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Ursprung und Entwicklung der Studentenverbindung in Deutschland
Schon früh waren Studenten bestrebt, sich in Gruppen zu vereinigen. Dadurch wurde ihr Einfluss in der Öffentlichkeit und an den Universitäten gestärkt. Nicht zuletzt wurde dadurch auch die Geselligkeit gefördert.
Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert war Deutschland in viele kleine innerdeutsche Teilstaaten zersplittert. Die Studenten, welche demselben Staat angehörten, schlossen sich an den verschiedenen Universitäten zu sogenannten Landsmannschaften zusammen. Sie wahrten mit unterschiedlichem Eifer die nationalen Interessen ihrer Studenten, auch wenn es nach aussen vielleicht mehr ein partikularistisches Verhalten war.
Diese ersten Vereinigungen, die zuerst weder Namen trugen noch festgelegte Grundsätze besassen, nahmen allmählich fester gefügte Formen an. So tauchte im Jahre 1770 erstmals der ‘Comment’ auf, der das Zusammenleben der Studenten bis ins Kleinste regelte. Die Regeln betrafen schon damals Sitten, Kleidung und Anstand und stellten ein eigentliches Gesetzbuch für das deutsche Studententum dar.
Aus den Landsmannschaften entwickelten sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts zuerst studentische Orden mit bestimmter Symbolik und komplizierten Ritualen; sie waren den Freimaurerlogen sehr ähnlich. Diese komplizierten, im Grunde genommen unstudentische Gebilde, verschwanden aber nach kurzer Zeit.
Dafür entstanden etwa zwischen 1789 und 1810 die studentischen Corps. Das Corps war die älteste Gattung unserer Couleur-Verbindungen, hatte aber eine ganz spezielle Prägung. Die überspitzten Ehrbegriffe, welche die Corps hochhielten (Duellzwang), wurden schon bald nach ihrer Entstehung im ganzen 19. Jahrhundert heftig bekämpft.
Die heutigen Couleur-Verbindungen gehen hingegen in ihrem Sinn und Geist auf die Burschenschaften zurück. Die Burschenschaften entstanden zu Beginn des letzten Jahrhunderts unter dem Einfluss eines gestärkten Nationalbewusstseins. Als erste entstanden in Jena um 1815 die ‘Deutschen Burschenschaften’. Sie alle strebten ein hohes vaterländisches Ideal an. Zu ihrem Grundgedanken gehörte auch, ihre Mitglieder wehrhaft zu machen, weshalb das Fechten und Duellieren kräftig gefördert und militärische Übungen durchgeführt wurden.
Die deutschen Burschenschaften wurden allerdings bereits 1819 wieder verboten, da eines ihrer Mitglieder einen politischen Mord begangen hatte. Sie bestanden aber im Untergrund weiter und nannten sich etwa von 1830 an ‘Verbindungen’. Diese Bezeichnung ist den studentischen Korporationen bis auf den heutigen Tag geblieben.
Von der Zofingia bis zur Wengia
Die in der Helvetik verwirklichten Gedanken von einem einheitlichen, stärkeren und würdigeren Vaterland fanden besonders unter der studierenden Jugend ihren Widerhall. So fanden sich am 22. Juli 1819 Studenten von Zürich und Bern in Zofingen zur Gründung des schweizerischen Studentenvereins Zofingia zusammen. Es gesellten sich schon bald aus anderen Städten Studenten dazu. So bildete sich auch in Solothurn 1823 eine Sektion. Der gemeinsame Boden für alle war das Vaterland.
Doch schon in den ersten Jahren hatten die Zofinger in Solothurn mit gefährlichen Feinden zu kämpfen. 1824 verbot der Bischof von Basel den Theologiestudenten seines Bistums unter Androhung der Verweigerung der Priesterweihe die Teilnahme an Verbindungen mit Reformierten und erzwang dadurch die Auflösung der Sektion in Solothurn. Aber im geheimen bestand der Verein weiter in der Hoffnung auf eine günstigere Zeit. Diese kam mit der Regeneration im Jahre 1832 als die Sektion wieder geduldet wurde. Es kamen die politisch aufgewühlten vierziger Jahre, die in den Studentenkreisen ihren Nachhall fanden.
