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Der Prozess der Subjektivierung bildet in der Denktradition Foucaults eine Verschränkung von Macht und Wissen. Wenn davon gesprochen wird, dass ein Subjekt konstituiert – sprich hergestellt – ist, bedeutet dies, dass durch Diskurse – also durch Bündel von anerkannten Aussagen – eine Subjektposition geschaffen wird, welche eine bestimmte Identifizierung anleitet und Identität möglich macht. Konkreter heisst dies, dass bspw. Institutionen der Wissenschaft, der Politik, der Kunst oder der Massenmedien Aussagen über Geschlechter, über Sexualität, über Familienleben, über Gesundheit uvm. produzieren und damit (bestimmte) Subjektpositionen bzw. Identifikationsmöglichkeiten schaffen. So wird es möglich zu sagen: „es ist ein Mädchen“, „ich bin schwul“, „er ist alt“, „sie sind krank“ oder „ich bin Kunstvermittler_in“. Subjektivierung kann daher als Ermöglichung von Existenz verstanden werden, welche jedoch immer zugleich mit einer Unterwerfung unter spezifische Regeln einhergeht, welche die jeweilige Subjektposition - also Frau-Sein, Hetero-Sein, Alt-Sein - mit bestimmen. Foucault selbst stellt die Gewaltsamkeit dieser Form der diskursiven 'Einrichtung' von Welt heraus, wenn er konstatiert: „Man muss den Diskurs als eine Gewalt begreifen, die wir den Dingen antun; jedenfalls als eine Praxis, die wir ihnen aufzwingen“ (Foucault 2003a: 34f.). Diskursive Aussagen sind produktiv, reizen an, bringen hervor und sind dabei aber immer auch regulativ. Die Verschränkung von Wissen und Macht ist laut Foucault in Form von Subjektivierung gerade dort im unmittelbaren Alltagsleben erfahrbar, wo „das Individuum in Kategorien ein[ge]teilt, ihm seine Individualität aufprägt, es an seine Identität [ge]fesselt, ihm ein Gesetz der Wahrheit auferlegt [wird, S.F.], das es anerkennen muss und das andere in ihm anerkennen müssen“ (Foucault 1987: 246). Judith Butler macht jedoch auf die Handlungsmöglichkeiten von Subjekten aufmerksam, wenn sie schreibt: „Das Subjekt wird von den Regeln, durch die es erzeugt wird, nicht determiniert, weil die Bezeichnung kein fundierter Akt, sondern eher ein regulierter Wiederholungsprozeß ist, … der seine Regeln aufzwingt … daher ist die 'Handlungsmöglichkeit' in der Möglichkeit anzusiedeln, diese Wiederholung zu variieren“ (Butler 1991: 213).
Statt eine bestimmte Subjektivierung zu bekräftigen, kann sich dieser auch widersetzt, diese subvertiert und umgearbeitet werden, indem die auferlegten Regeln, um in einem bestimmten gesellschaftlich-historischen Kontext als Frau oder Mann an/erkannt zu werden, nicht (korrekt) befolgt werden. Immer verknüpft mit der Freiheit und der Gefahr, nicht (mehr) als Frau oder Mann erkannt und anerkannt zu werden. Dass Subjektwerdung und Nicht-Unterwerfung weitaus komplexer, brüchiger und prekärer ist als hier bis jetzt skizziert, deutet die Feststellung Holerts an: „Das Subjekt entsteht gerade im Widerstand gegen die erzwungene Identifizierung, dort wo die ideologische Anrufung versagt“ (vgl. Holert 2002: 153). Und zum anderen zeigen es die Ausführungen Judith Butlers in ihrem Buch Körper von Gewicht. Dort diskutiert sie u.a. anhand der Position des Abjekten – des Verächtlichen, Verworfenen – die Gewaltsamkeit soziosymbolischer Ordnungen1) und greift damit den Fall auf, wenn einer_m sogar der Status als Subjekt ganz abgesprochen wird, wenn die Anerkennung entzogen wird, wenn kein Platz in der bestehenden soziosymbolischen Ordnung vorgesehen ist (vgl. Butler 1997).
Subjektivierung geht mit Handlungszwängen und -möglichkeiten, mit Formen der Sichtbarkeit und Dispositioniertheit einher, welche durch diskursiv hergestellte Ordnungen bestimmt werden. Als eine produktive Ergänzung kann hier Encarnación Gutiérrez Rodríguez' Hinweis auf die materiellen Konsequenzen von Subjektivierung angeführt werden (Gutiérrez Rodríguez 2000). Gutiérrez Rodríguez unterscheidet bei der Frage nach Subjektivierung zwischen der Konstruktion als Akt der Anrufung sowie der Konstitution als der materialisierenden Wirkkraft der Konstruktion. Sie will damit herausstellen, dass die Ausformung von Subjektivitäten immer vor dem Hintergrund eines gesellschaftlich-historischen Rahmens erfolgt, welcher von unterschiedlichen Herrschaftsverhältnissen mitgestaltet wird. Deshalb macht es bspw. einen Unterschied, ob man_frau als Inländer_in, als Ausländer_in, als hetero, als lesbisch, als Christ oder als Muslima angerufen wird. Denn nicht alle Subjekte haben die gleichen materiellen Folgen von diskursiven Bezeichnungsdynamiken zu tragen. Die Unterscheidung zwischen Konstruktion und Konstitution stellt den Aspekt heraus, dass nicht alle Subjekte den gleichen Status haben, sondern es Hierarchien gibt, die nicht nur auf symbolischer sondern auch auf materieller Ebene Wirkung entfalten. Es bestehen Unterschiede, wobei mache Subjekte 'wie von selbst' mit Privilegien ausstattet sind, andere Subjekte dafür mit dem (sozialen) Tod bedroht werden.