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... Stadt der erotischen Schritte
Die Treppe führt zum Kellergeschoss, zur Garderobe und um die
Ecke in einen Raum mit einem grossen, abgenützten Holzboden: der Tanzfläche. Die Beleuchtung ist dezent. Rote Stoffe hängen von Säulen,
die den Saalrand säumen. Kleine Tische, weisse Plastikstühle. Jung und
Alt nippen an einem Mineralwasser oder an einem Bier - für Wein fehlt
seit der Wirtschaftskrise das Geld. Die Männer an der Bar suchen mit durstigen Blicken nach einer Tanzpartnerin. Eine junge Brünette schaut herüber.
Nun gilt es, ihr mit dem Kopf zuzunicken, und kurz danach geht es
zum Tanz. Inzwischen ist die Fläche zum Bersten voll von Paaren im
Zweivierteltakt.
Enrique, ein 28-jähriger Porteño mit italienischen Wurzeln, schlägt sich
die Nacht und die frühen Morgenstunden mehrmals pro Monat im «La
Viruta» um die Ohren. Er kennt den Verhaltenskodex der Milonga, weiss,
dass eine Frau, die sich in einer Gruppe befindet, kaum bereit ist zu tanzen.
Erst wenn sie nah bei der Tanzfläche wartet, steigen seine Chancen. Auf die Frage, weshalb heute auch die junge Generation wieder Tango tanzt, meint
er: «Seit 1986, als das Stück <Tango Argentino> am Broadway gezeigt
wurde, ging es mit dem Tanz wieder aufwärts. Heute gilt er als besonders
chic, und man wird bewundert, wenn man es versteht, die Beine richtig zu
bewegen.» Enrique spricht aber auch von einer Erotik, die in der Luft liegt,
wenn ein Mann; eine Tanzpartnerin sucht oder umgekehrt. «Vielleicht
herrscht hier ökonomische Armut.- Aber in Nordeuropa Gefühlsarmut.
Deshalb kommen viele Besucher nach Buenos Aires.»
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