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Mutter und Sohn
Mutter mit Kind hatte ich früher schon einmal gehauen, aus Carrara Mamor. Es war eine Darstellung, wie man sie vor allem von der römisch-katholischen Ikonographie her kennt. Die Mutter hält das Kind auf dem Arm und fühlt sich geborgen. Was bei biblischen Darstellungen von Mutter und Kind auffällt: Höchst selten findet zwischen Mutter und Kind ein Augenkontakt statt. Das wollte ich durchbrechen. Meine Überlegung: Ein Kind ist von Geburt an ein selbständiges Wesen. Die Eltern behüten es, ziehen es gross, aber sie besitzen es nicht. Im Gegenteil. Spätestens während der Pubertät lehnen sich die Kinder auf und suchen ihren eigenen Weg. Diese emanzipatorische Sicht hat mir bei den gängigen Mutter-Kind-Darstellungen gefehlt. Doch wie löse ich das? Indem ich den Kopf der Mutter und des Kindes auf die gleiche Höhe stelle und die Figuren nicht senkrecht, sondern horizontal darstelle. Und so ist ein Jahr nach der Geburt unseres Sohnes Marco diese Skulptur entstanden, gehauen aus zähem Kieselkalkstein, mit einer kauernden Mutterfigur und einem rittlings auf der Flanke der Mutter sitzenden Kind. Die riesige Hand der Mutter gibt dem Kinde Schutz. Sie ist gleichzeitig aber auch ein Zeichen für die Mühe der Mutter, ihr Kind loszulassen. Ein überdimensionierter Arm des Kindes fummelt im Gesicht der Mutter –wie ein Kleinkind eben, das auf seine Weise die Welt erforscht.
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