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gl. An der letzten Pisa-Studie 2015 haben auch acht lateinamerikanische Länder teilgenommen, darunter Chile, Mexiko, Argentinien, Brasilien, Kolumbien und Peru. Ob solche weltweit standardisierten Vergleichstests in der Bildung sinnvoll sind, wird auch dort mittlerweile in Frage gestellt.
Das Red Social para la Educación Pública en las Américas (Red SEPA) (Netzwerk für die öffentliche Bildung in Amerika) ist eine Dachorganisation zahlreicher Lehrer- und Bildungsorganisationen in Nord- und Südamerika, die 1998 gegründet wurde, um das öffentliche Bildungswesen auf dem amerikanischen Doppelkontinent zu schützen und zu verbessern. Das Koordinierungskomittee umfasst Vertreter nationaler Lehrerorganisationen aus Argentinien, Ecuador, Brasilien und Kanada und verschiedene regionale Bildungsorganisationen der Karibik, Zentralamerikas und Mexikos sowie indigene Lehrerorganisationen.
Im Dezember 2016 veröffentlichte das Red SEPA gemeinsam mit der Coalición Trinacional en Defensa de la Educación Pública (Mexiko, USA, Kanada) das im folgenden abgedruckte Manifest.
Die Resultate des internationalen Schulleistungstests Pisa sind zum sechsten Male bekanntgegeben worden. Wir Unterzeichnenden lehnen diesen Test entschieden ab, ebenso seine nationalen Versionen und den daraus folgenden Zwang, die verschiedenen nationalen Bildungssysteme zu vereinheitlichen.
Pisa ist ein standardisierter Test, der alle drei Jahre mit 15jährigen Schülern durchgeführt wird. Erstmals wurde er im Jahr 2000 durchgeführt; seitdem haben sich mehr als 70 Länder angeschlossen. Jedes Land, das teilnehmen will, muss über technisch speziell ausgebildetes Personal verfügen und für die Durchführung des Tests bezahlen. Die OECD, die die Pisa-Studie durchführt, hat jetzt für die Entwicklung der Version 2018 einen Vertrag mit der multinationalen Bildungsfirma Pearson abgeschlossen.
Zudem sind die Pisa-Resultate mittlerweile zu einem wichtigen Indikator für die Analyse der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der Länder geworden.
Seit ihrer erstmaligen Durchführung haben wir verschiedene Auffälligkeiten beobachtet:
1. In bildungspolitischer Hinsicht: Die Bildungsministerien haben nur eine begrenzte Kontrolle über diese Evaluierung, was dazu führt, dass Prozesse und Messungen immer stärker standardisiert werden. In zunehmendem Masse haben internationale Organisationen wie die OECD Veränderungen der Bildungspolitik auf der ganzen Welt erzwungen, die eine Anpassung der Bildungsprozesse an eine bestimmte eingeschränkte Auffassung von Fortschritt bewirkt haben. Diese Standardisierung beinhaltet auch die Einrichtung oder Anpassung der nationalen Tests an einen globalen Massstab, und zwar über den Druck, der mit den Rankings ausgeübt wird. Zum anderen hat die Standardisierung eine starke Beteiligung von Privatunternehmen bewirkt, die die Bildungsministerien, die Lehrerinnen und Lehrer, die Gewerkschaften und Schulen in ihren Bildungsaktivitäten ersetzt haben. Ausserdem ist die Aus- und Weiterbildung der Lehrer an die standardisierten Evaluationen angepasst worden. Letztendlich reduziert diese Logik die Lehr- und Lernprozesse, die auf eine umfassende und ganzheitliche Entwicklung des Schülers abzielen und auf der Grundlage eines kritischen sozialen und geschichtlichen Bewusstseins beruhen.
2. In technischer Hinsicht: Pisa fördert Länderrankings nach ihren Resultaten. Mit dieser Vorgehensweise wird versucht, die enormen kulturellen Unterschiede, Weltanschauungen und sprachlichen Eigenheiten, die es in jedem nationalen Kontext gibt, zu neutralisieren. Dieser Faktor impliziert auch, dass die Prüfung nicht die minimalsten Anforderungen an Validität und Zuverlässigkeit erfüllt.
3. In pädagogischer Hinsicht: Das höchst einflussreiche System standardisierter Prüfungen und die Prozesse, die es ausgelöst hat, haben zu einer radikalen Veränderung unseres Schulalltags geführt. Die curriculare Einengung hat bedeutet, dass Fächer wie Kunst, Musik, Philosophie und Geschichte eliminiert worden sind. Die Schulzeit ist umstrukturiert worden, damit mehr Raum bleibt für das Training, um Erfolg bei diesen Prüfungen zu haben. Es ist darauf hinzuweisen, dass diese Messungen weder einer sozialen noch einer pädagogischen Überprüfung unterzogen worden sind. Diese Vorgehensweise berücksichtigt den sozialen Kontext nicht und genauso wenig die Verschiedenheit der Werte und der pädagogischen Praxis.
4. In sozialer und psychologischer Hinsicht: Die Pisa-Studie und ihre nationalen Varianten sind diskriminierend und repressiv und stigmatisieren Regionen, Länder und Völker im Vergleich zueinander. Die Kontrolle und der Druck, gute Punktzahlen zu erreichen, gehen letztlich zulasten der Gemeinschaften von Lehrern und Schülern, indem ein sehr belastendes System geschaffen wird, welches das Schulklima und die emotionale Stabilität unserer Schulen zerstört. Der Test hat dazu geführt, dass Ausschluss und Selektion an unseren Schulen verschärft worden sind, und hat damit das Recht auf Bildung seines eigentlichen Sinnes beraubt.
Aus diesen Gründen verlangen wir die Auflösung der Verträge, die verschiedene Regierungen mit der OECD abgeschlossen haben. Ebenso verlangen wir das Ende der standardisierten Prüfungen, die weitreichende Konsequenzen auf nationaler Ebene haben.
Wir wollen auch unser Eintreten für das staatliche Bildungswesen als soziales Recht zum Ausdruck bringen, es orientiert sich in all seinen Bestandteilen an der sozialen, historischen und kulturellen Verschiedenheit unserer Völker.
Wir halten es für notwendig, dass Schulen die Protagonisten einer Bildung in Richtung sozialer Gerechtigkeit sind. Wir verurteilen auch repressive Massnahmen, die von manchen staatlichen Behörden gegen Lehrer- und Studentenorganisationen ergriffen wurden, die gegen verschiedene Formen der neoliberalen Gleichschaltung demonstriert hatten.
Evaluationssysteme müssen regional verankert sein, müssen die Komplexität beachten, und sie müssen eine Bildung fördern, die die Menschenrechte und die sozialen Rechte beachtet. Nur auf diese Art und Weise bilden wir Bürgerinnen und Bürger in vollem Sinne aus.
(Übersetzung Zeit-Fragen)
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