Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03351.jsonl.gz/2605

Mord in ... Bern
Peter Baumgartner
Mord in ... Bern
Ein Auftrag für Philippe Baumann
Kartonierter Einband / PoD
28.03.2022
Erzählende Literatur
CHF 8.20 / 8,99 €
120 Seiten
Leseprobe
Luigi Albertini war auf dem Weg ins Wochenende. Er freute sich darauf, wieder einmal zwei/drei Tage frei zu haben und diese zusammen mit seiner Frau verbringen zu können. Der Bundesratsjet sollte ihn nach Hause, respektive in sein Ferien-domizil in Carona oberhalb von Lugano führen. Dort wollte er sich ganz und gar von seinen Strapazen als Bundesrat und Gesundheitsminister erholen. Die Zeiten waren anstrengend, und Covid-19 bestimmte nach wie vor den Fahrplan.
Die Reise von Bern-Belp nach Agno/Lugano sollte knapp eine Stunde dauern, und Luigi bestieg den Flieger so gegen 1600 Uhr am Freitagnachmittag. Wenn alles gut ging, konnte er mit seiner Frau das Nachtessen einnehmen und er freute sich darauf. Der Flughafen Agno liegt lediglich rund 10 Kilometer oder 20 Fahrtminuten von ihrem Ferienhaus entfernt.
Die Reise von Bern-Belp nach Agno/Lugano sollte knapp eine Stunde dauern, und Luigi bestieg den Flieger so gegen 1600 Uhr am Freitagnachmittag. Wenn alles gut ging, konnte er mit seiner Frau das Nachtessen einnehmen und er freute sich darauf. Der Flughafen Agno liegt lediglich rund 10 Kilometer oder 20 Fahrtminuten von ihrem Ferienhaus entfernt.
Das Haus war schön und es erinnerte an ähnliche Häuser in Südfrankreich oder der Toskana. Der Blick auf den Lago di Lugano war einmalig und man konnte sich dort wohlfühlen. Luigi konnte es kaum erwarten, und das Wetter sollte für die kommenden Tage sehr annehmbar sein. Noch nicht zu heiss, aber auch nicht mehr so kühl, wie in den vergangenen Tagen war, um ein paar Stunden im Freien verbringen zu können.
Der Flieger hob ab, und noch während er und die beiden Piloten in der Luft waren, überkam ihn ein Unwohlsein. Luigi brachte dies mit dem Stress der letzten Wochen in Verbindung und er dachte, dass dies sicher schon bald wieder vorbei sein werde. Er schloss die Augen und stellte sich sein Haus und die Umgebung vor. Gleich würde es ihm mit Sicherheit wieder besser gehen.
Leider besserte sich sein Zustand nicht, jedoch wollte er sich nichts anmerken lassen und so stieg er, nachdem er sich von den beiden Piloten verabschiedet hatte, in ein Taxi in Richtung Carona, Via Principale.
Seine Frau, Carla, war mit den Vorbereitungen für das Abendessen beschäftigt und sie wollte ihren Mann mit einem feinen Risotto an einer Steinpilzrahmsauce überraschen. Sie wusste, dass er diese Mahlzeit liebte, und sie wollte ihm eine Freude bereiten.
Seine Frau, Carla, war mit den Vorbereitungen für das Abendessen beschäftigt und sie wollte ihren Mann mit einem feinen Risotto an einer Steinpilzrahmsauce überraschen. Sie wusste, dass er diese Mahlzeit liebte, und sie wollte ihm eine Freude bereiten.
Eigentlich wohnten die beiden normalerweise in Chur, jedoch als Tessinerin zog es Carla immer wieder nach Carona, wo sie das Haus von ihren Eltern übernehmen konnte. Auch Luigi stammte ursprünglich aus dem Kanton Tessin, jedoch führte ihn seine berufliche Tätigkeit in den Kanton Graubünden, wo er zusammen mit zwei Kollegen eine Anwaltskanzlei führte. Mit der Wahl in den Bundesrat vor rund zwei Jahren musste er diese Tätigkeit natürlich aufgeben, und auch sein Wohnsitz war fortan überwiegend in Bern. Er bewohnte dort eine bescheidene Zweizimmerwohnung in der unteren Altstadt.
