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Dakar Rally Denkmal auf dem Salar de Uyuni
Bolivien 1.8.19 - 15.8.19
Bolivien benannt nach dem Freiheitskämpfer Simon Bolivar ist eines von zwei Binnenländern in Südamerika. Es grenzt im Westen an Peru und Chile, im Süden an Argentinien und Paraguay und im Osten und Norden an Brasilien. Mit 1'098'581 km2 ist es 25,5 mal grösser als die Schweiz und beherbergt 11,5 Mio Einwohner. Spanisch und 35 indigene Sprachen gelten als Amtssprache. La Paz ist die Hauptstadt auf einer Höhe von 3200 m bis 4100 m. Bolivien wird im Westen von zwei grossen und weit auseinander liegenden Bergketten der Anden durchzogen, deren Höhe über 6500 m reicht. Dazwischen liegt das zentrale Hochland, der Altiplano mit 2000 m bis 4000 m Höhe. In diesem Kernland leben 60 % der Bevölkerung. In mitten des Altiplano liegt der Salar de Uyuni, mit 12'000 km2 der weltweit grösste Salzsee, sowie der Titicaca See, der höchstgelegene kommerzielle schiffbare See der Erde. Östlich schliesst sich das Bergland mit Feuchtwäldern zwischen 1200 m und 1800 m Höhe an, das dann in die dünn besiedelte trockene Savanne des Grand Chaco und tropische Regenwaldgebiet des Amazonas übergeht. Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas, seine Exportprodukte sind Erdgas und Lithium, dessen geschätztes Vorkommen 46 Mio Tonnen ist und somit derzeit das weltweit grösste Vorkommen ist. Es wird benötigt zur Herstellung von Batterien der neusten Generation. Im Südwesten, an der Grenze zu Chile, sind jeden Tag hunderte von Toyota Landcruiser mit Touristen auf der sogenannten Laguna Ruta unterwegs. Eine Abenteuerliche Route auf 4000 - 5000 m Höhe mit fantastischen Landschaften wie Salzseen mit vielen Flamingos, Hot Springs, Geysieren, Vulkanen, verrückten Felsformationen und Sandfeldern.Die Route ist cirka 650 km lang, dauert 3- 4 Tage und in der Nacht wird es 10 - 20 Grad Minus, eine grosse Herausforderung für Mensch und Material.
Die Grenze Peru und Bolivien ist ein riesiger Markt. Auf 300 Meter zwischen den Grenzposten reiht sich ein Stand an den anderen und alles ist erhältlich. Unzählige Menschen strömen über die Grenze als herrsche freier Personen- und Warenverkehr. Ich war der einzige am Migrationsschalter und wurde sofort abgefertigt ebenso am Schalter für den Fahrzeugimport. Die ersten vier Tage verbrachte ich in Copacabana am Titicaca See und genoss den alltäglichen chaotischen Markt in den Strassen der Stadt, die Unabhängigkeitstag Festlichkeiten die eine ganze Woche dauern und mit grossen Umzügen und Ansprachen gefeiert werden. Alle Leute sind immer festlich gekleidet und die vielen Musikgruppen und Vereine hatten prächtige Uniformen oder sonstige exellente Bekleidung. Am Hafen vergnügten sich viele mit Wassersport und Bootsfahrten. Dem See entlang stehen hunderte von Autos, Bussen und Lastwagen die alle mit Blumen und Girlanden geschmückt sind. Davor wird ein kleiner Altar aufgebaut mit Wunschträumen aus Zuckerguss, heiligen Figuren und Bildern und umrahmt von Bier- und Schnapsflaschen. Als erstes kommt der katholische Priester und segnet gegen Entgelt alle inklusive Fahrzeug. Danach kommt der Schamane mit einer kleinen Holzkohlenschale wo er allerhand Zeugs darauf streut damit es qualmt und stinkt. Der Segen erfolgt für Mensch und Fahrzeug mit Bier und Alkohol, in der Hoffnung auf einiges Mehr an PS. Danach nimmt der Schamane zwei Bierflaschen, hackt die Blechverschlüsse gegenseitig ein und öffnet sie mit einem kräftigen Ruck. So wie die Deckel wegfliegen und liegen bleiben liest er nun die Zukunft von Mensch und Fahrzeug. Die Anwesenden machen immer wieder das Zeichen des Kreuzes, nehmen einen kräftigen Schluck aus der Flasche und Weihrauch wird auf die Holzkohle nachgelegt. Übernachtet wird trotz grosser Kälte im Auto oder auf der gedeckten Lastwagenbrücke und am nächsten Tag wiederholt sich das Ganze, in der Hoffnung, dass ein anderer Schamane eine bessere Zukunft voraus sagt.
