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Die Gemeinschaft der Laienmissionarinnen ist 1947 in Fribourg entstanden. Die Gründerin Mlle. Marie Oberson war eine begüterte Patrizierstochter aus Romont, die letzte ihres Stammes, mit deren Tod die Familie erlosch.
In der Universitätsstadt Fribourg mit den vielen Studenten aus andern Kontinenten hatte sie sich schon in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit dem späteren Bischof François Charrière dafür eingesetzt, dass diese Studenten während ihrer Studienjahre im noch heute bestehenden Foyer St.Justin Wohnung, Unterstützung und Geborgenheit fanden. Aufgrund ihrer Offenheit für die Bedürfnisse der Menschen in den damaligen Missionsländern erkannte sie, dass eine grosse Nachfrage nach Frauen bestand, die sich als Krankenschwestern, Ärztinnen, Lehrerinnen usw. der Bevölkerung zur Verfügung stellten und ihre beruflichen Fähigkeiten weitervermittelten. Mlle. Oberson wusste auch, dass in der Schweiz und Deutschland Frauen dazu bereit waren, aber nicht unbedingt in eine der bestehenden Schwesterkongregationen eintreten wollten. Die Missionsbischöfe ihrerseits konnten sich damals kaum vorstellen, ledige Frauen, die nicht einer kirchlichen Gemeinschaft angehörten, in ihren Diözesen anzustellen.
Im Einverständnis mit Mgr. Charrière gründete Mlle. Oberson deshalb eine Gemeinschaft, die es Frauen ermöglichte, in den Missionsdienst der Kirche zu treten und so ihren Beruf auszuüben. Die Gemeinschaft gewährte den Mitgliedern einen gewissen Rückhalt, ohne sie durch allzu enge Strukturen einzuschränken.
Nicht vergessen werden darf, dass die Gründung in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fiel: Afrika und Asien waren zum grössten Teil europäischer Kolonialbesitz. In der Kirche herrschte weithin die Überzeugung, Mission bedeute, die „heidnischen Völker“ zum Christentum zu bekehren. In der damals vorherrschenden Kirchenstruktur wurden Laien als Objekt und kaum als verantwortliche Glieder des Gottesvolkes betrachtet.
Auf diesem Hintergrund war die Gründung der Gemeinschaft der LAIENmissionarinnen ein mutiger Schritt. Bischof Charrière und Mlle. Oberson leben in unserer Erinnerung als Menschen fort, die es verstanden haben, die Zeichen der Zeit nicht nur zu lesen, sondern darauf Antworten zu geben.
Im Jahr 1955 ist Mlle. Oberson ganz plötzlich verstorben. Sie hat uns ihr Vermögen und damit eine gewisse materielle Sicherheit, aber nur wenige Direktiven hinterlassen, wie sie sich ihr Werk in Zukunft vorstellte. Heute sind wir dafür dankbar, denn so blieb uns Spielraum, auch unsererseits zu versuchen, die Zeichen der Zeit zu lesen und Antworten darauf zu suchen und zu finden.
Bald nach ihrem Tod kam es zu grossen Umwälzungen in Welt und Kirche:
Die Jahre zwischen 1960 und 1970 waren weltweit gekennzeichnet durch eine starke Aufbruchstimmung. Diese wurde auch in der Kirche der Schweiz spürbar, wo die Jugendorganisationen 1960 ein Missionsjahr durchführten, aus dem zum Beispiel das Fastenopfer oder die Freiwilligenorganisation Interteam hervorgingen. Aus unserer Gemeinschaft waren ab jener Zeit immer mindestens 25 Mitglieder im Einsatz. Schwerpunktländer waren Indien, Haïti, Burundi und etwas später Kolumbien, Brasilien, Ecuador und Bolivien. Die Mitglieder waren vor allem im Gesundheits- und Schulwesen tätig. Der Gemeinschaft fehlte aber noch eine eigene Identität. Auch kirchenrechtlich war nicht klar, wo ein solches Institut einzuordnen war.
Die berühmt gewordene Versammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz im Jahr 1968 in Medellin, Kolumbien, mit ihren Anstössen für neue Weisen der Pastoralarbeit, beeinflusste auch uns: Zum Beispiel die Zusammenarbeit von Männern und Frauen, Priestern, Ordensleuten und Laien, die sich bis jetzt sehr oft zwar parallel, aber doch getrennt um die Bedürfnisse der ihnen Anvertrauten kümmerten.
Für uns waren diese Anregungen der Anlass, eine engere Zusammenarbeit mit der SMB (Immenseer Missionare) zu vereinbaren. Es gelang uns, eine eigene Identität zu finden und uns als Missionsinstitut zu definieren. Als sehr kleine Gemeinschaft ist es uns wichtig, dass wir uns als Teil eines Netzes verstehen können und uns verbunden wissen mit anderen Frauen, Gruppen, Organisationen, Gemeinschaften, die sich ebenso einsetzen für mehr Gerechtigkeit und Frieden in der Welt.