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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)

Erstes Buch
VIII. Kapitel. Gegen die Auffassung, daß das Gerechte nicht gut sei.
63.
1. Weit mehr aber als alles andere wird er den Menschen lieben, das schönste seiner Geschöpfe und ein Gott liebendes Wesen. Menschenliebend ist folglich Gott, 1 menschenliebend folglich der Logos. Wer aber etwas liebt, will ihm helfen; 2 das Helfende ist aber wohl immer besser als das Nicht-Helfende; nichts aber ist besser als das Gute, folglich hilft das Gute; gut aber ist, wie zugestanden wird, Gott; folglich hilft Gott.
2. Das Gute tut aber, soweit es gut ist, nichts anderes, als daß es hilft; folglich hilft Gott in jeder Hinsicht. Und es kann doch wohl nicht sein, daß er dem Menschen hilft, sich aber nicht um ihn kümmert, oder daß er sich um ihn kümmert, aber nicht für ihn sorgt. Denn besser ist das mit Überlegung Helfende als das nicht mit Überlegung Helfende; nichts aber ist besser als Gott; und das mit Überlegung Helfen ist nichts anderes als das für jemand Sorgen; folglich kümmert sich Gott um den Menschen und sorgt für ihn.
3. Dies zeigt er aber durch die Tat, indem er ihn durch den Logos erzieht, der der echte Mitstreiter der Menschenliebe Gottes ist. Das Gute wird aber nicht deswegen gut genannt, weil es die treffliche Eigenschaft besitzt, wie auch die Gerechtigkeit nicht [S. 261] deswegen gut genannt wird, weil sie eine treffliche Eigenschaft besitzt (denn eine treffliche Eigenschaft ist sie selbst), sondern weil sie an und für sich und durch sich selbst gut ist.
1: Vgl. Platon, Gesetze IV p. 713 D.
2: Das Folgende (bis 63 Schluß) führt v. Arnim auf Chrysippos zurück; vgl. Fr. phys. 1116.