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Eine 21-köpfige Jury hat das “Jugendwort des Jahres” 2018 gewählt: Es lautet “Ehrenmann” beziehungsweise “Ehrenfrau”. So werde jemand bezeichnet, der etwas Besonderes für einen tut, erklärte der Langenscheidt-Verlag am Freitag in München. Verhält man sich also wie eine echte Lady oder wie ein echter Gentleman, so ist man in den Augen der Jugendlichen ein Ehrenmann oder eine Ehrenfrau. Die Jury bestand in diesem Jahr unter anderem aus Journalisten, Bloggern, Schülern und einem Polizeikommissar aus Berlin-Kreuzberg.
Juror Oliver Bach, Literaturwissenschaftler an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, sagte über “Ehrenmann/Ehrenfrau”: “Die Jugendsprache hat dieses Wort wiederentdeckt. Zur Zeit meines Opas war der Ausdruck auf höhere, männliche Gesellschaftsschichten beschränkt. Diese Grenze ist nun gefallen.“ Der 18 Jahre alte Youtuber Fabian Grischkat sagte: “Ich freue mich besonders über das Wort, da es in Zeiten von Hass und Hetze ein positives Zeichen setzt. Jeder Mensch, der eine gute Tat vollbringt, darf sich ab heute mit dem offiziellen Jugendwort schmücken!” Bei einer vorangegangenen, unverbindlichen Online-Abstimmung war Ehrenmann/Ehrenfrau” auf dem dritten Platz gelandet. Seit Ende August bis zur Wahl am 13. November standen 30 Begriffe zur Auswahl, die zeigen sollen, wie Jugendliche heute reden. In der Auswahl stand auch das sehr häufig verwendete Wort „Lauch“. Es bezeichnet einen Trottel bzw. jemand, der laut der Jury „unmuskulös“ ist.
Lauch hatte leider von Anfang an keine Chance, denn Beleidigungen und Schimpfwörter werden aus Prinzip nicht zum Jugendwort erkoren. Der Langenscheidt möchte mit der Wahl die Kreativität der Sprache zeigen und ein positives Signal senden, heisst es immer wieder vom Organisator der Wahl. Da passen negative Begriffe natürlich nicht ins Bild. Der Favorit der rund 1,5 Millionen Teilnehmer des Online-Votings war “verbuggt” – für etwas, das voller Fehler ist. Ebenfalls viele Stimmen erhielt der Begriff „Breiern“. Der Ausdruck soll den Zustand erklären, wenn jemand erbricht und trotzdem weiterfeiert. „Besti“ für beste Freundin, „Borderitis“ als Allergie gegen Grenzen und „Axelfasching“ für Achselhaare schafften es auch auf die Liste. „Auf deinen Nacken“, ein Ausdruck für „Du zahlst“ oder „Boyfriend-Material“ für jemanden, der sich für eine Beziehung eignet, sind weitere kreative Wortkreationen, welche eingereicht wurden. Man könnte die Liste noch seitenlang fortsetzen. Da stand beispielsweise auch „glucosehaltig“ für süss, „Ich küss dein Auge“ für jemanden, den man gerne hat, „lan“ für krass, „wack“ für langweilig oder „lit“ für cool bzw. „Lituation“ für eine coole Situation. Ein „Appler“ prahlt gerne mit seinem iPhone, ein „Gymkie“ (Kombination aus Gym und Junky) ist jemand, der zu oft in der Muckibude trainiert. Ein „Snackosaurus“ ist ein verfressener Mensch“ Der ist gerade voll am „Ranten“ heisst so viel wie ausrasten. Beim „Chinning“ schiesst man ein Selfie, auf welchem man ein Doppelkinn imitiert. Schaust du zu lange in den Bildschirm, dann hast du vielleicht einen „Screenitus“. Wer sich in der Nacht in die Decke einrollt, der ist ein „Einwraper“.“Sheeesh“ ist ein Ausdruck des Erstaunens. Echt jetzt? Wirklich? Ja! Und zu guter Letzt sei noch auf die Ausdrücke „zuckerbergen“ und „Lmgtfy“ hingewiesen. Das erste heisst so viel wie „stalken“, der zweite Ausdruck ist die Abkürzung für „Let me google that for you“. Verwendet wird er, wenn jemand eine unnötige Frage stellt, die auch Google beantworten kann.
Die Kriterien für die Top 30 sind laut Verlag Originalität, Kreativität, Verbreitung sowie kulturelle, gesellschaftliche und zukünftige Relevanz. Die Jury musste sich dann für eines der zehn beliebtesten Wörter aus dem Online-Voting entscheiden. 2017 hatte der Ausdruck “I bims” gewonnen, ein Synonym für “Ich bin” und “Ich bin’s”. Seit 2008 wird jährlich ein Jugendwort bestimmt. Da die Wahl eine Werbeaktion des Langscheidt-Verlages für sein Jugendsprache-Buch ist, wird häufig diskutiert, ob das gewählte Wort wirklich dem Sprachgebrauch von Jugendlichen entspricht. Ziemlich verbuggt, denn schliesslich arbeiten bei Langenscheidt viele Ehrenmänner und Ehrenfrauen. Und falls du mehr wissen willst: Lmgtfy!
Von Hermann-Luc Hardmeier. Verfasst am 18. November 2018.