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Von den Trumai wird angenommen, dass sie das letzte Indiovolk waren, welches in das Quellgebiet des Rio Xingu eingewandert ist – das heisst, sie haben die Region in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht. Gegenwärtig bewohnen sie den zentralen Teil des “Parque Indígena do Xingu”, sind aber dem Komplex Oberer Xingu angeschlossen, dessen Völker, ungeachtet der Sprachverschiedenheit, mit ihnen eine Reihe kultureller Gemeinsamkeiten pflegen.
Trumai
|Andere Namen: Ho-kod-ke

Sprache: Trumai
Population: 97 (2011)
Region: Mato Grosso (Parque Indígena do Xingu)
|INHALTSVERZEICHNIS

Lebensraum und Bevölkerung
Name
Sprache
Geschichte der Besetzung des Xingu
Die Trumai und der Obere Xingu
Rituale
Als Bewohner des Indianer-Territoriums dessen Name sich als “Parque Indígena do Xingu” eingebürgert hat, haben sich die Trumai besonders auf vier Gebiete verteilt: die Dörfer “Terra Preta”, “Boa Esperança”, “Steinen” und den Wachposten “Terra Nova”. Diese Orte befinden sich auf halbem Weg zwischen dem Posten Leonardo Villas Bôas und dem Posten Diauarum. Und es gibt ein paar Familien an anderen Orten innerhalb des Parks, sowie in den Orten Canarana (drei Familien) und Feliz Natal (eine Familie).
Es ist bekannt, dass die Trumai bei ihrem Einzug im Xingu-Gebiet im 19. Jahrhundert, sehr zahlreich gewesen sind. Jedoch kriegerische Auseinandersetzungen mit anderen Volksstämmen führten zu zahllosen Verlusten und reduzierten die Bewohner ihrer Dörfer drastisch. Später verschlimmerte sich die Situation durch Grippe-, Durchfall- und Masernepidemien, die ganze Familien dahinrafften – dergestalt, dass man die Trumai als im Aussterben begriffen betrachtete. Schätzungen sprachen 1938 zum Beispiel von noch etwa 43 Individuen – 1952 nur noch 18 und 1966 ganze 26 Stammesmitglieder (nach Aufzeichnungen von Monod-Becquelin). Diese Restgruppe erholte sich dank ehelicher Verbindungen mit Personen aus anderen Ethnien und einem vegetativen Wachstum. In der Gegenwart bringt der Stamm wieder mehr als 120 Personen zusammen – jedoch hat die in der letzten Zeit stattgefundene Ausbreitung und Abwanderung von vielen Familien auch Konsequenzen für die Erhaltung ihrer ethnischen Identität und ihre Kultur gebracht. Es gibt nur noch wenige ältere Männer und Frauen unter ihnen, und deshalb nehmen auch die traditionellen Sitten und Gebräuche immer mehr ab. Trotzdem machen die Trumai wieder Anstrengungen, ihre Kultur neu aufzubereiten. Das letzte Jawari-Fest – die traditionelle Zeremonie der Trumai – fand im Jahr 1990 statt, und sie planen ein neues Javari in Kürze, zu dem sie die Bewohner vieler anderer Dörfer einladen wollen. Wie sie selbst sagen: obgleich sie in alle Winde zerstreut sind, fühlen sie sich doch immer noch als ein einziges Volk, das seine Traditionen und sein Wissen unbedingt bewahren möchte.
