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Es steht ausser Frage, dass es nach COVID-19 zu weiteren Pandemien kommen wird. Offen ist nur noch, wann dies der Fall sein wird. Die Grafik gibt einen Überblick über die historische Häufigkeit von epidemischen Krankheitsausbrüchen. Die orange gekennzeichneten Ausbrüche wurden zusätzlich von der WHO als PHEIC («Public Health Emergency of International Concern») eingestuft. Der tendenzielle Anstieg der Häufigkeit von Ausbrüchen ist teilweise sicherlich auf die Verbesserung des Erfassungs- und Meldewesens zurückzuführen. Wie eben beispielsweise die Einführung des PHEIC-Systems der WHO im Jahr 2007. Aber selbst PHEICs werden nicht per se zu globalen Pandemien.
Unter dem Strich kam es zu «anderthalb» Pandemien in den letzten 20 Jahren, so die Rechnung international tätiger Versicherer. Die MERS-Ausbrüche in den Jahren 2012 und 2016 hätten wohl nie pandemisches Potenzial erreicht. Aber eine SARS-Pandemie im Jahr 2003 konnte nur mit Glück und grossen Anstrengungen abgewehrt werden – eine «halbe» Pandemie quasi. Dann kam im Jahr 2019 COVID.
Selbst wenn es um das sehr besondere Risiko einer Pandemie geht, helfen traditionelle Methoden, um das Risikomanagement zu strukturieren, so wie der klassische Vierschritt des möglichen Umgangs mit Risiken.
Als Handlungsoptionen stehen zur Verfügung: vermeiden, vermindern, transferieren oder tragen. Es mag Risiken geben, die man gänzlich vermeiden kann. Zum Beispiel können Privatpersonen in Anbetracht des Verletzungsrisikos bestimmten Extremsportarten bewusst nicht nachgehen. Beim Risiko einer Pandemie ist für Spitäler eine komplette Vermeidung unmöglich.
Leider ist auch das Vermindern nur in sehr geringem Umfang möglich. Spitäler leisten natürlich einen herausragenden Beitrag dazu, die Folgen bereits grassierender Pandemien möglichst klein zu halten. Aber sie werden quasi nie in der Position sein, das Risiko einer möglichen Pandemie im Alleingang zu vermindern.
Wie also mit dem unvermeidbaren und kaum verminderbaren Risiko umgehen? Transferieren auf einen Versicherer oder selbst tragen? Diese Entscheidung wurde den Spitälern bei COVID-19 abgenommen. Sämtliche Versicherer, die Lösungen offerierten, die unter Umständen einen Versicherungsschutz hätten bieten können, nahmen diese unmittelbar und komplett vom Markt. So blieb den Spitälern nur übrig, die Risiken selbst zu tragen.
Glücklicherweise hat sich die Lage, was die Transferierbarkeit des Risikos angeht, seit dem Ausbruch von COVID verbessert. Um nicht unversehens in eine neue Pandemie zu geraten, werden nun allerorten Pläne geschmiedet, wie mit der nächsten Pandemie umgegangen werden kann. Auch Versicherer wagen sich wieder auf den Markt. Es gibt Lösungen, die z. B. Ertragsausfälle infolge staatlich angeordneter Kapazitätsfreihaltungen abdecken. Diese waren ja für einen Grossteil der finanziellen COVID-bedingten Einbussen der Spitäler verantwortlich. Und die Finanzhilfen des Staates kamen zögerlich und waren oft lückenhaft.
Jetzt, wo der Druck durch COVID nach der letzten Krankheitswelle des Personals etwas nachgelassen hat, ist die Zeit gekommen, sich für die Zukunft richtig aufzustellen. Das Risikomanagement von Pandemien sollte im Lichte neuer Möglichkeiten angegangen werden, solange die Erfahrungen dieser Pandemie noch frisch sind. Das Ziel muss sein, nicht unversehens das Risiko wieder selbst tragen zu müssen.
Beitragsbild: Mircea auf Pixabay