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Im Oktober 2020 reisten meine Geliebte, ich bin auch ihr Gatte, und ich in ihr Heimatland Brasilien.
Als Folge der COVID-Massnahmen mussten wir neben dem Pass und dem Ticket, gespeichert auf einem intelligenten Gerät, unsere Traubescheinigung aus dem Jahr 1989 und aktuelle Versicherungsnachweise mit uns führen.
Niemand zeigte Interesse an diesen offiziellen Dokumenten.
Heute benötigt es für die Einreise in diesen südamerikanischen Staat zusätzlich einen Nachweis über die Durchführung eines Labortests RT-PCR mit negativem Ergebnis.
Dieser Test darf scheinbar nicht älter als 72 Stunden sein.
Verklärt denke ich an Dezember 1989, als meine Familie und ich nach Lateinamerika reisten, wo Frau und Mann vor den Altar treten wollten.
Ein Ticket in Papierform und ein gültiger Reisepass reichten völlig aus.
Die Reise des siegessicheren Mannes endete abrupt am Flughafen von Rio de Janeiro.
Ihm wurde die Einreise verweigert, weil sein Pass abgelaufen war.
Seine Familie reiste verdattert ohne ihn weiter!
Er nahm Platz in einem kleinen Raum, wo ihm die Grenzpolizei eine Frist von 10 Stunden setzte um seinen Pass zu verlängern, andernfalls würde er im gleichen Flugzeug, wie er gekommen war, nach Europa zurückbefördert.
Tatsächlich gibt es einfachere Aufgaben als am Samstag, 23. Dezember 1989 in Rio, wo Weihnachten und Strand heilig sind, mit Hilfe der damaligen Telefontechnik eine Passverlängerung zu organisieren.
In Curitiba weilte zur gleichen Zeit die Geliebte im Coiffeursalon, um ihren Apollon standesgemäss zu empfangen.
Diesem, in der Zwischenzeit zum Apollonino geschrumpft, gelang es schlussendlich das Schweizer Konsulat zu erreichen und seine selbst verschuldete Misere zu schildern.
Eine Konsularbeamtin, aufgewachsen im Neubadquartier in Basel, traf zwei Stunden später am Flughafen ein.
Ihre Zufriedenheit mit Apollonino hielt sich in äusserst engen Grenzen, er mutierte zum Apolloninchen.
Nach der Standpauke wurde der Pass für eine satte Summe verlängert.
In der Zwischenzeit schmiedete die Ehegattin mit ihrer Familie Pläne, wie man Mann nach Argentinien transportieren und von dort nach Brasilien schmuggeln könnte.
Sein Glück war, dass er mit einem gebrochenen Fuss und zwei Stöcken reiste. Die brasilianischen Behörden zeigten Mitleid und organisierten für ihn den Weiterflug nach Curitiba am selben Abend.
Dort angekommen, hätte der nicht mehr so siegessichere Passagier den Flughafen am liebsten unerkannt durch einen Notausgang verlassen.
Es war, ich bin ehrlich, nicht so einfach, sich den Apollon-Status wieder zu erarbeiten. Schlussendlich durfte das Paar eine wunderbare Zeremonie und ein beschwingtes Fest geniessen.
Im Mai dieses Jahres läuft mein Pass ab, das weiss ich sicher.
7. März 2021