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Retrofit Programm
Centurion - Retrofit- Programm
Der rasche Fortschritt der Waffentechnik zwingt häufig zur Modernisierung von eingesetzten Waffen und Geräten, um diese während ihrer ganzen technischen Nutzungsdauer verwenden zu können. Das Ansteigen der Kosten für-Entwicklung und Fertigung macht es auch den Grossmächten unmöglich, ihre Streitmächte stets mit den neusten Waffensystemen auszurüsten. Die Kostenexplosion wird dadurch aufgefangen, dass immer nur die ältesten Geräte durch neue, die übrigen so weit als möglich ersetzt oder mit gewissen Einschränkungen weiterverwendet werden. Eine Kampfwertsteigerung ist nur dann sinnvoll, wenn die zur Verfügung stehenden Systeme nicht zu alten Herstellungsdatums sind und entsprechendes Kampfwert-Steigerungspotential enthalten. In Operation Research-Untersuchungen und Gefechtsfeldsimulationen wurde nachgewiesen, dass die überwiegende Mehrzahl von Feuerduellen von dem zuerst schiessenden System gewonnen wird; dies ist der Fall, wenn aus vorbereiteten Verteidigungsstellungen gekämpft wird.
Auch der Einsatz eines kampfwertgesteigerten Centurion wäre nur dann sinnvoll gewesen, wenn er ebenfalls als bewegliche Panzerabwehr eingesetzt worden wäre. Dabei gilt zu beachten, dass die Unterhaltskosten alter Kampfpanzer im Vergleich zu den Beschaffungskosten neuer Kampfpanzer das Doppelte bis Dreifache betragen.
Von 1973 bis 1977 wurden in der Schweiz zwei von der Firma Vickers modifizierte Centurion-Panzer (Diesel powerpack Detroit 12V71T,720 bhp/Tn 12, semi-automatic transmission) erprobt. Aufgrund verschiedener technischer Mängel wurde 1977 dieses Programm nicht weiter verfolgt.
Im Januar 1982 besuchte der stellvertretende Direktor des Bundesamtes für Rüstungsbeschaffung die israelische Waffenfabrik IMI (Israel Military Industry) in Tel Aviv. Den Israelis war es gelungen, dem Jom-Kippur-Krieg u.a. mit den modernisierten Centurion eine entscheidende Wende zu geben. Im März 1983 trafen zwei israelische Centurion-Panzer in der Schweiz ein und wurden von der Truppe getestet. Die K + W Thun sollte bei einem positiven Ergebnis als Generalunternehmer bestimmt werden. Der Israelische Retrofit-Centurion wies gegenüber dem Panzer 55/57 folgende Änderungenauf: Dieselmotor der US- Firma Teledyne Continental 750 bhp AVDS 1790-2AC (der Aktionsradius wurde vergrössert, und Dieselöl ist nicht so leicht entzündbar wie Benzin), ein neues automatisches Lenkgertriebe erleichterte das Schiessen aus der Fahrt, neue Richtmittel verbesserten Zielgenauigkeit und Schussschnelligkeit durch ein Laser-Distanzmessgerät (Belgian SABCA Laser Tank Fire Control System, das M60A3/Leopard- Komponenten verwendet) und ein neues Feuerleitsystem (Delco/Cadillac Gage Weapon/Turret Control and Stabilisation System, Anwärmzeit unter 30 s). Weitere Interessenten für das Retrofit-Programm waren Schweden, Nigeria und Indien. Die Erprobung in der Schweiz zeigte noch einige Mängel auf (z.B. Dauerfahrten von einer Stunde Dauer mit Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h), Und Testberichte kamen fahrzeugseitig zu den Schlussfolgerungen: Die Höchstgeschwindigkeit (48 km/h) ist eher zu hoch. Die Dosierung der Bremse lässt zu wünschen übrig. Betreffs Federungskomfort, Abstimmung von Federung und Dämpfung, werden Werte erreicht. die selbst von modernsten Panzern kaum oder nur knapp überboten werden. Thermische Probleme so wie Defekte waren während der ganzen Werkserprobung keine aufgetreten, das Fahrzeug hinterliess einen zuverlässigen Eindruck.
Im Dezember 1983 wurden die Vorarbeiten für ein allfälliges Retrofit- Programm am Kampfpanzer Centurion eingestellt. Wie das EMD mitteilte, erfolgte dieser Entscheid vor allem aus finanziellen Gründen im Hinblick auf die Einführung des neuen Kampfpanzers Leopard II (Pz87). In einer geplanten Revision III am Centurion ging es nur noch um eine notwendige Kampfwerterhaltung (original englische Ersatzteile wurden teilweise nicht mehr hergestellt). Zur Kampfwertsteigerung konnte aber sicher auch die Einführung der israelischen Pfeilmunition gezählt werden.