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Dem mächtigen Kampfe, der sich nun entspann, wohnte Franz II bis zum Ende in
Person bei und gelangte durch die
Pariser Friedensschlüsse
und den Separatvertrag mit
Bayern
[* 21] vom in den
Besitz einer Ländermasse, wie sie in dieser Abrundung
keiner seiner
Vorfahren besessen hatte. Das Princip seiner innern und äußern Politik war starre Reaktion, die Franz II auch
in den deutschen
Bundesstaaten und ital. Kleinstaaten mit Hilfe seines
Staatskanzlers Metternich (s. d.) zur Geltung zu bringen
sich bemühte.
Von gesetzgeberischen Neuerungen sind bemerkenswert: das 1810 eingeführte bürgerliche und das 1804 erneuerte
und nochmals aufs neue revidierte Strafgesetzbuch, der
Erlaß einer neuen Gerichtsordnung, Verteilung der politischen, der
Justiz- und Kriminalgegenstände an drei verschiedene Hofstellen, die 1792 angeordnete Landesvermessung und die 1817 hierauf
begründete Einführung der neuen Grundsteuer u. s. w. Er belebte auch einigermaßen die
industrielle Thätigkeit durch manche Erleichterungen im Gewerbewesen sowie durch Errichtung technischer
Lehranstalten, förderte den Verkehr durch Bauten und sorgte mehrfach, wenn auch einseitig, für Wissenschaft und Kunst durch
Gründung von Lehranstalten, namentlich durch Erweiterung der
Universität zu
Wien. Franz II starb in
Wien. Er war viermal
vermählt: nach dem
Tode seiner kinderlosen ersten Gemahlin heiratete er Marie
Therese, Prinzessin
von
Sicilien, die starb, nachdem sie ihm 13
Kinder geboren, darunter: Maria Louise (s. d.), Gemahlin des
Kaisers
Napoleon I., Ferdinand I., Franz II' Nachfolger als
Kaiser von
Österreich, und
FranzKarl, geb. gest. Vater desKaisersFranzJoseph I.;
1808 führte er Maria Ludovica
Beatrix von Modena (gest. heim, und 1816 Karoline
Auguste
(geb. Tochter des Königs Maximilian I.
Joseph von
Bayern, die 1814 von dem damaligen Kronprinzen von
Württemberg,
spätern König Wilhelm I., geschieden war und starb. -
der letzte
Herzog der
Bretagne, geb. 1435, folgte 1459 seinem Oheim
Arthur III. und hielt unter heißen Kämpfen
die Selbständigkeit seines Herzogtums gegen
Ludwig XI. von
Frankreich aufrecht. In der Ligue du
bien public,
die unter
Karl dem Kühnen eine Reihe franz.
Großer gegen den König vereinigte, war er eins der namhaftesten Mitglieder.
Der Friede von
Conflans (1465) machte dieser
Fehde ein Ende, aber schon 1468 brach der Kampf zwischen Franz II und der
Krone wieder
aus, als ersterer den
Herzog von
Berry im
Besitz der
Normandie gegen die Eroberungsgelüste
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forlaufend
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seines BrudersLudwig XI. sichern wollte. Erst 1475 kam der Friede bei Senlis zu stände, ohne doch die Feindschaft der Parteien
zu beendigen. 1478 schloß Franz II ein Bündnis mit Eduard IV. von England, dessen Thronerben er mit seiner Erbtochter Anna verlobte.
Ludwig XI. starb, im Begriff Franz II anzugreifen, 1483; sein Nachfolger Karl Vlll. aber ließ es seine vornehmste
Aufgabe fein, Franz II zu bän- digen. Die Eroberung von Nantes
[* 23] und die Nieder- lage bei St. Anbin (Juli 1488) brachen in der That
die Macht des Herzogs; bald darauf^(Sept. 1488) starb er ohne männlichen Erben, ^eine Tochter Anna (s. d.) wurde zur
Ehe mit Karl VIII. gezwungen.
Franz I., König von Frankreich, 1515)-47, geb. zu Cognac, Sohn Karls von Orlöans, Grafen von Angonleme, und der Luise
von Savoyen, bestieg nach dem Tode seines Schwie- gervaters Ludwig XII. als Eukel von dessen Vaters- bruder den Thron.
[* 24] Sofort nahm er die ital. Eroberungspolitik seines Vorgängers (s.
Ludwig XII.) auf; mit einem bedeutenden Heere zog er über die Alpen
[* 25] und erfocht 13. und in den Ebenen von Marignano
über die Schweizer einen glänzenden Sieg, wonach Maximilian Sforza weichen mußte und ihm das Herzogtum Mailand
[* 26] zufiel.
