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Gebiet
Der Kanton Säntis war einer der neuen Kantone. Er bestand aus der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen, der Stadtrepublik St. Gallen, der sogenannten Alten Landschaft, dem unteren Toggenburg, den beiden Appenzell und dem nördlich des Hirschensprungs gelegenen Gebiet der Landvogtei Rheintal. Der neue Kanton wurde in die dreizehn Distrikte St. Gallen, Rorschach, Unterrheintal, Oberrheintal, Appenzell, Wald, Teufen, Herisau, Gossau, Wil, Flawil, Mosnang und Lichtensteig eingeteilt. Die Möglichkeiten der Kantonsverwaltung waren stark durch die militärischen und politischen Umstürze, durch die Verheerungen des Zweiten Koalitionskrieges und durch die Unterschiede der einzelnen Landschaften beeinträchtigt. Einzelne Teile des Kantons sagten sich bereits ab August 1802 los.[1]
Die regionalen Unterschiede
Die Antwort auf die Vernehmlassung des Strassengesetzes vom Oktober 1800 beschrieb die grossen Unterschiede der Regionen: «Der Kanton Säntis, ein von 6 Landschaften zusammengesezter Kanton, hatte in Rüksicht der Straßen eine auffallende Verschiedenheit.
Der Abt von St. Gallen errichtete mit eignem großen Aufwand und Beihülfe der frohnenden Angehörigen, eine Straße von den Gränzen des Thurgäu über Wyl, Büren, Goßau bis auf Staad ins Rheinthal. Er ließ seine Angehörige durch Geldersatz von dem fernern Unterhalt befreyen, stellte Straßenknechte auf, und errichtete Zölle, um die Straße in gutem Stande zuerhalten.
Die Stadt St. Gallen, trug das ihrige an dieser Straße bey, auf ihrem Territorio und außer demselben bis zur Krätzern den Durchgang dieses für ihre Handlung vortheilhaften Unternehmens zu vervollkomnen, und errichtete zu Bestreitung der Kosten auf ihrem Gebiet auch einen Zoll.
Das Toggenburg fühlte diesen Vortheil für die Handlung, und erbaute nach langem Widerstreben, lieber nun auf eigne Kosten eine Straße nach Wyl, nach Lichtensteig, welche einige Jahre vorhero durch große Beiträge des Abts von St. Gallen würde bezwekt worden seyn. Die Toggenburger vertheilten den Unterhalt unter die Gemeinden, und durch gütige Bewilligung concedirte der Abt die Zollgerechtigkeit, damit einerseits für den Straßen-Unterhalt gesorgt, anderseits die aufgelaufenen Kosten dem Bürger erleichtert werde, wovon noch ziemliche Schulden vorhanden seyn sollen.
Durch das Rheinthal wurde ebenfalls eine Straße durchgeführt; die sogenannten Höfe unterhielten dieselbe, und die bewilligten Zollstätte, wurden den Rheinthalern als Schaden Ersatz mitgetheilt.
Appenzell Außer-Rhoden aufnete den Straßenbau, durch Erweiterung der Saumstraßen; es entstanden Gemeindeweiß Communications-Straßen, und seit diesem Krieg wurden diese Communikations-Straßen, durch Requisition schon leztes Jahr zu Landstraßen, aber so wie vor der Revolution unterhielt jeder Anstößer seinen Theil.
Appenzell-Inner-Rhooden arbeitete endlich auch an einer Verbindungs-Straße, die durch große Mühe der Obrigkeit geöfnet, hernach durch die Schnelligkeit der Revolution stokte, aber durch diesjährige Requisition nun ihrer Vollendung nahet.
Wie die Regierungen besagter 6 Landschaften in sich schon verschieden waren, so entstanden durch die Bauung der Straßen noch mehr Ungleichheiten; viele Gemeinden wurden beschweret, andere befreyt. Die Beschwerden und Befreyungen wie sie dermal sind, können in einem nun vereinigten Staat nicht nutzbar bestehen, nur die Uebernahme des Staates wird in dieser Verwaltung Gleichheit erzeugen.»[2]
Quellen
Im Zusammenhang mit den verschiedenen Umfragen sind aus dem Kanton Säntis folgende im Projekt transkribierte Dokumente überliefert:
- Antwort vom 18. Oktober 1800 auf die Vernehmlassung vom 15./20. September 1800 (aus dieser stammt die oben zitierte Passage).
