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Texte über den "inneren Menschen" berühren uns gläubige Menschen besonders. Sie fördern unsere Erwartungen auf das Kommende und geben Kraft menschliche Probleme anders zu sehen. Es sind Aussagen wie Epheser 3,16 / 2.Korinther 4,16 / 1.Petrus 3,4 und Römer 7, 22 als Beispiele. Lesen wir jedoch bei Römer 7,23 weiter, dann zeigt sich ein "festsitzendes" Problem auf...nämlich das der Sünde, die in unseren Gliedern wirkt. Darum werde ich zuerst zum Begriff "Sünde" einiges darlegen.
Was ist "Sünde"?
Sünde wird meistens mit "Zielverfehlung" erklärt. Es ist eine gutgemeinte Hilfe zu diesem schwer verständlichen Wort oder Zustand. Von der griechischen Wortwurzel her gesehen kann das Wort "Sünde" (HAMARTIA) im Zusammenhang mit dem Wort "Ziel" (TELOS) jedoch nicht gefunden werden - höchstens indirekt im Zusammenhang mit "Ankommen in der Vollkommenheit, dem erhofften Zustand im Jenseits", in der kommenden Welt. Die HAMARTIA hat den Hauptstamm MAR und dieser ist erkennbar als MEROS/MERIS (Teil, Anteil). Weitere Verwandtschaften zeigen sich wahrscheinlich in den Worten MARTYRIA/ MARTYREO (Zeugnis ablegen oder zeugen können), MARAINO ( auslöschen, vergehen, dahinschwinden), MERIMNA (Sorge, Kummer) und anderen, die einen MAR oder MER Stamm aufweisen.
Sünde hat also - kurz gefasst - mit einer Anteilsverfehlung zu tun, wo etwas verloren geht, Kummer bereitet und man kein lebensproduzierender Zeuge mehr ist.
Sünde und Sünde
Es gibt Abstufungen im Sündigen. Die katholische Kirche hat dort ihre eigene Abhandlung entwickelt. Auf diese kann ich hier nicht eingehen. Mich bewegen zum Thema nur einige Aussagen im Neuen Testament. Das Römerbrief-Zitat aus 5,12: "...der Tod ist zu allen Menschen hindurchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.." - verbunden mit 1.Johannesbrief 5,17:"...alle Ungerechtigkeit ist Sünde, und es gibt Sünde nicht zum Tode" - fällt in einer scheinbaren Widersprüchlichkeit auf. (Die sich allerdings in den jeweiligen Textzusammenhängen wieder auflösen).
Diese Aussagen reizen mich zum Weiterdenken. Ich versuche sie zu vereinfachen:
Alle Menschen sterben, weil sie gesündigt haben - aus welchen Gründen auch immer...
Obwohl dies eine klare Aussage ist, wird eine "Sünde zum Tode" erwähnt - plus eine solche, die nicht zum Tod führt! Viele Theologen sehen darin die "Sünde wider den Heiligen Geist", für die es ihrer Meinung nach keine Vergebung gibt. Liest man aber Matthäus 12,32 genau, dann kann auch diese Vergehung ab dem übernächsten Äon vergeben werden. Der grosse Dichter Dante hat Sünde mit Gewalt gegen Gott, gegen den Mitmenschen und gegen sich selbt verglichen. Alle Ungerechtigkeit (Sünde) hinterlässt zerstörerische Spuren im Menschen, egal gegen wen sie gerichtet ist. Welche Konsequenzen haben diese Spuren? Wie tief gehen sie, diese Verletzungen? Gibt es im Menschen vom Tode unüberwindbare Grenzen? Diese scheint es tatsächlich zu geben...
Johannes macht in seinem Brief weitere schwer verständliche Aussagen. Zum Beispiel:"Jeder aus Gott Gezeugte macht keine Sünde, denn sein Same bleibt in ihm und kann nicht sündigen" (1.Johannes 3,9). Andererseits schreibt Johannes im 1.Kapitel 1,8 desselben Briefes:
"Wenn wir sagen wir haben keine Sünde, verführen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns." Wir sündigen also alle und dennoch gibt es einen Teil in uns, der garnicht sündigen kann! Dieses scheint "der innere Mensch" zu sein, den ich am Anfang dieses Artikels erwähnte.
