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Stammzellen ArzneimittelgruppenStammzellen sind Zellen, die sich unbeschränkt teilen und sich zu den verschiedenen Zelltypen des menschlichen Körpers entwickeln. Sie haben das Potenzial, als Arzneimittel zahlreiche Krankheiten nicht nur symptomatisch zu lindern, sondern zu heilen.Stammzellen
Der Mensch ist ein eukaryontischer Vielzeller, der aus Billionen hochspezialisierter Zellen besteht. Alle diese Zellen gehen aus einer einzelnen befruchteten Eizelle (Zygote) durch Teilung hervor. Jedes Organ verfügt über seine differenzierten Vertreter, zum Beispiel Muskelzellen, Herzmuskelzellen, Leberzellen, Darmzellen und Nervenzellen. Der Körper beherbergt über 200 verschiedene Zelltypen.
Stammzellen sind Zellen, die sich selbst erneuern und sich als Vorläufer zu diesen spezialisierten Zellen entwickeln. Im Unterschied zu den Körperzellen können sie sich beliebig viele Male teilen und sind potenziell unsterblich.
Sie bauen den Organismus einerseits auf und dienen ihm zur fortlaufenden Regeneration. So wird beispielsweise die Haut ungefähr einmal im Monat erneuert.Arten von Stammzellen
Es werden verschiedene Typen von Stammzellen unterschieden.
- Die multipotenten Stammzellen sind adulte somatische Stammzellen in den Geweben, die sich nur zu wenigen Zelltypen differenzieren. Sie kommen zum Beispiel in der Haut, im Gehirn und im Knochenmark vor. Die hämatopoetischen Stammzellen im Knochenmark bilden beispielsweise rote und weisse Blutkörperchen und die Thrombozyten (Blutplättchen).
- Pluripotente Stammzellen können aus Blastozysten gewonnen werden. Dabei handelt es sich um einen 5 Tage alten, kugelförmigen Embryo, der nur aus etwa 150 bis 200 Zellen besteht. Die zirka 30 embryonalen Stammzellen (ES oder hESC) im Inneren sind undifferenziert und unspezialisiert und können sich zu jedem Zelltyp im Körper entwickeln. Sie sind deshalb für die Forschung besonders interessant. Blastozysten können mit dem Einverständnis von Frauen gewonnen werden, die an einer In-vitro-Fertilisation teilnehmen und sie nicht benötigen.
- Totipotente Stammzellen sind Zygoten oder Zellen, die sich direkt aus den befruchteten Eizellen entwickeln. Aus ihnen kann ein ganzes Lebewesen entstehen, inklusive Plazenta und Nabelschnur.
Aus somatischen Zellen, also beispielsweise einer Hautzelle, können die sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen, iPSC) gewonnen werden. Sie werden quasi „umprogrammiert“ und haben vergleichbare Eigenschaften wie die embryonalen Stammzellen. Der Vorteil ist, dass keine Embryonen benötigt werden, was die Akzeptanz erhöht.
Beim somatischen Zellkerntransfer (somatic cell nuclear transfer, SCNT) wird der Zellkern einer somatischen Zelle in eine entkernte Zelle übertragen. Zum Beispiel in Eizellen, aus denen dann eine Blastozyste entsteht, die als Quelle embryonaler Stammzellen dient.
Eine weitere Quelle für Stammzellen ist die Nabelschnur der Neugeborenen.Anwendungsgebiete
Da Zellen die Grundbausteine des Lebens sind, haben Stammzellen in der Medizin ein riesiges therapeutisches Potenzial. So könnten beispielsweise die insulinbildenden Betazellen transplantiert werden und so einen Diabetes mellitus Typ 1 heilen. Oder Lähmungen könnten durch die Regeneration von Nervenzellen aufgehoben werden.
Beispiele:
- Hämatopoetische Stammzellen werden seit Jahrzehnten für die Behandlung von immunologischen und hämatologischen Erkrankungen eingesetzt (Myelome, Lymphome, Leukämien). Auch einige Haut-, Knochen- und Augenerkrankungen werden bereits mit Stammzellen therapiert.
- Geweberegeneration (regenerative Medizin), Züchtung neuer Organe für Transplantationen
- Genetische Modifikation der Stammzellen der Patientinnen und Patienten, Behandlung vererbbarer Krankheiten
- Zellen als „Wirkstoffe“
- Für die wissenschaftliche Forschung
- Therapeutisches Klonen
- Mittel gegen das Altern
Mögliche Gefahren bei der Verwendung von Stammzellen sind die Entstehung von Krebserkrankungen und Teratomen. Bei der Verwendung körperfremder Stammzellen drohen Abstossungsreaktionen, welche vom Immunsystem vermittelt werden. Bei autologen Zellen besteht diese Gefahr hingegen nicht.
Es muss beachtet werden, dass es unseriöse Angebote mit Stammzellen gibt, die von den Behörden nicht zugelassen sind. Diese sollen nicht in Anspruch genommen werden, da sie unkalkulierbare Risiken bergen.Literatur
- Fachliteratur
- Biswas A., Hutchins R. Embryonic stem cells. Stem Cells Dev, 2007, 16(2), 213-22 Pubmed
- Li J.S.Z., Denchi E.L. How stem cells keep telomeres in check. Differentiation, 2018, 100, 21-25 Pubmed
- Monti M. et al. Stem cells: sources and therapies. Biol Res, 2012, 45(3), 207-14 Pubmed
- Ogliari K.S. et al. Stem cells in dermatology. An Bras Dermatol, 2014, 89(2), 286-91 Pubmed
- Vats A. et al. Stem cells. Lancet, 2005, 366(9485), 592-602 Pubmed
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.