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(Jus manuarium), Selbsthilfe mit gewaffneter Hand.
[* 4] Obwohl unter allen Völkern, solange dieselben noch keine
feste staatliche Ordnung haben, ein Zustand, in welchem der Stärkere Recht behält, mehr oder weniger geherrscht hat und herrschen
wird, so bezeichnet man doch mit dem Namen Faustrecht vorzugsweise jenes Unwesen, welches in den germanischen
Staaten
im Mittelalter und namentlich in der Zeit des sogen. Interregnums, während der nach dem Untergang des Hohenstaufengeschlechts
herrschenden Anarchie, allgemein vorherrschte und ein geordnetes bürgerliches Leben nicht aufkommen ließ. In Deutschland
[* 5] währte
dasselbe am längsten, weil die Zerstückelung desReichs und die dadurch veranlaßte Schwäche der Zentralgewalt keine
nachdrücklichen und wirksamen Maßregeln dagegen gestattete.
Dazu kam, daß nach altgermanischer Sitte und Rechtsanschauung alle Handlungen, welche den Charakter einer Vergewaltigung trugen,
wie Raub und Totschlag, den Thäter der Privatrache des Vergewaltigten oder seiner Bluträcher preisgaben, namentlich wenn
jener sich weigerte, sich vor Gericht zu stellen oder sich mit dem Verletzten und seinen Blutsfreunden
zu vergleichen. So erschien die Fehde (s. d.) im Mittelalter geradezu als ein Rechtsinstitut, und die Gesetzgebung begnügte
sich lange Zeit damit, dasselbe nur einzuschränken, ohne eine Aufhebung des Fehderechts selbst zu versuchen.