Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03219.jsonl.gz/113

Kennst du das Impostor-Syndrom?
Ich ertappe mich ab und zu noch dabei, Angst davor zu haben, dass jemand herausfinden könnte, dass ich nicht perfekt bin.
Wie geht es dir dabei, hast du dich das schon gefragt? Was mir manchmal noch schwer fällt, ist, meine eigenen Erfolge voll und ganz anzuerkennen. Wie gehst du mit deinen Erfolgen um?
Vielleicht bist du ja auch vom Impostor-Syndrom (= Hochstapler-Syndrom) betroffen. Wenn du beide Fragen oder auch nur eine Frage mit „JA“ beantwortet hast, dann lies weiter.
Inhalt
Die typische „Hochstaplerin“
Karin ist eine hervorragende Coachin. Ihre Klienten empfehlen sie gerne weiter und sie wird gebucht. Wenn Karin sich weiterbildet, dann vermeidet sie Gespräche mit Psychologen und anderen Kollegen. Du ahnst es schon. Sie fürchtet sich davor, inkompetent zu wirken. Sie fühlt sich nicht souverän und bleibt still. Sie kennt sich noch nicht in allen Coaching Themen aus oder kann nicht alle Krankheitsbilder der Psychologie auswendig vorsagen und muss immer wieder mal etwas nachlesen. Bei manchen Behandlungen entscheidet sie – ihrer Meinung nach – mehr nach ihren Erfahrungen und nicht aufgrund der letzten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Aber hoffentlich merkt das niemand…
… und wenn du „Karin“ kennst, habt ihr Gemeinsamkeiten, nun ... willkommen im Club der Imposter (Hochstapler).
Was ist dieses Impostor-Syndrom?
Das Impostor-Syndrom entsteht durch verzerrte Selbstwahrnehmung, Selbstbeurteilung und Minderwertigkeitsgefühlen.
Suzanne Imes und Pauline Rose Clance leiteten eine psychologische Studie: „The Impostor Phenomenon in High Achieving Woman: Dynamics and Therapeutic Inervention, 1978“.
Es ist zwar schon eine Weile her, doch das Thema ist aktueller denn je. Viele erfolgreiche und begabte Menschen sind davon betroffen, Frauen allerdings deutlich häufiger als Männer.
Wie würde ich diese Frauen beschreiben?
Wir erkenne ich Hochstaplerinnen :-)?
Frauen, die unter dem Hochstapler-Syndrom leiden, sind in der Regel sympathische, zurückhaltende Menschen. Sie sind unscheinbar und stehen meist in der zweiten Reihe. Sie übernehmen nicht die leichten Aufgaben, nein, sie entscheiden sich oft für die Schwierigen. Einen gewissen Perfektionismus können sie nicht abstreiten.
Obwohl sie gut ausgebildet sind, fühlen sie sich nicht wirklich kompetent und erfolgreich. Es fällt ihnen schwer, ihre Erfolge zu feiern und anzuerkennen, denn sie sehen ihren Erfolg eher als Zufall oder als Glück.
Falls es dich interessiert, kannst du mit Hilfe dieses kurze Testes feststellen, ob du ebenfalls vom Hochstapler-Syndrom betroffen bist:
Der Hochstapler-Test
Der Hochstaplertest ist zum Teil wörtlich zitiert aus Clance (1988: 28-32)
Beantworte folgende Fragen so ehrlich wie möglich und ohne langes Überlegen. Wähle dabei jeweils eine Antwortalternative, die für dich am besten zutrifft und notiere dir die Zahlen:
1 = trifft überhaupt nicht zu
2 = trifft selten zu
3 = trifft manchmal zu
4 = trifft oft zu
5 = trifft absolut zu
Ich habe oft bei einem Test oder eine Aufgabe Erfolg gehabt, obwohl ich vorher Angst hatte zu versagen.
Ich kann den Eindruck erwecken, tüchtiger zu sein, als ich bin.
Wenn möglich, vermeide ich, jemanden zu beurteilen, und mir graut davor, beurteilt zu werden.
