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Allgemeines
Stürze auf den Arm oder die Schulter können Brüche (Frakturen) des Oberarmknochens zur Folge haben. Oberarmbrüche sind häufige Verletzungen.
Die Behandlung von Oberarmbrüchen bedarf grosser Erfahrung, v.a. bei der Durchführung einer operativen Massnahme.
Bei den Oberarmkopfbrüchen unterscheidet man 2-,3-, oder 4-teilige Brüche. Diese können entweder nur gering oder deutlich verschoben sein.
Bei Stürzen mit Verschiebung der Knochenteile kann es zu einer Zerreissung des Blutgefässes, das den Oberarmkopf ernährt, kommen. Es kann daher später zu einem Absterben des Oberarmkopfes, unabhängig von der Behandlungsmethode kommen.
Des Weiteren kann es durch den Unfall zu Schädigung der Nerven im Bereich des Schultergürtels mit motorischen und sensiblen Ausfällen der Schulter oder sogar der Hand kommen. Diese erholen sich meistens.
Beschwerden
Die meisten Oberarmbrüche beeinträchtigen die Schulterfunktion mit deutlichen Schmerzen. Oft tritt schon rasch ein Bluterguss mit Schwellung am Oberarm auf.
Bei kleinen Brüchen, die nicht verschoben sind, können die Beschwerden aber auch gering sein.
Diagnose
Unfallhergang, Schmerzen und Funktionseinschränkung ergeben in der Regel einen starken Verdacht.
Die Röntgenabklärung in 2 Ebenen (von vorne und von der Seite) geben Gewissheit und zeigen den Frakturverlauf. Bei komplexen Frakturen mit starker Verschiebung der
Bruchstücke (Frakturdislokation) sind computer-tomographische Abklärungen
mit 3-dimensionaler Rekonstruktion angezeigt.
Darin wird räumlich die Lokalisation der Bruchlinien und die Orientierung, sowie Verschiebung der Bruchstücke aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt.
Wir unterscheiden stabile und instabile Frakturen. Ein einfacher klinischer Test zum Prüfen, ob eine Fraktur stabil ist, erfolgt mittels Durchführen von Rotationsbewe-gungen im Oberarm durch Wegdrehen des Vorderarmes vom Bauch und gleichzeitigem Abtasten, ob sich der Oberarmkopf mitbewegt. Falls dies der Fall ist, handelt es sich um eine stabile Fraktur. Dies kann in gewissen Fällen unter Röntgenkontrolle erfolgen.
Behandlung ohne Operation
70-80% der Oberarmkopffrakturen können ohne Operation behandelt werden. Es handelt sich v.a. um wenig verschobene Knochenbrüche. Aber auch eine mittelschwere Verschiebung kann bei Oberarmkopfbrüchen mit gutem Erfolg ohne Operation behandelt werden.
Durch das Tragen einer Bandage (Gilchristverband), die den Vorderarm auf dem Bauch fixiert, wird auch der Oberarm ruhiggestellt. Dies bringt eine Schmerzlinderung und verringert die Gefahr von zusätzlichen Verschiebungen. Die Dauer beträgt 6-8 Wochen.
Nach einer Woche erfolgt nochmals eine Röntgenabklärung in 2 Ebenen. Wenn dieses Röntgenbild keine zusätzliche Verschiebung der Knochenteile gegenüber den Voraufnahmen zeigt, kann mit vorsichtigen Bewegungsübungen unter Anleitung und Kontrolle der Physiotherapie begonnen werden.
Behandlung mit Operation
Bei instabilen und stark dislozierten Frakturen ist das operative Vorgehen angezeigt. Es gibt verschiedene Operationsmethoden, die sorgfältig gegeneinander abgewogene werden müssen: Entscheidungsgrundlagen für die Art des operativen Verfahrens sind v.a. die Knochenqualität (bei Osteoporose des Knochens kann oft nur noch ein Kunstgelenk gemacht werden), das Alter, das Ausmass der Schädigung des Knochens und des Knorpels. Folgende Operationsmethoden kommen zur Anwendung:
Bei gutem Knochen führen wir oft eine Osteosynthese mit Platten, Schrauben und ev. Drähten durch. Auch werden vereinzelt Marknägel, die im Kanal liegen, verwendet. Bei schlechtem, d.h. brüchigem Knochen oder starker Zerstörung des Knochen und des Gelenkes wird meistens ein Kunstgelenk
implantiert.
Behandlung nach der Operation
Die Operation kann sehr unterschiedlich zwischen 75 und 180 Minuten dauern. Bei Patienten ohne wesentliche Nebenerkrankungen
erfolgt der Spitaleintritt am Operationstag. Die Hospitalisationsdauer beträgt in der Regel 3 bis 10 Tage. Es erfolgt eine Nachkontrolle postoperativ beim Operateur nach 6 – 8 Wochen mit Röntgen.
Für die nachfolgende Physiotherapie sowie den Bewegungsund Belastungsaufbau gelten, je nach Operationsmethode, unterschiedliche
Regeln; im Allgemeinen trägt der Patient eine Schlinge für 6 Wochen und darf schon am 1. Tag nach der Operation mit kleinen Bewegungen der Schulter beginnen. Die teilweise Arbeitsaufnahme erfolgt bei sitzender Tätigkeit ohne körperliche Anstrengung in der Regel nach 2-5 Wochen. Bei schwerer Arbeit kann es bis zur vollständigen Arbeitsaufnahme in der Regel bis zu 20 Wochen dauern.
Erfolgsaussichten und Komplikationen
Allgemeines:
Unabhängig von der Operationsmethode bleibt auch nach korrekt durchgeführter Operation eine gewisse Bewegungseinschränkung der Schulter. Bei mehrteiligen Frakturen kann diese Einschränkung deutlich sein. Restschmerzen sind häufig vorhanden und sind oft auf innere Narben zurückzuführen.
Komplikationen bei Plattenosteosynthese:
Bei dieser Operationsmethode kann es v.a. bei weichem Knochen zur Lockerung von Schrauben oder Perforation von Schrauben ins Gelenk mit Verschiebung der Fraktur kommen. Tritt dies auf, so muss entweder eine neue Platte, ein Wechsel der Schrauben oder häufiger ein Kunstgelenk implantiert werden. Der Knochenbruch heilt trotz korrekt durchgeführter Operation nicht immer (bis 15% der Fälle).
Die Infektionsrate beträgt 1-4%. Bei einer Infektion muss ev. eine lokale operative Reinigung mit einer Antibiotikatherapie gemacht werden.
Nervenverletzungen kommen in 1-3% der Fälle vor.
Durch den Unfall kann es zur Schädigung von Blutgefässen mit Durchblutungsstörung des Kopfes und späterem Absterben des Kopfes kommen (sogenannte Humeruskopfnekrose). Je stärker der Bruch beim Unfall verschoben wurde, desto grösser ist das Risiko einer Nekrose, die zwischen 3-50% betragen kann.
Eine volle Beweglichkeit der Schulter wird trotz korrekt durchgeführter Operation selten erreicht.
Eine postoperative frozen shoulder tritt zwischen 3 - 30% auf.
Eine Plattenentfernung ist in etwa der Hälfte der Fälle notwendig.