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Ohne Wälder können wir das Klima nicht retten. Sie sind unsere Lebenserhaltungssysteme. Umso verheerender sind die Waldbrände in Sibirien für unser Klima.
Im Wettlauf um die Begrenzung der globalen Klimaerhitzung auf 1,5 Grad müssen wir unsere Emissionen drastisch reduzieren und fossile Brennstoffe schnell ausmustern. Aber wir müssen auch massive Mengen an CO2 aus der Atmosphäre entfernen. Wälder und andere natürliche Ökosysteme wie Mooren sind eine natürliche Klimalösung und Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten.
Die Bekämpfung der Klimakrise ist unmöglich ohne den Schutz und die Wiederherstellung von Wäldern.
Umso gravierender sind die massiven Waldbrände, die derzeit in Sibirien wüten. Wir müssen von einer eigentlichen Klimakatastrophe sprechen. Ein Team von Greenpeace Russland dokumentiert die Brände in den Taiga-Wäldern in der Region Krasnoyarsk in Sibirien. Entgegen den Angaben von russischen Behörden nimmt die Intensität der Waldbrände in Sibirien nicht ab. Die Walbrände auf einer Fläche von 4,3 Millionen Hektaren – ein Gebiet grösser als die Schweiz oder Dänemark – tragen wesentlich zur Klimaerhitzung bei. Seit Beginn des Jahres ist eine Fläche von total 13,1 Millionen Hektaren verbrannt.
Die Brände in der Taiga wüten jedes Jahr, aber diesen Sommer haben sie eine noch nie da gewesene Grösse und Stärke erreicht. Die sibirischen Brände emittieren mehr als 166 Millionen Tonnen CO2 – fast so viel, wie 36 Millionen Autos in einem Jahr ausstossen. Brände in den Wäldern Sibiriens sind besonders schädlich fürs Klima, weil sich die Asche- und Russpartikel auf dem arktischen Eis absetzen und dessen Schmelzen beschleunigen.
«Diese Brände hätten sofort gelöscht werden müssen, sie wurden jedoch zu Beginn aufgrund schwacher Richtlinien ignoriert. Nun sind sie zu einer Klimakatastrophe geworden», sagt der Waldbrandexperte und freiwillige Feuerwehrmann Anton Beneslavsky von Greenpeace Russland. «Russland sollte seine Bemühungen im Waldschutz verstärken und genügend finanzielle Mittel für Brandbekämpfung und Brandprävention zur Verfügung stellen. Die Problematik von Waldbränden sollte auf einem internationalen Level bei weltweiten Klimaabkommen thematisiert werden, um die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten.»
Experten von Greenpeace Russland warnen, dass die Situation aufgrund der Wetterlage in den nächsten zwei Wochen katastrophal bleiben wird. Gemäss Meldungen von Greenpeace Russland aus der Region Krasnoyarsk hat sich der Rauch über den grösseren sibirischen Städten verzogen, aber Siedlungen in abgelegenen Waldgebieten sind nach wie vor von Rauch umhüllt.
Mehr als 90 Prozent der Waldbrände in Russland wüten in den sogenannten Kontrollzonen, abgelegene Gebiete, in denen die Behörden nicht verpflichtet sind, die Brände zu bekämpfen. Greenpeace Russland verlangt eine Überprüfung der Kontrollzonen, um eine weitere derartige Waldbrandkatastrophe nächstes Jahr zu verhindern. Viele der diesjährigen Brände in den Kontrollzonen hätten in einer Anfangsphase gelöscht werden können, was die Ausdehnung der Brände, die Belastung von Siedlungen mit Rauch-Emissionen und die CO2-Emissionen in die Atmosphäre signifikant reduziert hätte.
Medienartikel zum Thema
- Verheerende Waldbrände in Sibirien: Löscharbeiten gestalten sich schwierig. ARD, 6. August 2019
- Die ausserordentlichen Flächenbrände in der Arktis beunruhigen die Klimaforscher. Neue Zürcher Zeitung, 6. August 2019
Less Meat = Less Heat
Die Ernährungsumstellung ist ein entscheidendes Element im Kampf gegen den Klimawandel und die Abholzung von Wäldern. Die Produktion und der Konsum von Fleisch und Milchprodukten treibt die Bodendegradation und Waldzerstörung voran, die grosse Mengen an Kohlenstoff in die Atmosphäre freisetzt sowie die Fähigkeit der Böden, CO2 aufzunehmen, verringert. Bis 2050 müssen der Fleischkonsum und die Fleischproduktion weltweit um 50 Prozent und in Gebieten wie Europa und Nordamerika noch stärker reduziert werden.
IPCC-Bericht: Nötig sind drastische Änderungen in der Landnutzung
Vom 2. bis 6. August 2019 fand in Genf die 50. Plenarsitzung des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) statt. Ziel war es, den Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme fertigzustellen, der die Zusammenhänge zwischen Landnutzung, einschliesslich Landwirtschaft und Welternährungssystem, und globaler Erwärmung aufzeigt. Am 8. August 2019 wurde der Bericht in Genf vorgestellt: Die in Paris vereinbarten Klimaziele lassen sich nur erreichen, wenn die Fleischproduktion weltweit deutlich sinkt. Das ist nach Einschätzung von Greenpeace eine zentrale Botschaft des Sonderberichts. Gleichzeitig braucht es dringend den Schutz und die Wiederherstellung von Wäldern und anderen Ökosystemen.