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Der Traum vom Narita-Shinkansen
Japan setzte als erstes Land dieser Welt die Vision eines Hochgeschwindigkeitszuges um. Pünktlich vor den Olympischen Sommerspielen 1964 wurde die erste Shinkansen-Strecke zwischen den Metropolen Tokio und Osaka eröffnet. Die Tokaido-Strecke war der Startschuss. Heute umfasst das Shinkansen-Netz knapp 2800 Streckenkilometer. Es führt hoch in den Norden, tief in den Süden, über die Japanischen Alpen und zum Japanischen Meer und es wird fleissig weitergebaut. Der Nagasaki-Shinkansen wird im Herbst 2022 den Betrieb aufnehmen (siehe Karte unten) (Asienspiegel berichtete).
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Trotz dieses kontinuierlichen Ausbaus ist Japan weit entfernt von der Vision der Erschliessung der gesamten Insel mit Hochgeschwindigkeitsstrecken. So findet man im Masterplan von 1973 beispielsweise auch Pläne für den Sanin-Shinkansen oder den Shikoku-Shinkansen (Asienspiegel berichtete). Es sind zwei Vorhaben, die wohl nie umgesetzt werden.
Narita-Shinkansen: Der Anfang und das Ende
Daneben gibt es eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, deren Bau bereits begonnen hatte und dennoch nie realisiert wurde. Die Rede ist vom Narita-Shinkansen. Es war die Vision, die grosse Distanz von der Hauptstadt bis zum Internationalen Flughafen Narita, der 1978 eröffnet wurde, mit modernster Bahntechnik zu überwinden. 1972 wurde das Projekt bewilligt. Zwei Jahre später begannen die Bauarbeiten unter der Leitung von Japan National Railways (JNR). Eine 65 Kilometer lange Normalspurstrecke war geplant, um eine Maximalgeschwindigkeit von 250 km/h zu ermöglichen. Einige Abschnitte wären unterirdisch verlaufen. Einzig im Bahnhof Chiba New Town war ein Zwischenhalt geplant. Die Fahrzeit vom Bahnhof Tokio bis zum neuen Flughafen hätte mit dem Narita-Shinkansen kurze 30 Minuten benötigt.
Doch genau wie beim Flughafenbau (Asienspiegel berichtete) stiess auch dieses Projekt aufgrund von geplanten Enteignungen und Lärmsorgen auf heftigen lokalen Widerstand. Zudem ging es der Staatsbahn finanziell nicht gut. 1983 legte man die Bauarbeiten auf Eis. 1987 wurde der Narita-Shinkansen nach der Privatisierung von JNR (Asienspiegel berichtete) endgültig zu Grabe getragen. Es ist bis heute die einzige Shinkansen-Strecke, die trotz Bewilligung und erfolgtem Baubeginn nie vollendet wurde.
Die Nachfolger
Vergebens war das Projekt nicht. Die Bahngesellschaften JR East und Keisei Electric Railway machten Gebrauch von den geleisteten Bauarbeiten. Der JR Narita Express und Keisei Skyliner wurden zu den Nachfolgern. Die Fahrt nach Tokio mit diesen beiden Expressverbindungen dauerte ab 1991, als die ursprünglich für den Narita-Shinkansen geplante Station Narita Airport Terminal 1 eröffnet wurde, rund eine Stunde. Der Keisei Skyliner, der zu den Tokioter Bahnhöfen Nippori und Ueno führt, war stets etwas schneller als der JR Narita Express unterwegs.
2010 wurde der Traum vom Narita-Shinkansen schliesslich doch noch teilweise realisiert. Die damalige Eröffnung der Narita Sky Access Route ermöglichte dem Skyliner eine neue Maximalgeschwindigkeit von 160 km/h. Die schnellste Fahrzeit vom Terminal 2 des Flughafens Narita bis nach Nippori beträgt heute 36 Minuten und bis nach Ueno 41 Minuten. Vom Bau eines Narita-Shinkansen spricht niemand mehr.
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