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Begegnung mit einem "Jivan Mukta"
Die Frage stellt sich: Wie verhalten sich Jivan Muktas, „In diesem Leben Befreite“? Und was passiert, wenn man ihnen begegnet? Nun, sicher gibt es Jivan Muktas, die der gängigen Vorstellung eines weisen Menschen, der in Abgeschiedenheit lebt, und vielleicht eine besondere Ruhe oder Energie ausstrahlt, entsprechen. Mit etwas Begabung und etwas Übung könnte aber auch ein Scharlatan ein solches Erscheinungsbild präsentieren. Es gibt Jivan Muktas, die sich gelegentlich wie Verrückte oder Idioten verhalten, andere – wie Sai Baba – vollbringen physische Wunder, wiederum andere – wie Swami Krishnananda – gehen einer zeitraubenden Beschäftigung nach. Jivan Muktas leben nicht mehr im Relativen, und können somit jedes Verhalten annehmen. Im Prinzip gibt es keine Möglichkeit, einen echten Jivan Mukta zu erkennen. Dies hängt sehr von der eigenen inneren Einstellung ab.
Was sich bei einer Begegnung mit einem Jivan Mukta zutragen kann, möchte ich anhand eines Erlebnisberichts von Terry Winchester aufzeigen. Terry Winchester ist Therapeut und Seminarleiter in Johannesburg, Südafrika. Seine Kurse zur psychologischen und spirituellen Entwicklung basieren auf das „Alpha Training“, ein meditatives Verfahren zur Aktivierung und Entfaltung der inneren Potentiale. Eine buddhistische Unterweisung hatte bei ihm Zweifel über die Berechtigung seiner Seminare aufkommen lassen. Diese besagt, dass im Leben nichts getan werden muss und dass es keinen Ort gibt, zu dem wir uns begeben müssten. Für Terry Winchester war dies eine vitale Frage, auf die er unbedingt eine Antwort finden musste. Nachfolgend sein Bericht (aus dem Englischen übersetzt):
Nun stellte sich die Frage: Unterrichte ich weiterhin Menschen, ihre Ziele durch „Alpha-Training“ zu erreichen, wenn es in Wirklichkeit nichts zu tun gab und es keinen Ort gibt, der aufzusuchen ist? Wie kann man mit diesem Paradoxon zu Recht kommen? Ich benötigte Klarheit im Zusammenhang mit dieser Frage. Nachdem ich die ganze westliche Welt bereist hatte, musste ich realisieren, dass unsere Kultur vollkommen davon besessen war, immer mehr Besitztümer anzuhäufen, in der verzweifelten Hoffnung, dass diese unter Umständen Glück bringen würden. Jeder fragte mich während meiner Reise, wie ich überhaupt glücklich sein konnte, wenn ich nichts besass. Für mich schien es klar zu sein: Wenn du nichts hast, gehört dir alles. Einige fühlen sich durch diese Vorstellung geradezu bedroht, kein Wunder, dass Jesus gekreuzigt wurde (Es ist schwieriger, für einen Reichen im Himmelsreich einzutreten, als für ein Kamel durch ein Nadelohr zu schlüpfen).
Das ist der Anlass, warum ich meine Suche in Indien fortführte. Aufgrund der Bücher, die ich gelesen hatte, schien es so, dass die „Yogis“ in der Lage waren, diese Art von perplexen Problemen zu verstehen. Nach neunmonatiger Plackerei mit Durchfall, Gelbsucht und Bettwanzen fand ich die Person von der ich wusste, dass sie mir die Antwort geben würde. Ich war nahe dran, meine Suche aufzugeben, denn trotz der Tatsache, dass ich alles richtig machte - wie die tägliche Praxis von Asanas, Pranayama und zwei Stunden Meditation - ist mir kein göttliches Wesen mit profunden Antworten erschienen. Sogar die sechs Wochen, die ich in einer Höhle am Strand des Ganges verbrachte, hatten zu keiner Erkenntnis geführt. Es war erst in dem Moment, in dem ich aufhörte zu suchen, dass ich fündig wurde.