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Maturana, Humberto (1982): Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Vieweg, Braunschweig (übersetzt v. Köck)
Diese Aufsatzsammlung repräsentiert die Theorie von H. Maturana, sie ist "wissenschaftlicher" formuliert als das Buch "Baum der Erkenntnis", beinhaltet aber in etwa das gleiche.
Inhalt
Vorwort von S.J. Schmidt: Einladung, Maturana zu lesen 1
Einleitung des Autors 14
Biologie der Kognition 32
Grössenkonstanz und das Problem der Wahrnehmungsräume 81
Eine biologische Theorie der relativistischen Farbkodierung in der Primatenretina 88
Die Organisation des Lebendigen 138
Autopoiese: die Organisation lebender Systeme, ihre nähere Bestimmung und ein Modell 157
Autopoietische Systeme: eine Bestimmung der lebendigen Organisation 170
Biologie der Sprache: die Epistemologie der Realität 236
Repräsentatio und Kommunikation 272
Kognitive Strategien 297
"Und vielleicht könten auf solchen kognitionsbiolgischen Grundlagen dann endgültig literaturwissenschaftliche Naivitäten des Typs verschwinden, wonach "Interpretation" immer noch (oder wieder) als Ermittlung der richtigen Bedeutung eines literarischen Werkes missverstanden wird " (5)
"Damit wurde mir klar, dass jeglicher Versuch, ein Phänomen wissenschaftlich zu erklären, in der Tat darin bestehen musste, einen Mechanismus zu entwickeln, der das zu erklärende Phänomen erzeugt" (16).
Entscheidend ist die neue Fragestellung: vorher: wie behandelt das Nervensystem semantische Probleme? nachher: (Geschlossenes System): wie wird die strukturelle Koppelung bewerkstelligt, d.h. kommt (für den Beobachter) semantisch bedeutsames Verhalten zustande? (20)
Interaktion im Medium selektiert, legt nicht fest, bedeutet, dass Interaktion für Aufnahme von Energie steht, wo diese Information ist, wird sie als Auswahl (Selektion) betrachtet. Das System ist durch seine Konstruktion festgelegt. (20)
"Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachtergesagt" (34).
"Der Beobachter betrachtet gleichzeitig den Gegenstand, den er untersucht (in unserem Fall den Organismus), und die Welt, in der dieser Gegenstand sich befindet (die Umwelt des Organismus). Dies gestattet ihm, mit beiden jeweils unabhängig voneinander zu interagieren und außerdem in Interaktionen einzutreten, die notwendigerweise außerhalb des Interaktionsbereichs des beobachteten Gegenstandes liegen. [...] Der Beobachter kann folglich einen Gegenstand nur beschreiben, wenn es zumindest einen anderen Gegenstand gibt, von dem er ihn unterscheiden kann, und wenn er Interaktionen oder Relationen zwischen beiden beobachten kann" (34).
"das einzige, was dem Nervensystem an irgendeiner Stelle zugänglich ist, sind Zustände relativer Aktivität zwischen Nervenzellen, und das einzige, was durch einen bestimmten Zustand relativer Aktivität verursacht werden kann, sind Zustände relativer Aktivität in anderen Nervenzellen [...]. Die Effektorneuronen machen hiervon keine Ausnahme, da sie dadurch, daß sie eine Effektoraktivität verursachen und eine Interaktion erzeugen, eine Veränderung des Zustandes relativer Aktivität der Rezeptorelemente an den Rezeptoroberflächen herbeiführen" (48).
"Die Unterscheidung zwischen extern und intern erzeugten Interaktionen kann sich nur ergeben durch Begleitereignisse, die auf den Ursprung des durch diese Interaktionen verursachten Aktivitätszustands verweisen [...], oder durch das Ergebnis neuer durch sie ausgelöster Interaktionen" (50).
"Die Geschlossenheit der funktionalen Organisation des Nervensystems ist eine Folge des selbstreferentiellen Interaktionsbereichs der Organisation des Lebendigen. [...] Das Nervensystem ist anatomisch und funktional so organisiert, daß es bestimmte Relationen zwischen den Rezeptor- und Effektoroberflächen konstant hält. Nur auf diese Weise kann der Organismus seine Identität erhalten, während er sich in seinem Interaktionbereich bewegt" (50 f.).
"3. Ein Organismus kann das Verhalten eines andren Organismus auf zwei grundlegende Arten beeinflussen:
..
Im ersten Fall lässt sich sagen, dass die beiden Organismeninteragieren, im zweiten Fall, dass sie kommunizieren ..."(53)
[Hier formuliert H. Maturana das Hund-Informations-Beispiel von G. Bateson in allgemeiner Form (und ohne Verweis auf Bateson, kennt er ihn, resp die Textstelle?)].
"Das so durch Orientierung hervorgerufene Verhalten ist [für den Beobachter] denotativ: es weist auf ein Merkmal der Umwelt hin, das der zweite Organismus in seiner Nische antrifft und durch angemessenes Verhalten BESCHREIBT, und das er als selbständige Größe behandelt. Für den Beobachter ist das Orientierungsverhalten eine Beschreibung zweiter Ordnung (von jetzt ab durch Kursivsatz gekennzeichnet: Beschreibung), die das repräsentiert, was sie seiner Auffassung nach denotiert. Im Gegensatz dazu ist das Orientierungsverhalten des ersten Organismus für den zweiten konnotativ, und impliziert für ihn eine Interaktion innerhalb seines kognitiven Bereiches, die, wenn aktualisiert, ein Verhalten verursacht, welches einen spezifischen Aspekt seiner Nische BESCHREIBT. Was Orientierungsverhalten konnotiert, ist eine Funktion des kognitiven Bereiches des Orientierten, nicht des Orientierenden!" (53).
"Wenn ein Organismus eine kommunikative Beschreibung erzeugen und dann mit seinem eigenen Aktivitätszustand interagieren kann, der diese repräsentiert, und somit eine andere derartige Beschreibung erzeugt, welche auf diese Repräsentation hin orientiert ... usw., so kann dieser Prozeß im Prinzip in einer potentiell unendlich rekursiven Weise weitergeführt werden, und der Organismus wird zu einem Beobachter: er erzeugt sprachliche Äußerungen als einen Bereich von Interaktionen mit Repräsentationen kommunikativer Beschreibungen (orientierende Verhaltensweisen)" (54).
"Jede Korrelation zwischen verschiedenen Interaktionsbereichen gehört ausschließlich zum kognitiven Bereich des Beobachters, und ergibt sich in Form von Relationen, die durch seine gleichzeitigen Interaktionen mit beiden entstehen" (59).
"Der Bereich sprachlicher Äußerung ist ein geschlossener Bereich und sprachliche Äußerung hinauszutreten. Da der sprachliche Bereich ein möglich, die folgende ontologische Aussage zu machen: Die Logik der (beschreibenden) Systems (und seines kognitiven Bereichs)" (64).
"Der Beobachter erzeugt eine gesprochene Beschreibung seines kognitiven Bereichs [...]. Welche Beschreibung er jedoch auch immer macht, jede solche Beschreibung entspricht einer Menge zulässiger Zustände relativer Aktivität in seinem Nervensystem, die die in seinen Interaktionen gegebenen Relationen verkörpern. [...] Das Nervensystem seinerseits hat sich als ein System entwickelt, das strukturell und funktional der basalen Zirkularität der Organisation des Lebendigen dient und folglich eine unausweichliche Logik verkörpert: jene Logik, die die Anpassung ermöglicht zwischen der Organisation des lebenden Systems und den Interaktionen, in die dieses eintreten kann, ohne seine Identität zu verlieren" (64).
"Diese Logik erfordert ein Substrat für die Realisierung sprachlicher Äußerungen. Wir können jedoch nicht in absoluter Weise über dieses Substrat reden, da wir es beschreiben müßten [...]. Obwohl also dieses Substrat aus epistemologischen Gründen erforderlich ist, kann darüber nichts außer dem durch die obige ontologische Aussage Festgestellten ausgesagt werden" (64).
"Aus epistemologischen Gründen können wir sagen: es gibt Eigenschaften, diese sind vielfältig und bleiben durch Interaktionen hindurch konstant. Die Invarianz der Eigenschaften über Interaktionen hinaus bildet den funktionalen Ursprung für Gegenstände oder Interaktionseinheiten" (65).
Pilot im Instrumentenflug (U-Boot-Metapher) (74, im ersten Teil von 6.)
[Kein Verweis auf Glasersfeld !! weshalb?]
Input-Output = nicht selbstreferentiel, sondern vom Menschen erzeugte (fremdreferentiell) Systeme (74, 2. Teil von 6.)
Paradoxie ist unmöglich im Lebewesen, da es immer in genau einem Zustand ist. Paradoxie gibt es nur für Beobachter (75, Abschn. 8)
"Aufgrund der Art des kognitiven Prozesses und der Funktion der sprachlichen Interaktionen können wir nichts über das aussagen, was unabhängig von uns ist, und womit wir nicht interagieren können. [...] Daraus folgt, daß eine Realität als eine Welt unabhängiger Gegenstände, über die wir reden können, notwendigerweise eine Fiktion [...] ist, und daß wir den Begriff der Realität gerade auf den Bereich der Beschreibungen anwenden sollten, in dem wir [...] mit unseren Beschreibungen so interagieren, als ob diese unabhängige Gegenstände wären" (76).
"Wir sind es gewöhnt, über die Realität so zu reden, daß wir einander durch sprachliche Interaktionen auf das hin orientieren, was wir für sensorische Erfahrungen konkreter Gegenstände halten, was jedoch, wie im Falle von Gedanken und Beschreibungen, in Zuständen relativer Aktivität zwischen Neuronen besteht, die wiederum neue Beschreibungen erzeugen. Die Frage – Was ist der Gegenstand der Erkenntnis? wird damit sinnlos. Es gibt keine Gegenstände der Erkenntnis. Wissen heißt fähig sein, in einer individuellen oder sozialen Situation adäquat zu operieren. Wir können über das Substrat, in dem unser kognitives Verhalten gegeben ist, nicht reden, und worüber wir nicht reden können, darüber müssen wir schweigen, wie Wittgenstein betont hat [...]. Dieses Schweigen bedeutet jedoch nicht, in Solipsismus oder irgendeine Art metaphysischen Idealismus zu verfallen. Es bedeutet, daß wir anerkennen, daß wir als denkende Systeme in einem Bereich von Beschreibungen leben, wie bereits Berkeley [...] betont hat [...]" (76).
Codierung und Information: 2 verschiedene Pläne eines Hauses. Die Abbilung und die Anweisung, was jeder in Abhängigkeit der Situation tun muss. Die Abbildung ist eine Repräsentation von Beobachter-definierten Relationen. Die Autopiese folgt keiner Abbildung, die Codierung hat keine semantische Entsprechung, sondern enthält, was die Subjekte in bestimmten Situatione tun. (77f, Abschnitt 10)
[==> Subjekt kann hier im Sinne von Haug gelesen werden].
"Ein Beobachter ist ein menschliches Wesen, eine Person, jemand, der Unterscheidungen machen und präzise angeben kann, was er als eine von ihm selbst verschiedene Entität (ein Etwas) betrachtet, der dies hinsictlich seiner eigenen Handlungen und Gedanken in rekursiver Weise tun kann, und der stets imstande ist, all dies so zu tun, als ob er ausserhalb der gegebenen Situation stünde (bzw. von dieser getrennt wäre)" (139)
"Die Relationen, die eine Maschin als Einheit definieren, und die die Dynamik ihrer möglichen Interaktionenund Transformationen bestimmen, konstituiern die Organisation der Maschine" (183)
[Maturana spricht sehr kompiziert über Maschinen, weil er immer auch lebendige Maschinen mitmeint. Bei ihm geht verloren (invisibilisiert), dass Maschinen nicht arbeiten, weil - ökonomisch - nur Menschen mittels Maschinen arbeiten.]
"Die Relationen, die eine Maschine als eine Einheit definieren, und die die Dynamik ihrer möglichen Interaktionen und Transformationen bestimmen, konstituieren die Organisation der Maschine. Die zwischen den Bestandteilen geltenden Relationen, die eine konkrete Maschine in einem gegebenen Raum integrieren, konstituieren die Struktur der Maschine. Die Organisation einer Maschine (oder eines Systems) bestimmt nicht die Eigenschaften seiner Bestandteile, die die Maschine als ein konkretes System verwirklichen, sondern lediglich die Relationen, die von den Bestandteilen hergestellt werden müssen, um die Maschine oder das System als eine in sich geschlossene Einheit zu erzeugen" (183).
"Der Zweck, dem eine Maschine für den Menschen dienen kann, ist kein Merkmals der Organisation der Maschine, sondern vielmehr ein Merkmal des Bereiches, in dem die Maschine arbeitet, ...." (183)
"Wir sprechen vom Ziel einer Maschine, weil sie die Phantasie des Zuhörers ins Spiel bringt und den Erklärungsaufwand [...] vermindert. [..] wir suchen den Zuhörer zu bewegen, die Maschine, über die wir gerade sprechen, für sich u erfinden" (184).
"Wenn man sagt, es gebe eine Maschine M, und sie enthalte eine Rückkopplungsschleife über die Umwelt, so daß die Auswirkungen ihres Output den Input für sie selbst beeinflussen, dann spricht man eigentlich von einer größeren Maschine M’, die die Umwelt und die Rückkopplungsschleife in ihre spezifische Organisation einschließt" (184).
