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Die Credit Suisse hat einen Chef. Tidjane Thiam. Der tritt eloquent auf, wenn sein Unternehmen jedes Quartal die „Erfolge“ präsentiert.
Danach ist Ruhe. Thiam verschwindet nicht nur von der öffentlichen Bildfläche. Sondern er wird auch in der Credit Suisse nicht gesehen.
Wo steckt der grosse Boss?, fragen sich immer mehr. Was macht Thiam?
Die Frage ist umso relevanter, als entscheidende Weichenstellungen anstehen. Falls Thiams Kronprinz Iqbal Khan tatsächlich zur Julius Bär abspringen will, dann müsste der CS-CEO rasch einen guten Nachfolger – oder eine Nachfolgerin – aus dem Hut zaubern.
Noch wichtiger wäre es, den Gerüchten um Khans Wechsel auf den Grund zu gehen und dann Klartext zu reden. Thiam müsste Khan zwingen, sich zu entscheiden – und dann entsprechend kommunizieren.
Statt dessen lässt Thiam alles in der Schwebe. Bleibt Khan, geht er? Man weiss es nicht.
Es handelt sich nicht um einen Nebenschauplatz, sondern um die zentrale Zukunftsfrage der Bank. Intern gilt Khan als jener Banker, der die besten Chancen hat, nächster CEO der CS zu werden.
Härteste Herausforderin ist Lara Warner. Die beiden liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Thiam schaut zu – und schweigt.
Umgekehrt reagiert er sofort, wenn sein Lohn nicht aufs Komma genau dargestellt wird. So findet sich in der gestrigen NZZ am Sonntag eine Präzisierung, die höchst eigenartig anmutet.
„Im Zusammenhang mit dem am 7. April publizierten Artikel unter dem Titel ‚Ausländische Investoren besitzen 60 Prozent an Schweizer Konzernen‘ legt die Credit Suisse Wert auf folgende Präzisierung“, stand da gestern.
Und weiter: „In der letzten Ausgabe der ‚NZZ am Sonntag‘ wurde geschrieben, dass die Aktionäre der Credit Suisse an der kommenden Generalversammlung für den CEO 13 Mio. Fr. absegnen würden und für den Verwaltungsratspräsidenten 5 Mio. Fr.“
„Richtig ist, dass die Vergütung 12,65 Mio. Fr. für den CEO und 4,7 Mio. Fr. für den Präsidenten beträgt.“
Thiam interveniert, weil sein Lohn und Bonus von der NZZ am Sonntag von 12,65 Millionen auf 13 Millionen gerundet wurde? Die CS greift ein, weil die Entschädigung ihres Präsidenten Urs Rohner statt mit 4,7 mit 5 Millionen Franken beziffert wurde?
Wirklich? Und die gleiche CS schweigt seit Wochen zu den Gerüchten rund um ihre Nummer 2 Khan. Diese sind von den grössten Nachrichtenportalen aus den USA in die Welt hinaus posaunt worden – entsprechend geben sie CS intern zu reden.
Die CS-Oberleitung ist schnell im Protestieren und „Richtigstellen“, wenn es um ihren eigenen Verdienst geht. Wir sprechen dabei von Peanuts, nämlich von einer Rundung nach oben um 2,8 Prozent (bei CEO Thiam) respektive um 6,4 Prozent (bei Präsident Rohner).
Thiam ist weg, abgetaucht, still. Egal, wie laut die Gerüchte sind. Nur wenn sein Bonus zu reden gibt, dann reagiert er wie aus der Kanone geschossen.
Für die 45’000 CS-Mitarbeiter, davon rund 17’000 in der Schweiz, ist das ein Problem. Die Crew bräuchte einen Chef, der auf der Brücke steht und die Richtung vorgibt. Einen CEO, der fassbar ist, der fragt, der überlegt, der entscheidet.
Dass dies geschieht, ist nicht zu erkennen. Schon seit langem nicht mehr. Thiam tritt vor allem nach aussen in Erscheinung. Neben den Quartals-Terminen war dies auch am diesjährigen WEF in Davos der Fall.
Dort lerne die Welt dann auch sein neues Äusseres kennen. Auch das kann helfen, wenn im Business die Antworten auf die drängenden Fragen fehlen. Lieber eine Debatte über Stil als eine über Substanz.
Wie will Thiam die CS zu neuen Erträgen, zu neuem Business, führen? Was kommt nach den endlosen Jahren des Kostenabbaus? Was Anderes als ständige Entlassungen unten und in der Mitte hat der CEO im Köcher? Wie will er den Absturz im Investmentbanking beenden?