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Treiben (auch Treibarbeit oder Repoussé) ist ein Arbeitsprozess beim Freiformen von Metallen (künstlerisch und industriell) und zählt zu den Umformverfahren. Beim Treiben wird ein weiches Metall verziert oder geformt, indem es von der Rückseite aus gehämmert und dadurch ein Design im Flachrelief erzeugt wird.
Geschichte
Die Treibe-Techniken entstanden in der Antike. Für feine Detailarbeit wurden häufig Gold und Silber verwendet und für größere Skulpturen Kupfer, Zinn und Bronze. Zu den klassischen Stücken mit dieser Technik gehören die griechischen Panzerplatten aus Bronze aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.
Während des 3. Jahrtausends v. Chr. wurden im Nahen Osten eine Vielzahl von Methoden für erste Massenproduktionen eingeführt, um sich die wiederholende freihändige Arbeit zu ersparen. Mit der einfachsten Technik konnte Goldblech in Designs im Tiefdruck, wie Stein, Knochen, Metall oder auch Materialien wie Gagat, gedrückt werden. Das Gold konnte in die Entwürfe mit Holzwerkzeugen geformt werden, oder, was häufiger vorkam, durch das Darüberhämmern einer Wachs- oder Bleiform.
Die Alternative zum Drücken von Goldblech in eine Form ist ein Entwurf im Cameo-Relief. Hierbei entsteht ein größeres Detailbild auf der Rückseite des endgültigen Entwurfs, darum musste man oft auf der Vorderseite ein wenig ziselieren, um die Details zu betonen. Der Einsatz von gemusterten Stempeln stammt aus der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr., wenn nicht schon aus einer viel früheren Zeit. Die einfachsten gemusterten Stempel wurden aus Drahtschleifen- oder -spiralen hergestellt. Bis zur hellenistischen Zeit waren bereits kombinierte Stempel und Formen im Einsatz.
Im Jahr 1400 v. Chr., während der ägyptischen Amarna-Zeit, wurden Harz und Schlamm als Treibkitt verwendet. Um 400 v. Chr. verwendeten die Griechen Bienenwachs als Füllstoff für das Treiben. Treiben und Ziselieren werden häufig in Indien verwendet, um Objekte wie Wasserbehälter zu erzeugen. Diese Behälter werden normalerweise aus Kupfer- oder Silberblech hergestellt.
Während der Hopewell- und Mississippi-Kulturen des amerikanischen Südostens und Mittleren Westen wurden Repoussé-Kupferwaren als Ritualinsignien gestaltet und schließlich für prestige Begräbnisse verwendet.[1] Es wurden Beispiele mit vielen S.E.C.C.-Entwürfen gefunden, wie doppellappigen Pfeilmotiv-Kopfschmuck und Falkentänzerinnen-Schilder. Obwohl die Exemplare in einem weit verstreuten Gebiet (Spiro, Oklahoma, Etowah, Georgia und Moundville, Alabama) gefunden wurden, wurden die meistem im so genannten Braden-Stil geschaffen, bei dem man davon ausgeht, dass sie aus Cahokia Site in Collinsville, Illinois stammen.[2][3] Mehrere Kupfer-Werke wurden während der Ausgrabungen des Mound 34 beim Cahokia entdeckt und sind die einzigen bekannten Mississippi-Kultur Kupfer-Werkes.[4][5]
Abgrenzung
Es gibt nur wenige Techniken, die eine solche Vielfalt des Ausdrucks ermöglichen und dabei auch preiswert sind. Ziselieren ist das Gegenteil der Treiben-Technik und diese beiden Techniken werden zusammen verwendet, um ein Arbeitsstück zu erstellen. Es wird auch als Prägen bezeichnet.
Während das Treiben verwendet wird, um auf der Rückseite des Metalls zu arbeiten und so ein erhöhtes Design auf der Vorderseite gebildet wird, wird das Ziselieren verwendet, um das Design auf der Vorderseite des Arbeitsstücks zu verfeinern, indem das Metall gesenkt wird. Der Begriff Ziselieren bezieht sich auf eine Rille, eine Furche, einen Kanal oder eine Vertiefung.
