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Wochen-Zeitung
Zwei von nur 95 WM-Medaillen-Gewinnern
Martin Gerber und Simon Moser sind mit Silber von der WM in Stockholm ins Emmental zurückgekehrt. Nun gehören sie einem exklusiven Kreis von Schweizer Eishockeyspielern an.
Seit 93 Jahren nimmt die Schweizer Nationalmannschaft an WM- und Olympiaturnieren teil. Nur gerade 95 Schweizer Eishockeyspieler haben seit 1920 eine WM-Silber- oder Bronzemedaille gewonnen. Die beiden Langnauer Martin Gerber und Simon Moser sind zwei davon. Im Geschichtsbuch des Schweizer Eishockeys sind ihre Namen auf der gleichen Seite aufgeführt wie die legendären Bibi Torriani, Hans und Pic Cattini, Ueli und Gebi Poltera, Hansmartin Trepp, Hans Bänninger, Walter Dürst, Emil Handschin, Charly und Herbert Kessler oder der ehemalige Langnauer Trainer Gian Bazzi. Sechzig Jahre sind seit dem letzten Schweizer Medaillengewinn vergangen. Dieser Rückblick allein genügt, um den überdurchschnittlichen Stellenwert der in Stockholm gewonnenen Silbermedaille zu erkennen.
Gerber und Moser bei den Besten
Die Schweizer Nationalmannschaft war mit sieben Gruppensiegen in Serie, dem 2:1-Viertelfinalerfolg gegen Tschechien und dem 3:0 im Halbfinal gegen die USA trotz der 1:5-Finalniederlage gegen Schweden die ganz grosse Überraschung der WM. Martin Gerber und Simon Moser gehörten zu den besten Schweizern. Der Torhüter bildete zusammen mit Reto Berra das zweitbeste Goalieduo des Turniers. Die Abwehrquote von 94,34 Prozent und der Gegentordurchschnitt von 1,59 wurden nur von den schwedischen Weltmeistern Jhonas Enroth/Jacob Markström (94,98 Prozent/1,38) übertroffen. Mit Martin Gerber gewannen die Schweizer fünf von sechs Spielen. Erfolgreicher war nur noch Enroth mit sechs Siegen in sieben Spielen. Simon Moser (3 Tore/2 Assists/+ 5) gehörte dem Paradeblock mit Julien Vauclair (0/3/+ 8), Mathias Seger (0/2/+ 8), Martin Plüss (0/6/+ 6) und Nino Niederreiter (5/3/+ 3) an. Nationaltrainer Sean Simpson setzte ihn von allen Stürmern nach Plüss (274 Einsätze) am häufigsten (267) ein. Simon Moser trat mit seiner dynamischen Spielweise nicht nur offensiv in Erscheinung; auch defensiv war auf ihn Verlass. Von allen WM-Stürmern mit zehn Spielen wies er mit Plus 5 die viertbeste Bilanz hinter Paul Stastny (USA/+ 7), Petri Kontiola (Fi/+ 6) und Nebenspieler Martin Plüss (+ 6) auf.
Die Verlässlichkeit in Person
Der frühere SCL-Tigers-Headcoach Christian Weber spielte 1992 ebenfalls um die Medaillen, verlor mit dem Schweizer Nationalteam aber sowohl den Halbfinal gegen Schweden (1:4) als auch das Bronzespiel gegen Tschechien (2:5). Im Januar 2008 gab er dem damals 18-jährigen Simon Moser die erste Chance in der NLA: «Er zeichnete sich schon damals mit seinem überdurchschnittlichen Biss, seinem nie nachlassenden Kampfgeist und seiner scheinbar unerschöpflichen Willenskraft aus», erinnert sich Christian Weber. «Er wusste schon als Junior haargenau was er wollte. Aus diesen und anderen Gründen überrascht mich seine positive Entwicklung nicht im Geringsten. Und er ist noch lange nicht am Ende seines Weges angelangt.» Es gab etliche kritische Stimmen, als der Schweizer Nationalcoach Sean Simpson Simon Moser trotz eines an der WM 2012 erlittenen Totalschadens im Knie, einem Mittelfussknochenbruch mitten in der Meisterschaft und dem Abstieg der SCL Tigers zum dritten Mal für eine WM aufbot. «Ich kann Simpsons Vertrauensbeweis durchaus verstehen», sagt Christian Weber. «Auf Simon Moser kann man sich blindlings verlassen. Er gibt immer alles, Einsatz für Einsatz, Spiel für Spiel. Genauso wie Tinu Gerber.»
Aus dem gleichen Holz geschnitzt
Simon Moser sei aus dem gleichen Holz geschnitzt wie Martin Gerber, ist Christian Weber überzeugt. Dieser gab nach einem Unterbruch von drei Jahren in Stockholm mit 38 sein Comeback an einer WM. Der Gewinn des schwedischen Meistertitels mit Färjestads und des Stanleycups mit Carolina, zwei Stanleycupfinals mit Anaheim und Ottawa, neun WM- und zwei Olympiateilnahmen haben nicht ausgereicht, um seinen Hunger zu stillen. Das WM-Silber soll aber nicht der krönende Abschluss einer glanzvollen Karriere sein – Martin Gerber hat sich für nächstes Jahr die dritte Olympiaselektion zum Ziel gesetzt. «Er und Simon Moser sind Ausnahmeerscheinungen, das muss man endlich einmal begreifen», betont Christian Weber. «Ihnen genügt es nicht, ein Star in der Schweiz zu sein. Sie legen ihre Latte höher, sie wollen sich mit den Besten der Welt messen und auf diese Art ihre Leistungsgrenzen kennen lernen.» Martin Gerber hat seine lange Reise durch die besten Ligen und den bedeutendsten Turnieren der Welt noch nicht beendet. Simon Moser wird diesen Weg im NHL-Trainingscamp der Nashville Predators im September ebenfalls einschlagen.