Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03612.jsonl.gz/2385

Die Reformierte Kirche im Kanton Bern
In Bern haben die drei grossen chistlichen Kirchen (evangelisch-reformiert, römisch-katholisch und christkatholisch), ebenso die jüdische Gemeinschaft, den Status einer "Körperschaft des öffentlichen Rechtes". Das schliesst einerseits die Fürsorge des Kantons ein, z. B. erhebt er Steuern für die Kirchen, die Belange der Kirchen werden in einer eigenen Direktion berücksichtigt, der Staat bezahlt die Pfarrlöhne usw. Andererseits steht staatliches Recht immer über dem Kirchenrecht und letztendlich ist auch die Reformierte Kirche vom Wohlwollen des Staates abhängig.
Bei der Gründung der Berner Kantonalkirche 1946 wurde formal unterschieden zwischen „äusseren“, vom Kanton bestimmten und im Kirchengesetz festgeschriebenen, und „inneren“ Angelegenheiten, die den eigentlichen Auftrag der Kirche berühren. Allerdings gibt es nur eine grobe Umschreibung der innerkirchlichen Angelegenheiten, eine präzise Abgrenzung ist im Einzelnen nicht schriftlich festgehalten.
Die Kirche ist dementsprechend demokratisch geordnet und hat ihre eigene Verfassung formuliert. Die Reformierte Kirche in Bern ist parlamentarisch organisiert, im kirchlichen Sprachgebrauch „synodal“ genannt. Das Kirchenparlament (als oberste Vertretung und gesetzgebendes Organ des Synodalverbandes, [KO]*) besteht aus 200 Synodalen, welche die Kirchgemeinden vertreten. Sie können aus allen Bereichen des kirchlichen oder gesellschaftlichen Lebens kommen. In der Regel treffen sie sich zweimal im Jahr zu einer zweitägigen Session im Berner Rathaus. Die Synode wählt ihren Synode-Präsidenten (keine Personalunion mit den Synodalrats-Präsidenten) und den siebenköpfigen Synodalrat (einschliesslich des vollamtlichen Präsidenten), den sie beaufsichtiget und dessen Tätigkeitsbericht sie abnimmt.
Zudem liegt die Budgethoheit bei der Synode, d.h. sie berät und genehmigt Voranschlag und Jahresrechnung.
Darüber hinaus formuliert sie ihre Geschäftsordnung, kann Verordnungen, Richtlinien und Reglemente erlassen und aus ihrer Mitte Delegierte entsenden für den „Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund“ („SEK“, Zusammenschluss aller Evangelisch(-reformiert)en Kantonalkirchen der Schweiz). In den Gemeinden wird oft ihre Kompetenz, den Kollektenzweck für sechs Gottesdienste im Jahr festzusetzen, wahrgenommen.
Die von den Kirchgemeinden nominierten Berner Synodalen bedürfen der Legitimation durch den Staat, vertreten durch den Regierungsstatthalter. In der Praxis gibt es dabei keine Probleme, in aller Regel erfolgt eine „Stille Wahl“. Im engen Sinn ist das Kirchenparlament also nicht demokratisch durch seine Mitglieder gewählt. Umgekehrt kann es auch nur „bindende“ Beschlüsse an die KG erlassen, die staatlich abgesegnet sind.
Dementsprechend sind für Synode und Synodalrat (als Exekutive) keinerlei Sanktionsmittel im Gesetz vorgesehen (z. B. Kürzungen oder Streichungen finanzieller Zuwendungen), sie verfügen auch über keinerlei Durchsetzungsorgane (Polizei, Militär), können also gar nicht wirklich „exekutieren“.
Der Synodalrat wiederum wird als «Oberstes Vollzugs- Aufsichts- und Verwaltungsorgan» bezeichnet. Die sieben Räte stehen je einem Departement, teilweise untergliedert in Fachbereiche, im gesamtkirchlichen Bereich vor: [KO*]
•Präsidium: Kirchenkanzlei, Recht, Kommunikation, Übersetzungsdienst
•Zentrale Dienste: Personal, Informatik, Allgemeine Verwaltung, Finanzen; Gemeindedienste
•Ökumene-Migration
•Sozial-Diakonie
•Gemeinde-Dienste und Bildung
•Katechetik: KUW-Belange und Kirchliche Medienstellen
•Theologie
Neben der Leitung der Departemente vertritt der Rat die Kirche nach aussen.
* KO= Kirchenordnung