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Veränderung der Artenzahl
Es gibt deutliche regionale Unterschiede in der Veränderung der Artenzahl. Über die ganze Schweiz betrachtet ist die Anzahl Brutvogelarten zwischen 1993–1996 und 2013–2016 gestiegen. Ebenfalls leicht zugenommen hat die mittlere Artenzahl pro Atlasquadrat. Auf Stufe Kilometerquadrat halten sich Zu- und Abnahmen in etwa die Waage.
Die regionalen Muster in der Veränderung der Artenzahl zwischen 1993–1996 und 2013–2016 variieren abhängig von der räumlichen Skala beträchtlich. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da je nach Skala der Betrachtung (Kilometerquadrat oder Atlasquadrat) andere Entwicklungen das Gesamtbild beeinflussen. Einige Beispiele:
- Die punktuellen, weit auseinanderliegenden neuen Vorkommen des Weissstorchs beeinflussen das Gesamtbild hauptsächlich auf Stufe Atlasquadrat (10 × 10 km).
- Grossflächige Zu- oder Abnahmen wie zum Beispiel der Rückgang des Waldlaubsängers machen sich insbesondere auf Stufe Kilometerquadrat (1 × 1 km) bemerkbar. Solange einige Restvorkommen bleiben, verschwindet die Art auf Niveau Atlasquadrat nicht.
- Wenn ehemals häufige Arten wie die Feldlerche nicht nur abnehmen, sondern grossflächig komplett verschwinden, so macht sich dies auf beiden Skalen bemerkbar.
- Hauptsächlich an Laubbäume gebundene Arten wie die Blaumeise besiedeln in den Alpentälern nach und nach neue Flächen. Dies zeigt sich auf Niveau Kilometerquadrat. Liegen die neuen Flächen abseits der bisherigen Vorkommen, so nimmt auch die Anzahl besetzter Atlasquadrate zu.
- Ein weiteres Phänomen wird weder auf der einen noch auf der anderen Karte sichtbar: Nimmt eine bereits häufige Art weiter zu oder leicht ab (ohne ganz zu verschwinden), so hat dies keinen Einfluss auf die Artenzahl pro Kilometerquadrat oder Atlasquadrat.
Die gezeigten Karten basieren nur auf den Daten der Arten, für die eine modellierte Veränderungskarte (Dichte oder Vorkommen) oder eine Punktveränderungskarte erstellt werden konnte. Arten, deren Veränderung wir nur auf Niveau Atlasquadrat ausweisen, wurden weggelassen. Dies, weil wir davon ausgehen, dass die rund sechsmal höhere Beobachtungsintensität im Vergleich zu 1993–1996 zu einer vollständigeren Erfassung des Artensets der Atlasquadrate geführt hat und somit das Gesamtbild deutlich zu optimistisch ausfallen würde. Bei den modellierten Karten hingegen konnten wir für die Zunahme des Beobachtungsaufwands korrigieren. Auch die Punktveränderungskarten sind nicht von dieser Zunahme beeinflusst, da nur Arten berücksichtigt wurden, deren Brutstandorte bereits 1993–1996 vollständig erfasst worden waren. Die hier abgebildeten Ergebnisse sollten also nicht durch den höheren Beobachtungsaufwand beeinflusst sein.
Veränderung der Artenzahl in der Schweiz
2013–2016 wurden in der Schweiz netto 13 Brutvogelarten mehr gefunden als 1993–1996. 17 Arten, welche 1993–1996 nicht in der Schweiz brüteten, wurden 2013–2016 als Brutvögel registriert. Es handelt sich dabei um Kormoran, Brandgans, Purpurreiher, Silberreiher, Seidenreiher, Bartgeier, Schlangenadler, Zwergsumpfhuhn, Mornellregenpfeifer, Stelzenläufer, Küstenseeschwalbe, Mariskenrohrsänger und Grünlaubsänger sowie die Gefangenschaftsflüchtlinge Weisswangengans, Kanadagans, Moschusente und Bahamaente; bei Seidenreiher und Stelzenläufer blieb es allerdings bei einem Brutversuch. Nicht mehr in unserem Land brüteten Nachtreiher, Grosser Brachvogel, Orpheusgrasmücke und Rotkopfwürger.
