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DIAPHANES 11 umkreist die »Mehrdeutigkeiten des Signifikats Mutter« (Kittler) und spekuliert über die Vorstellung einer Menschheit als »absolute Familie« (Novalis).
Dieses Heft forscht nach Praktiken menschlicher wie nicht-menschlicher Stellvertretung, spielt mit den Mythen und Visionen von Mutterschaft und Zeugung, versammelt künstlerische und theoretische Positionen zu Reproduktion und Kommunikation, Geschlecht und Gattung, Adressierung und Empfängnis.
Was tritt an die Stelle der Kernfamilie angesichts hybrider Kinships und Social Freezing? Was wären die neuen Wahlverwandtschaften in Zeiten von Chatbots und Pseudonymisierung? Wird es Zeit für Leih-Muttersprachen und extra-humane Rhetoriken der Surrogation?
Sophie Lewis fordert einen Kommunismus des Gebärens und jagt nach unseren Omas. Barbara Vinken denkt über geistige Mutterschaft, Luciana Parisi über menschliche Automaten und gegenderte Proxies nach. Für Zuzana Cela ist Sprache ein Fremdkörper, der invaginiert werden kann. Werner Hamacher flaniert durch Mutter Museum, das zugleich ein Bordell ist. Andreas L. Hofbauer trinkt Surrogatkaffee, Sina dell’Anno entlarvt den Gründungsmythos schlechthin. Rudi Nuss erzählt von der neuen Liebe zu schwangeren Männern, Allison Grimaldi Donahue von schlechter Verwandtschaft im Haus der Sprache, M. NourbeSe Philip von einer fremden Angst. Leda Bourgogne, Lucile Boiron, Lena Kunz und Emma Waltraud Howes setzen ihre Bilder an die Stelle dieser Zuschreibungen.