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Der Salon im ersten Obergeschoss ist hinreissend. So möchte ich wohnen, schreibt der Stadtwanderer.
Gesehen hab ich’s nie, doch sind die Bilder der leuchtenden Wände des Glashauses von Pierre Chareau in Paris in meinem Hirn gespeichert. Ein Bücherfund war der Anlass, nochmals genauer hinzuschauen.
Im Fenster des Antiquariats leuchtete es mir entgegen: Der Buchtitel «Chareau». Ja, das ist doch der mit la Maison de Verre, diesem hinreissenden Einbau in einem Pariser Hinterhof, von dem ich bereits gelesen hatte. Kaufen, lesen. Pierre Chareau, geboren 1883 lernte englische Möbel zeichnen, was Einrichtungen entwerfen meint, durfte in den ersten Weltkrieg, kam unbeschadet wieder heraus und gründete 1919 sein eigenes Design-Büro. Er heiratet eine vermögende Verwandtschaft, die auch aufgeklärt war und denen er ihre bürgerlichen Wohnungen mit den von ihm entworfenen Möbeln einrichtete. Chareau verkehrt mit den Modernen des Tages wie Fernand Léger, Robert Mallet-Stevens, ist am ersten CIAM-Kongress in La Sarraz dabei und auch bei der Gründung von «L’Architecture d’Aujour’hui». Er sammelt Modigliani, Braque, Juan Gris, Klee, Dufy, Max Ernst und Mondrian kurz, er gehört zum Kuchen. Er verlässt 1940 Frankreich und landet in New York, wo er 1950 stirbt.
Das Buch ist dreisprachig, englisch, französisch und deutsch, wobei die deutsche Übersetzung schlampig ist. Es hat zwei Kapitel: Chareaus Möbel und la Maison de Verre. Die Möbel, mit Verlaub, sind bürgerliche Prunkstücke mit Polstern und teuren Hölzern, alle recht massig und die meisten Einzelanfertigungen fürs grossbürgerliche Schlaf- und Wohnzimmer. Das mag für die Design-Historiker spannend sein, mir ist da zu viel höhere Tochter drin und es riecht nach Madame, die abends den Freundinnen auf dem Flügel (Erard) vorspielt. Erst wenn man diese Möbel mit der gängigen Aussteuer, die damals die Braut mitbrachte vergleicht, wird deutlich, was an Chareaus Möbeln modern war.
Von einer ganz anderen Moderne hingegen ist das Maison de Verre, das nach langer Planung 1931 fertig wurde. Es ist ein Hinterhaus zwischen Cour et Jardin. Der Bewohner des zweiten Stocks weigerte sich auszuziehen, also riss Chareau Erd- und ...
La Maison de Verre
Gesehen hab ich’s nie, doch sind die Bilder der leuchtenden Wände des Glashauses von Pierre Chareau in Paris in meinem Hirn gespeichert. Ein Bücherfund war der Anlass, nochmals genauer hinzuschauen.