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Edwin Griesser – Handel und Service, der Promotor
Edwin Griesser, Jahrgang 1940, absolvierte die Kantonale Handelsschule am Technikum Winterthur und schloss als diplomierter Kaufmann ab. Er arbeitete anschliessend 2 1/2 Jahre administrativ in einer Boilerfabrik in Vevey, um dann 1964 ein halbes Jahr in Südengland ein Stage zu absolvieren, allerdings mit der fremdenpolizeilichen Auflage, keinen Lohn beziehen zu dürfen. Dort wurden die gleichen landwirtschaftlichen Maschinen aus Dänemark importiert und verkauft, wie sie Edwins Vater als Einzelfirma in der Schweiz vertrat.1969 wurde die Griesser Maschinen AG in Kleinandelfingen gegründet, welche Edwin und sein Bruder Hans leiteten. Edwins Interessen waren allerdings anders gelagert; er zeigte grosses Interesse an Elektro- und Energietechnik. Vor allem in der Landwirtschaft waren damals grosse Gefriertruhen gefragt, da die Gemeinschaftsanlagen in den Landgemeinden aufgelöst wurden. Ein weiteres Standbein entwickelte sich in der Ausrüstung von Milchsammelstellen mit grossen Kühltanks, später Hofkühlanlagen für alle Milchproduzenten. Fast alle Apparate und Anlagen kamen aus dem innovativen Dänemark. Ein grosses Glück für den neuen Betriebszweig war, als in den achtziger Jahren einer der grössten Kältefachbetriebe der Schweiz, die Autofrigor AG mit über hundert Mitarbeitern, schliessen musste. Zahlreiche Servicemonteure waren ohne Job und meldeten sich bei Griesser, um die Anlagen zu montieren und zu warten. So entstand in Kürze ein schweizweites Kundendienstnetz mit 30 Standorten. Aber in Kleinandelfingen herrschte bald einmal Platznot, so dass ein neuer Standort gesucht wurde. Die 1988 neu gegründete Griesser Elektro AG konnte dank dem jüngeren Bruder Karl, wohnhaft im Nachbarsdorf, in der Industriezone von Marthalen eine Parzelle mit 4400 m2 Bauland erwerben und 1990 einen modernen Gewerbebau beziehen.
Im gleichen Jahr 1990 stieg Edwin Griesser dann in die Elektromobil-Szene ein, indem er sich zum Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort ein Mini-el Dreirad-Fahrzeug anschaffte. Trotz langsamer Fortbewegung machte das Riesenspass.
Rechts sein Mini-el
1991 wurde Edwin Griesser durch seine dänischen Geschäftsfreunde auf das dänische Elektromobil Kewet „El-Jet“ aufmerksam gemacht, an welchem er spontan Freude hatte. Das erste Exemplar wurde kurzerhand importiert und das 1990 erworbene Mini-el fand schnell einen neuen Besitzer. Es folgte die CH-Typengenehmigung des Kewet, welche damals sowohl eine SEV-Prüfung und Geräuschmessung auf dem Militärflugplatz Frutigen erforderte. Der Kewet wurde erfolgreich am Solarmobil-Salon in Bern ausgestellt und fand trotz dem damals mit Spannung erwarteten Swatchmobil von Hayek eine ansehnliche Käuferschaft. Ein Drittel der Werkstätte für Kälte- und Wärmetechnik wurde neu für den Service von Elektrofahrzeugen eingerichtet.1991-96 konnten Schweiz weit 45 Kewet abgesetzt werden. Zum Service erschienen auch Fremdfabrikate wie Mini-el, Pinguin, Volta etc.
Schon in jungen Jahren war Edwin Griesser fasziniert von Strassenfahrzeugen. Im Jahre 1952 bastelte er eine Seifenkiste mit einem Dynamo und richtigem Licht. Da damals für das Anzeigen der Richtungs-änderung elektrisch beleuchtete Blinker noch nicht bekannt waren, rüstete der Bastler das Fahrzeug mit rot bemalten Holz-Winkern aus, welche wahlweise mittels Kabelzügen links/rechts betätigt wurden. Die Polizei war zwar nicht gerade erfreut, als sich unterwegs aus dem Kofferraum im Heck blaue Rauchschwaden bemerkbar machten. Der junge Edwin war damals aber noch der Ansicht, dass ein „richtiges“ Auto auch einen Auspuff haben müsse. In Vaters Auto- und Traktorengarage fanden sich ja im Abfalleimer genügend ölige Putzfäden, die sich als Raucherzeuger bestens eigneten. Und die Kinder am Strassenrand fanden das auch sehr amüsant.
Als ihm 1995 ein interessantes Fahrzeug aus Italien in die Augen stach, fuhr er gleich in den Süden, bestellte und holte den „Mazzieri Micron“ ab, ein Elektromobil mit 4 Plätzen, was damals ein deutlicher Fortschritt gegenüber den kleinen Wägelchen mit 2 Plätzen darstellte und erst noch einen kleinen Kofferraum aufwies. Es gelang allerdings nicht, das Fahrzeug in der Schweiz populär zu machen und in grösseren Stückzahlen abzusetzen. Für sich privat schaffte er sich 2006 einen brandneuen Fiat Panda mit Zebra Hochtemperatur-Batterie an, welcher in Stabio TI in grösseren Stückzahlen umgebaut und vertrieben wurde. Mit dem Panda Elettrica konnte eine beachtliche Reichweite von ca. 150 Kilometer erreicht werden. Mit 38’779 gefahrenen Kilometern wurde das Fahrzeug wieder veräussert und 2011 einer der ersten Nissan Leaf in der Schweiz angeschafft, welcher bis heute sehr zuverlässig funktioniert. Bloss beträgt die Reichweite zurzeit noch ca.100 km, während bei den heute neu angebotenen Fahrzeugtypen das Mehrfache erreicht wird. So verläuft glücklicherweise die Entwicklung, und für die weitere Verbreitung ist das positiv.
