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Man könnte sagen, dass (fast) alle etwas für die nachhaltige Entwicklung tun. In der Schweiz unternehmen Bund und Kantone Anstrengungen zugunsten der sozialen Gerechtigkeit, der Erhaltung einer gesunden Umwelt und des wirtschaftlichen Fortschritts. Damit diese Ziele aber tatsächlich zu einer nachhaltigen Gesellschaft beitragen, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Zum einen müssen die Ziele ehrgeizig sein und es müssen die Mittel gesprochen werden, die nötig sind, um sie alle zu erreichen. Zum anderen dürfen sie nicht unabhängig voneinander betrachtet und angegangen werden, weil zahlreiche Wechselwirkungen bestehen, die zwingend berücksichtigt werden müssen. So stellt sich etwa die Frage, wie der wirtschaftliche Fortschritt und die soziale Gerechtigkeit gefördert werden können, ohne der Umwelt zu schaden. Eine weitere Frage lautet: Wie kann der Umweltschutz der sozialen Gerechtigkeit und der Wohlfahrt dienen? Dies sind nur zwei Beispiele für die zahlreichen Wechselwirkungen und gegenseitigen Abhängigkeiten. Kurzum, eine nachhaltige Gesellschaft ist eine Gesellschaft, die sich verpflichtet, die Bedürfnisse einer jeden Person auf gerechte Weise zu befriedigen, dem Grundbedürfnis nach einem besseren Leben gerecht zu werden und dabei nicht mehr Ressourcen verbraucht, als die Erde erneuern kann.
Es war einmal ein König, Philipp VI., der die Übernutzung der Wälder verhindert wollte. Er erliess daher die sogenannte Verordnung von Brunoy, um sicherzustellen, dass sich die besagten Wälder fortwährend in gutem Zustand erhalten können. Damit wird bereits 1346 ein Grundsatz zur Ressourcennutzung beschrieben, bei dem die Bewahrung und die natürliche Regenerationsfähigkeit des betroffenen Systems im Vordergrund stehen.
Da war auch ein Bergwerksadministrator in Sachsen, Hans Carl von Carlowitz. Das Silberbergwerk war von der Schliessung bedroht. Nicht etwa, weil die Ader versiegt wäre, sondern weil das Holz wegen des Raubbaus der umliegenden Wälder zu fehlen begann. Doch ohne Holz, keine Kohle, um das Silber zu schmelzen, kein Material, um die Minengänge zu stützen, und kein Feuer, um die Arbeiter zu ernähren und zu wärmen. 1713 schrieb Hans Carl von Carlowitz deshalb das Buch «Sylvicultura oeconomica», ein Referenzwerk über die Forstwirtschaft. Darin verlangt der Autor von Kunst und Wissenschaft, dass sie die Frage beantworten, «wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.» Es soll mit anderen Worten dafür gesorgt werden, dass nicht mehr Holz abgebaut wird als nachwachsen kann. Statt vom Kapital zu zehren, soll also von den Zinsen gelebt werden.
Gut zweihundert Jahre später, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, kannte die Wirtschaftstätigkeit ein bedeutendes Wachstum. Damit stiegen auch die länderübergreifenden ökologischen Probleme. So stellte sich die Frage, wie die Wirtschaftsentwicklung mit dem Umweltschutz in Einklang gebracht werden kann. 1983 wurde deshalb die Weltkommission für Entwicklung und Umwelt eingesetzt, um Antworten auf diese Frage zu finden. Vier Jahre später legte die Präsidentin der Kommission, Gro Harlem Brundtland, die zur Präsidentin ernannt worden war, weil sie norwegische Umweltministerin und darauf Ministerpräsidentin Norwegens gewesen war, den als Brundtland-Bericht bekannten Abschlussbericht mit dem Titel «Our Common Future» vor. In diesem heute noch massgebenden Bericht wird die nachhaltige Entwicklung als Entwicklung definiert, welche die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Der Bericht stellt das Streben nach Wirtschaftsentwicklung nicht in Frage, doch anerkennt er, dass die natürlichen Ressourcen endlich und die Aufnahmevermögen der Umwelt begrenzt sind. Darüber hinaus stellt er fest, dass die Ungleichheiten verstärkt werden können, wenn diese Grenzen erreicht sind.
Im Abschlussbericht findet man damit die drei Pfeiler der nachhaltigen Entwicklung (wirtschaftlicher Fortschritt, soziale Gerechtigkeit sowie Umweltschutz), die 1992 anlässlich der UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro klar identifiziert wurden. Zwanzig Jahre später war die Nachfolgekonferenz Rio+20, zu deren Schwerpunktthemen die Armutsreduktion gehörte, der Ursprung für die Verabschiedung der Agenda 2030.
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