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Die zentralen Dienste wurden, soweit es sie überhaupt gab, lange Zeit auf einem äusserst bescheidenen Niveau gehalten. In den 1960er Jahren fand dann eine erste Aufbauphase statt. Und zu einem weiteren Schub kam es 1996 mit der Verselbständigung der Universität.
Schon 1959 hatte Rektor Andreas Werthemann dem Erziehungsdepartement eine Notlösung «als ersten Schritt in einer Gesamtreorganisation» vorgeschlagen. Und im Dezember jenes Jahres rief die Regenz eine ständige Kommission zur Reorganisation der Universitätsverwaltung ins Leben. Bis 1961 hatten sich die Verhältnisse aber eher verschlimmert, so dass sich Rektor Edgar Salin gezwungen sah, erneut mit einem dringlichen Appell das Departement auf die Unhaltbarkeit der misslichen Umstände hinzuweisen: «Als ich das Rektorat übernommen habe, tat ich es nicht in der Meinung, dass alle geistigen und alle humanitären Aufgaben, die wirklich auch sehr dringend sind, auf Monate zurücktreten müssen nur darum, weil die Verwaltung am Zusammenbrechen ist.»
In den folgenden Jahren wurden die zentralen Dienste dann doch in bescheidenem Masse ausgebaut (u.a. mit auch mit einer Telefonzentrale und einer Registratur). Die Universitätsleitung wurde durch eine neue Stelle weiter verstärkt. Man gab den stets wechselnden Rektoren einen permanenten Mitarbeiter zur Seite. Vorerst hatte man daran gedacht, das Ehrenamt des Regenzschreibers zu einer halbamtlichen Stelle auszubauen und es einem Extraordinarius anzuvertrauen, der zur anderen Hälfte durch seine Lehrtätigkeit beansprucht wäre. Man hatte sich auch mit dem Gedanken getragen, die Stelle eines Universitätskanzlers zu schaffen. Aus den verschiedenen Plänen ging schliesslich das Amt eines Adjunkten des Rektors hervor. Dieser neue Mitarbeiter hatte als Mitglied des Rektorates (das nun zusammengesetzt aus Rektor, Rektor designatus und Prorektor zu einem Viererkollegium wurde) die Kontinuität in der Führung der Rektoratsgeschäfte zu gewährleisten. Der Adjunkt übernahm die Protokolle der Regenz und zugleich die Leitung der Verwaltung. Adrien Veillon, zuvor Leiter des Instituts für Rechtswissenschaft, trat das von Max Imboden konzipierte Amt im September 1964 an und wirkte in den folgenden 19 Jahren als rechte Hand von 13 verschiedenen Rektoren, bis er im August 1983 diese verantwortungsvolle Aufgabe Mathias Stauffacher übergab, der bisher als Sekretär der Koordinationskommission gewirkt hatte und bis 1996 wirkte. Heute hat Beat Münch diese Stelle inne.
Bevor es die Stelle eines Adjunkten gab, war der Sekretär der Universität der wichtigste Mitarbeiter des Rektors gewesen. Auf den legendären Jakob Bolli, der während 38 Jahren das Herz der Verwaltung gewesen war, folgten 1958 Heinz Bollinger und 1961, wiederum für eine längere Amtszeit, Alfred Back, der 1978 von Hans Joss abgelöst wurde. Nachdem 1964 die Leitung der Verwaltung an den Adjunkten übergegangen war, oblagen dem Sekretär als wichtigste Aufgaben das Immatrikulationswesen (und damit auch die Handhabung der Zulassungspraxis), die Redaktion des Vorlesungsverzeichnisses (soweit sie nicht dem von Georges Rigoni verwalteten EDV-Bereich übertragen war) und die Jahresberichte, denen die Rektoren im Schlusswort und später im Vorwort jeweils noch eine persönliche Note gaben. Später entstand unter Elsa Suters Führung der zentrale Studiensekretariat.
