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Weinbau in Graubünden
Martín Camenisch
Gutsherren, Rebmeister und Tagelöhner – Diskurse, Krisen und Fördermassnahmen im Bündner Weinbau 1750–1950
Das vom Institut für Kulturforschung initiierte Projekt konzentriert sich nicht wie die bisherigen Untersuchungen zur Bündner Weinbaugeschichte vorwiegend nur auf wirtschaftliches und meteorologisches Zahlenmaterial (Ernteergebnisse usw.), sondern insbesondere auch auf sozial- und arbeitsgeschichtliche Fragen. Dabei geht die Studie in einem ersten Schritt ausgewählten traditionellen Weinbaudynastien wie beispielsweise derjenigen der von Tscharner (Rebareale in Chur und in der Bündner Herrschaft) auf den Grund und versucht aufzuzeigen, wie die traditionellen Gutsherren organisiert waren und wie sie mit (temporär) angestellten Rebmeistern und Tagelöhnern operierten. Als traditionelle Weinbauakteure werden in diesem Zusammenhang auch die klerikalen Institutionen (Bistum Chur, verschiedene Klöster mit Weinbergen) untersucht. Für die Zeit der Drei Bünde interessiert ferner die Frage nach den Besitzverhältnissen von Familien, welche sowohl auf der Nord-, als auch der Südseite des Alpenkamms (Veltlin und Valchiavenna) Weinberge besassen (z. B. verschiedene Vertreter der Familien von Salis). Es wird mitunter versucht, Organisationsmechanismen sowie allfällige Arten des Wissenstransfers aufzuzeigen. Von Interesse ist sowohl zu dieser Thematik, als auch zu weiteren weinbezogenen Themenfeldern die Diskursanalyse innerhalb der landwirtschaftsfördernden Gesellschaften (18./19. Jh.). In einem weiteren Teil des Forschungsprojekts wird nach den Einflüssen verschiedener Innovationsschübe wie beispielsweise der Mechanisierung bzw. der damit einhergehenden Folgen für die Arbeiter gefragt. Zu ergründen ist ferner die Kooperation zwischen Weinbauvereinen und den allmählich institutionalisierten Zentralstellen (Weinbaukommissariat, Plantahof usw.).
Der Nachlass von Johann Baptista von Tscharner (1751–1835): ein wichtiger Baustein zur Rekonstruktion der Bündner Weinbaugeschichte: erfahre mehr!
Zu diesem Themenfeld gehört auch der private und staatliche Umgang mit verschiedenen Anbau- oder Absatzkrisen (vgl. zur ersten Kategorie z. B. die Reblauskrise ab 1872, zur zweiten Gruppe der steigende Konkurrenzdruck durch externe Weinproduzenten). Zur Beantwortung dieser Fragen dienen neben den letztgenannten Zeugnissen schriftliches und kartographisches Quellenmaterial aus verschiedenen staatlichen und privaten Archiven.