Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03278.jsonl.gz/431

Klösterliche Kräutergärten, bäuerliche Nutz- und Ziergärten, baumbestandene Promenaden, inszenierte Landschaftsparks und grossbürgerliche Villengärten: Das Gartenerbe in der kleinräumigen Schweiz ist überraschend vielseitig. Der Artikel zeichnet die Geschichte der Schweizer Gartenkultur von der Römerzeit bis zum Anbruch des 20. Jahrhunderts nach.
Die Stadtzürcher Fachstelle Gartendenkmalpflege ist bis heute die einzige ihrer Art in der Schweiz. Zentrale Triebfeder für die Schaffung der Stelle war das Mitte der 1970er-Jahre überarbeitete Zürcher Planungs- und Baugesetz. Erstmals wurde das Erstellen von Inventaren gefordert – Parkanlagen miteingeschlossen. Zwei Gartenhistorikerinnen stellten in der Folge ein Garteninventar mit gut 850 Objekten zusammen. Im Juli 1989 setzte es der Stadtrat in Kraft, fast gleichzeitig nahm die Fachstelle ihre Arbeit auf.
Die Anzahl der historischen Gärten im Kanton Tessin ist überraschend vielfältig und weit grösser, als bei einer ersten Bestandesaufnahme angenommen worden ist. Dies dank dem subtropischen Klima, der Seenähe und den genügenden Niederschlagsmengen, die eine immergrüne Vegetation mediterranen und asiatischen Ursprungs möglich machen. Zahlreich sind die Ähnlichkeiten mit den nahen italienischen historischen Gärten, zum Beispiel des Langensees.
Der Schuhfabrikant Carl Franz Bally liess in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neben seiner Fabrik in Schönenwerd SO einen im Stil des Landschaftsgartens konzipierten Park anlegen. Der Landschaftspark sollte der Bevölkerung, so die Absicht von Bally, nicht nur Erholung und Genuss, sondern auch ein Bildungs- und Kunsterlebnis bieten. Davon zeugt zum Beispiel als bemerkenswertestes Element die Nachbildung eines Pfahlbaudorfes.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert hat Tavannes im Berner Jura einen radikalen sozio-ökonomischen Wandel erlebt: Es entwickelte sich vom vornehmlich landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer «urbanisierten» Kleinstadt. Ausgelöst hat diesen Strukturwandel in erster Linie die Ansiedelung der Uhrenindustrie, wobei der im Jahre 1895 von Henri Sandoz (1851–1913) gegründeten Uhrenfabrik «Tavannes Watch & Co» eine herausragende Rolle zukommt.
Die Wohn- und Repräsentationsräume fürstlicher Residenzen waren im 18. Jahrhundert mit einer Fülle edler Textilien ausgestattet. Neben ihrer praktischen und ästhetischen Funktion spiegelten kostbare Raumausstattungen auch den Status eines Hauses. Machtbewusste Fürsten trafen daher häufig persönlich die Auswahl ihrer textilen Einrichtungen und bestellten bevorzugt gemusterte Seiden aus Lyon, damals Zentrum der französischen Seidenindustrie.