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Der älteste mir bis jetzt mit allen Daten bekannte Ruckli ist Melchior Ruckli, mein Ur-ur-ur-urgrossvater. Er wurde im Jahr 1785 in Rothenburg LU als Sohn des Josef Ruckli und der Maria Köpfli geboren. Am 12. Juni 1785 wurde er in Sempach LU getauft. Als Bauer bewirtschaftete er den Hof Schroten in Rothenburg. Mit 22 Jahren, am 18. Januar 1807 heiratete er in Sempach Katharina Troxler. Die beiden wurden Eltern eines Sohnes. Sie tauften ihn auf den Namen Melchior. Weitere Kinder sind mir noch nicht bekannt. Vater Melchior wurde nur 56 Jaher alt als er am 11. März 1841 um 21.00 Uhr auf seinem Hof „Schroten“ starb. Zwei Tage später wurde er in Rain LU beerdigt.
Auch Melchior jun. blieb dem Elternhof treu und führte den Hof als Landwirt weiter. Seine Frau Katharina Barbara Egli (geboren am 12. Dezember 1818) fand er in Buttisholz LU und heiratete sie am 9. Februar 1847 in Sempach. Die Ehe brachte mit Josef Melchior, Jakob Melchior, Johann, Josef, Bernard, Katharina, Xaver, Katharina Elisabeth und Maria Josefa neun mir bekannte Kinder hervor. Johann und Xaver wurden nur wenige Jahre alt.
Der am 10. Februar 1856 um 23.00 Uhr geborene Sohn Bernard fühlte sich zu mehr berufen und gab sich ganz Gott hin. Die Ordensprofess durfte er am 29. September 1877 feiern und gab sich den Ordensnamen Constantin. Sein Ziel erreichte er mit der Priesterweihe am 20. März 1881. Mit einem stolzen Alter von 83 Jahren starb er am 13. Juli 1939 in Zug.
Der Bruder von Bernard, Jakob Melchior – er wurde am 3. Februar 1851 in aller Herrgottsfrühe um 02.00 Uhr geboren – führte die Schroten in die nächste Generation. Er heiratete Aloisia Imgrüth. Ihr Sohn Jakob Josef, mein Urgrossvater, erblickte am 12. August 1884 das Licht der Welt. Als dieser 42 Jahre alt war, starb sein Vater am 6. April 1926.
Als nächster der Dynastie Ruckli führte Jakob Josef den Hof in das nächste, das 20. Jahrhundert. Mit Aloisia Estermann (geboren am 24. April 1884 in Rain LU) fand er eine liebevolle Frau. Ihre Liebe besiegelten sie am 12. Februar 1909 mit ihrer Heirat in Rain. Der Ehe folgten zehn Kinder.
Drei der Kinder möchte ich herauspicken:
Zuerst der Sohn Johann. Er wurde am 6. November 1915 geboren. Er besuchte die Gymnasien in Beromünster und Disentis. Wie sein Grossonkel Bernard (Pater Constantin) folgte auch Johann dem Ruf Gottes. Im Jahr 1939 trat er mit 24 Jahren bei den Benediktinern von St. Ottilien im Benedictinum Fribourg ein und nannte sich ab sofort Adalgott. Er studierte Philosophie und Th
eologie an der Uni Freiburg. Die Priesterweihe wurde ihm am 9. Juli 1944 im Wesmelin Luzern gespendet. 16 Tage später feierte er seine Primiz am 25. Juli bei schönem Wetter in seiner Heimatpfarrei Rain. Pater Adalgott wurde im Jahr 1946 ins Missionsgebiet Peramiho in Tansania entsandt. Nach den zwei Heimaturlauben in den Jahren 1958 und 1966/67 kehrte er am 3. Oktober 1971 in die Schweizer Heimat zurück.
