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Schäßburg, Klausenburg, [* 2] Kronstadt, [* 3] Bistritz u. a. Die Rechtspflege des Hermannstädter Gaues umfaßte außer Hermannstadt [* 4] 7 Stühle oder Gerichtsstätten, daher nach einigen der Name S. Lateinisch wurde S. seit dem 12. Jahrh. (Terra) Ultra silvas, Partes ultrasilvanae, später Transsylvania genannt von den ausgedehnten Waldungen, die es von Ungarn [* 5] scheiden. 1240 fiel der Mongolenchan Kadan in S. ein. 1421 und 1433 machten die Türken ihre ersten Einfälle in S. Luthers Lehre [* 6] hatte bereits um 1520 in Hermannstadt und andern Städten Eingang gefunden und wurde namentlich bei den Sachsen [* 7] vorherrschend.
Als 1526 nach König Ludwigs II. Tode die ungarische Königskrone an den römischen König Ferdinand I. fiel, trat Johann Zápolya als Gegenkönig auf, rief den Beistand des Sultans Soliman an und eroberte 1530 S. bis auf Hermannstadt. So kam es zur langen Trennung Siebenbürgens von Ungarn, welche bis 1690 währte. Nach Zápolyas Tod 1540 ward sein Sohn Johann Siegmund zum König von Ungarn ausgerufen. Nach dessen Tod aber wählten 1571 die Stände Stephan Báthori zum Fürsten.
Als derselbe 1576 zum König von Polen gewählt worden war, trat er die Regierung von S. an seinen Bruder Christoph ab, welcher 1581 starb. Sein Sohn Siegmund Báthori trat S. 1599 an seinen Vetter, den Kardinal und Bischof von Ermeland, Andreas Báthori, ab, der aber von dem Woiwoden Michael von der Walachei 1599 geschlagen und auf der Flucht ermordet wurde. Dann beherrschte eine Zeitlang Kaiser Rudolf das Land, bis Stephan Bocskay sich an die Spitze der Mißvergnügten stellte und von dem Sultan als Fürst von S. bestätigt wurde. Er schloß mit Erzherzog Matthias, dem Reichsverweser Ungarns, den Wiener Frieden worin den Protestanten Ungarns Religionsfreiheit zugesichert wurde und er selbst als Fürst von S. auch Oberungarn bis an die Theiß erhielt. Nach seinem Tod wählten die Stände Siegmund Rákóczy und, als dieser wegen Krankheit 1608 abgedankt hatte, Gabriel Báthori, Siegmunds Vetter, zum Fürsten, der durch seine tyrannische Behandlung der sächsischen Nation diese zu bewaffnetem Widerstand trieb und schweres Unheil über das Land brachte. Zu denen, die ihm zur Fürstenwürde verholfen hatten, gehörte auch Gabriel Bethlen (Bethlen Gabor), welcher aber bald darauf zu den Gegnern des Fürsten übertrat, von den Türken unterstützt und, nachdem Báthori 1613 von mißvergnügten Adligen ermordet worden war, zum Fürsten von S. erwählt wurde. Er wußte sich nach innen und nach außen in Ansehen zu erhalten und begünstigte Künste und Wissenschaften. Er starb 1629, ohne Kinder zu hinterlassen, hatte aber seine Gemahlin Katharina von Brandenburg [* 8] von den Ständen zu seiner Nachfolgerin erwählen lassen und bestellte seinen Neffen Stephan Bethlen zum Mitverweser des Reichs.
Die Günstlingsherrschaft Csákis und der gegründete Verdacht, die Fürstin sei insgeheim katholisch geworden, ferner ihr schlechtes Einvernehmen mit Stephan Bethlen erzeugten eine allgemeine Unzufriedenheit mit ihrem Regiment, und sie sah sich genötigt, die Regierung niederzulegen; statt ihrer wurde 1631 Georg Rákóczy I. zum Fürsten erwählt. Dieser verbündete sich 1644 mit Frankreich und Schweden [* 9] gegen den Kaiser, welcher durch Abtretung beträchtlicher Gebiete den Frieden von ihm erkaufte.