Carla hatte das Cheminée angeworfen und die Temperaturen im Haus waren schon sehr angenehm. Sie legte noch zwei/drei Stück Brennholz nach, deckte bereits den Tisch und konnte die Ankunft ihres Mannes kaum erwarten. Selbst nach 25 Jahren waren sich die beiden sehr zugetan und sie freuten sich jedes Mal, wenn es ein Wiedersehen gab und wenn sie eine gewisse Zeit – auch wenn diese nur kurz war – gemeinsam verbringen konnten.
Ein Umzug nach Bern war für Carla keine Option. Sie fühlte sich in Chur und in ihrer Heimat dem Tessin zu Hause. Das Ehepaar blieb kinderlos und so stand für Carla vor allem ihr Beziehungsnetz mit ihren Geschwistern im Vordergrund. Alle wohnten in Reichweite und das wollte sie nicht aufgeben.
Luigi selber war in dieser Frage offener und er konnte sich vorstellen, überall zu leben. Wer ihn kannte, sprach von ihm als Philanthrop oder Menschenfreund, und das war er wirklich. Er half überall, wo er konnte, und das Geld stand für ihn nie im Vordergrund. Vielleicht war dies der Hauptgrund, weshalb ihn die vereinte Bundesversammlung zum Bundesrat gewählt hatte. Luigi eckte nicht an, vertrat jedoch stets seine Meinung und versuchte auf eine gute Art und Weise Lösungen zu finden.
...
Auch andernorts war die Welt aus den Fugen. Die nach eigenen Angaben «grösste Nation» der Welt ist tiefgespalten. Die Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr zeigten dies augenfällig und mit dem Sturm aufs ‘Capitol’ vom 6. Januar 2021 war das Undenkbare eingetreten. Gewaltbereite Terroristen folgten dem Aufruf des amtierenden Präsidenten und stürmten das Parlamentsgebäude. Es gab Tote und Verletzte und nicht nur das Land selber, sondern die ganze Welt stand Kopf. Was war hier geschehen?
Ein «zweigeteiltes» Land ritzte an den Grundfesten der Demokratie und wird dies wohl auch fortan tun. Knapp 50 Prozent der Amerikaner wählten Donald Trump für eine zweite Amtsperiode; gut 50 Prozent sprachen sich für seinen Herausforderer Joe Biden aus. Die USA zählen rund 330 Millionen Einwohner, wovon etwa die Hälfte, also rund 160 Millionen wahlberechtigt sind. Die Stimmbeteiligung lag bei etwa 66 Prozent oder zwei Drittel der Stimmberechtigten. Somit gingen wohl in etwa 100 Millionen Bürger an die Urnen. Von diesen 100 Millionen sind rund die Hälfte der ‘Grand Old Party’, also den Republikaner, zuzuordnen, und die andere Hälfte den Demokraten. – Doch nun kommt das Brisante: von den rund 50 Millionen, die Donald Trump gewählt haben, werden 15 Millionen (!) oder fast ein Drittel von Sicherheitsexperten3 als gewaltbereit eingestuft.
Wie diese Zahl einzuordnen ist, lässt sich nur erahnen. INFOsperber4 nennt in diesem Zusammenhang die Zahl von 1,5 Millionen Menschen, welche sich alleine am Samstag nach dem Sturm aufs ‘Capitol’ beim Kommunikationsdienst ‘Parler’ registriert haben sollen.
