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Wenn eine Frau schwanger wird, setzt ihre monatliche Blutung aus. Umgekehrt ist das Ausbleiben der Regel aber keineswegs immer ein Zeichen für eine Schwangerschaft: Bei vielen Frauen kommt die Periode gelegentlich etwas zu spät oder gar nicht, obwohl sie nicht schwanger sind.
Das ist zunächst kein Grund zur Sorge – meist pendelt sich der Zyklus von selbst wieder ein. Wenn nicht, kann das auf eine Erkrankung hindeuten. Daher sollten Frauen länger bestehende Zyklusstörungen wie eine Amenorrhö immer ärztlich abklären lassen.
In jedem Menstruationszyklus sorgen bestimmte Hormone dafür, dass im Eierstock mehrere Eibläschen (Follikel) reifen. Eines der Follikel platzt schliesslich und gibt die Eizelle zur Befruchtung frei – das ist der Eisprung.
Bei ihrer Reifung setzen die Follikel das Hormon Östrogen frei. Dieses sorgt unter anderem dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut wächst, damit sich eine befruchtete Eizelle in ihr einnisten kann. Bleibt die Befruchtung aus, stösst die Gebärmutter ihre Schleimhaut wieder ab und «entsorgt» sie im Zuge der Regelblutung.
Der erste Tag der Regelblutung wird als erster Tag des Zyklus gezählt. Insgesamt dauert dieser normalerweise 25 bis 31 Tage. Gesunde Frauen haben bis zu ihren Wechseljahren also etwa einmal im Monat ihre Periode.
Amenorrhö ist der Fachbegriff für das Ausbleiben der Menstruation. Es gibt drei verschiedene Formen von Amenorrhö, die unterschiedlich definiert sind:
Die physiologische Amenorrhö kommt bei Mädchen vor der Geschlechtsreife, schwangeren und stillenden Frauen sowie Frauen nach den Wechseljahren vor. Sie ist nicht krankhaft.
Von einer primären Amenorrhö sprechen Fachleute, wenn eine junge Frau bis zum vollendeten 16. Lebensjahr noch keine Regelblutung hatte. Diese Form deutet auf eine gestörte Entwicklung hin und ist selten.
Eine sekundäre Amenorrhö liegt vor, wenn eine Frau bereits Regelblutungen hatte, diese aber seit drei Monaten oder länger ausgesetzt haben. Das kommt deutlich häufiger vor als die primäre Amenorrhö.
In der medizinischen Fachliteratur ist hauptsächlich von Amenorrhö die Rede, Amenorrhoe ist aber ebenso korrekt und wird oft als Synonym genannt. Amenorrhoea ist die englische Bezeichnung.
Anders als bei einer Amenorrhö finden bei einer Oligomenorrhö noch Regelblutungen statt, aber zu selten: Der Zyklus dauert länger als 35 Tage, es liegen also gut vier Wochen zwischen den Perioden.
Das ist oft zu Beginn der Geschlechtsreife der Fall. Junge Frauen, die ihre Regel gerade erst bekommen haben, brauchen sich also meist keine Gedanken machen, wenn ihre ersten Zyklen länger dauern als 35 Tage.
Später können sowohl Oligomenorrhö als auch Amenorrhö Anzeichen für eine Störung sein, etwa für das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS).
Bei einigen Frauen kommt es auch zunächst zur Oligomenorrhö und später zur Amenorrhö. Ihre Zyklen werden also immer länger, bis die Blutungen irgendwann ganz ausbleiben.
Ist eine Schwangerschaft der Grund, findet bis einige Wochen nach der Geburt keine Regelblutung statt: Stillt die Mutter, kehrt ihr Monatszyklus für gewöhnlich ungefähr drei bis vier Monate nach der Entbindung zurück. Stillt sie nicht, setzt ihre Periode frühestens vier Wochen nach der Geburt wieder ein, meist dauert es länger.
Steckt keine Schwangerschaft dahinter, hängt es von der Ursache ab, wie lange die Zeit ohne Periode dauert. Ist kurzfristiger Stress der Grund, kann sich der Zyklus nach einigen Wochen oder Monaten wieder normalisieren. Es gibt aber auch Erkrankungen und Einflüsse, die den Zyklus langfristig stören: Einige Frauen haben über Monate oder sogar Jahre hinweg keine – oder keine regelmässige – Menstruation.
Die Periode kann bis zu dreimal ausbleiben, bevor eine Frauenärztin oder ein Frauenarzt eine Amenorrhö diagnostizieren würde. Das müssen nicht genau drei Monate sein, denn die Zykluslänge ist von Frau zu Frau leicht unterschiedlich. Entscheidend ist daher nicht der genaue Zeitraum ohne Menstruation, sondern die Zahl der Zyklen ohne Periode.
