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Die Liebe in Zeiten des Schneegestöbers
Seid ihr bereit für den ersten Schnee? Ob ja oder nein, ich habe den richtigen Roman für euch, wenn er denn kommt. Alex Capus beginnt seinen neuen Roman "Königskinder" nämlich genau dort: mitten im Schneegestöber.
Max und Tina wollen in ihrem roten Toyota einen Schweizer Alpenpass zwischen dem deutschsprachigen Simmental und dem französischsprachigen Greyerzerland (ja, da wo der Käse und die schwarz gefleckten Kühe herkommen) überqueren, bleiben aber im plötzlich massenhaft fallenden Schnee stecken. Was tun? Das ist die Gelegenheit für Max, seiner Tina die Geschichte von Jakob und Marie zu erzählen. Eine wahre Geschichte.
Von Standes wegen getrennt
Die beiden lebten zur Zeit von Louis XVI, dem Sonnenkönig, in einem abgelegenen Alpental. Marie, eine reiche Bauerntochter, unten im Tal. Jakob, der Sennenjunge, oben am Berg. Schon bei der ersten Begegnung, war es um die beiden geschehen. Für beide war sofort sonnenklar, dass sie zusammengehörten. Maries Vater, war damit aber überhaupt nicht einverstanden, er hatte sich eine viel bessere Partie für seine Tochter erhofft. Und dann musste Jakob in den Militärdienst, wo er sieben lange Jahre bleiben sollte. Und das ausgerechnet in Cherbourg in der Normandie, dem einzigen Ort Europas, an dem kein Krieg herrschte (oder fast). Ihm blieb also genug Zeit, an Marie zu denken. Marie ihrerseits harrte zuhause aus, ignorierte alle heiratswilligen Männer um sie herum, interessierte sich stattdessen für die ersten Ballone und andere Fluggeräte, von denen sie Kunde erhielten, und fror. Denn es war 1783, der erste Winter nach dem Ausbruch des Vulkans Laki auf Island.
Die rote Zora des Königshauses
Gleichzeitig richtete sich die rebellische Elisabeth, die Schwester des Sonnenkönigs, auf dem Landgut Montreuil - nahe Versailles - häuslich ein und baute den darbenden Landwirtschaftsbetrieb wieder auf. Die besten Schlachtrinder mussten her und auch die besten Milchkühe: schwarzweisse Freiburger Milchkühe, um genau zu sein. Wie nun die Freiburger Kühe, ein Schweizer Soldat namens Jakob, eine französische Prinzessin und eine Schweizer Bauerntochter namens Marie zusammengefunden haben, müsst ihr schon selber in "Königskinder" nachlesen. Das Eindrückliche daran? Die wichtigsten Fakten rund um das französische Königshaus, rund um Jakob und Marie und natürlich die übrigen Ereignisse der Weltgeschichte, die Auswirkungen auf die Liebe der beiden jungen Menschen hatten, sind historisch verbürgt.
Der Meister der Verschmelzung von Fiktion und Wirklichkeit
Alex Capus zeigt in seinem neusten Roman einmal mehr, wie gut er es versteht, historische Tatsachen mit seiner lebhaften Fantasie zu durchwirken und zu einem grossen, detaillierten, glaubwürdigen Ganzen zu verweben. Durch die witzigen Dialoge zwischen Max und Tina - die immer noch im Auto ausharren - werden wir immer wieder in die Realität zurückgeholt und erfahren, was zum wahren Kern der Geschichte gehört und an welchen Stellen Max alias Alex Capus der Unterhaltung und Stringenz wegen etwas ausschmücken musste. So bleibt der Roman davor gefeit, zu stark ins Kitschige abzudriften. Denn die Geschichte zwischen Marie und Jakob - verbunden mit der roten Zora von Versailles und den langen Armen der Weltgeschichte - ist schon fast zu unglaublich, um wahr zu sein.
Fazit
Wenn ihr einen unterhaltsamen, gut geschriebenen, oft ironischen, manchmal unerbittlich ehrlichen (Versailles stinkt!) Roman rund um ein Liebespaar lesen wollt, das nach menschlichem Ermessen zu Zeiten der französischen Revolution nie und nimmer zusammengefunden hätte, seid ihr mit Alex Capus' "Königskinder" bestens beraten.
PS: Ich bin langjähriger Fan von Alex Capus und kann euch insbesondere "Reisen im Licht der Sterne", "Eine Frage der Zeit" und "Léon und Louise" empfehlen. Ebenso eine Pilgerreise nach Olten. Die Links zu seinem Restaurant und seiner Bar (eingehend beschrieben in "Das Leben ist gut") findet ihr unten.
Die Fakten
Königskinder
Alex Capus
Carl Hanser Verlag
176 Seiten
Erschienen am 10.08.2018
ISBN: 978-3-446-26009-2
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