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Diese virale Infektionskrankheit ist weltweit verbreitet. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr, doch können Röteln in jedem Alter auftreten. Bei Kindern verlaufen sie meist harmlos.
Ganz anders ist die Situation, wenn sich eine nicht immune Schwangere infiziert. Nicht immun ist sie, wenn sie früher weder mit Röteln-Viren in Kontakt kam, noch geimpft wurde. Erfolgt die Rötelninfektion dann in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten, kann das Virus auf den Embryo oder Fetus übertreten und dieser absterben oder schwere Missbildungen erleiden (Röteln-Embryopathie oder konnatales Rötelnsyndrom). Herzfehler, Schädigung der Augen oder des Innenohrs und geistige Behinderung sind einige der möglichen Folgen.
Es war ein erklärtes Ziel der WHO, die Rötelnerkrankungen des Embryos bis 2010 in Europa zum Verschwinden zu bringen. Dies bedingt jedoch das Impfen von mehr als 90% aller Kinder bis zum 2. Lebensjahr. In einigen Ländern Europas tritt die Röteln-Embryopathie noch sporadisch auf, andere sind der Elimination dieser schweren Krankheit bereits nahe.
Die Anzahl Infektionen während der Schwangerschaft war zwischen 1988 und 2005 in der Schweiz gering, stieg aber 2006 wieder auf zwei, und bei einem dieser Fälle kam es zum Abort (Quelle: BAG). Es wird allerdings vermutet, dass die Dunkelziffer beträchtlich ist, auch betreffend konnataler Rötelninfektionen mit Missbildungen beim Kind.
Die Gesamtzahl der Rötelninfektionen in der Schweizer Bevölkerung nahm seit 1989 wesentlich ab. Damals gab es noch 10‘800 Fälle, im Jahr 2005 waren es 540, und von 2007-2010 wurden jährlich noch etwa 200 Fälle gemeldet.
Ausstossen eines toten Fetus mit weniger als 500 Gramm Gewicht vor der 22. Schwangerschaftswoche.
Diese „Abwehrstoffe“ sind spezifische Eiweissverbindung, die das Immunsystem als Reaktion auf ein Antigen erzeugt. Sie sind Teil des Immunsystems und gewährleisten die Abwehr von Krankheitserregern, Toxinen und anderen Fremdstoffen. Wenn die Antikörper jedoch körpereigene Strukturen angreifen und deren Funktion beeinträchtigen, handelt es sich um eine kontraproduktive und vielfach krankmachende Autoimmunreaktion.
Das werdende Kind in seiner frühesten Entwicklungsphase bis zur 12. Schwangerschaftswoche. In dieser Zeit entwickeln sich die Organe.
Schädigung des Embryos.
Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.
Der Körper ist Umwelteinflüssen ausgesetzt, z.B. Krankheitserregern, Schadstoffen irgendwelcher Art oder Strahlung.
Die Arme und Beine; im Gegensatz dazu werden Kopf und Rumpf nicht als Extremitäten bezeichnet.
Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.
während der Schwangerschaft oder Geburt entstanden oder erworben.
Eine von Kind und Mutter gemeinsam gebildete, innen an der Gebärmutter haftende Gewebsplatte, durch die der Fetus mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Verbindungsglied zwischen Plazenta und Kind ist die Nabelschnur, der die Funktion einer „Versorgungsleitung“ zukommt. Adjektiv zu Plazenta: plazentar.
Übertragung von Krankheitserregern über den „Luftweg“, also durch Sprechen, Husten oder Niesen.
Hinweis: Röteln und Ringelröteln sind unterschiedliche Infektionskrankheiten. Wer Ringelröteln durchgemacht hat, ist folglich nicht automatisch gegen Röteln immun.
Erreger ist das Rötelnvirus (Rubella-Virus), das durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen), seltener durch direkten Kontakt (Küssen usw.), übertragen wird und sich ausgehend vom Nasen-Rachenraum im Körper verbreitet.
Angesteckte Personen können die Viren bereits eine Woche vor Ausbruch des Hautausschlags und bis zu einer Woche danach weitergeben. Schulen und öffentliche Verkehrsmittel sind ein bevorzugter Ort für das Weiterverbreiten des Virus. Die durchgemachte Krankheit hinterlässt eine Immunität.
Ein weiterer Ansteckungsweg führt über Plazenta und mütterliches Blut, aus dem das Kind im Mutterleib mit dem Virus infiziert werden kann. Die Ansteckungsgefahr für das Ungeborene wird für die Zeit der 1. bis 10. Schwangerschaftswoche auf etwa 90% geschätzt, sie sinkt dann kontinuierlich bis ca. 30% nach der 18. Woche. Das Risiko für eine Embryopathie ist bis zur zehnten Schwangerschaftswoche erheblich (rund 60%), danach ist die Wahrscheinlichkeit für Schädigungen des ungeborenen Kindes bedeutend geringer (3 bis 10%) und deren Ausmass ist weniger gravierend.
Kinder bleiben trotz Ansteckung oft symptomlos, häufig aber auch infizierte Schwangere, was das Erkennen der Krankheit und damit das frühzeitige Einleiten entsprechender Massnahmen erschwert. Wenn Symptome auftreten sind kleine Kinder durch Röteln in ihrem Allgemeinbefinden erstaunlich wenig beeinträchtigt. Je älter die Infizierten sind, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit dass die Krankheit heftig verläuft.
