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Am 10. Dezember vor sechzig Jahren verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York die Resolution 217 A (III), als Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bekannt. Sie besteht aus der Präambel und dreissig Artikeln, die festlegen, dass alle Menschen mit gleichen Rechten ausgestattet sind.
Die Zürcher AutorInnengruppe Index hat zum runden Geburtstag dreissig in der Schweiz lebende SchriftstellerInnen aufgefordert, Texte zu den einzelnen Artikeln zu schreiben. Melinda Nadj Abonji wurde der erste zugeteilt. Sie schreibt über einen Krieg, der verniedlichend «Operation Wüstensturm» genannt wurde, und berichtet über die Verwendung von mit Uran angereicherter Munition. Diese unterscheidet nicht mehr zwischen Freund und Feind, und ihre Spätfolgen äussern sich als Teil von Krankheiten, die «Golfkriegssyndrom» heissen.
Marc Rychener versetzt uns in das Australien des 18. Jahrhunderts, lässt uns lange in dieser Zeit verweilen und berichtet erst in einer Fussnote, dass «Das Massaker von Coniston» erst 1928 stattgefunden hat. Gegen hundert Stammesangehörige der Warlpiri, Anmatjere und Kaytej - Frauen, Kinder und Männer - mussten bei einem Rachefeldzug der Weissen ihr Leben lassen.
«Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden», so Arikel 9. Suzanne Zahnd beschreibt einen gewöhnlichen Tag im Leben Akwe Nibombés, der mit Kopfschmerzen beginnt und mit einer Verhaftung endet. Die ehemalige Studentin der Rechtswissenschaften ist aus «Togo via Benin, Niger, Algerien und Tunesien nach Italien und später in die Schweiz» gekommen und stellt fest: «Wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort geboren wird, bleibt man besser biegsam.» Die Resolution 217 A (III) ist noch weit von ihrer Umsetzung entfernt.