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Reiseberichte - Februar 2005
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28.02.2005
01.02. Mit einem Abstecher nach George Town und Low Head fahren wir ganz in den Osten zum Eddystone Point im Mt. William Nationalpark. Es gibt einen historischen, gut erhaltenen Leuchtturm aus dem Jahr 1889 sowie drei alte renovationsbedürftige Häuser. Hier treffen wir ganz unerwartet auf Debbie und Peter, die wir am Ningaloo Riff im September zum allerersten Mal gesehen hatten.
„The Bank House“ in Derby ist das älteste noch bestehende hölzerne Bankgebäude in Tasmanien. Heute dient es als Geschäft für den Verkauf von Antiquitäten und Handarbeiten. Am Ende des Dorfes gibt es einen Park am Fluss, wo man kostenlos campieren kann. Weil wir eigentlich nicht mehr weiter müssen und es noch wunderbar warm und sonnig ist, stoppen wir an diesem gemütlichen Platz.
02.02. Um fünf Uhr morgens beginnt es zu regnen. Die Farmer sind froh darum und der Schönheit der Landschaft mit kurvenreichen Strassen, grün/gelben Feldern und kräftigen Wäldern tut der leichte Regen keinen Abbruch.
In Scottsdale besuchen wir das Eco-Forest Centre, schauen uns einen informativen Film über Spezialhandwerk der Pionierzeit an und treffen bereits um die Mittagszeit wieder in Launceston ein. Am Abend setzt der angekündigte Sturm ein und in der Nacht regnet es zeitweise heftig.
03.02. Gegen Mittag klart es auf und mit dem Sonnenschein kehrt auch die Wärme zurück.
Wie glücklich wir waren, als wir mit der Fähre von Melbourne nach Devenport verschifften zeigt das gestrige Beispiel: Die abends um 09.00 Uhr von Melbourne ausgelaufene Fähre musste, nachdem sie bereits mindestens zwei Drittel der Strecke zurückgelegt hatte, nachts zwischen 03.00 und 04.00 Uhr umkehren. Über 20 Meter hohe Wellen zertrümmerten Fenster auf Deck 7, 8 und 9 und zerstörten sogar das Schutzglas des Kommandoraums. Daraufhin fielen alle Kommunikationssysteme aus und die Passagiere konnten nicht über das Lautsprechersystem informiert werden. Einzig ein rettendes Sattelitentelefon verband den Kapitän noch mit dem Festland.
Folgende zwei Geschichten erfahren wir von Leuten, die wir unterwegs auf unserer Reise kennen lernen:
Jan bemerkt morgens um sechs Uhr, dass die Sonne auf der falschen Seite aufgeht. Im Gang trifft er dann noch auf einen Mann, dessen ganzes Gesicht zerschürft und zerschlagen ist. Der Verletzte hatte vier Kabinen vor Jan und Robbie geschlafen, als eine Welle sein Kabinenfenster zerschmetterte.
Zwei andere Passagiere (Rosmarie und Kurt) erleben einen schieren Schreckmoment, als das Schiff dreht und vom Wind in eine arge Schieflage gedrückt wird. In ihnen werden Bilder wach von einer Fähre, die wegen technischer Probleme schief lag und wo alle Passagiere auf die andere Seite wechseln mussten um es einigermassen zu stabilisieren bis der Defekt behoben war.
04.02. „Abwettern“ in Launceston – Die laut Meteorologen schwersten Stürme seit Menschengedenken flauen langsam ab. In der „Bass Strait“ kann es immer rau und stürmisch sein, doch seit die Fährverbindung zwischen dem Festland und Tasmanien besteht ist es noch nie vorgekommen, dass eine so grosse Fähre umkehren musste.
05.02. Die Vorhersage lässt für Sonntag besseres Wetter erwarten und wir starten diesmal über die kurvenreichere Strecke A3 von Launceston nach Scottsdale wieder Richtung Osten.
Scottsdale-Derby kennen wir bereits von der Gegenrichtung. Nach den Stürmen am Mittwoch hat sich jedoch das Bild insofern verändert, als heute stellenweise Holz von geknickten Bäumen am Strassenrand liegt.
