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Im Alter von 89 Jahren starb am 11. September 2000 Arthur Meier-Köchli, der weit über Wädenswil hinaus bekannte «Gas-Turi». Im Veranstaltungskalender von 1982 – der Wochenbeilage zur «Zürichsee-Zeitung» - schilderte Redaktor Josua Dürst nach einem Gespräch mit dem bekannten Bassisten, «Wie Gas-Turi auf den Bass kam». Auf diesen Aufzeichnungen basiert auch die folgende Würdigung.
Arthur Meier kam am 1. Mai 1911 zur Welt, besuchte im Schulhaus Ort in der Au die Primarschule und dann die Sekundarschule Wädenswil-Schönenberg im damals einzigen Sekundarschulhaus bei der «Sonne». Anschliessend erlernte er den Beruf des Bauzeichners. Von 1931 bis 1933 arbeitete Turi Meier in einem Architekturbüro in Küsnacht, wurde dann in den Krisenjahren arbeitslos und sollte stempeln gehen. Er zog es indessen vor, im Auftrag des Arbeitsamtes im Wädenswilerberg Torf zu stechen. Und zwischen hinein erledigte er Gelegenheitsarbeiten auf dem Bau.
Dann kamen die tausend Tage des Aktivdienstes. Als Gefreiter verwaltete Arthur Meier im 4. Armeekorps die Baracken: eine halb zivile, halb militärische Tätigkeit. Nach Kriegsende behielt er sein Zimmer in Schwyz bei und zeichnete dort während eineinhalb Jahren Pläne für zwei Architekten. So konnte er sich nach siebenjähriger Verlobungszeit endlich finanziell die Heirat mit Lina Köchli leisten.
1951 meldete sich Arthur Meier auf ein Inserat hin bei der Gemeinde Wädenswil als Gaseinzüger. Dies wurde für ihn die Lebensstelle. Neben dem Ablesen der Gasuhren begann er schon bald Pläne von Gas- und Wasserleitungen zu zeichnen. Denn damals bestanden vom Wädenswiler Leitungsnetz bestenfalls Skizzen. Der im Gas- und Wasserwerk unentbehrlich gewordene Turi Meier stieg zum Zeichner auf und ging 1976 als technischer Angestellter in den Ruhestand.
Bekannt war Turi Meier vor allem als begabter, fröhlicher und einfallsreicher Bassist. Die Verbindung von Beruf und Musik trug ihm den Ehrennamen «Gas-Turi» und später sogar «Erdgas-Turi» ein. Unter dieser Benennung war er bald so bekannt, dass ihm eine Ansichtskarte aus Tunis mit der Anschrift «Gas-Turi, 8820 Schweiz» zugestellt werden konnte.
Seine musikalische Laufbahn schilderte Arthur Meier einmal so: «Es sind die tiefen Töne, die mich immer und immer wieder gefangen nehmen. Deswegen hatte ich mich entschlossen, das Spielen des Kontrabasses zu erlernen. Nach vier Stunden Musikunterricht mit dem Geigenlehrer Gut an der Wädenswiler Seestrasse hatte mein Vater genug vom Gekrächze, das meine ersten Versuche als damals 16-Jähriger hervorrief. Und so musste ich eben allein weitermachen – wenn Vater nicht zu Hause war.»
Und er machte weiter. Mit 20 Jahren war er – als einer der beiden Geiger – Mitbegründer des «Jünglingsbund-Orchesters Wädenswil». Dazu gehörten ferner ein Bassist, ein Klarinettist, ein Gitarrist und ein Pianist. Die Formation spielte Wienerwalzer, deutsche Märsche, Fox und Tango im alten Stil. In der Glärnischhalle gab man Gratiskonzerte und erhob unter anderem eine Kollekte für die Ferienkolonie des Pestalozzivereins.
Bald lösten sich der Geiger Turi Meier, der Pianist und der später dazu gestossene Saxofonist vom Jünglingsbund-Orchester und wandten sich der Orchestermusik zu. An verschiedenen Anlässen spielten sie nun gepflegte, gehobene Unterhaltungsmusik. Auch Kaffeehausmusik gehörte dazu. Manchmal gab es eine kleine Gage; vielfach waren die Auftritte jedoch gratis. So auch in der Wirtschaft Rössli in Wädenswil. Auf der grossen Terrasse spielte man zu Unterhaltung auf. Die Rössli-Wirtin Karoline Holder spendete statt der Gage etwas Tranksame und dazu «Zwänzgerstückli» aus der damaligen Bäckerei Heusser «bis uns fast die Bäuche platzten», erinnerte sich Turi noch 1982.
In Goldau kauft sich Turi Meier 1947 seinen ersten Bass. Und damit begann eine lebenslange musikalische Laufbahn. Josua Dürst zeichnete diese 1982 nach einem Gespräch mit Gas-Turi auf: Beim bekannten Kari Kaiser junior in Altdorf wollte Turi seine ersten Bassstunden nehmen. Wollte – den kaum hatte er die Lektion angefangen, steckte Kari Kaiser senior den Kopf zur Tür herein und sagte zu seinem Sohn:
«Tui Kari, das git gloubi Konkurrenz». Darauf der Schüler zum Vater des Lehrmeisters: «Auf Sie, Herr Kaiser, bin ich überhaupt nicht angewiesen.» Er packte den Bass wieder ein und erlernte das Bassspielen selber, indem er Melodien aus seinem uralten Radio nachspielte und begleitete. Schon drei Wochen nach dem missglückten Start bei Kari Kaiser folgte im Hotel Widder in Küssnacht am Rigi der erste Auftritt, und zwar mit dem Akkordeonisten und späteren Wirt im Restaurant Schützenhaus Au, Thedy Blättler. Das Publikum tobte, und Turi Meier wusste: Jetzt hat’s geklappt! Das war der Start als Ländlerbassist.
Es folgten Auftritte in der ganzen Schweiz, auf Schiffen, an vielen Anlässen und Familienfesten, am Fernsehen, im Radio und sogar auf Folklore-Kreuzfahrten im Mittelmeer. Gas-Turi trat mit namhaften Kapellen, Musikern und Musikerinnen auf. Zu ihnen gehörten beispielsweise Ferdi Stössel (Männedorf), Max Burri (Langnau am Albis), Fuchs-Ott (Unteriberg), Nelly Leuzinger (Zürich), Schuler-Holzer (Urdorf), Pia Bürgi (Richterswil), Michael von Euw (Richterswil), Pius Marty (Wollerau), De Zaiacomo (Oberarth), Sepp Lips (Luzern), Kapelle Kaufmann (Luzern), Hans Aregger (Luzern), Köbi Buser (Luzern), Kapelle Föllmi (Baar), Kapelle Zugerländli (Baar), Kapelle Heirassa, Hugo Bigi (Lachen), Pius Bruhin (Siebnen), Hans Leuthold (Immensee) und nicht zuletzt Jost Ribary senior zu jenen Zeiten, da dieser die berühmte «Steinerchilbi» komponierte.
Gas-Turi am Bass. Seifenkistenrennen 1983.
Arthur Meiers musikalische Begabung zeigte sich auch darin, dass er nicht nur den Bass beherrschte. Beim Musikverein Richterswil spielte er Lyra, in Operetten des Theaterorchesters Arth zwischen hinein wieder Violine.
Josua Dürst schloss 1982 seinen Artikel über Gas-Turi mit den Worten: Wenn es ihm die Gesundheit erlaubt, möchte Gas-Turi seine Gabe, saubere, gute Musik zu machen und den vielen alten und jungen begeisterten Anhänger Freude zu bereiten, noch lange einsetzen. Dieser Wunsch ging zunächst in Erfüllung. Und so sah man Turi Meier immer wieder konzentriert und begeistert an seinem Bass. Man musste ihn nicht nur hören, man musste Gas-Turi auch sehen. Sehen wie er die Saiten zupfte und strich, sich dabei streckte und neigte, auf das Holz klopfte und übers Gesicht strahlte. Er war nicht nur ein virtuoser Musikant, er war ebenso Schauspieler und unterhielt mit Allotria.
Auftritt mit Michel von Euw.
Stärkung nach anstrengendem Musizieren.
Nach seiner Übersiedlung von der Oberen Weidstrasse ins Altersheim Frohmatt wurde es stiller um Arthur Meier. Der Gang war wesentlich beschwerlicher geworden. Dennoch sah man den bald 90-Jährigen im «Dorf», immer zum Plaudern und Spassen aufgelegt. Mit seinem Hinschied ist Wädenswil um ein Original ärmer geworden. Die vielen aber, die ihn kannten, werden Gas-Turi in guter Erinnerung behalten.
Peter Ziegler