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Inzwischen glauben nur noch unverbesserliche Ideologen und Träumer an die Umsetzbarkeit der Energiestrategie 2050 im vorgegebenen Rahmen (Energiegeset…
Inzwischen glauben nur noch unverbesserliche Ideologen und Träumer an die Umsetzbarkeit der Energiestrategie 2050 im vorgegebenen Rahmen (Energiegesetz), einer Strategie, deren wesentliches Element der Ersatz der Nuklearkapazitäten durch Stromerzeugung über Sonne und Wind ist, »Neu-Erneuerbare« (NEE) die dazu kreierte Terminologie.
In verschiedenen Arbeiten1 haben wir im CCN dargelegt, dass diese Strategie innerhalb der vorgegebenen Randbedingungen nicht umsetzbar ist; sei dies innerhalb des durch die Politik versprochenen Kostenrahmens, sei es bezüglich Flächen- und Raumbedarf für die notwendigen Systeme wie Windfarmen oder besonders auch saisonale Speicherkapazitäten. Auf Grund dieser Analysen, bei welchen bezüglich Berechnungsgrundlagen wo immer möglich und verfügbar reale Messwerte und Statistiken beigezogen wurden, sind wir zur Überzeugung gelangt, dass sich die Energiestrategie im vorgesehenen Rahmen nicht umsetzen lässt. Wir stellen inzwischen fest, dass diese Überzeugung immer weitere Kreise erfasst.
In einer heutigen Beurteilung des Energiehaushalts der Zukunft spielt in erster Linie eine Grössenordnungsbetrachtung eine Rolle. Der Stromkonsum macht etwa 25% des schweizerischen Gesamtenergiekonsums aus – vom Strom wurden bis Ende 2019 rund 40% durch die Kernkraftwerke erzeugt (rund 10% des Gesamtenergiekonsums). Rund 65% des Gesamtenergiekonsums basieren auf Erdöl und Erdgas, vom Rest (rund10%) dürfte ein Teil noch auf Kohle entfallen.
Am Tagungsvortrag „Klimaneutrale Stromversorgung“ am ETH Energy Day 2019 2 wurden der Zuhörerschaft Resultate aus Modellsimulationen über eine 100% dekarbonisierte Schweiz im Zeitraum 2030 bis 2050 vorgestellt. Dabei wurden folgende Annahmen getroffen:
Als eine erste Konklusion wurde vorgestellt, dass einzig der Ersatz von Fossil durch NEE in Betracht gezogen werden könne. Auf dieser Basis wurden die Modellierungen gemacht, und verschiedene Variationen sollen gezeigt haben, dass es ein Leichtes wäre, die Schweiz mit mehr als genügend NEE zu obigen Bedingungen zu versorgen. Besonders betont wurde, dass die Kosten tief und damit die Energiepreise sehr gering bleiben würden.Bemerkenswerterweise wurde nur im Konjunktiv-Modus vorgetragen.
Der Leser mag sich wundern und auch merken: 10% der fossilen Energie mit NEE zu substituieren, erweist sich in der realen Welt bereits als hochproblematisch – 65% + 10% der fossilen Energie zu substituieren, ist dagegen in der Modellierwelt «easy going». Und weil dies die ETH sagt, so übernehmen es wohl auch die Politik und die Medien «1 zu 1».
In eine Diskussion verstrickt, hört man vom Autor noch Erstaunlicheres.
Darauf angesprochen, dass es für die Schweiz das «gute» Beispiel Deutschland gebe, welches zeitlich vorausgeht und zeigt, dass je höher der Anteil NEE im Netz ist, desto höher die Endkundenpreise und desto tiefer der Kostendeckungsgrad der NEE-Anlagen sind, gibt er folgende Antwort: «Das kommt daher, weil Deutschland die thermische Kapazität falsch aus dem Netz genommen hat». (???)
Oder darauf angesprochen, dass Windenergie auch flächendeckend über ganz Europa betrachtet monatlich regelmässig Lücken aufweist: «Man hat falsch optimiert, Modellierungen zeigen, dass wenn man das richtig macht, immer Strom generiert würde».
