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Muss man wirklich ein schlechtes Gewissen haben, wenn man mehrere Tassen Kaffee täglich konsumiert, oder ist das Getränk besser als sein Ruf – vielleicht sogar gut für die Gesundheit? Und wie viel Kaffee ist eigentlich zu viel?
Diese Diskussionen lassen jedoch immer die jeweilige Person und dessen individuelle Konstitution außer Acht. Manch einer berichtet, Kaffee tut ihm gut und andere berichten das Gegenteil. Was stimmt nun? Was sagt die TCM dazu?
Geschichtliches
Die Entdeckung des Kaffees um 850 n. Chr. ist begleitet von zahlreichen Legenden. Eine davon besagt, dass ein mohammedanischer Mönch in Äthiopien eines Abends beobachtet haben soll, wie seine Ziegen aussergewöhnlich lebhaft waren, nachdem sie von einer unbekannten Beere gegessen hatten. Neugierig geworden probierten die Mönche von der dunkelroten Frucht, aber enttäuscht vom bitteren Geschmack warfen sie diese alsbald ins Feuer. Kurz darauf verbreitete sich ein köstlicher Duft von den inzwischen „gerösteten“ Kaffeebohnen, aus denen sie ein schwarzes Getränk brauten, das sie fortan einnahmen, um beim Nachtgebet wachzubleiben. Im Zuge der Kolonisierung gelangte der Kaffee über das Rote Meer aus Äthiopien nach Arabien und Spanien, allerdings erst nach der ersten Einfuhr von Kakao und Tee. Die Kolonialmächte errichteten darauf die ersten Plantagen in Indonesien, Ceylon und Indien, und nachdem die Holländer den Kaffeebaum in der neuen Welt einführten, verbreitete sich dessen Anbau zusehends in allen tropischen Ländern innerhalb der 24. Breitengrade nördlich und südlich. Heute finden sich in über 70 Ländern Kaffeeplantagen, wobei der grösste Teil der Weltproduktion aus Südamerika stammt. Die Plantagen liegen hauptsächlich in einer Höhe zwischen 600 und 1200 Metern über Meer, Kaffee wird aber auch in höheren und tieferen Lagen angebaut. So ist seiner ausgezeichneten Qualität wegen der Hochlandkaffee – genannt „Strictly High grown“ – besonders geschätzt. Von den 80 verschiedenen Arten von Kaffeebäumen sind hauptsächlich zwei von besonderer Bedeutung. Die Arabica-Bohne deckt ca. drei Viertel der gesamten Weltproduktion, der restliche Viertel wird von der Robusta-Bohne gedeckt, der qualitativ eher mittelmässigen Kaffee ergibt.
Heutzutage gehört der Kaffee zu den verbreitetsten Getränken weltweit.
Wirkung von Kaffee nach TCM
Geschmack: Bitter, sauer TCM
Temperatur: Kurzfristig erhitzend, dann kühlend
Funktionskreis: Herzkreislauf, Herz, Lunge, Leber, Niere
Kaffee aus Sicht der TCM
Kaffee ist, bevor er geröstet wird, thermisch kalt, sogar sehr kalt. Durch das anrösten verliert der Kaffee einen Teil seiner Kälte, bleibt aber trotzdem weiterhin kalt. Sein Geschmack ist bitter und aromatisch duftend, was mitunter meist der Grund für seine starke Anziehung ist. Der Duft von geröstetem Kaffee wirkt auf uns magnetisierend und belebend. Diese euphorisierende Wirkung ist auch der Grund warum so gerne Kaffee getrunken wird
Durch den Konsum von Kaffee können wir besser denken, es regt die Ratio (Yi) und den Geist (Shen) an. Dies können wir im Alltag und in der Arbeitswelt gut gebrauchen, hat aber auch seine Kehrseite: unsere Nieren werden geschwächt. Kaffee verletzt das Nieren-Qi, daher sollten Menschen mit Polyurie keinen Kaffee trinken. Als täglich zugeführtes Diuretikum raubt er dem Körper die wasserlöslichen Nährstoffe, vor allem Kalium, Calcium und Magnesium, Vitamin C und B- Komplexe, die als Yin- Aspekt anzusehen sind. Diese Nährstoffe sind für die Muskulatur wichtig und ermöglichen die Balance zwischen Kontraktion und Entspannung. Kaffee kann die Heilung bei muskoloskelettalen Störungen verlangsamen und sogar verhindern. Der Yin- Verlust verstärkt schmerzhafte Zustände, gerade auch Unterleibsschmerzen bei Frauen und verstärkt Krampfneigungen.
