Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03438.jsonl.gz/3020

Wenn jemand bei unserer Auswanderung vor 23 Jahren vorausgesagt hätte, dass wir Königin Elisabeth II. eines Tages ein Stück Land verkaufen würden, hätten wir über den „Joke“ gelacht. Doch jetzt haben wir es tatsächlich getan.
Nachdem der Bach, der die Grenze zu unserem Grundstück bildet, sich vor einem Jahr am Strassendamm bedrohlich gestaut hatte, beschloss das Ministerium für Transport und Infrastruktur, das Wasser in zwei grösseren Rohren unter der Strasse durch zu leiten, so dass es bei Hochwasser nicht mehr, wie letztes Jahr, zusätzlich Tag und Nacht über die Strasse in die Schlucht gepumpt werden müsste. Weil unser Grundstück nicht nur an den Bach, sondern auch an die Strasse grenzt, wurde für die Verbesserungsarbeiten ein Zipfel unseres Landes benötigt: gut 228 Quadratmeter. Das Aufgebot an Arbeitskräften und Maschinen zeigte vom ersten Tag an, dass es hier um eine dauerhafte Lösung geht.
Die wissenschaftliche Sensation habe ich für den Schluss meiner DRAO-Beiträge aufgespart: Die Meldung, dass das am 7. September 2018 in Betrieb genommene CHIME-Teleskop (Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment) bereits neue Fast Radio Bursts entdeckt hat, ging weltweit durch die Fachpresse. Die Anlage besteht aus vier 100 Meter langen Halbzylindern, die in Nord-Süd-Richtung angeordnet sind.
Ein Fast Radio Burst (FRB), Schneller Radio Blitz oder Extragalactic Fast Radio Transient ist ein einmaliger kurzer Ausbruch im Bereich der Radiostrahlung mit einer Dauer von wenigen Millisekunden in (vermutlich) extragalaktischen Entfernungen. Ursprung und Ursache sind noch unbekannt. Es gibt aber schon mehrere Theorien. So wird u.a. vermutet, die beobachtete Radiostrahlung könnte mit der Verschmelzung zweier Weisser Zwerge und einem dabei neu entstehenden massiven, schnell rotierenden Weissen Zwerg zu erklären sein oder auf die Extremform eines Riesenpulses bei einem Pulsar oder auf das Verdampfen eines Schwarzen Lochs hinweisen.
Schliessen möchte ich mit einem Satz des zu früh verstorbenen Berner Troubadours, Schriftstellers und Freunds Fritz Widmer: „U was fat dert aa, wo der Himel ufhört, hinger de letschte Stärne?“
Einhändig verhindert Marianne, dass sich der „Dish“ des 26-Meter-Teleskops weiter senkt. 2007 lud das DRAO einige Künstlerinnen und Künstler ein, zum Thema „Kosmos“ Beiträge für eine Ausstellung im Hauptgebäude zu gestalten. Meine Installation trug den Titel „Imagine the Sound of the Big Bang“. Als „Kopfhörer“ verband ich Gehörschutz-Muscheln mit meinem Antennengeflecht. Willy Loosli, ein Schweizer Freund und ehemaliger Lehrerkollege mit ausgezeichnetem Vorstellungsvermögen, schrieb mir kürzlich zu diesem Foto: „Der damals eingefangene Tinitus erinnert mich täglich an den Ur-Knall, der mit Milliarden Jahren Verspätung auf mein Trommelfell traf!“
Das DRAO wurde 1960 gegründet. Es wird vom „Herzberg Institute of Astrophysics“, einer Unterabteilung des „National Research Council of Canada“ betrieben.
Auf dem folgenden Foto sind links neben der Zufahrt zu den Gebäuden sechs der sieben Radioteleskope zu sehen, die auf Schienen über eine Strecke von 600 Metern verschiebbar sind. Rechterhand befindet sich das 2017 neu erstellte CHIME-Teleskop. Die Abkürzung steht für „Hydrogen Intensity Mapping Experiment“. Auf diese Anlage werde ich in einem späteren Beitrag zu sprechen kommen.
Vor dem Gebäude mit den wissenschaftlichen Laboratorien ( drittes Foto) stehen „museale“ Relikte des ausgedehnten Masten-Waldes, über den die Antennendrähte einer früheren Anlage gespannt waren. Rechts ist, mit momentan gesenkter „Schüssel“, das 1960 erbaute 26m-Radioteleskop, das „DRAO-Wahrzeichen“, zu bewundern. Im Gebäude hinter dem grossen „Dish“ befindet sich das „Visitor Centre“, daneben etwas weiter hinten die Anlage für solare Radiomessung (viertes Foto).
