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Über 50 Autorinnen und Autoren nehmen an den 28. Solothurner Literaturtagen teil, die vom 26. bis 28. Mai stattfinden. Darunter auch der südafrikanische Nobelpreisträger John M. Coetzee.
Nicht dabei ist Bundespräsident Moritz Leuenberger, der am Freitag einen Preis für junge Autoren hätte verleihen sollen.
Es war als sensationelle Premiere geplant: Leuenberger hätte am Freitag Nachmittag die Preise des Wettbewerbs "Stories of the Future" verleihen sollen. Wegen einer Terminkollision musste er aber absagen. An seiner Stelle nimmt nun die Nationalrätin und SP-Vizepräsidentin Ursula Wyss die Preisübergabe vor.
Veranstaltet hatte die Ausschreibung das Bundesamt für Energie: Jugendliche sollten ihre Visionen zum Leben und zur Energie im Jahr 2050 in Form einer Erzählung formulieren.
Fast wie immer
Weil das Literaturtage-Stammhaus, das Landhaus, renoviert wird, findet das Festival heuer im Alten Spital, im Konzertsaal und im Volkshaus statt. Eröffnet wurde es am Freitag Morgen von der bisher jüngsten Teilnehmerin: der 1991 geborenen Solothurnerin Natalie Marrer, die heuer mit "Die Traumkarten" ihr Romandebüt vorgelegt hat.
Von diesen Novitäten abgesehen bewegt sich das Programm im Rahmen der Vorjahre: 64 Schreibende, über die Hälfte davon Deutschschweizer, bestreiten 55 Veranstaltungen. Neun Romands und je ein Tessiner und ein Bündner Autor vertreten die anderen Landessprachen. Sieben Schreibende kommen aus Deutschland, der Rest aus Österreich, Frankreich, Indien, Südafrika und Jordanien.
Prominentester Gast ist der südafrikanische Nobelpreisträger John M. Coetzee, der seit 2002 in Australien lebt und arbeitet. 1980 erhielt er den Central News Agency Literary Award, den höchsten südafrikanischen Literaturpreis, für "Warten auf die Barbaren". 1983 wurde er für "Leben und Zeit des Michael K." und 1999 erneut für "Schande" mit dem Booker Prize ausgezeichnet. 2003 erhielt Coetzee den Nobelpreis für Literatur.
Debütanten, Bestseller, Blogger
Im Mittelpunkt steht die Werkschau neuer Schweizer Literatur. Den Veranstaltern der Literaturtage ist es wiederum gelungen, alle wichtigen Schweizer Debütanten einzuladen, darunter Michel Mettler ("Die Spange"), Monique Schwitter ("Wenn's schneit beim Krokodil"), Beate Rothmaier ("Caspar") und Karin Richner ("Sind keine Seepferdchen").
Mit dem Anagrammatiker Felix Epper ("Frankie klingeling / teenage blue") ist ausserdem ein Vertreter des noch jungen Berufszweigs der Literaturblogger in Solothurn.
Bei der älteren Garde darf natürlich Charles Lewinsky mit seinem Top-Bestseller "Melnik" nicht fehlen. Weitere Routiniers auf dem Programm sind Peter Zeindler mit seiner Literaturbetriebs-Satire "Der Schreibtisch am Fenster" sowie unter anderen Matthias Zschokke und Helen Meier. Urs Widmer macht am Sonntag Nachmittag den traditionell krönenden Abschluss.
Heimliches Motto: "Engagierte Literatur"
Aus dem Ausland reisen neben Coetzee unter anderen der Wiener Arno Geiger, der Berliner Thomas Hettche, die Franzosen Gérard Macé und Yves Bonnefoy sowie die drei Jordanier Iljas Farkuch, Samiha Chrais und Ibrahim Nasrallah nach Solothurn, letztere für eine Gruppenlesung mit Diskussion.
Weitere Podien und Gruppenveranstaltungen sind der Jugendliteratur, dem Hörspiel, dem Schauspiel, der Schweizer Literatur im Ausland und dem "Relevanten Realismus" - früher "engagierte Literatur" genannt - gewidmet. Ausserdem gibt es Literaturkino, das Blindenzelt und die traditionelle, allseits beliebte Mundartnacht.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Die 1978 gegründeten Solothurner Literaturtage sind ein Forum für das aktuelle Literaturschaffen in der Schweiz.
Neue literarische Arbeiten sollen Kontakte zwischen Schreibenden aus allen vier Sprachregionen und Publikum sowie Medien und Verlegern herstellen.
Die Solothurner Literaturtage sind der Ort geworden, wo sich die Schweizer Autoren und Autorinnen einmal jährlich treffen, um persönliche und fachliche Gespräche zu führen, an denen sich auch das Publikum beteiligen soll.
Fakten
Die 28. Solothurner Literaturtage finden vom 26. bis 28. Mai statt.
Motto der diesjährigen Ausgabe ist die reelle oder vermeintliche Verantwortung der Schriftsteller.