Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03590.jsonl.gz/1069

Produktbeschreibung
Das Haus der Spinne
"Die Frühlingssonne wärmte den Obstgarten. Es war Spätnachmittag, und bald würde sie hinter dem hohen Röhricht am Straßenrand verschwinden. Amar lag unter einem alten Feigenbaum in dem noch taufeuchten langen Gras. Verglichen mit dem Leben seiner Freunde, soweit er es kannte, fand er das eigene am wenigsten beneidenswert. Er wußte, dieser Gedanke war eine Sünde: Niemand durfte so urteilen, und er hätte diese Erkenntnis auch nie laut ausgesprochen, selbst wenn sie sich in seinem Kopf zu Worten verdichtet hätte. Er sah die Bäume und Pflanzen ringsum und den Himmel darüber und wußte, sie waren da. Und er wußte auch, der Grund seiner Unzufriedenheit lag im Ablauf seines kurzen Lebens, das ihn tief enttäuschte. Die Welt war wundervoll mit all den Tieren und Vögeln, die sich bewegten, den Blumen und Früchten, die Allah in solchem Überfluß erschaffen hatte, aber in seinem Herzen fühlte er, daß das alles eigentlich nur ihm gehörte und niemand sonst das gleiche Anrecht darauf hatte wie er. Immer machten andere Menschen sein Leben unglücklich. Lässig gegen den Baumstamm gelehnt, zupfte er sorgfältig die Blätter von einer Rose, die er vor einer halben Stunde gepflückt hatte, als er in den Obstgarten getreten war. Er hatte nicht mehr viel Zeit, um herauszufinden, was er tun könnte. Wenn er davonlaufen wollte, mußte es rasch geschehen. Aber er spürte bereits, daß Allah ihm sein Schicksal nicht enthüllen werde. Er würde es nur erfahren, wenn er dem Buchstaben dessen folgte, was geschrieben stand. Alles würde weiter so sein, wie es war. Wenn die Schatten länger wurden, würde er aufstehen und auf die Landstraße hinausgehen, weil die Dämmerung böse Geister aus den Bäumen lockte. Einmal auf der Straße konnte er nur nach Hause gehen. Er mußte zurück und sich schlagen lassen; es gab keinen Ausweg."