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Zwölfter Abschnitt.
Von der Viehzucht, der Fischerey und dem Vogelfang der Isländer.
Diejenigen, welche an den Küsten wohnen, beschäftigen sich fast das ganze Jahr durch fast immer mit Fischen, und diejenigen, welche höher im Lande herauf ihre Wohnung haben, kommen doch zu gewissen Zeiten dazu herunter.
Jeder Hausvater hat sowohl selbst seine besondere Fischerkleider, als er auch seinem Knecht, so bald sie zur See aufs Fischen ausfahren, dergleichen Kleider geben muss. Sie werden aus Schaafs- oder Kalbsleder gemacht, und während der Bereitung oft mit Thran eingeschmieret. Sie bestehen aus folgenden Stücken: Leistabrakur sind Beinkleider und Strümpfe in einem Stück, die hoch über die Hüften herauf gehen, und fest zugeschnürt werden; Stackur, ein weites Wamms, welches um den Hals und mitten um den Leib wohl zugeschnürt wird; Taatiller, dicke gewalkte Strümpfe von steifer Wolle, und Sjöskor, Wasserschuhe von dickem Leder.
Ihre Böte sind gemeiniglich nicht gross; die mehresten tragen nur ein bis vier Mann, und damit fischen sie nahe am Ufer herum. Mit den grössern Böten aber, die 10 bis 16 Mann fassen, und die mit Segeln versehen, sind, begeben sie sich oft vier bis acht Meilen in See.
Auf diesen Fahrezugen ist allemal ein Vorsteher, der Formann heisst. Er sitzt beym Steuer, und die übrigen, die Haaseter heissen, gehorchen seinem Befehl. Auf dessen Wink versammlen sich alle zur bestimmten Zeit bey dem Boot, mit Fischerleinen, Angeln, Lockpfeife für die Fische, wozu sie mehrentheils Muscheln, bisweilen auch Fleisch von vierfüssigen Thieren und Vögeln gebrauchen, und einem Messer.
Sobald das Boot vom Strande ist, nehmen sie alle ihre Hüte und Mützen ab, bitten um einen glücklichen Fang, und befehlen sich in dem göttlichen Schutz mit einem Gebet und einem Liede, das sie Vararsaungur nennen, und begeben sich dann zur See. Wenn sie an die Stelle kommen, wo sie sich einen glücklichen Fang vermuthend sind; so sitzen zwey Männer bey den Rudern, damit das Boot von dem Strohm nicht möge aus der Stelle bewegt, und die Fischerleinen nicht mögen verwickelt werden. Man fährt den ganzen Tag fort zu fischen, und wenn man so viel fängt, dass das Boot die Fische nicht mehr tragen will, schneidet man ihnen die Köpfe ab, und wirft solche mit den Eingeweiden ins Meer. Dadurch sind sie nicht nur im Stande eine grössere Menge Fische an das Land zu bringen; sondern sie locken auch dadurch eine Menge Insekten an den Ort, und diese ziehen wieder mehrere Fische dahin.
Bey der Zurückkunft werden alle Fische auf das Land gebracht, und in verschiedene gleiche Loose getheilt. Ein Loos bekommt derjenige, dem das Boot gehört, wenn er auch nicht mit zur See gewesen ist, und sein Loos heisst Skipleiga (Schiffsmiethe). Eins bekommt der, welcher am Steuer gesessen, eins der, welch die Segel regiert hat, und endlich bekommt jeder Fischer ein Loos. Solche gleiche Theilung geschieht aber nur mit kleinern Fischen. Sollte aber einer im Boot so glücklich gewesen seyn, eine Hillbütte herauf zu ziehen, so wird auch solche in viele Theile getheilt, wovon derjenige, der sie gefangen hat, die drey besten Theile für sich bekommt.
Nachdem sie gelooset haben, schneidet jeder seinen Fischen den Kopf ab, nimmt die Eingeweide heraus, schneidet sie auf der Seite des Bauchs von oben unten auf, und nimmt den Rückgrad von da, wo er oben am Kopf sitzt, bis ans dritte Glied unter dem Nabel heraus. Ist das Wetter so beschaffen, dass sie Hofnung haben, den Tag darauf die Fische an der Luft zu trocknen, so legen sie solche mit der Fleischseite gegen einander; wenn das Wetter aber dazu nicht günstig scheint; so legen sie die zerschnittenen Stücke auf einen Haufen mit der Hautseite nach oben, welches sie lägga i kase nennen. Liegt der Fisch zu lange auf einander; so wird er schadhaft; und hernach von den Kaufleuten für geringern Preis unter dem Namen Kasad Fisk gekauft. Wenn es die Witterung erlaubt, so werden diese Stücke des folgenden Tages jedes für sich auf Steine oder auch aufs Ufer gelegt, da sie dann von den Weibspersonen fleissig umgewandt werden, bis sie völlig trocken sind, womit doch vierzehn Tage ja längere Zeit hingehen kann. Der auf die Art zubereitete Fisch heisst Flatfiskur (Plattfisch).
An einigen Orten trocknen sie den Fisch nicht auf Steinen oder dem Sande, sondern sind gewohnt, ihn, nachdem er aufgeschnitten ist, reihenweise auf Stangen zu ziehen, die in einem dazu erbaueten Hause, dergleichen man in Island Hiallur nennt, und die fast wie ein Nothstall, darinn die Schmiede die Pferde beschlagen, aussehen, kreuzweise hingelegt werden. Der auf die Art zubereitete Fisch heisst hengi Fiskur (Hangfisch).
Der grösste und meiste Fang besteht in Dorsch, wovon man dort verschiedene Arten unter den Namen von Thyrsklingur, Upse, Isa, Langa, Keila und mehrere hat. Ausserdem giebt es auch Butten oder Schollen, Hering, Lachs, Lachsforellen, Forellen u.d.m. Von letzteren hat man bemerkt, dass, wenn sie durch die Flüsse und Bäche den in Island befindlichen warmen Quelle nahe kommen, sie sich gerne in dem laulichten Wasser aufhalten, und darinn so fett werden, dass sie kaum zu geniessen sind.
Dass das Meer sowohl als die Flüsse und Landseen einen Ueberfluss an Fischen haben, darf ich wohl nicht erst sagen. Ich will hier nur blos des Wallfisches gedenken, davon sich dort verschiedene Arten finden, und welche die Einwohner in die Wallfische ohne Zähne und mit Zähnen eintheilen.
Die erstern werden eingetheilt in Wallfische mit glattem Bauch, und mit runzlichtem Bauch. Unter denen mit glattem Bauch, die Fischbein statt der Zähne haben, ist der Slettbakr, der einen flaschen Rücken hat, der grösste, und man hat welche zu 100 Ellen gefangen. Der Hnufubakr, der einen Höcker auf den Rücken hat, folgt auf ihn und ist 70 bis 80 Ellen lang. Zu den Faltenfischen gehört der Steipereidur, der unter allen bekannten Wallfischen der grösste seyn soll, und an 120 Ellen lang ist, und dann der Hrafn reydur und Andarnefia. Sie werden alle als eine der leckersten Speisen gegessen, und die Isländer sagen, dass ihr Fleisch wie Rindfleisch schmecken soll.
Die Wallfische, welche statt des Fischbeins Zähne haben, werden in essbare und unessbare eingetheilt. Zu den erstern gehören Hnysen, Hnydingur, Hundfiskur, Haahyrningur, und zu den letztern, welchen man den Namen Illhwele (böse Wallfische) giebt, Rödkammingur, und Raahvalur, welche durch alte Verordnungen, und besonders durch das Kirchengesetz zu essen verboten waren. Die Isländer glauben, der erste besonders sey sehr begierig auf Menschenfleisch, und enthalten sich daher an solchen Stellen zu fischen, wo er sich sehen lässt.
Die übrigen Arten von Wallfischen aber werden bisweilen von ihnen sowohl mit Harpunen gestochen (*), als mit Netzen gefangen; doch wagen sich die Isländer nicht gerne die grösseren Arten anzugreifen, weil ihre Böte nur klein, und sie überdem nicht genug mit Geräthschaft dazu versehen sind.
(*) Man sehe hievon den 1sten Theil dieser Bibliothek nach.
