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Beschreibung
Georg Brunner: Eine Typologie von Hufnägeln als Mittel für Datierungen
Valentine Chaudet: Entstehung und Entwicklung der Bourg-Franc von Vevey VD
Eine Typologie von Hufnägeln als Mittel für Datierungen
Die Entwicklung der Form des Hufeisens ist schon seit längerem Gegenstand von Forschungen in Archäologie und Kulturgeschichte. Da das Hufeisen ist seit dem 11. Jahrhundert mit Hufnägeln befestigt wurde, scheinen auch die verwendeten Nägel sich in ihrer Form im Laufe der Zeit entwickelt zu haben.
Der Autor unterscheidet 7 verschiedene Hufnageltypen, die sich in der Form des Nagelkopfes der Nagelhalses und des Nagelschaftes unterscheiden. Da ein bestimmter Typ auch nur zu einer bestimmten Form von Hufeisen passt, kann die Hufnagelform auf Grund dieser Abhängigkeit mit dem (besser datierbaren) Hufeisen zeitlich eingegrenzt werden.
Um dem Pferd im weichen Boden besseren Halt zu geben, werden an den Enden der Ruten der Hufeisen Stollen angebracht. Wie die Untersuchung zeigt, gibt es seit dem 18 Jh. auch aufgeschweisste, steckbare oder schraubbare Stollen, die häufig verloren gingen, und deshalb oft auf alten Wegstrecken gefunden werden.
Durch diese Typologie des Hufnagels und der Stollen erhält die Wegeforschung eine neue Möglichkeit der Datierung einer Wegstrecke. An ausgewählten Beispielen von Wegstrecken im Bündnerland, am Gotthard und im Jura werden dadurch teils die schon bekannte Datierung bestätigt, teils aber auch die bisherigen Datierungsvorschläge angezweifelt oder berichtigt.
Entstehung und Entwicklung der Bourg-Franc von Vevey VD
Die Geschichte von Vevey beginnt früh und ist vielschichtig. Verschiedene Funde deuten darauf hin, dass der Ort schon in vorrömischer Zeit besiedelt war. Im 12. Jh. entstand ein Handelort, der aber erst im 1. Viertel des 13. Jh. eindeutig als Stadt bezeichnet wird. Die Siedlungskerne befindet sich in den Vierteln von Vieux-Mazel (gegründet durch die Herren von Blonay) und von Oron (durch die Herren von Oron). Im Verlauf des 13. Jh. und in der 1. Hälfte des 14. Jh. entwickelt sich Vevey durch Anfügen von weiteren Quartieren. Bourg-Franc, das von Rudolf I von Oron das Stadtrecht erhält, ist die erste Erweiterung der ursprünglichen Siedlung.
Archäologische Untersuchungen, 1989 durch François Christe und 2004/05 durch die Autorin durchgeführt, bringen Licht in das Entstehen und die Entwicklung der Bourg-Franc, und liefern auch die ersten gesicherten Daten für die Stadtbefestigung von Vevey.
Das Haus 34 an der Rue des Deux-Marchés lehnt sich an die Stadtmauer an, und diente möglicherweise als innere Stützmauer, da die Gefahr bestand, dass an dieser Stelle die Stadtmauer durch Hochwasser der Veveyse unterspült werden könnte. Hier wie auch im benachbarten Haus de Warren sind die Mauern mit Durchgängen für den Wehrgang auf Zinnenhöhe und Zugängen zu den Scharten im Erdgeschoss versehen.
Wie ist die rechtliche Stellung dieser Häuser zu verstehen, die auf diese Weise der Verteidigung dienten? Gehörten sie der Gemeinschaft oder Privaten? Dienten sie nur der Verteidigung oder kommen auch andere Funktionen in Frage? Beim Haus 34 an der Rue des Deux-Marchés sind jedenfalls mehrere Funktionen nachweisbar.
Die dendrochronologische Datierung setzt den Bau der Stadtmauer und der innen anschliessenden Bauten in die Mitte des 13. Jh.; es besteht also ein Zeitraum von über 10 Jahren zwischen der Bestätigung des Stadtrechtes um 1236 und dem Bau der Stadtmauer.
Leider konnte die Lage und das Ausmass der ursprünglichen Stadtburg (maison forte de Vuippens) wie auch ihr Verhältnis zur Stadtmauer nicht geklärt werden. Der Standort in der Nähe des Stadttores « porte au vent » bestimmte auch die Ausstattung des Hafens von Villeneuve, wo eine mächtige Familie neben dem ursprünglichen Turm ein Festes Haus (maison forte) errichtete und Rechte an sich riss.
Öffnungen in der Stadtmauer, die vermutlich bereits seit dem 15. Jh. nicht mehr verschliessbar waren, wie auch der Bau einer Brücke 1687 und eines Gebäudes 1689 ausserhalb der Stadtmauer, deuten auf die schwindende Bedeutung der Stadtmauer hin. Das Errichten eines Gebäudes an den Stadtturm zeigt die wachsende Bedeutungslosigkeit der Stadtbefestigung, die zu Ende des 19. Jh. dann weggeräumt wurde.