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Im Januar 1997 wurde bei Waldarbeiten im Steilhang rund 300-400 Meter nördlich von Tschlin-Vinadi bzw. westlich oberhalb der Verbindungsstrasse von Martina nach Pfunds in Österreich ein Eisenschwert entdeckt. Die Spitze des gut erhaltenen Schwerts reichte bei seiner Entdeckung ca. 30-40 cm aus dem Boden heraus. Das Schwert wurde dem Archäologischen Dienst Graubünden übergeben.
Das Tschlin-Vinadi Eisenschwert hat eine Gesamtlänge von 109,6 cm. Die Schwertklinge ist rund 96 cm lang und maximal 5,28 cm breit. Sie weist beidseitig eine zentrale breite «Blutrille» auf. Der paranusförmige «Pilzknauf» steckt auf einer dünnen, im Schnitt rechteckigen Griffstange, die mit einer schmalen, ebenfalls aufgesteckten Parierstange von ca. 16,5 cm Länge gegen die Schwertklinge hin endet.
Da es sich beim Fundobjekt um ein prächtiges Exemplar eines hoch- bis früh-spätmittelalterlichen Schwertes handelte und ein Grabbefund nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde ende Mai 1997 an der Fundstelle eine Sondiergrabung durchgeführt. Das Schwert befand sich in einem heute jung bewaldeten Gebiet. Es lag unter einem mächtigen, mehrere Meter hohen und tonnenschweren Steinblock, der aus einem Bergsturz stammt und heute eine annähernd «abrisartige Situation» bildet. Das Schwert lag dabei eingeklemmt unter einem Stein, der sich wohl nachträglich durch Frosterosion vom grossen Steinblock gelöst hatte. Die Sondierung blieb ergebnislos. Es wurde kein Grab gefunden. Auch das Absuchen des umliegenden Geländes mit einem Metalldetektor verlief negativ. Es macht daher den Anschein, dass das Schwert unter dem Felsen versteckt wurde und es sich somit um einen Versteck- oder Verwahrfund handelt.
Das recht gut erhaltene Eisenschwert wurde unverzüglich nach der Ablieferung dem Restaurationslabor des Rätischen Museums übergeben. Da bei diesem Schwert durchaus mit Schlagmarken zu rechnen war, wurde das Schwert vor der Restauration geröngt. Dabei zeichnete sich auf der Schwertklinge die Inschrift +NRFNIATEDNIATEDIATEDI+ und eine Verzierung ab.
Die Inschrift befindet sich auf der einen Klingenseite, im Bereiche der breiten Rille. Die Inschrift ist ca. 23,5 cm lang, die einzelnen Buchstaben sind rund 9-10 mm hoch. Die Buchstaben sind in den Eisenkörper hinein gepunzt, sodass sie im Röntgenbild verdichtet erscheinen und auf dieser Aufnahme auch wesentlich exakter zum Vorschein kommen als auf dem restaurierten Schwert. Nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, dass die Buchstaben in Eisen ins Schwert eintauschiert wurden, eine Technik, die offensichtlich damals angewendet wurde. Die Buchstaben sind gut lesbar, der Sinn des Buchstabenreihe bleibt jedoch verborgen. Auffällig sind die mehrfachen Silben- oder Wortwiederholungen von NIATE und DIATE, die sich wie eine Beschwörungsformel, ein Zauberspruch oder gar eine Wortspielerei anhören oder an eine sprachliche «Verballhornung» denken lassen. Ähnliche Wortspielereien findet man auch auf einem Schwert aus dem Neuenburgersee auf einem Objekt aus dem Bodensee bei Gottlieben und auf einem Schwert aus der Broye VD. Die Sprache selbst erinnert natürlich eher an die lateinische als an die deutsche Sprache. Auch wenn einzelne Buchstaben, insbesondere am Anfang der Inschrift, vielleicht noch an Initialen für einen Namen denken lassen, so erinnert die Inschrift als Ganzes sicher nicht an eine Besitzerinschrift oder dergleichen. Die Rückseite des Schwertes ist mit acht kleinen konzentrischen Kreismotiven verziert, die sich auch auf die «Blutrinne» konzentrieren und ebenfalls in den Eisenkörper eingepunzt sind, wobei ein einzelner Kreise aus zahlreichen Punzschlägen besteht. Die einzelnen konzentrischen Kreise weisen in der Regel drei Kreisringe auf. Vom Buchstabenbild her erinnert die Inschrift des Tschliner Schwertes stark an das Schwert vom Bodensee-Gottlieben TG das in die Zeit zwischen 1130-1200 datiert wird. Das Schwert von Tschlin/Martina-Vinadi datiert somit wohl am ehesten ins 12. Jh. n. Chr. bis bestenfalls noch in die erste Hälfte des 13. Jh.
Mich erinnert das Schwert von Tschlin-Vinadi an das River Witham Schwert. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Eisenschwert mit einer seltsamen Inschrift zwischen zwei Hammerkreuzen.