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Inhalt und Ziele
Es wird oft behauptet, dass Kinder, die in der Stadt aufwachsen, sprachliche Merkmale aus anderen Sprachen und aus dem Schweizerdeutsch entlehnen, welches von der Migrationsbevölkerung gesprochen wird – in den Medien oft als Balkan-Deutsch bezeichnet. Ein typisches Beispiel ist dabei die Weglassung von Lokalpräpositionen (z.B. in Gömmer Bahnhof). Kinder, welche auf dem Land aufwachsen, lernen, so die Behauptung, noch traditionelle Schweizer Dialekte.
Für das Projekt wird die Sprache von Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren untersucht. Dabei werden drei verschiedene Lebensräume unterschieden: städtische Zentren, städtisch orientierte ländliche Gebiete und die ländliche Peripherie. Zwei Arten von Daten werden gesammelt: 1) spontane Sprache, die erlauben soll, eine Bestandsaufnahme zu machen über den Gebrauch von ethnolektalen und dialektalen Merkmalen bei Kindern, und 2) die Assoziationen, welche Kinder mit dem Gebrauch dieser ethnolektalen Merkmale verbinden.
Drei Ziele verfolgt das Projekt:
- Es soll eine allgemeine Bestandsaufnahme der sprachlichen Merkmale von gesprochenem Schweizerdeutsch bei Kindern gemacht werden. Dabei stehen besonders soziale Merkmale im Fokus, die mit dieser Verwendung zusammenhängen könnten (z. B. Kontakt mit anderssprachigen Kindern/Erwachsenen).
- Näher untersucht werden auch die Ähnlichkeiten zwischen Kindersprache und der Sprache Erwachsener und Heranwachsender; dadurch können weitere Rückschlüsse über den Diffusionsprozess von sprachlichen Innovationen gezogen werden.
- Die soziale Bedeutung von ethnolektalen Merkmalen wird mit Hilfe von experimentellen (impliziten und expliziten) Untersuchungsmethoden erforscht, um so Kenntnisse über die Sprachperzeption von Kindern zu gewinnen.
Gesellschaftlicher Kontext
Sprachforschung bei schweizerdeutsch-sprechenden Kindern fehlt bisher in der Forschungslandschaft der Schweiz, und dass obwohl aus anderen Kontexten bekannt ist, dass es eben der Sprachgebrauch von Kindern ist, welcher zu grundlegenden Veränderungen in einer Sprache führen kann. Das Forschungsprojekt ist deshalb insofern innovativ, als dass erstmals der Gebrauch von Sprachmerkmalen bei Kindern untersucht wird.
Methoden zur Datenerhebung
Anhand der oben genannten Ziele werden zweierlei Daten erhoben: 1) naturalistische gesprochene Sprache (Produktionsdaten) und 2) experimentelle Daten, bei denen die Reaktionen der Studienteilnehmer aufgezeichnet werden. Der genaue Vorgang der experimentellen Datenerhebung muss durch vorgängige Pilotstudien noch genauer festgelegt werden.
Die naturalistische gesprochene Sprache wird durch Aufzeichnungen von Gesprächen zwischen Gruppen von Kindern erfasst. Um realistische Interaktionsdaten aufzuzeichnen, werden die Kinder in 2er- oder 3er-Gruppen zusammengeführt.
Die erste Aufgabe wird ein selbstgemachtes Puppentheater sein; den Kindern werden verschiedene Puppensocken zur Verfügung gestellt und ein Gegenstand gegeben, mit Hilfe dessen sie dann eine kurze Geschichte erfinden und theatralisch vorspielen werden.
Die zweite Aufgabe ist eine Erzählaufgabe, bei der Geschichtenwürfel ("story cubes") verwendet werden. Geschichtenwürfel sind Würfel, die auf jeder Seite unterschiedliche Bilder zeigen, z.B. Flugzeuge, ein Auge oder einen Pfeil. Jedes Kind wirft die Würfel, wählt ein Bild aus und erzählt seinen Teil einer Geschichte, die dann vom nächsten Kind fortgesetzt wird.
Für die Versuchsreihe des Projekts wird die Einstellung der Kinder zu sprachlichen Merkmalen des ethnolektalen Schweizerdeutschen gemessen. Der Versuchsablauf umfasst ein von einem Matched-Guise inspiriertes Experiment zur Untersuchung der sozialen Bedeutungen, die Kinder diesen Sprachvarietäten beimessen. Das Experiment lehnt sich eng an eine Methode an, die von Rosseel & Zenner für Belgisches Holländisch entwickelt wurde: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen kurze Videos mit einem Superhelden, der Schweizerdeutsch oder ethnolektales Schweizerdeutsch spricht. Die soziale Bedeutung wird dann anhand einer Reihe von Bewertungsskalen gemessen, die speziell für Kinder entwickelt wurden. Der experimentelle Teil des Projekts wird von zwei Kollegen in Brüssel - Dr. Laura Rosseel und Prof. Eline Zenner - unterstützt.