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Habe ich wirklich eine Lebensaufgabe? Haben alle Menschen eine? Das würde ja heissen, dass ich in meinem Leben etwas ganz Konkretes zu erledigen hätte? Was genau soll das denn sein? Ist das dann meine Berufung? Und was ist, wenn ich meine Lebensaufgabe nicht finde?
Diese Fragen können ganz viel Unruhe in dein Leben bringen – oder dich in die Lüfte heben, weil du deinen Leitstern gefunden hast.
In diesem Artikel beschreibe ich meine persönliche Sicht auf das Thema Lebensaufgabe und Berufung. Gut möglich, dass du es ganz anders siehst, denn am Schluss können wir uns alle nur etwas aus unseren Erfahrungen und Beobachtungen zusammenreimen.
Was bedeutet Lebensaufgabe?
Deine Lebensaufgabe ist das, was du in diesem Leben zu tun hast. Eben, deine Aufgabe im Leben. Sie klärt die grosse Frage nach dem Sinn deines Lebens, wofür du auf diese Welt gekommen bist. Wie du deine Talente, Interessen und Fähigkeiten zum Nutzen der Welt einsetzen kannst und willst. Deine Lebensaufgabe ist dein Leitstern, der dir hilft zu bestimmen, wie du deine Lebenszeit verbringen willst.
Ist Berufung und Lebensaufgabe das gleiche?
Ich verwende die Begriffe Lebensaufgabe, Berufung und Bestimmung synonym. Sie bedeuten für mich das gleiche.
Im Begriff Berufung steckt das Wort “Ruf”. Wozu bin ich ge-rufen, be-rufen? Wohin ruft mich das Leben?
Das Wort Bestimmung enthält die Frage: Wofür ist mein Leben bestimmt?
Die Lebensaufgabe klärt, was deine Aufgabe im Leben ist.
Was habe ich davon, wenn ich meine Lebensaufgabe kenne?
Jetzt fragst du dich vielleicht, wozu du dich überhaupt bemühen solltest, deine Lebensaufgabe zu erkennen. Es würde doch auch reichen, dich gut zu fühlen und dein Leben zu geniessen? Oder vielleicht auch ein Ziel zu haben und dich auf den Weg zu machen, es zu erreichen?
Ja, ich finde auch, dass das reicht, wenn du damit zufrieden bist. Allerdings bist du mit dieser relativ oberflächlichen Lebensweise anfälliger dafür, komplett aus der Bahn geworfen zu werden, wenn mal etwas nicht so läuft, wie du es gern hättest.
Deine Lebensaufgabe gibt dir eine Reihe von Vorteilen, die dir Standhaftigkeit und ein besseres Verwurzeltsein im Leben schenken, so dass du aufrecht stehen bleibst, auch wenn gerade ein Sturm an dir zerrt.
Folgende Vorteile kannst du erwarten, wenn du deine Berufung findest und lebst:
Sinn
Die Lebensaufgabe verleiht deinem Leben Sinn. Du weisst, wofür du morgens aufstehst. Auch wenn die Aufgaben mal herausfordernd und anstrengend sind, bleibst du grundsätzlich motiviert, weil du weisst, für wen oder was du dich einsetzt. Und darum gibst du auch nicht so schnell auf.
Leitstern – langfristige Orientierung
Deine Lebensaufgabe ist der Leitstern, der dir den Weg durch den Dschungel des Alltags beleuchtet und verhindert, dass du dich komplett verirrst oder verhedderst im Dickicht. Selbst wenn du mal auf Abwege gelangst, erinnert dich deine Lebensaufgabe immer wieder daran, wozu du hier bist und was du zu tun hast.
Dadurch bist du auch nicht mehr so arg kurzfristigen Wünschen und Bedürfnissen unterworfen.
Du triffst deine Entscheidungen immer mit dem Wissen um deine Berufung und stellst dir die prüfende Frage: dient das jetzt meiner Aufgabe, die ich zu erfüllen habe oder lenkt es mich nur unnötig ab? Zum Beispiel: hilft mir die Kooperation mit dieser Firma, um meine Aufgabe zu erfüllen oder schmeichelt sie nur meinem kleinen Ego?
