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Basels CVP kann im laufenden Jahr ihr 100-Jahr-Jubiläum feiern. Die Katholische Volkspartei, wie sich die CVP bis in die siebziger Jahre des 20.Jahrhunderts genannt hatte, ist im Vorfeld der ersten Stadtbasler Proporzwahl (im Mai1905) formell gegründet worden. Der exakte Gründungstag ist nicht überliefert, denn von der Idee her gab es die Partei schon früher. Im Umfeld des so genannten Kulturkampfs gründeten Mitglieder der Römisch-Katholischen Gemeinde im Jahr 1870 den Katholikenverein. Er beschäftigte sich unter anderem auch mit der Wahrnehmung der politischen Interessen der Basler Katholiken.
Das politische System Basels basierte im Jahr 1900 auf der Verfassung von1875, die grosse modo nach wie vor gilt. Erst in jenem Jahr sind die Postulate der Bundesverfassung von 1848 in Basel endgültig vollzogen worden. Die dominierende Partei war der Freisinn, der auf dem Höhepunkt seiner Macht (1884) 87 der130 Grossratsmandate hatte. Gewählt wurde immer bis 1905 nach Majorz und zwar nach einem Prozedere, das heute als relativ abenteuerlich einzustufen ist, weil gewissermassen jedermann Wahlvorschläge einreichen konnte. Die jeweiligen Kandidaten figurierten in der Regel auf verschiedenen Listen und wurden solchermassen von Turnkameraden, Sängerfreunden, Quartierorganisationen und Zünften unterstützt. Auch kirchliche Wahlempfehlungen waren wichtig. Aufgrund dieser Mehrfachnennungen (unter dem Strich war allerdings nur eine Stimme pro Kandidat möglich) schufen im Laufe der Jahre nebst den Freisinnigen und Konservativen sowie einer Mittelpartei (?juste milieu?) auch Sozialisten und Katholiken den Einzug ins Kantonsparlament.
Dominierende Partei waren die Freisinnigen. Dies war eine Folge des Mehrheitswahlrechts. 1905 wurde in Basel der Proporz eingeführt. Idee des Verhältnis- oder Proporzwahlrechts war es, auch den Minderheiten eine parlamentarische Mitsprache zu ermöglichen. Erfinder des Basler Proporzsystems war der konservative Physikprofessor Eduard Hagenbach-Bischoff, dessen Ausrechnungssystem zwar sehr kompliziert ist, aber bis auf den heutigen Tag Verwendung findet. Im Kampf um den Proporz gab es in Basel eine unheilige Allianz zwischen Sozialisten, Katholiken und Konservativen. Bis das Proporzsystem angenommen wurde, brauchte man drei Anläufe. In einer Volksabstimmung vom 25.Februar 1905 setzte sich die ?neue Ordnung? knapp durch. Das Proporzrecht sieht zwingend vor, dass die Wahlvorschläge nicht nach Belieben und von Einzelpersonen vorgenommen werden. Ideal ist eine Organisation, die wie ein Verein geführt wird, Kandidaten rekrutiert, die Kandidatenliste öffentlich einreicht und Wahlpropaganda veranstaltet. An den Begriff der Partei hat man sich heute gewohnt, er wurde in jenen Jahren in Basel und gesamtschweizerisch eben eingeführt. Vor der Proporzwahl von 1905 gab es in Basel Freisinnige und Sozialisten, jetzt kamen Liberale und Katholiken dazu. Aufgrund ihrer Dominanz waren die Freisinnigen gegen die Einführung des Proporz gewesen. Die andern drei Parteien (insbesondere die beiden neuen) hofften auf eine starke Vergrösserung ihrer Deputationen bei Proporzwahlen.
Die Rechnung ist nur punktuell aufgegangen. Zwar wurde für die Sozialdemokraten die erste Proporzwahl zum Triumph. Sie konnten ihre Sitzzahl um 15 steigern und waren mit 38 Deputierten zweitstärkste politische Kraft im neuen Grossen Rat. Die FDP wurde zwar zurückgebunden, blieb aber mit 51 Sitzen stärkste Partei. Bei den ersten Proporzwahlen kamen die Liberalen auf 30 Sitze und die Katholische Volkspartei auf 10. Ziel der Liberalen war es bezüglich Mandatszahl mit den Freisinnigen gleichzuziehen. Es stellte sich aber heraus, dass sie in den neuen Wohnquartieren bei weitem nicht so stark waren wie im Zentrum. Gewählt wurde damals in acht Wahlquartieren und in den Dörfern Kleinhüningen (1908 eingemeindet), Riehen und Bettingen. Die jetzige Wahlkreiseinteilung wurde 1914 eingeführt. Auch bei der KVP/CVP gabs nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse lange Gesichter. Aufgrund der Katholikenzahl unter der Bevölkerung hätte man mit rund einem Drittel der Mandate rechnen können, wenn alle stimmberechtigten Angehörigen der Konfession «schwarz» gestimmt hätten.
Urs Hobi - April 2005
Erinnerungen von a./Regierungsrat Eugen Keller
Rede von Bundesrat Joseph Deiss anlässlich der Feier 100 Jahre CVP Basel-Stadt