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27. Peter II. von Wolhusen
Peter II. von Wolhusen (1376-1386 oder 1387)481 Das Geschlecht der Freiherren von Wolhusen hatte dem Stifte in Seliger bereits einen Abt gegeben. Abt Peter hatte eine Schwester, Beatrix, die von 1358-98 Äbtissin des Fraumünsters war. Deshalb erscheint Abt Peter 1385 auch als Zeuge in einer von ihr ausgestellten Urkunde482. Im Kloster erscheint er erstmals 1356 in dem von Heinrich von Ligerz aufgestellten Katalog. Damals bekleidete er noch kein Amt, war also noch jung.
Schon 1360 aber bekleidete er nicht weniger als drei Klosterämter, was natürlich durch die geringe Anzahl der Konventsmitglieder bedingt war. Er war Kantor, Kustos und Kämmerer zugleich. Als Kämmerer erwarb er 1360 und 1363 einige Leibeigene in Eschenz, das zum Kammeramte gehörte483 ; ebendort sorgte er für die Bevogtung eines Ruedi Bachmann484. Mit Bürgermeister und Rat von Überlingen ging er 1360 eine «Richtung» ein in einer nicht näher bezeichneten Streitsache485 ; mit St. Katharinenthal unterhandelte er den 13. Mai 1361 wegen der Hinterlassenschaft eines Gotteshausmannes486. Ungefähr ums Jahr 1364 erscheint Peter für den Propst von Fahr, Rudolf von Pont, als Stellvertreter daselbst; Rudolf hatte nämlich zugleich noch die Propstei St. Gerold inne487. Als Propst Rudolf 1372 oder 73 starb, folgte ihm Peter als Propst in St. Gerold nach, wo er das erste Mal den 12. Juli 1373 urkundlich erscheint488. In St. Gerold bemühte er sich vor allem um die Instandstellung der dortigen Gebäulichkeiten. Die Mühle baute er 1373 neu auf, im folgenden Jahre ließ er die St. Antoninskappelle und das Helmhaus, d. h. Vorzeichen der Kirche ausmalen und im Jahre darauf den St. Katharinenaltar erstellen. Auf dem Egg baute er ein Haus und auf Quadrätsch eine Scheune. Er verbesserte auch die Wege, die Rebberge, ließ 1376 im Gotteshause alle Fenster verglasen und auch ein neues Meßbuch schreiben, in das er die eben erwähnten Arbeiten eintrug489. Peter war Propst in St. Gerold bis zu seiner 1376 erfolgten Wahl zum Abte.
Kurz nach dem Regierungsantritt des Abtes Peter brach das große abendländische Schisma aus (1378). Der Gegensatz zu den Herzögen von Österreich bewog die eidgenössischen Orte, sich auf die Seite des römischen Papstes Urban VI. zu stellen, da Österreich zum Gegenpapst Clemens VII. hielt. Abt Peter fand es, bei der Stellung der Schirmvögte, ratsamer, mit den benachbarten Schwyzern zu gehen. Schon um 1381 beauftragte ihn Papst Urban VI., für die Wahrung der Rechte der Abtei St. Gallen besorgt zu sein; Peter allerdings subdelegierte den Abt Heinrich von Rüti, der sich der Angelegenheit weiter annahm490. Papst Urban VI. nahm auch den 10. Oktober 1386 alle Personen und Güter des Stiftes in seinen Schutz491. Wenige Tage später, 16. Oktober, bestätigte er dem Stifte alle seine Privilegien und Freiheiten492. Schon vorher hatte übrigens der Kardinallegat dieses Papstes, Pileus, am 3. Mai 1380 alle Urkunden, die das Stift rechtmäßiger Weise von Bischöfen erhalten hatte, bestätigt493. Diese Bestätigung betraf vor allem die Inkorporationsurkunden der verschiedenen Kirchen (Ettiswil, Brütten, Ufnau, Stäfa und Eschenz), um die Abt Peter den 29. März 1377 schon ersucht hatte. Von der Pfarrei Oberkirch-Kaltbrunn, deren Patronat Einsiedeln schon lange besaß, bezeugte Bischof Heinrich III. 1381, daß er sie schon lange dem Stifte inkorporiert habe; eine solche Urkunde hat sich freilich nicht mehr erhalten. Wegen der Inkorporation der Pfarrei Stäfa setzte es größere Schwierigkeiten ab; denn erst 1378 resignierte der bisherige Inhaber dieser Pfründe, sodaß Einsiedeln erst von da an der 1362 verfügten Inkorporation teilhaftig wurde494. Wegen der von dieser Pfarrei zu zahlenden Quart konnte man sich erst 1382 mit dem Konstanzer Domkapitel einigen495. Aus einer Urkunde vom 1. Juli 1379 erfahren wir, daß Einsiedeln das Patronat über die Kapelle Maria-Zeil bei Sursee innehatte496. In Freienbach wurde die dortige Kirche unter Pfarrer Schwarz vergrößert; Bischof Heinrich weihte sie den 20. Mai 1379 neu497. Der Kirche erwarb der Pfarrer Haus und Hof für die Sigristenpfründe498. Auf sein Ableben hin stiftete dieser verdiente Pfarrherr eine Jahrzeit auf der Ufnau499. In Einsiedeln selber stiftete Abt Peter die sogen. Mittelmesse auf dem Apostelaltar500.
Unter Abt Peter nahm die Wallfahrt einen starken Aufschwung. Die Basler Annalen wollen sogar zum Jahre 1380 berichten, daß in diesem Jahre über eine Million Pilger hergekommen seien501. Unter den Pilgern treffen wir auch die sei. Dorothea von Montau (geb. 1347 zu Montau bei Marienwerder in Preußen); sie kam 1384 und 1385 nach Einsiedeln, wo sie sich jeweilen länger aufhielt502. Die Stadt Rapperswil gelobte 1385, als sie von den Zürchern und Glarnern bedrängt wurde, alljährlich eine Wallfahrt zu unternehmen (jeweilen nach St. Ulrich, 4. Juli), was heute noch innegehalten wird. Als Bischof Heinrich III. 1382 über Weihnachten in Zürich weilte, besuchte ihn Abt Peter daselbst und ließ von ihm die Engelweihebulle vidimieren503.
König Wenzel bestätigte den 23. April 1380 Abt Peter alle Rechte und Freiheiten des Gotteshauses, vor allem auch das Asylrecht504. Schon vorher hatte der Schirmvogt des Klosters. Herzog Leopold von Österreich, den 19. März 1377 Abt und Stift seines Schutzes versichert505. Das Jahr zuvor hatten die Herzöge die Vogtei über Einsiedeln, die sie den Gebrüdern Langhart verpfändet hatten, wieder eingelöst. Doch schon 1378 war sie wieder an die Grafen Donat und Diethelm von Toggenburg verpfändet506. Um die Herrschaft der Habsburger stand es in dieser Zeit im Gebiete der Eidgenossen immer schlimmer: alles drängte zu einem gewaltsamen Konflikt, der denn auch bald im sogen. Sempacherkrieg sich auslöste. Auch Abt Peter fühlte offenbar, daß von dieser Seite wenig mehr zu hoffen sei und ging darum den 10. Januar 1386 mit der Stadt Zürich ein Burgrecht wegen der Feste Pfäffikon ein507. Möglicherweise hatte schon Abt Anselm ein Burgrecht mit Zürich eingegangen: sicher ist, daß 1316 ein solches bestand, das aber Abt Johannes aufzugeben sich gezwungen sah508; eine Erneuerung fand offenbar nicht mehr statt. Das Burgrecht von 1386 wurde indessen nur auf zehn Jahre geschlossen. Mit dem Bürgerrecht wurde der Abt zugleich auch Mitglied der Constafel.
