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Netzwerke des wissenschaftlichen Nachwuchses im Kontext der Erziehungswissenschaft
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Netzwerke haben Konjunktur. Dies zeigt sich gleichermaßen in politischer, alltagspraktischer und theoretisch-analytischer Hinsicht. Sie gelten nicht nur als Bau-, Funktions- und Gestaltungsprinzip natürlicher, gesellschaftlicher oder technischer Phänomene und Artefakte, sondern auch als eine Art Kulturtechnik (Barkhoff/Böhme/Riou 2004; Gießmann 2006), welche die Lebenswirklichkeit eines großen Teils der Weltbevölkerung bestimmt. Netzwerktheoretische Modellierungen werden dabei zunehmend zu universellen analytischen Bezugsfolien (vgl. Barabasi 2003), mit denen "sich Gehirnfunktionen ebenso beschreiben lassen wie terroristische Organisationen" (Hardt/Negri 2004, 163). Hinter der doppelten Karriere, die die Netzwerksemantik sowohl in der Alltags- als auch in der Wissenschaftspraxis bislang zurückgelegt hat, lauern aber auch Gefahren (vgl. Fischbach 2005; Schüttpelz 2007). Die Beobachtung der weltumspannenden Bedeutsamkeit auf der einen und die Ambition des Monopols auf absolute Geltung auf der anderen Seite stützen sich nicht nur wechselseitig, sie verleiten zusammengenommen leicht auch zu einem naiven Modellrealismus, der nicht mehr in der Lage ist, zwischen dem Phänomen und dem Modus seiner Gestaltung zu unterscheiden. Eine offensichtliche Gefahr besteht dann in der axiomatischen Immunisierung gegen die Erfahrung. Dies wiederum kann zu einer idealistischen Verklärung der Realität im Lichte ihres Modells führen, die schließlich einer normativ-legalistischen Auslegung der Netzwerkidee den Weg bereitet, mit der sich dann die Deskription unter der Hand in eine Präskription verwandelt.
Lizenz: Open Access
Quelle: ResearchGate
Sammlungen: Zeitschriftenartikel/Monographien