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05 Mrz Traumdeutung, Technik
Die Technik der Ahnen-Traumarbeit
Leopold Szondi, Schicksalsanalytische Therapie, S. 84.f
„Fünfter Grundsatz
Das erste Leitmotiv der Technik: Ähnlich wie man Triebansprüche nur durch persönliches Erleben in den Träumen und Einfällen bewusstseinsfähig zu machen vermag, müssen wir auch die Ahnenansprüche durch das Erleben lassen der Vorfahren in den Konduktorträumen und durch die Ahnen-Einfälle auf der Couch bewusst machen.
Es nützt dem Patienten also gar nichts, wenn wir ihm seine kranken Ahnen einfach vom Stammbaum ablesen. Wir können sie nur dann mit dem Analysanden durcharbeiten und sie von ihm annehmen lassen, wenn er mehrere Konduktoren- oder Ahnenträume schon in der Tat erlebt hat.
Das zweite Leitmotiv lautet: Die brauchbarste Technik, mit der man die Konduktor-Patienten zum Agieren der verborgenen Ahnenansprüche bringen kann, ist eine besondere Form des Gegenagierens des Analytikers. Das will sagen: Der Patient muss auf der Couch die kranken Ahnen agieren, und dieses Agieren wird durch die besondere Form des Gegenagierens des Analytikers künstlich provoziert.
Bei diesem Verfahren zeigt sich klar der Unterschied zwischen der Technik der Triebanalyse in der Psychoanalyse und der der Ahnenanalyse in der Schicksalsanalyse.
Die Psychoanalyse setzt die Bewusstseinsfähigmachung der verdrängten sexuellen Triebansprüche als Ziel. In dem Einfallsverfahren verlangt sie, dass der Analysand sich an das Vergessene erinnere und es nicht agiere. Freud hat ja das Agieren in folgender Art charakterisiert: „Der Analysierte erinnerte sich überhaupt an nichts von dem Vergessenen und Verdrängten, sondern er agiert es. Er reproduziert es nicht als Erinnerung, sondern als Tat, er wiederholt es, ohne natürlich zu wissen, dass er es wiederholt.“ (Ges.Schrift. Bd VI, S. 112)
Die Psychoanalyse ist stets für das Erinnern und gegen das Agieren eingestellt. Diese technische Vorschrift wird auch in der Schicksalstherapie bei der Bewusstmachung von verdrängten Triebansprüchen treu nach Freud durchgeführt.
Anders aber bei Ahnenansprüchen.
Ahnenansprüche kann man nur agieren und nicht erinnern. (…) Man kann somit die kranken Ahnen durch das Erinnern nicht ins Bewusstsein heben. Zu ihrer Bewusstmachung gibt es nur einen Weg: Das Agieren, d.h. das Wiederholen ihres (der Ahnen) Verhaltens.
Wir unterscheiden zwei Formen des Agierens der Ahnen: 1. Das spontane Agieren der Ahnen im Traum. 2. Das künstliche Hervorrufen. Das Hervorrufen der kranken Ahnenansprüche aus dem familiären Unbewussten auf der Couch.
In den Konduktoren- oder Ahnenträumen kann der Träumer die schizophrenen, epileptischen, manisch-depressiven kriminellen und andersartigen Ahnenfiguren persönlich erleben, durch die Traumanalyse sie annehmen, assimilieren und durch die Bewusstseinsfähigmachung der kranken Erbansprüche sie unter Kontrolle des eigenen Ichs stellen.
Das künstliche Hervorrufen, das Ekphorieren der latenten Ahnenansprüche auf der Couch, ist indiziert, wenn der Analysand keine Ahnenträume liefert.
Szondi entwickelte zu diesem Zweck drei besondere Formen der Assoziationstechnik: 1. Die echolalische, 2. Die iterative, 3. Die Hammerschlag-Assoziationstechnik, die wir Psychoschocktherapie nennen.
(L. Szondi, Schicksalsanalytische Therapie, S. 84f)