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Gut drei Minuten vor Schluss war noch einmal Spannung in der nicht ganz ausverkauften Future Arena im Olympic Park in Rio aufgekommen. Frankreich, das knapp zehn Minuten vor Schluss noch scheinbar aussichtslos 21:26 hinten gelegen hatte, verkürzte durch Nikola Karabatic auf 25:26.
Ihre Aufholjagd vermochten die Franzosen, die in der 24. Minute noch 13:11 geführt hatten, aber nicht zu krönen. Ausgerechnet Karabatic, der Welthandballer von 2007 und 2014 und seit Jahren der Kopf der französischen Mannschaft, unterliefen in der Schlussphase die beiden entscheidenden Fehler. Zuerst liess sich die französische Nummer 13 von Henrik Toft Hansen den Ball abluchsen (58.), eine Minute später beging Karabatic ein Schrittfehler, womit er den Dänen den Weg zum Sieg endgültig ebnete.
“Natürlich sind wir sehr enttäuscht, aber Dänemark war heute stärker als wir. Wir bekundeten in der Schlussphase körperliche Probleme und waren müde”, sagte Karabatic. Dennoch hätten sie – auch dank der Silbermedaille der französischen Frauen – Historisches geschafft. “Wir können stolz sein, auf das, was wir erreicht haben. Wir haben unseren Fans viel Freude bereitet.”
Die ansonsten so starke französische Defensive fand für einmal zu wenige Mittel, um die Dänen mit ihrem überragenden Werfer Mikkel Hansen (8 Tore) zu stoppen. Allein in der ersten Halbzeit kassierte das Team von Trainer Claude Onesta 16 Treffer – trotz Thierry Omeyer, dem 39-jährigen Keeper, der mit 15 Paraden einmal mehr eine starke Leistung zeigte. Wie Hansen und Karabatic spielt auch er beim französischen Doublegewinner Paris Saint-Germain.
Die Franzosen verpassten damit den Gold-Hattrick, nachdem sie 2008 in Peking und 2012 in London triumphiert hatten. Die dänischen Frauen bleiben die einzige Handball-Mannschaft, der dies gelungen ist (1996 bis 2004). Für die von Onesta gecoachte “Goldene Generation” war es die erste Niederlage in einem grossen Final in der letzten Dekade. 2009, 2011 und 2015 holte Frankreich den WM-Titel, 2006, 2010 und 2014 wurden “Les experts” Europameister. Bereits beim ersten Titel 2006 in der Schweiz waren neben Karabatic und Omeyer auch Daniel Narcisse, Michaël Guigou und Luc Abalo dabei gewesen.
Dänemarks Männer gewannen erstmals überhaupt in ihrer Geschichte eine olympische Medaille. Obwohl als Aussenseiter zum Final angetreten, war der Sieg der Nordeuropäer keine Überraschung, auch wenn sie zum Abschluss der Vorrunde Frankreich 30:33 unterlegen waren. Die Mannschaft des isländischen Trainers Gudmundur Gudmundsson war 2011 und 2013 WM-Zweiter geworden und holte 2008 und 2012 den EM-Titel. Für Gudmundsson war es eine späte Revanche. 2008 war er mit seinem Heimatland Island im Olympia-Final in Peking Frankreich unterlegen.
Europameister Deutschland, das im Halbfinal beim 28:29 gegen Frankreich den entscheidenden Treffer zwei Sekunden vor Schluss hatte hinnehmen müssen, gewann Bronze und damit zum ersten Mal seit zwölf Jahren und dem verlorenen Final gegen Kroatien in Athen wieder eine Medaille. Die Deutschen bezwangen im Spiel um Platz 3 Polen, das im Halbfinal den Dänen erst nach Verlängerung knapp unterlegen war, 31:25.
(SDA)