Ja sie haben für einige, wenn sie auf der See sind, eine solche Achtung, dass sie es nicht einmal wagen, sie mit Namen zu nennen, sondern im Boot Dung, Schwefel, Wacholderreiser und dergleichen bey sich führen, um solche damit zu verjagen. Doch geschieht es wohl zuweilen, dass sie einige von der grössten Art fangen, und zwar auf die Art, wenn der Fisch bey hihem Wasser nahe ans Land geht, und nicht so geschwinde, als das Wasser zurückläuft, mit zurückkommen kann, da sie ihn dann mit Lanzen und Steinen tödten. Auf die Art hatten sie das Jahr vor unserer Ankunft zu Hafnefiorden einen ansehlichen Wallfisch gefangen.
Zur Fischerey muss auch der Seehundsfang gerechnet werden, der an vielen Orten ganz beträchtlich ist. Man findet dort vier Arten derselben: rostungur, vade-selur, blaudu-selur und gran-selur. Sie sind des Winters am fettesten, und geben drey bis vier Lispfund Speck, wovon jedes Lispfund 3 ½ Kanne Oel giebt. Im Sommer aber sind sie sehr mager. Ihr Fleisch wird gegessen, und der Speck wird das Lispfund zu fünf Ellen, die Haut aber nach dem Gewicht, und zwar das Lispfund zu 60 Ellen verkauft.
Die Lage Islands macht es also vorzüglich zur Fischerey bequem, obgleich der Fischfang in neuern Zeiten ansehnlich abgenommen hat. Die Ursache davon its, theils dass so viele fremde Schiffe jährlich nach der Gegend von Island kommen, um dort zu fischen; theils auch der Mangel an Fischerleuten, da die Volksmenge abgenommen hat. Vielleicht liegt die meiste Schuld auch daran, dass das Land durch die Monopolien der Handelscompagnie so sehr gedruckt wird.
Hätte das Volk mehr Aufmunterung, so könnte man auch mehr Industrie und Fleiss von ihnen erwarten, als jetzt, da sie, ein Vaett getrockneter Fische, das ist fünf Lispfund, an die Compagnie für 5/6 eines Rthlr. überlassen müssen, die doch in Hamburg, wohin ein grosser Theil dessen, was in Island gefangen wird, geschickt zu werden pflegt, mit fünf Pfund Banco bezahlt werden (*).
(*) 1 Thlr. 4 gr. oder 2 fl. 6 kr. Reichsmünze. Diesem Fehler dürfte doch jetzt abgeholfen seyn, seitdem der König der Compagnie den Handel genommen hat.
Nächst der Fischerey macht die Rindvieh- und Schaafszucht die vornehmste Nahrung der Isländer aus.
Ihr Rindvieh ist nicht gross, aber doch sehr fett und gut. Es ist unrichtig, wenn einige behaupten, dass es gar kein Rindvieh mit Hörnern gebe; wahr aber ist es, dass es selten Hörner hat.
Die mehreste Zeit des Jahres haben sie ihr Rindvieh zu Hause auf ihren Höfen, einige aber haben doch Aufenthaltsplätze oder sogenannte Sätr für ihr Vieh am Gebirge, wohin sie es den Sommer über schicken, bis die Heuerndte vorbey ist. Dem Vieh wird zu dessen Wartung ein Hirte mitgegeben, der es hütet, und zwo Weibspersonen, die es melken und Butter und Käse machen. Man findet oft auf den Gebirgen wildgehende Stiere, die man des Herbstes wieder nach Hause treibt, da ein jeder die seinigen an seinem eingebrannten Zeichen wieder kennt.
Das meiste Futter des Viehes ist Heu, und wird für jede Kuh zum Wintervorrath ein Schober (stack) Heu, welcher aus 30 Kapal gedüngtem und 40 Kapal ungedüngtem Heu besteht (*), gerechnet. In Ermangelung des Futters bekommen sie an einigen Orten Steenbitr, einen Fisch, der nebst den Köpfen und Gräten der Dörsche kleingeklopft und mit ein Viertel kleingeschnittenen Heu vermischt wird. Das Vieh isst dies gerne und milcht auch gut darnach, doch soll die Milch davon einen Beygeschmack bekommen, so dass man es nur blos im Nothfall gebraucht.
(*) Ein Kapal ist ungefähr so viel als 12 bis 15 Lispfund Heu. Gedüngtes Heu heisst was auf gedüngtem Acker wächst.
