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Der Swiss Eventing Club organiserte einen Lehrgang mit dem Erfolgstrainer Christopher Bartle. Dressurmässige Gymnastik und technische Herausforderungen standen auf dem Programm. Jedes Paar durfte in zwei Lektionen vom Briten lernen und viele Tipps mit nach Hause nehmen.
Die Mitglieder des Swiss Eventing Clubs nutzten die Gelegenheit, von einem der erfolgreichsten und vielseitigsten Trainer zu lernen. Christopher Bartle musste 1976 sein Pferd Wily Trout aufgrund einer Verletzung aus dem Concours Complet zurückziehen. Bereits ein Jahr später nahm er mit ihm an der Dressurweltmeisterschaft teil. Von 1981 bis 1987 gehörte das Paar zur britischen Elitemannschaft der Dressur. Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles (USA) war Bartle als Sechster bestplatzierter Brite. Anschliessend wandte er sich wieder dem CC zu und gewann 1997 Mannschaftsgold bei den Europameisterschaften. Ein Jahr später gewann er mit Word Perfect den Viersternklassiker in Badminton. Wohnhaft ist er im Norden Englands, wo er zusammen mit seiner Frau und Schwester das «Yorkshire Riding Centre» betreibt. Die Schweizer CC-Reiterin Jasmin Gambirasio war die letzten zwei Jahre im YRC stationiert und trainierte bei Bartle. «Ich habe unheimlich viel gelernt, in jeglicher Hinsicht. Die Arbeit mit den Pferden, mein Sitz, meine Balance und somit meine Einwirkung haben sich verändert und dem englischen Stil angepasst. Ich habe mich unheimlich verbessert und an Sicherheit gewonnen», schwärmte sie über ihren Aufenthalt im Land des Eventings.
Britisches Flair
Chris Bartle war seit 2001 zusammen mit Hans Melzer Bundestrainer der deutschen Vielseitigkeitselite. Diesen Herbst trat er zurück und übernahm das Amt als High Performance Coach für das britische Eventing Team. «Die Deutschen hatten bereits eine gute Basis. Ich glaube, ich habe etwas britisches Flair nach Deutschland gebracht und sie gelehrt, im Geländereiten etwas weniger Kontrolle zu übernehmen, ohne diese aber zu verlieren», schmunzelte er als Antwort auf die Frage, was er den Deutschen beibrachte. Er habe aber auch viel von ihnen und ihrem Reitsystem gelernt und möchte diese solide Basis, speziell in der Dressur, die er als Schlüsselelement für deren Erfolg sieht, nach Grossbritannien bringen. Bartle möchte nun zurück in seine Heimat, wo er viele Schüler trainiert, um dort das grosse vorhandene Reiter- und Pferdepotenzial auszuschöpfen. «Der grösste Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren auf dem Toplevel ist das Mentale – zu glauben, dass man kann. Die Briten können und werden an der Spitze der Pyramide sein – es ist nur die Frage wann», ist er von seinem neuen Team überzeugt. «Es gibt viele gute Trainer hier. Ich möchte versuchen, diese mentale ‘Ja-wir-können-Einstellung’ zu vermitteln.»
Chris Bartle beobachtete genau und korrigierte individuell.
Dressurarbeit für das Geländereiten
Dieses britische Flair spürte man anfangs Januar auch in Winterthur. Der Andrang für diesen Lehrgang war so gross, dass er bereits einen Tag früher einflog und die Mitglieder in der grosszügigen Reithalle unterrichtete. Jedes Paar durfte zwei Lektionen besuchen. In der ersten Lektion war dressurmässige Gymnastik angesagt. «Wir üben heute das, was wir morgen beim Springen brauchen.» In das dressurmässige Arbeiten wurden Trabstangen und Galopp-Cavaletti eingebaut. Er verlangte immer wieder Konterstellung mit hohen Händen, bis die Pferde diese akzeptierten. «Inneres Bein, äusserer Zügel, eure Pferde müssen durchlässig sein, damit ihr sie gerade auf der Linie halten könnt. Die innere Hand folgt immer der Schulter des Pferdes, ist also nie hinter eurer Hüfte. Schenkel lenken, Hände führen», kommentierte er.
