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Die Diskussion um den Fremdsprachenunterricht an der Primar ist heftig, kontrovers und vielschichtig. Ich formuliere dazu drei Thesen:
- Der Unterricht in einer zweiten Landessprache an der Primar ist unerlässlich.
- Eine generelle Überlastung mit zwei Fremdsprachen an der Primar existiert nicht.
- Fremdsprachenunterricht an der Primar ohne genügend Ressourcen verfehlt seinen Zweck.
Ob die Kinder an der Primar eine zweite Landessprache lernen, ist in erster Linie eine staatspolitische Frage. Der Sprachfrieden, den wir in der Schweiz noch kennen, ist, wie das Beispiel Belgien zeigt, sehr schnell bedroht, wenn das Bemühen um dessen Erhalt nachlässt. Aktuell sehen die Romands Anzeichen einer Gefährdung, die Deutschschweizer eher nicht. Da es sich hier um ein Mehrheits-Minderheits-Problem handelt, ist es die Minderheit, die über das entsprechende Sensorium verfügt. Die Romands belegen ihren Eindruck mit Fakten: Die Bedeutung der französischen Sprache hat in der Deutschschweiz während und nach der Schule abgenommen. Erschwerend tritt hinzu: Auch Hochdeutsch ist in der Deutschschweiz auf dem Krebsgang, womit selbst Romands mit guten Deutschkenntnissen erhebliche Verständigungsprobleme erhalten.
Dass einzelne Primar-Kinder mit zwei Fremdsprachen überlastet sind, ist Tatsache. (Auch in Mathematik sind einzelne Kinder überlastet). Diese Kinder benötigen flexible Lösungen. Unsinnig ist allerdings die Annahme, dass diese überlasteten Kinder, wenn sie in die Oberstufe kommen, nun plötzlich in der Lage wären, zwei Fremdsprachen zu bewältigen – notabene während der Pubertät.
Was nicht erst seit der Schaffhauser Untersuchung klar ist: Schlecht gemachter Fremdsprachenunterricht an der Primar bringt wenig bis nichts. Der Primar-Fremdsprachenunterricht muss deshalb besser ressourciert werden, insbesondere sind viel mehr Sprech-Hör-Gelegenheiten zu schaffen. Auch hier gilt: Eine Reform ist nur gut, wenn sie mit ausreichenden Ressourcen unterlegt ist.