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Fed Cup Schweiz - Slowakei 2005

zurück zur Startseite Last updated: 13.05.2007
1. Runde der Weltgruppe II im Fed Cup 2005 am 23./24. April 2005 in Neuchâtel (SUI)
|Schweiz:

Myriam Casanova
Timea Bacsinszky
Gaëlle Widmer
Stephanie Vögele
|Slowakei:

Martina Suchá
Ľubomíra Kurhajcová
Stanislava Hrozenská
Eva Fislová
In der neu geschaffenen Weltgruppe II (9.-16. platzierte Nationen des Fed Cup) trafen mit der Schweiz und der Slowakei zwei Mannschaften aufeinander, die nicht in ihrer Bestbesetzung antraten. Für die Spielerinnen geht es immer darum, den Einsatz mit der Nationalmannschaft im Fed Cup gegen die anderen Ziele auf der Profitour abzuwägen. Aber natürlich wollen die Fans gerne die besten Spielerinnen des Landes sehen.
Bei den Schweizerinnen fehlten die drei
bestklassierten Spielerinnen:
Patty Schnyder (WTA 13) zog sich noch dem verlorenen Erstrundenspiel in La Manga aus dem Fed Cup-Team zurück. Damals wurde sie für das entscheidende Doppel nicht berücksichtigt, in welchem Casanova/Gagliardi gegen Spanien unterlagen.
Emmanuelle Gagliardi (WTA 105, Doppel 31) ihrerseits spielt nicht mehr für das Fed Cup-Team, weil sie von Swiss Tennis nicht für die olympischen Spiele im Doppel angemeldet worden war, sondern Schnyder/Casanova.
Marie-Gaiané Mikaelian (WTA 152) ist noch gar nie für die Schweiz angetreten. Die schweizerisch-armenische Doppelbürgerin ist zur Zeit ohnehin verletzt.
Die Slowakinnen konnten wie bereits in der
letzten Saison nicht auf ihr Aushängeschild Daniela Hantuchovà (WTA 25)
zählen. Sie bereitete sich auf das Sandplatzturnier in Warschau vor und stellte
sich deshalb für die Begegnung vom Wochenende auf Hardcourt nicht zur
Verfügung.
Dem slowakischen Verband steht dank 13 Spielerinnen in den Top 260 der Weltrangliste eine weit breitere Spielerinnendecke zur Verfügung. Wobei man sich weiter vorne an der Weltspitze natürlich noch eine oder zwei Spielerinnen mehr wünschen würde.
Mit Ľudmila Cervanová (WTA 88) und Henrita Nagyová (WTA 161, Doppel 135), die sich beide auf das Sandplatzturnier in Estoril vorbereiteten, fehlten den Osteuropäern zwei weitere nominell starke und auch erfahrene Fed Cup-Spielerinnen.
Neben der guten Doppelspielerin Nagyová stand auch Jeanette Husárová (WTA-Doppel 13) nicht zur Verfügung.
Für die Begegnung in Neuchâtel blieb die in
der Weltgruppe II topgesetzte slowakische Mannschaft favorisiert. Dank des Fed
Cup-Triumphs 2002 und den guten Resultaten in den vergangenen beiden Jahren
steht die Slowakei auf Rang 4 der Nationenwertung des Federations Cup.
Die beiden Schweizerinnen Casanova und Bacsinszky sind zur Zeit auf den ersten 200 Rängen der Weltrangliste nicht mehr anzutreffen. Die Hoffnung, dass sie zu Hause gegen dieses slowakische Team aber Chancen haben werden, war trotzdem durchaus berechtigt.
Dass ich Sympathien für die Slowakei hege, ist
ja durchaus kein Geheimnis. Deshalb war die Affiche alleine schon ein Highlight
für mich. Meine beiden Lieblingsteams treffen aufeinander. In punkto
Nationalhymne stand es nach der Eröffnungszeremonie nach aber bereits 1:0 für
die Schweiz. Die slowakische Hymne klang so traurig, ich hätte beinahe zu
Weinen begonnen. ;-)
Und auch stimmungsmässig hatte die Schweiz als Heimteam verständlicherweise die Vorteile auf ihrer Seite. Trotz nur etwa an die 1000 Zuschauer war die Stimmung, wie auf Bild 2 zu erahnen, Fed Cup würdig.
