Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03418.jsonl.gz/2581

Schädel-Hirn-Traumata erhöhen das kardiovaskuläre Risiko
Geht es um die Langzeitfolgen eines Schädel-Hirn-Traumas, denkt man vor allem an neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz oder Parkinsonsyndrom. Doch die Hirntraumata erhöhen auch das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.
Besonders im Militär und bei Profisportlern sind Schädel-Hirn-Traumata (SHT) ein wesentlicher Grund für Behinderung oder vorzeitigen Tod. Aber auch für die Allgemeinbevölkerung sind die langfristigen Folgen von Schädel-Hirn-Verletzungen, zum Beispiel nach Stürzen oder Verkehrsunfällen, von Bedeutung..
Trotz intensiver Forschung in den letzten 50 Jahren konnten neurologische oder psychiatrische Langzeitfolgen von schweren oder wiederholten Schädel-Hirn-Verletzungen kaum gemildert werden. Auch die Sterblichkeit der Betroffenen konnte kaum gesenkt werden. Zudem ist wenig über die Auswirkungen auf das endokrine System oder das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt, schreiben US-amerikanische Autoren in einer Übersichtsarbeit (1).
Selbst leichte Schädel-Hirn-Verletzungen erhöhen kardiovaskuläres Risiko
Um mehr über dieses Thema herauszufinden, haben die Wissenschaftler die vorhandene Literatur gesichtet. Mehrere retrospektive Studien haben gezeigt, dass es in den ersten sechs Monaten nach einem Schädel-Hirn-Trauma ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen gibt. Die meisten Teilnehmer hatten bereits vor der Verletzung kardiovaskuläre Erkrankungen, was die Interpretation der Ergebnisse erschwert. Dennoch stellten die Forscher fest, dass Schädel-Hirn-Verletzungen ein unabhängiger Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz sind.
Selbst nach leichten Verletzungen war die Inzidenz von kardiovaskulären Erkrankungen drei bis fünf Jahre später erhöht.
Gründe in Lebensweise, Substanzkonsum und Entzündung vermutet
Auch bei Soldaten wurde der Zusammenhang zwischen Schädel-Hirn-Verletzungen und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Dabei bestätigte sich, dass eine solche Verletzung mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergeht. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass es bei Soldaten nach Kampfeinsätzen schwierig ist, eine Schädel-Hirn-Verletzung als Ursache von anderen belastenden Kriegserfahrungen zu isolieren.
Auch bei professionellen Footballspielern und anderen Leistungssportlern mit wiederholten Kopfaufprallen wurde ein Zusammenhang festgestellt. Im American Football haben Profispieler ein 52 Prozent höheres Risiko für einen kardiovaskulären Tod als die Allgemeinbevölkerung. Auch die Wahrscheinlichkeit von Bluthochdruck und Diabetes ist bei ihnen erhöht.
Die Autoren sehen eine mögliche Erklärung für das erhöhte Risiko in den veränderten Lebensgewohnheiten der Betroffenen nach einer Schädel-Hirn-Verletzung. Dies kann sich in verminderter körperlicher Aktivität, ungesunder Ernährung, verstärkter Schmerzmittel-Einnahme, Schlafstörungen und vermehrtem Alkoholkonsum äussern. Auch entzündliche und immunologische Prozesse könnten eine Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen, ebenso wie eine veränderte Darmflora aufgrund von Krankenhausaufenthalten oder vermehrtem Medikamentengebrauch.
Zusammenhang bisher zu wenig beachtet
Angesichts dieser Ergebnisse empfehlen die Autoren, das kardiovaskuläre Risiko bei allen Patienten nach einer Schädel-Hirn-Verletzung im Auge zu behalten. Bisher seien diese Zusammenhänge zu wenig bekannt gewesen, so Dr. Izzy und sein Team. Dies könnte einer der Gründe sein, warum es in der Vergangenheit kaum Fortschritte bei der Senkung von Krankheits- und Sterblichkeitsraten nach Hirnverletzungen gegeben habe. Jetzt bestehe die Chance, das gezielte Screening in Hochrisikopopulationen zu verbessern und Präventionsstrategien zu entwickeln.