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David Wozniak (Vince Vaughn) schuldet ein paar Typen eine Riesenstange Geld. Da er in der Metzgerei seines Vaters als Fleischlieferant arbeitet, verlässt ihn jegliche Hoffnung, den geschuldeten Betrag in der genannten Frist aufzubringen. Irgendwie scheint der Mittvierziger vom Pech verfolgt zu sein, denn als er sich an seine Freundin Emma (Cobie Smulders) wendet, gesteht diese ihm, dass sie von ihm schwanger sei und das Kind alleine grossziehen wolle.
Als wäre das nicht genug, kreuzt sogleich der Repräsentant einer Befruchtungsfirma auf. David lieferte vor Jahren aus Geldnot über 600 Samenspenden und wird nun informiert, dass 140 Betroffene eine Sammelklage gegen ihn gemacht haben. Zu seinem Glück unterzeichnete er damals mit dem Pseudonym "Starbuck" und bleibt gegen die Anschuldigungen vorerst gefeit. Doch langsam erwacht im geborenen Taugenichts der Wunsch nach Verantwortung und einer Aufgabe im Leben. Er will sich der Situation stellen. So versucht er Emma, die von dem ganzen Schlamassel nichts weiss, zu überzeugen, dass er der perfekte Vater ist und all seine Schulden begleichen kann...
Im Review zu The Girl with the Dragon Tattoo haben wir damals die Filmemacher in den Schutz genommen. David Fincher und Co. haben nicht einfach eine 1:1-Kopie des schwedischen Thrillers Män som hatar kvinnor gedreht, sondern dem Stoff einen noch düstereren Anstrich verpasst und bei der Vorlage ein paar Änderungen vorgenommen. So entstand dann auch nicht der Eindruck, dass der Film nur wegen untertitellesefaulen Amis entstanden ist. Das Beispiel The Delivery Man gehört nun aber definitiv in diese Kategorie. Die frankokanadischen Komödie Starbuck wurde von Regisseur Ken Scott, der schon das Original inszenierte, für den amerikanischen Markt adaptiert, woraus ein fauler Film entstanden ist: das Ganze nochmals, einfach mit Vince Vaughn in der Hauptrolle.
So muss man vor dem Kinogang sicher sein, ob man das Original schon gesehen hat. In der Schweiz war Starbuck mit über 75'000 Besuchern ein respektabler Erfolg, und so dürften genau jene Leute zuhause bleiben. Bei einer Komödie ist es halt einfach so, dass ein Witz beim zweiten Mal einfach nicht gleich komisch ist. Doch nicht nur die Sprüche blieben gleich, sondern auch viel von der Story. Selbst kleinere Sachen wurden übernommen. David hat auch hier 533 Kinder, von denen auch wieder 142 die wahre Identität vom Samenspender erfahren möchten. Zudem schlafen des Anwalts Kinder auch hier wieder gerne im Sandkasten, die schwangere Freundin arbeitet als Polizistin und David schuldet unheimlichen Gestalten ebenfalls genau 80'000 Dollar. Eine der wenigen Ausnahme dürfte die von David ausgeübte Sportart sein - im Original war dies noch Fussball, hier Basketball.
Wenn man einen Vorteil für die Kenner des Originals ausfindig machen möchte, findet man diese auf der dramatischen Seite der Geschichte. Da weniger gelacht wird, scheinen die gefühlvollen Momente umso heller, und jene Szenen mit dem behinderten Sohn gehen dann auch näher und machen weniger den Eindruck, als wollte Ken Scott hier noch etwas das Publikum manipulieren.
Wie bewertet man also einen solchen Copy/Paste-Film? Jene, welche den Film von 2011 nicht kennen sollten, die werden hier ihre Freude an der Geschichte um den sympathischen Loser haben, welcher von Vince Vaughn überzeugend verkörpert wird. Diese werden dem Film wohl auch die vier Sterne für "gut" geben. Als Bestrafung für eine jedoch dermassen faule Adaption gegenüber dem Original müssen wir jetzt aber hier einen Strafpunkt geben, und so landet dieser Lieferheld (so der deutsche Titel) bei drei Sternen.
Chris Schelb [crs]
Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.