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Ferien mit der ganzen Familie: Das konnten sich 1939 nur wenige Schweizerinnen und Schweizer leisten. Der Slogan lautete darum bei der Gründung der «Schweizerischen Reisekasse»: «Jedem Werktätigen die verdienten Ferien».
Die Idee der Schweizerischen Reisekasse, kurz «Reka», passt in diese Zeit der geistigen Landesverteidigung, sagt Historikerin Beatrice Schumacher, die zur Geschichte der Ferien geforscht hat: «Es war eine Konsens-Maschinerie – man wollte auf eine Linie gehen, als Antwort auf die Kriegssituation.»
Zugleich wurde das Erholungsbedürfnis der Arbeiterklasse auch als Wirtschaftsfaktor entdeckt: Auf Plakaten von 1940 steht der Aufruf von Bundesrat Enrico Celio: «Macht Ferien, schafft Arbeit!»
«Reka» als Antwort auf Duttweilers «Hotelplan»
Die Forderung nach Ferien war schon länger ein Politikum. Man war damals beunruhigt über mögliche Bewegungen in der Arbeiterschaft, sagt Beatrice Schumacher: «Man musste auf dieses Bedürfnis reagieren, insbesondere weil Deutschland und Italien unter faschistischen Regierungen sehr populäre Freizeitorganisationen wie ‹Kraft durch Freude› gründeten. Das erzeugte Druck.»
Dazu kam die Krise der Hotellerie, weil die ausländischen Gäste fehlten. Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler rief daraufhin «Hotelplan» ins Leben, mit günstigen Angeboten nach dem Motto: mehr Umsatz zu kleinerem Preis.
Die Politik war alarmiert – man wollte Duttweiler, der die Partei «Landesring der Unabhängigen» gegründet hatte, nicht die Mobilisierung der Masse überlassen, sagt Beatrice Schumacher: «Die Reka war eine unmittelbare Antwort auf Duttweilers Hotelplan.»
Schwierige Anfangsjahre
Deshalb spannten Arbeitgeber, Gewerkschaften und Fremdenverkehr zusammen, um die genossenschaftliche Schweizerische Reisekasse zu gründen. Die Idee: Die Arbeitgeber geben zu günstigen Konditionen Reka-Marken, später Reka-Cheques ab, mit denen die Angestellten in bestimmten Hotels Ferien verbringen und Bahnbillete kaufen konnten.
Zunächst fand das Modell wenig Anklang, sagt Schumacher: «Der Aufstieg der Reka zur Organisation, die wir heute kennen, fand erst nach dem Krieg statt.»
Erfolg kam erst nach dem Krieg mit Feriendörfern
Der Erfolg stellte sich ein, als die Reka begann, den Fokus auf Familien zu richten und Feriendörfer zu bauen. Die erste Siedlung «Albonago» entstand 1955 oberhalb von Lugano im Tessin.
Mittlerweile betreibt die Reka 14 Feriendörfer. Die Nachfrage sei ungebrochen, sagt Reka-Direktor Roger Seifritz: «Jede siebte Familie in der Schweiz macht heute Reka-Ferien.» Zurzeit ist mehr als eine halbe Milliarde Reka-Geld im Umlauf.
Im Unterschied zur Gründungszeit spricht die Reka heute nicht nur Familien mit kleinem Budget an, so Seifritz. Sie bleibt aber weiterhin sozial engagiert: Überschüsse fliessen in eine soziale Ferienhilfe.
Rund 1000 Familien, die am Existenzminimum leben, können jährlich mit Reka für einen geringen Beitrag eine Woche Urlaub machen, sagt Seifritz: «Die Nachfrage ist drei Mal so hoch.»