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"Die Gastgeberin der Hölle" hiess ein Artikel in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung", der im Oktober 2007 die Ermordung von 180 jüdischen Zwangsarbeitern im österreichischen Rechnitz aufdeckte. Mit involviert war eine Fürstin von Batthyány-Thyssen. Der damalige "NZZ"-Redaktor Sacha Battyany wurde von einer Kollegin darauf aufmerksam gemacht. Die Namensähnlichkeit war nicht zu übersehen.
Dieser Augenblick veränderte sein Leben. Urplötzlich lag über dem eigenen Namen ein Schatten, dessen Ursachen es zu ergründen galt. "Es war ein Massaker an 180 Juden, das mich meiner Familie näher brachte", schreibt Batthyany in seinem Buch. Seither weiss er mit Sicherheit: "Die Geschichte unserer Familie prägt uns auch dann, wenn wir sie nicht kennen."
Redaktor bei "NZZ" und "Tages-Anzeiger"
Sacha Batthyany wurde 1973 geboren, er studierte in Zürich und Madrid Soziologie, bevor er zur "NZZ" stiess und von 2005 bis 2008 vornehmlich Reportagen schrieb. Danach wechselte er zum "Tages-Anzeiger", als Redaktor für "Das Magazin".
Seine Reportagen für die "NZZ" wie später für "Das Magazin" verraten ein untrügliches Faible für Lebensgeschichten, in dem sich Alltägliches spiegelt. Speziell an den Rändern der Gesellschaft findet Sacha Batthyany seine Stoffe.
Mit dem Artikel von 2007 war er unvermittelt selbst Teil einer solchen Story geworden. Im Dezember 2009 erschien im "Magazin" dazu erstmals ein langer Text von ihm: "Ein schreckliches Geheimnis". Er wurde umgehend ins Englische übertragen und etwas später auch in der "Süddeutschen Zeitung" abgedruckt.
Eine persönliche Geschichte
Damit war ein Prozess in Gang gesetzt, der während Jahren neben seiner Arbeit als Redaktor weiterlief. Sacha Batthyany recherchierte in den Abgründen der Familiengeschichte. Er reiste dafür ins Burgenland, nach Ungarn und Argentinien. Ein Psychologe half ihm, das Erfahrene zu verarbeiten.
Einiges bleibt bis heute unerschlossen, was das Massaker von Rechnitz anbelangt. In seinem Buch trägt Batthyany zusammen, was darüber gesichert ist. Doch er lässt es nicht dabei bewenden. Der Fokus seiner Nachforschungen verschiebt sich, als ihm das spät entdeckte Tagebuch seiner Grossmutter eine zweite Quelle eröffnet.
Die historische Recherche verwandelt sich in eine penible Selbstbefragung: Was hat das mit mir zu tun? Das gleichnamige Buch verbindet journalistische Tugenden mit der behutsamen Erzählung dessen, was das historische Wissen im betroffenen Individuum auslöst.
Dem Bösen auf der Spur
Nach Jahren als Redaktor in der Schweiz ist Sacha Batthyany 2015 mit seiner Familie nach Washington übersiedelt, um als Korrespondent für die "Süddeutsche Zeitung" und den "Tages-Anzeiger" zu schreiben. Nebst der politischen Berichterstattung ist er in den USA seiner bevorzugten Form der Reportage treu geblieben.
"Das Böse lauert überall" hiess im August dieses Jahres die Überschrift eines Artikels, der sich mit der gesellschaftlichen Paranoia in den USA befasst. Und erst unlängst hat Sacha Batthyany mit der Mutter eines Amokläufers von der Columbine High School gesprochen, die ihm schilderte, wie sie aus einer "heilen Welt" stürzte, als ihr Sohn das Massaker verübte.*
*Dieser Text von Beat Mazenauer wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung verfasst.