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«10 vor 10»-Beitrag «Klub Konstruktiv, Teil 3: Bienensterben» beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 21. November 2019 beanstandeten Sie die Sendung «10 vor 10» (Fernsehen SRF) vom 20. November 2019 und dort den Beitrag «Klub Konstruktiv, Teil 3: Bienensterben».[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«Um es vorweg zu nehmen: im Grundsatz bin ich mehrheitlich zufrieden mit den Informations-Sendungen der SRG.
Der gestrige Bericht in der 10vor10-Rubrik ‘Klub Konstruktiv’ muss ich aber klar beanstanden. Inhaltlich war der Bericht mehr Publireportage denn seriöser Journalismus und es wurden Aussagen gemacht, die falsch sind.
Ich bin selbst Imkerin, weiss also wovon ich rede. Der Schweizerische Bienengesundheitsdienst hat ein offizielles Behandlungskonzept zur Varroa-Bekämpfung, das sich seit Jahren bewährt und laufend wissenschaftlich überprüft und ggfs. angepasst wird. Dieses basiert einerseits auf Behandlungen mit verschiedenen Säuren sowie auf ergänzenden Massnahmen wie Drohnenschnitt, Kunstschwarmbildung, etc. Jede Massnahme zur Bekämpfung der Varroa-Milbe kann ‘Nebenwirkungen’, bzw. Auswirkungen auf die Bienen haben, speziell bei unsachgemässer Ausführung.
Dass im Bericht gesagt wurde, die Behandlung mit Ameisensäure, Oxalsäure, Thymol sei <die zweitschlechteste Alternative nach der Möglichkeit gar nicht zu behandeln> ist nicht nur falsch, sondern eine anmassende und äusserst irreführende Aussage. Sie kann dahingehend missinterpretiert werden, dass der unerfahrene Imker meint, er könne die Varroa-Behandlung vernachlässigen.
Weiter wurde behauptet, dass die Hyperthermie - im Gegensatz zur Behandlung mit Säuren - keine Risiken für die Bienen darstellen. Auch diese Aussage ist falsch, zumal zur Zeit noch zu wenig wissenschaftlich fundierte Daten dazu vorliegen.
Die im Beitrag gezeigte Behandlungsmethode wurde als nachhaltig propagiert. Dass dazu Strom benötigt wird oder welche Auswirkung elektromagnetische Strahlung auf Bienen hat, wurde nicht erwähnt.
Ich verweise Sie gerne auf die Website, wo über das Varroa-Behandlungskonzept von apiservice informiert wird.[2] Ich ersuche Sie um eine Richtigstellung dieser falschen Aussagen.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für «10 vor 10» äußerten sich Herr Christian Dütschler, Redaktionsleiter, und Frau Corinne Stöckli, Fachspezialistin SRF:
Frau X beanstandet den Beitrag ‘Klub Konstruktiv’,Teil 3, den wir in der Sendung 10vor10 vom 20. November 2019 ausgestrahlt haben.Im Beitrag stand ein junger Mann im Zentrum, der zusammen mit seinem Vater eine Lösung im Kampf gegen das Bienensterben anbietet: eine elektrische Heizung für Bienenstöcke.
Der Beitrag war der dritte Teil einer fünfteiligen Serie[3], die 10vor10 in der Woche vom 18. bis 22. November 2019 ausgestrahlt hat. In der Serie ging es um Menschen, die sich aus eigenem Antrieb auf die Suche nach Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen oder Bedürfnisse gemacht haben: Seien es fliegende Windräder, Prothesen aus rezykliertem Plastik, ein Club in den Bergen, Comedy eines Behinderten zur Sensibilisierung oder – wie im beanstandeten Beitrag - ein natürliches Mittel gegen das Bienensterben. Anzumerken ist hier, dass die ausgestrahlte Serie auf einem umfassenderen Konzept von SRF basiert, dem sogenannten Klub Konstruktiv[4]: Dabei handelt es sich um eine abgeschlossene zehnteilige Serie, die ursprünglich für verschiedene Online-Kanäle der SRG (u.a. Nouvo) entwickelt worden ist. In diesem Format hat SRF neue und innovative Lösungsideen für gesellschaftliche Probleme vorgestellt. Dabei sind hauptsächlich die Menschen hinter den Ideen zu Wort gekommen. Sie haben in ihren eigenen Worten die bestehenden Problemfelder definiert und ihre Lösungsansätze vorgestellt.
