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Die Senslerin Svenja Jungo hat an der Weltmeisterschaften im Ringen für einen Exploit gesorgt. Die 16-Jährige gewann bei den Kadetten die Silbermedaille.
Svenja Jungos Höhenflug geht weiter: Nur einen Monat nach dem Gewinn der EM-Bronzemedaille hat die Sensler Ringerin auch bei der Weltmeisterschaft der Kadetten den Sprung aufs Podest geschafft. In Budapest (Ungarn) wurde die 16-Jährige aus Heitenried in der Kategorie -49 kg Zweite. Im Final musste sich Jungo der Ukrainerin Mariia Yefremova geschlagen geben.
Der Sieg der Osteuropäerin fiel mit 11:0 deutlich aus – die Freude der frisch gekürten Vize-Weltmeisterin vermochte dies allerdings nicht zu trüben. «Ich kann nicht glauben, dass ich das geschafft habe», sagte die Heitenriederin nach dem Turnier ins Mikrofon der United World Federation. «Ich war nervös, ich wusste, dass ich eine Medaille auf sicher hatte, aber ich wollte Gold. Meine Gegnerin war allerdings sehr stark, hat mich immer wieder mit guten Griffen unter Druck gesetzt. Auch wenn es nicht für den Sieg gereicht hat, kann ich stolz sein auf das, was ich erreicht habe.»
«Eine meiner besten Leistungen»
Im ersten Kampf im Achtelfinale gegen die Italienerin Fabiana Rinela konnte Jungo die ersten Punkte machen, doch die Gegnerin glich noch vor der Pause aus und ging in der zweiten Hälfte sogar in Führung. Unbeeindruckt ob der starken Gegenwehr holte die Freiburgerin eine Minute vor Wettkampfende zum finalen Angriff aus, zog einen Hüfter und schulterte ihre Gegnerin.
Knapper verlief der Viertelfinal, in dem Jungo auf die Rumänin Delia Gabriela Voiculescu traf. Nach einer Zweier-Wertung wurde die Freiburgerin durch die Kampfrichter zweimal als passiv eingestuft. In der darauffolgenden Aktivitätszeit konnte sie keine Punkte erzielen, wodurch ihre Gegnerin jeweils einen Punkt zugesprochen bekam und zehn Sekunden vor Ablauf der Wettkampfdauer auf 2:2 ausglich. Da Jungo aber die höhere Wertung auswies, ging sie als Siegerin aus dem Duell hervor.
Auch der anschliessende Halbfinalkampf gegen die Amerikanerin Audrey Rae Jimenez, die all ihre Kämpfe frühzeitig und ohne Punktverlust gewonnen hatte, brachte Spannung pur. Beide Kämpferinnen agierten mit offenem Visier und ohne jegliche taktische Plänkeleien. Den ersten Angriff der Amerikanerin nach drei Sekunden konnte Jungo spektakulär auskontern. Keine fünf Sekunden nach Wiederanpfiff setzte ihre Gegnerin erneut zum Versuch an, wieder gelang der Senslerin eine herausragende Verteidigung und der erneute Punktgewinn. Doch kurz vor der Pause verkürzte die angriffsstarke Amerikanerin auf 2:4, und nach einem erneuten Blitzstart vom Jimenez stand es plötzlich gar 4:4. Jungo war gefordert, musste reagieren – und tat dies in der Manier einer Siegerin. Wissend, dass ein sauber durchgeführter Angriff die Entscheidung bringen kann, setzte sie eine Minute vor Ende zu ihrer Lieblingstechnik an: Aus der Mattenmitte heraus lancierte sie einen Doppelbein-Angriff, hob Jimenez vom Mattenboden und beförderte sie rücklings auf die Schultern. Vier Punkte! Zwar musste Jungo im Anschluss noch einmal eine 2er-Wertung abgeben, mit 8:6 zog sie dennoch als erste Kadettin in der Geschichte des schweizerischen Ringsports in einen WM-Final ein. «Das war eine meiner besten Leistungen in meiner Karriere», freute sich Jungo über ihren Geniestreich.
Der nächste grosse und logische Erfolg
Im Final fand sie dann in der Ukrainerin Mariia Yefremova ihre Meisterin – trotz einer engagierten Leistung unterlag sie mit 0:11. Die amtierende Europameisterin war an der WM eine Klasse für sich, wies nach ihren vier Kämpfen eine Bilanz von 40:0 Punkten auf. «Ich werde versuchen, die Lehren aus der Niederlage zu ziehen. Ich werde noch mehr und noch härter trainieren, damit ich es eines Tages ganz zuoberst aufs Podest schaffe.»
Auch wenn es nicht zu Gold gereicht hat, mit dem Gewinn der Silbermedaille hat Svenja Jungo ihre internationale Klasse einmal mehr bewiesen. National ist die Senslerin der Konkurrenz längst entrückt: Letzten Monat hatte die Freiburgerin an der Kadetten-EM in Samokov (BUL) die Bronzemedaille gewonnen, bereits im Vorjahr hatte sie an der EM in Faenza (ITA) Silber geholt, und im vergangenen Mai hatte Jungo am Kroatien-Open triumphiert und das Kadettenturnier in Bukarest gewonnen.
Die Erfolge sind kein Zufall. Seit September weilt Jungo die Woche über in Freiburg im Breisgau, wo sie das Abitur macht und im Olympiastützpunkt der deutschen Ringer trainiert. Im nördlichen Nachbarland kann sie schulische Ausbildung und Sport besser vereinen. Sechs bis acht Trainings absolviert die 16-Jährige pro Woche. «Die Trainings sind umfangreich, nicht nur auf der Matte. Wir machen viel für die Ausdauer und die Kraft, das Pensum ist viel grösser», sagte die Tochter des siebenfachen Schweizer Meisters Pascal Jungo unlängst gegenüber den FN.
In der kommenden Saison wird Jungo nicht mehr bei den Kadettinnen ringen können, altersmässig wird sie künftig bei den Juniorinnen auf Medaillenjagd gehen.