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Am 25. August wird in Altdorf Urs Odermatts neuer Film Wachtmeister Zumbühl uraufgeführt. Gedreht wurde er, mit deutschen Schauspielern in den Hauptrollen, in Hochdeutsch. Urs Odermatt hat die Geschichte aber in Nidwalden lokalisiert. Während der letzten Tage sind nun verschiedene Nidwaldnerinnen und Nidwaldner ins Tonstudio nach Zürich gefahren, um den Filmfiguren lebendigen Nidwaldner Dialekt in den Mund zu legen - für Laien ein schwierigeres Unterfangen, als es vorerst scheinen mag.
"Remeygi" - etwas betrunkener bitte - "Remeygi" - das i am Ende war zu stark betont - "Remeygi" - nun stimmt das m in der Mitte nicht mit dem Bild überein - "Remeygi"... schon unzählige Male, wie es scheint, hat Thomas Trüssel aus Stans dieses eine Wort wiederholt. Er steht im Aufnahmeraum vor dem Mikrophon, vor sich den Monitor, wo immer wieder die Szene mit dem betrunkenen Remigi, der im Auto vom Polizisten angehalten wird, abläuft. Im Kopfhörer kann er den hochdeutschen Originalton des Filmes mithören und ein Pieps-Code gibt an, wann er mit dem R beginnen muß. Neben ihm sitzt Franz Troxler und kontrolliert die Echtheit der Nidwaldner Mundart. Auf der andern Seite des Glasfensters verfolgen Regisseur, Tonmeister und Cutterin das Geschehen. Urs Odermatt gibt Anweisungen: "Sprechen Sie etwas tiefer. - Rufen Sie das Wort hinüber, daß der andere es kapiert. - In dieser Stelle muß mehr Scheinheiligkeit zum Ausdruck kommen." Der Tonmeister kontrolliert die Tonqualität, schaltet vor und zurück, fixiert die richtigen Aufnahmen. Die Cutterin hat den Film eingeteilt in "Takes", kurze Abschnitte, die einzeln synchronisiert werden. Nun achtet sie darauf, daß Rhythmus, Schnelligkeit und Silbenzahl mit dem Bild übereinstimmen.
"Eine ungewohnte Arbeit, 'stränger als Schaffe'", meinte der Landwirt Teddy Amstutz aus Obbürgen, nachdem er längere Passagen des Gemeindepräsidenten Mathis aufgenommen hatte. Diese waren in kurze Abschnitte aufgeteilt, die er immer wieder wiederholte, mit leicht anderer Betonung, leicht anderem Tempo, bis sie saßen. Sogar ein einfaches "Hä?" erforderte mehrere Anläufe.
In Nidwalden lokalisiert
Die wichtigen Rollen im Film sind mit deutschen Schauspielern besetzt, gedreht wurde im Kanton Glarus, und laut Urs Odermatt könnte die Geschichte irgendwo in der mitteleuropäischen Provinz spielen. Weshalb dann eine Version in Nidwaldner Mundart? "Der Film ist Fiktion", sagt Urs Odermatt. "Dabei setze ich Sachen zusammen zu einer eigenen 'Wirklichkeit'. Der Film muß aber irgendwo angesiedelt sein und in sich stimmen. Wenn nun Nidwaldner Autokennzeichen und Ortstafeln im Bild vorkommen, gehört auch die Nidwaldner Mundart dazu." Zudem sei die Nidwaldner Mundart am Aussterben. Schon jetzt sei es schwierig, junge Leute zu finden, die den Dialekt noch sauber sprechen. Deshalb möchte er Filme in Nidwaldner Mundart machen, solange dies noch möglich ist. Obwohl Urs Odermatt in Stans aufgewachsen ist, hat er sein eigenes Drehbuch nicht selber in Mundart übersetzt. "Ich könnte dies nicht", sagt er. Wie schon in seinem letzten Spielfilm Gekauftes Glück hat er diese Aufgabe dem Buochser Franz Troxler übertragen.
Für Hauptrollen Profis gefunden
Bei der Suche nach geeigneten Sprechern für die Synchronisation halfen Franz Troxler und Nina Ackermann, die auch als Schauspielerin im Film mitwirkt. Für die 15 Rollen wurden rund 35 Personen für Sprechproben ins Studio geladen. Laut Aufnahmeleiter Patrick Baumann zeigten sich alle sehr kooperativ, machten mit aus Interesse und Goodwill. Zwar werden die Laien mit einem Pauschalbeitrag entschädigt, der Verdienst allein würde aber kaum jemanden motivieren. Für die Hauptrollen konnten Profis engagiert werden. Ueli Jäggi aus Olten, der im Film den Remigi spielt, leiht in der Mundartfassung dem Wachtmeister Zumbühl die Stimme. Zwar ist er kein Nidwaldner, er konnte aber mit Hilfe von Franz Troxler den Nidwaldner Dialekt fehlerlos imitieren. Weitere Hauptrollen sprechen Caroline Odermatt und Thomas Joller, die beide aus Nidwalden stammen und professionelle Schauspielerfahrung vorweisen. Alle andern Stimmen werden von Laien synchronisiert, die aber praktisch alle schon auf Theaterbühnen gestanden sind. (...) Laut Cutterin Magda Habernickel können mit guten Laien pro Tag rund 60 kurze "Takes" aufgenommen werden, während professionelle Schauspieler bis zu 250 längere Abschnitte schaffen. Gut fünfeinhalb volle Arbeitstage waren für die Synchronisation von Wachtmeister Zumbühl nötig. "Wenn Laien musikalisch sind, sind sie aber besser als Profis, denn sie wirken meist natürlicher", meint die Cutterin.
rk. (Rosmarie Kayser): Deutsche Schauspieler
erhalten Nidwaldner Stimmen -
Synchronisation von Urs Odermatts neuem
Spielfilm 'Wachtmeister Zumbühl' in Zürich,
Luzerner Zeitung, 2. August 1994