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Box-Community schockiert: „Smokin‘ Joe Frazier gestorben
8.11.2011 - Joe Frazier zählte zu den ganz Großen im Boxsport. Er war einer der wenigen, die sogar Muhammad Ali auf die Bretter schickten. Dem übermächtigen Schatten seines Hassgegners konnte er dennoch nie wirklich entkommen. Nun erlag Frazier einem Krebsleiden.
Im März 2011 war Joe Frazier noch einmal so präsent, als hätte er sich nie in den Box-Ruhestand verabschiedet. Der "Fight of the Century", der Kampf des Jahrhunderts gegen Muhammad Ali, jährte sich zum 40. Mal. Die Redaktionen fuhren ihre Erinnerungsmaschinen noch einmal hoch und zelebrierten jenen Fight vom 8. März 1971, der längst zu den Monumenten der Sportgeschichte zählt. Das Bild, wie der Sieger Frazier am Ende Ali seine Genugtuung und seinen Hass ins Gesicht schreit, wie er zuvor Alis Kiefer bearbeitet hatte und ihn in der Schlussrunde mit einem furchtbaren Haken einmal zu Boden geschickt hatte.
Niemand zuvor hatte das geschafft, seitdem Ali im Profigeschäft boxte: den Größten zu schlagen. Frazier schaffte es, damals im März 1971. Es war sein wohl größter Moment. Frazier und Ali - es wäre so etwas wie die Untertreibung des Jahrhunderts, wenn man sagte, sie haben sich nicht gemocht. Ihr Dauerduell hat Fraziers Ringkarriere geprägt. Bis zum Schluss und darüber hinaus.
Jetzt hat Frazier den letzten Kampf seines Lebens verloren - gegen den Krebs. Wie seine Familie am Montagabend mitteilte, erlag der 67-jährige der schweren Krankheit.
Doch vor allem die Kämpfe mit seinem Kontrahenten Muhammad Ali werden in Erinnerung bleiben. Ali hat Frazier verachtet, mehr noch, als er es mit anderen Gegner tat. Er nannte ihn "Onkel Tom" - einer, der noch artig nickt, wenn ihm die weißen Amerikaner ein Almosen geben. Kein Wunder, Frazier war einer, der sich als amerikanischer Patriot fühlte, der niemals aufmuckte gegen die Mächtigen. Kurz: Er verkörperte all das, was Ali zuwider war. Für ihn war Frazier nur der "Champion des weißen Mannes". Es war das Aufeinandertreffen "Gut gegen Böse" wenn die beiden boxten, wie die "Neue Züricher Zeitung" es formuliert hat. Wer hier der Gute war, das war zumindest aus Alis Sicht eindeutig.
Der Kampf von 1971 hat New York elektrisiert, er hat die ganze Welt in Atem gehalten. Einen Tag lang war Boxen in den USA wichtiger als der Vietnam-Krieg, der sich fern der Heimat zum Desaster für die Weltmacht Amerika entwickelt hatte. Ali, der Kriegsgegner, der sogar die Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe in Kauf nahm, um nicht in der US-Armee dienen zu müssen, gegen Frazier, der sich nie gegen den Krieg positioniert hatte.
Sinatra besorgte sich einen Fotografen-Job, um dabei zu sein
Am Boxring saßen die Größen ihrer Zeit. Hollywood-Superstar Frank Sinatra hatte sich gar einen Auftrag als Fotograf geben lassen, um dabei sein zu können. In Deutschland wurde der Kampf in der Nacht übertragen. Selbst Bundeskanzler Willy Brandt ließ sich gegen 4.30 Uhr wecken. Wie Millionen andere saß er vor dem Fernseher. Ein weltumspannendes Ereignis. Es sind Vergleiche zur Mondlandung zwei Jahre zuvor gezogen worden. Es ist wahrscheinlich nicht einmal übertrieben.
Frazier war damals der aktuelle Champion, Ali musste sich nach seiner Gefängnisstrafe erst wieder zum Weltmeister-Kampf hochboxen, da ihm der Titel aberkannt worden war. Frazier hatte demnach den Titel, der eigentlich aus Alis Sicht nur ihm zustand. Vielleicht nie wieder - selbst bei dem ähnlich epischen Fight zwischen Ali und George Foreman drei Jahre später in Kinshasa - trafen somit zwei Kämpfer aufeinander, die in der Form ihres Lebens waren. Beide aufgeladen mit Hass. Was folgte, war mehr eine Schlacht als ein Boxkampf. 15 unvergessene Runden.
Für ihn war Ali nur "the other guy"
Zweimal trafen sich beide anschließend noch einmal im Boxring: zunächst 1974 erneut in New York. Ali und Frazier kämpfen darum, wer den mittlerweile amtierenden Champions Foreman herausfordern durfte. Frazier verlor nach Punkten. Es war von drei Duellen zwischen den beiden der Kampf, der am wenigsten in Erinnerung geblieben ist. Ganz anders als der "Thrilla in Manila" ein Jahr später. Fraziers letzter Anlauf, noch einmal nach ganz oben zu kommen. Ein Fight, in dem beide über ihre Grenzen hinaus gingen, brutal, hässlich.
Ein Kampf, über den Ali später gesagt hat, er habe sich dem Tod nahe gefühlt. Frazier kämpfte über den Rand der Erschöpfung hinaus, sein Gesicht war vollkommen angeschwollen, er konnte fast nichts mehr sehen. Seine Betreuter mussten das Handtuch werfen, um Schlimmeres für ihren völlig entkräfteten Schützling zu verhindern.
Noch Jahrzehnte später hat Frazier über Ali nur von "the other guy" gesprochen. Den Namen seines Kontrahenten, der ihm die Aufmerksamkeit, das Renommee, und den Ruhm gestohlen hat, sprach er nicht mehr aus. Es hat ihn noch nach Jahren verletzt, dass über Frazier im Grunde nur im Zusammenhang mit Ali gesprochen wurde. Der Schatten von Muhammad Ali war einfach zu groß.
Selbst dass sein großer Gegner später an Parkinson erkrankte, reichte nicht als Anlass, die Kränkungen zu vergessen, die Ali ihm zugefügt hatte. Stattdessen äußerte sich Frazier hämisch über seinen kranken Rivalen. Sympathien hat ihm das nicht eingebracht.
Bis vor wenigen Jahren ist Frazier dem Boxsport treu geblieben, nachdem er 1976 seine Profikarriere im Anschluss an eine Niederlage gegen Foreman beendet hatte. 1981 hatte er es noch einmal versucht zurückzukommen. Aber das eherne Box-Gesetz "They never come back" konnte auch er nicht durchbrechen. Frazier zog sich zurück, er betrieb bis 2008 ein Gym in Philadelphia, aber es wurde still um ihn.
Am vergangenen Wochenende, als die Nachricht von Fraziers schwerer Krankheit die Runde machte, meldete Ali sich noch einmal zu Wort. Er erklärt, er "bete" für seinen ehemaligen Gegner, dass er den Krebs schlagen werde.
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