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Schon in der Bibel steht im Lukasevangelium: «Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist gross.» Prinz Edward kennt als Protestant diese Worte natürlich gut – er ist der jüngste, der kleinste, das Nesthäkchen der englischen Königsfamilie, mit Mutter Queen Elizabeth II. (†96) Vater Philip (†99) und den älteren Geschwistern Charles (75), Anne (73) und Andrew (64).
Es gibt ein Foto von Edward, das ihn als Fünfjährigen auf dem Schoss seines ältesten Bruders zeigt – des heutigen Königs Charles III. Der seit anderthalb Jahren regierende Monarch hat aus dem kleinen Schosskind einen für ihn heute wertvollen Schloss-Bediensteten gemacht. Als Charles seinem jüngsten Bruder vor einem Jahr den Titel «Herzog von Edinburg» verleiht, zeigt er damit sehr deutlich, welchen Stellenwert Edward für ihn als Regenten hat. Denn diesen Titel trug zuvor Prinz Philip, der Gatte der 2022 verstorbenen Queen, bis zu seinem Tod.
Edward gilt seit je als das Kind der Queen, das am wenigsten auffällt: fleissiger Royal, skandalfreier Ehemann, dazu zwei wohlgeratene Kinder. Das ist auch schon das Auffälligste an ihm. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern erblickt er im Buckingham-Palast das Licht der Welt, und nicht im Spital. Die Queen soll vor seiner Geburt in Frauenmagazinen gelesen haben, wie wichtig es sei, den Kindsvater am Geburtserlebnis teilhaben zu lassen. Deshalb ist Prinz Philip als erster royaler Vater seiner Generation bei Edward als Kind Nummer 4 im Schloss-Kreisssaal dabei.
Als kleiner Prinz macht er Theater
Die Erziehung des Jüngsten übernimmt eine Nanny, bis Edward in der Heatherdown Preparatory School eingeschult wird. James Edwards, der damalige Direktor, erinnert sich, dass die Queen ihren Sohn häufig persönlich nach dem Unterricht abgeholt habe. «Sie verpasste nur eine Aufführung von ihm – und das war die, als Edward den Part des Saul im Theaterstück ‹Der Junge David› spielte, weil sie auf Staatsbesuch in Australien war. In Vertretung kam die Königin-Mutter.»
Den schönen Künsten fühlt sich Edward früh zugetan – und er bleibt dran. So steht er auch während seines Studiums in Cambridge auf der Bühne, spielt Rollen in Stücken des gesellschaftskritischen US-Dramatikers Arthur Miller, schliesst sich später sogar einer Theaterfirma des bekannten Musical-Produzenten Andrew Lloyd Webber (75) an.
Prinz Edward ist der Einzige unter seinen Geschwistern, der sich nie scheiden liess. «Das Scheitern der Ehen seiner geliebten Schwester Anne und dann, in schneller und immer peinlicherer Folge, von Andrew und Charles bestärkten Edward nur noch mehr darin, Vorsicht bei der Wahl seiner Partnerin walten zu lassen», sagt Ingrid Seward, Chefredaktorin des britischen «Majesty Magazine». Seine Frau Sophie (59) mit der er im Juni nach 25 gemeinsamen Ehejahren Silberhochzeit feiert, lernte er 1993 beim Tennis kennen. Erst fünf Jahre später verlobten sie sich, heirateten am 19. Juni 1999 in der kleinen St George’s Chapel in Windsor.
Aus Edwards Leben gibts bis heute lediglich von zwei unrühmlichen Begebenheiten zu berichten: So quittierte er seine Ausbildung bei der britischen Marine vorzeitig und liess dazu nur verlauten, er sein «kein Rambo». Nicht einmal die Appelle seines Vaters Philip an Tradition, Familienehre und Vaterlandsliebe brachten ihn dazu, im Militär weiterzumachen. Edward blieb stur. Das Volk und selbst die sonst so gnadenlose britische Presse zeigten sogar Verständnis und attestierten dem Nesthäkchen Intelligenz und Zivilcourage.
In ein zweites Fettnäpfchen trat Edward Anfang der 2000er-Jahre, als ein Team seiner Filmproduktionsfirma unerlaubte Aufnahmen von seinem Neffen William (41) bei dessen Studienbeginn in Schottland machte. Charles schnaubte vor Wut, Prinz Philip titulierte den Sohn sogar als «Volltrottel». Als dann noch Edwards Frau Sophie, die schon vor der Hochzeit eine eigene PR-Agentur hatte, einem als Scheich verkleideten Reporter auf den Leim ging und die Queen als «altes Tantchen» nicht gerade schmeichelhaft dastehen liess, wurde der Ausflug des royales Paars ins Medienbusiness vom Palast beendet.
Edwards Jugendsünden sind längst vergessen. Auf ausdrücklichen Wunsch repräsentiert das Paar bereits zu Lebzeiten der Queen die britische Krone bei zahlreichen Grossereignissen im Ausland. Auch Charles III. setzt nach dem Tod der Mutter auf den einstigen Schattenprinzen. Und so spielt der kleine Bruder heute als rechte Hand des britischen Königs (s)eine grosse Rolle.