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Anna Katharina Emmerick wird im September 1774 als fünftes von neun Kindern einer armen Familie in der Nähe von Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) geboren. Als ältestes Mädchen in der Familie ist sie schon als kleines Kind in die Arbeiten im Haushalt eingespannt und kann nur wenige Monate eine Schule besuchen. Doch sie vertieft ihre Bildung durch die Teilnahme an den kirchlichen Feiern, den Gesprächen mit den Eltern und vor allem dadurch, dass sie jede freie Stunde zum Lesen nutzt.
Sie hat eine grosse Sensibilität für die Not ihrer Mitmenschen und teilt oft das Wenige, das sie besitzt, mit Menschen, die noch weniger haben.
Schon früh zeigt sich ihre eidetische Begabung, d. h. die Fähigkeit, alles in Bildern zu sehen und diese in ihrem Gedächtnis zu speichern. Dieses sehende Erleben führt zu einer intensiven Teilnahme am religiösen Leben: «Durch lebendiges Schauen waren alle Kirchenfeste mir gegenwärtige Ereignisse», erzählt sie später. So wundert es nicht, dass ihr Beten vor allem in der Betrachtung besteht.
Bald schon erwacht in ihr der Wunsch, in ein Kloster einzutreten. Dies scheint jedoch ein unerfüllbarer Wunsch, da Klöster zu dieser Zeit nur den wohlhabenden Schichten offenstehen – eine Mitgift ist Voraussetzung für den Eintritt.
Da Anna Katharina aufgrund ihrer schwachen Konstitution für die schwere Landarbeit nicht geeignet ist, geben die Eltern sie bei einer Näherin in Coesfeld in die Ausbildung. Anschliessend kehrt sie nach Hause zurück und arbeitet von dort aus als Näherin. Wegen ihrer Geschicklichkeit und ihres Fleisses ist sie sehr gefragt und kann so auch einige Ersparnisse erwerben.
Ihr Lebenswunsch erfüllt sich
Ihren Wunsch, in ein Kloster einzutreten, gibt sie nicht auf, obwohl sie immer wieder Absagen erhält. Eines Tages hört sie, dass ein Kloster in Münster eine Organistin sucht. In der inzwischen 25-Jährigen entsteht der Plan, den Beruf als Näherin aufzugeben und als Haushälterin beim Organisten in Coesfeld zu arbeiten; als Entlöhnung soll er ihr das Orgelspiel beibringen. Die Familie ist jedoch durch die lange schwere Krankheit der Ehefrau des Organisten hoch verschuldet. Anna Katharina setzt ihre ganze Arbeitskraft, aber auch all ihr Erspartes ein, damit die Familie überleben kann. Unter diesen Bedingungen ist das Erlernen des Orgelspiels unmöglich. Obwohl damit ihre Chance für einen Klostereintritt schwindet, bleibt sie bei der Familie. «Da ich die unverschuldeten Leiden der Familie erkannte, erwachte die Überzeugung in mir, dass Gott mich als seine Magd hierher schickt, mit allem zu helfen, was er mir gegeben.»
Doch das vermeintliche Unglück zeigt sich als Glücksfall. Clara, die Tochter des Hauses, eine ausgebildete Lehrerin und Organistin, fühlt sich ebenfalls zum Ordensleben berufen. Aufgrund ihrer Fähigkeiten wird sie im Kloster Agnetenberg in Dülmen aufgenommen. Clara erklärt, dass sie nur zusammen mit Anna Katharina ins Kloster eintritt. 1802 werden die beiden in das Kloster der Augustiner-Chorfrauen aufgenommen.
Die Schwestern lassen Anna Katharina zu Beginn spüren, dass sie nur ungern aufgenommen wurde, doch diese hat ihre Erfüllung gefunden und ist glücklich. Sie kann durch die Gebetszeiten und die tägliche Messfeier Gott nahe sein und dem Geheimnis der Liebe Gottes nachspüren.
In den Jahren 1802 bis 1811 wird Anna Katharina häufiger krank. Eine schwere Lungenkrankheit sowie Magen- und Darmerkrankungen verursachen ihr grosse Schmerzen. Trotz ihrer Krankheiten schont sie sich nicht und übernimmt auch schwere Arbeiten.
1811 wird das Kloster Agnetenberg infolge der Säkularisation aufgehoben. Anna Katharina findet eine Anstellung als Haushälterin bei Abbé Martin Lambert, einem aus Frankreich geflüchteten Priester, der in Dülmen wohnt. Sie kann den Haushalt nur ein halbes Jahr führen, dann erkrankt sie so schwer, dass sie bis zu ihrem Tod 1824 fast ständig ans Bett gefesselt ist. Sie verbindet ihr Leiden mit den Leiden Christ und bringt die Not und die Sünden der Welt vor ihn. In ihren inneren Bildern sieht sie den am Kreuz leidenden Gottessohnes und wie die Sünden der Menschen ihm Wunden zufügen. In diesen Betrachtungen erfährt sie ihre Stigmatisation.