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Für den Laien ist die Längenänderung eines Gletschers (Gletschervorstoss/Gletscherrückzug) wohl das deutlichste Anzeichen für den Klimawandel. Der Vorstoss oder Rückzug eines Gletschers ist allerdings eine verzögerte Reaktion auf den Klimawandel.
Der markante Rückzug von vielen Gletschern ist ein eindrückliches Zeugnis des sich verändernden Klimas. Die Gletscherlängenänderung steht aber am Ende der Prozesskette Klima-Gletscher: Das Klima beeinflusst dabei die jährlichen Massenbilanzen (alle Gewinne und Verluste eines Gletschers). Die Summe der jährlichen Bilanzen haben Einfluss auf die Masse, Fläche und Länge der Gletscher, was am deutlichsten an den Zungenende erkennbar ist. Die Längenänderung eines Gletschers kann relativ einfach gemessen werden, ist allerdings eine indirekte und verzögerte Reaktion des Gletschers auf eine Veränderung des Klimas.
Das antreibende Klima hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Anpassung der Zungenstände von verschiedenen Gletschern. Dies ist exemplarisch veranschaulicht mit der untenstehenden Figur, wo die aufsummierte Längenänderung von drei unterschiedlich grossen Gletschern dargestellt ist.
Die Längenänderung eines Gletschers hängt vor allem von seiner Grösse ab. Gletscher haben deshalb unterschiedliche Reaktions- und Anpassungsverhalten an das Klima. Die drei dargestellten Kurven zeigen deutlich, wie unterschiedlich Gletscher auf Klimaänderungen reagieren können. Kleine Gletscher (z. B. Pizolgletscher) reagieren auf die jährliche Witterung mit einer raschen Anpassung ihrer Gletscherlänge. Grössere Gebirgsgletscher (z. B. Glacier du Trient) reagieren mit verzögerten Schwankungen der Gletscherzunge (im Jahrzehntebereich) und lassen dabei (drei) Vorstoss- und Rückzugsperioden erkennen. Grosse Talgletscher (z. B. Grosser Aletschgletscher) reagieren noch langsamer, das heisst mit einer Verzögerung von mehreren Jahrzehnten. Die Längenänderung sehr grosser Gletscher spiegelt damit einen langfristigen (Jahrhundert-) Trend im Klima wieder.
Mit einer umfangreichen Stichprobe von Gletschern aller Grössen und Typen, verteilt über alle Gebiete der Schweizer Alpen, lässt sich ein allgemeiner Überblick gewinnen. Anhand von langen Zeitreihen der Gletscherlängenänderung können Informationen zum vergangenen lokalen Temperatur- und Niederschlagsregime gewonnen werden. Gegenwärtig werden von 161 Gletschern mit dokumentierten Beobachtungen rund 110 aktiv beobachtet. Das geschieht vor allem durch lokal ansässige Personen. Diese „Gletschervermesser“ können zudem nützliche Hinweise über gefährliche Veränderungen (z.B. Bildung eines proglazialen Sees) liefern.
Seit Messbeginn sind in sehr wenigen Jahren mehr als die Hälfte der vermessenen Gletscher vorgestossen. In der übrigen Zeit ist alljährlich die grosse Mehrheit der gemessenen Gletscher kürzer geworden. Die Anzahl der beobachteten Gletscher ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich.
Über das GLAMOS Portal können alle Daten der Gletscherbeobachtung der Schweiz bezogen werden.