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A Soap - En soap (2006)
A Soap - En soap (2006)
Oder: Verdrehte Geschlechter
Charlotte (Trine Dyrholm) steht der Sinn nach Veränderung. Eines schönen Tages packt sie ihre Koffer, verlässt Freund Kristian (Frank Thiel) und zieht in eine Mietkaserne. Dort nutzt sie ihre frisch gewonnene Unabhängigkeit und Beziehungsfreiheit dazu, regelmässig Männer für ein, zwei Stunden Spiel und Spass in ihr Bett einzuladen - und im Anschluss daran schnellstens wieder aus der Wohnung zu kippen.
Regelmässigen Männerbesuch hat auch Veronica (David Dencik), die in der Wohnung unter Charlotte wohnt. Veronica sucht dabei aber nicht das Vergnügen, sondern bessert mit Liebesdiensten ihre klägliche IV-Rente auf. Wobei es ja eigentlich "seine" IV-Rente heissen müsste - Veronica ist nämlich ein Mann. Zumindest noch; denn wenn er nicht gerade die abartigen Wünsche seiner Kunden erfüllt, verbringt der sensible Transvestit seine Zeit damit, auf die Operationsbewilligung zu warten, die ihm endlich den langersehnten Wunsch einer Geschlechtsumwandlung erfüllen soll.
Die scheue Veronica und die burschikose Charlotte begegnen sich das erste Mal, als letztere ihre Nachbarin bittet, ihr beim Umstellen des Bettes zu helfen. Von da an kreuzen sich die Wege der beiden ungleichen Persönlichkeiten immer wieder. Und obwohl besonders Veronica zu Beginn eine heftige Abneigung gegenüber der forschen Charlotte empfindet, entsteht allmählich eine vorsichtige Freundschaft. Eine Freundschaft allerdings, die immer wieder zu zerbrechen droht...
Film-Rating
En Soap - eine Seifenoper. Soap Operas oder Soaps - angeblich so benannt, weil die erste Soap von einem (australischen) Seifenhersteller gesponsort worden sein soll - sind emotionale Geschichten, wie sie das Leben schreibt; oder wenigstens so ungefähr. Traditionellerweise in der Form einer TV-Serie produziert, erzählen sie Folge um Folge Stories aus dem Alltag "gewöhnlicher" Menschen, berichten von verzwackten (Liebes)Beziehungen und den Problemen und Sorgen der Protagonisten.
Wenn nun Regisseurin Pernille Fischer Christensen ihren ersten Kinofilm als eine Soap bezeichnet, dann trifft sie damit den Nagel auf den Kopf: Ihr Debütfilm ist eine Soap im Kinoformat. Womit im Groben auch gleich geklärt ist, was man als Zuschauer von dem Film erwarten darf: Emotionen von happy bis hundeelend sowie kleine und grosse Probleme, die natürlich vorzugsweise immer dann auftauchen, wenn doch gerade alles so schön in Butter gewesen wäre. Präsentiert wird die Geschichte in Kapiteln, die jeweils von einem Erzähler eröffnet werden, der das Geschehene zusammenfasst und Ausblick auf das Kommende gibt.
Storymässig wird eine Geschichte geboten, die einige witzige Moment mit sich bringt (Veronicas Wauwau Miss Daisy avanchierte in der besuchten Berlinale-Vorstellung innert Kürze zum Publikumsliebling), insgesamt aber recht vorhersehbar und wenig spannend ist - eine typische Seifenoper halt eben. Wirklich toll an dieser dänischen Soap-Version (ein bisschen Dogma-Stil konnte sich Fischer Christensen bei der Gestaltung des Films ganz offensichtlich nicht verkneifen) ist in erster Linie Darsteller David Dencik als Veronica. Der auf den Fotos im Presseheft sehr maskulin wirkende Däne verkörpert den verstörten Mann, der lieber eine Frau wäre, ausgezeichnet und sehr einfühlsam. Grosses Kompliment in diesem Zusammenhang auch an die Maske, die aus Dencik eine wirklich hübsche und sehr zarte Veronica gezaubert hat.
Im Gegensatz dazu wirkt die stämmige Charlotte geradezu maskulin. Es ist denn auch dieses von der Regisseurin wohl sehr bewusst inszenierte Spiel mit dem krassen Gegensatz zwischen Charlotte und Veronica, welches für die besten und berührendsten Momente im Film sorgt. Im Prinzip hat von den zwei Personen jede das falsche Geschlecht - die romantische Veronica ist mehr Frau als Mann, die geradlinige Charlotte mehr Mann als Frau. Schön ist, dass die Charaktere dabei nicht klischiert wirken (Veronica zum Beispiel keine tuntigen Allüren hat) und in erster Linie als Persönlichkeiten portraitiert, und nicht als Stereotypen dargestellt werden.
Trotz diesen gelungenen Aspekte fehlt En Soap stellenweise das gewisse Etwas. Die Geschichte ist, wie bereits erwähnt, eher durchschnittlich und ziemlich vorhersehbar. Sie regt damit - offenes Ende zum Trotz - wenig dazu an, sich über das Filmende hinaus mit dem Schicksal von Charlotte und Veronica zu befassen. Schliesslich gibt es im Fernsehen noch tausend andere Soaps, die man sich ansehen kann.
OutNow.CH:
15.02.2006 / rs
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