Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03647.jsonl.gz/2579

Gespräch zwischen Kirchenbauern
Während langer Zeit hatte der Kirchenbau einen festen Platz in der Zeitschrift werk. Seit dem Zweiten Weltkrieg erschien alle zwei, drei Jahre ein Heft zu dieser Bauaufgabe, abwechselnd mit Wohnbau, Schulbau, Industriebau, Städte- oder Siedlungsbau und ähnlichen Kategorien. Einer der Redaktoren war Benedikt Huber, 1955-1961. Dann aber scheint der Kirchenbau seine Bedeutung als gesellschaftlich relevante Aufgabe zu verlieren. 1971 erschien für sehr lange das letzte Heft zu diesem Thema. Es enthält den Artikel «Das Ende des Kirchen-Baus?».
Einen sakralen Raum zu entwerfen, bleibt dennoch eine schöne Aufgabe. Die funktionalen Bedingungen eines solchen Raumes sind wenige und einfache. Was bedeutet es also, einen kirchlichen Raum zu gestalten? Wie geht man als Architekt an diese Aufgabe? Welches sind ihre Bedingungen? Was ist die Beziehung von Raum und Handlung? Geht es um Funktionen oder um Wirkungen? Welche Wirkung ist einem kirchlichen Raum angemessen? Welches sind die Mittel, um eine angemessene Wirkung zu schaffen? Welche Bedeutung haben Material, Farbe und Licht? Welche Bedeutung haben die anderen Künste?
Solche Fragen möchten wir Benedikt Huber (1928) und Mario Botta (1943) stellen, die beide 15 und mehr Kirchen gebaut haben. Wir möchten sie zu einem Gespräch über die Linie zwischen den Generationen und den Kulturen hinweg anregen. Dabei darf nicht nur der Unterschied in der gesellschaftlichen Bedeutung von Kirchen 1964 und 2014 nicht vergessen werden, sondern auch der Unterschied zwischen dem katholischen und dem protestantischen Kirchenbau, vielleicht auch zwischen dem Kirchenbau in einer nördlichen und in einer südlichen Kultur.
Gerade solche unterschiedlichen Auffassungen vom Kirchenbau können uns an den Kern der Architektur in einem weiten Sinn heranführen.