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Persönliche Bezüge und Wertvorstellungen werden anhand von mitgebrachten Gegenständen explizit gemacht. Das dient der Gruppe dazu, gemeinsame thematische Schwerpunkte zu finden, die den verschiedenen Wertvorstellungen Rechnung tragen.
|Was ist 'Erzähl Deine Geschichte anhand eines Objekts'?||Diese narrative Methode erlaubt den Beteiligten, anhand eines mitgebrachten Gegenstands ihren persönlichen Bezug und ihre Wertvorstellungen zu einem bestimmten Thema zu formulieren und diese in Beziehung zu Geschichten anderer Beteiligter zu setzen.|
|Wieso sollte die Methode angewendet werden?|
Projekte sind erfolgreicher, wenn die persönlichen Bezüge und Wertvorstellungen der beteiligten Personen berücksichtigt werden (Chan et al. 2016, Himes/Muraca 2018). Diese Methode hilft dabei, in einem partizipativen Projekt zu einem bestimmten Thema die verschiedenen Wertvorstellungen, Motivationen und Interessen der Beteiligten explizit zu machen. Mittel dazu ist das Erzählen über einen mitgebrachten Gegenstand, weil sich dessen Bedeutung erst mit der dazugehörigen Geschichte erschliesst (Geimer 2005). Die Gruppe entwickelt ein Bewusstsein für die verschiedenen Interessen der beteiligten AkteurInnen und erkennt die impliziten und emotionalen Dimensionen eines Themas. Das bildet Vertrauen und ermöglicht, die nächsten Schritte der Gruppe fundierter zu wählen.
Die Methode kann auch angewandt werden, um Erzählungen über ein Thema zu sammeln oder ein Thema materiell zu visualisieren. Ebenfalls gut geeignet ist diese narrative Methode, um mit SchülerInnen oder Personen ins Gespräch zu kommen, die nicht akademisch geschult sind.
|Wann sollte sie angewendet werden?|
Die Methode sollte dann angewandt werden, wenn sich verschiedene AkteurInnen zu einem übergeordneten Thema erstmals treffen, aber noch nicht klar ist, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen. Das Sprechen über den individuell ausgewählten und mitgebrachten Gegenstand hilft in diesem Stadium, persönliche Involviertheiten, emotionale Bezüge und Wertvorstellungen zu formulieren und sich ihnen damit vielleicht selbst erst bewusst zu werden. Das erlaubt, Gemeinsamkeiten und Verbindungen zwischen verschiedenen AkteurInnen zu entdecken. Die Aufforderungen zum freiwilligen Erzählen über den Gegenstand schafft zudem eine Atmosphäre der freien Meinungsäusserung für den ganzen Workshop.
|Wie funktioniert es?|
Die Teilnehmenden werden vor dem Workshop (im Einladungsschreiben) gebeten, zu einer bestimmten Fragestellung einen Gegenstand auszuwählen und an den Workshop mitzubringen. Diese Fragestellung soll ein übergeordnetes Thema des (Forschungs-)Projekts aufgreifen und kann auch als Aufforderung formuliert werden; z. B.: «Bitte bringen Sie einen Gegenstand mit, anhand dessen Sie Ihren persönlichen Bezug zur Natur erläutern können.» Der Gegenstand kann beliebig gewählt werden, soll aber erlauben, zu dieser bestimmten Fragestellung etwas zu erzählen. Im Einladungsschreiben soll auch erwähnt werden, dass der Gegenstand während des Workshops intakt bleibt und unverändert wieder nach Hause genommen werden kann.
1. Teil: (circa 60 Minuten bei 15-20 Personen)
Die Gruppe steht rund um einen grossen Tisch, jede Person hat den Gegenstand bei sich. Die Moderation gibt die «Handlungsanweisungen» bekannt:
Mit diesen abschliessenden Worten wird die Dynamik der Gruppe übergeben.
2. Teil: (circa 45 Minuten)
Wenn alle Teilnehmenden gesprochen und ihren Gegenstand abgelegt haben, übernimmt die Moderation und regt eine Diskussion an. Folgende Einstiegsfragen eignen sich:
Falls sich hiermit nicht schon Cluster ergeben, kann die Moderation explizit nach Gemeinsamkeiten fragen:
Die Teilnehmenden sind eingeladen, Umsortierungen vorzunehmen und zu kommentieren. Im besten Fall passiert das interaktiv. Die Moderation behält dabei den Überblick und verstärkt Gesagtes, hilft zu ordnen. Auf Zetteln können wichtigste Stichworte zu Gegenständen hinzugeschrieben und so die thematischen Cluster und Teams für die Weiterarbeit gefunden werden. Die Moderation fotografiert das Schlussbild.
Wie werden unterschiedliche Denkstile miteinander verbunden?
|Die Methode hilft, implizite vorhandene persönliche Involviertheiten, Wertvorstellungen und Emotionen für die Workshop-Gruppe sichtbar zu machen und dadurch geteilte Interessen, gemeinsame Ansatzpunkte und mögliche Konfliktpotentiale früh zu entdecken. Durch die anschliessende Diskussion und das eventuelle Neuarrangieren von Gegenständen werden Anliegen visuell miteinander verknüpft und die daran beteiligten Personen setzen sich zueinander in Beziehung. Es ergeben sich dadurch neue, vielleicht auch unerwartete Allianzen. Da die Beteiligten oftmals auch InteressensvertreterInnen sind oder eine Körperschaft repräsentieren (z. B. Start-Up, Verein, Bürger/in, Institution, wissenschaftliche Disziplin, Gemeinde etc.), können neue Netzwerke zwischen Anspruchsgruppen entstehen und Denkstile verknüpft werden.|
|Was ist der Output/ das Outcome?|
Output: Fotoprotokoll und schriftliches Protokoll. Je nach Projekt und Teilnehmenden macht es auch Sinn, die Workshopsequenz aufzunehmen. Die Aufnahme gibt Aufschluss über Erzählstil, Wortwahl, kleine Geschichten, Hervorgehobenes.
Outcome: Die Teilnehmenden entdecken – anhand der mit dem Gegenstand visualisierten Geschichten – Gemeinsamkeiten in Interessen, Wertvorstellungen und thematischen Schwerpunkten. Sie können sich auf wenige Schwerpunkte einigen, indem sie ihre Gegenstände zusammen arrangieren und sind sich gleichzeitig der unterschiedlichen, auch sehr persönlich geprägten Zugänge der anderen bewusst. Emotionale Bezüge und Wertvorstellungen können entdeckt und für den Fortgang des partizipativen Projekts fruchtbar eingesetzt werden.
|Wer nimmt welche Rolle wahr?|
Eine Moderationsperson leitet die Gruppe an, insbesondere im Teil 2 spricht sie aktiv Beziehungen zwischen den mitgebrachten Objekten und deren Besitzenden an.
Personen aus unterschiedlichsten AkteurInnengruppen eignen sich als Teilnehmende. Die Gruppengrösse liegt idealerweise zwischen 10 bis 20 Personen.
|Was muss ich dafür vorbereiten?|
|Wann sollte diese Methode nicht angewendet werden?|
Es ist eine offene, experimentelle Methode, die in allen Teilnehmendenrunden etwas Neues bewirken kann.
Sie soll nicht angewendet werden, wenn sich die Moderation nicht zutraut, die “Handlungsanweisungen” überzeugt auszusprechen oder wenn sie ungeduldig ist.
Nicht anwenden, wenn zu wenig Zeit vorhanden ist. (Bei 20 Personen mindestens 60’ für das Arrangement und mindestens 45’ für die gemeinsame Auswertung.)
Geimer P 2005. Über Reste, in: A te Heesen (Hg.) Dingwelten. Das Museum als Erkenntnisort, Böhlau/Köln/ Weimar/Wien, 109-118.
Franke M, Gloor A 2013. Kunst & Wissen. Narrative Strategien als epistemologisches Mittel in den ästhetischen Praktiken der Gegenwartskunst, in: F Caviezel, B Florenz, M Franke, J Wiesel (Hg.) Forschungsskizzen. Einblicke in Forschungspraktiken an der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW, Zürich, Scheidegger & Spiess, 21-29.
Chan Kai MA et al. 2016. Why Protect Nature? Rethinking Values and the Environment, in: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 113,6, 1462-1465.
Himes A, Muraca B 2018. Relational Values: the Key to Pluralistic Valuation of Ecosystem Services, Current Opinion in Environmental Sustainability 35, 1-7.
Chapman M, Terre Satterfield K, Chan MA 2019. When Value Conflicts are Barriers: Can Relational Values Help Explain Farmer Participation in Conservation Incentive Programs?, Land Use Policy 82: 464-475.
Jacobs S et al. 2020. Use Your Power for Good: Plural Valuation of Nature – the Oaxaca Statement, Global Sustainability 3, 1-7.
An drei Workshops innerhalb des Projekts “Neue Akteurgruppen für die Biodiversität in der Schweiz” 2019/20), Kooperation zwischen der Hochschule für Technik Rapperswil und der Franklin University Switzerland Lugano, 2019/20
Y-Toolbox an der Hochschule der Künste in Bern (2015), zsm. mit der Performancekünstlerin Angela Hausheer.
Weitere Auskünfte:
ariane.tanner [at] gmail.com