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Zugregt es Brennen und Blasenbildung, seine ganze furchtbare Wirkung offenbart es aber erst, wenn es direkt ins Blut übergeführt worden ist. Das Blut eines durch Schlangenbiß gestorbenen Tiers, einem andern eingespritzt, ruft auch bei diesem dieselben Vergiftungserscheinungen hervor. Diese letztern haben wahrscheinlich in einer mehr oder minder rasch verlaufenden Zersetzung des Blutes ihre Ursache. Die Einzelheiten in ihrem Auftreten, ihrer Stärke [* 3] und ihrem Verlaufe sind nicht nur nach den betreffenden Schlangenarten verschieden, sondern hängen auch von Temperatur, Klima [* 4] u. s. w. ab und äußern sich vor allem bei Warmblütern viel heftiger als bei Kaltblütern.
Die am häufigsten auftretenden Vergiftungserscheinungen sind Ermüdung mit raschem Sinken aller Kräfte, begleitet von Erbrechen und von Blutungen aus Nase, [* 5] Mund und Ohren; mit unerträglichen Schmerzen verbundene Anschwellung des gebissenen Gliedes, die sich oft auf die benachbarten Teile und schließlich auf den ganzen Körper verbreitet; in andern Fällen äußerste Unruhe, heftiges Atmen, Krämpfe und Muskelzuckungen, unfreiwillige Entleerungen und schließlich, oft nach wenigen Minuten oder einigen Stunden, Tod unter Bewußtlosigkeit oder fürchterlichen Schmerzen.
Auch gehen die Leichen derart Vergifteter viel schneller in Verwesung über als andere. Die Bißwunde selbst ist klein und zeigt nur zwei unscheinbare, wie durch den Stich feiner Nadeln [* 6] hervorgebrachte Löcher. Die Mittel gegen S. sind sehr zahlreich, ihr Nutzen ist zumeist jedoch illusorisch. Das Sicherste ist unter allen Umständen, den Übertritt des Giftes in das Blut möglichst zu verhindern, also direkt nach dem Bisse das verwundete Glied [* 7] gründlich, womöglich mehreremal zu unterbinden, ferner die Wunde zu erweitern und dadurch den Blutausfluß zu verstärken, wobei Aussaugen viel hilft.
Ausbrennen der Wunde mit glühendem Eisen [* 8] oder brennender Cigarre wird ebenfalls empfohlen. Als innerliche Mittel giebt man Brechmittel. Eine unübertreffliche Wirkung hat nach neuern Erfahrungen der Alkohol (Rum, Cognac, Nordhäuser, besonders Champagner u. s. w.); ein gründlicher Rausch begegnet den Wirkungen des Schlangenbisses erfolgreicher als alle andern Mittel. Professor de Lacerda empfiehlt übermangansaures Kali in einprozentiger filtrierter Lösung wiederholt in kurzen Zeiträumen in der Umgebung der Bißwunde unter die Haut [* 9] einzuspritzen.