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BlackRocks Abstimmungsverhalten wirft Fragen auf
BlackRock ist die grösste Investorin am Schweizer Markt. Die Beteiligungen an Schweizer Unternehmen bringen der Vermögensverwalterin ein Stimmrecht an deren Generalversammlungen. Wie nutzt BlackRock dieses?
BlackRock ist mit rund 5.8% an den börsennotierten Schweizer Unternehmen beteiligt und ist somit klar grösste Aktionärin am Schweizer Markt (vor Vanguard mit 2.8%). Als solche kommt BlackRock, wie allen anderen Aktionär:innen, ein Stimmrecht an den Generalversammlungen der entsprechenden Unternehmen zu. Die grosse Beteiligung an der Schweizer Wirtschaft macht BlackRock zu einer gewichtigen Aktionärsstimme.
BlackRocks Richtlinien als Stimmrechtsvertretung
BlackRock sieht sich selbst als Investorin in der Verantwortung, den investierten Unternehmen auf die Finger zu schauen und die Interessen der BlackRock-Kund:innen zu vertreten. So schreibt BlackRock im sogenannten «Investment Stewardship», dass es im Interesse ihrer Kundschaft sei, eine “solide Unternehmensführung als informierte, engagierte Aktionärin zu fördern”. Die Firma fasst in diesem Dokument die Richtlinien zusammen, die sie ihm Rahmen ihres Engagements in Unternehmen und als Stimmrechtsvertretung ihrer Kund:innen anwende. Diese Richtlinien behandeln unter anderem die Zusammensetzung von Verwaltungsräten, die Klimapolitik von Unternehmen, an denen Beteiligungen vorliegen, oder den Schutz der Aktionär:inneninteressen.
So schreibt BlackRock in diesem Papier beispielsweise, dass sie keine Boni-Politik unterstütze, die nicht mit der Leistung der begünstigten Person oder dem Unternehmen zusammenhängt. Im Dokument «Our 2021 Stewardship Expectations» fordert BlackRock von allen Unternehmen in ihrem «erweiterten Fokusuniversum» zudem einen Business-Plan, der mit der Begrenzung der globalen Erwärmung auf «deutlich unter 2 Grad Celsius» und der Strategie netto null bezüglich globaler Treibhausgasemissionen bis 2050 vereinbar sei.
BlackRock stellte nach eigenen Angaben 191 Verwaltungsräte unter Beobachtung mit der Ansage, sie nicht wieder zu wählen, falls sie bis Ende 2021 keine merklichen Fortschritte beim Management und der Berichterstattung über klimabezogene Risiken zeigten.
Im Oktober 2021 sorgte eine Meldung zum Abstimmungsverhalten von BlackRock für Aufsehen. Als erste führende Vermögensverwalterin will sie einem Teil ihrer Kund:innen die Möglichkeit geben, bei Generalversammlungen selbst zu stimmen. Damit reagiert BlackRock auf drei Kritikpunkte: Erstens auf jene von Pensionskassen oder Grossinvestor:innen, die sich direktes Stimmrecht wünschen. Zweitens auf jene von Expert:innen, die befürchten, dass durch sogenanntes Index-Investing, wie es BlackRock betreibt, die Kontrolle von immer mehr Unternehmen in die Hände von immer weniger Vermögensverwalter:innen gerät. Und drittens auf jene von Kritiker:innen, die monieren, dass BlackRock zu wenig Einfluss auf beteiligte Unternehmen nimmt.
Was sagen die Abstimmungsdaten?
Die aufbereiteten Daten zum Abstimmungsverhalten von BlackRock bieten die Möglichkeit, der Vermögensverwalterin auf die Finger zu schauen.
Handelt BlackRock am Ende so, wie sie das in ihren Richtlinien kommuniziert? Steht es im Einklang mit BlackRocks Klimazielen, wenn sie den gesamten Verwaltungsrat von Glencore 2021 bestätigt? Wieso unterstützte BlackRock Frederico F. Curados Kandidatur für den Verwaltungsrat von Transocean Ltd. aufgrund unzureichender Klimapolitik nicht, stimmte aber für den ehemaligen und langjährigen CEO Ivan Glasenberg im Verwaltungsrat von Glencore?
Was unternimmt BlackRock, wenn Unternehmen ihren Richtlinien nicht nachkommen? Was heisst das für ihre Prinzipien betreffend Boni-Politik, wenn BlackRock den gesamten UBS-Verwaltungsrat bestätigt, obwohl die Vergütung der Führungsebene im Jahr 2020 um 10 Millionen gestiegen ist? Und ist die Ankündigung von BlackRock, künftig ihren Kund:innen das Stimmrecht zu geben, ein Schritt hin zu mehr Demokratie in der Wirtschaft oder drückt sich BlackRock dadurch vor Verpflichtungen, die ihre Marktmacht mit sich bringt?