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Der deutsche Jurist und Buchautor Dr. Friedrich-Wilhelm Schlomann verfasst seit Jahren fundierte Recherchen über Missstände in China, Russland oder Nordkorea. Seine Beiträge erhalten regelmässig internationale Beachtung. Schlagzeilen machten zuletzt seine Berichterstattungen über die Schwester des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un, welche aller Wahrscheinlichkeit nach eine Zeit lang eine Schule in Bern besuchte.
Wie Dr. Schlomann erfahren hat, befindet sich seit Ende vergangener Woche Ri Su-Yong, der Aussenminister der „Demokratischen Volksrepublik Korea“ (Nordkorea), in Bern, wo er letzten Freitag bereits Gespräche mit dem EDA führte. Auffallend dabei ist, dass diese Gespräche nicht, wie sonst üblich, mit der dortigen nordkoreanischen Botschaft, sondern direkt mit dem Aussenminister geführt werden. Für Ri Su-Yongs Besuch in der Schweiz sind derweil mehrere Tage vorgesehen. Über die Verhandlungen selbst wurde von offizieller Seite bislang kein Wort verlautet.
Der heute 74 Jahre alte Ri Su-Yong kam 1987 als Botschafter seines Regimes in die Schweiz, wo er die ungewöhnlich lange Zeit von 23 Jahre verbrachte. Er war ein enger Vertrauter von Staatsgründer Kim Il-sung gewesen und ebenso von dessen Nachfolger Kim Jong-il, mit dem er in Pjöngjang gemeinsam die Kim Il-sung-Universität besucht hatte. So bestanden in der nordkoreanischen Führung keinerlei Bedenken, ihm faktisch die Vormundschaft über den heutigen Herrscher Kim Jong-un anzuvertrauen, der damals unter falschen Personalien eine Berner Schule besuchte. Bei der Verhaftung von Jang Song-thaek, dem Onkel des heutigen Diktators, geriet Ri Su-Yong ebenfalls unter Verdacht, doch dessen Einfluss rettete ihn. Im April dieses Jahres rückte er sogar zum Aussenminister Nordkoreas auf.
Der Besuch des nordkoreanischen Aussenministers in der Schweiz ist umso rätselhafter, als dass es zwischen der Schweiz und Nordkorea keinerlei sichtbaren Differenzen gibt, welche auf Ministerebene zu lösen wären. Nordkoreanische Überläufer berichteten jedoch schon vor Jahren, dass das Regime von Pjöngjang in der Schweiz einen geheimen, fünf Milliarden Schweizer Franken schweren Fonds eingerichtet hätte. Nordkorea-Experten vermuten nun, dass mit den jetzigen Verhandlungen Möglichkeiten um eine legale Überführung der Gelder nach Nordkorea sondiert werden. Bekanntlich benötigt Pjöngjang angesichts seiner Wirtschaftsmisere dringend Devisen, andererseits sind die Schweizer Banken in ihrem Bemühen um Wiederherstellung eines guten Images sehr bestrebt, sich von Schwarzkonten und zweifelhaften Geldeinlagen zu trennen.
Pro Libertate ist erstaunt, dass die Schweizer Behörden den Besuch des nordkoreanischen Aussenministers weder angekündigt noch anderweitig mitgeteilt haben. Gespräche oder gar ein Treffen auf Ministerebene mit Vertretern dieses Terror-Regimes sind nicht tolerierbar und werfen ein sehr schlechtes Licht auf das EDA und die Schweizer Aussenpolitik.
Für Rückfragen:
Grossrat und alt Nationalrat Thomas Fuchs, Präsident Pro Libertate, Tel. 079 302 10 09