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2018 führte es uns erstmals in das größte Kaffeeanbauland der Welt: Brasilien. Und rate mal, wer zu den größten Abnehmern brasilianischer Kaffees gehört? Richtig, Deutschland. Zeit, dass wir uns das Land mal genauer anschauen!
Brasilien ist ein Land der Superlative: Das größte Land Südamerikas, #1 Kaffeeproduzent und -exporteur seit 150 Jahren, der größte Hafen Lateinamerikas liegt in Santos, ganz zu schweigen von den schönsten Stränden, den besten Caipiriñhas und vielem mehr.
Café do Brasil – so fing alles an
Anfang des 18. Jahrhunderts schmuggelte ein Portugiese erstmals Kaffee nach Brasilien. Während die Pflanze anfangs im heimischen Garten angepflanzt wurde, eroberte sie das Land in den folgenden Jahrzehnten im Sturm. Großgrundbesitzer begannen mit der industriellen Produktion von Kaffee – völlig unüblich verglichen mit dem Kaffeeanbau in anderen Ländern. Im Laufe des 19. Jhd. kristallisierten sich “Kaffeebarone” heraus, die große Plantagen mit afrikanischen Sklaven führten und auch den Böden ihrer Plantagen alles abverlangten. Erst 1888 mit der Abschaffung der Sklaverei endete die Ausbeutung afrikanischer Arbeiter auf privaten Plantagen. Der Anbau von Kaffee wurde in den Folgejahren intensiv durch die Regierung unterstützt, indem Investitionen in die Infrastruktur oder Maßnahmen zur Sicherung stabiler Preise getätigt wurden. Das zahlte sich aus: Bis heute gilt Brasilien als der Kaffee-Gigant schlechthin. Das Land ist ein so großer Akteur auf dem internationalen Kaffee-Bankett, dass dortige Schwankungen oder Krisen während Ernte direkten Einfluss auf den internationalen Markt und dessen Preise haben.
2010 wurden bis zu 30 % der gesamten brasilianischen Produktion im Land verzehrt.
Kaffee ist in der brasilianischen Kultur allgegenwärtig. Am “Cafezinho” kommst du als Besucher nicht vorbei, sei es im Café an der Straßenecke, beim Geschäftsbesuch oder Treffen mit Freunden . Die Locals trinken ihren Kaffee kräftig und dunkel geröstet, schnell im Stehen am Tresen oder nachmittags in der Sonne.
Kaffeeanbau in Brasilien
Nirgendwo wird so viel Kaffee produziert, exportiert und so professionell angebaut wie in Brasilien. Seit 150 Jahren führt Brasilien die Liste der weltweiten Anbauländern an. Auf insgesamt 2,3 Mio Hektar Kaffeeanbaufläche wird eine große Vielfalt von Arabica Varietäten angebaut. Nur ein geringer Teil wird für den Anbau von Robusta Pflanzen (in Brasilien als “Cornillon” bezeichnet) genutzt. Doch mit vielen Anbaumethoden steht das Land seit Jahren in der Kritik: Monokulturen, ausgelaugte Böden, hohe Einsätze von Pestiziden und Fokus auf Quantität statt Qualität werden den Farmern vorgeworfen.
Daher war es uns ein besonderes Anliegen vor Ort nachhaltige Partner zu finden. In den letzten Jahrzehnten hat sich diesbezüglich jedoch einiges getan. Mittlerweile liegen Vorschriften seitens der Regierung vor, die Großfarmer dazu verpflichten einen bestimmten Anteil ihres gesamten Grundstücks als Mischwald zu erhalten, um die lokalen natürlichen Pflanzenarten zu fördern. Hinzu kommt ein zunehmend bewussterer Einsatz von Düngemitteln, mit denen besser auf die individuellen Ansprüche der Böden eingegangen wird. Auch die Arbeit mit Bio- und Fairtrade-Siegeln wird immer attraktiver.
Anders als in afrikanischen Ländern arbeiten hier Farmer eigenständiger und selten in Kooperativenverbänden zusammen.
