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Bond-Parodisten haben es schwer. Das hat einen Grund: Die Bond-Filme nehmen sich selbst nicht ernst. So ist etwa George Lazenbys erster vollständiger Satz als James Bond pure Selbstparodie: Nachdem ihm das Bondgirl vor der Nase entwischt, meint er: «Das wäre dem anderen nie passiert» - ein ironisch demütiger Seitenhieb auf die grossen Fussstapfen Sean Connerys.
Ein Komiker als «Q»
Und Sean Connery, der 1983 mit 50 und Haartoupet doch noch einmal den Bond gibt, muss sich den spöttischen Filmtitel «Sag niemals nie» gefallen lassen. Roger Moore, der darauf die Rolle übernimmt, zieht gleich selbst inflationär die Augenbrauen hoch und ernennt sich damit zum «Ironisator» seiner eigenen Rolle. Nicht zufällig brachte er es auf die meisten Einsätze als Spion im Geheimdienst ihrer Majestät. Spätestens aber mit der Besetzung des «Monty Python»-Stars John Cleese als «Q» gestehen die Bond-Macher das parodistische Potenzial ihres Helden endgültig ein.
Dieses Potenzial sah auch Mike Meyers, der Schöpfer von «Austin Powers», der sexbesessenen Hippie-Version von Bond. Dieser erblickt jedoch 1997 in einem Moment das Licht der Leinwand, da James Bond und mit ihm der ganze Kalte Krieg endgültig erledigt scheinen. Insofern wirkt diese Filmparodie nur noch wie ein Nachtreten.
James Bond gegen Woody Allen
Eine Parodie, die mehr wagt, ist 1967 «Casino Royale». Sie kommt im selben Jahr ins Kino wie Sean Connerys angeblich letzter Einsatz als 007, auf dem ersten Höhepunkt des Kinowunders «James Bond». Kein geringerer als Orson Welles schlüpft in die Rolle des Bösewichts. David Niven verkörpert Bond im Ruhestand – einen gebrochenen Mann, der um seine Geliebte Mata Hari trauert, stottert und Debussy spielt. Und er leidet schrecklich an der cineastischen Sexualisierung seines Berufsstands.
Niemand anderen als Woody Allen erleben wir als chaplinesken Bösewicht mit Hitler-Allüren. Auch in den weiteren Rollen nur Schlagsahne: Peter Sellers, Deborah Kerr, Jacqueline Bisset, John Huston, Peter O'Toole, Jean-Paul Belmondo und last but not least: Ursula Andress. Punkto Schauspiel-Prominenz schlägt die Parodie sämtliche Originale.
Wie in all den zahlreichen, nachfolgenden Bond-Verulkungen – sei es bei Leslie Nielsen, Rowan Atkinson oder gar Helge Schneider – strampeln die Akteure allerdings schon hier durch ein hanebüchenes Drehbuch. Eigentlich unvermeidbar, denn wenn in einem Spionagethriller nichts ernst zu nehmen ist, fällt der «Suspense» weg, den Hitchcock extra erfunden hatte. Aller Witz muss aus der Situationskomik gehebelt werden.
Davon gibt es in «Casino Royale» immerhin Bleibendes. Neben dem fulminanten Finale mit UFO und einem detonierenden Woody Allen begeistern die Szenen im getrennten Berlin, das eine grossartigen Karikatur des deutschen Expressionismus darstellt. Schiefe Türen, kubistische Treppen. Und nach einer allzu explosiven Schurkenbeseitigung kommt es sogar noch zum Mauerfall – 22 Jahre vor dem echten!
Der Agent im Clownskostüm
Parodien sind Übertreibungen und spielen mit Klischees. Bond ist als Zuspitzung dessen, wie wir uns Spione wünschen, zwangsläufig selbst eine Parodie: Aston Martin, Walther PPK, Martini, Baccara, Pussy Galore und Unsterblichkeit. Konsequent spielen die Filme an ihren exotischen Schauplätzen auch Länderklischees aus. Gehts in die Schweiz, darf Blofeld in den Alpen residieren und auf der Flucht in einer Bobbahn sterben.
Ebenfalls ein beliebtes Sujet sind Kleinwüchsige, die oft als Assistent des Bösewichts fungieren, zum Beispiel in «Der Mann mit dem goldenen Colt». Diese Figur ist vom frühen Varieté und Wanderzirkus geborgt. Eine weitere Zirkusfigur kommt in «Octopussy» zum Einsatz: Clown und Atombombe, das passt dann hervorragend zusammen. Ein Agent im Clownskostüm entschärft in der Manege den kalten Krieg: Bond auf den Punkt gebracht.
Der filmische Ursprung des Widersachers
Dabei hat zumindest die filmische Urfassung des genialen und futuristisch ausgerüsteten 007-Gegenspielers einen ernsten Hintergrund. Jedoch stammt sie nicht von Ian Fleming, sondern von einem deutschen Emigranten, der sich 1939 in Amerika vor Goebbels' Einfluss in Sicherheit brachte: Regisseur Fritz Lang («Metropolis»). Lang nimmt ab 1921 mit seiner Filmserie Dr. Mabuse, und noch deutlicher 1928 in seinem Stummfilm «Spione» den klassischen Bond-Bösewicht vorweg und liefert Fleming die Blaupause für Blofeld, der hiervon im Grunde nur noch eine Karikatur mit Haustier ist.
Die vielleicht schönste Selbstveräppelung Bonds hören wir in «Casino Royale». Eben nicht der Parodie von 1967, sondern der Verfilmung von 2006. «Wodka Martini!» bestellt da Daniel Craig. «Geschüttelt oder gerührt?», wird er vom Barkeeper gefragt. Die Antwort: «Sehe ich so aus, als ob mich das interessieren würde?»
Bond im Radio
Im Hörspiel «Unser Mann in Jamaika» von Marcy Kahan überredet Ian Flemming persönlich seinen Freund Noel Coward, für den britischen Geheimdienst zu arbeiten. Darauf gerät der Spion wider willen in ein verwirrendes Agenten-Szenario.