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Riads Beziehungen zu den BRICS-Staaten und die saudische Vision 2030 sind ein schwerer Schlag für die USA.
Felix Abt
Mit diesem Artikel von Felix Abt führen wir unsere Artikelserie über BRICS weiter. Wir haben einerseits immer wieder darauf hingewiesen, dass BRICS die Welt verändern wird, andererseits führten wir aus, dass durch die Friedensschlüsse zwischen Saudi Arabien und Iran und zwischen Saudi Arabien und Syrien, sich der Einfluss der USA im nahen Osten substantiell verringern wird. Die nun von Felix Abt beschriebenen Vorkommnisse sind selbst für uns eine Überraschung bezüglich Gewicht und Schnelligkeit.
Die USA verlieren wegen der «Vision 2030» Saudi-Arabiens und seiner Beziehungen zu den BRICS-Staaten: Der US-Rüstungskonzern Raytheon/RTX hat gerade ein wichtiges Projekt abgesagt – zu seinen Ungunsten. Und nicht nur die USA sind davon betroffen. Angesichts der ideologisierten Politik Deutschlands wird es immer unsicherer, ob die europäischen Exporteure, insbesondere die deutschen, ihr Potenzial ausschöpfen und in diesem milliardenschweren Prozess eine bedeutende Rolle spielen können.
Im Jahr 2017 unterzeichnete der damalige Präsident Trump ein Waffengeschäft mit Saudi-Arabien im Wert von 110 Milliarden Dollar; 2022 genehmigte sein Nachfolger Joe Biden geplante milliardenschwere Waffenverkäufe an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. China vereitelte die atemberaubenden Geschäfte der US-Kriegsindustrie, indem es eine Versöhnung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran vermittelte. Saudi-Arabien, noch vor wenigen Jahren der engste Verbündete der USA innerhalb der OPEC und im Nahen Osten, ist jetzt Mitglied der BRICS+, wie sein Nachbar Iran, angeführt von Russland und China.
Die Auswirkungen sind bereits im militärischen Bereich zu spüren. Die Saudis und die US-Rüstungsindustrie wollten ein neues Luftverteidigungssystem zur Abwehr jemenitischer Drohnen entwickeln. Riad war bereit, 25 Milliarden Dollar für Radar- und Raketensysteme auszugeben – was bis zu 40 % des Jahresumsatzes von Raytheon (inzwischen im US-Verteidigungskonzern RTX aufgegangen) ausmachen würde. Mit der Einstellung der Feindseligkeiten zwischen Saudi-Arabien und dem Iran dürfte auch der Krieg im benachbarten Jemen zu einem Ende kommen. Das sind gute Nachrichten für die vom Krieg geplagten Jemeniten und schlechte Nachrichten für den florierenden militärisch-industriellen Komplex in den Vereinigten Staaten.
Riad beabsichtigt, elektronische Kampfführungssysteme aus Russland zu kaufen und die heimische Produktion von russischen Hubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen aufzubauen. Die Saudis werden auch Raketen und Drohnen aus China kaufen.
Dies hat dazu geführt, dass die Amerikaner nun verärgert sind und sich «plötzlich» aus dem Projekt zurückziehen, wie das Wall Street Journal berichtet, weil die Saudis enge militärische Beziehungen zu Russland und China unterhalten würden.
Diese Art von amerikanischer Vergeltung ist nicht neu und kam beispielsweise zwischen den USA und der Türkei vor: Als Reaktion auf den Kauf des fortschrittlichen Luftabwehrsystems S-400 aus Russland wurde die Lieferung von F-35-Kampfflugzeugen verweigert. Doch dieses Mal ist das Ausmaß anders: Schon der Verlust eines Teils des viel lukrativeren saudi-arabischen Waffenmarktes hat weitaus größere Auswirkungen. Seit Jahrzehnten ist er eine riesige Cashcow für den militärisch-industriellen Komplex der USA.
