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Geruchsdifferenzierung/Odorologie:
Die Odorologie ist die Lehre vom Geruch und ein Zweig der Kriminalistik und Forensik, der sich mit der Identifizierung von Personen durch ihren individuellen Geruch beschäftigt. Die Odorologie stützt sich dabei auf den Geruchssinn von Hunden.
In den Jahren 1964/1965 fanden am Lehrstuhl der sowjetischen Kriminalistik, der Hochschule des KGB, Forschungen und umfassende Versuche statt, deren Ergebnisse und Erkenntnisse letztendlich in die Methode der kriminalistischen Odorologie übergingen.
Aufgrund der physikalischen Eigenschaften des Geruches, wie Flüchtigkeit, Diffusion, Vermischung etc. ist Geruch für die Fährtenarbeit zeitlich nur begrenzt nutzbar. Ausgehend von den in der damaligen Praxis gemachten Erfahrungen mit speziell ausgebildeten Fährtenhunden, welche die Spur eines Täters innerhalb der ersten 20 Stunden erfolgreich verfolgten, nachdem sie zuvor an einem Gegenstand oder einer Spur die Witterung genommen hatten, versuchte man eine Methode zu entwickeln, mit der es möglich war, Gerüche über eine lange Zeit zu konservieren.
Im „Forum der Kriminalistik“ wurde 1966 erstmals ein Artikel über die sog. „Gerichtsodorologie“ als neue Richtung der modernen Kriminalistik in der Sowjetunion vorgestellt. Diese beschäftigt sich mit der Untersuchung und Konservierung von Gerüchen zum Zwecke der Identifizierung einer Person.
Im Rahmen ihrer Forschungen gingen der Wissenschaftler Prof. A.I. Winberg und sein Forscherteam (u.a. mit W.Besrukov, M. Majorow, und R. Todorow) davon aus, dass der Geruch des Menschen individualisiert ist und das die Möglichkeit der Sicherung von menschlichen Geruchsspuren besteht, da überall dort, wo ein Mensch sich aufhält, sitzt, steht oder in irgendeiner Form eine Oberfläche berührt, Gerüche hinterlässt. Die Sicherung dieser sogenannten Geruchsspuren erfolgte damals durch Polyäthylen- oder Chlorvinylspritzen mit denen der in der Luft unmittelbar über dieser Stelle vorhandene Geruch ohne Bindung an einen anderen Stoff abgesaugt und in verschließbaren Glasgefäßen konserviert wurde. Diese Behältnisse wurden „POZ“4 genannt.
Die Differenzierung dieser Gerüche erfolgte von der Sicherung der Geruchspuren zeitlich unabhängig. Als Analysatoren wurden speziell dafür ausgebildete Hunde verwendet und die Differenzierung wurde mit mehreren Hunden durchgeführt.5 Anhand dieser Experimente wurde eine erfolgreiche Differenzierung einer solchen Geruchskonserve durch einen Hund sogar noch nach 6 bzw. 8 Monaten der Aufbewahrung experimentell nachgewiesen.6 Das sowjetische Verfahren wurde durch das staatliche Komitee für Entdeckungen und Erforschungen beim damaligen Ministerrat der UdSSR patentiert. Prof. A.I. Winberg setzte sich weiterführend das Ziel, die Differenzierungsergebnisse als Beweismittel vor Gericht zu nutzen. Um die Beweiskraft der Differenzierungsergebnisse entbrannte eine heftige Diskussion, in der namhafte sowjetische Wissenschaftler, wie Ejsman, Fufygin, Besrukov und Strogovic zu bedenken gaben, dass die Methodik der Geruchsdifferenzierung nicht in ausreichendem Maße wissenschaftlich durchdrungen sei und somit die Voraussetzungen fehlen würden, um den Wahrheitsgehalt dieses Beweismittels zu würdigen.7 Winberg widersprach zwar nicht der erforderlichen wissenschaftlichen Durchdringung, hielt jedoch daran fest, dass bereits nach vorliegendem Erkenntnisstand, die erhaltenen Differenzierungsergebnisse mit voller Sicherheit als Beweismittel im Strafverfahren genutzt werden konnten. Zur Stützung dieser Annahme regte er zum Beispiel an, die Differenzierung einer Geruchsspur von mehreren Hunden durchführen zu lassen.8
Das Forschungsinteresse der russischen Wissenschaftler war zum Einen, die Schaffung einer Klassifikation von Gerüchen auf deren Grundlage eine odorologischen Registrierung und Identifizierung möglich werden sollte und andererseits die Forschungen soweit voran zu treiben, dass: „…ein Mensch nach seinem Geruch auch ohne Fährtenhund und zwar mit Hilfe von elektronischen und anderen Geräten festgestellt werden kann“.9 Basierend auf den Erkenntnissen der russischen Forschung, befassten sich ab Ende der 60er Jahre Dr. G. Petraneck und Dr. R.-D. Schmidt, Wissenschaftler des KI an der Hochschule der DVP in Berlin mit der Nutzung odorologischer Spuren in der Kriminalitätsbekämpfung.
Ihre wissenschaftlichen Forschungen waren die Grundlage für die Entwicklung des Geruchsdifferenzierungsverfahren (GDV),das von den Kynologen und Mitarbeitern der Spezialschule für Diensthundewesen in Pretzsch (Dr. Derda, Krüger, Löbl) entwickelten worden war. Sie hatten 1968/69 den Forschungsauftrag dafür erhalten. Bereits 1970 wurde das GDV als Methode der kriminalistischen Arbeit in die Praxis eingeführt und fortan weiterentwickelt. Ab 1976 wurde die Zusammenarbeit mit dem Unionsforschungsinstitut des MfIA der UdSSR intensiviert, wodurch es möglich war die Bearbeitung von Forschungsfragen zu teilen und die beiderseitig erlangten Erkenntnisse zusammenfassend darzustellen.10
Neben der engen Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der UdSSR, stieß das in der DDR entwickelte Verfahren der Differenzierung von Geruchsspuren anhand von Geruchskonserven im damaligen sozialistischen Ausland auf breites Interesse. Ab 1974 wurde diese Methode in der CSSR und VR Bulgarien angewandt. VR Ungarn führte 1979 die DDR-Methode in ihre kriminalistische Arbeit mit großem Erfolg ein.
1 vgl. M.V. Kisin, G. Petraneck, K.T. Sulimov u.a., Ispol’zovanie kons….., Die Nutzung von Geruchskonserven bei der Aufklärung von Straftaten“,1983, S. 5 ff
2 ebd.
3 vgl. Dr. jur. G. Petraneck, Schmidt, Dr. rer. nat. R.-D.: Diss. (B), „Die Nutzung odorologischer Spuren zur Kriminalitätsbekämpfung unter besonderer Berücksichtigung der menschlichen Geruchsspuren“, 1985, S. 11
4 Erläuterung: POZ ist ein Gerät zur Geruchsauswahl.
5 vgl. E. Haas/ Dr. A Forker , Neues Gebiet der Kriminalistik in der Sowjetunion: Gerichtsodorologie“, Forum der Kriminalistik 5/1966, S. 32
6 Vgl. M.V. Kisin, G. Petraneck, K.T. Sulimov u.a., „ Die Nutzung von Geruchskonserven bei der Bekämpfung von Straftaten, 1983, S. 5 ff
7 vgl. Dr. jur. G. Petraneck, Dr. rer. nat. R.-D. Schmidt, Diss. (B), „Die Nutzung odorologischer Spuren…“, 1985, S. 22
8 ebd.
9 ebd., S. 23
10 vgl. Dr. jur. G. Petraneck, Dr. rer. nat. R.-D. Schmidt, Diss. (B), „Die Nutzung odorologischer…“, 1985, S. 12