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Das Insta-Video eines französischen Komikers wurde auf Twitter ohne Quellenangaben gerepostet und alle dachten, es sei echt ...
Ein Video zeigt, wie ein kleiner Junge ein Buch auspackt. Aber nicht irgendeines, sondern «Mein Kampf» von Adolf Hitler. Anscheinend wollte er aber stattdessen das Videospiel «Minecraft», bloss: Der Grossvater habe es falsch verstanden. Das Video wurde auf Twitter ohne Kontext oder Credits verbreitet und erreichte über 3,5 Millionen Menschen. Das Problem nur: Das Video stammt von einem französischen Komiker und war gestellt.
Der Komiker Yann Stotz sagte am Freitag gegenüber der französischen Zeitung «20 Minutes» (nicht zu verwechseln mit der Schweizer Pendlerzeitung), dass er den Clip gemacht habe, um sich über die Ähnlichkeit im Sound zwischen dem Videospiel-Titel und dem Nazi-Manifest lustig zu machen.
«Vor drei Jahren gaben wir meinem Patensohn ein Exemplar von ‹Minecraft›, und ich dachte: ‹Das ist lustig, das klingt wie ‹Mein Kampf››», sagte Stotz. «Also habe ich dieses Jahr ein Exemplar von ‹Mein Kampf› ausgedruckt, auf ein Jules-Verne-Buch geklebt und das Video gedreht.»
Das Video zeigt einen kleinen Jungen, der ein Geschenk seines Grossvaters bei einem Familien-Weihnachtsfest öffnet, während Stotz filmt. Der Junge entfernt das Geschenkpapier, um eine scheinbare Kopie von ‹Mein Kampf› zu enthüllen – aber: Wenn man genau hinsieht, sieht man, dass es sich tatsächlich um ein Bild des Buchcovers handelt, das an ein anderes Buch geklebt wurde.
«Er wollte ‹Minecraft›», sagt Stotz zu dem älteren Mann.
«Aber er sagte mir ‹Mein Kampf›!», antwortet sein Vater.
«Nein, Papa, er sagte ‹Minecraft›.»
Er filmt noch immer, nimmt das Buch und erklärt, dass «Minecraft» ein Videospiel für Kinder ist, bevor er murrend den Raum verlässt, vermutlich, um das Buch wegzuwerfen. Sein Kommentar:
Das virale Video wurde ursprünglich am Dienstag in Stotz' Instagram-Story geteilt. Am Mittwoch stellte er fest, dass einer seiner Anhänger das Video ohne Credits auf Snapchat gepostet hatte. Stotz lud den Clip dann auf Instagram und seiner offiziellen Facebook-Seite als separaten Post hoch.
Später an diesem Tag wurde das Video dann auf Twitter geteilt, ohne Stotz zu erwähnen. Es wurde so dargestellt, als ob das inszenierte Ereignis tatsächlich so stattgefunden hätte. Bis am Samstag wurde es mindestens 3,5 Millionen Mal angeschaut.
Im Interview mit «20 Minutes» sagte Stotz, dass er das Video nicht mit der Absicht erstellt hat, jemanden zu täuschen und betonte, dass die Zuschauer es richtig eingeschätzt hätten, wenn es nicht unter falschen Umständen gerepostet worden wäre.
Stotz scherzte, dass er, wenn er absichtlich ein virales Fake-Video gemacht hätte, eine Werbung für seine Comedy-Show in den Clip eingefügt hätte.
Stotz teilte das Interview am Freitag auf seiner offiziellen Facebook-Seite mit dem Versprechen, das Video neu hochzuladen. Denn: Das erste Video wurde wegen «Anstiftung zu Hass» von der Plattform entfernt. (jaw)