Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03249.jsonl.gz/2392

«Ich möchte ein Leben, wie es andere Menschen führen», sagt Yannick Ali-Bin. Der 32-Jährige ist im Kongo geboren, hat jedoch seine gesamte Schulzeit in der Schweiz absolviert. «Ich habe die Schule nicht gemocht», erzählt er. «Das war ein grosser Fehler, aber jetzt ist es zu spät.» Nachdem er die Orientierungsschule Belluard besucht hatte, machte Yannick Ali-Bin einen Vorbereitungskurs, um eine Lehrstelle zu finden.
Lehre nicht bestanden
«Ich habe vier Jahre die Lehre als Plattenleger gemacht, die Prüfungen aber nicht bestanden», erzählt er und fügt an: «Ich hatte ein Alkoholproblem.» Sein Chef habe ihn nicht behalten wollen, und auch sein Vater wollte ihn nicht mehr in der Wohnung haben. «Ich war 18 Monate obdachlos, das war kein guter Abschnitt in meinem Leben.» In die Alkoholsucht sei er hineingerutscht: «Am Anfang trank ich mit Kollegen, dann begann ich auch alleine zu trinken, und auf einmal brauchte der Körper den Alkohol.»
Während dieser Zeit habe er das Tageszentrum Banc Public kennengelernt. «Ohne Banc Public wäre es schwierig geworden», sagt Yannick Ali-Bin. Er habe oft dort gegessen und generell viel Zeit im Zentrum verbracht.
Im Jahr 2006 hat er vom Sozialdienst eine Wohnung bekommen. «In dieser Zeit kam ich nicht ins Tageszentrum, ich wollte den Platz den Leuten lassen, denen es noch schlechter ging.» Die Wohnung verlor Yannick Ali-Bin aber relativ schnell wieder. Sein Alkoholproblem hatte er damals noch nicht im Griff. «Ich habe viele Chancen erhalten, die Dinge aber nicht so gemacht, wie ich sollte», sagt er heute.
Von seiner Familie habe er in diesen Jahren wenig Unterstützung bekommen. «Mein Vater wollte, dass ich mich selbst durchschlage.» Das sei verständlich, weil er nicht geschätzt habe, wenn man ihm half. «Wenn man zu viel macht für mich, werde ich faul», gibt Ali-Bin ehrlich zu.
Entzug geschafft
Nach einer 13-monatigen Entzugstherapie ist er nun seit knapp einem Jahr trocken. «Ich habe keinen Tropfen mehr angerührt und auch nicht die Absicht, es je wieder zu tun.»
Einfach ist das Leben für den 32-Jährigen trotzdem bei weitem nicht: Er ist immer noch arbeits- und obdachlos. Die Jahre der Sucht haben ein Loch in seinem Lebenslauf hinterlassen, den die Arbeitgeber sofort bemerken. «Ich bezahle jetzt für die Dummheiten, die ich gemacht habe», sagt er und wirkt dabei beschämt. Fügt aber dann optimistisch an: «Es ist schwierig, aber nicht unmöglich.»
Bescheidene Wünsche
Im Moment absolviert er ein Beschäftigungsprogramm. «Das ist gut, so weiss ich, weshalb ich am Morgen aufstehe, und ich kann zeigen, dass ich arbeitsfähig bin», sagt er. Daneben verbringt er viel Zeit im Tageszentrum und die Nacht in einer Notschlafstelle. «Bei Banc Public treffe ich Menschen, die Ähnliches erleben, das hilft.» Manchmal spielt er auch Fussball mit anderen Benutzern. «Das entspannt und tut gut.»
Seine Wünsche sind bescheiden geworden: «Eine Wohnung und eine Freundin, ein normales Leben halt», das erhoffe er sich. «Und wenn es mehr gibt, bin ich auch nicht unzufrieden», sagt er und lacht.
Zahlen und Fakten
Montag bis Mittwoch Tag der offenen Türe
Zum Zehn-Jahr-Jubiläum des Tageszentrums Banc Public im Schönberg stellen die FN drei Menschen vor. Am Donnerstag erschien das Porträt von François, das von Yannick Ali-Bin bildet den zweiten Teil. Bedürftige Menschen erhalten im Tageszentrum ein günstiges Frühstück und Mittagessen. Sie können sich und ihre Kleider waschen, haben die Möglichkeit, Computer zu benutzen und Zeitung zu lesen. Banc Public bietet auch eine Beratung für Arbeitsuchende. Seit diesem Frühling befindet sich das Tageszentrum an der Joseph-Chaley-Strasse 7 im Schönberg. Zum Jubiläum sind von Montag bis Mittwoch Tage der offenen Türe: Von 8.30 bis 16 Uhr können Interessierte das Tageszentrum besuchen und dort mittagessen. Die Festessen werden in Zusammenarbeit mit Köchen des Aigle Noir und des Jura zubereitet, und am Mittwoch kochen die Mitarbeiter von Banc Public ein spezielles Mahl.mir