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Unter dem Vorgang der Geokodierung (auch Georeferenzierung, Geotagging oder Verortung) versteht man die Zuweisung raumbezogener Informationen, der Georeferenz, zu einem Datensatz. Die Sektion GEWO geokodiert die im eidg. Gebäude- und Wohnungsregister (GWR) erfassten Gebäude, weist also diesen Daten Koordinaten zu. Als zusätzliche Eigenschaft besitzt ein Gebäude im GWR eine Adresse. Damit wird ein zusätzlicher indirekter Raumbezug geschaffen. Mithilfe geokodierter Adressen (das sind Punkte, die sowohl Postanschrift als auch Realweltkoordinaten tragen) lässt sich der direkte Raumbezug der Daten herstellen (Gebäude <--> Adresse <--> Koordinate). Damit schafft die Sektion GEWO für sämtliche adressbasierten Datensätze des BFS eine Grundlage zur räumlichen Darstellung.
Allgemeines
Geschichtliches
Zwischen 1850 und 2000 fanden in der Schweiz alle zehn Jahre Volkszählungen statt. Die einzigen Abweichungen vom Zehnjahresrhythmus waren die Zählungen von 1888 und 1941.
Die Erhebungen werden unter Verantwortung der Schweizerischen Eidgenossenschaft durchgeführt und die Ergebnisse vom Bundesamt für Statistik ausgewertet.
Die Zählung im Jahre 2000 wurde auf Beschluss des Bundesrates von 2005 letztmalig nach der herkömmlichen Methode veranstaltet. Seit 2010 wird die Volkszählung als Registerzählung durchgeführt. Als Datenquelle dienen die vorhandenen kantonalen und kommunalen Einwohnerregister.
Volkszählung 1990
Die Volkszählung 1990 wurde erstmals und mit einem erheblichen Aufwand mit Hilfe der Gemeinden und Kantone geokodiert. Wo Kantone oder einzelne Städte bereits über Gebäudekoordinaten verfügten, wurden diese dem BFS direkt übermittelt. Für alle anderen Gemeinden wurden die Gebäudekoordinaten ab Plänen, welche von den Gemeinden vorbereitet wurden, durch das BFS oder Aussenstellen in einzelnen Kantonen bestimmt. Damit konnten die erhobenen Merkmale der VZ erstmals auch mit genauen Angaben zur geografischen Lage zur Verfügung gestellt werden. 389 Merkmale über Bevölkerung, Haushalte, Gebäude und Wohnungen wurden auf Hektaren aggregiert und stehen als Standarddatensatz zur Verfügung. Die Möglichkeiten geokodierter Volkszählungsdaten wurden im Anschluss an die Volkszählung 1990 bereits intensiv nachgefragt und genutzt, insbesondere für die Bereiche der Optimierung von neuen Haltestellen und der Planung des öffentlichen Verkehrs (z. B. S-Bahn Zürich, Verlängerung Metro Lausanne-Ouchy).
Volkszählung 2000
Die Volkszählung 2000 wurde auf der Basis des Eidgenössischen Gebäude- und Wohnungsregisters (GWR) geokodiert, welches anhand der Gebäude- und Wohnungszählung 2000 aufgebaut wurde.
Die Geokodierung ging in vier Phasen vonstatten:
- Übernahme der Koordinaten aus der Geokodierung der Volkszählung 1990 sowie den 1995 und 1998 erfassten Unternehmen des sekundären und tertiären Sektors beziehungsweise einem 1996 und 2000 erfassten Landwirtschaftsbetrieb.
- Übernahme zusätzlicher Gebäudekoordinaten aus amtlichen Vermessungsdaten oder kantonalen Registern
- Identifizierung der in den zwei vorangehenden Phasen noch nicht lokalisierten Gebäude durch die Gemeinden oder Kantone und anschliessende Digitalisierung der Koordinaten beim BFS.
- Kontrolle und Validierung der Koordinaten beim BFS.
