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Medikamente bei ankylosierender Spondylitis
Sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sind entzündungshemmende Medikamente, die eventuell auch die fortschreitende Verknöcherung der Wirbelsäule in geringem Ausmass verzögern können. Sie wirken innerhalb von Stunden und werden vorwiegend zur Linderung von Schmerz und Morgensteifigkeit, zur Gewährleistung des Nachtschlafes sowie zur Bewältigung des Alltags und der Bechterew-Gymnastik verordnet.
Häufige Nebenwirkungen sind Beeinträchtigungen der Magen- und Darmschleimhaut, die bei der Einnahme von sogenannten COX-2-Hemmern jedoch seltener auftreten. Sie können aber auch die Nierenfunktion stören und die Blutgerinnselbildung in den Blutgefässen fördern.
Hinter dieser Abkürzung versteckt sich der englische Begriff «disease modifying anti-rheumatic drugs». Damit sind Medikamente gemeint, die den Verlauf einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung günstig beeinflussen können, indem sie in lmmun- und Entzündungsprozesse eingreifen.
Zur Behandlung der ankylosierenden Spondylitis werden vor allem zwei Substanzen eingesetzt: Sulfasalazin und Methotrexat. Beide Medikamente beeinflussen nach heutigem Wissensstand nur Gelenkentzündungen an den Beinen und Armen, aber nicht die Entzündungen an der Wirbelsäule und an den Sehnen.
DMARDs müssen konsequent über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da die Behandlungseffekte erst im Laufe von etwa drei Monaten eintreten. Die Nebenwirkungen können unangenehm sein, treten aber insbesondere unter Sulfasalazin fast nur zu Beginn der Behandlung im ersten Monat auf.
Patienten mit hoher Krankheitsaktivität, die auf die Einnahme von NSAR und DMARDs nicht ausreichend ansprechen, werden heute mit aus bestimmten Eiweissen bestehenden Arzneimitteln, den sogenannten Tumor-Nekrose-Faktor-(TNF)-alpha-Blockern und Blockern des Botenstoffes Interleukin-17 (IL-17) behandelt. Diese können fehlgeleitete Abläufe im lmmunsystem beeinflussen und zeigen bei ankylosierender Spondylitis eine ausgeprägte Entzündung- und damit schmerzhemmende Wirkung.
Untersuchungen zufolge unterdrücken TNF-alpha-Blocker die durch die Entzündung entstehenden Schmerzen und die Steifigkeit bei fast allen Patienten, die fortschreitende Verknöcherung wird durch die zugelassenen TNF-Blocker möglicherweise aber nur teilweise verhindert. Eine neuere Untersuchung deutet zudem darauf hin, dass die fortschreitende Verknöcherung sogar zum Stillstand gebracht werden kann, wenn es gelingt, die Patienten in den vollkommenen «Krankheitsstillstand» zu bringen. Viele Patienten sind unter TNF-alpha-Blockern über einen sehr langen Zeitraum nahezu beschwerdefrei, was mit einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität und, wie oben erwähnt, mit einem Stillstand der Verknöcherung einhergeht.
TNF-alpha-Blocker müssen in regelmässigen Abständen gespritzt oder als Infusion verabreicht werden. Das Intervall ist von Medikament zu Medikament verschieden, anfangs je nach Medikament zwischen vier Tagen und sechs Wochen, bei der Anwendung im Alltag bis zu zwölf Wochen. Natürlich kann es auch unter diesen modernen TNF-alpha-Blockern zu Nebenwirkungen kommen. Insbesondere sind eine erhöhte Neigung für lnfektionen, einschliesslich einer Tuberkulose und selten schwere allergische Reaktionen zu beachten. Die Patienten werden daher sehr genau aufgeklärt und untersucht. Vor Beginn der Behandlung und auch während der Behandlung muss nach Infektionen gesucht werden. Auch sollte auf Schimmelpilzgerichte und rohes Fleisch aus unsicheren Herkunftsquellen verzichtet werden.
Darüber hinaus steht neben den TNF-Blockern mit der Hemmung des Entzündungsbotenstoffs Interleukin-17 (IL-17) eine weitere Therapieoption zur Behandlung der ankylosierenden Spondylitis zu Verfügung. IL-17 wurde vermehrt bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis im Blut und im entzündeten Gewebe gefunden. Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass durch die Hemmung der Wirkung von IL-17 die Entzündung ähnlich gut unterdrückt werden kann, wie durch TNF-Blocker. Allerdings fehlen noch ausreichende Erfahrungen im klinischen Alltag. Ob die Hemmung der Wirkung von IL-17 die fortschreitende Verknöcherung bremsen kann, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Ein erhöhtes lnfektionsrisiko und ganz besonders das Auftreten von Pilzerkrankungen muss bei einer Therapie auf Basis IL-17 Blockade beachtet werden. Im Unterschied zu einigen TNF-Blockern hat die Hemmung der Wirkung von IL-17 keinen Effekt auf Augenentzündungen oder Darmentzündungen, die begleitend oft bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis auftreten.