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Das Dorf Gattikon, früher Hof Gattikon genannt, gehört heute politisch zu Thalwil, postalisch zu Langnau am Albis.
Im 15./16. Jahrhundert war Thalwil in vier "Wachten" (frühere militärische Bezeichnung für grössere Siedlungen am Zürichsee) aufgeteilt und Gattikon bildete mit Langnau zusammen eine davon. 1713 löste sich Langnau von Thalwil und Gattikon bildete fortan eine eigene Wacht.
Gattikon erstreckt sich von der Höhe des Zimmerberges bis hinunter zur Sihl. Früher war das Dorf nur ein kleiner Weiler und bestand zur Hauptsache aus einer Mühle, dem heutigen Hof und der Sihlhalden.
Der industrielle Aufschwung für Gattikon begann in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts. Der damalige Mühlenbesitzer, Hans Jakob Schmid-Höhn, gründete an der Sihl eine Spinnerei. Sein jüngerer Sohn, Hans Heinrich Schmid-Kölliker, übernahm 1842 die Fabrik und baute sie 1859/60 zu einer mechanischen Baumwollweberei aus. Für seine Fabrik nutzte Heinrich Schmid die Wasserkraft von der Sihl und des Gattiker Weihers und vergrösserte durch eine Erweiterung der Wasserkraft sogar den Waldweiher. 1870 liess er das erste, 1907/08 das zweite Schulhaus in Gattikon bauen. Auch setzte er sich für ein besseres Verkehrssystem ein.
1873 zog sich Heinrich Schmid aus seinem Unternehmen zurück und überliess es seinen Söhnen Alfred und Ferdinand. 1892 wurde die alte Spinnerei und 1908 die Baumwollweberei liquidiert. 1918 kauften die Gebrüder Alfred und Karl Bretscher die Mühle. Doch die hohen Wiederherstellungskosten nach einem Brand 1928 trieben die Firma in den Konkurs. 1933 wurde die Genossenschaft "Neuhaus" Besitzerin des Grundstückes. 1939 übernahm die Firma Paul Sulger die "Mühle" und richtete eine galvano-technische Werkstätte ein. Der Betrieb wurde danach von seinem Schwiegersohn, Pius Stampfli-Sulger geleitet. 1971 wurde aus der Einzelfirma die Aktiengesellschaft Sulger AG gegründet, die aber 1997 infolge von zu vielen Auflagen für eine Sanierung des Betriebes wieder aufgelöst wurde. Heute sind alle Räumlichkeiten der "Mühle" untervermietet.
Die grösste bauliche Entwicklung erlebte Gattikon ab den 70er des letzten Jahrhunderts.
1979 wurde das Dorfzentrum "Obstgarten" (ehemaliger Landbesitz des Bauernhofes "zum Obstgarten") erstellt. Dahinter entstanden in der Schweikrüti eine grosse Schulhausanlage mit Mehrzweckhalle und Hallenbad. Auch der Landbesitz "Hof" wurde überbaut. Vom kleinen Gattikoner Weiler sind noch die Erholungsgebiete Sihlhalden und die beiden Weiher geblieben.