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Die heilige Wunde heute
Die zerbrochene Beziehung als existenzielle Verletzung
In den Überlieferungen findet der letzte Kampf des Helden häufig gegen ein «Monstrum» statt zum Beispiel einem Flammenstier (so im Gilgamesh-Epos oder in Tolkiens Der Herr der Ringe). Dieses symbolisiert die Partnerin, die voll Zorn gegen den «Helden» wütet, weil ihre Liebe wegen seiner Untreue «gestorben» ist.
Damit haben beide ihre gemeinsame Einheit und Ganzheit (männlich und weiblich) verloren. Die Frage ist: Kann der Held sich aufraffen, sie wiederzugewinnen um den Preis seines Egos oder Stolzes, und kann sie ihre Negativität loslassen, ihm vergeben und ihn wieder annehmen? (So wartete zum Beispiel die treue Penelope auf ihren Helden Odysseus. Sie erkannte, weil keiner den «Bogen spannen» konnte, wie er.)
Weiter Beispiele existenzieller Verletzungen
- Eine Verletzung der Integrität (durch Diffamierung)
- Der Verlust der sexuellen Potenz
- Ein Scheitern (Kündigung, Konkurs, Scheidung)
- Ein existenzieller materieller Verlust (z. B. des Vermögens)
- Der Verlust einer geliebten Person (z. B. der Tochter)
- Eine Krankheit (physisch oder psychisch, z. B. eine Depression oder ein Burnout).
Öffnung für die grössere Dimension des Geistes
Eine Verwundung wird zu einer «heiligen Wunde», wenn der Mensch sich darin nicht verhärtet, sondern Schmerz und Schwäche annimmt und sie integriert. Das Erleben der eigenen Grenzen schafft die Bereitschaft, sich für das Grössere, Unbegrenzte öffnen und darin das Vertrauen setzen. Wer gelernt hat, die eigenen Schwächen anzunehmen, kann auch mit anderen verständnisvoll, liebevoll und warmherzig umgehen.