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Den sichersten Aufschluß über die Beschaffenheit eines Eies liefert der Eierspiegel, welcher aus einem allseitig geschlossenen Kasten besteht, in dem ein Spiegel [* 2] im Winkel [* 3] von 45° gegen die obere Wand befestigt ist. In der obern Wand sind kreisrunde Löcher angebracht, in welche man die Eier [* 4] setzt; die vordere, dem Spiegel zugekehrte Wand des Kastens enthält zwei Okulargläser in einer den Theaterperspektiven ähnlichen Fassung. Alles Licht [* 5] muß durch die Eier gehen, fällt auf den Spiegel und wird ins Auge [* 6] des Beobachters reflektiert, der jede Trübung im Ei [* 7] beobachten kann. Mit diesem Instrument kann man zu gleicher Zeit viele Eier auf ihre frische Beschaffenheit prüfen. Das Ovoskop besteht aus einer ähnlich konstruierten dunkeln Kammer, gestattet aber, das Ei mittels einer Gasflamme zu durchleuchten.
Beim
Kochen der
Eier dringt etwas
Eiweiß und
Salz
[* 8] durch die
Schale hindurch, wogegen aber auch etwas
Wasser in das Ei eintritt,
so daß man also
Eier nicht ohne Nachteil in unreinem
Wasser kochen kann.
Eierkonserven (
Eierpulver oder
Eiermehl) sind
Präparate, welche, in
Wasser gelöst, sich wie frische
Eier verwenden lassen. Bei ihrer
Darstellung muß eine
Temperatur angewandt werden, bei welcher das
Eiweiß noch nicht gerinnt; und da bei so niedriger
Temperatur die
Verdampfung sehr
langsam erfolgt, so wendet man vorteilhaft ein
Vakuum an. Zusätze von
Zucker
[* 9] oder
Salz sind verwerflich.
Man stellt die Konserven aus ganzen Eiern, aus Eigelb und Eiweiß dar. Erstere bilden nach dem Pulvern des trocknen Rückstandes ein gelbes Mehl, [* 10] welches mit Wasser leicht eine Emulsion liefert. Das getrocknete Eiweiß ist ein glasartiges, sandiges, schwach gelbliches Pulver, welches sich in warmem Wasser fast vollständig löst. Man kann diese Konserven in der Küche und zu technischen Zwecken benutzen. Der Eierhandel betrug 1882 in Millionen Stück
|Ausfuhr||Einfuhr|
|Österreich-Ungarn||245407||32870|
|Italien||254900||1902|
|Frankreich||196111||81190|
|Deutschland||19572||181253|
|Rußland||50000||-|
|Belgien||105872||78119|
|Niederlande||3619||65670|
|England||-||811000|
Die größte Ausfuhr hat Österreich, [* 11] da die Zahl für 1882 nur ausnahmsweise niedriger ist als diejenige Italiens. [* 12] Die Eigenproduktion Deutschlands [* 13] wird auf 3350 Mill. Stück geschätzt, der Gesamtkonsum auf 3600 Mill., der europäische Konsum auf 21,150 Mill. im Wert von etwa 900 Mill. Mk.
Bei den Römern bildeten Eier den ersten Gang [* 14] bei Mahlzeiten, daher das Sprichwort ab ovo ad mala. In manchen Gegenden Deutschlands ist es Sitte, sich am Gründonnerstag oder Ostersonntag mit gefärbten, hart gesottenen Eiern (Ostereiern) Geschenke zu machen oder dieselben zu verstecken und von Kindern aufsuchen zu lassen (Hasen- oder Storcheier). Vielleicht rührt dieser Gebrauch aus den Zeiten der alten Römer [* 15] her, welche um diese Zeit Eierspiele und Eierfeste zu veranstalten pflegten, wobei man den aus Eiern ausgebrüteten Dioskuren [* 16] zu Ehren in einer Eilinie um die Wette nach Eiern lief. Ein ähnlicher Gebrauch ist das Eierwerfen oder Eierlaufen in der Schweiz [* 17] und Frankreich, welches darin besteht, daß von zwei jungen Burschen der eine in einer gewissen Entfernung auf den Boden gelegte Eier eher in einen Behälter einzusammeln sucht, als der andre ein gestecktes Ziel erreicht und von diesem auf seinen Platz zurückkehrt.
