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New Orleans verliert einen bedeutenden Sohn
Mitten im Leben eines Musikers, nämlich während einer Europa-Tournee, die ihn von Basel, wo er noch am 7. November 2015 im Rahmen der Baloise Session aufgetreten war, über Spanien und Belgien nach England führen sollte. In Madrid erlag er am 10. November 2015 im Hotel nach der Show einer Herzattacke. Die Stadt verliert einen ihrer ganz Grossen.
Er kam in ärmlichen Verhältnissen in New Orleans zur Welt und hatte sein Leben dort verbracht, bis er vorübergehend nach dem Hurrikan 2005 die Stadt verlassen musste. Erst danach tourte er öfter. Im Übrigen lag seine Bedeutung weniger auf dem Interpreten Toussaint, obwohl er ein glänzender Pianist, ein guter Sänger und ein charmanter Unterhalter war. Er hatte auch als junger Pianist den Tontechniker Cosimo Matassa mit seiner ersten Single so sehr beeindruckt, dass dieser ihn zu weiteren Aufnahmen bewegte. Später produzierte Toussaint auch in Matassas J&M Recording Studio, wo zu jener Zeit noch unbekannte Künstler wie Ray Charles, Lloyd Price oder Dr. John aufnahmen. Auch Professor Longhair zählte zu Matassas Kunden.
Bereits als Teenager gründete er seine Band Flamingos. Später war er Session Pianist unter anderem für Fats Domino. Seine Karriere als Produzent, Komponist und Arrangeur begann Anfang der Sechzigerjahre beim Label Minit Records. Hier formte er den New Orleans Sound entscheidend mit. Auf vielen Aufnahmen, die hier entstanden, ist er auch als Pianist zu hören. Seine Arbeit war für das Label so entscheidend, dass es in Schieflage geriet, als er ab 1963 seinen Dienst in der Armee absolvieren musste.
Nach dem Militärdienst gründete er mit Marshall E. Sehorn zusammen eine Produktionsgesellschaft und das Label Sansu Enterprises, wo Künstler wie The Meters, Dr. John, Aaron Neville, Irma Thomas, Lee Dorsey, Elmore James oder auch John Mayall produzierten. Es war eine Zeit, in der Toussaint eine schier unendliche Menge an Songs schrieb. Bei der BMI ist er als Komponist für 818 Songs eingetragen. Viele davon wurden Hits. Die Arbeit als Komponist, Arrangeur und Produzent ist es auch, die seinen Ruhm begründet. Toussaint gewann einen Grammy, ist Mitglied in den Rock and Roll Hall Of Fame, der Songwriters Hall Of Fame, der Blues Hall Of Fame und erhielt 2012 die bedeutendste Auszeichnung für Künstler, die Amerika zu vergeben hat: die National Medal Of Arts.
In den letzten Jahren war er öfter auf Tour, sogar ausserhalb der USA, obwohl er ungern reiste. Dabei war er immer auch ein Botschafter New Orleans’ und wusste das Publikum mit seinem Charme, seinem unprätentiösen Auftritt und seiner Musikalität zu verzaubern. Mit ihm verliert die zeitgenössische Musik einen seiner kreativsten und innovativsten Köpfe.