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«Wer meine Worte hört und danach handelt,
ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.»
(Mt 7,24)
Würdigung von Br. Julius Felder
Ich glaube, dass Julius Freude hat am heutigen Evangelium, denn die Häuser und Kirchen, die er gebaut hat, hatten immer ein gutes Fundament, das jedem Taifun widerstand. – Wenn wir aber den Text genauer anschauen, sehen wir, dass es Jesus nicht um ein Gebäude aus Stein geht. Jesus sagt: «Wer meine Worte hört und danach handelt», der sei ein solches Haus mit einem Felsen-Fundament. War Julius ein solches Haus?
Ich durfte Julius viele Jahre kennen und begleiten, zuerst im Seminar Schöneck. Dort hat er gelernt, seinen Glauben zu vertiefen; denn sein Können als Hochbauzeichner wurde dort kaum verlangt. Und er hat, ohne zu klagen, in der Malerei als Anstreicher gearbeitet. Aber schon in seiner Seminarzeit durfte er dann einmal, zusammen mit einem Berufs-Kollegen, eine Kirche entwerfen. Und diese Kirche von Büren NW ist heute noch ein Bijou. Man hatte also sein Fachwissen nicht vergessen. Nach einem kurzen Englandaufenthalt wurde er im September 1965 nach Taiwan ausgesandt. Dort war seine erste Priorität das Chinesisch-Studium. Da aber schon entschieden war, dass er in der Pfarrei von Hermann Brun eine Kirche bauen sollte, war er ziemlich abgelenkt Denn diese Pfarrkirche in Changbin war die grösste von ca. 40 Kirchen, die er je bauen würde.
Kürzlich durfte ich in Taidong einen Vortrag über Kirchenbauten in Taiwan hören. Der Architekt stellte praktisch seine Doktorarbeit vor, in der er die Eigenheiten und Vorteile der von den Bethlehemiten gebauten Kirchen vorstellt. Dabei erwähnte er natürlich die Kirchen von Julius besonders; denn fast alle seine Kirchen zeichnen sich aus durch einen indirekten Lichteinfall über dem Altarraum. Das ist sowohl ästhetisch wie praktisch von grossem Vorteil. Das heisst, Julius baute schön und zweckmässig. Obwohl Julius vor allem bekannt ist für seine Kirchenbauten, war das grösste Bauwerk, das er plante, das Berufsbildungszentrum Ost, das Franz Leimer aufbaute. Aber Julius zeichnete nicht nur für uns Bethlehemiten. In Tainan baute er für die Vinzentinerinnen ein grosses Altersheim.
Wie gesagt, Julius war sehr praktisch. Wenn er einen Bau übergab, durfte keine Schraube und kein Haken fehlen. So hat er auch in seinen Heimat-Urlauben nach geeigneten Dingen gesucht und sie eingekauft, wie etwa Tabernakel-Türen, Ewiges Licht, usw. Das hat natürlich oft mehr gekostet als vorgesehen, was ihm gelegentlich Schelte einbrachte. Er hat aber auch selbst gern gebastelt. Auf einem Altar in Taimali hat er z.B. aus kleinen Marmor-Abfallstücken das wunderbare Mosaik eines Weizenfeldes gemacht.
Seine Pläne waren Meisterwerke, und man hörte ihn oft über die fehlerhaften Computerzeichnungen seiner Kollegen klagen. Tatsächlich wurden dann, als er in die Schweiz zurückkehrte, seine über 3000 Pläne dem prähistorischen Museum in Taidong zur Aufbewahrung übergeben. Dort bleiben sie für Lernende und Forscher allen zugänglich. Für diesen Beitrag veranstaltete 2007 das Museum eine Ausstellung, und Julius wurde bei einer Feier im Park eine Dankesurkunde überreicht.
Nachdem seine Bauprojekte abgenommen hatten, nahm er sich dann Zeit, seinen künstlerischen Neigungen zu frönen. Vor allem nach seiner Rückkehr in die Schweiz, die ihm nicht leichtfiel, schuf er eine ansehnliche Sammlung von naturalistischen Landschaftsbildern.
Nun aber zurück zur Spiritualität von Julius. Von seiner Mutter hat Julius eine ausgeprägte marianische Frömmigkeit mitbekommen. In einem meiner Heimaturlaube hat mir seine Mutter eine kleine Marienstatue mitgegeben, die Julius nach ihrer Anweisung in seinem Auto befestigen sollte, was er dann genau befolgte. Er selbst ist in seinen Heimaturlauben mehrmals zu den Marien-Wallfahrtsorten Fatima, Lourdes und Medjugorje gepilgert.
In seinem Alltag spürte Julius das Bedürfnis nach mehr gemeinsamen religiösen Anlässen. Auf seine Anregung hin haben wir in Taidong einen monatlichen Einkehrtag beschlossen. Im Alltag hatte er dann aber oft Mühe, sich diese Zeit freizuhalten. Denn für Julius war es schwierig, den Tag in geordnete Einheiten einzuteilen. Wenn er eine Arbeit angefangen hatte, verlor er sich ganz darin. Sogar Essen und Schlafen waren dann nur lästige Unterbrechungen.
Vor drei Jahren wechselte Julius wegen zunehmenden gesundheitlichen Schwierigkeiten in die Pflegeabteilung des Missionshauses. Dort durfte er letzte Woche sein Leben in Gottes Hände zurückgeben. Wir danken Gott für den wertvollen Mitbruder Julius, den er unserer Gemeinschaft geschenkt hat, und bitten ihn, ihm seinen Jüngerlohn zu schenken.
Laurenz Schelbert