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Dies ist die Fortsetzung von Egal. Wer Teil 1 nicht gelesen hat, hier klicken
Wie Schiffe zogen die dunklen Wolken am Himmel vorbei. Hagmann beachtete sie nicht. Und dass die Fensterscheiben schon seit langer Zeit keinen Putzlappen mehr gesehen hatten, war ihm auch egal. Er sah, wie die schwarze Limousine wegfuhr. Den Brief hielt er immer noch in der Hand. Immer wieder las er ihn durch.
Der Kuckuck verließ die alte Uhr für ein paar Augenblicke, um gleich darauf wieder ins Gehäuse zurückgezerrt zu werden und für eine weitere Stunde still zu warten. Hagmann nahm sich ein Glas aus dem Schrank über der Spüle und füllte es mit Wasser. Ihm war nicht nach trinken zumute. Es war mehr so, dass er irgendetwas tun wollte. Tun musste. Er legte den Brief auf den Tisch.
Mit einer Hand fuhr er sich über den Kopf, versuchte, die strähnigen Haare in Form zu bringen. Die Tatsache, dass er sie nicht kürzlich gewaschen hatte, lies sie problemlos in der Position verharren, in welche er sie brachte. Immer wieder ging er zum Fenster und schaute hinaus. Ungeduldig.
Die Beamten im Wohnzimmer sprachen nur wenig. Hie und da klackten die Verschlüsse von Aktenkoffern. Das surrende Geräusch des Blitzgerätes auf der Kamera. Alles schien heute extrem laut und eindringlich. Die Beamten schabten etwas vom Teppich und füllten es in Plastikbeutel, welche sie sorgfältig verschlossen und beschrifteten. Immer und immer wieder.
Hagmann fröstelte. Er blickte auf das Thermometer an der Wand, konnte aber nichts erkennen. Eigentlich interessierte ihn auch nicht, wie kalt es war. Er bemühte sich deshalb nicht, die Brille aufzusetzen und genauer hinzusehen. Stattdessen zog er seine Taschenuhr aus der Hosentasche. 18 Uhr. Zeit für das Abendessen. Wie immer um diese Zeit. Aber heute hatte er keinen Appetit. Nicht mehr.
Es schien ihm fast wie eine Erlösung, als er hörte, dass erneut ein Auto vor dem Haus parkierte. Er ging zum Fenster und sah, wie zwei Männer den Wagen verließen. Sie schauten die Straße hinunter und hinauf, bevor sie sich mit großen Schritten auf das Haus zubewegten.
Obwohl er das Klingeln erwartete, zucke Hagmann zusammen. Er war nur noch wenige Schritte von der Türe entfernt. Er drückte die Klinke kraftlos hinunter, die Holztür öffnete sich knarrend und die beiden Männer betraten den Raum.
Kommissar Müller und sein Assistent Bader. So stellten sie sich vor. Die Beamten von der Spurensicherung begrüßten Müller und rapportierten ihre Beobachtungen. Hagmann schien in einer Art Dämmerzustand. Er hörte zu, aber er verstand die Worte nicht.
Endlich wandte sich Müller ihm zu. Er sprach sein Beileid aus und erklärte, dass die Spurensuche nun abgeschlossen wäre. Hagmann nickte nur.
Die beiden Beamten stellten Fragen und machten sich Notizen. Hagmann streckte Müller den Brief hin. Er las ihn kurz durch, runzelte die Stirne.
„Nicht leicht, solche Nachrichten zu verarbeiten!“, sagte er mit verständnisvoller Stimme, „nur schade, dass die Leute dabei nicht an ihre Mitmenschen denken! Tut mir wirklich Leid Herr Hagmann!“
Hagmann nickte nur. Mit dem Daumen kratzte er sich etwas vom Zeigefinger. Trockenes Blut. Bader bemerkte es. „Ich denke, sie sollten heute nicht alleine sein.“
Eher widerwillig ließ sich Hagmann in das nahegelegene Spital bringen. Aber eigentlich war es ihm egal. Wie alles, was um ihn herum geschah. Hauptsache, weg.