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Am 25. August 1939 kam es im Einzugsgebiet der Jona zu einer Hochwasserkatastrophe. Durch Überflutung, Hangrutschungen und Übermurung entstanden grosse Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und landwirtschaftlichen Flächen. Die Schweiz lag damals in einem Gebiet flacher Druckverteilung mit schwachen Winden. Im Bereich einer Tiefdruckrinne entstanden praktisch ortsfeste Regenzellen, die sich aus grossen Feuchtigskeitreserven spiesen. Eine solche Zelle sorgte am Abend des 25. August für extrem intensive Niederschläge im Einzugsgebiet der Jona. An der Messstation Hinwil-Bachtel wurden 186 mm und in Wald-Hittenberg 107 mm Niederschlag innerhalb 24 Stunden registriert. Ein grosser Teil dieser Menge ging innerhalb einer bis drei Stunden nieder. Aufgrund einer hohen Sättigung des Bodens durch vorangegangene Niederschläge entstand oberflächlicher Abfluss. Dadurch gelangte das Wasser direkt in die Bäche und führte in der Jona und ihren Zubringern zu einem extremen Hochwasser.
Die Wiederkehrsperiode dieses Ereignisses, sowohl bezüglich des Niederschlags wie auch des Wasserabflusses in der Jona, beträgt hundert oder mehr Jahre. Die mutmassliche einstündige Regensumme von bis zu 150 mm an der Station Hinwil-Bachtel gehört zu den höchsten je in der Schweiz gemessenen. Diese Studie hat zum Ziel die Wetterlage anhand von historischen Daten und aktuellen Reanalyse-Daten zu rekonstruieren. Ein umfassende Studie wird später publiziert.
Wetterlage
Anhand der vorhandenen Daten (MeteoSchweiz 1939 und 20C 2011) lässt sich die Grosswetterlage wie folgt rekonstruieren: In der Woche vom 21. bis 26. August 1939 bestand über weiten Teilen von Europa eine Wetterlage mit flacher Druckverteilung. Die Winde in Bodennähe als auch in der Höhe waren allgemein schwach. Ein schwacher Höhentrog dehnte sich am 24. über Frankreich und der Iberischen Halbinsel aus. Gleichzeitig erreichte eine Tiefdruckrinne von Westen her die Schweiz. Der Verlauf des reduzierten Bodendrucks zeigt in Zürich ein Minimum am Morgen des 25. Augusts mit 1010 hPa . Am Nachmittag und Abend lag die Achse der Tiefdruckrinne über der Ostschweiz auf einer Achse Schaffhausen - Chur.
Im vertikalen Profil ist die Zone mit Abtrieb (CIN) nur schwach ausgeprägt. Sie kann durch zugeführte Hebung an der Orografie oder durch konvergente Bodenwinde leicht überwunden werden. Für den Nachmittag wurde eine konvektiv verfügbare Energie (CAPE) von rund 200 bis 400 kg/kg ermittelt . Solche mittelhohe CAPE-Werte (im Gegensatz zu sehr hohen) und eine mächtige Schicht hoher Feuchtigkeit begünstigen die Entstehung einer extremen Niederschlagsproduktion (Davies in: Schuhmacher 2008). Sehr hohe CAPE-Werte stehen oft in Verbindung mit starken Aufwinden. Damit ist die Zeit limitiert, in welcher die Feuchtigkeit in tiefen Luftschichten wirksam ist. Eine durchgehend feuchte Atmosphäre verhindert Verdunstungsprozess und damit verbundene starke Abwinde infolge Abkühlung. Rund 33 mm ausfällbares Wasser summieren sich über die gesamte Luftsäule.
