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ts. In seiner Studie «La Suisse avant et pendant la Seconde Guerre mondiale» gibt Christian Favre Einblick in die komplexen Hintergründe des Zweiten Weltkrieges, wie sie wirklich waren: Favre bietet allen wachen Zeitgenossen damit ein willkommenes Korrektiv zur geheimdienstlich gelenkten Geschichtsklitterung etwa eines Bergier-Berichts. Und eine willkommene Ergänzung zu Gotthard Fricks erhellendem und aufrichtenden Buch «Hitlers Krieg und die Selbstbehauptung der Schweiz 1933–1945». (Vergleiche Zeit-Fragen Nr. 30 vom 25.7.2011)
Die Versailler Verträge am Ende des Ersten Weltkrieges waren hart, zu hart, wie nicht nur alle heutigen Historiker urteilen, sondern auch schon viele Zeitgenossen, wie zum Beispiel der französische Sozialist Briand. Das war keine Friedenspolitik, urteilte er. Wurde da nicht schon der Keim für einen weiteren weltweiten Waffengang gelegt, der die Macht auf der Welt in neue, vor allem angelsächsische Hände legen sollte?
Es waren internationale Bankiers, die in Basel die BIZ, die Bank mit dem harmlosen Namen «für internationalen Zahlungsausgleich», gründeten. Mit dem Ziel, Deutschland als Milchkuh aufzubauen, diese abzumelken und den Nationalsozialisten den Aufbau einer schlagkräftigen Armee zu ermöglichen. Dass über 100 britische und US-Firmen davon profitierten, und dies auch während des Zweiten Weltkrieges, trotz und in Verletzung des US-amerikanischen «trading with the enemy acts», ist schockierend und wurde bereits vom US-Historiker Herbert R. Reginbogin in seiner grossangelegten Untersuchung «Hitler, der Westen und die Schweiz» akribisch nachgewiesen. Und dies, obwohl noch immer die Mehrheit der Akten zum Zweiten Welkrieg in den USA unter Geheimverschluss steht. Was die BIZ betrifft, die allzu leichtfertig oft als «jene Bank in der Schweiz» tituliert wird und damit in die Nähe von Schweizer Banken gerückt wird, obwohl ihre Gründung durch internationale Banker erfolgte und lediglich deren Sitz zufälligerweise im schweizerischen Basel liegt, wäre es mehr als wünschenswert, wenn der FOIA, der «Freedom of informations act» der USA weitere Einblicke in Aufbau und Funktionsweise dieses Instruments der Hochfinanz gewährte. •
Die Haltung der Amerikaner bei den Verhandlungen zum Versailler Vertrag war sehr aufschlussreich. Dazu hat Graf Robert Capelle Folgendes berichtet: Die Belgier wünschten sofortige Kriegsreparationszahlungen zu erhalten, worauf die Amerikaner erwiderten:
«Weshalb unterstützt ihr uns nicht in dem Masse, wir ihr uns während des Krieges eure Sympathie bekundet habt? – Die Amerikaner, so antwortete er mir mit Offenheit oder Naivität, sind Idealisten und Händler: aus Idealismus wehren wir uns gegen jede Art von Verlängerung der Ressentiments, die durch den Krieg entstanden sind; aus Merkantilismus wollen wir so früh wie möglich die Milliarden, die wir in Form von Krediten und Kriegsausgaben gezahlt haben, zurückerhalten. Dieses Ziel kann nur erreicht werden durch Vollbeschäftigung unserer Schuldner, der Europäer und in erster Linie der Deutschen. Wir wehren uns von Vornherein gegen alles, was die deutsche Industrie behindern könnte: überhöhte Kriegsentschädigungen, Privatisierung von Rohstoffen, die Aufrechterhaltung schwarzer Listen, die Überflutung des deutschen Marktes mit alliierten Produkten.
Einige meiner Landsleute gehen sogar noch weiter: Sie hätten gerne, dass die ersten 25 Milliarden der deutschen Entschädigungszahlungen für die Bezahlung der Rohstoffe, welche für die deutsche Industrie bestimmt sind, genutzt werden. (Comte Robert Capelle, Versailles 1919, Histoire de notre temps, 1968)
Christian Favre, «La Suisse avant et pendant la Seconde Guerre mondiale»,
Lyon 2011, ISBN 978-2-35508-841-4, S. 16.
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