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Bei seiner Amtseinführung trug der neue US-Präsident Joe Biden eine Rolex. Die Wahl der Schweizer Uhrenmarke, einem Symbol für Luxus und Prunk, hat in den Medien weltweit für Aufsehen gesorgt. Aber er ist nicht der erste mächtige Mann der Welt, der für seine Uhrenwahl kritisiert wird.Dieser Inhalt wurde am 28. Januar 2021 - 14:03 publiziert
Am 20. Januar wurde Joe Biden in Washington als 46. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Er tat dies, indem er seine linke Hand auf die Familienbibel legte. Aufmerksamen Beobachtern fiel dabei auf, dass an seinem Handgelenk eine Schweizer Uhr prangte. Genauer gesagt eine blaufarbene Rolex Datejust aus Stahl.
Die "Präsidentenuhren"
Die Wahl dieser Uhr wurde vielfach kommentiert. Natürlich in Foren von Uhrenliebhabern, aber auch bei renommierten Medien. So bezeichnete die New York TimesExterner Link Joe Biden in einem Artikel als "Watch Geek in Chief". Der FigaroExterner Link fragte sich in einem Artikel mit der Überschrift "Joe Biden ist jetzt Präsident der Vereinigten Staaten und bekommt eine Rolex", ob der neue Job auch eine neue Uhr mit sich bringt.
Nachdem Taschenuhren abgelöst wurden und die Zeitmesser aus der Westentasche ans Handgelenk gewandert sind, sind Uhren öffentlich sichtbar worden. Der erste amerikanische Präsident, der eine Armbanduhr trug, war Franklin D. Roosevelt (1933-1945). Seitdem werden die Vorlieben der Präsidenten in Sachen Uhrmacherkunst regelmässig analysiert und kommentiert.
Zunächst einmal lässt sich feststellen, dass Präsidenten sehr häufig Schweizer Uhren getragen haben. Unter diesen sind zwei Marken besonders beliebt und können als "Präsidentenuhren" bezeichnet werden.
Die erste ist VulcainExterner Link, aus Le Locle im Kanton Neuenburg. Das Modell "Cricket", das einen mechanischen Wecker enthielt, wurde von den Präsidenten Truman, Eisenhower, Johnson und Nixon getragen. Noch heute schenkt die Marke jedem neuen Bewohner des Weissen Hauses eine Uhr.
Die andere Marke, die viele amerikanische Präsidenten begleitet, ist Rolex. Als erster trug Eisenhower (1953-1961) eine solche. Seither war das auch bei Kennedy, Johnson, Reagan und in jüngster Zeit bei Trump der Fall.
Eine Image-Frage
Die Wahl von Joe Biden ist daher auf den ersten Blick nicht unpassend. Im Vergleich zu den edlen Zeitmessern, die Wladimir Putin trägt, wirkt die Uhr des neuen amerikanischen Präsidenten sogar bescheiden. Das Modell, das bei der Einweihung zu sehen war, ist aus Stahl gefertigt und kostet laut Rolex-WebsiteExterner Link 7500 Franken – für den Mann an der Spitze der führenden Weltmacht nichts Extravagantes.
Rolex zu tragen ist aber auch – und vielleicht vor allem – eine Frage des Images. Selbst wenn es viel teurere und prestigeträchtigere Uhren gibt, gilt die Genfer Marke oft als ostentativ zur Schau gestellter Luxus. Wer eine solche Uhr trägt, kann schnell in die Kritik geraten, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Das berühmteste Beispiel dafür ist Nicolas Sarkozy: Der ehemalige französische Präsident, der oft mit einem "Bling-Bling"-Image in Verbindung gebracht wurde, war für das Tragen eines Rolex-Daytona-Chronographen kritisiert worden. Beim Versuch, die sehr teure Uhr des Präsidenten zu rechtfertigen, goss der berühmte Publizist Jacques Séguéla noch zusätzlich Öl ins Feuer, indem er sagte: "Wer mit 50 noch keine Rolex hat, hat es in seinem Leben zu Nichts gebracht." Die Phrase wurde populär und ist seither im Gedächtnis geblieben.
Die Uhr als Statement
In Frankreich zumindest scheinen die Nachfolger von Sarkozy ihre Lektion gelernt zu haben. So zeigte sich François Hollande mit einer einfachen Swatch im Wert von 100 Euro. Was den aktuellen Präsidenten Emmanuel Macron betrifft, so bevorzugt er nationale Produktionen, zum Beispiel eine LIPLien-Uhr mit einem NATO-Armband in den französischen Farben.
Auch in den Vereinigten Staaten haben sich die letzten Präsidenten, mit Ausnahme von Trump, in Sachen Luxusuhren zurückgehalten. Bill Clinton und George W. Bush trugen Timex, eine amerikanische Marke der Einstiegsklasse. Was Barack Obama betrifft, so trug er vor seiner Kandidatur eine Schweizer TAGHeuer, dann eine amerikanische Jorg Gray, die ihm vom Geheimdienst während seiner Amtszeit angeboten wurde. Anzumerken ist, dass der ehemalige Präsident seit seinem Ausscheiden aus dem Oval Office mit einer Rolex Cellini, einem der teuersten Modelle der Genfer Marke, gesehen wurde.
Für einen Präsidenten ist eine Uhr also irgendwie auch ein politisches Statement. Vor seiner Wahl wurde Joe Biden regelmässig mit Uhren von Omega, Seiko und Apple gesehen. Es bleibt abzuwarten, welche Uhr sich als Favorit seiner Präsidentschaftszeit durchsetzen wird. Warum nicht die Apple Watch? Sie ist amerikanisch und sieht dezidiert modern aus. Die Sache hat nur einen Haken: Es ist nicht sicher, ob ein Produkt "Made in China" im Weissen Haus wirklich en Vogue ist.
(Übertragung aus dem Französischen: Giannis Mavris)
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