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Falsches Signal
Ein deutscher Impfgegner bestritt, dass Masernviren existieren und bot auf einer Internetseite demjenigen 100’000 €, der einen wissenschaftliche Artikel bringen könne, der beweise, dass Masernviren tatsächlich existieren. Nun urteilte ein Berufungsgericht in Stuttgart: Der Impfgegener muss doch nicht zahlen. Eine verheerendes wissenschaftliches und gesundheitspolitisches Fehlurteil!
Der Impfgegner vertritt die Ansicht, dass Masern keine Virusinfektion sei (und durch eine Impfung nicht verhindert werden könnte) sondern durch eine Vergiftung und psychosomatische Faktoren hervorgerufen wird. Eine völlig unhaltbare Hypothese. Seit langem ist die Existenz von Masernviren (s. Abb.) bekannt und es besteht kein vernünftiger Zweifel, dass sie Masern verursachen, eine unterschätzte Infektion, die mit schwerer Lungen- und Hirnbeteiligung einhergehen und mitunter auch tödlich verlaufen kann.
Ein Mediziner liess sich die Wette schriftlich bestätigen und legte danach schwarz auf weiss gleich 6 Publikationen als Beweis vor. Der Impfgegner zahlte jedoch nicht, weil er behauptete, dass durch die Artikel weder Existenz von Masernviren noch ihre krankmachende Wirkung gezeigt seien. Ein Landgericht in Ravensburg verurteilte ihn zur Zahlung. Dagegen entschied ein Berufungsgericht in Stuttgart: Er muss doch nicht zahlen.
Verteidiger beruft sich auf formalen Fehler
Das Gericht befand, dass es sich um eine sogenannte Ausgelobung handelte, wonach derjenige, der auslobt, die Regeln bestimmen darf und nicht zur Zahlung verpflichtet werden kann. Das Gericht hatte zwar klar auch nach Gutachten die Ansicht vertreten, dass der Mediziner den Beweis erbracht habe. Der Trick der Verteidigung war jedoch: Er habe sechs Artikel vorgelegt, doch der Impfgegner habe nach einem einzigen Artikel gefragt, der den Beweis erbringen könne. Mit seinem formalistischen Rechtsspruch sendet das Gericht ein falsches Signal: Der Impfgegner triumphiert jetzt und verkündet, das Gericht habe ihm Recht gegeben.
Falsche Signale
Nur wenige Tage nach dem tragischen menschlichen Versagen, bei dem ein fehlerhaftes Signal im oberbayerischen Bad Aibling 11 Menschen das Leben bei einem Zugunglück gekostet hat, könnte dieser Richterspruch noch fatalere Folgen haben. Wenn ideologisch verbrämte Impfgegner nun basierend auf diesem Richterspruch noch Rückenwind erhalten, könnte dies für die öffentliche Gesundheit fatale Konsequenzen haben. Ein Rückgang der Impfrate der Masern-Schutzimpfung könnte immense Folgen haben. In den USA wird geschätzt, dass durch Impfungen 42’000 Todesfälle pro Jahrgang verhindert und jährlich Kosten von 76 Milliarden US $ gespart werden. Diese Nachrichten sollte man verbreiten.
Fazit: Masernviren existieren und ebenso eine sehr wirksame und sichere Masernimpfung, die den einzigen Schutz vor dieser mitunter sehr gefährlichen Erkrankung darstellt.