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«Dem Menschen sind in seiner Vorstellung keine Grenzen
gesetzt ausser denen, die er sich selbst setzt!»
Richard F. Estermann
Sie haben vielleicht anlässlich eines Tennis-Turniers Rafael Nadal beobachtet, wie er seine Flaschen ausrichtet, das Tenue zurechtzupft und sich dabei gefragt, was das wohl zu bedeuten habe.
Ein anderer Tennisspieler lässt den Ball vor dem Aufschlag x-mal vom Boden aufspringen und verlangt immer wieder den gleichen Ball, wenn er damit Erfolg hat. Aber auch ein Schrei am Start, das «Abklatschen» am Ende einer Partie, einen Kreis bilden, eine «Verschwörung» inszenieren usw. gehören in die Kategorie Rituale.
Jede gute Sportlerin und jeder gute Sportler hat eigene Rituale. Einige sind ausgeprägt, oft originell und gut sichtbar, andere nicht auf den ersten Blick erkennbar. Obwohl Rituale mit der betreffenden Sportart nichts zu tun haben, besitzen sie eine enorme Macht und haben eine ganz wichtige Funktion: Sie verstärken die Konzentration und geben dem Spieler Sicherheit. Sie wirken auch als Auslöser, um eine «mentale Automatik» einzuschalten, z.B. um die Ruhe zu bewahren und entspannt zu bleiben. In schwierigen Situationen, wenn das Spiel nicht nach Plan verläuft oder wir unter Druck stehen, sind Rituale besonders wichtig. Denn unter Druck neigen wir dazu, hastig oder überstürzt zu handeln. Die Vorbereitungen für den Aufschlag werden nicht mehr exakt ausgeführt und die Atmung wird oberflächlich. Hier helfen uns Rituale, wieder die notwendige Ruhe ins Spiel zu bringen und «uns wieder selbst zu finden».
Sie haben Morgen eine wichtige, geschäftliche Besprechung, von der viel abhängt. Widmen Sie ihr am Vorabend eine Meditation! Entspannen Sie sich und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf wichtige Punkte Ihrer Begegnung von Morgen. Stellen Sie sich gezielte Fragen und meditieren Sie über bestimmte Situationen, die auftreten können: „Was ist für mich Morgen besonders wichtig? Wie werde ich in dieser oder jener Situation argumentieren oder reagieren?“ Je besser Sie auf das Treffen vorbereitet sind, desto besser werden Sie die kommenden Situationen meistern. Sie treten bei der Besprechung zentriert, selbstsicher, innerlich ruhig und gelassen auf. Sie setzen sich bei allen Verhandlungen immer für ein ehrliches und faires Ergebnis ein. Damit schaffen Sie die besten Voraussetzungen für Ihre zukünftige Beziehung und können Ihrem Partner auch später jederzeit in die Augen sehen...
Beginnen wir den neuen Tag immer mit einer positiven Einstellung und betrachten wir kurz unsere aktuellen Aufgaben: „Was ist heute zu tun? Worauf muss ich besonders achten? “ Wir sehen in einer „meditativen Schau“ kommende Situationen und Menschen, mit denen wir es heute zu tun haben. Mit einer geeigneten Vorbereitung können wir dem Tag gelassen entgegen sehen und wir lassen uns von den Ereignissen nicht überrollen. Die Zeit rennt uns nicht mehr davon. Wir sind ganz bewusst in der Gegenwart,- im Hier und Jetzt!
Der grosse indische Yogi Ramana Maharshi wurde einmal gefragt: «Welche Sitzhaltung ist für die Meditation am besten?» Seine Antwort: «Irgendeine. Für den Pfad der Erkenntnis ist die Haltung unwichtig!» Für die ersten Übungen ist aber eine bequeme Sitzhaltung zu empfehlen: Wir setzen uns ganz locker und entspannt auf einen Stuhl mit Rückenlehne, in aufrechter, gerader Haltung. Die Beine bilden dabei einen rechten Winkel und beide Füsse ruhen fest auf dem Boden. Wir sind «geerdet» und in der Gegenwart. Die Hände liegen locker auf den leicht geöffneten Knien: Die Handflächen sind nach oben gerichtet, Daumen und Zeigefinger berühren sich leicht. Unser Kopf ruht auf der geraden Wirbelsäule, Schultern und Nacken sind locker. Wir sind vollkommen gelöst, schliessen die Augen und achten auf unseren Atem, wie er kommt und geht. Wir lassen uns durch nichts ablenken! Nichts berührt uns, kein Geräusch dringt zu uns. Und wir lassen alles los... Ein wunderbares Gefühl von Ruhe und Gelassenheit, Frieden und Harmonie erfüllt uns. Wir rufen nun ein Thema oder eine Situation in unser Bewusstsein und lauschen nach innen.
