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Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben
Robert Grimm (geboren 1881 in Wald/ZH, gestorben 1958 in Bern) gehörte seit dem Beginn des Ersten Weltkriegs zu den führenden Persönlichkeiten der schweizerischen Sozialdemokratie. Er organisierte 1915 und 1916 die internationalen Konferenzen in Zimmerwald und Kiental. Im Februar 1918 rief er das Oltener Aktionskomitee ins Leben, das im November des gleichen Jahres den Landesstreik ausrief. Grimm wurde in der Folge zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Während dieser Zeit schrieb er die „Geschichte der Schweiz in ihren Klassenkämpfen“. Robert Grimm war in verschiedenen Ämtern und Positionen tätig: Er war unter anderem Sekretär des Arbeiterbundes Basel und des Verbandes der Handels- und Transportarbeiter, Mitglied im Typographenbund und in der Sozialdemokratischen Partei (Präsident der SP Kanton Bern von 1911–1943), Chefredaktor der „Berner Tagwacht“, Direktor der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn, Berner Gemeinde- und Regierungsrat sowie Nationalrat (Präsident 1946). Robert Grimm war von 1908 an mit Rosa Grimm (vormals: Reichesberg) verheiratet (sie hatten zwei Kinder: Bruno und Jenny). Nach der Scheidung heiratet Grimm 1919 ein zweites Mal, und zwar die aus Wald/ZH stammende Jenny Kuhn (zwei Kinder: Hans-Ulrich und Ursula Vera). Ursula heiratet 1949 Adolf McCarthy, der Ende der 80er-Jahre eine Biografie über seinen Schwiegervater schrieb.
Bestandesgeschichte
Bereits unmittelbar nach dem Ableben von Robert Grimm gelangte 1958 durch Vermittlung von Julius Braunthal, dem ehemaligen Sekretär der Sozialistischen Internationalen, ein Teil des schriftlichen Nachlasses ins IISG nach Amsterdam, sehr zum Bedauern der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Zu dieser ersten Ablieferung gehörten fast ausschliesslich Dokumente und Druckschriften zur Zimmerwalder Bewegung, in der Grimm als Sekretär der Internationalen Sozialistischen Kommission und als Redakteur des Bulletins der ISK eine hervorragende Stellung einnahm. Grimms Unterlagen bilden das eigentliche Archiv der Zimmerwalder Bewegung, das von Horst Lademacher in den frühen 1960-er Jahren im Hinblick auf das geplante Editionsprojekt provisorisch geordnet wurde. In der zweibändigen Edition von 1967 wurden dann die Protokolle (Vorbereitende Sitzung vom Juli 1915, Zimmerwalder Konferenz vom September 1915, Sitzung der Erweiterten Kommission vom Februar 1916, Kientaler Konferenz vom April 1916 und Sitzung der Erweiterten Kommission vom Mai 1916) sowie diverse Rundschreiben und eine Vielzahl überwiegend maschinenschriftlicher Manuskripte von Berichten über die politische bzw. parteipolitische Situation in einzelnen Ländern sowie von Aufrufen und allgemeinen Betrachtungen zum Themenkreis publiziert. Der zweite Band von Lademachers Edition umfasst einen grossen Teil der Korrespondenz im Nachlass Grimm (rund 450 von insgesamt gut 600 Schriftstücken). Drei Serien der Grimm Papers in Amsterdam wurden in den 1970er Jahren für das Schweizerische Sozialarchiv mikroverfilmt: die Briefe von Robert Grimm bzw. der Internationalen Sozialistischen Kommission zu Bern (ISK), 143 Dokumente (Serie A); die Briefe an Robert Grimm bzw. an die Internationale Sozialistische Kommission, 201 Dokumente (Serie B); die Protokolle und Anträge, 14 Dokumente (Serie F).
Eine zweite Ablieferung zu Handen des IISG erfolgte 1970 auf Vermittlung von Willy Keller, Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Die Amsterdamer Sammlung erhielt damit aus dem Besitz von Grimms Witwe nochmals eine namhafte Ergänzung, insbesondere weitere Schriftwechsel (u.a. mit: Paul Axelrod, Heinrich Brandler, Anton Pannekoek und Clara Zetkin), Unterlagen zur Internationalen Frauenkonferenz vom 26./27.03.1915 in Bern, diverse Drucksachen und die Buchhaltungsunterlagen der Zimmerwalder Bewegung. Zahlreiche Dokumente der zweiten Lieferung wurden für das Schweizerische Sozialarchiv fotokopiert.
Der übrige Teil des umfangreichen Nachlasses von Robert Grimm gelangte zu Beginn der 1970er Jahre ins Schweizerische Bundesarchiv (Signatur BAR J I.173). Der Bestand im Schweizerischen Bundesarchiv umfasst zahlreiche, teils unveröffentliche Manuskripte (Artikel, Berichte, Referate, Vorträge, Rezensionen, Nekrologe), Akten der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz bzw. der SP-Fraktion der Bundesverwaltung (Protokolle, Briefe, Erklärungen, Beschlüsse), Akten der Sozialdemokratischen Partei des Kantons Bern und der Stadt Bern (Briefe, Flugblätter, Protokolle, Abstimmungs- und Wahlunterlagen), Unterlagen über Robert Grimm (Zeitungsartikel), thematische Akten (Verkehrsfragen und Energiewirtschaft, Fall Hoffmann-Grimm 1917, Internationale sozialistische Konferenzen und Kongresse 1921-1923 [insbesondere Unterlagen zur Internationalen Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien IASP]), Korrespondenz (u.a. Briefe von Eduard Bernstein, Ernest-Paul Graber, Karl Kautsky, Franz Mehring, Ernst Nobs, Fitz Platten und Clara Zetkin), Prozessakten sowie Unterlagen zur Biographie (Gratulations- und Sympathieschreiben, Ausweise, Verträge, Bilddokumente). Gemäss einem im Schweizerischen Sozialarchiv vorhandenen Verzeichnis sollten damals einzelne Dossiers den Archiven der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz und des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes einverleibt werden. Für das Archiv der SPS waren Unterlagen zur Parteigeschichte aus den Jahren 1892-1923 vorgesehen, das Archiv des SGB sollte die Akten zur Notstandsaktion von 1914/1915 sowie einzelne Dokumente zur Geschichte des Landesstreiks von 1918 erhalten. Es ist aber unklar, ob diese Übergaben dann auch tatsächlich erfolgten. Neben dem Nachlassbestand besitzt das Schweizerische Bundesarchiv wichtige Akten zum Fall Hoffmann-Grimm. Diese Unterlagen sind unter der Signatur BAR M 28 abgelegt.
Die Bibliothek von Robert Grimm
Die Bibliothek von Robert Grimm gelangte im Herbst 2004 aus dem Besitz von Ursula McCarthy-Grimm ins Schweizerische Sozialarchiv. Darin haben Grimms lebenslange Auseinandersetzung mit dem Sozialismus und sein ausgeprägtes Interesse für die nationale und internationale Arbeiterbewegung einen Niederschlag gefunden. Wie es die zahlreichen handschriftlichen Randbemerkungen und Anstreichungen zeigen, beschäftigte sich Robert Grimm intensiv mit den theoretischen Grundlagen des Sozialismus, mit dem Massenstreik als Kampfmittel, mit volkswirtschaftlichen Fragen, mit dem Faschismus und später auch mit Fragen der Verkehrspolitik und des Eisenbahnwesens. Ein kleiner Bestand an antiquarischen Werken, vorwiegend zur Berner und Schweizer Geschichte, sowie einige gebundene Sammelbände lassen, wie es auch der Biograph Adolf McCarthy bemerkt, Grimms berufsbedingtes, technisches Interesse für Bücher erkennen. Den Kern der Bibliothek von Robert Grimm bilden rund 570 Titel zur Geschichte der Arbeiterbewegung, darunter beispielsweise die gedruckten Protokolle des alten Arbeiterbundes, die Zeitschrift „Der Vorbote“ (Zentralorgan der Sektionsgruppe deutscher Sprache der internationalen Arbeiterassociation, 1867-1871), zahlreiche Schriften namhafter Schweizer Sozialdemokraten (Albert Steck, Herman Greulich, Karl Bürkli, Paul Pflüger), diverse Widmungsexemplare (u.a. die Dissertation von Rosa Luxemburg) und natürlich eine mehr oder weniger vollständige Sammlung der eigenen Schriften, einschliesslich der von Robert Grimm (mit-)herausgegebenen Zeitschriften. Abschliessend sei noch darauf hingewiesen, dass im Jahr 2004 mit der Bibliothek von Robert Grimm auch ein kleineres Konvolut mit Unterlagen zu den Familien Grimm-Kuhn und McCarthy-Grimm ins Schweizerische Sozialarchiv gelangte. Vorhanden sind darin einzelne Briefe, Fotografien und Dokumentationen von Robert Grimm.