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Trotz der Opposition grosser Fluggesellschaften setzt der Flughafen Genf-Cointrin das Konzept eines Billigflug-Terminals um. An einem solchen Terminal hat vor allem der Billigflieger EasyJet Interesse.
Nach einer Umbauphase soll der "low cost"-Terminal 2 frühestens im November 2005 in Betrieb genommen werden.
Der Verwaltungsrat hat der Realisierung am Freitag zugestimmt - unter dem Vorbehalt, dass die am Terminal 2 interessierten Fluggesellschaften ihre Engagements tatsächlich wahrnehmen, wie der Flughafen Genf-Cointrin mitteilte. Zudem braucht die geplante Neuausrichtung des Flughafens der Bewilligung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt.
Neben EasyJet hat nach Auskunft der Flughafenverantwortlichen auch Virgin Express Interesse am Billig-Terminal. "Wenn die beiden Unternehmen innert nützlicher Zeit ihr Engagement in Genf für mindestens fünf Jahre bekräftigen, werden wir das Projekt realisieren", erklärte Jean-Pierre Jobin, der Direktor des Flughafens.
Rund 20 Mio. Franken Investitionen
Der Terminal 2 soll im 1968 stillgelegten Aérogare Platz finden. Dieser wird heute nur in der Hochsaison für Charter-Abfertigungen genutzt. Er weist eine Kapazität von 2,5 bis 3 Mio. Passagieren pro Jahr auf. Nach dem Ausbau rechnen die Veranwortlichen mit einem Passagieraufkommen von bis zu 4 Millionen.
Die Investitionen für den Billig-Terminal werden auf rund 20 Mio. Franken geschätzt. Jobin sprach von einer im Vergleich mit den Hunderten von Millionen, die in den vergangenen Jahren in den Ausbau des Haupt-Terminals gesteckt worden seien, von einer "vernünftigen Summe".
Den Fluggesellschaften winken wegen der vereinfachten Abfertigung auf dem Billig-Terminal tiefere Passagiertaxen von 14 Franken gegenüber 19 Franken auf dem normalen Terminal.
Auf easyJet zugeschnitten
In Genf-Cointrin machen die Passagiere von Billigfliegern rund 25% am jährlichen Passagieraufkommen von acht Millionen (2003) auf. Die im April vorgestellte Doppelstrategie mit einem Normal- und einem Billigterminal war den grossen Fluggesellschaften Air France, KLM und Lufthansa sauer aufgestossen.
Die Kritiker werfen dem Flughafen Genf-Cointrin vor, das Projekt auf die Billig-Airline easyJet zugeschnitten zu haben. easyJet hatte letzten Dezember gedroht, Genf zu verlassen, sofern die Passagiertaxen nicht gesenkt würden. Am Mittwoch bekräftigte easyJet seine Unterstützung für den "low cost"-Terminal.
Philippe Roy, Sprecher des Flughafens, hatte im Vorfeld des Verwaltungsrats-Entscheides gegenüber swissinfo eingeräumt, dass EasyJet die Flughafenbehörde unter Druck gesetzt habe, bessere Bedingungen anzubieten. Und dies, so Roy, könne Genf nur tun, wenn der Flughafen auf einem separaten Terminal weniger Dienstleistungen anbiete.
Tariferhöhung ausgesetzt
Der Flughafen kommt der Kritik der grossen Airlines nun aber in anderer Form entgegen: Der Verwaltungsrat schiebt die geplante Erhöhung der Passagier-Gebühren im komfortableren Normal-Terminal auf. Vorgesehen war eine Erhöhung der Taxe von 19 auf 22 Franken.
Weiter verzichtet der Flughafen auf ein differenziertes Tarifmodell. Damit hätten Gesellschaften, die sich länger in Genf engagieren und steigende Passagierzahlen verzeichnen, von Rabatten bis zu 40% profitiert. In der Vernehmlassung stiess dieses Tarifmodell aber auf wenig Interesse.
swissinfo und Agenturen