Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/100

Beitrag zur modernen Psychoanalyse und Psychotherapie
Aus dem Amerikanischen übertragen von John Wilkinson
Von Harry S. Sullivan
Über dieses Buch
Harry S. Sullivan, der zu den großen Pionieren der Tiefenpsychologie gehört, ist bei uns noch so gut wie unbekannt. Obwohl seine Lehre in den USA inzwischen den Ruf hat, die Psychiatrie unserer Zeit zu sein und seine Bücher dort zu psychiatrischen Bestsellern wurden, liegt mit diesem Buch »Das psychiatrische Gespräch« das erste Werk Sullivans in deutscher Sprache vor. Die Originalausgabe erschien 1954 in New York und wurde, wie fast alle Werke Sullivans, aus seinem Nachlaß herausgegeben. Dies Buch ist noch heute das einzige in der psychiatrischen Literatur, das den Praktiker in die notwendigen Techniken des psychiatrischen Gesprächs einführt. Es basiert auf Tonbandaufnahmen von zwei Unterrichtsfolgen, die Sullivan an der Washington School of Psychiatry hielt.
Sullivan ergänzte sie durch sorgfältige Aufzeichnungen vor und nach den Unterrichtsgesprächen. In diesem »Psychiatrischen Gespräch« kann man also den Entdecker der modernen Psychiatrie gleichsam bei seiner psychotherapeutischen Arbeit beobachten. Das Buch hat die Spontaneität des praktischen Unterrichts, in dein gelehrt wird, wie ein psychiatrisches Gespräch geführt und wie es nicht geführt werden sollte. Dabei werden die notwendigen Verhaltensweisen des Psychiaters ebenso berücksichtigt wie die psychische und soziale Situation des Patienten.
Das Hauptproblem für den Erfolg einer Gesprächs-Therapie sieht Sullivan in dem Aufbau einer zwischenmenschlichen Beziehung zwischen den Gesprächspartnern. Nie darf der Therapeut als Arzt oder Richter vor dem Analysanden stehen, sondern immer nur als Mensch, der sein psychotherapeutisches Handwerk beherrscht. Sullivan ist ein Therapeut des Gefühlslebens, der Zwischenmenschlichkeit und des menschlichen Beziehungsstrebens. Darin liegt die Neuartigkeit und Effizienz seiner Lehre von der modernen Psychiatrie.
Über den Autor
H. S. Sullivan, geb. 1892 in Norwich (New York), gest. 1949 in Paris, widmete sich nach dem Medizinstudium der Psychoanalyse. Seit 1923 war er Leiter für klinische Forschung an Schizophrenen am Sheppard and Enoch Pratt Hospital (Towson, Md), 1938 gründete er die psychiatrische Zeitschrift >Psychiatry, ab 1939 hielt er seine berühmten Vorlesungen über »Conceptions of Modern Psychiatry« an der von ihm gegründeten Washington School of Psychiatry. Sein Hauptwerk ist >The Interpersonal Theory of Psychiatry< (1953).
Zur Einführung Von Josef Rattner
Die Lehre von H. S. Sullivan gewinnt in den USA eine wachsende Bedeutung und wird von vielen kompetenten Beurteilern als die Psychiatrie unserer Zeit betrachtet. Sullivans Bücher sind zu psychiatrischen Bestsellern geworden. Man beginnt, Sullivan in die Gruppe der großen Pioniere der Tiefenpsychologie einzureihen, die Entscheidendes zum Verständnis der menschlichen Natur ans Licht gebracht haben. Im deutschsprachigen Bereich ist Sullivan noch recht wenig bekannt. Das »Psychiatrische Gespräch«, das, wie fast alle Werke Sullivans, aus dem Nachlaß herausgegeben wurde, erschien 1954 in den USA und liegt nun erstmals in deutscher Sprache vor. Es basiert auf Tonbandaufnahmen von zwei Unterrichtsfolgen, die Sullivan an der Washington School of Psychiatry hielt. Sie wurden ergänzt durch sorgfältige Aufzeichnungen Sullivans vor und nach den Unterrichtsgesprächen. In diesem »Psychiatrischen Gespräch« kann man Sullivan gleichsam bei seiner psychotherapeutischen Arbeit beobachten.
