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Life
Die Vereinten Nationen haben gestern einen Bericht veröffentlicht, der die Gleichstellung von Mann und Frau auf der ganzen Welt abbildet. Die Ergebnisse sind schockierend.
9 von 10 Menschen auf der Welt stimmen folgenden Aussagen zu:
"Männer sind die bessere Führungskräfte in Politik und Wirtschaft als Frauen."
"Das Studium ist für einen Mann wichtiger als für eine Frau."
"Männer sollten auf dem Arbeitsmarkt bevorzugt behandelt werden, wenn Arbeitsplätze knapp sind."
Wer die Weltbevölkerung mit solchen Aussagen konfrontiert hat? Die Vertreterinnen und Vertreter des Gender-Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen.
Sie wollten herausbekommen, wie es um die Gleichstellung von Mann und Frau steht – und die Ergebnisse des "Gender Social Norm Index", die gestern veröffentlicht wurden, zeigen: Die Lage ist verheerend, denn in keinem einzigen Land der Erde ist eine Gleichstellung der Geschlechter komplett vollzogen. 9 von 10 Menschen haben immer noch fest zementierte Vorurteile gegenüber Frauen.
Ein Drittel findet es okay, wenn ein Mann seine Frau schlägt
Ein paar Beispiele gefällig? Die Hälfte aller befragten Männer und Frauen glauben etwa, dass Männer die besseren politischen Führungskräfte seien. Ja, auch die Hälfte der befragten Frauen denkt das. Ausserdem halten 40 Prozent Männer für die besseren Führungschefs in Wirtschaftsabteilungen. Nahezu ein Drittel aller befragten Personen gab an, dass es okay sei, wenn ein Mann seine Frau schlägt. Unfassbar, oder?
Umso schockierender wird die ganze Sache übrigens, wenn man weiss, dass diese Daten über einen Zeitraum von 10 Jahren gesammelt wurden und aus 75 Ländern stammen, in denen immerhin mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung leben.
Pedro Conceição
Leiter der UNDP
"Der Gleichstellungs-Trend entwickelt sich zum Schlechteren"
Auch Pedro Conceição, Leiter der UNDP, ist alarmiert: "Wir alle wissen, dass wir in einer von Männern dominierten Welt leben, aber mit diesem Bericht ist es uns zum ersten Mal gelungen, die Voreingenommenheit und gedanklichen Annahmen durch Zahlen zu belegen."
Weil die Daten über mehrere Jahre gesammelt wurden, lässt sich ausserdem eine bedenkliche Entwicklung feststellen: "Die Gleichstellung entwickelt sich zum Schlechteren", so Conceição. Zwar gebe es Länder, in denen Verbesserungen zu beobachten seien – sobald es aber um Bereiche gehe, in denen es um verantwortungsvolle Positionen gehe, sehe es schlecht aus.
Nur in sechs Ländern gibt es kaum Vorurteile
Von den 75 untersuchten Ländern gab es übrigens nur sechs, in denen die Mehrheit der Menschen keine Vorurteile gegenüber Frauen hatte. Darunter Andorra, Australien, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen und Schweden. Der Anteil von Personen, die diskriminierende Ansichten haben, ist in Pakistan (99,8 Prozent) am höchsten, gefolgt von Katar und Nigeria (beide 99,7 Prozent). In der Schweiz hat eine von zwei Personen sexistische Einstellungen.
Die UNO hat übrigens auch einen Plan, um die Abwärtsspirale der Gleichstellung zu stoppen: Um Stereotype abzubauen, schlagen die Fachleute vor, diskriminierende Gender-Fallen im Schulunterricht zum Thema zu machen, um Kids schon früh zu sensibilisieren. Ausserdem sollen die Regierungen ihre Steuersysteme ändern, damit die Kinderbetreuung genauso lukrativ für Männer ist.
"Wir müssen jetzt handeln!"
Zusätzlich sollen Frauen in der Ausbildung ermutigt werden ins Militär einzutreten oder andere "traditionell männliche" Jobs zu ergreifen. Auch Institutionen, Unternehmen, Organisationen sollen das Thema immer wieder zur Sprache bringen und Vorbild sein. "Wir haben keine Zeit mehr so weiterzumachen, wenn wir in den nächsten zehn Jahren eine vollkommene Gleichstellung erreichen wollen. Wir müssen JETZT handeln", so Raquel Lagunas, die Leiterin des Gender-Teams.