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Roger Federer trainierte im Frühling an der Zürcher Goldküste ungestört für seinen Traum vom achten Wimbledon-Titel. Das Anwesen mit Rasen-Tennisplatz gehört einem Schweiz-Brasilianer, der 33 Milliarden schwer ist.
Ein Anwesen direkt am rechten Ufer des Zürichsees. Dichte Bäume und eine Felswand schützen vor unerwünschten Blicken. Viel Grün, ein paar Sträucher, gelbe Blumen am Fussweg direkt am Wasser. Ein Bootshaus. Ein grünes Trampolin im Garten. Und eine Fläche mit sorgfältig auf acht Millimeter Länge getrimmten Grashalmen, ein Netz und weisse Linien. Es ist wohl einer der am exklusivsten gelegenen Tennisplätze.
Hier fährt Roger Federer im Frühling während seiner zehnwöchigen Wettkampfpause regelmässig vor, um sich auf dem Grün auf den Höhepunkt seines Jahres vorzubereiten: Das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon, wo er ab Montag seinen achten Titel anstrebt.
Auch für Trainingspartner ist gesorgt. Neben Jugendfreund Marco Chiudinelli weilen die Amerikaner Ernesto Escobedo und Mackenzie Macdonald sowie der Kroate Matija Pecotic auf Einladung Federers in der Schweiz, dazu auch Trainer Ivan Ljubicic. Bei schlechtem Wetter trainiert die Gruppe auf Hartbelägen oder auch in der Halle. Weil das Wetter mitspielt, sagt Federer vor dem Start in die kurze Rasensaison, er sei inzwischen sogar zum Trainingsweltmeister geworden.
Möglich wird das durch die Verbindung zu ihm: Jorge Paulo Lemann (77), Schweiz-Brasilianer und mit einem geschätzten Vermögen von 33 Milliarden Dollar einer der 20 reichsten Menschen der Welt. Ihm gehört das Anwesen am Zürichsee.
Doch in der Öffentlichkeit ist über Lemann nur wenig bekannt. Aufgewachsen ist der Sohn eines emigrierten Käsers aus dem Emmental in Rio de Janeiro, im Stadtteil Leblon. Sein Studium führt ihn in die USA an die Elite-Universität Harvard. Danach verdient er sich bei der Credit Suisse in Genf seine Sporen ab.
Er gilt als talentierter Tennisspieler. Lemann tritt für die Schweiz und Brasilien im Davis-Cup an, er nimmt in Wimbledon und bei den French Open teil. Als er jedoch merkt, «dass ich es nicht unter die zehn Besten der Welt schaffe, gab ich meine Tenniskarriere auf», sagte er einmal im Gespräch mit dem Magazin «Stern».
Stattdessen verschreibt er sich dem Unternehmertum. Sein Mantra lautet: «Es macht genauso viel Arbeit, einen grossen Traum zu haben wie einen kleinen – also träume den grossen.» 1970 gründet er die Banco Garantia, die er später für 675 Millionen Dollar an die Credit Suisse veräussert. Den Grossteil seines Vermögens macht er aber als Bierbrauer.
1989 übernimmt er Brahma, den grössten brasilianischen Brauereikonzern. Mit dem Traum, eines Tages die grösste Brauerei der Welt zu sein. Als Lemann im Sommer 2008 das Geschäft seines Lebens macht, so sagt es die Legende, reitet er in Begleitung seines Freundes Fernando Henrique Cardoso (86), zwischen 1995 und 2002 Präsident Brasiliens, auf einem Kamel in der Mongolei durch die Wüste Gobi.
Mit der Investmentfirma 3G Capital gelingt die feindliche Übernahme des Biergiganten Anheuser Busch. Heute umfasst sein Imperium in 140 Ländern 500 Marken wie Brahma, Beck’s oder Stella Artois. Alleine im letzten Jahr setzt das Unternehmen 45,5 Milliarden Dollar um.
Mit Anheuser Busch beherrscht Lemanns 3G Capital einen Drittel des Weltmarkts. Seine Geschichte ist auch Inspiration für eine Biografie mit dem Titel «Dream Big», die vor drei Jahren erschien. Autorin Cristiane Correa gewährt er eine Stunde. Sie sagt: «Ich habe vier Jahre gebraucht, um dieses Gespräch zu bekommen.» Er antwortet trocken: «Ich habe 20 Jahre gebraucht, um Anheuser zu bekommen.»
Sein grosser Traum ist wahr geworden. Doch längst hat Lemann das Erfolgsmodell von 3G Capital auf andere Geschäftsbereiche übertragen. Die Gesellschaft hält namhafte Beteiligungen an der Fast-Food-Kette Burger King, dem Lebensmittelkonzern Kraft Heinz Company und Tim Hortons, einer kanadischen Fast-Food-Kette.
Lemann selber soll penibel auf die Ernährung achten und keinen Alkohol trinken. Er hat sich der Askese verschrieben, die mit der aggressiven Akquisitionsstrategie kontrastiert, die er als Unternehmer an den Tag legt. Öffentliche Auftritte meidet er. Das hat auch mit einem Vorfall im Jahr 1999 zu tun: Kidnapper versuchen damals, drei seiner sechs Kinder auf dem Weg zur Schule in São Paulo zu entführen. Sie geben 15 Schüsse auf den gepanzerten VW Passat ab, doch dem Fahrer gelingt die Flucht. Am Tag darauf zieht die Familie in die Schweiz.
Seit Dezember sitzt seine zweite Frau im Stiftungsrat von Roger Federers Stiftung. Jorge Lemann tritt als Investor beim im Herbst erstmals ausgetragenen Laver Cup auf, einem Kontinentalwettbewerb unter der Schirmherrschaft von Federer. Lemann spielt selber regelmässig im Grasshopper Club. Oder auf dem eigenen Rasenplatz. Dessen Errichtung dauert 15 Monate und verschlingt geschätzte 250'000 Franken. Der Unterhalt ist teuer und zeitintensiv.
Roger Federer (35) spielt erst mit 17 Jahren erstmals auf einem Rasenplatz. 1998 gewinnt er in Wimbledon das Turnier der Junioren. «Die Faszination kommt daher, dass dieser Belag für uns Schweizer so unerreichbar scheint. Ich habe mir immer vorgestellt: Wie fühlt sich das wohl an? Wie springt der Ball ab?», sagt Federer in einem Interview vor Wimbledon. Dank Lemann gibt es dort in diesem Jahr niemanden, der besser vorbereitet ist als er.