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"Apprentice" ist erst der zweite Spielfilm von Boo Junfeng, zeichnet sich jedoch durch eine erstaunliche Reife aus. Er erzählt die Geschichte des jungen Gefängniswärters Aiman, der sich beim Henker des Gefängnisses beliebt macht und von diesem in die zweifelhafte Kunst des Hängens eingeführt wird.
Aiman folgt dieser Ausbildung mit Faszination und Abscheu zugleich, denn der unzimperliche Henker war es einst, der die Todesstrafe an Aimans Vater vollzog. Das Porträt dieses innerlich zerrissenen jungen Mannes zeichnet Boo Junfeng mit eindringlichen, klaren Bildern.
Der nepalesische Regisseur Deepak Rauniyar konnte mit seinem Drama "White Sun" die Zuschauerinnen und Zuschauer überzeugen und gewann den Publikumspreis in der Höhe von 5000 Franken, wie das FIFF am Samstag zum Schluss des Festivals mitteilte. Zudem erhielt er eine besondere Erwähnung der Internationalen Jury, den Don-Quijote-Preis des Internationalen Filmclub-Verbandes (FICC) sowie den Preis der ökumenischen Jury.
Auch in "White Sun" geht es um Zerrissenheit. Der ehemalige kommunistische Guerillero Chandra kehrt dabei in sein Heimatdorf zurück, um seinen Vater zu beerdigen. Mit dieser Beerdigung zeigt Deepak Rauniyar die zahlreichen Spaltungen in der nepalesischen Gesellschaft auf, gefilmt vor einer grandiosen Bergkulisse.
"Honeygiver Among the Dogs" von Dechen Roder und damit der erste Langfilm einer weiblichen Regisseurin aus Bhutan räumte ebenfalls mehrere Preise ab. Die Filmemacherin erhält den mit 10'000 Franken dotierten Sonderpreis der Jury, den Preis der Jugendjury Comundo und eine besondere Erwähnung des Internationalen Filmclub-Verbandes.
Der Film erzählt von einem verdeckten Ermittler, der in einem abgelegenen Bergdorf das Verschwinden einer Nonne untersucht. Eine geheimnisvolle junge Frau führt ihn dabei mit ihren Legenden und Sagen auf die Spur einer komplexen Verschwörung.
Der künstlerische Leiter des FIFF, Thierry Jobin, glaubt an eine grosse Zukunft für Filme aus Südasien. Die Digitalisierung habe den Zugang zum Filmemachen vereinfacht und dabei in Südasien einen Funken gezündet. "Dieser hat sich zu einem lodernden Feuer ausgebreitet: Wir werden noch viel von diesem Teil der Welt hören", wird Jobin in der Mitteilung zitiert.
Den Kurzfilm-Wettbewerb des FIFF gewann der Libanese Raed Rafai für seine Dokufiktion "Salam". Er lässt darin eine Syrerin von ihrem Alltag als Emigrantin erzählen.
Zum ersten Mal vergeben wurde dieses Jahr der mit 1000 Franken dotierte "Foreign Visa Prize". Filmemacher aus dem Gastland Nepal bewerteten dabei Kurzfilme von Studierenden der Schweizer Filmhochschulen. "Millimeterle" von Pascal Reinmann von der Hochschule der Künste in Zürich gewann die Auszeichnung.
Mit Filmen aus Nepal füllte das FIFF die Kinosäle Freiburgs in der vergangenen Woche immer wieder. Auch die Gespensterfilme aus der Sektion Genrekino waren beliebt. Trotz des schönen Wetters besuchten erneut mehr als 42'000 Zuschauerinnen und Zuschauer das Festival. Damit ist es laut Mitteilung die meistbesuchte Filmveranstaltung der Westschweiz.
(SDA)