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Amphetamin Captagon – Vom Medikament zur Schmuggelware
Ursprünglich als Medikament gegen ADHS entwickelt, wird Captagon inzwischen als eine der beliebtesten synthetischen Drogen weltweit gehandelt.
Zusammenfassung
- Captagon wurde ursprünglich als Medikament gegen ADHS entwickelt und wegen schwerer Nebenwirkungen bereits in den 80er-Jahren vom Markt genommen.
- Inzwischen gelten die Tabletten – vor allem in den arabischen Golfstaaten – als eine der meistkonsumierten synthetischen Drogen.
- Das Rauschgift stammt vor allem aus Syrien, wo sich das Assad-Regime am Drogenhandel bereichert.
Das Amphetamin Captagon ist im Nahen Osten – besonders in Saudi-Arabien – eine der meistkonsumierten synthetischen Drogen überhaupt. Obwohl Captagon ursprünglich als Medikament entwickelt wurde und wegen gravierender Nebenwirkungen bereits in den 1980er-Jahren vom Markt verschwunden ist, wird es heute illegal in Syrien produziert und als Rauschgift in die Golfstaaten und weitere Länder exportiert. Vor allem bei jungen Männern ist die Droge beliebt – es wird geschätzt, dass etwa 40 Prozent aller saudi-arabischen Männer zwischen 12 und 25 Jahre Captagon konsumieren. Die Droge wird aber nicht nur von Zivilisten, sondern auch von Regierungssoldaten, Jihadisten und Rebellen konsumiert, um im Gefecht Schmerzen, Müdigkeit, Hunger und Angst besser aushalten zu können.
Die kleinen weissen Pillen mit dem doppelten C-Aufdruck sind besonders beliebt, da sie als «sanfte Droge» gelten. Dies, obwohl der Konsum stark gesundheitsgefährdend ist. Inzwischen sind auch Fälschungen des Amphetamins im Umlauf, die andere Wirkstoffe wie Koffein, Chinin, Theophyllin und Chloroquin, enthalten.
Lukrative Geschäfte für das Assad-Regime
Aus Syrien werden jährlich Millionen der Pillen exportiert, rund ein Drittel davon nach Saudi-Arabien. Diese sind in der Produktion mit wenigen Cent pro Stück sehr günstig und werden in Saudi-Arabien für bis zu 25 Dollar pro Pille verkauft. Für das syrische Regime von Bashar al-Assad, das an den Geschäften mitverdient, ist der Drogenhandel eine wesentliche Einnahmequelle geworden. Deshalb werden keine Bestrebungen unternommen, der Drogenproduktion Einhalt zu gebieten. Die Führung in Damaskus kontrolliert den Handel zwar nicht, nimmt jedoch hin, dass sich einzelne Akteure (unter anderem die Hizbullah-Bewegung) am Handel beteiligen und damit Geld verdienen und ist ein wesentlicher Profiteur der Geschäfte. Die Drogen stellen ein lukratives Exportgut in der schwächelnden Wirtschaft dar und spülen Geld in die Kriegskasse.
In der Bevölkerung regt sich mittlerweile aber Unmut gegen die Drogengeschäfte und das Regime. Aktuell gibt es jedoch keine konkreten Lösungspläne, wie die Captagon-Produktion in Syrien unterbunden werden kann. Auch der Westen hat wenig Druckmittel gegen das Assad-Regime und kann dessen Geschäfte mit dem ehemaligen Medikament nicht unterbinden.
Quellen für diesen Beitrag / Weiterführende Lektüre
NZZ, Ulrich von Schwerin, Wie Syrien zum Narco-Staat wurde, 11.01.2022
NZZ, David Vogel, Marlen Oehler, Das grosse Geschäft mit Captagon: wie Syrien sich fast unbemerkt zum Narco-Staat gewandelt hat (Podcast), 19.01.2022
FAZ, Christoph Ehrhardt, Die Drogenbarone von Damaskus, 08.04.2021
Photo: Hal Gatewood on Unsplash