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Ein doppeltes Dorf, Kirch und Pfarr-Gemeind zur lincken der Aren dermahlen in dem Amt Castelen und dem Gebiet der Stadt Bern, unter welchem ein Fahr über die Aren gehet, da das Gleith von allen Waaren, die nicht zu Aarau oder Brugg ausgeladen werden, bezogen wird, der Zoll aber der Stadt Lenzburg gehöret. Es war vor diesem ein Sitz der Edlen gleiches Namens, aus welchem Peter 1370 der Grafen von Kyburg Schulheiss zu Thun gewesen, und 1389 die Herrschaft Landshut erkaufft hat. Die niedern Gericht daselbst gehörten den Edlen von Bossweil und Hallweil, und hernach denen von Reinach, und da 1389 Bern und Solothurn das Schloss daselbst belagert, hat Ursula von Homberg, Hemmans von Reinach Ehe-Frau solche mit dem Beding übergeben, dass sie, was sie tragen möge, mitnehmen könne, da sie folglich ihren Ehemann, der sonst um das Leben kommen wäre, heraus getragen und errettet: nach Eroberung desselben ward es geplündert, zerstöhret, und hundert darinn gelegne theils gefangen, theils getödet. Die dortige Herrschafft kam folglich auch an die von Müllinen, und an die Besitzer der Herrschafft Castelen, zu welcher Zeit die hohen Gericht allda zu der Graffschafft Lenzburg gehört, als aber Castelen an die Stadt Bern erkaufft worden, wurde auch dieseres Dorff dahin geordnet: Die Kirch ward 1676 erneuert, der Pfarrer wird von dem Raht der Stadt Bern bestellet, und gehört in das Brugger-Capitul.
Die politische Gemeinde Auenstein, gleichzeitig Kirchgemeinde, liegt 375 m ĂĽber Meer am SĂĽdhang der ersten Jurakette in einer geschĂĽtzten Mulde zwischen Aareniederung und dem Steilhang der Gislifluh. Der Gemeindebann umfasst 568 ha, davon zirka 260 ha Wald. Den Namen verdankt das Dorf wohl dem Schloss, dem Stein in der Aue, ehemals eine Wasserburg auf einem Felsen in der Aare, jetzt im Schachenland stehend. Urkundlich wird „Gowenstein“ um 1212 erstmals erwähnt. Die Siedlung selber dĂĽrfte aber einiges älter sein. Der Name entwickelte sich mit der deutschen Sprache von Gowenstein, Gouwenstein, Gauenstein zu Auenstein. Die Herkunft ist bis den heutigen Tag erkennbar an der Mundartbezeichnung „Gauestei“. Das heutige Gemeindewappen entspricht gemäss einer Ăśberlieferung von Hans Ulrich Fisch I aus dem Jahre 1621 dem der Herren von Gauenstein. Diese hatten aber, mit Ausnahme einer Erwähnung Mangold von Gowenstein 1212/26, nie Beziehungen zu Auenstein.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war Auenstein Eigengut des Hauses Rynach. Die Inhaber der Burg schufen 1327 für das Dorf auch eine eigene Pfarrei. Die Burg Auenstein wurde in den Kämpfen der Eidgenossen mit den Österreichern 1389 von den Bernern erstürmt und ausgebrannt, um bis in die Neuzeit hinein Ruine zu bleiben. 1415 nahmen die Berner auch die Herrschaft Auenstein ein und machten sie zu einem von ihnen abhängigen Lehen, das sie der Landvogtei Lenzburg unterstellten. Im 15. Jahrhundert wechselte die Herrschaft öfters ihre Besitzer. Schliesslich kam sie an den General Hans Ludwig von Erlach. Dessen Erben verkauften alles an Bern, das daraus die Landvogtei Kasteln bildete, mit Auenstein als selbständigen Gerichtsbezirk. 1777 wurden alle zur Herrschaft Auenstein gehörenden Grundstücke versteigert. Die bernische Herrschaft dauerte bis 1798, also bis zur Gründung des Kantons Aargau. Die Burgruine wurde Eigentum dieses neuen Kantons und ging danach in Privatbesitz über. Durch die 1858 erfolgte Aufstockung mit Wohnung und Küche wurde die Burg wieder bewohnbar gemacht. Nach verschiedenen Handänderungen im 19. Jahrhundert ging das Schloss an Frau A. Hoffmann über, die an diesem weitere Auf- und Anbauten vornehmen liess und ihm 1928/29 im wesentlichen die heutige Form gab. Seit 1970 ist das idyllische Schloss im Besitze der Familie Reller-Löhrli.
