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An Viehausstellungen in der Schweiz mit kompetitivem Charakter wurde in den letzten Jahren wiederholt festgestellt, dass bis zum Zeitpunkt der Prämierung, einzelne Kühe mit so stark angefüllten Eutern vorgeführt wurden, dass dies zu Beanstandungen v.a. von Seiten der offiziellen Ausstellungstierärzte aber auch von einzelnen Richtern Anlass gab. Das Thema wurde von der Presse mehrmals aufgegriffen und der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Im aktuell geltenden „Ehrenkodex für das Bereitstellen und die Auffuhr von Tieren an Milchviehausstellungen in der Schweiz”, sind „lange Zwischenmelkzeiten, welche das Wohlbefinden des Tieres beeinträchtigen“ ausdrücklich verboten. Leider ist weder definiert, noch bekannt, ab welchem Euterfüllungsgrad das Wohlbefinden einer individuellen Kuh beeinträchtig ist. In einer Masterarbeit von Philipp Kohler, welche im Jahr 2012 an der Wiederkäuerklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern durchgeführt wurde, konnte als ein wichtiges Resultat festgestellt werden, dass Richter und Ausstellungstierärzte den Einfluss der Zwischenmelkzeit auf das Wohlbefinden von Ausstellungskühen unterschiedlich beurteilen.
Die Ziele der vorliegenden Studie sind es, (i) die vorläufigen Resultate aus der Masterarbeit Kohler durch Untersuchungen an den hochkompetitiven Ausstellungen in Bulle und Lausanne zu bestätigen; (ii) die Konsequenzen von verlängerten Melkintervallen bezüglich Tierwohl und Tiergesundheit an Holstein-Friesian-Versuchskühen zu beschreiben, (iii) den Effekt von Flunixin-meglumin (wird häufig an Ausstellungen angewandt) auf das Tierwohl bei Kühen mit stark angefüllten Eutern zu beschreiben, und (iv) daraus ein Set von Parametern zu definieren, welche an Milchviehausstellungen auf Platz angewandt werden kann, um das Wohlbefinden von Kühen in Abhängigkeit der Euterfüllung objektiv beurteilen zu können.
Als Indikatoren für die Tiergesundheit in Abhängigkeit des Melkintervalls sollen folgende Parameter evaluiert werden: Herzfrequenz und Herzrfrequenzvariablität, Atemfrequenz, Wiederkauverhalten, Dauer bis zum Auftreten von „Milch laufen lassen“ und der Abstand der beiden hinteren Innenklauen voneinander. Als Indikatoren von Schmerz/Stress in Abhängigkeit des Melkintervalls sollen evaluiert werden: Speichelkortisolkonzentration, Aktivität der Hintergliedmassen, Frequenz des Trippelns der Hintergliedmassen, Beeinträchtigung des Aufsteh- und Abliegevorganges und die Beeinträchtigung des Gangbildes. Als Indikatoren für die Euterfüllung in Abhängigkeit des Melkintervalls werden bestimmt: Oberflächenspannung der Euterhaut, oberflächliche Euterhauttemperatur, Differenz zw. oberflächlicher Euterhauttemperatur und oberflächlicher Hauttemperatur im Bereich der langen Sitzbeinmuskulatur resp. des Flotzmauls, Euterumfang, Distanz zwischen den Hinterzitzen, Distanz zwischen Markern auf beiden Hintervierteln und die Milchleistung beim Melken nach dem verlängerten Melkintervall.
Die Resultate dieser experimentellen Studie sollen als Grundlage dazu dienen, dass BVET und ASR den Bereich „Zwischenmelkzeiten und Euterfüllung“ im “Ehrenkodex für das Bereitstellen und die Auffuhr von Tieren an Milchviehausstellungen in der Schweiz » sinnvoll überarbeiten können. Es soll ein Set von objektiven Instrumenten definiert werden, welches dazu verwendet werden kann, an Ausstellungen die Beeinträchtigung des Wohlbefindens von Kühen in Abhängigkeit der Euterfüllung objektiv zu bestimmen. Weiterhin sollen die Daten als Grundlage für Ausbildungskurse von Richtern und Ausstellungstierärzten verwendet werden können.
Dezember 2014: Zwischenbericht eingegangen, flo genehmigt.