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Vor einigen Wochen bekam ich eine Anfrage eines Kollegen, ob ich Interesse an einem kulturellen Ausflug nach Zürich in die Maag-Halle hätte. Er erzählte, dass in den Maag-Hallen eine Ausstellung mit Bildern von Steve McCurry gezeigt wird.
Bis zu diesem Zeitpunkt hat mir der Name nichts gesagt. Da ich mich auf die Intuition meines Kollegen verlassen kann, habe ich zugesagt. Wir haben überlegt, wer unserer Freunde noch Interesse an dieser Ausstellung hätte.Mein Kollege hat in mehreren Facebook-Gruppen mit etwa 200 Mitgliedern eine Veranstaltung gepostet. Als ich heute um 11 Uhr vor der Maag-Halle eintraf, warteten 2 Herren auf mich. Der eine war mein Kollege und der andere ein Fotograf, den ich vom sehen kannte.
Eigentlich ist es traurig, dass sich aus mehr als 200 Eingeladenen nur 3 Fotografen aufraffen konnten, diese herausragende Ausstellung zu besuchen. OK, man muss dazu sagen, dass aktuell Sommerferien an den Schweizer Schulen sind und die Ausstellung nicht zu den günstigsten gehört, aber sie ist den Preis wert, warum könnt ihr unten sehen und lesen.
Wer nach diesem Bericht selber Lust hat, diese Ausstellung zu besuchen, sie ist noch bis zum 20. Oktober 2021, jeweils Mittwoch bis Sonntag und ab 24. August auch Dienstags offen.
Ausstellung «The World of Steve McCurry»
Nun aber zu Steve McCurry und der Ausstellung seiner Bilder.
An der Kasse erhält man zum gebuchten Ticket einen elektronischen Führer. Mit diesem kann man an vielen der ausgestellten Bilder die Gedanken und Erklärungen von Steve McCurry hören. In der deutschsprachigen Version beginnen die Texte mit seinen Worten in Englisch und werden von einem deutschsprachigen Sprecher weiter geführt.
Aber wer ist eigentlich Steve McCurry? Er ist ein amerikanischer Fotograf und Filmemacher, der an der Pennsylvania State University Film und Geschichte studierte und diese mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen hat. Bevor er mit einer Dokumentation über die sowjetische Intervention in Afghanistan internationale Bekanntheit erlangte arbeitete er einige Jahre bei einer Lokalzeitung und entschloss sich danach als freiberuflicher Fotograf in Indien zu arbeiten. Seine Bilder sind unter anderem auf Titelbildern der Zeitschrift National Geographic gedruckt worden.
McCurry berichtete unter anderem aus Kriegsgebieten wie dem Iran-Irak-Krieg, aus Beirut, Kambodscha und dem Golfkrieg. Immer wieder zog es ihn aber nach Afghanistan zurück, wo viele seiner Bilder dieser Ausstellung entstanden sind.
Als erstes fallen einem beim Eintritt in den stark abgedunkelten Raum, Portraits von Jung bis Alt auf. Mit Munition behangene Jugendliche, kindliche Mönche, Grubenarbeiter die nach der Arbeit als erstes eine Zigarette rauchen, lachende Frauen, junge Mädchen, Greise und einfache Männer von der Strasse, die ihre weissen Haare mit Henna gefärbt haben.
In der Ausstellung geht es weiter mit Bildern aus Afghanistan, Pakistan und vielen weiteren Orten aus dieser Welt. Auch ein Bild aus Europa ist zu sehen. Auf mich wirken diese Bilder gleichzeitig beeindruckend und berührend. In der Regel zeigen sie das Leben auf den Strassen und in den Ländern.
McCurry liebt es Kinder zu portraitieren und findet diese auf der Strasse, in Schulen, auf dem Land aber auch in Krisengebieten.
