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Kardinal Schiner – erster Walliser mit Kontakt zur Garde
Der erste Walliser, der Kontakt mit der Päpstlichen Schweizergarde hatte, war wohl der Bischof von Sitten, Matthäus Schiner. Nach den Priester- (1489) und Bischofsweihen (1499) in Rom reiste er am 13. November 1509 von Sitten zum dritten Mal nach Rom ab, wo er der nicht lange vorher gegründeten Schweizergarde begegnete. Schiners Initiative war es zu verdanken, dass die 12 Orte der Eidgenossenschaft und das Wallis am 14. März 1510 ein Bündnis mit Papst Julius II. abschlossen, das die Werbung von 6000 Söldnern erlaubte. Am 17. August 1511 traf Schiner wieder in Rom ein, wo ihm der Papst am 20. August 1511 den Kardinalshut überreichte und wo er bis zu Beginn des Jahres 1512 blieb. Dabei kam es sicher auch zur Begegnung mit der 1506 gegründeten Garde.
Kardinal Schiner hatte freundschaftliche Beziehungen zum zweiten Gardehauptmann, Markus Röist aus Zürich, der 1507–1524 die Garde kommandierte. Anna Seematter, eine Grossnichte des Kardinals, war mit dem sechsten Gardekommandanten, Jost Segesser, welcher der Garde 1566–1592 vorstand, verheiratet und schenkte ihm fünf Kinder, von denen vier in Rom geboren wurden. Magister Johannes Schliniger, ein bekannter Gegner Zwinglis, wirkte als Seelsorger in der Garde und gehörte zu den Anhängern Schiners. Das Andenken Kardinal Schiners lebt in der Garde weiter auf einem Wandgemälde von Robert Schiess (1896–1956) in der Kantine der Schweizergarde im Vatikan. Der Kardinal erscheint darauf hoch zu Ross, begleitet von zahlreichen Soldaten aus der Schweiz.
66 Jahre im Dienst der Garde
Peter Aller aus dem Wallis erscheint 1554 als Mitglied des Gardegerichtes. Wie das Jahrzeitbuch der Familie Schiner im Pfarreiarchiv Ernen berichtet, bekleidete Johannes Schiner, ein naher Verwandter von Kardinal Schiner, eine Stelle in der päpstlichen Garde. Vermutlich handelt es sich um jenen Hans Schiner, der 1559 Gardeleutnant wird. 1731 stösst man im Garderodel auf den 88-jährigen Michael Hug von Ernen, der 66 Jahre im Dienst der Garde war. Im Mannschaftsverzeichnis aus den bewegten Jahren 1791–1817 trifft man auf keine Walliser.
Jährlich 2 bis 19 Walliser in die Garde
Erst seit dem 19. Jahrhundert finden zahlreiche Walliser den Weg in die Garde. Viele aber dienten nicht in der Garde, sondern bei den päpstlichen Truppen des Kirchenstaates. Verschiedene Walliser und besonders Offiziere, die bisher in französischen Diensten gestanden waren, verloren nach der Julirevolution 1830 ihre Posten in Frankreich, ebenso, als die Schweizertruppen in Neapel entlassen wurden. Graf Eugen de Courten (1771–1839), der als Feldmarschall in französischen Diensten gestanden war, warb im Wallis für die päpstlichen Dienste, die regen Zulauf erhielten, und Walliser stellten dann in der Folge auch Kommandanten und Offiziere. Nach einem Erlass des Walliser Staatsrates vom 6. Juni 1827 mussten die Werber ein staatsrätliches Patent haben. Das galt besonders für die Truppen des Heiligen Stuhles, aber wohl auch für die Päpstliche Schweizergarde. Zahlreiche Patente wurden eingelöst, aber auch für Rekruten Kautionen geleistet, so von Gemeinden wie zum Beispiel am 21. Juli 1832 von St-Maurice für Rekruten des «Service du Rome», wie von Privaten. Von diesen war besonders Ferdinand von Stockalper (1803–1848) 1832/1833 aktiv. Er war Hauptmann in päpstlichen Diensten, wie die später für diese werbenden Hauptleute Eduard de Quartery und Denis Barman. General Oberst Joseph-Raphael de Courten (1809–1904) warb 1846 im Wallis 4 Kompanien für den Heiligen Stuhl.
