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Zu den Nachrichten gehört bei mir ultimativ der Wetterbericht. Ich will wissen, was mich wettermässig am nächsten Tag erwartet. Ich plane meine Tage je nach Wetter. Soll ich auf Lesefahrt auf das Schiff gehen oder in den Westen der Schweiz fahren, wo sich oft das schöne Wetter zuerst meldet? Noch im März quälte mich die Frage des Meteo-Manns, ob man das wechselhafte Wetter nun April- oder Maiwetter nenne. Ich hätte natürlich per SMS am liebsten geschrieben, es sei Märzwetter. Aber die Frage liess mir keine Wahl. Ich musste das eine Wort oder das andere wählen, wollte ich den Gutschein von tausend Franken gewinnen.
Aber was solls. Das Wetter noch im März schenkte mir ein grundtiefes Gefühl der Dankbarkeit, weil es endlich lange regnete. Die Leute stimmten mir zu, wenn ich das Wetter als einen Segen für die Natur lobte. Der Ägerisee hatte sich gefüllt und die Lorze zeigte einen beruhigenden Wasserstand. Es regnete, wie ich es früher oft erlebt hatte. Der Regen fiel sanft und als ich ihn nachts leise auf das Dach trommeln hörte, schlief ich beruhigt ein.
Der Wind, der die Wolken vom Westen herantrieb, heiterte das tiefhängend Grau immer wieder auf. Es gab Tage, da leuchtete der Himmel so frisch, als wäre er gerade neu geschaffen worden. Diese Frische lockte mich aus dem Haus und ich atmete sie tief ins Zwerchfell. Fuhr ich von zu Hause weg, unterbrach ich die Fahrt jeweils und besuchte ein angeschriebenes Haus. Diesen Ausdruck hatte ich zum ersten Mal von meinem Vater gehört. Er gab mir als Kind zu denken. Erzählte Vater dann am Tisch, er sei im Rössli oder im Ochsen gewesen, lernte ich, dass Worte mehrdeutig verstanden werden können.
Als ich jüngst mit jemanden zusammentraf, mokierte ich mich über die schwierige Frage des Meteo-Manns und sagte, wofür ich mich natürlich jetzt, wo ich das öffentlich mache, entschuldige: «Wie gescheit halten uns eigentlich gewisse Fernsehleute? Selbst über den Vorfall der CS sprachen sie eher im Konjunktiv als im Indikativ». «Oft», sagte meine Bekannte, «wäre schweigen besser».
Das Wetter wechselte so oft wie die Laune der Menschen. Immer wieder zeigten sich grosse Wolkenfenster und ich freute mich, wenn sich der Wetterbericht geirrt hatte. Der Mann im Bus meinte: «Gottlob sind wir nicht Herr über das Wetter, sonst würden die Milliardäre es kaufen». Ich nickte und bemerkte: «Es gibt zwei Dinge im Leben, die niemand kaufen kann, das Wetter und die Gesundheit».
Da und dort leuchteten die wilden Kirschbäume aus den Wäldern und Magnolien und Forsythien blühten in den Gärten. Die Vögel musizierten im Übereifer und ihr Piepsen und Flöten wurde täglich lauter. Nicht nur die Spatzen wurden seltsam unruhig, sogar die Amseln hüpften um die Hecken und schnarrten, als ich vorüberging. Kaum wurde es warm und sonnig, sagte ich mir: «Es ist April, aber es ist schon Maiwetter. Ich hoffe sehr, dass sich der Mai nicht in den April verschiebt, sonst fehlt mir vielleicht der Mai». Würde nämlich der wahre Mai mit seiner Blütenlust fehlen und er mit verfrühter Sommerhitze prahlen, müssten die Krähen mit rauer Stimme krächzen: «Ihr habt das Wetter verändert, wenn es jetzt nicht regnet, finden wir keine Würmer».