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Plattform-Switching im Molarenbereich
Mit „platform switching“ wird ein Konstruktionsprinzip bei Implantaten bezeichnet, bei dem die Aufbauelemente (Abutment) nicht auf der Außenkante des Implantates aufsetzen, sondern nach zentral versetzt (also weiter innen) liegen. Hierdurch rückt das Abutment-Implantat-Interface weiter von der Knochengrenze weg, was eine bessere Entfaltung des Knochens (biologische Breite) und eine günstigere Zahnfleischanlagerung ermöglichen soll. Da der Spalt zwischen Abutment und Implantat typischerweise nicht keimfrei ist (eine bakterielle Besiedlung ist anzunehmen), rückt dieser potenziell schädliche Faktor durch das Plattform- Switching ebenfalls weiter von der biologisch relevanten Knochengrenze weg. Als klinischer Vorteil soll sich hieraus eine verbesserte Knochenstabilität (Schutz vor Knochenabbau) um das Implantat ergeben.
In einer randomisierten, kontrollierten Split-Mouth-Studie sollte das klinische Ergebnis von Implantaten mit Plattform-Switching (PS) und regulärer Plattform (RP) beim bilateralen Ersatz einzelner Molaren untersucht werden. Bei 18 Patienten mit beidseitig fehlenden einzelnen Molaren wurden zufällig jeweils ein PS- oder ein RP-Implantat, d. h. beidseitig insgesamt 36 Implantate eingesetzt. Beide Implantatformen wurden 3 Monate nach dem Eingriff mit verschraubten provisorischen und weitere 3 Monate später mit definitiven Kronen versorgt. Bewertet wurden Misserfolge von Implantat bzw. Krone, Komplikationen, radiologische Veränderungen des marginalen Knochenniveaus sowieTaschentiefen und Bluten auf Sondieren zu Beginn und 6 bzw. 12 Monate nach dem Setzen der Implantate.
Alle Patienten konnten nachuntersucht werden, und sämtliche Implantate waren erfolgreich eingeheilt. Es ließen sich weder prothetische noch größere biologische Komplikationen beobachten. 1 Jahr nach dem Setzen der Implantate lag der durchschnittliche Knochenverlust in der RP-Gruppe bei 0,93±0,26mm (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,81 bis 1,05) und in der PS-Gruppe bei 0,84 ± 0,23 mm (KI 0,73 bis 0,95). Es konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden (p = 0,18). Die durchschnittlichen Werte für die Taschentiefen und das Bluten auf Sondieren betrugen 6 bzw. 12 Monate nach dem Setzen der Implantate in der RP-Gruppe 2,74 ± 0,49 mm (KI 2,51 bis 2,97) bzw. 1,28 ± 0,75 (KI 0,93 bis 1,63) und in der PS-Gruppe 2,70 ± 0,38 mm (KI 2,53 bis 2,88) bzw. 1,39 ± 0,78 (KI 1,03 bis 1,75). Auch hier ließen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen feststellen (p = 0,81 bzw. 0,16).
Schlussfolgerungen: Beim Ersatz von Molaren durch Implantate zeigten sich im Hinblick auf das klinische Ergebnis keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Implantaten mit Plattform-Switching und solchen mit regulärer Plattform.
Meloni SM, Jovanovic SA, Lolli FM et al. Platform switching vs regular platform implants: Nine-month post-loading results from a randomised controlled trial. Eur J Oral Implantol 2014;7:257-265.
Natriumhypochloritspülungen bei Parodontitispatienten
Der weltweite Anstieg antibiotikaresistenter Bakterien und die hohen Kosten neuer Antibiotika haben das Interesse an günstigeren Antiseptika zur Bekämpfung oberflächlicher Infektionen wie der des Parodonts verstärkt. Natriumhypochlorit wird in der Endodontie in Konzentrationen von 1 bis 6 % seit Jahrzehnten zur Desinfektion der Wurzelkanäle verwendet, kommt aber bei der Behandlung anderer oraler Infekte allerdings erstaunlich selten zum Einsatz.
In der vorliegenden Studie sollte die Anwendung von Natriumhypochlorit als Mundspülung bei der Parodontitisbehandlung untersucht werden. Die Ausgangsfrage war, welchen Einfluss eine zweimal wöchentlich erfolgende Spülung der Mundhöhle mit 0,25%igem Natriumhypochlorit auf die Plaque und die Gingivitis bei Parodontitispatienten hat.
In einer randomisierten, kontrollierten Blindstudie wurden 30 Patienten in parallelen Gruppen über einen Zeitraum von 3 Monaten untersucht. 15 Patienten spülten jeweils für 30 Sekunden mit 15 ml einer frischen 0,25%igen Natriumhypochloritlösung (Test) und weitere 15 Patienten mit 15 ml Wasser (Kontrolle). Das verwendete Produkt war Clorox Regular-Bleach. Zu Beginn und nach 2 Wochen erfolgte bei den Patienten eine professionelle subgingivale Spülung für 5 Minuten entweder mit 0,25%igem Natriumhypochlorit oder mit Wasser ohne ein zusätzliches sub- oder supragingivales Scaling. Die supragingivale Plaque wurde auf den fazialen bzw. lingualen Flächen visuell bewertet; jeder Zahn wurde mit Luft getrocknet und ein Mundspiegel zur besseren Visualisierung der Plaque auf den Glattflächen eingesetzt. Die gingivale Blutung wurde innerhalb von 30 Sekunden nach dem Sondieren der vollenTaschentiefen an sechs Stellen eines jeden Zah- nes bestimmt.
Alle 30 Probanden konnten zu Beginn und nach 2 Wochen sowie 12 Patienten zum Studienabschluss nach 3 Monaten untersucht werden. Die Testgruppe mit der Natriumhypochloritspülung zeigte vom Beginn bis zur Kontrolle nach 3 Monaten eine Erhöhung der fazialen plaquefreien Bereiche von 94 %, während in der Gruppe mit Wasser nur 29 % erreicht wurden. Im lingualen Bereich betrugen die entsprechenden Werte 195 bzw. 30 %, und bezüglich der Zahl der Zähne ohne Bluten auf Sondieren wurden Werte von 421 bzw. 29 % gemessen. Die Unterschiede in der klinischen Verbesserung zwischen der Test- und der Kontrollgruppe waren statistisch signifikant. Bis auf ein paar Beschwerden über den Geschmack der Spülung konnten bei keinem der untersuchten Patienten Nebenwirkungen der Behandlung festgestellt werden.
Schlussfolgerungen: Eine zweimal pro Woche erfolgende Spülung mit 0,25%igem Natriumhypochlorit führte zu einer signifikanten Reduktion der dentalen Plaque sowie der Blutung auf Sondieren und könnte einen vielversprechenden neuen Ansatz bei der Kontrolle parodontaler Erkrankungen darstellen. Es bedarf noch langfristig angelegter Studien, um die Effektivität von Natriumhypochloritspülungen im Rahmen der Parodontalbehandlung zu bestätigen.
Galvän M, Gonzalez S, Cohen CL et al. Periodontal effects of 0.25% sodium hypochlorite twice-weekly oral rinse. A pilot study. J Periodontal Res 2014;49:696-702.