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Morgen Sonntag findet die 96. Ausgabe der «Züri-Metzgete» statt. Ein Blick zurückauf die Geschichte des Radklassikers.

Vor langer Zeit: Ober legendäre Naturstrassen
hinauf zum Sigllstorfer auf 527 Meter Höhe
In Russland wütete die Cholera, in der Mongolei und Mandschurei die Pest. In Washington wurde der Pilot Claude Grahame-White verhaftet, weil er mit seinem Doppeldecker auf der Avenue vor dem Weissen Haus landete. In Paris trat die Seine über die Ufer, in Hamburg wurde der FC St.Pauli gegründet. In Zürich wurde das Kunsthaus eröffnet und der Velo-Club Westfalen hatte Schulden. Die Anzüge «aus feinstem Stoff», die sich der Verein geleistet hatte, waren besser als die Zahlungsmoral der Mitglieder, die sie trugen. Nicht alle bezahlten, einige wurden deshalb ausgeschlossen und durften bei der Fahnenweihe nicht dabei sein. Man schrieb das Jahr 1910.
Um Geld in die leere Kasse zu bringen, verband man das Edle mit dem Nützlichen und schrieb ein Rennen aus: Die Meisterschaft von Zürich. Am 8. Mai hätte sie stattfinden sollen, doch da sich beim starken Regen die Fahne nicht würdig weihen liess, wurde das Fest auf den 28. Mai verschoben.
Trompetensignale am Morgen
Start und Ziel war Schwamendingen. Der zweimal zu befahrene Rundkurs führte über Uster, Pfäffikon, Töss und Tageiswangen zurück nach Schwamendingen. 76 Fahrer begaben sich im Nebel um fünf Uhr früh auf die Strecke. Die schlechten Strassen hatten Stürze und platte Reifen zur Folge. Es war noch immer früh am Morgen, als Trompetensignale den Sieger ankündigten: Paul Suter. Der älteste der sechs Brüder aus der Gränicher Rennfahrerfamilie war erst 18. Im Jahr danach begann seine 19-jährge Profikarriere, die ihm einen Weltmeistertitel bei den Stehern eintrug. Nichts deutete darauf hin, dass an diesem 28. Mai 2010 ein grosses Rennen mit grosser Geschichte geboren wurde.
Es dauerte vier Jahre bis zur zweiten und weitere drei Jahre bis zur dritten Meisterschaft von Zürich. Richtig losging es erst, als sich der aus dem VC Westfalen entstandene Racing Club mit der Radfahrer Union und dem VC Adler zum Radfahrer-Verein Zürich zusammenschloss.
Von 1917 bis 2006 wurde das Rennen ohne Unterbruch jedes Jahr durchgeführt. Weil es auf den Naturstrassen immer wieder zu Massenstürzen kam und viele Fahrer mit blutenden Wunden das Ziel erreichten, erhielt die «MVZ» schon früh den Namen Züri-Metzgete («Das sieht ja aus wie bei einer Metzgete», soll ein Zuschauer gesagt haben, vielleicht war es auch nur, weil sich die Fahrer in diesem wichtigen Rennen nichts schenkten).
Die Züri-Metzgete überstand den Schluss des ersten und den ganzen zweiten Weltkrieg, sie überlebte (dank Sepp Voegeli und dem «Tages-Anzeiger»), als einer mit der Kasse durchbrannte und sie vor dem Konkurs stand, sie ertrug es, als sie von Serge Lang, dem «Weltcup Papst» des alpinen Skirennsports, zu einem Abstecher nach Basel gezwungen wurde, sie überstand eine Art deutsche «Besatzung» durch die Veranstalter des Hamburger Weltcuprennens. Start und Ziel verschoben sich vom Zürcher Sihlquai,zur Hardturmstrasse, dann nach Oerlikon andie Birchstrasse, die Wallisellenstrasse, auf die Offene Rennbahn und zum Utoquai am See.
Auf Sponsorensuche
Die Züri-Metzgete kämpfte oft ums Überleben und verzweifelt um Sponsoren, die Zahlen waren nicht immer schwarz, die Köpfe dafür umso roter, doch sie liess sich nicht unterkriegen - bis Floyd Landis als Tour-de-France-Sieger mit Testosteron im Urin erwischt wurde. 2007 fiel die Züri-Metzgete aus. Danach wollte sie nichts mehr mit den Profis zu tun haben. Sie zügelte nach Buchs,kehrte zurück zu Regensherger und Siglistorfer und wurde zum Rennen für die unteren Kategorien.
Die Züri-Metzgete gehörte vom Beginn weg zum Weltcup (der Preis: Statt im Frühling fand sie im Herbst statt) und zur Pro Tour. Sie war ein grosses Rennen mit grossen Siegern: Heiri Suter (sechs Mal!), Max Bulla, Paul Egli, Ferdy Kübler, Gino Bartali, Hugo Koblet, Franco Bitossi, Walter Godefroot, Roger de Vlaminck, Freddy Maertens, Francesco Moser, Didi Thurau, Giuseppe Saronni, Phil Anderson, Johan Museeuw, Maurizio Fondriest, Davide Rebellin, Paolo Bettini und - als letzter Profi - Samuel Sanchez, der spätere Olympiasieger von Peking. Nur zu gern hätte Eddy Merckx auch dazugehört.
Martin Born
Originalartikel als PDF
MVZ» Die Organisation bis heute:
|1910-67||Radfahrer-Verein Zürich

(OK-Prasident identisch mit Vereinsprasident)
|1968-76||RVZ/IG

(Präsidenten: u.a. Roll Castelnuovo und Hans Maurer)
|1977-92||«Tages-Anzeiger»-Konsortium

(Sepp Voegeli, Noldi Wehrle, Roland Hafer)
|1993-98||Sporteam Basel (Serge Lang)|
|1999-01||DPO Geneve (Daniel Perroud)|
|2002-04||Upsolut Harnburg|
|2005-06||Zori-Metzgete GmbH (Marco Canonica)|
|2008||Züri-Metzgete GmbH

(MichaelAusfeld/Bruno Hubschmid)