Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/144065

<h2>SubmittedText<h2><p>In den meisten durch die IV aufgezeigten Statistiken wird der heutige (kurzfristige) Erfolg proklamiert, jedoch der tatsächlich nachhaltig zu erreichende Erfolg zu wenig belegt. Durch die kurzfristig angesetzten Sparmassnahmen können natürlich momentane finanzielle Erfolge gemeldet werden, welche jedoch leider mittel- bis langfristig eigentliche Misserfolge darstellen, da sie nicht auf deren Nachhaltigkeit angesetzt sind.</p><p>Um im Bereich verfügter beruflicher Massnahmen (Grundausbildungen EBA und EFZ in IV-Ausbildungsinstitutionen) zumindest ein oder zwei der eingangs erwähnten sieben Siegel zu entziffern, wäre es notwendig, auf folgende fünf Fragen eine Antwort zu erhalten.</p><p>1. Zahlenermittlung von im ersten Arbeitsmarkt eingegliederten Personen, welche eine Ausbildung (berufliche Massnahme) abgeschlossen haben: Wie viele Versicherte haben ihre Arbeitsstelle nach einer Wiedereingliederung und nach Abschluss der Probezeit erhalten können? Zahlenangaben getrennt nach Akteuren bzw. Veranlassern:</p><p>a. IV-Stellen (direkt eingegliedert durch IV-Stelle)?</p><p>b. Ausbildungsinstitutionen?</p><p>2. Ermittlung von Verhältniszahlen "Misserfolg":</p><p>Anzahl abgebrochener Ausbildungen (sogenannte berufliche Massnahme) im Verhältnis zur Gesamtzahl beruflicher Massnahmen, welche durch die IV-Stellen direkt im ersten Arbeitsmarkt platziert wurden (Job Coaching - "first place, then train")?</p><p>3. Ermittlung von Verhältniszahlen "Erfolg":</p><p>Anzahl erfolgreich integrierter Versicherter im Verhältnis zur Gesamtzahl durchgeführter beruflicher Massnahmen (Ausbildungen) mit Job Coaching ("first place, then train").</p><p>4. Ermittlung Erfolgskoeffizient pro Stelleninhaber:</p><p>Wie viele erfolgreiche Wiedereingliederungen (mit Anstellungsvertrag und Arbeitspensum grösser als oder gleich 50 Prozent) wurden durch die IV-Stellen pro 100-prozentigen Stelleninhaber bewerkstelligt (alle Stellenbezeichnungen mit Job Coaches; Eingliederungsberater; Arbeitsvermittler)?</p><p>5. Ermittlung Erfolgswirksamkeit von Modell "first train, then place" zu "first place, then train":</p><p>Verhältnis erfolgreich ausgebildeter Versicherter in Ausbildungsinstitutionen ("first train, then place") zu erfolgreich ausgebildeten Versicherten, welche durch die IV-Stellen direkt in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt wurden ("first place, then train"); Erhebung in absoluten Zahlen über alle IV-Stellen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Zweck der Invalidenversicherung (IV) ist es, "die Invalidität mit geeigneten, einfachen und zweckmässigen Eingliederungsmassnahmen" zu "verhindern, vermindern oder beheben" (Art. 1a Abs. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; SR 831.20). Der Einfluss der IV auf den Arbeitsmarkt ist jedoch begrenzt. Deshalb orientiert sich die IV am "ausgeglichenen Arbeitsmarkt" (Art. 7 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; SR 830.1). Allerdings haben die bisherigen Erfahrungen gezeigt, dass eine verstärkte Beratung und Begleitung der Arbeitgebenden notwendig und vielversprechend ist. Dies wird deshalb in der Gesamtstrategie zur Weiterentwicklung der IV, die aktuell erarbeitet wird, angegangen.</p><p>Das bestehende Monitoring der IV ist noch nicht in der Lage, die Wirkung der Eingliederungsmassnahmen mit dem geforderten Detaillierungsgrad zu berechnen. Im Rahmen des Forschungsprogramms der IV (FoP-IV) wird jedoch Ende 2015 ein Forschungsbericht publiziert, der u. a. die Wirkung der 5. IV-Revision evaluiert. Auf Grundlage dieses Berichtes wird das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) prüfen, ob das bestehende Monitoring in Richtung einer verstärkten Wirkungsmessung ausgeweitet werden kann.