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den sichersten Pflanzen, von welcher am wenigsten Feinde bekannt sind; sie verträgt selbst Spätfröste, aber nicht dauernde
Nässe. Man erntet bei Samenzucht 3-4 kg Ztr. Samen und Futter, von Wurzeln 180-320 Ztr.
nebst 20-40 Ztr. Blätter. Der Samen kostet: echte Braunschweiger, schlesischer halblanger und Riesen-Zichorie, cylinderförmig,
bis 280 Mk., Brüsseler Witloof 300 Mk., langer Magdeburger
nur 200 Mk.;
40 Ztr. frische Wurzeln geben 10-14 Ztr. getrocknete, zum Preise von
14-36 Mk.;
die getrockneten Wurzeln geben 75% geröstete Ware in zwei Sorten: „Pulver“, als beste, zu 36-40 Mk.
und „Korn“ zum Preise von 30-36 Mk. für 1 kg Ztr. Von 100 kg
getrockneten Wurzeln gibt es 75 kg geröstete Ware und von dieser 28 kg „Pulver“, 17½ kg feines, 17½ kg mittleres und 7 kg
grobes „Korn“, zusammen 70 kg, also bis 5 kg Verlust.
Der Anbau erfordert viel Arbeit und Kosten. Man berechnet diese
bis zu 500 und 600 Mk., den Erlös aber zu 800, bis selbst an 1000 Mk. -
Statistisches. Die Verwendung der Z. als
Kaffeesurrogat ist hauptsächlich zur Zeit der Kontinentalsperre aufgekommen; früher
war die Fabrikation Geheimnis der Holländer, jetzt findet sie in Deutschland und Frankreich in großen Fabriken statt. Das
gesamte deutsche Erzeugnis war 1879 auf 9600 ha zusammen 1754281 m. Ztr.
Wurzeln, 1880 zusammen auf 11078 ha 2393600 m. Ztr. frisch, 407500 Ztr.
gedörrt (über die Hälfte in der Provinz Sachsen); die Mehrausfuhr war 154016 Ztr., der Verbrauch
also 253489 Ztr., der Preis für frische Wurzeln 2,8-3,2 Mk. pro 100 kg.
Man rechnet 150 Darren, davon 100 in der Provinz Sachsen, und für ganz Europa 451 Fabriken. In Holland
rechnet man für zehnjährigen Durchschnitt als Mittelertrag 870000 Gulden, Minimum 321000, Maximum 1396000 Gulden, pro 1000 kg,
frisch 10 Gulden, jetzt ungefähr 1600-1700 ha und 32-40 Mill. kg Ertrag. Österreich diesseits erbaut Z. auf etwa 3000 ha.
Deutschlands Hauptausfuhr geht nach Rußland, Schweden und Dänemark; die Hauptfabriken sind in Halberstadt,
Braunschweig und Magdeburg. Die Stadt Berlin verbraucht allein bis 250000 kg. Von andern Ländern
fehlen genaue Angaben. In Frankreich ist der Verbrauch 7 Mill. kg. Das Handelsfabrikat wird
in großartiger Weise, trotz des geringen Wertes, gefälscht. Das, was als Z. zum Gebrauch verkauft wird,
ist
(deutscher
Kaffee, frz. café de chicorée, chicorée en grains, mignonnette, engl.
chicory powder, succory powder); dieses allbekannte
Kaffeesurrogat besteht aus den gerösteten Wurzeln von Cichorium Intybus
(L.); die Wurzeln werden in Scheiben oder kleine viereckige Stückchen zerschnitten und hierauf im Darrofen
getrocknet. Das Rösten geschieht entweder für sich oder mit Zusatz von 1-2% Fett in großen, den Kaffeetrommeln ähnlichen
Blechcylindern.
Die geröstete Wurzel muß sofort, bevor sie durch Anziehen von Feuchtigkeit zähe geworden ist, gemahlen werden; das Pulver
wird dann in Fässer oder in die bekannten kleinen cylinderförmigen Papierpackete verpackt. Diese Packete
legt man in feuchte Räume, damit
sie Feuchtigkeit anziehen; der Inhalt bildet dann eine dunkelbraunschwarze, zähe, bröcklige,
zuweilen auch schmierige Masse. Dieselbe gibt an kochendes Wasser ca. 13-15% lösliche Bestandteile
ab; der gewöhnlich etwas trübe Auszug besitzt eine sehr dunkelbraune Farbe und einen bitterlich-süßen Geschmack.
Man benutzt dieses Präparat sowohl für sich allein, als auch als Zusatz zu
Kaffee zur Herstellung eines
Getränkes, das allerdings mit dem
Kaffee weiter nichts als die braune Farbe gemein hat. Vor andern
Kaffeesurrogaten hat jedoch
der Z. den Vorzug, daß er das Aroma und zum Theil auch den Geschmack selbst kleiner Mengen von echtem
Kaffee weniger verändert, als dies z. B. bei Rüben,
Eicheln etc. der Fall ist. Trotz seines niedrigen Preises findet man
dieses
Kaffeesurrogat nicht selten verfälscht, teils mit andern gerösteten Wurzeln, wie z. B.
Mohren,
Zuckerrüben, Löwenzahnwurzel, teils mit erdigen braunen Substanzen; ja sogar Zumischungen von
Torf und
Braunkohle
sollen vorgekommen sein.
