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Vision Award Ticinomoda
Vision Award Ticinomoda für Claire Atherton
Die Kunst der Schnitttechnik wird oftmals mit der Vorstellung eines Kinos ohne Totzeiten in Zusammenhang gestellt. Dabei basiert die Schnittentscheidung für jede Aufnahme auf einem völlig anderen Hintergrund – auf der Beziehung nämlich, die man mit dem Publikum aufbauen möchte. Ausgehend von dieser Dynamik erlangt Claire Athertons Wirken – ausserhalb und innerhalb des filmischen Werks von Chantal Akerman – grundlegende Bedeutung für das zeitgenössische Kino: Es ist daraus eine Reihe von Filmen entstanden, bei denen die Wahrnehmung des Zeitflusses zur ästhetischen (und ethischen) Arbeitsgrundlage wurde.
Es verwundert daher nicht, dass sich die in San Francisco gebürtige und in Paris lebende Claire Atherton – ausgehend von ihrer Faszination für die taoistische Philosophie und der Auseinandersetzung mit chinesischen Ideogrammen – schrittweise der Schnitttechnik näherte und ihre 30-jährige Zusammenarbeit mit Chantal Akerman mit Letters Home (1986) begann. Seitdem sind aus dieser Partnerschaft vom Dokumentarfilm bis zur Fiktion reichende Werke hervorgegangen, sowie neue Projekte (oder Neubearbeitungen alter Filme), bei deren Entwicklung insbesondere die Auseinandersetzung mit der Gegenwartskunst im Vordergrund stand, was zu einer völlig neuen Wahrnehmung des bewegten Bildes führte.
Auf dieser Art von Forschung und kontinuierlichem Experimentieren basieren alle Entscheidungen der Schnittmeisterin, die den rigorosen Ansichten von Autoren ausserhalb des Kanons – wie Éric Baudelaire, Emmanuelle Demoris, Elsa Quinette, Noëlle Pujol und Andreas Bolm – Nachdruck verlieh. Ohne das Bestreben, Bedeutungen herauszustellen, wirft Claire Athertons Kunst ein neues Licht auf die Zeit im Film.
Daniela Persico
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