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Geschichten und Schicksale über Jahrzehnte hinweg
Für viele Menschen hat der Wald etwas Geheimnisvolles. Ist es das ewige Schattendasein oder sind es die seltsamen Geräusche, die da oft zu hören sind oder gar die Geschichten, die von Generation zu Generation weitererzählt werden?
Dieter Deiss
Gleich vier Tafeln und Gedenkmäler zeugen von tödlichen Unfällen im Laufenburger Wald. Auf dem Weg von Leidikon in Richtung Talacher, stösst man rechterhand auf eine kleine Betonmauer, auf der ein Holzkreuz thront. In grossen Lettern steht auf der Mauer «A. Obrist – Bannwart – 13.3.73». An dieser Stelle wurde am Dienstag, 13. März 1973, der in Mittelsulz wohnhaft gewesenen Albert Obrist beim Fällen einer Tanne von dieser erschlagen.
Der 19. März 1962 war ein kalter Wintertag. Ein strenger Tag lag hinter den Waldarbeitern und Karl Obrist fuhr nach Feierabend mit seinem Traktor entlang des Wolfisgrabens in Richtung Bütz. Das Gefährt kam an einer vereisten Stelle ins Rutschen und der Unglückliche stürzte samt Traktor in den Wolfisgraben, wo er tot liegen blieb. Eine Gedenktafel am Orte des Unglücks erinnert an das schreckliche Ereignis.
Unterhalb des Gänters ist am Weg zur Genterhütte eine Gedenktafel für Fritz Richner zu finden. Dieser war während des Zweiten Weltkriegs mit seiner Sappeur-Einheit am Bau der Befestigungsanlagen in der Region Schinberg beteiligt und verunglückte tödlich am 8. Februar 1940.
Franzosenstein
Ebenfalls auf dem Weg in den Talacker, kurz nachdem der Weg abzweigt in Richtung Risihalde, entdeckt man oberhalb der Böschung einen etwa einen Meter hohen gelblichen Sandstein, der die Form eines Grabsteins hat. Im unteren Teil sind ganz schwach ein paar Buchstaben und Zahlen zu erkennen, während in der oberen Hälfte einmal ein Wappen oder ein Portrait eingemeisselt worden war. Der Sandstein ist freilich so stark ausgewaschen, dass keine Details mehr erkennbar sind oder dass sich gar ein Text oder eine Jahreszahl ableiten liesse. Der 93-jährige in Bütz wohnhafte Paul Weiss kennt diesen Stein sehr wohl. Seine Eltern hatten zuhinterst in der Risihalde eine kleine Rüti. Auf dem Weg zur Arbeit im kleinen Äckerlein sei man stets an diesem Stein vorbeigekommen. Oft habe ihm dabei seine Mutter die Geschichte von diesem Stein erzählt. Im Gebiet der Chäppelihalde hätten französische Soldaten Holz geschlagen und dieses zum Flössen nach Rheinsulz hinunter transportiert. Bei diesen Arbeiten sei ein junger französischer Soldat tödlich verunglückt. Zu dessen Gedenken habe man dann den Stein errichtet.
Vermutlich konnte man vor gut hundert Jahren, als die Mutter von Paul Weiss ein junges Mädchen war, die Schrift noch lesen. Stammt der Stein also aus der Zeit, wo französische Truppen das Rheintal und die Waldstätte besetzt hielten und der Bevölkerung grosse Opfer abverlangten? So mussten in dieser Zeit unter anderem riesige Mengen an Holz geschlagen und rheinabwärts ins Elsass geflösst werden.
Herzogstein
Gleich zweimal steht der Name Herzog auf dem gleichnamigen Denkmal am Weg von der Wasenhalde in Richtung Ebni gelegen. Kurz nach dem Passieren der grossen Antennenanlage stösst man auf den Stein in einer Weggabelung. Der Stein wurde seinerzeit errichtet zu Ehren des Stadtförsters August Herzog, der von 1898 – 1939 für den Wald verantwortlich zeichnete. Das Amt ging dann direkt auf seinen Sohn Karl über. Er verstarb im Jahre 1968 im Amte. Dessen Nachfolger war Josef Binkert. Dieser erhielt von der damaligen Forstkommission den Auftrag, auch Sohn Karl im Gedenkstein verewigen zu lassen. Der Gedenkstein wurde in diesen Tagen von Mitgliedern der Arbeitsgruppe «rund um sulz» gereinigt und mit einem Betonsockel versehen.
Urlaubstein
Marschiert man vom Herzogstein weiter in Richtung Ebni, so stösst man kurz vor der Waldhütte auf einen besonderen Gesellen. Unschwer ist hier die Büste eines Soldaten zu erkennen mit der Innschrift «Hier ruht unser Urlaub» und darunter die Jahreszahlen 1939 – 1945. Der pensionierte Förster Sepp Binkert kennt die Geschichte bestens. In der Nähe des Schwarzwaldblicks steht heute noch ein ehemaliger Artilleriebunker. Daneben habe es dort einen Beobachtungsposten gegeben sowie eine im Boden eingegrabene Mannschaftsunterkunft. Die Soldaten bemängelten die knapp bemessenen Urlaubstage und gaben ihrem Unmut mit der Soldatenbüste Ausdruck.
Der Stein zum Chaisterchopf
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Not in vielen Fricktaler Gemeinden gross. So auch in Kaisten. Um Armutsbetroffenen die Ausreise nach Amerika zu ermöglichen benötigte man Geld. Zu diesem Zwecke sollte Holz geschlagen werden, was jedoch vom Kanton nicht bewilligt wurde. So blieb den Kaistern nichts anderes übrig, als gleich zweimal, nämlich 1882 und 1892, den damals woh l habenden Lau fen bu rgern Waldparzellen im Gebiet des Chaisterchopfs zu verkaufen. Den Landhandel eingefädelt habe der damalige Kreisförster Koch. «Ihm zu Ehren setzte die Stadt Laufenburg in der Nähe der Waldhütte Ebni einen Gedenkstein», erzählt Sepp Binkert. Von diesem Stein sind allerdings nur noch klägliche Überreste vorhanden. Böse Zungen behaupten, dass wegen des Landhandels verärgerte Kaister das Werk bei Nacht und Nebel zerstört hätten.