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Was haben wir die Rhesusaffen zu danken?
Bei jeder Schwangerschaft werden im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien die Blutgruppe inkl. dem Rhesusfaktor D bestimmt.
Der Rhesusfaktor (Rh) ist eine Gruppe von Oberflächenproteine der roten Blutkörperchen. Es gibt insgesamt fünf Oberflächenantigene: D, C, c, E und e und Rhesusfaktor D ist der wichtigste Rh-Parameter.
Das Rhesus-System wurde erstmals 1940 von Karl Landsteiner und Alexander Solomon Wiener in Rhesusaffen nachgewiesen und ist neben dem AB0-System, das zweitwichtigste Blutgruppenmerkmal beim Menschen.
Wenn diese Faktor D vorhanden ist, gilt die Blutgruppe als Rh-positiv und wenn es nicht vorhanden ist als Rh-negativ.
Etwa 85% der Menschen in Europa sind Rhesus positiv (RhD+) und 15% sind Rhesus negativ (RhD-). Diese Prozente schwanken je nach Ethnizität; Menschen mit afrikanischer Herkunft zeigen etwa 8 % Rhesus Negativität und Menschen mit chinesischer Abstammung ca. 0,3 %.
Eine Frau mit Rh-negativem Blut kann einen Fötus mit Rh-positivem Blut tragen, sofern der Vater Rh-positives Blut hat. Das nennt sich Rhesus-Inkompatibilität.
Diese Situation kann problematisch sein, wenn das Rh-positive Blut des Fötus in den Blutkreislauf der Rh-negativen Mutter gelangt. Das Immunsystem der Mutter identifiziert die roten Blutkörperchen des Fötus als Fremdkörper und bildet Rhesus Antikörper dagegen, welche die Rh-positiven Blutkörperchen des Kindes zerstören.
Diese Antikörperproduktion nennt sich Rh-Sensibilisierung.
Wenn die roten Blutkörperchen des Fetus oder Neugeborenes dadurch schneller abgebaut werden, als der Fötus neue produzieren kann, kann sich beim Fötus eine Anämie entwickeln. Ein solcher Abbau wird hämolytische Krankheit beim Fötus (Erythroblastosis fetalis) oder beim Neugeborenen (Erythroblastosis neonatorum) genannt.
Die Schwangerschaft, bei deren die Sensibilisierung erfolgte, ist nicht beeinträchtigt. Sobald aber Frauen sensibilisiert sind, wird es mit jeder zukünftigen Schwangerschaft wahrscheinlicher, dass Komplikationen auftreten, wenn das Blut des Fötus Rh-positiv ist.
- Wichtig zum Wissen: Eine Rhesus-Inkompatibilität verursacht bei der ersten Schwangerschaft meistens keine Probleme. Das Risiko ist aber grösser bei jeder darauffolgenden Schwangerschaft, da Rh-Antikörper in größeren Mengen und zu einem früheren Zeitpunkt produziert werden. Die Muttern haben keine Symptome davon.
Was kann dagegen gemacht werden
Da eine Sensibilisierung sich nicht ruckgängig machen lässt, ist die Vorbeugung dieser Situation das Gold Standard.
Das heisst, es muss verhindert werden, dass Rhesus AK vom Fetus ins mütterliche Blut gelangen. Das kann durch eine intravenöse Gabe von Anti-D Immunglobulin (Rhesus Prophylaxe) gelingen.
Diese Anti-D Immunglobulin werden von Blutspenden von Menschen hergestellt und können als sehr sicher betrachtet werden.
Wann soll eine Rhesus Prophylaxe verabreicht werden
Eine Anti-D Gabe ist empfohlen bei allen Rhesus negativ schwangeren und Rhesus positiv Fetus mit einem höheren Risiko auf einen fetomaternalen Transfusion, idealerweise innerhalb von 72h.
Heutzutage ist die fetale Rh-Bestimmung aus dem mütterlichen Blut schon vor der Geburt, bzw. ab der 18.SSW, möglich.
Die Gabe von Rhesus Prophylaxe (Anti-D Immunglobulin) kann dann gezielt nur bei Rh-Schwangeren und Rh+ Fetus verabreicht werden.
Bei Risikosituation für fetomaternale Transfusion und unbekannte fetale BG ist eine Anti-D Gabe innerhalb 72 Stunden empfohlen.
Folgende Situationen gelten als Risikosituationen für eine fetomaternale Transfunsion:
Geburt, Schwangerschaftsabbruch (medikamentös oder chirurgisch), Aborte (medikamentös oder chirurgisch), Blasenmole , Chorionzottenbiopsie , Amniozentese, Cordozentese , extrauterine Gravidität, Vaginale Blutungen (Abortus imminens, vorzeitige Placentalösung, Placenta prävia) , Äussere Wendung , Bauchtrauma.
Eine Anti-D-Gabe ist alle 12 Wochen bis zur Geburt zu wiederholen.
Fetale Blutgruppe Bestimmung vor der Geburt
In Europa gebären etwa 40 Prozent der RhD-negativen Frauen RhD-negativen Nachwuchs, das heisst, dass in 40% der Fälle kann auf einer anti-D Gabe in der Schwangerschaft verzichtet werden.
Die schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt eine molekulargenetische fetale RHD-Bestimmung aus dem mütterlichen Blut bei allen RhD-negativen Schwangeren zwischen der 18. – 24. SSW.
- Wird das ungeborene Kind RhD-positiv getestet, erfolgt die gewohnte RhD-Prophylaxe mit 300ug Rhophylac in der 28.SSW oder bei Risikosituationen früher
- Wird das ungeborene Kind RhD-negativ getestet, kann auf eine RhD-Prophylaxe in der Schwangerschaft verzichtet werden
In jedem Fall wird nach der Geburt leitliniengemäss dem Rhesusfaktor bestimmt,
vorzugsweise aus Nabelschnurblut.
Die Kosten für die fetale Blutgruppe Bestimmung werden von den Krankenkassen übernommen.
Rhesus D-negative Schwangere müssen heutzutage über die Möglichkeit, der nicht invasiven molekulargenetischen fetalen RHD-Bestimmung, informiert werden und damit über den potenziellen Verzicht der Anti-D-Gabe aufgeklärt sein.
„Bestimmung des Rhesusfaktors beim Kind vor der Geburt“, Gesundheit heute, SRF
Interview mit Dr. Alina Staikov