Wenn Leute mich wegen einer Leistung loben, fürchte ich, ihren Erwartungen in Zukunft nicht entsprechen zu können.
Manchmal denke ich, meine gegenwärtige Position oder meinen momentanen Erfolg erlangt zu haben, weil ich zur richtigen Zeit am richtigen Platz war oder die richtigen Leute kannte.
Ich habe Angst, dass Leute, die mir wichtig sind, herausbekommen, dass ich nicht so fähig bin, wie sie glauben.
Ich neige dazu, mich mehr an meine weniger guten als an meine besten Leistungen zu erinnern.
Ich erledige selten ein Vorhaben oder eine Aufgabe so gut, wie ich gern möchte.
Manchmal spüre oder glaube ich, dass der Erfolg in meinem Leben oder meinem Beruf auf einem Irrtum beruht.
Es fällt mir schwer, Komplimente oder Lob wegen meiner Intelligenz oder meiner Leistungen entgegenzunehmen.
Zeitweise ist mir klar, dass ich meinen Erfolg einer Art von Glück zu verdanken habe.
Zeitweise bin ich enttäuscht über meine gegenwärtigen Leistungen und finde, dass ich viel mehr hätte erreichen müssen.
Manchmal habe ich Angst, dass die anderen merken, wie wenig ich eigentlich weiß und kann.
Ich fürchte oft, bei einer neuen Aufgabe oder Anforderungen zu versagen, obwohl mir im Allgemeinen gelingt, was ich versuche.
Wenn mir etwas gelungen ist und meine Leistung anerkannt wird, beginne ich zu zweifeln, dass ich das Erreichte wiederholen kann.
Wenn ich für eine Leistung viel Lob und Anerkennung bekomme, neige ich dazu, die Wichtigkeit dessen, was ich vollbracht habe, herunterzuspielen.
Ich vergleiche meine Fähigkeiten mit denen meiner Kollegen und stelle fest, dass die anderen vermutlich intelligenter sind als ich.
Ich mache mir oft Sorgen, dass mir ein Vorhaben nicht gelingt oder dass ich eine Prüfung nicht bestehe, obwohl andere beachtliches Vertrauen in mein Können setzen.
Wenn ich befördert werden soll oder mir irgendeine Art der Anerkennung bevorsteht, zögere ich, darüber zu reden, bis es tatsächlich geschehen ist.
Ich fühle mich schlecht und entmutigt, wenn ich in Situationen, die große Leistungen erfordern, nicht „der (oder die) Beste“ oder wenigstens „ganz besonders gut“ bin.
[Der Hochstaplertest ist zum Teil wörtlich zitiert aus Clance (1988: 28-32)]
Auswertung
Zähle nun die Punkte aller Antworten zusammen. Je höher die Gesamtsumme, desto häufiger und schwerer bist du vom Hochstapler-Syndrom betroffen.
Bis 40 Punkte: kaum Hochstaplermerkmale
41 bis 60 Punkte: leichte Ausprägung des Hochstapler-Syndroms
61 bis 80 Punkte: mittlere Ausprägung des Hochstapler-Syndroms
Über 80: starke Ausprägung des Hochstapler-Syndroms
Egal wie dein Testergebnis ausfällt: Bitte sei dir bewusst, dass das Hochstapler-Syndrom keine pathologische Krankheit ist.
Das Ergebnis zeigt dir, wie sehr dich deine Ängste und Zweifel daran hindern, dein Talent und deine Fähigkeiten zu akzeptieren und deinen Erfolg zu feiern.
Die Erkenntnis zeigt dir vielleicht auf, was du aktiv angehen kannst. Glaube mir, es muss nicht so bleiben :-)
6 Wege aus dem Hochstapler-Syndrom
Deine Erfolgsliste Richtig gelesen. Schreibe eine Liste deiner Erfolge, alles, was du gut kannst und machst. Was sind deine Erfolge? Es kommt dir nichts in den Sinn? Dann frage dich: Was mache ich gut? Was hast du im Leben alles geschafft, alles, die kleinen und grossen Dinge. Ergänze die Liste täglich mit allen grossen und kleinen Erfolgen. Das stärkt dein Selbstbewusstsein.
