Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/224673

<h2>SubmittedText<h2><text><p>Vor 25 Jahren, im März 1996, stimmten Volk und Stände der Aufnahme des Rätoromanischen als Teilamtssprache in die Bundesverfassung zu (Art. 70 Abs. 1). Damit eine Landessprache am Leben bleibt, muss sie verstanden und gesprochen werden, auch im Parlament. Die Bundesparlamentarierinnen und -parlamentarier verfügen jährlich über ein Budget von 2000 Franken für Kurse, in der Regel Sprachkurse. Allerdings nutzen nur wenige dieses Budget, um Rätoromanisch zu lernen. Aus praktischen Gründen geben sie dieser Sprache keine Priorität. Ist das Büro anlässlich dieses 25-jährigen Jubiläums bereit, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Lia Rumantscha, Ad-hoc-Kurse für Parlamentarierinnen und Parlamentarier anzubieten (online oder in Bern, je nach Bedarf), die nicht mit dem gewöhnlichen Budget für Kurse verrechnet werden, sondern zu einer gesonderten Aktion gehören, die den Gebrauch und die Kenntnisse unserer vierten Landessprache fördern soll?</p></text><h2>FederalCouncilResponseText<h2><text><p>Das Büro setzt sich für die Förderung der Mehrsprachigkeit und die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften ein. Der Erhalt der Viersprachigkeit der Schweiz trägt zur Festigung des nationalen Zusammenhalts bei. Das Büro unterstützt auch Aktionen, mit denen das Erlernen von Landessprachen gefördert wird. Wie Nationalrat Cottier in seiner Anfrage festhält, nutzen nur wenige Ratsmitglieder ihren Ausbildungskredit, um Rätoromanisch zu lernen: Von den 135 Anträgen auf Finanzierung eines Sprachkurses oder einer Sprachausbildung, welche Ratsmitglieder zwischen 2016 und 2020 eingereicht haben, betrafen 34 Prozent das Deutsche (n=46), 36 Prozent das Französische (n=48), 7 Prozent das Italienische (n=9) und 24 Prozent weitere Sprachen (v. a. Englisch; n=32). Kein einziges Ratsmitglied stellte in dieser Zeitspanne einen Antrag auf einen Rätoromanischkurs. Auf Betreiben der Nationalratspräsidentin und des Ständeratspräsidenten organisierten die Parlamentsdienste (PD) 2020 in Zusammenarbeit mit der Lia Rumantscha einen Rätoromanisch-Crashkurs für die Ratsmitglieder, in welchem die wichtigsten Grundlagen der romanischen Sprache und Kultur vermittelt wurden. Das Büro ist bereit, im Rahmen der dritten Ausgabe des "Tages der Mehrsprachigkeit", der im September auf Initiative von Helvetia Latina und den parlamentarischen Gruppen "Plurilinguisme CH", "Italianità" und "Lingua e cultura rumantscha" stattfindet, nochmals einen solchen Kurs anzubieten. Die Organisation eines solchen Anlasses böte Gelegenheit, das Interesse der Ratsmitglieder an der vierten Landessprache genauer auszuloten. Sollte ein reges Interesse bestehen, ist das Büro bereit, die Organisation solcher Kurse unter noch zu definierenden Bedingungen aktiv zu fördern. Darüber hinaus hält das Büro allerdings am Grundsatz fest, dass die Weiterbildung der Ratsmitglieder in deren Eigenverantwortung liegt.</p></text>