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Hans Beutler v/o Mutti (1913 - 1994)
Nach der Schulzeit absolvierte Hans Beutler im Welschland eine Lehre als Grafiker. Dieser Beruf weckte in ihm die Lust zu künstlerischem Schaffen als Zeichner und Maler. Mit der 1939 erschienenen Postkartenserie 600 Jahre Schlacht bei Laupen machte Hans Beutler auf sich aufmerksam und stellte sich der Schweizerischen Nationalspende zur Verfügung, durch die er landesweit bekannt wurde. Unvergesslich sind vor allem seine Sujets zur Soldaten-Weihnacht. Fortan war der talentierte und vielseitige Künstler immer wieder für verschiedene Verlage als Buch- und Zeitschriften-Illustrator tätig, und dies auch noch in den letzten, von schmerzhafter Krankheit überschatteten Jahren.
Auch für die Pfadfinder stand Hans Beutler mit vielen grafischen und zeichnerischen Arbeiten zur Verfügung. So hat er verschiedene Postkartenserien mit vier resp. sechs Karten sowie eine einzelne Postkarte entworfen. Eine weitere Serie von vier Karten blieb leider unverausgabt. Für das Pfadfinder-Materialbüro hat er Deckblätter für die jährliche Preisliste gestaltet (1940-1946) und während Jahrzehnten zierten seine Titelillustrationen die Innenseiten der MABÜ-Preislisten. Auch die Illustrationen zum Büchlein Schweizer Rover (1952), die Kandersteger News (1950-1954) und das Erinnerungsalbum Rover-Moot 1953, sowie Zeichnungen für allerlei weitere Drucksachen der Pfadfinder stammen von ihm. Für seinen Pfadfinderfreund René Gardi hat er zu dessen bekanntem Buch Mein Rucksack, Zelt und Kochtopf Illustration gezeichnet.
Doch in Hans Beutlers Brust wohnte noch eine zweite Seele, die - geprägt von den Ereignissen des Krieges - immer mehr zu Taten drängte: sein Helferwille. Auf Ersuchen hin übernahm er 1942 im Tessin die Leitung eines Internierungslagers für Jugendliche, wo er sich als pädagogisches Naturtalent entpuppte. Dies bewog den damaligen Leiter des Kinderhilfswerkes des Schweizerischen Roten Kreuzes, Hans Beutler die Leitung eines Kinderheims in Frankreich zu übertragen, wo er Rotkreuzdelegierter wurde. Seine Ankunft im Cevennendorf Le-Chambon-sur-Lignon (Département Haute-Loire) fiel mitten in die deutsche Besatzung Frankreichs. Bald beherbergte das einstige Hugenottendorf - wo die Leute aus Erfahrung wussten, was Verfolgung heisst - unter der aufopfernden Aegide von Hans Beutler ganze fünf Kinderheime mit rund 200 Plätzen, samt Lehrwerkstätten und Bauerngehöft. Neben französischen fanden hier spanische, englische und belgische Kriegswaisen Unterschlupf.
Erst 1956 kehrte Hans Beutler in die Schweiz zurück, blieb aber weiter im Dienste des Roten Kreuzes, für das er - ohne viel Aufhebens um seine Person - manchen Impuls lieferte, so 1954 die Einführung der Institution Jugendrotkreuz in der deutschen Schweiz und, zum 100-Jahr-Jubiläum des Roten Kreuzes, die Inbetriebnahme der allerersten Autocars für Behinderte, finanziert aus selbstverdienten Batzen Jugendlicher. In Zusammenarbeit zwischen Jugendrotkreuz und Gewerbeschulen der ganzen Schweiz realisierte der unermüdliche Schaffer mit der Casa Henri Dunant in Varazze an der italienischen Mittelmeerküste ein weiteres soziales Werk: in 60'000 Arbeitsstunden verwandelten Lehrlinge und Gewerbeschüler verwahrloste Gebäudlichkeiten in ein florierendes Kurszentrum für Jugendliche. Dass Hans Beutler sein Künstlertum restlos in den Dienst sozialer Helfertätigkeit gestellt hat, verdient besondere Anerkennung. Sein Leben war in Stille gelebte Nächstenliebe, geprägt von Taten, nicht Worten. Unzählige verdanken ihm Gutes, viele sogar das Leben. Möge sein Beispiel weiterleuchten.
Text: Werner Kradolfer
Der Text wurde aus dem "newsletter" Nr. 03/95, Zeitschrift des Schweizerischen Pfadfinder-Philatelistenvereins übernommen. Sämtliche Illustrationen stammen von Hans Beutler v/o Mutti; sie befinden sich im Zentralarchiv + Museum der Pfadibewegung Schweiz