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Dänemark.
[* 2] Die
Bevölkerung
[* 3] des eigentlichen
Dänemark, die sich nach den vorläufigen Ergebnissen der
Volkszählung vom auf
2,172,205
Seelen belief (s. Bd. 18, S. 177), verteilt sich auf die einzelnen
Ämter wie folgt:
^[Tabelle siehe Faksimile]
Die Bevölkerung hat im verflossenen Jahrzehnt nur in den Ämtern Odense [* 4] auf Fünen und Prästö auf Seeland abgenommen. Am stärksten hat sie außer in der Hauptstadt und ihrer Umgebung in den Amtern Svendborg (Fünen), Ringkjöbing und Hjörring in Jütland und auf Bornholm zugenommen. Nach wie vor ist sie am dünnsten in den südwestlichen Ämtern Jütlands, mehr als doppelt so stark auf der Ostseite der Halbinsel. Die Inselämter zeigen eine ziemlich gleichmäßige Verteilung der Bevölkerung.
Geschichte. Wie üblich wurde der Voranschlag des Staatshaushalts für 1891/92 vom Finanzausschuß des Folkethings bis Anfang Januar 1891 durchberaten und darauf der Kammer zur Plenarberatung vorgelegt. Im Finanzausschuß waren die beiden Gruppen der Linken noch einig gewesen und hatten rundweg alle Mehrforderungen der Regierung gestrichen. Im Thing selbst aber kam es zum offenen Bruch zwischen den Radikalen unter Hörup und Berg und der gemäßigten Linken. Diese setzte 8. Febr. ihren Antrag auf Ermäßigung der Eingangszölle auf Reis, Rohzucker, Schokolade und Petroleum und die Einführung einer Biersteuer trotz des hartnäckigsten Widerstandes der Radikalen mit 55 gegen 33 Stimmen durch und bewilligte bei der Budgetberatung fast alle vom Ausschuß gestrichenen Posten mit Ausnahme der 3 Mill. für die Landesverteidigung, welche aber zum außerordentlichen Budget gehörten.
Auch beendete das Folkething die Budgetberatung bereits 7. März, so daß das Landsthing für seine Beratung 2 ½ Wochen zu seiner Verfügung hatte. Zwar lehnte das Landsthing den Staatshaushaltsentwurf in der vom Folkething beschlossenen Fassung ab, weil die Forderung für die Landesverteidigung gestrichen worden, und nahm die Regierungsvorlage an. Es kam also wiederum kein regelmäßiges Finanzgesetz zu stände, und nachdem die Tagung des Reichstags geschlossen worden, ermächtigte ein ¶
mehr
offener königlicher Brief das Ministerium, zur Fortführung des Staatshaushalts in den Grenzen [* 6] des Voranschlags die Steuern zu erheben und die Ausgaben zu leisten. Es war aber als ein Fortschritt zu betrachten, daß beide Kammern über das ordentliche Budget einig gewesen, und daß überhaupt eine Reihe wichtiger Gesetze zu stände gekommen waren: außer der Herabsetzung einiger Zölle und der Biersteuer die Gesetze über die Anlegung eines Freihafens in Kopenhagen, [* 7] über die Altersunterstützung unbescholtener Armen, über die Sonntagsruhe u. a. Die Verdorrungspolitik der letzten Jahre hatte damit ein Ende.
Die bäuerliche Bevölkerung zeigte sich überall damit einverstanden, daß der Bund ihrer Vertreter mit den Radikalen und Sozialdemokraten gelöst war und dieselben nun eine starke, zugleich demokratische und konservative Mittelpartei bildeten. Die königliche Staatsmacht hatte überdes Parteistreben nach Parlamentsherrschaft den Sieg davongetragen, und dabei war infolge der erzwungenen Ersparnisse ein Barbestand in der Staatskasse angesammelt worden, welcher die finanzielle Lage der Regierung sehr erleichterte.
Das Ministerium Estrup erlitt eine geringe Veränderung im August durch den Austritt des Kultusminister Scavenius, der durch den Professor Goos ersetzt wurde. Der Reichstag wurde wieder eröffnet und ihm sofort der Voranschlag des Staatshaushalts für 1892/93 vorgelegt, welcher die Einnahmen auf 53,965,558, die Ausgaben auf 58,578,340 Kr. schätzte, also ein Defizit von 4,612,782 annahm; 3 Mill. waren wieder für die Kopenhagener Befestigung bestimmt. Bei der ersten Lesung des Staatshaushalts im Folkething (13.-16. Okt.) sprachen die Radikalen nicht nur auf das entschiedenste gegen die neuen Ausgaben für die Landesverteidigung, sondern verlangten auch, daß die bereits angelegten Befestigungen wieder geschleift würden.
Von der Rechten trat der frühere Kultusminister Scavenius ebenso entschieden für die Provisorien (provisorischen Budgets) ein und rühmte ihre günstigen Folgen für die Staatsfinanzen; um nur dem Gehader ein Ende zu machen, habe sich die Rechte nachgiebig gegen die Mittelparteibewiesen. Diese zeigte sich regierungsfreundlich, wollte aber von den Provisorien nichts wissen, und der Kriegsminister sprach die Zuversicht aus, daß das Folkething die Regierungsforderungen bewilligen und Provisorien also nicht notwendig sein würden.
Der Staatshaushaltsentwurf wurde darauf dem Finanzausschuß überwiesen, zu dessen Vorsitzenden ein Mitglied der gemäßigten
Linken, Tullin, statt des radikalen Hörup gewählt wurde. Auch bei der Neuwahl des Präsidenten des Folkethings
wurden die Radikalen vom Präsidium ausgeschlossen. Als bei der Anregung einer allerdings dringend notwendigen Justizreform
der Führer der radikalen Linken, Berg, den Antrag stellte, das Ministerium zum Rücktritt aufzufordern, damit die Reform unter
der Leitung einer den Grundgesetzen treuen Regierung vollzogen werden könne, fand derselbe keine Zustimmung;
vielmehr wurde mit 60 gegen 30 Stimmen ein Antrag angenommen, den Justizminister Nellemann zu ersuchen, den schon 1881 vorgelegten,
damals aber wegen der Verdorrungspolitik des Folkethings nicht erledigten Gesetzentwurf über die Umgestaltung des Rechtswesens
einzubringen. Es handelte sich namentlich um die in
Dänemark noch immer nicht durchgeführte Trennung der Gerichtsbarkeit
von der Verwaltung und eine Verminderung der Obergerichte. Der Tod Bergs (November 1891), an dessen Stelle
ein Gemäßigter zum
Vorsitzenden des Finanzausschusses
gewählt wurde, trug auch zur Versöhnung der Parteien bei. - S. auch Art. Volksvertretung.