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Kohle als Bezeichnung für Geld in der Umgangssprache ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Kohle auch im alltäglichen Leben wichtig war. Wer genug Kohlen zum Heizen hatte, konnte sich glücklich schätzen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Kohle in Deutschland gar kurzzeitig als Tauschmittel verwendet.
Ein Blick weit zurück
Vor rund 300 Millionen Jahren – im Karbon – begann die Entstehung der Steinkohle. Das Ausgangsmaterial waren Pflanzen, die im Sumpf versanken. In einer ersten Phase entwickelte sich Torf, der bei Überflutungen von Sedimenten überlagert wurde. Der zunehmende Druck auf die Torfschicht presste das Wasser aus und die Temperatur nahm zu. Zuerst entstand Braunkohle und mit der weiteren Ablagerung von Schichten und Druckzunahme dann Steinkohle.
Die heute abgebaute Braunkohle ist jünger, sie entstand im Tertiär – vor rund 5 bis 65 Millionen Jahren – auf die gleiche Weise. Sie enthält mehr Wasser als die Steinkohle, weil sie weniger grossen Drücken ausgesetzt war. Dies hat Einfluss auf die Qualität für die wirtschaftliche Nutzung. So wird Steinkohle wegen des geringeren Wassergehaltes bevorzugt.
Vorkommen und Vorrat
Kohle ist der häufigste Energierohstoff und kommt auf allen Kontinenten vor. Braunkohlereserven – Vorkommen die nach heutigem Stand der Technik gewinnbringend abgebaut werden können – finden sich zu mehr als 30% in Russland, rund halb so viel können in Australien genutzt werden. Deutschland und die USA sind auf den Rängen 3 und 4 mit je gut 10 %. Der Rest der Reserven verteilt sich an mehrere Staaten mit knapp 5% und weniger. Braunkohleressourcen – Vorkommen, die noch nicht wirtschaftlich lohnend genutzt werden können – liegen mit über 30% in den USA und mit knapp 30 % in Russland.
Steinkohlereserven gibt es vor allem in den USA, China, Indien und Russland. In China und in den USA sind nach heutigem Wissensstand mit zusammen 60% am meisten Steinkohleressourcen vorhanden.
Die gesamten Vorräte von Steinkohle werden 2014 mit 16 353 161 Mio. Tonnen beziffert. Das entspricht knapp dem Vierfachen der Braunkohlevorräte. Diese hohe Zahl lässt vermuten, dass diese Menge wohl noch einige Zeit reichen wird.
Förderung und Verwendung
Die weltweite Förderung von Braunkohle betrug im Jahre 2016 knapp 990 Millionen Tonnen. An der Spitze sowohl der Förderung als auch des Verbrauchs ist Deutschland mit 17 %, dicht gefolgt von China.
Auch in der Steinkohleförderung ist China führend mit fast 50 %, Indien und die USA folgen abgeschlagen mit jeweils rund 10%. Die weltweite Förderung belief sich im Jahre 2016 auf 6291 Millionen Tonnen. Die Zahlen zeigen, dass gut sechsmal mehr Steinkohle abgebaut wird als Braunkohle. Hauptimporteure der Steinkohle sind China, Indien und Japan.
Früher wurde Kohle in Privathaushalten zumeist in Form von Kohlebriketts zum Heizen verwendet. Heute hat dieses Heizmittel kaum mehr Bedeutung. Der Rohstoff wird aktuell mehrheitlich für die Energiegewinnung durch Verbrennung in Kohlekraftwerken verbraucht. Rund 40% des weltweiten Strombedarfs wird damit abgedeckt. Um den stetig steigenden Energieverbrauch durch den angestrebt höheren Lebensstandard und die wachsende Bevölkerung decken zu können, wird wieder vermehrt auf Kohle zur Stromerzeugung zurückgegriffen. In Deutschland kommt der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie dazu, die die Lage auf dem Strommarkt verschärft.
“Braunkohlekraftwerke stoßen rund drei bis viermal so viel CO2 pro Kilowattstunde aus wie ein modernes Gaskraftwerk.“
WWF Deutschland
Aus wirtschaftlicher Sicht ist Kohle sehr attraktiv. Der Weltmarktpreis ist verhältnismässig tief und der Vorrat ist immens im Gegensatz beispielsweise zu Erdöl. Von den fossilen Rohstoffen ist Kohle nach Erdöl der wichtigste Energieträger. Insbesondere China setzt in seiner rasanten Wirtschaftsentwicklung auf Kohle; das jedoch mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt.
