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Birs, Birsig und Papagei am Rathaus
Herr A. / 14.Juni 2008:
Woher stammt der Name BIRS ethymologisch gesehen? Was bedeutet die Endung -ig, die die BirsIG trägt? Hat die Birsig ethymologisch eine Verwandschaft zu Birs?
Im Eingangshof des Rathauses hat es, vom Eingang her betrachtet in der rechten oberen Ecke einen gemalten Papagei. Wie kommt es, dass dieses Tier dahin gemalt wurde? Stammt es aus der ursprünglichen Wandmalerei oder wurde es später hinzugefügt?
Antwort von altbasel.ch:
Zu Birs und Birsig
Der Basler Chronist Paul Kölner hat 1930 festgehalten dass die Sprachforscher die Bezeichnung "Birs" als einstigen Gattungsnamen betrachten, der seine Wurzel im gallischen "birusia" habe, was gleichbedeutend mit "Mutter" sei. Der französische Historiker Henri Valesius stellte 1674 in seinem Werk Notitia Galliarum die These auf, dass die Birs einst "basila" geheissen habe, und zur Namensgeberin für die Stadt Basel geworden sei.
Ich persönlich gebe der von Kölner propagierten Theorie den Vorrang; alleine schon da mir der Gedankengang von Valesius bezüglich der Etymologie des Namens Basel etwas weit hergeholt vorkommt. Auch wiederholt André Salvisberg 1999 die These vom Gattungsnamen, der für ein fliessendes Gewässer stehe, was sich mit Kölners Version deckt, da beide festhalten dass in früheren Zeiten die Bezeichnung bei verschiedenen Gewässern erscheint.
Dies führt elegant über zum Birsig, der gemäss Kölner zuweilen auch schlicht "Birs" genannt worden sei. Als ein Beleg führt er für das Jahr 1359 die Nennung eines Hauses auf dem Fischmarkt an, "gelegen an der Birsbruck". Um 1004 als "Bersih" genannt, erscheint der kleine Fluss im Laufe der Zeit als "Birsic", Birsich" oder um 1652 als "Burseckh". Der Name bedeute "kleine Birs", was Ihre Vermutung der Namensverwandtschaft zur Birs untermauert.
Die von Wilhelm Balmer und Franz Baur (gemalte Architekturpartien) im frühen 20.Jh geschaffene Wandmalerei mit der Papageiendarstellung zwischen den beiden Treppenhausfenstern.
Zum Papagei im Rathaushof
Der Papagei ist im alten Basel kein unbekanntes Tier. Er erscheint im 13.Jh als Wappentier der bischofstreuen Adelsvereinigung der Psitticher auf deren Banner, und war als "psittacus" namengebend. Der exotische Vogel wurde damals als seltenes und edles Tier betrachtet, welches etwa als Turnierpreis oder prestigeträchtiges Geschenk in höfischen Kreisen zu Ehren kam. Laut dem Historiker Werner Meyer galt der Papagei seinerzeit auch als Mariensymbol.
Die Marienverehrung würde sich hier mit Darstellungen der Muttergottes am Rathaus ergänzen. Zum einen steht über der Uhr an der Marktplatzfassade eine Marienskulptur, die indes 1608 zu einer Justitia umgestaltet wurde. Ein Baldachin im Regierungsratssaal weist ausserdem ein Relief aus dem frühen 16.Jh, darstellend die Muttergottes mit Jesusknaben, auf. Allerdings wurde unser besagter Papagei lange nach der Reformation aufgemalt.
Nach der Reformation trat die Marienverehrung in den Hintergrund. Der Papagei im Hof ist ohnehin ein Werk des 20.Jh. Die Partie neben der alten Hoffassade der Vorderen Kanzlei, auf der die Malerei zu sehen ist, entstand erst 1902 beim letzten grossen Umbau des Rathauses. Die Malereien wurden von Wilhelm Balmer und Franz Baur ausgeführt. Aber der Papagei im Hof des Rathauses hat Wurzeln die weiter zurück reichen als 106 Jahre.
Die in ihren Ursprüngen Hans Bock zugeschriebene Malerei an der Marktfassade des Rathauses zeigt in einem Detail einen Knaben mit einem Papagei auf der Hand, was zeigt dass das Motiv schon im 17.Jh auftauchte.
Offenbar handelt es sich hierbei um die Wiederholung eines älteren Motivs. Eine Liste aus den 1820er Jahren nennt nämlich unter den Werken des Malers Hans Bock aus dem frühen 17.Jh die Darstellung eines Jünglings mit einem Papagei an der Marktplatzfassade. Das mittlerweile überarbeitete Motiv des Pagen der sich mit einem Papagei auf der Hand an die Brüstung lehnt, sieht man heute auf der obersten aufgemalten Galerie neben zwei Herren.
Ob diese Hans Bock zugeschriebene Darstellung eines Papageis auf ein noch älteres Vorbild zurückgeht kann ich nicht sagen. Aber So wie er sich heute ausnimmt wird der seltene Vogel eher als ein Prestigeobjekt dargestellt, denn als ein Mariensymbol. Dies kann auch vom Papagei Wilhelm Balmers im Hof gesagt werden, der ebenfalls in der Tradition des exotischen und kostbaren Schaustücks steht, was zum Rathaus als Prestigebau passt.
Quellen:
primär genutzte
Paul Kölner, Der Birsig in Basels Geschichte und Stadtbild, 1930, Druckerei der Nationalzeitung AG, Seite 4
C.H.Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 1, 1932, Birkhäuser Verlag, Seiten 400 so wie 610 bis 619
Georg Germann, "Der Bau der Jahrhundertwende", publiziert in Das Basler Rathaus, 1983, Herausgegeben von der Staatskanzlei des Kantons Basel-Stadt, Kommissionsverlag Friedrich Reinhard Verlag, Seiten 64 bis 81
sekundär genutzte
Werner Meyer, "Psitticher und Sterner - Ein Beitrag zur Geschichte des unstaatlichen Kriegertums", Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 67.Band, Jahrgang 1967, Seite 17
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