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Somalia lebt unter einer bereits länger anhaltenden Krise. Seine Bevölkerung leidet unter den Folgen der seit über zwanzig Jahren dauernden Kämpfe. Hinzu kommen extreme Klimaphänomene wie Dürren. Fast die Hälfte der über zehn Millionen zählenden Bevölkerung ist von der humanitären Hilfe abhängig.
Den Zugang finden zu diesen Menschen ist eine echte Herausforderung für die humanitären Organisationen und die Entwicklungsorganisationen. Sie bewegen sich in einem Kontext, in dem sich unzählige bewaffnete Gruppen, darunter auch die Al-Shabaab-Miliz, bekämpfen. Das IKRK gehört zu den wenigen Organisationen, die Zugang zu den Menschen in den umkämpften Gebieten haben. Es verfügt über fünf operationelle Büros, die über das ganze Land verteilt sind, und stützt sich auf das Netzwerk des Somalischen Roten Halbmondes. 2016 überwies die DEZA vier Millionen Franken an die Aktivitäten des IKRK in Somalia.
Stärkung des Verständnisses und der Achtung des humanitären Völkerrechts
«Alle unsere Aktivitäten sind transparent und werden mit dem Einverständnis der zuständigen Behörden durchgeführt. Ziel ist es, das Vertrauen der Gemeinschaften und der Konfliktparteien zu gewinnen», erklärt Jordi Raich Curcó, Leiter der IKRK-Delegation in Somalia. Für das IKRK ist eine bessere Durchsetzung des humanitären Völkerrechts oberstes Gebot, es ist eine unabdingbare Voraussetzung, um die Menschen zu erreichen, die bei den Kämpfen zwischen die Fronten geraten sind.
Vor diesem Hintergrund hat das IKRK verschiedene Publikationen herausgegeben, die Parallelen ziehen zwischen der Kultur Somalias und dem humanitären Völkerrecht. Sie werden im ganzen Land verteilt, auch an die Chefs der verschiedenen Gemeinschaften. Das IKRK bildet auch Soldaten der nationalen Armee und Soldaten der Mission der Afrikanische Union in Somalia in Rechtsfragen aus.
Sicherer Zugang zu Gesundheitsversorgung und Trinkwasser
Bei seinen humanitären Aktivitäten achtet das IKRK ganz besonders auf Gesundheitsaspekte. Es unterstützt namentlich vier grosse Spitäler, um die Behandlung und Pflege der durch die Kämpfe verletzten Zivilpersonen zu verbessern. Das Kismayo-Spital im Süden Somalias ist eines davon. Das IKRK bildet dort Pflegepersonal aus, liefert medizinische Einrichtungen und beteiligt sich an der Renovation des Operationsblocks.
Der Zugang zu Trinkwasser ist eine weitere Priorität. Das IKRK lässt Brunnen bohren, Systeme zur Gewinnung von Regenwasser installieren und die bestehende Infrastruktur sanieren. Dabei bezieht es die lokalen Gemeinschaften mit ein und bildet sie im Unterhalt der Installationen aus.
Das IKRK verteilt in den von Überschwemmungen betroffenen Städten und Dörfern Wasserreinigungstabletten. Während der Regenzeit, wenn die Flüsse über die Ufer treten und der Schlamm in die Brunnen eindringt, steigt die Epidemiegefahr. Dann ist es zentral, die wasserbedingten Durchfallerkrankungen und anderen Krankheiten soweit wie möglich einzudämmen.
Verschlimmerung der Lage wegen «El Niño»
Seit Ende 2015 erhöht das Klimaphänomen El Niño die Gefahr von Überschwemmungen an verschiedenen Orten in Somalia. Dies war bereits 1997 und 2006 der Fall. Aufgrund früherer Erfahrungen hat das IKRK verschiedene Präventionsmassnahmen ergriffen, darunter auch die Verteilung von 150'000 Sandsäcken an die Bevölkerung, die am Ufer der Flüsse Juba und Shabelle lebt.
Im Norden des Landes (Sool, Sanag und Bari) hat El Niño gerade das Gegenteil bewirkt, nämlich die Austrocknung von Tausenden von Hektar Land, was die Angst vor einer Hungerkatastrophe für 350'000 Menschen erneut entfachte. In dieser Gegend verteilt das IKRK in Zusammenarbeit mit dem Somalischen Roten Halbmond Reis, Bohnen und Öl.
Ein Langzeitengagement
Aufgrund der anhaltenden Krise in Somalia ergänzt das IKRK seine Nothilfe durch mittel- und langfristige Aktivitäten im Entwicklungsbereich.
«In der Landwirtschaft unterstützen wir zum Beispiel Bauern, indem wir ihnen Samen, Dünger, Wasserpumpen und Traktore geben und sie in den neuen Produktionstechnologien unterrichten», erklärt Jordi Raich Curcó.
In den Gefängnissen bildet das IKRK Gefangene im Nähen und in der Schreinerei aus, um ihnen eine Chance für eine gesellschaftliche Wiedereingliederung nach der Entlassung aus dem Gefängnis zu geben.