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DMZ – KOLUMNE ¦ Alon Renner ¦
Macht mal eine Pause! Herzlich willkommen zu meiner neuen Kolumne. In der Ihr durchatmen, verweilen und Euch erholen könnt. Ihr armen, stressgeplagten Individuen.
Pausen gibt es gar manche. Nicht, dass Ihr sie Euch gönnen würdet. Aber wenn man es sich so richtig überlegt, dann kennen wir nicht nur die Ruhepause. Die Zeit in der etwas brach liegt, in der Dinge nicht stattfinden oder nicht getan werden, beziehungsweise Unterbrechungen, die eine Person zwecks kurzer Erholung bei einer körperlich anstrengenden Tätigkeit einlegt.
Wir kennen auch die Schulpause, die Zeit zwischen zwei Unterrichtsstunden, die Mittagspause, die Sendepause, die Pause in der Radio- und Fernsehsender kein Programm ausstrahlen, die Spielpause beim Sport, die Sommerpause von Theatern und Clubs oder von Parlamenten, die Winterpause saisonabhängiger Sportarten, die Sprechpause beim Reden, damit das Gegenüber unserer Erzählung auch folgen kann, die Beziehungspause, wenn es nicht mehr ganz so rund läuft und man einen kurzzeitigen Kontaktabbruch als Lösung oder vermeintlichen Lösungsweg betrachtet, mit dem Ziel eines erfolgreichen Neuanfangs, oder mit der notwendigen Bedenkzeit, um zu erwägen, ob die Weiterführung der Partnerschaft noch Sinn macht, die Biopause, für den Gang auf die Toilette und natürlich die Pause im Theater, bei Konzerten und im Kino. Als Unterbrechung einer Vorstellung. An dramaturgisch sinnvollen Punkten oder in den hierfür in den Stücken vorgesehenen Akten. Diese Pausen dienen zur Erholung der Mitwirkenden, der Zuschauer und oft auch zum Umbau des Bühnenbildes. Der Verkauf von Getränken und Snacks bildet dabei eine zusätzliche Einnahmequelle für die Veranstalter. Und nicht zuletzt gelten diese Unterbrechungen als bedeutender Teil des Theater- oder Konzertbesuches, ja als gesellschaftliches Ereignis gar. Denn in den «Pausengesprächen» tauscht sich das Publikum über das bislang Gesehene aus.
In der Musik wird durch die Notenschrift der Zeitraum angegeben, in der einzelne Instrumente und Stimmen kurz oder länger aussetzen. Je nach Länge der Pause werden dabei unterschiedliche Pausenzeichen benutzt. Beim Singen und beim Spielen von Blasinstrumenten sind überdies Atempausen notwendig, sollen die betreffenden Musiker nicht dem Erstickungstod erliegen.
In der Medizin spricht man von kardialen Pausen bei einer Herzrhythmusstörung und von einer Atempause bei kurzzeitigem Atemstillstand. Die Menopause bildet mit dem Aussetzen der Menstruation das Ende der Fruchtbarkeit einer Frau.
Und im Strassenverkehr bildet jedes Rotlicht eine Pause, eine unnatürliche Unterbrechung im immerwährenden Fluss der vorbeiziehenden Bilder.
Die Pause ist so wichtig, so bedeutend und so herausragend, dass weltweit Plätze nach ihr benannt werden. Sie besitzt ihr eigenes Brot, ist die Königin der Zigaretten und als Blaupause die Marquise der eleganten Sprache.
Die Blau was? Was um Himmelswillen ist eine Blaupause? Die Blaupause ist eine typische Imponiervokabel, ein Lieblingswort der Medien und meint in der Regel: «Vorbild», «Modell» oder «Plan».