1:0 Timea Bacsinszky - Martina Suchá 6:4 6:3
In meiner optimistischen Einschätzung für
einen 4:1-Sieg des schweizerischen Teams war diese erste Partie die einzige, die
ich der Slowakei zugeschrieben hätte. Denn die Teamleaderin Martina Suchá (WTA
61) konnte gegen die schweizerische Nummer zwei antreten. Timea Bacsinszky (WTA
320) hatte kürzlich im Ranking viele Ränge eingebüsst, da sie beim
75'000 $-ITF in Dinan ihre Vorjahresfinalqualifikation nicht wiederholen konnte.
Dafür stand sie vor einer Woche im Final des 25'000$-ITF in Biarritz.
Doch nicht die Resultate waren ausschlaggebend für meine Prognose. Denn Bacsinszkys 24-jährige slowakische Gegnerin kann mit einer Bilanz 4:11 in dieser Saison alles andere als glänzen. Nein, ich hatte die 15-jährige aus Belmont-sur-Lausanne an den Australian Open beobachtet. Und da fehlte doch noch ein Schritt vom Juniorentennis bis zu den Profis. Vor allem war sie zu unkonstant in ihrem Spiel. Sie müsste auch an schlechten Tagen ein gewissses Level halten können.
Doch Timea hatte sich dank den beiden ITF-Turnieren nach ihrer Wettkampfpause gut für den Fed Cup warmgespielt. Sie startete gut in die Partie, musste aber das frühe Break zum 1:2 hinnehmen. Doch sie konnte mit dem Tempo von Suchá durchaus mitgehen und blieb dran. Ihr zweiter Aufschlag hat sich seit den Australian Open verbessert, hatte ich das Gefühl. Ab und zu gab es zwar einen Doppelfehler. Aber grundsätzlich hatte sie in ihrem zweiten Service eine sehr gute Länge und spielte ihn mit Kick. Etwas, dass man bei den meisten Spielerinnen im Damentennis nicht sieht. Ihre Vorhand hat noch Verbesserungspotential. Mit viel Top-Spin gespielt hat sie bei schnellen Bällen Probleme, mit dem Tempo mitzugehen. Da gibt es zu oft einen hohen oder zu kurzen Ball von ihr, da sie ihn ganz sicher nicht im Sweet Spot, oft sogar am Rahmen trifft.
Die junge Schweizerin fühlte sich in der Fed Cup-Athmosphäre von Neuchâtel wohl und hatte einen guten Tag erwischt. Dank ihrem ersten Break konnte sie die Partie wieder ausgleichen. Beim wichtigen Aufschlagspiel bei 4:4 im ersten Satz zeigte sie sich sehr stark und legte vor. Nach dem Seitenwechsel war es dann an Martina, nachzuziehen. Doch Bacsinszky nutzte die sich bietende Chance und schnappte sich den Satzgewinn. Im zweiten Satz zog sie nun gleich bis auf 4:1 davon. Martina Suchá fehlte ein wirklicher Winnerschlag in ihrem Repertoire, um die Juniorin in ihre Schranken zu weisen. Ohne einen Durchhänger spielte die 15-jährige die Partie konstant herunter und brachte die Schweiz verdient mit 1:0 in Führung.
Der Zweisatz-Sieg war nun doch eine Überraschung und er bedeutete für mich eigentlich schon die Vorentscheidung. Nach diesem Auftritt der schweizerischen Nummer zwei gegen die slowakische Teamleaderin war die Ausgangslage für die Schweizerinnen wirklich perfekt.
1:1 Myriam Casanova - Ľubomíra Kurhajcová 0:6 0:6
Doch erstens kommt es anders und zweitens als
man denkt...
Wir waren wirklich gespannt auf den ersten Auftritt von Myriam Casanova (WTA 229) seit den US Open im letzten September. Vielleicht ist diese Fed Cup-Begegnung auch ihre Abschiedsvorstellung. Bezüglich ihrer Stoffwechselkrankheit ist keine Besserung in Sicht und deshalb wird die 19-jährige im Sommer eine KV-Lehre beginnen. Die Option Tennis bleibt aber wohl im Hinterkopf.
