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Gegen 02.00 Uhr erreichte "Irma" die zu den Kleinen Antillen gehörende Insel Barbuda und zog dann zu den Inseln Saint-Bathélémy und Saint-Martin weiter. Dort richtete er nach Angaben der Pariser Regierung schwere Schäden an. Angaben über mögliche Verletzte oder Tote gab es zunächst nicht.
Auf Saint-Barthélémy sei die Stromversorgung zusammengebrochen und das vom französischen Stromkonzern EDF betriebene Kraftwerk nicht mehr zu benutzen, hiess es weiter. Auch Saint-Martin sei seit 6 Uhr morgens (Ortszeit) ohne Strom.
Rund anderthalb Stunden verweilte das Auge des als "potenziell katastrophal" eingestuften Sturms auf dem französischen Überseegebiet Saint-Barthélémy, das besonders beim internationalen Jet-Set beliebt ist, dann erreichte es die zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilte Insel Saint-Martin.
Der französische Wetterdienst berichtete von heftigen Springfluten. Ganze Küstengebiete seien bereits überschwemmt.
Die Ministerin für die französischen Überseegebiete, Annick Girardin, berichtete von "grösseren Schäden" auf den betroffenen Inseln. Unter anderem habe der Sturm die Dächer von zahlreichen Häusern fortgerissen. Trotz der höchsten Alarmstufe weigerten sich laut Girardin rund 7000 Menschen bis zuletzt, sich in Sicherheit zu begeben.
Es wird noch schlimmer
Die Behörden rechneten damit, dass der Wirbelsturm bis zum Mittag (16.00 Uhr MESZ) weiter an Kraft zunimmt. Zuvor wurden bereits Böen mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von 360 Stundenkilometern gemessen. Zuverlässige Messungen vor Ort waren nach kurzer Zeit aber nicht mehr möglich, da die Instrumente des französischen Wetterdienstes im Sturm verloren gingen.
Noch bevor der Sturm mit einer Ausdehnung von der Grösse Frankreichs auf Land traf, hatte ihn das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) der USA auf die höchste Kategorie 5 hochgestuft. Damit ist "Irma" noch stärker als "Harvey", der Ende August die US-Bundesstaaten Texas und Louisiana heimsuchte.
Das NHC warnte, der Sturm könne katastrophale Schäden anrichten. Schon jetzt sei er als "historisch" einzustufen: Seit Beginn der Aufzeichnungen habe noch kein Sturm auf dem offenen Atlantik eine solche Stärke erreicht.
Inzwischen nahm "Irma" Kurs in Richtung Jungferninseln und Puerto Rico auf. "Irma" bewegt sich mit etwa 26 Kilometern pro Stunde in Richtung Nordwesten. Als nächstes droht der Sturm auf den Inselstaat St. Kitts und Nevis zuzusteuern.
Behörden in der gesamten Karibik bereiteten sich auf "Irma" vor. In Puerto Rico wurde der Notstand ausgerufen und die Nationalgarde aktiviert. Die Küstenregionen wurden evakuiert. Die Behörden richteten 456 Notunterkünfte für mehr als 63'000 Menschen ein. Die niederländische Regierung schickte rund 100 Soldaten auf die Inseln Sint Maarten, Sint Eustatius und Saba.
Auf seinem Zug könnte der Sturm auch die Dominikanische Republik, Kuba, Haiti und die Bahamas bedrohen. Die Regierung der Bahamas ordnete die Evakuierung mehrerer Inseln im Süden der Inselkette an.
Notstand ausgerufen
Als immer wahrscheinlicher gilt zudem, dass "Irma" auf Florida treffen könnte. Örtliche Wetterdienste sagten vorher, dass die ersten Winde und Regenfälle Süd-Florida am späten Freitag erreichen könnten.
US-Präsident Donald Trump rief für Florida sowie für die US-Aussengebiete Puerto Rico und Virgin Islands den Notstand aus, dadurch werden Bundesmittel freigegeben. Der Gouverneur von Puerto Rico, Ricardo Rossello, setzte die Nationalgarde ein und liess Notunterkünfte für bis zu 62'000 Menschen öffnen.
Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, sagte, "Irma" sei eine "ernste Bedrohung für den ganzen Bundesstaat". Zahlreiche Touristen wurden aufgefordert, die Ferieninsel Key West zu verlassen. In Miami Beach bereiteten sich die Menschen mit Hamsterkäufen auf den herannahenden Sturm vor. In einem Supermarkt standen ganze Regalreihen leer.
In Haiti dagegen wusste die Bevölkerung zunächst nichts von der drohenden Katastrophe. Wie AFP-Korrespondenten berichteten, waren vor allem die Bewohner in den besonders gefährdeten Armenvierteln gänzlich unwissend. Stabile Notunterkünfte gibt es so gut wie keine.
Warnung vor nächstem Sturm
Auf den Hurrikan "Irma" könnte direkt ein weiterer schwerer Sturm folgen. Der Tropensturm "Jose" könne sich am Mittwochabend (Ortszeit) zu einem Hurrikan entwickeln und am Wochenende die derzeit von "Irma" betroffenen Inseln erreichen, warnte das US-Hurrikanzentrum in Miami.
(AWP)