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Peter Leister, Art, Über mich, 26. Februar 2006
Über
mich
1944 geboren, dürfen da schon ein paar Schwächen erscheinen? Ist das der Grund, weshalb Du mit zunehmenden Interesse Deine Bilder aus dem letzten 'Jahrhundert' betrachtest? ..... weshalb Du Dein bisheriges Berufsleben in der Industrie und Verwaltung mit grösserer Distanz siehst?
Bist Du jetzt reif genug, komplett Neues anzufangen? Oder ist es, weil Du nie 'reif' wirst. Ruhst Du in Dir? Hat Deine fortdauernde Suchen nach Wandel etwas zu tun mit Reife ? ........ oder ist es Ausdruck fehlender innerer Ruhe? Wird es Dir gelingen, Dich voll auf Deine damaligen Hobbies aus der Berufs-, Managerzeit zu konzentrieren? Bist Du immer noch erpicht darauf, Neues zu lernen und die vielen W-Fragen zu beantworten? Was wirst Du, der Zeit stets als knappes Gut erfahren hat, empfinden, wenn Du, anders als früher, Stunden in die Ausarbeitung eines Details 'investierst'? Wird es Dir gelingen, Zeit der Musse für kreative Prozesse zu 'nutzen'?
2004 beschäftigte ich mich sehr intensiv mit obigen Fragen. Und dass es mir nicht gelingen wird, meine 'Business'-vergangenheit abzuhängen, das erkenne ich an meinem -auch oben angewandten- Basiswortschatz. Allerdings sehe ich in der Tatsache, dass ich Begriffe wie investieren und nutzen in Anführungszeichen setze, klare Zeichen dafür, dass ich angefangen habe zu verdauen. 'Verdauen' habe ich bewusst gewählt, weil es mich körperlicher, mehr in mir drin und damit weniger steuerbar dünkt als 'verarbeiten'.
Ja, ich freue mich, dass ich jetzt Zeit für meine ehemaligen Hobbies, ganz besonders für die Fotographie, die Malerei und die Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst habe. Ja, ich geniesse die Erinnerungen, für die meine Bilder goldene Brücken bauen.
Und wenn ich z.B. mit meinem ersten Ölbild beginne, dann denke ich an 1964 zurück. 20 Jahre alt und schrecklich verliebt. Ich war erstmals von Zuhause ausgezogen und wohnte in einem Zimmer ohne Heizung, aber mit einem Gasherd, den ich anstellte, wenn es mir zu kalt wurde. Dadurch entstand eine Menge an Feuchtigkeit und nur Minuten nach dem Abstellen der Gasflammen erschien mir meine Bude kälter als zuvor. Das war in Bochum im Ruhrgebiet. Ich hatte meine Laborantenlehre beendet und arbeitete für 400 DM Monatslohn in einem Stahlwerk.
Ich war schrecklich verliebt in eine junge Frau, die ich wenige Monate später heiratete. Oh, was für ein grossartiges Gefühl. Ich war glücklich und meine Emotionen schüttelten mich durch. Aber im gleichen Augenblick fühlte ich mich traurig und verlassen, so allein in meinem kalten Raum sitzend und getrennt von meiner Familie, ohne meine Freundin. Diese Wechselbäder der Gefühle liessen mich mein erstes Ölbild malen, zunächst nur im Kopf. Ich entschied, eine Leinwand und Ölfarben zu kaufen. Noch nie zuvor hatte ich Ölfarben benutzt. ..... und ich malte meine Gefühle in das Bild 'Beziehungen'.
Beziehung zwischen zwei eigenständigen Personen, eine mit einem roten Kern, die andere mit einem dunkelblauen. Diese Personen stehen in Wechselwirkung zueinander, aber sie unterhalten auch Beziehungen zu anderen Personen. Natürlich weniger bedeutende! Sind sie wirklich weniger wichtig? Ich glaube, dieser Zweifel steckt auch in diesem Bild. Doch warum mehr schreiben. Seht Euch mein erstes Ölbild 'Beziehungen' an. (Dieses Bild befindet sich nicht mehr in meinem Besitz, daher muss ich hier ein altes, z.T. verblichenes Foto verwenden)
Nun, wenn ich von der Malerei als meinem Hobby rede, dann ist klar, dass auf dieses Bild viele weitere folgten, von denen ich einen grossen Teil auf dieser Homepage www.art-ist.ch zeige.
Hier möchte ich jetzt, vorläufig abschliessend, in dieser Zeit des persönlichen Umbruchs, die Merkmale meiner Arbeiten als Hobbykünstler identifizieren und diese in Bezug setzen zu meinem Schaffen von heute und morgen.
Die meisten meiner Bilder entstanden impulsiv, in emotionalen Extremsituationen innerhalb weniger Stunden - meistens einer Nacht. Nichts ist konstruiert. Die Farbwahl auf der Palette, der Griff zur Farbe für den ersten Pinsel- bzw. Spachtelstrich auf der Leinwand, die Weiterentwicklung bis zur fertigen Komposition, alles folgte einer momentanen Intuition. Natürlich, irgendwann wurde ein Thema erkannt und dieses dann weiter entwickelt. Doch beim Erkennen des Themas ergeht es mir, wie wenn ich die Fliesen auf dem WC anschaue. Immer wieder erkenne ich an einer anderen Stelle ein Gesicht oder eine Figur, die aus dem Leben, der realen Welt gegriffen scheint.
Die oben beschriebene Art des Arbeitens führe ich momentan am ehesten in der Fotographie weiter. Auch glaube ich, verstärkt Anzeichen für ein derartiges Vorgehen bei meinen Holzschnittarbeiten erkennen zu können.
Sowohl Holzschnitte als auch das Herstellen von 'Schmuck'objekten aus Metallen, Holz, Wachs und anderen Materialien bieten durch die häufig erforderliche Planungsarbeit die Chance zur intensiven Auseinandersetzung mit einem Thema und damit zum Erkennen des Wesentlichen. Dies wird sicherlich katalysiert durch die meditativ wirkenden repetitiven und Geduld fordernden Arbeitsprozesse in der Schmuckherstellung, für die ich jetzt die Zeit habe. Eine Freude zu erleben, wie sich der Schwung der Führung der Feile in eine wunderschöne, organisch wirkende Form umsetzt!
Ausser auf dieser Homepage habe ich meine Arbeiten bisher noch nicht der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Das werde ich dieses Jahr (2006) das erste Mal tun. Die Wirkung meiner Arbeiten zu beobachten und Rückmeldungen zu erhalten und zu verdauen, das ist ein weiterer spannender Prozess in meinem Leben, auf den ich mich schon jetzt freue.
© Copyright by Peter Leister