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USA Auslandjahr 1992-93
Vorgeschichte
Im Rahmen einer beruflichen militärischen Weiterbildung war es mir vergönnt, einen Jahreskurs am Air Command & Staff College der US Air Force auf der Maxwell Air Force Base in Montgomery, der Hauptstadt des Bundesstaates Alabama, zu absolvieren.
Nach überstandenem Auswahlprozedere bestehend aus einer Luftwaffen interner Auswahl, vorbereitenden Sprachkursen in Herisau, einer einsamen und Schweiss treibenden Sprachprüfung in der USA Botschaft in Bern und schliesslich einem ärztlichen Test auf Herz und Nieren war es Anfang 1992 soweit, dass ich grünes Licht für die einjährige Abkommandierung erhielt.
Nach einer 14-tägigen Reise zusammen mit meinem Sohn Daniel durch Kalifornien und den Südzipfel Nevadas folgte am 26. Mai der Antrittsbesuch beim Schweizer Militärattaché in Washington DC. Vom 28. Mai bis 05. Juni 1992 genossen Daniel und ich die Reise entlang der Atlantikküste von Baltimore (Maryland) bis nach Savannah (Georgia). Mit der Ankunft in Montgomery erfolgte dann das erste Treffen mit meinem Betreuer Ehepaar Jeannie und Jess Reed. Die beiden begleiteten mich über das ganze Studienjahr aufs Wärmste und Beste. Der Kontakt mit Jess (Jeannie ist leider verstorben) besteht bis heute.
IOS - die International Officers School
Ein mehrwöchiger Vorkurs für internationale Teilnehmer bot Gelegenheit formale, soziale, politische und kulturelle Eigenheiten des amerikanischen Lebens im militärischen und gesellschaftlichen Bereich kennen zu lernen. Das Spektrum reichte von erweiterter Sprachschulung über praktische Übungen im Erstellen militärischer Dokumente und Präsentationen bis hin zu Einblicken den Alltag des amerikanischen Südens und einem 1-wöchigen Besuch in der Hauptstadt Washington DC.
Höchst fruchtbar waren die Kontakte mit internationalen Kollegen. Auf dem neutralen Boden der Schule wurde es möglich, dass Offiziere aus den unterschiedlichsten – und zum Teil sogar verfeindeten(!) – Ländern gemeinsam studierten, Sport betrieben und Feste feierten.
ACSC - das Air Command & Staff College
Das ACSC ist Teil der Air University der US Air Force (siehe http://www.au.af.mil/au/ ) und bietet einen Jahreslehrgang für besonders qualifizierte US Offiziere im Range von Majoren an. Dessen Bestehen stellt für Angehörige der USA Air Force einen wesentlich Karriereschritt dar.
Unser Jahrgang bestand aus über 600 Offizieren beiderlei Geschlechts – gegliedert in Seminarklassen à 12 – 15 Studenten. Die knapp 60 ausländischen Offiziere wurden dabei in Zweierteams je einem Seminar zugeteilt, was in positiver Weise die Integration in die US Gepflogenheiten, sowie persönliche Kontakte markant förderte.
Auf den Inhalt des Lehrgangs soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Besonders beliebt waren natürlich die militärischen Ausflüge, die „field trips“ mit ihrer Mischung aus Ausbildung, Truppenbesuchen und Reiseerlebnissen. Reiseziele waren Orte wie Eglin Air Force Base (AFB) in Florida (Test- und Entwicklungsstützpunkt), Huntsville in Alabama (Raumfahrtzentrum), Fort Benning in Georgia (Ausbildungszentrum der US Infanterie) oder Nellis AFB in Nevada (Live Training der Air Force) mit Unterkunft im nahegelegenen Las Vegas.
Und was war nun mein persönlicher Ertrag aus diesem Studienjahr? Erstens war es für mich eindrücklich zu lernen, was eine Grossmacht ist, wie sie denkt und handelt. Zweitens war es einmalig, auf engstem Raum und in ungezwungenem persönlichen Kontakt sich über politische und kulturelle Grenzen hinweg so zu sagen „weltweit“ austauschen zu können. Und Drittens lernte ich ein Land mit seinen Leuten kennen, welches mich – unbesehen der unbestritten auch weniger glanzvollen und weniger ruhmreichen Seiten – bis heute durch seine weiten Landschaften und seine Vielfalt an regionalen Besonderheiten fasziniert.
USA Reisen 1992/93
Das Reisen kam trotz des doch anspruchsvollen Studienjahres auch nicht zu kurz. Neben der erwähnten Ferienreisen mit Daniel vor Beginn der eigentlichen Abkommandierung und den Unternehmungen im Rahmen des ACSC Programms, fand ich Gelegenheit vor allem den Süden der USA zu erleben. Da war zunächst die Tatsache, dass New Orleans nur gerade einige Autostunden von Montgomery entfernt liegt. Das erlaubte mir, zweimal ein verlängertes Wochenende in dieser lebendigen und multikulturellen Stadt zu verbringen. Auf einer Reise nordwärts durch Alabama und Tennessee besuchte ich das Örtchen Lynchburg - Heimat der Whiskey Brennerei Jack Daniels - und die Musikstadt Nashville. Das warme Klima und der lange Sommer lockten mich auch öfters an die Strände in Alabama und Nordflorida am Golf von Mexiko. Weitere Reise Höhepunkte waren sicher auch der Besuch eines NASCAR Autorennens in Daytona in Florida oder das Mitfiebern am Tennis Davis Cup Weltfinal USA – Schweiz (so gut waren wir damals noch!) in Fort Worth im Bundesstaat Texas.
Einen ganz besonderen und bis heute nachwirkenden Eindruck hinterliess mir aber die Abschlussreise durch den Südwesten in die Staaten Louisiana, Oklahoma, Neu Mexiko, Arizona und Utah. Landschaftliche Sehenswürdigkeiten folgten sich im Halbtages-Takt. Vicksburg, Oklahoma City, Mesa Verde, Grand Canyon, Bryce Canyon – um nur einige zu nennen. Das Ziel war Fort Bliss an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, wo ich als letzte Station dieses Auslandjahres an einen mehrtägigen Truppenbesuch bei der Heeres Flab teilnahm.