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Stolze SAC-Mitglieder posieren auf dem Bachtel
Unter den 35 Gründungsmitgliedern des Schweizerischen Alpenclubs 1863 in Olten befanden sich auch drei Männer aus Wald im Zürcher Oberland. Es handelte sich um Jakob Oberholzer, Schuhmacher, A. Schoch, Apotheker, und J. Krauer, Gerber, die bei ihren Bergtouren im Glarnerland zur Clubgründung gewonnen werden konnten. Die drei Oberländer waren anfänglich Mitglieder der Sektion Uto (Zürich). An die Gründung einer eigenen Gruppe dachte damals noch niemand. Erst als sich der Mitgliederkreis aus dem Oberland um H. Weber, Wetzikon, A. Häussler-Schweizer, Rüti, den bekannten Industriellen Adolf Guyer-Zeller aus Neuthal-Bäretswil und Fritz Lehmann-Ritter, Rüti, erweiterte, kam der Gedanke auf, eine eigene Sektion zu gründen. Mit dem Namen Uto hatten sie sich nie so richtig angefreundet, war doch der Bachtel mit seinen 1119 Metern wesentlich höher als der Üetliberg und in diesen Jahren bereits das Wahrzeichen des Zürcher Oberlandes.1871 nahmen die sieben Oberländer Bergfreunde am Jahresfest des SAC in Zürich teil. Auf Initiative von Guyer-Zeller formierte sich an diesem Anlass vorerst eine Untersektion Bachtel des SAC Uto. Am Bettag 1871 erfolgte dann die feierliche Gründung bei strahlendem Wetter auf dem Glärnisch. Bereits 1874 befasste man sich mit der möglichen Gründung einer eigenen Sektion. Die Idee fand aber unter den Oberländer Mitgliedern noch keine Mehrheit.
Am 4. Februar 1877 entstand dann trotzdem aus der alten Subsektion Bachtel des SAC Uto die neue Sektion Bachtel als 20. Sektion des Schweizerischen Alpenclubs. Der junge Verein führte nur drei Jahre nach der Selbständigwerdung im Jahre 1880 mit seinen 64 Mitgliedern das SAC-Jahresfest durch. Die junge Sektion blieb in den nachfolgenden Jahren weiterhin aktiv. Für die Landesausstellung in Zürich wurde ein Panorama der Bachtelkette hergestellt. Leider ging dieser Zeuge aus dem früheren Clubleben 1893 beim Brand des Gasthauses auf dem Bachtel verloren. Viel Zeit steckten die Clubmitglieder in Arbeiten im Bachtelgebiet. So wurden die Zugangswege verbessert und zum Teil neu erstellt und ein Alpengarten mit über 300 Pflanzen eingerichtet. Mit seltenen Gewächsen aus diesem Garten und Fotos vom Bachtel und seiner Umgebung präsentierte sich die Sektion 1896 an der Landesausstellung in Genf.
Sektionstour auf den Piz Segnes 1895
Claridenhütte
Schon seit der Sektionsgründung hatte man sich mit dem Gedanken befasst, eine eigene Clubhütte zu bauen. Andere Aktivitäten drängten jedoch die Idee längere Zeit in den Hintergrund. Sie gewann aber im Vorfeld des ersten Jubiläums an Aktualität. Zum 25. Geburtstag der Sektion, im Jahr 1896, konnte dann auf dem Papier die geplante „Clubhütte" auf dem Altenoren- Plateau gezeigt werden. Im Sommer 1897 wurde das 20 Schlafplätze umfassende Hüttchen erstellt, und am 2. Oktober 1897 fand die Einweihung im Beisein von ungefähr 60 Personen statt. Über 1000 Berggänger besuchten in den folgenden Jahren die Claridenhütte, und die 20 Schlafplätze und die Notlager im Holzschopf genügten dem Ansturm nicht mehr. Deshalb wurde der Bau einer neuen, zweistöckigen Hütte geplant. Am 24. September 1906 wurde das Haus mit 60 Schlafplätzen in Betrieb genommen.
Clubmitglieder vor der ersten Claridenhütte
Nach dem Ersten Weltkrieg entdeckten die Skitourenfahrer das Claridengebiet, und die 1906 gebaute Hütte konnte schliesslich den Anforderungen des Winterbetriebes nicht mehr genügen. 1939 beschloss die Sektionsversammlung den Bau einer neuen Claridenhütte mit 84 Schlafplätzen am gleichen Standort, westlich der bestehenden. Die Einweihung fand am 12. Juli 1942 unter Teilnahme von 150 Gästen statt. In den 1990er-Jahren wurde das Steingebäude renoviert und erweitert. Seitdem haben sich die räumlichen und infrastrukturellen Anforderungen verändert und neue Sanitärräume und Küchen wurden benötigt. Am 18. März 2011 stimmte die Sektionsversammlung dem Sanierungs- und Neubauprojekt zu und im Juli 2012 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Hinter dem nordöstlichen Giebel wurde die Steinhütte mit einem vorfabrizierten Holzbau erweitert. Die Einweihung erfolgte am 5. Juli 2014.
Genossenschaft Bachtel Kulm (GBK)
Wie der Name zeigt, ist das Oberländer Wahrzeichen, der Bachtel, der Namensgeber der Oberländer SAC-Sektion. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass die Bergkuppe mit Restaurant und Turm die besondere Fürsorge der Bachtelianer geniesst. Bereits in den Gründerzeiten fanden sie sich zu vielen Zusammenkünften auf dem Bachtel ein. Auch pflegten sie Wege und Stege, um den Zugang zum Bachtel zu erleichtern. Ein Pflanzengarten mit über 300 verschiedenen Sorten wurde durch die Mitglieder auf dem Hausberg angelegt, um die Zürcher Oberländer Kuppe attraktiver zu machen. Ein Schock war es daher, als am 1. Oktober 1893 das Bachtelhaus samt den dort eingelagerten Sektionsunterlagen bis auf die Grundmauern niederbrannte. Das Bergrestaurant Bachtel erlebte im ersten Viertel dieses Jahrhunderts gute und schlechte Wirtsleute. Trinksucht und unordentliche Geschäftspraktiken führten im Juni 1920 zum Konkurs des Bachtelwirtes. Am 8. Januar 1921 beschlossen die Bachtelianer die Gründung der Genossenschaft Bachtel-Kulm der SAC-Sektion Bachtel. Erste Aufgabe der jungen Genossenschaft war die Instandstellung der während vieler Jahre vernachlässigten Liegenschaft. Ziel der Genossenschaft war und ist die Erhaltung des Bachtels als Naherholungsziel der Zürcher Oberländer. Diese Aufgabe erfüllten bis heute alle Verantwortlichen der Genossenschaft aufs Beste. Die Genossenschaft Bachtel-Kulm ist eine eigene Körperschaft ausserhalb der SAC-Sektion Bachtel.
Der Bachtelturm
Zur Steigerung der Attraktivität hatte einst der Bachtelwirt 1873 nebst einer Kegelbahn einen 27 Meter hohen hölzernen Turm gebaut. Zuoberst errichtete er eine geschlossene Aussichtsterrasse. Durch verschiedene farbige Fenster konnte man damals für fünf Rappen die Landschaft in Rosarot oder Himmelblau beobachten. Am 6. Januar 1890 fegte ein orkanartiger Sturm über das Oberland. Der Turm hielt dieser Belastung nicht stand und fiel in sich zusammen. Mehr als Brennholz und farbige Scherben blieben vom stolzen Turm nicht übrig. Am 1. Mai 1893 schloss daraufhin der SAC Bachtel mit dem damaligen Bachtel-Wirt einen Vertrag zum Bau eines neuen Turmes ab. Als Vorbild diente der Turm auf dem Eschenberg bei Winterthur. In Rekordzeit wurde der Turm gebaut und am 29. August 1893 eingeweiht.
Bachtelturm um 1907
Über 100 Jahre lang war er die Attraktion auf dem Bachtel. Jung und Alt genoss auf seiner Plattform, 30 Meter über dem Boden, eine fantastische Rundsicht. Mit der Gründung der Genossenschaft Bachtel-Kulm (GBK) ging der Turm in deren Eigentum über. Nicht immer bereitete das Wahrzeichen nur Freude, es brachte auch finanzielle Verpflichtungen für den Unterhalt und die Instandhaltung. Im November 1985 wurde der eiserne Bachtelturm Stück für Stück demontiert und zwecks späterer Wiederverwendung aufbewahrt. Bis zur Montage des neuen Turms war der Bachtel ohne Turm. Man war sich einig, dass der Kuppe des Zürcher Oberländer Hausberges etwas Wichtiges fehlte. Das neue Wahrzeichen ist etwas höher. Die Plattform liegt auf 35 Metern, und die Gesamthöhe beträgt bis zur Antennenspitze 75 Meter. Ganz zuoberst leuchtet nachts ein rotes Licht, das den Oberländern im Dunkeln den Heimweg weist. Und wo steht der alte Turm heute? Nach der Demontage war das Material lange eingelagert. Schliesslich wurde der Turm nach Abklärung verschiedener Standpunkte im Jahr 1992 auf der Hochwacht am Pfannenstiel wieder aufgebaut. Noch im gleichen Jahr, am 2. Oktober 1992, fand die Einweihung statt.
