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Mathias Flückiger gewinnt nach dem Short Track auch das Hauptrennen und schlägt dabei Nino Schurter. Loana Lecomte fuhr so souverän wie seit der letzten Saison nie mehr und gewinnt nach dem Short Track auch das Rennen über die Olympische Distanz. Sina Frei verpasst Platz drei nur um Sekunden.
Mathias Flückiger und der überraschende Vital Albin starteten nach ihrem grossartigen Short-Track-Rennen aus der ersten Reihe. Anders Nino Schurter, der sich als Short-Track-Elfter im zweiten Glied aufzustellen hatte. Nach der Startrunde war allerdings Schurter an der Spitze dran, während sich Flückiger mit einem konservativen Start 16 Sekunden Rückstand eingehandelt hatte. Sein Teamkollege Albin lag noch etwas weiter zurück und blieb bis zum Ende des Rennens im vorderen Mittelfeld. Anders der Berner im Trikot des Schweizermeisters: In der ersten ganzen Runde schloss er mit der schnellsten Zeit zur Spitze auf. Zwei Runden später beschleunigte er im steilen Aufstieg so, dass nur noch Nino Schurter mithalten konnte.
Die zwei Routiniers fuhren die restlichen Runden an der Spitze. Im letzten Aufstieg konnte Flückiger eine kleine Lücke zu Schurter aufreissen und rettete seinen minimalen Vorsprung ins Ziel. «Nino Schurter hat das Rennen sehr hart gemacht», erklärte Mathias Flückiger im Sieger-Interview. Die Situation in der Schlussrunde war die gleiche wie an der WM 2021 in Val di Sole. Damals setzte sich Schurter durch. «An die WM habe ich während des Rennens auch gedacht. Es tut gut, dass es dieses Mal so herausgekommen ist.» Nebenbei holt sich Flückiger ein weiteres Double, also den Sieg im Short Track und dem Hauptrennen, was ihm in der vergangenen Saison zweimal gelang.
Auch Nino Schurter zog den Vergleich zum WM-Rennen 2021: «Hier ist es schwieriger, meine Karten auszuspielen, zuletzt hat mir auch der letzte Wille gefehlt. Aber es ist ein gutes Zeichen, wenn ich auf dieser Strecke, die mir nicht liegt, so ein Resultat erzielen kann.» Dritter wurde Alan Hatherly, der einzige, der mit den beiden Schweizer einigermassen mithalten konnte. Die nächsten Schweizer: Andri Frischknecht (13.), Joel Roth (15.), Reto Indregand (17.) und Vital Albin (20.).
Sina Frei mit starker Leistung
Leogang war wieder mal so ein – darf man es schon so nennen? – Jolanda-Neff-Rennen. Auf der ersten Runde setzte setzte sie sich ganz vorne fest und holte auf der Abfahrt sogar einen kleinen Vorsprung heraus. Danach war dann aber erstmal Schluss, die Ostschweizerin fiel bis auf Rang 20 zurück.
Dafür tauchte Sina Frei im Kampf um die Podestplätze auf. Ganz vorne zeigte Loana Lecomte, weshalb sie in der vergangenen Saison den Gesamt-Weltcup gewonnen hatte, ohne alle Rennen zu fahren. Ohne wirklich anzugreifen fuhr sie allen anderen mit ihrer konstant hohen Pace davon. «Best of the rest» war ebenso konstant die Schwedin Jenny Rissveds. Die Positionen eins und zwei schon bei Rennhälfte bezogen und es hätte einen gröberen Zwischenfall oder Einbruch gebraucht, um daran etwas zu ändern. Loana Lecomte kickerte im Sieger-Interview, wie man es von ihr kennt und war natürlich hoch zufrieden mit ihrem perfekten Wochenende (Sieg im Short Track und im Hauptrennen), umso mehr, ihr dieses Kunststück als erster Fahrerin nun zweimal am gleichen Ort gelang. «Mein Ziel sind die Europa- und Weltemisterschaften, der Gesamt-Weltcup ist kein Thema, denn ich werde nicht alle Weltcup-Rennen fahren», gab sie im Ziel zu Protokoll, «Mindestens ein Weltcup-Rennen wollte ich diese Saison aber schon gewinnen.»
