Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03180.jsonl.gz/2388

Figurenlexikon
Hier finden Sie Informationen zu den Figuren in «Bergünerstein»: Hat die Person wirklich gelebt, oder hat die Autorin sie erfunden? Wann hat sie gelebt? Was weiss man über sie?
Die Liste ist alphabetisch sortiert und wird laufend ergänzt.
Vermissen Sie eine Person oder haben eine Frage? Melden Sie sich auf dem Offenen Platz.
.
Ritter Rudolf von Planta wurde 1568 als dritter Sohn aus der sechsten Ehe seines Vaters Balthasar von Planta-Wildenberg mit Anna Catharina Prevosti geboren. Seine ältere Schwester Barbara heiratete 1593 Johann Schalkett von Bergün. Sein ältester Bruder Daniel starb jung, der nächste Bruder Pompejus war neben Rudolf einer der wichtigsten Anführer der spanischen Partei und wurde 1621 von Georg Jenatsch ermordet. Die jüngste Schwester Anna heiratete Fabio Prevosti aus dem Bergell, ebenfalls ein enger politischer Verbündeter.
Rudolf war mit Margarethe von Travers verheiratet, der Schwester von Augustin Travers, einem weiteren Anführer der spanischen Partei. Sie hatten zwei Töchter namens Catharina und Margarethe, die beide als Kinder starben.
Von der Forschung vernachlässigt
Trotz seiner herausragenden Rolle in den Bündner Wirren wurde bis jetzt, soweit uns bekannt ist, keine Biographie von Ritter Rudolf veröffentlicht. Immerhin steht ein Wikipedia-Artikel zur Verfügung.
Solange das Quellenmaterial über Rudolf von Planta einer systematischen Auswertung harrt, bleibt die beste Informationsquelle über ihn die «Chronik der Familie Planta» von Peter von Planta von 1892. Der Chronist schreibt über seinen streitbaren Vorfahren: »Ritter Rudolf, welcher durch Geistesgaben und hervorragende Stellung Haupt Aller [Planta] gewesen wäre, ging seine eigenen Wege, war selbstsüchtig und eigenmächtig» (S. 163/64).
Sein politischer Gegner Ulysses von Salis-Marschlins äussert sich im Zusammenhang mit Rudolfs Ernennung zum Hauptmann einer französischen Compagnie folgendermassen über ihn: «Rudolf Planta verliess die Bünde mit keiner der besten Compagnien, aber equipiert wie ein Oberst; dabei war er von schöner Statur, aber so stolz, dass er die übrigen Hauptleute über die Achsel ansah und selbst seinen Obersten wenig respectierte [...]. Am lächerlichsten aber war, dass er selbst um Bassompierre, General über die eidgenössischen Truppen, sich wenig zu bekümmern den Anschein gab [...]» (Denkwürdigkeiten, S. 34).
Agent von Frankreich – oder Spanien?
Die französische Compagnie hatte Ritter Rudolf im Jahr 1614 erhalten, zum Dank für seine Bemühungen um die Beendung des venedischen Bündnisses in den vorangehenden Jahren. Dazu gehörte beispielsweise das Zuozer Einverständnis von 1612: in Absprache mit (oder auf Anweisung?) von Charles Paschal, dem französischen Gesandten, hatte Rudolf von Planta einige Gemeinden des Gotteshausbundes überzeugt, ein Abkommen zu schliessen, gemäss dem sie nie wieder mit Venedig ein Bündnis schliessen und fortan nur mit Frankreich verbündet bleiben würden. Auch Rudolfs Schwager Johann Schalkett unterzeichnete im Namen der Gemeinde Bergün das Zuozer Einverständnis.
Rudolf von Planta war aber, wieder in den Worten von Ulysses von Salis, «im Inneren mehr spanisch als französisch», was sich in der Folge immer wieder zeigen sollte. Als 1617 in den Gemeinden über einen neuen Vorschlag zu einem venedischen Bündnis beraten wurde, schickte er beispielsweise fünfzig Musketiere los, um die Gemeinden von einer Annahme des Bündnisses abzubringen.
In Thusis verurteilt
1618 wurde er wegen dieser und vielen anderen Aktionen zugunsten Spaniens vom Thusner Strafgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er flüchtete mit seinen Getreuen (z.B. Bruder Pompejus, Neffe Daniel, Schwager Fabio Prevosti) ins Ausland. Von dort aus zog er weiterhin die Fäden und war mitverantwortlich für die folgenden kriegerischen Ereignisse: der Veltliner Mord 1620 wurde angeführt von Giacomo Robustelli, dem Schwiegersohn von Rudolfs im Veltlin verheirateten Schwägerin Anna Travers Besta, und beim Einfall der Österreicher 1621 ritt er an der Seite des Obersten Baldiron ins eroberte Unterengadin ein.
1622 konvertierte Rudolf von Planta zum Katholizismus und lebte später auf seinem Schloss in Rametz/Tirol, wo er 1638 starb.
Bildnachweis
Porträt von Rudolf von Planta, 1624: Rätisches Museum, Chur
Online
Eintrag zu Ritter Rudolf von Planta im Historischen Lexikon der Schweiz.
Das Strafgericht von Thusis auf Wikipedia.
Literatur
Pfister, Alexander: Georg Jenatsch: Sein Leben und seine Zeit. Basel, 1951.
Planta, Peter von: Chronik der Familie von Planta nebst verschiedenen Mittheilungen aus der Vergangenheit Rhätiens. Zürich, 1892.
von Salis-Marschlins, Ulysses: Des Mareschal de Camp Ulysses von Salis-Marschlins Denkwürdigkeiten. Herausgegeben von Conradin von Mohr, Chur 1858. Online abrufbar hier.
Sprecher von Bernegg, Fortunat: Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien von 1618 bis 1645 heimgesucht wurden. Auf Deutsch herausgegeben von Conradin von Mohr, Chur 1856. Online abrufbar hier.