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Gold
(lat. aurum, frz. or, engl.
gold). Dieses allbekannte und allgesuchte metallische Element bildet nicht nur einen der wichtigsten
Hebel des Gewerbfleißes und Handels, sondern selbst eine starke welthistorische Triebfeder, die auf die Unternehmungen und
Schicksale ganzer Völker, auf Entdeckung, Eroberung und Besiedelung so mancher Länder entscheidenden Einfluß geübt
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hat und noch übt. Zu allen Zeiten war das
Gold das höchst gewertete unter den in den Verkehr kommenden Metallen und nächst
ihm in der Wertskala stand und steht das Silber. Abgesehen von der höheren Schönheit des
Goldes, seiner Widerstandsfähigkeit
gegen vielerlei Einwirkungen etc., bleibt seine Seltenheit immer der Hauptfaktor
zur Wertbestimmung. Trotz des häufigen spurenweisen Vorkommens des Metalls sind die Ertrag gebenden
Goldregionen bei weitem
in der Minderzahl gegen die des Silbers; die natürlichen Vorräte beider scheinen sich auch annähernd umgekehrt zu verhalten
wie ihre Preise. Das gegenseitige Wertverhältnis von Silber und G. hat seit mehreren hundert Jahren nur
zwischen 1:14 und 1:16 geschwankt und im Durchschnitt bis vor wenig Jahren 1:15 betragen, so daß man für 1 kg reines G. 15 kg
Silber kaufen konnte. Durch Einführung der
Goldwährung in einigen Ländern, namentlich in Deutschland und durch die
überreichen Silberfunde in Nevada hatte sich das Verhältnis eine Zeitlang (1876)
auf 1:17½ gestellt. - Das G. kommt infolge seiner sehr geringen Verwandtschaft zu Sauerstoff und Schwefel in der Natur auch
nur gediegen, doch aber fast nie als ganz reines Feingold, sondern gewöhnlich mit kleinen Anteilen Silber vermengt vor, wie
denn umgekehrt auch das Silber in der Regel eine Wenigkeit G. mit sich führt;
auch enthält das natürliche G. zuweilen kleine Mengen andrer Metalle, so z. B. das G. vom Ural etwa 2%, solches aus Chile 4% fremde Metalle, nämlich Silber, Kupfer und Eisen. Das kalifornische G. ist etwas iridiumhaltig und hat dadurch einen grünlichen Schimmer;
in andren Fällen ist es oft sehr silberhaltig;
die dortigen Felsengebirge führen auf der Westseite G., auf der Ostseite Silber, und wo beide in einander übergehen, können natürliche Legierungen vorkommen, in denen beide Metalle zu gleichen Teilen vertreten sind.
Enthält das G. über 20% Silber, so betrachtet man es als besondre Mineralspezies und nennt es Electrum. Palladiumhaltiges Golderz nennen die Bergleute faules G., die Mineralogen Porpezit. Das australische Metall, namentlich das in größeren Stücken gefundene, ist im allgemeinen sehr rein und ergibt zuweilen 99½% Feingehalt. Die Weichheit des Metalls und daherrührende leichte Teilbarkeit hat auf das Vorkommen desselben den größten Einfluß. So findet es sich in manchen Gebirgsarten und Erzen so fein eingesprengt, daß es mit freiem Auge nicht zu erkennen ist.
Schwefelkiese (Schwefeleisen) enthalten häufig etwas G. und heißen dann Goldkiese, ebenso kommt es im Kupfer- und Arsenikkies, in der Zinkblende, im Grauspießglanzerz, in Bleierzen vor. In früheren Zeiten waren die russischen Kupfermünzen so goldhaltig, daß es sich der Mühe lohnte sie außer Landes zu führen und das Gold herauszuziehen. Ältere Silbermünzen werden noch fortwährend massenhaft aufgelöst um ihres Goldgehaltes willen. In Siebenbürgen und in Südamerika finden sich auch goldreiche Tellursilbererze. In Felsarten wie Quarz, Gneiß, Glimmer- und Talkschiefer, Grünstein, zuweilen auch in Serpentinen und Graniten steckt es entweder ebenso mikroskopisch verlarvt oder es erscheint als „Freigold“ sicht- und greifbar als Schüppchen, Blätter, Bleche, haar- oder moosartig, ferner kristallisiert als Würfel, Oktaeder etc., oft schlackenförmig, wie geflossen oder getropft, in seltneren Fällen in größeren Massen als Ausfüllung von Klüften und Rissen.
Die größte Verbreitung hat aber das in seiner Versetzung auf die zweite Stelle, im Schwemmland, wo mächtige Naturgewalten die ehemaligen goldführenden Gebirge zertrümmert, pulverisiert, in Sand und Geröll verwandelt haben oder wo eine langsame Zersetzung im Laufe der Zeiten dieselbe Wirkung hervorbrachte. Hier also hat die Natur dem Menschen schon bedeutend vorgearbeitet, denn die Gewinnung dieses sog. Waschgoldes durch Schlämmarbeit und allenfalls Amalgamation ist mit viel weniger Schwierigkeiten verbunden als das Ausbringen von Berggold unter Brechen und Zermahlen der ganzen Felsmassen.
