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Zirkusauftritte im Balletröckchen gehörten zu Jambolinas Alltag in der Ukraine. Der Ausbruch von Covid-19 war ihr Glückslos: Jambolina konnte nicht mehr auftreten und durfte nach monatelanger Gefangenschaft in einem winzigen Käfig nun im Arosa Bärenland ein artgemässes Leben starten. Hier darf sie endlich ihren natürlichen Instinkten folgen und sie macht zurzeit ihre allererste Winterruhe.
Jambolina’s Vergangenheit in der Ukraine
Eine Braunbärin balanciert in einem Balltröckchen auf dem Seil, läuft auf den Vorderpfoten und fährt Trottinett in der Manege. In der Ukraine präsentierte Jambolina zusammen mit ihrem Dompteur ihr Leben lang Kunststücke zur Belustigung der Zuschauer. Die Bilder schockieren. «Man will sich nicht vorstellen, was ein Wildtier in so einer Situation durchmachen muss», meint Alexandra Mandoki, Länderchefin von VIER PFOTEN Schweiz. Im Alter von nur fünf Wochen wurde die in einem Zoo geborene Bärin Jambolina von einem ukrainischen Dompteur gekauft, von Hand aufgezogen und trainiert. Es folgten unzählige Zirkusauftritte, die mit langen Reisen unter nicht artgemässen Bedingungen verbunden waren. Nach den Auftritten in der Manege lebte sie in einem viel zu kleinen Käfig. Als Belohnung für die Kunststücke erhielt Jambolina oft Kekse oder gesüsstes Brot, was später auch negative Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand hatte. Mit dem Ausbruch von Covid-19 konnte der Besitzer keine Auftritte mehr machen und er hielt Jambolina in seiner Garage in einem 4m2 grossen Käfig gefangen. Ab und zu ging er an abgelegenen Orten mit Jambolina spazieren. Aus wirtschaftlichen Gründen sah sich der Dompteur im Jahr 2020 gezwungen, Jambolina abzugeben. Erfreulicherweise übergab er sie freiwillig der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN, welche Jambolina ab Dezember 2020 ein neues, artgemässes Zuhause im Arosa Bärenland ermöglichte.
Wie Jambolina zurück zu ihren natürlichen Instinkten findet
Aufgrund der lebenslangen Gefangenschaft von Jambolina hatte sie nie die Gelegenheit, sich wie ein Wildtier zu verhalten. Diese Möglichkeit soll sie von nun an im Arosa Bärenland haben. Hier fokussieren sich die Tierpflegerinnen und Tierpfleger darauf, den Tieren ein möglichst naturnahes Leben zu ermöglichen. «Grundsätzlich müssen Tiere das natürliche Verhalten nicht lernen, sie haben dieses als Instinkte in sich», erklärt Dr. Hans Schmid, wissenschaftlicher Leiter im Arosa Bärenland. «Unsere Aufgabe ist es, das Gehege so auszustatten, dass diese Instinkte gelebt werden können. Das machen wir mit sogenannten Verhaltensanreicherungen. Wir verteilen zum Beispiel das Futter im ganzen Gehege, damit die Bären ganztags mit der artgemässen Nahrungssuche beschäftigt sind.» Nach der Ankunft im Arosa Bärenland erkundete Jambolina ihr neues Zuhause, zeigte aber schon bald starke Verhaltensstörungen. Sie lief bis zu 10 Stunden am Tag im Kreis, ein Kreis der etwa der Grösse ihres ehemaligen Käfigs entsprach. «Ein klares Zeichen dafür, dass die Käfighaltung bei Jambolina schwere psychische Spuren hinterlassen hat», ist man sich auf der Seite der Spezialisten sicher. Doch Jambolina fand im Arosa Bärenland zur Ruhe, scharrte Langstroh sowie Tannenzweige in ihre Höhle und zog sich zurück. Ende Dezember konnte sie endlich das tun, was für sie jahrelang nicht möglich war: Sie hält die erste Winterruhe ihres Lebens. Dr. Hans Schmid hat die ganze Entwicklung von Jambolina genau beobachtet und zeigt sich mit ihrem Entscheid äusserst zufrieden. «Dass Jambolina nach dieser Vergangenheit so schnell zur Ruhe gefunden hat, beeindruckt mich sehr. Es ist einfach wunderbar zu sehen, wie die Instinkte der Tiere funktionieren und dass Jambolina diese nun auch ausleben kann.» Wer die Braunbärin bei ihrer ersten Winterruhe beobachten möchte, kann über die Webcam auf www.arosabaerenland.ch einen Blick in die Höhle von Jambolina werfen.
Kampagne gegen Wildtiere im Zirkus
Jambolinas Zirkusleben hat im Jahre 2020 ein Ende gefunden. Ihre Geschichte ist nur eine von unzähligen Tierschicksalen weltweit.
Obwohl die Schweiz in Tierschutzbelangen als eines der fortschrittlichsten Länder der Welt gilt, hinken die Eidgenossen beim Wildtierverbot in Zirkussen weit hinter anderen Nationen hinterher. In der Schweiz gibt es weder ein Verbot noch Einschränkungen was Wildtiere im Zirkus betrifft, obwohl unter Zirkusbedingungen sowohl das Wohlergehen als auch die in der Schweiz ausdrücklich geschützte Würde von Tieren allein zum Zweck menschlicher Unterhaltung schwer beeinträchtigt werden. Zahlreiche Länder – 31 davon in Europa – kennen bereits Verbote oder weitgehende Beschränkungen für Wildtiere im Zirkus. Zurzeit führen Zirkusse in der Schweiz zwar keine Wildtiernummern mehr im Programm, aber gesetzlich wäre dies nach wie vor erlaubt. Um Wildtiere auch zukünftig vor einem Schicksal, wie dem von Jambolina zu schützen, kämpfen Tierschutzorganisationen schon seit längerem für ein Verbot von Wildtieren in Schweizer Zirkussen. Über 70'000 Menschen verlangten mit ihrer Unterschrift 2018 vom Bundesrat, dass ein solches Verbot realisiert wird. Mit der neuen ausdrucksstarken Kampagne wollen die drei Tierschutzorganisationen VIER PFOTEN, ProTier und Tier im Recht dieses Jahr der Forderung noch einmal Nachdruck verleihen.
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