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Umweltminister und Experten treffen sich diese Woche in Genf. Sie erörtern Möglichkeiten eines verstärkten Engagements der Privatindustrie bei der Sondermüll-Entsorgung.
Die Schweiz möchte die Unternehmen mehr in die Pflicht nehmen.
Beim internationalen Transport gefährlicher Abfälle strebt die Schweiz vermehrt Partnerschaften mit Industrieverbänden, Firmen und Produzenten an. Dieses Ziel will die Schweizer Delegation an der siebten Vertragskonferenz der Basler Konvention in Genf erläutern.
Die Schweiz will sich an der Konferenz vom 25. bis 29. Oktober auch für eine engere Zusammenarbeit zwischen den Parteien des Basler Abkommens und der UNO-Umweltkonventionen über Chemikalien (Rotterdam- und Stockholm-Konvention) einsetzen.
"Wir wollen die Firmen in Sachen verantwortungsvoller Entsorgung aller möglicher Geräte und Substanzen von Computern bis zu chemischen Abfällen in die Pflicht nehmen", sagt Beat Nobs, Chef der Abteilung Internationales beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) und Leiter der Schweizer Delegation an der Genfer Konferenz.
"Wir möchten grössere Synergien zwischen multinationalen Konzernen, Umwelt- und UNO-Organisationen", so Nobs zu swissinfo.
Zum Schutz ärmerer Länder
Das Ziel der Basler Konvention von 1989 ist es, zu verhindern, dass die reichen Länder ihren Sondermüll in ärmere Nachbarländer absetzen. Die Konvention regelt den Handel mit gefährlichen Abfällen und strebt die sichere Entsorgung sowie die Minimierung von solchen Abfällen an.
Nach den Worten von Beat Nobs konnte seit dem Inkrafttreten der Konvention 1992 der so genannte "Gifthandel" weitgehend unter Kontrolle gebracht werden. Es müssten aber noch viele Fragen gelöst werden, so zum Beispiel das unkontrollierte Abwracken ausgedienter Hochseeschiffe an den Stränden von Indien, Bangladesch und China.
Schiff-Abwracken
"Es werden grosse Hochseeschiffe an Land gebracht und dort abgewrackt. Die Arbeiter wissen oft nicht, dass sie mit gefährlichem Material wie Asbest in Kontakt kommen", erklärt Nobs.
Ziel sei die Entwicklung eines internationalen Regelungssystems, damit alle Hochseeschiffe künftig umweltgerecht entsorgt würden.
"Da müssen wir eng mit Hochseeschiff-Gesellschaften, anderen UNO-Organisationen wie der Internationalen Meeresorganisation (IMO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) kooperieren."
Diese Haltung wird von der Umweltorganisation Greenpeace unterstützt, die der Genfer Konferenz als Beobachterin beiwohnt. Die Frage der Schiff-Abwrackung sei prioritär, sagt Wangpo Tethong, Sprecher von Greenpeace Schweiz.
"Die chemische Industrie muss für ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen werden. Wir hoffen, dass die Regierungen gesetzliche Regelungen erlassen, welche die Konzerne in die Pflicht nehmen", so Tethong zu swissinfo.
Weltweites Sorgenkind Elektro-Müll
Vor zwei Jahren wurde auf Initiative der Schweiz ein umfassendes Partnerschaftsprojekt mit allen weltweit führenden Herstellern von Mobiltelefonen gestartet.
Ziel ist der korrekte Umgang mit ausgedienten Geräten, was beispielsweise mit der Einführung von Sammelsystemen und umweltverträglichen Recyclingmethoden erreicht werden soll. So seien bereits Tausende von Handys in Entwicklungsländern wiederverwertet worden, sagt Nobs.
Nach den Worten des Schweizer Delegationsleiters werden Transport und Entsorgung von "E-Müll" sowohl für Industrie- wie auch für Entwicklungsländer immer mehr zum Problem. Weltweit würden sich Millionen Tonnen von veralteten elektronischen Geräten stapeln.
"Sondermüll ist für jedermann ein Problem", sagt Nobs. "Wir sind alle potenziell giftigen Chemikalien wie Arsen, Blei, Quecksilber, Nickel oder Zink ausgesetzt."
In China näherte sich 2003 die Anzahl von Fernsehgeräten, Waschmaschinen, Kühlschränken, Klimaanlagen und Computern der 900-Millionen-Grenze. Schätzungsweise rund 28 Millionen dieser Geräte sind veraltet.
Gemäss einer vom BUWAL in Auftrag gegebenen Studie werden in der Schweiz jährlich etwa 82'000 Tonnen elektrische und elektronische Abfälle generiert.
Recycling-Überwachung
Die Schweiz rühmt sich eines hoch entwickelten Recyclingsystems für ausgediente elektronische Geräte. Das so genannte "Swico"-System verlangt von den Herstellern, ihre ausgedienten Produkte zurückzunehmen.
Die Kunden bezahlen beim Kauf eines Gerätes eine Recycling-Gebühr. Wenn es veraltet ist kann das Gerät bei jedem Einzelhändler gratis abgegeben werden.
Aber Wangpo Tethong von Greenpeace gibt zu bedenken, dass es keinen "systematischen Überwachungs-Mechanismus" gebe. "Wir wissen nicht, ob Zwischenhändler die Ware kaufen und dann in armen Ländern entsorgen."
Sowohl die offizielle Schweizer Delegation wie auch Greenpeace erhoffen sich von der Genfer Konferenz eine vermehrte multilaterale Zusammenarbeit zwischen der Privatindustrie und dem öffentlichen Sektor, um Missbräuche in der Sonderabfall-Entsorgung zu verhindern.
swissinfo, Anna Nelson, Genf
(Übertragung aus dem Englischen: Jean-Michel Berthoud)
Fakten
25.-29.10.2004: 7. Vertragsparteien-Konferenz der Basler Konvention in Genf
1989: Annahme der Basler Konvention
1992: Inkrafttreten der Basler Konvention
Schweiz: Rund 82'000 Tonnen elektrische und elektronische Abfälle pro Jahr
In Kürze
Die Basler Konvention regelt den Handel mit gefährlichen Abfällen und strebt die sichere Entsorgung sowie die Minimierung von solchen Abfällen an.
Das Übereinkommen ist eine der drei internationalen Konventionen über Chemikalien und Abfälle, deren Sekretariate in Genf angesiedelt sind.
In Genf befindet sich auch das Sekretariat der Rotterdam-Konvention über den Handel mit gefährlichen Chemikalien. Es wird gemeinsam mit Rom geführt.
Ebenfalls in Genf ist das interimistische Sekretariat der Stockholm-Konvention über persistente organische Schadstoffe. Die Schweiz bewirbt sich für die permanente Ansiedlung des Sekretariates in Genf.