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Den frühesten Hinweis auf die erste Besiedlung Affolterns stammt aus der Dorf-Chronik von Affoltern von Emil Spillmann. Er schreibt dort auf Seite 14 treffenderweise in der Möglichkeitsform, dass es denkbar wäre, dass Affoltern schon zur Steinzeit von Pfahlbauern am Katzensee besiedelt gewesen sein könnte. Er schreibt es aber in einer Weise, dass es fast unwahrscheinlich klingt. Immerhin hat somit ein gelehrter Affoltemer diese Möglichkeit ins Auge gefasst. Wollte man diese Zeit fixieren, dann könnte es 5000 Jahre vor heute gewesen sein, vielleicht auch etwas später. Ganz leicht bestärkt wird Spillmann in seinem Verdacht durch Funde im mittleren Furttal, also nicht so weit von Affoltern entfernt, welche auf eine Zeit bis 7000 Jahre vor heute zurück reichen. Bestätigt werden für den Katzensee spätsteinzeitliche Feuersteingeräte, welche als die ältesten auf dem Gebiet der Stadt Zürich gelten. Aus ihnen kann aber noch nicht zwingend auf eine feste Siedlung geschlossen werden. Die Gegenstände können auch von nomadisierenden Stämmen hinterlassen worden sein oder von solchen, welche wo anders siedelten.
Ebenfalls am Katzensee wurde auf Affoltemer Boden eine Axtklinge aus Bronze gefunden. Ausserhalb Affolterns, aber in unmittelbarer Nähe gibt es ebenfalls Funde aus der Bronzezeit bei Katzenrüti und eine Töpferwerkstatt auf dem Löhli. Diese Funde gehören in die Zeit von 3800 bis 2800 vor heute. Die Töpferwerkstatt setzt eine gewisse Sesshaftigkeit voraus und ihre unmittelbare Nähe zu Affoltern sagt soviel aus, dass eine bronzezeitliche Besiedlung Affolterns durchaus denkbar, wenn bis heute auch noch nichts bewiesen ist.
Auf die Bronzezeit folgte die Eisenzeit oder die Zeit der Kelten. Es ist anzunehmen, dass die hier lebenden Völker nach und nach die Fertigkeiten der Kelten übernommen haben, dass aber nur ein geringer Teil der hiesigen Bevölkerung Kelten waren. Hingegen spricht man gerne von der Übernahme der keltische Kultur durch hier ansässige Völker. Diese Kultur brachte ganz beträchtliche Verbesserungen, welche es den Leuten erlaubte, auch fernab von Seen zu siedeln und von der Landwirtschaft zu leben. Diese Kultur ist für Affoltern belegt durch die zahlreichen Hügelgräber der Kelten im Nordwesten des Hürstholzes. Weitere fand man im Aspholz, im Heizenholz und auf dem Isengrind.
Wie in Seebach und Örlikon ist auch für Affoltern anzunehmen, dass es eine zentrale keltische Siedlung gab, während die Hügelgräber ausserhalb der Siedlung sternförmig angelegt waren. Da von den Kelten bekannt ist, dass sie ihre Siedlungen auf leicht erhöhter Lage (Sicherheit vor Wasser, Übersicht) und in der Nähe einer Quelle einrichteten, welche nahe bei einem Wald sowie bei einem fischreichen Bach lagen, lässt sich mit diesen Angaben relativ leicht die mutmassliche Lage des Keltendorfes ermitteln. Es dürfte der milde Hügel Horenstein gewesen sein! Der zuständige Bach für den Fischfang war der Dorfbach (Holderbach, unterer Dorfbach) und ergänzend noch der Katzenbach sowie der kleine Katzensee. Damit dürfte «Keltisch-Affoltern» nur ganz wenig nördlich von Unteraffoltern gelegen haben.
Aus den wenigen Angaben von Emil Spillmanns Dorf-Chronik kann entnommen werden, dass man die Hügelgräber untersuchte, wobei man bei denjenigen im Aspholz ausser Asche keine Grabbeigaben gefunden hat. Von den andern ist bekannt, dass man eines am 6. März 1863 eröffnete, aber auch dort ausser einem Messer, den Überresten eines vermoderten Menschen und ein paar Scherben ebenfalls nichts fand. Dies eröffnete damals den Spekulationen Tor und Tür. Betrachtet man aber den Aufwand, welchen die damaligen Menschen für diese Steinbauten betrieben, dann kann man sich nicht vorstellen, dass sie sich diesen Aufwand nur so zum Spass leisteten. Vermutlich wurden die Gräber vor sehr langer Zeit geplündert oder es gibt noch andere Erklärungen.
Das keltische Affoltern war über Trampelpfade mit den Nachbardörfern Rümlang, Seebach, Örlikon, Regensdorf und Höngg verbunden. Mit diesen pflogen sie einen regen Austausch von Gütern. Das Alltagsleben unterschied sich wenig von demjenigen in der Nachbarschaft. Anhand der wesentlich zahlreicheren Grabhügel kann vermutet werden, dass Affoltern entweder grösser war als Seebach oder aber früher besiedelt wurde. Mit Sicherheit gehörte es in die Epoche Hallstatt D. Es könnte frühestens vor 2600 Jahren, eher aber vor 2550 Jahren gegründet worden sein.
Kurz vor der Zeitenwende marschierten die Römer in Helvetien ein und besetzten es militärisch. Dabei stand der Ausbau der bereits vorhandenen, aber noch unbefestigten Keltenpfade im Vordergrund. Affoltern lag nicht an einer wichtigen Heeresstrasse, aber es dürfte eine Nebenstrasse von Örlikon nach Katzenrüti und Rümlang gegeben haben. Teile dieser Strasse wurden beim Bau des Schulhauses Riedenhalden Anfang des letzten Jahrhunderts entdeckt. Vermutlich wurde auch die heutige Seebacherstrasse als Nebenstrasse ausgebaut und zwar mit dem exakten Verlauf von heute.
Die Römer unterhielten in Affoltern einige wenige Villen, welche aber erst nach dem Jahre 100 erstellt wurden, als sich zahlreiche verdiente römische Soldaten zur Ruhe setzen konnten. Dies wurde möglich, weil die Römer ihre Reichsgrenze weiter nach Norden verlegten und das Schweizer Mittelland vorübergehend kein Grenzgebiet mehr war. Neben den Villen hat es auch einen römischen Gutshof gegeben, sodass zu diesen Zeiten die Bevölkerung Affolterns wohl um 100 Personen betragen haben dürfte, vielleicht sogar noch etwas mehr. Dabei geht die OGS davon aus, dass der andere römische Gutshof auf dem Althoos wegen seiner Nähe eher nach Örlikon ausgerichtet war und nicht zu Affoltern zählte. Es ist anzunehmen, dass die keltische Bevölkerung weiterhin in ihrer Siedlung am Fusse des Horensteins lebte. Sie haben sich vermutlich mit den Besatzern vermischt, doch dürfte das keltische Element vorgeherrscht haben, da die Römer kaum Einwanderung betrieben.
Als die Römer das helvetische Mittelland um 402 wieder verliessen, hinterliessen sie ein gallorömisch sprechendes Volk. Zahlreiche Menschen dürften durch den Wegzug arbeitslos geworden und gezwungen gewesen sein, wieder selber zu bauern, wozu sie aber die Gegend von Affoltern verlassen mussten. Der Lebensstandard dürfte gesunken und die Einwohnerzahl deutlich kleiner geworden sein. Es hat dann einen Zeitabschnitt von gegen 370 Jahren gegeben, von dem man über Affoltern nichts mehr weiss, weil es den wenigen zwei bis drei Dutzend verbliebenen Affoltemern an allem gefehlt haben dürfte. Da sie ihre Häuser aus Holz und Lehm bauten und von dem lebten, was die Erde so her gab, hinterliessen sie ausser Küchenabfällen keine Spuren. Dies wird heute oft so interpretiert, dass Affoltern in dieser Zeit unbewohnt gewesen sei. Dem war aber sicher nicht so.
Gewiss hat sich schon der eine oder andere Gedanken gemacht, wie Affoltern zur Kelten- und Römerzeit geheissen haben könnte. Darüber findet sich nichts in den Geschichtsbüchern und es gibt auch keine anderen Hinweise dazu, sodass darüber nur spekuliert werden kann. Eine Erfahrung der OGS könnte vielleicht etwas weiter helfen. Schon sehr oft hat sich gezeigt, dass gewisse Ortsnamen viel älter sind, als man glauben möchte. Besonders bei Flüssen, Seen, Bergen findet man dieses Phänomen recht ausgeprägt und man findet es auch bei Orten, vor allem, wenn diese Schemanamen tragen. Unter der Annahme, dass dies bei Affoltern zutrifft, welches in der germanistischen Deutung «Ort bei den Apfelbäumen» bedeutet, könnte Affoltern zur Keltenzeit um 550 v. Chr. als «Avallabilon» rückübersetzt werden, was ebenfalls «Ort bei den Apfelbäumen» (avalla = Apfel, bil = Baum, on = Ort) bedeutete. Die nachfolgenden Römer dürften den keltischen Namen leicht in «Aballabilio» abgeändert haben. Die lateinische Zunge dürfte vermutlich aus dem ersten b ein v gemacht haben. Es sei nochmals betont: Dies ist der Versuch einer Rekonstruktion.
Dabei fusst diese Rekonstruktion auf einer Deutung mit Apfelbaum. Das scheint aber keinesfalls 100%ig sicher zu sein, lediglich ziemlich wahrscheinlich und zwar deshalb, weil die frühgermanische Form von Apfel eigentlich Appel lautete und spätere Formen im Oberdeutschen dann wegen der Laufverschiebung zu Apful, Apfel wurden. Die postulierte Zwischenformen Affel, Affeltra, Affoltra usw. können nicht rein germanistisch gedeutet werden. Man benötigt für die Erklärung der Rückentwicklung von ff zu pf einen Effekt, welchen man höchstens mit spätkeltischen oder gallorömischen Spracheinflüssen zu erklären vermag. Da bei den Kelten der Apfel Avalla oder Abhallo geheissen hat, wäre es denkbar, dass die Gallorömer «Schuld» an der ff-Form waren. Das könnte man dann so verstehen, dass Affoltern eben schon von den Kelten als Ort bei den Apfelbäumen geheissen haben müsste.
Die Deutung Affoltra, Affaltra, Apholtra usw. = Apfelbaum wird in der Schweiz als gesichert betrachtet, während in Deutschland eher Zweifel bestehen, welche in Richtung Hans Bahlow gehen, welcher vermutet, dass Af, Aff usw eher auf keltisch ava hinweise, während er mit der Deutung holter usw. eher vage bleibt und mal ol = fliessen, mal holter = Baum deutet. Mit Hilfe der alteuropäischen Wasserwörter, welche Krahe sauber heraus gearbeitet hat, könnte man die paar Dutzend Affolter-Wörter neu analysieren. Diese Arbeit kann aber die OGS nicht vornehmen, dazu fehlt ihr die Kompetenz. Somit bedeutet dies für den frühesten Namen Affolterns ganz einfach: Es könnten auch noch andere Namensentwicklungen in Betracht gezogen werden.
Das alemannische Affoltern wurde 870 erstmals urkundlich, wobei diese Jahreszahl eine Zufallszahl ist. Der Ort wurde damals «Affaltrahe» genannt, wobei die bekannten Flurnamenspezialisten Hans Kläui und Viktor Schobinger in ihrem ZKB-Büchlein «Lexikon zürcherischer Ortsnamen» vermuteten, dass die Endung -ahe vielleicht noch Bach bedeuten könnte. So hätte, immer nach Kläui und Schobinger, Affoltern die Bedeutung von «Bei den Apfelbäumen am Bach» bekommen. Die OGS hat dafür aber eine andere Erklärung:
Muri AG hiess zur selben Zeit Murahe und Tägerschen TG hiess damals Tegerascahe. In beiden Fällen wird die gleiche Endung aber als Kollektivform gesehen und nicht als Bach, sodass vermutlich Affaltrahe als «bei den Apfelbäumen» zu deuten ist, wie das viele andere Flurnamenforscher auch tun. Dafür spricht, dass am alten Standort der Keltensiedlung direkt kein Bach floss und dass der alte keltische Name von Affoltern mit einem zusätzlichen Bach viel zu schwerfällig geworden wäre. Also dürften die Kelten den Bach weg gelasssen haben. Und die Römer ebenso wie die Alemannen taten es ihnen gleich. Mit den Alemannen aber endet die Frühgeschichte von Affoltern.
Dieser Beitrag wird noch erweitert und verbessert, sobald weitere Forschungsergebnisse der OGS aufgearbeitet sind. Das kann noch bis Ende 2012 oder länger dauern. Ein erstes Ergebnis kann aber bereits jetzt publiziert werden. Die sprachhistorische Aufarbeitung der alten Ortsnamen Affolterns ergeben folgendes: Das Wort Apfel als Basis des Ortsnamens wurde bei den germanischen Völkern zurück bis zu den Goten, also 4'000 Jahre vor heute stets mit einem p und nie mit einem f, einem v oder einem weichen bh geschrieben. Das heutige f oder die Verstärkungsform pf kam erst ab etwa 800 n. Chr. auf. Das heutige Affoltern wurde erstmals 870 schriftlich überliefert, ist aber sicher eine alemannische Namensübernahme eines Keltendorfes aus der Zeit um 750, wo es eigentlich noch Appholtrahe, Appultrahe oder Apfultrahe hätte genannt werden müssen.
Dass es aber Affeltrahe mit Doppel-f genannt wurde, deutet doch eher an, dass zumindest der Stamm des Gattungsworts Affoltra des Ortsnamens von den gallorömischen Vorfahren mitbeeinflusst wurde und der Name folglich auch auf dem ursprünglich keltischen Avallabilon bzw. dem gallorömischen Avallabilio beruhen könnte. Mit andern Worten: Die gallorömische Bevölkerung des Urdorfs hat bewirkt, dass das alemannische Gattungswort schon früh mit zwei ff und ohne jegliches p geschrieben/gesprochen wurde. Schliesslich sagen wir heute noch Apfel, wie vor fast 4000 Jahren, also muss es einen Grund gegeben haben, dass Affoltern damals nicht mit einem pf geschrieben wurde. Ein weiterer Verdacht in die gleiche Richtung ist die Schreibweise Affaltrahe. Auch dieses zweite 'a' passt nicht so recht in die germanische Wortentwicklung. Auch sie deutet einen gallorömischen Einfluss an, welcher im Ortsnamen anfänglich erhalten, im Laufe der Zeit aber wieder verloren ging.
Dadurch ändert sich an der germanistischen Deutung des Ortsnamens gar nichts, aber es lässt die Tür offen, dass Affoltern schon bei dem Kelten so geheissen hat. Und alleine darum geht es der OGS. Auch dazu sei wiederholt: Es ist der Versuch einer Rekonstruktion. Alle Hinweise dafür basieren allein auf indirekten logischen Schlussfolgerungen und nicht auf irgendwelchen direkten schriftlichen Belegen. Rekonstruktionen möglicher keltischer Ortsnamen, welche nicht direkt überliefert sind, sind meist nur möglich für Orte mit Schemanamen. Bei Ortsnamen, welche auf dem Rufnamen eines Bewohners oder Dorfgründers basieren, ist das nicht möglich und meistens auch nicht nötig, weil es Neugründungen oder Neubenennungen waren. Schemanamen können aber durchaus älter sein. Sie wurden zwar später benannt, da sie meist aus einer Innenkolonisation heraus entstanden. Solche Orte müssen nicht zwingend Neugründungen sein, sondern können auch von den Gallorömern übernommene Dörfer sein. Die Gallorömer sind dabei nicht ausgestorben, sondern in den Neuzuzügern aufgegangen.
Der von Hans Bahlow angedeutete Hinweis, dass Affoltra auch auf keltisches ava hindeuten könnte, ist noch gänzlich unerforscht und daher lediglich als Möglichkeit im Hinterkopf zu behalten, bis ein Forscher sich dieser Deutungsrichtung angenommen hat.
Quellen: - Emil Spillmann - OGS-eigene - Siedlungsnamen des Kantons Thurgau, 2003 - Deutschlands geografische Namenwelt, Hans Bahlow, Suhrkamp-V., 1985