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Die Zeit ist nicht materiell, sie ist ein Konstrukt, das uns beim Einordnen der Dinge hilft. Wir können die Zeit nicht sehen, geschweige denn spüren. Wir nehmen nur Zustände und ggf. deren Veränderungen wahr, die zwischen Zeitpunkt A und B stattfinden.
Ungeachtet der schweren Greifbarkeit des Begriffs «Zeit» taucht er in den meisten Sprachen auf: Die Engländer sagen time, die Franzosen le temps, die Spanier el tiempo, die Polen czas und die Russen wremja.
Le temps und el tiempo gehen auf das lateinische tempus zurück. Interessanterweise verwenden die Franzosen und Spanier das Wort für „Zeit“ ebenso für „Jahreszeit“. Das polnische czas (sprich: tschass) bedeutet neben „Zeit“ auch „Stunde“.
Im Französischen, Spanischen und Polnischen beobachten wir demnach eine semantische Ähnlichkeit der Begriffe, die vom Wort für „Zeit“ abgedeckt werden. Unter „semantischer Ähnlichkeit“ verstehen Sprachwissenschaftler eine Ähnlichkeit auf der Bedeutungsebene: „Jahreszeit“ und „Stunde“ sind bestimmte Formen der „Zeit“, sie können unter dem Oberbegriff „Zeit“ zusammengefasst werden.
Ein weiteres Beispiel für die semantische Ähnlichkeit in unterschiedlichen Sprachen: Das Wort czas, das bekanntlich im Polnischen mit der Bedeutung „Zeit“ oder „Stunde“ verwendet wird, gibt es ähnlich im Russischen: Tschassy heißt „Uhr“.
Engländer und Russen benutzen ihre „Zeit“-Wörter so ähnlich wie Sprecher des Deutschen. Auch ihre Zeit ist im Stande zu fliegen: Time flies. Wremja letit. Selbst im Alten Rom hieß es: Tempus fugit. Zugegebenermaßen ist die wörtliche Übersetzung „Die Zeit flieht.“, doch der Wortsinn bleibt erhalten.
Wir haben in diesem Blogpost also nicht nur von der semantischen Ähnlichkeit erfahren, sondern wissen spätestens jetzt, dass schon vor Tausenden Jahren Zeit ein kostbares Gut war.