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Das Verbreitungsgebiet der Süss- oder Vogelkirsche Prunus avium lag ursprünglich in den gemässigten Gebieten ganz Europas bis nach Zentralasien und den Iran. Sie schmeckten seit jeher nicht nur den Vögeln, sondern auch dem Menschen. Ihre Verwandte, die Sauerkirsche Prunus cerasus, ist bis weit in den Norden Europas verbreitet und kann in den Zentralalpen bis auf eine Höhe von 1800m gefunden werden.
Die Juraböden bieten seit jeher ideale Standorte für die Süsskirsche, so dass zwischen Bielersee und dem Kanton Aargau noch heute das Hauptanbaugebiet für Kirschen zu finden ist. Ein weiteres, traditionelles Kirschenanbaugebiet liegt in der Innerschweiz. Hier wurden hauptsächlich Brennkirschen angebaut, während in den Gebieten der Nordwestschweiz die meisten Tafelkirschen produziert und bis in die Siebzigerjahre exportiert wurden.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in der Schweiz eine ganze Fülle an Kirschensorten. Die Süsskirschen wurden grob in die Gruppen der Herzkirschen (weichfleischige) oder Knorpelkirschen (festfleischige) eingeteilt. Grosse Unterschiede bestanden in den lokalen Sortensortimenten und oft waren die Sorten eng mit einem lokalen Brauchtum verbunden. So in Wimmis BE, wo die Tradition des gemeinschaftlich hergestellten, hochwertigen Kirschensaftkonzentrats seit 1982 wieder gepflegt wird. Die Lokalsorte „Schöne von Einigen, ein kleines, schwarzes Kirschlein, das besonders geeignet ist fürs Chirschimues, aber unendlich langwierig zum Lesen“ (aus: Jubiläumsbuch 1000 Jahre Wimmis), spielte bei dieser Delikatesse eine besondere Rolle und wurde deshalb von FRUCTUS zur Obstsorte des Jahres 2010 erkoren.
Die Sortenbestimmung der Kirschen stellt die Experten vor grosse Schwierigkeiten und kann aufgrund von Beschreibungsmerkmalen in vielen Fällen kaum abschliessend gemacht werden. Inzwischen sind die einst inventarisierten Kirschensorten im Rahmen der Beschreibungsprojekte molekulargenetisch untersucht worden. Dabei zeigte sich, dass sich unter den 900 mutmasslich verschiedenen Sorten etliche Duplikate versteckten. Heute werden in der Schweiz rund 400 Sorten Süss- und Sauerkirschensorten erhalten.
Weitere Informationen zur Kirsche auf den Seiten der Nationalen Datenbank für pflanzengenetische Ressourcen