Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03252.jsonl.gz/1471

Loup(Kt. Waadt,
Bez. Cossonay,
Gem.
Pompaples). 530 m. Gruppe von 9
Häusern auf einer Terrasse rechts über dem
Nozon und nahe der
Ausmündung dieses Flussthales in die
Ebene der
Orbe, 500 m w.
Pompaples und 1,5 km nw. der Station
La Sarraz
der Linie
Lausanne-Pontarlier. 72 reform. Ew. Kirchgemeinde
La Sarraz. Sitz der Diakonissenanstalt der welschen
Schweiz, die
von L. Germond, Pfarrer in
Échallens, Ende 1842 als kleiner
Spital (dem damals einzigen Krankenhaus der Waadt
neben dem Kantonsspital)
gegründet worden ist. Zehn Jahre später verlegte man die Anstalt in die grösseren Raume des von Dr.
Butini de la
Rive aus Genf
angekauften ehemaligen Heilbades von Saint Loup. Von dieser Zeit an begann man auch mit der Einrichtung
von andern Krankenhäusern im Kanton Waadt.
1886 hatte sich der Grundbesitz der Anstalt von Saint Loup verdoppelt.
Bei Anlass der 50jährigen Stiftungsfeier errichtete man einen sog. Jubiläumsfond, dem neben einer Hauptschenkung
¶
mehr
von 100000 Fr. noch andere Gaben zuflossen und der zum Bau eines neuen Spitales verwendet wurde. Dieser aus mehreren einzelnen
Gebäuden bestehende neue Spital konnte dann am eingeweiht werden. 1904 zählte die Anstalt von Saint Loup 208 Diakonissen,
die ihre Tätigkeit in rund 50 Krankenhäusern der welschen Schweiz ausübten. 1903 hat der Spital zu Saint Loup 482 Kranke,
das sog. Chalet (für chronische Krankheiten) deren 123 und die sog. Retraite (Kinderasyl) 60 kranke Kinder verpflegt. 1905 umfasste
die ganze Anstalt zusammen 8 Gebäude.
Das hier ziemlich enge Thälchen des Nozon ist in oberes und mittleres Neocom eingeschnitten. Die kompakten
Bänke des ersteren (Urgon) bilden die Steilwände der malerischen Schlucht, während an ihrer Sohle der gelbe sog. Neuenburgerstein
(Hauterivien) ansteht, der oft mit Moräne oder Alluvionen überdeckt ist. Saint Loup, das früher auch Saint Didier (Sanctus
Desiderius) hiess und im 6. Jahrhundert neben einigen Wohnhäusern eine Pfarrkirche besass, muss als
eine der ältesten Ansiedelungen am Jurafuss gelten und ist vielleicht nach dem h. Lupicinus, einem Bruder des h. Romanus
und Stifter von Klöstern in dieser Gegend (im 5. Jahrhundert) benannt.
Die Kirche von Saint Didier oder Saint Loup war Pfarrkirche des benachbarten Dorfes Ferreyres und wurde von Ludwig
dem Frommen 814 oder 815 dem Stift zu Lausanne geschenkt. Später kam sie an die Herren von Grandson-LaSarraz, die sie der von
ihnen gestifteten Abtei am Jouxsee vergabten. Nach der Reformation erhielt der Inhaber der Baronie La Sarraz die kirchlichen
Güter unter der Bedingung zugesprochen, dass er daraus die Kosten des reformierten Gottesdienstes
zu bestreiten habe.
Später trug man dann die alte Pfarrkirche ab, von der um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch einzelne Reste aufgefunden
wurden. In Saint Loup bestand früher auch ein Heilbad mit Schwefelquelle, das viele Kranke anzog und im Lauf des 18. Jahrhunderts
von der Familie Juvet erworben wurde, der es bis 1852, d. h. bis zum Ankauf durch Dr. Butini de la Rive,
gehörte. Vergl. die Rapports annuels de l'Institution des diaconesses de Saint Loup und das im Auftrag des Anstaltskomités
verfasste Büchlein Saint Loup von Pfarrer J. Laufer (Lausanne 1901).