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"Rosinen" aus der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Kempten
Am 22. Juni 1884 wurde die Freiwillige Feuerwehr Kempten im Restaurant Metzg gegründet. Von den 27 Gründungsmitgliedern waren 17 als Sticker oder Stickermeister tätig. Um die Jahrhundertwende erlebte der Stickereiberuf eine ungeahnte Blüte. Die Produkte fanden in der ganzen Welt reissenden Absatz.
Bis zur Vereinsgründung war das Feuerwehrwesen in Kempten in einem bedenklichen Zustand. Die Gerätschaften wurden in den Scheunen um den "0chsen" herum gelagert. Im unteren Dorfteil fehlte das Löschwasser. Nach jahrelangem Gezanke um den Standort beschlossen die Zivilgemeinden Kempten und Kempten Burg, das heutige Feuerwehrdepot zu bauen. Als zudem noch um 1900 herum die Wetziker Wasserversorgung ausgebaut wurde, war auch der Löschwassermangel dank den neuen Hydranten behoben.
Um keine Arbeitszeit zu vergeuden, fanden die Übungen der Freiwilligen Feuerwehr jeweils am Sonntagmorgen zwischen 6 und 12 Uhr statt.
Bis zum Jahr 1913 war die Freiwillige Feuerwehr eigenständig. Auf Beschluss der Wetziker Gemeindeversammlung hin gingen die den Zivilgemeinden gehörenden Lokale und Gerätschaften entschädigungslos an die Politische Gemeinde Wetzikon über.
Während 10 Jahren - von 1937 bis 1947 - waren die Pikettwagen in Kempten stationiert. Die Freiwillige Feuerwehr Kempten übernahm mit Begeisterung und grossem Einsatz den Pikettdienst für die ganze Gemeinde. Mit dem Bau des zentralen Feuerwehrgebäudes in Ober-Wetzikon wurde die Freiwillige Feuerwehr zum 3.Löschzug "degradiert", zum Leidwesen der einsatzfreudigen Feuerwehrkameraden.
Es verfloss mehr als ein Jahrzehnt, bis nach dem "Schock" der alte Feuerwehrgeist wieder erwachte. Der Höhepunkt: Unter der Leitung des Kommandanten und Kantonsinstruktors Sepp Meier, lief 1977 die Hauptübung wie am Schnürchen. Der Statthalter hatte überhaupt nichts auszusetzen. Er erklärte spontan, einem so mustergültigen Angriff hätte er noch nie zugeschaut.
Die Feuerwehrtage trugen viel zu diesem guten Corpsgeist bei. Bereits im Jahre 1887 nahm die Kemptner Feuerwehr am 6. Feuerwehrtag des Feuerwehrverbandes an der Linth teil. Diese Arbeits- und Festtage wurden bis in die 60er Jahre hinein fast lückenlos besucht. 1899, 1929 und 1953 übernahm die Freiwillige Feuerwehr Kempten die Organisation der Anlässe. Die teilnehmenden Sektionen schickten ihre Feuerwehr-Arbeitsgeräte per Bahn zum reich beflaggten Festort. Am Sonntagmorgen gab es einen Festzug mit zwei bis drei Musikcorps zum Festplatz. Nach den Festansprachen des jeweiligen Gemeindepräsidenten und des Linthverbands - Präsidenten begannen die "Brandangriffe" unter den Augen der kritischen Schiedsrichter und der neugierigen Zuschauer.
Verfasser: Rolf Schneider, Kommandant von 1966 - 1971