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Ausgestorbene Tiere
Die grössten Flieger der Geschichte
Pterosaurier waren für lange Zeit die unangefochtenen Herrscher der Lüfte. Sie konnten so gross werden wie eine Giraffe – und waren trotzdem äusserst wendige Flieger.
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Das Leben hat seit Entstehung der Erde den Luftraum viermal erobert. Als Erste waren die Insekten vor etwa 400 Millionen Jahren fliegend unterwegs. Viel später folgten ihnen die Wirbeltiere, von denen sich gleich drei Gruppen in luftige Höhen erhoben: Es ist rund 150 Millionen Jahre her, da eroberten die Vögel den Luftraum und die Fledermäuse begannen vor rund 50 Millionen Jahren zu fliegen. Doch schon lange vor ihnen allen erhoben sich vor rund 230 Millionen Jahren die Pterosaurier in die Lüfte.
Der Flugapparat dieser drei Wirbeltiergruppen ist unterschiedlich aufgebaut. Bei einer Fledermaus sind vier Finger stark verlängert und spannen die Flughaut. Bei den Vögeln sind die Finger komplett verschmolzen; die Federn, welche die Tragflächen bilden, setzen bei ihnen am schlanken Arm an. Und bei den Pterosauriern war nur der eine Finger extrem verlängert und verstärkt, der unserem kleinen Finger entspricht. Zwischen die-
sem Flugfinger und dem Körper spannte sich eine Flughaut. Diese war allerdings beim ersten beschriebenen Pterosaurier – der zunächst als Meerestier interpretiert wurde – nicht erkennbar, sondern wurde erst bei später gefundenen Exemplaren entdeckt.
Es gab zwei Gruppen von Pterosauriern: Langschwänzige und kurzschwänzige Arten. Sie unterschieden sich zudem in der Länge der Mittelhandknochen und der Position des Kopfes. Die Kurzschwänze sind die evolutiv jüngere Gruppe. Ihr entstammen auch die letzten Pterosaurier, die zusammen mit den Dinosauriern am Ende der Kreidezeit ausstarben. Sie brachten die grössten Lebensformen hervor, die jemals den Himmel bevölkerten – einige von ihnen erreichten Spannweiten von über 10 Metern und überragten mit fünf Metern Standhöhe sogar eine Giraffe. Unter ihnen gab es auch viele Arten mit skurrilen Kopffortsätzen, die möglicherweise der Partnerfindung dienten.
Wie ein Sandwich aufgebaut
Über das Leben der Pterosaurier wurde in den vergangenen Jahrzehnten viel herausgefunden. Paläontologen entdeckten Fossilien mit erhaltenen Hautpartien, bei denen zum Teil noch die Behaarung des Körpers erkennbar ist. Auch die faszinierende Feinstruktur ihrer komplexen Flugmembran konnte entschlüsselt werden, die Muskeln, Nerven und Verstärkungsstrukturen in kompakter Sandwichbauweise enthielt. Offenbar konnten die Pterosaurier ihre Flughaut durch die eingelagerten Nerven und Muskelfasern aktiv spannen und erschlaffen lassen, wodurch ihre aerodynamischen Eigenschaften kontrolliert wurden. Diese Fähigkeit machte sie mit Sicherheit zu sehr wendigen Fliegern, die sich an wechselnde Strömungsbewegungen der Luft blitzschnell anpassen konnten.
| Der Abguss eines Pterosaurus zeigt die verlängerten Flugfinger.

Bild: © Frank Wieland
Versteinerte Eier mit komplett erhaltenen, schlupfreifen Jungtieren geben Einblick in die Entwicklung der Embryonen. Die Flügel waren bereits beim Schlupf fertig entwickelt, sodass die Jungtiere wahrscheinlich bald nach Verlassen der Eier fliegen konnten.
Anhand fossiler Fussspuren ist es sogar möglich, Licht auf die Fortbewegung der Pterosaurier am Boden zu werfen. Offenbar waren die kurzschwänzigen Arten zu Fuss recht gut unterwegs. Die Flugfinger wurden hochgeklappt und die restlichen Finger zum Laufen benutzt. Die langschwänzigen Arten hingegen, bei denen sich eine zusätzliche Flughaut zwischen den Hinterbeinen spannte, scheinen eher wenig am Boden umhergelaufen zu sein. Im Jahr 2009 wurde die Landespur eines Pterosauriers entdeckt. Sie zeigt, dass das Tier zunächst auf den Hinterbeinen landete und dann die Vorderfüsse aufsetzte.
Die Pterosaurier beherrschten 160 Millionen Jahre lang den Himmel. Ihre Erforschung wurde in den vergangenen Jahren durch viele atemberaubende Funde weiter vorangetrieben und wird sicher in Zukunft noch viele Einblicke in das spannende Leben der wendigen Urzeitflieger ermöglichen.