Auch Genua
[* 27] erklärte sich für den Zieger, und Papst Leo X. schloß mit ihm zu Bologna ebenfalls Frieden
und das Konkordat von 1516. Noch in dem- selben Jahre kam mit Karl I. von Spanien, dem nachmaligen KaiserKarl V., der Fricdensvertrag
zu Noyon zu stände. Nach Kaiser Maximilians Tode (1519) warben Franz II und Karl um die deutsche Kaiserkrone.
Ungeachtet der großen Summen, die Franz II zur Bestechung der deutschen Kurfürsten ver- wandte, und der Hilfe des Papstes mußte
er doch seinem Nebenbuhler weichen, und fortan begann zwischen beiden ein fast ununterbrochener Kampf.
Karl V. rang um die kaiserl. Oberherrschaft, Franz II ver- teidigte
die Selbständigkeit Frankreichs gegen den ihn umfassenden Gegner. 1521 brach der Kampf offen aus an den Pyrenäen, an der
niederländ. Grenze und in Italien. 1521-22 verlor Franz II, namentlich durch die Schlacht bei Vicocca (s. d.), Italien; infolge innerer
Zerwürfnisse siel der Connstable Charles von Vour- bon zum Kaiser ab (1523), schlug 1521 die Franzosen
in Italien und drang in die Provence ein; doch trieb Franz II ihn zurück und folgte ihm über die Alpen nach: da traf den König bei
Pavia die Niederlage, die ihm die Freiheit tostete.
Nach Madrid
[* 28] abgeführt, ward er zum Vertrage vom genötigt, worin er feine Ansprüche auf Neapel,
[* 29] Mailand, Genua, Asti wie die Ober- herrlichkeit über Flandern und Artois aufgab, das Herzogtum Burgund abzutreten und die Schwester
des Kaisers, Eleonore, zu heiraten vorsprach. Bis zur Erfüllung des Vertrags mußte er seine zwei jüngsten Söhne als Geiseln
stellen. Nach seiner Befreiung ver- weigerte Franz II indes die Abtretung von Vnrgund unter dem Vorwande, von
den Ständen daran verhindert zu werden, und schloß mit dem Papste Clemens VII., Heinrich VIII. von England und mehrcrn ital.
Fürsten zu Cognac eine sog. Heilige Ligue, die den Fortschritten des Kaisers Einhalt thun sollte.
Diesem Bündnis zufolge ließ Franz II 1527, nach der Ein- nahme Roms durch die Kaiserlichen, ein großes Heer
unter dem Marschall Lautrec in Italien ein- rücken, das bis Neapel vordrang, durch die Pest aber zurückgejagt wurde. So sah
sich Franz II gezwungen, 5. Aug. 1529 den sog. Damenfrieden zu Cambrai (s. d.) zu schließen,
demgemäß er
seine Sö'lme mit 2 Mill. Thlrn. auslösen und auf Italien, Flandern und Artois verzichten mußte. Doch bald trat Franz II, dessen
Politik Anne dc Montmorency (s. d.) zu leiten suchte, mit dem Papste, prot. und kath.
Fürsten Teutsch- lands, Magyaren und Türken gegen Karl in Ver- bindung.
Als sforza 1535 gestorben war, mußte Montmorency der Kriegspartei nachgeben; er ver- teidigte mit Glück 1536 die
Provence gegen den Kaiser, brachte 1538 einen neuen Waffenstillstand zu Nizza
[* 30] zu stände; aber die Interessen der zwei Herrscher
waren allzu feindlich, schon 1541 griff Franz II, mit dem Herzoge Wilhelm von Cleve
[* 31] verbunden, ein viertes Mal zu
den Waffen. Wäbrend eine nanz.- türk. Flotte unter Cheir-eddinBarbarossa die KüstenItaliens
[* 32] verheerte, verband der Kaiser
sich 1543 mit Heinrich VIII. von England zur gänzlichen Erobe- rung Frankreichs und schlug den Herzog von Eleve. Im März 1544 erfocht
zwar das franz. Heer unter Enghien in Italien bei Cerifole einen Sieg; allein Karl V., von den Protestanten
sowie von England nnterstützt, zog gegen Paris
[* 33] und erzwang im Septem- ber den Frieden von Cre^py, worin Franz II die Zusicherung
des burgund.Besitzes undfürseinen Sohn, denHerzog von Orleans, die Aussicht auf Mailand erhielt, alle andern Ansprüche aber
aufgab.
Erst Juni 1546 endete der Krieg mit England. F.'starb Er hatte seinen größern Gegner immerhin
an vollern Erfolgen gehindert. Im Innern hat er, erst von seiner Mutter Luise und dem Kanzler Kardinal Duprat, später von
Montmorency, seit 1542 vom Kardinal Tournon beraten, den königl. Absolutis- mus bewußter
und schärfer als sein Vorgänger durchgeführt;
seine Regierung zeigt einen Gipfel- pnnkt des franz.
Königtums.