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Kultur
Die Geschichte der Auswanderung nach Amerika
Etwa fünf Millionen Deutsche wanderten im 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Damit wurde die Emigration im Jahrhundert von Bevölkerungsexplosion und Pauperismus zum Massenphänomen. Aber bereits zuvor, im 18. Jahrhundert, machten sich rund 130.000 Menschen auf den riskanten Weg über den Ozean.
Wenig bekannt ist, dass die Pfalz lange Zeit die wichtigste deutsche Auswanderungsregion war und so stark dominierte, dass "Palatines" in Nordamerika zum Synonym für deutschsprachige Einwanderer wurde. Aber auch aus Baden, Württemberg, Franken, dem Elsass und der Schweiz begaben sich überproportional viele Menschen entweder mit Rheinschiffen nach Antwerpen und Rotterdam oder nach Le Havre, um die Reise über den Atlantik anzutreten. Die Realteilung erleichterte in Südwestdeutschland die Familiengründung, beschleunigte das Bevölkerungswachstum und verschärfte so die wirtschaftliche Not als wichtigsten Antriebsfaktor. Natürlich spielten auch politische oder religiöse Motive eine Rolle. Nicht erwähnt wird in dem materialreichen Begleitband zu der im Jahr 2004 veranstalteten Ausstellung im "Haus der Bayerischen Geschichte", dass im 19. Jahrhundert von Deutschland aus Kriminelle regelrecht mit staatlicherseits manipulierten Papieren nach Amerika "abgeschoben" wurden, bis die USA gegen diesen Betrug protestierten.
Aufsätze zu einer Vielzahl von Themen enthält der Begleitband: von der Gesetzgebung im Heimat- und im Zielland über die Schwierigkeiten der Reise, die Ankunft in New York, die ersten Schritte in der neuen Heimat, deutsche und speziell bayerische Kolonien in Nordamerika, die Anti-Einwanderungsbewegung des Nativismus bis hin zu vielem mehr. Spezielle Beachtung findet die Auswanderung von politisch Verfolgten und Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Über das verzerrte Deutschlandbild vieler Amerikaner hat sich sicher schon mancher gewundert: Lederhosen, Bier, Wurst, die Alpen, die Schlösser Neuschwanstein und Linderhof ... Doch nach Lektüre des Aufsatzes von Don Yoder über "Bayern und die Nordamerikanische Kultur" wird so manches klar. An vielen Orten Amerikas wird jährlich ein "Oktoberfest" gefeiert, in Philadelphia eine Kopie des Cannstadter Wasen oder in New Braunfels / Texas ein "Wurstfest".
Dass der Begleitband 22 Emigrantenbiografien ausführlich schildert, verleiht dem Thema über die historischen Fakten hinaus ein menschliches Gesicht. Darunter sind so berühmte Leute wie Levi Strauss, der Erfinder der Blue Jeans, aber auch unbekannte, durchschnittlich oder "normal" sind auch ihre Lebenswege nicht verlaufen.
Im 150seitigen Katalogteil sind - nachdem schon der Aufsatzteil reich und farbig bebildert ist - noch viele weitere Exponate abgebildet, so dass sich auch für Menschen, welche die Ausstellung nicht besuchen konnten, ein guter Gesamteindruck ergibt.