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Leute, Dolichocephalen, auf und werden in der Bronzezeit herrschend. Ob aber dieses Eindringen fremder Volkselemente in friedlicher Weise, langsam vor sich ging, oder ob die Dolichocephalen als Feinde in unser Land kamen, wer vermag das zu sagen?
b) Landansiedlungen, Werkstätten. Je mehr die Leute ihre Pfahldörfer verliessen, um so zahlreicher wurden die Landansiedlungen. Eine solche entdeckte man vor etwa 50 Jahren am Ebersberg, einem Vorberge des Irchel. Am Abhang gegen den Rhein erhob sich dort zur Bronzezeit auf weitschauendem Punkte ein von Palisaden beschütztes Dörflein. Auch dort kamen die oben erwähnten Gegenstände zum Vorschein, wenn freilich nicht in gar grosser Zahl. Die interessantesten Fundstücke bildeten Hörner aus Ton und Stein.
Man nennt sie ihrer der Mondsichel ähnelnden Form wegen Mondhörner. Solche Mondhörner fand man später auch in Gräbern als Totenbeigaben. Sie hatten wohl eine religiöse Bedeutung. Viel stärker war der aussichtsreiche Uetliberg bei Zürich befestigt. Von drei Seiten war die Kuppe desselben für Feinde fast unnahbar, und auf der einzigen leicht zugänglichen Seite waren zum Schutz der Bewohner des Refugiums, das über eine Weidefläche für das Vieh und eine starke Quelle verfügte, Wälle u. Gräben erstellt.
Gelang es dem Feind aber dennoch, diese zu erstürmen, so zogen sich die Verteidiger auf den Kulm zurück, der, nur von Nordwesten her zugänglich, auf dieser Seite durch drei Wälle und zwei Gräben sehr gut befestigt war und auch noch über eine kleine Quelle verfügte. Aehnliche Refugien finden sich in allen Teilen des schweizerischen Mittellandes in grosser Zahl. An vielen Orten sind noch Wälle und Gräben erhalten, besonders schön z. B. in der sog. Teufelsburg bei Rüti im Berner Amtsbezirk Büren; an andern Orten erinnert noch ein Flurname an die einstigen festen Werke, wie z. B. der Ausdruck «Châtelard» in der Westschweiz oder der Name «Burg» im Osten unseres Landes.
Anderwärts waren wichtige Strassendurchgänge befestigt, so bei Vorbourg unfern Delsberg, oder man sicherte Heiligtümer. Der Châtelard bei Bevaix am Neuenburgersee hat vielleicht schon in der Steinzeit als heiliger Platz Besucher von nah und fern erhalten; in der Bronzeperiode dehnte sich an seinem Abhang eine grosse Ansiedlung aus.
Wie man in einigen Pfahlbauten, z. B. in Genf und Zürich, Gusswerkstätten nachweisen konnte, so gab es auch auf dem festen Lande Plätze, wo die Bronze verarbeitet wurde. In Échallens (Waadt) wurde eine Bronzegiesserei entdeckt, in Kerzers, nordöstlich vom Murtensee, die Werkstätte eines Bronzearbeiters gefunden. Beim Bad Heustrich am Fusse des Niesen im Berner Oberland kamen Kupfermasseln zum Vorschein, und ebensolche Reste von Werkstätten fand man in Tschugg im Berner Seeland. Grenchen besass in der Bronzeperiode auch eine Werkstätte für Metallverarbeitung. In Wülflingen und Veltheim bei Winterthur wurden ähnliche Plätze nachgewiesen. In den Giessereien der Bronzeperiode fand sich nicht bloss Rohmaterial an Kupfer, Zinn und Blei, sondern es kamen auch Gussformen zum Vorschein, in welchen die neuen Gegenstände geschmolzen wurden. Sie bestanden meist aus Sandstein, hie und da auch aus Ton oder gar aus Bronze. Ausserdem barg die Werkstätte Gusstigel, halbfertige Ware, «gefehlte» Stücke und Material, das zum Einschmelzen bestimmt war.
Man hat sich lange den Kopf zerbrochen über die Frage, wie die Bronzeschmiede die feinen Verzierungen in die Bronze eingraviert haben, da sie ja keine Stahlgeräte besassen. Praktische Versuche ergaben aber, dass es ganz wohl möglich ist, Bronze mit Bronze zu bearbeiten. Zudem hat man das Härten der Bronze gewiss auch schon verstanden und mit gehärteter Bronze graviert.
c) Schatz-, Depot- und Bergfunde. Beim Hofe Illau, Gemeinde Hohenrain, an der luzernisch-aargauischen Grenze, zersprengte man vor einigen Jahrzehnten einen grossen Findling. Da kamen unter demselben etwa 20 Schwerter aus Bronze zum Vorschein. Sie waren radial angeordnet, d. h. die Spitzen gegen den Mittelpunkt gekehrt, und alle hatten dieselbe Form. Hat vielleicht ein Händler vor 3000 Jahren hier seine Waren vergraben, oder haben wir eine Göttergabe vor uns? In Salez im St. Galler Rheinthal fand man über 50 Bronzebeile in der Erde.
Sie lagen in regelrechten Reihen. Alle waren von gleicher Grösse und Form, alle von nahezu demselben Gewicht. Ein ganz ähnlicher Fund wurde bei Sigriswil nördlich vom Thunersee gemacht. Dort wollte man einen Felsblock wegschaffen, der so gross war wie ein Häuschen. Auf einem Absatz desselben fanden sich, etwa 60 cm tief in der Erde, eine Menge von Bronzen: 2 Speerspitzen, 2 Dolche, 11 Beile der ältesten Form (Salezertypus) u. s. w. Spätere Nachgrabungen ergaben noch Scherben von Tongefässen, Kohlen und Asche.
War man da auf einen Opferplatz gestossen? In allen Teilen unseres Landes werden vereinzelte Bronzen gefunden. Besonderes Interesse erregen dabei aber diejenigen Funde, die auf Bergen und Pässen zum Vorschein kommen. Sie weisen auf alte Verkehrswege und zeigen, dass schon vor mehreren tausend Jahren die Berge kein unüberwindliches Hindernis bildeten für den Verkehr mit dem sonnigen Süden, der frühe eine hohe Kultur zeitigte, und von welchem aus neue Gedanken auch in unser Land kamen.
Auf der Höhe des Flüelapasses fand man bei Strassenarbeiten eine prächtige Lanzenspitze aus Bronze. Am Südfusse dieses Passes wurde bei Süs eine ähnliche Lanze entdeckt, und auf der Drusatscha-Alp bei Davos kam ein Bronzebeil zum Vorschein. Wie der Flüela-, so scheint auch der Albulapass schon sehr früh begangen worden zu sein. In Scanfs im Engadin fand man nämlich ein Bronzemesser mit verziertem Griff, in Bergün (am Nordfuss der Albula) wurde eine ornamentierte Armspange aus Bronze zutage gefördert.
Noch weiter unten im Thal, bei Filisur, entdeckte man sogar Spuren einer Bronzegiesserei. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist ein im Frühjahr 1907 gemachter Fund in St. Moritz. In der Mauritiusquelle daselbst fand man die bronzezeitliche Fassung und in derselben mehrere Bronzen, die als Votivgaben betrachtet werden müssen. Auch am Weg über den Bernhardin kamen Bronzen zum Vorschein. In Lostallo im Misox wurde ein Bronzebeil gefunden. Ein anderes Beil fand sich bei Andeer, und vom Ausgang der Viamala an werden Bronzefunde geradezu häufig. Schon auf und am Hügel, der die Ruinen von Hohenrätien trägt, entdeckte man Schmucknadeln aus Bronze. Unweit der Anstalt Realta bei Cazis wurde ein Bronzebeil ans Tageslicht gebracht, in Tomils fanden sich bronzezeitliche Gräber, bei Rotenbrunnen scheint eine Bronzegiesserei bestanden zu haben, bei Reichenau fand man eine Bronzeschwert-Klinge, und bei Ems unfern ¶
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Chur dürfte eine Ansiedlung der Bronzezeit existiert haben. Wenn man vom Bernhardin aus, statt gegen das Schams hinunter zu steigen, über den Berg nach Norden wandert, so gelangt man ins Vals. Auch dieser Weg war schon in der Bronzezeit bekannt. Als man kürzlich im Dorfe Vals die Heilquelle besser fasste, stiess man in 4,5 m Tiefe auf prähistorische Knochen und eine Tonscherbe altitalischer Form. Oberhalb Vals, am Uebergang gegen Safien, entdeckte ein Hirt zwei Bronzedolche, von denen der eine ebenfalls eine italische Form besitzt. Bei Ilanz fand sich ein Bronzeschwert von einer Form, wie sie nur in Italien vorkommt, und in der Nähe dieses Städtchens, bei Ruis und Waltensburg, kamen Bronzebeile zum Vorschein, die auch nach Süden weisen. Das Beil von Waltensburg gleicht ganz demjenigen von Lostallo. Wir haben also hier einen uralten Verkehrsweg zwischen dem Rhein- und Tessinthal.
Ebenso alt ist der Weg über den Grossen St. Bernhard. Auch er ist schon in der Bronzezeit begangen worden. Ueber den Bernhard gelangten Bronzen vom Genfersee in die Gegend von Aosta, und umgekehrt wurden italische Bronzen ins Rhonethal gebracht. Man hat in Martigny sogar ein Bronzeschwert gefunden, das den ungarischen gleicht. Noch interessanter ist eine andere Form: In oberitalischen Fundorten findet man nicht allzu selten eine Art dreieckiger Bronzedolche mit massiven Griffen.
Diese Dolche trifft man in der Ostschweiz und in Oesterreich nie, ebenso wenig im westlichen Frankreich, wohl aber im Wallis, im Berner Oberland, an der Rhone, am Rhein und in grosser Menge in Norddeutschland. Offenbar ist diese Dolchform in der ersten Bronzezeit in Italien entstanden, gelangte dann über den Grossen St. Bernhard ins Wallis, von dort über Leukerbad und den Gemmipass nach dem Berner Oberland (nach Sigriswil) und zuletzt an den Rhein. Sie kann auch längs der Rhone in die Rheinlande gelangt sein.
Man findet sie in der Rheinebene von Basel bis Mainz; von Mainz zieht sie sich an die Elbe und breitet sich dann in Norddeutschland weithin aus. Während man in Italien nur einfache Formen dieses Dolches findet, trifft man in Norddeutschland hoch entwickelte Stücke von guter Technik und mit geschmackvollen Verzierungen. Ueber den Grossen St. Bernhard zog sich also ein Völker verbindender Weg vom Süden Europas nach dem Norden. Auf diesem Wege drangen auch andere Dinge nach dem Norden, z. B. Diademe, Schwerter u. s. w. Womit aber bezahlten die Nordländer die aus dem Süden kommenden Waren? Im Pfahlbau Corcelettes am Neuenburgersee wurde ein nordisches Hängegefäss und eine Sicherheitsnadel (Fibel) aus Bronze gefunden; beide Stücke stammen aus dem Norden. Andere Pfahlbauten haben unter ihrem Inventar Bernsteinperlen: es ist nordischer Bernstein. Wir sehen, der bronzezeitliche Handel hatte eine grosse Ausdehnung.
d) Bronzezeit-Gräber. Bei den bronzezeitlichen Gräbern kann man einen auffallenden Gegensatz zwischen dem Osten und dem Westen unseres Landes bemerken. In der Westschweiz begegnet uns, wenigstens im Anfang der Bronzeperiode, das Steinkammergrab wieder; in der Ostschweiz dagegen sind aus der Bronzezeit nur verbrannte Leichen bekannt. Bei einer Baute in Auvernier am Neuenburgersee stiess man in der Erde auf grosse Steinplatten. Als man dieselben abhob, grinsten zahlreiche Totenschädel den Grabenden entgegen.
Man war auf alte Gräber gestossen. Die Toten waren in Kammern beigesetzt worden. Man hatte das ganze Grab folgendermassen gebaut: Je drei Steinplatten waren der Höhe nach in parallele Reihen gestellt. Der Zwischenraum wurde durch zwei Querplatten in 3 Räume oder Kammern geteilt. Seitwärts errichtete man noch 2 Kammern, so dass ein fünfkammeriges Grab entstand. Die menschlichen Knochen befanden sich fast alle in der Mittelkammer. Die Schädel sollen den Wänden nach gelegen haben.
Die Grabbeigaben bestanden in Schmucksachen und Geräten. Besonders zahlreich war der Hängeschmuck. Es fanden sich durchbohrte Zähne von Wolf, Bär und Eber, Steingehänge, ein Knochenscheibchen, ferner Perlen aus Bronze. Dazu kamen eine Bronzenadel mit durchlochtem und geschwollenem Hals, Bronzeringe und Bronzespangen, Knöpfe aus Bronze und Bronzemesser. Ein Feuerstein mag zum Feuerschlagen benutzt worden sein. Nur wenig weit von diesem Massengrab entfernt stiess man auf ein Kindergrab. Aber da lag das Skelett in freier Erde, und bei demselben befanden sich zwei Paar Armspangen aus Bronze, ein Bronzeknopf und eine Bernsteinperle.
Auch das von hohen Bergen eingeschlossene Wallis muss in der Bronzezeit dicht bevölkert gewesen sein, besonders in der Gegend von Sitten. Spuren einer bronzezeitlichen Ansiedlung daselbst glaubt man zwischen den Hügeln Valère und Tourbillon entdeckt zu haben. Auch Gräber wurden gefunden. Häufiger aber sind die letztern in Lens, Ayent, Savièse und Conthey. Bei Rebarbeiten sind in der Nähe des letztgenannten Dorfes in den letzten Jahren mehrere Bronzezeitgräber zum Vorschein gekommen. Unter den Funden fallen prächtig verzierte Nadeln auf, deren flacher Kopf die Form einer Scheibe hat. Ausserdem lagen Diademe, verzierte Bronzegehänge, Muschelschmuck etc. in den Gräbern. Verwandte Funde wurden auch im Waadtland gemacht, wie z. B. in Vers Chiez bei Ollon, Villeneuve etc. ¶