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Nach Changwon (Südkorea) und Fort Benning (USA) stehen sich die weltbesten Schützen in München zum dritten Mal im Weltcup gegenüber. Die Schweizer Delegation wird mit einer fünfzehnköpfigen Schützenfraktion in die bayerische Landeshauptstadt reisen, darunter die Taferser Gewehrschützen Simon Beyeler, Irene Beyeler und Pascal Loretan.
Loretan: Finalerfahrungen machen
Letzterer stand als Einziger des Trios dieses Jahr bereits im Weltcup im Einsatz. Beim Saisonauftakt in Südkorea hatte sich Pascal Loretan mit ausgezeichneten 623,4 Zählern als Vierter für den 10-m-Final qualifiziert. Im Duell der besten Acht belegte der Düdinger den siebten Schlussrang. Auf den zweiten Einsatz in Fort Benning (4.–12. Mai) verzichtete der Düdinger allerdings. Nach dem starken Abschneiden am Grand Prix in Pilsen (1.–5. Mai), wo Loretan im Gewehr 10 m den zweiten und im Dreistellungsmatch den siebten Platz belegte, legte er eine Pause ein. «Die Zeit zwischen den beiden Wettkämpfen war zu kurz für Erholung und Aufbau», erklärt der Semiprofessional.
Die dritte der insgesamt vier Stationen des diesjährigen ISSF-Weltcups will sich der Olympiateilnehmer von 2012 allerdings nicht entgehen lassen. «Ich will Präsenz markieren unter der internationalen Elite und weitere Finalerfahrungen machen. Meine Motivation ist es, regelmässig den Final zu erreichen.»
Für Pascal Loretan geht es in München aber auch darum, sich weiter an den neuen Wettkampfmodus mit Zehntelwertungen zu gewöhnen. Die Neuerung, die an den Europameisterschaften im dänischen Odense Anfang März erstmals angewandt wurde, ist für die Schützen eine Herausforderung. «Die Qualifikation wird ganz anders geschossen», erklärt der 24-Jährige. «Es geht nicht mehr nur darum, sicher eine 10 zu schiessen, sondern man versucht, immer eine möglichst hohe 10 zu schiessen. An der EM brauchte es im Durchschnitt eine 10.4, um den Final zu erreichen.»
Kein Qualifikationsdruck
Ging es für die Schützen in der Vergangenheit bei ihren Weltcup-Einsätzen auch darum, sich im Weltcup mit guten Leistungen für internationale Wettkämpfe wie Europa- und Weltmeisterschaften zu qualifizieren, so entfällt heuer dieser Druck. Seit dieser Saison vergibt «swiss shooting» die Tickets für die Titelwettkämpfe bei internen Ausscheidungen, den sogenannten Trials. Die nächsten Trials 25/50 m finden im Juni in Buchs und Schwadernau statt, wenn die Teilnehmer für die Europameisterschaft in Osjek (Kro) erkoren werden. «Ich hoffe, dass ich da die EM-Teilnahme schaffe», sagt der Polymechaniker. Er werde allerdings nicht auf Biegen und Brechen alles unternehmen, nur damit dies gelinge. «2013 ist eine Art Zwischenjahr. Mein Fokus ist weiter in die Zukunft gerichtet. Die WM im kommenden Jahr und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro sind meine grossen Ziele.»
Irene Beyelers Zuversicht
So weit schaut Irene Beyeler nicht nach vorne. Nach zwei turbulenten Jahren, in denen sie durch einen privaten Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen wurde und etliche sportliche Rückschläge einstecken musste, hat sie den Tritt wieder gefunden. Setzte sie sich früher selber stark unter Druck, geht sie es heute gelassener an und nimmt Wettkampf um Wettkampf. «Dass es in München keinen Qualifikationsdruck gibt, kommt mir dennoch entgegen», sagt die Schwarzenburgerin. «So kann ich meinen Einsatz lockerer angehen.»
In der bayerischen Landeshauptstadt steht Irene Beyeler über 10 m und 3×20 m im Einsatz. «Ich freue mich darauf, mich mit den Besten der Welt zu messen. Für mich ist es die Hauptprobe für die bevorstehenden Trials für die Kleinkaliber-EM», sagt die Bankangestellte. Wie immer die Hauptprobe in München auch ausfallen wird, die Chancen, dass sich Beyeler an den nationalen Selektionswettkämpfen als eine von drei Schützinnen für die EM in Osjek qualifiziert, sind durchaus intakt. Bereits Anfang Januar hatte sich die 27-Jährige gegen ihre sechs Konkurrentinnen durchgesetzt und sich als Zweitplatzierte die Teilnahme an der Luftgewehr-EM verdient. Die Titelkämpfe in Odense beendete Beyeler dann auf Platz 25. Auch sonst ist die 27-Jährige gut in Schuss. Bei den Swiss Shooting Masters Anfang Mai triumphierte sie über 10 m und 3×20 m und wurde über 50 m liegend Zweite.
Biathlon für Schützen
Beim Weltcup München wartet der Internationale Schiess-Sportverband ISSF mit einer absoluten Premiere auf. Erstmals wird neben den olympischen Disziplinen der Target Sprint bei einer derartig grossen Veranstaltung durchgeführt. Bei diesem neuen Wettkampf müssen die Teilnehmer drei Mal 400 Meter rennen und zwischen den Laufstrecken zwei Mal mit dem Luftgewehr fünf Klappscheiben treffen.
Das Interesse für den «Schützen-Biathlon» hält sich bei den Senslern allerdings in Grenzen. «Ich werde mal schauen, wie das bei den anderen ankommt», sagt Pascal Loretan. «Ich glaube kaum, dass die neue Disziplin grosse Chancen hat. Schiessen ist ein Präzisionssport, die Kombination Rennen-Schiessen passt da nicht wirklich dazu. Ob es dem Internationalen Schiess-Sportverband ISSF gelingt, unseren Sport attraktiver zu machen, bezweifle ich.»
«Meine Motivation ist es, regelmässig den Final zu erreichen.»
Pascal Loretan
Gewehrschütze
«München ist die Hauptprobe für die bevorstehenden Trials.»
Irene Beyeler
Gewehrschützin
Weltcup München
Das Aufgebot
Gewehr. Männer:Simon Beyeler (Schwarzenburg), Pascal Loretan (Düdingen), Marcel Bürge (Lütisberg), Sandro Greuter (Heiligkreuz).Frauen:Irene Beyeler (Schwarzenburg), Petra Lustenberger (Rothenburg), Jasmin Mischler (Mittelhäusern), Sibylle Pfiffner (Baden).
Pistole. Männer:Steve Demierre (Peney-le-Jorat), Christian Klauenbösch (Bottenwil), Sandro Loetscher (Gelterkinden), Patrick Scheuber (Büren), Philipp Wetzel (Bütschwil).Frauen:Heidi Diethelm Gerber (Märstetten),