In Derby machen wir einen kurzen Halt zum Telefonieren und staunen nicht schlecht als wir plötzlich einen Mundart-Ausruf hören: „Zaugg Peter! - Matthias Lanz“. Peter lässt vor Erstaunen beinahe sein Natel fallen. Matthias ist am Striegel in Oftringen gleich auf der anderen Strassenseite aufgewachsen. Es ist wirklich unglaublich, was uns auf der anderen Seite der Erde alles passiert. Er wohnt mit seiner Freundin Katrina seit einem Jahr in Melbourne und macht ab heute drei Wochen Ferien in Tasmanien. Wir wollen die beiden unbedingt noch einmal treffen, denn eine solche Begegnung braucht „Nachbearbeitung“.
Am Humbug Point vernehmen wir Vogelgezwitscher und zwischendurch immer wieder einen Ton, der sich anhört, als ob jemand an einer Gitarrensaite zupft: Es ist ein Frosch, den wir allerdings einfach nicht zu Gesicht bekommen.
06.02. Nachdem es am Samstagabend noch einmal heftig geregnet hat scheint heute bereits wieder die Sonne. Die Bay of Fires offeriert viele wunderbare Gratiscampingplätze, die wir uns allesamt anschauen. Um in Europa überhaupt nur an einen solchen Strand zu gelangen müsste man ganz sicher bezahlen.
St. Helens ist ein hübscher kleiner Fischerort, der 1820 gebaut wurde. Heute leben etwa 2'600 Einwohner im Städtchen. Für Touristen ist St. Helens ein beliebter Ausgangsort für Ausflüge nach Norden oder Süden und ins Landesinnere,
Leo wohnt südlich von Scamander, ganz am Ende von Davis Gully. Seine Adresse haben wir von unserem guten Freund Paul aus Kastanienbaum bekommen. Die Wege der beiden hatten sich vor etwa dreissig Jahren das erste Mal gekreuzt als sie nach Neuseeland ausgewandert waren. Wir folgen dem 4 Mile Creek für 5 ½ Kilometer, bis wir hoch oben ein Haus auf Stelzen sehen. Es steht mitten im Busch und ist nicht ganz einfach zu finden. Aber wir schaffen es, nachdem wir uns unterwegs von einem anderen „Schweizer“ versichern lassen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Auf dem letzten Stück schalten wir den Allradantrieb ein, denn es ist so steil und ausgewaschen, dass wir uns wundern, wie Leo mit seinem Toyota Camry überhaupt je hier hoch kommt.
Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag und Abend mit Leo, welcher noch Besuch von Hansruedi (dem Schweizer, den wir unterwegs getroffen haben), seiner Partnerin Ellen und deren Cousine erhält. Leo ist sehr umweltbewusst und wir diskutieren unter anderem über die sinnlose Abholzung der Wälder für den Holzschnitzel-Export nach China oder die Papierherstellung.
07.02. Bevor wir uns um zehn Uhr auf den Weg machen wandern wir ein wenig durch Leos Wald und zum Creek. Weil Hansruedi gleich in der Nähe wohnt, statten wir auch ihm einen kurzen Besuch ab. Er ist erst seit etwa einem halben Jahr an seinem neuen Ort wird in Kürze mit dem Bau seines Hauses beginnen. Im Moment wohnt er mit Ellen im Wohnwagen und Schopf. Er schlägt uns vor den St Patricks Head von St Marys her zu besteigen und dies erweist sich als ganz geniale Idee. Die Aussicht zwar ein bisschen dunstig aber dennoch phänomenal und wir können uns wieder einmal kaum von diesen Bildern lösen.
08.02. Die Weinglass Bay ist zweifellos der Haupt-Anziehungspunkt des Freycinet Nationalparks. Sie ist rein optisch zu vergleichen mit der Costa Smeralda in Sardinien. Obwohl sehr viele Touristen den Aufstieg zum Aussichtspunkt bewältigen, besuchen die wenigsten den Strand selber. Zum Schwimmen ist es eigentlich zu kalt, mitten im Sommer gerade etwa 13°C, und wir baden nur, weil das glasklare Wasser so verlockend aussieht. Um nicht auf dem gleichen Weg zurück zu wandern wählen wir die etwas weitere, dafür nicht so steile Strecke über den Isthmus-Track, die Hazards Beach und der Küste entlang zurück zum Parkplatz. Nach insgesamt fünf Stunden Marsch erreichen wir glücklich und zufrieden den Ausgangspunkt von der anderen Seite.
09.02. Die Wanderung zum Mt Amos ist sehr steil und ziemlich anstrengend, vor allem wenn man mit einem Schlechtwettertag zum Faulenzen gerechnet hat. Aber es ist so sonnig und klar, dass wir keinen besseren Tag aussuchen könnten für die prachtvolle Aussicht, die sich uns vom Gipfel her bietet. Die Wineglass Bay präsentiert sich nochmals im besten Licht und wir sind richtig hingerissen von diesem fantastischen Bild. Es lohnt sich, dass wir früh unterwegs sind, denn um elf Uhr sind bereits alle Parkplätze belegt und es herrscht reger Verkehr auf Wanderwegen und Strassen.
Auf dem Rückweg besuchen wir den Aussichtspunkt Cape Tourville, von wo wir die ganze Küste von der Weinglass Bay im Süden bis zu den Friendly Beaches im Norden überblicken können. Den Nachmittag nutzen wir dann zum Entspannen, Lesen, Tagebuch schreiben und Bilder beschriften.
10.02. Peter fährt die über achtzig Kilometer bis zum nächsten Campingplatz mit dem Fahrrad. Beim Halt in Swansea treffen wir Rosmarie und Kurt, die auf dem Landweg über Weissrussland, China, Mongolei und Vietnam bis nach Singapur gereist sind und ihren Mercedes Camper erst dort nach Adelaide verschifft haben. Wir möchten mehr darüber erfahren und „überreden“ die beiden, im Mayfield Conservation Reserve direkt an der Great Oyster Bay zu übernachten, damit wir uns am Abend noch ein wenig unterhalten können.
Auf dem Treasure Island Campingplatz in Hobart treffen wir zum ersten Mal, seit wir unterwegs sind, viele Langzeitreisende aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Es ist sehr interessant, uns mit Leuten zu unterhalten, die teilweise noch länger reisen als wir.
Bettina, Thomas und Linus sind ein Jahr mit dem Motorrad unterwegs. Sie haben zuerst Südamerika (Argentinien, Brasilien, Chile, Bolivien) bereist und schliessen das einjährige Abenteuer mit Australien ab. Das spezielle daran ist: Thomas und Bettina sind mit zwei Maschinen unterwegs, der 5jährige Linus sitzt bei seinem Papa vorn auf der 1150er GS, und Bettina fährt eine 650er.
Jeden Samstag findet in Hobart der bekannte Salamanca Market statt. Wir vereinbaren gleich als erstes ein Treffen mit Katrina und Matthias, um uns bei einer Tasse Tee ein wenig ausführlicher mit den beiden zu unterhalten als bei der ersten überraschenden Begegnung. Erst dann machen wir uns auf, den lebhaften Markt mit Holzwaren, Porzellan, Früchten und Gemüse zu bestaunen. Es gibt sogar richtige Engadiner Nusstorte zu kaufen und wir erstehen zur Abwechslung das eine oder andere hölzerne Souvenir.
Sonntag. Am Holzboot Festival in Hobart sind insgesamt 430 ganz alte, teilweise aber auch ganz neue Boote zu betrachten. Jedes Holzboot hat eine Geschichte. Sie beginnt mit jemandes Traum. Handwerker, die uralte Fähigkeiten besitzen und wunderschöne Hölzer benutzen, machen diesen Traum wahr. Holzboote werden geliebt und entfalten eine Art eigenes Leben. Die „James Craig“ ist zwar kein Holzschiff, repräsentiert jedoch als klassisches Beispiel eine traditionelle Windjammer mit hervorragendem Holz-Innenausbau. Sie ist ein wichtiger Teil des geschichtlichen Erbes der Schifffahrt und das ist es eigentlich, worum es bei diesem Festival geht.
