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|Signatur||F 1003-0002|
|Bestand||F_1003 Interviews mit homosexuellen Männern [TON]|
|Bestandesbeschrieb|
Die Handvoll Interviews mit homosexuellen Männern, die Franco Battel realisierte, erweist sich als reichhaltige Quelle schwuler Alltagsgeschichte in der Schweiz. Die Männer – geboren in der Spanne zwischen den 1920er und 1940er Jahren – geben freimütig Auskunft über ihre Herkunft und ihre Beziehungen. Die Interviews orientieren sich an der Biografie der Männer und führen schlagartig vor Augen, welch gewaltige gesellschaftliche Veränderungen sich im letzten halben Jahrhundert ereignet haben. Beispielhaft dafür kann die Beziehungsanbahnung sein, die – wenn sie nicht in den spärlich vorhandenen, gegen die heterosexuelle Gesellschaft hermetisch abgeriegelten Treffpunkten stattfand – oft wesentlich komplexer ablief als heute, von der Gunst des Zufalls oder langen Durststrecken geprägt war. Angesprochen werden auch Themen wie Coming out, kulturelles und politisches Engagement, gesellschaftliche Diskriminierung und Repression oder AIDS. Drei Interviews sind online verfügbar, die beiden anderen sind vorläufig aus personenschutzrechtlichen Gründen noch gesperrt.
Die Handvoll Interviews mit homosexuellen Männern, die Franco Battel realisierte, erweist sich als reichhaltige Quelle schwuler Alltagsgeschichte in der Schweiz. Die Männer – geboren in der Spanne zwischen den 1920er und 1940er Jahren – geben… — mehr...
|Abstract||Karlheinz Weinberger wurde 1921 in Zürich geboren, er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Lindau-Effretikon und in Zürich. Über 30 Jahre arbeitete Karlheinz Weinberger als Lagerist bei der Firma Siemens-Albis in Zürich. Weinberger erzählt, er habe seine Homosexualität nicht öffentlich gelebt, die Menschen in seinem Umfeld hätten es aber gewusst. Im Alter von 14 Jahren hatte er seinen ersten sexuellen Kontakt mit einem Mann. Ein Bekannter seiner Tante, bei der er zu dieser Zeit lebte, verführte ihn. Dies war für ihn ein Schock, gleichzeitig war ihm aber klar, dass er sich zu Männern hingezogen fühlte. Seine erste längere Beziehung führte er mit einem jungen Spanier aus reichem Hause, durch ihn entwickelte er Freude an der klassischen Musik. Seine ersten Kontakte zu den Herausgebern der Homosexuellenzeitschrift „Der Kreis“ ergaben sich durch zwei Bekannte, die ihn dort einführten. Karlheinz Weinberger erzählt, er sei bei den Leuten im Umfeld des „Kreis“ bald sehr beliebt gewesen, da er an Festen immer Gesangsdarbietungen zum Besten gab. Nebst den Leuten vom „Kreis“, bei denen er unter dem Pseudonym „Jim“ bekannt war, war er auch bei den „Naturfreunden“ mit dabei. |
Karlheinz Weinberger entdeckte früh die Liebe zur Fotografie und war in seiner Freizeit als Fotograf für den Arbeitersportverein SATUS und die Quartierzeitung „Aussersihl“ unterwegs. Als Motive interessierten ihn vor allem Sportler wie Ringer, Schwinger und Gewichtheber oder Arbeiter. Diese Männer besassen für ihn eine starke erotische Ausstrahlung, die er fotografisch festhalten wollte. Einige dieser Fotografien wurden im „Kreis“ veröffentlicht. Er fotografierte aber auch viele Männer privat bei sich zu Hause, die er zuvor in einer Bar oder auf einer Veranstaltung kennengelernt hatte. Manchmal kam es zu sexuellen Kontakten mit diesen Männern. Durch seine Fotografie fand Karlheinz Weinberger Zugang zur Halbstarken- und Rockerszene. Ihn faszinierte dieses Milieu und die Männer, die sich darin bewegten, wurden zu seinen bevorzugten Fotomotiven. Die Halbstarken und Rocker vertrauten ihm, sie luden ihn an ihre Veranstaltungen ein und erlaubten ihm, sie abzulichten. Später wandte Karlheinz Weinberger sich der Fotografie von Tätowierern und Tätowierten zu.
In der Rückschau äussert Weinberger, er habe wohl oft mit Männern gespielt, er sei sehr lebendig und ungestüm gewesen. Einmal wurden seine „Männer-Fotografien“ von der Polizei beschlagnahmt, mit viel Glück konnte er die meisten aber vor der Vernichtung retten.
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|Archivbezug||schwulenarchiv schweiz|