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An den europäischen Berufsmeisterschaften in Budapest waren auch Schweizer Lernende dabei. Sie brachten Gold- und Bronzemedaillen und Medaillons of Excellence nachhause.
Wenn ich das Wort «Berufsmeisterschaften» verwende, tönt das reichlich altmodisch. Aber ich will verstanden werden! Es handelt sich um Meisterschaften, die im Feld der nichtakademischen Berufe ausgetragen werden. Dabei sind die Bereiche Handwerk, Industrie und Dienstleistung vertreten.
Diese Meisterschaften werden auf nationaler, europäischer und Weltebene ausgetragen.
Und sie heissen heute SwissSkills, EuroSkills, WorldSkills. Gemäss Wörterbuch wird Skills folgendermassen übersetzt: Fähigkeit, Geschicklichkeit, Fertigkeit, Geschick, Können, Kunst, Kunstfertigkeit. Alles klar?!
Von den WorldSkills erfahre ich, dass sie alle zwei Jahre an wechselnden Austragungsorten stattfinden. Junge Berufsleute bis zu 22 Jahren aus 50 verschiedenen Berufen können daran teilnehmen.
Begonnen hat alles 1950 mit iberischen Berufsmeisterschaften in Madrid. Aufgrund des grossen internationalen Interesses wurden 1953 weitere Nationen zur Teilnahme eingeladen, so auch die Schweiz. Seither ist die Schweiz immer mit einem Team dabei. Das nächste Mal im August 2019 in Kazan (Russland).
Auch die Schweiz hat schon WorldSkills Competitions durchgeführt: 1968 in Bern, 1997 und 2003 in St. Gallen. Wenn alles läuft wie gewünscht wird 2023 Basel Austragungsort sein.
Alle zwei Jahre werden, alternierend mit den WorldSkills, auch EuroSkills organisiert. Diese fanden seit 2008 statt in Rotterdam, Holland, Lissabon, Portugal, Spa-Francochamps, Belgien, Lille, Frankreich, Göteborg, Schweden, 2018 Budapest, Ungarn. Das nächste Mal wird 2020 Oesterreich mit Graz an der Reihe sein.
An den EuroSkills war die Schweiz immer mit starken Teams vertreten. Selbst organisiert hat sie die EuroSkills noch nie.
In der Schweiz wurden zentrale Berufsmeisterschaften offenbar erst zwei Mal durchgeführt. 2014 und 2018 in Bern. Und wie einer Meldung aus dem «Bund» vom April 2018 entnommen werden kann, möchte die Regierung des Kantons Bern die SwissSkills definitiv nach Bern holen und regelmässig durchführen.
Hinter allem steht in der Schweiz eine «Stiftung zur Förderung der Berufsmeisterschaften» die sich «SwissSkills» nennt. Sie setzt sich für das Ansehen der Berufsbildung in der Öffentlichkeit ein. In über 70 Berufen koordiniert sie die Berufsmeisterschaften. Und sorgt seit 1953 dafür, dass junge Berufsleute aus der Schweiz an internationalen Berufsmeisterschaften teilnehmen können. Träger der Stiftung sind Bund, Kantone, Schulen und Organisationen der Arbeitswelt.
Warum beschreibe ich das alles? Weil ich mir einen Überblick verschaffen wollte. Auch ich habe immer wieder reflexhaft das «duale Bildungssystem» der Schweiz gelobt. Dabei erfolgt ja die Ausbildung an zwei Lernorten, in einem Betrieb und in der Berufsschule. Und was seit Jahren als «Lehrling» bekannt war, heisst heute offiziell Lernende oder Lernender. Auch von Berufsmeisterschaften habe ich immer etwa wieder gehört. Stellte aber fest, dass ich offenbar über Meisterschaften in der Fussballwelt mehr wusste als über solche in der Berufswelt!
Ausgelöst wurde mein Interesse definitiv durch den Newsletter von den EuroSkills in Budapest vom 26. bis 29. September 2018, den ich aus lauter Neugierde abonniert habe. Da konnte ich über unser achtköpfiges Team lesen, von einem Traumstart, aber auch von Schweiss und Schmerzen. Der Glockenträger hatte an der Eröffnungsfeier so heftig getrychelt, dass er am folgenden Morgen Schmerzen im Oberschenkel verspürte. Trotzdem brachte er von Beginn weg volle Leistung.
Interessant war auch das Urteil eines Experten, der schon seit zwölf Jahren bei solchen Meisterschaften dabei ist. Noch nie habe er eine so gute Infrastruktur erlebt wie hier in Budapest. Am dritten Wettkampftag war dann der Bericht überschrieben mit «geschafft und fertig – fix und fertig». Und am Schlusstag hiess es «unglaublich, wow, einfach nur geil».
Denn die achtköpfige Gruppe konnte vier Goldmedaillen, zwei Bronzemedaillen und zwei Medaillons of Excellence entgegennehmen. Damit nicht genug. Auch «Best of Europe» war mit 796 von möglichen 800 Punkten ein Schweizer, Daniel Gerber, Elektroinstallateur, aus dem zürcherischen Hirzel. «Grosse Gefühle nach verdienter Würdigung» hiess es im Newsletter. Und die Kolleginnen und Kollegen des SwissSkill Teams seien nach der Siegerehrung noch etwas feiern gegangen. Absolut nachvollziehbar!
Könnte es sein, dass diese Meisterschaften, wenn man einmal den Überblick hat, noch spannender sind als solche aus der Fussballwelt?