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Verre Cassé, in der deutschen Ausgabe mit «Zerbrochenes Glas» übersetzt, verbringt seine Tage und Nächte in der etwas heruntergekommenen Bar «Angeschrieben wird nicht» im Trois-Cent-Viertel von Brazzaville, Republik Kongo. Gelegentlich überquert er die gefährliche Strasse, an der die Bar liegt, um auf der gegenüberliegenden Seite bei Mama Mfoa, die auch liebevoll «die kahle Sängerin» genannt wird, ein muskulöses «Fahrradhähnchen» mit Maniok zu essen. Sie hat ein grosses Herz, nennt ihre Kunden alle Papa und besteht nicht gleich auf Bezahlung.
Seine Arbeit als Lehrer hat Zerbrochenes Glas verloren. Er konnte den Rundungen der Rotweinflasche immer weniger widerstehen und fand sie mit der Zeit erregender als diejenigen von Angélique. Seine Frau trug das einige Zeit mit Fassung, aber irgendwann warf sie ihn aus dem Haus. So ist die Bar zur neuen Heimat geworden.
Der Wirt Sture Schnecke, der einiges über berühmte Alkoholiker unter den Schriftstellern weiss, hat sein Talent erkannt und ihn zum Chronisten ernannt. Zerbrochenes Glas soll das Leben seiner Gäste dokumentieren, ihnen durch seine Notizen aus dem Alltag eine Geschichte geben. So gibt Zerbrochenes Glas die Worte dieser verkrachten Existenzen wieder, lässt den fantasievoll ausgeschmückten skurrilen Reden Raum zur Entfaltung.
Alain Mabanckou wurde 1966 in Pointe-Noire, einem Ort an der Küste der Republik Kongo, geboren, besuchte die Schule in Brazzaville und reiste 1989, mit einem Förderstipendium ausgestattet, nach Paris, um Jura zu studieren. Inzwischen pendelt er zwischen Paris und Los Angeles, wo er an der University of California französische Literaturwissenschaft lehrt. Mabanckou erzählt in Abschnitten gegliedert, ohne Interpunktion und nur durch Kommata getrennt. Die Reden der Gäste fliessen wie der Palmwein: verschriftlichte Sprache voller Anspielungen, Witz und Poesie. Sie mäandert wie der Kongo, der Brazzaville und Kinshasa trennt.
Alain Mabanckou liest im Berner «Progr» (24.10.2013), in der Comedia St. Gallen (25.10.), im Hotel Rothaus Zürich (26.10.2013.) und im Volkshaus Basel (27.10.2013). Die deutsche Übersetzung liest Regula Siegfried. Es moderieren David Signer oder Ruedi Küng. www.artlink.ch