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Es ist schon viel über die unterschiedlichen Arten des Blues geschrieben worden, und diese Typologie erhebt nicht den Anspruch, die verschiedenen Äusserungsformen des Blues neu einzuteilen. Aber weil Begriffe wie „Chicago-Blues" oder „Country-Blues" als grundsätzliche Begriffe dieser Website immer wieder verwendet werden, müssen sie an einer Stelle etwas ausführlicher erklärt werden. Auch gibt es in der bisherigen Art der Bezeichnungen eine verwirrende Einfalt, der hier eine etwas andere Einteilung gegenüber gestellt werden soll. Dies geschieht in der folgenden Typologie.
Bei der Betrachtung anderer Typologien fällt auf, dass diese differenzierter wurden, gleichzeitig mit dem sich verbreitenden Wissen und der besseren Verfügbarkeit von Aufnahmen. So wandelten frühe Einteilungen von Typen des Blues immer auf den Spuren von Alan Lomax, dem berühmten Musikethnologen, der in den 1920er und 30er Jahren im Auftrag der Washingtoner Library of Congress Aufnahmen von „folk music" im Süden der USA machte. Für Alan Lomax war der Staat Mississippi die Wiege des Blues, und die spätere demographische Entwicklungen der schwarzen Bevölkerung der USA brachte den Blues in den Norden, namentlich nach Chicago, wo sich eine neue Form der Musik entwickelte. Entsprechend wurden die Formen des Blues von Chicago und aus Mississippi zu den beiden zentralen Pfeilern der Bluesmusik. Andere Formen wurden daher als Nebenformen wahrgenommen.
Hier soll ein anderer Ansatz versucht werden, nämlich derjenige, die Musik gemäss ihrer Orchestrierung und ihrer musikalischen Spezifika zu unterteilen. Diese Unterteilung geht davon aus, dass es grundsätzlich zwei grosse Gruppen der Bluesmusik gibt, nämlich akustischen und elektrischen Blues. Beim akustischen oder Country-Blues werden vier Gruppen unterschieden, nämlich der Stil des Mississippi-Deltas, derjenige von Carolina, Piano-Blues und Boogie. Daneben gibt es den elektrischen Blues, der sich wiederum unterteilen lässt in die Untergruppen Chicago-Blues, Texas-Blues, West Coast oder Jump Blues und Vaudeville-Blues, den man als eine Art des jazzigen Blues bezeichnen könnte. Ebenfalls hierzu zu zählen ist die einfach zu fassende, aber schwierig zu kategorisierende Form des Bluesrock, einer Form des Blues, die durch die Rezeption englischer Musiker zu grosser Prominenz gelangte, und die als „British Revolution" einen entscheidenden Einfluss hatte auf die Wahrnehmung dieser Musik in den Vereinigten Staaten.
Zunächst zum Country-Blues: Dieser wird hier in die vier genannten Untergruppen aufgeteilt, und um das allzu starke Klischee des einsamen, verarmten und häufig blinden Gitarrenspielers als Keimzelle dieser wunderbaren Musik zu durchbrechen beginnen wir mit dem Piano-Blues.
Tasteninstrumente sind seit dem späten 19. Jh. fester Bestandteil der Schwarzen Musik, namentlich im Jazz und im Ragtime, aber natürlich auch in den Kirchen. Die Entwicklung vom Ragtime-Klavier zum Blues-Piano ist kein gewaltiger Schritt. Auch im Jazz spielte das Klavier früh eine wichtige Rolle, und manche Musiker, die als Pioniere des Piano-Blues gefeiert werden, unterschieden sich musikalisch deutlich vom späteren Blues. So klingt die Musik von „Jelly Roll" Morton keineswegs nach dem, was man später als Grundlage des Piano-Blues bezeichnet: der Boogie-Woogie Begleitmelodie. Für die Entwicklung des Blues brauchte es zusätzlich den Einfluss der illegalen Barrelhouse Musik , also der Tanzbegleitung in halblegalen Landkneipen, Lagerhallen oder Juke Joints, wo während der Prohibition die Schwarze Bevölkerung des Südens ihre Unterhaltung und Zerstreuung suchte. Diese Musik wurde auf Klavieren gespielt, die selten gestimmt wurden, deren Stimmung aber an Samstag Abenden unter der heiss-schwülen Atmosphäre eines vollgepackten Tanzlokals, und an Wochentagen unter der ungeheizten Zugluft litt. Die Musik sollte zudem als Tanzbegleitung dienen und sie war kein konzertantes Vergnügen. Deshalb wurde die Begleitung der linken Hand zum Grundgerüst der Musik, und die rechte spielte wenige hohe Töne, kaum Läufe, sondern in erster Linie einzelne Noten, welche die Wechsel der Tonarten innerhalb des Ablaufs der Takte akzentuierten. Das Klavier bot in dieser Umgebung eine gute musikalische Grundlage, da es laut genug war, dass man die Musik auch bei tanzenden Füssen auf einem Holzboden noch verstehen konnte. Die Musiker sollten zudem noch eine laute Stimme haben.