Leider führten die scharfen politischen Auseinandersetzungen in Solothurn zu einer Spaltung der Sektion in die Neu-Zofingia, umbenannt in Helvetia und die bisherige Zofingia. Beide Vereine hatten in den unteren Klassen ihre Spe-Fuxenvereinigungen, die Helvetia die ‘Wengia’ und die Zofingia die ‘Konkordia’ die gewissermassen eine Vorschule der aktiven Mitglieder bildeten.
Zu den beiden Verbindungen in Solothurn gesellte sich 1847 eine dritte als Sektion des konservativen ‘Schweizerischen Studentenvereins’ der 1841 unter dem Namen ’Schwyzerverein’ gegründet worden war.
Der politische Umschwung in den fünfziger Jahren mit seinen Folgen machte sich sowohl in der Zofingia wie in der Helvetia bemerkbar. Ihre Anhänger nahmen leidenschaftlichen Anteil am Geschehen, wobei die Zofingia mehrheitlich auf der Seite der Opposition stand. In der Folge kam es öfters zu Zerwürfnissen mit dem Regiment Vigier und mehr als einmal drohte den Vereinen die Auflösung. Als gar 1874 das neue Reglement über die Kantonsschule nur noch einen Verein gestattete, musste die Auflösung vollzogen werden; trotzdem bestanden die Vereine im geheimen weiter. Im Jahre 1876 wurden die scharfen Massnahmen etwas gemildert und die drei Vereine unter bestimmten Bedingungen wieder zugelassen. Als jedoch in der achtziger Jahren wieder Gegensätze zwischen der Zofingia und der Helvetia trotz den gemeinsamen Grundanschauungen zu Streitigkeiten führten, hob der Regierungsrat im Jahre 1883 mit drei zu zwei Stimmen die Paragraphen 41 und 42 des Kantonschulreglementes, welche die Vereine gestatteten, auf.
Diese Massnahme wurde nach einer Keilerei zwischen der Zofingia und den konservativen Studenten, die einer Schneeballschlacht folgte, beschlossen. Es war ein harter Schlag für die Betroffenen, allgemeine Entrüstung griff um sich und die drei sich vorher befehdenden Vereine zeigten eine seltene Geschlossenheit. In einer gemeinsamen Sitzung wurde ausgemacht, dass der Besuch der Kantonsschule sofort einzustellen sei. Vom Mittwoch bis Freitag wechselten Trutzbummel und obligate Zechgelage der Vereine miteinander ab. Am Freitag wurde bekannt gemacht, dass die Komitierten der Vereine relegiert würden, wenn nicht der Schulbesuch wieder ohne Störung einsetze. Daraufhin fügte sich die Schülerschaft.
Werden und Wachsen der Wengia
Die Freude am studentischen Treiben beherrschte trotz der Aufhebung weiterhin die Angehörigen der nachrückenden Klassen, die grösstenteils als Spe-Füxe der Zofingia und der Helvetia angehört hatten, Noch bis ins Frühjahr 1884 hinein bestanden die Vereine im Geheimen weiter. Aber alle Versuche zu einer Wiederherstellung scheiterten am Widerstand der Regierung.
Unter der Führung von Bernhard Wyss und Leo Weltner fanden sich im Laufe des Sommersemesters im ‘Kreuz’ dem ehemaligen Stammlokal der Zofingia und in der Wirtschaft Schneider in der Vorstadt mehrere Freunde zusammen, zu denen sich als treuer Berater Walter von Arx gesellte, seit 1878 Lehrer an der Kantonsschule. Adolf Meyer, Robert Roth und Leo Weltner kamen nebst Bernhard Wyss von der Zofingia her, während Paul Meier und Gottfried Sieber noch der Helvetia angehört hatten.
Statuten wurden festgelegt und kühn die Devisen der Helvetia übernommen: Vaterland, Freundschaft, Fortschritt.
