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Der Entscheid des Nationalrates, ab 2022 an einem Schleppschlauch-Obligatorium festzuhalten, zwingt die Milchproduzent*innen von Uniterre zu einer Reaktion. In einem Brief an diverse Branchenorganisationen des Käsemarkts sowie an die verantwortlichen Regierungsrät*innen für Landwirtschaft drücken sie ihre Bedenken aus. Sie befürchten insbesondere Folgen bei der Käseproduktion angesichts einer möglichen Vermehrung von Buttersäurebakterien. Deshalb fordern sie eine Studie, um mögliche Konsequenzen zu kennen. Bis zur Publikation der Resultate soll ein Moratorium für das Schleppschlauch-Obligatorium verhängt werden.
Die Einführung des Schleppschlauch-Obligatoriums wirft ferner Fragen auf, welche die Milchproduzent*innen direkt betreffen:
- Finanzieller Mehraufwand für die Produzent*innen zur Anschaffung der Gerätschaften: Insbesondere für kleine Betriebe und solche, die sich in Bergregionen befinden. Beiträge zur Förderung von emissionsmindernden Ausbringverfahren werden im Jahr 2021, nachdem sie 2014 eingeführt wurden, wieder abgeschafft. Im Durchschnitt erhielt jeder Betrieb eine finanzielle Unterstützung in der Höhe von 1’000 Franken.
Wie gedenken der Markt oder das Gemeinwesen in Zukunft die Kosten zu decken, die durch ein Schleppschlauch-Obligatorium entstehen? Sollte für die Finanzierung der Gerätschaften nicht ein Investitionskredit, wie dies für Sprühgeräte der Fall ist, in Aussicht gestellt werden? Oder wäre es nicht auch eine Möglichkeit, die Preise für Produzent*innen anzuheben, um so die Zusatzkosten zu kompensieren?
- Futterqualität: Welche anderen Einflüsse könnte diese Technik, abgesehen von möglichen Fehlgärungen bei der Käseproduktion, auf die Nahrungsqualität des Futters haben?
- Welche Folgen hat das Obligatorium auf die Bodenverdichtung und für die Biodiversität?
- Graue Energie: Was sind die langfristigen Folgen für die Umwelt, wenn sich Gerätschaften und Zugmaschinen bei der Ausbreitung von Gülle verändern?
- Vereinbarkeit mit dem Strassenverkehrsgesetz: Breite, Maximalgewicht, Deklarierung als separates Gerät oder nicht und die damit verbundenen möglichen Auswirkungen auf die Arbeitsdauer.
Ein Moratorium ist bis zur Beantwortung der oben aufgeführten Fragen und Bedenken zwingend! Es darf nicht sein, dass die Kosten, die durch eine Gesetzesänderung entstehen und auf welche die Produzent*innen keinen Einfluss haben, einmal mehr auf sie zurückfällt. Nicht zuletzt fehlen dem Entscheid auch die nötigen griffigen Begründungen.
Pressekontakt: Maurus Gerber, Milchkommission von Uniterre – 081 864 70 22
Anhang:
Der Bundesrat will das Moratorium für den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in der Landwirtschaft um vier Jahre verlängern. Das Moratorium gilt auch für Produkte aus neuen gentechnischen Verfahren. Dieser Entscheid ist äusserst erfreulich. Dadurch wird die Qualitätsstrategie der Schweizer Landwirtschaft abgesichert, das Vorsorgeprinzip gestärkt und die Wahlfreiheit für die Konsumierenden weiterhin gewährleistet.
Die GVO-freie Produktion ist zentral für die gute Positionierung der Schweiz auf dem Lebensmittelmarkt, die auf ihrer Qualitätsstrategie aufbaut. Auch die neuste Befragung des Bundesamtes für Statistik zeigt, dass Gentechnik in der Lebensmittelproduktion von der Mehrheit der Schweizer Bevölkerung abgelehnt wird. Es ist daher nur folgerichtig, dass der Bundesrat das Moratorium verlängern und es auch auf die neuen Gentechnikverfahren anwenden will. Erfreulich ist, dass sich der Bundesrat am bestehenden Gentechnikgesetz orientiert und dem Lobbying der industrienahen Biotechnologiewissenschaft, der Wirtschaft und der Intensivlandwirtschaft eine Absage erteilt.
Gentechnisch hergestellte Pflanzen bieten keine Lösung für die Herausforderungen der Landwirtschaft und des Klimawandels. Die klassische Gentechnik hat keine Lösungen für klimarelevante Probleme wie beispielsweise Trockenheit entwickeln können: 98% der mittels klassischer Gentechnik hergestellten Pflanzen sind herbizidresistent oder sie produzieren ein Insektengift, obwohl diese keine nachhaltige Alternative zu Pestiziden darstellen. Stattdessen tragen sie zur weiteren Intensivierung der Landwirtschaft bei und somit auch zu den damit verbundenen schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Auch die neue Gentechnik verfolgt ähnliche Ziele. Die Entwicklung von trockenheitstoleranten, dauerhaft krankheitsresistenten Pflanzen oder solchen mit einem höheren Ertrag scheitert weiterhin an der Komplexität des genetischen Hintergrunds, der diese Eigenschaften bestimmt.
Getrieben wird die Diskussion um die Gentechnik nach wie vor durch das immense Marktpotential, das sich die industrielle Agrarindustrie von den patentierbaren Anwendungen der Genomeditierung verspricht. Das Profitstreben geht dabei auf Kosten der Konsumierenden, aber auch der Landwirtschaft und der Biodiversität.
In der kleinräumigen Schweizer Landwirtschaft ist ein Nebeneinander von gentechnikfreiem und gentechnikbasiertem Anbau praktisch nicht umsetzbar. Wirkungsvolle Rahmenbedingungen für eine Koexistenz wären kostspielig und könnten das Risiko einer Kontamination nicht ausschliessen. Dank dem Moratorium kann die gesetzlich verankerte Wahlfreiheit der Konsumierenden weiterhin garantiert werden.
