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von Laura Hack, MSc
«Distanced self-talk» wird in der Psychologie das Phänomen genannt, dass man über sich selbst nicht in der Ich-Form spricht, sondern stattdessen beispielsweise seinen eigenen Namen verwendet. Doch wieso legt man das «Ich» in manchen Momenten ab und spricht von sich selbst in der dritten Person? Laut der aktuellen Forschung kann der «distanced self-talk» dabei helfen, dass man z.B. seine Emotionen besser regulieren kann. Gainsburg und Kross von der University of Michigan gehen in ihrem Artikel der Frage nach, wie der Gebrauch des eigenen Namens (anstatt der Ich-Form) beim Nachdenken über sich selbst das Selbstkonzept beeinflusst. Unser aktives Selbstkonzept – wie wir in diesem Moment über uns denken – setzt sich zusammen aus unserem stabilen Selbstkonzept und Merkmalen der Situation, in der wir uns befinden. Die eigene Stimmung, kulturelle Kontexte oder auch unsere soziale Rolle in gewissen Situationen: all diese Faktoren können unser Selbstkonzept beeinflussen. Doch können wir Menschen auch bewusste Strategien anwenden, um unser Selbst auf eine andere Weise zu betrachten? Gainsburg und Kross zeigen auf, dass der «distanced self-talk» uns eine Möglichkeit dafür bieten könnte. Die Autor*innen untersuchten, wie die Verwendung des eigenen Namens beim Nachdenken über das Selbst zwei Dimensionen des Selbstkonzepts beeinflusst, Abstraktheit und soziale Identität. Ein vermehrter Gebrauch von abstrakten Begriffen (z.B. «gerecht», «mutig») und ein geringer Gebrauch von sozialen Identitäten (z.B. Wörter wie «Vater», «Student/in») bei der Selbstbeschreibung weisen auf eine höhere Distanz zum Selbst hin. In einem ersten Experiment mussten die Teilnehmenden eine klassische Aufgabe zur Messung des Selbstkonzepts machen. Sie sollten dabei bis zu 20 Aussagen über sich selbst aufschreiben. Eine Gruppe sollte die Sätze beginnen mit «Ich bin…», die andere Gruppe mit «(Eigener Name) ist…». Es zeigte sich, dass Personen abstraktere Begriffe zur Selbstbeschreibung wählten, wenn sie ihren eigenen Namen dafür verwendeten, als wenn sie in der Ich-Perspektive schrieben. Ebenfalls beinhalteten die Schilderungen weniger soziale Identitäten, wenn der eigene Name gebraucht wurde im Vergleich zur Ich-Form. Es gab also eine höhere Selbstdistanz, wenn der eigene Name gebraucht wurde als wenn aus der Ich-Perspektive geschrieben wurde. In einem zweiten Experiment wurden diese Zusammenhänge erneut gefunden. Zusätzlich zur «Ich-Bedingung» und «Eigener-Name-Bedingung» wurde jedoch auch noch eine dritte Bedingung hinzugefügt. In dieser hatten die Teilnehmenden die Aufgabe, sich in ihren besten Freund hineinzuversetzen und diesen aus der Ich-Perspektive zu beschreiben. Personen in der «Eigener-Name-Bedingung» zeigten eine höhere Abstraktheit in ihren Beschreibungen und erwähnten weniger soziale Identitäten (zeigten also eine höhere Selbst-Distanz), als in der «Freund-Bedingung». Es scheint also nicht das Gleiche zu sein, ob man über sich selbst aus einer Beobachterperspektive nachdenkt (Selbstdistanz) oder ob man über andere Personen nachdenkt (soziale Distanz). Das Phänomen des «distanced self-talk» macht deutlich, wie subtile Veränderungen der Sprache dazu führen können, dass wir unsere Betrachtung auf uns selbst verändern. Ob wir von uns selbst als «Ich» sprechen oder aber unseren eigenen Namen verwenden, beeinflusst wie wir uns selbst deuten und somit unser Selbstkonzept konstruieren.
Literatur
Gainsburg, I., & Kross, E. (2020). Distanced self-talk changes how people conceptualize the self. Journal of Experimental Social Psychology, 88, 103969. https://doi.org/10.1016/j.jesp.2020.103969
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