Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03343.jsonl.gz/393

Bergnotfälle Schweiz 2009: Wieder Zunahme der Anzahl Notfälle und Bergtote
Wieder Zunahme der Anzahl Notfälle und Bergtote
In den Schweizer Alpen und im Jura gerieten im Kalenderjahr 2009 insgesamt 2380 Personen beim Bergsteigen in eine Notlage1, knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gegensatz zum Berichtsjahr 2008 war dies leider auch mit einem Anstieg der Zahl der Todesfälle auf 171 verbunden. Bei den klassischen Bergsportarten2 sind 112 Personen tödlich verunfallt, was einer Zunahme von knapp acht Prozent entspricht.
Bergsteigen ist ausgesprochen wetterabhängig. Gutes oder schlechtes Wetter entscheidet nicht nur über Genuss oder Verdruss, sondern beeinflusst auch die Verhältnisse und die damit verbundenen Gefahren und Risiken im Gebirge. So auch im Berichtsjahr 2009: Bereits zum Jahresbeginn waren die Alpen gut eingeschneit; entsprechend gut waren die Bedingungen für alle Schneesportaktivitäten. Im Februar führten ergiebige Schneefälle kurzzeitig zu kritischen Lawinensituationen, die sich jedoch rasch stabilisierten. Die Gletscher waren gut eingeschneit, und bei günstigen Bedingungen waren bereits frühzeitig hochalpine Skitouren möglich. In den Früh-jahresmonaten März und April war das Wetter häufig veränderlich; in der zweiten Aprilhälfte war es beidseits der Alpen nochmals hochwinterlich, was die Tourenaktivitäten einschränkte. Im Mai hingegen war es sehr warm, und eine starke Schneeschmelze sorgte für eine rasche Ausaperung. Nach den eher wechselhaften Sommermonaten Juni und Juli ermöglichte der mehrheitlich sonnige und warme August sehr viele Tourenaktivitäten. Die starke Ausaperung der Firnzonen führte in den Hochalpen vielerorts zu heiklen Verhältnissen. Auch der Herbst war mehrheitlich hochdruckbestimmt, vor allem im Oktober wurden in den Alpen vielfach Rekordtemperaturen registriert. Noch im November blieb es häufig mild, doch zum Monatsende erfolgte ein fulminanter Winterauftakt mit ergiebigen Schneefällen. So waren bereits Mitte Dezember die Bedingungen für Schneesportaktivitäten wieder ausgesprochen günstig. Dann aber wurde die Schneedecke von Regen bis in Höhenlagen von circa 2500 Metern stark durchnässt. Der folgende Kälteeinbruch hinterliess an der Oberfläche eine harte Kruste, was bis weit über das Jahresende hinaus ein sehr ungünstiges Fundament für die weiteren Schneefälle schuf. Dies führte leider zu zahlreichen Lawinenunfällen, welche die Statistik des nächsten Jahres beeinflussen werden. Seit Jahren nimmt die Zahl der Berggängerinnen und Berggänger, die in eine Notlage geraten und dadurch die Bergrettung beanspruchen müssen, stetig zu. Das war auch im Berichtsjahr 2009 nicht anders: Mit 2380 Personen oder einer Zunahme von rund fünf Prozent im Jahresvergleich ist sie im Vergleich zu früheren Jahren etwas moderater ausgefallen. Glücklicherweise ist nicht jeder Notfall mit einem schwerwiegenden Unfall verbunden. So konnten auch 2009 mehr als ein Viertel aller Betroffenen unverletzt evakuiert oder geborgen werden, bei weiteren 20 Prozent war keine oder nur eine ambulante ärztliche Betreuung notwendig. Mit insgesamt 171 Personen sind allerdings deutlich mehr Todesfälle zu verzeichnen. Dieser Anstieg ist vor allem auf Erkrankungen ( häufig Herz-Kreislauf-Versagen ) mit 43verstorbenen Personen ( Vorjahr: 23 ) zurückzuführen. Zahlreicher als im Vorjahr waren die Notfälle beim Bergwandern, auf Hochtouren, beim Schneeschuhlaufen und beim Gleitschirm- und Deltafliegen sowie bei den Risikosportarten Base Jumping und Speed Flying. Rückläufig waren wiederum die Notfälle auf Skitouren und bei Variantenabfahrten. In der Öffentlichkeit, also den Medien, werden Bergnotfälle fast ausschliesslich bei dramatischen Ereignissen zur Kenntnis genommen, vor allem wenn die Rettungskräfte bei schwierigsten Wetterbedingungen bis auf das Äusserste gefordert werden und meistens Leben retten, hie und da leider aber auch nicht mehr rechtzeitig kommen. Die Statistik sieht hingegen anders aus: Am häufigsten geraten Berggängerinnen und Berggänger bei problemloser Witterung in eine Notlage. Dies war auch im Berichtsjahr 2009 nicht anders: Die meisten Notfälle ereigneten sich im Hochsommer bei guter Witterung. Der Spi-tzentag war der 23.. " " .August, ein schöner Sonntag, als bei 33 Ereignissen insgesamt 49 Personen in eine Notlage gerieten oder verunfallten.
Mehr tödliche Unfälle beim klassischen 112 Personen sind bei total 101 Ereignissen bei einer klassischen Bergsportart ums Leben gekommen, was im Vergleich zum Vorjahr einer Zunahme von knapp acht Prozent entspricht. Mehr Opfer forderten das Bergwandern und der Tourenskilauf. Auch bei den unter der Rubrik « Anderes » zusammengefassten Aktivitäten ist die Zahl der Bergtoten angestiegen. Es waren fünf Schneeschuhläufer, vier Personen beim Pilzsuchen, zwei Heliskifahrer, zwei Klettersteigbegeher, zwei Kristallsucher und eine Person auf der Jagd. Auffallend hoch ist die Zahl der Opfer in der Alterskategorie 41 bis 50 Jahre; diese hat sich im Vorjahresvergleich mehr als verdoppelt. Demgegenüber sind in den Altersgruppen bis und mit 20 Jahre keine Bergtoten zu verzeichnen. Auch der Anteil der verunfallten Frauen ist mit 21 Betroffenen oder rund 19 Prozent tiefer als im Vorjahr. Hochtouren Mehr Notfälle, stabile Opfer-zahlen Im Gegensatz zu den beiden Vorjahren kam es im Hochsommer 2009 nur einmal zu einem markanten Kaltlufteinbruch mit Schneefällen bis gegen 2500 Meter hinunter. So konnten viele Hochtouren bei guten Bedingungen durchgeführt werden, entsprechend hoch waren auch die Aktivitäten. Erst in der zweiten Augusthälfte sorgten hohe Temperaturen für eine starke Ausaperung der Firnzonen. Insgesamt 366 Hochtourengänger gerieten in eine Notlage, dies entspricht einer Zunahme von gut 15 Prozent. Mit 136 Fällen häufigste Ursache war ein Sturz oder ein Absturz. Zahlreich waren Rettungseinsätze für blockierte Alpinisten, 131 Personen mussten evakuiert oder geborgen werden. Ursache waren meistens ungenügende Tourenplanung, Überforderung und Erschöpfung. Deutlich seltener als im Vorjahr waren Spaltenunfälle mit insgesamt zwölf Verunfallten. Interessant ist auch ein Blick auf die Herkunft der Beteiligten: 207 Personen oder 57 Prozent waren ausländische Staatsbürger. Weniger Mitreissunfälle mit Todesfolgen Eine der häufigsten Ursachen für tödliche Unfälle auf Hochtouren sind Stolpern oder Sturz eines Seilpartners, worauf die ganze Seilschaft in die Tiefe gerissen wird. Im Sommer 2009 kam es zu vier derartigen Ereignissen, bei denen acht Alpinisten ihr Leben verloren ( Vorjahr: 5 Unfälle mit 11 Toten ). Davon betroffen waren eine Dreierseilschaft im Aufstieg zum Morgenhorn ( Blüemlisalp ) sowie je eine Zweierseilschaft am Lagginhorn und bei der Überschreitung des Zermatter Breithorns; bei diesen Ereignissen hat keine Person den fatalen Absturz überlebt. Auch am Anfang des Biancogrates an der Bernina kam es zu einem Mitreissunfall: Hier stürzte die in der Mitte gehende Person einer Dreierseilschaft und riss den Seilersten mit. Der Seilletzte sprang geistesgegenwärtig auf die andere Gratseite und verhinderte den Absturz der Seilschaft. Unglücklicherweise wurde der Seilschaftsführer durch das Seil stranguliert. Zu einem dramatischen Ereignis mit entsprechenden Medienberichten kam es im März, nachdem eine Zweierseilschaft die Heckmair-Route in der Eiger-Nordwand durchstiegen hatte: Am Gipfel gerieten die beiden in einen heftigen Nordoststurm und mussten unterhalb des Gipfels biwakieren. Während dieser Nacht schlug das Wetter endgültig um. Einer der Alpinisten konnte am Morgen seine Angehörigen mit dem Mobiltelefon informieren. Wegen des miserablen Wetters war eine Helikopterrettung nicht möglich. Die Rettungskräfte versuchten, die beiden zu Fuss zu erreichen. Der anhaltende Sturm und die Kälte zwangen die Retter jedoch zur Umkehr. Die beiden Alpinsten konnten nach drei Tagen nur noch tot geborgen werden. Klettertouren Leichter Rückgang der Notfall- und Unfallzahlen Beim Felsklettern in Klettergärten, Mehrseillängenrouten und im alpinen Gelände gerieten im Berichtsjahr 119 Personen in eine Notlage. Dies entspricht einem Rückgang um rund drei Prozent. Auf Mehrseillängenrouten im « Plaisirbereich » waren es 67, im nicht abgesicherten alpinen Gelände 14 und auf Touren im « Extrembereich » 13 Kletterer. Häufigste Unfallursache war ein Sturz ins Seil, dies meistens im Vorstieg. Auch Blockierungen waren erneut eine häufige Notfallursache. Meistens hatten sich Kletterer im Abstieg verstiegen oder waren in die Nacht geraten. In Klettergärten, wo in der Regel « toprope » geklettert wird, sind insgesamt 25 Personen verunfallt. Bei dieser Methode klettert der Vorsteiger bis zum Umlenkpunkt, fädelt hier das Seil ein und wird dann vom Partner mit dem Sicherungsgerät wieder bis auf den Boden herabgelassen. Damit dies sicher abgewickelt werden kann, muss das Seil auch lang genug sein, und die Partner müssen sich auf eine klare Kommunikation einigen. Wird dies nicht eingehalten, können sehr gefährliche Situationen resultieren. Im Berichtsjahr wurden zwei Fälle bekannt, bei denen ein Missverständnis zu einem schwerwiegenden Unfall geführt hatte. Bei beiden Ereignissen rief die vorsteigende Person am Umlenkpunkt « Stand ». Der Partner am Boden interpretierte dies so, dass nicht mehr gesichert werden müsse, und nahm das Seil aus dem Sicherungsgerät. Als dann die am Umlenkpunkt oben befindliche Person, in der Annahme, sie sei gesichert, zum Herablassen das Seil belastete, stürzte diese praktisch ungebremst bis auf den Boden. In beiden Fällen zogen sich die Betroffenen schwere Verletzungen zu. Unterschiedliche Ursachen bei tödlichen Unfällen Die vier Todesfälle sind auf Sturz oder Absturz zurückzuführen. Ein Kletterer in einem Klettergarten stürzte im Vorstieg und prallte bis auf den Boden. Im alpinen Gelände stürzte im Abstieg der Nachsteiger einer Zweierseilschaft wegen eines ausbrechenden Trittes ab und riss seine Begleiterin mit. Der Partner überlebte schwer verletzt, seine Begleiterin hingegen kam ums Leben. Des Weiteren stürzte ein Alleingänger im brüchigen Gelände ab. Ein Kletterer rutschte nach dem Ausstieg aus einer Route in der Brüggler-Südwand auf dem exponierten Pfad, der zum Gipfel führt, aus und erlitt durch den nachfolgenden Sturz in die steile Nordflanke den Tod. Ski- und Snowboardtouren Weniger Notfälle, jedoch Zunahme der Todesfälle Anfang 2009 lag in den Alpen genügend Schnee, und die Tourenbedingungen waren sehr günstig. Ab Ende Januar änderte sich dies markant. Mehrmals führten ergiebige Schneefälle mit starken Winden zu heiklen Situationen, zeitweise herrschte grosse Lawinengefahr, abwechslungsweise sowohl im Norden wie auch im Süden. Dadurch waren die Tourenaktivitäten eingeschränkter als im Vorjahr, was sich im Notfallgeschehen widerspiegelt. Mit insgesamt 259 Beteiligten entspricht dies im Vorjahresvergleich einem Rückgang von rund 25 Prozent. Häufigste Notfallursache waren wieder Stürze, bei denen sich die Betroffenen häufig leichte bis mittlere Verletzungen zuzogen. Trotz der zeitweise heiklen Lawinensituation wurden zwar weniger Tourenfahrer in einen Lawinenunfall verwickelt, die Folgen waren allerdings gravierender als im Vorjahr. Mehr Lawinenopfer Bei sieben Lawinenunfällen starben zehn Tourenfahrerinnen und Tourenfahrer, das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Während sich 2008 alle Lawinenunfälle mit tödlichem Ausgang bei der Gefahrenstufe « mässig » ereigneten, war dies 2009 anders. Vier Unfälle mit insgesamt fünf Opfern ereigneten sich bei der Gefahrenstufe « erheblich » und nur ein Unfall mit Todesfolge bei der Stufe « mässig ». Die zwei weiteren Lawinenunfälle mit insgesamt vier tödlich verunfallten Tourengängern ereigneten sich ausserhalb der Ausgabeperiode der Lawinenbulletins des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Im ersten Fall geriet ein Tourenfahrer im Mai während der Abfahrt in einen Nassschneerutsch und wurde über ein Felsband gerissen. Beim zweiten Unfall wurden im Juni drei erfahrene Alpinisten am Piz Palü im Fussaufstieg nach dem Skidepot von einem Schneebrett erfasst und über eine circa 400 Meter hohe Felswand in die Tiefe gerissen. Dieser schwerwiegende Unfall mahnt mit aller Deutlichkeit, dass es im Hochgebirge auch ausserhalb des Winters zu gefährlichen Triebschneeansammlungen kommen kann, die oft schwierig zu erkennen sind. Vor dem Unfall wehte in der Höhe zwei Tage lang ein zeitweise stürmischer Nordwind. Am Unfalltag selber war es schön, aber immer noch windig. Dies könnte die drei Alpinisten veranlasst haben, für das Skidepot eine windgeschützte Stelle etwas südlich des Gratverlaufes zu wählen. Von hier aus stiegen sie angeseilt etwas links des Grates empor und wurden von einem grossen Schneebrett überrascht. An diesem Tag waren mehrere Parteien auf der üblichen Route unterwegs zum Piz Palü und erreichten später das Skidepot. Aufgrund der topografischen Situation war dieser Unfall, der sich zuvor ereignet hatte, nicht erkennbar. Variantenabfahrten Stabile Notfall- und Unfallzahlen Bei den Variantenfahrern ist sowohl die Zahl der Notfälle als auch die der tödlichen Unfälle ohne signifikante Veränderungen leicht zurückgegangen. Wie auch in früheren Jahren überwiegen die Unfälle von Skifahrern deutlich ( 152 Skifahrer gegenüber 47 Snowboardern ). Mit 70 Beteiligten die häufigste Unfallursache war ein Sturz oder Absturz; dabei fanden zwei Skifahrer und ein Snowboarder den Tod. Durch eine Lawinenverschüttung verunfallten 44 Variantenfahrer ( 35 Skifahrer und 9 Snowboarder ); wobei sechs Skifahrer und ein Snowboarder bei Gefahrenstufe « erheblich » ihr Leben verloren. Bergwandern Die Zahlen steigen wieder Nachdem 2008 erstmals seit Jahren ein leichter Rückgang bei den Notfall- und Unfallzahlen zu verzeichnen war, sind nun im Berichtsjahr 2009 mit insgesamt 1008 Betroffenen wieder höhere Zahlen festzustellen. 462 Wanderer verunfallten nach einem Sturz oder Absturz. 102 Personen haben nur leichte Verletzungen davongetragen und konnten ambulant behandelt werden. 259 Betroffene mussten ohne lebensbedrohliche Verletzungen in Spitalpflege gebracht werden; 61 Personen erlitten schwere Verletzungen. Insgesamt 194 Wanderer mussten wegen einer Erkrankung gerettet werden; von diesen starben 34 Betroffene, dies wiederum häufig als Folge eines akuten Herz-Kreislauf-Problems. Häufig, wenn auch weniger zahlreich als im Vorjahr, gerieten Wanderer in unwegsames Gelände, waren blockiert oder hatten sich verirrt. Interessant ist auch ein Blick auf die Unfallursache « Tiereinwirkung ». Acht Wanderer waren betroffen, fünf zeigten allergische Reaktionen nach einem Wespenstich, zwei wurden von Giftschlangen gebissen, eine Person wurde von einer Kuh attackiert. Tödliche Unfälle: häufig ältere Personen und Alleingänger Viele Senioren sind unternehmungsfreudig, sie verfügen oft über ein komfortables Zeitbudget und sind viel allein unterwegs. Die demografische Struktur widerspiegelt sich auch in der Unfallstatistik. So betrug auch im Berichtsjahr der Anteil der über 50 Jahre alten Berggänger, die auf einer Bergwanderung durch einen Unfall ums Leben gekommen sind, mit 28 Beteiligten mehr als 50 Prozent aller Todesopfer. Auch die Zahl der Wanderer, die allein unterwegs waren, umfasst mit 240pfern mehr als die Hälfte aller Unfallopfer. Häufigste Ursache mit 37 Betroffenen waren Sturzunfälle. Diese waren ( zumeist als Folge eines Stolperns oder Ausrutschens ) auf Bergwegen mit 14 Toten am zahlreichsten. Auf Wanderwegen kamen vier und auf weiss-blau-weiss markierten alpinen Routen drei Wanderer durch einen Sturz ums Leben. Im weglosen Gelände ( Gras/Geröll sowie Felsen oder Schnee ) starben 17 Personen. Weiter fanden zwei Bergwanderer durch Steinschlag den Tod, und zwei Personen starben an Unterkühlung oder Erschöpfung, weil sie sich verirrt hatten. Weitere Bergsportarten Erneut mehr Notfälle beim Biken und Schneeschuhlaufen In dieser Kategorie werden die Freizeitaktivitäten erfasst, bei denen die Betroffenen aus eigener Kraft und selbstverantwortlich unterwegs sind. Wie schon in früheren Jahren sind Unfälle beim Gleitschirmfliegen am zahlreichsten. Von den insgesamt 115 Betroffenen erlitten 73 Personen mittlere bis schwere Verletzungen und mussten hospitalisiert werden, 42 Beteiligte hingegen kamen mit Blessuren davon oder blieben unverletzt, dies meist dann, wenn die Piloten bei der Landung in einen Baum geflogen waren und sich nicht aus eigener Kraft befreien konnten. Beim Mountainbiken ist die Zahl der Beteiligten erneut stark angestiegen: Mit 110 Personen entspricht dies einer Zunahme von 36 Prozent. Mit 92 Betroffenen am häufigsten waren Sturzunfälle, wonach 72 Biker hospitalisiert werden mussten; zwei fanden den Tod. An Herzversagen gestorben ist ein über 70 Jahre alter Mann, kurz bevor er den Kulminationspunkt einer anstrengenden Bergfahrt erreicht hatte. Auch beim Schneeschuhlaufen ist wie in den letzten Jahren ein sehr hoher Anstieg der Notfälle zu verzeichnen; mit 80 Beteiligten entspricht dies einer Zunahme von 54 Prozent. Am häufigsten waren Sturzunfälle, bei denen sich 34 Personen verletzten. Wegen Blockierungen oder Sichverirrens gerieten 24 Schneeschuhläuferinnen und Schneeschuhläufer in eine Notlage, meist wegen Überforderung, Erschöpfung oder Lawinengefahr. Acht