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1798 marschiert Frankreich in die alte Eidgenossenschaft ein, um einen zentralistischen Staat zu errichten: die Helvetische Republik. Die Bürokratie, die bis anhin über informelle Kanäle lief, erhält eine professionelle Dimension. Plötzlich zirkulieren grosse Mengen an Depeschen, offiziellen Mitteilungen und amtlichen Schreiben, die alle als Briefkopf das Motto "Freiheit und Gleichheit" mit Wilhelm Tell im Zentrum tragen. Nachdem Tell in Frankreich Furore gemacht hat, dient er nun als Symbolfigur der Helvetischen Republik. Doch warum graben die Aufklärer, die sich auf die Vernunft berufen, einen realitätsfernen Mythos aus der Vergangenheit aus?
Die Mitglieder des Helvetischen Direktoriums, die mit dem Aufbau der Schwesterrepublik Frankreichs beschäftigt sind, haben begriffen, dass ein neues Gesellschaftsmodell einen traditionellen Anknüpfungspunkt braucht. Und wer würde sich besser eignen als Tell, um den Kampf der Revolution gegen die Tyrannei der Aristokratie zu verkörpern?
Die Republik versinkt im Sand sozialer Unruhen, bevor sie richtig Gestalt annimmt. Napoleon nimmt die Sache in die Hand und diktiert 1803 die Mediationsakte. Das Zwischenspiel als Held der Revolution hat der Popularität Wilhelm Tells keinen Abbruch getan.