Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03099.jsonl.gz/1131

Zuhause bleiben und Abstand zu anderen Menschen halten – warum die Empfehlung des Bundesrates eine gute Idee ist, zeigt ein Kurven-Diagramm, das seit Tagen immer wieder zu sehen ist und unter dem Namen «Flatten the Curve» im Netz kursiert. Das «Abflachen der Kurve» bewirkt, dass sich das Coronavirus langsamer verbreitet und das Gesundheitssystem nicht überlastet wird.
Social Distancing, also das Distanzhalten zu anderen Personen, hat sich schon während der Spanischen Grippe vor über 100 Jahren bewährt. Das zeigt beispielhaft der damalige Umgang der US-Städte Philadelphia und St. Louis mit der Krankheit – und der daraus resultierende Verlauf der Epidemie.
Philadelphia erkannte den Ernst der Lage zunächst nicht, spielte die ersten Fälle herunter und hielt sogar noch eine Strassenparade ab. Erst mehr als zwei Wochen und Tausende Tote später, am 3. Oktober 1918, wurden Massnahmen gegen die Verbreitung der Spanischen Grippe ergriffen.
St. Louis, wo die Krankheit etwas später ankam, wurde durch Philadelphia gewarnt: Bereits am 7. Oktober 1918, zwei Tage nach Bekanntwerden der ersten Fälle, setzte die Stadt Quarantäne-Massnahmen um und schloss Schulen, Theater und Kirchen. Die Konsequenz: Die Zahl der Todesfälle blieb weit hinter der in Philadelphia zurück.
Lodi reagierte schneller als Bergamo
Auch aktuell beim Coronavirus zeigt sich, wie schützende Massnahmen den Verlauf der Epidemie beeinflussen. Eine Forschungsgruppe um Jennifer Dowd von der Universität Oxford verglich die beiden italienischen Provinzen Bergamo und Lodi.
Lodi setzte bereits am 23. Februar Massnahmen zum Social Distancing durch, Bergamo wurde erst am 8. März aktiv. Die Fallzahlen in beiden Provinzen sprechen eine deutliche Sprache: Bergamo hatte am 15. März rund 3400 nachgewiesene Fälle, Lodi lediglich rund 1300. Dies sei ein Beweis, so die Forschergruppe aus Oxford, «für das Potenzial des Abflachens der Kurve».