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Studienabbrüche verhindern
Lernende brechen ein Studium häufig aus Frustration ab. Etwa weil sie über- oder unterfordert sind. Die Warnsignale sind jedoch erkennbar. Beispielsweise, wenn sie in Texten häufig negativ besetzte Begriffe verwenden. Die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) erforscht, wie man Emotionen erfassen kann, um Studierende besser zu unterstützen.
Sie forschen daran, wie man erkennt, in welchem Gefühlszustand jemand einen Text geschrieben hat. Welche Erkenntnisse lassen sich daraus gewinnen?
Egon Werlen: Studienabbrüche gehen auch mit negativen Emotionen einher. Wenn wir das Frustrations- und Anforderungsniveau der Studierenden messen, können wir ihnen jedoch angepasste Lernmaterialien vorlegen und so Abbrüche und negative Emotionen vermindern.
Das heisst, Sie personalisieren Weiterbildungen?
Studierende mit wenig Vorwissen starten mit Aufgaben, die in einzelne Schritte zerlegt sind und zusätzliche Hilfen sowie Informationen enthalten. Erst danach erledigen sie schwierigere Aufgaben. Studierende mit mehr Vorwissen erhalten indes Aufgaben für Fortgeschrittene. Das auf das gesamte Bildungsangebot auszuweiten, wäre jedoch sehr zeit- und kostenintensiv, da das Lernmaterial auf verschiedene Lernstufen angepasst werden müsste. Hat man beispielsweise drei verschiedene Schwierigkeitsgrade, müsste man das Lernmaterial in dreifacher Ausführung erstellen.
Wie funktioniert die Textanalyse?
Dazu benutzen wir Listen mit positiv und negativ besetzten Begriffen, die beispielsweise mit Werten von –1 bis zu +1 versehen wurden. Anhand dieser Werte und weiterer Texteigenschaften berechnen wir mit einem Algorithmus, wie sich jemand fühlt. Nicht alle Texte eignen sich jedoch für dieses Vorgehen. Beantwortet jemand beispielsweise eine Chemieaufgabe, wird er eher nüchterne Worte verwenden. In Diskussionen auf der Lernplattform oder bei Lernmaterialien mit emotionalem Inhalt verwenden Autoren dagegen vermehrt positive und negative Begriffe wie Liebe, Erfolg oder Krieg und Terror. Ob man künstliche Intelligenz zur Textanalyse einsetzt, hängt somit vom Kontext ab.
Wie fliesst das in Weiterbildungen ein?
Auch der emotionale Zustand von Studierenden entscheidet, wie gut sie lernen. Ist jemand moderat positiv eingestellt, gelingt das am besten. Weniger, wenn sie verliebt sind oder sich über eine schlechte Note ärgern. Die Stimmung eines Studierenden wird aber auch durch die Lernumgebung beeinflusst: In positiver Weise beispielsweise dadurch, dass benötigte Informationen auf einer Learning-Plattform intuitiv zu finden sind, oder ein gut vorbereiteter Dozierender während der Unterrichtsstunde auf seine Anliegen eingeht.
Wie sollte Weiterbildung für Sie aussehen?
Sie sollte vor allem so gestaltet sein, dass ein System aufgrund der Ausbildung, der Weiterbildungen und des Vorwissens eines Studierenden automatisch ein persönliches Programm zusammenstellt. Der Unterricht findet dann parallel vor Ort und online statt.