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In den letzten Jahren hatte Cancellara am ersten der fünf «Monumente des Radsports» stets zu den Sieganwärtern gezählt. Nach seinem Triumph im Jahr 2008 hat der dreifache Gewinner von Paris – Roubaix und der Flandern-Rundfahrt an «La Primavera» respektive der «Fahrt in den Frühling», wie das Rennen von Mailand ans Mittelmeer auch genannt wird, zwischen 2011 und 2014 nochmals viermal in Folge das Podest (dreimal Zweiter, einmal Dritter) erreicht. Mit seinem Palmarès hinterlässt der zweifache Zeitfahr-Olympiasieger im Schweizer Lager zweifelsohne eine grosse Lücke.
Einer, der aus Schweizer Sicht bei den Klassikern längerfristig in die Bresche springen könnte, ist Stefan Küng. Der 23-jährige Thurgauer gilt aufgrund seiner Veranlagung als designierter Nachfolger des Berner Ausnahmekönners. In seinen ersten beiden Profijahren wurde Küng aber immer wieder durch schwere Stürze (u.a. Giro 2015 und 2016) und Krankheiten (Pfeiffersches Drüsenfieber) zurückgeworfen. Er konnte so nur selten sein grosses Potenzial abrufen.
Bei seinem letzten schweren Sturz im vergangenen Juni brach sich Küng an den Schweizer Zeitfahr-Meisterschaften das Kahmbein und das linke Schlüsselbein und verpasste dadurch die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, an denen er mit dem Bahnvierer hätte für Furore sorgen sollen. Nach einer reibungslosen Saisonvorbereitung wurde der ehrgeizige Ostschweizer am vergangenen Dienstag erneut jäh gebremst. Seinen «ersten Saisonhöhepunkt», das abschliessende Einzelzeitfahren beim Etappenrennen Tirreno – Adriatico, verpasste er krankheitsbedingt. Nun ist geplant, dass das BMC-Jungtalent bei der Klassiker-Serie in Belgien (ab 22. März Quer durch Flandern) wieder angreift.
Mit Silvan Dillier und Martin Elmiger stehen bei Mailand – Sanremo dennoch zwei Schweizer Fahrer im Aufgebot von BMC. Elmiger, mit 38 Jahren einer der routiniertesten Fahrer im Feld, gab sich kürzlich optimistisch im Hinblick auf die anstehenden Eintagesrennen. «Wir haben das beste Team für die Frühjahrs-Klassiker», behauptete der Zuger, der wie Dillier in erster Linie Helferdienste für seinen Captain Greg van Avermaet zu verrichten hat. Der belgische Strassen-Olympiasieger möchte bei seiner zehnten Teilnahme am mit 291 km längsten «Monument» endlich aufs Podest fahren. Im Vorjahr wurde er Fünfter.
Neben Dillier und Elmiger stehen mit Mathias Frank (AG2R), Michael Albasini (Orica-Scott), Reto Hollenstein (Katjuscha-Alpecin) und Gregory Rast (Trek-Segafredo) vier weitere Schweizer auf der provisorischen Startliste. Auch sie werden in erster Linie ihre Leader unterstützen.
Weil es den Klassiker-Spezialisten in den finalen Schlusssteigungen «Cipressa» und «Poggio » oftmals nicht gelingt, die endschnellen Leute auszuhebeln, gehören beim Zieleinlauf auf der Via Roma traditionsgemäss die Sprint-Spezialisten zu den Sieganwärtern. Zu ihnen zählen nebst dem französischen Vorjahressieger Arnaud Démare auch die früheren Gewinner John Degenkolb (2015), Alexander Kristoff (2013) und Mark Cavendish (2009).
Zu den meistgenannten Favoriten gehört der zweifache Strassen-Weltmeister Peter Sagen. Mit zwei Etappensiegen beim Tirreno – Adriatico hat der 27-jährige Slowake in der vergangenen Woche bewiesen, dass mit ihm zu rechnen ist. Nachdem er im Vorjahr bei der Flandern-Rundfahrt Cancellara auf Platz 2 verwiesen und somit erstmals in einem der fünf grossen Eintagesrennen triumphiert hat, möchte Sagan auch bei Mailand – Sanremo endlich gewinnen. Mehr als ein 2. (2013) und zwei 4. Plätze (2012 und 2015) schauten für den erfolgsverwöhnten Superstar der Radszene (91 Profisiege) bei seinen sechs Zieleinläufen in Sanremo bisher nicht heraus.
(SDA)