Die Pfarrkirche von Auenstein dürfte auf Grund von 1952 entdeckten Fundamenten eines romanischen Sakralbaues schon im 11. Jahrhundert bestanden haben. Ihre erste urkundliche Erwähnung erfolgte zwar erst in der päpstlichen Steuerliste aus dem Jahre 1302. Der erstgenannte Leutpriester von Auenstein erscheint nach einer im aargauischen Staatsarchiv aufbewahrten Urkunde des Klosters Königsfelden 1333. Im 14. Jahrhundert erfuhr die Kirche eine Erweiterung und erhielt auch einen Turm. Der Neubau des Chors in seiner heutigen Gestalt fand im 15. Jahrhundert statt. 1572/73 wurde sie gründlich renoviert. 1651 wurde das Kirchenschiff um gut 2/3 nach Süden erweitert, gleichzeitig erhielt es eine neue Kanzel. Aussenrenovationen erfolgten 1893 und 1943, denen sich 1951/52 eine Innenrenovation anschloss. 1966 wurde das Geläute erneuert und von zwei auf vier Glocken erweitert. Die alten Glocken waren ausgeschlagen und die Grössere zeigte einen Riss. Sie wurde auf dem Vorplatz der Kirche aufgestellt, während die Kleinere, aufgefrischt und umgestimmt, zusammen mit den drei neuen Glocken wieder aufgehängt wurde. 1984 präsentierte sich der Turm in einem so schlechten Zustand, dass eine gründliche Sanierung nötig wurde. Es lohnt sich auch in Zukunft zu unserer Kirche Sorge zu tragen, bietet sie doch gerade durch ihre baulichen äusseren Eigentümlichkeiten einen reizvollen Anblick.
Haupterwerbszweig der Dorfbevölkerung war lange Zeit der von der Regierung verständnisvoll geförderte Weinbau, der jedoch seit der Zugehörigkeit der Gemeinde zum Kanton Aargau und der daran anschliessenden wirtschaftlichen Veränderung stark zurückging und um die Jahrhundertwende zur Bedeutungslosigkeit herabsank. In jüngster Zeit konnte der Weinbau dank der Güterregulierung, in der geschlossene Rebgebiete ausgeschieden werden konnten, wieder einen bedeutenden Aufschwung verzeichnen. Die Auensteiner Rebbaufläche beträgt 9,5 ha. Jährlich werden rund 320 hl Weisswein (Riesling x Silvaner, Gewürztraminer und Pinot gris) und rund 180 hl Rotwein (Blauburgunder und Regent) gekeltert. Der Rebbau wird von einem Vollerwerbsbetrieb sowie mehreren Rebbauern, die dieser Tätigkeit im Nebenerwerb nachgehen, betrieben.
Lange Zeit war das Dorf nur durch zwei Fähren und einem Fussgängersteg mit der rechten Aareseite verbunden. Mit dem Bau der BrĂĽcke nach Wildegg und der verbesserten Strassenverbindung durch den Kraftwerkbau wurde der Anschluss an das ĂĽbergeordnete Strassennetz gesichert. Mit dem Bau der Eisenbahn auf dem rechten Aareufer siedelte sich dort auch Industrie an. Die Bevölkerung fand dort Arbeit und Verdienst. Markant sind die beiden SteinbrĂĽche Oberegg und Jakobsberg, wo die Jura-Cement-Fabriken jährlich rund 100’000 mÂł Kalk und Mergel abbauen und in Wildegg zu Zement und Kalk verarbeiten.
Dank der guten Wirtschaftslage nach den Kriegsjahren erlebte auch das Auensteiner Gewerbe einen Aufschwung und hat seither zu einer guten Durchmischung der Dorfstrukturen beigetragen. Trotzdem ist von ehemals zwei Bäckereien mit Lebensmittelverkauf und angeschlossener Wirtschaft, einer Metzgerei, einer Coop Filiale, dem Volg, drei Getränkehandlungen und einem Wolle- und Textilladen nur noch der Volg Laden übriggeblieben. Von ehemals fünf Wirtschaften ist heute noch eine geöffnet.
Wie in den meisten Landgemeinden war das vergangene Jahrhundert gekennzeichnet durch einen Schritt in die Moderne: EinfĂĽhrung der Elektrizität, Aufbau der Versorgungsbetriebe Wasser und Abwasser und die Bereitstellung der Wege fĂĽr die aufkommende Mobilität. Seit den 60-iger Jahren hat sich das Dorf zu einer beliebten Wohnlage entwickelt. Die Bauvorschriften, die sich auch der topographischen Lage der Gemeinde anpassen, garantieren einen gesunden Bevölkerungszuwachs und schĂĽtzen das empfindliche Baugebiet, insbesondere den Dorfkern und die angrenzenden Bauten vor zerstörerischen Eingriffen. Die Erhaltung der Wohnqualität hat Priorität, ohne dass das Dorf aber zum Museum wird. Auch in Zukunft gilt es, zum Dorf Sorge zu tragen und die bauliche Ausdehnung einzugrenzen. Die Kulturlandplanung soll dazu beitragen den verbliebenen Landwirtschaftsbetrieben das notwendige Kulturland zur VerfĂĽgung zu stellen und damit die Existenzgrundlage zu sichern, aber auch das Landschaftsbild möglichst gut zu schĂĽtzen. Lebten um die vorletzte Jahrhundertwende rund 700 Personen im Dorf, sind es Ende 2007 1’459. (Quelle: Auszug aus Geschichte)
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