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(Eversmann, 1848)
- DE: Südlicher Grashüpfer
- EN: White-headed Toothed Grasshopper
- FR: Le Sténobothre cigalin
- Syn.: Stenobothrus nigrogeniculatus Krauss, 1879 | Stenobothrus fischeri variety prasina Voroncovskij, 1927
Morphologie
Stenobothrus fischeri ist wie die anderen Vertreter der Gattung farblich sehr variabel und besonders die Männchen sind häufig sehr intensiv gefärbt. Die Grundfarbe ist oft ein helles Grün, das vorwiegend auf den Vorderkörper beschränkt ist. Die Fühler sind weisslich beige bis bräunlich und bei den Männchen am Ende leicht nach aussen gebogen. Kopf und Halsschild sind in der unteren Hälfte weisslich oder hellgrau gefärbt. Die Halsschild-Seitenkiele sind deutlich hell gezeichnet und nur leicht nach innen gebogen. Die schmalen Flügel der Männchen reichen bis zu den Knien oder ganz leicht darüber hinaus. Das Medialfeld ist gut erweitert und die Radialader leicht geschwungen. Im Medialfeld befindet sich vor allem bei den Weibchen eine dunkle Fleckenzeichnung. Das Stigma ist blass gefärbt. Die Flügel der Weibchen enden knapp vor den Knien. Der Hinterleib ist besonders bei den Männchen intensiv orangerot gefärbt. Die kräftig schwarz gefärbten Hinterknie sind auch bei grau-braunen Farbmorphen deutlich vom Hinterschenkel abgesetzt, oft durch einen helleren Ring. Hinterschienen und Füsse sind bei bunten Tieren oft leuchtend orangerot und die Hinterschenkel orange bis gelblich gefärbt.
Gesang
Der Spontangesang von Stenobothrus fischeri ist relativ leise und ertönt kratzend raspelnd. Im Feld ist der Gesang schlecht in der allgemeinen Geräuschkulisse auszumachen und erinnert im Tonfall stark an denjenigen von Stenobothrus stigmaticus. Die einzelnen Verse werden in unregelmässigen Abständen geäussert. Ein einzelner Vers dauert 3-5 s, besteht aus 40-55 Einzelsilben und erreicht typischerweise vor der Hälfte die maximale Lautstärke. Manchmal wird die maximale Lautstärke schon kurz nach Beginn erreicht. Die letzten ausklingenden Silben sind wieder etwas leiser. Häufig gehen dem Vers ein paar einzelne Tick- oder Kratzlaute voraus. Singende Männchen animieren sich häufig gegenseitig und legen zwischen den einzelnen Lautäusserungen teilweise grössere Strecken zurück. Oft sitzen die Tiere beim Singen exponiert auf einem Stein oder einer anderen Erhöhung.
Zwei Verse aus dem Spontangesang von Stenobothrus fischeri - AT, Niederösterreich, Oberweiden, 28.06.2010, 25°C, sonnig, leichter Wind.
Zwei Verse aus dem Spontangesang von Stenobothrus fischeri - FR, Gard, Pompignan, 30.05.2009, 25 °C, sonnig, windig.
Einzelner Vers aus dem Spontangesang von Stenobothrus fischeri - AT, Niederösterreich, Oberweiden, 28.06.2010, 25 °C, sonnig, leichter Wind.
Einzelner Vers aus dem Spontangesang von Stenobothrus fischeri - FR, Gard, Pompignan, 30.05.2009, 25 °C, sonnig, windig.
Verbreitung
Stenobothrus fischeri ist in Südeuropa weit verbreitet und kommt von Zentral- und Nordspanien über Südfrankreich, ganz Italien und weite Teile des Balkans bis nach Griechenland vor. Östlich reicht das Verbreitungsgebiet über Mittelasien bis in die Mongolei. In Österreich ist die Art einzig aus den Sandbergen Oberweiden im Marchfeld in Niederösterreich bekannt. Die Höhenverbreitung reicht von der Ebene bis auf über 1800 m im Gebirge.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Stenobothrus fischeri können von Mitte Mai bis September beobachtet werden.
Lebensraum
Stenobothrus fischeri besiedelt am nördlichen Verbreitungsrand ausgesprochene Wärmeinseln mit lückiger Vegetaion. Dazu gehören steppenartige Sandmagerrasen, Trockenwiesen und Felsensteppen. Im Hauptverbreitungsgebiet trifft man die Art meistens an sehr steinigen Berghängen an. Die Krautschicht ist allgemein sehr lückig und mit dichten Gräserhorsten durchsetzt. Die besiedelten Habitate sind ausgesprochen trocken und gut besonnt.
Gefährdung & Schutz
Auf europäischer Ebene gilt Stenobothrus fischeri als nicht gefährdet. In Österreich ist die Art nur von einem kleinflächigen Standort bei Oberweiden bekannt, weshalb sie als vom Aussterben bedroht gilt. Lokale Gefährdungsursachen können die Aufgabe der Weidewirtschaft sowie deren Intensivierung darstellen. Eine zentrale Gefährdungsursache stellt die Überführung von Steppengebieten in landwirtschaftliche Nutzflächen im pannonischen Raum (Österreich, Ungarn, Bulgarien) dar. Im Vergleich mit den bevorzugten Lebensräumen in Südeuropa ist die Krautschicht im Lebensraum in Ostösterreich relativ dicht und hochwüchsig. Trotzdem scheint Stenobothrus fischeri an die lokalen Bedingungen angepasst und ausreichend vegetationslose Stellen vorzufinden. Durch die ungewisse Zukunft des Standortes und die grosse Distanz zum nächsten Fundort kann die Art als die gefährdetste Heuschreckenart Österreichs bezeichnet werden. Mit Sicherheit ist eine intensivierte und grossflächigere Weidewirtschaft der Art förderlich.
- CH: Abwesend
- DE: Abwesend
- AT: CR (Vom Aussterben bedroht)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Verwechslungsgefahr besteht bei Stenobothrus fischeri vor allem mit anderen Stenobothrus-Arten, allen voran Stenobothrus nigromaculatus und Stenobothrus eurasius. Häufig ist Stenobothrus nigromaculatus weniger bunt gefärbt, weist mehr Grünanteile in der Grundfarbe auf und die Hinterknie sind weniger ausgeprägt dunkel gefärbt. Das erweiterte Medialfeld reicht über den halben Flügel hinaus und ist mit einer dunklen Würfelzeichnung durchsetzt. Die Radialader von Stenobothrus nigromaculatus verläuft gerade. Auch bei Stenobothrus eurasius ist das erweiterte Medialfeld länger als der halbe Flügel. Die Fühler sind bei Stenobothrus eurasius insgesamt dunkler und besonders an der Spitze meist angebräunt. Stenobothrus lineatus unterscheidet sich durch die breiteren, längeren und dunklen Flügel mit einem ausgeprägten weissen Stigma.