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Damien Brunner ist produktivste Schweizer Stürmer in der NHL. Jetzt bestreitet er mit der Nationalmannschaft die WM-Vorbereitung. Er sagt im Interview unter anderem, wie es möglich ist, dass aus einem Elite-B-Junioren ein Dollarmillionär in der NHL geworden ist.
watson: Dürfen wir Sie als Alphatier bezeichnen?
Damien Brunner: Ja, doch, das ist schon ein bisschen so.
In New Jersey können Sie diese Rolle nicht spielen. Wie passt das zusammen?
Das ist überhaupt kein Problem. In der NHL akzeptiert jeder seine Rolle und wird dafür respektiert. Anders als in der Schweiz motzt niemand, wenn er nicht im ersten Block spielt. Ich bin in der Kabine zwar nicht gerade für die Witze zuständig. Aber ich denke, dass meine gute Laune geschätzt wird.
Wie kommt es, dass Sie den Vertrag in Detroit im letzten Sommer nicht verlängert haben? Sie waren dort gut im Team integriert.
Beim Austrittsgespräch hat man mir gesagt, dass ich künftig nur noch für die dritte Linie vorgesehen sei. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass Detroit Daniel Alfredsson holen und dass er meine Position im ersten Powerplay übernehmen wird. Da war für mich klar, dass ich nicht mehr weiterkommen würde.
Sie bekamen schliesslich nur noch über den Umweg eines Tryout einen Zweijahresvertrag in New Jersey. Hatten Sie sich verpokert?
Nein. Eigentlich war alles für einen Vertrag bei einer anderen Organisation eingefädelt. Dann hat sich dieser Wechsel doch zerschlagen und es war so spät, dass die anderen Organisationen ihre Teams zusammengestellt hatten. Ich habe mir dann mit guten Leistungen im Trainingscamp und in den Vorbereitungsspielen einen Vertrag in New Jersey erkämpft.
Sie haben nie an eine Rückkehr in die Schweiz gedacht?
Nein, nie.
Sind die Regeln in New Jersey wirklich so streng wie kolportiert wird?
Die Regeln sind streng.
Zum Beispiel?
Kurze Haare und keine Gesichtsbehaarung. Wenn wir im Kraftraum sind, trägt jeder das gleiche T-Shirt. Wenn es heisst, der Teambus fährt um 15.00 Uhr, dann sitzt jeder schon um 14.45 Uhr im Bus und es wird um 14.50 Uhr abgefahren. Vor jedem Spiel gibt es ein Trocken-Aufwärmtraining, bei dem ausnahmslos alle mitmachen. Bei Auswärtstrips ist Anzug und Krawatte immer Pflicht.
Auch wenn Sie in Los Angeles sind und mal an den Venice Beach gehen?
Auch am Venice Beach.
Und was passiert, wenn gegen diese Regeln verstossen wird?
Alle halten sich an die Regeln und die Teamkollegen sorgen schon dafür, dass man keine Regeln verletzt. Es kann vielleicht mal sein, dass der General Manager beiläufig sagt, es sei Zeit, zum Coiffeur zu gehen.
Finden Sie das nicht albern?
Nein, nein. Ich wunderte mich am Anfang ja schon. Aber sehr schnell habe ich gemerkt, dass dies alles ein Teil der Kultur dieses Klubs ist und von allen gelebt wird. Der Erfolg spricht für diese Methode und ich habe höchsten Respekt für die Organisation der New Jersey Devils. General Manager Lou Lamoriello ist eine aussergewöhnliche Persönlichkeit. Jeder wird hier anständig und korrekt behandelt, jeder weiss immer genau, woran er ist und was von ihm erwartet wird. Ich habe das selber erfahren.
In welchem Zusammenhang?
Nach einem guten Saisonstart hatte ich eine Serie von schwachen Spielen. Da war ich einfach nicht gut. Ich bin in dieser Phase nie unter Druck gesetzt worden. Der Trainer und der General Manager haben mir ganz sachlich erklärt, was nicht gut ist und woran ich arbeiten solle. So bin ich wieder aus der Krise herausgekommen.
Was war das Problem?
Ich musste mich erst mit der Spielweise zurechtfinden. In New Jersey wird das Spiel an der offensiven blauen Linie nicht in die Breite gezogen sondern auf die Mitte konzentriert um die Verteidiger noch mehr unter Druck zu setzen. So wird alles enger und es gibt mehr Zweikämpfe und ich musste lernen, aggressiver zu spielen und dabei meine Schnelligkeit und Beweglichkeit einzusetzen.
Vom Elite-B-Junior in Winterthur zum NHL-Stürmer. Eigentlich eine märchenhafte Karriere. Wie ist das möglich geworden?
Ich verdanke alles meinem Vater. Er weiss wie der Sport funktioniert (er ist Sportlehrer und Volleyballtrainer – die Red.) und von Anfang an hat er nie Ausreden akzeptiert. Wenn ich die Schuld anderen geben wollte, hat er gesagt: "Und Du, hast Du denn alles richtig gemacht und alles gegeben?"
Warum sind Sie in Kloten letztlich nicht zum Zuge gekommen?
Ja, warum? Ich hatte eine gute erste Saison (2006/07 – die Red.). Beim ersten Vorbereitungsspiel vor meiner zweiten NLA-Saison gewannen wir gegen Mannheim und ich buchte vier Punkte. Von da weg war ich 35 Spiele lang nur noch 13. Stürmer. Die Begründung war, dass es für mich keinen geeigneten Center gebe.
Schliesslich hat Spieleragent Andy Rufener im Herbst 2008 einen Spielertausch eingefädelt, der heute legendär ist: Sie gingen im Tausch mit Thomas Walser nach Zug. Warum hat es in Zug geklappt?
Als ich da ankam, war ich zuerst ein wenig verloren. Aber ich hatte einen guten Einstand und dann holte mich Trainer Doug Shedden ins Büro und sagte mir geradeheraus, ich sei so talentiert, dass er von mir 30 Tore erwarte. Das hat bei mir etwas ausgelöst. Wow, der glaubt an mich! Ich bin also doch nicht so schlecht! Das hat mir unglaublich viel Selbstvertrauen gegeben.
Hat er Sie später auch dazu ermuntert, in die NHL zu wechseln?
Ja, er hat Raphael Diaz und mir rundheraus erklärt, wir seien so gut, dass wir in die NHL gehören. Das sei die beste Liga und dort müssten wir hin und hier würden wir bloss unser Talent verschwenden. Er hat für uns auch Kontakte hergestellt.
Sie haben eigentlich keine NHL-Postur. Warum haben Sie sich trotzdem durchgesetzt.
Meine Stärke ist meine Schnelligkeit und meine Koordinationsfähigkeit. Wenn meine Beine gut sind, dann ist alles gut. Ich musste mir zusätzlich eine gewisse Aggressivität aneignen. Nicht um meine Gegenspieler zu checken. Sondern um mit Entschlossenheit Pucks zu erkämpfen.
Sie haben als Junge ja nicht nur Eishockey gespielt.
Mein Vater hat dafür gesorgt, dass ich auch Leichtathletik machte, Volleyball und Fussball spielte. Ich glaube, das hat meine Bewegungskoordination verbessert. Ich dribbelte schon als Junior ohne auf den Puck zu schauen.
Sie haben auch die Matura gemacht. Wie geht das neben dem Eishockey?
Das ist überhaupt kein Problem. Ich behaupte, dass jeder auch nur durchschnittlich begabte Spieler problemlos neben dem Eishockey eine anspruchsvolle Ausbildung absolvieren kann. Wir haben dafür mehr als genug Zeit. Es ist bloss eine Frage der Organisation und des Willens. Eine Ausbildung ist eine gute Ablenkung vom Eishockey ab und eine zusätzliche Motivation. Jede bestandene Prüfung war für mich ein Erfolgserlebnis, das mich beflügelt hat. Im Februar 2007 hatte ich in Bern mündliche Maturaprüfungen. Meine Grosseltern haben mich gleich anschliessend nach Lugano gefahren, ich schaffte es gerade noch und wir haben das erste Playoffspiel 6:3 gewonnen. Es war toll.
Sie stecken nun in der WM-Vorbereitung. Mit wem werden Sie eine Sturmlinie bilden?
Ich habe jetzt mit Kevin Romy und Denis Hollenstein trainiert. Das könnte nicht schlecht funktionieren.
In Ihrer Karriere fehlt noch ein Highlight mit der Nationalmannschaft. Sie spielten vor einem Jahr die NHL-Playoffs und standen fürs WM-Finalteam nicht zur Verfügung.
Dieser WM-Final war ganz einfach fällig und hat sich schon länger abgezeichnet. Wir waren ja bereits 2010 in Deutschland nahe an einer grossen Überraschung. Ich ärgere mich noch heute über die damalige 0:1-Niederlage im Viertelfinale gegen Deutschland.