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Stillschweigen, Monotonie und Entindividualisierung kennzeichneten den damals modernen Strafvollzug in der Schweiz im 19. Jahrhundert. Weibliche und männliche Häftlinge wurden, zwar räumlich voneinander getrennt, meist in denselben Anstalten untergebracht und weitgehend gleich behandelt. Der Alltag gestaltete sich für männliche und weibliche Sträflinge vom Aufstehen bis zum Zubettgehen gleich. Ausnahmen bildeten nur Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und die Zuteilung von geschlechterspezifischen Tätigkeiten. Überdies waren nur wenige, philanthropisch engagierte Frauen in der Gefangenen- und Entlassenenfürsorge aktiv und der Bildung von weiblichen Gefangenen wurde wesentlich weniger Aufmerskamkeit geschenkt als jener der Männer. Der Schulunterricht für weibliche Gefangene beruhte, sofern er in einer Anstalt überhaupt angeboten wurde, oft auf unentlöhnter Freiwilligenarbeit.
Erschienen in: traverse 2014/1, S. 61