Anfang 1996 übernahm die Griesser Elektro AG den Verkauf und die Wartung der erfolgreichen Twike Dreiradfahrzeuge. Edwin Griesser erwarb die Nummer 18, welche von ihm persönlich gefahren wurde, bis 1998 von den Erfindern in Gelterkinden die virtuelle Produktion aufgegleist wurde. Schweizweit musste jeder Händlerbetrieb hundert Fahrzeugkomponenten finanzieren, beschaffen und vormontieren. In Marthalen wurden hundert Kettenkästen mit Nabenschaltung und je zwei Pedalerie-Paaren zusammengebaut, eine gleiche Anzahl von Joystick-Lenkhebeln und Bedienungs-Tableaus in Buchenholz. Je 10 der Komponenten wurden zurückbehalten, während 90 an die übrigen Händler verkauft wurden. Umgekehrt beschaffte man in Marthalen von den andern Händlern je 10 vorfabrizierte Karosserien, Antriebs- und Elektronik-Einheiten, sowie Fahrwerke und Batteriepakete. In Marthalen wurden so 8 Fahrzeuge hergestellt, wovon Edwin die Nummer 261 für sich behielt.1997-98 wurden ab Marthalen 44 fabrikneue Twike an die begeisterten Kunden ausgeliefert. Inzwischen verkaufte die Twike AG die Herstellerrechte samt Knowhow an die S-LEM, welche bald in der grösser aufgestellten SwissLEM AG aufging. In Hochdorf LU wurde ein hochmoderner Gebäudekomplex erstellt. Computergesteuerte Produktionsbänder für jährlich 100’000 Fahrzeuge, 50 Direktwahl-Telefonnummern etc.; aber statt in Fahrzeuge und Weiterentwicklung der Technik zu investieren, wurde in einen feudalen „Büroturm“ mit Ledersesseln und teurer Administration gesetzt, was bald einmal zum Zusammenbruch führte. Die gesamte Infrastruktur mit riesigem Warenlager wurde 2003 einem Twike-Händler in Deutschland, der FineMobile GmbH, veräussert. Edwin Griesser konnte sich noch kurz zuvor eines der besten Fahrzeuge sichern: Redesign-Twike Active Nr. 745, welches von ihm auch heute noch gefahren wird und bald den Tachostand 100’000 km überschreiten wird.
Anfang 2006 übergab Edwin Griesser den gesamten Betriebszweig Kälte- und Wärmetechnik in einem Management Buyout seinen Mitarbeitern, welche die Griesser Kältetechnik GmbH auf die Beine stellten. Während weiteren zwei Jahren widmete er sich noch seiner Passion: Den Elektromobilen. Per 1.1.2008 verkaufte er auch diesen Betrieb einem seiner Angestellten. Seither geniesst er den Ruhestand und verfolgt immer noch mit grossem Interesse die weitere Entwicklung der emissionsarmen Mobilität im Privatverkehr.
|Edwins Ehefrau Lilli fährt auch seit über 20 Jahren elektrisch. 2015 konnte sie zum Schnäppchenpreis einen modernen Think City (ehemals Import von m-way, Migros) erwerben. Sie ist damit sehr zufrieden. Leider wird das stabile, äusserst sichere Fahrzeug aus Norwegen/Finnland mit 140 km Reichweite nicht mehr hergestellt. Neupreis CHF 46’900 – Occasions-Schnäppchenpreis CHF 8’900!|
Der Fachmann begutachtet ein Fahrzeug aus der Kontrollperspektive bei der Dreifels AG in Gelterkinden.
Interview mit Edwin Griesser:
Was hat Sie letztlich bewogen, in die Elektromobil-Szene einzusteigen?
Es war wohl die Einsicht, dass wir unbedingt von der Erdölabhängigkeit wegkommen mussten. Mich faszinierte die Möglichkeit mit möglichst wenig Energie grosse Distanzen zurückzulegen.
Wie beurteilen Sie die heute marktgängigen Elektromobile. Genügen sie den Anforderungen?
Zweifellos ist der Fortschritt heute bemerkenswert. Die Autos sind auf dem guten Qualitätsstandard von modernen Verbrenner-Modellen. Störend ist allerdings die Tatsache, dass es immer noch neue Systeme gibt wie z.B. die unterschiedlichen Ladestecker. Problematisch scheint mir auch die Erwartung, man könne heute mit Ladestationen viel Geld verdienen.
Was für ein Elektromobil würden Sie gerne fahren, wenn es nicht auf Preis etc. ankäme?
Eigentlich reizt mich der angekündigte neue Opel Ampera-e mit der theoretischen Reichweite von 500 Kilometern.
Wo sehen Sie die Zukunft des Elektromobils?
Da bin ich überzeugt, dass sich die E-Mobile durchsetzen werden. Interessant wäre auch der Wasserstoff-Antrieb. Allerdings wird das Betankungsnetz noch lange ungenügend bleiben, während elektrischer Strom überall verfügbar ist. Ich bin aber überzeugt, dass die Batterie-Entwicklung noch grosse Fortschritte machen wird.
Was erwarten Sie vom Elektromobilclub?
Ich bin nun 25 Jahre dabei und denke, dass die Exkursionen und Veranstaltungen den Mitgliedern viel bringen, ebenso wie der Erfahrungsaustausch untereinander.