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Vom Tiger werden neun verschiedene Unterarten unterschieden. Der Amurtiger ist die grösste und zugleich die am nördlichsten verbreitete Unterart. Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius können dem Amurtiger nichts anhaben.
Im Freiland verbringt der Tiger viel Zeit mit Jagen, weil durchschnittlich nur jeder zehnte Angriff erfolgreich ist. Die Grosskatze schleicht sich heran und versucht, das Opfer mit einem Sprung von hinten zu überwältigen.
Im Zoo Zürich bieten wir den Amurtigern eine an diese Jagdstrategie angepasste Fütterung. In mehreren Metallkisten, die auf der ganzen Anlage verteilt sind, wird ein Stück Fleisch gelegt. Schiebetüren verschliessen die Kisten. Ein von der Tierpflege gesteuerter digitaler Schliess- und Öffnungsmechanismus erlaubt es den Grosskatzen nun, während kurzen Zeitfenstern von wenigen Minuten, die zudem zeitlich unterschiedlich über den Tag verteilt sind, die Schiebetüren der Kisten mit ihren Pfoten zu öffnen. Diese Fütterungsmethode hat zur Folge, dass sich die Amurtiger viel bewegen und stets verschiedene «Jagdgründe» aufsuchen, immer in der Hoffnung, nun die Beute zu erwischen. Oft kommt es vor, dass der Tiger die Kiste verschlossen vorfindet, somit keine Beute macht und woanders sucht. Das ist durchaus so gewollt, denn auch im Freiland ist nicht jeder Angriff ein Erfolg. Die Fütterungsmethode im Zoo kommt der Situation im Freiland nahe, weil hier wie dort die Tiger immer wieder neue Jagdreviere aufsuchen müssen und der Erfolg nicht immer gewährleistet ist. Seit der Einführung dieses Fütterungssystems im Zoo Zürich sind Stereotypien, also das monotone Hin- und Hergehen, vollständig verschwunden.
Um 1940 war der Amurtiger praktisch ausgerottet. Nur noch 50 Tiere lebten in der Gegend nördlich von Wladiwostok in der damaligen Sowjetunion. Dank strenger Schutzmassnahmen der Sowjetregierung erhöhte sich der Bestand bis 1982 auf etwa 200 Tiere, inzwischen sind es über 500 Tiere in Russland und geschätzte weitere 30 in China und Nordkorea. Der Zoo Zürich beteiligte sich während einiger Jahre mit finanziellen Beiträgen an den Kosten der Wildhüterarbeit und der Waldbrandbekämpfung. Der Tiger ist weiterhin akut vom Aussterben bedroht, weil seine Knochen in der chinesischen Medizin reissenden Absatz finden. Und dies trotz des 1993 von der chinesischen Regierung beschlossenen Verbotes des Handels mit Tigerknochen. Der illegale Handel geht leider weiter. Drehscheiben dabei sind Thailand und Vietnam.
|Verwandtschaft||Raubtiere, Katzen, Tiger (9 Unterarten)|
|Lebensraum||Laub- und Nadelwälder im Tief- und Bergland|
|Lebensweise||nachtaktiv, territorial|
|Sozialstruktur||Einzelgänger, Weibchen mit Jungtieren|
|Futter||bis zu 10 kg Fleisch täglich, vor allem Wildschweine, Rehe und Rothirsche|
|Gewicht||Weibchen bis 185 kg, Männchen bis 280 kg, Neugeborene bis 1,6 kg|
|Kopf-Rumpflänge||bis 220 cm, selten bis 280 cm|
|Schulterhöhe||110 cm|
|Schwanzlänge||100 cm|
|Tragzeit||95 bis 112 Tage|
|Wurfgrösse||2 bis 7 Jungtiere|
|Geschlechtsreife||4 Jahre|
|Lebenserwartung||20 Jahre|
|Nutzung||Knochen für Chinesische Medizin, Pelz|
|Aktueller Bestand||im Freiland über 500 Tiere, hauptsächlich in Sikhote Alin in Russland, in europäischen Zoos rund 300 Tiere|
|Im Zoo Zürich seit||von 1929 bis 1945, 1961 bis 1968 und ab 1979, insgesamt 56 Jungtiere (bis 2011), international koordinierte Zucht (EEP)|
|ELENA||RohrMax AG, Grüningen|