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Zum Abschluss eines aufwühlenden Winters mit einem späten, aber perfekten Comeback nach schwerer Verletzung und dem Nuller an den Olympischen Spielen waren bei Ragettli noch einmal starke Nerven gefragt. Zwar ging der Bündner als Führender in der Slopestyle-Wertung in sein Heimspiel. In seinem Nacken lauerte aber der Norweger Birk Ruud, der seine starke Form im März mit seinem Sieg in Tignes und Platz 1 in der Qualifikation von Silvaplana untermauert und bis auf 50 Punkte zu Ragettli aufgeschlossen hatte. Weil sich Ruud auch im Final an die Spitze schob, benötigte Ragettli mindestens einen 3. Platz, um sich seine fünfte Weltcup-Kristallkugel zu sichern.
Das Soll erfüllte Ragettli als Dritter hinter Ruud und dem Amerikaner Mac Forehand auf den Punkt. Zwar kam er im Engadiner Frühlingsschnee um 4,5 Punkte nicht an den Norweger heran, mit seinen praktisch fehlerfreien Runs sicherte er sich aber den wichtigen 23. Podestplatz im Weltcup. Fabian Bösch, der zweite für den Final der besten 16 qualifizierte Schweizer, musste trotz spektakulärem Auftritt mit Platz 10 vorliebnehmen. Wie an den Olympischen Spielen (6. Platz) honorierten die Judges seine Kreativität nicht gebührend.
Stolzer Ragettli
Zehn Punkte gaben in der Disziplinenwertung den Ausschlag für Ragettli. Ruud sicherte sich derweil die erst zum dritten Mal vergebene und vom Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann überreichte Kristallkugel für den Gesamtsieg in den Disziplinen Slopestyle, Big Air und Halfpipe.
«Ich wurde schon gefragt, ob diese Kristallkugel ein Trostpreis ist. Nein! Für mich ist sie mehr», sagte Ragettli nach dem gelungenen Abschluss auf dem Corvatsch. «Vor genau einem Jahr wurde ich am Knie operiert. Ich fragte ich mich, ob ich in einem Jahr überhaupt wieder am Start stehen kann. Ich bin mega stolz - was für eine krasse Saison angesichts dieser Vorgeschichte.»
Mit vier Disziplinensiegen im Slopestyle und einem im Big Air sowie zehn Weltcupsiegen ist Ragettli unter den Slopestyle-Spezialisten die Nummer 1 auf der Welttour. Auch die drei Triumphe an den X-Games, davon zwei im Slopestyle, sprechen für sein gehobenes Format. Nach langer Verletzungspause kehrte Ragettli im Januar dieses Jahres mit einem Weltcup-Sieg in Font Romeu zurück, kurz darauf gewann er erneut Gold an den X-Games. Einzig an den Olympischen Spielen wollte es auch im zweiten Anlauf nicht klappen mit dem grossen Ziel. Platz 4 war das bittere Verdikt.
Müde Mathilde
Bei den Frauen vermochte die Freiburger Olympiasiegerin Mathilde Gremaud die nötige Spannung nicht mehr aufzubauen. In Abwesenheit der Freestyle-Überfliegerin Eileen Gu missglückten Gremaud beide Runs. Die 42,00 Punkte bedeuten schliesslich Platz 7 unter den acht Finalistinnen. «Es war mental schwierig. Nach Peking war die Spannung weg. Ich wollte zum Abschluss noch einmal etwas abliefern. Aber ich fühlte mich sehr müde und musste aufpassen, dass ich mich nicht verletze.»
Sarah Höfflin war bereits am Donnerstag in der Qualifikation ausgeschieden.