Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03538.jsonl.gz/2610

Antibiose bei Erkältungshusten bringt wenig
Akute Infektionen der unteren Atemwege sind in der hausärztlichen Versorgung häufig. Oft werden Antibiotika - auch auf Wunsch der Patienten - verschrieben, obwohl der Beleg für einen tatsächlichen Nutzen fehlt. Diesen konnte auch eine aktuelle Studie im Lancet nicht erbringen.
An der Studie nahmen 2'061 Patienten im Alter über 18 Jahren teil, die wegen einer unkomplizierten Infektion der unteren Atemwege (Husten seit maximal 4 Wochen) beim Hausarzt vorstellig wurden und bei denen kein Verdacht auf eine Pneumonie bestand. Sie erhielten entweder Amoxicillin 1g dreimal täglich für eine Woche (n=1038) oder Placebo (n=1023). Primärer Endpunkt war die Dauer der Beschwerden, die vom Patienten als "mässig schlecht" oder "schlechter" angegeben wurden. Sekundäre Endpunkte waren Symptomstärke an den Tagen zwei bis vier sowie neu auftretende oder sich verschlechternde Beschwerden.
Die Antibiotikatherapie verkürzte weder die Dauer des Hustens (primärer Endpunkt, Hazard Ratio 1.06, p=0.229) noch die Schwere (1.62 vs. 1.69 bei Placebo, p=0.074). Allerdings wurden in der Amoxicillin-Gruppe deutlich weniger neue oder sich verschlechternde Symptome beobachtet (15.9 vs. 19.3%, p=0.043). Dazu mussten jedoch 30 Patienten behandelt werden, um einen Fall zu verhindern. Dieser Number needed to treat (NNT) stand eine Number needed to harm (NNH) von 21 gegenüber, denn die Rate der unerwünschten Wirkungen wie Übelkeit, Rash oder Diarrhö war in der Amoxicillin-Gruppe signifikant höher (p=0.025). Bei einem Patienten trat eine Anaphylaxie auf und drei Patienten (davon zwei aus der Placebogruppe) mussten hospitalisiert werden, Todesfälle gab es keine. Auch bei den 595 älteren Teilnehmern (über 60) zeigten sich keine Vorteile durch die Amoxicillin-Therapie.
Konklusion der Autoren: Wenn bei akuten Infektionen der unteren Atemwege keine klinischen Anzeichen für eine Pneumonie bestehen, bringt Amoxicillin kaum einen Nutzen, verursacht sogar eher noch Nebenwirkungen. Dies zeigte sich auch in der Subgruppe der über 60 Jährigen.
Lancet Infectious Diseases 2012; Online Publikation am 19. Dezember - Little P et al. for the GRACE consortium
19.12.2012 - gem