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Bis heute sind die Ursachen für die Entwicklung einer schizophrenen Erkrankung nicht klar bekannt und nicht eindeutig zuzuordnen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass verschiedene Faktoren dafür verantwortlich sind, ob sich eine Schizophrenie-Erkrankung herausbildet, von welcher Qualität und Ausprägung die Symptome sind und wie sich der Verlauf präsentiert. Diese Faktoren lassen sich sowohl dem Bereich der Biologie als auch dem Psychosozialen zuordnen, wobei einige zu einer erhöhten Vulnerabilität (Anfälligkeit, Verletzbarkeit) oder zu einem erhöhten Schutz führen, während andere eher als auslösende Faktoren (Stress) zu betrachten sind.
Genetik
Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass das Risiko, irgendwann im Leben, auch genannt Lebenszeitprävalenz (Lebenszeitprävalenz für schizophrene Psychosen in der allgemeinen Bevölkerung:1%), an einer Schizophrenie zu erkranken grösser ist, je stärker der Verwandtschaftsgrad zu einer erkrankten Person ist. Zu welchem Ausmass genetische Faktoren für die Entwicklung des Störungsbildes verantwortlich sind, ist schwer festzuhalten. Dies aufgrund des Phänomens nature vs. nurture. Auf Deutsch bedeutet dies "Natur gegen Ernährung/Umweltfaktoren". So haben Kinder von zwei betroffenen Elternteilen ein um bis zu 50% erhöhtes Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken. Bei einem betroffenen Elternteil besteht statistisch eine Lebenszeitprävalenz von 13%. Ob dies rein erblich oder aber durch die ähnlichen Umweltbedingungen entsteht, ist schwer zu beurteilen.
Neurobiologie
Durch entsprechende Methoden der Bildgebung können gewisse neurobiologische Unterschiede im Gehirn zwischen gesunden Personen und solchen, die an einer Schizophrenie erkrankt sind, sichtbar gemacht werden. Wenn auch die konkrete Ursache für Schizophrenie-Erkrankungen unbekannt ist, so gibt es dennoch deutliche Hinweise darauf, dass sich die Störung bei der Übertragung von Signalen, bei sogenannten Neurotransmittern, manifestiert. Diese Hypothese betrifft die Transmittersysteme folgender Stoffe: Dopamin, Glutamat, Serotonin und GABA. Während beispielsweise Dopamin eher für eine stimulierende Wirkung steht, ist Glutamat eher für hemmende Prozesse zuständig. Dies führt gemäss der These zu einem generellen Ungleichgewicht zwischen exzitatorischen (erregenden/stimulierend)en und inhibitorischen (hemmenden) Kräften, was in einer allgemeinen «Überreagibilität» bei einer Schizophrenie-Erkrankung resultiert und damit insbesondere Positivsymptome erklären könnte.
Neben den Neurotransmittern wurden noch weitere neurobiologische Faktoren eruiert, die mit einem erhöhten Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken, einhergehen. So sind dies zum Beispiel Komplikationen bei der Geburt oder Schwangerschaft, kognitive Defizite oder das Alter des Vaters. Auch wenn ein statistischer Zusammenhang mit diesen Variablen zu bestehen scheint, ist ein direkter ursächlicher Zusammenhang nicht erwiesen.
Psychosoziales
Psychosoziale Faktoren betreffen das gesamte Umfeld einer Person und können das psychische Zustandsbild sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Dazu gehören jegliche Lebensumstände oder Ereignisse, die als Stressauslöser wirken können. Dies können einerseits einzelne Ereignisse (Traumata), aber auch langandauernde und belastende Lebensumstände sein (z.B. Krieg, Armut, ausserdem ungünstige Bindungs- und Kommunikationsstile, bezüglich letzterer insbesondere die sogenannten “high expressed emotions” (HEE). Dazu passend scheinen die Befunde in Studien, die Hinweise darauf gefunden haben, dass auch die Angehörigkeit zu einer Minderheit mit einem erhöhten Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken, einhergeht. Ebenfalls gelten zum Beispiel Kinder, die nach einer "ungewollten Schwangerschaft" geboren wurden, und Leute, die in grösseren Orten oder Städten wohnen, als statistisch eher gefährdet, eine Schizophrenie-Diagnose zu bekommen. Reiner Spekulation entspricht die Hypothese, dass einer Schizophrenie-Erkrankung grundsätzlich ein Gefühl des «Andersseins» zugrunde liegt, das durch gewisse Umstände pathologisiert wird.
Im nächsten Teil dieser Blogreihe sollen Möglichkeiten zur Behandlung von Schizophrenie betrachtet werden.