Dennoch sollte die Betroffene nicht drei Zyklen abwarten, ehe sie sich mit dem Symptom auseinandersetzt: Wenn eine Schwangerschaft der Grund ist, sollte sie darüber so früh wie möglich Bescheid wissen, um sich darauf einstellen zu können. Möchte sie die Schwangerschaft erhalten, ist es wichtig, frühzeitig die Lebensgewohnheiten daran anzupassen. Beispielsweise sollten Schwangere nicht rauchen und Alkohol meiden.
Und auch wenn der Schwangerschaftstest negativ ausfällt, kann es sinnvoll sein, sich Gedanken über die Ursache der ausgebliebenen Periode zu machen. Womöglich ist dies ein Warnsignal für zu viel Stress, Untergewicht oder eine Erkrankung.
Wenn die Periode nicht einsetzt, obwohl sie sonst einigermassen regelmässig kommt, kann eine Schwangerschaft der Grund sein. Erweist sich der Test als negativ oder lässt sich die Schwangerschaft aus anderen Gründen ausschliessen, steckt meist eine der folgenden Ursachen dahinter:
Wie genau diese Einflüsse und Krankheiten zum Ausbleiben der Regelblutung führen, erfahren Sie in den folgenden Kapiteln.
Der Bereich im Gehirn, der den Zyklus steuert, reagiert sensibel auf allzu grosse psychische oder körperliche Überlastung – und auf Energiemangel. Deshalb haben Frauen, die exzessiven Leistungssport betreiben oder an einer Essstörung leiden, häufig keinen regelmässigen Zyklus mehr: Ihr Gehirn deutet den Energiemangel und den Dauerstress als Notsituation.
Als Reaktion hört es auf, die Hirnanhangsdrüse zur Freisetzung jener Botenstoffe anzuregen, welche den Eisprung in Gang setzen. Aus evolutionärer Sicht ergibt das Sinn: Eine Notsituation bietet keine guten Voraussetzungen für eine Schwangerschaft. Der Körper benötigt seine Ressourcen zum Überleben.
Das polyzystische Ovarialsyndrom ist eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit bei der Frau. Die Betroffenen haben nur noch unregelmässig einen Eisprung. Stattdessen reifen die Eibläschen (Follikel) typischerweise unvollständig heran und sammeln sich dann im Randbereich der Eierstöcke. Da sie im Ultraschall wie viele kleine Zysten erscheinen, heisst das Syndrom polyzystisch («poly-» bedeutet viele).
Wie genau PCOS entsteht, ist noch nicht genau geklärt. Fest steht, dass ihm ein Zusammenspiel mehrerer Einflüsse zugrunde liegt. Eine Rolle spielen vor allem gestörte Abläufe im Stoffwechsel: An PCOS erkranken vor allem Frauen mit Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass ihr Körper zu viel des Botenstoffs Insulin bildet. Der dauerhaft erhöhte Insulinspiegel wirkt sich ungünstig auf den Hormonhaushalt aus. Unter anderem bewirkt er, dass im Körper vermehrt Androgene produziert werden, also männliche Geschlechtshormone.
Das hormonelle Ungleichgewicht verhindert zum einen den Eisprung – und somit auch die Regelblutung. Zum anderen zieht es zahlreiche Beschwerden nach sich: Viele Betroffene haben mit Akne, verstärkter Körperbehaarung und Haarausfall zu kämpfen.
Ovarialinsuffizienz bedeutet, dass die Eierstöcke – auch Ovarien genannt – ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen können, weil der Vorrat an Eizellen aufgebraucht ist.
Normalerweise geht dieser erst in den Wechseljahren zuneige. Wenn eine Frau schon vor dem 40. Lebensjahr nicht mehr über reifungsfähige Eizellen verfügt, kann eine Erkrankung die Ursache sein. Etwa:
Fehlen die Eierstöcke, oder sind sie dauerhaft beschädigt, ist kein Eisprung mehr möglich – somit auch kein Menstruationszyklus.
Bei ungefähr 10 bis 40 Prozent der Frauen, die keine Regelblutung mehr haben, lässt sich eine sogenannte Hyperprolaktinämie feststellen. Das heisst, ihr Körper bildet vermehrt Prolaktin.
Dieses Hormon ist in der Stillzeit dafür zuständig, die Brustdrüsen zur Milchbildung anzuregen. Zugleich hemmt es den Monatszyklus, weshalb stillende Frauen keine Regelblutung haben.
Eine Hyperprolaktinämie kann jedoch auch ausserhalb der Stillzeit auftreten. Mögliche Gründe sind:
Was bei einer Amenorrhö zu tun ist, hängt zunächst davon ab, ob die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht. Wenn ja, sollte die Betroffene einen Test machen. Schwangerschaftstests gibt es in Drogerien oder Apotheken zu kaufen und liefern schon ab dem ersten Tag nach Ausbleiben der Blutung ein recht zuverlässiges Ergebnis.
