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Ein Markt, der Birsig, aussergewöhnliche Häuser und (k)ein Unglück
Wo graben wir?
Die archäologische Untersuchung findet auf dem Marktplatz statt, an der Einmündung der Freien Strasse.
Warum graben wir?
Dort bauen die IWB (Industrielle Werke Basel-Stadt) eine neue Verbindungs-Leitung für die Fernwärme. Der anfangs April begonnene Tiefbau betrifft die südliche Platzhälfte im Trottoirbereich am Rande der Fahrbahn. Da grosse Teile dieses Leitungsgrabens in archäologisch interessanten Bodenbereichen verlaufen, führt die Archäologische Bodenforschung eine baubegleitende Untersuchung durch.
Was erwarten wir?
Unter dem Marktplatz sind mächtige Kulturschichten abgelagert (über 2 m). In der Verlängerung der Freien Strasse sind römische Kulturschichten oder eine römische Strasse zu erwarten. Vor allem aber rechnen wir mit mittelalterlichen Hausfundamenten, war doch der heute grosse Platz ursprünglich sehr viel kleiner. So entstand dessen Nordhälfte erst vor rund 120 Jahren nach dem Abbruch eines ganzen Viertels. In der Diagonalen fliesst der Birsig unter dem Platz in Richtung Marktgasse. Im Mittelalter hiess der Marktplatz übrigens «Kornmarkt».
Bisherige Resultate der Ausgrabung:
Im bisher untersuchten Leitungsgraben wurden bereits interessante Aufschlüsse zur Vergangenheit des Marktplatzes dokumentiert. Mehrere Mauerfundamente verliefen quer zum Graben: Wenigstens 4 Steingebäude wurden schon nachgewiesen, dazu ein Abwasserkanal (eine «Agde»).
Es zeigten sich auch zugehörige Böden: zwei Tonplattenböden und ein äusserst stabiler Mörtelboden (Betonqualität). Die Tonplattenböden kamen ca. 1 m unter dem Strassenniveau zum Vorschein, der Mörtelboden erst in 2,5 m Tiefe. Er gehörte zu einem Keller.
Dieser gemauerte Keller überraschte nicht nur mit dem qualitätvollen Boden, sondern noch mit einem weiteren aussergewöhnlichen Befund: Im Keller stand einst ein runder Pfeiler. Davon zeugten drei aufrecht in Originallage angetroffene Sandstein-«Trommeln». Wie ist dieser Befund zu erklären? Offensichtlich handelte es sich um einen grossen Keller eines besonderen Gebäudes, worin der Pfeiler die Balkendecke stützte.
Die Bauarbeiter graben sich in den nächsten Wochen in Richtung Rathaus vor – weitere Gebäude oder vielleicht auch römische Kulturschichten sind zu erwarten.
Die neu entdeckten Gebäude fehlen auf den Stadtansichten des 16./17. Jahrhunderts (insbes. auf den Merianschen Vogelschauplänen) – weshalb?
Am 26. Febr. 1377 legte ein Brand dieses Viertel in Schutt und Asche. Die Ruinen wurden in der Folge niedergerissen. Der Rat beschloss, die Parzellen aufzukaufen, um den Kornmarkt zu vergrössern. Vermutlich wurde schon damals auch der Birsig überwölbt, so dass der Platz grössere Dimensionen annehmen konnte.
In den nun freigelegten Gebäuden kam denn auch Brand- und Abbruchschutt zum Vorschein, darunter Funde aus der Zeit vor 1377. Besonders interessant waren mächtige Schuttschichten mit vermörtelten Firstziegeln (Hohlziegel) – Zeugnisse eines frühen Ziegeldaches auf einem repräsentativen Gebäude.
An diesem zentralen städtischen Ort sind Bauten anzunehmen, denen eine gewisse soziale oder wirtschaftliche Bedeutung zukam. Es gibt viele historische Hinweise auf die abgegangenen Häuser. Unter anderem stand irgendwo auf dem heutigen Platz das «Haus zum Riesen» (der Name geht wohl auf eine an der Fassade aufgemalte Figur zurück), und in dessen Nachbarschaft das älteste Basler Rathaus aus der Zeit um 1259/60. Diese zweifellos repräsentativen Gebäude sind nicht genau lokalisierbar. Bisher hat man sie eher auf der nördlichen Platzhälfte bzw. in der Platzmitte gesucht – haben wir sie vielleicht nun gefunden? – Die ältesten Rathausbauten an der Stelle des heutigen Rathauses aus dem frühen 16. Jh. gehen auf die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück.
Wie lange graben wir?
Die Untersuchungen dauern bis zum Abschluss der Aushubarbeiten (Mai/Juni).
Literatur
Wackernagel Wolfgang D. Wo stand das älteste Basler Rathaus? Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde Bd. 58/59, 1959, 327–335.