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Der auf Initiative des städtischen Musikkorps erbaute Kiosk wurde 1907 eingeweiht. Er steht auf dem Platz in Bulle, auf dem jeden Donnerstag Markt gehalten wird, eine auf das Mittelalter zurückgehende Handelstradition.
Im Wissen, dass die Bevölkerung von Bulle musikalische Produktionen im Freien den kostenpflichtigen Konzerten im Saal vorzieht, stellen die Musiker des Musikkorps der Stadt am Fasnachtsdienstag 1905 eine wilde „Cavalcade“ (Reiterzug) mit Reitern, Amazonen, Sängern, Zigeuner-Tänzerinnen und -Tänzern, Zirkusmusikern und Landsknechten (deutsche Söldner aus dem 15. bis 17. Jahrhundert) auf die Beine. Die Festeinnahmen sind für den Bau eines Musikkiosks bestimmt. Da der Fasnachtsumzug nur 250 von den 5555 Franken einbringt, die für den Bau benötigt werden, steuert die Stadt den fehlenden Betrag bei.
Die Place du Marché
Der 1907 eingeweihte Kiosk befindet sich auf der Place du Marché. Nach der Feuersbrunst von 1805 ist die Stadt grösstenteils zerstört, nur das Schloss und ein paar weitere Gebäude stehen noch. Wie ein Stadtplan von 1722 bezeugt, stand in der Mitte des Platzes eine Häuserreihe, deren rund 15 Häuser alle vom Feuer zerstört wurden. Im Laufe des Jahres 1808 entschied der Rat von Bulle, diese Häuserreihe nicht mehr aufzubauen, um künftigen Bränden vorzubeugen und ein modernes, luftiges Stadtbild zu entwickeln. So entstanden die Rue de la Promenade und die Place du Marché.
Der Markt von Bulle ist eine Handelstradition aus dem Mittelalter. Im 12. Jahrhundert gewährten die Bischöfe von Lausanne und Herren von Bulle der Stadt das Marktrecht, das ihr der Markt von Gruyères zuvor streitig machte; die Grafen von Gruyères verzichteten 1195 darauf. Bis 1628 wird in Bulle am Montag Markt gehalten. Ab diesem Jahr wird er auf den Donnerstag verlegt, an dem er bis heute stattfindet.
Das Institut Sainte-Croix
Das Gebäude gegenüber dem Kiosk in der Nähe der Kapelle von Notre-Dame de Compassion ist das alte Institut Sainte-Croix. 1899 lassen sich die Schwestern vom Heiligen Kreuz von Menzingen, einem religiösen Orden, in Bulle nieder. Sie eröffnen die ersten Klassen einer höheren Schule für Mädchen: ein Pensionat mit Internat, Lehrerinnenseminar und Sekundarschule. Das Gebäude wird 1903 und 1912 vergrössert. Während fünfundsechzig Jahren, bis zur Eröffnung gemischter Klassen in der Sekundarschule von Gruyères (1965), bleibt das Institut Sainte-Croix die einzige Einrichtung dieser Art in Bulle. Die letzte Klasse wird 1986 aufgehoben. Die Gebäude gehören seit 2012 der Stadt Bulle.
© Musée Gruérien
Literatur
Pierre-Alain Stolarski, Une harmonie dans la cité. Corps de musique de la ville de Bulle (1803-2003), Bulle, 2003.
Anne Philipona, «Émancipation ou conservatisme? Les religieuses et l’enseignement», in Histoire au féminin, Cahiers du Musée gruérien, n° 8, 2011.
Legende der Archivphotos:
Bulle, Place du Marché und Rue de Bouleyres, 1931.
© Foto Glasson, Musée Gruérien