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Die grossen Städte der Schweizer Städte glänzen im internationalen Vergleich mit guter Wirtschaftslage und hoher Lebensqualität. Dieses vermeintliche Erfolgsmodell ist jedoch weniger das Verdienst einer vorausschauenden Stadtpolitik, sondern verdankt sich dem Zusammenspiel von externen Faktoren, die den Zentren in den letzten 20 Jahren eine Sonderkonjunktur beschert haben.
Mehrere parallel wirkende, sich teilweise gegenseitig verstärkende Trends bescherten den Schweizer Städten in den letzten 20 Jahren (1998 – 2018) ungewöhnlich gute Rahmenbedingungen:
Nationaler Wirtschaftsaufschwung zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Ab Mitte der 1990er Jahre überwand die Schweizer Volkswirtschaft allmählich ihre Wachstumsschwäche und setzte zu einem konjunkturellen Höhenflug an. Eine Ursache hierfür war die Überwindung der Immobilienkrise, die jahrelang als Konjunkturbremse gewirkt hatte. Der Aufschwung war aber auch Resultat eines wirtschaftspolitischen Reformschubs auf nationaler Ebene in Reaktion auf die Wachstumsschwäche und den Schock des EWR-Neins von 1992. Beispiele für die Reformbereitschaft jener Zeit waren die Annahme der Revision der Bundesverfassung (1999), der bilateralen Verträge (2000), die Einführung der Schuldenbremse (2001) und die umfassende Neugestaltung des Finanzausgleichs (2004).
Personenfreizügigkeit und «Neue Zuwanderung»
Dank neu geschaffener Jobs setzte Ende der 1990er Jahre ein Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland ein, der durch schrittweise Einführung der Personenfreizügigkeit nach der Jahrtausendwende verstärkt wurde. In den letzten 20 Jahren wuchs die Einwohnerzahl der Schweiz um 1,3 Millionen, was einem Durchschnittswachstum von fast einem Prozent jährlich entspricht. Da die Zuwanderung im Rahmen der Personenfreizügigkeit durch den Arbeitsmarkt gesteuert wird, war ein überdurchschnittlicher Anteil der neuen Einwohner erwerbstätig und gut qualifiziert. Diese «Neue Zuwanderung» brachte den Schweizer Städten daher nicht nur (mengenbedingtes) Breitenwachstum mit positiven Auswirkungen auf Nachfrage und Immobilienmarkt, sondern auch qualitatives Wachstum in Form höherer Steuereinnahmen und einer verbesserten Sozialstruktur.
Megatrends Urbanisierung und Globalisierung
Hinzu kam der weltweite Megatrend der Urbanisierung, der in Europa und Nordamerika genauer genommen ein Trend zur Re-Urbanisierung war. Der urbane Lebensstil erfuhr ein Revival, und vor allem Gutverdiener zog es wieder in die Metropolen – auch weil dort bevorzugt die kreativen Arbeitsplätze der globalen Wissensökonomie entstanden. Die Globalisierung hatte denselben Effekt. Dank ihrer guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Standortattraktivität und Offenheit gelang es der Schweiz, sich als «Plattform» der Globalisierung zu positionieren und entsprechend mobile Wirtschaftsaktivitäten mit hoher Wertschöpfung und Steuersubstrat anzuziehen. Diese konzentrieren sich (zum Teil auch historisch bedingt) in den Metropolitanregionen. Beispiele sind der Rohstoffhandel in Genf und Zug, internationale Unternehmenszentralen am Arc Lémanique, die Finanzindustrie in Zürich oder der Pharmacluster in Basel.
Diese günstigen Rahmenbedingungen bescherten den Schweizer Städten «zwanzig fette Jahre» – eine städtische Sonderkonjunktur, die Ende der 1990er Jahre begann und bis heute anhält. Diese Einnahmenflut (vgl. Grafik) gab den Stadtregierungen grosse politische Gestaltungsspielräume, die sie für den Ausbau der Verwaltung und Infrastrukturinvestitionen nutzten (insbesondere für Verkehrsberuhigung und Förderung des öffentlichen Verkehrs), aber auch für soziale Wohltaten und eine ganze Reihe von Projekten mit fragwürdigem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Hierzu zählen etwa die mit öffentlichen Mitteln finanzierten Glasfasernetze in einigen Städten oder die verhältnismässig teure Bauweise bei vielen öffentlichen Bauten. Und selbst trotz dieses Vorgehens blieb in vielen Städten noch genug Raum für die Reduktion von Schulden und die Stärkung der eigenen Kapitalbasis.
Weiterführende Informationen finden Sie in der Studie «20 Jahre Schweizer Stadtpolitik».