Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03486.jsonl.gz/3321

Professor Ulrich Krönlein
(1847 - 1910)
- Geboren am 19.02.1847 in Stein am Rhein.
- Absolvierte die Schule in Stein, Frauenfeld und studierte in Schaffhausen.
- 1866 Medizinstudent in Zürich.
- 1867/1868 Unterassistent bei Hermann Meyer (Anatom).
- War 1868 für ein Semester in Bonn.
- Als Unterassistent von Professor Rose bestand er 1870 im
Sommer das Staatsexamen mit Erfolg. Noch während dem Doktorexamen folgte R. U.
Krönlein Prof. Rose in den Krieg.
- 1870 - 1873 Assistent bei Professor Rose. Im Jahre 1872
erschien Krönleins Dissertation: "Die offene Wundbehandlung, nach Erfahrungen
aus der chirurgischen Klinik zu Zürich". Darin werden die Erfolge der offenen
Wundbehandlung, wie sie Rose in Zürich eingeführt hatte, mit denjenigen aus der
Zeit Billroths verglichen.
- 1874 konnte Krönlein seine neue Assistentenstelle in Berlin
bei Prof. v. Langenbeck antreten. Wir wissen, dass die Berliner Jahre für den
jungen Chirurgen Jahre harter Arbeit in der Klinik und später auch in der
Poliklinik, die er selbst zu leiten hatte, waren. Daneben fand er noch Zeit zu
ausgiebiger literarischer Tätigkeit. Aus jener Zeit stammen drei weitere
Arbeiten über "Offene und antiseptische Wundbehandlung".
- Im Winter 1878 geht Krönlein nach Giessen als
stellvertretender Leiter der chirurgischen Klinik. Dort vertrat er für ein Jahr
seinen ehemaligen Freund und Mitassistenten, den schwer erkrankten Professor
Heinrich Bose. Er blieb bis im Sommer 1879 in Giessen und wurde
vom hessischen Ministerium zum Extraordinarius ernannt.
- 1881 - 1910 Professor der Chirurgie am Universitätsspital in
Zürich
Nach dem Weggang von Rose steht er vor der Aufgabe, die
Klinik weiterhin in einer den modernen Anschauungen über Spitalhygiene und den
Bedürfnissen des klinischen Unterrichts entsprechenden Weise zu reformieren. Er
ersetzt die hölzernen Bettstellen durch moderne metallene, mit weisser
Bettwäsche. Die Fussböden der Krankensäle werden parkettiert. Die Staub
verursachenden Sandsteinböden der Korridore terrazziert. Der alte Operationssaal
wurde neu gebaut und zu einem Amphitheater für die Klinik ausgestaltet. Dies
zeigt, wieviel Krönlein auch an der Reform des klinischen Unterrichtes gelegen
war. Die Diphterieabteilung wurde aus dem Hauptgebäude in ein Separatgebäude
verlegt. Mit dem Physiker Röntgen eng befreundet, war Krönlein rasch bemüht,
dessen segensreiche Erfindung seinen Kranken dienstbar zu machen.
- 1884 eröffnete er ein neues Kapitel der Lungenchirurgie. Es
gelang ihm, einem jungen Mädchen mit dauerndem Erfolg einen Sarkomknoten aus der
Lunge zu entfernen.
- Besonders aufschlussreich ist die Lektüre der 1885
publizierten Arbeit "Über die operative Behandlung der acuten diffusen
jauchig-eitrigen Peritonitits".
- In der Behandlung der Appendicitis acuta hatte Krönlein eine
fortschrittliche Einstellung. In der operativen Behandlung des Magengeschwürs
hat Krönlein fast ausschliesslich die Gastroenterostomie ausgeführt. Auch mit
dem Magencarcinom hat sich Krönlein befasst. Mit dem damals häufigen Struma hat
er sich in Zürich intensiv befasst. Zwar blieb es seinem Berner Kollegen Kocher
vorbehalten, auf diesem Gebiet Grundlegendes zu leisten, doch berichtet er
bereits 1884 über die "Struma intrathoracica retro-trachealis. Ebenfalls wurde
die Chirurgie des Pankreas von ihm gefördert und selbst das schwierige
Pharynxgebiet wurde von ihm operativ angegangen. Auch im urologischen Gebiet
leistete er beachtliches, was heute noch anerkannt werden darf. Am bekanntesten
jedoch wurde seine Arbeit über die operative Behandlung der Hirnblutungen. Sein
Craniometer zur Lokalisation der Blutung aus der A. meningea media hat heute
noch seinen Wert behalten und trägt seinen Namen.
- Im Oktober 1910 verstarb Ulrich Krönlein an Angina Pectoris.