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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXII. (Nr. 36.) An Casulanus
10.
Dann aber frage ich: Wenn auch der kleinste Fehler an einem Tage durch das Fasten an demselben Tage gesühnt und gutgemacht wird (denn jener sagt: es solle selbst der kleinste Fehler von sechs Tagen durch die Quellen des Fastens abgewaschen werden), was werden wir mit jenen Sünden tun, die sich am Sonntage einschleichen, an dem das Fasten ein Ärgernis wäre? Oder wenn etwa die Christen an diesem Tage in keinen Fehler fallen, so beachte jener Mann, der als großer Faster gegen die Bauchdiener Klage führt, wieviel Ehre er dem Bauche erweist und wieviel Nutzen er ihm zuschreibt, da man an jenem Tage nicht sündigt, an dem man frühstückt. Oder schreibt er etwa dem Sabbatfasten die Kraft zu, daß es, wie er sagt, auch den kleinsten Fehltritt der anderen sechs Tage, einschließlich des Sonntags, zu tilgen vermöge, und ist es seine Ansicht, daß man nur an jenem Tage nicht sündige, den man ganz mit Fasten zubringt? Wie kommt es dann, daß er christlicher Anschauung zuwider den Sabbat dem Sonntage vorzieht? Siehe, seiner Meinung nach ist der Sabbat viel heiliger; denn an ihm wird nicht gesündigt, da man den ganzen Tag über fastet, und durch dieses Fasten werden die Sünden der übrigen sechs Tage, einschließlich des Sonntags, getilgt. Ich glaube, daß diese verwegene Annahme deinen Beifall nicht findet.