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Talent mit viel Ausdauer
Daneben trainierte der schlaksige Athlet hautsächlich zu Hause auf dem Anwesen der Eltern auch die verschiedenen Nationalturn-Disziplinen. So bewies Jeremy Vollenweider mit dem damals etwas überraschenden Rang 1 b in der Jugendkategorie 1 an den Schweizer Meisterschaften im Nationalturnen 2008 erstmals seine Vielseitigkeit. Schon damals blieb Kennern das grosse Talent des Zehnjährigen nicht verborgen.
Dass aber Talent alleine für eine erfolgreiche Sportlerkarriere nicht genügt, war auch dem Vater von Jeremy sehr wohl bewusst. Mit grossem Einsatz und viel Hingabe hatte Beat Vollenweider sowohl Jeremy, wie auch dessen 6 Jahre jüngeren Bruder LoÏc die Freude an den Nationalturndisziplinen vermittelt.
Erfolge und Niederlagen wechselten sich ab
Nachdem Jeremy an den Schweizer Meisterschaften im Nationalturnen auch 2009 noch einmal der Sprung aufs Podest gelungen war, blieben die grösseren Erfolge eine Weile aus. Aber der zähe Sportler biss sich durch. Stolz durfte er sich im Jahr 2012 dann zum Doppel-Schweizermeister im Ringen der Kategorie Jugend A küren lassen. Ein Jahr später glänzte er in der Leistungsklasse 1 mit ausgezeichneten Nationalturn-Resultaten am Eidgenössischen Turnfest 2013 in Biel, wie auch an den Schweizer Meisterschaften. An den nationalen Meisterschaften der Nationalturner 2014 gelang ihm die Schlussgang-Qualifikation in der Kategorie L1. Nach dem enttäuschenden Unentschieden blieb ihm jedoch „nur“ der ausgezeichnete 2. Rang. Aber solche Niederlagen machten den jungen, manchmal etwas ungeduldigen, aber sehr ehrgeizigen Sportler noch stärker.
Im Jahr 2015 gelangen ihm dann einige markante Erfolge. So durfte er sich an den Schweizer Meisterschaften im Nationalturnen erstmals die Goldmedaille umhängen lassen. Und zudem siegte er auch in der ENV-Jahreswertung in der Leistungsklasse 2. Zudem wagte das 17-jährige Talent im gleichen Jahr seinen ersten Nationalturn-Start in der Elitekategorie A. Trotz Trainingsrückstand mit den schweren Steingewichten zeigte Jeremy am Schaffhauser Kantonalturnfest einen beherzten Wettkampf und gewann (gegen starke Thurgauer Konkurrenz) seinen ersten Nationalturn-Kranz. Zuvor war ihm am Zürcher Kantonalschwingfest in Wädenswil eine kleine Sensation gelungen. Er durfte sich dort mit seinem ersten Schwinger-Kranz krönen lassen.
Schicksalhaftes Jahr 2016
„Mein Herz hatte während eines Ringkampfes einfach abgestellt – und war dann wieder da“, erzählt Vollenweider. Es passierte noch vor der Freiluftsaison 2016 an den Schweizer Meisterschaften im April in Oberriet. Der junge Zweikämpfer erlitt einen plötzlichen epileptischen Anfall mit Herzstillstand. Dankbar denkt er an das beherzte Eingreifen der Samariter zurück, welches ihm das Leben rettete.
Der bald darauf Genesene liess sich durch diesen Rückschlag nicht beirren. So erkämpfte er sich am Zentralschweizer Ringertag seinen ersten Ringerkranz. Zudem wurde er im Nationalturnen an den nationalen Titelkämpfen Vizemeister und belegte den 3. Rang in der ENV-Jahreswertung in der Leistungsklasse 3. Dann gelang ihm auch noch die Qualifikation zur Teilnahme am Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer-le-Lac, wo der 18-jährige sechs Gänge absolvierte.
So, als wäre es nach dem Schock im April nicht genug, schlug das Schicksal im November nochmals zu. „Ausgerechnet beim letzten Kampf meiner Ringerriege Weinfelden um die Bronzemedaille in der Nationalliga B musste ich passen. Einige Tage zuvor erhielt ich die Diagnose Hodenkrebs“, schildert Vollenweider. Was dann folgte, waren langwierige Chemotherapie und schliesslich auch noch eine schwierige Operation. Unterdessen ist der Krebs weg. Nach der letzten Routine-Kontrolle sei alles gut, sagt der Riesen-Kämpfer heute.
