Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03577.jsonl.gz/1190

ERIK DETTWILER

«Potemkin’sche», 2002, Video, 3'20'', ohne Ton
Bibliothek Bümpliz, Bernstrasse 77,
3018 Bern
Abspielzeiten: täglich 10-22 Uhr
Ausstellung bis 16. August 2017
Erik Dettwilers Videoarbeit «Potemkin'sche» von 2002 zeigt wie der Künstler eine Treppe hinunterschwebt. Es sind nicht übernatürliche Kräfte, sondern die Techniken der Montage, die dem Künstler die Fähigkeit des freien Schwebens verleihen. Die Zusammensetzung des Videos wird durch den abgehackten Schnitt bewusst offengelegt.
Mit dem Titel der Arbeit verweist Dettwiler auf den Entstehungsort des Werks, nämlich die Potemkinsche Treppe in Odessa. Diese erhielt ihren Namen durch Sergei Eisensteins ikonischem Stummfilm «Panzerkreuzer Potemkin» aus dem Jahre 1925. Der Film orientiert sich lose an den Ereignissen, die 1905 zum Ausbruch der russischen Revolution führten. Die Treppenszene, in der die zum Hafen strömenden Menschenmassen von der zaristischen Armee skrupellos erschossen werden, wurde zu einem der bekanntesten und meist zitierten Filmmomente. Einer der Gründe, warum dieses frühe Werk die Filmgeschichte revolutionierte, ist Eisensteins damals neue Form der Montage, die nicht so sehr der Narration folgt, sondern sich die emotionale Ansprache der Zuschauer_innen zum Ziel setzt.
Dettwiler inszeniert sich in einer Geste von reduzierter Leichtigkeit als schwebender Geist an diesem historisch so bedeutenden Ort und schafft damit seine ganz eigene Hommage an Eisensteins Werk.
Erik Dettwiler (1970) lebt und arbeitet in Berlin und Zürich und ist in den Medien Video, Performance und Fotografie tätig. Seit 2000 hatte er Aufenthalte und Projekte in New York, in der Ukraine, im Balkan und in Südafrika. Er unterrichtete an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich und ist Mitbegründer des Projekts citysharing.ch, eine Internetplattform für interkulturelle Untersuchungen zu Gemeinschaften im urbanen Raum.