Die Eierkunde (Oologie)
(hierzu 2 Tafeln »Eier europäischer Vögel« mit Namenregister)
ist derjenige Teil der Ornithologie, welcher sich mit dem Studium der Außenhüllen des Vogeleies beschäftigt, indem sie die wissenschaftliche Untersuchung des Inhalts des Eies und dessen Entwickelung einem andern Zweig der Biologie, der Embryologie, überläßt. Erst seitdem die Eierkunde, meist in Verbindung mit der Nesterkunde (Kaliologie), der Ornithologie im allgemeinen und speziell auch der Systematik gute Dienste [* 18] geleistet hat, ist sie als vollberechtigte Teilwissenschaft der Vogelkunde anerkannt worden.
Als solche aber beansprucht die Eierkunde dieselbe wissenschaftliche Vorbildung und Ausrüstung wie jeder andre Zweig der Naturwissenschaft, zunächst selbstverständlich eine intime Kenntnis der gesamten ornithologischen Disziplinen. Da es aber für die unmittelbare Bestimmung (Authentifikation) des betreffenden Materials von größter Wichtigkeit ist, dasselbe an Ort und Stelle zu prüfen, so ist auch die Ausbildung körperlicher Geschicklichkeiten und Kräfte behufs Erlangung der oft schwer zugänglichen Objekte der Eierkunde unerläßlich.
Die Eier werden, nachdem ihr Vollgewicht ermittelt ist, entleert und der Sammlung einverleibt. Wer jemals eine größere, wohlerhaltene Eiersammlung (Oothek) gesehen hat, wird sich zunächst an dem hübschen Anblick erfreut haben, welchen die mannigfachen, schönen Formen, die bedeutenden Größenunterschiede, die teils emailglänzenden, teils matten Farbenspiele dem Auge bieten. Außer diesem oft an Spielerei grenzenden und leider oft zu schädlicher Sammelsucht verleitenden Selbstzweck der Eierkunde besitzt sie aber auch Bedeutung für die gesamte Ornithologie, nicht allein für deren biologische Seite, sondern auch für die systematische. Man kennt heute die Eier von etwa dem sechsten Teil der bekannten Vogelarten: davon sämtliche der in Europa [* 19] heimischen, die Mehrzahl der nordamerikanischen und australischen und vieler afrikanischer, asiatischer, südamerikanischer und polynesischer Arten.
Als oologische Bestimmungs- und Beschreibungsmittel kommen in Betracht:
1) Größe und Gewicht, jene durch Multiplikation des Maßes der Längen- und Breitenachse ausgedrückt, dieses durch Wägen des vollen und des leeren Eies ermittelt. Die größte bekannte Differenz in beiderlei Beziehung existiert zwischen dem Ei des ausgestorbenen Aepyornis maximus und den kleinsten Kolibrieiern; das Volumen des erstern entspricht dem von 50,000 der letztern und dem von ca. 6 Straußeneiern. Die Eier des afrikanischen Straußes sind die größten Eier der gegenwärtig lebenden Ornis; sie messen bis ca. 160×130 mm und wiegen ca. 1400-1500 g. Das größte Ei der europäischen Vogelwelt ist das des Höckerschwans, die kleinsten sind die der beiden Goldhähnchenarten. Jenes mißt durchschnittlich 128×70 mm, dieses 12×9 mm; jenes wiegt gefüllt 414 g, leer 53 g; dieses gefüllt 32 cg, leer 4 cg. Die Eier der drei genannten Arten sind auf unsern Eiertafeln I [* 1] (Fig. 24, 25) und II [* 1] (Fig. 12) abgebildet.
