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Erfahren Sie hier mehr, wie ein Klavierstimmer ein Klavier stimmt und welche Stimm-Techniken es gibt:
Wenn Sie auf Ihrem Klavier eine Taste drücken, schlägt das Hämmerchen bis zu drei Saiten – den Saitensatz bzw. Saitenchor – gleichzeitig an. Spannung und Zugkraft dieser Saiten verändern sich mit der Zeit, wo nicht mehr gestimmt wird, ungleichmässig und das Klavier klingt verstimmt.
Der Klavierstimmer stimmt beim Klavierstimmen die Töne aufeinander ab
Beim Stimmen stimmt der Klavierstimmer die Tonhöhe der einzelnen verstimmten Saiten wieder aufeinander ab, damit diese zusammen ein ausgeglichenes Klangbild ergeben. Die Saiten eines Chors müssen aufeinander abgestimmt werden, d.h. zwei oder drei Saiten eines gleichen Tomes müssen dieselben Schwingungen aufweisen, und die Abstände zwischen den Tönen müssen regelmässig bzw. ausgeglichen sein. Klingen die zwei oder drei Saiten eines Chors nicht gleich hoch, klingt klingt der Ton unrein und unausgewogen und verliert die Klarheit und Reinheit. Im Tiefbassbereich stimmt der Klavierstimmer nur je eine von 99.9% Kupfer umsponnene, dicke Saite auf die oberen Töne ab. Tiefere Töne kann der Klavierstimmer leichter stimmen als höhere, die viel feiner eingestellt werden müssen und deren Veränderungen in der Tonhöhe vom Gehör leichter wahrgenommen werden. Als Hilfsmittel bedient sich der Klavierstimmer eines Stimmschlüssels und Stimmkeilen aus Holz, Filz, Gummi oder Plastik. Der Klavierstimmer dämpft mit den Keilen gewisse Saiten ab, damit nur noch eine oder zwei Saiten frei schwingen und mit dem auf den Stimmnagel aufgesetzten Stimmschlüssel einander angeglichen werden können. Auf dem Bild unten sehen Sie, wie der Klavierstimmer ein rotes Filzband zwischen die Saitengruppen eingedrückt hat: Damit lassen sich bequem die mittleren Saiten der Töne stimmen. In der Folge entfern der Klavierstimmer das Band, und die restlichen Saiten werden auf die gestimmten mittleren angepasst.
Dieses Angleichen erfordert bei Klavierstimmungen ein feines und erfahrenes Gehör; nicht immer ist es für den Stimmer einfach, im richtigen Moment die Drehbewegung des Stimmschlüssels zu beenden, denn einige „elastische“ Saiten erfordern, dass der Klavierstimmer sie leicht überdreht, damit sie dann in die richtige Position zurückfallen. Schwierig ist es auch, wenn gewisse (z.B. mittlere) Referenzsaiten eines Saitensatzes verfärbt klingen. Der Klavierstimmer muss dann die am wenigsten verfärbt klingende Position heraushören und die anzugleichende Saite entsprechend einstellen – mit anderen Worten: Die gestimmten zwei oder drei Saiten einer Klaviertaste klingen in einer solchen Situation immer noch leicht unrein, ohne dass sie der Stimmer ganz rein stimmen kann.
Der Klavierstimmer stimmt die einzelnen Tastentöne so auf die richtige Höhe, damit sie untereinander möglichst rein klingende Tonabstände (Intervalle) einnehmen. Dabei gilt ein Ton als Referenz, von dem aus man alle anderen Tastentöne auf die entsprechende Höhe stimmt: der Kammerton a1, der in der Schweiz standardmäßig auf eine Frequenz von 440 bis 442 Hz (Hertz, Schwingung pro Sekunde) festgelegt ist. Klaviere oder Flügel, die schon lange nicht gestimmt wurden, haben ein a1, das sich oft im Bereich gegen 435 Hz bewegt. Der Klavierstimmer kann das Klavier bei jeder Stimmung 1 bis 2 Hz höher stimmen. Wenn ein Klavier bezogen auf den Kammerton gar einen Halbton zu tief klingt, braucht es zwei Stimmungen, um es auf die richtige Tonhöhe zu stimmen: Zuerst werden alle Saiten z.B. entsprechend a1=442 Hz hinaufgezogen. Dann werden ein paar Tage später in einem zweiten Arbeitsgang alle Saiten, die wieder etwas tiefer klingen, entsprechend a1=440 Hz nachgestimmt.
