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Demokratie für dich selbst
Yona Friedman ist ein in Ungarn geborener, französischer Architekt, Städteplaner und Designer. Er war im letzten Jahrhundert sehr einflussreich und ist am besten für seine Theorie zur mobilen Architektur bekannt. In einer Unterhaltung mit Antonio Scarponi denkt der heute 96-Jährige über die Zukunft des Wohnens nach.
Yona Friedman (Budapest, 1923), Architekt, wurde unter anderem durch seine Teilnahme an einigen der wichtigsten Konferenzen von Werner Heisenberg und Kàroly Kerényi geprägt. Nach dem zweiten Weltkrieg, in dem er Teil des Widerstands gegen das Nazi-Regime war, zog er nach Haifa in Israel, wo er für zehn Jahre lebte und arbeitete. Seit 1957 lebt Friedman in Paris. Er hat an verschiedenen amerikanischen Universitäten gelehrt und mit den Vereinten Nationen (UN) und der UNESCO zusammengearbeitet. Seine umfangreiche, literarische Aktivität reicht von der Architektur bis zur Physik und von der Soziologie bis zur Mathematik. In den letzten Jahren ist Friedman zur elften Auflage der Documenta nach Kassel und zu mehreren Biennalen für Kunst und Architekt in Venedig eingeladen worden. Das letzte Buch, das seinem Oeuvregewidmet ist, trägt den Titel «The Dilution of Architecture», (Yona Friedman und Manuel Orazi, herausgegeben von Nader Seraj, Park Books, Zürich, 2015).
AS: Ihre Arbeit wird häufig als «utopisch» bezeichnet, Sie dagegen behaupten, dass Sie ein nicht reduzierbarer, realistischer Optimist sind. Tatsächlich erfüllen Sie mit Ihrer Arbeit eine «hier und jetzt»-Vision. Wie sehen sie die «Zukunft»?
YF: Ich glaube, dass die Zukunft aus Anhäufungen vieler verschiedener «Gegenwarten» besteht. Die Art, wie wir von der Zukunft sprechen, ist eine Illusion, und ich war jetzt schon eine Zeitlang hier, also kann ich das schon mit einer gewissen Überzeugung sagen! (Lachen)
AS: Im letzten Jahr hatte ich die Ehre, eines Ihrer jüngsten Werke, ein echtes Lebenswerk, für die Zeitschrift Domus zu rezensieren: Dächer (in italienischer Sprache erschienen, “Tetti”, Quodlibet, 2018). Ich war von dieser Arbeit sehr fasziniert, und nicht nur, weil darin so viele Jahre Forschung, Arbeit vor Ort und Studium stecken, sondern das Ergebnis auch noch mit perfekter Lyrik präsentiert wird. Die Klarheit der Herausforderung gefällt mir: Wie baut man ein Dach, für sich selbst, mit eigenem Einsatz (sogar mit blossen Händen) mitten im Nirgendwo. In gewisser Weise erlaubt es uns eine Verbindung zum Wesen des Bauvorgangs. Es erinnert mich an die berühmte Novelle, die Banham über die zwei Urformen der Architektur, nämlich die «Hütte» und das «Lagerfeuer», erzählt hat: eine Gruppe Krieger findet sich bei Sonnenuntergang auf einer Lichtung wieder. Es ist schon zu spät und zu gefährlich, zum Dorf zurückzukehren. Also stehen sie für die kommende Nacht vor der Entscheidung, ob sie aus dem Holz, das in der Umgebung vorhanden ist, entweder eine Hütte bauen oder ein Lagerfeuer errichten. Laut Banham entspricht dieses Dilemma den zwei Urformen der Architektur: die Hütte ist die erbaute Form und das Lagerfeuer die nicht gebaute Form. Glauben Sie, «ein Dach» steht sinnbildlich für das Wesen des Wohnens?
YF: Das Wesen des Wohnens ist Teil der Menschheit insgesamt, eines Ökosystems, und das geht weit über die eigenen vier Wände hinaus. So war es schon immer: Das Wohnen hat keine deutliche Veränderung an der «animalischen Natur» des Menschen verursacht. Die Technologie kann soziale Strukturen oder vielleicht Infrastrukturen verändern, sie ist Teil unseres Ökosystems. Ein Dach ist Teil eines Ökosystems, Menschen erschaffen Ökosysteme.
