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Mittelmeer-Mönchsrobbe
Monachus monachus
© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion
und in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Drei Gruppen von Säugetieren haben im Laufe ihrer Stammesgeschichte das Land verlassen und sich erfolgreich an ein Leben im Meer angepasst: die Seekühe, die Waltiere und die Robben. Zu letzteren zählt auch die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus), bei der die erwachsenen Tiere eine Länge von etwa 260 Zentimetern und ein Gewicht um 280 Kilogramm aufweisen, wobei die Männchen im Mittel etwas kleiner und schlanker sind als die Weibchen.
Zwar kannte schon der griechische Philosoph und Naturforscher Aristoteles die Mittelmeer-Mönchsrobbe und gab auch eine recht treffende Beschreibung von ihr. Dennoch wissen wir bis heute nur wenig über ihre Lebensgewohnheiten. Sicher ist, dass die Mönchsrobbe ein schnelles und wendiges Wasserraubtier ist, das sich hauptsächlich von (teils recht grossen) Fischen und Tintenfischen ernährt. Und es ist bekannt, dass sie eine ziemlich «sesshafte» Robbe ist, die sich ganzjährig entlang der ihr vertrauten Küstenabschnitte aufhält. Dort geht sie in Tiefen von lediglich zehn bis dreissig Metern auf Jagd. Sie unterscheidet sich hierin deutlich von ihren Verwandten in den Polarmeeren, welche vielfach in bemerkenswerte Tiefen hinabtauchen.
Die Mittelmeer-Mönchsrobbe scheint im übrigen ein ziemlich geselliges Tier zu sein, denn man trifft sie gewöhnlich in Gruppen an, und es gibt Hinweise darauf, dass jeweils während der sommerlichen Fortpflanzungszeit die kräftigsten Männchen eine Weibchenherde, einen sogenannten «Harem», um sich versammeln.
Nach einer Tragzeit von ungefähr elf Monaten bringen die Weibchen zumeist im September oder Oktober ein einzelnes, schwarzfelliges Junges zur Welt, das sie während der folgenden sechs bis sieben Wochen mit nahrhafter Muttermilch säugen. Als Geburtsort und Kinderstube wählen die Mönchsrobben-Weibchen meistens versteckt liegende Felsgrotten und -höhlen, welche nur vom Wasser her zugänglich sind. Oft liegen die Eingänge zu diesen Wurfplätzen sogar unter Wasser.
Das Verbreitungsgebiet der Mittelmeer-Mönchsrobbe umfasste einst - wie der Artname andeutet - fast sämtliche Insel- und Festlandküsten des Mittelmeers, ferner die südlichen Küsten des Schwarzen Meers, die nordwestliche Atlantikküste Afrikas sowie die Küsten der Kanarischen Inseln und Madeiras. Zwar ist die mittelgrosse Robbe noch immer über weite Bereiche dieses riesigen Gebiets verbreitet. Ihre Zahl ist aber drastisch zurückgegangen, und ihr Vorkommen ist äusserst fleckenhaft. Der Gesamtbestand wird auf nurmehr 500 bis 700 Individuen geschätzt.
Nur in einer Region des Mittelmeers kommt die Mönchsrobbe noch in etwas grösserer Dichte vor: in der östlichen Ägäis, besonders im Bereich der Südlichen Sporaden und der benachbarten türkischen Küste. In diesem stark militarisiertem Gebiet lebt rund die Hälfte der Gesamtpopulation.
Drei Hauptfaktoren haben die Mittelmeer-Mönchsrobbe an den Rand des Aussterbens getrieben: Erstens ist das Mittelmeer heute wohl das meistverschmutzte Meer der Welt. Dessen enorme Belastung mit industriellen, landwirtschaftlichen und anderen Abwässern bedroht grosse Raubtiere wie die Mönchsrobbe in ganz speziellem Mass: Als Endglieder mancher Nahrungsketten sammeln sich in ihrem Körper Schadstoffe aller Art vieltausendfach an und können fatale Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben.
Zweitens wird die Mittelmeer-Mönchsrobbe durch die ansässigen Fischer direkt bejagt. Diese sehen in dem Meeressäuger einen unwillkommenen Konkurrenten, der ihnen nicht nur die Fische wegisst, sondern mitunter auch noch die Netze beschädigt. Obschon die Mönchsrobbe überall gesetzlich geschützt ist, wird sie vielerorts beschossen, wann immer sie sich zeigt, und manchmal werden sogar ihre Aufzuchtgrotten mit Sprengsätzen zerstört.
Drittens scheint die Mönchsrobbe sehr anfällig auf Störungen aller Art während der Jungenaufzucht zu sein. Schon zufällige Begegnungen mit Schwimmern, Surfern oder Tauchern in der Nähe ihrer Wurfplätze führen schnell dazu, dass sie ihre hilflosen Jungen im Stich lässt. Die zunehmende Verbauung der Mittelmeerküsten mit Hotelanlagen und der immense, ständig anwachsende Strom sonnenhungriger Touristen lassen der Mönchsrobbe leider von Jahr zu Jahr weniger Raum für die ungestörte Nahrungssuche und Jungenaufzucht.
Seit über zwanzig Jahren führen die verschiedenen Regierungen im Verbreitungsgebiet der Mittelmeer-Moenchsrobbe zusammen mit diversen international tätigen Umweltorganisationen ein breitgefächertes Programm zur Rettung der bedrängten Robben durch. Das Hauptziel ist die Schaffung einer Reihe strikter Reservate, in denen die Tiere ohne jegliche menschliche Störung ihre Jungen grosszuziehen vermögen.
Daneben soll eine Informationskampagne bei den Fischern wie auch bei den Touristen mehr Verständnis für die friedfertigen Meeressäuger wecken. Es ist zu hoffen, dass mit vereinten Kräften das Aussterben der Mittelmeer-Mönchsrobbe, der inzwischen seltensten aller Robbenarten, doch noch verhindert werden kann.
Mittelmeer-Mönchsrobbe
Monachus monachus
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Hundsrobben & Seehunde
Körpermasse
Kopfschwanzlänge: um 260 cm
Gewicht: um 280 kg
Geburtsgewicht: um 20 kg
Fortpflanzung
Jungenzahl: 1 je Geburt
Tragdauer: 11 Monate
Höchstalter: nicht bekannt
Bestandssituation
Bestand: 500-700 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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