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1952, Maison de la Radio
Anfang der 1950er-Jahre erstellte die französische Rundfunkanstalt (RTF) das komplexe Programm für eine Maison de la Radio in Paris. Sie verlangte die Zusammenlegung aller Abteilungen: 920 Büros, 54 Studios und drei öffentliche Veranstaltungssäle. Die Stadt stellte das enge Grundstück auf dem ehemaligen Gelände des Gaswerks Passy im 16. Arrondissement zur Verfügung. Im Oktober 1952 wurde der anonyme Architekturwettbewerb eröffnet. Die Jury entschied sich im Mai 1953 unter den 26 Architekturbüros für den Beitrag «Cheval» von Henry Bernard und 1958 begannen die Bauarbeiten. Der Entwurf umfasste drei ineinanderliegende Ringe mit einem mittigen Archivturm. Der äusserste beherbergt in Form des griechischen Buchstabens Omega (Ω) im unteren Bereich die Foyers mit den Studios und im oberen Bereich die Büros. In einem viertelkreisförmigen Gebäude, das das Omega zur Seine hin abschliesst, befinden sich eine öffentliche Halle und die Direktionsräume. Dieser äusserste Ring wurde als Lärmschutzwall aus Stahlbeton konzipiert. Er schirmt einen zweiten, niedrigeren Innenring ab. Darin befanden sich etwa 20 Aufnahmestudios – die sogenannten mittleren Studios – sowie drei öffentliche Veranstaltungsräume, Varietés und die Musikstudios 102, 103 und 104.
Henry Bernard isolierte diese Studios und Vortragssäle akustisch in unabhängige Kästen aus zwei ineinandergestellten Hüllen. Die inneren Schalen umfassen die Saaldecken, die armierten, ausgefachten Wände und den Boden, der mit einer Ballastschicht gegen den Auftrieb des Seine-Grundwassers ergänzt ist. Um sie vollständig in den kreisförmigen Grundriss zu integrieren, gab er ihnen eine Trapezform. Beim 63 m hohen, 22-stöckigen Archivturm handelt es sich um eine Stahlkonstruktion mit vorfabrizierten Deckenplatten. Er steht als «Gedächtnis des Jahrhunderts» im Zentrum der Komposition. Unter dem 500 m umfassenden und 36 m hohen Aussenring befanden sich Atomschutzräume für 700 Personen und 500 Parkplätze. Nach seiner Abriegelung gegen aussen hätte im Ernstfall von dort aus weiter Radio ausgestrahlt werden können. Die Studios und Konzertsäle ragen vom äusseren Ring in den niedrigen Zwischenring zum Hof. Sein Dach tragen 62 vorgespannte, am Platz vorgefertigte Träger mit 22 m Spannweite. Die Gründung des Volumens von 500 000 m³ erfolgt über 756 Bohrpfähle.
Im Geist der technikaffinen Zeit konzipierte Bernard, der ein radikaler Funktionalist war, den Bau wie eine Maschine und stellte sich ein monumentales Haus vor, das «wie ein Vergaser» funktioniert. Er lotete die Konstruktion millimetergenau aus: Spannbetondecken mit sparsamen Dicken von 11 cm und einer Fassadenverkleidung aus feinen, 4 mm dicken Aluminiumblechen sowie einer Geothermieanlage im Keller. Sie spies bis 2011 die Heizung für die 8 ha Decke und die Lufterhitzer der Klimaanlage durch natürliches Warmwasser aus 600 m Tiefe.