Ökosysteme verändern sich. So habe ich heute zum Beispiel den Eindruck, dass Instagram wichtiger als das MoMA ist, weil Ideen sich dort viel schneller verbreiten, Inhalte werden dort von viel mehr Menschen mit viel weniger Mediation gesehen als in einem Museum. In diesem Zusammenhang darf man jedoch nicht vergessen, dass diese beiden Realitäten miteinander verbunden sind, die eine besteht nicht ohne die andere, besser gesagt, die eine Realität enthält auch die andere und verstärkt sie in manchen Fällen sogar. Wissen entsteht heutzutage auf neue Art und wird auch anders weitergegeben. Und das hat auch einen Einfluss darauf, wie wir lernen, ein Dach zu bauen oder ein Lagerfeuer zu entzünden; wie wir darunter oder darum herum leben können und auch, wie wir es betrachten.
AS: Ich habe in einem Interview gelesen, dass Ihnen als junger Architekt ein Treffen mit Le Corbusier «gewährt» wurde, das erste Mal 1949 und dann erneut im Jahre 1957. In dem Interview sagen Sie, dass Sie ihm 1957 Ihren Plan für die mobile Architektur gezeigt haben und dass er daraufhin sagte: «Ich würde das niemals tun, aber Sie müssen das tun!» Ich bin nicht sicher, wie vielen Meistern ich begegnet bin, die so etwas zu einem jungen Architekten am Beginn seiner Karriere gesagt hätten. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, Ihrem Gefühl zu folgen und Ihr Ding zu machen, als alles angefangen hat?
YF: Ja, das war wirklich typisch von ihm. Ausser seinen eigenen Ideen hat er nichts «gutgeheissen». Er hatte damit auch wirklich recht. Aber trotzdem war er der Meinung, dass Menschen aus einem bestimmten Grund in unterschiedliche Richtungen arbeiten, also hat er mich in gewisser Weise doch dazu ermutigt, meine Arbeit weiterzuentwickeln. Es ist so als würde man sagen: «Ich stimme zwar nicht zu, aber ich kann dich darin bestärken, weiterzumachen und herauszufinden, ob der alte Mann recht hat.» Ich denke, dass er recht hatte, aber in dem Sinne, dass ich es selbst herausfinden musste und selbstverständlich lautet meine Schlussfolgerung, dass er falsch gelegen hat! Trotzdem musste ich tun, was ich tun musste.
Die eigenen Vorstellungen sind immer auch eine Form des Widerstands. Das beginnt schon in der Kindheit. Es ist wichtig, den «Widerstand» jüngerer Generationen zu fördern. Denn letztlich gilt es, Mut zu haben. Mutig zu sein, Mut zu haben, das bedeutet, dass man sich noch vor dem Beginn der Tatsache des eigenen Scheiterns bewusst ist, aber trotzdem damit anfängt, und seiner Sache bis zum Schluss nachgeht, komme, was da wolle. Le Corbusier hat gewonnen; ich habe gewonnen. Wir haben unser Ding gemacht, trotz aller Widerstände. Ich möchte junge Talente dazu ermutigen, es genauso zu machen, und ihren Mut gegen die Angst des Scheiterns und gegen das Scheitern selbst aufzurechnen! Mit dieser Einrichtung gibt es nämlich kein Scheitern!
AS: Hatten Sie damals in den 50er-Jahren Verbindungen oder Kontakte zu den Situationisten in Paris? Constant hat seinerzeit beispielsweise ebenfalls an einer Idee zur nomadischen Architektur (New Babylon) gearbeitet, in der Ihre Idee der mobilen Architektur mitschwingt.
YF: Ich hatte seinerzeit weder mit den Situationisten noch mit Constant Kontakt, als ich L’Architecture Mobile ausgearbeitet habe.Constant nahm Kontakt zu mir auf, nachdem er die Broschüre gelesen hatte, die ich damals erstellt habe. Danach haben wir uns in Paris in meiner Wohnung getroffen. Ich glaube, das war 1961, und später sind wir dann so eine Art Freunde geworden.
