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Sepp Burger - Schweizer Military-Meister (Bericht im Schweizer Kavallerist vom 3.12.1977)
SEPP BURGER
Schweizer Military-Meister
Nelli Meier fand in ihrem Archiv vom Schweizer Kavallerist diesen Bericht über Sepp Burger. Als Ehrung seiner Leistung als Schweizer Meister haben wir diesen Text hier veröffentlicht. Ein Auszug sei hier ganz speziell erwähnt, gilt er doch heute wie damals: "Vor allem der enge Kontakt mit den Pferden, die ausgezeichnete Kameradschaft unter Militaryreitern und die Vielseitigkeit der Prüfungen könnte er nicht mehr missen."
Bericht vom Schweizer Kavallerist / 67. Jahrgang, Ausgabe vom 3. Dezember 1977
Gemäss Beschluss des VAC vom Januar 1977 wird die Schweizer Meisterschaft der Vielseitigkeitsreiter (Elite) nicht mehr als einzelne Prüfung ausgetragen, sondern in Form einer Jahreswertung aller Vielseitigkeitsprüfungen und Kombinierten Prüfungen mit Geländeritt, wobei nur Schweizer Meister werden kann, wer mindestens in einer Vollmilitary Punkte erreicht hat. Das Klassement für das zu Ende gehende Jahr lautet nun wie folgt:
1. Joseph Burger, Genf, Schweizer Meister
2. Fritz Näf, Wallisellen
3. Rudolf Günthardt, Küsnacht ZH.
Zum, erstenmal also wurde Sepp Burger Schweizer Meister der Militaryreiter; und dazu gewann er auch noch den vom VSCR gestifteten Preis als bester Cross-Reiter. Sepp Burger, seit 1964 in Genf wohnhaft, stammt aus dem aargauischen Effingen bei Brugg, wo er auch zu reiten begann. Nach der Schule trat er eine dreieinhalbjährige Lehre als Hufschmied an. Ausgelernt, blieb er seinem Meister weitere drei Jahre treu. Während dieser Zeit bestand der junge Pferdefanatiker die Trabfahrer-Lizenz und bestritt in der Folge an die 50 Rennen. Um Französisch zu lernen, zog der Aargauer dann nach Genf. Er wurde Hufschmied in der Reitschule von Vater Jaquerod - vorgesehen war ein Jahresaufenthalt. Dank Herrn Jaquerod konnte Sepp den Irländer Jaguar steigern, sein erstes Pferd, mit dem er dann als Concoursreiter startete. Die Military-Luft schnupperte er vor erst als Pferdepfleger von Reynald Jaquerod, der ja an zahlreichen Militarys teilnahm. Bis dann Jaguar 1967 im Frauenfelder Programm stand, als Teilnehmer der M-Military - die Karriere hatte begonnen!
Mittlerweile waren drei Jahre verstrichen, immer noch in Genf, wohin sich Burger 1969 endgültig verschrieb durch Heirat. Seine beiden Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, sind heute fünfeinhalb Und sieben Jahre alt. Nach den Olympischen Spielen von München machte sich der Hufschmiedmeister selbständig; in seinem Betrieb beschäftigt er heute zwei Angestellte und einen Lehrling. Die Tätigkeit des stets ruhigen und freundlichen Reiters im Militarysattei ist umfassend: Mit Jaguar 1967/69 Start in Frauenfeld, 1970 WM Punchestown als Einzelreiter, 1971 mit der Equipe an der EM in Burghley, 1972 Reservereiter an den OS München; mit Allison-Anne ab 1971 kleine Prüfungen, dann 1972 Schweizer Meisterschaft in Eclagnens, 1974 Siekkrug, 1975 Mölbling, 1976 Achselschwang. Meilenstein in Burgers Reiterkarriere war aber sicher der letzte Frühling, als Herr Rickiin sich grosszügig bereit erklärte, ihm seine Pferde zur Verfügung zu steilen. Es waren die Stute Pink Velvet und der Vollblüter Clonrochen. Diesen Herbst folgte noch der 6jährige County-Cork; und als eigenes Nachwuchspferd steht beim Genfer ein junger Engländer im Stall.
Natürlich stellt sich die Frage, wie Sepp Burger es schafft, neben seinem Geschäft noch vier Pferde zu trainieren. Er konnte sich aber so einteilen, dass morgens geritten und nachmittags im Geschäft gearbeitet wird. Diese Einteilung hat freilich nur von Ende Herbst bis anfangs Frühjahr Gültigkeit; während der Militarysaison dürfte das Schwergewicht bei den Pferden liegen. Gründe, weshalb Burger sich diese Last aufbürdet, gibt es mehrere. Erstens ist Reiten für ihn sicher keine «Last», sondern Sport, Hobby und Vergnügen. Vor allem der enge Kontakt mit den Pferden, die ausgezeichnete Kameradschaft unter Militaryreitern und die Vielseitigkeit der Prüfungen könnte er nicht mehr missen. Ein anderer wichtiger Grund ist das angepeilte Fernziel: die Olympischen Spiele in Moskau. Bis 1980 behält also der Sport absoluten Vorrang, was Sepp Burger dank der Unterstützung von Herrn Ricklin möglich ist.
Das Pferd, das am meisten zum Meistertitel beigetragen hat, ist Clonrochen, ein 8-jähriger irischer Vollblüter. Vor zwei Jahren ging «Glon» bereits die Military in Badminton, mit einer phantastischen Leistung im Gelände (vom 58. Dressurrang auf den 14. Schlussrang), und im Herbst des gleichen Jahres kam er in die Schweiz. Er ist die Ruhe selbst; überall und zu jeder Zeit ist ihm wohl, und im Gelände ist er eine richtige «Lebensversicherung». Rückschläge in den Springparcours sind wohl (noch) auf mangelnde Grundausbildung zurückzuführen.
Für die Zukunft hat Burger ein gedrängtes Programm. Clonrochen sollte anfangs 1978 nach England gebracht werden zur Vorbereitung auf Badminton, das Mitte April stattfindet. Es folgen ein paar Wochen Weidegang. Für Mitte Juli ist die Teilnahme an den deutschen Meisterschaften in Luhmühlen geplant, und im Herbst dann die WM in Lexington (USA), sei es mit einer Equipe oder als Einzelreiter.
All dies selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass der Vollblüter gesund und in Form ist. Die Stute Pink Velvet kommt in Walldorf (BRD), Belgien und in Piber (Alpencup) zu Startmöglichkeiten. Die jungen Pferde werden in der Schweiz eingesetzt. Sepp Burger ist zwar froh, dass man davon abkam, die Schweizer Meisterschaft an einem Wochenende durchzuführen; er möchte aber anregen, dass ins künftig nicht mehr nur der Reiter, sondern das Paar Reiter/Pferd bewertet wird. Damit würde eine Übervorteilung von Reitern mit mehreren Pferden (gleich mehreren «Punkteiieferanten») vermieden. Doch so oder so: wir wünschen Sepp Burger Hals und Bein für die kommenden Militarysaisons!
Oben: Pink Velvet am Hindernis 22 des Alpencup-Cross In Frauenfeld. - Links; Sepp Burger auf Clonrochen, eingerahmt von Ruedi Günthardt auf Always Proud, respektive Fritz Näf auf Claudius und Jean-Michel Berkovits auf Christmas Candie, und mit Equipenchef Martin Schoch an der Siegerehrung des Alpencup-CCI 1977 In Frauenfeld. (Fotos Roland von Siebenthal)