Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03491.jsonl.gz/187

21. April 2001: Dreieinhalb Jahre ist es her, seit Roy Keane von Alf-Inge Haaland trotz Kreuzbandriss als Simulant verschrien wurde. Im Manchester-Derby kommt es zum Wiedersehen. Das Rendez-vous endet für Haaland äusserst schmerzvoll und für Keane mit einem Platzverweis und einer Rekordbusse.
Im Manchester-Derby zwischen der United und City steht es nach hitzigen 85 Minuten 1:1. An der Seitenlinie kommt Citizens-Captain Alf-Inge Haaland an den Ball und Roy Keane zögert nicht lange. Noch bevor der Norweger die Kontrolle über das Spielgerät hat, springt ihm Keane mit gestrecktem Bein in die Haxen. Haaland will noch ausweichen, doch es ist bereits zu spät.
Keane trifft ihn mit voller Wucht oberhalb des rechten Knies. Haaland fliegt quer durch die Luft, bevor er mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden liegen bleibt. Eine üble Attacke, doch der Ire denkt nicht daran, sich zu entschuldigen. Manchesters Nummer 16 lehnt sich über sein Opfer und wirft ihm noch ein paar Fluchwörter an den Kopf.
Schiedsrichter David Elleray zögert keine Sekunde und zeigt «Schizo», wie er von seinen Mitspielern wegen der unzähligen Wutausbrüche genannt wird, die Rote Karte. Bereits zum vierten Mal in seiner Karriere stellt er den verlängerten Arm von Sir Alex Ferguson vom Platz. Ein trauriger Rekord, der in diesem Fall jedoch nur eine Randnotiz bleibt.
16 Monate später gibt Keane zu, Haaland mit voller Absicht verletzt zu haben. Eine Überraschung ist höchstens die Offenheit, es gibt nämlich eine Vorgeschichte zwischen den beiden. Dreieinhalb Jahre vor dem Brutalo-Foul, im September 1997, war Keane mit Manchester United zu Gast bei Leeds United mit – du ahnst es – Alf-Inge Haaland.
Als Keane beim 0:1 an der Elland Road steil in den Strafraum geschickt wird, kommt Haaland vor dem damals 26-jährigen Iren an den Ball. Dieser streckt aber noch den Fuss raus, um den Norweger zu Fall zu bringen.
Keane verletzt sich bei dieser Aktion selbst und bleibt am Boden liegen. Haaland glaubt allerdings, dass Keane nur simuliert, beugt sich über ihn und fordert ihn unsanft auf, sofort aufzustehen. Das wird ihm der Keane, der in der Folge mit einem Kreuzbandriss neun Monate ausfallen wird, nie verzeihen.
Zurück ins Jahr 2001: Keane wird nach seinem Platzverweis von der FA drei Spiele gesperrt und mit 5000 Pfund gebüsst. Haaland kann die Partie nach der Brutalo-Attacke zwar noch zu Ende spielen und kommt danach noch sporadisch für Manchester City und die norwegische Nationalmannschaft zum Einsatz.
So richtig Fuss fassen kann er allerdings nicht mehr. Ein Jahr später muss er seine Karriere wegen chronischen Beschwerden im linken Knie – Keane hatte das rechte getroffen – beenden. Ob das Karriereende tatsächlich mit dem Tritt des irischen Hitzkopfs zusammenhängt, ist höchst umstritten.
Haaland selbst sagt 2008: «Das Knie tut noch immer weh und das wird sich auch nicht ändern. Das muss ich akzeptieren. Ob dieses Foul meine Karriere beendet hat? Nun, ich habe danach nie wieder ein Spiel über 90 Minuten gemacht, oder? Klingt das nicht wie ein eindeutiger Zusammenhang?»
Eine Entschuldigung von Keane wird Haaland nie hören. Im Gegenteil: In seiner Autobiografie blickt der Ire unversöhnlich auf die Geschehnisse zurück. «Ich hatte lang genug gewartet. Ich habe ihn verdammt hart getroffen. Der Ball war da – glaube ich. Nimm das, du Schwein. Und steh niemals mehr über mir und spotte über gefakte Verletzungen», schrieb Keane. Von Reue oder Mitleid keine Spur.
Dafür wird Keane vom englischen Fussballverband nachträglich mit einer weiteren Sperre von fünf Spielen und einer Geldstrafe in Höhe von 150'000 Pfund belegt. Es ist die höchste Geldstrafe, die im englischen Fussball bis dahin ausgesprochen wurde.
Der Profit aus seiner Autobiografie hat die Busse jedoch locker gedeckt. Allein für den Vorabdruck in den Blättern «News of the World» und «The Times» kassierte er 300'000 Pfund. Kein Wunder wird Keane seinen Ruf als Bösewicht des Fussballs bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2006 nie mehr los.
Viele Jahre später wird auch Alf-Inge Haaland wieder ein Begriff im Weltfussball: Der 34-fache norwegische Nationalspieler ist niemand anders als der Vater von Supertalent Erling Braut Haaland.