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Im Frühmittelalter (500 bis 1050 nach Christi Geburt) waren die Bauern um das Gotteshaus zu St.Michael wie auch die Fischer im Seelikon noch nicht in Handwerksorganisationen organisiert.
Als dann um das Jahr 1200 herum das Städtchen Zug gegründet wurde, entwickelte es sich bald als wichtiger Umschlag- und Handelsplatz am See auf der Gotthardstrecke zwischen Nord und Süd. Ein solcher Marktplatz zog neue Bedürfnisse nach sich. Immer mehr verschiedene handwerkliche und gewerbliche Berufe fanden Arbeit und Einkommen für immer mehr Menschen. Im mittelalterlichen Städten Zug lebten bis zum Untergang der Untersten Altstadtgasse im Jahr 1435, die durch ein schlimmes Ereignis im See versank, nicht mehr als 500 Menschen, meist Fischer, Handwerker und Säumer.
Fremde bringen neue Ideen mit
Der Transport von Waren aus der Stadt Zürich über Horgen und Sihlbrugg brachte nicht nur emsigen handels- und Gewerbebetrieb nach Zug, sondern auch geistige und kulturelle Einflüsse. Der wirtschaftliche, handelspolitische und geistige Einfluss von Süddeutschland über Basel und Zürich hatte ebenso Auswirkungen auf die Kyburger Kleinstadt Zug. Während dieser Einfluss - besonders etwa das Zunftwesen von Strassburg vom Jahre 1334 - zur Bildung der 12 nachbarlichen und heute noch bestehenden historischen Zünfte in Zürich im Jahre 1336 beigetragen hat, kann aber für die früheste Entstehung der Zuger Zünfte kein verbindliches Gründungsdatum angegeben werden. Der älteste erhaltene Zunftbrief in der Stadt Zug ist datiert am 18. Juli 1398 und betrifft die heute nicht mehr existierende Zunft der Ledergerber und Schuhmacher.
Das wirtschaftliche Leben wird vielfältiger
Im Jahre 1359 erhielt die Stadt das Sustfahrrecht (Sust = Warenumschlagsplatz / Sust in der Unter-Altstadt) und damit die Erlaubnis für den Warentransport auf dem Zugersee zuständig und verantwortlich zu sein. Dieses kaiserliche Recht gab dem freien städtischen Handwerkerstand Auftrieb und den Krämern und Kaufleuten sicheren Verdienst. Das mittelalterliche Zug entwickelte sich denn auch als ein typisches Handwerker-, Gewerbe- und Handelsstädtchen: Fischer, Bäcker, Metzger, Gerber, Schuhmacher, Sattler, Schneider, Tuchscherer, Färber, Tischmacher, Drechsler, Schlosser, Küfer und Schmiede waren die frühen und unentbehrlichen Handwerker und Gewerbeleute in der Altstadt Zug.
Das einheimische Gewerbe organisiert sich in Zünften
Zum Schutz ihrer Berufsinteressen, gegen die Niederlassung von fremden Handwerkern und deren Konkurrenz, besonders aber um den guten Ruf ihres eigenen Handwerks zu schützen und zu erhalten, schlossen sich die freien Handwerker der verschiedenen und nahe verwandten Berufsgattungen in einer Zunft (Gilde, Innung, Meisterschaft, Bruderschaft) zusammen. Die Satzungen (Zunftordnung) wurden von der städtischen Behörde geprüft und genehmigt, „damit kein Fremder neben dem Bürger arbeite, damit die Profession (= handwerklicher Beruf) ein Verdienst, und der Bürger an der Profession kein Schaden leide.“
Politisch spielen die Zünfte keine Rolle
Die Zuger Zünfte besassen, im Gegensatz zu jenen in Bern und Zürich, keine politische Macht; das Städtchen Zug wurde keine Zunftstadt. Während nämlich in Zürich die Zünfte Anrecht auf Vertretung im Rat hatten, fehlte dieses Recht hier in Zug. Die Zuger Zünfte blieben Handwerksvereinigungen mit vorwiegend berufsethischen, sozialpolitischen und religiösen Zielen. Zum Wesen der Zuger Zünfte gehörte der behördlich garantierte Schutz sowie die Förderung des einheimischen Handwerkes und Gewerbes.
Handwerker und ihre religiösen Schutzpatrone
Die Handwerker und Gewerbetreibenden verehrten gemäss mittelalterlichen Religiosität und Tradition einen bestimmten Heiligen ihres Berufsstandes. Der Apostel Petrus und der Heilige Christophorus wurden von den Fischern, der Heilige Crispin von den Gewerbern und Schuhmachern, Johannes der Täufer und der Heilige Martin von den Schneidern und die Heilige Agatha von den Müllern und Bäckern verehrt. Alte Zunftsatzungen beginnen denn auch mit einer Kerzenstiftung. So stifteten die Metzger im Jahre 1418 eine Kerze zu St. Michael. Die Zunftsatzungen verpflichteten jeden Zünfter an der Zunftjahrzeit (= jährliche Gedächtnis-Messfeier zu Ehren des Patrons der Zunft sowie der verstorbenen Zunftmitglieder) sowie an der Beerdigung eines verstorbenen Zünfters teilzunehmen. Diese religiöse Verpflichtung kann aus der religiöskirchlichen Situation jener Zeit verstanden werden. Seit alters bestand am Berghang die St. Michaelskirche und mit dem Jahre 1266 kann die Liebfrauenkapelle, gleichsam in die Stadtmauer eingebaut, urkundlich nachgewiesen werden; noch vor der Reformation wurde die spätgotische St. Oswald Kirche gebaut: in allen 3 Gotteshäusern können gestiftete Zunftkerzen nachgewiesen werden. Trotzdem darf das religiöse Element der Zuger Zünfte nicht überschätzt werden; im 16. und 17. Jahrhundert übernahmen auch die Nachbarschaften und religiösen Bruderschaften (z.B. Agathabruderschaft, Sakramentsbruderschaft, Bruderschaft vom hl. Rosenkranz, vom hl. Martyrer Sebastian u.a.) gemeinschaftliche Aufgaben und rein religiöse Verpflichtungen. Die Nachbarschaften hielten Feuer- und Nachtwache („Gaumet“), gewährten einander nachbarliche Hilfe in Freud und Leid und förderten den Kontakt unter den Anwohnern einer Nachbarschaft (Nachbarschafts-„Kilbi“ und Nachbarschafts-„Möhli“). Die rein religiösen Bruderschaften waren typische Gebetsbruderschaften; nach dem Tod eines eingeschriebenen Mitgliedes einer Bruderschaft wurde wie nach dem Tod eines Zunftmitgliedes für dessen Seelenruhe eine Totenmesse gefeiert. Ähnliche Elemente, besonders Pflege der Geselligkeit und gemeinschaftliche Lösung berufsspezifischer Fragen einerseits und Abhaltung von Gedächtnisgottesdienst für verstorbene Zunftmitglieder andererseits bildeten also die Kernpunkte des Zuger Zunftwesens.