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T-Shirt gedreht, verwarnt, Diskussion ausgelöst: Der Fall Alizé Cornet beschäftigt die Tennis-Welt.
38 Grad heiss war es gestern auf den Courts an den US Open. Auch für Profis eine grosse körperliche Herausforderung. Deswegen wird den Spielern die Möglichkeit gegeben, nach zwei Sätzen eine zehnminütige Hitzepause einzuziehen.
Johanna Larsson und Alizé Cornet nutzten diese Möglichkeit dankbar aus und verschwanden vor dem entscheidenden dritten Satz für zehn Minuten in der Kabine. Durchatmen, abkühlen, Outfit wechseln.
Doch bei Letzterem unterlief Cornet ein kleines Missgeschick. Sie verwechselte bei ihrem T-Shirt hinten und vorne. Zurück auf dem Platz fiel der Französin die Unstimmigkeit auf, worauf sie sich schnell in den Schatten zurückzog und das Oberteil diskret umdrehte. Das ganze dauerte nicht mehr als zehn Sekunden.
Alles wieder okay?
Denkste!
Der dänische Schiedsrichter Christian Rask bemerkte die 180-Grad-Drehung des Shirts – und sprach prompt eine Verwarnung («Verstoss gegen den Kodex») für «unsportliches Verhalten» aus.
Dem Schiedsrichter könnte allenfalls mangelndes Fingerspitzengefühl vorgeworfen werden, doch das Regelbuch der «United States Tennis Association» (USTA) sprach für ihn. Dort stand geschrieben: «Eine Spielerin kann sich nur am Ende eines Satzes oder während einer medizinischen Auszeit ausserhalb des Spielfeldes umziehen.»
Dies löste zahlreiche Proteste von ehemaligen Spielern und Beobachtern auf Twitter aus. Bethanie Mattek-Sands, die mehrfache Grand Slam-Doppelmeisterin, nannte die Entscheidung «schwach», während die ehemalige australische Spielerin Casey Dellacqua die Verwarnung als «lächerlich» bezeichnete.
Stein des Anstosses: Während Männer minutenlang oben ohne auf dem Stuhl sitzen dürfen, kann eine Frau nicht einmal kurz ihr Shirt umdrehen.
Judy Murray, die Mutter von Andy Murray beschrieb den Vorfall auf Twitter, worauf viele User den US Open «Doppelmoral» und «Sexismus» vorwarfen.
Am Mittwoch teilte die USTA mit, dass sie den Entscheid «bereue». Man habe die Regeln angepasst, heisst es in einem Statement. Man sei froh, dass sie nur eine Verwarnung und keine weitere Strafe erhalten habe.
Auch die «Women's Tennis Association» (WTA) nahm Alize Cornet in Schutz. Es gebe keine WTA-Regel, die besage, dass man sich nicht auf dem Platz umziehen dürfe. Alize hat nichts falsch gemacht.
Jetzt alles wieder okay?
Nein.
Denn die Verwarnung Cornets erfolgte nur ein paar Tage nachdem die Frauentennis-Tour bereits schon einmal über Sexismus diskutierte. Dabei ging es darum, dass der Präsident des französischen Tennisverbandes Bernard Guidicelli den Catsuit von Serena Williams für die nächsten French Open verbot. «Das Kleid wird nicht mehr akzeptiert. Man muss das Spiel und den Ort respektieren», so die Begründung des Organisators.
Serena Williams ihrerseits begründete ihre Kleiderwahl mit der Blutzirkulation. «Ich hatte viele Probleme mit meinen Blutgerinnseln, Gott, ich weiss nicht, wie viele ich in den letzten 12 Monaten hatte», so die 23-fache Grandslamsiegerin. «Ich habe Hosen getragen, damit ich den Blutkreislauf am Laufen halten kann.»
Für die frühere Weltnummer 1 Victoria Azarenka war die Verwarnung Cornets deswegen symptomatisch. Sie sei zwar froh, dass USTA sich entschuldigt habe, glaube aber, dass es noch viel darüber zu diskutieren gebe, wie Frauen und Männer auf der Tour behandelt würden.
«Das war einfach lächerlich, das war doch überhaupt nicht respeklos», sagte die Weissrussin nach dem Einzug in die dritte Runde. «Es ist genug. Die Dinge mit dem Catsuit, ich persönlich verstehe das nicht. Keine Ahnung, was es bedeutet, ‹das Spiel im Catsuit nicht zu respektieren›?».
Azarenka fordert, dass diese Dinge nun sofort aufhören müssen. Gleichzeitig stellt sie aber ernüchtert fest: «Es wird aber wahrscheinlich immer eine Doppelmoral für Männer und Frauen geben.»
Alize Cornet schied übrigens nach einem 6:4, 3:6, 2:6 aus dem Turnier aus. (cma)