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Bekanntes Jumbo-Restaurantschiff in Hongkong im Meer versunken
Das 80 Meter lange «Jumbo Kingdom» war lange ein Wahrzeichen von Hongkong. Nun hat das auf einem Schiff gelegene Restaurant ein trauriges Ende gefunden: Es liegt nun auf dem Meeresgrund. Eigentlich sollte es lediglich an einen anderen Standort verschifft werden.
Quelle: Michal Osmenda from Brussels, Belgium, wikimedia CC BY 2.0
Blick auf das Jumbo Floating Restaurant, als es noch im Hafen von Aberdeen vor Anker lag.
Quelle: Exploringlife - Eigenes Werk, wikimedia CC BY-SA 4.0
Blick auf das Jumbo Floating Restaurant, als es noch im Hafen von Aberdeen vor Anker lag.
Über vier Jahrzehnte lang war das «Jumbo Kingdom» ein Wahrzeichen
in Hongkong: Das schwimmende Restaurant bestand aus den Lokalen «Jumbo
Floating» und «Tai Pak Floating», die auf zwei miteinander vertäuten Schiffen im
Hafen des südlichen Stadtteils Aberdeen vor Anker lagen. Mit mehr als 2‘000
Sitzplätzen, die sich auf drei Stockwerk verteilten, galt das Schiff als grösstes schwimmendes Restaurantschiff der Welt.
Das erste Restaurant des Jumbo Kingdom war das Tai Pak, das 1952 fertiggestellt wurde. Das grössere Jumbo-Lokal kam später hinzu und sollte eigentlich 1971 seine Eröffnung feiern. Doch während der Bauarbeiten brach ein verheerender Grossbrand auf dem Schiff aus, bei dem 34 Arbeiter ums Leben kamen. Bei der darauffolgenden, mehrjährigen Sanierung wurden dann Elemente der kaiserlichen, chinesischen Architektur verbaut, darunter kleine Pagoden und goldene Drachen.
Auf diese Weise erhielt dass im Jahr 1979 eröffnete Jumbo Kingdom sein auffälliges Aussehen, das heute weltbekannt ist. Unter anderem auch, weil es in zahlreichen Spielfilmen als Kulisse diente, etwa im James-Bond-Streifen «The Man with the Golden Gun» von 1974, im Jackie-Chan-Actionfilm «Der Protektor» von 1985 oder zuletzt im Thriller «Contagion» von 2011.
Quelle: Exploringlife - Eigenes Werk wikimedia CC BY-SA 4.0
Das schwimmende Restaurant Jumbo Kingdom bestand aus den beiden Lokalen «Jumbo Floating» und «Tai Pak Floating», die auf zwei miteinander vertäuten Schiffen im Hafen von Aberdeen vor Anker lagen.
Restaurant wegen Pandemie geschlossen
Durch ihre Lage im Wasser mussten die beiden Schiffe des Jumbo Kingdom immer wieder aufwändig instandgesetzt werden. So wurden die Lokale zuletzt 2003 saniert und die Schiffe dabei mit zusätzlichen Einkaufsmöglichkeiten und kulturellen Angeboten erweitert. Über viele Jahre war der Restaurantkomplex eine beliebte Touristenattraktion in Hongkong.
Wie viele Restaurants fiel jedoch auch das Jumbo-Königreich 2020 der Pandemie zum Opfer: Als ein Resultat der harten Lockdowns in China gab das Restaurant im März bekannt, dass es wegen der Pandemie vorerst geschlossen bleibe und entliess alle Mitarbeiter. Im Mai 2022 verkündete die Muttergesellschaft – Aberdeen Restaurant Enterprises – dann die Absicht, das Schiff für eine Wartung an einen kostengünstigeren, nicht näher bezeichneten Standort verlegen zu wollen.
Zuvor versuchte das Unternehmen noch, das schwimmende Restaurant kostenlos an Interessenten zu spenden. Dieses Vorhaben trug aber keine Früchte, da das inzwischen über 40 Jahre alte Jumbo-Kingdom mit sehr hohen Betriebskosten verbunden war.
Ein Video zeigt das Küchenboot, das bei Vorbereitungen im Hafen einen Rumpfbruch erlitt. (Video: 諾曼第映画館)
Die Abschleppung im Video. (Quelle: South China Morning Post)
Jumbo-Kingdom im Meer versunken
Der Ankündigung folgten dann auch Taten. Doch bereits Ende Mai, bei Vorbereitungsarbeiten für das Abschleppen des Jumbo-Kingdom, zeigte sich, wie schlecht der Zustand des Schiffes bereits war: Am 31. Mai bekam das 30 Meter lange Küchenboot nach einem Rumpfbruch Schlagseite. Das Restaurantschiff wurde anschliessend am 14. Juni zwar trotzdem aus dem Aberdeen-Hafen abgeschleppt – das havarierte Küchenboot aber zurückgelassen.
Fünf Tage später geriet das Jumbo-Kingdom bei der Vorbeifahrt an den Paracel-Inseln im Südchinesischen Meer dann in ein heftiges Unwetter. Dabei drang Wasser in das Schiff ein, wodurch es schliesslich zu kippen begann. Beim Vorfall sei zwar niemand verletzt worden, wie Aberdeen Restaurant Enterprises mitteilte. Das Schiff konnte aber trotz Bemühungen nicht gerettet werden, so dass es schliesslich kenterte und auf Grund lief.
Das Wasser an der Unglücksstelle ist laut dem Unternehmen 1‘000 Meter tief, was eine Bergung äusserst schwierig macht. Man «sei sehr traurig über den Vorfall», hiess es in der Mitteilung.
Quelle: Michal Osmenda from Brussels, Belgium, wikimedia CC BY 2.0
Eine Aufnahme von 2012 zeigt die Rückseite des Jumbo Kingdoms und bietet einen wagen Einblick in den Zustand des Restaurantschiffes.
Doch kein Unfall?
Wie Aberdeen Restaurant Enterprises zudem versicherte, wurde das Jumbo Kingdom vor dem Abschlepp-Manöver von Schiffsingenieuren inspiziert. Zudem seien alle relevanten Genehmigungen eingeholt worden. Böse Zungen äussern aber in Internetbeiträgen und in den Kommentarspalten unter Youtube-Videos die Vermutung, dass es sich dabei nicht um einen Unfall sondern um ein absichtlich herbeigeführtes Unglück handelt.
Dies nicht ganz ohne Grund: Wie das Newsportal der britischen Zeitung Guardian kürzlich zum Schicksal des Jumbo-Kingdom berichtete, hatte das Unternehmen hinter dem Restaurantschiff aufgrund der hohen Wartungskosten, die trotz der pandemiebedingten Schliessung seit 2020 anfielen, einen Nettoverlust von umgerechnet rund 11,7 Millionen Franken erlitten.