Auf einer guten Strasse fahre ich dem See entlang nach San Pedro de Tiquina, wo auf Holzkisten mit Aussenbordmotor der Titicaca See überquert wird. Als Rampe dienen einige Bretter und Holzkeile und dann fahren Lastwagen, Reisebusse und Autos in die Holzkisten und ab geht es über den Titicaca See. In den kleinen Dörfern fanden überall Feiern zum Unabhängigkeitstag statt obwohl er offiziell erst in zwei Tagen ist. Südlich von La Paz fand ich im Hotel und Camping Oberland einen Übernachtungsplatz. Am Abend kam Gert vorbei, ein Deutscher der seit über 30 Jahren in La Paz lebt. Er führt Touren auf den Salzsee und Stadtbesichtigungen durch. Am nächsten Tag ist nun der offizielle Feiertag und dann soll die Stadt wie ausgestorben sein, ideal für eine Besichtigung. Ich willigte ein und so starten wir um 08.30 Uhr mit dem Taxi zur Seilbahnstation. Das tönt jetzt etwas komisch, aber La Paz liegt auf einer Höhe von 3200 m bis 4100 m. Der Untergrund ist Erde und lockeres Gestein und mehrere unterirdische Flüsse queren das Gebiet. Eine U-Bahn ist unmöglich und für neue Strassen hätten tausende von Häusern abgerissen werden müssen. Jetzt verbinden modernste Seilbahnen von Doppelmayer die Stadtteile mit diversen Umsteigemöglichkeiten und einer Kapazität von über 30'000 Personen pro Stunde. Die Fahrten sind günstig und fantastisch, der Ausblick auf das Villen- oder Armenviertel, den Friedhof und Markt unvergesslich. Die 8er Kabinen und Stationen sind äusserst sauber und gepflegt, schliesslich ist es das Vorzeigeobjekt von Präsident Evo Morales. Das neue Regierungsgebäude mit Helikopterlandeplatz auf dem Dach ist nun das höchste Gebäude der Stadt und ebenfalls das Lieblingsobjekt des Präsidenten. In den tieferen Regionen der Stadt leben die Wohlhabenden und in der Höhe die Armen. Der Temperaturunterschied beträgt bis zu 10 Grad. Die Häuser sind nicht isoliert und haben keine Heizung. Zur Not wird ein Heizstrahler auf eine Gasflache montiert, aber beim geringen Sauerstoffanteil in der Luft auf 4000 m Höhe ist die Leistung gering. Auf dem schwarzen Markt wird allerhand kurioses angeboten. Diverse Kräuter und Salben für alle Leiden, Coca, Potenzmittel und Lamaföten. Beim Bau eines Hauses wird auf dem Fundament ein Altar eingerichtet wo wieder alle Wünsch in Zuckerguss aufgestellt werden und mit Girlanden geschmückt wird. Dann kommt der Schamane und begräbt einen Lamaföten im Fundament, begossen wird alles mit Bier und
99 % Alkohol. Passiert ein Unfall während dem Hausbau ist es nun Pech, ohne eingemauerten Lamafötus wäre der Hausbauer schuld. Nach 9 Stunden Seilbahnfahrten und Fussmärschen mit vielen Treppen genossen wir ein knuspriges Grillhähnchen als Abendessen, es war ein tolles Erlebnis die höchstgelegene Hauptstadt zu besuchen.
Am nächsten Morgen suchte ich die Mercedes Garage in La Paz auf. Mein Innengebläse ist ausgefallen und die Luftfilter müssen ersetzt werden. Obwohl der Mechaniker einen Mercedes-Overall trug, hatte er kein grosses Wissen. Das Gebläse konnte er notdürftig reparieren und für den Motor fand er einen Luftfilter für den Innenraum nicht. Einen Dichtungsring für die Kardanwelle war auch nicht vorhanden. Das Weiterfahren sei kein Problem, ich soll in Chile eine Mercedes Garage aufsuchen. Die Nacht verbrachte ich nochmals auf dem Camping Oberland und startete am nächsten Tag über das Altiplano auf über 4000 m Höhe Richtung Süden. In der Steppe Übernachtete ich an einem Fluss der am Morgen völlig zugefroren war, kein Wunder bei minus 14 Grad Aussentemperatur. Die Tierwelt ist vielseitig, so erblickte ich Lamas, Vikunjas, diverse Enten, Füchse und sogar Emus. Die Silberstadt Potosi ist mein Ziel. Die enge Stadt mit den vielen Einbahnstrassen ist der reinste Horror. Nach langem Suchen fand ich einen bewachten Parkplatz wo mein Wohnmobil durch die Einfahrt passte, besuchte dann den schönen Park vor der Stadtverwaltung und legte mich früh schlafen. Am nächsten Morgen buchte ich eine Minenführung die sogleich startete. Mit dem Minibus geht's zur Einkleidestation. Hier bekommen alle Teilnehmer Gummistiefel, Überkleid und Helm mit Minenlampe. Dann besuchen wir die Minenausrüster wo Bier, 99 % Alkohol, Coca und Cocazigaretten und Dynamit gekauft wird. Die Stange Dynamit mit Zünder und fünf Minuten Zündschnur kostet sFr. 3.20 und ist für jedermann erhältlich. Dann geht es zur Mine wo am Sonntag nicht gearbeitet wird und somit durch Sprengungen auch keine Gefahr bestand. Wegen Staublunge und Asbest dürfen die Arbeiter fünf Tage in der Woche und 15 Jahre lang in der Mine arbeiten, die zwei Freitage wird vor dem Loch gesoffen. Einiges vom gekauften wird den Minenarbeitern geschenkt der Rest ist für den Minengott Teos. Das ist eine scheussliche männliche Puppe die in einem Seitenstollen sitzt und von den Minenarbeitern um Rat und Entscheidungen gefragt wird. Seine Frau ist die Erde und die Söhne sind die Stollen. Ihm wird eine brennende Cocazigarette in den Mund gesteckt, Cocablätter werden über ihn gestreut und mit Alkohol übergossen, die Bierdosen daneben gestellt und morgen von den Minenarbeitern gesoffen. Nun soll Teos zufrieden sein und wir dürfen seine Söhne besuchen. Wegen Platzangst verlassen bereits viele den Stollen wieder. Mit einem Führer und zwei Spaniern drangen wir über wacklige Leitern und Stege, schmalen und niedrigen Durchgängen in diverse Stollen vor und das über mehrere Ebenen. Das Zink- und Silberhaltige Gestein wird über Löcher in die Kübelwagen abgefüllt und von Hand aus der Mine geschoben. Der Tageslohn beträgt sFr. 15.00, bei besonders reichhaltigem Gestein gibt es einen Zuschlag. Nach 2 ½ Stunden bin ich wieder am Tageslicht. In der Stadt ist wieder ein grosser Umzug und viele Strassen sind gesperrt. Es ist der Tag des Kindes, der mit vielen Musikgruppen, festlich gekleideten und tanzenden Kindergruppen gefeiert wird. Trotz armen Land staune ich über die prächtigen farbigen Bekleidungen. Potosi verlasse ich in Südwestlicher Richtung nach Uyuni. Die Strasse führt über die Cordillera de Chichas mit vielen farbigen Bergen , was von verschiedenen Mineralien verursacht wird, durch Täler mit fantastischen Flussläufen ebenfalls in voller Farbenpracht durch Salzablagerungen, diversen Gesteinen und Pflanzen.
