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Sein Geburtsjahr ist unbekannt. Um 1620 bis 1630 im Ortsteil San Giulio von Roveredo geboren, wird er erstmals 1665 und 1667 im Zusammenhang mit dem Neubau der Jesuitenkirche in Luzern als «Architecto Comazio Italo» erwähnt. Er ist, gemeinsam mit Michael Beer, Verfasser eines Kirchenprojektes[1] und Berater beim Neubau, und muss deshalb wie sein Vorarlberger Konkurrent bereits als erfahrener Meister gelten.
Zwiefalten, Obermarchtal
1668 ist er Baumeister des Konventneubaus von Zwiefalten. Er plant hier eine neue Klosteranlage mit Eckflügelbauten, und kann den Westflügel und das Schulhaus bauen. Der Holländische Krieg, den Louis XIV auch nach Schwaben trägt, unterbricht die Arbeiten 1673.[2] In den Annalen der Benediktinerabtei wird seine Zusammenarbeit mit den klostereigenen Handwerkern beschrieben.[3] Für Abt Nikolaus Wirieth von der benachbarten Prämonstratenserabtei Marchtal ist er ebenfalls tätig. 1669 zieht ihn der Abt für eine neue Sakristei bei und wird 1674 als Planer der Klosteranlage erwähnt. Auf ihn geht vielleicht der spätere Entwurf von Michael Thumb zurück.[4] Auch hier unterbricht der Krieg die Arbeiten.
Neuburg, Rheinau
1667 und 1669 ist er auch in Neuburg an der Donau und in Niederschönenfeld, hier für statische Verbesserungen der Kirche von Constantin Bader, tätig. 1675–1676 baut er in Rheinau das neue sogenannte Männergasthaus, den südlich an die Abtei anschliessenden Flügel. Nach Rheinau dürfte ihn Abt Nikolaus Wirieth empfohlen haben, dessen Bruder dort Konventuale ist.
Roveredo
Comacio kehrt, wie die meisten Misoxer des 17. Jahrhunderts, im Winterhalbjahr nach Roveredo zurück. Hier baut er 1670 sein eigenes Wohnhaus, den «Palazzo» Comacio. In diesem Jahr stirbt auch sein Vater Alberto. 1673 wird er vom Tavernenwirt in Begleitung von Giovanni Zucalli[5] und Giulio Barbieri notiert. 1675 und 1676 ist er längere Zeit in seinem Heimatort. Er ist hier «Consul» und unterstützt Landsleute mit Leihgeldern.
Baden-Baden
1670 wird Comacio von den Jesuiten nach Baden-Baden gerufen, um dort die Jesuitenkirche zu bauen. Die Grundsteinlegung erfolgt 1671, die Kirche wird ausschliesslich von Misoxer Bauleuten unter dem Palier Domenico Giboni bis 1673 fertig gestellt. 1674 liefert Comacio die Pläne für den Neubau des Jesuitenkollegs in Baden-Baden, das bis 1680 gebaut wird. Kirche und Kolleg fallen bereits 1689 dem von den Franzosen gelegten Stadtbrand zum Opfer, werden aber wieder hergestellt. 1812 wird die Kirche abgetragen und das Kolleg zur Spielbank (heute Rathaus) umgebaut.
Tommaso Comacio stirbt 1678 in Deutschland, wahrscheinlich in Baden-Baden. Catharina, seine Frau, stirbt 1709 in Roveredo. Das Geschlecht stirbt im 19. Jahrhundert aus.
Pius Bieri 2009
Zendralli, Arnoldo Marcelliano: Graubündner Baumeister, Zürich 1930.
Zendralli, Arnoldo Marcelliano: I Magistri Grigioni, Poschiavo 1958.
Pfister, Max: Baumeister aus Graubünden, Chur 1993.
Santi, Cesare: Comacio, Tommaso, in Historisches Lexikon der Schweiz, Bern 2005.
[1] Die neue Kirche wird 1666 bis 1677 aufgrund der Planung von Pater Christoph Vogler SJ gebaut.
[2] Er übernimmt einen bestehenden Eckflügelbau mit Renaissance-Volutengiebel als Ausgangspunkt, wiederholt diesen im Norden und setzt einen Mittelrisalit mit gleichem Volutengiebel. Zwiefalten dürfte das Vorbild aller Eckflügelbauten der Vorarlberger sein.
[3] «Aedes aulica ... architectone D'no Thomasio Italo-Grisone et popularibus, eius murariis, gente prae nostratibus ad labores alacri et expedita»
[4] Die Klosterkirche wird 1684 nach Entwürfen und einem Modell des Jesuitenbruders Heinrich Mayer von Michael Thumb, die Konventbauten ab 1701 von Christian Thumb und Franz Beer II begonnen.
[5] Stuckateur, Vater von Enrico Zucalli.
|Tommaso Comacio (um 1625–1678)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|um 1625||Roveredo||Graubünden CH|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Freistaat Graubünden||Chur|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|1678||Baden-Baden||Baden-Württemberg D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Markgrafschaft Baden-Baden||Strassburg|
|Kurzbiografie|
|Tommaso Comacio ist einer der ersten Baumeister aus dem Misox, der nach dem Dreissigjährigen Krieg im Südwesten des Deutschen Reiches und in der Eidgenossenschaft baut. Nur wenige seiner Werke sind bis heute bekannt.

Seine Hauptwerke
Abtei Zwiefalten: Kloster-Westflügel und Schulhaus.
Abtei Obermarchtal: Grundlagenplanung Neubau.
Abtei Rheinau: Männergasthaus.
Baden-Baden: Jesuitenkirche und Kolleg.