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Wer heute in Wollishofen «Saffa» sagt, braucht das Wort wohl im Zusammenhang mit der kleinen Insel am Seeufer, eben dem «Saffa-Inseli». Für Liebespaare und Badegäste (ausserhalb der Badi) ist sie gerne Hintergrund für Selfies oder eben als Ausgangspunkt eines Badevergnügens. Dass sie eine «künstliche» Insel ist, merkt man ihr an. Doch was ist am Wollishofer Seeufer nicht «künstlich»? Das weiss heute fast niemand mehr genau. Oder wussten Sie, dass der See bis über den Bahnhof Wollishofen hinein reichte, der Bahnhof also im ehemaligen Seegebiet steht?
Doch bleiben wir bei der Saffa. «Saffa» ist ein Akronym und heisst mit vollem Namen «Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit». 1928 wurde eine erste Ausstellung in Bern auf dem Viererfeld organisiert, 1958 eine zweite in Zürich-Wollishofen. Organisator:innen waren die Frauenorganisationen «Bund Schweizerischer Frauenvereine», «Schweizerischer Frauengewerbeverband», der «Schweizerische Katholische Frauenbund» und weitere Vereine.
Saffa-Briefmarke. Maja Allenbach. Sammlung MZ.
Die SAFFA 1958 fand vom 17. Juli bis zum 15. September auf der Landiwiese statt. Das Motto der Ausstellung lautete «Lebenskreis der Frau in Familie, Beruf und Staat». Nur schon diese verwendeten Begriffe und ihre Reihenfolge weisen darauf hin, dass in der frühen Nachkriegszeit die Rolle der Frau traditionell, konservativ definiert wurde. Eine berufstätige Frau mit kleinen Kindern hatte da keinen Platz, eine Arbeitsteilung bei Haushalt und Kindern zwischen Mann und Frau ebenfalls nicht. Die Frau blieb nach offizieller Lesart «Hort der Geborgenheit».
Das heisst nicht, dass es nicht auch andere Meinungen gab. Ja, viele Frauen der späteren Frauenstimmrechtsbewegung und Pionierinnen des Schweizer Feminismus gaben und geben an, durch die SAFFA 1958 für ihre Politisierung geprägt worden zu sein. Nicht von ungefähr erschien ebenfalls 1958 das Manifest der Schweizer Frauenbewegung, das Buch von Iris von Roten: «Frauen im Laufgitter». Aber weder die SAFFA noch die Frauen im Laufgitter konnten die stimmberechtigten Männer in genügendem Masse dazu bringen, in der Abstimmung über das nationale Frauenstimmrecht von 1959 ein Ja in die Urne zu legen. – Wie das alles heute bewertet werden soll, ist Teil des Forschungsprojektes der ZHAW, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, das vom Schweizerischen Nationalfonds SNF seit 2020 gefördert wird.
SAFFA-Wohnturm und Restaurant «Angelfluh». Foto: H. Maetzler Prohaska.
Sammlung MZ. Gelaufen 26.8.1958
Die SAFFA in Wollishofen wurde auf der Landiwiese, also dem für die Landesausstellung 1939 aufgeschütteten Land am Ufer des Sees, durchgeführt. Blickfang waren der SAFFA-Wohnturm und die Gondelbahn über den See. Zwar konnte die Bahn über den See noch für die Gartenbauausstellung 1959 Verwendung finden und blieb also über die Zeit der Ausstellung hinaus in Betrieb, heute ist aber von der SAFFA heute nichts mehr in Wollishofen zu sehen – ausser eben, dass die Landiwiese auch SAFFA-Wiese heissen könnte, und dass wir das Inseli SAFFA-Inseli nennen.
Clubpavillon an der Saffa 1958. Rechts Hauptbau Carlo Pagani, links Annex Berta Rahm. Foto: Verein ProSaffa1958-Pavillon.
Eine besondere Geschichte hat der Pavillon von Berta Rahm (1910-1998), einer Pionierin in Sachen Schweizer Architektur, die aus Hallau SH stammte. Berta Rahm war eine der ersten Architektinnen, die an der ETH Zürich studierten – ihr Lehrer war der Berner Otto Rudolf Salvisberg. 1940 eröffnete sie ein eigenes Architekturbüro in Zürich. Der aluminium-verkleidete Pavillon wurde nach Schliessung der Ausstellung nicht abgebrochen, sondern zerlegt und nach Gossau transferiert – und diente dort als Betriebskantine der Hauser Champignon Kulturen AG. Allmählich geriet er aber in Vergessenheit und war dem Untergang geweiht. Dem Einsatz des Vereins ProSaffa ist es zu verdanken, dass er 2020 nicht abgerissen sondern erneut zerlegt wurde. Die Bemühungen um Renovation und Neupositionierung sind noch im Gange.*
Was wurde erreicht seit der SAFFA1958? Ist der Frauenstreik eine Fortführung von SAFFA-Bestrebungen? Was wäre, was brächte eine SAFFA2030?
(SB)
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*Eine ganz ähnliche Geschichte wie der Rahm-Pavillon hat das SAFFA-Haus von Lux Guyer erlebt. Vgl. https://www.elki-staefa.ch/339/ueber-uns-web2016/sinn-und-zweck