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Weil am Rhein liegt im Dreiländereck Deutschland–Frankreich–Schweiz nahe der Schweizer Grenze zwischen Rhein und Tüllinger Hügel. Das ursprüngliche Bauerndorf war jahrhundertelang geprägt durch die Landwirtschaft, vor allem durch den Weinbau. Die klimatischen Bedingungen der Oberrheinebene sowie die Lage des Dorfes unterhalb des Tüllinger Berges begünstigte diese Bewirtschaftung besonders.
Der Umbruch vom Dorf zur Stadt begann mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes. Zwischen 1851 und 1855 wurde die 1840 in Mannheim begonnene Rheintallinie von Haltingen bis nach Basel fertig gebaut. Damit erhielt Weil eine Bahnstation und baute zur selben Zeit auch die Strassenverbindungen aus. 1913 wurde der Rangierbahnhof Basel-Weil in Betrieb genommen und Ende des 20. Jh. zu einem Umschlagplatz für Container umgebaut.
Die Industrialisierung begann allerdings schon Ende des 19. Jh. anfangs des 20. Jh. mit der Ansiedlung schweizerischer Textilbetriebe auf der ehemaligen Schusterinsel im Westen von Weil am Rhein, im Stadtteil Friedlingen. Die guten Standortbedingungen bewogen Basler Industrielle, ihre Unternehmen dort aufzubauen. Die gute Lage am Wasser, der Rhein als Schifffahrtsweg, die Nähe zu Basel, die zahlreichen verfügbaren Arbeitskräfte sowie der Anschluss an das Eisenbahnnetz boten günstige Voraussetzungen für die Inbetriebnahme des ersten Färbereibetriebs 1880. Weitere Färbereien und kleinere Betriebe siedelten sich in der Folge an, darunter auch 1923 die Seidenstoffweberei.
Trotz dieser Entwicklung behielt Weil mit seinen rund 2000 Einwohnern bis um 1915 seinen ursprünglichen Charakter als Bauerndorf. Ab dann begann die Entwicklung zur Stadt im Dreieckland, speziell mit dem Bau zahlreicher Wohn- und Gewerbegebiete, wie zum Beispiel der Gartenstadt Leopoldshöhe und einer Wohnüberbauung für das Eisenbahnpersonal, und mit dem weiteren Bau öffentlicher Einrichtungen.
Bis vor dem Zweiten Weltkrieg war Weil mit dem 1935 gebauten Rheinhafen zu einem wichtigen Güterumschlags- und Verkehrsknotenpunkt gewachsen. Auch im 21. Jh. ist der Hafen – der letzte vor der Schweizer Grenze – neben der Eisenbahn ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Umgeschlagen werden sowohl Container, Stückgut und Massengüter, aber auch Kies aus der nahen Kiesgrube, Sand und Kohle. Der Güterumschlag auf dem Wasser hat sich von 1995 bis 2005 verdoppelt.
Um den Gütertransport zu stärken, plant die Stadt Basel die Terminal-Kapazitäten des Basler Hafens mit dem Projekt Hafenentwicklung 2020 auszubauen. Als Standortalternative zum Basler Hafen steht auch der Hafenausbau in Weil am Rhein zur Diskussion. Der Weiler Hafen hat Ausbaupotenzial. Allerdings würde ein Ausbau möglicherweise diejenige Fläche tangieren, die heute noch Naturlandschaft ist.
Die Ansiedlung der Industrie auf der Schusterinsel, der Bau des Rangierbahnhofs auf Kulturland, die Trockenlegung der Sumpfgebiete bei Haltingen und der Bau des Rheinhafens veränderten die ländliche Umgebung von Weil stark. Von der ursprünglichen Schusterinsel – ein Rheinarm trennte die Insel vom Festland und spielte beim Bau der Festung Huningue eine Rolle – ist nichts mehr zu erkennen. Die Insel ist heute Teil des Industriegeländes von Weil-Friedlingen. Der Rangierbahnhof dehnt sich grossflächig auf früher landwirtschaftlich genutzten Böden aus, der Bau des Rheinhafens zerstörte das natürliche Rheinufer.
Mit der Schliessung der rund 80 Hektaren grossen und mitten im Landwirtschaftsland gelegenen Kiesgrube zwischen Märkt und Haltingen voraussichtlich 2015 können Rekultivierungsmassnahmen in grösserem Umfang eingeleitet werden. Das Potenzial für die neugewonnene Fläche ist gross: Waldanpflanzungen und die Gestaltung naturnaher Landwirtschaftsflächen mit Spazierwegen, Obstgärten, Biotopen, Spiel- und Rastplätzen sind vorgesehen.
1929 wurde die Gemeinde Weil offiziell zu einer Stadtgemeinde und erhielt den Namen Weil am Rhein. Die Stadt Weil umfasst seit den 1970er-Jahren auch die Umlandgemeinden und Rebdörfer Ötlingen und Haltingen sowie das in der Ebene am Rhein gelegene ehemalige Fischerdorf Märkt. Diese Dörfer wurden anlässlich der damaligen Gemeindereform in die Grenzen der Stadt Weil am Rhein mit aufgenommen.
Zwischen den neuen Stadtteilen liegen Wiesen, Äcker und Rebberge. Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch dieses Land eingezont und überbaut wird. Noch sind in den drei Gemeinden in unterschiedlichem Ausmass dörfliche Strukturen erkennbar. Eine verbindliche Umwelt- und Raumplanung ist erforderlich, um die Grünräume und das Kulturland zu erhalten. Die Überbauung von Friedlingen und das ungeordnete räumliche Zusammenwachsen mit Weil kann dabei keine Vorbildfunktion übernehmen.
Der Industrie- und Gewerbeaufbau wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, da auch Weil zeitweilig in die Kampfhandlungen miteinbezogen wurde. Arbeitskräfte wurden eingezogen, das Gewerbe und die Industrie mussten aus der Kriegszone verlegt oder eingestellt werden, weil die Gebäude zerstört waren. Ab 1948 begann der Wiederaufbau.
Im ausgehenden 20. Jh. gehört die Stadt Weil zur grenzüberschreitenden Wirtschaftsregion Südlicher Oberrhein, zusammen mit Basel und Mulhouse und seit 2007 zum Verein Trinationaler Eurodistrict Basel. Ziel ist es, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im trinationalen Wirtschaftsraum zu verbessern und den gemeinsamen europäischen Lebens- und Wirtschaftsraum der trinationalen Agglomeration Basel zu stärken. Unter anderem soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in den Bereichen öffentlicher Verkehr, Umwelt, Raumplanung, Infrastruktur effektiver, verbindlicher und demokratischer gestaltet werden.
MJ