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Goethe-
Archiv.
Lange blieb der schriftliche Nachlaß Goethes der öffentlichen Benutzung fast völlig entzogen. Dieser Zustand hat mit dem am eingetretenen Tode des letzten Enkels, Walther Wolfgang, Freiherrn von Goethe, sein Ende erreicht. Nach seiner testamentarischen Bestimmung sind sämtliche von Goethe hinterlassenen Schriftstücke aller Art, Entwürfe und Handschriften fast aller poet. und prosaischen Schöpfungen, sowie der der wissenschaftlichen Arbeiten, Briefe und Briefkonzepte, von andern empfangene Briefe, Tagebücher, Geschäftsakten, Rechnungen u. s. w. der regierenden Großherzogin von Sachsen, [* 2] Sophie, zu freier Verfügung vermacht worden.
Die Großherzogin hat das Legat angenommen, um es für die deutsche Nation und die Welt fruchtbar zu
machen. Die sämtlichen Papiere befinden sich gegenwärtig in geeigneten Räumen des großherzogl.
Schlosses zu
Weimar,
[* 3] in neue
Archivschränke systematisch eingeordnet. Die
Verwaltung dieses
Archivs und die Vermittelung seines
Inhalts an die Gelehrtenwelt leitet der Direktor des Goethe-
Archiv; seit
Ostern 1887 versieht Professor
Goethe-Archiv
Suphan dieses
Amt. Die
reichen Schätze des
Goethe-Archiv gewähren die sichere Grundlage für die (unter der
Ägide der Großherzogin erscheinende) große
kritische
Ausgabe seiner Werke, seiner
Briefe und seiner
Tagebücher.
Ihre Leitung ist einem
Fünfer-Ausschuß übertragen, dem
seit dem
Tode Wilh. Scherers und Gustav von Loepers augenblicklich (1893) H.
Grimm, C. Redlich, Erich Schmidt,
B. Seuffert
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und B. Suphan angehören. Bisher konnten dank der Arbeitsteilung unter etwa 50 Gelehrte Deutschlands
[* 5] und Österreichs schon 40 Bände
veröffentlicht werden. - Eine Erweiterung erfuhr das
Goethe-Archiv durch die Stiftung der Freiherren Ludw. und Alex. von Gleichen-Rußwurm,
die der Frau Großherzogin das Schiller-Archiv zu Greifenstein ob Bonnland zur Aufnahme in das
Goethe-Archiv übergaben: seitdem führt dieses den Namen Goethe- und Schiller-Archiv.
Dem Archiv ist zugleich die Bestimmung gegeben, als Centralstelle für Erhaltung und Verwertung aller aus der Goethe-Schillerschen
Litteraturperiode sowie auch aus den ihr folgenden Perioden stammenden Dokumente zu dienen und sich so zu einem Archiv der
nationalen Litteratur zu erweitern. Auch diese Bestrebungen waren mit Erfolg gekrönt: durch Kauf oder Schenkung sind bisher
unter vielem andern der Briefwechsel Goethes und Schillers, die reichen Goethe-Papiere des Kräuterschen Nachlasses, wertvolle
Briefsammlungen aus Herders und Wielands Nachlaß, Karl Immermanns, Fr. Hebbels, Otto Ludwigs, Ed. Mörikes u. a. Nachlaß in
den Besitz des
Goethe-Archiv gelangt, das seit dem auch die sämtlichen, für die Goethe-Schillerzeit litterarhistorisch
wichtigen Handschriften der großherzogl. Bibliothek aufbewahrt.