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Die Versorgung mit Antidoten für Vergiftungen ist in der Schweiz einheitlich geregelt. Die Antidotliste, die durch die Arbeitsgruppe "Antidota" der Gesellschaft Schweizerischer Amts- und Spitalapotheker (GSASA) und Tox Infos Suisse erstellt wird, gibt Aufschluss über die Art der Antidote und deren Verfügbarkeit. Das Schweizer Antidotarium ist in drei sich ergänzende Grundsortimente und spezialisierte Zusatzsortimente gegliedert, wobei Vergiftungshäufigkeit, Ort der Verwendung und logistische Kriterien für die Zuteilung entscheidend sind. Die Antidotliste bildet die Grundlage für das Konzept der flächendeckenden Antidota-Verteilung in der Schweiz; es wurde 1986 umgesetzt und von der Sanitätsdirektorenkonferenz genehmigt. Die Antidotliste erscheint jedes Jahr im BAG Bulletin und ist online (www.pharmavista.net) einsehbar.
Kriterien für die Aufnahme in die Antidotliste:
die traditionelle Anwendung einer Substanz als Antidot (z.B. Atropin);
die Anwendung eines Medikamentes als Antidot, das nicht generell im Spital verfügbar ist (z.B. Zyanidantidote, Schwermetallchelatoren);
die Anwendung eines Medikamentes als Antidot erfordert grössere Mengen als die, die für den therapeutischen Einsatz im Spital normalerweise vorrätig sind (z.B. Insulin, Atropin);
die Anwendung als Antidot ist wenig bekannt (z.B. Natriumbikarbonat).
Es wird keine Vollständigkeit, sondern Sicherheit bezüglich effektivem Vorhandensein der ausgewählten Präparate angestrebt.
ANTIVENIN-CH
Netzwerk der Schweizerischen Antivenin Depots
Anfang 2004 wurde von den Schlangenseren-Depots in den Spitalapotheken Münsterlingen (Institut für Spitalpharmazie Kantonsspital Münsterlingen), Genf (Pharmacies des Hôpitaux Universitaires de Genève) und Zürich (Kantonsapotheke Zürich), das Netzwerk der Schweizerischen Antivenin-Depots "ANTIVENIN-CH" gegründet, mit dem Ziel, die Versorgung mit Antiveninen in der Schweiz schneller, sicherer und übersichtlicher zu machen. Das Netzwerk ist innerhalb der Arbeitsgruppe "Antidota" GSASA-STIZ organisiert, die die Schweizerische Antidotliste herausgibt. Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic unterstützt das Projekt von behördlicher Seite. Dr. Thomas Junghanss, Sektion Klinische Tropenmedizin am Universitäts-Klinikum Heidelberg, wirkt als fachlicher Berater mit.
Das Institut für Spitalpharmazie Inselspital Bern, das Institut für Spitalpharmazie Kantonsspital Graubünden Chur, die Famacia Ospedale San Giovanni Bellinzona, der Service de Pharmacie Centre hospitalier universitaire vaudois Lausanne und die Pharmacie Hôpital du Valais Sion sind dem Verbund als Mitglied später beigetreten.
Tox Info Suisse koordiniert die Verbundstätigkeit; die einzelnen Depots arbeiten aber selbständig. Die teilnehmenden Antivenin-Depots publizieren ihre Bestände in einer gemeinsamen Liste, helfen einander bei Bedarf mit Antiveninen aus, und pflegen den Austausch von Wissen und Informationen über die Antivenine.
Weitere Antivenin-Depots können dem Verbund als Mitglieder beitreten, wenn sie die Vereinbarungen anerkennen und erfüllen, und wenn sie über die nötigen behördlichen Bewilligungen verfügen.
Die Mitglieder des Verbundes nehmen Seren für die den kantonalen Veterinärämtern gemeldeten Giftschlangen an Lager, soweit sie erhältlich sind.
Bericht 2016 Das Netzwerk der Schweizerischen Antivenin-Depots (Kupferschmidt H. Schweiz Aerzteztg 2004; 85: 1378-9.) hat 2015 vierzehn Mal Antivenine ausgeliefert (Antivipmyn 1x, Antivipmyn TRI 4x, Malayan Pit Viper Antivenom 1x, Polyvalent Snake Antivenom (NAVPC) 2x, SAIMR polyvalent 2x, Viperfav 3x, European Viper Venom Antitoxin 1x). Tox Info Suisse registrierte 2015 41 Fälle zu Schlangenbissen beim Menschen (8 Kinder unter 16 Jahren, 33 Erwachsene), 28 zu einheimischen, 13 zu exotischen Schlangen. In 24 Fällen handelte es sich um Giftschlangen, 5 davon in Haltung (Crotalus durissus cumanensis aus dem Kanton ZH, Macrovipera schweizeri AG, Crotalus molossus molossus VD, Crotalus basiliscus AG und Dendroaspis viridis TG). Von 11 dieser 25 Giftschlangenbisse wurde der Verlauf bzw. der Schweregrad der Symptome mitgeteilt: Zwei Bisse verliefen ohne Symptome, 4 mit leichten, 3 mit mittelschweren und 1 mit schweren Symptomen. Todesfälle gab es keine. Siehe auch Munich Antivenom Index MAVIN der Toxikologischen Abteilung der II. Medizinischen Klinik der Technischen Universität München, den VAPAGuide (Junghanss/Bodio: Emergency Guide to Venomous and Poisonous Animals), und die Website Clinical Toxinology Resources der University of Adelaide, Australien.