Personen mussten wegen einer Erkrankung gerettet werden; drei Beteiligte starben an den Folgen eines akuten Herz-Kreislauf-Problems. Von Lawinen wurden acht Schneeschuhläufer verschüttet, fünf von ihnen erlitten den Tod. Folgenschwer war ein Unfall oberhalb des Lac de Cleuson im Wallis. Eine siebenköpfige Gruppe aus einem Priesterseminar wollte zu einer Hütte aufsteigen. Sie trugen Soutanen und hatten keine Lawinenverschüttetensuchgeräte dabei. An einem steilen Westhang wurden vier Teilnehmer von einer Lawine erfasst und verschüttet, nur eine Person konnte lebend geborgen werden. Unterschiedliche Risiken bei den Bergsportaktivitäten Schwere oder spektakuläre Unfälle in den Bergen führen oft dazu, dass in der Öffentlichkeit der Bergsport als besonders risikoreiche Tätigkeit dargestellt wird. Wir Berggängerinnen und Berggänger sehen dies natürlich anders. Oft wird die Frage diskutiert, wie die tatsächlichen Risiken zu bestimmen wären. Da die Zahl der Berggängerinnen und Berggänger nicht bekannt ist, sind Risikoberechnungen nicht möglich. Immerhin zeigen Schätzungen und Vergleiche, dass das Risiko beim Gang in die Berge etwa gleich gross ist wie im Strassenverkehr. Diese Pauschalisierung ist jedoch nur wenig aussagekräftig, weil sich die Risiken bei den einzelnen Aktivitäten stark unterscheiden. Genauere und darum auch interessantere Werte liefert ein Vergleich der tödlichen Unfälle mit den gesamten Notfallzahlen der entsprechenden Aktivitäten. Beim klassischen Bergsport liegen sie im Bereich von drei Prozent ( Klettern ) bis sieben Prozent ( Hochtouren ). Markant sind die Unterschiede: Beim Gleitschirm- und Deltafliegen mit knapp einem Prozent und beim Mountainbiken mit rund zwei Prozent liegen sie tiefer als beim klassischen Bergsport. Sehr riskante Spielformen des hier sehr weit gefassten Begriffes Bergsport sind das Base Jumping und das neue Speed Flying. Beim Base Jumping fanden 27 Prozent und beim Speed Flying 71 Prozent aller Verunfallten den Tod. Zwar liefern solche Gegenüberstellungen bemerkenswerte Ergebnisse, sie sagen aber nur wenig über das persönliche Risiko aus, das sich sehr direkt beeinflussen lässt. Wird eine Bergtour basierend auf den aktuellen Verhältnissen und den persönlichen Ressourcen sorgfältig geplant und bei ungünstigen Bedingungen abgebrochen oder nicht angetreten, ist sie wesentlich sicherer, als es die vorgestellten Zahlen suggerieren.
1 Der Begriff « Bergnotfall » umfasst alle Vorkommnisse, bei denen Berggänger die Hilfe der Bergrettungsdienste beanspruchen. Dies betrifft auch Erkrankungen und Evakuationen von unverletzten Personen. « Bergunfälle » – als Untermenge der Notfälle – sind Ereignisse, die der allgemeinen Definition eines Unfalls entsprechen. 2 Als tödliche Bergunfälle im engeren Sinne werden in dieser Statistik vor allem die Ereignisse beim klassischen Bergsteigen verstanden. Neue Formen des Bergsports werden nur eingeschlossen, wenn zu deren Ausübung kein Transportgerät verwendet wurde. Deshalb sind bei den hier ausgewiesenen Zahlen insbesondere die Todesfälle beim Delta- und Gleitschirmfliegen, beim Speed Flying, beim Base Jumping und beim Mountainbiken nicht berücksichtigt. So sind die Zahlen mit denjenigen früherer Jahre vergleichbar.