Zichorienwurzel gibt nicht mehr als 4½-5½% Asche beim Verbrennen, echter Z. 6-7%. Die Fabrikation von Z. kam zu Anfang
dieses Jahrhunderts auf, als die Kaffeepreise auf eine bedeutende Höhe gestiegen waren; die ersten derartigen Fabriken entstanden
in Braunschweig und Hannover; bald folgten solche in Magdeburg, Bremen, Berlin, Lahr, Erfurt und andern
deutschen Städten. Auch in England hat sich diese Fabrikation eingebürgert. Deutschland exportiert auch einen großen Teil
seines Fabrikates; Nordamerika importiert jährlich circa 3½ Millionen amerikanische Pfunde. - Zoll: Frische und gedarrte
Z. zollfrei; gebrannte oder gemahlene, auch mit einem Zusatz von Mohrrüben,
Zuckerrüben, Birnenmehl und ähnlichen Pflanzenteilen,
jedoch mit Ausschluß der
Feigen, gem. Tarif Nr. 25 p 2. Mit andern Zusätzen, z. B.
von gebranntem
Getreide Nr. 25 m 1.
Diesen Namen führen die einfachsten
Thonwaren; man unterscheidet der Form nach Ziegelsteine (Mauersteine,
Backsteine) und Dachziegel. Die beste und eigentliche Ziegelerde ist der häufig vorkommende Lehm, weil er schon
von Natur diejenige Mischung hat, die ihn zu Ziegelwaren tauglich macht. Er ist ein
Thon, der durch Gehalt an Sand,
Eisenoxyd
und zuweilen auch etwas
Kalk mager ist, d. h. nicht die schlüpfrige, zähe und bildsame Beschaffenheit hat wie
die reinem
Thone, die sog. fetten.
Allerdings kommen auch Lehmsorten vor, die ziemlich fett sind; man setzt dann Sand zu, um das Verziehen
der Steine beim Brennen zu verhüten. Den gegrabenen Lehm läßt man gern eine Zeit lang, am besten einen Winter hindurch,
im Freien liegen, wodurch er bildsamer wird. Bei dem altherkömmlichen Betriebe wird der Lehm eingesumpft, durch Treten mit
den Füßen geknetet, und dann auf bekannte Weise mit der Hand zu Ziegeln geformt; diese werden lufttrocken
gemacht und dann gebrannt. Bei dem Treten werden zugleich Steine, Kalknieren u. dgl.
gefunden und beseitigt. Neben dieser Hand- und Fußarbeit, welche immer die besten
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Z. ergibt, hat sich aber zunehmend ein Großbetrieb mit Dampf, Maschinenarbeit und Massenproduktion eingeführt, dessen Ware
aus verschiednen Ursachen stets weniger genügend ist als das Handerzeugnis, schon deshalb, weil hierbei zur Reinigung der
Masse weniger geschehen kann. Das Kneten mit den Füßen wird hier gewöhnlich durch sog. Thonschneiden
ersetzt; dieselben bestehen aus einem Hohlraum, in welchem eine stehende Welle, oder auch zwei gegeneinander
arbeitende sich drehen und mittels flügelförmig angesetzter Messer den Thon durcharbeiten und zugleich, vermöge der schrägen
Lage der Messer, zu einer der untern (bei liegenden Wellen seitlichen) Öffnungen hinausdrängen.
Diese Ausgangsöffnung ist, wenn die Thonschneide für sich arbeitet, mit einem Gitter versehen, durch
welches Steine u. dgl. zurückgehalten werden.
Gewöhnlich sind aber Thonschneide und Formapparate in Eins gebracht: der Thon tritt unten horizontal in Form endloser Riegel
heraus, welche durch einen Mechanismus zerschnitten und in einzelne Backsteine zerlegt werden. Für Dachsteine gibt es keine
Maschinen. Es gibt übrigens mancherlei Konstruktionen von Ziegelpressen. In Deutschland arbeiten
namentlich die Sachsenberg'sche (von Roßlau a. d. Elbe), die von Schlickeysen in Berlin,
und die Hertelsche von Nienburg a. d. Saale, welche die beliebteste zu sein scheint und
auch Verblend- und Hohlziegel liefert. Solche Maschinen liefern mit einer Dampfkraft von 7-8 Pferden pro Arbeitstag
etwa 12-15000 Z. In England und Amerika werden die Trockenpressen vorgezogen, für die man den Lehm nur erdfeucht vorzubereiten
hat. Es sind dies sehr teure Apparate, welche mit der Kraft einer hydraulischen Presse arbeiten; die Z. müssen sehr stark
gebrannt werden, sind aber allerdings auch sehr schön.
Die Maschinen überhaupt gestatten die Herstellung gewisser Arten von Z., die durch die Handarbeit in
vorteilhafter Weise nicht gewonnen werden können. So werden namentlich jetzt viel Backsteine der Länge nach mehrmals durchlocht,
wofür in der Formmündung der Maschine Dorne eingesetzt sind in der Weise wie beim Pressen von Drainröhren (s. d.) ein einzelner
wirksam ist. Bei solchen Steinen wird an Masse und Brennstoff gespart ohne daß sie dadurch schlechter
wären als die massiven; sie sind aber bedeutend leichter als diese, was für manche Bauzwecke von Belang ist und auch die
Transportfähigkeit der Steine erhöht, während gewöhnliche Steine die Kosten der Versendung in weitere Fernen
nicht ertragen, wenn nicht Wasserfracht zu Gebote steht. Es gibt daher auch überall Ziegeleien von kleinerm Umfange, während
die großen Ziegelfabriken sich in der Nähe größerer Städte angesiedelt haben.