Von 1824 bis heute waren 718 Walliser in der Garde. Dazu kommen 69 aus dem Wallis, die seit 1970 als Hilfsgardisten für eine Dauer von jeweils wenigen Monaten Dienst taten – Stellen, die besonders bei Studenten beliebt waren. Zu ihnen gehörte 1970 auch Emil Tscherrig, heute Erzbischof und päpstlicher Nuntius.
Die fünf oberen, deutschsprachigen Bezirke waren in der Garde mit 622 Gardisten viel stärker vertreten als jene des vorwiegend französischsprachigen Mittel- und Unterwallis mit 96 Gardisten. Das Goms stellte mit 275 Männern unter den Walliser Bezirken das stärkste Kontingent. Einzelne Gemeinden sind darunter besonders gut vertreten, so Ernen mit 51 (davon 42 im 19. Jahrhundert), Ulrichen mit 33 (davon im 19. Jahrhundert 26), Reckingen mit 28. Nicht selten stammte eine Anzahl Gardisten aus den einzelnen Dörfern aus dem gleichen Familienverband, zum Beispiel waren im 19. Jahrhundert aus Ernen 14 Angehörige der Familie Clausen in der Garde. Den 20 Gardisten aus Naters in der Zeit von 1863–1896 folgten aus dem gleichen Dorf seit 1900 45 weitere.
Angehörigen kinderreicher Familien mit magerem Einkommen bot der Gardedienst früher eine willkommene Ausweichmöglichkeit. Zudem zogen die einen aus dem Dorf die anderen nach. Das zeigt sich zum Beispiel für das Jahr 1850, als von 19 Wallisern, die in die Garde eintraten, 17 aus dem Goms stammten.
Seit dem 19. Jahrhundert traten jährlich 2 bis 19 Walliser in die Garde ein. Die Höchstzahl wurde im Jahre 1920 mit 22 erreicht. Jährliche Zahlen wie 9, 10, 11 sind nicht selten.

Die Dienstdauer der Gardisten war verschieden. Im 19. Jahrhundert schwankte sie zwischen einem bis 29 Jahren. Kürzere Dienstzeiten waren üblicher. Alex Steffen von Reckingen und Abraham Kummer von Ried-Mörel brachten es auf je 29 Jahre, gefolgt von Franz Schiner von Mühlebach mit 25, Valentin Guntern von Ernen mit 22 und Johann Jossen und Theodor Imhof von Mörel mit je 20 Jahren. Seit 1976 bis heute schwankte die Dienstzeit zwischen einem bis 38 Jahren, das häufigste waren zwei Jahre, die ordentliche Dienstverpflichtung.
Naturgemäss war die Dienstzeit der Offiziere in der Regel länger als die der Gardisten. So kam Johann Baptist Imoberdorf auf 44 Jahre, Gregor Volken auf 38 Jahre, Johann Baptist Imsand und Ulrich Ruppen kamen auf je 33 Jahre, Josef Imsand erreichte 32, Adolf Carlen 25, Josef Imesch 23 und Paul Grichting 21 Jahre.
Es gab und gibt Gardisten, die nach Beendigung ihrer Dienstzeit in Rom blieben und dort Stellen fanden. Die Gardisten Leo Imfeld von Ulrichen 1872, Josef Jerjen von Reckingen 1873, Johann Josef Bittel von Bellwald 1877 und Martin Imsand von Oberwald 1886 wanderten, nachdem sie die Garde verlassen hatten, nach Amerika aus. Johann Nanzer von Glis fand 1857 eine Stelle in Florenz, nachdem er nur ein Jahr in der Garde gewesen war. Theodul Schaller fand nach zwei Jahren Gardedienst den Weg in ein Kloster.
