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Zunächst sollte daran erinnert werden, wie die Idee für dieses Rennen auf der Strecke von Santerno entstand. Francesco „Checco" Costa, der Vater von Dr. Claudio Costa (Erfinder der Mobilen Klinik) war der wahre Vorreiter dieses Wettkampfs, der spezifisch solchen Rennmotorrädern vorbehalten war, die auf aus der Produktion stammenden Motorrädern basierten. Hierbei handelte es sich um eine Idee, die direkt aus den Vereinigten Staaten „importiert" wurde, wo man bereits das berühmte 200 Meilen-Rennen von Daytona organisierte, das Tausende von Anhängern anzog und das unter anderem auch die Teilnahme europäischer Rennfahrer und Motorradhersteller sah.
In Europa gab es bisher noch keinen ähnlichen Wettkampf und Checco Costa war schließlich derjenige, der entschied, dieses Rennen erstmals auf der Strecke Imolas zu organisieren. Einer Strecke, die bereits durch den „Coppa d'Oro Shell" (goldener Shell-Pokal) für Autos und Motorräder sowie aufgrund der Endurance-Rennen für Autoprototypen wie den Ferrari 512, Ford GT40 und den Porsche 917 berühmt war.
Diese neue Wettkampfform stieß auf großes Interesse, insbesondere bei den Herstellern, die gerne daran teilnehmen wollten. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang, dass die „Invasion" der japanischen Maximotorräder damals erst seit Kurzem ins Rollen gekommen war und dieser europäischen Hersteller sich dazu gezwungen sahen, sich der Ankunft der leistungsstarken Mehrzylindermaschinen aus Japan, sowohl was die Produktion als auch was den Verkauf anbelangte, entgegen zu stellen. Damals boten nur die britannischen Hersteller wie Norton, Triumph und BSA Mehrzylinder-Motorräder an, deren Leistungen bis zu 500 und 700 cm3 reichten. In Italien produzierte damals nur Moto Guzzi ein Modell mit entsprechend großem Hubraum und MV Agusta, Aermacchi, Laverda, Benelli, Moto Morini und Ducati zogen dann nach, indem sie Modelle präsentierten, die in Bezug auf die Verkäufe in irgendeiner Weise der extremen Vormacht der japanischen Motorräder den Kampf ansagen konnten.
MV Agusta war bereits die unbestrittene Königin der 350er und 500er-Klassen, während die anderen Hersteller sich gezwungenermaßen auf Modelle konzentrieren mussten, die im technologischen Sinn so ausgelegt waren, dass man damit auf die Rennstrecke gehen konnte. Bis 1970 bot Ducati ausschließlich Einzylinder-Motorräder mit Hubraumgrößen von 250, 350 und 450 cm3 an und verbaute bereits ab 1967 in einigen von ihr hergestellten Modellen die desmodromische Ventilsteuerung. Im Jahre 1971 stellt Ducati schließlich die 500 GP vor, das erste Zweizylinder-Rennmotorrad mit 90°-V-Motor, in diesem Fall jedoch noch ohne desmodromisches System.
Dieses Motorrad erwies sich jedoch gegen die überragende Leistung der MV 500 und ihres Fahrers Giacomo Agostini, damals bereits mit dem Motorrad aus Cascina Costa mehrfacher Rennsieger, als nicht wettbewerbsfähig genug. Dessen ungeachtet wurde das Projekt wieder auf den Tisch gebracht, um das erste echte Zweizylinder-Maximotorrad für den Straßeneinsatz von Ducati auf den Markt bringen zu können: die 750 GT. Die Absicht lag darin, den italienischen Kunden ein neues, italienisches Motorrad anzubieten, welches das Interesse des Publikums erwecken würde. Fabio Taglioni, vom damaligen Geschäftsführer von Ducati Fredmano Spairani kräftig unterstützt, entwarf ein Motorrad, das auf dem Papier als echt leistungsfähig resultierte. Hier bedurfte es allerdings eines guten Rennstreckenresultats, da die MV Agusta praktisch unschlagbar war. Die passende Gelegenheit ergab sich dann mit den „200 Meilen von Imola", da das Reglement die Teilnahme von Rennmaschinen vorsah, die auf Motorrädern aus der Serienproduktion aufbauten.
