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Die ältesten geschichtlichen Zeugen auf dem Gebiet unserer Gemeinde sind archäologische Fundstücke. Die meisten Funde wurden im 19. Jahrhundert gemacht. Als in Weisslingen 1838 der erste archäologische Fund
entdeckt wurde, gab es noch kein Schweizerisches Landesmuseum (1898), kein kantonales, zürcherisches Museum und keine Orts- oder Heimatmuseen in unserem Kanton. Ebenso wenig existierte eine schweizerische oder kantonale Archäologiestelle. Wohin sollte man sich wenden? Was sollte man mit den 39 menschlichen Skeletten und den „allerlei Geräthen“ tun, die damals „in einer Griengrube hart beim Dorfe Weisslingen, links der Strasse nach Winterthur“ gefunden wurden? Bis heute ist nicht bekannt, wie unsere Vorfahren diese Dinge entsorgten. Jemand schrieb einen Brief an die 1832 gegründete Antiquarische Gesellschaft Zürich. Dieser wurde im Berichtbuch des Vereins registriert. Bei der Griengrube dürfte es sich um die Kiesgrube handeln, die auf der Wildkarte von 1850 eingezeichnet ist ( Bild). Sie wurde 1838 eröffnet mit dem Strassenbau Weisslingen-Kollbrunn (1838-1875) und lag am nördlichen Rand des Burghügels.
10 Jahre später, beim Bau des Schulhauses Burg, wurde am südlichen Rand des Burghügels von Erdarbeitern ein weiteres Gräberfeld entdeckt. „Neben etlichen menschlichen Gerippen wurden dem Boden enthoben eine Fibel (Heftnadel) aus Bronze, ein massiver Ring aus gleichem Metall, ein Stück eines Gagatringes (Gagat ist eine Art Braunkohle, die sich drechseln und polieren lässt), und als besonders schönes Fundstück eine Bronzekette. Sie ist 52 cm lang. Das Mittelstück stellt einen Tierkopf dar.“ (Chronik H. Brüngger)
Die Objekte befinden sich im Schweizerischen Landesmuseum. Sie stammen vermutlich aus einem Frauengrab und werden der jüngeren Eisenzeit, genauer der mittleren Latènezeit zugeordnet, also etwa der Zeit von 250-180 v. Chr. in der in unserer Gegend die Helvetier d.h. die Kelten lebten.
1864 und erneut 1973 wurden beim Bauen um das Schulhaus „Burg“ neben menschlichen Knochen Waffenfunde gemacht. 1864 wurden ein einschneidiges Kurzschwert, ein so genannter Sax, und ein zweischneidiges Langschwert, eine Spatha neben einer Gürtelschnalle gefunden. 1973 waren es eine weitere Spatha, sowie ein Bronzeniet von einer Schwertscheide. Beide Funde stammen aus einer männlichen Körperbestattung und sind dem mittleren 7. Jahrhundert zuzuweisen.
Bild: Kantonsarchäologie Zürich
1884 teilte Herr Bliggenstorfer aus Madetswil der Zeitschrift Antiqua mit, dass er im selben Jahr in einem Acker westlich von Weisslingen eine keltische Goldmünze gefunden habe. Sie habe nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche gelegen. Von der Münze kennt man heute nur das 1884 veröffentlichte Bild. Ihr weiteres Schicksal ist bisher unbekannt. Es ist denkbar, dass sich die Münze noch heute in Privatbesitz befindet, vielleicht in unserer Umgebung. Vielleicht wurde die Münze an einen Händler verkauft, der sie später mit verschleiertem Fundort dem Landesmuseum verkaufte.
Es handelt sich um einen so genannten Viertelstater. Die Goldmünze kopiert Prägungen eines Staters des Königs Philippus von Makedonien (359 – 336 v. Chr.). Es handelt sich um eine keltische Münze, die nicht dem Zahlungsverkehr diente, sondern als Schmuck oder als Statussymbol.
Auf Grund der Grabzusammenhänge könnte der Typ ab etwa 180 v. Chr. geprägt worden sein.
Bild: Kantonsarchäologie Zürich
Beim Aushub von Burggasse 9 kontrollierte ein Kantonsarchäologe in Handarbeit das Abstossen der Humusschicht. Dieser wiederum wurde vom damaligen Vorstandsmitglied unseres Vereins Walter Näf überwacht.
Trotzdem fanden sich keine weiteren Spuren unserer Vorfahren.
Bilder: Archiv HVW