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L’inflation en Suisse pendant la Première Guerre mondiale Causes, réactions, discussion historiographique
Übersetzter Titel: Die Inflation in der Schweiz während des Ersten Weltkriegs. Ursachen, Massnahmen und Historiografie
Während des Ersten Weltkriegs kam es in der Schweiz zur stärksten Inflation seit Beginn der Moderne. Die Preise stiegen um das 2,2-Fache und verzeichneten somit ungefähr denselben Anstieg wie in den Kriegsnationen. Das Phänomen beruhte zu weiten Teilen auf einer massiven Kreditvergabe der Zentralbank - der sogenannten Notenpresse - zur Finanzierung der aus Kriegsgründen explodierenden Staatskosten. Denn die vermögenden Kreise sträubten sich gegen Steuererhöhungen, da diese zu weiten Teilen zu ihren Lasten gegangen wären. Eine Finanzierung über Anleihen hätte zwar auf die Unterstützung des Bürgertums zählen können, scheiterte aber an der folgenden Hürde: durch den damit einhergehenden Zinsanstieg hätte eine solche Finanzierung mächtige Bevölkerungskreise und allen voran die Bauern benachteiligt, da die Schweizer Landwirtschaft im weltweiten Vergleich zu den höchstverschuldeten zählte. Die massive Inanspruchnahme von Krediten der Notenbank lässt sich somit nicht, wie in der gängigen Geschichtsschreibung üblich, mit einer vermeintlichen geldpolitischen Fehlsteuerung durch die Direktion der Nationalbank erklären. Vielmehr liegt der Grund darin, dass so zumindest vorübergehend diese gegenläufigen Interessen in Einklang gebracht und das Entstehen gefährlicher Risse innerhalb des "Bürgerblocks" verhindert werden konnte.
Die starke gesellschaftliche Polarisierung der Kriegsjahre lässt sich denn auch weitgehend auf die Inflation zurückführen: einerseits verhalf diese einer kleinen Minderheit zu Reichtum, andererseits liess sie weite Teile der Gesellschaft verarmen. Besonders betroffen waren die Arbeitnehmer, da es ihnen an Möglichkeiten fehlte, ihr Einkommen dem Preisanstieg anzupassen. Der europäische Kontext, der vermehrt durch Arbeiterbewegungen und revolutionäre Unruhen gekennzeichnet war, beförderte zusammen mit der Inflation in der Schweiz politische Spannungen, die in den Generalstreik vom November 1918 und somit in ihren schärfsten inneren Konflikt seit 1848 mündeten. Der Entscheid der führenden Kreise, ab Ende 1918 auf eine antiinflationäre Politik zu setzen, galt denn auch der Dämpfung dieser Spannungen und verzeichnete schon bald Erfolg.
Erschienen in: traverse, 2017/3, S. 81.