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Obwohl mit dem GP der Stadt Zürich in Dielsdorf und mit dem GP des Kantons Aargau in Aarau, zwei der klassischen Jagdrennen bereits in der Frühling-/Sommersaison gelaufen werden, gilt die Herbstsaison als eigentliche Hindernissaison. Das liegt unter anderem daran, dass im September in Aarau der GP der Schweiz über die grünen Sprünge gelaufen wird und im Oktober in Maienfeld jeweils gleich ein gutes halbes Dutzend Hindernisrennen in allen drei Sparten – Hürden, Jagd und Cross – an zwei Renntagen über die Bühne gehen.
Es ist also an der Zeit, die Herbst-Hindernissaison ins Visier zu nehmen und ein bisschen hinter die Kulissen des Hindernisrennsports zu gucken. Mit wem ginge das besser als mit dem aktuell führenden Trainer im Hindernis-Championat?
Nachgefragt bei Philipp Schärer
Danke, Philipp, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst.
Im Moment führst du im Hindernis-Championat mit vier Siegen und acht Plätzen vor Claudia Schorno mit drei Siegen und zehn Plätzen; als Dritter folgt dein Bruder Andreas mit zwei Siegen und sieben Plätzen. Du liegst aber auch im Flach-Championat als Zweiter sehr gut im Rennen. Allerdings dürfte es dort eine fast unlösbare Aufgabe sein, Miro Weiss noch einzuholen. Wie siehst du deine Chancen, dich Ende Saison als Hindernis-Championtrainer feiern zu lassen?
Philipp Schärer: Grundsätzlich beachte ich das Championat während der Saison nicht. Ich probiere Rennen für Rennen das Möglichste zu tun, wenn mir das gelingt, ist dies Ende Saison ersichtlich – auch in der Champinats-Rangliste.
Welche Hindernispferde sind im Herbst deine besten «Waffen» und welche Rennen werden sie voraussichtlich laufen? Gibt es zum Beispiel ein Pferd, das den GP der Schweiz als Saisonziel anpeilt oder vielleicht eines das die Krone des Crosskönigs in Maienfeld erobern soll?
Papageno sollte die grösseren Steeple laufen, ob er im GP der Schweiz eine Nennung erhält, wird sich noch zeigen. Saltas hat alle Möglichkeiten auf der Hürden- und Steeplebahn, wie auch Arable. Egisto und Taxi Boy werden sicher um den Titel des Crosskönigs mitstreiten.
In den grossen Rennsportländern wie Frankreich und England gibt es viele Trainer die sich entweder ganz auf die Sparte Flach oder die Sparte Hindernis konzentrieren. Auch in der Schweiz gab es in der Vergangenheit schon Trainer – zum Beispiel Hubert Despont – die als reine Hindernistrainer fungierten. Könntest du dir vorstellen, dich auf die Sparte Hindernis zu spezialisieren oder ist das in der Schweiz wirtschaftlich gar nicht möglich, weil relativ wenige Besitzer auf Hindernispferde setzen?
Es liegt weniger an den Besitzern als viel mehr an den Rennen, die in der Schweiz zur Verfügung stehen. Die Anzahl der Hindernisrennen hierzulande lässt keine Spezialisierung auf diese Sparte zu. Zumindest nicht, wenn man als Profitrainer agiert. Für Besitzer- oder Teilzeittrainer, die ihr Geld anderweitig verdienen, ist eine Spezialisierung denkbar.
Talent zum Springen ist schnell ersichtlich
Anhand welcher Kriterien entscheidest du, ob ein Pferd von der Flachen auf die Hindernisbahn wechselt? Oder springst du grundsätzlich alle Pferde ein, um ihnen mehr Abwechslung im Trainingsalltag zu bieten und vielleicht auch im Hinblick auf eine zweite Karriere als Reitpferde? Oft werden ja auch Pferde, die ein bisschen die Lust an den Rennen verloren haben, eingesprungen. Quasi um sie bei Laune zu halten.
Cavaletti-Arbeit machen bei mir fast alle Pferde. Anhand des Bewegungsablaufes ist dabei schnell ersichtlich, ob ein Pferd für anspruchsvollere Hindernisarbeit geeignet ist. Der Hauptgrund für einen Spartenwechsel ist oftmals, dass die Pferde in einer Disziplin gewichtemässig anstehen und so neue Möglichkeiten gefunden werden müssen. Das Springen im Training ist aber sicher auch eine gute Abwechslung für jedes Pferd, wie auch für die Reiter.
Landläufig sagt man, Pferde die auf der Flachen über Distanzen von 2000 bis 2600 m gelaufen sind, seien die geeignetsten Hindernispferde. Es gibt aber auch Stimmen, die vehement dafür plädieren, dass typische Meiler zu den besten Cracks über Sprünge werden. Einig sind sich wohl alle, dass Sprinter eher nicht für Hindernisrennen geeignet sind. Wie siehst du das?
Meiner Erfahrung nach sind die Meiler prädestinierte Hürdler. Mitteldistanzpferde bis Steher sind tendenziell besser auf der Steeplebahn aufgehoben. Mit Sprintern im Hindernissektor habe ich keine Erfahrung. Allerdings ist es Tatsache, dass jedes Pferd springen kann und die Art und Weise der Schulung und des Trainings entscheidend ist.
Ist es schwierig, Besitzer davon zu überzeugen, dass ihr Pferd über Sprünge besser aufgehoben wäre als auf der Flachen?
Nein. Wenn man den Besitzern fachlich fundiert und gut verständlich erklärt, wieso ein Wechsel ihres Pferdes auf die Hindernisbahn sinnvoll ist, nehmen sie das auch gut auf. Denn jeder Besitzer möchte das Beste für sein Pferd und zudem Erfolge verzeichnen.
Zu guter Letzt nochmals ein Ausblick auf den Herbst: Welche Rolle spielt das Bruderduell «Schärer gegen Schärer» im Hindernis-Championat? Gibt es da eine familieninterne Challenge in der ihr euch gegenseitig antreibt oder ist das überhaupt kein Thema?
Das ist überhaupt kein Thema für mich. Hauptsache ein Schärer ist vorn!
Herzlichen Dank, Philipp, dass du uns einen so detaillierten Einblick in deine Arbeit gegeben hast. Die Leser von Galoppszene und ich wünschen dir und deinen Schützlingen eine verletzungsfreie und erfolgreiche Herbstsaison.