Reiter hinter Pferdeschwerpunkt
In der jeweiligen zweiten Lektion wurden technische Anforderungen aus dem Gelände in Form von Linien, schmalen und schräg zu springenden Elementen und einer Ecke aus Stangen geübt. Chris Bartle, der ursprünglich Jockey war, ist bekannt dafür, seinen Schülern als Erstes die Steigbügel um einige Löcher kürzer zu schnallen. «Eure Sitzposition ist entscheidend beim Geländereiten. Euer Sitz beeinflusst die Länge des Galoppsprungs. Eure Fussspitzen gehören vors Knie, euer Schwerpunkt hinter den Schwerpunkt des Pferdes, damit die Vorhand bei der Landung gut wieder hochkommen kann. Daher auch kürzere Steigbügellänge – je kürzer die Bügel, desto weiter hinten der Schwerpunkt. Die Hände tief und unter den Augen behalten. Den Blick nach vorne. Eure Augen sind entscheidend für das Gleichgewicht und die Balance. Reitet mit Konterstellung um die Kurve und springt jeweils die Innenseite einer Hindernismitte. Merkt euch einen Punkt hinter dem Hindernis und schaut bei einer Kombination auf das hintere Element. All dies ist entscheidend, um erfolgreich Aufgaben zu lösen.»
Elemente aus dem Geländereiten wurden in der Halle trainiert.
Neuheiten 2017
Die Mitgliederversammlung wurde gewohnt kurz gehaltenen. Neu wird es den Zweisterncup «Haras de Lully-Cup» geben, den Hansjakob Fünfschilling lanciert. Ausserdem sind Spring- und Geländetrainings und der traditionelle 1.-August-Brunch auf der Hardwiese sowie das SEC-Championat Ende Oktober geplant. Zudem soll die Besitzerpflege aktiviert werden. Evaluiert wird auch, wie die Schweizer Veranstalter unterstützt werden können, beispielsweise mit einem Hindernispool oder einer Lochmaschine. Nicole Basieux berichtete, was seit ihrer «Action-Types-Ausbildung», die der SEC unterstützte, passiert ist. «Ich durfte die Profile von 25 SEC-Mitgliedern bestimmen. Ziel war, herauszufinden, wie die einzelnen Reiter funktionieren und ihnen Tipps zu geben. Dieses ‘Werkzeug’ soll ihnen helfen, an mentalen oder physischen Schwächen weiterzuarbeiten.»
Bartles Regeln und CC-Entwicklung
Anschliessend hielt Bartle einen Vortrag über seine Regeln zum Anreiten von Geländehindernissen. Mein System beinhaltet die Vorbereitung, Aktion und dann die Position bei der Landung. Es gibt fünf Sitzpositionen beim Geländereiten: den leichten Sitz zwischen den Hindernissen, den Kontrollsitz bei der Vorbereitung, den Kontaktsitz beim Anritt vor dem Hindernis, den Landungssitz und den defensiven ‘Safety seat’ oder auch die ‘oh shit position’. Reiter sollen etwas pessimistisch sein und nicht mit dem Oberkörper nach vorne klappen. Das hilft dem Pferd nicht.» In einer weiteren Runde blickte Bartle in die Zukunft, wie sich der CC-Sport entwickeln wird und was für Pferdetypen gefragt seien. «Früher war alles weniger technisch. Heute sind alle Disziplinen anspruchsvoller. Für die Olympiade in Tokio 2020 ist ein zehnminütiges Gelände mit 45 Efforts geplant, also sehr intensiv mit vielen technischen Herausforderungen. Dazu brauchen wir ein Pferd, das eine solche Leistung vollbringen kann, also nach wie vor genügend Vollblutanteil hat, vorsichtig ist und genügend «Stamina» mitbringt. Aber auch gutes Training und cleveres Reiten sind nötig. Ich mochte das alte Format. Es ist schade, dass es immer kürzer und kürzer wird. Aber egal wie kurz, der richtige Typ Pferd und das richtige Training bleiben nötig. Michi Jung und Ingrid Klimke haben Pferde, die keine natürlichen Überflieger sind, die aber mit dem richtigen Training Medaillen gewannen. Wir brauchen kein Grand-Prix-Springpferd, das zu viel Energie aufwendet und dann zu steil landet, aber trotzdem genügend vorsichtige ‘Jumper’. Auch für die Sicherheit sind der Pferdetyp, das Training von Pferd und Reiter und der Kursdesigner ausschlaggebend. Stürze waren Teil unseres Sports, aber heute möchten wir keine Pferde stürzen sehen. Die Crossbauer müssen die Reiter durch den Geländeaufbau zu einer guten Position bewegen. Aber zu oft wird statt dem Trainingszustand oder dem Pferdetyp dem Crossbauer die Schuld gegeben. Durch das Einsetzen von Sicherheitspins werden Pferde geschützt, wenn Reiter Fehler begehen. Das Thema Sicherheit bleibt eine harte Challenge.» SEC-Präsidentin Doris Weidmann bedankte sich bei Chris Bartle: «Es freut mich ganz besonders, dass wir einen Trainer der alten Schule für unseren Lehrgang gewinnen konnten.»
Chris Bartle hatte für jedes Problem eine Lösung und gab den Reitern konkrete Anweisungen.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 01/2017)
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