Bei einer Meditation im Liegen, benötigen wir eine nicht zu weiche Unterlage. Wir ziehen die Schuhe aus, legen uns flach auf den Rücken und entspannen den ganzen Körper. Diese Haltung ist aber auf Dauer nicht zu empfehlen, denn es besteht immer die «Gefahr», einzuschlafen. Damit wird aber der eigentliche Sinn einer Meditation hinfällig...
Die positiven Erscheinungen der Meditation sind äusserst vielfältig. Sie zeigen sich im körperlichen sowie im psychischen Bereich und können – bei regelmässiger Anwendung – folgende Veränderungen bewirken:
- Sie verändert das Denken und lenkt es in eine neue, positive Richtung: Gedanken von Wut, Angst, Enttäuschung oder Misserfolg, wandeln sich zu Gedanken von Zufriedenheit, Glück und Harmonie.
- Stress: Puls und Blutdruck können markant gesenkt werden. Das Immunsystem wird gestärkt und stabilisiert.
- Trotz weniger Schlaf, haben viele Menschen mehr Energie zur Verfügung. Die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit wird gesteigert, weshalb auch Sportler darauf schwören!
- Die schöpferischen Kräfte des Unterbewusstseins werden geweckt: Intuition und Kreativität. Körper, Seele und Geist werden miteinander in Einklang gebracht.
- Meditation erweitert das Bewusstsein: Wir bekommen mehr Sinn für das Wesentliche. Wir können besser «Loslassen» und leben bewusster!
- Wir gelangen zu neuen Erkenntnissen über uns und unsere Welt. Wir finden Antworten und Lösungen zu wichtigen Fragen der heutigen Zeit.
- Dank Meditation leben wir als ruhender Pol mit uns selbst im Frieden. Negative Energien prallen wirkungslos von uns ab, wie Regentropfen von einem Schild!
Immer mehr Menschen stellen sich heute die uralten Fragen: «Woher komme ich, warum bin ich hier und wohin gehe ich? Was mache ich eigentlich hier auf dieser Welt – wo liegt der Sinn des Lebens? Warum mühe ich mich jeden Tag ab: Aufstehen, Arbeiten, Essen, Schlafen – und den Kontostand bei der Bank einsehen. Ist das wirklich alles?» Fragen, die unzählige Menschen aber auch Philosophen und Wissenschaftler seit Jahrtausenden beschäftigt. Wir suchen nach Antworten, die uns kaum jemand geben kann: Weder die Religion noch die Wissenschaft. Wo bekommen wir sie?
Für vieles in der Welt gibt es keine rationale Erklärung. Eine Annäherung erhalten wir in der Meditation. Unser Verstand kann einordnen und klären, aber Meditation vermittelt uns in vielen Fragen eine direkte, unmittelbare Erkenntnis. Das ist ein gewaltiger Unterschied! Sie gibt uns deshalb oft Antworten auf wichtige Fragen des Lebens.
Wir alle wissen: Es gibt mehr Dinge auf Erden, als unsere fünf Sinne wahrnehmen können. Liebe oder Heimweh existieren, obwohl sie noch niemand angefasst hat. Der Geist existiert, auch wenn ihn noch niemand gesehen hat. Und auch Leben kann man nicht sehen. Trotzdem wissen wir, dass der Mensch letztlich ein geistiges Wesen ist und nicht nur eine sinnvolle Anhäufung von Organen, Muskeln und Knochen darstellt. Wir sehen aber nur das, was das Leben bewirkt, nämlich dessen Manifestation! Antoine de Saint-Exupéry sagt es sehr schön im ‘Kleinen Prinz’: «Das Wesentliche ist für unsere Augen unsichtbar!» Alles auf dieser Welt beginnt und endet letztlich im Immateriellen, ist nicht greifbar, nicht materieller Natur. Meditation eröffnet uns einen Zugang zu dem, was hinter der Manifestation des Lebens steht – nämlich, wie die Dinge wirklich sind!
Meditation ist wohl so alt wie die Menschheit und ein fester Bestandteil vieler Kulturen. Zahllose wissenschaftliche Studien belegen, dass sie nachweisbar unsere Gehirnaktivität verändert. Doch jede «Erklärung» der Meditation ist bestenfalls eine Annäherung. Mehr nicht, denn sie ist keine Theorie, sondern bringt uns eine direkte Erfahrung. Deshalb muss man sie praktizieren und so dem «Unfassbaren» begegnen.