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Leipziger Choräle am Karfreitag
- Eingang: „An Wasserflüssen Babylon“ BWV 653
- Zwischenspiel: „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ BWV 668
- Abendmahl: „Schmücke dich, o liebe Seele“, BWV 654
- Ausgang: „Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Zorn Gottes wandt“ BWV 665
Die „18 Chorälen verschiedener Art“ stellte Johann Sebastian Bach in seinem letzten Lebensjahr aus Kompositionen früherer Jahre zusammen. Er brachte dabei an vielen Stücken Detailverbesserungen an. Das Manuskript beginnt in fester, sicherer Schrift, die aber – wohl wegen Bachs Augenleiden – zunehmend unsicher und zittrig wird. Die letzten drei Sätze diktierte Bach seinem Schwiegersohn Johann Christoph Altnikol.
„An Wasserflüssen Babylon“ BWV 653
Die Bereimung des 137. Psalms stammt von Wolfgang Dachstein, einem Zeitgenossen Martin Luthers. Bach überarbeitete das einst viel gesungene Klagelied mehrmals. Die Musik ist geprägt von den ersten Textzeilen:
An Wasserflüssen Babylon
da sassen wir mit Schmerzen,
als wir gedachten an Zion
da weinten wir von Herzen …
Paul Gerhard hat 120 Jahre später auf die gleiche Melodie das Passionslied „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“ gedichtet.
„Wenn wir in höchsten Nöten sein“ BWV 668
Dieses sehr schlichte Trostlied, der letzte Satz der Sammlung, diktierte Bach der Legende nach auf dem Totenbett. Der Choral ist auch bekannt mit dem alternativen Text „Vor deinen Thron tret ich hiermit“.
„Schmücke dich, o liebe Seele“ BWV 654
Die Vertonung des bekannten Abendmahlsliedes ist in einem für Bach ungewohnt „lieblichen“ Stil gehalten. Schumann schrieb an Mendelssohn, der ihm diesen Choral bekannt gemacht hat: „wenn mir das Leben alles genommen hätte, dies Stück würde mich wieder trösten“.
„Jesus Christus, unser Heiland“ BWV 665
Bach gliedert dieses Stück in vier Abschnitte, die Melodie wird viermal in verschiedenen Stimmen durchgeführt, am deutlichsten im Bass erkennbar. Jedem Abschnitt ist eine Zeile der ersten Strophe zugeordnet:
Jesus Christus, unser Heiland,
der von uns den Zorn Gottes wandt,
durch das bitter Leiden sein
half er uns aus der Hölle Pein.
Hans Egg, Orgel
Erich Strahm, Liturgie und Predigt