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Die umstrittene Eiskönigin
Haben Sie Kinder im Kindergartenalter? Dann muss ich Ihnen Elsa vermutlich nicht näher erklären. Für alle anderen: Elsa ist die Hauptfigur im aktuellsten Disneyfilm «Frozen» («Die Eiskönigin»). Sie kann Eis und Schnee zaubern, weiss ihre Zauberkräfte aber lange nicht zu kontrollieren und versucht deshalb, sie zu verstecken. Bis sie irgendwann aus ihr herausbrechen.
«20 Minuten» berichtete kürzlich von einer amerikanischen Studie, die sich «Frozen» und anderen Disney-Trickfilmen widmet. Die Forscher haben untersucht, wie viel Sprechzeit die weiblichen und die männlichen Figuren in den Filmen erhalten. Das Ergebnis: Während bei älteren Filmen wie «Schneewittchen» oder «Dornröschen» der Redeanteil zwischen den Geschlechtern noch relativ ausgeglichen war, änderte sich das in den Neunzigern. In «Pocahontas» etwa besetzen die weiblichen Charaktere nicht einmal 30 Prozent der Sprechzeit. Und auch in «Frozen» führen die Männer mit einem Anteil von 60 Prozent eindeutig mehr Dialoge als die Frauen.
«20 Minuten» wollte von einer Expertin wissen, wie sich dieses Missverhältnis auf die kleinen Zuschauer auswirkt. Und diese malte ein düsteres Bild, denn «wenn männliche Charaktere mehr reden, vermittelt das automatisch, Männer hätten eher das Sagen». Zudem zementiere der geringere weibliche Sprechanteil das eindimensionale Bild der Disney-Heldinnen: «Sie wollen vor allem von ihrem Prinzen erobert werden. Wenn dieses konservative Frauenbild das einzige ist, das Mädchen und Jungen in Filmen und Büchern vorgelebt wird, wird es zum Problem.»
Dass solche Aussagen gerade jetzt gemacht werden, erstaunt mich. Mit Elsa hat Disney nämlich endlich einmal eine Prinzessin geschaffen, die eben nicht nur herumsitzt und darauf wartet, von ihrem Prinzen aus der Einöde ihres Lebens gerettet zu werden. Elsa ist viel eigenständiger und näher an der Realität, und zwar an der modernen Realität.
Der Trailer.
Als Kind hat sie ihre Schwester Anna versehentlich mit einem Eisstrahl verletzt. Seither versucht sie, ihre Zauberkraft zu unterdrücken und ihr Anderssein vor der Welt zu verstecken. Bis zum Tag, an dem die Kräfte in einem emotionalen Moment aus ihr herausbrechen – und es die ganze Bevölkerung mitbekommt.
Sie flieht in die Berge und fühlt sich dort endlich frei, kann endlich sich selbst sein. Im Film singt sie an der Stelle, wie sie früher immer das gute Mädchen sein musste, doch jetzt nicht mehr, «mir ist egal, was sie sagen werden». Ihre Ängste könnten sie nicht mehr stoppen, «es ist an der Zeit, dass ich herausfinde, was ich alles zustande bringen kann».
Am Ende des Films ist Elsa zwar wieder zurück in ihrem Schloss, sie kann ihre Kräfte unterdessen kontrollieren und sie gezielt einsetzen. Es wartet aber kein Prinz auf sie. Ihre Schwester Anna ist diejenige, die sich verliebt, wobei die Lovestory nur Beigemüse ist. Das eigentliche Finale gehört den beiden Schwestern, die am Ende beide auf ihre Art als starke Frauen auftreten und so gemeinsam den Bösewicht besiegen.
Es stört mich deshalb nicht weiter, dass die Frauen in dem Film etwas weniger sprechen als die Männer. Viel wichtiger ist doch die Art und Weise, wie sich die Charaktere verhalten, welche Rollen ihnen zukommen. Elsa zeigt den jungen Zuschauern, dass man seine Eigenarten nicht verstecken muss, sondern bloss lernen muss, damit umzugehen. Dass es einem guttut, sich selbst zu sein und sich nicht zu verstellen und zu sehr anzupassen. Und man als Frau auch alleine stark und glücklich sein kann und nicht zwingend auf den schönen Prinzen warten muss.