«Auch der zukünftige (gewaltige) Ausbau der europäischen Netze wäre kein Problem».
Dies die Antwort auf eine entsprechend konkrete Frage meines Kollegen Häring.
Die Liste liesse sich fortsetzen. Man staunt! Ich habe den Autor darauf hingewiesen, dass die Anmerkungen von meinem Kollegen und mir nicht auf Modellierungen beruhen, sondern die real gemessene Welt darstellen – gemäss dem wissenschaftlichen Verständnis ist dies doch der ultimative Massstab.
Interessant sind auch die Reaktionen der Zuhörer und ihre Fragestellungen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, an der Predigt einer Sekte teilzunehmen, deren Mitglieder an den direkten Gedankenaustausch des Sektengurus mit den Engeln glauben. Dabei gibt es «Glaubensbrüder», die so fest daran glauben, dass sie praktisch direkt Fragen zu diesem Austausch stellen. Der neue Glaube heisst wohl «Modelling».
Daneben hat es wenige «Ketzer» im Saal, die das Ganze als Unfug aufdecken wollen.
Etwa so verlief die Diskussion im Anschluss an den Vortrag. Interessant war auch eine Diskussion, in welche ich nach Abschluss der Veranstaltung mit zwei Assistenten des Lehrstuhls verwickelt wurde. In ziemlich aggressivem Ton kamen sie auf mich zu mit der Frage: «Sagen Sie uns, was glauben sie, wie ist der Benzinpreis und der Gaspreis in 50 Jahren?» Meine Antwort: Meine Herren, wir sind hier an der ETH und da ist man von etwas überzeugt, glauben gehört in die Kirche. Um auf Ihre Frage zu antworten: «In 50 Jahren ist es mit den Preisen so wie heute, eine Frage von Angebot und Nachfrage, es sei denn, man führt Planwirtschaft ein.» Sie gaben sich mit dieser Antwort nicht zufrieden – passt irgendwie nicht ins Schema Umweltwissenschaften –, wollten nicht lockerlassen. Ich musste diesen Herren klarmachen, dass die reale Welt so funktioniere und dies die einzig korrekte Antwort auf ihre Frage sei.
Fazit: Ich frage mich, wie junge Menschen ausgebildet werden. Sie kommen scheinbar aus einem goldenen Käfig namens ETH und meinen tatsächlich, modellieren sei die wahre Welt. Am Ende suchte ich noch das Gespräch mit dem Referenten unter vier Augen und gab ihm zu verstehen, dass das soeben Gebotene – pardon, mit Verlaub! – sachlich der ultimativ grösste Quatsch ist, den ich in den letzten Jahren zu hören bekam.
Nach dem Anhören von eineinhalb Vorträgen und dem Beisein an rund einer Stunde Diskussion zum Thema „Klimaneutrale Stromversorgung“ verlasse ich die Veranstaltung zusammen mit meinem CCN-Kollegen Markus Häring in der Überzeugung, dass diese nicht mehr länger zumutbar ist. Und Markus teilt diese Meinung: „Geschwafel auf bodenlos tiefem Niveau“.
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Da gibt es die nette Geschichte der Nonne, welche mit dem Auto über Land fährt und unterwegs im Nirgendwo geht ihr das Benzin aus. In der Ferne sieht sie einen Bauernhof, sie geht dorthin, der Bauer hilft ihr gerne, hat jedoch nur einen alten Nachttopf, in welchen er ihr Benzin mitgeben kann. Wieder zurück bei ihrem Auto, beim Einfüllen, kommt ein Autofahrer daher, bleibt erstaunt stehen und kommentiert: „Ihr Gottvertrauen möchte ich haben, gute Schwester.“
nach Autor
Blogbeitrag unter Autoren „CCN“ vom 17. Januar 2019: Kernkraft gegen Sonne: Artikel aus der Weltwoche vom 17. Januar 2019; Autoren: S. Borner & E. Höhener.
Blogbeitrag: Dichtung und Wahrheit der Energiewende, 12. April 2019