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|4.3.1. Suonen - Konstruktion und Bauweise|
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|"Suonen" - Einblick in deren Konstruktion|
|Wo sich
das Terrain eignete, wurde einfach eine Rinne in die Erde gegraben. Je
nach Bedarf wurde der Stützdamm mit Ästen oder Steinen
verstärkt. Der Stützdamm sollte das Wasser leiten und die
seitliche Erosion verhindern. Meist ist der Boden der Suonen
gepflästert, mit Brettern oder flachen Steinen ausgelegt.

Um das Wasser von den tief eingeschnittenen Seitentälern auf die Flanken des Haupttales zu leiten, muss oftmals schwierigstes Gelände, lotrechte Felswände, Couloirs, instabile Hänge oder Geröllhalden zu überwinden. So wurden zum Teil wahre Kunstwerke geschaffen - und dies meist mit sehr einfachen Mitteln.
Der einfachste Kunstbau besteht aus rinnenförmig ausgehöhlten Baumstämmen - meist Lärchenholz - welche ineinandergeschoben werden. Diese Technik wurde vor allem im Oberwallis angewandt. Da der Querschnitt des Baumes die Wassermenge limitiert, beschränkt sich diese Anwendung auf ältere und vor allem kleinere Suonen.
Das Bild auf der rechten Seite zeigt die Suone "Wyssa" in Mund, aufgenommen 1931. Gut zu sehen sind die einzelnen Befestigungen, sowie der ausgehöhlte Baumstamm.

Auf diesem Bild ist das "Togguloch" gut zu sehen - ebenso die Art und Weise wie der Trag- balken in dem Loch verankert wird.
Bisse de Savièse, um 1930, aufgenommen von Raymond Schmid
|Will man die Wassermenge
erhöhen, müssen einzelne Bretter zu einem Kanal
zusammengefügt werden. Die einfacheren bestehen aus drei Brettern,
welche ein "U" bilden. Die mächtigsten - aus etlichen Brettern
gezimmert, führen nicht nur eine grosse Wassermenge, sondern
dienen gleichzeitig als Hüterweg, oder als schneller Zugang zu den
höhergelegenen Weiden.

Couloirs und instabile Strecken lassen sich mit Schutzgalerien und guter Verankerung leicht überwinden. Die Durchquerung abfallender Steilwände verlangt aber eine solide und dauerhafte Befestigungstechnik. Man staunt über die Vielfalt der angewandten Techniken, mit denen die Suonen in diese Wände gehängt wurden.
Das gängigste System: Ein hakenförmig gewachsenes Baumstück (Chrapfo) wird an einem waagrechten Tragbalken aufgehängt, welcher seinerseits in das "Togguloch", ein etwa 20cm tief aus dem Fels gemeisseltes Loch, eingerammt wird. Das vollendeste Werk dieser Art ist sicher die Suon von Ausserberg.
Die Grösse der Stämme und die Ausmasse der Felswände machen diese Arbeiten - in die meist die ganze Gemeinde eingebunden war - äusserst gefährlich. Die ausgehöhlten Stämme mit einem Durchmesser von ca. 50cm werden an einem eigens zu diesem Zweck hergestellten, 200m langen Seil, Dutzende von Metern an einer Felswand heruntergelassen und auf den Tragbalken befestigt. Wenn es nicht möglich war, eine Ganglatte für die Wasserhüter neben die Kännel zu legen, wurden diese mit Brettern abgedeckt und so zu einem Laufsteg gemacht.
|Manchmal musste die Suone durch
Senken, Schluchten oder ein Bachbett geführt werden.
Holzbrücken überwinden meist diese Hindernisse. Obwohl es
einige spektakuläre Beispiele gibt, sind die meisten Brücken
von einfacher Bauart - ausgehöhlte Baumstämme auf
dürftigen Auflagern.

Wenn die Felsbeschaffenheit und das Werkzeug es zugelassen haben, konnte das Suonen-Trassee in die Wand eingekehlt werden. Der Einsatz von Sprengpulver - der etwa ab dem 17. Jh erstmals nachgewiesen werden kann - hat solcherlei Arbeiten wesentlich erleichtert. Die wenigen vor dem 19. Jh. bekannten Tunnelabschnitte, waren meist nur wenige Meter lang. Sie wurden vorallem da ausgebrochen, wo es galt die aussergewöhnlich gefährlichen Felsvorsprünge zu durchqueren.
Das Bild rechts zeigt die Überquerung der Qgenze, der Bisse de Vex, auf einem Bild aus dem Jahre 1925. (Quelle AF)
1831 beschliessen erstmals die Geteilten der Bisse d'Ayent, einen Tunnel von 50 Klaftern - etwa 100 Meter - zu bohren, um einige gefährlich abfallende Stellen zu umgehen.
Die Gemeinde Visperterminen läutet im 20. Jh. schliesslich die Ära der grossen Tunnelbauten ein, als sie - um den hohen Unterhaltskosten im Waldstück oberhalb des Dorfes Eyholz zu begegnen - eine Kuppe die zwei Täler trennt, durchbohrt. 1915 verkündeten Böllerschüsse, das der Durchstich durch den Gebidumberg gelungen war. Der neu erbaute Stollen, der Wasser aus dem Nanztal brachte, war 2`647m lang. Als Folge davon konnten rund zehn Suonen, ingesamt viele Kilometer lang, stillgelegt werden.
Obwohl die in der Folge angelegten Tunnels, und auch die später eingesetzten Druckrohre ein Segen waren, was den Unterhalt der Wasserführen anbelangte, so hatten diese jedoch zu Folge dass viele der spektakulären Abschnitte der Suonen unwiederbringlich verloren gingen und heute oftmals nur noch geringe - oder gar keine Spuren mehr auf diese aussergewöhnlichen Bauwerke hinweisen.
Das Bild rechts zeigt einen Tunnel der Munder Wasserleitung um 1935, aufgenommen von Charles Paris.
|© Seitenlayout by Reinhard Dietschi

Die Texte, sowie die Fotos wurden grossteils aus dem Buch "Die Suonen des Wallis" entnommen und durch den Autor der Homepage angepasst.
Vielen Dank an den Herausgeber des Buches - den Rotten-Verlag in Visp.
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