Gut zehn Autominuten von uns entfernt befindet sich das Dominion Radio Astrophysical Observatory (DRAO). Die malerischen Felsen auf dem Weg dorthin sind vulkanischen Ursprungs. Das Wasser im benachbarten White Lake verdunstet im Sommer und lässt auf dem Grund eine weisse Salzkruste zurück. Eine Warntafel steht als Fremdkörper in einer „Western“-Landschaft, in der schon Filmszenen gedreht wurden.
Vom White Lake aus sind die DRAO-Anlagen sichtbar.
Es ist seit Wochen kalt, Höchsttemperatur tagsüber zwei, drei Grad unter Null. Ums Haus herum liegt immer noch eine dünne Schneeschicht. Unser gut geheiztes Arbeitszimmer im Kellergeschoss ist so besonders attraktiv. Marianne wirkt mit wohltuend warmen Farben am Webstuhl.
Ich füge ein paar Ergänzungen in mein umfangreiches Textgewebe „Meine mitgebrachte Kindheit“ ein und arbeite an der Gedichtsammlung „Pflaumengestirn und Hasenpfeffer“. Zwischendurch male ich an zwei Bilder-Serien: „Empathische Farben“ und „PonderosArt“. Letztere ist inspiriert von den skurril geformten Rindenschuppen unserer Ponderosa-Kiefern. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich erste Resultate vorstellen kann…
Vielen Dank, Filippo Mazzi, dass Sie mich in meinen Erinnerungen wieder auf die Spur des berühmten Tessiner Künstlers Antonio Ciseri zurückführen! Als Kind war ich bei einem Ausflug mit meinen Grosseltern in der Madonna di Sasso über Locarno tief beeindruckt von Ciseris Bild der Grablegung Christi. Die Abbildung entnehme ich dem für die Tessiner Oberstufe 1936 publizierten Schulbuch von Ugo Donati „Breve storia di artisti ticinesi“. Als Quelle wird die Firma Fratelli Alinari in Florenz genannt. Antonio Ciseri war 1821 in Ronco über Ascona geboren worden und 1891 in Florenz als gefeierter Künstler gestorben. Das Gemälde „Trasporto di Cristo al Sepolcro“ malte er um 1870. Es wurde während einer Ausstellung in Florenz in Prosa und Versen begeistert gelobt. Ein Biograf wird 1916 schreiben, Ciseri sei daraufhin zum populärsten Künstler des Jahrhunderts erklärt worden. Der Mäzen Advokat Bartolomeo Rusca schenkte das Bild der Madonna del Sasso, weil er sie mit „einem grossartigen und modernen Werk“ ehren wollte. Von der Madonna del Sasso aus führen mich meine Erinnerungen jetzt nach Rasa. 1968 notierte ich dort: „In der Sakristei der Sant’Anna-Kirche (1746 – 1753 von Filippo Martinoia aus Cevio im Maggiatal gebaut) werden prunkvolle Reliquiare und Messgewänder aufbewahrt: Geschenke von Wohltätern, die von Rasa nach Livorno ausgewandert waren und dort das Monopol zur Ausübung des Lastenträgerberufs besassen. Besonders stolz ist man in Rasa auf eine Sant’Anna, die Antonio Ciseri für eine Altarverkleidung auf Kupfer gemalt hat.“
Bevor ich mich, wie im letzten Blog-Beitrag angekündigt, auf die Suche nach Spuren des berühmten Tessiner Künstlers Antonio Ciseri begebe, füge ich hier Aktuelles aus unserem Tal ein: Ende Monat läuft die Vernehmlassungsfrist für das seit Jahren heftig diskutierte Nationalpark-Projekt „South Okanagan – Similkameen“ ab. Marianne und ich hoffen mit vielen Befürworterinnen und Befürwortern noch immer, dass es trotz der lautstarken Opposition gelingt, einen Teil dieser einmaligen Landschaft mit ihrer so besonderen und damit auch besonders gefährdeten Pflanzen- und Tierwelt vor der drohenden Zersiedelung zu bewahren.