Der innere Mensch bei allen Menschen
Laut Johannes (1,1 /1,4 und 1,9) kommt alles Leben aus dem LOGOS, dem Wort. Dieser LOGOS "entpuppt" sich ab 1,14 als Jesus Christus. Dieses Leben wird als das wahrhaftige Licht bezeichnet, das ALLE Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Licht ist Leben, Gott ist Licht, siehe 1.Johannesbrief 1,5. Jesus nennt sich selbst auch das Licht, siehe Johannes 8,12.
Das innere Licht, das inwendige Leben ist also vorhanden und sollte von allen Menschen "verwaltet" werden. Das geschieht in der Lebensführung. Lukas geht darauf sehr gut ein (Lukas 11,34-36). Durch das Auge des Menschen wird sein Inneres als lichthell oder als verdunkelt offenbar. Und die Aufforderung im Vers 35 zeigt unsere Verantwortung, wie mit dem geschenkten Lebenslicht umzugehen ist. Solange der Mensch auf Erden lebt, kann dieses Licht nicht ganz verloren gehen. Es zieht sich zwar in einem negativ geprägten Leben immer mehr zurück und schliesst sich - denke ich - in der innersten Leibeskammer schlussendlich ein, im Geist des Menschen. Man lese dazu im Sprüchebuch Salomos Kapitel 20,27 und 1.Korinther 2,10-11. Dort kann Gott das Licht des Lebens, gemäß seines Willens, allerdings wieder aufleuchten lassen...
Die Lebensverletzungen
Alle Verletzungen, die ein Mensch erlebt, hinterlassen Spuren. Verletzungen kommen aus Verfehlungen (Sünden). Diese geschehen "schichtweise" - von aussen nach innen gehend. Wir wissen, dass somatische (körperliche) Verletzungen meist sofort sichtbar sind, psychische und geistige Verletzungen zeigen sich dagegen oft erst lange danach (falls sie überhaupt zugeordnet werden können). Eine psychische Verletzungsschicht wird bald mit einer anderen Verletzungsschicht überlagert und drängt die zuvor geschehene nach innen. Das geht lebenslang so weiter. Alle kumulieren sich mehr oder weniger stark oder schnell und überdecken das ursprüngliche Lebenslicht des Menschen wie mit Teppichen. Wird diesem Prozess nicht gewehrt - siehe den erwähnten Lukastext im Kapitel 11,34-36, wird es immer dunkler in jenem Leben...bis das Todesdunkel erreicht ist. Jedoch an den göttlichen Lebens-Lichtkern kommt nicht einmal der Tod heran. Er bleibt unverletzlich und auch unveränderlich. Die Verfehlungen (Sünden, Verletzungen) haben dort keine Macht. Aus diesem Kern wird Gott immer wieder Leben aufbauen können.
Das Buch des Lebens
Den meisten Bibellesern ist der Zugang zu den Grundtexten in den Originalsprachen nicht leicht zugänglich. Erschwerend trägt zur genauen Lesart bei, dass die modernen Übersetzungen mehr Gewicht auf "Verständlichkeit" als auf "Genauigkeit" legen und - weiter erschwerend - sich nicht durchgehend an den ältesten, besterhaltendsten und vollständigsten Grundtext halten, den sogenannten "Codex Sinaiticus". Dort steht (Offenbarung 13,8) zum Beispiel, dass selbst die Anbeter des "wilden Tieres", des endzeitlichen Weltherrschers, im Lebensbuch des geschlachteten Lammes stehen - und nicht nur die Gläubigen und guten Menschen, die sogar ihr Leben opfern, um es nicht zu tun! Ich folgere unter anderem daraus, dass alle Menschen in diesem Lebensbuch stehen, auch wenn sie ein bösartiges Leben führten und darum durch äonenlanges Feuer-Gericht (besser: "Richtigung") gehen müssen (Offenbarung 20, 12-15). Gott steht zu Leben, das er schuf. Er gab Richtlinien durch sein Wort. Diese zieht er durch in Gnade und auch Gerechtigkeit. Aus den Trümmern gottferner und sündiger Leben holt er läuternd die innersten "Bausteine des Lebens" wieder hervor (siehe auch " Geformt oder Genormt" bei www.xandry.ch). Auch das hat, meiner Meinung nach, mit der "Unverletzlichkeit" des inneren Menschen zu tun...dort "ganz tief inwendig" sitzt das "Original", das durch keine Verfehlung zerstört werden kann.
Der andere Weg des Christen
In den bisherigen Betrachtungen ging ich grundsätzlich von allen Menschen aus. Darum begannen wir mit dem LOGOS aus Johannes 1,1 / 1,4 und 1, 9. Jedoch ab Johannes 1,10 bis 13 ändert sich etwas Grundlegendes. Nicht alle Menschen nahmen den LOGOS auf, der doch sie und ihre Welt geschaffen hatte! Vers 11 nennt die Menschen "die Seinen". Aber - eben...sie nahmen den LOGOS nicht in ihr Leben auf, machten ihn nicht zu "dem ihren". In Vers 12 kommt nun ein anderer Weg auf: "Wieviele ihn aber aufnahmen, denen gab er Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben". Genauer heisst es: "die in seinen Namen hinein Vertrauende". Und dann - in Vers 13 - erhalten diese Menschen die Bezeichnung die "aus Gott Erwordenen". Diese Erwerdung hat in christlichen Kreisen einige Benennungen. So zum Beispiel "bekehrt-sein" oder "wiedergeborener Christ sein" (nicht zu verwechseln mit dem Terminus "Wiedergeburt" östlicher Herkunft). Johannes jedoch verzichtet weitgehend auf solche Bezeichnungen und nennt in seinem Evangelium und besonders auch in seinen Briefen die an Jesus Christus gläubigen Menschen "glaubend-vertrauend-seiende" (griechisch PISTEUON, Beispiel Johannes 3,16) oder "aus Gott erwordend-seiende" Menschen (EK TOU THEOU GEGENNETAI, Beispiel 1.Johannes 4,7). Er spricht also entweder einen Prozess des Werdens oder einen aus Gott erwordenen Zustand an. Das hat Konsequenzen.
Nicht nur für den äußerlich sichtbaren Lebensweg, sondern auch für den inneren Menschen.
Der Weg des Originals
Gott erschafft alle Menschen "im Original". Er fängt im innersten Kern mit ihnen an. Der Lebensweg geht von innen nach aussen. Aber die Verletzungen und Verfehlungen des Menschen entfernen ihn mehr und mehr von seinem Originalzustand. Irgendwann, weit weg vom Original, verliert sich sein Weg im Dunkel vieler unbeantworteter Lebensfragen und Wünschen.
Wenn ein Mensch jedoch "aus Gott neu erwird", den LOGOS, das WORT, Jesus, in sein Leben bewusst aufnimmt, dann fängt Gott, der Schöpfer mit ihm wieder im Originalzustand an. Jedoch diesmal im Status eines erwordenen (gezeugten) Gotteskindes. Dieses Kind wächst nicht nur mit seinem eigenen Lebenslicht weiter, sondern auch mit dem Licht von Jesus Christus. Das bedeutet, dass das Original vom Kinderstatus aus sich auf den Weg zum Erwachsenen macht. Wie im natürlichen Leben geht‘s nun vom Baby über den Teenie und Tween zur Lebensmitte und dann zur Reifezeit (siehe "Vom Kindlein zum Vater" bei www.xandry.ch).
Auf diesem Weg können Verfehlungen und Verletzungen mit Jesus durchlebt werden und mit seinem Beistand sogar bewältigt werden. Durch ihn kann sich der innere Mensch selbst erkennen und Weghindernissen aus dem Weg gehen. Hindernisse gibt es viele: Charakterschwächen, keine oder falsche biblische Lehre, Einfluss ungöttlich handelnder Menschen, Ängste, Verluste, unverstandenes Leid und vieles mehr.
Der innere Mensch begann mit Licht und soll ganz Licht werden.
Wir zitierten Lukas 11,34-36 bereits...Vers 36 sagt: "...bis sein Körper gänzlich Licht ist". Johannes schreibt in seinem 1. Brief, Kapitel 3,2:
"Wir sind nun Gottes Kinder, jedoch ist (es) noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn er erscheinen wird, wir ihm ähnlich sein werden, denn wir werden ihn sehen wie er ist".
