Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03093.jsonl.gz/1272

Bild
Titel:
Aquarell von Heinrich Herzig zur 400-Jahr-Feier
Thema: Kultur
Datum: --.--.1913
Masse: 50 x 70 cm
Standort: Privatbesitz Familie Zuberbühler, Lutzenberg; Digitalisat Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, KB-015217
Urheber/-in: Herzig, Heinrich
Beschreibung:
Farbiges Aquarell aus dem Jahr 1913 von Heinrich Herzig (1887-1964), das anlässlich des 400-Jahr-Jubiläums zum Beitritt des Landes Appenzell in die Alte Eidgenossenschaft gemalt wurde. Am oberen Bildrand sind die Wappen der dreizehn vollberechtigten Orte der Alten Eidgenossenschaft zu sehen. Bis zu ihrem Untergang im Jahr 1798 gehörten zur Alten Eidgenossenschaft auch noch rund ein Dutzend Zugewandte Orte, Gemeine Herrschaften (von mehreren, aber nie von allen verwaltete Gebiete) und einige Schirmherrschaften.
Das Bild hing bis Anfang der 1930er Jahren im ehemaligen Gasthaus Adler in Teufen, dessen Fassadenanstrich ebenfalls von Heinrich Herzig stammte. Der Adler wurde von der Schwester von Heinrich Herzig geführt.
Willi Zuberbühler, dessen Nachfahren die heutigen Besitzer des Bildes sind, arbeitete damals als Metzgergeselle in Teufen und kehrte ab und zu im Adler ein, wo er sich in das Bild von Heinrich Herzig verliebte. Herzig, der selbst in Rheineck lebte, war wiederum ein Gast im Wirtshaus der Familie Zuberbühler – dem Rössli in Rheineck.
Geschichte:
Das Feiern von 100-Jahr-Jubiläen ist historisch betrachtet eher ein jüngeres Phänomen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstand bei der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem zunehmenden Bewusstsein, dass Geschichte kein Kontinuum ist, ein immer grösseres Bedürfnis, Gedenkanlässe zu feiern. Durch diese Gedenkfeiern und Jubiläen wollte man sich eine historische Entwicklung bewusst machen und der eigenen Gegenwart eine Vergangenheit gegenüberstellen.
Aus diesem Kontext heraus erklärt sich, dass im Jahr 1913 im Kanton Appenzell Ausserrhoden der vierhundertjährige Beitritt zur Alten Eidgenossenschaft gefeiert wurde. Im Rahmen der Festlichkeiten, wie z.B. im Rahmen der Zeitzeugnisse für die Gemeinde Stein dokumentiert, erschienen bei verschiedenen Verlagen Denkschriften, die der Bevölkerung die Geschichte des appenzellischen Volkes und den Beitritt zur Alten Eidgenossenschaft näher brachten.
Mehrere Künstler leisteten zum Jubiläum einen Beitrag. Unter ihnen war auch Heinrich Herzig (1887-1964), der im st. gallischen Rheineck geboren wurde, aber Bürger von Walzenhausen war. Ausgebildet zum Stickereizeichner verschrieb er sich später der Kunstmalerei. Zwischenzeitlich bereiste er Italien und studierte und arbeitete in Deutschland, bis er schliesslich nach Ende des Ersten Weltkriegs in die Schweiz zurückkehrte. Dort wohnte und arbeitete er erst in Altstätten, später übersiedelte er endgültig nach Rheineck. Als fleissiger und und vielseitiger Maler – und in den Worten Helen Zuberbühlers ein „volkstümlicher, heimatliebender Mann“ – gestaltete er 1943 nicht nur zwei grössere Wandbilder im Bernecker Rathaus, sondern schuf auch Graphiken und viele andere Arbeiten für verschiedene Auftraggeber.
Autorin: Katharina Merian, Speicher
Literatur:
Kreis, Georg: Der Mythos von 1291. Zur Entstehung des schweizerischen Nationalfeiertages. In: Wiget, Josef (Hrsg.): Die Entstehung der Schweiz. Vom Bundesbrief 1291 zur nationalen Geschichtskultur des 20. Jahrhunderts. Einsiedeln 1999, S. 43-102.
Verein für die Geschichte des Rheintals: Rheintaler Köpfe. Historisch-biografische Porträts aus fünf Jahrhunderten. Berneck 2004, S. 222-224.
Würgler, Andreas: Eidgenossenschaft. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.10.2006. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D26413.php (10.8.2011).
Tags:
Ähnliche Themen: