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Rüppellfuchs
Vulpes rueppelli
© 2008 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Ein unverzichtbares Grundbedürfnis aller auf der Erde lebenden tierlichen und pflanzlichen Organismen ist flüssiges Wasser. Ohne solches kann kein biologischer Vorgang stattfinden. In den Meeren und den Süssgewässern ist der Wasserbedarf kein Problem, sofern letztere nicht saisonal austrocknen oder gefrieren. An Land kann er aber durchaus eines sein, denn flüssiges Wasser ist gebietsweise nur spärlich oder nur zeitweilig vorhanden. Die Menge und die Regelmässigkeit des Wasserangebots innerhalb eines bestimmten Gebiets sind darum ganz entscheidend dafür, welche Organismen örtlich zu leben vermögen und wie gross ihre Bestände werden können.
Neben dem Wasser ist die Temperatur der zweite Hauptfaktor, der für die Biodiversität sowie die Biomasse in einem Gebiet ausschlaggebend ist. Grob lässt sich sagen, dass feuchte Gebiete biologisch reicher sind als trockene und warme Gebiete reicher als kalte. Tatsächlich bilden die tropischen Regenwälder, welche die wärmsten und feuchtesten Gebiete auf unserem Planeten sind, die biologisch reichsten Lebensräume, während die dürrsten, so genannt «hyperariden» Trockenwüsten, in denen es praktisch keine Niederschläge gibt, zusammen mit den frostigen Polar- und Hochgebirgsregionen die biologisch ärmsten Lebensräume darstellen. In letzteren existiert zwar theoretisch ein Überangebot an Wasser, doch ist es als Eis gebunden und darum für biologische Vorgänge nicht verfügbar.
Der gängigen Meinung zum Trotz sind die meisten Wüstenregionen der Welt nicht hyperarid, sondern verzeichnen im Jahresverlauf durchaus den einen oder anderen Regen. Allerdings fällt dieser im Allgemeinen höchst unregelmässig und unvorhersehbar; ausserdem bemisst sich seine Menge gewöhnlich auf wenige Zentimeter im Jahr. Für tierliche Organismen, welche in solchen Regionen ein Auskommen finden wollen, ist es eine grosse Herausforderung, genügend Wasser und auch genügend Nahrung zu beschaffen. Hinzu kommt, dass sie häufig mit extremen Temperaturschwankungen zu kämpfen haben. Trockenwüsten können tagsüber glühend heiss und nachts empfindlich kalt werden. Das hat damit zu tun, dass die wärmedämmende Wirkung einer Pflanzendecke fehlt, so dass der Boden tagsüber schnell aufheizt und nachts seine Wärme schnell wieder abstrahlt. Nicht selten betragen die täglichen Temperaturschwankungen mehr als vierzig Grad Celsius.
Drei Wüstenfüchse
Den genannten Schwierigkeiten zum Trotz haben zahlreiche tierliche Organismen im Lauf ihrer Stammesgeschichte Mittel und Wege gefunden, um mit den unwirtlichen Verhältnissen in Trockenwüsten zurechtzukommen und die dortigen ökologischen Nischen nutzen zu können. Zu ihnen gehören drei Mitglieder der rund 35 Arten umfassenden Familie der Hunde (Canidae). Alle drei gehören zur Gattung der Echten Füchse (Vulpes). Es handelt sich erstens um den Afghanfuchs (Vulpes cana), der in dürren Bergregionen des Nahen und Mittleren Ostens vorkommt, zweitens den Fennek (Vulpes zerda), welcher in der Sahara lebt und von den drei Vettern die extremsten Bedingungen erträgt, und drittens den Rüppellfuchs (Vulpes rueppelli), welcher in der Sahara sowie den Wüstenregionen des Nahen und Mittleren Ostens heimisch ist und von dem hier berichtet werden soll.
Der Rüppellfuchs verdankt seinen Namen dem herausragenden Frankfurter Naturwissenschaftler und Afrikaforscher Eduard Rüppell (1794-1884), dessen private Sammlungen zum Grundstock des 1821 gegründeten Senckenbergmuseums wurden. Er gehört zu den kleineren Mitgliedern der Hundefamilie: Die Kopfrumpflänge erwachsener Tiere bemisst sich gewöhnlich auf 42 bis 48 Zentimeter, die Länge des buschigen Schwanzes auf etwa 30 Zentimeter und das Gewicht auf 1,5 bis 2,5 Kilogramm, wobei die Männchen im Durchschnitt eine Spur grösser sind als die Weibchen. Das Fell ist sehr dicht und schützt ausgezeichnet gegen die Kälte der sternenklaren Wüstennächte. Auf dem Rücken ist die Fellfarbe ziemlich variabel, von hell-sandfarben über silbergrau bis rotbraun.
Der Rüppellfuchs kommt im Bereich der Sahara in ganz Nordafrika vor - von Mauretanien und der Republik Westsahara ostwärts bis zur Küste des Roten Meers in Ägypten und von da südwärts bis zum nördlichen Somalia. Weiter östlich ist er in weiten Bereichen der Arabischen Halbinsel heimisch sowie im Nahen und Mittleren Osten nordwärts bis Syrien und ostwärts bis Afghanistan und Pakistan.
Als ausgeprägter Trockenlandbewohner besiedelt der Rüppellfuchs vornehmlich Wüstengebiete, in welchen sich die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge auf weniger als 15 Zentimeter bemisst. Solche Gebiete haben gewöhnlich einen sandigen oder steinigen Boden und sind nur sehr spärlich mit wenigen Gräsern und einigen zähen, niedrigwüchsigen Sträuchern bewachsen. Palmen, hochwüchsige Sträucher und Bäume finden sich höchstens im Umfeld von Oasen oder entlang von Trockentälern, so genannten «Wadis». In Algerien wurde der kleine Fuchs aber auch schon in den äusserst trockenen Ergs, jenen von mächtigen Wanderdünen geprägten Sandflächen beobachtet. Einzig die hyperariden Regionen in der zentralen Sahara und der zentralen Rub al-Khali, der Grossen Arabischen Wüste auf der Arabischen Halbinsel, scheint er zu meiden.
Wettstreit unter Wildhunden
In den trockensten Bereichen seines Artverbreitungsgebiets teilt der Rüppellfuchs seinen Lebensraum gebietsweise mit dem Fennek oder dem Afghanfuchs, in den weniger trockenen Bereichen gebietsweise mit anderen Wildhundearten, nämlich dem Wolf (Canis lupus), dem Rotfuchs (Vulpes vulpes) oder dem Goldschakal (Canis aureus). Bei letzteren handelt es sich um besonders anpassungsfähige Arten, welche gewöhnlich in weniger dürren Lebensräumen vorkommen als der Rüppellfuchs, sich aber auch in Halbwüsten zurechtfinden.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Bestände des Rüppellfuchses dort dichter sind, wo diese - körperlich überlegenen - Hundearten nicht vorkommen. Dies lässt vermuten, dass sein Artverbreitungsgebiet nach aussen weniger durch zunehmend ungeeignetere (feuchtere) Lebensbedingungen als vielmehr durch den zunehmenden Wettstreit mit diesen Arten begrenzt wird. Diese Vermutung wird durch die Tatsache gestützt, dass der Rüppellfuchs dem Rotfuchs bei direkten Begegnungen stets ausweicht. Hinsichtlich des Goldschakals dürfte dasselbe gelten, und hinsichtlich des Wolfs sowieso, denn dieser ist nicht bloss ein Nahrungswettstreiter, sondern auch ein potenzieller Fressfeind des Rüppelfuchses.
Heuschrecken, Rennmäuse und Palmfrüchte
Wie der Grossteil aller Wüstentiere weicht der Rüppelfuchs der glühenden Hitze des Tages aus, indem er denselben in einem kühlen Bau verbringt und ausschliesslich nachts umherstreift. Er verfügt über zwei Arten von Bauen: Jene für die Jungenaufzucht, die er gewöhnlich im späten Winter und im Frühling bewohnt, und jene zum Schlafen, die er während des restlichen Jahrs benutzt. Beide Bauarten können entweder natürliche Höhlungen zwischen Felsblöcken sein oder aber in den Boden gegrabene Erdhöhlungen. Solche vermag der Rüppellfuchs durchaus selbst anzulegen, doch übernimmt er, um Energie zu sparen, gern vorhandene Höhlungen, welche von anderen Tieren gegraben wurden - in Saudi-Arabien beispielsweise von Dornschwanzagamen (Uromastyx spp.), in Nordafrika vom Honigdachs (Mellivora capensis) - und erweitert sie gemäss seinen Bedürfnissen.
