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Kloten spielt den Final gegen Ajoie. Beide sind aufstiegsberechtigt. Und doch ist noch keineswegs sicher, dass es einen Aufsteiger geben und die National League nächste Saison 13 Teams haben wird.
Ajoie siegte in Langenthal ohne seinen offensiven Leitwolf Jonathan Hazen gleich 5:1. Nun folgt ab dem nächsten Sonntag der Final gegen Kloten. Die Zürcher siegten in Olten 2:0.
Wahrscheinlich hat der verletzungsbedingte Ausfall von Jonathan Hazen Ajoie in diesem ganz besonderen Fall sogar geholfen: Die Mannschaft konzentrierte sich auf sorgfältige Defensivarbeit. Topskorer Philip-Michaël Devos verwandelte sich in einen schlauen Defensivstürmer und legte Langenthals beste Formation um Dario Kummer an die Kette. «Die Rechnung war einfach», sagt Ajoies Trainer Gary Sheehan. «Wenn es Devos gelingt, die beste gegnerische Linie zu neutralisieren, dann wird es reichen.»
Diese erfolgreiche Umstellung von einer offensiven auf eine defensive Schlüsselrolle zeigt: Philip-Michaël Devos ist mit ziemlicher Sicherheit der smarteste Spieler der Swiss League.
Jonathan Hazen wird voraussichtlich im ersten Finalspiel in Kloten wieder dabei sein. Garry Sheehan sagt: «Wäre es am Freitag zu einem 7. Spiel gegen Langenthal gekommen, dann hätte er mit ziemlicher Sicherheit wieder gespielt. Jetzt kann er das Knie wieder so weit durchbiegen, dass ein Einsatz am Sonntag in Kloten möglich sein sollte.»
Der «Linienzwilling» von Philip-Michaël Devos war kurz vor Schluss der 4. Partie am letzten Samstag in Langenthal (Ajoie siegte 6:2) nach einem Check aus dem Gleichgewicht geraten, blieb mit dem Schlittschuh in einer Eisrille hängen und verletzte sich am Knie.
Der Finaleinzug ist ein weiterer Triumph für Gary Sheehan (56). Der eingebürgerte Kanadier arbeitet seit 1991 in verschiedenen Funktionen in der Schweiz. Er hat 2008 und 2009 schon La Chaux-de-Fonds in den Final geführt. 2016 gewann er mit Ajoie die Swiss League und 2020 den Cup. Ein smarter Taktiker, geduldiger Ausbildner und eine temperamentvolle, charismatische Führungspersönlichkeit.
Die Lizenzkommission hat Kloten und Ajoie geprüft und die Bewilligung zum Aufstieg erteilt. Beide Klubs haben die Aufstiegsvereinbarung unterschrieben. Der Finalsieger wird also nächste Saison der 13. Klub der National League sein.
Oder doch nicht? Einer der Trainer der Teams mit Aufstiegsbewilligung (Olten, Visp, Ajoie, Kloten) – welcher ist unerheblich - hat kürzlich gesagt: «Kein Klub der Swiss League hat in der National League etwas verloren. Weder finanziell und schon gar nicht sportlich.»
Der Transfermarkt ist längst leergefegt. Der Aufsteiger kann sich auch nicht beim Absteiger «bedienen». Weil es ja diese und nächste Saison keinen gibt. Der kurzen Freude über die Promotion könnte in Kloten oder in Ajoie im rauen Alltag der National League eine lange Reue folgen.
Gewinnt Kloten den Final, werden die Zürcher aufsteigen. Aber wird im Falle eines Falles auch Ajoie aufsteigen? Offiziell ja. Die Aufstiegsvereinbarung ist unterschrieben. Also gibt es keinen Weg zurück.
