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Das Russische Forschungsinstitut für Fischerei und Ozeanographie (VNIRO) legte die Gründe für den Fang von mehr als hunderttausend Tonnen Seelachs in der Tschuktschen Sea im Jahr 2020 fest. Spezialisten des WWF-Russland sind der Meinung, dass die vorgelegten Materialien keine umfassende Bewertung der Bedrohungen und Auswirkungen der Fischerei auf die benthischen Gemeinschaften liefern.
Am 6. April 2020 veranstaltete der pazifische Ableger der VNIRO in Wladiwostok eine öffentliche Anhörung über die zulässige Gesamtfangmenge der Meeresressourcen im Jahr 2020. Hauptthema der Anhörung waren die mehr als 100.000 Tonnen Seelachs, die im südlichen Teil der Tschuktschensee gefangen werden sollen.
Der Seelachs oder Köhler ist eine relativ neue Art in diesem Teil der Arktis. Im Jahr 2014 wurde er bei Schleppnetzfischerei-Erhebungen in den Küstengewässern in der nördlichen Tschuktschensee nur selten erfasst. Doch vier Jahre später beobachteten Wissenschaftler dort eine signifikante Konzentration von ausgewachsenem Seelachs. Die Ausdehnung des Pollackgebietes weiter nördlich ist höchstwahrscheinlich auf die Erwärmung des Beringmeers zurückzuführen. Dieser Prozess ist seit 2015 zu beobachten, als ausgewachsene Pollackschwärme begannen, die früher unzugänglichen nahrungsreichen Gewässer nördlich der Beringstraße zu besiedeln. In Jahr 2020 habe die Konzentration der Fische, nach Ansicht der Wissenschaftler, kommerzielle Werte erreicht.
„Die Autoren der vorliegenden Umweltverträglichkeitsprüfung für die Fischerei achten nur auf die Auswirkungen auf die Fischbestände“, sagt Sergey Korostelev, Koordinator des WWF-Russland-Programms für nachhaltige Meeresfischerei. „Gleichzeitig gibt es keine Bewertung der durch die Fischerei verursachten Auswirkungen auf andere Arten, ihre Lebensräume und die Meeresökosysteme in der Region. Außerdem enthält die UVP weder Vorschläge zu Fanggeräten noch zum Zeitrahmen für die Fischerei. Unserer Meinung nach sollten solche Bewertungen nicht vernachlässigt werden“.
Die Beringstraße und die Gewässer der angrenzenden Meere sind in geographischer und biologischer Hinsicht einzigartig. Hier, an der Grenze zweier Ozeane und Kontinente, leben etwa 20 Millionen Seevögel und Hunderttausende von Säugetieren. Im Jahr 2013 erkannten Experten von Vertragsparteien des Übereinkommens über die biologische Vielfalt vier Meeresgebiete an, die für die biologische Vielfalt in der Region wichtig sind. Diese Gebiete überschneiden sich mit den vorgeschlagenen Fischfanggebieten.
„Die Gefahr für die Meeresökosysteme geht nicht nur von den Fischereioperationen selbst aus, sondern auch von der damit verbundenen Schifffahrt“, sagte Sergei Rafanov, Direktor des Ökoregionalbüros Kamtschatka des WWF-Russland und amtierender Direktor des Programms für nachhaltige Fischerei des WWF-Russland. „Vor der Eröffnung der Fischerei auf Seelachs in der Tschuktschensee ist es notwendig, Änderungen der Fischereivorschriften auszuarbeiten und zu genehmigen.
Heiner Kubny, PolarJournal