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Zum 21. Mal reiste Roger Federer in diesem Jahr ans Australian Open nach Melbourne. Das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres wurde auch für den Schweizer zum «Happy Slam». Morgen ab 9:30 Uhr Schweizer Zeit kämpft er gegen Tomas Berdych um seinen 14. Halbfinal-Einzug. Zudem könnte Federer bald wieder die Weltnummer 1 werden.
Es ist einer der unzähligen Rekorde von Roger Federer, aber eine der beeindruckendsten Bestmarken seiner Karriere. Während Kyle Edmund, Chung Hyeon oder Tennys Sandgren in Melbourne erstmals in die Runde der letzten acht einzogen und der als zukünftige Nummer 1 gehandelte Alexander Zverev noch auf seine Viertelfinal-Premiere wartet, bestreitet Federer gegen Tomas Berdych am Mittwoch zur Primetime in der Rod Laver Arena seinen 52. Grand-Slam-Viertelfinal. Der Amerikaner Jimmy Connors, der zweitbeste in der Liste, schaffte dies gerade 41 Mal.
Federer stand zwar nicht 13 Jahre in Folge an allen vier grossen Turnieren des Jahres in den Viertelfinals, seit seinem ersten Wimbledon-Sieg 2003 hat er an denjenigen Grand Slams, an denen er angetreten ist, diese aber nur sechs Mal verpasst. Das Australian Open ist in diesem Fall auch für Federer der «Happy-Slam». Zwar hat er in Wimbledon (8 Siege) schon drei Titel mehr gewonnen als in Melbourne, doch an keinem anderen Grand-Slam-Turnier hat Federer konstanter gespielt. Seit 2004 und seinem ersten Sieg in Down Under erreichte er mit einer Ausnahme immer die Halbfinals. «Ich habe hier eigentlich nie ein schlechtes Turnier gespielt», sagte Federer. Auch als er 2015 in der 3. Runde gegen Andreas Seppi verloren habe, sei die Leistung in Ordnung gewesen.
So hat der 36-jährige Baselbieter fast ausschliesslich gute Erinnerungen an das Turnier am Ufer des Yarra Rivers, an dem er erstmals 1998 bei den Junioren angetreten war. Der vergebene Matchball im Halbfinal blieb bei ihm ebenso haften, wie das Reisen in einem Auto aus den Sechzigerjahren voller Fliegen und ohne Klimaanlage bei 40 Grad an der Seite seines damaligen Trainers Peter Carter, der ihm auch seine Bekannten in Melbourne vorstellte. 1999 setzte es für Federer mit dem Ausscheiden in der Qualifikation eine der wenigen Enttäuschungen ab, ehe er 2000 seine erste Partie im Haupttableau gegen Michael Chang gewann. «Ich ging hinter ihm und auf seinen Schuhen stand Chang, das fand ich sehr cool.»
In seinen Aufzählungen erwähnt Federer weiter den Halbfinalsieg 2004 gegen Juan-Carlos Ferrero, der ihm erstmals die Nummer 1 im Ranking sicherte, den ersten Turniersieg zwei Tage danach im Final gegen Marat Safin, all die Fünfsatzpartien wie jene gegen den Russen nach nicht verwertetem Matchball im Halbfinal 2005, der Sieg 2010 im Final gegen Andy Murray, der sein erster Major-Titel als Vater war und die beiden Finals gegen Rafael Nadal. «2009 war der beste Final, den wir je gegeneinander gespielt haben», sagte Federer. Im letzten Jahr revanchierte er sich beim Spanier für die damalige Niederlage und krönte sein Comeback mit dem fünften Australian-Open-Titel. «Es war einer der besten Momente meines Lebens.»
Federer schwelgt aber nicht in den Erinnerungen, auch wenn er von den Journalisten immer wieder nach der Vergangenheit gefragt und an sie erinnert wird. Für ihn zählt nur das Hier und Jetzt. «Ob ich in der 1. Runde oder in den Viertelfinals rausfliege, spielt für mich keine Rolle. Ich bin hier, um das Turnier zu gewinnen.» Seine Mission ist unmissverständlich: Der sechste Titel soll her.
Hält man sich an die Statistik, deutet gegen Berdych wenig auf ein Scheitern hin. Federers Viertelfinal-Bilanz in Melbourne lautet 13:0. Und dass er seit seiner Rückkehr vor einem Jahr noch einmal stärker geworden ist, stellte auch sein Gegner vom Mittwoch fest, dessen letzter seiner sechs Siege gegen den Schweizer fast fünf Jahre zurückliegt. «Wenn es einen Plan oder einen Schlüssel gibt, um Federer zu schlagen, dann würde ich ihn gerne erfahren», sagte Berdych. (zap/sda)