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Am 28. Februar 2016 sollen zwei Abstimmungen zum Vierer- und Mittelfeld durchgeführt werden. Im Planungsgeschäft geht es um die Einzonung des Viererfelds und die Umzonung des Mittelfelds, im Finanzgeschäft um den Kauf des Viererfelds (das Mittelfeld gehört bereits der Stadt).
Weniger technisch ausgedrückt: Soll auf dem Vierer- und dem Mittelfeld zur Hälfte ein dichtes Stadtquartier gebaut werden und zur Hälfte ein Stadtteilpark entstehen – ja oder nein?
Was will die Stadt?
Das sind einige Fakten, vor denen heute diskutiert wird: In Bern gibt es eine akute Wohnungsknappheit. Seit kurzem leben – erstmals seit 1983 – wieder mehr als 140000 EinwohnerInnen in der Stadt, seit 1998 (126500 EinwohnerInnen) steigt die Zahl langsam, aber stetig an und soll nach dem Willen der Regierung «auch in Zukunft nachhaltig wachsen». Zudem gibt es in Bern 1,4 Arbeitsplätze pro EinwohnerIn, eine Tatsache, die für grosse Pendlerströme sorgt.
Vor diesem Hintergrund will die Stadt die Hälfte des Viererfeldes und zwei Drittel des Mittelfeldes dicht überbauen. Die Eckdaten: Wohnraum für 3000 Menschen. Sechsstöckige Bauten mit «öffentlichen Erdgeschossen». 650 Arbeitsplätze (insbesondere Dienstleistungen, Restaurants und Läden für die tägliche Versorgung). 50 Prozent der Wohnfläche ist für gemeinnützige Wohnbauträger reserviert. Die Überbauung soll sich an den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft orientieren. Geplant wird eine autoarme Überbauung (0,3-0,5 Parkplätze pro Wohnung). Der hintere Teil des Viererfelds von 87000 Quadratmetern wird zum Park für den Stadtteil Länggasse-Felsenau gestaltet mit allgemein nutzbarer Freifläche (50%), Familiengärten (39%) und dem Sportfeld (11%).
Die bisherige Planung erschwert habe, so Stadtpräsident Alexander Tschäppät an der Medienorientierung vom 23. Oktober, dass es für das neue Raumplanungsgesetz noch keinen vom Bundesrat genehmigten kantonalen Raumplan gebe. Deshalb habe man gegenüber dem Bund drei Nachweise erbringen müssen: erstens, dass Vierfeld und Mittelfeld als Bauzone «von kantonaler Bedeutung» seien; zweitens, dass die Zonenplanänderung «dringlich» sei, weil die Stadt zu wenig Baulandreserven habe – und drittens habe man zum Teil in der Stadt, zum Teil kantonsweit vorsorgliche Kompensationsflächen bereitgestellt für den Fall, dass dies nötig werden sollte.
Diese drei Nachweise seien erbracht worden. Vor Beginn einer konkreten Planung seien nun die Volksentscheide zu den vorgesehenen Zonenplanänderungen und zum Kauf des Viererfelds nötig. (Der Kanton Bern verkauft den Teil, der überbaut werden soll, für 51,1 Millionen Franken; den Teil, der grün bleibt, erhält die Stadt im unentgeltlichen Baurecht für 40 Jahre.)
Was will die Opposition?
Gegen das Überbauungsprojekt sind bis Anfang Juli 2015 institutionelle und private Einsprachen eingegangen. An der Medienorientierung sagte der Stadtplaner Marc Werren hierzu nun, «der grössere Teil» der institutionellen Einsprecher habe die Vorlage «qualitativ», also in einzelnen Punkten kritisiert, in den privaten Einsprachen – «vor allem aus der Nachbarschaft» – dagegen sei die Überbauung zumeist überhaupt abgelehnt worden: «Beim grösseren Teil der Einsprachen konnte keine Einigung gefunden werden.» Peter Camenzind, Vorstandsmitglied des Vereins Viererfeld Nature 2.0, hält gegenüber Journal B fest: «Die Einsprachen werden sicher weitergezogen. Nächste Instanz ist das Amt für Gemeinden und Raumordnung bei der kantonalen Justiz- und Kirchendirektion.»
Worum geht es dieser Totalopposition?
Seit einer Woche gibt es rund um das Viererfeld den «Vier Felder Weg» mit sechs kritischen Informationstafeln. Die Hauptstossrichtung der Kritik: Die Stadt Bern betreibe Raumplanung aus der Mottenkiste des letzten Jahrhunderts. Statt gegen innen zu verdichten, werde «Siedlungserweiterung auf dem Grünland» betrieben. Was die fünfzig Prozent gemeinnützigen Wohnungsbaus betreffe, sei der keineswegs garantiert: Wohnraum, der innert fünf Jahren nach Inkrafttreten des Zonenplans nicht von genossenschaftlichen Bauträgern übernommen werde, gehe an den Meistbietenden auf den Markt. Zudem ergäben teures Land und grosse Wohnungen keine günstigen Mieten.
Dazu kommen ökologische Argumente: Die Überbauung zerstöre 16 Hektaren Ackerland, obschon der Kanton Bern schon jetzt zu wenig Fruchtfolgeflächen ausweisen könne. Die gewachsenen Schrebergartenareale würden «geschleift und durch einheitlich geplante Areale ersetzt»: «Es droht Einheitsbrei statt Vielfalt.» Schliesslich würde auf dem Viererfeld eine landwirtschaftlich nicht genutzte Buntbrache zerstört, die einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt darstelle.
Überbauen oder grün lassen?
Den «Vier Felder Weg» kann man ab sofort abschreiten, die Unterlagen zur Medienorientierung vom 23. Oktober finden sich hier.
Zeit, mit der Meinungsbildung zu beginnen. In gut vier Monaten wird abgestimmt.