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Es ist das rote Haus am Fluss», sagt Marc Faber am Telefon. Im Osten von Chiang Mai, der mit rund 150000 Bewohnern zweitgrössten Stadt Thailands, hat sich der Schweizer Börsenguru und Crash-Prophet vor mehr als sechs Jahren niedergelassen. Hier erwarb er 1997 nach der Asienkrise aus einer Zwangsversteigerung günstig ein Anwesen mit gut 8000 m2 Land. Die Lage am Fluss ist bevorzugt und erzielt einen höheren Wert als jene ohne Zugang zum Wasser. Gekauft hat er das Grundstück aber nicht als Finanzanlage, wie er betont, sondern weil ihm die Stadt und ihr Klima gefällt. Die durchschnittliche Temperatur liegt bei rund 26 Grad, die satt-grüne Vegetation zeugt von regelmässigen Niederschlägen und fruchtbaren Böden.
Türe aus Kirche, Schalter aus Bank
Die Begrüssung vor Ort erfolgt ohne den Hausherrn. Zwei chinesische Wächter in kommunistischer Uniform verneigen sich vor den Besuchern und empfangen lächelnd die Gäste. «Die Figuren sind eigentlich ein Witz und dienen nur der Verzierung», wird Faber später über die beiden Holzskulpturen an der Eingangstüre berichten. Im «Ritz Carlton» in Singapur habe er ähnliche Wächter entdeckt. Seine Frau hat die Skizzen gezeichnet und ein Künstler aus Chiang Mai daraus die Figuren geschaffen.
Die Türe öffnet sich, im Eingang erscheint Faber in T-Shirt und Jeans. Wie üblich ist der Zugang zur Villa nicht abgeschlossen. «Die Kriminalität in Thailand ist im Vergleich zu anderen Ländern der Region gering», begründet der langjährige Asienkenner. Sollte jemand trotzdem auf falsche Gedanken kommen, so dürften zwei Rottweiler, die Fabers Besitztum bewachen, diese schnell wieder zerstreuen.
1973 ist der Zürcher erstmals für seinen damaligen Arbeitgeber nach Asien gereist. Drei Wochen hatte er Zeit, um die Region kennen zu lernen, in der er danach während mehreren Jahren leben und das Asiengeschäft für eine Investmentbank aufbauen sollte. «Ich habe einen Tag in Tokio und einen in Hongkong verbracht, die restliche Zeit war ich auf Pataya», erinnert er sich. Anschliessend habe er zugesagt. Zurückkehren wollte Faber nicht mehr, auch wenn er, der sich im Innersten noch immer als Schweizer bezeichnet, regelmässig einige Tage in seiner alten Heimat verbringt. Nicht nur das Potenzial von Asien hat es dem ehemaligen Skirennfahrer angetan, auch die grosse Gewerbe- und persönliche Freiheit beeindruckten ihn. «Obwohl viele Staaten nach wie vor Diktaturen sind, ist man hier freier als in der Schweiz», so Faber.
Acht mächtige Säulen aus Teakholz prägen die Front von Fabers Arbeits- und Wohnhaus, welches im Jahr 2002 fertig gestellt wurde und gut 500000 Fr. gekostet hat. Ein einfaches Haus kann in Thailand zum Vergleich bereits ab 20000 Fr. erworben werden. Die Baumstämme habe er erstanden, noch bevor die Pläne für seine Residenz fertig gezeichnet waren. Neben den Säulen stechen zwei hölzerne Fenster und ein pompöses Eingangstor ins Auge. Bei den Fenstern handelt es sich um antike Bankschalter, das Tor kommt aus einer Kirche in Indien. «Das Haus habe ich um diese Objekte gebaut, die ich weltweit bei Antiquitätenhändlern erworben habe», erklärt Faber, der die Bauarbeiten in Chiang Mai zum Teil persönlich überwacht und seine Ideen bei den Architekten durchgesetzt hat.
Die Bankschalter sind ein Hinweis auf den Finanzexperten, der das Gebäude bewohnt. Das Kirchentor als Symbol einer gelebten Religiosität funktioniert dagegen nicht. «Ich halte die Bibel für ein interessantes Geschichts- und Philosophiebuch», sagt der 62-Jährige. An ein Leben nach dem Tode glaubt er jedoch nicht.
Mao-Wette ist aufgegangen
Wenn überhaupt, scheint Faber eher dem chinesischen Kommunistenführer Mao Zedong zu huldigen. Durch das Tor tritt man direkt in das Arbeitszimmer des Wirtschaftsexperten, welches problemlos als Museum durchgehen könnte. An den Wänden des gut 200 m2 umfassenden Zimmers hängen zahlreiche Poster des 1976 verstorbenen Revolutionsführers. Daneben schmücken Mao-Büsten sowie unzählige Plaketten und Keramiken mit Maos Antlitz den Raum. «Eigentlich empfinde ich keine besondere Faszination für den ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas, auch wenn er für die Einigung des Landes wichtig war», erklärt Faber. Dass er mit 3000 Postern, zahlreichen Büchern und 330000 Plaketten wahrscheinlich die weltweit grösste Sammlung an Mao-Memorabilia besitzt, hängt vielmehr mit einem gezielten Investmententscheid zusammen.
