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Querschnitt durch einen menschlichen Eierstock mit einem voll entwickelten Gelbkörper (corpus luteum, blau markiert) sowie einem alten Gelbkörper, der in weisses Bindegewebe umgewandelt wird (corpus albicans, grün markiert). Die gelbe Farbe stammt von einer Anreicherung sogenannter Carotinoide, ähnlich dem gelben Fleck in der Netzhaut.
©Ed Uthman / Creative Commons 2.0
Hintergrund
Dank stark verbesserter Einfriertechnik (Vitrifikation, bei uns seit 2013 im Einsatz) können Embryonen ohne Qualitätsverlust erst später eingesetzt werden - sei es um eine Überstimulation zu verhindern, um die bei uns stark nachgefragte Präimplantationsdiagnostik zu ermöglichen, oder schlicht um Paaren aus vorrätigen Embryonen ein zweites oder drittes Kind zu ermöglichen. Weltweit wurde die Mehrheit solcher Auftauzyklen programmiert durchgeführt, d.h. es wurde mit Östrogenen und Gestagenen eine Gebärmutterschleimhaut aufgebaut, ohne dass ein Eisprung notwendig wäre; somit entsteht auch kein Gelbkörper. Dieses Verfahren erlaubt die Festlegung eines Transferdatums im Voraus, was von vielen Paaren sehr geschätzt wird und es zudem ermöglicht, die Arbeitslast im embryologischen Labor auszugleichen.
Neue Erkenntnisse
Programmierte Auftauzyklen erreichen sehr hohe Schwangerschaftsraten und sind für alle Beteiligten praktisch. Seit 2020 werden aber wissenschaftliche Berichte veröffentlicht, wonach nach programmierten Zyklen sowohl das durchschnittliche Geburtsgewicht von Neugeborenen ansteigt, als auch die Häufigkeit mütterlicher Präeklampsie (Schwangerschafts-Bluthochdruck) gut um das Doppelte zunimmt (von 3-4% auf 9-10%). Ein Grund dafür könnte sein, dass mangels Gelbkörper gewisse gefässerweiternde Substanzen wie Relaxin und Prorenin nicht gebildet werden, obwohl sie für die Umstellung des mütterlichen Blutkreislaufs in der Frühschwangerschaft wichtig wären. Ein Kausalzusammenhang ist zwar nicht zweifelsfrei erwiesen, aber wichtige Meinungsmacher der Fortpflanzungsmedizin empfehlen, programmierte Auftauzyklen nur noch bei Frauen anzuwenden, die gar keinen Eisprung haben können.
Unsere Lösung
Ab Juli 2022 planen wir Auftauzyklen mit leichter (sog. monofollikulärer) Stimulation der Eierstöcke. Die vorangehende Menstruation wird wie bisher mittels Pille oder Gelbkörperhormon-Tablette programmiert, so dass das Transferdatum in den meisten Fällen in ein im Voraus festgelegtes Zeitfenster von vier Tagen fallen sollte. Das konkrete Datum des Embryotransfers wird eine Woche im voraus festgelegt, sobald das Eibläschen bereit zum Eisprung ist. Wir sind überzeugt, dass die von uns behandelten Paare diese Änderung akzeptieren, weil sie medizinische Vorteile hat.