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Bern den 24. Juni 1860.
Mein theurer Freund!
In der Ungewißheit, ob Dir Dubs über die Vorgänge in unsrer Kommißion referirt oder nicht, will ich Dich mit wenigen Worten vom Stande der Dinge in Kenntniß setzen. Das politische Departement hatten Dubs u. Schenk zu prüfen; Ersterer arbeitete dießmal natürlich mit besonderm Intereße in diesem Geschäftszweige u. ließ es sich namentlich angelegen seyn der bekannten Unterredung Stämpfli's mit dem österreichische Geschäftsträger auf die Spur zu kommen. Es fand sich nun bei den Akten der, wahrscheinlich von Stämpfli selbst zu seiner Entlastung beigebrachte Bericht des Hrn. v. Menshengen mit den Grafen Buol über diese Unterredung vom 29. Januar v. J. Nach demselben sagte Stämpfli damals: nach seiner Ansicht, welche auch diejenige aller seiner Collegen sey, werde die Schweiz zwar den Uebergang der Franzosen bei Culoz nicht hindern, dagegen werde sie 150,000 Mann aufbieten zur Aufrechthaltung ihrer Neutralität u. zur Besetzung von Chablais u. Faucigny; diese Provinzen werde sie, damit dieselben nicht alle an Frankreich abgetreten werden, auch nach Beendigung des Krieges während der Dauer der Friedensunterhandlungen besetzt halten. Irre ich nicht, so hat Hr. Stämpfli Hrn. v. Menshengen auf sein Befragen ausdrücklich ermächtigt, von dieser Eröffnung seiner Regierung Kenntniß zu geben. | Dubs brachte nun den Antrag, in dem Berichte unsrer Kommißion zu sagen: «Die Billigung der Schlußnahme des Bundesrathes vom 5. März, betreffend die allfällige Besetzung des neutralisirten Savoyens zur Sicherung unsrer Neutralität, erstrecke sich nicht mit auf andere Akte, welche nicht vom Bundesrathe selbst ausgegangen seyen u. welche weiter gehen als die in jener Schlußnahme bezeichnteten Grundsätze.» Natürlich wurde dieser, gewiß schonend gehaltne Antrag von Schenk lebhaft, jedoch in ruhiger Weise bekämpft, ebenso aber auch von Aepli, der zwar zugab, der Hr. Bundespräsident habe eine sehr unvorsichtige Aeußerung gethan u. dabei die verfassungsmäßigen Rechte der Bundesversammlung außer Acht gelaßen, aber es unangemeßen fand, daß man in Folge einer Zeitungsfehde von einem diplomatischen Aktenstücke, welches nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt gewesen sey, Gebrauch mache. In der Abstimmung wollten Schenk, Hermann u. Aepli den beantragten Zusatz streichen, Briatte, Häberlin u. ich ihn aber halten: Dubs gab den Stichentscheid natürlich in letzterm Sinne. Im Uebrigen hat die Kommißion an der Geschäftsführung des politischen Departements nichts zu tadeln, als daß sie hinsichtlich der Dappenthalfrage eine von der nationalräthliche Kommißion im letzten Winter gemachte Bemerkung wiederholt. Dubs, deßen Stimmung natürlich gegenwärtig nicht ganz unbefangen ist, wollte noch hie u. da einen Hieb versetzen, den die Kommißion nicht akzeptirte.
Von den andern Departements melde Dir nur, daß sich die Kommißion dadurch auszeichnet, daß sie im Ganzen bloß 2 oder 3 Postulate bringt; nichts destoweniger wird der Bericht manche, wie ich hoffe, nicht unfruchtbare Bemerkungen enthalten. Häberli | war diese Woche wieder unvergleichlich. Das Post- u. Baudepartement, mit dem er «beladen» war, drückte ihn zuerst ganz nieder, bald aber fand er sich mit gewohntem Humor u. angeborner Leichtigkeit der Auffaßung in die Sache. Als er mit seinem Collegen Hermann zu Hrn. Näff in's Bureau trat, sagte er zu ihm: «Faßen Sie sich, Hr. Bundesrath, wir werden Sie gnädig behandeln!»
Bei diesem Anlaße erfülle ich noch eine angenehme Pflicht, indem ich Dir den letzten gastfreundlichen Empfang in Belvoir u. die viele Freude, die Ihr uns während der drei schönen Tage bereitet habt, bestens verdanke. Empfehle mich Deinen verehrten Damen und sey herzlich gegrüßt von
Deinem
J J Blumer