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Der indonesische Unternehmer Chairul Tanjung hat sich von ganz unten nach ganz oben gearbeitet
CHRISTIAN STEINER, JAKARTA
Chairul Tanjung denkt positiv. «Ich habe mich in meiner Karriere nie auf die Probleme, sondern immer auf die Lösung fokussiert», sagt der Mann mit einem breiten Grinsen. Seit 36 Jahren ist der indonesische Tausendsassa im Geschäft, und er ist schon in vielen Geschäften tätig gewesen. Schuhfabriken, Banken, eine Kaffeehauskette oder ein Fernsehsender gehörten zu seinem grossen Firmenkonglomerat CT Corp, das die Initialen von Tanjung als Namensgeber hat. Heute hat CT über 80 000 Angestellte und zählt zu den grössten Unternehmen des Landes. Laut der Forbes-Liste gehört Tanjung mit einem Vermögen von über 4 Mrd. $ zu den zehn reichsten Indonesiern.
Marode Bank für eine Rupiah
Begonnen hat alles mit Fotokopien. Der in einem Slum in Jakarta aufgewachsene Tanjung war früh auf sich alleine gestellt und wollte seine Eltern nicht belasten. Sein erstes Geld verdiente er schon während des Studiums, indem er Kopien günstiger anbot als die Universität. Und Fotokopien waren in den 1980er Jahren sehr gefragt unter den Studenten in Jakarta. Der Zahnmedizin-Student half seinen Kommilitonen auf diese Weise, ihre Unterlagen günstiger zu bekommen, gleichzeitig finanzierte er damit sein Studium. Aus dem Freundschaftsdienst wurde ein Geschäft. Nach Beendigung seiner Ausbildung stieg Tanjung in die Schuhproduktion ein. Er baute mit einem Geschäftspartner drei Fabriken in Sumatra auf. Als er 1989 einen Kredit erneuern wollte, lehnte dies die Bank mit der Begründung ab, es müssten Verbesserungen vorgenommen werden. Anstatt seine Projektionen auf eine solidere Basis zu stellen, präsentierte er dem Finanzinstitut ein Vorhaben mit einem noch grösseren Investitionsbedarf. «Ich verstand damals noch nicht, wie eine Bilanz funktioniert.» Tanjung erkannte sein Manko und machte neben der Arbeit einen MBA.
Danach veränderte ein Anruf sein Leben. 1995 wurde ihm unter Einräumung einer sehr kurzen Bedenkzeit eine marode Bank für eine indonesische Rupiah angeboten. Tanjung übernahm das Institut, befreite es von den faulen Krediten und restrukturierte die Schulden. «Eine Problembank ist nie selber in Schwierigkeiten, sondern hat Probleme mit ihren Schuldnern», erklärt Tanjung im Gespräch. Also war es wichtig, die Probleme der Kunden anzugehen. Er verwandelte die Problembank, die keine Computer besass und mit einem uneinheitlichen Buchungssystem operierte, in ein seriöses Kreditinstitut.
Gerade als das Geldhaus einigermassen gut kapitalisiert war, kam die Asienkrise von 1997, ein Tiefschlag für die meisten Banken des Landes. Der Rückzug der ausländischen Investoren und der damit verbundene abrupte Kapitalabfluss brachten die Wirtschaft ins Straucheln und trugen am Ende wohl zum Sturz der Suharto-Diktatur bei. Doch Tanjungs Bank konnte sich dank solider Finanzierung gut halten. 1998, auf dem Höhepunkt der Krise, wies sie einen Rekordgewinn aus; als eines der wenigen Institute hatte sie noch flüssige Mittel und konnte diese mit Zinsen bis 70% anderen Banken zur Verfügung stellen. Während der Krise erhielt Tanjung auch noch das Angebot, den Autozulieferer Astra zu übernehmen; er lehnte ab, da er befürchtete, eine zu grosse Investition tätigen zu müssen. Heute ist Astra einer der gewichtigsten Konzerne des Landes. «Die grössten Chancen sind jene, die einem durch die Finger gleiten», meint der Unternehmer ein wenig wehmütig.
Andere Chancen nach der demokratischen Wende liess er nicht ungenutzt. 1999 wurde ihm eine Lizenz für einen der fünf Fernsehsender angeboten. Tanjung machte sich an die Arbeit und gründete Trans TV; heute ist der Sender einer der wichtigsten Pfeiler von CT.
Genug Zeit, um zu scheitern
Daneben ist Tanjung auch oft für Politik und Gesellschaft unterwegs. Er organisierte die grösste indonesische Benefizveranstaltung für die Opfer des Tsunamis von 2004. Für kurze Zeit war er Präsident des nationalen Badminton-Verbandes, und als Berater von Präsident Habibie war er auch in der Politik tätig. Seit seiner Studienzeit arbeitet Tanjung, wie er sagt, täglich über elf Stunden und ist zufrieden. «Ich konnte nur zu dem werden, was ich bin, weil ich in Indonesien aufwuchs; hier war der Wettbewerb nicht so hart.» Dennoch glaubt er an das Land und die Kraft der Jugend.
Der gläubige Muslim prophezeit Indonesien eine prosperierende Zukunft und ist sicher, dass sich Islam und Geschäft vereinbaren lassen; er selber sieht sich als Beispiel dafür. Seinen jungen Landsleuten rät er, so früh wie möglich ein eigenes Geschäft zu starten; nur so gelange man zum Erfolg. Man brauche Zeit, um alles Mögliche auszuprobieren, und auch, um zu scheitern.