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Die Guarani-Indianer lebten einst im Nordwesten der Stadt Porto Alegre. Sie waren Ackerbauern und benutzten die Schalenhälften einer kürbisartigen Frucht als Teller und Becher, machten Feuer auf dem Boden und schliefen in aus Palmfasern selbstgefertigten Hängematten. Eine Bekleidung kannten sie nicht – pflegten sich aber in Tierfelle zu hüllen, wenn das raue Klima es erforderte. Die Gruppierung verschiedener Indianer-Völker machte es den Jesuiten schwer, die Moral innerhalb der einzelnen Stämme und vor allem zwischen den nackten Indianerinnen und den weissen Männern aufrecht zu erhalten. Also begannen sie, die Körper ihrer Schützlinge zu bedecken.
Man nimmt an, dass der Chiripá (ein breiter Stoff- oder Fellstreifen ohne Naht, der über Kreuz zwischen den Beinen hindurchgeschlungen und dann um die Hüfte gebunden wird) das erste Kleidungsstück überhaupt gewesen ist. Das nächste war der Tipoy – eine Art Hemd aus zwei Stücken Stoff, an den Seiten zusammengenäht, mit Öffnungen für den Kopf und die Arme – manchmal von einem Strick um die Hüften zusammengehalten. Die Kälte im Gebiet der Pampa zwang die Indianer dazu, sich wärmer anzuziehen. Sie benutzten Umhänge, die Caipi genannt wurden – sie waren im Allgemeinen aus Tierfell.
Um 1816 trugen die Indianer Bicuis – indianische Brustpanzer und Tangas – Baströcke. Im gleichen Jahr erscheint auch der Poncho bichará – ein rechteckiges Stück Stoff oder Tierfell, in dessen Mitte eine Öffnung für den Kopf eingeschnitten ist. Etwas später, im Zusammenleben mit den Spaniern, lernten die Indianer selbst Stoffe zu weben und fingen an, sich nach europäischer Art zu kleiden. Die Peões (Bauern) trugen eine Art Weste und eine weite Hose aus Baumwolle, die bis unter die Knie reichte. Die Indianerfrauen trugen ihre Brüste unbedeckt und um die Hüften den Chiripá. Sie gingen im Allgemeinen barfuss. Später führten sie eine weisse Baumwollbluse ein, mit einem bunten Schal auf dem Rücken – Stücke, die sie selbst gewebt und mit Pflanzenfarben gefärbt hatten.
Um 1730 begann die portugiesische Krone in Rio Grande do Sul mit der Landverteilung an portugiesische Adelige und verdiente Haudegen – die nannten ihre Besitze Estâncias. Die indianischen Peões waren aggressiv und widerspenstig – also bediente man sich der schwarzen Sklaven aus Afrika.
1807 stieg Rio Grande do Sul zur Capitania Geral auf – wo früher nur Schafe geweidet hatten, wurden jetzt Rinder eingeführt – man brauchte Hirten, egal ob Indianer oder Schwarze. Die Rinderhirten, man nannte sie Gaúchos, benutzten eine Art Schürze aus rohem Leder über der Kleidung, die aus einem Baumwollhemd, einer Art Weste ohne Ärmel, einem Paar Hosen mit langen Fransen und manchmal einer zweiten Hose darüber, bestand. Auf dem Kopf ein Tuch, darüber einen Hut, und wenn es kalt war, noch einen Poncho über den Schultern. An den Füssen Stiefel aus rohem Leder, die vorne offen waren, sodass die Zehen Bewegungsfreiheit hatten – Sporen aus Eisen, mit rohen Lederstreifen am Stiefel befestigt.
Entweder am Hut oder am Gürtel befand sich eine kleine lederne Tasche, in der sie Tabak mitführten. Einige trugen auch Stiefel, die bis unters Knie reichten und dort verschnürt waren, und wieder andere benutzten nur dicke Strümpfe, die Füsse ohne Schuhwerk und die Sporen direkt an der Ferse festgeschnürt. Alle benutzten sie einen konischen Hut aus Filzmaterial und ein scharfes Messer im Gürtel.
Die Estância-Besitzer kleideten sich in aus Europa importierter Mode: Stiefel aus feinstem Leder, Sporen mit rotierendem Stachelstern – die so genannten „Nazarener“ – lange Unterhosen (Ceroulas) mit Schnürung an den Enden und über diesen eine Hose aus Samt, die an den Schenkeln anlag und unter dem Knie abschloss. Um die Taille trugen sie eine Schärpe aus Stoff, die entweder rot, schwarz oder blau sein konnte. Das Hemd war aus Leinen, Seide oder Baumwolle und mit Spitze besetzt, darüber eine Weste oder kurze Jacke, die in Taillenhöhe abschloss.
1810 bekam der Poncho aus Baumwolle lebendigere Farben und bunte Fransen. Die Damen trugen eine Mantilha – ein quadratisches Stück Seide, mit Spitze besetzt, das am Kopf befestigt, über die Schultern fiel. Sie trugen auch Strümpfe und Schuhe in lebhaften Farben. Die weniger gut gestellten Frauen trugen einen langen Mantel aus Kaschmir-Wolle und die Sklavinnen einen einfachen dunklen Umhang – und sie waren barfuss.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts begannen die Rio-Grandenser den Chiripá – aus missionarischer Zeit – mit den Ceroulas aus Baumwolle und den Stiefeln aus Europa zu verquicken.
Sie trugen von nun an die Ceroulas innerhalb der Stiefel und die Enden des Chiripá ebenfalls. Die Boleadeiras (Wurfkugeln, mit denen man ein Rind im Lauf zu Fall bringt), ursprünglich einfache Steinkugeln, wurden jetzt mit Leder umgeben, um die Rinder weniger zu verletzen. Der Hut breitete sich nun auch unter den einfachen Peões aus, die ihn sich endlich leisten konnten. Das Messer, die Guaiaca (Ledergurt mit verschiedenen Fächern zum Aufbewahren kleiner Dinge), das Halstuch, der Poncho, der Chimarrão (grüner Mate), das Lasso und das Pferd waren schon immer die wenigen fundamentalen Dinge, die der Gaúcho zum Leben brauchte.
Gaúcho – Peão
(Peão nennt man heutzutage einen männlichen Gaúcho, der einem Centro de Tradições Gaúchas, einem „Traditionellen Gaúcho Zentrum“ angehört oder sogar noch selbst zu Pferd dem Landleben in Rio Grande do Sul verhaftet ist und mit Rindern zutun hat).
Seine typische Kleidung besteht aus:
Bombacha – Kniebund-Hose aus Baumwollstoff
Botas – Lederstiefel mit Ziehharmonika-Schaft
Esporas de Ferro – Sporen aus Eisen
Chapéu – Hut aus Filz oder Leder
Camisa – Baumwoll-Hemd
Lenço – Halstuch
Guaicá – breiter Ledergurt mit Fächern
Ponche – Umhang mit Öffnung für den Kopf.
Prenda (Prenda = Geschenk, so nennt der Gaúcho liebevoll seine Frau).
Ihre typische Kleidung besteht aus:
Kostüm mit Reifrock und aufgesetzten Verzierungen (bestickt)
Mantilha (Schultertuch) mit Spitze besetzt, vor der Brust zusammengehalten von einer Brosche
weisse Strümpfe
kleine Bombachinhas (Kniebundhöschen aus Spitze unter dem Rock – wird beim Tanzen sichtbar)
schwarze Schuhe – Wollschal oder Spitzenschal.