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Glamourös gleiten glitzernde Meerjungfrauen durchs Wasser. Für einen Moment steht die Welt still, der Blick gebannt auf das mystische Wesen auf dem Bildschirm gerichtet. Meerjungfrauen sind
wahrscheinlich nicht real, sie existieren aber auch ausserhalb von lebhaften Kinder-Träumereien und Fantasy-Büchern.
Pünktlich zum Kinostart von Disneys Neuverfilmung von «Arielle» bringt Netflix eine Dokumentation über Meerjungfrauen und -männer namens «MerPeople» heraus. Die vierteilige Serie folgt etlichen Personen, deren grösster Traum es ist, als professionelle Meerjungfrauen aufzutreten und damit ihr Geld zu verdienen.
Eine der Hauptpersonen der Dokumentation ist Morgana Alba. Sie ist die Gründerin von Circus Siren Pod, einer exklusiven Gruppe von Meerjungfrauen, die für Auftritte gebucht werden. Das Ziel vieler Personen in dieser Branche ist es, zu dieser Gruppe zu gehören, und das Timing der Doku könnte nicht besser sein, denn Alba ist gerade auf der Suche nach neuen Performerinnen und hält Vorschwimmen. Der Druck ist hoch – viele Leute bewerben sich, Platz hat es nur für eine Handvoll.
The Blixunami, kurz Blix, verfolgt andere Ziele: ein eigenes Musikvideo zu filmen und genug Geld zu verdienen, um an einem Meerjungfrauen-Wettbewerb auf einem Kreuzfahrtschiff teilzunehmen.
Währenddessen arbeitet Eric hart daran, seine eigene MerPeople-Show zu eröffnen. Das ist teuer. Wie viele tausend Dollar er in den Fischtank investiert, wird nicht genannt.
Sie alle hatten es nicht einfach. Blix, eine non-binäre Mer-Person, wird von der Familie nicht akzeptiert. Eric wurde in der Schule gemobbt, weil er sich bereits als kleiner Junge für Meerjungfrauen begeisterte. Andere Leute der Community hatten Probleme mit Drogen oder häuslicher Gewalt. Für sie alle ist die Mer-Community eine gefundene Familie. Denn obwohl sie in dieser glitzernden und farbenfrohen Industrie alle bitterharte Konkurrenten sind, halten sie zusammen.
In Florida befindet sich der wohl am berühmtesten und älteste Ort für Auftritte von Meerjungfrauen. Bereits in den 40er-Jahren traten in Weeki Wachee Frauen in Meerjungfrauen-Shows auf und verzauberten sowohl Kinder als auch Erwachsene. Während die Dokumentation gefilmt wurde, ist eine Jubiläumsfeier für das 75. Jubiläum und eine Reunion der älteren Generationen von Meerjungfrauen geplant. Auch für diese Frauen sind die ehemaligen Kolleginnen wie Familie und das Schwimmen ist immer noch ihre grösste Leidenschaft.
So magisch das auch alles klingen mag – die Arbeitsbedingungen sind tough. Nicht selten kommt es vor, dass jemand Augen- und Ohrenentzündungen bekommt oder an Unterkühlung leidet. Das kann sehr schnell sehr gefährlich werden, wenn man nicht rechtzeitig aus dem Wasser gezogen wird. Du musst körperlich fit und gelenkig sein, musst lange die Luft anhalten können und unter Wasser wunderschön und bezaubernd aussehen. Es ist körperlich und mental eine sehr strenge Arbeit. Eine Arbeit, in die Leute viel Geld und Zeit investieren und die sich budgetmässig oft nicht auszahlt.
Trotzdem: Das Geschäft boomt. Laut Netflix ist es eine eine halbe Milliarde Dollar schwere Industrie. Womit dieses viele Geld gemacht wird, spezifiziert Netflix nicht. Die Beschaffung eines Kostüms scheint aber nicht gerade günstig zu sein. Die pompösen Silikon-Flossen werden einzeln von Hand gefertigt. Für das Meerjungfrauen-Business gibt es ganze Kongresse und auch auf Social Media scheint der Trend angekommen zu sein.
Während des Schauens wird schnell klar: Für all diese Leute ist «mermaiding» mehr als nur eine Show. Sie leben für ihre grösste Passion und viele bleiben auch ausserhalb von Auftritten in ihrer Mermaid-Persona.
Die Dokumentation ermöglicht einen kleinen Einblick in das Leben der Leute, die ihren Kindheitstraum Realität gemacht haben. Sie ist extrem nahe bei den Leuten und bringt den Zuschauenden einen Lebensstil und eine Fantasiewelt rüber, die unnahbar scheinen.
«MerPeople» kann ab sofort auf Netflix geschaut werden.
Zürich hält sich gerne für den Nabel der Welt. Und da sein geliebtes brennbares Orakel am diesjährigen Sechseläuten kein Feuer fangen wollte, ist nicht nur die Aufregung gross, auch die Konsequenzen sind bald schweizweit spürbar: Wie soll der Sommer aussehen, wenn es uns der Böögg nicht voraussagen konnte?