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Hochgeachteter Herr!
Wenn ich Ihnen erst heute über den weitern Verlauf der Verhandlungen über eine Fusion mit der Centralbahn im Schooße unserer Gesellschaftsbehörden Nachricht gebe, so wollen Sie den Grund dafür lediglich darin suchen, daß ich auf der einen Seite in der letzten Zeit in ganz besonderm Maaße in Anspruch genommen war & daß auf der andern Seite in etwelchem Verzuge eine Gefahr nicht liegen konnte.
Der Verwaltungsrath hat die Fusionsfrage nach einer ersten Berathung an eine Commission zur Begutachtung gewiesen & dann auf Grundlage eines Commissionalberichtes noch einer zweiten Berathung unterstellt. Das Ergebniß der letztern bestand darin, daß die Direction zu Fusionsverhandlungen mit der Centralbahn, zugleich aber auch je nach Umständen die Fortführung der Unterhandlungen betreffend eine Fusion der östlichen Bahnen ermächtigt würde. Ich habe mich bei beiden Berathungen des Verwaltungsrathes & im Schooße der Commission bemüht, die | vielfachen Bedenken, die von verschiedenen Standpuncten aus gegen eine Fusion mit der Centralbahn geltend gemacht wurden, so viel möglich auf ihr richtiges Maaß zurückzuführen. Bis zu einem gewissen Grade dürfte es mir & meinen Gesinnungsgenossen gelungen sein. Jedoch müßte ich gegen meine Überzeugung sprechen, wenn ich nicht sagen würde, daß es eines entgegenkommenden Verhaltens Seitens der Centralbahngesellschaft bedürfen wird, um die Bedenken, die hierseits & theilweise unstreitig nicht ohne Grund einer Fusion mit der Centralbahn entgegengesetzt werden, zu beschwichtigen oder zu beseitigen.
Was nun das weiter in Sachen zu beobachtende Verfahren anlangt, so erklären Sie in Ihrer letzten Zuschrift v. 8ten dß., daß Sie Ihrerseits bereit seien, zu einer genauen Prüfung der Baukosten & der Finanzlage der beiden Gesellschaften Hand zu bieten. Ich kann unserseits dieselbe Erklärung abgeben & werde also [allen?] Wünschen, welche Sie dießfalls mir gegenüber auszusprechen im Falle sein dürften, mit Vergnügen entsprechen. – Um die fragliche Prüfung beginnen zu können, ersuche ich Sie, mir eine Ab| schrift des umständlichen Berichtes, den das Directorium der Centralbahn dem Verwaltungsrathe in seiner letzten Sitzung auf Grundlage für eine Berechnung der Baukosten der in Angriff genommenen Linien der Centralbahn gemäß Ihrem verehrl. Schreiben vorgelegt hatte, übermitteln zu wollen, wie mir auch nähere Nachweisungen über die Kosten derjenigen Linien erwünscht wären, welche die Centralbahn zu bauen nicht verpflichtet, wohl aber berechtigt ist.
Es will mir dann scheinen, bei dem Puncte, auf welchen die beidseitigen Fusionsbesprechungen gediehen sind, dürfte eine Conferenz zwischen Delegirten beider Directionen (vor der Hand noch in möglichst freier Form), in welcher versucht würde, ob über die ja bekannten Hauptpuncte eine vorläufige Einigung erzielt werden könne, am förderlichsten, & darum am empfehlenswerthesten sein. Ich kann mir nicht denken, daß auf dem Wege der Correspondenz in dem Stadium, in welchem sich die Angelegenheit zur Zeit befindet, mit Erfolg [veragredirt?] werden könnte. Ich gewärtige indessen die gefällige Äußerung Ihrer Ansicht hierüber, sowie in Betreff der Zeit & des Ortes einer solchen Conferenz, wenn Sie mit Ihrer Abhaltung einverstanden sein sollten.|
Die Freunde der Ostfusion in Zürich erklären über[dies?] mit der grössten Bestimmtheit, die réunion financière, bez.weise die französischen Bankhäuser, die quasi Namens der réunion gehandelt, denken nicht daran, von dem sogenannten traité de la petite fusion zurückzutreten. Ich denke, Herr [Marenard?] in Paris, der selbst der réunion financière angehört, werde Sie von dem gegenwärtigen Stand dieser Frage unterrichtet halten. Können Sie mir eine daherige Mittheilung machen, so wird es mir sehr erwünscht sein.
Ich lege diesen Zeilen die 2 Concepte, die Sie mir zu übersenden die Güte hatten, bei. Die Kostenberechnung über die Nordostbahn bedarf der Berichtigung.
Die Vorlage der Pläne Emmenbrücke–Luzern an die Regierung von Luzern, von der man in den Zeitungen liest, wird wohl gemäß der Verständigung, die zwischen uns Statt gefunden hat, auf Irrthum beruhen.
Indem ich Ihren weitern gef. Mittheilungen entgegensehe, versichere ich Sie wiederholt meiner freundschaftlichen Hochachtung.
Ihr ergebener,
Dr A Escher
Zürich den 18 Novber 1856.