Freude
In deiner Lebensaufgabe ist zwingend Freude enthalten, sonst ist sie nicht deine Lebensaufgabe. Längerfristig würdest du eine Berufung aufgeben, die keine Freude macht – also ist sie nicht deine Berufung.
Die Arbeit oder Beschäftigung mit deiner Lebensaufgabe beschert dir eine Menge Freude, weil du die entsprechenden Talente, Erfahrungen und Fähigkeiten schon mitbringst und immer besser wirst in dem, was du machst. Selbst wenn du neue Dinge hinzulernst, um deiner Berufung gerecht zu werden, fällt es dir leicht, weil du den Sinn und Nutzen siehst und einen inneren Antrieb dafür hast.
Du fühlst dich nützlich
Eine Lebensaufgabe ist immer auch nützlich für die Welt, für Pflanzen, Tiere oder Menschen.
Bei manchen beruflichen Tätigkeiten wie Ernährungsberaterinnen, Tierschützerinnen, Umwelt-Ingenieurinnen ist der Nutzen offensichtlich. Bei anderen weniger. Vielleicht glaubst du, “nur” dein kleines Ego zu befriedigen, wenn du Dingen nachgehst, die vor allem dir Freude bereiten. Ein Nutzen ist trotzdem immer da.
Wenn du zum Beispiel Kunst erschaffst, bringst du Schönheit in die Welt.
Wenn du durch die Welt reist und Bücher darüber schreibst, bringst du Sehnsüchtige zum Träumen.
Selbst wenn du einem Hobby nachgehst, das „nur“ dich glücklich macht, trägst du zu einer guten Stimmung auf der Welt bei, weil du zufrieden bist, das ausstrahlst und andere Menschen damit ansteckst.
Wachstum
Lange fand ich das Gerede um Wachstum furchtbar „spiri“. Ich begriff nicht, wozu mir dieses Wachstum überhaupt dienen soll, wenn ich mich in den Niederungen meines Alltags bewege.
Würde mich Wachstum zufriedener machen? Mir mehr Geld bringen? Den Job, den ich wollte?
Nein – wie denn?
Heute würde ich mit Ja antworten. Das innerliche Wachstum bringt dich in eine ganz andere Position im Leben, schenkt dir eine neue Sicht, ja, mehr Übersicht. Entsprechend bist du viel eher in der Lage, dich an einen herausfordernden Job zu wagen oder Dinge zu tun, die dich zufriedener machen.
Ich gerhöre jetzt also auch zu den „Spiris“, die innerliches Wachstum für eine gute Sache halten 😜
Deine Lebensaufgabe wird dich viel eher dazu motivieren können, dich zu strecken, auch mal Unangenehmes anzupacken und Dinge, die dir Angst machen, als wenn du einfach so vor dich hinlebst. Genau dieses Strecken verhilft dir auch zu Wachstum, zu einer inneren Entwicklung, zu neuen Fähigkeiten und mehr Selbstvertrauen.
So erreichst du immer neue Stufen der Entwicklung, von denen aus du deine Aufgabe immer besser wahrnehmen und einnehmen kannst.
Antrieb
Dieser Punkt ist eng mit dem Sinn verbunden, siehe weiter oben.
Wenn du weisst, wofür du auf der Welt bist, was du in diesem Leben zu tun hast, und wenn du dich dazu bekennst, diese Aufgabe bestmöglich zu erfüllen, dann wachst du morgens freudig auf und kannst es kaum erwarten, dich wieder ans Werk zu machen.
Klingt gut, ist aber bestimmt nicht jeden Tag so. Selbst wenn du dir deiner Berufung zu 100% klar bist und sie seit Jahren erfolgreich umsetzt, wird es Tage, Wochen, vielleicht sogar Monate geben, in denen nicht alles so reibungslos läuft. So ist das Leben nun mal.