2) Die Gestalt oder Form. Als Basis für die Bestimmung der Eiformen dienen das Verhältnis der Maße ihrer Längen- und größten Breitenachse und die Entfernung des Schneidepunktes der letztern mit der Längenachse von einem der Pole der letztern. Fällt dieser Schneidepunkt genau oder annähernd in die Mitte der Längenachse, so nennt man die Eiform eine gleichhälftige, andernfalls heißt sie ungleichhälftig. Zu den gleichhälftigen Formen gehören ¶
Zum Artikel »Eierkunde«. ¶
Zum Artikel »Eierkunde«. ¶
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die kugelige, die walzige und die spitzwalzige. Bei der kugeligen Form sind beide Achsen gleich oder nahezu gleich lang (alle Radien gleich);
bei der walzigen ist die Längenachse bedeutend größer, beide Pole gleich oder doch fast gleich abgerundet;
bei der spitzwalzigen sind die Pole zugespitzt;
diese Form kommt nur als Ausnahme, aber doch als ziemlich häufige, bei den Eiern mehrerer Sippen und Arten vor.
Unter den ungleichhälftigen Eiformen ist die ovale oder typische Eiform wie in der Natur, so auch auf unsern Tafeln am bei weitem zahlreichsten vertreten. Ihre Unterformen werden durch die Bezeichnungen kurz-, lang-, gestreckt-oval, abgestumpft, zugerundet, zugespitzt etc. näher bestimmt. Der Schneidepunkt der Achsen wechselt zwischen ca. 2/5 und 4/5 der halben Längenachse. Liegt er dem stumpfen Pol noch näher, und fällt der »Mantel« des Eies nach dem entgegengesetzten, zugespitzten Pol hin gleichmäßig und nahezu kegelförmig ab, so entsteht die Kreiselform, welche zur Birnform wird, wenn der Mantel etwas vor dem zugespitzten Pol eine gleichmäßige Einbuchtung zeigt. Die beiden letztgenannten Eiformen sind die normalen bei der großen Mehrzahl der Watvögel, [* 23] treten aber auch sonst in einzelnen Sippen und Arten andrer Familien auf. Unsre Tafeln geben Beispiele für fast alle der genannten Haupt- und Nebenformen.
3) Struktur der Kalkschale und ihre Überzüge, vielleicht das sicherste, aber auch schwierigste, meist nur durch Lupe [* 24] und Mikroskop [* 25] zu gewinnende Bestimmungsmittel. Es handelt sich hierbei in erster Reihe um die die Kalkschale durchsetzenden Luftlöcher oder Poren, um ihre Verbreitung und Stellung auf der Eifläche, ihre Gestalt, Größe, Tiefe etc., sodann um die von den Poren nur zum Teil abhängige Oberfläche der Kalkschale, welche den Übergang von glattem Schliff und Emailglanz bis zu Grobkörnelung und nahezu Glanzlosigkeit aufweist.
Merkwürdigerweise kontrastieren hierin die Eier zweier verwandter Hühnergruppen, die der Steißhühner und der Hokkohühner des tropischen und subtropischen Amerika, [* 26] aufs stärkste. Endlich kommen auch die namentlich von H. Nathusius untersuchten Protuberanzen der innern Kalkschalenfläche sowie das Vorhandensein oder Fehlen und die Beschaffenheit des die Oberfläche des Eies bedeckenden Schalenhäutchens sowie der amorphen Kalk- oder Kreidebedeckung derselben in Betracht.
4) Färbung und Zeichnung. Unter Färbung versteht man die meist eintönige Farbe der gesamten Oberfläche, welche sich in sehr vielen Fällen, namentlich bei den grünen Tinten, durch die ganze Schale bis zu deren Innenfläche verbreitet, während die Zeichnung, fast ausnahmslos aus einer oder mehreren dunklern Nüancen der »Grundfarbe«, wie man die »Färbung« gleichfalls zu nennen pflegt, zusammengesetzt, sich zwar auch auf einer Reihe von Kalkschichten, aber (wenigstens nach den bisherigen Ermittelungen) nicht auf der ersten oder innersten sich abgelagert findet.
