Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03611.jsonl.gz/1918

Bolivien gilt mit einem Anteil von 50 Prozent unter der Armutsgrenze lebenden Bevölkerung als eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Mit einem Wert von 0,667 befand sich Bolivien 2013 auf Rang 113 der Länderliste des Human Development Index, wobei grosse Einkommensungleichheiten innerhalb der Gesellschaft die Armutsumstände zusätzlich verschärfen.
Insbesondere die auf dem Land lebende Bevölkerung sowie Angehörige verschiedener ethnischer Gruppen sind verstärkt von Armut betroffen. Diese extremen Unterschiede zeigen sich zum Beispiel im Zugang zu Trinkwasser: Während 96 Prozent der städtischen Bevölkerung über Zugang zu Trinkwasser verfügt, beläuft sich der Anteil in ländlichen Gegenden auf lediglich 70 Prozent.
Zu den ärmeren Regionen Boliviens zählen die Bezirke Sapahaqui und Patacamaya im Department La Paz, wo mehr als 95 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt. Obwohl der Grossteil der Bevölkerung dieser Region auf Erträge der Land- und Viehwirtschaft angewiesen ist, mangelt es an technischer Unterstützung im Landwirtschaftsbereich sowie an Gesetzesgrundlagen und Entwicklungsprogrammen.
Die Grundbedürfnisse der Bevölkerung in Sapahaqui und Patacamaya sind weitgehend nicht abgedeckt und lediglich 23,5 Prozent der Gemeinden im Bezirk verfügen über ein Trinkwassersystem mit Hausanschluss. Damit bleibt den meisten Familien häufig nur die Alternative, ihr Wasser aus natürlichen Wasserstellen und Flüssen zu beziehen. Frauen waschen dort die Wäsche und Tiere benutzen sie als Tränke. Bei starken Regenfällen sind die Flüsse derartig verschlammt, dass das Wasser nicht konsumiert werden kann. Einige Flüsse sind zudem salzhaltig und das Wasser ist für den Konsum ungeniessbar.
Die prekäre Wasserversorgungssituation sowie mangelnde Hygienegewohnheiten begünstigen die Verbreitung von Krankheiten, wie zum Beispiel chronische Magen- und Darmerkrankungen, Dengue, Malaria und Hepatitis A. Insbesondere Kinder sind für Magen- und Darmerkrankungen stark anfällig: etwa 30‘000 Kinder jährlich sterben in Bolivien an Durchfall-erkrankungen, meist aufgrund mangelndem Zugang zu sauberem Trinkwasser und schlechter Hygienegewohnheiten.
Laut Angaben der einzigen staatlichen Gesundheitseinrichtung in der Region erkranken etwa 70 Prozent der Kinder unter sieben Jahre an Durchfall, während die Inzidenz bei erwachsenen Menschen bei etwa 40-50 Prozent liegt.