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Obwohl Savannah Baker heute zwischen Los Angeles, New York, London und Jamaika hin und her pendelt, gehört ihr Herz noch immer letzterem Ort. Denn, sagt sie: "Da bin ich am glücklichsten". Wir sprechen mit Savannah am Telefon, einen Tag nachdem sie in Los Angeles gelandet ist. "Niemand dort präsentiert sich anders, als er oder sie ist, und niemand schert sich darum, wer oder was du bist", sagt sie. "Es geht darum, ob du ein guter Mensch bist und wir zusammen auskommen. Sehr einfach und simpel, eigentlich genau so, wie das Leben sein sollte. Es geht um Respekt und Hilfsbereitschaft. Wenn ich etwas Geld in der Tasche habe, bin ich diejenige, die das Huhn kauft, während jemand anderes es zubereitet und nochmals jemand anderes es säubert, weisst du? Es gibt ein Gefühl der Gemeinschaft, und das spürt man sofort, wenn man auf der Insel ankommt, auch wenn man nicht aus Jamaika stammt. Ich versichere euch, ihr werdet selbst erleben, wie die Leute dort auf euch zukommen, um mit euch zu quatschen. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, mit einer fremden Person eine wunderbare Diskussion über das Leben zu führen!"
Ein Wort, das regelmässig genannt wird, wenn Savannah "ihr" Jamaika beschreibt, ist Individualität. Sie erklärt, dass es auf Jamaika keine Regeln gibt und dass die Menschen auf sehr natürliche Art und Weise zusammenleben. Selbstverwirklichung spielt eine zentrale Rolle, nicht nur in der Musik, sondern auch im Kleidungsstil. Und das Schöne daran ist, dass man nicht viel Geld braucht: Die Leute kaufen ein T-Shirt auf dem Markt und lassen es dann in einer Schneiderei individualisieren. Das Bedürfnis nach Individualität ist tief in der Kultur verwurzelt und findet sich in allen möglichen Formen, erklärt sie: "Man denke zum Beispiel an die bunten Farben und langen Nägel. Das sind Elemente, die aus der Dance Hall-Kultur der 80er-Jahre stammen".
Die Bilder in diesem Artikel stammen aus der Region, in der Savannah aufgewachsen ist: Portland, Port Antonio, im Nordosten von Jamaika. Laut ihr gibt es hier eine ländliche Atmosphäre, die man sonst nirgendwo auf der Insel findet. Die Fotos wurden zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Kontexten aufgenommen: einige sind Teil eines Shootings, andere sind spontane Schnappschüsse. Sie fallen aber alle unter eine Serie, die sie "My Jamaica" nennt. Sie erzählt uns, dass die Mehrheit der Bilder ein gewisses Styling beinhaltet, aber dass sie immer bestrebt ist, die Realität Jamaikas festzuhalten. "Das verleiht meiner Arbeit dokumentarische Eigenschaften. Man kann dabei die ländliche Atmosphäre der Region sehen, in der ich meine Kindheit verbracht habe", sagt sie. "Und die Fotos sind sehr farbenfroh, auch wenn sie nicht bei einem Shooting entstanden sind".
Was das Fotografieren auf Jamaika so leicht macht, ist, dass sie keinen Druck spürt. "Ich bringe zwei Koffer mit Kleidung mit und dann sehe ich, wen ich treffe und was ich ausführen kann." Fun fact: Savannah mag das Casting der Models mindestens so sehr wie die Fotografie selbst. Sie arbeitet oft mit Freunden zusammen, aber auch mit fremden Bewohnern, die sie auf der Strasse trifft. "Normalerweise sagen die Leute nicht nein, wenn ich auf sie zugehe", sagt sie. "Das liegt daran, dass ich hier aufgewachsen bin: Ich weiss, wie Menschen miteinander umgehen. Respekt ist das Wichtigste. Das gibt es zu beachten, wenn ich jemanden fotografieren will."
"Ich lade ihn oder sie auf einen Drink ein und wir lernen einander kennen, damit wir eine Verbindung herstellen können. Denn wie folgt wird es nicht funktionieren: Du bist ein Model. Ich fotografiere dich. Fertig. Ich denke, das sieht man auch auf meinen Fotos, denn sie haben etwas ganz Natürliches". Einige der Einheimischen, die Savannah entdeckt hat, haben jetzt einen Modelvertrag. Das macht sie stolz: "Es ist sehr cool, Menschen auf kreative Weise helfen zu helfen. Diese Menschen kommen aus einem Umfeld, in dem eine Karriere in der Mode erstmal nicht in Betracht gezogen wird. Ein solcher Vertrag ist eine grosse Chance für sie!"
Links, TEVIN: "Tevin kommt aus der gleichen Region wie ich, Clear Spring. Seine Familie hat einen kleinen Laden an der Strasse, wo Kokosnüsse verkauft werden, aus denen man den Saft trinken kann. Er stand jeden Tag da. Als ich ihn sah, war ich so beeindruckt von seiner Schönheit, dass ich ihn sofort fotografieren wollte. Später stellte ich ihm einen Casting Director vor, der dafür gesorgt hat, dass er nun einen Vertrag mit einer bekannten Modelagentur hat. Inzwischen hat Tevin an Shows für Saint Laurent, Burberry und eine Reihe anderer grosser Modehäuser teilgenommen. Und das, obwohl er ursprünglich aus dem ländlichen Teil von Jamaika kommt!"
Rechts MYSTIC DAVIS: "Mystic ist die berühmteste Dance Hall-Tänzerin der Insel. Sie hat sich viele Choreographien ausgedacht und ist oft selbst in Videoclips zu sehen. Sie macht auch Musik. Dieses Bild entstand während der Aufnahme ihres Musikvideos, das ich gedreht habe". Bilder von Savannah Baker.