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Wie ich 2012 mein jetziges Zuhause im Bleniotal kennenlernte, war ich angenehm überrascht, zu entdecken, dass nicht weit entfernt eine recht gut erhaltene Kapelle steht: die Cappella del Sacro Cuore. Sie liegt direkt am Wanderweg, der von Malvaglia hinauf ins gleichnamige Tal via die Bergstation der kleinen Seilbahn in Dagro, weiter zur SAC-Hütte Quarnei am Fuss der Adulagruppe und bis zum Rheinwaldhorn führt.
Aus Dankbarkeit gestiftet
Die kleine Kapelle, deutlich mehr als ein blosses Bildstöckchen, mit Atrium, Eingangstor, Altarraum und kleinem fixem Weihrauchbehälter ausgestattet, ist dem Herzen Jesu gewidmet, darum der Name Sacro Cuore («Sacellum SS Cordi D.N.J. Christi»). Die angebrachten Inschriften informieren uns zunächst, dass sie 1892 «ex voto fratrum Ratti quam Joseph» errichtet und dann sowohl 1936 wie ein letztes Mal 1990 renoviert wurde. Es ist anzunehmen, dass auch dieser Sakralbau wie viele andere aus Dankbarkeit gestiftet wurde. Wohl von einem einheimischen Bauern, der sein Vieh Jahr für Jahr auf dem recht exponierten Weg über zwei alte römische Steinbrücken (die eine, die Ponte Lau, führt gleich unterhalb der Kapelle über die Schlucht des Orino) ins Tal hinauf- und hinuntertrieb. Welches der konkrete Anlass zur Stiftung war? Darüber kann allerdings nur spekuliert werden.
Lichtstrahlen aus Christi Brust
Die Innenausstattung kündet vom Wechsel im ästhetischen Stil und Geschmack während mehr als eines Jahrhunderts. Wir (ich wurde bei meinen Recherchen vom jungen einheimischen Historiker Alessandro Ratti unterstützt) nehmen an, dass die drei grossen Wandgemälde 1936 entstanden. Sie zeigen links und rechts zwei Heiligendarstellungen, eine klassische des Täufers Johannes mit Jordan, Lamm und Spruchband (S. Giovanni Battista) und eine eher überraschende von Vinzenz von Paul mit drei Kindern an seiner Seite (S. Vincenzo de Paoli). Darum ist anzunehmen, dass einer der Vornamen in der Gründerfamilie wohl Vincenzo gelautet hat. In der Mitte findet sich das Gemälde des Herzens Jesu mit der Überschrift «Adveniat regnum tuum». Es unterscheidet sich deutlich von den blutigen Abbildungen des 19. Jahrhunderts, wird doch der verklärte Christus mit Lichtstrahlen, die aus seiner Brust fliessen, dargestellt.
Sanfte Renovation nötig
Der (durch einen Brand etwas verunstaltete) kleine Altar trägt an seiner Frontseite ein Gemälde in anderem Stil, das wohl 1990 entstand. In kindlich-realistischem Stil zeigt es die Dreifaltigkeit (Sacrosancta Trinitas) und fällt als geometrisch durchdachte Einheit auf.
Eine sanfte Innenrenovation in den nächsten Jahren scheint angebracht. In der Endphase meines Wirkens im Bistum St. Gallen konnte ich schon eine fünfstellige Summe zusammenbetteln, doch dürfte dies noch nicht genügen. Da die Pfarreien im Bistum Lugano mausarm sind, braucht es noch weitere Sponsoren. Wer meldet sich?1
Heinz Angehrn*