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1. Definition
Definition
Eine Körpertemperatur über 38° Celsius (38°C) bezeichnet man laut Definition als Fieber (lat. Febris). Häufig ist Fieber ein Symptom einer Grippe oder einer Erkältung. Die Temperatur lässt sich mit einem geeigneten Fieberthermometer im Enddarm (rektal), unter der Achselhöhle (axillar), im Ohr oder unter der Zunge im Mund (oral) messen.
Die rektale Temperaturmessung gilt als die genaueste. Am gebräuchlichsten sind elektronische Digital-Fieberthermometer. Ältere Modelle sind Fieberthermometer die mit Quecksilber die Temperatur erfassen.
Das Temperaturzentrum im Gehirn steuert die Wärmeregulation des menschlichen Körpers. Dieses Zentrum liegt im Bereich des sogenannten Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns. Fieber entsteht dadurch, dass der Sollwert der Körpertemperatur in diesem Temperaturzentrum nach oben verstellt ist. Wenn die Nervenzellen im Temperaturzentrum direkt gereizt werden, steigt die Körpertemperatur.
Auch fiebererzeugende Stoffe, sogenannte Pyrogene, können Fieber auslösen. So können etwa bestimmte Bestandteile von Bakterien als Pyrogen wirken und zu Fieber führen. Fieber kann dazu beitragen, die natürlichen Abwehrprozesse des Körpers zu beschleunigen.
Man unterscheidet verschiedene Arten von Fieber, so zum Beispiel:
- Über Tage und Wochen anhaltendes Fieber mit Temperaturschwankungen bis zu 1°C (sog. Fieber-Kontinua)
- Tägliche Fieberschwankungen um 1°C bis 2°C, wobei die Temperatur stets erhöht bleibt (sog. remittierendes Fieber)
- Tägliche starke Fieberschwankungen, die periodisch abfallen und sich mit Unter- oder Normaltemperatur abwechseln (sog. intermittierendes Fieber)
- Langsam ansteigendes, länger anhaltendes Fieber mit fieberfreien Intervallen (undulierendes Fieber)
- In kurzen Perioden auftretendes Fieber, welches von einem oder mehreren fieberfreien Tagen unterbrochen wird, z.B. bei Malaria (sog. Relapsfieber)
Neben dem Anstieg der Körpertemperatur äussert sich Fieber oft mit Symptomen wie:
- schneller Puls
- Schweissausbrüche
- gesteigerte Atmung
- glänzende Augen
- warme – teils rote, teils blasse – Haut
- trockene und belegte Zunge
- Durst
- Appetitlosigkeit
Weiterhin kann es zu Schwindel, Wahrnehmungsstörungen und Verwirrtheit kommen. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern können auch Fieberkrämpfe auftreten. Bei sehr hoher Temperatur kann es zu Bewusstseins- und Sinnestrübungen, dem Fieberdelir, kommen.
Fieber ist ein häufiges Symptom bei zahlreichen Erkrankungen und kann viele Ursachen haben. Vor allem Infekte, Infektionskrankheiten und Entzündungen, die durch Bakterien, Viren und Pilze ausgelöst werden, gehen oft mit Fieber einher. Beispiele sind:
- Erkältungen
- Grippe
- Lungenentzündung (Pneumonie)
- Mandelentzündung (Angina tonsillaris)
- Blasenentzündung (Zystitis)
- Blinddarmentzündung (Appendizitis)
Mit hohem Fieber äussert sich ebenfalls eine Blutvergiftung (Sepsis).
Klassische Reise-Fieberkrankheiten sind unter anderem das Dengue-Fieber, West-Nil-Fieber, Lassa-Fieber und das Hämorrhagische Fieber. Ein charakteristischer Fieberverlauf ist ausserdem Symptom der Malaria. Auch die gängigen Kinderkrankheiten gehen meist mit Fieber einher, zum Beispiel Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Scharlach und das Pfeiffersche Drüsenfieber (Mononukleose). Bei kleinen Kindern nimmt das Drei-Tage-Fieber einen typischen Fieberverlauf.
Fieber tritt ausserdem bei Autoimmunkrankheiten wie der Sarkoidose und dem Rheumatischen Fieber sowie bei geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel bei AIDS, auf.
Als Tumorfieber bezeichnet man Fieber, das im Rahmen von Krebserkrankungen (z.B. bei Leukämie oder Lymphomen) vorkommt.
Auch veränderte Hormonwerte können bei Fieber zu den Ursachen gehören. Diese treten beispielsweise bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auf oder im Rahmen hormoneller Schwankungen vor der Menstruation (prämenstruell).
Fieber kann auch bedingt sein durch eine zentrale Störung im Temperaturzentrum sowie durch Überwärmung bei extrem hoher Aussentemperatur (bis hin zum Sonnenstich und Hitzschlag).
Als sogenanntes Resorptionsfieber oder aseptisches Fieber bezeichnet man Fieber, das durch die Aufnahme von körpereigenen Eiweissen zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, nach Blutungen und Verbrennungen auftritt. Ausserdem können Gifte, zum Beispiel die Inhalation von Metalldämpfen, und bestimmte Arzneimittel Fieber verursachen ("Drug Fever").
Die häufigste Ursache für Fieber sind Infektionen – zur Diagnose erfragt der Arzt zunächst, ob zusätzliche Beschwerden wie Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen und Durchfall vorliegen und ob weitere Familienmitglieder oder Kollegen erkrankt sind. Auch möchte er wissen, ob man kürzlich ins Ausland verreist war. Der Arzt erkundigt sich ausserdem nach eventuellen Vorerkrankungen, Kontakt zu möglicherweise erkrankten Tieren, bekannten Allergien und eingenommenen Medikamenten.
Zur gründlichen körperlichen Untersuchung gehört eine exakte rektale Temperaturmessung. Der Arzt inspiziert Hals, Nase und Ohren, horcht Herz und Lungen ab und tastet Bauch sowie die Lymphknoten ab. Es folgen eine Blutuntersuchung, bei der zunächst vor allem die Entzündungswerte interessieren sowie ein Urintest und, bei Darmbeschwerden, auch eine Stuhluntersuchung. Ist das Fieber von produktivem Husten begleitet, lässt der Arzt zur sicheren Diagnose auch den Auswurf auf mögliche Erreger untersuchen. Blutkulturen zum Nachweis von im Blut kreisenden Bakterien sind vor allem bei extrem hohem und lang anhaltendem Fieber sinnvoll, um gezielt mit Antibiotika behandeln zu können.
Mit einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) kann der Arzt eine Lungenentzündung sowie Veränderungen der Herzkontur (z.B. bei entzündlichen Herzerkrankungen) darstellen. Je nachdem, ob der Arzt einen Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung hat, kommen noch weitere diagnostische Methoden zum Einsatz: Immunologische Tests, gezielte Röntgenaufnahmen (z.B. der Nieren bei Verdacht auf bestimmte Nierenerkrankungen), Blut- oder Ultraschalluntersuchungen.
Um die Symptome bei Fieber zu lindern, helfen zur Therapie fieber- und entzündungshemmende Schmerzmittel. Kalte Wadenwickel und viel Trinken gelten bei Fieber – vor allem wenn der fiebernde Patient gleichzeitig auch stark schwitzt – als bewährtes Hausmittel, auch wenn der wissenschaftliche Nutzen nicht belegt ist.
Die eigentliche Behandlung des Fiebers richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Sind Infektionen durch Bakterien Ursache des Fiebers, verordnet der Arzt Antibiotika. Reisekrankheiten, wie die Malaria, erfordern eine sehr spezielle Therapie mit Malariamitteln. Kinderkrankheiten heilen oft durch eine rein symptomatische Behandlung aus, beim Scharlach hingegen hat sich Penicillin bewährt.
Arzneimittel, die Fieber verursachen, sollten - nur in Rücksprache mit dem Arzt - abgesetzt werden.