Sämtliche festgestellten Widersprüche führten zu manuellen Kontrollen. Gegebenenfalls wurden die notwendigen Korrekturen entweder direkt ausgeführt (bei Verfügbarkeit der notwendigen Informationen), oder die Gemeinde bzw. der Kanton wurde noch einmal kontaktiert.
Die Geokodierung der VZ2000 dauerte vier Jahre und beschäftigte ein Team von ca. 10 Personen.
Volkszählungen seit 2010
Die Geokodierung der Volkszählungen seit 2010 erfolgt über eine Referenzdatei mit den zum Zeitpunkt des Stichtags gültigen Koordinaten. Damit diese Referenzdatei möglichst vollständig ist (um detaillierte räumliche Auswertungen zu ermöglichen), werden die Gebäude im eidg. GWR fortlaufend geokodiert.
Über die Geokdierung
Die Geokodierung ist ein komplexes Zusammenspiel zahlreicher Beteiligter und verschiedener Prozesse. Aus diesem Grund wurden drei Kernbereiche mit den entsprechenden Zielen ausgeschieden, welche es ermöglichen, sowohl die kontinuierliche Geokodierung des GWR mit den dazugehörigen Grundlagenarbeiten, als auch das Bereitstellen von Koordinaten für verschiedene Erhebungen transparent darzustellen. Die Kernbereiche gliedern sich wie folgt:
- Adresspflege im GWR
- Koordinatenpflege im GWR
- Geokodierung von Erhebungen
Die Bereiche sind in dieser Reihenfolge voneinander abhängig.
Adresspflege im GWR
Im GWR sollen saubere, korrekte und eindeutige Adressen vorhanden sein. Die Adressdaten des GWR werden von den GWR-Nutzern gebraucht und teilweise auch gegen aussen vertrieben. Die Daten dürfen nicht redundant sein und wo immer möglich, der offiziellen Schreibweise der Gemeinden entsprechen. Die Adressen sollen den formalen Regeln gemäss Merkmalskatalog GWR entsprechen um eine einheitliche Suche zu ermöglichen. Sämtliche nachgelagerten Adressvergleiche und Geokodierungen basieren auf einem korrekten Adressdatensatz. Fehlende oder falsche Adressen führen zu fehlenden oder falschen Verknüpfungen und Koordinaten. GWR-Adressen, welche nicht den an SEDEX übermittelten Adressen der Gemeinde (und umgekehrt) entsprechen, verhindern eine fehlerfreie Datengrundlage für die Registerabfragen.
Koordinatenpflege im GWR
Die Koordinaten werden immer häufiger zur Lokalisation von Gebäuden hinzugezogen. Lokalisierte Gebäude können anhand eines Adressvergleichs für die räumliche Darstellung beliebiger Sachverhalte verwendet werden. Deshalb sind korrekte, zeitnah aktualisierte Daten wichtig - wir sprechen hier von einer kontinuierlichen Geokodierung. Als Hauptdatenquelle dienen dem BFS die Informationen der Amtlichen Vermessung (AV). In regelmässigen Abständen werden die Daten Dritten zur Verfügung gestellt wo sie mittels GIS-Viewer (Geographic Information System) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Veraltete oder fehlerhafte Daten sind aufgrund der Darstellung im Raum sofort für jedermann ersichtlich.
Jährlich wird Mitte Jahr eine Referenzdatei für den 31.12. des Vorjahres erstellt, welche für die standardisierte Geokodierung verschiedener Statistiken verwendet werden kann.
