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Eine Regel wird zur Regel dadurch, dass man ihr folgt. Es kann also gar nicht sein, dass man einer Regel deshalb folgt (oder folgen sollte), weil sie besteht. Umgekehrt besteht sie nur deshalb, weil man ihr folgt. Tut man dies nicht mehr, hört sie auch auf zu existieren. Es bleibt nur Etwas bestehen, das vielleicht einst Regel war, Etwas, das den Anspruch erhebt, Regel zu sein, dessen Anspruch aber Anspruch bleibt und nicht mehr.
Die Forderung, einer Regel deshalb zu folgen, weil sie besteht, ist also logisch betrachtet unmöglich, sie ist nicht juristisches, sondern vielmehr politisches Programm: Denn wer fordert, dass man Regeln deshalb befolgen solle, weil sie bestehen, fordert nichts anderes als: Verhalte Dich so, wie es bisher üblich war, verändere nichts, lasse die Dinge beim Alten (aber nicht deshalb, weil sie gut waren, sondern eben schlicht, weil sie waren, denn die Regel soll ja nicht befolgt werden, weil sie gut ist, sondern weil sie ist). Die Forderung nach Regelbefolgung qua Regelexistenz verlangt zudem: Denk nicht nach (denn das wäre ja die Voraussetzung für eine echte Regelbefolgung: nämlich die bewusste, nach Reflexion erfolgte Entscheidung, sich so oder eben anders zu verhalten), sondern tue das, was andere getan haben. Und der Transfer der eigenen Autonomie auf andere ist hier – wie immer – radikal böse.