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Paul Dawson hatte Erfahrung mit Kindergeburtstagen. Doch erst als seine Tochter ein Teenager war, kam er auf die Idee, ihre vergangenen Geburtstage aus Sicht der Lebensmittelhygiene zu betrachten. Der Ernährungswissenschafter von der Clemson University in South Carolina, USA, musste das erschütternde Resultat wohl geahnt haben. Er hatte in der Vergangenheit schon die Folgen für eine Bakterienpopulation in einer Dipping-Sauce untersucht, wenn man angebissene Chips darin tunkt. Sie sind – aus Sicht der Bakterien – äusserst positiv.
Was die Hygiene betrifft, ist der Schlüsselmoment an Geburtstagen das Ausblasen der Kerzen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 enthält ausgeatmete Luft 693 bis 6293 Bakterien pro Kubikmeter. Das wird gemessen, indem man die Luft mit einem Nährmedium in Kontakt bringt und zählt, wie viele Kolonien darauf wachsen. Der Ursprung jeder Kolonie ist ein einzelnes Bakterium in der Luft. Weil sich aber nicht alle Keime auf dem Nährmedium vermehren, ist ihre wirkliche Anzahl viel grösser.
Woher der Kerzenbrauch kommt, ist ungewiss. Sicher ist, dass er aus einer Zeit stammt, in der man noch nichts von Bakterien wusste. Die Griechen feierten den Geburtstag der Göttin Artemis mit Kuchen, in denen Kerzen steckten. Andere Kulturen glaubten, der Rauch einer ausgeblasenen Kerze trage ihre Wünsche zu den Göttern. Ein Bericht über einen Kuchen, den gleich viele Kerzen zierten, wie der Jubilar Graf Ludwig von Zinzendorf Jahre zählte, ist aus dem 18.Jahrhundert überliefert.
Paul Dawson suchte immer wieder nach Projekten, um seine Studenten in wissenschaftliche Arbeiten einzubinden. Die Frage, wie sich das Ausblasen von Geburtstagskerzen auf die Zahl der Bakterien auf dem Kuchen auswirke, war ein Glücksfall. Sie führte nicht nur zu einem interessanten Resultat, sondern auch zu mehreren Fernsehauftritten.
Zu Beginn kam ein richtiger Kuchen zum Einsatz. Doch der Nachweis der Bakterien auf dem Zuckerguss bereitete Probleme. Zudem war der Kuchen zu gross. Die Lösung war ein flacher Zylinder aus Styropor, der für jeden Versuchsteilnehmer mit einem neuen runden Stück Alufolie bedeckt wurde, auf die man eine dünne Schicht Zuckerguss auftrug. Dawsons Studenten steckten 17 Kerzen durch die Folie und zündeten sie an. Danach blies die Versuchsperson sie aus. Zuvor hatte sie ein Stück Pizza gegessen. Dawson wollte ein realistisches Geburtstagsszenario simulieren und die Speicheldrüsen anregen. Der Guss auf jeder Folie wurde in sterilem Wasser aufgelöst und die Flüssigkeit auf einen Nährboden aufgetragen. 48 Stunden später zählte man, wie viele Bakterienkolonien gewachsen waren.
Das Resultat war dramatisch: Das Ausblasen der Kerzen erhöhte die Zahl der Bakterien auf dem Zuckerguss im Durchschnitt um ein Vierzehnfaches. Dawson erstaunten vor allem die grossen Unterschiede: Es gab Personen, bei denen er fast keine Bakterien fand. Eine Versuchsperson hingegen besprühte den Kuchen mit der 120fachen Anzahl Keime.
Gefährlich sei das alles nicht, versichert er, der Grossteil der Bakterien in unserem Mund seien harmlos. Und wenn doch nicht? Nachdem der Versuch publiziert worden war, meldeten sich mehrere Erfinder bei Dawson, die Abhilfe wussten. Wer auf sicher gehen will, kann es mit der Erfindung unter der Patentnummer US20090181335A1 versuchen: «Hygienische Geburtstagskuchenabdeckung und Kerzensystem».