Für Gewölbebauten hat man noch leichtere, jedoch nicht aus Lehm, sondern aus Thon und Chamotte gefertigte Z., die Hohlziegel.
Unter den verschiednen Ofenanlagen zum Brennen der Z. zeichnen sich die neuen Konstruktionen aus, welche
einen kontinuierlichen Betrieb gestatten. Es sind dies die sog. Ringöfen von Schwarz in Breslau
und von Hoffmann und Licht in Berlin. Hier bilden die Brennkammern und
Feuerstellen einen geschlossenen Zirkus, mit einem
Schlot in der Mitte. Der Betrieb ist umlaufend; die Feuerung wird immer vor diejenige Abteilung verlegt,
welche fertig gebrannt und noch glühend ist, und die Luft so geführt, daß sie erst durch diese Abteilung streichen muß
und deren Hitze mitnimmt; die Feuerluft brennt nun die nächste Abteilung gar, geht dann sich abkühlend weiter und hitzt
frisch eingesetzte Z. vor, bis sie durch einen der Kanäle in den Schlot entlassen wird. Der Gang der Luft wird durch Schieber
geregelt. -
Im Gegensatz zu dem Ziegelbrennen in Öfen gibt es eine Methode, welche ohne jeden Ofen gleich neben der Lehmgrube ausgeführt
werden kann, die sog. Feldbrennerei. Die lufttrocknen Z. werden hierbei
auf dem geebneten Boden zu langen Schobern, die sich nach oben verjüngen, aufgebaut; zwischen die einzelnen Schichten wird
Steinkohlenklein gestreut. Beim Aufbauen werden Feuerungskanäle am Boden ausgespart und mit trocknem Holze gefüllt. Das Ganze
wird dann mit Rasen oder nassem Lehm überkleidet, sodaß nur zu oberst einige Zuglöcher offen bleiben,
und schließlich das Feuermaterial angezündet.
Der Brand wird ganz wie eine Holzverkohlung in Meilern durchgeführt und es dauert ziemlich lange Zeit, bis die Z. überall
gehörig durchglüht sind. Eine Gleichförmigkeit ist indes in dieser Weise noch weniger zu erzielen wie im Brennofen; man
erhält stets viele zu stark und zu wenig gebrannte, formlose und zersprungene, überhaupt eine unschöne
Ware. Die Feldbrennerei wird dennoch in England, Belgien und Frankreich fast ausschließlich betrieben und wird bei der dortigen
bessern Einübung der nicht leichten Arbeit das Produkt jedenfalls besser ausfallen als bei den in Deutschland gelegentlich
vorkommenden Bränden. Die Z. erhalten nach dem Brennen eine rote Farbe, die je nach dem Eisengehalt
derselben heller oder dunkler ist; diese Färbung rührt daher, daß das im Lehm enthaltene Eisenoxydhydrat sein chemisch
gebundenes Wasser verliert und sich in rotes Eisenoxyd verwandelt. -
Wenn die Z. an einzelnen Stellen des Ofens zu viel Hitze bekommen, so schmelzen sie oberflächlich und
erhalten eine glatte glasartige Oberfläche von grüner, brauner, braungelber oder graublauer Farbe. Diese sog.
Glasköpfe oder Klinker saugen kein Wasser mehr ein und sind für gewöhnliche Backsteinmauern nicht zu brauchen, weil sie
den Mörtel nicht binden. Ihre zufällige Entstehung wird daher in der Regel nicht gern gesehen, außer
wo Gelegenheit ist, sie zu Wasser- und Grundbauten oder zum pflastern zu verwenden, wozu sie sehr gut geeignet sind. - Das
Brennmaterial für Z. ist, da von Holz meistens abgesehen werden muß, Stein-, Braunkohle und Torf. Am passendsten sind und
am meisten verwendet werden die Steinkohlen; die Ziegeleien verbrauchen von der jährlichen Steinkohlenförderung
einen ganz bedeutenden Anteil. Jetzt sind eine gewisse Sorte gut gearbeiteter hellgelber Ziegel sehr beliebt, die zu Rohbau
(ohne Abputz) verwendet werden. Über feuerfeste Z. siehe Chamotte. - Z.
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sind, außer denen der Angoraziege, nur Material für die Gerberei. Sie werden zu Saffian und Korduan,
zu schwarzem Schuhleder an Stelle von Kalbleder, zu sämisch-, weißgarem und, die von jungen Tieren, die sog. Kitzfelle,
zu gutem Glacéhandschuhleder verarbeitet. Die auf Gebirgen frei lebenden Tiere geben dauerhafteres Leder
als die vom Flachland und die im Stalle gehaltenen; die besten Felle kommen daher aus der Schweiz, Bayern, Baden, Württemberg,
aus Österreich, Dalmatien, Norwegen etc. -
Die Felle der Angoraziege aus Kleinasien mit ihrem weißen, gekräuselten, spannelangen Haar sind Gegenstand des
Rauchwarenhandels; sie werden meistens in der Türkei selbst verbraucht zum Belegen von Sitzen, im Abendlande zuweilen als
Satteldecken. Neuerdings färbt man jedoch solche Felle häufiger, da sie einige der schönsten und brillantesten Farben sehr
gut annehmen, und verwendet sie solchergestalt zu Fußdecken in Putzzimmern, Kutschen u. dgl. -
Die Haare der gewöhnlichen Ziege bilden das Material zu Malerpinseln, die fast ebenso gut, nur nicht
so dauerhaft sind als die sog. Fischpinsel, die aus den Schweifhaaren von Iltissen gefertigt
werden. - Zoll: Rohe Häute zur Lederbereitung, sowie halb- und ganzgare Ziegen- und Lammfelle zur Pelzwerkbereitung, mit
Ausnahme der weißgemachten Angoraziegenfelle, welche der Tarifnummer 28 b angehören, sind zollfrei.
