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Metadaten - Standards und Probleme
Angesichts des Fehlens einer aussagekräftigen Vorschau ist für Audioarchivalien die präzise Verzeichnung von Metadaten umso wichtiger. Leider ist die Standardvielfalt für Audiometadaten sehr hoch. Für eingebettete Metadaten fällt die Wahl sinnvollerweise auf BWF Metadaten und RIFF INFO tags bei WAV bzw. IDv3 bei MP3. Für externe deskriptive Metadaten schlägt AudioVault aufgrund der Analyse diverser Schemata ein Minimalset von Metadaten vor, das den meisten Ansprüchen genügen sollte und in verschiedenen Metadatenschemata gespeichert werden kann; hier lautet der Vorschlag der Gruppe MPEG-7, PBCore oder EBUCore.
Im Gegensatz zu nahezu allen anderen digitalen Formatklassen gibt es für Audiodaten weder eine Vorschau noch eine Kurzansicht, die auf irgendeine Art automatisch zu erstellen wäre.
§ Bei Bilddaten kennen wir das Vorschaubild, die Miniatur- oder Thumbnail-Ansicht: Hier sehen wir das ganze Bild in verkleinerter Form.
§ Bei Videodaten kennen wir die Videovorschau oder Video Key Frame Extraction: Diese Vorschau zeigt uns ein Bild vom Beginn eines jeden Szenewechsels.
§ Textdokumente können entweder manuell zusammengefasst werden (Einleitung oder Management Summary) oder automatisch durch summarizing by sentence extraction (wie bei Google) oder Vorschau der ersten Seite z.B. bei PDF-Dokumenten.
Für Tondokumente kennen wir nur das Hineinhören, allenfalls unterstützt durch Vorwärtsspringen im Dokument bis zur nächsten Pause. Eine Datenkomprimierung findet aber bei dieser Art der Vorschau nicht statt.
Umso wichtiger ist für die Erschliessung das Vorhandensein von Metadaten. Es gibt genau aus diesem Grund auch eine nicht unbedeutende Anzahl von Metadatenstandards speziell für Tondokumente, die wir im Folgenden genauer betrachten wollen.
a) Grundsätzliches
Einleitend muss unterschieden werden zwischen impliziten Metadaten (welche der Datei untrennbar innewohnen, insbesondere gewisse technische Metadaten) und expliziten Metadaten (welche zur oder in der Datei verzeichnet werden müssen). Implizite Metadaten können mit Tools aus der Audiodatei ausgelesen werden, explizite Metadaten müssen manuell erfasst werden. Im Prinzip gehören Metadaten über die Aufnahmesituation und Technik so auch zu den expliziten Metadaten, weil sie keine notwendigen Spuren in der Audiodatei hinterlassen.
Daneben kann auch zwischen de facto, archivischen und Broadcast-Metadatenstandards unterschieden werden, wobei hier die Übergänge fliessend sind:
§ Ein de facto Standard ist ID3v1 oder RIFF INFO tags,
§ Ein archivischer Standard ist EBUCore oder AES57.
§ Broadcast-Metadatenstandards gibt es mehrere, z.B. BWF, MXF oder PBCore.
Die dritte Unterscheidungsmöglichkeit besteht bezüglich des Speicherortes: Sind die Metadaten in der Audiodatei bzw. im Audiocontainer gespeichert oder ist eine externe Speicherung vorgesehen, oft Sidecar File genannt, z.B. in Form einer XML-Datei? Eingebettete Metadaten haben den Vorteil, dass sie mit der Audiodatei verbunden sind und so in jeder Anwendungsumgebung, also auch ausserhalb des Archivs, zur Verfügung stehen. Der Nachteil hingegen ist, dass beim Einfügen von Metadaten die Originaldatei verändert wird, also eine eigentliche Migration stattfindet.
Zu beachten ist noch, dass Audio-Containerformate in der Regel bereits Metadatenfelder zur Verfügung stellen. Z.B. enthält eine WAVE-Datei in der Regel bereits einen INFO Chunk[i] mit Metadatenfeldern (RIFF INFO tags genannt); weitere Chunks für andere Metadatenstrukturen sind möglich.
b) Übersicht über bekannte Metadatenstandards
Es existiert eine Fülle von Standards, hier die wichtigsten:
AAF
AES57-2011
audioMD
BWF
EBUCore
Exif / RIFF INFO tags
RIFF INFO tags werden u.a. in WAV-Audiodateien zur Speicherung von Metadaten verwendet. Ein Teil der INFO-tag-Metadaten stammt aus Version 2.3 des Exchangeable image file format Exif. Zu RIFF INFO tags siehe ausführlicher unten.
ID3v1
MPEG-7
MXF
PBCore
reVTMD
c) Bewertung aus archivischer Sicht: Eingebettete Metadaten
Eine Bewertung der verschiedenen Metadatenstandards aus archivischer Sicht ist nicht einfach, gerade auch, weil sich die Spezialarchive für Tondokumente hierin nicht einig sind und oft selbst entwickelte Lösungen anwenden, und weil die Broadcastindustrie immer neue Austauschstandards für ihre an sich proprietären Lösungen entwickelt.
Betrachten wir die Fragestellung aus einem eher pragmatischen Gesichtspunkt und fragen wir, welche eingebetteten Metadaten in den von uns für die Archivierung in Betracht gezogenen Formaten WAVE und MP3 eine grosse Verbreitung haben und von vielen Tools unterstützt werden, sieht die Sache etwas einfacher aus.
