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So nutzen Sie Ihr Geld im Alter für sich selbst
Anfang Jahr bat ich um Ihren Rat, ob ich Stockwerkeigentum kaufen soll. Sie rieten mir davon ab. Ihre Bedenken waren: zu wenig Vermögen in Anbetracht meines Alters. Ich habe inzwischen trotzdem eine Wohnung ohne Hypothek gekauft. Als Raucherin im Rentenalter möchte ich lieber in meinen eigenen vier Wänden sterben, wo ich tun und lassen kann, was mir beliebt. B.M.
Ich hatte Ihnen tatsächlich von einem Wohneigentumskauf abgeraten, weil Sie mir damals geschrieben hatten, dass Sie nur über eine geringe Rente und eine Erbschaft verfügen. Mit dieser Erbschaft haben Sie nun die Eigentumswohnung gekauft.
Ihnen verbleibt neben der tiefen Rente ein Kapital von rund 450’000 Franken. Anhand Ihrer damaligen Angaben gehe ich davon aus, dass Ihnen die Rente nicht genügt, um Ihren Lebensstandard zu decken. Sie sind also auf Vermögensverzehr angewiesen.
Immerhin schreiben Sie mir, dass Sie das verbliebene Kapital zum grossen Teil investieren und daraus einen Ertrag erwirtschaften, was ich positiv finde. Offenbar traden Sie auch gerne mit Aktien. Allerdings würde ich nur mit einem kleinen Teil traden: Momentan bewegen wir uns noch in einer bereits seit rund zehn Jahre andauernden Hausse.
Gleichzeitig sind wir mit vielen Unsicherheitsfaktoren wie dem Handelsstreit und dem sich abzeichnenden Konjunkturabschwung konfrontiert. Da fehlt wenig bis zu mehr oder weniger heftigen Korrekturen, wenngleich die internationalen Notenbanken mit ihrer ultralockeren Geldpolitik die Märkte weiter stark stützen.
Da Sie als Ergänzung zu Ihrer Rente zur Deckung des Lebensunterhaltes auf Ihr Vermögen angewiesen sind, würde ich mit dem restlichen Kapital nicht zu hohe Risiken eingehen. Überlegen könnten Sie sich auch ein Investment in Schweizer Dividendenperlen wie Zurich, Swiss Re, Swisscom, Novartis, Roche, Nestlé oder Swiss Life, die Ihnen dank hoher Renditen jedes Jahr einen zusätzlichen Ertrag zu Ihrer Rente liefern, wobei auch die Dividenden nie garantiert sind und Sie auch da mit starken Kursschwankungen konfrontiert sind.
Auf jeden Fall sollten Sie immer auch einen Teil Ihres Kapitals liquide behalten als Reserven für Unterhaltskosten für Ihr erworbenes Wohneigentum. Dass Sie sich Wohneigentum erworben haben – obwohl Ihre vergleichsweise geringe Rente nüchtern betrachtet dagegenspricht –, kann ich aufgrund Ihrer Argumentation und Ihren Umständen gut verstehen.
Unabhängigkeit im Alter und vor allem die Möglichkeit, in den eigenen vier Wänden zu wohnen, ist Ihnen sehr wichtig. Offenbar so wichtig, dass Sie eher auch bereit sind, allenfalls ein paar Abstriche beim übrigen Lebensstandard zu machen. Auch das kann ich in Ihrem Fall verstehen.
Sie müssen mit Ihrem Geld genau das machen, was Ihren eigenen Bedürfnissen entspricht. Jede Situation ist individuell. Generelle Regeln, was auch in finanziellen Dingen angeblich richtig oder falsch ist, gibt es ohnehin nicht. Darum sollte man bei der Anlage immer die persönlichen Umstände und Bedürfnisse genügend berücksichtigen.
Es ist Ihr Geld, und Sie müssen sich mit den Umständen, in denen Sie leben, wohlfühlen. Es freut mich, dass Sie für sich einen guten Weg mit dem Wohneigentum gefunden haben, und ich wünsche Ihnen, dass sie dieses so lang wie möglich geniessen können.