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Über die Dächer des New Yorks der 50er fliegt die Kameraeinstellung, um dann in einem Koffer zu enden und schließlich wieder zurück ins oberste, 44., Stockwerk zum Bewerbungsgespräch. "The Future is NOW" hieß es in dem Jobinserat und Norville "Man from Muncie" Barnes (Tim Robbins) folgte dem Aufruf und landet (vorläufig) in der Postabteilung des riesigen Konzerns namens Hudsucker.
Der Chef, Firmengründer und Vorstandsvorsitzende Waring Hudsucker hat sich gerade aus dem obersten Stockwerk seines Wolkenkratzers gestürzt, als Norville das Gebäude betritt. Die Nachfolger, darunter der Geschäftsführer Sidney J. Mussburger (Paul Newman) und seine Aktionäre wollen die Aktie des Unternehmens nach unten drücken und suchen nach einem "Dorftrottel" als Nachfolger Warings. Da kommt Norville gerade recht. Aber Norville will seine Chance nutzen und hat einen Plan: einen schwarzen Kreis auf einem weißen Stück Papier. Als er seine Idee vorzeigt, dreht er das Blatt sogar noch um, damit man den Kreis von der richtigen Seite sieht und er nicht etwa Kopf steht. Allein, ein Kreis bleibt ein Kreis und ein Loch ein Loch. Außer der gerissenen Sekretärin Amy Archer (Jennifer Jason Leigh) ahnt keiner der Aktionäre, worum es sich eigentlich handelt: Norville hat den Hula-Hoop-Reifen erfunden! Die Gedenkminute für den verstorbenen Firmenchef wird selbstverständlich vom Lohn abgezogen, heißt es da über die Kommunikationsanlage der Firma.
Dass Norville die Aktie des Unternehmens durch seine Erfindung nach oben treibt anstatt nach unten, wie von ihm eigentlich erwartet, ist noch lange nicht das Ende dieser mitreißenden Komödie aus der Hand der Coen-Brüder. Joel und Ethan Coen sowie Sam Raimi verfassten das Drehbuch und ersterer führte Regie. Mit "Hudsucker" legen die Coen-Brüder einen Film voll beißender Ironie und einen zynischen Abgesang auf den Kapitalismus vor, der vom Setting und der Machart resp. den Kulissen etwas an "Brasil" (Terry Gilliam, 1985) erinnert. Die Accountants im Büro oder die Postabteilung im Keller könnten ebenso gut aus "1984", einem anderen englischen Klassiker, stammen, die Dialoge tragen allerdings sehr viel mehr in sich! "Welchem Armleuchter würde so etwas einfallen?", fragt Mussburger. "Ich habe es selbst erfunden!", antwortet Norville. "Gratuliere! Du hast das Rad neu erfunden!", meint Mussberger zu Norville an einer anderen Stelle und das ist gar nicht einmal übertrieben, sieht man sich die Umsätze an, die dieser Plastikreifen erzielt. Wer es nicht glaubt, der kann sich über die Erfindung des Hula-Hoops ja selbst informieren. Aber unterhalten wird man von den Coen-Brüdern natürlich weitaus besser. Dabei ist das alles gar nicht einmal so erfunden, wie es klingt!