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Burg, im Schutz des Stierenbergs gelegen und als Enklave fast vollständig von der Gemeinde Menziken umgeben, ist mit 94 Hektaren Gemeindebann die viertkleinste Gemeinde im Aargau. Aus einem Steckhof hervorgegangen, erhielt die Siedlung auf ihr Gesuch hin vom bernischen Rat 1751 das Gemeinderecht.
Burg verdankt seine Entstehung und seinen Namen dem einst mächtigen Rittergeschlecht der Herren von Rinach. Ihre Stammburg, die im 12. Jahrhundert gebaut worden sein dürfte, wurde 1386 im Sempacherkrieg zerstört. Die übriggebliebene 15 Meter hohe Ruine musste dann 1872 dem auf dem gleichen Platz in Fronarbeit entstandenen Schulhaus Burg weichen. Eine eigene Schule bestand allerdings schon 1783.
Der Zusammenbruch der habsburgischen Landesherrschaft und die Eroberung des Aargaus durch die Berner im Jahr 1415 leiteten für die Steckhofbewohner eine freiheitlichere Epoche ein. Und wie schon erwähnt, wurde Burg 1751 zur selbstständigen Gemeinde mit Bürgerrecht und Tavernenrecht erklärt. 1798 wurden die Burger aus bernischen Untertanen helvetische Staatsbürger, erstmals richtig frei und gleichberechtigt. 1803 erhielten sie Mitspracherecht im Kanton Aargau, 1848 im Bundesstaat.
Neben der Landwirtschaft fand etwa um 1720 die Heimweberei Eingang, die mithalf, die grossen Familien mit 12 bis 16 Kindern zu ernähren. Um 1830 standen auf der Burg zirka dreissig Häuser und zehn Nebengebäude, meistens mit Stroh gedeckt. Rund 400 Menschen wohnten damals in diesen einfachen Häusern.
Die Heimweberei wurde ein Opfer der Industrialisierung. Ihr folgte im Jahr 1864 die Zigarrenherstellung und Burg wurde zum Hauptort der schweizerischen Tabakindustrie mit weltweiter Bedeutung. Die Zigarren- und Tabakwarenproduktion wurde im Jahr 2000 eingestellt. Geblieben ist die Verwaltung und damit die Verbundenheit der Burger Söhne AG mit der Gemeinde Burg. Gewerbe- und andere Industriebetriebe sind dazugekommen und bieten attraktive Arbeitsplätze an. Anfangs 1900 zählte man auf der Burg zwanzig Bauern, heute besteht noch ein einziger Familienbetrieb.
Unternehmerischen Weitblick entwickelte Rudolf Burger-Weber mit dem Gedanken, die Wasserkraft des Rickenbaches von der Kantonsgrenze an in elektrische Kraft umzuwandeln. Viele Hürden standen dem ehrgeizigen Projekt entgegen, am 15. Januar 1906 nahm das E.W. Burg, Gebr. Burger, den Betrieb auf und produzierte bis 1956 wertvolle elektrische Energie, anfänglich für fast alle Gemeinden zwischen Hochdorf und Unterkulm.
Kunst und seltenes Handwerk machten Burg weit über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Goldschmiedekunst wurde von hier aus in die Städte Luzern und Basel getragen. Der berühmte Kupferstecher Joh. Burger in München (1829 – 1912) stammte aus dieser Goldschmiedefamilie. Heimisch waren auch die seltenen Handwerke der „Barometer-, Handharfen- und Rechenmacher“. An den weitherum begehrten Kachelöfen der Burger Hafner erprobte der Kalligraph und Gemeindeschreiber Joh. Rud. Burger seine zeichnerische und malerische Kunstfertigkeit, die im Bürgerregister der Nachwelt erhalten blieb.
Fürwahr: Burg war eine lebendige Gemeinde und ist es geblieben, die ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen braucht.
03. November 2014