Man fragt sich, ob die Bezeichnung “Trumai” wohl die originale Selbstbezeichnung gewesen sein mag, oder ob sie ihnen von einer anderen Eingeborenen-Gruppe verliehen worden sein kann, und sich dann in Konsequenz des Eigengebrauchs vielleicht bei ihnen selbst eingebürgert haben mag. denn die fragliche Bezeichnung passt überhaupt nicht in das phonologische Muster ihrer Sprache, die sonst keinerlei Worte präsentiert, in denen eine Konsonantenfolge “TR” vorkommt. Selbst ihre Leihwörter aus dem Portugiesischen, die solche Konsonantenfolgen aufweisen – wie zum Beispiel “Prato” (Teller) können die Trumai nicht aussprechen, wenn sie einen Vokal dazwischen schieben: “Pa’ ratu”. Dieses Muster lässt uns annehmen, dass der Terminus “Trumai” aus einem anderen Sprachgebrauch stammt – von einer anderen Gruppe, wahrscheinlich nicht vom Xingu. Natürlich kann man auch spekulieren, dass der Begriff sehr wohl aus ihrer eigenen Sprache stammt und früher mal ein Vokal zwischen (t) und (r) gesprochen worden ist, der sich verloren hat (vielleicht “Tirumái”?). Diese Hypothese ist durchaus nicht absurd, wenn man bedenkt, das genau dies auch mit dem Namen eines der alten Trumai-Dörfer geschehen ist, der heute zwei Aussprache-Alternativen erlaubt: “Karayayan” und Krayayan”. Trotzdem zwingt uns das Fehlen von Beweisen dazu, dies als reine Hypothese stehen zu lassen.
Wenn man sie nach diesem Thema fragt, sagen verschiedene Trumai von heute, dass noch ein anderer Name existiert habe, mit der sich ihr Volk selbst bezeichnete, aber darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige behaupten, dass die antike Bezeichnung “Ho kod-ke” gewesen sei, und das bedeute “Bogenschützen mit Pfeilspitzen aus Wachs” – und damit meinten sie das Volk des Jawari-Festes. Andere sind der Meinung, wenn der Name diesen Sinn haben sollte, dann müsste es heissen “Hid kod-ke” (Hid ist das Wort für Pfeil). Der Terminus “Ho kod-ke” dagegen bezieht sich auf die Tatsache, dass die antiken Trumai ihren Penis mit einer Schnur angebunden trugen – dieser Terminus hätte zwar existiert, wäre aber höchstens so eine Art Spitzname, aber niemals als kollektive Selbstbezeichnung in formellen oder zeremoniellen Situationen verwendet worden. Es gibt also keine schlüssige Folgerung über den Namen der Gruppe, auch nicht über einen definitiven Terminus in ihrer Vorgeschichte – und selbst wenn er existierte, dann in einer Zeit vor ihrer Wanderung zum Xingu, denn als Karl von den Steinen den Xingu bereiste (1884-86) bezog er sich auf die “Trumai” bereits mit demselben Namen wie heute.
Die Sprache der Trumai gehört zu den “isolierten” – das heisst, sie weist keine genetische Verwandtschaft mit irgend einer anderen Sprache des Xingu auf, auch nicht mit anderen linguistischen Familien Brasiliens. Die gegenwärtige Situation der Trumai ist ausserdem besonders sensibel, denn es gibt nicht mehr viele Personen, die dieser Sprache überhaupt mächtig sind. Die Mehrheit der Kinder spricht bereits portugiesisch als Erstsprache, einige von ihnen beherrschen auch andere Xingu-Sprachen, wie das Kamayurá, das Aweti oder Suyá.
Man hat einige Versuche gemacht, den Gebrauch ihrer Sprache zu stimulieren, besonders die eingeborenen Lehrer. In ihrem Unterricht versuchen sie die Jüngeren zu ermutigen, das “Trumai” in ihre täglichen Aktivitäten erneut zu integrieren. Mit Unterstützung der ISA-Equipe erarbeiteten diese Lehrer ein Lehrbuch der Trumai-Sprache als Zweitsprache, es wurde 2002 veröffentlicht. Diese Arbeit der Wiederbelebung einer Sprache ist in Wahrheit eine Aufgabe von längerer Dauer, welche nicht nur die Anstrengung der Lehrer erfordert sondern die Beteiligung der gesamten Gesellschaft.
Analysiert man das Vokabular der Trumai-Sprache, so stellt man fest, dass in ihr viele “Leihworte” aus der Kamayurá-Sprache vorkommen. Der Einfluss dieser Sprache (Tupi) auf die Trumai kommt von den interethnischen ehelichen Verbindungen, die seit vielen Generationen bereits üblich sind (der Anthropologe Buell Quain hat dies bereits in den 30er Jahren beobachtet). Die Tatsache, dass das “Kamayurá” als eine Art Allgemeinsprache am Oberen Xingu benutzt wurde – das heisst als Mittel der Kommunikation zwischen unterschiedlichen linguistischen Gruppen – hat ebenfalls dazu geführt, dass die Trumai ihre eigene Sprache vernachlässigten.
