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DMZ – HISTOISCHES ¦ Dr. Eugen Häni ¦
KOMMENTAR
Vor fast 50 Jahren, als ich im Tessin als Sanitätsrekrut und Unteroffizier Militärdienst leistete, bin ich ein paar Dutzend Mal in Giornico durchgebraust, im Zug. Von Norden her war es der Punkt, der den Süden, von Süden her der Ort, der die Nähe des Gotthards und jenseits davon, die des Schatzes ankündigte. 40 Jahre später lernte ich dann dieses Dorf sehr intensiv kennen und lieben. In Begleitung der Schulklasse meiner Frau, die mit den Velos die Leventina hinunterfuhr – ich war mit meinem Auto Pannen- und Ambulanzfahrzeug - traf ich vor den andern im geschichtsträchtigen Giornico ein und wollte mich etwas umsehen. Im Dorfmuseum führte mich der Kurator, der ehemalige Dorfschullehrer in die Geschichte des Ortes ein.
Die Schlacht von Giornico zwischen Urnern und Tessinern einerseits und den Mailändern andererseits sei eher ein Meisterstück des Fallenstellens als eine Schlacht mit vielen Toten gewesen. Die von Urnern und Tessinern von der Anhöhe ins Tal hinuntergestossenen Steine vertrieben die Mailänder rasch. Interessant sicher auch das Datum des Kampfes anfangs Winter. Im Museum ist ein Brief ausgestellt, in dem die Urner den Tessinern mitteilten, dass ihre Bauern-Soldaten erst nach Einbringen der Heuernte an Aktionen gegen die Mailänder teilnehmen könnten.
Das Schlachtdenkmal ist eine der Sehenswürdigkeiten von Giornico. Der grosse Stolz - zu Recht - der Einwohner ist aber die Kirche San Nicolao, eine der sieben Kirchen von Giornico und Umgebung. Sie ist die 20 älteste romanische Kirche im Tessin und ein in jeder Hinsicht ausserordentliches Bauwerk. Die Anordnung von erhöhtem Chor und der darunterliegenden Krypta ist äusserst eindrücklich. Das imposanteste sind dann aber die Wandmalereien im Chor. Sie stellen unter anderen den heiligen Nikolaus von Myra dar, dem die Kirche geweiht ist. Der heilige Nikolaus ist einer meiner Lieblingsheiligen.
Die Sage erzählt von ihm als grossem Wohltäter. So soll er drei jungen Frauen, deren verarmter Vater keine Aussteuer bezahlen konnte und sie zu einem lasterhaften Leben anstiften wollte, nachts prall gefüllte Geldbeutel in die Schlafkammern geworfen haben, so dass diese die Aussteuer bestreiten konnten. Der Gedenktag des Heiligen Nikolaus ist der weltweit so beliebte 6. Dezember, an dem die Kinder beschenkt werden.