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«Es geht mir um Gerechtigkeit»
Am 21. Februar jährt sich der Absturz einer Swissair-Coronado bei Würenlingen… Weiterlesen
von
Beni Herzog
25. Juni 2019
09:25
Seit Mitte April bewohnen zwei Wasserfrösche unseren Gartenschwimmteich, ein fast einfarbig hellgrünes Männchen und ein dunkleres, schwarz geflecktes Weibchen. Das gleiche Paar verbrachte schon den ganzen letzten Sommer bis in den Oktober in unserem Teich. Die beiden sind uns ans Herz gewachsen, weshalb wir ihnen Namen gaben: Frogy, das Männchen und Frogine, das Weibchen – zugegeben, nicht sehr fantasievoll, aber passend. Wir waren glücklich, als beide nach der Winterruhe fast zur gleichen Zeit wieder zurückkehrten. Die beiden unterscheiden sich nicht nur äusserlich, sondern auch im Verhalten. Frogine ist ein stilles Wesen, sie ist sehr heimlich, hält sich ständig irgendwo versteckt und ist manchmal während Tagen nicht zu sehen. Frogy dagegen ist optisch wie akustisch sehr präsent, bei Tag und vor allem in der Nacht.
Wasserfrosch-Männchen quaken einerseits zur Territorialabgrenzung gegenüber Rivalen, andererseits um Weibchen anzulocken. Das Erstere dürfte für Frogy weniger von Bedeutung sein, da er keine Rivalen hat im Teich. Seit Mitte Mai sind sie in Paarungsstimmung, was noch bis etwa Mitte Juli andauert. Er versucht mit seinem Quaken Frogine aus der Reserve zu locken. Dabei steigert er die Lautstärke, je näher er ihr kommt. Treffen die beiden aufeinander, gibt er ein kurzes lautes «Pip» von sich. Meist ist dies mit einem Platschen verbunden und Frogine verschwindet in einer anderen Ecke des Teichs. Hin und wieder ist Frogy erfolgreich und es gelingt ihm, sein Weibchen zu umklammern. Ob es dabei immer zu einer echten Paarung, d.h. zur Befruchtung von Laich kommt, ist schwierig zu erkennen. Die Eier werden von den Wasserfrosch-Weibchen in mehreren gallertigen Ballen unter Wasser an Pflanzen geheftet. Dieser Laich ist viel weniger auffällig als die grossen, auf dem Wasser treibenden Laichklumpen von Grasfröschen.
Quaken gegen Verkehrslärm
Bei Frogy haben wir noch eine weitere Ursache für seine heftigen Lautäusserungen festgestellt. Immer wenn ein lauter Güterzug auf der Bözberglinie vorbeirattert, steigert er Frequenz und Lautstärke seines Quakens und wird erst wieder leiser, wenn der Zug in der Ferne verschwindet. In gleicher Weise «quittiert» er laute Flugzeuge, Traktoren, Motorsägen oder Rasenmäher, als wollte er diese technischen Lärmquellen übertönen. Wasserfrosch-Männchen, die in grösserer Anzahl in einem Gewässer leben, stimulieren sich während der Paarungszeit gegenseitig zum Quaken. Das führt dann zu ohrenbetäubenden Froschkonzerten. Für Frogy ersetzt der Verkehrs- und Motorenlärm möglicherweise die fehlenden Rivalen, mit denen er um die Wette quaken kann.
Laute Wasserfrösche in Wohnquartieren haben schon manchem den Schlaf geraubt und zu Streitereien unter Nachbarn geführt. Am Ende steht oft die Forderung nach Aussiedelung der Frösche, was aber gesetzlich illegal ist. Umso glücklicher sind wir, in Bezug auf Frogy auf tolerante Nachbarn zählen zu können. Für die einen ist das Quaken «wie Musik zum Einschlafen», die anderen hören es nicht, weil sie ein klimatisiertes Haus haben und ohnehin mit geschlossenen Fenstern schlafen.
Frogy auf Wanderschaft
In jüngster Zeit haben wir bemerkt, dass an manchen Tagen keine Töne mehr aus dem Schwimmteich kommen. Dafür quakt es dann von einem Gartenteich drei Parzellen weiter und es tönt auffällig nach Frogy. Tatsächlich geht der kleine Kerl zwischendurch auf Wanderschaft. Ob es sich einfach um einen «Tapetenwechsel» handelt oder ob er dort mit einem anderen Frosch-Weibchen «fremdgeht», bleibt sein Geheimnis. Ein Gespräch mit den Hausbesitzern hat jedenfalls ergeben, dass auch sie sich nicht an der «nächtlichen Unterhaltung» stören und sich immer über Frogys Besuche freuen – und bisher ist er jedes Mal wieder zurückgekommen.