Die für uns enttäuschende Meldung aus dem Tessin vom Juni des vergangenen Jahres steigt in der Erinnerung auf : „Im Locarnese haben sechs der acht Gemeinden gegen einen ‚Parco Nazionale del Locarnese‘ gestimmt. Das letzte Nationalparkprojekt ist somit gestorben.“
Ich füge hier den Link zu einem kurzen Film bei, der für die Einrichtung eines Parks in unserer Gegend und im Nachbartal wirbt. Als Befürworter des Projekts tritt darin auch Clarence Louie, der Chief der Osoyoos Indian Band, auf.
https://vimeo.com/314906482/4cac8a0df9
Und hier gleich noch etwas mehr Werbung…
„Der Kunstmaler Giacomo Damotti“, erzählte mir Filippo Mazzi 1967 in der Osteria Bordei, „wurde in diesem Haus geboren. Als junger Bursche sah ich sein Grab in der Kirche Santo Spirito in Florenz.“ Marianne und ich suchten es dort 1971 vergeblich. Damotti malte um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Um 1700 hatte in Florenz schon ein anderer Künstler gewirkt, der ebenfalls aus den Centovalli stammte: Taddeo Mazzi. Sein Selbstporträt, las ich im 1807 erschienenen „Dizionario storico raggionato degli uomini illustri del canton Ticino“, befinde sich in der „Galleria del Re d‘ Etruria“ mit anderen Bildnissen hervorragender Künstler. Das Bild wurde 2017 in Florenz in den Uffizien zusammen mit wichtigen Neuanschaffungen von Werken der Künstler Luca Giordano und Taddeo Mazzi gezeigt. Filippo hatte als junger Mann in Florenz in einer der „Rosticcerie“ (Bratküchen) der Familie Mazzi gearbeitet. Er führte mich mit seinen Erinnerungen zur Witwe eines anderen berühmten Tessiner Malers: „Da stand ich vor dem Palazzo in Florenz, mit den gebratenen Hähnchen in der Hand, und eine Hausangestellte sagte mir: Die Witwe Ciseri ist eben gestorben, mach mit den Hähnchen, was du willst.“ Filippo wagte nicht, sie selbst zu essen. Er brachte sie in die Rosticceria zurück. An dieser Stelle möchte ich wiederum auf den Blog https://centovalli-tessin.ch/blog hinweisen und diesmal besonders auf den Beitrag von Professor Giampiero Mazzi. Die Spur von Antonio Ciseri nehme ich in meinem nächsten Blog-Beitrag auf. Das Foto zeigt die Gaststube der Osteria Bordei 1967. Als Kommentar schrieb ich dazu in meinem Centovalli-Buch von 1972: „Hier steht die Zeit still.“
Wer sich in der Schweiz mit lokaler Geschichte beschäftigt, stösst bald einmal auf Spuren, die in die weite Welt hinausführen. Das gilt ganz besonders auch fürs Tessin. Schon in meiner Kindheit wurden mir in den Centovalli spannende Auswanderer-Geschichten erzählt und auf viele mehr stiess ich bei meinen Nachforschungen für mein 1972 im Verlag Paul Haupt in Bern erschienenes Buch „Die Centovalli“. Freunde im Tessin neckten mich vor Jahren, ich sei schliesslich selbst auch ausgewandert, um meine „Tessinisierung“ zu vervollständigen. Eine faszinierende Spurensuche ist jetzt auf https://centovalli-tessin.ch/blog in einem Beitrag von Renate Fennes aus Deutschland zu finden. Er führt von Verdasio nach Österreich, wo Vorfahren ihres Mannes in Langenlois und und Wien Kaminfeger-Betriebe gründeten, und gibt Einblick in die Geschichte der Familie Mazzi. Bevor ich mich in einem weiteren Beitrag den Erinnerungen an meinen freundschaftlichen Kontakt mit Filippo und Serena Mazzi in Bordei zuwende, füge ich hier noch bei, was ich im Dörfchen Moneto 1968 im Hinblick auf mein Centovalli-Buch notierte: “ Das Dorf wirkt arm und verlassen. Man erzählt hier, dass 14 Familienväter während einer Pestepidemie in Österreich, wo sie als Kaminfeger arbeiteten, das Leben verloren haben. Die Hinterbliebenen hätten Land an die Leute von Camedo verkaufen müssen, die wirklich noch heute Land oberhalb des Dorfes besitzen. In der Kirche wird ein Bild aufbewahrt, das 1655 in Wien gemalt wurde.“ Das beigefügte Foto machte ich 1969 auf meiner Spurensuche in der Osteria Bordei. Ich notierte mir dazu: „In der alten Casa Damotti befindet sich die Osteria Bordei. Die Familie Mazzi bewahrt in den Räumen des herrschaftlichen Hauses Bücher, Bilder und Waffen aus der Zeit der Emigration in die Toscana auf.“