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Nach dem Auszug von SBB-Cargo aus dem Lokomotivdepot Erstfeld im Juni 2016, sollten das Lokomotivdepot und die Werkstätten mit den bis 1882 zurückgehenden Gebäuden, an SBB-Historic übergehen und zukünftig zusammen mit dem Lokomotivdepot Biasca als Basis für Fahrten mit historischen Zügen auf der Gotthard-Bergstrecke dienen.
Dies war der Wunschtraum vieler Freunde der Gotthardbahn und deren historischen Lokomotiven.
Nach der Anstellung eines Mitarbeiters für die Zukunftsplanung von SBB-Historic am Gotthard,
wurde dieser Wunsch der Eisenbahnfreunde 2014 in dessen Businessplan unter dem Titel «Bahnerlebniswelt Gotthard» ebenfalls
als zentraler Bestandteil aufgeführt.
Allerdings zog die Geschäftsleitung von SBB-Historic die Planung der zukünftigen historischen Nutzung der Bergstrecke schon nach wenigen Monaten wieder an sich und man trennte sich vom hierfür extra angestellten Planer. Dies liess Böses ahnen.
Im Frühjahr 2016 musste denn auch der Entscheid von SBB-Historic zur Kenntnis genommen werden, in Erstfeld lediglich die Schiebebühne und die nördlich davon gelegenen Gebäude (Dampfremise 1882, Werkstätten-Anbau 1893, freitragende Elektroremise 1920) zu übernehmen.
Auf die Übernahme der südlichen historischen Gebäude (Dampfremise 1882 mit Werkstätten und Lagerräumen, Werkstätten-Anbau 1886, Wohnhaus [Kaserne], Badhaus 1) sollte verzichtet werden.
Die bereits früher vom damaligen Präsidenten und mir angedachten zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten (zur Selbstfinanzierung) waren
für die Geschäftsleitungsmitglieder von SBB-Historic kein Thema.
Auf die anlässlich der Team-Information vom damaligen Präsidenten vorgebrachten Bedenken und Hinweise, dass das an der südlichen Dampfremise belassene Depottor und das dazugehörige kurze Gleisstück, zum Anheizen der Dampfloks im Freien unerlässlich sei, wurde nicht eingegangen mit der Begründung, Dampfloks könne man auch auf der Nordseite der Elektroremise anheizen.
Mein Argument, dass das Anheizen unter einem Fahrdraht nicht erwünscht sei, wurde ebenfalls negiert.
Weil die Verträge zwischen SBB-Immobilien und SBB-Historic auch im
Jahr 2017 immer noch nicht abgeschlossen sind, konnte die Übernahme der Gebäude im Baurecht
bisher nicht erfolgen. Mindestens wurde von Seiten SBB-Historic inzwischen teilweise definiert, welche Gebäudeteile man nicht übernehmen wird.
So ist klar, dass Historic das (zum Verkauf stehende) Dienstgebäude und die südlich der Schiebebühne gelegenen Gebäulichkeiten nicht übernimmt.
Das ausserhalb des Areals liegende neue Badhaus wurde inzwischen von der Gemeinde Erstfeld gekauft. Dort soll eine Kinderspielgruppe ihr Domizil finden.
Bereits Anfang 2017 wurde das Team Erstfeld angewiesen, die südliche Dampfremise und den südlichen Werkstättenteil (ehemalige Lokomotiv-Waschanlage) zu räumen.
Dieser Anordnung wurde durch das Team Erstfeld nachgekommen und das dort eingelagerte Material neu im Werkstättenteil 1895 abgestellt, um die Gänge in der grossen Remisenhalle mit ihren historischen Fahrzeugen nicht voll zu stellen.
Bei diesem Material handelt es sich einerseits um Gebrauchsmaterial (Absperrmaterial, Alltagswerkzeuge, Funkgeräte, Lampen etc.), aber auch um Spezialwerkzeuge für die historischen Lokomotiven, sowie auch um Ersatzteile für die in Erstfeld stationierten historischen Loks (Ce 6/8II, Ae 6/6).
Diese Werkzeuge und Ersatzteile wurde von Team-Mitgliedern gezielt gesammelt, und teilweise sogar vor der endgültigen Entsorgung gerettet.
