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Sankt
Nikolaithal oder auch kurzweg Nikolaithal (Kt. Wallis, Bez. Visp). Grosses linksseitiges Nebenthal zum Walliser Rhonethal; von der Signalkuppe (4561 m) des Monte Rosamassives bis Stalden, wo es sich mit dem Saasthal zum Thal der Visp im engeren Sinne vereinigt, 44 km lang. Die allgemeine Richtung des Thales ist S.-N., obwohl der oberste Abschnitt bis Täsch zuerst gegen NW. und dann gegen NNO. zieht und der unterste Abschnitt von St. Niklaus an allmählig gegen NO. umbiegt.
Heute heisst das Thal nach der in ihm gelegenen bedeutenden Fremdenstation Zermatt oft auch Zermatterthal oder (bei den Eingebornen) einfach «das grosse Thal». Die Zahl der Bewohner, die 1816 blos 1780 Köpfe betrug, ist bis 1900 auf 3408 Köpfe gestiegen und hat sich damit beinahe verdoppelt. Der Grund dafür liegt in dem beständig anschwellenden Fremdenstrom, durch den das Thal zu der am stärksten besuchten Thalschaft des Wallis geworden ist. Diese Anziehungskraft verdankt es der wilden Grossartigkeit seiner Natur, der bedeutenden Höhe der begleitenden Ketten und ihren zahlreichen und ausgedehnten Eisfeldern, sowie namentlich auch dem unvergleichlichen Thalabschluss, den der Monte Rosa und das Matterhorn krönen.
Vom Dorf St. Niklaus an bis hinauf nach Zermatt befindet man sich inmitten des mächtigsten Gipfel- und Gletscherrevieres von ganz Europa. Rechts erhebt sich der Saasgrat, der mit dem Ferrichhorn (3292 m) und dem Galenhorn (3360 m) in die machtvolle Kette der Mischabelhörner übergeht, deren Gipfel (Balfrin, Ulrichshorn, Hohberghorn, Nadelhörner, Dom, Alphubel, Allalin, Rimpfischhorn, Strahlhorn etc.) bis auf 4000 m und darüber emporragen; im S. wird das Thal von Italien durch einen glanzvollen Felsenkranz getrennt, der im Monte Rosa 4638 m, im Breithorn 4171 m und im Matterhorn 4486 m erreicht und an dessen Hängen ungeheure Eisfelder sich ausdehnen; links wird das Thal von der langen Kette begleitet, die vom Schwarzhorn über das Gabelhorn zur Dent Blanche reicht und ebenfalls mächtige Eisfelder (Abberg-, Bies-, Hohlichtgletscher etc.) trägt.
Das rechtsseitige Thalgehänge ist meist mit düsterm Bergwald bestanden und an zahllosen Stellen durch Lawinenzüge und Wasserrisse angeschnitten, während auf der linken Seite hohe Felsabstürze vorherrschen, über die manche Wasserfälle herabrauschen und an deren Fuss da und dort einige Alpwiesen und ein spärlicher Waldanflug sich zeigen. Der Thalweg selbst gliedert sich in eine Reihe von flachen oder nur sanft geneigten Thalböden, die durch schluchtartige Thalstufen voneinander getrennt werden. Im allgemeinen nehmen die flachen Böden thaleinwärts an Länge und Weite zu. Die bedeutendsten sind von unten nach oben diejenigen von Kalpetran, Kipfen, St. Niklaus, Schmiedern, Herbriggen, Randa, Täsch und Zermatt. Randa repräsentiert mit 1445 m die mittlere Höhe des ganzen Thales. Dieses ist im untern und mittlern Abschnitt wenig verzweigt und weist hier nur einige kleine Seitenthälchen auf. Von diesen sind nennenswert: links das Augstbordthal über Emd und das Jungenthal über St. Niklaus, durch welche der Augstbordpass (2893 m), bezw. der Jungenpass (2991 m) nach Meiden und Gruben im Turtmanthal hinüberführen;
rechts das Thal der ¶
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Täschalp ob Täsch, durch das man über den Mischabelpass (3856 m), Alphubelpass (3802 m) und Feepass (3872 m) nach Saas Fee und über den Allalinpass (3570 m) nach Mattmark im obern Saasthal gelangen kann. Der Thalabschluss verbreitert sich zu drei grössern Furchen, durch welche die nahe Zermatt die Zermatter oder Matter Visp bildenden Abflüsse des Gorner-, Zmutt- und Findelengletschers ihren Weg gefunden haben. Die mittlere Ader, der eine enge Schlucht durchbrausende Gornerbach, entspringt dem tief hinabreichenden Gornergletscher, dessen gesamtes Firngebiet vom Monte Rosa über den Lyskamm bis zum Matterjoch oder Theodulpass (Uebergang ins italienische Val Tournanche) reicht; links davon ist zwischen der Dent Blanche und dem Matterhorn das Thal des Zmuttbaches und Zmuttgletschers eingeschnitten, durch das man zum Col de Valpelline, Col de Tournanche, Col d'Hérens und Col de Durand hinaufsteigt; von rechts mündet in den Zermatter Thalboden das in seinem untersten Abschnitt von einer kühnen Brücke der Gornergratbahn überschrittene Findelenthal ein, das den Monte Rosastock von den Mischabelhörnern trennt und durch das man über das Neu-Weissthor nach Macugnaga, sowie über das Schwarzberg-Weissthor und den Adlerpass ins oberste Saasthal hinüber gelangen kann.
