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Geschichte

Einer der ersten Arbeiten über den Schwarzen Terrier hat Lucia Schmid 1999 im Heft "Der Terrier" veröffentlicht.
Freundlichrweise dürfen wir diesen Artikel auf der Homepage führen.
Autorin: Lucia Schmidt, Aus der Zeitschrift Der Terrier, 8/1999
Kontaktadresse:
Klub für Terrier, Hauptgeschäftsstelle, Schöne Aussicht 9, D-65451 Kelsterbach, Deutschland.
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Der BRT ist eine unserer neuesten Rassehundzüchtungen. Es ist schwer zu glauben, dass die Schwarzen Terrier erst in den 60er Jahren gezüchtet wurden und zur jüngsten Arbeitshunderasse der Welt gehören. Nach der Revolution und dem Bürgerkrieg in Russland in den Jahren 1917 bis 1923 wurden alle privaten Zwinger zerstört, und 90 % aller reinrassigen Tiere waren verloren. Auch die Mehrzahl der Zuchtexperten starben oder
wanderten aus. Nachdem sich das neue Regime etabliert hatte, wurden Gebrauchshunde für Polizei- und Armeedienst benötigt. Es gab aber keine qualifizierten Hundefachleute und keine Quelle für solche Tiere. 1924 wurde die zentrale Armeeschule der Kynologen gegründet. In ihren Abteilungen waren ausgebildete Profis für Armeedienst und Hundezucht in Staatszwingern tätig. Das grüsste Zentrum dieses Systems war der
,,Kranaya Zvezka" (Zwinger ,,Roter Stern"). Dort wurden Tausende Hunde gehalten und ausgebildet sowie für den Polizei- und Armeedienst gezüchtet bis zum heutigen Tage.
Doch seine führende Rolle hat ,,Kranaya Zvezka" verloren. In den 30er Jahren, der Ära Stalin, gab es in den Militärzwingern eine Anzahl grösser, bissiger Mischlinge. Diese Tiere waren sehr wachsam, aber besondere Fähigkeiten, die sie ihren Nachkommen vererben konnten, waren nicht bekannt. Die Armee benötigte reinrassige Hunde für spezielle
Aufgaben, die eigenen Zwinger waren jedoch nicht in der Lage, genügend solcher Tiere zu züchten. Vor dem zweiten Weltkrieg befanden sich in ,,Kranaya Zvezka" Kaukasische-, Mittel-Asiatische-, Mongolische und Südrussische Schäferhunde, Airdale Terrier, Collies, Bernhardiner, Neufundländer und die Grösse dänische Dogge. Nach dem zweiten
Weltkrieg brachten Soldaten Riesenschnauzer und Rottweiler als Beutegut mit. So kommen wir dem Ausgangspunkt des Schwarzen (Russischen) Terriers nahe. Die russischen Militärkynologen wollten einen Hund, der robust, den unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen dieses Landes angepasst, gross, kräftig, von schneller Auffassungsgabe, wehrhaft und reserviert Fremden gegenüber war - spezielle
Anforderungen für den Dienst in Gulags.
Frühe Kreuzungsversuche
Der erste Zuchtabschnitt bestand aus den Kreuzungen Riesenschnauzer x Airdale Terrier und Riesenachnauzer x Rottweiler. Diese Würfe wurden in Linienzucht weitergezüchtet. Im zweiten Zuchtabschnitt kreuzte man einige Hunde des ersten Abschnitts mit den sogenannten ,,Moscow Divers". Dies war eine Mischung zwischen Neufundländern, Kaukasischen- und Ost - Europäischen Schäferhunden. Sie wurden wie der Schwarze Terrier als Grösse Wachhunde weitergezüchtet. Dieser Typ konnte sich jedoch nicht durchsetzen. In den frühen 60er Jahren wurde diese Rasse als nicht verwendbar aus dem Zuchtprogramm genommen.
Zusammengefasst kann man sagen, dass die Schwarzen Terrier aus 30 Prozent Riesenschnauzer, 30 Prozent Terrier und 30 Prozent Rottweiler bestehen. Die restlichen 10 Prozent sind eine Kombination aus Neufund-länder, Kaukasischem- und europäischem Schäferhund und der Deutschen Dogge. Die ersten Schwarzen Terrier wurden nicht nur als Wachhunde in Gefängnissen eingesetzt, sondern auch als Allround Armee- und Polizeihunde. Ob im fernen Norden oder im fernen Süden Russlands sie mussten ihre Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen sowie ihre Vielseitigkeit den Einsatz betreffend beweisen. Schwarze Terrier wurden auch als Schlittenhunde eingesetzt - sie waren nicht so erfolgreich wie Huskies oder andere Schlitten-Profis, aber dennoch besser als andere Arbeitshundrassen. Einige wurden als
Treib- und Hütehunde benötigt und in der Landwirtschaft eingesetzt. Diese Beispiele zeigen uns die Vielseitigkeit dieser Rasse. Schwarze Terrier wurden zu Aufgaben herangezogen, für die es normalerweise spezialisierte Rassen gibt. Diese Vielseitigkeit haben sie sich bis heute bewahrt.
