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Weise Art und Weise
Sie sucht einen Maulkorb und er würde ihr gerne einen verpassen
Steven Schneider: Schreiber redet nur noch von Hunden. Ungefragt tischt sie mir ihr angelesenes Fachwissen auf sowie die sagenhaften Fortschritte von Pippo, dem Welpen ihres Bruders in München. Denkt sie wirklich, ich wolle wissen, dass Pippo letzte Nacht für Pipi nur zwei Mal draussen war?
Und nun Italien! Schreiber redet so gut Italienisch wie ich Suaheli, mit dem Unterschied, dass ich mit niemandem Suaheli spreche, sie aber mit meiner Verwandtschaft italienisch. Und weil die so nett sind, tun sie, als ob sie was verstünden.
Bocca cesta! Maul Korb. Solch eine wörtliche Übersetzung bringt nur Schreiber fertig! Ich verziehe mich ins Arbeitszimmer und schaue die korrekte Bezeichnung für Maulkorb nach: «Muserola». Aha! Und da ich schon am Computer sitze, recherchiere ich. Tatsächlich: Hundehalter müssen in Italien einen Maulkorb mitführen. So ein sinnloses Gesetz - vermutlich sitzt im Parlament ein Maulkorbhersteller. Wenn schon wäre es gescheiter, wenn jeder Hund in Italien ein Herrchen hätte. Das Telefon klingelt. Meine Tochter ruft: «Papi, Zia Ida für dich!»
Ich nehme den Hörer, Zia Ida legt los: «Auguri! Wie heisst das Hündchen? Ich freue mich so!»
Sybil Schreiber: Nach dem Mittagessen trinken Schneider und ich Kaffee auf der Veranda. Er liest die Zeitung.
Ich: «Wusstest du, dass Hunde einen Pass brauchen?»
Er starrt aufs Papier.
«Und dass Hunde in Italien einen Maulkorb tragen müssen?»
Jetzt blickt er auf: «Wir leben in der Schweiz.»
«Ich weiss, aber wenn wir Zia Ida im Friaul besuchen, muss der Hund an den Maulkorb gewöhnt sein.»
«Erstens ist mir in Italien noch nie ein Hund mit Maulkorb begegnet - und zweitens haben wir keinen Hund!»
«Aber wenn wir einen hätten, dann müssten wir ...»
«... dann müssten wir eben auf Ferien in Italien verzichten!» Er raschelt mit der Zeitung. Unglaublich! Ihn interessieren die Wünsche seiner drei Liebsten weniger als das Weltgeschehen! Also schreite ich als Sehnsuchtserfüllerin unserer Familie zur Tat und rufe Schneiders Tante in Italien an. Zia Ida freut sich, von uns zu hören. Als ich «piccolino caniolino» sage, also Hündchen, kreischt sie vor Begeisterung. Dann radebreche ich: «Bocca? Cesta? Si o no?» Mund? Korb? Ja oder nein?
Zia Ida versteht vielleicht nichts und legt nach einem «Saluti a tutti» auf. Aber von der Veranda her kommt Gelächter. Prima! Schneider hört mit. Also interessiert es ihn doch!
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