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Die Caritas fördert in Äthiopien zusammen mit der Firma Power-Blox klimafreundliche elektrische Energie für die ländliche Bevölkerung. Mit speicherbarer Solarenergie erhalten Kleinunternehmerinnen und -unternehmer die Möglichkeit, ihr Einkommen zu steigern.
Guy Stubbs ist Gründer und Direktor der NGO African Honey Bee, die sich zum Ziel gesetzt hat, mit verbesserten Imkermethoden die Armut von Familien aus benachteiligten ländlichen Gemeinden zu bekämpfen. Guy ist Experte für Honigproduktion und hat für die Caritas die Honigindustrie in Äthiopien untersucht. Er erklärt uns, wie die traditionelle Imkermethode funktioniert und wo er Verbesserungspotenzial sieht.
Guy ist Experte für Honigproduktion und hat für die Caritas die Honigindustrie in Äthiopien untersucht.GUY STUBBSGründer und Direktor der NGO African Honey Bee
Grösster Honigproduzent in Afrika
Äthiopien ist der grösste Honigproduzent Afrikas. Der grösste Teil des Honigs wird im Land selbst verbraucht. Caritas Schweiz arbeitet in Äthiopien mit zwei Imkerkooperativen zusammen – einer in Rira, in der Nähe des Bale-Nationalparks, und einer weiter südlich in Anole. Das Ziel von Caritas Schweiz ist es, das Einkommen aus der Honigproduktion zu erhöhen, indem eine moderne Verarbeitungsmethode eingeführt wird, Hygienestandards erhöht werden und der Zugang zum Markt verbessert wird.
Die traditionelle Imkerei wird in Äthiopien seit Jahrhunderten praktiziert. Der grösste Teil des geernteten Honigs wird für die Herstellung von Tej verwendet, dem äthiopischen Honigbier. Dazu muss der geerntete Honig nicht veredelt werden. Der Rohhonig wird direkt vergärt. Vorschlag: Mit veredeltem Honig in Gläsern würden die Imker jedoch einen höheren Preis erzielen und er wäre ausserdem transportfähig. So könnte er innerhalb des ganzen Landes gehandelt oder sogar exportiert werden.
Traditionelle Imkermethoden
Traditionell befestigen die Imker ihren Bienenstock aus Holz hoch oben in einem Baum an einer Astgabel. Das hat zwei Gründe: Die Imker sind davon überzeugt, dass Bienen lieber oben in den Bäumen leben. Und die Bienenstöcke werden von dort seltener gestohlen.
Geerntet wird der Honig in der Nacht. Der Imker klettert auf den Baum und sichert sich beim Ernten selbst mit einem Seil auf einer Höhe von etwa 20 Metern. Er beruhigt zuerst die Bienen mit Rauch, steckt dann den Arm in den Bienenstock und entfernt die Honigwaben. Dann reinigt er die Waben in der Dunkelheit rudimentär von Bienen und Ablagerungen und legt sie in den Erntesack. Für den Verkauf zerkleinert der Imker die Wabe mit dem Honig und füllt sie in Plastikbehälter. Abnehmer für den Rohhonig sind Produzenten, die das lokale Honigbier herstellen, und Honighändler.
Honigveredelung dank der Caritas und Power-Blox
Um den Rohhonig zu veredeln, benötigen die Imker einen hygienischen, geheizten Raum, in dem der Honig verarbeitet werden kann. Das geht nicht ohne Elektrizität. Dank dem Caritas-Projekt «Nachhaltige Energie für Kleinunternehmerinnen und -unternehmer» werden ab Herbst 2022 mit der Energie der Power-Blox mehrere Honig-Produktionsanlagen betrieben. Die Anlagen bestehen aus einem Desinfektionsraum für die Arbeiterinnen und Arbeiter, einem sauberen Verarbeitungszimmer und einem geheizten Raum, in dem der Honig 24 Stunden abtropft.
Die Produktionsanlagen werden durch die Kooperativen verwaltet. Nach der Honigproduktion werden die Honigreste aus den Waben herausgewaschen. So wird sauberes Bienenwachs gewonnen, das sogar zu einem noch höheren Preis als der veredelte Honig verkauft werden kann.
Aktueller Projektfortschritt
- Am 2. Juni hat die äthiopische Regierung die Umsetzung offiziell bewilligt.
- Ebenfalls am 2. Juni fand ein Meeting von Caritas Schweiz mit Power-Blox statt, um die Logistik abzusprechen. Wir rechnen damit, dass wir mit der Installation der Power-Blox im Herbst 2022 starten können.
- Momentan prüfen wir weitere Unternehmen, die mit neuen Energielösungen arbeiten wollen, und erstellen mit ihnen Businessmodelle.
Titelbild: Ein Imker bei der Ernte. © Guy Stubbs