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Buch:

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Autor:
| ||nightdragon (Profil)

Datum:
| ||23.12.2016 22:21

Es schmeckte nicht.
Miriam saß an einem ramponierten Holztisch und würgte ,angestrengt um ein Lächeln bemüht, den kalten Haferschleim herunter, den Darius ihr mit der Lebhaftigkeit eines Toten in die Hand gedrückt hatte. Sie war sich ziemlich sicher, dass er seit sie ihm begegnet war nicht ein einziges Mal geblinzelt hatte.
Vorsichtig hob sie den Blick.
Ihr merkwürdiger Gastgeber saß ihr mit verschränkten Armen gegenüber und starrte sie an, mit einem Blick, der sie auf unangenehmste Weise an einen Falken erinnerte.
Sie schauderte und senkte den Kopf wieder.
Wie war sie nur hier rein geraten?
Das Ganze musste ein Traum sein. Es war doch völlig absurd. Ein Haus unter der Erde, noch dazu mitten im Wald, ein Nekromant mit dem Blick eines Geiers, der nicht kochen konnte, Kaelon, der sich in sie verliebt hatte.
Sie ließ den Löffel sinken.
Richtig. Kaelon.
Träume sind Ausdruck unserer Wünsche, Alpträume Ausdruck unserer Ängste.
Das hatte ihre Mutter sie gelehrt.
Wünschte sie sich, dass Kaelon sie liebte? Oder hatte sie Angst davor?
Was für ein Blödsinn. Er war ein Geist, das würde sowieso nicht funktionieren. Außerdem war er bestimmt schon mehrere hundert Jahre älter als sie. Sicher hatte er schon eine Geliebte.
Und Darius?
Was für eine Rolle spielte er in ihrem Traum?
Hatte sie Angst vor schlechtem Essen? Oder fürchtete sie sich vor Greifvögeln? Und warum lebte er in einem Gängesystem unter der Erde? Hatte sie etwa Platzangst?
Nein, das konnte nicht sein.
Soviel also zu den Lehren ihrer Mutter. Jedenfalls hielt sie es für ratsam, bald aufzuwachen, bevor dieser seltsame, alte Mann es fertigbrachte, sie zu vergiften.
Aber wie? Wie weckte man sich selbst auf? Ob es wohl reichte, wenn sie sich in den Arm kniff?
"Alles in Ordnung?"
Sie sah auf.
Darius Augen sahen sie aus wenigen Zentimetern Entfernung an. Unwillkürlich wich sie zurück.
"Ja, wieso?"
Der Nekromant, oder was auch immer er war, lehnte sich beruhigt zurück.
"Ihr saht aus, als plantet Ihr, Euch den Kopf an der Tischplatte anzuschlagen." Täuschte sie sich, oder klang er amüsiert? "Ich an Eurer Stelle würde das lassen", fuhr er fort. "So etwas kann üble Folgen haben."
Miriam wurde rot. Ob vor Wut oder Scham konnte sie nicht sagen. Machte er sich etwa über sie lustig?
Sie öffnete den Mund, um etwas zu entgegnen.
Nein, das war dumm. Allerdings, es war ein Traum, wenn interessierte da schon, was dumm war und was nicht. Am besten antwortete sie einfach direkt und ehrlich.
"Um die Wahrheit zu sagen, hatte ich ähnliche Pläne", sagte sie mit zitternder Stimme. Ich überlegte gerade, ob ein Kniff wohl reichen würde, um mich aufzuwecken und diesem Firlefanz ein Ende zu bereiten."
Darius sah sie an.
Lange, lange Zeit.
Zeit, die sie damit verbrachte, sich zu fragen, ob sie unhöflich gewesen war, und ihre verschwitzten Hände an ihrem Kleid abzuwischen.
Endlich stand Darius auf. Zum ersten Mal wurde sie sich seiner enormen Körpergröße bewusst. Er überragte sie um Einiges. Das Talglicht vor ihr warf flackerndes Licht auf sein schmales Gesicht und ließen seine durchdringenden, grauen Augen gefährlich blitzen. "In der Tat", sagte er ernst, wobei seine Stimme fast etwas finsterer klang als sie es noch vor Kurzem getan hatte. "Vielleicht ist das Alles hier", er wies auf die Wurzeln, die sich selbst hier durch die Erde gruben, und die kargen Wände, "Nur ein Traum." Langsam trat er auf sie zu, Die Augen fest auf sie gerichtet. "Vielleicht bildet Ihr Euch das alles nur ein." Seine Stimme wurde lauter und während er immer näher kam, schien der Raum zu schrumpfen und die Schatten zu wachsen. Die Spiegelung der Flamme brannte in seinen Pupillen und flackerte zornig auf und ab. "Vielleicht bin ich auch nur eine Einbildung. Vielleicht sogar Kaelon oder Eure Mutter. Vielleicht heißt Ihr ja gar nicht Miriam. Vielleicht ist es wirklich Zeit, aufzuwachen. Vielleicht solltet Ihr Euch einmal fragen, wie lange Ihr überhaupt schon träumt!"