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Alles beginnt mit einer Frau mit Schizophrenie und Epilepsie
Mehrere Jahre steht Adriana Bugatti im Sozialdienst der italienischen Kirchgemeinde San Francesco in Winterthur. Im dortigen Centro Sociale der Missione Cattolica kommt sie mit notleidenden Personen in Kontakt. Dank ihrer Zweisprachigkeit erhält sie Einblick in verschiedene Bereiche und kann so viel erfahren und lernen. Selbst während der Familienzeit hilft und unterstützt sie ehrenamtlich viele Personen und Familien der italienischen Gemeinde in Winterthur – sei es bei Problemen oder Verständigungsschwierigkeiten mit Behörden, Schulen oder Ärzten.
Nach der Familienzeit entscheidet sich Adriana Bugatti, eine Frau mit Schizophrenie und Epilepsie in einer Wohnung zu betreuen. Sie hilft ihr, sich im Alltag zurechtzufinden und selbständig zu werden. Zusätzlich sucht sie mit ihr eine geschützte Arbeitsstelle. Nachdem eine Arbeitsstelle und eine eigene Wohnung gefunden sind, begleitet Adriana Bugatti die Frau weiterhin in ihrer Entwicklung – mit regelmässigen Besuchen und Gesprächen, was die Integration in Arbeit und Gesellschaft stärkt.
Diese empathische und konsequente Betreuung ist es auch, die schon kurze Zeit nach dem Eintritt der ersten Bewohnerin für regelmässige Anfragen nach weiteren Betreuungsplätzen sorgt. In der Folge mietet Adriana Bugatti 1990 eine grössere Wohnung, um drei Bewohner*innen aufzunehmen. Es ist der Beginn einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Leiter des Sozialdienstes der Psychiatrie Rheinau und dem Leiter der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich: Sie helfen beim Aufbau des betreuten Wohnens und stehen stets als Berater zur Seite.
Steigende Nachfrage und Häusertausch
Wegen der steigenden Nachfrage entscheidet sich Adriana Bugatti, ein Haus zu kaufen. Ziel ist es, ein Wohnheim aufzubauen, das ein Zuhause für Bewohner*innen ist, ohne sie von der Gesellschaft zu verstecken. 1993 kauft sie das Haus an der Pflanzschulstrasse 7 und baut es zu einem Wohnheim um. Mit der Hilfe des Leiters der Abteilung Heimwesen, Gesundheitsdirektion der Fürsorge des Kantons Zürich, wird dieser Schritt geplant und bewilligt.
Somit startet am 7. Juni 1993 das Wohnheim Pension Bugatti mit 12 Wohnplätzen. Doch 1995 erhält Adriana Bugatti die Information, wonach auf dem Areal um die Pflanzschulstrasse 7 ein grösseres Einkaufszentrum geplant ist. Es folgt die Suche nach Alternativen. Die Verhandlungen erstrecken sich über ein Jahr. Mit der zusätzlichen Unterstützung der Stadt Winterthur, der SUVA und der Post als Liegenschaftsbesitzerin, der Lerch (Bauunternehmen des Einkaufszentrums) kann ein komplizierter «Häusertausch» stattfinden.
Ein wichtiger Beitrag für die Gesellschaft
Die Arbeit mit Menschen am Rande der Gesellschaft liegt im Interesse der Öffentlichkeit. Gerade weil diese Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leistet, erhält Adriana Bugatti viel Zuspruch: Sie kann 1996 das renovationsbedürftige Haus an der Tösstalstrasse 66 übernehmen. Das Haus wird somit auf die Bedürfnisse der Bewohner*innen angepasst.
Obschon das Haus 16 Wohnplätze bietet, ist der Andrang bereits zwei Jahre später so gross, dass eine zusätzliche Mietwohnung in der Nähe erforderlich ist. Aus der Not entsteht eine tugendhafte Idee: Eine Aussenwohngruppe für drei Personen, die schon autonomer leben können. Das Konzept der Aussenwohngruppen stösst auf sehr grosses Interesse, da es die momentanen Bedürfnisse vieler psychisch beeinträchtigter Menschen abdeckt.
Neue Bedürfnisse entstehen
In der Folge kommen vier weitere Wohnungen hinzu, die Anzahl der Wohnplätze steigt auf 29. Die Nachfrage nach selbständigem und dennoch betreutem Wohnen hält weiterhin an: Viele Interessenten fragen nach einer eigenen Wohnung, bei der die Betreuung trotzdem gewährleistet ist. Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, eröffnet 2007 an der Hörnlistrasse 12 das Wohntraining. Das vollkommen renovierte und den Bedürfnissen angepasste Haus besteht aus zehn Studios mit einem eigenen Bad und einer eigenen Küche.
Mit den weiteren dazu gemieteten Aussenwohngruppen kommt es schliesslich im Haupthaus zu räumlichen Engpässen. Betroffen sind vor allem der Aufenthaltsraum und die Küche. Eine Erweiterung wird nötig: 2010 führt die Pension Bugatti einen Architekturwettbewerb durch, und im Mai 2012 starten die ersten Aushubarbeiten, bis 2013 der Neubau «Lars» steht: Entstanden ist ein Haus mit zusätzlichen vier Zimmern, einer Gastroküche und einem Aufenthaltsraum für ca. 60 Personen.
Die Pension Bugatti hat auch in diesem Fall bedürfnisorientierte Lösungen geschaffen und wird dies auch in Zukunft weiterhin tun.