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Als Komorbidität bezeichnet man das gleichzeitige Vorliegen von zwei oder mehr Erkrankungen bei einer Person. Wichtig dabei ist, dass sich diese diagnostisch klar voneinander trennen lassen (Braun, 2016). Dies ist in der Realität manchmal gar nicht so einfach. In diesem Artikel erfährst du mehr über die häufigsten komorbiden Erkrankungen und Störungen beim Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Je nachdem welche Untersuchungen man sich zu dem Thema anschaut, liegen bei ca. 50-100% der Patient:innen mit einer PTBS komorbide Erkrankungen vor (Maercker, 2013). Auch welche Erkrankungen und Störungen als komorbide angesehen werden, ist in der Literatur nicht einheitlich.
Angststörungen
Angst hat als Emotion die Aufgabe uns vor Gefahren zu warnen, uns so zu schützen und am Leben zu halten. Hätten unsere Vorfahren beim Anblick eines Säbelzahntigers keine Angst verspürt, wären wir Menschen wohl sehr schnell wieder von der Erde verschwunden.
Ist jemand von einer Angststörung betroffen, verspürt die Person jedoch auch in völlig gefahrlosen Situationen Angst, als würde es sich um eine tatsächlich gefährliche Situation handeln. Die Reaktionen sind dabei auf allen Ebenen - körperlich, geistig und emotional - die gleichen, wie bei der „gesunden“ Angst. Man unterscheidet zwischen der generalisierten Angststörung, der Panikstörung und Phobien. Diese Erkrankungen unterscheiden sich in Hinblick auf die Ausprägung, die Dauer, die Intensität und die auslösenden Situationen (Falkei, 2021).
Depression
Die Depression gehört zu den sogenannten „affektiven Störungen“, da sie den Antrieb und die Stimmung der Betroffenen beeinflusst (Völkel, 2020). Sie ist durch einen verminderten Antrieb und den Verlust von Interessen gekennzeichnet. Außerdem haben Betroffene oft mit Konzentrationsstörungen und einem geringen Selbstwertgefühl zu kämpfen. Viele ziehen sich von Familie und Freunden zurück.
Dissoziative Störungen
Der Oberbegriff „dissoziative Störungen“ fasst verschiedene Erkrankungen zusammen, bei denen die integrativen Funktionen des Menschen nicht so zusammenspielen, wie sie sollten. Unter diesen integrativen Funktionen versteht man das eigene Bewusstsein, die eigene Identität, das Gedächtnis, die Kontrolle von Körperbewegungen und die Wahrnehmung der Umwelt (Moore, 2020). Bei einer dissoziativen Amnesie können z.B. Teile aus der Kindheit nicht mehr erinnert werden. Bei einer Derealisation nimmt die betroffene Person die Umwelt um sich herum als unwirklich wahr - weiß rational jedoch, dass sie das ist. Die dissoziative Identitätsstörung zeichnet sich durch mehrere, nebeneinander existierende Persönlichkeitsanteile in einem Körper aus. Oft werden diese als System bezeichnet.
Weitere Informationen zum Thema Dissoziation findest Du auf der Website DISpositiv (www.dispositiv.info).
Somatoforme Störungen
Unter somatoformen Störungen versteht man das Auftreten von körperlichen Symptomen (z.B. Schmerzen) ohne Vorliegen einer organischen Ursache (Falkei, 2021). Das heißt NICHT, dass die Beschwerden nur eingebildet sind! Körper und Psyche sind eng miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Es ist trotzdem wichtig zu unterscheiden, ob die Beschwerden eine körperliche oder eine psychische Ursache haben, um diese wirksam und effektiv behandeln zu können. Ansonsten wird oft nur das Symptom therapiert, was aber die Ursache nicht behebt.
Medikamenten-, Alkohol-, Drogenmissbrauch bzw. -sucht
Das „Ziel“ der Sucht ist es oft, die Erinnerungen um jeden Preis zu vermeiden und unangenehme Gefühle zu betäuben. Aus dem Grund kommt es besonders oft zum Missbrauch von Sedativa. Dies sind Medikamente, die dämpfend auf das Nervensystem einwirken, beruhigen und müde machen. Auch die Alkoholsucht ist eine häufig auftretende Suchterkrankung (Maercker, 2013).
Emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline
Nicht jeder Mensch mit einer PTBS hat auch eine Borderline-Persönlichkeitsstörung - viele Menschen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung haben aber in der Kindheit oder Jugend traumatische Ereignisse erleben müssen und so eine PTBS entwickelt. Die Hauptmerkmale dieser Erkrankung sind instabile zwischenmenschliche Beziehungen, ein chronisches Gefühl innerer Leere und Zustände innerer Hochanspannung (Falkei, 2021). Mit selbstschädigendem und hochriskantem Verhalten versuchen die Betroffenen eine - zumindest kurzfristige - Linderung der Symptome zu erreichen.
Suizidalität
Auch wenn Suizidalität keine eigenständige Erkrankung ist, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass bei Menschen mit einer PTBS eine signifikant erhöhte Suizidrate besteht (Maercker, 2013).
Referenzen
Komorbidität. Braun V, Pschyrembel Redaktion. Pschyrembel online. 2016 [zitiert 27.12.22]
Affektive Störung. Völkel B, Pschyrembel Redaktion. Pschyrembel online. 2020 [zitiert 27.12.22]
Dissoziative Störungen. Moore J, Pschyrembel Redaktion. Pschyrembel online. 2020 [zitiert 27.12.22]
Posttraumatische Belastungsstörungen. A. Maercker, 4. überarbeitete Auflage. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag; 2013