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(Burgen-)Landschaft
Die Blauenkette und ihre nördlichen Vorberge sowie der Birsdurchbruch aus dem Jura in den Rheingraben bei Angenstein waren schon immer wichtige strategische Gebiete. So gingen vermutlich bis ins Mittelalter zur Umgehung dieses Engpasses bedeutsame Verkehrswege über den Blauen.
Zur Römerzeit und im frühen Mittelalter hatte deshalb der Blattepass eine wichtige Funktion, gingen doch nicht nur aus dem Birstal, sondern auch aus dem Birsigtal die Verkehrswege über den Blattepass. Ein weiterer wichtiger Weg führte über Pfeffingen und den Glögglifelsen (Eggflue) nach Nenzlingen. Gegenüber der Burg Angenstein wurde nach 1517 ein Zoll erhoben, der zum Burglehen gehörte und mit der Pflicht zum Unterhalt der Birsbrücke verbunden war.
Eine Aufwertung erfuhr die Strasse erst im Rahmen der Durchführung des fürstbischöflichen Strassenbauprogramms der 1740er-Jahre, das den Ausbau zur zeitgemässen Kunststrasse mit sich brachte. Die Bedeutung der Lage am Blauenkamm wird aber auch durch eine ganze Kette von Burgen dokumentiert.
Die Malmkalkrippe als nördlichster Schenkelberg des Blauens trägt die vier Burgruinen Tschäpperli, Schalberg, Münchsberg und Pfeffingen. Sie lagen alle in der Nähe der Blauenübergänge. Während des Erdbebens von 1356 wurden sie zerstört. Einzig Schalberg wurde teilweise wiederaufgebaut und bis ins 15. Jh. bewohnt. Mit Ausnahme von Tschäpperli liegen alle Burgen im Gemeindebann von Pfeffingen.
Die grösste Weinbaugemeinde der Nordwestschweiz
Der Rebbau war und ist recht bedeutsam. Im 19. Jh. bedeckten grosse Rebberge die nach Süden gerichteten Hänge in der Klus und am Hollenrain. Aber es gab auch grosse Rebflächen in den Ebenen nördlich des Zentrums von Aesch (siehe Karte Rebflächen). Insgesamt betrug 1895 die Rebfläche rund 31 Hektaren.
In der Folgezeit verschwanden grosse Teile und die Rebfläche reduzierte sich auf 14 Hektaren im Jahr 1907. Ursachen waren die aus den USA eingeschleppte Reblaus, der falsche Mehltau sowie mit der Entstehung der Gotthardeisenbahn die billige Konkurrenz aus dem Mittelmeerraum. Die am meisten dem Frost ausgesetzten Reben in der Ebene verschwanden zuerst. In der Klus blieb ein Flickenteppich übrig.
Um den Rebbau zu erhalten und zu fördern, wurde 1920 der Weinbauverein Klus gegründet. Ebenfalls wurden Güterzusammenlegungen durchgeführt. Bis heute wuchs die Rebfläche wieder auf 20 Hektaren an. Damit ist Aesch flächenmässig die grösste Weinbaugemeinde der Nordwestschweiz. Das Klustälchen und der Hügel des Klusbergs sind im Tertiär durch einen Bergsturz vom Blauen entstanden. Die herabgestürzten Malmkalke bilden im Klusberg und im Tschäpperli flachgründigen Verwitterungsböden auf Kalk. Die Hollenrain-Reben liegen hingegen auf einem mächtigen Lösshügel. Diese Bodenunterschiede widerspiegeln sich auch in den unterschiedlichen Weinen.
Entwicklung des Dorfes
Vor 100 Jahren war Aesch ein Bauern- und Winzerdorf mit ersten Ansiedlungen von Industrie an der Birs. Einzelhöfe gab es schon damals: der Schlatthof, das Tschöpperli, der Neuhof auf Reinacher Boden und der Angensteinerhof auf Dugginger Boden. Von den letzten beiden Höfen wurde auch Land auf Aescher Boden bearbeitet. Bis ins 20. Jh. hinein behielt Aesch seinen vorwiegend ländlichen Charakter.
