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Ehrenlegion,
der einzige gegenwärtig in Frankreich bestehende Militär- und Zivilverdienstorden, ward durch Konsularorder vom 29. Floréal des Jahres X gestiftet. Die weitere Organisation erhielt der Orden [* 2] jedoch erst durch kaiserliches Dekret vom 22. Messidor XII Die Dekoration bestand aus einem fünfstrahligen, weiß emaillierten Stern, auf der einen Seite mit Napoleons Bild, von einem Eichen- und Lorbeerkranz umgeben, mit der Umschrift: »Napoléon, Empereur des Français«, auf der Kehrseite der französische Adler [* 3] mit Blitzen in den Krallen und der Inschrift: »Honneur et Patrie«;
das Band [* 4] war scharlachrot gewässert.
Die Bourbonen behielten den Orden bei, verwandelten ihn jedoch durch Ordonnanz vom aus einem Verdienst- in einen Ritterorden, setzten an die Stelle des Kaiserbildes das Heinrichs IV., an die Stelle des Adlers die Lilien, [* 5] nannten den Stern Kreuz [* 6] (croix), die Kommandanten Kommandeure, die Legionäre Ritter. Die zweite Restauration (1816) setzte die Zahl der Großkreuze (grands-croix) auf 80, die der Kommandeure auf 400, die der Ritter auf 2000 fest. Die Julirevolution verwandelte die Lilien in zwei dreifarbige Fahnen und brachte über dem Stern eine königliche Krone an. Ein Beschluß vom entfernte letztere aus dem Ordenszeichen und änderte die Form desselben dahin ab, daß das Zentrum des Sterns auf der einen Seite den Kopf Napoleons mit der Inschrift: »Bonaparte, premier consul, XIX mai 1802«, auf der andern die beiden dreifarbigen Fahnen mit der Umschrift: »République Française« nebst der hergebrachten Devise enthalten sollte.
Dagegen stellte ein Dekret vom die vom Kaiser festgesetzte Form des Ordens wieder her, teilte ihn in Großkreuze, Großoffiziere, Kommandeure, Offiziere und Ritter. Die Ordensdekoration war ein Stern mit fünf doppelten Strahlen und einer Krone; auf dem Avers zeigte er in der Mitte das von einem Eichen- und Lorbeerkranz eingefaßte Bild Napoleons I. mit der Umschrift: »Napoléon, Empereur des Français« und auf dem Revers den kaiserlichen Adler mit der Devise: »Honneur et Patrie«.
Der Stern der Ritter bestand aus Silber, der der höhern Grade aus Gold. [* 7] Die Ritter und Offiziere trugen den Orden an einem roten Band, letztere mit einer Rosette, die Kommandeure am Hals, die Großoffiziere dazu noch einen fünfstrahligen silbernen Stern und das Offizierskreuz, die Großkreuze das Kommandeurkreuz an breitem Band über die Schulter und dazu den Stern. Der Kaiser war der Großmeister des Ordens; die Verwaltung versah ein Großkanzler, der das Ordenshaus (Hotel de la Légion d'honneur) in der Rue de Lille [* 8] zu Paris [* 9] bewohnte.
Die Mitglieder wurden auf Lebenszeit ernannt, verloren aber ihre Privilegien, sobald sie sich der französischen Bürgerrechte verlustig machten. Nach dem Sturz Napoleons III. und der Errichtung der Republik erhielt der Orden, der infolge des Kriegs von 1870 sehr reichlich ausgeteilt wurde, eine neue Organisation. Die Dekoration trägt statt des Bildes des Kaisers jetzt das der Republik mit der Umschrift: »République Française« und der Jahreszahl 1870, auf der Rückseite zwei Fahnen mit der Umschrift: »Honneur et Patrie«.
Auch wird sie statt der
Krone von einem
Kranz, halb Eichenlaub, halb Lorbeer, gehalten. Es gibt jetzt fünf
Klassen des
Ordens der
Ehrenlegion mit streng normierter Anzahl von
Diplomen und zwar von der fünften
Klasse
(Ritter) 25,000, vierten
Klasse
(Offiziere) 4000, dritten
Klasse
(Kommandeure) 1000, zweiten
Klasse (Großoffiziere) 200 und ersten
Klasse
(Großkreuze) 70.
Drei Fünftel der Anzahl in den verschiedenen
Graden wird an
Militär-, der Rest an Zivilpersonen gegeben.
Militärs, welche die fünfte
Klasse besitzen, erhalten 250,
Offiziere 500,
Kommandeure 1000, Großoffiziere 2000,
Großkreuze 3000
Frank
jährliche
Pension.
Ausländer können den
Orden auch erhalten, zählen aber nicht mit. Außer dem
Orden
der
Ehrenlegion bleibt für die
Armee die Armeemedaille beibehalten, welche an 40,000
Personen ausgegeben werden darf und 100
Fr.
Pension
einbringt. Im
Februar 1874 betrug die Zahl der Dekorierten im
Zivil 28,919, im
Militär 34,381. Da somit die Normalsumme von
30,270 um mehr als das
Doppelte überschritten ist, so soll bis auf weiteres jede neue
Verleihung erst
nach
Eintritt von zwei
Vakanzen erfolgen dürfen. Zu der
Ehrenlegion gehört die
Maison nationale de St-Denis, eine Erziehungsanstalt
für die Töchter,
Schwestern und
Nichten der Ordensmitglieder, womit zwei Sukkursalen verbunden sind, die eine in der
Rue Babette
zu
Paris, die andre, la
Maison des
Loges, im
Wald von St.-Germain, welche zusammen 400 Freischülerinnen
fassen und von den
Damen der Muttergotteskongregation geleitet werden. Die
Kosten der
Ehrenlegion betragen jährlich 7 Mill.
Fr. S. Tafel
»Orden«.
Vgl. Jerrold, Story of the legion of honour (Lond. 1877).