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Sizilien, Teil 6: Die Schätze von Taormina
Man schrieb das 4. Jahrhundert vor Christus, als die griechischen Aussiedler, die auf ihren Reisen Sizilien erreichten, sich von dem milden Klima und der ausgezeichneten strategischen Lage am Fusse des Berges Tauros begeistern liessen und hier ihre neue Kolonie gründeten. Die Siedlung wurde als Naxos getauft, in Erinnerung an die griechische Kykladeninsel Naxos, die später jedoch den griechischen Namen Tauromenion, in lateinischer Variante Tauromenium, bekam.
Die Aussichten auf das Meer und auf den gefürchteten Ätna waren – genau wie sie heute immer noch sind – atemberaubend. Dank seiner geschützten natürlichen Lage und problemloser Versorgung mit Süsswasser konnte Taormina feindlichen Angriffe und Belagerungen erfolgreich Widerstand leisten. Aber aus genau den gleichen Gründen war sie ein begehrtes Objekt jedes Feldherrn. Griechen, Römer, Sarazenen, Byzantiner, Normannen herrschten über die Stadt, sich abwechselnd und das Gesicht der Stadt prägend.
Dies ist ein Reisebericht über Sizilien in mehreren Teilen:
Jahrhunderte später wurde Taormina erneut okkupiert: Zuerst, im 18. Jahrhundert, von deutschen Aristokraten und Dichtern, die hier ihre Inspiration fanden. Die erste Publicity für Taormina entstand nach dem Besuch von Johann Wolfgang von Goethe, der die Stadt in seinem Buch „Italienische Reise“ beschrieb. Im 19. Jahrhundert kamen die Landschaftsbilder von Otto Geleng und die Arbeiten des Fotografen Wilhelm von Gloeden dazu, die aus Taormina einen Sehnsuchtsort schufen, und Monte Tauros in den neuen Parnass, die italienische Heimat der Musen, verwandelten. Oscar Wilde, Thomas Mann, D.H. Lawrence, Richard Strauss und viele andere Künstler besuchten die Stadt und waren von ihr begeistert.
Später, im 20. Jahrhundert, kamen nach Taormina Horden von Artisten und berühmten Hollywood-Stars. Greta Garbo, Truman Capote, Thomas Mann, Gary Grant, Dalí, Rita Hayworth, Marlene Dietrich und Elizabeth Taylor verweilten gerne in der Stadt, um ihre wunderschönen Strände, das kristallklare Meer und die bezaubernde mittelalterliche Altstadt zu geniessen.
Es gibt viele Plätze, die man in Taormina unbedingt besuchen sollte.Hier eine kleine Liste davon:
Palazzo Duca di Santo Stefano
Bei diesem Palast handelt es sich um ein Meisterwerk der sizilianischen Gotik. Die Fassade weist einen klaren arabischen Einfluss auf. Der Palazzo wurde im 13. Jahrhundert als Residenz der spanischen Adelsfamilie De Spuches, der Herzoge des Santo Stefano, erbaut.
Piazza del Duomo
Der Platz ist vor allem durch einen schönen barocken Brunnen gekennzeichnet. Über dem Brunnen thront die Figur von Ceuntarressa, also die Kentauren-Dame. Ihre Stier-Hälfte symbolisiert den Monte Tauros und die im wahrsten Sinne des Wortes schönere Frauenhälfte – die Stadt Tauromenion. Vor dem Brunnen befindet sich der Dom San Nicolò oder Festungskathedrale. Der aktuelle Bau stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde auf den Überresten einer mittelalterlichen Kirche aus dem 12. Jahrhundert gebaut. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Festungskathedrale mehrmals umgebaut, restauriert und im Stil der jeweiligen Epoche verschönert.
Villa Comunale
Dieser bewundernswerte Garten wurde 1922 von der englischen Gemeinde von Taormina und vor allem von Lady Florence Trevelyan, der Cousine von Queen Victoria, gegründet. Neben dem in bester Tradition der Gartenkunst angelegten Englischen Park pflanzte Lady Florence hier und auf der von ihr erworbenen Isola Bella abertausende von exotischen Pflanzen und verwandelte beide Plätze in kleine grüne Paradise.
Teatro de Tauromenium
Das Theater wurde im 3. Jahrhundert vor Christus von den Griechen erbaut. Nicht nur Theaterkunst konnte hier bewundert werden, sondern auch die absolut spektakulären Aussichten auf die Bucht von Naxos. Das Theater wurde später von der Römern erweitert und gab Platz für 5´400 Zuschauer. Somit war es das zweitgrösste Theater nach dem von Syrakus.
Palazzo Corvaja
Der Palast war der Sitz des ersten sizilianischen Parlaments (1410). Es handelt sich um eine einzigartige Mischung der Baustile aus verschiedenen Epochen. Der arabische Turm aus dem 10. Jahrhundert wurde nach dem Vorbild der Kaaba in Mekka errichtet. Die Dekorationen scheinen von allen Herrschern der Stadt zu zeugen: Man sieht hier Stilelemente der arabischen, byzantinischen und normannischen Kunst, der Sizilianischen Romantik und der Katalanischen Gotik.
Kirche San Pancracio
Die Kirche ist dem Heiligen Pankratius geweiht, dem ersten Bischof und Schutzpatron von Taormina. Sie wurde im 16. Jahrhundert auf den Ruinen eines griechischen Tempels gebaut. Die Kirche beherbergt zwei kostbare Ölgemälde und ein Wandfresko.
Kirche San Giuseppe
Eigentlich sind es zwei Kirchen, die das Gesicht des Piazza IX Aprile prägen: Die Kirche San Giuseppe und die anglikanische Kirche San Augustin. Ausserdem geniesst man von hier einen faszinierenden Ausblick auf das Meer.
Das ist bei Weitem nicht alles, was man in Taormina sehen und erleben kann. Taormina ist so schön – man könnte es hier leicht für viel länger als einen kurzen Urlaub aushalten. Und wer weiss, vielleicht küssen die einheimischen Musen den in uns tief versteckten Künstler wach und es wird losgesungen, geschrieben, gemalt, komponiert…
Oberstes Bild: Taormina, Sizilien (Bild: Dieter Schütz / pixelio.de)