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Mehr als sieben Jahre lang schlummerten die Scheine in irgendwelchen Schließfächern. Denn eigentlich wollte Weißrussland schon 2008 neue Banknoten einführen. Doch dann kam die Finanzkrise dazwischen, und anschließend eine galoppierende Inflation. Seit 1. Juli aber sind die neuen Rubel in Umlauf. […] Dass die neuen Scheine bereits sieben Jahre auf ihren Einsatz warteten, hat nun eine besonders absurde Folge. Denn in der Zwischenzeit gab es in Weißrussland eine Rechtschreibreform, die auch das Wort für „fünfzig“ betrifft: Ein Buchstabe wurde darin durch einen anderen ersetzt. 2011 hatte die Notenbank daher die damals in Umlauf befindlichen 50- und 50.000-Rubel-Scheine neu gedruckt. Die neuen Banknoten, die jetzt ausgegeben werden, enthalten das Wort dagegen wieder in der alten Schreibweise.
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Stocker, Frank
In Deutschland flippen ganze Bevölkerungsteile aus, wenn man ihnen lediglich zumutet, einzelne Wörter im Zuge einer Rechtschreibreform klein statt groß oder umgedreht zu schreiben. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn eine Kommission verfügen würde, dass fürderhin "fier" statt "vier" oder "sex" statt "sechs" geschrieben werden soll. […] Dabei hat Diktator Lukaschenko dort zuletzt eine orthografische Reform verfügt, die so weitreichend ist, dass sie sich sogar auf die Geldscheine auswirkt. Denn im weißrussischen Wort für "fünfzig" wurde ein Buchstabe durch einen anderen ersetzt, mit der Folge, dass nun die Scheine über 50 und 50 000 weißrussische Rubel neu gedruckt werden mussten. […] In den orthografischen Details und damit in den Geldscheinen spiegelt sich letztlich nur die schwierige Identitätsfindung der Weißrussen. […] Nach wie vor gibt es in Weißrussland zwei Schreibweisen, eine, die stärker ans Russische angelehnt ist[,] und eine, die stärker auf die eigene Identität setzt.
Lernen die Kinder in der Schule nun also auch noch "Rechtschreibung à la ZEIT"? Und vielleicht zusätzlich bald "à la FAZ" und "à la Welt"?
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