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Wirtschaft
Der makroökonomische Blick
Die Verfasser dieses Lehrbuchs, Michael Frenkel, Professor für Makroökonomik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der WHU - Otto Beisheim School of Management, Vallendar, Klaus Dieter John, 2014 verstorbener Professor für Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität Chemnitz und Ralf Fendel, Professor für Monetäre Ökonomik an der WHU, Mitverfasser von der 8. Auflage an, gehen von der Überlegung aus, dass Kreislaufanalyse und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung die unverzichtbare Grundlage jeglicher makroökonomischen Theorie und Politik bilden. Daran knüpfen die Autoren die Zielsetzungen dieses Lehrbuchs an: "Ein tragfähiges Fundament für makroökonomische Theorie und Politik zu legen und dabei gleichzeitig einen quantitativen Eindruck vom Wirtschaftsgeschehen in der Bundesrepublik Deutschland zu vermitteln …." (siehe Seite 1).
Das Werk besteht aus vier Teilen:
- Der erste Teil gibt vor allem einen Überblick über die Ziele und Systematik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (= VGR) und beantwortet die Frage, wofür die Daten der VGR verwendet werden. Anschließend werden zentrale Grundelemente der Kreislaufanalyse und VGR behandelt. Von elementarer Bedeutung sind die Unterscheidung von Strom- und Bestandsgrößenrechnungen, die Klassifizierung der Wirtschaftssubjekte und deren ökonomischen Aktivitäten sowie die Gliederung, Erfassung und Bewertung der zu beobachtenden ökonomischen Transaktionen.
- Der zweite Teil befasst sich mit dem Wirtschaftskreislauf, d. h. mit der Veranschaulichung der mit dem Wirtschaftsprozess verbundenen Transaktionen. Hierfür sind die Transaktionen der am Wirtschaftsleben Teilnehmenden zu systematisieren und die unterschiedlichen Wirtschaftssubjekte zu Gruppen, wie Unternehmen, private Haushalte, Staat und Ausland, zusammenzufassen. Danach werden im Rahmen der Kreislaufanalyse wichtige Beziehungen zwischen den einzelnen Transaktionen, welche als Ströme bezeichnet und zusammengefasst werden, abgeleitet und analysiert. Des Weiteren wird das Prinzip der Inlandsproduktberechnung mithilfe eines gegenüber realen VGR-Systemen stark vereinfachten Kontenschemas dargestellt. Die hier erarbeiteten Konzepte bilden den begrifflichen Rahmen und das Minimalgerüst zum besseren Verständnis für die deutlich komplexeren Rechensysteme der amtlichen Statistik.
- Der dritte Teil befasst sich mit dem Kern des in Deutschland verwendeten Gesamtrechnungssystems, der Berechnung von Inlandsprodukt und Nationaleinkommen. Die VGR in der Bundesrepublik Deutschland und damit auch das hier präsentierte Kontensystem des Statistischen Bundesamts basiert auf dem System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Vereinten Nationen (System of National Accounts, SNA) und dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG). Die sukzessive und 2014 abgeschlossene Anpassung des deutschen Gesamtrechnungssystems an das ESVG 2010 führte zu einer ganzen Reihe konzeptioneller und begrifflicher Änderungen. Beispiel hierfür ist die Ablösung des Begriffs "Bruttosozialprodukt" durch den Terminus "Bruttonationaleinkommen" und Modifikationen, die sich u. a. auch auf die Höhe des BIP auswirkten, wie z. B. die Ausweitung des Investitionsbegriffs und die umfassendere Einbeziehung illegaler und schattenwirtschaftlicher Aktivitäten. Im Mittelpunkt der weiteren Ausführungen stehen die wichtigsten Anwendungsgebiete der Inlandsproduktberechnung und die hierbei auftretenden Probleme, wie etwa die intertemporale und internationale Vergleichbarkeit von Einkommensdaten oder die Aussagefähigkeit von Inlandsprodukt und Nationaleinkommen in Hinblick auf die gesellschaftliche Wohlfahrt. In diesem Zusammenhang werden auch Verbesserungsvorschläge und Weiterentwicklungen, zum Beispiel der "Human Development Index" (HDI), der "OECD Better Life Index", die Glücksforschung und Maße der Lebenszufriedenheit sowie die Umweltökonomische Gesamtrechnung diskutiert.
