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Die Vorwürfe, die die Basler Zeitung erhebt, sind harsch: Das Basler Kunstmuseum habe 1933 nach Hitlers Machtergreifung in Berlin 120 Bilder eines jüdischen Kunsthistorikers zu viel zu tiefen Preisen erworben. Curt Glaser habe die Bilder so billig verkaufen müssen, weil er Geld gebraucht habe, um sich vor der Judenverfolgung zu schützen. Basel habe also eine existentielle Notsituation ausgenützt und somit verwerflich gehandelt.
Judenverfolgung: Basel soll Notlage ausgenützt haben
2004 stellten Glasers Erben Rückgabe-Forderungen. Diese seien aber 2008 mit unwahren Aussagen abgeblockt worden. BaZ: «Christoph Eymann (…) war als Erziehungsdirektor für die Kultur zuständig und hat 2008 die Rückgabe von aus der Nazizeit erworbenen Bildern an die Erben eines verfolgten Juden verweigert. Die Begründung: Das Basler Kunstmuseum habe im guten Glauben die Ware erworben, zu marktüblichen Preisen, man habe nichts von der problematischen Herkunft der Werke gewusst.» Doch offizielle Unterlagen von 1933 belegten nun: Eymanns Aussagen von 2008 seien falsch.
25’000 Franken für Millionenwerte
In einem Protokoll der Basler Kunstkommission von 1933 sei von der «Auktion Glaser» die Rede, womit also die Herkunft bekannt gewesen sei. Die BaZ zitiert: «Die Beträge für die Stücke der Glaser-Sammlung seien «nicht gerade Schleuderpreise», aber «Schätzungspreise» auf «niedrigem Niveau». «Die Gelegenheit war günstig», und die «vorzügliche» Sammlung, die «für uns von besonderem Interesse schien», wurde «zu billigen Preisen gekauft».» Basel habe sich zu einem Preis von auf heute umgerechnet 25’000 Franken mit Millionenwerten eingedeckt.
Eymann wehrt sich gegen die Vorwürfe mit dem Verweis auf umfangreiche Abklärungen, die mit Hilfe von Kunstexperten getroffen worden seien. Was stimmt an diesen Vorwürfen? Im Talk spricht der Basler Historiker.
Georg Kreis war Mitglied der «Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg». In diesem Jahr erscheint sein Buch ‹Einstehen für «Entartete Kunst»›, worin er die Basler Ankäufe von Kunstwerken in den Jahren 1939/40 behandelt.
Aus dem Pressetext: «Seit seiner Machtübernahme führte das nationalsozialistische Regime einen rigorosen Kampf gegen die moderne Kunst. 1939 bot es aus den deutschen Museen geraubte Werke zeitgenössischer Kunst dem Ausland zum Kauf an. Zuvor waren sie als abschreckende Beispiele «entarteter Kunst» in München zur Schau gestellt worden. Wie sollte man sich im Ausland zum Angebot des Dritten Reichs stellen? Machte man sich als Käufer zum Komplizen von Kunsträubern? Oder wurde man vielmehr zum Fürsprecher und Retter verfolgter Kunst? Das Kunstmuseum Basel kaufte 21 solcher Werke an. Das Unternehmen gelang nur dank des Engagements weniger Kunstfreunde, vor allem des Museumsdirektors Georg Schmidt, – und im Widerspruch zum herrschenden Zeitgeist.»