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Schweizer Tochtergesellschaften und Niederlassungen von Ölmultis sehen sich mit einer Milliardenklage konfrontiert. Nicht weniger als 960 Milliarden Dollar verlangt ein US-Ölgeologe vor vier Schweizer Gerichten. Die Klage stützt sich auf das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.
Die schwindelerregende Klagesumme errechnet sich aus Prospektionskosten und entgangenen Gewinnen aufgrund unberechtigt genutzter Arbeitsergebnisse, wie Adrian Bürgi, der Anwalt des Klägers, auf Anfrage sagte und damit Berichte der «SonntagsZeitung» und der «Zentralschweiz am Sonntag» bestätigte.
Die Klagesumme ist rekordhoch, es geht aber auch um den zweitgrössten Erdölfund der Geschichte nach jenen in Saudiarabien.
Wie Bürgi erklärt, ist sein Mandant der 83-jährige US-Geologe Jack Grynberg. Dieser machte sich als hochtalentierter Erdölsucher einen Namen und ein beträchtliches Vermögen. Kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion wertete Grynberg 1989 im Staatsauftrag seismische Aufzeichnungen aus.
Nach der Durchsicht dutzender Kilometer von Kurvendiagrammen ortete er im Kaspischen Meer und im Nordwesten Kasachstans drei riesige Ölfelder mit geschätzten 66 Milliarden Barrel Öl.
Nach dem Ende der Sowjetunion beauftragte die kasachische Regierung Grynberg mit der Bildung eines Konsortiums aus westlichen Ölgesellschaften zur Ausbeutung der drei Ölfelder. In einem Vertrag, der sein wichtigstes Beweismittel ist, sicherte BP Grynberg auf 40 Jahre hinaus 20 Prozent des Gewinns aus der Ausbeutung vor Ort zu.
Mitte der Neunziger Jahre kam das Konsortium dann tatsächlich zustande, aber ohne den Entdecker der Ölfelder. Gemäss dessen Darstellung hatten die Konsortiumsmitglieder über einen CIA-Agenten die kasachische Regierung bestochen, um an die Förderrechte zu kommen.
Die Schweiz fror später 183 Mio. Fr. auf einem Firmenkonto des Agenten ein und in den USA wurde er wegen Steuerdelikten verurteilt. Grynberg verklagte die involvierten Ölgesellschaften 1996 in den USA und in Grossbritannien. In Kanada erhielt er bereits mehrere hundert Millionen Dollar zugesprochen.
Gegen die Niederlassungen und Tochtergesellschaften der Ölmultis geht sein Schweizer Anwalt Adrian Bürgi in der Schweiz «klageweise vor», weil ein Teil der erzielten Gewinne auch in der Schweiz anfallen. So stammt etwa ein Drittel des in die Schweiz importierten Öls aus Kasachstan. Konkret geht der Anwalt gegen BP, Exxon-Mobil, Philips, Shell, Eni, Staoil und Total in Zug, Zürich, Lausanne und Genf vor. (wst/sda)