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Wenn du viel Freude am Umgang mit Pferden hast, wirst du dir wohl irgendwann einmal ein eigenes Pferd wünschen. Vorher solltest du dir jedoch einiges überlegen und abwägen, ob es nicht auch eine andere Lösung gibt, die für dich und dein «eigenes» Pferd besser wäre.
Das bedeutet, das Pferd gehört dir allein (wenn du minderjährig bist deinen Eltern). Du musst es pflegen, bewegen, für Hufschmied, Tierarzt, Futter und evtl. Stallmiete aufkommen. Ein eigenes Pferd nimmt viel Zeit in Anspruch. Meist ist es mit dem Reiten, Putzen und Misten noch nicht getan. Wenn du dein Pferd nicht in einem Stall mit Vollpension eingestellt hast, musst du schauen, ob die Weide in Ordnung ist, jäten, Pferdeäpfel einsammeln, Mist entsorgen, Sattel und Zaum putzen und, und, und …
Bevor du dir ein eigenes Pferd kaufst, musst du die folgenden Fragen alle mit ja beantworten können. Bei allen Überlegungen ist es wichtig, dass du ehrlich mit dir selber bist und von der Realität ausgehst und nicht von Wunschdenken à la «Das geht dann schon irgendwie»!

Bedenke

Je mehr angehende Pferdebesitzer Billigpferde kaufen – auch wenn es ein gut gemeinter Mitleidskauf ist –, desto weniger seröse Züchter und Ausbilder können überleben. Stattdessen unterstützt man Menschen, die ihre Pferde schlecht versorgen.
Wenn du dir immer noch sicher bist, dass du ein Pferd richtig halten könntest, musst du dir nochmal einiges überlegen:
Besuche dein vielleicht zukünftiges Pferd vor dem Kauf in seinem Heimatstall. Nimm jemanden mit, der sich mit Pferden auskennt, sonst kannst du nämlich (egal ob du das Pferd von Privat oder vom Händler kaufst) ganz schön übers Ohr gehauen werden! Beobachte, wie das Pferd sich verhält, ob es ruhig im Umgang ist und reitet es mindestens einmal Probe auf dem Reitplatz. Dann lässt du es dir vom Besitzer vorreiten und schaust, wie es unter ihm geht.
Informiere dich beim Besitzer über besondere Macken und Probleme des Pferdes, ob es an einer Krankheit leidet, wie weit es ausgebildet worden ist usw. Interessant ist auch zu wissen, weshalb das Pferd verkauft wird. Aber Vorsicht: Manche Verkäufer versprechen einem das Blaue vom Himmel, andere drücken auf die Tränendrüse und drohen mit der Schlachtung des Pferdes, wenn es nicht sofort verkauft wird. Sei kritisch, verlass dich nicht auf alles, was man dir sagt.
Bist du dir ziemlich sicher, dass du das Pferd kaufen möchtest, lässt du von deinem eigenen Tierarzt eine Ankaufsuntersuchung machen. Dabei wird untersucht, ob das Pferd gesundheitliche Probleme hat, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Der Tierarzt wird dich auch darüber aufklären, wie sich allfällige Befunde auf die Nutzung des Pferdes auswirken.
Ich möchte hier ausdrücklich vor Mitleidskäufen warnen: Ein krankes Pferd kostet schlussendlich oft ein mehrfaches seines Kaufpreises und ein verstörtes und verrittenes Tier ist nicht so schnell wieder korrigiert und gehört in die Hände eines Profis. So hart es ist: Wenn du ein armes Pferd von einem schlechten Händler kaufst, hilfst du damit vielleicht dem einen Pferd – aber du unterstützt damit auch den Händler, der seine Pferde schlecht hält und den Kunden Lügengeschichten auftischt um die Pferde über ihrem Wert zu verkaufen. Für jedes verkaufte Pferd kommt wieder ein neues in den Stall.
Ein Pflegepferd gehört nicht dir, aber du schaust an mehreren Tagen in der Woche oder die ganze Woche über zu ihm. Auch das nimmt viel Zeit in Anspruch. Du kannst nicht kurzfristig beschliessen, ins Kino zu gehen, weil es regnet und du lieber nicht raus zu deinem Pflegepferd möchtest, denn der Besitzer des Pferdes verlässt sich ja auf dich.
Die Aufgaben, die du bei einem Pflegepferd hast, sind von Pferdebesitzer zu Pferdebesitzer unterschiedlich. Meist bedeutet es, das Pferd zu putzen, das Sattelzeug zu pflegen, das Pferd auf die Weide zu bringen oder von dort zu holen, den Stall zu machen usw. Reiten gehört nicht unbedingt dazu, ein Pflegepferd kann zum Beispiel auch ein altes, nur noch bedingt oder gar nicht mehr reitbares Pferd sein.
Wenn du ein Pflegepferd möchtest, solltest du schon etwas Erfahrung im Umgang mit Pferden haben, aber ein verantwortungsvoller Besitzer wird dir auch etwas zeigen, wenn du es noch nicht weisst. Leider sind nicht alle Pferdebesitzer so verantwortungsvoll. Manche nutzen dich als billige Arbeitskraft und kostenloser Bereiter aus, der stundenlang schuften und verzogene Pferde erziehen soll. Wahrscheinlich findest du es sogar ganz toll, wenn man das Pflegepferd einfach dir selbst überlässt und du tun und lassen kannst, was du willst. Das kann aber ganz schön ins Auge gehen, vor allem wenn du noch nicht so viel Erfahrung mit Pferden hast.