Bei den Unruhen 1878 verliessen mehrere Walliser die Garde. Im Mannschaftsregister steht dann bei einzelnen Namen die Bemerkung «Beim Aufstand fort». Verschiedene Gardisten kehrten vom Heimaturlaub nicht mehr nach Rom zurück. 1827 und 1831 wurde je ein Gardist «als Revolutionär» aus der Garde ausgestossen. 1827 hat man einen wegen mehrtägigem Ausbleiben entlassen. Ein Erner wurde 1854 «wegen unerlaubter Eingabe einer Bittschrift an S. Heiligkeit und Verfälschung der Unterschrift» ausgestossen. 1866 wurden zwei andere Gommer, weil sie sich schlecht aufführten und schimpften, aus der Garde entfernt. 1871 und 1873 erfolgten wegen Diebstählen Entlassungen. Ein Gardist aus Glis hat sich 1883 erschossen. Ein Fieschertaler und ein Erner wurden 1872 «wegen Schimpfereien» aus der Garde befördert, ein Unterwalliser 1899 wegen Trunkenheit.
15 Walliser Offiziere
Dieses Unrühmliche verblasst neben den zahlreichen Anerkennungen, welche Gardeangehörige im Laufe der Jahre empfingen, und den Auszeichnungen mit Orden und Ehrenmedaillen. Andere unterstützten gute Werke in der Heimat. Oberst Louis de Courten liess zusammen mit den Gardisten von Ulrichen 1879 in Rom vom Maler Joseph Bolzern (1828–1901) für die Kirche in Ulrichen das Hochaltarbild malen. Die Gardisten aus Ulrichen unterstützten auch den Bau der dortigen Kirchenorgel. Seit 1824 wurden 15 Walliser Offiziere in der Päpstlichen Schweizergarde. Louis-Martin de Courten (1835–1837), aus einer Familie in Siders stammend, die mit dem Fremdendienst eng verbunden war, und selbst jahrelang verdienstvoller Offizier im Päpstlichen Fremdenregiment, wurde 1874 vom Papst zum Kommandanten der Schweizergarde ernannt. Dieses Amt übte er bis 1901 aus.
Aus dem Wallis stammen als Vizekommandanten die Oberstleutnants Johann Baptist Imoberdorf von Ulrichen (Gardeeintritt 1860) Ulrich Ruppen von Naters (1926), Gregor Volken von Grengiols (1946), Tony Jossen von Naters (1984), Jean Daniel Pitteloud (1999), ebenso die beiden Gardekapläne P. Jean-Charles Mayor (1964) und Paul Grichting (1968). Letzterer war 21 Jahre Seelsorger der Garde und betreute in dieser Zeit über 700 Gardisten, von denen 15 Priester wurden. Oberstleutnant Dieter von Balthasar (1946) war mit dem Wallis verbunden durch seine Frau und seinen späteren Wohnsitz in Sitten.
Den Grad des Majors in der Garde erlangten die beiden aus Ulrichen stammenden Brüder Josef Imsand (Gardeeintritt 1876) und Johann Baptist Imsand (1877).
Hauptmann wurden Jean Hallenbarter von Obergesteln (1900), Adolf Carlen von Reckingen (1920), Joseph Imesch von Termen (1924), Camillo Burkard von Gampel (1962), Andreas Clemenz von Stalden (1977).
Bruno Imstepf von Naters (1971) war Feldweibel.
Die Walliser stellten 1848–1900 22 und 1900–2006 14 Wachtmeister, 1850–2006 48 Korporale und 1868–2006 16 Vizekorporale. Dem Wachtmeister kommt der Ehrenrang eines Leutnants zu.
Sektion der Ehemaligen
Am 23. September 1928 wurde in Naters die Walliser Sektion der 1921 entstandenen Vereinigung ehemaliger päpstlicher Schweizergardisten gegründet, nachdem bereits im Jahre 1927 erste Kontakte für einen Zusammenschluss bestanden. Alex Clausen wurde erster Präsident der Sektion, der heute Roland Walker vorsteht. Anfang der siebziger Jahre erhielt die Sektion, die sich jedes Jahr an einem anderen Ort trifft, eine Fahne.
Realisiert wurde 2006 in Naters ein Gardemuseum, das in der ehemaligen Festung der Schweizer Armee eingerichtet ist. In Naters besteht dafür die 2002 gegründete Stiftung «Kulturzentrum der Päpstlichen Schweizergarde» mit Stiftungsratspräsident Stefan Ruppen. Der ehemalige Vizekommandant der Schweizergarde, Tony Jossen, ist Obmann der «Amici Zentrum Garde».
Louis Carlen in «Hirtenstab und Hellbarde», 2006, leicht gekürzt