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Wappenscheibe der Stadt Zug mit den Wappen der Vogteien
Auf der Wappenscheibe sind zwei steigende goldene Löwen als Schildhalter vor dem farblosen Grund zu sehen. Dazwischen ist das Wappen der Stadt Zug in Schildform abgebildet. Über dem Zuger Wappen befindet sich das Reichsschild. Darüber präsentieren die beiden Schildhalter zusammen die Reichskrone. Zudem hält der linke Löwe das Reichschwert in der rechten und der rechte Löwe den Reichsapfel in der linken Pranke. Bei der Reichskrone, Reichsschwert und dem Reichsapfel handelt es sich um die Reichsinsignien der Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches. In den Zwickeln der schlichten Architektur mit gestelztem Architrav stehen die Patrone der Stadt Zug, links der Erzengel/Heilige Michael in vollem Harnisch als Seelenwäger mit Schwert und Waage und rechts der Heilige Oswald (um 604–641) mit Zepter, Krone, pelzgefüttertem königlichem Mantel. In der rechten Hand hält Oswald einen Pokal, auf welchem ein Rabe mit goldenem Ring im Schnabel steht. Unterhalb der rostroten Rollwerkkartusche mit der Stifterinschrift «Die Statt Zug 1624» reihen sich die oben beschrifteten Wappen der Stadtzuger Vogteien aneinander, die da wären (von links nach rechts): Walchwil, Gangolfswil/Gangoldschwil/Gangoltschwil, Hünenberg, Cham, Steinhausen und Rüti (heute Oberrüti im Kanton Aargau).
Bis 1798 bildete die Stadt Zug gemeinsam mit den freien Gemeinden Ägeri, Berg (Menzingen/Neuheim) und Baar den eidgenössischen Stand Zug. Daneben besass die Stadt Zug fünf Vogteien als Untertanengebiet, nämlich die heutigen Gemeinden Walchwil, Cham, Hünenberg, Steinhausen und grosse Teile von Risch (ehemals Gangolfswil/Gangoldschwil/Gangoltschwil), welche zusammen als «Inneres Amt» bezeichnet wurden. Mit Ausnahme von Hünenberg, das sich 1416 durch freien Entschluss in den Schutz der Stadt Zug begeben hatte, kamen diese Vogteien – wie das Kollaturrecht (Recht zur Verleihung eines Kirchenamts bzw. einer Pfründe) in Oberrüti (AG) durch Kauf an die Stadt, die dort für je zwei Jahre so genannte Vögte als Verwalter einsetzte.
Die Wappenscheibe wurde vermutlich vom Zuger Glasmaler und Politiker Christoph Brandenberg (um 1598/1600–13.04.1663) angefertigt. Dieser absolvierte sein Latein- und Philosophiestudium in Tübingen. Danach hielt er sich während seiner Gesellenzeit (1617–1620) beim schwäbischen Glasmaler Christoph Maurer in Reutlingen und beim Glasmaler Lorenz Langer (1584–1630) in Nürnberg auf. Über Schaffhausen und Zürich kehrte er nach Zug zurück. In Schaffhausen besuchte er den Glasmaler Hans Konrad Stör (gest. 1630) und in Zürich hatte er Kontakte zum Glasmaler Gotthard Ringgli (1575–1635) sowie zu den Glasmaler-Brüdern Hans Jakob I. Nüscheler (getauft 1583–1654) und Christoph Nüscheler (getauft 1589–1661). 1621 trat er in die Lukasbruderschaft in Zug ein. 1627 war er Pfleger der Annabruderschaft, von 1628–1629 Obervogt in Steinhausen, von 1632–1633 und 1658–1659 Pfleger zu St. Oswald. 1635 übernahm er das Amt des Grossweibels und musste dadurch vermutlich seinen Beruf als Glasmaler aufgeben. Diese Fülle an Informationen sowie Weiteres lassen sich aus dem Stammbuch von Christoph Brandenberg herauslesen (Inv.-Nr. 3344), welches in der Dauerausstellung im Museum Burg Zug (2. OG, Glasgemälde-Zimmer) ausgestellt ist.
Der Heilige Oswald (um 604–641. Einer der Zuger Stadtpatrone) war König von Northumbrien in England und förderte die Ausbreitung und Belebung des christlichen Lebens. Üblicherweise wird er mit einer Krone dargestellt. Der braun-weissliche Turban mit der aus vier Goldzacken bestehenden Krone, dem kreuzartigen Kleinod vorne in der Mitte und dem Federschmuck weist den Heiligen auf den ersten Blick nicht als König aus dem angelsächsischen Raum aus, sondern lässt an eine östliche, türkische Herkunft denken. Vermutlich spiegelt sich hier das durch die Kriege im Orient und frühe Reisebereichte in Europa geweckte Interesse an der türkischen Kultur wider.