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Aragonit [* 1] aber, welcher wie der Kalkspat [* 2] aus kohlensaurem Kalk besteht, kristallisiert in Formen des rhombischen Systems, und deshalb ist der kohlensaure Kalk dimorph. Andre dimorphe Substanzen sind z. B. Kohlenstoff, Schwefel, Quecksilberjodid, schwefelsaures Nickeloxyd, schwefelsaures Zinkoxyd, schwefelsaure Magnesia, Zweifach-Schwefeleisen, Schwefelkupfer, Kupferoxydul, Granat [* 3] (und Vesuvian). [* 4] Titansäure ist trimorph, sie findet sich als rhombischer Brookit, als Rutil [* 5] und Anatas, deren Formen zwar beide quadratisch, aber nach kristallographischen Gesetzen nicht aufeinander beziehbar sind.
Dimorphe Körper zeigen in beiden Formen gewöhnlich abweichende physikalische und chemische Eigenschaften: verschiedene Farbe, Dichtigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen Chemikalien etc. Die Entstehung der einen oder der andern Kristallform dimorpher Substanzen hängt wesentlich von der Wärme [* 6] ab: geschmolzener Schwefel erstarrt monoklinometrisch, kristallisiert aber aus Lösungen bei gewöhnlicher Temperatur rhombisch;
eine Lösung von kohlensaurem Kalk gibt bei 100° Aragonit, bei gewöhnlicher Temperatur Kalkspat etc. Aber auch Beimischungen fremder Körper bestimmen die Entstehung der einen oder der andern Form.
Arsenige Säure [* 7] kristallisiert aus saurer oder neutraler Lösung in Oktaedern, aus alkalischer in rhombischen Formen. Kohlensaurer Strontian bedingt in Lösungen von kohlensaurem Kalk die Entstehung von Aragonit. Die einzelnen Formen dimorpher Substanzen scheinen vorzugsweise bestimmten Temperaturgrenzen zu entsprechen und gehen durch Wärmewirkung ineinander über. Monoklinometrischer Schwefel wird bei gewöhnlicher Temperatur undurchsichtig und verwandelt sich in ein Aggregat rhombischer Kristalle. [* 8]
Aragonit zerfällt beim Erhitzen in Kalkspatkristalle. Diese Umwandlung wird beschleunigt durch Erschütterung, Berührung, Licht [* 9] und erfolgt auch durch den Einfluß andrer Körper (monoklinometrischer Schwefel wird augenblicklich rhombisch, wenn er mit gesättigter Lösung von Schwefel in Schwefelkohlenstoff in Berührung gebracht wird). Bei dem Übergang der einen Form in die andre beobachtet man gewöhnlich lebhafte Wärmeentwickelung, die um so bemerkbarer ist, je plötzlicher die Umänderung stattfindet; manchmal wird dagegen auch Wärme gebunden.
In der Zoologie bezeichnet Dimorphismus die Zwiegestalt der Individuen einer und derselben Tierart. Am allgemeinsten verbreitet ist der Dimorphismus der Geschlechter und erreicht häufig einen sehr bedeutenden Grad. Meistenteils haben hierbei die Weibchen die jugendliche Gestalt besser beibehalten als die Männchen, doch findet bei parasitisch lebenden Tieren oft das Gegenteil statt, wie z. B. nicht selten das Weibchen zu einem festgewachsenen, unförmlichen Sack wird, indes das Männchen mit Hilfe seiner Gliedmaßen frei umherschwärmt. Auch kommt es bei Krebsen und Würmern vor, daß ein oder mehrere Männchen als Schmarotzer auf oder in dem alsdann viel größern Weibchen hausen. - Eine andre Art des Dimorphismus hat innerhalb desselben Geschlechts statt. So gibt es bei einigen Schmetterlingen und Käfern zweierlei durch Größe, Gestalt und Farbe verschiedene Weibchen, bei einigen Krebsen zweierlei Männchen. Auch existiert Dimorphismus bei Larven von Insekten, [* 10] z. B. bei Schmetterlingsraupen. - Bei dem Saisondimorphismus treten beide Geschlechter je nach Klima [* 11] und Jahreszeit in wechselnder Gestalt auf, so daß eine Winter- und Sommerform, auch wohl noch eine dritte Form unterschieden werden kann, die man früher für eigne Arten angesehen hat. Endlich kommt Dimorphismus auch noch, mit Heterogonie (s. d.) verbunden, bei Blattläusen und Verwandten vor, wo die parthenogenetisch sich fortpflanzenden Weibchen eine andre Gestalt besitzen als die normalen. Vgl. Polymorphismus.