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Begonnen hat die Geschichte mit Schneemobilen und Kettenfahrzeugen, eine Aktivität, in der Bombardier am Schluss Weltmarktführer war. Dann kam die Ölkrise Anfang der 1970er-Jahre und Firmengründer J.A. Bombardier musste sich nach neuen Geschäftsmöglichkeiten umsehen. Mit einem Grossauftrag für die Metro in Montreal gelang 1974 der Einstieg in den Schienenfahrzeugbau. 1982 folgte eine Order der New York Transit Authority für 825 U-Bahn-Fahrzeuge. Im Jahr 1988 gab es den Sprung nach Europa mit der Übernahme der BN Constructions Ferroviaires et Métalliques S.A. in Brügge (Belgien). In diesen Jahren übernahm Bombardier aber auch den kanadischen Flugzeughersteller Canadair und begab sich damals auch in die Lüfte, konkret in die Luftfahrtindustrie. Sukzessive baute Bombardier seine Präsenz im nordamerikanischen und im europäischen Nahverkehrsmarkt aus.
Es folgten weitere Übernahmen wie diejenige der Deutschen Waggonbau AG im Jahre 1998 und damit auch die Integration der Vevey Technologies SA, der früheren Atéliers de Construction Mécanique de Vevey SA, zu deren Besitzer auch für kurze Zeit Werner K. Rey gehörte.
Ein entscheidender Schritt war aber die Übernahme der DaimlerChrysler Rail Systems (Adtranz) am 1. Mai 2001. Mit diesem Schritt konnte Bombardier seine Präsenz im europäischen und auch im weltweiten Schienenfahrzeugbau massiv verstärken. In der Schweiz wurden so die historischen Rollmaterialhersteller wie Schindler Waggon Pratteln, SLM Winterthur und ABB Verkehrssysteme Zürich als Bestandteil des Adtranz-Konzerns in die Bombardier Transportation integriert.
Dieser Schritt entsprach praktisch einer Verdreifachung der Kapazitäten im Schienenfahrzeugbau und bildete den Ausgangspunkt zum Weltmarktführer.
Drei Schweizer Stützpunkte
Heute verfügt Bombardier über drei Standorte in der Schweiz, nämlich in Villeneuve, wo mit rund 300 Mitarbeitenden Personentransportfahrzeuge gebaut werden. Das Werk ist nach der langen Periode der Veränderungen im Schweizer Schienenfahrzeugbau noch der einzige Hersteller von Schienenfahrzeugen in der Romandie.
In Winterthur befindet sich das Kompetenzzentrum für Drehgestelle, wo rund 50 Ingenieure an neuen technischen Entwicklungen wie der Wankkompensation und der aktiven Radsteuerung zur Reduktion der Radschienenkräfte arbeiten. Am Hauptsitz in Zürich schliesslich sind rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Dort befindet sich das Kompetenzzentrum für Lokomotiven- und Hochleistungs-Antriebstechnik sowie das modernste Leistungslabor Europas, in welchem einzelne Stromrichter bis zur Serienreife entwickelt und danach getestet werden können. In den vergangenen zwei Jahren hat Bombardier in der Schweiz rund 150 neue Arbeitsplätze geschaffen. Derzeit sind mehr als 350 Ingenieure im Unternehmen tätig, welches natürlich auch von der Nähe der ETH Zürich profitiert. Zudem besteht eine permanente Zusammenarbeit mit Höheren Fachschulen, Fachhochschulen und Hochschulen.
Heute verfügt Bombardier über ein breites Programm für Strassenbahnen, Nahverkehrs- und Regionalzügen, Fernverkehrs- und Hochgeschwindigkeitszüge, Bahntransportsysteme, Bahnsicherungsanlagen, Lokomotiven (welche grenzüberschreitend mit verschiedenen Strom- und Sicherheitssystemen eingesetzt werden können) und Service-Dienstleistungen. Für Stéphane Wettstein, seit dem 1. Juli letzten Jahres Geschäftsführer und Konzernverantwortlicher von Bombardier Transportation Schweiz, ist besonders wichtig, dass das Unternehmen über einen Referenzmarkt in der Schweiz verfügt. Die SBB gehören nach wie vor zu den Pionieren bei der Entwicklung fortschrittlicher Bahnsysteme und -Züge, waren sie doch beispielsweise die erste Bahngesellschaft Europas, welche im Fernverkehr erfolgreich Stromrichter-Lokomotiven und Doppelstockzüge einführten.
