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Die Weltmeisterinnen 1983 mit Erika Müller (Skip), Barbara Meyer (heute Gurini), Barbara Meier (heute Sieber-Thommen), Cristina Wirz (heute Lestander), (v.l.n.r.)
Erika Müller skippte das legendäre Frauenteam des Curling Clubs «Bern Egghölzli», dominierte die 80er-Jahre mit 5 Schweizermeister-Titeln und wurde 1983 im kanadischen Moose Jaw souverän Weltmeisterin. Das Finalscore (18:3 gegen Norwegen) zeugt von der damaligen Überlegenheit – eine Rekordmarke übrigens, die bis heute anhält.
Neben weiteren erspielten internationalen Medaillen machte sich Erika Müller später auch als Nationaltrainerin verdient, coachte verschiedene Teams zu Edelmetall-Erfolgen und führte diverse Funktionen und «Ämtli» beim Schweizerischen Curling Verband aus. Zuletzt gewann sie auch bei den Seniorinnen Medaillen für die Schweiz, bevor dann ganz Schluss war mit Curling.
«Hit & Roll»: Liebe Erika, spielst Du noch aktiv Curling und hast Du überhaupt noch einen Bezug zu unserem Sport?
Erika Müller: Ich habe vor acht Jahren, nach fast 40 aktiven Jahren, mit dem Curlingsport aufgehört. Zuletzt habe ich beim Curling Club Aarau gespielt, wo ich noch zusammen mit Barbara Gurini-Meyer, meiner Nummer 3 aus dem WM-Team von 1983, in der lokalen Liga gespielt habe.
Verfolgst Du die aktuellen Meisterschaften noch immer und kennst Du die Spitzenteams?
Ich verfolge den Curlingsport auf nationaler und internationaler Ebene, natürlich auch die amtierenden Weltmeisterinnen vom CC Aarau, mit Skip Silvana Tirinzoni, die ich selbst einst als Coach betreute. Auch die nationalen und internationalen Meisterschaften schaue ich mir im Fernsehen, online oder live vor Ort an. Unsere geplante Reise an den kanadischen Brier im letzten Frühjahr mussten wir wegen der Pandemie leider verschieben.
Hast Du das Curling «ersetzt» durch einen anderen Sport, ein anders Hobby, durch Beruf, Berufung oder Familie?
Bereits während meiner Curling-Karriere spielte ich ziemlich intensiv Tennis, wobei ich in verschiedenen Mannschaften auch im Interclub mitmachte; Tennis ist auch heute noch mein Sport. Mein Mann überredete mich zusätzlich zum Golfen und auch Velofahren und Wandern gehören zum Sportprogramm. Vor einigen Jahren habe ich mich schliesslich der abstrakten Malerei zugewandt, ein Hobby, das ich heute recht intensiv und gerne betreibe. Und auch unser Grosskind Leila nimmt seinen Platz in der wöchentlichen Agenda ein.
Was hat Dich dazu bewogen, einen «Schlussstrich» unters Curling zu ziehen?
Das Curling-Ende kam, als mich mein Knie immer mehr im Stich liess. 2013 schafften wir mit meinem ehemaligen WM-Team von Bern Egghölzli noch den Schweizer-Meistertitel bei den Seniorinnen und flogen zur Senioren-WM nach Kanada. Doch dann war endgültig Schluss.
Wo und wie lebst Du heute?
Seit elf Jahren wohnen wir in Lenzburg mitten in der Schweiz und geniessen die zentrale Lage, denn wir nutzen auch gerne das kulturelle Angebot in den grösseren Städten Zürich, Basel, Bern oder Luzern.
Was hättest Du keinesfalls mit Deiner Curling-Karriere kombinieren können?
Als ich leistungsmässig Curling spielte, war der Trainingsaufwand bereits gross, doch es gab noch kaum internationale Turniere. Die Abwesenheiten hielten sich dadurch in Grenzen. Deshalb war es gut möglich, die Leistungssportkarriere mit Familie, Beruf und anderen Aktivitäten zu kombinieren. Heute ist dies bedeutend schwieriger.
Könntest Du die Zeit zurückdrehen: Würdest Du Curling wieder dieselbe Bedeutung zumessen?
Ganz bestimmt, der Curlingsport hat mir sehr viel gegeben. Nicht nur die Zeit mit den nationalen und internationalen Wettkämpfen, sondern auch meine zahlreichen Aktivitäten danach, zum Beispiel meine Trainerausbildung in Magglingen, meine Zeit als Nationaltrainerin der Frauen und in verschiedenen Verbandsjobs sowie die Einsätze als Schiedsrichterin bei internationalen Wettkämpfen und als Statistikerin für Christian Saager und seine Firma Curlit, die mich in zahlreiche – teils auch exotische – Länder führten.