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«Richtig ist in dem Zitat der zweite Teil, falsch der erste. Dieser behauptet, dass es ausser dem Irrenhaus keinen anderen Ort der Freiheit gebe. Dabei gibt es ihn: hier draussen, hier im Wald oder auf der Strasse. Und hier ist kein Irrenhaus, auch wenn mich die Leute wegen meiner Kleidung und meiner Haare manchmal so anschauen, als ob ich ein Irrer wäre.
Radikale Freiheit kann nur ein Leben ausserhalb unserer Gesellschaft bedeuten. Jeder Gedanke, der aus einem solchen Leben heraus entwickelt wird, kann wie Sprengstoff die durchschnittliche Existenz der meisten Menschen bedrohen. Die meisten Leute wollen Geld; sie wollen sich damit Dinge leisten und Sachen geniessen, für die dann aber, haben sie das Geld, keine freie Zeit mehr übrig ist. In diesem vergeblichen Bemühen sind sie so gefangen, dass sie jemanden wie mich, der ungebunden und frei von den Zwängen des Konsums lebt, tendenziell für einen Irren erklären müssen.
Es stimmt, meine materielle Freiheit ist teilweise eingeschränkt. Jedenfalls in dem Sinn, dass ich nicht völlig freiwillig im Wald hause. Auch bei Frost draussen zu schlafen, ist die Konsequenz davon, dass ich kein Geld habe. Und dass ich kein Geld habe, ist die Konsequenz davon, dass mir die Arbeit, die man in unserer Gesellschaft machen muss, unter dem Strich zuviel Freiheit nimmt. Als ich früher als Kindergärtner, dann als Offsetdrucker gearbeitet habe, wurde mir klar, dass die Kosten-Nutzen-Bilanz unergiebig ist, dass mir also die Zeit, die ich bei der Arbeit verbringe, mehr Freiheit nimmt, als jemals durch das verdiente Geld aufgewogen werden könnte. Die einzig konsequente Lösung war, nicht länger zu arbeiten und, da ich daraufhin bald kein Geld mehr für die Miete hatte, als Obdachloser zu leben.
Ich bin gerne bereit, der Gesellschaft etwas zu geben, aber die Gesellschaft will nicht. Was ich geben kann, ist das Beispiel meiner Lebensweise, die nicht nur weniger materiell ist, sondern auch weniger illusionär als die der meisten anderen. Die illusionäre Lebensweise ist die der Schriftsteller und Philosophen, die in ihren Gedankenwelten leben. Sie glauben frei zu sein, weil sie Bücher schreiben. Doch das ist eine Fiktion. Denn das Schreiben von Büchern ist nur ein Ersatz für ein faktisches Leben in Freiheit. Bücher schreiben ist etwas für Leute, die ihre Unfreiheit bemänteln müssen.
Ich reise viel, bin ständig unterwegs, manchmal bin ich für Monate nur auf der Strasse. Ich will ja nicht eine Art bürgerlichen Lebens im Wald führen und mir einen der Unterschlüpfe als ständige Wohnung einrichten. Während meiner Wanderungen komme ich oft in Kontakt mit Menschen. Die können ja sehr gesprächig sein, wenn sie selber in der Natur sind. Dann höre ich erstaunliche Geschichten, die sie sonst nur ihren Seelsorgern oder Psychiatern erzählen.
Auch mein Leben ist eine Art Therapie. Ich bin ja in unserer Gesellschaft sozialisiert worden und damit physisch und gedanklich unfrei aufgewachsen. Ich habe versucht zu studieren. Erst Philosophie, dann ein wissenschaftliches Studium. Aber nach der Hälfte habe ich mich jedesmal davon abgewandt, weil ich den Eindruck hatte, dass man sich an der Universität nur fremden Gedanken und Theorien unterwerfen muss.
Für die Gesellschaft ist der Gedanke Sprengstoff, auf eine Weise frei zu leben, wie ich es tue. Vielleicht gibt es ja noch ein zweites, ähnlich gefährliches Ideal wie das Leben in Freiheit. Vielleicht die Bindung an einen Menschen. Und vielleicht ist es ja diese, die für mich Sprengstoff sein könnte.
Wieso ich mich nicht photographieren lasse? Weil ich den Behörden nicht auffallen will. Ich habe immer mal wieder Schwierigkeiten mit der Polizei, ohne Wohnsitz, ohne richtige Papiere. Es mir angenehmer, anonym zu bleiben.»