Auf den Nenner gebracht, war das 200 Meilen-Rennen der wahre und echte Vorläufer der heutigen modernen Superbike-Rennen. Der kritische Punkt für Ducati lag allerdings in der Tatsache, dass in weniger als einem Monat und ausgehend von der 750 GT ein Rennmotorrad entwickelt werden musste. Im Laufe von drei Wochen wurde der Produktion ein duzend 750 GT entnommen, „kannibalisiert" und für das Rennen in Imola umgebaut.
Die erste wichtige Änderung an diesen Motorrädern war der Verbau des desmodromischen Systems, das seinerzeit an einigen, von Ducati produzierten Einzylinder-Modellen zum Einsatz kam. Die Desmodromik hielt Fabio Taglioni aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit und der hohen Leistungsabgabe in den hohen Drehzahlbereichen für die geeignetste Lösung für das Rennen in Imola, bei dem sich das Motorrad zwei Stunden lang bzw. auf circa 200 Meilen (circa 340 km) ununterbrochen im Einsatz befinden sollte. Als Verkleidung der Motorräder wurden die Verkleidungsteile gewählt, die bereits im Jahre 1971 für die 500 GP verwendet wurden, und es wurde ein modifizierter Tank aus Glasfaser verwendet, um mehr Fassungsvermögen für den Kraftstoff zu erhalten.
Gerade dieser Tank der 750 Imola verfügte erstmals über das Ergebnis einer weiteren genialen Idee Taglionis, der entschied, keine der senkrecht verlaufenden Linien auf die beiden Seiten des Glasfasertanks zu zeichnen. Diese Besonderheit diente letztendlich dazu, noch vor dem Boxenstopp zum Nachtanken erkennen zu können, wie viel Kraftstoff noch im Tank vorhanden war. Schließlich wurde der vordere Bereich des Bremssystems mit zwei leistungsstarken Bremsscheiben von Lockheed ausgestattet, der damals als bester Hersteller von Bremsanlagen für den Wettkampfeinsatz galt.
Die sieben Motorräder einmal gebaut, blieb nur noch die Frage offen, wer als „Vorkämpfer" auf diese neuen Motorräder stieg. Mit diesem Thema haben wir uns bereits in der Vergangenheit beschäftigt und wissen daher wer und auf welche Weise als Fahrer dieser leistungsstarken Zweizylindermaschine gewählt wurde. Doch interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Wahl erst eine Woche vor dem Rennen auf Paul Smart fiel. Smart war in den Vereinigten Staaten in Langstreckenrennen engagiert und wurde vom englischen Importeur Vic Camp als mögliche Zweitwahl vorgeschlagen.
Der britannische Fahrer kehrte also auf den alten Kontinent zurück und wurde gleich nach Modena, auf das Gelände des alten Großflugplatzes gebracht, wo Ducati die neuen Motorräder testete. Obwohl von der langen Reise (fünfzehnstündiger Flug aus den Vereinigten Staaten) deutlich „gezeichnet", verzagte Smart nicht und begann das neue Motorrad zu testen, wobei er ermutigende Ergebnisse bzw. Zeiten verzeichnen konnte, die nahe an denen von Giacomo Agostini lagen, die er mit der Dreizylindermaschine MV Agusta 500 erzielte.
Im Grunde genommen war das Team also innerhalb einer Woche bereit um die „200 Meilen" in Angriff zu nehmen und das mit den Resultaten, die wir alle nur allzu gut kennen. Smart gewann die 200 Meilen in waghalsiger Weise nachdem er Bruno Spaggiari, den ersten Fahrer von Ducati, gleich hinter der Kurve der „Acque Minerali" überholte, als dem Fahrer aus Reggio Emilia nur wenige Hunderte Meter vor dem Ziel das Benzin ausging. Spaggiari fuhr hinter Smart dennoch auf den zweiten Platz, sodass dieses „Ducati-Doppel" den Beginn einer brillanten Karriere des Herstellers aus Bologna im Renngeschehen für aus der Serienproduktion abstammenden Rennmotorrädern zeichnen konnte.
Eine Kuriosität zum Schluss: Paul Smart, feierte am 23. April 1972 seinen neunundzwanzigsten Geburtstag. Ein wirklich schönes „Geschenk"!