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Am Sonntag stimmt die Stadt Zürich über den Bau eines neuen Fussball-Stadions ab. Wir geben die Antworten auf die acht wichtigsten Fragen zur Vorlage.
Die Abstimmung über das neue Fussballstadion! Schon seit Monaten ist das Projekt «Ensemble» Stadtgespräch. Es mobilisiert und spaltet die Stimmbürger. Während der FC Basel abcheckt, ob er den St. Jakob-Park kaufen kann und will, besitzt das reiche Zürich alles, nur kein tolles Fussballstadion. Jetzt nimmt es den dritten Anlauf.
2002 präsentierten die Stadt und Investor Credit Suisse (CS) das Pentagon-Stadion (Fünfeck) für 30 000 Fans mit einem Shoppingcenter und einem Hotel. Die CS wollte 370 Millionen Franken aufwenden und das Stadion sollte 2008 eine EM-Spielstätte sein. Die Stimmbürger stimmten dem Projekt mit 63,3 Prozent zu. Doch diverse Einsprachen verzögerten das Prozedere so sehr, dass die CS 2008 noch den Hardturm abreissen liess, ein Jahr später aber entnervt ausstieg.
Das Letzigrundstadion wurde für 125 Millionen Franken mit einem Fassungsvermögen von 30 000 Zuschauern neu erbaut. Ausdrücklich als Provisorium, denn im Oval mit der Tartanbahn sollten weiter die Leichtathleten die Hauptgastgeber sein. In der Super League jedoch will kaum Stimmung aufkommen, weil das Geschehen auf dem Platz weit weg vom Publikum ist. «Der Letzigrund ist für Fussball ungeeignet», sagte FCZ-Präsident Ancillo Canepa. «Wir brauchen ein neues Stadion.»
Nach dem Flop mit dem Pentagon gleiste die Stadt wenig später das Projekt Hypodrom auf. Sie wollte für 216 Millionen Franken auf dem Hardturmareal ein Stadion für 19 000 Zuschauer und eine gemeinnützige Siedlung bauen. Einer hauchdünnen Mehrheit von 50,8 Prozent war im September 2013 das Ganze aber zu teuer, und sie schickte den Hypodrom bachab.
Die Stadt lancierte 2014 ein neues Investorenprojekt. Das Rennen machte «Ensemble», ein 570-Millionen-Franken-Objekt, das gänzlich von den Investoren bezahlt wird. Das Stadion mit 18'000 Plätzen gehört, so es kommt, zu 100 Prozent der Stadion Züri AG, die zu 100 Prozent der Baufirma HRS gehört. Es wird durch zwei 137 Meter hohe Türme mit Wohnungen, Gewerberäumen und einer Genossenschaftssiedlung querfinanziert. In der Südkurve stehen 4500 Stehplätze für die FCZ-Fans, in der Nordkurve ebenso viele für die GC-Fans bereit. Die Frage: Wollen die Zürcher dieses Geschenk überhaupt? Darüber wird nun abgestimmt.
Weil der Steuerzahler nicht zur Kasse gebeten wird. Und weil auf Gigantismus wie in früheren Jahren verzichtet worden ist. Für die Fussballfans ist die Arena ein Bijou. Sie sind so nahe am Geschehen wie nur möglich. Dennoch ist die Sicherheit, was Fanrandale betrifft, grösser, weil das Stadion besser zu kontrollieren ist als der Letzigrund.
Für die Klubs wäre es bitter. Canepa spricht davon, dass er über die Bücher müsse, GC-Präsident Stephan Anliker stellt gar das Weiterführen des Profibetriebs infrage.
Dann jubeln der FCZ und GC, die Fussballfans, Corine Mauch und die bürgerlichen Parteien. GC und der FCZ – beide bezahlen pro Saison je eine halbe Million Franken Miete – können in einer gemeinsamen Betriebs AG das Stadion nun selber bewirtschaften, rechnen mit 4500 Zuschauern mehr (FCZ bisher 10 000, GC 7000) und sehen die Chance, ihr strukturelles Defizit von bisher 5 bis 6 Millionen Franken aufzufangen.
Die Krux: Auch bei einem Ja fahren am Tag danach noch nicht die Bagger auf. Es ist davon auszugehen, dass es Einsprachen gibt und sich der Baubeginn bei Rekursen bis vors Bundesgericht so sehr verzögert, dass das Stadion erst 2023 eröffnet wird. Sofern die Investoren nicht irgendwann entnervt den Bettel hinschmeissen.