Bei einem Menschen, der durch Jesus Christus mit Gott in einer "neu erwordenen Lebensverbindung" steht, weitet sich der innere Mensch immer mehr aus. Der unverletzliche Kern wächst zu einer unverletzlichen Größe - bis der Kern als solcher mit dem ganzen Menschen übereinstimmen wird.
Folgende Stellen sollen diesen Werdegang in eine mögliche Reihenfolge bringen:
Römer 7,22 : "Ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen…"
Epheser 3,16-17: "...möget ihr stark werden durch seinen Geist (Gottes Geist) an dem inwendigen Menschen, dass Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen..."
Kolosserbrief 1,27: "...Christus in euch, die Erwartung der Herrlichkeit..."
1.Johannesbrief 2,20: "...und ihr habt (die) Salbung von dem Heiligen (Jesus) und wisst (es) alle..."
1.Johannes 2,27: "...und die Salbung, die ihr von ihm nahmt, bleibt in euch und ihr bedürft nicht, dass euch jemand (etwas anderes) lehre..."
1.Johannes 3,9: "...Jeder aus Gott Erwordene sündigt nicht (fortwährend) denn sein Same bleibt in ihm und kann nicht sündigen - denn er ist aus Gott erworden..."
1.Johannesbrief 4,16: "...Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm...“
1.Johannesbrief 4,19: "Lasset uns Gott lieben, denn er hat uns zuerst geliebt..."
Philipperbrief 1, 6: "...der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollenden"
1.Johannesbrief 5,18: "...wir wissen, dass jeder aus Gott Erwordene nicht (fortwährend) sündigt, sondern der aus Gott Erwordene bewahrt sich - und der Böse wird ihn nicht antasten."
Der Weg zur Tiefe Gottes
Einige Aussagen im Neuen Testament regen sehr an über einen inneren Weg zurück nachzudenken - zurück bis zur Tiefe Gottes. Es sind der schon erwähnte Ausspruch aus 1.Johannes 3,9: "Jeder aus Gott Erwordene sündigt nicht (fortwährend), denn sein Same bleibt in ihm und kann nicht sündigen..."
Epheserbrief 1,4 sagt: "...wie er (der Vater) uns auserwählt hat in ihm (Christus) vor (vor!) dem Niederwurf des Kosmos..."
Kolosserbrief 3,3: "...euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott..."
1.Korinther 2,10: "...der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes..."
1.Korinther 2, 11: "...Niemand weiss was Gottes ist, ausser der Geist Gottes..."
1.Korinther 2, 12: "...wir empfingen den Geist aus Gott, damit wir wissen können, was uns von Gott (aus Gnade) geschenkt wurde..."
Mit etwas Vorstellungskraft gelangen wir also mit diesem unverletzlichen, originalen Kern bis zu der Tiefe Gottes selbst. Alles was Gott aus seinem Ureigensten in unseren Kern legte, oder mit diesem Kern kommunizierte, müsste also noch vorhanden sein - auch wenn es wie zugeschüttet und unzugänglich für uns aussieht. Dort siedle ich zum Beispiel die Ursehnsucht nach Gott in jedem Menschen an - ganz gleich wie er sie nennt oder gar leugnet! Dort spricht die oft nur emotional empfundene Stimme zu uns, die als innerster Gedanke erlebt wird. Dort erkennt der Mensch seinen Bezug zu Jesus, seinem Erlöser. Dort passiert das Geheimnis der neuen "Erwerdung" und so vieles mehr der persönlichsten Beziehung zu Gott im Glaubensleben.
Könnte es beispielsweise auch sein, dass dort die Ursprache Gottes "erspürt" wird? Wenn wir in der Bibel - seinem Wort, seinen Gedanken - lesen, dann werden wir oft anders berührt als wenn wir in einem anderen Buch lesen. Wenn man zusätzlich noch biblische Lehren erhält, die auf dem Grundtext aufgebaut sind, wirkt seine Wahrheit noch stärker in uns. Und falls man das biblische Hebräisch oder Griechisch erlernt hat und mit Gott eine lebendige Glaubensbeziehung hat, dann kann der gelesene Text noch tiefer in unser Innerstes eindringen. Dort ist Gottes Sprache in uns gespeichert. Unsere Muttersprache auf Erden, in der wir Gottes Wort lesen, verwandelt sich in eine Mutter-Vatersprache Gottes im inneren Menschen.