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Neue Wohnungen in den ehemaligen Spinnereihäusern von Uster
Drei Häuser stehen hier dicht an dicht, wie sie die alte Anlage der Spinnerei zurückgelassen hat. Vom östlichen, parkwärts gelegenen ist das alte Gemäuer erhalten, das westliche an der Sonnenbergstrasse ist ein Neubau im Luftraumprofil des alten, die Lücke dazwischen füllt der Turm, der strukturell unverändert geblieben ist. Diese Lücke machte der Wasserkraftanlage der beiden anderen Bauten Platz. Der Kanal, der die Wasserräder und später Turbinen antrieb, zieht sich jetzt unter dem Turm und der Gasse zum neuen Turbinenhaus durch. Seine vorgeschalteten Zulaufkanäle, Weiher, Schleusen und Überläufe sind heute in der Parkanlage eingebettet wie Wasserspiele in Versailles oder Nymphenburg, aber mit anderer Entstehungsgeschichte.
Die Konversion von Industriebauten hat als erste und vordringlichste Aufgabe, die vorhandene Weiträumigkeit der industriellen Baukörper zur Kleinteiligkeit von Wohnungen umzudeuten, ohne dass sie ihren grossen Charakter verlieren, der ja ihre Attraktivität ausmacht. Darum verbergen die Architekten die zwei neuen notwendigen Treppenhäuser ihres Neubaus hinter einer einfachen Lochband-Fassade. Indem sie je vier Fensterbänder über die Wohnungsgrenze hinaus zu den Treppenpodesten ziehen, lassen sie der Fassade den grossen Massstab des vorherigen Industriebaus. Mit dem dritten Treppenhaus hingegen weichen sie in den Altbau aus, es erschliesst von dort aus auch die Turmwohnungen und erlaubt, die unterschiedlichen Rhythmen der beiden Fassaden frei von Störungen zu halten. Alle drei Treppen laufen dann im Untergeschoss zusammen in einem Gang, der in die Einstellhalle mündet.
Die Grosszügigkeit industrieller Hallen und Grossvolumen wird jeweils sinnfällig durch die vielen kleinteiligen Behelfsanbauten von Unterständen, Laderampen und dergleichen. In dieser Rolle treten der Reihe nach die beiden Hauseingänge zum Gassenraum auf. Der eine ist eine Überarbeitung einer alten Eingangsloge, der andere nimmt die beiden Treppenhäuser in einer Raumnische am Gassenraum auf. Dann gehört dazu der minimale Quader des neuen Turbinengehäuses auf dem Platz vor dem alten Hochkamin. Ihren Anfang jedoch nimmt die Reihe mit dem gläsernen Ladenportal am schmalseitig verlängerten Neubau. Tags spiegelnd und Abends hell erleuchtet, steht es prominent über einer Freitreppe als Markierung für die ganze Wohnanlage. Die Architekten setzen dieses Kleingehäusethema in den Wohnungen weiter fort. Die Jahreszeitenzimmer der Loggien sind wie Gartenlauben in den Wohnraum eingebettet und wie Badehäuser stehen die Badezimmer frei. Im Sprung hinauf unter das Turmdach kommt schliesslich eine eigenwillige Zweigeschossigkeit ins Spiel, das Dach entfaltet seine plastische Kraft, wenn es über dem durchlaufenden Fensterband auskragt und die Innernräume dahinter überformt.
Offensichtlich haben die Architekten die gewachsene heterogene Industrieanlage so zu transformieren verstanden, dass ihre Umorientierung zur Wohnlichkeit selbstverständlich und leicht erscheint und dennoch die Erinnerungen bewahrt, dass alles anders war.
Bild: Roger Frei