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Nach Alois Bättig, der vergangene Woche seinen Abgang publik machte, geht ein weiterer Top-Banker von Bord, wie Recherchen von finews.ch ergaben. Er stand fast ein Vierteljahrhundert im Sold der CS.
Bereits vergangene Woche musste die Credit Suisse (CS) den Abgang einen gestandenen Bankers verschmerzen: Alois Bättig gab nach 40-jähriger Firmenzugehörigkeit überraschend seinen Austritt bekannt, wie finews.ch berichtete.
Nun folgt der nächste Schlag, wie Recherchen von finews.ch ergaben. So hat nun auch Erich Pfister (Bild) gekündigt. Die Information stammt aus dem persönlichen Umfeld des Bankers; die CS bestätigte am Montagmorgen, dass Pfister die Bank verlässt. Er war bisher Chairman von Credit Suisse Grossbritannien und Leiter der Marktregion UK/International im Private Banking.
Vielseitiger Manager
Pfister trat 1990 in die Credit Suisse ein, wo er zunächst im Bereich Corporate Finance tätig war. Es folgten Stationen als Filialleiter in Küsnacht bei Zürich, im Private Banking in Rapperswil, bevor er zum Chef Private Banking Ostschweiz aufstieg.
In der Folge entwickelte er von 2003 bis 2005 aus der Schweiz heraus das Asiengeschäft und war dann Chief Operating Officer (COO) für das Private Banking; ein Job, der verbunden war mit weiteren wichtigen Projekten innerhalb der Bank.
Wo Not am Mann ist
Dabei erwies sich Pfister als ein überaus wertvoller Manager, sprang er doch oftmals dort ein, wo Not am Mann war. Nachdem die CS-Tochterbank Clariden Leu 2008 einen schweren Handelsverlust in Asien erlitten hatte, übernahm er die Leitung für die Marktregion Asien und Naher Osten. So brachte er wieder Ruhe in die gebeutelte Abteilung.
In der Folge erhielt Pfister zusätzliche Kompetenzen, indem man ihm die Verantwortung für die Märkte Lateinamerika, Iberien und Europa übertrug. Konsequenterweise ernannte ihn die Bank dann zum Chef Internationale Märkte, was ihn auch zum Mitglied im Executive Board machte.
Ein Verlust für die CS
Nach der Integration der Bank Clariden Leu in die CS wurde Pfister zum Leiter der Marktregion UK/International und Chairman für Grossbritannien befördert; und einmal mehr sprang er in die Bresche, als der operative Chef für Grossbritannien, Philip «Phil» Cutts, unlängst kündigte. So übernahm Pfister interimistisch auch noch die Leitung des operativen Geschäfts in England, wie finews.ch berichtete.
Der Abgang von Erich Pfister, einem umsichtig agierenden und gestandenen Banker, ist ein weiterer Verlust für die Credit Suisse. Private-Banking-Co-Chef Hans-Ulrich Meister mag zwar gegenübern finews.ch beteuern, dass der Umbau seiner Abteilung in den vergangenen drei Jahren massive Fortschritte gebracht habe, der Verlust von Top-Leuten wie Bättig oder Pfister hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck.
Unpopuläre Entscheide
Zugegeben, es ist Hans-Ulrich Meisters Verdienst, dass die CS in den vergangenen drei Jahren ihr gesamtes Private-Banking-Geschäft überhaupt so reorganisieren konnte, dass es für die Zukunft gerüstet ist. Dabei musste der ehemalige UBS-Manager zahlreiche unpopuläre Entscheide fällen, die ihn in der Beliebtheitsskala innerhalb der CS nicht gerade auf einen hohen Rang brachten. Allein der Entscheid, die Bank Clariden Leu in die CS zu integrieren, löste seinerzeit ein emotionales Erdbeben aus.
Doch auch in der Folge restrukturierte der die Private-Banking-Division schonungslos, was letztlich unabdingbar war, um sie für die Zukunft konkurrenzfähig zu machen. Das grösste Problem war dabei, dass die CS im europäischen Ausland in allzu vielen unrentablen Kundensegmenten tätig war.
Mehrere Riegel geschoben
Dies hat Meister nun energisch verändert. So verkaufte er das gesamte, in Deutschland gebuchte Private-Banking-Geschäft an die ABN-Amro-Tochter Bethman Bank; in Italien veräusserte man ebenfalls Teile der Private-Banking-Aktivitäten an die Banca Generali, und in Spanien und Portgual empfahl man den Kunden, die gebotenen Steueramnestien wahrzunehmen. Frankreich harrt noch einer Lösung, während mit Grossbritannien und Österreich bekanntlich ein Steuerabkommen besteht, was die ganze Situation entschärft.
Für Meister ist damit der Umbau des CS-Vermögensverwaltungsgeschäfts in Westeuropa abgeschlossen, wie er gegenüber finews.ch erklärte, was wiederum, gemäss seinen Worten, die vergangene Woche angekündigte Zusammenlegung der beiden Private-Banking-Sparten West-Europa und Emerging-Europa (EEMEA) erklärt. «Jetzt beginnt eine Phase des Wachstums», sagte er weiter und betonte, dass dafür ich die nötigen Investitionen zur Verfügung stünden. Insbesondere will man dabei die Buchungsplattformen in London und Luxemburg ausbauen.
Braindrain im Top-Management
Bis 2015 will die Credit Suisse im Vermögensverwaltungsgeschäft insgesamt 950 Millionen Franken einsparen. Nach den Worten Meisters wurden per Mitte 2014 bereits 650 Millionen Franken erreicht. Die jüngsten Massnahmen werden sicherlich weiter dazu beitragen, dass das grosse Ziel bis nächstes Jahr erreicht wird. Offen bleibt lediglich, wie viele Stellen noch abgebaut werden und vor allem, ob sich der Braindrain im Top-Management stoppen lässt.