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Um Gewässer effizient und nachhaltig zu schützen und zu bewirtschaften, muss man ihren aktuellen Zustand kennen. Zum ersten Mal überhaupt wurden Daten zu Fischbeständen in den alpinen Schweizer Seen standardisiert und reproduzierbar erhoben. Zukünftige Messungen können dadurch wissenschaftlich aussagekräftig verglichen werden, um Veränderungen aufgrund der Nutzung oder des Nährstoffeintrags zu beziffern. Zurzeit sind fast nur Aussagen über den Ist-Zustand möglich.
9.9 km2, 285 Mio m3, mittl. Tiefe 29 m, Füllzeit 3.87 Jahre: Der Hallwilersee…
ist heute ein mässig mit Nährstoffen belasteter, warmer See. Der See beherbergt viele Pflanzen, was im Grossen und Ganzen zu einer hohen Sauerstoffsättigung führt. In mittleren Wasserschichten ist er gar übersättigt, während die bodennahe, konstant vier Grad kalte Schicht ein Sauerstoffdefizit aufweist. Zur Unterstützung der Sanierung des Sees wird er seit Jahren belüftet, was auch die Zirkulation erhöht.
Der Hallwilersee ist kaum verbaut, hat im Oberflächenwasser aber auch kaum natürliche Strukturen, die für Fische attraktiv wären. Wird die Nährstoffbelastung weiter gesenkt, wird voraussichtlich auch die starke Sedimentation verringert.
Im Hallwilersee gibt es keine typische Tiefseefischfauna, der wirtschaftlich wichtige Felchen hätte im Sommer lieber kühlere, sauerstoffärmere Habitate, dafür gefällt es leider dem Kaulbarsch und weiteren invasiven Arten sehr gut.
24.2 km2, 2533 Mio m3, mittl. Tiefe 105 m, Füllzeit 1.42 Jahre: Der Walensee…
ist ein vergleichsweise nährstoffarmer und trüber See: Das macht ihn betreffs des Pflanzenwachstums nur gering produktiv. Vermutlich hat sich der physikalische und chemische Zustand des Sees nach dem Bau des Escher Kanals und des folgenden Zuflusses von Gletscherwasser verändert.
Der Walensee hat relativ viele natürliche Uferstrukturen und die Beendigung des Kiesabbaus kommt ihm ebenfalls zu Gute. Ein Wermutstropfen: Einige Abschnitte sind hart verbaut oder mit Blockwürfen gesichert. Trotzdem ist er - auch dank der guten Wasserqualität - insgesamt ein guter Felchensee. Seine natürlichen Flachwasserbereiche mit Kies und Kiesel sowie seine Zuflüsse bilden für Fische attraktive Habitate.
Von den 15 gefundenen Fischarten ist keine einzige invasiv; Coregoniden (eine Unterfamilie der Forellenfische), Egli, Hasel, Rotaugen und Elritzen dominieren. Als biologisch wertvoll hervorzuheben sind die drei morphologisch unterscheidbaren Seesaiblings-Ökotypen. Um den Befischungsdruck auf die selteneren Grossfelchen zu reduzieren, wäre es möglich, auf die sehr häufigen kleineren Albeli und eventuell auf Seesaiblinge auszuweichen.
29.8 km2, 5200 Mio m3, mittl. Tiefe 175 m: Der Brienzersee…
ist ein nährstoffarmer, relativ kühler, mineralisch bedingt getrübter, grosser und tiefer Voralpensee. Wegen seiner geringen Produktivität ist er für die Berufsfischerei unattraktiv. Dieser abnehmende Befischungsdruck wirkt sich für dieses einzigartige und seltene Ökosystem im stark urbanisierten Mitteleuropa sehr positiv aus.
Im Brienzersee wurden 14 Arten gefangen, wobei ebenfalls keine einzige invasiv ist. Coregonen (88% Brienzlig, 10% Felchen, 2 % Balchen), Egli und Rotaugen dominieren. Seesaiblinge und Seeforellen waren tendenziell untervertreten.
Mit dieser Studie des Projet Lac hat man also zum ersten Mal ein umfassendes Papier in den Händen, mit welchem man Revitalisierungsmassnahmen planen und begründen kann. Gleichzeitig wird auch klar, mit welchen Mitteln man den Fischen - und ultimativ auch den Fischern - helfen kann.
Die Seen als Senken
Nach zwei verheerenden Explosionen in Munitionsdepots entschied der Bundesrat 1948, die überalterte Munition aus dem 2. Weltkrieg in Schweizer Seen zu entsorgen. Auch Munitionsrückstände aus den Munitionsfabriken Thun und Altdorf wurden in die nächsten Seen gekippt. Bis 1967 wurden im Vierwaldstätter-, Thuner- und Brienzersee (280 t) insgesamt 8000 t Munition und Munitionsrückstände versenkt. Ein interdisziplinäres Spezialistenteam ermittelte zwischen 2006 und 2010 im Auftrag des Bundes die Mengen und potentiellen Auswirkungen auf die Umwelt. Es kam zum Schluss, dass man die versenkte Munition besser nicht birgt. Dazu gab es vier Gründe:
1) Im Seegrund und im Wasser waren keine Explosivstoffe oder Abbauprodukte messbar.
2) Die Munition wird zunehmend mit natürlichen Seeablagerungen überdeckt. Sie ist bereits 0.2 -2 m tief unter der Seegrundfläche.
3) Es gibt keine Hinweise darauf, dass die versenkte Munition bei den zuvor festgestellten Organveränderungen der Felchen im Thunersee eine Rolle spielt.
4) Die Bergung der Munition würde grosse Risiken für das Ökosystem und das Trinkwasser mit sich bringen. Zudem würden erhebliche Immissionen entstehen.
Seit 2010 belegt das Schweizerische Gewässerschutzgesetz (GSchG 5. Titel, Art. 70) mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe wer:
a) Stoffe, die das Wasser verunreinigen können, widerrechtlich mittelbar oder unmittelbar in ein Gewässer einbringt, […]
f) ohne Bewilligung der kantonalen Behörde oder entgegen den Bedingungen einer erteilten Bewilligung feste Stoffe in einen See einbringt. u.