Klaviere und Flügel werden gleichstufig gestimmt
In der gleichstufigen (gleichtemperierten, gleichschwebenden) Stimmung – sie wird seit dem 19. Jahrhundert auf praktisch allen Tasteninstrumenten wie Klavier, Orgel und Cembalo angewendet – werden die Oktaven in 12 gleich grosse Halbtöne von je 100 Cent und einem konstanten Frequenzverhältnis f2/f1 von ca. 1.06 (Zwölfte Wurzel aus zwei) aufgeteilt. Alle Halbtöne werden im Verhältnis 1 : 1.06 zu einander über die ganze Klaviatur gestimmt (In den tiefen und hohen Lagen ist das Verhältnis allerdings leicht verändert). Der Vorteil dieser gleichstufigen Klavierstimmung ist, dass Klavierstücke in allen 12 Tonlagen gleich klingen und gespielt werden können und dass keine Tonlage oder Tonart bevorzugt oder benachteiligt wird. Der Nachteil ist, dass nur die Oktave rein klingt, jedoch die anderen Intervalle eine leichte Schwebung erhalten. Dabei klingen die Quinte und Quarte (sie sind der Oktave am nächsten verwandt) relativ rein, jedoch ist eine leichte Schwebung in den Sekunden, Terzen, Sexten und Septimen nicht zu überhören. Reine Intervalle mit einem ganzzahligen Frequenzverhältnis können bundlose Instrumente wie die Geige oder das Cello wiedergeben, weil der Spieler mit den Fingern den exakten Tonabstand drücken kann. Auch Bläser können genauere Tonabstände blasen, weil sie mit der Blastechnik die Tonhöhe beeinflussen können. Auf dem Klavier werden die Tonabstände in der gleichstufigen Stimmung etwas zu eng gegenüber dem Ideal von reinen Intervallen gestimmt. Denn eine Anreihung von 12 reinen Quinten ergibt nicht genau den Abstand von 7 reinen Oktaven – er ist um etwa einen Achtelton (pythagoreisches Komma) zu hoch.
Die gleichstufige Stimmung wird leicht verändert
Mit Hilfe seines Gehörs kann der Klavierstimmer auch die mitschwingenden Obertöne (wie sie bei den Klavieren besonders deutlich zu hören sind) untereinander angleichen. Wenn ein Klavier gleichschwebend gestimmt ist, klingen die Obertöne der tiefen Töne gegenüber den Grundtönen der hohen Töne verstimmt; Grund dafür ist die Tatsache, dass Klaviersaiten nicht zu 100% elastisch sind und ihre Obertöne nicht ganz rein klingen. Um dieses Problem zu lösen, wenden Klavierstimmer die sogenannte Gespreizte Stimmung (Stretched Tuning) an, bei der die tiefen Töne tiefer und die hohen Töne höher gestimmt sind. Diese Technik gleicht die Obertöne der tiefen Töne den Grundtönen der hohen Töne an und verschönert den Klang Ihres Klaviers oder Flügels. Somit sind die Töne bezüglich der gleichschwebenden Klavierstimmung aber wiederum leicht verstimmt, was das Dilemma der perfekten Klavierstimmung aufzeigt. Beim Klavierstimmen in Bern wende ich diese Technik bei allen Klavieren an. Flügel werden weniger stark „gestretched“, also verzogen, weil deren Saiten länger sind und der idealen, unendlich langen Saite näherkommen.
Den Klavierstimmer einmal pro Jahr rufen
Wenn Sie ein neues Klavier kaufen, müssen sich das Holz und der Rahmen aus Gusseisen, auf dem eine Saitenspannung von bis zu 20 t lastet, zunächst an das Mikroklima Ihrer Wohnung gewöhnen. Rechnen Sie mit zwei- bis drei Klavierstimmungen im ersten Jahr. Ein paar Jahre später genügt es, den Klavierstimmer einmal im Jahr zu sich zu rufen. Faktoren, die zur Verstimmung Ihres Klaviers führen sind
- Raumtemperatur-Schwankungen,
- der allgemeine Zustand, Alter und Qualität des Klaviers,
- die Zeit, wie lange das Klavier nicht mehr gestimmt wurde,
- die Frage, wie oft und wie laut Sie auf Ihrem Klavier oder Flügel spielen.
Gerade der letzte Punkt wurde mir einmal bei einer Klavierstimmung bewusst, als ich am Jazzfestival Bern 2007 Michel Camilos Flügelstimmer war. Er haute so stark in die Tasten, dass ich in einer Serie von 10 Stimmungen nach jedem Konzert eine halbe Stunde den Flügel nachstimmen musste. Schliesslich spielt eine wichtige Rolle, ob Sie ein Klavier neu in Ihre Wohnung gestellt haben. In der neuen Umgebung wird es zunächst seine Mühe haben, sich den Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsverhältnissen anzupassen und ist in den ersten paar Jahren schneller verstimmt und öfter auf einen Klavierstimmer angewiesen. Mit der Zeit hält sich die Stimmung länger. Zusammengefasst heisst das: Lassen Sie Ihr Klavier in den ersten beiden Jahren nach dem Einzug in die neue Wohnung halbjährlich und ab dem dritten Jahr jährlich vom Klavierstimmer stimmen. Wenn Sie Ihr Klavier seltener stimmen lassen, verliert es die originale Tonhöhe, die dem Ton a1=442 Hz angepasst ist.
Klavierstimmer seit der Jugendzeit
Ich sammelte schon in der Jugend erste Erfahrungen als Klavierstimmer. Später vertiefte ich die Kenntnisse in einem Klavierbau-Atelier in Bern-Bümpliz. Seit 1990 stimme ich Klaviere und Flügel in Bern und Umgebung. Ich habe als Konzertstimmer für Michel Camilo gearbeitet während eines Jazzfestivals im Marians Jazzroom in Bern.
Piano tuning – accordage de piano. Grand piano tuning – accordage de piano à queue.
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