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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Neuntes Buch
30. Christi Geburt als „Ausgang” vom Vater. 1
Ihre Erkenntnis lobt aber der Herr in seiner Erwiderung, daß er nämlich nicht gesandt, sondern vom Vater ausgegangen sei, als Zeugnis für das Hervorgehen der Geburt aus dem unkörperlichen Gott mit Hilfe des Ausdrucks „Ausgang”. Denn auch er selbst hatte seine Geburt unter dem Aufweis des Ausganges ausgesprochen, indem er sagte: „Ihr liebt mich und ihr glaubt es, daß ich von Gott ausgegangen und daß ich vom Vater her in diese Welt gekommen bin.”2 Vom Vater her war er nämlich in diese Welt gekommen, weil er von Gott ausgegangen war. Denn um erkennbar zu machen, daß er mit „Ausgang” seine Geburt bezeichnet habe, fügte er hinzu, er sei vom Vater ausgegangen. Und da er deswegen vom Vater her gekommen ist, weil er von Gott ausgegangen ist, so ist sein Ausgang von Gott die vollwirkliche Geburt, für die das Bekenntnis des väterlichen Namens (nur mehr) eine Folgerung war.
Da also die Apostel das Geheimnis seines Ausganges erkannten, sagte er: „Jetzt glaubt ihr. Seht, es kommt die Stunde, und jetzt ist sie gekommen, wo ein jeder in seine Heimat versprengt wird und ihr mich allein zurücklasset; doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.”3 Doch um zu zeigen, daß jener Ausgang keine Entfremdung von Gott sei, daß vielmehr der Sohn das Wesen des Vaters durch die Geburt in sich behalte, deswegen fügte er hinzu, er sei nicht allein, sondern der [S. 100] Vater sei bei ihm, mit seiner Kraft nämlich und in der Einheit des Wesens, da der Vater für immer in ihm sei, und zwar in seinem (Christi) Sprechen und Handeln als derjenige, der handle und spreche. Um die Berechtigung dieser seiner ganzen Darlegung zu zeigen, fügte er bei: „Das habe ich euch gesagt, damit ihr Frieden in mir gewinnet. In dieser Welt werdet ihr aber Verwirrung erleiden; doch seid nur getrosten Mutes, weil ich die Welt überwunden habe.”4
Das hat er also gesagt, damit sie in ihm friedfertig blieben und nicht im Eifern für verschiedene Meinungen über den Streitereien um den Glauben in Zwiespalt gerieten; denn wer allein zurückgelassen werde, sei doch nicht allein; und wer von Gott ausgegangen sei, trage denjenigen Gott in sich, von dem er ausgegangen sei. Wenn sie danach in der Welt gequält würden, sollten sie in Geduld seiner Verheißungen harren, der durch den Ausgang von Gott und durch den Besitz Gottes die Welt besiegt habe.
1: Vgl. Buch 6, 30.
2: Joh. 16, 27 f.
3: Joh. 16, 31 f.
4: Joh. 16, 33.