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In der NZZaS erklärt Prof. Raimond Maurer, warum das amerikanische Vorsorgesystem besser sei als das schweizerische.
Umwandlungsätze sind Leistungsversprechen, die den Versicherten sehr teuer zu stehen kommen. Wenn sich die Lebenserwartung und das Zinsniveau verändern – und beide Parameter laufen im Moment gegen unsere Vorsorgewerke -, steigen deren Verpflichtungen empfindlich.
Sobald man solche feste Rentenzusagen mache, müsse man jedes Jahr bilanzieren und die Vermögen den Verpflichtungen gegenüberstellen, sagt Maurer. Die direkte Konsequenz: Nur ein kleiner Teil der Anlagen könne so noch in Aktien gehalten werden, alles andere wäre ein Vabanquespiel.
«Der eigentlich langfristige Anlagehorizont wird durch die Pflicht, jährlich zu bilanzieren, faktisch verkürzt. Durch das Versprechen einer lebenslangen Rente wird die Anlageform vorgegeben: weitgehend Zinsanlagen.»
Das ist derzeit besonders ungünstig, weil die Zinsen ultraniedrig sind, die globalen Aktienmärkte dagegen prosperieren. Doch auch unabhängig vom Zinsniveau fahren Versicherte, die ihr Geld langfristig in Aktien anlegen können, massiv besser. (…)
Was machen die Amerikaner besser? Ihre zweite Säule besteht überwiegend aus reinen Beitragsprimat-Plänen, auch bekannt unter dem Namen 401(k). «Diese lassen den Bürgern die volle Freiheit, wie das angesparte Kapital entnommen wird», sagt Maurer. Das heisst allerdings auch, dass Amerikaner ihr Alterskapital beziehen, also auf eine Umwandlung in eine monatliche Rente verzichten.
Dass das heikel sein kann, haben auch die US-Behörden gemerkt. Eine vom Finanzministerium erlassene Regulierung erlaubt deshalb seit kurzem, dass ein Teil des angesparten Kapitals in eine aufgeschobene Leibrente investiert wird, die erst im Alter von 80 bis 85 Jahren bezahlt wird.
Bei der Alimentierung der Pensionskassen gibt es kaum Zwang. «US-Unternehmen setzen mit sogenannten Matching-Regeln Anreize dafür, dass ihre Mitarbeiter in einen Beitragsprimat-Plan einzahlen», so Maurer. «Sie sagen etwa: Ich zahle 2% deines Gehalts in den Pensionsplan ein, und wenn du selber noch 2% bis 3% einbezahlst, dann gebe ich noch etwas dazu.»
Wieso tun die Firmen das überhaupt? Es gebe im Gesetz eine Antidiskriminierungsregel. «Wenn die Steuerbehörden bei ihren jährlichen Tests feststellen, dass ein Unternehmen ihren Führungskräften Pensionsleistungen bezahlt, die unverhältnismässig besser sind als jene für durchschnittliche Mitarbeiter, riskiert der Pensionsplan, seine steuerliche Privilegierung zu verlieren.»