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verständnisvolle Aufnahme der von Vorgängern und Zeitgenossen gewonnenen Ausdrucksmittel; er verwertet ebenso die Grundzüge der auf vollste Naturwahrheit, wie jene der auf Farbenstimmung ausgehenden Richtungen; sie einerseits mäßigend, andererseits fortbildend und dabei zu schönem Einklang vereinigend. In der Reihe dieser Schöpfungen stehen obenan die «Madonna del Granduca» in Florenz und die sogenannte «Belle Jardinière» (schöne Gärtnerin) im Louvre. Im Aufbau der Gruppe zeigt letztere den Einfluß Lionardos; die beiden in lieblichstem Kindheitsreiz dargestellten Gestalten des Jesus und Johannes überragt, die Aufmerksamkeit des Beschauers zuletzt und dauernd fesselnd, die Madonna.
Die Madonna. Wollte man seine Auffassung der Madonna mit dem kürzesten Ausdruck bezeichnen, so wäre es der: sie ist «nicht einseitig». Auch religiös oder fromm im strengen Sinne des Wortes ist sie nicht. Raphael will kein Andachtsbild geben.
^[Abb.: Fig. 521. Raphael: Belle Jardinière (Die schöne Gärtnerin).
Paris, Louvre.] ¶
welches die religiösen Vorstellungen anregt und damit die frommen Empfindungen erweckt, diese sollen sich als Folge der Wirkung auf das Gemüt ergeben, welche «Schönheit an sich» hervorruft. Seine Madonna ist weder die über das Menschliche erhabene Gottesmutter, noch ein im blos Menschlichen befangenes Weib. Er giebt sie nicht als begnadete Jungfrau, als freudvolle oder schmerzerfüllte Mutter; nicht als demütige Magd oder mit der Würde einer Fürstin, auch nicht als heldenhaftes Weib, wie Michelangelo. Doch von all diesen
^[Abb.: Fig. 522. Raphael: Die «Disputa».
Wandgemälde aus dem Siegelsaal (Stanza della Segnatura). Rom, Vatikan.] ¶