Vom Armee- zum Familienhund
Wie wird aus einem derart vielseitig einsetzbaren, starken und couragierten Hund ein Familienhund? Warum hat diese Rasse ihre Armeekarriere aufgegeben? Zuerst einmal benötigt der Schwarze Terrier Trimming und Pflege. Damit ist er in einem Armeezwinger, in dem nur ein Minimum an Pflegeaufwand getrieben wird, fehl am Platze. Zum anderen wird dieser Vierbeiner nur langsam erwachsen. Dadurch sind Aufzucht und Ausbildung teurer als bei anderen Arbeitshunderassen wie dem osteuropäischen und dem Asiatischen Schäferhund. Einer der Hauptpunkte ist aber ausserdem: Der ,,Schwarze" braucht mehr Kontakt zum Menschen. Ein wichtiges Ereignis war an der Kursänderung seiner Karriere möglichst beteiligt: die ,,ALL Russian Dog Championship Show" 1957. Zu sehen waren 43 Schwarze Terrier, und diese weckten das Interesse privater Hundeliebhaber in Moskau und St. Petersburg. Zum gleichen Zeitpunkt starb Stalin, und einige Gefängnisse wurden geschlossen. Dies wiederum erlaubte den Militärzwingern, Würfe an Privatleute zu verkaufen. Sowohl physisch, als auch im Wesen war die Rasse noch instabil. Im Vergleich zu den modernen Showhunden sahen die damals ausgestellten Schwarzen Terrier noch etwas rauh und buschig aus. Ausgeglichenes Temperament war ebenfalls nicht ihre Stärke - sie waren zu scharf für den normalen Besitzer. Der Rassecharakter änderte sich, als diese Hunde nun auf Intelligenz, Lernfähigkeit, Disziplin und Loyalität gegenüber ihren Besitzern gezüchtet wurden. Der heutige Schwarze Terrier ist vom Temperament her unverdorben, dies macht ihn zu einem liebevollen und anhänglichen Haustier. Clever, diszipliniert, hervorragend im Umgang mit Kindern und Behinderten, aber dennoch in der Lage einen Fremden oder Eindringling zu stellen - diese Eigenschaften liessen den Schwarzen Terrier zu einem exzellenten Familienhund werden.
Schwarze Terrier in Deutschland
In Deutschland ist der Schwarze Terrier seit 1982 anzutreffen. Es wurde eine 12 Wochen alte Hündin aus Moskau importiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon einen dreijährigen Rüden, der von einem deutsch sowjetischen Ehepaar bei der damaligen Übersiedlung in die BRD mitgebracht worden war. Beide Hunde stammten aus der Moskauer- Zuchtrichtung. Der erste Wurf dieser Verpaarung in Deutschland fiel im November 1985, der zweite Wurf im Juli 1987. Zwei weitere Würfe mit einer eigenen Nachzuchthündin und einem schwedischen Rüden (Samenimport, künstliche Befruchtung) folgten. Unterdessen hatten einige wenige Züchter die Hunde gesehen und Feuer gefangen. Da zwei Hündinnen und ein Rüde, zuzüglich Samenimport, noch lange keine etablierte Rasse ergeben, machten sich einige Familien unabhängig voneinander auf den langen, steinigen Weg. Mitte bis Ende der 80er Jahre war es kaum möglich, im Osten einen guten ,,Russen" zu finden oder zu erwerben. Die Verständigung war immer eine Katastrophe. Briefkontakte, inklusive der verzweifelten Suche nach einem Übersetzer, nächtliche
Telefonaktionen und vieles mehr folgten. Es gelang aber einigen Züchtern, in Ungarn, Polen und der Sowjetunion selbst fündig zu werden. Nach der Öffnung der Grenzen zum Osten war es dann einfacher, hier und dort einen Schwarzen Terrier zu bekommen, so dass die Zuchtbasis allmählich breiter wurde. Das Problem der Hüftgelenk Dysplasie (HD) tat sich auf. Nur wenige der unter sehr vielen Mühen importierten Hunde konnten zur
Zucht eingesetzt werden. Die HD ist auch heute noch das Hauptproblem der aus dem Osten importierten Tiere, während in Deutschland, auf Grund harter Selektion, diesbezüglich gute Fortschritte zu verzeichnen sind. In osteuropäischen Ländern gibt es keine kontinuierliche Röntgenkontrolle. Einzelne Züchter bzw. Halter von Ausstellungshunden sind allerdings bereit, ihre Hunde HD röntgen zu lassen. In Deutschland nahm die Zucht der Schwarzen Terrier ihren kontinuierlichen Fortgang. Heute gibt es in Deutschland ca. 25 Züchter dieser Rasse. Immer noch leisten Züchter, Halter und Aussteller Pionierarbeit. Im Jahre 1997 fielen ca. 150 Welpen. Dies ist nicht sehr viel, wann man die Zahl mit denen anderer Gebrauchshunderassen vergleicht.
