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Nachtaktive Untermieter
Eine Kolonie von Zweifarbfledermäusen hat ihr Quartier in Murten
Um die Zweifarbfledermaus in der Schweiz besser zu schützen, wurden drei Kolonien über mehrere Jahre hinweg beobachtet; eine davon in Murten.
Autor: Von KATHARINA SCHÖBI*
Die Zweifarbfledermaus ist in der Schweiz wenig bekannt. Sie steht mit 28 der insgesamt 30 einheimischen Fledermausarten auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Um sie besser schützen zu können, hat Kamran Safi von der Universität Zürich drei Kolonien der Zweifarbfledermaus beobachtet, von denen eine die Zwischendächer von Wohnhäusern in Murten bewohnt. In einem Buch hat der Zoologe seine Ergebnisse nun veröffentlicht.**
Ortstreue Weibchen
Die Schweiz liegt am Rand des Verbreitungsgebietes der Zweifarbfledermaus, das sich von Schweden über weite Teile Mitteleuropas bis nach Südsibirien erstreckt. Seit dem Jahr 2000 konnten in der Schweiz nur drei Wochenstubenquartiere nachgewiesen werden, in denen die Fledermausweibchen ihre Jungen aufziehen. Sie alle liegen im Seeland, während die häufigeren Männchenkolonien über das Mittelland verteilt sind. Die Murtner Kolonie besteht aus rund 360 Weibchen, die zwei Quartiere in Privathäusern zwischen dem Bahnhof und der Burgunderstrasse sowie ein Quartier im Schloss Münchenwiler bewohnen.Die Beobachtung der Murtner Tiere sowie je einer Männchenkolonie in Gräslikon ZH und auf dem Balmberg beziehungsweise in Hubersdorf SO ergab, dass die Weibchen eher ortstreu sind und sich auf bestimmte Jagdgebiete beschränken, während die Männchen grosse Jagdgebiete mit verschiedenen Strukturen nutzen. So jagen die Weibchen hauptsächlich über dem Murtensee und sind seltener in Siedlungszonen, über offenen Landschaften wie landwirtschaftlich genutzten Flächen und im Wald anzutreffen. Die Männchen indes bevorzugen offene Landschaften, nutzen aber auch Wald und Siedlungszonen häufig. Flussgebiete aber machen nur einen kleinen Anteil ihres Aufenthaltsgebietes aus.«Während sich die Männchenkolonien vorwiegend aus eingewanderten Tieren zusammensetzen, scheint bei den Weibchen offenbar nur selten – wenn überhaupt – ein fremdes Tier in die Kolonie einzuwandern», meint Safi. Die weit umherziehenden Männchen sorgen aber für eine genetische Vernetzung der Weibchen mit den Tieren im restlichen Verbreitungsgebiet. Für den Fortbestand der Art in der Schweiz sind die Weibchenkolonien im Seeland äusserst wichtig, da die nächsten Wochenstubenquartiere Hunderte von Kilometern entfernt in Bayern liegen.
Ruhige Mitbewohner
Mit ihrem dichten Gewässernetz ist die Schweiz für die Zweifarbfledermaus ein geeigneter Lebensraum. Ihr könnte daher eine überregionale Bedeutung für den Schutz der Art zukommen. Dass die Kolonien aus sehr vielen Individuen bestehen und zudem stark an den menschlichen Lebensraum angepasst sind, könnte laut Safi jedoch ihren Bestand gefährden: «Da die Tiere oft sehr heikel auf Störungen am und im Quartier reagieren, könnten diese im schlimmsten Fall zum Verlust einer ganzen Kolonie führen.» Wichtig für den Schutz der Zweifarbfledermaus ist, dass ihre Quartiere in den Häusern geduldet werden und dass bei Renovations- und Ausbauarbeiten Fledermausschutz-Fachpersonen beigezogen werden.Fledermäuse sind sehr ruhige Tiere. Bei einer Kolonie von 360 Weibchen und doppelt so vielen Jungen könnten Kot und Urin zwar zu Geruchsemissionen führen, erzählt Safi. Doch da die Tiere über dem Unterdach lebten, das gegen innen oft isoliert sei, dürfte dies ein kleines Problem sein. «Das Zusammenleben von Mensch und Fledermaus ist in den meisten Fällen weniger problematisch als dasjenige mit anderen wild lebenden Säugern», meint der Zoologe.Katharina Schöbi ist diplomierte Biologin und freie Wissenschaftsjournalistin. Sie wohnt in Riehen BS.**Kamran Safi: Die Zweifarbfledermaus in der Schweiz. Haupt-Verlag, Bern 2006.