Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03186.jsonl.gz/1334

von Judith Bangerter-Paetz
Ein Saalbau wird als das Hauptrepräsentationsgebäude einer Burg oder Pfalz definiert, das in staufischer Zeit in der Regel zwei- oder dreigeschossig ist und wesentlich durch einen oder mehrere Sälen bestimmt wird. Es besitzt im Allgemeinen eine klare Gebäudeform mit langgestrecktem, meist rechteckigem Grundriss und wird quer erschlossen. Der seltenere reine Saalbau besteht ausschliesslich aus mehreren, geschossgrossen Sälen übereinander, der häufiger vorkommende differenzierte Saalbau kombiniert einen Saal im Obergeschoss oder mehrere Säle in den beiden Obergeschossen mit Wohnräumen unter einem Dach. Die Säle aus der Stauferzeit besassen in der Regel eine flache Holzbalkendecke, welche bei grösseren Spannweiten meist von einer mittleren Stützenreihe mit Unterzug getragen wurde. Stützen in Sälen konnten sehr dekorativ gestaltet sein.
Der Fussboden der Säle bestand manchmal aus Estrichmörtel, häufiger aus glasierten und ornamentierten Tonfliesen, welche in unterschiedlichen Farben auch als Mosaik verlegt sein konnten. Als Heizungsanlagen werden in den Sälen häufig Kamine, seltener Kachelöfen nachgewiesen, die überwiegend nur durch archäologische Grabungen bekannt sind. Bei wenigen Burgen und Pfalzen besassen die Erdgeschosssäle eine Warmluftheizung (Wintersaal), während die oberen Säle ungeheizt waren (Sommersaal).
Die Saalfenster hatten in der Regel eine dekorative Ausstattung mit z. T. mit reicher Ornamentik und bauplastischem Schmuck. Manche von ihnen waren auch mit Seitensitzen ausgestattet, um dem Betrachter einen bequemen Ausblick in die Landschaft und den Burghof sowie im Saal selbst zu ermöglichen. Neben den nachgewiesenen Fensterverschlüssen durch Holzläden gab es vermutlich vereinzelt auch schon durch archäologische Funde nachgewiesene Fensterverglasung. Die Ausbildung der über Freitreppen erreichbaren Saalportale erfolgte mit einfacher oder doppelter Profilierung, in dekorativer Kleeblattbogenform bis hin zur reichsten bauplastischen Ausstattung.
Die Saalwände konnten steinfarben lasiert oder verputzt und mit einem Farbanstrich oder Malerei versehen sein, wobei bei den Fenster- und Portalrahmungen, Säulenschäften, Kapitellen und Kaminen oft auch verschiedenartige und -farbige Steinmaterialien im Saal zum Einsatz kamen. Für manche Saalbauten sind profane, mit szenischen Wandbildern geschmückte Säle nachweisbar. Oft hat die profane Malerei im stauferzeitlichen Profanbau zeitgenössische ritterliche Heldensagen zum Inhalt.
Als Hauptfunktion bzw. -nutzung der Säle im Obergeschoss dürfen festliche Anlässe, wie Bankette, Empfänge sowie Rechtshandlungen, z. B. Beratungen und Zeremonien angenommen werden. Bis in die spätmittelalterliche Zeit hinein ist Mangels eindeutiger Quellen wenig über die Funktion der Säle bekannt.
, Judith : Saalbauten auf Pfalzen und Burgen im Reich der Staufer - zur Rekonstruktion, Ausstattung und Nutzung des Saales
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 12. Jahrgang 2007, Heft 4, 143 - 159.