3 https://www.watson.ch/!538281632?utm_source=mail&utm_medium=social-u-
ser&utm_campaign=watson-app-ios – besucht am 19.1.2021
4 https://www.infosperber.ch/politik/welt/parler-die-app-die-user-der-gruender-und-das-
geld/ - besucht am 19.1.2021
Die Chaoten selber nutzten diese Kommunikationsplattform während des Sturms. Parler diente also als Informations-drehscheibe für gewaltbereite Randalierer, Rechtsextremisten und Gruppierungen wie die ‘Proud Boys’, die aktiv versuchten einen Bürgerkrieg anzuzetteln.
Ob all diesen Vorkommnissen entschied sich ‘Amazon’, das Speichermedium von Parler, dazu, den Dienst bis auf Weiteres zu sperren. – So weit, so gut. Aber, wie geht es weiter? Die Gruppierungen sind nach wie vor vorhanden, und die ‘QAnon’-Anhänger, eine Sekte mit abstrusen Verschwörungstheorien, sieht in Trump nach wie vor den Erlöser. Trump selber wird sich kaum stillhalten, womit der Graben zwischen den Parteien wohl noch grösser wird.
Philippe sass in seinem Büro und er sinnierte diesen Gedanken nach. Das Ganze beschäftigte ihn und er hatte das Bedürfnis, sich mit jemandem auszutauschen. Ihm kam dafür eigentlich nur ein Name in den Sinn und dieser war: Fred oder Freddy Würgler.
Fred war Journalist beim Radio SRF 1 und er war ein profunder Kenner des Weltgeschehens. Er lebte zusammen mit seiner Ex-Frau Susann und ihrem gemeinsamen Sohn Max in einem Vorort von Bern und sie hatten sich vor kurzem eine hübsche Eigentumswohnung angeschafft. Arbeiten muss Fred in Zürich und dies nicht nur nach seinem Wohlgefallen. Ursprünglich war das Radiostudio in Bern, aber die «Obrigkeit» sah dies anders und so war fortan Zürich sein Arbeitsort. Er konnte sich bis heute nicht mit diesem Entscheid anfreunden und so musste er ab und zu seinem Missmut freien Lauf lassen.
«Salut Freddy, wie geht es dir?» Philippe wählte seine Handynummer und er hatte ihn sogleich am «Draht». «So lala, du kennst ja die Umstände, und ich bin einmal mehr am Überlegen, ob ich den ‘Bettel’ hinschmeissen soll oder mich nach wie vor den Launen meiner Vorgesetzten aussetzen will.» «Was hältst du von einem kleinen Bier, mein Freund?», so die einladenden Worte von Philippe. «Sehr viel, bei dir oder bei mir?» «Mir egal, sag du.» «Ok, dann bei mir. Wie wäre es mit morgen Nachmittag, da bin ich zuhause und wir könnten und uns dort ein wenig unterhalten.» «Perfekt, ich werde um 1600 Uhr bei dir sein.» «Super, ich freue mich, bis bald.»
Philippe steht in Pension und so kann er über seine Zeit relativ frei verfügen. Er war ursprünglich Polizist und er übte diese Tätigkeit auch über lange Jahre aus. Sein Job bei der Kriminalpolizei bereitete ihm Freude, und er sah auch den Sinn in seiner Tätigkeit. Verbrechen aufzuspüren und Vaganten hinter Schloss und Riegel zu bringen waren ihm wichtig. Jedoch hatte er schon damals kein Verständnis dafür, dass man Menschen schikanierte und die ‘Staatsgewalt’ spüren liess. Dies war ihm zutiefst zuwider und er machte daraus auch keinen Hehl. Natürlich wurde dies nicht von allen goutiert; dies war ihm allerdings egal. Er wollte ehrlich sein und am Morgen in den Spiegel schauen können, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Auch wollte er den Menschen mit Respekt begegnen, selbst wenn diese die Anerkennung nicht in jedem Fall verdienten.