Er schildert sehr eingehend seine Auffassungen von den psychopathologischen Zuständen, die der Seelenarzt antrifft und zu behandeln hat. Sullivan wendet sein besonderes Interesse nicht so sehr dem Triebleben, als vielmehr den Gefühlen und Affekten des Patienten zu. Aus langjähriger Erfahrung hat er die Erkenntnis gewonnen, daß die Menschen nicht hauptsächlich an Sexualproblemen erkranken (wie Freud und die orthodoxe Psychoanalyse meinen), sondern an einer ungesunden Emotionalität, die alle menschlichen Beziehungen und sozialen Beitragsleistungen wesentlich erschwert. Sullivan ist ein Therapeut des Gefühlslebens und damit auch der Wertempfindung, der Zwischenmenschlichkeit und des menschlichen Beziehungsstrebens. Darin liegt seine unbezweifelbare Stärke, die Neuartigkeit seines psychiatrischen Ansatzes und auch deren seelenärztliche Effizienz.
Unterweisung in die "Kunst des Lebens"
Der Leser wird darüber hinaus auch erkennen, inwieweit diese Form von psychotherapeutischem Denken dem allgemeinen Studium des Menschen nützlich sein kann. Sullivan fördert in jeder seiner Äußerungen auch die uns allen so notwendige Menschenkenntnis und Selbsterkenntnis, unsere Einsicht in die emotionale Basis aller unserer Probleme und Konflikte. Er macht aus der Seelenheilkunde ein Inventar menschlicher Lebensweisheit; wohl bietet er auch eine sorgfältige und sachkundige Wissenschaft, aber sein Hauptanliegen scheint es zu sein, uns in der Kunst des Lebens zu unterweisen.
Psychologie, Vererbung, Psychiatrie, Grundlagen
Weiterlesen
Friedrich Liebling lehrte in Zürich von 1952 bis Februar 1982. Seine Seminare besuchten schließlich mehrere tausend Menschen aus dem In- und Ausland; die Adressenkartei soll um 5.000 Personen umfasst haben. Um die Lehre großflächiger zu verbreiten erschien ab 1964 die Zeitschrift „Psychologische Menschenkenntnis“. Ihr war regelmäßig folgender Text vorangestellt, der in aller Kürze wesentliche Grundlagen der Arbeitsweise der Zürcher Schule allgemeinverständlich zusammenfasste. Friedrich Liebling starb im Februar 1982. Die Zeitschrift wurde von einigen seiner Schüler bis zum Ende der 1980-er Jahre weiter herausgegeben. Ab Januar 1986 wurde der genannte einleitende Text in den Heften nicht mehr abgedruckt.
Friedrich Liebling ist ein Experiment auf dem Gebiete der Psychologie gelungen, das erstmals auf naturwissenschaftlichem Boden steht. In seiner induktiv-deduktiven Arbeitsweise ging er weit über die Anfänge (Freud, Adler, Jung u.a.) hinaus. Zur Frage über den grossen Erfolg der ‘Zürcher Schule’ sagte er einmal (Auszug aus einem Votum an einem Seminar):
«Der Mensch, der zu uns kommt, der Mensch, der Schwierigkeiten hat in seinem Leben, mit seiner Frau, mit seinem Mann, seinem Kind, seinem Nachbarn, seinem Chef oder seinem Untergebenen, der Mensch, der beim Lernen Probleme hat, oder sonst in seinem Leben nicht zurecht kommt, der ist bei uns kein Fall, kein Patient und kein Klient. Er ist auch nicht krank. Nein, er ist in seiner Kindheit falsch informiert worden.
Und was wir machen? Wir informieren ihn richtig. Das heisst, wir erklären ihm die Grundlagen der modernen Psychologie. Er erforscht seine Lebensgeschichte, erkennt, wie er geworden ist, welche Meinungen er über das Leben, den Mitmenschen und sich hat. Indem wir ihm die Natur des Menschen erklären, beginnt er selbst zu experimentieren.»
