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Saïda Keller-Messahli kennt man als mutige und scharfzüngige Kritikerin gegen Islamisten. Privat hatte sie nicht immer Glück: Aufgewachsen unter ärmsten Bedingungen in Tunesien, kam sie als Pflegekind nach Grindelwald – ein Kulturschock für das kleine Mädchen.
Wenn es um radikale Muslime geht, ist Saïda Keller-Messahli eine gefragte Expertin. Sie kämpft gegen einen politischen Islam und deckt Probleme in Schweizer Moscheen auf: «Die Mehrheit der Imame, die in der Schweiz predigen, sind islamistisch.» Sie kritisiert radikale Glaubensgenossen und warnt vor einer schleichenden Islamisierung, gründete das «Forum für einen fortschrittlichen Islam» und erhielt für ihr Engagement 2016 den Schweizer Menschenrechtspreis. Saïda Keller-Messahli ist 1957 in Tunesien geboren und wuchs in einer Lehmhütte auf. Ihre Eltern lebten einen toleranten Islam. Tunesien war ein moderner Staat, Gleichberechtigung war in der Verfassung festgeschrieben. Als ihr Vater erblindete, kam sie mit «Terre des hommes» zu einer Pflegefamilie in die Schweiz, nach Grindelwald. Die Verhältnisse in der Pflegefamilie waren schwierig. Und das Mädchen aus Nordafrika war so exotisch, dass die einheimischen Kinder am Dorfbrunnen versuchten, ihre dunkle Hautfarbe abzuwaschen. Später im Leben heiratete Saïda Keller-Messahli einen Schweizer Psychoanalytiker und wurde Mutter zweier Söhne. Sie lebt in der Schweiz und besucht regelmässig ihre Verwandten in Tunesien. «Mein Zuhause ist die Schweiz», ist für Saïda Keller-Messahli klar. Reporterin Samira Matta ist dem ungewöhnlichen Leben dieser ungewöhnlichen Frau nachgegangen und hat Saïda Keller-Messahli auf Spurensuche in ihre Vergangenheit begleitet – von Grindelwald bis nach Tunesien.