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Im Gottesdienst vom 17.Oktober und einer anschliessenden kleinen Orgelmatinée erklingen aus Johann Sebastian Bachs Clavierübung Teil III das Praeludium und Fuge (BWV 552) sowie die Choralbearbeitung “Aus tiefer Not schrei ich zu dir” (BWV 686).
Johann Sebastian Bach hat im Laufe seines Lebens eine Anzahl seiner Werke für Cembalo oder Orgel im Druck veröffentlicht; in den Jahren von 1731 bis 1741 in einer vierteiligen Sammlung unter dem Namen Clavierübung. Er bedachte hier systematisch alle Instrumente mit Klaviatur: ein- oder zweimanualiges Cembalo oder auch Clavichord im ersten Teil, Orgel mit und ohne Pedal im dritten Teil und zweimanualiges Cembalo im zweiten und vierten Teil.
Mit Suite, Konzert, Präludium und Fuge, Choralbearbeitung und Variation bot Bach hier die meisten der gängigen Gattungen und Kompositionsstile. Auch wenn der Titel „Übung“ heute ein Lehrwerk assoziiert, waren und sind die Kompositionen alles andere als leicht zu spielen und richteten sich keineswegs an Instrumentalschüler. Vielmehr zeigen sie ganz systematisch das kompromisslos hohe kompositorische und spieltechnische Niveau ihres Autors.
Das Wort „Übung“ muss hier also nicht im heutigen Sinne des beim Etüdenspiel im Vordergrund stehenden neuen Erlernens verstanden werden, sondern kann vielmehr im höheren Sinn als umfassende geistige und technische Aneignung, Vertiefung und Meditation des Spielers einerseits, als Aus-Übung des Tonsetzerberufs andererseits gesehen werden. Letzterem entsprechen die Begriffe des Exerzitiums oder der Askese. Sie sind seit der Antike “Übungspraxis” im Rahmen von Selbstschulung durch Disziplinierung sowohl hinsichtlich des Denkens und Wollens als auch hinsichtlich des Verhaltens.
Als dritten und mit 77 Seiten umfangreichsten Teil seiner Clavierübung veröffentlichte Bach 1739 eine Folge von Orgelwerken. Den Rahmen bilden Präludium und Fuge in Es-Dur, dazwischen befinden sich 21 Choralbearbeitungen. Albert Schweitzer hat das Ganze auch als Orgelmesse bezeichnet, beginnend mit Kyrie, Gloria und Credo.
Im Gottesdienst vom 17.Oktober erklingt daraus die Choralbearbeitung “Aus tiefer Not schrei ich zu dir”.
Aus tiefer Not schrei ich zu dir ist eines der berühmtesten Kirchenlieder Martin Luthers. Er schrieb es um die Jahreswende 1523/24 als Nachdichtung des Busspsalms 130. Am Beginn lutherischen Kirchenliedschaffens ist Aus tiefer Not, einem Briefzeugnis Luthers zufolge, als exemplarisches Psalmlied gedacht. Das biblische Bussgebet mit seinem Appell an die unverdienbare Vergebung Gottes wird von ihm im Sinn seiner Rechtfertigungslehre paraphrasiert und vertieft. Die Spitzenaussagen lauten „Es ist doch unser Tun umsonst, auch in dem besten Leben“ (Strophe 2, im Gotteslob ausgelassen) und „Darum auf Gott will hoffen ich […] und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein wertes Wort“ (Strophe 3). Weitet der Beter des Psalms seinen Ruf zu Gott in einen Vertrauensruf an Israel aus, bezieht Luther diesen Namen Jakobs und des Bundesvolks nach altkirchlicher Auslegungstradition auf „Israel rechter Art, der aus dem Geist erzeuget ward“, d. h. auf alle, die durch Christus zum Erlösungsglauben gekommen sind.
Dem Lied waren in den frühen Drucken unterschiedliche Melodien zugeordnet. Da der Text der siebenzeiligen jambischen Barform folgt, einem der meistverwendeten Strophenschemata des protestantischen Kirchenlieds, sind die möglichen Melodien zahlreich. Durchgesetzt hat sich die noch 1524 von Luther selbst für sein Psalmlied geschaffene „feierliche“ Melodie mit ihrem charakteristischen doppelten Quintsprung zu Beginn – wobei auf den tiefen Ton in Strophe 1 das Motto-Wort „tief[er Not]“ fällt – und der folgenden „klagenden“ kleinen Sexte. Diese Melodie liegt auch den späteren Orgelbearbeitungen Johann Sebastian Bachs und seiner Kantate BWV 38 zugrunde.
Aus tiefer Not war in seiner frühesten gottesdienstlichen Verwendung vorzugsweise ein Begräbnislied. In der späteren lutherischen Tradition fand es einen festen Platz bei der allgemeinen Beichte und am Buss- und Bettag.