Um unsere Leser mit dem wissenschaftlichen Niveau der Arbeit der Zürcher Schule vertraut zu machen veröffentlichen wir hier die ursprüngliche Einleitung der psychologisch herausragenden Publikation und stellen in Zukunft weitere Texte daraus an dieser Stelle zur Verfügung!
Das nachstehende Vorwort, das jedem Heft vorangestellt war, ist heute aktueller denn je:
"Im unaufhaltsamen Siegeszug der Naturwissenschaften hat sich der Mensch immer wirksamere Werkzeuge geschaffen, mit denen er sich sein Leben zu erleichtern und besser zu gestalten vermag. Aber der heute noch überall vorwiegende Mangel an sachlich fundierter Menschenkenntnis stellt den gewaltigen Fortschritt immer wieder in Frage. Neben bewundernswerter technischer Perfektion finden wir das Zusammenleben der Menschen nach wie vor beherrscht vom Dunkel mystifizierender Spekulation und von sozialem Schwachsinn. Trotz aller oberflächlichen Publizität, welche heute auch der Psychologie zukommt, hat die moderne psychologische Aufklärung die allermeisten Menschen noch nicht erreicht.
Psychologie
Weiterlesen
Friedrich Liebling, Zürich
Die traditionellen Theorien der Menschenkenntnis stimmen im wesentlichen darin überein, daß sie den Menschen von außen her, gleichsam schematisch, zu beurteilen versuchen: Ein mehr oder minder genaues Einteilungsprinzip wird an den Menschen herangetragen, mit der Hoffnung, die Fremdpersönlichkeit innerhalb einer Kategorie einfangen zu können. Aus dem Teil wird ziemlich phantasiereich auf das Ganze geschlossen; bevorzugte Reaktionsweisen, Äußerlichkeiten wie Gestalt oder Gesichtsform, Ergebnis eines Tests usw. - aus all dem soll ein Einblick in die Seele des Mitmenschen gewonnen werden, und man gibt sich der Illusion hin, daß ein statistisch unterbautes Schema ermöglichen könnte, mit meßbaren Größen zu arbeiten.
Weiterlesen
Eine Untersuchung zur Individualpsychologie
Von Barbara Oehler – Dissertation bei Prof. Dr. Detlev v. Uslar, 1977
Unter Verwöhnung ist ein Erziehungsstil zu verstehen, eine umfassende Einstellung, eine Haltung der Eltern, besonders der Mutter, die sich ständig auf das Kind auswirken. Verwöhnung und Verzärtelung können in diesem Sinne zu einem Erziehungsklima werden, das man vergleichen könnte mit der tropischen Temperatur eines Treibhauses.
Weiterlesen
Astrologie - Physiognomik - Testmethoden
Von Friedrich Liebling, Zürich
Die Bedeutung der Menschenkenntnis für das Leben des einzelnen wie der Gesamtheit wird kaum in Zweifel gezogen werden können. Gewiß hat jede Art von menschlicher Einsicht einen bestimmten Wert, aber das Verständnis für die seelischen Reaktionen des Mitmenschen erhält seinen besonderen Rang dadurch, daß es unmittelbar unsere Lebensführung beeinflußt. In fast allen Situationen unseres Lebens sind wir darauf angewiesen, andere Menschen zu erkennen und zu verstehen. Die soziale Natur des Menschen bedingt, daß jede seiner Daseinsäußerungen auf Mitmenschen bezogen ist und demgemäß unter der Forderung steht, andere Menschen richtig zu erfassen und zu beurteilen.
Um einen Naturvorgang sinnvoll zu verwerten, muß man in der Lage sein, seine Ursachen und Wirkungen zu begreifen; um ein Werkzeug nützlich anzuwenden, muß man über seinen Gebrauch informiert sein: ähnlich ist es im Umgang mit dem Menschen, wo ein gewisses Maß an Menschenkenntnis vorausgesetzt wird, welches darüber entscheidet, ob mitmenschliche Beziehungen sich günstig oder ungünstig gestalten.
Weiterlesen
Friedrich Liebling*, Zürich
Die Berufsberatung ist zu einem anerkannten Faktor des öffentlichen Lebens geworden. In jedem Jahr konsultieren tausende von Jugendlichen den Berufsberater, um sich von ihm hinsichtlich ihrer Berufswahl beraten zu lassen. Es ist heute nicht mehr nötig, die Notwendigkeit einer solchen Institution zu betonen. Im Verlaufe der industriellen Entwicklung hat die Zahl der Berufe eine solche Mannigfaltigkeit angenommen, daß nur ein Spezialist in der Lage sein kann, ihre Struktur und ihre Grundbedingungen zu kennen.
Weiterlesen
Was Hänschen nicht lernt…
Von Fiorenza Piraccini*
Wenn es um Erziehung geht, schleppen wir jahrhundertealte, historisch verankerte und kulturell angewandte Vorstellungen mit uns herum. Die Autorin setzt sich mit diesen Überlieferungen auseinander, indem sie sie seziert. Und sie formuliert einen adlerianischen Gegenentwurf, der es ermöglicht, mit diesen Traditionen zu brechen.
Weiterlesen
«Eine gut funktionierende und angeleitete Klassengemeinschaft ist von immenser Bedeutung»
von Dr. phil. Alfred Burger, Schulleiter
An unserer Schule werden immer wieder sehr interessante Kinder angemeldet, die trotz hoher Intelligenz in der Schule Schiffbruch erlitten haben. Zumeist bringen sie ein dickes Dossier von Abklärungen und Diagnosen mit, die aber nicht weitergeholfen haben.
Weiterlesen
Die Erkenntnisse der Tiefenpsychologie allen zugänglich machen
zum Wirken des Psychologen Friedrich Liebling
«Menschenliebe ist das Wesen der
Sittlichkeit, Menschenkenntnis das
Wesen der Weisheit.»
Konfuzius
Friedrich Liebling (1893–1982) war ein Psychologe aus der Wiener Schule für Tiefenpsychologie. Er hatte in Zürich unter dem Namen «Psychologische Lehr- und Beratungsstelle» eine psychologische Praxis und tiefenpsychologische Schule aufgebaut, die er bis zu seinem Tod persönlich leitete.
Weiterlesen
von Friedrich Liebling
Die Lehre Alfred Adlers ist zu einem Grundpfeiler der Tiefenpsychologie geworden und ist heute aus der psychologischen Forschung nicht mehr wegzudenken; nichtsdestoweniger hat die Individualpsychologie nur teilweise die Anerkennung gefunden, die sie tatsächlich verdient und die sie auch für ihre bahnbrechenden Errungenschaften beanspruchen darf.
Weiterlesen
von Friedrich Liebling
Die tiefenpsychologische Menschenkenntnis, hervorgewachsen aus der psychotherapeutischen Praxis, stellt sich grundsätzlich auf den Standpunkt, dass seelisches Fremdverstehen im wesentlichen auf Intuition beruhen muss.
Weiterlesen
von Dr. Alfred Burger, Schulleiter
An unserer Schule werden in letzter Zeit häufiger Kinder angemeldet, die trotz guter Intelligenz erhebliche stoffliche Rückstände haben. Es fehlt ihnen an Grundfertigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen.
Es fehlt ihnen auch die Zuversicht beim Lernen, und oft weichen sie den gestellten Anforderungen aus. Manche von ihnen haben schon verschiedene Therapien und Unterstützungsangebote wie Logopädie, Psychomotorik, Ergotherapie erhalten, ohne dabei wesentliche Fortschritte gemacht zu haben.
Weiterlesen
Immer neue Reformen im Schulbereich führen zu einem Anstieg von Lernschwierigkeiten und seelischen Auffälligkeiten bei Kindern
von Dr. med. Andreas Bau, Hackborn
zf. Um heutige Ereignisse und Entwicklungen verstehen, einschätzen und einordnen zu können, braucht es die Fähigkeit, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen mit wachem Geist über einen langen Zeitraum zu überblicken und im mitmenschlichen Sinne zu beurteilen. Richtungsweisende Erkenntnisse daraus dienen dem Wohle aller. Dies gilt auch für den Bereich der Bildung und der Medizin (Sozialwissenschaften), wie der folgende Beitrag auf das Eindrücklichste zeigt.
