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Diesen Richtungsentscheid hatte der Bundesrat am Mittwoch gefällt. Am Donnerstag publizierte er den Bericht "Zukunft der Bodentruppen" des Verteidigungsdepartements VBS, auf den er sich stützt. Dieser zeigt auf, wie sich die Konflikte verändert haben und wohl noch weiter verändern werden.
Heute zeichneten sich bewaffnete Konfrontationen durch einen unscharfen Übergang von einer angespannten Lage hin zu einem bewaffneten Konflikt aus. Hybride Konflikte umfassen oft auch nicht-staatliche Akteure und finden fast immer in Städten und Agglomerationen statt. Exemplarisch dafür stehen die Kämpfe paramilitärischer Milizen in Libyen oder die "grünen Männchen", die 2014 die Krim annektierten.
Parallel zu diesen Entwicklungen erreichen in den nächsten Jahren viele grosse Waffensysteme der Schweizer Armee das Ende ihrer Lebensdauer. Dazu gehören insbesondere Schützenpanzer, Haubitzen und später auch die Kampfpanzer. Vor dem Hintergrund der veränderten Konflikte zeigt der Bericht auf, wie diese teuren Waffen ersetzt werden sollen.
Einheitliche Plattform
Statt schwere gepanzerte Waffensysteme sollen vermehrt leichtere, aber ebenfalls geschützte Radfahrzeuge mit unterschiedlichen Waffensystemen zum Einsatz kommen. Gemäss dem Bericht können das leichtere Waffen zum Kampf im überbauten Gelände, aber auch Panzerabwehrwaffen oder weit reichende Waffen sein, die eine höhere Präzision als die heutige Artillerie erreichen.
Der gleiche Fahrzeugtyp soll auch als Truppentransporter, Führungs-, Sanitäts- oder Aufklärungsfahrzeug eingesetzt werden. Die Geländegängigkeit ist dabei zweitrangig. Den Verlust der Fähigkeit zur mobilen Verteidigung abseits von Strassen nimmt der Bundesrat in Kauf. Ein Gegner würde derart eingesetzte Schweizer Verbände ohnehin aus der Distanz aufklären und bekämpfen, schreibt er.
Teurer Ersatz
Die Ersatzbeschaffungen haben ihren Preis. Der Investitionsbedarf für die Bodentruppen beziffert der Bundesrat mit 5,5 bis 6 Milliarden Franken in den nächsten 15 Jahren. Zusammen mit Investitionen für neue Kommunikationsmittel sind es 7 Milliarden Franken.
Hinzu kommen die neuen Kampfjets und Flugabwehrraketen für 8 Milliarden Franken - insgesamt also 15 Milliarden Franken. Um all das zu finanzieren, müsste der Zahlungsrahmen der Armee von heute 5 Milliarden Franken jährlich um real 1,4 Prozent erhöht werden.
Panzer bleiben im Einsatz
Obwohl es keine Pläne für den Kauf neuer Kampfpanzer gibt, will die Armee noch lange nicht auf diese Waffen verzichten. Die Leopard 2, die heute im Einsatz sind, sollen so lange wie möglich am Laufen gehalten werden. Das ergibt aus Sicht des VBS umso mehr Sinn, als dass in dem Bereich noch kein Technologiesprung stattgefunden hat: Moderne Panzer funktionieren grundsätzlich immer noch gleich wie ältere Modelle.
Im Bericht zur Zukunft der Bodentruppen prüft das VBS auch weitere Optionen. Verworfen wurde die verstärkte Ausrichtung auf zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte. Ein Grund dafür ist, dass dieses Szenario als wenig wahrscheinlich erachtet wird, ein anderer, dass der Investitionsbedarf rund 10 Milliarden Franken betragen würde.
Ebenfalls verworfen wurde die nun gewählte Option mit einem höheren Sollbestand. Bei 120'000 statt 100'000 Armeeangehörigen wäre zwar die Durchhaltefähigkeit höher, der Investitionsbedarf läge aber bei 9 Milliarden Franken. Diese Option ist insofern noch im Spiel, als dass sie durch einen Ausbau jederzeit umgesetzt werden könnte.
(AWP)