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Die Aktienmärkte schnitten im Juli weltweit sehr unterschiedlich ab. Besonders schwach zeigten sich die Entwicklungsländer, insbesondere die chinesischen Märkte, welche unter der steigenden Regulierung abstürzten. Die jüngste Regulation betrifft das chinesische Bildungssystem – mit diesem werden faktisch neue Privatunternehmungen vom Markt ausgeschlossen und bestehende in non-profit Gerüste gezwängt. Diese Massnahmen sollen die Mittelschicht in China unterstützen (Teil des Fünfjahresplans). Zuvor gerieten Firmen, welche über grosse Datenmengen verfügen stärker ins Visier der Behörden. Die chinesische Regierung ist offenbar über die Datensicherheit gegenüber dem Westen, insbesondere den USA besorgt. Die Sitzungen der europäischen sowie der US-amerikanischen Notenbanken brachten keine wesentliche Änderung der sehr expansiven Politik. Jerome Powell betonte, dass die US-Notenbank noch weit davon entfernt ist, die Zinsen anzuheben. Die EZB positionierte die Geldpolitik expansiver und wird sich mit Zinserhöhungen zurückhalten solange die Inflationsprognose das gewünschte Ziel von 2% nicht erreicht. Die Sorgen über die Ausbreitung der Deltavariante des Corona-Virus hatte ein höheres Volatilitätsniveau zur Folge, während die Konjunkturdaten insgesamt etwas schwächer als erwartet ausfielen. So verfehlte das US-Wirtschaftswachstum im 2. Quartal mit 6.4% auf annualisierter Basis die Erwartung von 8.4%.
Zum Ende des Monats blieben nur noch in wenigen Märkten Gewinne übrig. Unter anderem waren es die US-Märkte welche nahe einem neuen Allzeithoch schlossen.
Trotz den guten Gewinnausweisen schlossen die Weltmärkte sehr uneinheitlich ab. Die chinesischen Märkte erfuhren Rückschläge von bis zu 10%. Interessanterweise ist zugleich die Spekulation auf Kredit an den chinesischen Märkten gestiegen – was nicht für einen klassischen Boden am Markt spricht. Japans Markt konnte sich dieser negativen Stimmung nicht widersetzen: Der Nikkei 225 verlor über 5%. In Europa und den USA zeigte sich hingegen ein leicht freundlicheres Bild. Der Schweizer Aktienmarkt SMI kletterte um 1.5%, während der EuroStoxx 50 um 0.6% zulegte. Die US-Märkte stiegen zwischen 1 und 3%. Die Gewinnsaison überraschte trotz den bereits hohen Erwartungen. In den USA wurden die Gewinnerwartungen um fast einen Fünftel und in Europa um knapp einen Drittel übertroffen. Ein ähnlich gutes Verhältnis zeigt sich auch am japanischen Aktienmarkt. Generell bemerkten viele Unternehmungen die Inflation als potenziell negativer Einflussfaktor anlässlich ihrer Gewinnausweise des ersten Quartals (siehe FOKUS). Es wird insofern spannend, ob sich dieser Trend im Q2 fortsetzten wird. Dank des starken Gewinnwachstums relativieren sich die Bewertungen wieder etwas. Für den S&P500 liegt das geschätzte KGV noch bei rund 21, was aber immer noch über dem Fünf- (18) und Zehnjahresschnitt (16) liegt. Der Europäische Aktienmarkt handelt derzeit beim 17-fachen des geschätzten Gewinnes und damit über dem 10-Jahresschnitt von knapp 14. Für den US- sowie den europäischen Aktienmarkt rechnen die Analysten im Konsens mit 10 bis 11% Kursgewinnen in den nächsten 12 Monaten.
Die Zinsmärkte spiegelten die nachlassende Wachstumsdynamik der globalen Konjunktur wider. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen rentierten zum Monatsschluss noch knapp 1.19%. Nicht nur die zu erwartende abflachende Dynamik der Konjunktur, sondern auch die weiterhin sehr behutsam agierende Notenbank begründen das aktuelle Zinsniveau. Die realen Zinsen (abzüglich der erwarteten Inflation) erreichten sogar ein absolutes Allzeittief (-1.17%) für 10-jährige inflationsgeschützte Treasuries.
Ein schwacher Dollar sorgte für haussierende Rohstoffpreise. Öl, der Treibstoff der Konjunktur, litt unter starken Schwankungen wegen dem Beschluss der OPEC-Staaten zur Erhöhung der Förderquote sowie der Unsicherheit rund um die Deltavariante des Coronavirus. Unterstützend wirkten hingegen die stark gefallenen Öllagerbestände der USA. Der Preis für Eisen fiel deutlich zurück, nachdem die chinesische Regierung die Rhetorik gegen die gestiegenen Preise verschärfte. Der Schweizer Franken haussierte gegen alle wichtigen Währungen der G10 Staaten.
Die nachlassende Dynamik an den Aktienmärkten scheint nun langsam eine Konsolidierung einzuläuten, welche weiterhin unserer Erwartungshaltung entspricht. Die Märkte zeigen seit längerem Überhitzungserscheinungen, begleitet durch einseitige Positionierungen der Anleger und euphorischere Stimmungsindikatoren. Diese Bürde gilt es nun zu verdauen – mit dem Bevorstehen der saisonal schwächsten Monate August und September erwarten wir daher weiterhin höhere Volatilität und selektive Rücksetzer an den Aktienmärkten. Der globale Wachstumsausblick bei gleichzeitig anhaltend ultraexpansiver Geldpolitik bleibt hingegen positiv, so dass dadurch Kaufchancen entstehen dürften. Die Notenbanken haben in ihrer Kommunikation klar gemacht, dass sie sehr geduldig bleiben und die Inflation nötigenfalls auch überschiessen lassen würden.