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Topographische Karten

Visualisierung von Wissen – Kartographie
Problemstellung
Landkarten sind höchst eindrucksvolle Visualisierungs-Leistungen. Wir müssen uns ja vorstellen, dass vor der Montgolfière (1783) niemand die Erdoberfläche schwebend von oben gesehen hat. (Hohe Berge hat man kaum je bestiegen; 1786 Erstbesteigung des Mont Blanc).
Erd-Erkundung geschah mittels Er-Fahrung (mittelhochdeutsch varn = sich von einem Ort zum andern bewegen). Werden solche Beschreibungen zweidimensional zusammengefügt, spricht man von ›hodologischen‹ (von griech. hodós = Weg) Räumen.
Die Bestimmung des momentanen Standpunkts ist schwierig; markante Geländeformen helfen dabei. Bei der Bestimmung von Wegzeiten haben die antiken Bematisten [Schrittzähler] – möglicherweise mithilfe mechanischer Messwagen [Hodometer] – Abweichungen von unter 5% erreicht. Vitruv schildert den Mechanismus eines solchen mechanischen Wegmessers sehr genau (»de architectura« X, ix) – lat. Text / engl. Übers. – Bild von Walther Ryffs Rekonstruktion in seiner Vitruv-Übersetzung, Ausgabe 1548. – Leonardo da Vinci hat einen entworfen (Codex atlanticus, fol. 1a).
Man kann jeweils nur éinen Weg gehen, nicht simultan ein Netz begehen, das heisst: Um ein Ort-Weg-Netz zu erhalten, müssen verschiedene Reisebeschreibungen miteinander abgeglichen werden. Erst wenn ein Netz konzipiert ist, kann die Umsetzung in eine Graphik sinnvoll erfolgen.
Übersicht
(1) Grundlagen
(2) Um den Benutzern die Orientierung zu vereinfachen, werden Landkarten mit Akzentuierungen von interessierenden Eigentümlichkeiten sowie Findehilfen versehen: Suchgitter, Signaturen, Text-Einsprengsel, Legenden.
(3) Landkarten haben ihre
(4) Jede Landkarte muss vereinfachen. Es gibt zu besonderen Zwecken akzentuierte und extrem stilisierte Landkarten.
(5) Landkarten werden mit geologischem, politischem, statistischen oder anderem Daten-Material zusammen verbunden. Dabei lassen sich grob folgende Haupttypen unterscheiden:
(6) Es gibt Topographien, die nicht geographische Räume abbilden.
(7) Fiktionale Karten
(8) Karten, die eigentlich gar keine sind.
(9) Kartenkonstrukt zur Erklärung der geographischen Semantik
(10) Hinweise auf Fachliteratur und Links im Web

Einführung: je nach Verwendungszweck ist es klüger, eine winkelgetreue Projektion zu verwenden (für den Artilleristen, der genau zielen will), oder eine flächengetreue (für den Agronomen, der wissen will, wie groß die Anbauflächen sind). Beides kann man nicht gleichzeitig auf einer flachen Landkarte haben.
Winkelgetreue Projektion
[P.M.] Bevor man mittels Chronometern die geographische Länge eines Orts präzis ermitteln konnte (erst um 1750), mussten Seefahrer den Kurs mit dem Kompass bestimmen können. Am liebsten fuhren sie vom Start zum Ziel auf einem konstanten Kurs (Fachwort hierfür ist: sie folgten einer Loxodrome). Dazu brauchten sie winkelgetreue Seekarten.
Auf dem Globus nehmen die Abstände der Meridiane (= die Kreise, auf denen alle Orte zur gleichen Zeit Mittag ›meridies‹ haben) voneinander gegen die Pole hin ab. (An den Polen sind sie dann gleich null.) Soll die Landkarte winkeltreu sein, müssen die Meridiane in Parallele gebracht werden und die Abstände der Breitengrad-Kreise entsprechend gegen die Pole hin immer mehr vergrößert werden.
Gerhard Kremer, genannt Mercator (1512–1594) hat diese Projektion propagiert und die herzförmige ptolemäische Weltkarte in seiner Weltkarte 1569 so umgezeichnet. In der dritten Legende seiner Weltkarte von 1569 »Inspectori Salutem« beschreibt Mercator im ersten Abschnitt seine Projektion. Er sagt, die bisherige Methode der Zeichnung der Meridiane sei für die Schiffahrt nicht geeignet (inidoneae sunt) und erklärt seine neue winkelgetreue Karte.
Die winkelgetreue Projektion hat Auswirkungen auf die Flächendarstellung: die zu den Polen hin liegenden Gebiete erscheinen größer als die in der Nähe des Äquator liegenden. Die Insel Grönland (2,2 Mio. km²) ist dabei fast so groß dargestellt wie der 14 mal größere Kontinent Afrika (30,3 Mio. km²). Weil die sog. ›Dritte Welt‹ gerade um den Äquator herum liegt, erscheint sie viel zu klein im Verhältnis zu den ›entwickelten Ländern‹ im Norden.
Otto Neurath hat die Verzerrungen herausgestellt, in dem er einen Menschen (dessen Proportionen wir ja kennen) so karikierte. Die Graphik macht dadurch, dass sie von einem alltäglichen Phänomen (Figur eines Menschen) ausgeht, die Verzerrung viel deutlicher sichtbar, als es anhand des Originals (Erdoberfläche) verdeutlicht werden könnte:
Flächengetreue Projektion
Hinweise:

Die dritte Dimension kann nicht einfach durch eine Projektion der Erdoberfläche auf die Karte visualisiert werden. Dazu werden zusätzliche Techniken verwendet. (Die gezeigten Typen sind nicht historisch geordnet.)
Maulwurfshügel-Darstellung:
Die Maulwurfshügel bilden keine individuellen Berge ab, sondern sind ›Berg-Formeln‹ (ähnlich wie die Augen in Gesichtern auf Holzschnitten der Inkunabelzeit). Historisch verschwinden die Maulwurfshügel spät. Noch Johann Jacob Scheuchzer verwendet sie 1712 auf seiner Schweizerkarte.
Axonometrische Perspektive:
[J. D.] Die Weltchronik von Hartmann Schedel erschien im Jahre 1493 in einer lateinischen und einer deutschen Version. In ihr wird die Geschichte der Welt in sieben Weltzeitaltern beschrieben und für das 15. Jahrhundert einmalig reich mit 1804 Holzschnitten von 645 Holzstöcken illustriert. Berühmtheit erhielt die Chronik insbesondere wegen ihrer Städteansichten. Einige dieser Illustrationen sind erfunden und wurden zum Teil mehrfach für verschiedene Städte verwendet, andere dagegen sind von hoher Authentizität und basieren auf zeitgenössischen Vorlagen.
Dem Holzschnitt von Genua kommt eine besondere Bedeutung zu, da er – ebenso wie die Abbildung von Rom – aus dem Supplementum chronicarum (1486) des Jacobus Phillipus Foresti da Bergamo entnommen wurde. Der Hafeneingang mit den beiden Leuchttürmen, die Anlegestellen, die Kathedrale San Lorenzo, der Palazzo Ducale und andere wichtige Gebäude der Stadt sind hervorgehoben.
Bemerkenswert ist die gewählte Perspektive. Um die charakteristischen Gebäude gleichzeitig sichtbar abbilden zu können und somit zur Identifikation der Stadt beizutragen, ist die axonometrische Perspektive (speziell: Kavaliersperspektive*) notwendig, in der auch die dritte Dimension ins Bild kommt. Sie findet sich daher auch bei sämtlichen anderen Stadtansichten der Schedelschen Weltchronik sowie in weiteren Schriften dieser Zeit.
[P.M.] Jos Murer beschreibt 1547, wie er die Planvedute von Zürich gezeichnet hat. Er hat zunächst die Straßen und Gassen nach Weite, Breite und Länge nach ordenlichem bruch [Brauch] der Geometrie vermessen und aufgerissen [reissen ist etymologisch verwandt mit engl. to write, von germanisch writan ›ritzen‹]. Dann die Gebäude nach contrafiert, d.h. abgezeichnet. Schließlich beides zusammengefügt.
(*) Der Ausdruck ›Kavaliersperspektive‹ erklärt sich so: Die Vedute sieht aus, als sei sie von einem ›Kavalier‹ ( in der Sprache der Festungsbauingenieure eine erhöhte Geschützstellung in der Stadt) aus gezeichnet.
Seit 1948 publiziert der Bollmann-Bildkarten-Verlag (Braunschweig) solche Karten von Städten; hier wird zusätzlich mit einer Überhöhung der dritten Dimension von 1,5 bis 1,8 gearbeitet.
Aspektive:
[J. D.] Das Beispiel zeigt einen von Büschen und Bäumen umgebenen Teich. Die beiden Personen, die mit ihren Amphoren Wasser holen, sind – ebenso wie die Wasserpflanzen – von der Seite abgebildet. Der Teich selbst ist von oben als Quadrat dargestellt. Büsche und Bäume sind in zwei Reihen um den Teich herum so angeordnet, dass ihre Strünke und Stämme in Richtung des Teiches zeigen. Objekte und Figuren überlappen sich gegenseitig kaum.
Grundlage dieses originären Abbildungsstils war die optische Betrachtungsweise der Ägypter. Im Gegensatz zu einer automatischen Zusammenschau erfassten sie die Einzelteile eines Bildes schrittweise nacheinander. Der Künstler wählte daher eine ›gerade‹, d. h. frontale Ansicht, um die einzelnen Elemente möglichst gut erfassbar zu machen. Im Gegensatz zu einer perspektivischen Darstellung war das Ziel nicht, auf einer zweidimensionalen Zeichenfläche Raumtiefe zu illusionieren. Die Teile eines Gegenstandes werden so vollständig wie möglich wiedergegeben, ohne dass dabei eine perspektivische Verkürzung oder Verschiebung des Sichtwinkels die Form oder Grösse verändert.
[P.M.] Die Technik ist keineswegs auf Alt-Ägypten beschränkt. Der Graphiker der Illustrationen von Claudius Aelianus (2./3. Jh.), Opera, quae extant, omnia. Zürich, Gesner 1556 verwendet aus demselben Grund diese Technik der Raumdarstellung für die Visualisierung einer Heeresformation mit vierfacher Front. Das Bild wandert dann weiter zu Bernard de Montfaucon (1655–1741), L’antiquité expliquée et représentée en figures und dann zu dessen deutscher Zusammenfassung (1757):
Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733) wollte aus der Naturbeobachtung zeigen, dass die Gesteine, die sich nach der Sintflut ablagerten, durch den Willen Gottes wieder erhoben wurden und wiederum eingesunken sind. Das erkenne man gut an der sichtbaren Schichtung beispielsweise am Urnersee. Er gibt simultan beide See-Ufer wieder, so dass die Bergwände wie umgeklappt erscheinen:
Schraffierung / aequidistante Höhenkurven / Beleuchtung:
Schraffen: Der Geodät Johann Georg Lehmann (1765–1811) stellte (1796) ein auf senkrechte Beleuchtung und auf Böschungswinkel von 5, 10-45° Steigung basiertes System der Schraffierung auf. Lehmann wollte damit erreichen, dass man aus dem Verhältnis der Strichdicke zum weißen Zwischenraum den Neigungswinkel auf ca. 5° schätzen könne, und dass die Lage der Schraffen den Wasserlauf andeute, indem dieselben senkrecht auf den Horizontalkurven aufstehen sollten, die aber nach der Zeichnung wieder entfernt wurden (nach: Meyers Lexikon a.a.O. S. 112).
Die Technik der Höhenlinien wurde v.a. in Frankreich entwickelt, vgl. Jean-Louis Dupain-Triel, Recherches géographiques sur les hauteurs des plaines du royaume, sur les mers et leurs côtes presque pour tout le globe et sur les diverses espèces de montagne, Paris 1791.
Eine weitere Möglichkeit ist die Einfärbung entsprechend der Höhe:
Beleuchtung / Schattierung: Hans Conrad Gyger (1599–1674) gibt die Höhen auf den (für militärische Zwecke konzipierten) Karten seit den 1640er Jahren in reiner Aufsicht mit Schatten-Modellierung wieder. Das Licht kommt von Süden.
[Ch.N.] Die sogenannten ›Dufourkarten‹, die Guillaume Henri Dufour (1787–1875) ab ca. 1840 in seinem »Bureau topographique« in Genf anfertigte, stellen einen Meilenstein in der europäischen Kartographie-Landschaft dar. Als Nova führte Dufour die in Kupfer gestochenen ›Schattenschraffen in Schrägbeleuchtung‹ sowie eine sehr einheitlich wirkende Schrift- und Signaturgebung ein. Als Beleuchtungsrichtung wurde ein Winkel aus Richtung Nord-West gewählt, was in natura nicht einmal an Hochsommerabenden vorkommen kann. Der Effekt der Dreidimensionalität entsteht durch eine deutliche Verdichtung der Schraffen, je abgeschatteter das jeweilige Gelände-Element ist. Für das Auge des Betrachters wirken die dargestellten Landschaften so ungemein plastisch und authentisch.
Ein späterer Nachfolger Dufours war Eduard Imhof (1895–1986). Er verfeinerte die Schattenschraffen, indem er die Geländeschummerung einführte, die sich unterdessen auch international bei der Kartenerstellung durchgesetzt hat. Hier wurden – früher mit zeichnerischen Mitteln wie Schummer-Stift und Spritzpistole – die Schraffen durch Schattierungen ergänzt. Im Gebirge, wo auf Landkarten diese Effekte besonders schön sichtbar sind, spricht man in Kartographie-Kreisen von der ›Schweizer Felsmanier‹.
Relief:
Eine realistische Umsetzung der dritten Dimension stellt das Geländemodell dar. – Das älteste Landschaftsrelief ist erhalten (Luzern): In den Jahren 1762–1786 erarbeitete Franz Ludwig Pfyffer (von Wyher; 1716–1802) ein Relief der Region um den Vierwaldstättersee. (25 Quadratmeter = 6,7 x 3,9 m; ohne künstliche Überhöhung).
Hinweis: http://www.terrainmodels.com
Spezialliteratur:
Karl Peucker (1859–1940), Schattenplastik und Farbenplastik. Beiträge zur Geschichte und Theorie der Geländedarstellung, Wien: Artaria 1898.
Eduard Imhof, Gelände und Karte. 3. Auflage, Erlenbach: E.Rentsch 1968; Kapitel »Darstellung der Geländeformen« S.88–100.

Zur Auffindung von Orten auf der Karte wird diese mit einem Gradnetz versehen. Gradnetze (engl. graticule) für Globen oder geographische Karten sind alt (seit Ptolemaios). Willkürlich gelegte Suchgitter (frz. grille de repérage) sind offenbar jünger (basieren wahrscheinlich auf der Idee von Descartes’ Koordinatensystem); die letzteren lassen sich auch über andere Bilder als geograph. Karten legen.
Petrus Apianus (1495–1552) veranschaulicht, wie man die Lage eines Orts mithilfe der an den Rändern der Karte eingezeichneten Längen- und Breitengrade bestimmen kann.
In topographischen Karten von kleinem Maßstab werden grundrissliche Gebilde, in thematischen Karten werden qualitative Erscheinungen (z.B. Landwirtschaftstypen) durch sog. Signaturen gekennzeichnet. Signaturen sind genormte, uniforme Kleinfiguren, die in einer Legende erklärt werden.
Im Gegensatz zu den "geometrischen Lokalsignaturen", die auf Konvention beruhen (Peirce: "symbol"), sind die "bildhaften" zwar stark abstrahiert, lassen aber dennoch eine einstige Motiviertheit (Peirce: "icon") durchscheinen. Es können auch Kombinationen beider Typen verwendet werden (z.B. Punkt mit einer stilisierten Fahne darauf für "Schloss").
Legenden erklären die verwendeten Bildzeichen bzw. Verweiszeichen. Werden nicht-motivierte Zeichen verwendet, so müssen Regularitäten bekannt gegeben oder eingeübt werden (›legenda‹ = wie man es lesen muss).

Antike
In Ägypten war es notwendig, nach den Nilüberschwemmungen jeweils die Felder neu abzumessen. Hintergrund für eine Abgrenzung ist das soziale Konzept von Landbesitz und von Steuerabgaben.
Klaudios Ptolemaios (Alexandria ca. 100 – 178) hat ein Koordinatennetz entwickelt (Breitengrade / Längengrade) sowie eine Projektion ersonnen. Ca. 6’400 [je nach Forscher etwas andere Zahlen] Ortsangaben von Reisenden übertrug er in diese Karte, wobei die Umsetzung von Distanzangaben in Gradangaben problematisch ist. Dem Mittelmeer gab er 62° statt richtig 42°. – Die wohl auf antike Exemplare zurückgehende Karte wird in der Frühneuzeit gedruckt (Ptolemaeus-Ausgabe Bologna 1477 u.ö.; Schedelsche Weltchronik 1493; Waldseemüller, Straßburg: Schott 1513; Sebastian Münster 1540; Mercator 1578) Zur Druckgeschichte
Für die Römer der Kaiserzeit war die Fixierung und Vermessung von Wegen und Grenzen einerseits aus besitzrechtlichen Gründen (zur Regelung der Erträge / Steuereinnahmen) bedeutsam, anderseits aus militärtechnischen Erwägungen.
Hierbei handelt es sich nicht um ein Abbild der physischen Erdoberfläche, sondern um eine Marschroutenkarte (34 cm hoch und 6.80 m lang). Gezeigt werden: das Straßennetz von den Britischen Inseln bis nach Indien, die wichtigsten Städte, Etappenorte und Pferdewechselstationen (mansiones) mit Angaben der Wegdistanzen.
Entstanden ist sie in der Spätantike. (Mehrere historische Schichten sind überlagert: das 79 AD untergegangene Pompeji ist ebenso eingezeichnet wie das erst 330 eingeweihte Konstantinopel; zwei verschiedene Maßstäbe werden verwendet: römische Meilen / gallische Leugen). Eine im 13. Jh. entstandene Kopie wurde vom Humanisten Conrad Celtis 1494 entdeckt und Konrad Peutinger geschenkt, daher der Name. Heute in der ÖNB, Cod. 324.
Portolankarten
Als Portolan bezeichnete man ursprünglich ein Buch mit Aufzeichnungen von nautischen Daten. Die im 13. Jh. auftauchenden See-Karten – die älteste überlieferte (Carta Pisana) stammt von ca. 1280 – zeichnen die Hafenorte am Meeresufer ein und machen Angaben über Gefahren. Sie sind gemessen an modernen Karten sehr genau. Man kann annehmen, dass sie auf terrestrischen Karten des spätantiken römischen Reichs beruhen, wo das Vermessungswesen einen hohen Stand erreicht hatte.
Die Portolane sind mit einem exakt gezeichneten Netz von verschiedenfarbigen Linien versehen, die vom Zentrum sowie von 16 gleichmäßig auf einer äusseren Kreislinie verteilten Punkten ausstrahlen, so dass jeder Punkt mit dem Zentrum und den anderen Punkten verbunden ist. Dieses Liniensystem hat keinen Bezug zum Karteninhalt. Die Linien nennt man Rumben. Als Navigierhilfe konnte es insofern dienen, als der Seefahrer eine Gerade vom Ausgangsort zum Zielort zeichnete und durch Parallelverschieben dieser Geraden bis zu einer Rumbe die Kursrichtung auf der Windrose feststellen konnte. Mit einem magnetischen Kompass (Bussole) konnte er den Kurs einhalten; das gab es zu jener Zeit bereits. — Mitte des 16. Jh.s verschwinden diese Liniennetze wieder.
Phasen der Geschichte
(I) Die alte Methode bestand darin, Itinerare und Berichte von Reisenden kritisch zu sichten und vergleichend zusammenzutragen und daraus ein Netz zu erarbeiten, das dann als Landkarte visualisiert wurde.
Um einen Eindruck der Umsetzungs-Leistung der Kartographen vom Reisebericht zum Wegnetz zu geben, sei ein kurzer Ausschnitt aus dem Buch von Ludovico de Varthema (ca. 1470 – 1517, vgl. Artikel in der Wikipedia) im Wortlaut zitiert:
Man erkennt folgende Schwierigkeiten:
Mercator hat so gearbeitet. In der dritten Legende seiner Weltkarte von 1569 »Inspectori Salutem« beschreibt Mercator im zweiten Abschnitt, wie er die Orte bestimmt hat. Er hat offenbar Portolane miteinander verglichen und schriftliche und mündliche Reisebeschreibungen ausgewertet und kritisch miteinander verglichen (tabulas conferentes et ... inter se conciliatis) [Besten Dank den Kollegen, die den lat. Text und die englische Übersetzung ins Web gestellt haben! http://en.wikipedia.org/wiki/Mercator_1569_world_map]:
(II) Präzisierungen in der frühen Neuzeit
Eine mathematisch fundierte Methode für die Landvermessung (Geodäsie) ist die Triangulation. (Wenn von einem Dreieck drei Größen bekannt sind, ist es definiert und man kann alle anderen Größen errechnen.) Zur Berechnung der unbekannten Distanz AC (vgl. das Bild) misst man den Abstand der beiden auf ihrer Grundlinie gleich ausgerichteten Mess-Stationen A und B sowie die Winkel von dort zum unerreichbaren Punkt C. Damit lässt sich ein geometrisch ähnliches Dreieck abc auf dem Zeichentisch zeichnen und ausmessen. Aufgrund der Ähnlichkeit des Dreiecks auf dem Zeichentisch und demjenigen in der Landschaft lässt sich AC mit einem einfachen Dreisatz (vgl. Strahlensatz) errechnen: AB (wurde gemessen) : ab = AC : ac ———> AC = (AB mal ac) : ab.
Die geograph. Breite lässt sich mit einem Jakobsstab [seit dem 15. Jh.] oder einem Sextanten als Winkel zwischen Horizont und Polarstern relativ einfach messen.
Die Bestimmung der geographischen Länge war lange Zeit nicht möglich. Übersicht
(III) Um 1900 wurde die Photogrammetrie entwickelt, mittels der aus photographischen Aufnahmen der Erdoberfläche Landkarten erstellt werden; allmählich dann auch mittels Aufnahmen, die aus Ballonen und Flugzeugen gemacht wurden. Vgl. den Artikel »Ballonphotographie« in: Meyers Konv.-Lexikon 6. Auflage, Band 23 (= Jahres-Supplement 1910/11), S. 68–73 mit Bildtafeln.
Damit kommt eine völlig neue Technik auf: imitative Bilder (plus Nachbearbeitung) statt (auf Reiseberichten oder trigonometr. Messungen beruhender) Konstrukte.

noch auszuführen
"Alles unter dem Himmel", Korea Mitte 18. Jh.: http://en.wikipedia.org/wiki/Cheonhado
Arabische Karte von Ferrara
Verschiedene Kulturbereiche: History of Cartography Project (seit 1987) > http://www.geography.wisc.edu/histcart/

Keine Landkarte kann alles visualisieren, das wäre ja ein Nachbau der Erdoberfläche. Jede Karte abstrahiert, lässt die im Sinne ihrer Funktion unwichtigen Details weg und fokussiert auf das Interessierende.
Die Detailtreue ist rein abbildungstechnisch gesehen abhängig vom Maßstab. Eduard Imhof zeigt hier sechs Mal die Stadt Bern in verschiedenen Maßstäben (1 : 10'000 bis 1 : 500'000):
Besonders interessierende Eigentümlichkeiten werden mit entsprechenden Mitteln hervorgehoben (z.B. Waldflächen grün; Hauptstraßen überdimensional dick). Für besondere Verwendungszecke (z.B. in der Werbung) werden bestimmte Gebäude gerne eigens markiert (z.B. alle Hotels in NN).
Beispiel: Karte der Colleges in Oxford: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/61/4516-Oxford-map-1510x1384.jpg
Stabkarten
Die Bewohner der Marshallinseln benutzten Stabkarten als Hilfsmittel, um ihre Auslegerkanus sicher zwischen den Inseln zu navigieren.
[J. D.] Die Distanzen zwischen den einzelnen Inseln sind zwar gering, da es sich jedoch um niedrige Atolle handelt, sind sie von einem Kanu aus nur aus wenigen Meilen Entfernung sichtbar. Um sich jedoch auf dem Ozean zurechtzufinden, nutzten die Einheimischen ihr Wissen darüber, wie die Inseln die Dünung des Pazifiks verändern und brechen. Zur Abbildung dieser Muster entwickelten sie das in der Geschichte der Kartographie einmalige System der Stabkarten.
Die Stabkarten wurden aus den Rippen von Palmwedeln hergestellt, die mit Kokosfasern verbunden eine Art Rahmenstruktur bildeten. Die Anordnung der Stäbe verweist dabei auf die Meeresdünung und nicht – wie oft fälschlicherweise angenommen wurde – die Strömung. Muscheln (oft Kaurimuscheln), die an den Rahmen gebunden wurden, oder auch die verknoteten Verbindungspunkte von zwei oder mehreren Stäben, markierten die Lage der Inseln des Archipels. Die Karten lassen sich in drei Kategorien einteilen. Die sogenannten mattang wurden zur Ausbildung der Navigatoren verwendet. Sie stellen weitgehend standardisierte Modelle mit idealisierten Formen dar, an Hand welcher die Prinzipien des Wechselspiels von Land und Dünung unterrichtet wurden. Die meddo und rebbelib bilden nicht nur die Lage der Inseln, sondern auch die Richtung der Hauptdünungen ab, deren Biegungen um die jeweiligen Inseln und Überkreuzungen und die Entfernung, aus welcher eine Insel vom Boot aus erkannt werden kann. Die meddo stellen eine Teilregion innerhalb einer der beiden Inselketten dar, die rebbelib dagegen bilden die meisten oder alle Inseln einer Kette ab, oder sogar das gesamte Archipel.
Die Stabkarten unterwerfen ihre Objekte einer sehr starken Schematisierung, was nicht zuletzt auch Resultat des verwendeten Materials ist. Das Wissen über ihre Machart und Benutzung wurde nur mündlich tradiert und die einzelnen Karten wurden oft sehr individuell gestaltet. Entsprechend lange kam es in der Forschung daher zu Fehlinterpretationen, da die Karten für Aussenstehende nicht nur wenig Bedeutung besitzen, sondern auch in ihrem Inhalt kaum erfassbar sind. So wurden die Stabkarten auch nicht wie die eines europäischen Navigators verwendet, um Fahrtrichtungen, Positionen und Lagerstätten zu kartieren und um unterwegs Landformen identifizieren zu können. Die Karten verblieben vielmehr ständig an Land, und die für die Überfahrt notwendige Information wurde vorab vollständig im Gedächtnis gespeichert.
London Underground Tube Map
[J. D.] Eine stark schematisierte Karte stellt die London Underground Tube Map dar. Ziel der hier vorgenommenen Vereinfachung war die schnellst- und bestmögliche Lesbarkeit, gerade auch für erstmalige Benutzer. Urheber der schematischen Karte der Londoner U-Bahn war der technische Zeichner Harry Beck, der im Jahre 1931 den ersten Entwurf anfertigte. Die sich schlängelnden Streckenverläufe wurden in der Graphik durch vertikale, horizontale und diagonale Linien ersetzt. Das Zentrum wurde ausgedehnt, bei gleichzeitiger Verkleinerung der Vororte. Sämtliche geographischen Details wurden eliminiert, mit Ausnahme des Flusses Themse, welcher in ähnlich stilisierter Form abgebildet wurde. Zur einfachen Identifikation der Linien verwendete Beck unterschiedliche Farben. Die Stationen wurden im Gegensatz zu den bisher üblichen Punkten mit einfachen Strichen markiert und konnten auf diese Weise gut von den kreisförmig gestalteten Zeichen für Umsteigestationen unterschieden werden. Die für die Tube Map vorgenommene Vereinfachung der geographischen Verhältnisse war von immensem Einfluss und wurde weltweit für Streckennetzkarten übernommen.
Die Peutingerkarte (vgl. oben) kann nicht als Stilisierung einer voll ausgebildeten Karte angesehen werden, sie ist eher eine graphische Repräsentation von verschiedenen Itineraren.
Noch eindimensionaler, nämlich nur einen einzigen Weg mit allen Abzweigungen aufzeichnend, sind die 100 Streifenkarten (strip road maps), die der Schotte John Ogilby (1600–1676 Biographie) 1675 herausgab.

Auf geographische Karten können zusätzliche Daten eingetragen werden. (Vgl. zum Objektbereich ›Korrelation von Datenmengen‹ die Seite zu Tabellen.)
Die Daten können eingetragen werden
Marken:
In der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) kämpften die Truppen der Verbündeten (Österreich, Preußen, Russisches Reich und Schweden) gegen die Truppen Kaiser Napoléons I. – Die Farben der Truppenkörper auf der Landkarte sind willkürlich gesetzt; es steht (aus der Sicht der Verbündeten) konventionellerweise rot für den Aggressor, blau für die Verteidiger.
Linien:
Isolinien (von altgriechisch ἴσος ›gleich‹) sind Linien, auf denen an jedem Punkt der gleiche Wert auftritt. Die Werte können von verschiedener Kategorie sein: Höhe des Orts; Temperatur; Stärke des Magnetfelds; und andere Phänomene.
[J.D.] Als Isobaren (griech. iso = gleich und baros = Gewicht, Druck) bezeichnet man die Verbindungslinien zwischen Orten gleichen Luftdrucks, wie sie vor allem in meteorologischen Karten eingesetzt werden. Die Wetterkarte wurde wahrscheinlich von Heinrich Wilhelm Brandes (1777–1834) erfunden. Er schlug vor, ein Jahr lang täglich eine Wetterkarte für Europa zu zeichnen. Als Argument hierfür brachte er an, dass das Einzeichnen von grafischen Elementen auf eine Wetterkarte informativer als das bloße Auflisten von Daten sei, insbesondere wenn man diese als Serie betrachte.
[P.M.] Die Isobarenkarte überlagert zwei Visualisierungen: (1) die Verbindung von in einer Ebene liegenden Punkten mit gleichen physikalischen Eigenschaften mit einer Linie; (2) eine ›normale‹ geographische Landkarte. Der Graphiker Antonino Petrucelli (1907–1994) hat die in diesen Darstellungen überlagerten ›Layers‹ (eine geographische Karte einerseits — die Kurven, die Punkte gleichen Luftdrucks miteinander verbinden anderseits) schön dargestellt.
Flächen:
Die Auszeichnung von Gebieten kennen wir von den politischen oder geologischen Landkarten.
Pfeile:
Die Einfuhr ist mit roten Pfeilen / die Ausfuhr mit grünen dargestellt; die Dicke der Pfeile entspricht dem Handelsvolumen in Reichsmark. Europa ist überproportional dargestellt, damit die Pfeile für den innereuropäischen Handel Platz haben.

Bei Choropleth-Karten (Etymologie [anders als die engl. Wikipedia] griech. χώρα = Raum, Gebiet + πλῆθος = Menschenmenge) werden die Gebiete im Verhältnis zur statistischen Verteilung des thematischen Objektes eingefärbt oder sonstwie graphisch ausgezeichnet. Als thematisches Objekt kommen sehr viele Dinge in Frage:
Frühe solche Atlanten:

[J. D.] Anamorphotische Karten (engl. cartograms) sind eine relativ neue Erfindung und erst durch die Zeichnungen des Kartographen Erwin Raisz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt geworden. Durch die Unterstützung von Computern wurde die Darstellungsform in den letzten Jahrzehnten zunehmend häufiger. Es handelt sich dabei um Karten, bei welchen die physische Größe von Ländern anhand demographischer Variablen wie Bevölkerungszuwachs, Wasserverbrauch oder Umweltverschmutzung verändert und angepasst wird. Statt wie in der Vergangenheit als Verteilungsindikator die Gebiete auf Landkarten verschiedenfarbig oder unterschiedlich intensiv einzufärben, werden hier geographische Größen und Formen entsprechend den statistischen Daten verzerrt, d.h. ausgedehnt oder verkleinert. So wird auf einer Karte über die Populationsverhältnisse ein Land, das zweimal so viele Einwohner hat wie ein anderes, doppelt so groß abgebildet.
Bemerkenswert ist die einfache Lesbarkeit der Karten. Größere Länder weisen mehr von der gewählten Variable auf, kleinere Länder weniger. Vor dem Hintergrundwissen über die normalen Grössenverhältnisse fällt die Verzerrung schnell ins Auge, insbesondere bei extremen Abweichungen wie bei unserem Beispiel. Da bei einigen Fällen die Veränderung so stark sein kann, dass einzelne Länder kaum noch erkannt werden können, werden zusätzlich Farbengruppen für Regionen und Farbabstufungen für die einzelnen Länder verwendet, um die Identifikation einfacher zu machen.
[P.M.] Raisz bevorzugt eine starke Stilisierung und gibt als Rezept: »discard altogether the outlines of the country, and give each region a rectangular form of size proportional to the value represented. – For purposes of comparison it is essential that a definite system of construction should be followed and identical arrangement should be used whatever values are represented. – It should be emphasized that the statistical cartogram is not a map. Although it has roughly the proportions of the country and retains as far as possible the relative locations of the various regions, the cartogram is purely a geometrical design to visualize certain statistical facts and to work out certain problems of distribution.«
Hinweise:

Solche Karten sind bei Strategen beliebt (vor allem wenn sie Eroberungen zeigen; weniger bei ›geplanten Absetzbewegungen‹):
Gebietszuwachs der Vereinigten Staaten 1776 bis 1846:
Mit EDV-Technik kann man das viel schöner und einleuchtender gestalten, vgl. hier: http://en.wikipedia.org/wiki/United_States_territorial_acquisitions.
Literaturhinweis: Martin Rickenbacher: Zeitreihen […] in: Cartographica Helvetica, Heft 44 (2011), S. 35–41 (bei retro seals downloadbar)

Sozial-semantisch aufgeladen sind Anordnungen von Personengruppen wie z.B. die Lagerordnung der 12 Stämme um die Stiftshütte herum (Numeri 2) oder die Ordnung der politischen Parteien in Parlamenten; vgl. http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/42935/7_Sitzordung_1924.png (die bürgerlichen Parteien rechts, die Kommunisten links).

Strabo (ca. 63 vor bis 23 nach Chr.), Geographie, IX. Buch, vergleicht Griechenland mit der Gestalt eines Mannes.
Eine frühe Form der Anthropomorphisierung von Landkarten findet sich bei Opicinus de Canistris (1296 – ca. 1353). Er kennt bereits Portolane, welche recht genaue Umrisse des Mittelmeer-Raums geben. Er gibt entweder Europa als Mann / Afrika als Frau oder Europa als Frau / Afrika als Mann wieder; dazwischen befinden sich Ungeheuer. Die Bildwerke sind aber viel umfangreicher, eine ganze Philosophie umfassend, und mit umfangreichen Glossen versehen. Was ist der Sinn dieser Darstellungen? — Literaturhinweis: Richard Salomon, Opicinus de Canistris, Weltbild und Bekenntnisse eines avignonesischen Klerikers des 14. Jahrhunderts, 1 Textband, 1 Tafelband (Studies of the Warburg Institute 1a ; 1b), London: Warburg Institute, 1936.
»Den ersten Leo Belgicus, gestochen von Frans Hogenberg, veröffentlichte der österreichische Chronist Michael Aitzinger 1583 in seinem Geschichtswerk De Leone Belgico. Das Buch behandelt die niederländische Zeitgeschichte von 1559 bis 1583 aus spanischer Sicht. Wie Aitzing im Vorwort ausführt, soll die Darstellung der Siebzehn Provinzen als Löwe die Macht und Stärke des um seine Unabhängigkeit ringenden Landes grafisch veranschaulichen.« (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Leo_Belgicus). Vgl. die Karte De Zeventien Verenigde Nederlanden
Der Kartentyp wurde x-mal nachgeahmt; vgl.:

Von Dantes Unterwelt gibt es seit dem Fresko von Domenico de Michelino in Santa Maria del Fiore, Florenz 1465, viele Landkarten. Bild
Es gibt Rekonstruktionen der Unterwelt, die Aeneas, geführt durch die Sibylle, besucht (6.Buch von Vergils »Aeneis«).
Vor den einzelnen Namenseinträgen steht jeweils der Vers des Texts. Oben rechts (im ›Nordosten‹) – Vers 237 die Eingangshöhle, von hier geht der Weg nach ›südwest‹ – 299 der Fährmann Charon – 417 der Hund Cerberus – 427 das Feld der Tränen mit den Kinderseelen u.a. – 435 die Selbstmörder usw. ––– 554 der eiserne Turm von Tisiphone, anschließend der Tartarus – im ›Nordwesten‹ die elysischen Gefilde. – Um die ganze Unterwelt herum zieht sich der Fluss Styx und um den Tartarus der Fluss Phlegeton.
Text: Vergil, Aeneis. Lateinisch/deutsch, übers. und hrsg. von Edith und Gerhard Binder, 5. und 6. Buch, Stuttgart: Reclam 1998 (RUB 9682).
Tolkiens Vorstellung von »Middle earth« wurde von der Fangemeinde mehrfach visualisiert.

• Die Utopie des Thomas Morus war auf dem Titel der ersten Ausgabe 1516 mit einer Phantasie-Landkarte versehen.
• Jakob Bidermanns »Utopia« (1640). Edition mit Übersetzung und Monographie; nebst vergleichenden Studien zum beigedruckten Plagiat des Christoph Andreas Hörl von Wattersdorf (»Bacchusia oder Fassnacht-Land ...« 1677), hrsg. von Margrit Schuster, (Europäische Hochschulschriften Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur 794), Bern: Lang 1984. Zur Karte bes. Band I, S. 50f. – Die den einzelnen Gauen zugeordneten Ortsnamen beziehen sich auf Laster, die im satirischen Roman durchgehechelt werden: Frissgoia mit dem Ort Smauseck; in Bibia (etwa: Saufland) liegen Orte wie Crapula (Rausch) oder Propinia (Zutrunk); im Gau Furlandia (von lat. fur = Dieb) liegt u.a. Clepia (lat. clepo = stehlen) und Nebulonium (nebulo = Taugenichts).
• Berühmt ist sodann die Karte des Schlaraffenlandes, die Johann Baptist Homann (1694) zugeschrieben wird: Accurata utopiae tabula : das ist der neu-entdeckten Schalck-Welt oder des so offt benannten, und doch nie erkannten Schlaraffenlandes neu-erfundene lächerliche Land-Tabell, worinnen all und jede Laster in besondere Königreich, Provintzien und Herrschafften abgetheilet : beyneben auch die nächst angräntzende Länder der Frommen des zeitlichen Auff u. Unterg. auch ewigen Verderbens Regionen samt einer Erklaerung anmuthig und nutzlich vorgestelt [werden] — Literaturhinweis: Martin Müller, Das Schlaraffen Land. Der Traum von Faulheit und Müssiggang. Eine Text-Bild-Dokumentation, Wien: Brandstätter 1984.
Aus dem Roman »Clélie« von Madeleine de Scudéry (1607–1701) — Zugang zu Mme. Scudérys Liebesprogrammatik eröffnet die berühmte carte de tendre, eine der Erstausgabe des Romans auch als Graphik beigefügte allegorische Landkarte, die dem unerfahrenen Liebenden den gefährlichen, vom lac d’indifférence (See der Gleichgültigkeit) und dem mer d’inimitié (Meer der Feindschaft) umgebenen Weg zu drei besonderen Möglichkeiten der Liebe weist (Tendre-sur-Inclination, Tendre-sur-Estime et Tendre-sur-Reconnaissance), hinter denen, getrennt vom mer dangereuse (Meer der Gefahren), die Grenzen weitläufiger terres inconnues (unbekannter Länder) erkennbar werden.« (Kindlers Literatur-Lexikon, sub voce) — Moderne französ. Zusammenfassung des Romans, vgl.: http://www.siefar.org/publications-articles/madeline-de-scudery-clelie-histoire-romaine.html
Eine moderne Variante, die auf Scudéry Bezug nimmt: Diana Issidorides, Atlas der Liebe (Kartographie Erik d’Ailly & Willum Morsch; aus dem Engl. übers. von Sabine Schilasky), Frankfurt am Main: mvg-Verlag 2005.
Die metaphorische Vorstellung, wohin der gute bzw. der schlechte Weg führt, (vgl. Xenophon, Memorabilia, II, i, 21–34 und Matthäus 7,13–14) kann als Landschaft ausgestaltet werden. Bild — Sehr ähnlich sieht die (wohl an Bunyans »Pilgrim’s Progress« inspirierte) »Gospel Temperance Railroad Map« von G. E. Bula (1908) aus: Bild

Man darf sich durch die uns vertraut erscheinenden Bilder von die Erdoberfläche imitierenden Landkarten, die der Weg-Erkundung, der Gebietsabgrenzung u.a.m. dienen, nicht täuschen lassen. Die Erdoberfläche wurde auch aus ganz anderen Gründen imaginiert bzw. andere Ideen wurden auf das Bild der Erde projiziert.
T-O-Karten
In den sog. T-O-Karten wird der die Erde umgebende Ozean als O, und die die Erdteile trennenden Meere werden als T dargestellt; dabei haben die Buchstaben symbolische Bedeutung (O für Orbis; T für terrarum, aber auch für T [tau] für das Kreuz des Erlösers). Nach 1.Mos 10,1/32 wurden Noah drei Söhne: Sem, Ham und Japhet geboren, von ihnen zweigten sich nach der Flut die Völker der Erde ab, d.h. sie haben je einen dieser ›Kontinente‹ besiedelt. So entsteht eine idealtypische Karte der Welt als eines umfassenden Ganzen mit einem sehr schematischen Bezug zur wirklichen Topographie.
Orbis a rotunditate circuli dictus, quia sicut rota est […] Undique enim Oceanus circumfluens eius in circulo ambit fines. Divisus est autem trifarie: e quibus una pars Asia, altera Europa, tertia Africa nuncupatur. — Die Erdkugel wird von der Rundheit des Kreises her benannt, denn er ist wie ein Rad. […] Von allen Seiten umgibt der Ozean seine [des Erdkreises] Grenzen. Er ist dreifach geteilt, wobei der eine Teil Asien, der andere Europa, der dritte Afrika genannt wird (Isidor von Sevilla [um 560 – 636], »Etymologiae« XIV,ii,1.)
Als Karten gestaltete Enzyklopädien
Die ›Mappae mundi‹ sind keine wirklichkeitsnahen Abbildungen geographischer Verhältnisse, sondern ›Ideenbilder‹ der Welt; sie dienten nicht der Orientierung im Raum (dazu hatten die Reisenden schriftliche Itinerare und erkundigten sich bei Einheimischen nach dem Weg) und ebensowenig der territorialen Abgrenzung (dazu dienten Begehungen des Gebiets anhand von Urkunden). Sondern es waren ins räumliche entfaltete und zu Pergament gebrachte Auslegeordnungen des über die Welt Gewussten; d.h. sie sind eher mit Enzyklopädien verwandt als mit Landkarten (vgl. Uwe Ruberg).
Es sind keine Wege oder Straßen eingezeichnet; die Karte enthält Texte mit Wissensstoff über Tiere und Bewohner ferner Erdteile; eingezeichnet sind Noahs Arche, die vierzigjährige Wüstenwanderung, der hl. Augustinus, das Labyrinth des Minotaurus. Das irdische Paradies ist ebenso Bestandteil der tatsächlichen geographischen Welt wie ›wirkliche‹ Städte (beispielsweise Zürich = Turicum oppidum). In der Ebstorfer Karte ist das T-O-Schema der Christus-Gestalt überlagert (deren Haupt beim Paradies liegt, die Füße beim apokalyptischen Weltende).
In solchen Karten sind die eingezeichneten Gebiete auch semantisch aufgeladen: Jerusalem ist der Mittelpunkt der Welt (nicht der Erde); an den Rändern leben monströs aussehende Völker; der Westen ist negativ konnotiert.
›Karte‹ als Memorierhilfe
In der »Cosmographia« von Sebastian Münster (1488–1552) findet sich ein ›Plan‹ der Stadt Rom. Der Text sagt über die Topographie der Stadt nichts, ausser dass sie 365 Tortürme habe und heutzutage sehr heruntergekommen sei. Das ist insofern seltsam, als in der Schedelschen Weltchronik 1493 eine Vedute gezeigt wird, die sich um eine Abkonterfeiung einzelner Gebäude bemüht.
Idealplan
Darstellung von Cheng, der ›Stadt in der Mitte‹, aus der chinesischen Enzyklopädie »San Cai Tuhui« (1609 unserer Zeitrechnung):
Im politischen System der Zhou-Dynastie (ca. 1100 – 250 vor Chr.) gibt es ausserhalb der Hauptstadt und ausserhalb weiterer einhundert li (Längenmass, etwa 500 m) gelegen die sechs sui (Bezirke). In jedem sui gibt es einen Menschen des Bezirks (sui ren), der die politische Befehlsgewalt innehat (d.h. es gibt einen Lokalbeamten für jedes sui). Liu Xiang (77–6 vor Chr.) sagt dazu (»Zhou Li«, Kapitel »Di Li«, »sui ren«): »Der Befehlshaber steht vor den Frondiensten der sechs Bezirke und dirigiert diese, hat Befehlsgewalt darüber.« Der sui ren ist für die äusseren Bezirke das, was der si tu (der Minister für öffentliche Arbeiten) für die sechs inneren ist. Quelle: www.zdic.net/c/d/16/35325.htm
Die Graphik ist mithin eine Visualisierung eines (im Text vermittelten) Ideals der Verwaltung des Landes.

Das Ziel dieser Abbildung ist es, eine illustrative und somit einprägsamere Übersicht über das wichtigste Vokabular aus einem Bereich der Geographie zu liefern. Um in einer einzelnen Graphik sämtliche topographischen Begriffe zu veranschaulichen, wurde ein aus der Phantasie gestaltetes Kompilationsbild verwendet.
Den lexikographischen Hintergrund bildet die Onomasiologie, wonach Wörter von Begriffsfeldern zusammengestellt werden. Konzeptuell zusammengehörige Wörter werden nicht durch die alphabetische Anordnung auseinandergerissen, sondern zusammengestellt, was – schon vor einer Visualisierung – einen guten Lerneffekt (Fremdsprachenunterricht!) ergeben soll. Während der Petit Larousse Illustré grundsätzlich alphabetisch geordnet ist, enthält er hie und da Wortfelder wie hier zum Artikel Géographie.
Auf einer stilisierten Landkarte werden sowohl Begriffe mit einer breiten Expansion, wie z.B. die Urlandschaften (Désert – Wüste, Mer – Meer, Plaine – Flachland, Montagne – Berg), als auch fachspezifischere Begriffe, wie Isthmus (Isthme) oder Reede (Rade), verbildlicht und bezeichnet. Geringe semantische Abweichungen zwischen zwei Begriffen sind in der Darstellung entsprechend umgesetzt, beispielsweise die Größenunterscheidung bei den französischen Termini für Halbinsel (Presqu’île und Péninsule) bzw. bei Bucht (Baie) und Golf (Golfe). Man merkt auch nebenbei, warum die Stadt an der amerikanisch-kanadischen Grenze Detroit heisst.
Im Fokus dieser Visualisierung liegt jedoch nicht die exakte Erklärung der Sache an sich, sondern primär deren Benennung – insbesondere bei graphisch schwer umsetzbaren Details. So ist die Differenz im semantischen Gehalt von Recifs und Bristants zwar eindeutig (der erste Begriff bezeichnet ein Korallenriff, der zweite ein Felsenriff oder Klippen), eine klare Interpretation allein an Hand der Zeichnung bleibt jedoch schwierig.
[M.W.] im »Wuzhou tu kao« (Eine Prüfung der Karten von fünf Kontinenten), einer Sammlung von geographischem Grundwissen aus dem Jahr 1898, publiziert 1902, findet sich das chinesische Pendant:

Heinrich Averdunk / J. Müller-Reinhard, Gerhard Mercator und die Geographen unter seinen Nachkommen, Gotha 1914.
Leo Weisz, Die Schweiz auf alten Karten, Zürich 1945.
Lev Semenovič Bagrov, Meister der Kartographie, [3. Aufl.], Berlin: Safari 1963.
Arthur Dürst, Philipp Eberhard und Leonhard Zubler – Zwei Zürcher Instrumentenmacher im Dienste der Artillerie, CLXXV. Neujahrsblatt der Feuerwerker-Gesellschaft (Artillerie-Kollegium in Zürich) auf das Jahr 1984.
Ivan Kupčík, Alte Landkarten von der Antike bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Handbuch zur Geschichte der Kartographie, Stuttgart: Steiner 2011.
The history of cartography, ed. by John B. Harley and David Woodward,
University of Chicago Press 1987ff.
Delphine Acolat, Représenter le paysage antique. Des normes des arpenteurs romains aux témoignages épigraphiques (iie-ixe siècle), in: Histoire & Sociétés Rurales 2005/2 (Vol. 24); online: http://www.cairn.info/revue-histoire-et-societes-rurales-2005-2-page-7.htm <19.07.14>
John Blake, The sea chart. The illustrated history of nautical maps and navigational charts, London: Conway Maritime Press 2005; 2nd ed. 2016.
Maps. Finding our place in the world, edited by James R. Akerman and Robert W. Karrow, Jr., University of Chicago Press 2007.
Florian Mittenhuber, Text- und Kartentradition in der Geographie des Klaudios Ptolemaios. Eine Geschichte der Kartenüberlieferung vom ptolemäischen Original bis in die Renaissance. Bern Studies in the History and Philosophy of Science, 2009 (https://books.google.ch/books?id=OsD1wutJNT4C)
Ute Schneider, Die Macht der Karten. Eine Geschichte der Kartographie vom Mittelalter bis heute, 3., erw. u. aktual. Auflage, Darmstadt: Primus 2012.
Jacques Bertin (1918–2010), Sémiologie Graphique. Les diagrammes, les réseaux, les cartes, Paris: Mouton 1967 und Neuauflagen.
Eduard Imhof (1895–1986), Thematische Kartographie. Berlin / New York: Walter de Gruyter 1972. ("Leseprobe" bei GoogleBooks)
Eduard Imhof, Gelände und Karte. Dritte, umgearbeitete Auflage, Erlenbach/Zürich und Stuttgart: E.Rentsch 1968.
Ernst Spiess, Lorenz Hurni u.a., Thematische Kartografie; PDF online von Geographic Information Technology Training Alliance (GITTA, University of Zurich Department of Geography) 5.5.2010 . Als PDF zum Downloaden
... und Hinweise auf Websites
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Kartografie
http://en.wikipedia.org/wiki/Mercator_1569_world_map [hier auch Digitalisat und Transkriptionen der Legendentexte mit englischer Übersetzung]
British Library: http://www.bl.uk/subjects/maps (mit modernem Browser, z.B. Firefox 45.8.0)
History of Cartography Project (University of Chicago): http://www.geography.wisc.edu/histcart/
Fachportal für Karten der Schweizer Bibliotheken und Archive: http://www.kartenportal.ch/
Cartographica Helvetica: http://www.kartengeschichte.ch
Kartenblog der Schweizerischen Gesellschaft für Kartografie: http://www.kartografie.ch/imy/list.html
Die bemerkenswerte Karte. Eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V.: http://bk.dgfk.net/
Jim Siebold hat seit 1994 hunderte von alten Karten nicht nur online gestellt, sondern auch monographisch beschrieben: http://www.myoldmaps.com
The search engine for historical maps: http://www.oldmapsonline.org/
Großartig ist die Sammlung Persuasive Maps der Cornell University Library <25.03.2016>

Eingerichtet April bis Dezember 2014 – kleinere Überarbeitungen Dezember 2016 und April 2017