Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03249.jsonl.gz/780

Methodik
Beim Nowcasting werden verschiedene Messungen wie Regenintensität und Wolkeneigenschaften sowie Vorhersagen aus Wettermodellen verwendet, um den aktuellen Zustand des Gewitters und der atmosphärischen Umgebung zu beschreiben. Diese bestimmen die weitere Entwicklung des Gewitters und werden daher Prädiktoren genannt. Da es zahlreiche mögliche Prädiktoren gibt, muss eine Auswahl getroffen werden, in die unser Wissen über die zugrundeliegenden dynamischen und physikalischen Prozesse einfließt.
Die Auswertung des Informationsgehalts der Prädiktoren ist Inhalt aktueller Forschung. In COALITION-4 werden dazu Techniken des maschinellen Lernens (künstliche Intelligenz) verwendet. Diese sind in der Lage, multivariate nichtlineare Prozesse komplexer Systeme darzustellen und eine große Anzahl von Prädiktoren zu berücksichtigen. Innerhalb des COALITION-4-Projekts wird insbesondere, die Nutzung des Meteosat Third Generation (MTG) Satelliten vorbereitet, der 2023 ins Weltall geschossen wird. MTG hat verbesserte sowie komplett neu entwickelte Sensoren an Bord, die uns noch nie dagewesene Möglichkeiten bieten, Gewitter zu beobachten:
- Der Infrared Sounder (IRS) auf MTG wird Temperatur- und Feuchtigkeitsprofile vermessen, die die atmosphärische Instabilität bestimmen (z.B. CAPE, CIN). Der Effekt von MTG IRS wird mit Messungen von ähnlichen Sensoren (IASI, CrIS und AIRS) auf polaren Satelliten simuliert.
- Der MTG Lightning Imager (LI) vermisst die Blitzaktivität vom Weltraum aus. Blitze sind eine direkte Gefahr für den Flugverkehr sowie Freiluft-Veranstaltungen. Weiterhin entstehen Blitze nur in schweren Gewittern. Somit ist die Blitzaktivität auch ein guter Prädiktor für Hagelbildung und schwere Windböen. Um den Nutzen vom MTG LI zu quantifizieren, werden in diesem Projekt ähnliche Messungen des Global Lightning Mapper auf dem amerikanischen GOES-Satelliten verwendet.
- Der MTG Flexible Combined Imager (FCI) ist eine Weiterentwicklung des SEVIRI-Instruments, das zurzeit auf dem Meteosat Second Generation ist. Wesentliche Verbesserungen werden von der höheren räumlichen, zeitlichen und spektralen Auflösung von FCI im Vergleich zu SEVIRI erwartet. Die höhere zeitliche Auflösung wird das Tracking von Gewittern weiter verbessern und es ermöglichen, zusätzliche Charakteristika wie Overshooting Tops sowie die Divergenz im oberen Wolkenbereich zu erkennen. Zusätzliche spektrale Kanäle werden genauere Informationen über die Wolkenphase, die Mikrophysik und mehrschichtige Wolken liefern. Die Nutzung des FCI wird mit Beobachtungen des Advanced Baseline Imagers auf dem amerikanischen GOES vorbereitet.