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Chocolats Halba als Nachhaltigkeitspionierin in Ghana gegen Missstände im Kakaoanbau aktiv
von Administrator
Chocolats Halba hat heute ihren Action Plan gegen Missstände im Kakaosektor Ghanas publiziert. Petra Heid, Leiterin Nachhaltigkeit bei Chocolats Halba über die Wichtigkeit dieser Massnahmen im Kakaoanbau Ghanas.
Welchen Missständen im Kakaosektor Ghanas möchten wir als Chocolats Halba entgegenwirken?
In Ghana wird Kakao meist auf relativ kleinen Flächen (ca. 3 Hektaren) angebaut - von Kleinbauern, die neben Kakao kaum noch andere Produkte kultivieren. Doch die Kakaoerträge sind aufgrund nicht nachhaltiger Anbaumethoden sehr gering. Diese Missstände führen dazu, dass die Einkommen der Bauern sehr niedrig ausfallen, und diese Kleinbauern oft unter der Armutsgrenze leben. Darunter leiden in einer Kleinbauern-Familie vor allem die Kinder, heranwachsende Jugendliche und Frauen. Wenn wir als Chocolats Halba das Ziel erreichen, das Einkommen einer Kleinbauernfamilie signifikant zu erhöhen, verbessern wir die Lebensbedingungen der gesamten Familie. Und genau das haben wir uns vorgenommen.
Was sind die wichtigsten Aktivitäten gegen diese Missstände, die Chocolats Halba betreut und im neuen CFI Report publiziert?
In unserem Projekt in Ghana – von wo wir den grössten Teil unseres Kakaos beziehen – geht es vor allem darum, den Kakaobauern zu zeigen, wie sie ihren Kakao nachhaltiger anbauen und somit ihre Einkommen erhöhen können. Die Bauern lernen so, Kakao problemlos zusammen mit einer Vielzahl anderer ihnen wichtigen Nahrungspflanzen anzubauen. Diese zusätzlichen Nahrungspflanzen können sie für die tägliche Ernährung ihrer Familie nutzen und brauchen sie nicht mehr zu kaufen. Auch dürfen Fruchtbäume und Edelhölzer als weitere Pflanzen in einem Kakao-Mischanbausystem nicht fehlen. Das bietet den Bauern weitere Einnahmen durch den späteren Verkauf auf den lokalen Märkten. Unter dem Schatten höherer Bäume gedeiht die Kakaopflanze wesentlich besser als in Monokultur unter praller Sonne. Somit kann der Bauer sich auf doppelte Kakaoerträge freuen. Letztes Jahr konnten wir so 81 Parzellen zusammen mit den Kleinbauern neu anlegen; mehr als 400 Bauern wurden auf eine spätere Umstellung vorbereitet. Zudem konnten bis jetzt auf diesen sogenannten dynamischen Agroforstparzellen schon grössere Mengen Mais, Bohnen und Chili geerntet werden. Etwas später kommen dann noch die Ernten von Kochbanane, Yam und Manioc hinzu. Das ist ein grossartiger Erfolg für uns und die Kleinbauern.
Was ist zentraler Bestandteil des Aktionsplans – gibt es zukunftsweisende Projekte und Aktionen?
Bei diesem Aktionsplan geht es darum, der Abholzung weiterer Waldflächen in Ghana entgegenzuwirken. Denn wenn Kakaobauern immer weniger Kakao auf ihren Parzellen ernten, weichen sie auf neue Flächen aus. Mit unserem Sankofa-Projekt leisten wir einen wesentlichen Beitrag zum Walderhalt und zur Wiederaufforstung.
Von der Theorie in die Praxis: Was sind die konkreten Herausforderungen, um Nachhaltigkeit im Kakaoanbau Ghanas langfristig zu implementieren?
Wir sind davon überzeugt, dass unser Ansatz der dynamischen Agroforstwirtschaft wirklich einen grossen Beitrag zu einem nachhaltigen Kakaoanbau in Ghana leisten kann. Das bedeutet jedoch konkret, dass sehr viele Kakao-Parzellen in Ghana, die derzeit nicht nachhaltig bewirtschaftet werden, in hochdiversifizierte Agroforstsysteme umgewandelt werden müssten. Dies ist mit viel Schulungs-Aufwand verbunden. Intensiv und über mehrere Jahre muss jeder Kleinbauer in der Umstellung seiner Kakao-Parzelle regelmässig begleitet werden. Wenn viel wachsen soll, muss auch viel gesät und gepflanzt werden. Die zeitgerechte Beschaffung von ausreichendem Pflanzmaterial ist ebenfalls eine grosse Herausforderung.
Welche Ziele verfolgt CFI und wie wichtig ist CFI für Chocolats Halba als Nachhaltigkeitspionierin der Schweizer Schokoladenindustrie in ihrem Nachhaltigkeitsengagement?
Die Cocoa & Forests Initiative (CFI) wurde 2017 von der World Cocoa Stiftung (WCF) ins Leben gerufen – als Antwort auf die massiven Abholzungen der letzten 16 Jahre in Elfenbeinküste und Ghana. Das Ziel der CFI ist die Abholzung in den Kakaoregionen dieser beiden Länder zu stoppen und Wiederaufforstungen voranzutreiben. Mit unserem dynamischen Agroforst-Ansatz sind wir zwar erfolgreich Experten im Bereich der kleinräumigen Umsetzung, aber gleichzeitig müssen wir auch unser Engagement in den Kontext des Grossen und Ganzen setzen. So müssen wir uns fragen, wie wir weltweit den Kakaoanbau nachhaltiger gestalten können. Genau da kommt die CFI ins Spiel. CFI hilft uns unseren Ansatz bekannter zu machen, so dass andere Firmen ebenfalls davon profitieren können. So braucht nicht jeder das Rad neu zu erfinden.
Ganz allgemein: Wie sieht nachhaltiger Kakaoanbau aus? Und wie kann sich ein Schokoladenproduzent im Bereich Nachhaltigkeit erfolgreich engagieren?
Wirklich nachhaltiger Kakaoanbau hat sowohl ökologische, ökonomische wie auch soziale Aspekte im Blick. Und weil in den meisten Kakaoanbauländern Missstände in allen drei Bereichen existieren, besteht die Herausforderung eines nachhaltigen Kakaoanbaus, alle Bereiche gut abzudecken. Ein Schokoladenproduzent kann sich nur dann erfolgreich engagieren, wenn er Kooperationen mit anderen Partnern eingeht. Im Alleingang ist das nicht zu schultern. Dafür sind die Probleme zu global und komplex. So arbeiten wir in unserem Sankofa-Projekt mit zahlreichen Partnern zusammen.