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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.
Ein paar überwucherte Ruinen und der Name einer S-Bahn-Station: Das ist alles, was von Glanzenberg heute übrig ist. Dabei hatte die Geschichte des Städtchens einst mit grossen Zielen begonnen.
Nach dem Aussterben der Zähringer übernahm Freiherr Lütold von Regensberg Teile des Erbes. Seine Familie hatte Besitztümer im Aar-, Thur-, Klett- und Zürichgau. Die Regensberger erweiterten ihr Gebiet beharrlich, stifteten Klöster und gründeten Städte. Dann ereignete sich Grosses am Gotthard: 1220 und 1230 wurden zwei Brücken gebaut, darunter die sogenannte Teufelsbrücke. Sie erlaubten die Nutzung des Passes für den Handel zwischen Nord und Süd. Lütold beabsichtigte wohl, einen Teil des Handels – bzw. der Wegzölle – unter seine Kontrolle zu bringen, nämlich einen Streckenabschnitt an der Limmat. Dort hatte bereits einer von Lütolds Vorfahren das Kloster Fahr gestiftet und dort gab es auch einen befestigten Regensberger Wohnsitz. Lütold sass also bereits am richtigen Ort. Nun machte er sich daran, seine Position zu festigen.
Dazu gründete er im Jahr 1240 etwas flussabwärts am Limmatufer ein Städtchen, das den Flussübergang sichern sollte: Glanzenberg. Es hatte eine Fläche von etwa 1,5 Hektaren und verfügte über eine massive Burganlage – bevor es kurz nach Lütolds Tod im Schatten der Geschichte verschwand.
Lange ging man davon aus, dass Glanzenberg von den Zürchern und Habsburgern zerstört wurde. Diese hatten wenig Sympathie für die Regensberger Konkurrenz und dass in Glanzenberg nie eine Brücke über die Limmat gebaut werden konnte, lag denn auch primär daran, dass die Ritter von Schönenwerd auf der andern Flussseite auf Zürcher Druck hin kein Land für eine Brückenanlage zur Verfügung stellten. Für eine aktive Verwüstung der Stadt durch die Habsburger und Zürcher gibt es bisher keine gesicherten Belege. Sicher ist hingegen, dass die Rivalen Lütolds Erben in eine langjährige Fehde verwickelten. Diese war zwar nicht von grossen Schlachten, dafür aber von vielen kleinen Scharmützeln sowie von wirtschaftlichen und politischen Manövern geprägt. Die Fehde führte zum Niedergang der Regensberger, und sie führte dazu, dass Lütolds Erben das Geld fehlte, um Glanzenberg wirklich fertig zu bauen. Schliesslich verschwanden die Freiherren von Regensberg von der Bildfläche – und das unfertige Glanzenberg unter dem Limmattaler Wald.
Digital in die Vergangenheit
Der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums publiziert regelmässig Artikel über historische Themen. Diese reichen von den Habsburgern über Auslandschweizer bis hin zu heimischer Popmusik, die es zu Weltruhm gebracht hat. Der Blog beleuchtet viele Facetten der Landesgeschichte in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Mehr dazu gibt es unter: blog.nationalmuseum.ch