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| Hieronymus († 420) - Briefe

I. Briefe familiären Charakters
10. An den greisen Paulus zu Concordia
[Vorwort]
Bereits in einem früheren Briefe wird Paulus aus Concordia1 als Landsmann Rufins erwähnt. 2 Paulus war [S. 27] offensichtlich wissenschaftlich stark interessiert, besaß er doch eine recht umfangreiche Bibliothek. Diese gemeinschaftlichen Bestrebungen sind die Grundlage einer Freundschaft, die Hieronymus auch im Orient weiter pflegte, obwohl der Altersunterschied zwischen beiden Männern sehr groß war. Der vorliegende Brief ist sozusagen ein Gluckwunschschreiben zum 100. Geburtstage, in dem er den Paulus lobt wegen seiner körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische, die er auf sein tugendhaftes Leben zurückführt. Was Hieronymus vor allem zu Paulus hinzog, war der Umstand, daß dieser Greis noch Fühlung mit dem „kirchlichen Altertum“ hatte. Kannte er doch persönlich einen Schreiber Cyprians, von dem er erfuhr, daß der einstige Bischof von Karthago täglich in Tertullians Schriften las. Auf ihn geht auch unsere Kenntnis des berühmten Wortes: „Da magistrum“ zurück. 3 Als Angebinde übersendet Hieronymus die von ihm verfaßte Biographie des Einsiedlers Paulus von Theben. Er selbst bittet um den Evangelienkommentar des Fortunatianus, das Geschichtswerk des Aurelius Viktor und die Briefe Novatians. Die Abfassung des Briefes ist in die spätere Zeit des Wüstenaufenthaltes zu verlegen, also etwa in die Jahre 377 oder 378. Cav. (I 43. 45; II 16 f.) möchte den Brief lieber in die Zeit des zweiten Aufenthaltes in Antiochia verlegen oder ihn um 380 ansetzen, als Hieronymus in Konstantinopel weilte.
1: Kleine Bischofstadt zwischen Aquileja und Altinum im Venetianischen.
2: Ep. 5, 2 ad Florentinum.
3: De vir. ill 53.