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Neubau
Der Neubau stellt die jüngste Erweiterung des Kunstmuseums Basel dar, er wurde 2016 eröffnet. Seine Existenz verdankt er dem Umstand, dass weder der Hauptbau noch das Kunstmuseum Basel | Gegenwart ursprünglich für einen permanent wechselnden Ausstellungsbetrieb konzipiert worden waren. Historisch gesehen, war das Kunstmuseum – mit Ausnahmen – als reines Sammlungshaus geplant worden. Erst von 2002 an organisierte das Museum mehrere grosse Sonderausstellungen im Jahr. Da dies ursprünglich nicht vorgesehen war, fehlte die entsprechende Infrastruktur. Eine Sanierung in den 1990er-Jahren und eine Renovation in den 2000er-Jahren hatten geholfen, die Situation zu verbessern, lösten aber nicht das grundsätzliche Problem: Immer wieder mussten ganze Sammlungsbereiche umgehängt oder zwischengelagert werden, um Raum für Sonderausstellungen zu schaffen.
2008 schenkte Dr. h. c. Maja Oeri dem Kanton Basel-Stadt die Mittel zum Erwerb einer dem Hauptbau benachbarten Parzelle auf der gegenüberliegenden Seite der Dufourstrasse. Damit bot sich die einzigartige Chance, eine Erweiterung des Kunstmuseums in Angriff zu nehmen. Doch wie sollte man Hauptbau und Neubau quer über eine stark befahrene Strasse miteinander verbinden? Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben, der auf Lösungen zielte, um den Hauptbau durch einen unterirdischen Verbindungstrakt an den Neubau anzuschliessen. An dem Architekturwettbewerb beteiligten sich viele internationale Stararchitekten, unter anderem Peter Zumthor, SANAA, Tadao Ando, Zaha Hadid und Jean Nouvel. Am Ende konnte das Basler Büro Christ & Gantenbein den Wettbewerb für sich entscheiden – dies vor allem deshalb, weil ihr Vorschlag die städtebauliche Situation der St. Alban-Vorstadt am geschicktesten zugunsten des Museumsneubaus nutzte und sie eine überzeugende Idee entwickelten, wie der Verbindungstrakt zwischen Neubau und Hauptbau dank eines tiefergelegten Höfchens Anschluss ans Tageslicht erhalten könnte. Die unterirdischen Räume wurden damit von Tunnelräumen zu vielseitig nutzbaren Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen aufgewertet. Dank der Laurenz- Stiftung, die sich grosszügigerweise entschieden hatte, sich zur Hälfte auch an den Baukosten zu beteiligen, konnte der Kanton Basel-Stadt als Bauherr das Projekt in den Jahren 2010 bis 2016 in relativ kurzer Zeit realisieren.
Der Neubau zitiert in vielen seiner Elemente die architektonische Sprache des Hauptbaus von 1936: Am offensichtlichsten manifestiert sich dies im monumentalen Treppenhaus mit dem zentralen runden Oberlicht, im Kratzputz in den Erschliessungszonen des Foyers und den Treppenhäusern wie auch in der von den farblichen Qualitäten der Backsteine geprägten Fassade und den hochwertig entwickelten Details. Emmanuel Christ dazu: «Wir haben diese Beziehung gesucht. Wir sind davon ausgegangen, dass ein Erweiterungsbau keine komplett neue These formulieren muss. Das Kunstmuseum Basel hat bereits eine ausgeprägte Identität. Wenn jetzt auf der anderen Strassenseite der Erweiterungsbau entsteht, dann muss die Identität nicht neu erfunden werden, sondern gewissermassen zeitgenössisch neu interpretiert werden.»
Trotz dieser Bezugnahme auf den Hauptbau ist der Neubau ein eigenständiges Gebäude mit einer dezidiert zeitgenössischen Architektursprache. Der vieleckigen Grundrissfigur antwortet in den Obergeschossen eine klassische Raumstruktur mit rechteckig proportionierten Ausstellungssälen. Besonders eindrucksvoll sind die grossen Spannweiten der über fünf Meter hohen monumentalen Säle im Untergeschoss und im Erdgeschoss. Der Neubau fügt sich harmonisch in die heterogene Stadtstruktur der St. Alban-Vorstadt ein und strahlt durch den in die Fassade eingewebten LED-Fries ganz buchstäblich in die Stadt aus.