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Temporäre Kapelle Dorfkirche: Transformation#6
von Dieter Langhart | 10. November 2020 | veröffentlicht in «ausgestellt»
In der sechsten Ausstellung der Reihe Transformation fokussiert die Genfer Künstlerin Elisa Larvego mit ihrer Fotoserie «Chemin des Dunes» auf das Leben der freiwilligen Helfer*innen im Flüchtlingscamp in Calais und setzt damit die Flüchtlingspolitik den Einzelschicksalen der Geflüchteten gegenüber.
Calais erlangte 2015 und 2016 an Aufmerksamkeit, als am Stadtrand ein Flüchtlingscamp – der «Dschungel von Calais» – als staatliches Provisorium entstand. Mehr als 9000 Migrant*innen aus Eritrea, Äthiopien, Pakistan, Afghanistan, Sudan und Syrien campierten dort in der Hoffnung, eine Möglichkeit für eine Weiterreise durch den Eurotunnel nach Grossbritannien zu finden. Seit der Räumung des Camps im Herbst 2016, die mit teils heftigen Konflikten einherging, sammeln sich in der Region immer wieder Gruppen von Migranten in selbst errichteten Zeltstädten an. Im vergangenen Winter schätzte man, dass sich 900 bis 1000 Personen im Dschungel niedergelassen hatten.
Die Arbeit «Chemin des Dunes» entstand 2016 im Rahmen einer Ausstellung, die von PEROU (Pôle d’exploration des ressources urbaines) unter dem Titel «Reinventer Calais» organisiert wurde. Die Absicht der Organisator*innen war es, die «unsichtbare Stadt» am Rande von Calais sichtbar zu machen und ihre Akzeptanz als Teil der Stadt zu fördern. Die Genfer Künstlerin Elisa Larvego (*1984) verbrachte Zeit im Dschungel von Calais und erfasste mit ihrem fotografischen Blick das Leben der freiwilligen Mitarbeiter*innen und Personen, die im Camp leben. Obwohl die Freiwilligen von wesentlicher Bedeutung für die Organisation des Camps und das Zusammenleben der Geflüchteten sind, fanden sie nur wenig Beachtung durch die Medien. Diese Tatsache bildete die Grundmotivation für Elisa Larvegos künstlerische Herangehensweise. Sie hält in ihren Portraits nicht nur Personen fest, sondern auch ihre Beziehungen untereinander und zum Raum, den sie einnehmen und in dem sie leben. Die Fotografien lassen den Status der gezeigten Personen offen und geben deren Rolle als Helfende*r oder als Hilfesuchende*r nicht bekannt. Sie zeigen damit laut Larvego die Absurdität der Tatsache auf, dass uns unsere Identität je nach Herkunftsort entweder einschränkt oder befreit.
Ausstellung: 13. November 2020–2. Januar 2021. Die Kapelle ist täglich von 7–20 Uhr geöffnet. Für Besuche besteht eine Maskenpflicht.
Vernissage: 12. November 2020, 18.30 (Maskenpflicht, max. 50 Personen, Reservation möglich, <email-pii>)
mit Elisa Larvego, Anita Bättig, Jacob Schädelin (pensionierter ref. Pfarrer aus Bern, in diversen migrationspolitischen Gruppen aktiv). Musik: Christoph Germann
Kunst und Spiritualität im Dialog: 8. Dezember 2020, 19.30 Uhr (Maskenpflicht, max. 50 Personen, Reservation möglich, <email-pii>)
Erlebnisberichte von Raquel Herzog, Gründerin des Hilfswerks SAO Association (Unterstützung für geflüchtete Frauen) und Muntaha Fardous (aus Homs, Syrien) als Repräsentantin von betroffenen Personen. Interview von David Hauser (Programmkommission) mit Stadtrat Nicolas Galladé, Vorsteher des Dep. Soziales, über Chancen und Herausforderungen der Flüchtlingspolitik für die Gemeindepolitik.
Bild
© Elisa Larvego, aus der Serie: Chemin de Dunes, Aladin & Marianne, School Bus, Calais, 2016, Commission from the Cnap (FR) and PEROU (FR) entitled «Réinventer Calais»