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Afrika ist nicht gerade der Ort, an dem man Pinguine erwarten würde. Aber eine Art lebt heute noch entlang der südlichen Küste. Neue Fossilienfunde bestätigen, dass bis zu vier Pinguinarten einst in Afrika zu finden waren. Warum aber die Zahl von vier auf eine Art gesunken war, ist immer noch ein Rätsel. Forscher vermuten, dass Änderungen des Meeresspiegels dafür verantwortlich waren.
Diese neuen Funde sind die ältesten Beweise für die kleinen, kultigen Seevögel in Afrika und sind rund 5 – 7 Millionen Jahre älter als die bisherigen Funde. Zwei der Autoren der Studie, Daniel Thomas und Dan Ksepka fanden die Fossilien, die rund 10 – 12 Millionen Jahre alt sind, vor knapp drei Jahren, als sie in der Nähe von Kapstadt (Südafrika) Felsen und Sedimentgestein durchsucht hatten. Zusammen mit Haizähnen und anderen Fossilien fanden die Forscher 17 Knochenfragmente, die sie als Teile von Wirbelsäulen, Brustbeine, Flügel und Beinen von mehreren ausgestorbenen Pinguinarten identifizierten. Basierend auf den Knochenfunde konnten die Wissenschaftler erkennen, dass diese Arten beinahe die gesamte Bandbreite an Körpergrössen abdeckten: vom kleinen, rund 30 cm grossen Zwerg bis zum grossgewachsenen, etwa 90 cm grossen Riesen.
Heute findet man nur noch eine Pinguinart in Afrika, den Brillenpinguin (Spheniscus demersus), ein naher Verwandter des Magellan- (Spheniscus magellanicus), des Humboldt- (Spheniscus humboldti) und des Galapagos-Pinguins (Spheniscus mendiculus) und bekannt für sein Esel-artigen Laut. Es ist jedoch immer noch nicht geklärt, warum die Artenvielfalt der Pinguine in Afrika so stark abgenommen hatte. Lücken in den Fossilfunden machen es sehr schwierig, herauszufinden, ob das Aussterben sehr schnell oder graduell stattgefunden hatte. «Da wir nur Fossilien aus zwei Zeitabschnitten haben, ist es als ob man nur zwei Bilder eines ganzen Filmes sieht», erklärt Dan Ksepka. «Wir haben eine Aufnahmen von vor 5 Millionen Jahren und eine von vor 10-12 Millionen Jahren. Alles dazwischen fehlt aber noch.» Menschen sind sehr wahrscheinlich nicht schuld, meinen die Forscher, da nur noch eine Pinguinart existierte, als die Menschen das südliche Afrika erreicht hatten.
Eine wahrscheinlichere Möglichkeit ist, dass die steigenden und sinkenden Meeresspiegel verantwortlich waren, indem sie sichere Nistplätze zerstörten. Denn obwohl Pinguine die meiste Zeit ihres Lebens auf dem Meer verbringen, sind sie von küstennahen Inseln abhängig, wo sie ihre Nester bauen und ihre Jungen aufziehen. Die Rekonstruktion der Landoberfläche legt nahe, dass vor 5 Millionen Jahren, als mindestens noch 4 Pinguinarten in Afrika beheimatet warten, der Meeresspiegel an der südafrikanischen Küste bis zu 90 m höher lag als heute. Tiefliegende Gebiete waren unter Wasser und die Region war eine Labyrinth von Inseln. Mehr Inseln bedeutete mehr Strände, wo die Pinguine brüten konnten und sicher waren vor den Räubern des Festlandes. Aber der Meeresspiegel liegt viel tiefer und die einst abgelegenen Inseln sind durch neu entstandene Landbrücken mit dem Festland verbunden. Dadurch sind wohl die Brutgebiete zu weit vom Meer entfernt gewesen und auch zum Ziel von Raubtieren vom Festland geworden.
Obwohl Menschen mit dem ursprünglichen Aussterben der Pinguinarten in Afrika wohl nichts zu tun hatten, spielen wir heute eine Schlüsselrolle für das Schicksal der einzig verbliebenen Art, fügen die Forscher in ihrer Arbeit an. Die Zahl der Brillenpinguine ist in den letzten 50 Jahren um 80 Prozent zurückgegangen und 2010 wurde die Art als «vom Aussterben bedroht» erklärt. Der Rückgang ist in erster Linie der Ölverschmutzung und dem Überfischen der Sardinen- und Sardellenschwärme, die Hauptnahrungsquelle der Brillenpinguine, zuzuschreiben. Daniel Thomas erklärt zum Schluss: «Es gibt nur noch eine afrikanische Pinguinart heute... und es liegt an uns, sie vor Schaden zu bewahren.»
Quelle: National Evolutionary Synthesis Center
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