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|Informationsblatt Mr. 2 Mai 1972

Das Divine Light Zentrum unter der Leitung von Swami Omkarananda kann nicht nur von neuen Interessenten berichten. Auch Austritte sind bekannt geworden. So hat sich u. a. bereits vor mehr als zwei Jahren Dr. med. Jürg Wunderli, Zürich, als führendes Mitglied abgewandt. Jürg Wunderli gehörte zu den engsten Mitarbeitern des DLZ. Swami Omkaranandas erstes in der Schweiz herausgegebenes Buch, "Ein Licht in unserer Zeit", trägt den Untertitel "Gespräche und Reden, zusammengefasst und eingeleitet von Jürg Wunderli" (zuletzt in der 4. Auflage 1969).
Wie äussert sich Jürg Wunderli heute, einige Zeit nach seinem Austritt, über die Tätigkeit von Swami Omkarananda? Er schreibt im Anschluss an den Artikel über das DLZ im "lnformationsblatt" vom November 1971: "In Indien nennt man einen geistigen Lehrer 'guru'. Im Yoga, der zum Ideal geistiger Durchbildung für den ganzen östlichen Kulturkreis geworden ist, hat der 'guru' schon immer eine wesentliche Rolle gespielt. Während aber der echte Yoga den Menschen ganz auf sich selbst und seine eigene Erfahrung stellen will, breitete sich innerhalb des Yoga und des Hinduismus immer mehr ein Kult der geistlichen Lehrer aus, der zum Teil groteske Formen annimmt. Der 'guru' wird wie ein Gott verehrt; die Anhänger wälzen sich vor ihm im Staub. Swami Omkaranandas eigener Lehrer in Rishikesh (Nordindien), Swami Shivananda, schreibt über die Bedeutung des 'gu ru' wörtlich: 'Du musst niemals auf die Unzulänglichkeiten deines Guru merken. Du musst den Guru im göttlichen Licht sehen ... Du musst seine Anweisungen gehorsam und genau ausführen ... Liebe zum Guru ist unbedingt notwendig. Gurudienst (d.h. Dienste für den Guru) wird dich unmittelbar zu Gott bringen...' (Yoga im täglichen Leben, Büdingen-Gettenbach, 1954.) Vergleicht man nun damit Swami Omkarananda und seine Anhängerschaft im DLZ, so erkennt man, dass sich immer mehr ein Kult in der eben beschriebenen Weise entwickelt hat."
J. Wunderli erwähnt dann den gelegentlichen Refrain eines Meditationsliedes: "Swami ist mein Retter". Er schliesst mit dem Hinweis: "Mir will scheinen, dass - ganz abgesehen von den biblischen Einwänden - eine derartige, oftmals totale Bindung an einen 'Meister' ein Hindernis für die freie Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen darstellt, ja sogar zur echten Gefahr werden kann, wie sie auch die Psychotherapie in der 'Uebertragung' kennt."