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Die Suche nach dem Taeguk
Es sagt sich so leicht: Die Asiaten denken grundsätzlich anders als Europäer. Wieso das so ist, erfährt man nie. Meister Ra Jin-Oh (8. Dan) gibt Einblicke in die asiatische Philosophie und klärt damit vielleicht auch manches Missverständnis zwischen Europa und Asien.
„Bereich des Taeguk“
Wer Taekwondo trainiert oder sich eingehender mit der fernöstlichen, d.h. koreanischen, chinesischen oder japanischen Kultur beschäftigt, wird immer wieder dem Begriff Taeguk begegnen. So beinhaltet das Taekwondo Training nicht nur die Übung der Kampftechniken und des Kampfes, sondern auch und vor allem die Taeguk Übungen. Der Begriff Taeguk hat in allen asiatischen Lebensbereichen eine schicksalsbestimmende Funktion. Diese gilt für die Politik ebenso wie für die Wirtschaft, Kultur, Architektur, Technik, Mode, Musik, Kunst, Naturwissenschaften, für den Sport, die Geburt, für das Heranwachsen, den Tod, den Beerdigungsort und sogar über den Tod hinaus. Will also jemand das Taeguk richtig verstehen, so muß er zunächst einmal versuchen, die asiatische Kultur und Lebensphilosophie zu verstehen. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß das Verhältnis zum Taeguk ein Maßstab für das Verhältnis zu Asien ist.
Es ist sicherlich schwierig, Taeguk in wenigen Sätzen verständlich darzustellen. Dennoch möchte ich anhand meiner eigenen Gedanken und Erlebnissen in Korea und Deutschland versuchen zu erklären, was das Wort Taeguk bedeutet, und wieso es immer im Zusammenhang mit dem Begriff Muguk (wörtlich Unendlichkeit oder ohne Begrenzung) genannt wird.
„Taeguk und Muguk“
Taeguk wurde nach der Darstellung des Tai-Chi-Tu von dem Neokonfuzianer Chou Tun-Yi (1017-1073) definiert „das absolute Nichts und doch der höchste Seinsgrund“. Mit diesen Worten fängt die Erklärung des Begriffes Taeguk an. Mit dem Begriff Taeguk hat sich die ostasiatische Philosophie bemüht, das Wesen der Harmonie von Natur und Universum zu erklären, indem sie die fünfteilige Zeichnung mit 263 Schriftzeichen beschrieben hat. Um das Verständnis des Zitates zu erleichtern, müssen wir zunächst näher auf die Beziehung zwischen Um und Yang eingehen.
Um (gleichbedeutend mit dem chinesischem Yin) bezeichnet die dunkle, Yang als Gegenpol die helle Energie. Die beiden Energien existierten im Wechselverhältnis miteinander, als sich ergänzendes, unzertrennliches Paar. Laut der ostasiatischen Philosophie wird das Universum als ein Bewegungsablauf der Energie (Ki) verstanden. Diese Bewegung ist der Urgrund allen Lebens und aller Materie (Ri) im Universum. In Ihr wird das Gleichgewicht zwischen Um und Yang hergestellt. So entsteht auch eine Einheit, eine Harmonie (auch Do=Weg genannt).
Eine andere philosophische Grundrichtung geht davon aus, dass der Begriff Taeguk, bzw. das Um-Yang-Verhältnis zugleich Muguk sei, wenn die Bewegungsenergie zum Stillstand kommt. Wenn jedoch die Stillstandsenergie, die Um erzeugt, ihre höchste Anhaltsgrenze erreicht, so entsteht die Aktivitätsenergie, die Yang erzeugt. Erreicht das Taeguk seine Aktivitätsgrenze, wird es wiederum still, Das Taeguk vereint in sich beide Energien, die Stillstands- und die Aktivitätsenergie, und enthält zugleich deren Grenzen, im Sinne des Um-Yang-Verhältnisses. Anders gesagt: Wird Taeguk aktiv, so entsteht Yang. Erreicht die Ruhe ihre Aktivitätsgrenze, dann wird das Taeguk wieder aktiv.
