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Für die Entwicklung von Sozialkompetenz muss ein Kind lernen, seine eigenen Gefühle wahrzunehmen. Erst dadurch kann es sich in andere hineinversetzen und Empathie entwickeln. Diese Fähigkeit wird in der Psychologie Emotionsregulation genannt.
Wer das nicht lernt, wird später eher anecken. Ein Grossteil psychischer Störungen geht mit Defiziten in der Emotionsregulation einher, zum Beispiel haben Kinder mit aggressiven Verhaltensauffälligkeiten oft besondere Schwierigkeiten, mit dem Gefühl «Wut» umzugehen. Doch wie lernen Kinder überhaupt ihre Emotionen zu regulieren und welche Strategien sind dabei hilfreich? Und welche Rolle spielen Eltern, Lehrer und Betreuungspersonen für die Entwicklung der Emotionsregulation?
Ein altbekanntes Beispiel: Das Kind steht im überfüllten Supermarkt vor dem Regal mit den Spielsachen und füllt sein Wägelchen. Die Mutter schüttelt den Kopf und räumt die Spielsachen mit einem bestimmten «Nein» ins Regal zurück. Im nächsten Moment wirft sich das Kind laut schreiend auf den Boden. Die Mutter versucht zu beruhigen, die anderen Leute schauen betreten zu Boden und sind heilfroh, dass es nicht ihr Kind ist. Aber das Tüpfelchen auf dem I ist die Person, welche der Mutter Vorwürfe macht, sie habe ihr Kind nicht im Griff und müsse ihre Erziehung noch einmal gründlich überdenken solle.
Fazit: Jetzt ist nicht nur das Kind wütend, sondern auch die Mutter. Eine ungewollte Spirale nimmt ihren Lauf.
Ein anderes Beispiel: Die Lehrerin bindet die Arbeitsblätter zu Büchlein. Bei einem Jungen passiert ihr ein Fehler, einige Arbeitsblätter sind untergegangen. Die Lehrerin entschuldigt sich beim Schüler und verspricht ihm, dass er sein Büchlein in der nächsten Woche komplett und neu gebunden ausgehändigt bekommt. Der Junge reagiert wütend, schmeisst alles zu Boden inkl. Stühle, tobt im Zimmer herum. Er lässt sich nicht mehr beruhigen, muss das Klassenzimmer verlassen, schlägt mehrmals an die Türe und verschanzt sich dann im WC und ist nicht mehr ansprechbar. Die Lehrerin ist hilflos, holt sich Hilfe. Ein unliebsamer Rattenschwanz beginnt.
Freude, Angst, Traurigkeit oder Wut sind Gefühle, die uns von Kindesbeinen an begleiten. Und genau diese Gefühle, so unliebsam sie manchmal auch sind, so nützlich und notwendig sind sie, denn sie steuern unser tägliches Erleben und Verhalten, und helfen uns, Situationen einzuschätzen und entsprechend schnell darauf zu reagieren.
Deshalb ist es wichtig, wenn Kinder und Jugendliche im Laufe ihrer Entwicklung lernen mit Emotionen richtig umzugehen, um ihre eigenen Ziele im Einklang mit sozialen Anforderungen erfolgreich verfolgen zu können.
Die Fähigkeit Emotionen zu regulieren, hängt nicht allein von genetischen Einflussfaktoren ab, sondern wird auch innerhalb der Familie oder im sozialen Umfeld gelernt. Im Elternhaus wie auch in der Schule oder in der Kitta soll das Kind sowohl positive als auch negative Gefühle zeigen dürfen. Eltern sollen die Gefühle ihres Kindes ernst nehmen und ihm Aufmerksam schenken, wenn ihm der Umgang damit gerade schwerfällt. Sie haben eine Vorbildfunktion. Dasselbe gilt für Lehrer oder andere Betreuungspersonen.
Im Alter zwischen zwei und vier Jahren, der sog. Autonomiephase, neigen viele Kinder zu Wutanfällen. Diese Phase kann auch bis zum sechsten Lebensjahr dauern, ist aber im Entwicklungsprozess ein wichtiger Schritt. Das Kind erkennt, dass sein Wille nicht immer auch der Wille seiner Eltern ist.