Die Techniken des Treibens und Ziselierens nutzen die Verformbarkeit des Metalls und bilden so nach und nach Formen. Bei diesen Verfahren geht kein Metall verloren, da es nur stellenweise gedehnt wird und die Oberfläche bestehen bleibt. Das Verfahren ist relativ langsam, doch werden dabei maximale Formen erreicht, die aus einem kontinuierlichen Blech gleichmäßiger Dicke geschaffen werden. Der direkte Kontakt der verwendeten Werkzeuge kann in der Regel erkannt werden, was bei anderen Techniken nicht immer offensichtlich ist, denn normalerweise werden alle Hinweise auf die Arbeitsweise beseitigt.
Etymologie
Das Wort Repoussé ist Französisch und bedeutet „nach oben geschoben“, und schließlich aus dem Lateinischen: pulsare, was „schieben“ bedeutet. Repoussage ist das Substantiv, welches sich auf die Technik bezieht und Repoussé ist ein Adjektiv, was sich auf ein Stück bezieht, bei dem die Technik angewendet wurde (z.B. „Repoussé-Arbeit“, „Repoussé-Stück“). Zieselieren stammt vom französischen Wort „chasser“, was soviel wie „herausdrücken“ oder „herumdrücken“ bedeutet. Das ist im Grunde was die Künstler tun, denn sie „drücken“ die Formen auf ihr Metall, um so ihr endgültiges Design zu kreieren.
Arbeiten
Ein Beispiel aus der Antike ist die Mumienmaske des Tutanchamuns der späten achtzehnten Dynastie. Der Großteil der Maske wurde unter Verwendung der Treib-Technik erstellt und sie scheint aus einem einzelnem Goldblech (der Zeremonienbart, Nekhbet-Geier und Uraeus wurden separat angebracht) zu bestehen. Der Warren-Pokal ist ein römischer, silberner Pokal und der Mildenhall-Schatz, der Hoxne-Schatz, der Water Newton-Schatz und der Berthouville-Schatz sind Beispiele für Schätze aus römischem Silber, die in England und Nordfrankreich gefunden wurden und viele Elemente aus Treibtechniken enthalten. Der prähistorische Gundestrup-Kessel hat Reliefplatten auf separaten dünnen Blechen und auf der Innen- und Außenseite.
Eine Skulptur, die mit dieser Technik erstellt wurde, ist z.B. die Freiheitsstatue in der oberen New Yorker Bucht. Die Statue wurde teilweise aus Kupfer-Repoussé mit Holzkonstruktionen hergestellt, um jedes Stück während des Hämmervorgangs zu formen. Ein zweites Beispiel für eine monumentale Kupfer-Treib-Skulptur ist die Portlandia von Raymond Kaskey, die im Jahre 1985 in der Innenstadt von Portland in Oregon aufgestellt wurde.
Methoden
Es kann einige Zeit dauern bis man ein Schmuckstück mit der Treib-Technik erstellt. Mit Übung können komplexe und feine Stücke gemacht werden, welche praktisch unmöglich mit einer anderen Methode hergestellt werden könnten. Es gibt verschiedene Metalle, die man für die Ziselierungs- und Treib-Arbeit verwenden kann, wie z.B. gezogenen Stahl, Silizium-Bronze, Kupfer, Gold, Silber und Zinn.
Der Prozess des Treibens dauert einige Zeit, da eine Reihe von zeitraubenden Schritten wiederholt werden muss: Der erste Schritt ist die Vorbereitung des Metalls durch Glühen, gefolgt von der Reinigung, um den Abstand zwischen Glüh- und Werkstück zu entfernen, dem Aufbau und abschließend erfolgt die sorgfältige Arbeit mit Schlägen. Diese Schritte werden in der Regel viele Male während der Erstellung eines getriebenen Stücks wiederholt.