Wichtig

Immer wieder erhalte ich Anfragen von Pflegemädchen und Reitbeteilungen mit jungen, ungezogenen und verrittenen Pferden, die mich um Hilfe bei Problemen bitten. Oft muss ich antworten: Entweder findest du einen erfahrenen Pferdemenschen, der dich vor Ort unterstützt oder du suchst dir besser ein anderes Pflegepferd. Erspare dem Pferd und dir unnötige unangenehme Erfahrungen und lasse dich nicht auf solche Experimente ein, auch wenn es verlockend klingt, ein Pferd selber auszubilden oder sogar zu korrigieren. Entweder du weisst, was du tust, oder du lässt es ohne Unterstützung eines «alten Hasen» besser bleiben.
Da ein Pflegepferd nicht dir gehört, hat sein Besitzer das Recht, es z. B. von einem Tag auf den anderen zu verkaufen und zwar an wen er will. Deine Meinung zählt dabei nicht und das kann sehr hart sein, wenn du dich von deinem geliebten Pflegepferd trennen musst.
Ein Pflegepferd findest du, indem du in Zeitungen bei den Kleinanzeigen oder an Anschlagbrettern in Supermärkten usw. oder im Internet suchst, selbst eine Anzeige aufgibst oder direkt einen Pferdebesitzer fragst, ob er ein Pflegemädchen/-junge brauchen kann. Oft sind auch Reitlehrer und die Verkäufer im lokalen Reitsportgeschäft gut informiert über Pferdebesitzer, die jemanden suchen. Dort solltest du also unbedingt nachfragen.
Als Pflegemädchen oder Pflegejunge solltest du eine Haftpflichtversicherung abschliessen und die schriftliche Einverständnis deiner Eltern haben. Kläre mit dem Pferdebesitzer ab, was deine Aufgaben sind, ob du auch etwas zahlen musst und ob du das Pferd reiten darfst.
Auch bei der Suche nach einem Pflegepferd gilt: Das Pferd sollte zu dir passen. Du solltest mit ihm nicht überfordert sein. Ebenso wichtig wie das Verhältnis zum Pflegepferd ist das Verhältnis zu seinem Besitzer. Wenn du ihn nicht magst oder ihr sehr unterschiedliche Auffasungen in Bezug auf den Umgang mit Pferden habt, solltest du dir gut überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, ausgerechnet sein Pferd zu pflegen.
Eine Reitbeteiligung ist schon fast wie ein eigenes Pferd, aber das Pferd gehört meist immer noch dem Besitzer allein, er kann über es bestimmen und es auch an jemand anderen verkaufen, wenn er das will.
Meistens zahlst du einen fixen monatlichen Betrag für deine Reitbeteiligung, der von Fall zu Fall ganz unterschiedlich hoch sein kann. Es liegt an dir, wieviel du wofür zu zahlen bereit bist. Du machst mit dem Besitzer ab,wer an welchen Wochentagen zum Pferd schaut und es bewegen darf. Sprich auch ab, ob du dich weiterhin voll an den Kosten beteiligst, wenn das Pferd krankheitshalber über längere Zeit nicht geritten werden kann.
Mit einem Reitbeteiligungspferd darfst du oft auch auf Turniere und in die Reitstunde gehen. In der Wahl des Reitlehrers bist du aber unter Umständen eingeschränkt. Der Pferdebesitzer erwarte im Normalfall ein gewisses reiterliches Können von dir, sodass du selbständig reiten und das Pferd versorgen kannst. Manche Pferdebesitzer vergeben Reitbeteiligungen ausserdem erst an Reiter über 18 Jahren.
Ohne genaue Absprache funktioniert eine Reitbeteiligung nicht und Rechte und Pflichten beider Reiter sollten darum in einem Reitbeteiligungsvertrag festgehalten werden. Deine Eltern müssen mit einer Reitbeteiligung einverstanden sein, wenn du minderjährig bist. Sie haften, wenn du mit dem Pferd etwas anstellst.
Eine wenig bekannte Möglichkeit zum «eigenen» Pferd zu kommen, ist eine Patenschaft für ein altes oder unreitbares Pferd auf einem Gnadenhof zu übernehmen. Gnadenhöfe sind oft Vereine, die von Spenden leben und in denen die Mitglieder auch noch ihr letztes Geld für die Pferde zusammenkratzen. Gnadenbrotpferde brauchen häufig spezielles Futter oder regelmässig den Tierarzt. Ausserdem müssen die Ställe und Weiden in Ordnung gehalten, renoviert oder ausgebaut werden.
Da die Pferde nicht arbeiten können, verdienen Gnadenhöfe mit ihnen kein Geld. Deshalb gibt es oft die Möglichkeit, eine Patenschaft zu übernehmen. Du kannst wählen, von welchem Pferd du Pate sein möchtest und zahlst dafür einen bestimmten Geldbetrag an den Gnadenhof. Je nach Gnadenhof kannst du selber bestimmen, wann und wieviel Geld du spenden möchtest. Manchmal gibt es auch bestimmte Monats-, Halbjahres- oder Jahresbeiträge. Es ist auch möglich, als ganze Familie oder Clique eine Patenschaft zu übernehmen.
Es bestehen in der Regel keine weiteren Verpflichtungen, aber wenn der Hof in deiner Nähe liegt, ist es fast immer möglich, auf dem Gnadenhof zu helfen oder auch das Pferd zu putzen und mit ihm spazieren zu gehen. Viele Gnadenhöfe sind dankbar für jede Hilfe. Vom Gnadenhof werden die Paten auf dem Laufenden gehalten, wie es «ihrem» Pferd geht und was so im Stall passiert. An die Adresse von Gnadenhöfen in deiner Nähe kommst du z. B. über den Tierschutzverein.