/Zeughausstrasse an den Beginn der Technikum-Allee) und kombinierte ihn mit dem gut erhaltenen Becken des Holderbrunnens von der Steinberggasse. Er war am alten Standort zum Hindernis geworden. 1931 kopierte Bildhauer Fritz Liechti die stark verwitterte Figur erneut.
Das wuchtige Achteckbecken von 1748, die reiche Säule mit den verschlungenen Delphinen am Sockel und die Figur der Gerechtigkeit mit Adler, Schwert und Waage wurden sorgfältig restauriert, Figur und Säule nach alten Vorbildern farbig gefasst. Nach der Ausebnung der Marktgasse kam der Brunnen 1979 an den heutigen privilegierten Standort. Damit hat die Marktgasse eines ihrer ursprünglich vier raumgliedernden und schmückenden Elemente zurückerhalten und ist gleichzeitig um ein lebendiges Zeichen und einen Treffpunkt bereichert worden. Die Enthüllung der restaurierten Brunnenfigur fand am 25. Januar 1979 statt.
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