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Was ist Gesundheit? Und wie definiert man sie?
BodyLab | Zürich
Osteopathie und Physiotherapie | Rehabilitation und Training
Zürich Altstetten
Was versteht man unter Gesundheit und wie definiert oder kategorisiert man diese? Manche werden sagen, dass ich mich bewegen kann, keine Schmerzen habe, andere wiederum, dass ich meiner Arbeit nachgehen kann.
Für jeden Menschen hat Gesundheit eine andere Bedeutung und somit sind all diese Antworten in gewisser Weise richtig. Der Begriff der Gesundheit ist vielfältig, variabel und für jeden Menschen individuell anders.
Die Wissenschaft hat versucht, diese Ansichten mittels verschiedener Bio-Psycho-Sozialer Modelle zu kategorisieren und zu standardisieren.
Ende 1980 wurde von Wimmers & de Vries das MDBB-Modell eingeführt (Mehrdimensionales Belastungs-Belastbarkeits Modell oder Handlungsmodell nach Wimmers & de Vries). Dabei wurde Belastung-Belastbarkeit nicht nur medizinisch-biologisch, sondern auch biologisch-psychosozial betrachtet. Dieses Modell geht davon aus, dass der menschliche Organismus adaptieren kann: die biologische Möglichkeit, Belastbarkeit auf Belastung abzustimmen!
Ein weiteres und heute international anerkanntes und verbreitetes Modell – auch in der Physiotherapie – ist die von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) über mehrere Jahre ausgearbeitete und 2001 eingeführte ICF. Die Abkürzung steht für International Classification of Functioning, Disability and Health (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit).
Das bio-psycho-soziale Modell, das in Ansätzen der ICIDH (International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps, vorgängerversion der ICF) unterlag, wurde mit der ICF erheblich erweitert und damit der Lebenswirklichkeit Betroffener besser angepasst. Insbesondere wird nun versucht, den gesamten Lebenshintergrund der Betroffenen zu berücksichtigen.
Definition der Funktionsfähigkeit nach der ICF
Der Begriff der Funktionsfähigkeit eines Menschen umfasst alle Aspekte der funktionalen Gesundheit. Eine Person ist funktional gesund, wenn:
- ihre körperlichen Funktionen (einschliesslich des mentalen Bereichs) und Körperstrukturen denen eines gesunden Menschen entsprechen (Konzept der Körperfunktionen und –strukturen),
- sie all das tut oder tun kann, was von einem Menschen ohne Gesundheitsproblem (ICD) erwartet wird (Konzept der Aktivitäten),
- sie ihr Dasein in allen Lebensbereichen, die ihr wichtig sind, in der Weise und dem Umfang entfalten kann, wie es von einem Menschen ohne gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Körperfunktionen und –strukturen oder der Aktivitäten erwartet wird (Konzept der Partizipation, Teilhabe an Lebensbereichen).
Die ICF hat sich also weiterentwickelt von einer Klassifikation der „Krankheitsfolgen“ bei der ICIDH hin zu einer Klassifikation der „Komponenten der Gesundheit“.
Komponenten der Gesundheit kennzeichnen Bestandteile der Gesundheit, während „Folgen“ die Auswirkungen von Krankheiten oder anderen Gesundheitsproblemen lenken, welche aus diesen als Ergebnis folgen können.
Anwendungsbereich der ICF
Die ICF liefert eine Beschreibung von Situationen bezüglich menschlicher Funktionsfähigkeit und ihrer Beeinträchtigungen und dient als Organisationsrahmen dieser Informationen.
In der ICF werden Informationen in zwei Teile gegliedert. Der eine Teil befasst sich mit Funktionsfähigkeit und Behinderung, während der andere Teil die Kontextfaktoren umfasst. Jeder Teil hat zwei Komponenten:
1. Komponenten der Funktionsfähigkeit und Behinderung
Die Komponente des Körpers besteht aus zwei Klassifikationen, eine für die Funktionen von Körpersystemen und eine für die Körperstrukturen. Die Kapitel beider Klassifikationen sind nach Körpersystemen aufgebaut
Die Komponente der Aktivitäten und Partizipation umfasst die gesamte Bandbreite von Domänen, die Aspekte der Funktionsfähigkeit aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive beschreiben.
2. Komponenten und Kontextfaktoren
Die erste Komponente der Kontextfaktoren ist eine Liste Umweltfaktoren. Dier Umweltfaktoren haben Einfluss auf alle Komponenten der Funktionsfähigkeit und Behinderung und sind in der Reihenfolge von der für den Menschen nächsten Umwelt bis zur allgemeinen Umwelt angeordnet.