Faktoren die zur Hochwasserkatastrophe führten:
- Wetter
- Atmosphärische Hebung verursacht durch ein Höhentief und eine Tiefdruckrinne über der Schweiz
- Grosses Feuchteangebot in tiefen und mittleren Luftschichten
- Schwache Winde und dementsprechend praktisch ortsfeste Niederschlagszonen
- Niederschlag
- Sehr hohe Niederschlagsintensität während ein bis zwei Stunden zu Beginn des Ereignisses
- Zone grösster Niederschlagsintensität beinahe exakt über dem oberen Einzugsgebiet der Jona
- Böden
- Geringe Speicherkapazität durch signifikante Niederschläge vor dem Ereignis
- Bodenstruktur begünstigst rasche Abflussreaktion
- Abfluss
- Oberflächlicher oder oberflächennaher Abfluss durch hohe Niederschlagsintensität und bestehende Sättigung der Böden
- Akzentuierte Abflussspitze in der Jona durch besondere topografische Situation im oberen Einzugsgebiet.
Schäden
Zwei Männer verloren ihr Leben in den Fluten. Der junge Mechaniker Hans Isler stand in Wernetshausen auf einem Steg am Weissenbach und wurde vom Wasser mitgerissen. Der Maler Franz Romer stürzte bei den Aufräumarbeiten in Rüti in die Jona. Beide ertranken (Hilfskomitee 1947). Das Hilfskomitee veranschlagte in ihrem Schlussbericht (1947) folgende Schäden (in CHF Millionen): Gewässer 8.1, Strassen 1.1, Meliorationen 1.5, landwirtschaftliche Produktionsausfälle 0.2, Gebäudeschäden 0.9, Mobiliarschäden 6.6 und Schweizerische Bundesbahn 0.1. Total summierten sich 18.4 Millionen. Dies entspricht einer Schadensumme von rund 140 Millionen in heutigen Werten (Bundesamt für Statistik 2018). Die Gebäudeversicherung des Kantons. Zürichs verzeichnete für das Jahr 1939 eine Schadenssumme von 2 Millionen (Bundesamt für Statistik 1940), davon stammten rund 620‘000, welche für Schäden am Gebäude der Maschinenfabrik Rüti entstanden waren (Hilfskomitee 1947). Der Selbstbehalt der Versicherten betrug mehrheitlich 20% der Schadensumme. In einzelnen Fällen wurde die gesamte Schadensumme von der Versicherung gedeckt (Hilfskomitee 1947). Die Meliorationsfläche betrug rund 11‘670 Aren, verteilt auf 252 Objekte (Hilfskomitee 1947). Das Hilfskomitee sammelte einen Betrag von CHF 237‘343.- (2.2 Millionen in heutigen Werten).
Quellen (Auswahl)
- Genossenschaft für die Wiederherstellungs- und Sicherungsarbeiten im Unwettergebiet des Zürcher Oberlandes (1950): Bericht der Jahre 1939-1947.
- Hilfskomitee für Hochwassergeschädigte im Züricher Oberland (1947): Schlussbericht.
- MeteoSchweiz (1939): Tageswetterberichte vom 20. bis 26. August 1939. Herausgegeben von der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt.
- Poli, P., Hersbach, H., Tan, D., Dee, D., Thépaut, J.-N., Simmons, A., Peubey, C., Laloyaux, P., Komori, T., Berrisford, P., Dragani, R., Trémolet, Y., Holm, E., Bonavita, M., Isaksen, L., Fisher, M. (2013): The data assimilation system and initial performance evaluation of the ECMWF pilot reanalysis of the 20th-century assimilating surface observations only (ERA-20C). ERA Report Series. Vol. 14.
Presse und Fotos
Einige Detailinformationen zum Niederschlagsereignis sind in zeitgenössischen Pressedokumenten zu finden. Eine besonders detaillierte Berichterstattung erfolgte durch die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), welcher am Folgetag des Hochwassers einen Reporter ins Schadengebiet entsandte. Das Ausmass der Schäden wurde u.a. durch den Fotografen Dr. Leo Wehrli aus Zürich festgehalten. Er nahm am 27. August, zwei Tage nach dem Hochwasser, rund vierzig Fotos im Schadengebiet der Gemeinden Wald und Rüti auf. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Wehrli, Leo / CC BY-SA 4.0