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Nachdem wir uns in Villa Cerro Castillo blutrote Handabdrücke ansahen, die vor 8'000 bis 10'000 Jahren von Ureinwohner an den Felsen angebracht wurden, fuhren wir zu einem Aussichtspunkt, an dem wir auch die Nacht verbringen wollten. Wir sahen nicht nur die versprochenen Delphine, sondern auch Peter und Vreni, die überraschenderweise zur gleichen Zeit wieder die gleiche Idee hatten. Bei einem guten argentinischen Rotwein verbrachten wir den Abend mit spannenden Geschichten und kehrten viele Stunden später in unser Büssli zurück.
Das Meer lag spiegelglatt vor uns und der feuchte Nebel zog sich schnurgerade durch die Landschaft. Das ruhige Wasser verriet schnell, wo sich die beiden Delphine zurzeit befanden. Es war ein trister Tag in Puyuhuapi und doch war es wunderschön.
Auf dem Weg von La Junta nach Puerto Raúl Marín Balmaceda bogen wir auf der Suche nach einem ruhigen Schlafplatz in eine schmale und holprige Seitengasse ein. Nach 3 Kilometern öffnete sich der dichte Wald und wir fanden uns auf einer grossen Wiese wieder, die von zwei Flüssen umsäumt war. Wir genossen die Einsamkeit, wuschen unsere Wäsche, duschten und blieben spontan zwei Nächte.
Im kleinen Hafendorf Puerto Raúl Marín Balmaceda kennt man noch keine Schotterstrassen und während man durch die einfachen kleinen Gassen fährt, fühlt man sich in der Zeit um viele Jahrzehnte zurückversetzt. Wir reservierten die Fähre nach Chaitén, da die einzige Strasse nach einem gewaltigen Erdrutsch im Dezember noch immer unpassierbar war.
Nach acht Stunden erreichten wir Chaitén und fanden einen Stellplatz direkt am Meer, wir assen Fajitas mit viel frischem Gemüse und genossen den Sonnenuntergang bei einem kalten Bier. Vor einem kleinen Haus entdeckten wir ein handgeschriebenes Schild, das auf Duschen hinwies. Wir klingelten und standen schon bald im privaten Badezimmer eines chilenischen Ehepaars, wo wir heiss duschen konnten.
Die Landschaft auf der Carretera Austral ist unglaublich abwechslungsreich - man fährt über Wiesen, durch Wälder und Regenwald, vorbei an Seen, Bergen, Gletscher und dem pazifischen Ozean. Bei einer Wanderung kamen wir noch tiefer in den dichten Dschungel hinein, keine zwei Meter hätte man vom angelegten Weg abweichen können. Kleine schwankende Brücken und steile Holzleitern führten durch die ansonsten unberührte Natur bis hinauf zu zwei tosenden Wasserfällen.
Um nach Hornopirén zu gelangen ist man erneut auf zwei Fähren angewiesen, unterbrochen werden die beiden Fähren von 10km Schotterpiste. Nach 7km standen wir jedoch auf der Strasse. Denis schaute sich den Motor an und klopfte gerade den Luftfilter aus, als Emily, eine junge Engländerin, mit ihrem vollgepackten Fahrrad vorbeifuhr. Sie wollte auf die gleiche Fähre wie wir und bot uns an, am Hafen nach Hilfe zu fragen, damit wir die Fähre nicht verpassen. Nachdem Denis alles kontrolliert hatte, wagten wir einen zweiten Anlauf und erreichten schliesslich ohne weitere Probleme den Hafen Leptepú. Unterdessen hatte Emily schon Hilfe organisiert und kam uns kurz nach unserer Ankunft mit einem Ranger in dessen Jeep entgegen!
Erfreulicherweise darf man bei der Überfahrt im Fahrzeug bleiben und so kochten wir uns Spaghetti, tranken Bier und sahen die Landschaft an uns vorbeiziehen. Nach 55km Weiterfahrt folgte die letzte Fähre und in Puerto Montt endete schliesslich die Carretera Austral. Wir mieden die Stadt und fuhren direkt nach Puerto Varas – eine touristische hübsche Kleinstadt am Ufer des Lago Llanquihue. Wir verbrachten die Nacht am See mit direktem Blick auf den Vulkan Osorno, dessen kegelförmige Spitze stets mit Schnee und Eis bedeckt ist.