Eines der Bilder das mich am meisten beeindruckt aber auch erschreckt hat, ist ein Bild eines Jungen aus Peru, der weinend eine Spielzeugpistole an seine rechte Schläfe hält, weil ihn seine Spielkameraden gequält hatten.
Um niemanden zu verstören, zeige ich nur einen kleinen Ausschnitt dieses Bildes. Das ganze Bild ist aber im Internet zu finden.
Steve McCurry erzählt in einigen seiner Beiträge wie die Bilder entstanden sind und wie er sich die Fotografie vorstellt. Was er denkt und was ihm wichtig ist.
Oft muss man mehrere Male an einen Ort, um zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, weite Wege gehen oder lange warten. Beim nachfolgenden Bild sieht man zwei Bilder, welche unterschiedliche Geduld benötigt.
Einerseits muss man oft lange Wege in Kauf nehmen um ein Bild nach seinen Ideen zu erstellen oder man muss Tage und Stunden warten, bis der richtige Moment kommt. Aber auch auf dem Weg zum Ziel findet man Interessante und spannende Motive.
Das nachfolgende Bild ist in Porbandar, Indien (1983) nach einem Monsun entstanden. Der Schneider hat in seiner Not, das einzige gerettet, was er noch besass, seine Nähmaschine. Als die Herstellerfirma das Bild sah und die Geschichte dazu erfuhr, hat sie alles getan um ihn ausfindig zu machen und ihm eine neue Nähmaschine geschenkt.
Das rechte Bild zeigt Fischer bei der Arbeit, ein weiteres Motiv, das Steve McCurry sehr gerne fotografiert.
Auszug aus dem Ausstellungskatalog
Als er von Biba Giacchetti gefragt wurde, weshalb dieses Bild eines seiner Lieblingsbilder ist, antwortete er:
I was in Rajastan, India during the monsoon season. The monsoon season begins with massive dust storms, howling wind, swirling sand, and unbearable humidity.
As we drove down the road, the weather instantly changed from being sunny and clear, to dark and ominous. It was hard to breathe and difficult to see through the wall of dust that was moving like a tidal wave and sounded like a freight train.
My first instinct was to try to protect my camera, but then I realized that I could always by a new camera, but the opportunity to shoot this group of women was priceless.
Kurz zusammengefasst: Trotz der Möglichkeit, dass seine Kamera bei dem Sturm kaputt gehen könnte, die Situation war einfach unbezahlbar.
Originalbilder:
© Steve McCurry, «The World of Steve McCurry», Zürich 2021, abfotografiert von Monika Egli
Mein Fazit:
Ob der unbeschreiblichen Eindrücke mussten wir eine Pause einlegen und haben uns in der Lounge einen Kaffee bzw. einen Tee genehmigt. Nach der kleinen Auszeit war es uns möglich, wieder in die Ausstellung zu gehen und uns weiter umzusehen und zu staunen. Ob schwarz/weiss oder farbig, alle Bilder sind einfach traumhaft.
Eigentlich war geplant, dass wir dem Museum für Gestaltung auch noch einen Besuch abstatten wollten. Nach den überwältigenden Eindrücken während der vergangenen drei Stunden war uns nicht mehr danach, alles weitere würde verblassen.
Bildbände erhältlich bei:
Dies sind einige seiner Bildbände, welche in der Schweiz in den grösseren Buchhandlungen zu kaufen sind oder bei Phaidon Verlag, Berlin erhältlich sind:
- Looking East, Phaidon Verlag, 2006, ISBN 0-7148-4637-6.
- The Path to Buddha, Phaidon Verlag, 2003, ISBN 0-7148-4346-6.
- Sanctuary, Phaidon Verlag, 2002, ISBN 0-7148-4559-0.
- South Southeast, Phaidon Verlag, 2000, ISBN 0-7148-3938-8.
- Süd-Südost, Phaidon, Berlin 2013, ISBN 978-3-7145-9109-5.
- Porträts, Phaidon Verlag, Berlin 2000, ISBN 0-7148-9083-9.