Im Gegensatz zur Input-intensiven Biotechnologie stellen interdisziplinäre Lösungsansätze wie die Agrarökologie eine nachhaltigere Alternative für den Erhalt der Ernährungssicherheit dar. Sie haben sich bereits weltweit bewährt und orientieren sich nicht einseitig an den Bedürfnissen der reichen Länder und werden auch vom Weltklimarat IPCC und der Welternährungsorganisation FAO empfohlen. Anstatt in teure und fragwürdige Lösungen mit risikoreichen Technologien zu investieren, sollten die politischen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die Innovation im Bereich dieser nachhaltigeren Alternativen gefördert wird.
30.6.2021 Schweizer Allianz Gentechfrei
Aktion organisiert von Uniterre, Big-M und BBK
Wenn die Milchproduktion eine Zukunft haben soll, geht das nur mit einem Milchpreis, welcher die Produktionskosten deckt. Bis heute werden die Milchbäuerinnen und Milchbauern aber gezwungen, billige B Milch abzuliefern. Das Verteidigen von wertschöpfungsschwachen Marktsegmenten wird mit diesem System auf dem Rücken der Lieferanten ausgetragen. Der Richtpreis für die B Milch liegt 18 Rappen unter demjenigen der A Milch. Diese Billigmilch, mit welcher sogar Dumpingexporte finanziert werden, reisst den Auszahlungspreis nach unten, so dass auf Dauer keine nachhaltige Milch produziert werden kann! So wird die nachhaltige bäuerliche Milchproduktion in der Schweiz täglich weiter zerstört!
Es ist eine Tatsache, dass ständiger Preisdruck in der Landwirtschaft zu Produktionsformen führt, für welche immer weniger Akzeptanz in der Bevölkerung vorhanden ist. Das eidgenössische Parlament hat dies erkannt. Mit einer historischen Einigkeit von links bis rechts wurde vom Ständerat am 24.09.2019, und vom Nationalrat am 28.06.2020 mit lediglich 2 Gegenstimmen die Motion " Verlässlichkeit des Standardvertrags der Branchenorganisation Milch“ der WAK Ständerat angenommen. Ein ganz entscheidender Teil darin ist, dass die Lieferung von billiger B Milch freiwillig werden soll. Der Widerstand der Milchkäufer und der Milchindustrie war zu erwarten. Heute, anlässlich ihrer Delegiertenversammlung wird sich die Branchenorganisation Milch (BOM) weigern, dieser Forderung des Parlamentes nachzukommen. Das ist ein Skandal!
Die Forderung des Parlamentes ist berechtigt und problemlos umsetzbar. Für die Konsumentinnen und Konsumenten ändert dies rein gar nichts, aber durch den Verzicht auf B-Milch steigt der Milchpreis für die Bäuerinnen und Bauern markant.
Wir Milchbäuerinnen und Milchbauern fordern, dass die Motion umgesetzt wird.
Motion "Verlässlichkeit des Standardvertrags der Branchenorganisation Milch "
Eingereicht von: Kommission für Wirtschaft und Abgaben SR Einreichungsdatum: 28.06.2019
Angenommen Ständerat 24.09.2019, Nationalrat 28.06.2020
Der Bundesrat wird beauftragt, bei der Branchenorganisation Milch darauf hinzuwirken, dass der Standardvertrag für den Kauf und den Verkauf von Rohmilch gemäss Artikel 37 des Landwirtschaftsgesetzes folgende Elemente umfasst:
Der Milchkaufvertrag muss sicherstellen, dass der Milchlieferant vor Ablieferung weiss, zu welchen Preisen er Milch liefert, sodass er unternehmerisch planen kann. An der Segmentierung in A-, B- und C-Milch muss festgehalten werden. Dass es keinen C-Preis mehr gibt und dafür überschüssige Milch über den B-Kanal verkauft wird, darf nicht erlaubt sein. Es muss in jedem Fall ein separater Preis für B- und C-Milch festgelegt werden. Der Preis für A- und B-Milch muss im Vertrag mit Menge und Preis in Kilogramm fixiert sein, mindestens für drei Monate. Die Freiwilligkeit der Lieferung von C-Milch muss dem Milchlieferanten gewährleistet sein. Deshalb ist auch vertraglich zu vereinbaren, welche Mengen zu welchem B-Preis abgerechnet werden können. Produzenten, die keine billige B- und C-Milch liefern wollen, dürfen nicht mit Mengenkürzungen im Bereich der A-Milch und der B-Milch bestraft werden.
Viele Bauernfamilien sind erleichtert, während andere sich ein anderes Ergebnis erhofft hatten.
Dieses Ergebnis ist das Resultat einer starken und sehr präsenten 2xNein-Kampagne.Aber heute müssen wir Bäuer.innen den Bürgern danken, welche trotz ernsthafter Umweltbedenken beschlossen haben, der Schweizer Landwirtschaft nicht in Schwierigkeiten zu bringenund die Initiativen abzulehnen.
Ein bedeutender Teil der Schweizer Bevölkerung bekennt sich damit zur Landwirtschaft. Es wäre aber falsch, dieses Ergebnis als eine Bestätigung der aktuellen Agrarpolitik zu verstehen, die die bäuerliche Landwirtschaft auf dem Altar der Wettbewerbsfähigkeit opfert.
