Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03242.jsonl.gz/889

GRÜNDER
Louis Keller-Steffen
1867–21. Januar 1934
Gründer der Druckerei und des «Bote vom Untersee» von 1892–1934
und Albina Keller-Steffen
1863–9. April 1923
Buchdrucker Louis Keller-Steffen wurde im Jahre 1867 in Zürich-Aussersihl als Sohn eines Stadtangestellten geboren, wo er die Primarschule besuchte, um nachher als Dienstjunge eine Anstellung in einer Buchdruckerei in Zürich anzutreten. Der Geschäftsinhaber wurde bald auf den aufgeweckten Burschen aufmerksam und wollte ihn, seinem rührigen Geist gemäss, einem Berufe zuführen. Aus seinem grossen Interesse und seinen Fähigkeiten zum Buchdruckerberuf, engagierte er ihn als Lehrling, um ihn nachher mit besten Kenntnissen in die Welt hinauszuschicken, wo er frohe Wanderjahre erlebte und sicher überall ein beliebter Kollege war.
In dieser weiteren Ausbildungszeit kam er auch in die Buchdruckerei Steffen in Wolhusen im Kanton Luzern, in der er eine Tochter freite, was gewiss Zeugnis von der Hochachtung ist, die er in dieser bekannten Buchdruckerfamilie genoss. Im Jahre 1892 schloss er mit ihr den Bund für das Leben und übernahm in Steckborn im Haus zum Eisenhammer an der Seestrasse, vis-à-vis des heutigen Firmensitzes die damalige Buchdruckerfiliale des Herrn Welti in Kreuzlingen. Mit einfachen Mitteln hat Louis Keller-Steffen begonnen. Eine Tigeldruckpresse mit «Fussbetrieb» musste allen Anforderungen genügen. Durch nimmermüde Arbeit, von seiner Frau tatkräftig unterstützt, die gefühlvoll mit ihrem Mann zusammenarbeitete, seine Arbeitsfreudigkeit schätzte und auch seiner Geselligkeit und Fröhlichkeit keine allzu straffen Zügel anzog, stieg die Buchdruckerei Keller-Steffen zur Blüte. So dass er sich im Jahre 1896 von der Gemeinde ein Haus, damals eine Schmiede, kaufen konnte, um dieses nieder zu reissen, um auf dem Obertorplatz, unterhalb der Stadtkirche, die Druckerei zum «Gutenberg» zu erstellen, in die er 1897 einzog.
Er verbesserte sich maschinell, verschaffte sich eine Schnellpresse und war einer der Ersten in Steckborn, der sich nach Erstellung des Elektrizitätswerkes einen Elektromotor leistete, was gewiss dafür spricht, dass er Initiative besass und mit den zeitgeistigen Anforderungen seines Berufes Schritt hielt. So konnte er von Jahr zu Jahr seine Buchdruckerei immer mehr ausdehnen.
Im Jahre 1900 rief er den «Bote vom Untersee» ins Leben, da der Bezirk Steckborn damals der einzige war, der nicht über ein Lokalblatt verfügte. Die erste Nummer vom 22. Dezember 1900 gibt klare Auskunft über die Richtlinien der Zeitung, die sein Parteiblatt war, im kurzen über Schweizerische und Weltfragen spricht, speziell aber lokale Angelegenheiten behandelt und als Insertionsorgan gewiss von jedem Gewerbetreibenden begrüsst wird.
Zu Beginn des Erscheinens der Zeitung wurde diese noch von Hand gesetzt. Louis Keller-Steffen war damals Setzer, Drucker, sowie Redaktor, wenn er sich auch, anderweitig in Anspruch genommen mit letzterer Tätigkeit mit den Jahren nicht mehr stark abgab. Er freute sich stets über den Aufstieg des «Bote». Mancher Buchdrucker, der bei ihm die Lehrzeit absolvierte, erinnerte sich dankbar seines Lehrmeisters, dem er seine Fachkenntnisse verdankte. Mit dem Einführen der Lehrlingsprüfungen wurde Louis Keller-Steffen Experte für die Buchdruckerlehrlinge und war während zehn Jahren Präsident der Lehrlingsprüfungskommission für Buchdrucker im Kanton Thurgau.
Ein schwerer Schlag war es für Louis Keller, als 1923 seine Gattin Albina Keller-Steffen starb, die ihm sieben Kinder schenkte und mit ihm gemeinsam Pflasterstein um Pflasterstein zum Aufbau des Geschäftes trug. Es schien als müsste das solide Fundament bersten. Aber es hiess «Kopf hoch» und im Geiste der Verstorbenen weiter wirken! Der Segen blieb auch nicht aus, weil ihm noch jugendliche Kräfte zur Seite standen und seine Arbeitskraft nicht entspannen liessen.
Im politischen Leben trat Louis Keller stets bürgerliche Meinung verfechtend, nicht hervor. Er war keine Kampfnatur. Liebe, Friede, Eintracht war sein höchstes Motiv. Eine Giftelei kannte er nicht und zog lieber bei jeder Streitigkeit aus. Sein gesellschaftlicher, friedfertiger Geist ist dadurch am besten ausgesprochen, dass er 35 Jahre ohne Unterbruch jeden Sonntag im Viererkollegium im friedlichen, fröhlichen Wettkampf, um Fortunas Chancen im Kartenspiel wetteiferte. Wo er auftauchte, da herrschte Freude, frohe Stimmung; es kam, wie man zu sagen pflegte, «Leben in die Bude».
Wer hätte wohl gedacht, dass Buchdrucker Louis Keller-Steffen nach wenigen Tagen Krankheit so plötzlich durch den Tod entrissen würde? Der Trauerkunde wollte niemand glauben schenken! Er, der noch nie ernstlich krank war, traute seinen Kräften allzu viel zu. Obwohl er sonntags Brustschmerzen, ein «Stechen» auf der Lunge spürte, arbeitete er weiter, stützte sich auf seine gesunde Natur, bis ihn eine Lungenentzündung innert zwei Tagen in das grosse Heer der Toten abberief, zum Schrecken seiner Angehörigen, zum Leidwesen aller, die ihn je gekannt, seine Freundschaft geniessen durften!