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Sophia Prinz, was ist Global Design?
In erster Linie ist globales Design eine Frage der Perspektive. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Designgeschichte als eine Geschichte des Westens erzählen liess. Modernes Design wurde nicht in Dessau, Ulm oder Zürich erfunden, sondern sollte als Ergebnis globaler Verflechtungen begriffen werden. Handel, Kriege, Migration und Kolonialismus haben nicht nur Menschen, sondern auch Rohstoffe, Dinge, Gestaltungstechniken und Formen um den Erdball geschickt.
Das «englische» Paisleymuster beispielsweise entspringt der persisch-indischen Textiltradition, heisst eigentlich «Boteh» und wurde im 19. Jahrhundert von schottischen Webern aus Paisley mittels der ersten digitalen Maschine, des Jacquard-Webstuhls, kopiert und massenproduziert. Ein weiteres Beispiel ist der Kautschuk, der unter grausamsten Bedingungen in der belgischen Kronkolonie Kongo geerntet wurde, um nicht nur die industrielle Formgebung in Europa zu revolutionieren, sondern auch die Isolierung des ersten transatlantischen Unterwasserkabels zu ermöglichen.
Gestalter:innen von heute interessieren sich für diese transkulturellen und kolonialen Herkünfte des Designs – nicht zuletzt um das eigene professionelle Selbstverständnis zu schärfen und globale Kooperationsformen zu entwickeln, die nicht auf Ausbeutung und ungleichen Machtverhältnissen beruhen.