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Massgebend für das Gelingen der Schule sind die Lehrpersonen und nicht das Schulmodell
In den Winterthurer Medien dominierten in der letzten Zeit zwei Stichworte, wenn über der Schule berichtet wurde: Einerseits Felix Müller und andererseits Diskussionen über verschiedene Schulmodelle. So wurde zum Beispiel über die Abschaffung der Anforderungsstufen in der Sekundarschule Winterthur geschrieben. Die Ausgangslage, welche für die ausführliche Berichterstattung über Felix Müller bildete, war der Streit über das Mehrjahrgangsklassenmodell an der Brühlbergschule. Objektiv betrachtet ging es ursprünglich um eine Frage des Schulmodelles. In der nationalen Presse werden häufig Harmos und der Lehrplan 21 thematisiert. Auch national wird somit ausführlich über verschiedene Schulmodelle diskutiert.
Die Diskussionen über das Mehrklassenmodell an der Brühlbergschule zeigen, dass Lehrpersonen vom angewandten Schulmodell überzeugt sein müssen. Fehlt diese Überzeugung, wird es schwierig. Lehrpersonen sollen den Schülerinnen und Schülern selbständiges Denken beibringen. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass Lehrpersonen eine eigene Meinung haben und ein von oben diktiertes Schulmodell auf wenig Gegenliebe stösst. Aus diesem Grund wäre es am einfachsten, wenn verschiedene Schulmodelle nebeneinander leben könnten. Die Lehrpersonen würden sich sodann mit einer Bewerbung an einer Schule auch für ein Modell entscheiden. Allerdings kann es nicht gleichviele Schulmodelle wie Lehrpersonen geben, weshalb immer eine Anpassung nötig ist.
Die Politik verfolgt andere Ziele. Gefragt sind gute aber verhältnismässig günstige Schulen, welche einfach geführt werden können. Die Politik möchte einzelne Schulen miteinander vergleichen können. Deshalb werden einheitliche Rahmenbedingungen bevorzugt. Auf diese Weise steuert die Politik die Schule. Extrawürste sind nicht erwünscht und dementsprechend werden Schulmodelle ausgestaltet.
Die Eltern möchten vor allem das Beste für ihr Kind. Was dies ist, liegt nicht immer auf der Hand. Welches Modell ist das Beste und welche Lehrperson? Im Zusammenhang mit den Diskussionen über das Mehrjahrgangsklassenmodell an der Brühlbergschule ist mir aufgefallen, wie wichtig für Eltern das Schulmodell sein kann. Teilweise wurde die Ansicht vertreten, das Mehrjahrgangsklassenmodell sei das absolut beste Schulmodell. Andere Schulmodelle seien in keiner Weise gleichwertig. Die Absolutheit dieser Aussage wirft Fragen auf.
Schulmodelle haben es somit in sich. Sobald die Diskussion über ein Schulmodell entbrannt ist, wird heftig gestritten. Umgehend nehmen zahlreiche Experten für oder gegen das diskutierte Modell Stellung und regelmässig sind sich die Experten nicht einig.
Sind Schulmodelle wirklich so wichtig? Die Schulmodelldiskussionen sind häufig geprägt von der Idee, dass durch ein gutes Schulmodell aus einer mässigen Lehrperson eine gute Lehrperson entstehe. Für mich prägen Personen die Schule und nicht ein Schulmodell. Sie sind der Schlüssel für das Gelingen der Schule. Das Schulmodell ist meistens nur zweitrangig. Die Schule kann – zum Leidwesen der Politik - nicht mechanisch gesteuert werden.
Wie erwähnt die Hoffnung, dass mittels eines guten Schulmodelles aus schlechten Lehrpersonen gute Lehrpersonen gemacht werden kann, ist ein Irrtum. Aber ebenso wenig wird aus einer guten Lehrperson eine schlechte Lehrperson, nur weil das Schulmodell nicht optimal ist. Wir brauchen wieder ein Grundvertrauen in unsere Lehrpersonen statt ausufernde Streitereien über verschiedene Schulmodelle.
Winterthur, 10. Januar 2018, Christian Griesser, Fraktionspräsident und Gemeinderat