(*) Blennius maculis decem, et ultra nigris, utrinque ad pinnam dorsi radiis pinnae dorsalis pungentibus.
(*) Blennius maculis decem, et ultra nigris, utrinque ad pinnam dorsi radiis pinnae dorsalis pungentibus.
Ihre Kühe geben zwo Kannen Milch des Tages, es giebt aber auch einige, die binnen 24 Stunden vier bis sieben Kannen geben. Eine Kuh, die in dieser Zeit sechs Pott Milch giebt, wird als eine solche worauf nichts zu sagen ist angesehen, und muss sie dann nicht länger als drey Wochen trocken stehen, ehe und bevor sie ein Kalb wirft.
Ein neugebohrnes Kalb bekömmt 8 bis 14 Tage Milch, hernach wird die Milch mit Wasser und kleingehacktem Heu vermischt, und endlich werden statt der Milch, Molken dazu genommen.
Der gewöhnliche Preis der Kühe, so wie der Pferde ist 120 Ellen, davon 30 einen Reichsthaler ausmachen. Bessere Pferde werden doch bisweilen mit acht bis zehn Rthlr. bezahlt. Mit den Pferden haben sie noch weniger Beschwerde. Einige halten wohl des Winters Reitpferde auf dem Stall, allein überhaupt suchen sich die Pferde dort selbst ihr Futter; wenn viel Schnee fällt, muss man solchen für sie aufschaufeln lassen; fehlt es an Nahrung für sie auf dem Lande, so suchen sie sich Seekräuter an den Ufern.
Keine Viehzucht aber wird in Island so stark getrieben, als die Schaafzucht. Da sich die Schaafe dort so leicht ernähren können, so sehen sie auch die Schaafzucht für weniger beschwerlich und kostbar an, als andere, und findet man recht oft Bauern, die 200 bis 400 Schaafe haben. Ehe in den Jahren von 1740 bis 1750 die Schaafpest wüthete, sahe man Heerden von 1000 bis 1200, ja noch mehr Schaafen, die einem einigen Manne gehörten.
Ich wage es nicht hier zu untersuchen, ob es für die Landwirthschaft besser wäre, mehr Kühe als Schaafe zu halten; da ebr doch die Einwohner mehr für die Schaafzucht sind, so wäre es auch sehr gut, wenn man solche Verordnungen machte, wodurch sie mit mehrern Vortheil getrieben werden könnte.
Die Regierung hat würklich darauf gedacht, und desfalls vor etwa zwanzig Jahren einen Schweden von Geburt, den Baron Hastfer nach Island geschickt. Er machte auch dort verschiedene Verbesserungen, und erfand und verfertigte eine Art Pulver für die Krankheiten der Schaafe, welches noch dort sowohl als in Dänemark und Norwegen häufig gebraucht wird. Man redet allenthalben von ihm im Lande, als von einem Mann, der in diesem Zweig der Wirthschaft sehr gute Einsichten, und den besten Willen von der Welt hatte, allen Mängeln abzuhelfen. Ob aber das Gerücht, das allenthalben im Lande gieng, als ob die Handelscompagnie der Abhelfung derselben Hindernisse in den Weg zu legen suchte, weil sie ihre Rechnung besser bey der Fischerey fand, gegründet sey, weiss ich nicht. Das ist gewiss, dass wenig oder nichts zum Nutzen des Landes durch Baron von Hastfers Anstalten ausgerichtet worden (*)
(*) Es war ein Unglück, dass Baron
Hastfer, vielleicht auf Befehl der Regierung, spanische Schaafe in Island einführte, diese wollten dort gar nicht fortkommen, und man hält dafür, dass sie auch noch die Pest unter die Schaafe gebracht haben, die das Land noch diese Stunde merklich fühlt.
Baron Friedr. Wilh.
