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Das Monitoring ermöglicht es dem Gebäudemanager die Energieströme des Gebäudes unter Kontrolle zu haben und den Verbrauch zu optimieren oder Störungen rechtzeitig zu erkennen.
Samuele Imperatori, Ecocontrol
Ursprünglich war vorgesehen die PV-Anlage auf die minimalen Anforderungen von Minergie-A zu dimensionieren. Heute wird das gesamte Dach für die Stromproduktion genutzt und so der Eigenverbrauch maximiert.
Gabriele Duca, Verwaltungsleiter SALVA
Das Projekt in Kürze
Der neue Sitz des Ambulanzdienstes erstreckt sich über eine Fläche von rund tausend Quadratmetern und ist auf zwei Stockwerke verteilt. Auf Straßenebene befindet sich die Garage für die Ambulanzen sowie Bereiche für die Restaurierung und Reinigung von Fahrzeugen. Im unteren Stockwerk befinden sich die modernen Büros und die Einsatzzentrale. Das Gebäude ist das erste Verwaltungsgebäude im Minergie-A- Baustandard im Kanton Tessin.
Dank der Zusammenlegung der Dienste in Locarno und Ascona im Jahr 2005 konnte die Anzahl der Einsätze erheblich gesteigert werden (+ 70 %). Auch das Personal hat sich in nur wenigen Jahren praktisch verdoppelt, was zu Schwierigkeiten mit den für das Rettungspersonal zur Verfügung stehenden Räumen, Büros und Umkleideräumen geführt hat. Auch die Logistik der Garage, der Verwertungs- und Materiallagerräume brauchten fortan mehr Platz.
Das Projekt, das vom Studio Vacchini architetti aus Locarno realisiert wurde, ist das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs, der 2011 ausgeschrieben wurde. Besonders wertvoll war die mutige Entscheidung, die Verwaltungs- und Dienstleistungsräume auf einer niedrigeren Ebene vorzuschlagen. Mit dieser Lösung entstand eine Verbindung mit der umgebenden Grünfläche, zu der die Retter Zugang haben. Die Hauptfunktion des Gebäudes wird auf der Strassenebene deutlich hervorgehoben und die Rolle als öffentlicher Dienst so aufgewertet.
Fragen an den Planer
- Welche Vorteile bietet der Baustandard Minergie-A aus Ihrer Sicht?
Der grösste Vorteil des Minergie-A-Bautandards ist, dass das Gebäude jährlich mehr Energie produziert als es verbraucht. Neben der hohen Effizienz und dem Komfort bietet das Gebäude zudem eine ausgezeichnete Energieunabhängigkeit.
- Was waren die Knackpunkte zum Erreichen des Baustandards Minergie-A?
Bei der Planung dieses Gebäudes war eine kontrollierte Lüftungsanlage schon früh vorgesehen. Die Wärmedämmung der Gebäudehülle musste im Vergleich zu den gesetzlichen Anforderungen nur geringfügig erhöht werden. Die wichtigsten Änderungen im Vergleich zu einem Gebäude, das nach den geltenden gesetzlichen Normen gebaut wurde, waren die Installation einer Photovoltaikanlage und eines Monitoringsystems zur Überwachung des Energieflusses. Zudem erfolgte eine Messung der Luftdichtheit am Ende der Bauphase.
- Wie haben Sie die Herausforderungen gelöst?
Für die Photovoltaikanlage wurde zunächst eine Mindestleistung von 40,6 kWp berechnet, die zur Erfüllung des Minergie-A-Standards notwendig war. Dieses System deckte nur einen Teil des Daches ab. Während der Arbeiten entschied sich der Bauherr, das System zu erweitern und das gesamte Dach mit photovoltaik-Paneelen auszustatten. Die installierte Leistung erreichte damit 71.4 kWp, beinahe die doppelte Leistung. Mit diesem System ist es nun möglich, einen großen Teil des Energieverbrauchs des Gebäudes mit Eigenstrom abzudecken. Es wurde auch ein Monitoringsystem installiert, um die Gebäudenutzenden über die Energieerzeugung der Photovoltaikanlage und den Stromverbrauch des Gebäudes zu informieren. Das Monitoring ermöglicht es dem Gebäudemanager auch, die Energieströme des Gebäudes unter Kontrolle zu haben, den Verbrauch zu optimieren oder Fehlfunktionen rechtzeitig zu erkennen.
- Werden die Rettungswagen mit Solarstrom aus der hauseigenen PV-Anlage betrieben? Falls nicht, wäre es denkbar für die Zukunft?
Krankenwagen haben Geräte an Bord, die immer mit Strom betrieben werden müssen, sowie Servicebatterien, die immer aufgeladen werden müssen. Wenn Krankenwagen in der Garage geparkt werden, sind sie daher immer an das Stromnetz angeschlossen. Stammt der Strom aus der hauseigenen Photovoltaik-Anlage, so nutzen die Krankenwagen Solarenergie für ihren Eigenverbrauch.
Gegenwärtig fahren alle Krankenwagen sowie die Sanitätsfahrzeuge mit klassischen Benzinmotoren. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft durch elektrisch angetriebene Autos ersetzt werden. Vieles wird in den kommenden Jahren von der Entwicklung der Elektroauto-Technologie abhängen. Es ist sicher, dass eine Umstellung auf den Einsatz von elektrischen Krankenwagen zu einer noch stärkeren Nutzung der Photovoltaikanlage sowie zu einer spürbaren Verbesserung der CO2-Bilanz des SALVA-Rettungsdienstes führen würde.
Was sagt die Bauherrschaft?
Das neue Gebäude weist einen interessanten Rekord für die SALVA auf: Es ist das erste Minergie-A-zertifizierte Gebäude für Verwaltungszwecke im Tessin.
Der Ausschuss, dem Umweltschutz und ein schonender Umgang mit Ressourcen wichtig ist, hat beschlossen, das neue Gebäude nach dem höchsten Minergie-Standard zu entwerfen und zu zertifizieren. Besondere Aufmerksamkeit galt der Wahl des Heiz- und Kühlsystems, das durch eine vom Grundwasser gespeiste Wärmepumpe versorgt wird, der Wahl des Monitoringsystems, der Wärmedämmung des Gebäudes und dem Wohlbefinden des Personals, das innerhalb der Räumlichkeiten 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche arbeitet.
Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, wurde zudem eine 71,4 kWp-Photovoltaikanlage über die gesamte Dachfläche gebaut, die eine Leistungsabgabe deutlich über den geforderten Mindestwerten garantiert. Im Jahr 2019 produzierte sie ca. 79.000 kWh, von denen 78 % zur Deckung des internen Bedarfs dienten.
Durch die Umsetzung des Projekts nach Minergie-A-Standard konnten auch wichtige finanzielle Anreizen sowohl auf kantonaler als auch auf Bundesebene genutzt werden. Die zusätzlichen Investitionen konnten so deutlich gesenkt werden.
Das Gebäude im Überblick
2016 - 2018
ca 1'014 m2
Auf dem Dach mit hocheffizienter Photovoltaik 71,4 kWh
Grundwasser-Wärmepumpe
Minergie-A Hülle
Anzeige der Produktionsdaten der Photovoltaikanlage:
Bildergalerie
Fotos: Studio Vacchini architetti / Fotograf Paride Dedini
Beteiligte
Architekturbüro: Studio Vacchini architetti, Locarno
Planer: EcoControl SA, Locarno
Bauherrschaft: Associazione SALVA, Locarno