Hinsichtlich ihrer kulturellen Veränderungen aus jüngerer Zeit kann man unter den Trumai die Präsenz verschiedener “Leihvokabeln” aus dem Portugiesischen beobachten, mit denen sie Objekte bezeichnen, die erst durch den weissen Mann eingeführt worden sind: “AROS” (Arroz – Reis), “ASUKA” (Açúcar – Zucker), ” Motô” (Barco a motor – Motorboot). In einigen Fällen gibt es zum Leihwort aus dem Portugiesischen auch ein Parallelwort in Trumai – ein so genannter “Neologismus”. Zum Beispiel: “KOPETA” (Coberta – Decke) oder “MAPE KWACH” (Instrument zum Zudecken) – “KAFE (Cafe – Kaffee) oder “SU DAT’ KE” (Saft der schwarz ist), “KOPU” (Copo – Tasse) oder “SONE KWACH” (Instrument zum Trinken). Das Leihen von portugiesischen Termini ist eigentlich gar kein überraschender Vorgang, da sich der Kontakt mit Zivilpersonen der umliegenden Orte immer häufiger ergibt. Andere Xingu-Völker leihen sich ebenfalls Worte aus der portugiesischen Sprache aus um neue Objekte in Relation mit ihrer Kultur zu bezeichnen.
Die dokumentarischen Quellen beweisen, dass die Geschichte der Trumai eine sehr bewegte ist. Die Gruppe soll aus einer Region zwischen dem Rio Araguaia und dem Rio Xingu stammen, von wo sie weggezogen ist, weil sie dort andauernd von einem anderen Volk angegriffen wurde – wahrscheinlich von den Xavante. Es ist wahrscheinlich, dass sie den Oberen Xingu in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht haben, mittels eines Zuflusses des Rio Kuluene. Der Standort ihrer Dörfer am Xingu wurde unzählige Male verlegt, sie erforschten diverse Örtlichkeiten. Sie kamen auch dort in Konflikt mit anderen Völkern der Region – mussten sich gegen Angriffe der Yudjá (Juruna) und besonders der Suyá zur Wehr setzen.
In Kontakt mit den Völkern des Oberen Xingu passten sich die Trumai deren Tauschmarkt an – sie lieferten, als ihre Spezialität, die Steine zur Herstellung von Steinäxten. Und in einer langen Periode des friedlichen Zusammenlebens nahmen sie fundamentale Elemente der Kultur des Oberen Xingu in sich auf, obgleich sie stets von der Xinguanern als Aussenseiter betrachtet wurden und sich selbst ebenfalls als solche empfinden.
Bis in die 50er Jahre bewegten sich die Trumai innerhalb der Grenzen ihres Territoriums, am Unterlauf des Kuluene, oder ersuchten um Schutz in den benachbarten Dörfern der Aweti oder der Nahukuá. Später entfernten sie sich aus dieser Region und zogen in die Nähe des Indianerschutz-Postens Diauarum, bedingt durch die Grippe- und Masern-Epidemien, die ihnen wie allen anderen Xinguanern, sehr zusetzten. In der Nähe des Postens hatten sie die Möglichkeit, ärztliche Assistenz zu erbitten und viele Leben zu retten in einer Gruppe, die zu jener Zeit schon stark reduziert worden war.
Von 1968 an errichteten sie ein Dorf im Umfeld des Postens Leonardo Villas Bôas, in mittelbarer Nähe ihrer traditionellen Gebiete. Nach einer demographischen und gesellschaftlichen Erholungsphase – die auch bei anderen Völkern des Xingu stattfand – zogen sie neuerdings um in ein Dorf unterhalb des Morená – am linken Ufer des Rio Xingu – an einem Ort, den sie “Malakafia” nannten (magere Ente). Später verliessen sie diesen Ort wieder, um sich im Dorf “Terra Preta” (Schwarze Erde) niederzulassen, ebenfalls am linken Ufer des Xingu. Ein anderes Dorf mit Namen “Boa Esperança” erhob sich einige Jahre später in einem Gebiet, das sie “Awara’i” nannten, und in dem sie schon vorher einmal gewohnt hatten. Gegen Ende der 80er Jahre wurde ein drittes Dorf errichtet, das sie “Steinen” nannten, am Ufer des Flusses gleichen Namens (nach dem Forscher Karl von den Steinen).
