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In verschiedenen Wissenschaftsbereichen wird erkannt, dass ohnehin schlecht präzisierbare Begriffe wie "Interdisziplinarität" oder "Transdisziplinarität" einer Revision unterzogen werden müssten. Dies liegt an der Problemantik des Wortes "Disziplin" selbst. Der Begriff der Disziplin, vom lateinischen dis-capere = auseinanderschneiden abgeleitet, setzt voraus, dass man weiss, was wann und wo auseinandergeschnitten werden soll. Der Begriff der Interdisziplinarität konnte noch davon ausgehen, dass die Schnitte nach stabilen Traditionen vollzogen waren und dass nun neue Verbindungen zu ziehen wären.
Inzwischen wurden die traditionellen Kompartimente von innen heraus zur Einsicht geführt, dass sie sich auf verschütteten Verbindungsgängen zu anderen Bereichen in falscher "Autonomie" gewähnt hatten. So wird in den Kognitiven Wissenschaften die Trennung von psychologischen und physiologischen Argumentationssträngen -- z.B. im Begriff des Schemas [118] -- zunehmend illusorisch. Und Fachvertreter entdecken, dass ihr Gegenstand ohne Hilfe aus anderen Bereichen nicht weiter kommen kann. So in der Informatik, deren Theoretiker sich zunehmend mit theoretischer Mathematik oder Philosophie "eindecken", damit die innere Entwicklung von den praktischen Wucherungen der Programmiergemeinde nicht gänzlich überrannt wird [139], [1]. Statt an verschütteten Verbindungsgängen zu laborieren wäre es wohl effizienter, folgende Kernthese zu diskutieren:
KERNTHESE 6. Disziplinarität ist entsprechend dem Paradigma der Unteilbarkeit des Wissens im EncycloSpace zu verstehen als dynamische, d.h raum-zeitlich nicht unveränderliche, situations- und aufgabenbestimmte Trennung in der wissenschaftlichen Beschäftigungsstruktur und Aufgabenteilung.
Das Paradigma des EncycloSpace schliesst in der Tat aus seinen Attributen (i.e. Einheit) die Unteilbarkeit des Wissens mit ein. Disziplinariät kann von daher gesehen nur im Sinn einer von Fall zu Fall variablen Verteilung von "geographischen Karten" im Sinne von D'Alemberts Vorwort zur "Encyclopédie" verstanden werden ( 2.2). Er schreibt [5] : "Man könnte sich demnach ebensoviele wissenschaftliche Systeme denken wie Weltkarten verschiedenen Blickwinkels (...). Kaum einer unter den Gelehrten rückt ungern diejenige Wissenschaft in den Vordergrund, der er sich gerade widmet, (...)."
Daraus ergeben sich konkrete Konsequenzen und Fragestellungen bezüglich der zellulären Struktur der Hochschulen, welche hier zwar angebracht sind, im Rahmen dieses Berichts aber nicht weiter abgehandelt werden können:
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