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Microsoft hat es ausprobiert und bestätigt: Die Vier-Tage-Woche steigert die Produktivität, und zwar um beachtliche 40 Prozent. Der Probelauf mit 2300 Angestellten in Japan war bereits eine grössere Versuchsanordnung. Doch Microsoft ist nicht das einzige Unternehmen, das kürzere Arbeitszeiten für die Mitarbeiter ausprobiert. Die Vier-Tage-Woche – oder in einer Variation: der Fünf-Stunden-Tag – ist ein Trendthema im Management. Viele Unternehmen spielen mit dem Gedanken oder erproben eine Variation im eigenen Hause. Doch welche Folgen hat die Vier-Tage-Woche? Steigert sie die Produktivität nachhaltig?
Wissenschaftler der Henley Business School in Grossbritannien haben ergründet, welche Effekte eine verkürzte Arbeitszeit bei gleichem Lohn auslösen kann. Sie befragten dabei 500 Unternehmenschefs und -eigner sowie 2000 Mitarbeiter in verschiedenen Betrieben. Jeder zweite davon hatte die Vier-Tage-Woche in einer Variante umgesetzt.
Weniger Krankmeldungen
Die Ergebnisse bestätigen die Erfahrungen von Microsoft: Die Firmen sparen durch die verkürzte Arbeitswoche Ressourcen, zum Beispiel werden weniger Strom und weniger Druckerpapier verbraucht. Die Ersparnisse belaufen sich bei den 250 Firmen mit Vier-Tage-Woche auf 92 Milliarden Pfund (117 Milliarden Franken) im Jahr, was 2 Prozent des Umsatzes entspricht.
Gleichzeitig sind die Mitarbeiter deutlich zufriedener und erzielen bessere Ergebnisse als in der längeren Arbeitswoche. Ein wichtiges Plus besteht darin, dass sich die Angestellten weniger krank melden. Zwei Drittel der befragten Unternehmen berichten von solchen Effekten. Darüber hinaus versprechen die Experimente mit der Vier-Tage-Woche einen Makroeffekt: Mehr als jeder zweite Mitarbeiter gibt an, er würde bei einer verkürzten Woche die zusätzliche freie Zeit zum Shoppen nutzen.
Allerdings birgt der neue Ansatz auch Herausforderungen. Für Unternehmen, die einen Kundendienst jenseits der Standard-Büro-Zeiten anbieten, bedeutet eine Vier-Tage-Woche zum Beispiel eine erhebliche Umstellung der Schichten.
Hohe Kosten sind auch im öffentlichen Sektor zu erwarten. Eine Berechnung des «Centre for Policy Studies» ergab, dass in Grossbritannien Kosten von umgerechnet 57 Milliarden Franken zu erwarten wäre, wenn alle Bereiche inklusive der Krankenhäuser, Schulen, Polizei und Feuerwehr auf eine verkürzte Woche umstellten. Selbst bei einer erheblich gesteigerten Produktivität gehen die Autoren von Zusatzkosten um die 20 Milliarden Franken aus.
Versteckte Überstunden im Home Office?
Auch auf Seiten der Angestellten gibt es Bedenken: Zum Beispiel, dass der Eindruck entstehe, man sei faul, weil man nur vier Tage in der Woche arbeite. Ein Risiko besteht auch in der Kombination von kürzeren Arbeitszeiten mit dem Bedürfnis, flexibler und ortsunabhängig zu arbeiten. Es könnte eine Schattenarbeitszeit entstehen, die lediglich im Unternehmen nicht mehr sichtbar wäre.
«Überstunden werden immer weniger angerechnet, weil immer mehr Angestellte nach dem Erreichen von Zielen beurteilt werden», sagt Studienautorin Rita Fontinha. «Wenn die Vier-Tage-Woche umgesetzt wird, muss darum sichergestellt werden, dass Mitarbeiter in ihrer freien Zeit tatsächlich nicht arbeiten.»
Grundsätzlich ist es noch früh, um genaue Effekte der Vier-Tage-Woche zu eruieren. Ob die Produktivität zum Beispiel über längere Zeiträume wächst, auch wenn die verkürzte Arbeitszeit zum Alltag geworden ist, dieser Nachweis steht aus. Auch ist es komplex, eventuelle Effekte für den Umweltschutz zu berechnen – auch wenn die Autofahrten in die Firma durch die Vier-Tage-Woche abnehmen.