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Bei der Frage, wer eigentlich schuld an der Finanzkrise durch ungesicherte Immobilienkredite in den USA ist, hatten die Behörden in den USA schnell die Bösewichte ausgemacht: Die privaten Banken waren es, die leichtsinnig zu viele hochpreisige Häuserkredite an Kreditnehmer vergeben hatten, die diese sich gar nicht leisten konnten. Regierungsdokumente zeigen jedoch, dass die US-Regierung selbst auch einer der Kreditgeber war, die fleissig hochverzinsliche Suprime-Hypotheken ausgegeben hatten.
Die ungewöhnliche Situation, die Bankregulierern nach wie vor Kopfzerbrechen bereitet, rührt von der durch Bundesbeamte eingeleiteten Schliessung der Superior Bank FSB her, einem nationalen Subprime-Darlehensgeber. Anstatt die Bank 2001 sofort zu schliessen oder zu verkaufen, wie es normalerweise mit gescheiterten Banken geschieht, führte die Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) während der Suche nach einem Käufer das Subprime-Geschäft der Bank über Monate fort. Superior finanzierte 6700 neue Subprime-Kredite in Höhe von mehr als 550 Mio Dollar.
Dieselben Probleme wie überall
Der Kreditpool war mit denselben Problemen behaftet wie in der restlichen Industrie: Kreditvergabe an ungeeignete Schuldner, überhöhte Einschätzung und geringe Verifizierung des Einkommens des Kreditnehmers. Hunderte von Kreditnehmern der FDIC haben mittlerweile ihre Häuser verloren.
In den letzten Wochen haben sich die Regulierer erneut mit den Folgen der Subprime-Krise auseinandersetzen müssen. So übernahm die FDIC auch die Kontrolle über die gescheiterte Indymac Bank, einen grossen Darlehensgeber, der auf hochriskante Darlehen spezialisiert war. Die FDIC möchte Indymac ebenso wie Superior offen halten, aber keine neuen Hypotheken vergeben.
Die FDIC managt einen riesigen Versicherungsfonds, der Kunden pleitegegangener Banken entschädigt, und sie übernimmt die Führung von Banken, die von der Regierung übernommen wurden. Über die Jahre hat sie hunderte von Banken übernommen und ihre Aufgaben bisher gut bewältigt. Der Fall Superior könnte jedoch noch teuer werden. Die Beal Bank hatte der Behörde für etwa 339 Mio Dollar 5315 Superior-Hypotheken abgekauft. Etwa die Hälfte der Hypotheken stammt aus der Zeit, in der die FDCI Superior bereits kontrollierte. Die Beal Bank hat die Behörde nun verklagt, viele der Darlehen seien problembehaftet. Schätzungen gehen davon aus, dass die Verbindlichkeiten der FDIC bei 70 Mio Dollar liegen könnten. Die FDIC geht davon aus, dass 1500 der 5315 an die Beal Bank verkauften Darlehen notleidend sind.
FDIC-Sprecher Andrew Gray sagte, dass die Behörde «bereit war, sofort mit Beal zusammenzuarbeiten», um Hypotheken in Ordnung zu bringen, die gegen Konsumentenschutzgesetze verstiessen oder gegen die eigenen Hypothekenausgaberegeln der FDIC.
Eine Teilschuld an der Krise
Gray fügte hinzu, dass die FDIC «sehr besorgt ist um den Konsumentenschutz. Obschon diese Darlehen zu dieser Zeit alltäglich waren, hat uns die Erfahrung gelehrt, dass mit ihnen nicht immer den langfristigen Interessen der Darlehensnehmer gedient war.» Eine Teilschuld der Behörde an der Hypothekenkrise hat FDIC-Chefin Sheila Bair nun ungewöhnlich freimütig eingeräumt, man hätte früher einschreiten müssen. Bair kritisiert Darlehensgeber für lasche Kreditstandards, für den Abschluss schlecht gesicherter Darlehen und dafür, dass sie Kreditnehmern Produkte verkauft hätten, die diese eher in eine «finanzielle Notlage gebracht haben als dazu, Vermögen aufzubauen». Ein Behördenangehöriger erzählt, dass die oberste Priorität der FDIC bei der Superior nicht darin gelegen habe, die Bank wieder in Ordnung zu bringen.
«Die FDIC hat hohe Standards für Hypothekengeber ausgegeben, ist aber gescheitert, diese Standards selbst zu erfüllen, als sie Superior kontrollierte und Darlehen an die Beal Bank verkaufte», sagt Beal-Bank-Anwalt Andrew Sandler. «In diesem Gerichtsverfahren geht es darum, dass von der FDCI gefordert wird, dass sie sich an ihre eigenen Standards hält.»