Am Sonntag 7. Mai 2017 erfolgte dann die offizielle Wieder-Eröffnung des "neuen" Depots Erstfeld
durch SBB-Historic.
Grosse Töne waren dabei zu hören.
So sagte der Urner Ständerat und Mitglied des Historic-Stiftungsrates Isidor Baumann, Erstfeld sei ein spezielles Depot, in dem nun nach dem Rückzug von SBB-Cargo viel Platz frei geworden sei. Das sei ausbaufähig.
Weiter meinte er auch: "... Wir müssen die Gotthard-Legende aufleben lassen…".
Der (Noch-)Geschäftsleiter von SBB-Historic Walter Hofstetter wies in
seiner Ansprache auf die neu konzipierten Depot-Führungen unter dem Titel "Entlang der Bergstrecke" hin.
Dieses Angebot besteht aus einem roten Leuchtband, welches die Bergstrecke dreidimensional symbolisiert.
Diesem "roten Faden" entlang sind einige Holzverschläge aufgebaut, in welchen Artefakte, Pläne und Fotos gezeigt werden.
Sie sollen wohl bei den zukünftigen Führungen als "Aufhänger" und Stichwortlieferant dienen.
Zu den effektiven Inhalten dieser Führungen kann und will ich mich nicht äussern.
Allerdings ist für mich unverständlich, wie man in unserem multimedialen Zeitalter, nota bene mit einem grossen
historischen Bild und Filmarchiv im Rücken, so ein biederes Angebot realisieren kann.
Finanzielle Gründe können es nicht gewesen sein, denn für den jetzt aufgewendeten Betrag hätte man meines Erachtens weit mehr realisieren können.
Zudem ist das Angebot, zumindest so wie ich es am 7. Mai gesehen habe, nur mit Führer nutzbar, denn der Informationsgehalt der entsprechenden Schaukästen ist ohne entsprechende mündliche Erklärung faktisch Null. Gegenstände, Pläne und Bilder nur mit einem Titel zu versehen und unerklärt zu lassen, ist billiges und unprofessionelles Machwerk.
Wenn man, wie das bei den Ansprachen ebenfalls angeführt wurde, zukünftig das Depot auch für private Events zur Verfügung stellen möchte, sollte ein solches Angebot, zumindest in den Grundzügen, selbstführend und selbstinformierend sein.
Alles Andere bindet unnötig personelle Ressourcen. Aber scheinbar steht genügend ausgewiesenes Personal zur Verfügung.
Dass man es in Windisch eigentlich besser könnte, hat man am Tunnel-Fest im Juni 2016, zumindest Ansatzweise, gezeigt.
Weshalb man für dieses Angebot auch noch ein halbes Hallengleis opfert, obwohl im Depot Erstfeld hierfür ausreichend weiterer Platz vorhanden gewesen wäre, wissen wohl nur die auf einer grossen Tafel an der Wand verewigten Macher und die Geschäftsführung von SBB-Historic.
Ob man im Depot Erstfeld, die von Stiftungsrat Isidor Baumann geäusserte Absicht "… Wir müssen die Gotthard-Legende wieder aufleben lassen …" mit diesem Angebot erfüllen kann?
Ich hoffe es.
Ursprüngliches Intro
Meine Vorstellungen gingen zumindest in eine andere Richtung.
Aber mein bereits Ende 2015 in Deutsch und Englisch vorliegender Vorschlag für den historisch-informativen Teil der Depotführungen, fand bei den hierfür Verantwortlichen kein Interesse.
Im Sinne einer "Verwertung ungenutzt vertaner Arbeitsstunden", stelle ich meinen
Entwurf einer PowerPoint-Präsentation hier ein.
Benötigte Zeit: 45 Minuten.
Selbstverständlich hatte die Präsentation damals auch das passende Historic Team-Intro.
Kaum sind die Schalmeien der Neu-Eröffnung verklungen geht der Abbau im Lokomotivdepot Erstfeld durch SBB-Historic munter weiter.
Das Team wurde angewiesen, auch die Werkstätte 1895 umgehend zu räumen, denn die Werkstatthalle wird fremdvermietet.
Einerseits übernimmt ein Privatmann das Gleis mit der Radsatz-Schleifanlage und bietet zukünftig allen EVUs dort seine Dienste an.
Die restlichen Gleise und die Halle werden ebenfalls fremdvermietet (HARSCO?).
Das Team Erstfeld steht nun vor der Frage, wo all das Material deponiert werden soll.
Dass SBB-Historic selbst in Sachen Ersatzteil-Management für die historischen Fahrzeuge so ihre Mühe hat, habe ich bereits früher dargelegt.
Eine der eingangs erwähnten Möglichkeiten für eine teilweise Selbstfinanzierung in Erstfeld, stützte sich auf die 1999 vom damaligen SBB-Chef Benedikt Weibel gemachten Überlegungen von einer "gläsernen Werkstatt für fahrbare historische Lokomotiven".
Der Unterhalt an historischen Fahrzeugen ist aufwendig und teilweise nur von Fachpersonal zu erledigen.
Die Werkstätte in Erstfeld hätte (auch mit der vorhandenen Radsatz-Schleifanlage) durchaus die Möglichkeit gegeben, einen bis zwei Fachkräfte mit hohem Selbstfinanzierungsgrad zu beschäftigen.
Einerseits mit der Erledigung von Arbeiten an den eigenen Lokomotiven und Wagen, welche man jetzt für teures Geld andernorts machen lassen muss, andrerseits durch das Angebot zur Erledigung solcher Arbeiten für andere (historische) EVUs.
Die SOB macht es in ihrem Depot Samstagern bestens vor.
Aber, wie ich bereits früher ausgeführt habe, ist solches bei SBB-Historic nicht opportun, weil die hierfür notwenigen Visionen und Ideen fehlen.
Der letzte Erstfelder Wasserkran an Gleis C4,
kurz vor seinem Abbau.
In diesem Zusammenhang dürfte auch die Geschichte des Erstfelder Wasserkrans interessant sein, weil wohl symptomatisch für den Umgang von SBB-Historic mit "Erstfeld" und der Gotthardbahn-Historie:
Dieser Wasserkran - ursprünglich an Gleis C4 auf der Ostseite der
Remisenhalle 1920 aufgestellt und vor ein paar Jahren in Freiwilligenarbeit von zwei Lokführern betriebsfähig restauriert - musste den Anlagen des EIZ weichen.
Die Projektleitung des EIZ konnte durch den damaligen Präsideten des Teams Erstfeld überzeugt werden (SBB-Historic sah hier absolut keinen Handlungsbedarf!), dass sie für Realersatz verantwortlich ist.
Eine Lösung wurde darin gefunden, dass zu Lasten des EIZ-Bauprojektes eine Umplatzierung auf Gleis C12 (westlich der Remisenhalle 1920) vorgenommen würde.
Weil das Depot noch von SBB-Cargo genutzt wurde und sich damals am vorgesehenen Standort eine provisorische Anlage für die Lokbesandung befand, war zu diesem Zeitpunkt eine Realisierung noch nicht möglich.
Da andrerseits die Baukostenabrechnung für das EIZ abgeschlossen werden musste, überwiesen die SBB den für die Neusetzung des Wasserkrans notwendigen Betrag an SBB-Historic.
Der benötigte Betrag war vorgängig durch eine Offerte des Bauunternehmens Implenia für die Neuplatzierung und Neuanschliessung an der Wasserversorgung errechnet worden.
Unternommen wurde von SBB-Historic bis heute in dieser Sache nichts.
Der Wasserkran rostet neben der Baracke der Urner Eisenbahnamateure still vor sich hin und das Geld der SBB ist wohl im grossen Loch von SBB-Historic nicht mehr auffindbar...
Auch wenn dies SBB-Historic anders sieht und Urner Politiker versuchen das
Problem schön zu reden.
Die oben geschilderten Fakten bestärken mich in meiner bereits früher hier geäusserten Meinung, dass SBB-Historic die touristische und historische Verantwortung für die historische Gotthard-Bergstrecke nicht einmal in Ansätzen im Griff hat.
Nur weil es SBB-Historic inzwischen gelungen ist, die "Warner" (und Ideenlieferanten) aus dem Historic-Team Erstfeld zu eliminieren, bleibt das Grundproblem bestehen: SBB-Historic.