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Gleichmässig ziehen sich die meerblauen Linien durch das Einbandbeige, ohne das geringste Handzittern ins Papier gegraben wie eine Zeichnung in den Sand, traumwandlerisch schwungvoll und mit der ruhigen Sicherheit des Geistgestörten. Die zwischen Matisse und Mittagstisch hinweggestohlene Flasche wird gehalten von einer Hand, deren Zeigefinger wahrscheinlich abgeknabbert worden ist, und dann kurvt ein breit eingeärmelter Arm in grosszügigem Bogen in Richtung Seitenmitte, wo er den Vogel hat, der Anderen unterstellt wird. Der Arm mündet auf sehr unpornographische Weise in einen säulenartigen Oberkörper und in seinen Partner, der vielleicht der rechte, vielleicht der linke Arm ist, auf jeden Fall aber rechtwinklig nach links unten flieht und auf seiner Flucht einen Koffer mitnimmt, diesen jedoch unterseits ergreifend, da der Koffer statt einen Griff eine Art Sprungfeder besitzt oder vielleicht einen eng geschraubten Draht zu ungeahntem Sprengstoff. Am anderen Ende der Achse, auf grösster Distanz zum ominösen Koffer: Ein hübsches Gesicht, wie meines. Unter der Mütze quellen drei wellige Haare hervor wie abstrahiertes Wasser, dem das winzige Halbrund eines angedeuteten Ohres keineswegs Walfisch sein kann. Daneben ein geschlossenes Auge, mit dem man kein Land sieht. Die Nase vorwitzig himmelwärts debütierend. Darunter der Mund, weit geöffnet zu etwas, das man zwar für einen Abgrund halten könnte, das aber wohl ein lautes Lachen ist. Erstaunlich, dass niemand raucht. Selbst wer Kinder hasst, muss diese Zeichnung mögen.
Das meint der Buchdesigner*:
Auf Druck von Verlagsseite müssen Buchcover von Romanen oft massentauglich sein, und das heisst: Sie sollen das Sujet unmittelbar verfügbar machen, den Inhalt des Textes möglichst genau darstellen. Wenig Mut bleibt, dem Leser offen zu lassen, was ihn erwartet, ihn auch vielleicht zuerst in eine andere Richtung zu lenken; wenig Mut, auf dieser einen Seite etwas anderes zu beabsichtigen, als hunderte Seiten zu komprimieren und möglichst alles abbilden zu wollen. Die Konsequenz: triviale Bildauswahl und ungenaue Collagen, die sich in einer ermüdend gleichen Ästhetik im Bücherregal einordnen. Anders Steinbecks Buch: Es zeigt auf, wie eine einfache, fast kindlich anmutende Illustration, die nicht krampfhaft den Inhalt wiederzugeben versucht, den Leser zusätzlich fordert. Wohin geht die Frau mit dem Koffer unter dem Arm? Weshalb blickt sie lachend zurück? Und wem prostet sie wohl mit der Flasche in der linken Hand zu?
Die Illustration knüpft an ihre sinnliche Sprache an und steht so den apokalyptischen Bildern, die Steinbeck zeichnet, diametral gegenüber. Kein programmatisch konstruiertes Cover, sondern eine Titelseite abseits der verkaufsorientieren und vorhersehbaren Klischees. Mutig und vorbildlich!
*Lukas Helfer lebt und arbeitet als Grafiker in Zürich.