Die Wüstenstadt Uyuni ist in eine Staubglocke gehüllt da ein ständiger Wind weht. Hotels und Touranbieter säumen die Hauptstrasse und unzählige Toyotas mit Zusatztanks auf dem Dach warten auf Abenteuerlustige Gäste. Die Stadt ist schmutzig, staubig und wird von Hundebanden terrorisiert, zu kaufen gibt es nicht viel ausser gutem Brot. Vor meinem Start auf den grössten Salzsee der Welt muss ich noch meinen Dieselvorrat auffüllen. Vier Tankstellen gibt es in der Stadt und drei haben keinen Diesel mehr. Die vierte Tankstelle hat Diesel, will aber den vollen Touristenpreis von 8.80 Bolivianos per Liter, was ich noch nie bezahlt habe. Der Preis für Einheimische ist 3.70 Bolivianos, für 5 - 6 Bolivianos konnte ich bisher immer tanken. Nun folgt das grosse Rechnen, wie viele Kilometer fahre ich, was ist der Verbrauch und wie viel Reserve nehme ich mit. Ich lasse 25 l zum vollen Preis einfüllen in der Hoffnung dass es reicht, eventuell bekomme ich bei der letzten Tankstelle vor dem Salzsee noch etwas billigeren Diesel. Nach 20 km komme ich zur Abzweigung und halte bei der Tankstelle, aber auch dieser will den vollen Preis. Ich entschliesse mich zur Sicherheit nochmals 20 Liter einzufüllen. Geschäftig schreibt der Tankwart etwas in ein grosses Buch, kommt die Autonummer abschreiben und füllt mir 20 l ein. Dabei merke ich, dass er den Preis für Einheimische an der Tanksäule eingestellt hat. Darauf erkläre ich ihm, dass ich 5 Bolivianos bezahle und er den Tank ganz füllen muss. Nach kurzer Zeit willigte er ein und hat dabei immerhin fast 100 Bolivianos in den eigenen Sack gesteckt. Jetzt kann es beruhigt los gehen, 12'000 km 2 Salzsee, eine grosse weisse Wüste. Der erste Halt mache ich beim Salzhotel, da sind Tische, Stühle, Bett, einfach alles aus Salzklötzen. Vor dem Hotel ist ein Salzdenkmal für die Paris - Dakar Rally, die aus Sicherheitsgründen seit Jahren in Südamerika ausgetragen wird und daneben ist noch ein Flaggenpark mit vielen Länderflaggen dieser Welt. Je nach Wind und Wassergehalt ist die Oberfläche strukturiert und viele Pisten sind auf der weissen Fläche auszumachen. Maps.me führt mich zur spektakulären Isla Incahuasi, denn auf der fesselnden Sehenswürdigkeit ist Streckenweisse nur der blaue Himmel und der weisse Boden zu sehen. Alle Tour Anbieter fahren diese besondere Insel an. Es gibt ein Museum, ein Restaurant und einen Wanderweg der zum Aussichtspunkt auf den Gipfel führt, gesäumt von vielen grossen Kakteen die einen Zentimeter pro Jahr wachsen und somit über 1000 Jahre alt sind. Beim grossen Parkplatz reihen sich die Toyota Landcruiser und auf den Salztischen wird das Mittagessen serviert. Bei dieser fantastischen Kulisse bekam ich Lust auf ein Fondue und begann mit den Kocharbeiten auf dem Salztisch vor meinem Auto. Von etlichen Touris bekam ich neidische Blicke für mein Menü und bewundernswerte Bliche und Worte für mein Wohnmobil. Am Nachmittag fahre ich eine grosse Runde auf dem Salzsee, vorbei an vielen Fotoshootings und komme für die Übernachtung an die Isla Incahuasi zurück. Noch bei Dunkelheit höre ich viele Autos anfahren, weit über 100 Personen wollen den Sonnenaufgang vom höchsten Inselpunkt aus erleben. Auch ich stehe auf, ziehe lange Unterhosen, Hemd, Pullover plus Wärmejacke, Handschuhe und Kappe an. Es ist tief in den Minusgraden und einige frieren so stark, dass sie vor Sonnenaufgang den Abstieg antreten. Die Luft ist hier sehr rein und trocken und somit sind die Sonnenstrahlen sehr intensiv und werden durch die weisse Fläche noch verstärkt, dass das Fotografieren sehr schwierig ist. Aber ein unvergessliches Naturwunder ist es. Zurück im Wohnmobil geniesse ich im warmen Zimmer mein Frühstück während alle Touristen um die Landcruiser stehen und in der Kälte das Frühstück serviert bekommen. Danach überquere ich den Salzsee in Südlicher Richtung, fahre dann auf einer Schotter- und Wellblechpiste zum Salar de Chiguana und starte zur Laguna Ruta. Beim Mirador des Vulkans Ollagüe bestaune ich seine Rauchfahne und die grossen Salzklötze, die mit einer Sand- und Staubschicht überzogen sind und nach jedem Regen ihr Aussehen verändern. Jetzt geht es dem Grenzverlauf von Chile und Bolivien entlang, gesäumt von vielen aktiven Vulkanen. Beim Anblick der ersten Lagune, der Laguna Calapa, stockt mir der Atem. Ein unglaubliches Farbenspiel breitet sich vor mir aus. Braune Sandflächen und Berge im Hintergrund, vor mir ein blauer See mit weissen Salzflächen, grün-braunen Schilfpflanzen und vielen rosa Flamingos. Unglaublich dieser Anblick. Bei der Laguna Hedionada dieselbe Farbenpracht, aber über tausend Flamingos. Hier Übernachte ich damit die Farbenpracht mit der Abend- und Morgensonne genossen werden kann. In der Nacht ist wieder tiefe Minustemperatur und die Salzlagune ist zugefroren, die Flamingos in grossen Gruppen eng aneinander gedrängt. Auch die Lagunas Chiar Khota, Honda und Ramaditas haben ein ähnliches Farbenspiel und nun verlasse ich die Hauptroute und steure die abgelegenen Lagunas Cachi und Khara an. Fantastische Sandpisten und Landschaften säumen meinen Weg ohne dass ich ein anderes Fahrzeug zu sehen bekomme. Bei Arbol de Priedra sind grandiose Steinformationen zu sehen und meine Abseitsfahrt endet wieder in der normalen Laguna Ruta. An der Laguna Colorada werden meine Farbsinne erneut stark gefordert. Grosse Flächen des Sees sind mit roten Algen bedeckt, weisse Salzflächen, blaues Wasser und brauner Sand umrahmen das Ganze. Über den Cerro Pabellon Pass erreiche ich die Sol de Manana auf 4849m Höhe. Hier speit die Erde heissen Dampf aus Löchern, es kocht und brodelt und riecht unangenehm nach Schwefel. Als ich die bedrohlich wirkende Senke verlassen will, hat mein Auto keine Leistung mehr. Der Motor läuft, stottert aber ab und zu und ich bringe bei Vollgas nur 1200 Umdrehungen hin. Der Dieselfilter wird gewechselt, Luftfilter gereinigt und ein erneuter Versuch gestartet. Gerade aus erreiche ich Schritttempo aber bei der kleinsten Steigung keine Chance. Sch....., auf 4849 m Übernachten und noch neben den Abgasen der Hölle, nein danke. Aber da nützt alles Fluchen nichts, ich sitze fest. Wie bekomme ich Hilfe und in welche Richtung soll es weiter gehen. In Bolivien ist weit und breit keine Mercedes-Garage, nach Chile ist der Weg einige hundert Kilometer kürzer, es hat Mercedes-Garagen aber wie mit einem Pannenfahrzeug über die Grenze und 2500 Höhenmeter runter.
Trotz allem koche ich mir ein Poulet Geschnetzeltes, dazu gibt es ein Glas Rotwein und nach dem Abwasch einen Zwetschgen Luz und die Nacht verlief Problemlos. Am frühen Morgen treffen bereits wieder die ersten Touristen ein, leider fahren alle nach Norden. Kurz vor 09.00 Uhr kommen zwei Fahrzeuge aus dem Norden und ich spreche den einen Fahrer an, ob er mich den Hang hoch ziehen kann. Seinem Begeisterung hält sich in Grenzen. Die Touristen, zwei italienische Familien mit Kindern, kommen dazu und wollen wissen was los ist. Auf ihr Drängen hin willigte der eine Fahrer einen Abschleppversuch ein, der wollte oder getraute sich aber nicht Gas zu geben damit er mich den Hang hoch brachte. Die Italiener bemerkten das auch und sagten, Auto parkieren und einsteigen, wir nehmen dich mit nach San Pedro in Chile. Ganz schnell Rucksack packen mit dem Nötigsten und an den staunenden Fahrern vorbei ins Touristenauto. Bei der Laguna Salada geniessen die italienischen Kinder die Hot Springs, dann geht es zur Laguna Verde und Blanco und an die Grenze. Ich bin mit meinen Gedanken ganz wo anders als dass ich diese grandiose Landschaft bewundern kann. Das Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa ist 7150 km2 gross und eines der rauesten Wildnisgebiete der Welt und oder wegen dem reisen über 50'000 Besucher jährlich in diese Gegend. An der Chilenischen Grenze müssen wir vom Landcruiser in einen Mercedes-Bus umsteigen. Der Bolivianische Fahrer informiert den Chilenen über mein Problem und wo genau das Wohnmobil steht. Nach einer strengen chilenischen Grenzkontrolle geht es über eine gute Asphaltstrasse ins 47 km entfernte San Pedro de Atacama. Bei der ersten Autogarage hält der Fahrer an, informiert den Chef über meine Problem und ich verabschiede mich von den hilfreichen Italienern. Jetzt will der Garagen-Besitzer mehr über mein Wohnmobil wissen und macht telefonische Abklärungen. Huckepack gehe nicht über die Grenze, es bleibe nur das Abschleppen. Ein weiteres Telefonat und nach kurzer Zeit erscheint ein Indio der mir erklärt, dass er mit einem Mechaniker mein Wohnmobil runter holt. Wir vereinbaren einen Abschlepppreis bis zur Mercedes-Garage in Calama, er bringt mich zu einem Hotel und wird mich am nächsten Morgen um 07.00 Uhr hier wieder abholen. Danach besuche ich die von Touristen durchflutete Lehmstadt San Pedro um etwas zu Essen und Proviant für den nächsten Tag zu organisieren, dann legte ich mich flach. Tatsächlich holt er mich am nächsten Morgen ab und wir fahren zu dritt Richtung Grenze. Etliche Touristenbusse sind vor uns und die chilenischen Grenzbeamten sind genau also ist Warten angesagt. Der Indio legt eine schöne Alpakadecke auf die Kühlerhaube und holt einen Korb mit frischen Baguetten, Butter, Konfitüre, Käse, Salami, Tee und Kaffee aus dem Kofferraum und es wird Währschaft gefrühstückt. Nach den zwei Zollabfertigungen mit Export und Import des Fahrzeuges geht es zügig Richtung Wohnmobil. Es steht immer noch am selben Platz und der Motor springt auch sofort an. Der Mechaniker tippt auf Turboschaden, aber das Wichtigste ist, dass der Motor läuft und somit die Bremsen funktionieren. Die Abschleppgurte wird montiert und in einem Zug geht es den Hang hoch. Nach dem überfahren des höchsten Punktes werde ich abgehängt und fahre selber den Berg hinunter. Das läuft nun immer so, hinauf und eben aus am Hacken, hinunter fahre ich selber. Das läuft ganz gut, so dass wir am Mittag ein Lamaschnitzel mit Gemüse geniessen und nach 10 Stunden Abschleppen in San Pedro ankommen. Am nächsten Morgen geht die Abschlepperei weiter ins 100 km entfernte Calama, wo eine grosse Mercedes-Garage ist. Nach nur 10 Minuten ist der Fehler behoben und ich kann mit dem Mechaniker und angehängtem Computer zur Testfahrt aufbrechen. Alles läuft bestens, volle Leistung auch bei grosser Steigung. Der Sensor beim Luftfilter war defekt und hat ins Notprogramm gewechselt, das heisst Schritttempo. Nur in dieser grossen Höhe von 4850 m funktioniert das nicht nach Wunsch der Techniker weil zu wenig Sauerstoff vorhanden ist und somit keine Leistung erzeugt werden kann. Kleiner Fehler - grosser Aufwand, aber ich bin froh, dass meine Reise weiter gehen kann.
Reiseroute in Bolivien