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Der Schweizer Autor und Essayist Lukas Bärfuss erhält den Georg-Büchner-Preis 2019 und damit eine der renommiertesten deutschen Literaturauszeichnungen. Die Jury bezeichnet ihn als «herausragenden Erzähler und Dramatiker».
Der Büchner-Preis ist mit 50'000 Euro dotiert. Bärfuss, der 1971 in Thun zur Welt kam, wird die Auszeichnung am 2. November in Darmstadt entgegen nehmen. Frühere Schweizer Preisträger sind etwa Max Frisch (1958), Friedrich Dürrenmatt (1986) oder zuletzt Adolf Muschg (1994).
Mit Bärfuss zeichne die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung «einen herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus», schreibt die Jury in ihrer Begründung. «Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden seine Dramen und Romane stets neu und anders existentielle Grundsituationen des modernen Lebens.»
Bärfuss habe 1998 zunächst als Dramatiker begonnen und sei zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Theaterautoren avanciert, teilte die Akademie mit. Seine Theaterstücke seien in rund ein Dutzend Sprachen übersetzt worden. Als Erzähler habe er 2002 mit der Novelle «Die toten Männer» debütiert.
Zu Bärfuss' bekanntesten Werken gehören die Romane «Hundert Tage» (2008) über den Völkermord in Ruanda und «Koala» (2014) über den Suizid seines Bruders sowie das Bühnenstück «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern», das 2003 erschien. Letzteres war im Jahr 2015 von der Schweizer Regisseurin Stina Werenfels verfilmt worden.
2017 erschien sein jüngster Roman «Hagard», dessen Geschichte um einen erfolgreichen Geschäftsmann kreist, der sich durch obsessives Begehren aus allen sozialen Bindungen löst. Zudem macht Bärfuss immer wieder mit pointierten Essays von sich reden und trägt damit zum politischen Diskurs in der Schweiz bei. Der Vater zweier Kinder lebt und arbeitet heute in Zürich.
Der renommierte Büchner-Preis ist eine von vielen Auszeichnungen, die Bärfuss bereits erhalten hat: 2014 gewann er den Schweizer Buchpreis für «Koala» oder 2009 den Schillerpreis für «Hundert Tage». Weitere Preise sind etwa der Hans-Fallada-Preis, der Mülheimer Dramatikerpreis oder der Solothurner Literaturpreis.
Der Georg-Büchner-Preis kam für den Schweizer Schriftsteller überraschend. «Damit kann man doch nicht rechnen. Das ist der Engelskuss, der einen da trifft», sagte der 47-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. «Ich hab mich über jeden Preis gefreut und jeder Künstler und Schriftsteller braucht Anerkennung.» Der Georg-Büchner-Preis stehe aber einfach für sich alleine. «In dieser Reihe zu stehen, ist absolut bewegend und berührt mich sehr.»
«Bärfuss gehört zu den unerschrockensten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur», sagte Thomas Strässle, Leiter des Y Instituts an der Hochschule der Künste Bern, wo Bärfuss im Studiengang «Contemporary Arts Practice» unterrichtet. «Er verfügt über die hohe Gabe, den Finger immer wieder auf den politisch wunden Punkt zu legen und daraus grosse Literatur zu machen.»
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung vergibt der Büchner-Preis seit 1951 an Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen «durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Masse hervortreten» und «an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben».
Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner («Woyzeck»). Er wurde 1813 in Hessen geboren und starb 1837 in Zürich. (sda/dpa)