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«Der Bezauberer» ist eine erste faszinierende kürzere Version des «Lolita»-Themas, mit dem der begnadete Schriftsteller Vladimir Nabokov seinen Weltruhm begründete. Der Protagonist der Erzählung ist, wie in «Lolita», ein Mann in den Vierzigern mit pädophilen Neigungen. Der Mann beobachtet in einem Park ein präpubertäres Mädchen auf Rollschuhen und fühlt sich zu ihm hingezogen. Kurze Zeit später heiratet er die als ein wenig abstossend beschriebene, verwitwete Mutter des Mädchens, um es täglich sehen zu können. Doch was als die Erfüllung seiner geheimsten Wünsche beginnt, endet in einem Albtraum. Der Text entstand 1939, kurz vor Vladimir Nabokovs Aufbruch in die USA. Das Manuskript verschwand bei einem von Nabokovs zahlreichen Umzügen und tauchte erst Anfang der achtziger Jahre im Nachlass wieder auf. «Der Bezauberer» ist «ein nachdenkliches und vielschichtiges Prosastück von beängstigender Intensität». (Marcel Reich-Ranicki) Ursprünglich als «Der Zauberer» erschienen, wurde der Text noch mal vom Nabokov Experten Dieter E. Zimmer durchgesehen und der Titel zu «Der Bezauberer» geändert.
Portrait
Geboren am 22.04.1899 in St. Petersburg. Er entstammte einer grossbürgerlichen russischen Familie, die nach der Oktoberrevolution von 1917 emigrierte. Nabokov selbst ging zunächst nach England, wo er am Trinity College in Cambridge französische und russische Literatur studierte. Von 1922-1937 lebte er in Berlin, wo er 1925 die Russin Vera Slonim heiratete, der er bis zu seinem Lebensende nahezu alle seine Bücher gewidmet hat. 1938 verliess Nabokov Deutschland und ging mit seiner Frau und seinem Sohn nach Paris, bevor er 1940 nach Amerika übersiedelte. Wegen seiner Kenntnisse als Schmetterlingsforscher erhielt er 1942 einen Forschungsauftrag der Harvard Universität. Er beschrieb eine Reihe von neuen Schmetterlingsarten, von denen eine nach ihm benannt wurde. 1945 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Mit der Hilfe von Freunden und unter anderem aufgrund der Studie über Nikolai Gogol, die er 1944 veröffentlichte, wurde ihm 1948 eine Professur für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität von Cornell angeboten. Hier arbeitete er zehn Jahre lang, bis es ihm der Welterfolg von «Lolita» ermöglichte, seine Lehrtätigkeit aufzugeben. Nabokov zog in die Schweiz, wo er sich ganz dem Schreiben widmete, Schmetterlinge fing und seine russischen Romane ins Englische übersetzte. In gewisser Weise hat er sein Exildasein bis zu seinem Lebensende bewusst aufrechterhalten. Nie besass er eine Wohnung oder ein Haus. Er lebte in einem Hotel in Montreux, wo er am 5. Juli 1977 starb. Auszeichnung der American Academy of Arts and Letters (1953); Kunstpreis der Brandeis Universität (1963/64); Orden des National Institut of Arts and Letters (1969).