Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03268.jsonl.gz/3435

Jeans, Walter Cerretta
(Walter Janes)
Walter Jeans war eines von vier Kindern eines Eisengiessers, seine Mutter führte eine Gaststätte in Birmingham. Mit 12 ging er von der Schule ab und begann halbtagsweise in der Messingfabrik zu arbeiten, wo sein Vater als Vorarbeiter tätig war, ab 1892 erhielt er eine Vollzeitstelle. Nach einem Besuch eines Onkels aus Amerika, einem Akrobaten, beschloss Walter Jeans, selber Akrobat zu werden. Nach einem Sturz musst er sieben Wochen im Spital verbringen, wo er sich mit der Zauberei beschäftigte. Nach seiner Entlassung aus dem Spital begann er neben seiner Arbeit in der Messingfabrik unter den Namen "Ceretta" und "Mysterious Jeans" als Strassenkünstler aufzutreten und erhielt ab und zu auch kurze Auftrittsmöglichkeiten in Varieté-Theatern. Er besuchte alle Vorstellungen von Zauberkünstlern, die in der näheren Umgebung auftraten und begann selber Illusionen zu entwickeln. Dabei entwickelte er eine besondere Vorliebe für die Verwendung von Spiegeln. Er versuchte sich auch mit einer Nummer mit einem schwarzen Kabinett, die jedoch infolge von Fehlern des Beleuchters zu einem Fiasko wurde.
1902 Trat Jeans unter dem Namen "The Mysterious Brass Moulder" während einer Woche in der Berufskleidung eines Eisengiessers mit Münzen- und Kartenmanipulationen in einem Theater auf. Nach einem kurzen Gastspiel in einer Gruppe von erfolglosen Comedians und Tänzern kehrte er nach Hause zurück.
Im gleichen Jahr lernte er den Besitzer eines "Wachsfiguren- und Neuheiten-Museums" kennen. Als dieser, ein Alkoholiker, seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte und das Museum schliessen musste, steckte Jeans all sein Geld in das Unternehmen und eröffnete das Museum an einem neuen Standort, der nach einem kurzen Erfolg erneut gewechselt werden musste, weil die Besucher ausblieben. Am neuen Standort wurde das Lokal schliesslich im Januar 1904 eröffnet. Neben den bisherigen Attraktionen wurden auch Handlesen und Horoskope angeboten. Nach einem erfolgreichen ersten Jahr blieben die Einnahmen aus und Walter Jeans suchte neue Attraktionen. Er errichtete im Museum zusätzlich ein kleines Theater, einen "Palace of Mysteries", wo er jeden Samstagabend Zaubervorstellungen gab. Da Walter Jeans selber zwar über aussergewöhnliche Handfertigkeit verfügte, die derjenigen eines Nelson Downs in nichts nachstand, jedoch eine gnomenhafte, nicht gerade einnehmende Persönlichkeit hatte, von dem die Zuschauer keine Wunder zu sehen erwarteten, stellte er in den folgenden Jahren einen versierten Bühnenmagier an, der seine Illusionen und Kunststücke vorführte.
1907 musste das Museum umziehen und wurde unter der Bezeichnung "Panopticum" bis in die Dreissigerjahre weitergeführt. Jeans entwickelte in den nächsten Jahre weiterhin neue Kunsttücke und Illusionen. 1912 produzierte er die Show "Metaphysical Magic", die jedoch vor der Eröffnung einem Feuer zum Opfer fiel. In den nächsten sechs Monaten entwickelte Jeans eines der genialsten Illusionsprinzipien, den "Spiegeltunnel", der die Grundlage für die Illusion "Silver Hat" war. Diese wurde zunächst von Marvello vorgeführt. Aus einem grossen Metallzylinderhut wurden eine grosse Anzahl von Gegenständen produziert, unter anderem Blumen, Glühbirnen, Flaschen, Gläser, Porzellangeschirr, Tücher und eine grosse Zahl von Stoffbällen. Ausserdem wurden verschiedene Effekte erzielt, indem in den Hut gegebene Gegenstände verschwanden, sich veränderten, vom Publikum gewählte Dinge erschienen usw. Zum Schluss wurde ein langes Messsingband aus dem Hut produziert.
Die Illusion wurde von Jeans in England zum Patent angemeldet, das 1916 erteilt wurde.
P. T. Selbit sah bisher noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten in Walter Jeans "Spiegeltunnel"-Illusion und führte seine Version unter der Bezeichnung "The Million Dollar Mystery" vor, bei der unter anderem aus einem quer durch einen würfelförmigen Rahmen geschobenen leeren Kasten zunächst ein Mann und dann auch eine Frau erschienen. 1928 kaufte Thurston die Rechte der Illusion für Amerika und erhielt 1930 dafür das amerikanische Patent. Ein weitere Exemplar der Illusion wurde an Chefalo verkauft, später auch eines an Sir Julian Cahn.
1934 musste Walter Jeans sein Panopticum erneut verlegen. Neu stellte er auch Glückspielautomaten und verschiedene neue optische Illusionen auf. 1942 erlitt er einen Herzanfall und verstarb noch im gleichen Jahr nach dem Tod seiner Frau.
Walter Jeans entwickelte mit allen Variationen des Spiegeltunnels insgesamt um die 30 Illusionen, von denen viele in den grössten Theatern der Welt vorgeführt wurden. Das "Million Dollar Mystery" wurde unter anderem später von Doug Henning, Siegfried und Roy, Penn und Teller, Louis de Matos und David Copperfield eingesetzt.Biografie
WARLOCK, P. Walter Jeans. Illusioneer. Mike Caveney’s Magic Words, Pasadena, CA, 1986, second edition 2006