Viel Kopfzerbrechen bereitete die Wahl des Namens. Es ist nicht ausgeschlossen, dass noch eine Erinnerung an die Spe-Fuxenvereinigung der Helvetia bestand, die sich Wengia genannt hatte, und man deshalb diese Wahl traf.
Dass eine neue Mütze getragen werden musste, lag auf der Hand. Die grüne Farbe, seit jeher ein Zeichen der Liberalen im Kanton Solothurn, trat anstelle der verbotenen, doch hätte ein Band mit Rot-Weiss-Grün, den Farben des Bundes und des Kantons, zugleich die Herkunft von den Zofingern und Helvetern bekundet. Man einigte sich aber auf das grün-rot-grüne Band und die grüne Mütze.
Über den Vereinszweck war man sich bald einig. Der neue Verein sollte die studentische Tradition Solothurns wahren und seine Mitglieder patriotisch und staatsbürgerlich im Sinne der damals im Kanton und Bund herrschenden radikal-demokratischen Partei erziehen. Diese politische Zielsetzung verwundert nicht besonders, hatten doch schon die früheren Verbindungen regen Anteil am öffentlichen Geschehen genommen.
Nachdem im Verlaufe des Sommers alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, reichten nun 15 Schüler der oberen Klassen die mit ihren Unterschriften versehenen Statuten der Professorenkonferenz ein. Neben einigen wenigen unbedeutenden Punkten wurde besonders die Devise ‘Fortschritt’ beanstandet. Anstelle von Fortschritt setzte man ‘Wissenschaft’, um dem Willen der Konferenz, jedem Schüler den Eintritt in den Verein zu ermöglichen, nachzukommen.
Am 4. November 1884 genehmigte die Lehrerschaft und schon am 7. November der Regierungsrat die Statuten und am 8. November konnte Adolf Meyer den vierzehn Mitunterzeichnern mitteilen, dass die heiss ersehnte Verbindung ins Leben getreten sei.
Die fünfzehn Gründer der Wengia sind: Adolf Meyer, Gustav Schläfli, Leo Weltner, Bernhard Wyss, Emil Disteli, Reinhart Erzer, Robert Marti, Gottfried, Sieber, Robert Walker, Paul Meier, Robert Roth, Karl Jeanneret, Ferdinand Montfort, Hermann Pfister und Alois Schryber.
Ihr erster Präsident war Adolf Meyer v/o Storch, der noch während der Aktivzeit verschied, ihr erster Fux-Major Leo Weltner v/o Streck. Sie alle hatten noch in den unteren Klassen das Leben und Treiben der aufgehobenen Verbindungen erlebt und konnten im Aufbau der neuen Verbindung an eine alte Tradition anknüpfen. Im Paragraphen 1 der Statuten war genau umschrieben: ‘Der Zweck der Wengia ist es, das wissenschaftliche Streben der an der Kantonsschule studierenden Jünglinge zu fördern.’ Getreu dieser Wegleitung befasste man sich an den Sitzungen mit dem Vortrag von Arbeiten und deren Kritik, wobei auf die Schulung in der Diskussion ein besonderes Augenmerk zu richten war. Als besondere Gedenktage galten der 22. Juli als der Tag des Sieges zu Dornach und der 22. Dezember zur Erinnerung an die Aufnahme Solothurns in den Schweizerbund und an den Tag zu Balsthal. Zur Pflege der Geselligkeit brachte man dem Gesang besondere Aufmerksamkeit entgegen.
Schon im zweiten Semester konnte man dank zahlreichen Spenden einen Banner anschaffen, zu dem ein Aktiver, Oskar Fischer v/o Sinus, den Entwurf gezeichnet hatte. Den bis auf den heutigen Tag unverändert gebliebenen einfachen, aber gerade deswegen ansprechendne Verbindungszirkel verdankte man Walter von Burg, einem Freund der Wengia.
Meinungsverschiedenheiten in der Verbindung führten 1886 zur ersten Statutenrevision, wobei die Dimission (Entzug der Aktivrechte) eingeführt wurde.
Im Sommer 1886 erschien auch die erste Nummer eines Verbindungsorgans namens ‘Wengia’.