Dieser Wechsel zwischen der Aktivität und der Ruhe hat seine Wurzel im ursprünglichen Hauptwesen der Entstehungs-, Entfaltungs- und Zerstörungsenergie. Das Um-Yang-Verhältnis ist zugleich auch ein fließender Bewegungsablauf. Das Um und Yang bilden und zerstören ein Gegensatzpaar, welches zugleich die Wurzel dieser Bewegung ist. Kommen Yang und Um zusammen, so werden die fünf Elemente, Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde erzeugt. Diese bilden die Grundlage der ostasiatischen Philosophie bzw. der Denkstruktur in Korea, wodurch sich Erzeugung und Zerstörung im Universum im Gleichgewicht halten. Diese Basiselemente sowie das Gegensatzpaar Um und Yang sorgen für das innere Gleichgewicht des Körpers beziehungsweise der fünf Körperorgane, Herz, Leber, Lunge, Milz und Niere. Werden diese 5 Energien frei, so nehmen die vier Jahreszeiten ihren Lauf.
Zusammenfassend heißt das: Die fünf Elemente bilden ein Um-Yang Verhältnis, ein Um-Yang Paar bildet ein Taeguk und das Taeguk ist zugleich Muguk. Aussagen wie: „Taeguk ist zugleich Muguk“ oder „Wo Muguk ist, ist zugleich auch Taeguk“, mögen auf den ersten Blick rätselhaft erscheinen. Ich möchte deshalb versuchen, den Inhalt anhand der Schriftzeichen dieser beiden Begriffe verständlich zu machen.
Das Schriftzeichen Guk, welches in beiden Begriffen vorkommt, bedeutet wörtlich „das Ende einer Grenze“. Darüber hinaus gibt es also nichts mehr. Das Wort Tae heisst wörtlich „das Große“ oder „das Größte vom Großen“. Der Begriff Mu heißt „fehlen“, „nicht dasein“, „nicht existieren“. Strenggenommen bedeutet Mu jedoch noch viel mehr als eine bloße Leere oder das Nichts. So bedeutet der Begriff Muguk also keine Grenze, kein Ende, etwas das sich ungehindert über die Grenze hin fortsetzt. Taeguk heißt wörtlich „große grenzenlose Grenze“. Eine große Grenze muss aber auch eine Grenze haben. in der Unendlichkeit gibt es jedoch keine sichtbaren Grenzen, deshalb ist sie grenzenlos. Zugleich enthält diese Unendlichkeit jedoch alles, was es gibt. also auch eine Grenze.
Anders gesagt, Taeguk ist etwas, was innerhalb einer Grenze besteht und nur in seiner Individualität als Taeguk existieren kann. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Wirkung des Taeguk nur im Bereich des Muguk möglich, weil etwas Begrenztes nur innerhalb von etwas Unbegrenztem bestehen kann. Das heißt, wenn das Muguk den Kosmos darstellt, so ist das Taeguk als Himmel und Erde zu verstehen.
Muguk ist der Anfang des Kosmos, des Himmels und der Erde. Taeguk ist der Ursprung aller Materie. Während Muguk als die Stillstandsenergie (Um) oder als unsere grenzenlose Seele, unser Geist und unser Herz betrachtet werden können. so ist Taeguk als die Aktivitätsenergie unseres begrenzten Körpers anzusehen.