Weiterlesen
Antwort eines Mitarbeiters der Zürcher Schule für Psychotherapie auf die Frage eines Teilnehmers an einem psychologischen Seminar (Tonbandabschrift)
Was das Besondere an der Zürcher Schule ist, fragen Sie?
Ja, das ist sehr leicht zu erklären, so leicht, dass es schon fast wieder schwierig ist, weil der Mensch sich nicht vorstellen kann, dass die Erklärung so einfach ist.
Der Mensch, der zu uns kommt, der Mensch, der Schwierigkeiten hat in seinem Leben, mit seiner Frau, mit seinem Mann, seinem Kind, seinem Nachbarn, seinem Chef oder seinem Untergebenen, der Mensch, der beim Lernen Probleme hat, oder sonst in seinem Leben nicht zurecht kommt, der ist bei uns kein Fall, kein Patient und kein Klient. Er ist auch nicht krank. Nein, er ist in seiner Kindheit falsch informiert worden.
Weiterlesen
von Friedrich Liebling (1965)
In breiten Volkskreisen herrscht heute noch eine grosse Unwissenheit über die Probleme seelenärztlicher Behandlung. Fast jedermann ist sich darüber im klaren, was körperliche Krankheiten sind und wie sie geheilt werden. Was seelische Leiden sind, darüber herrschen vage Mutmassungen. Die meisten Leute haben hier Ansichten, die absolut irrig sind. Schon der Begriff "nervös" wird in sehr vieldeutigem Sinne gebraucht. Die einen sehen im nervösen Menschen einen "Spinner", der sich und anderen das Leben schwer machen will. Solche Beurteiler machen sich die Sache allzu leicht.
Weiterlesen
Das Werk von H. S. Sullivan und die interpersonelle Psychiatrie
Dr. Georg Frank, Berlin
(Aus der psychologischen Monatszeitschrift “Psychologische Menschenkenntnis” 1965, S. 390 - 397)
Wenn man die Frage aufwirft, in welchem Lande der Welt heute die psychiatrische Forschung die größten Fortschritte zu verzeichnen hat, so denkt man in erster Linie an die Vereinigten Staaten von Amerika: Von dort her kommen heute die wichtigsten und entscheidendsten Forschungsergebnisse, und es kann kein Zweifel mehr daran bestehen, daß die eigentliche Pionierarbeit der Psychiatrie gegenwärtig in den USA geleistet wird.
Weiterlesen
Auszug aus "Der neurotische Mensch unserer Zeit", welches eines der bedeutendsten Werke der hervorragenden Psychotherapeutin ist
Karen Horney**, New York
Nachdem wir erkannt haben, daß ein neurotischer Mensch in unserem Kulturgebiet von den gleichen Grundkonflikten bewegt wird und daß ein normaler Mensch Ihnen ebenfalls, wenn auch in geringerem Maß, unterworfen ist, stehen wir wieder vor derselben Frage, die wir am Anfang stellten: Welches sind die kulturellen Bedingungen, die an dem Umstand schuld sind, daß Neurosen sich gerade an diesen besonderen Konflikten ansetzen, von denen ich sprach und nicht an anderen?
Weiterlesen
Von Friedrich Liebling
veröffentlicht in: Neue Zürcher Zeitung NZZ, 21. Oktober 1962
In den Berichten über verwahrloste Jugendliche taucht oftmals der Begriff der "Psychopathie" auf. Damit soll angedeutet werden, dass die jungen Menschen, die in irgendeiner Weise aus dem Rahmen fallen, an angeborenen Persönlichkeitsdeformationen leiden. Diese Auffassung, die vor Jahrzehnten noch allgemein vorherrschend war, ist jedoch in der letzten Zeit als irrtümlich und oberflächlich erkannt worden.
Vor allem die Tiefenpsychologie hat uns gezeigt, dass die Vergangenheit mit dem «Psychopathieverdikt» allzu leichtfertig umsprang. Jede Charakteranomalie, die der Untersucher nicht auf bestimmte Lebensumstände zurückführen konnte, galt als «psychopathisch», womit die Sache erledigt und abgetan war.
Erziehung
Weiterlesen