AS: Ich habe den Eindruck, dass Eduardo Paolozzi in den 50er-Jahren eine Brücke zwischen den USA, Paris und London gewesen ist. Ich weiss, dass er Kontakt zu den Situationisten hatte, und er hat sich ganz offensichtlich auch stark an der Independent Group in London beteiligt. Er brachte die Ideen von Buck Minster Fuller sowie aus der amerikanischen Sub-Pop-Kultur ein, in der die Ideen von Bucky anfangs zirkulierten. Anschliessen haben Hamilton und Mc Hale den Begriff Pop-art im Kontext der Independent Group geprägt. Hatten Sie damals in irgendeiner Form Kontakt zu Eduardo Paolozzi? Waren Sie seinerzeit an den Ideen von Fuller interessiert? Ich weiss, dass Sie einen starken Einfluss auf Peter Cook und andere Mitglieder von Archigram in deren Studium hatten.
YF: Ich habe Eduardo Paolozzi nie kennengelernt. Mit Bucky Fuller war ich durch Briefe freundschaftlich verbunden, und dann haben wir uns 1962 in Essen getroffen. Ja, ich habe Peter Cook und die anderen getroffen, als sie noch studierten, aber von Corbu hatte ich gelernt: Nimm eine Haltung an und ermutige andere dazu, andere Haltungen zu entwickeln.
AS: Ich habe von Ihnen gelernt, dass Architektur eher aus Hoffnung besteht und weniger aus Wänden und Türen. Ich habe gerade den Roman «The Kites» von Romain Gary fertig gelesen (im Original «Les Cerfs-volants», auf Deutsch «Gedächtnis mit Flügeln»). Meiner Meinung nach beschreibt dieser Roman die Idee des «einfallsreichen Widerstands» sehr gut, und in meiner geistigen Bibliothek sehe ich auch Ihre Arbeit in dieser Richtung. Stellen wir uns also vor, wir planen einen Drachen, den wir bei blauem Himmel ganz hoch fliegen lassen können, damit er uns dabei hilft, eine Meinung zu haben oder hoffnungsvoll auf morgen zu blicken. Ich möchte Sie darum bitten, fünf Schlagwörter zum Thema Wohnen heute auszuwählen, die Ihrer Meinung nach geeignet sind, das Verständnis eines «neuen heute» zu umreissen.
YF: Vielleicht kann ich Ihnen erzählen, woran ich gerade arbeite, und darüber indirekt auf Ihre Frage eingehen. Derzeit arbeite ich an der Idee der «Global Biosphere Infrastructure», es handelt sich um ein Abhandlung und Zeichnungen, die ich im letzten Jahr bei der Kiesler Foundation vorgestellt haben und die das Konzept der «Demokratie für dich selbst» umreisst:
• Für dich selbst planen
• Für dich selbst bauen
• Maximale Autonomie
• Städte-Infrastruktur und Objekte daheim (Cloud-Infrastruktur);
• Bäume (sehr wichtig).
Ich glaube, so sieht das Briefing für den Entwurf meines Drachen aus.
AS: In Ihrer Vision, wo treffen «Demokratie» und «Autonomie» aufeinander? Meinen Sie nicht, dass diese beiden Wörter einander widersprechen?
YF: Für mich ist die «Demokratie» ein bestimmtes Muster in unserem alltäglichen Verhalten, sie drückt sich in all unseren Aktivitäten als Menschen aus. Selbst die Art, wie wir uns jetzt unterhalten, ist ein demokratischer Akt, während ich «Autonomie» als die Möglichkeit sehe, dass man sich selbst dazu ermächtigt, Entscheidungen zu treffen. Technologie stellt lediglich die Mittel dafür zur Verfügung. Wenn Sie so wollen, ist sie die Schnur des Drachen: Sie verbindet ihn mit dem Boden, aber sorgt dafür, dass wir den Drachen sehen und den Wind spüren können. Vielleicht können wir diese Metapher sogar noch weiterspinnen und die Architektur als «Drachen» ansehen. Architektur sollte «mobil» sein, und die Bäume sind der stabile Fixpunkt in der Umgebung. Sie sind die Sehenswürdigkeiten der neuen Stadt, sozusagen natürliche Monumente, die bei der Orientierung behilflich sind.