Im Jahr 1984 folgte ein schwerer Schicksalsschlag. Die Ärzte stellten bei ihm Kehlkopfkrebs fest. Obwohl angeblich alles Krebsartige entfernt werden konnte, musste er sich einer starken Bestrahlung unterziehen. Die Folgen: Zusammenbruch, Verbrennungen und Wucherungen in der Speiseröhre. Es wurden über ein Dutzend Operationen nötig. Er
konnte nicht mehr richtig sprechen und essen. Die Worte musste man ihm von den Lippen ablesen und beim Speisen blieb nicht selten der kleinste Krümel im Hals stecken. Pater Adalgott wurde schwach. Er stürzte mehrmals und weigerte sich die letzten Tage seines Lebens etwas zu essen oder zu trinken. Schliesslich wurde er am 17. Mai 1993 von seinem Leiden erlöst. Er starb im Kloster St. Othmarsberg in Uznach SG.
Anna wurde auf dem elterlichen Hof am 15. April 1918 als sechstes Kind geboren. Sie wuchs unbeschwert und glücklich auf. Die glücklichen Kinderjahre wurden aber bald durch eine schwere Krankheit getrübt. Mit nur sechs Jahren konnte Anna fast nicht mehr gehen. Man diagnostizierte die bösartige Kinderlähmung. Von da an war sie am rechten Fuss gelähmt. Nach der Schulzeit half sie, so gut es eben ging, daheim auf dem Hof mit. Anfangs der vierziger Jahre nahm Anna im Kloster Baldegg eine Tätigkeit in der Küche auf. Daraufhin liess sie sich dreimal am Fuss operieren, der Erfolg hielt sich aber in Grenzen. Es wurde ihr grösster Wunsch, ins Kloster einzutreten. Dies wurde ihr aber aufgrund der Lähmung verweigert. So kehrte sie, nach verschiedenen, leichten Anstellungen, auf den väterlichen Hof zurück. Ihr Bruder Josef hatte diesen nun übernommen und so besorgte sie ihm einige Jahre lang den Haushalt.
Anfangs August 1970 machten sich gesundheitliche Störungen bemerkbar. Trotz guter Pflege ihrer Angehörigen und ärztlicher Kontrolle musste Anna am 26. August ins Kantonsspital Luzern eingeliefert werden. Durch Röntgenaufnahmen entdeckte man einen kleinen Hirntumor. Nach dieser schrecklichen Entdeckung wurde sie sofort nach Zürich ins Kantonsspital überbracht, wo sie am 31. August operiert wurde. Leider ohne Erfolg. Anna verstarb am 1. September 1970 mit nur 52 Jahren.
Am 15. Dezember 1921 wurde Rosa (meine Grossmutter) als achtes von zehn Kindern geboren. Auch Rosa blieb nichts erspart. Schon in den frühen Kinderjahren erlitt sie eine schwere Mittelohrentzündung mit schweren Folgen: Das Gehör wurde so schwer beschädigt, dass sie ab sofort mit einem starken Gehörschaden leben musste. Nichtsdestotrotz trat Rosa schon als Kind dem Kinderchor und später der Marianischen Kongregation bei. Der Schulweg nach Rain war beschwerlich insofern die Geschwister jeweils auch ihre ältere, gelähmte Schwester mit dem Leiterwagen mitnehmen mussten. Der tägliche Besuch der heiligen Messe morgens in der Früh gehörte zur Tagesordnung. Auch Rosa half nach der Schulzeit auf dem elterlichen Bauernhof mit. Im Jahr 1945 besuchte sie dann die Krankenpflege-Schule. Mit der erworbenen Ausbildung diente sie vielen Familien als Kranken- und Wochenbettpflegerin.
Rosa lernte den aus Fischbach LU stammende Mauritz Leonz Koller kennen und lieben. Am 6. April 1950 trauten sie sich im Standesamt Fischbach und gaben sich vier Tage später in der St. Jakobus-Kirche in Rain das Ja-Wort vor Gott. Der Ehe entsprangen neun Kinder. Die Kapelle St. Aper, vis à vis des neuen Heims in Fischbach, schmückte Rosa mit viel Hingabe mit Blumen aus dem eigenen Garten. Es traf sie schwer, als am 4. Oktober 1951 ihre Mutter Aloisia mit nur 67 Jahren starb. Schon neun Jahre später verstarb auch Vater Jakob Josef am 30. April 1960.
Rosa starb kurz nach ihrem 90. Geburtstag am 29. Dezember 2011.