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Júlio Gaiger – März 1996 bis Juli 1997
Der “Gaucho“- Advokat aus Südbrasilien wurde am 12. März 1996 zum Präsidenten der FUNAI ernannt, als Nachfolger von Márcio Santilli. Seit 1977 war er mit der indigenen Politik vertraut, als er die “Associação Nacional de Apoio ao Índio“ (Nationale Vereinigung zur Unterstützung des Indios) in Porto Alegre leitete. Gaiger war auch juristischer Assessor des CIMI (Missionsrat) bis 1991 und wirkte als Assessor in der Kommission zur Verteidigung des Konsumenten, der Umwelt und der Minoritäten der Kammer.
Er war vom Minister Nelson Jobim vorgeschlagen worden, mit dem er seit Mitte 1995 an der Formulierung des polemischen Dekrets 1775 gearbeitet hatte, das eine Revision der noch nicht registrierten Indio-Territorien vorsieht. Der Vorschlag seiner Präsidentschaft führte sofort zu Protesten seitens der indigenen Organisationen und deren Unterstützer.
Im Juni 1997 – trotz heftiger Proteste der Xavante, die Gaigers sofortige Abdankung verlangten, stellte sich der neue Justizminister Íris Rezende schützend hinter ihn und deckte seinen Verbleib. Aber am 17. Juli desselben Jahres übergab Gaiger sein Amt, indem er sich darüber beschwerte, dass die Regierung sich hinsichtlich ihrer indigenen Politik nicht bemühe und ihm die politische Unterstützung fehle, die FUNAI in ihrer Administration neu zu gestalten.
“Ich leide in der FUNAI unter fehlenden strategischen Entscheidungen, die sich unserer Reichweite entziehen“, schrieb er in seinem Abschiedsgesuch. In einem Interview sagt er, dass er unter dem Druck der Xavante leide, dem Druck von Mitarbeitern der FUNAI und von politischen Gruppen, die mit den Indios und den Mitarbeitern verbunden seien, und die nach seiner Meinung versuchten, ihn zu destabilisieren, damit er die FUNAI nicht neu formulieren könne.
Sulivan Silvestre – August 1997 bis Februar 1999
Er stammte aus dem Bundesstaat Paraná, war bis zu seiner Ernennung Beamter im Ministerium des Bundesstaates Goiás und trat die Präsidentschaft der FUNAI am 22. August 1997 an. Nach seinem rechtwissenschaftlichen Studium an der PUC in Goiás, entwickelte sich Silvestre zum Spezialisten für Umwelt. Für Indios und Indio-Experten war er ein unbeschriebenes Blatt, und seine Ernennung überraschte, denn sowohl Anthropologen wie Mitarbeiter der FUNAI, die der Belegschaft bekannt waren, hatten auf eine Ernennung gehofft.
Die Ernennung dieses Aussenseiters bewies die Feuerkraft des Ministers Íris Rezende, dem es gelang, einen Politiker ohne nennenswerte Erfahrung mit der indigenen Politik in die Positionsspitze der FUNAI zu manövrieren.
In seiner Antrittsrede hob Silvestre hervor, dass die Demarkation der Indio-Territorien während seiner Amtszeit von allergrösster Priorität sei. Ausserdem verdeutlichte er die Notwendigkeit einer Annäherung zwischen FUNAI, den Indios und deren unterstützenden NGOs.
Er versuchte den “Conselho Deliberativo e Participativo das Lideranças Indígenas” zu strukturieren, indem er den Dialog zwischen FUNAI und indigenen Vertretern, den NGOs, dem CIMI und dem Capoib ankurbelte – stets unter Verteidigung einer Dezentralisierung der FUNAI.
Am 1. Februar 1999 starb Silvestre bei einem Flugzeugunglück. Die zweimotorige Seneca-Maschine, die ihn von Brasília aus zu einer Versammlung mit den Indios Fulni-ô und Pankararu bringen sollte, stürzte wenige Minuten nach dem Start vom Flughafen Gioânia aus ab. Der Unfall ereignete sich um 21:30 Uhr. Kurz nach dem Absturz fing das Flugzeug Feuer. Renan Calheiros, der damalige Justizminister, versprach, dass er die Investigation des Unfalls verfolgen würde.