Was Amerikaner und Europäer, insbesondere die politischen Entscheidungsträger in Brüssel und Berlin, nicht verstehen, ist der Zusammenhang, auf den der amerikanische China-Experte David P. Goldman regelmäßig in der Asia Times und anderswo hinweist: China bietet anderen Ländern wie Saudi-Arabien praktische Hilfe an, mischt sich nicht in deren innere Angelegenheiten ein und hält ihnen keine Moralpredigten; das überlässt es den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Vasallen.
Übersetzung des Tweets:
asia.neikkei.com/Wirtschaft/Energy
China bietet Atomkraft, digitale Infrastruktur, Hochgeschwindigkeitszüge, KI-gestützte Solarenergie … und wir bieten ihnen Vorträge über Menschenrechte.
asia.nikkei.com
Die Türkei steht kurz vor einem Abkommen mit China über ein Kernkraftwerk. Energieminister sagt, dass nach jahrelangen Gesprächen ein Abschluss in «ein paar Monaten» wahrscheinlich ist.
Screenshot eines Tweets von David P. Goldman, Spengler-Kolumnist für Asia Times und PJ Media; Präsident, Macrostrategy LLC; Claremont Institute Center for the American Way of Life, Washington Fellow
Der Public Investment Fund (PIF) von Saudi-Arabien ist einer der größten Fonds der Welt. Während er weiterhin in rentable Vermögenswerte wie Aktien von Technologieunternehmen an US-Börsen investiert, trennt er sich von US-Staatsanleihen. Die von Saudi-Arabien gehaltenen US-Anleihen erreichten im Februar 2020 mit 184 Milliarden Dollar ihren Höchststand. Bis Juni 2023 waren sie auf 100 Milliarden Dollar gesunken, ein Rückgang um 40 Prozent in drei Jahren. Der offensichtliche Grund: Wirtschaftssanktionen, die von den USA als Waffe eingesetzt werden, könnten auch gegen Saudi-Arabien eingesetzt werden, so dass das Land vorsichtig wird und geneigt ist, seine US-Vermögenswerte allmählich zu reduzieren, während es seine Investitionen in China und anderen Ländern des «Globalen Südens» oder, genauer gesagt, der «Globalen Mehrheit» erhöht.
Was Amerikas Kriegsindustrie schadet, kommt Saudi-Arabien und der Region zugute: Saudi-Arabien kann Milliarden von den Militärausgaben abziehen und sie für die Verwirklichung seiner ehrgeizigen Vision 2030 verwenden. Der Wandel des Königreichs von einem überwiegend ölproduzierenden und -exportierenden Land zu einer modernen Nation mit einer datengesteuerten Wissensökonomie, der Umwandlung von Wüsten in grüne Lebensräume mit hoher Lebensqualität und innovativen technologischen Großprojekten kann so deutlich beschleunigt werden.
Und das ist noch nicht alles. Washington droht weiteres Ungemach: Wie in anderen Bereichen auch, «ist China drauf und dran, die USA als weltgrößter Atomstromproduzent zu überholen», so Forbes. Saudi-Arabien plant den Aufbau einer zivilen Kernkraftindustrie und wird mit China zusammenarbeiten: Riad erwägt derzeit ein chinesisches Angebot für ein Kernkraftwerk.
Und als führende Regionalmacht steht Saudi-Arabien auch im Zentrum des Wandels in der Region, dessen positive Auswirkungen weit über die Landesgrenzen hinaus zu spüren sein werden.
So wird diese Karawane nicht nur an der amerikanischen, sondern auch an der europäischen und insbesondere der deutschen Industrie weitgehend vorbeiziehen – aus Gründen, für die allein die von der Kanzel der hohen Moral predigenden deutschen Politiker und ihre medialen Vasallen verantwortlich sind.
Der Artikel wurde zuerst auf https://www.easternangle.com veröffentlicht. Wir danken Felix Abt für die Erlaubnis zur Weiterverwendung.