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Die Beziehung zwischen der Literatur und den mit ihr befassten Wissenschaften ist lange als ein "Gewaltverwältnis" (Hamacher) verstanden worden - also als ein weitgehend einseitiger, nicht selten autoritärer wissenschaftlicher Zugriff auf das Objekt 'Literatur'. Erst in jüngster Zeit zeigt sich die Bereitschaft, diese Perspektive zu überdenken und eher von einer wechselseitigen Aneigungsbewegung auszugehen, beispielsweise durch eine Hinwendung zu einer in der Literatur stattfindenden Wissenschaft von der Literatur.
Hier setzt die an einer Schnittstelle zwischen Slawistik und Komparatistik verortete Studie von Anna Förster an. Am Beispiel poetologischer wie philologischer Auseinandersetzungen des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal mit dem kanonischen Werk des Satirikers und Svejk-Erfinders Jaroslav Hasek zeichnet sie die Verflechtung von Literatur und Philologie in der tschechischen Literatur und Literaturwissenschaft des 20. Jahrhunderts nach. Schwerpunkte sind dabei u.a. die Herausgeberschaft des Schriftstellers und die Selbsthistorisierung literarischer Texte, aber auch in der Literatur erfolgende Theorielektüren und -übersetzungen, wie beispielsweise Hrabals Auseinandersetzung mit den Schriften des in der Tschechoslowakei zu diesem Zeitpunkt indexierten Roland Barthes.
Autorentext
Anna Förster hat slawische und komparatistische Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt sowie der LMU München unterrichtet. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen tschechische, slowakische und polnische Literatur sowie Fragen der Theoriegeschichte und Theorieübersetzung. Mit der vorliegenden Studie wurde sie 2018 an der LMU München promoviert.