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Ni juge, ni soumise
Regie: Yves Hinant, Jean Libon
Mitw.: Anne Gruwez, David Derumier, Serge graide, Marc Slavic, Eddy Wilmet u.a.
Anne Gruwez ist eine erfahrene Untersuchungsrichterin in Brüssel, die sich in ihrem uralten, hellblauen Deux Chevaux durch die belgische Hauptstadt bewegt. Auf ihren Fahrten zwischen zu Hause, Justizpalast und Polizeistationen hört sie am liebsten den Radetzky-Marsch und die zu befragenden Delinquenten nennt sie konsequent «meine Klienten». Auch sonst ist ihr Umgangsstil eher unkonventionell, etwa wenn sie einem Angeklagten, der wegen häuslicher Gewalt vor ihr steht, die Leviten liest oder wenn sie bei einer Prostituierten, deren sadomasochistische Praktiken bei einem Kunden gründlich aus dem Ruder liefen, grosses Interesse an den Details bekundet. Was die Prostituierte bewundernd mit: «Sie hätten Domina, nicht Untersuchungsrichterin werden sollen» quittiert. Neben solch komischen Begegnungen zieht sich die Wiederaufnahme eines Falles aus den 1990er-Jahren als roter Faden durch den Film, ein ungeklärter Mord an zwei Prostituierten, der menschliche Abgründe ausleuchtet. Der 1946 geborene belgische TV-Journalist Jean Libon kreierte 1985 für das belgische Fernsehen die Sendung «Strip-Tease», eine Serie kurzer satirischer Dokumentarfilme, deren Respektlosigkeit Massstäbe setzte, Kult wurde und zwanzig Jahre lang bestand. Zusammen mit seinem 1968 geborenen Landsmann Yves Hinant, der in den letzten Jahren ebenfalls bei «Strip-Tease» mitwirkte, schuf er nun in dreijähriger Dreharbeit, an deren Ende Hunderte von Stunden abgedrehten Materials standen, diesen ersten langen Kinofilm. Dem Film, der im englischen Sprachraum als «So Help Me God» vertrieben wird, haben Libon und Hinant das Motto vorangestellt: «Ist das Dokumentation oder Fiktion? Ist das fein oder Schwein? Nein, ‹Ni juge, ni soumise› ist nicht Kino … es ist schlimmer.» Carlos Loureda vom spanischen Filmblog fotogramas.es schrieb letztes Jahr vom Filmfestival San Sebastián, wo «Ni juge, ni soumise» seine Weltpremiere im Wettbewerb feierte: «Ein Dokumentarfilm, der von dieser Festivalausgabe als grosser Kinomoment im Gedächtnis bleiben wird, da er Realität mit Engagement verbindet. Mit Themen, die nun wirklich nicht zum Lachen sind – Vergewaltigungen, Morde, Raubüberfälle – hat Anne Gruwez durch ihre eigenwillige Arbeits- und Ausdrucksweise einen Umgang, den man exzentrisch nennen kann, aber der ‹Ni juge, ni soumise› zu der Komödie des Jahres macht.»