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Die Gitans – Ein Volk, das in den meisten sesshaften Menschen Ängste auslöst und gleichzeitig eine Art Faszination erzeugt. Es gibt Menschen, die mir vielleicht nicht zustimmen, aber sie gehören zur Camargue wie alles andere, das wir uns bisher angesehen haben.
Ausserdem ist anzumerken: Es gibt bei den Sesshaften solche, die Schlechtes im Schilde führen, genauso wie unter dem Volk der Gitans. Und es gibt bei uns und bei ihnen die Mehrheit, die einfach nur nach ihrer Art und Weise leben will und sonst nichts. Versuchen wir doch, ihre Art zu leben zu verstehen, dann werden wir uns an vielen ihrer Gebräuche und Ansichten nicht stören. Und ich bitte auch das Volk der Fahrenden, uns zu verstehen. Wir wollen miteinander leben und den anderen nicht dauernd misstrauisch betrachten. Das ist mein persönliches Anliegen. War es nicht auch das Anliegen des grossen Marquis Folco de Baroncelli? Er ist in vielen Dingen mein Vorbild, darum habe ich ihm eine ganze Seite gewidmet. Er hat mir die Camargue – auch wenn er nicht mehr lebt – so nahe gebracht, dass sie meine Heimat geworden ist.
Die lange Reise der Zigeuner begann im riesigen südlichen Asien, einige Ethnologen nehmen an, dass sich die Wiege dieser grossen Reisenden im westlichen Pakistan befindet. Aber, da es sich nicht um einen Eroberungsmarsch, um einen Kriegsfeldzug handelte, brauchte es Jahrhunderte, bis die ganze Erde von Ihnen besucht wurde. Dieser lange Marsch erklärt den Einfluss von Sprachen aus Ländern, welche von den Zigeunern durchquert wurden, auf ihre Originalsprache.
Begonnen in Indien, dauert die Saga seit 1000 Jahren (ein langer Marsch gen Westen).
„Bronze und Traum, braun vom grünen Mond“; der Zigeuner, gesehen von Federico Garcia Lorca.
„Das Gesicht braun vom grünen Mond geht er voran, ernst und schön. Sein Haar, glänzend und gelockt schimmert zwischen seinen Augen“ (Federico Garcia Lorca, Der Romancero Gitan)
Das Volk besteht aus drei prinzipiellen Gruppen:
Die Roma: quantitativ die grösste Gruppe. Roma bedeutet „Mensch“ – dieses Wort ist zum Namen einer Sprache und eines Volkes geworden – die Romani.
Die Sinti: (oder Manouches). Auch ihr Name bedeutet Mensch, sie sind zahlenmässig die zweitgrösste Gruppe.
Die Gitanos, wie sie in Spanien genannt werden, oder auch „Calès“, die vereinzelt noch „Calo“, einen aussterbenden Dialekt, sprechen, leben in der Mehrheit in Südfrankreich (vor allem in der Camargue und im Languedoc) und in weiten Teilen Spaniens, hauptsächlich an der Mittelmeerküste und vor allem in Andalusien.
Die Roma, wie auch die Sinti kommen hauptsächlich aus Ungarn (der grossen Drehscheibe des „dispatching“ der Zigeuner über andere Länder), Rumänien oder Deutschland und sie leben noch dort. Sie werden als eine Einheit betrachtet, die sich von denen unterscheidet, die wir als Gitanos bezeichnen. Ihre Sprache ist nicht dieselbe, ihre Sitten und Bräuche – abgesehen von ihrem gemeinsamen Sinn für Unabhängigkeit – sind nicht die gleichen, ihre Tätigkeiten auch nicht immer, wenn auch das moderne Leben eine bedauerliche Gleichförmigkeit mit sich gebracht hat.
„Vom musikalischen Erbe der mitteleuropäischen und Balkanzigeuner bis zum Flamenco, in dem sich die Einflüsse von Rumba und afro-kubanischem Salsa mischen, über den „Wohnwagenjazz“ und die Unterhaltungsmusik, spürt man eine Sensibilität, eine Vision der Welt, eine Art zu sein, die Ausdruck einer lebendigen Kultur sind. (Ausschnitt aus Zigeunerstudien – Nr. 1, 1994). Eine magische musikalische Expression, die allen Zigeunern eigen ist.“
Einige Berühmtheiten aus der Musik
Manitas de Plata (Silberhändchen) – Ein Star unter den Zigeunermusikern
Django Reinhard und die ganze Reinhard Dynastie
Manolo und sein Sohn Ricao
Die Gipsy Kings usw.
Doch auch Manitas de Plata ist wie jeder andere seines Volkes am Fest der Sara am 24. Mai in Saintes-maries-de-la-mer, reiht sich wie alle in die Pilger ein und ist wie alle mit dem nötigen ernst dabei.
Bestimmt selbst schon erlebt in den Strassen von Saintes-maries: Das Handlesen der Frauen.
Wie sieht es heute aus mit dem Leben der Gitans? Wie so Vieles ist auch ihre spezielle Art zu leben in Gefahr. Durch viele Neuerungen und Gesetze geht die Zigeunerrasse, trotz ihrer Traditionen, trotz ihres Nomadentums, langsam in unserer Zivilisation auf. Die Kinder besuchen öffentliche Schulen, und bald werden sie, abgesehen von der dunklen Haut, so sein wie die „Gadjés“ (Sesshafte). Ist es nicht irgendwie schade? Eine Vielfalt mehr, die in der Norm endet? Vielleicht doch nicht ganz …
Es gäbe noch viel zu sagen. Ich konnte nur diesen oder jenen Aspekt streifen, ein paar Gedanken anschneiden, vielleicht zum Weiterdenken oder -forschen anregen. Das ist mein Anliegen.
Quelle: Alle Angaben sind aus dem Büchlein von Pierre Cordelier/Robert Boymond „Die Zigeuner“, herausgekommen in der Editions Ouest-France, Rennes und ins Deutsche übersetzt von Gabriele Leimke, Treiñ.