Derzeit sind in der Schweiz einige Hundert Schienenfahrzeuge Marke Bombardier im Einsatz. Dazu gehören unter anderen der SBB-Intercity-Neigezug ICN, die IC-2000-Doppelstock-Kompositionen, Nahverkehrs- und Regionalzüge der BLS, das Zürcher Niederflurtram Cobra sowie Tramzüge von Baselland Transport und die Flexity-Cityrunner der Genfer Verkehrsbetriebe TPG. Ebenso aus den Werkstätten von Bombardier stammen die SBB- und BLS-Lokomotiven Re 460/465 sowie die Traxx-Lokomotiven Re 482, Re 484 und Re 486, welche in ganz Europa im Cargo-Bereich unterwegs sind.
Grosse Ausschreibung 2010
Derzeit steht Bombardier Transportation Schweiz in einer der grössten Ausschreibungen in der Schweiz. Es geht um 59 IC-Doppelstockzüge mit einer Option auf insgesamt 171 Einheiten für den Einsatz im nationalen Fernverkehr, dessen Auftragsvolumen sich zwischen 2 und 5 Mrd Fr. bewegt. Für Bombardier ein wichtiger und strategischer Auftrag, denn damit ist einerseits die Auslastung und weitere Entwicklung der in der Schweiz vorhandenen Kapazitäten und andererseits diejenige der unzähligen Lieferanten von Bombardier Schweiz unmittelbar verbunden. Nach ersten Schätzungen dürfte die Wertschöpfung, welche bei diesem Auftrag auf die Schweiz entfällt, bei mindestens 50% liegen. Dies entspricht einem Betrag zwischen 1 und 2,5 Mrd Fr. So wie der Entscheidungsprozess sich derzeit darstellt, werden die drei eingegangenen Offerten durch die SBB evaluiert. Mitte Mai 2010 sollte dann der definitive Entscheid fallen. Im Rahmen des weiteren Ausbaus des schweizerischen Schienennetzes sind noch mehrere Beschaffungen geplant, so u.a. 40 Neigezüge ICN, welche dank ihrer erprobten Neigetechnik die Fahrzeiten zum Teil stark verkürzen können. Auch im Bereich der Strassenbahnen stehen weitere Erneuerungen und Ergänzungen der Flotten in den Städten Zürich und Genf an.
Logistik outgesourct
In früheren Jahren verfügte Bombardier Schweiz über eine eigene Lagerlogistik- und Speditionsabteilung, welche dafür verantwortlich war, die Produktionsstätten zu versorgen und dafür zu sorgen, dass die einzelnen Komponenten bzw. Ersatzteile für Lokomotiven und Züge, die in ganz Europa unterwegs sind, im Bedarfsfall innert kürzester Frist beim Kunden eintrafen. Die gestiegenen Aufwendungen und der grösser gewordene Fahrzeugpark, der zu betreuen war, zwangen Bombardier, einen Logistikpartner zu suchen, der die komplexen Vertriebsaufgaben in Produktion und Flottenbetreuung übernehmen konnte. Vor 10 Jahren übernahm die 4PL Central Station AG diese Aufgabe. Der 4PL Provider übernahm in der Folge einen grossen Teil der Logistikaktivitäten, welche bis anhin von Bombardier erledigt wurden. Bei Bombardier verblieben drei wichtige Kernkompetenzen: Der Beschaffungsprozess, die Qualitätssicherung der Bauteile und Systeme sowie die betriebswirtschaftliche Bestandesführung, nicht aber die Inventur. Diese ist Sache von Central Station.
Heute verfügt Bombardier Transportation im Bereich Services über kein eigenes Ersatzteillager mehr, dieses führt die Central Station AG und liefert innert 24 Stunden praktisch jedes Teil dem Kunden. Gerade bei Schienenverkehrsfahrzeugen, also Zügen und Lokomotiven, aber auch Trams, spielt die Zeit bei Service und Wartung eine entscheidende Rolle. Durch die hohe Kompetenz von 4PL Provider ist Bombardier heute in der Lage, die Ersatzteilversorgung zu günstigeren Konditionen zu gewährleisten, als wenn man dies selber erledigen würde. Ein Statement, welches Alexander Bauer, Chairman der Central Station AG, natürlich mit Stolz zur Kenntnis nimmt.