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Am 12. Januar hat der Bundesrat beschlossen, den Schweizer Landwirten für den Anbau von Lupinen eine Prämie von 1’260 Franken pro Hektare zu bezahlen. Er begründet die Massnahme mit der "ungenügenden einheimischen Produktion von pflanzlichen Eiweissen".
Die Fakten: Die Schweizer Landwirtschaft kann ihre Tiere zwar problemlos mit energiereichen Futtermitteln versorgen, beim proteinreichen Leistungsfutter hingegen herrscht Unterversorgung. 221,000 Tonnen pflanzliche Eiweisse – vorwiegend Soja – mussten 1998 zu Fütterungszwecken importiert werden. Die Inlandproduktion nimmt sich im Vergleich dazu bescheiden aus: 1998 betrug die Produktion von proteinreichen Hülsenfrüchten – dazu gehören Soja, Eiweisserbsen und Ackerbohnen – 10,900 Tonnen, jene von Rapspresskuchen, dem wichtigsten inländischen Proteinfuttermittel, 35,800 Tonnen. "Damit liegt der Selbstversorgungsgrad bei den pflanzlichen Eiweissen fürs Mischfutter bei unter 20 Prozent", erklärt Rudolf Marti vom Verband Schweizerischer Futtermittelproduzenten. Ein Potenzial von 220,000 Tonnen Eiweisspflanzen werde so "ins Ausland verschenkt", das heisst aus den USA oder aus Südamerika importiert.
Bauernverband setzt sich für Beiträge ein
Aus diesem Grund hatte sich der Schweizerische Bauernverband für Beiträge an den Sojaanbau sowie für den Anbau von Lupinen eingesetzt. "Mit der Beitragserhöhung für Soja sind wir aber nicht durchgekommen", bedauert Jacques Bourgeois vom Bauernverband. Bei Soja werde nach wie vor der gleiche Beitrag gewährt wie für die anderen Ölsaaten Raps und Sonnenblumen, nämlich 1,500 Franken. "Unsere Berechnungen zeigen aber, dass dieser Ansatz für Soja knapp ist", erklärt Bourgeois. Wohl aus Budgetgründen habe das Bundesamt für Landwirtschaft hier aber kein positives Signal gesetzt. Trotzdem: "Wir sind froh, dass mit den Lupinen ein erster Schritt gemacht ist", betont Bourgeois. Denn Anbauversuche hätten gezeigt, dass die Lupine für die Schweiz geeignet sei.
Bei Ackerbohnen und Eiweisserbsen habe sich die Frage einer Beitragserhöhung (Anbauprämie heute: 1’260 Franken) nicht gestellt. Diese Kulturen würden auch mit den bestehenden Rahmenbedingungen in der Schweiz angebaut. Eine Unterstützung sei vor allem dort nötig, wo die Kultur ohne Beitrag überhaupt nicht angebaut werden könne – wie eben bei der Lupine. "Wir erhoffen uns von der neuen Anbauprämie einen Anreiz für die Bauern, Lupinen zu produzieren", so Bourgeois.
Quelle: Bundesamt für Statistik, BFS
Noch keine Lupinen im Land
Dass der Bund der Unterversorgung bei pflanzlichen Eiweissen ausgerechnet mit dem Anbau von Lupinen begegnen will, erstaunt. Denn während Raps, Soja, Eiweisserbsen und Ackerbohnen schon als Proteinfuttermittel angebaut werden, ist die Lupine hierzulande noch weitgehend unbekannt (siehe Grafik). Und so ist denn auch Rudolf Marti vom Verband Schweizer Futtermittelproduzenten von der Einführung einer Anbauprämie für Lupinen überrascht. Zumal die Beiträge für den Sojaanbau im Rahmen der Agrarpolitik 2002 gesenkt worden seien, und der heutige Betrag für diese Kultur eindeutig zu tief sei. "So wird der Sojaanbau in der Schweiz nicht überleben", befürchtet Marti. Es sei daher schwer verständlich, dass jetzt ein Beitrag für Lupinen eingeführt werde.
