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Ausstellungskataloge
London International Stamp Exhibition 1950
Briefmarken-Kataloge und philatelistische Handbücher, Zeitschriften und Kataloge zu Briefmarken-Auktionen haben wir bereits vorgestellt, heute wollen wir einen Vertreter der fünften Kategorie, den Ausstellungskatalogen, vorstellen.
Ähnlich wie beim Sport gibt es auch in der Philatelie Wettbewerbe auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Dabei messen sich die Sammler untereinander und Juroren ermitteln, welche der ausgestellten Sammlungen „die Beste“ sei.
Schon sehr früh fanden internationale Wettbewerbsausstellungen statt und ihre Bedeutung für die Popularität des Briefmarkensammelns kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Kataloge dazu geben neben den organisatorischen Hinweisen und Plänen auch Verzeichnisse der Exponate. Während bei den heutigen internationalen Grossveranstaltungen aus Platzgründen meist nur der Titel des Exponates aufgelistet werden kann, findet man in frühen Ausstellungskatalogen manchmal auch kurze Inhaltsangaben oder eine Liste der grössten Raritäten, was natürlich sehr interessant sein kann.
Nach dem zweiten Weltkrieg war die IMBA 1948 in Basel eine sehr wichtige internationale Ausstellung. Die von manchen Kennern aber als qualitativ höchststehende Ausstellung aller Zeiten fand kurz danach in London statt: vom 6.-13. Mai 1950 wurde unter anderem auch das grosse Jubiläum der Einführung der Briefmarke (1840) gefeiert. Der grosse Krieg hatte 1940 die „100 Jahre“- Ausstellung verunmöglicht, zehn Jahre später bemühten sich die Briten, alles nachzuholen und rückten Grossbritannien wieder ins Zentrum der philatelistischen Welt.
Viele der besten Sammlungen wurden 1950 „ausser Konkurrenz“ gezeigt, sonst wäre die Arbeit der 22 Juroren noch schwieriger gewesen. Heute wissen wir, dass unter dem Pseudonym „Sextus Afranius“ einer der weltgrössten Sammler aller Zeiten, nämlich Maurice Burrus, viele seiner grössten Raritäten zeigte; er hat sonst nur sehr selten ausgestellt.
Eine Besonderheit 1950 war, dass jeder Aussteller nur eine Auszeichnung bekam, auch wenn er mehrere Sammlungen ausgestellt hatte. Herr Herbert C. V. Adams trat mit zehn Exponaten auf und erhielt den Grand Prix für seine phantastische Sammlung Grossbritannien. Damals war die Verteilung der Medaillen auch ganz anders als heute. Während im 21. Jahrhundert eine Silber- oder gar eine Bronze-Medaille für viele Sammler als Enttäuschung gilt, wurden 1950 noch 90 Aussteller der 245 prämierten Aussteller „nur“ mit Bronze bedacht, weitere 86 „nur“ mit Silber. Das heisst, also nur gut 28 % der Prämierten erhielt 1950 eine höhere Medaille; das sollte bei Quervergleichen zu früher nie vergessen werden.
Das Studium von Ausstellungskatalogen kann dem Interessierten wertvolle Hinweise geben und dokumentiert vergangene Zeiten. Die Stiftung versucht, eine gute Auswahl an nationalen und internationalen Ausstellungskataloge zu halten. Heinz Glättli, FRPSL