Der dreckigste fossile Rohstoff
Durch die Förderung und die Nutzung wird Kohle zu einem sehr problematischen Material. Die zerstörerische Gewalt der Kohlegewinnung wird unter anderem in Deutschland sichtbar. Der Braunkohleabbau und die Braunkohlekraftwerke haben in Deutschland eine lange Tradition. Seit Beginn des Braunkohleabbaus im Tagebau sind insgesamt 177 309 ha Fläche unter den Bagger geraten, von der rund 70 % bis Ende 2016 rekultiviert wurde.
Dies täuscht darüber hinweg, dass unzählige kleine Dörfer weichen mussten, um den Rohstoff gewinnen zu können. Insgesamt wurden in Deutschland für den Bergbau bisher mehr als 300 Siedlungen zerstört und mehr als 100 000 Menschen umgesiedelt. In der Lausitz (Bundesländer Brandenburg und Sachsen) sind es bis anhin gut 90 Siedlungen. Im Rheinland verschwanden seit den 1950er Jahren gegen 130 zumeist kleine, schmucke Dörfer und damit auch eher spärlich besiedelte, wertvolle Naturlandschaften, wie die Lacomaer Teichlandschaft in der Lausitz, die 2007 dem Energiehunger geopfert wurde. Sie war ein rund 380 ha grosses Gebiet mit über 170 bedrohten Tier- und Pflanzenarten.
Der Betrieb von Kohlebergwerken setzt viele Schadstoffe frei. Feinstaub, Schwefeldioxid und Schwermetalle wie Blei sind nicht nur sehr gesundheitsgefährdend, sondern auch schädlich fürs Klima. Die Kohlennutzung weist die höchsten spezifischen CO2 Emissionen auf. Eine Studie des WWF bescheinigt Deutschland, sowohl die meisten als auch die umweltschädlichsten Kohlekraftwerke zu betreiben; auf der Liste stehen weitere europäische Ländern wie Griechenland, Polen und Spanien mit ähnlich problematischen Kraftwerken. 2006 errechnete der WWF, dass in Europa 10 % der CO2 Emissionen von diesen Werken stammen.
“Die beiden Spitzenreiter der Liste stoßen jeweils etwa so viel CO2 aus wie Slowenien in einem Jahr.“
Damien Morris Umweltschutzorganisation Sandbag
In Deutschland gerät der Abbau und die Verstromung von Kohle zunehmend unter Druck. Ein heftiger Protest gegen die Zerstörung der letzten Restfläche des Hambacher Waldes zwischen Köln und Aachen führte bislang dazu, dass der Braunkohleabbau gestoppt wurde und Verhandlungen stattfinden. Doch der Kampf ist noch nicht zu Ende. Grundsätzlich ist aber der Kohleausstieg in Deutschland geplant.
Kohleausstieg
Der Weltklimarat empfiehlt, die weltweite Energieversorgung schnell und grundlegend umzubauen. Auf die Kohleverstromung muss mittelfristig verzichtet werden. Berechnungen des Klimarates ergaben, dass ca. ein Drittel der Ölreserven, die Hälfte der Erdgasreserven und mehr als 80% der Kohlereserven nicht verbrannt werden dürfen, wenn das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden soll. Als Massnahme wurde der Emissionshandel mit CO2 Zertifikaten eingeführt. Doch dieser Versuch schlug bislang fehl, weil es zu viele Zertifikate gibt, die somit spottbillig zu haben sind. Reformen sind bitter nötig.
“Die schmutzige Kohle ist Energieträger der Vergangenheit, die Zukunft gehört den Erneuerbaren.“
WWF Deutschland
Die saubere Schweiz?
In unserem Land wurde nur sehr wenig Kohle abgebaut. Beispielsweise in Käpfnach ab 1548. Doch erfolgte die Förderung nicht kontinuierlich und nicht im grossen Ausmass. 1947 wurde die Grube stillgelegt. Auch der Konsum von Kohle hat heute keine Bedeutung mehr. In der Schweiz gab es zudem nie ein Kohlekraftwerk. Hingegen sind Schweizer Stromunternehmen an Kohlekraftwerken im Ausland beteiligt. Medienberichten zufolge wollten Alpiq und die BKW in neue Kohlekraftwerke in Deutschland investieren. Diese Vorhaben wurden 2009 begraben. Das Bündner Stromunternehmen Repower musste 2013 auf Druck der Bevölkerung aus einem in Kalabrien geplanten Kohlekraftwerk aussteigen. Es ist keine Frage, auch die Schweizer Beteiligung an bereits bestehenden ausländischen Kraftwerken muss nach und nach zurückgezogen werden. Erfreulich ist, dass Alpiq seine beiden tschechischen Kohlekraftwerke verkaufen wird. Der Vollzug ist für das zweite Halbjahr 2019 geplant.