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Am 18. August 2021 beging Mali einen besonderen Jahrestag. Vor genau einem Jahr wurde Präsident Ibrahim Boubacar Keïta, seit 2013 an der Macht, durch einen Militärputsch gestürzt. Die Mehrheit der Bevölkerung hatte diesen Staatsstreich begrüsst, war er doch für viele mit der Hoffnung auf eine konkrete Verbesserung ihrer Lebensbedingungen verbunden.
Am Jahrestag des Militärputsches gab es in den malischen Medien zahlreiche Berichte über die Situation im Land, die aufgezeigten, dass die Missstände mit dem Sturz des Präsidenten keinesfalls ein Ende gefunden haben. Nach wie vor wartet die Bevölkerung auf eine spürbare Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Der Kampf gegen Korruption, für mehr Sicherheit und konkrete Reformen des Erziehungs- und Wahlsystems hat nicht an Bedeutung verloren.
Enttäuschender Übergang trotz vielversprechendem Start
Zu Beginn der Übergangsphase waren die Hoffnungen gross, doch bis heute gelang es nicht, Lösungen für die Probleme des Landes zu finden. Nach dem Militärputsch übernahm der Conseil national pour le salut du peuple (CNSP) unter der Leitung von Oberst Assimi Goïta die Macht. Dieser übergab – nach Durchführung einer nationalen Konsultation – die Macht an die Übergangsregierung unter der Leitung von Bah N'Daw, einem pensionierten Militäroffizier, und einem zivilen Premierminister, Moctar Ouane.
Doch schon wenige Monate später brachte ein zweiter Militärputsch den Übergangsprozess ins Stocken und zwang den Präsidenten und den Premierminister der Übergangsregierung zum sofortigen Rücktritt. Verübt wurde er am 24. Mai 2021 von den gleichen Militärs, die bereits knapp ein Jahr zuvor geputscht hatten. Oberst Assimi Goïta, inzwischen Vizepräsident der Übergangsregierung, warf ihnen vor, «den Übergang zu sabotieren», weil sie ihn vor der Ernennung von neuen Ministern nicht konsultiert hätten. Sowohl die Wahl des Verteidigungsministers als auch die Ernennung des Sicherheitsministers fanden nicht das Wohlwollen der Militärs.
In Bamako und anderen Städten entwickelt sich eine zunehmende Mobilisierung der Bevölkerung. Unabhängig davon, ob sich die Menschen für oder gegen die Machthaber aussprechen, stimmen alle in der Kritik überein, dass Erfahrungen und Meinungen der ländlichen Bevölkerung in der Regierung keine Stimme haben. In einem Land, in dem nach Angaben der Weltbank die Mehrheit der Bevölkerung in ländlichen Gebieten lebt, stellt sich die Frage, wie sich die beiden Militärputschs auf das tägliche Leben dieser Menschen auswirken.
Sinkende Einkünfte, explodierende Preise
Noumoudio Diarra, Gemüsebäuerin im Dorf Wegnia in der Gemeinde Guihoyo, berichtet: «Nach den Militärputschen brach das Schulsystem zusammen und die Einkommen der Bevölkerung in der Region Kolokani sind viel tiefer. Doch die Schulgebühren für unsere Kinder sind nach wie vor hoch, obwohl die Lehrpersonen ständig streiken und damit drohen, die Jahresendprüfungen nicht durchzuführen. Das Bildungsniveau ist niedrig, aber wir können es uns nicht leisten, unsere Kinder in Privatschulen zu schicken.»
Als Gemüseproduzentin benötigt Noumoudio Diarra Zugang zu Krediten, um Saatgut und andere Betriebsmittel kaufen zu können. Aber die politischen Umwälzungen verzögern auch die Zuteilung der Mikrokredite. «All dies führt zu grossen Einkommensverlusten», macht Noumoudio Diarra klar. «Es gibt ein staatliches Programm, das uns Kleinproduzierenden rückzahlbare Darlehen zur Verfügung stellt, damit wir Einkommen generieren können. Doch nach jedem Staatsstreich werden Minister und Staatsfunktionäre ausgewechselt. Auch für das Programm gibt es ständig neue Verantwortliche und dadurch verzögert sich die Zuteilung der Mittel.»
Noumoudio Diarra und ihr Mann bauen Getreide und Gemüse an. Mit dem Geld, das sie durch den Verkauf von Gemüse einnehmen, erwerben sie Lebensmittel auf dem lokalen Markt. Doch aufgrund der sinkenden Einkünfte und der gleichzeitig steigenden Preise für lebensnotwendige Güter wird dies immer schwieriger. «Die Preise für Milch, Zucker, Öl, Fleisch und Zwiebeln sind regelrecht explodiert. Diese Produkte werden auf dem Markt wenig angeboten, dementsprechend stiegen die Preise. Wir können uns diese Lebensmittel nicht mehr leisten. Öl und Zwiebeln sind inzwischen doppelt so teuer», erklärt die Kleinbäuerin.
Eine ungewisse Zukunft
Geplant ist, dass die Übergangsphase im Februar 2022 in Präsidentschafts- und Parlamentswahlen mündet. Doch spätestens seit dem zweiten Militärputsch erscheint dieses Ziel mehr als ehrgeizig. Hält die Übergangsregierung den Zeitplan nicht ein, drohen dem Land erneut wirtschaftliche und politische Sanktionen seitens der Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS. Wie lange es dauern wird, bis sich die Situation für Noumoudio Diarra, ihre Familie und ihr Dorf konkret verbessert, ist nicht absehbar.
Das Gespräch mit Noumoudio Diarra führte Nahawa Ballo, Mitarbeiter im Projekt «Lac Wegnia – ökologisches und nachhaltiges Wassermanagement für die Landwirtschaft», das von Caritas Schweiz in Kooperation mit lokalen Partnern unter anderem im Dorf Wegnia umgesetzt wird. Autor: Frédéric Sidibé, Programmverantwortlicher in Mali.
Bild ganz oben: Bäuerinnen in Mali bei einer Schulung der Caritas. (c) John Kalapo
Bild oben: Noumoudio Diarra, Gemüsebäuerin im Dorf Wégnia, Landgemeinde Guihoyo, Kreis Kolokani. (c) Caritas Schweiz
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