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Die medizinische Versorgung der Bevölkerung lag zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur zum Teil bei akademischen Ärzten. Verschiedene nichtakademische Medizinalpersonen wie handwerkliche Chirurgen und Badern, familiär ausgebildete Heilkundige und Laienheiler boten ihre Behandlungen an. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts erlangte die akademische Ärzteschaft ein gewisses Monopol auf dem medizinischen Markt.
Aus dieser spannungsreichen Zeit des professionellen Übergangs sind als absolute Rara einzelne Praxisjournale eines familiären Heilers Gottfried Wachter (1776-1861) aus dem Thurgau erhalten, die sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Die Untersuchung dieser Aufzeichnungen erfolgt qualitativ textanalytisch und quantitativ mit der Erstellung einer Datenbank mit dem Ziel, die Spezifik der Heilertätigkeit in ihrer letzten offiziellen Phase herauszuarbeiten, auf die Klientel und deren Abstammung einzugehen sowie das Spektrum der Krankheitsbilder und therapeutischen Methoden zu analysieren.
Die Leitfrage des Projektes lautet, ob die Monopolisierung der Medizin durch die akademischen Ärzte eher als therapeutische Modernisierung oder als reine Verdrängung einer Berufsgruppe durch eine andere interpretiert werden muss. Ein zweiter Fragebereich soll der Beziehung zwischen Heiler und Patienten nachgehen, ob etwa der Heiler als lokale Ansprechperson oder als Spezialist auf bestimmte Leiden mit weitem Einzugsbereich aufgesucht wurde. Schliesslich soll auch die Praxis Wachters nach Möglichkeit mit dem diagnostischen Spektrum und den konkreten therapeutischen Angeboten akademischer Ärzte verglichen werden. Dabei könnte auf die Ergebnisse einer internationalen Forschergruppe über Arztpraxen des 17. bis 19. Jahrhunderts zurückgegriffen werden, in die das Projekt eingebettet ist.