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Rauma – traditionsreiche Handelsstadt und Zentrum des Kunsthandwerks
Die finnische Ostseestadt Rauma ist eine der ältesten Städte des Landes. Was die 40.000-Einwohner-Stadt so besonders macht, ist aber nicht ihre fast 600-jährige Geschichte an sich. Es ist vielmehr die hölzerne Altstadt von Rauma, die in ihrer Art nicht nur in Finnland, sondern in ganz Skandinavien einzigartig ist.
90 km nördlich von Turku zählt Rauma zu den westfinnischen Küstenstädten, die besonders stark von der schwedischen Kultur und Sprache geprägt wurden. Rauma gehörte wie ganz Finnland viele Jahrhunderte lang zu Schweden, und in nur 250 km Entfernung zum schwedischen Festland ist der schwedische Einfluss in Rauma bis heute zu spüren.
Das moderne Rauma vereint den Charme seiner kopfsteingepflasterten Altstadt mit dem geschäftigen Leben einer weltoffenen, modernen Hafenstadt. Zahlreiche Kunst- und Musikfestivals werden während der Sommermonate in Rauma abgehalten, darunter Blues-, Jazz- und Klassikfestivals ebenso wie ein jährliches Filmfestival und eine Themenwoche zu Ehren von Raumas Traditionsprodukt, der Raumaer Spitze.
Handelshafen mit langer Geschichte
Raumas Anfänge reichen vermutlich bis ins späte Mittelalter zurück. Die Hafenstadt ist die drittälteste Stadt in Finnland. Lange, bevor Rauma im Jahr 1442 die Stadtrechte erhielt, verfügte die Stadt bereits über eine Kirche und ein Franziskanerkloster. Vom Kloster ist heute nur noch die Heilig-Kreuz-Kirche erhalten, die um 1520 gebaut wurde und deren weisser Glockenturm einst den Seefahrern als Orientierungspunkt diente. In der zweischiffigen Granitkirche sind ausserdem mittelalterliche Fresken erhalten.
Zur Zeit der Stadtgründung gehörte Rauma zu Schweden. Im Jahr 1550 gründete König Gustav I. Wasa die spätere Hauptstadt Helsinki als konkurrierenden Hafen zu Tallinn. Die Einwohner von Rauma wurden ebenso wie die Bevölkerung anderer westfinnischer Städte verpflichtet, sich in der neugegründeten Stadt niederzulassen, sodass Rauma zwischenzeitlich entvölkert wurde. Die gezwungene Umsiedlung war jedoch wenig erfolgreich, und nur wenige Jahre später kehrten die Bewohner von Rauma in ihre Stadt zurück.
Ab dem 17. Jahrhundert sorgte die Seefahrt in Rauma für wirtschaftlichen Aufschwung. Die prachtvollen Holzbauten, die heute Raumas grösste Attraktion sind, stammen zum Grossteil aus dieser Blütezeit der Stadt, als Rauma über die grösste Segelflotte Finnlands mit fast 60 Booten verfügte. Schon damals war Rauma ein wichtiger Handelshafen, der Waren nach Deutschland, Schweden und in die baltischen Staaten lieferte. Heute ist Rauma als Verarbeitungsstandort und Exporthafen vor allem für die Holzindustrie von Bedeutung.
Einzigartig in Skandinavien: Raumas hölzerne Altstadt
Raumas hölzerne Altstadt besteht aus einem Komplex von rund 600 Einzelgebäuden. Damit ist sie die grösste erhaltene Holzhausstadt in den skandinavischen Ländern. Dass die Holzhäuser von Rauma erhalten werden konnten, ist ein seltener Glücksfall, denn fast alle vergleichbaren Siedlungen wurden im Laufe der Jahrhunderte von Bränden ganz oder teilweise zerstört. Auch Rauma hat in seiner Geschichte zwei verheerende Brände gesehen, die in den Jahren 1640 und 1682 schwere Schäden anrichteten. Seitdem gab es allerdings keine vergleichbaren Brände mehr.
Die Holzhäuser von Rauma sind zum Teil reich verziert und erinnern an die wirtschaftliche Blütezeit der Stadt, als die Raumaer Segelflotte hohe Gewinne einbrachte. Alle Gebäude tragen historische Namen, und viele beherbergen heute kleine Cafés oder Ladengeschäfte. Der Grundriss der hölzernen Altstadt stammt noch aus dem Mittelalter, ebenso wie der historische Marktplatz mit dem Alten Rathaus. Das hölzerne Rathaus aus dem Jahr 1776 beherbergt heute das Stadtmuseum von Rauma, das sich neben der Stadtgeschichte auch mit der Geschichte der traditionsreichen Raumaer Klöppelspitze befasst. Die hölzerne Altstadt von Rauma ist seit 1991 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Raumaer Spitze und mehr: Kunsthandwerk in Rauma
Neben der hölzernen Altstadt hat Rauma vor allem für kunsthandwerklich interessierte Besucher viel zu bieten. Die Raumaer Klöppelspitze ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und war in Rauma schon im 16. Jahrhundert beliebt. Wer genau die Kunst des Klöppelns nach Rauma brachte, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass sich die Raumaer Spitzen schnell zum Exportschlager entwickelten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war über die Hälfte der Bewohner in Produktion, Vermarktung oder Verkauf der Klöppelspitzen beschäftigt.
Wer sich für das traditionsreiche Handwerk des Spitzenklöppelns interessiert, sollte sich das Raumaer Stadtmuseum ebenso wenig entgehen lassen wie ein Besuch der jährlichen Spitzen-Themenwoche im Juli. Ausserdem finden in der Stadt das ganze Jahr über immer wieder Veranstaltungen zur Raumaer Spitze statt, darunter Ausstellungen ebenso wie Klöppelkurse.
In der Strasse Nummenkatu südlich der Altstadt kann während der Saison ausserdem eine Töpferwerkstatt mit angegliederter Wohnstube besichtigt werden. Die Werkstatt stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und ist im Originalzustand erhalten. Das Museumshaus Kirsti wiederum zeigt, wie die Raumaer Bürger im 19. und frühen 20. Jahrhundert lebten. Einen Einblick in den bäuerlichen Alltag vor hundert Jahren bietet das Heimatmuseum Muina im südöstlich gelegenen Dorf Vasarainen, während das Seefahrtsmuseum in der alten Seemannsschule der Geschichte der Seefahrt in Rauma gewidmet ist.
Rauma ist die einzige Stadt in Finnland, die über zwei UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten verfügt. Neben der hölzernen Altstadt zählt auch der bronzezeitliche Friedhof im Nachbarort Lappi zum Weltkulturerbe. Der Friedhof auf dem Hügel Sammallahdenmäki ist über 3000 Jahre alt und zählt zu den bedeutendsten archäologischen Stätten in Skandinavien.
Oberstes Bild: Traditionelle Holzhäuser in der Altstadt von Rauma (© aiko99ann / Wikimedia / CC)