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Die englische Firma Oxitec, die eng mit der Schweizer Firma Syngenta zusammenarbeitet, hat gentechnologisch veränderte Insekten entwickelt, die bei der Paarung mit ihren natürlichen Artgenossen nichtlebensfähige Nachfolger produzieren. So sollen Zitrusfrüchte, Tomaten, Kohl und anderes Gemüse längerfristig vor Schädlingen geschützt werden. Der Ansatz sei eine „grüne Alternative“ zu umweltschädlichen Pestiziden und Chemikalien, lässt der englische Konzern verlauten. Falls die Idee tatsächlich kommerzialisiert wird, gelangen vielleicht schon bald Millionen gentechnisch modifizierter (GM) Insekten in die Natur.
Verschiedene Verbände, wie z.B. SwissAid, GM Watch und die Erklärung von Bern, sind äussert besorgt über die möglichen Folgen des Grossprojektes. In einem umfassenden Bericht stellen sie fest, dass die Richtlinien für die Risikobewertung unzureichend sind, und bei weitem nicht alle möglichen Auswirkungen beinhalten. Die Nachfolger der GM-Insekten sind so konzipiert, dass sie im Larvenstadium sterben. Ihre Rückstände können aber in den betroffenen Frucht- und Gemüsesorten enthalten bleiben und über die Nahrungskette in den menschlichen Organismus gelangen. Mögliche gesundheitliche Folgen davon wurden nicht untersucht. Zudem wird nicht beachtet, inwiefern genetisch manipulierte Organismen natürliche Ökosysteme längerfristig beeinflussen und sich in andere Regionen und Länder ausbreiten können.
Der Bericht verweist auch auf die Wichtigkeit der wirtschaftlichen Interessen und das aggressive Lobbying der Biotech-Branche in der EU. In der „European Food Safety Authority“ (EFSA) hat die Industrie offenbar einen erheblichen Einfluss auf die Festlegung von Gentech-Richtlinien. Einige Experten stünden in engem Bezug zu Oxitec und anderen Biotech-Firmen, und seien daran interessiert, die Vorgaben zu lockern. Durch diese Interessenskonflikte sei der Einfluss der öffentlichen Meinung auf die Entscheidungsprozesse nicht mehr gewährleistet, sagt Helen Wallace, Direktorin von GeneWatch.
Im Report werden bereits realisierte Projekte der Oxitec, unter anderem in Brasilien und Malaysia, kritisch hinterfragt. In Brasilien konnten in einem Pilotprojekt über 16 Millionen genmodifizierte Moskitos zur Bekämpfung des Dengue-Fiebers freigelassen werden. Dabei sollen die üblichen Genehmigungsverfahren schlicht umgangen worden sein.
In solchen Projekten wird die Gentechnologie als optimale Lösung im Kampf gegen Hunger, Armut und Krankheiten gepriesen. Krankheitserreger sollen eliminiert und die Produktivität erhöht werden. Die heutigen Kenntnisse über die Folgen für Mensch und Natur sind jedoch sehr lückenhaft und die Einschleusung vollkommen neuartiger Arten in komplexe, dynamische Ökosysteme bleibt auch dann bedenklich, wenn sich diese nicht fortpflanzen.
Um den Herausforderungen der Kleinbauern in armen Ländern zu begegnen brauchen wir nicht teure und riskante Technologien, sondern agro-ökologische Lösungen.
Tina Goethe, SwissAid
Abgesehen von den gesundheitlichen und ökologischen Risiken, ist darüber zu streiten, ob eine globale Produktionssteigerung tatsächlich zur Lösung des Hungerproblems in Entwicklungsländern beitragen kann (und will). Viel mehr scheinen die wirtschaftlichen Interessen von Gentech-Konzernen und Grossproduzenten im Vordergrund zu stehen. Tina Goethe von SwissAid betont: „Um den Herausforderungen der Kleinbauern in armen Ländern zu begegnen brauchen wir nicht teure und riskante Technologien, sondern agro-ökologische Lösungen.“ Beispielsweise Massnahmen für eine bessere Verteilung von Land und Wasser, sowie für nachhaltige und regional angepasste Anbaumethoden, würden die lokale Landwirtschaft stark fördern. Eine vergleichsweise geringe Steigerung der Produktion bereits viel zur Hungerbekämpfung beitragen. Benötigt werden also innovative Strategien, die, nicht unbedingt technologisch, sondern in ihrem Denkansatz neu ausgelegt sind. Wie eine Studie des Weltagrarrats feststellt: „Business as usual is not an option!” Mit der Gentechnologie wird letztendlich nur die kapitalistische Idee des ewigen Strebens nach mehr weitergeführt.