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Griechenlands Mousiki zwischen Hochkultur und Partyschrott
Guter Fussball ist wie gute Musik: leidenschaftlich, druckvoll und treffsicher. 78s präsentiert die Teilnehmerländer der Fussball-Europameisterschaft von ihrer musikalischen Seite. Heute: Griechenland.
Die Geschichte der griechischen Musik ist spannender als die gegenwärtige, Tourismus-verschuldete Inflation der üblen Partyinsel-Tunes und wird ab den 1930er Jahren richtig interessant. Denn was Blues für die Afroamerikaner war, wurde für die zwanghaft reimigrierten Griechen der Rembetiko. Der in der osmanischen Kultur verwurzelte, saitenlastige Stil entstand als Ausdruck einer urbanen Subkultur, die sich Haschisch rauchend und musizierend mit einer ungemütlichen Lebenslage abzufinden versuchte.
Als einflussreichste Musiker dieser anrüchigen Zeit galten der „Bouzouki-König“ Markos Vamvakaris und Vassilis Tsitsanis, der über 2000 Songs geschrieben haben soll. Seine untergründige Blütezeit erlebte der Rembetiko bis in die 50er, wonach er aber zunehmends vom populäreren Laika adaptiert und von grossrangigen Komponisten wie Mikis Theodorakis salonfähig gemacht wurde. Dionysis Savvopoulos war es, der in den 60ern den Rembetiko mit westlichen Liedformen zu vermischen begann und als griechischer Bob Dylan während der siebenjährigen Militärdiktatur von der Opposition zur Kultfigur erhoben wurde.
In den 70er Jahren ging der Stern von Georgios Dalaras auf, welcher bis dato an sagenhaften 90 Alben mitgewirkt hat. Ab den 80ern wurde bekanntlich Vangelis ein bedeutender musikalischer Export des Landes. Der Erfolg beider wird allerdings überstrahlt von der weissen, schwarzbebrillten Rose aus Athen, Nana Mouskouri, die mit über 250 Millionen verkauften Tonträgern zu den drei erfolgreichsten Musikerinnen aller Zeiten gehört!
Junge Bands wie The Last Drive, Mora Sti Fotia, Panx Romana oder Endelexaia sorgten in den späten 80ern für die Etablierung des modernen Rocks, wovon u.a. die Trypes, Diafana Krina und Pyx Lax profitierten. Als erfolgreichste griechische Mainstream-Rockband gilt aber bis heute Vasilis Papakonstantinou.
Fazit: Gegen die übermächtige volksmusikalische Landesverteidigung der Griechen wird die Schweiz auch mit ungestüm rockenden Flankenspurts nichts ausrichten können. Und wenn’s die Südländer nicht mit dem Ouzo-Konsum übertreiben, werden sie die Abwehrlücke finden, glücklich einköpflern und Köbis Truppe zum Biergelage verdonnern – aber mit Alkohol, bitte.
Gute griechische Musik jenseits von Nana Mouskouri und Partyinselshit:
Markos Vamvakaris – Oli Rembetis Tou Dounia (Rembetiko classico)
[audio:http://www.greecetravel.com/music/musicfiles/bambakaris-olirembetistoudounia.mp3]
Poly Panou – Ferte Mia Koupa Me Krasi (Laïki Mousiki)
[audio:http://www.greecetravel.com/music/musicfiles/kalderas-panou-fertemiakoupamekrasi.mp3]
Die Illustration stammt aus dem Euro 08-Sammelalbum des Tschuttiheftli, dem einzig wahren Fussballbildli-Album: > Mehr Infos.
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