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Roger Federer erwischte bei seiner 21. Teilnahme in Serie am Turnier in Wimbledon einen Kaltstart. Dank seiner Routine und Klasse setzte sich der achtfache Champion am Ende gegen den Südafrikaner Lloyd Harris aber doch souverän mit 3:6, 6:1, 6:2, 6:2 durch.
Mirka Federer schien sich Sorgen zu machen. Als der südafrikanische Aussenseiter Lloyd Harris (ATP 86) nach knapp einer halben Stunde auf dem Centre Court von Wimbledon den ersten Satz gegen Roger Federer verdient mit 6:3 gewonnen hatte, verfinsterte sich die Miene der Ehefrau des Rekordsiegers des All England Lawn Clubs. Während der Underdog aus dem Geburtsland von Federers Mutter frech und unbeschwert aufspielte, wirkte der Baselbieter träge und versprühte für einmal nicht den von ihm gewohnten Esprit.
Ein Satzverlust zum Auftakt in sein Lieblingsturnier war Federer letztmals 2010 widerfahren, als er sich gegen den Kolumbianer Alejandro Falla erst in fünf Sätzen durchzusetzen vermochte. Seither gewann Federer alle seine Startspiele in Wimbledon ohne Satzverlust, bei seinem letzten Triumph 2017 gab er sogar während des ganzen Turniers keinen Satz ab.
Einen ähnlichen Krimi wie 2010, als er mit 0:2-Sätzen in Rückstand geriet, ersparte sich der Weltranglisten-Dritte diesmal - auch dank seiner Erfahrung. «Ich habe das Selbstvertrauen und weiss, dass es für mich jeweils mehrere Möglichkeiten gibt, eine Partie zu gewinnen», sagte Federer. «Deswegen gibt es jeweils keinen Grund, in Panik zu verfallen.» Ein Satzverlust könne immer einmal passieren. «Aus Erfahrung weiss ich, dass auch danach der Weg zum Sieg für den Gegner noch ein langer ist.»
Mit Federers erstem Break zum 3:1 im zweiten Satz drehte die Partie. Als der 20-fache Major-Sieger sich besser zu bewegen begann und er das Spiel des ihm zuvor unbekannten Kontrahenten besser lesen konnte, verschoben sich die Stärkeverhältnisse. Zudem hatte der 22-Jährige aus Kapstadt ab Ende des dritten Durchgangs mit Beschwerden am linken Unterschenkel zu kämpfen, so dass Federers Sieg vor den Augen seiner Kinder und der Herzogin Kate, die in der Royal Box sass, nie in Gefahr geriet.
«Ich bin sehr zufrieden mit meiner Reaktion», sagte Federer. Zu Beginn habe er sich rostig gefühlt und schwere Beine gehabt. Hinzu kam, dass er sich an die diesjährigen Bedingungen gewöhnen musste, wobei die Plätze laut Aussagen diverser Spieler etwas langsamer sind als auch schon. «Ich dachte im ersten Satz, das sind die langsamsten Bedingungen, auf denen ich hier jemals gespielt habe», so Federer. «Aber wahrscheinlich war ich es, der sich wie eine Schnecke bewegte.»
Die Erfahrung all der Jahre auf der Tour halfen ihm, die Situation richtig einzuschätzen. In Wimbledon bestritt der bald 38-Jährige seine 108. Partie - bei seiner 21. Teilnahme, womit er Jimmy Connors übertraf und für einen weiteren Rekord sorgte.
In der 2. Runde am Donnerstag trifft Federer mit dem Briten Jay Clarke (ATP 169) erneut auf einen Gegner, gegen den er noch nie gespielt hat. Der 20-Jährige aus Derby, der von einer Wildcard profitierte, setzte sich gegen den Amerikaner Noah Rubin in vier Sätzen durch und sagte mit Blick auf das Duell mit Federer: «Ich werde nicht überrascht sein und weiss, was mich erwartet. Ich habe Federer oft spielen sehen und versuchte, viele Dinge zu kopieren, die er gemacht hat.» (sda)