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Entstehung des Staatskellers
Entstehungshintergrund bildete der Wunsch der Regierung, ihre Gäste in eigenen Räumlichkeiten («in der eigenen Stube») bewirten zu können. Als unmittelbarer Anlass zur Erfüllung dieses Wunsches diente das Kantonsjubiläum von 1953 (150 Jahre Kanton St.Gallen), als zu diesem Zweck das st.gallische Gewerbe Fr. 60'000.- (vgl. Mauerinschrift an der hinteren Wand des Raumes), der Kanton die verbleibenden Fr. 30'000.- stiftete. Gebaut wurde in den Jahren 1951-53 unter der Leitung von Rudolf Stuckert vom Kantonalen Hochbauamt und unter tatkräftiger Mithilfe von Equipen des Baumeister- sowie des Zimmermeisterverbands der Stadt St.Gallen. Die Übergabe und Einweihung erfolgte am 17. August 1953, unter Leitung des Präsidenten des kantonalen Gewerbeverbands (Josef Strässle, Kirchberg) sowie von Landammann Paul Müller, der sich im Namen der Regierung für das willkommene Geschenk bedankte.
Bauliche Ausstattung
Von der Gebäudehülle her handelt es sich um ein verputztes Massivmauerwerk, das gegen oben abgeschlossen wird durch eine hölzerne Balkendecke. Besonders zu beachten ist der Längsträger, der im Sitterwald aus einer Tanne von ungefähr gleichem Alter wie der Kanton geschnitten wurde und auf den sich der folgende Vers des bekannten St.Galler Historikers Georg Thürer (1908-2000) bezieht:
«Ihr fragt mich nach dem Heimatschein,
Ich war des Staatswalds Hättern längster Sohn,
An 40 Meter hoch und alt gleich dem Kanton,
Die Decke hält und Ihr sollt fröhlich sein.»
Die Deckenfelder zwischen den Balken zeigen - ähnlich der Ausschmückung des Grossratssaales - die Wappen der ehemaligen Landschaften sowie der Orte mit altem Stadtrecht im heutigen Kantonsgebiet (vgl. Skizze mit Legende in Lendi 1973).
Das auffällige Sgraffito an der Seitenwand Richtung Eingangstreppe wurde geschaffen von Walter Vogel (1899-1994), einem Künstler aus St.Gallen, geschenkt von den anno 1953 mitjubilierenden Kantonen Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin und Waadt. In Abweichung von der ursprünglichen Idee, die Wappen der Weinbaugemeinden im Kanton anzubringen, will die Darstellung dem Betrachter die topografischen, geografischen, historischen und wirtschaftlichen Besonderheiten des Kantons nahebringen.
Funktion und Organisation
Von seiner Funktion her dient der Staatskeller seit seiner Schaffung dem Empfang und der Bewirtung von Gästen der Regierung. Dabei steht er ausschliesslich den Mitgliedern der Regierung und dem Staatssekretär zur Verfügung und wird – im Unterschied zum Pfalz- und Hofkeller – nicht privat vermietet.
Organisation und Zuständigkeiten:
- Die Berechtigung zu Einladungen liegt denn auch alleine bei den genannten Magistratspersonen; die Reservation muss zwingend über das Generalsekretariat des entsprechenden Departements erfolgen.
- Die Bewirtung und Bedienung der Gäste oblag ursprünglich dem Standesweibel und seiner Frau, heute ist eine eigens dafür eingestellten Staatskeller-Wirtin (Staatskanzlei) zuständig.
- Was den offerierten Speis und Trank anbelangt, so hiess es in einer frühen Dienstanweisung aus dem Jahr 1972: «Die Abgabe von Speisen soll sich beschränken auf grillierte Bratwürste, grillierte Schüblinge oder Trockenfleisch sowie Torten. Bei Anlässen, die nach 18.00 Uhr beginnen, können keine warmen Speisen mehr abgegeben werden.» Während sich Letzteres geändert hat, ist die Menupalette bis heute im Wesentlichen dieselbe geblieben. Zu den Wurstspeisen werden traditionellerweise St.Galler Bürli serviert und St.Galler Wein ausgeschenkt, dazu je nach Anlass ein Dessert (Kaffee und Kuchen). Wohl auf Wunsch seitens der Gäste wurde das Angebot in jüngster Zeit punktuell ergänzt, etwa durch eine vegetarische Variante oder durch Bier (St.Galler Klosterbräu).
Illustre Gäste und Anlässe
Aufschluss darüber, welche Gäste bisher von der Regierung im Staatskeller bewirtet wurden, gibt das Gästebuch, das seit der Eröffnung des Kellers geführt und im April 2011 dem Staatsarchiv übergeben worden ist. Der Band ist in Kalbspergament gebunden und mit goldenen Beschlägen bzw. Goldprägung versehen. Entworfen und hergestellt wurde das Gästebuch zusammen mit dem dazugehörigen Schuber von der St.Galler Firma Louis Rietmann & Co.; im Begleitbrief der Firma von 1953 heisst es dazu: «Material und Verarbeitung sind so, dass das Buch Generationen überdauert. »
Das Gästebuch enthält v.a. Autographen, welche oftmals von Gelegenheitspoesie begleitet sind. Als Beispiele illustrer Gäste seien genannt:
· Autographe von Halldór Kiljan Laxness (1902-1998, isländischer Literatur-Nobelpreisträger),
· Bundesrat Georges-André Chevallaz (1915-2002),
· Staatsrat Flavio Cotti (späterer Bundesrat);
· Urkunde «Dank der ungarischen Flüchtlinge» (1966)
· Gedicht «Sangalle Meister - wer het da denkt» (2001)
Der Band dokumentiert daneben aber auch das republikanische Staatsverständnis: Neben den Einträgen von Prominenten finden sich auch zahlreiche Einträge von Vereinen bzw. «gewöhnlichen Bürgern».