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Noah Bischof ist Bildhauer, Designer, Künstler, Restaurator, Innenarchitekt, Organisator eigener Kunstausstellungen, Lehrer, Erfinder – fehlt noch etwas? «Ja, Steinfräser bin ich auch noch, damit finanziere ich wiederum meine Bildhauerei», meint der 38-Jährige in seinem Atelier auf dem Mont Vully zwischen dem Murten- und dem Neuenburgersee. Grundsätzlich drehe sich alles mehr oder weniger um Stein, die einzige Konstante. «Stein fordert mich heraus», meint Bischof, «ganz anders als etwa Metall.» Als er einst eine Figur aus Schiefer machte, meinte ein Berufskollege, dass man diesen Stein meiden solle. Aber solche Konventionen sind ihm egal, sie fordern ihn heraus. Er macht, was er will. Und er nimmt sich die Freiheit, sich relativ unbekümmert zwischen Kunst und Kommerz zu bewegen. «Ich bin nicht der Künstler im herkömmlichen Sinne, der sich in der Hütte verkriecht.»
Letztes Jahr hat er den Wanderpokal aus Schweizer Naturstein des Swiss Open Gstaad hergestellt. Nun hat er den Kopf von Roger Federer aus Bronze gefertigt und eine Gipsversion mit einer Bronzepatina überzogen. Einen dieser insgesamt zehn Köpfe erhält das Swiss Open Gstaad, einen Federer, einer wird am Fernsehen für junge Tennisspieler versteigert, die talentiert sind, aber nur wenige finanzielle Mittel haben. Die restlichen Köpfe verkauft Bischof. «Solche Verkaufsaktionen sind wichtig», sagt er, «so hole ich meine Gelder wieder herein, mit denen ich die Kunst finanziere.»
In einem Jahr mache er eher Kunst, in einem nächsten eher Auftragsarbeiten, das ändere sich laufend. Das Verhältnis zwischen Kunst und Auftragsarbeiten bewege sich im Bereich 50 zu 50. Folglich sind seine Umsätze Schwankungen unterworfen, was aber noch nichts über den Gewinn aussagt. «Es kam schon vor, dass ich mit einem Jahresumsatz von 120 000 Franken fast genau gleich viel Gewinn erzielte wie bei einem fast dreimal so hohen Umsatz.»
Nach der obligaten Schulzeit machte Bischof eine Lehre als Bildhauer. Er besuchte Abendkurse an der Kunstgewerbeschule in Bern und beschäftigte sich mit Kupferstichen und Aktmodellieren. Er setzte sich mit Sandstein, Mörtel und Betonsanierungen auseinander. Nebenbei machte er Kunst in seinem Atelier in Murten. Er habe schon lange darauf hingearbeitet, einmal selbstständiger Unternehmer zu werden. 1992 war es dann so weit.
Es würde natürlich nicht zu seinem umtriebigen Charakter passen, wenn er einfach als selbstständiger Bildhauer arbeitete. Also liess er sich nebenberuflich noch zum Innenarchitekten weiterbilden. Und schon bald folgten die entsprechenden Jobs. Er gestaltete Badezimmer mit Mosaiken und Vitrinen für die Swatch Group an der Uhren- und Schmuckmesse in Basel. Und dann folgten Renovationen. Kürzlich hat er in Genf die Fassade eines Hauses aus dem 19. Jahrhundert renoviert.
Anfänglich sei die Selbstständigkeit nicht so einfach gewesen, es gab Schwankungen. Oftmals machte Noah Bischof ein Dutzend Offerten und hörte dann gar nichts. Und plötzlich kamen dann Zusagen – logischerweise alle gleichzeitig und alle ganz dringend. In solchen Fällen erweist es sich von Vorteil, dass Noah Bischof auf verschiedene Fachleute zurückgreifen kann, ein Netzwerk, das er sich aufgebaut hat.
«Das sind meistens auch Selbstständige», meint Bischof. Auch andere Netzwerke seien wichtig, wie etwa jenes der Jungen Wirtschaftskammer. Natürlich sei er als Bildhauer da eher ein Exot, aber seine Mitgliedschaft bringe ihm viel. «Ich denke jetzt nicht mal unbedingt an die Akquisition von neuen Aufträgen, doch es ist schon sehr interessant, wie andere mit unternehmerischen Problemen umgehen.»
Noah Bischof hat schon mit Nicolas Hayek gearbeitet, den er sehr schätze, «auch weil er noch etwas von einem richtigen Patron hat». Es habe ihm auch sehr Spass gemacht, Roger Federer zu modellieren. Sehr gerne würde er einmal DJ Bobo modellieren, der doch erfolg- und ideenreich sei. Oder Tina Turner, Phil Collins oder Michael Schumacher. «Am liebsten würde ich einfach Menschen modellieren, die es zu etwas gebracht haben und die in der Schweiz leben. Damit würde ich dann auf eine nationale Wanderausstellung gehen.»
