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– Die meisten Kinder sind spätestens ab dem fünften Lebensjahr trocken, das heisst, sie können den Schliessmuskel der Blase auch während des Schlafs kontrollieren. Wenn ein Kind aber nach dieser Altersschwelle sein Bett regelmässig einnässt, spricht man von Bettnässen.
Im Alter von fünf Jahren nässen noch etwa 20 Prozent der Kinder nachts ein. Mit sechs Jahren sind es noch zehn und mit zehn Jahren noch sechs Prozent. Etwa ein Prozent nässt während des ganzen Lebens. Buben sind etwas häufiger betroffen als Mädchen.
Die Ursachen
Das primäre Bettnässen (85 Prozent der Bettnässer) ist in den meisten Fällen vererbt. Wenn die Eltern keine Bettnässer waren, nässen nur etwa 15 Prozent der Kinder ein. War ein Elternteil Bettnässer, dann sind etwa 45 Prozent der Kinder betroffen, und wenn beide Eltern Bettnässer waren, dann ist statistisch damit zu rechnen, dass 75 Prozent der Kinder dies auch tun.
Bettnässen ist nur in seltenen Fällen Ausdruck psychischer Probleme. Laut dem Walliser Kinder- und Jugendarzt Stephan König ist dies vor allem in der Gruppe der sekundären Bettnässer der Fall, das heisst bei jenen Kindern, welche bereits einmal während eines halben Jahres trocken waren und dann wieder zu nässen begannen.
Erste Massnahmen
Wenn Eltern merken, dass ihr Kind überdurchschnittlich lange einnässt, ist es wichtig, möglichst keinen Druck auszuüben. Das Kind kann nichts dafür, dass es noch nicht trocken ist.
Der frühestmögliche Behandlungstermin ist ab dem fünften Lebensjahr. Es reicht völlig, erst dann den Kinderarzt oder die Kinderärztin bei einer Allgemeinkontrolle darauf anzusprechen. Zumal die Therapiekosten von der Krankenkasse für jüngere Kinder auch nicht übernommen werden. Beginnen sollten Sie mit der Therapie, wenn das Kind unter dem Einnässen leidet, das heisst, sobald das nasse Bett ein Thema ist und das Kind trocken werden möchte. Dann sind die Erfolgschancen einer Therapie am grössten.
Der Kinderarzt wird in der Regel eine Befragung (Anamnese) der Eltern, eine einfache Urin- und eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege durchführen. Das sind Untersuchungen, die für das Kind nicht belastend sind. Anschliessend werden die Therapiemöglichkeiten besprochen.
Die Therapie
Da das bettnässende Kind nicht merkt, wie sich seine Blase entleert, gibt es Therapien wie die Klingelmatzratze oder die Klingelwindel, die genau da ansetzen. Diese Apparate lösen einen Alarmton aus, sobald das Kind einnässt. Die beginnende Blasenentleerung wird im Hirn des Kindes nach einigen Nächten mit dem Alarmton verknüpft. Das Kind kann, wenn die Therapie funktioniert, nun seine Blase verschliessen oder aufstehen und sie entleeren.
Ein Nachteil dieser Apparate ist der schrille Ton. Das laute Klingeln mag für einige Eltern und zum Teil auch für die Geschwister ein Problem sein. Manche Kinder lassen sich durch den Klingelton auch nicht wecken. Es gibt auch Eltern, die dieses abrupte Wecken ihrem Kind nicht zumuten wollen. Eine Alternative ist eine «vibrierende Windel», die vom Team des Kinderarztes Stephan König entwickelt wurde.
Die medikamentöse Therapie stützt die Annahme, dass bettnässende Kinder unter einer Hormonstörung leiden. Sie produzieren möglicherweise nachts zu wenig antidiuretisches Hormon (ADH), welches in den Nieren die Ausscheidung des Urins regelt. Vor dem Zubettgehen wird den Kindern dieses Hormon verabreicht.
Allerdings dürfen Kinder, die das Hormon am Abend einnehmen, nachts unter keinen Umständen trinken, da dies zu einer Wasservergiftung (Wasserintoxikation) und in der Folge zu einer gefährlichen Verdünnung des Blutes führen könnte. Dies mag der Hauptgrund sein, warum einige Kinderärzte der Verschreibung dieses Medikaments kritisch gegenüberstehen oder ganz ablehnen.
Unterstützend können Kinder, die nachts einnässen, auch ein Blasentraining absolvieren: Das Kind trinkt am Tag während einer gewissen Zeit eine grosse Menge und versucht anschliessend, die Blasentleerung möglichst lange zurückzuhalten. Der kleine Patient kann mit Hilfe eines Bechers mit Graduierung selber abmessen, wie viel seine Blase zu fassen vermag. Das Resultat trägt er auf eine Liste ein. Nicht empfehlenswert ist es laut dem Kinderarzt Stephan König, betroffenen Kindern ab 17 Uhr nichts mehr zu trinken zu geben und sie womöglich dursten zu lassen.
Erfolgschancen bei 80 Prozent
Auch ohne Therapie werden viele Bettnässer mit der Zeit trocken. Dennoch sollten Eltern das Problem ernst nehmen. «Wichtig ist, dass das Kind unter dem Bettnässen nicht leiden darf und dass es nicht auf das Auswärtsschlafen verzichten muss. Bettnässen kann zu einer schweren psychischen Belastung, zu einem Verlust des Selbstwertgefühls führen, und das gilt es durch eine rechtzeitige und effektive Therapie zu verhindern,» sagt König. Er beziffert die Erfolgschancen einer Therapie mit 80 Prozent und mehr.
- Quelle
«Drogistenstern»