Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03456.jsonl.gz/682

An der Darts-WM in London stehen heute Abend die Halbfinals auf dem Programm. Die eine Partie verspricht Hochspannung, in der anderen träumen viele Fans von einer Sensation. Das sind die vier verbliebenen Titelanwärter.
«Mighty Mike» war als haushoher Favorit zur WM angetreten und zeigte bislang, dass er diesen Status zu recht besitzt. Der Holländer zeigte insbesondere im Achtelfinal gegen Stephen Bunting (4:0) eine grandiose Leistung. Seine Darbietung im Viertelfinal gegen Darius Labanauskas (5:2) gibt all jenen Grund zur Hoffnung, die sich einen neuen Weltmeister wünschen. Van Gerwen spielte nicht fehlerlos und befand nach der Partie, er müsse sich steigern. «Ich muss die Konzentration hoch halten», forderte er von sich selber.
«The Green Machine» gibt sich vor dem Halbfinal gegen Nathan Aspinall betont siegessicher: «Seine Saison war grossartig und ich denke, es kann ein fantastisches Spiel werden. Aber wenn ich mein Top-Niveau abrufen kann, hat er keine Chance.»
In der vergangenen Saison konnte er sich erstmals für die WM im Alexandra Palace qualifizieren und schaffte es gleich in die Halbfinals. Nun steht «The Asp» wieder einen Schritt vor dem Endspiel um den WM-Titel am 1. Januar 2020 und um ein Preisgeld von 500'000 Pfund (640'000 Franken). Der Halbfinal gegen van Gerwen ist die vorläufige Krönung des besten Jahrs seiner Karriere, in dem er mit den UK Open sein erstes ganz grosses Turnier gewinnen konnte. Keiner vor ihm stürmte nach Erlangen der Tour Card so schnell in die Top 16 der Welt.
Er sei nicht gut ins Match gestartet, sei unerwartet nervös gewesen, verriet Aspinall nach dem Viertelfinalsieg über Dimitri van den Bergh (5:3). «Aber ich habe Kampfgeist bewiesen und meine Chancen genutzt. Ich liebe es, hier auf der Bühne zu stehen und möchte den Fans weiterhin eine Show bieten.» Vier Mal spielte der an Nummer 12 gesetzte Engländer bisher in seiner Karriere gegen van Gerwen – die Bilanz ist mit je zwei Siegen ausgeglichen.
Wenn nur ein Sportler auf der ganzen Welt mit dem Adjektiv «schillernd» bezeichnet werden könnte, dann wäre Peter Wright der oberste Anwärter dafür. Der Schotte tritt mit Irokesenfrisur und aufgemalten Tattoos auf dem Kopf an. Klar, dass «Snakebite» damit ein Liebling der Massen ist.
Doch er ist auch ein «ewiger Zweiter». In seiner nun doch schon einige Jahre langen Laufbahn gewann er mit den UK Open 2017 nur ein grösseres Turnier, aber er stand schon fast überall einmal im Final. Das Auf und Ab im Achtelfinal steht somit sinnbildlich für die Karriere des Schotten. Gegen Jeffrey de Zwaan fehlte Wright beim Stand von 3:0 Sätzen und 2:0 Legs nur noch ein Durchgang, um weiterzukommen. Doch er brach spektakulär ein, nur um sich in der Verlängerung des entscheidenden Satzes doch noch mit 4:3 durchzusetzen. Davon unbeeindruckt zeigte er im Viertelfinal gegen Luke Humphries (5:3) eine starke Leistung. «Ich fühlte mich wirklich gut und wenn ich mich so gut fühle, dann kann ich alles gewinnen», sagte Wright.
Bis 2014 spielte Gerwyn Price auf höchstem Level den walisischen Nationalsport Rugby, ehe er sich ganz aufs Darts verlegte. Die Muskeln sind geblieben und mit ihnen die Emotionen: Nur wenige Pfeilwerfer gehen auf der Bühne so ab wie Price, dessen Spitzname «Iceman» überhaupt nicht dazu passt.
Price hat die Fans wohl im Halbfinal nicht nur gegen sich, weil er gegen Wright spielt. Sondern auch, weil er als Bad Boy der Szene gilt, seit er sich im Vorjahr einen Disput mit dem zweifachen Weltmeister Gary Anderson geliefert hatte und dafür fünfstellig gebüsst wurde. «Ich kann damit umgehen, wenn ich ausgebuht werde, aber es ging zu weit», sagte er vor der WM über die Fans. Schon vor der WM galt der Waliser bei den Buchmachern als härtester Rivale van Gerwens – den er im Herbst beim Grand Slam of Darts im 20. Anlauf endlich zum ersten Mal besiegen konnte.
Diese Statistik der Direktbegegnungen zeigt gut, wie die Relationen sind: Price hat wie Wright und Aspinall das Zeug, um «Mighty Mike» zu schlagen. Aber besonders gross sind die Chancen des Trios nicht.
Die Wettquoten des Buchmachers «William Hill» vor den Halbfinals verdeutlichen die Ausgangslage. Wer auf Topfavorit van Gerwen setzt, erhält nur eineinhalb Mal seinen Einsatz zurück. Price hat die Quote 4,5 erhalten, Wright 8,0 und wer 10 Pfund auf Aspinall setzt, erhält 150 Pfund ausbezahlt.