In der Periode zwischen 1950 und 1960 war ein Teil ihres Territoriums auch von anderen Gruppen des Oberen Xingu besetzt oder es wurde für andere Zwecke benutzt – wie zum Beispiel das Areal von “Jacaré”, einem Ort mit einem antiken Trumai-Dorf, das zur Einrichtung eines Luftwaffenstützpunkts gebraucht wurde. Die Trumai ihrerseits besuchen sporadisch ihre ehemaligen Dörfer und die dort angelegten Felder, sodass das Gebiet zwischen dem Posto-Leonardo und dem Posto-Diauarum regelmässig von ihnen durchquert wird.
Die Trumai von heute erzählen, dass ihre Vorfahren, als sie noch weit weg vom Xingu lebten, auf geflochtenen Matten (Weset) auf dem Boden schliefen, als Waffen die Keule (Nai) und die Pfeilschleuder (Hopep) benutzten. Die Männer befestigten ihren Penis mit einer Bastschnur und trugen das Haar lang – die Frauen trugen einen breiten Hüftgürtel, von dem ein schmaleres Band zwischen den Beinen hindurch verlief (dieser Gürtel hiess “TSAPAKURU” und war aus “DESNIT” gefertigt, einer Art Palmbast). Nach ihrer Ankunft am Oberen Xingu übernahmen die Trumai verschiedene Gewohnheiten der schon ansässigen Völker, wie zum Beispiel den Gebrauch von Pfeil und Bogen und die Sitte, in Hängematten zu schlafen. Der Terminus für die Hängematte ist ein Neologismus, der wahrscheinlich entstanden ist, nachdem sie zum ersten Mal mit diesem Objekt in Kontakt gekommen sind: “ESA-K” (eine, die tanzt) – gemeint ist die Tatsache, dass die Hängematte hin und herschwingt. Die Trumai-Frauen ersetzten ihren traditionellen breiten Gurt gegen den “Uluri” der Frauen vom Oberen Xingu, und die Männer schnitten ihr Haar entsprechend und bemalten ihre Körper so wie die meisten Xinguaner. Sie passten sich sogar diversen Aspekten der lokalen Mythologie an und ihren Festlichkeiten – gleichzeitig lehrten sie ihre neuen Nachbarn einige ihrer eigenen Traditionen. Zum Beispiel waren es die Trumai, die ihre Feste “Jawari” und auch das “Tawarawanã” zum Xingu brachten, wo sie in das Kulturgut der anderen Völker aufgenommen wurden.
Obgleich die Trumai sich vielen Sitten und Bräuchen am Oberen Xingu angepasst haben, haben sie sich auch ganz bestimmte Charakteristika bewahrt, durch welche sich dieses Volk von den anderen Gruppen dieses Gebiets deutlich unterscheidet. Zum Beispiel führen sie die allgemeine Zeremonie des Kwarup nicht durch, und sie essen auch den anderen “verbotene Lebensmittel” wie Wasserschwein und andere Tiere mit Fell. Für die Indianer vom Oberen Xingu ist dies ein Beweis für den unterschiedlichen Status der Trumai.
Interessant zu beobachten, dass man in den Gesängen der Trumai eine Menge von Namen jagdbarer Tiere findet, wie Affen, Jaguar, Ozelot u.a. Die Tierwelt ist nach Auffassung der Trumai in zwei zentrale Gruppen unterteilt: “KODETL” sind die “Lufttiere” – gemeint sind Säugetiere und Vögel – und “K’ATE” sind die Wassertiere (also die Fische). In den meisten Gesängen des “Jawari” singen die Vögel, Katzen und diverse Säugetiere in ihrem eigenen Namen, was auf eine Gesellschaft hindeutet, die traditionell auf die Jagd ausgerichtet war und nicht auf den Fischfang. Im Gegensatz dazu liegt bei den Völkern des Oberen Xingu der Schwerpunkt auf den “Wesen des Wassers”, was sie auch in ihrer Körperbemalung ausdrücken, die sie zum Beispiel beim Kwarup-Fest anlegen.
