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Ramon, wer kam auf die Idee, einen Lernenden nach Taiwan einzuladen?
Das Thema wurde offenbar im Rotary-Club «Am Greifensee» besprochen und öffentlich gemacht. Jedenfalls fragte mich eines Tages Silvan, vereinfacht gesagt mein Stiefbruder, ob ich Interesse hätte nach Taiwan zu fliegen. Ich habe mich ohne eine Sekunde zu zögern beworben, denn die englische Sprache als zwingende Auflage, erfüllte ich. Zu meiner Überraschung erhielt ich den Zuschlag.
Wie lange bist Du in Taiwan gewesen und war es Deine erste Flugreise allein?
Der Jugendaustausch dauerte drei Wochen und ich flog zum ersten Mal allein, um die halbe Welt. Das gab ab und zu schon ein «mulmiges» Gefühl, aber man konnte sich ja verständigen.
Wie lange dauerte der Flug?
Bis Hong Kong rund 12 Stunden und dann noch 2 1/2 Flugstunden bis Taipeh. Der Flughafen in Hong Kong ist riesig, aber alles ausgezeichnet angeschrieben.
Warst Du in Taiwan allein oder gab es noch andere Jugendliche?
Wir bildeten ein Camp mit rund 35 Jugendlichen aus aller Welt im Alter von 15 bis 19 Jahren. 28 waren Mittelschüler. Diese blieben ein Jahr, wir als kleinere Gruppe drei Wochen. Aber wir waren die ganze Zeit zusammen und absolvierten das gleiche Programm.
Wo und wie hast Du gewohnt?
Die ersten beiden Wochen wohnte ich bei einer Familie in einfachen Verhältnissen. Sie waren sehr freundliche und ausgezeichnete Gastgeber. Nebst den beiden Eltern und der Grossmutter, mit der ich es besonders gut konnte, waren noch zwei Gastbrüder von 16 und 18 Jahren in der Wohnung. Die begleiteten mich zur Schule oder Abends in den «Ausgang».
In der letzten Woche reisten wir durchs Land und ich war jede Nacht in einer anderen Gastfamilie. Die Gastväter waren, so empfand ich es, Rotarier. Rotary wurde aber nicht herausgestellt.
Drei Wochen können kurz aber auch lang sein. Wie war der Ablauf?
Die ersten beiden Wochen wurden dem Unterricht gewidmet, chinesisch dazu. Jeweils von 09:00 bis 16:00. Am Vormittag war Sprachunterricht angesagt, denn wir sollten uns schnell mit wenigen Worten verständigen und auch das eine oder andere Zeichen interpretieren können. Keine einfache Sache aber es gelang recht gut und die erwähnte Grossmutter half mir, wenn ich Worte nicht fand.
Am Nachmittag hatten wir Sport, Geschichte, Kulturgeschichte, sahen die traditionellen Puppenspiele oder besuchten die Oper.
Abends machten wir es nicht viel anders als hier, wir waren im Ausgang, unter uns Schülern, begleitet von Gastbrüdern oder Gastschwestern. Das war toll und aufregend.
Hast Du Unterschiede zur Lebensweise bei uns festgestellt?
Mir erschienen die Taiwanesen als extrem zurückhaltende Menschen die sich selber «im Zaum halten». Sie waren zugleich sehr gastfreundlich und freuten sich über jeden Menschen, den sie kennen lernen konnten. Zugleich hatte ich den Eindruck, dass die Jugendlichen westliche Impulse übernehmen, was vielleicht da und dort zu Spannungen führen kann.
Die Wohnungen sind klein, die Räume aber wohl aus klimatischen Gründen hoch, die Häuser mehrstöckig, die Küche meistens im Erdgeschoss. Gewöhnungsbedürftig waren die durchsichtigen Schiebewände ohne jeglichen Schallschutz.
Was hat besonders gefallen?
Ich habe den Eindruck, man hat uns vieles gezeigt, was man als Tourist gar nicht sieht. Das war toll und auch liebenswert. Ich habe andere Sitten in einer mir unvertrauten Kultur und Umgebung kennen und schätzen gelernt und wir hatten es jederzeit spassig in der Schülergruppe und mit den Gastbrüdern. Anders gesagt: Wenn Sie mich fragen, ich fliege ohne zu zögern zurück nach Taiwan!
Haben Lehrbetrieb und Berufsschule nicht opponiert, als Du das Gesuch um Beurlaubung eingereicht hast?
Ich glaube, in meinem Lehrbetrieb war man sogar etwas stolz, dass ich nach Taiwan durfte und man hat mir spontan die drei Wochen zusätzlich als Ferien geschenkt. Auch in der Berufsschule reagierte man als ob das eine übliche Sache wäre, freudig, unkompliziert. Der eine oder andere Mitschüler hat mich vielleicht etwas beneidet.
Hast Du auch beruflich profitieren können?
Das war nicht das Ziel, aber ich hatte die Augen offen. Und da musste ich halt schon erkennen, dass wir einen sehr, sehr hohen Standard haben und hervorragend leben.
Nun bist Du in Uster schon wieder am Wirken. Um was geht es im Moment?
Nachdem ich im ersten Lehrjahr vorwiegend auf Neubauten war, bin ich nun im Service und Umbau eingeteilt. Da stehe ich oft vor ganz neuen Problemen und Herausforderungen, und das macht den Alltag spannend.
Taiwan ist sicher schon etwas in den Hintergrund gerückt. Welche Gedanken oder Erlebnisse kommen jetzt auf, wenn Du an diesen Asien-Trip denkst?
Ausnahmslos tauchen schöne Bilder von der Landschaft aber auch von den Menschen, die überall freundlich und hilfsbereit auf mich zukamen, auf. Ich denke mit Freuden und einem Lächeln an Taiwan.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit allen im Rotary-Club «Am Greifensee» herzlichen danken, dass sie mir diesen Trip ermöglichten und insbesondere Silvan, dass er im entscheidenden Augenblick an mich dachte und mich auch vorbereitete. Das hat mich riesig gefreut.
Wo siehst Du Dich beruflich in fünf bis 10 Jahren?
10 Jahre sind weit weg. Aber ich hoffe als Haustechnik-Ingenieur spannende Aufgaben lösen zu dürfen.
Warum hast Du Dich für den Beruf Sanitärinstallateur entschieden?
Ich erlebe eine spannende und umfassende Grundausbildung, kann mich handwerklich einbringen und das Element «Wasser» fasziniert mich. Ohne Wasser kein Leben. Ich lerne in einer für alle lebenswichtigen Branche.