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Gespanntes Warten in Italien: Bereits zum fünften Mal sollte ein Gericht im Justizkrimi um Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito urteilen. Bis zum Schluss war unklar, ob siebeneinhalb Jahre nach dem Mord an einer britischen Studentin ein Schlussstrich gezogen wird oder der Fall in eine neue Runde geht.
Knox erwarte das Urteil wie «auf glühenden Kohlen», sagte ihr Verteidiger Carlo Dalla Vedova. Die 27-jährige US-Amerikanerin könne wegen der erneuten Entscheidung des Kassationsgerichts in Rom, die noch für Freitag erwartet worden war, «kein Auge zutun und nicht schlafen».
Während Tat Comic-Film geschaut
Knox und ihr vier Jahre älterer Ex-Freund Sollecito war vorgeworfen worden, die damals 21 Jahre alte Austauschstudentin Meredith Kercher ermordet zu haben. Sollecito wollte wie auch Knox bei der Urteilsverkündung nicht selbst im Gericht anwesend sein. Seine Anwälte hatten in ihrer Abschlussrede einen Freispruch für ihren Mandanten gefordert.
Verteidigerin Giulia Bongiorno sagte, die Verurteilung sei von schwerwiegendem Fehlern und Widersprüchen gezeichnet. «Während der Gewalt gegen Meredith hat er einen Zeichentrickfilm angeschaut. Raffaele Sollecito ist ein Unschuldiger, der in eine spektakuläre und gigantische Affäre hineingeschlittert ist, der er sich wie Forrest Gump nicht bewusst war.», sagte sie.
Knox' Anwälte wollen Freispruch
Das Kassationsgericht musste entscheiden, ob die Schuldsprüche gegen Knox und Sollecito aus dem vergangenen Jahr rechtens sind. Damals war die US-Amerikanerin zu 28 Jahren und 6 Monaten und der Italiener zu 25 Jahren Haft verurteilt worden.
Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, die Strafen zu bestätigen und um je drei Monate zu reduzieren, Knox' Anwälte wollten einen Freispruch. Das Gericht hatte sich nach den Schlussplädoyers am Mittag zu Beratungen zurückgezogen.
Kassationsgericht entscheidet zum zweiten Mal
Kercher war vor siebeneinhalb Jahren im November 2007 in der Universitätsstadt Perugia vergewaltigt und brutal ermordet worden. Als einziger bislang für die Tat verurteilt ist der Ivorer Rudy Guede. Er sitzt wegen Beihilfe zum Mord eine Haftstrafe von 16 Jahren ab. Was genau in der Mordnacht geschah, ist jedoch noch immer unklar.
Der Kassationsgerichtshof musste schon zum zweiten Mal in dem Fall urteilen. Knox und Sollecito waren 2009 zum ersten Mal verurteilt worden, bevor 2011 nach vier Jahren in Haft ein Freispruch folgte. Diesen kippte das höchste Gericht, woraufhin ein Berufungsgericht beide erneut schuldig sprach. Dagegen legten Knox und Sollecito, die stets ihre Unschuld beteuert haben, ein weiteres Mal Berufung ein.
Krimi könnte nach Verurteilung weitergehen
Knox ist nach ihrem Freispruch 2011 in ihre Heimatstadt Seattle zurückgekehrt. Während Sollecito weiter in Italien lebt und bei einer Verurteilung vermutlich direkt ins Gefängnis muss, weigert sich Knox, nach Italien zurückzukehren. Im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung könnte der Justizkrimi daher mit einem Rechtsstreit über ihre mögliche Auslieferung weitergehen.
(sda/dbe)