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Lam Sai Wing, der Schüler von Wong Fei Hung, lebte die Idee, Hung Gar Kung Fu zu verbreiten. Er hielt die Einstellung vieler Kung Fu-Meister, ihr Wissen nur sehr zurückhaltend weiterzugeben, für fragwürdig und unterrichtete bereitwillig und offen. Als Mann von gutem Charakter war er ein Vorbild für viele. Er galt als unermüdlicher Lehrer und grosser Kämpfer bis zu seinem Tod.
Kindheit
Lam Sai Wing wurde 1860 in Pingjau im Distrikt Naamhoi geboren. Seine Familie praktizierte Kung Fu. Bekannt sind Jin Jeung Kuen (Arrow Palm Set) und Hang Yut Dou (Crescent Moon Knife) als Familientechniken, bzw. Formen. Auch in der Kunst des Dit Da war die Familie bewandert. Lam Sai Wing wurde von klein auf unterrichtet und war schon als junger Mann ein hervorragender Kämpfer. Er zeichnete sich jedoch nicht nur durch seine Kampfkunst, sondern durch seinen offenen und freundlichen Charakter aus. Gab es Probleme im Dorf, so griff er nur als letztes Mittel zur Gewalt und versuchte vielmehr, Schwierigkeiten durch Vermittlung und mit Worten zu lösen.
Schüler von Wong Fei Hung
Als Lam Sai Wing sich dazu entschied, von dem berühmten Wong Fei Hung zu lernen, war er bereits ein erwachsener Mann, der seinen Lebensunterhalt als Metzger verdiente. (Daher stammt auch der Spitzname Porky Wing.) Man erzählt sich, dass er Wong Fei Hung um Unterricht bat, dieser jedoch ablehnte. Er wollte keine Schüler mehr annehmen, nachdem sein Sohn ermordet worden war. Lam Sai Wing jedoch liess nicht nach und bat wieder und wieder um Unterricht, Wong Fei Hung jedes Mal Fleisch oder andere Geschenke mitbringend. Schliesslich forderte Wong Fei Hung den jungen Mann dazu auf, sein Kung Fu zu präsentieren und entschied sich, ihn als Schüler anzunehmen. Lam Sai Wing lernte fleissig und wurde bald zum besten Schüler Wong Fei Hungs.
Einmal seien die beiden in einer Gaststätte gewesen, in welcher sich auch ein Mönch namens Eisenkopf aufgehalten habe. Er wurde benannt nach einem Kung Fu Stil, bei welchem der Kopf abgehärtet wird, bis er hat wie Eisen ist. In einer Version der Geschichte forderte der Mönch Lam Sai Wing heraus. In einer anderen prahlte er damit, den Abt seines Klosters absetzen zu wollen, worauf hin Wong Fei Hung Lam Sai Wing aufforderte, sich um das Problem zu kümmern. So oder so besiegte Lam Sai Wing den Mönch (je nach Geschichte mit einem Tritt zwischen die Beine) und beendete den Kampf, bevor er wirklich begonnen hatte.
Nach einiger Zeit eröffnete Lam Sai Wing selbst eine Schule. Sie befand sich in der Pwajing Strasse in Gwongjau. Selbst lernte Lam Sai Wing aber weiter bei Wong Fei Hung.
Lam Sai Wing als Lehrer
Lam Sai Wing wird von seinen Schülern als freundlicher, offener und hilfsbereiter Mann beschrieben. Er habe bereitwillig seine Kunst weitergegeben, was nicht üblich war. Viele Kung Fu Meister hüteten eifersüchtig ihr Wissen um zu verhindern, dass es in falsche Hände geraten könnte. Lam Sai Wing war sich dieses Problems wohl bewusst, doch er war der Meinung, dass es das Risiko wert sei. Er dachte, dass es richtig sei, viele loyale und aufrichtige Schüler voranzubringen und dafür die verlogenen, falschen in Kauf zu nehmen. Er soll keine Geschenke von seinen Schülern angenommen haben und sie vielmehr seinerseits mit Geld und Geschenken unterstützt haben, wenn es nötig gewesen ist.
Verschiedene Geschichten, die erzählt werden, unterstützen dieses Bild des sehr edlen Charakters von Lam Sai Wing. Einmal soll einer seiner Schüler mitbekommen haben, wie eine Bordellmutter eine der Huren geschlagen habe. Als er fragte, was der Grund sei, sagte diese, dass die Familie der jungen Frau sie freikaufen wollten, aber das käme nicht in Frage. Dies berichtete der Schüler Lam Sai Wing. Dieser nahm darauf hin Geld mit, begab sich mit einigen Schülern zu dem Bordell und legte es auf den Tisch. Natürlich wollte die Bordellmutter die Hure nicht freigeben, Lam Sai Wing aber nahm sie mit sich und brachte sie zu ihrer Familie zurück.
Lam Sai Wing war sehr besorgt darüber, dass seine Schüler nicht all sein Wissen würden aufnehmen können. Damit dieses nicht verloren gehen konnte, schrieb er Bücher. Er war selbst jedoch besser in Kung Fu als im Schreiben, weswegen er bei dieser Aufgabe von einem seiner Schüler namens Chu Yu Jai helfen liess.
Ca. 1910 gab es einen Komplott gegen Lam Sai Wing. Der Besitzer des Theaters Lok Sin in Gwongjau liess ihn und einige seiner Schüler hinterhältig angreifen und schob ihm die Schuld für den Kampf mit mehreren Toten in die Schuhe. Lam Sai Wing musste darauf hin aus Gwongjau nach Gwailam fliehen.
Kriegsjahre, Alter und Tod
Nach dem Fall der Qing-Dynastie lehnte Lam Sai Wing das Angebot, Armeeausbildner zu werden, ab. Er lehrte aber trotzdem die Familie des Kommandanten der Fuk-Truppen, Ng Yan Wu. Die Ng-Familie wurde darauf hin in der Armee wegen ihres grossartigen Kung Fu berühmt.
Anders als die Einladung zur Armee entschied sich Lam Sai Wing dazu, in der Metzgervereinigung von Hong Kong zu unterrichten. Der Krieg stand vor der Tür und es war wichtig, sich wehren zu können. Lam Sai Wing unterrichtete viele Jugendliche in seiner Kunst. Seine Schule befand sich in Juk Syu Bo. In dieser Zeit publizierte Lam Sai Wing auch die zwei Bücher über die Fu Hok Seung Yin Kuen und die Gung Gee Fok Fu Kuen.
Schon als relativ alter Mann wurde Lam Sai Wing erneut als Armeeausbildner angefragt und nahm die Position an. (Es ist wahrscheinlich, dass er in den Anfängen der Roten Armee ausbildete. Es wird von den ‹Twelve Troops› gesprochen. Die Rote Armee bestand aus zwölf Divisionen.) Er trat jedoch relativ bald von diesem Posten wieder zurück, da er sich zu alt für diese Aufgabe fühlte.
In Hong Kong, in der Lockhart Road, eröffnete Lam Sai Wing noch einmal eine Schule. Diese führte er bis zur japanischen Besetzung der Stadt im zweiten Weltkrieg. Er zog sich nach Ping Jau zurück und starb dort 1943 im Alter von dreiundachtzig Jahren.