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Museo Comunale d'Arte Moderna
26. Oktober - 29. Dezember 2019 und
7. März - 12. Juli 2020
bis 23. August 2020 verlängert
In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte das Gebiet des oberen Verbano zwischen Ascona und Locarno die außergewöhnliche Präsenz einer intellektuellen Gemeinschaft von Künstlern, an der sich Hans Arp, Julius Bissier, Ben Nicholson, Hans Richter und Italo Valenti beteiligt haben. Diese kam um die Ateliers der Künstler Remo Rossi und François Lafranca herum zusammen. Ein außergewöhnliches kosmopolitisches Klima, das eine fruchtbare Periode kennzeichnet, die ab Ende der fünfziger Jahre etwa 15 Jahre andauern wird, im Namen einer zunehmend lyrischen, synthetischen und abstrakten Kunst, die all diese Persönlichkeiten, deren Werke in dieser Ausstellung gezeigt werden, gemeinsam haben.
Als Hans Arp und Hans Richter – die bereits seit den Jahren von Dada mit der genannten Region verbunden waren und sich in Ascona mit den gegenkulturellen und libertären Tendenzen der Gemeinschaft des Monte Verità auseinandergesetzt haben, welche versuchte eine "Synthese aller Künste" zu erreichen – 1958 in Ascona eintrafen, erneuerten und radikalisierten sie, was sie bereits im Namen einer zunehmend synthetischen, konkreten und dynamischen Kunst formalisiert hatten. Hans Arp (1887-1966) vertieft seine Version der "konkreten Kunst", einer elementaren autonomen Sprache, die aus abstrakten und organischen Formen besteht, nicht imitativ, sondern dem Prozess der Natur innewohnend, denn für ihn muss der Künstler nicht reproduzieren, sondern "produzieren wie die Natur". Hans Richter (1888-1976) , für den Kunst nur dynamisch, multimedial, kommunikativ und prägnant sein kann, wendet sich nach seiner Erfahrung in New York als Leiter des Institute of Film Techniques am City College wieder ausdrücklich der Malerei zu, dem Wesen und Ursprung seiner gesamten künstlerischen Laufbahn, dynamische Assemblagen schaffend, in denen die traditionelle Ölmalerei zusammen mit den Papiers déchirés und der Collage in einem Ganzen koexistiert, das durch eine dynamische Räumlichkeit gekennzeichnet ist, voller Spannung oder ätherisch, die sich über die Oberfläche des Werks hinaus ausbreitet, wie bei The Musician (1972) oder Vibra (1974).
Julius Bissier (1893-1965) kam 1956 nach Ascona und hatte schon eine lange künstlerische Karriere hinter sich, die von einer konsequenten Suche nach sich selbst geprägt war, die ihn von den existentiellen Unannehmlichkeiten einer Welt befreien konnte, in der er sich selbst nicht erkannte. Zuerst im Geist der Neuen Sachlichkeit malend – das Erscheinen der phänomenalen Realität und der subjektiven Exuberanz des Expressionismus erforschend, in der Suche nach einer unverkennbaren Wahrheit ohne Ausschmückungen – gelangt er 1930 dazu, bewusst tabula rasa aus der Vergangenheit zu machen, die Staffeleimalerei aufzugeben, um sich als Autodidakt dem Kleinformat zu widmen, wo er seinen intimen Emotionen freien Lauf lassen kann, ohne Hemmungen und Vorurteile. So entstehen in einem Zustand meditativer Vollkommenheit, der mystisch zu verstehen ist freie Zeichen in schwarzer Tusche auf weißem Papier. Schließlich kommt er zur Formulierung seiner eigenen persönlichen Sprache, die sich aus Symbolen und Archetypen von universellem Inhalt zusammensetzt; einer essenziellen Kunst, die dem orientalischen Denken nahe steht, einer Kunst der Stille mit einem "heiligen" Charakter, die in der Meditation betrachtet werden soll.
Ben Nicholson (1894-1982) hat seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts einen zugleich naiven und rigorosen persönlichen Stil entwickelt, in dem in der scheinbaren Unmittelbarkeit seiner Darstellung von italienischen und schweizerischen Landschaften, die an die Malerei en plein air erinnern, nichts dem Zufall überlassen wird, so sehr, dass die Komposition auf eine analytische Erforschung von Raum und Form aufgebaut ist, die sich in den dreissiger Jahren durch die Anwendung der Eigenschaften des synthetischen Kubismus von Braque und Picasso weiter vertiefen wird. Durch die Gestaltung immer anspruchsvollerer Kompositionen mit gegensätzlichen und sich durchdringenden Ebenen, sowohl als gemalte Flächen als auch, in der weiteren Entwicklung, in Form von Reliefs und bemalten Tafeln, erweckt Nicholson die optische Illusion der vierten Dimension von Objekten und Räumen, die im Laufe der Zeit fortbestehen und sich verändern. Mit seiner elementaren Sprache immer konkreteren und absoluteren abstrakten Formen unterwirft sich Nicholson nicht dem mathematischen Rigorismus eines Mondrians, sondern bleibt lieber im Bereich der Intuition, der existentiellen emotionalen Erfahrung, Leitmotiv all seiner Vorgehensweise in der er besonders auf die Eigenschaften und die Potentialität des Materials achtet, das er mit Poesie zu enthüllen weiß. Zwischen 1965 und 1968 widmete er sich auch der Grafik: im Atelier von François Lafranca in Locarno entstehen mehr als 100 Radierungen, wo er mit allen technischen Möglichkeiten experimentierte und sich, nach dem Warten, über das gedruckte Ergebnis wunderte.
Italo Valenti (1912-1995) , der im Mailänder Umfeld um die antifaschistische Bewegung Corrente aufwuchs, lehnte eine expressive und poetische synthetische Figuration ab, die sich zunehmend in der Eurythmie serieller schematischen und sich überlagernden Formen artikulierte (nebeneinander gereihte Züge, Drachen, kreisende Boote usw.); der Schritt zur Abstraktion war also vorherbestimmt. Als Valenti 1952 beschloss, von vorne anzufangen, zog er nach Ascona und verkehrte im Milieu der Ateliers von Remo Rossi, wobei er die figurative Kunst endgültig zugunsten der Abstraktion aufgab. Jetzt können sich wesentliche Formen und Farben, die sich auf nichts mehr beziehen, frei in ihren eigenen Worten ausdrücken. Ein Übergang zur Abstraktion, der in Valentis Werk schrittweise erfolgt – von den pastösen Formen wirbelnder expressiver Farben über die zunehmend synthetischen und geometrisch orientierten Formen bis hin zur Verwendung von Collagen, die 1982 die Malerei im Namen jener lyrischen Abstraktion ersetzen, die in den Raum eindringt und darin ihr Echo auslöst.
Mara Folini
Freitag, den 6. März 2020, um 17.30 Uhr, Museo Comunale d'Arte Moderna, Ascona
Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Workshops, bei dem das Papier als künstlerisches Ausdrucksmittel im Mittelpunkt stand und anhand seiner Eigenschaften und Möglichkeiten untersucht wurde. So lernten die Kinder während des Besuchs der Ausstellung Meister der Stille, ihr eigenes Papier zu machen und es dann frei und abstrakt zu komponieren, wobei sie insbesondere über die Technik der Collage reflektierten und sich mit Beispielen der Kunstgeschichte verglichen. Ein wertvoller Beitrag zur Ausstellung selbst, die denjenigen Künstlern gewidmet ist, die mit Papier und Collagen einen neuen persönlichen Stil entwickelten, um ihre tiefsten Gefühle lyrisch auszudrücken.
Vernissage in Anwesenheit der Kinder und ihrer Lehrerin.