Am spannendsten war Sina Freis Duell mit ihrer Teamkollegin und Freundin Laura Stigger. Mehrere Runden lang schenkten sie sich nichts und fuhren auf Rang 3 und 4. Auf der letzten Runde. Am Ende des letzten Aufstiegs setzte die Einheimische Stigger den entscheidenden Angriff. Die paar Sekunden fuhr sie auf der Abfahrt sicher ins Ziel. «Das nächste Mal ist es dann mein Heim-Weltcup, da werden wir sehen», gab Sina Frei im Ziel-Interview mit einem Schmunzeln eine Kampfansage in Richtung Laura Stigger ab. Und Jolanda Neff? Sie kämpfte sich nach ihrem Durchhänger stetig nach vorne und fuhr als Achte ins Ziel. Alessandra Keller wurde Zehnte.
Short Track
Das Short-Track-Rennen beim vierten Weltcup-Stopp in Leogang ähnelt eher einem kurzen Cross-Country-Rennen. Die vom Regen stark aufgeweichte Strecke wird zum Kraftakt und die Abstände für Short-Track-Verhältnisse lange. Im Rennen der Frauen setzt sich erstmals eine Gruppe mit Loana Lecomte (FRA), Alessandra Keller (SUI), Rebecca McConnell (AUS) und Jenny Rissveds (SUI). In Runde vier sucht Lecomte die Vorentscheidung und zieht dadurch die Gruppe auseinander.
Dahinter aber mischt sich die Verfolgergruppe neu. Keller versucht, kann aber der erstarkten Anne Terpstra (NED) nicht mehr folgen, und auch Caroline Bohe (DEN) holt auf und fährt an der Schweizerin vorbei. Diese Konstellation ändert sich nicht mehr – Loana Lecomte gewinnt vor Anne Tersptra und ihrer Team-Kollegin Caroline Bohe.
«Ich hatte heute nicht viel erwartet, hatte aber super Beine und bin somit sehr zufrieden mit dem Sieg. Nun freue ich mich auf Sonntag, mache mir aber keinen Druck wegen des Short-Track-Siegs», freut sich Lecomte.
Alessandra Keller belegt Platz vier und sichert sich so die erste Startreihe für den Cross-Country-Wettkampf am Sonntag. Dank Rang sechs startet auch Weltmeisterin Sina Frei am Sonntag aus der ersten Reihe.
Premiere für Albin
Das Rennen der Männer startet unter dem Tempodiktat von Henrique Avancini (BRA), doch im Vergleich zum Frauen-Rennen bleibt hier das Feld kompakter. Vorne mit dabei sind auch Mathias Flückiger und Vital Albin.
Nach fünf von acht Runden wendet sich das Blatt. Mathias Flückiger löst den bislang führenden Avancini ab, zieht anfänglich noch Team-Kollege Vital Albin mit, doch dann muss auch dieser abreissen lassen.
Innert einer Runde vergrössert Flückiger seinen Vorsprung immens, Albin und Avancini liegen noch immer an den Positionen zwei und drei. Doch jetzt schliessen auch Jens Schuermanns (BEL) und Vlad Dascalu (ROM) auf. Letzterer setzt sich nun etwas ab und holt sich mit der Zwei seinen ersten Podestplatz im Short Track.
Mathias Flückiger gewinnt nach einem harzigen ersten Saisondrittel das Short-Track-Weltcup-Rennen und ist überglücklich: «Es ist ein grossartiges Gefühl, wieder ein Weltcup-Rennen zu gewinnen. Der Saisonstart war nicht wie ich es mir erwünscht hatte. So fühlt sich der Sieg noch viel besser an und es gibt mehr sehr viel Selbstvertrauen für den Sonntag aber auch für weitere Zukunft.»
Vital Albin wird Dritter. Für den Bünder ist es im Weltcup das erste Elite-Podium und eine Überraschung: «Ich wusste, dass ich gut in Form bin. Aber dass es aufs Podest reicht, das hätte ich wirklich nicht erwartet. Es war super, dass ich Math dabeihatte. Es war für mich ein Vorteil und wir konnten diese für uns auch neue Situation perfekt ausspielen.»