- Strassenklassifikation des Kantons Säntis, nicht datiert.[3]
- Zwei Rückmeldungen des Kriegsministers vom 12. November 1800[4] und vom 25. Dezember 1800.[5]
Im Weiteren sind in den Beständen der Abteilung III des Kriegsministeriums drei Karten überliefert, die Teile des Kantons Säntis zeigen:
- Der «Canton Saentis nach seiner einstweiligen Districts Eintheilung Im Julio Ao 1798»[6]
- Projekt «Route Commerciale & militaire lelong du Lac de Constance», 28. 1. 1799, Feuille A, Feuille B[7]
- «Specialcharte des Rheinthals. Trigonometrisch aufgenommen und gezeichnet von Jng[enieu]r Joh. Feer», 1795/1796.[8]
Das Strassennetz des helvetischen Kantons Säntis gemäss Klassifikation von Ende 1800
In der Umfrage des Kriegsministers vom 18. Oktober 1800, im Gesetz vom 22. Oktober 1800 und in folgenden Präzisierungen des Kriegsministers wurde kurz erläutert, was die verschiedenen Klassen auszeichnete:
1. Klasse
Hauptstrassen, die durch Transport grosser Lasten, durch Diligencen und allgemein grosse Frequenzen am meisten mitgenommen werden.
2. Klasse
Wege, die durch Fuhrwerke des Handelsverkehrs weniger mitgenommen werden, die aber dennoch zu den grossen Strassen gerechnet werden.
3. Klasse
Kommunikationswege, die von den grossen Strassen aus ins Landesinnere führen oder die Regionen untereinander verbinden.
4. Klasse
Gemeindeverbindungen.
Zur Klasseneinteilung siehe auch «Strassenklassen»
Das Strassennetz des Kantons Säntis nach der Rückmeldung des Kriegsministers vom 12. November 1800 und vom 25. Dezember 1800. (GIS HSE 1800; Relief Imhof 1982)
Das über die Klassifikationsumfrage und die Rückmeldungen des Kriegsministers dokumentierte Strassennetz des Kantons Säntis war nur relativ dünn. Es weist weniger die regionalen Verkehrserschliessungen als das Interesse der Zentralverwaltung an wenigen, für ihre kommunikationsbezogenen, militärischen und fiskalischen Zwecke dienlichen Hauptstrassen nach.
Die Strassen erster und die zweiter Klasse waren mit Kutschen und schweren Fuhrwerken befahrbar. Bei letzteren handelte sich allgemein um Zweispänner mit einem Gewicht von zwei bis zweieinhalb und in der Zeit der Helvetik bis drei Tonnen, Fracht inklusive Wagengewicht.[9] Die viertklassigen Strassen waren, wenn überhaupt, nur mit leichten Karren und Wagen befahrbar. In Gebirgsgegenden gab es Regionen, die nur über Fuss- und Saumwegen erreichbar waren. Das war, wie die Karte von 1798 zeigt, beispielsweise in grossen Teilen des Appenzells der Fall.
