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«Boa» bedroht Indios
Was bedeuten Kinder in den Ländern des Südens für ihre Eltern? Wie leben sie? Welches sind die Ursachen ihrer Armut?
Quito, die Hauptstadt des lateinamerikanischen Staates Ecuador, liegt auf 2800 Metern Höhe. Von hier aus steigt man bis auf 200 Meter hinunter, wo im Osten die weiten Urwaldgebiete des Amazonas liegen.
Hier ist die Heimat zahlreicher Indio-Völker, die bis in die Mitte unseres Jahrhunderts relativ unbehelligt lebten. In der Hauptstadt interessierte sich kaum jemand dafür. «Bisher hatte man in Quito vom Urwald nur eine dunkle und ungenaue Ahnung. Man erzählte sich Schauergeschichten», stellte ein weisser Ecuadorianer fest.
1967 wurde alles anders. Im Amazonas-Gebiet wurde Erdöl entdeckt. Grosse Firmen wie die US-amerikanische Texaco erschlossen den Urwald durch Strassen und Flugplätze. Um das Öl an die Küste zu transportieren, bauten sie eine 1000 Kilometer lange Pipeline. Die Indios nennen sie «Boa». Diese künstliche Riesenschlange ist das Symbol einer Entwicklung, welche die Einheimischen dem Würgegriff der «Zivilisation» aussetzt. Die Urvölker Huaorani, Cofanes, Sionas, Secoyas, Quichuas und Shuaras sind in Gefahr.
Zwei Welten stossen hier aufeinander. «Die Europäer und US-Amerikaner betrachten den Urwald als Lieferant von Rohstoffen. Für uns ist er Lebensraum», betont einer der bedrohten Indios.
Im Kampf um die Modernisierung, beziehungsweise ums Überleben als kulturell eigenständige Völker, spielten die christlichen Missionen von Anfang an eine bedeutende, aber gegensätzliche Rolle. Die Zeitschrift «Sonntag» fasste sie am Anfang ihres Artikels «Der Fluch des schwarzen Goldes» mit den Worten zusammen: «Indianische Völker im ecuadorianischen Amazonas sind zur Zielscheibe der evangelikalen Sekten geworden, deren Arbeit von Erdölkonzernen bezahlt wird. Die Kapuziner gehen einen anderen Weg: Respekt vor den indianischen Kulturen wird dort grossgeschrieben.» (18. 6. 98)
Nicht nur die ursprünglichen Bewohner, auch die Siedler, die von der Regierung in den Urwald geschickt wurden, gehören zu den Opfern einer Entwicklung, die auf menschliche Schicksale kaum Rücksicht nimmt. Wie die folgenden Artikel zeigen, sind die Kapuziner bemüht, auch ihre Lebensbedingungen zu verbessern.
Walter Ludin
Ecuador
Von der fast zehn Millionen Einwohnern sind nach offiziellen Angaben 35 % Mestizen (Mischlinge von Weissen und Indios), 25% Weisse, 20% Indios, 15% Mulatten (Mischlinge von Weissen und Schwarzen) sowie 5% Schwarze. Der Indianer-Missionsrat CIMI schätzt jedoch die indianische Bevölkerung mehr als doppelt so hoch ein, nämlich 43%. 93% der Bevölkerung sind katholisch. Dazu kommen Minderheiten von Protestanten, Juden, Bahai und indianische Naturreligionen.