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Den Burger meines Lebens ass ich mit J. J. Cale. Ja, wirklich wahr: mit dem grossen J. J. Cale, der die E-Gitarre liebkosen konnte wie kein Zweiter. J. J. Cale, der dank Songs wie «Cocaine», «Magnolia» und «After Midnight» unvergessen ist. Ich traf ihn spätnachts in einer Spelunke namens «The Catalyst». Sein Gesicht war eine Landschaft, tief zerfurcht. Mittendrin, unter buschigen Brauen, stachen die blassblauen Augen hervor, hellwach. Sonst aber sass er gebückt auf dem Holzstuhl, grummelte tief im Gaumen ein paar Worte, die dann wie ein Singen klangen, anschwellend und abfallend: «I’m an old man, you know.» Er sei ein alter Mann. Dabei hatte er seine Lieder kurz zuvor in einer Frische dargeboten, als spielte er sie zum ersten Mal.
Und nun hockte er mir gegenüber, im weissen Shirt mit der Aufschrift «Oklahoma», in Jeans und Cowboystiefeln, trank Wasser, bestellte sich einen Western Burger mit Crevetten, Zwiebeln, Pfefferschoten, «you know, the real stuff», und einer Extraportion French Fries. Ich orderte, halb aus Verlegenheit, dasselbe. Und es sollte der feinste Burger werden, den ich je gegessen habe.
Das war lange bevor der Hamburger zur Trendspeise wurde. Inzwischen muss man für einen saftigen Burger mit richtig gutem Fleisch nicht mehr um die halbe Welt reisen. Allein in unserer Stadt ist ein Dutzend Restaurants darauf spezialisiert, es gibt den «Bären»- und den «Kreuz»-Burger, selbst Fünfsternehotels setzen ihn auf ihre Speisekarte. Und jeder behauptet, er serviere den «best burger in town» … Die Welle erstaunt umso mehr, als sie wider den Zeitgeist läuft: Eigentlich ist Rindfleisch verpönt, weil es, krud gesagt, eine schlechte Ökobilanz hat. Die Aufzucht der Rinder verschlingt zu viel Futter, die Tiere brauchen zu viel Platz und furzen erst noch ein Loch in die Ozonschicht. Für Bedenkenträger gibts daher den Öko-, den veganen und den Quinoa-Burger.
Aber keiner kommt an das heran, was J. J. Cale «the real stuff» nannte. Jahre nach unserem Treffen war ich wieder an dem Ort. Mit meinen Liebsten diesmal. Seit Wochen hatte ich ihnen in den Ohren gelegen, wir würden dann den weltbesten Burger essen, während der ganzen Reise hatte ich sie gluschtig gemacht. Ich nötigte sie zu einem Fussmarsch durch die halbe Stadt, stets betonend, es lohne sich – und als wir endlich vor «The Catalyst» standen, war das Lokal geschlossen.
Vielleicht besser so. J. J. Cale, der Unsterbliche, war zu diesem Zeitpunkt schon tot. Und wer weiss, wie der Western Burger ohne ihn geschmeckt hätte? Wir gingen dann einen Salat essen. Gut fürs Klima.
Bänz Friedli live: 9. Februar, Schaan FL
Autor: Bänz Friedli
Fotograf: Bänz Friedli