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Migration und Asyl decken zwei Bereiche der modernen Gesellschaft ab, die immer wieder öffentlich diskutiert werden. Gegenüber dem Staat besteht ein grosser Problemlösungsdruck, weil die europäischen und globalen Migrationsbewegungen zunehmen. Der Asylbereich ist Teil der Migrationsproblematik, doch zusätzlich von der Anerkennung als „Flüchtling“ und den entsprechenden Verfahren abhängig. Ausländer/innen müssen aber nicht zwingend Asylsuchende oder Migranten oder Migrantinnen sein. 22.6% aller ausländischen Staatsangehörigen, die im Jahr 2000 in der Schweiz leben, sind hier geboren.
2003 leben im Kanton Solothurn 43’313 Ausländerinnen und Ausländer aus über 130 Ländern. 83% verfügen über eine Niederlassungsbewilligung, leben also schon mehr als fünf Jahre in der Schweiz. Daten zum Asylbereich zeigen: Am 31.12. 2004 befinden sich 1’675 Personen im Asylprozess, im selben Jahr gab es 436 Neuzuweisungen an den Kanton. Die Neuzuweisungen sind stark rückläufig und betragen 2004 gleichviel wie 1992. 7% der Asylgesuche werden im Jahr 2004 gutgeheissen.
Im Kanton Solothurn sind Ausländer/innen schlechter gestellt als die Schweizer Wohnbevölkerung: Sie sind stärker von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen und Personen mit ausländischer Nationalität schätzen ihren Gesundheitszustand schlechter ein.
Diese Aussagen können durch gesamtschweizerische Angaben zur sozialen Integration ergänzt werden: Ausländer/innen sind in Vereinen oder Clubs untervertreten und ihr Zugang zu sozialen Unterstützungsangeboten ist schlechter als jener der Schweizer/innen. Für eine reale Einschätzung der sozialen Integration fehlen allerdings Einblicke in Organisationen der Migrantinnen und Migranten. Das Potenzial solcher Organisationen für die Integration wird bisher kaum wahrgenommen [Interview mit Sandro Cattacin, Sozialbericht, Kapitel Migration und Asyl; vgl. Baglioni 2004].
Ausländer/innen verfügen deutlich seltener über Wohneigentum, nur 17% gegenüber 52% der Schweizer/innen. Im Kanton Solothurn wohnen rund 80% der ausländischen Bevölkerung in Miete (siehe Abbildung).
Fast doppelt so viele Ausländer/innen (62%) wie Schweizer/innen (33%) wohnen in Mehrfamilienhäusern mit drei oder mehr Mietparteien.
Die Angaben zu den Unterschieden beim Wohnen zeigen stellvertretend, dass die Integration nicht vollständig gelungen ist und soziale Ungleichheit noch immer u.a. durch die Kategorie „Ausländer/in“ strukturiert wird.
An dieser Stelle ist auf die Bevölkerungsentwicklung hinzuweisen: Der seit 1980 zunehmende Anteil an Personen mit ausländischer Nationalität bringt mehr multikulturelle Familienverhältnisse [Interview mit François Höpflinger, Sozialbericht, Kapitel Kindheit und Familie] und es leben mehr Personen mit Migrationshintergrund und anderer Nationalität im Kanton Solothurn. Ihre Integration ist vor allem auch in Bezug auf einen gleichberechtigten Zugang zu allen Versorgungssystemen zu klären. Dabei ist das Gesundheitssystem ebenso gefordert, wie die Einrichtungen des stationären Bereichs (Alters- und Pflegeheime). Die Konfrontation mit Personen, die einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund mitbringen, ist eine Herausforderung.
Verwendete Literatur:
Baglioni, Simone (2004). Société civile et capital social en Suisse. Une enquête sur la participation et l’engagement associatif. Paris: Harmattan.