Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/93019

<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>- Wie ist der Begriff "Selbstversorgungsgrad" definiert? Ist das brutto oder netto, d. h., werden importierte Futtermittel usw. berücksichtigt?</p><p>- Wie wird der "Selbstversorgungsgrad" eines Landes ermittelt? (Welche Nahrungsmittel werden beigezogen? Welcher Mittelwert wird verwendet? Wie werden Exporte berücksichtigt? Und ähnliche Fragen mehr.)</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Selbstversorgungsgrad ist definiert als die Inlandproduktion in Prozenten des inländischen Verbrauchs. Dabei wird zwischen dem Bruttoselbstversorgungsgrad und dem Nettoselbstversorgungsgrad unterschieden. Während beim Bruttoselbstversorgungsgrad auch die Inlandproduktion auf Basis importierter Futtermittel berücksichtigt wird, ist dies beim Nettoselbstversorgungsgrad nicht der Fall.</p><p>Für die Berechnung der Inlandproduktion wird die Nahrungsenergie in Terajoule (1 Terajoule = 10 Joule) aller in der Schweiz produzierten pflanzlichen und tierischen Produkte addiert, für den Verbrauch entsprechend jene aller in der Schweiz konsumierten Nahrungsmittel. Der inländische Verbrauch wird dabei wie folgt berechnet: "Verbrauch = Inlandproduktion - Exporte + Importe +/- Vorräteveränderung". Für die Berechnungen wird die Nahrungsenergie herangezogen, weil diese sich für vergleichende Betrachtungen am besten eignet, besser als etwa Gewichtsangaben.</p><p>Für die Berechnung des Selbstversorgungsgrades werden auf der Seite des Verbrauchs alle Nahrungsmittel eingerechnet, selbst jene, die in der Schweiz nicht angebaut werden können, wie zum Beispiel Bananen oder Orangen. Die einzelnen Produkte werden in folgende Gruppen eingeteilt:</p><p>- Getreideprodukte;</p><p>- Kartoffeln, Stärke;</p><p>- Zucker, Sirup, Honig;</p><p>- Hülsenfrüchte, Nüsse, Kakao;</p><p>- Gemüse;</p><p>- Obst;</p><p>- pflanzliche Fette und Öle;</p><p>- Getränke;</p><p>= pflanzliche Nahrungsmittel.</p><p>- Fleisch;</p><p>- Eier;</p><p>- Fische, Schalentiere;</p><p>- Milch, Milchprodukte (ohne Butter);</p><p>- tierische Fette;</p><p>= tierische Nahrungsmittel.</p><p>2007 lag die Inlandproduktion unter Berücksichtigung der Produktion, die auf importierten Futtermitteln basiert, bei 23 538 Terajoule, der Verbrauch bei 38 731 Terajoule und somit der Bruttoselbstversorgungsgrad bei rund 61 Prozent. Wird jener Anteil an der Inlandproduktion abgezogen, welcher auf importierten Futtermitteln basiert, nämlich 2483 Terajoule, resultierte 2007 ein Nettoselbstversorgungsgrad von etwa 54 Prozent.</p><p>Der Bruttoselbstversorgungsgrad lag 2005 bis 2007 bei 60 Prozent. Dieser Wert betrug 1990 bis 1992 62 Prozent und stieg 1996 bis 1998 leicht auf 63 Prozent. Der Nettoselbstversorgungsgrad hingegen ist seit 1990 bis 1992 kontinuierlich etwas gesunken, da die Futtermitteleinfuhren wegen der Entsorgung der Schlachtabfälle zugenommen haben und die Bevölkerung stärker gewachsen ist als die Produktion von Nahrungsenergie. So lag der Nettoselbstversorgungsgrad 1990 bis 1992 bei 58 Prozent, 1996 bis 1998 bei 57 Prozent und 2005 bis 2007 bei 54 Prozent.</p><p>Der Bundesrat hat auch in seinen Antworten auf die Motion Schibli 06.3880, "Förderung der inländischen Nahrungsmittelproduktion", sowie auf die Motion von Siebenthal 08.3194, "Sicherung der Selbstversorgung unserer Bevölkerung über die Agrarpolitik 2015", dargestellt, wie sich der Selbstversorgungsgrad entwickelt hat.</p>  Antwort des Bundesrates.