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Autor: Marc Kipfer
Die Frage, wer die Schuld am Seifenkisten-Unfall mit acht Verletzten vom April 2007 in Semsales trägt, ist noch nicht beantwortet. Das Strafgericht des Broyebezirks in Estavayer-le-Lac hat seinen Urteilsspruch auf den frühen Freitagabend vertagt. Diesen Entscheid gab Gerichtspräsident Jean-Benoît Meuwly nach Anhörung der Plädoyers aller Parteien bekannt.
Verteidiger wollte weitere Zeugen anhören
Die Verzögerung bis zum Urteil fällt damit kleiner aus, als es René Schneuwly, der den OK-Präsidenten des Seifenkistenrennens vertritt, am Donnerstagmorgen verlangt hatte. Schneuwly hatte gefordert, den Fall zu vertagen, um zusätzliche Zeugen befragen zu können. So ist im Lauf des zweitägigen Prozesses nur einer der zwei Streckenverantwortlichen des Rennens vorgeladen worden. Schneuwlys Mandant hatte am Mittwoch ausgesagt, diese beiden OK-Mitglieder seien alleine für die Sicherheit des Rennens verantwortlich gewesen (die FN berichteten). Das Strafgericht lehnte Schneuwlys Antrag jedoch ab.
120 Tagessätze für den Fahrzeuglenker gefordert
Niemand in Semsales habe einen solchen Unfall gewollt, hielt Fabien Gasser, Substitut der Staatsanwältin, fest. Für das Gericht gehe es darum, die Fahrlässigkeit der Beschuldigten zu beurteilen, so Gasser.
In seinem Plädoyer empfahl er für den Lenker der verunfallten Seifenkiste eine Strafe von 120 Tagessätzen zu 65 Franken. «Dafür, dass er den Parcours in einem Testlauf vor dem Rennen bereits gefahren war, nahm er zu viel Risiko auf sich», warf Gasser dem Beschuldigten vor. Laut Polizeirapport sei ein technisches Versagen auszuschliessen, also läge ein menschliches vor, folgerte Gasser. Der Lenker sei alkoholisiert gewesen und weise zudem diverse Vorstrafen auf. Nur die Hälfte der Strafe sei deshalb zur Bewährung auszusetzen, so Gasser.
«Der Unfall wäre zu verhindern gewesen»
Der Lenker der verunfallten Seifenkiste hatte dem Gericht zuvor bestätigt, der Unfall wäre durch häufigeres Bremsen wohl zu verhindern gewesen.
Beim Urteilsspruch von heute Freitag droht dem vorbestraften 32-Jährigen eine weitere Strafe abseits des Seifenkisten-Unfalls. Er war 2006 in Bulle unter dem gleichzeitigen Einfluss von Kokain, Cannabis und Alkohol am Steuer seines Autos erwischt worden.
Urteil soll ein Signal an Organisatoren aussenden
Für den OK-Präsidenten des Rennens hält Fabien Gasser das halbe Strafmass des Lenkers für angebracht. Dieser habe gleich mehrere fahrlässige Entscheidungen getroffen, plädierte der Vertreter der Staatsanwaltschaft.
Gasser zufolge hätte das Publikum bei dieser gefährlichen Schikane nicht stehen dürfen, das humoristische Rennen hätte ohne Zeitmessung stattfinden sollen und die spontane Durchführung des dritten Laufes, bei dem der Unfall geschah, sei angesichts des Alkoholkonsums vieler Festteilnehmer ebenfalls fährlässig gewesen.
Zudem hatte der OK-Präsident auch Fahrer zum Rennen antreten lassen, die keinen der zwei Testläufe am Morgen bestritten hatten. «Er hätte viele Regeln besser beachten sollen», sagte Gasser. Er erhofft sich von dem Urteil eine Signalwirkung an die Organisatoren ähnlich gefährlicher Veranstaltungen.