Hastfer, starb zu Kopenhagen, den 19 Febr. 1762 in seinem 48 Jahr. Er war in Schweden Lieutenant gewesen, und lebte hernach verschiedene Jahre in Dänemark von einer Pension, die ihm die Regierung wegen seiner Einsichten in die Schäferey gab, zu deren Verbesserung er 1757 nach Island geschickt worden war. Er hat herausgegeben: utfortig ach omstandelig unterrattelse ans och Skothel, Stock. 1752. d.i. Ausführlicher und umständlicher Unterricht von der Wartung guter Schaafe; diese Schrift ist hernach in dänischer und teutscher Sprache unter dem Titel: Goldgrube eines Landes, ja auch ins Französische übersetzt worden. Von der teutschen Uebersetzung kam 1767 eine neue Auflage heraus.
Baron Friedr. Wilh. Hastfer, starb zu Kopenhagen, den 19 Febr. 1762 in seinem 48 Jahr. Er war in Schweden Lieutenant gewesen, und lebte hernach verschiedene Jahre in Dänemark von einer Pension, die ihm die Regierung wegen seiner Einsichten in die Schäferey gab, zu deren Verbesserung er 1757 nach Island geschickt worden war. Er hat herausgegeben: utfortig ach omstandelig unterrattelse ans och Skothel, Stock. 1752. d.i. Ausführlicher und umständlicher Unterricht von der Wartung guter Schaafe; diese Schrift ist hernach in dänischer und teutscher Sprache unter dem Titel: Goldgrube eines Landes, ja auch ins Französische übersetzt worden. Von der teutschen Uebersetzung kam 1767 eine neue Auflage heraus.
Was die isländischen Schaafe anbetrift, so sind sie in einigen Stücken von unsern verschieden. Sie haben alle gerade in die Höhe stehende Ohren, einen kleinen Schwanz, und sind Schaafe, die vier bis fünf Hörner haben, gar nicht selten (*).
(*) Eben dies erzählt Herr Archiater von Linné von den Schaafen auf Oeland, und der Abt de Germanes von denen in Corsika. Es verdient wohl eine Untersuchung der Naturforscher, in wie ferne das Clima oder deas Futter an mehrern Orten eine an andern Orten so ungewöhnliche Sache verursachen könne.
An einigen Orten hält man sie des Winters im Stall, allein an den mehresten lässt man solche sich selbst auf dem Felde ihr Futter suchen.
Auch das ist besonders bey den Schaafen, dass sie sich beym Ungewitter gerne in Hölen verkriechen, deren es in Island eine grosse Menge giebt, wenn sie aber bey einem starken Schnee solche Zuflucht nicht finden können, so stellen sie sich in einen Haufen zusammen, alle die Köpfe einwärts gekehrt und zur Erde gebeugt, wodurch sie nicht allein verhindern, so leicht im Schnee vergraben zu werden, sondern auch verursachen, dass der, dem sie gehören, sie desto leichter wieder finden kann. So können sie oft viele Tage stehen, und man hat Exempel, dass der Hunger sie dazu bringt, sich einander die Wolle abzufressen, die sich im Magen wie Kugeln zusammenwalzt, und ihnen den Tod verursacht; die mehreste Zeit aber werden sie gleich aufgesucht und gerettet (*).
(*) Eben dies berichtet Herr Capitän Ekeberg von den Hitländischen Schaafen.
Wilde Schaafe giebt es doch nicht, wie einige vorgeben, sondern sie haben alle ihren EIgenthümer, der genaue Rechnung davon hält; und wenn sie auf die Gebürge getrieben werden, sind sie die mehreste Zeit unter der Aufsicht eines Hirten.
Ihr Futter ist Gras und Kräuter, und sie werden besonders von Löffelkraut (cochlearia) so fett, dass sie ein Lispfund Talg und darüber geben. Zum Wintervorrath rechnet man auf ein Lamm einen Kapal gedüngt, und zwey ungedüngt Heu. In Miswachsjahren müssen sie sowohl, wie das übrige Vieh, mit zerklopften Fischgräten und dergleichen vorlieb nehmen.
Gute Schaafe geben zwey bis sechs Pott Milch des Tages, wovon man sowohl Käse als Butter macht, und die auch, wenn sie gekocht wird, recht gut schmeckt.