„Die Harmonisierung des Um/Yang und die Entwicklung des Taekwondo Gyorugi“
Der gesamte Kosmos und alle Materie läuft, wie Um und Yang nach bestimmten Gesetzen in und auf bestimmten Umlaufbahnen regelmäßig ab. Kosmos und Materie entstehen nach ostasiatischen Vorstellungen durch die fünf Elemente: Erde, Feuer, Holz, Metall und Wasser. Diese fünf Elemente bilden eine Form, in der eine Dualität vorhanden ist. So entsteht zb. das Element Holz nicht nur für das Material, sondern auch für eine ursprüngliche Energieform. Um und Yang sind dafür verantwortlich, dass die Gravitationskraft die Erde, den Himmel und alle Materie zusammenhält. Dabei stehen die beiden Kräfte in einem sich stetig ausgleichenden Wechselverhältnis, in dem sie sich oftmals gegenseitig unterstützen und ergänzen. Zur Verdeutlichung: Himmel ist Yang – Erde ist Um – Sonne ist Yang – Mond ist Um – Tag ist Yang – Nacht ist Um – Bu ist Yang – Do ist Um – Taekwon ist Yang – Do ist Um.
Vom Begriff her bedeutet Yang auch Leuchten, Helligkeit, und Um Kraft der Schatten, Kraft der Dunkelheit. Aus der Vermischung von Um und Yang sind alle Dinge entstanden. Der Um/Yang Strom verändert alle Dinge und auch sich selbst. Er hält nie an, sondern bewegt sich in fortwährender Veränderung immer weiter. Dem Um/Yang Prinzip entsprechend, besteht auch die Erde aus zwei Teilen: dem Osten, wo die Sonne aufgeht und dem Westen, wo sie untergeht. Dieses Phänomen ist für das grundlegende Verständnis zweier unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen notwendig.
Da sind zum einen die Völker im Fernosten, am hellsten Ort oder auch Ort des Yang, welche zuerst von der Sonne aufgewärmt werden. Da sonne, Tag und Wärme starke Komponenten sind, haben diese Menschen eine Yang geprägte Natur (Menschen des Yang).
Zum anderen sind da Völker des Westens, also des dunklen Ortes, welche zuletzt von der Sonne aufgewärmt werden. Da Dunkelheit, Nacht und Kälte schwache Komponenten sind, haben diese Völker eine Um-geprägte Natur (Menschen des Um). Die unterschiedliche Prägung kommt nach fernöstlicher Auffassung in unterschiedlichen Denkstrukturen zum Ausdruck. Bei den Menschen des Ostens, den Menschen des Yang, dominiert das geistig/seelische, auf Synthese ausgelegte Moment. (Vorrang von Geisteswissenschaften, Kultur und Kunst), während bei den Menschen des Westens das materielle, funktional/analytische Moment im Vordergrund steht (Vorrang der Naturwissenschaften).
Im Fernost sind die Grenzen zwischen künstlichen, wissenschaftlichen und praktischen Aspekten des Lebens, im Unterschied zu modernen westlichen Zivilisationen eher fließend, weil der Mensch dort bestrebt ist, das Gleichgewicht zwischen diesen verschiedenen Lebensaspekten aufrecht zu erhalten.
Herz, Geist und Seele kennzeichnen dementsprechend die fernöstliche Philosophie, dies wird besonders in der Lehre des Konfuzius, des Buddhismus, des Taoismus und der Lehre des Zen deutlich. Im Westen wir dagegen mehr das materialistische Denken in den Vordergrund gestellt.
Alles im Himmel und auf der Erde, sei es belebt oder unbelebt, ist nach fernöstlicher Auffassung dem Gesetz des Um/Yang unterworfen und beruht in seiner Existenz quantitativ und qualitativ auf den fünf Elementen und der in ihnen wirkenden Kraft bzw. Energie (Ki).
Unter dem Gesetzt von Um und Yang ist auch das menschliche Leben in Ost und West darauf ausgerichtet, auf der Basis einer vernünftigen geistigen Orientierung zur Harmonie des Taeguk zu gelangen.
