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In einer Scheune in der Zürcher Provinz revolutionierte Gustav Guhl in den 1930er-Jahren die Shampoo-Produktion. Seine natürlichen Zutaten stiessen auf Begeisterung.
Guhl war ein Pionier, der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt war. Guhl? Ja, aber nicht Willy Guhl, der Vater des Schweizer Designs, sondern Gottlieb August Guhl, der Shampoo-Pionier. «Gustav», wie Gottlieb August genannt wurde, erlernte nach seiner Schulzeit den Beruf eines Damencoiffeurs und machte sich in Zürich schnell einen Namen als Haarkünstler. Zürich und die Schweiz wurden Gustav Guhl aber bald zu klein. Er zog in die weite Welt hinaus und frisierte reiche Damen auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen.
Zürich wurde Gustav Guhl bald zu klein.
Die Reisen führten den Zürcher auch nach China und Japan, wo er als Erster den Kurzhaarschnitt einführte. In Kalifornien lernte er seine spätere Frau Lyn kennen. 1936 heiratete Gustav Guhl die zehn Jahre ältere Amerikanerin und kehrte nach einer kurzen Ausbildung in Kosmetikchemie in die Schweiz zurück. Im zürcherischen Schöfflisdorf, dem Heimatdorf von Gustav, kaufte das Ehepaar einen Bauernhof. Die Guhls brachten nicht nur viel Wissen über Haare mit in die ländliche Gemeinde, sondern auch einen extravaganten und besonderen Lebensstil.
Gustav Guhl war einer der ersten Starcoiffeure und brachte unter anderem die Kurzhaarfrisur nach Asien. (Bild: Laboratoire Guhl Schweiz)
Im «Landhaus» oberhalb des Dorfes waren eine Haushälterin und ein Hausmädchen angestellt. Diese wechselten jedoch häufig. Guhl scheint kein einfacher Patron gewesen zu sein. Er liebte den grossen Auftritt und war cholerisch. Im Gegensatz dazu steht die Beziehung des Weltenbummlers zur Dorfjugend. Er beschenkte diese vielfach mit etwas Kleingeld oder spendierte Bratwürste. Auch Süssigkeiten schenkte er den Kindern und manchmal war er sogar Bonbons aus dem fahrenden Auto. Seine amerikanische Frau Lyn war, im Gegensatz zu ihrem extrovertierten Mann, eher an der Natur interessiert als an Menschen.
Bald produzierte der Haarmagier den «Kaviar unter den Shampoos».
An Natur, respektive deren Essenzen war auch Gustav Guhl interessiert. Nachdem er in Paris die Zusammenhänge zwischen Kosmetik und Chemie erkannt und seine Firma «Laboratoires Guhl» gegründet hatte, begann er in der Scheune seines Bauernhofs mit der Entwicklung von Haarshampoos. Er experimentierte mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Kamille, Birkenextrakten oder Weizenkeimen. Aber auch mit Bier und Eiercognac. Die Zutaten für seine Kreationen wurden nicht selten direkt im Wald hinter dem Haus gesammelt.
Guhl-Werbung aus den 1990er-Jahren. (Bild: Laboratoire Guhl Schweiz)
Gustav Guhl hatte ein gutes Händchen, seine Haarpflegeprodukte kamen gut an. Die Firma wuchs schnell und schon bald produzierte der Haarmagier den «Kaviar unter den Shampoos». Das interessierte auch über die Landesgrenze hinaus. Ab 1966 exportierte Guhl nach Deutschland und Österreich.
1978 starb Gustav Guhl. Bald darauf wurden die Laboratoires Guhl an die deutsche Beiersdorf, welche unter anderem Nivea produzierte, verkauft. Guhls Markenzeichen, der Hahn, blieb jedoch noch einige Jahre bestehen und erinnerte an den ehemaligen Patron. Der Name Guhl stammt ursprünglich vom alemannischen Gul und ist eine eher spöttische Bezeichnung für «Gockel». Nomen est Omen, denn das ist durchaus auch als Bezeichnung für einen eitlen Mann zu verstehen und passt daher ganz gut zu Gustav Guhl. Noch heute erinnert eine Gockel aus Metall beim Eingang des ehemaligen Guhl-Bauernhofs an den umtriebigen Coiffeur. Die Marke und damit viele Ideen von Gustav Guhl sind auch Jahrzehnte nach seinem Tod noch aktuell und bringen auch im 21. Jahrhundert Glanz ins Haar so vieler Zeitgenossen...
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