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Anfang Jahr beeindruckte Anne-Marie Blanc in "Savannah Bay" in Basel und im November gastiert sie damit am Schauspielhaus Zürich.
Am 2. September feierte die Doyenne des Schweizer Theaters und Films ihren 85. Geburtstag.
Sie hat über 200 Theaterrollen gespielt und in dreissig Filmen mitgewirkt. Trotzdem wird sie heute noch im Tram mit "Gilberte de Courgenay" angesprochen, der Rolle, die sie als 21-Jährige berühmt gemacht hat.
Schon damals offenbarte sich der ganz spezielle Zauber, der Anne-Marie Blanc auch heute noch umwebt: "Leichtigkeit, Humor und Noblesse", wie es 1986 treffend in der Laudatio für den Hans-Reinhart-Ring hiess.
Aufgewachsen im Mädchenpensionat
Anne-Marie Blanc wurde am 2. September 1919 in Vevey als Tochter eines Grundbuchverwalters geboren. Nach der Scheidung der Eltern zog sie mit Mutter und Geschwistern zu Verwandten, die in Bern ein Pensionat für höhere Töchter führten. Möglicherweise hat das mit dazu beigetragen, dass sie diese unvergleichlich elegante Ausstrahlung entwickelte, die ihr Markenzeichen ist.
Eigentlich wollte sie Ärztin werden, aber es kam anders. Nach der Matura nahm sie Schauspielunterricht, unter anderem bei Ernst Ginsberg, und kam schon mit 19 Jahren zum Ensemble des Zürcher Schauspielhauses. Der dortige Regisseur Leopold Lindtberg verpflichtete sie im Jahr darauf für ihren ersten Film "Wachtmeister Studer".
Hollywood abgelehnt
Neben dem Theaterengagement folgten unter anderem die Filme "Die missbrauchten Liebesbriefe" (1940) und "Marie-Louise" (1944), ebenfalls mit Lindtberg, und "Gilberte de Courgenay" (1941) mit Franz Schnyder. Bald kamen auch Rollenengebote aus dem Ausland: 1949 spielte sie an der Seite von Erich Stroheim in "On ne meurt pas comme ça" und im Jahr darauf in Harald Frenchs "White Cradle Inn".
Sie hätte es auch mit Hollywood probiert, sagte sie einmal in einem Interview, doch hätte sie dort einen Siebenjahres-Vertrag unterschreiben müssen. Und da sie da schon mit dem Filmproduzenten Heinrich Fueter verheiratet war, wollte sich die dreifache Mutter nicht so lange binden.
Im Alter immer besser
Nachdem sie 1952 das Zürcher Schauspielhaus als Freischaffende verlassen hatte, trat sie vor allem in Deutschland und Österreich in renommierten Theatern und in Heimat- und Boulevardfilmen auf.
In den 70ern eröffnete ihr die neue Schweizer Filmregisseur-Generation weitere Möglichkeiten, so Beat Kuert mit "Nestbruch", Marcel Schüpbach mit "L'allègement", Daniel Schmid mit "Violanta" und Markus Fischer mit "Zimmer 36".
Mit ihrer Enkelin
Auch im Theater begann sie mehr und mehr zu wagen und ihr edles Image zu unterlaufen – "ins Charakterfach zu wechseln", wie sie es bescheiden nannte. Ihre versoffene Mummy in Martin McDonaghs "Der Krüppel von Inishmaan" am Schauspielhaus Zürich 1997 war eine Sensation.
Wieder eher mit einer ihrem Charakter entsprechenden Rolle glänzte die 84-Jährige Anfang Jahr in der Kaserne Basel. Zusammen mit ihrer Enkelin Mona Fueter (27) lieferte sie in Marguerite Duras' "Savannah Bay" eine tief berührende Interpretation des rätselhaften Stücks über Liebe und Tod.
swissinfo, Irene Widmer, sda
Fakten
Anne-Marie Blanc, die Grand Old Lady des Schweizer Films, wurde am 2. September 1919 geboren.
Ihr grösster Filmerfolg war 1941 ihre Hauptrolle in "Gilberte de Courgenay" von Franz Schnyder. Damit begründete sie ihre nationale und internationale Film- und Schauspiel-Karriere.