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1895 plante Fidus zusammen mit Amalie Altmann-Reich die Herausgabe einer Zeitschrift Familienschutz. Ihr Untertitel definierte sie nüchtern als "Zeitschrift für die praktischen und ideellen Interessen des Hauses". Doch dazu kam es nicht. Es existiert jedoch ein Werbeprospekt mit dem Titelblatt. [1]
Der Rückgriff auf die traditionelle christliche Ikonographie mag erstaunen. Die Frau mit den beiden Kindern, ihr Umhang, das Kind, das nach einem Buch oder Heft greift, sowie die Situierung in der Natur nehmen direkten Bezug auf das Motiv Maria mit Jesus und Johannes. Im Falle der bekannten Fassung des von Raffael im Louvre, die mit Die schöne Gärtnerin*betitelten wird, scheint sogar das Halbrund des Bilds übernommen worden zu sein. Abwesend ist bei der gezeigten Familie der Vater.
Auf christliche Vorstellungen verweist auch das als Kreuz gestaltete t des Schriftzugs "Familienschutz". Der erste Buchtabe F dagegen "spielt" mit der Form des Hakenkreuzes, das sowohl für die Theosophie wie für völkische Vorstellungen von Bedeutung war, das geschwungene z am Ende schliesslich erinnert an das hinduistische und buddhisrische Zeichen für Om, das in der Theosophie ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.
Fidus hatte im Sommer 1895 von Eugen Lucius, Mitbegründer und -besitzer der Höchster Farbwerke, ein Darlehen von 10 000 Mark bekommen. Die Zeitschrift hätte im Verlagsbuchandel von Otto und Ernst Kurtze erscheinen sollen. Otto und Ernst Kurtze waren in verschiedenen Betrugsfällen angeklagt und erhielten auch von Fidus und Amalie Reich Geld. In einem Artikel der Berliner Volks-Zeitung wird über die Zeitschrift Familienschutz im Zusammenhang mit einer Verhandlung am Landgericht berichtet:
Mit einem Schriftsteller und einer Schriftstellerin verbanden sich beide Angeklagte vor Kurzem zur Herausgabe einer Zeitschrift “Familienschutz”. Diese beiden Partner gaben je 5000 M. zum Beginn des Unternehmens her, dasselbe sollten auch die beiden Angeklagten tun. Es kam aber nicht eine Nummer des “Familienschutz” heraus, vielmehr benutzten die Angeklagten die von der Schriftstellerin für die neue Zeitschrift verfertigten Artikel entgegen dem energischen Protest der Dame für ihre anderen vorerwähnten Blätter. Wegen dieses Nachdrucks wurde jeder der Angeklagten zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt. Otto Kurtze, der wegen Betruges schon eine bedeutende Vorstrafe erlitten hat, wurde außerdem zu 2 1/2 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. [2]
[1] Berlinische Galerie, BER, DE-B1586. Vgl. Frecot, Kerbs, Geist, S. 91 und 322.
[2] "Eine ganze Reihe von Wechselfälschungen und Betrügereien", in: Volks-Zeitung, 44. Jahrg., 22. Juli 1896, Nr. 339 Beiblatt. Online
Die schöne Gärtnerin: WikiCommons.Letzte Ãnderung: 26. April 2022