Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03578.jsonl.gz/1091

"Dekonstruktivismus" bezeichnet ein Konzept von J. Derrida, nach welchem die Hermeneutik ein Herrschaftswissen produziert, welches dekonstruiert werden muss, indem man die Voraussetzungen der Hermeneutik problematisiert (vergleiche dazu Gadammer und Derrida). J. Derrida's Ausdruck Dekonstruktion richtet sich gegen das hermeneutische Denken in der Philosophie, indem er gerade das, was durch die "Konstruktion" der jeweiligen Deutungen ausgeblendet wird, untersucht. Das grundlegende Konzept, das in sogenannten Differenztheorien verwendet wird, bezeichnet J. Derrida als Différance. J. Derrida schreibt ausdrücklich, dass Dekonstruktion keine Wissenschaft sei, weil sie keine Methode habe.
J. Derrida schreibt ziemlich wild und wohl bewusst begriffslos. Ich erkenne bei ihm die Entkoppelung von Text und Deutung, was eben Text befreit - was dann J. Derrida beliebig überreizt, indem er in allem, was es gibt Text erkennt.
Anmerkungen:
Der Dekonstruktivismus kann als Komplement zum Konstruktivismus gesehen werden. (Immerhin ist anzunehmen, dass der Ausdruck "Konstruktion" in beiden Fällen eine nicht bewusst gewählte Metapher ist).
N. Luhmann: "Für uns ist allerdings Dekonstruktion nichts anderes als Rückführung auf die operative Einheit Selbstreferenz/Unterscheidung, die ihrerseits nur als Medium möglicher Formbildungen interessiert" (GdG: 873).
"In Anlehung an Martin Heideggers Begriff Dekonstruktion prägte der Pariser Philosoph Jacques Derrida den Terminus Dekonstruktion, der sich nicht bloss auf den deutschen Umgang mit Werken der philosophischen, sondern auch der literarischen Tradition bezieht. Die Dekonstruktion kritisiert das methodische Denken, das mit einer totalisierenden Sprache alles und jedes auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen versucht. Solche Grosstheorien, die mit Gegensatzpaaren arbeiten, sind zum Beispiel der Idealismus (Geist - Materie), der Marxismus (Bürgertum - Proletariat) und die Psychoanalyse (Bewusstsein - Unbewusstsein). Bei solchen klassischen philosophischen Gegensätzen handelt er sich um gewaltsame Hierarchien. Die Dekonstruktion will die innere Widersprüchlichkeit bestehender Textsysteme aufdecken, veraltete Ordnungsprinzipien aufheben und durch die Kreation neuer Begriffe die Grenzen der herkömmlichen Denk- und Sprachgewohnheiten sprengen" (TAGES-ANZEIGER, 7. Juni 1994, S.12).)
"Uns Japaner befremdet es nicht, wenn ein Gespräch das eingentlich Gemeinte im Unbestimmten lässt, es sogar ins Unbestimmbare zurückbirgt.
F Dies gehört, meine ich, zu jedem geglückten Gespräch zwischen Denkenden. Es vermag wie von selbst darauf zu achten, dass jenes Unbestimmbare nicht nur nicht entgleitet, sondern im Gang des Gespräches seine versammelnde Kraft immer strahlender entfaltet.
J An diesem Glückhaften fehlte es wohl unseren Gesprächen mit dem Grafen Kuki. Wir Jüngeren forderten ihn zu unmittelbar heraus, unser Wissenwollen durch handliche Auskünfte zufrieden zu stellen.
F Das Wissenwollen und die Gier nach Erklärungen bringen uns niemals in ein denkendes Fragen. Wissenwollen ist stets schon die versteckte Anmassung eines Selbstbewusstseins, das sich auf eine selbsterfundene Vernunft und deren Vernünftigkeit beruft. Wissenwollen will nicht, dass es vor dem Denkwürdigen verhoffe" (Heidegger, 1985, 95).