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Unzählige Zahlungen von Pierin Vincenz an seinen langjährigen Partner und Freund Beat Stocker wecken den Verdacht, dass der Ex-Raiffeisen-Chef und heutige Helvetia-Präsident ein Problem hat.
Insgesamt zahlte Vincenz in den letzten 10 Jahren auf Konti von Stocker bei der Zürcher Privatbank Julius Bär die Summe von 1,5 Millionen Franken ein.
Zeitpunkt und Beträge der Zahlungen wecken den Verdacht, dass Vincenz damit Teil eines Konstrukts ist, das zu Lasten der Genossenschafter der Raiffeisenbank agiert.
Dort aber war Vincenz der absolute Insider. Von 1999 bis Herbst 2015 war er CEO der Raiffeisen-Gruppe.
Ebenfalls involviert ist die Aduno, die gross mit Kreditkarten, Konsumkrediten und Zahlungssystemen ist.
Bei der Aduno ist die Raiffeisen mit 25 Prozent die bestimmende Aktionärin, und Vincenz und sein Partner Stocker beherrschten lange das Unternehmen.
Bei den ersten fragwürdigen Zahlungen ging es um ein kleines, unbekanntes Unternehmen namens Commtrain Card Solutions, welches Zahlungsterminals für den Verkaufspunkt herstellte.
Die Commtrain wurde 2007 von der Aduno übernommen und 2009 in diese integriert. Zuvor ereigneten sich spezielle Überweisungen via die Bank Bär.
Mitte 2005 zahlte ein St. Galler Anwalt namens Eugen Mätzler den Betrag von 378’000 Franken auf ein Konto von Beat Stocker bei der Zürcher Privatbank ein.
Knapp 3 Monate später, im September 2005, floss fast der exakt gleiche Betrag, nämlich 375’000 Franken, von dem Stocker-Konto an die Commtrain. Offizielle Begründung: Kapitalerhöhung der Commtrain.
Wer ist Eugen Mätzler? Für wen handelte er allenfalls?
Mätzler war bis letzten Herbst einziger Verwaltungsrat einer Firma namens Varaplan. Dahinter steckte das private Vehikel von Pierin Vincenz. Heute heisst es Vincenz Management.
Am gleichen Septembertag im 2005 überwies Vincenz‘ Partner Stocker 75’000 Franken an die Commtrain. Stocker wollte bei dieser Transaktion nicht mit eigenem Namen erscheinen.
Wieder vergingen ein paar Monate. Ende Winter 2006 überwies Pierin Vincenz dann weitere 131’000 Franken an Freund Stocker.
Es vergingen nur 2 Wochen, dann überwies Stocker insgesamt eine halbe Million Franken an die Commtrain ab einem Konto bei Bär, das auf eines der beteiligten Unternehmen im ganzen Konstrukt lautete (i Finance).
Erneut hiess die Begründung „Kapitalerhöhung“.
Ein Jahr später kam es dann zum grossen Deal mit Aduno respektive deren Hauptaktionärin Raiffeisen.
Im April 2007 wurde dafür eine Zahlung ab einem Raiffeisen-Konto in St. Gallen über 3,6 Millionen an Beat Stocker bei der Julius Bär geleistet.
Und was machte Stocker am folgenden Tag, dem 27. April 2007, mit dem vielen Geld? Er schickte 1,7 Millionen, also fast genau die Hälfte, gleich weiter.
An wen? An Eugen Mätzler, den Anwalt in St. Gallen, der ein nahes Verhältnis zu Pierin Vincenz pflegt und sogar lange dessen Intimus für die Vincenz Management AG war.
„Teilen des Verkaufserlöses zwischen Co-Investoren“, lautete Stockers Begründung für die Aufsehen erregende Zahlung in die Ostschweiz.
Was war die Rolle von Pierin Vincenz beim Kauf der kleinen Commtrain durch die grosse Aduno, die er zusammen mit Partner Stocker kontrollierte?
Aus Informationen geht hervor, dass die Aduno rund 6 Millionen für die Commtrain bezahlt haben könnte. Die Zahlungen erfolgten über Beat Barthold, der im ganzen Netzwerk eine zentrale Rolle spielt.
Fazit des Commtrain-Deals: 1,7 Millionen gingen an Anwalt Mätzler. Ursprünglich waren via Mätzler respektive Vincenz rund 500’000 im zeitlichen Kontext rund um die Transaktion zu Stocker geflossen.
Wurden aus einer halben Million am Ende 1,7 Millionen?
Zweiter Fall: EuroKaution. Ein Unternehmen im Besitz eines Unternehmers, der via Luxemburg operierte. Die Aduno erwarb die EuroKaution im Herbst 2014.
Über Stocker-Konti bei der Julius Bär floss im Vorfeld des Kaufs mit Geldern der Aduno-Aktionäre, sprich zuletzt also auch solchen der Raiffeisen-Genossenschafter, insgesamt eine 1 Million.
Stocker überwies das Geld an eine Firma Great Star in Luxemburg, welche dem EuroKautions-Besitzer gehörte. Als Grund gab Stocker „Darlehen“ für den Unternehmer an.
Pierin Vincenz machte zeitlich nah bei der Transaktion zwei Einzahlungen auf Stocker-Konti bei der Bär-Bank, nämlich im Februar 2014 über total gut 500’000 Franken.
Der dritte Fall ist die Investnet AG. Diese wurde von zwei Schweizer Unternehmern gegründet und ging 2012 mit der KMU Capital der Raiffeisen zusammen, welche ebenfalls inländische Kleinunternehmen förderte.
An der Investnet waren offiziell die beiden Geschäftsleute investiert. Hinter den Kulissen gab es aber einen dritten Partner: Beat Stocker.
Über einen Treuhandvertrag regelten die Drei ihr Verhältnis. Als im 2012 der Verkauf an die grosse Raiffeisen zustande kam, war klar, dass viel Geld fliessen würde.
Angelegt war der Deal zwischen der Raiffeisen und der Investnet über 4 Jahre. Ab 2015 sollte in ebenso vielen Tranchen der Verkauf abgewickelt werden.
Ende Juni 2015 ging es um die erste Tranche. Da zahlten die beiden Investnet-Unternehmer je 2,9 Millionen Franken auf ein Bär-Konto von Beat Stocker. Offiziell dessen Anteil.
Dann verging eine Woche. Und dann zahlte Stocker an Pierin Vincenz … welchen Betrag? 2,9 Millionen.
Just die Hälfte des eingegangenen Gelds floss somit kurz danach an Vincenz. Begründung hier: Immobiliendeal im Tessin.
Stocker erwartet für das ganze Geschäft eine Summe von 12 bis 32 Millionen Franken. Wem gehört das Geld?
Wenn die Hälfte an Vincenz gehen würde, wären das einige Millionen.
Vincenz wollte keine Stellung nehmen zu den Transaktionen.
Fragen stellen sich auch an Vincenz‘ Nachfolger Patrik Gisel. Gisel war jahrelang die Nummer 2 der Raiffeisen, und er sass in vielen Verwaltungsräten der Gruppe.
Was wusste Gisel von all dem? Leuchteten bei ihm Warnlampen auf?
Falls ja: Was unternahm er?