Diese Schritte konnten indessen nicht verhindern, daß die Stiftsgüter, die im Aargauer- und Luzernergebiet schon 1375/76 durch den Einfall der Gugler gelitten hatten, in den Kämpfen und Fehden, die im Sempacher- und Näfelserkrieg vorfielen, stark geschädigt wurden. Darum mußte auch Abt Peter zu Veräußerungen seine Zuflucht nehmen, um sich der Schulden erwehren zu können. So veräußerte er 1378 Güter und Einkünfte in Sursee509, 1379 ein Gut in Friesenschwand bei Schindellegi510, 1380 fünf Juchart Reben in Höngg an Ulrich Zoller in Zürich511. - Die Gesamteinkünfte des Stiftes waren gegenüber der letzten Schätzung (zwischen 1360/70) sich ziemlich gleich geblieben: sie betrugen anläßlich einer bischöflichen Steuererhebung im Jahre 1379 256 Mark512.
Im Gotteshause Fahr regelte Abt Peter unterm 5. Januar 1380 das Verhältnis zwischen Propst und Konvent513. Am 11. Januar bestätigte Bischof Heinrich diese Verfügung. Gleichzeitig schenkten Abt und Propst dem Kloster einen Weinberg am Sparenberg514. Die Vogtei über dieses Gotteshaus verlieh der Abt den 10. März 1379 dem Johannes Pfung und seinen Söhnen in Zürich515, der sie aber schon bald an Konrad Neisledler und seinen Sohn, ebenfalls in Zürich, weitergab, was Abt Peter den 21. März 1380 bestätigte516. Als Abt beurkundete Abt Peter auch noch einige Geschäfte, die unter ihm als Pfleger daselbst vorgefallen waren517. In St. Gerold, wo er ja ebenfalls gewesen war, ließ er das dortige Hofrecht im Jahre 1377 neu aufzeichnen518. Die Vogtei über St. Gerold hatte damals Graf Rudolf III. von Montfort-Feldkirch inne, dem sein Sohn Rudolf IV. nachfolgte519. Über die in der Grafschaft Sargans seßhaften Gotteshausleute empfing Graf Johannes von Werdenberg-Sargans 1383 die Vogtei. Dieser befreite auf Lebzeiten des Abtes das Gotteshaus vom Zoll innert seinem Gebiete520.
Aus der Zeit unseres Abtes stammt auch die erste noch erhaltene Einsiedler Chronik, die Frater Georg von Gengenbach, der wahrscheinlich ein Dominikaner war, den 15. März 1378 vollendete521. Davon, daß Abt Peter eigene Münzen (Brakteaten) schlagen ließ, kann heute nicht mehr die Rede sein; die irrtümlicherweise ihm zugeschriebenen Brakteaten gehören nach Freiburg i. Br.
Abt Peter starb den 23. April, wie das Fahrer Totenbuch522 und die Fragmente incerta523 haben; das Nekrologium der Fraumünsterabtei gibt den 22. April524. Das Jahr steht nicht fest; da er aber zum letzten Mal den 10. Januar 1386525, sein Nachfolger aber erstmals den 14. August 1387 urkundete526, so muß er entweder 1386 oder 87 gestorben sein. Von einem Verzicht auf die Abtei, von dem spätere berichten, ist nichts bekannt.
Von Abt Peter sind zwei Siegel bekannt. Das erste, spitzoval, zeigt einen sitzenden Abt mit segnender Rechten, in der Linken den Stab haltend. Oben ist das Klosterwappen, unten das Familienwappen, das eine doppeltürmige Burg aufweist. Legende: «S. PETRI. ABBATIS. MON. LOCI. HEMITARVM.» - Das zweite zeigt unter einem reichen gotischen Baldachin die gleiche Gestalt des Abtes. Die beiden Wappen sind seitwärts angebracht. Legende: «S. DNI. PET. ABB. MONASTERIL LOCI. HEREMITER.»527. Was bei dem Klosterwappen besonders auffällt, ist der Umstand, daß über dem Rücken des Raben sich ein Kreuz findet; dieser Umstand gab auch Veranlassung, dem Abte die oben erwähnten Brakteaten zuzuschreiben, weil sich auch hier über dem Rücken des dargestellten Vogels (Taube?) ein Kreuz findet528.