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Die arthroskopische Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes (VKB-Plastik)
Allgemeines
Bei der klinischen Untersuchung, durch ein MRI (Magnetresonanzuntersuchung) oder anlässlich einer Arthroskopie (Kniegelenksspiegelung) ist festgestellt worden, dass Ihr vorderes Kreuzband (VKB) zerrissen ist. Damit ist das betroffene Kniegelenk in der Hauptbewegungsebene instabil.
Ein Kreuzbandriss ist immer die Folge eines Unfalles, der frisch oder auch schon länger zurückliegend sein kann. Der VKB-Riss kann isoliert vorkommen oder mit Zusatzverletzungen wie Knorpelschäden, Meniskus- oder Seitenbandrissen einhergehen.
Wenn Sie Ihre sportlichen Ambitionen nicht einschränken wollen, wenn Zusatzschäden vorliegen oder wenn die Instabilität des Kniegelenkes erheblich ist, muss das vordere Kreuzband durch eine Operation rekonstruiert werden. Eine Naht ist - ausser bei Kindern - nicht möglich, weswegen das VKB mit körpereigenem Gewebe ersetzt werden muss.
Operationsprinzip
Heute wird die Rekonstruktion - abgekürzt VKB-Plastik - in aller Regel arthroskopisch durchgeführt. Als Bandersatz kommen verschiedene Sehnengewebe zum Einsatz; am häufigsten wird das mittlere Drittel der breiten Sehne verwendet, die die Kniescheibe mit dem Unterschenkel verbindet. Um dieses entnehmen zu können, ist zusätzlich zu den beiden für die Kniegelenksspiegelung notwendigen kurzen Schnitten ein circa drei Zentimeter langer Schnitt im Bereich des Schienbeinkopfes notwendig.
Im Kniegelenk werden die Reste des zerrissenen VKB vollständig entfernt und es werden Bohrkanäle in den Knochen des Ober- und des Unterschenkels angelegt. Die entnommene Sehne wird mit kleinen Knochenblöcken derart in diese Bohrkanäle verbracht, dass das Transplantat genau dem Verlauf des ursprünglichen VKB entspricht. Die Knochenblöcke werden danach mit je einer versenkten Schraube fixiert, die resorbierbar ist, d.h. die sich innert Monaten auflöst.
Am Ende des Eingriffes wird das Kniegelenk mit einer dünnen Saug-Drainage (Redon) versorgt, um einer Nachblutung vorzubeugen. Der Eingriff erfolgt in Blutsperre, um den Blutverlust möglichst klein zu halten, dauert etwa 90 Minuten und kann in Vollnarkose oder einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie durchgeführt werden.
Nachbehandlung
Unmittelbar nach der Operation wird das Knie mit einer Eismanschette (Cryo-Cuff) versorgt, um einer Schwellung und Schmerzen vorzubeugen. Bis zur Entfernung der Redons steht die Verhinderung von Schmerzen durch Ruhigstellung, Hochlagerung, Eismanschette und Schmerzmittel im Vordergrund der Behandlung.
Am zweiten Tag nach der Operation werden die Drainagen entfernt und das Bein wird mit einer motorgetriebenen Bewegungsschiene (Kinetec) passiv durchbewegt. Ab diesem Zeitpunkt setzt eine intensive physiotherapeutische Behandlung ein und Sie dürfen das Bein nach Beschwerden belasten. Gehstöcke sind nur solange notwendig, bis Sie sich sicher fühlen und das Knie muskulär genügend stabilisieren können.
Handelt es sich um eine isolierte Verletzung des Kreuzbandes, so erfolgt die Nachbehandlung schienenfrei.
Andernfalls wird je nach Ausmass der Zusatzverletzungen das Knie in einem bestimmten Umfang durch eine Orthese mit Gelenken (ACL-brace) geschützt, in der Regel für maximal sechs Wochen.
Der Spitalaufenthalt dauert je nach Verlauf ca. fünf Tage.
Rehabilitation
Die Nachbehandlung nach einer VKB-Plastik ist langwierig und dauert mindestens drei Monate. Die Physiotherapie, insbesondere aber die regelmässige Durchführung des Heimprogrammes dient der Verhinderung von Verwachsungen, dem Erhalten oder Wiedererlangen der Beweglichkeit und der Stärkung der Muskulatur.
Dabei darf natürlich das VKB-Transplantat nicht gefährdet werden, bis dieses stabil eingeheilt ist. Deswegen ist auch bei optimalem Verlauf je nach Beruf mit einer längeren Arbeitsunfähigkeit zu rechnen.
Autofahren ist während der ersten sechs Wochen aus versicherungstechnischen Gründen nicht gestattet. Sportlich ist Schwimmen (Crawl) und Velofahren ab der 7. Woche und Jogging in ebenem Gelände ab der 10. Woche gestattet, die volle Sportfähigkeit auch für Kontaktsportarten ist aber in der Regel erst ab 9 Monaten gegeben.
Ein Jahr nach der Operation werden Sie zu einer abschliessenden Kontrolle in meine Sprechstunde aufgeboten. Dies dient der Qualitätskontrolle, da das zu diesem Zeitpunkt bestehende Resultat von Stabilität und Beweglichkeit auch in Zukunft erhalten bleiben wird.
Risiken
Die Risiken des Eingriffes sind klein: Verletzungen von Hautnerven mit nachfolgender Gefühlsstörung in einem kleinen Areal im Bereich der Schnitte sind nicht vollständig zu vermeiden, insgesamt aber selten. Weit unterhalb der Prozentgrenze liegen Infektionen und Nachblutungen, und auch Thrombosen sind aufgrund der Gabe moderner Medikamente zur Blutverdünnung während der gesamten Dauer des Spitalaufenthaltes heute sehr selten.
Eine der langwierigsten Komplikationen ist die Arthrofibrose, worunter man Verklebungen im Kniegelenk
mit nachfolgender Bewegungseinschränkung versteht. Durch die Verschiebung des Operationszeitpunktes um mindestens vier bis sechs Wochen nach dem Kreuzbandriss ist aber auch diese Komplikation sehr viel seltener geworden. Wenn sie auftritt, müssen die Verklebungen allenfalls durch eine weitere Kniegelenksspiegelung gelöst werden.
Insgesamt dürfen Sie erwarten, dass Sie durch die Operation in über 80 % der Fälle wieder ein voll belastbares, stabiles und schmerzfreies Kniegelenk erhalten, das eine volle sportliche Aktivität zulässt.