Politische Grundlagen
Die öffentliche Statistik in der Schweiz hat den Auftrag, repräsentative Ergebnisse über den Zustand und die Entwicklung von Bevölkerung, Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung, Forschung, Raum und Umwelt bereitzustellen. Die Volkszählung liefert Informationen für einen Teil dieser Themenbereiche. Sie hat sich im Lauf der Zeit von ihrer ursprünglichen Funktion einer reinen Zählung der Wohnbevölkerung zu einer Strukturerhebung über Personen, Haushalte, Arbeits- und Schulorte sowie über Gebäude und Wohnungen entwickelt. Miteinander kombiniert zeigen die Daten aus der Volkszählung verschiedene Facetten der gesellschaftlichen Entwicklungen auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene sowie im internationalen Vergleich auf. Die erhobenen Daten sind wichtige Entscheidungsgrundlagen für Politik, Verwaltung und Wissenschaft.
Um mit den erhobenen Daten kleinräumliche Aussagen machen zu können, werden zu den erhobenen Merkmalen die genauen Koordinaten benötigt. Ohne diese Koordinaten würden sich die Aussagen auf Gemeinde- oder Postleitzahlenebene beschränken,
was je nach Fragestellung nicht erwünscht ist.
Mandat im Mehrjahresprogramm des BFS
Die Geokodierung steht im Mehrjahresprogramm des BFS unter der Ziffer 00-03-00 als „Geokodierung von statistischen Erhebungen“ zum Zweck des Bereitstellens von kleinräumlichen Daten aus den betreffenden Statistiken (in Metergenauigkeit, wo nötig aggregiert in Hektaren).
Rechtliche Grundlagen
Adressen
Um Gebäude identifizieren zu können, wird unter anderem die Gebäudeadresse verwendet. Sie ist die Grundlage der meisten gebäudebezogenen Suchanfragen und Identifikationsprozesse.
Die Ausprägung der Adresse wird in der Schweiz durch die Adressnorm SN 612040 definiert: Die übliche Darstellung einer Adresse (ohne Personenname und ohne Angabe des Landes) weist eine oder zwei Adresszeilen auf:
- Strassenbezeichnung Hausnummer
- PLZ Ortschaft
Eine Zeile für Postleitzahl und Ortschaft und normalerweise eine Zeile für Strassenbezeichnung und Hausnummer (oder ähnliche Angaben). In Ausnahmefällen fehlt diese Zeile oder wird durch eine Zeile mit dem Gebäudenamen ersetzt. Das SR 510.62 Bundesgesetz vom 5. Oktober 2007 über Geoinformation (Geoinformationsgesetz, GeoIG) erlässt in Art. 7 Abs. 1 Vorschriften über die Koordination der Namen von Gemeinden, Ortschaften und Strassen, welche in der SR 510.625 Verordnung vom 21. Mai 2008 über die geografischen Namen (GeoNV) Art. 10.ff als detaillierte Ausführungsvorschriften erlassen sind. Über die Ausprägung von Gebäudenamen und Hausnummern gibt es keine rechtlichen Grundlagen. Zur Hausnummer gibt es jedoch eine Empfehlung: Gebäudeadressierung und Schreibweise von Strassennamen.
Koordinaten
Das BFS führt gemäss SR 431.01 Bundesstatistikgesetz vom 9. Oktober 1992 (BStatG) Art. 10 Abs. 3bis in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen ein eidgenössisches Gebäude- und Wohnungsregister (GWR). Zugriff auf das Register haben der Bund für Zwecke der Statistik, Forschung und Planung sowie jeder Kanton für die Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben auf diejenigen Daten, die sein Gebiet betreffen. Der Bundesrat regelt die Führung dieses Registers in der SR 431.841 Verordnung über das eidgenössische Gebäude- und Wohnungsregister.
In dieser Verordnung ist unter Art 5. Abs. 1 lit.f der Referenzpunkt des Gebäudes (Gebäudekoordinaten) als obligatorisch zu führendes Gebäudemerkmal aufgezählt.
Das GWR ist gemäss SR 431.112 Bundesgesetz vom 22. Juni 2007 über die eidgenössische Volkszählung (Volkszählungsgesetz) Art. 5 Abs. 1 lit. b Bestandteil der Registererhebungen für die Volkszählung.