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| Athanasius (295-373) - Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii)

44. Kapitel. Der Zustand der Klöster des Antonius.
Alle freuten sich über die Unterweisung des Antonius; bei den einen wuchs die Liebe zur Tugend, bei den anderen verschwand die Nachlässigkeit, bei den dritten hörte die Einbildung auf. Alle ließen sich überreden, die dämonische Nachstellung zu verachten, und sie bewunderten die dem Antonius vom Herrn verliehene Gnade der Erkenntnis der Geister. In dem Gebirge lagen die Klöster wie Zelte voll göttlicher Chöre, die Psalmen sangen und sich der Lesung der Schrift befleißigten, die fasteten und beteten, die sich freuten [S. 732] über die Hoffnung auf die Zukunft, die arbeiteten am Werke der Barmherzigkeit, die Liebe und Eintracht pflegten untereinander. Es war das alles in Wahrheit anzusehen wie ein Reich für sich, voll Gottesfurcht und Gerechtigkeit. Hier gab es niemand, der Unrecht tat oder litt, man wußte nichts von dem gehässigen Treiben der Steuereinnehmer;1 es war eine Schar von Asketen, und die Gedanken aller waren auf eines allein gerichtet, auf die Tugend. Wenn einer die Klöster sah und die Haltung der Mönche, dann mußte er ausrufen und sagen: "Wie schön sind deine Häuser, Jakob, und deine Zelte, Israel! Wie schattige Täler und wie ein Lustgarten am Flusse, wie Zelte, die aufgestellt hat der Herr, und wie Zedern am Wasser".2
1: Vgl. Hi 3,18; 39,7. Zu dieser Vorstellung des Idealstaates, die hier durchschimmert, vgl. Pöhlmann, Geschichte des antiken Kommunismus und Sozialismus Bd. II S. 18 (Das Wunschland in Fabel und Komödie. Vgl. Chrysost. hom. 8 in Mt 5).
2: Num 24,5.6.