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Nathalia Spälti wechselte im Sommer nach Genf. Die erst 21-Jährige weist bereits eine ansehnliche Erfahrung in der NLA mit Yverdon auf. Während der Länderspielpause kommt sie auf ihren bisherigen Weg und ihre Zeit in den Nachwuchsnationalmannschaften zurück.
Wie hast du mit dem Fussball angefangen?
Als ich jünger war, übten meine Schwester und mein Bruder alle eine Sportart aus, ich war die einzige, die nichts machte. Als ich etwa 11 war, insistierten meine Eltern, damit auch ich etwas unternahm. Da eine meiner Freundinnen mit dem Fussball begann und ich zu Hause gern spielte, dachte ich, es sei die beste Lösung. So fing ich bei Stade Nyonnais mit den Jungen bei den Junioren D4 an.
In welchem Alter hast du zum ersten Mal in einem weiblichen Team gespielt?
Ziemlich früh, eigentlich. Ein paar Monate nachdem ich angefangen hatte, wurde ich für das Team Waadtland U12 ausgewählt. Ich spielte dementsprechend sowohl mit den Jungen bei Stade Nyonnais als auch mit der Juniorinnen-Auswahl des Teams Waadtland, einmal pro Woche glaube ich.
Hast du einen Unterschied zwischen beiden Mannschaften gespürt? Vielleicht im Spielstil oder in der Mentalität?
In diesem Alter nicht unbedingt. Ich hatte erst vor kurzem mit dem Fussball begonnen, alles ging mir zu schnell [lacht]. Ich stellte nur fest, dass das Niveau der Spieler und Spielerinnen in beiden Mannschaften besser war als mein eigenes.
Spieltest du schon dann in der Abwehr?
Nein, als ich anfing, war ich im Sturm. Aber ich glaube, dass diejenigen, die nicht wirklich spielen konnten, einfach auf dieser Position eingesetzt wurden…Manchmal spielte ich auch auf dem Flügel oder im Mittelfeld.
Hast du zu jener Zeit gedacht, dass du ein paar Jahre später in der NLA auflaufen würdest?
Nein, wirklich nicht. Eigentlich habe ich nur angefangen, um mich zu beschäftigen und die Zeit zu vertreiben. Ich hatte keine Ziele, ich dachte nicht, dass ich lange spielen würde, und auch wenn ich gerne mit meinen Freundinnen spielte, hatte ich mich nie wirklich für den Fussball im Allgemeinen interessiert, d.h. ich war kein Fan von einem Spieler oder einer Mannschaft und verfolgte auch keine Meisterschaft. Dementsprechend wusste ich zu jener Zeit nicht, was die NLA ist.
Und wann wurde es ernster?
Ich könnte nicht sagen, wann genau. Aber je älter ich wurde, desto besser wurden die Spieler und Spielerinnen um mich herum, deswegen wurde es allmählich ernster. Wenn ich einen einzigen Moment nennen müsste, dann als ich das Aufgebot für die U16-Nationalmannschaft erhielt. Zu dieser Zeit war ich dabei, das Gymnasium anzufangen und ich war mir nicht sicher, so viel Zeit in den Fussball investieren zu wollen. Aber mit diesem Aufgebot habe ich mir gedacht: «Nutze diese Gelegenheit und pack deine Chance». Die Tests der Nationalmannschaft fanden während des Sommers statt, ich hatte allerdings meinen Urlaub bereits organisiert und meine Eltern mussten für die Flugverschiebung zahlen. Als ich gesehen habe, dass sie mich unterstützen, habe ich mir gesagt, dass ich es jetzt ernster angehen sollte.
Und wie sind diese Tests gelaufen?
Nicht wirklich gut. Schon nur mit der Sprache war es kompliziert, weil quasi nur Deutschschweizerinnen dabei waren. Dann waren sie sehr stark, sie hatten Ziele, grosse Ambitionen, während ich nicht wirklich wusste, was ich machen wollte. Ich wusste nicht einmal, ob ich weiterhin Fussball spielen wollte. Ich fühlte mich verloren und nicht wirklich auf der Höhe.
Aber du hast trotzdem weitergemacht, du bist wieder aufgeboten worden und hast eine U17-EM bestritten, nicht wahr?
Sie haben mich nicht unmittelbar nach den Tests wieder aufgeboten, aber ich stand unter Beobachtung. Ich wurde dann für ein paar Zusammenzüge und einige Länderspiele aufgeboten, aber erst an der U17-EM konnte ich viel spielen. Ich habe an beiden Qualifikationsrunden teilgenommen und dann wurde ich für das Endturnier aufgeboten.
Wo hat die EM stattgefunden? Wie hast du diese Erfahrung erlebt?
