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China wertet den Yuan ab. Obwohl alle Welt in Panik erstarrt, ist dieser Schritt nur ein möglicher Vorgriff auf Zinserhöhungen in den USA.
Der umfassende Wandel in der Aussenpolitik Chinas ruht auf drei Hauptgründen:
1. Wirtschaftsbedingungen. Schwache Exportleistung aufgrund der starken Währung und der fortgesetzt niedrigen weltweiten Nachfrage. Der Inlandsverbrauch verweigert hartnäckig das Wachstum. Kreditexplosion und potenzielle Blasen in Anlagemärkten.
2. Internationalisierung der Währung Yuan, des CNY – die bevorstehende Einbindung in die Sonderziehungsrechte (SZR) des IWF ist für China von grösster Bedeutung und erfordert eine Öffnung der Kapitalmärkte und Kapitalströme.
3. Die US-amerikanische Notenbank (Fed) hängt sich an. Zweifellos plant China, dem drohenden Anstieg der US-Zinsen (und damit der weltweiten Zinsen) zuvorzukommen. China versucht, ähnlich wie die Schweiz, frühzeitig zu handeln und damit einen Vorsprung auf die tatsächliche Einführung zu erzielen.
Das Risiko steigt...
Der «Preis» für diese Vorgehensweise sind höhere Unsicherheiten und eine Blasenbildung des VaR (Value at Risk) in den Handelsbüchern, kurz: «Verluste» bei risikobehafteten Anlagen. Die Volatilität steigt, die Investorenpositionen erleiden Verluste, und alles rennt, rettet, flüchtet. Jegliche Korrektur der Aktienmärkte beginnt mit einer Steigerung des VaR, quasi mit einem «Ereignis». Technisch gesehen schmerzen jedoch die Volatilität und die Unsicherheiten.
Ein zweites Derivat ist der schwächere USD. Für den August erwarte ich einen EUR/USD-Kurs von 1,13/1,15, dann eine kleine Korrektur und schliesslich einen grösseren Schritt hin zu einem Kurs von 1,2000.
...und der Dollar könnte fallen
Dies steht im Gegensatz zu den meisten Prognosen, bei denen ein EUR/USD-«Umrechnungskurs» von 1:1 erwartet wird, doch die Massnahmen Chinas lösen Ereignisse aus, die den bisherigen Konsens (Verlagerung des Überschusskapitals von Asien zum US-Anleihenmarkt) auf den Kopf stellen und vermutlich eine erhebliche Verminderung der chinesischen Devisenreserve von 3,6 Billionen USD mit sich bringen dürften. Vereinfacht ausgedrückt erhalten die USA weniger Hilfe bei der Finanzierung ihrer Defizite aus Asien, und der Preis sind weiter steigende Kapitalkosten, die bei den Anleiherenditespannen bereits spürbar sind. Noch dazu ist die Stärke des USD umgekehrt proportional zum Zinszyklus: Höhere Kapitalkosten schwächen den USD. (Wenn die Zinssätze steigen, muss der Geldpreis nach unten korrigiert werden.) Der Eintritt Chinas in die SZR macht die chinesische Währung CNY zu einer Leitwährung; die Aufnahme in den IWF erfordert jedoch eine liberalere Währungspolitik und eine allgemeine Finanzmarktreform.
Bei meinem Besuch in Schanghai Anfang Juli konnte ich mich selbst von diesen Reformen überzeugen, und das Tempo der Veränderungen hat mich positiv überrascht. Vermutlich hätte ich damals schon die Anzeichen für die Abwertung in dieser Woche erkennen müssen, nachdem China die letzte Chance vor dem nächsten Schritt der Fed ergriffen hat, nämlich die chinesische Währung zunehmend von den Marktkräften diktieren zu lassen. Noch wichtiger: China muss die Volatilität des CNY stärken und die Kopplung des Wechselkurses lockern, als würde die Währung extrem stabil bleiben (so wie in den letzten Jahren). Dann würden die SZR durch die Aufnahme des CNY lediglich USD-lastiger werden, da der USD de facto als Ankerwährung fungierte. Ich sehe die Abwertung als Funktion bezüglich des Bedarfs nach mehr Wachstum, doch noch wichtiger: Als weiteren Schritt zur Internationalisierung des CNY.
Der CNY gewinnt zunehmend an Bedeutung
Die neue Rolle des CNY darf nicht unterschätzt werden: 2016 wird die chinesische Seidenstrasse online gehen, und ich rechne damit, dass sich der CNY fünf bis zehn Jahre später als eine der grössten Währungen etabliert haben wird. Künftige Ereignisse werfen also jetzt schon ihre Schatten auf die Gegenwart. Solange die Unsicherheiten und das mangelnde Verständnis des neuen Paradigmas noch nach Vorsicht verlangen, ergibt sich hieraus kurzfristig eine Abkehr vom Risiko für die Märkte (Risk off). In einer mittel- und langfristigen Analyse muss festgestellt werden, wie erfolgreich China die Wirtschaft aus der Verschuldung heraus auf die Seidenstrasse führt (und wie lange dieser Umschwung dauern wird).
Die Abwertung war ein riskanter und mutiger erster Schritt. Wenn China nun mit einer weiteren Liberalisierung nachlegt, kann dies die Wirtschaft stärken, sodass das Kapital besser zugewiesen wird; ansonsten wird die rasch steigende Verschuldung in den Mittelpunkt treten – und die Tatsache, dass die USA einen Status finanzieren, der nicht nur China schaden wird, sondern der gesamten Weltwirtschaft.
*Steen Jakobsen ist Chefökonom der Saxo Bank