Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03481.jsonl.gz/470

Vom «frommen Basel» zur multireligiösen Stadt
Erste Spuren des christlichen Glaubens finden sich in der damals zum Römischen Reich gehörenden Basler Region im beginnenden 4. Jahrhundert. In der Stadt sitzt sicher seit dem Jahr 400 ein Bischof, die Missionierung der inzwischen eingewanderten Alemannen fällt ins 6. und 7. Jahrhundert. Im hohen Mittelalter baut man noch heute dem Gottesdienst gewidmete romanische und gotische Kirchen wie das Münster, St. Martin, St. Leonhard, St. Peter, St. Theodor und Riehen. Die Mystik beschäftigt manche Geister und die Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern das von 1431 bis 1447 tagende Basler Konzil. Sie wird nicht erreicht. Basel erhält aber 1460 eine Universität. An ihr herrscht reiches humanistisches Leben. Ihm entspringt unter anderem das Gedankengut der Reformation. Nach langen Auseinandersetzungen setzt die Reformation sich unter der geistigen Leitung von Johannes Oekolampad definitiv 1529 in Stadt und Landschaft durch. In der Folge wurde die Evangelisch-reformierte Kirche zur Staatskirche der Stadt Basel.
Die Frage nach der rechten Gestalt evangelisch-reformierten Glaubens beschäftigte darauf rund 200 Jahre lang die Gemüter. Erst war man tolerant und liess Andersdenkende gewähren. Vor 1585 kam es vorübergehend sogar zu einer Kirchenunion mit dem lutherischen Südbaden. Dann aber bestimmten Strenge und Kleinlichkeit das kirchliche und das diesem untergeordnete schulische und sittliche Leben. Staat und Kirche bildeten eine in manchen Hinsichten problematische Einheit, ein Abseitsstehen war fast unmöglich. Zwei einander scheinbar entgegengesetzte und doch in vielem verwandte Geistesbewegungen brachten neues Leben in die erstarrende Situation: die der Vernunft verpflichtete Aufklärung setzte etwa mit der Gründung der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen (1777) reiche menschenfreundliche Aktivitäten frei, während der auf persönliches Erleben von Gottes Zuwendung ausgerichtete Pietismus, um 1720 erstmals bezeugt, weitherum prägend wirkte und in der Gestalt der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts viele für die Kirche wichtige christliche Werke schuf (Bibelgesellschaft, Basler Mission, Pilgermission St. Chrischona, Diakonissenhaus Riehen).
Der Liberale Leberecht De Wette, seit 1822 in Basel, begründete neu den guten Ruf der Theologischen Fakultät. Als Folge der Kantonstrennung (1833) spaltete sich die Baselbieter Kirche von derjenigen der Stadt ab. In dieser setzte sich während Jahrzehnten konservativ-erweckliches Gedankengut gerade in den herrschenden Kreisen durch, was den Begriff des «frommen Basel» entstehen liess. Trotzdem erfolgte 1859 der erste Angriff auf das reformatorische Basler Bekenntnis. Alle Gegenwehr konnte in den folgenden 15 Jahren den Abbau ehrwürdiger Glaubens- und Kirchennormen nicht hindern und 1874 wurde der erste Pfarrer der Freisinnigen gewählt. Als Bewahrer des Hergebrachten standen ihnen die Positiven gegenüber. Die Zunahme der Nichtevangelischen führte 1911 zu einer relativen Trennung von Kirche und Staat. Die Zwischenkriegszeit sah heftige Kämpfe um Schulgebet, Religionsunterricht und Bestand der Fakultät. Weniger spektakulär, aber für das Leben der Menschen weit wichtiger, erwies sich in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten das soziale Engagement der Kirche.
Seit der Gewährung der Glaubensfreiheit im Jahr 1798 entwickelte sich Basel von einer rein reformierten Stadt zu der heutigen multireligiösen Stadt mit über 170 christlichen und nichtchristlichen Religionen, Kirchen, Freikirchen und anderen religiösen Gemeinschaften.
Evangelisch-reformierte Kirche
Der einzige erlaubte Gottesdienst war der evangelisch-reformierte in einer evangelisch-reformierten Kirche mit einem evangelisch-reformierten Pfarrer.
Römisch-Katholische Kirche
Mitte des 20.Jahrhunderts erhielt die Römisch-Katholische Kirche Zuwachs durch Gastarbeiter vor allem aus Italien, später auch aus Spanien und weiteren Ländern.
Christkatholische Kirche
Täufer
1832 wurde in Basel die Evangelische Täufergemeinde gegründet. Sie geht auf den ehemals reformierten Pfarrer Samuel Heinrich Fröhlich zurück, der ähnliche Ideen verfolgte wie die anderen Täufer. Eine weitere Freikirche kann im weitesten Sinn zu den Täufern gezählt werden. Es ist die aus der Anglikanischen Kirche in England hervorgegangene Gemeinschaft der Baptisten, die seit 1849 in Basel als eine Gemeinde organisiert sind.
Christliche Minderheitskirchen
Erst in den letzten Jahrzehnten bildeten andere englischsprachige Ausländerinnen und Ausländer eigene Gemeinden wie die evangelikalen Freikirchen Basel Christian Fellowship und die International Christian Fellowship (heute zusammengeschlosen mit Oikos).
Zugezogene Deutsche gründeten 1893 die Evangelisch-Lutherische Kirche Basel und Nordwestschweiz. Später kamen Lutheraner dazu aus anderen Ländern, vor allem aus Skandinavien.
Vor dem ersten Weltkrieg wurde in Lausanne die erste Griechisch-Orthodoxe Kirche in der Schweiz gegründet. In der Folge entstand in Basel eine Filiale. Emigranten aus Russland gründeten die Russisch-Orthodoxe Kirche im Ausland. Seit 1969 werden in Basel regelmässig serbisch-orthodoxe Gottesdienste gefeiert. Etwa einmal monatlich versammeln sich Ägypter zur Liturgie der Koptisch-Orthodoxen Kirche.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts trugen Eingewanderte dazu bei, dass das Bild der christlichen Kirchen farbiger und vor allem mehrsprachiger wurde. So werden christliche Gottesdienste ausser in Deutsch auch in Arabisch, Dänisch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Niederländisch, Norwegisch, Russisch, Serbisch, Schwedisch, Tamil, Ungarisch und Vietnamesisch gehalten. Seit kurzem gibt es auch afrikanische Gemeinden.
Christliche Freikirchen und Gemeinschaften
Die Zahl der religiösen Gruppierungen neben den grossen Kirchen oder Religionen ist unüberschaubar geworden. Immer noch zählt sich die Mehrheit der Gruppierungen zum Christentum. Es entstehen ständig neue Gemeinden. Manche hören wieder zu bestehen auf, wechseln ihren Namen oder fusionieren mit einer anderen Gemeinde. So gibt es Gemeinden mit verwechselbaren Namen: Christliche Gemeinschaft Basel, Christliche Versammlung, Christliches Zentrum Basel, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Basel, Evangelische Gemeinde Basel, Freie Christengemeinde, Freie Evangelische Gemeinde, Freie Evangelische Gemeinschaft, Freie Missionsgemeinde, Gemeinde Bibeltreuer Christen, Gemeinde Christi etc. Während die Unterschiede bei den meisten dieser Gemeinschaften nur minim sind, gibt es auch Gemeinden, die Lehren vertreten, die von der Mehrheit der Christen nicht geteilt wird: Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (Mormonen), Christliche Wissenschafter, Universelles Leben, Lichtkreis Christi.
[int.Nr.: basel.from]