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Überraschend war die Frage nicht, welche die NZZ einen Tag nach der Gripen-Abstimmung aufgeworfen hat: „Liebe Romands, was habt ihr gegen die Armee“? Am 18. Mai haben alle Westschweizer Kantone den Gripenfonds abgelehnt, während die Deutschschweizer Kantone mehrheitlich zugestimmt haben. Aber ist dies gleichbedeutend mit einem generellen Misstrauen der Romands gegenüber der Armee?
Anhand der VOX-Daten können wir dieser Frage nachgehen. Seit 1993 werden alle Umfrageteilnehmer gefragt, ob sie sich eine Schweiz mit einer starken Armee oder eine Schweiz ohne Armee wünschen (6-er Skala).
Die Grafik (zum vergrössern, anklicken) zeigt die Einstellung zur Armee im Zeitverlauf. Auf der abgebildeten Skala bedeutet -1 “ wünscht sich eine starke Armee“ und 1 „wünscht sich eine Schweiz ohne Armee“. Die Grafik zeigt die Mittelwerte auf dieser Skala für Romands (gepunktete Linie) und Deutschschweizer (gestrichelte Linie). Die horizontale Referenzlinie verbildlicht die Schwelle zwischen armeefreundlich und armeekritisch. Die vertikalen Linien stehen für Jahre in denen armeerelevante Abstimmungen stattgefunden haben (siehe VBS).
Folgende Schlüsse lassen sich aus dieser Analyse ziehen:
Erstens, Romands und Deutschschweizer sind moderat armeefreundlich eingestellt (Werte unterhalb der Referenzlinie). In der Westschweiz war dies allerdings nicht immer der Fall. Zwischen 2003 und 2006 waren Armeeskeptiker kurz in der Mehrheit. Dasselbe gilt auch für die Jahre 2007 und 2010.
Zweitens, zwischen 2001 und 2004 nahmen kritische Haltungen gegenüber der Armee stark zu. Die Vermutung liegt nahe, dass dies in Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und den Kriegen in Afghanistan und dem Irak steht. Dieser Anstieg war in der Deutschschweiz massiv stärker als in der Westschweiz. Aufgrund des armeefreundlicheren Ausgangsniveau überschritt die Stimmungskurve in der Deutschschweiz aber nie die Referenzlinie. Vom diesem Schock erholte sich die Armee bis heute nicht. Die Haltung zur Armee ist in beiden Landesteilen heute kritischer als in den 90er Jahren. Seit 2006 ist aber eine Stagnation der Positionen zu beobachten.
Drittens, die Romandie ist tatsächlich weniger armeefreundlich als die Deutschschweiz. Ende des letzten Jahrtausends waren diese Unterschiede zuweilen gross. Aber: Seit 2004 ist eine Annäherung der Positionen zu beobachten. Dies liegt eher an einer kritischeren Haltung der Deutschschweizer als an einer Veränderung der Westschweizer Positionen. Diese Entwicklung muss Armeebefürwortern zu denken geben.
Schliesslich zeigt die Analyse, dass die Positionen durch Abstimmungen zur Armee beeinflusst werden. 2008, 2011 und 2013 gewannen armeefreundliche Positionen gegenüber den Vorjahren ohne armeerelevante Abstimmungen leicht an Boden. Dieser Effekt ist allerdings gering.
Zusammenfassend können wir festhalten: Die Schweiz ist ein moderat armeefreundliches Land. Extrempositionen (Armee abschaffen oder Armee stark ausbauen) waren in den letzten Jahren nie mehrheitsfähig.
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