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Von der Trinkhalle zum Kursaal
Der Kursaal Heiden: Einst Ausschankstelle für Molke, dann Kultur- und Feststätte Die Geschichte des Kursaals in Heiden ist geprägt von mehreren kurzlebigen Phasen des Hochglanzes. 1957 erregte der Neubau als «die Attraktion der Ostschweiz» Aufmerksamkeit.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Heiden der Bau einer Kur- oder Trinkhalle diskutiert. Darin sollte den Kurgästen jeden Morgen die Molke ausgeschenkt werden. Im November 1870 beschloss die neu gegründete Kuraktiengesellschaft, auf dem Grundstück zwischen der unteren und oberen St. Gallerstrasse die Halle zu bauen. Architekt Horace Eduard Davinet, der schon den Kursaal in Interlaken gebaut hatte, übernahm die Planung. Rund 50 000 Franken kostete das Gebäude, was weit über dem eigentlich eingeplanten Budget lag.
Von Anfang an wurde eine Kurmusik engagiert, und zeitweise wurden Kapellen mit bis zu zwölf Musikern verpflichtet. Doch lange hielt der Glanz der Trinkhalle nicht an. Zwölf Jahre nach der Eröffnung waren bereits Reparaturen nötig, doch fehlte das Geld. Von einer Aufstockung des Gebäudes konnte nur geträumt werden, vielmehr wurden nur die nötigsten Anstrengungen vorgenommen.
In den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde wieder ein Umbau nötig. Der St. Galler Architekt Ernst Hänny schlug einen totalen Umbau für 75 000 Franken vor. In Anbetracht des hohen Betrags entschloss die Kurgesellschaft, den Umbau in drei Etappen durchzuführen. So entstand 1938 bei der ersten Etappe im südlichen Drittel ein Betonanbau, der so gar nicht zum ursprünglichen Teil passte. Der Zweite Weltkrieg verhinderte weitere Bauetappen.
Doch zerfiel die alte Trinkhalle immer mehr. Man machte sich also auf die Sponsorensuche für den Neubau. Nachdem genügend Eigenkapital vorhanden war, bewilligte die St. Gallische Kantonalbank den Baukredit, nachdem von der kantonseigenen Bank ein negativer Bericht eingetroffen war. Nach zehnmonatiger Bauzeit konnte der neue Kursaal von Otto Glaus, damals «die Attraktion der Ostschweiz», am 27. Juni 1957 eröffnet werden, gekostet hat er 750 000 Franken. Die alte Trinkhalle im maurischen Stil wurde ein Jahr zuvor abgebrochen. Aus der Dorfchronik
Beitrag Tagblatt vom 14.10.2010