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Inhalt:
Während einer Führung durch religiöse Katakomben der Nechani berührt Kes versehentlich ein bioenergetisches Schutzfeld eines Schreins und gerät dadurch in ein Koma. Der Holodoc kann nichts für sie tun. Alle Scans erweisen sich als nutzlos. Der Magistrat der Nechani erklärt Janeway, die Geister hätten Kes bestraft, da nur die Mönche mit reiner Seele den Schrein betreten dürften. Zu diesem Zweck müßten die Mönche vorher mit den Geistern gesprochen haben. Neelix entdeckt eine alte Überlieferung, die von einem König handelt, der sich einem Ritual unterzog und mit den Geistern sprach, damit sie seinen Sohn erretten. Janeway will das gleiche versuchen. Sie durchläuft eine Reihe physischer Tests. Auf dem Schiff entdeckt der Holodoc chemische Veränderungen in ihrem Körper, doch auch sie führen nicht zu einer Heilung von Kes. Janeway kehrt zu dem Orden zurück. Dort erzählen ihr die drei Wartenden, sie müsse Kes erneut in das Biofeld bringen und fest an die Geister glauben. Janeway befolgt die Anweisung und Kes erwacht. Letztendlich findet der Holodoc doch eine wissenschaftliche Erklärung.
Infos:
"Sacred Ground" ist eine kurzweilige Janeway-Episode über den Wert von Mystik und dem Bedürfnis des Menschen nach Spirituellem. Zugleich ist "Sacred Ground" das beste (und schließlich letzte) "Überbleibsel" aus der zweiten Staffel. Erneut stammt das Drehbuch von Lisa Klink, und wieder einmal glänzt ihre Episode mit witzigen und intelligent geschriebenen Dialogen, die von Kate Mulgrew und den anderen Beteiligten durch starke Darstellerleistungen zur Blüte gebracht wurden.
Das Drehbuch spielt geschickt mit der Erwartungshaltung der Zuschauers, die dann mit originellen und witzigen Dialogen durchkreuzt wird. Meine Lieblingsszene: "She thinks we are a test!" - "She must like tests. I suppose tests make sense to her." (Dt.: Sie denkt, wir sind ein Test. - Sie muß Tests mögen. Ich schätze, Tests machen für sie Sinn.) Mit ein Höhepunkt der Episode ist, als Janeway Schritt für Schritt erkennt, daß ihre Überzeugung von der Wissenschaft, an der sie trotz aller Fehl- und Rückschläge festhält, auch eine Art Glaube ist. Die Episode propagiert daher in bester Star Trek-Manier Aufgeschlossenheit, und Janeway muß erkennen, daß das sture Klammern an die Wissenschaft sinnlos wird, wenn wissenschaftliche Regeln ganz offenbar nicht mehr gelten.
Die Message der Geschichte kann leicht als eine Gutheißung von Religion mißverstanden werden. Das Gegenteil ist der Fall. "Sacred Ground" beinhaltet einen deutlich Abgesang an die Religionen, die sich um die Inhalte des Glaubens kümmern. Ebenso sind die von religiösen Institutionen geprägten Rituale, wie wir mehrmals erfahren, bedeutungslos. Nicht der Inhalt des Glaubens ist entscheidend, sondern der Glaube an sich. Man kann das Wort Glaube auch mit einer tiefen, inneren Überzeugung übersetzen, es ist dabei gleichgültig, ob diese Überzeugung in Richtung Wissenschaft oder in Richtung göttliches Wesen geht.
Leider verliert sich diese Aussage ein wenig, indem "Sacred Ground" wieder einmal das "Mehr" heraufbeschwört, das es ja angeblich zwischen Himmel und Erde geben soll. "If you can explain everything, what's left to believe in?" (dt.: Wenn Sie alles erklären können, was bleibt dann noch, woran man glauben kann?), meint ein Mönch, und dieser Satz harrt wieder einmal dem alten Klischee, daß die Wissenschaft der Feind des Glaubens ist und den Glauben immer mehr verdrängt, da sie das einst Unerklärliche zum Erklärbaren macht. Das widerspricht nicht nur der vorherigen Aussage, nämlich daß Wissenschaft und Glaube sich nicht ausschließen müssen, es tendiert auch zu der in US-Serien fast ausschließlich vorzufindenden Anti-Wissenschafts- und Pro-Religion-Einstellung. Diese Message ist besonders ärgerlich, da sie eindeutig Roddenberrys Intentionen zuwiderläuft. Roddenberry war von einem rationalen Weltbild überzeugt, und das spiegelte sich auch in vielen Episoden der Classic-Serie und noch mehr in TNG wider.
Die neue Religiosität von Star Trek ist auch bei DS9 zu beobachten. Waren im DS9-Pilotfilm die Wurmloch-Aliens einfach nur Aliens im Wurmloch, und waren die Drehkörper einfach nur Sonden der Wurmloch-Aliens, mit denen sie nach anderen Lebensformen ihrer Art suchten (insofern ein mehr als klassisches SF-Konzept, da ein Volk gezeigt wird, das die Techniken von höher entwickelten Aliens als religiöse Reliquie verehrt), waren später die Wurmloch-Aliens tatsächlich die Behüter Bajors (siehe "Accession", dt.: Die Übernahme), sie wußten von dem Abgesandten, sie wußten von "dem Sisko" und sie erretten Sisko schließlich vor seinem sicheren Tode (siehe "Sacrifice of Angels"), da der Abgesandte nicht sterben darf.
Ansonsten ist "Sacred Ground" eine tiefsinnige Episode, die das Bedürfnis des Menschen nach Mystik aufzeigte.
Regie führte Tom Paris-Darsteller Robert Duncan McNeill. Harry Groener verkörperte in der TNG-Episode "Tin Man" (dt.: Der Telepath) den Telepathen Tam Elbrun. Keene Curtis ist unter anderem bekannt aus der Sitcom "Cheers".
Jeri Taylor äußerte sich sehr begeistert über diese Episode und meinte, sie beinhalte alles, was gutes Star Trek ausmache.