Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03404.jsonl.gz/2760

Muskatnuss
Muskatnuss = Myristica fragrans // Muskatnussgewächse = Myristicaceae
Geschichtliches
Vermutlich im 1. Jahrhundert vor Christus wurde die Muskatnuss von arabischen Händlern, die die Muskatnuss zum Aromatisieren von Bier verwendeten, nach Mitteleuropa gebracht. Der Handel mit Muskat erreichte allerdings erst im 15. Jahrhundert eine Bedeutung, als portugiesische Seefahrer zu den berühmten Gewürzinseln – den Molukken – segelten und fortan einen sehr lukrativen Handel mit dieser Frucht betrieben.
Nach einer eher wechselhaften Geschichte ist die Bedeutung der Muskatnuss als Gewürz gesunken. Heute wird ein beträchtlicher Teil der auf zirka 140 000 Tonnen geschätzten weltweiten Ernte auf der Gewürzinsel Grenada und in den Ursprungsländern abgewickelt und dort ist dieses Gewürz auch noch allgegenwärtig anzutreffen.
Da Muskatnuss in grösseren Mengen eine leicht halluzinogene Wirkung erzeugen kann, findet man schon sehr früh einen (anscheinend) dokumentierten Hinweis, dass «im Jahr 1576 eine schwangere, englische Dame, nach dem Verzehr von zehn bis zwölf Früchten in ein rauschartiges Delirium fiel!».
WARNHINWEIS: Wir empfehlen Ihnen, dies auf keinen Fall nachzuahmen, da dies tödlich sein kann.
Botanik und Kultur
Bis vor gut einhundertfünfzig Jahren waren riesige Gebiete Südostasiens von grossen Regenwäldern bedeckt, die eine Vielfalt von wichtigen Gewürzpflanzen beheimateten. Die Gattung Myristicaceae umfasst mit ihren rund 100 Arten kleinere und grössere Bäume und ist in Asien, Australien, Sri Lanka und auf der karibischen Insel Grenada anzutreffen, wo sie einen sehr hohen Stellenwert geniesst.
Der Muskatbaum, ein buschiger und immergrüner Baum wird bis zirka zwölf Meter hoch. In gut durchlässigen, humusreichen und sandigen Böden mit hohem Wassergehalt wächst dieser Baum dennoch relativ langsam heran. Da der Muskatbaum eine Mindesttemperatur von 16 bis 18 Grad verlangt, ist ein Vorkommen ausserhalb des subtropischen Klimas kaum möglich. So verwundert es nicht, dass sich die Anbaugebiete auf die Molukken und Banda-Inseln, sowie die Gewürzinsel Grenada beschränken.
Verwendet werden die Samen, der Samenmantel und das aus der Nuss gewonnene Öl. Neben der echten Muskatnuss (Myristica fragrans) liefern noch andere Muskatarten brauchbare und aromatische Früchte, so u.a. der Pferdemuskat (Myristica argéntea).
Verwendung in der Naturheilkunde
Muskatnuss darf nur sehr sparsam verwendet werden, da sie eine halluzinogene Wirkung erzeugen kann. Die Einnahme einer ganzen Muskatnuss kann bereits erhebliche Nebenwirkungen verursachen, vor allem länger andauernde Übelkeit und Erbrechen. Bei Überdosierung können zusätzlich starke Kopfschmerzen, Schwindel und ein Delirium ausgelöst werden.
Die Eigenschaften der Muskatnuss sind bitter, würzig, wärmend, verdauungsfördernd, krampflösend und bei Oberflächenanwendung auch entzündungshemmend. In sehr kleinen Mengen regt Muskatnuss den Appetit an.
Medizinisch wird die Muskatnuss – in homöopathischer Dosierung – innerlich bei Durchfall, Magenkatarrh, Koliken und äusserlich bei Kopfschmerzen, Ekzemen und rheumatischen Gebrechen eingesetzt. HINWEIS: Nicht für Schwangere geeignet!
In der pharmazeutischen Industrie findet die «Muskatbutter», ein aus durch Auspressen von Muskatnüssen gewonnenes Fett, in der Herstellung von Parfüms und Seifen, Zahnpasta, sowie bei der Herstellung von Kerzen Verwendung.
Bei Fragen zur Anwendung empfehlen wir Ihnen, sich an einen Naturarzt oder ausgewiesenen Drogisten zu wenden.
Verwendung in der Küche
Die Muskatnuss wird normalerweise frisch geraspelt, da sich ihre Inhaltsstoffe und Aromen leicht verflüchtigen.
Zu würzigen Gerichten, besonders solchen mit Milch und Käse, zu Pudding, Gemüse, Soufflés, Fisch, klaren Suppen und Pasta kann die Muskatnuss sparsam verwendet werden. In einer Sauce Béchamel darf die Muskatnuss auf keinen Fall fehlen. Auch in ein würziges Käsefondue gehört ein Hauch Muskatnuss.
Die Muskatnuss und ihre Blüten sind wichtige Bestandteile der in Nordafrika verwendeten Kräutermischung Ras-el-hanout.
Als Hauptgericht für 4 Personen, als Beilage für 6 Personen
Zutaten:
- 800 g Wirz
- 1 Zwiebel
- 1 EL Oliven-oder Rapsöl
- wenig Salz
- 600 g Kartoffeln
- 3 dl Rahm
- 2 Eier
- 1/3 TL Muskatnuss (frisch gerieben)
Zubereitung:
- Den Wirz putzen, achteln, waschen, den Strunk herausschneiden und in feine Streifen schneiden.
- Die Zwiebel schälen, halbieren und fein hacken.
- Olivenöl in die Bratpfanne geben und erhitzen. Den Wirz und die Zwiebeln im Olivenöl 3 bis 5 Minuten dünsten. Mit wenig Salz würzen.
- Die Kartoffeln schälen und in feine Scheiben hobeln.
- Eine Auflaufform mit wenig Olivenöl bepinseln. Kartoffelscheiben einschichten, darüber eine Lage Wirz. So weiterfahren. Mit einer Lage Wirz abschliessen.
- Rahm, Eier, Muskatnuss und Salz in einen Messbecher geben und gut verrühren. Über den Wirzauflauf giessen.
- Backofen auf 180°C vorheizen.
- Den Wirzauflauf in den Backofen schieben und ca. 30 Minuten backen.
Der Wirzauflauf eignet sich zusammen mit einem Salat als Hauptgericht oder als Beilage zu einem Stück Fleisch.
Die Autoren
Christian Fotsch
Christian Fotsch betreibt eine eigene Kräuter- und Heilpflanzengärtnerei in Brienz im Berner Oberland. Zudem obliegt ihm die Pflege der Kräuter- und Heilpflanzengärten im Freilichtmuseum Ballenberg sowie die Produktion von Pflanzen für die alpinen Schaugärten der Ricola AG. In seinen Kursen öffnet er den Teilnehmenden die Augen für die Heilkräfte der einheimischen Pflanzenwelt.
Brigitte Speck
Brigitte Speck ist Ernährungsberaterin mit eigener Praxis. Sie bietet Kochkurse für Kinder an. Dass diese immer ausgebucht sind, beweist, dass sie gesunde Ernährung mit höchstem Genuss zu verbinden weiss. Von ihr sind verschiedene erfolgreiche Kochbücher zum Thema Stevia und Kinderernährung erschienen.