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Baseler
Konzil, die letzte der großen Kirchenversammlungen des 15. Jahrh., auf welcher reformatorische Tendenzen mit Kraft [* 2] und Nachdruck geltend gemacht wurden. Vom Papst Martin V. zusammenberufen, ward sie nach dessen bald darauf erfolgtem Tod im Namen seines Nachfolgers Eugen IV. eröffnet. Der vom Papst ernannte Präsident Julianus Cesarini berief 15. Okt. auch die Böhmen [* 3] zur Teilnahme an den Verhandlungen, um sie vermittelst friedlicher Besprechung in den Schoß der Kirche zurückzuführen.
Erst 14. Dez. fand die erste Session statt, in welcher Ausrottung der Ketzereien, Vereinigung aller christlichen Völker in der allgemeinen katholischen Kirche, Beilegung der Kriege zwischen christlichen Fürsten und eine Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern als Zweck der Versammlung beschlossen wurden. Diese Tendenzen erfüllten den Papst mit solchen Besorgnissen, daß er schon 18. Dez. unter nichtigen Vorwänden das Konzil auflöste und nach anderthalb Jahren nach Bologna berief. Allein von Fürsten und Bischöfen ermutigt, widerstanden die Väter des Konzils allen Drohungen und Strafdekreten des Papstes und erklärten in der zweiten Sitzung ausdrücklich, daß eine rechtmäßige Kirchenversammlung von niemand, auch nicht vom Papst, ausgelöst werden dürfe. In der dritten Session erging eine Ladung an den Papst, die Auflösung zurückzunehmen und binnen drei Monaten vor dem Konzil sich zu stellen. Vergeblich protestierten die päpstlichen Gesandten, als das Konzil eine etwanige Erledigung des päpstlichen Stuhls in Aussicht nahm, die Rechte der Versammlung immer mehr erweiterte und sicherte, sogar in der achten Session eine letzte Frist stellte, nach welcher der Absetzungsprozeß eröffnet werden sollte. Eugen, zugleich von den Römern ¶
forlaufend
bedrängt, mußte nachgeben. Inzwischen hatte sich das Konzil eine neue, zweckmäßige Geschäftsordnung gegeben. Es sollte
nicht wieder, wie in Konstanz,
[* 5] nach Nationen abgestimmt werden, sondern aus allen Nationen und Rangstufen wurden vier Deputationen
(für Glaubensangelegenheiten, Friedensangelegenheiten, Kirchenreform,
Konziliengeschäfte) gebildet, welche die Beschlüsse
der Generalversammlung vorzubereiten hatten. Die Aussöhnung mit den Böhmen betrieb das Konzil mit großem
und erfolgreichem Eifer.
Auf eine zweite milde Einladung erschienen endlich Anfang Januar 1433 böhmische Abgeordnete, durch einen Geleitsbrief des Konzils gesichert, zu Basel. [* 6] Aber trotz monatelanger Disputationen kam eine Vereinigung noch nicht zu stande; die Böhmen verließen Basel wieder, und erst wurden durch Abgesandte des Konzils die Prager Kompaktaten (auch Baseler Kompaktaten genannt) mit den Kalixtinern, der gemäßigtsten und zahlreichsten Partei der Hussiten (s. d.), abgeschlossen.
Durch die bisherigen Erfolge ermutigt, schritt die Versammlung zu der seit langer Zeit sehnlichst begehrten durchgreifenden Kirchenreformation. In der 20. Session wurde das eigentliche Reformationswerk damit begonnen, daß strenge Verfügungen gegen das Konkubinat der Kleriker, gegen vorschnelle Verhängung des Interdikts und gegen leichtsinnige Appellationen erlassen wurden. In der 21. Session (9. Juni) wurden die Annaten (s. d.) unter Androhung der auf die Simonie gesetzten Strafen verboten.
