Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/2392

| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Sechstes Buch
41. Der Glaube an Christus als an den Gottessohn ist heilsnotwendig.
Die Bezeichnungen für den Sohn bespreche ich nicht alle. Die Nicht-beachtung ist nicht verwerflich, wo die Auswahl aus einer Überfülle zur Verfügung steht.
Das Werden eines Dinges entspringt immer der Ursache, und jedes Werk trägt die notwendige Beziehung zu der übernommenen Ausführung an sich. Gewiß also: wer die Evangelien schrieb,1 mußte einen Grund für die Niederschrift anführen; und wir wollen zusehen, welchen er anzeigt: „Dieses wurde aber geschrieben, damit ihr glaubet, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes.”2 Für die Niederschrift des Evangeliums hat er also keinen anderen Grund vorgebracht als diesen, daß alle den Glauben gewännen, Jesus sei der Christus, der Sohn Gottes. Warum fügte er „Sohn Gottes” hinzu, wenn es zum Heil hinreicht, an Christus zu glauben? Wenn der Glaube an Christus das aber erst ist, nicht nur an Christus, sondern an Christus als an den Sohn Gottes geglaubt zu haben, dann ist das eigentlich Kennzeichnende zum Heile nicht der Name eines solchen Sohnes, wie er Christus, dem eingeborenen Gott, auf Grund einer gewöhnlichen Kindschafts-annähme zukommt. Wenn also das Heil in dem Bekenntnis des Namens3 besteht, so frage ich, warum dem Namen keine Wahrheit zukomme. Wenn aber im Namen die Wahrheit enthalten ist, mit welchem Recht spricht man dann von einer Erschaffung, da nicht das Bekenntnis der Erschaffung, sondern das des Sohnes das Heil vermitteln wird?
1: im ursprünglichen Sinn: „die guten Botschaften”
2: Joh 20,31
3: vgl. Joh 3,18