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(lat.), im geologischen Sinn die Gesamtheit aller der mechanischen Veränderungen in der ursprünglichen,
flachen Lagerung der sedimentären Schichten, welche nach der Bildung und Verfestigung der letztern eingetreten
sind. Die Dislokationen sind gewöhnlich linear und lassen sich in zwei Klassen teilen, je nachdem die Bewegungen, aus denen
die Dislokation hervorgegangen, hauptsächlich vertikal oder horizontal gewesen sind. Im erstern Fall ist ein längsgestreckter Streifen
der Erdrinde relativ zu dem nebenliegenden Stück gehoben oder gesenkt worden in der Richtung des Erdradius
(radial) nach einer oft sehr scharf ausgesprochenen Bruchlinie (Verwerfung). Im zweiten Fall erfolgte die Bewegung der Massen
tangential zur Erdoberfläche, wodurch die Schichten aufgerichtet und in Falten gelegt wurden.
Beide Arten von Dislokation kommen getrennt vor, so daß man Bruchregionen und Faltungsregionen
unterscheiden kann, meistens finden sich aber beide Bildungsweisen kombiniert. In jeder der beiden Klassen können die Dislokationen
in zwei Formen von ganz verschiedenem Aussehen auftreten, je nachdem sie mit oder ohne Bruch vor sich gegangen sind. Ersteres
bedingte eine Trennung, letzteres eine Umbiegung der Schichten. In der Klasse der Dislokation, welche aus einer
vertikalen Bewegung hervorgegangen sind, ist der Bruch vorherrschend, welcher der relativen Verschiebung der beiderseitigen
Stücke der Erdrinde vorausging; in der Klasse der Dislokation durch Horizontalschub ist der Bruch die äußerste Grenze der Faltung.
Umgekehrt entsteht Umbiegung infolge seitlichen Druckes bei der zweiten Klasse der Dislokation fast ausnahmslos,
während in der ersten Klasse der Dislokation eine Biegung sich nur aus einer Streckung der Schichten entwickeln kann. In Bezug auf
die Bewegung der einzelnen Schichtenkomplexe kann man nur von einer relativen Richtung sprechen. Mit dem Ausdruck »gehoben«
oder »gesenkt« wird nur die gegenwärtige thatsächliche Lage der verstellten Schichten zu einander bezeichnet,
während das Verhältnis in Wirklichkeit sogar durch eine ungleich starke Bewegung beider Teile hervorgerufen sein kann. Die
gleiche Auffassung gilt für die Horizontalbewegungen; eine nach N. überschobene Falte kann auch durch eine entgegengesetzte
Bewegung in der Basis der Falte entstanden sein. Als Ursache aller Dislokationen nimmt man allgemein die
Kompression der starren Erdrinde infolge der durch
Abkühlung bedingten Kontraktion des noch heißen Erdinnern an.
Die sichtbaren Verwerfungen in der Erdrinde sind das Ergebnis von Bewegungen, welche
aus der Verringerung des Volumens der Erde hervorgehen. Die durch diesen Vorgang erzeugten Spannungen zeigen das Bestreben,
sich in tangentiale und radiale Spannungen und dabei in horizontale, d. h. schiebende und faltende, und in vertikale, d. h.
senkende, Bewegungen zu zerlegen. Man trennt daher die Dislokationen in zwei Hauptgruppen, von denen die
eine durch mehr oder minder horizontale, die andre durch vertikale Ortsveränderung von Gebirgsteilen gegeneinander erzeugt
ist. Die nächste Folge einer annähernd horizontalen Bewegung der Erdrinde ist das Entstehen langer Falten, deren Sättel eine
Strecke weit hinstreichen, allmählich verflachen und dann durch andre Sättel abgelöst werden, welche ungefähr
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parallel dazu stehen. Solche Falten werden durch entgegenstehende Hindernisse gestaut, und ihr Streichen krümmt sich dann
im Sinne der allgemeinen Bewegung nach vorwärts. Der mittlere Teil des SchweizerJura ist ein typisches Beispiel hierfür. Bei
stärker geneigten Falten teilt sich dieselbe nach einer der Achse des Sattels entsprechenden Fläche, worauf
dann die Überschiebung des hängenden Teils auf dieser Teilungsfläche erfolgt. Tritt diese Erscheinung in mehreren parallel
hintereinander streichenden Faltensätteln auf, so zeigt in dem ursprünglichen, geneigten Faltensattel der liegende Teil
die verkehrte, der hängende die normale Reihenfolge der Schichten.