«Der Canton Saentis nach seiner einstweiligen Districts Eintheilung Im Julio Ao 1798», rot die Chausseen, grün die Saumwege. In der Manuskriptkarte sind alle Fahrstrassen als Chausseen bezeichnet. Tatsächlich handelte es sich aber nur bei der Strasse von Elgg über St. Gallen nach Rorschach in bautechnischem Sinne um eine Chaussee.[10]
Neben den bestehenden alten Strassen und Wegen wurde in der Zeit der Helvetik auch eine neue Strasse durch den Kanton Säntis angelegt. Es handelte sich um die in militärischem Interesse 1799 und 1800 ausgebaute «neüe Straße nach Liechtensteig von Altstätten geht über den Stoß, Gäiß, Meistersrüthÿ, Appenzell, Rinkenbach, Gonten, Stechlenegg, Urnäschen, Waldstadt, Schönengrund, Peterzell, Furt, Breitenbach, Waßerfluh, Liechtensteig». Diese Strasse wurde vom helvetischen Generalinspektor Jean Samuel Guisan anlässlich seiner Visitationsreise durch die Schweiz besucht und dokumentiert. In seinem Rapport wird auch der mindestens teilweise Zwangsvollzug dieser Massnahme deutlich:
«5° Le cidevant Canton d’Appenzell est une partie des contrées qui l’avoisinent vers l’Est, ainsi que des districts du Toggenbourg, n’avoient aucune[s] communications praticables avec les pays voisins. Cette espèce de grouppe de montagnes occupe une grande étendue qui barroit le passage depuis le Rhinthal sur le bord du Lac de Zurich; il falloit pour y arriver faire un très long circuit par St: Gall ou par la vallée de Wallenstadt.
Le Général Jardon ayant besoin d’une plus courte communication, a obligé les habitans du pays d’en ouvrir une l’année dernière, depuis Altstetten à Lichtensteig; on peut la voir tracée en rouge au croquis ci joint, suivant les directions a b c d e.
Il y a encore aux environs d’Appenzell une étendue de deux lieues de chemins qui n’est point ouverte. Vû la grande utilité dont il sera la Chambre administrative presse les communes de l’entreprendre; elles ne s’y refusent pas possitivement [sic], mais elles ont besoin d’être stimulées en leur rappellant que les Français pourroient bien revenir les y obliger brusquement d’une manière aussi onéreuse que desagréable.
Ceci fournit une ex[c]ellente raison politique pour soutenir cette Chambre dans ces démarches. Cependent, comme ce pays est ruiné ayant été très foulé, elle désire que le gouvernement lui remette quelques fonds pour lui servir à distribuer un peu de pain et de vin, aux travailleurs les plus pauvres, en forme d’encouragement et de secours. Il faut aussi nécessairement que l’Etat supporte les fraix de quelques petits ponts, qui seront peu couteux.
Il est facheux qu’un homme expert n’ait pas été chargé du tracé de cette route; les Ingénieurs français qui ont eu ordre de le faire n’étant point des ponts et chaussées, ils n’ont pas pris toutes les précautions d’usages et l’ont fait d’ailleurs à la hâte. Il en est resulté bien des défauts comme des montées trop rapides, &c. &ca, mais comme ils pourroient aisément être corrigés dans la suite; ils ne doivent pas empêcher la satisfaction qu’on doit éprouver de voir l’ouverture d’une route qui n’auroit jamais été faite, sans ces circonstances extraordinaires.
6° La route du Rhinthal depuis Altstetten a Sargans demande aussi d’être en grande partie retracée.»[11]
Kartenskizze aus dem Reisebericht von Jean Samuel Guisan «Extraites d’un voyage fait dans la Suisse orientale & autres lieux», 2. September 1800.
[2] CH-BAR#B0#1000/1483# 3173-04#1, fol. 149-156 [PDF-S. 11-23].
[3] CH-BAR#B0#1000/1483#3171#1, fol. 200-201v [PDF-S. 369-372].
[4] CH-BAR#B0#1000/1483#2813#1, p. 157-158 [PDF-S. 160-161].
[5] CH-BAR#B0#1000/1483#2813#1, p. 182 [PDF-S. 185].
[6] CH-BAR#B0#1000/1483#3171#1, 199 [PDF-S. 368].
[7] CH-BAR#B0#1000/1483#3168-01#1, fol. 127v–128 [PDF-S. 222–223].
[8] CH-BAR#B0#1000/1483#3186#1_0013.
[9] Über die höchstzulässigen Gewichte vgl. Frey 1932, 56ff.
[10] CH-BAR#B0#1000/1483#3171#1, fol. 199 [PDF-S. 368].
[11] CH-BAR#B0#1000/1483#3168-05#1, fol. 320-329 [PDF-S. 31-46].