Das Abstimmungsergebnis zeigt, dass Lösungen für die Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft, unser Ernährungssystem und die Landwirtschaft stehen, bereits jetzt eine Diskussion mit allen Beteiligten, insbesondere den Bäuer.innen, erfordern. Das BLW, der SBV und die Landwirtschaftskammern müssen nun ihre Ziele in Bezug auf die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und Antibiotika klar kommunizieren, klare Fristen nennen und die Ergebnisse begründen. Die Frage der Futtermittelimporte muss ernsthaft debattiert werden. Uniterre stellt klar, dass es keine Lösung geben wird, ohne die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, die die Landwirtschaft in Richtung Spezialisierung, Mechanisierung, industrieähnliche Rationalisierung und Vergrößerung der Strukturen drängen.
Uniterre kommt auf die Ernährungssouveränität zurück, die eine vielfältige, auf kurzen Wegen basierende Landwirtschaft fördert. Ein transparentes und demokratisches System, das, wenn es umgesetzt wird, die Bedürfnisse der Bäuer.innen, aber auch der Konsument.innen erfüllt und gleichzeitig garantiert, dass klimatische, soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden.
Effizientere Vertriebssysteme, engere Beziehungen zwischen Konsument.innen und Produzent.innen, eine gerechtere Aufteilung der Risiken und eine Verringerung der Margen des Großverteiler werden notwendig sein, um diesen Übergang zu ermöglichen.
Die ständige Erhöhung des Drucks auf die Erzeugerpreise durch eine den internationalen Handel begünstigende Bundespolitik muss gestoppt werden. Damit die Landwirtschaft die Erwartungen der Gesellschaft erfüllen kann, muss die Produktion durch Verträge geregelt werden, die Mengen, Qualität, Preis, Liefertermine und Vorauszahlungen festlegen. Die Verhandlungen für diese Verträge müssen transparent sein, um die notwendige Gerechtigkeit zu gewährleisten. Der Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln für alle Bevölkerungsgruppen muss durch sozialpolitische Maßnahmen unterstützt werden. Gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren wird sich Uniterre für die Zukunft der bäuerlichen Produktion in der Schweiz stark machen.
Wenn wir quer durch die Schweiz von Genf nach Romanshorn fahren, sind die Felder übersät von Schildern mit der Aufforderung, 2 x NEIN zu stimmen. Die Stimmberechtigten sollen eine Vorstellung von der Geschlossenheit des Bauernstandes bekommen, die beiden ihn betreffenden Initiativen am kommenden 13. Juni abzulehnen.
Diese Initiativen sollten für uns eine Gelegenheit sein, unser Berufsverständnis zu hinterfragen und unsere Ziele neu zu überdenken. Die Art und Weise, wie wir uns an Gewissheiten klammern ist nicht geeignet, die Problematik in der Landwirtschaft im Sinne der Bevölkerung zu lösen. Logischerweise hätte die Initiative gegen den Einsatz von Pestiziden von den Bäuerinnen und Bauern selbst ausgehen müssen. Wir kennen die Schädlichkeit der von uns verwendeten Produkte für die Umwelt und Vielfalt besser als jeder andere und sind uns der Forderungen der Bürger*innen dieses Landes bewusst. Von uns wird verlangt, die Verwendung giftiger Substanzen strenger einzuschränken oder ganz zu vermeiden. Wir haben die Möglichkeit, uns von der agrochemischen Industrie zu distanzieren, die uns nur zu gerne die Schuld an den Umweltschäden zuschiebt, obwohl sie uns die Unbedenklichkeit ihrer Produkte garantiert hat. Unsere Position als Opfer und zugleich Mitverantwortliche ist besonders unbequem und zwingt uns damit, eine Seite zu wählen. Wenn wir bei so wichtigen Themen unter dem Vorwand der extremen Formulierung zu "Neinsagern" werden, wird diese Position wahrscheinlich noch lange unserem Image erheblichen Schaden zufügen.
Es wäre besser gewesen, ein Bündnis mit der Bevölkerung einzugehen, als mit der chemischen Industrie und den von der Wirtschaft stark beeinflussten politischen Institutionen, die uns nicht unbedingt Gutes wollen! Es reicht schon, wenn man bedenkt, wie leichtfertig uns bundespolitische Entscheidungen regelmäßig herausfordern, indem sie uns im globalen Wettbewerb, insbesondere durch Freihandelsabkommen, wehrlos machen.
Es stimmt, dass unser Berufsstand große Anstrengungen zum Schutz der Umwelt unternommen hat (ökologische Ausgleichsflächen, Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden usw.), aber jedes Mal unter dem Zwang von Maßnahmen aus der Agrarpolitik und nicht aufgrund unserer eigenen Initiative. Wir haben die unglückliche Tendenz zu denken, dass wir die einzigen sind, die das Sagen haben und dass wir allein wissen, was auf unserem Land richtig und gut ist.
Ich hoffe, dass diese Pestizid-Initiativen angenommen werden, um uns die Chance zu geben, den verlorenen Dialog wiederherzustellen. Dieses Mal aber aktiv. Wir sollten diesen Dialog nutzen, um den besten Weg zu definieren, um uns selbst und unsere Rolle und Mission mit all den Strömungen in unserer Gesellschaft neu zu erfinden. Es gilt, diesen Dialog zu akzeptieren, unterstützt von der Forschungsgemeinschaft, deren Leistung bekannt ist. Dieser Ansatz muss als ein Reichtum betrachtet werden, den es zu entdecken gilt, und nicht als eine Einschränkung, unter der man leiden muss.
Es liegt an uns, die Relevanz eines Slogans zu zeigen, der uns am Herzen liegt: "Gut, gibt’s die Schweizer Bauern". Das muss mehr sein als ein Slogan, denn wir wollen gehört werden, hören aber zu selten auf andere. Es ist die Allianz mit der Zivilgesellschaft, deren Recht es ist, zu entscheiden, welche Art von Landwirtschaft sie will, die uns die besten Überlebenschancen geben wird, anstatt nur dem politischen Spiel zu vertrauen, wo wir meistens instrumentalisiert werden. Die Agrarpolitik (AP), die uns seit fast 20 Jahren aufgezwungen wird, muss sich ändern, damit sie das Ergebnis einer breiten Debatte mit den Landwirt*innen und allen betroffenen zivilen Organisationen wird und nicht das Ergebnis von Technokraten des BLW mit fragwürdigen Einflüssen.
Hinzu kommt, dass die massive Offensive von Big Tech (1), wie die GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple) mit großer Geschwindigkeit ihr Netz webt. Sie beabsichtigen, die weltweite Landwirtschaft unter ihre Fuchtel zu bringen, indem sie subtile Dienstleistungen aller Art in Echtzeit anbieten (Wetter, Markt, Behandlungen, Beratung, Bankwesen...), aber eine unumkehrbare Abhängigkeit von ihrem System schaffen.
Unser Überleben in der Landwirtschaft hängt davon ab, dass wir unsere Bündnisse sorgfältig auswählen, wenn wir unsere Unabhängigkeit bewahren wollen und uns damit in den Dienst der Gemeinschaft stellen.
Ein Ja zu dieser Initiative könnte eine totale Überarbeitung und ein Überdenken der derzeitigen Vorstellung unserer Behörden von der Rolle der Landwirtschaft in unserer Gesellschaft ermöglichen. Die Rolle einer Landwirtschaft, die als wesentlicher Teil des Gemeinwohls zu begreifen ist: Von ihrer Fähigkeit, gesunde Lebensmittel zu produzieren und von der Art und Weise, sie langfristig zu erhalten, indem man sie aus allen politischen und wirtschaftlichen Verhandlungen herausnimmt und das soziale Gefüge der Bauernschaft in allen Gegenden unseres Landes stärkt. Diese Neudefinition kann nicht ohne die Zustimmung derjenigen stattfinden, für die sie bestimmt ist. Die Bäuerinnen und Bauern werden sich für die Förderung einer neuen Rolle verantwortlich zeigen, unter der Garantie, dass ihre Rechte, einen angemessenen Lebensunterhalt zu verdienen, gewährleistet sind.
Alexis Corthay, Bauer auf La Touvière bei Genf.
1. Lesen Sie hierzu den in Le Courrier am 2. Mai 2021 veröffentlichten Artikel mit dem Titel: L'agriculture sous contrôle numérique (Landwirtschaft unter digitaler Kontrolle), der auf einer Analyse der NGO GRAIN beruht.
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Innerhalb von Uniterre haben wir während verschiedener Diskussionen eine Reihe von Gedanken und Ideen gesammelt, die wir mit unseren Mitgliedern und Unterstützer*innen teilen möchten. Damit soll die Debatte breiter werden und unsere Bewegung den dringend notwendigen Schub bekommen: Für eine bäuerliche Landwirtschaft, die in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht wertvoll und nachhaltig ist.
Die Landwirtschaft steht mit dem Rücken zur Wand! Die Krise der Landwirtschaft offenbart die Herausforderungen unserer Industriegesellschaften. Unsere wirtschaftliche und politische Organisationsform hat einen gewichtigen und problematischen Einfluss auf den sozialen Zusammenhalt und das Gleichgewicht der Ökosysteme des Planeten. Es ist zwingend notwendig, unseren Fußabdruck auf die natürliche Umwelt zu reduzieren und ein neues Gleichgewicht zu finden, um die Ressourcen für zukünftige Generationen zu erhalten. Die in der Schweiz zur Abstimmung gebrachten Initiativen zu Pestiziden spalten die Bevölkerung und die Landwirt*innen und verschleiern die grundlegenden Probleme, ohne diese zu lösen. Sie bewirken, dass die Auswirkungen unseres Lebensmittelsystems einzig auf die Bäuer*innen und auf Regionen ausserhalb der Landesgrenzen abgeschoben werden. Die schädlichen Auswirkungen dieser Logik sind bereits zu sehen, und das Beispiel der Bio-Produktion in Südspanien, die zunehmend industrialisiert wird, mit ihren sozialen und technischen Missständen ist bezeichnend. Pestizide, der übermässige Einsatz von Antibiotika und die räumliche Konzentration der Tierhaltung wirken sich negativ auf die Tierwelt, die Wasserqualität und die Gesundheit aus. Aber was ist mit den Schadstoffen aus Industrie und Haushalt und den Abfällen unserer Konsumgesellschaft? Ist das nicht eine Doppelmoral?
Handel und Industrie üben einen ständigen Druck auf die Produktionspreise aus und zwingen immer weniger Bäuer*innen zu immer höherer Produktivität. Und es ist nie genug! In jedem Bericht des Bundesamtes für Landwirtschaft wird unablässig behauptet, die Schweizer Landwirtschaft sei nicht wettbewerbsfähig genug. Tatsächlich fordern Gesellschaft und Handel immer mehr Qualitäts- und ökologische Kriterien von den Produzent*innen, ohne die Preisbildung und die Bedeutung einer fairen Wertschätzung der Lebensmittelproduktion zu hinterfragen.
In den letzten Jahrzehnten haben die Regierungen die fortschreitende Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft gefördert, die Zerstörung von drei Bauernhöfen pro Tag, den Verlust von Zehntausenden von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, die Spezialisierung und Konzentration der Produktion, den Ersatz menschlicher Arbeit durch schwere, teure und energieintensive Mechanisierung. Auch die landwirtschaftliche Forschung hat sich an dieser Perspektive orientiert. Der Fortschritt des agronomischen Wissens, der Sortenverbesserung, die Mechanisierung und der Pflanzenschutz haben zwar Hungersnöte in den Industrieländern ausgerottet, aber praxisnahe Forschung zu einem nachhaltigen Ernährungssystem kam dabei unter die Räder. Um die Versorgung mit hochwertigen gesund und nachhaltigen Lebensmitteln zu gewährleisten, ist es notwendig, auf die Produktion und den Vertrieb einzuwirken.