Wesen, Aussehen, Gesundheit
Schwarze Terrier sind heute in Deutschland überwiegend Familienhunde: robust und ausgeglichen im Wesen, gelehrig und sensibel gegenüber ihrer Umwelt. Im Zwinger hat der Schwarze Terrier nichts zu suchen. Nur beim engen Zusammenleben mit seiner Familie kommen seine besten Eigenschaften zum Tragen. Der Schwarze Terrier will beschäftigt werden. Er ist ein wetterfester Familien-, Gebrauchs- und Rettungshund und sich seiner Stärke wohl bewusst. Obwohl bei den Schwarzen Terriern kaum Jagdtrieb vorhanden ist, werden einige wenige jagdlich geführt. Sie sind ruhig und ausgeglichen im Haus, draussen allzeit bereit zum Spielen und Toben. Welpen sind aufgeschlossen, neugierig und sehr gelehrig. Sie sollten mit sehr viel Liebe und der notwendigen Konsequenz erzogen werden, wobei unnötige Härte nicht angebracht ist. Schwarze Terrier
werden sehr spät erwachsen, sie brauchen genügend Zeit für ihre Entwicklung. Man sollte mit einem Junghund nicht zu früh anfangen zu arbeiten. Schwarze Terrier sind übermittelgrosse, robuste Hunde mit kräftigem Knochenbau. Das Haar ist schwarz und fest mit Unterwolle am Kopf; an den Läufen ist reichlich ,,Schmuckhaar" vorhanden. Graues Stichelhaar ist erlaubt. Die Widerristhöhe wünscht man sich beim Rüden zwischen 66 cm und 72 cm, bei der Hündin zwischen 64 cm und 70
cm. Das Gewicht liegt beim erwachsenen Rüden bei ca. 50 kg. Am 1.6.1998 trat laut Tierschutzgesetz ein generelles Ruten-Kupierverbot in Kraft, das auch für diese Rasse gilt. Der Schwarze Terrier soll das Erscheinungsbild eines gepflegt ungepflegten Hundes haben. Da man immer wieder perfekt getrimmte Terrier vor Augen hat, entsteht der Wunsch, die Vorzüge eines Hundes durch gekonntes Trimming hervorzuheben. Regelmässiges Bürsten, Striegeln und Kämmen, mindestens ein- bis zweimal die Woche sind unerlässlich. Besondere Bedeutung fällt bei der Haarpflege dieser Rasse dem typischen Terrierstriegel zu. Drei- bis viermal im Jahr sollte der Schwarze Terrier getrimmt und geschoren werden. Schwarze Terrier werden erstaunlich alt. Der erste Schwarze Terrier Rüde in Deutschland erreichte ein Alter von knapp 16 Jahren. Die erste Hündin wurde gut 11 Jahre alt. Von den ersten folgenden Importen bringen es einige inzwischen auf 10 bis 12 Jahre. Gemeinsam ist es den Züchtern gelungen, das Problem der Hüftdysplasie einzugrenzen. Im Alter von 18 Monaten werden Schwarze Terrier geröntgt. Rassentypische Erkrankungen, die zum Tode führen, sind nicht bekannt. Wie schon ein mal erwähnt, wird aber immer noch Pionierarbeit geleistet.
Fazit
Mit einem Schwarzen Terrier hat man einen hervorragenden Familienhund. Er gilt als verträglich gegenüber anderen Hunden und als sehr kinderlieb. Trotzdem ist er wehrhaft und weiss Heim und Familie sehr wohl zu verteidigen. Mit der nötigen Konsequenz und ohne unnötige Härte erzogen, hat man ein Familienmitglied, das sich nahtlos einfügt und lange Jahre an unserer Seite bleibt. Im Klub für Terrier haben die Schwarzen Terrier ihre Heimat gefunden. Vor Jahren von einigen Züchtern noch als Exoten belächelt und abgetan, sind sie haute fest etabliert und gerne gesehen.