Neue Mitarbeiter kamen hinzu, alte gingen - im allgemeinen herrschte aber (wie im Fall des Adjunkten und des Universitätssekretärs) eine bemerkenswerte Permanenz: Albert Thomann, der 1938 in den Universitätsdienst getreten war, versah bis 1970 das Amt des Pedells und des Dekanatssekretärs. Leander Schmid, der dienstälteste Mitarbeiter der Universitätsverwaltung, führt seit 25 Jahren die Kanzlei der Universität. Myrta Rinderspacher wirkte beinahe 20 Jahre für die Universität; zunächst als Dekanatssekretärin, dann gute zwölf Jahre als Rektoratssekretärin, bis sie 1983 von Elisabeth Heckendorn abgelöst wurde, die vorher auch schon 21 Jahre in der Universitätsverwaltung tätig gewesen war. 1960 war die Universitätsverwaltung um eine völlig neue Stelle erweitert worden: die Mater hospitalis. In Einzelberatungen half sie Studierenden, die schwieriger gewordenen Wohn- und Verpflegungsprobleme zu lösen, zugleich hatte sie an der Förderung gesamtstudentischer Einrichtungen (Mensa, Studentenheime) mitzuarbeiten.
Der durch die Zunahme der Geschäfte notwendige Ausbau der Verwaltung lässt sich an der Entwicklung der Dekanate besonders deutlich ablesen. Zu Beginn der sechziger Jahre wurden die Dekanatsgeschäfte im Prinzip von dem allen Fakultäten zur Verfügung stehenden Dekanatssekretär und den Institutssekretärinnen (sofern es sie gab) der jeweiligen Dekane erledigt. Da diese Infrastruktur in keiner Weise genügte, wurde dem Dekanatssekretär zur Entlastung Elsa Oberer beigegeben, die im Büro von Albert Thomann anfänglich die Geschäfte gleich dreier Fakultäten zu erledigen hatte.
Rektor Max Imboden wies in einer Eingabe vom Mai 1963 darauf hin, dass die Medizinische Fakultät, die Naturwissenschaftliche Fakultät sowie die Theologische und die Geisteswissenschaftliche Fakultät zusammen je mit einer Sekretärin ausgestattet werden sollten. Da dieser Ausbau aber als zu weitgehend empfunden worden wäre, beschränkte sich der Antrag darauf, für die vier Fakultäten zusammen vorläufig wenigstens die Stellen für zwei Sekretärinnen zu fordern. Die Geschäfte der Juristischen Fakultät wurden durch den Leiter des Instituts für Rechtswissenschaft erledigt. Imbodens Gesuch wurde insofern entsprochen, als den vier Fakultäten vom Herbst 1963 an je eine Halbtagssekretärin zugestanden wurde, aber lediglich als Aushilfskräfte, weil das Departement aus strukturellen Überlegungen nichts präjudizieren wollte. Erst Ende der sechziger Jahre erweiterte man diese Stellen zu Ganztagsstellen.
Etwa zur gleichen Zeit und sogar in stärkerem Masse wurden auch die Verwaltungsdienste der Seminare und Institute ausgebaut und die durch den Lehrbetrieb mehr beanspruchten Dozenten im administrativen Bereich entlastet. Zuvor waren beispielsweise die Buchhaltungen von den Ordinarien selbst und mitunter auch von deren Gattinnen besorgt worden, und sogar die jährlichen Bibliotheksrevisionen hatten von den Institutsvorstehern durchgeführt werden müssen. Waren für solche Aufgaben Hilfskräfte zugezogen worden, so hatten die Ordinarien diese aus eigener Tasche bezahlt.
Mit der Stellenvermehrung sah sich die Verwaltung aber zusätzlichen Raumproblemen ausgesetzt. Der regierungsrätliche Raumbedarfsbericht von 1965 stellte fest, dass es «mit der Zeit» unumgänglich würde, wenigstens den größeren Fakultäten eigene Dekanatszimmer zu geben. Das Raumproblem glaubte man damals mit der «längst vorgesehenen» Verlegung des Wirtschaftsarchivs lösen zu können, dessen Unterbringung im Kollegiengebäude ursprünglich nicht vorgesehen war. Schon 1963 hatte Max Imboden optimistisch geäußert: «Wir stehen also vor der glücklichen Situation, dass mit dem Auszug des Wirtschaftsarchivs für die administrativen Belange der Universitätsverwaltung wohl auf Jahrzehnte hinaus gesorgt sein wird.» Der Wunsch ging aber erst nach 25 Jahren in Erfüllung, nachdem das Wirtschaftsarchiv zusammen mit den Ökonomen 1988 das neue Gebäude auf den Rosshofareal beziehen konnte.