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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

IV. Rede
110.
Sollte man meinen, in den erwähnten Fällen sei Julians Schlauheit noch zu schlicht aufgetreten und zeige noch zu wenig von seiner kaiserlichen Größe, wohlan, so will ich von noch größerer Verschlagenheit erzählen! Da Julian einsah, daß sich unsere Lehre durch ihre Grundsätze und ihre himmlischen Zeugnisse auszeichnet und daß sie alt und jung zugleich ist: alt durch die Prophezeiungen und die leuchtenden Kundgebungen Gottes, jung durch die schließliche Ankunft Gottes und durch die auf Grund derselben und ihretwegen bewirkten Wunder, dazu aber auch noch größer und erhabener durch die überlieferte und bis heute sich erhaltende Organisation1 der Kirche, und da er auch dieser Größe gegenüber seine Verschlagenheit bewahren wollte, was ersinnt er, was unternimmt er? Er macht es dem Assyrer Rabsakes2 nach, welcher für Senacherim, den König der [S. 146] Assyrer, ein Heer kommandierte. Als er gegen Judäa ausgezogen war, mit zahlreichen Truppen Jerusalem fest umzingelte und vor der Stadt lagerte, sie aber weder mit Gewalt erobern konnte, noch durch Verräter das, was in der Stadt war, in seine Hand gelangte, suchte er die Stadt durch schmeichelnde, einheimische (jüdische) Worte zu gewinnen. Da die Belagerten die Absicht erkannten, sollen sie sich zunächst dagegen gewehrt und gebeten haben, daß man mit ihnen syrisch und nicht hebräisch spreche; sie wollten nicht durch Schmeichelworte in Knechtschaft geraten.
1: τύποι [typoi].
2: 4 Kön. 18, 17 ff. [2 Kön. nach neuerer Zählart].