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Zone der «Pietre verdi» zwischen Piè di Mulera im Thal der Tosa und Donnaz im Thal der Dora Baltea gelegen sein.
Diese unsere Beschreibung des geologischen Baues der Alpen des Wallis ist sehr verschieden von derjenigen, welche auf Grund der durch ihre Genauigkeit denkwürdigen Untersuchungen von Gerlach allgemein giltig geworden war. Gerlachs geologische Aufnahmen erstrecken sich über eine 5000 km2 grosse Fläche in einem der am schwersten zugänglichen Gebiete der Alpen und stammen aus einer Zeit, da noch alles im geologischen Bau der Alpen dunkel und unbekannt war. Trotzdem sind die Beobachtungen Gerlachs von bemerkenswerter Genauigkeit.
Seine Zweifel betr. das Alter der unter dem Antigoriogneis gelegenen Kalkschiefer, die er als vielleicht den Glanzschiefern identisch auffasste, zeigt wie nahe er der Lösung der Frage gekommen war. Er hat sogar die betreffenden Gneise als durch eine Ueberschiebung auf die Schiefer gelangte liegende Falte gezeichnet. Wenig hat gefehlt, dass er eine gleiche Auffassung für den Gneis des Monte Leone annahm es wäre dann auch die Erklärung der Lagerung des Lebendungneises in Form von Einfaltungen in den metamorphen Glanzschiefern ganz von selbst gegeben gewesen.
Wenn Gerlach auch die Auflagerung der Gneismasse der Dent Blanche über die Schiefer mit ophiolithischen Massen (Pietre Verdi) nicht erkannt hat, hat er dennoch in seiner kartographischen Darstellung mit grosser Genauigkeit die anormale tektonische Lagerung dieses Gesteinskomplexes dargestellt, gleichwie Theobald die Bündner Decken sehr deutlich zeichnete, ohne ihre wahre Natur zu erkennen. In Karte und Profilen hatte Gerlach die Ueberstürzung der kristallinen Schiefer der Zone des Grossen St. Bernhard über die Trias und die Glanzschiefer am Eingang ins Thal der Borgne richtig dargestellt, ohne dabei aber die wichtigen Schlüsse zu ziehen, die diese Tatsache schon ihm hätte eingeben können.
Bei seiner umfassenden Kenntnis der Gesteine und der Struktur der sichtbaren Teile dieser Region der Alpen hätte es für Gerlach nur noch eines Schrittes bedurft, um ihn zum Entdecker der Gneisdecken zu machen. Damit wäre die Theorie der liegenden Falten und der Ueberschiebungsdecken um dreissig Jahre früher gekommen. Aber am wurde Gerlach bei Längi zwischen Oberwald und Gletsch mitten in seinem Arbeitsfeld durch Steinschlag getötet. Niemand hatte wie er eine so grosse Zahl von Beobachtungen über den geologischen Bau eines so umfassenden Gebietes gesammelt. Er hat aber die Früchte einer über 20 Jahre sich ausdehnenden Arbeit nicht einheimsen können. Seine Nachfolger sind voller Bewunderung vor den Ergebnissen seiner so grossen und gewissenhaften Arbeit.
Wirkungen von Erosion und Sedimentation nach der Auffaltung der Alpen.
Zum Schluss sind noch einige Angaben zu machen über die rezentem geologischen Erscheinungen, welche sich seit der Erhebung der Alpen zugetragen, deren Relief modelliert und zugleich eine gewisse Zahl von Ablagerungen gebildet haben, welche für den orographischen Charakter der Landschaft von Bedeutung sind. Da fällt uns in erster Linie das Rhonethal auf mit seiner von einer breiten und wahrscheinlich auch tiefen Alluvialdecke überführten Sohle. Im unteren Thalabschnitt sind diese Alluvionen zum Teil lakustren Ursprungs und von der Rhone abgelagert zu einer Zeit, da der Genfersee noch bis Saint Maurice oder noch höher, vielleicht bis nach Sitten oder Siders hinauf reichte.
Bemerkenswert sind die zahlreichen Schuttkegel, welche die Gletscherbäche an ihrer Einmündung in das Hauptthal abgelagert. Sie haben die Rhone häufig an die gegenüberliegende Thalseite hinübergedrängt und gezwungen, ihren Lauf zu ändern. In gewissen Fällen hat die Mächtigkeit solcher Ablagerungen zur Bildung von eigentlichen Thalstufen geführt, hinter welchen der Thalfluss sein Geschiebe aufschütten musste. Derart entstanden die Schwellen des Bois Noir und des Pfinwaldes bei Leuk-Susten, jene durch den ins Rhonethal hinausgebauten Schuttkegel des Wildbaches Saint Barthélemy, diese durch denjenigen des Illgrabens.