14.02. Das im Jahre 1803 als erste Siedlung Tasmaniens gegründete Hobart ist mit etwa 200'000 Einwohnern die grösste Stadt und Hauptstadt des Inselstaates. Sie ist mit all ihren Vororten dem Derwent River entlang aufgebaut und wunderbar in Berge eingebettet. Peter bezwingt den höchsten dieser Berge, Mt. Wellington (1270 müM), mit dem Fahrrad. Währenddessen kämpfe ich mich mit dem Landcruiser die kurvenreiche Strasse hoch.
Mit Grossstädten und grossen Kleinstädten tun wir uns nach wie vor ein wenig schwer. Wir schieben die Besichtigung jeweils hinaus, bis es dann plötzlich zu spät ist. So versäumen wir es auch in Hobart, die ältesten unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aufzusuchen.
15.02. Das Lime Bay State (Nature) Reserve im Nordwest Ende der Tasman Halbinsel ist der regenärmste Teil dieser Ecke von Tasmanien. Aber als wir kommen ist es ziemlich nass und die beiden wunderschönen weissen Sandstrände laden nicht einmal zum Spazieren und schon gar nicht zum Baden ein. Die Ruinen der nahen Kohlenmine besuchen wir aber trotzdem und sind überrascht, wie gut hier alles erhalten und beschildert ist.
Die Stäflingssiedlung Port Arthur entstand 1830. Dieser Standort wurde gewählt, weil es von der Halbinsel her nur eine enge Verbindung zur Hauptinsel gibt, die einfach gesichert werden konnte. Das Lager bestand bis 1877 und hatte zeitweise 12000 Gefangene. Das Gefängnis und die Wachttürme wurden von den Sträflingen selbst gebaut. Daneben wurden sie in einer Holzmühle beschäftigt oder zu Schiffsbau und Kohleabbau gezwungen. Viele der Gefangenen überlebten diese Strapazen nicht und wurden auf der Insel „Isle of the dead“ begraben.
Wir übernachten in der Fortescue Bay und Peter legt sich mit Hals- und Ohrenschmerzen bereits um sieben ins Bett.
16.02. Die vorgesehene vierstündige Wanderung zum Cape Hauy brechen wir bereits nach einer Viertel Stunde wieder ab. Es stürmt plötzlich und schwarze Wolken kommen so schnell näher, dass wir verregnet werden, bevor wir auch nur den Parkplatz erreichen. Minuten später lacht jedoch bereits die Sonne wieder … und so geht es heute den ganzen Tag.
17.02. Von Franklin reisen wir zum südlichsten Punkt in Australien, Cockle Creek. Die letzten 7.5 km zur South Cape Bay sind nur zu Fuss zu erreichen. Peter ist nach seiner bösen Erkältung auf dem Weg zur Besserung, hat aber trotzdem nach dem gut dreistündigen Marsch das Gefühl, acht Stunden gewandert zu sein.
18.02. Die Zeit wird langsam zu knapp, um für alle Vorhaben auf schönes Wetter zu warten. Für heute und morgen rechnen wir zwar mit Regen auf Bruni Island, doch wir möchten es trotzdem nicht missen, die Insel zu besuchen.
Unterwegs stoppen wir bei den Aussichtspunkten, unterhalten uns ein wenig mit anderen Leuten und lassen uns dabei eine haarsträubende Geschichte erzählen: Eine streitlustige Holländerin macht den unschuldigen australischen Touristen dafür verantwortlich, dass in Tasmanien so viele tote Tiere auf der Strasse liegen. Der überraschte Australier fasst sich schnell und meint daraufhin ganz trocken, in Holland gäbe es wohl schon gar keine wilden Tiere mehr, die überhaupt überfahren werden könnten.
Samstag. Ein schmaler Landstreifen verbindet die Süd- und Nordinsel von Bruni Island. Der Hügel ist voller Pinguin-Nester. Wir machen uns jedoch keine Illusionen, am heiterhellen Tag eines dieser niedlichen Tiere zu sehen, weil sie doch um diese Tageszeit bereits auf Nahrungssuche sind und erst nach Einbruch der Dunkelheit dem Meer entsteigen um ins Nest zurückzukehren. Doch wir werden überrascht: Keine 50 cm vom Holzsteg entfernt bewegt sich etwas in einem Loch und wir entdecken beim näheren Hinsehen zwei junge Pinguine, welche noch nicht fähig sind, selber auf Futtersuche zu gehen.
Der Abstecher in den Westen (Strahan) ist sehr entspannend. Ohne Verkehr durch Wälder, über Hügel und Felder, vorbei an tiefblauen Seen, einem Fluss entlang zu reisen, auf Berge zu blicken, ist ein richtiger Genuss. Ab und zu gibt es aber auch Bilder, die uns nachdenklich machen: Wüste Kanäle und dicke Röhren verschandeln die Landschaft, um in einem Kraftwerk Strom zu erzeugen. Abgeholzte Wälder wecken Zweifel, ob Forestry Tasmania den Schutz der einheimischen Wälder wirklich im Griff hat oder sich von der Holzindustrie regieren lässt. Der Holzschnitzel-Export nach China ist ein riesiges Geschäft, das sich die cleveren Geschäftleute nicht entgehen lassen wollen.
Die Wanderung im Lake St. Clair Nationalpark über den Shadow Lake Rundweg führt uns durch Regenwald, subalpine Sümpfe und Hochland Eucalyptus Wälder. Ein Echidna, sonst eher ein scheues Tier, lässt sich von uns bei der Nahrungssuche überhaupt nicht stören. Er lässt uns ausgiebig Zeit, ihn bei seiner Tätigkeit zu beobachten.
21.02. Queenstown ist unverkennbar eine Minenstadt – es wurde gnadenlos abgebaut, was der Boden hingab. Heute sind die umliegenden Berge kahl, durch Schwefeldämpfe zerstört, und die Gewässer durch Säuren verseucht. Die Auswirkungen sind bis in den berühmten Macquarie Harbour in Strahan offensichtlich. Obwohl inzwischen grosse Anstrengungen unternommen werden, Leben in die Flüsse Queen- und King-River zurückzubringen wird es noch viele Jahre dauern, bis sich alles regeneriert hat.
Strahan ist ein hübscher Touristenort, angeblich gibt es hier die teuersten Unterkünfte in Tasmanien. Im Hafen herrscht emsiges Treiben. Verschiedene Firmen bieten Flussschifffahrten auf dem Gorden River an; eine „Fluggesellschaft“ fliegt betuchte Passagiere mit dem Wasserflugzeug den Fluss hinauf; Fischer entladen frisch gefangene Langusten. Mit dem Zug „West Coast Wilderness Railway“ kann man 35 Kilometer durch Wildnis und bergiges Hinterland, über 40 Brücken, nach Queenstown fahren.
Wir unternehmen heute nichts, keinen Ausflug und keine Wanderung. Denn erstens bin ich von einer fürchterlichen Erkältung geplagt und zweitens rennt uns langsam die Zeit davon. Aber obwohl wir ursprünglich der Meinung waren, Tasmanien müsse man nur einmal bereisen und fünf Wochen reichten dazu ausgiebig haben wir dies inzwischen revidiert. Die Insel bietet mehr und wir könnten uns sehr gut vorstellen, sie mit dem Motorrad nochmals zu besuchen und einiges, das wir diesmal ausgelassen haben, nachzuholen.
22.02. Die Berge sind Nebel verhangen und wir machen einen Ausflug nach Strathgordon durch den Southwest Nationalpark, welcher wie so viele zum Weltkulturerbe gehören.
Am Ende der Strasse treffen wir auf den Gordon Dam, den steilsten Staudamm in der südlichen Hemisphäre. Er ist ein 140 m’ hohes, eindrückliches Bauwerk mit einer oberen Breite von 192 m’. Zusammen mit dem Lake Pedder, der durch einen Kanal mit dem Lake Gordon verbunden ist, ist das „Gordon River Power Development“ Australiens grösstes Wasserreservoir (von total 14 700 Millionen Kubikmetern). Das Gordon Kraftwerk mit drei 144 MW Generatoren wurde 183 m’ Untergrund gebaut und kann vom 160 Kilometer entfernten Hobart aus vollautomatisch gesteuert werden.
Auf dem Rückweg halten wir bei einem grossen Plakat, das Honig-Gratismuster verspricht, weil wir gerne Honig kaufen möchten. Schon auf Hinweg ist uns das leuchtend gelbe Banner aufgefallen, und wir haben erkannt, dass die Imker besorgt sind, weil so viele Wälder abgeholzt werden. Jetzt treffen wir auf Peter von der Bienenzüchter-Vereinigung, der zwar keinen Honig zum Verkauf anbietet, uns jedoch gerne ein kleines Muster mitgibt. Er zeigt uns eine Leatherwood-Blüte und bringt uns die berechtigten Besorgnisse der Leute näher.
Wieder zurück im Mt Field Nationalpark fahren wir die 14 km Naturstrasse bis zum Lake Dobson auf etwa 1100 Metern Höhe. Noch weiter oben ist ein kleines Skigebiet, welches bereits in den 1930er Jahren erstellt wurde und über einen steinigen Wanderweg offenbar zu Fuss erreicht werden muss.
Der Nationalpark ist in vier verschiedene Vegetationsarten eingeteilt: I Eucalyptus Wald auf 520 m’ (dominierend sind Swamp Gums, wenig Dogwood und Musk als Unterholz) ; II Mischwald (Yellow Gum, Celery-top Pines, Horizontal), ein dichtes Durcheinander, auf einer Höhe von 640 m’; III Subalpine Hölzer (Tasmanian Snow Gum, Leatherwood, Sassafras) auf 960 m’; IV Alpines offenes Hochmoor, umgeben von einem subalpinen Eukalyptus Wald auf 1070 m’. Auf kurzen Wanderwegen gibt es überall Tafeln mit der Beschreibung der verschiedenen Pflanzenarten.
23.02. Nach dem Zwischenhalt in New Norfolk, wo wir ausnahmsweise bis am späten Nachmittag auf dem Campingplatz bleiben dürfen, fahren wir nur wenige Kilometer bis nach Claremont (nördlich von Hobart). Um fünf Uhr sind wir bei Kathleen und Fritz zu einem delikaten Nachtessen eingeladen und wir werden auch gleich für die Nacht beherbergt. Wir geniessen es bekocht zu werden und diesen Abend in gemütlicher Atmosphäre zu verbringen. Das Bett ist so bequem, dass wir am liebsten gar nicht aufstehen würden.
24.02. War die Wettervorhersage in den ersten etwa dreieinhalb Wochen auf Tasmanien immer zutreffend, so ist es seit einer Woche eigentlich immer viel schöner als angekündigt. Uns soll es recht sein, Sonnenschein hebt die Stimmung, wenn „Arbeiten“ angesagt ist.
Am Abend sitzen wir in der Kälte mit Naica und Peter bei Tee und Guetzli. Sie wollen ihren Landcruiser nach Wladiwostock verschiffen und durch Russland nach Hause (D) reisen.
25.02. Wir decken uns in Richmond beim Schweizer Bäcker mit frischem Brot und Gipfeli ein (die Zöpfe sind leider bereits ausverkauft) und frühstücken, umgeben von Enten und Gänsen, am Ufer des Coal River.
Glen aus Hobart macht eine Fahrradtour und beginnt, sich mit uns zu unterhalten. Er erzählt, wie er mit zwei Kollegen auf Motorrädern (Yamaha Téneré) ohne Begleitfahrzeug die „Cunning Stock Route“ (den wohl schwierigsten Track in Australien) gefahren ist. Jeder von ihnen hatte einen 30 l Benzintank, zwei 20 l Kanister Benzin und einen 20 l Kanister mit Wasser. Wir möchten ihm noch lange zuhören, doch der heutige Weg ist zu weit und wir müssen uns leider verabschieden.
Die Strecke via B31 und Highway No 1 nach Norden ist zwar nicht attraktiv aber sehr schnell, weil sie durch das flachste Gebiet von ganz Tasmanien führt.
26.02. Von Port Sorell nach Devonport sind es nur gerade zwanzig Kilometer. So haben wir ausgiebig Zeit, den sonnigen Nachmittag auf dem „Bluff“ mit Sicht auf die tiefblaue, nur leicht gekräuselte „Bass Strait“ so richtig zu geniessen.
Am Sonntag wird uns die Fähre aufs Festland zurückbringen und am Montag müssen wir einiges organisieren sowie uns auf den viertägigen Segeltörn in der Port Philip Bay vorbereiten.