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Politische Gefangene aus Nicaragua : «Es war wie in einer Gruft»
Dora María Téllez war sandinistische Guerillakämpferin und dann Gesundheitsministerin Nicaraguas – bevor sie sich mit dem zunehmend autoritären Präsidenten Daniel Ortega überwarf. Bis Februar sass sie in Isolationshaft – jetzt spricht sie darüber.
WOZ: Frau Téllez, Sie sassen 605 Tage lang in sogenannter Dunkelhaft allein in einer finsteren Zelle. Wie überlebt man das, ohne verrückt zu werden?
Dora María Téllez: Man muss einen Überlebensmechanismus entwickeln. Ich bin um vier Uhr morgens aufgestanden und habe eine Stunde Gymnastik gemacht, dann bin ich eine Stunde im Kreis gegangen und habe auf das Frühstück gewartet. Dann bin ich wieder eine Stunde gegangen und habe bis zum Mittagessen Gymnastik gemacht. In der Dunkelheit habe ich mir dabei ein Knie und die Füsse verletzt. Ich hatte ja keine Schuhe, nur Flipflops. Der Nachmittag war immer lang und schwierig. Da lässt man sich Ereignisse und Szenen aus der Vergangenheit durch den Kopf gehen. Manchmal habe ich an bestimmte Bücher gedacht oder mir Gedichte in Erinnerung gerufen. Das hilft, das Gehirn zu trainieren.