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Wie schon die Hochzeit 16 Jahre zuvor ist auch Dianas öffentliche Trauerfeier, die einem Staatsbegräbnis nahekommt, ein mediales Grossereignis, das die Welt so noch nicht gesehen hat. Die BBC, die die Zeremonie in 187 Ländern überträgt, bringt über zwei Milliarden Menschen vor den Fernseher. In London selbst sollen über eine Million Menschen dabei gewesen sein. Viele schreien «Diana, Diana», als der Sarg auf einer Lafette von sechs Pferden gezogen an ihnen vorbeifährt. Einige werden von ihren Gefühlen übermannt und fallen in Ohnmacht - zu schwer ist für sie der Verlust der Königin der Herzen zu ertragen.
Dianas letzte Reise beginnt an ihrem letzten Wohnort, dem Kensington-Palast. Von dort aus wird sie durch die Strassen Londons gefahren - vorbei auch am Buckingham-Palast, wo Queen Elizabeth, 91, mit ihren Söhnen Andrew, 57, und Edward, 53, ihrer Schwester Margaret, †71, sowie Fergie, 57, mit ihren Kindern wartet. Die Königin verneigt sich, ehe sie wieder verschwindet und schliesslich im schwarzen Rolls Royce zur Westminster Abbey gefahren wird. Als sie den Palast verlässt, wird der Union Jack auf halbmast gehisst - ein vom Volk als längst überfällig erachtetes Symbol.
Vorwurf an Königsfamilie
Der Sarg mit der Königin der Herzen tritt unterdessen den Weg Richtung St. James Palace an - der Wohnsitz des Thronfolgers, wo dieser mit seinen Söhnen William, 35, und Harry, 32, Prinz Philip, 96, und Dianas Bruder Earl Spencer, 53, wartet. Sie geleiten Diana bis zur Kirche. Für den Earl die «schlimmste halbe Stunde in meinem Leben», wie er gemäss dem «Guardian» sagt. Er habe heute noch Albträume deswegen.
Auch wirft er der königlichen Familie vor, ihn angelogen zu haben. Ihm sei gesagt worden, dass es William und Harry gewollt hätten, hinter dem Sarg herzulaufen. Dass dem nicht so gewesen war, bestätigt Harry dieses Jahr in einem Interview. Zum «Newsweek»-Magazin sagt er, dass wohl kein Kind darum gebeten werden sollte, dies zu tun. «Unter keinen Umständen.»
Doch Harry und William schlagen sich tapfer und nehmen diese grosse Bürde auf sich. Unter den Augen eines Millionenpublikums.
Elton Johns «Candle In The Wind»
Etwa 1900 Freunde, Bekannte, Angehörige nehmen in der Westminster Abbey Platz. Darunter Stars und Persönlichkeiten wie Hillary Clinton, 69, George Michael, †52, Tom Cruise, 55, oder Tom Hanks, 61. Tenor Luciano Pavarotti, †71, wird gebeten zu singen. Doch er lehnt ab - zu gross sei der Schmerz. Gross, beinahe unerträglich ist der Schmerz auch für Dianas langjährigen Freund Elton John, 70. Doch er nimmt allen Mut zusammen und tritt in der Kirche auf. Er spielt seine für Diana umgeschriebene Version von «Candle In The Wind».
Die BBC hält sich während des Auftritts daran, ihre Kameras nicht auf die trauernde Familie, insbesondere Dianas Kinder zu richten. Elton John bezeichnet jenen Moment später als sehr «surreal». Er sei sehr nervös gewesen und habe keinen falschen Ton singen wollen. «Ich sagte mir: Sei stark, breche nicht zusammen, zeige keine Emotionen.»
«Candle In The Wind» hat er seither nie wieder in dieser Form vorgetragen. Die damit verbundenen Emotionen können er nicht verkraften.
Eine Stunde dauert der Trauergottesdienst, in dem auch Premierminister Tony Blair, 64, Dianas Schwestern und ihr Bruder (mehr dazu in Teil 16) das Wort an die Gemeinde richten. Später wird Diana im kleinsten Familienkreise in Althorp beigesetzt. Um das über 120 Kilometer nördlich von London gelegene 400-Seelen-Dorf vor den möglichen Besuchermassen zu schützen und auch den Söhnen einen ruhigen Ort der Trauer zu bieten, hat Diana nicht im Familiengrab der Spencers, sondern auf einer kleinen Insel im Schlossteich des Familienanwesens ihre letzte Ruhe gefunden.
Lady Diana: Ihr Leben in Bildern
Teil 16: Die Wut- und Trauerrede des Bruders