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Abteilung des Nutzgartens, in welcher Obstarten angepflanzt und gepflegt werden. Hochstämmige Kronenbäume
vertragen sich mit keinem andern Kulturgewächs, müssen also stets in besondern Gärten angepflanzt werden, weil sie dem
Erdboden Sonne
[* 3] und Luft entziehen, ohne welche namentlich Gemüse nicht gedeihen. Dagegen können Zwergobstbäume
und Beerensträucher mit Vorteil auch im Gemüsegarten gezogen werden. Die Anzucht der Obstbäume geschieht in der Baumschule
(s. d.) durch Wildlinge (s. d.) und deren Veredelung (s. Impfung);
[* 4] von dort verpflanzt man sie in kräftigen Exemplaren in den
Obstgarten Derselbe soll gegen Stürme einigermaßen geschützt sein, aber der freie Luftzug darf in keiner Weise
gehindert sein.
Jedenfalls ist der Obstgarten gegen unberufene Eindringlinge zu schützen und durch Drainierung von stehender Nässe
oder zu hohem Grundwasser
[* 5] zu befreien. Die Obstarten wählt man in der Hauptsache nach dem vorhandenen Boden: im lehmigen Sandboden
mit ähnlichem Untergrund gedeihen alle Obstarten gut, im sandigen Lehm besonders Äpfel, im fruchtbaren,
tiefgrundigen, nicht nassen SandBirnen, Walnüsse und Maronen, Süßkirschen im warmen, sandigen Gerölle von Kalkstein oder
auf ähnlichen Bergen,
[* 6] ebenso Sauerkirschen, die aber schon mehr fetten Boden vertragen, zur Not auch im magersten Boden noch
einigen Ertrag liefern; Pflaumen mit ihren nicht tiefgehenden Wurzeln kann man noch auf verhältnismäßig
feuchtem, flachem Boden pflanzen.
Äpfel-, Birnen-, Süßkirschen- und Walnußbäumen in hochstämmiger Kronenform gebe man 6-8 m Zwischenraum unter sich, den
Walnußbäumen, wenn sie allein stehen, noch mehr, weil sie groß und sehr alt werden können. Sauerkirsch- und Pflaumenbäume
begnügen sich mit 4-5 m Zwischenraum, den größten stets in gutem, den kleinern in schlechtem Boden,
weil sie in ersterm größer werden; der Raum zwischen den Zwergobstbäumen und Beerensträuchern richtet sich nach der
Bedeutung
der Zwischenkulturen, die mit ihnen gleichzeitig gebaut werden.
Zieht man die regelmäßige Form im O. vor, dann pflanze man die Bäume in Reihen und in »Verband«,
[* 7] d. h.
die Bäume der einen mitten zwischen die der andern Reihe; man pflanze in hartem Klima,
[* 8] auf nassem, nicht entwässertem Boden
und nicht ganz harte Baumarten im Frühjahr, in allen andern Fällen aber im Herbst, am besten bald nach Abschluß des Wachstums,
im September, wobei aber die Blätter entfernt werden müssen, weil sie die im Baum befindliche Feuchtigkeit,
seine Säfte, verdunsten, ohne daß solche durch die Wurzeln ersetzt werden könnten, welche ihre Thätigkeit erst beginnen,
wenn sie neue Spitzen gebildet haben.
Dies geschieht allerdings im Frühherbst sehr bald, während im Frühjahr gepflanzte Bäume erst gleichzeitig mit der
Entwickelung der Blätter sich von neuem bewurzeln. Auf bindigem oder nassem Boden, der aus irgend einer Ursache nicht entwässert
werden konnte, pflanzt man am besten nach der Manteuffelschen Methodeoben auf die Erde. Gewöhnlich aber pflanzt man inGruben
von 1-1,3 m Durchschnitt und 0,6-1 m Tiefe (näheres s. Baumsatz). Außer den Wurzeln wird auch, im Frühjahr,
die Krone beschnitten; diese besteht aus der Fortsetzung des Stammes in der Mitte und aus 4-5 von diesem ausgehenden Mutter-
oder Leitästen; was sich außer diesen noch am Stamm befindet, schneidet man weg.
Die Nebenzweige der Leitäste verkürzt man, die Spitzen der letztern aber läßt man unberührt, denn
sie entwickeln aus ihren Endaugen die ersten Blätter, und diese tragen bedeutend zur schnellen Wurzelbildung und damit zum
sichern und schnellen Anwachsen des Baums bei. Ende Juni sind auch die Leitäste um ein Drittel zu verkürzen; der sogen.
zweite Trieb entwickelt kräftige Triebe, durch welche die normale Weiterbildung der Krone gesichert wird.
