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Die Ausgangslage: Die Beiz an sich hat es schwer in einer Stadt wie Zürich, die sich als Weltmetropole sieht, wo die Leute aber hyperventilieren, wenn ein Tram im Werbeaufzug eines Telekom-Anbieters daherkommt. Die Beiz nämlich ist etwas bieder. Und was bieder ist, hat man nicht gern in einer Stadt wie Zürich. Deshalb sind Beizen nur gern gesehen, wenn sie von der "Szene", also Künstlern, Journalisten, Musikern, Grafikern, Fotografen und anderen Kreativen für gut befunden werden. Wenn aber aus einer Beiz ein Szenelokal wird, ist es eben keine Beiz mehr. In einer kleinen Reihe will ich darum Beizen in Zürich vorstellen, die diesen Namen noch verdienen, wie zum Beispiel das "Costa Brava".
Das Restaurant: Das "Costa Brava" erkennt man sofort als Beiz, zum Beispiel an den grauenhaften Vorhängen, der Kitsch-Kunst und der Ménagerie auf den Tischen (aber ohne Aromat!). Das spanische Restaurant wird bedient von älteren Kellnern, die von eher rustikaler Freundlichkeit sind. Die Tatsache, dass man keinen Apéro nehmen möchte wird mit einem missbilligenden Blick quittiert, und als ich ankündige, zum Hauptgang ein Glas Rotwein trinken zu wollen, wird mir kommentarlos aus einem Glaskrüglein eingeschenkt. Der Wein hat meiner Meinung nach Zapfen, aber der Kellner belehrt mich, das sei Syrah, und wenn man den nicht möge, kratze er am Gaumen wie Zapfen. Ich bekomme stattdessen einen viel besseren Tempranillo und auf der Rechnung stehen später dann beide Weine. Man muss aber auch erwähnen, dass der Kellner im Laufe des Abends immer freundlicher wurde, und als ich ihm am Schluss noch 20 Franken Trinkgeld gegeben hatte, schüttelte er mir zum Abschied sogar die Hand.
Das Essen: Die Grundlage der "Costa-Brava"-Küche ist Spanien. Es gibt eine währschafte Fischsuppe, Paella natürlich, allerlei Fisch "a la plancha" (vom Grill), aber bekannt ist die Beiz auch für hervorragendende Fleischfilets. Ich nehme also ein US-Rindsfilet "Costa Brava", das perfekt gebraten ist, wunderbar zart schmeckt und serviert wird an einer mächtigen Steinpilz-Rahmsauce, die jede Sättigungsbeilage überflüssig macht. Das ist gute, einfache Beizen-Küche, die aber Klasse hat. Mein Frau nimmt ein Saltimbocca mit Risotto Milanese; man weiss zwar nicht, was das auf der Karte eines Restaurants zu suchen hat, das "Costa Brava" heisst, aber es schmeckt gut.
So rustikal wie der Service ist das Dessert mit dem schönen Namen "Pyjama". Man bekommt ein Karamell-Köpfli, Vanille- und Erdbeereis (nicht hausgemacht) sowie ein paar Früchte und ein bisschen Puderzucker drüber. Die Nachspeise oszilliert irgendwo zwischen absoluter Frechheit und mutiger Unbekümmertheit. So ist es halt in der Beiz.
Fazit: Im "Costa Brava" bekommt man etwas fürs Geld. Billig ist es nicht, aber die Preise sind dennoch realistisch für die Stadt Zürich (53 Franken für das US-Rindsfilet, 37 Franken für das Saltimbocca).
Atmosphäre: Ein angenehm gemischtes Publikum, die Abwesenheit jeglicher Trend- oder Designerscheinungen machen das "Costa Brava" zu einer Beiz im besten Sinne.