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Die Ruinen erzählen aus einer anderen Zeit. Davon wie dort italienische Sennen Jahr für Jahr ihre rund 600 Kühe hüteten, Käse herstellten und lebten. Eine Zeit, die Rita Vaninetti miterlebte. Ihrer Familie gehörte eine Alp.Sie hat viele Sommermonate dort verbracht.
Meine fünf Brüder mussten arbeiten, aber meine Schwester und ich machten uns ein schönes Leben.
Doch 1963 mussten alle Italienischen Sennen ihre Alpen endgültig verlassen. Aus dem Val di Lei wurde ein Stausee, der Lago di Lei. Rita Vaninetti sass auf dem Dach ihrer Hütte, als das Tal geflutet wurde. «Natürlich hat mir der Moment missfallen, aber wir mussten unsere Alp verlassen, weinen hätte nichts genützt.», erzählt sie.
Zähe Verhandlungen
Erstellt wurde das Wasserkraftwerk in den Jahren 1957 bis 1962 von italienischen Arbeitern. Der Stausee liegt grösstenteils auf italienischem Boden, die Staumauer steht auf Schweizer Boden. Der Strom wird ebenfalls in der Schweiz produziert. Die Schweiz durfte dafür ihr Hoheitsgebiet um eine winzige Ecke erweitern, in diese passt die Staumauer.
Es waren zähe Verhandlungen zwischen der Schweiz und Italien, bis der Stausee gebaut werden konnte. Ein ganzes Tal fluten – da gab es natürlich Widerstand. Doch die Schweiz hatte gute Argumente: Viel Kapital. Und der Energiehunger war von übergeordnetem Interesse. Die Alpbesitzer bekamen für Ihre Grundstücke teils Realersatz, teils Geld.