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Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein etablierter Biomarker für die Ermittlung von Entzündungen. Ein Gehalt von 10 mg/L oder mehr im Blut deutet auf eine akute Entzündung hin. Gehalte zwischen 1 und 10 mg/L entsprechen hingegen der stillen Entzündung. Oft kommt aber die gewöhnliche CRP-Analyse zum Einsatz, die Gehalte von weniger als 10 mg/L nicht immer akkurat erfasst. Falsch negative Diagnosen sind die Folge. Mit dem Einsatz einer hochsensitiven CRP-Analyse lässt sich aber die stille Entzündung problemlos und schnell bestimmen.
Fachleute im Medizinbereich kennen das C-reaktive Protein (CRP) schon seit langem. Es ist ein sehr einfach zu bestimmender Biomarker für Entzündungen, der in der Regel für die Ermittlung einer Entzündung nach bakteriellen oder viralen Infektionen zum Einsatz kommt. Bei bakteriellen Infektionen liegen die CRP-Gehalte im Blut bei durchschnittlich 100 bis 180 mg/L; bei der saisonalen und virenbedingten Grippe steigen die CRP-Gehalte hingegen nicht so stark an und betragen meist 20 bis 30 mg/L (1). Während heftigen Grippen verzeichnet man aber höhere Werte, so im Jahr 2009 bei der Schweinegrippe mit durchschnittlich 55 mg/L und Spitzenwerten von 90 mg/L (2). Die CRP-Gehalte bei hospitalisierten Covid-19-Patient*innen betragen bei moderaten Krankheitsverläufen im Durchschnitt etwa 30 bis 50 mg/L und bei schweren Verläufen um die 60 bis 90 mg/L (3, 4).
Die gewöhnliche CRP-Analyse
Für die Erfassung solcher akuten Entzündungen kommt die gewöhnliche CRP-Analyse routinemässig zum Einsatz. Gemäss der American Association of Clinical Chemistry weisen diese Analysemethoden meist einen Messbereich von etwa 10 bis 1000 mg/L auf und sind daher für ihren Einsatzzweck ausreichend präzise (5). Geringere Gehalte bereiten der gewöhnlichen CRP-Analyse hingen oft Mühe, denn sie liegen meist an oder gar unterhalb ihrer Nachweisgrenze. Dies spielt für die akute Entzündungen aber keine Rolle, da bei CRP-Gehalten von weniger als 10 mg/L keine solche Entzündung mehr vorliegt. Als Grenzwert für die akute Entzündung wird oft 5 oder 10 mg/L genutzt.
Die stille Entzündung erfordert ein Umdenken bei den CRP-Grenzwerten
Die Diagnose bei CRP-Gehalten von weniger als 10 mg/L lautet daher oft «nicht entzündet», und dies ist im Hinblick auf eine akute Entzündung auch richtig. Neben der akuten Entzündung existiert aber auch die stille Entzündung, die mittlerweile für die Hälfte der globalen Todesursachen verantwortlich gemacht wird und eine sehr hohe Prävalenz bei den Erwachsenen aufweist, beispielsweise von 50 Prozent in Deutschland (6, 7). Bei der chronisch vorhandenen stillen Entzündung liegen die CRP-Gehalte unglücklicherweise gerade unterhalb der Grenze zur akuten Entzündung von 10 mg/L und werden deswegen traditionsgemäss oft nicht als problematisch wahrgenommen.
Laut der Empfehlung der American Heart Association für die Handhabung des CRP-Gehaltes in der klinische Praxis gelten aktuell Gehalte von 1 bis 10 mg/L als Risikoprädiktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (8). Gehalte unterhalb von 1 mg/L gehen hingegen nur noch mit einem geringen Krankheitsrisiko einher, weshalb als Bereich für die stille Entzündung CRP-Gehalte von 1 bis 10 mg/L definiert sind (9). Es gäbe zwar gute Gründe, die bereits jetzt für die Erweiterung des Bereiches der stillen Entzündung auf 0.5 bis 20 mg/L sprechen. Aber bis dies umgesetzt wird, dürfte es noch eine gewisse Zeit dauern. (In meinem E-Book deFlameYou! ist die Begründung für die Erweiterung des Bereichs der stillen Entzündung ausführlich diskutiert.)
Wenn nun bei Erwachsenen die gewöhnliche CRP-Analyse eingesetzt und ein resultierender Gehalt von weniger als 10 mg/L als «entzündungsfrei» eingestuft wird, kann diese Diagnose durchaus in jedem zweiten Fall falsch sein. Denn damit ist frei von einer akuten Entzündung gemeint, was aber nicht automatisch auch frei von einer stillen Entzündung bedeutet. Bei Gehalten von weniger als 10 mg/L muss man daher spezifisch darauf hinweisen, dass zwar keine akute Entzündung vorliegt, aber wegen der eingesetzten, gewöhnlichen CRP-Analyse keine Aussage bezüglich der stillen Entzündung getroffen werden könne.
Die Analyse der stillen Entzündung bedarf des Einsatzes der hochsensitiven CRP-Analyse, deren Ergebnisse dann als «hsCRP» deklariert werden. Streng genommen ist «hsCRP» eine unglückliche Kennzeichnung, denn das «hochsensitiv» bezieht sich nicht auf das CRP als Substanz, sondern auf die Analysemethode. Das CRP ist bei der gewöhnlichen wie auch bei der hochsensitiven Analysemethode immer das Gleiche. Der Unterschied ist, dass mit der hsCRP-Analyse auch geringe Gehalte akkurat erfasst werden können (je nach Gerät und Art der hsCRP-Analyse bis weniger als 0.1 mg/L oder noch geringer).
Noch keine hsCRP-Analyse in Gesundheitschecks
In der Vorsorgeuntersuchung gehören zum Beispiel das Lipidprofil und der Blutzucker zu den klassischen Biomarkern aus dem Blut. Die hsCRP-Analyse ist hier in der Regel noch kein Thema, obwohl sie zweifelsfrei sinnvoller wäre als zum Beispiel die Analyse des «schlechten» LDL-Cholesterins ohne Berücksichtigung der LDL-Subfraktionen (10). Ein wesentlicher Grund für die fehlende Berücksichtigung der hsCRP-Analyse in Gesundheitschecks dürfte die Position der American Heart Association sein. Sie empfiehlt nur eine hsCRP-Analyse, wenn andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht sind. Von einer allgemeinen und routinemässigen hsCRP-Analyse rät sie hingegen explizite ab (8). Dadurch verpasst man aber eine sehr einfache und kostengünstige Möglichkeit, in wenigen Minuten das Risiko für das künftige Auftreten vieler Erkrankungen zu ermitteln. Es bleibt daher zu hoffen, dass die Empfehlung der American Heart Association möglichst rasch fällt und die hsCRP-Analyse standardmässig bei den Vorsorgeuntersuchungen zum Einsatz kommt.
Stille Entzündung – Kontrolle in Eigenverantwortung
Solange aber die stille Entzündung nicht auf dem Radar der öffentlichen Gesundheit auftaucht und die hsCRP-Analyse nicht ein Bestandteil der Routineanalysen von Gesundheitschecks wird, müssen wir uns selbst um sie kümmern. In naher Zukunft werden akkurate hsCRP-Selbsttests auf den Markt kommen. Dann können wir in eigener Regie und zu Hause unseren CRP-Status ermitteln. Wer schon zuvor wissen möchte, ob eine stille Entzündung vorliegt oder nicht, braucht zurzeit noch einen ärztlichen Support, der die hsCRP-Analyse durchführt bzw. organisieren kann. Rein technisch liesse sich die hsCRP-Analyse auch in Apotheken mit Point-of-care-Messgeräten durchführen. Aber entsprechende Angebote sind noch nicht an der Tagesordnung.
Auf jeden Fall sollte die stille Entzündung bekannter werden. Denn nur so wird sie die nötige Aufmerksamkeit erhalten und von allen als das wahrgenommen, was sie schon seit Jahren ist: Eine grassierende Pandemie, die wir aber in den Griff bekommen können.