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Es war einmal ein wilder Gärtner, der brachte den Schweizer Gärtner das Fürchten bei. Heftige Diskussionen entbrannten über Sinn und Unsinn solcher Anlagen. Etliche sahen die ganze Gartenkultur in Gefahr, Form und Gestalt dem Untergang geweiht, der Mensch ausgesperrt, die Umgebung zur ungeordneten Wildnis verkommen. Louis G. le Roy hiess der wilde Gärtner, der mit Wucht Ende der siebziger Jahre über Zentraleuropa hereinbrach. Die Idee der wilden Gärten ist entstanden, weil seiner Meinung nach gerade in Zukunft die Gefahr immer grösser zu werden droht, dass der statische Charakter des menschlichen Milieus sich in wachsendem Umfang verstärkte. Le Roy ist es mit seiner neuen Art, Gärten anzulegen, primär darum gegangen, Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen und erst in zweiter Linie um einen neuen Gartenstil zu kreieren.
Seine Ideen fielen aber wie Regentropfen auf dürstenden Boden. Überall wollte man nun solche Gärten bauen. Keine Fläche schien zu klein, um die Natur hineinzupressen. Und wie sahen sie denn aus, seine Gärten und seine Anlagen? Zusammen mit der Natur und nicht gegen sie wollte er die Gärten gestalten. So beginnt seine gestalterische Arbeit beim Boden. Er lässt in seinen Gärten neue Böden, wie es die Natur seinerzeit auch gemacht hat, entstehen, indem er mit Steinen, Schutt, grösseren Ästen oder Baumstrünken ein Relief modelliert. So sollte ein vielfältiges Mikroklima geschaffen werden, in dem die Pflanzen sich von selbst einstellten, die angesät wurden oder allenfalls als Stecklinge gesetzt wurden. Wurde weiteres Material eingebracht, aus dem gegebenenfalls gleich während des Einbringens auch Plätze, Wege oder Pfade gebauten wurden, passte er dieses der Form der inzwischen herangewachsenen Vegetation an und erhielt damit 'die Gestalt einer Landschaft in einem Prozess, der sich über längere Zeit hinweg abspielte'. Pflanzen, die keine Funktion mehr hatten, schnitt er ab , zerkleinerte sie und liess sie liegen. Im Laufe der Zeit stellte sich eine grosse Pflanzenvielfalt ein, zu der sich auch eine Menge kleinster und grösserer Tiere gesellten. Er scheute sich auch nicht, da und dort exotische Pflanzen, an denen er Gefallen fand, einzustreuen. Das Ganze nannte le Roy Gestaltung in Raum und Zeit.

Urs Schwarz doppelte in Solothurn nach. Bei ihm stand allerdings der Artenschutz im Vordergrund. Er prangert die Verarmung der wildwachsenden Pflanzenarten im Siedlungsraum an, bedauert den Perfektionismus im Strassen- und Gartenbau, welche keinen Platz mehr für spontanes Pflanzenleben übrig lassen. 'Aber auch die verbleibenden Grünflächen werden durch unsere "Zivilisation" rücksichtslos in Besitz genommen. Statt mit standortgemässen Pflanzengemeinschaften aus der Umgebung werden Gärten und Anlagen fast ausschliesslich mit Gewächsen bepflanzt, die aus anderen Landesgegenden oder aus dem Ausland stammen. Auch diese Welle ging über das Land, überall wollte man nur noch standortgerecht pflanzen - was zur Folge hatte, dass den meisten die Bäume bald einmal über den Kopf wuchsen. Und was ist von ihnen geblieben, von den wilden und Naturgärtnern?
Beide Protagonisten sind von der Bühne verschwunden und wenden sich wohl anderem zu. Und die Idee? Diese ist geblieben und hat sich zumeist in positiven Bilanzen niedergeschlagen. Bald merkten die Gärtner, welche das Ganze zunächst sehr skeptisch betrachteten, dass sich damit durchaus Geld verdienen liess. Wobei Spötter festgestellt haben, dass je grösser das Naturgartensignet am Auto klebt, desto weniger noch von der ursprünglichen Idee in den Gärten zu finden ist. Diese hatte sehr wohl gute Ansätze und verdient es, Einzug in die Gartenkultur zu nehmen. Sie forderte die Vielfalt zurück, die unterschiedlichen Arten und Gattungen, die in den Bauboomjahren gänzlich vernachlässigt wurde und die reinen Cotoneaster-, Juniperus- und Föhrenkulturen entstehen liess. Daneben dressierten sich gehätschelte, gedüngte und mehrmals wöchentlich gemähte Rasenflächen.
Man begann sich wieder Gedanken zu machen darüber, was denn eigentlich ein Garten sei: Und kam zum Ergebnis, dass es sich dabei um ein Gesamtwerk handelt, wo sich Pflanzen, Tiere und der Mensch zusammengesellen, geschaffen zu diesem Zwecke vom kreativen und verantwortungsbewussten Geist. Der Gärtner, jedenfalls der gut ausgebildete und intelligente, nimmt seine Verantwortung wieder wahr. Er nimmt Rücksicht auf die Anforderungen der Pflanzen, beachtet die Beschaffenheit und Lage des Bodens, des Standortes und der Besonnung. Er setzt nicht massenhaft von der selben Art, sondern vergesellschaftet sie, wie sie es in der Natur auch tun würden. Er schafft auch unterschiedliche Verhältnisse, legt nicht nur Humusflächen an, sondern pflanzt durchaus auch auf reine Kiesböden, in nasse oder ganz trockene Böden, wo ganz spezielle und unterschiedliche Arten gedeihen. Die somit erreichte Vielfalt, wobei man nicht so weit gehen muss, dass nur heimische Arten verwendet werden, schafft erheblichen Erlebniswert.
Der Garten erreicht eine faszinierende Dynamik, wie sie ein Rasengarten nie erreicht. Dabei geht es nicht um Pflanzenrassimus, wie ich es bezeichnen möchte, wo gleichsam sektiererisch nur einheimische Pflanzen verwendetet werden dürfen. So ist es meines Erachtens absurd, in unseren urbanen, durch Gebäude völlig veränderten kleinklimatischen Bedingungen die Forderung aufzustellen, man dürfe nur Pflanzen verwenden, die in einem Umkreis von 1 km natürlich gedeihen würden. Eichen und Hainbuchen würden dann das Bild beherrschen, einzelne wenige buschartige Gehölze und kaum Stauden. Aber es gibt durchaus Orte, wo heimische Gehölze und Stauden a priori gefordert werden müssen. Beispielsweise am Siedlungsrand, als Gartenabschluss gegen die Strasse hin, in Sinne der Vermeidung eines Exotenbasars im Strassenraum. Heimische Gehölze wirken ruhig, passen sich mit ihrem Grün in die natürliche Landschaft ein und sind vor allem Habitat für unzählige tierische und pflanzliche Lebewesen.
Abschliessend ein Wort von Le Roy: Wilde Gärten dürfen nicht als eine Art von Reservaten für wilde Pflanzen und Tiere angesehen werden, sondern vielmehr als etwas begriffen werden müssen, das das Ereignis einer neuen Form von Raumordnung sein könnte, nämlich derjenigen, welche mit der Zeit auf der Grundlage kreativer Potenz des Menschen ganz allgemein Gestalt gewinnen wird.
Etwas darf ob aller Natur und Wildheit nicht vergessen werden. Es ist - wie ich es nennen möchte - das Leben des Menschen in Räumen. Das hat direkt etwas mit Geborgenheit zu tun und ist ein elementares Bedürfnis menschlicher Existenz. Die Chinesen nennen die Kunst, dem gerecht zu werden Feng Shui. Im europäischen Kulturraum ist es die allegemeine Gestaltungslehre, welche das Erkennen und Umsetzen dieses Bedürfnisses einschliesst. Gerade Wild- und Naturgärten brauchen das formale Gerüst, so wie es uns eine grossartige natürliche Landschaft mit ihren Wäldern, Bergen, Feldern und Seen auch bietet. Dieser architektonische Rahmen muss geschaffen werden, um der Seele des Menschen Heimat zu bieten. Sie darf sich im Durcheinander der Pflanzenkompositionen nicht verlieren, sondern muss gehalten und genährt werden. Haben wir deshalb Mut zur Form, aber deren Umsetzung braucht viel Erfahrung, Verständnis und Gefühl.
Womit offensichtlich wird, dass Gärten durchaus etwas mit dem Wohlbefinden des Menschen zu tun haben.