Die Initiativen, die derzeit zur Abstimmung stehen, schweigen sich über die Rahmenbedingungen des Marktes aus und sind ungerecht, inkohärent und kontraproduktiv, und deshalb ist es wichtig, diese beiden Texte abzulehnen. Die erste, die TWI Initiative hat eine liberaler Prägung und schlägt vor die Entgeltung für die von der Landwirtschaft erbrachten Leistungen in ein Instrument zur Bestrafung umzuwandeln und die ökologischen Probleme nach ausserhalb unserer Grenzen zu verlagern, indem ein doppelter Standard zwischen inländischer Produktion und Importen angewendet wird. Die andere Initiative konzentriert sich dogmatisch auf eine Technik, für die die Landwirt*innen nicht die Urheber sind, für die sie nicht verantwortlich sind, weder für die Zulassungen noch für die Anwendungskriterien. Die Zulassung von Produkten und deren toxikologische Untersuchung auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit obliegt dem Bundesamt für Gesundheit und Umwelt. Vorschriften für den Gebrauch und die Anwendung von Produkten müssen die inhärenten positiven und negativen Auswirkungen im gesamtgesellschaftlichen und ökologischen Rahmen abwägen. In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen einem synthetischen und einem natürlichen Produkt, denn obwohl ein natürliches Produkt im Allgemeinen schneller abgebaut wird, was ein Vorteil ist, hat es auch eine Toxizität, deren Auswirkungen analysiert werden müssen.
Für Uniterre als bäuerliche Gewerkschaft ist es wichtig, das Konzept der Ernährungssouveränität und Agrarökologie zu verteidigen. Wir verteidigen sie gemeinsam mit der internationalen Bauern-und Bäuerinnenbewegung Via Campesina. Das Konzept der Ernährungssouveränität fordert eine demokratische Kontrolle der Ressourcen und des Marktes. Agrarökologie integriert die Landwirtschaft in die Gesamtheit einer ökologischen Gesellschaft. Die beiden Initiativen verfehlen, indem sie die Probleme auf technische Aspekte reduzieren oder sich ausschliesslich auf die Schweizer Landwirtschaft konzentrieren, ohne sich die wirtschaftlichen Fragen zu stellen, definitiv ihr Ziel. Sie spalten statt zu vereinen und verhindern ein Bündnis, welches die vorherrschenden wirtschaftlichen Machtverhältnisse herausfordern kann. Machtverhältnisse, welche heute die Landwirtschaft in einen unaufhörlichen und zerstörerischen Wettlauf der Wettbewerbsfähigkeit treiben. Wir müssen zu einem System der Preiswahrheit kommen. Das Zollinstrument kann dazu beitragen. Kredite und Investitionen müssen sich an Zielen des Gemeinwohls und des demokratisierten Zugangs zu Ressourcen orientieren. Alle Beteiligten; Produzent*innen, Konsument*innen und Verteiler müssen in der Lage sein autonom Verträge auszuhandeln, die es ihnen ermöglichen, einen Preis für eine bestimmte Qualität und Menge, eine Risikoteilung, einen Lieferplan und entsprechende Zahlungsmodalitäten festzulegen.
Es ist höchste Zeit, diesen Wahnsinn der Zerstörung einer vielfältigen bäuerlichen Landwirtschaft, welche auf den vorhandenen lokalen Ressourcen gründet und die Bevölkerung mit gesunden und hochwertigen Lebensmitteln versorgt, zu stoppen. Die Konzentration der Viehhaltung im Flachland dauert schon seit 30 Jahren und mehr an und muss aufhören. In den Bergen und im Hügelland muss der Viehzucht Vorrang eingeräumt werden. Die Ebenen sollten in erster Linie für Getreide- und Gemüseanbau, Obst und Gemüse genutzt werden, die direkt vom Menschen verzehrt werden können. Natürlich hat die Viehzucht auch in den Ebenen ihren Platz, aber sie muss den Pflanzenanbau ergänzen.
Gesunde Ernährung ist kein Luxus, sondern ein Recht, zu dem alle Bevölkerungsschichten Zugang haben müssen. Dies ist jedoch eine Frage der Sozialpolitik, nicht der Agrarpolitik.
Einige Bäuerinnen und Bauern von Uniterre
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Innerhalb von Uniterre haben wir während verschiedener Diskussionen eine Reihe von Gedanken und Ideen gesammelt, die wir mit unseren Mitgliedern und Unterstützer*innen teilen möchten. Damit soll die Debatte breiter werden und unsere Bewegung den dringend notwendigen Schub bekommen: Für eine bäuerliche Landwirtschaft, die in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht wertvoll und nachhaltig ist.
Entscheidend ist der Preis
Vanessa Renfer, Bäuerin und Uniterre Sekretärin
Die Landwirtschaft ist in der Schweiz nach wie vor ein heisses Thema. Im Fokus der Öffentlichkeit stehen der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die intensive Züchtung und Futtermittelimporte. Das bisherige scheinbar bewährte Modell wird in Frage gestellt und die gesamte Landwirtschaft ist in Aufruhr.
Auf viele Fragen gibt Uniterre weiterhin die einzige Antwort, die wirklich zählt: faire Preise. Weil jede Anstrengung einen Lohn verdient und weil ein Qualitätsprodukt, wie es von einem immer grösser werdenden Teil der Bevölkerung gefordert wird, einen Aufwand hat, der durch einen angemessenen Verkaufspreis gedeckt werden sollte. So findet jede der Debatten, die die bäuerliche Welt bewegen, ihre Lösung, zumindest zu einem grossen Teil, durch einen geeigneten Preis, einen fairen Preis. Dies kann nicht oft genug gesagt werden.
