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Codonopsis pilosula ist eine von drei Codonopsisarten, welche die chinesische Pharmakopöe (PPRC) unter dem Begriff Dang Shen gelten lässt. Bensky zählt noch wesentlich mehr Arten auf, die in verschiedenen Gebieten Chinas statt der drei in der PPRC erlaubten in Gebrauch sind.
Codonopsis gehört zur Familie der Campanulaceae, also der Glockenblumengewächse. Diese Familie darf hierzulande als bekannt angesehen werden, wachsen doch gegen 40 Vertreter davon in der Schweiz. Zu den typischen Vertretern, die wir mit dieser Familie assoziieren, gehören natürlich die eigentlichen Glockenblumen (Campanula spp.), die man an ihren glockenförmigen Blüten gut erkennt (etwa 2 Dutzend Arten). Auf den ersten Blick weniger gut als Campanulaceae erkenntlich sind etwa ein Dutzend weitere Vertreter, die der Gattung Phyteuma angehören und die deutsch Rapunzel genannt werden. Aber Vorsicht: Rapunzel wird oft auch der Nüsslisalat genannt. Dieser gehört in eine ganz andere Pflanzenfamilie, nämlich in diejenige der Baldriangewächse (Valerianaceae) und er heisst botanisch Valerianella locusta. Phyteumaarten sind allen gut bekannt, denn ihre bis auf eine Ausnahme blauen und kugel- oder ährenförmig angeordneten Blüten gefallen. Ein einziger Vertreter (Phyteuma spicatum) trägt weisse Blüten und ich nenne ihn Waldspinat. Ich habe keine Ahnung, woher ich diesen Namen habe, aber seit Jahrzehnten kenne ich diesen als erste Pflanze im Frühling, die ich im Wald suchen gehe. Sie erscheint etwa so früh wie das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), zu dem ich nicht so eine gute Beziehung habe wie zu Phyteuma spicatum. Waldspinat sammle ich, wenn er jung ist und die ersten Blätter aus dem Boden gucken, also lange bevor sich ein Stiel entwickelt, der später die Blüten trägt. Mit einiger Übung erkennt man aber die frühen Blätter schon als Waldspinat und – der Name sagt es – sie ergeben ein gutes erstes Blattgemüse im Frühling und stillen die Lust auf solches nach dem Winter, wenn der Körper nach frischem Grün (Vitamine?) verlangt und der Wurzeln der Wintergemüse überdrüssig ist. Man kann von diesem und anderem frischen Grünzeug in den ersten Wochen kaum genug bekommen, aber wenn dann auch im Garten die ersten Grünpflanzen (Pflücksalat, Kopfsalat, Lattich, Spinat) geerntet und verspeist sind, lässt der Gluscht nach solchem Grün nach und man hat Mühe, der Chlorophyllschwemme Herr und Meister zu werden und die Salate beginnen aufzustängeln.
Vertreter der etwa 70 Codonopsisarten haben wir keine in der Schweiz
Codonopsis ist eines der am meisten gebrauchten Mittel in der TCM und das hat seinen guten Grund: Codonopsis ist ein ausgezeichnetes Qi-Tonikum, das vor allem die Mitte (Milz) stärkt. Was der Mitte nützt, hilft dem ganzen Körper und, etwas pauschal gesagt, ist Codonopsis somit immer gut. Die ausgesprochen sanfte, aber doch nachhaltige Wirkung auf Mitte und Lunge führt nebst der Qi-Vermehrung auch zu einer Steigerung der Produktion der Körpersäfte und über indirekte Mechanismen trägt sie sogar zur Bildung von Xue (Blut) bei. Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit, Anämie sind alles Indikationen, die nach Codonopsis rufen. Auch im Wochenbett und beim Stillen macht es ausgesprochen Sinn, dieses Mittel zu benützen. Es fördert sogar die Laktation und stärkt auch über die Milch das Baby. Die Süsse der Wurzel macht die Einnahme sehr angenehm. Man spürt regelrecht, wie sanft und doch bestimmt das Mittel wirkt. Es kann in grösseren Mengen genossen werden, ohne dass Nebenwirkungen in nennenswerter Weise auftreten.
Kleinkinder dürfen ohne weiteres getrocknete Codonopsiswurzeln roh kauen. Sie lieben sie, denn sie sind süss. Sie fördern das problemlose Zahnen und zudem tragen sie zur Bildung einer kräftigen Muskulatur und einer gesunden Immunabwehr und einer guten Verdauung bei.
Codonopsis ist bekanntlich auch ein häufig gebrauchter Ersatz für Ginseng. Während letzteres oft zu harsch wirkt, also einen starken Yang-Schub verursacht und nicht von allen Leuten immer gut vertragen wird, ist solches von Codonopsis nicht zu befürchten, denn letztere hat eine milde Wirkung auf das Yang. Neuere Untersuchungen zeigten, dass die Pflanze auch dank einigen ihrer Inhaltsstoffe (Polysaccharide) immunstimulierende Wirkung hat, was natürlich aus den Charakteristiken, wie die TCM sie für dieses Mittel beschreibt, ohnehin den alten Chinesen längstens klar war.
Gute Qualität von Codonopsis erkennt man an der Dicke der Wurzel und vor allem an deren Süsse. Aber Achtung: spürt man die Süsse bereits, wenn man die Wurzel abschleckt, so ist es wahrscheinlich, dass man einem Lieferanten auf den Leim gekrochen ist, der schlechte Ware verkauft und der diese in Zuckerwasser badete!
Auf www.tcmfood.ch ist Codonopsis bald erhältlich, denn es ist auch in China sozusagen ein Gemüse. Auch findet man es in sämtlichen chinesischen Lebensmittelläden in der Schweiz in den Trockensuppenmischungen.
Ohne Zweifel darf es als eines der wertvollsten Mittel der TCM angesehen werden und es gehört zu den 10 meistgebrauchten Mitteln unseres Sortimentes. Es hätte vielleicht sogar den 1.Platz in der Hitliste verdient. In derjenigen zum Preis-/Leistungsverhältnis hat es diesen schon lange.