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Ein Wissenschaftler des Biodiversität und Klima Forschungszentrums hat gemeinsam mit einem deutschen Kollegen vor der Küste Cornwalls gefundene Schnecken als neue Art erkannt und erstmals beschrieben. Wie die Forscher in der Titelgeschichte des Fachmagazins „Molluscan Research“ berichteten, handelt es sich um eine Eischneckenart, die als Parasit auf einer temperaturempfindlichen Fächerkorallenart lebt. Aus dem Auftreten der Schnecken könnten daher Informationen über den Zustand mariner Lebensräume gewonnen werden.
Ein orange-glänzendes Gehäuse und darüber ein braun gestreifter, transparenter Mantel – so sieht sie aus, die neu entdeckte Atlantikbewohnerin. Eine Analyse von Gehäuse und Mundwerkzeugen brachte nun ans Licht, dass es um eine bisher unbeschriebene Art aus der Familie der Eischnecken (Ovulidae) handelt. Eine ebenfalls vor der Küste Cornwalls, den Isles of Scilly und im Atlantik vor der französischen Küste vorkommende Schwesterart wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben.
Dass die mit circa zwei Zentimetern als gross geltende Schnecke bisher nicht aufgefallen ist, ist eher ungewöhnlich. „Die biologische Vielfalt der europäischen Gewässer ist eigentlich gut erforscht, es werden nur noch selten neue Spezies dieser Grösse entdeckt. Dieser Fund zeigt, dass es sich noch immer lohnt, die marine Biodiversität Europas genauer zu untersuchen.“ so Dr. Christian Melaun, Biodiversität und Klima Forschungszentrum einer der Leitautoren der Beschreibung.
Mitbewohner auf Fächerkoralle
Eischnecken sind Parasiten, die auf der Aussenseite von Weichkorallen leben. Die Schneckenarten dieser Familie sind vornehmlich in tropischen und subtropischen Gewässern zu finden; nur wenige kommen in kälteren Gewässern vor. Während andere Arten aus der Familie mehrere Weichkorallenarten besiedeln können, hat sich Siminia hiscocki auf die pinkfarbene, circa 20 Meter unter der Wasseroberfläche lebende, Warzige Fächerkoralle spezialisiert. Diese eindeutige Präferenz für einen Wirt diente ebenfalls als Abgrenzungsmerkmal zu Schwesternarten. Der Klimawandel führt dazu, dass sich die durchschnittliche Wassertemperatur der Ozeane langsam aber stetig erhöht. Weichkorallen, wie die Warzige Fächerkoralle, reagieren jedoch sehr empfindlich auf Wassertemperaturen oberhalb einer gewissen Toleranzschwelle.
Indikator für Veränderungen in marinen Lebensräumen
Je ungünstiger die Umweltbedingungen, desto höher ist auch die Anfälligkeit der Weichkorallen für Parasiten und damit für die neue beschriebene Schnecke. Je schlechter es der Warzigen Fächerkoralle geht, desto stärker könnte sie also durch die Schnecken besiedelt werden – so die These der Forscher. Laut Melaun könnte daher die Erhebung des Auftretens und der Anzahl von Eischnecken, die sich auf einen bestimmten Wirt spezialisiert haben, ein vielversprechender Beitrag zum Monitoring von Umweltfaktoren wie Verschmutzung und Klimawandel sein.
Foto: Jason Gregory