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ADS steht für Aufmerksamkeitsdefizitstörung und ist derzeit in aller Munde. Wie gehen Betroffene damit um, und was sind die Auswirkungen? Denn die Krankheit erzeugt auch zwischenmenschliche Spannungen, erzählt Laila S. den FN.
Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung, kurz ADS, ist eine Seite einer Münze, auf deren anderen Seite sich ADHS befindet. Das «H» steht hier für Hyperaktivität. Laila S.* wurde spät mit ADS diagnostiziert. Wie die Bezeichnung Aufmerksamkeitsdefizit vermuten lässt, hat Laila Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und die Konzentration bewusst auf eine Arbeit oder einen Aspekt zu lenken. «Sich auf etwas konzentrieren zu wollen, heisst nicht, dass man es kann», sagt die 19-Jährige. Diese Fähigkeit sei ausserhalb ihrer Kontrolle. Aktivitäten wie Bücher lesen oder Hausaufgaben lösen stellen deshalb Herausforderungen dar, die für Nichtbetroffene einfach erscheinen mögen und mit Leichtigkeit bewältigt werden können.
Nebst dem Aufmerksamkeitsdefizit verbindet Laila einen weiteren Aspekt mit ADS: «Wie bei anderen Betroffenen sind meine Emotionen zum Teil verstärkt.» Die Englischstudentin sei zum Beispiel schneller verletzt oder habe Stimmungsschwankungen. «Vieles hat mit ADS zu tun, obwohl man das vielleicht gar nicht direkt mit ADS in Verbindung bringt», so Laila weiter. So etwa auch ein schlechtes Zeitgefühl, was sich in der Schule und an der Universität als weiteres Hindernis herausstellt, vor allem, wenn man Deadlines einhalten sollte.
ADS im gesellschaftlichen Kontext
Zu unterscheiden, wo ihre Persönlichkeit und wo das ADS anfängt, ist nicht nur für Laila schwierig. Dennoch würden charakteristische Erscheinungen von ADS deshalb in ihrem persönlichen Umfeld nicht unbemerkt vorbeiziehen. Sie hätten bereits zu zwischenmenschlichen Konflikten geführt. So wurde etwa im Schulkontext ADS beziehungsweise ADHS als Beschimpfung benutzt. Beides entsprach einem verbalen Angriff, auch wenn im Sprachgebrauch das weiter verbreitete ADHS öfters als Beleidigung in einer Konversation fiel als ADS.
Die Grenzen zwischen den beiden Syndromen verschwimmen aus Lailas Sicht. «Ich habe meine Diagnose geheim gehalten, primär wegen schlechter Erfahrungen», so Laila. Von ihrer ADS-Diagnose wussten daher nur die engsten Familienmitglieder. Heutzutage habe die Englischstudentin mit ihrer Krankheit einen offenen Umgang. An die grosse Glocke hängen möchte sie das trotzdem nicht. «Es ist einfach ein Aspekt von mir, der aber nicht dominieren soll», stellt Laila klar. Aufgrund der starken Stigmatisierung von ADS möchte die Englischstudentin nur mit Vornamen erwähnt werden.
ADS als psychische Erkrankung
Nebst der Benützung von ADS als Beschimpfung erfährt die 19-jährige Freiburgerin eine starke Relativierung der psychischen Krankheit. Sätze wie «Jeder hat es ja» oder «Die Krankheit existiert nicht wirklich» habe sie schon öfters gehört. «Menschen verstehen entweder ADS nicht oder machen die ganze Sache grösser, als sie ist», so Laila. Wie auch bei anderen psychischen Krankheiten werde ADS nicht ernst genug genommen und verschwindet oftmals in den öffentlichen Diskursen.
Der Alltag sei aufgrund von ADS tatsächlich noch anstrengender und ein ständiger Kampf um Konzentration und um das Aufrechterhalten von Aufmerksamkeit in jeglichen Situationen. Das ADS habe Laila aber nie davon abgehalten, gute Leistungen zu erzielen. «Meine Konzentrationsprobleme waren durch die guten Noten nach aussen nicht bemerkbar und fielen nicht auf», so Laila. So wurde bei ihr ADS erst in der neunten Klasse, also im Alter von vierzehn Jahren, diagnostiziert. Heute nehme sie Medikamente, die das Arbeiten und den Fokus erleichtern.
Zahlen und Fakten
Nicht nur Kinder betroffen
Laut dem Diagnostiksystem für psychische Störungen sind circa 2,5 Prozent der Erwachsenen von der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung betroffen. Laut dem Münchner ADHS-Zentrum werden im Kindesalter dreimal mehr Knaben als Mädchen mit ADHS diagnostiziert. Das liegt daran, dass Mädchen häufig Symptome des unaufmerksamen Typs aufweisen, der deutlich weniger schnell erkannt werden kann als der hyperaktive Typ. ADHS ist keine reine Kinderkrankheit. Etwa jeder zweite Betroffene hat auch im Erwachsenenalter weiter Probleme mit den Symptomen. Dabei ist es üblich, dass sich die bekannten Leitsymptome, wie der Bewegungsdrang, im Erwachsenenalter verändern und einer inneren Unruhe weichen. am