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Meine Arbeit setzt sich mit Fragen der zeitgenössischen anglophonen Literatur auseinander: mit dem Status der Literatur in der heutigen Kultur, ihren möglichen Zwecken und, entsprechend, ihren möglichen Formen. Im Fokus ist dabei die experimentelle Literatur. Besonders in den englischen und amerikanischen Kulturräumen wurde in den letzten 15 Jahren eine rege Debatte über die experimentelle Literatur geführt. Einige Kritikerinnen und Kritiker verstehen experimentelle literarische Formen als eine veraltete künstlerische Praxis und halten fest, dass wir heute eine Hinwendung zu traditionellen Formen des Schreibens benötigen; andere betonen, dass eine experimentelle Literatur gerade in unserer Zeit mehr denn je gefordert werden muss, da sich eben diese traditionellen Formen des Schreibens immer wie mehr ausbreiten und in dieser Vorherrschaft die Möglichkeit einer alternativen Schreibpraxis immer wie mehr zu verschwinden droht. Die Einleitung meiner Arbeit stellt einen Überblick der verschiedenen Positionen in dieser Debatte dar.
Ausgehend von einer Bestandsaufnahme dieser Debatte versuche ich im ersten Kapitel meiner Arbeit sowohl einen genaueren Begriff der experimentellen Literatur als auch ein umfangreiches Argument für ihre heutige Relevanz zu etablieren. Diesem Vorhaben dienen die Werke Theodor W. Adornos als Orientierungspunkt. Adornos Ästhetische Theorie ist die wohl letzte großangelegte Ästhetik des 20. Jahrhunderts und dabei eine Ästhetik, die ein umfassendes Argument für eine experimentelle Kunst entwickelt. Eine Auseinandersetzung mit Adornos Ästhetische Theorie (und weiteren seiner Schriften zur Kunst) ermöglicht die Ausarbeitung eines differenzierten Begriffs der experimentellen Literatur in ihren philosophischen, historischen und politischen Implikationen, sowie eine Begründung ihrer Bedeutung für unsere heutige Kultur. Durch den Bezug einer aktuellen Debatte auf die Ästhetik Adornos bringt die Dissertation gleichzeitig auch diese Ästhetik in einen aktuellen Zusammenhang und stellt dadurch eine Revaluation ihrer Prämissen und Forderungen dar.
In den drei folgenden Kapiteln wird der in der Arbeit entwickelte Begriff der experimentellen Literatur durch die Interpretation dreier zeitgenössischer literarischer Texte praktisch ausgeführt. Bei den Texten handelt es sich um Lydia Davis' Collected Stories, Tom McCarthys Remainder und Jonathan Lethems The Fortress of Solitude.
Im Schlusswort der Arbeit wird nach einer Rekapitulation der Hauptargumente kurz die mögliche Relevanz der experimentellen Literatur für ein Verständnis der ästhetischen Erfahrung (und umgekehrt) angesprochen. Dieser Zusammenhang könnte in einer anschliessenden Studie genauer untersucht werden.