Über den neubepflanzten Obstgarten legt man vorteilhaft eine Karte an, auf der jeder Baum aufzufinden und mit einer Nummer versehen
ist, die auf dieselbe Nummer des Buches verweist, das Namen, Herstammung, Zeit der Pflanzung und der jährlichen Tragbarkeit
nachweist, und in dem man die Eigenschaften der Sorte: Reifezeit, Güte, Anwendung (ob für Tafel oder Haushalt),
Haltbarkeit der Frucht, Zeit und Widerstandsfähigkeit der Blüte
[* 9] etc., notiert.
Nur durch allgemein fortgeführte Aufzeichnungen solcher Art im Buche gelangt man zur Kenntnis und Verbreitung unsrer guten
Obstsorten. In Beziehung auf den Schnitt werden die Kronenbäume in den ersten Jahren ganz wie die unten
behandelten Pyramiden behandelt, wegen regelmäßiger Fortbildung der Krone und zur Erzielung baldigen Blütenansatzes. Später
werden nur dürre und zu dicht stehende Äste herausgeschnitten, wonach die Wunde zu glätten und mit Baumwachs (s. Impfung)
zu bedecken ist.
August und September zu wiederholen, und je nach der Größe des Baums wendet man ¼-¾ kg von jeder Dungart an. Alte, sonst aber
noch gesunde Bäume kann man durch Abwerfen der Äste nach und nach innerhalb dreier Jahre, stets aber im Frühjahr, verjüngen.
Die bald darauf erscheinenden jungen Triebe sind so auszulichten, daß nur wenige an geeigneten Stellen
stehen bleiben und die Krone neu bilden. Ist der Baum von schlechter Sorte, so kann er gleichzeitig mit einer bessern versehen
(»umgepfropft«) werden.
diese werden, von unten angefangen, im Frühjahr so kurz geschnitten,
daß jedes Auge
[* 13] zum Austreiben kommt, der Stamm über einem Auge, das verspricht, denselben gerade nach oben
fortzusetzen, die obern Leitäste kürzer als die untern, so daß schon dadurch die Pyramidenform hergestellt wird.
Sollte
sich irgendwo eine Lücke zeigen, so kann durch einen Einschnitt bis ins Holz
[* 14] über einem in der Lücke befindlichen Auge der
fehlende Zweig hervorgelockt werden. Zu stark treibende Organe können durch Herabbinden oder durch kurzen
Schnitt, also über einem schwachen Auge, zu mäßigem Wachstum gezwungen werden. Ende Mai werden sämtliche Augen ausgetrieben
haben; die Seitentriebe der Leitäste werden nach und nach entspitzt (pinziert), die obern kurz, die untern etwas länger,
ebenso die jungen Triebe des Stammes, die werdenden Leitäste, um die Pyramidenform festzuhalten und dadurch
den Saft in die untern Organe zu leiten; die jungen Triebe zur Fortsetzung des Stammes und der Leitäste werden nicht entspitzt.
Die entspitzten Triebe werden nun 1-2 Seitentriebe bilden; um diese zu gunsten der zu Blütenknospen bestimmten untern Augen
zu schwächen, werden ihnen Anfang Juni bis Ende Juli 3, 4, 5 Blätter genommen, je nachdem sie weiter
wachsen, aber niemals die Spitze, weil deren Verlust ein drittes Austreiben verursachen würde. Während im Frühling die Leitzweige
wie im vorigen Jahr verkürzt werden, schneidet man die Seiten- (Blüten-) Zweige über dem untersten kräftigen Auge des jüngsten
Triebes; mit dem Entspitzen, bez. Entblättern wird
wie im vorigen Jahr verfahren.
Die Flügel- und Kronpyramide wie auch der Trauerbaum werden an Draht
[* 15] gezogen, ebenso der Spalierbaum; er unterscheidet sich
von der Pyramide durch die Stellung seiner Äste, welche nicht in einer Spirallinie um den Stamm stehen, sondern paarweise, möglichst
einander gegenüber rechts und links die möglichst wagerechten Leitäste bilden, während auch hier
die Fortsetzung des Stammes eine gerade Richtung annehmen soll; die Entfernung der Astpaare unter sich soll hier 25-30 cm betragen.
