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Entstehung und Überlieferung des Neuen Testaments
Kann man den Berichten der Bibel glauben?
Die Berichte über Jesus wurden von Augenzeugen und ihren Mitarbeitern verfasst und mit grosser Sorgfalt kopiert. Die ältesten Abschriften, die wir heute haben, sind Papyri aus dem 2. Jahrhundert. So weist die Bibel eine hervorragende Überlieferungstreue auf. Dies belegen zahlreiche Manuskripte. Die Bibel ist das am besten überlieferte Buch der Antike.
Wurde das Leben Jesu von tausenden von Jüngern aufgeschrieben?
Jesus hatte keine tausend Jünger. Er hatte zwölf Jünger im engeren und etwas über hundert im weiteren Anhängerkreis. Viele dieser Leute waren ungebildet und konnten weder lesen noch schreiben, geschweige denn Biographien schreiben. Zur Zeit von Jesus und in den folgenden Jahrzehnten haben niemals «Tausende von Jünger» sein Leben aufgeschrieben.
Wie viele Evangelien gibt es?
Am Ende des 1. Jahrhunderts hatten die Christen die vier Evangelien, die sich heute im Neuen Testament finden. Sie waren von zwei Aposteln (Matthäus und Johannes) und zwei ihrer Mitarbeiter (Markus und Lukas) verfasst worden, aufgrund von eigenen Erlebnissen mit Jesus und Augenzeugenberichten (Lukas Kapitel 1, Vers 2). Neben den Evangelien und der Apostelgeschichte von Lukas waren auch Briefe von Paulus und anderen Verfassern im Umlauf.
Als Gnostiker bekannte Gruppen, die Elemente der christlichen Botschaft aus ihrem Zusammenhang rissen und die Person von Jesus umdeuteten, verfassten in den folgenden zwei Jahrhunderten eigene Schriften, die sie teils auch «Evangelien» nannten. Die meisten dieser Schriften waren bis zu den Funden von Nag Hammadi in Ägypten 1945 nur aus Zitaten bekannt; sie zeigen einen anderen Jesus. Weil sie gnostische Vorstellungen über den Mann aus Nazareth stülpten, waren sie für die Christen nicht annehmbar.
Thomas-Evangelium, Philippus-Evangelium, Judas-Evangelium und ähnliche Schriften werden «apokryph» genannt, weil ihre Herkunft im Dunkel liegt. Sie können nicht von den Aposteln verfasst sein, mit deren Namen sie sich schmücken; das zeigt schon ein flüchtiges Durchlesen. So erreichen sie in keiner Weise die historische Glaubwürdigkeit der vier biblischen Evangelien. Die Gute Botschaft (so der Sinn des griechischen Wortes «euangelion») von Gottes Liebe und vom Retter Jesus Christus findet sich in den vier Evangelien der Bibel.
Wie wurde festgelegt, welche Schriften das Neue Testament bilden?
Das Neue Testament besteht aus 27 Büchern: den vier Evangelien und der Apostelgeschichte, 21 Briefen und der Offenbarung des Johannes. Diese Sammlung wurde nicht erst durch den Kaiser Konstantin (gest. 337) zusammengestellt – wie Dan Brown behauptet –, sondern die einzelnen Bücher galten schon 200 Jahre früher als Heilige Schrift. Andere Schriften wurden von Christen auch gelesen, aber hatten nicht den Rang dieser Bücher, weil man bei ihnen keinen Apostel als Autor erkannte.
Im Gebrauch durch die Christen der ersten Generationen kristallisierte sich das Neue Testament als Gesamtheit heraus. Ohne Konflikte ging das nicht: So wurde der einflussreiche Lehrer Marcion im Jahr 144 von der Gemeinde in Rom wegen seiner sektiererischen Meinungen ausgeschlossen. Er lehnte das Alte Testament ab und wollte von den Evangelien nur Lukas – aber ohne die Weihnachtsgeschichte und weitere Stellen, die ihm zu judenfreundlich waren – gelten lassen. Von den Briefen akzeptierte er nur zehn Paulusbriefe.
Diese eigenmächtige Zusammenstellung wurde von den Christen abgelehnt. Der Streit führte – fast 200 Jahre vor Konstantin – dazu, dass die im Römerreich verstreuten Gemeinden sich rascher auf die Anerkennung weiterer Briefe einigten. Die Kirche blieb bei den vier Evangelien, die von Aposteln und ihren Mitarbeitern wenige Jahrzehnte nach Ostern geschrieben worden waren. Andere später verfasste «Evangelien» von Gnostikern wurden nicht von Kaiser Konstantin ausgeschieden und vernichtet (wie Brown behauptet), sondern schon lange vorher als irreführend abgelehnt.
Datum: 16.05.2006
Quelle: Jesus.ch