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Das Flüchtlingszentrum
Kaum etwas löst so viele Emotionen und Debatten in der Schweiz aus, wie das Thema von Flüchtlingen und Immigranten. Kaum etwas reflektiert so viel über das eigene Selbstverständnis, wie das Thema des Fremden. Dieses Semester beschliesst unsere Gastdozentur die Serie von Untersuchungen über öffentliche Einrichtungen im städtischen Raum, mit einer der kontroversesten solcher Institutionen, dem Flüchtlingszentrum.
Die Schweiz hat ein zweideutiges Verhältnis zu Flüchtlingen. Mit der Gründung des Roten Kreuzes im Jahr 1863 in Genf kann sie als Geburtsort des Humanitären Handelns bezeichnet werden. Mit dem UNHCR und seiner Vorläufer-Organisation beim Völkerbund, war die Schweiz immer schon Heimstätte der Hauptsitze der wichtigsten globalen Organisationen die sich um Flüchtlinge kümmern. Jeglicher Versuch allerdings heutzutage eine neue Flüchtlingsunterkunft in einer Gemeinde zu errichten erzeugt in der Regel massive Opposition und nur wenig Unterstützung.
Das Ziel unseres Semesterthemas ist es zu untersuchen, ob wir mit Hilfe der Architektur die Fragestellung von Flüchtlingen in der Schweiz anders verstehen können. Der Akzent des Semesters wird weniger auf dem Versuch liegen ein „besseres“ (was auch immer das heissen mag) Flüchtlingszentrum zu entwerfen, sondern mehr Gewicht auf die Untersuchung der räumlichen Situation von Flüchtlingen in diesem Land, Kanton und – als Fallstudie – in der Stadt Basel legen. Wir beginnen das Semester indem wir die unterschiedlichen Strategien untersuchen, wie Flüchtlinge in der Schweiz untergebracht werden. Wir möchten das Flüchtlingszentrum nicht nur als Ort der temporären Wohnunterkunft verstehen, sondern als räumliche Manifestation, wie ein Land mit seinen Fremden umgeht. Wir möchten das Flüchtlingszentrum mit all seinen zusätzlichen Räumen, Institutionen, Regeln, Gesetzen, Lebensumständen und Akteuren verstehen, mit denen Flüchtlinge in der Schweiz in Kontakt kommen.
Wir werden den räumlichen Tagesablauf von Flüchtlingsfamlien untersuchen, um zu sehen wie sich dieser in der Stadt (Basel) abspielt, und welche Rolle ein Flüchtlingszentrum in diesem Kontext spielt. Wie kommen Flüchtlinge in Kontakt mit der allgemeinen Bevölkerung? Welche öffentlichen Einrichtungen benutzen sie? Welchen Handlungsraum haben sie in der Stadt? Welche Regeln und Gesetze bestimmen ihr Leben, und wie manifestieren sie sich räumlich? Schliesslich werden wir unsere Beobachtungen nutzen um Vorschläge für alternative / neue / andere Strategien für Flüchtlingszentren, als Fallstudie für Basel, zu entwickeln. Es sollen architektonische oder urbanistische Entwürfe entwickelt werden, die von einer kantonalen Strategie zur Verteilung der Flüchtlinge, über ein urbanes Netzwerk von Institutionen, bis hin zum Entwurf neuer Wohnräume reichen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Das Semester wird ein wichtiges Thema von nationaler Relevanz angehen. Wir versuchen zu beantworten, was unserer Berufszweig – die Architektur – zu dieser Debatte beitragen kann. Letztendlich erlaubt uns das Thema der Flüchtlingszentren, unsere eigene Disziplin zu hinterfragen und einige der politischen Dimensionen der Architektur sichtbar zu machen.
The refugee center
Hardly any topic elicits as much emotion, fervour and debate in Switzerland, as the topic of refugees and immigrants. Few topics reflect so much upon ones own self-understanding, as the topic of the foreigner. This semester, our Gastdozentur concludes its investigation into the public institutions of the city with an examination into one of the most controversial of such public institutions, the refugee center.
Switzerland has an ambiguous, or two-sided relationship to refugees. With the foundation of the Red Cross in 1863 in Geneva, it can be considered the birthplace of humanitarian action, and it always been home to the headquarters of the most important global organisation dealing with refugees, the UNHCR, and its predecessor at the League of Nations. Currently though, any attempt to build a new home for asylum seekers in any Swiss city will often trigger fierce opposition, and few supporters.
The aim of our studio is to use architecture to understand the topic of refugees in Switzerland in a different way. The emphasis of the studio will lie less on the design of a “better” refugee center, and more on the investigation of the spatial dimension of refugees in the country, the canton, and - as a casestudy - in the city of Basel. We will start by looking at the different strategies employed for housing refugees in Switzerland, examining where they are located, the impact and consequences of this location, whether urban or rural, and what form these new institutions might take. We understand the refugee center not only as a place of temporary habitation, but as a spatial manifestation of the way in which a country deals with the stranger, the outsider and the foreign. We want to understand the refugee center as a broader metabolism of spaces, institutions, rules, laws, actors, and patterns of life while living in Switzerland.
We will be analysing the daily routine of refugee families, and examining how this is played out in Basel and interwoven with the public life and service infrastructure of the city. We will document the rules and regulations that govern the daily and highly diverse lives of refugees and their spatial manifestation in order to derive a range of new alternatives to the existing accommodation and informal networks that support the refugee community. These may range from a cantonal strategy for the distribution of refugees, an urban network of supporting institutions, to the design of new residential spaces, or the day to day details that characterise this transient status.
Join us in a semester that tackles a crucial topic of national importance and confronts the question of what our discipline, architecture, can contribute to this loaded debate. Ultimately the topic of the refugee center allows us to reflect back onto our profession and uncover some of the political dimensions of architecture.
Projektinformationen:
Thema: Das Flüchtlingszentrum
Schwerpunkte: Architektur;
Methodik und Medien: Zeichnungen, Modellbau;
Integrierte Disziplinen sind durch die Studenten selbst zu organisieren;
Lehrveranstaltung: 051-1108-13;
Gruppenarbeit in 2er Teams, Tischkritiken und Seminare;
Betreuung und Anwesenheit jeweils Di. und Mi. ganztägig;
Unterrichtssprache: Englisch und Deutsch;
Zwischenkritiken am 25.02, 11.03, 08.04 und 6.05 (jeweils unter Vorbehalt);
Schlusskritik am 27/28.5.;
Einführungsveranstaltung: 18 Februar 11.00 Uhr, ONA;
Leitung: Manuel Herz, <email-pii>;
Assistenz: Julia Jamrozik, <email-pii>; Hans Focketyn, <email-pii>, Ingrid Schröder, <email-pii>.
Aufgabentyp: Entwurf (ohne integrierte Disziplin)
Einführung: 18 Februar 11.00 Uhr, ONA
Bei Fragen: <email-pii>
Infos zu Manuel Herz Architekten: www.manuelherz.com
Download: PDF
15.01.2014 webmaster@arch