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Eine alte japanische Geschichte.
Es lebte einmal ein alter armer Student. Er konnte alle Gedenktage der alten Weisen nennen, er konnte dichten, ja selbst malen konnte er. Doch in seinen Taschen hatte er kein Geld. Gegen Abend ging er stets zu einem Freund, ein Gastwirt, setzte sich in eine Ecke und begann zu dichten oder malen. Der Wirt hatte Mitleid zu dem armen Studenten und gab ihm stets eine Tasse Tee oder Speisereste.
Eines Tages ging der Student wie immer in das Restaurant, doch diesmal setzte er sich nicht hin sondern begann zu malen, er malte einen Kranich an die Wand. Alle Gäste und auch der Wirt betrachteten den Kranich. Da wante sich der Student an den Wirt: „Herr Wirt, ich ziehe heute fort von hier, doch weil Sie immer gut zu mir waren, habe ich euch diesen Kranich gemalen. Es genügt dreimal in die Hände zu klatschen und der Kranich tanzt für euch. Doch merkt euch, Herr Wirt, der Kranich kann nur einmal täglich tanzen“.
Nach diesen Worten klatschte er dreimal in die Hände. Tatsächlich, der Kranich schwebte herunter und begann einen sonderbaren Tanz. Als er getanzt hatte erhob sich der Kranich vom Boden und stand reglos an der Wand. Danach ging der Student. Seit diesem Tag brachen für den Wirt goldene Zeiten an. Eines Tages kam ein reicher Mann in das Restaurant, er sah den Kranich tanzen. Als der Kranich fertig getanzt hatte, wünschte sich der reiche Mann dass er nochmals tanze. „Das ist unmöglich“, sagte der Wirt. Doch der reiche Mann liess nicht locker. Er warf dem Wirt einen Sack voll Gold auf den Tisch. Der Wirt klatschte abermals dreimal in die Hände. Der Kranich tanzte, doch es war ein sonderbarer Tanz, so das alle Gäste weinten. Da kam der Student wieder. Ohne ein Wort zu sagen fing er an eine Flöte zu spielen. Der Kranich schritt ihm entgegen. Der Student verliess das Restaurant und der Kranich folgte ihm. Seit jener Zeit hat man sie nicht mehr gesehen.
In Gedanken an Eberhard Hellinge (1932-2016)