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Im Zentrum des Forschungsprojekts steht das existenzielle und universelle Sprachphänomen "Schweigen" im Werk des deutschsprachigen und jüdischen Dichters und Übersetzers Paul Celan (1920-1970).
Das „negative Gedächtnis“ (Koselleck, 2002) der Schoa ist konstitutiv für das „Schweigen“ in Celans Leben und Werk. Allerdings erklärt sich Celans „Schweigen“ aus der (traumatischen) Erinnerung an ein (von der Forschung vorwiegend als Leiden bestimmtes) Negatives nur unzureichend. Über den von der Psychotraumatologie beeinflussten Forschungskonsens hinaus, geht dieses Forschungsprojekt davon aus, dass sich Celans lebenslängliche Affinität zum „Schweigen“ wesentlich in der bewussten und widerständigen Deutung der Grenzerfahrung des “wertmäßig-praktisch Negativen” (Anghern, 2015) als ein ganz und gar Irrationales und Unsinniges begründet sieht, das jedem überindividuellen moralischen Prinzip eines sinnhaften Seins, eines gerechten Gottes oder einer humanen Welt widerspricht und das daher auch nur jenseits des konventionellen Sprachdenkens erinnert werden kann bzw. muss.
Entsprechend kommt Celans dichterischem “Schweigen” eine ethische Aufgabe im Sinne eines „negativistischen Denkens“ (Theunissen, 1983) zu, das sich entschieden davor hütet, negatives Gedächtnis zugunsten eines sinnhaft-positivistischen Weltbezugs erklären, relativieren und letztlich verstehen und d.h. versöhnen und überwinden zu wollen. In dieser ethischen Funktion äussert sich das “Schweigen” in Celans Werk in Form vielfältiger “negativistischer” Modifikationen bekannter Motive aus der Philosophie, der Theologie und der Literatur, wie das kulturwissenschaftlich angelegte Forschungsprojekt mit motivgeschichtlicher Methode aufzuzeigen sucht.