Aber die vornehmsten Einkünfte, die sie von ihren Schaafen haben, kommen von der Wolle her. Diese wird nicht so wie bey uns abgeschoren, sondern sitzt bis zu Ende des Maymonat feste, da sie sich von selbst löset, auf einmal abgezogen wird, und wie ein Fell zusammensitzt, welches man Ullafoel nennt. Der Leib ist dann schon wieder mit neuer Wolle bedeckt, die ganz kurz und fein ist, und an Güte die schwedische übertrifft. Sie wächst den Sommer über allmählig und wird gegen den Herbst gröber und steifer, auch glatt und glänzend, fast wie Kameelhaar, aber dabey zottigt. Dadurch werden die Schaafe in den Stand gesetzt, den Winter über die Kälte auszustehen. Fällt, nachdem die Wolle abgefallen ist, ein nasser Frühling ein, so wird denen, welche die wenigste Wolle haben, und die am schwächsten sind, Wadmal oder grobes Tuch um den Magen herum genähet.
Ein gutes Schaaf, worauf nichts zu sagen ist, muss nach ihrem Dorfrecht wenigstens vier Pfund Wolle geben, und es ist nicht ungewöhnlich, dass man wohl noch etwas mehr erhält (*).
(*) Ich erinnere mich da einen Hammel gesehen zu haben, der jährlich an 6 Pfund Wolle gab.
Ihre Springezeit fängt im Novembermonat an; allein da sich der Frühling oft spät einfindet, so werden die Böcke nicht eher, als um Neujahr zu den Schaafen gelassne, welche achtzhen, ja die meiste Zeit neunzehn bis zwanzig Wochen trächtig gehen. Wenn die Böcke und Schaafe unter der Springezeit zusammen auf die Weide gehen; so wird den ersten ein Stück von einem Brett unter den Magen an der Wolle fest genähet, wodurch sie verhindert werden, die Lämmer zu zeitig zu bespringen. Man rechnet auf einen fünfjährigen Bock jährlich dreyssig Schaafe, und auf den, der das erste Jahr springet, funfzehn, allein das alte bua-lag oder Dorfrecht, das überhaupt mehr fordert als man jetzt begehrt, rechnet für jenen sechzig, und für diesen zwanzig Schaafe.
Es ist nichts seltenes, dass die Schaafe zwo Lämmer bekommen, bisweilen werfen sie wohl drey, da die Isländer dann der Mutter ein Lamm wegnehmen, und es einem anderen Schaaf geben, dessen Lamm gestorben ist. Wenn die neugebohrnen Lämmer so schwach sind, dass sie der Mutter nicht folgen können; so werden sie nach Hause genommen und mit Milch gefüttert, wozu sie sich einer Feder mit einem nassen Stück Fell bedienen.
Der Preis für sechs Schaafe, von zwey bis vier Jahren mit den Lämmern und der Wolle, ist zur Herbstzeit nach der Landtaxe 4 Reichsthaler; ein vierjähriger Hammel wird mit einem Reichsthaler bezahlt, der Kaufmann aber giebt nur 5 Mark oder 40 Schillinge. Wenn jemand ein geschlachtetes Lamm verkauft, so wird es nach Verhältniss des Talgs, was es hat, bezahlt, und zwar für jedes Pfund Talg 2 Mark. Das Fleisch allein, ohne Kopf, Füsse, Eingeweide, Talg, Fell und Wolle, gilt 20 Ellen, auf 1 Pfund geräuchert Schaaffleisch setzt das byalag eine halbe Elle. Das Fell wird nach dem Gewicht bezahlt, und zwar dreyssig Fische für ein halb Lispfund.
Man findet zwar an einigen Orten auch Ziegen, allein nicht viele, und scheint es auch, dass solche in einem Lande, wo kein Holz ist, nicht recht fortkommen. Schweine haben zwar die Kaufleute aus Kopenhagen dahin gebracht, allein man sagte, dass es auch damit nicht fort willte (*).
(*) Vormals hat man doch in Island viele Schweine gehabt, allein vermuthlich wird man gefunden haben, dass sie den Wiesen schädlich seyn, daher sowohl in Gragaas als Iönsboken, ein paar alten Gesetzbüchern, verboten wird, sie in die zur Weide bestimmten Koppeln kommen zu lassen.
