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Christine Matthey
Geschäftsleiterin Forum Helveticum
Christine Matthey
Geschäftsleiterin Forum Helveticum
«Das Forum Helveticum, das sich für die sprachkulturelle Verständigung zwischen den Sprachregionen in der Schweiz einsetzt, freut sich über die Initiativen wie jene der SGG, die den Zusammenha/t in unserem Land fördern»
Seit ihrer Gründung im Jahr 1810 setzt sich die SGG für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Bis Ende 2020 evaluiert die SGG mehrere Möglichkeiten, wie sie ihren Förderschwerpunkt noch wirksamer wahrnehmen kann. Als die SGG gegründet wurde, war die alte Eidgenossenschaft ein Vasallenstaat Frankreichs. Fünf Jahre später entstand der Staatenbund. Dass die von Liberalen geprägte SGG anno 1859 das Rütli kaufte und der Eidgenossenschaft schenkte, stand im Kontext des konfessionellen Bürgerkriegs, der kurz zuvor den gesellschaftlichen Zusammenhalt des jungen Bundesstaats erschütterte. Die SGG stärkte im 19. und 20. Jahrhundert den gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem sie sich dafür die obligatorische und unentgeltliche Bildung für alle Kinder der Schweiz einsetzte. Und als die Armut in der Schweiz zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem die ältere Generation traf, setzte sich die SGG für die Gründung der Pro Senectute und die Schaffung der AHV ein. Gleich zu Beginn des 21. Jahrhunderts bemühte sich die SGG für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem sie das Komitee für eine nationale Solidaritätsstiftung koordinierte. Die Mehrheit des Schweizer Stimmvolks hat im Herbst 2002 jedoch gegen diese visionäre Idee gestimmt. Gleichzeitig baute die SGG die Förderung der Freiwilligenarbeit auf, um den solidarischen Zusammenhalt der Gesellschaft zusätzlich zu stärken.
In den strategischen Überlegungen für die Jahre 2020-2030 prüft die SGG die Frage, wie sie sich noch wirksamer und gezielter für den gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren kann. In den Jahren 2019 und 2020 werden in zehn Workshops mit Fachleuten die künftigen Herausforderungen der heterogenen Schweizer Gesellschaft diskutiert. Welche Kräfte und Mächte vereinen die Gesellschaft und welche trennen und polarisieren sie? Die bereits geführten Fachgespräche ergab eine Fülle von Erkenntnissen und ebenso viele offene Fragen. Ein paar Stichworte mögen an dieser Stelle genügen:
- Der gesellschaftliche Zusammenhalt steht vor allem dann auf der politischen Tagesordnung, wenn es um Frühfranzösisch an den Schulen östlich der Sarine geht.
- Es gibt in der Schweiz keine Mehrheitsgesellschaft, sondern viele Minderheiten, die wenig voneinander wissen. Eine Schweizer Leitkultur, die von einer kulturell homogenen Gesellschaft träumt, wird dennoch von bestimmten Kreisen propagiert.
- Es braucht einen neuen Generationen-Solidaritätsvertrag: gegen die Prekarisierung der Jugend, für eine zukunftsfähige Entwicklung von AHV und Pensionskasse, für Elternzeiten und für Caring Communities.
- Digitalisierung soll Ungleichheiten zwischen Generationen und Bildungsschichten nicht zusätzlich erhöhen.
- Warum soll man heute, wo sich Menschen entweder global vernetzen oder in den lokalen und privaten Bereich zurückziehen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt ausgerechnet auf der nationalen Ebene wünschen und fördern – und dies in einem Land, das von keiner gemeinsamen Sprache, Geschichte, Kultur und Religion zusammengehalten wird?
- Es sind die Werte der Bundesverfassung, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Gleichzeitig werden Grundwerte wie die Demokratie und die Solidarität kritisch hinterfragt.
- Bürger*innen fühlen sich vermehrt als Kunden des Staates statt als Teil von Staat und Gesellschaft.
- Kriterien für das Bürgerrecht sind fragwürdig, Hinführungen zu demokratischem Engagement fehlen.
- Das Politisieren in den heutigen Strukturen ist für junge Menschen unattraktiv.
Die nächsten Fachgespräche im Jahr 2020 behandeln zentrale Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts: Verteilungsgerechtigkeit, Gendergerechtigkeit, Sprachenvielfalt sowie Stadt-Land-Gefälle. Neben inhaltlichen Erkenntnissen und Fragen haben die Fachgespräche schon jetzt etwas klar erkennen lassen: In der Schweiz fehlen halb-öffentliche, geschützte Räume, Labors oder Biotope, in denen man offen über gesellschaftliche Herausforderungen nachdenken, austauschen sowie Lösungen erarbeiten und ausprobieren kann. Diese Räume müssen einerseits weiter sein als Bubbles von Gleichgesinnten, anderseits können sie nicht so exponiert sein wie die TV-Arena, Internet-Foren oder Landesgemeinden. Darum kann es durchaus sein, dass die SGG, die bei staatlichen Behörden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und wirtschaftlichen Verbänden und Unternehmen Vertrauen geniesst, künftig den gesellschaftlichen Zusammenhalt speziell dadurch wirksam und gezielt fördert, indem sie landesweit Räume schafft, wo die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure ungeschützt über politische und gesellschaftliche, soziale und kulturelle Herausforderungen austauschen und gemeinsam konstruktive Lösungen erarbeiten und ausprobieren können.
Das haben wir 2019 erreicht
Workshops mit Fachpersonen über Themen des gesellschaftlichen Zusammenhalts: Generationenbeziehungen, Narrative, Werte, Identitäten, Diversität, Pluralismus, Inklusion, Partizipation und Demokratie
Care-Arbeit von Migrantinnen
Zahlreiche Familien lassen hierzulande ihre fragilen Eltern durch Migrantinnen betreuen und pflegen. Gleichzeitig müssen sich die Migrantinnen, die sich um Kinder und ältere Mitglieder von Familien im reichen Norden bzw. Westen kümmern, auch um ihre eigenen Kinder und Verwandten im Heimatland kümmern. Barbara Waldis und Amel Mahfoudh befassen sich mit diesem wenig erforschten Thema.
Die Fürsorge von transnationalen Familien gegenüber ihren Verwandten im Heimatland gründet auf einem Gefühl der Verpflichtung und einem quasi “moralischen Vertrag”. Die Betreuung hat vielfältige Formen: Reisen, um physisch neben Verwandten zu sein, Geld schicken, häufiger Kontakt per Telefon oder Video. Die Leistung dieses materiellen, menschlichen und emotionalen Austauschs unterscheidet sich unter anderem nach dem sozioökonomischen und rechtlichen Status sowie nach dem Geschlecht.
Transnationale Familiennetzwerke und globale Pflegekreisläufe
In transnationalen Familien spielt die Betreuung schutzbedürftiger Verwandter, Kinder und älterer Eltern eine bedeutende Rolle. Nach dem «Global Care Circulation Concept» ist die Globalisierung der Hausangestelltenmigration, die ihre eigenen Kinder anderen Familienmitgliedern überlassen und sich um Kinder und ältere Mitglieder wohlhabender Familien in westlichen bzw. nördlichen Ländern kümmern, “eine private Lösung eines öffentlichen Problems”. Wie aber werden ältere Eltern von Migrantinnen und Migranten betreut? Und wie funktioniert letztlich der globale Pflegekreislauf? Die Betreuung älterer Eltern von Migrantinnen und Migranten wird nicht nur aus transmigrantischer Sicht oder mit der Intensivierung der Mobilität der Menschen über Generationen hinweg zu einem Thema, sondern auch wegen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung, sowohl im globalen Norden als auch im globalen Süden. Migrantinnen und Migranten, die weit weg von ihren älteren Eltern leben, entwickeln Strategien und engagieren sich in verschiedener Art und Weise und mit unterschiedlichen Massnahmen für sie. Wenn wir uns mit der Frage der Altenpflege befassen, müssen wir uns, wie bei der globalen Pflegediskussion, auf das Geschlechterverhältnis innerhalb der familiären Beziehungen und Organisation sowie auf den sozioökonomischen Status der Migrantinnen und Migranten beziehen, bei transkontinentalen Familien aber auch, wie wir argumentieren, auf den rechtlichen Status der betreuenden Migrantinnen und Migranten.
