Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03563.jsonl.gz/1

Um nicht alles nur düster zu malen, zunächst die gute Nachricht aus IT-Sicht: Die Software- und IT-Dienstleistungsindustrie des Landes konzentriert sich auf "Indiens Silicon Valleys" Bangalore und Mumbai (ehemals Bombay) in der Mitte und im Süden des Subkontinents, abgesehen davon rekrutieren die Hersteller mittlerweile auch Mitarbeitende vor Ort in Europa und den USA. Indiens Top 3 der IT-Dienstleister, Tata Concultancy Services (Mumbai), Infosys und Wipro (beide Bangalore), waren daher in jedem Fall aus der Schusslinie, einzig die Nummer 4 HCL könnte, wie der ausgeschriebene Name Hindustan Computers schon sagt, betroffen gewesen sein. Unter News findet sich auf der Homepage aber nur ein Treffen von Firmengründer Shiv Nadar mit Bill Clinton im November des Vorjahres. Abgesehen davon unterhält der Apple-Partner auch ein riesiges Entwicklungszentrum in Bangalore.
Indiens Stromnetz ist seit Jahren überlastet, der Ausbau kann mit der boomenden Wirtschaft gar nicht mehr Schritt halten. Neben der ausufernden Bürokratie und der an allen Ecken fehlenden Infrastruktur wird die mangelnde Stromversorgung von der auf Militärfragen spezialisierten Zeitschrift 'Globaldefence.net' in einem grösseren Portrait von 2007 als eines der Haupthindernisse für Investition und Wachstum beschrieben. In den Sommermonaten, wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen, ist die Situation besonders bedrohlich, so dass es wegen lang andauernder Ausfälle in einigen Teilen des Landes auch schon zu Unruhen gekommen ist.
Gestern Montag besonders betroffen waren die Regionen um Punjab, Haryana, Uttar, Pradeh, Himachal Pradesh und Rajastan. Indiens Energieminister Sushil Kumar Shinde nannte als möglichen Grund für den Mega-Blackout eine Überlastung des Netzes im Norden des Landes. Zugleich kündigte er auch Untersuchungen an. Wie verschiedentlich spekuliert wird, haben einige Bundesstaaten mehr Strom abgeschöpft, als ihnen zusteht.
Indiens Energieversorgung reicht wie gesagt längst nicht mehr aus, um den jährlich wachsenden Bedarf zu decken. Biomasse und Abfall steuerten 2007 rund 37,4 Prozent zum Energiemix bei, Kohle rund 34,1 Prozent, Erdöl 22,2 Prozent, Erdgas 4,1 Prozent, erneuerbare Energien nur 1,4 Prozent und Atomkraft nur 0,8 Prozent. Neben den erneuerbaren Energiequellen soll vor allem die Atomkraft stark ausgebaut werden. 0,5 Prozent des BIP flossen 2007 schon in die Atomkraft, was gemäss den Spezialisten von Globaldefence.net eng verbunden mit der Entwicklung der Atombombe war. Dies hat schon damals zu Widerstand von Umwelt- und Friedensaktivisten geführt.