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Immer wieder wird dir in unseren Texten der Name von Sir Walter Scott begegnet sein. Die meisten haben den Namen schon einmal gehört, aber wo soll man ihn einordnen? Wer war er? Nun, Walter Scott ist ein Schriftsteller oder besser gesagt als solcher bekannt. Manch einer von euch hat vielleicht schon in der Schule seinen Ivanhoe gelesen. Sir Walter Scott wird von vielen Fachleuten als der Begründer des modernen Historienromans angesehen. Neben Robert Burns und Robert Louis Stevenson gehört er zu den wichtigsten schottischen Autoren. Bekannt ist er auch als Erbauer von Abbotsford.
Sein Leben in Stichworten
Er stammt aus einer alten weitverzweigten Familie, von der Teile zum schottischen Hochadel gezählt wurden. Sein Vater war Anwalt. Also kann man sagen, er lebte als Kind in gutbürgerlichen Verhältnissen. Aufgrund einer Erkrankung an Kinderlähmung verbrachte er viel Zeit auf dem Land und hatte Zeit seines Lebens ein lahmes Bein. Dennoch genoss er es, in der schottischen Landschaft zu laufen. Scotts View soll einer dieser Plätze sein, deren Aussicht er gern genoss.
Mit 15 Jahren trat er in die Fussstapfen des Vaters, begann mit einer Anwaltslehre und legte später die Aufnahmeprüfung für die Anwaltskammer ab. Er war zuerst Gerichtsdiener, baute eine Anwaltspraxis auf und übernahm später das Amt des Sheriffs in Selkirk. Schlussendlich wurde er sogar als Richter in Edinburgh berufen.
Geboren 1771, lebte er in Zeiten grosser Veränderungen. In seine Lebensspanne fallen der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, die französische Revolution, die Napoleonischen Kriege und das Endes des alten Deutschen Reiches. Auch die Technik entwickelte sich in dieser Zeit ausgehend von der Erfindung der Dampfmaschine bis zur Eröffnung der ersten Eisenbahnlinie dramatisch.
Seine Begeisterung für Technik kann man zum Beispiel daran erkennen, dass sein Haus als eines der ersten in Schottland Gasbeleuchtung hatte.
Das literarisches Schaffen von Walter Scott
Sein literarisches Schaffen begann er ungefähr im Alter von 30 Jahren. Schon immer interessierte er sich für alle Formen von alten Volksüberlieferungen. Mit der Veröffentlichung einer Sammlung von frei bearbeiteten Volksliedern des Grenzlandes, in der auch eigene Beiträge enthalten waren, wurde er erstmals zur Kenntnis genommen. Populär wurde er dann mit Verserzählungen. Auch Essays und Artikel für Zeitschriften schrieb er.
Von seinen Tantiemen aus diesen Arbeiten beteiligte er sich an einer Druckerei und kaufte sich eine Farm am Tweed. Er nannte diese Farm Abbotsford und baute für viel Geld ein Herrschaftshaus darauf. Anonym publizierte er im Jahr 1814 seinen ersten Roman Waverley. Dessen Schauplatz ist der letzte grosse Schottlandaufstand im Jahr 1745. Dieses Buch wurde so erfolgreich, dass im Erscheinungsjahr noch drei weitere Auflagen notwendig waren.
Er schrieb nun in rascher Folge viele weitere Romane und Erzählungen, die alle im Schottland des 17. und 18. Jahrhundert spielen. Alle diese Romane erschienen anonym.
Aufstieg und Fall des Walter Scott
Auf dem Gipfel seines literarischen und gesellschaftlichen Erfolgs wurde er in den erblichen Adelsstand zum Baronet erhoben. Dann jedoch führten persönliche Tragödien wie der Tod seiner Frau und der Börsencrash von 1825 zum finanziellen Ruin. Denn seine Beteiligung an der Druckerei, um deren Geschäftsführung er sich nie gekümmert hatte, endete in einem unglaublichen Schuldenberg.