AS: Glauben Sie, dass die Zusammenarbeit und Teilhabe an der Natur von der Lücke zwischen «Demokratie» und «Autonomie» abhängig ist? Oder anders gesagt, was ist Ihrer Meinung nach die Aufgabe des «anderen»?
YF: Sie ist ein fundamentaler Bestandteil des Ehrenkodex in der Praxis. Ohne «den anderen» fliegt der Drache nicht. Der «andere» ist der Wind, Ideen brauchen den Austausch, damit sie abheben können, auch wenn wir wissen, dass alles früher oder später wieder auf den Boden zurückkehrt.
AS: Das erste Buch, das ich von Ihnen gelesen habe, war Utopies réalisables. Das war im Jahr 2003, als es von Quodlibet in einer neuen Auflage auf Italienisch veröffentlicht wurde. Ich habe es förmlich verschlungen. Am Ende des Buchs ist eine Aussage enthalten, die mich immer noch aufschrecken lässt. Sie argumentieren die folgende Gleichung: Landwirtschaft = sesshaft; Stadt = nomadisch. Ich schrecke auf, weil damit die kollektive Vorstellung umkehrt wird, dass der Nomadismus zu unbeständigen, unberührten Landschaften gehört, und eine der Intuition zuwiderlaufende Vision vorgestellt wird, in der Nomadismus tatsächlich ein Massenphänomen ist, das in geballten Infrastruktur-Räumen auftritt, die wir als Städte bezeichnen.
Diese Sichtweise passt nicht nur sehr gut zu einer Vision über die wahre Natur der Städte, aus denen diese Infrastrukturen bestehen, und zu Migranten (im breiten Sinne einer menschlichen Migration), sondern entspricht auch einem zunehmend auf der ganzen Welt beobachteten Trend: Immer mehr Menschen (2018: 32 % im Vergleich zu 2016: 28 %), die in Städten leben, geben an, dass Sie sich an bestimmten Orten in der Stadt mehr zuhause fühlen, als in der Wohnung, in der Sie tatsächlich wohnen. Wenn wir diese Studieals gegeben hinnehmen, weil wir hier nicht die Möglichkeiten haben, über die Legitimität einer derartigen Behauptung zu diskutieren. Zudem bin ich mir nicht sicher, ob das Leben und Gefühle auf statistische Zahlen reduziert werden kann. Trotzdem schätze ich, dass damit gezeigt wird, dass die emotionale Idee von «Zuhause» zunehmend zu einem breiteren «Kontext» von Situationen, öffentlichen Bereichen und Ereignissen «explodiert», die unabhängig davon sind, wo jemand seine oder ihre Kleidungsstücke aufbewahrt. Ich schätze, dass das Gefühl von Zuhause theoretisch oder möglicherweise «überall» und nirgendwo gleichzeitig besteht. Ich bin davon überzeugt, dass von dieser Studie Einfluss ausgeübt wird, jedoch wahrscheinlich eher auf die Vorstellung als auf eine echte «Tatsache». Sie haben diese Idee seit dem Beginn Ihrer Karriere untersucht und schon in den 50er-Jahren die Möglichkeiten vorhergesagt, die mit den damals verfügbaren Technologien erreicht werden konnten. Glauben Sie, dass unsere heutigen Gesellschaften eher geneigt sind, diesen «Worten auch Taten folgen zu lassen»?
YF: Ich weiss nicht, ich bin Architekt und kein Wahrsager! (Lachen)
Die zeitgenössische Architektur ist heutzutage ein reiner Ausdruck des wirtschaftlichen Kapitals. In der Vergangenheit war das sicher auch so, aber das «wirtschaftliche Kapital» hat in gewisser Weise auch ein «symbolischen Kapital» vertreten. Ein spirituelles Kapital, wenn Sie so wollen. In einer Zeit, in der das wirtschaftliche Kapital dem symbolischen Kapital ENTSPRICHT, will sagen, dass die Wirtschaft kaum noch für etwas anderes als für sich selbst steht, lösen sich symbolische Werte von der tatsächlichen Form. Ich glaube, dass es uns mehr und mehr zu symbolischen Nomaden werden lässt, die nach der Glaubwürdigkeit des echten Lebens suchen. Dabei bewegen wir uns von der angeblichen Qualität der Dinge weg und hin zur Lebensqualität. Die Stadt löst sich angesichts mobiler Infrastrukturen auf und die Detektoren werden kleiner und kleiner. Und deshalb stellen wir unsere Stimmung so ein, wie wir einst das Radio eingestellt haben, damit wir einen guten Empfang bekommen, das Gefühl von Zuhause spüren, ohne tatsächlich zu Hause zu sein, also losgelöst von den eigenen vier Wänden.
