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geschrieben von
oschti.ch
am 06.06.2006
in der Rubrik In the Flesh?
Erstes Stück der offiziellen The Wall
Doppel-CD. Die beiden vorherigen Lieder The little boy that Santa Claus forgot
und die erste Strophe von When the Tigers Broke Free
bekommen wir nur im Film zu hören.
Hintergrund: Roger Waters
wurde bereits auf der vorhergehenden Animals
-Tour zu Titeln wie "In the Flesh" sowie "The Wall" inspiriert. Auf dem Nordamerika-Leg besagter Animals-Tour wurden die Floyds mit - aus ihrer Sicht - nervigen, lauten, mitgröhlenden und agressiven Fans konfrontiert. Eine ganz andere Art von Publikum wie sie es sich von den ruhigen und andächtigen Europäern (v.a. Engländern) gewohnt waren, welche die Shows schon fast andächtig zelebrierten.
Zum Eklat kam es dann während einer Show in Montreal, am 6. Juli 1977. Die im Stadion aufgebaute PA war nicht ausreichend, um das ganze Stadion entsprechend gut zu beschallen. Die Folge war eine absolut miserable Akkustik im Stadion. Viele Fans, welche bereits den ganzen Tag in brütender Hitze gewartet - und dementsprechend viel getrunken hatten - waren entsprechend enttäuscht. Umso lärmiger und nervöser gab sich das Publikum, welches sich zu dieser Zeit sowieso eher in Richtung Punk (Iggy Pop
oder Ramones
) und Heavy Metal (Rainbow
, etc.) orientierte und somit eher an laute und ausgeflippte Konzerte gewöhnt war. Dazu kam, dass der grossteil der Zuschauer gar kein Englisch verstand und somit waren auch die Lyrics - welche natürlich Waters besonders am Herzen lagen - zweitrangig.
Als Waters begann Pigs on the Wing Part II
zu singen kam von einem Balkon auf der linken Seite ein Feuerwerkskörper geflogen, welcher direkt über seinem Kopf explodierte. Das gleiche passierte in diesem Moment mit Waters, er explodierte förmlich... Er hörte auf zu singen und begann das Publikum arg zu beschimpfen. Eigentlich untypisch für Waters, predigt er ja jeweils, über solchen Dingen zu stehn. Keine Ahnung was er eigentlich erreichen wollte, aber es hätte ihm klar sein sollen, dass man mit 17 jährigen, halb betrunkenen Teens nicht zu diskutieren braucht. Die Beschimpfungen wurden von der Menge nun definitiv als eine Art Kriegserklärung angesehen. Fans fingen an zu pöbeln, zu stossen und zu schubsen. An einem gewissen Punkt eskalierte die Situation und Waters spukte auf einen "lästigen" Fan. Nun hatte auch David Gilmour
genug und war ziemlich aus der Fassung. Ob dies aufgrund des Verhaltens von Roger oder dem Publikum war kann nicht nachvollzogen werden. Auf jeden Fall erschien Gilmour nicht zur Zugabe und die restlichen Bandmitglieder spielten einen Blues ohne Gilmour.
Ein wenig erinnert sich David Gilmour wohl in What do you want from me
auf dem The Division Bell
- Album an diese Worte.
(a) Ganz am Anfang erkennt man bei genauem hinhören die (sehr leisen) Worte "...we came in". Am Ende des Albums hört man (ebenfalls sehr leise) den Beginn dieses Satzes mit "Is this not, where...". Hört man also das letzte Stück des Albums und beginnt danach von vorne entsteht der Satz "Is this not, where we came in".
Roger Waters benutzte diese Art von Schleifen sehr gerne. The Dark Side of the Moon beginnt und endet mit einem Herzschlag, Wish you were here mit den gleichen "Shine on you crazy Diamond" Synthy-Klängen und "Animals" mit "Pigs in the Wing". Auf dem Solo-Album Radio Kaos
ist eine ähnliche unterbrochene Schlaufe wie hier zu hören und auf dem Solo-Album Amused to Death
ist an Anfang und am Ende die Stimme von Alf Razzell
zu hören.
(b) "Space Cadet" ist ein bekannter Jugendroman (Science Fiction) von Robert A. Heinlein (1948). Zusätzlich ein Hinweis von Lutz Growalt: Der Begriff "Space Cadet" taucht erstmals 1945 in den Vereinigten Staaten (als herabsetzend gemeinter Begriff für "Weltraumspinner") auf. Heinlein griff das "böse Wort" 1948 auf. Lutz
: "... kann das exakte Dokument (momentan) nicht angeben, ich weiß aber aus der Erinnerung heraus, daß es in der zweiten Jahreshälfte 1945 in höheren politischen Kreisen (Pentagon) verwendet wurde, um die ersten ernsthaften Studien zu möglichen Erdsatelliten in (politischen) Misskredit zu bringen."
(c) Im Originalmanuscript zum "The Wall"-Movie war eine Sequenz vorgesehen, bei der die Konzertbesucher hätten bombardiert werden sollen. Die Paralelen von Krieg und Konzerten, eines der vielen Themen von "The Wall". Das folgende Geräsch eines angreiffenden Flugzeugs ist von einem WW2-Bomber.