Die Baue für die Jungenaufzucht werden zeitweilig von der ganzen Rüppellfuchsfamilie bewohnt. Es sind geräumige, tief in den Boden reichende Anlagen mit bis zu fünf Eingängen. Die Schlafbaue hingegen werden stets nur von einem einzelnen Individuum benutzt. Sie haben in der Regel bloss einen Einstieg und liegen meist weniger als einen Meter unter der Oberfläche. Ihren Schlafbau wechseln die Rüppellfüchse etwa alle fünf Tage. Möglicherweise dienen die Ortswechsel der Feindvermeidung, wahrscheinlich aber vor allem dazu, die verschiedenen Bereiche des Wohngebiets gleichmässig nutzen zu können.
Die Rüppellfüchse sind sehr bewegliche Tiere, welche in einer einzigen Nacht eine Fläche von etwa einem Quadratkilometer durchstöbern und dabei eine Wegstrecke von mehr als zehn Kilometern zurücklegen können. Wie viele andere Tiere, welche an Orten mit magerem Nahrungsangebot leben, erweisen sie sich als wenig wählerische Allesesser. Der Grossteil ihrer Kost besteht aus Kleintieren, variiert aber angebotsbedingt sowohl von Ort zu Ort als auch von Saison zu Saison. In Teilen Nordafrikas ernähren sich die Rüppellfüchse hauptsächlich von Heuschrecken, Käfern und weiteren Insekten. In Pakistan hingegen bewohnen sie vor allem Gebiete, in welchen grössere Populationen von Rennmäusen (Gerbillinae) und anderen Wüstennagetieren vorkommen, und ernähren sich mehrheitlich von solchen. Bei einer Felduntersuchung in Saudi-Arabien wiederum zeigte sich, dass die Rüppellfüchse in der kühleren Jahreszeit von September bis Februar vor allem Kleinsäuger erlegten, während sie sich in der übrigen Zeit hauptsächlich von Wirbellosen ernährten.
Neben tierlicher Nahrung nehmen die Rüppellfüchse auch pflanzliche Stoffe zu sich. Dazu gehören die Früchte von Sträuchern, Palmen und Bäumen, ferner die Blätter von sukkulenten, das heisst saftreichen, wasserspeichernden Pflanzen und manchmal sogar Grashalme. Im Allgemeinen machen pflanzliche Stoffe jedoch nur einen geringen Teil ihrer Kost aus. So oder so vermögen die Rüppellfüchse ihren Flüssigkeitsbedarf allein über ihre Nahrung zu decken, sodass sie keinen Zugang zu einem Wasserloch oder einem anderen Gewässer benötigen. Dies ist zweifellos ihre bedeutendste Anpassung an das Leben unter Trockenwüstenverhältnissen.
Ausserhalb der Fortpflanzungszeit bewegen sich die Rüppellfüchse einzelgängerisch in individuellen Wohngebieten umher, denn die Aussicht auf Jagderfolg ist im Alleingang erheblich besser. Die Wohngebietsgrössen schwanken von Ort zu Ort: Bei einer Feldstudie in Oman wurden Grössen von fünfzig bis siebzig Quadratkilometern ermittelt, bei einer anderen Untersuchung in Saudi-Arabien solche um zwanzig Quadratkilometer. In beiden Untersuchungsgebieten waren die Wohngebiete der Weibchen im Durchschnitt etwas kleiner als die der Männchen.
Interessanterweise umschliesst stets das Wohngebiet eines Männchens dasjenige eines Weibchens, so dass sich auf diesem Weg monogame Paare bilden. Das «kombinierte» Wohngebiet jedes Paars liegt vollständig getrennt von den kombinierten Wohngebieten der benachbarten Paare. Es handelt sich bei den Wohngebieten der Rüppellfüchse also offensichtlich - wie bei den meisten Raubtieren - um Territorien, das heisst zur alleinigen Nutzung beanspruchte Jagdreviere, in denen keine fremden Artgenossen geduldet werden.
Das Fortpflanzungsgeschehen ist bei den Rüppellfüchsen saisonal geprägt. Die Paarungen finden gegen Ende Herbst und im frühen Winter statt. Nach einer Tragzeit von siebeneinhalb Wochen bringt das Weibchen im Januar oder Februar einen Wurf von gewöhnlich drei oder vier Jungen zur Welt. Dem Weibchen obliegt allein die Verantwortung für die Wahl und die Vorbereitung der Kinderstube. Oft bereitet es zwei, drei oder sogar vier Höhlen vor und beginnt schon im Oktober oder November mit den nötigen Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten.
Die Jungen kommen wie alle Hundekinder als blinde, völlig hilflose Nesthocker zur Welt. Rund vier Monate lang sind sie vollständig auf die Betreuung durch ihre Eltern angewiesen. Der Vater teilt während der Jungenaufzucht die Höhle mit der Mutter und den Jungen und beteiligt sich an der Jungenbetreuung, indem er Nahrung beschafft und Wache hält.
