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Freut euch im Herrn allezeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!
(Philipperbrief 4,4)
Für einen Pessimisten mit Hang zur Melancholie ist das schwere Kost, diese penetrante Aufforderung zum Frohsinn. Irgendwie erinnert sie mich an nervtötende Lustigkeitsparolen in Festzelten. Mutet Paulus sie mir zu im Brief, den er seiner Gemeinde im makedonischen Philippi schreibt?
Darin redet er viel von der Freude: von der, die er selber empfindet, und von der, die er seinen Leserinnen und Lesern empfiehlt. Und dann dieses merkwürdige «im Herrn», das er in dieser oder in vergleichbaren Wendungen («in Christus») ebenso unermüdlich wiederholt. «Herr» und «Christus» stehen hier für das, was die Gläubigen in Philippi mit dem hingerichteten Jesus von Nazareth verbindet. Wie sollten sie, wie sollten wir freudig «in ihm» sein können, einem Toten?
Im Moment, wo Paulus seinen Brief schreibt, seine Adressaten zur Freude auffordert und diese nach eigenem Bekunden auch selber empfindet, sitzt er im Gefängnis. Er muss damit rechnen, bald selber das Schicksal seines «Herrn» zu erleiden und sein Leben zu verlieren.
Ist die Freude, die Paulus meint, vielleicht eine andere, als sie in der aufgesetzten Dauerfröhlichkeit lustiger Stimmungsmacher daherkommt?
Schenk uns das Leuchten deines Angesichtes,
bewahre uns die Freude dieses Lichtes.
Mehr als das Glück, das Menschen je erreichten,
zählt dieses Leuchten. (Kirchengesangbuch Nr. 4)
Hansueli Hauenstein, Pfarrer