Die Beanstanderin kritisiert nun den Beitrag in verschiedener Hinsicht. Gerne nehmen wir zu den einzelnen Kritikpunkten Stellung.
- Vorwurf: ‘Mehr Publireportage denn seriöser Journalismus’
Die Beanstanderin ist der Meinung, dass <der Bericht mehr Publireportage denn seriöser Journalismus> sei. Das sehen wir anders.
Entsprechend dem Konzept der Serie stellt der Protagonist im Beitrag das Problem und seinen persönlichen Lösungsansatz dafür persönlich vor. D.h. dass wir – abgesehen von gezielten Texteinblendungen - auf einen kommentierenden Beitragstext weitgehend verzichtet haben: Im Zentrum standen bewusst der Protagonist und seine Sichtweise. Diesem Ansatz hat die Moderatorin der Sendung Rechnung getragen, indem sie in der Anmoderation des Beitrages auf die Besonderheit des Formats hingewiesen hat. So hiess es in der Anmoderation wörtlich:
<Teil 3 unserer Wochenserie Klub Konstruktiv. Wir lassen täglich am Ende der Sendung Menschen erzählen, was sie antreibt. Menschen, die etwas verändern wollen. Unsere Kolleginnen und Kollegen vom Online-Team Nouvo haben sich auf die Suche gemacht nach klugen Köpfen. Heute kommt ein junger Mann zu Wort, der gegen das Bienensterben ankämpft. Die Bienen sind ja für unser Ökosystem entscheidend. Zusammen mit seinem Vater hat er quasi eine Bodenheizung für Bienen erfunden, als Schutz vor Milben. Was er dazu sagt, hier:>
Noch vor Beginn des Beitrages wurde also explizit darauf hingewiesen, dass der Lösungsansatz aus der Sicht des Protagonisten – also des jungen Mannes - vorgestellt werden wird (<Heute kommt ein junger Mann zu Wort>, <Was er dazu sagt, hier:>). Das Publikum wusste also, dass sogleich ein junger Mann das Wort ergreifen würde. Der Ansatz des Beitrages wurde von Beginn weg durch die visuell verspielte und für 10vor10 eher ungewohnte Umsetzung (Protagonist redet direkt in die Kamera) bestätigt.
Die Beanstanderin meint nun, es handle sich um eine ‘Publireportage’. Damit sind wir nicht einverstanden. Auch wenn der Protagonist seine Geschichte weitgehend selbst erzählt hat, so basiert das Porträt auf einer fundierten Recherche unsererseits. SRF hat im Vorfeld die Fakten und die Machbarkeit der vorgestellten Entwicklung und Idee intensiv überprüft. Dazu haben wir Studien und Unterlagen verschiedener Institutionen studiert. Durch gezielte Texteinblendungen im Beitrag haben wir gewisse Aussagen zusätzlich eingeordnet und den entsprechenden Kontext geliefert (z.B. Grafik zum Gesamtrückgang der Bienen; Grafik zur Anwendung des vorgestellten Systems).
Zudem stand nicht etwa seine Firma, sondern ganz klar der Protagonist und seine Lösung im Zentrum des Beitrags. Der Namen seiner Firma – Vatorex – tauchte in der ganzen Berichterstattung kein einziges Mal auf. Weder textlich noch visuell als Logo.
Zusammenfassend sind wir der Meinung, dass das Publikum verstanden hat, dass es im Beitrag darum ging, dass ein innovativer junger Mann das ursprüngliche Problem und seinen konkreten Lösungsansatz dazu persönlich schildert. Seine Firm wurde dabei nicht genannt. Inhaltlich war der Beitrag zudem fundiert und korrekt. Von einer «Publireportage» kann also keine Rede sein.
