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Sie ist Absolventin der renommierten Rechtswissenschaften der Universität Yale, war langjährige Juristin, US-Senatorin, Aussenministerin unter US-Präsident Barack Obama: Sie, die ehemalige First Lady Hillary Rodham Clinton, hat eine eindrucksvolle politische und berufliche Karriere hinter sich – und polarisierte stets in der Öffentlichkeit.
Als First Lady immer auch Diplomatin
Hierzulande wurde die heute 68-Jährige aus Chicago Anfang der 90er Jahre als Gattin des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton bekannt. Sie war die erste First Lady mit einem höheren Universitätsabschluss und einer eigenen, erfolgreichen Karriere bis zum Einzug ins Weisse Haus – und hatte auch ein eigenes Büro im westlichen Flügel, der sonst für politische Mitarbeiter rund um den Präsidenten reserviert ist.
Als First Lady besuchte Rodham Clinton 79 verschiedene Länder, viele davon ohne ihren Ehemann, dafür mit ihrer Tochter Chelsea. Dabei zog sie oft geschickt die Fäden der US-Diplomatie – hielt sich aber auch nicht mit scharfen Äusserungen zurück. So engagierte sie sich in den späten 1990er-Jahren für die Frauen in Afghanistan, die von den Taliban entrechtet worden waren. Sie gehörte zu den schärfsten Kritikerinnen der Islamisten-Miliz.
«Zwei zum Preis von einem»
Ihre selbständige und aktive Art wurde ihr von Kritikern oft angekreidet. Man nannte ihr ausgelassenes Lachen zu schrill, ihre Wesen zu extrovertiert, ihre Frisuren zu wenig geschmackvoll und ihre Kleidung zu wenig modebewusst.
Doch Rodham Clinton war stets immer mehr als eine Präsidentengattin. Während Bill Clintons Präsidentschafts-Wahlkampf versprach er selbst: «Ihr bekommt zwei zum Preis von einem.»
Zuerst bei den jungen Republikanern
Schon in der Schule tat sie sich hervor. Sie galt als Streberin – und bereits als politisches Talent; engagierte sich bei der Schülerzeitung und bei Schülerorganisationen. An der Universität Wellesley trat die Politikstudentin – als Tochter einer konservativen Familie – erst den jungen Republikanern bei.
Ihre politischen Ansichten änderten sich jedoch während des Vietnamkrieges und nach der Ermordung von Martin Luther King. Später sollten Kinderrechte, Familien- und Gesundheitspolitik zu ihren juristischen und politischen Kernthemen gehören.
Erfolgreiche Juristin in der Anwaltskanzlei
1971 lernte Hillary Rodham in der Bibliothek von Yale Bill Clinton kennen. Sie soll zu ihm gesagt haben: «Wenn du mich noch länger anstarrst, kann ich dich genauso gut einfach ansprechen.» Mehrmals schlug sie seinen Heiratsantrag aus, zog mit ihm jedoch nach Arkansas. Schliesslich willigte sie doch noch ein, behielt aber ihren Nachnamen aus beruflichen Gründen vorerst.
Fünfzehn Jahre lang arbeitete sie erfolgreich als Juristin bei einer grossen Anwaltskanzlei; 1979 wurde sie als erste Frau Partnerin im Unternehmen – und verdiente lange Zeit mehr als ihr Ehemann.
Starke Beliebtheit während Lewinsky-Affäre
Es wäre nicht fair, sie als dekorative Gattin am Arm eines Ex-Präsidenten zu sehen. Dass sie und Bill Clinton beruflich, politisch und menschlich viel verbindet, ist klar. Als er über die Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky stolperte, hielt sie zu ihm und stellte die Politik in den Vordergrund – ohne zu verhehlen, dass sie als Partnerin sehr verletzt war.
In ihren Memoiren beschreibt sie die Reaktion auf sein gebeichtetes Verhältnis: «Ich konnte kaum atmen. Ich schnappte nach Luft, begann zu weinen und schrie ihn an.» Der Umgang mit der Affäre liess ihre Beliebtheit in den USA erstarken: Sie präsentierte sich als menschlich und professionell zugleich.
Statistiken und «Downtown Abbey»
Heute vermischt sie geschickt ihre Rolle als Mutter und Ehefrau mit den politischen Themen, für die sie einsteht. Bei ihren Bildungskampagnen betont sie, dass sie jeden Abend ihrer Tochter Chelsea, die 1980 geboren wurde, vorgelesen habe.
In den sozialen Medien präsentiert sie einen guten Mix von «weichen» und «harten» Themen, outet sich als Fan der Serie «Downtown Abbey», postet alte Bilder von sich und ihrer Familie, twittert Statistiken und klare Statements. Hillary Clinton inszeniert sich als stark, witzig, fokussiert, spontan.
«The lady in the pantsuit»
Sie ist ein Arbeitstier mit Schalk in den Augen. Wenn sie einen Diplomaten angelobt und sich dabei eine grün-violett glitzernde Plastikbrille aufsetzt, bricht der Saal in Gelächter aus. Die Führung charmant zu übernehmen, ohne jemandem die Show ganz zu stehlen, könnte durchaus von einigem Geschick zeugen.
Auch ihre Selbstironie weiss Hillary Clinton, die einst im Watergate-Fall bei der Amtsenthebung von Richard Nixon mitwirkte, einzusetzen.
Auf die Anspielungen, dass sie nicht modisch oder feminin genug auftritt, antwortet sie mit ihrer Selbstbezeichnung als «the lady in the pantsuit» – «die Dame im Hosenanzug». Auf Twitter stellt sie sich nebst ihren politischen Bezeichnungen als Hundehalterin und «Frisur-Ikone» vor.
Mit Obama, gegen den sie 2008 knapp verlor, pflegt Clinton ein freundschaftliches Verhältnis, bei dem auch Neckereien durchaus erlaubt sind. Doch trotz ihres Schalks und ihrer Netzwerk-Affinität ist Hillary Rodham Clinton eine Politikerin, die weiss, wie sie sich auf der Weltbühne zu bewegen hat. Dass sie einen langen Atem hat, hat sie bereits bewiesen. Nun könnte sie tatsächlich die erste US-Präsidentin aller Zeiten werden.