Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03653.jsonl.gz/1135

Meine Welt ist nicht von Pappe! (Ein-Satz-Review)
von Cedric Weidmann
Ein-Satz-Review
Paul Scheerbarts drei Haupttexte in diesem Buch („Perpetuum Mobile“, „Glasarchitektur“ und „Luftmilitarismus“) sind der ganze Scheerbart und also die vielleicht unverständlichste Literatur überhaupt, die mit ironisierter Ironie jonglierend im Ton kindlicher Einfalt bedrückende Visionen und vorwärtsweisende Ideen formuliert; und trotzdem lässt sich in Scheerbarts Suche nach dem „Perpeh“, die freilich sinnlos ist, nicht nur eine das Lachen und die Fröhlichkeit feierende, künstlerische Fantasie erkennen, denn die geometrischen Skizzen und selbstgebauten Holzmodelle in seinem Keller, die Patente für Perpehs, die er selbst einreichte und die ihm das letzte Geld aus der Tasche zogen, sind Beweise dafür, wie Ironie und literarisches Programm dieser Literatur nicht mehr gerecht werden können; Scheerbart feiert den Luftmilitarismus, weil er den Militarismus überflüssig macht, und die Glasarchitektur, weil sie die Architektur überflüssig macht: Aber er feiert sie aufrichtig, wie man sie eigentlich nicht feiern können dürfte, und schreibt feiernd so einfach und plump, dass die überragende Stilsicherheit eine, selbst für Robert Walser unerreichbare, klare Unklarheit erreicht.