Wenn wir vor diesem Hintergrund die Entwicklung des Taekwondo in der heutigen Zeit näher betrachten, so können wir zwei unterschiedliche Tendenzen feststellen. Die eine, vor allem im Westen vertretene Richtung betont einseitig den äußeren, praktischen/technischen Aspekt, wie die Beherrschung der Kampftechniken. Die andere ist das ursprüngliche Taekwondo, welches dem Do (=dem natürlichen, menschlichen, philosophischen Weg), im Grundprinzip dem Um und dem Ri (das Naturprinzip aller Materie) verpflichtet ist. Dies hat vor allem das Wesen der Menschen und er der Natur in Ostasien, davon besonders in Korea, China und Japan geprägt.
In Korea, dem Entstehungsland des Taekwondo, stand nicht so sehr die Vermittlung der Kampftechnik als vielmehr das körperliche, und damit unzertrennlich verbunden, das geistige Training im Vordergrund. Dass Taekwondo zugleich auch wirksame Selbstverteidigungstechniken enthielt, war lediglich ein nützlicher Nebeneffekt. Die Selbstverteidigung sollte nur die letzte Anwendungsmöglichkeit des Taekwondo sein.
Das Taekwondo hat im Laufe der Zeit seinen ursprünglichen existentiellen Gehalt und Wert verloren. Stattdessen wird heute vielerorts nur noch die reine Kampftechnik, das Gyorugi für den Einsatz im Wettkampf gelehrt und gelernt.
Dies kennzeichnet die heutige Situation der Taekwondo Erziehung. Um Wettkämpfe zu gewinnen, trainieren viele Leute nur die äußere Kampfkunst, das Gyorugi, als ob dies das höchste Ziel im Taekwondo wäre. Wer nur Gyorugi trainiert ohne den philophischen Hintergrund des Taekwondo zu kennen, und ohne zu verstehen, was sich hinter den Formen und Grundbewegungen verbirgt, macht auf keinen Fall Taekwondo im ursprünglichen Sinne, mag er noch so körperlich beherrscht oder begabt für diese Sportart sein.
Wer nur an Gyorugi Interesse hat, versteht den wahren tieferen Sinn nicht und sollte nach den ursprünglichen Regeln des Taekwondo den Kup oder den Dan verlieren oder gar nicht erst verliehen bekommen, denn die letzte Verwendungsmethode des Taekwondo, das Gyorugi darf nicht ohne Do, ohne Wissen vom wahren Wesens des Taekwondo zum einzigen Ziel werden. Deshalb betrachte ich eine Reform der Taekwondo Erziehung als notwendig. Wäre Gyorugi der einzige Inhalt, so müsste man bei allen Wettkämpfen gewinnen, mit dem Ziel einmal Weltmeister zu werden. Sollten alle anderen, die nicht gelenkig genug sind oder Gyorugi nicht machen möchten, folglich auf das Taekwondo Training verzichten? Hat Taekwondo eine Altersgrenze und ist nur für zehn oder zwanzigjährige gut geeignet? Ist das alles, was man über Taekwondo sagen kann? Nein, mit Sicherheit nicht.
„Die drei Elemente und die Ordnung des Taekwondo.“
1. Element: Poomse
Wie wir wissen, besteht das Taekwondo nicht nur aus dem geistigen Training, Grund-, Sonder- und Kerntechniken, sondern auch aus Übungen, die alle diese Elemente enthalten und auf bestimmten Bahnen nach einer bestimmten Struktur ablaufen. Diese Übungen nennt man Poomse. Poomse ist ein direktes oder indirektes seelisches und körperliches Training, welches Angriffs- und Abwehrtechniken umfasst. Die Poomseübungen kann man mit oder ohne Partner trainieren und dabei seine eigene Trainingsmethode, zum Beispiel durch Anwendungsübungen, systematisch entwickeln. Die Poomseübung sollten mit Herz und Geist ausgeübt werden. Bei der Ausführung einer Poomse sollte vor allem auf die Atmung, den Kraftaufwand (stark/schwach), den Blick, die Geschwindigkeit (schnell/langsam), die Verlängerung des Körperschwerpunktes und auf den Kihap (= Sammeln der Energie, um einen Angriff oder eine Abwehr zu verstärken) geachtet werden.
