Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/3565

Ernst legt Ernst auf Ernsts Futon. Hofft Ernst nach Ernsts Zweikampf im Liegen zu neuen Kräften zu kommen oder ist Ernst einfach motzig & brummig? o que fazer?
0 Ernst wendet Ernst hin und wendet Ernst her
0 Ernst dreht Ernst auf Ernsts Rücken
0 Ernst legt Ernst auf Ernsts linke Seite
x Ernst entspannt Ernst auf Ernsts Bauch
0 Ernst legt Ernst auf Ernsts rechte Seite
Ernst kann Ernst lange für nichts entscheiden, ist doch jede Situation gleich gnadenlos und unerbittlich. Dann plötzlich: die Bauchlage! Aber Ernsts Futon ist zu wenig bodyfriendly. Springt Ernst deshalb auf? Fact ist: Ernst macht Ernst einen Tee und geht (wie so oft in letzter Zeit, in dieser Stimmung) auf Ernsts Balkon.
Wie Ernst die Wolken betrachtet, die als Badeschaum und Zuckerwatte vorüberziehen, überlegt Ernst, wie die Welt ohne Ernst aussähe. Würden die Sonnwendkäfer weniger geheimnisvoll leuchten? würde Frater Felix keine Holunderconfitüre mehr machen? und wenn die Posaune des Jüngsten Gerichts verklungen und der letzte Mensch gerichtet ist? würde der Scorpion nicht mehr aufgehen? und der Fluss? rauschte nicht mehr? und die Vulcane und die Drachen? würden nie wieder Feuer speien?
Ah-tá!
Ernsts Balkon wird allein zerfallen, der Totenkopf mit der Warnung ‹Das Berühren der Drähte ist tödlich› wird allein verrosten und das Nordlicht wird auch in einer menschleeren Welt mit seinen meergrünen Farben spielen.
Aber da ist noch etwas: Sofern die Welt auch ohne die Menschen weiter existieren sollte, wo bleibt dann der Sinn? Wie oft hat Ernst die Augen gesehen, die Ernst entrüstet anstarrten, wenn Ernst es wagte, nur schon den Verdacht der Sinnlosigkeit[1] anzutönen? Eine Kastanienschale springt auf, Schneekristalle glitzern, eine Rosa damascena blüht, ein Papagei erinnert sich an seinen Herrn und krächzt ‹Grüezi René› – macht das mehr Sinn, wenn es jemand bezeugt? Diese Gedanken sind für Ernst ⅓ beunruhigend, ⅓ tröstlich und ⅓ ernüchternd. Und wie nun Ernsts Teetasse, Ernsts Espadrilles, Ernsts Bauch und Ernsts rechtes Handgelenk, dann Ernsts linkes Handgelenk von der Nacht vereinnahmt werden, dämmert es Ernst, dass die Welt –
Leider? kann Ernst den Satz nicht zu Ende denken, denn justgenauda erinnert Ernst Ernst an die Holunderconfitüre, die Frater Felix heute Morgen gebracht hat. Ernst geht in Ernsts Küch’, steckt Ernsts Zeig’finger ins Glas, begutachtet die Consistenz und steckt Ernst Ernsts Zeig’finger in Ernsts Mund. Mh! Dann betrachtet Ernst Ernsts schwarzviolette Zunge in Ernsts Handspiegel und ruft con dolcezza: «Excellent!»
(Ernst wiederholt das Holunderritual insgesamt dreimal. Wie Ernst zum dritten Mal ‹mh› macht und ‹excellent› ruft, erinnert Ernst Ernst an die Exceltabellen[2] und sagt con dolore: «Schade, dass dieser RS nicht mehr dabei ist! Ein Knäck’brot mit schwarzvioler Holderconf’ – weh dem, der da noch widerstehen kann!»)
[1] Hans Blumenberg, Die Sorge geht über den Fluss, Der Sinnlosigkeitsverdacht
[2] Episode 65