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Das musst du wissen
- Politiker, die mehr in eine Kampagne investieren, haben grössere Chancen, als Kandidaten aufgestellt zu werden.
- Je grösser die Wahlversprechen, desto grösser die Chancen eines Kandidaten, in ein politisches Amt gewählt zu werden.
- Nur sind just jene, die viel investieren, auch jene, die zu einer höheren Wahrscheinlichkeit ihre Versprechen brechen.
Trump oder Biden? Am 3. November steht in den USA die Präsidentschaftswahl an. Zumindest Donald Trump hat während seines Wahlkampfes auch grosszügig Gebrauch von Unwahrheiten gemacht. Eine neue Studie zeigt nun: Kandidaten, die grosse Wahlversprechen machen und diese dann aber nicht einhalten, haben höhere Chancen, in ein politisches Amt gewählt zu werden. Lügen sind also ein erfolgreiches Mittel für einen Wahlerfolg. Die Studie ist im Fachjournal «The Economic Journal» publiziert worden.
Science-Check ✓Studie: Honesty and Self-Selection into Cheap TalkKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsEs handelt sich um eine Laborstudie, die Resultate sind mit Vorsicht zu geniessen. Entscheidungsprozesse und Wahlvorgänge sind in Realität sehr viel komplexer und unzählige Einflüssen unterlegen. Auch ist das Durchschnittsalter der Probanden 22 Jahre – Kandidaten für politische Ämter sind oft viel älter. Und: Politiker streben in der Regel eine Wiederwahl an, was das Umsetzen von Wahlversprechen beeinflussen kann. Trotzdem kann dieses Experiment einen Einblick in das menschliche Verhalten, das Kandidierende und Wählerschaft kennzeichnet, geben.Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: peer-reviewed, 308 Probanden, 100 Wahlrunden.Studien-Art: Laborexperiment.Geldgeber: Universitäten Bath und Konstanz.Alle Informationen zum higgs-Science-Check
Um herauszufinden, welche Politiker es überhaupt bis zu einer Kandidatur schaffen und wie diese dann ihre Wahlversprechen umsetzen, haben die Forscher der Universitäten Bath und Konstanz ein spieltheoretisches Laborexperiment durchgeführt. Sie simulierten dabei mit über 300 Probanden einen zweistufigen Wahlprozess: Auf der ersten Stufe mussten die als «Politiker» zugeteilten Probanden angeben, wie viel Geld sie aus einem ihnen zur Verfügung stehenden Vermögen investieren würden, um den parteiinternen Selektionsprozess zu gewinnen – um also als Kandidat für eine Partei aufgestellt zu werden. Je höher das Investment, desto grösser war die Chance, als Kandidat aufgestellt zu werden. Auf der zweiten Stufe gaben sie als Kandidaten der Partei Wahlversprechen ab, in diesem Fall, wie viel Geld aus einem ihnen zugänglichen Pool sie an die Öffentlichkeit weitergeben würden.
Dann wählten die als «Wähler» zugeteilten Probanden. Eine Gruppe der Probanden wusste zusätzlich, wie viel die Politiker in ihre Wahl investiert hatten, die andere nicht. Resultat: Je mehr die Politiker in ihre Kampagne investierten, desto mehr versprachen sie den Wählern. Je grösser die Wahlversprechen, desto höher war die Chance gewählt zu werden. Je mehr die Politiker aber in den Wahlkampf investierten, desto mehr logen sie und desto weniger bekamen die Wähler am Ende.
Rund ein Drittel der Kandidaten gab am Ende kaum Geld an die Wählerschaft weiter. Die Mehrheit der Kandidaten hielt das Wahlversprechen zwar nicht, gab aber einen Teil des versprochenen Geldes weiter. Nur ganz wenige hielten ihre Versprechen.
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Wussten die Wählerinnen und Wähler nun aber, wie viel die Kandidaten in ihren Wahlkampf investiert hatten, so sah das Resultat anders aus: Je höher die Investition, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit, gewählt zu werden.
«Unsere Resultate zeigen, wieso es nicht überraschend ist, dass wir bei Wahlen Kandidaten haben, die lügen», sagt Maik Schnaider, Ökonom an der Universität Bath, in einer Mitteilung. «Es besteht ein klares Paradox darin, dass die Wählerschaft zwar Vertrauenswürdigkeit in der Politik vermisst, lügende Kandidaten aber eine höhere Chance haben, zu gewinnen.» Für die Forschenden liegt die Lösung in mehr Transparenz in Sachen Kampagnenfinanzierung, Überprüfung von Wahlversprechen und Fact-Checking. Auch Mechanismen, wenigstens einen Teil von Wahlversprechend bindend zu machen, schlagen sie vor.