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Im “Migros Magazin” (8. Oktober 2018) wird die Skirennfahrerin Michelle Gisin aus Engelberg (Obwalden) portraitiert. Dabei kommt die Athletin auch auf Naturheilmittel zu sprechen: “Habe ich Schmerzen, trage ich Quarkwickel auf.”
Sie erwähnt ausserdem das Johannisblütenöl:
“Damit reibe ich mich vor dem Schlafengehen von Kopf bis Fuss ein. Dann trinke ich einen Orangenblütentee und ab in die Federn.”
Interessantes Abendritual. Johannisöl aus den Johanniskrautblüten wird durch Auszug mittels (meisten) Olivenöl hergestellt. Von der ESCOP wird es empfohlen zur Behandlung leichter Hautentzündungen (z. B. Sonnenbrand) oder zur Heilung kleiner Wunden.
Eine direkte beruhigende Wirkung durch die Haut scheint mir sehr unwahrscheinlich, aber eine Einreibung am Abend ist eine schöne Idee.
Orangenblütentee hat sich als Abendtee in der Schweiz vor allem in Pflegeinstitutionen durchgesetzt. In Pflegeheimen und Kliniken wird Orangenblütentee gereicht als Einschlafhilfe. Interessanterweise ist diese Anwendung in Pflegeinstitutionen in Deutschland und Österreich viel weniger gebräuchlich.
Die Wirksamkeit von Orangenblütentee als Einschlafhilfe wurde allerdings nie genauer untersucht und in der Phytotherapie-Fachliteratur taucht die Pflanze in der Regel gar nicht auf.
Orangenblüten enthalten aber zirka 0,2-0,5 % ätherisches Öl mit hauptsächlich Monoterpenen (Linalylacetat, alpha-Pinen, Limonen, Linalool, Nerol, Geraniol), ausserdem Anthranilsäuremethylester und Bitterstoffe.
Die Zusammensetzung des ätherischen Öles zeigt damit gewisse Ähnlichkeit mit dem Lavendelöl (Linalylacetat, Limonen, alpha-Pinen, Linalool, Geraniol). Da für Lavendelöl eine beruhigende Wirkung bei Unruhe und Einschlafstörungen gut belegt ist, kann eine solche Wirkung auch für den Orangenblütentee vermutet werden. Es würde sich dann beim Trinken von Orangenblütentee dann quasi um eine Aromatherapie via Duftebene handeln. Darum wäre wohl die Empfehlung sinnvoll, den Orangenblütentee langsam schluckweise zu trinken, damit das ätherische Öl gut auf die Geruchsrezeptoren einwirken kann.
In der Natur entfalten Orangenblüten einen betörenden Duft. Das habe ich bei Velotouren durch Orangenfelder in China selber eindrücklich erlebt. In Spanien wird die Costa del Azahar als Küste der Orangenblüten bezeichnet und verdankt diesen Namen den grossen Orangenhainen, die unweit von der Küste wachsen und mit dem Orangenblütenduft zum Teil die ganze Umgebung erfüllen.
Mehr zum Orangenblütentee gibts hier:
Wie weit bei Michelle Gisins Abendritual mit Johannisblütenöl und Orangenblütentee auch Wirkstoffe aus den Pflanzen zur Wirkung kommen, ist also weitgehend ungeklärt.
Einschlafrituale haben aber auch für sich einen Wert und sollten in dieser Hinsicht nicht unterschätzt werden.