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1986 hatte sich Bruce Broughton mit seiner Oscarnomination für Silverado und dem fantastischen Score zu Young Sherlock Holmesbereits einen Namen gemacht und auch sein Können für historisches TV-Material unter Beweis gestellt: The Blue and the Grey und The First Olympics (beide bei Intrada erschienen). George Washington II: The Forge of a Nation ist die Fortsetzung, logischerweise, zur erfolgreichen Miniseries George Washington zu der Laurene Rosenthal 1984 die Musik komponierte. Die Fortsetzung nun konzentriert sich in zwei ausführlichen Teilen auf die Amtszeit Washingtons als Präsident von 1789 bis 1797.
Broughton wurde für das „Sequel“ der Auftrag gegeben, Musik zu schreiben, die sich am späten 18. Jahrhunder orientieren sollte. Wie im Booklet zu lesen ist (Broughton steuerte wie immer bei Intrada Veröffentlichungen seiner Musiken selber Liner Notes bei) setzte der Komponist diese Vorgabe auch für die Orchesterbesetzung um, die sowohl die geforderten Vorgaben aber auch den „normalen“ Score würde einspielen können.
Broughton berichtet, dass er bald bemerkte, dass ein rein der Zeitgeschichte untergeordneter Score nicht funktionierte und der Film neben der Musik à la Mozart, Haydn und Beethoven auch einen dramatischen Score verlangte, der sich nicht an bestimmten Musikstilen zu orientieren hatte. Dies verdeutlicht die CD sehr schön und der erste Höreindruck via Internet-Hörbeispielen ist nicht wirklich ausschlaggebend für den Score. Plus: die „klassisch“ orientierten Teile, die zum Teil auf bestehenden Kompositionen amerikanscher Komponisten aus jener Zeit basieren, fügen sich doch sehr flüssig in den restlichen Score ein.
Broughton beginnt George Washington II im Track „Main Title“ mit seiner Version des „President’s March“, einem Stück aus dem Jahr 1789 von Philip Phile. Es dient quasi als Buchenden des Scores und wird im Verlaufe kaum mehr ausführlicher benutzt. Ein bisschen mehr Einfluss hat „A Toast to Washington“ (1777, Francis Hopkinson), das Broughton in Track 2, „President Washington/Nefarious Schemes“ einführt und welches als (rosa)roter Faden dient, in sehr gedämpften und feinen Variationen allerdings (auch im Liebesthema „Martha & George“). Die erstaunlich häufig vorkommenden Spannungsstücke, die die dunklen Seiten der Politik unterstreichen durch die die amerikanische Präsidentschaft damals wie heute gegangen ist, sind typisch für Broughton: Ein „Reconsidering: Treasury Emergency“ lässt das brodelnde Ambiente eines Tombstone aufkommen, während „Breathless Whispers“ und „Drag Washington Out“ als sehr intensiv mit viel Bewegung im Orchester auffallen – wer diesen Stil von Broughton mag, wird hier an einigen Tracks Freude haben. Der Score ist, man würde es eigentlich nicht erwarten, weitaus dunkler gefärbt als etwa ein Blue and the Grey. Broughtons beliebtes Americana schimmert selten durch (logisch, die Zeit ist eine andere, das Idiom musste zuerst noch geboren werden), in „Freedom Agreement“ etwa oder zum Schluss von „Canary Wine“.
Ans Ende der CD werden dann ein paar source music Stücke gestellt, die deutlich mehr die Zeit wiedergeben als der Score selber. Zieht man diese ab, verbleiben rund 40 Minuten reine Filmmusik, eine angenehme Laufzeit.
George Washington II ist ein überraschend gelungener Score aus dem tatsächlich immer kleiner werdenden Fundus an Musiken von Bruce Broughton, die ich vorher noch nie gehört habe. Umso willkommener diese Veröffentlichung von Intrada, limitiert auf 1000 Stück, leider bereits ausverkauft und nur noch zu einzelnen Teilen, etwa bei SAE, zu erstehen. Und um Stefan Schlegels ironische Frage, ob ich mir denn eigentlich alles kaufe, was von Broughton erscheinen würde, zu beantworten: Meistens ja und im Falle einer Musik wie dem Washington II sogar gerne!
GEORGE WASHINGTON II: THE FORGING OF A NATION Bruce Broughton Intrada Special Collection ISE 1028 56:25 Min. / 25 Tracks