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Von Vorsorge spricht man, wenn ein Krebsleiden in einem noch heilbaren Frühstadium entdeckt werden kann (Früherkennung). Leider sind nicht alle Krebsarten einer Früherkennung zugänglich; Tumoren von Lunge, Darm und Bauchspeicheldrüse werden oft erst spät erkannt. Die Frauenheilkunde hingegen kann für sich in Anspruch nehmen, dass bei der gynäkologischen Jahreskontrolle eine sinnvolle Früherkennung von zwei Krebsarten möglich ist: dem Gebärmutterhalskrebs und dem Brustkrebs.
Der griechische Gynäkologe Papanicolaou hat als erster ein Vorsorgeprogramm realisiert, bei welchem jedes Jahr vom Gebärmutterhals ein Abstrich entnommen, auf einem Gläschen ausgestrichen und unter dem Mikroskop untersucht wurde. Frauen, die an diesem Vorsorgeprogramm teilnahmen, konnten das Risiko eines Gebärmutterhalskrebses massiv senken. Im Abstrich (im Deutschen etwas salopp und unglücklich als «Krebsabstrich» bezeichnet) werden nämlich Vorstufen von Krebszellen sichtbar, einige Jahre bevor sich ein «richtiger» (d.h. ins gesunde Gewebe einwachsender und Metastasen bildender) Krebs entwickelt. Diese Vorstufen werden in leichte, mittelschwere und schwere Zellveränderungen eingeteilt. Papanicolaou hat die teilweise heute noch gebräuchliche Einteilung in fünf Klassen I, II, III, IV, V begründen, wobei im Medizinerjargon «Pap III» einen Papanicolaou-Abstrich Klasse III bedeutet.
Im Bild rechts (aus dem Lehrbuch von Dr. Frank Netter) ist dargestellt, wie sich die verschiedenen Zelltypen im Mikroskop zeigen: links oben normale Zellen, rechts oben Veränderungen bei Entzündung, rechts unten Krebsvorstufen, links unten dann die eigentlichen Krebszellen.
Das Ziel unseres Vorsorgeprogramms ist, die Zellen im Viertelkreis rechts unten zu erfassen, bevor sie sich weiter in Richtung Bösartigkeit verändern. Wie man heute weiss, werden die Zellveränderungen durch Viren (humane Papillomaviren, HPV) ausgelöst. Diese weitverbreiteten Viren werden beim Geschlechtsverkehr übertragen; etwas überspitzt formuliert, kann man den Gebärmutterhalskrebs als eine der modernen Geschlechtskrankheiten bezeichnen (neben Herpes, AIDS und Chlamydieninfektionen). Diese Erkenntnis ändert nichts am Sinn des Krebsabstrichs, im Gegenteil: sobald eine Frau Geschlechtsverkehr hat, soll sie jedes Jahr einen Krebsabstrich vornehmen lassen. Mädchen und junge Frauen sollen sich gegen HPV impfen lassen.
Teilweise wird heute - auch von Krankenkassen - die Meinung vertreten, ein Krebsabstrich alle drei Jahre genüge. Diese Meinung kommt ursprünglich aus dem staatlichen britischen Gesundheitswesen, welches traditionell auf maximale Kosteneinsparung ausgerichtet ist. Die Mehrzahl der Schweizer Gynäkologen ist mit diesem Leistungsabbau nicht einverstanden und empfiehlt nach wie vor eine umfassende gynäkologische Jahreskontrolle.
Die Dünnschichtmethode zur Krebsvorsorge am Gebärmutterhals ist grundsätzlich eine Weiterentwicklung des klassischen «Krebsabstrichs» nach Papanicolaou. Unsere Praxis wendet seit Anfang 1998 ausschliesslich die neue Dünnschichtmethode an.
Auch wenn der Krebsabstrich Zellveränderungen zeigt: wenn Sie bisher regelmässig zur Kontrolle kamen, haben wir in jedem Fall genug Zeit, die geeignete Behandlung einzuleiten. Häufig empfiehlt das Labor eine Wiederholung des Abstrichs bereits nach sechs Monaten. Dies bedeutet noch längst keine Krebsgefahr. Meistens sind natürliche Umbauvorgänge am Gebärmutterhals im Spiel, welche vorübergehend ein etwas unruhigeres Zellbild verursachen. Bei leichten Zellveränderungen kann grundsätzlich zugewartet werden; der Krebsabstrich wird dann in der Regel ebenfalls alle 6 Monate wiederholt.
Mittelschwere und schwere Zellveränderungen werden im Rahmen eines kleinen operativen Eingriffs im Spital entfernt. Dabei wird mit einem modernen Lasergerät oder mit der Hochfrequenz-Elektroschlinge das betroffene Gewebe schonend kegelförmig ausgeschnitten (Konisation, Ringbiopsie). Mit diesen neueren Operationstechniken wird wenig Gewebe zerstört, so dass spätere Schwangerschaften meist völlig normal ablaufen. Nur bei Frauen, welche ganz sicher keine Kinder mehr haben wollen oder können, kommt auch die Entfernung der gesamten Gebärmutter in Betracht. Patientinnen mit Spital-Zusatzversicherung können von mir in einer der Zürcher Privatkliniken mit einer der obigen Methoden operiert werden.