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Die verborgenen Dimensionen der Armut
Um Armut besser zu verstehen, hat ein internationales Forschungsteam – unter der Leitung der Universität Oxford und der internationalen Bewegung ATD Vierte Welt – drei Jahre lang daran gearbeitet, eine Reihe von Dimensionen zur Definition von Armut zu identifizieren. Die Ergebnisse dieser Forschung – die auf einer innovativen Methodik beruht, da sie Menschen, die von extremer Armut betroffen sind, als MitforscherInnen einbezieht – wurden veröffentlicht.
Die Überwindung der Armut ist das erste der UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurde in sechs Ländern – drei im Norden und drei im Süden – eine internationale partizipative Forschung über die verborgenen Dimensionen der Armut durchgeführt, unter der Leitung der Universität Oxford und der internationalen Bewegung ATD Vierte Welt und der Unterstützung vieler Partner. Drei Jahre lang arbeiteten Forschungsteams, die sich aus Akademikern, Fachleuten und in Armut lebenden Menschen aus Grossbritannien, Frankreich, den USA, Bangladesch, Tansania und Bolivien zusammensetzten, daran, neue Kategorien der Armutsanalyse zu etablieren. Diese „verborgenen Dimensionen der Armut“, die durch diese Forschung ans Licht gebracht wurden, sind stärker im Leben derjenigen Personen verankert, die direkt von Armut betroffen sind, und sollen das globale Denken über die Natur und die Messung von Armut vorantreiben. Langfristiges Ziel ist es, zu einem wirksameren Vorgehen vor Ort und zur Entwicklung besserer Politiken zur Bekämpfung der Armut auf nationaler und internationaler Ebene beizutragen.
Neben den Benachteiligungen, mit denen die von Armut betroffenen Menschen konfrontiert sind – Mangel an menschenwürdiger Arbeit, unzureichendes und prekäres Einkommen, materielle und soziale Entbehrungen – weisen die Ergebnisse dieser Forschung auf bisher undefinierte Dimensionen hin. Unabhängig davon, ob sie wenig verstanden oder gar nicht anerkannt werden – wie etwa institutionelle oder soziale Diskriminierung, der Verlust von Handlunsgmacht oder der Kampf und Widerstand gegen die Armut – ist es leicht, die vielfältigen Verletzungen der Grundrechte zu erkennen.
Die Studie zeigt auch fünf Faktoren auf, die die Intensität der Armut verändern können: Identität, Zeit und Dauer, Ort, Umwelt- und Umweltpolitik sowie kulturelle Überzeugungen.
Eine innovative Methodik: Menschen, die von Armut betroffen sind als Mitforschende
Extreme Armut ist ein multidimensionales Phänomen. ATD Vierte Welt bemüht sich, dieses Problem der Armutsmessung an drei Fronten anzugehen:
- Mit Menschen, die in Armut leben, um sie als neue Partner in den Aufbau von Wissen über Entwicklung einzubeziehen;
- Mit ForscherInnen und internationalen Organisationen, um die besten Messinstrumente zu finden;
- Mit Regierungen und internationalen Organisationen, um sicherzustellen, dass mehrdimensionale Messkriterien in die internationalen Ziele der nachhaltigen Entwicklung integriert werden.
Insgesamt 1091 Personen – Armutsbetroffene, Fachkräfte und Akademiker – nahmen an dieser Forschung teil. Die Originalität dieser partizipatorischen Forschung, die sich auf die Methodik des Kreuzens von Wissen und Praktiken (FR: „Croisement des Savoirs et des pratiques“) stützt, die von ATD Vierte Welt in den letzten zwanzig Jahren entwickelt wurde, besteht darin, dass sie Menschen, die Armut erleben, als Mitforschende auf gleicher Augenhöhe mit Akademikern und Fachleuten anerkennt. Dieser Ansatz, der verschiedene Arten von Wissen miteinander konfrontiert, ermöglicht eine Umverteilung der Rollen: Menschen, die Gegenstand von Programmen zur Bekämpfung der Armut waren, die von anderen ausgedacht wurden, werden zu Subjekten und zu einer Wissensquelle, die für eine wirksame Bekämpfung der Armut unverzichtbar ist.
Mehr Informationen:
Den Schlussrapport der Studie herunterladen (PDF, in englisch)
Eine Print-Version der Studie bestellen (in englisch, Preis: Fr. 12.-)
Mehr Informationen auf der Webseite der Internationalen Bewegung (inkl. Downloads in anderen Sprachen)