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02 Jun 21
Indigene aus der Arktis konfrontieren Firma in Zug – diese verweigert das Gespräch
Am Mittwochmittag hinterliessen drei indigene Vertreter aus Russland und die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine übergrosse Postkarte bei Metal Trade Overseas SA in Zug, der Schweizer Tochterfirma des russischen Rohstoffkonzerns Nornickel. Dieser verursachte vor einem Jahr eine der grössten Umweltkatastrophen in der Arktis, die eine akute Lebensmittelknappheit unter der lokalen indigenen Bevölkerung ausgelöst hat. Mit der Aktion fordert die Delegation von Metal Trade Overseas SA, Einfluss auf ihren Mutterkonzern in Russland zu nehmen, damit er Indigenenrechte respektiert und die Umwelt schützt. Metal Trade Overseas verweigert jedoch den Dialog.
Drei indigene Vertreter aus Russland und die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) besuchten am Mittwochmittag Metal Trade Overseas SA in Zug, die Tochterfirma des russischen Rohstoffkonzerns Nornickel. Sie fordern von der Firma, Einfluss auf den Mutterkonzern zu nehmen, damit dieser beim Geschäft mit Rohstoffen aus der Arktis künftig die Rechte der Indigenen respektiert. Auch soll er die massiven Umweltschäden, welche die Dieselkatastrophe vom 29. Mai 2020 auslöste, angemessen entschädigen und Massnahmen zur Verhinderung von weiterer Umweltverschmutzung treffen.
Nornickel diskreditiert indigene Aktivistinnen und Aktivisten
Zwar wurde Nornickel zur höchsten Geldstrafe verurteilt, die in Russland je für Umweltdelikte ausgesprochen wurde, und verrichtete Anfang Jahr Entschädigungszahlungen an einige Gemeinschaften. Die Entschädigungen wurden jedoch nicht an alle Betroffenen und nicht in der versprochenen Höhe geleistet. Lediglich Indigenen-Organisationen und Gruppierungen, welche dem Unternehmen gegenüber loyal eingestellt sind, erhielten eine Entschädigung. Statt mit allen betroffenen indigenen Gemeinschaften zu verhandeln, diskreditiert Nornickel verschiedene indigene Aktivistinnen und Aktivisten aufgrund ihres Einsatzes für ihre Gemeinschaften. «Unsere Vorschläge für Verbesserungen werden von Nornickel ignoriert», sagt der Delegierte und Indigenen-Leader Gennady Schtschukin.
Auch Schweizer Banken sind beteiligt
Deshalb wendet sich die Delegation nun an Metal Trade Overseas, eine Tochterfirma von Nornickel, doch bleibt sie vor verschlossenen Türen. Die Firma vertreibt das in Russland und Finnland produzierte Nickel, Kupfer und Palladium in die ganze Welt. Durch ihren Sitz in der Schweiz ist die Firma Metal Trade Overseas aber an die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen gebunden. «Die Verweigerung des Gesprächs durch die Tochterfirma von Nornickel widerspricht den Leitsätzen und wirft kein gutes Licht auf ihren Umgang mit Menschenrechtsaktivistinnen- und aktivisten», sagt Tabea Willi, Kampagnenleiterin der GfbV.
Die Indigenen-Delegation wendete sich zudem an die UBS und an die Credit Suisse, die zusammen zu den zehn grössten Kreditgebern von Nornickel gehören. Sie fordert die Grossbanken auf, bei künftigen Investitionsprojekten sicherzustellen, dass die Rechte der Indigenen berücksichtigt und ihre Mitsprache sichergestellt werden. «Wir hoffen, dass wir in der Schweiz besser gehört werden und sich die Situation der Indigenen in Sibirien dadurch endlich verbessert», sagt ein weiterer Delegierter, Rodion Sulyandziga.
Rohstoffboom in der Arktis verschlimmert Situation der Indigenen
Die Ölkatastrophe vom 29. Mai 2020 zeigt, dass die Ansprüche der indigenen Gemeinschaften auf ihr angestammtes Land, auf Selbstbestimmung und auf Mitsprache im Zusammenhang mit dem zunehmenden Rohstoffboom in der Arktis zu kurz kommen. Die Region zieht mit ihrem Ressourcenreichtum, der durch die Klimaerwärmung besser erschliessbar wird, die Aufmerksamkeit von Staaten und Konzernen auf sich. Diese versprechen sich eine lukrative Nutzung von bisher unangetasteten natürlichen Ressourcen, die nicht zuletzt für die Produktion und die Nutzung von erneuerbaren Energien und die Herstellung von Batterien benötigt werden. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Umweltverschmutzungen. So liefen Ende Mai 2020 nahe der sibirischen Stadt Norilsk 21’000 Tonnen Dieselöl in die umliegenden Gewässer und die Umwelt. Dies führte zu einer der grössten Umweltkatastrophen in der Arktis und löste eine schwere Lebensmittelknappheit unter den lokalen indigenen Gemeinschaften aus, die bis heute anhält.