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Bei einer Niereninsuffizienz erfüllen die Nieren nur noch eingeschränkt ihre Aufgabe, das Blut zu filtern und Stoffwechselprodukte auszuscheiden. Mediziner unterscheiden zwischen der chronischen und der akuten Niereninsuffizienz. Bei der chronischen Niereninsuffizienz (chronische Nierenerkrankung, CKD) lässt die Nierenfunktion langsam nach. In der Schweiz leiden schätzungsweise 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung unter einer chronischen Nierenerkrankung.
Im Normalfall besitzt ein Mensch zwei Nieren. Sie befinden sich im hinteren Bauchraum direkt unterhalb des Brustkorbs. Die Nieren sind circa 10 – 12 cm lang, 5 – 6.5 cm breit und 3 – 5 cm dick. Jede Niere enthält ungefähr 1 Million Nephrone, welche die funktionellen Einheiten darstellen. Sie filtrieren das Blut und produzieren den Harn. Über den Harn (Urin) werden Stoffwechselprodukte, Elektrolyte, Wasser und andere Substanzen, welche der Körper nicht mehr benötigt, ausgeschieden. Auch gewisse Medikamente, Gifte oder Drogen verlassen auf diesem Weg den Körper. Der in den Nieren produzierte Urin fliesst über das Nierenbecken und die Harnleiter in die Blase, von der er über den Harnleiter ausgeschieden wird. Neben der Ausscheidungsfunktion haben die Nieren noch andere wichtige Aufgaben. Sie regulieren:
Weiterhin bilden sie wichtige Hormone wie das Erythropoietin, welches die Blutbildung stimuliert. Auch wird in den Nieren das Vitamin D aktiviert, welches für den Knochenstoffwechsel wichtig ist
Verschiedene Einflüsse (siehe Ursachen und Risikofaktoren) können zu einer chronischen Schädigung der Nieren führen. Dies resultiert darin, dass die Ausscheidungsfunktion abnimmt und auch die anderen Funktionen nicht mehr vollständig wahrgenommen werden können. Eine chronische Niereninsuffizienz entsteht sehr langsam und bleibt typischerweise für längere Zeit unbemerkt. Als Betroffene/r spüren Sie von den schleichenden Verschlechterungen so gut wie nichts. Nur die Untersuchung von Blut und Urin können Aufschluss über eine mögliche Schädigung geben. Meist kommt es erst zu Beschwerden, wenn die Nierenfunktion stark eingeschränkt ist. Oft wird die chronische Niereninsuffizienz erst durch die Folgeerkrankungen, wie einen erhöhten Blutdruck, entdeckt. Leider ist es bei der chronischen Niereninsuffizienz so, dass sich die einmal geschädigten Zellen nicht wieder erholen und die Erkrankung einen fortschreitenden Charakter hat.
Die häufigsten Ursachen der chronischen Nierensuffizienz sind
Diabetes mellitus ist ein wichtiger Risikofaktor für eine chronische Niereninsuffizienz. Ein zu hoher Blutzucker schädigt im Laufe der Zeit das feine Gefässsystem der Nieren. Mediziner sprechen dann von einer diabetischen Nierenerkrankung. Leider entwickeln zwischen 40 und 50 Prozent der Diabetiker mit der Zeit eine Niereninsuffizienz, die sich dann bis zum Nierenversagen entwickeln kann. Wenn Sie also an Diabetes erkrankt sind, sollten Sie darauf achten, dass der Blutzucker gut eingestellt ist und dass die Nierenfunktion regelmässig kontrolliert wird.
Bluthochdruck strapaziert die Gefässe – feine Strukturen, wie sie sich in den Nieren finden, leiden zuerst. Auch der Bluthochdruck gehört zu den leisen Krankheiten, lange Zeit bemerken Sie als Betroffener nichts. Bluthochdruck schädigt nicht nur Ihre Nieren, er ist auch Risikofaktor Nummer 1 für Herz- und Kreislauferkrankungen. Wenn Sie Ihren Blutdruck und ebenso Ihre Cholesterinwerte regelmässig kontrollieren lassen, schaffen Sie gute Voraussetzungen, um eine Niereninsuffizienz und ein Nierenversagen möglichst zu vermeiden.
Mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln gegen Kopf- und Gliederschmerzen sollten Sie vorsichtig umgehen und sie so kurz wie möglich einnehmen. Die in den Schmerzmitteln enthaltenen Stoffe verringern die Durchblutung der Nieren und können bei länger andauerndem Konsum die Nieren dauerhaft schädigen. Ist ein längerer Einsatz notwendig, sollte dieser unter ärztlicher Kontrolle stattfinden. Aber nicht alle Schmerzmittel schädigen die Niere. Paracetamol beispielsweise ist bezüglich Nieren unbedenklich.
