Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03506.jsonl.gz/2368

Das Staatssiegel und seine Geschichte
Das Zürcher Staatssiegel zeigt die zwei Stadtheiligen Felix und Regula und ihren Diener Exuperantius auf einem Podest unter gotischen Baldachinen, die auf vier Säulen ruhen. Die drei Figuren tragen ihren Kopf in den Händen, den sie gemäss der Legende nach der Enthauptung ergriffen und bis an ihre Grabstätte beim späteren Grossmünster getragen haben.
Die lateinische Umschrift des Siegels lautet SECRETVM CIVIVM THVRICENSIVM (Geheimsiegel der Bürger von Zürich).
Das Staatssiegel ist bei der Staatskanzlei bis heute in Gebrauch, insbesondere bei der Ausfertigung von Regierungsratsbeschlüssen. Jeder RRB schliesst mit den Worten «Vor dem Regierungsrat / Die Staatsschreiberin» und dem Staatssiegel. Daneben findet es auch beim Kantonsrat und beim Obergericht Verwendung: beim Kantonsrat (mit angepasster Umschrift) auf einer Medaille, die der Kantonsratspräsident oder die Kantonsratspräsidentin bei besonderen Gelegenheiten verschenkt, daneben bei den Parlamentsdiensten als Bibliotheksstempel. Im Obergericht werden damit Patenturkunden für Anwälte und Notare sowie Wahlfähigkeitsausweise für Betreibungsbeamte ausgestellt, im Handelsgericht Endentscheide in der Sache.
Felix und Regula (und Exuperantius)
Das Siegelbild mit Regula in der Mitte, Felix zur Linken und Exuperantius zur Rechten hat (mit einem Unterbruch 1798 bis 1803 während der Helvetik) sämtliche politischen und staatlichen Umwälzungen überlebt, während die drei Stadtheiligen auf den Zürcher Münzen nach der Reformation verschwanden. Der Bildinhalt löste sich im Laufe der Zeit offenbar vom ursprünglich religiösen Gehalt. Bei der Ausscheidung der Rechte von Stadt und Kanton 1803 übernahm der Kanton dann das ursprüngliche Stadtsiegel bzw. Standessiegel als Staatssiegel, während sich die Stadt ein neues Siegel mit dem Stadtwappen gab. Dem entsprach, dass der Titel eines Bürgermeisters an den Vorsteher der Kantonsregierung überging, bevor 1869 das Amt des Regierungspräsidenten geschaffen wurde. 1938 übernahm das Obergericht das Siegelbild mit den drei Stadtheiligen ebenfalls, später auch der Kantonsrat.
Felix und Regula gehörten zur Thebäischen Legion, einer Einheit römischer Soldaten christlichen Glaubens, die um 300 bei Saint-Maurice den Märtyrertod erlitten haben sollen. Weitere Opfer waren Ursus und Victor in Solothurn und die in Zurzach verehrte Verena. Die Berichte über das Schicksal der Geschwister Felix und Regula, die über Glarus nach Zürich geflohen sein sollen, nehmen im 8. Jahrhundert ihren Anfang, ihr Diener Exuperantius taucht erstmals im 13. Jahrhundert auf.
Festtag der beiden Stadtheiligen ist der 11. September, an dem bis heute das Knabenschiessen durchgeführt wird. In der Beliebtheit der Vornamen stand in der Zeit bis 1800 Regula bei den Mädchen an sechster, Felix bei den Knaben an zehnter Stelle.
Vom Stadtsiegel zum Staatssiegel
Das heutige Staatssiegel ist dem sogenannten Sekretsiegel der Stadt Zürich nachempfunden, das erstmals 1349 an einer Urkunde überliefert ist und von dem sich ein Stempel (Typar) aus dem Jahr 1417 erhalten hat. Es wurde auch als «minderes» Siegel bezeichnet, also als kleineres Siegel im Sinn von «einfacherem» Siegel zur Beurkundung von Amtsgeschäften von geringerer Bedeutung. Nach der Reformation setzte sich das Sekretsiegel dann fast für alle Geschäfte durch und verdrängte das grosse Stadtsiegel, das 1347 erstmals an einer Urkunde überliefert ist und von dem sich der Stempel ebenfalls erhalten hat. Am Ende dieser Entwicklung übernahm der Kanton im 19. Jahrhundert dann das Sekretsiegel als Staatssiegel.
Das älteste Siegel der Stadt Zürich überhaupt ist an Urkunden von 1225 und 1230 überliefert und steht im Zusammenhang mit dem Erwerb der Reichsfreiheit 1218 und der Herausbildung eines städtischen Rats (Umschrift: SIGILLVM CONSILII TVRICEN). Es folgten weitere Siegel der Bürger der Stadt (Umschrift: SIGILLVM CIVIVM TURICENSIVM) bis zu den beiden Siegeln von 1349 und 1347, die dann bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch blieben, das grosse zuletzt allerdings nur noch für Dankesurkunden. 1851 übergab die Staatskanzlei die beiden Stempel dem Staatsarchiv. An die Stelle der Urkunden mit angehängtem Wachssiegel trat die blosse Abbildung des Siegels, wie wir sie bis heute kennen, insbesondere am Ende der Regierungsratsbeschlüsse.