Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03282.jsonl.gz/247

Ein ausführlicher persönlicher Rennbericht eines anfangs langweiligen Rennens, das zum Schluss an Spannung kaum zu überbieten war. 🙂
Sebastian Vettel im Red Bull (GER) ging von der Pole Position aus ins Rennen. Hinter ihm starteten die beiden Ferrari-Piloten Fernando Alonso (ESP) und Felipe Massa (BRA).
Sauber-Pilot Sergio Pérez (MEX) konnte aufgrund von Spätfolgen seines Crashs vor zwei Wochen in Monaco nicht an den Start gehen. Und so setzte man bei Sauber als „Notlösung“ auf den McLaren-Testfahrer und Routinier Pedro de la Rosa (ESP). De la Rosa fuhr bereits letztes Jahr 14 Rennen für das Hinwiler Team bevor er durch Nick Heidfeld (GER) ersetzt wurde.
Das Wetter vor dem Start war äusserst regnerisch. Da die Teams noch keine Erfahrung mit den neuen Pirelli „Full Wets“-Regenreifen hatten, beschloss die Rennleitung, das Rennen hinter dem Safety-Car zu starten.
Nach der Safety-Car-Phase gab es während des ganzen Rennens hindurch turbulente Szenen. Eine davon war diejenige als Lewis Hamilton (GBR) seinen Landsmann und McLaren-Teamkollegen Jenson Button vor der Start-Ziel-Geraden versuchte zu überholen und ihn dabei touchierte.
Danach ging der Reifenpoker los; die Teams warteten auf den besten Zeitpunkt, um auf die Intermediate-Pneus zu wechseln. Doch kurz nachdem Hamilton nach dem Zwischenfall mit Button das Auto neben der Streckenbegrenzung abstellen musste, kam es erneut zu einer Safety-Car-Phase.
Kurze Zeit später, in Runde 25, folgte der wohl längste Rennunterbruch in der Geschichte der Formel 1.
2 ¼ Stunden wurde das Rennen wegen den für die Fahrer unzumutbaren, regnerischen Bedinungen unterbrochen.
Sebastian Vettel (GER) im Red Bull lag zu diesem Zeitpunkt an der Spitze; Sauber-Pilot Kamui Kobayashi (JAP), der von der 13. Position ins Rennen gestartet war, belegte den sensationellen zweiten Rang vor dem Ferrari-Pilot Felipe Massa (BRA).
Die Fahrer stellten ihre Boliden in der Startaufstellung in der zuletzt im Rennen belegten Position ab und stiegen aus. Die Mechaniker holten die „Full Wets“-Regenreifen. Doch die Zuschauer liessen sich die Laune durch die „Pause“ nicht verderben, das kanadische Publikum zeigte sich sehr geduldig und fieberte dem Neustart entgegen.
Die Streckenposten kümmerten sich während dessen mit Besen und Absaugmaschinen um die Beseitigung des Regenwassers. Die Strecke an der Île Notre-Dame glich einem Fluss. Das Medical Car musste einige Inspektionsrunden drehen, um die Fahrbarkeit der Strecke zu überprüfen.
Als das Rennen hinter dem Safety-Car wieder neu gestartet wurde, überholte Felipe Massa nach der ersten Kurve den Sauber-Fahrer Kamui Kobayashi, doch Kobayashi konnte geschickt kontern und gewann seinen verlorenen zweiten Rang wieder zurück.
In Runde 28 rollte der finnische Lotus-Pilot Heikki Kovalainen langsam vor sich hin, konnte sein Auto jedoch noch in die Boxengasse fahren, wo dann jedoch das Rennen für ihn zuende war.
Auch Fernando Alonso ist nach einer Berührung mit McLaren-Pilot Jenson Button ausgeschieden. Während Button weiterfahren konnte, blieb Alonsos Ferrari zwischen dem nassen Rasen und einem Randstein stecken; vermutlich ist ihm dann zu allem Überfluss auch noch der Motor abgestorben.