RIFF INFO tags sind Bestandteil des WAVE-Containers, genau genommen sind es Tag-Metadaten Paare, die den INFO Chunk bilden. Die BWF (Broadcast Wave Format) Spezifikation erweitert dieses Konzept durch einen weiteren Broadcast Extension Chunk (bext). RIFF INFO tags werden von vielen Tools bei der Produktion und beim Abspielen unterstützt, wobei aus einer grossen Zahl von Tags nur neun Tags[ii] einen Status als de facto Standard erlangt haben. Übernommene Audiodateien in WAVE-Format werden in der Regel bereits in INFO-tags kodierte Metadaten enthalten.
Sollen weitere Metadaten zur Produktion oder Migrationsgeschichte eingebettet werden, drängt sich aber eher BWF (Broadcast Wave Format) auf, da es sich hierbei um einen klar spezifizierten Standard handelt.
Bei MP3 sieht die Sache anders aus, da BWF, wie der Name sagt, an das WAVE-Containerformat gebunden ist. ID3v1 ist hier der de facto Standard. ID3v1-Metadaten können auch in einen WAVE Chunk eingebettet werden, was aber eher unüblich ist.
Ein teilweises Mapping zwischen RIFF INFO tags und ID3v1 ist möglich, siehe dazu weiter unten.
Das Auslesen der eingebetteten Metadaten aus WAVE- und MP3-Dateien wird wohl auch längerfristig kein Problem bereiten, weil diese Metadaten sehr einfach strukturiert sind. Die automatische Konvertierung in andere Metadatenschemata ist wohl längerfristig nur bei den BWF-Metadaten möglich, weil hier die Metadaten klar definiert sind. Bei RIFF INFO tags und ID3v1 ist dazu wahrscheinlich jeweils ein Mapping neu zu definieren.
RIFF INFO tags: Eingebettete (embedded) Metadaten dieses Typs werden in Audioplayern wie iTunes® oder Windows Media Player angezeigt. Die Liste der RIFF INFO tags umfasst mehr als 80 Metadaten[iii], die im Info und fmt Chunk untergebracht sind. Der Audacity Metadata Editor unterstützt die neun wichtigsten, nämlich:
§ Artist (IART)
§ Title (INAM) – im Metadata Editor "Track Title" genannt
§ Product (IPRD) – im Metadata Editor "Album Title" genannt, ab Audacity 2.0.4 unterstützt
§ Track Number (ITRK) – im originalen RIFF-Standard nicht spezifiziert, aber gewöhnlich unterstützt, in Audacity ab Version 2.0.4
§ Date Created (ICRD) – im Metadata Editor "Year" genannt
§ Genre (IGNR), ab Audacity 2.0.4 unterstützt
§ Comments (ICMT)
§ Copyright (ICOP)
§ Software (ISFT)
Mit Kommandozeilentools wie etwa SoX, riffwalk, getID3 etc. können alle RIFF Tags vollständig ausgelesen werden.
ID3v1 Tags: Die gleichen oder ähnlichen Metadaten finden wir in MP3-Dateien als ID3v1 Tags[iv]:
Inhärente technische Metadaten: Neben den eingebetteten inhaltlichen oder externen Metadaten gibt es noch die technischen Metadaten. Diese sind analog zu den im Audio-Container gespeicherten, aber im Gegensatz dazu immer vorhanden, sind in einer WAVE Datei im fmt Chunk gespeichert oder können aus dem data Chunk[v] berechnet werden. Hier dargestellt mit
Digimetrics MediaInfo:
und in Tabellenform:
d) Bewertung aus archivischer Sicht: Externe Metadaten
Externe Metadaten, meist als XML-Standard definiert, dienen der erweiterten Beschreibung eines Audioobjekts. Oft handelt es sich dabei aber auch nur um eine Extraktion eingebetteter technischer oder inhaltlicher Metadaten. In diesem Fall besteht der Nutzen einzig in der besseren Lesbarkeit.
Besonders oft wird MPEG-7 in diesem Zusammenhang erwähnt. Da es explizit ein offener Metadatenstandard zur Beschreibung von audiovisuellen Objekten ist, scheint MPEG-7 für archivische Belange geeignet. Leider hat dieser Standard, wohl wegen seiner Komplexität, bis anhin eine sehr geringe Verbreitung und kann darum nicht wirklich empfohlen werden.
Alternativen dazu sind PBCore und EBUCore. Beide Standards definieren ein Set von Metadaten, das in einer Datenbank oder in XML-Dateien abgebildet werden kann. PBCore ist die ältere, amerikanische Variante und ist einfacher strukturiert, EBUCore hingegen ist auf der Grundlage von DublinCore entwickelt worden. Aus geografischer Sicht und weil DC bereits in der europäischen Bibliotheks- und Archivwelt eingeführt ist, empfiehlt sich wohl EBUCore.
Externe Metadaten können als eigenständige XML-Datei als sogenanntes Sidecar File, das heisst als Datei mit demselben Dateinamen wie die Audiodatei, aber mit der Dateiextension XML, abgelegt werden. Sie können aber auch in einer Datenbank gespeichert oder als XML-Datei in einem XML-Wrapper in einem grösseren Metadatenzusammenhang, z.B. in einer METS-Metadatendatei als Ergänzung zu den übrigen Metadaten eines Archivobjekts abgespeichert sein.
PBCore: Hier ein Beispiel von technischen Metadaten im PBCore-Standard. Eingebettete Metadaten können in der Regel mit geeigneten Tools automatisch extrahiert werden. Die inhaltlichen Metadaten identifier, title, description etc. müssen, wenn sie nicht bereits eingebettet vorhanden sind, in der Metadaten-XML-Datei manuell eingetragen werden.