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Videos von Cesar Robles, KNL
«Wird die Hilfsindustrie diesen Wandel erlauben?», ist eine Rückmeldung, die Duncan Green bei seinen Buchpräsentationen in den letzten sechs Monaten häufig erhielt.
Green folgte am 25. April einer Einladung des NADEL und kam nach Zürich, um sein neues Buch «How Change Happens» (wie Wandel geschieht) vorzustellen und es mit Rupa Mukerji von Helvetas zu diskutieren. Letztere schätzte die Lektüre des Buches sehr, denn das Buch «bringt drei zentrale Elemente unserer Arbeit zusammen: den systemischen Ansatz, das Verständnis dafür, wie Macht in Gesellschaften verteilt ist, und das Verständnis für die verschiedenen Institutionen», wie sie im Video (unten) sagt.
Der Raum ist bis auf den letzten Platz mit Kolleginnen und Kollegen anderer NGOs und aus der Forschung, mit Experten und Studierenden besetzt, als Duncan Green mit der Präsentation seines Buches beginnt. Green erzählt, was sich ändern muss in den Bestrebungen, nach welchen Aktivisten und Akteure die Welt transformieren sollten. Er veranschaulicht das Erzählte anhand von Beispielen. Gemäss Green bezeichnet der Begriff «Activist» jeden und jede, der oder die Wandel bewirken wollen, ob das nun einzelne Individuen oder grosse NGOs sind. Um eine Situation beeinflussen und verändern zu können, brauche es Macht – deshalb sei es entscheidend zu verstehen, wie Macht in einer Gemeinschaft verteilt ist.
Das Beispiel einer Analyse aus Tadschikistan zeigt, dass Macht nicht einfach zwischen Staat und Bürgerinnen und Bürgern verteilt ist; es handelt sich dabei eher um ein ganzes Ökosystem von Macht: Die Ärztin, der Imam, Lehrende in der Schule, Fahrer – sie alle haben in einem gewissen Kontext Einfluss und Macht. Ein anderes Beispiel für solche Systeme ist eine Karte, die das US-Militär erstellt hat. Sie zeigt das Netzwerk aller Akteure in Afghanistan, die aufeinander einwirken, und dementsprechend die Verteilung der Macht.
Green vergleicht Hilfsprojekte mit dem linearen System, gemäss dem man einen Kuchen bäckt: «Der Kuchen ist das Ziel des Projektes, die erprobten Methoden sind das Rezept, und die Partner und Mitarbeitenden sind die Zutaten. Und los geht’s!» [vgl. Green 2017: 11). Man kann sich nur schwerlich vorstellen, wie ein lineares, kuchenartiges Projekt in einem komplexen Kontext wie oben beschrieben implementiert werden kann. Daraus folgert Green, dass es notwendig sei, solche «Kuchenprojekte» zugunsten agiler und adaptiver Projektmethoden aufzugeben. Er betont, dass dies auch Diskussionen mit Geldgebern erfordere. Oft wollten diese Projekte genauso implementiert sehen, wie sie ursprünglich geplant worden seien – in Zukunft werde es mehr Feedback-Loops und Anpassungen im Projektverlauf geben.
Rupa Mukerji greift den letzten Punkt auf und erklärt, wie Organisationen lange Zeit zurückhaltend waren, wenn es darum ging, über Misserfolge zu sprechen – obwohl man aus dem Scheitern manchmal am meisten lernt. Sie beschreibt, wie eine externe Prüfung eines Wasserprogrammes einen Prozess innerhalb der Organisation in Gang setzte, um Fehler und Misserfolge zu diskutieren (wir haben darüber in Englisch gebloggt, hier und hier). Mukerji sagt, dass dieser Prozess auf drei wesentliche Punkte hinausgelaufen sei:
- Man muss Annahmen explizit benennen
- In einem bestimmten Kontext muss man zuerst die sozialen Normen und Verhaltensmuster verstehen
- Man soll es auch wagen, über «Oops-Momente» zu reden
Mukerji versteht Helvetas als eine Organisation, die zwar Wandel anstösst, ihn aber nicht selbst herbeiführt. Sie beschreibt «unsere Rolle darin, ein System zu verstehen, und dann zeitlich beschränkt zu ermöglichen, dass in dem System ein Wandel stattfinden kann».
Gemäss ihrer Erfahrung gibt es Geldgeber, die bereits heute offen für adaptive oder iterative Methoden der Projektumseztung sind, während andere nach wie vor die traditionellen Logframes bevorzugen.
Die Präsentation des Buches und die anschliessende Diskussion lösten lebhafte Gespräche beim Apéro aus. Felix Gnehm von Solidar Suisse teilt seine Eindrücke im Video:
Und Isabel Günther vom NADEL fasst ihre Gedanken zur Buchpräsentation ebenfalls zusammen:
Das englischsprachige Buch kann kostenlos heruntergeladen werden. Teilen Sie Ihre Gedanken dazu im Kommentarfeld unten!
Lesen Sie auch die Buchbesprechung von Christoph Wehrli, ehem. Redaktor NZZ und freier Journalist