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Der Blick auf den Globus zeigt es deutlich: Die Osterinsel ist die abgelegenste besiedelte Insel der Erde. Entdeckt wurde Rapa Nui, wie das Eiland von den Einheimischen genannt wird, am Ostersonntag des Jahres 1722 vom niederländischen Admiral Jakob Roggeveen. 2012 lebten nur knapp 6000 Menschen auf der Insel. Einer von ihnen ist Peter Näf (54), der in einem kleinen Dorf in der Ostschweiz geboren wurde. Heute führt er mit seiner Frau Tiare ein Bed & Breakfast in Hanga Roa, der Hauptstadt der Osterinsel.
Von der beschaulichen Schweiz auf die abgelegenste Insel der Welt: Waren Sie schon immer ein Weltenbummler?
Als junger Mann war ich ziemlich rastlos, was wohl an einer gewissen Orientierungslosigkeit lag. Mit 24 Jahren führte mich meine erste grosse Reise in einen Kibbuz nach Israel. Danach wollte ich für längere Zeit nach Schottland. Kurz vor der Abreise verstarb leider meine Mutter und ich musste die Reise absagen. Meine spätere Tätigkeit als Reiseleiter führte mich in viele Länder. Schliesslich bewarb ich mich mit 31 Jahren als Flight Attendant bei der damaligen Swissair.
Wie kamen Sie auf die Osterinsel?
Ich arbeitete 2004 auf einem Südamerika-Rundflug der Belair. Irgendwann machten wir auch auf Rapa Nui halt. Tiare war als Dolmetscherin engagiert worden. Ich verliebte mich sehr in sie. In den folgenden zwei Jahren reiste ich fünf Mal auf die Osterinsel und lernte Tiare und ihre Familie besser kennen.
Wann haben Sie sich erstmals Gedanken über eine Auswanderung gemacht?
Das ging schnell. Meine Frau hat eine sehr enge Beziehung zu ihrer Familie. In der Schweiz hätte sie sicher unter Heimweh gelitten. Wir haben aber einige Monate in Herrliberg ZH gelebt und auch dort geheiratet. Mir war wichtig, dass sie einen Eindruck von der Mentalität erhält. Der Abschied von der Schweiz ist mir letzten Endes gar nicht schwergefallen. Wir machten eine Abschiedsreise und besuchten Verwandte und Freunde. Im Dezember 2006 wanderte ich dann definitiv aus.
In verschiedenen TV-Sendungen wird das «Abenteuer Auswanderung» dokumentiert. Wie haben Sie es erlebt?
Es war kalkulierbar. Wir hatten ja bereits den Plan, ein Haus zu bauen und Bungalows für Touristen zu errichten. Meine Frau stammt zur Hälfte von den Rapa Nui ab, ihr Vater hat ihr das Bauland geschenkt. Wir hatten also gute Aussichten auf eine gesicherte Existenz. Das grösste Abenteuer war sicher die Verschiffung von 30 Tonnen Material für den Häuserbau. Wir mussten alles in Santiago, der Hauptstadt von Chile, kaufen. Auf der Insel wäre alles viel teurer gewesen.
Sie waren von Beruf Flight Attendant. Woher stammten Ihre Kenntnisse im Häuserbau?
Ich hatte keine! (lacht) Mein Schwiegervater und einige Verwandte meiner Frau nahmen das in die Hände. Glücklicherweise lerne ich schnell und konnte ihnen schon bald unter die Arme greifen. Unser Wohnhaus war 2009 fertig, danach folgten die Bungalows. Heute bin ich ein Profi im Bauen. Seit Ihrer
Auswanderung sind rund zehn Jahre vergangen. Was hat sich in dieser Zeit getan?
Sehr viel. Im Jahr 2011 haben wir unser Bed & Breakfast «HareSwiss» mit drei Bungalows in Betrieb genommen, wir haben Gäste aus der ganzen Welt. Ausserdem sind meine Frau und ich Eltern von zwei Mädchen geworden. Annabelle ist 2013 zur Welt gekommen, Leonor im letzten November.
Was schätzen Sie an Ihrer neuen Heimat?
Das Leben hier ist sehr beschaulich. Die Insel gehört den Rapa Nui, das sind sehr friedliche Menschen. 60 Prozent der Insel stehen unter Naturschutz, ich lebe also eigentlich in einem Nationalpark. Ausserdem bezahlen wir keine Steuern. Man hat
weniger Papierkrieg und mehr Zeit für die wichtigen Dinge wie die Familie.
Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Vor allem mit der Familie. Wir haben keine Shopping-Center und kein Kino, es gibt keine Zeitungen und auch kein Satelliten-TV. Das ist schade, da ich ein grosser Fussballfan bin. Die Spiele der letzten Fussball-WM haben wir übers Internet verfolgt. Es gab Unterbrüche, aber wir waren glücklich, dabei zu sein.
Wie feiert man auf Rapa Nui eigentlich Ostern?
Man geht in die Kirche und für die Kinder gibt es süsse Nestchen. In der Dorfpost hängen auch bunte Briefe an den Osterhasen. Kinder aus aller Welt haben sie geschrieben.