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Inhalt
Definition
Die partizipative Entscheidungsfindung (shared decision making) ist ein klinisches Modell, bei dem die ärztliche Fachperson und Patient/-innen aktiv Informationen austauschen und die verschiedenen Optionen abwägen, um dann gemeinsam eine Entscheidung zu treffen. Im Gegensatz zu anderen Modellen der Arzt-Patienten-Beziehung betont dieses Modell die Rolle der Patient/-innen als aktive Partner/-innen bei der Behandlung, indem es ihre Präferenzen stärker berücksichtigt. Andererseits geht es auch nicht um völlige Autonomie, da die ärztliche Fachperson ihre klinische Erfahrung bei ähnlichen Entscheidungsfindungen, Kenntnisse der wissenschaftlichen Literatur und Fähigkeiten zur "Präferenzdiagnose" aktiv einbringt.
Weitere relevante Schlüsselbegriffe finden Sie im Glossar.
Anwendung
In der medizinischen Grundversorgung kann die partizipative Entscheidungsfindung sowohl bei diagnostischen (z. B. Prostatakrebs-Screening) als auch bei therapeutischen Situationen (Wahl der Therapie oder sogar Verzicht auf Therapie) angewendet werden. Am sinnvollsten ist dieser Ansatz in Situationen des "klinischen Gleichgewichts", d.h. wenn es mehr als eine vernünftige Wahl gibt. Tatsächlich gibt es für viele Behandlungen oder Vorsorgeuntersuchungen nicht die einzige beste Wahl. Solche Entscheidungen sollten daher den Präferenzen der Patient/-innen unterliegen, und es gilt, ein Gleichgewicht zwischen den bekannten Vorteilen und Nachteilen zu finden.
Um erfolgreich zu sein, muss die ärztliche Fachperson ein Klima des Vertrauens schaffen, in dem die Patient/-innen sich frei äußern können. Bei der Verwendung von Entscheidungshilfen (siehe "Entscheidungshilfen") kann die partizipative Entscheidungsfindung dazu beitragen, dass die Patient/-innen mehr über ihre Krankheit erfahren, dass sie zur Zusammenarbeit ermutigt werden und dass sie ihre Präferenzen formulieren können. Es gibt auch Hinweise darauf, dass dadurch unnötige Behandlungen vermieden werden können. Obwohl die partizipative Entscheidungsfindung aus ethischer Sicht angemessen ist, werden die Patient/-innen nicht systematisch in die Entscheidungsfindung einbezogen, wie sie es sich wünschen würden.
Bedingungen und Grenzen
Es gibt Situationen, in denen eine partizipative Entscheidungsfindung vielleicht nicht angebracht ist oder fachliche Überlegungen und Unterstützung erfordert. Beispiele dazu, wo die Grenzen sind, finden Sie in den Tools.
Wenn Patient/-innen Ihnen sagen, dass sie keine Entscheidung treffen möchte, bedeutet das nicht, dass Sie die Grundsätze der partizipativen Entscheidungsfindung nicht anwenden können. Sie sollten trotzdem nach den Bedenken der Person, ihren Werten und Zielen fragen. Sie werden diese Informationen nutzen, um die Untersuchung oder die Behandlung auszuwählen, die Ihrer Meinung nach am besten mit den geäußerten Bedenken, Werten und Zielen übereinstimmt. Sie fördern die partizipative Entscheidungsfindung und respektieren gleichzeitig die Autonomie der Person und ihren Wunsch, dass Sie die Vorsorgeuntersuchung oder Behandlung auswählen, die am besten mit ihren Zielen und Werten sowie der klinischen Situation übereinstimmt. Es ist wichtig, dass Sie die Eindrücke, die Sie zu dieser Entscheidung geführt haben, explizit formulieren.
Herausforderung
Eine der häufigsten Fallen ist es, nur diejenigen zu mobilisieren, die Sie als "bereit" für eine partizipative Entscheidungsfindung wahrnehmen. So schließen Sie versehentlich Personen aus, die Sie als weniger entscheidungsfreudig oder entscheidungsfähig wahrnehmen. Dies ist ein häufiges Missverständnis. Sie können das Modell der drei Diskussionen anwenden und die partizipative Entscheidungsfindung mit Ihrer gesamten Patientengruppe fördern. Um diese sehr häufige Klippe zu umschiffen und nicht die Personen auszuwählen, die "bereit für eine partizipative Entscheidungsfindung" sind, müssen Sie jedoch die Schritte und das Modell an die Autonomie der Person, ihr Gefühl der Selbstwirksamkeit und ihre Reaktionen auf die Informationen, die Sie ihr vermitteln, anpassen. Die Teach-Back-Methode, die Verwendung einfacher Worte und Entscheidungshilfen sowie Bilder können hilfreich sein, um diese Falle zu umgehen und Ihnen dabei zu helfen, Menschen unabhängig von ihrem Alter, ihrer Selbstwirksamkeitsüberzeugung, ihrem Bildungsniveau und ihrer Gesundheitskompetenz einzubeziehen.
Eine angemessene Aufklärung über klinische Risiken, insbesondere über die Wahrscheinlichkeiten, die mit den Risiken von Behandlungen oder Untersuchungen verbunden sind, ist für die Zustimmung und eine informierte Entscheidungsfindung der Patient/-innen und ihren Angehörigen von entscheidender Bedeutung.
Das klinische Risiko ist definiert in Form der Wahrscheinlichkeit, dass eine Gefahr zu einem tatsächlichen Schaden führt. In der Medizin kann dies von einer einfachen Nebenwirkung bis hin zum Tod reichen. Es steht oft viel auf dem Spiel, was die Bedeutung einer klaren und allgemein zugänglichen Kommunikation unterstreicht. Bei der Betrachtung des Risikos sind drei Elemente zu berücksichtigen: