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Ein langjähriger Teilnehmer berichtet, von Sten Björnum: Der Aufschwung und Untergang der SOLA-Stafette in Schweden.
Herbst 1967 in Karlstad. Hier hat es neuerdings eine Hochschule gegeben. Sie ist wie eine kleine Schwester der Uni Göteborg. Beide Orte haben einen Sportverband und durch Erling Andersson entstand damals eine tolle Idee. Warum nicht eine gemeinsame Stafette entstehen lassen? Aber wo? Karlstad oder Göteborg?
Nein, zwischen Karlstad und Göteborg, auf einer Strecke von 25 Meilen und auf einer ganz normalen Strasse ist die SOLA-Stafette entstanden.
In 25 kleineren Strecken wurde die Stafette aufgeteilt und jede Strecke war zwischen 3 und 18km lang. Damen und Herren gemischt, verlangt wurde nur, dass mindestens 3 Strecken von Damen absolviert werden mussten.
Das Ziel war auf dem Marktplatz in Karlstad (übrigens meiner Geburtsstadt), mitten in der Stadt mit einer riesigen Party am Abend. Die Leute aus Göteborg organisierten die Stafette und der Sportverein aus Karlstad das Fest.
Zeitpunkt? Am Besten Anfang Mai und es begann 1968.
Wie soll der Lauf heissen? Wir nennen es doch „SOLA i Karlsta“ (das ist Dialekt und heisst „die Sonne in Karlstad“)
So wurde einer der grössten Studenten-Wettbewerbe unserer modernen Zeit geboren.
Jetzt hiess es viel zu organisieren
Polizei für die Strecke aufbieten, Schulen aufsuchen, Sportplätze anschauen, Duschmöglichkeiten, Essen, Bewilligung und gute Orte aussuchen, welche auch der Verkehrssicherheit entsprachen. Ein Lokal für die Party in Karlstad suchen, etc.
Das alles war gar kein Problem und ging alles unglaublich einfach, wahrscheinlich mit Hilfe des jugendlichen Enthusiasmus. Man sah keine Schwierigkeiten, nur Möglichkeiten. Es war eben eine gute Idee!
Ein Logo war schnell gefunden, nämlich die berühmte, fröhlich strahlende Sonne aus Karstad. Dies ist noch heute das Stadtzeichen.
Wie lief die erste Stafette?
Acht Teams waren unterwegs, sieben von Göteborg und eine von Karlstad. Der Preis war eine Flasche „Starkes“. Leider konnte ich beim ersten Mal nicht dabei sein, danach verpasste ich bis 1994 keine Austragung mehr. Ausser der ersten und letzten Strecke bin ich alle gerannt.
Mit der Zeit entwickelte sich die SOLA-Stafette zum richtigen Volksfest. Die Anzahl der Strecken wurde auf 30 erhöht und davon wurden mindestens 10 von Damen gerannt. Am Anfang waren nur die Uni’s von Göteborg und Karlstad dabei, mit der Zeit kamen Teams von Lulea im Norden bis Lund im Süden dazu. Das grösste Teilnehmerfeld betrug 120 Teams – und das bis ende der 70er Jahre.
Es hatte Teams, die unbedingt gewinnen wollten und auch sehr schnell waren und es gab Teams, welche nur aus Spass mitmachten.
Die Stafette wurde zum Symbol der Uni-Leichtathletik. Viel Spass, Party, aber auch eine ernste Sache. Für viele war der Anlass ein „Social-Event“.
Ein paar Beobachtungen:
- Über Jahre kamen immer die gleichen Helfer.
- Viele Teilnehmer waren in Langzeitausbildungen, wie Medizinstudium oder Bauernhochschule
- die Teams stellten sehr gute Läufer zusammen um zu gewinnen
- Lustige Teamnamen wie „Bier-Stemmer“, „das Fett rennt“ oder die „Unterknechte“
- Die Teams trafen sich jedes Jahr wieder zum Teil schon mit der nächsten Generation
- Liebesbeziehungen und Freundschaften wurden geschlossen
- Viele Trainingskilometer wurden gerannt – mit dem Ziel SOLA
- Es gab Nachahmungen in Holland und der Schweiz
SOLA war etwas ganz fantastisches. Die Mischung zwischen der Elite und den ganz normalen Alltagssportlern ergab eine herrliche Stimmung.
Es war einfach super, dass man mit Freunden sich umarmen, gegenseitig unterstützen, anfeuern und rennen konnte.
Wenn man in Dalarna am Morgen früh zwischen 3 und 4 Uhr auf einem Hügel sitzt, eine Thermoskanne heisse Schokolade und ein Sandwich dabei hat und beobachten kann, wie über dem See die Vögel an diesem Frühlingsmorgen den Tag begrüssen, das sind unvergessliche Erinnerungen für alle, die einmal dabei waren.
Wenn ein Läufer nicht kam, ist man selber eingesprungen. Später als alle im Ziel waren wurde gefeiert, und beim Abschied nehmen waren alle total Müde. Es ging allen gleich und doch freuten sie sich schon wieder aufs nächste Mal.
Leider enden alle Erfolge irgendwann… die Organisation wurde immer schwieriger, denn der Verkehr auf der Hauptstrasse 45 nahm sehr stark zu. Die Sicherheit konnte nicht mehr gewährleistet werden. Nach einem tragischen Unfall wurde dann sogar verboten nachts zu rennen.
Die Läufer mussten alle übernachten, demzufolge brauchte es mehr Helfer usw.!
Am Schluss wurden die Kosten zu hoch, das Interesse war nicht mehr so gross und 1998 wurde die SOLA das letzte Mal durchgeführt. Nach 30 Jahren war Schluss!
Lasst uns aber alle an die SOLA erinnern und daran, dass es einer der grössten und auch besten Studentenanlässe war, mit riesengrossem Charme.
Erling, welcher in der Zwischenzeit gestorben ist, danken wir für diese tolle Idee. In meinem Herzen hat die SOLA einen eigenen Platz und ich weiss, das viele Schweden das auch so sehen.