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Ein internationales Forschungsteam untersuchte vor Südgeorgien erstmals das Absinken von kleinsten Plastikteilchen im Südlichen Ozean, die weltweit lange als «fehlend» galten. In der von Schiffen stark frequentierten Cumberland East Bay nahe Grytviken konnte das Team im Rahmen seiner Fallstudie etwas zur Klärung über deren Verbleib beitragen.
Mikroplastik ist im Südlichen Ozean bisher an der Wasseroberfläche, am Meeresboden sowie in Tieren nachgewiesen worden. Um herauszufinden, wie und wo die kleinen Kunststoffteile in der Wassersäule vorkommen, untersuchte das internationale Forschungsteam unter der Leitung von Clara Manno vom British Antarctic Survey BAS in der aktuellen Fallstudie das Absinken von Partikeln, die kleiner sind als einen Millimeter. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten die Autorinnen und Autoren in der Fachzeitschrift Marine Pollution Bulletin.
Das Forschungsteam setzte im Januar 2019 über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum von 24 Stunden erstmals im Südlichen Ozean eine Sedimentfalle am Eingang der Cumberland East Bay in Südgeorgien ein, die in 50 m, 100 m und 150 m Tiefe die sinkenden Partikel einfing. Die Analyse ergab, dass die meisten Mikroplastikpartikel in 50 m Tiefe in die Falle gingen (306 Teilchen pro Quadratmeter und Tag), während in 150 m Tiefe weniger als ein Drittel davon ankam (94 Teilchen pro Quadratmeter und Tag).
Fasern waren mit einem Anteil von 92 % in allen drei Tiefen die am häufigsten gefundenen Partikel, wobei diese meist aus Polyester bestanden, das häufig in der Fischerei verwendet wird, aber oft auch Bestandteil von Outdoorkleidung ist.
In einer früheren Studie, die im vergangenen Jahr erschien, ermittelte das Forschungsteam um Jack Buckingham, Wissenschaftler an der University of Hull, im selben Gebiet an der Wasseroberfläche nahe der Forschungsstation King Edward Point mit durchschnittlich 0,6 Partikeln pro Liter die bislang höchsten Konzentrationen an Mikroplastik im Südlichen Ozean.
Die vergleichsweise hohen Mikroplastikkonzentrationen in der Cumberland East Bay bringen beide Studien vor allem mit den zahlreichen menschlichen Aktivitäten in der Region in Verbindung. Zum einen ist der Schiffsverkehr, insbesondere durch Passagier-, Fischerei- und Forschungsschiffe sowie private Yachten, relativ hoch: Im Jahr 2019 kamen beispielsweise 105 Schiffe in die Bucht, um sich im Büro der Verwaltungsbehörden von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln zu registrieren. Zum anderen ist die BAS-Forschungsstation King Edward Point das ganze Jahr über besetzt.
Inwieweit der Eintrag von Mikroplastik durch Strömungen aus anderen Regionen eine Rolle spielt oder Mikroplastik aus der Bucht in den offenen Ozean gelangt, soll in Zukunft Gegenstand der Forschung sein. Es ist auch noch nicht bekannt, welche kleinräumigen Strömungen in der Bucht einen Einfluss auf die Verbreitung der Mikroplastikpartikel haben.
Die Studie liefert auch einen ersten generellen Hinweis zum Verbleib von Mikroplastik im Ozean. Die kleinen Partikel mit einer Größe von weniger als einem Millimeter waren in Proben, die in früheren Studien in verschiedenen Ozeanen von der Wasseroberfläche gesammelt wurden, kaum vertreten. Dies führte zur Annahme, dass 99 % des Mikroplastiks «fehlen». Erst in jüngerer Vergangenheit wurde auch das Absinken dieser Partikel untersucht und jetzt erstmals im Südlichen Ozean. Die aktuelle Studie trägt dazu bei, besser zu verstehen, welche Auswirkungen das Vorhandensein von Mikroplastik auf Meeresorganismen hat und inwiefern es zu Wechselwirkungen mit dem marinen Ökosystem kommt.
Julia Hager, PolarJournal
Links zu den Studien:
Emily Rowlands, Tamara Galloway, Matthew Cole et al. Vertical flux of microplastic, a case study in the Southern Ocean, South Georgia, Marine Pollution Bulletin, Volume 193, 2023. https://doi.org/10.1016/j.marpolbul.2023.115117
J.W. Buckingham, C. Manno, C.M. Waluda, C.L. Waller. A record of microplastic in the marine nearshore waters of South Georgia, Environmental Pollution, Volume 306, 2022. https://doi.org/10.1016/j.envpol.2022.119379