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Wie war das möglich? — Nun, man beachte oben den Zusatz sozusagen. Technisch gesehen wurde Julia Gillard nämlich nicht anstelle von Rudd als Premierministerin gewählt, sondern zur neuen Parteivorsitzenden der Laborpartei, deren bisheriger Chef Rudd war. Das ist natürlich kein Zufall, aber gehen wird der Reihe nach.
- Australien hat ein Zweikammerparlament (=Legislative) ziemlich genau wie die Schweiz, ausser dass die Queen auch eine Rolle spielt, auf die ich hier aber nicht näher eingehen will.
- Regiert wird das Land vom Ministerpräsidenten und dessen Kabinett, sprich den Ministern (=Exekutive).
- Ministerpräsident ist per Konstitution der Vorsitzende derjenigen Partei oder Koalition, die die Mehrheit in der grossen Kammer hat, aktuell (noch) die Labor Party.
- Der Ministerpräsident erkürt die Kabinettsmitglieder aus seiner Partei.
- (Die Opposition hat ebenfalls einen Vorsitzenden, der in analoger Weise ebenfalls Präsident des Schattenkabinetts ist).
- Das Parlament wird vom Volk spätestens nach drei Jahren neu gewählt, womit ebenfalls die Mehrheitspartei /-koalition bestimmt wird, deren Vorsitzender ja Ministerpräsident wird.
Kevin Rudd hat diesen Zeitpunkt verpasst. Wegen einer umstrittenen Zusatzsteuer für den Bergbau, wegen eines Fiaskos in der Förderung von Wohnungsisolation und wegen anderer Fehler ist die Popularität seiner Partei kürzlich so schlagartig gesunken, dass diese um ihre Bestätigung als Mehrheitspartei spätestens im Herbst bangen musste. So kam es gestern innerhalb der Laborpartei zu einer Revolte, und Julia Gillard wurde als neue Vorsitzende vorgeschlagen.
Der Rest ist bekannt: Gillard wurde heute gewählt und ist damit per Definition Ministerpräsidentin.