Eine Methode des Treibens ist es, ein dünnes Metallblech auf einem Treibkitt zu platzieren. Dieser Treibkitt kann aus Kiefer-Kolophoniumbasis sein, die mit einer Heißluftpistole während der Reliefarbeit weich gehalten werden kann und hart wird, sobald er für die Treibarbeit abkühlt. Es kann extrem weich oder flüssig werden, wenn es zu sehr erhitzt wird und es besteht Verbrennungsgefahr. Es wird nicht empfohlen, den Treibkitt zu sehr zu erhitzen.
Mit der Verwendung von Treibkitt wird eine feste Arbeitsbasis erzeugt, während das Metall gleichzeitig ohne Behinderung herausgedrückt und geformt wird. Der Treibkitt wird am besten auf einer Ziselierkugel bearbeitet. Die Ziselierkugel ist eine gusseiserne Schüssel, die auf einem Treibsack voller Sand oder einem speziell für diesen Zweck hergestellten Gummiring steht. Dies ermöglicht eine höhere Stabilität, Rotation und Positionierung. Der Kitt wird mit einem Fön oder einem industriellen Haarfön erhitzt. Wenn der Kitt zu hart ist, wird das Metall ausgedünnt. Wenn es zu weich ist, hat man sehr wenig Kontrolle über die Form. Eine gute mittlere Hitze funktioniert am besten, weil es dann für ein zufriedenstellendes Relief weich genug ist und es dann auf eine Festigkeit abkühlt, die für das Treiben, Planieren und die Detailarbeit ausreichend ist.
Stahlwerkzeuge werden verwendet, um das Metall zu bearbeiten. Ein „Stichel“ ist ein Stahlwerkzeug/-stempel mit einem sehr dünnen, leicht abgerundeten Ende, das verwendet wird, um die ersten Linien auf dem Metall zu kreieren. Der Stichel wird am anderen Ende mit einem Treibhammer beschlagen, um eine dünne Metalllinie in das Kitt zu schieben. Dort, wo es nach oben geht, ist die Oberfläche des Stücks. Nachdem alle Linien getrieben wurden, wird das Metall umgedreht und dann wird die Treib-Technik angewandt. Hierbei werden anderen Stahlpunzen/-werkzeuge verwendet, um das Metall zu drücken, damit es auf der Vorderseite des fertigen Stück angehoben wird.
Sobald die Treibarbeit fertig ist – das Design erhöht und das Stück umgedreht – werden die Hohlräume mit warmem Kitt gefüllt, um die Form beizubehalten. Dem Kitt sollte genug Zeit gegeben werden, um sich in den Hohlräumen festzusetzen und abzukühlen, bevor das Stück umgedreht und wieder auf dem Kitt platziert wird. Sobald das Stück Metall umgedreht und getrieben wurde, werden die Details verfeinert und herausgearbeitet. Am Entwurf wird öfters und mit vielen Werkzeugen nachgearbeitet, bevor das Endergebnis erreicht wird.
Jedes Mal, wenn das Metall aus der Ziselierkugel entfernt wird, muss es gereinigt und erneut geglüht werden. Terpentin wird verwendet, um das Kitt zu entfernen, und ein Brenner kann auch verwendet werden, um es wegzubrennen. Beim Arbeiten mit dem Kitt sollte man sicherstellen mit Handschuhen, Schutzbrille und guter Belüftung zu arbeiten. Außerdem sollte, wie bei jeder Arbeit mit offenem Feuer, ein angemessener Feuerlöscher in der Nähe sein.