In ganz Brasilien verdienen mehr als 287.000 Farmer ihr Leben durch den Anbau von Kaffee, wobei mehr als 85 % der Farmen aus sogenannten Small Holder Farmern bestehen, die bis zu 20 Hektar Land oder weniger besitzen. Auf unserer Reise besuchten wir Farmen unterschiedlicher Größen, damit wir uns ein umfassendes Bild der brasilianischen Kaffeewelt machen konnten.
Professioneller Anbau und maschinelle Ernte
Brasilien ist 28-mal so groß wie Deutschland und besteht aus insgesamt 27 Bundesstaaten, in 16 von ihnen wird Kaffee angebaut. Die Größe des Landes und die unterschiedlichen Klimazonen und Bodenbedingungen machen brasilianischen Kaffee unglaublich vielseitig. Der Kaffeeanbau findet in den Regionen Minas Gerais, São Paolo, Espírito Santo, Paraná, Bahia und Rondônia statt, wobei sich der Anbau von Robusta lediglich an der Küste in Bahia und im Amazonas Gebiet Rondônia erstreckt.
Die Erntezeit in Brasilien findet einmal im Jahr je nach Region von Mai bis September – Oktober statt.
Anders, als wir es in afrikanischen Ländern oder in Kolumbien kennenlernten, wird der Großteil des brasilianischen Kaffees maschinell oder semi-maschinell geerntet. Die maschinelle Ernte erfolgt effizienter und schneller, als die Ernte von Hand, da die Kaffeekirschen von den Ästen der Bäume einfach abgeschüttelt werden. Dadurch wird jedoch nicht zwischen den unterschiedlichen Reifegraden der Kirschen unterschieden. Aufgrund des Gewichts und der Dichte der Kirschen trennt die Maschine die Kirschen ihrer Reife entsprechend. Falls grüne (= unreife) Kirschen mit roten (=reifen) Kirschen vermischt werden, mindert dies die Qualität des Kaffees, sodass die Kirschen nach der Ernte durch zusätzliche Maschinen in unterschiedliche Reifegrade separiert werden müssen. Die Voraussetzung für die Maschinen dieser Art sind ebene Anbauflächen. Da solche Maschinen zudem sehr kostspielig sind, werden sie vor allem auf großen Farmen eingesetzt und weniger von Kleinfarmern. Die semi-maschinelle Ernte erfolgt hier vielerorts durch kleinere elektrische Geräte, die sachte an den Ästen rütteln, wodurch die reifen Kirschen auf den Boden oder in Netze unter den Bäumen fallen. Anschließend werden die Kirschen manuell nach Reifegrad sortiert.
Der Großteil brasilianischer Kaffees wird als natural oder pulped natural aufbereitet.
Je nachdem wie der Kaffee aufbereitet ist, wird er direkt nach der Ernte (natural) oder nach der Verarbeitung (pulped natural) für mehrere Tage in der prallen Sonne getrocknet. Dies geschieht meist direkt auf dem Boden. Dafür findet man auf Farmen große betonierte Flächen sogenannten “Drying Patios” vor, auf denen die Bohnen während der Erntezeit für ca. drei Tage zum Trocknen ausliegen, danach werden sie häufig noch in Trocknungsmaschinen auf die gewünschte Restfeuchtigkeit fertig getrocknet.
So vielfältig schmecken brasilianische Kaffees
Klassischerweise schmecken brasilianische Kaffees sehr schokoladig und nussig. Das Spektrum reicht von Milchschokolade und Haselnuss bis Zartbitterschokolade und Paranuss. Brasilianischen Farmern wurde in Bezug auf den Anbau ihrer Kaffees lange unterstellt mehr Wert auf Quantität als auf Qualität zu legen. Wir durften uns in zahlreichen Cuppings vom Gegenteil überzeugen. Bei besseren Qualitäten kommen komplexe Aromen von Trauben, getrockneten Früchten wie Aprikose oder Feige zum nussigen Geschmack dazu. Je nach Aufbereitungsmethode kann auch eine markante Säure auftreten, die dem Kaffee eine tolle Lebendigkeit verleiht. So konnten wir auch Kaffees probieren, die uns an reifen Pfirsich, Mango und Kiwi erinnert haben.