In der 23. Session schritt die Versammlung zur Reformation des päpstlichen Stuhls, des Kardinalkollegiums
und ihrer Gerechtsame. Dieses rücksichtslose Vorgehen rief aber im Konzil selbst eine römische Partei hervor, indem die Prälaten
durch das Übergewicht der demokratischen (französischen) Partei unter dem Kardinal Louis d'Allemand ihre eigne Stellung gefährdet
sahen. Der Zwiespalt zwischen Papst und
Konzilsvätern brach aus, als die Griechen die Vereinigung mit
der römischen Kirche zur Sprache
[* 7] brachten und der Papst Ferrara,
[* 8] die
Konzilspartei aber Basel
oder Avignon zum Verhandlungsort forderte.
Das Konzil beschied in der 26. Session Eugen IV. zur Verantwortung vor, und in der 28. Session (1. Okt.) nahm
der Prozeß gegen denselben seinen Anfang. Der Papst aber hatte unterdessen das Konzil von Basel
nach Ferrara verlegt und ließ seine
Synode hier eröffnen. Die Folge dieses Schrittes war, daß das in der
baseler Konzilin der 31. Session (24. Jan.) den Papst von seinem Amt
suspendierte. Dies war zugleich die letzte Sitzung, in welcher noch einige reformatorische Beschlüsse
gefaßt wurden. Von jetzt an wurde die Thätigkeit der Versammlung ausschließlich von den Streitigkeiten mit dem Papst in
Anspruch genommen. Im Interesse der weltlichen Fürsten lag es, ihren Landeskirchen die Baseler Reformationsbeschlüsse zu sichern,
zugleich aber das drohende Schisma abzuwenden. König Karl VII. von Frankreich ließ demnach durch die Pragmatische Sanktion
(s. d.) von Bourges die reformatorischen Beschlüsse des Konzils von der französischen Kirche annehmen. In Deutschland
[* 9] kamen
trotz der vom Reich zwischen Papst und Konzil beobachteten Neutralität durch eine von Kaiser und Reich zu Mainz
[* 10] vollzogene
Acceptationsurkunde die von den Baselern erkämpften Vorteile mit wenigen Einschränkungen ebenfalls zur
Geltung.
Das Konzil aber schritt auf der betretenen Bahn entschlossen vor, sprach in der 34. Session nach heftigen Debatten über Eugen IV. das Absetzungsurteil aus und ließ durch ein von ihm zusammengesetztes Konklave einen neuen Papst, Herzog Amadeus von Savoyen, als Felix V. wählen Dieser fand nur von seiten der Schweiz [* 11] Anerkennung. Selbst das Konzil geriet mit dem neuen Papst in heftigen Streit, da beide Teile sich in ihren gegenseitigen Erwartungen getäuscht sahen.
Die schnell zur Ohnmacht herabgekommene Versammlung hielt ihre 45. und letzte Session, worin Lyon [* 12] zum Versammlungsort eines neuen, binnen drei Jahren zu berufenden Konzils bestimmt, für jetzt aber die Versammlung zu ihrer größern Sicherheit nach Lausanne [* 13] verlegt wurde. Aber nur wenige von den in Basel versammelt gewesenen Vätern hielten noch eine Zeitlang in Lausanne aus. Die Spaltung endete 1449 mit der Annahme der von Nikolaus V. dargebotenen Friedensbulle und der freiwilligen Auflösung der Versammlung.
Felix V. legte seine Würde (1449) nieder und wurde Kardinal. Den
Konzilsvätern ließ der heilige Vater Verzeihung angedeihen.
So endigte auch der letzte Versuch, die alte Kirche auf ihren bisherigen Grundlagen zu reformieren. Das
wenige, was gewonnen war, wußte ein fein angelegtes Ränkespiel durch das Wiener Konkordat 1448 der deutschen Nation von neuem
zu entziehen.
Vgl. v. Wessenberg, Die großen Kirchenversammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts, Bd. 2 (Konst. 1845);
Hefele, Konziliengeschichte, Bd. 7 (Freiburg, [* 14] 1869);
Voigt, Enea Silvio de' Piccolomini als Papst Pius II. und sein Zeitalter, Bd. 1 (Berl. 1856).