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Maria Montessori, eine italienische Kinderpsychiaterin, beschäftigte sich während eines Grossteils ihrer medizinischen Laufbahn mit psychomotorisch retardierten Kindern. Bei der Arbeit mit ihnen entwickelte sie eine pädagogische Methode, die hauptsächlich auf den Prinzipien von Freiheit und Autonomie beruht und deren Erfolg ihr weltweites Ansehen verschaffte.
Den Anstoss für die Anpassung der Montessori-Methode für ältere Menschen gab Professor Cameron J. Camp, der sich insbesondere mit Kognition und Altern befasste.
Das Konzept von Maria Montessori wurde im Laufe der Zeit erweitert. Die Neurowissenschaften haben zu einem besseren Verständnis der Gehirnfunktion beigetragen und gezeigt, dass bei einer demenziellen Erkrankung bestimmte Hirnareale auch bis in fortgeschrittene Stadien noch aktiv bleiben können. Laut Professor Camp «übernimmt bei einer Störung des rationalen Gehirns das emotionale Gehirn; bei einer Störung des deklarativen Gedächtnisses übernimmt das prozedurale Gedächtnis.» (Camp, 2015)
Darüber hinaus stellte Cameron J. Camp fest, dass «Menschen mit Alzheimer-Krankheit oder verwandten Demenzleiden eine Betreuung benötigen, die reich an regelmässiger kognitiver Stimulation, Austausch und sozialer Teilhabe sowie häufigem Training ist, um ihre Schwierigkeiten bei den Aktivitäten des täglichen Lebens abzubauen. Mangelnde Aktivität führt oft zu Apathie sowie Angst oder Agitiertheit. Hauptziel des Ansatzes nach Montessori ist es, den betreuten Personen die Möglichkeit zu geben, in ihrem Alltag wieder eine gewisse Autonomie und damit Würde und Freude zu erlangen und so letztlich eine Besserung der Verhaltensstörungen herbeizuführen, bei eventuell reduziertem Bedarf an Psychopharmaka wie Antidepressiva und Anxiolytika.
Älteren Menschen eine Wahlfreiheit zu lassen und sie mit Beschäftigungsangeboten systematisch wieder zu aktivieren, ist von zentraler Bedeutung. Die Wahlfreiheit kann auf ein oder zwei Optionen beschränkt sein, um eine Überforderung zu vermeiden, wird aber gewahrt, um der Person die Entscheidungsbefugnis zu überlassen.
Diese Betreuungsphilosophie fördert unter anderem Entwicklung und Selbstwertgefühl, Wahlfreiheit, Autonomie und Ressourcenerhaltung. Die in Maria Montessoris Schriften hervorgehobenen Grundwerte sind der unverbrüchliche Respekt gegenüber der Person, ihrer Einzigartigkeit und ihren Entscheidungen, die Achtung ihrer Würde bei sozialen Interaktionen und das Vertrauen in ihr Entwicklungspotenzial. Es geht also für die Betreuenden insbesondere darum, ihre Sichtweise und Haltung dahin gehend zu ändern, dass nicht die Krankheit und die damit einhergehenden Defizite, sondern die betroffene Person selbst und ihre verbliebenen Fähigkeiten im Vordergrund stehen. Das bedeutet, die betagte Person bei ihren Entscheidungen und Verrichtungen zu unterstützen und nicht an ihrer Statt zu entscheiden und zu handeln. Daher ist es von grundlegender Bedeutung für die Bewohnerinnen und Bewohner, dass sie Bindung durch Nähe und Geborgenheit erfahren, aktiv in die soziale Gemeinschaft eingebunden werden, auf der Grundlage ihrer Biografie Beschäftigung erleben sowie ihre Identität mittels detaillierter Kenntnisse über ihre individuelle Lebensgeschichte und einer empathischen Grundhaltung bewahren.
In unserer Einrichtung versuchen wir herauszufinden, was das Leben der betroffenen Person mit Sinn erfüllt. Um sie näher kennenzulernen, legen wir besonderes Augenmerk auf ihre Lebensgeschichte und ihre Interessen. Insbesondere beobachten wir ihre motorischen, sensorischen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten und bieten ihr stets eine Auswahlmöglichkeit an. Ziel ist es, dass die Person durch alltägliche Gesten so weit wie möglich die Kontrolle über ihr Leben behält. Wir erlauben ihr, im Alltag ein Ziel zu verfolgen und aktiv am Gemeinschaftsleben teilzuhaben. (Super User, 2019)