Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03288.jsonl.gz/2315

Erbsen können lernen, d. h. sie sind konditionierbar. Im Versuch werden sie eine Weile im Dunkeln gelassen; wenn dann eine Lichtquelle angeschaltet wird, drehen sie ihre Blätter sofort in deren Richtung. Nach ein paar Durchgängen wird zusammen mit dem Licht ein Luftzug auf die Pflanzen gerichtet. Und wiederum nach einiger Zeit, richten sich die Blätter nur schon beim Luftzug – ohne Licht – entsprechend aus. Sie haben gelernt, dass Luftzug auch Licht heisst, das sie für die Photosynthese ja benötigen.
Peter Wohlleben zeigt auf, dass nicht nur Erbsen, sondern auch Bäume lernen, und je älter sie werden, desto mehr lernen sie. Deshalb ist es wichtig, dass Bäume alt werden können. Dass Wälder verjüngt werden sollten, sei ein PR-Märchen, so dass keine Proteste entstünden, wenn alte Bäume gefällt werden.
So haben Forscher gezeigt, dass Eichen, die viele Hundert Jahre alt sind, fähig sind, sich auf veränderte Umweltbedingungen einzustellen. Und sie geben ihre Weisheit an die nächste Generation weiter!
Dass Bäume sich an die veränderten Umweltbedingungen anpassen können, ist ganz deutlich an ihren Genen ablesbar, die epigenetisch verändert werden, d. h. durch einen Prozess, der bestimmt, welche Teile der Gene an- oder ausgeschaltet werden.
Die Samen der alten Bäume sind also immer mit den neuesten Strategien bezüglich Umweltanpassung ausgerüstet. Und in den jüngsten Trieben eines Baumes konzentriert sich das ganze Wissen, das der Baum über die vielen Jahre angesammelt hat.
Alte Bäume sind nicht schwach, sie sind weise und können ihren Nachwuchs besser ausrüsten als junge.
Wohlleben berichtet von einem Experiment, das die schweizerische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft 2003 begann. Zehn Jahre lang wurden Wälder mit Waldkiefern bewässert. Danach wurde die Wasserzufuhr in einem Teil der Wälder gestoppt. Später sammelte man die Samen der Kiefern aus feuchten und trockenen Gebieten ein und säte sie im Gewächshaus aus.
Und siehe da: die Setzlinge der mit Wasser ‹verwöhnten› Bäume vertrugen Trockenheit viel schlechter als jene von Kiefern, die bereits Trockenheit erlebt hatten. Die Mutterbäume hatten die jeweiligen Informationen an die nächste Generation weitergegeben.
Wie bei den Bäumen, so funktioniert Epigenetik auch bei uns. Es ist die Umwelt, die Gene an- oder ausschaltet: das Klima, die Nahrung, was wir in Beziehungen erleben, d. h. unsere Gefühle, der Stress, die Freude, Gelassenheit – alles.
Die Bäume stehen fest; wir können unsere Umwelt verändern, v. a. unsere Innenwelt (die hier ebenfalls Umwelt ist), durch Achtsamkeit, Bewusstheit, Kontemplation, Meditation… mithilfe des Create-Kurses, der im November am Dienstag, dem 17. um 18.30 Uhr stattfindet.
Das Thema ist ‹Erfolg› – auch Erfolg haben in der Gestaltung der Innenwelt, damit wir die Süsse des Lebens erfahren.