Die europäischen Wasserfrösche (Pelophylax)…
… bilden einen Komplex mehrerer nah verwandter Arten und Mischformen, wovon in der Schweiz jedoch nur zwei einheimisch sind: der Kleine Wasserfrosch (Pelophylax lessonae) und der Teichfrosch (Pelophylax esculentus). Der Kleine Wasserfrosch stellt eine eigenständige Art dar, der Teichfrosch jedoch ist ein Hybrid oder Bastard zwischen dem Kleinen Wasserfrosch und dem Seefrosch (Pelophylax ridibundus). Der Seefrosch kam in der Schweiz ursprünglich nicht vor, wurde im 20. Jh. aber vielerorts eingeschleppt. Meistens treten der Kleine Wasserfrosch und der Teichfrosch gemeinsam an einem Gewässer auf, ihre Unterscheidung ist jedoch nicht ganz einfach. Der Teichfrosch ist die grössere der beiden Formen, wobei die Männchen etwa 55 bis 75 (max. 100) mm Körperlänge erreichen. Der Kleine Wasserfrosch bleibt mit 45 bis 55 (max. 65) mm für Männchen deutlich kleiner.
Die Grundfärbung beider Formen ist meist grasgrün, seltener gelb- oder blaugrün, manchmal auch bräunlich. Rücken und Flanken sind dunkel gefleckt, an den Schenkeln laufen die Flecken zu Bändern zusammen. Häufig zieht sich ein hellgrüner Streifen über die Rückenmitte. Charakteristisch für den Kleinen Wasserfrosch sind kräftig gelbe Flecken in der Leistengegend, welche beim Teichfrosch meist fehlen. Der eingeschleppte Seefrosch ist grösser als beide einheimischen Wasserfrösche, zudem ist er meist dunkler und weniger kontrastreich gefärbt.
Die Wasserfrösche gehören wohl zu den auffälligsten und bestbekannten Amphibien. Sie sind verantwortlich für die lauten Froschkonzerte, welche im Frühling und Sommer an Weihern und Teichen zu hören sind. Tagsüber sonnen sie sich oft am Gewässerrand, von wo sie sich bei Störung mit einem grossen Sprung ins Wasser retten. Dank kräftig entwickelter Schwimmhäute an den Hinterfüssen sind sie gute Schwimmer.
Den Winter verbringen die meisten Kleinen Wasserfrösche an Land, während zumindest ein Teil der Teichfrösche in Gewässern überwintert. Von März bis April erfolgt die Rückwanderung ans Laichgewässer, wo die Paarungsaktivität frühestens Ende April beginnt und sich bis in den frühen Juli erstrecken kann. Auf dem Höhepunkt der Paarungszeit im Mai oder Juni finden sich Männchen oft zu Rufgemeinschaften an seichten Stellen des Gewässers zusammen und veranstalten die bekannten Froschkonzerte. Angelockte Weibchen werden angesprungen und hinter den Vorderbeinen umklammert.
Ungewöhnliche Fortpflanzung
(Quelle: www.karch.ch)
Was ihre Fortpflanzung anbelangt, gehören die Wasserfrösche wohl zu den interessantesten Tieren überhaupt. Nur der Kleine Wasserfrosch stellt eine eigenständige Art dar, während der Teichfrosch ein Hybrid ist, der ursprünglich auf eine Kreuzung zwischen dem Seefrosch und dem Kleinen Wasserfrosch zurückgeht. Sein Erbgut besteht also je zur Hälfte aus dem seiner beiden Elternarten. Bei der Produktion der Ei- oder Samenzellen jedoch spielt sich ein sehr ungewöhnlicher Vorgang ab, welcher als Hybridogenese beschrieben wurde: Das gesamte Erbgut des Kleinen Wasserfrosches wird zerstört, weshalb Ei- oder Samenzellen des Teichfrosches ausschliesslich das Erbgut des Seefrosches enthalten.
