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Der wahre Wert des Preises
- Dienstag, 8. Oktober 2013, 18:00 Uhr, aktualisiert um 18:04 Uhr
Ein Preis bringt Ruhm und Ehre. Was aber bringt er dem Geschäft? Drei Fallbeispiele.
Der Schweizer Buchpreis
Im November des letzten Jahres erhielt der 75jährige Innerschweizer Germanist Peter von Matt den Schweizer Buchpreis. Seine Essaysammlung «Das Kalb vor der Gotthardpost» ist im Hanser Verlag erschienen. Auch wenn der Verlag keine genauen Verkaufszahlen angeben will, lässt sich eine Aussage machen, welchen Einfluss der Buchpreis auf das Geschäft hatte: Als im September 2012 bekannt wurde, dass das Buch für den Schweizer Buchpreis nominiert sei, war es in der 3. Auflage. Ausgezeichnet wurde es im November 2012. «Ab dem Zeitpunkt der Nominierung wurde das Buch so oft verkauft, dass wir bis Ende Januar die 8. Auflage nachdrucken konnten», sagt Juliane von Düring vom Hanser Verlag. Der Schweizer Buchpreis ist mit 30`000 Franken dotiert. Gerne erinnert sich Juliane von Düring daran, als der Schwede Tomas Tranströmer 2011 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. «Seine Gedichtbände hatten sich bis zum Nobelpreis nur wenig verkauft. Kaum erhielt er den Preis, kamen wir mit den Lieferungen nicht mehr nach und das Gedichtband landete auf der Bestseller-Liste.»
Der Goldene Leopard
In der Filmbranche hätten eigentlich einzig der «Oscar» und die «Goldene Palme von Cannes» einen wirklichen Einfluss auf die Kinoeintritte, sagt Bea Cuttat, Geschäftsführerin des Filmverleihs «Look now!». Denn oft sei ein Film gar nicht mehr oder noch nicht im Kino, wenn er den Preis bekomme. Doch es gibt Einzelfälle, in denen einfach alles passt: So gewann die junge Schweizerin Andrea Staka 2006 den «Goldenen Leoparden» von Locarno für ihren Erstling «Das Fräulein». Es ist die Geschichte von drei aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Frauen, die in der Schweiz leben. Der Preis war ihr Durchbruch: «Der Kinostart vier Wochen nach dem Preis war perfekt, Andrea Staka gab unzählige Interviews, sie kam mit ihrer Geschichte total gut an», sagt Cuttat. In Anbetracht dessen, dass «Das Fräulein» kein leichtes Thema aufgreife, sei dieser Erfolg eine Überraschung gewesen. Insgesamt sahen in der Schweiz 70`000 Leute den Film im Kino.
Swiss Music Award «Best Talent»
Vieles ist anders, seit die Schweizer Musiker von «Hecht» diesen Frühling mit dem Swiss Music Award als «Best Talent» ausgezeichnet wurden. «Seither müssen wir uns nicht mehr bei den Festivals bewerben, sondern werden angefragt», erzählt der Sänger Stefan Buck. Dabei macht der 33Jährige schon seit 15 Jahren Musik mit seinen Freunden. «Die Auszeichnung ist eine Anerkennung für unsere Arbeit und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.» In den CD-Verkäufen schlage sich der Preis nicht direkt nieder. Doch man sehe, dass nach einem grossen Festival besonders online mehr CDs gekauft würden. Besonders schön sei, dass sie seit ihrer Auszeichnung zum «Best Talent» zu Hauptzeiten spielen dürften und nicht zu den Randzeiten. «Bei kleinen Festivals sind wir sogar Headliner. Das ist schön.»