Márcio Lacerda – Februar bis November 1999
José Márcio Panoff de Lacerda trat sein Amt als Präsident der FUNAI am 22. Februar 1999 an. Er war Abgeordneter, Senator und Vize-Gouverneur von Mato Grosso. In seiner Antrittsrede versprach er, dass er sich für die Erneuerung eines “Estatuto do Índio“ (Indio-Statuts) einsetzen wolle, “das eine realistische Politik reflektiert, welche den indigenen Kommunen das Recht verbrieft, die natürlichen Ressourcen ihrer Territorien selbst auszubeuten“.
Seine Aktivitäten waren geprägt von der Verteidigung von Partnerschaften zwischen dem Staat und seinen Munizipien zur Verbesserung der Assistenz gegenüber den Indio-Kommunen.
Am 31. Mai wurde Lacerda von 51 Xavante-Kriegern mit Gewalt aus dem Gebäude der FUNAI herausgeholt, die gegen die Entlassung des Aussenstellen-Direktors in Nova Xavantina protestierten.
Ab Mai 1999 musste sich Lacerda einer Untersuchungskommission (CPI) FUNAI stellen, promoviert von Parlamentsmitgliedern in der Absicht, die Beziehung zwischen FUNAI und NGOs, der Einstellung von Anthropologen und der Verwendung finanzieller Mittel zu untersuchen. In diesem Zeitraum wurde das ganze finanzielle Chaos der FUNAI öffentlich.
Im November desselben Jahres, unter dem Druck der Indios, der NGOs und anderer Institutionen, stellte er sein Amt zur Verfügung. Er gab zu, dass er unter internen Konflikten zu leiden habe, besonders durch den Arzt Oswaldo Cid Nunes da Cunha, seines Amtes enthobener Chefarzt der FUNAI in Brasília, der Lacerda als “inkompetent“ klassifiziert hatte.
Lacerda beschuldigte den Arzt der Treulosigkeit, weil er die Entscheidung der Regierung öffentlich verurteilt hatte, die Abteilung Indigene Gesundheit der “Nationalen Stiftung der Gesundheit“ (FNS) zuzuordnen.
Carlos Frederico Marés – November 1999 bis April 2000
Er wurde in União da Vitória (Bundesstaat Paraná) geboren und ist Professor für Agrarrecht und Umwelt der Universität PUC in Paraná. Er war Staatsanwalt von Paraná zwischen 1991 und 1994, sowie Kultur-Sekretär des Munizips Curitiba, zwischen 1983 und 1988.
Er arbeitete mit bei der Nationalversammlung für Verfassung (1987-88) zwecks Formulierung des 8. Kapitels “Dos Índios“ (über die Indios), und war einer der Koordinatoren der Kampagne “Povos Indígenas na Constituinte“ (Indigene Völker in der Verfassung). 1989 gründete er den “Núcleo de Direitos Indígenas (NDI)“ (Zentrum für Indigene Rechte), und 1994 das “Instituto Socioambiental“, in dem er Präsident und Ratgeber war.
Marés ist auch Autor von sechs Büchern – das letzte davon – “O renascer dos povos indígenas para o direito“ (Die Wiedergeburt der indigenen Völker für das Recht) – ist das Ergebnis seiner Doktorarbeit von 1988 an der UFPR.
Marés wurde für die Präsidentschaft der FUNAI vom Justizminister José Carlos Dias vorgeschlagen, der einmal als Advokat für ihn tätig gewesen war, um seine Situation in Brasilien zu regulieren, nachdem Marés aus seinem neun Jahre währenden Exil nach Brasilien zurückgekehrt war.
Bevor er das Amt des Präsidenten der FUNAI antrat, präsentierte Marés dem Minister 13 Vorschläge als Bedingungen zur Annahme des Postens. Darunter befand sich auch die offizielle Anerkennung des Indio-Territoriums Raposa/Serra do Sol (Bundesstaat Roraima).
Die kurze Periode seines Schaffens in der FUNAI war geprägt von polemischen Aktionen. Gleich zu Beginn des Jahres 2000 erklärte er öffentlich, dass es für ihn am 22. April, dem 500-jährigen Jubiläum der Entdeckung Brasiliens, nichts zu feiern gäbe. “Das ist ein Fest zur Ankunft der Karavellen, ein Fest der Weissen. Der grösste Teil der brasilianischen Indios hat seit viel weniger Jahren Kontakt mit der weissen Zivilisation“, sagte er.
Marés Amtszeit war auch geprägt von den Verhandlungen um die Präsentation des neuen Vorschlags zum “Estatuto do Índio“. Am 17. April 2000 präsentierte Marés den indigenen Führern den Regierungsvorschlag “Estatuto do Índio e das comunidades indígenas“ (Statut des Indios und der indigenen Kommunen), die sich in Monte Pascoal versammelt hatten, um einen Protestmarsch gegen die 500-Jahrfeier durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt war der Vorschlag noch nicht vom Parlament verabschiedet worden.
Am 22. April, nachdem er einer blamablen Polizeiaktion gegen den Protestmarsch der Indios beigewohnt hatte, verkündete Marés seinen Rücktritt. “Ich kann nicht in einer Regierung bleiben, die physische Aggressionen gegen eine organisierte indigene Bewegung befürwortet“, erklärte er offensichtlich enttäuscht – und setzte hinzu, dass es entschieden sei und unwiderruflich – er werde sein Rücktrittsgesuch dem Justizminister José Gregori vorlegen. Und das hat er getan.
Roque Barros Laraia – April bis Mai 2000
Nach dem Rücktritt von Marés rückte der damalige Vize, der Anthropologe Roque de Barros Laraia nach und übernahm die Spitzenposition der FUNAI. Es vergingen 29 Tage, bis Glênio Alvarez durch den Minister José Gregori offiziell zum Präsidenten nominiert wurde.
Laraia hat Geschichte studiert, wendete sich aber der Anthropologie zu. Er war Mitglied des Lehrkörpers am Museu Nacional (UFRJ) und ab 1968 an der Uni Brasília. Er ist Mitglied des “Conselho Indigenista“ (Indio-Rat) seit seiner Gründung 1967. Zu jener Zeit stellte dieser Indio-Rat die mächtigste Institution innerhalb der FUNAI dar. Der Anthropologe hat Erfahrung mit der Feldarbeit unter Terena-Indios und Suruí, im Bundesstaat Pará.
In einem Exklusiv-Interview mit der ISA liess er durchblicken, dass die grössten Probleme, mit denen er während seiner kurzen Periode als Präsident zu kämpfen hatte, aus der geringen Zahl von Profis, den fehlenden finanziellen Mitteln und dem konstanten Druck der indigenen Gruppen, wie der Xavante und der Fulni-ô, bestanden. Seiner Meinung nach ist es “nicht möglich, die FUNAI zu leiten, mit den Xavante im Nacken, so wie sie sich verhalten“.
Die Mehrheit der Indios befinde sich ohne die geringste Assistenz – während eine einzige Ethnie sämtliche Zeit der Administration in Anspruch nimmt und den grössten Teil der ohnehin knappen Ressourcen für sich in Anspruch nimmt.
Glênio Alvarez – Mai 2000 bis Juni 2002
Der Geologe ist seit 14 Jahren Angestellter der FUNAI und der 27. Präsident des Organs für Indianerfragen seit seiner Gründung 1967.Er war Administrator der FUNAI in Boa Vista (Bundesstaat Roraima) im Jahr 1994, der Periode der Demarkation des IT Yanomami.
Die Wahl von Alvarez, einem “Gaúcho“ aus Santa Maria (Rio Grande do Sul) beendete die Amtszeit des Anthropologen Roque de Barros Laraia, der das Amt seit dem Abgang von Carlos Frederica Marés innehatte. Alvarez sagte in seiner Antrittsrede, dass er vorhabe, Programme in Zusammenarbeit mit den staatlichen Regierungen zu implantieren. Seine bedeutendste Herausforderung sehe er in der Beschaffung nötiger Finanzmittel zur Entwicklung der Programmvorhaben für das Jahr 2000.
Anfang Juni 2002 wurden alle von einer Veröffentlichung im “Diário Oficial da União“ überrascht, die von einer Amtsenthebung des Glênio Alvarez berichtete. Er selbst war erst einmal nicht bereit, sich zu der Sache zu äussern. Durch seinen Presseattaché liess er erklären, dass er “seine Arbeit korrekt zum Wohl der Indios Brasiliens“ ausgeführt habe.
Der Sturz von Alvarez geschah zwei Tage nachdem der Präsident der Kommission zur Verteidigung des Konsumenten, der Umwelt und der Minoritäten der Kammer, der Abgeordnete Pinheiro Landim, den Einschub des Gesetzes zum Verbot der Mineralienförderung innerhalb von Indio-Territorien zurückgezogen hatte. Die FUNAI hatte sich deutlich gegen die Billigung des Projekts ausgesprochen, dass vom Senator Romero Jucá eingebracht worden war.
Otacílio Antunes Reis Filho – Juni bis Juli 2002
Der Abgang von Glênio Alvarez brachte ihm die Präsidentschaft der FUNAI ein, einem antiken Mitarbeiter des Organs, damals in der Position eines Direktors des indigenen Kunsthandwerks. Reis Filho, der bereits zur Amtszeit von Romero Jucá als Direktor der Planungsabteilung innerhalb der FUNAI gewirkt hatte, leitete die Stiftung genau 46 Tage – zwischen Juni und Juli 2002.
Artur Nobre Mendes – August 2002 bis Januar 2003
Der Anthropologe und Karriere-Funktionär der FUNAI war der neunte Präsident des Organs innerhalb der achtjährigen Regierung Fernando Henrique Cardoso. Seit seinem Beitritt zur FUNAI 1983 hatte Mendes auf dem Gebiet der Vermögensbildung gearbeitet. Er war Chef der Abteilung für Identifizierung und Abgrenzung (Deid), Koordinator von Spezialprojekten und technischer Koordinator des “Projeto Integrado de Proteção às Populações e Terras Indígenas da Amazônia Legal“ – dem PPTAL – das verbunden mit dem “Programa Piloto de Proteção às Florestas Tropicias do Brasil“ (PPG7) zum Ziel hat, 160 Indio-Territorien zu demarkieren.
Im Moment der Berufung zum Präsidenten der FUNAI bekleidete er die Position des Direktors der Abteilung “Assuntos Fundiários“ (DAF) – eine Position, die er seit der Amtszeit von Glênio da Costa Alvarez innehatte.
Artur Nobre Mendes wurde am 31.07.2002 formell in seinem neuen Amt als Präsident der FUNAI vorgestellt, zusammen mit einer Equipe, die kurz zuvor von Tarso Ramos Ribeiro zusammengestellt worden war, dem achten Justizminister innerhalb der beiden Mandate von Fernado Henrique Cardoso. Mendes hielt sich an der Spitze der FUNAI bis im Januar 2003, als er, schon im ersten Monat der Regierung von Inácio Lula da Silva, um seine Entlassung ersuchte.
Eduardo Aguiar de Almeida – Februar bis August 2003
Der erste FUNAI-Präsident der Regierung Lula. Er hielt sich nur sechs Monate auf seinem Posten und wurde am 15. August 2003 durch ein Schreiben des Justiz-Ministeriums seines Amtes enthoben. Der Justizminister erklärte sich unzufrieden mit seiner Arbeit an der Spitze der FUNAI in mehr als einem Fall, er hätte eine “fehlende Übereinstimmung“ Almeidas mit den Interessen des Ministeriums beobachtet.
Die Gerüchte über seine Entlassung zirkulierten bereits zwei Monate vor seinem definitiven Abgang. Almeida begründete seine Entlassung mit einem starken Druck der anti-indigenen Sektoren der nationalen Politik und zitierte ohne Umschweife die Namen der Senatoren Antônio Carlos Magalhães (PFL-Bahia) und Romero Jucá (PMDB-Paraná) sowie der Gouverneure Blairo Maggi (PPS-Mato Grosso), Jarbas Vasconcelos (PMDB-Pernambuco) und Luiz Henrique da Silveira (PMDB-Santa Catarina).
Almeidas offizieller Antritt der FUNAI-Präsidentschaft erfolgte mehr als einen Monat nach dem brasilianischen Regierungswechsel (Lula), am 03.02.2003. Er stammt aus Rio de Janeiro, ist Journalist und Gründer der “Sociedade Brasileira de Indigenistas” (SBI). Er arbeitete in der FUNAI bereits als Assessor des Präsidenten zwischen Januar und August 2000. Seit Januar 2002 wirkte er als Konsultor des Umweltministeriums.
