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Tagebuchaufzeichnungen und Betrachtungen eines Kaninchens über die Beziehungen Mensch-Kaninchen und umgekehrt
In ihrem ersten Meisterwerk befasst sich die Autorin mit philosophischen Fragen. Während ihrem Leben mit den Menschen habe sie gemerkt, dass das Leben den Kaninchen viele Schwierigkeiten in den Weg stelle, die man nur mit Meditationen über den Sinn des Lebens lösen könne, so FF Zosia. So habe sie immer noch nicht begriffen, mit welchem Recht die Menschen die Kaninchen in Käfige sperren und zum Teil sogar verspeisen. Sie stellte sich also die Aufgabe, die Welt aus der Sicht eines Haustieres darzustellen. Sie betonte, dass ein Buch dieser Art seit langem überfällig war, und ihrer Meinung nach, war niemand besser für so ein Unterfangen geeignet, als ein adliges Kaninchen, das sich tagtäglich mit dem Unverstand der menschlichen Dienerschaft herumschlagen müsse.
Doch das ist nicht die einzige Ungerechtigkeit, die sie bewogen habe, sich mit Philosophie zu beschäftigen. Zosia erklärte, dass es eine gewisse Spezis Tier (neben der Spezis Hund, die sie als potentielles Beutetier auch nicht gerade schätzte) gäbe, die sie überhaupt nicht ausstehen könne. Sie nenne sich Katze. Mit ihrem Egoismus nähmen sie den Kaninchen die besten Plätze in der Welt der Menschen weg. So fragte sie sich auch, warum die Kaninchen in dunkeln Käfigen versauern sollten, während die Katzen ein Leben in Freiheit und im warmen Wohnzimmer führen dürfen? Und dann hätten sie noch die Arroganz zu glauben, sie seien die einzigen weltweit anerkannten Autoren aus der Tierwelt. Mit was würden sie diesen Anspruch begründen?
Ihr seht, Fragen über Fragen. Gelöst wurde bis jetzt keine, die Meditation ging weiter, aber leider reichte es nicht mehr zu der geplanten Fortsetzung dieses Bestsellers.
Zugegeben, es war für mich nicht leicht, als ich an einem ziemlich schönen Maiabend die Hand meines bisherigen Meisters im Nacken spürte, der mich aus der behaglichen Gesellschaft meiner Familie herausriss. Zunächst verspürte ich einen gehörigen Schrecken. Schliesslich wusste ich nicht, was auf mich wartete. Zudem gingen immer wieder die verschiedensten Gerüchte über unsere Zukunft im Stall um, die auch nicht gerade dazu verhalfen, mich zu beruhigen. Sehr bald merkte ich, dass es Abschied zu nehmen galt von meiner bisherigen vertrauten Umgebung. Diese Tatsache liess mich vorerst auch nicht ruhiger werden, obwohl ich meine Nervosität geschickt zu verbergen suchte.
Nun also, wie gesagt, ich war durchaus aufgeregt damals. Doch darf ich wohl zu meiner Entschuldigung mein jugendliches Alter ins Felde führen, das so Manches entschuldbar macht. Zudem hatte ich zunächst ja wirklich keine Ahnung wohin es denn nun gehen sollte. Und diesen Griff im Nacken schätzte ich auch durchaus nicht. Wenn ich ehrlich bin, er war mir zutiefst zuwider und ich schwor mir damals, in meiner unglücklichen Lage unter dieser Hand, dass ich mich zukünftig nicht mehr so anfassen lassen wollte. Ich darf nicht ohne Stolz bemerken, dass ich mich bisher an diesen Schwur gehalten habe.
Wenn man bedenkt, dass wir Kaninchen doch Einiges mitzumachen haben, erscheint meine damalige Angst auch in einem verständlicheren Licht. Wir sind ja meist der Willkür der Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und wie ich schon einmal erwähnt habe, kursierten im Stall die wildesten Gerüchte. Doch sehr bald zeigte sich, dass meine Sorgen völlig unbegründet waren. Ich kam in die Obhut eines weiblichen Wesen, das, so schien es mir, selbst um einiges aufgeregter war, als ich es je zu sein vermochte. Tagebuchaufzeichnungen, p.3-6
Der weitaus aufregendste Teil meiner Reise war, als ich, immer noch im Körbchen, den Zug verliess und in eine ziemlich hektische Welt kam. Heute weiss ich, dass es eine grosse Stadt ist, die Basel genannt wird. Damals war dies alles ziemlich neu und unbekannt. Vor allem diese vielen zum Teil unsäglich lauten Geräusche gingen mir doch ziemlich auf die Nerven. Ich erinnerte mich aber sogleich an eine Erzählung meiner Mutter, die uns Kindern einmal von weit entfernten Verwandten berichtete, die völlig frei in einer Grossstadt lebten und die sich auch an diese ungeheuer grossen Lärmquellen gewöhnt hatten. Leider konnte sie uns nicht sagen, um welche Stadt es sich handelt. Heute weiss ich von meinen Menschen, dass es sich durchaus um die Stadt Basel hätte handeln können. Tagebuchaufzeichnungen, p.10
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