Die erste Ausstossung erfolgte im Wintersemester 1886/87. Das Jahr 1888 brachte die Vereinigung des Lehrerseminars mit der Kantonsschule. Es traten erstmals sechs Pädagogen der Wengia bei , doch betrachtete die Aktivitas diese Entwicklung mit Zurückhaltung. Ganz ablehnend verhielt sie sich später zum Eintritt von Handelsschülern, denen die Kantonsschule im Jahre 1892 geöffnet wurde, und zwar aus folgendem Grund: Würden die Handelsschüler im dritten Kurs eintreten, so könnte es geschehen, dass sie schon in einem Alter Altherren wären, in dem Kameraden aus dem Gymnasium und der Realschule erst ihre Fuxenzeit durchmachten. Doch das Rektorat war der Ansicht, dass jeder ältere Kantonsschüler das Recht hätte, in die Verbindung einzutreten und bewirkte, dass 1894 der erste Handelsschüler in die Wengia aufgenommen wurde.
Im Jahre 1889 führte die Wengia den heute noch geltenden Couleurpfiff nach der ersten Zeile des Burschenliedes ein.
In der Sitzung vom 13. Juli 1889 wurde die Stellung der Wengia zur Politik klargestellt und darauf hingewiesen, dass die Devise ‘Patria’ Patriotismus verlangt. Patriotismus ohne politische Ansicht aber ist ein leerer Begriff. Durch die politische Überzeugung, weiche sie auch im Einzelnen von derjenigen der Kommilitonen ab, stehen sich die Mitglieder nahe. Es wurden folgende Thesen proklamiert:
- Die Wengia darf Politik treiben, Gesetz und Statuten, bzw. Devisen verbieten es nicht.
- Die Wengia soll Politik treiben; denn sie hat die Pflicht, ihre Mitglieder auf das öffentliche Leben vorzubereiten und politisch geschulte Männer heranzubilden.
- Die Politik der Wengia ist freisinnig, jedoch nicht aktiv; sie beschränkt sich auf die Bildung eines politischen Charakters.
- Die Wengia darf keinen offiziellen Verkehr mit anderen Verbindungen haben; denn dies würde Unheil und Verderben im Inneren stiften.
- Die Alt-Wengia muss möglichst auf dem gleichen Standpunkt stehen wie die Aktiv-Wengia.
1890 wurde das Burschenexamen eingeführt, dieses sollte sich über die Kenntnisse in Statuten und Biercomment erstrecken.
Durch die zweite Statutenrevision im Jahre 1893 wurde die Wahl des Fux-Majors, der früher an der Kneiptafel von Füxen und Schwänzen gewählt wurde, an die Sitzung verlegt.
Am 11. Mai 1895 traten vier Aktive und vier Spe-Füxe aus der Wengia aus und gründeten die Geheimverbindung ‘Ruppigonia’. Der Austritt erfolgte auf Grund eines persönlichen Streites zwischen zwei ehrgeizigen Wengianern, die beide an der traditionellen Dornacher Schlachtfeier als Festredner auftreten wollten. An einer Abstimmung wurde einer mit grossem Mehr gewählt; der andere trat aus der Wengia aus, wobei ihm seine persönlichen Anhänger folgten. Die Ruppigonia wurde vom Regierungsrat und Rektorat nicht anerkannt und bestand bis 1907 als Geheimverbindung, In diesem Jahr erschien ein neues Reglement, das die Vereinsfreiheit brachte und es der Ruppigonia gestattete, als ‘Dornachia’ an die Öffentlichkeit zu treten.
Die Wengia blieb also 23 Jahre lang die einzige Verbindung an der Kantonsschule, Gleichzeitig mit der Dornachia entstand 1907 die ‘Amicitia’. Im nächsten Jahr bildete sich als vierte Verbindung die 'Arion'. Erst viel später, im Jahre 1955, kam die ’Palatia’ dazu.
