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<h2>SubmittedText<h2><p>1. Welche Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu treffen, um die Lehrstellensuche durch einen aktualisierten und nach Branchen und Regionen gegliederten Überblick über die Lehrstellensituation (Angebot und Nachfrage) zu verbessern?</p><p>2. Ist der Bundesrat bereit, Massnahmen auf rechtlicher und organisatorischer Ebene zu treffen, welche eine wesentliche Beschleunigung des Verfahrens zur Schaffung bzw. Änderung der Ausbildungsreglemente gewährleisten?</p><p>3. Ist der Bundesrat bereit, seine Bestrebungen wesentlich zu verstärken, um innert nützlicher Frist eine angemessene Reduktion der 250 Biga-Lehrberufe und eine höhere Attraktivität der Lehrinhalte zu erreichen?</p><p>4. Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass das praxisorientierte duale System der Betriebslehre auch in Zukunft Grundlage unserer Berufsbildungsordnung bleiben soll?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Das Lehrstellenangebot richtet sich nach den Bedürfnissen der Unternehmen. Die Unternehmen sind frei in ihrer Entscheidung, ob sie sich um eine Ausbildungsbewilligung für die betriebliche Berufslehre bemühen wollen. Sie sind auch nicht verpflichtet, die offenen Lehrstellen der zuständigen kantonalen Stelle zu melden. Die Erfahrung zeigt, dass bis zu einem Drittel der Lehrstellen ohne vorgängige Anzeige vergeben werden.</p><p>Andererseits besetzen Jugendliche oft provisorisch eine Lehrstelle, die sie nach bestandener Prüfung zur Aufnahme in eine allgemeinbildende Schule wieder freigeben. Dieser Vorgang wiederholt sich jährlich, so dass nur bedingt aussagekräftige Daten über die jeweils aktuelle Angebotslage an Lehrstellen erhoben werden können.</p><p>Für kurzfristige Analysen über die Lage auf dem Lehrstellenmarkt wird zurzeit ein System von Trendabfragen entwickelt, das ab 1997 eingesetzt werden soll. Möglichkeiten einer Koordination der heute sehr unterschiedlichen Erhebungsmethoden in den Kantonen sollen an einer nationalen Konferenz der beteiligten Instanzen im Herbst 1996 abgeklärt werden.</p><p>2. Die Ausbildungsvorschriften des Biga umfassen jeweils drei Teile:</p><p>a. Reglement über die betriebliche Ausbildung;</p><p>b. Reglement über die Lehrabschlussprüfung;</p><p>c. Lehrplan für den beruflichen Unterricht.</p><p>Anpassungen und Neufassungen von Ausbildungsvorschriften erarbeitet das Biga in engem Kontakt mit Berufsverbänden, Sozialpartnern und Kantonen. Aufgrund der Vielfalt von Betriebsstrukturen und der unterschiedlichen Geschwindigkeit von Veränderungen in der Arbeitswelt je nach Berufsbranche, aufgrund aber auch des unterschiedlichen Potentials an Interessengegensätzen bei den Beteiligten und Betroffenen kann keine allgemeingültige Regel für die Bearbeitungszeit von Ausbildungsvorschriften aufgestellt werden. Sowohl das Biga als auch dessen Partner haben aber ein grosses Interesse daran, Anpassungen dem branchenspezifischen Wandel entsprechend möglichst rasch vorzunehmen. Wo dies möglich ist, beschleunigt das Biga die Arbeiten.</p><p>Ausbildungsvorschriften stark frequentierter Lehrberufe bleiben heute durchschnittlich sechs Jahre in Kraft. Ein Betrieb bildet somit etwa zwei Lehrlinge hintereinander nach gleichem Reglement aus. Ein noch rascherer Wechsel würde zu Unsicherheiten in der Ausbildungspraxis und zum Vorwurf führen, es fehle an einer längerfristigen Sicht der Dinge.</p><p>3. Es trifft zu, dass die Grundausbildung zurzeit nach Ausbildungsvorschriften von über 250 reglementierten Berufen vermittelt wird. Diese auf den ersten Blick sehr gross erscheinende Zahl darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich rund 80 Prozent der insgesamt 150 000 Lehrverhältnisse auf gerade 32 Berufe verteilen. 6 Berufe zählen je über 5000 Lehrverhältnisse, derjenige der kaufmännischen Angestellten erfasst allein über 28 000. Ihnen stehen an die 130 Berufe mit weniger als 100 Lehrverhältnissen gegenüber, darunter weniger bekannte wie Graveur/Graveurin (gegenwärtig 40 Lehrverhältnisse), Kartograph/Kartographin (21), Rheinmatrose/Rheinmatrosin (19), Geigenbauer/Geigenbauerin (11) und andere mehr. Auch bei kleinen Lehrlingszahlen besitzen diese Berufe ihre Daseinsberechtigung.</p><p>Das Biga sieht vor, in noch stärkerem Masse als bisher die Lehrpläne für den beruflichen Unterricht so zu gestalten, dass Lehrlinge und Lehrtöchter verwandter Berufe die Berufsschule in gemeinsamen Klassen besuchen können. Zudem prüft es bereits heute bei jedem Neuerlass und jeder Revision von Ausbildungsvorschriften in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Berufsverbänden, ob und welche verwandten Berufe in das Verfahren einbezogen werden können, um eine Reduktion der Zahl der Lehrberufe zu erreichen. So waren Zusammenlegungen in den Berufen des grafischen Gewerbes und des Maschinenbaus möglich. Welche darüber hinausgehenden, sinnvollen Zusammenlegungen von Berufen in Berufsfeldern ohne Verlust an Qualifikation und ohne zunehmendes Desinteresse der Ausbildungsbetriebe möglich sind, soll im Rahmen der Revision des Berufsbildungsgesetzes geklärt werden.</p><p>Der Bundesrat weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass trotz eines höheren Bedarfs an breiterer Ausbildung die Wirtschaft insbesondere immer wieder den ausgeprägten Mangel an hochqualifizierten Spezialisten beklagt, die sowohl für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen als auch für die Leistungskraft unserer gesamten Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung sind.</p><p>4. Das duale Berufsbildungssystem der Schweiz ist weitgehend auf die Praxis in den Betrieben ausgerichtet und bewährt sich gerade deshalb. Dies kommt auch zum Ausdruck in der grossen Beachtung, die es in anderen Ländern als Vorbild geniesst.</p><p>Der Bundesrat ist davon überzeugt, dass das System mit seiner Nähe zum Arbeitsmarkt erhalten und gestärkt werden muss. Mit seinem Bericht über die Berufsbildung wird er dem Parlament im Sommer entsprechende Massnahmen unterbreiten.</p>