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Biografie
Die Ursprünge der Band liegen im Jahr 1966, als sich Steve Upton (Schlagzeug), Martin Turner (Bass, Gesang) und sein Bruder Glen Turner (Gitarre, Gesang) in Torquay zusammentaten und die Empty Vessels gründeten. Die Band bewährte sich, benannte sich in Tanglewood um und zog nach London. Der nächste Schritt kam, als sie Miles Copeland als Manager gewinnen konnten. Allerdings ging Glen Turner den Schritt nicht mit und verließ die Band. Auf der Suche nach Ersatz fanden sie per Annonce mit Andy Powell und David A. „Ted“ Turner (nicht verwandt mit Martin) gleich zwei Gitarristen. Weil man sich zwischen den beiden nicht entscheiden konnte und stattdessen lieber auf einen Keyboarder verzichtete, wurde der „dual lead-guitar sound“ der Band geboren.
Das Quartett bildete die erste Formation von Wishbone Ash. Sie studierten ein völlig neues Repertoire an Songs ein und nach ersten Auftritten wurden sie 1970 als Vorgruppe von Deep Purple engagiert. Dadurch stieg nicht nur ihre Bekanntheit, sie kamen dadurch auch zu einem Plattenvertrag mit dem Label Decca Records. Ihr nach der Band benanntes Debütalbum Wishbone Ash erschien noch im selben Jahr. Damit kamen sie auf Anhieb unter die Top 40 der britischen Albumcharts. Ein Jahr später folgte Pilgrimage, mit dem sie auch in den USA erfolgreich waren. 1972 galt Wishbone Ash als die beliebteste britische Newcomer-Band. Ihr drittes Album Argus wurde in verschiedenen Medien zum „Album des Jahres“ gekürt. Mit Platz 3 in Großbritannien war es auch ihre erfolgreichste Veröffentlichung.
Kennzeichnend für Wishbone Ash ist ihr melodischer, gitarrenorientierter Rock, der charakteristisch von zwei im Duett gespielten E-Gitarren dominiert wird. Der Gesangsstil ist dabei oft balladenhaft. Epische oder religiöse Themen prägen besonders in der Frühphase die Musik der Band, wie z. B. bei Throw Down the Sword, Warrior, The King Will Come. Der Stil der Band zeichnet sich auf den ersten Alben durch große Experimentierfreude aus: Harter Rock vermischt sich mit sanften Folk-Melodien oder mit jamsessionartigen, weiträumigen Improvisationen mit fast jazzigem Einschlag. Spätere Alben orientieren sich dagegen stärker an konventionellem Heavy-Rock und geradlinigem Rock ’n’ Roll.
Mit Wishbone Four folgte 1973 ihr erfolgreichstes Album in den USA, außerdem veröffentlichten sie mit Live Dates ihr erstes Livealbum, das in den USA besonders gut ankam, aber auch in ihrer Heimat ihre erste Silberne Schallplatte einbrachte. Danach zog es jedoch Ted Turner nach Peru und es kam erstmals zu einer Umbesetzung in der Band. Turner wurde ersetzt durch Laurie Wisefield, der von Home kam. Die Londoner Band hatte auch schon 3 Alben veröffentlicht und ebenfalls mit zwei Leadgitarren gespielt. Er prägte das 1974er Album There’s the Rub mit, mit dem sie zum zweiten Mal Silber erzielten und das sie erstmals auch in Deutschland in die Charts brachte.
Diese zweite Formation produzierte in den folgenden fünf Jahren fünf weitere Studioalben, die alle ähnlich erfolgreich waren und sie um Platz 40 in den britischen Charts hielt. Mit dem Anfang 1980 veröffentlichten Just Testing erreichten sie letztmals Platzierungen in Deutschland, Großbritannien und den USA. Danach verließ mit Martin Turner das erste Mitglied die Band, das schon seit den Anfängen dabei war. Auf der Position des Bassisten kam es daraufhin zu einem mehrfachen Wechsel. John Wetton, der von King Crimson kam, blieb nur ein Jahr, sein Nachfolger Trevor Bolder blieb auch nur für ein Album. Und als 1985 das Album Raw to the Bone erstmals nicht mehr in die Charts kam, ging mit Mervyn Spence nicht nur der nächste Bassist, ihm folgte auch Leadgitarrist Laurie Wisefield. Er spielte anschließend bei Tina Turner, Roger Chapman, Joe Cocker, The Nokia Night of the Proms und im Queen-Musical We Will Rock You.
Nach zwei Jahren mit Ersatzmusikern, in denen Wishbone Ash nur live auftrat, kam es zur Wiederbelebung der Band. Ted und Martin Turner kehrten zurück und stellten mit Andy Powell und Steve Upton wieder die erste Formation her. Manager Copeland nahm sie bei seinem Label I.R.S. Records unter Vertrag und veröffentlichte zwei weitere Alben. Den früheren Erfolg konnten sie aber nicht wieder herstellen. Mit Steve Upton ging danach das zweite Ursprungsmitglied und nach einem weiteren Album verließ auch Martin Turner endgültig die Band. Er veröffentlichte ein Soloalbum und in den 2000ern tourte mit einer eigenen Band unter dem Namen Martin Turner’s Wishbone Ash und nahm mehrere Alben auf, bis ihm 2013 die Verwendung des Bandnamens untersagt wurde.
Ab 1995 war Andy Powell das einzige übriggebliebene Mitglied aus der ersten Formation von 1970 und blieb mit weiter wechselnder Besetzung der Kopf der Band. 1997 wechselte außer ihm erneut das komplette Line-up und die Band unternahm einen Ausflug in die Rave-Musik der 1990er Jahre. Zwei Electronic-Dance-Alben brachten ihnen zumindest Achtungserfolge in den Dance-Charts und der Musikkritik. Zum 30-jährigen Jubiläum und mit dem Album Bare Bones mit Neuaufnahmen alter Songs besann man sich aber wieder auf die Rockwurzeln der Band. In den 2000ern folgten weitere Albumveröffentlichungen. Neben Powell etablierte sich Bob Skeat als Bassist der Band, während zweiter Gitarrist und Schlagzeuger weiter wechselten. Mit Ben Granfelt und Muddy Manninen übernahmen zwei Finnen nacheinander die Gitarre.
2007 wurde mit First Light die bei einer Auktion in London zufällig wieder aufgetauchte Erstfassung des Debütalbums Wishbone Ash veröffentlicht, das auch zwei bisher unveröffentlichte Lieder sowie eine alternative Version des Songs Alone aus dem zweiten Album enthält. Im selben Jahr erschien auch ein weiteres Studioalbum, The Power of Eternity. Ende der 2000er ließen aber die Veröffentlichungen nach. Erst 2011 erschien ein weiteres Album und mit dem 24. Studioalbum der Band Anfang 2014 mit dem Titel Blue Horizon gelang ihnen noch einmal ein Überraschungserfolg, der sie in die deutschen Albumcharts brachte.