Vgl. auch Tarif Nr. 21 b Anm. Saffian, Korduan, Handschuhleder und andres gefärbtes Ziegenleder, sowie unbehaarte, sämische
oder weißgare Felle von jungen Ziegen Nr. 21 b.
und Zimmet, Zimetrinde, Kannell (engl. Cinnamon, frz.
Cannelle, holl. Kaneel, ital. Canella und Cinamomo) wichtiges
Gewürz, auch medizinisch von Bedeutung, besteht aus den Rinden verschiedner Bäume der Tropen, für
welche die Namen nicht übereinstimmend im Gebrauch sind, welche aber alle der Familie der Lorbeergewächse oder Laurineen
entstammen und besonders der Gattung Cinnamomum, verwandt mit dem deutschen Lorbeer, immergrüne Bäume mit lederartigen glänzenden
Blättern, Rispenblüten und einsamiger, von bleibendem Perigon becherförmig umhüllter, Frucht. Dahin
gehört. - I. Der Ceylonische Z., echter Z. oder Kannell, C. Ceylanicum N. Laurus CinnamomumL. (Cortex Cinnamomi acuti),
engl. Ceilon cinnamom, frz. Canelle fine, Cannellier, holl.
Kaneelboom, ital. Canella fina, in Cochinchina und auf Ceylon heimisch, kultiviert besonders
auf der Südwestküste seit 1770 und von da aus nach dem Festlande, nach den Sundainseln, China, Malabar,
Bourbon Westindien, Zentralamerika und Brasilien zur Kultur verpflanzt, heute aber auch in Ceylon am besten und ausgebreitetsten
kultiviert, besonders um Columbo, Negumbo und Matura auf etwa 14 Meilen Fläche im sandigen Thonboden mit viel Humus. Im
fetten Boden wächst er schneller, gibt aber schlechtere Rinde. Er geht bis 330 m hoch und wird selbst
bis 16 m hoch, hat vierkantige, hohle
Äste, eiförmige Blätter, oben glänzend, unten netzadrig, grau seidenhaarige, schwach
unangenehm riechende, Blütenrispen, gelbe kleine Blüten und ovale 1,3 cm. lange bläulichbraune
Beeren.
Der Baum verlangt zum Gedeihen viel Sonne und Regen. Die Kultur besteht im sorgsamen Schnitt, Köpfen,
sodaß der Wurzelstock eine Anzahl von buschartig entwickelten Schößlingen bis zu 3 m Höhe treibt, welche nach 1½-2 Jahren
(1,5 cm dick) geschnitten werden. Die Spitzen der mittleren Schößlinge liefern den feinsten Z. Man vermehrt durch Samen
und durch Setzlinge; aus Samen gewinnt man nach 2-3 Jahren schneidbaren Z. Zu alte Stöcke werden niedergebrannt
und treiben dann bald wieder aus; nach 6-7 Jahren gibt es Schnittlinge aus diesem Wurzelausschlag.
Man erntet im Frühjahr nach der Regenzeit - großer Schnitt, und, geringwertiger und geringer an Ertrag, im November und
Dezember - kleiner Schnitt. An den Ruten macht man kreisförmige Einschnitte, bis 1 m entfernt, durch Längsschnitt verbunden,
zum Abschieben der Rinde, welche dann nach einiger Abtrocknung von der bitterlich zusammenziehend schmeckenden Außenrinde
befreit wird, sodaß der Bast, anfangs weißlich, dann nach und nach braungelb, frei wird; je 8-10 Halbröhren
werden dann ineinander gesteckt und im Schatten getrocknet unter bis 6% Gewichtsverlust, auch wohl zuvor in Kalkwasser geweicht
und rasch in der Sonne getrocknet.
Die dann leicht sich rollenden Rindenstücke packt man in Bündel (Fardelen) zu 10-15 kg Gewicht und diese zum Versandt zu
dreien zu einem Ballen, welcher mit Gongotuch oder Fellen oder doppelter Leinwand umpackt wird und durchschnittlich
42-43 kg wiegt. Auf der Seereise gehen bis 2½ kg durch Verdunstung verloren; man bedeckt den Z. deshalb auch mit schwarzem
Pfeffer, welcher das Verdunsten verhindern soll. Die Rindenabfälle dienen zur Bereitung von Zimtöl an Ort und Stelle. - Die
Beeren des Baumes geben ein schwach aromatisches festes Fett, die Wurzeln durch Destillation Kampfer, die Blätter, nelkenartig
riechend, ein ätherisches Öl, ähnlich dem Gewürznelkenöl. - II. Zimtkassia, Kassia Z., chinesischer Z. (C. aromaticum
Nees, Kassia cinnamomum, Cin. Cassia Blum), engl. Cassia, frz. Cannellier aromatique), ist die in Kochinchina und China
- Prov. Kuangsi („Zimtwald“) und Hunan kultivierte, etwas ausgeartete, Varietät, höher,
mit heller grünen Blättern, dessen Rinde, chinesischer Z., von den äußern Korkschichten und zum Teil auch von der Mittelrinde
durch sorgsames Abschälen befreit wird, angebaut und wild, meistens auch auf den Sundainseln und an der Malabarküste Ceylons
und in Malabar in Vorderindien selbst; die Qualität ist, auch auf Ceylon, geringer, auf den Sundainseln
oft mit andern Arten gemischt; neuerdings wird die Art auch in Südamerika kultiviert.