Personen bezogene Faktoren sind ebenfalls eine Komponente der Kontextfaktoren. Sie sind jedoch wegen der mit ihnen einhergehenden grossen sozio-kulturellen Unterschiedlichkeit nicht in der ICF klassifiziert.
Überblick über die Komponenten der ICF
In Zusammenhang mit Gesundheit gelten folgende Definitionen:
Körperfunktionen
Sind die physiologischen Funktionen von Körpersystemen (einschliesslich psychologischer Funktionen)
Körperstrukturen
Sind anatomische Teile des Körpers, wie Organe, Gliedmassen und ihre Bestandteile
Schädigungen
Sind Beeinträchtigungen einer Körperfunktion oder –struktur, wie z.B. eine wesentliche Abweichung oder Verlust.
Aktivität
Bezeichnet die Durchführung einer Aufgabe oder Handlung (Aktion) durch einen Menschen.
Partizipation (Teilhabe)
Ist das Einbezogensein in eine Lebenssituation.
Beeinträchtigung der Aktivität
Sind Schwierigkeiten, die ein Mensch bei der Durchführung einer Aktivität haben kann.
Beeinträchtigung der Partizipation
Sind Probleme, die ein Mensch beim Einbezogensein in eine Lebenssituation erlebt.
Umweltfaktoren
Bilden die materielle, soziale und einstellungsbezogene Umwelt ab, in der Menschen leben und ihr Dasein entfalten.
Die letzten beiden Faktoren klassifizieren also die Möglichkeit in einer Lebenssituation eingebunden zu sein und beschreiben die Einschränkungen in einzelnen Lebensbereichen, wie z.B. die Mobilität oder Selbständigkeit.
Neben den körperlichen Faktoren gibt es noch die kontextuellen Umwelt- und personenbezogenen Faktoren, welche sich alle unter einander beeinflussen und in Wechselwirkung zueinander stehen.
Umweltfaktoren beschreiben einerseits individuelle Einschränkungen auf dem Arbeitsplatz, der Schule oder im häuslichen Umfeld. Andererseits werden gesellschaftliche Hilfestellungen, Gesetze sowie Weltanschauungen beschrieben.
Persönliche Faktoren sind nicht genauer definiert, finden aber bei vielen anderen Elementen ihre Berücksichtigung.
→ Die ICF hat zwei Teile mit je zwei Komponenten:
Teil 1: Funktionsfähigkeit und Behinderung
- Körperfunktionen und –strukturen
- Aktivitäten und Partizipation
Teil 2: Kontextfaktoren
- Umweltfaktoren
- Personen bezogene Faktoren
Jede Komponente kann in positiven oder negativen Begriffen ausgedrückt werden!
Körperfunktionen und Körperstrukturen sind in zwei verschiedenen Sektionen klassifiziert. Beide Klassifikationen sind für den parallelen Gebrauch entworfen. Körperfunktionen z.B umfassen die elementaren menschlichen Sinne wie „Sehfunktionen“. Ihre strukturellen Korrelate sind „Das Auge und mit ihm in Zusammenhang stehende Strukturen“.
Dieses Biopsychosoziale Modell versucht mittels der genannten Kategorien die Ganzheitlichkeit einer Gesundheit abzubilden und zu beschreiben.
Dabei wird versucht, nicht nur die Defizite darzustellen, sondern auch die Ressourcen zu beschrieben, die dem einzelnen Individuum wichtig sind.
Es geht nicht darum die Krankheit zu messen, sondern viel mehr die Einschränkungen im individuellen Kontext zu beschreiben.
Aufgrund dieser verschiedenen Hintergründe und Faktoren empfindet jeder Mensch die gleichen Beschwerden anders. Eine Achillessehnen Problematik hat für einen sportlich aktiven Menschen eine andere Bedeutung als für einen weniger aktiven Menschen (Siehe dazu auch unser Blog Schmerzen – Eine Einführung).
Das ICF kann als Tool für die Objektivierung eines persönlich einzigartigen Krankheitsbildes angewandt werden.
Ein kurzer Blick auf ein erstelltes Krankheitsbild ermöglicht eine multidisziplinäre Arbeit und hilft auch uns in der Praxis eine bessere Behandlungsstrategie zu entwickeln, die Ziele und Erwartungshaltung jedes Einzelnen besser zu verstehen.
Denn Krankheit ist nicht gleich Krankheit. Man sollte daran denken, dass Schädigungen nicht das gleiche sind wie die zugrunde liegende Pathologie, sondern eine Manifestation derselben darstellen – und es auf den Umgang mit dieser drauf ankommt.
Wenn Sie uns brauchen, wir sind gerne für Sie da!
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Quellen
ICF, Version vom Oktober 2005
www.euro.who.int / www.who.int