Beim Einspielen waren wir von der
Tenniskünsten ihrer Gegnerin nicht sehr überzeugt. Zu offen und unbeweglich
stand Ľubomíra Kurhajcová
(WTA 135) zu den Bällen.
Der erste Punkt des Matches: Starker Auschlag von Myri durch die Mitte. Der Ball kam gerade so über das Netz zurück und sie konnte ihn in die rechte Ecke versenken. Den nächsten Punkt verlor sie zwar, aber wir waren uns einig: "Kurhajcová kann das Tempo nicht mitgehen. Myri wird sie vom Platz schiessen." Doch auch die nächsten Punkte gingen verloren und das Game war weg. Das zweite Game war umkämpft, doch Kurhajcová schlug gut auf und sicherte sich das Spiel. Ab diesem Zeitpunkt nahm das Übel seinen Lauf. Myriam Casanova wollte eigentlich loslegen wie die Feuerwehr, doch sie beging viel zu viele Fehler. Und so langsam setzte der Schockzustand bei uns ein. Wir konnten es nicht fassen. Denn die Slowakin, die in diesem Jahr erst ein einziges Match gewonnen hat, beging einfach keine Fehler. Es stand bereits 5:0, als Kurhajcová der erste unerzwungene Fehler unterlief. Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, begann sie nun auch noch Winner aus dem Ärmel zu zaubern. Angefangen beim starken Aufschlag konnte sie die Schweizerin mit harten Schlägen in Bedrängnis bringen. Da zeigte sich die mangelnde Fitness bei der Altstätterin. Neben zu vielen Fehlern war sie auch beim Weg in die Ecken viel zu langsam. Speziell auf der Vorhandseite war sie oft zu spät und musste alles auf eine Karte setzen.
Bild 4 zeigte die überraschte slowakische Bank nach dem glasklaren Gewinn des ersten Satzes zu Gunsten Kurhajcovás.
Im zweiten Satz ging die Kurhajcová-Show weiter. Beim Stande von 3:0 hämmerte die 180cm grosse Spielerin aus Bratislava doch tatsächlich 3 Asse nacheinander auf die andere Seite. Ich fühlte mich an den beeindruckenden Auftritt von Alicia Molik in der ersten Runde der Australian Open gegen Anabel Medina Garrigues zurückerinnert. Ľubomíra pushte sich wirklich in einen Spielrausch hoch. Und ich konnte es wirklich nicht fassen. Denn in diesem Jahr weist sie eine Siegesbilanz von 1:7 auf. Dabei unterlag sie Spielerinnen wie Tzipora Obziler, Tatiana Perebiynis und Sandra Klösel. Und heute fertigte sie Myriam Casanova in 37 Minuten ab. Und das verdient. Die Brille -0-0- geht völlig in Ordnung. Lediglich im letzten Game kam Myri nochmals auf Einstand heran. In der gesamten Partie besass sie keinen einzigen Spielball.
Was nun?
Es stand zwar 1:1, aber wie um alles in der
Welt könnte Schweiz zwei weitere Punkte gewinnen? Bacsinszky im Einzel war
klar. Das wär's dann aber auch...
Was macht man nach so einer katastrophalen Niederlage. Tritt Myriam morgen nochmals an? Wird sie überhaupt aufgestellt? Sollte ihre gesamte Karriere sogar auf diese Weise enden?
Wir wussten es nicht. Myriam hätte wenigstens die Klasse um zu punkten, wenn es denn läuft. Denn die 14-jährige Stephanie Vögele (WTA 723) ist unbestritten eine Hoffnung für die Zukunft. Aber ein Einsatz käme zu früh. Doch was, wenn es in die Abstiegsspiele geht im Sommer. Wer würde dort spielen? Bacsinszky/Vögele? Es wäre eine Vorbereitung. Auf dem Bild sehen wir die junge Aargauerin während des Trainings zwischen den Partien. Die Vorhand à la Nadal beziehungsweise Berasategui. Die macht was her.
