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Als Peng Shuai im August das Halbfinale der US-Open erreichte, wusste sie, bei wem sie sich zu bedanken hatte. «Li Na ist das grosse Vorbild. Sie hat Tennis in China populär gemacht», sagte die damals zweitbeste Spielerin des Landes. «So zu werden wie sie, ist mein grosser Traum.» Und wie Peng denken offenbar viele Chinesen. In den letzten fünf Jahren, als Li Na ihre grossen Erfolge feierte, hat sich die Zahl der registrierten Spieler im Reich der Mitte verdoppelt.
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Doch nun hat der Tennissport eines seiner grössten Idole verloren. Am 19. September ist Li Na im Alter von 32 Jahren wegen chronischer Kniebeschwerden zurückgetreten. Für die Women’s Tennis Association (WTA), die Vereinigung der professionellen Tennisspielerinnen, beginnt die schwierige Suche nach einem neuen Gesicht in Asien. Li Na sei eine Pionierin gewesen, «die hunderten Millionen Menschen in China und Asien die Tür zum Tennis geöffnet hat», sagt Stacey Allaster, die Chefin des internationalen Verbandes gegenüber «Bloomberg». «Ihr Vermächtnis wird das Tennis noch jahrzehntelang prägen.»
Zehn Millionen Tennisspieler in China
China ist dank Li Na in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Märkte für die WTA geworden. Während es 2008 erst zwei Turniere auf höchstem Level gab, sind es inzwischen bereits zehn. Und nach Schätzungen des Tennisverbandes spielen inzwischen zehn Millionen Chinesen regelmässig Tennis. Das sind mehr als doppelt so viele, wie im traditionellen Tennisland Frankreich. «Es ist ein trauriger Tag fürs chinesische Tennis und für den Sport weltweit», sagte die fünffache Schweizer Grand-Slam-Siegerin Martina Hingis am Samstag in Tokio.
Li Na war 2010 die erste Chinesin in der Top-10 der Weltrangliste. Der ganz grosse Durchbruch gelang aber ein Jahr später, als sie als erste Asiatin einen Grand-Slam-Titel gewann. 116 Millionen TV-Zuschauer in China verfolgten das Endspiel von Paris gegen Titelverteidigerin Francesca Schiavone. Der Sieg machte sie nicht nur zum Superstar, sondern auch zur zweitbestverdienenden Sportlerin überhaupt (hinter Tennis-Kollegin Maria Scharapowa). 24 Millionen Dollar soll Li Na 2013 laut Forbes alleine mit Werbeverträgen verdient haben.
Wer füllt die grosse Lücke?
Der Wachstumsmarkt China ist fürs Tennis von grosser Bedeutung. Wie sich der Sport aber ohne Li Na weiter entwickeln wird, ist offen. Chinas neue Nummer Eins, Peng Shuai, die aktuelle Nummer 23 der Welt, ist bereits 28 Jahre alt. Und der beste Mann, Zhang Ze, ist mit 24 zwar noch jung – aber nur die Nummer 193 der Rangliste. «China braucht eine neue Tennisikone», sagt Ökonom Simon Chadwick von der Coventry University Business School zu «Bloomberg». «Doch so lange das Land wartet, muss Li Na weiterhin die Rolle der Tennisbotschafterin übernehmen.»
Dass Li Na dazu Willens ist, hat sie bereits gesagt. In einem langen Abschiedsbrief an die Fans versprach sie eine Akademie zu eröffnen, wo die nächste Generation chinesischer Tennisprofis heranwachsen soll. Nicht nur Titel und Erfolge seien schön, so Li. «Mein Beitrag zum Aufstieg des Sports in China hat eine ganz besondere Bedeutung für mich.»