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Zitat des Tages was last modified: September 26th, 2017 by sandra
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September 2017
Vielleicht kommt dir das bekannt vor? Auf der einen Seite machst du Dinge, obwohl du sie gar nicht tun willst. Auf der anderen Seite unterlässt du Handlungen, weil du glaubst die anderen könnten denken, dass du einen an der Waffel hast. Weil du befürchtest, dass sich andere über dich lustig machen könnten. Oder du gehst davon aus, dass du, wenn du tatsächlich deinen Herzenswünschen folgst, nicht mehr geliebt wirst.
Ich kenne viele Menschen, denen es unglaublich wichtig ist, was die anderen über sie denken. Ständig versuchen sie, auszuloten, was die anderen gerne hätten und verhalten sich dementsprechend. Es sind Menschen, die ihr Handeln danach ausrichten, wie sie die beiden Kategorien „das darf man“ beziehungsweise „das darf man nicht, weil es sich nicht gehört“ beantworten. Überprüfe einmal, wie viele „Man-Sätze“ in dir lauern, die dir das Leben schwerer machen, als es ist.
Früher verhielt ich mich wie ein ferngesteuerter Roboter, der im „Man-Modus“ artig alle möglichen Erwartungen von anderen an mich absteckte. Ob diese tatsächlich stimmten, habe ich nie nachgefragt. In der Zwischenzeit gehe ich davon aus, dass sich meine Mitmenschen weitaus weniger Gedanken darüber machten, was ich zu tun oder zu lassen hatte, als ich annahm. Dass es vielmehr ein selbstauferlegtes Konstrukt eigener Gedanken war, das mich unter Druck setzte und wodurch ich mich zunehmend von mir selbst entfremdete. Meine Ahnungslosigkeit darüber, wer ich eigentlich war, führte dazu, dass ich mich in den nicht vorhandenen Gedanken der anderen verlor und mir die eigene Identifikation zuweilen vollständig abhandenkam. Erst eine lebensbedrohliche Krankheit rüttelte mich wach. Ich realisierte, wie weit weg ich mich von mir selbst entfernt hatte.
Nachdem ich jahrelang auf dem Trip der Selbstverleugnung gewesen war, galt es für mich herauszufinden, wer ich eigentlich war. Ein Gefühl dafür zu bekommen, was ich wirklich in meinem Leben wollte. Den Dingen nachzugehen, die mich mit Freude erfüllten und einem inneren Bedürfnis entsprachen. Ich begann, mein zweites Ich neu zu definieren. Ich begab mich auf eine intensive Bewusstseinsreise. Ich las unzählige spirituelle Ratgeber, in denen mir geraten wurde, mein Seelenheil nicht von anderen abhängig zu machen. Erst, wenn es mir gelänge, mich einen Kehricht darum zu kümmern, was die anderen von mir dachten, wäre ich frei. Ich gelangte zur Überzeugung, dass ich mein Glück in mir finden musste, selbst, wenn ich von aussen null Bestätigung erhielte. So richtig geklappt hat das allerdings nicht. Es wollte mir einfach nicht gelingen, dass es mir vollkommen schnuppe war, was die anderen über mich dachten. Und das fühlte sich zeitweise dann echt beschissen an, weil ich dachte, dass ich das einfach nicht auf die Reihe kriege und ich so nie richtig frei werden würde.
Heute weiss ich, dass die Wahrheit wohl einmal mehr in der Mitte liegt. Der Anspruch, sich völlig unabhängig von der Meinung deiner Mitmenschen zu machen, verleugnet die Tatsache, dass der Mensch ein Herdentier ist. Dass der Mensch ein soziales Wesen ist, das von einem tiefen Bedürfnis nach Zugehörigkeit getrieben wird. Und dazu gehört nun einmal auch, dass du von aussen Bestätigung brauchst und dass es schlicht und einfach guttut Lob zu erfahren.
Du kannst dir das Ganze eigentlich wie ein Haus vorstellen, dass von zwei Säulen getragen wird. Die eine Säule entspricht deinem Ich. Sie beinhaltet all das, was du wirklich bist. Deine Wünsche, deine Bedürfnisse, deine Fähigkeiten und Talente deiner erlernten Muster. Aber auch deine Ängste, Zweifel und Sorgen. Auf der anderen Seite wird das Haus durch eine zweite Säule getragen, die durch die Auseinandersetzung mit deinen Mitmenschen geprägt wird. Sie beinhaltet Liebe, Lob und Anerkennung aber auch manchmal Kritik und Ablehnung durch deine Aussenwelt. Ist eine dieser Säulen schwach ausgebildet, gerät das Haus in Schieflage. Fehlt eine dieser Säulen gänzlich bricht das Gebäude in sich zusammen. Es ist nicht tragfähig. Besonders tragisch wird es, wenn die Ich-Säule schwach ausgebaut ist und die Bestätigung von aussen ausbleibt. Dann kollabiert das Haus im wahrsten Sinne des Wortes.
Machst du dich stets davon abhängig, was die anderen von dir denken, wirst du deine authentische Wahrheit nie finden. Du läufst dabei Gefahr, Leitern hochzuklettern, die nicht die deinen sind. Und wenn du oben ankommst, stellst du ernüchtert fest, dass das, was dich da erwartet, nicht glücklich macht. Frage dich bei deinem Handeln immer: Tust du das, wofür du brennst, was dich erfüllt? Oder richtest du deine Handlungen mehr danach, was du glaubst, dass die anderen von dir denken oder erwarten? Du wirst nie die Kontrolle haben, wie andere dich und dein Handeln bewerten. Darin besteht ihre ganz persönliche Freiheit.
Anerkenne aber auf deinem Weg auch, dass Anerkennung und Lob von aussen Balsam für die Seele sind. Bestätigung beflügelt dich, weiter entschlossen deinen Weg zu beschreiten. Sie hilft dir, dich im Austausch zu erfahren, persönlich zu wachsen. Es ist nichts Falsches daran, nach Lob und Anerkennung zu streben. Sie lassen dich wachsen und geben Mut und Durchhaltewillen, wenn es mal nicht rund läuft. Manchmal wirst du auch Kritik erfahren. Versuche diese nicht nur negativ zu bewerten. Sieh sie als Feedback, das dir hilft, dich immer neu zu positionieren oder dich umso entschlossener deiner Sache anzunehmen. Beziehungen sind dazu da, das gegenseitige Wachstum zu unterstützen. Manchmal erweist sich Kritik als der beste Dünger für inneres Wachstum.
Vielleicht muss es dir gar nicht gelingen, dass es dir vollkommen schnuppe ist, was die anderen von dir denken. Vielleicht reicht es zu sagen: Die anderen dürfen über mich denken, was sie wollen! Und mal ehrlich: Das tun sie so oder so!
„Ich möchte die Mütze aber anziehen“, brüllte meine Tochter und stampfte mit ihrem Fuss energisch auf den Boden.
Seit Tagen führte ich den gleichen Kampf mit Giulia. Draussen herrschte brütende Hitze, die einem bei der kleinsten Anstrengung den Schweiss aus den Poren trieb. Trotzdem bestand sie nebst luftigem Sommerkleidchen und Sandalen auf die wollene Mütze. Ausgerechnet das dicke Strickteil, das sie sich im Winter noch ständig vom Kopf gerissen hatte, weil es angeblich kratzte.
„Nein, die ist viel zu heiss“, wollte ich schon in gewohnter Manier dagegenhalten. Innerlich beschäftigte mich jedoch vielmehr die Tatsache, dass jemand von mir denken könnte, dass ich als Mutter vollkommen versagt habe, meine Tochter bei 32 Grad im Schatten mit einer Wollmütze herumrennen zu lassen. Gleichzeitig tauchten in meinem Kopf Bilder von Kindern auf, die sich mit Schaum vor dem Mund vor der Kasse wälzten, weil ihnen ihre Mutter die Gummibärchen, die man ihnen direkt auf Augenhöhe präsentiert hatte, nicht kaufte. Ich hörte die Leute schon munkeln:
„Noch so eine Mutter, die sich von ihrem Gör auf der Nase herumtanzen lässt und sich nicht durchsetzen kann.“
Dennoch hielt ich die Antwort, die mir auf der Zunge lag, zurück und streckte ihr kommentarlos die Kappe hin. Giulia wollte bereits zu weiterem Protest ansetzen, stutzte, hielt augenblicklich inne und strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Stolz zog sie ihre Mütze über und marschierte voller Tatendrang zur Tür hinaus. Im Autorückspiegel sah ich ein glückseliges Kind, das ein Liedchen vor sich hin trällerte. Ihr Gesicht färbte sich in allen Rottönen und die Schweissperlen glänzten auf ihrer Nase. Wir hatten unlängst den Laden betreten, als sich Giulia energisch das Teil, das ihr augenscheinlich einen Hitzestau bescherte, vom Kopf riss.
„Da“, meinte sie „die ist viel zu heiss!“
Die nassen Haarsträhnen klebten in kleinen Kringeln an ihrer Stirn. Verdutzt schaute ich auf das Ding in meiner Hand und musste innerlich grinsen. So einfach lösen sich manchmal Probleme, wenn wir aufhören, uns Sorgen zu machen, was die anderen über uns denken. Das Thema „Wollmütze im Hochsommer“ war definitiv vom Tisch.
Pressemitteilung
L(i)ebe dich selbst – und du wirst den Helden in dir finden
PLAAR Sandra
Nach ihrer Autobiografie „Ich bin.“ will es die Autorin und Kunsttherapeutin Sandra Plaar noch mal wissen: Was war bedeutsam auf dem Weg meiner Genesung? Was gibt meinem Leben Halt? Woran kann ich mich orientieren, wenn ich wieder in alte Muster zurückfalle?
Nach zahlreichen Zuschriften von begeisterten Leserinnen und Lesern begibt sich die Autorin erneut auf die Spurensuche, was ihr bei ihrem inneren Wachstumsprozess an der Schwelle des Todes geholfen und sie auch durch schwierige Zeiten nach der Erkrankung begleitet hat. Tiefen Einblick gewährt sie ihren Lesern in ihren Seelenzustand und schildert auch manch lustige Anekdote, die sie ihre inneren Glaubenssätze neu überdenken ließ.
Wer nach einem Weg aus der Opferrolle sucht, der wird bei Sandra Plaar fündig, die leichtfüßig und immer mit großer Empathie anhand von Gleichnissen schreibt, wie sie zur Selbstliebe fand. Gleichzeitig ist sie fern von Ratgebern, die die eine und richtige Lösung verkünden wollen. Vielmehr geht sie auch selbstkritisch mit sich ins Gericht und verhilft ihren Lesern mit Übungen aus der Kunsttherapie zur ständigen Wachsamkeit im Umgang mit sich selbst.