III. C. Culilawar Nees - Culilawarzimt, auf den Molukken, hoch, dickstämmig, Äste stielrund, kahl, Blätter unten
graugrün, Blütenrispen grauflaumhaarig. IV. C.
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dulce Nees, C. chinensis Blume, - Sweet Cinnamom, Tru Cin., Cannellier doux, in China und Japan, Blätter oben und unten gleichfarbig,
und C. Loureirii Nees, ähnlich, in Japan, liefern die Zimtblüten oder Zimtnägelein, Zimmtkelche, Calyces Cassiae. V. C.Tamala Nees, in Ostindien, liefert den „echten Mutterzimt“, Cortex Malabathni, (veraltete Bezeichnung).
VI. Malabarzimt, Holzkassia, Laurus Cassia nach Linné, Cassia lignea, Cin. Malabatrum, Malabarleaf C. - Canellier de Java,
ist die geringste, ausgeartete, Art und wird auf dem Festland, in Malabar, Silhet, Ostbengalen etc.
gezogen. Der davon gewonnene Z. kommt von ältern Stämmen und Zweigen, zeigt sich deshalb in stärkern Röhren und
bräunlich plattenförmigen Stücken und riecht und schmeckt schwächer und etwas schleimig, da er viel Schleimzellen enthält.
Die Zumischung zu andern Arten in Pulverform kann mikroskopisch dadurch nachgewiesen werden. VII. Nelkenzimt, Nelkenkassia,
Nelkenrinde, schwarzer Z. - (Cassia caryophyllata)- Dicypellium caryophyllatum Nees, - engl. Clove baek, Clove Cinnamom,
frz. Canelle giroflée, de Bràsil, ital.
Cassia garofonata - kommt von einem brasilianischen Baume in 60 cm langen, 3 cm dicken, übereinandergerollten Röhren mit 2 mm
dicken schwachen Stücken, und mit dünner graubrauner Außenrinde und glattem rotbraunem Bast; er dient besonders zu Parfümerien
und zur Verfälschung des Gewürznelkenpfeffers.
Verbrauch unbedeutend. VIII. Weißer Zimtbaum, weißer Kanell, Canella alba Murr.
(C. Winterana Gaertn, Winterana Canella L) liefert den weißen Z., weiße Kanellrinde, falsche Wintersrinde (Cortex Canella,
albae, Corti, Winteranus spurius - Canella und Cortis dulcis) engl. Canelle alba, frz.
Kanelle blanche - gelblichweiß im Bast, lange Röhren, außen rötlichgelb bis gelblichweiß, gewürzhaft, zimt- und nelkenartig,
Küchengewürz in Amerika, Gegenstand des Droguenhandels; der Baum wird bis 9 m hoch und kommt in den
Wäldern Westindiens vor. Er gehört nicht zu dem eigentlichen Z. - Handel.
Der Z., dessen ältester Name auf die Heimat in China und Indien deutet, wurde von 1340 an aus Ceylon bekannt und zuerst
von den Portugiesen, dann von den Holländern und zuletzt von den Engländern, monopolistisch, in den Handel gebracht. Die
Holländer verbrannten zeitweise den Überfluß, um die Preise hoch zu halten, die Engländer erschwerten die Ausfuhr
durch hohen Zoll, bis 1833 das Monopol und von 1853 ab der Zoll aufhörte. Jetzt wird in Ceylon der Anbau
des Z. durch Kaffeeplantagen mehr und mehr verdrängt, da man auch anderwärts Z. gewinnt, wenn schon nicht von gleicher
Güte. - Der Handelswert der Sorten hängt ab von den wirksamen Bestandteilen, von der Erziehungsart, von Boden und Klima
und von der Behandlung.
Der echte Z. von Ceylon hat am meisten Aroma und würzhaften, nicht zusammenziehenden, herben, sondern
süßen und etwas schleimigen Geschmack; je stärker und dunkler, um so wertloser ist der Z. Das Aroma bedingt das ätherische
Zimtöl
(s. d.), der Wert sonst liegt im Zucker-, Mannit-, Gummi-, Stärke- und Gerbsäure-Gehalt; genaue Analysen der einzeln
Sorten gibt es nicht. Der Z. von Ceylon, Plantagen-Kannell, kommt in den Handel in leicht zerbrechlichen
meterlangen Röhren, rund, glatt, 1 cm dick und besteht aus zu 8-10 ineinander geschobenen Rindenstücken, welche zusammen
eine oder eine Doppelröhre darstellen und aus 0,25-0,50 cm dicken Baststücken (je dünner, je feiner) gebildet sind, hell
bräunlichgelb von Farbe mit zarten Längsstreifen, innerlich dunkler, unregelmäßiger, selbst höckrig.
Der Bruch ist fasrig und zeigt zahlreiche weiße Bastbündelfasern. - Der Java-Zimt, minder aromatisch und wohlschmeckend,
dunkler, fast eben so lang, ist zweite Qualität; er wird in Ballen von 12-15 kg, oft in mit Palmrohrstreifen zusammengehaltenen
Matten versendet und zwar nach Holland. - Tellichercy-Zimt von Malabar zeigt äußerlich Korkreste, der
Cayenne-Zimt, I. Qualität, schwächer als Ceylon, hat unvollständige und ungleich starke Röhren, die II. Qualität, schlecht
gerollt, ist dunkel, fasrig, scharf aromatisch, etwas schleimig. - Der Brasil-Zimt, hellfarbig, dunkel gefleckt, hat Röhren
mit ungleicher Dicke an den Enden. - Im Handel gelten in den letzten Jahren die echten Z., je nach Qualität,
250-280-320-350-425-450-520 Mk. für 100 kg. Manche Sorten, z. B.
