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Dr. Sibylle Marti, Ambizione-Projekt
Das Forschungsprojekt untersucht die Wissenssysteme und Wissensbestände über nicht oder kaum regulierte Arbeit seit 1970 und beleuchtet, wie das neu entstehende Wissen Vorstellungen und Politiken der Regulierung, Deregulierung und Nicht-Regulierung von Arbeit prägte.
Ab 1970 trieben insbesondere internationale Organisationen wie die ILO oder die OECD zahlreiche Projekte und Programme voran, um nicht oder kaum regulierte Arbeit sozialwissenschaftlich zu erforschen, statistisch zu erfassen und volkswirtschaftlich zu berechnen. Das Forschungsprojekt untersucht dieses neue Arbeitswissen und fragt danach, wie es produziert wurde, wie es zwischen globalen und lokalen Kontexten zirkulierte und wie es Eingang in unterschiedliche Politik- und Gesellschaftsfelder fand. Im Zentrum der untersuchten Debatten, Problematisierungen und Deutungen stehen die beiden Konzepte der informellen und der prekären Arbeit, wobei der Begriff der Informalität häufiger im globalen Süden, derjenige der Prekarität eher im globalen Norden verwendet wurde. Trotz gemeinsamer Bezugspunkte und Austauschbeziehungen wurde die Geschichte informeller und prekärer Arbeit bisher weitgehend losgelöst voneinander erforscht. Das Forschungsprojekt bringt deren Geschichte zusammen.
Das Forschungsprojekt verbindet Impulse und Ansätze der neueren Kapitalismusgeschichte mit der Wissensgeschichte der Ökonomie und der (Global-)Geschichte der Arbeit. Indem es die Geschichte der Herausbildung und Entwicklung von Wissensbeständen über informelle und prekäre Arbeit miteinander verknüpft, erhellt das Forschungsprojekt bislang kaum beachtete Relationen zwischen Arbeitsvorstellungen, -deutungen und -politiken aus dem globalen Süden und dem globalen Norden.