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Die Komplexität der Forellen – Das Wichtigste in Kürze
Die Atlantische Forelle (Salmo trutta) ist in der Schweiz mit Abstand die häufigste und auch bekannteste Forellenart. Nebst der Atlantischen kommen hierzulande noch vier weitere einheimische Forellen vor, die getrennten Einzugsgebieten entstammen (mehr dazu in der FIBER Broschüre Forellen in der Schweiz). Oft wird auch von Bachforellen, Seeforellen, Flussforellen oder Meerforellen gesprochen. Dabei handelt es sich allerdings nur um umgangssprachliche Namen für verschiedene Erscheinungsformen, die innerhalb einer selben Forellenart oder gar Population vorkommen. Forellen können also unterschiedliche Lebensweisen annehmen. Dies ist vor allem von der Atlantischen Forelle bekannt, kommt aber auch bei anderen Salmoniden vor, beispielsweise bei der im Tessin heimischen Marmorataforelle (S. marmoratus).
Bei den Lebensweisen unterscheidet man zwischen zwei Hauptstrategien. Einerseits die Sesshaftigkeit und im Gegensatz dazu die verschiedenen Wanderformen. Nach ein bis zwei Jahren im Geburtsbach scheiden sich die Wege der Jungforellen. Einige entscheiden sich dafür, in ein profitableres Habitat abzuwandern. Dies kann ein See sein, aber auch ein grösserer Fluss oder das Meer. Dort können die Forellen dank hochwertigerer Nahrungsressourcen schnell wachsen und später als grosse und somit erfolgreiche Laichtiere ins Geburtsgewässer zurückkehren, vergleichbar mit dem Homing-Verhalten der Lachse. Sie werden erst im Wanderhabitat, also See, Fluss oder Meer, adult und kehren in der Regel nach ein bis drei Sommern zurück. Manche Individuen machen diese Wanderung mehrmals im Leben, andere schaffen es nur einmal. Diejenigen Jungfische hingegen, die nicht abwandern, werden im Geburtsbach adult. Sie verbringen das ganze Leben als Bachforelle im selben Habitat, unter Vorbehalt gelegentlicher Ortswechsel über kurze Distanzen.
Diese gegensätzlichen Lebensformen treten auch innerhalb einer Population auf, sofern die Möglichkeit zum Abwandern und Wiederaufsteigen ins Geburtsgewässer gegeben ist. Eine Seeforelle und eine Bachforelle könnten also Geschwister sein. Die Forellen einzelner Zuflüsse zu einem Wanderhabitat sollten dementsprechend als genetisch getrennte Populationen betrachtet werden, und nicht die Gesamtheit aller Forellen, die das Wanderhabitat vorübergehend gemeinsam nutzen. Dies zu verstehen ist von grosser Wichtigkeit, besonders im Hinblick auf nachhaltige Bewirtschaftungsmassnahmen.