Den Grund für die Entscheidung des BLW liefert Marti aber gleich selber: Bei Lupinen, Eiweisserbsen und Ackerbohnen bleibe das Endprodukt als Futtermittel ganz in der Landwirtschaft. Bei den Ölsaaten Raps und Soja stelle sich hingegen das Problem des Ölmarktes. Raps- und Sojaöl könnten kaum abgesetzt werden. Für den Bund sei es daher schwierig, diese Kulturen zu fördern.
Jetzt kommt erst einmal die Züchtung
Deshalb also Lupinen. Doch mit der Anbauprämie allein ist es noch nicht getan. "Jetzt kommen die züchterischen Fragen", betont Marti. Beispiel Soja: Aus der Sicht der Mischfutterproduzenten eigne sich Soja am besten für die Produktion von proteinreichen Futtermitteln. Doch Soja lässt sich aus klimatischen Gründen in der Schweiz nur sehr schwer anbauen. Die gleiche Situation ergebe sich jetzt bei den Lupinen. Auch hier sei noch nicht geklärt, ob sich Lupinen in ihrer heutigen Form für den Anbau in der Schweiz eignen oder ob noch grosse züchterische Anstrengungen nötig seien. Zudem seien auch ökonomische und technische Fragen des Lupinenanbaus offen. Über den Einsatz von Lupinen zu Futterzwecken sei in der Schweiz noch sehr wenig bekannt. Wie viele Bauern aufgrund der neuen Anbauprämie künftig Lupinen anbauen werden, ist deshalb noch ungewiss.
Dem stimmt Urs Zbinden vom BLW zu. Die Lupine werde durch die neue Anbauprämie zwar gegenüber anderen Kulturen wettbewerbsfähiger. Wie viele Landwirte künftig aber die neue Futterpflanze anbauen werden, weiss man beim BLW vorderhand noch nicht. "Man hat keine Schätzung gemacht", erklärt Zbinden. Er selbst denkt, "dass höchstens einige hundert Landwirte" künftig Lupinen anbauen werden. Eine Zielgrösse seitens des BLW bestehe nicht.
"Zu lange geschlafen"
Rudolf Marti ist enttäuscht. Auf 50,000 bis 100,000 Hektaren könnten in der Schweiz Eiweisspflanzen wachsen um den Inlandbedarf zu decken. Damit, dass vielleicht einige Bauern künftig Lupinen anbauen, sei es nicht getan. Der Verband Schweizer Futtermittelproduzenten mache schon seit Jahren auf diese Problematik aufmerksam. Immer heisse es aber, aus klimatischen Gründen könnten in der Schweiz nicht mehr pflanzliche Eiweisse angebaut werden. Doch: "Wenn man jetzt nicht anfängt - wann dann?", appelliert Marti an Schweizer Züchter. Der Schritt des Bundesrates Lupinen zu fördern sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, er komme aber viel zu spät. Für Rudolf Marti hat die Landwirtschaft in Sachen Eiweissversorgung schlichtweg "zu lange geschlafen".
40 Prozent Eiweiss
ug. Die weisse Lupine ist ein eiweiss- und fettreiches Futter mit zirka 40 Prozent Rohprotein. Je nach Tierart kann sie Sojaschrot in der Fütterung ganz oder teilweise ersetzen. An der Eidgenössischen Forschungsanstalt Changins sind von 1985 und 1989 die Aussichten des Lupinenanbaus in der Schweiz abgeklärt worden. Damals kamen die Forscher zum Schluss, dass diese Kultur nicht für den Anbau in der Schweiz empfohlen werden kann. Neuere Forschungsergebnisse geben der Lupine hingegen bessere Chancen. Sie eignet sich aber nur für tiefe Lagen bis 500 m. ü. M, benötigt hohe Temperaturen und eine lange Vegetationsperiode.