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Einen schöneren, eindringlicheren, magischeren und zugleich realistischen Film hätte man dem NIFFF nicht zur Eröffnung wünschen können. Direkt von der Quinzaine in Cannes nach Neuchâtel, ein Film, der aus unerfindlichen Gründen erst in Frankreich und Spanien einen Verleih gefunden hat.
Nachtrag: Und in der Schweiz, bei der filmcoopi in Zürich.
Wer genau die fünf Teufel des Titels sind, erschliesst sich nicht auf Anhieb. Aber das ist das Wunder dieses Films von Léa Mysius: Sie erzählt von Gefühlen und Vorgängen, Ängsten und Sehnsüchten, die wir begreifen, ohne sie verstehen zu müssen.
Das machte sie schon so vor fünf Jahren, mit ihrem Debut-Film Ava, in dem die dreizehnjährige Titelheldin in tribalistischer Kriegsbemalung mit ihrem Freund Strandbesucher in den Dünen erschreckte und beraubte.
Ava hat im neuen Film von Léa Mysius eine kleine Schwester im Geiste, die neunjährige Vicky, Tochter von Bademeisterin Joanne (Adèle Exarchopoulos) und Feuerwehrmann Jimmy (Moustapha Mbenge).
Vicky (Sally Dramé), ein drahtiges, biegsames, schmales, sehr dunkles Mädchen mit einem riesigen, buschigen Afro auf dem Kopf, hat zwei brennende Augen im Gesicht und Probleme mit den anderen Kindern in der Schule. Die verspotten sie als «WC-Bürste» und grenzen sie aus. Was auch mit der Geschichte ihrer Eltern und vor allem mit der Schwester von Jimmy, Julia (Swala Emati) zu tun hat.
Jedenfalls ist Vicky lieber bei ihrer Mutter im Hallenbad und hilft beim Altersturnen im Wasser, oder sie reibt die Mutter mit Melkfett ein und wacht mit der Stoppuhr darüber, dass diese nicht länger als zwanzig Minuten im eisigen See ihre Schwimmübungen macht.
Vicky hat einen Riecher, ganz wörtlich. Sie sammelt Gerüche, findet ihre Mutter im Wald mit verbundenen Augen der Nase nach, zerlegt den Geruch eines Notizbuches in Einzelkomponenten und kreiert in Einmachgläsern Geruchserinnerungen, in dem sie die eigenartigsten Komponenten mischt.
Mit solchen Riech-Gläschen wehrt sie sich dann auch, als ihre Tante Julia plötzlich im Haus auftaucht, freudig begrüsst von Jimmy, mit eigenartiger Abwehr empfangen von Joanne.
Vicky nimmt Julias Geruch auf, sie klaut ein Fläschchen aus ihrer Handtasche, sie mischt und werkelt. Und jedes Mal wenn sie an ihrem Gebräu riecht, fällt sie in eine Ohnmacht und findet sich in der Vergangenheit ihrer Tante wieder, beobachtet diese und ihre zehn Jahre jüngere Mutter, ihren Vater und deren Freunde im Dorf.
So erfahren wir zusammen mit Vicky bruchstückhaft von dem Drama, das zehn Jahre früher alles verändert hatte.
Aber – und das ist der schönste, erschreckendste Zug dieses Films – dabei bleibt es nicht. Denn die Julia der Vergangenheit ist die einzige, welche das traumzeitreisende neunjährige Mädchen sehen kann. Und sie reagiert jedes Mal mit Panik, was dazu führt, dass ihre Umgebung ihr psychische Probleme unterstellt. Und das wiederum treibt die Kette unglücklicher Entscheidungen.
Les cinq diables ist darum ein wunderbarer Film, weil Léa Mysius die Bilder gefunden hat dafür, dass es in unserem menschlichen Zusammenleben nicht nur Ursachen und Wirkungen gibt, dass wir aufeinander reagieren und uns verstärken, im Schlechten mehr noch als im Guten.
Erwartungen zeitigen Wirkung, Ängste zeugen Monster und was wir als Aussenwirkung fürchten, steckt in Wirklichkeit tief in uns selbst.
Die letzte Einstellung von Les cinq diables lässt auch daran keinen Zweifel.