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Wollishofen ist ein Bildungshotspot! Zwar gibt es keine Universität und keine Mittelschulen, die Schulhäuser sind aber zahlreich und haben eine bewegte Geschichte. Im Alten Zürich waren die Landschäftler – und damit auch die meisten Wollishofer – nicht nur politisch Menschen zweiter Klasse, sondern auch wirtschaftlich durch das Zunftwesen und das städtische Monopol auf bestimmte wirtschaftliche Tätigkeiten benachteiligt. Eine besondere Form dieser Benachteiligung bestand auch im Schulwesen, indem die städtischen Schulen für Kinder und Jugendliche der Landschaft verschlossen blieben. Das galt insbesondere auch für den Besuch von Mittel- und Hochschulen: Das Carolinum als Gymnasium und als theologische Ausbildungsstätte war den Jünglingen der Stadtbürger vorbehalten.
Ein wichtiges Instrument der Emanzipation der Landschaft war deshalb BILDUNG. Damit war auch die Elementarbildung angesprochen. Schon im 17. und 18. Jahrhundert gab es aufgeklärte Zürcher Politiker, die den Besuch von Schulen für alle Kinder obligatorisch erklären und damit die Volksschule einrichten wollten. Die frühen Schulen waren aber nicht schon immer ein Hort der echten Bildung. Erstens wurde Lesen nicht als allgemeine Kulturtechnik aufgefasst, sondern nur zur selbständigen Lektüre der Bibel unterrichtet. Und im Unterricht wurde häufig nur das Auswendig-Lernen von Bibelstellen geübt. Und zweitens gab es lange Zeit keine eigenen Räume für die Schule – häufig fand diese im Wirtshaus oder in der (engen) Stube des Schulmeisters statt.
Schulischer Aufschwung in Wollishofen
In Wollishofen begann Schule als eigenständiges öffentliches Angebot erst mit der Errichtung eines ersten Schulhauses 1749 – von Pfarrer Schmutz durchgesetzt, gegen den relativ deutlichen Widerstand der örtlichen Bauern. Später – nach 1800 – wurde dieses erste Schulhaus dann als zu klein empfunden, ein zweites Schulhaus wurde 1827 eingeweiht (heute Kinderhort vis-à-vis der alten Kirche Wollishofen und des Restaurants Bürgli im Rank der Kirchbergstrasse). Den Siegeszug der modernen Bildung bestätigte dann der Neubau eines grossen Schulhauses (3. Generation), ebenfalls in der Nähe des alten Kirchleins, im Jahre 1887. Komplettiert wurde das «Schulquartier» an der Kilchbergstrasse schliesslich 1912 mit dem Bau des Oberstufenschulhauses «Hans Asper». Eine stolze Postkarte, vorderhand undatiert, belegt diese Entwicklungsgeschichte – und schmückt diese auch gleich mit einem schlagenden Argument: der Finanzentwicklung. Waren 1749 noch 2624 fl. (Gulden) für den Bau des ersten Schulhauses benötigt worden, so waren es 1827 schon 8930 Gulden. Die Baukosten für das Schulhaus Kilchbergstrasse 23 beliefen sich 1887 auf 139'485 Franken, und beim Schulhaus «Hans Asper» musste eine Schätzung genügen: «ca. 1 Million Franken»!
Vier Schulhäuser Wollishofens. Verlag Ed. Schmid z. Bürgli, Wollishofen. 1912.
Sammlung MZ. Gelaufen am 8. August 1912.
Imposant sind vor allem das Schulhaus Wollishofen und das Hans-Asper-Schulhaus. Sie zeugen vom starken Bildungswillen des demokratischen Staatswesens seit der neuen Kantonsverfassung von 1869. Zur Architektur des Schulhauses Wollishofen meint das Spezialinventar des Amtes für Städtebau: «Das Schulhaus, das vom Architekten Johann Heinrich Reutlinger entworfen wurde, repräsentiert den Typus des spätklassizistischen «Normalschulhauses». Dieser Typus, der nach Vorschrift des Erziehungsrates von 1835 gebaut wurde, fand vor allem in den ehemaligen Vorortgemeinden Verbreitung.»
Interessant ist auch der Turnhallenbau in Wollishofen. Turnen war ja seit der Gründung der Volksschule in den 1830er Jahren ein Kernelement der Volkserziehung. Natürlich turnte man zunächst im Freien, doch schon früh wurden auch Turnhallen gebaut, um bei der körperlichen Ertüchtigung nicht zu stark vom Wetter abhängig zu sein. In Wollishofen erhalten ist die Turnhalle des Schulhauses Hans Asper von 1912. Dokumentiert, doch leider abgerissen, ist auch die erste Turnhalle – ein herrliches Postkartensujet.
Wollishofen. Turnhalle. Verlag E. Huber, Rüschlikon. Um 1915.
Sammlung MZ. Gelaufen 15. Sept. 1917.
Zürich-Wollishofen, Schulhaus sowie Kilchbergstrasse mit Turnhalle. Wohl vor 1912.
Verlag A. Elsener Zürich. Sammlung MZ. Nicht gelaufen.
Weitere Wollishofer Schulhausanlagen – samt einem architektonischen Juwel
Heute gibt es viele weitere Schulhäuser: das Manegg (eröffnet 1935), das Entlisberg (1947), das Lee (Kilchbergstr. 50, 1952) und das Neubühl (1960). Auch die Blinden- und Taubstummenanstalt an der Frohalpstrasse 78 (1915), und die Schule für Körperbehinderte neben dem Schulhaus Manegg (Mutschellenstr. 102) gehören dazu. Vom Stimmvolk bereits beschlossen, wird auf dem Areal des neuen Stadtquartiers Green City (bei der Station Manegg der Sihltalbahn) ein neues Primarschulhaus erbaut.
Das Maneggschulhaus wurde vom Architekten Roland Rohn entworfen und realisiert. Es gilt gemäss Spezialinventar Schulhäuser als «eines der bekanntesten und international publizierten Grossschulhäuser Zürichs». Es ist «der Formensprache des Neuen Bauens» verpflichtet. Um so erstaunlicher ist es, dass ich keine Postkarte dieses architektonischen Monuments gefunden habe!! Immerhin ist dieses Schulhaus aber im Baugeschichtlichen Archiv Zürich gut vertreten.
Primarschulhaus Manegg. 1935. Foto: Wolf-Benders Erben.
Baugeschichtliches Archiv Zürich.
An Privatschulen existiert für VolksschülerInnen die Montessori-Schule an der Seestrasse – allerdings in der Enge –, und auch das Lernstudio hat im ehemaligen Hof Honrain ein Schulhaus eingerichtet. Einige Wollishofer Schülerinnen und Schüler, vor allem der Oberstufe, gehen in Schulhäuser der Enge und von Leimbach (Falletsche) – alles zum Schulkreis Uto gehörig.
Und die GymnasiastInnen und BerufsschülerInnen besuchen ohnehin Schulhäuser, die ausserhalb des Quartiers liegen.
(SB)