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Geschichte Eb 3/5 5811
Der jungen SBB fehlte in ihrem Lokomotivbestand eine einfache, kräftige und bewegliche Tenderlokomotive, die für die Führung der immer schwerer werdenden und schnell laufenden Vorortzüge gut geeignet war. Ausser den 46 Tenderlokomotiven der Bauart Mogul (Ec 3/4), teilweise übernommen von der JS, waren nur wenig leistungsfähige und durchwegs veraltete Tender-lokomotiven für den Streckendienst vorhanden. Wegen der eher schlechten Rückwärtsfahreigenschaften der Lokomotivserie Ec 3/4 sah man von einer weiteren Nachbeschaffung dieses Lokomotivtyps ab. Im übrigen wurde für den Einsatzzweck eine Geschwindigkeit von 75 Km/h – sowohl für die Vor- wie auch Rückwärtsfahrt – als notwendig erachtet. Als Vorbildlokomotiven für die Entwicklung der Eb 3/5 dienten die Dampfloks B 3/4 welche mit einer Heissdampf Zwillingsmaschine ausgerüstet waren und zwischen 1905 und 1916 von der SLM ausgeliefert wurden. Bei dieser Lokgattung wurde bei den SBB erstmals serienmässig auf Heissdampf gesetzt, welcher die Bundesbahnen zu überzeugen vermochte. Auch die verwendete einfache Zwillingsmaschine bewährte sich im Betrieb im Vergleich zu anderen Bauarten. Kurz um, man war mit der B 3/4 sehr zufrieden und sie bewegte sich in derselben Leistungsklasse, wie es bei der neu auszuarbeitenden Maschine erwünscht war. Deshalb wurden die Kesselabmessungen und das Antriebssystem von der Lokomotivserie B 3/4 soweit wie möglich übernommen. Als eigentlicher Prototyp und Vorbild für die SBB Eb 3/5 diente allerdings die 1910 von J. A. Maffei in München gebaute und in einer Serie von 9 Stück an die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) gelieferte Eb 3/5. Diese Maschinen wurden nach der Elektrifizierung der BT im Jahre 1932 von der SBB käuflich erworben und erweiterten den SBB Bestand von Eb 3/5 um neun Stück. Bei der SBB verkehrten die ex BT Lokomotiven mit den Nummern 5881-5889. Die an die Schweizerischen Bundesbahnen gelieferte Eb 3/5 kann daher als Weiterentwicklung bestehender Lokomotiven betrachtet werden. Dies mit dem grossen Vorteil, dass eine ausgereifte Lokomotive in den Bestand der SBB aufgenommen wurde, welche die in sie gestellten Erwartungen gut erfüllte.
Insgesamt wurden 34 Lokomotiven in 8 Tranchen bestellt und von der Schweizerischen Lokomotiv und Maschinenfabrik in Winterthur gebaut und ausgeliefert. Die Lokomotive 5811 wurde 1912 mit der Fabriknummer 2212 von der SLM geliefert und im Depot Zürich Kreis III in Dienst gestellt. Nach der grossflächigen Elektrifizierung der SBB wurde sie vor allem für die Strecken Bellinzona – Luino und Oberglatt – Niederweningen eingesetzt. Im Anschluss an die Elektrifizierung dieser beiden Strecken im Jahre 1960 setzte man sie im Depot Basel im Rangierdienst ein. 1965 folgte die Ausrangierung der Nummer 5811. Auf private Initiative wurde sie vor dem Schneidbrenner bewahrt und 1966 in Baden als Denkmal aufgestellt. Das war aber umstritten, da man dort als Geburtsstätte vieler Elektroloks ein BBC Elektroveteran sehen wollte. Diesem Wunsch kam die SBB im Jahre 1974 nach und so wurde die Dampflok mit der Be 4/6 12332 (heute SBB Historic) ausgewechselt.
Die 5811 wurde nach ihrem Dasein als Denkmallok ins Depot Zürich überführt. Dabei wurde schnell der Wunsch wach, diese "alte Bekannte" wieder als betriebsfähige Lokomotive im Depot Zürich zu erhalten, und wenn möglich mit den eigenen, noch im Dienst der SBB stehenden Fachleuten zu revidieren. Im Verlaufe der Verhandlungen für die Abwicklung dieses Projektes und in der Folge des zu dieser Zeit rezessionsbedingten Verkehrsschwundes und der daraus resultierenden vorübergehende Überkapazität in der Depotwerkstätte Zürich betrachtete man die Aufarbeitung einer Dampflok für eine willkommene Füllarbeit in dem ohnehin stark schwankenden Arbeitsaufkommen. Voruntersuchungen zeigten aber, dass es zweckmässiger war die Eb 3/5 5819 - nötigenfalls unter Verwendung von Teilen der 5811 - zu restaurieren. So kam es dann auch und der 5811 wurden einige Teile demontiert um diese für die Aufarbeitung der 5819 zu verwenden. Nach Abschluss der Revision der historischen Lok 5819 wurde die 5811 mit einem Rostschutzanstrich versehen, konserviert und im November 1976 nach Glarus überführt.
Durch die Initiative des Verein Dampfgruppe Zürich die Eb 3/5 5811 wieder in Betrieb zu nehmen konnte diese von SBB Historic im Frühjahr 2012 als langfristige Leihgabe übernommen werden. Der Verein Dampfgruppe Zürich hat sich zum Ziel gesetzt, die Dampflokomotive Eb 3/5 5811 aufzuarbeiten und betriebsfähig zu erhalten. Mit dieser schnellen Lokomotive ist der Verein auch in Zukunft in der Lage mit dem heutigen Verkehr Schritt zu halten und somit erlebnisreiche Fahrten anbieten zu können. Mehr über den aktuellen Stand der Aufarbeitung finden Sie auf der Seite "Projekt 5811".