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Ob die Nationalstaaten den Gipfel der menschlichen Vergemeinschaftung markieren, wie Hegel dies glaubte, oder ob sie dereinst von neueren, flexibleren Formen der friedlichen Kooperation und Koordination, das heisst von global vielfältig vernetzten Metropolitanregionen abgelöst werden, ist eine offene Frage. Möglicherweise werden die Städte, die in ihrer politischen Bedeutung vor Jahrhunderten von den Staaten überrundet worden sind, schliesslich wieder zur entscheidenden politischen, ökonomischen und kulturellen Institution. In einer global vernetzten Zivilgesellschaft würde der civis, der Stadtbürger, wieder zur Schlüsselfigur. Aus dieser Sicht sind die City-States keine Kuriosa und keine Nachzügler, sondern Pioniere einer neuen politisch-ökonomisch-kulturellen Organisationsform. Politik könnte wieder zu dem werden, was sie ursprünglich war: das gemeinsame bewegliche Lösen gemeinsamer Probleme in der Stadtgemeinschaft.
Ausgangspunkt für das Dossier dieser Ausgabe war eine von Konrad Hummler im letzten Jahr unter dem Label «City-State Schweiz» in der «Neuen Zürcher Zeitung» lancierte Debatte. Die Beiträge auf den folgenden Seiten befassen sich mit beiden Phänomenen: mit «City» ebenso wie mit «State» – und mit dem Bindestrich dazwischen, der allerdings das inhärente Spannungsverhältnis nur inadäquat ausdrückt. Es wird deutlich, dass der Prozess der Urbanisierung in der Schweiz schon weit fortgeschritten ist. Lange Zeit unbemerkt und ohne zentrale Planung, haben sich Wirtschaftsräume entwickelt, die die politischen Räume überlagern und sich von ihnen emanzipieren. Die Ströme von Menschen, Waren und Informationen haben ein Netzwerk geschaffen, das unabhängig von Kantons- und Landesgrenzen funktioniert. In den Industrie-, aber auch in den Schwellenländern entwickeln sich starke, unabhängige Städte. Die sich global vernetzenden Metropolitanregionen lassen als Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Entwicklung die Ideen von immer umfassenderen Staatenverbindungen verblassen. Sie geben zur Hoffnung Anlass, dass wirtschaftliche Verflechtungen in Zukunft mehr zum Weltfrieden beitragen können als politische Integration.