Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/567

Japan lebte bis Mitte 19. Jh. in selbst gewählter Isolation. Die Öffnung wurde erzwungen, als 1853 eine amerikanische Flotte in der Bucht von Tokio landete. An der Stelle eines kleinen Fischerdorfes entstand das heutige Yokohama, ein Umschlagplatz für den internationalen Seehandel. Die Ausländer, die sich ansiedelten, lebten in eigenen Quartieren. Im Stadtplan «Plan of Yokohama and suburbs» sind Grundstücke für die ausländische Bevölkerung («foreign lots») rosa eingefärbt:
Stadtplan 1889 in Yokohama bei R. Meiklejohn & Co., von Hofer & Co. A.G. in Zürich
1872 wurde die erste Eisenbahn Japans, zwischen Yokohama und dem ca. 30 km nördlich gelegenen Tokio, eröffnet. Der Bahnhof «Railway Station» ist am rechten Kartenrand erkennbar. Auf einer Karte aus einem alten Lexikon sind Tokio und Yokohama zwei getrennte Städte:
Brockhaus’ Konversations-Lexikon, 14. Auflage 1894
In einem neuen Atlas sind die beiden Städte zu einer Grossstadt zusammengewachsen:
The Times comprehensive Atlas of the World, Ed.12, 2007
35 Jahre später hat Hans Spörry den Stadtplan von 1889 in seinen Memoiren «Mein Lebenslauf» eingefügt. Am unteren Rand des Stadtplans steht eine entsprechende Information: «Spörry, Mein Lebenslauf. II. B.» In diesem 2. Band beschreibt er sehr ausführlich das Leben in Japan. Der Stadt Yokohama ist ebenfalls ein Kapitel gewidmet: Das gesellschaftliche Leben der ausländischen Bevölkerung (vor allem Franzosen, Engländer, Deutsche und Amerikaner, die Textilhandel betreiben) findet unter sich statt. In der NZZ erschien am Sonntag 13. Juni 1926, einige Monate nach Spörrys Tod, eine Zusammenfassung des Inhaltes:
Ernste und heitere Episoden – wie etwa die Begegnung mit den seinerzeit aus Zürich durchgebrannten Bankier Walker in Yokohama – finden sich häufig in die Darstellung eingestreut. Originell sind die Skizzen, die der Verfasser da und dort von «allerhand Bekannten» entwirft, höchst lesenswert seine Ausführungen über die «Globetrotter», über die Schweizerkolonie in Japan und die übrigen damals dort vertretenen europäischen Nationen und die Amerikaner. Das Urteil über die Japaner und deren Charakter lautet wenig günstig.
Dazu ein Zitat aus seinem Lebenslauf, Band 2, Seite 120:
Der Japanische Händler steht fast mit allem im Gegensatz zum Chinesen. Er ist im allgemeinen wortreich, aufsätzig und klebrig im Verkehr. Aufdringlich in der Unterhandlung und beim Verkauf, um sofort abzuspringen, wenn Ihm anderwärts ein weiterer Vorteil winkt. Er ist bedacht zu übervorteilen.
Übrigens: In einem früheren Blogbeitrag auf ETHeritage ist der Schweizer Hans Spörry in einem Kimono abgebildet.