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Nudging soll subtil, ohne Zwang, ohne Verbote und im Interesse der Zielperson sein – «Nudge for Good» eben. Verbildlicht wird diese Definition öfters mit dem Bild einer Elefantenkuh, die ihrem Jungen sanft die Richtung vorgibt. Die Subtilität und Richtungsbestimmung von Nudges führen jedoch unweigerlich zu zwei Fragen, die uns immer wieder gestellt werden: Ist das Ganze manipulativ und wer entscheidet eigentlich über «gut und schlecht»?
Folgt man der Erklärung des Dudens, so fällt auf, dass diese für den Begriff «Manipulation» (französisch manipuler = handhaben) deutlich weniger negativ ausfällt, als dieser in der Alltagsverwendung konnotiert ist. Die Bedeutungserklärung von Manipulation – «durch bewusste Beeinflussung in eine bestimmte Richtung lenken, drängen» – entspricht dabei relativ eindeutig der Idee des Nudging. Die Antwort müsste also lauten «Ja, Nudging ist per se einmal manipulativ». Aber ist diese Manipulation ein legitimes Mittel um Personen in eine bestimmte Richtung zu lenken?
Erstbeste Antwort ist oftmals, dass die Personen ja nicht gezwungen werden, sondern ihre Entscheidungsfreiheit behalten. Dies stimmt zwar, ein effektiver Nudge verhindert aber wohl oftmals, dass sich Personen dieser Entscheidungsfreiheit bewusst sind. Ein überzeugenderes Argument zugunsten des Nudging liefern die Zielpersonen selbst. In einer Studie befürworteten 75% der Befragten den Nudge, per Default Ökostrom zu erhalten. 77% unterstützen, dass ein Pensionsplan automatisch für Sie ausgesucht wurde. Nicht ganz überraschend zeigte sich in der Studie, dass Nudges insbesondere dann Unterstützung finden, wenn diese mit den Zielen der Betroffenen übereinstimmen (Sunstein, 2015).
Nun ist es aber kaum realistisch, die Ziele eines jeden Individuums vorangehend zu erheben und in die Umsetzung einzubeziehen. Obschon zahlreiche Raucher*innen wohl froh wären von ihrem Laster wegzukommen, würde eine Nudging-Strategie auch «zufriedene» Raucher*innen betreffen. Raihani (2013) schlägt vor, dass politische Entscheidungsträger*innen den Einsatz von Nudging-Strategien verteidigen können, solange der Betroffene zumindest die Möglichkeit hat, von den erzielten Vorteilen zu profitieren. Beispielsweise kann eine Person unter Umständen einmal von einem Default-Nudge zur Erhöhung der Organspenden profitieren. In diesem Sinne könnte jeder Raucher*in von einem eventuell verlängerten Leben profitieren, auch wenn das Aufhören kurzfristig unattraktiv erscheinen mag. Programme zur Erhöhung von Spenden für wohltätige Zwecke wären unter einer solchen Ansicht jedoch fragwürdiger, da der Spender*in höchstwahrscheinlich nicht persönlich davon profitiert. Insofern ist es für Raihani (2013) irrelevant, dass Spenden für wohltätige Zwecke eindeutig lobenswert sind, da diese für eine Gruppe von Einzelpersonen kostspielig und für eine andere Gruppe von Nutzen sind.
Letztere Aussage geht für uns von Verhaltensarchitektur zu weit. In unserem Sinne ist eine Nudging-Strategie legitim, sobald ein übergeordnetes gesellschaftliches und mindestens ein langfristiges individuelles Interesse vorhanden ist. Nudging als nicht-manipulativ zu bezeichnen, wäre aber ein Schönreden zugunsten des eigenen moralischen Gewissens. Am Ende hilft uns jeweils die Frage, ob wir selber froh wären, in die entsprechende Richtung genudgt zu werden.
Raihani, N. J. (2013). Nudge politics: efficacy and ethics. Frontiers in Psychology, 4, 972. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2013.00972
Sunstein, C. R. (2015). Do people like nudges? SSRN Electronic Journal. http://doi.org/10.2139/ssrn.2604084