Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03179.jsonl.gz/637

2016 wurden im Drogeninformationszentrum (DIZ) 362 als Amphetamin deklarierte Proben zur Analyse abgegeben; 100 Proben mehr als 2015. Bei den mobilen Drug-Checkings, welche 2016 in der Stadt Zürich an verschiedenen Partys durchgeführt wurden, sind 49 als Amphetamin deklarierte Proben abgegeben und analysiert worden. Erstmals werden die Proben des DIZ und des mobilen Drug-Checkings gesamthaft ausgewertet, dies ermöglicht einen breiteren Überblick über die in den Drug-Checking Angeboten der Stadt Zürich analysierten Substanzen. Diese Ergebnisse sind nicht repräsentativ für den gesamten Substanzmarkt der Stadt Zürich.
Risikoeinschätzung
Neben den bekannten Nebenwirkungen und dem psychischen Abhängigkeitspotential von Amphetamin, stellen der stark variierende Amphetamingehalt, die Syntheseverunreinigungen und die Streckmittel ein Gesundheitsrisiko dar. Durch den Konsum von mit Lösungsmitteln (z. B. Phenylaceton) versetztem Amphetamin („Paste“) können ausserdem die Schleimhäute angegriffen werden. Es handelt sich bei diesen Lösungsmitteln um leicht entflammbare und meist giftige Stoffe. Die Auswirkungen des Konsums von Syntheseverunreinigungen (z. B. DPIA) sind bisher kaum erforscht und stellen somit ein unbekanntes Risiko dar. Der variierende und oft hohe Amphetamingehalt stellt für die Konsumierenden ein oft unterschätztes Risiko dar, da optisch nicht erkennbar ist, wie hoch der effektive Amphetamingehalt der jeweiligen Probe ist und deshalb die Gefahr einer Überdosierung besteht. Bei hohen Dosen können Halluzinationen, Kreislaufversagen, Schlaganfälle bis hin zu Nieren-, Leber- und Herzversagen auftreten. Amphetamin Safer Use
Amphetamingehalt 2016
Grafik 1 stellt die Amphetamin*HCI1-Werte (Wirkstoffgehalt) der analysierten Proben von 2007 – 2016 dar. Der Durchschnittsgehalt betrug 2016 44.6 % Amphetamin*HCI. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Gehalt um 0.3 % gestiegen2. Der Amphetamingehalt der analysierten Proben variierte stark und lag zwischen 1.1 % und 96.7 % Amphetamin*HCl.
1 Amphetamin wird meist in Sulfatform gehandelt. Aufgrund der Analysemethode wird der Amphetamingehalt hier als Hydrochlorid (HCl) angezeigt.
2 Die Differenzen im Vergleich zum Vorjahr werden im Folgenden jeweils in Klammern angegeben.
Bei Amphetamin handelt es sich meistens um ein Gemisch aus dem zu erwartenden Wirkstoff Amphetamin und Streckmitteln ohne Wirkung und/oder pharmakologisch wirksamen Streckmitteln. 75.7 % der abgegebenen Amphetaminproben waren 2016 mit einer pharmakologisch wirksamen Substanz gestreckt und/oder enthielten Synthese-verunreinigungen (-7.5 %). Nachdem der Anteil Proben mit enthaltenen Synthese-verunreinigungen von 2012 bis 2015 jährlich gestiegen ist, wurden im Jahr 2016 erstmals wieder etwas weniger Proben mit Syntheseverunreinigungen analsysiert. Synthese-verunreinigungen ergeben sich vermutlich aus einer unsachgemässen Herstellung von Amphetamin. Bei Lösungsmitteln ist nicht auszuschliessen, dass diese dem Amphetamin erst nachträglich beigemischt werden, um als angebliche Paste verkauft werden zu können. Die oft toxischen Syntheseverunreinigungen erhöhen das Konsumrisiko und sind zusätzlich gesundheitsschädigend. Ab welchen Dosierungen diese stark gesundheitsschädigend sind ist meist unbekannt und somit ein nicht kalkulierbares Risiko.
Amphetamingehalt in % von 2007-2016 (N=1‘753)
Vergleich Amphetamingehalt und unerwartete Streckmittel im DIZ und bei mobilen Drug-Checkings 2016
Nachfolgend werden einige Eckdaten der beiden Drug-Checking Angebote gegenübergestellt. Damit können, wo vorhanden, angebotsspezifische Unterschiede verdeutlicht werden.
Streckmittel in analysierten Amphetaminproben, 2007-2016 (N=1‘753)
Grafik 2 zeigt die Entwicklung des Anteils an Amphetaminproben, welche mit mindestens einer pharmakologisch wirksamen Substanz gestreckt sind, sowie der Anteil Koffein, Syntheseverunreinigungen und weitere Streckmittel in Amphetaminproben von 2007 bis 2016 auf.
Amphetaminproben mit Streckmitteln oder unerwarteten Substanzen (DIZ 2016, n=311)
Im Folgenden werden die häufigsten im Jahr 2016 analysierten pharmakologisch wirksamen Streckmittel mit ihren Wirkungen und Risiken aufgeführt. Folgende Grafik gibt dazu einen Überblick: