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Wer kennt sie nicht, diese bauchigen Mostfässer aus Holz? In der Zeit, als in jedem Keller eben diese Fässer standen und noch niemand nur im entferntesten an kohlensäurehaltige Getränke dachte, wurde in Mumpf fleissig gemostet.
Äpfel, Birnen und Trauben brachte man in die alte Trotte. Alte Trotte sagte man einem Gebäudeteil der Liegenschaft an der Ankengasse 5 (Kurt Winter), wo später die Schreinereien Roth und Anliker domiziliert waren.
Dort knarrten und stöhnten zwei hölzerne, von Hand angetriebene Pressen. Vermutlich stöhnten nicht nur die Pressen. Vermutlich auch die Männer, die in harter Knochenarbeit die Baumstämme, die mit Steinen beschwert wurden waren, im Kreise drehten.
Wie am ganzen Hochrhein und besonders im Fricktal wurden auch in Mumpf seit dem Mittelalter Reben gepflanzt. Da das Bier erst im 19. Jahrhundert an Bedeutung gewann, war Wein in den Wirtschaften und auch zu Hause von grosser Bedeutung. Die Qualität des Fricktaler Rebensafts wurde je nach Hanglage von mittel bis gut eingestuft. Er wurde sogar in grösseren Mengen in die rechtsrheinische Nachbarschaft ausgeführt. Auch vom Wein musste der Zehnte (Steuern) entrichtet werden. So erhielt der Pfarrer im Jahre 1591 das elfte Mass des ausgepressten Saftes.
Die Trotte war eine öffentliche Einrichtung. In Mumpf gehörte sie der Gemeinde und wurde auch von dieser unterhalten. Dafür bezog sie von jedem Saum (= 150 Liter) ausgetrottenen Weines zwei bis drei Mass (1 Mass = 1,5 Liter). Um 1700 erbrachte in Mumpf die Weinertne bis zu 900 Saum (= ca. 1'350 hl). Um 1850 wurde das Rebgelände erweitert, wozu die Bauern von der Gemeinde Land erhielten. Der Weinzehnten wurde 1863 mit Fr. 6'500.-- losgekauft; der Wert des jährlich abgelieferten Zentweines dürfte also Fr. 350.-- bis Fr. 400.-- betragen haben.
Die billigere Zufuhr auswärtiger, besserer Weine liess auch hier den Eigenbau eingehen. Um 1930 herum begann man in Mumpf nochmals Reben zu pflanzen, so zum Beispiel in den alten Reben (westlich der Grasski-Hütte) und neu Reben (Scheibenstand). Aus welchen Gründen auch immer, der Weinbau in Mumpf hatte keinen Bestand. Die Rebstöcke wurden wieder ausgerissen und einige davon unter der Brücke gegenüber Winter Kurt und VOLG (heute Brockenstube) entsorgt. Wie viele haben sich schon gefragt, warum dieses Brüggli so schön mit Reben geschmückt ist? Nun ist sicher allen klar, warum die heutige Ankengasse bis vor ca. 100 Jahren Trottengasse hiess.
Mit Ross und Wagen brachten die Leute das Obst in die Mosti. Es wurde nicht nur Mumpfer Obst gepresst; auch in den umliegenden Dörfern war die alte Trotte ein Begriff. Bis die Steiner mit dem Pferdefuhrwerk über die holprige, staubige alte Strasse (Steiner Stich) Mumpf erreichten, mussten nicht selten die Holzfässer wieder gewaschen werden.
Gefragtes Mosttransportmittel für kleinere Mengen waren die «Büttenen» (Holzbräntä). Damit man nicht bei jedem Schritt den kostbaren Saft verschüttete, erforderte es eine spezielle, abgefederte Schritttechnik. Es muss wahrscheinlich nicht speziell erwähnt werden, dass da nicht jede/r Frau/Mann gleich gut geeignet war.
Anfangs des 19. Jahrhunderts (genaues Jahr leider nicht bekannt) wurden diese Pressen durch eine neumodische Korbpresse ersetzt. Als das Gebäude verkauft wurde, zügelte man diese mit einem Wassermotor ausgestattete Presse ins Schulhaus (heute Gemeindehaus). Der Motor wurde an der Wasserversorgung angeschlossen. War in der Mumpfer Moschti Hochsaison, wurde in der Schmitte neben dem heutigen Waldmeier Sport, nicht selten das Wasser knapp. Schmid Sepp (Wunderlin Sepp) blieb nichts anderes übrig, als zum Schulhaus zu gehen und die dort Arbeitenden zu bitten, eine Pause einzulegen. Mit der Zeit hatte der Wassermotor ausgedient und wurde durch einen Elektromotor ersetzt.
Im Gegensatz zu heute wurden die Früchte früher nicht ganz ausgepresst. Den Trester holte die Firma Mettauer aus Frick und brannte draus Schnaps. Aber nicht nur diese eben erwähnte Firma hatte die gute Idee, den «Abfall» zu verwerten, nein, laut Erzählungen gab es auch fantasievolle Mumper Trottmeister, die den Press-Schaum in Fässer sammelten und im Winter heimlich Schnaps brannten.Wie hochprozentig dieses Feuerwasser war, ist nirgends nachzulesen. Den uns heute bekannten Trottschein kann man damals noch nicht. Datum, Name, Menge und ob bezahlt wurde oder nicht, stand für alle ersichtlich auf einer Schiefertafel geschrieben.
1943 tauschte man die Korbpresse gegen eine Packpresse ein. Das Obst wird in Tücher gepresst und was von den Früchten noch übrig bleibt, kann man in diesen Tüchern einfach aus der Presse nehmen. Diese damals sehr moderne Presse ist heute noch in Betrieb. Jedoch verschwinden immer mehr Bauernhöfe und mit ihnen auch die Obstbäume. 1998 brachten gerade noch 15 Personen ihre Äpfel und Birnen zum Mosten.
Der letzte Trottmeister war Fritz Kaufmann, welcher die Presse eigenhändig liebevoll restaurierte. Seit er jedoch Ende 2006 leider unerwartet verstarb, steht die Moschti still und der süsse Duft vom frischen Süssmost, welcher manchmal bis in die Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung hochstieg, hat sich verflüchtigt.