2. Element: Kyokpa
Der Bruchtest sind praktizierte Kampftechniken aus der Poomse. Im Taekwondo Training soll die Fähigkeit des reellen Kampfes in der Anwendung durch den Bruchtest dargestellt werden. Der Bruchtest testet die Zerstörungskraft des Kämpfers und ist ein Training, um Körper und Geist in Einklang zu bringen. Bei dieser Zerstörungskraft handelt es sich um die Fähigkeit, ein Holzbrett von 2,5 cm Dicke zu zerschlagen. Damit der Ausführung des Bruchtests, oder auch der Selbstverteidigung an den eingesetzten Körperteilen keine ernsthaften Verletzungen entstehen, ist es unerlässlich, sie durch entsprechendes Training abzuhärten und zu stärken. Beim Abhärtungstraining lernt man, Schmerzen zu ertragen, und die Angst vor den Schmerzen zu kontrollieren. Erst dadurch wird es möglich, die ganze Zerstörungskraft zum Angriff einzusetzen. Diese Kraft ist gegen einen Menschen gerichtet tödlich. Bei der Ausführung eines Bruchtestes muss man vor allem auf die Atmung, die geistige Einheit (Konzentration), den Kihap, die Transparenz der Kraft (Kraftübertragung), auf die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Technik achten.
3. Element: Gyorugi
Gyorugi ist genau wie der Bruchtest eine praktizierte Übung der einzelnen Techniken und des Geistes. Beim Gyorugi stehen sich in der Regel zwei Kämpfe gegenüber. Man unterscheidet vier Formen des Gyorugi. Den abgesprochen, den halb abgesprochenen, den Wettkampf und den Freikampf-Gyorugi. Der abgesprochene und der halb abgesprochene Gyorugi werden vor allem im Training eingesetzt, um sich für Wettkämpfe vorzubereiten. Im Wettkampf Gyorugi gibt es bestimmte Regeln, an die sich die Teilnehmer zu halten haben. Diese Regeln wurden aufgestellt, um große Gefahren für die Wettkämpfer so niedrig wie möglich zu halten. Die Schiedsrichter sorgen dafür, dass diese Regeln nicht gebrochen werden, und eine Jury sorgt für eine gerechte Bewertung. Auch im Wettkampf Gyorugi ist es möglich, viele seiner schönsten und besten Techniken anzuwenden. Wettkampf Gyorugi ist aber gleichzeitig ein Training für den Freikampf, in dem es weder Regeln noch Schiedsrichter gibt. Im Freikampf befindet man sich in einer Situation, in der man einen tieferen Einblick in sich selbst und auch in seinen Gegner erhält, weil man weiß, dass es um Leben oder Tod geht. Doch gerät man einmal in eine solche Situation, so soll man versuchen, seine Ängste und Fesseln abzulegen und mit Geist und Technik zu kämpfen.
Diese drei Elemente vereinigen Körper und Geist ineinander. Wenn diese Elemente nicht miteinander harmonieren, dann ist die Poomse nur Ballet-tanz. der Bruchtest nur die Übung eines Vernichters mit blinder Zerstörungswut und der Gyorugi nur eine Prügelei von Straßenschlägern. Bis 1950 wurde der Taekwondo Trainingsprozess durch drei Elemente Poomse, Bruchtest, und Gyorugi gestaltet. Dabei lag der Ausbildungsschwerpunkt auf der Poomse, gefolgt vom Bruchtest und dem Gyorugi. Bis dahin war es ein Ziel im Taekwondo, jemanden mit einem Schlag töten zu können. Dazu benötigt man jedoch eine große Schlagkraft. Die Grundlage zur Entwicklung einer großen Schlagkraft bilden die Poomseübungen, und nicht wie viele Taekwondo Schüler fälschlicherweise annehmen, der Gyorugi. Die Poomseübungen sind eine Art von Selbsterziehung und Selbstentwicklung. Sie sind gesundheitsfördernd und helfen dem Schüler und dem Meister bei der Entwicklung einer höheren Persönlichkeit.
