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M. Night Shyamalans Verfilmung der beliebten Comicserie Avatar: Herr der Elemente hat in Amerika keine grossartigen Kritiken eingeholt. Nach einigen Überlegungen, und als Kenner der Serie, kann auch ich nur wenig Positives vermelden. Zu gute halten kann man Shyamalan, dass er sich akkurat an die Vorlage hält. Was dazu führt, dass The last Airbender als Trilogie in die Kinos kommen wird. [error]Nun, offenbar habe ich mich bei dieser Aussage geirrt. The Last Airbender hätte eigentlich als Trilogie in die Kinos kommen müssen, da sich Shyamalan akkurat an die Vorlage gehalten hat (drei Bücher/Kapitel in der Trickfilmserie = drei Filme). Der Knackpunkt ist nur, dass bis heute keine Sequels angekündigt worden sind. Mag vielleich daran liegen, dass The Last Airbender nicht sonderlich viel Kohle an den Kinokassen gemacht hat. Dass es noch Fortsetzungen geben wird, ist wenig wahrscheinlich. Die jungen Schauspieler werden schliesslich auch mit jedem Jahr älter! Und im Gegensatz zu Harry Potter, wo das Erwachsenwerden und die Pubertät der Figuren essentielle Rollen spielen, ist dies bei der Trickfilmserie wenig von Belang. (Oktober 2011) [/error]
Im ersten Teil, der am 5. August in den Schweizer Kinos anlaufen wird, wird die Geschichte des letzten Luftbändigers Aang (Noah Ringer) erzählt. Aang ist ein etwa 11 Jahre alter Junge und obendrein die Reinkarnation des letzten Avatars. Als ihm dies eröffnet wird, fürchtet er sich aber sosehr vor der Verantwortung, dass er aus dem Tempel, in dem er unterrichtet wird, flieht. Im südlichen Eismeer erleiden er und sein Flugbison Appa aber einen Unfall und die beiden werden von den Eismassen begraben. 100 Jahre später entdecken Katara (Nicola Peltz) und ihr Bruder Sokka (Jackson Rathbone) den verunglückten Jungen und befreien ihn aus dem Eis, was sofort die Soldaten der Feuernation auf den Plan ruft. Diese hat die 100-jährige Abwesenheit des Avatars genutzt um alle anderen Bändigernationen – Luft, Wasser, Erde – zu unterdrücken und zu kontrollieren. Der junge Aang wird sofort vom (verbannten) Prinzen Zuko (Dev Patel) festgenommen.
Doch Katara, die letzte Wasserbändigerin ihres Stammes, und Sokka befreien Aang und fliehen mit ihm zu seinem Lufttempel. Dort angekommen muss der Luftbändiger erfahren, dass er der einzige Überlebende ist. Da es in den Legenden heisst, der Avatar werde als Luftbändiger geboren, hat die Feuernation alle Bändiger der Luftnation ausgelöscht. Aang verlässt ob diesen schrecklichen Neuigkeiten der Mut, doch Katara und Sokka sind der festen Überzeugung, dass mit dem Avatar an ihrer Seite, die Bändiger der Feuernation besiegt werden können und wieder das Gleichgewicht zwischen den Elementen hergestellt werden kann. Doch dieser Plan hat einen kleinen Haken: Aang, der Bändiger aller vier Elemente, ist vor Abschluss seiner Ausbildung verschwunden. Das heisst, bevor er als der einende Avatar auftreten kann, muss er die drei anderen Elemente beherrschen lernen. Aangs, Kataras und Sokkas Weg führt also erst einmal in die nördliche Wassernation, wo die hervorragendsten Wasserbändiger leben. Der Avatar erlernt das Bändigen des flüssigen Nasses rasch, doch die Feuernation und ihre Häscher sind im dicht auf den Fersen. Aang muss sich bald einmal einem ersten entscheidenden Kampf stellen.
Ein geschmackloser Brei
Es ist nicht sonderlich einfach, wenn man über Wochen und Monate hinweg Nachtschichten schiebt. Der gesamte Tagesablauf wird auf den Kopf gestellt, man schläft den halben Tag durch, während andere arbeiten gehen. Man isst zu anderen Zeiten und meist alleine. Wirklich arg wird es, wenn man nach getaner Arbeit so etwa um 0.30 Uhr wieder zu Hause ist, alle anderen schon wieder am Schlafen sind und man einfach noch nicht müde ins Bett fallen kann. Gesellschaft geleistet hat mir in jenen Tagen, oder besser gesagt in jenen Nächten, die Nickelodeon-Comicserie Avatar: Herr der Elemente die auf einem bestimmten, hier ungenannten Sender, im Dauerbetrieb ausgestrahlt wurde. Die Figuren Aang, Sokka, Katara und Zuko wuchsen mir bald einmal ans Herz und so war ich denn auch gespannt auf die Real-Verfilmung meiner nächtlichen Unterhalter. Wobei sich aber eine leise Stimme in meinem Kopf festsetzte, die immer wieder fragte, ob denn eine Verfilmung der Trickfilmserie wirklich nötig sei.
