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Um 1230 etablierte sich der Saumweg von Basel nach Chiasso. Dieser Handelsweg hatte grosse Auswirkungen auf die Ortschaften, die an der Route lagen. Spätzeugen dieser Entwicklung sind etwa die Zeilenbebauung entlang der Hauptstrasse in Sissach – ihrerseits Teil der Gotthard-Route – oder das Wachthaus und das Gefängnis zu beiden Seiten der Brücke über den Diegterbach. Der aufstrebende Eisenbahnbau brachte Sissach ab 1854 das Bahnhofsquartier mit all seinen bahntechnischen Anlagen. Diese neue, wiederum aber dem Transit dienende Einrichtung veränderte grosse Teile des Bereichs zwischen dem Bahnhof und der Hauptstrasse.
Das Warenhaus Cheesmeyer
Die Schweizerische Centralbahn plante eine direkte Verbindung zwischen Bahnhofsstrasse und Hauptstrasse. Über lange Zeit passierte allerdings nichts. Die Nachkommen von Joseph Meyer, der hier einen Krämerladen und eine Metzgerei betrieb, erkannten aber schon früh das Potential dieses Standorts und liessen sich von den Basler Architekten Jules Ganser und Daniel Alfred Bernoulli um 1901 ein viergeschossiges Warenhaus mit Gartenpavillon (etwas später um 1915) bauen.
Nicht nur war ein solcher Bautyp etwas total Neues, gleichzeitig war er auch unglaublich innovativ. Durch die zweiseitige Orientierung des Gebäudes war das Erdgeschoss sowohl von der Hauptstrasse als auch von der Bahnhofsstrasse zugänglich. Die beiden Hauptfassaden des Warenhauses sind klar gegliedert. Neben den Eingängen gibt es vier grosse Schaufenster. Auf die regelmässigen Fenster der mittleren Geschosse folgt ein der Zierde dienendes aufgesetztes Fachwerk. Offenbar war das Warenhaus in Ausdruck und Grösse doch etwas zu speziell, als dass man hier den Bezug zu Traditionellerem gesucht hat. Das Erdgeschoss war, abgesehen von vier Pfeilern, die genietete Stahlunterzüge trugen, offen bespielbar. Neben der Verkaufsnutzung im Erdgeschoss und Teilen des 1. Obergeschosses dienten die weitere Geschosse dem Wohnen.
Verkehrsberuhigung und Umnutzung
2008 wurde entschieden, die Hauptstrasse zu beruhigen. Zu Fuss Gehende sollten fortan den Vortritt geniessen. Ob sich die neue Situation der ehemaligen Durchgangsstrasse für alle Geschäfte und Läden zum Vorteil auswirkte, sei dahingestellt. Der nötige Umbau zur Begegnungszone des Bereichs der Hauptstrasse zwischen Diegterbach im Westen und Bützenenweg im Osten funktionierte. Der Verkehr wird sinnigerweise über den Bahnhof geführt. Im ehemaligen Warenhaus Cheesmeyer begrüsst uns heute neben lokalen Geschäften ein Café-Bistro. Die üppige Speisekarte vom Frühstück über das Mittagessen bis zum Dessert mit Kaffee lädt zum Verweilen und Nachdenken im «historischen» Verkaufsraum ein. Leider ist dieser Raum heute ziemlich verstellt. Laut «Bauten im Baselbiet» wurden bei der Renovation 1998 keine grösseren Eingriffe im Innenraum durchgeführt und die Raumausstattung mehrheitlich erhalten. Trotzdem ist die ehemalige Grosszügigkeit des Erdgeschosses heute nur noch im Ansatz zu spüren. Ganz anders die Aussenfassade. Sie wurde 1989 umfassend renoviert. Das Cheesmeyer-Haus hat über die Jahre nichts von seiner Wirkung verloren. Auch nachdem die Hauptstrasse um verschiedene grosse Gebäude ergänzt worden ist, steht es wie selbstverständlich an seinem Platz.
Funktion: Warenhaus (heute Café/Gewerbe)
Adresse: Hauptstrasse 55/59a, 4450 Sissach
Baujahr: 1901 (Warenhaus), 1915 (Pavillon)
Renovation: 1989 (Fassade), 1998 (Innenraum)
Architektur: Jules Ganser, Daniel Alfred Bernoulli
Konstruktion: Stahlkonstruktion, vernietet (Innen)
Material: Linoleum (Böden), Parkett (Böden), Strebepfeiler bossiert
Text & Fotos:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Arbeitsgemeinschaft zur Herausgabe von Baselbieter Heimatkunden (1998), Heimatkunde Sissach, J. Schaub-Buser AG, Sissach. ISBN: 3-85673-529-1