Es war die U17-EM 2015, die in Island stattfand. Wir schlugen Frankreich und Deutschland und standen dann im Finale. Leider verloren wir gegen Spanien. Es war eine sehr schöne Erfahrung, eigentlich ganz verrückt, weil wir nicht dachten, ins Finale kommen zu können. Wir waren mit uns selbst sehr zufrieden. Mir persönlich hat es viel gebracht, dass ich mit so talentierten Mitspielerinnen auflaufen durfte. Ich konnte mich enorm verbessern.
Manche Spielerinnen, die an diesem Turnier als Mitspielerinnen oder Gegnerinnen teilnahmen, haben sich seither in den besten Ligen durchgesetzt?
Bei Spanien gab es Lucía García, die, wenn ich mich gut erinnere, Torschützenkönigin wurde, sie war hervorragend. Heute spielt sie in der ersten spanischen Liga und in der spanischen Nationalmannschaft, sie hat sogar ein Tor bei der Weltmeisterschaft erzielt. Unter meinen Mitspielerinnen gab es Géraldine Reuteler, die heute in Frankfurt spielt, Alisha Lehmann von West Ham und Naomi Mégroz von Freiburg. Alle drei spielen jetzt in der A-Nationalmannschaft. Es sind allerdings viele, es gab wirklich sehr gute Spielerinnen in meinem Jahrgang, ich könnte sie alle nennen.
Wie ist es für dich im Verein gelaufen?
Von der U12 bis zur U19 spielte ich im Team Waadtland. In der Zwischenzeit hatte ich bei Stade Nyonnais aufgehört, weil Junge und Mädchen ab einem gewissen Alter nicht mehr zusammenspielen dürfen. Die logische Folge, wenn man im Team Waadtland U19 ist, ist die NLA bei Yverdon. Ich begann als Hospitantin in der NLA. Ich trainierte nämlich einmal in Yverdon und dreimal mit dem Team Waadtland. Mit 18 gehörte ich definitiv zur NLA-Mannschaft.
Warum bist du im Sommer zum Servette FCCF gewechselt?
Ich hatte im Fussball nie langfristige Ziele, aber jedesmal, wenn sich eine Gelegenheit geboten hat, habe ich versucht, meine Chance zu packen. Im Sommer hat Servette den Kontakt mit mir aufgenommen und ich denke, dass es eine grossartige Möglichkeit ist, um mich zu verbessern. Hier habe ich sehr talentierte Spielerinnen um mich herum und ich kann es nicht anders, als Fortschritte zu erzielen. Für mich ist es das, was zählt, und ich denke deshalb, dass ich mit diesem Wechsel eine gute Entscheidung getroffen habe.
Hast du mittelfristige Ziele?
Ja. Ein Mannschaftsziel: um die ersten Plätze kämpfen. Und ein persönliches Ziel: an Selbstvertrauen gewinnen, um mein Spiel zu verbessern.
Welchen Blick wirfst du auf den Saisonstart des Servette FCCF?
Einen positiven Blick, ganz klar, weil wir bisher gute Leistungen gezeigt haben. Wir sind gut gestartet und ich bin der Meinung, dass es das Ergebnis der harten Arbeit in der Sommervorbereitung ist. Ich hoffe, dass wir so weiter machen, wir sind auf einem guten Weg.
Hast du mit Yverdon schon mal Zürich geschlagen?
Mit Yverdon habe ich schon mehrmals gegen Zürich gespielt, aber nie hatte ich gewonnen. Der Sieg mit Servette war für mich wirklich fantastisch.
Wie sieht ein normaler Tag von Nathalia Spälti aus?
Ich stehe auf, frühstücke, fahre mit dem Zug zur Universität nach Lausanne, wo ich studiere. Gewöhnlich bin ich gegen 17 Uhr mit den Vorlesungen fertig und ich fahre dann mit dem Zug direkt nach Genf, wo das Training stattfindet. Nach dem Training nehme ich wieder den Zug, um nach Nyon zu fahren, wo ich wohne, und ich gehe dann ins Bett.
Was studierst du?
Ich studiere Wirtschaftswissenschaften im zweiten Jahr.
Als du klein warst, welchen Beruf wolltest du ausüben?
Pilotin, aber es hat sich seither geändert.
Was machst du im Zug, um die Zeit zu vertreiben?
Ich schlafe oder ich bereite meine Vorlesungen nach und lerne.
Welches war das erste Spiel, das du im Stadion gesehen hast?
Ich weiss nicht mehr, ob es mein erstes Spiel in einem Stadion war, aber ich sah ein Gruppenspiel der EM 2008. Es war im Stade de Genève. Die Türkei spielte gegen Tschechien.
Drei Adjektive, die dich beschreiben?
Effizient, ehrlich und wohlwollend.