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Fantastische Aussichten vom Kraterrand des Karthala Vulkans
Ein vulkanbesetzter Erdgürtel, der ganz Afrika umfasst, durchläuft die Komoren. Diese tektonische Schwächezone reicht ostwärts über Madagaskar bis nach La Réunion und zieht sich nordwestwärts über den Kilimanjaro, die Virunga-Berge bis hin zum Mount Cameroon sowie auf die Cap Verden.
Seit 1828 werden die Ausbrüche des Karthala registriert, erstmals wurde er 1883 vom Geologen Kresten erforscht. Seit 1828 sind mindestens 22 Eruptionen bekannt. Im August 1918 explodierte der Choungu Chahale: es entstand ein Krater mit 1385 m Nord-Süd Durchmesser, 870 m Ost-West sowie 270 m Tiefe. 1948 kündigte eine 400 m hohe Rauchsäule aus 75 Grad heissem Wasserdampf eine weitere Eruption an. Lava, Tuffe, Asche wurden in bis zu 400 m hohen Gaswolken ausgespieen. Weitere Eruptionen folgten 1952, 1959, 1965, 1969 sowie im September 1972, als die Lava einen Monat lang in Richtung Moroni floss. Die Explosion von 1977 erfolgte durch ein Seitenkamin – es raucht heute noch. Der jüngste Ausbruch geschah am 11. Juli 1991. Die Universität von La Réunion beobachtet den Karthala von sechs Stationen aus und stellt fest, dass die seismischen Aktivitäten seit Oktober 2000 wieder zunehmen. Der Karthala ist noch immer aktiv.
La soufrière (Schwefelgrube) im Norden des Karthala wird in alten Schiffsaufzeichnungen bereits erwähnt. Aus dem auf 2060 Höhenmetern gelegenen Platz führen Kamine sowie Höhlen ins Erdinnere. Aus ihnen strömt Sulfatgas mit einer Temperatur von 96 Grad aus. Die zitronengelben Ablagerung bilden eigenwillige Formen, die an Eisgebilde erinnern. Die zwei Dutzend Öffnungen hauchen weissen Wasserdampf aus.
Als Rückweg nehmen wir eine mehr südliche Route.
Unterwegs öffnet sich erneut ein schöner Ausblick auf Moroni sowie den kreisrunden Vulkankrater von Iconi. Er ist zur Seeseite hin durchbrochen. Wie ein leicht hingeworfenes Hufeisen liegt er am Meeresufer. Eingangs des Ortes stehen die Mauern der alten Sultansgebäude aus dem 16. Jahrhundert, erbaut aus Lavabrocken und so schwarz, als ob sie abgebrannt wären. Wuchtig bewacht der Sultanssitz die Bucht südlich des Vulkankraters.
Der schon im 8. Jahrhundert gegründete Ort litt von 1800 – 1808 unter den Invasionen von madagassischen Piraten. Daher wurde auf dem 115 Meter hohen Vulkan eine solide Kratermauer gebaut. Denn die damals wichtigste Stadt der Komoren hatte keine Stadtmauern, alle Stadtbewohner – um die 1500 Personen – wurden bei Angriffen in den Vulkan evakuiert. Auch hier eine Legende: Das Mädchen Fatima soll sich bei zwei heute noch stehenden Palmen ins Meer gestürzt haben, um nicht den Invasoren in die Hände zu geraten.