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1830er-Jahre: die Anfänge
Den Startpunkt für die Elektromobilität setzte der englische Physiker Michael Faraday. Auf seinen Forschungen basiert der Elektromotor. Bald nach dessen Erfindung wurden in den 1830er-Jahren erste Elektrofahrzeuge entwickelt. Meist waren dies experimentelle Schienenfahrzeuge.
1880er-Jahre: von der Schiene auf die Strasse
1881 fuhr der französische Ingenieur Gustave Trouvé mit einem Dreirad durch Paris, das von einem Elektromotor angetrieben wurde – immerhin mit einer Geschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde. Ein Jahr später baute der deutsche Industrielle Werner Siemens die erste elektrische Kutsche, die ihren Strom von einer Oberleitung bezog. Sie gilt als Vorläuferin der heutigen Trolleybusse. Gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor hatte die Elektromobilität damals klar die Nase vorn: Erst 1886 meldete Carl Benz seinen «Motorwagen» zum Patent an.
1899: Der erste Porsche fährt elektrisch
Autolegende Ferdinand Porsche entwickelte als erstes Auto nicht etwa einen PS-starken Benziner, sondern für seinen damaligen Arbeitgeber Lohner-Werke ein Elektroauto – heute als «Lohner-Porsche» bekannt. Mit 50 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit war dieser Ur-Porsche aus heutiger Sicht allerdings nicht gerade ein Rennauto.
1899: Ein E-Auto in Zigarrenform bricht alle Rekorde
Der belgische Rennfahrer Camille Jenatz bewies 1899 die damalige Dominanz des Elektromotors: Sein Elektroauto «La Jamais Contente» knackte als erstes Strassenfahrzeug überhaupt die Marke von 100 Stundenkilometern. Möglich machte es die ungewöhnliche Zigarrenform. Während sich die etablierten Autohersteller beim Design noch an der Kutsche orientierten, war Jenatz bereits deutlich windschlüpfriger unterwegs.
1900er-Jahre: E-Autos als führende Technologie
Mit der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert erlebte das E-Auto seine erste Blüte und verkaufte sich besser als das Benzinauto. Die damaligen Modelle waren zwar nur 20 bis 30 Stundenkilometer schnell und hatten eine Reichweite von lediglich 50 bis 100 Kilometer. Doch gegenüber den unzuverlässigen und lärmigen Benzinern punkteten die Elektrofahrzeuge mit ihrem geräuschlosen Motor und dem geringen Wartungsbedarf. Vor allem aber brauchten die Fahrerinnen und Fahrer von E-Mobilen schon damals nur einzusteigen und loszufahren. Ein Benzinmotor hingegen musste mühsam angekurbelt werden. Das war nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich. Die grossen und schweren Handkurbeln führten zu vielen, teils schweren Unfällen.
Warum hat der Benziner das Elektroauto verdrängt?
Ab den 1910er-Jahren wurden immer mehr Benziner verkauft. Benzin wurde billiger, die Autos immer besser. Dank des elektrischen Anlassers für Verbrennungsmotoren, erfunden 1911, fiel das mühsame und gefährliche Ankurbeln weg. Mit viel Lobbying und Werbung unterstützen Erdölfirmen und Autohersteller den Absatz. Auch das Militär setzte wegen der höheren Reichweite auf Benziner.
1985: Elektroauto-Fans schauen auf die Schweiz
Erst durch die Ölkrisen der 1970er- und 1980er-Jahre rückte der Elektromotor als Antrieb wieder stärker in den Fokus – auch wenn eine Serienproduktion noch kaum ein Thema war. Das Schweizer Solarmobilrennen Tour de Sol schuf ab 1985 eine weltweit einzigartige, vielbeachtete Plattform für die Elektromobilität und die Photovoltaik. Mit alltagstauglichen Elektroautos hatten die fahrenden Kisten mit ihren riesigen Solarpanels allerdings wenig zu tun.
1990er-Jahre: erste Kleinserien und eine mysteriöse Geschichte
Nach einer langen Durststrecke entdeckten mehrere Autoherstellende in den 1990er-Jahren die Elektromobilität neu. Es entstanden verschiedene Studien und in Kleinserie produzierte Elektrofahrzeuge. Dazu gehört auch das Modell EV1 von General Motors. Das E-Auto wurde entwickelt, weil die kalifornischen Umweltgesetze von den grossen Autoherstellenden einen Anteil emissionsfreier Fahrzeuge verlangten. Die Kundinnen und Kunden konnten den EV1 allerdings nur leasen, nicht kaufen.
Nach drei Jahren beendete General Motors die Produktion, rief die rund 1 000 ausgelieferten Elektrofahrzeuge zurück und liess fast alle verschrotten. Die Gründe für diese mysteriöse Aktion sind bis heute umstritten. Der Hersteller selbst behauptete, die Produktion sei wegen der geringen Nachfrage eingestellt worden. Weil General Motors auch keine Ersatzteile mehr herstellte, wäre längerfristig kein sicherer Betrieb gewährleistet gewesen. Der Dokumentarfilm «Who Killed The Electric Car?» hingegen nährt die These, die amerikanischen Autohersteller und die Ölindustrie hätten einen Erfolg der Elektromobilität verhindern wollen.
2008: Elektromobilität wird cool
Lange Zeit wurden Elektromobile wegen ihres zuweilen skurrilen Designs und der bescheidenen Fahrleistungen belächelt. Der ab 2008 verkaufte Tesla Roadster holte die Elektromobilität aus der Ökonische heraus und machte das Elektroauto erstmals zum Lifestyleprodukt. Seine atemberaubende Beschleunigung sorgte selbst bei Autofans mit Benzin im Blut für ungläubiges Staunen.
2010er-Jahre: die ersten modernen Elektroautos in Grossserie
Die Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterie legte den Grundstein dafür, dass Elektroautos alltagstauglich wurden. Der Mitsubishi i-MiEV und der Nissan Leaf gelten als erste moderne E-Autos, die in Grossserie produziert wurden. Bald nach ihnen kamen immer mehr Elektrofahrzeuge auf den Markt. Durch die grösseren Stückzahlen sanken die anfangs noch happigen Preise deutlich. Ende des Jahrzehnts lagen bei einigen Elektroautos die Gesamtkosten über die technische Lebensdauer der Fahrzeuge bereits tiefer als bei vergleichbaren Benzinern.
2020er-Jahre: schnelles Laden wird zum Standard
Kurze Reichweiten bei langen Ladezeiten haben Autofahrer*innen noch vom Wechsel auf ein Elektroauto abgehalten. Doch auch dieses Argument gegen die Elektromobilität ist inzwischen hinfällig geworden: Bei der neusten Modellgeneration sind Ladeleistungen zwischen 100 und 200 Kilowatt der Standard. Die 800-Volt-Technik ermöglicht sogar noch schnelleres Laden. Das bedeutet: An den Schnellladestationen der GOFAST SA etwa lässt sich in fünf bis zehn Minuten genügend Strom für 100 Kilometer Fahrt laden. Und die Entwicklung der Elektromobilität geht weiter.
Was hat das Comeback der Elektroautos eingeläutet?
Ab 2035 erlaubt die EU nur noch emissionsfreie Autos. Einige Autohersteller setzen schon seit den 2010er-Jahren auf E-Mobilität. Grund sind die CO2-Zielwerte der EU: die Vorgabe, wie viele Gramm CO2 pro km alle Autos eines Herstellers im Schnitt ausstossen dürfen. Wer den Wert überschreitet, zahlt hohe Strafen. Die Zielwerte werden weiter gesenkt. Nach 100 Jahren sind die E-Autos definitiv zurück.
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