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|Hersteller:||Lederwarenfabrik Herbert Reinecke|
|Ort:||Beckenried|
|Produktion:||1929-1988|
|Hersteller:||Lederwarenfabrik Herbert Reinecke|
|Ort:||Beckenried|
|Produktion:||1929-1988|
Renard war eine Marke für Fahrradsättel der Lederwarenfabrik Herbert Reinecke in Beckenried.
Die Firma entstand 1929, als Fabrikationsstandort der Firma Wittkop, Bielefeld. Geleitet wurde sie von Alfred Reinecke, der bis dahin die Vertretung für Wittkop-Produkte in der Schweiz hatte. Die Fabrik in Beckenried wurde mit Maschinen aus Bielefeld ausgestattet, sie produzierte jedoch bald auch eigene Modelle, darunter einen Rennsattel, der Renard genannt wurde (Reinecke = Fuchs = Renard). Als zweites Standbein wurden auch Lederwaren hergestellt (Taschen etc.). Mit der Zeit wurden auch andere Eigenprodukte entwickelt, so die Sättel mit separater, nicht tragender Decke (zB Mod. 2500, gleiche Modellbezeichnung wie später bei Renard). Diese trugen anfangs noch ein Wittkop-Label. Nach dem Krieg – das Werk in Bielefeld war zu 70% zerstört – konnte Alfred Reineckes Sohn, Herbert Reinecke (Alfred Reinecke starb 1951), die Fabrik übernehmen. Die Fabrik war viel zu eng geworden und die Arbeitsbedingungen nicht mehr optimal. So wurde 1957 in Beckenried ein modernes Fabrikgebäude erstellt. Die Bezeichnung Wittkop wurde nicht mehr weitergeführt, neu hiess die Firma Lederwarenfabrik Herbert Reinecke (trotz ihrer Grösse eine Einzelfirma mit persönlicher unbeschränkter Haftung des Unternehmers). Die Zahl der Angestellten betrug in den besten Jahren wohl so um die 40, viele arbeiteten ihr ganzes Arbeitsleben dort, mindestens zwei konnten ein 50-jähriges Arbeitsjubiläum feiern.
Die Sättel gab es anfangs nur in Leder, nach dem Krieg auch in Stamoid oder Leder, später nur noch in Stamoid, wobei natürlich auf Wunsch auch Leder gewählt werden konnte. Dieses stammte immer aus der Schweiz, wo es damals noch zahlreiche Gerbereien gab. Ledersättel aus Beckenried kamen etwa beim Schweizer Militärfahrrad und den Zustellvelos der PTT zum Einsatz. Herbert Reinecke hatte in den 50-er Jahren die Idee, die bis anhin einfarbigen Sättel zweifarbig anzubieten (was später von anderen Anbietern kopiert wurde). Die horizontalen Flächen konnten dabei in der Farbe des Velos gewählt werden, blau, grün, braun, schwarz etc, die vertikalen waren grau oder hellbraun.
Anfangs 70-er Jahre wurden die Marke Duralca und einige Maschinen von Jakob Cairoli, Zürich, übernommen. Die Marke Duralca wurde noch einige Jahre weitergeführt. Sämtliche Sättel wurden bis in die 70-er Jahre komplett in Beckenried hergestellt. Später wurden die Gestelle in Norditalien gefertigt, am Schluss auch jene des Militärsattels, der bis 1986 gebaut wurde. Aber es war absehbar, dass die Zeit der aufwendig (mit grossem Anteil Handarbeit) gefertigten Sättel zu Ende ging. Bereits in den 70-er Jahren existierten Maschinen, die quasi auf Knopfdruck geschäumte, bequeme Sättel produzieren konnten – zu einem Bruchteil des Preises eines herkömmlichen Sattels. Für die Anschaffung solcher Maschinen wäre viel Kapital nötig gewesen. Herbert Reinecke lag der Einsatz von Fremdkapital aber fern.
Hinzu kam, dass auch in der Schweiz der Schutz für die heimische Industrie endete, was ausländische Produkte günstiger machte. Viele Unternehmer hatten nicht mit dem Fallen der Zölle und Handelsschranken (EFTA usw.) gerechnet und auch nicht damit, dass sich die Konsumenten mit minderer Qualität zufriedengeben würden. Ein Preiskampf setzte ein, welcher für Schweizer Anbieter fatal war, da ihre oft veralteten Produktionsmethoden kaum geeignet waren günstiger zu produzieren.
Der Betrieb der Lederwarenfabrik Herbert Reinecke in Beckenried wurde Ende der 80-er Jahre eingestellt, die meisten Angestellten waren bereits im Pensionsalter.