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In einem längeren Gespräch, im Auto-Anzeiger, vormals Tages-Anzeiger vom 24. Januar 2009 abgedruckt, schlägt Robert F. Kennedy jr. vor, dass der neue amerikanische Präsident Obama die Produktion von Benzinautos verbieten solle und stattdessen auf Elektroautos setzen solle.
Aus technischer Sicht braucht es dazu selbstverständlich weitere Abklärungen. Aber es ist durchaus plausibel, dass es klüger ist, in zentralen Kraftwerken Strom aus dem den fossilen Treibstoffen zu produzieren (wahrscheinlich selbst dann, wenn eine Abwärmenutzung beim thermischen Kraftwerk nicht möglich ist; allenfalls, aber nicht zwingend der Einbezug dezentraler Klein-WKK-Anlagen) statt Benzin und Diesel in Fahrzeugen zu verbrennen. Der Wirkungsgrad des traditionellen Fahrzeugantriebs ist derart lausig (sicher unter 15 %, unter typischen Verhältnissen sogar gegen 10 %), dass die Kette Stromproduktion, Transport, Speicherung in Batterien, Verwendung in effizienten Elektro-Motoren mit Rekuperation der Bremsenergie vorteilhafter ist. Bei zentralen Kraftwerken kann grösserer Aufwand für die Reinigung der Abgase geleistet werden, und am Ort der Stromverwendung entstehen geringere Schadstoffbelastungen; Elektromotoren sind besser geeignet, um mit den im Strassenverkehr auftretenden schnellen Lastwechseln umzugehen. Zudem besteht das Potenzial, mittelfristig anstelle des fossilen Treibstoffes erneuerbare Energien einzusetzen. Es ist davon auszugehen, dass Elektrofahrzeuge dazu beitragen können, die Lärmemissionen aus dem Strassenverkehr deutlich zu vermindern.
Die zentrale Frage des Vorschlages von Robert F. Kennedy ist allerdings gar nicht der technische Aspekt, sondern der damit verbundene politische, gesellschaftliche und ökonomische Prozess. Seit langen Jahren arbeitet nun die Autowirtschaft an der energetischen Optimierung der klassischen Verbrennungsmotoren. Allfällige Fortschritte werden durch erhöhten Energiebedarf der Fahrzeuge für andere Zwecke, von der Mitführung immer höherer Tara (Leergewicht pro transportierte Person, Stichwort SUV…) über die Beleuchtung bis zur Klimaanlage, und durch die dauernd höheren Fahrleistungen überkompensiert. Es zeigt sich auch, dass die Bemühungen, fossile Treibstoffe durch technisch vergleichbare Treibstoffe auf der Basis erneuerbarer Ressourcen (Stichworte z.B. RME, BtL) zu unlösbaren ethischen Fragestellungen führen, und somit nicht der Problemlösungen dienen können. Die bisherige Praxis in der Fahrzeugtechnik erscheint als konzeptlose Symptombekämpfung oder als dauernde kopflose Feuerwehrübung.
Der Vorschlag von Robert F. Kennedy ist auch ein Ansatz, um die zur umfassenden Problemlösung notwendige Aenderung des Denkens zu beschleunigen. Entscheidende technische und gesellschaftspolitische Veränderungen – und diese sind im Hinblick auf die 2000-Watt-Gesellschaft dringlich erforderlich – erfolgen in der Regel nur aufgrund äusserer Impulse. Das Verbot von Verbrennungsmotoren wäre mit Sicherheit ein solcher!
Elektrofahrzeuge anstelle der bisherigen Diesel- und Benzinautos sind sicher nicht die Strategie, um beim Verkehr ganz einfach zur Tagesordnung übergehen zu können. Es braucht eine Verkehrs- und Siedlungspolitik, die die Zwangsmobilität deutlich vermindert und damit zum Verkehrssparen beiträgt. Nebenbei: in der Schweiz hat die Elektromobilität im öffentlichen Verkehr lange Tradition; da lohnt es sich, auch aus energetischer Sicht zukünftig in erster Linie auf den öffentlichen Verkehr zu setzen!
Aus 2kwblog.umweltnetz.ch