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Schlossgeschichten
Chateau Fougerette ist ein mittelalterlich anmutendes Schloss mit 55 Zimmern und rund 1700 Quadratmetern Wohnfläche.
Hier lebe und arbeite ich als Volontärin seit gut 1,5 Monaten. Es liegt am Ortsrand von Etang-sur-Arroux, inmitten einer leicht hügeligen, üppig-grünen Landschaft im Burgund.
In unmittelbarer Nähe befindet sich ein weitläufiges Wander- und Naherholungsgebiet, der Nationalpark Morvan. 20 ha Land mit altem Baumbestand (siehe Blog vom 6.9.2014), wuchernden Brombeeren, blühenden Rosen, einer Kapelle und zwei Weihern, in denen sich Karpfen und Wasserratten tummeln, gehören ebenfalls zum Schloss.
Es ist nun an der Zeit, euch die Geschichte näher zu bringen, die in den Schlossmauern steckt. Die Informationen habe ich der Webseite der aktuellen Schlossbesitzer, Monika Siegenthaler und Nicola Schneider, entnommen: http://fougerette.wordpress.com/
Der Vorbesitzer Benites erzählte den künftigen Schlossherren Monika und Nicola mit lebhaften Schilderungen, die Grundmauern würden aus dem 15.Jahrhundert stammen. Diese Aussage gilt insofern gesichert, als das Anwesen Fougerette 1446 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das ursprünglich deutlich kleinere Haus wurde irgendwann im 18. oder 19. Jahrhundert erweitert. Dafür wurden angeblich Teile eines Schlosses verwendet, welches unten an der Durchgangsstrasse stand und aufgrund der vom Staat erhobenen Fenstersteuer abgerissen wurde.
Die Liste der ehemaligen Besitzer ist lang und basiert auf Schriftstücken von 1405 bis 1824, die die Gesellschaft Eduenne in ihrem Archiv in Autun gesammelt hat. Anfangs ist die Rede von Rittern mit klingenden Namen wie Philibert Duarillon (1446) oder Antoine de Barsault und seine Gattin Antoinette Duarillon (1526). Wer sich in all die Namen einlesen möchte, findet hier eine genaue Auflistung: http://fougerette.files.wordpress.com/2013/07/fougerettehistoire_deutsch_1307111.pdf
Benites lebte über 30 Jahre alleine mit seiner vierköpfigen Familie auf Fougerette. In den 1970-er und 1980-er Jahren renovierte er den vorderen Flügel. Er galt als Exzentriker, war ein grosser Napoleon-Fan und trimmte das ganze Schloss auf Mittelalter, was heute noch aufgrund zahlreicher Napoleon-Gemälde und skurriler Installationen sichtbar ist.
Nicola Schneider und Monika Siegenthaler haben Fougerette 2013 gekauft, nach einem mehrjährigen Such-und Entscheidungsprozess, der sie zahlreiche schlaflose Nächte, Nerven und graue Haare gekostet hat. Nun sind sie und ihre vierjährige Tochter Mathilda stolze Besitzer eines richtigen Schlosses. Ihr Ziel ist es, daraus einen lebendigen Ort zu kreieren, wo Kreativität, Begegnung und naturnahes Leben möglich sind. Dabei soll der ursprüngliche, etwas verblichene Charme unbedingt erhalten bleiben. Sie planen auch einen Obst- und Kräutergarten, einen Barfuss- und Erlebnispfad, sowie kleine Oasen als Rückzugsmöglichkeiten und für Mini-Workshops. Ein Abenteuerspielplatz wurde diesen Sommer realisiert, sodass auch die vielen kleinen Besucher nicht zu kurz kommen.
Neben den aufwändigen Renovationsarbeiten, die teils von Handwerkern aus der Umgebung und Grossteils von Volontären aus allen möglichen Himmelsrichtungen durchgeführt werden, sollen an diesem lebendigen Ort zunehmend auch Festivitäten, Kulturanlässe und Workshops stattfinden. Das Seminar der elektronischen Musiker (siehe Blog vom 11.8.2014) und der Captain`s Rave (siehe Blog vom 15.8.2014) sind zwei konkrete Beispiele.
Aus Sicht der Volontärin kann ich Fougerette all jenen wärmsten empfehlen, die für mindestens zwei Wochen, besser länger, eine aktive Auszeit planen. Wenn man den Charme eines altehrwürdigen Schlosses sucht und auf highend-Luxus verzichten kann, wer auf Spass und angenehmes Miteinander in einem ständig wechselnden, multikulturellen Team steht, und wer gerne neue handwerkliche Herausforderungen annimmt, der ist auf Fougerette richtig! Dabei spielt es absolut keine Rolle, ob man bereits handwerkliches Knowhow mitbringt. Entscheidend ist, dass man solches vor Ort erwerben und eigene verborgene Talente entdecken möchte. Auch Kinder sind willkommen. Schlossprinzessin Mathilda freut sich über Spielgefährten.
Als „goodies“ gibt es für die Volontäre mehrmals täglich währschaftes Essen, „fancy dinners“ mit wechselndem Motto, Grillabende am Weiher, zweimal pro Woche Französisch-Unterricht und arbeitsfreie Wochenenden mit Ausflügen in der Umgebung.
*** ende ***
©Text: Barbara Sorino
©Fotos: Barbara Sorino (mit Ausnahme des Fotos vom beleuchteten Schloss: Carolin Riede)
Link zu den Anforderungen für interessierte Volontäre:
http://fougerette.wordpress.com/gesucht/
Link zur Geschichte des Schlosskaufes:
http://fougerette.wordpress.com/projekt/schlosskauf-rueckblick/
Link zu einer interessanten Volontär-Webseite, auf der auch Fougerette zu finden ist und über die das Schloss einige seiner Volontäre rekrutiert: http://www.workaway.info