Ist der Test negativ oder kann die Frau eine Schwangerschaft sicher ausschliessen, reicht es meist abzuwarten: In vielen Fällen kehrt der Zyklus auch ohne Behandlung wieder zu seiner gewohnten Regelmässigkeit zurück.
Bleibt die Amenorrhö länger bestehen, können psychische und/oder körperliche Erkrankungen die Gründe sein. In diesem Fall ist eine gezielte Behandlung nötig. Diese setzt sich je nach Ursache aus unterschiedlichen Massnahmen zusammen.
Viele Frauen mit Amenorrhö leiden unter Stress und Untergewicht, etwa aufgrund einer Essstörung, Leistungssport und/oder seelischen Problemen. Sie benötigen dringend psychotherapeutische Unterstützung. Zudem ist es wichtig, dass sie ein gesunderes Körpergewicht erreichen, für mehr Entspannung sorgen und Überlastung meiden.
Auch für Frauen mit einem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) steht zunächst die Grunderkrankung im Vordergrund: Häufig lässt sich das Syndrom auf Diabetes mellitus oder eine Vorstufe davon zurückführen. Dann ist eventuell eine medikamentöse Therapie nötig. Die Frauen können aber auch selbst etwas gegen ihre Stoffwechselstörung tun, indem sie ein gesünderes Gewicht erreichen und für mehr Bewegung sorgen.
Wie die weitere Behandlung bei PCOS abläuft, richtet sich danach, ob die Betroffene schwanger werden möchte oder nicht. Besteht kein Kinderwunsch, kann sie hormonelle Verhütungsmittel einnehmen. Diese führen zwar keinen natürlichen Zyklus herbei, können aber die mit PCOS verbundenen Beschwerden lindern.
Im Falle eines Kinderwunsches kann die Frauenärztin oder der Frauenarzt zu einer Therapie mit dem Mittel Clomifen raten, welches den Eisprung anregt.
Generell gibt es sehr viele verschiedene Krankheiten, die direkt oder indirekt zu einer Amenorrhö führen können. Viele dieser Krankheiten sind gut behandelbar. Allerdings kann die Therapie nicht in jedem Fall bewirken, dass die Zyklen wieder stattfinden. Die Chance auf natürliche Zyklen besteht zum Beispiel nicht, wenn im Eierstock keine reifungsfähigen Eizellen mehr vorhanden sind.
Eine Anti-Amenorrhö-Diät gibt es nicht. Dennoch spielt die Ernährung für die Behandlung der Amenorrhö eine wichtige Rolle, wenn die Periode wegen Untergewicht oder Übergewicht ausgeblieben ist. In beiden Fällen kann eine Umstellung des Speiseplans dazu beitragen, ein gesünderes Gewicht erreichen und damit die Chancen auf einen normalen Zyklus erhöhen.
Das stellt allerdings meist eine grosse Herausforderung dar, die ohne professionelle Unterstützung kaum zu bewältigen ist. Diese kann zum einen in einer Ernährungsberatung bestehen. Zum anderen ist eine Psychotherapie nötig, wenn dem Unter- oder Übergewicht eine Essstörung zugrunde liegt.
Eine Amenorrhö ist zunächst nicht gefährlich. Sie kann aber auf Erkrankungen hindeuten, die gefährlich oder sehr belastend werden können, wenn sie nicht behandelt werden. Beispielsweise kann eine Magersucht (Anorexia nervosa), die häufig mit Amenorrhö einhergeht, lebensbedrohliche Ausmasse annehmen, wenn die Betroffene nicht rechtzeitig Hilfe bekommt.
Zudem geht die Amenorrhö unter Umständen mit einem Mangel am Geschlechtshormon Östrogen einher, der die Knochengesundheit beeinträchtigen kann. Denn Östrogen ist nicht nur für die weibliche Fruchtbarkeit von Bedeutung, sondern trägt auch zur Stabilität der Knochen bei. Ein länger bestehender Östrogenmangel erhöht somit das Risiko für Osteoporose.
Bei einer Amenorrhö muss die Betroffene nicht unbedingt gleich zur Ärztin oder zum Arzt – es sei denn, sie hat Beschwerden. Wenn sie eine Schwangerschaft ausgeschlossen hat und sich abgesehen von den Zyklusstörungen gesund fühlt, kann sie einige Monate abwarten, bis sie einen Termin bei der Frauenärztin oder beim Frauenarzt macht.
Oft besteht kein Grund zur Sorge. Die eine oder andere Unregelmässigkeit im Zyklus ist nicht ungewöhnlich und zeugt nicht zwangsläufig von einer Erkrankung: Vorübergehende Zyklusstörungen lassen sich meist auf eine kurzfristige Belastung zurückführen. Selbst positiver Stress wie ein Urlaub kann sich auf den Hormonhaushalt auswirken und dazu führen, dass die Periode verspätet beginnt oder ausbleibt.
Verwendete Quellen: