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Yamswurzelpräparate werden in der Presse häufig als “natürliche Hormonpräparate” zur Behandlung von menopausalen und prämenstruellen Beschwerden angepriesen. Die Wirkung wird dem Steroidsaponin Diosgenin zugeschrieben, welches industriell zur partialsynthetischen Herstellung von Progesteron genutzt wird. Ob eine enzymatische Umwandlung von Diosgenin zu Progesteron auch im menschlichen Organismus stattfindet, ist nicht erwiesen.
Einer Anwendungsbeobachtunge zufolge soll die lokale Anwendung von Yamswurzelgel insbesondere prämenstruelle Beschwerden lindern:
Die Frauen im Alter zwischen 37 und 53 Jahren litten an prämenstruellen Symptomen (z.B. Brustspannen) oder menopausalen Beschwerden (z.B. Hitzewallungen). Das Yamswurzelgel (10%) wurde ein- bis zweimal täglich auf die Innenseite der Arme, Brust, Bauch oder Oberschenkel aufgetragen.
Alle Frauen mit ausschliesslich prämenstruellen Beschwerden beobachteten eine Verbesserung, d.h. weniger Brustspannen und Wassereinlagerungen, Abschwächung psychischer Symptome.
Die Anwenderinnen mit Wechseljahrsbeschwerden stellten nur vereinzelt einen positiven Effekt fest.
Das Ansprechen auf eine lokale Anwendung von Yamswurzelgel scheint je nach Beschwerden stark zu variieren. Zurzeit fehlen jedoch kontrollierte, klinische Studien, welche die Wirksamkeit von Yamswurzelgel eindeutig belegen.
Quelle:
www.pharmavista.net
Ars Medici, Thema Phytotherapie, 6/2009/p10; Heide Fischer, Yamswurzelgel 10% bei Frauen mit menopausalen und prämenstruellen Beschwerden, Ergebnisse einer Anwendungsbeobachtung
Kommentare & Ergänzungen:
Die Frage, ob Yamsgel bzw. Yamscreme sich zur Linderung von PMS-Beschwerden und Wechseljahrbeschwerden eignet, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Deshalb hier einige weitere Aspekte:
1. Hintergrund-Info zu Yams:
Yams (Dioscorea) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae). Yams ist vor allem in den Tropen verbreitet. Die einzigen in Mitteleuropa heimischen Dioscorea-Arten sind die Schmerwurz (Dioscorea communis) und die Balkan-Schmerwurz (Dioscorea balcanica).
Einige Yams-Arten und deren Ausleseformen sind Nutzpflanzen als bedeutende Nahrungspflanzen und auch als Heilpflanzen. Viele Yams-Arten werden wegen ihrer essbaren Wurzelknollen als Nahrungsmittel kultiviert.
Yamswurzeln ähneln geschmacklich und optisch den Süßkartoffeln, sind jedoch nicht mit ihnen verwandt. In Südamerika, Afrika und der Karibik ist Yams weit verbreitet, in Europa dagegen im Gegensatz zur Süßkartoffel nur selten zu erwerben. Des weiteren ist Yams in den Tropen ein bedeutender Stärke-Lieferant.
In der Naturheilkunde wird wilder Yams zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden, gegen PMS und sowohl zur Empfängnisverhütung als auch bei unerfülltem Kinderwunsch empfohlen. Die Yams-Anwendung ist aber umstritten und heikel. Es kommt offenbar entscheidend darauf an, wie der Yams dosiert wird. Die wilde Yamswurzel enthält bedeutende Mengen Diosgenin, eine Substanz, die dem Gelbkörperhormon ähnlich ist und in verschiedenen Publikationen auch als “natürliches” Progesteron bezeichnet wird. Doch obwohl Diosgenin natürlicher Herkunft ist, unterscheidet es sich stark vom Gelbkörperhormon, welches im Körper der Frau produziert wird.
(Quelle: Wikipedia)
2. Yamswurzel-Gel in der Pflanzenheilkunde
Die Werbung für Yams-Produkte verspricht, dass der Organismus aus der Hormonvorstufe Diosgenin je nach dem, was ihm gerade fehlt, Östrogen oder Progesteron herstellen kann. Das tönt ideal, doch ist ungeklärt, ob diese schöne Vorstellung auch real ist.
3. Die Idee, fehlende Hormone über die Haut zuzuführen, ist bestechend. Die Wirksamkeit von Hormonpflastern zeigt auch, dass dies grundsätzlich möglich ist. Darum scheint es nicht abwegig, dass auch der Hormongrundstoff Diosgenin aus einem Yamsgel via Haut appliziert werden könnte.
4. Genauere Angaben aus der erwähnten Anwendungsbeobachtung mit Yamsgel:
(Quelle: http://www.rosenfluh.ch/rosenfluh/articles/download/912/Yamswurzelgel.pdf)
Die Arbeitshypothese dieser Anwendungsbeobachtung lautete:
“ Yamswurzel-Präparate können über ihren Gehalt an Diosgenin, einem progesteronähnlichen Wirkstoff, die Gelbkörperphase im weiblichen Zyklus unterstützen und entsprechend bei prämenstruellen Beschwerden hilfreich sein. Es wäre denkbar, dass der Körper aus Diosgenin auch Östrogen synthetisieren kann, womit die Yamswurzel auch Wechseljahresbeschwerden lindern könnte. Die Hersteller von Wildyamprodukten bewerben beide Indikationen.”
Ab der Anwendungsbeobachtung nahmen 16 Patientinnen im Alter zwischen 37 und 53 Jahren während zweier Monate
teil.:
“8 Patientinnen litten an Beschwerden des menopausalen Formenkreises wie Hitzewallungen, gelegentlich verstärkte oder unregelmässige Regelblutung, Schlafstörungen, nervöse Unruhe, verminderte Libido, Gewichtszunahme, Haut- und Schleimhauttrockenheit. Ihr Alter lag zwischen 48 und 53 Jahren. Die anderen 8 Frauen klagten über prämenstruelle Beschwerden wie Brustspannen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen,Schmierblutungen und Stimmungsschwankungen. Das Alter dieser Gruppe lag zwischen 37 und 45 Jahren. Bei insgesamt 3 Frauen lagen Myome vor.
Die Anwendungsanweisung lautete: vom 10. bis zum 26. Zyklustag (bei menopausalen Frauen, die bereits keinen regelmässigen Zyklus mehr hatten, vom 10. bis zum 30. Tag eines Kalendermonats) ein- bis zweimal täglich eine kirschkern- bis haselnussgrosse Portion auf die Innenseite der Arme, Brust, Bauch oder die oberen Beine auftragen.”
Die Resultate bei menopausalen Beschwerden:
“Bei den menopausalen Beschwerden wurden nur bei 2 Frauen die typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen positiv beeinflusst. 2 Frauen berichteten über eine Gewichtsabnahme, 2 über eine Verbesserung ihrer sexuellen Lust.
Das Beschwerdebild überlappte sich zum Teil mit den prämenstruellen Symptomen. Frauen, die davon betroffen waren, verspürten alle eine Linderung bis hin zum völligen Verschwinden der prämenstruellen Beschwerden wie zum Beispiel Brustspannen und so weiter. Ein Myomwachstum konnte nicht festgestellt werden.”
Die Resultate bei prämenstruellen Beschwerden (PMS):
“Alle Frauen mit ausschliesslich prämenstruellen Beschwerden erfuhren eine deutliche Verbesserung: Brustspannen und Wassereinlagerungen verringerten sich, Schmierblutungen verschwanden. Eine Verbesserung wurde auch bei seelischen Symptomen wie Unruhe und Stimmungsschwankungen festgestellt, ebenso wie bei Kältegefühl.”
Die Autorin fasst zusammen:
“ Eine Verbesserung der Wechseljahresbeschwerden unter transdermaler Anwendung von 10-prozentigem Yamswurzelgel, hergestellt aus einem Fluidextrakt der Trockendroge, gelang nur teilweise, während Frauen mit prämenstruellen Beschwerden unter dieser Therapie einhellig eine Linderung erfuhren.”
Anzufügen ist hier:
16 teilnehmende Frauen, wovon 8 mit PMS und 8 mit Wechseljahrsbeschwerden, das sind sehr kleine Zahlen.
Auch fehlt natürlich hier ein Vergleich mit Placebo. Bereits die Teilnahme an einer Studie hat oft eine günstige Wirkung. Und das Einreiben eines Gels oder einer Salbe tut schon unabhängig von allfälligen Yams-Wirkungen gut.
Insofern ist die Aussagekraft dieser Anwendungsbeobachtung sehr begrenzt.
Interessant ist aber schon, dass Effekte bei PMS festgestellt wurden, kaum dagegen bei Wechseljahrbeschwerden. Das scheint mir eher auf eine Umwandlung von Diosgenin zu Progesteron hinzuweisen und weniger auf eine Umwandlung in Richtung Östrogen – falls überhaupt eine solche Umwandlung stattfindet.
Ergänzt werden müsste noch, dass es in der Schweiz und in Deutschland keine als Arzneimittel zugelassenen Yamsprodukte auf dem Markt gibt. Yams-Gel oder Yams-Creme wird nur als kosmetisches Produkt verkauft. Dadurch ist es schwierig, die Qualität solcher Angebote zu beurteilen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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