- Vorwurf: Behandlung mit Säuren als zweitschlechteste Alternative
Die Beanstanderin schreibt weiter: < Dass im Bericht gesagt wurde, die Behandlung mit Ameisensäure, Oxalsäure, Thymol sei ‘die zweitschlechteste Alternative nach der Möglichkeit gar nicht zu behandeln’ ist nicht nur falsch, sondern eine anmassende und äusserst irreführende Aussage. Sie kann dahingehend missinterpretiert werden, dass der unerfahrene Imker meint, er könne die Varroa-Behandlung vernachlässigen.>
Die Beanstanderin nimmt hier Bezug auf folgende Passage im Beitrag:
Pascal Brunner:
<Bis anhin haben Imker chemisch behandelt, vorwiegend mit Ameisensäure und Oxalsäure. Das ist aber mehr die zweitschlechteste Alternative neben dem Nichtbehandeln gewesen. Die bringen halt schon auch Schädigungen für die Bienen, für die Imker mit sich. Und im schlimmsten Fall, wenn man es falsch anwendet, sogar Rückstände im Honig.>
Anders als die Beanstanderin meint, handelt es sich hier weder um eine ‘falsche’, noch um eine ‘anmassende’ oder ‘irreführende’ Aussage. Schon gar nicht geraten ‘unerfahrene Imker’ deshalb etwa in Versuchung, ‘die Varroa-Behandlung zu vernachlässigen.’
Gleich zu Beginn des Beitrags wurde deutlich, dass der Protagonist den Kampf gegen die Varroamilbe im Sinne des Bienenschutzes für absolut unerlässlich hält (O-Ton Pascal Brunner: <Die Varroamilbe (...) ist der Hauptverursacher des Bienensterbens. Dagegen müssen wir etwas machen!>). Auch als er die Säure-Behandlung als <mehr die zweitschlechteste Alternative neben dem Nichtbehandeln> bezeichnete, war klar: Die bei weitem schlechteste aller Alternativen ist die Nichtbehandlung. Daran änderte auch seine nachfolgende Kritik an der Säure-Behandlung nichts.
Bei der Behandlungsmethode mit Ameisen- und Oxalsäure – besonders im Falle einer unsachgemässen Behandlung – sieht der Protagonist jedoch gewisse Risiken und Nachteile gegenüber der Wärmebehandlung (Hyperthermie). Im Beitrag sagte er dazu wörtlich:
<Die [Ameisen- und Oxalsäure] bringen halt schon Schädigungen für Bienen und Imker mit sich. Und im schlimmsten Fall, wenn man es falsch anwendet, sogar Rückstände im Honig.>
Diese Bedenken des Protagonisten sind nicht subjektiv, sondern beruhen auf zahlreichen wissenschaftlichen Befunden und Einschätzungen von Experten:
- <Brutschäden lassen sich bei der Anwendung von Ameisensäure nie vollständig ausschliessen. Insbesondere die gerade schlüpfenden Jungbienen können geschädigt werden und als erhöhter Totenfall vor dem Flugloch liegen.> (aus: Varroa-Bekämpfungskonzept für Niedersachen, Bieneninstitut Celle [5])
- <Beide Mittel (Ameisen und Oxalsäure; Anm. Red) sind zwar wirksam – allerdings nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt und nach genauer Anleitung angewendet werden, sagt Von der Ohe (Prof. Dr. Werner von der Ohe, Bieneninstitut Celle; Anm. Red.). Schnell kann es passieren, dass die Säuren überdosiert werden, was die Bienen wiederum selbst schwächt, wie ein Medikament, das in zu hohen Dosen verabreicht wird. Einige Imker schrecken außerdem davor zurück, ihre Völker mit Chemikalien zu behandeln.> (aus: Welt Online, Hoffnung im Kampf gegen das Bienensterben, in ‘Welt online’, veröffentlicht am 05.04.2018) [6]
- <Allerdings darf diese Behandlung (mit Ameisensäure; Anm. Red) nur dann erfolgen, wenn aus den betreffenden Völkern im selben Jahr kein Honig mehr geschleudert wird. Denn bei der Anwendung organischer Säuren kann es zu geschmacklichen Rückständen im Honig kommen.> (aus: Varroa-Bekämpfungskonzept für Niedersachen, Bieneninstitut Celle [7]
- <Vorsichtsmaßnahmen: Ameisensäure ist ätzend. Bei der Vorbereitung und während der Behandlung säurefeste Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutzmaske tragen! Augenwaschflasche bereithalten.> (aus: Varroa-Bekämpfungskonzept für Niedersachen, Bieneninstitut Celle [8]).
Die kritische Betrachtung der Säure-Behandlung durch den Protagonisten ist also nicht etwa aus der Luft gegriffen, sondern basiert auf Tatsachen. Zwar ist die Säure-Behandlung eine breit etablierte Methode und ein wesentlicher Teil des von der Beanstanderin erwähnten offiziellen Behandlungskonzepts zur Varroa-Bekämpfung des Schweizerischen Bienengesundheitsdienstes. Tatsache ist aber auch, dass das Varroa-Problem weiterhin dringlich ist und deshalb von offiziellen Stellen wie Agroscope [9] weiter nach alternativen Behandlungsmethoden geforscht wird - nicht zuletzt offenbar auch wegen den von unserem Protagonisten erwähnten durch Säurebehandlungen entstehenden ‘Schädigungen’ für die Bienen und Imker und drohenden ‘Rückständen im Honig’. In unserer Serie über Menschen auf der Suche nach Lösungen für gesellschaftlich relevante Probleme konnte der Protagonist nun seinen persönlichen, konkreten Lösungsansatz für das Varroa-Problem vorstellen.
Zusammenfassend sind wir der Meinung: Seine Aussage, dass die Behandlung mit Säuren <mehr die zweitschlechteste Alternative neben dem Nichtbehandeln> sei, mag etwas zugespitzt sein, ‘falsch’ oder ‘irreführend’ ist sie nicht.
- Vorwurf: Hyperthermie habe keine Risiken
Die Beanstanderin schreibt zudem: <Weiter wurde behauptet, dass die Hyperthermie - im Gegensatz zur Behandlung mit Säuren - keine Risiken für die Bienen darstellen. Auch diese Aussage ist falsch, zumal zur Zeit noch zu wenig wissenschaftlich fundierte Daten dazu vorliegen.>
Die Kritik der Beanstanderin bezieht sich auf folgende Aussage des Protagonisten in unserem Beitrag:
<Mit unserer Wärmebehandlung haben wir wirklich eine nachhaltige Lösung, die im Bienenvolk eingesetzt werden kann, ohne dass die Bienen Schaden nehmen. Das Grundprinzip ist, dass Bienen mehr Wärme vertragen als die Varroa-Milbe. Und dann gehen wir kurzzeitig für drei Stunden auf 41 Grad Celsius herauf. Und das reicht schon, um die Varroa-Milbe abzutöten, während die Bienen das unbeschadet überleben.>
Belege dafür, dass obige Aussage falsch sei, nennt die Beanstanderin in ihrem Schreiben keine. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Hyperthermie-Behandlung gibt es schon seit den 1970er Jahren (<Bereits 1973, noch bevor erste Varroazide entwickelt waren, führte die Erkenntnis über Unterschiede in der Temperaturempfindlichkeit von 2–3°C bei Bienen und Milben zur Entwicklung und Patentierung der Wärmebehandlung der Brut> (aus: Alter Wein in neuen Schläuchen – Hyperthermie gegen Varroa, Schweizerische Bienen-Zeitung 06/2012).[10]
Die uns vorliegenden Studien und Berichte kommen zu dem Schluss, dass die Wärmebehandlung (bei richtiger Anwendung) für die Bienen und die Bienenbrut ohne bzw. nur von geringem Risiko ist:
- <Da zeigt die Hyperthermie, das gezielte Überwärmen der Brut, ihre Stärken. Die Bienennymphe erträgt nämlich mehr Wärme als die Milbe. Bei der Milbe werden schon bei niedrigeren Temperaturen Hitzeschockproteine ausgebildet, welche Zellschäden der Milbe und damit ihren Tod zur Folge haben. Diese Effekte kann man gut ausnützen und gleichzeitig die Milben auf der offenen Brut sowie jene auf der verdeckelten Brut dezimieren, ohne die Bienen und ihre Larven oder Nymphen zu schädigen.> (aus: Die thermische Varroabekämpfung, Schweizerische Bienen-Zeitung 06/2012).[11]
- <In einem Versuch unter praxisnahen Bedingungen wurde die gesamte verdeckelte Brut von 5 Völkern 12 h bei 40 °C wärmebehandelt. 5 weitere Völker am selben Stand verblieben als Kontrolle unbehandelt. Bei keinem der Versuchsvölker wurde ein negativer Effekt der Thermobehandlung festgestellt; lediglich bei 2 Völkern wurden vereinzelt Brutzellen ausgeräumt.> (aus: Thermobehandlung verdeckter Arbeiterinnen-Brutwaben als Möglichkeit der Varroatose-Kontrolle, P. Rosenkranz, 1987).[12]
- <Precise control of the temperature and duration could result in effective varroa suppression without harming the honeybees.> (Aus: Hyperthermia – a non.chemical control strategy against varroa, Universität Thessaloniki, 2015).[13]
- <Eine 4-stündige Behandlung mit 44°C führt zu einer geringen jedoch nicht signifikanten (t.test < 5%) Beeinträchtigung der Lebenserwartungen und bleibt ohne Auswirkung auf die Schlupfrate und den Futterkonsum.> (aus: Wärmebehandlung zur Sanierung von Bannwaben gegen Carroa jacobsoni, H. Appel, R Büchler, 1991).[14]
Die oben genannten Berichte kommen also alle zum Schluss, dass mit der Wärmebehandlung nur geringe Risiken für die Bienen verbunden sind. Von allfälligen Rückständen, wie sie bei der Säurebehandlung möglich sind, ist nirgendwo die Rede.
Unabhängige Studien zu der in unserem Beitrag vorgestellten Anwendung des Protagonisten (Vatorex) sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Die Prüfung (inkl. einer molekularen Analyse bei der wärmebehandelten Brut) wird derzeit vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) [15] durchgeführt. Die Publikation der Resultate sollte Anfang 2021 erfolgen. Anzumerken ist, dass unser Publikum wusste, dass es sich um ein neues Produkt eines Start-Ups handelt (<es ist eine spezielle Situation, dass man mit dem Vater zusammen ein Start-Up gründet>) und die Erfinder immer noch an den Details tüfteln.
Nach Aussagen des Vertreters von Vatorex wurden bei den bisherigen Feldversuchen der Anwendung keine Risiken für die Bienen und deren Brut festgestellt (Pascal Brunner, Stellungnahme per Mail: «Uns sind in 5y Feldversuchen nur positive Effekte auf die Bienenentwicklung aufgefallen.») [16]
Zusammenfassend sind wir der Meinung: Es gab also zum Zeitpunkt der Sendung keine Hinweise darauf, dass die Wärmebehandlung im Allgemeinen oder bei der konkret vorgestellten Anwendung (grössere) Nebenwirkungen hat. Auch die Beanstanderin nennt in ihrem Schreiben keine konkreten Anhaltspunkte, welche die Aussage des Protagonisten als falsch erscheinen liessen. Die Aussage des Protagonisten (<ohne dass die Bienen Schaden nehmen>) scheint also gemäss aktuellem Kenntnisstand und aufgrund oben zitierter Berichte korrekt und ist dem Protagonisten klar zuzuordnen.
- Vorwurf: Nachhaltigkeit / elektromagnetische Strahlung
Die Beanstanderin schreibt weiter: <Die im Beitrag gezeigte Behandlungsmethode wurde als nachhaltig propagiert. Dass dazu Strom benötigt wird oder welche Auswirkung elektromagnetische Strahlung auf Bienen hat, wurde nicht erwähnt.>
Anders als die Beanstanderin meint, wurde im Beitrag sehr wohl erwähnt, dass zum Betrieb der vorgestellten Lösung Strom benötigt wird. Wörtlich hiess es:
<Wir haben eine Elektronik, die die Wabe detektiert und dann vollautomatisch behandelt. Alles mit 12 Volt Solarstrom. Das heisst, es funktioniert eben auch dort, wo es keinen Strom gibt – weil viele Bienenhäuser oder Bienenstände sind irgendwo am Waldrand und haben keinen Elektrizitätsanschluss.>
Der Protagonist erwähnt also explizit Solarstrom. Zudem sind die benötigten Energiemengen sehr gering: Strom (Niederstrom, 12V) fliesst nur drei Stunden alle 16 Tage durch die einzelne Wabe, d.h. während <1% der Zeit.
Wie oben erwähnt sind die Nebenwirkungen von Hyperthermie grundsätzlich – soweit vorhanden - sehr gering. Bezüglich des konkreten, vorgestellten Produkts bestehen bis dato gemäss den Aussagen der Hersteller ebenfalls keine Hinweise auf negative Effekte. Um eventuelle Belastungen durch elektromagnetische Strahlungen zu vermeiden, haben sie offenbar die Heizdrähte in den Heizwaben gegenläufig gewickelt, damit sich das elektromagnetische Feld – wenn dann bestromt – gegenseitig aufhebt.
Die Art der Stromversorgung wurde also im Beitrag erwähnt, Hinweise auf negative Auswirkungen der elektromagnetischen Strahlung gab es keine, so dass diese im Beitrag auch nicht erwähnt werden mussten. Hingegen wurde explizit erwähnt, dass es durchaus auch <Imker gibt, die keine Technologie im Bienenstock> wollen.
- Fazit
In unserem Beitrag konnte ein innovativer junger Mann seinen persönlichen Lösungsansatz für ein Problem vorstellen, das uns alle etwas angeht. Es ging in unserem Beitrag nicht etwa um die Varroa-Bekämpfung im Allgemeinen. Vielmehr haben wir eine neue, konkrete Idee zur Milben-Bekämpfung und den Kopf dahinter aufgezeigt.
Es war klar, dass es sich dabei nicht um eine vollausgereifte, breit etablierte Lösung handelte, sondern um einen neuen, vielversprechenden Ansatz mit einem gewissen Pionier-Charakter. Einen Einblick in die Entwicklung einer solchen Lösung zu bekommen, war für unser Publikum interessant, zumal es sich beim Bienensterben um ein hochrelevantes Thema handelt.
Inhaltlich war der Beitrag unseres Erachtens korrekt und sachgerecht, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden konnte. Wir bitten Sie deshalb, die Beanstandung nicht zu unterstützen.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Sie haben Recht: Der Beitrag ist Werbung – Werbung für eine Idee und damit auch für ein Produkt. Aber es ist eben nicht klassische Werbung (das Produkt wird nicht zum Kauf angeboten) und es ist auch nicht Schleichwerbung (das Produkt erscheint nicht so ganz nebenbei in einer Sendung zu einem anderen Thema). Wenn das Fernsehen neue Ideen vorstellen will, dann kommt es um eine gewisse Werbung für diese Ideen nicht herum. Jeder Erfinder, jeder Bastler, der in den Medien vorgestellt wird, erhält auch eine Bühne für das, was er erfunden, «gebastelt» hat.
Und hier muss etwas Wichtiges angesprochen werden: Den Medien wird immer wieder vorgeworfen, sie berichteten nur Negatives. Sie zeigten nur die Störungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens: Kriege, Katastrophen, Unglücksfälle, Attentate, Regierungskrisen, Fabrikschließungen, Entlassungen, Streiks, Zugsverspätungen usw. Sie zeigten nie etwas Positives. Dem will der «Solutions Journalism» [17], oder, wie er neuerdings in Europa genannt wird, der «konstruktive Journalismus» [18] entgegenwirken. Der «konstruktive Journalismus» zeigt auch das Gute, das Hilfreiche, das Erfreuliche im Leben. Die Serie «Klub Konstruktiv» ist ein Anwendungsbeispiel von «konstruktivem Journalismus».
Zur Sache selber brauche ich nicht mehr viel zu sagen. Die Redaktion hat in ihrer Stellungnahme nachgewiesen, dass die Aussagen nicht einfach Behauptungen von Pascal Brunner sind, sondern auf verschiedenen Studien beruhen. Und die Redaktion hat den Beweis geführt, dass sie nicht einfach jemand das Mikrofon überlassen hat, sondern dass sie selber gründlich recherchiert und überprüft hat, ob die Aussagen des Gastes Hand und Fuss haben. Aus all diesen Gründen kann ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann
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