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Bei Glencore ist der Putzteufel los. Im Eiltempo wird unter dem neuen CEO Gary Nagle ausgemistet. Die Altlasten des Altmanagements sollen raus, und zwar so schnell wie möglich. Der Preis dafür: eher nebensächlich. Nach einer Milliardenstrafe im Frühling wegen Korruptionsvorwürfen hat der Rohstoffkonzern nun auch mit der Demokratischen Republik Kongo einen Vergleich erzielt. Das teilte Glencore am Montag mit, einen Tag vor dem Investorentag.
Mit einer Zahlung von 180 Millionen US-Dollar entledigt sich das Baarer Unternehmen aller gegenwärtigen und zukünftigen Ansprüche, die aus «angeblichen Korruptionshandlungen» des Konzerns im Kongo zwischen 2007 und 2018 erwachsen könnten. Dies beinhalte auch Untersuchungen, die unter anderem vom US-Justizministerium und den kongolesischen Behörden durchgeführt wurden.
Im Mai dieses Jahres hatte sich Glencore bereits schuldig bekannt, in sieben Ländern Südamerikas und Afrikas – darunter dem Kongo – in Schmiergeldzahlungen verwickelt gewesen zu sein. Nach jahrelangen Ermittlungen erzielte der Konzern einen aussergerichtlichen Vergleich mit den Behörden in den USA, dem Vereinigten Königreich sowie Brasilien und wurde mit einer Busse von mehr als 1.5 Milliarden US-Dollar belegt. Zudem musste er zwei vom US-Justizministerium ausgewählte Kontrolleure akzeptieren, die drei Jahre lang die Compliance-Vorkehrungen des Konzerns untersuchen.
Die nun getroffene Vereinbarung unterliege dem kongolesischen Recht und beziehe sich einzig auf jene Vergehen, die in einer bereits früher erzielten Resolution mit dem US-Justizministerium zugegeben worden waren, teilte Glencore am Montag mit. Im Kongo betreibt der Rohstoffmulti vor allem Kupfer- und Kobaltminen. Teil der Untersuchungen waren damit auch Glencores ehemalige Verbindungen zum israelischen Geschäftsmann und Vermittler Dan Gertler, der wegen vermuteter korrupter Geschäfte mit US-Sanktionen belegt ist.
Der Israeli soll ein Freund des früheren kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila sein und als Türöffner für Glencores Geschäfte im Kongo gedient haben, wo unter anderem mehr als 60 Prozent des weltweit verfügbaren Kobalts produziert werden. Inzwischen habe man die Partnerschaft mit Gertler aber beendet, beteuerte Konzernchef Gary Nagle in einem Gespräch mit dieser Zeitung im Hebst 2021. Die Compliance-Prozesse habe man «in dieser Hinsicht deutlich verbessert».
Ob dem so ist, wird nicht zuletzt die Untersuchung der eingesetzten US-Kontrolleure zeigen. Mit seiner Ankündigung, Glencores Altlasten «möglichst schnell loszuwerden», ist es Nagle offensichtlich ernst. Laufende Verfahren gibt es noch in der Schweiz und den Niederlanden. Die hiesige Bundesanwaltschaft hatte vor rund zwei Jahren ein Verfahren gegen den Konzern wegen Korruptionsvorwürfen eröffnet, auch dort geht es um Geschäfte im Kongo.
Über den Stand der Ermittlungen ist weder von Glencore noch von der Bundesanwaltschaft etwas zu erfahren. Laut einem Insider dürfte es aber auch dort eine baldige Einigung geben – die aktuelle Vereinbarung mit den kongolesischen Behörden dürfte den Prozess beschleunigt haben. (aargauerzeitung.ch)