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Mi, 18. August 2021, Niklas
Das quelloffene Betriebssystem Haiku wird heute 20 Jahre alt. Am 18. August 2001, genau um 15:47 Uhr hat Marcus Overhagen den ersten richtigen Eintrag in der Mailingliste des OpenBeOS Projekts erstellt und das Projekt, das sich knapp drei Jahre später in Haiku umbenennen sollte, damit sozusagen gestartet. Das war noch am selben Tag, an dem Be an Palm verkauft wurde.
Der Betreff der ersten Nachricht lautete schlicht und einfach "Ok, let's start". Bereits in dieser waren einige Vorstellungen zu lesen, was Haiku später können sollte. Und einiges davon wurde auch umgesetzt. Das komplette Archiv der Haiku/OpenBeOS Mailingliste ist noch vorhanden und kann bei FreeLists nachgelesen werden.
Man wollte Binärkompatibilität zwischen verschiedenen Versionen des Systems. Wir warten zwar nach 20 Jahren noch immer auf Release 1, aber zwischen den Beta-Versionen und Nightly ist diese Anforderung erfüllt. Ausserdem wollte man eine Kompatibilitätsschicht für original BeOS Programme. Diese ist in der 32 Bit Version auch vorhanden. 64 Bit Systeme haben damals kaum eine Rolle gespielt, BeOS konnte es nicht und in Haiku kam die Unterstützung erst später, sodass wir hier leider auf eine Kompatibilität zu BeOS Software verzichten müssen.
Des Weiteren sollte das Binärformat unabhängig vom Compiler sein, sodass Änderungen in GCC nicht die Kompatibilität zerstören können. Heute ist Haiku trotzdem noch nicht unabhängig von einem bestimmten. GCC ist weiterhin ist der standardmässig genutzte Compiler. Es ist theoretisch möglich, das System mit Clang zu kompilieren, aber dazu wären Anpassungen nötig. Ausserdem ist die Kompatibilität zu BeOS nur mit der alten GCC Version 2 gegeben.
Auch das Konzept des Kernel-Aufbaus sollte von BeOS übernommen werden. Statt eines einzigen grossen Kernels gab es hier verschiedene unabhängige Module, die alle beim Bootprozess gestartet wurden. Genau das ist heute bei Haiku der Fall und hat zum Beispiel den Vorteil, dass einzelne Module im Bootloader Menü abgewählt werden können, um fehlerhafte Treiber gar nicht erst zu starten.
Zu Beginn des Projekts stellte man sich noch die Frage nach einer passenden Lizenz. Man scheint damals zuerst an eine GPL Lizenz gedacht zu haben, wie sie zum Beispiel auch von Linux genutzt wird. Wichtige Fragen dabei waren, ob man closed-source Treiber mit einem GPL Kernel vereinbaren kann und ob GPL Treiber mit einem nicht-GPL Kernel vereinbar sind. Heute steht Haiku unter der MIT-Lizenz, was unter anderem auch daran liegen könnte, dass die GPL nicht besonders gut mit closed-source Software kompatibel ist.
Während Haiku heute das einzige verbliebene Projekt ist, das BeOS nachbaut, gab es im Jahr 2001 noch sehr viele. Das wurde noch am selben Tag von Peter Mogensen in der Mailingliste zu Bedenken gegeben. Auch war unklar, wie es mit dem richtigen BeOS weitergehen sollte, denn schliesslich hätte Palm das System erfolgreich weiterentwickeln können.
Im Haiku Team hatte man damals offensichtlich die richtige Einschätzung für die Zukunft von BeOS und die Notwendigkeit eines quelloffenen Nachbaus. Aus diesem Grund haben wir heute eine grossartige Alternative zu Linux und *BSD, die ein wichtiges Stück Computergeschichte am Leben erhält und inzwischen auch ein ganz hervorragendes Betriebssystem für die alltäglichen Aufgaben darstellt.
Alles Gute zum Geburtstag, Haiku! Wir sehen gespannt auf die nächsten 20 Jahre - eine lange Zeit in einer sich schnell wandelnden Digitalwelt. Werden wir am 18. August 2041 schon Haiku R1 haben? Oder schon eine viel neuere Version? Werden die Versionen für RISC-V und ARM fertig sein? Werde ich vielleicht sogar ein Haiku Mobile Handy nutzen? Es gibt viel, was in dieser Zeitspanne passieren kann.
Quellen: