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Seit den ersten Meldungen von Fällen von Afrikanischer Schweinepest (ASP) 2014 in den Baltischen Staaten, Polen, Ukraine und Russland hat sich die Tierseuche weiter ausgebreitet. Aktuell sind auch Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Moldova sowie Belgien betroffen. Während Tschechien die ASP offenbar erfolgreich bekämpft konnte, breitet sich die Seuche seit September 2018 im Südwesten Belgiens weiter aus und bedroht Frankreich und Luxemburg akut; auch Asien ist zunehmend betroffen. Importe von Tieren oder tierischen Produkten aus den betroffenen Ländern könnten für die heimische Schweinepopulation eine grosse Gefahr darstellen. Für Wildschweine wurde Ende 2017 ein nationales Früherkennungsprogramm erstellt.
Das ASP-Geschehen in Osteuropa und den angrenzenden Staaten wie der Ukraine und Russland ist weiterhin nicht unter Kontrolle. Aus allen betroffenen Staaten werden weiterhin neue Fälle der Tierseuche bei Wildschweinen und auch bei Hausschweinen gemeldet. Insbesondere Rumänien ist von Ausbrüchen in Kleinhaltungen von Hausschweinen betroffen. Auch in China, der Mongolei und Kambodscha breitet sich die Krankheit seit 2018 weiter aus. Gleiches gilt für Vietnam, wo nach dem ersten Nachweis der ASP im Februar 2019 in einem Zeitraum von sechs Wochen 366 Ausbrüche in 20 Provinzen nachgewiesen werden konnten. Die betroffenen Länder erleiden hohe wirtschaftliche Schäden in der Schweineproduktion. In Japan, Taiwan, Thailand und Süd-Korea wurden an Flughäfen mit dem ASP-Virus kontaminierte Schweinefleisch-Produkte entdeckt und vernichtet. Eine Erfolgsmeldung darf jedoch aus Tschechien gemeldet werden. Nachdem das Virus dort im Juni 2017 erstmals bei Wildschweinen festgestellt wurde, konnte die Krankheit nun offenbar durch intensive Bekämpfungsmassnahmen wieder ausgerottet werden. Seit April 2018 sind in Tschechien keine Fälle von ASP mehr aufgetreten, sodass im April 2019 sämtliche Sperrgebiete aufgehoben werden konnten und dies trotz einer sehr hohen Wildschweindichte von 8 – 10 Tieren /km2. Der Ausbruch in Tschechien ereignete sich mehrere hundert Kilometer entfernt von anderen ASP-Fällen, sodass man davon ausgeht, dass die Verschleppung der Krankheit auf menschliche Faktoren (mit ASP-Virus verseuchtes Material und/oder Fleisch) zurückzuführen ist, und nicht durch infizierte Wildschweine ausgelöst wurde. Diese Theorie der Einschleppung gilt auch für den Belgischen ASP-Ausbruch. Seit der ersten Meldung vom 13.9.2018 breitet sich die Tierseuche trotz grossen Anstrengungen und massiven Massnahmen (Keulung sämtlicher Hausschweine in der infizierten Zone; Verbot der Wiederbestossung dieser Betriebe) der Belgischen Behörden weiter aus. Auch im März und April 2019 wurden infizierte Kadaver ausserhalb der existierenden infizierten Zone gefunden, sodass diese wiederholt erweitert werden musste. Die akut bedrohten Nachbarstaaten Frankreich und Luxemburg versuchen sich durch Zäune und Wildschwein-freie Zonen (Bejagung) gegen eine Einschleppung der Krankheit zu schützen. Ob dies erfolgreich sein wird, wird die Zukunft zeigen.
In den bereits seit 2014 von ASP betroffenen Gebieten werden vermehrt Wildschweine mit Antikörpern gegen ASP gefunden. Mehrere aktuelle Studien konnten eine Abschwächung der Virulenz des dort zirkulierenden Virusstammes nachweisen. Dies lässt vermuten, dass die Tiere die Infektion länger überleben und damit als Reservoir fungieren können. Sollte sich diese Vermutung bestätigen würde dies weitreichende Folgen für die Überwachung der ASP in diesen Gebieten bedeuten. Für die Früherkennung in ASP-freien Regionen wie der Schweiz bleibt die Untersuchung von toten Wildschweinen aber nach wie vor am aussagekräftigsten.
Folgen für die Schweiz
Eine gezielte Dezimierung der Schwarzwildpopulation ist ein wichtiger Pfeiler bei der Bekämpfung. Erhöhte Abschussquoten oder Abschussprämien locken Jagdtouristen an. Dabei gehen auch Schweizer Jagdgruppen nach Osteuropa auf Wildschweinjagd und bringen Wildfleisch zurück in die Schweiz. Die Einfuhr von Wildschweinfleisch aus Gebieten in den Restriktionszonen ist verboten, aus Gebieten ausserhalb der Restriktionszonen legal. Dennoch wird dringend davon abgeraten.
