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Als 1893 die durchgehende Eisenbahnlinie von Bern nach Interlaken eröffnet wurde, erwarteten manche Thuner, dass die Stadt von nun an im Reiseverkehr endgültig übergangen werde. Thun blieb jedoch ein regionaler Verkehrsknotenpunkt, dessen Einzugsgebiet sich noch vergrösserte. Die überregionale, mit Dampf betriebene Eisenbahn verband Thun mit Bern und Interlaken. Blumenstein, Linden, Röthenbach im Emmental, Heimberg, Steffisburg, Heiligenschwendi und Stocken waren mit drei- bis siebenplätzigen Pferdepostkutschen erreichbar. Nach Burgdorf führte seit 1899 die erste elektrische Eisenbahn Europas auf einer vollwertigen Bahnstrecke, ab 1902/03 fuhr eine weitere Dampfeisenbahn durch das Gürbetal, 1913/14 kam die ebenfalls mit Strom betriebene Rechtsufrige Thunerseebahn hinzu. Mit der Eröffnung des Lötschbergtunnels avancierte Thun 1913 zu einer Haltestelle im Netz der internationalen Schnellzüge. Die Personenfrequenz auf dem Hauptbahnhof stieg nun wieder an.
Bau des Schifffahrtskanals, Ausschnitt aus einer Fotografie von 1925. Eine provisorische Dampfbahn, rechts im Bild, brachte den Aushub in den Dürrenast, wo ein Teil davon 1925 zur Auffüllung eines Eisweihers und zur Entsumpfung des heutigen Strandbadareals verwendet wurde.
Um 1900 wurde die komplizierte Situation mit den zwei Thuner Bahnhöfen zunehmend kritisiert. Nach zahlreichen verworfenen Verbesserungsvorschlägen gelang jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg ein städtebaulicher Wurf: Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) eröffneten 1923 einen neuen Hauptbahnhof im Aarefeld, 1925 wurde der gleich daneben gelegene Schifffahrtskanal mit dem Hafen in Betrieb genommen. Der Güterbahnhof kam auf das Areal des früheren Hauptbahnhofs zu stehen, die bisherige Bahnhofstrasse wurde zur Gewerbestrasse degradiert und die Station Scherzligen aufgehoben. Drei Unterführungen verhinderten, dass der breite Schienenstrang durch Thun hindurch die südwestlichen Quartiere von der Innenstadt abschnitt. Das Gebiet von Strättligen hingegen wurde durch den Bahndamm in zwei Teile getrennt.
Als Verbindung zur Innenstadt entstand die neue Bahnhofstrasse mit grossen Wohn- und Geschäftshäusern auf einer Strassenseite. Die Bahnhofbrücke anstelle der Scherzligbrücke wurde auf die Achse Bahnhofstrasse–Freienhofgasse ausgerichtet, was im oberen Bälliz eine Strassenkorrektur und den Abbruch einiger älterer Gebäude zur Folge hatte, so zum Beispiel des traditionsreichen Gasthofs Zum weissen Kreuz. Der Bereich unmittelbar vor dem Bahnhofsgebäude diente vor allem als Busbahnhof und Verkehrsfläche. Erst nach dem Abbruch des Aarefeldschulhauses und der Fabrik Hoffmann, die sich beide vis-à-vis des Bahnhofs befunden hatten, entstand der Aarefeldplatz, der 2002 eingeweiht wurde.25