Es wird erwartet, dass die Schweizer Bäuerinnen und Bauern ohne synthetische Pflanzenschutzmittel arbeiten? Dann ist es nur fair, dass die Risiken des Anbaus und mögliche Ertragseinbussen sowie der zusätzliche Arbeitsaufwand durch einen höheren Preis kompensiert werden.
Es wird erwartet, die Grösse der Betriebe zu reduzieren und das Futter vor Ort zu produzieren? Dann muss die Produktion dieses Futters aufgewertet werden und das Fleisch und die Milch dieser Tiere müssen einen Preis haben, der den Bauernfamilien ein Leben in Würde ermöglicht.
Es wird darüber geklagt, dass ausländische Butter importiert werden muss, weil die lokale Produktion nicht mehr ausreicht? In diesem Fall muss ein transparenter Markt sicherstellen, dass die Milch in die richtigen Kanäle fliesst und zu einem fairen Preis verkauft wird.
Wollen wir auf Palmöl verzichten? Lassen Sie uns damit beginnen, das Beste aus der eigenen Ölsaatenproduktion zu machen, und zwar nicht nur durch die Zahlung einer Anbauprämie!
Ausserdem ist es bedauerlich, dass viele landwirtschaftliche Themen in die Öffentlichkeit geworfen werden, ohne dass die Bäuerinnen und Bauern vorher konsultiert werden. Es ist ein notwendiges Übel, von Zeit zu Zeit an der Kokospalme zu rütteln, um voranzukommen. Durch einen vorherigen Dialog mit der Landwirtschaft könnten jedoch viele Rückschläge und die traurigen Abrechnungen, die in den sozialen Netzwerken zu sehen sind, vermieden werden. Können wir vorankommen und konstruktive Lösungen finden, wenn wir uns nicht verstehen? Sicherlich nicht. Als Mitglieder einer Organisation wie Uniterre können wir nur hoffen, dass in Zukunft der Dialog von Anfang an geführt wird, um spätere unnütze Debatten zu vermeiden.
Falls sie keine Zeit hatten, Ihre Veranstaltung anzumelden, ist dies noch bis am Freitag, 4. Juni möglich. Sie können Ihre Veranstaltungen direkt auf gout.ch anmelden.
Wir sind der Meinung, dass das Essen einen wichtigen Platz im Leben der Bevölkerung eingenommen hat. Der Herbst wird eine gute Zeit sein, die Esser und Geniesser zu treffen!
Die Schweizer Genusswoche wird vom 16. bis 26. September 2021 weiterhin den Genuss in den Mittelpunkt stellen, und dies in der ganzen Schweiz, denn Junk Food richtet bekanntlich mehr Schaden an als der Coronavirus!
Veranstaltungen, die zwischen Mitte August und Ende Oktober stattfinden, können Teil des Veranstaltungskalender 2021 der Schweizer Genusswoche sein.
Wenn Sie Fragen zu Ihrer Teilnahme haben, wenden Sie sich bitte an Barbara Schneider unter <email-pii> oder telefonisch unter 021 601 58 60.
Mit genussvollen Grüssen!
Innerhalb von Uniterre haben wir während verschiedener Diskussionen eine Reihe von Gedanken und Ideen gesammelt, die wir mit unseren Mitgliedern und Unterstützer*innen teilen möchten. Damit soll die Debatte breiter werden und unsere Bewegung den dringend notwendigen Schub bekommen: Für eine bäuerliche Landwirtschaft, die in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht wertvoll und nachhaltig ist.
Als bäuerliche Organisation, die ganz unterschiedliche Bäuerinnen und Bauern vertritt, müssen wir auch die vielfältigen Ansichten respektieren. Wir müssen sie hören. Es sind nicht die Meinungsverschiedenheiten, die Uniterre oder die bäuerliche Welt zerreissen, sondern die Unfähigkeit, einander zuzuhören und abweichende Positionen anzuerkennen. Debatten sind gesund und wichtig, und sie stärken uns und die Organisation.
Ziel dieses Newsletters ist es, die Basis für eine solche Dialogkultur innerhalb von Uniterre zu legen. Wir Bäuerinnen und Bauern lieben unseren Beruf und setzen uns für den Erhalt der Landwirtschaft ein, ob wir nun für die Initiativen sind oder nicht. Verschiedene Wege führen zum Ziel. Aber diejenigen, die nicht so denken wie wir, sind nicht unsere Gegner*innen, denn die Liebe zum Land eint uns. Wenn wir es nicht schaffen, untereinander zu diskutieren und uns gemeinsam einzubringen, werden es andere sein, die die Entscheidungen für uns treffen werden!
Wenn Uniterre eine glaubwürdige Kraft sein will, muss es gelingen, alle an einen Tisch zu bringen, um konkrete Vorschläge auszuarbeiten. Und vergessen wir nicht, dass die Konsument*innen unsere Verbündeten sind, auch ihnen müssen wir zuhören und sie im Gegenzug informieren.
Uniterre hat ein "Nein" zur Initiative "Sauberes Trinkwasser" und die Stimmfreigabe zur Initiative „synthetischer Pestizide" beschlossen. (siehe Positionspapier, Link). Wir lehnen die "Trinkwasser"-Initiative entschieden ab, weil sie die falschen Antworten auf reale Probleme gibt. Sie verfehlt das Ziel völlig, begünstigt Importe und konzentriert sich ausschliesslich auf die Landwirtschaft mit unzureichenden Instrumenten zur Lenkung in die gewünschte Richtung. Es ist kein Zufall, dass "Avenir Suisse", das ultraliberale Propagandaorgan, diese Initiative unterstützt.
Die Initiative "synthetischer Pestizide" konzentriert sich auf dieses Thema, bezieht aber neben den Importen auch andere Anwender*innen in der Gesellschaft (wie Gemeinden, SBB, Verarbeiter) mit ein. Sie wirft jedoch aus unserer Sicht viele Fragen zur Umsetzung im aktuellen politischen Kontext auf. Die Regierung und die parlamentarische Mehrheit sind der Meinung, dass es der Schweizer Landwirtschaft an Wettbewerbsfähigkeit mangelt. Sie lehnen die Kriterien der Ernährungssouveränität (Vorrang für ein lokales, nachhaltiges und demokratisches Ernährungssystem) ab und bevorzugen internationale Handelsabkommen.
Die Reichhaltigkeit der Debatte und unser Verständnis der Themen sollte es uns ermöglichen, gestärkt aus dieser Kampagne hervorzugehen. Wir fordern eine Umkehr der aktuellen Politik. Eine Politik, die alle landwirtschaftlichen Betriebe unter Druck setzt, die jeden Tag 3 Bauernhöfe in der Schweiz zerstört und die so die Probleme verschärft und die unser Lebensmittelsystem immer anfälliger macht.
Zum Weiterlesen:
Nein zu Scheinlösungen von einigen Bäuerinnen und Bauern
Am 7. Mai 2021 meldete SRF news 55% JA-Stimmenanteil für die Pestizid Initiative (PEI) und 54% JA für die Trinkwasser Initiative (TWI). Gut 5 Wochen vor dem Abstimmungstermin ist das erfahrungsgemäss zu knapp. Allenfalls droht auch ein ähnlicher Ausgang wie bei der Konzernverantwortungsinitiative. Es gibt zwar ein Volksmehr, aber die Initiativen scheitern am Ständemehr.
Nach der Nein Parole der Bio Suisse zur TWI und dem verunglückten Auftritt von Urs Brändli (Präsident Bio-Suisse) im Kassensturz gingen die Wogen hoch und haben sich noch nicht wieder gelegt. Dass die Bio Suisse schon im Herbst die Ja-Parole für die PEI beschlossen hat, geht dabei etwas unter. Ich selber war über die Nein-Parole zuerst ebenfalls irritiert. In der Folge habe ich mich vertieft mit der Thematik auseinandergesetzt und mit diversen Leuten (auch mit Urs Brändli) kommuniziert.
Ich kann die Argumente gegen die TWI nachvollziehen. Die TWI nimmt einzig die Bauern/Bäuerinnen in die Pflicht und erlaubt es andererseits, dass diejenigen Landwirt*innen, die auf Direktzahlungen verzichten, weiterhin Pestizide spritzen können. Die PEI hingegen will, dass auch Lebensmitteln, die importiert werden, ohne Pestizide produziert werden und hat somit einen umfassenderen Ansatz. Auch sollen nach einer Übergangsfrist von 10 Jahren sämtliche synthetische Pestizide verboten sein und bleiben.
Ein Teil der Bäuerinnen und Bauern wird bei Annahme der TWI auf Bio umstellen. Die Aussage von Urs Brändli im Kassensturz, wonach die Preise für Bio Milch sinken würden, wurde skandalisiert. Es war von Gier die Rede und von Verrat an der Bio Bewegung.
Der Auftritt von Urs Brändli im Kassensturz war eine Katastrophe. Der Dachverband der Bio -Bewegung fürchtet mehr Bio? Das darf ja wohl nicht wahr sein! – Die Bio-Suisse, ihr Vorstand und eben Urs Brändli haben einen kommunikativen Supergau produziert und die Tragweite ihrer Aussagen zum Milchmarkt total unterschätzt. Ich bin eigentlich immer noch fassungslos, dass man derart blöd sein kann. Nie und nimmer darf ein Bio-Funktionär sagen, dass er Angst vor zu vielen Umsteller*innen hat. Es scheint, dass die intensive Beschäftigung mit Marktthemen, die Geister an der Peter-Merian-Strasse in Basel vernebelt hat.
Dabei hätte man es durchaus anders angehen können! Denn die Gefahr, dass viele Betriebe aus der IP oder Label-Produktion aussteigen und noch intensiver produzieren, ist bei Annahme der TWI real. Eine solche, zusätzliche Segmentierung der Landwirtschaft ist aber unerwünscht und schädlich. Wir brauchen Lösungen, die alle einbeziehen. Wir wollen auch keine Betriebe, die noch intensiver produzieren, als sie es heute schon tun. So könnte es unter dem Strich tatsächlich soweit kommen, dass bei Annahme der TWI ein Minus für die Ökologie resultiert.
Man muss der Bio Suisse hingegen zugutehalten: Viele Konsument*innen finden zwar Bio gut, doch beim Einkauf greifen sie dennoch ins Billig-Regal. Es gibt leider einen grossen Graben zwischen dem Wunsch nach Bio und dem tatsächlichen Verhalten im Laden. Die Zeiten, als es zuviel Bio-Milch gab und diese konventionell vermarktet werden musste, sind nicht vergessen.
Viele Bioprodukte sind deutlich teurer als vergleichbare konventionelle Lebensmittel. Daran tragen natürlich auch die Grossverteiler ihre Schuld. Es gibt dafür verschiedene Gründe (Handel, Margen, Logistik, Mengen, etc.) auf die einzugehen ich gerne verzichte. Einen anderen Grund möchte ich dafür herausstreichen: Die externen Kosten der (konventionellen) Landwirtschaft werden nirgends bilanziert. Also die Belastung von Böden, Luft, Wasser, Klima. Der Co2-Ausstoss, der Artenschwund wie auch die Zerstörung der Landschaften.
Der Bio-Landbau schneidet in dieser Hinsicht deutlich besser ab. Es kommt dazu, dass die Lebensmittel generell zu billig sind. Würden die externen Kosten der konventionellen Landwirtschaft auch nur annähernd berücksichtigt, müssten die Bio-Lebensmittel im Laden eigentlich günstiger als die konventionellen sein.
Die TWI will, dass nur betriebseigenes Futter an die Nutztiere verfüttert wird. Es wird darüber gestritten, was das genau heisst. Kann man kein Futter mehr beim Nachbarn kaufen? Die Initiantin meint, dass Futter aus der CH weiter handelbar sein werde. Sicher ist, dass bei Annahme der TWI , diejenigen Betriebe, die Direktzahlungen beziehen wollen, kein importiertes Tierfutter mehr verfüttern können. (Auch hier gilt eine Übergangsfrist)
Jahr für Jahr wird der Ertrag vom 200 000 ha Ackerland im Ausland, an Nutztiere in der Schweiz verfüttert. (Soja, Mais, Weizen etc.) Die Folgen sind bekannt. Zuviel Nitrat im Grundwasser, Seen die seit Jahrzehnten belüftet werden müssen, überdüngte Wälder und einheitsgrün auf den Güllewiesen mit dramatischen Folgen für die Fauna. Diesen Teil der TWI unterstütze ich ohne Wenn und Aber. Die Futtermittelimporte sind ein Unding und müssen verboten werden. Der oben erwähnten Text zu den Futtermittelimporten ist eine gute Zusammenfassung der aktuellen Situation. (2 Seiten) Es wird darin auch eine Behauptung von Markus Ritter (Präsident Bauernverband) widerlegt. ( M.R. >Die Schweiz produziert 84% des Tierfutters selber. )
Doch auch hier gibt es einen Haken bei der TWI. Betriebe, die auf Direktzahlungen verzichten, können weiterhin importierte Futtermittel verfüttern. Wie viele Betriebe das sein werden ist schwierig abzuschätzen. Grundsätzlich ist es so: Je intensiver ein Betrieb produziert, desto weniger ist er auf Direktzahlungen angewiesen.
Sehr oft wird davor gewarnt, dass bei Annahme der Initiativen, die Importe von Lebensmittel steigen würden und damit die Abhängigkeit vom Ausland noch grösser würde. Doch was sind Futtermittel anderes als Lebensmittel, und wieso soll diese Auslandsabhängigkeit etwas anderes sein? Fakt ist: Die Schweiz ist in vielfacher Hinsicht vom Ausland abhängig. Natürlich betrifft das nicht nur die Landwirtschaft.
Bei Annahme der Initiativen sinke die Lebensmittelproduktion in der CH je nach Katastrophenszenario um 30-40%, wird uns zu wissen gegeben. Ich halte das für krass übertrieben. Doch selbst wenn es so wäre, so brauchte man nur den Foodwaste zu verhindern, der in vielen Bereichen extrem ist und mindestens in dieser Grössenordnung liegt.
Ebenfalls wird davor gewarnt, dass wir die Produktionsbedingungen von importierten Lebensmitteln nicht kontrollieren können. (Tierfabriken, Pestizide etc.) Ein Argument, das meiner Meinung nach nicht sticht. Gerade im Bio Bereich wird im Ausland seit Jahren vieles nach Knospe Richtlinien produziert. Das ist nicht immer problemlos, aber es funktioniert.
Ich denke, viele Landwirt*innen im Ausland würden sehr gerne nach CH Richtlinien produzieren, weil die Schweiz auch in der Lage ist einen guten Preis dafür zu bezahlen.
Zu guter Letzt noch einige Sätze zu den Arbeitsplätzen. In der in der CH Landwirtschaft arbeiten heute noch etwa 150 000 Menschen. In den vor und nachgelagerten Betrieben vielleicht noch weitere 250 000. Ein Teil dieser Arbeitsplätze ist sicher gefährdet, doch auf der anderen Seite entstehen bei einem Umbau der Landwirtschaft viele neue Arbeitsplätze.
Als Beispiel möchte ich das Gut Rheinau erwähnen. Als die Stiftung Fintan das Gut übernahm arbeiteten auf dem 120 ha grossen Betrieb 12 Angestellte. Heute sind es inklusive aller Nebenbetriebe mehr als 200 Menschen. Nachzulesen im lesenswerten Buch: Das Gift und wir - Synthetische Pestizide - Fluch oder Segen? Martin Ott erzählt die Geschichte vom Gut Rheinau, gemeinsam mit weitere Autor*nnen.
Die Frage ist nun: Wie abstimmen?
Emotional möchte ich gerne 2 x Ja einlegen. Die synthetischen Pestizide müssen verboten werden. Das Trinkwasser ist an vielen Entnahmestellen zu stark belastet. Die Futtermittelimporte belasten Umwelt und Klima. Und überhaupt, es muss sich so vieles verändern damit unsere Nachgeborenen eine lebenswerte Zukunft haben. Es ist eher schon 2, als 5 vor 12, der Handlungsbedarf ist gross und mehr als dringend.
Und dennoch: die TWI hat einige Nachteile und Unwägbarkeiten. Im Extremfall sogar negative Konsequenzen. So werde ich voraussichtlich Ja zur PEI und Nein zur TWI stimmen. Es sei denn, die Emotionen brennen doch noch durch.
PS 1: Die Schweiz würde sich mit einem Pestizidverbot an die Spitze einer weltweiten, wachsenden Bewegung stellen, die das Ziel hat, die Welt bis zum Jahr 2050 von den Pestiziden zu befreien. > Interview mit Vandana Shiva in: >Das Gift und wir.
PS 2 : Der letzte Satz des Leitartikels in der Woz, von Bettina Dyttrich : „Wichtig ist, nicht zu vergessen, dass grüne und biobäuerliche TWI-Befürworter und -Gegnerinnen die gleichen Ziele haben. «Sie streiten nur über die grosse Frage: Wie kommen wir dort hin?“
Samuel Spahn, Dietikon
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