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Ganzjährige Forschung im Arktischen Ozean ist eine schwierige und logistisch aufwändige Sache. Auf der einen Seite kann man ein geeignetes Schiff im Eis einfrieren und mit der Strömung treiben lassen, wie es Nansen und das Alfred-Wegener-Institut gemacht hatten. Oder man konstruiert Driftstationen auf dem Packeis, die so lange wie möglich dortbleiben und Daten sammeln, wie es die Sowjets in der Vergangenheit gemacht hatten. Russland verbindet beide Möglichkeiten und baut seine Nordpolstation Severny Polyus, eine selbst angetriebene Forschungsplattform. Nun wurde der Kapitän für die einzigartige Station ernannt.
Die Leitung der prestigeprächtigen selbstfahrenden Forschungsstation wurde dem sehr erfahrenen Kapitän Sergey Nesterov vom russischen Minister für natürliche Ressourcen, Alexander Kozlov, übertragen. «Ich bin bereit! Lasst uns das Steuer übernehmen,» erklärte Nesterov bei einem Treffen mit dem Minister. Sergey Nesterov dürfte vielen als Kapitän verschiedener Expeditionsschiffe wie der Polar Pioneer, der Ortelius oder der Expedition bekannt sein. Seit 1994 ist er in den polare Regionen unterwegs, unter anderem auf den Versorgungsschiffen für die russischen Stationen in der Antarktis. Seit 2000 war Kapitän Nesterov dann für verschiedenste Expeditionsschiffe verantwortlich und hat im Laufe der Jahre rund 300 Fahrten in der Antarktis und 120 Fahrten in der Arktis unternommen.
Nesterov’s neuer Arbeitsplatz, die Severny Polyus, wird gegenwärtig in der Admirality Schiffswerft in St. Petersburg fertiggestellt. Nach Angaben der Werft und des Ministeriums für natürliche Ressourcen soll das Schiff zu über 90 Prozent fertiggestellt sein. Gegenwärtig werden die dieselbetriebenen Hilfsgeneratoren installiert. Ausserdem arbeite man an den Verankerungs-, Zug- und Anlegesystemen. Das Ziel ist es, dass die Station eigenständig und ohne Hilfe von Eisbrechern in Zukunft im Arktischen Ozean unterwegs sein kann und sich mit Hilfe eines ausgeklügelten Positionierungssystems an einem Punkt wie dem geographischen Nordpol halten kann. Seine Eisklasse wird mit Arc8 (nach dem russischen Klassifizierungssystem) als zweithöchste Klasse angegeben.
Eigentlich hätte die Severny Polyus schon 2020 fertiggestellt werden sollen, nachdem 2018 mit dem Bau begonnen worden war. Doch der Zeitplan war durch verschiedene Faktoren, nicht zuletzt auch durch die Pandemie, durcheinandergeraten. Gemäss den russischen Behörden soll aber nun ab Herbst 2023 die erste zwei Jahre dauernde Expedition gestartet werden. Kapitän Nesterov wird ab dann mit seiner 14-köpfigen Besatzung und mit bis zu 34 Wissenschaftlern an Bord im arktischen Meereis unterwegs sein. Das Schiff soll nach den Plänen der Konstrukteure und der Betreiberin Roshydromet und des russischen Polarforschungsinstitut AARI zwei Jahre lang autonom betrieben werden können. Seine Lebensdauer ist auf 25 Jahre veranschlagt. Das Projekt soll die bisherigen Drifteisstationen ersetzen, die in den letzten Jahren dem Klimawandel zum Opfer gefallen sind. Vor allem in den Bereichen Klimaforschung und Hydrometeorologie, aber auch Biologie und Ozeanographie sollen von Bord der Severny Polyus aus geforscht werden.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal