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Notfall: Verschlucken und Einatmen von Fremdkörpern
Kinder unter drei Jahren erkunden ihre Welt, indem sie möglichst viel in den Mund stecken. Von der Fremdkörperaspiration sind deshalb meist Kleinkinder im Alter zwischen sechs Monaten und vier Jahren betroffen; Knaben etwa doppelt so häufig wie Mädchen.
Die meisten kleinen Gegenstände, die verschluckt werden, wie Nahrungsmittel (v.a. Erdnüsse, Weintrauben, Rüeblistücke), Spielzeugteile, Schrauben und Nadeln, passieren ohne Probleme den Verdauungstrakt. Ist der Übergang von der Speiseröhre in den Magen geschafft, werden sie mit dem Stuhl innerhalb von einigen Stunden ausgeschieden. Unterstützen kann man diesen Prozess mit faserreicher Nahrung und viel trinken.
Ausnahmen, die - in der Regel endoskopisch - entfernt werden sollten:
- Knopfbatterien: Nicht die auslaufende alkalische Substanz ist gefährlich, sondern ein Stromfluss, der im Magen-Darm-Trakt in Gang kommen kann. Durch Hydrolyse von Gewebseflüssigkeit kommt es zur Freisetzung negativ geladener Hydroxidionen. Als Erste-Hilfe-Massnahme raten US-Mediziner zur Gabe von Honig, das in experimentellen Studien die Schäden auf der Schleimhaut begrenzt hat.
- Zwei oder mehr Spielmagnete: Diese müssen geborgen werden, bevor sie in den Darm gelangen und dann nicht mehr erreichbar sind. Die Magnete können durch ihre Haftung aneinander die Schleimhaut des Darms einklemmen und sie dadurch schädigen. Einzelne Magnete sind unschädlich.
Wenn sich die Objekte in der Speiseröhre verkeilen, sind es eher grössere, unregelmässige, spitze oder scharfrandige Fremdkörper, die beim Verschlucken Verletzungen verursachen oder hängenbleiben können. Häufig sind das Knopfbatterien, Münzen, Spielmagnete sowie grössere Nahrungsmittel. Bleibt der Fremdköper im oberen Teil der Speiseröhre in gefährlicher Nähe zur Luftröhre stecken, kann der Kehlkopf und/oder die Luftröhre einengt werden und so zu Atembeschwerden beitragen oder gar zum Ersticken führen. Auch können sich innerhalb von 24 Stunden eine Lungenentzündung oder andere Komplikationen entwickeln. Je länger ein steckengebliebener Fremdkörper an einer Stelle verbleibt, desto grösser ist die Gefahr von Folgeschäden wie Schleimhautverletzung, Blutung und Entzündung.
Folgende Symptome können auf einen eingeatmeten bzw. verschluckten Gegenstand hinweisen: plötzlich einsetzender Husten mit Atemnot ohne Anzeichen eines Infekts, Atemnebengeräusche wie Giemen, Pfeifen, Keuchen oder rasselnde Atmung, eventuell mit bläulich verfärbten Lippen als Zeichen des einsetzenden Sauerstoffmangels, Heiserkeit, Würgen, unklares Erbrechen, Schluckbeschwerden, Speichelfluss, Unruhe, Schmerzen im Hals und hinter dem Brustbein, Bauchschmerzen.
Einatmung und/oder Verschlucken von Fremdkörpern bei Säuglingen und Kleinkindern mit der beschriebenen Symptomatik sind ein Notfall und erfordern sofortigen ärztlichen Beistand! Dazu sollte die Notfallnummer 144 angerufen werden mit dem Hinweis, dass es sich um einen (Säuglings-)Kindernotfall handelt.
Sofortmassnahmen:
- Kopf vornüber halten und aushusten lassen.
- Säuglinge mit dem Bauch auf dem Arm liegend nach unten halten.
- Kräftig mit der Handfläche auf den Rücken zwischen die Schulterblätter klopfen oder das Kind schütteln. ACHTUNG: Bei Säuglingen im ersten Lebensjahr darauf achten, dass das Köpfchen genügend gestützt wird (Gefahr eines Schütteltraumas).
- Kind ab dem zweiten Lebensjahr von hinten umfassen und mit den Fäusten auf den Oberbauch drücken, um das Aushusten des Fremdkörpers zu unterstützen (Heimlich-Handgriff)
- Kann die Atemverlegung nicht beseitigt werden, wird das Kind umgedreht, auf den Oberschenkel gelegt und mit 2-3 Fingern die Brustkorbkompression (Herzmassage) begonnen. Gleichzeitig wird der Mund geöffnet und mit dem Zeigefinger vorsichtig nach Fremdkörpern getastet.
- Bei bleibendem Husten (auch wenn ein Gegenstand abgehustet wurde) unbedingt den Arzt aufsuchen! Im Notfall muss ein Kind dann in Vollnarkose untersucht und der Gegenstand entfernt werden. Dies geschieht im Spital mit einer Zange oder, bei tieferem Sitz, mit einem Katheter oder flexiblen Endoskop unter Allgemeinanästhesie.
- Auf keinen Fall sollten Sie versuchen, mit dem Finger einen noch sichtbaren Fremdkörper aus dem Mund zu entfernen. Auf diese Weise schieben Sie ihn nur noch weiter hinein.
Newsticker
Erdnüsse verschlucken ist besonders schlimm: Kleine Kinder stecken alles in den Mund - und manchmal verschlucken sie sich. Wie schnell sich die Atemwege eines Kindes nach der endoskopischen Entfernung eines Fremdkörpers erholen und wie häufig es zu Komplikationen in der Lunge kommt, hängt nicht so sehr davon ab, wie rasch der Gegenstand entfernt wird, sondern vielmehr von der Art des verschluckten Fremdkörpers. Besonders Erdnüsse rutschen bei Kindern leicht in die Lunge und richten dort sogar noch nach ihrer Entfernung Schaden an, weil ihr Öl die Schleimhaut reizt und dadurch längere Klinikaufenthalte erforderlich sind. Deshalb sollte auch nach der Entfernung besonders auf die Atmung des Patienten geachtet werden. swissmom Newsticker, 11.12.13)
Erste Hilfe bei Kindern
Damit Sie im Notfall rasch und richtig reagieren können - das Info-Büchlein der Schweizerischen Samariter.
Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH