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«Ich war besessen», sagt Mike Sundman. «Als Kind habe ich mit meinem Handschuh unter dem Kissen geschlafen.» Er spricht von Baseball: Sundman ist, wie viele Amerikaner, mit dem Sport aufgewachsen. Heute trainiert er die Juveniles (U12), also die Junioren der Therwil Flyers.
Baseball ist seine grosse Liebe. «Wer gerne Bälle schlägt, fängt, wirft und rennt, wird daran Spass haben – es ist für jeden etwas dabei», sagt Sundman. «Auch für die weniger Sportlichen. Denn es ist ein taktischer Sport, der auf viel Teamarbeit beruht.»
Der 66-Jährige kommt aus New Jersey und ist in den Vororten von New York aufgewachsen. Er ist in Manhattan zur Highschool gegangen und hat dort einen Bachelor-Abschluss in Vergleichender Literaturwissenschaft gemacht. Dafür musste er Englisch und Französisch meistern. Später absolvierte er ein Masterprogramm in Betriebswirtschaft.
Nach dem Studium arbeitete er zunächst für ein Unternehmen, das alkoholischen Getränke herstellte und vertrieb. Sein Job war es, kreative Wege zu finden, um die Löcher zu stopfen, die aus Verlusten im europäischen Markt entstanden. Sie schickten ihn nach London und vor dort aus tätigte er in halb Europa Zukäufe.
«Das hat richtig Spass gemacht», erinnert er sich. «Wir hatten Betriebe in Grossbritannien, Deutschland, der Schweiz und vielen weiteren europäischen Ländern. Ich sass die ganze Zeit im Flugzeug.» Nach drei Jahren hatte er den Turnaround geschafft.
Als Aussenseiter zu Ciba Geigy
In die Schweiz zog Sundman 1989. Sein Chef in London hatte seine Beziehungen nach Basel spielen lassen, um ihn zu vermitteln. Die Ciba-Geigy suchte zu der Zeit jemanden von aussen, eine Person, die nicht aus dem Pharma-Business kam.
Nach einigen Jahren bin der Pharma wechselte Sundman erneut die Branche und wurde Versicherungsberater. «Dort war ordentlich was los», sagt Sundman. Zum ersten Mal in der Geschichte habe es freie Preisgestaltung geben. Das hiess: Der Markt konnte den Preis bestimmen – es wurde nicht mehr reguliert. «Meine Aufgabe bestand darin, alle Anteile zu verkaufen, die das Unternehmen aufgrund von Änderungen der Vorschriften jetzt liquidieren konnte», sagt Sundman. «Das war echt lustig.»
1999 kündigte Sundman und gründete seine eigene Beratungsfirma. Diese betreibt er bis heute, allerdings hat er sein Arbeitspensum reduziert. «Ich bin noch nicht im Ruhestand, aber ich arbeite weniger als früher», sagt Sundman. «Im Grund nur, wenn ich Anfragen von Klienten bekomme.»
«Ich war ein fettes kleines Kind, das es kaum geschafft hat, über den Platz zu rennen.»
Den Rest seiner Zeit verbringt er auf dem Baseballfeld. Als Kind war das sein Lieblingszeitvertrieb. «Jeder in Amerika spielt Baseball», sagt Sundman. «Es ist der beliebteste Sport des Landes.» Er ist damit aufgewachsen. Genau wie die heutige Jugend.
Sundman war selbst unsportlich. «Ich war ein fettes kleines Kind, das es kaum geschafft hat, über den Platz zu rennen», sagt er. Trotzdem war er ein Teil des Teams – als Fänger. «Das hat mir richtig gefallen. Denn in der Position ist man für alles mögliche zuständig: Du bist derjenige, der wissen muss, welche Taktik die Spieler anwenden sollten. Du bist derjenige, der den anderen signalisiert, wo der Ball hingeht. Das ist eine grosse Verantwortung.»
Diese Rolle half Sundman, Selbstvertrauen aufzubauen. Schnell wurde er besser, so schnell, dass er zum «Most Improved Player» gewählt wurde. Mit zunehmendem Alter wurde er dann schlanker und konnte irgendwann auch im Aussenfeld spielen.
Heute bringt er als Co-Trainer der Juveniles (U12) bei den Therwil Flyers der Jugend die Grundlagen bei: Wie man den Ball richtig schlägt, wirft und fängt – und wie man zügig von Base zu Base kommt.
«Dabei geht es vor allem darum, dass sie Spass haben», sagt er. Strategie und Taktik können die Kinder später lernen. «Wenns nicht lustig ist, kommen sie nicht zurück – zumindest nicht in diesem Alter.»
Darum will Sundman vor allem das Selbstvertrauen der Kinder fördern. «Klar: der Ball bewegt sich schnell und ist ziemlich hart. Es ist wichtig, dass sie wissen was sie tun sollen», sagt er. «Aber das sollte nicht die Priorität sein – bei uns dürfen sie auch mal den Ball verfehlen oder in die falsche Richtung laufen. Solange sie Fortschritte machen.»
«Es gibt nichts Besseres, als einem Kind zuzuschauen, wie es zunehmend selbstsicherer wird.»
Der Übergang in den Spielbetrieb der Junioren-Meisterschaft ist ein grosser Schritt: Die Kinder sind plötzlich von Spielern umgeben, die viel älter und grösser sind. Das kann einschüchternd oder entmutigend wirken. Sundmans sieht seine Aufgabe vor allem darin, den Jugendlichen Sicherheit zu vermitteln.
«Ich liebe meine Arbeit», sagt Sundman. «Es gibt nichts Besseres, als einem Kind zuzuschauen, wie es zunehmend selbstsicherer wird.» Er wünschte sich nur, dass mehr Mädchen mitmachen würden: «Ähnlich wie bei den Cadets (U15) und Juniors (U18), die beide mit dem Geschlechtergleichgewicht kämpfen, sind bei uns die Jungs in der Überzahl.»
«Wer möchte, kann sich gerne bei uns für ein Schnuppertraining melden», sagt Sundman. «Das oberste Ziel ist im Moment, mehr Mädchen zu bekommen. Und diese für den Sport zu begeistern.»