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Friedrich Nietzsches Druckdokumente sind von der Forschung und Edition weitgehend unbeachtet geblieben. Die zwölf überlieferten, eigenhändig verfassten späten Druckmanuskripte (1886-1889) sowie diverse erhalten gebliebene Bogenkorrekturen stellen indessen im textgenetischen Finalisierungsprozess das eigentliche Missing Link zwischen Nachlass und Werk, zwischen den Notizen, Entwürfen und Vorarbeiten und dem aus der Hand gegebenen, endgültigen Text dar.
In einer forschungsbasierten Pilotedition sollen das Druckmanuskript und die dazugehörigen Bogenkorrekturen von „Zur Genealogie der Moral“ (1887) digital erschlossen werden, um die Eigenheiten der Dokumentsorten zu erforschen und eine digitale Modelledition zu entwickeln. Ziel der digitalen Edition ist es, die Dokumente in vollständig les- und durchsuchbarer Form frei zugänglich und erforschbar zu machen. Die Textdaten sollen im Front-End wahlweise als finalisierter Text, als linearisierte Transkription oder als diplomatische Transkription einzeln oder in Synopse mit den faksimilierten Manuskriptseiten angezeigt werden können.
Damit ermöglicht das Projekt qualitative und quantitative Forschungen, die unter anderem zeigen werden, dass und in welchem Ausmaß die Druckmanuskripte Schauplatz eines dynamischen Schreib- und Textgeschehens sind und nicht bloß das flache Medium der Übermittlung eines zuvor komponierten Textes an den Verlag darstellen.
Die digitale Edition und die begleitenden Forschungen werden den Diskussionen um das Verhältnis von Werk und Nachlass in der Nietzscheforschung wichtige Impulse liefern und der Textphilologie neue Perspektiven zur Erforschung von Finalisierungsprozessen eröffnen.