Im Juli oder August, wenn die Jungen sechs bis sieben Monate alt sind, verlassen sie das Territorium ihrer Eltern und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Wohngebiet. Nicht wenige von ihnen fallen auf der Wanderschaft Hunger, Durst und Fressfeinden wie Uhus (Bubo spp.), Leopard (Panthera pardus) oder Karakal (Caracal caracal) zum Opfer. Diejenigen, welche überleben, schreiten gegen Ende ihres ersten Lebensjahrs bereits selbst zur Fortpflanzung. Rüppellfüchse können in der freien Wildbahn ein Alter von nachweislich sieben und mutmasslich etwa zehn Jahren erreichen.
Die Wüste schützt
Schätzungen der Rüppellfuchs-Bestandsgrösse und Einschätzungen der Bestandsentwicklung liegen für keinen Bereich des Artverbreitungsgebiets vor. Die beachtliche Grösse der Territorien lässt allerdings darauf schliessen, dass die Bestandsdichten von Natur aus gering sind. Gebietsweise dürften die Bestände aufgrund von Nachstellungen seitens des Menschen noch zusätzlich ausgedünnt sein. Tatsächlich sind schon Rüppellfuchsfelle in den Handel gelangt. Hier und dort werden die kleinen Wüstenfüchse auch aus Spass oder zur Gewinnung ihres Fleischs bejagt. In manchen Gegenden werden ferner Giftköder und Fallen zwecks Bekämpfung tierlicher «Viehdiebe» ausgelegt, was wahrscheinlich auch dem Rüppellfuchs schadet.
All dies geschieht jedoch nur in verhältnismässig kleinen Bereichen des riesenhaften Verbreitungsgebiets des Rüppellfuchses. Die unwirtliche Natur des restlichen, sehr grossflächigen Areals schützt den Rüppellfuchs hingegen gut und bewirkt, dass er nicht als in seinem Fortbestand gefährdet eingestuft werden muss. Dies gilt auch für Libyen, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, wo der Rüppellfuchs praktisch flächendeckend verbreitet ist. Hier kommt der kleine Fuchs zudem in zwei Naturschutzgebieten vor und geniesst deren Sicherheit: erstens im 20000 Hektar grossen Nafusa-Nationalpark im Nordwesten des Lands und zweitens im 100000 Hektar grossen Zellaf-Reservat in den zentralen Landesteilen.
Legenden
Der Rüppellfuchs (Vulpes rueppelli) ist ein recht kleines Mitglied der rund 35 Arten umfassenden Familie der Hunde (Canidae). Erwachsene Individuen weisen gewöhnlich eine Kopfrumpflänge von 42 bis 48 Zentimetern, eine Schwanzlänge von etwa 30 Zentimetern und ein Gewicht zwischen 1,5 und 2,5 Kilogramm auf. Die Männchen sind durchschnittlich eine Spur grösser als die Weibchen.
Das Verbreitungsgebiet des Rüppellfuchses erstreckt sich über weite Bereiche Nordafrikas, der Arabischen Halbinsel sowie des Nahen und Mittleren Ostens - von Mauretanien im Westen bis Pakistan im Osten. Als ausgeprägter Trockenlandbewohner kommt der zierliche Fuchs vornehmlich in Wüstengebieten vor, in welchen die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge weniger als 15 Zentimeter beträgt.
Wie viele andere Tiere, welche an Orten mit magerem Nahrungsangebot leben, ist der Rüppellfuchs ein Allesesser, der sich ganz nach dem örtlichen und saisonalen Angebot richtet. Auf seinen Streifzügen erbeutet er vor allem Insekten und Nager, nimmt aber auch Früchte, saftige Blätter und sogar Gräser zu sich.
Der glühenden Hitze des Tages weicht der Rüppellfuchs aus, indem er denselben in einem kühlen Bau (oben) verbringt und ausschliesslich nachts umherstreift. In einer einzigen Nacht kann er eine Fläche von etwa einem Quadratkilometer durchstöbern und dabei eine Wegstrecke von mehr als zehn Kilometern zurücklegen.
Der Rüppellfuchs bewohnt besonders ungastliche Winkel unseres Planeten. Es ist deshalb schwierig, seine Bestandssituation auch nur einigermassen genau abzuschätzen. Immerhin wissen wir, dass sein Lebensraum in keiner Weise bedroht ist. Sein Fortbestand wird deshalb gegenwärtig nicht als gefährdet eingestuft.
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