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Graubünden verfügt über eine vielfältige Volksmusikszene. Über siebzig Formationen spielen im ganzen Kanton unterschiedliche Stilrichtungen. In den traditionellen Ländlerkapellen wird vorwiegend der «Bündner Stil» mit Klarinetten, Handorgeln und Kontrabass gepflegt, während experimentierfreudige Musikerinnen und Musiker in variabler Besetzung alte und neue Formen miteinander verbinden. Regelmässig finden Ländlerkapellen-Treffen, Tanzanlässe und Volksmusikwochen statt.
Die Bündner Tanzmusik im 19. Jahrhundert war geprägt von jenischen Musikerfamilien und ihrer «Seppli-» und «Fränzli-Musik», benannt nach dem Klarinettisten Josef Metzger aus Trin und dem Geiger Franz-Josef Waser aus Tschlin. Ihre Kapellen spielten «Streichmusik» in gemischter Besetzung. In den 1930er-Jahren gelangte die Bezeichnung «Ländlermusik» aus dem Unterland nach Graubünden. Das Schwyzerörgeli verdrängte die Geige, und die Klarinette übernahm die führende Stimme. Erste Vertreter des Bündner Stils waren Luzi Brüesch, Paul Kollegger und Lenz Majoleth. Die weitere Entwicklung war geprägt durch Josias Jenny, Luzi Bergamin und Peter Zinsli. Radio und Fernsehen trugen seit den 1950er-Jahren zur Popularisierung der Bündner Ländlermusik bei, die politisch von konservativen Kreisen vereinnahmt wurde. In den letzten Jahrzehnten beeinflussten innovative Formationen wie «Ils Fränzlis da Tschlin» mit neuen musikalischen Impulsen die Bündner Volksmusik und öffneten sie für neue Stilrichtungen und Interpretationen.