Care-Arbeit ist weltweit Frauenarbeit
Neueren Studien zufolge kümmern sich vor allem Migrantinnen um ihre Eltern im Herkunftsland. Die Verantwortlichkeiten sind nach wie vor hauptsächlich nach Geschlechtern verteilt, wie in der Theorie der sozialen Reproduktion beschrieben. Aufgrund des zunehmenden wirtschaftlichen Erfolgs von hochqualifizierten Migrantinnen erleben wir eine grössere Gleichstellung der Geschlechter bei der finanziellen Unterstützung von Eltern. Darüber hinaus verfügen diese Migrantinnen mit einer komfortablen sozioökonomischen Position über die finanziellen und oft rechtlichen Möglichkeiten (legale Migration und mehrere Staatsangehörigkeiten), um häufiger zu reisen und physisch bei ihren Eltern zu sein. Dennoch scheint die Gleichstellung keine Pflegearbeit zu beinhalten. De Silvas Studie über sri-lankisch-australische transnationale Familien zeigt, wie Migrantinnen ihre Eltern emotional und affektiv unterstützen (täglicher Telefon- und Videokontakt, im Vergleich zu zweimal im Monat für Männer), sie unterstützen sie finanziell weiter oder reisen hin und her. In der Zwischenzeit behalten männliche Migranten die traditionelle Rolle des Ernährers bei.
Erschwerte Familienzusammenführung
Innerhalb Europas müssen sich Migrantinnen und Migranten aus Ländern des globalen Südens, auch wenn sie die Staatsbürgerschaft erworben haben, mit restriktiven Zugangsregelungen zur Migration auseinandersetzen. Die Familienzusammenführung begründet neben der Arbeit oder dem Studium einen erheblichen Anteil der Aufenthaltsbewilligungen. Die Familienzusammenführung umfasst Ehepartner, Kinder und andere Verwandte. Die gesetzliche Regelung in Europa lässt Aufenthaltsbewilligungen älterer Eltern von interkontinentalen Transmigrantinnen und -migranten nur in sehr begrenzten Fällen zu. Dieses Zulassungssystem verhindert, dass Migrantinnen und Migranten Eltern in der Nähe haben und sich leichter um sie kümmern können. Dieses System betrifft alle Migrantinnen und Migranten. Die Lösungen unterscheiden sich je nach Geschlecht, nach sozioökonomischen und rechtlichen Möglichkeiten in Bezug auf Zeit und finanzielle Ressourcen. Insbesondere wird von allen Frauen nicht nur erwartet, dass sie die Führung in der Altenpflege übernehmen, sondern meist auch die Pflegearbeit.
Globaler Pflegekreislauf als Spiegel sozialer Ungleichheit
Das Thema der Betreuung von Eltern durch Migrantinnen und Migranten in transnationalen Familiennetzwerken bringt eine zusätzliche Komplexität in das Konzept der Pflegezirkulation. Dieses konzentriert sich auf den transnationalen Verkehr von Personen, Dienstleistungen und sozialen Bindungen; die Frage nach globalen sozialen Ungleichheiten wird teilweise vernachlässigt. Bei hochqualifizierten Migrantinnen, die ihre Eltern betreuen, treten neue Aspekte von geschlechtstypischen und sozialen Ungleichheiten im globalen Pflegekreislauf auf. Ökonomisch erfolgreiche Migrantinnen mit gesichertem Rechtsstatus (oder mit eingebürgertem/bi-nationalem Status) verhalten sich in Bezug auf ihre Karriereambitionen und ihren sozialen Erfolg ähnlich wie wirtschaftlich erfolgreiche Frauen im globalen Norden. Angesichts der gesellschaftlichen Erwartungen an die Verantwortung für die Familienpflege engagieren sie sich auf zwei spezifische Arten in der Pflegezirkulation. Sie delegieren die Betreuungsjobs in ihrem Wohnsitzland an Migrantinnen aus dem globalen Süden und delegieren auch die Betreuung ihrer Eltern im Herkunftsland an andere weniger qualifizierte Frauen, was oft zu einer Land-Stadt-Migration oder gar einer internationalen Migration beiträgt.
Statements zur Kohäsion (1. August 2018 auf dem Rütli)
Am 1. August 2018 haben über 300 Gäste Organisationen vertreten, die sich in der Schweiz für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Unter ihnen waren: ACAT, Agile, Alliance F, Alpen-Initiative, Amnesty International, ASO, ATD Quart Monde, Bäuerinnen-Verband, Benevol Schweiz, Brot für alle, Caritas, Centre Social Protestant, Club Hélvetique, Contakt-Citoyenneté, Coscienza svizzera, Dachverband Schweizer Jugendparlamente DSJ, Die Dargebotene Hand, euforia, Gehörlosenverband, Téléthon, foraus, Forum für Zweisprachigkeit, Forum Helveticum, Fragile, GDI, Greenpeace, Heilsarmee, Heks, Helvetas, Helvetia Latina, Helvezin, Inclusion Handicap, Insieme, Jubla, LIFT, Lia Rumantscha, Movetia, NCBI, Nebs, Neue Helvetische Gesellschaft, Pfadibewegung, Pro Familia, Pro Infirmis, Pro Juventute, Pro Mente Sana, Pro Natura, Pro Patria, Pro Senectute, Procap, Profonds, Schweiz Tourismus, Kovive, Schweizer Wanderwege, Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände SAJV, SKOS, Blinden- und Sehbehindertenverband SBV, Feuerwehrverband SFV, Gemeindeverband SGV, Gewerkschaftsbund, Samariterbund, Städteverband, Rotes Kreuz SRK, Arbeiterhilfswerk SAH, Solidarité sans frontières SOSF, Stapferhaus Lenzburg, Stiftung SOS Beobachter, Terre des Hommes, TikK, Tischlein deck dich, Unspunnen, x-27, Winterhilfe, WWF, Zentrum für Demokratie Aarau und ZEWO.
Vier Personen haben ihre Organisationen kurz präsentiert:
Tatjana Binggeli, Präsidentin Schweizerischer Gehörlosenbund SGB-FSS
Der Gehörlosenbund setzt sich für den Zusammenhalt von Menschen ein, die hören und von Menschen, die hörbehindert sind. Gibt es vom Gehörlosenbund her einen speziellen Wunsch an den Staat und an die Zivilgesellschaft?
Wir als Schweiz. Gehörlosenbund sind stolz, in einer mehrsprachigen und multikulturellen Gesellschaft zu leben und sehen in der Diversität einen Mehrwert. Wir erinnern dennoch daran, dass die Gebärdensprachen – die französische, Deutschschweizer und die italienische Gebärdensprache – in der Schweiz bedauerlicherweise offiziell noch nicht anerkannt sind. Dies steht im starken Kontrast zu anderen europäischen Ländern, wo die Anerkennung der Gebärdensprachen und auch die Gleichstellung von Menschen mit Hörbehinderung viel weiter fortgeschritten sind.
Die Anerkennung ist für uns der Schlüssel zur Gleichberechtigung und vermindert Diskriminierung innerhalb der Gesellschaft, in der Ausbildung und in allen anderen Bereichen des Lebens. Nicht zuletzt ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Gebärdensprachen vollständige Sprachen sind und Teil des reichen Schweizer Kulturerbes ausmachen.
Christine Matthey, Geschäftsführerin Forum Helveticum
Le Forum Helveticum s’engage pour la communication linguistique-culturelle entre les régions linguistiques de Suisse. Quel est le plus grand défi?
Il est le même que pour l’ensemble de la société : il s’agit de profiter de l’attrait pour le global, la culture universelle et son vecteur, l’anglais, qui représentent une chance et une ouverture sur le monde. Mais il est aussi essentiel pour la Suisse que ses habitants gardent une curiosité pour les composantes de ce pays. Et pas seulement les cultures germanophones et francophones, mais aussi italophones et romanches qui sont souvent reléguées en deuxième position. Si nous voulons fonctionner ensemble, nous devons nous connaitre, nous comprendre et nous respecter. Cela passe par l’échange, le contact régulier, les compétences linguistiques, mais aussi par une réelle volonté politique et des moyens économiques. Le plus grand défi, c’est de trouver cet équilibre.
Les scientifiques discutent de la signification de l’apprentissage des langues étrangères à l’école primaire. Quelle est votre attitude ?
