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Von wegen frische Luft: Für das typische Aroma der Nordseeküste sind Bakterien verantwortlich.
Britische Wissenschaftler haben ein Enzym (ein Eiweiss) gefunden, mit dem Bakterien den typischen Geruch des Meeres produzieren. Der Geruch des Meeres ist nach der Forschergruppe auf das Gas Dimethylsulfid (DMS) zurückzuführen. Die Forscher isolierten auch das zugehörige Gen und übertrugen es im Labor auf ein gewöhnliches Darmbakterium, das daraufhin ebenfalls das Gas Dimethylsulfid herstellte.
|Dimethylsulfid (DMS), auch Methylthiomethan genannt, ist eine schwefelhaltige organische Verbindung mit der chemischen Formel (CH3)2S.

Es handelt sich um eine hochflüchtige Flüssigkeit (Siedetemperatur: 37°C). DMS verdampft also sehr schnell und ist leicht entzündlich. Der Stoff ist schlecht in Wasser löslich (bloss 2g / Liter Wasser).
|Strukturformel von Dimethylsulfid (DMS)||3D-Modell von DMS

(Kalottenmodell)
Das Gas entsteht durch die Arbeit von Bakterien aus seinem Vorläufermolekül, dem DMSP (Dimethylsulfidpropionat). Dieses wird von vielen Algen freigesetzt.
Die englischen Forscher isolierten ein Bakterium aus dem Schlamm der Salzmarsch in der Nähe des Ortes Stiffkey. In diesen Mikroorganismen fanden die Briten schließlich das Gen, das den Bauplan für das Enzym enthält, das die chemische Reaktion katalysiert:
DMSP (Dimethylsulfidpropionat) aus Algen ----> DMS (Dimethylsulfid)
DMS liefert nicht nur die Erinnerung an Strand und Wellen, sondern ist eines der wichtigsten Gase im globalen Klimahaushalt. Das Gas steigt an die Wasseroberfläche und gelangt in die Luft, wo es zum Beispiel zu Schwefeldioxid (SO2), Dimethylsulfoxid (DMSO) oder zu Schwefelsäure (H2SO4) respektive deren Salze (Sulfate) umgewandelt werden kann. Diese feinen Partikel wirken in der Atmosphäre als so genannte Kondensationskeime. An diesen Keimen kondensiert Wasserdampf zu winzigen Tröpfchen: Es entstehen Wolken.
Die Wolken reflektieren das Sonnenlicht ins All zurück und tragen damit zur Kühlung der Erde bei. Über dem Festland dienen meist feine Staubpartikel und Abgase als Kondensationskeime, aber über dem Ozean spielt DMS wahrscheinlich eine entscheidende Rolle bei der Wolkenbildung.
Die Bedeutung von DMS für das Klima ist länger bekannt, doch bisher gab es nur Vermutungen, wie genau Bakterien dieses Gas herstellen. «Indem wir ein einziges Gen isoliert haben, haben wir gezeigt, dass die DMS-Produktion deutlich anders abläuft, als man sich vorgestellt hat», sagte Mitautor Andrew Johnston.
(Quelle: Netzeitung.de)
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