Heute jedoch liegt der Schwerpunkt der Ausbildung im Gyorugi und nicht mehr in der Ausbildung der Poomse, Die Poomse nimmt nun gefolgt vom Bruchtest den zweiten Platz in der Reihenfolge des Ausbildungsschwerpunktes ein. Im Alltag der Sportschule ist es gang und gebe, und oftmals hört man auch, dass eine ganze Prüfung nur aus Gyorugi besteht. Selbst im Kukkiwon, dem Hauptquartier der WTF, macht man sich Gedanken und Sorgen über diese Entwicklung. Die ursprüngliche Idee des Taekwondo und auch vieler anderer Budosportarten ist es zunächst einmal die Grundtechniken, die Poomseübungen und den Bruchtest zu beherrschen, bevor man sich im Gyorugi versucht. Man musste also schon einen Meistergrad besitzen, um am Gyorugi teilnehmen zu dürfen. In der Realität ist das aber nicht so. Deshalb kann jemand, der nur Gyorugi übt, gar kein richtiger Taekwondoin sein. Welchen Dan sollte ein Weltmeister eigentlich besitzen? Normalerweise müsste er den höchsten Dan haben. Doch es ist scheinbar eine Zeit angebrochen, in der nur Wettkampfsportler richtig Taekwondo betreiben und die, die nur Poomse üben, gar kein richtiges Taekwondo machen. Die Mentalität hat sich im Laufe der Zeit verändert. Heute ist ein Meister nur dann ein guter Meister, wenn er gute Kämpfer hervorbringt, und ein Meister ohne gute Kämpfer wird als unfähig angesehen. Natürlich sollte ein talentierter Schüler mit guten Techniken auch Gyorugi machen. Aber andererseits sollte ein Schüler, der Talent für Selbstverteidigung besitzt, diese eben immer üben und seine Zeit nicht mit Gyorugi verschwenden. Im Taekwondo lernt man unter anderem Angriffstechniken mit der Faust, der Handkante, dem Handballen, der Fußkante, dem Fußballen und der Ferse. Die Abwehr wird vor allem mit dem inneren und dem äußeren Unterarm, sowie dem Schienbein ausgeführt. Zur Abhärtung wird gegen Holz oder Steine geschlagen und getreten. Man lernt den Aufbau des menschlichen Körpers und seine Schwachpunkte kennen. Dazu gehört ebenso der Strom des Ki, wie auch der Strom der Blutbahnen mitsamt den Naturgesetzen. Doch ein richtiger Taekwondoin sollte nicht nur seine körperlichen Fähigkeiten trainieren. Für einen Budo-Menschen ist es absolut notwendig, seine eigene Persönlichkeit zu entfalten und zu trainieren. Dazu muss man DO erlernen und trainieren. Eine große Hilfe bei der Entwicklung der Mentalität und des Charakters ist die Poomse.
Durch das Poomsetraining erhält der Taekwondoin eine strahlende Autorität und Eleganz. Durch die Poomse entfernt man sich von dem Bösen und folgt dem Guten. Man sollte die Ungerechtigkeit hassen und stolz darauf sein, schwächeren Menschen helfen zu können. Das Erscheinungsbild eines solchen Menschen ist von außen weich und von innen stark und streng. Er ist ein Mensch der Gerechtigkeit und der Vergebung und somit der Stolz der Familie.
(Dieser Artikel erschien erstmals in der Printausgabe der Taekwondo-Aktuell. Wiederveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages)