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Brotauswerfen – Figuren
Johee
Der Johee stellt zusammen mit dem Mummerie die Hauptfigur auf der Bühne dar. Sein Platz auf der Bühne ist eine der vier Ecken, von wo aus er vor allem die Kinder und betagten Leute direkt vor der Bühne mit Brot beglückt. Wegen seiner schweren Trichel wird er nur selten Brot weit in rufende Menge werfen, sondern dieses wie beschrieben in seiner nächsten Umgebung verteilen.
Der Johee mit der leichtesten Trichel beobachtet, wie der ganze Tross die Bühne besteigt und gibt, wenn alle Brotsäcke auf der Bühne sind, seinen Kameraden mit schnellem Trichelschlag den Beginn des Auswerfens bekannt. Bevor der Johee die Bühne betritt, gibt er einem bei der Treppe wartenden Kind seinen Reisbesen in Obhut, welchen er am Schluss gegen ein Mütschli wieder eintauscht. Die vier Joheekostüme sind zurzeit wohl am begehrtesten und werden in der Regel nur an Vorstandsmitglieder vergeben.
Der Überlieferung nach stellt der Johee einen breitschultrigen Sentenbauern dar, welcher auf seinen Welschlandfahrten sein gesamtes Hab und Gut verloren hatte. Er besitzt weder Vieh noch Stall, kehrt mit einem Reisbesen sein Heim aus, gürtet sich die Trichel seiner Leitkuh um und zieht mit betrübter Miene ausser Lande. Sein Kostüm ist die Nachbildung einer Festtagstracht aus den Anfängen des 19.jahrhunderts, mit schwarzen, halblangen, nach unten enger werdenden Hosen, weissen Kniestrümpfen, einem weissen Hemd und bunten Hosenträgern.
Der Johee trägt eine feine, ungefurchte, bartlose Holzlarve mit wehmütigem Gesichtsausdruck und einer schwarzen Blätzliperücke aus Tüchlistoff, mit langen Zöpfen als Kopfbedeckung. An seinem breiten, früher mit Messingmotiven geschmückten Leibgurt trägt er eine Trichel und schwingt in der Hand einen nach oben gehaltenen Reisbesen.
Mummerie
Der Mummerie stellt, ähnlich wie der Johee, einen ausgepfändeten Rosshändler dar, welcher bei seinen Welschlandfahrten oder zu Hause, leichtsinnig sein Vermögen verprasste. Ohne Pferde, völlig abgebrannt, hängt er sich das Pferdegeröll selbst um, nimmt den Rossschwanz als letzten Zeugen seines ländlichen Marstalls in die Hand und zieht mit liederlicher Gleichgültigkeit in die Fremde.
Das Kostüm des Mummerie reicht weit in die Geschichte zurück. Der Fuhrmann trägt ein schwarz, gelb, rot gestreiftes Tüchlikleid mit einer Mühlsteinkrause um den Hals. Um die Lenden hat er ein ausgefranstes, weisses Tuch gebunden und ein breites Rossgeröll über die Schulter gehängt. Zur Holzlarve mit übermütigem Gesichtsausdruck und gepflegtem Schnurr- und kraushaarigem Backenbart trägt er eine schwarze kraushaarige Rosshaarperücke mit Filzhut, welcher mit einer Feder und schwarz, gelb, rot gestreiftem Band dekoriert ist. Mit einem Rossschwanz in der Hand, über dem Kopf kreisend, tänzelt der Mummerie kurztaktig und lässt so die Schellen seines Gerölls erklingen, als wolle er den Trab eines stolzen Rosses nachahmen.
Mit dem Johee zusammen gehört der Mummerie zu den beiden Hauptfiguren am Einsiedler Brotauswerfen. Er stellt sich jeweils zwischen den Joheen am Bühnenrand auf. Da das Rossgeröll den Mummerie in seinen Bewegungen nicht allzu sehr einschränkt, gelangen seine «Mütschli» nicht nur in die «gierigen» Hände am Rande der Bühne, sondern auch in die weiter entfernte «l mir eis» rufende Meute. Die sechs Mummerie-Kostüme sind eigentlich für die gestandenen Turner reserviert, welche auch schon einige «Auswurf-Erfahrung» mitbringen.
Höreli-Bajass
Der Horeli-Bajass ist als dritte Figur am Brotauswerfen vertreten und vervollständigt die Truppe. Er ist die jüngste Figur und tritt auch erst in diesem Jahrhundert in Erscheinung. Der Höreli-Bajass symbolisiert das Volk, welches den Mummerien und Joheen den Heimweg schwermachte, sie neckte oder hänselte und seinen Unmut über die verlorenen Taler lautstarken und handfesten Ausdruck gab (was heute durch das übermütige Hüpfen, die Überschläge und das Radschlagen symbolisiert wird). Der Höreli-Bajass trägt ein zweiteiliges, loses Kostüm, mit Dreieckspitzen an Jacke und Hose, an denen kleine Schellen (Rölläli) angenäht sind, welche beim leichten Hüpfen läuten. Die nach unten verjüngte Hose endet unterhalb des Knies. Dunkle Strümpfe als Beinbekleidung, eine Wachslarve mit lustigem Narrengesicht und eine weisse Haube mit drei festgestopften roten bzw. weissen «Hörai», an welchen wiederum kleine «Rölläli» angenäht sind, vervollständigen die Montur.