Ein Wutanfall kann verschiedene Gründe haben wie z.B. Eifersucht auf ein Geschwisterchen, das Kind kann sich sprachlich noch zu wenig ausdrücken, es braucht Anerkennung und Aufmerksamkeit usw. Oft sind es auch nur Kleinigkeiten, die einen Wutanfall auslösen und dazu führen, dass das Kind tobt, schreit, um sich schlägt oder gar spuckt oder beisst.
Den wahren Grund für den Wutausbruch herauszufinden, ist für die Eltern nicht immer leicht. Aber ganz sicher ist es keine Bagatelle – auf jeden Fall nicht für das Kind. Für ein Kind bedeutet es keine Kleinigkeit, wenn es seinen Willen nicht durchsetzen kann. Es empfindet die Situation als höchst frustrierend. Kleinere Kinder können ihre Gefühle noch nicht kontrollieren. Die Wut bricht aus ihnen heraus wie ein Vulkan. Ein Wutanfall ist also nicht nur für die Eltern, sondern vor allem für das Kind anstrengend.
Weil es sich, aus der Sicht der Eltern, beim Auslöser oft aber nur um eine Lappalie handelt, verstehen sie die Situation nicht. Besonders wenn Eltern oder andere Bezugspersonen gestresst oder übermüdet sind, von anderen Menschen beobachtet werden oder gar Ratschläge oder blöde Bemerkungen anhören müssen, fühlen sie sich in solchen Situationen hilflos.
In ihrer Hilflosigkeit giessen sie oft noch Öl ins Feuer und werden laut, wenn ihr Kind tobt. Aussagen wie «Jetzt tu doch nicht so blöd!» oder «Du benimmst dich wie ein Baby!» helfen Kindern aber nicht, sich zu beruhigen. Auch grob werden, würde das Kind als Strafe empfinden, seine Verzweiflung würde nur noch zunehmen.
Wie Eltern oder Bezugspersonen auf einen Wutanfall reagieren, hat viel mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun. Eltern, die als Kind selbst gefühlsstark waren, ihre Gefühle aber nicht ausleben durften, haben laut Annamaria Fisler, Erziehungsberaterin, besonders Mühe mit einem heftigen Gefühlsausbruch ihres Kindes. Sie haben nie erfahren, dass alle Gefühle okay sind.
Ein tobendes Kind braucht eine erwachsene Bezugsperson, die es versteht und liebt. Diese sollte selbst möglichst ruhig bleiben und ihr Kind im Auge behalten. Leider gibt es kein Patentrezept, wie man einem Kind helfen kann, aus dem Strudel der Emotionen herauszufinden. Für manche Kinder ist es hilfreich, wenn man sie berührt. Das Kind spürt, dass es in Ordnung ist, wenn es von seinen Gefühlen übermannt wird, dass es unterstützt wird. Andere Kinder hingegen wehren sich gegen Berührungen, sie brauchen einfach Zeit um sich zu beruhigen.
Als Voraussetzung einer gesunden Entwicklung im Kindes- und Jugendalter ist es wichtig, dass Kinder möglichst früh in die Welt der Gefühle eingeführt werden. Das wirkt sich bis ins Erwachsenenalter aus. Kinder sollen lernen, alle Gefühle zu benennen, auch jene, die als negativ bewertet werden. Hilfreich sind hier Bilderbücher oder Spiele rund um das Thema Gefühle.
Wenn sie als Eltern oder Bezugspersonen bei einem Kind Schwierigkeiten in der emotionalen Entwicklung beobachten und sie sind unsicher abzuschätzen, ob diese einfach im Rahmen der gesunden Entwicklung auftreten oder möglicherweise doch behandlungsbedürftig sind, scheuen sie sich nicht von einem Fachmann beraten zu lassen.
Bevor sie aber zu Medikamenten greifen, möchte ich ihnen folgendes ans Herz legen:
Kunsttherapie ist ein empfehlenswertes, therapeutisches Angebot. Ihr Kind lernt dort spielerisch mit Farben, Sand, Ton oder Papier und Kleister seine Gefühle zu benennen und darzustellen. Auch Puppenspiel, Theater oder Musik sind gute Möglichkeiten um sich mit Gefühlen auseinander zu setzen.
Ich bin Ihnen, in meinem kleinen geschützten Atelier, gerne behilflich und biete Ihnen die bestmögliche Unterstützung für Sie und Ihr Kind.