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Sprichwörtlich #4
Immer dann, wenn wir glauben, dass eine Situation sich nicht ändern lässt, verwenden wir diese Formulierung. So klar und eindeutig diese Aussage – so unklar ist, woher sie eigentlich stammt. Welche Maus welchen Faden abbeißt – dafür gibt es mehrere Erklärungen:
Der Faden des Löwen
In einer seiner Fabeln erzählt der griechische Dichter Äsop von der Freundschaft eines Löwen und einer Maus. Als die Maus beim Spiel von einem Felsen auf die Nase der großen Katze fällt, fleht das kleine Tier um sein Leben. „Ich werde mich dankbar erweisen“, spricht die Maus. Der Löwe zeigt sich großmütig und lässt sie gehen. Eine Tages verfängt sich das königliche Tier in einem Netz. Diesmal ist es die Maus, die den Löwen rettet, indem sie mit ihren feinen Zähnchen die Fäden durchbeißt. Hätte sie das nicht getan, wäre die Situation für den Löwen aussichtslos, also unabänderlich, gewesen.
Der Faden der Heiligen Gertrud Im Winter saß die Heilige Gertrud in der Klosterkammer und arbeitete an ihrem Spinnrad. Bis zum 17. März – denn an diesem Tag begann die Sommerarbeit. Da musste die Spindel aus der Hand gelegt und mit der Arbeit auf dem Feld begonnen werden. Ein österreichisches Sprichwort lautet: „Gertrud hör mit dem Spinnen auf, sonst läuft die Maus den Faden auf und beißt ihn ab.“ Wäre die Heilige Gertrud also an ihrem Spinnrad sitzen geblieben, hätte spätestens das kleine Nagetier ihre Arbeit beendet – da beißt die Maus keinen Faden ab!
Der Faden der anderen
Es gibt zur Redewendung weitere Herleitungen, die sich schneller erzählen lassen. Zum Beispiel wurden früher in Speisekammern Lebensmittel zum Schutz vor Mäusen an Fäden aufgehängt.
Oder: Ein Schneider bewarb die Qualität seiner Stoffe, sie seien so gut, dass keine Maus auch nur einen Faden abbeißen würde. Und eine letzte Erklärung: Bei einer alten Form der Mäusefalle musste die Maus einen Faden durchbeißen, um an den Köder zu kommen. Sobald sie ihn zernagt hatte, schlug die Falle zu. Damit war Aus die Maus – da beißt sie keinen Faden (mehr) ab.