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Sébastien Buemi mit seinen Teamkollegen von Toyota Gazoo Racing im königlichen Park in Monza (I) und präsentiert sich den Medien im Rahmen des WEC-Prologs. Es ist Nachmittag. Am nächsten Morgen um 8.00 Uhr Ortszeit ist Buemi parat, um in Mexiko zum vierten Lauf zur Formel-E-WM anzutreten. Das nennt man Reisen im Highspeed-Modus. Um seinen Weltmeistertitel zu verteidigen, versucht der Waadtländer heuer das Möglichste, um den Job bei Toyota in der WEC und den bei Renault e.dams in der Formel E aneinander vorbeizubringen. Die ersten drei Rennen in Hongkong, Marrakesch und Buenos Aires hatte der Mann aus Aigle VD gewonnen. Die beiden Rennen in New York (USA)am 15. und 16. Juli wird er verpassen, weil er dann mit Toyota am 6-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring antritt. Ergo geht es für den Schweizer darum, bis dahin ein möglichst fettes Polster zu schaffen. Vor dem Rennen in Mexiko hatte der 28-jährige Vater eines Sohnes noch 29 Punkte Vorsprung auf seinen stärksten Widersacher, den Brasilianer Lucas di Grassi. Jetzt, nach dem Rennen in Mexiko, sind es noch fünf. Für Buemi lief letztlich alles schief, was schieflaufen konnte; für Sieger di Grassi dagegen liefs kugelrund. «Dieses Rennen hat einmal gezeigt, dass in der Formel E innerhalb von Sekunden die Hölle zum Himmel werden kann. Ich war Letzter und habe dann gewonnen. Einfach fantastisch», hielt der Sieger nach dem Rennen fest.
In Auslaufzone gedreht
Es war, wie angetönt, ein denkwürdiges Rennen, dieser vierte WM-Lauf der Voll-Elektro-Serie im Autodromo Hermanos Rodriguez. Für Buemi begann alles prima: Im freien Training markierte der Romand einen neuen Rundenrekord. Doch sowohl Buemi als auch Di Grassi versemmelten das Qualifying. Letztlich ging Buemi von Startplatz 7, Di Grassi von Platz 14 aus ins Rennen. Schon kurz nach dem Start flogen erste Karbon-Teile durch die Luft, welche die erste von vier Gelb-Phasen einläuteten. Der Brasilianer musste einen defekten Heckflügel ersetzen und fiel ans Ende des Feldes zurück. Derweil kämpfte sich Buemi bis auf Rang 5 vor. Es sah punkto Optimierung des Punktepolsters also gut aus. Doch dann entschieden ein früher Boxenstopp, sprich Autowechsel, und eine weitere Gelb-Phase das Rennen und vielleicht gar die WM. ABT holt Di Grassi während der zweiten Gelb-Phase rein. Als die anderen sieben Runden später ihren Autotausch vornahmen, geht der 32-Jährige aus São Paulo in Führung und liegt zeitweise 30 Sekunden vorn. Eine dritte Gelb-Phase lässt den Rest des Feldes aufschliessen. «Wenn es diese Gelb-Phase nicht gegeben hätte, hätte ich den Vorsprung auf Jean-Eric Vergne leicht kontrollieren können. Als sie aber eintritt, wusste ich, dass es extrem schwer wird.» Doch Jérôme d’Ambrosio auf Platz 2 und mit gleich wenig Energie im «Tank» ist es, der die anderen aufhält und Di Grassi hilft, seinen Vorsprung über die Ziellinie zu retten. «Ich weiss nicht, ob es Glück oder Gott war. Das Team hat auf jeden Fall einen unfassbaren Job in Sachen Energiemanagement gemacht. Nach dem zweiten Boxenstopp wurde es echt knapp, ich habe alles gegeben, was meine Batterie hergab», freute sich der Sieger. Keine Runde länger hätte das Rennen dauern dürfen. Di Grassi gewann letztlich vor Jean-Eric Vergne und Sam Bird. Zu seinem Flügelmann Jérôme d’Ambrosio, der die Meute am Angriff hinderte, meinte Di Grassi: «Er hat einen fantastischen Job gemacht, indem er sie aufgehalten hat. Das hat mir immens geholfen, das Rennen zu gewinnen.»
Buemi stinksauer
Sébastien Buemi seinerseits, stinksauer schon während der zweiten, für ihn nicht wirklich erkennbaren, Gelb-Phase, patzte später im Rennen und drehte sich in der Auslaufzone von Kurve 1. Damit waren für ihn alle Chancen auf einen Top-10-Platz weg. Dies, nachdem er zuvor schon beim Autowechsel Plätze eingebüsst hatte. Es wurde finalement Rang 14 für den WM-Leader, der dank der schnellsten Runde noch einen Punkt ergatterte. 10 000 Kilometer zwischen Monza und Mexiko für 1 Punkt also.
Nach diesem verrückten Rennen beträgt der Vorsprung von Buemi auf Lucas di Grassi vor dem nächsten WM-Lauf am 13. Mai in Monaco noch fünf Punkte. Nicolas Prost, der Teamkollege von Buemi, liegt bereits 30 Punkte hinter dem Schweizer. Buemi mochte nach diesem Desaster nichts dazu sagen. Hätte er nach dem Rennen seine Wut in Energie um-wandeln können, sein e.dams hätte wohl abgehoben.