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Bemerkungen des Arztes
Die Cordillera Blanca, im nördlichen Teil der peruanischen Anden, zieht die Bergsteiger nicht nur durch den Zauber ihrer Gipfelwelt an, sondern auch wegen des beständigen, milden und trockenen Klimas während der Zeit des « Peruanischen Winters », d.h. der Monate Mai bis August. Der Kampf gegen die Kälte und die Unbilden des Wetters ist bei solchen aussergewöhnlichen klimatischen Verhältnissen vereinfacht. Das Problem der Akklimatisation an die Höhe stellt sich aber für alle Alpinisten, welche Gipfel von 6000 m angehen, in der Cordillera Blanca so gut wie anderswo. Die Vorbereitungen, um den Einflüssen der Höhe begegnen zu können, sind um so notwendiger, da die Anmarschwege aus dem Tal des Rio Santa zu den Basislagern allgemein kurz sind und deshalb nicht, wie z.B. in den Tälern des Himalayas, eine allmähliche Anpassung erfolgen kann.
Wir hatten diese Seite des Problems nicht ausser acht gelassen. Der direkte Transport von Genf nach Lima und von Lima bis Huaras mit dem Flugzeug und der leichte Zugang ins Ishinca-Tal machten das Basislager von der Schweiz aus in wenigen Tagen erreichbar. Das war einerseits ein grosser Vorteil für unsere Expedition, da es uns ermöglichte, eine grosse Bergfahrt in verhältnismässig kurzer Zeit auszuführen. Anderseits erforderte es aber schon vor der Abreise ein besonderes Training. So hatte jeder von uns in den Monaten Mai und Juni wiederholt Besteigungen von Viertausendern im Wallis und im Mont Blanc-Gebiet ausgeführt.
Tatsächlich schien unsere physische Vorbereitung gut gewesen zu sein; wir hätten wahrscheinlich alle unser erstes Lager in der Mariscal Castilla-Hütte auf 4900 m in guter Form erreicht, wenn nicht Schwierigkeiten mit unsern Lasttieren im Verlauf des Aufstieges einem unserer Kameraden übermässige Anstrengungen aufgebürdet hätten. Unsere Karawane bewegte sich in mehr oder weniger grössern Abständen die steilen Pfade zur Hütte hinauf, als ein Esel drohte, die umfangreiche und 50 kg schwere Sauerstoffflasche abzuwerfen. Es war die einzige Sauerstoffflasche, die uns der Club Andino besorgen konnte und deren Inhalt bei eventuellen Krankheiten oder Unfällen nötig gewesen wäre. Unser Kamerad musste sich allein mit dem Tier abmühen, damit dessen Last im Gleichgewicht blieb. Er kam erschöpft und mit einem Anfall von Bergkrankheit in der Hütte an. Die Nachtruhe brachte keine Besserung, und erst ein 24stündiger Aufenthalt rund tausend Meter tiefer im Tal stellte ihn wieder her, so dass er dann so gut in Form war, dass wir ihn darum während des Restes der Expeditionszeit geradezu beneideten. Sonst machten wir keine unangenehmen Erfahrungen, die einer ungenügenden Anpassung an die Höhe zuzuschreiben gewesen wären, abgesehen von etwelchem Kopfweh oder schlaflosen Nächten. Die Grippe, die sich bei zwei Gefährten mit empfindlichen Rachen- und Nasenschleimhäuten einstellte, war möglicherweise die Folge einer einfachen Erkältung oder einer Ansteckung, da damals in Peru die Grippe grassierte.
Die Verpflegungsfrage steht im Hochgebirge im Vordergrund. Sie wurde für uns dadurch vereinfacht, dass wir wussten, in den grossen Städten Perus eine reichliche Auswahl von Lebensmitteln zu finden und in gleicher Qualität, wie sie bei uns erhältlich sind. Die Verproviantierung am Ort ersparte uns Kosten und die Komplikationen eines Transportes zu Meer. Dazu kam, dass unser Lager im Ishinca-Tal leicht zugänglich und nicht weit von einer Stadt entfernt lag. Unsere Träger konnten notfalls in wenigen Tagen vom Basislager nach Huaras und zurück gelangen, um fehlenden Proviant zu ergänzen. Und endlich riskierten wir nicht, wegen drei Wochen Aufenthalt in der Höhe unter dem Ausfall bestimmter Lebensmittel zu leiden.
Dank den Vorarbeiten von Cesar Morales Arnao, an den wir uns zuvor gewandt hatten, fanden wir bei unserer Ankunft in Lima den grössten Teil unseres Proviantes zum Einpacken bereit. Früchte und Gemüse waren rasch hinzugekauft. Etliche Mühe hatten wir einzig bei der Beschaffung einwandfreien frischen Fleisches.
Wir haben keinen Grund, eine Verpflegung, die wir nicht selber auswählten und beschafften, nachträglich zu bemängeln. Wir entbehrten nichts! Nur das Mengenverhältnis verschiedener Lebensmittel war nicht durchwegs gut. So brachten wir z.B. ein beträchtliches Quantum Nescafe und Saucen, in Flaschen, zurück. Als verwöhnte Schweizer waren wir nicht genügend eingedeckt mit Käse, Teigwaren, Dörrfleisch, Speck, Rohschinken und Salami sowie mit Knäckebrot, Proviant, den wir bei uns auf Fahrten besonders schätzen und um den wir uns in Lima nicht umsahen.
Wie dem auch sei, uns sagte die Verpflegung vollständig zu und verursachte keinerlei Verdauungsstörungen während der drei Wochen Bergaufenthalt, was wir für die Spanne unserer anschliessenden Reise durch Peru nicht sagen können. Betont sei, dass wir das Trinkwasser stets kochten und kein rohes Gemüse assen, das mit « Oberflächenwasser » in Berührung gekommen war, um der Ansteckung durch Darmparasiten oder dergleichen vorzubeugen. Mit diesen prophylaktischen Massnahmen und einer nicht zu weit zurückliegenden Pockenschutzimpfung scheint ein Aufenthalt in Peru keine Gefahr für die Gesundheit zu bringen.
Daniel Bach, Lausanne ( Ubers. F.Oe. )