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Um das Jahr 1840 erwarb die Gemeinde Ballwil die Liegenschaft Morgenhalde. Das Bauernhaus baute sie zu einem Waisenhaus um. Dieses eher kleine und beschiedene Haus musste fünfzehn bis zwanzig Personen Raum bieten.
Darin fanden Kinder ohne Eltern und verarmte Bürger der Gemeinde wie auch Auswärtige ein Obdach. Soweit möglich arbeiteten sie auf dem Bauernhof mit.
Schliessung gefordert
Die Führung einer solchen sozialen Institution ist nicht nur heute eine Herausforderung. Sie war es auch damals. Scheinbar war das Gebäude dieser Armenanstalt in keinem guten Zustand. Denn 1931 wurde der Gemeinde Ballwil vom Kanton nahegelegt, das Haus zu schliessen. Mit diesem Verdikt tat man sich in Ballwil schwer.
Man ersuchte um Aufschub und diskutierte über einen Neu- oder Umbau mit einer erweiterten Nutzung in der Aufnahme von verwahrlosten Kindern und Jugendlichen.
Doch der Kanton lenkte nicht ein, und die Anstalt musste geschlossen werden. Der Landwirtschaftsbetrieb wurde anfänglich dem Knecht der Anstalt verpachtet. Um 1952 übernahm Franz Kammermann, der 24-jährige Bauer vom sehr kleinen benachbarten Heimwesen Steinhalde, die Morgenhalde in Pacht.
Das ermöglichte ihm, ganz Bauer zu sein und nicht mehr auswärts arbeiten zu müssen. Doch kaum richtig angefangen, zerstörte 1954 ein heftiger Hagelsturm das ehemalige Waisenhaus. Es wurde abgebrochen und an seine Stelle das heutige Wohnhaus errichtet, welches dann bis heute zum Zuhause der Familie Kammermann wurde.
Das heutige pfadijugendhuus war ursprünglich ein Ökonomiegebäude, welches 1906 erbaut worden war. Nach der Aufgabe der Armenanstalt wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut. Bis 1970 wohnte darin eine kinderreiche Familie, dann wurde es zum «Vereinshaus». 2013 wurde es vom Militär in einer Sprengübung dem Boden gleichgemacht. Bereits 2014 konnte der Nachfolgebau, das pfadijugendhuus, eingeweiht werden.
Wandel
In den ersten Jahren betrieb der neue Pächter Milchwirtschaft. Doch 1971 stellte er den Betrieb auf Schweinezucht und -mast um. Nebst der Freude an den Schweinen begeisterte ihn auch das Obst. Er war ein Pionier in der Erstellung einer Obstanlage mit Niederstammbäumen. Hofübergaben auf die nächste Generation gehen oft einher mit Änderungen in der Art der Betriebsführung.
Das war auch in der Morgenhalde so. 1994 baute Franz Kammermann junior den Stall um, sodass er wieder Kühe halten konnte. Eine Zeitlang führte er auch den Schweinbetrieb weiter, gab diesen dann aber auf. Dem Obst blieb er jedoch treu bis heute.
Neue Pächter
Aufgrund des Erreichens des Pensionsalters hat Franz Kammermann auf Ende Jahr 2021 die Pacht gekündigt. Er ist inzwischen bereits in das renovierte Haus in der Steinhalde gezogen. Die Morgenhalde wird ab 2022 von der Gemeinde den beiden angrenzenden Landwirten Peter Stöckli und Joe Schnider verpachtet.
Dies im Einklang mit der Strategie der Gemeinde, ihr Landwirtschaftsland in erster Linie Landwirten zu verpachten, die durch den Betrieb der Kiesgrube Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Das Wohnhaus auf der Morgenhalde wird renoviert und dann Privaten vermietet.