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ein blattförmiges, durch Verfilzung feiner Fäserchen entstandenes Fabrikat, das in den verschiedensten Größen
(Formaten) und Dicken hergestellt
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wird. Bis zu der Dicke, bei welcher es, ohne einzureißen oder zu zerbrechen, noch gefaltet werden kann (0,02-0,3
mm), heißt es kurzweg Papier, während dickere Fabrikate den NamenPappe oder Karton führen. Der Name Papier stammt ab von Papyros, dem
Namen einer Wasserpflanze, aus deren Schaft die Alten (schon vor 1562 v. Chr.) Blätter zum Schreiben herstellten.
Sie spalteten das vom Bast
[* 4] befreite Mark vermittelst eines scharfen Instruments in sehr feine, möglichst breite Längsstreifen.
Diese Streifen wurden mit Nilwasser angefeuchtet, auf Brettern schichtenweise übereinander gelegt, und zwar abwechselnd in der
Länge und in der Quere, und mit einem glatten Gegenstand (Zahn, Muschel etc.) geglättet. Dann wurde ein
solches Blatt,
[* 5] das durch einen Pflanzenleim Zusammenhang bekommen hatte, scharf gepreßt oder mit Hämmern geschlagen, hierauf
in der Sonne
[* 6] getrocknet. Durch Zusammenkleben solcher Blätter mittels Kleisters entstanden die längern Rollen.
[* 7] Die Griechen
nannten dieses Fabrikat biblos oder chartos und die Römer
[* 8] charta.
Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde in Deutschland die gewerbliche Thätigkeit gelähmt, und erst nach dem WestfälischenFrieden (1648) fand ein neuer Aufschwung auch in der Papiermanufaktur statt, welche nun auch besonders
in England durch die eingewanderten Hugenotten zur Blüte
[* 30] gelangte. Dazu kam die von Holland eingeführte, früher in Deutschland
erfundene neue Vorrichtung zum Zerkleinern der Lumpen, der sogen. Holländer, die bald statt des alten »Stampfgeschirrs« Eingang
fand, da sie viel mehr leistete.
Die wesentlichste Umgestaltung jedoch erfuhr die Papierfabrikation
[* 31] am Ende des vorigen Jahrhunderts durch die Erfindung der
Papiermaschine, welche auf dem Prinzip beruht, sämtliche Arbeiten des Papiermachens in der Weise durch mechanische Vorrichtungen
auszuführen, daß mit großer Schnelligkeit ein sehr breites und beliebig langes Papierband (endloses Papier) gewonnen wird.
Es entstanden bei diesem Bestreben zwei noch heute beliebte Systeme, die sich wesentlich nur durch die
Anordnung der Siebe (die auch hier Form heißen) unterscheiden, indem das eine System eine rotierende, cylindrische Form (Cylindermaschine),
das andre eine sich als Sieb ohne Ende größtenteils horizontal bewegende Form (Maschine
[* 32] mit gerader Form) besitzt.
Da die letztere Maschine sich leicht mit einer Schüttelvorrichtung verbinden läßt (daher auch kurz Schüttelmaschine genannt
wird), welche so wesentlich zur Papierbildung beiträgt, so bildet sie die Regel, die Cylindermaschine die Ausnahme. Als Erfinder
der Schüttelmaschine ist LouisRobert, Werkführer in der Papierfabrik Essonne, nicht weit von Paris,
[* 33] anzusehen, der 1799 ein
darauf bezügliches Patent erhielt, das er 1800 an Didot, den Direktor der Fabrik St.-Leger, verkaufte. DidotsSchwagerJohn Gamble
erwarb das Patent für England und führte es in Verbindung mit Fourdrinier (Papierfabrikant)
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Die Fabrikation des Papiers kommt darauf hinaus, kleine Fäserchen von geeigneter Beschaffenheit mit Wasser zu einem dünnen
Brei anzurühren, sodann in möglichst unregelmäßiger Weise durcheinander zu legen und endlich mit der Entfernung des Wassers
zu einer blattförmigen, fest zusammenhängenden Masse zu vereinigen.
Die zerschnittenen Lumpen werden darauf in einem Stäuber (Drescher) oder Wolf mechanisch von anhängendem Schmutz befreit.
Ein solcher Lumpenwolf hat große Ähnlichkeit
[* 42] mit dem Schlagwolf zum Lockern der Baumwolle (s. Spinnen).
[* 43] Der Stäuber dahingegen besteht aus einem hohlen, 1 m langen und 550 mm weiten Haspel aus acht Holzstäben, welche mit stumpfen
Zähnen besetzt sind. Dieser Haspel dreht sich in einem hölzernen Kasten, in dem ebenfalls Zähne
[* 44] angebracht sind, so daß die
eingeschlossenen Lumpen kräftig geschlagen werden und den durch ein Sieb abfallenden Staub verlieren.
Ein gewöhnlicher rotierender Kocher besteht aus zwei ineinander geschobenen horizontalen Cylindern, in deren Zwischenraum
die Lauge und der Dampf eingeführt werden. Hierzu dient ein Rohr für den Dampf und eins für die Lauge. Ein Hahn
[* 46] schließt das
Laugerohr ab. Innerhalb des Kessels tritt das Rohr in eine abgeschlossene Kammer und zerteilt sich in drei Stränge zwischen
den beiden Cylindern. Zum Herausnehmen der Lumpen ist der Deckel abzunehmen und durch eine Laufkatze zu
entfernen.
Die Drehung des Cylinders erfolgt auf vier Rollen. Durch Hähne verschließbare Stutzen dienen zum Abfließen der Lauge und des
Waschwassers. Inwendig sitzen Pflöcke zum Wenden des Kocherinhalts. Nachdem durch wiederholtes Kochen unter einer Pressung
von 2-4 Atmosphären die Trennung aller Fett- und Schmutzteile von den Hadern und die Zerstörung der Wollfasern
herbeigeführt ist, werden die Hadern durch Waschen mit warmem Wasser in Schaufelwaschmaschinen gründlich gereinigt und dann
zerkleinert. Das Zerkleinern wurde früher in Stampfmühlen (Stampfgeschirr, deutsches Geschirr, Hammergeschirr), jetzt fast
ausschließlich vermittelst zerreißender Werkzeuge
[* 47] (Messer) in Mahlapparaten (Stoffmühle, holländisches Geschirr, Holländer)
vorgenommen. Diese bestehen (Textfig. 2) aus einem Trog u, der in der Mitte durch eine Querwand at so geteilt ist, daß die
in demselben sich befindende Masse aus Lumpen und Wasser in der Richtung der Pfeile darin zirkulieren kann (Ziehen). Hierbei gerät
die Masse fortwährend unter den Cylinder d (Walze), welcher mit einer großen Zahl (32-48) Schienen oder
Messern ausgestattet ist, die