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Frauen haben im Durchschnitt eine tiefere Finanzkompetenz als Männer. Doch woran liegt das? Eine einflussreiche Studie zeigt auf, dass ein wesentlicher Teil der Differenz durch unterschiedliches Selbstvertrauen erklärt werden kann.
Die wirtschaftswissenschaftliche Literatur ist sich bezüglich Geschlechterunterschieden bei Finanzthemen einig: In Befragungen, die darauf abzielen, die Finanzkompetenz einer Person zu messen, schneiden Frauen im Durchschnitt klar schlechter ab als Männer. Zudem signalisieren Frauen im Vergleich immer wieder ein geringeres Interesse für finanzielle Fragen.
Die Forschung hat sich bisher aber schwer damit getan, diese Unterschiede zu erklären, auch weil in verwandten Nebendisziplinen wie der Mathematik Mädchen sich gleich talentiert erweisen wie ihre männlichen Mitschüler.
Analysiert man die Antwortmuster solcher Befragungen zu Finanzthemen, so stellt man schnell einmal fest: Frauen antworten im Vergleich zu Männern überproportional oft mit «Ich weiss (es) nicht». Laut der auf finanzielle Allgemeinbildung spezialisierten Wirtschaftswissenschaftlerin Annamaria Lusardi ist dies ein globales Phänomen.
Daraus lässt sich erahnen, dass Frauen vielleicht genau deshalb eine geringere gemessene Kompetenz aufweisen, weil sie sich selbst weniger zugestehen. Denn nur, weil solch leere Antworten nicht als korrekt gezählt werden, heisst das noch nicht, dass Frauen mit ihrem Wissen und ihren Vermutungen falsch liegen.
Tabea Bucher-Koenen, Rob Alessie, Annamaria Lusardi, und Maarten van Rooij wollten dieser Frage auf den Grund gehen und haben ein dazu repräsentatives Set an holländischen Haushalte zweimal auf ihr Finanzwissen getestet. In einer ersten Runde wurde ein üblicher Fragebogen verwendet, der unter anderem auch die Option «Ich weiss (es) nicht» enthielt. Wie so oft stellte sich dabei heraus, dass Frauen im Durchschnitt deutlich schlechter abschnitten als Männer.
Sechs Wochen später liess man die gleichen Personen nochmals den gleichen Fragebogen ausfüllen – dieses Mal ohne die Option «Ich weiss (es) nicht», dafür mit der Nachfrage, wie selbstsicher sie sich bezüglich ihrer Antwort fühlen. Bei dieser Nachbefragung lag eine grosse Anzahl Frauen mit ihren Vermutungen richtig und erzielten durch das neue Design des Fragebogens einen höheren Score.
Viele Frauen hatten demnach im ersten Versuch einfach nicht genügend Selbstvertrauen, die Frage zu beantworten, obwohl es sich eigentlich um recht simple Fragen handelte (siehe unten). Durch das Design der Studie ist es den Autoren gelungen, den Anteil des Geschlechtsunterschieds, der sich auf geringeres Selbstvertrauen zurückführen lässt, zu quantifizieren: Es ist ein Drittel – und somit ein erheblicher Anteil.
Finanzkompetenzen zählen zu den Schlüsselqualifikationen, die junge Erwachsene heute benötigen, um sich in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt behaupten zu können. Finanzielle Grundkenntnisse sind elementar für korrekte Spar- und Investitionsentscheidungen, und gleichzeitig sind darauf basierende erste Erfahrungen wichtig, um diese Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen.
So ist es auch nicht erstaunlich, dass Personen mit einer höheren Finanzkompetenz in der Regel mehr sparen, und somit deutlich besser in der Lage sind, unvorhergesehene Ereignisse aufzufangen oder fürs Alter vorzusorgen. Eine hohe Finanzkompetenz hat zudem einen präventiven Effekt, indem diese zum Beispiel vor Überschuldung schützt.
Das Furchtlose Mädchen («Fearless girl») wurde zum Weltfrauentag geschaffen und steht im Stadtteil Manhattan direkt gegenüber der New York Stock Exchange. Die Studienautoren haben sich beim Titel ihrer Arbeit («Fearless woman: financial literacy and stock market participation») von der Bronze-Statue inspirieren lassen: Weder Mädchen noch Frauen sollen demnach Finanzthemen ängstlich angehen.
Auch wenn ein Drittel des geschlechterspezifischen Unterschieds in Finanzkompetenzen erklärt werden können, so bleiben zwei Drittel davon doch unerklärt, und es wird schwierig bleiben, die entsprechenden Erklärungen dafür zu finden. Es ist aber davon auszugehen, dass klassische Rollenbilder eine wichtige Rolle spielen. So konnte eine Studie aus Italien belegen, dass Mädchen, die in Haushalten aufwachsen in denen die Mutter erwerbstätig ist, eine höhere Finanzkompetenz aufweisen als ihre Peers in der Vergleichsgruppe.
Langfristig müssen diese geschlechtertypischen Muster und Stereotypen also durchbrochen werden, wenn die Unterschiede zwischen den Geschlechtern beseitigt werden sollen. Zudem sollten die Finanzkompetenzen aller gestärkt werden, denn diese sind – auch bei Männern – in vielen Fällen noch ungenügend. Um die Menschen in ihrer Selbständigkeit zu stärken, ist es gemäss den Studienautoren wichtig, die Problematik auf mehreren Ebenen kombiniert anzugehen.
Einerseits sollten in den Schulen elementare finanzielle Kenntnisse vermittelt werden. Wichtig ist dabei, dass der Unterricht zu Finanzthemen obligatorisch ist, damit sich junge Frauen nicht aufgrund von durch geschlechtertypischen Verhaltensnormen und Einstellungen ausklinken. Zudem sollten Mädchen besonders aktiv dazu ermutigt werden, sich mit finanziellen Fragenstellungen auseinanderzusetzen.
Anderseits ist es wichtig, was mit dem neu erworbenen Wissen angefangen wird. So ist es elementar, dass dieses Wissen in der Praxis angewandt wird. Nur wenn man jungen Menschen – und hier insbesondere den jungen Frauen – diese Möglichkeit gibt, können die notwendigen positiven und selbstwirksamen Erfahrungen gemacht sowie das nötige Selbstbewusstsein aufgebaut werden.
[1] Die Studie «Fearless woman: financial literacy and stock market participation» ist unter dem folgenden Link frei zugänglich.
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Classtime (www.classtime.com) ist eine webbasierte Fragenbibliothek für den digitalen Unterricht. Classtime eignet sich insbesondere für formative Evaluationen des Lernstands und bringt bei der Korrekturarbeit grosse Zeitersparnis.
Die über 250 Fragen von Iconomix adressieren wichtige Inhalte der finanziellen Grundbildung auf Sekundarstufe II. Sie sind in 17 Bereiche unterteilt. Die einzelnen Fragen können – wie üblich auf Classtime – durch die Lehrperson bei Bedarf kopiert, verändert oder neu zusammengestellt werden.
Anhand der Fallbeispiele Online-Shopping, Online-Budgeting und Online-Gaming werden im Modul «Digitale Finanzkompetenz» drei für junge Menschen wichtige Handlungsfelder im Netz thematisiert.
Wie wichtig ist Finanzkompetenz und wie verbreitet ist sie in der Bevölkerung? Als eine der weltweit führenden Forscherinnen kennt Annamaria Lusardi die Antworten. Eine zentrale Rolle in ihrer Forschung spielt die Frage, inwiefern Finanzkompetenz mit Bildungsprogrammen verbessert werden kann.