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caballinum, Rossschwefel" in gepulvertem Zustände in den Handel gebracht. (S. Abbildung S. 427.)
2. Gewinnung des Schwefels aus seinen Metallverbindungen. Hierzu dient fast immer das Eisensulfid FeS2 , gewöhnlich Schwefelkies genannt. Aus diesem lässt sich durch Erhitzung im geschlossenen Raum ein Mol. Schwefel abtreiben, so dass einfach Schwefeleisen FeS nachbleibt, welches zur Vitriolfabrikation weiter verwandt wird. In der Praxis treibt man aber nicht das ganze Mol. Schwefel aus, weil dann die Erhitzung so stark sein müsste, dass das rückbleibende Schwefeleisen schmelzen und zur Vitriolbereitung untauglich würde; man gewinnt deshalb nur die reichliche Hälfte des rechnungsmäßig erhältlichen Schwefels. Hierbei bleibt das angewandte vorher gemahlene Erz noch pulverförmig. Die Gewinnung geschieht aus oben beschriebenen, schräg liegenden Thonröhren. Der aus den Kiesen gewonnene Schwefel ist stets arsenhaltig und zwar oft sehr bedeutend, da man z. B. im spanischen Schwefel bis zu 0,9 % gefunden hat.
3. Gewinnung des Schwefels aus den Sodarückständen. Seit ca. 30-40 Jahren hat man angefangen, die kolossalen Quantitäten Schwefel, welche in den bis dahin unverwerthbaren Sodarückständen enthalten sind, wieder zu gewinnen, zu regeneriren, wie der technische Ausdruck lautet. Die Sodarückstände (s. Artikel Soda) bestehen hauptsächlich aus dem in Wasser völlig unlöslichen Calciumoxysulfuret, einer Verbindung von Calciumoxyd mit Calciumsulfuret (Schwefelcalcium).
Die verschiedenen Methoden zielen nun sämmtlich zuvörderst darauf hin, die unlöslichen Schwefelverbindungen in lösliche umzuwandeln. Dies geschieht, indem man die noch feuchten oder wieder angefeuchteten Rückstände längere Zeit der Einwirkung des Sauerstoffs der atmosphärischen Luft aussetzt, indem man sie entweder in lockere Haufen schichtet, anfeuchtet und einige Wochen sich selbst überlässt, oder indem man sie in hohe Bottiche, auf den in denselben befindlichen Siebboden bringt und von unten heisse, feuchte Luft durchstreichen lässt.
Hierdurch erreicht man dieselbe Oxydation, zu welcher man bei dem älteren Verfahren Wochen braucht, in 8 bis 10 Stunden und hat noch den Vortheil, dass man die Masse in denselben Bottichen auslaugen kann. Das Endresultat der Oxydation sind nun Calciumpolysulfide (meist 4- oder 5fach Schwefelcalcium CaS4 oder CaS5 ) neben unterschwefligsaurem Kalk. Beide sind in Wasser löslich und werden ausgelaugt; der gewonnenen Lauge wird dann eine durch Erfahrung feststehende Menge Salzsäure zugefügt.
Hierdurch tritt eine doppelte Umsetzung ein. Zuerst wird das 5fach Schwefelcalcium in der Weise zersetzt, dass sich Chlorcalcium bildet, 4 Mol. Schwefel ausgefällt werden und 1 Mol. sich mit dem Wasserstoff der Salzsäure zu Schwefelwasserstoff, HS, verbindet. Dann bildet sich aus dem unterschwefligsauren Kalk und der Salzsäure ebenfalls Chlorcalcium und unterschweflige Säure wird frei. Diese zerfällt aber sofort in freien Schwefel und schweflige ¶
Säure, SO2 , und letztere setzt sich dann mit dem vorher entstandenen Schwefelwasserstoff um in freien Schwefel und Wasser. Bei richtig geleiteter Operation wird also der ganze Schwefel ausgefällt, ohne dass die lästigen Gase von Schwefelwasserstoff und schwefliger Säure auftreten. Dieser aus den Sodarückständen jährlich gewonnene Schwefel beziffert sich auf Hunderttausende von Centnern.
4. ewinnung des Schwefels aus den Gaswässern. Bei der Bereitung des Leuchtgases aus Steinkohlen bildet sich als höchst lästiges Nebenprodukt eine grosse Menge von Schwefelwasserstoff. Dieser wird in neuerer Zeit dadurch aus dem Gase entfernt, dass man dasselbe durch feuchtes Eisenoxydhydrat streichen lässt. Dieses bindet allen Schwefel des Schwefelwasserstoffs; aus dem entstandenen Schwefeleisen wird, namentlich in England, der Schwefel durch Röstung wieder gewonnen, meist allerdings in Form von schwefliger Säure; letztere wird auf Schwefelsäure weiter verarbeitet. Die aus den Gaswerken Londons jährlich gewonnene Menge Schwefel wird nach R. v. Wagner auf 200000 Ctr. angegeben.
5. Gewinnung des Schwefels durch Zusammenbringen von schwefliger Säure und Schwefelwasserstoff. Wie wir schon bei No. 3 gesehen haben, setzen sich diese beiden Gase um in freien Schwefel und Wasser. Schwefelwasserstoff tritt aber in sehr grossen Mengen bei technischen Operationen auf, z. B. bei der Sodabereitung nach dem Weldon'schen Verfahren, wo man Schwefelnatrium durch Kohlensäure bei Gegenwart von Wasser zersetzt. Der hierbei entweichende Schwefelwasserstoff wird in verdünnte schweflige Säure geleitet; aller Schwefel wird aus beiden Verbindungen niedergeschlagen. Diese Methode benutzt man z. B. auch in den schottischen Jodfabriken aus Kelp. In Letzterem finden sich grosse Mengen von Schwefelverbindungen, welche man auf diese Weise verwerthet. So soll eine einzige schottische Jodfabrik jährlich 2000 Ctr. Schwefel auf diese Weise als Nebenprodukt gewinnen.
Der nach den Methoden 1 und 2 gewonnene Schwefel ist selbst nach der Destillation oder Sublimation niemals völlig rein, namentlich nicht frei von Spuren von Arsen, während der nach 3 aus den Sodarückständen durch Fällung gewonnene Schwefel sich auf eine einfache Weise sehr leicht völlig rein herstellen lässt. Man bringt den ausgefällten Schwefel breiförmig unter Zusatz von ein wenig Kalkmilch in einen Kessel und leitet auf 115-120° überhitzte Dämpfe ein. Hierdurch schmilzt der Schwefel, alles anhängende Chlorcalcium wird im Wasser gelöst, Spuren von schwefliger Säure durch den Kalk gebunden und etwa vorhandenes Schwefelarsen durch die Kalkmilch ebenfalls in Lösung gebracht. Der gewonnene Schwefel ist also chemisch rein.
Sulfur lotum oder depuratum.
Gewaschener Schwefel.
Aller sublimirter Schwefel, die sog. Schwefelblumen, Flores sulfuris oder Sulfur sublimatum, enthält anhängende, schweflige Säure, welche sich ¶