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Jesus vergiesst Tränen
Eine weitere Einzelheit im Leben des Herrn Jesus, die nur ein einziges Mal genannt wird, finden wir in Johannes 11,35: «Jesus vergoss Tränen.»
Lazarus, den Jesus «unser Freund» nennt, war nach schwerer Krankheit gestorben. Als die Schwestern von Lazarus dem Herrn die Nachricht von der Krankheit ihres Bruders sandten, sagte Er: «Diese Krankheit ist nicht zum Tod, sondern … damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde.» Nun war der Freund und Bruder doch gestorben.
Jetzt stand der Sohn Gottes, der inzwischen nach Bethanien gekommen war, in unmittelbarer Nähe des Grabes. Er hatte bereits eine Unterredung mit Martha und eine kurze Begegnung mit Maria, den Schwestern von Lazarus, gehabt. Als nun Jesus Maria und die Juden weinen sah, «seufzte er tief im Geist und erschütterte sich». Er sah, was die Sünde, die durch Adam und Eva in die Welt gekommen ist, angerichtet hatte. Durch die Sünde ist es für die Menschen unmöglich, am Tod vorbeizukommen. Jeder Mensch muss diese allgemeine Folge der Sünde – den Tod – tragen.
Dies alles stand vor unserem Retter. Zugleich wusste Er, dass dieser furchtbare Lohn der Sünde am Ende seines eigenen Lebens stehen würde, aber nicht, weil Er diesen Tod verdient hätte. Er war der einzige Mensch, der je gelebt und nicht gesündigt hat. Er hat nicht eine einzige Sünde getan, sondern war in allem vollkommen, rein und heilig. Gott bezeugte es mehrfach: «Dieser ist mein geliebter Sohn.»
Wenn es aber für den Menschen einen Ausweg aus dieser ausweglosen Situation geben sollte – im Tod zu enden –, dann musste Er sterben und sein Leben als Sühnung für unsere Sünden hingeben. Das bedeutete Leiden für unseren Retter, die mit denen bis dahin erduldeten nicht verglichen werden konnten, so schwer diese auch schon gewesen waren. Christus musste von Gott verlassen werden!
So erschütterte sich der Herr, als Er die Folgen der Sünde und des Todes und den Schmerz der Angehörigen und Freunde sah. Aber damit erschöpfte sich seine Trauer noch nicht. Auf seine Frage, wo Lazarus hingelegt worden sei, führte man Ihn zum Grab, und dann heisst es: «Jesus vergoss Tränen». Man bekommt den Eindruck, dass der Herr hier nicht mehr nur mit dem Tod, dem schrecklichen Los des Menschen, beschäftigt war – so real dieser vor Ihm stand. Es scheint, als ob Er sich jetzt der geliebten Familie von Lazarus – den Schwestern Martha und Maria – zuwandte.
Er hatte das Weinen und den Schmerz Marias gesehen und die traurigen Worte Marthas gehört. Er allein wusste, was wirklich in den Herzen der beiden Schwestern vorging, die Ihm gedient hatten und weiter dienten. Es waren Bande der Freundschaft, die Ihn innerlich bewegten. Er war diesen drei Geschwistern zugetan, wie wir es sonst nur in Bezug auf seine zwölf Jünger sehen. Diese drei hatten Ihn nicht nur in ihr Haus, sondern auch in ihre Herzen und ihr Leben aufgenommen. Daher litt Er jetzt besonders mit Martha und Maria, die ihren Bruder verloren hatten. «Jesus vergoss Tränen.»
Welch ein Mitgefühl vonseiten des Schöpfers des Universums und des ewigen Gottes, der hier mit zwei Schwestern weinte und ihnen Trost schenkte. Der Augenblick würde kommen, da Er sich als die Quelle des Lebens und als die Auferstehung erweisen würde, und zwar nur wenige Minuten später. Doch zunächst nahm Er sich die Zeit, um mit Martha und Maria zu weinen. Diese Zeit hat Er sich bis heute immer wieder für die Seinen genommen.
Welch ein Mensch! Welches Mitempfinden und welch moralische Herrlichkeit!