Il y a ici plusieurs aspects à considérer. D’un côté la dimension pédagogique, où il est vrai que le discours scientifique peut parfois sembler contradictoire. Mais il y a tout de même quelques points sur lesquels tout le monde semble s’accorder : d’un côté le nombre d’heures d’apprentissage est primordial, et l’immersion fait une grande différence. De l’autre, l’engagement et les compétences de l’enseignant ainsi que le sens que l’élève trouve à son apprentissage sont des éléments-clés. On voit donc que l’intensité et la qualité sont les facteurs centraux de l’enseignement des langues étrangères. Nous saluons dans ce cadre l’offre bilingue croissante et appelons à une formation soignée du personnel enseignant dans ce domaine. Pour atteindre ces objectifs, une volonté politique et des moyens économiques sont ici aussi indispensables. L’autre dimension est plus politique : quelle langue doit avoir la priorité ? Pour le Forum Helveticum, il est primordial que les jeunes Suisses aient accès à au moins une deuxième langue nationale et à l’anglais. C’est d’ailleurs la solution retenue par les accords intercantonaux. Nous nous engageons tout particulièrement pour que le contact avec une deuxième langue nationale soit assez précoce, afin de favoriser l’ouverture et la curiosité envers ses concitoyens. Quand et comment cela doit-il se produire exactement ? Nous laissons les spécialistes du développement cognitif et de la pédagogie le soin de répondre à ces questions. Mais nous nous engageons clairement contre des initiatives comme celle actuellement en cours aux Grisons, où les jeunes germanophones n’entreraient en contact avec une deuxième langue nationale que bien après leurs camarades italophones et romanches, créant un déséquilibre dans le canton.
De nombreux Suisses en Suisse et à l’étranger ont une langue maternelle différente des quatre langues nationales officielles: par exemple l’anglais, le portugais, l’espagnol, l’albanais, le serbe, le turc ou le tamoul. Quelles seront les langues officielles de la Suisse en 2050?
Il est vrai que selon les dernières statistiques, près d’1/4 des habitants en Suisse annoncent une langue principale non-nationale – parfois en plus d’une langue principale nationale, parfois comme seule langue principale. C’est une réalité qu’on ne peut et ne doit pas ignorer. Notre rapport aux langues doit tenir compte de ce terrain extrêmement riche et divers. Et cela passe par reconnaissance, le respect et la valorisation de ces langues non-nationales, dans un esprit de réciprocité. Une meilleure valorisation des langues d’origines et de la diversité linguistique dans son spectre complet profiterait également aux langues nationales, nous en sommes persuadés. Est-ce que cela remettra en question les langues retenues par la Constitution d’ici à 2050 ? A moins d’un grand bouleversement sociodémographique : probablement pas. Mais à plus long terme, difficile à dire. Nous sortons ici de la politique linguistique. Qui peut dire à quoi ressemblera la Suisse dans 100 ans alors que tant d’évolutions politiques et démographiques peuvent intervenir à long terme.
Urs Lüscher, Schweizerischer Blindenverband
Sie haben ein Paket mitgebracht. Was steckt darin?
(Übergabe Bundesbrief in Braille-Schrift)
Was können Sehende von Blinden lernen?
Wo sollten Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft noch sensibler werden für Blinde?
Amira Hafner Al Jabaji, Interreligious Think Tank:
Worin sehen Sie den speziellen Beitrag der Religionen für den Zusammenhalt der Gesellschaft in der Schweiz?
Religionen sind per se gemeinschaftsbildend. Jede Religion verpflichtet ihre Anhänger zu einem bestimmten Mass an Gemeinsinn, Fürsorge für den Nächsten, Einstehen für die Schwachen und die Fremden sowie dazu, Verantwortung für Mitmenschen zu übernehmen. Wer seinen/ihren Glauben ausschliesslich individuell lebt, hat etwas Wesentliches, was uns Religion vermittelt, nicht verstanden. Woche für Woche und manchmal öfter kommen Tausende Gläubige verschiedener Glaubensgemeinschaften in der Schweiz zusammen, um Gottesdienste abzuhalten, gemeinsame Gebete zu verrichten, um gemeinsam Trost bei Todesfällen und Linderung bei Krankheit und Not zu erbitten, um Geburten, Taufen und andere Übergangsrituale zu feiern, usw. Viele Menschen erleben in diesen gemeinschaftlichen Riten Orientierung und Sinnstiftung, welche Zusammenhalt fördern und stärken. Darüber hinaus vermitteln uns alle Religionen zentrale Werte für das Zusammenleben: Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden. Einen weiteren Wert, der Religion vermittelt und der mir besonders am Herzen liegt, weil ich ihn in unserer Zeit öfters gefährdet sehe, ist das Vertrauen. Im Zentrum aller Religionen steht zuallererst das Vertrauen in eine Urkraft, in eine höhere Macht, in das Gute oder in das Schicksal. Dieses Ur-Vertrauen schafft eine gewisse Gelassenheit und überträgt sich auch in eine Haltung des Vertrauens gegenüber unseren Mitmenschen. Das wiederum ist unerlässlich für den Zusammenhalt einer Gesellschaft.
