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Clare Kenny führt mit der Ausstellung Let them eat pies die semantische und materielle Zerlegung vorgefundener Realität, die für ihre künstlerische Arbeit charakteristisch ist, fort. Indem sie mit ihren eigenen Mitteln auf die physische Präsenz des Ausstellungsraumes der Schwarzwaldallee reagiert, lotet sie die Grenze zwischen Material- und Bildbedeutung aus und erweitert diese um individuell-psychologische Aspekte, die ihren Ursprung in der Biographie und der Erinnerung der Künstlerin aus Manchester haben.
Die Wände des Ausstellungsraumes sind gelb gestrichen und durch darauf angebrachte Elemente aus Gips erweitert. In ihrem Umriss erinnern sie an hohe Fenster- oder Portalöffnungen. Weiter hängen an den Wänden zwei Bilder, die aufgrund von Rahmung, Materialität und Farbigkeit vorgeben, Fenster zu sein. Auf den Plexiglasscheiben dieser Bilder erscheinen die Hände und der Mund der Künstlerin. Es handelt sich um fotografische Abbildungen aus dem Archiv von Clare Kenny, das sie seit mehreren Jahren als Ausgangslage für ihre Arbeit kontinuierlich weiterentwickelt. Die tatsächlichen Fenster, die normalerweise den Blick auf den Voltaplatz eröffnen, sind durch graue Sprayfarbe abgedunkelt. Wie in einem Hamburgerrestaurant in Manchester hängt vor diesen Fenstern eine Leuchtstoffröhre, die in neonblauem Licht das Wort Rumours in dem Raum wirft. Auf dem Boden sind fünf Sitzsäcke platziert. Ihre Oberflächenerscheinung ist diejenige von Fotografien bestehender Arbeiten Clare Kennys, die harten Marmor imitieren. Ihre physische Präsenz ist wie die Realität relativ und variabel.
Lorenz Wiederkehr
All Images: ©Nici Jost