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Sie kaufen papierene Mohnblumen zur Unterstützung von Kriegsverletzten und heften sie ans Kleid oder an den Rockaufschlag. Am Xenotaph, dem Denkmal in Whitehall, legen die Queen, Angehörige der Königsfamilie, Politiker, Oberbefehlshaber der Truppen, Vertreter der Commonwealth-Länder, die einen wesentlichen militärischen Beitrag für die Briten leisteten, rote Kränze nieder, alle aus Mohnblumen geflochten.
Gleichzeitig versammeln sich dort tausende von Kriegsveteranen, ehemalige Soldaten und Offiziere, die zum Beispiel 1944 an der D-Day-Landung in der Normandie teilnehmen oder im Wüstenkrieg gegen Feldmarschall Rommel oder in den Dschungeln Asiens gegen die Japaner kämpften. Teilnehmer an späteren Operationen (z.B. Falkland, Irak, Afghanistan) sowie Nachfahren von Kriegsopfern schließen sich ihnen an. Sie alle, Orden stolz an der Brust, insgesamt über 10‘000 Leute, marschieren zum Abschluss zusammen mit Formationen heute dienender Truppen am Xenotaph vorbei oder werden im Rollstuhl daran vorbei gestoßen.
"Unser Heute für euer Morgen hergeben"
An diesem Tag erinnere ich mich einer Reise in die nordostindische Stadt Kohima. Dort besiegten 1944 die britischen Truppen die nach Indien vorrückenden Japaner in Kämpfen, die vom April bis Juni dauerten. Der Sieg bedeutete den Wendepunkt im britischen Dschungelkrieg gegen Japan. Ich besuchte dort den großen Soldatenfriedhof.
Begraben sind dort britische, afrikanische, indische Soldaten und solche aus anderen damaligen Kolonien des britischen Empire. Sie fielen im Kampf für die Briten und für die Freiheit Europas. An der Friedhofsmauer las ich die Inschrift: "When you go home tell them of us and say for your tomorrow we gave our today." (Wenn du nach Hause kommst, berichte von uns und sage, dass wir unser Heute für euer Morgen hingaben.)
Und an der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag des Endes des 2. Weltkriegs richtete die britische Königin Elisabeth II. an 11’000 versammelte Kriegsveteranen die Worte: “I wish to express on behalf of the nation our admiration, our respect and our thanks to you for what you gave all those years ago in the cause of freedom and of our way of life.” (Im Namen der Nation bezeuge ich Euch unsere Bewunderung, unsern Respekt und unsere Dankbarkeit für das, was Ihr vor all den Jahren für die Sache des Friedens und für die Bewahrung unserer Lebensart gegeben habt.)
... ohne sie des die Schweiz nicht mehr geben würde
Ich wünschte mir, irgendein Schweizer hätte irgend einmal solche Worte gesprochen, gerichtet nicht an die schweizerischen Soldaten, sondern an die britischen, sowjetischen und amerikanischen, ohne deren Mut und Opferbereitschaft im Kampf gegen den Nationalsozialismus es die Schweiz nicht mehr geben würde.