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Abwehrmechanismen der Honigbiene
Die Abwehrmechanismen der Bienen gegen Krankheitserreger gehen vom Schwärmen über Hygieneverhalten, Bienenumsatz, Giftstachel, anatomische und chemische Barrieren bis zum Immunsystem.
Abwehr durch Verhalten
Das Schwärmen eines Bienenvolkes dient, nebst der Volksvermehrung, der Hygiene. Der neu gegründete Bienenstaat baut frische Waben, die frei von Erregern sind. Er hat viele Krankheitserreger (z.B. Faulbrutsporen) im Muttervolk zurückgelassen. Auch auf das Muttervolk kann das Schwärmen reinigend wirken. Die junge Schwarmkönigin legt erst Eier, wenn die Brut ihrer Mutter, der vorgängigen Königin, geschlüpft ist. Mit dem Brutstopp wird auch die Vermehrung gewisser Krankheitserreger (z.B. Varroamilben) unterbrochen.
Ein gutes Hygieneverhalten ist sehr wichtig. Die Putzbienen reinigen die Zellen, entfernen Fremdkörper, Gemüll, tote Bienen sowie beschädigte und tote Brut aus dem Stock. Grosse Fremdkörper, wie z.B. eine tote Maus, mumifizieren sie mit Propolis. Sie putzen nicht nur den Bienenstock, sondern pflegen auch ihr eigenes Haarkleid und jenes von anderen Bienen. Bienen koten normalerweise nicht im Stock. Sie warten auf günstiges Flugwetter und geben dann den Kot im Freien ab. Im Winter warten sie wenn nötig gar wochen- oder monatelang.
Im Bienenvolk schlüpfen und sterben fortwährend Bienen, was als Bienenumsatz bezeichnet wird. Im Frühjahr gehen alle Winterbienen zu Grunde, so dass sich das ganze Volk erneuert. Zwischen März und Oktober lösen sich im Volk etwa acht Generationen ab. Damit sterben pro Volk jedes Jahr 15 bis 20 Kilogramm Bienen. Da die Generationsdauer im Sommer (etwa 1 Monat) viel kürzer ist als im Winter (mehrere Monate), können sich Krankheitserreger mit einer langen Generationsdauer nur schlecht vermehren (z.B. Tracheenmilben, Nosema, Amöben).
Mit dem Giftstachel schützen Wächterinnen den Bienenstock vor Eindringlingen. Fremde, raubende, vergiftete oder kranke Bienen werden abgewehrt.
Anatomische und chemische Barrieren
Einerseits verfügt die Biene über anatomische Barrieren wie die Cuticula, die Aussenhaut, welche das Aussenskelett des Insekts bildet und den ganzen Leib einschliesslich der Facettenaugen überzieht, die Hohlräume des Vorder- und Enddarms sowie die Tracheen auskleidet. Die peritrophische Membran des Mitteldarms schützt die Darmwand vor Verletzungen durch grobe Nahrungspartikel wie z.B. Pollen. Der Ventiltrichter liegt zwischen Honigblase und Mitteldarm. Pollenkörner, aber auch Krankheitserreger, leitet er innert Kürze in den Mitteldarm weiter. Dadurch wird verhindert, dass Krankheitserreger beim Futteraustausch weitergegeben werden. Andererseits hemmen antibiotische Substanzen das Wachstum von Mikroorganismen oder töten sie gar ab. Sie lassen sich in der Propolis, aber auch im Honig, in Pollen und im Futtersaft nachweisen. Auch das Mandibeldrüsensekret enthält Bakterizide und Fungizide. Die Brutzellwände werden mit diesem Sekret überzogen.
Das Immunsystem
Das Immunsystem der Insekten ist nicht so hoch entwickelt wie jenes der Wirbeltiere, es hat kein Immungedächtnis. Daher ist die Infektionsabwehr bei Erst- und Zweitinfektionen gleich. Es wird aktiv, sobald Krankheitserreger wie Viren, Bakterien, Pilze oder Einzeller in die Hämolymphe (Bienenblut) gelangen. Wird ein eingedrungener Erreger als körperfremd erkannt, wird er durch die Abwehrmechanismen neutralisiert oder beseitigt. Phagozyten nehmen kleine Partikel auf und machen sie unschädlich. Grössere Fremdkörper wie etwa Eier und Larven von Parasiten werden von Blutzellen umschlossen und abgekapselt. Durch gleichzeitige Melaninablagerung (Pigmentstoff) werden Parasiten wie z.B. Einzeller oder Pilzfäden abgetötet. Zusätzlich wirken Eiweisse in der Hämolymphe gegen Bakterien, Pilze und Viren.