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Anfangs gehörte er der konservativen Partei des Barons P. Seneyey an, ging nach dessen Rücktritt zur vereinigten Opposition
über und ist dermalen der Führer der sogen. gemäßigten Opposition, welche insbesondere gelegentlich
der Wehrgesetzdebatte (Anfang 1889) gegen das KabinettTisza, namentlich gegen den Träger
[* 14] desselben, den MinisterpräsidentenKoloman v. Tisza, einen ebenso rücksichtslosen wie erfolgreichen parlamentarischen Kampf führte. Das Gebiet der staatsrechtlichen
und der volkswirtschaftlichen Fragen beherrscht GrafAlbertApponyi mit Vorliebe; desgleichen bewegt er sich gern auf dem Felde der
auswärtigen Politik. Dem neuen ungarischen Kabinett unter dem GrafenJuliusSzapáry gegenüber beobachtet
Apponyi eine wohlwollende, annähernde Neutralität, die einer gänzlichen Vereinigung zuführen dürfte.
(spr. ópponji), ungar. Grafengeschlecht, schon 1315 urkundlich
nachweisbar, führte ursprünglich den Namen Peech. Magister Thomas von Peech, genannt der «Rote», vertauschte 1392 Schloß
und Herrschaft Esekléz gegen die Herrschaft Nagy-Appony im Neutraer Komitat, von dem alsdann die Familie ihren Namen entlehnte,
doch wird sie 1411 auch noch «Peech» genannt. Sie wurde 1718 mit Lazar
von in den Freiherrn-, in der ältern Linie 1739, in der jüngern 1808 in den Grafenstand erhoben. –
Der Enkel Lazars, GrafAntonGeorgApponyi, geb. gest. begründete
die Apponyische Bibliothek mit einem Aufwande von beinahe 1 Mill. Fl. Sie zählt an 50000 Bände, darunter eine kostbare Sammlung
der Aldinen; sie ist seit 1827 in Preßburg.
Der älteste Sohn AntonGeorgs war GrafGeorg von Nagy-Apponyi, geb. gest. als k. k.
Kämmerer und Besitzer der Majoratsherrschaft Apáty und der Herrschaften Körtweles u. s. w.
– Sein zweiter Sohn, GrafGeorgApponyi, geb. war zuerst Konzipist, dann Hofsekretär an der ungar.
Kanzlei zu Wien, wurde 1844 zum zweiten, 1847 zum obersten ungar. Hofkanzler ernannt und war Führer
der konservativen Partei auf dem Reichstage 1843–44. Vor allem suchte er in den Komitaten eine geordnete Verwaltung herzustellen,
scheiterte aber mit seinen Absichten.
Nach den Märztagen, die auch die Auflösung der Hofkanzlei herbeiführten, lebte in Zurückgezogenheit,
wurde aber 1859 als lebenslängliches Mitglied in den verstärkten Reichsrat zu Wien berufen, trat hier als Verteidiger der
Selbständigkeit Ungarns auf und wurde einer der einflußreichsten Führer der sog. nationalen Partei. Als mit der
Neugestaltung Österreichs durch das Diplom vom die königl. Kurie als höchster
Gerichtshof in Ungarn wiederhergestellt wurde, kam Apponyi als Judex Curiae nach Pest, wo er den Judex-Kurialkonferenzen zur Reorganisierung
der ungar. Rechtspflege präsidierte, legte aber bald nach Auflösung des Landtags 1862 das Amt des Judex Curiae nieder. 1865 trat
er als Abgeordneter ins Unterhaus und bildete die vermittelnde Partei der «gemäßigten
Konservativen», die auch nach dem Feldzuge 1866 die Ausgleichsverhandlungen mit Wien abermals in Gang
[* 15] brachten. Apponyi schloß
sich dann der Deák-Partei an; seit 1869 lebt er zurückgezogen in Preßburg. – Sein Sohn, AlbertGeorgApponyi, geb.
gehört als Abgeordneter dem ungar. Reichstage an und zählt zu dessen bedeutendsten
Mitgliedern. Während er anfangs als Führer der «gemäßigten Opposition»,
die 1891 den Namen «Nationalpartei» annahm, konservative Tendenzen vertreten hatte, trat er später in enge Verbindung mit
der extremen Unabhängigkeitspartei, näherte sich aber nach Tiszas Rücktritt (1890) wieder
der Regierung; 1894 war er der
Führer der klerikal-konservativen Opposition gegen die Civilehe.
Ein zweiter Sohn des GrafenAntonGeorg, GrafAntonApponyi, geb. widmete sich der Diplomatie, ward Gesandter zu London und
Rom, zuletzt 1826 österr. Botschafter zu Paris, in welcher Stellung er bis 1849 verblieb. Er starb – Sein Sohn,
Rudolf II. Apponyi, geb. ebenfalls Diplomat, wurde 1849 österr.
Gesandter und bevollmächtigter MinisterÖsterreichs an dem Hofe zu Turin,
[* 16] 1856 in London, wo er 1860 zum Botschafter erhoben
wurde; Nov. 1871 bis Anfang 1876 war er Botschafter in Paris. Er starb in Venedig.
[* 17]