Das Streichen derWechsel entspricht dem Streichen der Gebirgsfalten und wird mit demselben abgelenkt; das Streichen derBlätter
ist meist fast senkrecht auf das Streichen desGebirges. Jede einzelne Wechselfläche hat eine bestimmte Fallrichtung, welche
an demselben Orte gegen die Tiefe anhält; die Fallrichtung der Blattflächen ist fast immer außerordentlich
steil und kann in der Tiefe von einer Himmelsrichtung in die entgegengesetzte umspringen. Durch die radialen Spannungen entstehen
Senkungen und Einstürze. In einem normalen Senkungsfeld lassen sich zwei Hauptrichtungen der Sprünge unterscheiden, peripherische
und radiale; eine geringere Bedeutung haben die diagonalen und Quersprünge.
Die erstern umgrenzen nicht nur das Senkungsfeld, sondern wiederholen sich innerhalb desselben in mehr
oder minder konzentrischer Weise. An jedem dieser peripherischen Sprünge ist der gegen die Mitte des Senkungsfeldes liegende
Flügel gesenkt, so daß sich der Betrag der Senkungen gegen die Mitte des Senkungsfeldes summiert. Ist zwischen irgend zwei
peripherischen Sprüngen ein Gebirgsstreifen zu tief gesunken, so nennt man solche zu tief gesenkte StreifenGräben oder Grabensenkungen.
Mindert sich in dem Streichen einer peripherischen Linie das Ausmaß der Senkung allmählich und beginnt zugleich eine zweite
peripherische Spalte mit parallelem Verlauf und zunehmender Senkung, so bleibt zwischen beiden Sprüngen ein schwebendes Stück
zurück, das man als Brücke
[* 10] bezeichnet. Nähern sich die äußern Umrisse zweier Senkungsfelder einander
und bleibt zwischen beiden ein trennender Rücken, von welchem nach beiden Seiten die Senkungen treppenförmig abfallen, so
heißt ein solcher Rücken ein Horst.
Zwischen dem schwäbischen und lothringischen Senkungsfeld sind
Schwarzwald und Vogesen als solche Horste stehen geblieben.
Die radialen Sprünge durchschneiden die peripherischen und erzeugen trapezförmige Schollen. Gegen die
Mitte, wo die radialen Linien sich vereinen, entstehen kleinere Keile, aus deren Zerstückelung Einsturzfelder hervorgehen,
welche bald einen runden, bald einen unregelmäßig eckigen Umriß haben. Solche Einstürze gegen die Tiefe eines Senkungsfeldes
sind der Rieskessel bei Nördlingen
[* 11] und der Hegau an der Ostseite des südlichen Schwarzwaldes.
Eine andre Art von Störungslinien ist auf dem großen Plateau des westlichen Nordamerika
[* 12] besonders ausgeprägt. Dieselben
sind auf weite Strecken hin mehr oder minder scharfe S-förmige Beugungen der Schichten, welche man im Gegensatz zu den echten
Falten als Flexuren bezeichnet. Dieselben ersterben an manchen Orten in immer flacherer Beugung; an andern
Stellen gehen sie in steile Brüche über mit beträchtlicher Absenkung einer Seite. Aus der zerrissenen Flexur wird eine Verwerfung
mit geschuppten Flügeln, wobei der gesenkte Flügel nach aufwärts, der andre nach abwärts geschleppt ist, gerade so wie
durch Zerreißung eines Faltensattels eine Wechselfläche entsteht.
Verwerfungen und Flexuren treten abwechselnd auf derselben Störungslinie auf; es schwankt aber nicht bloß der Betrag der
Störung, sondern es kann bald der östliche, bald der westliche Flügel abgesunken sein. Bei den Dislokationen, welche aus
Senkung und tangentialer Bewegung zu stande gekommen sind, ist zu unterscheiden, welches die Streichungsrichtung der
hauptsächlichsten Bruchlinie im Verhältnis zu der Richtung der faltenden Kraft
[* 13] ist. Ist der Bruch ein Längsbruch, so kann
der gesenkte Teil im Sinne der faltenden Kraft nach innen oder nach außen liegen, also z. B. in einem nach Norden
[* 14] gefalteten
Gebirge der südliche oder der nördliche Teil abgesunken sein.
Sinkt in einem solchen Fall an einem Längsbruch der innere Flügel ab, so herrscht häufig in dem Gebirge
das Bestreben, in einer der normalen Faltung entgegengesetzten Richtung den Bruch zu überfalten. Diese Erscheinung heißt Rückfaltung.
Wenn hingegen in einem faltenden Gebirge Absenkungen auf Sprüngen, die im Streichen desGebirges liegen, in der Weise
vor sich gehen, daß ein nach außen liegender Teil absinkt, also in einem nordwärts faltenden Gebirge auf ostwestlich verlaufenden
Sprüngen nördlich von dem Hauptgebiet der Faltenbildung das Land gesenkt wird, so erfolgt eine weit größere Horizontalbewegung;
diese heißt Vorfaltung.