Noch zu Lebzeiten des Revolutionsführers begann Faber mit dem Kauf von Mao-Fanartikeln, in der Erwartung, dass die Devotionalien nach dessen Tod nicht mehr produziert, und deshalb bei Sammlern gesucht sein würden. Die Wette ist aufgegangen. «Die Poster habe ich für umgerechnet 40 Rappen das Stück gekauft, während die Bezahlung der Plaketten gar nach Gewicht erfolgte», entsinnt sich Faber. Angesichts eines Wertes von über 10 Mio Fr., der für die Sammlung gelöst werden könnte, bezeichnet er sie als sein bestes je getätigtes Investment.
Auf Mao folgten weitere Kommunistenführer wie Marx, Engels oder Lenin, die nun ebenfalls sein Arbeitszimmer schmücken. Daneben finden sich in der fast 25 m hohen Galerie einzelne, zum Teil kurio- se Erinnerungsstücke: Faber in jungen Jahren in kommunistischer Uniform, mit dem «Wall-Street-Journal» vom Black Monday vor dem Ortsschild in Fabertown, sowie von Che Guevara, James Dean und Guns n Roses. «Dieser Teil ist nicht mehr allein den Kommunistenführern gewidmet, sondern enthält Andenken an Dinge, die mein Leben geprägt haben», erklärt der langjährige Vermögensverwalter.
Doch nicht nur Mao-Memorabilia haben es dem Herausgeber des Anlagereports «The Gloom, Boom & Doom Report» angetan. In 5 m hohen, eigens gefertigten Bücherregalen, stapeln sich Erstausgaben klassischer Ökonomen wie Adam Smith oder David Ricardo. Hier befinden sich auch seine Schreibtische, an denen Faber mehrere Stunden beim Lesen einschlägiger Finanzliteratur, dem Studium von Anlagereports und volkswirtschaftlichen Essays verbringt. In dieser Ecke hält er sich am liebsten auf, besonders nachts, wenn er durch niemanden gestört wird. Sein Arbeitstag beginnt folglich erst um 11 Uhr, endet dafür weit nach Mitternacht. «Die fehlende Ruhe war mit ein Grund, weshalb ich nach Chiang Mai gezogen bin», fügt er hinzu. Schliesslich habe er an seinem Firmensitz in Hongkong regelmässig Besucher empfangen müssen, die auf der Durchreise in Asien waren. Im Norden Thailands fallen die Empfänge nun deutlich seltener aus.
Chinesische Einflüsse überwiegen
Der Blick von Fabers Schreibtisch aus führt über einen 6 m langen, massiven Holztisch, vorbei an zwei Baumstämmen aus Teakholz, welche die Last des Daches einschliesslich einer Warte tragen, bis hin zur Treppe, die das Arbeitszimmer mit dem Bad und den Schlafgemächern im oberen Stockwerk verbinden. «Beim Bau habe ich grossen Wert auf die Ventilation gelegt, da es in Chiang Mai während des Tages sehr heiss werden kann», erklärt Faber. Nun sorgen hohe Räume und geschickte Belüftungsschächte für ein angenehmes Klima im Haus.
Den Stil seines Anwesens kann Faber nicht genau definieren, wenngleich die chinesischen Einflüsse überwiegen. Thailändische Elemente sind dagegen rar. «Das Haus sollte einen würdigen Rahmen für meine Memorabilia-Sammlung bieten», begründet der Börsenguru.
Die übrige Einrichtung der Villa war dann aber mehrheitlich ein Gemeinschaftswerk der Familie. Zahlreiche Gegenstände hat seine Frau beigesteuert, mit der Faber seit 28 Jahre verheiratet ist. «Sie verfügt über ein handwerkliches Flair und ist künstlerisch begabt», sagt er. So war seine Gattin für die Beleuchtung des Holztisches zuständig, hat die Badewanne entworfen oder zahlreiche Lampen geschaffen, die das Gebäude in warmes Licht tauchen. Und auch seine 26-jährige Tochter hat beim Hausbau Hand angelegt und das Geländer zum Aufgang gezeichnet.
Trotz seines Reichtums habe er seine Lebensart seit seinen Jugendjahren kaum verändert, sagt Faber. Wie zu den Studentenzeiten fährt er vorwiegend mit dem Motorrad aus, besucht Bars und frönt dem Lustprinzip. Auf seine Gesundheit achtet er dagegen wenig. «Nur wer glücklich ist, kann auch Erfolg haben», erklärt der Anlageexperte, der mit Investitionen in Asien, Russland oder zuletzt in Gold sein Vermögen aufgebaut hat. Inzwischen hat er seine Unabhängigkeit erreicht und braucht sich nicht mehr in Grossunternehmen zermürben zu lassen. Er arbeitet heute noch als Hobby, mit dem er Geld verdient und wo er Anerkennung erntet. «Obwohl ich kein Geld mehr verdienen müsste, brauche ich das Erfolgsgefühl», so der Börsenprofi.