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Weder der Brauereigigant AB Inbev noch SABMiller haben Brauereien in der Schweiz. Hier sind die Konkurrenten Carlsberg und Heineken vertreten. Dennoch rückt bei der Gigantenhochzeit von Anheuser-Busch Inbev mit SABMiller auch ein zurückgezogen lebender Schweizer in den Fokus: Jorge Paulo Lemann. Er wohnt in Rapperswil-Jona SG und ist schweizerisch-brasilianischer Doppelbürger.
Lemann besass in Brasilien die Brauerei Brahma. Diese schloss er mit der Lokalkonkurrentin Antarctica zu AmBev zusammen. AmBev fusionierte in der Folge mit der belgischen Interbrew zu Inbev. 2008 gelang mit der Übernahme von Anheuser-Busch der Schritt zur Weltmarktführung.
Aus dem Emmental
Lemann stammt aus dem Emmental, sein Vater, ein Käsehändler, wanderte in den 1920er-Jahren nach Brasilien aus. Er wuchs in Leblon, einem schicken Stadtteil von Rio de Janeiro, auf, besuchte die American School und begann 7-jährig mit Tennis. Als Teenager stand er auf dem Court, auf dem Surfbrett oder war an Partys. «Er war einer der besten Surfer in Rio», sagt sein Cousin Alex Haegler, ein Schweizer, dessen Eltern ebenfalls nach Brasilien auswanderten. Als Jorge keine zwanzig war, geriet sein Vater in Botafogo, einem Stadtteil Rios, unters Tram.
Es war nicht mehr die Zeit für Partys, sondern für Ausbildung. Er ging in die USA und studierte an der Harvard-Universität Ökonomie. «Dort lernte ich, dass man grosse Träume haben muss, Dinge aufs Wesentliche reduzieren muss – und voll aufs Personal setzen muss.»
Station Genf
Nach dem Studium ging er nach Genf, wo er einen Praktikumsplatz bei der Credit Suisse erhielt. Doch er blieb nur ein paar Monate. Die Firmenkultur war ihm zu hierarchisch, die Arbeitsabläufe zu starr. Viel lieber tummelte er sich auf dem Tennisplatz; er wurde Schweizer Meister und schaffte es 1962 ins Davis-Cup-Team, spielte in Wimbledon und in Paris am Roland Garros Grand Slam.
Doch auf das Podest brachte er es nicht. «Als ich realisierte, dass ich es nicht unter die zehn Besten schaffe, gab ich meine Tenniskarriere auf.» Er kehrte nach Brasilien zurück, heuerte bei der Kommerzbank Invesco an und war schon bald einer der «Rainmaker» im Börsenhandel. Nach ein paar Jahren schaffte Invesco mit Starhändler Lemann bereits die Hälfte des Umsatzes der Börse von Rio. Der Jungstar schrieb eine Börsenkolumne in der Sonntagsausgabe des «Jornal do Brasil» und verdiente Millionen. Mit 27 Jahren stürzte der Highflyer ab. 1966 kaufte die Familie Lutterbach, ebenfalls ausgewandert aus der Schweiz, die Banco Ipiranga. Lemann verlor viel Geld.
Kidnapper lauerte Kindern auf
Ein nächster Wendepunkt brachte der 9. März 1999. Kidnapper lauerten drei seiner Kinder auf dem Weg zur Schule auf und wollten sie entführen. Sie schossen 15 Mal auf den gepanzerten VW Passat, doch dem Fahrer gelang die Flucht. Anderntags flog der Investmentbanker mit Kind und Kegel in die Schweiz. Über all die Jahre hatte er seinen Schweizer Pass behalten, zudem ist er in zweiter Ehe mit Susanna, einer Zürcherin, verheiratet. Die Familie zog in ein modernes Anwesen am Zürichsee bei Rapperswil-Jona. Zur Hand geht ihm in juristischen Fragen seit Jahrzehnten Peter Nobel, Wirtschaftsanwalt in Zürich.
Auch 2013 sorgte Lemann für internationale Schlagzeilen. Mit seiner Beteiligungsgesellschaft 3G Capital schnappte er sich den Ketchup-Hersteller Heinz. Beraten wurde er beim Megadeal von Warren Buffett, einem alten Bekannten. «Viele Geschäftsleute sehen sich im Zentrum und lechzen nach Anerkennung. Jorge Paulo ist das Gegenteil.»
Mitarbeit: Christian Bütikofer