Der Antrieb, selbst in düsteren Zeiten weiterzumachen, kommt ganz klar aus deinem Wissen um deine Aufgabe im Leben. Weil es um etwas Grösseres geht als „nur“ um dich. Weil du weisst, dass du gebraucht wirst, auch wenn du gerade ein Energietief erlebst.
Ohne Berufung steht in solch harzigen Zeiten alles still und die Sinnfrage drängt sich auf. Wozu das alles? Deine Lebensaufgabe kann dir also den Antrieb geben, schneller aus solchen Tiefs rauszukommen.
Hat jeder Mensch eine Aufgabe im Leben?
Auch wenn ich diese Frage nicht beweisen kann, bin ich selber sicher, dass wir alle eine Lebensaufgabe haben. Das kannst du natürlich anders sehen – am Ende ist es eine Glaubenssache.
Ich glaube, dass jeder Mensch eine Lebensaufgabe hat, aber ich glaube nicht, dass das eine fixe, gottgegebene Aufgabe ist. Dass es nur das Eine ist, und wenn du es nicht haargenau triffst, dass dann dein Leben verpfuscht ist.
Ich glaube, dass mit unserer Seele auch diese Aufgabe in unseren Körper gekommen ist. Mir gefällt die Vorstellung, wie sich die Seele im Zwischenleben eine besonders knifflige Aufgabe aussucht, ebenso wie sie sich die Familie, das Land, die Zeit und die Umstände aussucht, und sich dann voller Begeisterung in das neue Erdenleben begibt.
Unsere erste Aufgabe im Leben ist es, überhaupt zu verstehen, dass wie eine Aufgabe haben, weil wir das mit der Geburt im Menschleinkörper vergessen haben. Wenn wir das dann mal begriffen haben, gilt es, die Lebensaufgabe zu erkennen und schliesslich zu erfüllen.
Das ist meine Vorstellung von einem gelungenen Leben.
Ich bin überzeugt, dass sich die eigene Lebensaufgabe immer besser zeigt, je besser wir auf uns hören, unseren Impulsen folgen und das tun, was uns Freude macht.
Es spielt keine Rolle, womit du beginnst, ob du nun als Angestellte weiter arbeitest oder dich selbständig machst – solange du gut auf deine innere Stimme hörst, wirst du sowieso zu deiner Berufung finden. Daher kannst du auch keine falschen Entscheidungen treffen.
Die Lebensaufgabe kann sich auch mit dir wandeln, mit dir zusammen wachsen. Daher ist es auch nicht etwas Fixes, Starres, sondern ein so lebendiges Wesen wie du es eben auch bist – schliesslich ist die Lebensaufgabe Teil von dir.
Das Missverständnis beim Thema Lebensaufgabe
Die Suche nach meiner Berufung verursachte mir oftmals massiven Stress, weil ich sie unbedingt finden wollte, aber es einfach nicht schaffte.
Besonders als ich noch als Bibliothekarin angestellt war und langsam begriff, dass dieser Beruf nicht meine Lebensaufgabe war, wollte ich so schnell wie möglich meine Berufung finden. Erst dann, glaubte ich, könnte ich so richtig loslegen mit meinem Leben. Dann würde ich die Aufgabe erkennen und einnehmen und meine ganze Energie hineingeben, vielen Menschen damit helfen, total erfolgreich und glücklich sein.
Amen.
So geht es vielen Suchenden. Sie glauben, warten zu müssen, bis sie ihre Aufgabe gefunden haben, aber es funktioniert andersrum:
Du wächst immer mehr in deine Lebensaufgabe hinein.
Anders gesagt: du befreist deine Berufung nach und nach von dem Gedankenmüll, der sich im Laufe deines Lebens angesammelt hat und legst sie immer mehr frei. Sie ist in dir drin verborgen, und du näherst dich ihr immer mehr an.
Du brauchst also nicht wie irre nach Berufen, Jobs, Hobbies, Fähigkeiten, Ausbildungen etc. zu suchen, um deine Lebensaufgabe zu erkennen. Im Gegenteil: werde ruhig, horche nach innen, lerne deine Impulse zu erkennen und ihnen zu folgen, und mach immer mehr von dem, was dir Freude macht. Dann wird sie immer klarer sichtbar für dich, deine Bestimmung.