«Ciao Freddy, alles senkrecht?» «Ja, jetzt schon, aber noch vor einer guten Stunde hätte ich wieder einmal jemanden umbringen können.» Ohne weiter darauf einzugehen, nahmen die beiden in der Küche von Fred Platz. Susann und Max waren nicht anwesend. Max hatte einmal mehr ein Training zu absolvieren, und Susann war als Fahrerin engagiert, um ihn auf den Sportplatz zu bringen. Max war ein ambitionierter Fussballspieler und er hatte es bereits in die Juniorenmannschaft von YB geschafft. Daneben war er sogar selektioniert, um in der Auswahl der Nordwestschweiz mitwirken zu können. Max hatte wirklich etwas drauf und man konnte gespannt sein, wie sich das Ganze entwickeln würde.
Fred öffnete zwei «Felsenau» der ältesten selbständigen Brauerei in der Stadt Bern. Das Bier schmeckt wirklich hervor-ragend und es unterscheidet sich wohltuend von vielen anderen. Sodann kamen die beiden ins Gespräch.
«Hast du die Amtseinsetzung von Joe Biden mitverfolgt?», so die einleitende Frage von Philippe. «Aber selbstverständlich, und das Gedicht der 22-jährigen Amanda Gorman war wirklich beeindruckend.» Tagesschau.de5 betitelte sie als «Die Stimme der Amtseinführung» und das war sie tatsächlich.
Sie kam auf Wunsch des neuen US-Präsidenten: Die jüngste Dichterin, die je zu einem Vortrag bei einer Amtseinführung eingeladen wurde. Ihr Auftritt war voller Symbolik.
Das Gedicht, das sie vortrug, hiess: "The Hill we climb", "Der Berg, den wir erklimmen". "The Hill" ist in den USA auch eine Bezeichnung für das Kapitol, den Sitz des Kongresses.
Die letzten Zeilen ihres Gedichtes hatte sie erst vor wenigen Tagen fertiggestellt, nach dem Sturm auf das Kapitol - und sie adressierte diesen auch:
5 https://www.tagesschau.de/korrespondenten/amanda-gorman-amtseinfuehrung-
101.html
"Wir haben eine Kraft gesehen, die unsere Nation zerstören wollte, anstatt sie miteinander zu teilen. Die unser Land zerstören wollte, indem sie die Demokratie aufhalten wollte. Und diese Bemühungen waren fast erfolgreich. Aber, während eine Demokratie kurzfristig aufgehalten werden kann, kann sie niemals dauerhaft besiegt werden."
"Als wir trauerten, wuchsen wir."
Gorman war eine bewusste Wahl Bidens. Sie repräsentiert vieles, was der neuen Führung wichtig ist: Die studierte Soziologin bezeichnet sich als Aktivistin gegen Rassismus, Ungleichheit und für Feminismus. Ihre eigene Rolle, als schwarze, junge Frau, thematisiert sie ebenfalls in dem Gedicht:
"Wir sind die Nachfahren in einem Land und einer Zeit, in der ein dünnes schwarzes Mädchen, das von Sklaven abstammt und von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen wurde, davon träumen kann, Präsidentin zu werden ..."
Gorman schließt mit hoffnungsvollen Worten, man müsse "aus dem Schatten heraustreten". Der neue Morgen erblühe, wenn man ihn befreie.
"Es gibt immer Licht, wenn wir mutig genug sind, es zu sehen, mutig genug sind, es zu sein."
Dieses Zitat ging innerhalb weniger Stunden viral. Viele Prominente beglückwünschen Gorman zu ihrem Gedicht, darunter Moderatorin Oprah Winfrey, die sagte, sie sei nie stolzer auf eine junge Frau gewesen. Ein echter Ritterschlag von einer der mächtigsten Frauen des Showbusiness.
Auch Fred und Philippe konnten die junge Frau nur rühmen und sie bewunderten ihren Mut. Alsdann kamen sie auf Alexei Nawalny ... zu sprechen.
...