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Die Hagebutte, auch Hecken- oder Hundsrose genannt, wächst verbreitet in Europa, Westasien und Nordafrika. Sie begleitet den Menschen seit der Steinzeit als Nahrung und vielseitiges Heilmittel.
Die Heckenrose (Rosa canina) wächst an Waldrändern, in Hecken und auf Weiden. Freistehend entwickelt sie sich zu einem rundlichen Busch mit elegant überhängenden Zweigen. In Gebüschen packt sie jedoch die Kletterlust: Als Spreizklimmer klettert sie im Astwerk benachbarter Gehölze empor.
Dazu gibt es eine Sage: Der Teufel wollte auf ihren Dornen in den Himmel steigen, denn damals wuchs die Rose so hoch. Doch die Rose krümmte ihre Dornen nach unten, sodass der Pferdefüssige immer wieder abrutschte. Seitdem sind die Dornen gekrümmt und die Rose kann noch höchstens ein paar Meter hochwachsen.
Dornen sind bei der Rose übrigens botanisch nicht korrekt: Es handelt sich um Stacheln, Auswüchse der Epidermis. Der Name Hundsrose (Rosa canina) geht auf die Römerzeit zurück; damals wurde die Wurzelrinde der Hagebutte als Mittel gegen Tollwut eingesetzt, die ja oft durch Hunde übertragen wurde.
Hagebutte bezeichnet die Pflanze, aber auch ihre Früchte. Diese haben einen hohen Gehalt an Vitamin C, gut fünfmal mehr als Zitronen. Zudem enthalten sie weitere immunstärkende Vitamine, Mineralstoffe, Flavonoide, Anthocyane und Carotinoide, kurz: sie sind einheimisches «Superfood» und wurden bereits von den Steinzeitmenschen genutzt.
Die Volksmedizin verwendete alle Teile der Heckenrose: Blüten, Früchte, Blätter und Wurzeln. Die Früchte wurden bei chronischen Entzündungen der Harnwege eingesetzt. Hildegard von Bingen verwendete sie zur Stärkung des Magens und der Lunge. Hagebuttentee ist ein guter Durstlöscher, er enthält viel Vitamin C, ist schweiss- und wassertreibend. Er eignet sich auch bei fieberhaften Erkrankungen als Durchspültherapie und zur Blutreinigung.
Bevor die Früchte als vitaminreicher Tee oder gesundes Mus genossen werden können, müssen die Samen samt ihrem Flaum entfernt werden. Die Härchen tragen Widerhaken und reizen die Haut; früher benutzten Kinder sie sogar als Juckpulver.
Neuere Studien zeigen, dass die Früchte entzündungshemmende Galactolipide enthalten. Sie helfen bei Arthrose, schützen die Knorpelmasse, lindern Schmerzen und verbessern die Gelenkbeweglichkeit.
Aus den Hagebuttenkernen lässt sich ein Öl gewinnen, das bei Verletzungen, Narben und Ekzemen hilft. Es eignet sich besonders für trockene Haut und verbessert ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern.
An manchen Heckenrosensträuchern fallen seltsame zottige Gebilde auf. Es sind Gewebewucherungen, die von der Rosengallwespe verursacht werden; ihre Larven entwickeln sich darin. Schlafäpfel oder Rosenäpfel, wie sie genannt wurden, waren aufgrund ihrer adstringierenden Wirkung bis ins 18. Jahrhundert in Apotheken erhältlich.
Zudem wurden sie als Zaubermittel benutzt: Sie galten als schlaffördernd, wenn man sie unter das Kopfkissen oder den Säuglingen in die Wiege legte. Sogar für Liebeszauber wurden sie verwendet: Heimlich ins Bett der Angebeteten gelegt, sollte diese angenehme Träume vom Bewunderer haben. Als Amulett genutzt brachten die Rosenäpfel angeblich Glück und Reichtum.
Eine Legende erzählt, dass Eva, als sie aus dem Paradies vertrieben wurde, heimlich eine Rose mitnahm und sie so in unsere Welt brachte. Die Heckenrose ist zwar im Vergleich mit Edelrosen nur eine bescheidene Schönheit vom Land, aber der zarte Duft und ihre rosa Blüten haben dennoch etwas Paradiesisches. Da sie nicht gefüllt sind, bieten sie Insekten reichlich Nektar.
Die Blüten sind auch Teil von Dr. Bachs Blütenessenzen. Die Essenz der Heckenrose weckt bei Resignation, Hoffnungslosigkeit, Gleichgültigkeit und Antriebslosigkeit neue Lebensgeister.
Auf die Augen aufgelegt kühlen frisch gepflückte Blütenblätter von langer Bildschirmarbeit ermüdete Augen. Ein Umschlag mit frischen Blütenblättern wurde in der Volksmedizin auch bei Brandwunden aufgelegt. Der Tee aus den Blüten half bei Durchfall, Blutungen und wurde zur Nervenstärkung eingesetzt. Fuss- und Handbäder mit Tee aus Blüten und Knospen sollten bei Herzklopfen, Nervosität und Angstzuständen Erleichterung bringen. Getrocknete, pulverisierte Blütenblätter wurden früher zudem als Wundpuder verwendet.
In der Gemmotherapie werden die sich öffnenden Frühlingsknospen der Hagebutte verwendet.
Dazu wird es meist mit dem Gemmomazerat der Schwarzen Johannisbeere kombiniert. Die gleiche Kombination hat sich bei Migräne oder Allergien bewährt.
Das Gemmomazerat Hagebutte regt zudem den Knochenstoffwechsel an und hilft bei Arthrose, speziell bei Kniegelenkarthrose. Es hilft bei chronischen Rückenschmerzen und verbessert zusammen mit den Gemmomazeraten Bergföhre und Brombeere die Knochenstabilität bei Osteoporose.