Das Risiko einer Einschleppung in die Schweiz bleibt weiterhin hoch und ein Ausbruch von ASP hätte verheerende Folgen für Tiergesundheit und Handel. Präventive Massnahmen sind deshalb sehr wichtig, um die Gefahr einer Einschleppung zu verringern.
Das ASP-Virus ist extrem lange in der Umwelt haltbar, vor allem in Blut, Fleischprodukten und Kadavern infizierter Haus- und Wildschweine. Die grösste Gefahr für einen Eintrag geht von der Einfuhr und Entsorgung bzw. Verfütterung von Schweine- oder Wildschweinefleischprodukten aus, die das ASP-Virus enthalten. Es wird eindringlich vor dem Mitbringen von Schweine- oder Wildschweinefleisch bzw. Fleischerzeugnissen (Schinken, Salami, usw.) aus betroffenen Gebieten gewarnt. Werden Jagdreisen in betroffene Gebiete unternommen, müssen potentiell kontaminiertes Schuhwerk, Kleidung, Gerätschaften, Fahrzeuge vor der Rückkehr sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden. Das BLV hat umfangreiche Informationsmaterialien (Poster, Flyer und Faltblätter) mit den wichtigsten Verhaltensregeln zu ASP in verschiedenen Sprachen erstellt.
Früherkennungsprogramm / Schutz der Schweinehaltungen
Um eine Einschleppung von ASP bei Wildschweinen in die Schweiz möglichst früh zu erkennen, hat das BLV ein nationales Früherkennungsprogramm erstellt. Im Kanton Luzern sind Jäger und Wildhüter bereits seit ca. zwei Jahren aufgefordert, jedes tot aufgefundene, krank erlegte oder beim Aufbruch auffällige Wildschweine dem Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin (FIWI) der Universität Bern zu melden und zur kostenlosen Untersuchung einzusenden.
Eine weitere gute Nachricht ist die Tatsache, dass Schweinehalter ihre Tierbestände durch eine strikte Einhaltung von Biosicherheitsmassnahmen (Verfütterungsverbot von Speiseabfällen, Zutrittskontrolle, Hygieneschleuse, sichere Umzäunung) effektiv schützen können. Deshalb sind alle Schweinehalter aufgerufen ihre Biosicherheitsmassnahmen zu überprüfen, allenfalls anzupassen und einzuhalten (siehe SUISAG Merkblatt – Schutz vor Wildschweinen).
Bei unklaren Symptomen ist unverzüglich der Bestandestierarzt beizuziehen, der diese mittels Ausschlussuntersuchung auf ASP abklären kann. Seit Februar 2019 wurden in der gesamten Schweiz auf 30 Betrieben Ausschlussuntersuchungen auf ASP durchgeführt. Schweizweit werden tot aufgefundene Wildschweine sowie Abschüsse von kranken Tieren und Unfallwild im Rahmen des nationalen Früherkennungsprogramms ASP Wildschwein untersucht. Seit Februar 2019 wurden 10 Wildschweine im Früherkennungsprogramm untersucht.
Im Kanton Luzern wurden seit November 2017 auf zwei Betrieben und bei vier Wildschweinen eine Ausschlussuntersuchung auf ASP durchgeführt, immer mit negativem Ergebnis.
Das aktuelle Vorgehen bei der Probenahme finden Sie im Merkblatt «Nationales Früherkennungsprogramm Afrikanische Schweinepest (ASP) beim Wildschwein: Vorgehen im Kanton Luzern».
Gesetzliche Grundlagen
Die EU-weiten Massnahmen und Restriktionszonen wurden für die Schweiz in die «Verordnung des BLV über Massnahmen gegen die Verschleppung der Afrikanischen Schweinepest im Verkehr mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Island und Norwegen» übernommen.
Wachsam bleiben!
Bei Tierhaltenden, der Tierärzteschaft, den Jägern, Ferienreisenden und Arbeitnehmern aus dem Ausland auf Bauernbetrieben ist weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit angezeigt. Es wird dringend vom Import von Schweine- oder Wildschweinefleisch bzw. Fleischerzeugnissen (Schinken, Salami, usw.) aus allen Gebieten der betroffenen Länder abgeraten, da dies eine potentielle Gefahr für die heimische Hausschwein- und Schwarzwildpopulation darstellt.
Bei unklaren Gesundheitsproblemen auf Schweinehaltungsbetrieben ohne genügende Hinweise auf einen Verdachtsfall wird die Durchführung von Ausschlussuntersuchungen empfohlen.
Stand 26. April 2019