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Der moderne Begriff V. geht auf die kelt. Bezeichnung gwas (Knecht oder Diener) zurück, latinisiert vassus oder ab dem frühen 9. Jh. vassallus, und drückt eine besondere persönl. Abhängigkeit aus, die im HochMA für den Adel charakteristisch war. Das Konzept büsste ab dem 13. Jh. allerdings im dt. Sprachraum rasch an begriffl. Schärfe ein. Ursprünglich bezeichnete der Ausdruck Vasall einen Unfreien, der zu einem Dienst verpflichtet war. In karoling. Zeit und wohl in Zusammenhang mit dem Aufkommen spezialisierter Krieger änderte der Begriff Vasall seine Bedeutung; er charakterisierte jetzt zunehmend auch Freie, die von in der Regel mächtigeren Herren abhingen, wobei das Verhältnis von Ungleichheit, aber auch Wechselseitigkeit geprägt war. Der Vasall sicherte Dienst und Gehorsam zu, der Herr versprach seinerseits Schutz und Unterhalt, der durch ein bestimmtes Lehen gewährleistet wurde. Konstitutiver Akt war das Schwören eines Treueids, begleitet allenfalls von einem Kuss und der Kommendation - der V. legte seine Hände in diejenigen des Herrn. Bezeichnend sind der personale Charakter sowie die enge Verbindung von V. und Lehen, die zur Fortentwicklung in Richtung Gefolgschaft und Feudalisierung beitrugen (Feudalgesellschaft). Im HochMA umfasste V. die Grossen des Reiches, die dem König verpflichtet waren, wie auch untergeordnete Inhaber kleiner Lehen und trug entscheidend zur Ausbildung des Adels bei. Mit dem Bedeutungsverlust des Königtums und der Verdinglichung von Herrschaft büsste V. im Reich an Gewicht ein, vermischte sich begrifflich bald mit Adel und Ministerialität und ging teilweise in der fürstl. Landesherrschaft (Territorialherrschaft) auf; im Westen hingegen blieb sie länger bestehen.
Die begriffl. Überlieferung von Vasall auf dem Gebiet der heutigen Schweiz ist bescheiden, was mit der relativen Herrschaftsferne zusammenhängen mag. Während Ansätze von V. im hohen MA für einzelne Reichsklöster und Bistümer wie St. Gallen, Chur oder Konstanz fassbar sind und unter den Zähringern in Zusammenhang mit der herrschaftl. Durchdringung von Burgund aufscheinen, gewinnt diese erst mit dem Ausgreifen der Savoyer in die Westschweiz deutl. Konturen. Die Durchsetzung der savoy. Hoheit ab der Mitte des 13. Jh. beruht auf vasall. Abhängigkeit, dokumentiert durch Treueid, Lehensübergabe und oft auch einen Kuss. 1251 übergab Jakob I. von Stäffis z.B. seinen Anteil an Burg und Stadt Estavayer Peter II. von Savoyen und erhielt dieses Allod als Lehen zurück. Noch im 15. Jh. unterstrich Savoyen mit einem besonderen Lehensbuch ("Grosse Balay") und einem Wappenbuch die konstituierende Rolle von V. für seine Herrschaft.
Im Osten spielt die V. - vielleicht überlieferungsbedingt - anders als die Ministerialität kaum eine Rolle. Im Umfeld hochadliger Herrschaften tauchte V. selten auf, so bezeichneten 1260 die Gf. von Toggenburg den Ritter Jakob von Bühl als ihren Vasallen. In der habsburg. Landesherrschaft verloren Lehen als tragende Elemente der V. schon früh zugunsten von Pfändern, Ämtern und später Dienstverträgen an Gewicht und der Adel nahm dort Züge eines dinglich abhängigen Landesadels an.
Literatur
– Sablonier, Adel
– F.L. Ganshof, Was ist das Lehnswesen?, 71989 (franz. 1944, 51983)
– La maison de Savoie en Pays de Vaud, Ausstellungskat. Lausanne, 1990
– LexMA 8, 1416-1419
– Les pays romands au Moyen Age, hg. von A. Paravicini Bagliani et al., 1997
– HRG 5, 644-648
– J. Fleckenstein, Rittertum und ritterl. Welt, 2002
– B. Andenmatten, La maison de Savoie et la noblesse vaudoise (XIIIe-XIVe s.), 2005
Autorin/Autor: Peter Niederhäuser