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Zwei weisse Füchse streifen durch die Wälder von Baar

Das Lorzentobel (Kanton Zug) ist ein Bachtal mit sehr steilen und feuchten Mischwaldstrukturen und reichlichem Unterwuchs, das sich zwischen Neuägeri und der Gemeinde Baar hinzieht. Hier haust eine Fuchsfähe mit 9 Welpen, davon zwei mit weissem Balg.
Weisse Füchse kennt man eigentlich nur aus der Polarregion. Bei den Jungfüchsen aus dem Baarer Wald handelt es sich aber vermutlich um zwei ganz normale Jungtiere, die einfach einen Gendefekt aufweisen und daher ein weisses Fell haben. Ihre Geschwister weisen nämlich ein ganz normales fuchsrotes Fell auf. In der Fachsprache sagt man den weissen Füchsen «Weisslinge», denn im Gegensatz zu den so genannten Albinos (rote Augen) haben die Weisslinge ganz normale Augen.
Ich kenne diesen Fuchsbau seit 25 Jahren. In all den Jahren waren nur sechsmal Füchse dessen Bewohner, in den übrigen Jahren waren es meist Dachse, die hier residierten.
Diesen Frühling war ich mir bereits anfangs April bewusst, dass dieser Bau eine Fuchsfamilie beherbergt. Nach unzähligen Stunden erfolglosen Abwartens war die Freude umso grösser, als 9 Welpen mit der Fähe auf dem Bau erschienen. Der Anblick zweier weisser Fuchswelpen erweckte in mir ein Gefühl, das ich gar nicht beschreiben kann. Sicherlich für jedermann nachvollziehbar, der sich mit der Natur verbunden fühlt.
Für eine Fähe, die gleich 9 Welpen zu versorgen hat, ist es sehr schwierig, alle mit Nahrung zu versorgen. Bei diesem Wurf ist die körperliche Verfassung jedes einzelnen Welpen deutlich auszumachen. Es zeigt sich, dass sich das Geheck aus drei ganz gut, drei mittelmässig und drei schlecht entwickelten Welpen zusammensetzt. Zu den drei schlecht Entwickelten zählen auch die zwei Weisslinge.
Eines Abends, kurz vor dem Dunkelwerden, erblickte ich die Fähe mit einer weissen Beute im Fang. Ein Huhn konnte es wohl nicht sein, mangels Volumen. Ich dachte zu erst an ein weisses Stallkaninchen. Doch falsch geraten, es war einer der weissen Fuchswelpen, der offenbar die Kraft nicht aufbrachte, den Erdhügel vor dem Fuchsbau zu erklimmen. Sicherlich auch ein Zeichen körperlicher Schwäche.
In der zweiten Maiwoche hat die Fuchsfamilie ihre Behausung verlassen und ist in den dichten Unterwuchs im Wald umgezogen. Sie werden nie mehr ins Höhlensystem ihrer ursprünglichen Behausung zurückkehren. Ob alle Neun weiter gut heranwachsen ist äusserst fraglich, aber zu hoffen.