Tellichercy, Brasil etc., kommen so gut wie gar nicht nach Deutschland. - Der chinesische Z., die
Zimmtkassia, ist in Länge verschieden, in 1-1,5 cm dicken Röhren, Wandstärke 1 mm und mehr, hart, zerbrechlich,
mit rundem Querschnitt, dunkel, außen rötlichbraun bis schmutziggrau, innen heller bis dunkler, im Bruch nicht fasrig;
er riecht stark, aber weniger fein, schmeckt schärfer, minder süß, aber schleimiger und kommt als fein, mittel, ordinär,
kurz und lang in Rohrmatten oder Kisten in den Handel, ferner als Cassia vera in Bruchstücken starker
Äste mit viel Kork und dunklem Bast, sehr schleimig und stark in Geruch und Geschmack. - Der Malabarzimt, die Cassia lignea,
von China, Cochinchina, Ostindien und Südamerika ist nur schwach von Geruch und Geschmack, im Querbruch eben (s.
oben). Die Preise waren 79-82 Mk. Verpackung in Kisten zu 30 kg mit ½ kg Bündeln.
Der Nelkenzimt zeigt dicht gerollte Röhren, 3 cm dick, nelkenartigen Geruch und Geschmack, ebenen Bruch (s. oben). - Die Bezugsorte
für Z. sind London, Hamburg und Bremen. Am gangbarsten ist der billigere Malabarzimt.
Verfälschung. Der Z. wird vielfach, besonders wenn er als Pulver verkauft wird, verfälscht, mit fremden,
ähnlich aussehenden, Stoffen, Rinden etc., vermischt, oder mit wertloseren Sorten, oder mit
solchem Z., welcher schon auf Zimtöl destilliert worden war und dann wieder getrocknet wurde. Zur Prüfung dienen Geruch
und Geschmack, das Mikroskop, die Dünne der Bastschichten, die Ermittlung des Stärkegehaltes durch Jod
(echter Z. hat nur wenig, Malabarzimt viel Stärke- und Schleimzellen), der
¶
mehr
Aschengehalt (nur 4% bei echtem Z.), die Färbung des Wassers beim Kochen (destillierter Z. färbt nicht mehr) und das Gefühl
der Trockenheit oder Feuchtigkeit (destillierter fühlt sich feucht an). Statistisches. Der Z. wird in der Küche, zu Schokoladen,
Likören, in Konditoreien, zur Destillation von Zimtöl, zu Parfümerien, zu Zimttinktur und in den Apotheken
verwendet und deshalb in ziemlicher Menge verbraucht. Ceylon soll noch 500000 kg jährlich erzeugen.
Die Menge des Z. der andern Arten aus dem sonstigen Asien gibt von Scherzer zu 7,5 Mill. Frcs. an Wert an, gegen 1,5 Mill.
Frcs. für Ceylon. ChinasAusfuhr in den letzten Jahren war 78000-96000 Kisten oder 39-48000 Pikuls zu
60,48 kg, also 2,358-2,963 Mill. kg. Das Jahreserzeugnis wird auch zu 4,2 Mill, kg angegeben;
von der Ausfuhr gehen über 50% nach England, etwa 30% nach Amerika und 14% nach Hamburg. Englands Einfuhr
ist 1 bis 1.5 Mill, kg, die von Hamburg ist in der letzten Zeit sehr wechselnd gewesen; 1874 = 14540, 1875 =
14540, 1877 = 82170 kg. Der Verbrauch im Zollverein überhaupt bewegt sich durchschnittlich
zwischen 6000 und 7000 m. Ztr. -
Zoll: Die eben sub I-VII genannten Zimtarten werden gem. Tarif Nr. 25 i
verzollt. Dagegen ist der sub VIII genannte weiße Z. gem. Tarif Nr. 5 i
zollfrei.
Die verschiednen Zimtsorten des Handels verdanken ihren aromatischen Geruch und zum Teil
auch ihren Geschmack dem Gehalte an ätherischem Öl. Man unterscheidet von diesem folgende Sorten im Handel:
1) Ceylonzimtöl (echtes Z., oleum cinnamomi acuti); dasselbe wird bei uns nur selten durch Destillation von Ceylonzimt
mit Wasserdampf dargestellt; das meiste gewinnt man schon in Ceylon aus den beim Zurichten und Verpacken
des Zimts entstehenden Abfällen; es ist frisch destilliert goldgelb, wird später rötlichbraun und besitzt einen äußerst
feinen und starken Zimtgeruch und ein spezifisches Gewicht von 1,025. Man erhält eine nur sehr geringe Ausbeute und deshalb
ist sein Preis sehr hoch, circa 220 Mk. pro kg; häufig ist dieses Ceylonzimtöl verfälscht.
2) Cassiazimtöl (Zimtcassiaöl, Cassiaöl, Zimtblütenöl, gewöhnliches Z., chinesisches Z., Cassienblütenöl,
oleum cassiae); dasselbe wird in China durch Destillation von Cassienzimtrinde oder auch der Zimtblüten mit Salzwasser erhalten
und in zweihenkligen Flaschen aus Blei zu uns gebracht; es ist dickflüssig, gelb bis gelbbraun, von 1,03 bis 1,09 spezif.
Gewicht, besitzt einen brennend scharfen Geschmack und starken Zimtgeruch, der
aber viel weniger fein
ist, als der des Ceylonzimtöls; in Wasser ist das Cassiaöl nur sehr wenig löslich, leicht und reichlich aber in Alkohol
und Äther.
Gleiche Teile von Cassiaöl und 80%tigem Alkohol müssen noch ein klares Gemisch geben, verfälschtes Öl gibt ein
trübes Gemisch. Verfälschungen finden häufig statt, namentlich mit Zedernholzöl, Ricinusöl etc. Das kg Cassiaöl wird
mit 8-9 Mk. bezahlt. Dieses, sowie auch das Ceylonzimtöl, benutzt man als Parfüm, sowie als Zusatz
bei der Bereitung aromatischer Liköre. Beide Öle sind ihrer chemischen Natur nach im wesentlichen Zimtaldehyd oder Cinnamylaldehyd.
3) Zimtblätteröl; dasselbe soll nach Einigen aus den Blättern, nach Anderen aus den frischen
Blüten des Ceylonzimtbaumes destilliert werden; es ist braun, von 1,053 spezif. Gewicht und besitzt einen Geruch, der an
Zimt und Nelken zugleich erinnert; es wird nur wenig verwendet. - Zoll s. Tarif Nr. 5 a.
(frz. zinc, engl. spelter, zinc).
Ein jetzt massenhaft und zu den verschiedensten Zwecken verwendetes Metall, welches noch vor wenigen Jahrhunderten nicht
bekannt war; es wurde erst im 15. Jahrhundert als solches erkannt. Gleichwohl hat man es unbewußt seit alten Zeiten gebraucht
zur Legierung mit Kupfer zu Messing, aber man verschmolz mit dem Kupfer gleich das Zinkerz, den Galmei. Das
Metall wurde nicht gefunden, weil es sich nicht wie andre Metalle erschmelzen läßt, sondern unter Luftabschluß destilliert
werden muß.
Die Chinesen hatten es früher wie die Europäer als Marktartikel und führten bis vor etwa 60 Jahren große Quantitäten
nach Indien und den Inseln aus, sind aber seitdem durch das wohlfeilere europäische Metall verdrängt
worden. Das beste Zinkerz ist der edle Galmei oder Zinkspat; er ist natürliches kohlensaures Zinkoxyd. Neben ihm kommt gewöhnlich
ein andres glasiges Erz vor, Kieselzinkerz, gewöhnlicher Galmei, das sich etwas schwieriger verhütten läßt, aber doch
mit ersterem zusammen verarbeitet wird. Viel häufiger ist die Schwefelverbindung des Zinkes, die Zinkblende,
das Material für Zinkvitriol und Chlorzink, während seine Verarbeitung auf Metall schwieriger und unvorteilhaft ist, so
lange man Galmei hat; zudem fällt das Metall minder gut aus. In England gibt es nur Blende (Flintshire und Insel Man), welche
man auf Metall verarbeitet; den Hauptbedarf bezieht England vom Festlande und in Erzen von Spanien und
Sardinien. - Die Verarbeitung der Zinkerze, von der Blende abgesehen, besteht in Sortieren und Aufbereiten, Rösten und Destillieren.
Durch das Rösten wird Kohlensäure und Wasser verjagt und das Zinkoxyd isoliert erhalten. Dieses wird mit dem gleichen Volumen
Kohle - Koksklein - gemengt und in Retorten von feuerfestem Thon gefüllt, die reihenweise im Destillierofen liegen. Bei der
Erhitzung bis zur Rotglut wird das Oxyd reduziert, indem die Kohle den Sauerstoff desselben an sich reißt und Kohlensäure
bildet. Das Metall wird bei einer weit über seinem Schmelzpunkt liegenden Temperatur
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frei, tritt in Dampfform auf und zieht durch ein Rohr ab, in welchem es sich tropfbar verdichtet und in untergestellte Gefäße
abtropft. Dieses Tropf- oder Rohzink wird noch einmal in eisernen Kesseln eingeschmolzen, von Oxyd gereinigt und zu Barren
oder Platten ausgegossen, die entweder so in den Handel gehen, oder zu Blechen ausgewalzt, beziehentlich
auf Zinkweiß verarbeitet werden. Das Z. diente anfänglich nur zur Darstellung des Messings; dann gab ihm die Entdeckung
des Galvanismus eine Bedeutung, die das Metall allein schon zu einem wichtigen und unentbehrlichen Artikel für alle Zeiten
gemacht hat.
Ein sehr bedeutender Teil des gewonnenen Metalles wird jetzt auf Telegraphenstationen, in Werkstätten
und Laboratorien zur Erzeugung galvanischer Ströme konsumiert. Eine weitere Bedeutung erlangte das Z., als man 1805 die
Entdeckung machte, daß das sonst so spröde und undehnbare Metall unter gewissen Temperaturgraden (s.
Bleche Seite 56) eine ziemliche Streckbarkeit annimmt und dann auch nach dem Erkalten zähe und biegsam
bleibt. Dadurch wurde die Herstellung von Z. blech möglich, das jetzt von so großer Bedeutung geworden ist.
