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Alles begann im Jahr 2014. Bernhard Ruchti war seit kurzem Organist an der Stadtkirche St. Laurenzen in St. Gallen und sah sich mit seiner ersten grossen Aufgabe konfrontiert: der Revision der Kuhn-Orgel von 1978. Wie immer bei derartigen Revisionen bestand der erste Schritt darin, das bestehende Instrument zu analysieren. Womit sind wir zufrieden? Was hätten wir gerne anders? Welche Wünsche an ein revidiertes Instrument bestehen? Im Fall der bisherigen Orgel in St.Laurenzen war die Beantwortung dieser Fragen schnell möglich: seit seiner Bauzeit hatte das Instrument eine Bass-Schwäche. Die tiefen Schwingungen hatten keine Kraft. Der Klang war nüchtern. Die Körperlichkeit des Klangs fehlte. Ein unabhängiges Gutachten ergab: eine Revision der Orgel könnte an diesem Tatbestand nur wenig ändern. Die inzwischen gebildete „Orgelkommission St. Laurenzen“ unter der Leitung von Deborah Weber prüfte daher folgende Fragen: Muss man sich mit der Klanglichkeit abfinden? Kommt der Ersatz des Instrumentes in Frage? Ist eine zweite Orgel in der Kirche sinnvoll?
Nachdem alle diese Fragen mit einem Nein beantwortet wurden, entwickelte Bernhard Ruchti einen innovativen Ansatz. Kernpunkt ist, die bestehende Orgel von 1978 nicht zu ersetzen, sondern sie als Ganzes in ein neues Orgelkonzept zu integrieren. Dieses sollte den gesamten Kirchenraum mit einbeziehen. Die Idee einer „3D-Orgel“ war geboren.
Konkret bedeutet dies, dass drei neue Pfeifen-Standorte, sogenannte „Werke“ auf den drei Emporen der Kirche aufgestellt werden. Diese sind gegliedert nach den drei Pfeifenfamilien, die in jeder Orgel vorhanden sind, und die die drei Hauptklangfarben jeder Orgel erzeugen: die mächtigen, feierlichen Prinzipale, die singenden, weichen Flötenregister, und die klaren, obertonreichen Streichregister. In St. Laurenzen stehen Prinzipale auf der West-Empore mit besonders tiefen, grossen Pfeifen, die Flötenregister auf der Süd-Empore und die Streichregister auf der Nord-Empore. Mit der bestehenden Orgel zusammen bilden sie ein neues quadrophonisches Gesamtensemble. Der Orgelklang als Ganzes wird neu in der ganzen Kirche ausgebreitet. Zuhörende erleben die Mischung des Klanges im Raum selbst; sie sind gleichsam mitten im Instrument, mitten in der Orgel. Die Orgelmusik erhält eine räumliche, architektonische Dimension. Und: die vormals schwache Basslage wird durch die neuen Register stark und tragend. Gespielt wird das Gesamtinstrument von einem neuen sogenannten Generalspieltisch aus, der auf der Ebene des Taufsteins zu stehen kommt und mobil ist. Für Gottesdienste und Liturgie wird er auf der Seite stehen, für Konzerte in der Mitte der „Bühne“.
2016 wurde die Idee zur 3D-Orgel entwickelt. 2023 wird das Instrument installiert. 7 Jahre der Planung, Beratung, Entwicklung und Vorbereitung liegen dazwischen. Besonders ausschlaggebend war der Sommer 2017: Am 5. Juli fiel innerhalb der Orgelkommission der Vorentscheid, Orgelbau Goll für die Umsetzung des Projektes vorzuschlagen. Wenig später, am 15. August 2017, wurde in der Kirche ein Akustiktest mit drei Instrumentengruppen auf den Emporen sowie der bestehenden Orgel durchgeführt, um die Wirkung der „Quadrophonie“ zu erleben. Dieser Test übertraf alle Erwartungen und war der Ausschlag für die Behörden der Kirchgemeinde, den Entschluss zur Umsetzung des Projektes zu fassen.
Neben der konkreten technischen und künstlerischen Planung der neuen Goll-Orgel war es die Finanzierung, die einen grossen Anteil der Aktivitäten bestimmte. Deborah Weber und Bernhard Ruchti hatten bereits erste bedeutende Zusagen von Sponsoren erreichen können. Ab 2019 konnte Fredy Brunner als Präsident des Patronatskomitees gewonnen werden. Dank seiner Tätigkeit konnte die Finanzierung des Projektes abschliessend gesichert werden.