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Young Carers denken sehr viel an andere. Sie fragen sich zum Beispiel:
- Wie kann ich der betreuten Person (meinem Vater, meiner Mutter, meinem Geschwister, meinen Grosseltern, oder meinem Freund bzw. meiner Freundin) konkret helfen?
- Was kann ich tun, damit es ihnen besser geht?
- Welche Aufgaben könnte ich zusätzlich übernehmen, um meine Mutter (Vater, Grosseltern, Geschwister) zu entlasten?
Deshalb vergessen Young Carers manchmal ihre eigenen Bedürfnisse.
Zeit für sich finden
Als Young Carer kann es besonders herausfordernd sein, Zeit und Energie für die eigenen Ziele und Bedürfnisse zu finden. Dies könnte sich bei dir beispielsweise so zeigen:
- Um mehr Zeit für die Betreuungsaufgaben zu haben, stellst du deine Hobbies zurück. Du gehst z.B. nicht mehr oder seltener ins Training, in deine Jugendgruppe oder in die Musikprobe.
- Du sagst Treffen mit Kolleg*innen ab, weil du sonst keine Zeit für die Schule und die Aufgaben daheim hast.
- Du hast kaum Auszeiten nur für dich (z.B. um Musik zu hören, zu gamen oder einem kreativen Hobby nachzugehen).
- Du richtest dich bei der Berufswahl oder der Wahl deiner Ausbildung in erster Linie danach, was das Beste für andere in deinem Umfeld ist, anstatt deine eigenen Interessen, Fähigkeiten und Ziele zu berücksichtigen.
Deine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie diejenigen der anderen. Was ist dir wichtig? Was tut dir gut? Du darfst für deine Bedürfnisse einstehen, ohne dich schuldig zu fühlen!
Dein Umfeld versteht dich nicht?
Das Umfeld von Young Carers kann sich deren Situation oft schwer vorstellen und reagiert manchmal unbeholfen oder sogar taktlos. Auch das Thema Freundschaften ist nicht immer einfach für Young Carers. Das kann sich z.B. so zeigen:
- Deine Lehrperson glaubt dir nicht, dass du die Hausaufgaben nicht gemacht hast, weil du zu Hause so viel unterstützen musstest. Sie stellt dich als «Lügner*in» hin.
- Kolleg*innen machen blöde Sprüche über deine Familie, weil ihr anders seid.
- Die Leute nerven sich, wenn du nach einer schlaflosen Nacht im Spital besorgt und erschöpft bist. Anstatt nachzufragen, kommen Kommentare wie «Lach doch auch mal!»
- Freunde nehmen deine Erklärungen nicht ernst und zeigen kein Verständnis dafür. Sie machen dir sogar ein schlechtes Gewissen, wenn du keine Zeit für sie hast.
Wenn du etwas Ähnliches erlebst, kann es sein, dass du dich mit deiner Unterstützungsrolle manchmal missverstanden fühlst. Die wichtige Frage dabei lautet:
Wer und was tut dir gut?
Am besten konzentrierst du dich auf die Menschen, bei denen du dich wohlfühlst und du dich selbst sein kannst. Zudem könnte es dir helfen, dich mit anderen jungen Menschen zu verbinden, die in einer ähnlichen Situation sind.
Weitere Ideen und Tipps
Hier sind weitere Vorschläge, wie du mit deiner besonderen Situation umgehen kannst.
1 · Hole dir Infos & Hilfe
Viele Young Carers wünschen sich Informationen zu Krankheitsbildern und Angeboten, die sie und ihre Familien entlasten können.
2 · Kommuniziere
Finde eine Vertrauensperson in deinem Umfeld (z.B. eine Lehrperson, ein Familienmitglied, eine gute Freundin, ein guter Freund), der du deine Situation und alltäglichen Herausforderungen erzählen kannst. Diese drei Schritte helfen dir dabei:
- Nimm deinen Mut zusammen! Es ist normal, wenn du dich unsicher fühlst. Doch denke daran, wenn die Sorgen erst einmal ausgesprochen sind, geht es dir vielleicht schon etwas besser. Zudem können andere dich unterstützen und dir dabei helfen, Probleme zu lösen. Wenn du es gemacht hast, kannst du auf jeden Fall stolz auf dich sein!
- Wähle einen guten Moment. Vermutlich fällt dir das Gespräch leichter, wenn ihr ungestört seid. Du kannst die Person auch direkt fragen: «Ich würde gerne etwas mit dir besprechen. Wann hättest du ein wenig Zeit für mich?» So hat er oder sie bereits eine Ahnung, dass es um etwas Persönliches geht.
- Fange an! Falls du nervös bist, kannst du dir vorher schon überlegen, wie du beginnen möchtest. Zum Beispiel so: «Es gibt etwas, das mich seit Längerem beschäftigt. Es geht um…»
- Auf wie-geht’s-dir.ch findest du noch mehr hilfreiche Tipps, wie du solche Gespräche beginnen kannst.
- Falls du reden willst, aber lieber anonym bleiben möchtest, kannst du bei 147 anrufen.
3 · Engagiere dich
Einige Jugendliche haben Wege gefunden, sich einzubringen, um die Situation von Young Carers und ihren Familien zu verbessern. Du könntest zum Beispiel an Veranstaltungen zum Thema teilnehmen oder einen Blog-Beitrag schreiben.
Bei der Careum Hochschule Gesundheit gibt es verschiedene Projekte zum Thema Young Carers, in denen du mitmachen kannst.
- Falls du interessiert bist, schreibe uns an: <email-pii>. Das Young Carers Team wird sich bei dir mit Informationen zu den aktuellen Projekten melden.
- Der Instagram-Kanal young_carers_ch informiert dich laufend über Aktuelles, auch hier kannst du aktiv dabei sein.
4 · Aus dem Leben
Schau dir die Geschichten von anderen Young Carers in der Schweiz und im Ausland an. Dies kann dich inspirieren und dir ein Gefühl von Verbundenheit vermitteln.
5 · Achte auf deine eigenen Bedürfnisse
Ein Tagebuch könnte dir helfen, dir deine Bedürfnisse bewusster zu machen. Das ABC der Emotionen von «Wie geht es dir?» ist eine praktische App/Webseite, die nützlich ist, um Gefühle zu verstehen, einzuordnen und um passende Massnahmen einzuleiten (falls notwendig).
Und so geht es weiter: