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Aus der Traum: Die Schweizer Handballer fahren nicht an die Weltmeisterschaft. Sie sind im WM-Playoff an Polen gescheitert.
In Olten besiegten die Schweizer die Osteuropäer am Sonntag zwar 26:25, die im Hinspiel erlittene 19:23-Niederlage wog jedoch zu schwer. Um den im polnischen Radom eingehandelten Rückstand wettzumachen, hätte es einen ausserordentlichen Effort gebraucht.
Effizient hätte die Equipe von Trainer Arno Ehret spielen müssen, um einen zweiten Coup im Stil der letztjährigen EM-Qualifikation zu erreichen und sich für die Endrunde im Januar in Portugal zu qualifizieren. Und ein Mindestmass an Cleverness wäre ebenso unabdingbar gewesen.
"Wäre, hätte, würde ..."
Aber der Konjunktiv belegt im Vokabular der Schweizer Sportgemeinde erfahrungsgemäss einen prominenten Platz -- wäre, hätte, würde... Am Ende der nicht hochklassigen, aber im Höchstmass intensiven, in den finalen Minuten aus Schweizer Optik betrachtet gar dramatischen Partie blieb den Gastgebern einmal mehr der Ärger, selbst beste polnische Offerten nicht angenommen zu haben.
Dabei hatte sich die Konstellation günstig entwickelt. Das für die tadellos kämpfenden Schweizer unangenehm lange ausgeglichene Skore (44.) änderte sich zu Beginn der letzten Viertelstunde in positive Richtung. Innerhalb von nur sechs Minuten gelangen dem für den wirkungslosen Marc Baumgartner eingewechselten Aufbauer Thomas Gautschi vier Treffer. Damit ermöglichte er den Schweizern praktisch im Alleingang ein komfortables 24:20.
Geschenke verteilt
Wer nun glaubte, den in jener Phase wankenden Polen würde ihre Reserve endgültig entgleiten, irrte. Mitten in der allgemeinen Euphorie verloren die Schweizer die Übersicht, leisteten sich fatale Unzulänglichkeiten, "verteilten unglaubliche Geschenke", wie es Ehret in seiner späteren Ursachenforschung formulierte.
Severin Brüngger vergab zwei so genannte "Big Points", der ansonsten starke Flügel Sven Zbinden spielte den Ball einem Polen in die Hände, Iwan Ursic und Thomas Gautschi verschossen.
Eigentlich logisch
"Wir führen mit vier Toren Differenz, der Gegner ist verunsichert und dann lassen wir uns von der Hektik anstecken", ärgerte sich Ehret über das Fehlverhalten seiner Spieler in jener wegweisenden Phase. "Wer sich solche Gelegenheiten entgehen lässt, wie wir das getan haben, der qualifiziert sich nicht für eine WM. Das entbehrt nicht einer gewissen Logik", urteilte er.
Die Summe der Fehler sei insgesamt einfach zu hoch gewesen, so Ehret, um ein Team von "international vernünftiger Qualität" zu eliminieren. Der Schweizer Coach liess auch die sehr dürftige Quantität in seinem Kader (zu Recht) nicht unerwähnt. "Ich hätte Kostadinovich gerne mal 20 Minuten Pause gegönnt", seufzte Ehret, "aber wen hätte ich für ihn denn bringen können"?
Während die wesentlich breiter besetzten und beweglicheren Polen den Ausfall von Shooter Marcin Lijewski (sah in der 43. Rot) problemlos verkrafteten, fehlten Ehret schlicht die Alternativen. Diese bittere Erkenntnis ist weder neu, noch wird sie sich in näherer Zukunft auch nur ansatzweise verändern.
Torhüter ungenügend
Von der allgemeinen Kritik sind auch die Torhüter Simon Osterwalder und Antoine Ebinger nicht auszuschliessen. Weder Osterwalder, der beim Hinspiel geglänzt hatte, noch Ebinger strahlten Ruhe aus. Im einen oder anderen Fall fehlte das Glück, vielfach war es eine Frage der Klasse. "Ich hätte in der ersten Halbzeit drei, vier Bälle unbedingt halten müssen", bemerkte Osterwalder nach seinem (letzten?) Einsatz.
swissinfo und Sven Schoch (Si), Olten