Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03232.jsonl.gz/1454

Werden sie einzeln gehalten, scheinen sie den Balzgesang sogar zu meiden, berichteten Wiener Verhaltensforscher im Fachjournal «Plos One». Auch wenn sie nicht in der Brunst, also nicht paarungsbereit, waren, fanden sie den Männergesang demnach anziehender.
Männliche Hausmäuse (Mus musculus musculus) erzeugen insbesondere während der Balz und der Paarung komplexe Ultraschalltöne. Diese «ultrasonic vocalizations» (USVs) genannten Laute ähneln dem Vogelgesang und liegen ausserhalb des für den Menschen hörbaren Frequenzbereichs.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien führten in ihrer Studie Playback-Experimente mit wild lebenden weiblichen Hausmäusen durch. Die Tiere konnten dabei zwischen einem Bereich, wo männliche USVs über einen Lautsprecher abgespielt wurden, und einem anderen Bereich mit einer Kontrollaufnahme ohne diese Balzgesänge wählen.
Gründe unklar
Es zeigte sich, dass sich die Weibchen zu männlichen USVs hingezogen fühlten, wenn sie mit Artgenossinnen zusammen gehalten wurden. «Weibchen, die einzeln untergebracht waren, zeigten die entgegengesetzte Reaktion und schienen männliche USVs sogar zu meiden», erklärte Studienautorin Sarah Zala in einer Mitteilung. Warum das so ist, wissen die Forscher nicht, es könnten aber sein, dass die Tiere dadurch vorsichtiger sind, wenn sie sich einem unbekannten Männchen nähern. Ebenso keine Erklärung haben sie dafür, dass Weibchen, die nicht in Östrus - der Brunst bei Mäusen - waren, den männlichen Balzgesang stärker bevorzugten.
Für die Forscherinnen und Forscher zeigen die Studienergebnisse, wie scheinbar unwichtige Faktoren wie die soziale Unterbringung und der Sexualzyklus das Verhalten von Mäusen beeinflussen können. Solche Faktoren würden allerdings in der Regel nicht in wissenschaftlichen Arbeiten erwähnt, was der Aussendung zufolge «Anlass zur Sorge gibt, dass nicht berichtete Variablen möglicherweise zur ‹Replikationskrise› in der Wissenschaft beitragen», also Studienergebnisse nicht bestätigt werden können.