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Die Reaktion der Schweizer Sozialpolitik auf die Coronakrise
Covid-19 verschärfte die sozioökonomischen Ungleichheiten in bisher ungekannter Weise. Das Projekt soll aufzeigen wie sich die Sozialpolitik in der Krise neu aufgestellt hat, um die Auswirkungen der Pandemie abzufedern.
Projektbeschrieb
Im internationalen Vergleich entwickelte sich die Schweizer Sozialpolitik langsam. Die Covid-19-Pandemie zeigte jedoch, wie reaktionsfähig viele soziale Einrichtungen sind. Der Fokus lag zwar oft auf der Bundesebene, etwa auf den Covid-Erwerbsausfallentschädigungen (EO), die innerhalb weniger Wochen geschaffen und umgesetzt wurden. Dennoch spielte auch die lokale Sozialpolitik eine wichtige Rolle. Bis heute fehlt ein Überblick über die vielfältigen kantonalen und städtischen Lösungsansätze für die Krise.
Das Ziel dieses Projekts ist es, diese Vielfalt zu dokumentieren und den Beitrag der lokalen Sozialpolitik zur Verhinderung von mittelfristig geschaffener Verletzlichkeit zu beleuchten.
Hintergrund
In der Literatur zur Sozialpolitik findet eine Debatte statt. Einige Studien deuten darauf hin, dass es sich bei den Reaktionen auf die Krise um vorübergehende Ad-hoc-Anpassungen handelte; andere betonen das Umgestaltungspotenzial der Pandemie in Richtung einer integrativeren Sozialpolitik. Durch die Untersuchung der Reaktionen auf lokaler Ebene in der Schweiz soll dieses Projekt zu dieser Debatte und zum Verständnis der Faktoren beitragen, die eine widerstandsfähige Sozialpolitik ausmachen.
Ziel
Ziel des Projekts ist es, die Vielfalt der sozialpolitischen Reaktionen während der Pandemie zu dokumentieren und ihre Auswirkungen auf die Lebenswege von Personen, die Sozialleistungen beziehen, zu beleuchten. Basierend auf einem gemischten (qualitativen und quantitativen) und längsschnittlich angelegten Forschungsaufbau wird es innovative Praktiken identifizieren, die die Entwicklung der Sozialpolitik von morgen leiten können, insbesondere im Kontext zukünftiger Krisen.
Bedeutung
Das Projekt umfasst eine mittelfristige Längsschnittbeobachtung, die derzeit für das Verständnis der Pandemie und ihrer sozioökonomischen Folgen fehlt. Zudem trägt das Projekt dazu bei, eine untererforschte und schwer erreichbare Bevölkerungsgruppe zu dokumentieren, die in Umfragen in der Regel unterrepräsentiert ist, jedoch stark von der Pandemie betroffen war. Zu diesem Zweck werden die Lebenswege von Personen, die Sozialleistungen beziehen, mittels umfassender Verwaltungsdaten untersucht.
Anwendung
Die Ergebnisse können zur Ausgestaltung der zukünftigen Sozialpolitik beitragen. Zum einen werden sie bewährte Praktiken sowie kontextbezogene und organisatorische Faktoren aufzeigen, die die Reaktionsfähigkeit der lokalen Sozialpolitik in Krisenzeiten fördern oder behindern. Andererseits ermöglichen sie, die von der Pandemie besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen unter den Personen, die Sozialleistungen beziehen sowie die wirkenden Dynamiken der Prekarisierung zu identifizieren.
Originaltitel
Fit for Crisis? Social Policy in Times of COVID-19: a Longitudinal Mixed-Method Approach