Doch Liga-Manager Denis Vaucher macht nun eine überraschende Aussage: «Jede Vereinbarung kann man auflösen». Und präzisiert: «Ein Team kann auf den Aufstieg verzichten, muss die Aufstiegsvereinbarung aber auflösen, bevor die sportliche Entscheidung im Final gefallen ist. Dann zieht der Verzicht auf den Aufstieg keine Sanktionen nach sich.»
Donnerwetter! Das bedeutet: Will Ajoie doch nicht aufsteigen, dann kann Präsident Patrick Hauert rechtzeitig vor dem entscheidenden Spiel um den Titel einfach das Handtuch in den Ring werfen.
Ajoie ist bereits zweimal in die höchste Liga aufgestiegen. 1988 und 1993. Nach dem Abstieg von 1994 folgte der Sturz in die sportliche und finanzielle Krise bis hinunter in die 1. Liga. Erst 2000 ist Ajoie in die NLB (heute Swiss League) zurückgekehrt und hat sich in der zweithöchsten Liga unter der Führung von Patrick Hauert zu einem sportlichen und wirtschaftlichen Musterunternehmen mit einer sehr guten Infrastruktur entwickelt (seit dieser Saison eine neue Arena).
Wollen Ajoie oder Kloten in der National League nächste Saison als Aufsteiger konkurrenzfähig sein und mehr wollen als nur hin und wieder das inzwischen auf sportliches Swiss-League-Niveau abgemagerte Langnau besiegen, müssen sie praktisch das Budget verdoppeln. Bei Lichte besehen ist das unter den nach wie vor schwierigen Verhältnissen in Zeiten der Virus-Krise nicht möglich.
Der Aufsteiger kann allerdings auch auf Verstärkungen verzichten und einfach mit einem Swiss-League-Team (aber mit vier statt zwei Ausländern) in der höchsten Liga antreten. Kein Problem. Es steigt im Frühjahr 2022 niemand ab. Die Relegation ist auch für nächste Saison ausgesetzt.
Macht das Sinn? Keine Frage: In einzelnen Spielen sind Ajoie oder Kloten dazu in der Lage, an einem guten Abend jedes Team der National League zu besiegen. Ajoie hat 2020 den Cup gewonnen und dabei Lausanne, die ZSC Lions, Biel und Davos gebodigt.
Aber eine ganze Saison in der höchsten Liga mit 52 Spielen dürfte beim Liga-Neuling wegen fehlender Kadertiefe (zu wenig ligafähige Spieler) zu einer Überbeanspruchung der Kräfte und sportlicher Überforderung führen. Und wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer kommen noch, wenn schon im Januar beim Tabellenletzten klar ist, dass es nicht einmal für die Pre-Playoffs reicht und es sportlich um rein gar nichts mehr geht?
Die Swiss League ist eine der besten zweiten Ligen der Welt. Sie hatte zuletzt, als die Stadien noch offen waren, nach den zweithöchsten Ligen in Schweden und Deutschland die höchsten Zuschauerzahlen.
Das sportliche Niveau ist sehr gut. Eine gute Swiss League-Partie ist spektakulärer und unterhaltsamer als ein durchschnittliches Spiel in der obersten Liga. Weniger taktische Schablonen, mehr spielerische Freiräume. Und die Partien der laufenden Playoffs sind von erstaunlicher Intensität.
Macht es Sinn, dieser gut funktionierenden Liga diese und nächste Saison durch einen Aufstieg zwei attraktive Teams zu entziehen und dafür die höchste Spielklasse von 12 auf 14 Mannschaften aufzublähen?
Nein, das macht keinen Sinn. Es ist sportlicher und wirtschaftlicher Irrsinn.
2021 und 2022 auf einen Abstieg aus der National League zu verzichten, um «Notinvestitionen» im Kampf um den Liga-Erhalt zu vermeiden (die Klubs sozusagen vor sich selbst zu schützen), ist gut gemeint. Aber weil nicht auch der Aufstieg ausgesetzt worden ist, gilt wieder einmal: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.