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Wollte man ein Amulett tragen, das einen zuverlässigen Schutz vor bösen Einflüssen darstellte, so wurde eine passende Wurzel der Blutwurz gesucht, die schon durch ihren Namen ausdrückte, was man von ihr erwartete: potentilla = mächtig. Wenn die Monatsblutung nicht kommen wollte, mischte man gleichviel Pulver des Blutwurzkrautes, der Hauswurz und Lilien-Öl, und nahm dieses Gemisch ein, dies galt als besonderes Mittel der Sympathiemedizin, wenn die Jungfer ihre Zeit nicht hat. Als kleine Draufgabe musste sie auch noch ein Stück Hemd jenes Mannes verbrennen, der ihr zu nahegekommen war. Die Blutwurz wird in älteren Schriften ebenso oft wie Bibernelle und Ehrenpreis als Antipestkraut genannt. Nach altem Glauben kommt alle sieben Jahre der Teufel und beißt einmal bei der Wurzel ab. Tatsächlich sieht die kurze, knollige Wurzel wie abgebissen aus.
Blutwurz – ein bisschen Botanik schadet nie.
Die Pflanze gehört zur Familie die Rosengewächse (Rosaceae) und ist eine mehrjährige Pflanze, welche eine Wuchshöhe bis zu 60 cm erreichen kann. Außerdem mag die Pflanze einen durchlässigen Boden mit viel Sonne. Sie wächst in Sumpf- und Moorwiesen, häufig auf Magerwiesen, auf Heideböden. Die Blätter der Pflanze sind handförmig, mit 3 bis 5 Teilblättern. Die Blätter am Stängel sind größer als die zur Blütezeit häufig bereits verwelkten Blätter am Grunde. Die Blüten der Pflanze sind 2 – 6 cm lang gestielt. Die Blüte ist vierteilig: 4 Kelch-, 4 Außenkelch und 4 Blütenkronblätter.
Blutwurz – alles über die Ernte.
Die Wurzel enthält viel Tannin und muss vor der Nutzung als Streckmehl mehrfach ausgekocht werden. Ernten Sie den Wurzelstock zwischen März und April oder im Oktober. Das geht meist relativ leicht, weil die Pflanze lockeren Boden bevorzugt. Waschen Sie die von den Würzelchen befreiten Rhizome und zerkleinern Sie sie grob. Legen Sie sie zum Trocknen in dünner Schicht aus oder reihen Sie sie auf Schnüre auf.
Blutwurz – die erstaunliche Heilwirkung.
Eine medizinische Verwendung fand seit alters her der getrocknete Wurzelstock der Blutwurz. Er enthält reichlich Gerbstoffe, außerdem Flavonoide, Phenolcarbonsäuren und Triterpensäuren. Die enthaltenen Gerbstoffe wirken antioxidativ, entzündungshemmend und zusammenziehend. Der Pflanzenextrakt wirkt antiallergen, antiviral, antibakteriell, immunstimulierend und blutdrucksenkend. Aufgrund der roten Farben des abgeschnittenen Wurzelstocks wurde die Blutwurz früher bei allen Arten von Blutungen, bei Erkrankungen des Blutes und bei blutigen Durchfällen verwendet. Auch heute noch nutzt man sie zur Behandlung entzündlicher Magen-Darm-Erkrankungen, bei Durchfällen und Hämorrhoiden, außerdem als Gurgelmittel bei Infektionen des Mund- und Rachenraums. Wegen des hohen Gerbstoffgehaltes verwendete man die Pflanze früher auch zum Gerben von Leder.
Blutwurz für vielerlei Beschwerden.
Gurgeltee
20 g Blutwurzwurzel, 10 g Eichenrinde und 10 g getrocknete Heidelbeeren. 10 Minuten ziehen lassen. 2- bis 3-mal täglich gurgeln, bis Besserung eintritt.
Durchfalltee
Je 20 g Kamillenblüten, Gänsefinger- und Schafgarbenkraut, Heidelbeerfrüchte und Blutwurzwurzel. 10 Minuten ziehen lassen. 3-mal täglich 1 Tasse trinken, maximal 7 Tage lang.
Blutwurzwein
Eine Handvoll klein geschnittene, frische Wurzelstücke in 1 Liter Rotwein 3 Wochen ziehen lassen, absieben. Bei leichtem Durchfall trinken Sie 1 Likörgläschen täglich.