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Rechtspluralismus: Zusammenarbeit mit verschiedenen Justizsystemen zur Wahrung der Kinderrechte
Rechtspluralismus ist die Koexistenz religiöser Justizsysteme mit säkularen und gewohnheitsmässigen Justizsystemen. Im Nahen Osten und in Nordafrika setzt sich Terre des hommes (Tdh) dafür ein, die Rechte der Kinder und ihren Zugang zur Justiz vor allem in zivilrechtlichen Verfahren wie Familienangelegenheiten zu garantieren.
Kinder sind von familienrechtlichen Verfahren betroffen, insbesondere wenn es um die Trennung der Familie und deren Auswirkungen wie Scheidung, Sorgerecht, Besuchsrecht oder Unterhalt geht. Gerichtsentscheidungen haben einen grossen Einfluss auf das Leben der Kinder, da sie einen Wechsel des Elternhauses und der Schule oder eine Trennung von FreundInnen und Familienmitgliedern nach sich ziehen können.
Der Stimme von Kindern in familienrechtlichen Verfahren Gehör verschaffen
Alle Justizsysteme stossen bei der Suche nach kinderfreundlichen Antworten in familienrechtlichen Verfahren an ihre Grenzen. Im Allgemeinen sind die Familienrechtsgerichte und -verfahren noch immer weitgehend an Erwachsenen orientiert und unzureichend ausgestattet, um Kinder vor Gewalt und den Folgen der Entscheidungen zu schützen. Die Kinderrechte sind nach wie vor nicht garantiert, insbesondere das Recht, angehört zu werden und sich sicher an den Verfahren zu beteiligen.
Durch die Zusammenarbeit mit religiösen Gerichten möchte Tdh dies ändern, um die besonders verletzliche Position von Kindern, die in elterliche Streitigkeiten verwickelt sind und die geringe Berücksichtigung und den geringen Schutz der Kinderrechte in Familienprozesse hervorzuheben. Wir bieten auch Schulungen für Richter an, um dazu beizutragen, dass das Wohl des Kindes berücksichtigt wird.
Anwendung von Gerechtigkeit für und mit Kindern in religiösen Rechtssystemen
Tdh arbeitet bereits seit 2011 mit religiös motivierten Akteuren aus den Gemeinden zusammen. Durch eine handlungsorientierte Forschung im Libanon unter Beteiligung von sieben der repräsentativsten Religionsgemeinschaften des Landes und der Konsultation von 76 in Rechtsverfahren in Familienangelegenheiten Kindern wurde 2017 begonnen, religiöse Rechtsprechung zu untersuchen. Religiöse Rechtsprechung bezieht sich spezifisch auf formelle Justizsysteme, die traditionelle und religiöse Regeln für Zivilangelegenheiten anwenden. Die Ergebnisse zeigen die Hindernisse und Möglichkeiten religiöser Gerichte zur Einhaltung und Übernahme von Standards einer kinderfreundlichen Rechtsprechung für Kinder auf.
Parallel dazu wurden in Palästina Pilotprojekte lanciert. Tdh hat in Palästina eine Partnerschaft mit Scharia-Gerichten aufgebaut, um geschlechtsspezifische Interventionen zur Verringerung der Gewalt gegen Mädchen und Frauen umzusetzen, einschliesslich Initiativen zum Aufbau von Kapazitäten für Personal im Justizbereich und einer evidenzbasierten Forschung über die Verwaltung von Fällen geschlechtsspezifischer Gewalt. Eine strategische Partnerschaft mit der afghanischen Richterinnenvereinigung war für Tdh ein solider Schritt zur Einführung des Themas in Afghanistan.
Austausch von bewährten Praktiken zum Schutz der Kinderrechte
Tdh organisiert nationale und regionale Workshops, die es Zivil- und Religionsrichtern, Richtern für internationales Familienrecht und Experten für Rechtsprechung in Kinderfragen ermöglichen, sich über bewährte Praktiken zum Schutz der Kinderrechte während dieser Prozesse auszutauschen.
2018 wurde ein nationaler Workshop organisiert, der libanesische Zivil- und Religionsrichter, Richter für europäisches Familienrecht und Experten für Rechtsprechung in Kinderfragen zusammenführte, um einen kinderfreundlichen Zugang zur Justiz in libanesischen Zivilgerichten zu fördern. Als Ergebnis der dort gesammelten Vereinbarungen und Empfehlungen schuf Tdh 2019 die ersten kinderfreundlichen Gerichtsrichtlinien für Zivilgerichte im Libanon.
Darüber hinaus hat Tdh eine regionale Länderbewertung entwickelt, die Palästina, Jordanien, Afghanistan, Ägypten, Irak und Libanon umfasst.