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Distaler Roux-Y Magenbypass
Distaler Roux-Y Magenbypass
von Dr. med. Thomas Köstler, Adipositaszentrum Limmattal
Artikel von Dr. med. Thomas Köstler, Leitender Arzt des Adipositaszentrums Limmattal
Der distale Roux-Y Magenbypass ist eine Variation des Magenbypasses.
Beim distalen Roux-Y Magenbypass wird der Magen unweit der Einmündungsstelle der Speiseröhre in den Magen durchtrennt und es wird ein kleiner proximaler Magenpouch geformt. Anschliessend wird eine neue Verbindung zwischen Magen und Dünndarm hergestellt. Die Dünndarm-Dünndarm-Verbindung, welche den biliopankreatischen Dünndarmschenkel und den alimentären Dünndarmschenkel (der Dünndarmschenkel der die Nahrung führt) vereint, befindet sich knapp 1 Meter vor Einmündung des Dünndarms in den Dickdarm. Somit beträgt die Länge des sogenannten Common Channels (gemeinsamer Schenkel) knapp 1 Meter.
Es gibt nun zwei Varianten der distalen Magenbypass-Operation. Bei der sogenannten VVLL (very very long limb) Variante wird ein sehr langer alimentärer Schenkel gebildet und ein kurzer biliopankreatischer Schenkel. Der alimentäre Schenkel kann 2 bis 5 Meter lang sein. Der biliopankreatische Schenkel ist dabei 50 bis 70 cm lang.
Beim sogenannten biliopancreatic-like distalen Magenbypass wird ein sehr langer biliopankreatischer Schenkel geformt, dieser kann 2 bis 4 Meter lang sein, und ein relativ kurzer alimentärer Schenkel, der 1.5 und 2 Meter lang ist.
Der biliopancreatic-like distale Magenbypass ist im Gegensatz zum VVLL distalen Magenbypass deutlich malabsorptiver, das heisst, dass hier deutlich mehr Proteinmangel-Symptome und Mangelernährungen auftreten können. Diese Operation führt zwar zu einer schönen Gewichtsreduktion, allerdings ist sie im Langzeitverlauf nicht selten mit Problemen behaftet.
Bei den Varianten des distalen Magenbypasses sind engmaschige und regelmässig durchzuführende Nachkontroll-Untersuchungen wichtig. Das Mitmachen der Patienten im mittel- und langfristigen Verlauf ist unerlässlich. Regelmässig, das heisst, mindestens 2-mal pro Jahr sollten Termine stattfinden, bei welchen auch die Proteine kontrolliert werden. Häufige Vitaminmängel nach distalem Magenbypass sind Vitamin D-Mangel (Achtung Knochenschwund und Nierensteine), sowie wie Vitamin B12- und Eisenmangel (Achtung Blutarmut).
Eine andere Nebenwirkung des distalen Magenbypasses kann die sogenannte Steatorrhoe sein. Bei der Steatorrhoe handelt es sich um Fettstuhlgänge. Die Fettstuhlgänge sind von breiiger Konsistenz und sehr geruchsintensiv. Die Stuhlfrequenz kann zwischen 3 und 5 mal pro Tag sein. Diese Fettstuhlgänge treten allerdings vor allem dann auf, wenn sich der Patient nicht an die verordnete Fettrestriktion nach distaler Magenbypass-Operation halten kann. Sofern diese Fettrestriktion (Achtung Fondue, Raclette oder Zürcher Geschnetzeltes) nicht eingehalten wird, kann es zu oben beschriebenen Symptomen kommen.
Der distale VVLL-Magenbypass führt nur selten zu schweren Mangelernährungen, aus diesem Grunde ist es der von uns präferierte distale Magenbypass. Aber auch hier sollten auf jeden Fall engmaschige Nachkontrollen durchgeführt werden, da es ebenso zu oben beschriebenen Vitaminmangel-Symptomen kommen kann. Auch die oben beschriebene Steatorrhoe kann beim VVLL-Magenbypass auftreten, sofern sich der Patient nicht an die verordnete Fettrestriktion halten kann.
Vorteil der distalen Magenbypass-Operation generell ist eine bessere Gewichtsreduktion im Langzeitverlauf bei sehr schwer übergewichtigen Patienten im Vergleich zur klassischen proximalen Magenbypass-Operation. Zudem kann die distale Magenbypass-Operation schwere Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämien) therapieren.
Die distale Magenbypass-Operation ist speziellen Situationen vorbehalten, und sofern der Patient langfristig die Nachsorgeuntersuchungen durchführt und sich an die Fettrestriktion halten kann.
Vor allem der VVLL distale Magenbypass ist eine Operation mit sehr guter Langzeit-Gewichtsreduktion und einer guten Lebensqualität.