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Uniformdetails "Dunkirk"
Wie so oft, wenn Filme oder Fernsehsendungen mit historischem Hintergrund gezeigt werden, bekommen wir jeweils mehrere Anfragen von Kunden, die gerne mehr über die verwendeten Uniformen erfahren möchten. Zum einen aus historischem Interesse, zum anderen zur Darstellung jener Tage.
In den vergangenen Monaten erreichten uns neben Fragen zur Sendung der Schweizer Fernsehen "Im Schatten der Burg" vor allem viele Anfragen zu Christopher Nolas Film "Dunkirk". Da zum Thema Mittelalterliche Kleidung schon vieles geklärt wurde, haben wir uns entschieden eine kleine Uniformübersicht zu den britischen Uniformen der BEF "British Expeditionary Force" sowie RAF Royal Air Force während der Operation Dynamo zu erstellen.
Die Bezeichnung BEF stammt ursprünglich noch aus der Zeit des 1. Weltkrieges, als die britischen Truppen in Frankreich und Belgien so bezeichnet wurden.
Uniformen BEF:
Link: Battle Dress 1937 Pattern - Rechts: 1908 Pattern Service Dress für Highlander.
Die britischen Soldaten des BEF waren 1940 zum einen mit der 1908 Pattern Service Dress und zum anderen mit den 1939 eingeführten 1937 Patrtern Battledress ausgerüstet.
Die 08er SD waren schon während des 1. Weltkrieges zum Einsatz gekommen. Im Film "Dunkirk" tragen bis auf die "Highlander" der "Argyll and Sutherland Highlanders" alle Soldaten Battledress Uniformen, zum Teil mit einem Great Coat 1940 Pattern (Mantel) kombiniert.
Der grosse Unterschied in den beiden Uniformen liegt ganz klar bei der Länge. War die Service Dress Jacke 08 eine sogenannte "four pocket tunic" mit sichtbaren Messingknöpfen, ist die Battledress-Jacke eine Kurzjacke mit zwei Brusttaschen und verdeckter Knopfleiste. Auch die Hosen unterschieden sich vor allem bei der Anzahl an Taschen. Hatte die 08er Hose noch keine Beintasche, verfügte die BD Hose über eine grosse Beintasche auf der Linken Seite, sowie über eine klleine Tasche für ein Verbandspacket, welches bei der 08er Uniform noch in der Jacke untergebracht wurde.
Great Coats
Die Truppenabzeichen jener Tage war ebenfalls zum Teil noch die selbe wie im 1. Weltkrieg. Auf den Schulterklappen wurde entweder aus bestickten Stoff aufgeschlauft oder aus Messing aufgesteckte Abzeichen mit der Bezeichnung der Truppe getragen. Nicht nur die Uniformen stammten noch aus dem 1. Weltkrieg, sondern auch die Form des Helmes. Der charakteristische Helm Helmet, steel, Mark I wurde ursprünglich vom Briten John L. Brodie 1915 entworfen und kam dort bei den Truppen des Commonwealt wie auch der US Truppen unter der Bezeichnung M1917 Helmet zum Einsatz. Beim seit 1936 zum Einsatz gekommenen Helm handelte es sich um die Mk II Version mit einen zum ersten MK 1 veränderten Innenfutter und Gummiband als Kinnriemen.
Da es sich beim BEF hauptsächlich um Berufsmilitärs handelte, kann man auf Originalbildern zum Teil noch immer Kinnriemen des Mk 1 sehen, welches nicht elastisch waren. Ein weitere Überbleibsel des 1. Weltkrieges war die vorgehängte Gasmaskentasche / Service Respirator. Obschon sich das Gasmaskenmodell stark verbessert hatte, war es noch immer mit einem an einem Kautschuk / Stoffschlauch verbundenen Filter ausgestattet. Der Service respirator wurde schon 1917 eingeführt. Er erfuhr im Laufe der Zeit verschiedene Modifikationen. Die Gasmaskentasche wurde als normale Umhängetasche getragen oder vorne auf der Brust. Diese Tragweise hatte sich vor allem im 1. Weltkrieg bewährt, das der Träger so am schnellsten die Maske herausnehmen und anziehen konnte. Das Modell blieb bis Ende des 2. Krieges im Einsatz, jedoch nach der Einführung des "Light Weight Respirator Mk. III" bei nicht kombattanten Truppenteilen.
Das von den britischen Truppen eingesetzte Gurtzeugs stammte zum Teil ebenfalls noch aus dem 1. Weltkrieg. Zum einen wurde noch das 1908 Pattern Webbing, aber auch schon das neu eingeführte 1937 Pattern Webbing getragen. Das Material war aus identischen Material gefertigt. Das 08er Webbing wies jedoch ein wesentlich breiteres Gurtmaterial auf und die Patronentaschen / Cartridge carriers "triple waren auf °303 Patronenklips ausgelegt. Das 37er Webbing verfügte zwar ebenso über solche Patronentaschen für nicht kombattanten Truppen, aber die Infanterie wurde neu mit grossen Kastenähnlichen Patronentaschen / Basic Pouch ausgerüstet. In diesen konnte der Soldat neben Klips auch Handgranaten, sowie die Kurven-Magazine des ab 1937 bei den britischen Truppen eingesetzten leichten Maschinengewehrs des Typs Bren transportieren.
Im 1. Weltkrieg hatte man zudem angefangen das hellbraune Webbingmaterial mit sogenannten Blanco zu färben. Dabei musste das Blanco mit Wasser angerührt werden und auf dem Gurtmaterial aufgetragen werden. Dies natürlich nur aussen um die Uniform beim tragen nicht zu verschmutzen. Ein Grossteil der Truppen hatten ihr Webbing noch mit dem 1937 Erbsen Grün / Pea Green oder dem etwas dunkleren KG Green eingefärbt. Das im Film verwendete eingefärbte Webbing dürfte mit dem 1944 eingeführten Dark Green eingefärbt worden sein.
Der mitgeführten kleine Rucksack / Havesack waren standardmässig wie folgt ausgerüstet.
Als Standartwaffe war das BEF mit dem No. 1 Enfield Rifle ausgerüstet, sowie dem schon erwähnten Bren. Im Film nicht zu sehen, kamen auch vereinzelt Tommyguns / Thompson M1921 & M1928 A1 Maschinenpistolen, die man aus den Gangsterfilmes der 30er kennt zum Einsatz.
No. 1 Enfield Rifle
Kaliber: .303
Gewicht: 3,9-4,1 kg
Magazin mit 10 Schuss
Das Enfield Gewehr SMLE (Short Magazine Lee Enfield) Mk I oder von den Soldaten auch liebevoll "Smelly" genannt, wurde am 23.12.1902 als Nachfolger der bereits 1888 eingeführten Lee-Metford und Lee-Enfield Baureihe offiziell in Dienst gestellt. Das Lee-Enfield Gewehr ist nach seinem Konstrukteur James Paris Lee und der britischen Stadt Enfield benannt. Erstmals wurde dabei mit der bis dahin üblichen Praxis gebrochen, ein Gewehr mit grosser Lauflänge an die Infanterie auszugeben, während die Artillerie, bzw. die Kavallerie eine gekürzte Variante als Karabiner erhielt. Vielmehr wurde das SMLE als alleinige Standardwaffe an die gesamte Truppe ausgegeben. Hergestellt wurde die No. 1 von Royal Small Arms Factories: Enfield, BSA, Lithgow, Ishapore, LSA, Sparkbrook
Bren Leichtes Maschienengewehr
Kaliber: .303mm
Gewicht: 10,5 kg
Magazin mit 30 Schuss
Uniformen RAF:
Die fiktiver Charakter der Royal Air Force, gespielt von Tom Hardy und Jack Lowden trugen bis auf ihre Fliegerbrillen identische Uniformen und Ausrüstungen. Über ihren Service Dress Uniformen in blau trugen beide eine Fliegerjacke aus Schaffell, sowie eine Schwimmweste vom Typ "Life Preserver Mae West 1932 22C/55". Die aus grau-grünem Material hergestellte Schwimmweste wurde zu Beginn des Kriegs nach ersten Erfahrungen mit gelber Flugzeugfarbe besprüht, da im Falle einer Notwasserung die Weste im Wasser zu wenig auffällig war.
Im Film war einzig der Kragen gelb bemalt. Die weissen Gurte über den Schultern waren Teile des Sitzfallschirmes mit welchem die Piloten der Hurricanes und Spitfires ausgestattet waren. Während der Operation Dynamo war die Standart-Fliegehaube der RAF der Type B Flying Helmet, 22C/65 mit der dazugehörenden Fliegerbrille Goggles Mk. IV 22C/111. Obschon die Charaktere der beiden RAF Piloten von Christopher Nolan absichtlich fiktiv sein sollten, ähnelt dem Einsatz des Piloten Farrier (Tom Hardy) jenem des Neuseeländischen Spitfire-Piloten Alan Christopher "Al" Deere. Deer's Spitfire Kühlsystem wurde von einem Heckschützen einer Dornier beschädigt und er musste ebenfalls am Strand notlanden. Dass sich die Soldaten, welche in den Dünen fast eine Woche den Deutschen Luftangriffen ausgesetzt waren negativ über die RAF ausliesen, was im Film auf dem Boot zur Sprache kam, war auch in der Wirklichkeit so. Viele Soldaten fühlten sich von der RAF im Stich gelassen. Der Grossteil der Luftkämpfe fanden jedoch ausserhalb der Sichtweite des Strandes statt.
Eine weitere Parallele zu einer wirklich im Einsatz gestandenen Person in Dünkirchen dürfte Commander Bolton, gespielt von Kenneth Branagh, sein. Captain William Tennant, welcher mit dem Zerstörer HMS Wolfhound in Dünkrichen ankam hatte die Aufgabe, die Evakuierung zu überwachen und die Männer zu organisieren. Wie Commander Bolton im Film, blieb Tennant bis zu den letzten Schiffen, die am 2. Juni 1940 ausgelaufen waren und ihm den Namen "Dunkirk Joe" einbrachte. William Tennants bemerkenswerte Erfahrungen im 2. Weltkrieg endete nicht bei Dünkirchen. Er wurde später Kapitän des Schlachtkreuzers Repulse , der von den Japanern nach einer lobenswerten Kampagne versenkt wurde. Später als Admiral wurde Tennant für den Schiffstransport für die Invasion der Normandie verantwortlich gemacht, sowie der Montage der beiden Maulbeerhäfen zur schnellen Entladung von Versorgungsmaterialien während der Invasion. Er beaufsichtigte auch die Verlegung der Pluto-Pipelines über den Kanal, um Treibstofflieferungen von England nach Frankreich zu schicken, um die alliierten Streitkräfte zu unterstützen.