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Seit einigen Wochen läuft auf Sat.1 eine Reality-Show. Ihr Prinzip ist einfach und klingt auf den ersten Blick spannend: Eine Gruppe von 15 Menschen wird auf einen Bauernhof für ein Jahr ausgesetzt. Mit einem Startgeld und wenigen Habseligkeiten sollen sie vor laufender Kamera eine neue Gesellschaft gründen. Dabei ist es ihnen freigestellt, nach welchen Gesetzen und Regeln sie ihre so genannte Utopie aufbauen wollen und welche Ziele sie sich setzen.
In der Theorie ein spannendes Sozialexperiment. Was einige sich schon lange dachten, andere als Verschwörungstheorie abtaten, ist nun bestätigt worden: Bei der Sendung handelt es sich um «Scripted Entertainment». Wie das deutsche Medienmagazin DWDL schreibt, ist fast alles, was passiert, von einem Redaktionsteam bestimmt.
Enthüllt hat dies eine technische Panne: In der Nacht auf Montag dokumentierte eine von der Produktion vergessene Kamera ein Treffen zwischen der Produzentin und den Kandidaten des vermeintlichen Reality-Experiments, das niemand sehen sollte. Die Teambesprechung wurde live übertragen und zeigt exemplarisch auf, wie «Scripted Entertainment» funktioniert.
Gegen zwei Uhr in der Nacht wurden die Kandidaten, in der Sendung «Pioniere» genannt, durch ein akustisches Signal geweckt. Alle Live-Kameras zeigten in diesem Moment nur den Kuhstall, während eine Rundum-Kamera das darauf folgende Meeting zeigt. Mit dabei ist die Produzentin Jacqueline Bossdorf, die sich für ihre Trunkenheit entschuldigt und einen Bierkasten vorbeibringt.
Thema des Meetings: der Frust einiger Pioniere, die sich über eine Regieanweisung aufregten. Vier Kandidaten wurden einige Stunden zuvor im Technik-Raum instruiert, «mehr Spannung in die Sendung» zu bringen. Sie sollten Kühe verkaufen und aus der Scheune ein Newtopia-Restaurant machen, damit sie mehr Geld verdienen können. Die vier «auserwählten» Pioniere sollten diesen Vorschlag am Montagmorgen in der Gruppendiskussion, die Live ausgestrahlt wird, mit den anderen besprechen.
Produzentin Bossdorf entschuldigte sich an der nächtlichen Sitzung dafür. Ein Pionier erklärte daraufhin, man fühle sich wie «ein Vollidiot», wenn man nicht weiss, ob ein Vorschlag von einem Kandidaten selbst oder von der Regie komme. Er ergänzte: «Wenn der Sender etwas will, dann soll er das allen sagen und nicht nur einigen Kandidaten.»
Der deutsche Fernsehsender Sat.1 entschuldigte sich nach der öffentliche Demontage am Montagmorgen. In einem Facebook-Beitrag heisst es: «Diese Aktion war nicht mit dem Sender abgesprochen.» Solche Gespräche seien nicht im Interesse von Sat.1.
Wie die Zukunft von «Newtopia» aussieht, ist derweil unklar. Hinter dem TV-Format steckt die Produktionsfirma Talpa Germany des bekannten Produzenten John de Mol. Die britische Produktionsfirma ITV Studios wollte Talpa zum Preis von 500 Millionen Euro übernehmen. (pma/dwdl.de)