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Nicht selten werden wir gefragt, welche Bewandtnis der Name „Landschäftler“ mit einem Fachgeschäft für Papeterie, Buchhandel und Geschenkartikel eigentlich habe. Die Antwort führt uns in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als grosse Teile Europas von einem Taumel der Begeisterung für die freiheitlichen Volksrechte erfasst wurden und die Nationen sich enger zusammenschlossen. Es war auch die Zeit, als der moderne Bundesstaat der Eidgenossenschaft entstand.
Am 19. Dezember 1848, mitten in dieser bewegten Zeit des politischen Umbruchs, erschien beim Buchdrucker F.W. Hoch in Liestal ein Probeblatt mit dem Titel „Der Landschäftler“. Gottfried Keller, als begeisterter Literaturstudent in Heidelberg, schrieb damals: „Es gehen jetzt in der Welt Dinge vor, die man gehörig und kuhwarm studieren muss. Ungeheuer ist, was vorgeht.“ In der ersten Ausgabe findet sich der stolze Satz „… Was den politischen Charakter unseres Blattes betrifft, so wird es sich unter die Fahne des Fortschritts reihen; es wird unentwegt daran arbeiten, dass unsere liberalen, vaterländischen und kantonalen Einrichtungen immer volkstümlicher ausgebildet und immer mehr Leben und Wahrheit werden …“.
Im Laufe der Jahre wird aus dem „Landschäftler“ eine verbreitete Tageszeitung, die sich unter ihrer Losung „Dem freien Wort“ und – wie man heute sagen würde - politisch Mitte links positioniert. Sie profiliert sich als das Oppositionsblatt im Kanton Basel-Landschaft und ist das Sprachrohr der damaligen sogenannten Landratspartei.
Um gezielter in das politische Geschehen des Kantons und der Eidgenossenschaft einzugreifen, gründen 1910 einige prominente Baselbieter Politiker und Lehrer die Landschäftler AG in Liestal. Neben dem Druck und Verlag der Tageszeitung wird an der Bahnhofstrasse eine Buchdruckerei und an der Rathausstrasse ein Verkaufsgeschäft für Bücher und Papeteriewaren eröffnet.
Zahlreiche Redaktoren kommen und gehen. Einige wie der schillernde Appenzeller Pfarrer und Rechtsanwalt Dr. H.K. Sonderegger (HKS), den das Baselbieter Volk sogar in den Nationalrat wählt, und der Thurgauer Alfred Kundert (kdt) drücken dem „Landschäftler“ in besonderer Art ihren Stempel auf und bewirken, dass die Zeitung über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus eine beachtliche Leserschaft findet. Der eine ist ein streitbarer und glühender Verfechter der heute in Vergessenheit geratenen Freiwirtschaftslehre (Freigeld), der andere macht sich und dem „Landschäftler“ im unerschrockenen und standhaften Kampf gegen den Nationalsozialismus einen bleibenden Namen.
Als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 die Nachwehen der Nazizeit und die Abrechnung mit einigen Schweizer "Anpassern" verarbeitet sind, wird es auch um den "Landschäftler" etwas stiller. In unserem Land setzt das „Zeitungssterben“ ein, das auch den „Landschäftler“ nicht verschont. Auf Ende 1964 stellt die Tageszeitung nach 116 Jahren ihr Erscheinen definitiv ein.
Damit wird die Landschäftler AG ein rein kommerzielles Unternehmen ohne jegliche politischen Zielsetzungen. Leider sieht sich die Gesellschaft 1998 veranlasst, im Zuge der rasanten technologischen Entwicklung der Drucktechnik sowie in Folge betrügerischer Machenschaften auch die Buchdruckerei zu veräussern.
Schon 1981 erwirbt das Unternehmen die Papeterie Farnsburg in Gelterkinden und entwickelt sich sehr bald zu einem erfolgreichen Fachgeschäft. 1999 bezieht die Papeterie und Buchhandlung Landschäftler AG die heutigen modernen und hellen Räumlichkeiten an der Poststrasse 8. In Fortsetzung einer eindrucksvollen Vergangenheit trägt sie den einst gewichtigen und respektvollen Namen "Landschäftler" weiter.
2010 begeht unser Fachgeschäft das Jubiläum "100 Jahre Landschäftler AG". Dabei erinnern wir uns in Dankbarkeit an unsere visionären Vorgänger, die im denkwürdigen Jahr 1848 den Namen "Landschäftler" einer Zeitung mit hehren Zielen gegeben haben. Wir erinnern uns an die Menschen, die sich für diese Ziele jahrzehntelang mit ihrem Herzblut eingesetzt haben. Und wir erinnern uns an alle ehemaligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich - in welcher Stellung und Funktion auch immer - in Treue und verantwortungsvoller Arbeit mit unserem Unternehmen verbunden fühlten. Sie haben alle dazu beigetragen, dass auf dem gelegten Fundament ein aufgeschlossenes und zuvorkommendes Fachgeschäft weiterbesteht, das auch heute noch eine Anzahl Arbeitsplätze anbieten kann und unter dem traditionsreichen Namen „Landschäftler“ im Dienste einer anspruchsvollen Kundschaft steht. Dieser Vergangenheit wollen wir mit jugendlichem Schwung auch in der Zukunft verpflichtet bleiben.