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Vor neun Jahren hat das Stimmvolk die Überbauung Viererfeld abgelehnt. Ist eine Neuauflage des Vorhabens gerechtfertigt?
Ich bin mir nicht sicher. Offenbar haben sich die Meinungen seit der letzten Abstimmung geändert und die Opposition gegenüber einer Überbauung ist heute nicht mehr so stark. Zumindest scheinen alle Stadtratsparteien eine Überbauung zu befürworten. Aber mich persönlich stört es, dass die Stadt grundsätzlich davon ausgeht, dass die Bevölkerung heute hinter einer Überbauung steht.
Mit der Überbauung des Mittel und Viererfeldes kann die Waldstadt verhindert werden...
Meiner Meinung nach hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Die Waldstadt ist meiner Einschätzung nach aus rechtlichen, finanziellen Quartierentwicklung und anderen Gründen sowieso nicht realisierbar. Und mir leuchtet die Begründung der Stadt, weshalb unbedingt gebaut werden muss, noch nicht ein.
Von Seiten der Stadt wird oft argumentiert, dass sich eine Überbauung des Mittel- und Viererfeldes aufgrund der Nähe zum bestehenden Quartier anbietet. So könne einer weiteren Zersiedelung des Landes entgegen gewirkt werden und die neue Siedlung könne von der bestehenden Infrastruktur profitieren.
Diesem Argument kann ich nicht ganz folgen. Denn mit der Überbauung des Mittel- und Viererfeldes kann keine einzige Überbauung irgendwo im Grünen gestoppt werden. Es besteht für keine Gemeinde eine Verpflichtung, ihre Bauzonen aufgrund einer Umzonung in der Stadt zu verkleinern. Ich sehe im Gegensatz dazu das Bedürfnis der Stadtbevölkerung, etwas Grünraum für die Erholung in Quartiernähe zu haben. Und was den Ausbau der Infrastruktur betrifft, bin ich nicht sicher, ob es ausreicht, einfach die Frequenz des Bremgartenbusses zu erhöhen. Was heisst eine neue Siedlung für die Schulen, wie ist es mit Einkaufsmöglichkeiten und weiterer Infrastruktur? Dazu haben die Fachleute der Stadt bisher nicht viel gesagt.
«Es besteht für keine Gemeinde eine Verpflichtung, ihre Bauzonen aufgrund einer Umzonung in der Stadt zu verkleinern.»
Konrad Guggisberg
Die Planung der Stadt sieht vor, dass 50 Prozent der Fläche frei bleibt für eine öffentliche Nutzung...
Das finde ich grundsätzlich gut. Am Runden Tisch wurde zum Beispiel auch der Wunsch nach einem Park geäussert. Man muss aber sehen, dass in diesen 50 Prozent die bestehenden Familiengärten und der Fussballplatz bereits enthalten sind. Für die Gestaltung eines Parkes bleibt effektiv nicht mehr viel übrig. Ich finde es schade, dass man die Gestaltung eines Parkes nicht stärker ins Zentrum der Planung rückt.
Die Planung der Stadt ist ehrgeizig. Die Testplanung ist bereits abgeschlossen. Von Oktober bis Dezember soll die öffentliche Mitwirkung stattfinden.
Für die Quartierkommission ist es schwierig, bei diesem Tempo mitzuhalten. Die Mitglieder der Quartierkommission sind alles Laien und die meisten sind beruflich stark engagiert. Es ist schwierig, sich in so kurzer Zeit eine fundierte Meinung zu bilden.
Worin sehen Sie die Aufgabe der Quartierkommission?
Ich sehe die Aufgabe der Quartierkommission hauptsächlich darin, die Meinungsbildung im Quartier zu fördern. Ich finde es gut, wenn zu diesem Thema möglichst viele Gruppierungen aus dem Quartier miteinbezogen werden und die Diskussion breit lanciert wird. Offenbar ist der Stadt bewusst, dass es kritische Stimmen gegenüber einer Neuauflage geben könnte.