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Die Pendulen stammen alle aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Eine Zeit, die bekannt ist für seinen Prunk, seine Schönheit und für das glamouröse Paris als Zentrum der Künstler als auch Kunsthandwerker und führend war in der Bildhauerei und der angewandten Kunst. Diese Prunkstücke zierten die Kamine der königlichen Höfen und waren in den Gemächern von Adeligen in ganz Europa zu finden.
Von Liebschaften und Abenteuer
Die Sammlung legt ihren Schwerpunkt auf erzählende Pendeluhren, deren Uhrwerk und damit die Zeit in den Hintergrund rückt. Die Uhren werden viel mehr als Skulpturen wahrgenommen.
Thematisch ist vor allem die griechische Götterwelt stark vertreten: Zeus (Jupiter), Hera (Iuno), Aphrodite (Venus), Apollo, Helios, Artemis (Diana), Eros (Amor) und noch einige mehr. Die Geschichten stammen aus Rom, Ithaka, Troja, Karthago und Issos.
Beliebt waren die Geschichten von Zeus, liefert er ja mit seinen Liebschaften und seiner eifersüchtigen Frau Hera genug Material. Aber nicht nur Frauen standen bei ihm im Mittelpunkt, wie die Pendule links zeigt, entführte er als Adler einst auch den Jüngling Ganymed. Dieser war so schön, dass Zeus ihn jeden Tag sehen wollte. Als Raubvogel getarnt, raubte er ihn und nahm ihn mit in den Götterhimmel. Dort dient er auf immer dem Zeus als Mundschenk. Die Attribute dieser mythologischen Erzählung sind an der Pendule wunderbar ablesbar.
Neben Ganymed gehören aber eine Vielzahl an Frauen zu seinen Liebschaften. Die Bekanntesten dürften wohl Leda, Europa, Semele oder auch Kallisto sein. Da Zeus aber verheiratet war, konnte er nicht in seiner wahren Gestalt zu den Damen kommen und bediente sich oft der Hilfe und Fähigkeiten anderer Götter, die ihn in Tiere verwandelten.
So half ihm Aphrodite sich in einen Schwan zu verwandeln, als er die schöne Leda erblickte. Er verliebte sich sofort in sie und liess sich von einem Adler jagen und bat um Schutz bei Leda. Sie gewährte ihm diesen und die Pendule «Leda und der Schwan» (Bild oben) zeigt den intimen Moment, wo sich Zeus der Leda annähert. Begleitet werden die Zwei von einem kleinen Eros, Aphrodites Sohn. Aus dieser Verbindung entstehen Kinder, darunter auch die berühmt berüchtigte Helena. Auslöser für einen der grössten und bekanntesten Kriege der Antike: Troja.
Aber seine Liebschaften hatten nicht nur Krieg als Folge, auch unser Kontinent ist nach einer solchen Begegnung benannt: Europa. Auch hier sieht Zeus eine Schönheit und nähert sich ihr als weisser Stier. Als er ihr Vertrauen gewonnen hat, entführt er sie und bringt sie auf einen Kontinent, den er nach ihr benennt. Bis heute sind diese Geschichten lebendig und in der Kunst mannigfaltig vertreten. Auch die Ausstellung beherbergt einige «Europa und der Stier» Pendulen (siehe Bildstrecke unten).
Auch der Alltag diente als Grundlage
Doch nicht nur göttliche Liebesgeschichten begeisterten die Käuferschaft aus dem 18./19. Jahrhundert, sondern auch exotisches oder alltägliches. So gab es einige Pendulen, die exotische Tiere, wie etwa einen Elefanten oder ein Rhinozeros, darstellten. Diese Tiere waren sehr begehrt, da sie in Europa nicht ansässig waren und man sich so ein Flair von Weltoffenheit in den Grossen Salon holen konnte. Zoologische Gärten gab es damals nicht und es konnte nur auf Erzählungen und Stiche von den Seefahrern und Weltreisenden zurückgegriffen werden. Durch diese Art der Überlieferung neigen die Tiere manchmal dazu ein spezielles Aussehen zu besitzen. Oft kamen die Geschichten um sieben Ecken und aus einem Leguan wurde so schnell einmal ein Drache.
Die Uhrmacher liessen sich bei diesem Elefanten etwas Besonderes einfallen, sie machten daraus einen Automaten. Angestellt bewegt er seinen Rüssel, seine Ohren und sogar das Schwänzchen. Oftmals hatten die Tiere noch eine Musikspiel eingebaut (Rhinozeros Pendule unten).
Auch das berühmte Nashorn Clara ist als Pendule festgehalten worden. Sie ist eins von zwei Nashörnern, dass eine Tournee durch Europa machte. Das Rijksmuseum zeigt dazu noch eine gesonderte Ausstellung gegen Ende des Jahres, da werden auch Pendulen zu bestaunen sein. Doch nicht nur das Exotische wusste zu begeistern, auch eher alltägliche Tiere wie Schwäne und Maultiere wurden so verewigt (siehe Bildstrecke links).
Ein kleines Schmuckstück, das uns sehr gut gefallen hat, war die Pendule «Das Schaukelpferd» (siehe Bildstrecke links). Diese Pendule kann nur für einen kleinen Jungen bestimmt gewesen sein, vielleicht sogar ein Geburtstagsgeschenk oder ein Taufgeschenk. Auch diese Pendule ist ein Automat und zu jeder vollen Stunde schaukelt das Pferd. Schön sind auch die Details auf dem Sockel, wo weitere Kinder mit einer Marionette und einem Bilboquet spielen. Ein Kind hat sich bestimmt einmal sehr über dieses Geschenk gefreut.
Gelungene Ausstellung
Die Sammlungsstücke in dieser Ausstellung sind einzigartig und so sollten sie besucht werden. Wann und ob diese hochkarätigen Pendeluhren wieder zu sehen sein werden, bleibt ungewiss. Auch über die Collection und ob diese weiterreist, konnte nichts genaueres in Erfahrung gebracht werden. Auch wer der Sammler im Hintergrund ist, bleibt ungewiss. Auf jeden Fall wissen wir, dass er einen sehr guten Geschmack und viel Wissen besitzt. Wir konnten lediglich in Erfahrung bringen, dass er seit ungefähr 20-25 Jahren leidenschaftlich Uhren sammelt und er noch weitere Stücke hat, die nicht ausgestellt sind. Wir hoffen auf mehr!