- Der vierte Teil widmet sich den wichtigsten Nebenrechnungen der VGR. Während die Input-Output-Rechnung vor allem Informationen über die nationale und internationale Verflechtungen zwischen den Produktionsbereichen der Volkswirtschaft und deren Anteil an den Gesamtwerten von Produktion, Einkommensentstehung und -verwendung anbietet, erlaubt die Vermögensrechnung Einblicke in die Zusammensetzung der Vermögensbestände einer Volkswirtschaft. Mit der Finanzierungsrechnung werden insbesondere die nach Arten spezifizierten Veränderungen der Forderungen und Verbindlichkeiten in den einzelnen Sektoren in einer abgelaufenen Periode dargestellt. Das abschließende Kapitel über die Außenwirtschaftsrechnung befasst sich vor allem mit der Zahlungsbilanz, in welcher im Wesentlichen die Güter- und Kapitalströme sowie die Nettovermögenspositionen zwischen Inländern und Ausländern gegenübergestellt werden. Überlegungen zum Wechselkurs und Außenwert einer Währung sowie zu den Außenhandelspreisen und den Terms of Trade runden diesen Teil ab.
Die VGR unterliegt regelmäßigen Veränderungen, die z. B. durch den Informationsbedarf der Nutzer, durch neue Erkenntnisse zu sinnvollen Strukturen und durch die Verfügbarkeit entsprechender Daten beeinflusst werden. Die neue Auflage des vorliegenden Lehrbuchs berücksichtigt die Revision des ESVG 2010, welche insbesondere eine Reihe von Harmonisierungen und Konkretisierungen hinsichtlich der angewandten Methodik, der Konzepte und Klassifikationen sowie der Verbuchungen enthält. Neu aufgenommen wurden z. B. Themen der Messung von Finanzdienstleistungen, Alterssicherungen und Versicherungen. Darüber hinaus wurden die dargestellten Daten der VGR und die damit verbundenen Erläuterungen zu den Strukturen und Entwicklungen aktualisiert. Die Ausführungen zur Berechnung des Produktionspotentials lehnen sich an die vom Sachverständigenrat 2014 geänderte Methodik an und die Zahlungsbilanz berücksichtigt die 2014 von der Bundesbank in Anlehnung an die überarbeiteten Standards des IWF geänderte Systematik.
Der gelungene grundlegende Aufbau dieses Werkes wurde beibehalten. Den Autoren ist es in der Tat gelungen, eine für Nichtfachleute eher spröde Materie anschaulich und interessant darzustellen. Durch viele Anwendungsbeispiele und eine deutliche Herausstellung des empirischen Befundes wird zweifelsohne das Interesse am Lehrstoff erhöht. Zahlreiche Abbildungen und Tabellen unterstützen das Verständnis für Zusammenhänge und lassen auf wichtige Details zugreifen. Die in Boxen untergebrachten Textteile, welche die Ausführungen vertiefen bzw. den Charakter von Exkursen haben, wecken bzw. verstärken das Interesse und tragen, zusammen mit den am Ende jedes Kapitels aufgelisteten Schlüsselbegriffen, zum nachhaltigen Lernerfolg bei.
Dieses Lehr- und Lernbuch hat sich - nicht zuletzt wegen der kompakten und gut verständlichen Aufbereitung der VGR - zwischenzeitlich an vielen deutschen Hochschulen als Standardwerk etabliert. Es kann insbesondere den Studenten der Wirtschaftswissenschaften, aber auch den Studenten der Volkswirtschaftslehre im Nebenfach, sowohl als vorlesungsbegleitende Lektüre, als auch zum eigenständigen Selbststudium, sehr gut empfohlen werden.