Die Reste des grossen Bergsturzes von Siders, der am untern Rand der letztern Schuttmassen beginnt und sich auf eine Länge von 12 km der Thalsohle entlang zieht, sind heute fast vollständig unter den Alluvionen der Rhone begraben. Die Furche des Rhonethales von Martinach an abwärts verdankt ihre Entstehung zweifellos der Erosion. Sie ist es, welche an der Auswaschung jener tiefen Schlucht gearbeitet hat, deren heutige Sohle am Fuss der Dents du Midi nahezu 2800 m unter deren Gipfel liegt.
Fügt man dem noch die Mächtigkeit der alluvialen Decke über der Felssohle des Thales hinzu, so wird man unbedenklich eine Höhe von 3000 m annehmen dürfen. Eine so riesige Arbeit der Erosion des fliessenden Wassers scheint fast unmöglich, doch muss man bedenken, dass diese Arbeit gleich mit dem Beginn der Auffaltung der Alpen einsetzte und sich seit vielen Jahrzehntausenden fortgesetzt hat. Man weiss, dass die Senke des Genfersees die Fortsetzung des Rhonethales bildet und zu einer Zeit von der Rhone ausgewaschen worden ist, da die Alpen noch viel höher waren als heute.
Zum See wurde diese einstige Flussrinne dann durch ein Rücksinken des Alpenkörpers, das dem Thal rückläufiges Gefälle gab und es so unter Wasser setzte. Eine bedeutende Strecke des ursprünglichen Seebeckens ist bereits von den Geschieben ausgefüllt worden. Diese Arbeit geht stetig weiter vor sich, indem die Rhone an ihrer Mündung das grobe Geschiebe fallen lässt, während sich der feine Schlamm überall am Seegrund niederschlägt, den er Jahr für Jahr um eine Schicht von 1 cm Dicke erhöht.
Aber auch die diluvialen Gletscher haben an der Herausmodellierung des heutigen Rhonethales einen hervorragenden Anteil genommen. Ueberall sehen wir an den Thalflanken die Wirkungen der Glazialerosion in Form von Rundhöckern, Schliffflächen, Randleisten etc. Die Seitenthäler zeigen das selbe. Nirgends besser als hier kann man die Unterschiede zwischen der Eiserosion und der Erosion des fliessenden Wassers erkennen. Es wiederholen sich immer zwei Gestalten: das breitsohlige Thal, das von der Glazialerosion erweitert aber nicht nennenswert vertieft worden ist;
dann inmitten dieser flachen Sohle, einem Schlitz gleich, eine enge Furche, oft ein eigentlicher Canyon als Werk der nachherigen oder vielleicht auch mit dem Gletscher gleichzeitigen Erosion des Wildbaches. Wo diese enge Furche fehlt, finden wir zwischen dem Seiten- und dem grossen Hauptthal eine Felsenschwelle, über welche der Bergbach als Wasserfall herniederrauscht.
Die erodierende Wirkung der Gletscher an den Gehängen der Seitenthäler sowohl nördlich als südlich des Rhonethales wird ferner noch bezeugt durch die zahlreichen Kare oder Felsenzirken, vor denen je ¶
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eine, oft noch einen kleinen See aufdämmende Stirnmoräne liegt.
Bergsturzablagerungen sind im Kanton Wallis besonders häufig. Die nördl. Kalkregion zeigt weit mehr derartige Bildungen als die Zone der kristallinen Schiefer im S.-Abschnitt des Landes. Dort finden wir die bedeutenden Ablagerungen des Bergsturzes von Derborence, der den See gleichen Namens aufgestaut hat. Auch der grosse Bergsturz von Siders, von welchem bereits die Rede war, ist aus der Kalkwand an der N.-Flanke des Rhonethales herniedergebrochen.
Die Ueberschwemmungen haben öfters einzelne Teile des Wallis verwüstet, so besonders das tiefere Rhonethal unterhalb Leuk. Dämme suchen dieser Gefahr zu steuern, ohne sie aber ganz bannen zu können, da Dammbrüche wegen der beständigen Erhöhung des Flussbettes immer zu befürchten sind. Da mehrere seitliche Wildbäche das Bett der Rhone mit ihren Geschiebemassen zu verstopfen suchen, hat man auch sie verbauen und eindämmen müssen. Gleichzeitig sucht man die nassen Thalauen durch Kolmation aufzufüllen.
