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Birgit
Vanderbeke
Birgit Vanderbeke (*1956) in der DDR geboren, kam als Kind in die BRD, seit mehr als zwei Jahrzenten lebt sie im Süden Frankreichs. 1990 gewann sie mit ihrem Romandebüt Das Muschelessen den Ingeborg-Bachmann-Preis; seither hat sie ein umfangreiches Werk vorgelegt, das mit zahlreichen weiteren Literaturpreisen ausgezeichnet wurde.
Ihr 2016 erschienener Roman Ich freue mich, dass ich geboren bin ist nichts für zarte Gemüter. An Das Muschelessen anknüpfend wird von einem siebenjährigen Mädchen erzählt, das in den 1960er-Jahren mit ihren Eltern von Ost- nach Westdeutschland flüchtet. Nach Aufenthalten in Flüchtlingsheimen findet die Familie eine feste Bleibe und der Vater Arbeit in der nahe gelegenen Fabrik. Die äusseren Umstände im „Land der Verheissung“ stehen jedoch in krassem Gegensatz zur gewalttätigen Umgebung, in der das Mädchen aufwächst.
Mit böser Ironie wird von der Brutalität der elterlichen Erziehung berichtet, von der Mutter, die nur das materielle Vorwärtskommen im Sinn hat und das Kind als stetigen Störenfried wahrnimmt, vom Vater, der mit seinem Schicksal als (zu) junger Familienvater hadert und seinen Frust ungehemmt an der kleinen Tochter auslässt. Der einzige Hoffnungsschimmer für das Mädchen sind drei ältere Vertraute, die es vom Flüchtlingsheim kennt. Diese vermitteln ihr das, was sie rettet: die Freude am Erzählen, am Erfinden von Geschichten.
In einer wunderbaren Sprache, schonungslos, aber auch witzig erzählt Birgit Vanderbeke die Geschichte ihrer Familie und von der Kraft eines Mädchens, das sich seiner rauen Umwelt widersetzt.
Moderation: Stephan Probst
Hinweis: Die Lesung wird simultan in Gebärdensprache übersetzt. Es wird eine induktive Höranlage installiert sein.