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30. Oktober bis 3. Dezember 2006
Hayes Sharon___10 Minutes of Collective Activity
In Sharon Hayes Videoarbeit 10 Minutes of Collective Activity ist die Kamera frontal auf ein Publikum gerichtet, das sich Archivaufnahmen der Ansprache von Senator Abraham Ribicoff, die er am Nationalkongress der Demokratischen Partei 1968 in Chicago, Illinois, hielt, anschaut. Diese Ansprache zur Ernennung von Senator Georg McGovern, eines überzeugten Gegners der amerikanischen Intervention in Vietnam, verdeutlicht die Kontroversen und Widersprüche, die nicht nur die Partei spalteten, sondern auch das ganze Land. Während des fünftägigen Kongresses rief der Bürgermeister von Chicago, Richard Daley, die Nationalgarde zu Hilfe, um die Demonstrationen vor dem Gebäude zu unterdrücken. Aufnahmen des Polizeieinsatzes am dritten Tag der Versammlung, bei welchem Demonstranten niedergeknüppelt worden waren, wurden in den landesweiten Fernsehsendern ausgestrahlt. Diese Ereignisse vor dem Kongresszentrum führten zu grossen Auseinandersetzungen während des Kongresses selbst und zahlreiche Motionäre verlangten die Einstellung des Kongresses. Ribicoff, der an diesem dritten Tag zu den Abgeordneten sprach, bezog sich in seiner Rede spontan und direkt auf die stattfindenden Demonstrationen. Seine Aussage, dass wenn George McGovern gewählt wäre, solche an die Gestapo erinnernden Taktiken in den Strassen von Chicago nicht angewendet würden, hatte heftige Reaktionen seitens des Bürgermeisters Daley und dessen Anhänger zur Folge. Sie standen auf und unterbrachen Ribicoff lauthals.
„10 Minutes of Collective Activity“, konzipiert als Einkanalvideoinstallation, stellt dieses konkrete historische Ereignis mit Zuschauern nach und verdeutlicht einmal mehr Sharon Hayes intensive Beschäftigung mit Themen wie Geschichte, Erinnerung und dem Raum dazwischen.
In den letzten zehn Jahren hat sich die Künstlerin Sharon Hayes intensiv mit künstlerischen Strategien zwischen Videokunst, Performance und Installation beschäftigt. Ihr Interesse gilt dabei immer der künstlerischen Untersuchung von den komplexen Verhältnissen zwischen Geschichte, Politik und dem Prozess der individuellen wie kollektiven Wahrnehmung. Zu diesem Zweck benutzt sie konzeptuelle wie methodische Ansätze aus den Bereichen des Theaters, des Films, der Anthropologie, der Linguistik und des Journalismus. Hayes Schaffen untersucht die heutigen politischen Gegebenheiten, indem sie sich mit historischen Parallelen beschäftigt wie beispielsweise in „10 Minutes of Collective Activity“ oder den Tonbandaufnahmen, die Patricia Hearst bzw. die Symbionesische Befreiungsarmee (SLA) 1974 den Eltern der Entführten zusandten. Die im Werk genutzten performativen Strategien dienen dazu, die historischen Gegebenheiten zu filtern und den Bruch zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart bewusst werden zu lassen – zwischen dem Original und seiner Interpretation. In ihrer jüngsten Arbeit „After Before“ widmet sich Sharon Hayes der Gegenwart bzw. der Erwartung an die Zukunft. Das Stück ist halb Fiktion, halb Dokumentation, bei dem zwei Personen im September 2004 in den Strassen von New York öffentliche Meinungen einholen – nur gerade zwei Monate vor den US-Präsidentschaftswahlen.