Der Frühjahrsschnitt der Leitzweige ist ähnlich wie bei den Pyramiden: die untern lang, die obern kürzer, bis sie ihre
Grenzen
[* 16] erreicht haben und dann miteinander durch Impfung vereinigt werden können. Die Frühjahrstriebe
dürfen dagegen hier beinahe gleich lang entspitzt werden, weil deren Wachstum bei der wagerechten Richtung der Äste ein ziemlich
gleichmäßiges sein wird. Die Anwendung dieser Regeln auf die Schnurbäumchen (horizontale Guirlanden) ergibt sich von selbst.
Die Sommerbehandlung der Pfirsichspaliere, nach ihnen auch der Aprikosen und
andrer Steinobstspalierbäume
sollte etwas sorgfältiger ausgeführt werden, ist aber ganz einfach: Die Frühjahrstriebe der Seitenaugen entspitze man
baldigst auf drei Augen;
von den daraus wachsenden zwei Sommertrieben wird der untere auf drei, der obere auf fünf Augen entspitzt,
was zur Folge haben wird, daß ersterer nicht mehr, letzterer aber an der Spitze noch einmal austreiben
und auf seiner ganzen Länge Doppel-,
[* 17] d. h. Blüten- und Blattknospen bilden wird.
Etwanige dritte Triebe werden im nächsten
Frühjahr über dem Astring abgeschnitten und der untere Zweig mit seinen drei Augen wie der vorjährige behandelt; während
der obere, nachdem er seine Früchte gereift hat, weggeschnitten wird. Walnuß- und Maronenbäume werden
nur so viel beschnitten, als zur Bildung der Krone nötig.
Die Obstbaumzucht in Kübeln und Töpfen liefert die köstlichsten Früchte mit größerer Sicherheit, wenn auch nicht in gleicher
Menge wie im O. Man pflanzt hierzu zweijährige oder schon tragbare, auf schwach treibende Unterlagen
veredelte Bäumchen in mäßig große Töpfe (20-30 cm oberer Weite), später in größere, selbst in Kübel mit einer Mischung
von Mistbeet- und Lauberde mit Ziegel- und Kalksteinstückchen, Holzkohlen und Sand zur Lockerung, auf welche zur Zeit des Wachstums
Kuhfladen gelegt werden, oder die durch Gießen
[* 18] mit vergornem Dungwasser (Abtrittsdung, Hornspäne, Knochenmehl,
Guano u. a. in Wasser) genügend Nahrung erhält.
Den Krankheiten der Obstbäume muß man zuvorzukommen suchen, denn sie zu heilen, ist schwer, wenn nicht
unmöglich. Dem Frostschaden an empfindlichen Baumarten beugt man vor bei den Spalierbäumen durch Decken mit Stroh oder Fichtenreisig
¶
Der Obstbau galt für eine königliche Beschäftigung, und die persischen Könige pflanzten bei feierlichen Gelegenheiten
an geweihten Stellen mit eigner Hand
[* 28] Obstbäume. Als Xerxes auf seinem Zug
nach Griechenland
[* 29] einen Apfelbaum mit besonders schönen
Früchten sah, ließ er ihn mit goldenen Zieraten schmücken. Die alten Römer
[* 30] hatten bei ihren Villen meist
einen besondern Obstgarten (pomarium). Cato beschreibt 6 verschiedene Birnen- und 2 Äpfelsorten, Columella 7 Äpfel- u. 20 Birnensorten,
Plinius kennt schon 25 Äpfel-, 36 Birnen- u. 8 Kirschensorten.
Die Könige, Fürsten und Herren wohnten im Sommer auf ihren ländlichen Besitzungen, im Winter in einer großen Stadt, oft in
Paris,
[* 41] von wo sie Obstbäume und Obstreiser, auch die Kenntnis besserer Kulturmethoden (z. B.
die Behandlung der Spalier- und andrer Zwergbäume) mit herüberbrachten. Auch haben Erzbistümer, Bistümer
und kleinere geistliche Stifter den Obst- u. Weinbau ganz bedeutend gefördert. Im Fürstentum, spätern Herzogtum, der jetzigen
ProvinzNassau haben diese kleinen Residenzen lange Zeit als zivilisatorische Knotenpunkte auch für den Obstbau gewirkt, und
so konnten dort Christ und Diel beinahe gleichzeitig sich zu hervorragenden Pomologen bilden.