Ihm folgte 1648 sein Sohn Georg Rákóczy II., welcher mit mehreren Rivalen, darunter Achat [* 10] Barcsai, zu kämpfen hatte, welche zum Teil von den Türken unterstützt wurden. Von letztern bei Klausenburg geschlagen, starb er an den erhaltenen Wunden. Die den Türken abholde Partei der Stände wählte darauf Johann Kemény zum Fürsten, der seinen Rivalen Barcsai besiegte und hinrichten ließ (April), aber ebenfalls mit den Türken zu kämpfen hatte, die das Land verheerten und Michael Apafi zum Fürsten einsetzten.
Kemény blieb in der Schlacht bei Nagy Szöllös und Megyes gegen die Türken. Nachdem 1683 die Türken bei Wien [* 11] geschlagen worden, wurde Apafi durch das siegreiche Vordringen der kaiserlichen Waffen [* 12] zu zwei Verträgen mit Kaiser Leopold I., dem Hallerschen und Blasendorfer (von 1686 und 1687), gezwungen, infolge deren der Landtag 1688 die Oberhoheit des ungarischen Königs und römischen Kaisers anerkannte. Als der Fürst 1690 starb, bewog Leopold dessen Sohn Michael Apafi II., nachdem das Leopoldinische Diplom vom der Grundvertrag des Landes mit dem Haus Österreich, [* 13] die verfassungsmäßige Freiheit und alte Rechtslage desselben in politischer und kirchlicher Beziehung gewährleistet, dem Fürstentum zu entsagen (1696). Die Pforte erkannte im Frieden von Karlowitz (1699) Kaiser Leopold I. im Besitz von S. an. Verbunden mit Unzufriedenen, erhob sich hiergegen Franz Rákóczy (1703) und wurde von einem Teil des magyarischen Adels und den Szeklern zum Fürsten ausgerufen; aber die kaiserliche Kriegsmacht blieb siegreich, und der Friede von Szathmár (1711) ließ S. unter Österreich. Noch einmal machten die Türken den Versuch, S. zu erobern; aber sie mußten in dem Frieden zu Poscharewatz die Herrschaft Österreichs über dieses Land anerkennen.
Maria Theresia erhob S. 1765 zu einem Großfürstentum. Als Kaiser Joseph II. durch seine Reformen die Hörigkeit in S. abschaffte, erhoben sich die walachischen Bauern unter Anführung eines gewissen Hora zu wildem Aufruhr gegen die Edelleute. Erst gegen Ende 1784 ward man der Empörung Meister, während deren 264 Schlösser der Adligen in Asche gelegt worden waren. Die nationale und liberale Bewegung, welche sich seit 1825 in Ungarn mächtig zu regen anfing, fand ihren Widerhall auch in S., wo die Regierung in konstitutionswidrigen Maßnahmen immer weiter vorgeschritten war.
An der Spitze der Opposition stand hier anfangs der Baron Nikolaus Wesselényi. Der Landtag wurde zwar plötzlich aufgelöst, aber die spätern Landtage von 1841-42 und 1846-47 wahrten das verfassungsmäßige Recht des Landes nicht ohne Erfolg. In diesen Kämpfen entstand unter den Führern des magyarischen Adels und der Szekler der Gedanke einer Union mit Ungarn, und neben der Erfüllung der Verheißungen des Leopoldinischen Diploms von 1691 war die Vereinigung von S. mit Ungarn eine Hauptforderung der magyarischen Opposition im Landtag.
