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Eine ganz besondere – wenn auch nicht historische – Persönlichkeit hat Lucas Girods Interesse für Geschichte schon in frühen Jahren geweckt.
Da ich mich nicht für einen einzigen Schatz entscheiden konnte, habe ich eine Serie ausgewählt, die Helvetica enthält: Die Abenteuer von Asterix und Obelix. 1959 erschien in der Zeitschrift «Pilote» die erste Ausgabe, bis heute folgten 37 Alben.
Dieser Comic gefiel mir sofort, wahrscheinlich vor allem dank der Zeichnungen von Uderzo. Sein Stil ist präzis, rund und sehr detailliert, insbesondere wenn es um Architektur oder um die Kleidung der Figuren geht. Sein Nachfolger Didier Conrad hat sich komplett an diesen Stil angepasst.
Als Kind betrachtete ich die Zeichnungen mit grosser Aufmerksamkeit und dachte mir dazu eine Geschichte aus, ohne auf die Sprechblasen zu achten. Als ich dann lesen konnte, entdeckte ich die Erzählungen oft noch einmal neu. Ich las die Abenteuer immer wieder und nach und nach fielen mir die subtilen Details der Witze von Goscinny und die Bedeutung der schwierig auszusprechenden Namen auf. Ich hatte lange Zeit Mühe mit der Aussprache der Namen von Figuren wie Cétautomatix (auf Deutsch Automatix), dem Schmied, oder seinem Freund Assurancetourix (auf Deutsch Troubadix), dem Barden.
Seit ich mich erinnern kann, assoziiere ich den Begriff «Comic» mit den Abenteuern der zwei Gallier. Die Serie ist für mich völlig zeitlos und ich amüsiere mich noch immer über das berühmte Vorwort, mit dem jedes Album beginnt:
«Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen...»
(Übersetzung: Gudrun Penndorf)
Diese kurze Einleitung bildet den Rahmen für die verschiedenen Abenteuer. Asterix und Obelix wohnen in einem Dorf an der armorikanischen Küste und werden immer wieder mit Aufträgen über den Kontinent (und manchmal darüber hinaus) geschickt, je nach den Bedürfnissen des Druiden Miraculix oder anderer Figuren. Die oft gefährlichen Unterfangen gehen dank einem unbesiegbar machenden Zaubertrank immer gut aus. Obelix allerdings ist schon als Kind in diesen Zaubertrank gefallen und deshalb sowieso unbesiegbar, wie immer gerne betont wird.
Mit Asterix lernte ich die Antike und insbesondere die römische Kultur und ihren Einfluss in der damaligen Welt kennen. So entstand vermutlich mein Interesse für Geschichte.
In den Alben stellen die Autoren verschiedene Gemeinschaften und Kulturen mit ihren Eigenheiten dar. So werden die Römer als mächtig, selbstsicher und bisweilen angeberisch beschrieben. Die Gallier dagegen erscheinen bedächtig und intelligent. Sie sind sich ihrer Vorzüge bewusst, gelten aber bei den Römern als rückständig. Auf ihren Reisen treffen die zwei Hauptfiguren aber auch auf Goten, Korsen, Bretonen und natürlich Helvetier!
Wenn ich eines der Alben auswählen müsste, was wirklich nicht einfach ist, wäre es sicherlich «Asterix bei den Helvetiern». Schweizer Klischees wie Sauberkeit, Pünktlichkeit, Neutralität und vor allem das Bankgeheimnis werden hier ausführlich behandelt.
Gewisse Werte und Ideen kommen in den Geschichten immer wieder vor, meist wohlwollend dargestellt. Die Gallier aus dem Dorf begegnen der römischen Obrigkeit äusserst rebellisch: Andere mögen sich unterworfen haben, die Gallier jedoch wollen ihre Unabhängigkeit behalten. Thematisiert werden auch die meist erfolglosen militärischen Exzesse der Römer, über die sich die Gallier bei jeder Gelegenheit lustig machen. Die Solidarität zwischen den von Rom unterdrückten Gebieten ist stets vorhanden, was das Einheitsgefühl gegenüber dem gemeinsamen Feind unterstreicht.
Was im Verlauf einer Episode auch passieren mag, alles endet immer gut und zwar mit einem Dorfbankett mit viel Wildschwein und frischem Bier. Und das ist das Wichtigste, beim Teutates!
Lucas Girod
Publikumsinformation
Letzte Änderung 01.11.2017