Eine Paarung zwischen Kleinem Wasserfrosch und Teichfrosch vereinigt darum Erbgut des Kleinen Wasserfrosches und Erbgut des Seefroschs zu Nachkommen, welche sich wieder zu Teichfröschen entwickeln. So kann der Teichfrosch in gemischten Populationen mit dem Kleinen Wasserfrosch auch ohne die Anwesenheit seiner zweiten Elternart, dem Seefrosch, fortbestehen.
Für die Kleinen Wasserfrösche ist die Paarung mit Teichfröschen jedoch ein «schlechtes Geschäft», da die Nachkommen ihren Teil des Erbgutes zerstören, statt ihn an Grosskinder weiterzugeben. Manchmal paaren sich Teichfrösche auch untereinander. Nachkommen aus solchen Paarungen erben von beiden Elternteilen das Seefrosch-Erbgut, sterben aber schon als kleine Kaulquappen. Der Grund dafür ist, dass das Seefrosch-Erbgut von den Teichfröschen über viele Generationen ohne genetische Durchmischung weitergegeben wurde. Dies führte zu einer Anhäufung von Fehlern (Mutationen) im Seefrosch-Erbgut, so dass Tiere mit zwei Kopien des schadhaften Seefrosch-Erbgutes nicht mehr lebensfähig sind.
Laut dank Schallblase
Schallblasen sind sackartige, unterschiedlich voluminöse Ausstülpungen der Mundbodenhaut bei den Männchen von Froschlurchen. In der Paarungszeit dienen sie als Resonanzraum zur Verstärkung der Paarungsrufe (Quaken), um Weibchen anzulocken. In einem quasi geschlossenen System aus Schallblase, Kehlkopf und Lunge erfolgt die Lautbildung beim Strömen der Luft durch den Kehlkopf, wodurch die Stimmbänder in Schwingungen versetzt werden. Beim Quaken bleibt der Mund geschlossen. Die Schallblase erhöht die Lautstärke und damit die akustische Reichweite der durch den Ruf erzeugten Schallwellen.
Männliche Wasserfrösche haben paarige, seitliche Schallblasen unter jedem Mundwinkel, die bei Nichtgebrauch eingestülpt werden. Einigen Froschlurchen fehlt eine Schallblase, andere verfügen nur über innere Schallblasen, daher sind ihre Rufe wesentlich leiser, so etwa bei Erdkröte und Grasfrosch.
Froschlärm und Nachbarschaftskonflikte
Es gibt in der Schweiz nur drei Arten, die so laut quaken, dass sie als «Lärmbelästigung» empfunden werden können: zwei Laubfrosch-Arten und der Wasserfrosch. Der Laubfrosch ist allerdings selten und schafft deshalb nicht oft Lärmprobleme. Der Wasserfrosch hingegen besiedelt regelmässig Gartenteiche und kann deshalb als Lärmbelästigung wahrgenommen werden. Wasserfrösche quaken ausdauernd nur während der Fortpflanzungssaison. Diese dauert von April bis Juni. Gequakt wird bei warmem Wetter tagsüber und nachts. Je mehr Frösche vorhanden sind, desto intensiver und ausdauernder wird das Gequake, denn die Männchen stimulieren sich gegenseitig.
Frösche stehen – wie alle Amphibien – unter Schutz und dürfen nicht gefangen, getötet oder verletzt werden. Ebenfalls ist verboten, die Tiere mitzuführen oder in Gewahrsam zu nehmen. Weiter ist verboten, die «Brutstätten» (also Weiher) zu beschädigen oder zu zerstören. Wird ein Weiher zerstört, so ist grundsätzlich Ersatz zu schaffen (Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz NHG Art. 18). Bei Gartenteichen wird dies aber nicht so streng gehandhabt.
Kommt es wegen Wasserfröschen im Gartenteich zu Konflikten unter Nachbarn, sollten grundsätzlich folgende Punkte beachtet werden:
Nur wenn alle Massnahmen nichts bringen, kann man versuchen, die Frösche umzusiedeln. Dies ist nur erlaubt mit Bewilligung der kantonalen Naturschutzfachstelle. Die gefangenen Tiere müssen dann an einem geeigneten Ort wieder ausgesetzt werden. Der Ort soll von einem Amphibienspezialisten und/oder der kantonalen Naturschutzfachstelle ausgewählt werden.
Weitere Informationen zu verschiedenen Frosch-Themen finden sich im Blogbeitrag «Die Hochzeit der Frösche».