Um es auf den Punkt zu bringen: Shyamalan hat es fertig gebracht, ein fantasievollles, äusserst delikates und liebevoll kredenztes 3-Gänge Menü (der Trickfilm) in einen grauen, vermanschten und geschmacklosen Brei (der Film) zu verwandeln. Das liegt zum einen an den Darstellungen der Figuren. Was all den filmischen Figuren fehlt ist der Witz, die Spinnerei, die jugendliche Unbekümmertheit der Trickfilmfiguren. Aang ist ein 11-jähriger Lausebengel, den zu unterrichten schwieriger ist, als einen Sack Flöhe zu hüten. Sokka ist der traditionelle tolpatschige Sidekick, der mit keinen besonderen Fähigkeiten ausgestattet ist, aber ein Herz aus Gold hat und den Mut eines Löwen besitzt. Das ist im Trickfilm so, im Film hingegen fehlen diese liebenswerten Eigenschaften. Appa, der Flugbison, und Momo, die Lemuren-Fledermaus, kommen zwar im Film auch vor, sind aber so seelenlos gestaltet worden und sind so unwichtig für den Verlauf der Filmstory, dass man sie auch getrost hätte weglassen können. Die Settings sind zwar liebevoll gestaltet (vor allem die Eisstadt der nördlichen Wasserbändiger), aber auch hier haben sich einige Ungereimtheiten eingeschlichen. So kommen Aang und seine Freunde auf dem Weg nach Norden in einem Erdbändiger-Dorf vorbei, wo sie zusammen mit den gefangenen Bändigern einen Aufstand gegen die Feuernation anzetteln. Im Trickfilm sind die Erdbändiger auf einem eisernen Schiff gefangen gehalten, was ohne jede vertiefende Erklärung jedem Kind einleuchtet. Erdbändiger im Freien, auf natürlichem Boden gefangen zu halten ist ja nun wirklich das Dümmste, das man machen kann. Shyamalan macht es dennoch.
3D um von den Dialogen abzulenken?
Ich gebe gerne zu, dass ich kein grosser Freund des 3D-Kinos bin. Das hat zum einen damit zu tun, dass ich es umständlich und unbequem finde, eine Brille zu tragen (die sowieso immer runterrutscht, da Normgrösse), zum anderen, dass ich den 3D-Effekt wahrscheinlich nicht richtig sehe; oder vielleicht erwarte ich einfach zu viel Plastizität von einem 3D-Film, wer weiss das schon. Sehen ist nun mal eine subjektive Erfahrung, die man mit niemandem sonst teilen kann. Auf jeden Fall hätte man sich bei The last Airbender den 3D-Aufwand sparen können. Schon in den ersten Szenen ist zu sehen, dass der Film ursprünglich ein reiner 2D-Film werden sollte. Aufgrund des aktuellen Hypes hat man dann wohl einfach ein Auge hinzugerechnet. Die häufigen, wiederkehrenden und recht wilden Kampfszenen verschmieren förmlich durch den 3D-Effekt. Shyamalan hat diesen «Fehler» damit zu beheben versucht, dass er einige Kampfszenen dafür in Slow Motion (Matrix lässt grüssen) zeigt. Wobei man sich aber fragen muss, wieso das ganze auch noch 3D, bei Matrix hat es ja auch (und besser) in 2D funktioniert. Also so muss sich Shyamalan die Frage gefallen lassen, wieso er denn seinen Film ums Ver* in 3D in die Kinos bringen muss.
Wahrscheinlich weil man sich so mehr auf die Bilder und weniger auf die Dialoge konzentriert. Die sind nämlich ähnlich armselig wie der 3D-Effekt. Filmfiguren, die mir ständig vorplappern, was ich in den nächsten Einstellungen zu sehen bekomme, nerven einfach nur. Da Aang, Katara und Sokka auch ständig am Vorplappern sind, was man in den nächsten Einstellungen zu sehen bekommt, passiert auf der Dialogebene zwischen den Figuren wenig bis gar nichts. Was nebst den recht hölzernen darstellerischen Leistungen dazu beiträgt, dass das Gruppengefühl der drei Hauptcharaktere blutleer, um nicht zu sagen mausetot, erscheint.
Fazit: M. Night Shyamalans The Last Airbender ist leider eine Enttäuschung. Es hat zwar einige schöne Momente und Bilder und Shyamalan versucht der Storyline der Serie genau zu folgen, wer aber die Serie kennt und mag, sollte sich den Film nicht antun.
Regie: M. Night Shyamalan Cast: Noah Ringer, Dev Patel The Last Airbender, M. Night Shyamalan, USA, 2010, 103′