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Viele Gelegenheiten gab es in jüngster Zeit, sich mit alten Ruinen des Kolonialismus und neuen Schwelbränden des Rassismus zu beschäftigen und dabei feinfühliger zu werden. Für Momente schien es, als ob neue Diskurse neue Sensibilitäten wecken könnten. Über sichtbare und hörbare Manifestationen, in denen noch immer koloniale und ethnische Gewalt zu spüren sind, wurde debattiert. Richtig!
Doch bereits bei nächster Gelegenheit, die vorher nicht auf dem Schirm war, kehrt die alte Unsensibilität mit voller Wucht zurück: Auch Myanmar genannt, beeilt sich der Nachrichtensprecher zu sagen, mehrfach täglich, notorisch. Falsch!
Wenn Namibia entscheidet, die Hauptstrasse von Windhoek nicht mehr Kaiserstrasse zu nennen, Indien, seine Metropolen Mumbai statt Bombay und Kolkata statt Calcutta zu schreiben, Swaziland, ab sofort Eswatini zu heissen, dann hat das respektable Gründe: Deutsch-Südwestafrika ist ebenso Kolonialgeschichte wie die East India Company und die Burenrepubliken, aber ihre Demütigungen sind noch immer zu spüren. Klar, hat alle Welt das zu respektieren!
Dasselbe gilt für Myanmar! 135 Ethnien mit ihren Sprachen leben dort, verteilt auf drei völlig verschiedene Sprachfamilien und fünf ebenso verschiedene Religionen. Vorherrschend sind mit 69% die Bamar, die sino-tibetische Sprachfamilie, der Theravada-Buddhismus. Der Name Burma stammt von dieser Majorität und wurde von der englischen Kolonialverwaltung Indiens verwendet. Obwohl es die damalige Militärdiktatur war, ist die Entscheidung, den uralten Namen Myanma(r) wiederzubeleben, ziemlich weise, denn er wird metaethnisch und präkolonial verstanden. Er ist älter als die Demütigungen und soll die Vielfalt vereinen.
Wer sensibel ist und das respektiert, sagt daher früher Burma genannt.