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Bocken ist geschichtsträchtig und damit auch ein Ort der Kunst. In seiner Historie hat der Bocken bereits Dutzende von Künstler angezogen und inspiriert. Entstanden sind Werke, die einerseits den Ort schmücken und hier ausgestellt werden. Anderseits entstanden hier Ideen von zahlreichen Künstlern.
Mitten auf dem Areal steht die Architekturplastik «Dorfplatz» des israelischen Künstlers Daniel Karavan. Sein Auftrag: einen Platz zu den Themen «Kommunikation» und «Fliessen» zu gestalten – als Metapher auf unsere sich stets verändernde Welt.
In seiner eigenen geometrischen Formensprache schuf Karavan ein Werk, das Licht und Schatten, den Lauf des Wassers und die Musik des Windes eindrücklich miteinander kombiniert. Quader, Quadrate, Dreiecke, Pyramiden und Kreise symbolisieren die Energien der Erde (Grünflächen), des Wassers (Wassertreppe), des Feuers (Lichtkanal) und der Luft (Stele).
Die Stele ist zugleich Sonnenuhr. Von ihr aus verläuft eine blaue Lichtlinie exakt nach Nord-Süd. Die Wassertreppe besteht aus zwölf Stufen als Symbol für die zwölf Stunden eines Halbtages. Das Amphitheater nimmt mit seinem Durchmesser Bezug auf den Innenhof des Reitgebäudes.
Mit «Palingenesis» hat die amerikanische Künstlerin Beverly Pepper ihre erste Plastik für einen öffentlichen Raum geschaffen. Das Werk besteht aus einer 70 Meter langen, gebogenen Wand mit 81 gegossenen Eisenplatten, vor der sieben Stelen stehen.
Das Wort «Palingenesis» setzt sich aus dem griechischen «palin» (wieder) und «genesis» (Geburt) zusammen und verweist auf ein Palindrom; ein Wort, das von vorne wie von hinten gelesen seine Bedeutung hat.
So lässt sich auch die Wand mit den Stelen von zwei Seiten deuten: Läuft man von links nach rechts, treten die Säulen immer stärker von den Eisenplatten hervor, verlassen in der Mitte die Wand und machen sich selbstständig, indem sie einen eigenen Radius bilden – ein «Aufwachen». Bewegt man sich jedoch von rechts nach links, ist das Werk ein «Zurückgehen» in der Zeit. Es zeigt, dass der Ursprung von allem Neuen in etwas Altem liegt.
In der Eingangshalle des Seminargebäudes steht die Videoskulptur «Boolean Bideo» des koreanischen Künstlers Nam June Paik. Das Werk thematisiert eine der wichtigsten Grundlagen des modernen Datentransfers: den binären Code. Daher auch der Werkname: «Bideo» als Wortspiel zwischen «binär» und «Video».
Die farbigen Röhren ergeben ein Muster, das als Profil eines Kopfes gelesen werden kann. Die Bildschirme in dessen Binnenraum verweisen mit den Zahlen 0 und 1 auf die Basis der binären Logik. Diese durchdringt unser ganzes Leben – vom Büroalltag bis zur Raumfahrt – wie Paik eindrücklich am äusseren Rand der Skulptur aufzeigt.
Paiks Arbeit demonstriert die kreativen Möglichkeiten der Interaktion von Kunst und Technologie und schafft gleichsam ein plastisches Motto für die Kommunikation selbst.
Die deutsche Bildhauerin, Aktionskünstlerin und Filmemacherin Rebecca Horn schuf für das Seminarhotel Bocken eine kinetische Plastik, die auf spielerische und poetische Weise das ewige Thema des erotischen Begehrens aufgreift.
Drei Flaschen, gefüllt mit den Lieblingsweinen der Künstlerin, drei Korken und vier Weinkelche als Verkörperung der weiblichen und männlichen Prinzipien, verschieben sich in der Vertikalen wie Kolben. Sie vollführen eine Art weintrunkenes, surrealistisches Ballett, bei dem «sie sich berühren möchten, aber nicht können», so Rebecca Horn.
Der Titel spielt auf die Grazien der römischen Mythologie an. Jene Gottheiten, die den Betrachter immer schon und immer wieder durch ihre Anmut betören.
Gemeinsam mit anderen Künstlern stellte der amerikanische Minimalist Sol LeWitt Ende der sechziger Jahre als neue Avantgarde die Fundamente der Kunst auf den Kopf. Mit seinen Wandzeichnungen, den «Wall Drawings», kreierte er eine neue Gattung. Seine Arbeiten nehmen unmittelbar auf die Architektur der Ausstellungsräume Bezug.
So auch auf Bocken: Im Restaurant nimmt die Malerei die Ostwand von Ecke zu Ecke ein; im Mitteltrakt sind die zwei kreisrunden Bilder «Tondos» in den Giebeln platziert. Das dreiteilige Kunstwerk schafft drei virtuelle Fenster, die den Blick hinter die Mauern und auf das verschwundene Dachgebälk statt auf die umgebende Landschaft eröffnen.
Am Rand der Wiese im Südwesten des Landhauses steht die Steinskulptur «Bleu de Vire» des deutschen Künstlers Ulrich Rückriem.
Seine Schaffensgrundlage ist immer dieselbe: ein im Steinbruch vorgefundener Rohling mit annähernd geometrischer Grundform. Diesen zerlegt er nach den traditionellen Methoden der Steinbearbeitung: spalten und schneiden. Die so entstandenen quaderförmigen Blöcke und Platten setzt er am neuen Standort wieder zu einem monolithischen Block zusammen. Jeder Schritt des Arbeitsprozesses bleibt im Werk visuell nachvollziehbar.
Rückriem entwickelt aus einem einfachen Vokabular ein reiches visuelles Spiel zwischen der Massigkeit des Blockes, dem malerischen Charakter der verwitterten Kruste und der harten Glätte der Schnittflächen.