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Die Fruchtbarkeit der Kuh ist ein sehr vielseitiges und extrem spannendes Gebiet der Veterinärmedizin. Oft sind die Ursachen für eine schlechte Fruchtbarkeit vielfältig.
Unabhängig der Jahreszeit, zeigen die Kühe (vor allem ältere Tiere) beim ersten Eisprung nach dem Abkalben häufig keine Brunstsymptome. Folgende Faktoren beeinflussen die Brunstäusserung:
- Fütterung
- Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit
- Soziale Faktoren (Rangordnung)
- Haltung; z. B. Anbindestall (evtl. Kuhtrainer), glatte Laufflächen
- Mit Schmerzen einhergehende Erkrankungen (z. B. Klauenleiden)
Spezifisch für die Wintermonate sind die Haltung und die Fütterung wichtige Faktoren. Selbstverständlich ist eine ausreichende Versorgung mit Energie in der Startphase zu jeder Jahreszeit sehr wichtig, denn es beeinflusst neben vielen physiologischen Vorgängen bei der Kuh auch die Eierstockaktivität und den Hormonhaushalt positiv. Ein hohes «Fett:Eiweiss-Verhältnis» bei der Milchkontrolle (> 1,5), vor allem während der Startphase, ist ein Warnhinweis für die Körperfettmobilisation.
Eine massiv ausgeprägte negative Energiebilanz ist ein Risikofaktor für Eierstockzysten, verzögerten Eisprung und schwache bis ausbleibende Brunstsymptome. Zudem ist auf eine ausreichende Versorgung mit Beta-Carotin, Phosphor, Kupfer und Kobalt zu achten. Beta-Carotin hat einen direkten Einfluss am Eierstock. Dazu gehören verkürzte Brunstintervalle (bis zu einem Tag) oder Brunstverlängerungen um bis zu zwölf Stunden. Ein Beta-Carotin-Mangel kann zu Verzögerungen im Eisprung, vermehrtem Auftreten von Zysten oder zu embryonalem Fruchttod führen. Ein Defizit an Beta-Carotin in der Ration kommt vorwiegend im letzten Drittel der Winterfütterung zum Vorschein. Einerseits sind die Reserven aus der Grasfütterung aufgebraucht, andererseits baut sich das Beta-Carotin im Heu langsam ab. Die Versorgung der Kuh kann anhand einer Blutprobe untersucht werden. Die Haltungsbedingungen im Winter (weniger Auslauf, evtl. Viehtrainer, weniger Sonneneinstrahlung) führen direkt zu weniger Brunstsymptomen, zudem kann die Beobachtungsdauer zwischen den Fütterungszeiten stark reduziert sein. Die hormonelle Steuerung der Fruchtbarkeit ist abhängig von der Lichtintensität und -dauer. Idealerweise hat die Kuh während 16 bis 18 Stunden pro Tag eine Lichtintensität von mindestens 300 Lux. Das in der Frage beobachtete Phänomen ist zusammenfassend vielen Berufskollegen bekannt. In diesem Fall sind die Stallhaltung und die Brunstbeobachtung eine mögliche Erklärung. Ein weiterer Grund kann ein Mangel in der Fütterung, sei dies ein Energiemangel in der Startphase (bis zum 70 bis 80. Tag der Laktation möglich) oder ein Mangel an Beta-Carotin, sein.

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