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| Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)

Fünftes Buch
10. Kap. Der Philosoph Pantänus.
10. Damals leitete ein wegen seiner Gelehrsamkeit sehr berühmter Mann, namens Pantänus, die Schule der Gläubigen in Alexandrien. Alter Sitte gemäß sollte dort eine Anstalt für den Unterricht in den heiligen Wissenschaften bestehen, die bis in unsere Tage sich erhalten und, wie wir wissen, mit guten philosophischen und theologischen Kräften besetzt war. Unter diesen soll sich damals Pantänus ganz besonders hervorgetan haben. Er war aus der Philosophenschule der sog. Stoiker hervorgegangen. Wie man erzählt, zeigte er solchen Feuereifer für die göttliche Lehre, daß er als Verkünder des Evangeliums Christi unter den Völkern des Ostens auftrat und sogar bis Indien zog. Es gab nämlich tatsächlich damals noch Wortverkündiger die Menge, die das Verlangen hatten, ihren göttlichen Eifer, die Apostel nach- [S. 233] zuahmen, in Ausbreitung und Vermehrung des göttlichen Wortes zu betätigen. Zu ihnen gehörte Pantänus, der nach Indien gekommen sein soll, wo er, wie berichtet wird, bei einigen dortigen Bewohnern, die von Christus Kenntnis hatten, das schon vor seiner Ankunft dorthin gelangte Matthäusevangelium vorgefunden habe. Bartholomäus, einer der Apostel, soll diesen gepredigt und ihnen die Schrift des Matthäus in hebräischer Sprache hinterlassen haben, die denn damals noch erhalten gewesen sei. Auf Grund zahlreicher Verdienste wurde Pantänus schließlich Vorsteher der Katechetenschule in Alexandrien,1 wo er mündlich und schriftlich2 die Schätze der göttlichen Lehren auslegte.
1: Vgl. H. R. Nelz, „Die theologischen Schulen der morgenländischen Kirchen“ (Bonn 1916) S. 28 ff.
2: Es ist nicht wahrscheinlich, daß Pantänus schriftstellerisch tätig war.