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«Es war ein Cocktail aus vielen auslösenden Faktoren.» Das kann der pakistanische Klimaforscher Fahad Saeed heute sagen. Und jede dieser Zutaten trieb die Niederschläge in seinem Heimatland im extremen Monsunsommer 2022 zusätzlich in die Höhe, wie sich aus neuen Studien zur Ursachenforschung ergibt.
Getroffen hat es vor allem die beiden südlichen Provinzen Belutschistan und Sindh. «Eigentlich sind das Trocken- oder Halbtrockengebiete», betont Saeed, «im Juli und August fiel dort aber sieben- bis achtmal mehr Regen als üblich!»
Land wurde immens aufgeheizt
Das Drama begann schon im März mit einer Rekordhitzewelle und örtlichen Spitzenwerten von über 50 Grad Celsius. Fast zwei Monate lang habe sich das Land immens aufgeheizt, sagt Vimal Mishra, Professor für Hydrologie am Indischen Institut für Technologie in Gandhinagar.
So sei ein starkes Temperaturgefälle zum Ozean entstanden. Unter solchen Bedingungen «strömt mehr Feuchtigkeit nach Pakistan und es regnet mehr.» Das geschehe durch atmosphärische Flüsse – bandförmige Luftmassen, die enorme Mengen Wasserdampf aus dem Arabischen Meer im Süden herantransportierten.
Böden konnten kein Wasser mehr aufnehmen
Übermässig starke Niederschläge setzten zudem schon im Juni ein und durchtränkten die Böden vollständig. Danach konnte der Untergrund im Juli und August kein Wasser mehr aufnehmen.
Zu dieser Zeit war der Süden Pakistans auch das Ziel von etlichen Tiefdruckgebieten aus dem Golf von Bengalen, der grossen Monsun-Wetterküche im Osten, auf der anderen Seite des subindischen Kontinents. Laut Fahad Saeed wandern die normalerweise über Indien hinweg nach Westen Richtung Nordpakistan: «Diesmal aber sind sie alle in den Süden des Landes gezogen.»
Auch das lässt sich wohl der vorhergehenden Hitzewelle dort zuschreiben. Sie produzierte ein starkes «Hitzetief» am Erdboden, mit äusserst niedrigem Luftdruck. Und der saugte die Monsun-Tiefs aus dem Golf von Bengalen praktisch in Pakistans Süden. «Im östlichen Indischen Ozean hatten wir zu der Zeit ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen», ergänzt der Klimamodellierer. Auch das ein eskalierender Faktor, denn «unter solchen Bedingungen treten mehr Tiefs im Golf von Bengalen auf».
Zu guter Letzt war 2022 auch noch ein La-Niña-Jahr im tropischen Pazifik. In einer solchen kühleren Phase fällt in Pakistan sowieso mehr Regen als normal.
Besonders stark von Klimakrise betroffen
Obwohl die Katastrophe also eines Cocktails aus vielen Zutaten bedurfte, könnte sie sich dennoch bald wiederholen. Davon warnt jedenfalls Fahad Saeed und verweist auf sogenannte Attributionsstudien, an denen er selbst beteiligt war. Demnach hatte die globale Erwärmung einen gehörigen Anteil an den Rekordtemperaturen und -niederschlägen im letzten Jahr.
Pakistan wird besonders vom menschlichen Klimawandel bedroht.
«Die Hitzewelle hat der Klimawandel nach unseren Analysen 30-mal wahrscheinlicher gemacht», resümiert der pakistanische Experte, «und die Überschwemmungen wären ohne ihn nur halb so intensiv ausgefallen oder noch schwächer».
Auch die Klimaforscherin und Professorin Sonia Seneviratne von der ETH Zürich sieht «Pakistan besonders vom menschlichen Klimawandel bedroht.» Hitzewellen und Starkniederschläge häuften sich in dem 220-Millionen-Einwohner-Land generell. Dabei sei Pakistan nicht einmal für ein Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, beklagt Fahad Saeed. Für ihn, der dort lebt und sich Sorgen macht, ein klarer Fall von Klima-Ungerechtigkeit: «Ich denke, es wird noch schlimmer werden.»
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