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«Reine» Spanier/innen, «altchristliche» Mestizos/as und «unbefleckte» Negros/as: Natur und Natürlichkeit von Abstammungsproben im spanischen Kolonialreich
Ein Abstammungstest bildete seit dem 16. Jahrhundert den Beginn einer Ausreise in die spanischen Amerikas. Vor der Abreise aus Spanien musste jede Person genealogische Informationen einreichen und beweisen, dass kein «verschmutztes» Blut durch ihre Adern floss und ihre Vorfahren «reine» und tugendhafte Altchristen waren. Diese Probe wurde dabei normalerweise im Herkunftsort (spa. naturaleza) der Person durchgeführt.
Die Entwicklung komplexer kolonialer Gesellschaften in den spanischen Überseegebieten – wobei die Vermischung von Europäern, Indigenen und Schwarzafrikanern eine wichtige Rolle spielte – führte zu einer von der spanischen Kolonialmacht diktierten Notwendigkeit einer auf Abstammung und soziokulturellen Herkunft basierenden Klassifikation. Die in Europa entwickelten Proben zur Überprüfung der Abstammung erhielten dadurch teilweise völlig neue Anwendungsbereiche und spezifisch koloniale Ausprägungen. Die Proben kamen für den Erhalt von etlichen Ämtern und verschiedensten Privilegien, zur Überprüfung der spanischen und auch indigenen Nobilität, zur Zuweisung des fiskalischen Status oder zur Loslösung von Zwangsarbeit, um nur einige zu nennen, zum Einsatz.
Abstammung, Verwandtschaft und Genealogie waren oftmals die zentralen Themen dieser Proben, mit denen Menschen nach vermeintlich empirisch-natürlichen Merkmalen klassifiziert wurden. In diesem Vortrag wird anhand von Beispielen eine Annäherung an folgende zentrale Fragen angestrebt: Wie wurden diese Proben durchgeführt und mit welchen Mitteln wurden dabei Verwandtschaft, Abstammung und Herkunft einer Person konstruiert? Und im Besonderen: Welche Rolle spielten die Natur, resp. die Vorstellungen von Natur und Natürlichkeit in diesen Proben?