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Marshall McLuhan gilt als Pionier der Medientheorie. «The medium is the message» ist eine seiner Leitthesen. Mit anderen Worten: Es ist nicht der Inhalt einer Nachricht, der zählt, sondern die funktionale Struktur. Was das Internet also ausmacht, ist nicht die Tatsache, dass wir eine E-Mail schreiben oder einen Film streamen, sondern dass wir virtuell mit der ganzen Welt vernetzt sind. Das Medium selbst ist also die Nachricht. Wir erleben die Welt als «global village».
Von Gutenberg zur Informationstechnologie
Vor dem globalen Dorf lebt der Mensch noch in der «Gutenberg-Galaxis». Durch Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks wird das Buch ab 1450 zum Massenmedium. In der Mitte des 19. Jahrhunderts kommt es zu einem ersten Bruch: mit der Erfindung der drahtlosen Telegrafie. Die Elektronik beginnt ihren Siegeszug.
Der deutsche Medientheoretiker Friedrich Kittler ortet im Grammophon, im Film und in der Schreibmaschine die neuen Medien, welche die alten Lebensformen nach und nach massenmedial prägen: neue Aufschreibesysteme, neue Reproduktionsmittel. Ähnlich beschreibt es Walter Benjamin. Die Reproduktionstechniken Photographie und Film zerstören die Aura der bildenden Kunst. Das einst einzigartige Gemälde der Mona Lisa lebt jetzt massenmedial auf Postern, Postkarten und im Netz.
Der Glaube an die «Turing-Galaxis»
Mit dem Begriff «Turing-Galaxis» will der Informatiker Wolfgang Coy die Mediengeschichte von McLuhan weiterführen. Die Erfindung des Computers, die hauptsächlich auf den britischen Code-Knacker Alan Turing zurückzuführen ist, läutet wieder ein neues Zeitalter ein.
Hier hakt auch der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz ein. Er behauptet, dass die neuen Medien einen Religionsersatz im Sinne von Allwissenheit und Allgegenwärtigkeit bieten. Nicht mehr Gott, sondern die sich ausbreitende Vernetzung ist präsent und hat, beispielsweise mit Wikipedia, alle Antworten parat. Ursache dafür sei die Säkularisierung und der wachsende Atheismus der Moderne.
Da aber jede Gesellschaft zum Funktionieren eine religiöse Grundhaltung brauche, suche sie ihren Ersatz in den Themen der Massenmedien. Der Glaube verschiebt sich. Für Bolz beten wir nicht mehr zu Gott, sondern zu Greenpeace oder zum Biosteak.
Die Technik als bester Freund des Menschen
Kommt es zu einer Entfremdung von Technik und Welt, rät der Technikphilosoph Gilbert Simondon zu einer freundschaftlichen Annäherung an das technische Gerät. Wir sollten die technologischen Maschinen also nicht nur blind benutzen, sondern ihnen auch einen integrierten Platz zwischen den Menschen schenken. Denn schliesslich ist jedermanns Alltag ohne technische Hilfe nicht mehr zu bewältigen.
Je mehr wir also versuchen, die Technik zu unterdrücken und aus der Gesellschaft zu verdrängen, desto mehr entfremden wir uns von der Welt, in der wir leben. Denn diese Welt ist durch und durch technisch strukturiert.
Die Probleme, die durch die Technik entstehen, sind also auf ihren ausbeuterischen Gebrauch zurückzuführen. Simondon plädiert für ein harmonisches Zusammenleben zwischen Mensch und Maschine, indem wir uns der Maschine freundschaftlich annähern.