Es bestanden jedoch auch Unternehmen wie die Seilerei Stoecklin (1865) und die Blech- und Metallwarenfabrik Vogel (1876). 1917 wurde das Fabrikgebäude der Spinnerei Streiff AG gebaut – die Fabrik schloss 1996. Trotz der Erschliessung durch die Jurabahn Basel – Delsberg (1875) und die Tramlinie Basel – Aesch (1907) erfolgte der industriell-gewerbliche Durchbruch erst nach dem 2. Weltkrieg, als sich Betriebe der Metallverarbeitung, des Maschinenbaus und der Pharmaindustrie in den neuen Gewerbezonen ansiedelten.
Die Birskorrektion erschloss dann 1970 weiteres Industrieland. Das Bevölkerungswachstum ab 1960 führte zu einer starken Bautätigkeit. So breitete sich Aesch im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jh. einerseits entlang den Verkehrsachsen, andererseits flächenmässig in alle Richtungen aus. Heute ist Aesch das Südende des Agglomerationsbandes im Birstal und ist mit Pfeffingen vollständig zusammengewachsen.
Einzig der Grün- beziehungsweise Siedlungstrenngürtel Fiechtenacker–Tschuppen–Schlatthof, der nach Therwil und Oberwil weiterzieht, unterbricht das Siedlungsband. Aesch ist eine Pendlergemeinde, das heisst rund drei Viertel der Berufstätigen pendeln weg. Ab 1990 ist eine gewisse Stagnation in der Bevölkerungsentwicklung zu verzeichnen. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Wohnzone fast vollständig überbaut ist.
Flusskorrektionen
Erst 1971 wurden Hochwasserdämme entlang der Birs zwischen Angenstein und den Metallwerken Dornach errichtet. Dadurch wurde einerseits Kulturland gewonnen, welches als Gewerbeland verwendet wurde. Andererseits ging wertvolles Auenland verloren. In diesem versickerte das Birswasser und reicherte das natürliche Grundwasser an.
Da dieses durch die Korrektion stark zurückgegangen war, musste 1976 die zwei Hektaren grosse Versickerungsanlage «Kuhweid»
für die Trinkwassersversorgung im Birstal gebaut werden. Auf naturfernen Flächen wird damit künstlich nachgemacht, was früher in der Aue von Natur aus geschah. Bei der Korrektion gab es noch eine Gemeinde- und Kantonsgrenzregulierung entlang der Birs. (siehe Zeitreise Regulierung).
ELBA: Italienische Insel oder Entwicklungsprojekt?
Mit dem Bau der Autobahn im Birstal und der Siedlungsausdehnung im Bereich Leimental–Birseck–Allschwil nahm der Autoverkehr stark zu. Um die Verkehrsprobleme in diesem Raum zu lösen, wollte die Regierung von Baselland anfangs des 21. Jh. eine autobahnähnliche Schnellstrasse zwischen Allschwil und Aesch bauen.
In der Folge erwuchs dem Projekt massiver Widerstand aus der Bevölkerung. Mittlerweile ist diese Strasse aus dem kantonalen Richtplan gestrichen worden (2009). Dafür wurde die Entwicklungsplanung Leimental–Birseck–Allschwil (ELBA) ins Leben gerufen. Planungsteams stellten ab Juni 2011 für den Kanton Vorschläge zusammen, wie diese Entwicklung in 20 und 40 Jahren aussehen könnte. Drei Vorschläge wurden nun seit November 2011 vertieft betrachtet. Daraus sollen wiederum zwei ausgewählt werden, die nach der Vernehmlassung im Sommer 2014 dem Landrat zum Beschluss vorgelegt werden sollen. Ob wohl das Gebiet Aesch–Therwil–Oberwil–Allschwil schnellstrassenfrei bleiben wird?
HPM