Gleichwohl hat man sich selbst in dem reichen Kalifornien schon länger zu dieser letzteren Art des Betriebes entschließen müssen, da das oberflächliche Waschen zu wenig ergiebig geworden. Angeschwemmte Schichten und Lager von Bergabfällen erschöpfen sich natürlich bald, und das Tiefergraben ist vergebens. Auch in Australien wird schon viel bergmännisch gearbeitet. Bei dem oberflächlichen Abbau hat sich gefunden, daß das Einschlagen nur dann von gutem Erfolg ist, wenn in der Tiefe ein ehemaliger Wasserlauf getroffen wird. In der mutmaßlichen Verlängerung solcher alter Rinnsale etablieren sich dann bald viele Goldgräber.
Kalifornien und Australien sind bekanntlich jetzt die beiden hauptsächlichsten Goldquellen. Zunächst jenen beiden Ländern stehen die russischen Goldwäschereien am Ural und im östlichen Sibirien, wo sich das Metall in Begleitung von Platin, Iridium, Palladium etc. im Sande findet. Die letztere Gegend ist die neuere und ertragreichere; die uralischen Wäschereien werfen nicht viel mehr ab. Der gesamte russische Jahresertrag wird auf circa 25000 kg angeschlagen; die Gewinnung ist ein mühsames Auswaschen aus kolossalen Sandmassen. Im höheren Norden der amerikanischen Westküste (Fraserfluß), dann auch diesseits, in Neuschottland, Kanada, hat man je nach Laune des Glücks viel oder wenig oder gar kein G. gefunden.
Später wurde Neuseeland heimgesucht, und die unwirtliche kaum bewohnte südliche Hauptinsel dieser Gruppe wird jetzt von Goldgräbern durchwühlt und durchzogen. Hier ist besonders das Wasser deren Widersacher; die häufigen Regen machen durch Anschwellen der Bergwässer die besten Waschplätze wochen- und monatelang unzugänglich. Unter den länger bekannten Goldländern war einmal Brasilien das ertragreichste; gegenwärtig hat sich die Ausbeute durch politische und soziale Verhältnisse sehr abgemindert und dürfte von Chile übertroffen werden, wo die Wäscherei fleißig betrieben wird. Der chilesische Sand ist doppelt so reich an G. als der sibirische. Afrika ist von Alters her als Goldland bekannt und liefert auch jetzt noch einen nicht zu verachtenden Beitrag. Es gibt dort keine von ¶
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Weißen betriebenen Werke, sondern das Metall kommt als Staub in Beutelchen oder Federkielen, oder zu Ringen u. dgl. verarbeitet an die Küsten. Europa ist, mit Ausnahme Österreichs, an G. ganz verarmt und es klingt uns wie Fabel, daß früher an vielen Orten am Fichtelgebirge, Thüringerwald, in Schlesien, Böhmen G. gewaschen worden. Noch heute wäre dies nicht unmöglich, aber es lohnt nicht mehr. In der Gegend von Goldberg und Löwenberg ziehen sich goldführende Sandlager auf mehrere Quadratmeilen unter der Ackerkrume hin, nur ist des Goldes zu wenig oder des Sandes zu viel.
Nicht viel besser steht es mit unsern goldführenden Flüssen. Der Rhein in seinem oberen Laufe, die Donau und ihre größeren Zuflüsse führen in ihrem Sande, das im ersteren Flusse ein 13 Milliontel des Sandes betragen soll. Das Ausbringen eines so winzigen Bruchteils wirft immer nur einen gewöhnlichen Taglöhnerverdienst ab, daher sich auch nur ganz wenig Leute, am meisten wohl noch Zigeuner in Siebenbürgen und Ungarn, auf dieses ohnehin nur im Sommer zu betreibende Geschäft verlegen. Doch wird auch auf bergmännische Weise in Österreich neben Silber etc. G. gewonnen, wovon Siebenbürgen und nächstdem Ungarn das Meiste liefern, während auch einiges aus Salzburg und Tirol hinzukommt. Deutschland selbst erntet G. nur als kleinen Nebengewinn bei Verhüttung von schwefligen Kupfer-, Blei- und Arsenikerzen so namentlich in Schlesien, im Erzgebirge und im Harze. - Die Goldproduktion der verschiednen Länder der Erde wird, soweit sie überhaupt bekannt ist, für die letzte Zeit auf jährlich 568000000 Mk. angegeben, hiervon entfallen auf
|Millionen Mk.|
|Australien (Festland)||190|
|Neuseeland und andre Inseln||40|
|Brittisch Kolumbien||4,8|
|Neuschottland und Kanada||0,8|
|Vereinigte Staaten||180|
|Mexiko||4,4|
|Kolumbien und Venezuela||12,6|
|Französisch Guyana||9,8|
|Brasilien||5,6|
|Russisches Reich||104|
|Ungarn||4|
|Afrika||8|
|Andre Länder||4|
|Summa||568 Mill. Mk.|
Die Goldproduktion im Deutschen Reiche wird für 1880 auf 1179383 Mk. angegeben; leider sind hierbei noch einige Werke mit ihren Angaben im Rückstand. - In seltenen Fällen wird das in beträchtlichen soliden Klumpen gefunden; der größte australische wog 74 kg. Das meiste ist Waschgold in kleinen und kleinsten Partikeln. Wenn dieses im rohen Zustande in den Verkehr kommt, ist es noch sehr unrein und sein Wert zweifelhaft. Meistens wird daher der durch das Waschen erhaltene Bodensatz bald amalgamiert, d. h. mit Quecksilber vermischt, welches das G. aus den fremden Substanzen aufnimmt.
