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Publiziert: 28 Februar 2019
Weil der Bischof von Mailand, Ambrosius, vor mehr als 600 Jahren zu spät von einer Pilgerreise zurückkehrte, darf in einigen Orten gefeiert werden, wenn andere schon fasten.
Karneval ist die Zeit, in der aus der Norm ausgebrochen wird, in der Narren das Zepter ergreifen und Regeln gebrochen werden. Einer der – zumindest der Legende nach – auch die Regeln gebrochen hat, ist Bischof Ambrosius, der Begründer der Fasnacht nach ambrosianischem Ritus, wie sie unter anderem in Biasca, Tesserete und Brissago gefeiert wird, nämlich "verspätet". Ambrosius wurde 337 in Trier geboren, wanderte später nach Mailand aus, wo der eigentlich ungetaufte Politiker zum Bischof gekürt wurde.
Der Sage nach soll Ambrosius, der Mailänder Bischof mit deutschen Wurzeln, eines Tages verspätet von einer Pilgerreise zurückgekehrt sein. Zu spät, um die Fastenzeit – und damit die Fasnacht – rechtzeitig feierlich zu eröffnen. Die Bevölkerung Mailands soll mit dem Karneval geduldig auf die Ankunft des Bischofs gewartet haben und so die "fünfte Jahreszeit" einige Tage zu spät eingeläutet haben. Das wurde schliesslich im ganzen Bistum Mailand – zu dem auch Teile des Tessins gehörten – Tradition.
Für die Tessiner ist Ambrosius ein Glücksfall. Denn so dauert die – ohnehin recht flexibel ausgelegte – Karnevalszeit noch länger an. Die Fasnacht in Tesserete beginnt zum Beispiel am 7. März und dauert bis zum 9. März. Am Lago Maggiore wird vom 7. bis zum 10. März in Brissago das Dorf auf den Kopf gestellt, und in Biasca regiert der Karnevalskönig Re Naregna vom 6. bis zum 10. März.