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Was in “normalen” Gesprächen zwischen Paaren so abläuft – und wo da GFK ansetzt…
Unlängst hatte ich einen ganzen Tag lang Gelegenheit, Gespräche von Paaren mit zu erleben: beim Skifahren auf dem Sessellift, in der Gondel oder am Tisch im Restaurant.
Um es vorweg zu nehmen: mit dem für mich exemplarischen Gespräch (es hat so stattgefunden) möchte ich die Anatomie aufzeigen und keinesfalls Geschlechter-Stereotypen zeichnen. Die Personen sind beliebig austauschbar, wie auch die eigentlichen Themen der Gespräche. Der Ablauf war über alle mitverfolgten Gespräche an diesem Tag derselbe.
Einsteigen auf einen 4er Sessellift. Da ist ein Paar, so um die sechzig. Er sitzt ganz rechts aussen, sie daneben. Dann ich und links neben mir ein Herr in den vierzigern. Der Sessellift zieht an, verlässt ratternd und schwingend die Talstation. Es wird ruhig. Der erste Mast.
Sie fängt an zu sprechen.
Davon, dass sie eine Bekannte gerne sehen würde, wie lange sie die jetzt schon nicht mehr gesehen hat, was wohl die so tut, wie es ihr wohl geht…
Er zündet sich umständlich und langsam, mit einem Blick in die Weite rechts von ihm eine Zigarette an. Derweil sie unentwegt weiter vor sich hin spricht.
Plötzlich unterbricht sie ihren Monolog, der bis dahin gleichförmig dahin floss. Nach ein paar Sekunden Stille, gerade als er den Kopf wieder geradeaus richtet, sagt sie mit einer etwas lauteren und bestimmteren Stimme: „Dann fahren wir am Sonntag früh heim, meinst du nicht auch?“
Seine Antwort kommt sofort, in einem lauten, energiereichen und knappen „Nein, sicher nicht, Abends!“
Stille. Der Fahrtwind pfeift leise, ich höre Gelächter, Johlen und Rufe von der nahen Piste.
Es rüttelt und scheppert über den nächsten Mast.
Immer noch Stille.
Dann sagt sie mit einer für mich zerbrechlich klingenden, scheuen Stimme „Also … du … du würdest … Abends heim fahren?“ – „Aber sicher!“ – „..also gut…“
Stille. Wir sind noch nicht in der Hälfte des Liftes. Es bleibt still bis wir oben sind.
Könnte sein, dass sie anfangs die Ruhe und die Umgebung genoss, sich da an eine Kollegin erinnerte und sich nicht klar war, weshalb und ob sie, wann, mit dieser in Kontakt gehen mag. Gerade letzteres trifft womöglich ganz gut zu, für mich war das ein sich übers reden klären. Sie hatte offenbar keine Kenntnisse über ihre eigenen Bedürfnisse und schien irgendwie auch gefangen im sozialen Habitus.
Er seinerseits schien damit umgehen zu können: er beruhigte sich mit Nikotin und wendete sich ab. Es ging ihn auch nicht(s) an – sie sprach ja gar nicht zu oder mit ihm.
Sie wiederum hatte wahrscheinlich gelernt, dass sie seine Aufmerksamkeit erlangen wird, wenn sie eine Pause einlegt. Darauf folgte prompt eine Bitte. Eine verklausulierte zwar und für ihn auch nicht nachvollziehbar, denn worauf die Bitte sich bezog (Beobachtung, ihre Gefühle, ihre Bedürfnisse die sie mit der Bitte zu erfüllen hofft) hat sie weder für sich klar noch für ihn transparent gemacht.
Er mag den Sonnenschein und die Freiheit auf der Piste gemocht haben. Die Aussicht schon bald wieder heim in den alten Trott zu gehen, gefiel ihm offenbar nicht. Vielleicht hat er auch etwas gehört (was sie so nicht gesagt hatte), das in seinen Ohren nach „wir fahren heim und besuchen dann zusammen meine Kollegin“ geklungen hat. Scheint ihm auch nicht gefallen zu haben. Und ihre einfache, geschlossene Frage kann er somit auch „nur“ mit Nein beantworten.
Wahrscheinlich hat dann der Rang eine Rolle gespielt: wie die zwei Menschen sich in ihrem Paar-Sein gegenseitig sehen, welchen Rang sie sich und dem Gegenüber geben und wie sie dann diesem Selbstverständnis entsprechend reagieren.
Ich dachte schon „aha, das war’s jetzt also“, als sie einen Schritt auf ihn zu ging. Ich spürte freudige Erregung in mir als sie ihm zurück gab, was sie von ihm gehört hatte. Und sogleich eine Trauer und Wehmut, denn es hatte kaum Aussicht auf Verbindung. Denn wieder fehlte das Gefühl und das Bedürfnis, sie blieb auf der Strategie die schon er äusserte – und es war lediglich eine in (wiederum) geschlossener Fragestellung formulierte Absageeinladung. Eine Verbindungsbitte hätte wahrscheinlich mehr aus ihm herausgeholt. Doch selbst wenn: sie gab dann rasch „klein bei“. Fertig.
In mannigfaltiger Inszenierung erlebte ich an diesem Tag immer wieder dasselbe: einer beginnt verschwommen etwas zu sagen, der andere reagiert irgendwie darauf und es entsteht statt Verbindung ein Missverständnis, eine Spannung, eine Irritation. Dies auszuhalten erscheint schwer, unser „System eins“, wie es Daniel Kahneman nennt, braucht eine rasche Entspannung, eine logische Erklärung um sich zu beruhigen. Dabei spielt offenbar kaum eine Rolle, wie sinnvoll diese Logik ist, Hauptsache die Erklärung taugt für gerade jetzt. So wird in einigem Hin und Her eine Situation herbeigeführt die für den Moment „zufrieden genug“ macht und die Spannung vorbei ist.
Verbindung geht anders. Nachhaltigkeit der Lösung ebenso. Erfüllte Partnerschaft erst recht. Dafür braucht es „System zwei“: ein bewusstes, besonnenes aufeinander zugehen. GFK mag dazu beitragen, dessen Haltung ermöglicht das letztlich. Das will geübt werden.
Und statt mit Frust nach diesem Tag, freue ich mich an und mit den zahlreichen Menschen die GFK lernen und damit wohlwollende, verbindende, bereichernde Qualitäten ins Leben bringen!