Während des ersten Weltkrieges war das Verbindungsleben gedämpft. Die Festlichkeiten wurden beschränkt. Es wurde sogar versucht, an der Existenz der Verbindungen zu rütteln. Professor Wartenweiler löste eine Umsturzbewegung zu Gunsten der Abstinenten aus. Die Verbindungen blieben aber fest.
Die Wengia und die Dornachia reichten im WS 1920/21 in der Sorge um ihren Nachwuchs ein Gesuch zur Gleichberechtigung mit der Amicitia und der Arion ein. Diese Verbindungen hatten nämlich das Privileg, aus unteren Klassen Mitturner- und Mitsänger beizuziehen; diejenigen Schüler konnten auf diese Weise frühzeitig gekeilt werden. Das Erziehungsdepartement gestattete deshalb auch der Wengia und der Dornachia, aus unteren Klassen Schüler an die Sitzungen einzuladen.
1926 sprach der Regierungsrat ein Kartellverbot für die Kantonsschulverbindungen aus, da es an einem der jährlichen Feste des Kartellvereins zentral schweizerischer Gymnasialverbindungen, an dem die Wengia teilgenommen hatte, zu unstudentischen Vorkommnissen gekommen war.
Im Gegensatz zum ersten Weltkrieg erlebte die Wengia während und nach dem zweiten Weltkrieg einen Aufschwung. Die geistig regsame Jugend blieb von den Geschehnissen der Zeit nicht unberührt. Man wollte informiert werden, um aktiv am politischen Leben teil zunehmen. Einen ganz besonders erwähnenswerten Versuch zur Erweiterung ihrer staatsbürgerlichen Kenntnisse unternahm die Aktivitas des Jahrganges 1941/42. Sie konnte acht Altherren zu einem eigenen Staatsbürgerkurs innerhalb der Verbindung gewinnen.
Eine geistig so wachsame Jugend kann auch am Geschehen in der weiten Welt nicht achtlos vorbeigehen, An den Ereignissen in Ungarn im Jahre 1956 nahmen die Studenten der freien Welt den lebhaften Anteil. Wie in anderen Städten traten sie auch in Solothurn zusammen und fassten einhellig eine Protestresolution und mit einem Fackelzug, an dem sich alle fünf Verbindungen beteiligten, brachten sie in Ansprachen der Präsidenten der Wengia und der Palatia ihre Sympathie für die Gefallenen in Ungarn zum Ausdruck.
Dem Wunsch zur politischen Betätigung entsprang auch die Bewegung, welche am 20. März 1946 zur Gründung eines Jugendparlamentes führte; Jugendliche aus allen Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen politischen Auffassungen fanden sich zusammen, um in der äusseren Form eines Parlamentes über Gegenwartsprobleme zu diskutieren. Die Wengia erklärte die Teilnahme am Jugendparlament für die Aktiven als obligatorisch, in der Meinung, dass die Berührung mit Jugendlichen anderer Schichten und anderer politischer Auffassung nur von Vorteil für die Entwicklung der Wengia sein könnte. Nach zweijähriger Erfahrung beteiligte sich die Wengia weiterhin als ‘Fraktion Wengia’, doch beruhte die Mitgliedschaft auf Freiwilligkeit.
Dies sind nur ein paar herausragende Beispiele für die politische Aktivität der Wengia, die sich aber stets auch in anderem Rahmen abspielte. So erwähnte schon Hugo Meyer v/o Volker in der Geschichte der Wengia, die zum 25-jährigen Jubiläum herausgegeben wurde, folgendes: "Diesem Geiste, der in uns allen, aus welcher Wengianergeneration wir auch stammen, lebt, ist im Kantonsrat in der Diskussion über die Vereinsfrage (November 1901) folgendes Zeugnis ausgestellt worden: "Befehlt der Wengia, ihrer angenommenen Natur untreu zu werden, dann geht in ihre Sitzungen und ihr werdet hören, dass sie dennoch politisieren.
Die Beziehungen zu anderen Verbindungen waren infolge des Kartellverbots sehr beschränkt. Es bestanden zwar zunächst Kontakte mit Verbindungen an bernischen Gymnasien, so mit der Bertholdia Burgdorf, der Gymnasia Bernensis und der Gymnasia Biennensis und der Bruntrutiana. Geblieben sind nur die weiter zurückreichenden freundschaftlichen Beziehungen zur Bertholdia Burgdorf.
