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Grabungsarbeiten 2008
Die vierte archäologische Feldkampagne fand vom 26. Juli bis 23. August 2008 statt. Die in diesem Jahr maßgeblich an dem Projekt beteiligten deutsch-indonesischen Wissenschaftler sowie deutsch-schweizerischen Studenten waren Prof. Dr. Dominik Bonatz (Freie Universität Berlin), Sri Mahaini (Balai Arkeologi Palembang), Amardi (Balai Arkeologi Palembang), Dr. Mai Lin Tjoa-Bonatz (Berlin), Sebastian Steiger (Universität Bern), Manfred Tonch (Freie Universität Berlin).
Ziel der diesjährigen Kampagne war im Wesentlichen die fortsetzende und zugleich abschließende Untersuchung der archäologischen Fundplätze im Gebiet von Serampas im Hochland von Jambi. Erforscht wurden hier bereits 2005 die Stätte eines Megalithen aus dem ungefähr 12. Jh. n. Chr. und ein Urnenfeld aus dem 9. bis 10. Jh. n. Chr., sowie 2006 eine befestigte Dorfanlage aus dem 17. bis frühen 19. Jahrhundert n. Chr. Im gleichen Jahr ergab eine Sondage an einem im Rahmen der fortlaufenden Survey-Aktivitäten neu entdeckten Fundort Hinweise für einen womöglich früh datierenden neolithischen Siedlungsplatz. Da es bislang keine direkten Belege für sesshafte Siedlungsplätze aus der Zeit vor den Megalithen im Hochland von Jambi bzw. den Gebieten von Kerinci und Serampas gibt, wurde dieser viel versprechende Fundort nun in diesem Jahr während einer dreiwöchigen Ausgrabung systematisch erforscht.
Ausgrabungen auf dem Bukit Arat
Der Bukit Arat genannte Fundort liegt ungefähr 500 m südwestlich des modernen Dorfes Renah Kemumu. Er erhebt sich als zum Teil künstlich aufgesiedelte Erhebung gleich einer Insel über den Nassreisfeldern im Tal, die das wirtschaftliche Herzstück des Dorfes bilden. Auf den beiden Kuppen des Hügels wurden fünf Grabungsareale (A-E) mit einer Gesamtfläche von 244 m2 angelegt.
In vier der fünf Arealen wurde eine auffallend große Zahl an Obsidianen, vor allem Abschläge, aber auch Klingen, Schlagsteine und Reste von Obsidianknollen gefunden. Der Befund spricht dafür, dass an dieser Stelle Obsidiangeräte produziert wurden, und zwar in einer Anzahl, die weit über den Bedarf einer einzelnen Siedlung hinausgehen dürfte. Für die Existenz einer Siedlung an gleicher Stelle spricht die zahlreich gefundene Keramik, welche allerdings nur in einem Areal (E) die Zahl der Obsidianfunde übertrifft. Es deutet sich damit an, dass die Behausungen, von denen leider keine direkten Spuren nachgewiesen werden konnten, versetzt von den Stätten der Obsidianproduktion, deren Mittelpunkt die beiden Kuppen bilden, lagen. Die Analyse der Obsidiangeräte und -abschläge (ca. 20 kg Fundmaterial wurden zu diesem Zweck nach Deutschland verbracht) verspricht Einsichten in die bislang gänzlich unerforschte Obsidanverarbeitung auf Sumatra.
Die Keramik ist besonders groben Typs, mit reicher mineralischer Magerung und rötlich-oranger Brennfarbe. Schalen und Kochgefäße, letztere häufig stark verschmaucht, bilden das Standrepertoire. Die Wand der Gefäße ist infolge der für die gesamte Region typischen „paddle-and-anvil“- Technik, bei der der „paddle“ (das Schlagholz) mit Schnüren umwickelt wurde, häufig mit Schurabdrücken verziert. Die Keramik ähnelt vor allem der 2005 im Urnenfeld von Renah Kemumu gefundenen Ware, die in das 9.-10. Jh. n. Chr. datiert werden konnte. Allerdings hat die Thermoluminiszenzdatierung von zwei im Rahmen der 2006 durchgeführten Sondage auf dem Bukit Arat gefundenen Scherben für diesen Fundplatz das erstaunliche hohe Alter von 3,700 ± 280 vor heute ergeben, während eine Holzkohleprobe das 14C Datum von 1,160 ± 180 vor heute erbrachte. Mit Hilfe der Analyse weiterer Keramik- und Holzkohleproben, die in diesem Jahr systematisch aus den verschiedenen Grabungskontexten am Bukit Arat entnommen wurden, sollen die Daten abgeglichen und, wenn möglich, ein eindeutiges Ergebnis zur Datierung des Fundortes erzielt werden. Sollte sich das frühe Datum bestätigen, wäre am Bukit Arat die älteste auf Sumatra datierte Keramik zu finden. Aber auch im Fall einer jüngeren Datierung liefert der Fundort einen wichtigen neuen Einblick in die frühesten Siedlungsaktivitäten und, damit verbunden, Prozesse der Sesshaftwerdung im Hochland von Sumatra. Mit ihm schließt sich die Rekonstruktion der Siedlungsgeschichte im Serampas-Gebiet von den Anfängen der Sesshaftigkeit und Agrarwirtschaft über die Phase der Megalithen bis zum Aufkommen befestigter Dorfanlagen in präkolonialer Zeit
Surveyaktivitäten im südlichen Kerinci-Gebiet
Parallel zu den Ausgrabungen am Bukit Arat im Serampas-Gebiet wurden die Survey-Aktivitäten im Gebiet südlich des Kerinci-Sees fortgesetzt. Hier hatten 2003 die ersten Ausgrabungen im Rahmen des Projektes stattgefunden und waren seitdem systematisch Fundorte von Megalithen und andere durch Oberflächenfunde ausgewiesene archäologische Siedlungsplätze kartiert worden. In diesem Jahr konnte ein neuer Megalith nahe von Pulau Sangkar und damit in Sichtweite des Batan Merangin entdeckt werden, womit sich die Gesamtzahl der Megalithen im Hochland von Jambi (Regionen von Kerinci, Serampas und Sungai Tenang) auf 21 erhöht. Der Stein ist annähernd drei Meter lang und weist die für die Kerinci-Region typische konische Form auf. Er ist mit einem geometrisch-figürlichen Relief überzogen, das ikonographisch eng an die Megalithen in Pondok und Lolo Gedang anschließt.
Ein neuer wichtiger Fundort konnte bei Lolo Gedang sondiert werden. Bei der Anlage einer neuen Plantage kamen dort mehre große Keramikgefäße zutage, die soweit erkennbar, mit Beigaben in Form von Keramik und Metallobjekten ausgestattet sind. Folglich handelt es sich um Grabgefäße. In unmittelbarer Nähe weisen Oberflächenfunde von Keramik auf eine ausgedehnte Siedlung.
Kooperationspartner
- Institut für Vorderasiatische Archäologie, Freie Universität Berlin/Deutschland
- Ethnologisches Institut, Universität Bern/Schweiz (Prof. Dr. Heinzpeter Znoj)
- Faculty of Social and Behavioural Sciences, Universität Leiden/Niederlande (Prof. Dr. Reimar Schefold)
- National Research Centre of Archaeology, Jakarta/Indonesien (Dr. Tony Djubiantono)
- Historical and Archaeological Preservation Office, Jambi/Indonesien (Drs. Winston Mambo)
- Faculty of Arts and Social Sciences, National University of Singapore, Singapur (Prof. Dr. John N. Miksic)
- Prof. Dr. Dominik Bonatz, Projektleiter