Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03576.jsonl.gz/238

In Seebach gab es mehrere Hungersnöte. Die letzte war im Jahr 1816/17. Der Höhepunkt war im Frühling 1817. Die Not war so gross, dass die Stadt Zürich ihre Kornhäuser und Getreidespeicher öffnete und sogar Reis aus dem Ausland kommen liess. In Seebach äusserte sich die Not darin, dass wegen der hohen Lebensmittelpreise kaum Steuern eingingen und die Gemeinde jeden Bürger aufforderte, zu melden, was er denn steuern könne! Als man feststellte, dass dies viel zu wenig ergab, reichte man am 12. Januar 1817 ein Gesuch um Nachlass der Grundzinse und eine Petition um Erlass des Zehnten beim Fraumünsteramt ein. Ob der Nachlass gewährt wurde, ist offen. Das Jahr 1816/17 ist bis heute in der Klimageschichte Europas als «Jahr ohne Sommer» in Erinnerung geblieben. Auch bei der MZA, welche im Teletext schon mehrfach darüber berichtete, wenn des Wetter wieder einmal verrückt spielte, letztmals im März/April 2013. Ursache war damals der Vulkanausbruch des Tambora auf Indonesien. Mehr dazu siehe unter «Jahr ohne Sommer» in Wikipedia!
Jedenfalls war die Gemeinde Seebach gezwungen, Kartoffeln zuzukaufen und sie an die Armen unentgeltlich abzugeben. Ein Teil ging als Saatkartoffeln an die Bauern. Die Regierung des Kantons Zürich schenkte der Gemeinde sackweise Kernen, Roggen, Hafer und Gerste, welche an die Bedürftigen abgegeben wurden. Man bedenke: Die Einwohnerzahl Seebachs betrug damals etwa 625! Auch Armensuppe wurde täglich gekocht vom 10. März bis zum 21. Juli 1816, wobei 8885 Portionen an 35 Haushalte, 6186 umsonst und 2699 die Portion zu einem Batzen. Ein Batzen wurde etwa 30 Jahre später als zehn Rappen bewertet. Das Jahr 1817 war dann wieder einmal ein gutes Erntejahr und die Preise für Lebensmittel sanken, eine Normalisierung trat ein.
Nicht gerade eine eigentliche Hungersnot, aber bittere Armut herrschte auch in den Jahren 1799/1800, wo die Zürcherische Hülfsgesellschaft eine unbekannte Anzahl Seebacher, darunter auch die Tochter des Jakob Meier, dessen Haus am 4. Juni 1799 durch französische Truppen in Brand geschossen wurde, mit Armensuppe versorgte.
Gleiches geschah in den Jahren von 1914-1918, wo die Gemeinde erneut Gratissuppe abgeben musste. So wurden 1915 nicht weniger als 3126 Liter Suppe abgegeben, davon 214 Liter kostenlos. 2324 Liter zu 10 Rappen und 684 Liter zu 15 Rappen. Die Differenz von 4 Liter blieben an Eimern und Kellen hängen oder dienten der Verkostung, ob denn auch die Würze stimme. 1916 musste der Gemeinderat erneut einen Eisenbahnwagen voll Kartoffeln kaufen und zu Selbstkosten an die darbende Bevölkerung abgeben. Grund war diesmal neben den kriegerischen Ereignissen in Europa auch der besonders kalte Winter. Abermals gab es eine Suppenaktion. Die Suppenrezepte sowohl der 1816er- als auch der 1916er-Suppe ist in groben Zügen überliefert und durch die OGS rekonstruiert worden.
Quellen: - «Unser Seebach» 1983, 136 - Gemeindeamman Gossweiler - Neujahrsblatt der Zürcherischen Hülfsgesellschaft 1801 - Roman G. Schönauer, alt Stadtarchivar von Zürich