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Heft 2007/3 1. Artikel
Zum Verhältnis von Stadt und Burg im Südwesten des Alten Reiches - Überlegungen und Thesen an Beispielen aus der Schweiz
von Armand Baeriswyl
Bereits eine kursorische Durchsicht der verschiedenen mittelalterlichen Städte der Schweiz unter dem Blickwinkel des Verhältnisses von Stadt und Stadtburg macht einiges klar.
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Zwar ist die Burg oft älter als die zugehörige Stadt, es gibt aber genug Beispiele für die gleichzeitige Entstehung von Burg und Stadt, so dass dies nicht als seltene Ausnahme, sondern auch als Regelfall in Frage kommen kann.
- Die Stadt machte die Burg als Bauform nicht überflüssig, deswegen ist das auch keine Erklärung für das scheinbare Fehlen einer Stadtburg.
- Es kann im Gegenteil davon ausgegangen werden, dass eine Stadt im Normalfall eine Stadtburg besass, und zwar im Sinn eines architektonisch ausgezeichneten und separat befestigten Sitzes des Stadtherrn oder seines Stellvertreters, sei dies eine "klassische" Burg, eine Domburg ein ummauerter Klosterbezirk oder - vor allem in Klein- und Kleinststädten - ein mehr oder weniger stark befestigtes Festes Haus.
- Mit der Stadtgründungswelle des 12. - 14. Jh. scheint ein Typ von Burg entstanden zu sein, der als Teil der städtischen Infrastruktur zu verstehen ist.
- Ein Herrschaftswechsel führte meistens dazu, dass der neue Stadtherr die Burg übernahm. Er konnte aber auch zu einem Bruch führen: Eine neue Burg entstand an einem anderen Ort der Stadt, während die alte Burg abgebrochen wurde und verschwand.
- Die Dynamik der wachsenden und politisch erstarkenden Stadt führte oft zur Entstehung einer starken Kommune, die zum Konkurrenten des Stadtherrn wurde. Am Ende konnte die friedliche oder gewaltsame Übernahme der Burg stehen. Diese Übernahme darf nicht als Akt der Befreiung vom Stadtherrn verstanden werden. Meist ging es dem Rat dabei darum, in den Besitz der entsprechenden Herrschaftsrechte zu kommen und/oder den Geltungsbereich des Stadtrechts auszudehnen. In der Folge wurde die Burg als Gebäude weiter benutzt oder durch ein Rathaus an seiner Stelle ersetzt. Öfter aber entstand das Rathaus woanders neu. Die Burg wurde dann nach der Ablösung der daran haftenden Rechte entweder abgebrochen oder sie fand je nach Eignung neue Verwendungszwecke als Wohnbau, Teil der Stadtbefestigung oder Lagerraum.
Mittelalter – Moyen Age –
Medioevo – Temp medieval,
Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 12. Jahrgang 2007, Heft 3, 73 - 88.
, Armand : Zum Verhältnis von Stadt und Burg im Südwesten des Alten Reiches Überlegungen und Thesen an Beispielen aus der Schweiz