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Labore
EMD-Chef Rudolf Minger erteilte der Generalstabsabteilung am 2. Februar 1937 den formellen Auftrag, in Verbindung mit der Abteilung für Infanterie (Gassektion) und der KTA ein Programm für die aktive chemische Kriegführung auszuarbeiten. Damit wurde auch der Schutz der eigenen Soldaten wichtig. Dabei sowie bei der Prüfung der Kampfstoffe kam das eidgenössische Labor in Wimmis ins Spiel. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren im Auwald in Wimmis rund 1000 Tonnen selber produziertes Senfgas gelagert. Im benachbarten Lattigen wurde 1941 eine Abfüllanlage in Betrieb genommen.
Die Armeeführung forderte rund 1800 Tonnen Senfgas, um Artilleriemunition damit zu befüllen und die sechs Nebelkompanien damit auszurüsten. Gelagert werden sollte der Vorrat in Erstfeld (Anlage Ripshausen), Frutigen, Brienz und Disentis – teilweise mit eigener Geschoss-Abfüllanlage. Am 20. März 1943 informierte der General den EMD-Chef Kobelt zu Handen des Bundesrates, er sehe sich «veranlasst, von weiteren Vorbereitungen zum chemischen Krieg abzusehen». Der geringe militärische Nutzen, technische Probleme bei Herstellung und Lagerung sowie etliche Unfälle gaben dazu Anlass genug.
Im Gegensatz zu den Bemühungen, C-Waffen zu bauen, stand im Bereich der B-Kampfstoffe ausschliesslich der Schutz im Mittelpunkt. Auf die Bemühungen, A-Waffen zu fabrizieren oder zu beschaffen, wird hier nicht eingegangen. Die Labore mussten (und müssen heute) jedoch auf die Erkennung jeglicher einsetzbarer A-, B- und C-Substanzen vorbereitet sein. Verantwortlich dafür ist heute das ABC-Labor Spiez sowie die ABC-Truppen der Armee.
Zweiter Weltkrieg
Im Aktivdienst wurden Labore zur Untersuchung von B- und C-Kampfstoffen in Wimmis und später in einer leeren Fabrik in Brienz eingerichtet. Zudem waren in den drei Festungsräumen St. Maurice, Gotthard und Sargans sogenannte Festungslabore aufgebaut worden.
In St. Maurice befand sich dieses in der Sanitätsabteilung von Savatan supérieur, in Andermatt in der Anlage Teufelswand und in Sargans im Artilleriewerk Kastels.
Kalter Krieg
In der Gesamtplanung der Armee hatte die Erweiterung der bisherigen Gasdienstlaboratorien zu ABC-Labors vorerst keine Priorität. Der Bau von zwei B-Laboratorien wurde zurückgestellt. 1955 war es dann soweit: Es wurde beschlossen, ein ABC-Zentrallaboratorium bauen zu lassen. Der B-Bereich sollte Laboratorien für die bakteriologische, virologische, serologische, botanische und entomologische Forschungen sowie Kleintierstallungen umfassen. In Friedenszeiten sollte die Arbeit überwiegend an den Hochschulen geleistet und das neue B-Zentrallabor für Kurse genutzt werden. Im Kriegsfall sollte das B-Zentrallabor auf 500 Quadratmeter erweitert werden. Während das A- und C-Labor teilweise in Felskavernen gebaut werden sollte, erschien dies für das B-Labor nicht als notwendig.
Mit Bundesbeschluss vom 18. März 1959 genehmigte das Parlament einen Kredit von 2,92 Mio. Franken zum Bau von Armeelabors. Die Bauarbeiten dauerten bis 1962; 1964 bewilligte das Parlament einen Ausbaukredit von weiteren 3,97 Mio. Franken. Das Projekt wurde 1968 fallen gelassen und gemeinsam mit der Gruppe Rüstung ein neues AC-Zentrum in Lattigen geplant, das AC Labor Spiez. Am 17. Juni 1974 genehmigte das Parlament den dafür benötigten Kredit von 74,2 Mio. Franken, am 22. Mai 1981 erfolgte die Einweihung.
Mitte der 1950-er Jahre war also klar, dass die A- und B-Zentrallabore (Kriegslabore) in der Anlage «Mad» in Gstaad untergebracht werden sollten. Die Diskussion drehte sich dann darum, dass dort – im ehemaligen KP der 1. Division – aber zu wenig Platz für das C-Labor vorhanden war. Mit der fortschreitenden Waffenentwicklung ging man zudem davon aus, dass künftig noch mehr Platz für die Labors benötigt würde. Fazit: Das C-Labor sollte in der neu aufgebauten Anlage Mitholz integriert werden.
In einem Sitzungsprotokoll von 1955 ist aufgeführt, welche Überlegungen man machte und welche Entscheidungen man traf. Darin ist u.a. zu lesen für den Standort Blausee:
- Platzbedarf für C-Labor 600 Quadratmeter
- Eigener Eingang, um unabhängig arbeiten zu können
- Separate Lüftung, da die verwendeten Substanzen «nicht ungefährlich» seien
- Arbeitsplätze in Baracken vor der Felsenanlage, da man erst im Notfall unter Tag gehen wollte.
Das Fazit der Diskussionen: In Gstaad wurde zusätzlich Raum geschaffen, und der Standort Mitholz fallen gelassen. Angesichts der heute bekannten Fakten, wieviel verschüttete Munition in einem Teil der Anlage Mitholz noch liegen (ca. 3500 Tonnen), hätte eine Explosion in unmittelbarer Nähe zu einem ABC-Labor mit Kampfstoffen-Proben schreckliche Ausmasse annehmen können.
Quellen
- Rainer von Falkenstein, Vom Giftgas zur Atombombe. Die Schweiz und die Massenvernichtungswaffen von den Anfängen bis heute, Baden, Verlag Merker, 1997
- Peter Hug, Biologische und chemische Waffen in der Schweiz zwischen Aussen-, Wissenschafts- und Militärpolitik (Amtsdruckschriften)