Im Doppel wäre Myriam sicherlich eine Hilfe. Doch damit sie dort gut spielt, sollte sie auch im Einzel antreten. Um etwas ins Spiel zu finden und Sicherheit zu gewinnen. Doch was, wenn es im Einzel wieder eine Klatsche gibt? Fragen über Fragen.
1:2 Myriam Casanova - Martina Suchá 0:6 6:7
Myriam Casanova trat am Sonntag im Duell der
beiden Nummern eins wieder an. Es begann etwas besser als am Vortag, der 0:6
0:6-Bann lag immer noch auf der Schweizerin. Sie nahm Tempo aus ihrem Spiel und
versuchte erst einmal, Sicherheit zu gewinnen. Meiner Meinung nach der richtige
Entscheid. Und Martina Suchá half ihr dank einigen Fehlern besser ins Spiel zu
finden. Doch mit dem Resultat wollte und wollte es einfach nicht klappen.
Aber Myriam kämpfte und hängte sich wirklich rein, da kann man ihr gar keinen Vorwurf machen. Das tat sich auch bereits am Samstag, doch es nützte nichts. Heute ging der erste Satz im Gegensatz zu gestern unverdient mit 0:6 verloren.
Gegen Ende des ersten Satzes änderte Myri ihre Taktik. In den langen Ballwechseln war letztendlich gegen Martina Suchá nichts zu gewinnen. Dafür war diese zu konstant und die Schweizerin zu langsam auf den Beinen. Aber mit Winnern könnte Casanova zu schnellen Punktgewinnen kommen. Mittlerweile war die Sicherheit etwas zurückkehrt und somit konnte sie wieder mehr riskieren. Nach dem ersten Satz nahm sie eine (taktische?) Verletzungspause.
Und nach 18 verlorenen Spielen in Folge kam die Erlösung: Endlich der erste Spielgewinn für die 19-jährige! Doch auch nach dem 1:0 blieb die Slowakin gut im Spiel und zog wieder auf 1:3 weg. Welches Potential in dieser Myriam Casanova steckt, konnte sie uns doch noch zeigen. Es ist ein Jammer, wenn sie ihre Karriere tatsächlich beendet. Sie traf die Bälle und hatte ihre Gegnerin nun von A bis Z im Griff. Es war ganz alleine die Schweizerin, die über die Sieg oder Niederlage entschied. Vom 1:3 zum 5:3 versetzte sie uns nun in eine Euphorie. Alles schien sich zum Guten zu wenden. Doch bei 5:3 und eigenem Aufschlag muss sie den Sack zumachen, um in den entscheidenden dritten Satz zu kommen. Das gelang ihr nicht. Martina Suchá zeigte beim 4:5 ein exzellentes Aufschlagspiel und konnte ausgleichen. Ausser in diesem Game war ihre Quote beim ersten Service gegen Ende des Matches so gegen die 0% gesunken, würde ich sagen... Frauentennis in Reinkultur gab es zu sehen. So etwas wäre bei den Männern undenkbar. Casanova verlor das dritte Game in Folge zum 5:6. Suchá, die vorhin so stark gegen den Satzverlust aufschlug, kassierte nun ihrerseits klar das Break zum 6:6. Der Tie-Break war von unerzwungenen Fehlern geprägt und verlief nach gutem Beginn dann zu ungunsten der Schweizerin. Sie lag 3:6 zurück und konnte zwei Matchbälle abwehren. Doch dann war es um Casanova geschehen. Letztendlich eine unglückliche Niederlage für die Schweiz, wenn man sieht, wie nahe Myriam Casanova am Satzausgleich stand und wie sie das Spiel zwischenzeitlich dominieren konnte.
Das Spiel war auf schwachem Niveau geführt worden. Nach Papierform hätte dieses Match der beiden Nummern 1 das Highlight des Wochenende bedeutet. Vor allem im ersten Satz fehlte das Tempo und dennoch gab es Fehler zu Hauf. Martina Suchá konnte im Gegensatz zu Kurhajcová das Spiel nicht durch Gewinnsschläge bestimmen. Sie spielte einfach mit, was ihr letztendlich sogar zum Sieg gereicht hat. Aber im Vergleich mit einem Spiel wie zum Beispiel Kirilenko-Kapros, beides knapp Top 100-Spielerinnen, die in der ersten Runde von Melbourne aufeinander trafen, zieht diese Fed Cup-Partie ganz klar den Kürzeren.