Als Beispiele dieser Musik nennen wir hier „Champion" Jack Dupree aus New Orleans und „Little Brother" Montgomery . Ebenfalls Pinetop Smith (oder Pine Top Smith (11.6. 1904 - 15.3. 1929) Autor des „Pinetop's Boogie Woogie". Ebenfalls hierzu zu zählen ist „The Honeydripper" Roosevelt Sykes . Diese Musiker haben nicht nur eine grosse Zahl von Songs verfasst, die seither fester Bestandteil des Blues-Kanon sind, sie haben durch ihre Beherrschung des Klaviers sogar solchen Einfluss ausgeübt, dass die späteren Blues-Pianisten kaum stilistische Weiterentwicklungen anbrachten. Auf dem Fundament dieser drei bauten später Otis Spann , „Memphis" Slim und der glücklicherweise unverwüstliche „Pinetop" Perkins . In Deutschland führt Axel Zwingenberger die Boogie-Woogie Tradition weiter und spielt diese Form des Blues ebenfalls mit grosser Virtuosität.
Der klassische Bluesman aus Mississippi spielte Gitarre, und in vielen Fällen spielte er dazu Slide (oder „Bottleneck", je nachdem, welches Hilfsmittel er für die Erzeugung dieser Klangfarbe verwendete, Metall oder Glas.). Ein Mann, alleine mit seiner Gitarre, singt seine Traurigkeit in die Welt hinaus. Diese Form des Blues wird als Delta-Blues bezeichnet, und die berühmten Gründerväter Charlie Patton , „Son" House und natürlich Robert Johnson praktizierten diese Form der ländlichen Unterhaltung. Sie waren eine Form der Unterhaltung für die Arbeiter der grossen Plantagen des Mississippi-Deltas, dieses Schwemmlandes zwischen Clarksdale im Norden und Vicksburg im Süden. Musikethnologen weisen darauf hin, dass diese Form des Geschichtenerzählens zurückgeht auf westafrikanische Bänkelsänger, die in der oralen Kultur Westafrikas als Nachrichtenüberbringer fungierten. Diese Form des Blues war eine der zentralen Grundlagen des Blues, und indem McKinley Morganfield unter dem Namen „Muddy Waters" sie nach Chicago brachte und dort neu erfand, kreierte er den Chicago-Blues. Doch diese Form des Blues ist weitaus weniger dominant als häufig angenommen und geschrieben wird. Nicht jeder Musiker mit einem Slide ist ein Delta Bluesman. Duane Allman oder der unvergleichliche Earl Hooker beispielsweise haben mit dem Delta-Blues nur die Instrumentierung gemein, aber ihre Musik ist grundsätzlich verschieden.
Ebenfalls zur Gruppe der Deltablueser sollten wir Musiker rechnen, die nicht Gitarre spielten, sondern das „Mississippi Saxophone" oder - mit dem besser eingeführten Namen - die Bluesharp. Spieler der Mundharmonika oder eben „Harp" definieren sich in der Regel zurück auf John Lee „Sonny Boy" Williamson (1914-1948). Sonny Boy führte die Mundharmonika in die Bluesmusik ein, und wenn ihm auch sein undisziplinierter Charakter und sein übermässiger Genuss von Alkohol grösseren und vor allem bleibenden Ruhm versagten, so war er doch die stilbildende Person der Harp. Aleck „Rice" Miller (1899-1965) war so beeindruckt von Sonny Boy (bzw. dessen Ruhm), dass er sich denselben Namen als Künstlernamen aussuchte, um so bessere Engagements kriegen zu können. Miller nannte sich später Sonny Boy Williamson II, aber zwischen den beiden gibt es keinerlei Verwandtschaft. Die Delta Blueser aus Mississippi nahmen ihre Instrumente mit auf ihrem Exodus in den Norden, und James Cotton und vor allem Junior Wells spielten fernab von Plantagen im Grunde genommen dieselbe Musik wie ihre Vorgänger dies im Delta getan hatten.
