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Unfaires Spiel
Dass Sport eine eminent politische Bedeutung hat, ist nicht neu. Zum Beispiel dann, wenn es um die Vergabe von Olympischen Spielen oder Fussball-Weltmeisterschaften geht. Sotschi (Winterspiele 2014) und Qatar (Fussball-WM 2022) lassen grüssen. Doch die Funktionäre, um die Finanzierung ihrer globalen Events (und gelegentlich den eigenen Profit) besorgt, pflegen die Politik der völkerverbindenden Funktion des Sports unterzuordnen – häufig in einer Form von Newspeak, an der George Orwell seine helle Freude hätte.
Bis vor kurzem sind Namen von Sportvereinen von politischen Überlegungen weitgehend unbehelligt geblieben. Im Schweizer Fussball zum Beispiel stören die „Grasshoppers“ niemanden, während die „Young Boys“ dem einen oder andern allenfalls ein kurzes Grinsen entlocken. In der deutschen Bundesliga indes stösst sich niemand an der „Borussia“ (Dortmund), der „Eintracht“ (Frankfurt) oder dem „Erzgebirge“ (Aue).
In Amerika jedoch ist eine heftige Diskussion entbrannt, ob sich die Footballspieler aus Washington DC weiterhin „Redskins“ nennen sollen – ein auf den ersten Blick unverfänglicher Vereinsname in einer Liga, die – als sei sie ein Kinderzoo - auch „Bears“, „Dolphins“ oder „Eagles“ beherbergt. All diese Teamnamen sind längst zu nationalen Brands geworden, mit denen sich via Verkauf von Fernsehrechten und Fanartikeln vorzüglich Kasse machen lässt.
Zwar gab es bereits in den 70er-Jahren Proteste und in den 90er-Jahren erste rechtliche Schritte, die „Rothäute“ Namen und Logo (ein Indianerkopf im Profil) ändern zu lassen, weil sie ehrverletzend seien und junge Eingeborene negativ beeinflussten. Doch die Bemühungen der amerikanischen Urbevölkerung stiessen bei der Justiz auf taube Ohren und bei eingefleischten Fans auf pures Unverständnis.
Inzwischen aber, nicht zuletzt dank des Aufkommens sozialer Medien, hat die Anti-„Redskins“-Bewegung in den USA an Lautstärke und Profil gewonnen. Die „Washington Post“ zum Beispiel verwendet den anstössigen Vereinsnahmen in Leitartikeln nicht mehr, weil er eine Bevölkerungsgruppe von immerhin drei Millionen Menschen beleidige. Auch andere Zeitungen sowie eine wachsende Zahl von Sportjournalisten distanzieren sich von den „Rothäuten“, was im Falle des „Charlotte Observer“ einen Leser dazu veranlasst hat, dem Blatt vorzuwerfen, es opfere seine journalistische Integrität auf dem Altar politischer Korrektheit.
Derweil streiten sich Juristen, ob man Radio- und Fernsehstationen verbieten können, den Begriff „Redskins“ weiterhin zu verwenden, da er allenfalls obszön oder profan sei. Unter Umständen wird sich am Ende auch Amerikas Oberstes Gericht mit dem Fall befassen müssen. Jedenfalls gibt es einen Präzedenzfall aus dem Jahre 1978. Damals entschieden die Richter in Washington DC, die Regierung (in Form der Aufsichtsbehörde über Radio und Fernsehen) habe ein legitimes Interesse, Kinder vor „schmutziger Sprache“ zu beschützen.
Noch allerdings weigert sich Daniel Snyder, seit 1999 Besitzer der „Washington Redskins“, den anstössigen Vereinsnamen zu ändern. Amerikas Eingeborene, argumentiert Snyder, würden den Namen und das Logo schätzen und lieben. Das hätten Besuche in Indianerreservaten gezeigt. Und die Indianer, meint er ferner, hätten sowie grössere Probleme, als sich über den Namen seines Teams zu ärgern. Snyder hat alles Talent zum Sportfunktionär.