2:2 Timea Bacsinszky - Ľubomíra Kurhajcová 3:6 6:4 6:3
Ľubomira Kurhajcová. Ihr könnt Euch
nicht vorstellen, wie oft ich diesen Namen am Samstagabend und am Sonntag vor
mich hergesprochen habe. Ich war entsetzt. Ich wäre eigentlich zum
Kurhajcová-Fan avanciert. Aber doch nicht am Fed Cup!?
Da kommt die 22-jährige mit 6 Erstrundenniederlagen aus 7 Turnieren in diesem Jahr an den Fed Cup und demoliert Myriam Casanova mit 6:0 6:0. Dabei hat sie doch in diesem Jahr noch keinen Ball getroffen?? Es musste nun einfach ein Sieg für Timea Bacsinszky her!
Die Lausannerin liess sich auch vom
1:2-Rückstand nicht beirren. Einen Vergleich kann man zwischen Bacsinszky und
Kurhajcová ziehen. Beide traten in dieser Saison bereits gegen Ľudmila
Cervanová an. Kurhajcová holte ihren einzigen Sieg, während Timi in drei
Sätzen unterlag.
Zu Beginn war zu spüren, dass Bacsinszky einen Weg gegen die Slowakin finden kann. Das Spiel war bis zum 4:3 für Kurhajcová ausgeglichen. Dann konnte Lubka aber zulegen und den ersten Satz überraschend schnell zu ihren Gunsten entscheiden. Die Schweiz war nun nur noch einen Satzverlust vor dem Ausscheiden entfernt.
Diese Partie hatte es nun wirklich in sich. Das
wurde auf einem Match hohen Niveau ausgetragen. Als einziges an diesem
Wochenende. Timi überzeugte vor allem mit ihrer Rückhand. Die ist jetzt schon
Weltklasse! Und auch in punkto Schnelligkeit und Wendigkeit wurde uns einiges
geboten. Beide machten Druck und beide kämpften in der Defensive bis zum
Letzten. Der sehr langsame Belag tat das seine dazu, dass noch viele Bälle
erlaufen werden konnte. Und ich habe endlich eine starke Vorhand von Timi
gesehen. Nämlich die, wenn sie einen Ball gerade noch so erläuft und in
Coria-Manier mit einem Slice zurückbringen kann. Ihr bester Schlag auf der
Vorhandseite. Und auf der Rückhandseite trifft sie sowieso beinahe alles.
Beeindruckend ihre "Netzangriffe", die sie auf der Rückhandseite 6x
erfolgreich mit der durchgezogenen, beidhändigen Rückhand abschliessen konnte.
Vor allem das Spielverständnis sticht bei der erst 15-jährigen Lausannerin hervor. Natürlich muss sie noch einiges lernen, aber die Tempowechsel, der Kickservice beim zweiten Aufschlag, die Top-Spin-Vorhand (auch wenn sie die noch stark verbessern muss), das sieht alles sehr gut aus. Volley muss sie noch üben. Aber das ist nicht nur ein Haudrauf-Tennis wie bei einer Sharapova, sondern da sind Variationen drin.
Und schliesslich konnte sich Timi durchsetzen. Das auch verdient, finde ich. Wobei Ľubomira Kurhajcová durchaus die Möglichkeiten gehabt hätte, zur Heldin des Wochenendes zu werden. Ľubomira Kurhajcová, die in Neuenburg nach einer bisher katastrophalen Saison aus heiterem Himmel ihr bestes Tennis ausgepackt hat. Ich hatte erbittert gegen sie Partei ergriffen. Denn wir sind hier beim Fed Cup und nicht beim Schach. Und der Sieg war so wichtig für die Schweiz. Aber ich schwöre, wenn ich Lubka das nächste Mal spielen sehe, werde ich mich auf ihre Seite stellen. Ich bin seit Samstag ein Kurhajcová-Fan. Obwohl sie bei bisher 8 Grand Slam-Teilnahmen auch bereits 8x in der ersten Runde gescheitert ist...
3:2 Myriam Casanova / Timea Bacsinszky - Stanislava Hrozenská / Eva Fislová 6:3 6:2
Es kam also tatsächlich noch zum
entscheidenden Doppel. Myriam Casanova (WTA-Doppel 183) hatte sich im Einzel an
der rechten Hüfte bzw. dem Bein verletzt, liess sich aber für das fünfte
Match fitspritzen.
Das Timea Bacsinszky (WTA-Doppel 452) spielen würde, war unbestritten. Nach ihren zwei Siegen im Einzel brachte sie die Winner-Mentatlität mit auf den Platz, auch wenn ihre Doppelkünste noch etwas zu wünschen übrig lassen. Zwar stand sie zuvor beinahe zwei Stunden auf dem Platz. In so einer Situation und bei so einer Ausgangslage ist aber die Gefahr sehr gering, dass sich bei ihr die Müdigkeit breit macht.
Für die Slowakei spielten Hrozenská (WTA-Doppel
161) und Fislová (WTA-Doppel 179). Eine Entscheidung, über die man durchaus
diskutieren kann. Die beiden haben praktisch keine Fed Cup-Erfahrung und hatten
an diesem Wochenende noch keinen Einsatz, um ins Spiel zu kommen. Dafür spielen
sie auf der WTA-Tour bereits seit einem dreiviertel Jahr zusammen Doppel. Ein
Punkt, der wieder für sie spricht.
Martina Suchá ist im Doppelranking der WTA nicht aufgeführt. Kurhajcová stünde auf Rang 97. Mit ihrem Aufschlag hätte sie wohl einige Impulse setzen können. Aber ihr Volley ist glaube ich nicht so stark. Das sahen wir beim Einspielen im Einzel. Das eigentlich tragische für die Slowakinnen ist, dass keine der starken Doppelspielerinnen Husarová, Hantuchová oder Nagyová in Neuchâtel mit von der Partie war.
Der Sieg für die Schweizerinnen war zum Glück
nie in Gefahr. Von Beginn weg waren sie ihren Gegnerinnen immer einen Gedanken
voraus. Am stärksten traten sie auf, wenn Timea Bacsinszky am Service war. Dann
nämlich konnte sie von hinten Druck machen und Myriam Casanova konnte am Netz
die Punkte abschliessen. Myri war die einzige der vier Spielerinnen, die am Netz
überhaupt (positiv) in Erscheinung getreten ist.
Die Slowakinnen fanden nicht ins Spiel. Im Fed Cup ist es möglich, als Doppelspielerin zur Fed Cup-Heldin zu werden. Im Gegensatz zum Davis Cup zum Beispiel, wo das Doppel als dritte Partie ausgetragen wird. Hier hätten Hrozenská/Fislová also nur mit einem einzigen Auftritt im entscheidenden Doppel den Sieg für die Slowakei sichern können. Davon waren sie aber weit entfernt.
Das Spiel selbst war grottenschlecht. Man konnte an einer Hand abzählen, wie oft beide Spielerinnen des selben Teams zusammen vorne am Netz standen. Das ist einfach eine Katastrophe bei den Frauen. Da wird viel zu defensiv gespielt.
Der Sieg der Schweizer Aussenseiterinnen verdient Anerkennung. Für allem für Timea Bacsinszky könnte dieser ein zusätzlicher Schub nach vorne bedeuten. Ein Aufstieg in die Weltgruppe I im Juli wäre natürlich etwas vermessen. Aber es ist gut, kann man sich nach oben orientieren und muss nicht in Richtung Europa-/Afrikazone blicken. Eine Patty Schnyder oder Emmanuelle Gagliardi müssten aber in das Team zurückkehren, damit man das gute Niveau halten kann.
Ich persönlich muss sagen, ich war begeistert von diesem Fed Cup-Wochenende. Nicht unbedingt vom Niveau der Partien. Aber von der Spannung, dem Überraschungseffekt der Partien und der Stimmung. Zuvor war ich noch nie an einer Davis Cup- oder Fed Cup-Partie gewesen. Aber dieses Wochenende war ganz sicher nicht das letzte, an dem ich mit dabei gewesen bin. Es war eher ein Beginn...
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