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| Tertullian († um 220) - Über den weiblichen Putz (De cultu feminarum)

Buch 1
4. Kap. Übergang zum Thema.
Nehmen wir für jetzt an, es liege für den Putz der Weiber kein Brandmal einer stattgehabten Verwerfung in dem Schicksal seiner Erfinder und es könne den Engeln mit Ausnahme ihres Sturzes aus dem Himmel und des ehelichen Umgangs im Fleische nichts schuldgegeben werden - dann müssen wir die Eigenschaften der Dinge selbst prüfen, um auch in ihnen die Fallstricke der Begierlichkeit zu entdecken. An der äußern Erscheinung des Weibes kommt zweierlei in Betracht: der Putz und die Verschönerungsmittel, Putz nennen wir die Schmucksachen1 der Weiber, Verschönerung [S. 181] das, was man als weibliches Unwesen bezeichnen sollte. Zu jenen rechnet man Gold, Silber, Edelsteine und Gewänder, zu dieser die Pflege der Haare, der Haut und derjenigen Körperteile, welche die Augenlust erregen2, Gegen erstere erheben wir die Anklage auf Gefallsucht, gegen das letztere die Anklage auf buhlerisches Wesen. So magst du dir denn, o Dienerin Gottes, die du nach ganz ändern Dingen beurteilt wirst, nämlich nach deiner Demut und Keuschheit, schon jetzt zum voraus ein Urteil bilden, was sich davon für dein sittliches Verhalten schicke.
1: Tertullian macht hier ein Wortspiel mit mundus = welt und Toilette und immandus, das im Deutschen nicht wiederzugeben ist.
2: Ueber diese Toilettenkünste handelt das zweite Buch.