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Omraam Mikhaël Aïvanhov hielt im Zeitraum von 1937 bis 1986 fast 5'000 Vorträge in Französisch und gelegentlich auch
in Englisch. Er sprach ausschliesslich aus der Inspiration und hatte keinerlei Notizen vor sich. Er unterrichtete
hauptsächlich in Frankreich, aber auch in zahlreichen andern Ländern wie der Schweiz, Kanada, den Vereinigten Staaten
und in Skandinavien. Sein Wissen gab er ausschliesslich mündlich weiter.
Seine Bücher werden seit 1969 von einer Schülerin aufgrund von stenografischen Notizen, Tonband- sowie Videoaufnahmen
der Vorträge zusammengestellt und geschrieben. Sie ist immer noch mit dieser Aufgabe betraut und stellt weitere Bücher
zusammen, die in vielen Buchhandlungen verkauft werden. Sie werden vom Verlag Prosveta herausgegeben und vertrieben.
Man findet sie auch in vielen Bibliotheken. Da einige Werke bis jetzt schon in 35 Sprachen übersetzt worden sind, darf
man sagen, dass Omraam Mikhaël Aïvanhov einer der am meisten gelesenen und übersetzten französischen Philosophen ist.
Erstaunlich ist in seinen Werken von Anfang an die Vielfalt der Aspekte, unter denen immer wieder dieselbe Frage nach der
Vervollkommnung des Menschen beleuchtet wird. Alle Themen werden im Hinblick auf eine praktische Umsetzung durch Leser und
Hörer behandelt. Im Zentrum stehen dabei die Fragen nach einem besseren Selbstverständnis und einer besseren Lebensbewältigung.
Im Folgenden werden einige Hauptthemen seiner Lehre zusammengefasst, die am besten Aufschluss geben über die Natur und die
Ausrichtung seiner Philosophie..
Für Menschen, die auf dem Weg der Entwicklung voranschreiten wollen, ist es von Vorteil, wenn sie beginnen, ihr Empfindungsvermögen für die unsichtbare Welt zu entwickeln. Das sind nur die Voraussetzungen. Es reicht nicht aus, an die Existenz von Wesenheiten und Strömungen, die sich im Weltall oder in uns selbst befinden, zu glauben. Vielmehr sollte sich der Mensch darum bemühen, mit diesen Wesenheiten und Strömungen eine konstruktive Arbeit auszuführen. Normalerweise bemüht man sich, auf der physischen Ebene bei sich selbst, in seinem Haus und am Arbeitsplatz Ordnung zu schaffen, was sicher sehr gute Auswirkungen hat; aber im Innern, in den Gedanken und Gefühlen, herrscht weiterhin ein grosses Durcheinander, da man sich nicht bewusst ist, dass die Gedanken und Gefühle einer Welt angehören, die real existiert, einer Welt, an der man bewusst arbeiten muss, um sie in Schach zu halten, zu harmonisieren und zu verschönern. Das bedeutet, dass man beginnen sollte, seine Einstellung zu ändern: Die für das menschliche Auge unsichtbare Welt ist eine Realität, eine Realität, die sogar wichtiger ist als die sichtbare Welt. Darum sollte man sich vor allem mit dieser unsichtbaren Welt auseinandersetzen.
Was für ein Privileg, den Sonnenaufgang betrachten zu können! Daher empfiehlt es sich, sich jedes Jahr im Frühling auf diese einzigartigen Momente vorzubereiten. Nichts in der Welt ausser der Sonne kann den Menschen so viel Ordnung und Harmonie, Licht und Liebe, Frieden und Freude bringen. Die Sonne ist die grösste Energiequelle, die hervorquillt, vibriert und fliesst. Wenn die Menschen in diesen Lichtfluss eintauchen, können sie sich nicht mehr davon trennen.
Wenn man sich in den frühen Morgenstunden vor dem Sonnenaufgang ins Freie begibt, um die erste Morgenröte und den Tagesanbruch zu erleben, überkommt einen ein heiliges Gefühl. Es kommt einem vor, wie wenn die ganze Natur ein grosses Mysterium feiern würde. Zu dieser Stunde bewegt man sich ganz anders, um die Atmosphäre der Harmonie nicht zu stören. Wir nennen es die „wahre Poesie“. Wäre es nicht wünschbar, wenn eines Tages alle Menschen diese Schönheit, Reinheit und Lebensfülle erleben und sich an daran laben könnten?
