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Am 5. Juni 1862 wurde die Wiesentalbahn von Basel nach Schopfheim eröffnet. Mit der Verlegung des Badischen Bahnhofs an den Rand der Stadt 1913 nahm die Bedeutung der Verbindung ab. Durch die Eröffnung einer S-Bahn-Linie 2003 wurde die Strecke wiederbelebt.
Die Grundlage für den Bau der Wiesentalbahn – einer Zweigstrecke der Badischen Eisenbahn – bildete der 1852 zwischen dem Grossherzogtum Baden und der Schweiz abgeschlossene Staatsvertrag über «die Weiterführung der badischen Eisenbahnen über schweizerisches Gebiet». Darin wurde festgeschrieben, dass die Bahn privat finanziert werden muss und dass Riehen eine Haltestelle erhält. Ende der 1850er-Jahre fanden sich einige Fabrikanten aus Basel und Deutschland zusammen, die im Wiesental Fabriken betrieben. Sie erklärten sich bereit, die Baukosten der Bahn zu übernehmen, und gründeten 1860 zu diesem Zweck die ‹Wiesenthal Eisenbahn-Gesellschaft›. Betrieben werden sollte die Bahn von der Badischen Staatsbahn.
Die Behörden auf beiden Seiten der Grenze unterstützten das Vorhaben. Für das Bauprojekt musste zuerst das Land entlang der geplanten Strecke aufgekauft werden. In Riehen, wo die Strecke mitten durchs Dorf führte, regte sich grosser Widerstand. Die Landeigentümerinnen und -eigentümer wehrten sich und gelangten mit ihren Klagen bis vor Bundesgericht. Die Klagen wurden jedoch abgewiesen. Die Behörden unterstützten den Bau der Privatbahn, und einige Parzellen wurden in der Folge zwangsweise enteignet.
Für Riehen entwickelte sich die Bahn, die 1876 auf deutscher Seite bis nach Zell im Wiesental verlängert und 1889 Teil der ‹Grossherzoglich Badischen Staatsbahn› wurde, zu einer wichtigen und rege genutzten Verbindung in die Stadt Basel. Weil der Badische Bahnhof in Basel unter deutscher Verwaltung stand, war der Bahnhof Riehen die einzige Schweizer Haltestelle auf der Strecke. Um ohne Zollkontrolle von Basel nach Riehen fahren zu können, gab es am Badischen Bahnhof einen speziellen Wartesaal und sogenannte ‹Riehener-Wagen›. Als 1913 der neue Badische Bahnhof vom Gebiet der heutigen Messe Basel weiter nördlich an den jetzigen Standort verlegt wurde, verlor die im selben Jahr elektrifizierte Wiesentalbahn für die Riehener Bevölkerung an Attraktivität; die meisten stiegen für die Fahrt in die Stadt auf die 1908 eröffnete Tramlinie um.
Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde der Bahnhof Riehen geschlossen. Erst 1921 wurde der Betrieb wieder aufgenommen, die Passagier- und Güterzahlen blieben jedoch tief. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg, zwischen 1939 und 1951, hielten in Riehen keine deutschen Personenzüge.
Durch die Massenmotorisierung der Nachkriegszeit verlor die Schiene für den Personenverkehr zunehmend an Bedeutung, was in den 1960er-Jahren zu Diskussionen über die Einstellung der Bahnlinie führte. Die Deutsche Bahn als Eigentümerin entschied sich aber dagegen. 1972 liess die Gemeinde Riehen ihren Bahnhof abreissen und an derselben Stelle ein Postgebäude mit Unterstand für Bahnreisende bauen. Dieser wurde wenig genutzt, da die Haltestelle aufgrund mangelnden Interesses nicht immer bedient wurde. Ein Versuch der Wiedereinführung des Personenverkehrs 1978 beispielsweise wurde innert Jahresfrist abgebrochen.
Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde im Zuge der wachsenden Sensibilisierung für Umweltschutz-Themen und der entsprechenden Förderung des öffentlichen Verkehrs die Idee einer Schienenverbindung mit der Stadt wieder aufgenommen. Nach diversen Initiativen verschiedener Organisationen wurde die S-Bahn-Linie 2003 Realität: Die Schweizerischen Bundesbahnen gründeten eine GmbH als Tochterunternehmen in Deutschland, die den Betrieb übernahm und die Infrastruktur erneuerte. Seither fährt die S6 auf der Strecke der Wiesentalbahn bis zum Bahnhof SBB. 2007 wurden der umgebaute Riehener Bahnhof und 2008 die S-Bahn-Haltestelle Niederholz eingeweiht.
Autorin / Autor: Nils Widmer | Zuletzt aktualisiert am 19.7.2022
Badische Bahn, Wiesentalbahn, Chrischonabahn, Tram. Gemeindearchive Riehen E 9.1.
Wiesentalbahn. AHA Eisenbahn L.
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