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Von Personen, welche in der Schweiz dauerhaft wohnen und arbeiten möchten, werden Bemühungen zur Integration vorausgesetzt und eingefordert. Das Staatssekretariat für Migration erwähnt hier «einen entsprechenden Willen der Ausländerinnen und Ausländer» und «es ist erforderlich, dass sich Ausländerinnen und Ausländer mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und Lebensbedingungen in der Schweiz auseinandersetzen und insbesondere eine Landesprache erlernen». Und obwohl bezüglich Einwanderungspolitik nicht mehr von Assimilation, bzw. von Angleichung, sondern von Integration also Eingliederung, gesprochen wird, besteht weiterhin die Tendenz zur Aufforderung der Anpassung im Kontext des alltäglichen Diskurses über Migration. Von einem abgrenzenden und ungleichen Standpunkt aus, indem davon ausgegangen wird, dass Migrantinnen und Migranten nicht die gleichen (schweizerischen) Eigenschaften oder Voraussetzungen mitbringen, werden immer Forderungen nach Assimilation laut. Vor allem dann, wenn das Bleiberecht an die Integrationsbemühungen geknüpft werden. Die Politikwissenschaftlerin und Professorin Maria do Mar Castro Varela erwähnt hierzu in ihrer Streitschrift eine meritokratische Integrationspolitik mit der Idee, wer «gut» integriert ist, dürfe bleiben.
Die Disposition der zur Assimilation Aufgeforderten, muss gleichwertig sein, wie die Disposition der Personen, die sie einfordern. Nur dann gelingt eine Anpassung Diese Forderungen entstehen aus einem Prozess der Abgrenzung oder auch Herabsetzung der fremden Personen. In Europa verbindet man immer noch Migration mit Armut und Kriminalität, sie wird als störend und bedrohlich empfunden Mit der Möglichkeit, Bedingungen zu stellen, geht ein Machtgefälle einher, welches eine ungleiche Disposition der Akteure zur Folge hat. Verschärft wird diese Ungleichheit durch die immer wieder neu definierbaren Spielregeln. Die Zugehörigkeitsgrenze kann erneut verändert werden. Man erlangt zwar die Schweizer Staatsbürgerschaft aber gilt im breiten Diskurs nicht als Schweizerin oder Schweizer, sondern als Schweizerin oder Schweizer mit Migrationshintergrund. Dieser Mechanismus zieht eine unaufhörliche Zugehörigkeitsarbeit nach sich.
Das Konzept der Assimilation zeigt Parallelen zur «Mimikry» Strategie. Diese ermöglicht die Herrschaft über die kolonialisierten Menschen, in der sich die Kolonialisierten den Werten und Normen der herrschenden Kolonisatoren und Kolonisatorinnen unterwerfen. Gleichzeitig kann aber die Anpassung nie wirklich gelingen. Maria do Mar Castro Varela merkt an: «Letztlich zielen auch Integrationspolitiken auf die Produktion von Subjekten, die sich deutsch verhalten, Deutsch sprechen, deutsche Werte und Normen teilen – was immer auch damit gemeint sein soll – und die gleichzeitig nie Deutsche sein können».
Das Ergebnis von integrativen Prozessen ist immer auch eine Vermischung und nicht eine Kopie; «Sprache, Kultur und Verhaltensweisen werden in einer Art Wiederholung mit Differenz übernommen, […]» schreibt Maria Do Mar Castro Varela. Somit wird die migrierte Person in die Lage versetzt erstens sich neu zu erfinden und zweitens entwickelt sie die Fähigkeit, überall auf der Welt zu Hause sein und sich trotzdem den Vorstellungen entsprechend anpassen zu können. Das Konzept der Integration basiert auf Ungleichheit unter dem Deckmantel der Gleichheit und ist dringendst neu zu denken. Maria Do Mar Castro Varela erklärt: «Demokratie ist kein Golfclub. Demokratie heisst, dass alle Menschen das Recht haben, für sich und gemeinsam zu befinden, wie sie miteinander leben wollen»
von: Julia Tamborini
Kommentare
1 Kommentare
Felix Graf
Super Artikel - sehr wichtig, und auch eine Quintessenz aus der Interantionalen Studienwoche in Luzern Ende Januar 2020.
Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.