Dem widerstrebten aber die übrigen Nationalitäten in S. Namentlich waren die Walachen, deren wiederholtes Gesuch, als vierte Nation anerkannt zu werden, 1843 erfolglos geblieben war, gegen die Ungarn sehr erbittert, und diese Erbitterung erhielt nach den Märzereignissen 1848 neue Nahrung. Auf Aufforderung des walachischen Bischofs Saguna versammelten sich 15. Mai 30-40,000 Walachen bei Balasfalva (Blasendorf) und faßten den Beschluß, den Kaiser abermals durch eine Deputation unter anderm um ihre Anerkennung als vierte Nation zu bitten. Bald darauf kam es in Topanfalva, Marczfalva u. a. O. zu blutig-grausamen Thätlichkeiten. Als vollends Feldmarschallleutnant Puchner, der ¶
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Kommandierende von S., auf Grund des kaiserlichen Reskripts vom dem ohnehin des Amtes enthobenen ungarischen Ministerium offen den Gehorsam aufkündigte, entbrannte der Bürgerkrieg. Die Walachen ergriffen unter Anführung des Advokaten Janku gleichfalls die Waffen zu dem abgesprochenen Zweck der Unterstützung der Kaiserlichen und der Vernichtung der Rebellen. Es entbrannte der furchtbarste Rassenkrieg, und infolge desselben war schon gegen Ende 1848 fast ganz S. durch den General Puchner und den Korpsführer Urban der österreichischen Gewalt wieder unterworfen.
Aber Bem gewann das Land, wenigstens zum größten Teil, wieder für die ungarische Revolution. Auch den russischen Hilfstruppen, die im Februar 1849 in S. einrückten, gegenüber bedeckte sich Bem mit Ruhm, mußte aber zuletzt der Übermacht weichen. Durch die Reichsverfassung vom erhielt S. seine frühere Selbständigkeit wieder, so daß es in die Reihe der andern Kronlande eintrat. Die siebenbürgische Militärgrenze, zwischen S. und der Walachei, 5600 qkm mit ca. 160,000 Einw., wurde 1851 aufgelöst, indem die Regimentsbezirke derselben der Zivilverwaltung überwiesen wurden.
Durch das Patent vom wurden auch die alte Verfassung Siebenbürgens und die siebenbürgische Hofkanzlei wiederhergestellt. 1863 trat der nach einem neuen Gesetz gewählte Landtag in Hermannstadt zusammen und beschloß, die Februarverfassung anzuerkennen und den österreichischen Reichsrat zu beschicken. Jedoch unter Belcredi wurde 1865 das alte Wahlgesetz insoweit wiederhergestellt, als es das Übergewicht der Magyaren im Landtag bewirkte, welcher 1866 die Union mit Ungarn beschloß.
Dieselbe wurde auch durch königliches Reskript vom thatsächlich vollzogen, die siebenbürgische Hofkanzlei aufgehoben und im Juni der Landtag durch Reskript aufgelöst. S. wurde eine ungarische Provinz, die im Reichstag durch 75 Abgeordnete aus direkter Wahl vertreten ist; der Landtag fiel weg, die Verwaltung wurde neu organisiert. Am wurde auch der oberste Gerichtshof in Klausenburg aufgehoben und das Land in Komitate eingeteilt, wobei auch die Autonomie des sächsischen Königsbodens beseitigt wurde.
Seitdem sind die Magyaren bemüht, das Land zu magyarisieren, indem sie die frühern Gesetze über die Geltung der Landessprachen (der deutschen und rumänischen) beseitigten und ihm ihre Sprache [* 15] aufnötigten; namentlich ward das den Sachsen seit ihrer Einberufung staatsrechtlich gewährleistete Partikularrecht Schritt vor Schritt aufgehoben, über ihr Vermögen nach Willkür verfügt und ihren Schulen die magyarische Sprache aufgezwungen.
Vgl. Teutsch, Geschichte der Siebenbürger Sachsen (2. Aufl., Leipz. 1874, 2 Bde.);
Maurer, Die Besitzergreifung Siebenbürgens (Landau [* 16] 1875);
Reißenberger, Übersicht der bisherigen Forschungen über die Herkunft der Sachsen (1878);
»Der Revolutionskrieg in S. in den Jahren 1848 und 1849« (Leipz. 1863-64);
»Urkundenbuch zur Geschichte Siebenbürgens« (hrsg. von Firnhaber und Teutsch, Wien 1857);
»Monumenta comitialia regni Transsylvaniae« (hrsg. von Szilágyi, Pest 1880 ff.);
»Siebenbürgische Chronik des Schäßburger Stadtschreibers Georg Kraus 1608-65« (Wien 1862-64, 2 Tle.);
»Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde« (Hermannst., seit 1843).