Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03286.jsonl.gz/1194

Die berühmte Geschichte der «British Imperial Trans-Antarctic Expedition», besser bekannt als «Endurance»-Expedition, von Sir Ernest Shackleton ist eng verknüpft mit Südgeorgien. Das Museum in Grytviken zeigt Besucherinnen und Besuchern zahlreiche Stücke dieser spektakulären Expedition und gibt so die unglaubliche Geschichte wieder. Nun haben Nachfahren eines Teammitglieds der Expedition wichtige Erinnerungsstücke an das Museum gespendet und so geholfen, die Geschichte auszubauen.
Mehrere persönliche Gegenstände von Reginald James, der als Physiker an der «Endurance»-Expedition von Shackleton teilgenommen hatte, wurden dem Museum als Schenkung von den Söhnen übergeben. Ihres Erachtens sei das Museum in Grytviken der beste Ort, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, erklärt der Museumsbetreiber South Georgia Heritage Trust (SGHT) die Beweggründe für die Schenkung. Damit erhält das Museum weitere wichtige Stücke für ihre Ausstellung, die jährlich tausende von Besucherinnen und Besuchern eine der faszinierendsten Antarktis-Expeditionen aus dem «goldenen Zeitalter der Polarforschung» näherbringt.
Die Gegenstände, die gespendet wurden, beinhalten neben einer Kopie von Shackleton’s Buch «South», die er persönlich 1920 für Reginald James signiert hatte, auch eine getippte Version von James’ Expeditionstagebuch. Dieses gilt als informativste und detaillierteste Quelle zu den Lebensumständen der auf Elephant Island zurückgelassenen Expeditionsmitglieder. Das Herzstück der Schenkung ist jedoch die Polarmedaille in Silber, die Reginald James für seine Verdienste und seine Teilnahme an der Expedition vom britischen König später verliehen wurde. Mit der Medaille kam auch eine kleinere Version, die als Kleidungsmedaille dient, die aber noch originalverpackt übergeben wurde.
«Ich freue mich, die Medaille von Reginald James im Namen des Südgeorgien-Museums entgegenzunehmen», erklärte Deirdre Mitchell, die Museumsleiterin des SGHT. «Es ist nur angemessen, dass diese Medaille nun nach Südgeorgien kommt – dorthin, von wo aus James 1914 mit der Endurance aufbrach und wo sein Expeditionsleiter, „The Boss“, Sir Ernest Shackleton, nun ruht. Wir werden sehr stolz darauf sein, diese Medaille im Südgeorgien-Museum auszustellen, und wir freuen uns darauf, James‘ Geschichte mit zukünftigen Besuchern Südgeorgiens zu teilen.»
Die Übergabe erfolgte im Rahmen eines Besuchs eines Expeditionsschiffes des Betreibers Swan Hellenic in Grytviken. Kapitän Kai Ukkonen überreichte die Medaille und die übrigen Gegenstände an Museumsleiterin Deirdre Mitchell während einer kleinen Zeremonie in der Kirche von Grytviken.
Das SGHT zeigte sich sehr erfreut über die Spende der Söhne von Reginald James. Denn der britische Physiker, der später nach Südafrika ging und ein weltbekannter Röntgen-Kristallographie-Spezialist wurde, hatte einen massgeblichen Anteil am Überleben der Expeditionsmitglieder. Dank seines mathematischen Geschicks konnte er eine relativ exakte Angabe zum Breitengrad der Eisscholle erstellen, auf der die Expeditionsmitglieder nach dem Untergang der Endurance gestrandet waren. Basierend auf seinen Berechnungen konnte Frank Worsley danach die Route nach Elephant Island kalkulieren. James blieb mit 21 weiteren Mitgliedern auf der Insel und beschrieb in seinem Tagebuch sehr detailliert das Leben der Männer dort. «James spielte eine Schlüsselrolle bei der Endurance-Expedition, was durch die Tatsache belegt wird, dass er eine Polarmedaille in Silber erhielt – ein Zeichen der Wertschätzung, die Shackleton ihm entgegenbrachte», erklärt Deirdre Mitchell.
Schon früher hatten die Nachfahren von James dem SGHT Stücke aus dem Nachlass des Physikers übergeben. Das Wichtigste dabei war der Almanach, den Worsley für die Überfahrt der James Caird nach Südgeorgien verwendet hatte und mit dessen Hilfe er die Schiffsposition berechnen konnte. Später hatte er das Buch an James weitergegeben, der es zeitlebens aufbewahrt hatte. Die Gegenstände sind nun wieder dort, wo einst eine der spektakulärsten Expeditionen gestartet war und die heute noch jeden Polarfan packt.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal
Link zur Webseite des Museums in Grytviken