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Viel Schnee im Süden der Alpen und wenig im Norden: die ungewöhnlichen Witterungsbedingungen des vergangenen Winters brachten den Gletschern im Süden Massengewinne und jenen im Norden Verluste. Insgesamt verloren die Gletscher der Schweiz trotz günstiger Witterungsbedingungen weiter an Masse. Dies berichtet die Expertenkommission für Kryospärenmessnetze der Akademie der Naturwissenschaften am Mittwoch.
Trotz reichlich Schneefall im Herbst 2013 blieb die Schneehöhe bis Weihnachten überall stark unterdurchschnittlich. Dies änderte sich bis Ende Februar 2014 zumindest für den Alpensüdhang dank wiederholter Südstaulagen, wobei 200-300% der normalen Niederschlagssumme erreicht wurde (etwa 2-2.5 m Schnee auf 1500 m Höhe). Die häufigen Föhnlagen führten auf der Alpennordseite und im Mitteland zu milden Temperaturen mit wenig Niederschlag und unterdurchschnittlichen Schneehöhen. An einigen Orten im Mittelland gab es keinen einzigen Schneetag und Locarno hatte etwa doppelt so viele Schneetage (7) wie Zürich (3). Die warmen und eher trockenen Monate März und April führten dann zu einem raschen Abbau der Schneedecke in allen Regionen. Nach einem warmen Juni war es im Juli und August leicht kühler und feuchter als normal. Das führte oberhalb von 3000 m zu wiederholtem Schneefall und damit zu günstigen Bedingungen für die Gletscher. Auf der Alpensüdseite konnten einzelne winterliche Schneereste wegen des kühlen und sonnenarmen Sommers auch unterhalb von 2000 m überdauern.
Die Bestimmung der Massenbilanz (Differenz aus Schneezuwachs im Winter und Schmelze von Schnee und Eis im Sommer) für 15 Schweizer Gletscher ergab folgendes Bild: Für die Gletscher im südlichen Wallis und im Engadin (Findelengletscher, Vadret dal Murtel) ergaben sich leichte Massengewinne (Dickenzunahme von 10 bis 50 cm im Mittel über die gesamte Gletscherfläche), wohingegen die untersuchten Gletscher am nördlichen Alpenhauptkamm moderate Verluste von 40 bis 90 cm zeigten. Im Nordosten der Schweiz (Silvrettagletscher, Pizolgletscher) wurden jedoch Dickenverluste von über 1 m beobachtet. Die Asymmetrie der Massenbilanzen zwischen Alpennord- und Alpensüdseite ist eine direkte Folge der Witterungsbedingungen. Trotz geringem Massenzuwachs in einigen Regionen und den für Gletscher eher günstigen Witterungsbedingungen verloren die Gletscher an Masse. Auf sämtliche Gletscher der Schweiz übertragen ergibt sich ein Massenverlust von etwa 300 Millionen Kubikmetern oder 0.6% des geschätzten Gesamtvolumens an Gletschereis. Seit 2002 gab es nur im Jahr 2013 eine ähnlich geringe Gletscherschmelze. Zwei mässig negative Jahre hintereinander bedeuten allerdings noch keine Trendumkehr, da die Massenverluste auch diesmal beträchtlich waren.