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Sein Russi-Interview ist legendär TV-Legende Karl Erb verstorben
Er war in den goldenen Zeiten des Skisports der populärste Schweizer Sportreporter. Nun ist Karl Erb am Mittwoch in Muralto TI im Alter von 92 Jahren friedlich eingeschlafen.
Mit Karl Erb ist nach den Brüdern Noldi und Walter Wehrle, den langjährigen Chefredaktoren und Geschäftsführern der «Sportinformation», Walter Lutz, Chefredaktor des «Sport», und Radio-Legende Sepp Renggli die letzte grosse Persönlichkeit aus den Pionierzeiten des Schweizer Sportjournalismus gestorben.
Karl Erb, Sohn von Walter Lutz' Vorgänger Fritz Erb, engagierte sich weit über seine journalistischen Tätigkeiten hinaus für den Schweizer Sport als Funktionär und Organisator von Sportanlässen. So war er mit Fred Rubi vor allem ideell massgeblich an der Gründung des Adelbodner Skitags beteiligt. Auch am Aufbau des Ski-Weltcups half er an der Seite von Serge Lang tatkräftig mit, obwohl er ursprünglich gegen dieses Projekt war. Er befürchtete einen Bedeutungsverlust der damals klassischen Skirennen wie Cornergrat- und Parsenn-Derby – was dann auch tatsächlich eintrat.
DER Sportkommentator beim Schweizer Fernsehen
Erb kommentierte von 1962 bis 1981 für das Schweizer Fernsehen neben den Skidisziplinen alpin, Langlauf und Springen auch Formel-1-Rennen und Reiten und bediente zahlreiche Zeitungen mit seinen Berichten. Sein Kommentar von der Ski-WM 1970 in Val Gardena, wo er mit überschlagender Stimme Bernhard Russis Triumph schilderte, ist zum Kult-Dokument geworden. Später assistierte ihm Russi eine Zeit lang als Co-Kommentator. Erb schrieb auch zahlreiche Sportbücher, so Porträts über Russi, Heini Hemmi und Franz Heinzer, den Klassiker «Faszination Abfahrt» und die Jahrbücher «Sport Hits».
Überdies gehörte Erb während fast zwei Jahrzehnten in verschiedensten leitenden Funktionen dem NKES (Nationales Komitee für Elite-Sport) und dem Exekutivrat des SOC an, den Vorgänger-Organisationen von Swiss Olympic. Bis zu seinem Ableben war er ein aufmerksamer und kritischer Beobachter des Sports, auch wenn er am Schluss, wie er sich ausdrückte, «nur noch fernhören statt fernsehen» konnte.
Humorvoll bis zum Schluss
Erb, der auch über den Freitod nachdachte, litt an einer Makula- sprich Netzhaut-Degeneration und sah nur noch sehr schlecht. Dazu machten ihm immer stärker auftretende Herzbeschwerden zu schaffen. Aber rhetorisch und intellektuell war er bis zum Schluss in einer beneidenswerten Verfassung. «Ich trage jetzt die Startnummer 92», pflegte er in Anspielung auf sein Alter zu sagen. «Und mit dieser Nummer ist die Piste halt schon stark ramponiert. Aber ich durfte eine tolle Zeit erleben.» Seine Tochter Andrea, abstammend aus der Ehe mit der ehemaligen Skirennfahrerin Silvia Zimmermann, begleitete ihn in seinen letzten Tagen. Eine Trauerfeier wird auf seinen Wunsch nicht stattfinden.
SDA