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18. Dezember 2023, Tägliche Marktsicht
Rezession, ja oder nein?
Die Wirtschaft schwächt sich in fast allen Industrieländern ab. Die Zinserhöhungen der Notenbanken entfalten mit der üblichen Verzögerung ihre Wirkung.
Im Fokus
Die Wirtschaft schwächt sich in fast allen Industrieländern ab. Die Zinserhöhungen der Notenbanken entfalten mit der üblichen Verzögerung ihre Wirkung. Das ist so gewollt, da nur mit einer schwächeren Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen der Inflationsschub nach Corona unter Kontrolle gebracht werden kann. Die Frage ist nun, ob eine Rezession vermieden werden kann. Gemäss den Prognosen der meisten Konjunkturinstitute wird die Wirtschaft in diesem und zumindest im nächsten Jahr unterdurchschnittlich stark wachsen, aber nicht schrumpfen. Gemäss den Aktienmärkten, die teilweise auf historischen Höchstständen stehen, sind die Aussichten für die Firmen sehr gut. Das gilt nicht nur für den technologielastigen Nasdaq, sondern auch für Indizes mit einer starken Gewichtung der Industrie wie der Dow Jones Industrial Average oder der deutsche DAX. Gemäss den Zinserwartungen und den Renditen für Obligationen werden die Notenbanken 2024 auf eine starke Rezession mit raschen und ausgiebigen Zinssenkungen reagieren müssen. Jemand hat recht, jemand nicht.
Für die Entwicklung der globalen Finanzmärkte ist es nicht entscheidend, was die Schweizer Wirtschaft macht. Vielmehr gibt Uncle Sam die Richtung vor, weshalb wir uns in den nachfolgenden Ausführungen auf die USA konzentrieren. Das Bild aus den USA lässt sich aber ziemlich genau auch auf andere Regionen und Länder übertragen. Wenn man die Industrie isoliert betrachtet, dann befindet sich die US-Wirtschaft in einer Rezession. Der vom ISM-Institut ermittelte Einkaufsmanagerindex der US-Industrie liegt schon seit längerem unter der Schwelle von 50 Punkten, welche eine Schrumpfung des industriellen Sektors anzeigt. Mit aktuell 46.8 Punkten liegt er auch unter der Marke von 47 Punkten, welche als Grenze für eine Rezession der gesamten Wirtschaft interpretiert wird. Schlecht sind der Auftragsbestand und vor allem die Auftragseingänge. Das verheisst nichts Gutes für das erste Halbjahr des nächsten Jahres. Auf der anderen Seite hält sich der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor mit 52.7 Punkten stabil im expansiven Bereich, getrieben unter anderem durch die Auftragseingänge. Die Dienstleistungsunternehmen stellen weiterhin neue Leute ein. Das zeigt sich auch an den Arbeitsmarktstatistiken. Die Zahl der Offenen Stellen nimmt zwar ab, liegt aber immer noch auf einem historisch gesehen überdurchschnittlich hohen Niveau. Die Arbeitslosenrate ist stabil tief und die Löhne steigen solide an. Die Stimmung bei den US-Konsumenten ist dennoch schlecht. Das zeigen sowohl wirtschaftlich als auch politisch motivierte Umfragen. Steigende Preise, ein wachsendes Ungleichgewicht in der Gesellschaft und die Untergangsszenarien der konservativen Medien und Politiker trüben die Stimmung. Die Leute haben aber einen Job, steigende Einkommen und geben das Geld mit vollen Händen aus. Im dritten Quartal stieg der Private Konsum um annualisierte 3.6%. Die Fed Atlanta berechnet ein sogenanntes «GDPNow», welches das aktuelle Wachstum widerspiegelt. Dieses ist nicht mehr auf dem hohen Niveau von 5% wie im dritten Quartal, aber immer noch bei 2.6%, Tendenz steigend.
Die Abschwächung der Konjunktur wird in den USA, aber auch in der Schweiz im ersten Halbjahr 2024 weitergehen. Eine starke und tiefgreifende Rezession sehen wir im konjunkturellen Datenkranz jedoch nicht. Vielmehr erwarten wir eine Trendumkehr zum Besseren, wenn der Lagerabbau im industriellen Sektor zu Ende geht. Dafür gibt es bereits erste Anzeichen. Ob die Aktien- oder die Zinsmärkte mit ihrer Einschätzung der Wirtschaft recht haben, wird man im nächsten Jahr sehen. Wir tippen auf die Aktien.
Aktienmärkte
US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.15%, S&P500: -0.01%, Nasdaq: +0.35%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +0.23%, DAX: +0.00%, SMI: -0.16%
Asiatische Märkte
Nikkei 225: -0.64%, HangSeng: -0.78%, S&P/ASX 200: -0.22%
Die Angst vor einer Rezession lässt die Zinserwartungen ins Bodenlose fallen. Dennoch erreichen verschiedene Aktienindizes wie der Dow Jones oder der DAX neue historische Höchststände. Da fehlen dem Kommentator die Worte. Der S&P 500 legte letzte Woche 2.49% zu. Die europäischen Aktien stiegen 0.58%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 1.30% abschloss.
Noch im Oktober waren die Optimisten an den Aktienmärkten deutlich in der Minderheit. Dieser Monat war mit einem Minus von gut 2% im S&P500 und 5% im SMI sehr schwach. Mit dem Monatswechsel in den November drehte der Wind. Nun konnten die Optimisten wieder das Zepter übernehmen. Die Aktienmärkte zeigten eine signifikante Gegenbewegung. Der S&P500 hat den Kursrückgang seit September mehr als wettgemacht. Weniger gut lief es für den SMI. Dieser legte zwar auch zu, blieb aber im internationalen Vergleich zurück und konnte nur das Minus vom September und Oktober aufholen. Dass der defensive Schweizer Markt zurückliegt, zeigt, dass zyklische Werte und Sektoren stärker gesucht sind. Dies ist ein klares Zeichen für die Stärke der Optimisten. Der Ölpreis signalisiert keinen Angebotsstress und notiert trotz Förderkürzungen durch Saudi-Arabien und dem Konflikt im Nahen Osten tiefer. Diese Entwicklung wirkt sich auf die allgemeine Stimmung an den Märkten positiv aus. Ebenfalls scheint die Inflationsentwicklung „gezähmt“. In den USA glitt die Inflationsrate zurück, ebenso wie in der Eurozone. In der Schweiz liegt sie unter dem angestrebten Niveau der SNB von 2%. Dieser Inflationstrend hat auf der Zinsseite für Bewegung gesorgt und die Erwartungen verändert. Die Notenbanken sind am Ende ihres Zinserhöhungszyklus angekommen. Die Diskussion um Zinssenkungen wird die Aktienmärkte weiter positiv beeinflussen.
Kapitalmärkte
Renditen 10 J: USA: 3.904%; DE: 2.016%; CH: 0.602%
Die Zinsmärkte interpretieren momentan alles in Richtung tiefere Zinsen. Wenn die Fed selber von drei Zinssenkungen im nächsten Jahr ausgeht, werden es sicher deren sechs bis sieben sein. Wenn die SNB die Inflation in den nächsten Jahren mit dem aktuellen Leitzins von 1.75% im oberen Bereich ihres Zielbandes sieht, kann sie den Zins im nächsten Jahr sicher auf 1.00% zurücknehmen. Diese Haltung ist zu einseitig und wird nicht aufgehen.
Währungen
US-Dollar in Franken: 0.8693
Euro in US-Dollar: 1.0913
Euro in Franken: 0.9487
Die SNB will in nächster Zeit keine Franken mehr zurückkaufen. Davon profitiert zumindest kurzfristig der Euro, der gegenüber dem Franken etwas teurer geworden ist. Die Betonung liegt auf dem «etwas». Die SNB hat weiterhin ein grosses Interesse daran, ihre Bilanz zu verkleinern und den Berg an Devisenreserven abzubauen. Bei Gelegenheit wird sie die Devisenverkäufe wieder aufnehmen.
Rohstoffmärkte
Ölpreis WTI: USD 71.82 pro Fass
Goldpreis: USD 2'023.56 pro Unze
Wer mit Erdöl handelt, muss starke Nerven haben. Was letzte Woche abging, dürfte dem einen oder andern aber doch den Schweiss auf die Stirne getrieben haben. Der Preis fiel am Dienstag in kurzer Zeit um mehr als 5%. Bis Donnerstag wurde der Einbruch wieder wettgemacht und der Preis war wieder dort, wo er am Dienstag mit den Kapriolen anfing.
Wirtschaft
USA: Empire Manufacturing Index (Dezember) letzter: 9.1; erwartet: 2.0; aktuell: -14.5
Das Produzierende Gewerbe im US Bundesstaat New York steht unter Druck. Schlecht ist vor allem die Auftragslage und der Eingang neuer Aufträge, während tiefere Einkaufspreise für eine gewisse Entlastung sorgen. Damit sind die Firmen in New York ein Spiegelbild der Industrie in den meisten westlichen Ländern, auch in der Schweiz.