Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03519.jsonl.gz/911

»Wer unter den Toten Berlins Rang und Namen hatte, wer es überdrüssig war, sich unter die Lebenden zu mischen, wer die Erinnerung an jene Jahre, in denen er sich in der Zeit befand, besonders hochhielt, der bemühte sich früher oder später darum, in den Salon der Frau Altenschul geladen zu werden, und da man wusste, wie sehr die elegante, zierliche, den Dingen des schönen Scheins zugetane Jüdin dem berühmten Max Liebermann verbunden war, schrieb man an die Adresse jener Villa am Wannsee, in der man die Anwesenheit des Malers vermutete.«
So beginnt Hartmut Langes Novelle ›Das Konzert‹. Die Grenze zwischen der Welt der Toten und der Lebenden verschwindet, und obwohl die Toten sich außerhalb der Zeit befinden und für sie alles in dem Zustand ist, den sie vor Augen hatten, bevor sie starben, haben sie doch einen Blick für das Gegenwärtige.