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Bei mir hat nicht das Freitagstexterbild der zusammenklappbaren Notbrücke ein Gedankengewitter ausgelöst, sondern die Ankündigung einer Freundin, sie fahre nach Porto in die Ferien. Obwohl ich noch nie in Portugal war, kam mir das tief eingeschnittene Dourotal in den Sinn sowie eine hohe Brücke mit einem aufgehängten Stück Fahrbahn, das Menschen und Autos vom einen zum anderen Ufer hinüberfährt — eine ebenso kuriose „Brücke“ wie die niederländische „Uitvinding“ auf dem Freitagstexterbild.
Eine Internetrecherche ergab jedoch, dass oben und rechts abgebildete „Brücke“ oder aufgehängte / fahrende Strasse oder wie immer man dieses technische Kuriosum*) bezeichnen soll, sich nicht in Portugal befindet, sondern in Portugalete, einer Stadt im spanischen Baskenland, ein paar Kilometer flussabwärts von Bilbao. Die Konstruktion löst ein technisches Dilemma: Die Flussufer in Portugalete sind so dicht bebaut, dass es nicht möglich war, Rampen für eine hohe Brücke zu erstellen. Eine niedere Brücke hätte andererseits verhindert, dass auch grössere Schiffe noch passieren und flussaufwärts fahren können. Die Kombination von hoher Brücke mit niederen Rampen hat allerdings einen gravierenden Nachteil: Die Fahrbahn ist nicht durchgängig.
Als wir über Porto sprachen, hatte ich aber eine andere Brücke vor meinem geistigen Auge:
Entworfen hat diese zweistöckige Brücke (oben Metro / unten Strasse) aber nicht Gustave Eiffel, sondern sein Kollege, Ingenieur Théophile Seyrig. Dieser wiederum hatte ein paar Jahre früher an einer Eisenbahnbrücke mitgearbeitet, die 500 Meter flussaufwärts ebenfalls den Rio Douro überquert:
Der Ponte Maria Pia war damals ein technisches Wunderwerk. Théophile Seyrig und Gustave Eiffel gewannen den von der königlichen Eisenbahngesellschaft Portugals ausgeschriebenen Wettbewerb, weil sie die Brücke dank in ihrer Fabrik vorfabrizierten Teilen zu einem Drittel der Kosten der Konkurrenz offerieren konnten. Heutzutage sind die Wunderwerke aus der Ära Eiffel (wie das blaue Wunder in Dresden) gefährdet, weil das Material ermüdet und diese Stahlkonstruktionen altersschwach werden.
Im Gedankengewitter hat mein Gedächtnis aus drei Brücken eine gemacht: eine von Eiffel gebaute Brücke, die in Porto mittels einer aufgehängten Fahrbahn den Fluss überquert – how funny!
Harmonicabrug
Doch zurück zum Freitagstexterbild: Erfunden hat die „Harmonicabrug“ der Niederländer L. Deth und zusammengeklappt lässt sie sich bequem mit einem Handwagen abtransportieren. Das 1926 entstandene Freitagstexterbild stammt aus der Ausstellung Made in Holland, die vom 19. Dezember 2009 bis zum 21. März 2010 in der Kunsthalle Rotterdam zu sehen war. In dieser Ausstellung präsentierte das niederländische Nationaal Archief in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Delft vielfältiges Material zu holländischen Erfindungen und Innovationen.
Die Gedankengewitter zu Kuriositätenbrücken in Spanien, Portugal und Holland sind zu Ende, die Gewitterwolken haben sich verzogen und im Sonnenlicht erstrahlt der Pokal:
Die Jury hatte es nicht einfach, denn alle elf Vorschläge, die eingegangen sind, haben ihren Reiz. Schliesslich hat sie fünf Vorschläge in die zweite Runde genommen:
- Hele mit Coco Chanels einfallsreichen Hutmodenschau auf der Klappbrücke,
- Nehalennias Bemerkung über die Niederländer, die schon 90 Jahre vor dem letztjährigen ESC-Motto Brücken bauten,
- Wortmischers Casting für „Indiana Jones und die Brücke an der Gracht“,
- Poppkörnchens aktueller Werbespot für Mossack Fonseca, deren lukratives Geschäftsmodell grad den Panamakanal runtergeht, sowie
- Vielfrass mit Peter Maffays Videodreh zu seinem Sieben-Brücken-Ohrwurm.
Nach so vielen kuriosen Brücken in dieser Ausgabe des Freitagstexters kann der Pokal eigentlich nur an einen gehen. Nämlich an Vielfrass, der mit seiner Bildlegende zu Peter Maffays Videodreh an den schrecklichen Ohrwurm von 1980 erinnert, der inzwischen wohl etwas in Vergessenheit geraten ist. Ich habe übrigens nie verstanden, warum der oder die Besungene über sieben Brücken gehen muss, aber sei’s drum — mit einer portablen „Harmonicabrug“ wäre es den Brückenphobikern in Maffays Publikum vielleicht eher gelungen, die sieben Gräben zu überwinden…
Herzliche Gratulation an Vielfrass!
Und hier geht’s zum nächsten Freitagstexter:
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