Infolge der Finanzkrise kam es zur Zahlungseinstellung des wichtigsten Geschäftspartners von Scotts Verleger. Dadurch wurde der Verleger und in der weiteren Folge auch die Druckerei in Mitleidenschaft gezogen. Offenbar hatten sich nämlich Verleger und Druckerei über gegenseitige Wechsel über Kredit finanziert.
Die Gläubiger beider Firmen hielten sich an Walter Scott und als Ehrenmann suchte er eine Lösung, um für die Schulden aufzukommen. Obwohl er als Anwalt wohl seinen Mandaten zum Privatkonkurs geraten hätte, wählte er für sich selbst nicht diesen einfacheren Weg.
Abbotsford hatte er bereits ein Jahr vorher seinem ersten Sohn bei dessen Heirat übertragen. Er traf mit den Gläubigern eine Vereinbarung. Dadurch wurde sein Vermögen unter Treuhandverwaltung gestellt und er verpflichtete sich nach Kräften alles zu tun, um die Schulden abzutragen. Und so schrieb er in noch schnellerer Folge Buch um Buch neben seinen Pflichten als Sheriff und als Gerichtsdiener (Clerk of Session). Ein solcher Clerk of Sessions hatte Aufgaben, die heute beim Richter, Protokollführer und Notar liegen. Daher musste man langjährige Erfahrungen als Anwalt mitbringen, um diese Aufgabe wahrnehmen zu können. Das Gericht hatte übrigens zu Scotts Zeiten drei Mal jährlich Sitzungsperioden.
Walter Scott und Johann Wolfgang von Goethe
Bereits in seiner Zeit als Anwalt, als er begann, sich in den literarischen Zirkeln Edinburghs zu bewegen, lernte er die zeitgenössisch deutsche Literatur kennen. So gehörten Übersetzungen von Goethes Götz von Berlichingen mit zu seinen ersten Veröffentlichungen.
Goethe wiederum hielt Walter Scott für den besten Erzähler seiner Zeit. Die Wertschätzung war also gegenseitig.
Nachdem er fünf Jahre ununterbrochen für seine Gläubiger geschrieben hatte, überredete ihn seine Familie zu einer Europareise, auf der er auch Goethe in Weimar treffen wollte. Korrespondiert hatten die beiden schon. Walter Scott war in Neapel als er von Goethes Tod erfuhr. Daraufhin brach er seine Reise ab und machte sich auf den Rückweg.
Ein halbes Jahr nach Goethe starb auch Walter Scott nach mehreren Schlaganfällen am 21. September 1831. Seinem Wunsch entsprechend wurde er in der Dryburgh Abbey beigesetzt. Seine Schulden hatte er bis dahin fast abgetragen. Über den Verkauf von Urheberrechten tilgten seine Kinder noch die Restschuld im Todesjahr.
Der Mensch Walter Scott
Walter Scott war der meist gelesene Autor seiner Zeit. Er ist der Begründer des modernen historischen Romans. Auch seine Kenntnisse des Rechts sind in vielerlei Form in seine Romane eingeflossen. Er ist als freundlicher und hilfsbereiter Mensch, als guter Vater und Ehemann in Erinnerung geblieben. Obwohl er ein Mann des öffentlichen Lebens war, ist er nie abgehoben und hat beispielsweise jüngere Autoren nach Kräften gefördert.
Er war auch nicht geizig wie ein Schotte. Im Gegenteil während der grossen Depression 1819 entliess er keine Landarbeiter auf seinem Gut, sondern stellte weitere Arbeiter ein und entwickelte ein Arbeitsbeschaffungsprogramm. In dessen Rahmen liess er Bäume pflanzen, Strassen bauen und eine Sägemühle errichten. Noch dazu bezahlte er den vollen Lohn.
Abbotsford
Heute ist Abbotsford eine bedeutende Touristenattraktion. Die Einrichtung des Hauses ist weitgehend originalgetreu. Die Bibliothek beinhaltet seltene Schriften. Besichtigt werden können das Arbeitszimmer von Walter Scott, die Bibliothek und das Waffenzimmer. Ein Highlight muss auch der Garten sein. Sicher werden wir bei einem der nächsten Besuche in Schottland Abbotsford einen Besuch abstatten. Abbotsford befindet sich in der Nähe von Melrose Abbey.