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News-Archiv
Am Sonntag, 22. Dezember 2013, führt der Kirchenchor Cäcilia Lachen das "Oratorium in Festum Nativitatis Christi" von Carl Heinrich Graun um 17.00 Uhr in der Pfarrkirche Lachen auf.
Der Nachwelt ist Carl Heinrich Graun (1703/4-1759) als der Kapellmeister Friedrichs des Grossen in Erinnerung geblieben, als der Komponist zahlreicher Bühnenwerke für das königlich-preussische Opernhaus sowie als Schöpfer des 1755 entstandenen Passions-Oratoriums "Der Tod Jesu". Die biographischen Zeugnisse für Grauns Tätigkeit vor seiner Berufung an den Hof des preussischen Kronprinzen (1735) sind hingegen meist vage und vermitteln nur ein bruchstückhaftes Bild. Und auch der kompositorische Ertrag jener frühen Periode - in der der Absolvent der Kreuzschule sich als freier Komponist von Kirchenmusiken für die Dresdner Stadtkirchen verdingte (ca. 1720 -1725), bevor er als Sänger der Braunschweiger Hofkapelle bis zum Rang eines Vizekapellmeisters aufstieg (1726-1735) - ist noch kaum erschlossen. An grösseren Kirchenkompositionen aus der Braunschweiger Zeit sind heute lediglich die beiden Passions-Oratorien "Kommt her und schaut" (auch als "Grosse Passion" bezeichnet) sowie "Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld" (die sogenannte "Kleine Passion") sicher zu benennen.
Angesichts der desolaten Überlieferungssituation von Grauns frühem Schaffen ist die Auffindung eines umfangreichen, offensichtlich aus der vor-Berliner Zeit stammenden Weihnachts-Oratoriums, dessen Existenz der Forschung bislang entgangen ist, von besonderem Stellenwert. Das Libretto des Weihnachts-Oratoriums weist sprachlich und formal enge Parallelen zu der "grossen" und der "kleinen" Passion Grauns auf. Zu den charakteristischen Merkmalen der drei Werke gehört ein weitgehendes Zurücktreten des Evangelientextes zugunsten von frei gedichteten Betrachtungen, Dialogen und Meditationen über den behandelten Gegenstand.
Der besondere Charakter von Grauns Kirchenstil liegt in dem wohlausgewogenen Wechsel von melodisch betonten und kontrapunktisch streng gearbeiteten Chorsätzen, von gefühlvollen, farbenreich instrumentierten Arien und harmonisch weit ausgreifenden Rezitativen. Eine direkte Verbindung zu den Passionen bildet die in der Mitte des Weihnachts-Oratoriums platzierte vierstimmige Choralbearbeitung "Wie soll ich dich empfangen", die in nahezu identischem Satz auch zweimal in der "Grossen Passion", einmal in der "Kleinen Passion" und später ein weiteres Mal zu Beginn des Berliner Passions-Oratoriums "Der Tod Jesu" erscheint.
Stilistisch zeigt das Werk - wie auch die "Grosse Passion" und die Braunschweiger Opern - den Komponisten an der Schwelle zum empfindsamen Stil. Besonders zukunftsweisend ist zum Beispiel die Verwendung von zwei obligaten Fagotten oder das rührend-tröstliche Duett für zwei Soprane gegen Ende des Oratoriums. Hingewiesen sei auch auf die aussergewöhnlich farbige und abwechslungsreiche Instrumentierung der Arien. (Auszug aus dem Vorwort von Peter Wollny)