In gewisser Weise führt die mobile Infrastruktur dazu, dass die traditionelle Architektur überholt ist. Sie fördert das Verschwinden der Bourgeoisie und der Orte, in denen sie dafür genutzt wurde, sich selbst zu feiern. Und das betrifft nicht nur das eigene Zuhause, sondern auch den Arbeitsplatz. In der Folge werden die Städte zur Infrastruktur nomadischer Stämme, die den Datenströmen folgen statt den «Zeilen eines Lieds».
Zuhause ist kein Ort mehr, sondern ein Gefühl, das im Laufe der Zeit in vielen Orten steckt, etwas, auf das wir unsere Mikrogeräte wie ein Rutengänger selbst und für uns selbst ständig neu einstellen.
AS: Wo wir von der Stadt als «Infrastruktur» oder der Stadt-Infrastruktur (möglicherweise im Zusammenhang mit der Idee einer «Cloud-Infrastruktur») sprechen, wann wird sich Ihrer Meinung nach die Stadt auflösen, verschwinden? Ich erinnere mich hier an Ihr letztes Buch: “The Dilution of Architecture” (mit Manuel Orazi, herausgegeben von Nader Seraj, Park Books 2015).
YF: Ich glaube, dass wir die Stadt als den Ort ansehen können, auf den wir unsere Träume und Wünsche projizieren und wo wir sie mit anderen teilen. Ich denke, dass es nicht die Stadt ist, die verschwindet oder sich auflöst, stattdessen verschwindet das alte Verständnis für Infrastruktur, wenn Netzwerke nicht mehr oder nicht mehr nur von tatsächlichen Einrichtungen unterstützt werden, sondern durch Haushaltsgeräte wie beispielsweise Mobiltelefone, Solarzellen, Regenbehälter und Mikroantennen ersetzt werden. Plötzlich ist die Stadt in ihrer traditionellen Form, so, wie wir sie kennen, obsolet geworben und theoretisch unnötig. Wir beobachten die Auflösung des Arbeitsplatzes, wie wir ihn kennen, wir sehen den Zerfall des Zuhauses, wie wir es kennen, wir werden Zeuge der Auflösung von Institutionen. Ich denke, dass hier eine Möglichkeit der Mündigkeit für die Menschheit und die Architektur besteht, autonom, frei, demokratisch und bewusst.
AS: Sind das die Prämissen für eine Global Biosphere Infrastructure?
YF: Ja. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Bäume wichtig sind.
Antonio Scarponi
Antonio Scarponiist Architekt und Designer, er ist Gründer der in Zürich ansässigen Ateliers Conceptual Devices (www.conceptualdevices.com), in denen er Design als Form der Freiheit erforscht. Er hat Architektur an der Cooper Union, New York und an der IUAV, Venedig studiert. Unter anderem ist er 2008 mit dem Curry Stone Design-Preis ausgezeichnet worden. Er hat mit vielen internationalen Zeitschriften zusammengearbeitet, darunter Domus, Abitare und Wired. Er hat an verschiedenen Universitäten in Europa und Amerika gelehrt und ist derzeit Fakultätsmitglied in der Zürcher Hochschule der Künste. Seine Arbeiten sind weithin in verschiedenen Design-Museen und Galerien ausgestellt worden. 2016 hat er an der XV. Architektur-Biennale in Venedig teilgenommen. Aus seiner Feder stammt ELIOOO, eine Anleitung darüber, wie sich die weltweite Logistikinfrastruktur von IKEA hacken lässt, um ein Gerät zu bauen, mit dem man Lebensmittel in der eigenen Wohnung anbauen kann.