Mit Ausnahme eines zur Gemeinde Stalden gehörenden kleinen Abschnittes gliedert sich das Nikolaithal politisch in 7 Gemeinden: Törbel am Thaleingang links über der Visp. Emd links der Visp und bis zu dieser hinunterreichend, Grächen rechts vom Wildbach auf einer anmutigen Terrasse des Saasgrates, St. Niklaus (an Fläche zweitgrösste Gemeinde des Thales), Randa, Täsch und Zermatt, letzteres die an Fläche grösste Gemeinde des Thales, die den ganzen Thalschluss umfasst.
Das Thal liegt ganz innerhalb der Wald- und der Alpweidenzone. An den am besten zur Sonne exponierten Hängen finden sich einige Roggen-, Korn- und Kartoffeläcker, und im Findelenthal steigt der Roggenbau sogar bis über 2000 m auf, welche Höhe er sonst in der Schweiz nirgends mehr erreicht. Obstbäume gedeihen erst unterhalb Stalden, d. h. also schon ausserhalb des eigentlichen Nikolaithales, obwohl der Weiler Illas nw. über dem Thaleingang und das Dorf St. Niklaus selbst einige wenige Obst- und Kirschbäume aufweisen.
Einen erstaunlichen Aufschwung hat in diesem sonst so armen Thal die Fremden- und Hotelindustrie genommen. Obwohl natürlich vor allem Zermatt mit seinen überwältigenden Naturwundern und seinen komfortabeln Gasthäusern die Fremden anzieht, haben sich doch auch Stalden, St. Niklaus, Täsch und Randa zu gutbesuchten Sommerfrischen und Exkursionszentren mit grossen Hotels entwickelt. Diesen Aufschwung verdankt Zermatt und mit ihm das ganze Thal vor allem der tatkräftigen Initiative und Ausdauer der Familie Seiler, die ihre Etablissemente sogar bis auf die Riffelalp, den Gornergrat und an den Schwarzsee hinauf vorgeschoben und damit dem grossen Fremdenstrom den Besuch der prachtvollen Gebirgs- und Eislandschaft im Thalhintergrund erst ermöglicht hat.
Heute stehen mehrere hundert Führer, die sich aus allen Ortschaften des Thales rekrutieren, den Alpinisten zur Verfügung. Reich ist das Thal an Mineralien und Erzen aller Art. So findet man Granat, reinen blättrigen Talk, Asbest, Amphibolit, Magneteisenerz, Schwefelkies (Pyrit), Idokras, Fluorit, Pyroxen, Strahlstein oder Aktinolith und in der wilden Felsschlucht der Höllenen, die sich vom Ende des Gasenriedgletschers gegen St. Niklaus hinabzieht, prachtvolle Rosetten von Pyrophyllitkrystallen.
«Diese zierlichen Rosetten überdecken hier ganze Felswände; ihr sanfter Schimmer verleiht denselben einen zauberhaften Glanz, bald in zartem, apfelgrünem, bald in silberweissem Tone, seltener in die Farbe der Morgenröte getaucht.» (Wolf). Trotz dieser Vorkommnisse kennt man aber keinerlei Versuche, die im Thal zur Ausbeute einer Mine, eines Steinbruches oder einer Mineralquelle jemals gemacht worden wären. Erwähnenswert ist in dieser Hinsicht blos die Augstbordquelle im gleichnamigen Thälchen, die Kupfer und Alaun enthalten soll und um die Mitte des 16. Jahrhunderts von zahlreichen Kranken aufgesucht worden ist.
Das Nikolaithal liegt im untern und mittleren Abschnitt in den gleichen krystallinen Schiefern und schieferigen Gneisen, die die Mischabelhörner aufbauen; weiter oben treten Kalkbildungen und Schiefer wahrscheinlich jurassischen Alters auf, die von Serpentinen und grünen Schiefern begleitet werden, die Umgebungen von Zermatt und den Gornergrat aufbauen und dann am W.-Hang des Thales in die Höhe steigen, um als Grundlage des das Schallhorn und Weisshorn zusammensetzenden Arollagneises unter diesen eben genannten Gipfeln durchzustreichen.
Das Sammelgebiet des Gornergletschers endlich ist in die Gneise des Monte Rosamassives eingeschnitten. Der Zugang ins Nikolaithal war vor der vollständigen Eröffnung der Eisenbahn Visp-Zermatt (1891) ein stellenweise schwieriger. Eine Fahrstrasse beginnt erst bei St. Niklaus und führt von da hinauf nach Zermatt. Im Juli 1890 übergab man zunächst die Sektion Visp-Stalden der Eisenbahn dem Verkehr, worauf im Sommer 1891 auch noch das Endglied bis nach Zermatt folgte. Die 35 km lange Adhäsionsbahn ¶
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überwindet eine Gesamtsteigung von 955 m und ist an Stellen, wo die Böschung auf über 12½% steigt, mit einer Abt'schen Zahnradschiene versehen. Eine weitere elektrische Bahn führt seit 1900 von Zermatt auf den Gornergrat. In geschichtlicher Hinsicht zerfiel das Thal einst in die voneinander unabhängigen Herrschaften Emd, St. Niklaus oder Chouson und Zermatt oder Praborgne. Von Naturereignissen grösseren Umfanges ist besonders das Erdbeben von Ende Juli 1855 zu erwähnen, das Visp und seine Umgebung heimsuchte: in Grächen stürzte der Glockenturm ein und wurde die Kirche beschädigt, in Stalden erhielten die Steinhäuser grosse Risse und brachen teilweise zusammen, in Törbel stürzte die gewölbte Kirchendecke ein, und ganze Lawinen von Steinen und Felsblöcken wälzten sich von allen Hängen her ins Thal hinunter. 1218: Chouson;
1291: vallis de Zauxon;
1401: vallis de Gason;
1291: vallis de Prato Borno (vom alten Namen Praborgne für Zermatt).
Vergl. Wolf, F. O. Die Visperthäler. (Europ. Wanderbilder. 99/102) Zürich 1886.