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Bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien gilt Dilma Rousseff als Favoritin. Die bisherige Amtsinhaberin könnte nach letzten Umfragen allerdings die absolute Mehrheit verpassen - dann wäre ein zweiter Wahlgang nötig.
30 bis 40 Millionen Brasilianer, die aus armen Verhältnissen in einen bescheidenen Wohlstand aufsteigen konnten: Diese Zahlen werden als Bilanz der Amtszeit von Präsidentin Dilma Rousseff und ihres Vorgängers Luiz Inácio Lula da Silva häufig genannt. In den vergangenen vier Jahren konnte Rousseff zudem die Arbeitslosenquote von 7,9 auf 6,6 Prozent senken. Auch die Rodung des Regenwaldes schränkte sie ein: 2010 wurden noch 7000 Quadratkilometer abgeholzt, im vergangenen Jahr waren es weniger als 6000 Quadratkilometer.
Im Datenblog des britischen «Guardian» wird noch eine Zahl aus der bisherigen Rousseff-Präsidentschaft vermerkt: «Male, in denen Brasilien 1:7 gegen Deutschland bei der Weltmeisterschaft verloren hat: eins.»
Nun will Rousseff ihre Amtszeit um weitere vier Jahre verlängern. 143 Millionen wahlberechtigte Brasilianer sind am Sonntag zur Wahl gerufen. Zwar gilt Rousseff als Favoritin - nach letzten Umfragen dürfte die 66-Jährige allerdings die für einen Sieg in der ersten Runde erforderliche absolute Mehrheit verpassen.
Sollte sie am 26. Oktober in die Stichwahl müssen, trifft sie dort entweder auf Ex-Gouverneur Aécio Neves von den Sozialdemokraten (PSDB) oder auf Ex-Umweltministerin Marina Silva von der Sozialistischen Partei PSB. Beide Kandidaten lagen zuletzt in Umfragen dicht beieinander, wobei Neves am Samstag erstmals seit Wochen an Silva vorbeizog. Erst Mitte August war die Umweltaktivistin Silva als Ersatzkandidatin für den tödlich verunglückten Eduardo Campos in den Wahlkampf gezogen.
Letzte Umfragen vor der Wahl sagten Rousseff 41 bis 46 Prozent der Stimmen voraus. Neves kam auf bis zu 27 Prozent der Stimmen, knapp dahinter folgte Silva mit maximal 24 Prozent der Stimmen. Allerdings könnten für Rousseff im ersten Wahlgang womöglich auch weniger als 50 Prozent der Stimmen für eine sofortige Wiederwahl ausreichend sein; nach dem brasilianischen Wahlrecht muss der Sieger lediglich mehr Stimmen auf sich vereinen als alle Rivalen zusammen. Die Wahlkommission erwartete noch vor Mitternacht ein vorläufiges Ergebnis für den Ausgang der Präsidentschaftswahl. Erste Ergebnisse werden in der Nacht zum Montag erwartet. (vks/dpa/AFP)