Frauen im SAC Bachtel
Dass früher die Frauen im SAC nicht willkommen waren und eine eigene Gruppe bilden mussten, ist aus heutiger Sicht nicht mehr ganz nachvollziehbar. Am 10. Januar 1934 wurde die Gruppe Zürcher Oberland des Schweizerischen Frauen-Alpenclubs (SFAC) gegründet. Von Anfang an hatte das Tourenwesen grosse Bedeutung bei den Clubistinnen. Ihre Verbundenheit mit der Claridenhütte zeigten die Mitglieder, indem sie Kissen, Vorhänge und Tischtücher anfertigten und der Hüttenverwaltung zur Verfügung stellten. Tradition hatte auch die Bachtel-Zusammenkunft. Seit dem Gründungsjahr fand diese jeweils mit befreundeten SFAC- Gruppen im November statt. An der Abgeordnetenversammlung des SAC im Oktober 1979 wurde beschlossen, Frauen als gleichberechtigte Mitglieder des Schweizerischen Alpenclubs zu akzeptieren. Bereits im Sommer 1979 fanden dazu Vorbesprechungen im SAC Bachtel statt. Ziel war die Fusion beider Vereine. Das bedingte zuerst eine Statutenänderung beim SAC Bachtel zur Aufnahme von Frauen in den SAC Bachtel. Dieser Antrag des Vorstandes wurde an der Generalversammlung vom 18. November 1979 genehmigt. Den Fusionsantrag hiess der Vorstand des SAC Bachtel am 4. Marz 1980 gut. An ausserordentlichen Generalversammlungen stimmten die Frauen am 21. Juni 1980 und die Herren am 26. Juni 1980 zu. Ab 1. Oktober 1980 galten die Frauen als vollwertige Mitglieder des SAC Bachtel. Wie im Fusionsantrag vereinbart, besteht seither eine Frauengruppe im SAC Bachtel.
Seniorengruppe
Über die Gründung der Seniorengruppe gibt es kein Protokoll. Am 9. Februar 1971 wurde an einem Hock auf dem Bachtel der Grundstein zu dieser Gruppe gelegt. Ideen zur Gründung einer Seniorengruppe gehen aber zurück bis ins Jahr 1964. Damals erschien im Bachtelianer eine Mitteilung zur Vororientierung über eine Seniorentourenwoche in der Silvretta. In den folgenden Jahren fand dann jährlich eine Tour oder eine Tourenwoche statt. Bereits 1968 begann man Touren an Werktagen durchzuführen. Nach Ermunterungen von allen Seiten, eine eigene Seniorengruppe zu gründen, trafen sich 22 Bachtelianer am 12. Dezember 1970 auf dem Bachtel. Das Ergebnis war der Wille, unverzüglich eine Seniorengruppe innerhalb des SAC Bachtel zu gründen, was am Gründungshock vom 12. Januar 1971 handschriftlich festgelegt wurde. Dieses Papier bildete die Grundlage für den bereits erwähnten Anlass vom 9. Februar 1971. Gleich von Anfang an zeigte die Seniorengruppe ein erfreuliches Wachstum. Durch Mund zu Mund Propaganda strebten jedes Mal mehr bejahrte Bachtelianer an die Zusammenkünfte auf den Bachtel. Bald hatte man auch ein eigenes Jahrestourenprogramm. Seit 2011 können auch die Frauen offiziell Mitglied der Seniorengruppe werden.
Jugend
Schon früh hatte sich bei den Clubleuten die Meinung durchgesetzt, dass ein Verein ohne Nachwuchs irgendwann einmal nicht mehr existiert. Deshalb wurde im Jahr 1918 die Jugendorganisation aus der Taufe gehoben. Mit viel Verständnis für die Jugend förderten deren Leiter bei der Jungmannschaft das Verständnis für das Klettern, die Seiltechnik und das Tourenskifahren. Manches Sektionsmitglied hat so die Sporen in der JO abverdient. 1929 anerkannte der Gesamt-SAC die JO als Institution. Es wurde auch bestimmt, dass die JO Burschen und Mädchen in gleicher Weise zu behandeln hat. Den Mädchen war aber leider lange Zeit der Übertritt in den SAC verwehrt. Bereits früher hatte aber der SAC vorgesorgt, dass der Übertritt als vollwertiges Mitglied in den Schweizer Frauen-Alpenclub (SFAC) ohne Probleme möglich war. Bis zum Zusammenschluss hatte der Frauen- Alpenclub auch immer eine Delegierte in der JO-Kommission des Gesamt-SAC.
Quellen/Bilder