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Rafael Nadal scheitert an seinem Körper und tritt nicht zum Wimbledon-Halbfinal an: «Es macht einfach keinen Sinn»
Zwar gewann Rafael Nadal das Spiel gegen Taylor Fritz nach 4:20 Stunden in fünf Sätzen. Doch in Wimbledon scheitert er erneut an seinem Körper. Am Donnerstagabend gab er bekannt, dass er nicht zum Halbfinal gegen den Australier Nick Kyrgios (ATP 40) antreten kann. Grund dafür ist eine Bauchmuskelverletzung, die ihn seit mehreren Tagen behindert hatte.
Rafael Nadal sagt: «Ich habe lange darüber nachgedacht, doch es macht einfach keinen Sinn, weiterzuspielen. Es besteht das Risiko, dass ich länger ausfallen würde, wenn ich weitermache. Ich habe diese Entscheidung getroffen, weil ich weiss, dass ich keine zwei Spiele mehr gewinnen kann.»
Er habe auf einem hohen Level gespielt, sagt Nadal. «Ich hatte Chancen, das Turnier zu gewinnen. Deshalb schmerzt das sehr.» Der Spanier glaubt, dass er bereits in einer Woche das Training wieder aufnehmen kann. «Von der Grundlinie aus, noch ohne Aufschlag.» Sein Ziel ist es, beim Masters-Turnier in Montreal (ab 7. August) auf einem Hartbelag anzutreten.
Dazu, welcher Art die Verletzung im unteren Bereich der Bauchmuskulatur ist, schwieg er lange. «Aus Respekt vor meinen Gegnern und dem Turnier möchte ich nicht darüber sprechen. Ich bin es müde, wenn ich an alle meine Probleme denke. Ich bin es gewohnt ist, mit Schmerzen zu spielen.»
Nadal ignorierte das Flehen seiner Familie
Vor anderthalb Jahren hatte er gesagt: «In diesem Stadium meiner Karriere spiele ich nicht weiter, wenn die Gefahr besteht, dass sich eine Verletzung verschlimmert.» 2009 hatte er bei den US Open mit einer Verletzung gespielt. «Zu Beginn des Turniers war der Riss sechs Millimeter lang, am Ende waren es 26. Das war keine besonders intelligente Entscheidung.»
Schon zu Beginn des zweiten Satzes im Viertelfinal gegen Taylor Fritz hatte ihn seine Entourage dazu aufgefordert, das Handtuch zu werfen. Nadals Vater Sebastian, Schwester Maribel und Manager Carlos Costa hatten ihn aufgefordert, das Spiel aufzugeben, wie der Spanier nach der Partie sagte.
Nadal ignorierte das verzweifelte Flehen seiner Familie, verschwand in der Kabine, liess sich dort Schmerzmittel und Entzündungshemmer geben und setzte die Partie fort. Nach 4:20 Stunden Spielzeit setzte er sich mit 3:6, 7:5, 3:6, 7:5, 7:6 (10:4) im Match-Tiebreak durch und erreichte den Halbfinal.
Der Verdacht, Nadal habe die Verletzung nur simuliert, liess sich einfach widerlegen. Ab Mitte des zweiten Satzes servierte er nur noch mit durchschnittlich 172 Kilometern in der Stunde. Das sind fast 30 km/h weniger als üblich. Auch auf der Rückhandseite agierte er limitiert.
Im Vorfeld der Australian Open war Nadal an Covid-19 erkrankt. Danach musste er wegen eines Ermüdungsbruchs an einer Rippe pausieren. Und bei den French Open liess er sich vor jedem Spiel den Fuss betäuben, um die durch das Müller-Weiss-Syndrom verursachten Schmerzen zu unterdrücken. Danach liess sich der 36-Jährige mit Radiowellen den Nerv veröden. Dieser soll nun keine Schmerzsignale mehr ans Hirn übertragen.
Mit dem Rückzug platzt der Traum vom Kalender-Grand-Slam, dem Sieg bei allen vier Major-Turnieren (Australian Open, French Open, Wimbledon und US Open) innerhalb einer Saison. Ein Kunststück, das bisher nur zwei Männern geglückt ist: 1938 dem Amerikaner Don Budge und 1962 sowie 1969 dem Australier Rod Laver. Im letzten Jahr fehlte Novak Djokovic nur ein Sieg. Doch im Final der US Open unterlag er Daniil Medwedew.
Mit den Australian Open und den French Open hatte Nadal erstmals die beiden ersten Grand-Slam-Turniere des Jahres gewonnnen. Dem Traum vom dritten Wimbledon-Sieg nach 2008 und 2010 ordnete er alles unter.
Nadal fürchtete das Coronavirus
Aus Respekt vor einer möglichen Covid-Infektion hatte er sein Team und seine Familie darum gebeten, das gemietete Haus nur für seine Spiele zu verlassen und nicht auswärts zu essen. «Keine Paranoia», sagte Nadal. «Sondern Realität.» Mit Landsmann Roberto Bautista Agut hatte sich ein guter Freund wegen Covid-19 aus dem Turnier zurückziehen müssen.
Damit steht der ungesetzte Australier Nick Kyrgios (27, ATP 40) erstmals im Final eines Grand-Slam-Turniers. Seinen Gegner ermitteln am Freitag der britische Linkshänder Cameron Norrie (26, ATP 12) und der 35-jährige Titelverteidiger Novak Djokovic aus Serbien. Der sechsfache Sieger hat letztmals 2017 in Wimbledon den Platz als Verlierer verlassen müssen, als er wegen einer Verletzung am Ellbogen aufgeben musste. Die letzten drei Austragungen (2018, 2019 und 2021) konnte Djokovic allesamt gewinnen.