</p><p>1. Die IV-Stellen haben im Jahr 2013 rund 17 500 Menschen mit Behinderung im ersten Arbeitsmarkt erhalten oder platziert. Dies entspricht einer deutlichen Zunahme gegenüber 6000 Personen im Jahr 2008. Einen guten Anhaltspunkt für die Wirksamkeit der Eingliederungsmassnahmen liefert das Verhältnis zwischen den Personen, welche die Eingliederungsphase abgeschlossen haben, und den IV-Renten, die sie ein Jahr später bezogen haben. So stehen 25 982 Personen, welche im Jahr 2012 die Eingliederung abgeschlossen haben, 5441,75 gewichtete (d. h. auf ganze Renten umgerechnete) Renten der IV gegenüber, was ein Verhältnis von 100 zu 21 ergibt. Mit anderen Worten: Der Erfolgsfaktor liegt bei 79 Prozent. Das bestehende Monitoring der IV erfasst jedoch nicht, ob die Personen ohne Rente tatsächlich eine Stelle gefunden haben. Auch werden Massnahmen nicht nach Ausbildungsinstitution differenziert ausgewertet. Die Werte des Erfolgsfaktors auf kantonaler Ebene liegen leicht über oder leicht unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Allerdings ist die Volatilität bei den kleinen Kantonen sehr hoch.</p><p>Da entsprechende Daten beim bestehenden Monitoring fehlen, ist es auch nicht möglich, die Zahl der im Arbeitsmarkt eingegliederten Versicherten zu beziffern, die ihre Stelle nach Abschluss der Probezeit behalten konnten.</p><p>2. Diese Frage kann mit dem bestehenden Monitoring, das den Abbruch von Massnahmen nicht erfasst, nicht beantwortet werden, soll jedoch im Rahmen des FoP-IV untersucht werden.</p><p>3. Wie der Bundesrat in seiner Stellungnahme zur Motion Ingold 10.4003, "First place, then train bei der Arbeitseingliederung von psychisch Kranken", festhielt, ist der Grundsatz "first place, then train" für die IV zentraler Bestandteil der beruflichen Eingliederung, seit die 5. IV-Revision im Jahr 2008 in Kraft getreten ist. Je nach Ausgangslage beurteilt die IV-Stelle, ob eine wirtschaftsnahe Integration möglich ist. Frühinterventionen und Umschulungen können in der Regel dem Grundsatz "first place, then train" zugeordnet werden. Der genannte Erfolgsfaktor (siehe Antwort auf Frage 1) liegt für Frühinterventionen, die 2655-mal gezählt wurden, bei 88 Prozent und für die 3429 Umschulungen bei 81 Prozent.</p><p>Erste Hinweise deuten darauf hin, dass der nachhaltige Erfolg noch hinter den Erwartungen zurückliegt und dass dementsprechend die Arbeitgebenden noch stärker mobilisiert werden sollen. Das genannte Forschungsprojekt (siehe Einleitung) soll auch die Wirkung dieser Massnahmen aufzeigen.</p><p>4. In den IV-Stellen sind Mitarbeitende im Umfang von rund 700 Vollzeitäquivalenten direkt in der Eingliederung tätig. 19 749 Versicherte hatten nach einer 2012 abgeschlossenen Massnahme 2013 einen IV-Grad von weniger als 50 Prozent. Dies ergibt etwa 28 erfolgreiche Wiedereingliederungen pro Vollzeitäquivalent.</p><p>5. Integrationsmassnahmen fallen in erster Linie unter den Grundsatz "first train, then place". Der Erfolgsfaktor betrachtet jeweils die letzte einer Person zugesprochene Massnahme. Da Integrationsmassnahmen der Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung dienen, bezieht sich der Erfolgsfaktor nur auf die 1093 Integrationsmassnahmen, bei denen für eine weitere Massnahme kein Potenzial gesehen wurde. Damit erklärt sich, dass der Erfolgsfaktor mit 55 Prozent vergleichsweise tief liegt.</p><p>Detaillierte Angaben zum Erfolgsfaktor enthält ein Faktenblatt, das auf der Internetseite des BSV (www.bsv.admin.ch &gt; Themen &gt; Invalidenversicherung &gt; Grundlagen &gt; Leistungen der IV) zur Verfügung steht.</p>  Antwort des Bundesrates.