Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03215.jsonl.gz/2580

Zwischen Montagmorgen und Dienstagmorgen kam es zwischen dem Sturmtief „Sabine“ über der Nordsee und einem Hochdruckgebiet im Süden zu grossen Luftdruckgegensätzen über der Schweiz. Dies führte verbreitet zu kräftigen Sturmböen, die Spuren hinterliessen.
Orkanartige Böen bis in die tiefen Lagen
Der Sturm hatte zwei Höhepunkte. Das erste Maximum wurde am Montagvormittag vor und an der ersten Kaltfront erreicht. In den tiefen Lagen der Ostschweiz lagen die Windspitzen flächig zwischen 90 und 120 Km/h. Stellenweise wurden in exponierten Lagen Orkanböen über 120 Km/h registriert, wie beispielsweise in St. Gallen. In der Nacht auf Dienstag folgte der zweite, etwas schwächere Höhepunkt des Sturms mit verbreitet 90 bis 110 Km/h. Auf den Bergen wütete der Sturm in Orkanstärke mit 153 Km/h auf dem Hörnli im Züricher Oberland und 189 Km/h auf dem Säntis.
Windspitzen (>100 Km/h) von Meteoschweiz bei „Sabine“ in der Ostschweiz und meine Messung von Hand:
St. Gallen 125 Km/h
Steckborn 122 Km/h
Salen-Reutenen 118 Km/h
Vaduz 118 Km/h
Schmerikon 115 Km/h
Mörschwil/Lehn (eigene Messung) 113 Km/h
Altenrhein 112 Km/h
Aadorf-Tänikon 108 Km/h
Oberriet 101 Km/h
Stark, aber nicht extrem
Bei normalen Winterstürmen, die jedes Jahr auftreten, werden meist Windspitzen von verbreitet 75 bis 90 Km/h erreicht. Sabine war somit ein starker Wintersturm. Ähnlich stark war der Sturm „Burglind“ am 3. Januar 2018, als ebenfalls verbreitet 90 bis 120 Km/h erreicht wurden. Damals waren allerdings örtlich deutlich heftigere Windböen dabei mit knapp 140 Km/h in Bad Ragaz. Solche Ausreisser blieben bei „Sabine“ an den offiziellen Stationen aus. Noch einmal deutlich heftiger war der grosse Sturm „Lothar“ nach Weihnachten 1999. Bei Lothar wurden in der Ostschweiz verbreitet 110 bis 130 Km/h erreicht, stellenweise aber auch viel mehr. Auch „Vivian“ Ende Februar 1990 war noch etwas stärker als „Sabine“. Trotzdem gehört „Sabine“ zu den stärksten Stürmen der letzten Jahrzehnte. Die Böenspitzen haben an vielen Stationen Werte erreicht, die ungefähr alle 3 bis 10 Jahre zu erwarten sind.
Die Böenspitzen an meiner Wetterstation in geschützter Lage erreichten sowohl am Montagvormittag, als auch in der Nacht auf Dienstag jeweils 56.5 Km/h. Damit wurde der Stationsrekord von 68.3 Km/h klar nicht erreicht. Durch die starke Böigkeit im Quartier können die Werte aber mal etwas höher, mal etwas tiefer liegen. Gestern und heute reichte es nur für zwei Mal Platz 6 in der achtjährigen Messreihe.
Die aktuelle Sturmphase ist besonders in St. Gallen auffällig: Bereits zum zweiten Mal in zwei Wochen kam es gestern zu einer Orkanböe.
Verbreitet Schäden
Den Windstärken entsprechend kam es vielerorts zu Schäden. Zahlreiche Bäume, auch grössere, wurden entwurzelt oder gebrochen. Viele Strassen waren deshalb vorübergehend gesperrt, so auch die rechte Fahrspur der A1 zwischen Rheineck und Meggenhus. Auch im öffentlichen Verkehr kam es zu Verspätungen und Ausfällen. In St. Gallen-Haggen stürzte ein Baum auf die Stromleitung der VBSG. Auch Dächer waren nicht sicher vor dem Sturm: In Rorschach hat „Sabine“ das Dach einer Firma weggeweht und Fenster beschädigt. Teilweise wurden Ziegel von den Dächern geweht, so auch in Mörschwil bei der Kirche. An einigen Orten beschädigten herumfliegende Gegenstände – unter anderem Dachziegel, oder umstürzende Bäume Autos. Insgesamt gingen bei Ostschweizer Polizeien rund 300 Meldungen ein, die meisten davon am Montagvormittag. In der Nacht auf Dienstag kam es nur noch zu einzelnen Schäden.
Gute Warnungen
Bereits am Samstag berechneten die Wettermodelle den Sturm ziemlich einheitlich. Somit konnten die Wetterdienste bereits ein bis zwei Tage im Voraus Warnungen herausgeben, die sich nachträglich auch als korrekt erwiesen. Bei solchen Wetterlagen können sich Stürme mit kurzer Vorwarnzeit deutlich verstärken oder abschwächen. Ich warnte vor verbreitet 100 bis 120, stellenweise 130 Km/h oder etwas mehr. Der Sturm war schlussendlich minimal schwächer, aber insgesamt war die Warnung sehr gut. Auch die Zeit des Maximums konnte ich recht genau angeben.
Ausblick
Mittwoch und Donnerstag werden ruhiger, bevor der Wind in der Nacht auf Freitag wieder auffrischt und in Böen möglicherweise 60 bis 90 Km/h erreicht. Ein weiterer kräftiger Sturm zeichnet sich aber nicht ab. Winterwetter ist übrigens auch nicht in Sicht.
Am Montagmorgen fiel übrigens die Übertragung des Regensensors meiner Wetterstation aus. Wahrscheinlich muss das Gerät ersetzt werden.