Dies wird erreicht durch künstliches Einleiten des schlammreichen Rhonewassers in seitlich vom Fluss gelegene Thalsegmente während der sommerlichen Hochwasserzeit. Da aber dieses Verfahren die Bebauung der Grundstücke für längere Zeit verhindert, wendet man auch die Methode der Berieselung an. Diese gibt der kolmatierten Gegend eine wellige Oberfläche, da die kleinen Kanäle, die man zum Ueberfliessen bringt, ihre Sohlen und Uferböschungen oft um mehrere Meter über das ursprüngliche Niveau erhöhen. Da die Bebauung des Bodens hierdurch nicht unterbrochen wird, wendet man gewöhnlich diese Methode der Urbarmachung an.
Bibliographie. Gerlach, H. Die Penninischen Alpen. (Neue Denkschr. der Schweiz. Naturf. Gesellsch. 23, 1869) - Gerlach. H. Bericht über den Bergbau im Kanton Wallis. 1859. - Ferner Band 27 der Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz (Bern 1883) mit einer Biographie und dem Neudruck der beiden eben genannten Arbeiten von Heinrich Gerlach. - Gerlach, H. Das südwestl. Wallis. (Beitr. 9, 1872). - Favre, E., et H. Schardt. Description des Alpes du cant. de Vaud et du Chablais jusqu' à la Dranse et de la chaîne des Dents du Midi. (Beitr. 22, 1887). - Renevier, E. Monographie des Hautes Alpes vaudoises. (Beitr. 16, 1890). - Collet, L. W. Étude géolog. de la chaîne Tour Saillère-Pic de Tanneverge. (Beitr. Neue Folge 19, 1904). - Schmidt, C. Geologie des Simplongebietes und Tektonik der Schweizeralpen. (Eclogae Geol. helvet. 9, 1907). - Schardt, H. Verschiedene Veröffentlichungen über den Simplontunnel. - Fellenberg, E. v. Das Hochgebirge zwischen der Rhone, dem Gasteren- und Lauterbrunnenthal. (Beitr. 21, 1893).
5. Mineralprodukte.
Bergbau. Wie alle Kantone im Gebiet der kristallinen Alpen gilt auch das Wallis als sehr reich an Erzen. Allerdings ist richtig, dass im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Minen ausgebeutet wurden, aber nur sehr wenige sind es auch heute noch. Man kennt eigentlich keine, deren Ausbeutung einigermassen ständig ertragreich wäre. Dafür ist die Abwechslung an verschiedenen Erzen, deren Abbau in Angriff genommen wurde, eine sehr grosse. Die Misserfolge haben ihre Ursache vor allem im regellosen Verlauf der erzführenden Schichten, dann aber auch etwa in der Unvorsichtigkeit der Unternehmer, welche grosse Ausgaben für die Anlage von Bergwerken machten, ohne sich vorher zu vergewissern, ob auch eine genügende Menge Erzes vorhanden sei.
Die ertragreichsten Minen sind diejenigen auf mineralische Brennstoffe, in erster Linie Anthrazit der Kohlenformation. Die Anthrazitschichten des Wallis gehören zwei Zonen an, deren eine das zwischen die kristallinen Massive der Aiguilles Rouges und der Arpille eingesenkte Becken umfasst. Man hat hier Anthrazit ausgebeutet in der Umgebung von Salvan und besonders auf der gegenüberliegenden Seite des Thales oberhalb Collonges und an der Pacoteire genannten Stelle auf der Alpweide Les Alesses.
Das Bergwerk von Collonges war früher sehr produktiv, so lange man eine Masse von etwa 20000 m3 sehr reinen Anthrazites ausbeutete, der in einer Verwerfungsspalte lag. Diese Mine ist jetzt verlassen. Die Hauptzone des Anthrazites erstreckt sich vom Grossen St. Bernhard über Liddes und Le Châble, sowie längs dem Rhonethal bis nach Turtman. Man hat an folgenden Punkten dieser Zone Minen ausgebeutet: im Thal von Les Planards, am Col de Fenêtre beim Grossen St. Bernhard, in der Umgebung von Liddes und Le Châble, am Col des Établons, bei Isérables und endlich längs des Rhonethales unweit Nendaz, bei Chandoline, in der Nähe von Sitten, bei Brämis (Bramois), Grône, Chalais und Turtman. Mit Ausnahme der Bergwerke von Chandoline und Grône, welche rationell, aber nicht im Grossen ausgebeutet werden, finden wir bei allen anderen nur gelegentlichen Abbau für die lokalen Bedürfnisse (Kalköfen etc.) der betr. Gegend.
