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Unter Präsident Bill Clinton wurde 1994 der mehr als 300 Seiten umfassende Crime Control and Law Enforcement Act verabschiedet, auch Biden-Gesetz genannt, weil John Biden als Senator das Gesetz damals ausgearbeitet hatte. Gefangene sollten keinen Zugang mehr bekommen zu Stipendien, um Studienabschlüsse nachzuholen. Damit wollte Clinton, dem vorgeworfen worden war, Kriminellen gegenüber zu nachsichtig zu sein, ein Wahlversprechen einlösen. Viel später, nämlich unter Obama, wurde das Gesetz etwas gelockert. Aber erst 2020, unter Trump, wurde das Gesetz aufgehoben und wurden die sog. "Pell Grants" wieder eingeführt. Heute soll Biden sein damaliges Engagement bereuen.
Hinter dem Gesinnungswandel stehen handfeste Fakten: Forschungen konnten die Vorteile von schulischer Bildung für Häftlinge zeigen - nicht nur in Bezug auf den Rückgang von Gewalt im Gefängnis und die Senkung der Rückfallquote, sondern auch mit Blick auf eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Es lohnt sich ökonomisch, in die Bildung von Gefangenen zu investieren.
Spannend ist die sich daran anschliessende Diskussion, nämlich ob sich diese Rechnung auch bei Gefangenen lohne, die zu lebenslanger Haft verurteilt sind. Dazu erschien in der Zeitschrift The Atlantic das Porträt eines Afroamerikaners, der im Alter von 17 Jahren wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. John Pace, 2017 nach 31 Jahren in einem Gefängnis in Pennsylvania wegen Verfahrensfehlern entlassen, berichtet in jenem Artikel, welchen Wert Bildung für ihn gehabt habe – und zwar in einer Situation, in der er keinerlei Aussicht hatte, damit je einen Beruf ausüben und Geld verdienen zu können.
Pace hatte einen College-Abschluss nachgeholt, allerdings wegen der ausgesetzten Pell Grants in 13 langen Jahren. Dabei hätten ihm nicht nur die Kurse in Geschichte, Soziologie und Philosophie und die Bücherlektüre geholfen. Wichtig seien vor allem auch die Diskussionen darüber gewesen. Er habe dadurch Werkzeuge erhalten, sich auszudrücken. Viele würden wie er ohne Sprache ins Gefängnis kommen. Dank der Bildung habe er reifen können, habe Empathie entwickelt und sei sozial kompetenter geworden.
"Es ist bemerkenswert, dass man ausgerechnet unter Mördern im Gefängnis auf diese existentielle Wertschätzung von humanistischer Bildung als Selbstzweck stösst, die inzwischen vielerorts als unnötiger Luxus belächelt wird", schliesst der USA-Korrespondent David Signer seinen Artikel, wo man diese schöne Geschichte nachlesen kann.
Jürg Berthold
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