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Dass verschmutzte Luft der Gesundheit schadet, ist nichts Neues. Smog macht krank. In der Regel denkt man dabei zuerst an Herz-Kreislauf- oder Lungenkrankheiten. Eine hohe Feinstaubbelastung erhöht aber auch das Demenzrisiko.
Besonders im Verdacht steht dabei Feinstaub aus sehr kleinen Partikeln, genannt PM 2,5 – winzige Teilchen mit einem aerodynamischen Durchmesser von 2,5 Mikrometer oder weniger. Diese Partikel sind so klein, dass sie tief in die Lunge eindringen können. Dass sie sich negativ auf die kognitive Leistung und Entwicklung von Kindern auswirken, wurde bereits vor einigen Jahren festgestellt.
Die Feinstaubbelastung erhöht das Krankheitsrisiko
Eine Metastudie, die im April im Fachmagazin BMJ veröffentlicht wurde, deutet darauf hin, dass PM 2,5 das Demenzrisiko fördert – und zwar in Konzentrationen «deutlich unterhalb der EU-Grenzwerte». Warum das so ist, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine Vermutung ist, dass Feinstaubpartikel die Blut-Hirn-Schranke schädigen oder generell Entzündungen fördern.
Feinstaub stammt aus Abgasen und Reifenabrieb des Autoverkehrs, aus Industrieabgasen, aber auch aus Lifestyle-Faktoren wie Rauchen. Demenz ist eine neurodegenerative Krankheit, unter der weltweit schätzungsweise 55 Millionen Menschen leiden.
Nicht jeder Feinstaub ist gleich
Nicht jeder Feinstaub ist gleich schädlich, fand ein Forschenden-Team der University of Michigan in einer im August publizierten Studie. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchten, ob PM 2,5 das Demenzrisiko fördert. Sie verglichen zudem die Auswirkungen von PM 2,5 aus verschiedenen Quellen.
Zur Erfassung nutzten sie Daten aus einer repräsentativen Gesundheitsstudie in den USA, die alle zwei Jahre durchgeführt wird. Die Forschenden bezogen 27 857 Personen ab 50 Jahren ein, für deren Feinstaubbelastung zwischen 1998 and 2016 Daten vorlagen.
Rauch von Waldbränden und Landwirtschaftsemissionen besonders schädlich
15 Prozent der Probanden entwickelten innerhalb von zehn Jahren eine Demenzerkrankung. Aus den neun untersuchten Feinstaubquellen wie Landwirtschaft, Verkehr oder Kohleverbrennung waren nur PM 2,5 aus Landwirtschaft und Waldbränden eindeutig mit einer höheren Demenzrate verbunden.
«Alle Luftpartikel erhöhen das Demenzrisiko, aber die Partikel, die in der Landwirtschaft und bei Waldbränden entstehen, scheinen besonders schädlich für das Gehirn zu sein», sagt die Hauptautorin der Studie, Sara Adar, in einer Pressemitteilung. Bei Waldbränden brennen nicht nur Wald, sondern auch Gebäude und Infrastruktur, erklärt sie in einem Video der Universität. Das verschmutze die Luft sehr stark, genauso wie die vielen Pestizide in der Landwirtschaft.
Wissenschaftlerin: Weniger Feinstaub – weniger Demenz
Die Feinstaubbelastung der Bevölkerung zu senken, könnte also selbst in einem relativ sauberen Land wie den USA dazu beitragen, dass weniger Menschen im späteren Leben Demenzerkrankungen entwickeln, schliesst die Epidemiologin.
Das ist keine gute Nachricht für die Menschen in Kalifornien, wo Brände – und mit ihnen schlechte Luft – mehr oder weniger zum Jahresverlauf gehören. Auch in anderen Gegenden der USA steigt die Verschmutzung. Im Juni dieses Jahres befand sich New York tagelang unter einer Rauchschicht, die von ungewöhnlich heftigen Bränden in Kanada stammte (unser Titelbild). Mit fortschreitender Klimakrise werden solche Brände wahrscheinlich häufiger und heftiger.
Nur 2 Prozent der Europäer atmen gesunde Luft
Auch für Mitteleuropa bedeuten Adars Ergebnisse nichts Gutes. «Fast jeder in Europa atmet giftige Luft», titelte der «Guardian» am 20. September. Nur zwei Prozent aller Europäer atmen demnach Luft, die nach Massstäben der Weltgesundheitsorganisation WHO noch gesund ist – eine «ernste Bedrohung der öffentlichen Gesundheit».
Rund zwei Drittel aller Europäer leben in Gegenden, in denen die Feinstaubbelastung doppelt so hoch ist wie die 5 Mikrogramm PM 2,5 pro Kubikmeter Luft, die die WHO als noch verträglichen Grenzwert ansieht. Die Luft, die 30 Millionen Europäer atmen, enthält sogar bis zu viermal so viel Feinstaub.
Am stärksten betroffen sind Mazedonien, Serbien, Polen und Norditalien. Wirklich gute Luft gibt es allenfalls noch in Teilen Frankreichs, Schottlands und in Skandinaviens. In den Schweizer Städten Genf, Basel, Bern und Zürich liegt die Feinstaubbelastung mit PM 2,5 bei etwa 10 bis 12 Mikrogramm pro Kubikmeter. In einer aus Satellitendaten und Bodenmesswerten erstellten interaktiven Karte des «Guardian» können Sie hier selbst nachsehen, wie hoch sie an ihrem Wohnort ist.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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