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|MATHIAS KNAUER|

Zur Tontechnik von »El pueblo nunca muere«
Die Originalaufnahmen sind während der Proben, der Hörfunk-Produktion und dem Konzert ab den Summen- bzw. eigens für uns zusammengestellten Untergruppen-Kanälen vom Übertragungswagen des Südwestfunks einmal als 1/4-Zoll-Stereoaufnahme mit Pilotton (Stereo-Nagra), sowie gleichzeitig mit einer semiprofessionellen 8-Spur-1/2-Zoll-Maschine aufgezeichnet worden.*
Vom 8-Spur-Band wurden nach Abschluß der Montage für die jeweils verwendeten Stellen - sofern nicht das unveränderte Stereo-Summensignal verwendbar war - in einem Musikstudio eigens stereophone Abmischungen gemacht und im PCM-Verfahren aufgezeichnet: Stereobasis-Reduktion; verändertes Verhältnis von Solisten/Orchester; Hervorhebung einzelner Aktionen (zB. im dritten Teil des Stücks die Violoncelli.) usw.
Die Montage wurde mit Mono-Arbeitskopien gemacht; nach Übertragung der Spezialabmischungen auf 16mm-Stereoband wurde dieser Stereoton analog zur Ton-Arbeitskopie montiert.
Die Filmmischung erfolgte bei Sondor auf 35mm-4-Spurformat zweikanalig, um gegenüber dem 16mm-Format erhöhte Laufstabilität und einen besseren Frequenzgang zu haben (Mischung: Florian Eidenbenz).
Von diesem Original-Mischband werden einerseits die Mono-Magnetrandspuren der Filmkopien hergestellt, anderseits wurde eine PCM-Masterüberspielung gemacht, diese videomäßig gekoppelt (für die ununterbrochene Vorführung in einer Rolle); und davon wurden schließlich die PCM-Vorführkassetten (Betamax, EIAJ-14-bit Standard, SONY F-1-Prozessor) hergestellt. DAT-Geräte waren damals noch nicht auf dem Markt.
Die Anwendung des Litmak-Digitaltonverfahrens, die einerseits die stereophonische Vorführung, anderseits die Vormischungen in einem (nicht für Filmsynchronisation eingerichteten) Musik-Tonstudio ermöglichte, ist das Resultat der selbstlosen Entwicklungsarbeit von Andreas Litmanowitsch, der kurz vorher auch erstmals mit diesem Verfahren als Tonmeister die Aufnahmen zum Dokumentarfilm »L'école du Flamenco« (W. Marti und Reni Mertens; dort in Mono verarbeitet) gemacht hat. Die Synchronisierung der Projektoren mit dem Tonsystem erfolgt über ein Gerät, das A. Litmanowitsch entwickelt hat und das er und M. Knauer im Laufe des Jahres 1986 verbessert haben. Sowohl der Film "El pueblo nunca muere" wie »L'école du flamenco« sind erfolgreich in verschiedenen Sälen aufgeführt worden.
Das Synchronisiergerät kann auch zur Synchronisierung von zwei Videorecordern (für PCM oder Videobild) eingesetzt werden und arbeitet mit einem 50-Hz-Taktpuls, der in der Regel mit Hilfe einer Gabellichtschranke am Projektor erzeugt wird. Grundlage der Synchronisierung ist die Aufzeichnung eines Pilotsignals auf die Ton-Randspur des Videorecorders, der mit der Sollfrequenz des Gebers am Projektor usw. verglichen wird.
* Da zum Zeitpunkt der Aufnahmen im Oktober 1983 die Möglichkeit einer
Synchronisierung von PCM-Ton und namentlich einer synchronen digitalen Weiterbearbeitung
und erst recht Vorführung noch nicht absehbar war, erfolgte die Aufnahme mit
traditionellen analogen Mitteln.
Zur Synchronisierung am Schneidetisch wurde auf ein weiteres, durchgehend laufendes Nagra mit 9.5cm-Bandgeschwindigkeit ein »Protokollton« mit sämtlichen Startklappen (Beeps) aller fünf 16mm-Kameras aufgezeichnet.
1.1987 © Mathias Knauer