Danach mussten Adrian Sutil (GER) im Force India und Rookie Pastor Maldonado (VEN) im Williams ihre Autos abgestellen.
Nick Heidfeld (GER) im Renault wollte in Runde 55 unbedingt an Kamui Kobayashi vorbei, fuhr dem Sauber-Pilot aber leicht ins Heck und überfuhr danach seinen eigenen Frontflügel. Doch glücklicherweise ging das Rennen für Kobayashi – im Gegensatz zu Heidfeld – weiter.
In den letzten fünf Runden überholte Pechvogel Button – der in diesem Rennen von Crashes und Durchfahrtsstrafen nicht verschont blieb – Red Bull-Pilot Mark Webber (AUS) und Mercedes-Fahrer Michael Schumacher (GER) und kam dem Führenden, Sebastian Vettel, immer näher.
Vettel hatte offenbar mit Bremsproblemen zu kämpfen und rutschte in der letzten Runde ein wenig von der Strecke. Diesen geschenkten Sieg nahm Jenson Button gerne an.
Button nahm Vettel den sicher geglaubten Sieg in der letzten Runde weg. Dahinter folgten Webber und Michael Schumacher auf den Plätzen drei und vier. Schumacher verpasste sein erstes Podium seit seinem Comeback.
Kobayashi rutschte gegen Ende des Rennens ein wenig von der Strecke und Renault-Lenker Witali Petrow (RUS) bedankte sich bei ihm für den fünften Platz. Danach machte der Brasilianer Felipe Massa dem Japaner gehörig Druck. In der letzten Kurve attackierte der Ferrari-Pilot das japanische Talent und es kam zu einem Foto-Finish – die beiden überquerten fast auf gleichauf die Ziellinie. Der Unterschied betrug lediglich 0:00.045 Sekunden!
Für Sauber-Fahrer Kobayashi reichte es also nur für Platz 7 – aber immerhin! Auf den Plätzen acht und neun folgten der wegen seiner schwachen Leistung in die Kritik geratene Jaime Alguersuari (ESP) im Toro Rosso-Ferrari und Williams-Opa Rubens Barrichello (BRA).
Den letzten WM-Punkt schnappte sich Alguersuaris Teamkollege Sébastien Buemi (SUI).
Nico Rosberg (GER) im Mercedes und der Sauber-„Ersatzfahrer“ Pedro de la Rosa (ESP) belegten die Nicht-Punkteränge elf und zwölf.
Das Hispania Racing Team konnte mit dem 13. Platz von Vitantonio Liuzzi (ITA) immerhin die beiden Marussia Virgin-Racer Jerome D’Ambrosio (BEL) und Timo Glock (GER) hinter sich halten.
Jarno Trulli (ITA) im Lotus kam als Sechzehnter noch vor Narain Karthikeyan (IND) im HRT ins Ziel.
Paul di Resta (SCO) im Force India-Mercedes war in der vorletzten Runde in einen kleineren Unfall verwickelt. Er schied aus, wurde jedoch noch als 18. und damit Letzter im Klassement aufgeführt.
Für Sauber war es ein Wochenende mit gemischten Gefühlen. Peter Sauber wird mit einem lachenden und weinenden Auge auf Montreal 2011 zurückblicken. Einerseits ist es schade, dass Sérgio Perez wegen den Crash-Folgen aus dem Monaco-Qualifying nicht starten konnte.
Kamui Kobayashi und Pérez-Ersatzmann De la Rosa hatten zuvor in den Trainings Unfälle und es gab für die Mechaniker einiges zu tun. Ausserdem hatte man sich nach dem Neustart mehr erhofft, als der Japaner Kobayashi eine Zeit lang den zweiten Rang belegte. Andererseits ist das Team mit dem siebten Rang von Kobayashi nach all diesen Zwischenfällen mit einem blauen Auge davongekommen.