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Andrew Taylor Still entwickelte Ende des
19. Jahrhunderts die heute zur Alternativmedizin gezählte Osteopathie.
Still begegnete allen medizinischen und geistigen Strömungen a priori mit einer skeptisch-pragmatischen Einstellung und war erst dann überzeugt, wenn die in ihnen vertretenen Hypothesen sowohl inhaltlich logisch, als auch praktisch erfolgreich waren.
Ursprünglich nicht interessiert an der Eröffnung einer Schule, ließ er sich schließlich 1892 von ehemaligen Patienten und befreundeten Ärzten dazu überreden im Alter von 64 Jahren eine kleine Lehranstalt zu etablieren, in der zunächst nur Anatomie und das philosophische Denken unterrichtet wurde.
Zwar schreibt Still, dass er am 22. Juni 1874 um 10:00 Uhr morgens das "Banner der Osteopathie" gehisst hätte, tatsächlich taucht der Begriff offiziell erst 1891/92 im Zuge der Gründung seiner Schule, der American School of Osteopathy auf. Der zusammengesetzte Begriff leitet sich aus den altgriechischen Wörtern osteon für Knochen und pathos für Leiden her.
Seine rein manuellen Techniken dienten seiner Ansicht nach zur optimalen Anpassung (nicht: Korrektur) des Organismus, wodurch sich die Selbstregulationsmechanismen, d. h. die Gesundheit des Körpers wieder besser entfalten könne und bestehende Symptome oder Krankheiten verdrängen würden.
Still's Ansatz zielt vielmehr anders als in der heroischen und orthodoxen Medizin üblich nicht auf das Bekämpfen der Erreger, sondern auf die Stärkung jenes Teils des inneren Milieus, den wir heute als Abwehrsystem kennen. Um dies zu erreichen müssen jene anatomische 'Läsionen' beseitigt werden, die über eine Störung von Blut- und/oder Nervensystem einen direkten, aber vor allem indirekten Einfluss auf die Körperphysiologie haben.
Aus dem bisher Gesagten ergibt sich für Still's Klassische Osteopathie:
- Sie repräsentiert einen Ansatz zur Behandlung von Menschen, keinen Krankheiten.
- Ihr Behandlungsziel ist die Anpassung des anatomisch-physiologischen Rahmenwerks zur besseren Entfaltung der Selbstregulationsmechanismen.
Hier ist der Osteopath bestrebt, eine differenzierte Diagnose über funktionelle und strukturelle Störungen des Bewegungsapparates (z.B. Bewegungseinschränkungen der Gelenke und Wirbelsäule,
Spannungen und Verkürzungen in der Muskulatur, Verquellungen des Bindegewebes, Festigkeit der Bandstrukturen) zu erlangen und deren Auswirkungen auf den restlichen Körper (Organe, andere
Gelenke...) zu erkennen.
Mittels sanfter, aber sehr präziser manueller Techniken, wie Manipulationen ("Einrenken" von blockierten Wirbelsäulensegmenten) oder Weichteiltechniken werden körpereigene Regulationsmechanismen in Gang gesetzt, um so die Selbstheilung des Körpers anzuregen (wiederherzustellen).
Durch die Atemtätigkeit des Zwerchfells kommt es zu einer ständigen Bewegung der Organe. Aufgrund von Entzündungen oder durch Operationen kann es zu Narbenbildungen und Bewegungseinschränkungen
kommen, die laut Osteopathie auch Auswirkungen auf die Funktion der einzelnen Organe haben können.
Durch direkte, aber sanfte Techniken wird versucht, die Eigenbeweglichkeit und das Zusammenspiel der einzelnen Organe wiederherzustellen.
In der viszeralen Arbeit hat die embryonale Entwicklung der Organe eine große Bedeutung, da sich aus der “embryonalen Entwicklungsbewegung”, die jedes Organ vollzieht, eine tastbare Bewegung ergibt, welche das Organ als Ausdruck seiner Vitalität innehat.
Der Schädel des Menschen besteht bei seiner Geburt aus mehreren Knochen. Im weiteren Verlauf der Jahre verknöchern diese Segmente im Bereich der Schädelnähte.
Die Osteopathie geht davon aus, dass zwischen den einzelnen, nun verbundenen Teilen des Schädels Bewegungen spürbar sind.
Diese wellenartige Fluktuationsbewegung breitet sich im ganzen Körper aus und ist vor allem im Kreuzbein (Sacrum - daher der Name Cranio-Sacrale Osteopathie) spürbar.
Ist nun eine Struktur, wie z.B. eine Schädelnaht durch einen Sturz blockiert, kommt es zu einer Behinderung des gesamten Systems und in weiterer Folge zu Störungen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder anderen funktionellen Erkrankungen.