Die reinweiße Grundfarbe ist die am häufigsten vorkommende: von den rund 11,600 gegenwärtig bekannten Vogelarten legen rund 4200 einfarbige, d. h. nicht gezeichnete, Eier. Über 3200 davon sind reinweiß, ca. 800 blaugrünlich bis zum tiefsten Blaugrün, die übrigen ca. 200 verteilen sich auf die aus Gelb, Rot, Braun und Schwarz gemachten Farben, unter denen die Steißhuhn- (Crypturus-) Eier sich ebenso durch eigenartige prächtige Mischungen wie durch herrlichen Glanz auszeichnen.
Die Zeichnung der Eier ist eine ebenso mannigfaltige wie die Färbung. Der Form nach unterscheidet man sie als Punkte, Flecke, Flatschen (große Flecke), Strichel, Schmitzen, Haarlinien (Haarzüge), Wurmlinien, Zickzacklinien u. a. Diese Zeichnungen sind gleichtönig in der Farbe und fest umgrenzt oder abgetönt und verwaschen (brandfleckig). Sie erscheinen einzeln oder häufig und zusammengedrängt, gleichmäßig über die Oberfläche verbreitet oder lokal angehäuft, dies gewöhnlich an einem der beiden Pole, besonders am stumpfen Ende, häufig aber auch einen Gürtel, [* 27] in der Nähe der Pole bis zur Mitte der Achse, bildend und dann »Kranz« genannt.
Dabei kommt jede der einzelnen Zeichnungsformen für sich allein oder mehrere zusammen und eine oder die andre vorherrschend, auch eine die andre teilweise bedeckend, zur Verwendung. Die Zeichnungsfarben sind im allgemeinen dieselben, wie sie als Grundfarben vorkommen, aber immer in dunklern Nüancen. Nur das tiefe, reine Schwarz, das dunkle Schwarzviolett und Schwarzbraun fehlen der Grundfarbe. Wie die Zeichnungsformen, so erscheinen auch die Zeichnungsfarben eintönig oder gemischt (einfarbig oder mehrfarbig), in letzterm Fall aber wohl ausnahmslos als Nüancen eines und desselben Farbentons; nur das reine Schwarz macht hiervon eine Ausnahme.
Der Farbenton selber steht übrigens meist in naher Verwandtschaft zu dem der Grundfarbe. Man unterscheidet Ober- und Schichtenzeichnung. Letztere, meist des gleichen Farbentons wie erstere, verändert diesen jedoch je nach der Anzahl von Kalkschichten, welche sich über jede frühere Zeichnung gelagert haben, nicht unwesentlich und in 3-4 unterscheidbare Stufen der Farbenskala. Die Oberzeichnung ist teils glanzlos, teils matt, teils spiegelglänzend, dies in vollkommenstem Grad bei den schönen Eiern der Jacana- oder Blätterhühnchen (Parra). - Die Abbildungen der beifolgenden zwei Tafeln »Eier« bieten Beispiele für fast sämtliche in Frage kommende oologische Kriterien, soweit sie eben darstellbar sind.
Außerdem war für die Auswahl derselben die Absicht maßgebend, die Eier der interessantesten und zugleich bekanntesten heimischen Vogelarten aus den verschiedensten Familien darzustellen.
Vgl. Bädeker, Die Eier der europäischen Vögel [* 28] (Iserl. 1855-63, mit 80 Tafeln; Suppl. 1867);
Thienemann, Fortpflanzungsgeschichte der gesamten Vögel (Leipz. 1845-56, mit 100 Tafeln);
Grässner, Die Vögel in Mitteleuropa und ihre Eier (Dresd. 1880);
v. Reichenau, Die Nester und Eier der Vögel (Leipz. 1880).