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Ausflugstipp: Nervenkitzel auf dem ferrariroten Oldtimer
190 Meter hoch ist die Hängebrücke von Niouc VS. Vor fast 100 Jahren war das Weltrekord. Danach geriet die für die Wasserversorgung gebaute Überquerung in Vergessenheit, bis ein Verein die Hängebrücke über die Schlucht im Val d’Anniviers 1988 wieder Instand setzte. Heute führen Wanderrouten über die «Spinnenbrücke» oder Bungee-Jumper in die Tiefe.
Der Bau der Hängebrücke von Niouc VS vor bald 100 Jahren war eine technische Meisterleistung, die in schwierigem Gelände realisiert wurde. 190 Meter spannt sich die Konstruktion über die Schlucht des Flusses Navizence und galt damals als die höchste Brücke der Welt. Die spektakuläre Überquerung konnten auch Fussgänger nutzen, doch war der eigentliche Zweck die Sicherstellung der Wasserversorgung auf den trockenen Talflanken oberhalb von Siders.
Eigenes Wasserkraftwerk
Im nahen Chippis hatte die 1887 gegründete Aluminium Industrie AG (AIAG) 1908 ein neues Werk in Betrieb genommen und ein eigenes Wasserkraftwerk gebaut, welches das Nutzwasser von der Navizence bezog. Der Standort im Wallis war ideal, denn die Aluminium-Schmelzflusselektrolyse benötigt viel Strom. Das Leichtmetall fand Ende des 19. Jahrhunderts rasch Verbreitung und viele Anwendungsfelder, sodass das Unternehmen die Produktion zügig hochfahren konnte und im Verlaufe der Jahre im Wallis zu einem wichtigen Arbeitgeber wurde. Später kamen in Siders und Steg Walz- und Presswerke dazu.
Doch wurden gleichzeitig die Emissionen der Fabrik den Bewohnern in der Umgebung von Chippis zur Belastung. Das Gebiet rund um den Weiler Briey, an der linken Flanke des Haupttals gelegen, sollte Ausweichmöglichkeiten für Menschen und Vieh bieten. Um dort den Ertrag von Äckern zu steigern und neue Weidegründe zu erschliessen, musste das Bewässerungsnetz ausgebaut und zusätzliche Wassermengen über die bestehenden Fuhren, Suonen oder Bisse genannt, zu den Feldern geführt werden. Schliesslich einigte sich die Consortage de Bisse de Briey mit den Kraftwerkbetreibern, jeweils von April bis September das Überlaufwasser oberhalb der Druckleitung zu nutzen.
Verein setzte Hängebrücke Instand
Dazu musste das Wasser von der Zuführleitung des Kraftwerks auf der rechten Talseite des Val d’Anniviers über die Schlucht auf die gegenüber liegende Seite geleitet werden. Eine Reihe von Varianten wurde geprüft, auch war eine Realisierung in der Zeit des ersten Weltkriegs schwierig. 1921 standen noch zwei Brückenprojekte im Wettbewerb. Am Ende fiel der Entscheid für eine 220 Meter lange Hängebrücke, über die eine Siphonleitung zur Bisse führt. Gebaut wurde die Brücke vom Unternehmer César Zufferey.
Mit dem Bau von modernen Wasserleitungsnetzen und Quellfassungen sowie der Erschliessung der Täler durch Strassen und Seilbahnen verlor die Hängebrücke allmählich ihre Funktion und wurde in der Folge nicht mehr unterhalten. Der 50 Zentimeter breite Holzstegs wurde morsch, die Passage über die Brücke zum waghalsigen Unterfangen. Ein 1988 gegründeter Verein setzte die Brücke dank Spendengeldern und viel Freiwilligenarbeit wieder Instand. Seit 1997 suchen Bungee-Jumper auf der Brücke – immerhin noch eine der höchsten Europas – den Adrenalinkick. Auch Seilrutschen bieten die Organisatoren vor Ort an. Für Spannung ist auf jeden Fall gesorgt – auf der Pont suspendu.