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| Gerhard Rauschen, Einleitung zu Justin dem Märtyrer. In: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten Band I. Aus dem Griechischen und Lateinischen übersetzt von Dr. Kaspar Julius (Aristides); Dr. Gerhard Rauschen (Justin, Diognet); Dr. R.C. Kukula (Tatian); P. Anselm Eberhard (Athenagoras). (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 12) München 1913.

Einleitung zu Justin dem Märtyrer
2. Justins Schriftstellerei.
Der hl. Justin war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller . Aber von seinen acht Schriften, die Eusebius noch gekannt hat, sind nur drei vollständig auf uns gekommen und auch diese nur in einer einzigen schlechten Handschrift (Paris. nr. 450) vom Jahre 1364; es sind zwei Apologien gegen die Heiden und ein langer Dialog mit dem Juden Tryphon . Ein größeres Bruchstück einer Schrift: „Über die Auferstehung“ , das unter dem Namen Justins geht, scheint wirklich von ihm herzurühren. Andere uns erhaltene Schriften sind ihm in den Handschriften mit Unrecht zugeeignet; so eine „Rede an die Griechen“ d. i. an die Heiden, (λόγος πρὸς ἕλληνας) über die Unvernünftigkeit der Göttermythen, die Schrift „Über die Einheit Gottes “ (περὶ μοναρχίας) und besonders die lange „Mahnrede an die Griechen“ (λόγος παραινετικὸς πρὸς ἕλληνας, Cohortatio ad Graecos); die letztgenannte Schrift, die im dritten Jahrhundert entstanden ist 1, will zeigen, daß die griechischen Weisen sich vielfach widersprechen und daß [S. 59] sie das Wahre, das sie bieten, den jüdischen Büchern entlehnt haben.
Der Dialog mit Tryphon enthält eine zweitägige Unterredung mit einem gelehrten Juden, der wahrscheinlich kein anderer ist als der in der Mischna erwähnte Rabbi Tarphon. Die Unterredung, die in Ephesus stattfand, wird von Justin (c. 1 und 9) nicht undeutlich in die Zeit des Barkochbakrieges (132-135) verlegt, kann aber erst nach dem Jahre 150 von Justin in die jetzige Form gebracht worden sein, da seine erste Apologie in dieser Schrift erwähnt wird. Sie handelt im ersten Teile (c.9-47) über die nur vorübergehende Geltung des jüdischen Zeremonialgesetzes, im zweiten (c. 48-108) über die Gottheit Christi und im dritten (c. 109-142) über die Berufung der Heiden zur christlichen Kirche.
Die wertvollste Leistung dieses Kirchenvaters sind seine beiden Apologien . Eusebius berichtet (h. e. IV 18,1), Justin habe zwei Apologien verfaßt und die eine dem Kaiser Antoninus Pius, die andere seinen Nachfolgern Mark Aurel und Lucius Verus übergeben. Wir besitzen nun auch unter seinem Namen zwei Apologien; die größere von ihnen ist in der Handschrift an Antoninus Pius, die kleinere an den römischen Senat adressiert. Die neuere Kritik hat aber festgestellt, daß in Wahrheit beide erhaltenen Apologien an Kaiser Antoninus Pius gerichtet sind und daß die zweite nur ein Nachtrag zur ersten ist . Der römische Stadtpräfekt Quintus Lollius Urbicus hatte drei Christen lediglich deswegen hinrichten lassen, weil sie sich als Christen bekannt hatten; das zeigte so recht die Ungerechtigkeit des gerichtlichen Verfahrens gegen die Christen und gab dem Justin Anlaß, seine vorher verfaßte Apologie durch einen Nachtrag zu erweitern. Beide Apologien wurden kurz nach dem Jahre 150 zu Rom verfaßt.
1: Gaul, die Abfassungsverhältnisse der pseudo-justinischen Cohortatio ad Graecos, Berlin 1902; Harnack, Die Chronologie 2. Bd., Leipzig 1904, 151 ff. und 545 ff.