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Die beiden Brüder Dave und Phil Alvin stammen aus Downey, Kalifornien, und sie haben 1979 die Band The Blasters gegründet. 1986 allerdings waren sie bereits so zerstritten, dass der zwei Jahre jüngere Dave die Band verliess und eine Solo-Karriere aufbaute, während Phil weiterhin bei der Band verblieb. Nach 30 getrennten Jahren habe sich die beiden nun erneut zusammen getan auf der Suche nach ihren musikalischen Wurzeln und sie haben ein Album eingespielt, auf dem sie die Songs von Big Bill Broonzy (1893-1958) einspielen. Die beiden Brüder Alvin haben eine Karriere in Rock und Country-Musik hinter sich und die Art, wie sie hier mal eben die Songs von Broonzy einspielen, konnte in keiner Weise überzeugen. Die stilistische Diversität ist viel zu gross und wird dem Werk Broonzys nicht gerecht. Vor allem aber sind die Aufnahmen nach einer langen Karriere im Country-Rock einfach zu wenig Blues.
Gründer und Anführer der Allman Brothers Band, Duane Allman verstarb zwar schon 1971 im beklagenswert jungen Alter von 24 Jahren, aber natürlich lebt die Band weiter, die er begründet hat. In den letzten Jahren wurde der einzigartige Slide-Gitarrist wieder populärer, was nicht nur die Versteigerung seines ikonischen Guitar Straps für US$15‘000 im Jahr 2003 belegt oder die Publikation von Tabulatur und Noten seiner wichtigsten Songs in 2009 (Duane Allman Guitar Anthology undA Step-by-Step Breakdown of His Guitar Styles and Techniques) und eines Play-Alongs im Jahr 2010. Diese wohlverdiente neuerliche Aufmerksamkeit für einen der kreativsten Köpfe des Blues, Bluesrock oder Southern Rock wurde von Regisseur Tom O’Dell nun einen Schritt weiter geführt mit der Publikation einer englischsprachigen und nicht untertitelten DVD im Jahr 2013, welche im Film Song Of The South - Duane Allman and The Rise Of The Allman Brothers die Biographie Duane Allmans und die ersten Jahre der Band minutiös nachzeichnet.
Auf der Video-Platform youtube ist uns neulich ein Video aufgefallen aus dem Jahr 1993, in dem der damals 16-jährige Joe Bonamassa und der 42jährige Robben Ford gemeinsam auf der Bühne stehen und sich bei einem Blues-Instrumental zu Höchstleistungen antreiben. Bonamassa sieht verglichen mit dem heute ubiquitären Bluesman noch sehr verändert aus: nicht nur dass er noch keine Sonnenbrille trägt und etwas rundlicher wirkt, er spielt auch eine Fender Stratocaster und trägt vor allem einen Hut, wie er damals von Stevie Ray Vaughan bekannt war: mexikanischer Hut mit Flachkrempe und Silberbeschlägen am Hutband. Robben Ford trägt noch dunkle Haare, zum Pferdeschwanz gebunden, so wie man es von seinen frühen Lehrvideos her kennt. Ford spielt seine Fender Signature Gitarre, die er meines Wissens seit längerem nicht mehr benutzt. Eindrücklich zu sehen, wie virtuos Bonamassa damals bereits spielte, wenn auch noch ohne das Gefühl für Pausen, das er inzwischen entwickelt hat. Anlass war eine Jubelveranstaltung für Leo Fender.zum Video.
Hin und wieder erhalten wir in der Redaktion von Bluesnews.ch CDs mit der Bitte um Rezension, und in der Regel hat es sich gut bewährt, diese CDs einfach mal einzulegen und ganz die Ohren entscheiden zu lassen. Als die Scheibe der Band Marblewood in den Player kam, traute ich zunächst meinen Ohren nicht, denn da spielte eine Schweizer Band einen deutlich an die 60er Jahre angelehnten psychedelischen Sound wie ich ihn von Ginger her kenne und ausgesprochen schätze, wie in meinen früheren Besprechungen über «Ginger live, 2008» schon zu sehen war. Ginger brachte einen authentischen 60er-Jahre-Sound auf die Bühne, bzw. ins Mischpult, und nun soll sich mit Marblewood eine weitere Band in diesem Gewässer tummeln? Ja und Nein, lautet die Antwort, denn Marblewood besteht im Kern aus zwei Mitgliedern von Ginger, was die stilistische Kontinuität erklärt. Die unter dem Titel Marblewood entstandene CD knüpft damit stilistisch dort an, wo Ginger aufhörte: psychedelischer 60er-Jahre Sound mit viel Verzerrung und Druck, aber auch viel musikalischer Freiheit und grossartiger Offenheit.
Die Hauptabende des Bluesfestivals Baden 2014 boten ein Konstrastprogramm. Am Freitag, 30. Mai 2014 konnte Fabian Anderhub die letzten beiden Konzertabende einläuten. Mit ihm teilten Dominik Rüegg (git), Jan Peyer (b) und Massimo Buonanno (dr) die Bühne. Anderhub, der Wilde unter den Schweizer Bluesern hatte bekanntlich seine ersten Auftritte und Erfolge in Kanada, wo er teilweise aufgewachsen ist. Sein Auftritt strotzte nur so vor Energie und überschäumender Spielfreude, bot stürmischen Bluesrock mit ausgedehnten Soli voller Einfälle, manchmal fast zu viel. Der auch unter dem Namen «Cuthead» arbeitende Dominik Rüegg ist auch als Komponist zahlreicher Soundtracks deutscher TV-Filme bekannt und hat diverse eigene CDs veröffentlicht. Er lieferte einige atemberaubende Soli , bei einem Parforceritt rissen dann auch Saiten.
Pünktlich um acht begann das Konzert im Zürcher «Kaufleuten», Robert Cray betrat mit seiner aktuellen Band die Bühne, und das Quartett begann ein 90-minütiges Konzert, welches rastlos durch die Titel ging, jeder einzelne Song mit grosser Perfektion und unendlich viel Erfahrung gespielt, dennoch mit der richtigen Prise Leidenschaft, um die Musik nicht zur seelenlosen Aufführung verkommen zu lassen. Robert Cray selbst scheint einen Jungbrunnen im Blues gefunden zu haben, denn auch fünf Meter vom Bühnenrand entfernt sah er eigentlich noch immer so aus wie auf dem Cover von Strong Persuader, seinem Riesenerfolg von 1986. Der Mann ist in 30 Jahren Bühnenkarriere kaum gealtert, und auch seine Stimme hat sich nicht verändert.
Viele Vorschusslorbeeren, hohe Erwartungen. Das Publikum am Sonntagabend im «Kaufleuten» in Zürich war voller Erwartung, was da nun für einer auf die Bühne kommen wird, als Gary Clark mit einer guten Viertelstunde Verspätung die Bühne des «Kaufleuten» betrat. Davor keine Vorgruppe, keine Ankündigung, nicht einmal ein Auftritt der Band, ehe der Headliner kam. Das Quartett versammelte sich auf der Bühne und spielte gleich los. Es war der Auftakt zu einem magischen Konzert, bei dem Gary Clark seine Philosophie des Blues präsentierte, ohne ein vernehmbares Wort zu sagen. Er liess Klänge sprechen und das nicht zu knapp.
Okay, ich gebe zu, der Titel ist eine Plattitude, aber bei einer Band, die so vielseitigen Blues spielt wie die dänische Formation Thorbjørn Risager and the Black Tornado auf ihrer CD Too Many Roads bietet sich der Hinweis auf die beliebten belegten Brote der dänischen Küche wirklich an. Auf ihrem Album Too Many Roads zeigen die sieben Dänen, wie stilistisch unterschiedlich sie sich dem Blues nähern. Und in jeder Spielart trifft die Band den Nagel auf den Kopf. Das ist bewundernswert. Ihr Rezept ist eine perfekte Besetzung mit grossartiger Rhythmus-Gruppe, zurückhaltend und songdienlich eingesetzten Gitarrenparts, einem brillanten Pianisten, einem leidenschaftlichen Sänger und einer Horn Section der Extraklasse. Wie ein Tornado kommt die Band daher und fegt durch das Blues-Gefühl mit Varianten von Texas bis New Orleans und vom Delta bis nach England. Von diesen Jungs wird in Zukunft noch viel zu hören sein, denn hier steckt jede Menge Pfeffer im Sound. Sie haben es auch schon auf die Bestenliste 3/2014 der deutschen Schallplattenkritik geschafft.
Tommy Schneller geht mit seiner Band einen anderen Weg als die meisten Bluesbands. Während andere Bluesbands sich an den Gitarrenhelden aus Chicago oder Texas orientieren, sucht Schneller nach einem R&B-Sound, der sich mehr an der Blues Brothers Band orientiert, also mehr Memphis ist (oder Los Angeles) als die genannten Städte. Tommy Schneller bietet fetten, fetten Sound mit abwechslungsreichen Bläsersätzen. Schöne Keyboard-Einsätze und ein Rhythmus voll von üppigem und treibendem Funk-Feeling sind sein Ideal, das er nun auf einer neuen CD unter Beweis stellt. Der Bandleader aus der Westphalen-Metropole Osnabrück präsentiert sich auf seinem neuesten Album Cream of the Crop gestärkt, gefestigt und mit einer vollständigen Band, die genau den Sound bringt, den Schneller schon auf seiner ersten CD Smiling for a Reason beschritten hat.
Bittet man ein Kind, ein Bild einer E-Gitarre zu zeichnen, dann gibt es eine gute Chance, dass der Körper der Gitarre die Form einer «Strat» hat. Die am leichtesten erkennbare Ikone der elektrischen Gitarre ist wohl das Modell Stratocaster. Die «Strat», wie die Gitarre allgemein genannt wird, wurde offiziell im Mai 1954 in den Markt eingeführt. Leo Fender hatte nach den Modellen Esquire/Broadcaster/Telecaster sein Konzept der industriell gefertigten elektrischen Gitarre verfeinert und es zugleich radikalisiert. Heute, 60 Jahre später, ist es kaum mehr zu erfassen, wie radikal das Design der Gitarre war, und die kalifornische Gitarrenfabrik Fender ist mehr daran interessiert, ihre zum sechzigsten Jahrestag herausgebrachte Sonderausgabe zu promoten, als die detaillierte Geschichte der Einführung zu erzählen. Doch die Stratocaster war darauf ausgelegt, Gitarristinnen und Gitarristen zu helfen, den perfekten Ton zu kriegen, vielseitig zu sein und auf der Bühne gut auszusehen. Wie die Geschichte gezeigt hat, hat sie dieses Ziel erreicht. Auch im Blues hat die Strat seit jeher Präsenz markiert und tut dies auch weiterhin.