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Die «Berner Tagwacht», ihr Vorgängertitel «Der Schweizerische Sozialdemokrat» und die Nachfolgezeitung «Die Hauptstadt» sind seit Ende Mai 2023 auf e-newspaerarchives.ch frei zugänglich. Der Verein Zeitungsdigitalisierung im Kanton Bern hat die rund 260’000 Seiten der historischen Ausgaben in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Bern und der Schweizerischen Nationalbibliothek digitalisiert (via ch-cultura.ch und unibe.ch):
«Die «Berner Tagwacht» wurde 1892 von der Arbeiter-Union Bern als Organ der Sozialdemokratischen Partei des Kantons Bern gegründet. Sie erschien ab 1893 bis 1997 und war Nachfolgerin der Zeitung «Der Schweizerische Sozialdemokrat» (1888–1892). 1998 wurde sie ein halbes Jahr lang als «Die Hauptstadt» weitergeführt.
Stimme der Arbeiterbewegung
Die «Tagwacht» erschien zuerst zweimal, ab 1906 sechsmal pro Woche. Sie war eine der wichtigsten publizistischen Stimmen der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie in der Schweiz. 1909 bis 1918 war Robert Grimm (1881–1958) Chefredaktor. Er machte die Zeitung innerhalb der Schweiz zum Kampfblatt der Linken, das auch international beachtet wurde. 1966 fusionierte sie mit der «Seeländer Volkszeitung», die seit 1920 in Biel erschienen war.
Die «Tagwacht» kämpfte immer mit knappen Finanzen und war mehrmals vom Konkurs bedroht, weil sie weniger Werbeeinnahmen generieren konnte als bürgerliche Zeitungen. Deshalb arbeitete sie ab den 1970er-Jahren im redaktionellen Teil mit anderen linken Zeitungen zusammen. Ende 1997 musste sie ihr Erscheinen wegen finanzieller Probleme einstellen, nachdem Parteizeitungen generell in die Krise geraten waren. Danach versuchte sie, als Wochenzeitung unter dem Titel «Die Hauptstadt» weiter zu bestehen. Dieser Versuch scheiterte 1998 allerdings bereits nach einem halben Jahr.
Wichtige Quelle für die politische Geschichte Berns und der Schweiz
«Die ‹Tagwacht› war eine der wichtigsten linken Zeitungen in der Schweiz und ist deshalb bis heute eine wichtige Quelle für die Berner und Schweizer Geschichte», hält Christian Lüthi, Historiker, Vizedirektor der Universitätsbibliothek und Leiter des Projekts Zeitungsdigitalisierung, fest. «Die Zeitung nahm immer pointiert Stellung zu aktuellen Ereignissen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft», erklärt Lüthi.»