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Wir warten gespannt auf Whit Stillmans Jane-Austen-Verfilmung «Love and Friendship». Vor dem Film – der auf «Lady Susan» basiert und zu dem auch ein Roman von Stillman selbst existiert – hat sich der Meister, der oft als WASP-Woody-Allen bezeichnet wird, aber nochmal seinem heimatlichen nordamerikanischen Kontinent zugewendet und seinen wohl leichtesten, aber auch amerikanischsten Film vorgelegt.
Violet (Greta Gerwig), Rose (Megalyn Echikunwoke) und Heather (Carrie MacLemore) sind beste Freundinnen. Das Seven Oaks College ist aber immer noch eine Bastion männlicher Barbarei, an dem arrogante Journalisten und dumme Burschenschaftler ihr Unwesen treiben. Violet und ihre Freundinnen lassen sich davon aber nicht irritieren und versuchen, mit ihrem Bewusstsein für guten Stil, Parfüm und judäo-christlicher Humanität ihren Mitmenschen und sich selbst ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch leichter gesagt als getan. Lily (Analeigh Tipton) ist neu an Seven Oaks. Zwar lässt sich diese anfangs noch so gern vereinnahmen von den drei Freundinnen, doch bald schon kommt es zu Konflikten…
Whit Stillman gilt als der WASP-Woody-Allen, und da verwundert es nicht, dass die meisten Hauptfiguren in seinen Filmen denn auch wirklich WASPw sind, also «White Anglo-Saxon Protestants», also weisse, angelsächsische Protestant(inn)en. Das war in seinem Erstling «Metropolitan» so, und auch in seinem zweiten und dritten Spielfilm («Barcelona» und «The Last Days of Disco») war dies der Fall. Mit seinem neuesten Film, «Love and Friendship», geht Stillman quasi zurück zu den Wurzeln der angelsächsischen Kultur, nach England, zu Jane Austen. «Love and Friendship» basiert auf «Lady Susan», einem postum veröffentlichten Briefroman der grossen Jane Austen, und Stillman selber, seines Zeichens Filmemacher und Schriftsteller, hat gleich noch selber einen Roman zu seinem Film geschrieben. Bereits in seinem ersten Spielfilm ist Jane Austen ein Thema. Und ihr Einfluss ist zweifellos auch in seinem vierten Spielfilm, der im deutschsprachigen Raum als «Algebra in Love» veröffentlicht wurde, vorhanden.
Gleichzeitig ist «Damsels in Distress» aber auch der Film, in dem Stillman einige zeitgenössische amerikanische Tabuthemen aufgreift – etwa den Rassismus, der sich gerade darin äussert, dass sich Rose eine neue Identität zutut. Abgeschwächt wird dies zwar dadurch, dass auch Violet sowie einer der jungen Männer im Film mit ihrer Identität ringen; wenn aber Rose über den ebenfalls afroamerikanischen Studienkollegen Jimbo sagt, er würde ja nicht zählen, dann kommt hier wohl doch noch etwas Tieferes zum Ausdruck. Auch andere schwierige Themen wie psychische Erkrankungen und Sexualität werden in «Damsels in Distress» auf eine humorige, aber doch abgründige Art verhandelt. Stillmans Blick auf seine Mitmenschen ist immer liebevoll, gleichzeitig spart er aber nicht mit Kritik – «difficile est non scribere saturam». Wie dem auch sei: wir freuen uns die Austen-Interpretation dieses grossen amerikanischen Meisters!
«Damsels in Distress». USA 2011. Regie: Whit Stillman. Mit Greta Gerwig, Megalyn Echikunwoke, Analeigh Tipton, Carrie MacLemore, Hugo Becker, Adam Brody u.a. Deutsche DVD erschienen unter dem Titel «Algebra in Love». Die Girl’s-Night-Edition unterscheidet sich von der regulären Ausgabe nur durch die rosa Hülle.
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