Hinsichtlich ihrer kommerziellen Aktivitäten stand bei den Trumai zum Zeitpunkt ihrer Ankunft am Oberen Xingu die Herstellung von Salz (Yakir) im Mittelpunkt, welches sie aus einer Wasserpflanze extrahierten – und sie waren geschickt in der Anfertigung von Steinäxten (Daka). Ausserdem produzierten sie eine gute Baumwolle, Pequi-Früchte und Öl aus diesen Früchten. Dann brachte die Einführung von Metalläxten und anderen Produkten des weissen Mannes den Kommerz der Trumai zum Erliegen. Gegenwärtig stellen sie das Salz aus den Wasserpflanzen nur noch für ihren Eigengebrauch her, aber die Steinäxte sind endgültig überholt am Xingu – auch sie selbst ziehen die aus Metall längst vor.
Wie schon erwähnt waren es die Trumai, die am Oberen Xingu die zeremoniellen Zyklen des “Jawari” und des “Tawarawanã” eingeführt haben. Das Jawari ist ein komplexes Ritual zu Ehren toter Krieger, und ihr zentrales Element ist ein Wettkampf zwischen zwei Männergruppen, welche mit einem Propulsor Speere mit stumpfen Wachsspitzen auf den Gegner schleudern. Das Fest wird durchgehend von Gesängen untermalt und von polemischen Dialogen zwischen den Gegnern unterbrochen. Nach der Interpretation einiger Wissenschaftler enthält das Zeremoniell die Symbole sowohl für den Krieg wie für den Frieden, und es schafft den Raum für eine Manifestation der Verbrüderung zwischen den Feinden und mit den Frauen.
Das Tawarawanã ist ein einfaches, fröhliches Fest, welches in der Regel am Morgen stattfindet. Die Männer kleiden sich in eine Art Bastrock aus Buriti-Fasern und schmücken sich mit Bananenblättern, mit Federkronen und den wohlriechenden Blättern eines bestimmten Baumes (Hik’ada xudak), die sie an den Armen und über dem Gesicht befestigen. Sie tanzen, während zwei Vorsänger in ihrer Mitte auf dem Boden sitzen. Einer von ihnen schwingt eine Rassel im Rhythmus, der andere schlägt auf eine Art Trommel aus Bambus. Die Körper der Frauen sind bemalt, und sie stellen sich hinter den herumspringenden Männern auf, um den Rhythmus auf der Stelle tretend zu begleiten. In einem bestimmten Moment vereinen sie sich mit ihnen und halten sich dabei an einer Spitze der Männerröcke fest. Zusammen tanzen sie nun im Kreis mit ihnen auf dem Dorfplatz herum.
Hingegen dem “Kwarup”, dem grössten Fest der übrigen Indianer des Oberen Xingu, stehen die Trumai etwas zurückhaltend gegenüber, und während längerer Zeit haben sie es auch vermieden, den sie erreichenden Einladungen zu diesem Fest zu folgen. Wie sie, nach ihrer ersten Teilnahme an einem Kwarup, glaubhaft berichteten, sind die ritualen Baumklötze (welche verstorbene Personen verkörpern) lebendig geworden und über sie hergefallen – nach diesem Zwischenfall wollten sie nie mehr an diesem Fest teilnehmen. Erst sehr viel später reagierten sie wieder auf entsprechende Einladungen und im Jahr 1966 sang sogar ein Häuptling der Trumai auf dem Kwarup für Leonardo Villas Bôas, ein Event, der sämtliche Völker des Oberen Xingu vereinte.
Aber die Trumai selbst veranstalten keinen Kwarup. Sie nehmen hie und da an den wichtigsten Kwarups anderer Dörfer teil, realisieren diese Zeremonie aber nie in ihren eigenen Dörfern. Die bedeutendste Zeremonie der Trumai ist und bleibt der Jawari – und von ihm sprechen sie voller Stolz.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung, Klaus D. Günther