Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03279.jsonl.gz/583

Die Struktur einer wissenschaftlichen Arbeit ist urheberrechtlich geschützt und für die wissenschaftliche Kommunikation relevant. Wird sie unmarkiert übernommen, handelt es sich um ein Strukturplagiat, welches eine spezielle Form eines Plagiats darstellt. Hier erfährst du, was unter ein Strukturplagiat fällt, warum es wissenschaftlich problematisch ist und wie du es vermeiden kannst.
Das Strukturplagiat: Definition
Die Struktur einer wissenschaftlichen Arbeit ist die Gliederung der (Unter-)Kapitel auf der Makro- und die logische Vernetzung von Argumenten und Zusammenhängen auf der Mikroebene. Ein Plagiat ist die unmarkierte Übernahme von Gedankengut aus einem anderen Text. Ein Strukturplagiat besteht demnach in der Verwendung von Gliederungen und Argumentationsketten Dritter, ohne den Urheber kenntlich zu machen.
Strukturplagiate werden vorrangig geahndet, da sie die wissenschaftliche Redundanz verschleiern. Ferner erschweren sie die Analyse wissenschaftlicher Methodik, indem sie fälschlicherweise vorgeben, eine originelle Struktur entwickelt zu haben, die möglicherweise bereits anhand der übernommenen Quelle problematisiert oder gelobt wurde.
Neben dem Strukturplagiat gibt es noch andere Arten von Plagiaten:
Vollplagiat
Vollständige Übernahme des Gesamttextes
Copy-Paste-Plagiat
Ungekennzeichnete wörtliche Übernahme von Textpassagen
Ideenplagiat
Ungekennzeichnete Übernahme von Gedankengut
Übersetzungsplagiat
Ungekennzeichnete wörtliche Übernahme einer Übersetzung
Selbstplagiat
Wiederverwendung eines eigenen Textes
Alle Plagiate haben gemeinsam, dass sie ihre Quelle nicht angeben. Wird die Quelle nachvollziehbar angegeben, liegt kein Plagiat vor.
Beispiel für ein Strukturplagiat
Das folgende Beispiel veranschaulicht ein Strukturplagiat:
Inhaltsverzeichnis A etabliert eine Argumentationskette, um Globalisierungserscheinungen im Altertum anhand weltweit verwendeter Methoden zur Kupferverhüttung herzuleiten. Inhaltsverzeichnis B folgt demselben Ansatz, verwendet jedoch die Zinnverhüttung als Analysegegenstand und betont eine eurozentrische Sicht auf Handelsrouten des Altertums. Die wissenschaftliche Vorgehensweise ist legitim (man muss das Rad nicht neu erfinden). Dennoch liegt ein Strukturplagiat vor, wenn der Verfasser von Inhaltsverzeichnis B nicht angibt, dass seine Herangehensweise bereits in Inhaltsverzeichnis A für einen anderen Analysegestand zum Einsatz kam.
So vermeidest du ein Strukturplagiat
Um ein Strukturplagiat zu vermeiden, genügt es, im Text oder in einer Fußnote darauf hinzuweisen, dass die genutzte Argumentationsstruktur bereits in vorangegangenen Quellen Anwendung fand. Dadurch markierst du zwar keine wissenschaftliche Eigenleistung, umschiffst jedoch gekonnt den Plagiatsvorwurf. Außerdem ist die markierte Orientierung an einer erfolgreichen Argumentationsstruktur für den Mehrwert deiner Arbeit (relativ) unproblematisch.
Möchtest du nicht nur die Struktur einer Arbeit übernehmen, sondern zusätzlich die dort verwendeten Argumente anführen, musst du die Quelle gemäß deines gewählten Zitierstils angeben. Du kannst zusätzlich im Text explizieren, dass du Argumente aus einem anderen Text abrufst.
Für eine wissenschaftliche Arbeit ist es von fundamentaler Bedeutung, dass alle verwendeten Quellen ordnungsgemäß angegeben werden. Informiere dich daher gründlich über mögliche Zitationsformate und wende diese sorgfältig auf deine Arbeit an. Dadurch schaffst du wissenschaftliche Transparenz und vermeidest Plagiatsvorwürfe.2
Obgleich beide Inhaltsverzeichnisse mehrere Strukturelemente teilen, liegt kein Strukturplagiat vor. Eine raumsemantische Arbeit muss standardmäßig Jurij Lotmans Theorie erläutern, um Aussagen über den Analysegegenstand treffen zu können. Auch die Heldenreise ist ein methodischer Zugang der Erzählforschung. Beide gängigen Methoden werden hier auf einen Analysegegenstand angewandt, um anschließend eine allgemeine Aussage über Erzählmuster zu treffen. Es wird keine originelle Gliederung übernommen, sondern fachspezifische Methodik in einer gängigen Form zur Anwendung gebracht.
Erkennen eines Strukturplagiats
Sollten Kapitel deiner Arbeit oder die Gesamtstruktur Texten ähneln, die du nicht gelesen hast, ist ein Plagiatsvorwurf eher unwahrscheinlich. Vielmehr liegt der Schluss nahe, dass sich beide Texte wissenschaftlicher Standardverfahren bedienen. Ein Strukturplagiat muss offensichtlich sein, den Eindruck von Vorsätzlichkeit erwecken und sich auf einen vergleichsweise originell strukturierten Text beziehen. Das impliziert, dass Standardelemente wie Einleitung, Fazit sowie die Erläuterung und Anwendung fachspezifisch geläufiger Methodik nicht unter ein Strukturplagiat fallen.
Häufig gestellte Fragen
Ein Strukturplagiat liegt vor, wenn der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit ohne nachvollziehbare Kenntlichmachung aus einem anderen Text übernommen wurde. Dies bezieht sich sowohl auf die Gesamtstruktur einer wissenschaftlichen Arbeit als auch auf die Binnenstruktur einzelner Kapitel.
Du vermeidest ein Strukturplagiat, indem du transparent machst, dass du dich beim Aufbau deiner Arbeit an einem anderen Text orientiert hast. Besser jedoch: Du entwickelst eine eigene Argumentationsstruktur.
Ein Strukturplagiat kann mit derselben Härte geahndet werden, wie ein inhaltliches Plagiat. Plagiate sorgen dafür, dass die Prüfungsleistung als «nicht bestanden» gewertet wird und führen schlimmstenfalls zur Exmatrikulation und erheblichem Prestigeverlust.
Je nach Fachbereich fordert die wissenschaftliche Methode den ähnlichen und nachvollziehbaren Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten. Ein Strukturplagiat liegt erst vor, wenn bei der Gliederung/Strukturierung und mit sichtbarer Nachlässigkeit oder verwerflicher Absicht, abseits fachspezifischer Standardverfahren, keine wissenschaftliche Eigenleistung erbracht wurde.
Die Abbildung von Daten kann nicht unter ein Strukturplagiat fallen, da es zum wissenschaftlichen Standardverfahren gehört, sie nachvollziehbar zu sortieren.
Quellen
1 Prof. Dr. Rasche, Christoph und Mitarbeiter: Verbindliche Richtlinien und Hinweise für wissenschaftliche Seminar- und Abschlussarbeiten, in: Universität Potsdam, Oktober 2014, [online] https://www.uni-potsdam.de/fileadmin/projects/qup/dokumente/QUP2_Q1_2_Kompendium_Wissenschaftliches_Arbeiten.pdf (abgerufen am 07.11.2022)
2 Universität Osnabrück: Was ist ein Plagiat und wie vermeide ich es, in: Universität Osnabrück, o. D., [online] https://www.uni-osnabrueck.de/universitaet/organisation/sprachenzentrum/schreibwerkstatt/fragen-rund-ums-akademische-schreiben/was-ist-ein-plagiat-und-wie-vermeide-ich-es/ (abgerufen am 07.11.2022)