Durch die Bitterkeit wirkt der Kaffee ausleitend und kann die Darmpassage anregen. Sein aromatischer und bitterer Anteil unterstützt dabei die Verdauung Der bittere Geschmack hat auch eine trocknende Wirkung und kann die Menge des Blutes reduzieren. Speziell wirkt Kaffee auf das Herz- Blut, er trocknet also Herz Blut. Diese Reduktion löst einen inneren Wind aus, der mit Unruhe, Palpitationen und Schlafstörungen einhergehen kann. Von dieser Wirkung wird sehr häufig berichtet.
Hingegen stimuliert Kaffee Qi und Yang, macht wach, warm und angeregt. Lässt die Wirkung nach, fällt man in den alten Zustand zurück, möglicherweise wird das Qi geschwächt. Die Stimulation stört den harmonischen Fluss des Qi und kann zu Blockaden führen, die durch weiteren Kaffeegenuss kurzfristig bewegt werden können.
Für wen ist Kaffee geeignet
Wenn Du eine üppige Mahlzeit isst, tut dir ein kleiner Espresso nach dem Essen gut. Er regt die Verdauung an und fördert die Resorption von Fett und tierischem Eiweiss.
Ansonsten eignet sich Kaffee besonders für Menschen, die viel Fleisch essen und genügend Wärme im Körper haben. Bei denjenigen also, welche eine Fülle oder einen Überschuss haben, kann der Kaffee diese Fülle ausleiten.
Von welchen Füllezuständen oder Überschüssen sprechen wir hier? Es gibt angespannte Menschen, welche erst nach dem ersten morgendlichen Kaffee ansprechbar sind. Hier sprechen wir von einer sogenannten Qi-Stau Konstitution, welche entsteht, wenn sich viel Feuchtigkeit ansammelt und zu einer Art Verschlackung führt. Kaffee verschafft solchen Menschen durch seine anregende und verdauungsfördernde Eigenschaft Klarheit und Antrieb. Eine Qi-Stau Konstitution kann sich zu Feuchter Hitze weiter entwickeln. Eine Konstitution die oft in feucht, warmen Ländern vorkommt, genau da also wo die Kaffeebohne auch wächst.
Für wen ist Kaffee nicht geeignet?
Kaffee trocknet Blut und kühlt den Körper aus. Daher sollten Menschen mit Blutschwäche und Kälteanzeichen keinen Kaffee trinken oder besonders auf die Zubereitung und Kombination achten.
Menschen mit Blutmangel, die sich vielleicht auch vegetarisch oder vegan ernähren, können schnell eine Blutschwäche entwickeln – wir sprechen hier von der Blutmangel Konstitution. Diese Personen sollten keinen Kaffee trinken und können schnell mit Unruhe und Schlaflosigkeit reagieren.
Kältekonstitutionen, die schnell frieren und energielos sind, bekommen zwar kurzfristig einen Energieschub, verschlimmern aber letztendlich die Ursache.
Zubereitungen von Kaffee
Für jede Konstitution kann der Kaffee Genuss passender gemacht werden!
• Für die Kälte Konstitution kann der Kaffee mit Gewürzen wie Kardamom kombiniert werden. Kardamom gleicht die kühlende Wirkung auf die Nieren aus und kann sogar die Toxine, die durch das Rösten entstanden sind neutralisieren. Es können zusätzlich Gewürze wie Ingwer und Curcuma beigemengt werden. Hier empfehlen wir auch den Kaffee mit den Gewürzen zu kochen und nicht nur aufzubrühen, dies macht den Kaffee bekömmlicher und der Kaffee erhält mehr verdauungsfördernde Qualität.
• Für Patienten mit einer Blutmangel Konstitution sollte etwas Milch oder Zucker dem Kaffee hinzugefügt werden, dadurch wir die trocknende Qualität etwas verringert.
• Menschen mit einer Feuchtigkeit Konstitution sollten den Kaffee nicht als Milchkaffee konsumieren.
Fazit
Kaffee hat wie alle Lebensmittel spezifische Wirkungen auf den Körper – und jeder Mensch bringt eine einzigartige Konstitution mit. Je nach Konstitution passt somit der Kaffee (oder auch alle anderen Nahrungsmittel) besser zu einer Person als zur anderen. Diese Differenzierung in der Ernährungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin ermöglicht eine zielgenaue Beratung, passend und individuell für jede persönliche Konstitution.
Was beim Kaffee Genuss immer zu empfehlen wäre, ist Wasser dazu zutrinken im Verhältnis 1:1 , wie dies in südlichen Ländern auch üblich ist.