Durch Abdestillieren des Quecksilbers in eisernen Retorten erhält man dann das Quecksilber wieder, während das G. zurückbleibt. Ebenso verfährt man mit gemahlenem goldhaltigen Gestein und es gereichte der kalifornischen Goldgewinnung zum großen Aufschwunge, als das dazu nötige Quecksilber unverhofft in der Nähe gefunden wurde und nicht mehr aus Spanien geholt zu werden brauchte. Goldhaltige Schwefelkiese werden ebenfalls meistens gepocht, gemahlen und amalgamiert, zuweilen auch das G. durch Chlorwasser ausgezogen.
Aus Blei- und Kupfererzen endlich, wenn sie neben Silber etwas G. enthalten, arbeitet man nur auf das erstere und erhält dadurch eine Legierung von beiden, die dann durch die Scheidungsarbeit getrennt wird. Alles hüttenmännisch aus den Erzen andrer Metalle gewonnene G. kommt in der Regel wegen des mühsamen Ausbringens sehr teuer zu stehen, zumal da es neben dem gewöhnlichen Silbergehalt auch noch etwas Antimon, Zinn und Blei enthalten kann, von denen es befreit werden muß, da schon 1/2000 dieser unedlen Metalle hinreicht, die Dehnbarkeit des Goldes stark zu beeinträchtigen.
Man schmilzt daher das G. mit Borax und Salpeter, wodurch die fremden Metalle (Silber ausgenommen) oxydiert werden und mit den Salzen eine obenschwimmende Schlacke bilden. Das Silber muß dann in den meisten Fällen auch noch abgeschieden werden, wozu man sich früher der Salpetersäure, jetzt der Schwefelsäure in nachstehender Art bedient. Die in neurer Zeit entstandenen Scheide- oder Affinieranstalten, deren es in Paris, Hamburg, Frankfurt a. M., München, Wien, Petersburg gibt, zerlegen alte Silbermünzen und Geräte in Silber, Kupfer und G., und liefern somit einen dauernden kleinen Beitrag zur Vermehrung des letzteren.
Das goldhaltige Silber wird erst geschmolzen und durch Eingießen in kaltes Wasser gekörnt, dann in gußeisernen oder Platinkesseln durch heiße Schwefelsäure gelöst, wobei die entstehenden Dämpfe von schwefliger Säure gleich wieder in Bleikammern geleitet und in Schwefelsäure zurückverwandelt werden. Die Säure löst das Silber und das demselben immer zugesetzte Kupfer auf, während das G. als braunes Pulver übrig bleibt. Das so erhaltene Scheidegold ist wegen eines Rückhalts an Silber und eines häufig vorkommenden kleinen Platinagehalts noch einer besondren Reinigung zu unterwerfen. In die Lösung von Silber und Kupfer werden Kupferplatten gestellt, welche alles Silber als weiße schwammige Metallmasse ausfällen und dafür Kupfer abgeben, sodaß schließlich die Lösung nur noch aus schwefelsaurem Kupferoxyd, also Kupfervitriol besteht, welcher kristallisiert eine sehr reine, leicht absetzbare Ware bildet.
Auch das gefällte Silber ist so rein, daß es größtenteils auf Höllenstein für die Photographie verarbeitet wird. Diese Scheidungsmethode ist auch dann noch mit Vorteil anwendbar, wenn die Goldausbeute nur 1/10% beträgt. Ein andres, in neurer Zeit aufgekommenes Affinierverfahren zur Scheidung von G. und Silber besteht darin, daß man in die geschmolzne Metallmischung Chlorgas leitet (mittels eines Thonrohres). Das geschmolzne Silber verbindet sich mit dem Chlor zu Chlorsilber, während das G. ¶