Dies ist nur eines von vielen Projekten, die in einer Schublade von Noah Bischof liegen. Im Weiteren liegen dort Erfindungen. Beispielsweise hat er eine Maschine gezeichnet, die PET-Flaschen schreddert. Anstatt die Lastwagen mit Luft beladen herumfahren zu lassen, könnten so Ressourcen gespart werden, meint er. Oder er zeichnete ein Messer, mit dem man beim Schneiden des Fleisches den Druck von oben ausüben kann; damit sollen ältere Leute problemlos ein Steak schneiden können. Und Noah Bischof hat eine Tube entwickelt, in der Butter und Marmelade vereint sind.
«Ich bin alles andere als der typische Bildhauer», meint er, «aber Michelangelo und Leonardo da Vinci waren ja auch sehr erfinderisch.» Er habe keine Probleme damit, den Stein mit einer Maschine zu bearbeiten. Dank der Maschine kann er bei der groben Arbeit Zeit für die Feinarbeit gewinnen. Auch in der Bildhauerei müsse man ökonomisch denken, sagt Noah Bischof. Schliesslich dreht sich alles um Preis und Nachfrage. Und schliesslich gebe es in China Bildhauer, die sehr günstig arbeiteten und die in den europäischen Markt vordrängen.
Der Zeitdruck von Seiten der Kunden sei zum Teil enorm. Kürzlich erhielt Noah Bischof den Auftrag, in einem Haus einen speziellen Boden einzusetzen; der Kunde sagte, dass eine Woche ausreichen müsse. «Ich meinte, dass ich dazu einfach zwei Wochen brauchen würde. Und schliesslich haben wir den Boden innerhalb von acht Tagen eingesetzt. Das war ein totaler Stress. Gesund ist das nicht.»
Auf der unternehmerischen Ebene holt sich Noah Bischof Rat bei seinem Treuhänder und Buchhalter. Dieser ehemalige Bankdirektor gebe ihm wertvolle Tipps. Wenn es hingegen um Fachfragen geht, etwa um neue Materialien, holt er sich Expertenmeinungen ein. Aber letzten Endes liegt die Entscheidung bei ihm selbst. Aus diesem Grund soll das NB Atelier auch eine Einzelfirma bleiben. «Ich habe alles selbst erwirtschaftet», sagt er.
Seine Spontaneität sei ihm hilfreich, Kontakte herzustellen. So habe er einfach einmal Adolf Ogi angerufen, um ihn für die Geschichte mit den Roger-Federer-Büsten zu begeistern. Adolf Ogi sei natürlich immer sehr kurz angebunden, da er ein sehr beschäftigter Mensch sei.
Aber dafür hat Noah Bischof Verständnis. Denn er ist es ja auch. Wenn man sich seine Geschichten anhört, könnte man meinen, dass dieser Mann elffach geklont sein muss. Sein Traum sei es, einen Galeristen oder einen Manager an seiner Seite zu haben. Einen, der mithelfe, seine unzähligen Projekte zu realisieren, damit er mehr Zeit für die Kunst hätte.
Wie alle Menschen mit Talent zum Multitasking kann Bischof wohl sehr schnell zwischen seinen verschiedenen Jobs switchen. Aber bei aller Kreativität sei Disziplin wichtig. Als er kürzlich in einer Schule Zwölfjährige unterrichtete, habe ihn deren Mangel an Disziplin ziemlich enttäuscht. Das sei früher noch anders gewesen, glaubt er. Disziplin sei doch wichtig, gerade weil die asiatische Konkurrenz äusserst diszipliniert arbeite.
Noah Bischof hat ein Mädchen und einen Jungen, mit denen er möglichst viel seiner knappen Freizeit verbringt. Und wenn die Zeit reicht, geht er Motorrad fahren. Viel Freizeit bleibt nicht. Denn gelegentlich organisiert Noah Bischof auch Bildhauerkurse. «Auf den Spuren des Michelangelo» hiess sein Kurs. Dies sei auch interessant für Manager, die sonst viel mit Zahlen und abstrakten Organisationsprozessen zu tun hätten, sagt Bischof. «Bei uns läuft das auf ein ganz konkretes Produkt hinaus, das man anfassen kann.»
Während alles davon spricht, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, diversifiziert Noah Bischof immer weiter. Und wenn er jemandem einen Rat für die Selbstständigkeit gäbe, dann würde dieser lauten: Konzentriere dich nie nur auf ein Produkt, denn möglicherweise besteht morgen bereits kein Bedarf mehr daran! Er verkörpert diesen Rat in der Tat durchaus glaubwürdig.
Die Firma
Gegründet: 1992
Umsatz: zwischen 120 000 und 300 000 Franken
Anzahl Mitarbeitende: bis zu acht temporär einsetzbare Helfer
Geschäftsleitung: Noah Bischof
Finanzierung: Einzelfirma
Geschäftsidee: Bildhauerei, Produktion von Pokalen und Siegertrophäen und Restaurationen.
Firmenphilosophie: Respekt vor Lebewesen und vor der Materie.
Führungsgrundsätze: Ich versuche, so etwas wie ein Patron zu sein.
Junior Chamber
BILANZ präsentiert in jeder Ausgabe ein Beispiel von jungem Unternehmertum – in Zusammenarbeit mit der Junior Chamber Switzerland (JCS). Die Chamber ist das grösste Netzwerk von jungen Führungskräften und Unternehmern in der Schweiz. Weitere Infos und Angaben zu JCS-Veranstaltungen auf www.juniorchamber.ch