Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03309.jsonl.gz/187

Die Untersuchung durch den Mastdarm (rektale Untersuchung)
Eine rektale Untersuchung (Untersuchung durch den Darm) ist Teil der Allgemeinuntersuchung des Tierarztes/der Tierärztin bei einer kranken Kuh. Am häufigsten wird sie aber durchgeführt, um eine Zykluskontrolle oder eine Trächtigkeitsuntersuchung vorzunehmen.
Dafür ziehst Du einen langen Handschuh über und nimmst genug Gleitgel auf die Hand: Die Hand wird dann sorgfältig in den Mastdarm der Kuh geführt und der Enddarm wird vom Kot geleert. Achte darauf, dass Du nicht jedes Mal mit der Hand wieder ganz rauskommst, weil so immer Luft in den Darm gelangt und diesen aufbläst. Presst die Kuh, warte mit der Hand im Darm und fahre erst weiter, wenn sie nicht mehr presst. Die meisten Tiere hören so bald auf mit Pressen und Du kannst gut mit der Kuh zusammen arbeiten.
Am Anfang der Untersuchung musst Du Dich orientieren: Dabei helfen Dir der knöcherne vordere Beckenrand und der Gebärmutterhals. Beide Strukturen findest Du immer.
Durch den Mastdarm hindurch beurteilst Du für die Zyklusansprache den Gebärmutterhals (Zervix) und die Gebärmutter (Uterus).
Am Gebärmutterhals ertastest Du Länge, Breite, Durchmesser und allfällige Unregelmässigkeiten. Diese können auf eine vorangegangene Geburtsverletzung und Vernarbungen deuten. Je älter die Tiere sind (mehr Geburten), desto grösser wird der Gebärmutterhals. Ein Durchmesser von mehr als 7 cm könnte ein Hinweis für eine Gebärmutterentzündung sein.
An der Gebärmutter beurteilst Du die Grösse und unterscheidest deren vier:
- unter der Hand versammelbar
- im Becken versammelbar
- noch abgrenzbar, aber über den Beckenrand nach vorne ragend
- nicht abgrenzbar
Dann achtest Du auf die Symmetrie der Gebärmutterhörner, deren Konsistenz und Tonus, die Tonisierbarkeit und allfälligen Inhalt. Gehe auch hier immer nach der gleichen Reihenfolge vor, damit Du nichts vergisst und alles beachtest.
Asymmetrische Hörner geben Dir Hinweise auf eine Trächtigkeit, auf eine Gebärmutterentzündung oder können bei älteren, gesunden Kühen auftreten.
Mit der Konsistenz kannst Du dann unterscheiden, ob es sich eher um eine Trächtigkeit oder um eine Entzündung handelt. Bei einer Trächtigkeit ist die Gebärmutter dünnwandig (Eihautgriff) und mit Flüssigkeit gefüllt. Beim Eihautgriff flutschen Dir die beiden Eihäute, die den Fötus umgeben, durch die Finger. Bei einer Entzündung fehlt die Dünnwandigkeit meistens. Hilfreich hier ist auch immer die Vorgeschichte: Gab es überhaupt schon eine Besamung? Hatte die Kuh eine Schwergeburt oder Nachgeburtsverhalten ?
Der Tonus bzw. die Tonisierbarkeit (zieht sich die Gebärmutter bei Berührung zusammen?) geben Dir wichtige Info über den Brunststatus:
- Vorbrunst: Die Gebärmutter ist unter der Hand versammelbar, hat symmetrische Hörner und ist stark tonisierbar.
- Brunst: Die Gebärmutter ist unter der Hand versammelbar, hat symmetrische Hörner und ist stark tonisiert.
- Nachbrunst: Die Gebärmutter ist unter der Hand versammelbar, hat symmetrische Hörner und ist nur noch wenig tonisierbar.
- Zwischenbrunst: Die Gebärmutter ist unter der Hand versammelbar, hat symmetrische Hörner und ist nicht tonisierbar.
Die Interpretation der rektalen Befunde braucht sehr viel Übung und Erfahrung, weil man nur mit dem Tastsinn arbeitet. Eine gute Ergänzung der Untersuchung von Hand ist die zusätzliche Untersuchung mit dem Ultraschallgerät.