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Inaktivität bei Teenagern mit Herzschäden assoziiert
Verbringen Jugendliche viel Zeit im Sitzen, begünstigt das die Anzeichen einer Linksherzhypertrophie im jungen Erwachsenenalter. Diese ist mit kardiovaskulären Ereignissen später im Leben assoziiert. Das zeigt eine Studie am europäischen Kardiologenkongress ESC.
Die «Children of the 90s»-Studie verfolgte ab Beginn der 90er-Jahre das Leben von Kindern von Geburt an. Heute ist sie eine der grössten Kohortenstudien weltweit, die sich mit Auswirkungen des Lebensstils befasst.
In der nun veröffentlichten Untersuchung wurden elfjährige Teilnehmer der Kohorte gebeten, eine Smartwatch zu tragen, die eine Woche lang ihre körperliche Aktivität aufzeichnet.
Untersucht wurden insgesamt 421 Mädchen und 345 Jungen.
Von sechs auf neun Stunden im Sitzen in nur 13 Jahren
Im Alter von 15 und 24 Jahren wiederholte man den Test. Begleitend wurde im Alter von 17 und 25 Jahren eine Echokardiographie (EKG) durchgeführt. Damit erfassten die Forschenden die linksventrikuläre Masse (LVM), ein frühes Anzeichen für eine Linksherzhypertrophie. Bestimmt wurde dabei der linksventrikuläre Massenindex (LVMI2,7), ein Standardmass zur Bestimmung der LVM in älteren Kindern. Die LVM wird dabei auf die Körpergrösse (g/m2,7) bezogen.
Die Aktivitätsaufzeichung zeigte, dass diese im Schnitt 362 Minuten pro Tag im Sitzen verbrachten. Als Teenager im Alter von 15 Jahren steigerte sich die Sitzzeit auf 474 durchschnittliche tägliche Minuten, im jungen Erwachsenenalter mit 24 Jahren betrug die sitzende tägliche Zeit bereits 531 Minuten. Zwischen Kindheit und jungem Erwachsenenalter stieg die Zeit der täglichen körperlichen Inaktivität also um 169 Minuten.
Sitzzeit mit Zunahme der linksventrikulären Masse assoziiert
Jede Minute, die Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 24 Jahren dabei mehr im Sitzen verbrachten, führte dabei zu einem durchschnittlichen Anstieg beim linksventrikulären Massenindex von 0,004 g/m2,7 zwischen 17 und 24 Jahren. Das summiert sich bei 169 zusätzlichen sitzenden Minuten auf einen Zuwachs von 0,7 g/m2,7. Signifikant war der Effekt der Sitzzeit auf den LVMI jedoch nur bei Mädchen, nicht aber bei Jungen.
Eine frühere Studie an Erwachsenen konnte zeigen, dass eine ähnliche Zunahme an linksventrikulärer Masse über sieben Jahre hinweg mit einer Verdopplung des Risikos für Myokardinfarkte, Schlaganfälle, und Tod verbunden war (2).
Sitzzeit hauptsächlich ausbildungsbedingt
Studienleiter Dr. Andrew Agbaje von der Universität Ostfinnland betont, dass die strukturellen Herzveränderungen auch jene Jugendliche und junge Erwachsene betrafen, die ein normales Gewicht und Blutdruck hatten. Er rät dazu, Kinder und Jugendliche zu ermutigen, sich mehr zu bewegen, anstatt dauernd vor Bildschirmen zu sitzen.
In einer Analyse aus dem Jahr 2017 von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Luxemburg und Österreich im Alter von vier bis 20 Jahren verbrachten Kinder sogar durchschnittlich 10,58 Stunden pro Werktag, und 7,5 Stunden pro Wochenendtag im Sitzen. Dabei dominierten die schulbezogenen Sitzzeiten (3).