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Sparta
Regie: Ulrich Seidl
Darst.: Georg Friedrich, Florentina Elena Pop, Hans-Michael Rehberg, Michael Thomas, Marius Ignat, Octavian-Nicolae Cocis u.a.
Der Österreicher Ewald ist Ingenieur für Kraftwerke und arbeitet in Rumänien. Er reist regelmässig zwischen den beiden Ländern hin und her, um seinen greisen Vater im Altersheim zu besuchen. Der alte Herr ist dement, singt häufig Nazi-Lieder und skandiert entsprechende Parolen. In Rumänien weilt Ewald bei seiner Freundin, mit der er seit Längerem liiert ist und die ihn gerne heiraten möchte. Als es im Bett nicht klappt, reist Ewald überstürzt ab und fährt ziellos in der rumänischen Provinz herum. Schliesslich erwirbt er ein altes Schulgebäude, richtet es ein wenig her und gibt den Knaben aus dem Dorf unentgeltlich Judokurse. Das Gelände verwandelt er in eine Art Römerlager und nennt es «Sparta». Als zweiter Teil eines Diptychons über zwei Brüder, die sich nach dem Tod der Mutter abwechselnd um ihren dementen Vater, einen einstigen Nazi, kümmern, hat Ulrich Seidl mit «Sparta» gewissermassen die Fortsetzung von «Rimini» geschaffen. Ging es dort um den abgehalfterten Schlagersänger Richie Bravo, steht hier mit der Figur des Ewald, von Georg Friedrich verstörend präzis gespielt, ein Mann im Zentrum, der ständig am Abgrund taumelt. Bindeglied zwischen beiden Filmen ist die Figur des dementen Vaters, grossartig verkörpert von Hans-Michael Rehberg in seiner letzten Rolle. Der 79-jährige Schauspieler starb wenige Wochen nach den Dreharbeiten, Seidl hat ihm beide Filme gewidmet. Die Weltpremiere von «Sparta» hätte im September 2022 am Film Festival Toronto stattfinden sollen. Doch als eine Woche vor Festivalbeginn Der Spiegel in einem Artikel Vorwürfe erhob, Seidl habe die Eltern der kindlichen Laiendarsteller über den Filminhalt getäuscht, kippte Toronto den Film aus dem Programm. Die Weltpremiere wurde kurz darauf am Festival von San Sebastián mit Standing Ovations gefeiert. Rüdiger Suchsland schreibt in Der Standard: «‹Sparta› ist viel ruhiger, viel humanistischer und viel weniger provozierend, als man das vielleicht erwartet hätte. Zugleich ist offenkundig, dass Pädophilie gar nicht im Zentrum des Films steht. ‹Sparta› handelt vielmehr von der Gewalt der Väter.»