Denn bei weitem nicht jeder Bluesman aus Mississippi war ein Delta-Bluesman. Einer der berühmtesten Sänger und Gitarristen aus dem „Magnolia State", William „Big Bill" Broonzy spiele beispielsweise kein Slide, und seine rechte Hand schlug nicht nur einen Rhythmus, sie zupfte auch Saiten einzeln an. Broonzy spielte eher wie ein Bluesman aus Carolina oder aus dem Mississippi hill-country, der im Vergleich zum Delta hügeligen Gegend im Osten des Staates. Aus dieser Gegend zwischen Tupelo und Avalon stammte beispielsweise „Mississippi" John Hurt, wie Broonzy ein beliebter Musiker des Folk Revivals der Sechziger Jahre, der späten Ruhm und Anerkennung erlebte, als er seine alten Lieder für weisse Collegestudenten spielte. Diese Form des gezupften Blues, mit Fingerpicking-Begleitung und einer gezupften Basslinie war in den beiden Gliedstaaten North und South Carolina verbreitet, und darum wird sie hier Carolina-Blues genannt. Vertreter dieser Musik aus Carolina sind etwa Pink Anderson und die wunderbare und erst in den letzten Jahren von Taj Mahal neu entdeckte Etta Baker . Auch Reverend Gary Davis in New York ist als Vertreter dieser Musik zu bezeichnen, die weniger eindeutig als Blues zu erkennen ist, sondern nahe Verwandtschaft mit Country-Musik oder der Musik weisser Hillbillies aufweist („Hillbilly" ist hier nicht abschätzig gemeint, sondern bezeichnet die in den unzugänglichen Tälern der Gebirge des Südostens der USA lebenden Bewohner ländlicher und wenig entwickelter Landstriche). In diesem Zusammenhang zu nennen ist auch Roy Book Binder , der ein grossartiger Picker ist und sich gleichzeitig bemüht, seine Musik authentisch zu halten, aber sie trotzdem weiter zu entwickeln.
Dies bringt uns zum Boogie. Tupelos berühmtester Sohn war natürlich Elvis Presley , aber auch John Lee Hooker wuchs zunächst in Tupelo auf, und er lernte das Gitarrenspiel von seinem Onkel, der ihm den Stil des Hill-country weitergab. Diese Form der Bluesmusik besticht durch eine grosse Betonung der rhythmischen Begleitung. Hookers Musik ist in erster Linie rhythmisch, die Melodie wird gesungen, was hier als Merkmal des Boogie gelten soll. Diese Musik bemüht sich, mit der Gitarre die linke Hand des Pianisten nachzuahmen, und Elemente der Rechten eines Klavierspielers werden vereinzelt dazwischen geworfen.
Unabhängig vom Bestreben der Texaner, ihre eigene Bluestradition zu reklamieren, erscheint es uns doch so, als sollte der berühmte akustische Bluesman aus Texas, „Lightnin" Hopkins eher dem Boogie zugeschlagen werden als dem Texasblues eines Albert Collins, Freddie oder Albert King . Lightnin Hopkins hatte nie die Breitenwirkung Hookers, aber seine Musik zeigte dieselben Charakteristika: melodiöser Gesang und rhythmisches Gitarrenspiel und einen grosszügigen Umgang mit dem zwölf-Takt-Schema der Akkordfolge. Die Akkordfolge spielte keine grosse Rolle, da die Musik in erster Linie die Untermalung des Gesanges darstellte. Ebenfalls in diese Kategorie sollte, wenn er auch mit elektrisch verstärktem Instrument spielte, Bo Diddley gezählt werden, der auf seine eigene Art des Boogie eine der Brücken zur Rockmusik darstellt.
Die Einführung des Tonabnehmers und die dadurch ermöglichte Verstärkung der Saiten war die Grundlage für den einzigartigen Siegeszug der Gitarre als dominantes Instrument der Rockmusik. Ohne die Verstärkung hätte die Gitarre keine Chance gehabt, denn sie war zu leise und auch die grossen und lauteren Modelle wie die grossen Gibsons konnten nicht mit dem Tonabnehmer mithalten. Lange vor der Entwicklung neuer Klangfarben und Effekte und der dadurch herbeigeführten eigentlichen Rockgitarre durch Buddy Guy und später Jimi Hendrix erkannten die Bluesmen das Potential des elektrisch verstärkten Instruments. Sie erkannten, dass subtilere Formen der Melodieführung möglich wurden, in denen Einzelnoten gespielt werden konnten, die dank der Technik laut genug waren, um auch durch eine Band hindurch gehört zu werden.