Die Inkubationszeit dauert eine bis drei Wochen. Dann beginnt die Krankheit mit Kopfweh, Bindehautentzündung, Fieber und anderen Symptomen, ähnlich denen einer Erkältung. Im Nacken und hinter den Ohren schwellen die Lymphknoten an und schmerzen. Fieber besteht zu Beginn nur leicht und es steigt auch während des Ausschlags selten über 38 Grad.
Der Rötelnausschlag wird meist drei Tage später sichtbar. Er beginnt typischerweise hinter den Ohren und greift dann rasch auf Gesicht, Rumpf und Extremitäten über. Die feinen rosa Flecken sind flach oder stehen leicht über das Hautniveau vor und fliessen nicht ineinander. Sie können sehr blass sein und deshalb übersehen werden. In dieser Zeit schmerzen bisweilen auch die Finger- und Kniegelenke. Schon nach zwei bis vier Tagen verblasst der Ausschlag.
Länger andauernde Arthritis mit schmerzhaften Schwellungen der Finger-, Hand-, Knie- und Fussgelenke und/oder Blutgerinnungsstörungen kommen vor. Die Arthritis ist bei Erwachsenen häufiger als bei Kindern, doch ist die Prognose bei Kindern ungünstiger.
Eine gefährliche, zum Glück jedoch seltene Rötelnfolge ist die Hirnentzündung (Enzephalitis), die mit Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseinstrübung, gelegentlich auch Krämpfen einhergeht und eine Sterblichkeit von gegen 20% aufweist.
Folgenschwer ist die Erkrankung des Embryos bei Infektion der Mutter in der Frühschwangerschaft. Der Embryo kann absterben oder invalidisierende Missbildungen erleiden. Bei Infektion nach der 18. Schwangerschaftswoche sind die Auswirkungen im Allgemeinen weniger gravierend.
Die Behandlung beschränkt sich auf das Bekämpfen der Symptome, beim Auftreten von Komplikationen ist eine Beurteilung durch den Arzt nötig.
Falls sich bei Schwangerschaft anlässlich der ersten Kontrolluntersuchung herausstellt, dass keine Immunität gegen Röteln besteht, gilt es, eine Exposition – also den Kontakt mit an Röteln Erkrankten – unbedingt zu vermeiden. Bei gesicherter Rötelinfektion während einer Schwangerschaft kann eine Prophylaxe mit menschlichen Immunglobulinen versucht werden. Die Wirkung ist jedoch unsicher. Besser wäre natürlich die Impfung vor der Schwangerschaft (s. unten).
Der Verdacht auf Röteln bei Schwangeren und bei älteren Menschen sollte zum Arzt führen; dringend ist eine Arztkonsultation in jedem Alter, wenn Komplikationen auftreten wie:
Die Hautausschläge bei Masern, Scharlach und Ringelröteln können mit dem Rötelnausschlag verwechselt werden. Der Antikörpernachweis im Blut gibt Aufschluss über die Art der Erkrankung oder die Immunitätslage – Letzteres ist vor allem bei Frauen wichtig im Hinblick auf eine Schwangerschaft.
Kontakt einer nicht immunen Schwangeren in der Frühschwangerschaft mit an Röteln Erkrankten ist ein Notfall. Es wird Blut von Mutter und Kind untersucht, um abzuklären, ob eine Infektion stattgefunden hat oder nicht.
Wenn aufgrund der Tests eine Ansteckung des Kindes im Mutterleib angenommen werden muss, entscheiden die Eltern nach Beratung mit Fachpersonen, ob ein Schwangerschaftsabbruch erfolgen soll oder nicht.
Eine Tröpfcheninfektion lässt sich in Menschenansammlungen kaum vermeiden.
Sicheren Schutz bietet die Impfung, die seit 1981 verfügbar ist und gemeinsam mit der Masern- und Mumps-Schutzimpfung verabreicht wird (MMR- Impfstoff). Sie wird erstmals gegen Ende des 1. Lebensjahrs vorgenommen und im Verlauf des 2. Lebensjahrs wiederholt – ebenfalls als Kombinationsimpfung. Das BAG empfiehlt die Nachholimpfung, falls ein Kind oder ein Erwachsener keine oder nur eine einmalige Impfung erhalten hat und früher nicht an Röteln erkrankt war. Dies gilt für alle, die weniger als 46 Jahre alt sind (Quelle: BAG-Bulletin Jan. 2009). Es geht insbesondere darum, Schwangere und abwehrgeschwächte Patienten vor einer Ansteckung zu schützen.
Eine bis zwei Wochen nach der Impfung können vorübergehend grippale Symptome (s. Erkältung) auftreten.
Im gebärfähigen Alter wird der Impfstatus oder die Immunitätslage am besten vor einer Schwangerschaft überprüft (Antikörperbestimmung, serologischer Nachweis). Junge Frauen, die als Kind nicht geimpft wurden und die nicht mit Sicherheit früher an Röteln erkrankt waren, sollten unbedingt gegen Röteln geimpft werden.