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Frau L. ist normalerweise leidenschaftliche Teilnehmerin der wöchentlichen Singstunde. In der einen Woche jedoch war sie sehr schlecht gelaunt.
Sie äusserte immer wieder Dinge wie: «Es hat ja sowieso keinen Zweck mehr.» und «Ich bin eingesperrt.» und «Ich sterbe sowieso bald.»
Die Pflegerin, die sehr gebrochen Deutsch spricht, wollte sie immer wieder zum Trinken bewegen. Dazu hielt sie Frau L. den Teebecher einfach vor den Mund und sagte zum Beispiel: «Bitte, trinken, Frau L..» Frau L. wehrte unwillig ab.
Ebenso versuchten die Pflegerinnen von Weitem Frau L. zum Singen zu animieren.
Nach ein paar Liedern ging ich zu Frau L. und fragte sie, ob ich mich zum Singen zu ihr setzen dürfte. Sie willigte ein. Langsam fing sie an, mitzusummen und zu erzählen, wie sie als Kinder immer gesungen hätten. Dabei wurde ihre Aussprache immer klarer.
Ich fragte sie deutlich, ob ich ihr wohl einen Schluck Tee anbieten dürfe. Sie erwiderte, ja, das gehe, sie habe ja gerade frischen aufgesetzt. Sie trank den halben Becher Tee leer, während wir über frischen Tee und Kaffee sprachen.
Beim zweiten Mal antwortete sie: «Ja gerne, wenn Ihr auch einen nehmt.»
Ich nahm meinen Wasserbecher und wir prosteten einander zu.
Mir wurde eindrücklich bewusst, wie unsere Muttersprache zur klaren Verständigung mit demenziell erkrankten Menschen beitragen kann. Das Verständnis von Dialektwörtern und älterem Sprachschatz, der heute nicht mehr verwendet wird, kann viel zu einem Bindungsaufbau zur betroffenen Person beitragen.