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„Was für ein verdammtes Sauwetter,“, murmelte sie vor sich hin, während sie die Tüte abstellte und die Eingangstür hinter sich ins Schloss zog. Sie schlüpfte aus ihren Stiefeln und hängte die Jacke an die Garderobe, bevor sie die Einkäufe in die Küche trug. „Astrid, bist du da?“ Isa spähte ins Wohnzimmer hinüber und sah die blonde Frau an der grossen, bodentiefen Glasscheibe stehen.
„Ja Schatz. Was ist?“
„Nein, nichts. Ich wollte nur wissen, ob du da bist.“ Isa lächelte. „Dir würde ich es zutrauen, dass du sogar bei diesem Unwetter draussen bist.“
Astrid lachte und wandte den Blick schliesslich vom Meer ab, das aufgewühlt nur wenige Meter von ihrem Haus entfernt, hohe Wellen schlug.
„Nein. Bei diesem Wetter gehe selbst ich nicht nach draussen. Ausserdem schwimmen die Wale bei einem solchen Sturm meist weiter ins Meer hinaus, wo es nicht so viele gefährliche Schären gibt. Ich würde sie also ohnehin nicht sehen.“
Isa musste abermals lächeln. Astrid war komplett vernarrt in die Meeressäuger und hatte Isa schliesslich sogar dazu überreden können, mit ihr ein Jahr hoch hinauf in den Norden zu ziehen, um die Wale dort zu studieren. So waren die beiden Mitte August in ein kleines Haus in der Nähe des Fischerstädtchens Stø, in Nordnorwegen gezogen. Mit Blick direkt aufs Meer, eigener Strandlinie und einem kleinen Boot. Währendem die junge Frau noch ihren Gedanken nachhing, hatte Astrid sich in die offene Küche begeben und begann die Einkäufe in den Kühlschrank zu verfrachten.
„Ich dachte, wir könnten es uns heue Abend mal wieder so richtig gemütlich machen, was meinst du?“ Die Blonde drehte sich zu Isa um und lächelte vielsagend.
„Klar. Da sage ich nicht nein. Aber lass uns erstmal dafür sorgen, dass wir heute ein Abendessen haben.“
Isa drückte Astrid einen Kuss auf die Stirn und begann dann Wasser aufzusetzen. Der Abend schritt voran und während die beiden Frauen kochten und den Tisch deckten, wurde es draussen vollends dunkel. Ein eisiger Herbstwind umwehte das kleine Häuschen, das in all dem Sturm wie ein Kokon aus Wärme und Licht schien. Das Meer war finster und wenn die Wellen sich brachen, schwamm Schaum oben auf.
Als Astrid und Isa mit dem Essen fertig waren, kümmerten sich die beiden gemeinsam um den Abwasch, denn auch wenn die Hütte, klassisch rot mit weissen Fenstern, alles hatte, was sie brauchten, so fehlte eine Spülmaschine. Aber das machte ihnen nichts aus, ganz im Gegenteil. Sie genossen die Zeit, die sie täglich zusammen verbrachten, das Ritual, sich gemeinsam um den Haushalt zu kümmern, da sich doch meist beide mit ihren eigenen Arbeiten beschäftigt waren.
Die beiden verzogen sich schliesslich ins Wohnzimmer und Isa feuerte den Kamin ein. Astrid wandte sich wieder dem grossen Fenster zu und starrte hinaus in die dunkle Nacht.
„Meinst du, sie haben Angst, wenn ein solcher Sturm tobt?“
Isa umarmte ihre Freundin von hinten und strich ihr mit den Lippen über den Hals.
„Nein Darling, ganz bestimmt nicht. Die kuscheln sich jetzt sicher genauso wie wir beide aneinander und wärmen sich gegenseitig.“
Ein leises Lächeln breitete sich auf Astrids Gesicht aus. Sie drehte sich um und fuhr mit ihrer Hand sanft über Isas Wange. Dann legte sie ihre Lippen vorsichtig auf die ihrer Freundin. Während sie sich ganz und gar dem Kuss hingab und sich in den Ozean voller Gefühle fallen liess, dachte sich daran, wie froh sie war, Isa zu haben. Nachdem sie aus ihrem Elternhaus rausgeschmissen worden war, hatte diese sich um Astrid gekümmert, sie bei sich wohnen lassen, war immer für sie dagewesen. Astrid hatte weder Geld noch einen Job gehabt, aber das war Isa egal gewesen.
Als jene den Kuss intensivierte, konnte die junge Frau nicht mehr weiterdenken. Sie überliess die Kontrolle ihren Gefühlen und drückte ihren Körper gegen Isas. Diese dirigierte ihre Freundin zu der Couch, die mitten im Wohnzimmer stand. Als Astrid die Kante des Sofas spüren konnte, liess sie sich nach hinten fallen. Isa war sofort über ihr, vergrub ihre Hände in der blonden Mähne. Astrid entfuhr ein leises Stöhnen und sie drückte den Rücken durch, um ihrer Freundin noch näher zu sein. Deren Küsse wurden nun immer drängender und als ihre Zungen sich berühren, gab es kein Halten mehr. Pullover und T-Shirts fanden ihren Platz ziemlich schnell auf dem Fussboden und auch die Hosen liessen nicht lange auf sich warten. Isa setzte sich aufrecht auf Astrid und schaute auf sie hinab. „Ich liebe dich,“, wisperte sie zu Astrid. Diese zog ihre Freundin, ohne ihr eine Antwort zu geben, sofort wieder nach unten und küsste sie leidenschaftlich.
Als Astrid blinzelnd die Augen öffnete, lag sie eng an Isa gekuschelt auf dem Sofa. Diese hatte ihren Arm um Astrids Hüfte gelegt und ihr Gesicht in deren Haar vergraben. Unter der kuscheligen Wolldecke waren sie beide nackt, aber kalt hatte Astrid nicht.
Ein leichtes Glühen, das aus dem Kamin kam, tauchte den Raum in ein dämmriges Licht.
Astrid liess ihren Blick zum Fenster gleiten und ihr Herz machte einen Sprung. Draussen fielen dicke, weisse Flocken vom Himmel.
Der erste Schnee des Jahres.