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«az»-Verleger Bernhard Ott spricht mit dem Lappi über die Monopolstellung des Meier-Verlags und die Zukunftsaussichten seiner Zeitung.
Bernhard Ott, die grossen Verlagshäuser der Schweiz haben ihre Gebiete konsolidiert und ihre Monopole gestärkt. Besteht jetzt die Gefahr, dass die Schaffhauser Medien die nächsten Opfer der Konsolidierung werden?
Bernhard Ott: Das hängt von der Zukunft der Region ab und ob Schaffhausen als eigenständiger Kanton bestehen kann. Wenn grössere Gebilde, wie beispielsweise ein Kanton Nordostschweiz, entstünde oder unser Kanton als Bezirk in den Kanton Zürich «eingemeindet» würde, gäbe es weniger Geld für Inserate, nicht zuletzt für amtliche Anzeigen, die für uns sehr wichtig sind. Dann würde es sehr schwierig werden, aber nicht nur für uns, sondern auch für die «Schaffhauser Nachrichten».
Wieso konnten sich so viele Schaffhauser Titel bis heute behaupten?
Das Bestreben des Meier-Verlages ist es, keinen auswärtigen Konkurrenten in die Region zu lassen. Dieser würde die «SN» möglicherweise in eine schwächere Position verdrängen. Das ist die Hauptsorge des Meier-Verlags. Und vor diesem Hintergrund ist es auch verständlich, dass sich die «SN» die Verlagsrechte der «Klettgauer Zeitung» gesichert haben. Sie hätten auch eine Neuhauser Zeitung herausgegeben, wenn das gewünscht worden wäre, und ich bin überzeugt, dass die «Schaffhauser Nachrichten» selbst etwas für die «az» tun würden, nur damit wir nicht verschwinden und an unserer Stelle ein Externer eine neue Zeitung lanciert.
Der Meier-Verlag besitzt unterdessen die Mehrheit der Medien im Kanton. Was bedeutet das für die Meinungsvielfalt im Kanton?
Eine Monopolsituation ist immer schlecht, weil die Gefahr besteht, dass das Monopolmedium seine Macht auszunützen versucht. Selbstverständlich stellt der Monopolist das jeweils vehement in Abrede, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man dieser Versuchung vollkommen widerstehen kann. Klar gibt es in unserem Kanton noch ein paar wenige Organe, die nicht dem Medienhaus Meier gehören und auch eine andere Meinung vertreten können, aber die Mehrheit ist in irgendeiner Form mit dem Haus Meier verbandelt.
Bernhard Ott
Der Schaffhauser Bernhard Ott (60) ist seit dem Jahr 2000 Verleger der «schaffhauser az». Er trat damals die Nachfolge von Hans-Jürg Fehr an, der 1999 in den Nationalrat gewählt worden war. Bis 2010 war Ott Verleger des Medienmagazins «Klartext» und seit der Gründung im Jahr 1998 ist er Herausgeber des Musikmagazins «Loop».
Ott bezeichnet sich selbst als «angefressenen Printmenschen», ist aber durchaus aufgeschlossen gegenüber Online-Projekten. Er würde auch twittern, falls ein neues Konzept dies von ihm verlangen würde. «Da ich aber eine technische Nuss bin, müsste man mir das zuerst sehr ausführlich erklären.»
Das heisst, es ist schon ein Problem?
Nein, das würde ich nicht sagen. In Schaffhausen besteht ein gesundes Misstrauen gegenüber dem Haus Meier. Deshalb gibt es auch Leute, die ausdrücklich nicht wollen, dass es nur die «SN» gibt – um diese Gefahr zu bannen, welche durchaus besteht. Schaffhausen ist zudem eine sehr kleine Region. Es gibt eine gewisse Übersichtlichkeit der Verhältnisse und man kann darum nicht, wie vielleicht in einem grösseren Raum, alles unter den Tisch wischen, was einem nicht passt.
Aber die «Schaffhauser Nachrichten» sind auf dem Vormarsch. Geht die Konsolidierung der Medienlandschaft durch die «SN» weiter?
Das hängt davon ab, wie lange die heutigen Verleger ihre Arbeit noch machen wollen. Ich denke da an Karl Augustin, der das «Heimatblatt» herausgibt, das wohl kein grosses Geschäft ist. Wenn Augustin aufgibt, dürften auch die Tage des «Heimatblatts» gezählt sein. Die gleiche Aussage gilt für die «Schaffhauser Landzeitung» von Thomas Stamm. Wie lange die «az» noch existiert, hängt davon ab, ob unsere Fangemeinde weiterhin bereit ist, bei Bedarf unser Defizit zu decken.
Gibt es denn im Medienbereich überhaupt noch einen Konkurrenzkampf im Kanton Schaffhausen?
Nein, nicht wirklich. Den gibt es nicht mehr, seit die «SN» die einzige regionale Tageszeitung geworden sind. Wenn heute jemand eine Alternative zu den «SN» als Tageszeitung aufbauen wollte, wäre das komplett hirnrissig. Ganz abgesehen davon, dass sich die Mediengewohnheiten ändern.
Sie sprechen den Online-Bereich an. Welche Chancen bieten sich hier für die «schaffhauser az»?
Ich kann mir vorstellen, dass junge Menschen die Medien ganz anders nutzen, als meine Generation, und den täglichen Bedarf an aktuellen News mit dem Internet decken. Durch die Online-Medien haben Tageszeitungen im Newsbereich das Nachsehen, weil die Infos in der Zeitung längst Schnee von gestern sind. Sie müssen folglich auf Hintergrundgeschichten setzen, welche die schnellebige Information nicht bieten kann. Wahrscheinlich läuft es am Ende auf eine Ergänzung von Online und Print hinaus.
Viele grosse Verlage krebsen aber jetzt bezüglich Online wieder zurück.
Die Online-Medien kosten viel Geld. Zahlreiche Verlagshäuser wollen dieses Geld vor dem Hintergrund der allgemeinen Medienkrise nicht mehr ausgeben. Die meisten Schweizer Zeitungen haben in den letzten Jahren massiv Abos und Inserate verloren. In dieser Situation können sich viele Verlage ihr kostenloses Internetportal nicht mehr leisten. Darum versuchen sie jetzt, ihre Online-Inhalte nur noch gegen Entgelt zugänglich zu machen.
Ist ein schwächelnder Online-Bereich denn nicht das potenzielle Einfallstor für die grossen Verlagshäuser?
Auch die grossen Verlage haben festgestellt, dass sich das gar nicht rechnet. Also sind sie davon wieder weggekommen oder setzen auf bezahlte Inhalte. Und zum Thema Einfallstor für die grossen Verlage: Wenn der «Tages-Anzeiger», um ein Beispiel zu nennen, in Schaffhausen wirklich hätte Fuss fassen wollen, dann hätte er das damals gemacht, als er rund um Zürich seine Splitausgaben lancierte – die er jetzt wieder sang- und klanglos sterben lässt.
Eigentlich hätte dieses Interview im Rahmen eines Streitgespräches mit Norbert Neininger, dem Verleger der «Schaffhauser Nachrichten», stattfinden sollen. Da dies terminlich nicht geklappt hat, hier das separate Interview mit Norbert Neininger: «Wir sind für Medienvielfalt»