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Stand zum Höhepunkt der Globalisierungskritik an der Jahrtausendwende das WEF als Symbol der Globalisierung im Kreuzfeuer kapitalismuskritischer Organisationen, ist die mediale Aufmerksamkeit in der Zwischenzeit stärker auf inhaltliche Themen und Prominenz fokussiert.
Missmutsbekundungen gegen das WEF gab es bereits in den1990er Jahren, doch 2001 erreichten diese einen neuen Höhepunkt (vgl. Tobler/Alder 2005). So titelte der Blick im Kontext gewalttätiger Auseinandersetzungen in Zürich bereits zwei Wochen vor der Veranstaltung auf der Frontseite: „Davos wird brennen“ (Blick, 4. Januar 2001, S. 1). In Davos wurde daraufhin ein Demonstrationsverbot verhängt und der Kurort zur „Alpenfestung“ erklärt.
Ein Jahr später fand das Jahrestreffen in New York statt. Jedoch schon 2003 kehrte das WEF wieder nach Graubünden zurück. Neben den horrenden Sicherheitsvorkehrungen und den erneuten Anti-WEF-Demonstrationen war auch der Besuch des damaligen US-Aussenministers Colin Powell und der drohende Krieg im Irak Grund dafür, dass die Berichterstattung über das Weltwirtschaftsforum in diesem Jahr sehr umfangreich war. „Irak-Frage dominiert das WEF bis zum Schluss“ titelte die Neue Zürcher Zeitung zum Ende der Veranstaltung entsprechend (Neue Zürcher Zeitung, 29. Januar 2003, S. 19). In keinem der Folgejahre konnte an diese hohen Beitragszahlen nur annähernd angeknüpft werden.
Bestrebungen wie die Einführung des Open Forum aufseiten der Organisatoren waren verantwortlich dafür, dass die Anti-WEF-Bewegung in den Jahren danach an Brisanz und medialer Resonanz einbüsste. „Die Protestbewegung gegen das WEF scheint den Zenit überschritten zu haben. Spaltung, Radikalisierung und abnehmendes Medieninteresse sind Anzeichen dafür“ kommentierte der Tages-Anzeiger diese Entwicklung (Tages-Anzeiger, 21. Januar 2005, S. 13).
In den folgenden Jahren stand die WEF-Berichterstattung denn auch unter einem anderen Fokus: Sicherheitsmassnahmen und Demonstrationen schienen nicht mehr der Hauptbrennpunkt zu sein. In der Folge konzentrierte sich die Medienbeobachtung auf die am WEF debattierten Inhalte. Zwischen 2008 und 2010 waren dies insbesondere die globale Finanzkrise und ab 2011 die Eurokrise. Mit der vermehrten Teilnahme von Personen aus dem Show-Business (bspw. Angelina Jolie (2006), Bono (wiederkehrend), Matt Damon (2014)) gewann ab 2005 zudem die Prominenz-Berichterstattung an Bedeutung.
Literatur: Tobler, Stefan / Alder, Sabine (2005): Triumph und Elend des World Economic Forum: Oder wie das WEF als Vatikan der neoliberalen Globalisierung in eine Legitimationskrise geraten ist. In: Imhof, Kurt / Eberle, Thomas S. (Hrsg.): Triumph und Elend des Neoliberalismus. Seismo Verlag, Zürich, S. 245-295.