Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03380.jsonl.gz/4095

Eine Ernährungsumstellung ist für den Körper immer eine gewisse Herausforderung, denn die Verdauungsprozesse stellen sich über die Zeit hinweg auf eine bestimmte Nahrung ein.
Je mehr sich das alte vom neuen Futter unterscheidet und je länger der Hund ein bestimmtes Futter bekommen hat, desto anstrengender ist es für den Körper, sich an die neue Nahrung zu gewöhnen.
Warum kann das ein Problem sein?
Die grösste Herausforderung ist der Wechsel von Trockenfutter auf Frischfutter (BARF), weil diese Fütterungsarten derart unterschiedlich sind, dass der Körper sich auf völlig andere Gegebenheiten einstellen muss.
Das hat unter anderem folgende Gründe: Trockenfutter besteht in der Regel zu einem grossen Teil aus Kohlenhydraten (bis zu 90%) wie Getreide, Kartoffeln, Pseudogetreide usw., zudem ist das Futter, wie der Name schon sagt, trocken.
Dies führt dazu, dass der Hund weniger Magensäure produziert weil Kohlenhydratquellen und die Konsistenz des Futters die Säureproduktion hemmen. Zur Verdauung benötigt der Hund ausserdem andere Enzyme als zur Verdauung von Eiweissen und Fetten. Demzufolge muss die Bauchspeicheldrüse bei Trockenfütterung viel mehr Amylase produzieren als bei Frischfütterung. BARF-Rationen sind in der Regel fetthaltiger, wofür dann wieder mehr Lipase benötigt wird.
Ausserdem werden bei Trockenfutter zumeist viele bindegewebsreiche Schlachtabfälle als Fleischquellen eingesetzt. Diese Eiweisse, welche mit den Kohlendydratlieferanten einhergehen, werden nicht im Dünndarm, sondern im Dickdarm verdaut. Dies führt zu vermehrter Ausschüttung von Ammoniak und Aminen, die über die Leber und Nieren abgebaut werden müssen.
Abgesehen davon ist Trockenfutter stets gleichzusetzen mit "enzymatisch tot". Meistens enthält es auch eine Menge an Zusatzstoffen um es haltbar zu machen, für den Hundehalter farblich angenehm aussehen zu lassen und für den Hund verlockend riechend daherzukommen.
Ein grosser Unterschied stellt auch die Knochenfütterung bei der Frischfütterung dar. Knochen sind schwer verdaulich!
All dies führt dazu, dass der Organismus des Hundes die Verdauungsprozesse an die neue Nahrung anpassen muss. Dies kann in der Umstellungsphase zu Durchfall, Verstopfung, Schleim im Kot oder Erbrechen führen.
Die Umstellung vom hochwertigem Nassfutter oder selbst gekochtem Futter auf Rohfütterung ist nicht ganz so schwierig, weil der Unterschied einfach nicht ganz so gross ist.
Was sollte bei einer Umstellung beachtet werden
Je länger der Hund ein einziges Futter erhalten hat und je älter er ist, desto belastender ist die Umstellung für den Körper. Daher sollte eine Umstellung individuell erfolgen um den Verdauungsstoffwechsel nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Vor allem die Knochenfütterung ist eine spezielle Sache. Der Hund sollte langsam herangeführt werden.
Es gibt viele Wege, einen Hund an neues Futter zu gewöhnen. In jedem Fall sollten obige Ausführungen im Auge behalten werden. Wir müssen wissen, dass unterschiedliche Futterkomponenten unterschiedliche Enzyme benötigen und an unterschiedlichen Orten im Verdauungstrakt verstoffwechselt werden.
Hat ein Hund bis anhin vorwiegend eine Kohlehydratverdauung gehabt und soll er auf Frischfütterung, also auf Proteinverdauung umgestellt werden, muss er die dazu notwendigen Bakterien im Darm erst ansiedeln und auf ein gewisses Niveau bringen. Das schafft er am besten, wenn die Umstellung langsam erfolgt. Denn einseitige Fütterung bringt eine einseitige, verarmte Darmflora mit sich.
Umstellung von einem Trockenfutter auf ein anderes Trockenfutter
Bei einem robusten Hund kann durchaus von einer Mahlzeit auf die andere umgestellt werden. Bei sensiblen Hunden werden die beiden Trockenfutter gemischt, anfangs wenig vom Neuen hinzu und über ein paar Tage verteilt immer mehr bis das alte Futter aufgebraucht ist.
Den Hund beobachten, ob der "Output" stimmt, wird der Kot zu dünn, mit dem neuen Futter etwas zurückfahren.
Eine bestimmte Anzahl Tage, über welche die Umstellung zu erfolgen hat will ich nicht nennen, denn jeder Hund ist schlussendlich anders. Robuste Hunde brauchen weniger lang als sensible Hunde. Fingerspitzengefühl ist gefragt.
Gleiches Vorgehen gilt für den Wechsel von Nassfutter zu Nassfutter.
Umstellung von Trockenfutter auf Feuchtfutter
Wie bereits erwähnt, stellen unterschiedliche Futtersorten auch unterschiedliche Ansprüche an die Verdauung.
Deshalb ist es von Vorteil, wenn der Hund zwischendurch erste "Versuecherli" bekommt, zum Beispiel als Znüni oder Zvieri. Klappt das Verdauungstechnisch, kann eine Mahlzeit mit dem Feuchtfutter ersetzt werden. Einige Hunde können eine Umstellung innert 3 Tagen vollziehen, andere brauchen etwas länger.
Um allenfalls dünnem Kot vorzubeugen können Karottenpellets beigemischt werden. Fleischwürste mit Reis bieten sich an, da Reis das Wasser bindet und sich so positiv auf die Kotkonsistenz auswirken kann.
Es macht keinen Sinn, eine Hau-Ruck-Zack-Umstellung erzwingen zu wollen. Es gibt Hunde, die brauchen einfach etwas mehr Sorgfalt beim Futterwechsel, Wenn es nicht gleich klappt muss es kein schlechtes Futter sein.
Ein Hund der über mehrere Tage unter Durchfall leidet ist als krank einzustufen! Er hat ein Gesundheitsproblem!
Die Dehydrierung (Austrocknung), die durch Durchfall entstehen kann sollte nicht unterschätzt werden. Auch der Elektrolyteverlust ist dann gross und Mineralien sind wichtiger Bestandteil bei sämtlichen Stoffwechselvorgängen.