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Ausweg
... es geht weiter
Gewisse Stellen aus den letzten Briefen sind erstaunlich offen, vermutlich, weil Horowitz sicher war, dass Nico sie nach dem Lesen sofort verbrennen würde, so wie er selber es tat. In diesen Stellen wird die starke erotische Bindung der beiden Freunde sichtbar.
Andere Abschnitte weisen auf ein natürliches gegenseitiges Weiterführen der Lehrer-Schüler Freundschaft hin und - als Voraussetzung dazu - auf die Versöhnung mit dem Vater. Ein weiterer Brief ist in der Sie-Form abgefasst. Er gibt Einblick ins künstlerische Empfinden des Meisters während eines Konzerts und verlangt nach einer Schilderung der Eindrücke des zuhörenden Schülers.
Paris, 23. April 1939
"[...] Ich wollte Dir sagen, dass meine drei Tage in Zürich haben mir wieder von neuem zu lieben gebracht. Ganz einerlei, geistig oder physisch - ich liebe alles, was von Dir kommt und Dir gehört! [...] Da ich nur mit Dir Johnny spiele seit letzte zwei Jahre [...] schreibe mir schnell ein paar nette Zeilen."
Paris, 30. April 1939
"[...] Ich liebe Dein Geist wie Deinen Körper und Dein Mund."
Paris, 30. Juni 1939
"[...] Du sollst nicht in Wörte sondern in Tat beweisen, dass du 23 Jahre alt bist, d.h. Du sollst ganz ruhig und nett mit Papa sprechen und ihm sagen, wie die Sache steht und dass ist besser für Dich ein Freund haben wie ich, als mehrere à la carte. [...] Du kannst dem Psychiater versprechen, dass Du nicht in sexuellen Kontakt kommen wirst. [...] Meine Seite: Du schreibst immer, wie wenn Du vergisst, dass ich eine Frau habe, welche mich wahnsinnig liebt und welche von mir ein Kind hat! Ich bin nicht frei!"
Im August und September kam Horowitz noch einmal nach Zürich, wo er auch mit Nicos Vater zusammentraf. Anschliessend fuhr er nach Luzern zu Proben und für die Aufführung des zweiten Klavierkonzerts von Brahms im Rahmen eines Festspiel-Abends unter der Leitung von Toscanini. Dazu schenkte er Nico eine Karte und schrieb am 30. August:
"Ich bitte [...] sofort [...] schreiben, wie Sie gestrige Konzert empfunden hatten, was Sie verstanden haben, da ich meine ganze Seele gegeben habe und Toscanini und ich waren glücklich vereinigt durch Brahmsche Genie. [...] Da in dritte Satz, in Fis-Dur Adagio Stelle am Ende, war ich selbst durch Musik erschüttert."
Ernst Ostertag, Juni 2006