Der Duden definiert sie als «Lichtpause auf bläulichem Papier» was uns an dieser Stelle allerdings so gar nicht weiterhilft. Blättern wir im Duden weiter zur Pause entdecken wir nebst der «Arbeitsunterbrechung» eine «Kopie mittels Durchzeichnung». Bekannter als das Substantiv ist das dazugehörige Verb namens pausen, das jeder kennt, der als Kind mal etwas durchgepaust hat, indem er ein Papier über eine Zeichnung legte und das was da durchschimmerte nachzeichnete.
Im 19ten Jahrhundert waren Blaupausen saugfähige Papiere, die man chemisch behandelte, damit sie blau anliefen und lichtempfindlich wurden. Nun gut, das mit der Farbe war zugegebenermassen nicht gewollt. Sondern der Tatsache geschuldet, dass man da Blutlaugensalz mit Eisenoxydammon und destilliertem Wasser auf die Blätter strich. Das Ergebnis war ein Fotopapier. Ein Blatt, das wie durch Zauberhand die Umgebung oder ausgewählte Objekte festhielt. Selbstverständlich in Blau. Ausschliesslich in Blau.
Wikipedia verrät Euch gerne mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Cyanotypie
Blaupause wurde aber nicht nur das Papier selbst, sondern auch die dabei entstehende Fotografie genannt. Und: ein mit blauem Durchschreibepapier herbeigeführtes Verfahren, das erlaubte, mit Schreibmaschinen getippte Blätter zu vervielfältigen. Der Kopierapparat war ja gegen Ende des 19ten Jahrhunderts noch nicht erfunden. Der Drucker erst recht nicht. Schreibmaschinen aber gab es seit ca 1870. Das Durchschreibepapier legte man zwischen zwei Blätter und spannte alle drei zusammen in die Schreibmaschine. Beim Tippen auf der Walze entstand für jeden Buchstaben ein Abdruck auf die unteren Papiere.
Und dann gibt es noch die Hektografie. Aber das erspare ich Euch jetzt. D.h. das Vorgehen. Zu wissen braucht man nur, dass damit oft Grundrisszeichnungen von Gebäuden vervielfältigt wurden. Damit nahm der Begriff Blaupause schliesslich die allgemeinere Bedeutung «Konstruktionszeichnung, Plan zur Herstellung eines technischen Produktes, Bauplan» an. Von dort wird es dann wohl auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Phänomene übertragen worden sein. Im Sinne von «Vorbild», «Grundlage», «Idee» oder «Modell». Und in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts mutierte es dann zum Modewort... Wahrscheinlich durch den Einfluss der Englischen Sprache. Denn dort wird das Wort «Blueprint» schon seit ca 1910 benutzt. Im Deutschsprachigen Raum wurde das Wort im Übrigen durch den Hit «Blueprint» der Berliner Band Rainbirds popularisiert. «I sneak around the corner with a blueprint of my lover, with a blueprint of my life.» (Am Schlagzeug Rod Rodriguez, der später zu den Ärzten stiess.) https://www.youtube.com/watch?v=xF_bba06ntw
Warum ich Euch dies nun alles erzähle? Ich mache Blau. Also nicht wirklich. In Tat und Wahrheit verschiebe ich meine Umtriebigkeit. Denn zwischen dem 02.06 und 06.06 findet endlich, endlich wieder die Rahmenhandlung statt. www.dierahmenhandlung.com. Das Literaturfestival bei mir zu Hause. Es lesen im Keller, in der Bibliothek, in der Wohnstube und im Schlafzimmer von Milena Moser über Simone Meier, Sharon Zucker, Tom Kummer, Sunil Mann, Romana Ganzoni, Seraina Kobler bis zu Dragica Rajcic Holzner. Und viele, viele mehr. Und ich auch. Und meine Geschichte steht noch nicht. Ich muss mich also ganz dringend dahinter machen. Es bleibt fast keine Zeit... Also gönne ich Euch eine Pause. Und nächste Woche eine riesige Playlist zum Thema anstatt einer geschriebenen Kolumne.
Bis nächste Woche. Ganz liebe Grüsse und passt gut auf Euch auf. Euer Alon
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