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Emotionale Unmittelbarkeitvon Stephan Ruch Die deutsche Regisseurin Florentine Klepper zeichnet in ihrer Inszenierung der Oper «Katja Kabanova» von Leoš Janáček am Konzert Theater Bern das Porträt einer Frau, die moralische Grenzen überschreitet.
Ein fürchterliches Gewitter tobt. Donnerschläge erschüttern die Seele von Katja Kabanova (Johanni van Oostrum) wie ein Strafgericht. Sie hat Ehebruch begangen. Entehrt und von Schuldgefühlen geplagt, scheint es für die Unglückliche nur noch einen Ausweg zu geben: Sie begeht Selbstmord, indem sie sich in die Fluten der Wolga stürzt.
Ehebruch – damals und heute
Die Oper «Katja Kabanova» von Leoš Janáček spielt in einem russischen Dorf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. «Die Tragweite eines Ehebruchs unterscheidet sich heute deutlich von der damaligen Zeit. Natürlich zerreissen sich manche Menschen noch immer den Mund darüber, aber man überlebt es durchaus», sagt die deutsche Regisseurin Florentine Klepper. Um dieser Geschichte einen modernen Anstrich zu verleihen, habe sie für die Inszenierung in Bern nach einer Lesart gesucht, die sich an beiden «Zeitpolen» orientiere.
Sprachmelodie
Der tschechische Komponist Janáček ist bekannt für einen musikalischen Ausdruck, der sich am natürlichen Duktus seiner Landessprache orientiert. Auch in dieser Oper, die zwischen 1919 und 1921 entstanden ist, kommt das charakteristische Prinzip der «Sprachmelodie» zum Tragen. Für eine entsprechend emotionale Unmittelbarkeit sorgen das Ensemble von Konzert Theater Bern und das Berner Symphonieorchester unter der Leitung von John Kevin Edusei.