Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03553.jsonl.gz/2408

Moderatorin
Teammitglied
Themenstarter
- Beitritt
- 16.11.04
- Beiträge
- 13.827
Hier werden Wirkung und Nebenwirkungen von zwei verschiedenen Substanzen-Klassen zur Depressions-Behandlung verglichen:
Interessant auch, dass die physiologische Form der Behandlung (2) bis in die 80er Jahre erfolgreich eingesetzt und erst dann durch die neuen Antidepressiva verdrängt wurde. Hauptsächlich wurde 5-HTP schon damals für die Wiederherstellung eines normalen Serotoninspiegels verwendet. Ich bin echt erstaunt... das habe ich nicht gewusst )
Aus Link Nr. 4 der www.antox.de/content/files/Stress-Depression-Burnout.pdf (pdf-Datei), ANTOX (Hervorhebungen von mir),
der auch ansonsten hoch interessant ist.
Seid gegrüßt von
Kate
- konventionelle Antidepressiva vom Typ des "Wiederaufnahme-Hemmers"
- höher dosierte Aminosäuren, die Vorstufen der jeweiligen Neurotransmitter sind
Interessant auch, dass die physiologische Form der Behandlung (2) bis in die 80er Jahre erfolgreich eingesetzt und erst dann durch die neuen Antidepressiva verdrängt wurde. Hauptsächlich wurde 5-HTP schon damals für die Wiederherstellung eines normalen Serotoninspiegels verwendet. Ich bin echt erstaunt... das habe ich nicht gewusst )
Antidepressiva
Als Folge übermäßiger Stressbelastung kommt es bei der primären Depression zur Daueraktivierung des Hypothalamus mit gesteigerter CRH Sekretion und permanentem Hypercortisolismus. (...)
Moderne Antidepressiva sind allerdings nicht gegen die CRHCortisol-Achse gerichtet sondern wirken vorrangig auf die Neurotransmitterregulation ein. Die meisten sind sog. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI = Spezifische Serotonin Reuptake-Inhibitoren), die die Verfügbarkeit des eminent wichtigen Neurotransmitters Serotonin verbessern. Serotoninmangel ist eine weit verbreitete Ursache von Depressionen, oft allerdings verstärkt durch Noradrenalinund/ oder Dopaminmangel. Die neuesten Antidepressiva sind kombinierte Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Hemmer (SNRI's), daneben gibt es auch reine Noradrenalin-Reuptake- Hemmer (NRI's) oder Dopamin-Reuptake-Inhibitoren (DRI's).
(...) Die längere Präsenz des Neurotransmitters im synaptischen Spalt mit gesteigerter Diffusion und erhöhtem NT-Abbau sowie die Unterdrückung des Reuptake-Spareffektes haben allerdings zur Folge, dass der NT-Verbrauch ansteigt und ein schon bestehender Mangel tendenziell verstärkt wird. Da jedoch Antidepressiva vom Reuptake-Inhibitor-Typ die NT-Syntheserate steigern können und auch die postsynaptische Rezeptordichte erhöhen, kommt es unter Therapie in der Regel zunächst nicht zum weiteren Absinken der Signalübermittlung. Anfangs kann in der Tat eine erhöhte NT-Ausscheidung im Urin gemessen werden, bei längerer Therapiedauer sinkt die Ausscheidung durch Abnahme der verfügbaren NT-Menge jedoch kontinuierlich ab. (...)
Pathophysiologie der Depression
(...)
Neurotransmitterfunktion
(...)
Antidepressiva-Nebenwirkungen
Auf der anderen Seite haben Antidepressiva vom Reuptake-Inhibitor-Typ ein unerfreulich hohes Potential zum Teil gravierender Nebenwirkungen und sind bei mindestens 30% der Depressionen überhaupt nicht wirksam. Sie steigern das Selbstmordrisiko im Mittel auf das 2,5fache. Sie erhöhen das Risiko von Herz-Kreislauf-Komplikationen um bis zu 50%, können zu massiver Gewichtszunahme führen, erzeugen Mundtrockenheit und gelegentlich sogar Ängste, Übelkeit, Nervosität, Tremor, Verwirrtheit, Kopfschmerzen. Eine weitere, gefürchtete Komplikation der SSRI-Behandlung ist das Serotonin-Syndrom, das vor allem bei Mehrfachverwendung von SSRI/RI's vorkommt und erhebliche gesundheitliche Konsequenzen haben kann. Schließlich wird ein nicht unerheblicher Teil der Antidepressiva-Wirkung auf Placeboeffekte zurückgeführt Bei leichten Formen liegt dieser Effekt bei 50%, bei schweren Fällen sinkt er bis auf 20% ab.