Auch Ihr Gewicht spielt eine Rolle als Risikofaktor für eine chronische Niereninsuffizienz. Studien haben ergeben, dass das Fettgewebe bestimmte Stoffe abgibt, die zu Entzündungsprozessen und in der Niere zu einer übermässigen Filtration führen, welche längerfristig die Nierenkörperchen schädigen kann, insbesondere, wenn noch weitere Risikofaktoren für eine chronische Niereninsuffizienz vorliegen. Auch das Rauchen kann in Kombination mit anderen Risikofaktoren das Entstehen einer chronischen Nierenerkrankung begünstigen und deren Fortschreiten beschleunigen.
Eine chronische Nierenerkrankung oder Niereninsuffizienz führt lange Zeit nicht zu Beschwerden. Erst wenn die Nierenfunktion weit fortgeschritten ist kann es zu Symptomen kommen, welche aber nicht spezifisch für eine Nierenerkrankung sind. Erste Anzeichen können Müdigkeit oder Adynamie sein. Auch ein plötzlich aufgetretener Bluthochdruck kann Zeichen einer Niereninsuffizienz sein. Kommt es zu Schwellung durch Wasseransammlungen in den Beinen oder im Gesicht (Ödeme) sollte der Hausarzt unbedingt Blut und Urin auf das Vorliegen einer Nierenschädigung untersuchen. Erst bei sehr stark eingeschränkter Nierenfunktion treten Appetitlosigkeit, Atemnot oder generalisierte Juckreiz auf.
Eine erhöhte Eiweissausscheidung (vor allem das Eiweiss Albumin) im Urin ist ein Zeichen für eine Nierenschädigung unabhängig von der Nierenfunktion. Sie kann eine Nierenschädigung anzeigen, wenn die Funktion noch normal ist. Ob Ihre Nierenfunktion eingeschränkt ist, kann der Arzt durch Bestimmung von Kreatinin oder Cystatin C im Blut feststellen.
Das Universitätsspital Zürich bietet im Ambulatorium USZ Flughafen Dialyse-Zentrum mit 16 Behandlungsplätzen an. Gerne betreuen wir Sie in angenehmem Ambiente auf universitärem Niveau.
Da die chronische Niereninsuffizienz initial asymptomatisch ist, sollten folgende Risikogruppen durch den Hausarzt regelmässig (mindestens einmal jährlich) mittels Bestimmung von Kreatinin im Blut und Bestimmung der Albumin/Kreatinin Ratio (ACR) im Urin untersucht werden:
Eine chronische Nierenerkrankung liegt vor, wenn über einen Zeitraum von mehr als 3 Monaten eine eingeschränkte Nierenfunktion (errechnet aus dem Kreatinin) und/oder eine erhöhte Albuminausscheidung vorliegt. Um die Ursache der chronischen Nierenerkrankung herauszufinden sind oft weitere laborchemische Abklärungen von Blut und Urin sowie eine Ultraschalluntersuchung der Nieren notwendig. Zudem muss in manchen Fällen eine Gewebsentnahme aus der Niere (Nierenbiopsie) erfolgen.
Bei einer chronischen Nierenerkrankung spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Wenn notwendig weist Sie Ihr Arzt der Ernährungsberatung zu, die Sie ausführlich über eine ausgewogene und angepasste Diät berät. Da die Ernährung bei chronischer Niereninsuffizienz ein komplexes Thema ist, sollten Sie hingegen keine Ratschläge von medizinischen Laien berücksichtigen.
Folgende Massnahmen zur Vorbeugung sollten Sie beachten
Leider hat das Nierengewebe bei einer chronischen Schädigung nicht die Fähigkeit, sich wieder voll zu regenerieren. Wird eine Niereninsuffizienz jedoch frühzeitig erkannt, dann kann ihr Fortschreiten verlangsamt oder im Optimalfall sogar gestoppt werden. Die Ursache der Nierenerkrankung sollte identifiziert und adäquat behandelt werden. Bei Diabetes mellitus und arterieller Hypertonie sind eine gute Blutzucker- und Blutdruckeinstellung wichtig. Mit einem gesunden Lebensstil (gesunde Ernährung und regelmässige Bewegung) können Sie als Patientin oder Patient viel für Ihren Körper und Ihre Nieren tun. Zudem gibt es Medikamente, welche das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verlangsamen oder aufhalten können.
Ein weiteres Problem der chronischen Nierenerkrankung ist das erhöhte Risiko für Herz-Kreislaufereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch hier müssen Massnahmen ergriffen werden, um das Risiko zu senken.
Im frühen Stadium kann die chronische Niereninsuffizienz gut mit Medikamenten behandelt werden. Erst, wenn die Entgiftungsfunktion stark eingeschränkt ist, wird eine Nierenersatztherapie notwendig. Hierunter versteht man die Dialyse (Blutwäsche) und die Nierentransplantation. In der Schweiz wurden 2021 über 360 Nieren transplantiert, am Universitätsspital Zürich transplantieren wir jedes Jahr zwischen 80 bis 100 Nieren. Im Schnitt warten die Patientinnen und Patienten drei Jahre auf ein Spenderorgan.