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Im Westen der Stadt Zürich, aber noch auf Stadtgebiet, sitzt am Ufer der Limmat ein Wohnturm: der Hardturm. Er mag zur Bewachung eines Flussüberganges wohl schon im 12. Jahrhundert erstellt worden sein. Ob Turm und Brücke einst den Herren von Regensberg gehört haben, ist nicht sicher; es wäre allerdings gut denkbar, dass sie hier ein Stück Land hielten, das ihren Handel nach Süden unter Umgehung der Stadt Zürich sicherte.
Der Turm und der durch Hochwasser 1343 zerstörte und nicht wieder aufgebaute Steg werden in den Urkunden erst 1336 - im Jahre des Brunschen Umsturzes - erwähnt. Der mächtige Wohnturm befand sich damals als Lehen der Fraumünsterabtei im Besitz der Familie Manesse. Heinrich II. von Manesse musste dem Bürgermeister und der Stadt versprechen, sein «hus und die brugge in dem Harde» entsprechend den Interessen der Stadt stets instand zu halten. Nach der Zerstörung der Brücke versuchte 1352 Herzog Albrecht, bei der Belagerung Zürichs den Übergang wieder herzustellen, um die Limmatstadt auf dem linken Ufer besser bekämpfen zu können. Allein die Zürcher beobachteten sein Vorhaben und liessen ein schweres Floss die Limmat hinunterschwimmen, das den Steg erneut zertrümmerte. Seither unterliess man es, hier eine Verbindung über die Limmat zu schlagen, vor allem, da später ein Vertrag zwischen der Limmatstadt und den Eidgenossen festsetzte, dass von Zürich bis Baden keine Brücke mehr gebaut werden dürfe.
Der Hardturm aber blieb weiterhin im Besitze der Manesse. Doch seine strategische Bedeutung verlor er endgültig, als nach der Schlacht bei Sempach und dem Tode des letzten Ritters Mülner, der für Osterreich gekämpft hatte, die hohe Gerichtsbarkeit in Wiedikon an die Stadt Zürich fiel. Am 10. Juni 1461 wurde der Turm vor Bürgermeister und Rat an Johannes Schwend den Langen, Herr zu Dübelstein, gegen einen Zins von 7 Mütt Kernen und 1/2 Pfund Wachs verliehen. Nach der Reformation ging die Anlage in Privatbesitz über und diente längere Zeit vornehmen Stadtfamilien dank seiner schönen Lage an der Limmat als Landsitz. Dadurch widerfuhr ihm ein besseres Schicksal als den Burgen aus dieser Zeit, Manegg und Friesenberg, die verlassen wurden und allmählich zerfielen. Seit 1882 gehört der Hardturm der Kammgarnspinnerei Schoeller und Co., Zürich. Ab 1974 Schoeller Hardturm AG und ab 1995 Hardturm Immobilien AG.
Parallel zum Flussufer erbaut, bildet der Hardturm einen typisch einfachen Wohnturm auf dem Grundriss eines Quadrates von 10,8 Metern Seitenlänge. Das aus Findlingen aufgeschichtete Mauerwerk ist am hohen Erdgeschoss noch vollständig erhalten; am Geschoss darüber, das 7,5 Meter über dem Erdboden den einst auf Leitern oder einer offenen Aussentreppe erreichbaren Eingang enthielt, ist das markante Mauerwerk nur noch an der Nordwest- und Südwestseite sowie an der Ostecke vorhanden. Im Erdgeschoss erreichen die Wände eine beachtliche Dicke von 3,3 Metern; sie tragen die Decke, ein Tonnengewölbe aus Tuffstein. Dieser Raum war einst nur von oben her zugänglich; heute kann er durch eine Tür von der Limmatseite her betreten werden.
Das Wohngeschoss mit den vier zierlichen Erkern von quadratischer Grundfläche erhielt seine heutige Gestalt im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts, als die damaligen Besitzer den Turm dem Stile der Zeit anpassten; aus jener Zeit stammt wahrscheinlich auch der Treppenhausanbau auf der Südwestseite. Ins dritte, das sogenannte Erkergeschoss, führt eine Nussbaumtüre, neben der sich ein Fenster mit Stabgitter öffnet. Die übrigen Türen in diesem Stockwerk zeigen geohrte Rahmen, verzierte Angelbeschläge, die Schlosskasten sind mit getriebenen Blattvoluten versehen, zum Teil Formen, welche an die Stilelemente des Rokokos erinnern. Der beste Teil der Ausstattung befindet sich im Zimmer der Ostecke: es ist ein Nussbaumbuffet mit symmetrisch gebautem Hauptteil und zweiteiligem Schrank im Unterteil. Die Art der Ausführung, die geschnitzten Blätter, der Rautenrahmen, der Wellenstab an allen erhabenen Füllungen und der diese umrahmende Flammenstab geben einen Hinweis auf die Entstehungszeit im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts.
1998
Einst war der Hardturm von einer festen Ringmauer und einem Wassergraben umgeben; sie verschwanden jedoch zusammen mit dem Tor bereits im 16. Jahrhundert.
Bibliographie