Veränderung der Artenvielfalt pro Atlasquadrat
Die Veränderungen pro Atlasquadrat zwischen 1993–1996 und 2013–2016 variieren zwischen Verlusten von 8 Arten und Gewinnen von 6 Arten. Über die ganze Schweiz betrachtet wurde im Mittel eine Zunahme von rund 0,5 Arten pro Atlasquadrat festgestellt.
Auffällig ist der Anstieg der Artenzahl auf Niveau Atlasquadrat im Tessin. Er wird hauptsächlich getrieben durch das neue Auftreten einiger Arten, die in der restlichen Schweiz bereits weit verbreitet waren. Es handelt sich dabei beispielsweise um Stockente, Türkentaube oder Elster. Ebenfalls zugenommen hat die Artenzahl in einigen Gebieten des Mittellands. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Atlasquadrate, die Feuchtgebiete enthalten oder an Gewässer grenzen. So traten in diesen Atlasquadraten beispielsweise Gänsesäger, Kolbenente, Mittelmeermöwe oder Nachtigall neu auf. Zudem kamen in einigen Atlasquadraten im Mittelland Mittelspecht und Schwarzkehlchen sowie Koloniebrüter wie Alpensegler oder Saatkrähe neu dazu. Auch an der östlichen Alpennordflanke fallen einige Atlasquadrate mit Zunahmen auf. Diese wurden beispielsweise von Reiherente, Hohltaube oder Zippammer neu besiedelt, im Talboden auch vom Weissstorch.
Die markantesten Rückgänge der Artenzahl pro Atlasquadrat wurden in landwirtschaftlich geprägten Gebieten der Westschweiz festgestellt. In der Westschweiz und auch in der Bodenseeregion kommen die Abnahmen vor allem durch das weiträumige Verschwinden von Arten des Kulturlands wie Kiebitz, Feldlerche, Braunkehlchen oder Grauammer zustande. In vielen anderen Atlasquadraten des Mittellands gingen diese Brutvogelarten schon vor 1993–1996 verloren. Auch im Oberwallis hat die Artenzahl pro Atlasquadrat etwas abgenommen. Hier scheinen mehrere bereits 1993–1996 seltene Arten grossräumig verschwunden zu sein, darunter Grauschnäpper, Kernbeisser und Grauammer.
Veränderung der Artenzahl pro Kilometerquadrat
Über die ganze Schweiz betrachtet hat sich die mittlere Artenzahl pro Kilometerquadrat zwischen 1993–1996 und 2013–2016 kaum verändert. Regional gibt es jedoch deutliche Unterschiede. Auffallend sind die Zunahmen im Tessin und in Teilen Graubündens sowie die Rückgänge im westlichen Mittelland und in Teilen des Oberwallis, die auch auf Niveau Atlasquadrat sichtbar sind. Auf Niveau Kilometerquadrat hat die Artenzahl zudem in weiten Teilen der Nordschweiz sowie in den östlichen Nordalpen abgenommen.
Zu den Verlusten der Artenzahlen beigetragen haben vor allem die Rückgänge verbreiteter Vertreter der Gruppe der insektenfressenden Langstreckenzieher, beispielsweise Waldlaubsänger und Grauschnäpper. Weiter haben verschiedene Arten des Offenlands deutlich an Terrain eingebüsst, unter anderem Neuntöter und Braunkehlchen. Schliesslich sind auffällig viele Vertreter der Finken lokal zurückgegangen oder verschwunden, darunter Arten mit doch sehr unterschiedlichen Lebensraumansprüchen wie Gimpel, Bluthänfling und Zitronenzeisig. Die Zunahmen kommen unter anderem dadurch zustande, dass sich häufige Waldarten wie Meisen oder Drosseln in höhere Lagen ausgebreitet haben. Weiter haben einige Arten wie beispielsweise Ringeltaube oder verschiedene Rabenvögel grossflächig neue Gebiete besiedelt. Der Bestandsanstieg von Stockente und Elster im Tessin schliesslich macht sich nicht nur auf Stufe Atlasquadrat, sondern auch auf Stufe Kilometerquadrat bemerkbar. Zudem zeigen im Tessin auch andere in der übrigen Schweiz häufige Arten wie beispielsweise die Singdrossel eine Zunahme der Verbreitung auf Stufe Kilometerquadrat.
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