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Les Philosophes: Tinguelys Ahnengalerie10. November 1999 – 1. Mai 2000
Parallel zur Ausstellung “Tinguely‘s Favorites: Yves Klein” wird im Obergeschoss des Museums eine umfangreiche Werkgruppe von Jean Tinguely präsentiert, die der Künstler als seine Ahnengalerie bezeichnete und “Les Philosophes” betitelte. Es sind Werke aus Privatbesitz und aus der Sammlung des Museums, die hier zum erstenmal vereint zur Darstellung kommen. Jean Tinguely hat in den Jahren 1987 bis 1990 Figuren geschaffen, in denen er Persönlichkeiten darstellte, die ihm nach seinen Worten “in meiner Jugend beim Denken halfen und mich inspiriert haben”.
Die Idee zur Ahnengalerie geht auf die Vorbereitungen für die Retrospektive 1988 im Centre Georges Pompidou in Paris zurück. Für diese Ausstellung schuf der Künstler im Andenken an seinen früh verstorbenen Mitstreiter der ersten Schaffensjahre in Paris, Yves Klein, eine Grossplastik und nannte sie “Dernière Collaboration avec Yves Klein”. Sie ist im Erdgeschoss des Museums zu sehen. Diese Hommage an seinen früh verstorbenen Philosophenfreund hatte die Geburt einer ganzen Reihe von bewegten Schrottassemblagen zur Folge, die alle zoomorphe oder anthropomorphe Gestalt aufweisen, menschliche Dimensionen besitzen und die Namen von illustren Denkern, Forschern, Vorbildern oder Freunden tragen. In dieser unkonventionellen Porträtgalerie begegnen wir Figuren wie Demokrit, Jean Jacques Rousseau, Friedrich Engels, Jakob Burckhardt, Henri Bergson, Frank Lloyd Wright, Piotr Kropotkin oder Martin Heidegger – herausragende Persönlichkeiten der abendländischen Kultur und Gesellschaft. Für Tinguely waren sie von ganz persönlicher Bedeutung, hatte er doch viele ihrer Werke gelesen. Dass es hierbei - wie so oft bei Tinguely - nicht ganz ernst zugehen soll, zeigt sich daran, dass er neben den grossen Weisen auch Frank Wedekind, dem Verfasser satirischer Brettl-Balladen, Morgenstern oder dem Hund seiner Freundin Milena ein bleibendes Andenken stiftete.
Man mag die Werkserie mit ihren teilweise hilf-,-ziel-und sinnlos agierenden Figuren durchaus als eine augenzwinkernde Kritik des Künstlers an einer Haltung verstehen, die der lebensfernen Spekulation den höchsten Wert beimisst. Für Tinguely dagegen, das zeigen besonders die Werke seit den 60er Jahren, war das zweckfreie Spiel ein zentrales und unverzichtbares Element des Lebens.