Wo sehen Sie bei den Religionen noch Entwicklungspotenzial, um den Zusammenhalt der Menschen noch stärker zu fördern?
Die Religionsgemeinschaften müssen noch stärker über die eigene Gemeinschaft hinaus denken und sich engagieren, sich für andere öffnen, den Austausch und Dialog intensivieren. Vor allem müssten sie auch den Dialog mit säkularen, agnostischen und atheistischen Menschen und Gruppierungen verstärkt pflegen und mit ihnen zusammen Lösungen erarbeiten für die drängenden Fragen der Gegenwart. Die Herausforderungen unserer Zeit können wir nur mit vereinten Kräften bewältigen. Um gemeinsam zu handeln müssen wir nicht dasselbe glauben.
Remigio Ratti, Presidente di Coscienza svizzera
Coscienza svizzera, nata nel 1948, nel solco della “difesa spirituale del Paese”
Negli anni ’30 del secolo scorso e durante la seconda guerra mondiale la Svizzera ha lottato contro i totalitarismi e la guerra facendo leva sui principi e i valori della propria storia; una fase riassunta nei termini di “difesa spirituale del Paese”.
CS ha ereditato l’esperienza degli animatori di questa fase storica e la ricorda nel suo anno del 70° guardando in avanti. Quale gruppo di riflessione che “mira a tener viva la sensibilità verso le peculiarità della Svizzera, nelle sue esperienze storiche, nella sua realtà odierna e nel suo divenire” pone l’attenzione sui pericoli connessi alle derive del sovranismo e dell’autoritarismo che si possono leggere anche nelle dinamiche odierne.
La Svizzera, una costruzione, una realtà in cammino e aperta
La Svizzera e la coesione nazionale sono per definizione una realtà che si costruisce, che va continuamente curata e ripensata. Molti dei titoli dei saggi prodotti dalle riflessioni di CS negli anni ottanta e rilanciati nell’ultimo decennio sono a questo proposito significativi: Identità in cammino; Costituzione in cammino; Giustizia in Cammino; Federalismo in cammino. Ed è proprio il tema federalismo e delle sue sfide che ci sta occupando dallo scorso anno. Il federalismo e quindi anche la coesione nazionale di fronte a un’Europa che cambia sarà l’oggetto di una giornata nazionale che si terrà a Lugano il prossimo 13 ottobre per festeggiare il 70° compleanno di CS.
Un monito: coesione fa anche rima con erosione
Nulla è dato per acquisito e ricordare che coesione fa anche rima con erosione può essere interessante. Qual è oggi il collante della coesione nazionale? CS se lo è chiesto per esempio nei contributi del saggio pubblicato nel 2016 “Frontiere e coesione – Perché e come sta insieme la Svizzera”. Esistono molte frontiere interne alla Svizzera, di natura e portata diverse, che per fortuna non si sovrappongono e il puzzle che ne deriva non impedisce al Paese di stare assieme, pragmaticamente. Ma vi è erosione: nelle dinamiche nel nostro federalismo, nella regionalizzazione dei nostri interessi, nel come interpretare libertà e doveri del cittadino. Oggi, il collante principale sembra essere quello della posizione economica, privilegiata rispetto anche a Paesi a noi vicini. Non è forse un criterio illusorio e poco fondante a medio-lungo termine?
Alptransit e la coesione nazionale: un bel passo in avanti, ma solo una condizione permissiva – Far emergere le potenzialità dell’italianità e dell’italicità
Guadagnare una mezz’ora, domani un’ora nelle relazioni ferroviarie con la Svizzera nord-alpina è un bel segnale anche per la coesione nazionale, per le nostre relazioni interregionali. Ma i progressi nella mobilità e nelle comunicazioni sono solo una condizione permissiva. La differenza sta nella qualità di queste relazioni e nella volontà di cogliere, reciprocamente da una parte e dall’altra, i valori comuni e quelli delle diversità. E qui anche i lavori di CS portano a sottolineare i valori e le potenzialità del multilinguismo. In particolare, invitando a costatare come l’italiano sia sempre più sentito e percepito come lingua di portata e cultura nazionale. Quasi un residente su otto in Svizzera ha un legame con l’italianità, in varia gradazione se con gli italofoni associamo coloro che hanno affinità con la cultura o la lingua italiana. La coesione nazionale si rafforza – utilizzando un neologismo – grazie all’italicità, ad una sempre più qualificata presenza del sentire italiano nella società intera.