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Die Multiple Sklerose (MS) ist eine langsam fortschreitende, entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Sie ist gekennzeichnet durch schubweise Zerstörung von Myelin, der Isolierschicht von Nervenfasern an unterschiedlichen Stellen des Zentralnervensystems. Folge sind entsprechend vielfältige („multiple“) neurologische Beschwerden und Ausfälle.
In Mitteleuropa ist MS eine der häufigsten Krankheiten des Zentralen Nervensystems und trifft etwa einen von 1‘000 Einwohnern. In Südeuropa kommt sie seltener vor. Frauen sind fast doppelt so oft betroffen wie Männer.
Die Krankheit beginnt meist zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr. Sie entwickelt sich individuell so unterschiedlich, dass eine exakte Prognose nicht möglich ist. Es gibt gutartige Verläufe, bei denen grössere Behinderungen selten sind und die durchschnittliche Lebenserwartung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nur unwesentlich reduziert ist. Krankheitsschübe können sich über mehrere Jahrzehnte wiederholen. Eher selten sind aggressive Formen, die in wenigen Monaten bis Jahren zur Invalidität und zum Tod führen.
Gehirn und Rückenmark sind Bestandteile des zentralen Nervensystems. Dieses ist nicht nur Ort von Erinnerungen und Gefühlen, sondern auch Steuerzentrale mit Verbindung zu allen Organen und Teilen des menschlichen Körpers. So ist es möglich, auf Reize zu reagieren, Bewegungen durchzuführen und zu koordinieren, zu sehen, hören, reden usw. Das Verbindungsnetz ist aufgebaut aus Nervenzellen mit Nervenfasern, die man sich wie Stromkabel vorstellen kann. Wie elektrische Leitungen sind auch Nervenfasern umgeben von einer Isolier- und Schutzschicht, die Markscheide genannt wird und aus so genanntem Myelin besteht. Die Markscheide ermöglicht es den Nervenimpulsen schnell vom Gehirn an den Bestimmungsort (z.B. Arm- oder Beinmuskel) zu kommen. Wenn das Myelin beschädigt wird, dauert es länger bis der elektrische Impuls den Bestimmungsort erreicht, oder es entstehen „Kurzschlüsse“, eventuell Blockaden.
Verhärtung durch vermehrte Bildung von Bindegewebsfasern in Organen oder Gewebe. Aus dem Griechischen σκληρός (skleros), hart, trocken, dürr; z.B. in den Begriffen Arteriosklerose, Sklerodermie.
vielfältig, vielfach.
Sie entsteht, indem das Immunsystem körpereigenes Gewebe schädigt. Es werden sog. Autoantikörper gebildet.
Die Arme und Beine; im Gegensatz dazu werden Kopf und Rumpf nicht als Extremitäten bezeichnet.
Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit zur Untersuchung und Diagnose von Krankheiten, die das zentrale Nervensystem mit betreffen.
Die genauen Ursachen sind noch unbekannt. In Fachkreisen ist jedoch mittlerweile faktisch unbestritten, dass autoimmune Vorgänge verantwortlich zu machen sind. Es gibt Berichte darüber, dass Forscher Autoantikörper (spezifische Eiweissverbindungen) identifiziert haben, die Entzündungsvorgänge in Gehirn und Rückenmark auslösen. Durch diese Prozesse wird Myelin in Hüllen von Nervenfasern zerstört (Entmyelinisierung). In der Folge ist die Leitfähigkeit betroffener Nervenfasern verlangsamt, später unterbrochen. Zwischen den Schüben kann aber wieder Myelin aufgebaut werden, was die Rückbildung oder das Verschwinden von Symptomen erklärt.
Es existieren allerdings weiterhin unterschiedliche Theorien, welche das Entstehen, die Ursache der autoimmunen Vorgänge und das schubweise Fortschreiten der Krankheit erklären sollen.
Typisch ist ein schubweises Auftreten von Beschwerden, die sich meist wieder bessern, oder die sogar vollständig verschwinden. Ein Krankheitsschub ist definiert als erstmaliges Auftreten oder als Wiederholung früherer Symptome und dauert Tage bis Wochen, ausnahmsweise wenige Monate.
Die Diagnosestellung wird dadurch erschwert, dass die einzelnen Symptome selbst unspezifisch sind und nicht zwingend auf MS schliessen lassen. Eine Prognose über den langfristigen Verlauf ist namentlich im Anfangsstadium nicht möglich.
Die Symptomatik ist dermassen vielfältig, dass es kaum möglich ist, alle nur denkbaren Verlaufsformen und Krankheitszeichen zu nennen. Ausserdem werden Symptome zu Beginn vielfach verkannt oder bagatellisiert, auch von den Betroffenen selbst. Aus all diesen Gründen ist es anfänglich oft schwer, die Krankheit zu erkennen.
Einzelne Krankheitszeichen kann man dem Gehirn, andere dem Rückenmark zuordnen. Schübe der Krankheit sind zeitlich und räumlich dissoziiert, sie können sich einmal im Gehirn, ein anderes Mal am Rückenmark abspielen. (dissoziieren: trennen)
Bei Verdacht auf Multiple Sklerose ist ein Arztbesuch angezeigt. Zur Diagnosestellung werden neurologische Untersuchungen und eine Liquorpunktion (Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit) vorgenommen. In dieser Flüssigkeit wird insbesondere nach Eiweissverbindungen gesucht, die für die Krankheit charakteristisch sind. Von den bildgebenden Untersuchungsmethoden hat die Magnetresonanztomographie (MRT) den höchsten Stellenwert.
Durch rechtzeitige Behandlung können Symptome gemildert und der Verlauf verzögert werden, eine definitive Heilung durch Medikamente ist heute jedoch nicht möglich.
Wertvoll ist die regelmässige und langfristige, eventuell auf Lebenszeit durchgeführte Immuntherapie (Basistherapie), wozu Interferone und andere hochwirksame Medikamente Anwendung finden. Sie zielt darauf ab, die Autoimmunprozesse zu blockieren, welche zur Zerstörung von Markscheiden und Nervenfasern führt. Bei einem Schub hemmen Kortisonpräparate die Entzündung im Nervensystem. Kortison wird demnach nur kurzfristig eingesetzt, so dass kaum mit Nebenwirkungen zu rechnen ist.
Neben Immunglobulinen, immunsupprimierenden Mitteln und Kortison lassen sich unterstützende Präparate und Therapien einsetzen. Dazu zählen Antidepressiva, Vitamine, Enzyme, homöopathische Mittel sowie Krankengymnastik, Ergotherapie, Shiatsu, Thai Chi, Yoga und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), evtl. Akupunktur.