Essen bedeutet, dass wir Substanzen in unsern Körper aufnehmen, Substanzen, die zum Aufbau unseres physischen Körpers beitragen, aber auch zum Aufbau unserer subtilen Körper. Daher ist es speziell wichtig, die Handlung des Essens, die wir jeden Tag von Neuem und mehrmals täglich vornehmen, in einem friedlichen und harmonischen geistigen Zustand auszuführen: Es ist daher ratsam, sich vor den Mahlzeiten einige Minuten geistig zu sammeln. Diese spirituelle Praxis ist in der heutigen Welt nicht sehr verbreitet; die meisten Menschen beten vor dem Essen nicht: Sie stürzen sich ohne Umschweife auf die Nahrung, verschlingen sie und reden dabei, streiten sich sogar und zerren am Tafelgedeck herum. Das ist der Grund, warum sie keine subtilen Energien aus der Nahrung ziehen können; sie nehmen nur ihre grobstoffliche Energie auf. Um die subtileren Materialien, nämlich die ätherischen Elemente, aufnehmen zu können, die auch dazu beitragen, unsere Gedanken und Gefühle zu formen und zu nähren, muss man sich darauf vorbereiten, in Stille, Harmonie und geistiger Sammlung zu essen.
Die Geschichte der Christenheit kennt viele Überlieferungen über die Leiden der Heiligen und der Mystiker, die bemerkten, dass ihre unerschütterliche Zuwendung zum Herrn aus ihnen noch lange keine nichtinkarnierte Wesen machte. Im Gegenteil: Je mehr ihre Seele vom Feuer der göttlichen Liebe erfüllt wurde, desto mehr wurden sie von den sexuellen Kräften geplagt. Sie wurden deshalb unglücklich, kämpften dagegen an, einige gingen sogar so weit, dass sie glaubten, vom Teufel besessen zu sein. All das hat nichts mit dem Teufel zu tun. Es gilt einzig, die Gesetze zu kennen, die in der menschlichen Natur herrschen. Eines dieser Gesetze besagt, dass der Mechanismus, der bei der spirituellen Arbeit im höheren Teil des Menschen in Gang kommt, weitere Kräfte in seinem niederen Teil freisetzt. Ja, es gibt vieles, das man kennen sollte, um nicht einem Irrtum zu verfallen! Wenn man weiss, welche Auswirkungen ein inniges Gebet, eine Ekstase oder eine Vereinigung mit der Gottheit haben kann, kann man wenigstens davor auf der Hut sein. So lehrt die Einweihungswissenschaft auch, dass es Mittel gibt, um diese Kraft in die Bahnen zu lenken und dank ihr sogar die grössten spirituellen Realisationen zu erreichen.
Unser gegenwärtiges Leben wird grösstenteils von den Verbindungen, die wir in unseren vorigen Leben eingegangen sind, bestimmt. Auf der materiellen wie auf der psychischen Ebene stammen die Schwierigkeiten und Kümmernisse wie auch die vorteilhaften Situationen und Erfolge von den sichtbaren und unsichtbaren Verbindungen, die man geknüpft hat. Dies ist der Grund, warum man über das Wesen und die Art der Verbindungen, die man im jetzigen Leben eingeht und bisher eingegangen ist, nachdenken sollte. Ob es auf der bewussten oder der unbewussten Ebene geschieht, es ist eine Tatsache, dass wir jeden Tag und ohne Unterlass mit andern Menschen in Beziehung treten, aber auch mit den unsichtbaren Wesen, mit der Natur und dem ganzen Universum. Die Frage nach diesen Verbindungen und die Auseinandersetzung mit ihnen sind daher sehr grundlegend. Es ist also wichtig, dass man die Verbindungen untersucht, die man schon eingegangen ist. Mit andern Worten, man sollte entscheiden, welche guten Verbindungen man aufrechterhalten oder sogar intensivieren und welche eher negativen man aufgeben sollte. Man sollte sich auch mit der Frage beschäftigen, welche neuen Verbindungen, seien es solche mit Menschen oder mit anderen Geschöpfen, man sich schaffen möchte.
Als Einzelmenschen sind die Menschen schwach und machtlos. Ihre Kraft beruht auf der Einheit und der Harmonie, die sie untereinander zu schaffen wissen. Daher sollte man so oft als möglich an diese universelle Familie denken, die wir bilden müssen trotz Charakterunterschieden, Temperamentunterschieden, des Evolutionsgrades, des sozialen Milieus, der verschiedenen Aktivitäten. Man sollte diese Unterschiede übersehen, da sie keinerlei Wichtigkeit haben und im spirituellen Leben keine Rolle spielen.
Festigt darum in Herz und Verstand die Überzeugung, dass ihr trotz der Unterschiede alle Mitglieder dieser universellen Bruderschaft seid, deren Ursprung sich nicht auf der Erde, sondern in der göttlichen Welt befindet. Egal welcher Natur ein Projekt ist, es kann in der Wirklichkeit nur gewinnbringend sein, wenn die Menschen, die dieses Projekt ausführen, sich bewusst sind, dass sie nicht als Einzelindividuen handeln, sondern als Mitglieder eines Kollektivs, dessen Intelligenz sich oben im Himmel befindet.
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