Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03135.jsonl.gz/984

Die Wirtschaft des Kantons Freiburg hat in den vergangenen zehn Jahren tiefgreifende Veränderungen durchgemacht. Das reale Wachstum seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) betrug zwischen 2010 und 2018 im Durchschnitt 2,5% und liegt damit höher als der gesamtschweizerische Durchschnitt von 2%. Mit Ausnahme von Vivisbach liegen sämtliche Bezirke über dem nationalen Durchschnitt. Greyerz sticht mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 3,6% heraus.
Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Studie mit dem Titel «Das neue Gesicht der Wirtschaft im Kanton Freiburg», die diesen Donnerstag von der Industrie- und Handelskammer des Kantons Freiburg (HIKF) und der Freiburger Kantonalbank (FKB) vorgestellt wurde. Das Datenmaterial für die Studie wurde vom Institut d'Economie Appliquée CREA der Universität Lausanne zur Verfügung gestellt.
Das starke Bevölkerungswachstum des Kantons (+16,7% seit 2010 und + 36% seit 2000) zeitigte nicht nur Auswirkungen auf die Wohnsituation. Unternehmen, die in Branchen mit hoher Wertschöpfung wie Pharma, Chemie, aber auch Lebensmittel, Maschinen oder Elektrotechnik tätig sind, bauten aus oder liessen sich im Kanton nieder.
Über den allgemeinen Aufschwung hinaus wurde die Wirtschaftsstruktur des Kantons tiefgreifend umgestaltet. Der traditionellerweise von den Branchen Maschinen, Ausrüstungen und elektronische Bauteile angeführte Sekundärsektor wurde von der Baubranche überrundet, die nun in mehreren Bezirken und auf gesamtkantonaler Ebene den ersten Platz einnimmt.
Was die anderen Branchen im Sekundärsektor anbelangt, so haben die Maschinenindustrie und die Elektrotechnik unter dem starken Franken gelitten und sind auf den zweiten Platz abgerutscht. In den Bezirken Greyerz und Sense zeigen sich die genannten Branchen aber widerstandsfähig. Die Lebensmittelindustrie und Pharma/Chemie haben Rückenwind, dies insbesondere dank dem Schwung von ein paar grossen Unternehmensgruppen, von dem einige Bezirke besonders profitieren konnten (Glâne und See von der Lebensmittelbranche, Greyerz und Sense von Pharma/Chemie).
Im Tertiärsektor wachsen der öffentliche Sektor und das Gesundheitswesen stetig und konstant, parallel zum Bevölkerungswachstum, am ausgeprägtesten im Bezirk Saane. Was die Schaffung von Mehrwert anbelangt, stehen die Unternehmensdienstleistungen nun auf Platz zwei. In dieser Branche sind Tätigkeitsbereiche von Informatik über Reinigung und Immobilienverwaltung bis hin zu Treuhandleistungen vertreten. In den Bezirken Greyerz und Sense liegt diese Branche sogar an erster Stelle, was vor zehn Jahren noch nicht der Fall war. Der Handel (Detail- und Grosshandel sowie Garagen) liegt auf dem dritten Platz. Vor zehn Jahren lag er noch auf Platz zwei.
In den übrigen Branchen des Tertiärsektors zeigt die Hotellerie/Restauration in den Bezirken Greyerz, Sense und Vivisbach solide Leistungen. Das gilt auch für den Finanzsektor, der sich tendenziell klar auf ein paar Zentren konzentriert.
Der Primärsektor bleibt in Bezug auf die Wertschöpfung stabil, sein relatives Gewicht geht allerdings zurück. Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Regel, so etwa die Bezirke Sense, Glâne und Vivisbach.
