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Nachdem die vier eigentlichen Bände des Briefwechsels schon einzeln vorgestellt worden sind (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4), soll hier noch eine kurze Darstellung des gesamten, fünfbändigen Werks folgen.
2007 im Wallstein-Verlag erschienen, von Ulrike Leuschner und weiteren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen herausgegeben, ist der Briefwechsel mittlerweile zum Ausgangspunkt einer im selben Verlag, ebenfalls unter der Ägide von Frau Leuschner, erscheinenden Werkausgabe geworden, von der wir hier ebenfalls schon Band 1 und Band 3 vorgestellt haben. (Mehr ist noch nicht erschienen.) Das ist ein verdienstvolles Vorhaben, für das Verlag und Herausgeberin nicht genug gelobt werden können. Merck gehört zu der grossen Zahl im Schatten Goethes stehender Persönlichkeiten, auf deren Namen allenfalls der Germanistik-Student im Grundstudium stösst, deren weitere Betrachtung aber nicht für nötig befunden wird. Weder vom Studenten noch von seinem Professor – schliesslich ist das Studium der postfeministischen Abenteuerliteratur des 21. Jahrhunderts bedeutend interessanter und wichtiger …
Für viele dieser Personen (Riemer, den „Kunscht-Meyer“) mag das sogar richtig sein, aber Merck ist in sich eine sehr interessante Persönlichkeit und gerade die Lektüre des Briefwechsels äusserst empfehlenswert. Der Leser kann die Entwicklung Mercks vom jungen Darmstädter Empfindsamen mit dichterischen Ambitionen über den Literatur- und Kunstkritiker hin zum aufklärerisch orientierten Naturwissenschafter wunderschön verfolgen. Neben der persönlichen steht die Entwicklung seiner verschiedenen Freundschaften, wo dann v.a. Goethe und Wieland, in geringerem Masse Herder, die interessantesten Brennpunkte sind. Und wenn die Briefe nicht ausreichen, gelingt es der Herausgeberin, die Zusammenhänge herzustellen – v.a. auch mit Zitaten von Briefen, die Mercks Briefpartner an Dritte schrieben oder unter sich wechselten. 1’004 Briefe von und an Merck (private, Freundschaftsbriefe, die wenige erhaltene geschäftliche Korrespondenz) sind gleichmässig auf die vier Bände verteilt. Der Anhangband enthält eine kurze Biografie Mercks, dargestellt anhand der Entwicklung seines Verhältnisses zu den wichtigsten Briefpartnern (Goethe, Wieland, Anna Amalia, Carl August unter den wichtigsten der wichtigsten) bzw. Themenkreisen (Geschäfte, Naturwissenschaften und andere).
In ihrem Editorischen Bericht rechtfertigt Ulrike Leuschner auch die ausführliche Kommentierung gewisser Begriffe, die wir schon im ersten Band der Werkausgabe kritisiert haben. Es ist schön zu wissen, dass Frau Leuschner damit ein System verfolgt – nötig wäre es wohl doch nicht gewesen, Standardbegriffe aus der griechischen Mythologie zu erklären. (Dass, nebenbei gesagt, beim Briefwechsel offenbar auch ungenau lektoriert bzw. Korrektur gelesen wurde, stört in solchen Fällen zusätzlich; so, wenn ein- und derselbe Name im selben Brief zweimal mit den Lebensdaten versehen erläutert wird – das Sterbedatum dabei aber nicht übereinstimmt.)
Ansonsten gibt es wenig zu meckern. Die Ausgabe ist schön gestaltet, mit einigen, meist aussagekräftigen Illustrationen versehen. Angenehmes Papier und angenehme Grösse vervollständigen den Lesegenuss.