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Herzlichen Glückwunsch, Nobri!
© BOS Foundation | Andrea Knox
Die kleine Nobri wurde von ihrer Mutter Shelli, die aus illegaler Haustierhaltung gerettet wurde, ganz vorbildlich aufgezogen. Von ihr lernte sie alles Wichtige, um in der Wildnis zu überleben. So entwickelte Nobri auch eine starke Abneigung gegenüber Menschen. In der freien Wildbahn ist dies eine wichtige Eigenschaft. Doch als Nobri 2013 zusammen mit ihrer Mutter Shelli und ihrer jüngeren Schwester Forest als Auswilderungskandidatin auserkoren wurde, war sie so misstrauisch und schwer zu beruhigen, dass es dem medizinischen Personal trotz aller Bemühungen nicht möglich war, sie auf die Auswilderung vorzubereiten.
© BOS Foundation
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Es erstaunt nicht, dass Nobri ihr Leben als wilder Orang-Utan absolut unabhängig gestaltete. Sie versteckte sich hoch oben in den Baumkronen und machte mit Kusslauten deutlich, dass die Besuche des Post-Relase-Monitoring-Teams unerwünscht war.
Das Team machte dennoch weiter seine Beobachtungen zu Nobri und hielt fest, dass eine kleine Schwellung in Nähe ihrer Achselhöhlen immer ausgeprägter wurde. Die Tierärztinnen und Tierärzte diagnostizierten schliesslich eine Luftsakkulitis, eine schmerzhafte und potenziell tödliche Krankheit. Nobri zeigte mit ihrem starken Charakter nicht ein einziges Mal, dass sie Schmerzen hatte. Als sich die Symptome jedoch verschlechterten, wurde entschieden, dass Nobri behandelt werden musste. Der zielsicherste Pfeilscharfschütze aus Nyaru Menteng, Pak Sugi, begleitete Tierarzt Greggy auf einer dreitägigen Reise nach Batikap. Dort gelang es ihnen, Nobri mit einem Pfreil zu betäuben und sie zurück in die Rettungsstation zu bringen. Die Behandlung ihrer Krankheit hatte mehrere Operationen und eine lange Medikation zur Folge.
© BOS Foundation
Das ganze Team war begeistert, als Nobri zweieinhalb Monate später bereits wieder bei Kräften war. Das Orang-Utan-Weibchen durfte am 27. Januar 2019 wieder in den Regenwald zurückkehren. Auch nach ihrer Wiederauswilderung gab das Post-Release-Monitoring sein Bestes, Nobri im Auge zu behalten. Natürlich gestaltete sich dies alles andere als einfach: Ganz nach ihrer wilden Natur verschwand sie bald tief im Regenwald und wurde monatelang nicht mehr gesehen.
Im Mai wurde sie dann endlich wieder gesichtet – und auch wenn sie mit grimmigen Kusslauten und Ästeschütteln klar machte, dass sie den Besuch nicht schätzte, wusste das Post-Release-Monitoring-Team, dass es hartnäckig bleiben musste.
Doch spätere Suchaktionen endeten vergeblich, monatelang. Das Team war besorgt und versuchte dennoch, optimistisch zu bleiben. Und die Geduld hat sich gelohnt! Genau ein Jahr seit Nobris Wiederauswilderung war vergangen, als das Glück auf der Seite der BOS-Mitarbeitenden war. Wenige Meter vom Flussufer entfernt sahen sie zwei Orang-Utans. Einer davon war Manggo – und der andere gab unaufhörlich Kusslaute von sich. Es war Nobri!
Und sie war nicht alleine unterwegs: Bei ihr war ein winziges Orang-Utan-Baby, das sich an sie klammerte. Mit dieser Entdeckung stand fest, dass Nobri das erste wildgeborene Baby im Jahr 2020 auf die Welt gebracht hatte.
Als frischgebackene Mutter blieb Nobri weiterhin so weit wie möglich von den Menschen entfernt. Sie verbrachte den Grossteil ihres Tages in den Baumkronen, gut versteckt hinter dichtem Laub. Dem Post-Release-Team war es leider nicht möglich, das Baby näher zu beobachten und beispielsweise das Geschlecht zu bestimmen. Bis heute gibt es noch kein Foto des Orang-Utan-Nachwuchses. Und das ist ein gutes Zeichen. Nobri ist mit ihrem wilden Charakter eine Mutter, die ihren Nachwuchs bestmöglich beschützt.
Fast zwanzig Jahre nach der Rettung von Nobris Mutter Shelli aus dem Beton-Dschungel von Jakarta wurde ihre Enkelin frei im Regenwald von Borneo geboren. Diese Geschichte ist der Beweis dafür, dass es immer Hoffnung gibt. Herzlichen Glückwunsch Nobri, wir könnten nicht stolzer sein.
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