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Zum Auftakt des Australian Open sorgten das britische Fernsehen BBC und das Onlinemagazing BuzzFeed für ein Erdbeben in der Tennisszene. Die geäusserten Korruptionsvorwürfe sind allerdings nicht neu.
Immerhin konnten die BBC und BuzzFeed die alten Vorwürfe konkretisieren, weil ihnen offenbar von einem Insider Auszüge der damaligen Untersuchungsunterlagen zugespielt wurden. Der einzige konkrete Fall, der ausgebreitet wird, betrifft die Partie zwischen dem Russen Nikolai Dawydenko und dem Argentinier Martin Vassello Arguello in Sopot, Polen. Dass diese Partie getürkt gewesen sein soll, ist seit Jahren hinlänglich bekannt, obwohl Dawydenko später von den Vorwürfen freigesprochen wurde. Die Wettbüros zahlten damals keine Gewinne an die Wetter aus. Dawydenko, die Nummer 4 der Welt, gab gegen Vassallo Arguello, die Nummer 87, im Entscheidungssatz verletzt auf, nachdem er als haushoher Favorit mit einem Satz und einem Break geführt hatte. Für diese Partie gingen für umgerechnet fast zehn Millionen Schweizer Franken Wetten ein; das meiste Geld wurde auf einen Aussenseitersieg gesetzt. Diese Wettsumme ist zehnmal höher als die Gesamtsumme, für die im Schnitt an einem kleinen Turnier wie Sopot gewettet wird.
Der "Fall Dawydenko" führte vor acht Jahren zu einem Umdenken. Neue Regeln (Antikorruptions-Code) wurden im Jahr 2009 erlassen. Das "Tennis Integrity Unit" (TIU), eine Untersuchungskommission für derartige Fälle, wurde ins Leben gerufen. Das TIU sperrte in den letzten sechs Jahren 18 Spieler, sechs davon lebenslänglich. Der Internationale Tennisverband (ITF) und die Association of Tennis Professionals (ATP) weisen die Vorwürfe von BBC und BuzzFeed zurück, wonach Korruptionsfälle verschleiert oder zurückbehalten wurden. Es sei aber nicht möglich gewesen, die seit 2009 gültigen neuen Regeln rückwirkend anzuwenden. "Der Vorwurf, der Tennissport hätte Korruptionsfälle nicht korrekt gehandhabt, entbehrt jeder Grundlage. Die Verbände haben die Wettproblematik alles andere als auf die leichte Schulter genommen", so Chris Kermode, der Präsident der ATP in Melbourne.
Tennisspiele eignen sich für Wettbetrug gut, denn seit Jahren kann nicht nur über den Ausgang einzelner Partien, sogar über einzelne Games und Ballwechsel gewettet werden.
Ohne Namen zu nennen, behaupteten BBC und BuzzFeed nach der gemeinsamen Recherche, dass Sieger von Grand-Slam-Turnieren in Einzel und Doppel zu der Kerngruppe von 16 Spielern gehörten, die mehrmals in an (wetttechnisch) hochverdächtigen Partien mitspielten. Ein Top-50-Spieler, der am Australian Open teilnimmt, wird verdächtigt, mehrmals den ersten Satz in eigenen Spielen absichtlich verloren zu haben. Die Spieler würden von der Wettmafia in ihren Hotelzimmern kontaktiert; pro Betrug winken Beteilitungen in Höhe von 50'000 und mehr Franken. Wettsyndikate aus Italien und Russland sollen Hunderttausende von Franken mit verdächtigen Wetten verdient haben, auch an den europäischen Grand-Slam-Turnieren in Paris und Wimbledon. Auf einer Liste (aus dem Jahr 2007) figurieren über 70 verdächtige Spieler, von denen nie einer belangt worden sei.
SDA-ATS