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Der Schweizer Beobachter bei der UNO berichtet Petitpierre über den Tod Stalins sowie die Folgen des Machtwechsels in Moskau.
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In den letzten Tagen ergab sich mir Gelegenheit, die allgemeine Lage mit M. Georges-Picot, beigeordneter Generalsekretär der Vereinigten Nationen, ehemaliger französischen Botschafter, und mit einem Angehörigen der russischen Delegation zu besprechen.
1. M. Georges-Picot gehört zu denjenigen Beobachtern, die glauben, der Regimewechsel in Moskau werde bewirken, dass sich die Sowjetunion stärker mit innenpolitischen Problemen befassen werde. Malenkov wird versuchen, auf aussenpolitischem Gebiet Ballast abzuwerfen. Dies bedeutet nicht, dass Russland auf denjenigen Gebieten konzessionsbereiter würde, wo für die Sowjetunion ein unmittelbares, erstklassiges Interesse besteht. Weder in Korea noch in Deutschland ist deshalb ein Entgegenkommen Moskaus zu erwarten. Andererseits ist denkbar, dass Russland bereit wäre, daraufhin zu wirken, Spannungsfelder, die für Moskau untergeordnete Bedeutung haben, zu beseitigen. In diese Kategorie könnte Indochina fallen, vielleicht auch Malaja. Fraglich ist aber, ob Moskau diese Auffassung China gegenüber durchsetzen könnte, das darauf ausgeht, Konzessionen, die es im Norden Russland gegenüber macht, durch Gewinne im Süden zu kompensieren.
2. Ein Angehöriger der russischen Delegation mass der Erklärung Malenkovs vom 15. März2 grosse Bedeutung bei, setzte aber sogleich hinzu, dass sie einzig eine Weiterführung der Politik Stalins darstelle. Russland wünscht eine Verständigung mit Amerika, die aber nur auf der Basis von «do ut des» möglich ist. Die amerikanische Forderung, dass die Sowjetunion vor dem Beginn der Verhandlung Konzessionen mache, ist unannehmbar. Nach der Meinung der Russen widerspricht sie allen Gepflogenheiten diplomatischer Gespräche zwischen ebenbürtigen Mächten.
Mein Gesprächspartner ist überzeugt, dass die republikanische Administration Washingtons keine Verständigung wünscht. Sie arbeitet zielbewusst und Schritt für Schritt daraufhin, Russland so stark in die Enge zu treiben, dass es die amerikanischen Forderungen annehmen muss. Da Russland nie kapitulieren wird, treibt die Politik Washingtons auf den Krieg zu. Die Aktivität des amerikanischen Geheimdienstes in den Volksrepubliken ist Moskau ein Beweis dafür, dass die Vereinigten Staaten bewusst den Krieg vorbereiten. Sie wissen aber, dass ihre Rüstung einstweilen noch ungenügend ist.
Eine wesentliche Rolle misst mein Gesprächspartner der Rolle Englands bei. Dieses versucht, einen mässigenden Einfluss auf Washington auszuüben. «Ohne diesen englischen Einfluss, hätten wir vielleicht heute schon Krieg.» Amerika ist aber bestrebt, Englands Stellung zu schwächen, indem es die von Eden und Butler verlangte Hilfe verweigert. Die Bremswirkung Grossbritanniens auf die amerikanische Aussenpolitik ist deshalb im Rückgang begriffen.