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Bild
Titel:
Leonhard Tobler - Hirschenwirt und Orgelbauer
Thema: Leute
Datum: --.--.1796
Masse: 18 x 17,5 cm
Standort: Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, Aa.51-1-3
Urheber/-in:
Beschreibung:
Das unscheinbare Blatt verzeichnet mit Wertangaben versehene Sachgüter, die im Rechtobler Dorfbrand vom 9. April 1796 der Zerstörung heimfielen. Das rückseitig mit „Specification vom Hirzenwirth Leonh: Tobler“ beschriftete Dokument Nr. 15 listet demnach dessen früheres Eigentum auf. Mit einer Summe von 3000 Gulden die grösste Position macht sein mit Buffet und Wandkasten ausgestattetes Wohnhaus aus. Die nachfolgende mit 500 Gulden angesetzte Position bezieht sich auf „zwey grosse Orgelen, und etwas Schaden am Tischörgelin“. Naheliegend für ein Wirtshaus ist, dass auch eine grosse Menge von Wein und Most im Wert von 290 Gulden verloren gingen. Neben weiteren Einträgen zu Kleidungsstücken und Textilien, zu Geschirr und Besteck sowie zu Mobiliar und Behältnissen fällt die Erwähnung etlicher Gerätschaften zur Holz- und Metallbearbeitung ins Auge.
Da ist die Rede von Leimpfannen, Schraubstock, Leimpressen, Hobelbank, Stimmzeug und Pfeifenformen. Irgendwie passend zu den eingangs erwähnten drei Orgeln werden abschliessend fünf Musikinstrumente genannt, nämlich 1 Bassehautbois (Oboe), 2 Clavicordi (Tischklavier) und 1 Harfe.
Befand sich also im Wirtshaus zum Hirschen auch eine Orgelbauer- und Musikinstrumenten-Werkstatt?
Geschichte:
In Appenzell Ausserrhoden war die Hausorgel im 18. Jahrhundert das beliebteste Instrument zum geselligen Musizieren. In öffentlichen Sammlungen blieben denn auch einige appenzellische Hausorgeln überliefert. Eine besondere Rolle spielte die Gemeinde Rehetobel, in deren Kirche ab 1719 die erste und für lange Zeit einzige Kirchenorgel im Kanton aufgestellt war. Auch mit Blick auf das örtliche Geschlecht Tobler ergeben sich entsprechende Bezüge. So nahm der berühmte Kalendermacher Johannes Tobler ins Titelblatt seines Schreibkalenders von 1722 neben Schreibpult und Kantonswappen auch eine Orgeldarstellung auf. Dank dem 1796 erstellten Brandschaden-Verzeichnis wissen wir zudem, dass damals im Wirtshaus Hirschen, der sich im dorfnahen Ortsteil Hüseren befand, ein Orgelbau-Atelier bestand. Ein zufällig erhalten gebliebener, an Hirschenwirt und Orgelmacher Tobler gerichteter Brief aus Neukirch TG vom 31. August 1802 ist Beleg dafür, dass sich der Hirschenwirt noch in der Zeit nach dem Dorfbrand persönlich als Orgelbauer betätigte. Wie ein Eintrag im Hausbesuchungsbuch von 1773 zeigt, wirkte er bereits in seiner Jugendzeit als Organist. So setzte er die Tradition seines Vaters Johannes Tobler fort, der laut Taufeintrag für Leonhard im Rechtobler Kirchenbuch vom 20. August 1755 ebenfalls als „Organist“ vermerkt ist.
Autor: Peter Witschi, Herisau
Literatur:
Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Bd 3: Der Bezirk Vorderland. Basel 1981.
Geschichte der Gemeinde Rehetobel 1669-1969. Herisau 1969.
StAAR, Aa.51-01-03 Brandschaden-Verzeichnisse zum Rechtobler Dorfbrand 1796.
StAAR, Mn.T-048 Personendossier Tobler von Rehetobel.
StAAR, Ms.350-001 Brief an Orgelbauer und Hirschenwirt Tobler 1802.
Tunger, Albrecht: Geschichte der Musik in Appenzell Ausserrhoden. Herisau 1993.
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