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Die Zukunft des Mars (Ein-Satz-Review)
von Cedric Weidmann
Ein-Satz-Review
Auf den ersten Blick ist diese Geschichte — quasireligiös im Erklärungsmangel und sprachlich in sperrigem Ton gezimmert — ein Rückfall zu einer Primitivität der postapokalyptischen Erzählung, die das Wilde, zu dem sich die vormalig russische Kolonie und heute völlig verwahrloste Marsbevölkerung hingezogen fühlt, naiv zelebriert, und es fällt erst im Laufe der Lektüre das Zeitgemässe und Versponnene daran auf, das in der Überspitzung der Kommunikation zu finden ist: Lange nach dem Zusammenbruch des Internets auf der Erde ist der Versuch einer Aufrechterhaltung von Ferngesprächen mit dem Don-Phon ebenso schwierig wie die Sprachvielfalt, die in dieser Post-Globalisierung aufkommt, dennoch ist dieses ‚kommunikative Nicht-Handeln‘ durchbrochen vom Dialogischen Terrorismus und von Bruderbanden, die durch das ganze Buch als genealogische Anker verstreut sind und einen religiösen Anspruch vorzubringen scheinen („Dialogische Brüder“ der Terroristen; verblüffend ähnliche Zwillinge der beiden Opa Sprithoffer; Zwillinge auf dem Mars, die nur für einander verständliches Brabbeln von sich geben; sowie die politischen „Brüder“: Der weisse Khan, Der Alte Ogo und Don Dorokin), und es zeigt sich ein Zukunftsentwurf, in dem der Kommunikationsteilnehmer in der Kommunikation völlig aufgegangen und überflüssig geworden ist — wie Freund Mockmock, der aus dem Innern des Mars hervorbrechende Lebensspender, der ein Kollektiv von einzelnen kleinen Kugeln mit Beinchen ist, vaporisiert die Menschheit in ihrem Verschwistern in einem grossen, überindividuellen, erlöserbildartigen, leblosen Ganzen.