Eine der ersten Verwendungen desselben war die zur Dachdeckung, wozu sich das Metall recht wohl eignet, denn es bedeckt sich,
dem Wetter ausgesetzt, mit einer grauen, äußerst dünnen Schicht von basisch kohlensaurem Oxyd, welche
für weitere Einwirkungen der Atmosphäre einen wirksamen Schutz gewährt. Aus Zinkblech werden jetzt aber außerdem eine
Menge Klempnerarbeiten, Dachrinnen und Fallrohre, Badewannen, Waschbecken, Kübel u. dgl.
gefertigt. Nur zu Gefäßen für solche Flüssigkeiten, die zu Speise oder Trank dienen, Milch, Wasser, ist das Metall untauglich
wegen seiner leichten Löslichkeit und der Schädlichkeit solcher Lösungen für die Gesundheit.
Zinkplatten dienen ferner zum Zinkdruck (Metallographie), zu Firmen, Thürschildern, Pflanzenetiketten, wie als Zwischenlagen
(Preßspäne) beim Satinieren von Papieren u. dgl. Als Bestandteil von Legierungen geht das Z. in Messing, Tombak, Bronze und
Neusilber ein. Als schützenden Überzug gegen Rost benutzt man es auf eiserne Bleche, Drähte und Nägel
und nennt solche Gegenstände ungeeignet galvanisierte, obwohl sie lediglich in geschmolzenes Z. eingetaucht wurden. Wasserstoffgas
wird meistens erzeugt durch Auflösen von Z. in verdünnter Schwefelsäure. - Eine verhältnismäßig neue Anwendung des Metalles
ist die als Gußmaterial, wozu es sich ganz vorzüglich eignet, da es die Formen der Modelle in ausgezeichneter
Schärfe wiedergibt. Es schmilzt bei 412° und ist sehr dünnflüssig. Da aber das gegossene Metall sehr kristallinisch und
daher spröde und zerbrechlich ist, so beschränken sich die Zinkgüsse meist nur auf Werke der Kunstbildnerei, Statuen,
Gruppen, architektonische Stücke mancherlei Art, Monumente u. dgl.,
so wie auf kleinere Gebrauchsgegenstände wie z. B. Leuchter, Lampenfüße etc.
Der Zinkguß erfolgt in Sand- oder gußeisernen angewärmten Formen; die gute Lötbarkeit des Metalles gestattet die Bequemlichkeit,
große Sachen stückweise zu gießen und sie
dann durch Lötung zu verbinden. Hohle Zinkgüsse werden häufig durch das Stürzen
erzeugt. Man gießt die Form bald nach der Füllung wieder aus, sodaß nur die dünne Schicht zurück
bleibt, welche an den Formwandungen bereits erstarrt ist. Auch Kartätschenkugeln werden in Z. gegossen. Für den ornamentalen
Zinkguß ist Berlin die Hauptstadt; auch in Wien und Leipzig wird derselbe betrieben. Über Zinkdraht s.
Näheres bei Draht. - Die hauptsächlichen Z. produzierenden Örtlichkeiten ergeben sich aus der weiter
unten folgenden Aufstellung. Zinkerze werden außerdem geliefert von Sardinien und Spanien nach England, von Schweden nach
Belgien. Nordamerika versorgt sich aus eigenen Gruben. - Die beiden wichtigsten Zinkdistrikte sind Oberschlesien mit der
Fortsetzung nach Polen und Galizien, und andrerseits die preußisch-belgische Grenzgegend bei Aachen.
Hier ist das größte, seit alten Zeiten und sogar als Tagbau betriebene Galmeibergwerk, der Altenberg (Vieille montagne).
Von da gehen zinkführende Hügelzüge bis jenseits Lüttich. Die Zinkgruben befinden sich hier sämtlich in den Händen
der Aktiengesellschaft Vieille montagne, die außerdem noch Gruben und Hüttenwerke in der Rheinprovinz
und in Frankreich besitzt und ein altes Werk bei Wiesloch in Baden wieder aufgenommen hat. - Den jährlichen Bedarf an Z. schätzt
man auf 180000 Tons à 1000 kg. -
Im Jahre 1876 soll auf der Erde etwa folgende Ausbeute an Z. erreicht worden sein:
Schlesien
49377 Tons
Vieille Montagne
38518 "
Nordamerika
15000 "
Stolberg
13645 "
Asturische Gesellschaft
11178 "
Austro-Belge
5600 "
Eschweiler
5296 "
Wittwe Laminel
5200
Österreich und Polen
5000 "
Nouvelle Montage ^[richtig: Montagne]
4758 "
Iserlohn
4458 "
Gladbach
2740 "
Bédarieux
2000 "
Bleiberg
1720 "
Es sind dies im Ganzen 164490 Tons.
Seitdem ist die Produktion nicht unwesentlich gestiegen, denn sie betrug 1879: 193864 und 1880: 203830 Tons. Hiervon kamen
auf:
1879
1880
Deutschland
96360 Tons
99405 Tons
Belgien
63007 "
65010 "
England
16750 "
22000 "
Frankreich
14467 "
13715 "
Österreich
3280 " 3700 "
In Deutschland ist die oberschlesische Produktion die stärkste, denn sie belief sich 1880 allein auf 65437 Tons.
Die Einfuhr von Z. in das Deutsche Reich betrug im Jahre 1881: 4237800 kg, die Ausfuhr dagegen 59962500 kg
und außerdem 18275900 kg gewalztes Zink (Zinkblech) mit Tara 10%. - Zinkerze wurden in Deutschland 1881 eingeführt: 19132200
kg, ausgeführt: 12798400 kg. Die Einfuhr von Z.
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