Erhebliche Unterschiede zwischen den Bezirken
Der Bezirk Greyerz legt eine starke Dynamik an den Tag und trägt 17% zum Freiburger BIP bei (gegenüber 16% vor zehn Jahren). Die Dynamik basiert auf einer diversifizierten und ausgewogenen Wirtschaft. Der Bezirk Saane, der annähernd einen von zwei Franken der Wertschöpfung generiert (47%), konnte seine Stärke als wirtschaftlicher Motor des Kantons ausspielen. Der Bezirk See (11% des BIP) weist ein einzigartiges Profil auf, sowohl wegen der Vormachtstellung seiner Lebensmittelindustrie als auch wegen der weniger ausgeprägten Ausrichtung auf die Baubranche. Der Bezirk Sense (9% des BIP) zeigt eine klare Tendenz in Richtung Tertiärisierung seiner Aktivitäten, kann sich aber doch auf einen soliden industriellen Sockel verlassen.
Der auf die Lebensmittelindustrie und Maschinen/Ausrüstungen ausgerichtete Bezirk Broye (7% des BIP) ist ein Sonderfall, denn die Region ist aufgeteilt auf die Kantone Freiburg und Waadt. Der Bezirk könnte aber dank AgriCo in St-Aubin durchaus den Trumpf Innovation ausspielen, der auch im Seebezirk stechen dürfte. Vom Trumpf Innovation dürfte dank der Bluefactory auch der Bezirk Saane profitieren.
Der Bezirk Glâne (5% des BIP) konnte von der Niederlassung von Nestlé im Jahr 2014 und vom Aufschwung der Baubranche profitieren. Der Rest des Sekundärsektors, der stark geprägt war vom Weggang von Tetra Pak anfangs des Jahrzehnts, sowie der Handel zeigen hingegen Ermüdungserscheinungen. Die kürzlich erfolgte Entwicklung von Romont und die aktive Bodenpolitik des Kantons versprechen aber eine Neuausrichtung. In Vivisbach, dem in Bezug auf Bevölkerung, Arbeitsplätze und Wertschöpfung kleinsten Bezirk, fällt die Entwicklung volatiler aus, da er auf industrieller Ebene stark international ausgerichtet ist. Die Unternehmen aus der Branche konnten nichtsdestotrotz einen deutlichen Boom verzeichnen.
Produktivität: Der Saanebezirk liegt im schweizerischen Mittel
In Bezug auf Produktivität liegen die Bezirke Saane und See auf den vordersten Plätzen. Sie übertreffen den kantonalen Durchschnitt von 163’000 Franken. Mit seinen 173’000 Franken pro Arbeitsplatz liegt der Bezirk Saane praktisch auf der Höhe des gesamtschweizerischen Durchschnitts (der bei 175’000 Franken liegt). Die Bezirke Sense, Glâne und Vivisbach belegen die hinteren Ränge dieser Rangliste. Die Tatsache, dass die Produktivität des Kantons niedriger ausfällt als in der Gesamtschweiz, lässt sich in erster Linie mit dem Gewicht der Baubranche erklären, die auf zahlreiche Arbeitnehmer angewiesen ist.
Wachstumsaussichten nach Bezirken
Die Studie wirft auch einen Blick in die Zukunft und bietet Wachstumsaussichten. Gemäss den Berechnungen von CREA sollte das Freiburger BIP dieses Jahr um 1% wachsen. Exakt derselbe Wert wird auch für den Bezirk Vivisbach erwartet. Der Wert muss in Bezug gesetzt werden zum erwarteten Wachstum von 0,8% auf gesamtschweizerischer Ebene (Prognose des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO vom September). Die Bezirke Saane, Greyerz und See dürften ein ausgeprägteres Wachstum ausweisen, während es in den Bezirken Sense, Broye und Glane tiefer ausfallen dürfte. 2020 sollte leicht dynamischer sein, bevor 2021 ein deutlicherer Aufschwung einsetzt.
Kontakte:
Chantal Robin, Direktorin HIKF: 079 633 79 53
Philippe Gumy, Wirtschaftsberater: 078 739 53 83
Entdecken Sie die Online-Broschüre unten: