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Ron Lyle gestorben
27.11.2011 - Nur knapp drei Wochen nach dem Tod von Joe Frazier hat die Boxwelt einen weiteren großen Schwergewichtler verloren, der die Szene der 70er Jahre entscheidend mitprägte. Der ehemalige WM-Herausforderer Ron Lyle (43-7-1, 31 K.o.’s) ist im Alter von 70 Jahren in seiner Heimatstadt Denver überraschend durch Komplikationen einer Magenerkrankung gestorben.
Lyle, der als Jugendlicher einer bewaffneten Gang angehörte, wurde 1962 wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz zu einer 15-25-jährigen Haftstrafe verurteilt. Nach siebeneinhalb Jahren wurde er vorzeitig entlassen und wurde im reifen Alter von 30 Jahren Profi. Nachdem er die meisten seiner frühen Gegner K.o. geschlagen hatte, musste er 1973 gegen Jerry Quarry seine erste Niederlage hinnehmen.
Nach Siegen gegen den ehemaligen Weltmeister Jimmy Ellis und den zähen Argentinier Oscar Bonavena verlor Lyle 1975 gegen den exzellenten Techniker Jimmy Young klar nach Punkten. Dennoch bekam Lyle bereits in seinem nächsten Kampf gegen Muhammad Ali, der die zweite Titelverteidigung seiner zweiten Regentschaft bestritt, seine WM-Chance.
Im Gegensatz zu George Foreman ließ sich Lyle durch Alis “Rope-A-Dope”-Taktik nicht aus dem Konzept bringen und lieferte sich mit dem Champion einen sehr ausgeglichenen Kampf. In der elften Runde musste Lyle in die Ecke gedrängt einige schwere Treffer einstecken, wobei der Abbruch durch Referee Ferd Hernandez nicht unumstritten war. Lyle hatte zum Zeitpunkt des Abbruchs auf zwei von drei Punktezetteln vorne gelegen. Es sollte Lyles einziger WM-Kampf bleiben.
Nach einem eindrucksvollen Sieg gegen den gefürchteten Puncher Earnie Shavers traf Lyle 1976 auf Ex-Weltmeister George Foreman. Es sollte jener Kampf werden, für den Lyle der Boxwelt am meisten in Erinnerung bleiben sollte. Lyle ließ sich im Gegensatz zu Foremans meisten anderen Gegnern nicht einschüchtern und suchte von Beginn an den offenen Schlagabtausch. In der vierten Runde gelang Lyle ein Niederschlag, Foreman kämpfte sich jedoch in den Fight zurück und schickte in derselben Runde Lyle zu Boden. Zwei Sekunden vor Ende der Runde gelang Lyle ein weiterer Niederschlag, die Sensation lag in der Luft. In der fünften Runde schien Lyle einem K.o.-Sieg bereits ganz nahe, verausgabte sich aber zu sehr und ging am Ende der Runde selbst schwer K.o. Der Kampf wurde 1976 zum “Fight of the Year” gewählt und gilt auch heute noch als einer der aufregendsten Schwergewichtskämpfe überhaupt.
Nach einer weiteren Punkteniederlage gegen Jimmy Young ging es mit Lyles Karriere stetig bergab, 1979 verlor er gegen den völlig unbekannten Lynn Ball vorzeitig, nach einer weiteren vorzeitigen Niederlage gegen den aufstrebenden Hoffnungsträger Gerry Cooney beendete Lyle seine Karriere, um 15 Jahre später im Alter von 54 Jahren noch einmal ein Comeback zu bestreiten. Nach vier vorzeitigen Siegen gegen Aufbaugegner machte sich Lyle Hoffnungen auf ein Rematch gegen Foreman. Als aus jenen Plänen aber nichts wurde, beendete Lyle 1995 seine Karriere endgültig.
Nach seiner aktiven Zeit arbeitete Lyle in seiner Heimatstadt Denver als Boxtrainer, wo er u.a. den späteren Weltergewichts-Weltmeister Victor Ortiz trainierte. “Eine weitere große Eiche ist gefallen”, sagte George Foreman, als er von der Todesnachricht seines ehemaligen Gegners erfuhr. “Ich werde ihn vermissen.”
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