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Moore zählen in der Schweiz zu den seltensten und wertvollsten Lebensräumen. In der UNESCO Biosphäre Entlebuch gibt es insgesamt 46 Hoch- und Übergangsmoore sowie 68 Flachmoore von nationaler Bedeutung mit einer Fläche von gesamthaft ca. 26 km².
Moore entstehen dort, wo der Boden wasserundurchlässig ist. Im Entlebuch bildet häufig der sogenannte Flysch die unterste wasserundurchlässige Schicht oder aber die Gletscher der letzten Eiszeit haben riesige Landschaftskammern ausgehobelt, welche durch die hohen Niederschläge mit Wasser gefüllt wurden. Durch die Besiedlung der weitgehend offenen und nassen Böden des Entlebuchs mit feuchtigkeitsliebenden Pflanzen entstanden Flachmoore. In einigen sehr feuchten und nährstoffarmen Flachmooren sammelten sich bereits früh abgestorbene Pflanzenreste an, die wegen der ständigen Feuchtigkeit und des darin herrschenden Sauerstoffmangels nur langsam abgebaut wurden. Zusätzlich siedelten sich Torfmoose an und es entstanden Hochmoore, welche sich langsam über den Grundwasserspiegel erhoben.
Hochmoore sind charakterisiert durch den Wuchs von Torfmoosen (Sphagnen), die mit ihren sternchenförmigen Trieben ausgedehnte grüne oder rote Moospolster und -Teppiche bilden. Die Pflanzen leben fast ausschliesslich von dem, was der Regen hergibt. In einem Hochmoor herrschen darum in jeder Hinsicht extreme Lebensbedingungen: Es ist nass, sauer und nährstoffarm. Dadurch können nur hochspezialisierte Tiere und Pflanzen im Hochmoor leben wie etwa der fleischfressende Sonnentau oder die Rosmarinheide.
Wenn der Wasserhaushalt eines Hochmoores stimmt, wachsen die Torfmoose jährlich ein bis drei Zentimeter und unter ihnen bildet sich eine Torfschicht aus abgestorbenem Pflanzenmaterial, die immer grösser wird. Die Torfschicht eines Hochmoores wächst nur etwa einen Millimeter pro Jahr – über Jahrtausende bildet sich gegenüber dem Umfeld ein nach oben gewölbter Torfkörper (daher der Name Hochmoor). Ähnlich wie ein Schwamm saugt sich diese Torfschicht mit Wasser voll. Intakte Hochmoore haben typischerweise eine bucklige Oberfläche aus Erhebungen (Bulten) und wassergefüllten, natürlichen Senken (Schlenken). Intakte Hochmoore sind natürlicherweise waldfrei. Nur wenige Baumarten tolerieren die nassen und nährstoffarmen Bedingungen, so etwa Bergföhren. Diese können lückige Hochmoorwälder über Torfböden bilden. Allerdings wachsen diese Bäume sehr langsam, 100 Jahre alte Bergföhren haben deshalb einen Stammdurchmesser von nur einigen Zentimetern.
Flachmoore sind in regem Austausch mit dem Grundwasser und darum basischer, nährstoffreicher und artenreicher als Hochmoore. Im Gegensatz zu den ungenutzten Hochmooren werden sie landwirtschaftlich genutzt. Bleibt diese Nutzung aus, verbuschen sie schnell und werden wieder zu Wald.
Flachmoore erkennt man schon von Weitem an den auffälligen weissen, wolligen Schöpfen der vielen Wollgräser. Im Entlebuch gibt es viele Flachmoore mit zahlreichen hübschen violett-rosafarbenen Orchideen, den Knabenkräutern. Je kalkhaltiger der Boden eines Flachmoores ist, desto mehr Blütenpflanzen weist es auf. Mit etwas Glück sieht man auch den Moorenzian. Dessen sternförmige, violette Blüten sind erst im August zu bewundern, wenn viele andere Pflanzen bereits verblüht sind.
Der Sonnentau zum Beispiel, gelangt an Nährstoffe, indem er mit seinen klebrigen Blättern Insekten fängt und diese verdaut. Diese fleischfressende Pflanze lebt noch relativ weit verbreitet in den Entlebucher Hochmooren. Der Hochmoorgelbling, ein gelber Schmetterling, ist ebenfalls auf Moore spezialisiert, gibt sich aber nicht leicht zufrieden: Er benötigt nicht nur die Moorbeere, die ausschliesslich in Hochmooren wächst, als Futterpflanze für seine Raupen, sondern auch blütenreiche Flachmoore im Umfeld der Hochmoore, damit er als ausgewachsener Schmetterling dort genügend Nektar findet. Deshalb ist es wichtig, möglichst grosse Flächen dieser verschiedenen Lebensräume zu schützen und diese auch zu einem zusammenhängenden Netz zu verknüpfen. Das gefährdete Auerhuhn ist ein etwa hühnergrosser Vogel, der im Entlebuch noch vereinzelt vorkommt, weshalb die UNESCO Biosphäre Entlebuch für seinen Schutz eine besondere Verantwortung trägt. Wälder mit hohem Altholzanteil, Heidelbeergebüsch sowie auch ungestörte Hochmoorwälder bieten ihm und auch der Mooreidechse einen idealen Lebensraum. Deshalb ist es wichtig, die zunehmend isolierten Moore miteinander zu vernetzen, um so den Austausch der Tiere sicher zu stellen.
Moorlandschaften sind stark durch die Moore, aber auch moorfreie Teile und die menschliche Nutzung geprägt. Zusammen führt das dazu, dass diese Landschaften als besonders schön wahrgenommen werden und sie stehen deshalb wie viele Hoch- und Flachmoore auch, unter nationalem Schutz. Vier Moorlandschaften von nationaler Bedeutung liegen ganz oder teilweise in der UNESCO Biosphäre Entlebuch: Glaubenberg (grösste der Schweiz!), Habkern/Sörenberg, Hilferenpass und Klein Entlen. Alle Moorlandschaften zusammen decken rund einen Viertel der Fläche des Entlebuchs ab und umfassen rund einen Zehntel der gesamten Hochmoorlandschaften der Schweiz.
Regionaltypische Kulturelemente sind die Streusiedlungen, die weitgehend erhalten geblieben sind. An manchen Orten stehen noch Turbehüttli (Torfhütten), Streuehütten und Tristen, die zum Landschaftsaspekt beitragen und an die frühere Nutzung der Moore erinnern.
Zahlreiche Flachmoore entstanden als Folge der Rodungen bei der Besiedlung des Entlebuchs vor etwa 1`000 Jahren. Die Moore wurden geschnitten, das Schnittgut als sogenannte Streue (Einstreu für Ställe) genutzt. Dies wurde vor allem im 19. Jahrhundert akut, da zu dieser Zeit aufgrund des Aufkommens von günstigen Transporten durch die Eisenbahn der Getreideanbau abnahm und immer weniger Stroh zur Verfügung stand. Die Streue wurde in Tristen unter freiem Himmel oder in Streuehütten getrocknet und gelagert. Die traditionelle Streuenutzung wird heute noch praktiziert, hat aber ihre grosse Bedeutung verloren. Durch die Beweidung und Mahd der nassen Flächen entstanden aus den ehemaligen, eher eintönigen Wäldern sehr unterschiedliche und artenreiche Flachmoore.