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Overview
Seit 2013 befindet sich die Wikipedia-Plattform «Clarinet Didactics» im Aufbau. Von den frühesten, Ende des 18. Jahrhunderts erschienenen «Méthodes de clarinette» bis hin zur Gegenwart werden methodische und didaktische Quellen zum Klarinettenspiel zusammengetragen und nach fachspezifischen Parametern geordnet. Unterschiedliche Lehrmeinungen zur Spieltechnik lassen sich vor dem Hintergrund historischer und aktueller Unterrichtswerke betrachten und mit Artikeln aus der Forschung sowie mit Interviews renommierter Lehrpersonen unserer Zeit vergleichen. Im Sommer 2018 wurde die Wikipedia Plattform mit den Ergebnissen der Studie «L’école française de clarinette – ihre didaktischen Merkmale heute» ergänzt. Während der Projektarbeit hat sich gezeigt, dass entlang des klangrelevanten Aspektes der Ansatzformung in deutscher und französischer Tradition grundsätzlich unterschiedliche didaktische Konzepte entstanden sind. Während in Frankreich seit der Publikation der frühesten Unterrichtswerke (Valentin Roeser, Paris 1760 und Amand Vanderhagen, Paris 1785) eine Ansatztechnik gepflegt wurde, bei welcher die Oberlippe die oberen Zähne bedeckt, setzte im deutschen Sprachraum – noch bei quasi identischer Bauweise der Klarinetten – eine Entwicklung ein, bei welcher die oberen Schneidezähne das Mundstück berühren (Heinrich Backofen, Leipzig 1803). Diese Ansatztechnik (einfacher Ansatz) verband sich seit den Neuerungen im Klarinettenbau von Iwan Müller (Paris, sic! 1821) eng mit der Entwicklung des deutschen Klarinettensystems und etablierte sich während des 19. Jahrhunderts (Carl Baermann, München, 1861). Die am Conservatoire de Paris verwendeten «Méthodes de clarinette» blieben jedoch, auch nach der Erfindung des französischen Griffsystems (Klose, 1832; Iwan Müllers Erfindungen konnten sich in Paris nicht durchsetzen), bis in die 1930er-Jahre dem Doppellippenansatz treu. Erst danach setzte auch beim Spiel mit französischem System der Wechsel, hin zum einfachen Ansatz, ein. Bei der Tonbildung spielt die Ansatzformung als menschlicher Faktor, neben der Mundstück-Blatt-Kombination eine wichtige Rolle. Französische Instrumentenbauer reagierten auf den Wechsel der Ansatztechnik und brachten zahlreiche Modifikationen von Mundstücken, Blättern- und auch Klarinetten-Modellen hervor, welche die Möglichkeiten der veränderten Spielweise optimal zur Geltung bringen sollten.
Nach dem Eintritt Deutschlands in den ersten Weltkrieg wurden in den USA viele deutschstämmige Musiker entlassen und durch französische, in Paris ausgebildete Musiker ersetzt (Philippe Cuper, 2017). Sie brachten die «alte französische Schule» in die USA, wo ihre Spuren bis heute erhalten sind. Im Mundstückbau werden in den USA aufgrund der Nachfrage Reproduktionen alter französischer Modelle hergestellt und mit Errungenschaften des modernen Instrumentenbaus zusammengeführt (Wodkowski, 2015).