Bleib offen für Unerwartetes, bleib entspannt, bleib geduldig – du wirst sie entdecken, deine Lebensaufgabe.
Was ist, wenn du deine Lebensaufgabe nicht findest?
Jetzt könntest du auf die Idee kommen zu denken, dass nur du sie nicht finden kannst, deine Lebensaufgabe, und dass du wahrscheinlich zu doof / zu untalentiert / zu unspirituell / zu langweilig / zu weiss ich was alles noch bist.
Du könntest denken, dass es halt für dich keine Bestimmung gibt und dein Leben darum keinen Sinn hat.
Stopp! Hör auf mit diesen Gedanken. Sie ziehen dich nur runter und bringen gar nix.
Machs ganz einfach so: Entspanne. Geh der Freude nach. Mach immer mehr von dem, was dich vergnügt und in gute Stimmung versetzt. Konsequent und so oft wie möglich. Damit gehst du einen Weg, der sich täglich deiner Lebensaufgabe nähert.
Ich habe meine Lebensaufgabe zum Beispiel so gefunden – nach 20 Jahren Suche, wohlgemerkt:
2015 startete ich meinen Blog über Radreisen in Italien, weil ich gern schrieb und mir erhoffte, mit diesem Blog ortsunabhängig arbeiten und damit mein freies Leben finanzieren zu können. Bis heute hat das nicht funktioniert. Aaaaber:
Was ich beim Aufbau dieses Blogs alles gelernt habe, hat mich zum Texten geführt, erste Kunden gebracht, so dass ich schliesslich den Mut fand, meine Anstellung zu kündigen und mich auf eine Selbständigkeit einzulassen. Dieser Blog, der nur aus der Freude entstanden ist, hat mir Kontakte beschert, die mir wiederum neue Tore in meiner Selbständigkeit eröffneten. Er hat mir das Selbstvertrauen gestärkt, so dass ich mich getraute, als Coach zu arbeiten… und so weiter.
Verstehst du, was ich meine? Das Finden deiner Lebensaufgabe ist ein Prozess, der durchaus Jahre dauern kann. Es ist nicht ein Ereignis wie ein Urknall, so dass du sie, plötzlich erleuchtet, von einer Sekunde auf die andere erkennst. Dieser Prozess ist unglaublich spannend, wenn du dich auf ihn einlässt, wenn du ihn als Spiel siehst und voller Neugier erkundest, wo er dich hinführt.
Kurz: Ruhe bewahren, tun, was dir Freude macht, spielen, erkunden, dich vergnügen. Dann kommts gut.
Fazit
Jeder Mensch hat eine Aufgabe im Leben, für die er auf dieser Welt ist. Solange du sie nicht kennst, ist es deine Aufgabe, sie zu entdecken.
Deine Lebensaufgabe ist in dir angelegt. Du brauchst sie nur freizulegen, Schicht für Schicht von angehäuften alten Glaubenssätzen zu befreien.
Die Suche nach Jobs, Ausbildungen, neuen Berufen und Diplomen führt dich eher weg von deiner Bestimmung – es geht um eine innere Reise.
Hör auf, nach deiner Lebensaufgabe zu suchen – spüre sie in dir auf, indem du der Freude folgst und weglässt, was dir keine Freude macht. Probier aus, mach Neues, spiele mit deinen Möglichkeiten, wage etwas.
Unser Verstand will immer eine Lösung herbei denken. Er beisst sich an einem Thema fest, und wenn er keine Lösung findet, macht er ein Problem daraus. Das kann dir beim Thema Lebensaufgabe passieren. Entspanne dich, vergnüg dich, werde leicht und heiter, spiele. Versuche, deine Gedanken auf das zu lenken, was dich in eine gute Stimmung bringt.
Nur weil du deine Lebensaufgabe noch nicht benennen kannst, heisst das weder, dass du keine hast, noch dass dein Leben keinen Sinn hat. Im Moment ist der Sinn deines Lebens zu entdecken, was du mit deinen Talenten und Fähigkeiten der Welt geben kannst.
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