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"Kurz vor dem gänzlichen Abbruch des 'Helms' sei noch einiges von seiner Wirtin und den Gästen erzählt: Die Helmwirtin, Fräulein Louise Meili, hatte vor dem Bezug des Helms die Gaststube zum Kopf an der Schifflände, das so genannte Kopfstübli, inne, und zwar seit Ende der 1870er Jahre. Die damalige Clientèle bestand grösstenteils aus jüngeren Gewerbetreibenden, Kommis und Landwirten, die gewöhnlich schon zum Frühschoppen sich einstellten und noch gegen nachmittags auf dem Posten sassen. Einer der bekanntesten Landwirte unserer Stadt, Seppi Emmenegger, ritt zur allgemeinen Heiterkeit der Anwesenden, wenn er guter Laune war, auf seinem Pferd direkt in die Wirtschaft hinein... In diesem Kopfstübli verkehrten auch die Gebrüder Dürrenberger, die in Basel sehr gefürchtet waren, da von diesen sieben Brüdern gewöhnlich drei Viertel sich im Zuchthaus befanden. Sie beschäftigten sich oft mit Engelsgeduld mit Fischen an der Schifflände und frassen dann die gefangenen, 'Schniederli' genannten Fischchen direkt von der Angel, um darauf einen Schnaps folgen zu lassen.
Wie bekannt, war vor dem Fräulein Meili der frühere Caféwirt Flubacher-Wirz auf dem Helm, der seinerzeit in der Fischernzunft am Eck zum Kellergässlein eine Kaffeewirtschaft betrieb und seit dem Jahre 1865 im Helm wirtete, als Nachfolger von Frau Barabara Wölflin-Anklin. Ende der 1860er Jahre war die Frequenz im Helm eine aussergewöhnliche, denn die Wirtsleute Flubacher bemühten sich, den Gästen nur das Beste zu servieren, und der zum Ausschank gelangte Maispracher wie das vorzügliche Liqueur 'Bürgermeisterli' übten eine starke Anziehungskraft aus. Nirgends in der ganzen Umgebung konnten die Kollegen eine ähnliche Frequenz ihrer Wirtschaften aufweisen wie im Helm, denn schon von 10 Uhr an waren die Bänke und Stühle besetzt und man hatte Mühe, einen Platz zu finden. Um Weihnachten und Neujahr wurde im Helm lebhafte Leckerly-Fabrikation betrieben, die Fräulein Meili sel. ebenfalls mit Erfolg weiterführte.
Im Helm verkehrten während der 1870er Jahre neben den Einheimischen noch viele Reisende aus dem Hotel Storchen, in dem neben den Weinstichern auch die bekanntesten Weinhändler der Stadt zu treffen waren. Wir begegneten da dem witzigen Siegfried-Merian, dem Müller an der Utengasse, dem Lindenmeyer und Kaufmann-Burckhardt sowie Werenfels und Dietschy. Mit der Übernahme des Helms durch Louise sel. im Jahre 1881 hat sich die alte Kundsame zum Teil verzogen und einer jüngeren Generation Platz gemacht, die teilweise aus dem Kopf und dem Kronenstübli herüberkam. Aber nebenbei waren auch die alten Handwerksmeister zu finden wie der Spenglermeister Wild, der Schneidermeister Konrad und andere. Der Weinhändler Johannes Gysling, der Hauptlieferant der Louise, war gewöhnlich vor Mitternacht im Helm nicht anzutreffen. Und wenn er erschien, wusste jeder Anwesende, dass der servierte Wein nicht dem verlangten Bouquet entsprach, worauf dann alles, was auf dem Tisch stand, auf den Boden geworfen wurde. Erlaubte sich dann noch ein Bekannter, Gysling auf seinen dicken Bauch aufmerksam zu machen, dann war es um den Frieden geschehen. Denn wenn der Weinhändler den Bauch herausstreckte, war gutes Frostwetter und gab es Eis in Hülle und Fülle. War aber der Bauch verschwunden, so hatten wir es mit Regenwetter und Föhn zu tun. Bisweilen nahm die Rauferei einen bösartigen Verlauf. Jetzt wird diese alte Wirtsstube verschwinden, wie viele alte Kneipen in dieser Gegend. Nennen wir nur die Wirtschaft zur Barbe, in der vor 60 Jahren die Zofinger ihr Lokal hatten, wobei in der gleichen Wirtschaft die internationalen Sozialisten verkehrten." (Von einem alten Fischmärtlemer, 1926)
Als der "alte Helm" im Jahre 1927 durch ein Geschäftshaus an Ort und einen "neuen Helm" an der Eisengasse ersetzt wurde, bedauerte auch die National-Zeitung das Verschwinden der "altrenommierten Weinstube. Denn mit ihr fällt ein Stück Alt-Basel, das sich trotz der Korrektionsepidemie vergangenere Jahrhunderte zu halten vermochte. Wir bekommen immer tadellosere Strassen. Luft, Licht und Sauberkeit unter dem Begriff Hygiene ziehen ins Innere der Stadt, nur geht leider darüber ein Stück Gemütlichkeit verloren und mit ihr ein Stück heimeliges und charaktervolles Alt-Basel. 'Fondue und prima Käseschnitten' hiess es auf kleinen, von irgendeinem Künstler hingezeichneten Plakätchen, die im Fenster der Wirtschaft hingen, und wenn man eintrat, so fand man um die sauberen Tische die verschiedensten Stände hinter ihrem Schoppen, während von oben herab Schweizergeneräle und andere Militärs sowie einige Altbasler in gelassener Würde auf die Gesellschaft blickten. Und auch diese Herrlichkeit lebt nur noch in der Erinnerung fort".