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Hat denn Gott sein Volk verstossen? Das sei ferne! Römer 11,1
Die schärfste Waffe der Rhetorik ist die Frage. Das wusste
auch Paulus, der in der alten Disziplin sicherlich gut ausgebildet
war. Mit Fragen lenkt man ein Gespräch, kann die
Richtung vorgeben und wechseln. Man kann damit das
Gegenüber herausfordern, zum geistigen Austausch, sich zu
exponieren. Fragen, rhetorische Fragen eignen sich aber auch
gut, um die eigene Sicht darzustellen.
«Hat denn Gott sein Volk verstossen?» Eine Frage, über die
man trefflich diskutieren könnte. Zu der man verschiedener
Meinung sein könnte: Nun, vielleicht ja, es sieht zuweilen so
aus, fühlt sich so an und in den Schriften lesen wir …
Nein! Noch bevor eine Antwort kommen kann, folgt das
im Brustton der Überzeugung gesprochene: Das sei ferne!
Ich kann ihn mir gut vorstellen, Paulus von Tarsus. Im Eifer
des rhetorischen Gefechts. Sich nach vorne beugend. Vielleicht
zieht er eine Augenbraue hoch und fixiert sein Gegenüber
bei der provokanten Frage, die er ihm stellt: «So frage
ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen?»
Immer wieder dringt er im Römerbrief mit Fragen auf seine
Hörerinnen und Hörer ein, provoziert sie regelrecht, um
ihnen danach die richtige Antwort förmlich entgegenzuschreien.
Denkst du, ich mach das für mich? Das sei ferne!
Von: Sigrun Welke-Holtmann