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Ätzende Konflikte, heftige Reaktionen mit nachhaltigen Folgen: die Chemie an der ETH stimmte nicht immer.
Reibereien, Streitigkeiten, Kriegsstimmung. Typoskriptfragment von Albert Frey-Wyssling, Lehre und Forschung. Autobiographische Erinnerungen, 1984 (ETH-Bibliothek, Archive, Hs 443a: 38, Nachträge)
Knapp und klar berichtet Albert Frey-Wyssling, Professor für Botanik, in seinen Erinnerungen ab Seite 100 über die Abteilung für Chemie zwischen den ausgehenden 1920er und den späten 1950er Jahren:
„Ruzicka baute ein sehr erfolgreiches Forscherteam mit zahlreichen Professoren auf, für welche er Räumlichkeiten beschaffte und Lehrplanumgestaltungen durchsetzte. Diese Aktivität führte zu Reibereien bis hin zu Streitigkeiten in der Abteilung für Chemie. Die anorganische Chemie wurde nicht entsprechend gefördert, und mit der technischen Chemie kam es zeitweilig zu kriegerischer Spannung. Die Auseinandersetzungen führten zur Aufspaltung in zwei getrennte Studienpläne: einerseits wie bisher für Chemieingenieure mit technischer Chemie und andererseits für Absolventen in ‚reiner Chemie‘. Das Ergebnis dieser Massnahmen war ein Zerwürfnis mit zahlreichen Kollegen, zum Beispiel mit Paul Niggli und namentlich mit dem Farbstoffchemiker Hans Eduard Fierz (1882-1953). Nicht alle Mitglieder des Lehrkörpers der ETH billigten Ruzicka zu, dass ein grosses Licht auch starke Schatten werfen würde [im abgebildetenTyposkriptfragment: dürfe].
Hoch im Kurs stand unser Kollege dagegen bei der chemischen Industrie der pharmazeutischen Richtung, die auf komplizierte Neusynthesen, wie sie die Schule Ruzicka pflegt, angewiesen ist. Sie stiftete beim Rücktritt des draufgängerischen Kämpfers den geschätzten Ruzicka-Preis für erfolgreiche junge Chemiker.“
In der ursprünglichen maschinenschriftlichen Fassung wird der Draufgänger gar als rücksichtsloser Kämpfer bezeichnet.
Veranstaltungshinweis:
Zur bewegten Entwicklung von der chemischen Ausbildung am Eidgenössischen Polytechnikum im 19. Jahrhundert bis hin zur modernen Forschung mit enger Bindung zur Privatindustrie im 20. Jahrhundert zeigen die Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek während der öffentlichen Abendführung „Wenn die Chemie stimmt – Chemie an der ETH“ am 1. November 2011 aus ihren Beständen historische Unterlagen der ETH und solche von prägenden Persönlichkeiten, wie den Nobelpreisträgern Leopold Ruzicka und Vladimir Prelog sowie anderen.
Treffpunkt: ETH-Bibliothek, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, H-Stock beim Ausleihschalter um 18.15 Uhr. Keine Anmeldung erforderlich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.