Neustart mit Vollgas, aber etwas entspannter
Im Laufe des Jahres 2017 kehrte der heute im schaffhausischen Beringen wohnhafte Sportler wieder auf die Wettkampfplätze zurück. Er krönte diese schwierige Saison mit dem Sieg in der Leistungsklasse 3 an den Eidgenössischen Nationalturntagen im luzernischen Eschenbach, was zugleich auch der Schweizer Meistertitel bedeutete.
2018 vermochte sich der Allrounder in all „seinen“ Sportarten erfolgreich in Szene zu setzen. Er erkämpfte sich den Junioren-Schweizer Meistertitel im Freistilringen sowie seinen ersten Nationalturnkranz an Schweizer Meisterschaften. Zudem vergrösserte er seine Kranzsammlung im Schwingen um drei weitere kantonale Exemplare.
Dass sich Jeremy Vollenweider, der wöchentlich 4 bis 5 Trainings absolviert (Januar bis September eher Schwingen, August bis Januar schwergewichtig Ringen), sportlich wieder auf dem ansteigenden Erfolgsweg befindet, stellte er mit eindrücklichen Erfolgen im letzten Jahre unter Beweis. Einerseits zeigte er an den beiden wichtigsten Nationalturnanlässen in der Eliteklasse hervorragende Leistungen: Am Eidgenössischen Turnfest in Aarau gelang ihm mit dem 3. Rang der Sprung aufs Podest und an den Schweizer Meisterschaften belegte er nach verlorenem Schlussgang ebenfalls den 3. Platz.
Und auch als Schwinger wusste er 2019 zu überzeugen. Nach dem Gewinn von drei Kränzen an Kantonalfesten sowie seinem ersten Teilverbandskranz am Nordostschweizer Fest in Hallau startete er am Eidgenössischen Fest in Zug. Nach ausgezeichnetem Start folgten auch enttäuschende Resultate. Trotzdem durfte er 8 Gänge schwingen. „Mit ein wenig Abstand darf ich mit meiner gezeigten Leistung sicher zufrieden sein“, meint Vollenweider.
Blick in die etwas unsichere Zukunft
Im Gespräch mit dem gelernten Maurer, der zurzeit in einer Weiterbildung steckt, kommt zum Ausdruck, dass er ein junger Mann der Taten, und eher nicht der Worte ist. Er zeigt zwar Freude und auch Stolz über seine Erfolge, stellt sich aber damit nicht in den Mittelpunkt.
Auf die Frage, wie er die Saison 2020 noch sehe, ist er eher verhalten optimistisch. Er verstehe, dass die Gesundheit der Menschen das Wichtigste sei. Allerdings hoffe er, dass das ESV-Jubiläumsschwingfest in Appenzell stattfinde. Sich dafür zu qualifizieren sowie seinen NOS-Kranz zu bestätigen seien denn auch seine allfälligen Ziele in dieser „Corona“-Saison.
Zum Thema Training in dieser schwierigen Zeit sagt der polysportive Athlet: „Ich trainiere zurzeit individuell zu Hause 2 bis 4 Mal wöchentlich. Dabei absolviere ich insbesondere Kraft- und Konditions-Einheiten anhand von ausgezeichneten Trainingsplänen.
Abschliessend bekräftigt Vollenweider, dass er weiterhin mit Ausdauer, aber auch mit Freude seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen - Nationalturnen, Schwingen und Ringen – nachgehen werde. Dabei zitiert er sein persönliches Motto: „Das Wichtigste ist, dass man an dem, was man macht, Freude hat!“
Porträt:
Name/Vorname: Vollenweider Jeremy
Geburtsdatum: Donnerstag, Februar 12, 1998
Sternzeichen: Wassermann
Zivilstand: ledig
Wohnort: Beringen
Grösse (cm): 189
Gewicht (kg): 94
erlernter Beruf: Maurer
jetziger Beruf: Maurer
Weiterbildung: Vorarbeiter/Polier Weiterbildung
Hobbys: Ringen, Schwingen, Nationalturnen
Schönste Erfolg(e): Teilnahme ESAF 2016 in Estavayer-le-Lac (6 Gänge)
Teilnahme ESAF 2019 in Zug (8 Gänge)
1. Teilverbandskranz am NOS Schwingfest 2019 in Hallau
Sieg am Eidg. Nationalturntag 2017 in Eschenbach LU, Kat. L3
3. Rang - Eidg. Turnfest 2019 in Aarau, Nationalturnen Kat. A
3. Rang SM Nationalturnen 2019, Kat. A
Grösste
Enttäuschung: keine