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Nach Auszählung von vier Fünfteln der Wahllokale lag Fillon mit mehr als 67 Prozent der Stimmen klar vorn. Juppé räumte seine Niederlage ein und gratulierte dem 62-jährigen Abgeordneten zu dessen "klaren Sieg". Zugleich sprach der Bürgermeister von Bordeaux seinem Rivalen seine Unterstützung für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr aus.
Fillon rief seine Partei in einer Siegesrede in Paris zum Zusammenhalt auf: "Ich werde alle brauchen", sagte er mit Blick auf die Wahl im Frühjahr 2017. Er nannte neben Juppé auch Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy, der in der ersten Runde der Vorwahl ausgeschieden war.
Die Vorwahl des bürgerlichen Lagers galt als wichtige Weichenstellung für die Präsidentschaftswahl: Umfragen lassen derzeit ein Duell zwischen dem konservativen Bewerber und der Rechtspopulistin Marine Le Pen erwarten. Der politisch angeschlagene sozialistische Amtsinhaber François Hollande hat noch nicht erklärt, ob er wieder antritt.
Fillon gilt als Wirtschaftsliberaler und will dem Land einen Sparkurs verordnen. Er will eine halbe Million Jobs im öffentlichen Dienst streichen und seine Landsleute länger arbeiten lassen. Frankreich sei im Zustand einer Fast-Pleite, warnte er im Vorwahlkampf.
Le Pen schaltete bereits am Sonntagabend auf Attacke: Sie kritisierte Fillons Vorschläge im Sender Europe 1 als "schlimmstes Programm sozialen Kahlschlags, das jemals existiert hat".
Der frühere Regierungschef des damaligen Präsidenten Sarkozy (2007 bis 2012) galt im Rennen der bürgerlichen Rechten lange als Aussenseiter. Er setzte sich dann aber bereits in der ersten Runde der Vorwahl mit gut 44 Prozent der Stimmen deutlich durch. Fillon gilt als russlandfreundlich und tritt dafür ein, die europäischen Wirtschaftssanktionen gegen Moskau zu beenden.
Die Vorwahl - eine Premiere für Frankreichs Konservative - war von Überraschungen geprägt. Viele hatten mit einer Stichwahl zwischen dem konservativen Veteranen Juppé und Sarkozy gerechnet.
Doch Fillons überraschender Aufstieg bedeutete das Aus für Sarkozy im ersten Wahlgang vor einer Woche. Nun rief dieser zur Einheit auf: "Jetzt ist für unsere politische Familie die Zeit gekommen, sich um François Fillon zu versammeln, um den Machtwechsel zu garantieren, den Frankreich 2017 mehr denn je braucht", teilte der Ex-Präsident mit.
An der Stichwahl nahmen nach Angaben der Organisatoren mehr Menschen teil als an der ersten Runde. Damals hatten knapp 4,3 Millionen Anhänger der bürgerlichen Rechten ihre Stimmen abgegeben.
Der mit schlechten Umfragewerten kämpfende Präsident Hollande will im Dezember erklären, ob er sich um eine zweite Amtszeit bewirbt. Er ist auch im eigenen Lager in Bedrängnis, auch Premierminister Manuel Valls gilt als potenzieller Kandidat der Sozialisten.
(SDA)