Lerne positiv zu denken Nun, ich kenne niemanden, der perfekt ist. Jedem geschehen Missgeschicke. Wie bewertest du deine Missgeschicke und wie gehst du mit ihnen um? Da sage ich heute oft: „The Hard or the Easy Way?“ Du kannst dich den Rest des Tages ärgern und dir Vorwürfe machen oder du findest das Gute im Missgeschick. Du darfst wählen.
Höre auf dich, zu vergleichen Es wird immer jemanden geben, der besser, klüger, belesener, kompetenter oder was auch immer ist. Aber so wie du bist, bist du einzigartig und etwas Besonderes. Es wird Menschen geben, die deine Meinung brauchen, die deine Sicht der Dinge in ihrer Situation wollen. Nicht jeder Mensch, wird sich an dich wenden, doch bei 8 Milliarden Menschen hättest du auch nicht die Zeit dazu.
Benenne das Gefühl Wenn du dich das nächste Mal wieder lausig fühlst, sage dir: „Das bin nicht ich, das ist nur der Teil in mir der das Hochstapler-Syndrom auslebt“. Wenn du dieses unangenehme Gefühl einordnen und benennen kannst, kannst du es auch ändern. Du bist nicht dieses Gefühl (4 Session Protokoll, siehe www.ursinafried.ch).
Sei unperfekt Gewöhne dich daran, nicht immer alles richtig oder gar ausserordentlich gut machen zu wollen. Mach mal absichtlich etwas falsch, anders oder versuch etwas Neues, das wahrscheinlich in die Hosen geht. Ganz harmlose Dinge wie: 2 verschiedenfarbene Socken anziehen. Jemanden etwas Blödes fragen. Ein exotisches Rezept kochen, mit Zutaten, die du noch nie verkocht hast und Gäste zu diesem Essen einladen und wenn du nicht kochen kannst, umso besser.
Handle Wenn dich das Gefühl, nicht gut genug zu sein, davon abhält, ins Tun zu kommen, nütze die „5 Sekunden Regel“ und tu es trotzdem. Nur durchs Tun kannst du Erfahrungen sammeln und dir weitere Erfolge bewusst machen und lernen auf deine Fähigkeiten zu vertrauen.
Alles ist veränderbar. Eines der wichtigsten Dinge dabei ist, dass dir erst einmal bewusst wird, was für Muster und Programme da in deinem Kopf ablaufen (www.ursinafried.ch).
Und nachdem du bis hierher gelesen hast, bin ich mir ganz sicher, du bist auf deinem Weg des Gelingens!
Alles Liebe,
Ursina
5 Sekunden Regel
Dieser kleine Trick hilft dir, wenn du das Gefühl hast, du solltest jetzt dieses oder jenes tun oder du möchtest etwas tun, traust dich aber nicht, wie z.B. jemanden etwas fragen, etwas in einer Besprechung sagen, Nein zu etwas sagen oder jemanden um etwas bitten.
Je länger du wartest, umso unwahrscheinlicher ist es, dass du es auch tust. Auch wenn du es wirklich, wirklich willst. Warum? Weil dein Gehirn dann mit dem Grübeln beginnt. Es sucht nach Ausreden, schlechten Erfahrungen – entweder eigene oder auch die von anderen. Was ist, wenn das jetzt blöd ausschaut? Was ist, wenn ich dann zurückgewiesen werde?
Aber jetzt zum Trick: er ist schnell, einfach und er wirkt!
Sobald du weißt, was du tun möchtest oder solltest; sobald du dir etwas fest vorgenommen hast, zähle von 5 hinunter: 5 – 4 – 3 – 2 – 1, und dann gehst du los und machst es. Wie bei einem Raketenstart. Du zählst herunter und tust es, startest durch.