Ausser diesen Thieren giebt es in Island dreyerley Art von Hunden, fiar hundar oder lumbar, Viehhunde; dyrhandar und dverghundar. Ferne zahme und wilde Katzen, die letztern heissen urdarkettir, Ratzen, weisse und braune Füchse, wovon einige Gras fressen und gras tofur genannt werden. Der König hat, um solche auszurotten, einen Preis von einem Reichsthaler auf jedes Zehend von Fuchsbälgen gesetzt, das an den Kaufmann verkauft wird. Auch sind die Einwohner unter sich übereins gekommen, dass wer einen Fuchsbau mit dem Fuchse, der Füchsin und ihren Jungen zerstört, einen Reichsthaler, den die Nachbarn zusammenschiessen, bekommen soll.
Rennthiere sind hier vorher nicht gewesen, auf Veranstaltung des Hernn Stiftsamtmanns Thodals aber, schickte der Kaufmann Sörenson im Jahr 1770 aus Norwegen, dreyzehn Stück dahin, wovon dort zehn unterwegens, weil sie nicht ordentlich gewartet wurden, sturben. Die drey übriggeblienen kamen gut fort, und hatten schon, wie wir in Island waren, dreymal Kälber geworfen. Es fehlt ihnen auch nicht an Nahrung, da das Land einen Ueberfluss an Rennmoos hat.
Nach der Fischerey und der Viehzucht, ist hier wohl der rechte Ort, auch etwas von dem Vogelfange zu sagen, der besonders, was die Seevögel anbetrift, in Island sehr wichtig ist. Sie werden an allen Ufern in Menge gefundne, der grösste Fang aber geschieht doch an einigen wenigen Orten, wo sie ihre Nester haben. Die Eyer derselben gebrauchen die Isländer selbst, so wie dann auch ihr Fleisch von den meisten gegessen wird; aber mit ihren Dune und Federn treiben sie einen vortheilhaften Handel.
Es wäre fast unnöthig hier alle Arten davon anzuführen, besonders da es wohl kaum ein Land giebt, wo mehrere Arten und eine grössere Menge derselben angetroffen wird. Ich will doch unter der Menge von wilden Gänsen, Wasservögeln, Enten u.d.m. hier nur besonders des Schwans und Eidervogels gedenken.
Dass der Schwan unter die Zugvögel gerechnet wird, ist bekannt. Die Anzahl derselben nimmt gegen Winter ungemein zu; doch hat man nie Mangel daran, denn die meiste junge Zucht bleibt beständig da. Des Frühlings sieht man sie oft bey Hunderten, ja in noch grössern Haufen ziehen, und man hält dafür, dass ein Theil derselben sich noch weiter nach Norden begebe, und blos auf eine kurze Zeit ihre Herberge in Island nehme. Während des Sommers halten sie sich in den Landseen auf, wenn diese aber gegen Winter anfangen zuzufrieren, begeben sie sich an die Ufer des Meers. Ihre Eyer werden gleich zu Anfang des Frühlings aufgesucht, sie sind sehr gross und werden für sehr schmackhaft gehalten. Im Augustmonat aber, wenn sie ihre Federn fallen lassen, jagt man sie auf den Landseen, wo sie sich dann aufhalten, und sind einige Hunde dazu abgerichtet, sie lebendig zu fangen. Ihr Gesang soll in den kalten und finstern Winternächten recht schön seyn; allein im Septembermonat fanden wir nichts angenehmes daran. Ein alter Schwan schmeckt etwas nach Thran und also nicht gut; ein junger Schwan aber wird unter die besten Vögelbraten gerechnet.
Von dem Eidervogel haben die Einwohner noch weit mehr Nutzen, und sehen ihn sogar für einen Schatz an. Man hört auch selten, dass vernünftige Haushalter ihn schiessen oder tödten (*).
(*) Auf einem andern zugehörigen Grund und Boden Eidervögel auf den Eyern zu schiessen, wird im Isländischen Gesetz für Diebstahl angesehen.
Der Eidervogel bauet mehrentheils sein Nest auf kleinen Inseln nicht weit vom Ufer. Bisweilen bauen ihnen die Isländer sogar Nester bey ihren Häusern, und gehen vorsichtig mit ihnen um, da sie dann ganz zahm werden. Zu Anfang des Monat Junius legen sie vier bis sechs Eyer. Bisweilen trift man auch wohl zehn bis sechszehn in einem Nest nebst zwo Weibgens dabey an, die sich ganz gut miteinander vergleichen. Die ganze Legezeit dauert sechs bis sieben Wochen, und legen sie gerne dreymal an verschiedenen Stellen. An den beyden ersten nimmt man ihnen die Eyer sowohl als die Dunen weg, an dem letzten Ort aber geschieht solches sprsamer. Deiejenigen, denen ein solcher Ort gehört, besuchen ihn doch alle Wochen einmal.
