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Die vollständige Liste der Namen jener Personen und Unternehmen, die in der 2,6 Terabytes grossen Datensammlung der Panama Papers auftauchen, wird erst Anfang Mai veröffentlicht. Bereits sind allerdings zahlreiche Berühmtheiten im Scheinwerferlicht, wie etwa ein Video des isländischen Premierministers zeigt. Eine Auswahl.
Sigmundur Davíð Gunnlaugsson machte keine gute Falle, als ihn schwedische Journalisten während eines Interviews zu einer Offshore-Firma namens Wintris befragen. «Was versucht ihr hier aufzubauschen? Das ist vollkommen unangebracht», sagt Gunnlaugsson und verlässt den Raum.
Wie die Unterlagen der Panama Papers zeigen, haben Gunnlaugsson und seine Frau besagte Firma 2007 erworben. Wintris soll Anleihen von mehreren Millionen Euro an den drei grössten isländischen Banken besessen haben, die im Herbst 2008 in Folge der Finanzkrise zusammenbrachen. Wintris klagte auf Millionen – als Politiker geisselte Gunnlaugsson das Vorgehen ausländischer Fonds.
Der heutige Premier verkaufte seinen Anteil 2009 für einen Dollar an seine Frau. Diese teilte später mit, es sei ein Fehler gewesen, Gunnlaugsson als Mitbesitzer der Firma zu führen, welche als Vehikel für Investitionen aus ihrem Familienvermögen angeschafft worden sei.
Auch Lionel Messi droht womöglich erneut Ärger mit der Steuerbehörde. Der mehrfache Weltfussballer und Superstar des FC Barcelona wird in den Unterlagen der Panama Papers als Begünstigter einer Offshore-Firma geführt, von der die Staatsanwaltschaft bisher nichts wusste. Unabhängig des jüngsten Finanz-Skandals steht der 28-Jährige im Mai vor einem spanischen Gericht.
Messi und seinem Vater, der auch sein Manager ist, wird zur Last gelegt, 2007, 2008 und 2009 das Finanzamt um 4.1 Millionen Euro an Steuern betrogen zu haben. Es geht um die Einnahmen aus Bildrechten des viermaligen Weltfussballers. Um Steuern zu hinterziehen, sollen Vater und Sohn Briefkastenfirmen in den Steueroasen Belize und Uruguay eingerichtet haben.
Als schillernder Name taucht in den Dokumenten jener des Schauspielers Jackie Chan auf. Er soll mindestens sechs Unternehmen besitzen, die von Mossack Fonseca verwaltet werden. Beweise, dass Chan diese für illegale Zwecke missbraucht hat, gibt es nicht. Zur legalen Steueroptimierung etwa können Briefkastenfirmen Sinn machen.
Schon Tage vor der Veröffentlichung der jüngsten Informationen über Offshore-Firmen hatte der Kreml offenbar Kenntnis von den Enthüllungen. Bereits am 28. März veröffentlichte der staatsnahe russische Sender Russia Today auf seiner Webseite, der Kreml warne vor einer «Informationsattacke» gegen Wladimir Putin.
In der Tat sind unter den nun bekanntgewordenen Namen einige, die dem Umfeld des russischen Präsidenten zugerechnet werden. Neben dem Geiger Sergej Roldugin, der Taufpate von Putins Tochter ist, werden etwa die Gebrüder Boris und Arkady Rotenberg genannt, Sandkastenfreunde Putins.
Zwei Cousins des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad haben laut Angaben des internationalen Journalisten-Konsortiums ICIJ, das die Panama Papers auswertet, ein Vermögen zusammengetragen. Die Brüder Rami und Hafez Makhlouf stehen heute wegen ihrer Rolle bei Assads gewaltsamen Vorgehen gegen die pro-demokratischen Demonstranten ganz oben auf den internationalen Sanktionslisten.
E-Mails aus dem Frühjahr 2011 zeigen, dass Angestellte von Mossack Fonseca die US-Sanktionen und Vorwürfe der Bestechung und Korruption gegen die Brüder besprechen. Im Juni beendete die Firma die Zusammenarbeit mit den Makhloufs.
Ian Cameron, der Vater des britischen Premiers David Cameron, der 2010 verstarb, verdiente ein Vermögen mit geschickten Investitionen. Laut den Dokumenten half er 1982, die Blairmore Holdings Inc. in Panama zu gründen und war bis zu seinem Lebensende beim Investmentfonds involviert.
Blairmore war 1998 20 Millionen Dollar wert und nicht steuerpflichtig auf Einkommens- oder Kapitalgewinne. In einer Beschreibung des Fonds stand demnach, er werde von Grossbritannien nicht auf die Gewinne besteuert.
Auch aus China floss offenbar Geld aus dem Umfeld politischer Entscheidungsträger in die Offshore-Firmen. Erwähnt werden in den Unterlagen etwa Li Xiaolin, Tochter des Ex-Premiers Li Peng, Jasmine Li, Enkelin eines Ex-Partei-Führungsmitglieds, Patrick Henri Devillers, Geschäftspartner von Gu Kailai, der Ehefrau des ehemals hochrangigen Politikers Bo Xilai, und Deng Jiagui, Schwager des amtierenden Präsidenten Xi Jinping.
Der saudische König Salman bin Abdulaziz bin Abdulrahman al-Saud spielte eine Rolle in der Firma Safason Corporation SPF S.A. von Luxemburg. Sie war Teilhaberin an zwei weiteren Firmen, die 2009 Hypotheken im Wert von insgesamt 34 Millionen Dollar für Luxusimmobilien in der Londoner City aufnahmen. Damals war al-Saud Gouverneur. Der König wird zudem als «Hauptnutzer» einer Yacht namens Erga bezeichnet, die ebenfalls von einer Offshore-Firma registriert wurde.
Der frischgewählte Präsident Argentiniens, Mauricio Macri, sein Vater Francisco und sein Bruder Mariano waren die Direktoren von Fleg Trading Ltd., 1998 eingetragen in den Bahamas, im Januar 2009 aufgelöst. «Gemäss Recherchen argentinischer Journalisten hat Macri während seiner Zeit als Bürgermeister von Buenos Aires seine Verbindung zu Fleg Trading in den Vermögenserklärungen 2007 und 2008 nicht angegeben», schreibt der ICIJ.
Petro Poroschenkos Reich beinhaltet die grösste Süsswarenfirma des Landes, einen TV-Kanal und eine Werft. Poroschenko hat stets darauf geachtet, sich von seinen korrupten Vorgängern abzuheben. Doch jetzt kommt der Verdacht auf, dass auch der Ukraine-Präsident keine weisse Weste hat: Poroschenko ist Shareholder der Firma Prime Asset Partners Limited, einer Kreation von Mossack Fonseca. Gemäss einer zypriotischen Anwaltskanzlei, die die Prime Asset Partners repräsentiert, handelt es sich beim unternehmen um eine Holding von zypriotischen und ukrainischen Firmen der Roshen Group, einer der grössten Süsswarenhersteller Europas.
Während seiner Kampagne verkündete Poroschenko, die meisten seiner Anteile zu verkaufen. Sie gingen alle zu Prime Asset Capital über. Im Oktober 2014 schrieb die International Invest Bank einen Brief an Mossack Fonseca: Die Konten seien befriedigend verwaltet worden.
Für alle hier Erwähnten gilt die Unschuldsvermutung.
(kad mit Material von ICIJ)