In seiner Amtszeit konzentrierte Almeida einen Teil seiner Anstrengungen auf die Vorbereitung der “Nationalen Konferenz für Indigene Politik“ – eines der relevantesten Themen auf Lulas Liste bezüglich der Indio-Frage – das bereits im Dokument seiner Wahlkampagne erscheint, unter dem Titel: “Compromisso com os Povos Indígenas“ (Versprechen an die Indigenen Völker) – und dessen Ziel es ist, eine artikulierende Instanz zu schaffen zwischen den regierenden Sektoren, die Verantwortung gegenüber den indigenen Bedürfnissen tragen, den Repräsentanten der Indios und anderen Sektoren der zivilen Gesellschaft.
Im Bereich der territorialen Zurückforderungen schuf Almeida Arbeitsgruppen zur Identifizierung von 17 neuen Indio-Territorien und zur Neuuntersuchung weiterer zehn. Eine innovative Entscheidung Almeidas war der Beschluss des Kriteriums “auto-identificação“ (Selbstidentifizierung) als fundamentales Instrument um jene Gruppen als Indigene anzuerkennen, die ihre Rechte auf einen territorialen Lebensraum im Brasilianischen Staat einfordern, entsprechend der Konvention 169 der “Internationalen Organisation der Arbeit“ (OIT).
Mércio Pereira Gomes – September 2003 bis März 2007
Er leitete das IPARJ (Instituto de Pesquisas Antropológicas do Rio de Janeiro) – das Institut für Anthropologische Forschungen von Rio de Janeiro – und nahm teil an der cariocanischen Politik während der Regierung von Leonel Brizola (1991-95) als Untersekretär für Kultur und spezielle Projekte. Er war auch Assessor für Spezialprojekte der Stadt Petrópolis. Nach Roque Laraia und Artur Nobre Mendes ist Mércio Gomes der dritte Anthropologe auf dem Präsidentenstuhl der FUNAI.
Mércio Gomes war Professor der Anthropologie an der Unicamp, UERJ (Universität von Rio de Janeiro), Macalestes (USA) und an der UFF (Föderativen Universität des Bundesstaates Rio de Janeiro). Als aktives Mitglied der staatlichen Direktion der PPS-Partei, Alliierte der Regierung Lula, war Mércio Gomes bereits während der Wahlkampagne als neuer FUNAI-Präsident aufgestellt worden.
Márcio Meira – April 2007 bis April 2012
Studium in Geschichte an der Staatlichen Universität von Pará (UFPA), Doktorarbeit in Anthropologie an der Universität von Campinas (Unicamp) – der ehemalige Präsident der FUNAI forschte bei den Warekena-Völkern der Rio Xié-Region, einem der Nebenflüsse des Rio Negro, im Bundesstaat Amazonas, Anfang der 90er Jahre.
Er ist der Autor der These “No tempo dos Patrões“ (In der Zeit der Bosse) über das Abhängigkeitsverhältnis, das immer noch zwischen Sammlern und Händlern im Innern Amazoniens vorherrscht.
Seine Beschäftigung mit den indigenen Völkern liegt jedoch schon weiter zurück – seit seiner Beteiligung am Kampf für die indigenen Rechte in der Brasilianischen Verfassung von 1988. Er war auch verantwortlich für die Identifizierung der Indio-Territorien des Mittleren Rio Negro durch die FUNAI, gelegen in den Munizipien von São Gabriel da Cachoeira und Santa Isabel do Rio Negro.
Meira war einer der Fürsprecher der indigenen Organisationen in der Übergangsequipe der Regierung Lula 2002. Seine Amtsführung war verantwortlich für die Restrukturierung der FUNAI, mit der die Belegschaft 425 Neuzugänge erhielt und die Administration des Organs ebenfalls mit einbezogen wurde. Meira war auch verantwortlich für die Eröffnung des “Centro de Formação em Política Indigenista” (Zentrum für die Ausbildung in indigener Politik) in Sobradinho, Distrikt Brasília.
Obwohl er die Beteiligung an der indigenen Bewegung als Priorität eingestuft hatte und die “Comissão Nacional de Política Indigenista“ (Nationale Kommission für Indigene Politik – CNPI) gegründet hatte, erlebte er den Bruch der indigenen Fraktion mit der Kommission – Mitglieder der “Articulação dos Povos Indígenas do Brasil“ (Artikulation der Indigenen Völker Brasiliens – Apib) entschieden sich dafür, die CNPI zu verlassen.
Marta Maria do Amaral Azevedo – Amtsantritt im April 2012 bis Juni 2013
Sie war Professorin und Forscherin der Abteilung “Estudos de População“ (Nepo) an der Staatlichen Universität von Campinas (Unicamp) und ist Anthropologin, Demografin und Autorin eines der ersten Werke über Demografie der indigenen Völker. Geboren in São Paulo, studierte sie Sozialwissenschaften und machte ihren Abschluss 1978 an der Universität von São Paulo (USP).
1980 wurde sie Mitglied in der Gruppe Indigene Erziehung der “Comissão Pro-Indio“ in São Paulo (CPI-SP) und wirkte als Mitarbeiterin des Programms Indigene Völker in Brasilien des “Centro Ecumênico de Documentação e Informação (CEDI). Sie war ausserdem Mitarbeiterin der ISA, Abteilung “Indigene Geschichte“, und des “Indigenismus“ der Universität von São Paulo – wo sie half, die Gruppe Mari zu gründen, die sich mit der indigenen Erziehung beschäftigt – und des Missionsrates CIMI, zu Beginn der 90er Jahre.
Marta Azevedo war Mitglied der demografischen Equipe, die zusammen mit dem IBGE, der FUNAI und Spezialisten verschiedener, unterschiedlicher Institutionen die Aufstellung der Informationen über die indigenen Völker für die brasilianische Volkszählung 2010 vervollkommneten. Ihre Untersuchungen involvieren Themen wie indigene Erziehung, Sicherheit der Ernährung und die Gesundheit indigener Frauen, denen sie sich in ihrer Amtszeit verschrieben hat.
Marta war die erste Frau an der FUNAI-Spitze – was mit einer Frau an der Spitze Brasiliens nicht weiter verwunderlich war. Aus „gesundheitlichen Gründen“ verliess Marta Azevedo die Institution anfangs Juni 2013.
Maria Augusta Boulitreau Assirati – Amtsantritt im Juni 2013 bis Oktober 2014
Rechtsanwältin, leitete die Abteilung zur Promotion der Erhaltenden Entwicklung (DPDS) der FUNAI und übernahm die Präsidentschaft ersatzweise, nach der Entlassung von Marta Maria Azevedo. Obwohl sie während eines Jahres und vier Monaten als Stellvertreterin in einer Regierung eingesetzt worden war, die sich durch den Zusammenbruch der Demarkation von Indio-Territorien hervorgetan hat, gelang es ihr, drei Identifikations-Studien folgender ITs zu genehmigen und zu veröffentlichen: “Tapeba“, mit 5.838 Hektar, im Bundesstaat Ceará – “Herareka“, mit 2.686 Hektar, im Bundesstaat Paraná – und die Erweiterung des “IT Xakriabá“, mit 43.357 Hektar, im Bundesstaat Minas Gerais.
Maria Augusta bat um ihre Entlassung wegen eines Kurses in Portugal, der ihr den Doktortitel einbringen soll – jedoch, wie der GLOBO, vom 25. September 2014, berichtet, sollen die eigentlich massgebenden Motive für ihren Rücktritt die Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit den geplanten Wasserkraftwerken in Indio-Territorien und der Disput gewesen sein, den die FUNAI innerhalb der Regierung ausgelöst hat, um ihre oberste Aufgabe zu erfüllen: die Demarkation weiterer Indio-Territorien.
Flávio Chiarelli Vicente de Azevedo – Amtsan- und Austritt Oktober 2014
War Chef der Spezialisierten Staatsanwaltschaft der FUNAI. Übernahm die einstweilige Präsidentschaft als Substitut der ebenfalls einstweiligen Maria Augusta Assirati.
Die leidige Geschichte der FUNAI-Direktoren geht somit weiter, zum Leidwesen der betroffenen Ureinwohnern.