Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03357.jsonl.gz/486

Der Schweizerische Gesamtkatalog (GK) wurde am 15. Juli 1928 eröffnet, womit eine hundertjährige Auseinandersetzung beendet wurde. Philipp Albert Stapfer hatte bereits im Jahr 1799 als Minister der Wissenschaft und Künste der Helvetischen Republik die Idee eines Gesamtkatalogs aufgebracht. Doch erst 1919 unterbreitete der damalige Direktor der Schweizerischen Nationalbibliothek, Marcel Godet, dem Bundesrat ein Projekt zur Schaffung eines Gesamtkatalogs der ausländischen Publikationen im Besitz von Schweizer Bibliotheken mit den entsprechenden Standortangaben.
1927 beschloss der Bundesrat, die nötigen Mittel dafür freizugeben. Am Ende des ersten Tätigkeitsjahres umfasste der «Gesamtkatalog der Schweizer Bibliotheken und der Auskunftsstelle» 89 Bibliotheken und 11.743 Titel.
Der ursprüngliche «Gesamtkatalog» wurde 1945 zum «Schweizerischen Gesamtkatalog» und erlebte einen wahren Höhenflug: Die Grenze von 2 Millionen Titeln wurde 1961 erreicht, jene von 3 Millionen im Jahr 1970, und 1990 umfasste er 5.2 Millionen Titel. 350 Bibliotheken meldeten damals ihre Bestände dem GK.
1979 wurde der bis anhin vom Verband der Schweizer Bibliothekare (Vorgänger der BIS) geführte Schweizerische Gesamtkatalog Bestandteil der Schweizerischen Nationalbibliothek.
Die Situation der Bibliotheken in der Schweiz entwickelte sich rasant. Mit der Automatisierung erstellten die meisten Bibliotheken ihre eigenen Gesamtkataloge in Form regionaler Vernetzungen. Die Bibliotheken meldeten ihre neuen Anschaffungen nicht mehr dem GK. Aus diesem Grund wurde 2002 beschlossen, die Aktualisierung der Meldungen in Kärtchenform der letzten 15 Schweizer Bibliotheken einzustellen und auf Anfang 2003 wurde der Gesamtkatalog geschlossen.
Die Kärtchen des Gesamtkatalogs wurden auf Mikrofilm übertragen und sind für die Mitarbeitenden des Dienstes «Publikumsinformation» weiterhin zugänglich.
Die Standortanfragen beim GK durch schweizerische Bibliotheken im Rahmen des interbibliothekarischen Leihverkehrs haben kontinuierlich zugenommen. 1937 gab es 1.772 Standortanfragen beim GK, 1944 10.000 (davon wurden über 60% ermittelt), 1960 waren es 46.851, 1980 70.944 und 1985 erreichte man die Rekordzahl von 87.991 Anfragen.
Ab 1985 ging die Zahl der Standortermittlungen zurück. 1990 betrugen sie noch 78.809, 2000 sanken sie auf 23.500 und 2008 sogar auf nur gerade 1.790. Angesichts dieser Situation wurde entschieden, die Dienstleistung des GK ab dem 1. Januar 2010 nicht mehr anzubieten und die Standortanfragen als interbibliothekarische Leihanfragen zu behandeln. Dies bedeutet das Ende einer Epoche.