Werkzeuge
Es gibt hunderte von Werkzeugen, die beim Treiben eingesetzt werden können. Generell werden diese vom Juwelier/Handwerker hergestellt. Üblicherweise wird das Werkzeug aus Werkzeugstahl-Stäben gearbeitet, welche an der Spitze geschmiedet und gehärtet werden. Diese gehärteten Stahlpunzen können von einem Lieferanten gekauft werden, aber die speziellen Punzen werden vom Juwelier hergestellt oder speziell bestellt, um ein bestimmtes Design zu erzeugen.[6]
Das Ende des Werkzeugs, welches gehämmert werden sollte, sollte abgeschrägt sein, um eine Ausdehnung des Metalls durch das wiederholte Hämmern zu ermöglichen. Einige der wichtigsten Werkzeuge sind: Stichel, Glätter, Matting und Doming. Stichel haben dünne Spitzen, die leicht abgerundet sind. Wenn sie zu dünn sind, könnten sie das Metall schneiden. Sie werden für die ersten Markierungen des Designs verwendet und am Ende für die feinen Konturen. Glätter haben glatte, flache Spitzen, die zum Herausschieben von großen, flachen Bereichen im Metall verwendet werden. Matting-Werkzeuge haben hineingeschnittene Muster und geben den bestimmten Designbereichen mehr Detail. Matting-Werkzeuge können auch durch eine dünne Linie um eine Stahlstange erzeugt werden, die gehärtet wird und dann darauf einrastet. Dies ergibt ein Muster mit einer feinen Maserung. Doming-Werkzeuge schieben abgerundete Bereiche im Metall und können entweder rund oder oval und ziemlich spitz oder fast flach sein. Ein Schweißbrenner, eine Kohleschmiede oder Propanschmiede wird zum ausreichenden Erwärmen des Stahs für das Schmieden benötigt. Je mehr Werkzeuge einem zur Verfügung stehen, desto einfacher ist es ein detailliertes, präzises Arbeitsstück zu schaffen.
Rezepte für den Treibkitt
Die traditionelle Arbeitsfläche ist der Treibkitt, was in der Regel eine Kombination von drei Substanzen ist: pures Kitt, ein Füllstoff (oder Versteifer) und ein Erweichungsmittel (Enthärter). Es gibt viele verschiedene Rezepte für den Treibkitt. Ein Beispiel ist:
16 Teile Kitt
20 Teile Stuckgips
4 Teile Harz
1 Teil Rindertalg
Das Kitt wird bis zum Schmelzen erhitzt. Stuckgips wird in kleinen Mengen zugegeben. Harz und Rindertalg werden dann hineingemischt. Treibkitt ist ein Stütz- und Füllmaterial, vorzugsweise auf Kolophoniumbasis, aber auch auf Erdölbasis. Es wird von Metallschmieden verwendet, um das Metall während der Arbeit in Position zu halten. Es gibt ein flexibles Treibkitt und wird von den Ziseleuren als schwedisches Treibkitt bezeichnet.
Es gibt auch noch andere Kitt-Möglichkeiten. Zwei sehr beliebte sind das rote (oder manchmal auch als braun bezeichnet) deutsche Kitt und ein vielseitiges Medium (Grad/Härte) ist dunkelgrünes Ziselierkitt. Es gibt auch ein schwarzes Kitt. Die verschiedenen Kitte werden nach der Art des Ziselierens und Treibens ausgewählt. Dieses Kitt-Material kann wieder und wieder verwendet werden, wenn es ordnungsgemäß aufbewahrt wird.
Quellen[1] Power, Susan (2004). Early Art of the Southeastern Indians-Feathered Serpents and Winged Beings. University of Georgia Press. ISBN 0-8203-2501-5.
[2] F. Kent Reilly and James Garber, ed. (2004). Ancient Objects and Sacred Realms. University of Texas Press. ISBN 978-0-292-71347-5.
[3] Townsend, Richard F. (2004). Hero, Hawk, and Open Hand. Yale University Press. ISBN 0-300-10601-7.
[4] Pawlaczyk, George (Feb 16, 2010), Copper men: Archaeologists uncover Stone Age copper workshop near Monk’s Mound, retrieved 2010-11-08
[5] Kelly, John E.; Kelly, Lucretia S.; Brown, James (2009). Summary of 2008 Field Excavations to Locate the Copper Workshop in the Mound 34 Area (Technical report). Central Mississippi Valley Archaeological Research Institute.
[6] Bowie, Hamish (1977). Jewelry Making. Chicago: Henry Regnery Company. p. 36. ISBN 0-8092-8084-1.