Die Beziehungen zu den Solothurner Verbindungen waren zunächst eher wechselhaft. Besonders zu erwähnen ist der immer wieder aufflackernde Zank mit der Dornachia, der seinen vorläufigen Höhepunkt an der Antrittskneipe des Wintersemesters 1976/77, der sogenannten "Gaskneipe" , erreichte. Eine Elitetruppe der Wengia erreichte damals, dass nicht nur das Kneiplokal der Dornacher, sondern auch das ganze Hotel Roter Turm von Tränengas verseucht war und in der Folge sämtliche Hotelgäste evakuiert werden mussten. Doch auch da zeigten sich die guten Beziehungen, die die Wengia zur Bevölkerung und zu den Behörden geniesst; erwuchsen doch keine schwerwiegende Folgen aus dieser Aktion.
Die Alt-Wengia
Schon früh sich das Bedürfnis der alten Herren nach Zusammenschluss. 1888 wurde eine organisierte Alt-Wengia gegründet, doch existierte sie nur bis 1892, obwohl sie formell nie aufgelöst worden war.
Am 9. Oktober 1897 wurde sie rekonstituiert. Die Statuten wurden bereinigt und man legte fest, dass die Burschenwürde die Voraussetzung zur Aufnahme in die Alt-Wengia bilden sollte. Es wurde auch streng darauf geachtet, dass nur Leute, die ihren Verpflichtungen gegenüber den Aktiven nachgekommen waren, Aufnahme finden sollten. Die Alt-Wengia sollte die Freundschaften bewahren, die während der Aktivzeit geschlossen worden waren. Von besonderer Bedeutung ist die Stellung der Alt-Wengia zur Aktivitas, die derjenigen einer Mutter zur Tochter nahekommt. Sah sich der Vorstand hie und da bei tief ergreifenden Zwistigkeiten der Aktiven zum Einschreiten genötigt, so geschah es in vermittelndem Sinne und erst wenn ein solches Vorgehen keinen Entscheid bringen konnte, griff man zu schärferen Massnahmen, indem unverbesserliche Störenfriede zum Austritt genötigt wurden, Aber im allgemeinen zeigte sich die Alt-Wengia recht wohltätig gegenüber den Aktiven, sei es bei der Unterstützung der Bierrechnung oder bei anderen Problemen.
Auch gegen aussen vertrat die Altherrenschaft die Wengia in vorbildlicher Weise. So verdankt ihr die Kantonsschule in Solothurn das Wengi-Relief, das ihr am 16. November 1957 übergeben werden konnte.
Das Verbindungsorgan
1886 gab die Aktivitas eine hektographierte Zeitschrift unter dem Namen "Wengia" heraus, doch musste ihr Erscheinen wegen Produktionsschwierigkeiten eingestellt werden.
1888/89 entstand unter dem Namen ‘Der Wengianer’ ein neues Verbindungsorgan. Als erster Chefredaktor zeichnete Hans Kaufmann v/o Brändli. Der Jahrgang 1889/90 erschien bereits im Druck der Zepfel’schen Buchdruckerei. 1891 wurde ‘Der Wengianer’ offizielles Anzeigeblatt der Wengia. Seit 1894 ist ein Vertreter der Alt- Wengia Mitglied der Redaktion. 1910 wurde das finanzielle Risiko von der Alt-Wengia übernommen. Der Aktivitas blieben aber zunächst die Redaktion und die Spedition. Inzwischen zeichnen Aktivitas und Altherrenverband gemeinsam für die Redaktion verantwortlich.
‘Der Wengianer’ stellte von Anfang an ein Bindeglied zwischen der Alt-Wengia und der Aktivitas dar. Zugleich hilft er alle Wengianer, sind sie auch noch so weit in der Welt zerstreut, zusammenzuhalten.
Mehr zur Geschichte unserer Stammlokale und unserem Verbindungshaus findet sich hier