Als Pionier dieser neuen Form des Gitarrenspiels sollten zwei Musiker genannt werden, nämlich zum einen Lonnie Johnson und zum anderen Thibeaux „T-Bone" Walker . Beide waren treibende Kräfte in der Weiterentwicklung der Gitarre, wobei bei Lonnie Johnson eindeutig zu hören ist, dass er über den Blues hinaus auch als Liebhaber jazziger Melodien brillierte. Thibeaux Walker, dessen frankophoner Name zum Spitznamen „T-Bone" führte, verliess den Süden (LOUISIANA?) und zog westwärts. Er kreierte den Jump Blues oder West Coast Blues, der sehr stark orchestriert war, häufig Bläsergruppen beinhaltete, und eben die Melodieführung mit Einzelnoten einführte. Eines der Merkmale des West Coast Blues ist, dass er schneller und damit tanzbarer wurde als die Klagegesänge des Südens. Der Blues wurde damit zu einer Form der Unterhaltung und eben zur Tanzmusik, und entsprechend wurde die Bedeutung der Liedtexte zurückgedrängt. Der West Coast Blues diente als Entwicklungsstufe einer Reihe weiterer Formen, aber wurde im Blues selbst nicht gross weiterverfolgt. In der Big Band Musik der „Crooner" der fünfziger und sechziger Jahre wie Nat „King" Cole , Tony Bennett oder auch Frank Sinatra sind Elemente des Jump Blues zu hören.
Chicago wird die „City of Broad Shoulders" genannt und im Gegensatz zum raffinierten und leicht versnobten New York war Chicago stets eine Arbeiterstadt gewesen. Die Schwerindustrie und die Schlachthöfe gaben ein raues Leben vor, und deshalb war auch die Musik der „Windy City" schneidend und hart. Elmore James beispielsweise strapazierte seine Stimmbänder und seine Verstärkertechnologie bis zum Äussersten, als er dem Blues wieder die klagende und anklagende Note zurückgab.
Der Vater aber des Chicago-Blues war natürlich Muddy Waters , der von Big Bill Broonzy in die Stadt und die Musikerszene eingeführt wurde, ihr bald seinen Stempel aufdrückte. Das Genie von Muddy Waters war es, nicht sich in den Vordergrund zu stellen, sondern eine kleine, aber feine Band zu haben, die als Ganzes operierte, und von denen jedes Mitglied jederzeit in der Lage war, durch ein Solo dem Stück eine andere Wendung zu verleihen. Entsprechend lang ist die Liste von Musikern, die mit Muddy zusammen gespielt haben und zum einen oder anderen Zeitpunkt ihrer Karriere Mitglied der „Muddy Waters Band" waren: Otis Spann, Willie Dixon, Junior Wells, Pinetop Perkins, „Steady Rolling" Bob Margolin, Buddy Guy, Willie „Big Eyed" Smith und andere.
In die Sparte des Chicago-Blues fällt unserer Meinung zufolge auch der Name einer grossen und einzigartigen Künstlerin, einer Sängerin des Blues, wie es sie kein zweites Mal gab: Willie Mae „Big Mama" Thornton (1926-1984). Big Mama Thronton war nicht nur für sich genommen eine grossartige Sängerin mit einer für eine Blues-Sängerin einzigartigen Stil, der sich vom Vaudeville-Gesang anderer Blueserinnen unterschied, sie war als Vorbild von Janis Joplin mitverantwortlich für deren musikalischen Ausdruck, und schliesslich wird sie immer in Erinnerung bleiben als die Urheberin des Hits für Elvis Presley „Hound Dog."
Eine eigene Spielart des Chicago Blues hat sich in den Klubs der West Side Chicagos etabliert. Während die älteren Musiker wie Muddy oder der Wolf im Süden der Stadt spielten, wo traditionell die Schwarze Bevölkerung lebte, entwickelte sich in den Klubs der West Side eine eigene Form, die schneller und härter war, definitiv als Tanzmusik geeignet. In der Musik der West Side ist der Einfluss Albert Kings deutlich zu bemerken.
