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Am Burgäschisee sind vier jungsteinzeitliche Pfahlbaustationen bekannt, die zusammen einen Zeitraum von 4000-2600 v.Chr. abdecken. Erste archäologische Grabungen wurden 1877 und 1902 am Nordufer des Burgäschisees durchgeführt. Nach der Wasserspiegelabsenkung von 1943 wurden die drei anderen Stationen im Osten, Süden und Südwesten entdeckt. Diese wurden in den Jahren 1944/45 und 1952, 1957 und 1958 ausgegraben. Im Jahr 2011 wurde die Pfahlbausiedlung «Burgäschi Ost» zusammen mit 110 anderen Pfahlbau-Fundstellen rund um die Alpen von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Von 2015-2017 führte das Institut für archäologische Wissenschaften der Universität Bern, in Zusammenarbeit mit der Kantonsarchäologie Solothurn und dem Archäologischen Dienst Bern, ein internationales Forschungsprojekt am Burgäschisee durch. Denn Getreidepollen, die sich in Bohrprofilen aus dem See fanden, legen nahe, dass bereits um 4700 v.Chr. erste Bauerndörfer am Burgäschisee existierten. Ziel des Forschungsprojektes war es, den Zustand der bekannten Fundstellen zu überprüfen, weitere neue Daten zu gewinnen und – wenn möglich – auch neue archäologische Fundstellen ausserhalb der heute bereits bekannten zu finden.
Dank besserer Datierungsmethoden und neuer Funde gehen die Fachleute mittlerweile von zehn jungsteinzeitlichen Dörfern aus, die sich auf sechs Fundstellen und einen Zeitraum von 5300-2600 verteilen. Die Überreste der Pfahlbaustation «Burgäschi Ost» befinden sich heute grösstenteils im Bereich des Schilfgürtels im See und sind nicht zugänglich. Erstmals konnten dafür im Bereich «Nördlich Strandbad» und «Hintere Burg» Reste von Siedlungsschichten dokumentiert werden. Das Fundmaterial ist jedoch bescheiden und umfasst nur wenige Keramikscherben, Feuersteinfragmente, Felsgesteine und Knochen.
Erstaunlich gut erhalten waren die archäologischen Schichten in der Siedlungszone «Burgäschisee Nord». Zwei Siedlungsschichten konnten nachgewiesen werden, die in die Zeit zwischen 4000 und 3500 v.Chr. in die Zeit des klassischen und späten «Cortaillod» datieren. In beiden wurden bis zu 9 Meter lange Lehmestriche dokumentiert, bei denen es sich um Überreste von Hüttenboden handelt. An Funden kamen zahlreiche Keramikfragmente, Feuersteingeräte und Tierknochen zum Vorschein, darunter einige Geweihartefakte sowie schöne Bärenzahn- und Eberzahnanhänger. Speziell zu erwähnen sind auch die strich- und schlickverzierten Keramikgefässe, die bisher in unserer Gegend noch nicht bekannt waren. Ähnliche Verzierungen aus dieser Zeit finden sich am Zürichsee und in der Ostschweiz.
Die Funde und Befunde der Felduntersuchungen werden zurzeit im Rahmen eines Auswertungs- und Publikationsprojekts durch das Institut für archäologische Wissenschaften der Universität Bern weiterbearbeitet.