Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03211.jsonl.gz/1691

“Aber die Herkunftsfrage (‚Vo wo chunsch du?‘) kann ja auch aus Interesse oder Neugier an einer fremden Kultur gestellt worden sein.”
Die sogenannte Herkunftsfrage wird Rassismusbetroffenen häufig innerhalb der ersten paar Minuten, wenn nicht sogar meist als allererstes in einem Gespräch gestellt. Zuerst einmal ist es sehr bedenklich von sich selber zu behaupten, man könne die Kultur stets aufgrund von äusseren Merkmalen einer Person ansehen. Auf welcher Zauberschule glauben diese Leute sich das beigebracht zu haben? Ausserdem sind Menschen, die nicht genau gleich wie man selber aussehen, nicht per se “fremd” und können genauso gut die gleiche oder eine ähnliche Kultur haben und ebenfalls von hier – also vo da – sein.
An aufrichtigem und unvoreingenommenem(!) Interesse gibt es unserer Meinung nach eigentlich nie etwas auszusetzen. Ob es sich tatsächlich um ein solches handelt, können Betroffene, aufgrund ihrer bereits zahlreich gemachten Erfahrungen, meist rasch einschätzen. In praktisch allen von uns selber erlebten oder uns mitgeteilten Fällen, wurde die befragte Person in ihrer Vermutung, dass es sich eben nicht (nur) um Interesse oder Neugier handelte, bestätigt.
Dies äussert sich in der Regel dadurch, dass die Frage stellende Person sich entweder nicht mit der ersten Antwort zufriedengibt – es folgt die Frage: “Nei, ich meine, vo wo chunsch du würkli?”. Oder aber die Antwort wird zum Anlass genommen, die eigenen Perspektiven und Erlebnisse wiederzugeben oder einfach seine Meinung kundzutun (“Ich finde ja, dass Lüüt wie du alli…” oder “Ich bin au scho mal in [insert random Land vom gleichen Kontinent, wie wo vermutet wird, dass die befragte Person herkommt] gsi…”).
Unsere Erfahrungen zeigen, dass die sogenannte Herkunftsfrage den Fragesteller*innen häufig Gelegenheit dazu bieten soll, sich in ihren Stereotypen und Klischees selber zu bestätigen. Denn die Frage ist häufig nur ein Ersatz für „Was bisch du?“ und suggeriert: „Du bist nicht gleich wie ich.“, „Du bist nicht von hier.” oder “Du gehörst nicht hierhin.”
Folglich hat also bereits vor der Frage eine Wertung im Kopf stattgefunden, die typischerweise auf internalisierten („antrainierten“) Vorurteilen beruht. Das Fehlen von Unvoreingenommenheit verhindert dabei eine neutrale Sichtweise, die einen Menschen auch als Individuum und nicht stets als Vertreter*in einer (vermeintlich homogenen) Gruppe sieht.
Mehr dazu, wieso unser Kollektiv „Vo da.“ heisst, findest du hier.
Weitere haarsträubende Behauptungen und Antworten darauf, damit sich die Haare wieder senken können, findest du hier.