Wenn sie zu dem Nest kommen, nehmen sie erst das Weibgen, und dann die überflüssigen Dunen Eyer heraus, und setzen dann das Weibgen wieder auf die übrigen, worauf sie aufs neue legt, und ihre Eyer mit neuen Dunen versieht, die sie sich auspflückt. Hat das Weibgen keine Dunen mehr übrige hetzugebe, so kommt ihr das Männchen zu Hülfe, und bedecket die Eyer mit seinen Dunen. Diese sind weiss und leicht zu kennen. Man lässt sie auch liegen bis die Jungen ausgekrochen sind, welche nach Verlauf einer Stunde mit dem Weibgen das Nest verlassen, da es dann aufs neue geplündert wird.
In den ersten drey Wochen der Legezeit bekommt man die besten Dunen und die meisten Eyer, und man hat überhaupt die Anmerkung gemacht, dass sie im Regenwetter am meisten legen. So lange das Weibgen auf den Eyern sitzt, ist das Männchen allezeit am Ufer auf der Wache, aber sobald die Jungen ausgebrütet sind, verlässt er sie. Das Weibgen leistet ihnen aber noch eine lange Zeit Gesellschaft, und es ist recht sonderbar anzusehen, wie sie die Jungen, sobald sie ausgekrochen sind, aus dem Nest herausführt, und vor sie her ans Ufer herunter gehet, da sie ihr dann alle mit kurzen Schritten nachfolgen. So bald sie ans Wasser kommen, nimmt sie solche auf den Rücken und schwimmt eine Strecke fort im Wasser, dann taucht sie unter, und die Jungen, die nun auf dem Wasser fliessen, müssen sich selbst helfen. Hernach sieht man diese Vögel selten auf dem Lande, sondern sie halten sich am meisten in den nassen Scheeren auf, und nähren sich mit Insecten und Seegewächsen.
Währen der ganzen Legezeit kann man von einem Weibgen ein halb Pfund Dunen erhalten, wovon doch die Hälfte abgeht, wenn solche gereiniget werden. Sie werden in Thang-duun (Meergras-Dunen) und Grasduun (Gras-Dunen) eingetheilt. Die letzten hält man für die besten, und reiniget sie auf die folgende Art. Man spannt Garn in viereckigten Rauten über einen Tonnenband und legt die Dunen darauf. Dann nimmt man ein spitziges Stück Holz und fährt damit an der untern Seite des in dem Bogen gespannten Garns hin und her, da dass das gröbere durchfällt, die feinen Pflaumfedern aber auf dem Garne liegen bleiben. Dunen, die von todten Eidervögeln gepflückt werden, taugen nicht viel, weil sie grösstentheils ihre Schnellkraft verlohren haben; man frägt daher auch in Island nicht viel darnach. Die andern werden wenn sie gereiniget sind, das Pfund zu 45 Fische, und ungereinigt zu 16 Fische verkauft. Es werden jährlich für die Rechnung der Compagnie zusammen ungefähr 1500 bis 2000 Pfund gereinigte und ungereinigte Eiderdunen ausgeführt, ohne was von Fremden heimlich ausgeführt wird (*).
(*) Die Kaufleute erhalten kaum ein Drittel von den Eiderdunen, die aus Island ausgeführt werden. Studenten, Kaufmannsbediente und andere Reisende führen den grössten Theil mit sich.
Im Jahr 1750 verkaufte die Isländische Compagnie von dieser Waare für 3747 Reichsthaler, ausser dem was gerade zu nach Glückstadt geschickt ward.
Unter den Landvögeln die gegessen werden, fangen sie die Schneehühner in unglaublicher Menge. Auch werden Falken gefangen, deren es drey Arten giebt. Die Königlichen Falkenier kaufen solche, und geben für das Stück von den weissen 15, von den dunkleren 10, und von den grauen 7 Reichsthaler.