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Um persönliche Autorität zu entwickeln, braucht es ein Mindestmass an Selbstwert. Deshalb möchte ich kurz den Begriff Selbstwert definieren, der aus zwei Komponenten besteht:
- Wie gut kenne ich mich selbst? Mein inneres und äusseres Verhalten, meine Gefühle, Werte und persönlichen Grenzen? Diese Komponente entwickelt sich das ganze Leben lang. Das Tempo hängt davon ab, wie mein Umfeld mit mir interagiert.
- Wie stehe ich in moralischer und gefühlsmässiger Hinsicht zu mir, mit dem, was ich über mich selbst weiss?
Verfügung steht und darunter leidet,
ist nicht glaubwürdig.»
Besonders Frauen haben noch Schwierigkeiten sich ernst zu nehmen
Nach einem meiner Vorträge wurde ich von einer Mutter gefragt: «Ich habe drei Kinder – eine Tochter von vier Jahren und zwei Söhne, sechs und neun Jahre alt. Ständig wetteifern sie um meine Aufmerksamkeit und streiten sich deswegen oft. Mein Mann reist viel, und ich arbeite halbtags. Ich bin so erschöpft, dass ich nicht mehr weiterweiss. Wie bringe ich meine Kinder dazu, dass sie mit Streiten aufhören und ich endlich ein bisschen Luft habe?» Meine Antwort darauf war, dass sie damit anfangen sollte, sich selbst ernst zu nehmen, nämlich ihre persönlichen Bedürfnisse und Grenzen. Sie schüttelte den Kopf, wohingegen ihre Freundin eifrig nickte. «Was würden Sie denn vorschlagen?», fragte mich die Mutter.
«Meine Energie gehört mir, ich nutze sie so, wie ich will»
Die Frau war schockiert. Sie könne ihre Kinder doch nicht mitten in der Nacht aufwecken. Was, wenn sie sich dann abgewiesen fühlen? Was ist, wenn sie mich hassen? Und kann ich so egoistisch sein? Es war mir völlig klar, dass ich mit meinem Vorschlag gegen die Unterdrückung, Selbstunterdrückung und ein über Generationen geprägtes falsches Verständnis von wirklicher Mutterliebe kämpfte. Ich konnte ihr also nur anbieten, über meinen Vorschlag nachzudenken.
Zwei Wochen später bekam ich eine E-Mail: «Ich wusste, dass Ihr Vorschlag richtig war, aber ich hatte sehr viele Bedenken. Es hat deswegen eine ganze Woche gedauert, bis ich mich traute. Allerdings weckte ich die Kinder nicht auf. Ich rief sie vor dem Schlafengehen des jüngsten Kindes zusammen und sagte, was Sie mir vorgeschlagen hatten. Zuerst waren die Kinder still, dann aber kam der älteste Sohn und umarmte mich ganz lange und fest. Die zwei anderen Kinder kamen nach, und wir waren alle erleichtert und glücklich.