Aminosäuretherapie
Die Antidepressiva vom RI-Typ sind demnach ohne Zweifel wertvoll und vielfach wirksam, wegen häufiger fehlender Wirksamkeit und wegen ihres breiten Nebenwirkungsspektrums, der zum Teil gravierenden Komplikationen (Suizidalität, Herz-Kreislauf-Komlikationen, Serotoninsyndrom, Gewichtszunahme) und wegen des fraglichen Langzeiteffektes allerdings nicht immer erste Wahl.
Während die Antidepressiva vom Reuptaketyp das Problem des Neurotranmittermangels praktisch vom Ende her angehen, indem sie die Wirksamkeit der noch vorhandenen, verminderten Neurotransmittermenge durch Verlängerung der Präsenzzeit im synaptischen Spalt (Hemmung des Reuptake) verstärken, bietet sich eine hervorragende, natürliche Alternative in der Restitution der Neurotransmitter (NT) durch höher dosierte Gabe der jeweiligen Aminosäuren als NT-Vorstufen.
Diese physiologische Form der Behandlung wurde bis in die 80er Jahre erfolgreich - vor allem 5-HTP für die Serotoninrestitution - eingesetzt, bis sie durch die neuen Antidepressiva vorübergehend verdrängt wurde. Die hohe Fehlquote von 30 - 40 % und das breite, zum Teil erhebliche Nebenwirkungsspektrum der modernen Antidepressiva haben in den letzten Jahren jedoch die Suche nach Alternativen einerseits und effektiveren Psychopharmaka andererseits wieder belebt.
Die Aminosäurevorstufen der Neurotransmitter, zusammen mit den Kofaktoren der für die Umwandlung in Neurotransmitter erforderlichen Enzyme, stellen den physiologischen, natürlichen Weg der NT-Restitution dar. Ihr Nebenwirkungspotential ist nach allen vorliegenden klinischen Studien und vieltausendfachen Praxiserfahrungen äußerst gering. Bis heute ist es zu keinem Fall von sog. ‚Serotonin- Syndrom' gekommen, das offensichtlich nur bei Mehrfachverwendung von SSRI/RI's vor-kommen kann. Es kann zu Substitutionsbeginn vereinzelt zu Magen-Darm-Beschwerden, Nervosität und erhöhtem Schlafbedürfnis kommen. Die praktischen Erfolge sind auch bei Versagen der Antidepressivatherapie hoch.
Ziel der Aminosäuretherapie ist die Erhöhung der zentralen Konzentration einzelner Neurotransmitter, an erster Stelle von Serotonin, und die Wiederherstellung der Balance aller wichtigen Neurotransmitter, (...) Ein einheitliches Substitutionsschema kann nicht verfolgt werden. (...) Daher reicht es auch bei der Aminosäurebehandlung nicht aus, allein die Serotoninvorstufe 5-HTP zu verwenden. Sie muss mit meist Tyrosin (Acetyltyrosin, Mucuna) für die Katecholaminrestitution, ev. auch mit Glutamin für die Verstärkung der GABA-Wirkung kombiniert werden.
Serotonin wird vorzugsweise über die unmittelbare Aminosäure-Vorstufe 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) substituiert. 5-HTP ist wesentlich effektiver als seine Vorstufe, die Aminosäure L-Tryptophan selbst, da es ungestört die Blut-Hirn-Schranke passiert (...) und ausschließlich zu Serotonin umgewandelt wird. (...) Für die Enzyme, die die Aminosäuren zu Neurotransmittern aufbauen, werden die Vitamine C, B6, B12 und Folat sowie Magnesium und Calcium eingesetzt. Vor allem Vitamin B6 ist an zahlreichen Enzymschritten der Neurotransmittersynthese beteiligt. Nicht selten kann allein die Gabe von Vitamin B6 und/oder Folat schon groß Wirkung erzielen. Die genetischen Variationen der an der NT-Synthese beteiligten Enzyme können im Einzelfall einen weit über das Normalmaß hinausgehenden Vitamin/Kofaktorbedarf bewirken. Schließlich können verschiedene Naturstoffe als sehr wirksame Modulatoren, d.h. Verstärker der Neurotransmitterwirkung bzw. dämpfende Faktoren für die Verbesserung der neuro-endokrinen Balance, verwendet werden. Bewährt haben sich vor allem Theanin aus Tee, EGCG (Epigallocatechin) aus Grüntee, die Heilpflanze Rhodiola sowie die Aminosäure Taurin.
Aus Link Nr. 4 der www.antox.de/content/files/Stress-Depression-Burnout.pdf (pdf-Datei), ANTOX (Hervorhebungen von mir),
der auch ansonsten hoch interessant ist.
Seid gegrüßt von
Kate