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Prager (E)Migrationsromane im Umfeld des Zweiten Weltkriegs (Rühle-Gerster, Koplowitz, Sebald, Green)
Die historischen Zäsuren in Prag im zweiten Weltkrieg haben einen vielfältigen Niederschlag in der Literatur gefunden. Das hier skizzierte Referat will zunächst anhand der fiktiv-dokumentarischen Schilderungen von zwei jüdischen Deutsch-Tschechen, die beide Nationalitäten besassen, zwischen 36-38 nach Prag emigrierten und danach das Land wiederum verlassen mussten (Alice Rühle-Gerster, Hanna und die Freiheit (1936), Berlin 1985; Jan Koplowitz, Bohemia, 1972; ders., Das Brot der fremden Länder, Leipzig 1989) zunächst die ethnischen Verhältnisse in Prag, und insbesondere das Schicksal der politischen Emigranten in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg nachzeichnen. In einem zweiten Schritt sollen dann ein deutscher und ein französischer Roman aus der Gegenwart (W.G. Sebald, Austerlitz 2001; Eugène Green, La reconstruction, 2008) besprochen werden, in denen es in einem grossen Rundumschlag um die Münchner Verträge, die Germanisierung der Stadt, die Deportation der Juden, um das Kriegsende und die Vertreibung der Deutschen geht. Prag gerinnt in diesen Erzählungen aus der "Aussensicht" gewissermassen zur europäischen Ikone und Mustererzählung einer gescheiterten und für das 21. Jahrhundert wieder so dringlich herbeigesehnten Multikulturalität. Als Ausblick des Panels sollten die Implikationen dieses derzeit sehr verbreiteten Narrativs von ethnischer Vergangenheits- und Zukunftsmusik diskutiert werden.