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Da sind sich die Experten ausnahmsweise einmal einig: ohne «Petruschka» kein «Sacre du Printemps»! Mag das ältere Ballett mit seinem Jahrmarktstrubel und Marionettenabenteuern auch harmloser anmuten als die skandalträchtige Inszenierung heidnischer Riten – kompositorisch haben die beiden Werke viel gemein. Harte Schnitte, Collagetechniken, rhythmische Entladungen, Bitonalität: All dies findet sich bereits in «Petruschka», bloss im Gewand eines Puppenspiels.
Auch die Entstehungsgeschichte beider Werke verlief anfangs parallel: Während der Vorarbeiten zum «Sacre» hatte Igor Strawinski den Einfall, die Erlebnisse einer Holzfigur musikalisch zu gestalten, und zwar als Dialog zwischen Klavier und Orchester. Sergei Diaghilew, für den er den «Feuervogel» geschrieben hatte, brachte eine Ballettversion ins Spiel, und als solche kam «Petruschka» im Juni 1911 in Paris auf die Bühne. Mit enormem Erfolg, wozu nicht nur Strawinski beitrug, sondern auch die Choreografie Michail Fokins, das Dirigat von Pierre Monteux sowie die Leistungen der Tänzer (u.a. Waslaw Nijinski). Von den vier Bildern des Balletts spielen die beiden äusseren im Petersburger Fastnachtstreiben. Zu den vielen Schaustellern, Musikern und Tänzern gesellen sich drei Puppen, die ein Zauberer zum Leben erweckt. Zwischen ihnen kommt es in den mittleren Bildern zu Eifersuchtsszenen, und im Finale wird Petruschka von seinem Rivalen erstochen. Keine Sorge, erklärt der Zauberer der Menge und dem Publikum: Es war doch nur eine Puppe. Aus der Ballettmusik formte Strawinski ohne grössere Eingriffe eine konzerttaugliche Suite.