Das Unterwallis zeigt in der Fazies der Mytilusschichten des Doggers einige wenig bedeutende und sehr unregelmässige Nester von Fettkohle, welche vor einigen fünfzig Jahren zu Abbauversuchen geführt hatten. Solche Betriebe fanden sich sowohl am Rand des Rhonethales bei Vionnaz als an den beiden Seiten des Antiklinalthales von Vernaz ob Vouvry. Das interessanteste Flöz, in welches mehrere Stockwerke von zum Teil noch zugänglichen Stollen eindringen, ist das von Combre an der N.-Seite des Vernazthales und am Fuss der Cornettes de Bise. In nächster Nähe befand sich die Mine von Callaz. Zahlreiche Ausbeutungsversuche wurden auch am Fuss des Pic de Vernaz, am Blanc Sex etc. gemacht, aber immer ohne dauernden Erfolg. In Fully und bei Isérables hat man auch Graphit abzubauen versucht.
Die Erzvorkommnisse haben noch mehr als die Kohlen die nach Gewinn suchenden Unternehmer angezogen. Es gibt fast kein Seitenthal auf der S.-Flanke des Rhonethales, in dem nicht einige Bergwerke angelegt waren. Zunächst seien erwähnt die Minen auf Magneteisenerz am Mont Chemin ob Martinach, welche vor einem halben Jahrhundert für die Eisenwerke von Ardon und Les Valettes intensiv ausgebeutet wurden. Drei Stellen lieferten hier hauptsächlich das Erz: die Runsen von Collaud und La Fory am Hang über Bovernier, die Minen von Chez Larze, und diejenigen von Les Planches am Gehänge über dem Rhonethal. Das Erz ist sehr gut. Es zeigt sich, mit Bänken weissen Marmors vergesellschaftet, in Knollen und erscheint in drei Zonen oder Gängen angeordnet. Der Bergbau am Mont Chemin datiert aus frühesten Zeiten.
Das oolithische Eisenerz von Chamosence findet sich im Dogger und wird Chamosit genannt. Seit langem aber ist diese Erzstätte verlassen, da sie zu arm war und namentlich zu hoch oben liegt. An wenigstens 20 Orten, welche sich auf die verschiedensten Abschnitte des Kantons verteilen, hat man Bleierz abgebaut oder wenigstens zu gewinnen versucht. In den meisten Fällen handelt es sich um unbedeutende Erzgänge; so in der Nähe von Charrat, Bagnes, Riddes, Nendaz und am Salantin.
Die reichsten dieser Bleierzlagerstätten sind die zu beiden Seiten des unteren Lötschenthales, besonders am Rotenberg. Eine deutsche Gesellschaft «Helvetia» hatte in neuerer Zeit die letztere Erzstätte wieder in Angriff genommen und suchte die Gänge bei Goppenstein nahezu ebensohlig anzugreifen. Auf Grund von Untersuchungen, die man als genügend ansah, wurden grosse Installationen zur Behandlung des Erzes gebaut. Der wirkliche Ertrag der Mine war aber ungenügend, so dass die Gesellschaft seither hat liquidieren müssen.
Kupfererze wurden in Form von Kupferkies im Trientthal, bei Bagnes, unweit Bourrimont und bei Zinal, sowie in Fusey bei Saint Luc im Eifischthal abgebaut. Silberschüssiges Kupfer, das zugleich auch mit Wismuth vergesellschaftet war, wurde bei Grimentz und in La Lex im Eifischthal ausgebeutet. Vor wenigen Jahren noch hat eine französische Gesellschaft, als Nachfolgerin früherer Konsortien, wie diese sehr traurige Erfahrungen mit diesen Bergwerksbetrieben gemacht, die jetzt ganz verlassen stehen. Die Minen am Kaltenberg und von Plantorin am Col de Forclettaz zwischen dem Turtman- und Eifischthal haben ein an Kobalt und Nickel reiches Erz geliefert, werden aber seit 1899 ebenfalls nicht mehr betrieben. Jetzt wird auf der Alp Salanfe am Gehänge des ¶