Dort spielten die jüngeren Blueser wie Magic Sam , Guitar Slim , Jimmy Dawkins , Buddy Guy , Luther Allison vor seinem „Exil" in Europa, vor allem Paris. Junior Wells ist ebenfalls auf seinen eigenen Aufnahmen ein Vertreter des West Side Blues, aber er spielte häufig noch normale Chicago-Harp für Muddy Waters und andere. Diese Gruppe ist insofern entscheidend für die weitere Entwicklung, als die wiederum jüngere Generation amerikanischer junger Blueser von Stevie Ray Vaughan bis Johnny Lang speziell diesen West Side Blues zu spielen suchte. Stevie Ray machte das deutlich, als er bei seinem Konzert in der Carnegie Hall Guitar Slims Letter to my Girlfriend spielte (davon gibt es eine gute Aufnahme auf dem Slim-Sampler Suffering Mind). Da Eric Clapton und die British Invasion auch diese Musiker rezipierten, sind deshalb die West Side Blueser als annähernd ebenso grossen Einfluss auf die Entwicklung der Rockmusik - Jimi Hendrix eingeschlossen - zu betrachten die die Vertreter des „klassischen" Chicago Blues.
West Coast, auch Jump Blues oder Vaudeville-Blues genannt, kann man als eine Art des jazzigen Blues bezeichnen. Ausgehend von den Tanzhallen Kaliforniens ist diese Musik sehr tanzbar und war Unterhaltung für junge Paare. Hierzu zählen T-Bone Walker nach seinem Wechsel zu Capitol Records und B.B. Kings grosses Vorbild Saxophonist und Bandleader Louis Jordan (Von B.B. King vgl. Let the good times roll). Eine typische Eigenschaft des West Coast Styles ist der reichhaltige Einsatz von Bläsern in den Stücken.
Die Bezeichnung Bluesrock wird häufig etwas ungenau verwendet. Sie wird für Bands wie Cream ebenso angewandt wie für Deep Purple oder Led Zeppelin . Bluesrock ist dabei häufig eine Genre-Bezeichnung für Bluesstücke, die „verrockt" werden, also bei der sich die Instrumentierung und die Verzerrung der Gitarren ändert, auch die Länge der Soli, bei dem aber der grundsätzliche Aufbau des 12-Takt-Blues nicht geändert wird.
Gleichzeitig dient es als Bezeichnung für Rockstücke, die diffus „irgendwie bluesig klingen", bei denen aber der harmonische Aufbau der 12 Takte (oder natürlich 8 Takte, bei achttaktigen Bluesstücken wie „Key to the Highway") nicht zur Anwendung kommt. Der bluesige Klang bezieht sich häufig schlicht auf die Verwendung einer Harp wie bei manchen Stücken der Rolling Stones oder Led Zeppelins.
Schliesslich meint „Bluesrock" manchmal auch nur weissen europäischen Rock der 60er und frühen 70er Jahre.
Oben wurde Lightnin' Hopkins nicht zum Texas Blues gezählt, und der Grund hierfür ist, dass bei den folgenden Musikern, die unserer Meinung nach den Texas Blues ausmachen, eine ähnliche Form des Solo-Aufbaus und der Gitarrenbeherrschung festzustellen ist. Als Ahne ist hier Albert King zu bezeichnen, aber auch Freddie King und Albert Collins. Diese drei Pioniere stehen für härteren Gitarrenblues, bei dem die Saiten mehr gedehnt als vibriert werden, bei der kaum Slides zum Einsatz kommen, und bei dem die Saiten häufig mit den Fingern hart gezupft werden. Hierzu zählt natürlich auch Stevie Ray Vaughan, der zudem deutlich Boogie-Elemente in viele Stücke einbaut („Pride and Joy", „Love Struck Baby"). Zu den weniger bekannten zählt Joe „Guitar" Highes.
Da Stevie Ray Vaughan einen nicht zu überschätzenden Einfluss auf praktisch alle modernen Gitarristen (die sich selbst als Blueser bezeichnen) ausübte, macht es keinen Sinn Popa Chubby , Johnny Lang, Kenny Wayne Shepperd , Chris Duarte , Melvin Taylor und andere alle zum Texas Blues zu zählen. Stevie selbst aber würde ich noch dazu zählen, schon weil er seine ersten Auftritte und den Anfang seiner Karriere in Austin feiern konnte und mit Albert King das In Session einspielte (das wahrscheinlich nur veröffentlich wurde, weil es sonst kein Material mehr gibt. die CD ist gut, aber die Abmischung lässt mancherorten zu Wünschen übrig).