Varela lassen ihrer Definition der Autopoiesis die Erläuterung folgen, "daß eine autopoietische Maschine durch ihr Operieren fortwährend ihre eigene Organisation erzeugt, und zwar als ein System der Produktion ihrer eigenen Bestandteile, und daß diese Bestandteile hierbei in einem endlosen Umsetzungsprozeß unter Bedingungen fortwährender Umwelteinwirkungen bzw. der Kompensation solcher Einwirkungen verbraucht werden. Eine autopoietische Maschine ist daher ein homöostatisches (oder besser, ein relationsstatisches) System, das seine eigene Organisation (d.h. das sie definierende relationale Netzwerk) als die grundlegende Variable konstant hält" (185).
"Autopoietische Maschinen sind autonom, d.h. sie unterwerfen alle ihre Veränderungen der Erhaltung ihrer eigenen Organisation, so tiefgreifend sie auch in anderer Hinsicht durch entsprechende Prozesse verändert werden mögen. Andere Maschinen, die von nun an ›allopoietische‹ Maschinen genannt werden sollen, erzeugen durch ihr Funktionieren etwas von sich selbst Verschiedenes [...]" (186).
"Autopoietische Maschinen sind Einheiten ausschließlich aufgrund ihrer spezifischen autopoietischen Organisation: ihre Operationen erzeugen ihre eigenen Grenzen im Prozeß ihrer Selbsterzeugung. Dies ist nicht der Fall bei allopoietischen Maschinen, deren Grenzen durch den Beobachter gezogen werden, der durch die genaue Bestimmung ihrer Input- und Output-Oberflächen definiert, was zu ihnen und ihren Operationen gehört" (187).
"Autopoietische Maschinen haben weder Input noch Output. Sie können durch von ihnen unabhängige Ereignisse beeinflußt werden und interne strukturelle Veränderungen erleiden bzw. solche Einwirkungen kompensieren. [...] Jegliche Relation zwischen solchen Veränderungen und dem Verlauf von Außeneinwirkungen, wie wir sie aufweisen mögen, gehört zu dem Bereich, in dem die Maschine beobachtet wird, nicht aber zu ihrer Organisation. Obwohl daher eine autopoietische Maschine als eine allopoietische Maschine behandelt werden kann, führt eine solche Behandlung nicht zur Klärung ihrer Organisation als einer autopoietischen Maschine" (187).
"Zwecke" und " Funktionen" haben keinerlei Erklärungswert im Bereich der Phänomene, da sie nicht als kausale Elemente an der Neuformulierung irgendeines Phänomens mitwirken" (191).
"In der Sicht des Beobachters gibt es zwei Quellen der Deformationen eines autopoietischen Systems: die eine ist die Umwelt als eine Quelle von Ereignissen, die in dem Sinne vom System unabhängig sind, daß sie nicht durch die Organisation des Systems bestimmt werden; die andere Quelle ist das System selbst, in dem Zustände aus Kompensationen von Deformationen entstehen, die selbst wiederum Deformationen darstellen können, die weitere kompensatorische Veränderungen hervorrufen.« (AS 202).
"Der Interaktionsbereich einer autopoietischen Einheit ist der Bereich der Deformationen, denen sie ausgesetzt werden kann, ohne ihre Autopoiese zu verlieren. Ein derartiger Bereich wird für jede Einheit durch die besondere Art determiniert, in der ihre Autopoiese im Raum ihrer Bestandteile verwirklicht wird, d.h. durch die Struktur der Einheit" (221).
"daß ein Beobachter die Art, in der ein autopoietisches System seine Deformationen kompensiert, als eine Beschreibung des deformierenden Agens ansehen kann, dessen Einwirkungen auf die Einheit er beobachtet, und die vom System erlittene Deformation als eine Repräsentation des deformierenden Agens. [...] Der Bereich all der Interaktionen, in die ein autopoietisches System eintreten kann, ohne seine Identität zu verlieren, ist sein kognitiver Bereich, oder mit anderen Worten, der kognitive Bereich eines autopoietischen Systems ist der Bereich all der Beschreibungen, die es zu machen imstande ist" (221).
"Operational ist das Nervensystem ein geschlossenes Netzwerk interagierender Neuronen, so daß eine Veränderung der Aktivität eines Neurons stets zu einer Aktivitätsveränderung anderer Neuronen führt, sei es direkt durch synaptische Aktion, sei es durch Mitwirkung irgendwelcher physikalischer oder chemischer Zwischenelemente. Die Organisation des Nervensystems als eines finiten neuronalen Netzwerks ist daher durch im Bereich der neuronalen Interaktionen geschlossene Relationen definiert" (228).
"Sensorische oder Effektorneuronen, wie sie von einem Beobachter beschrieben würden, der einen Organismus in seiner Umwelt betrachtet, sind davon nicht ausgenommen, da alle sensorische Aktivität eines Organismus zur Aktivität seiner Effektoroberflächen führt und alle Effektoraktivität seine sensorischen Oberflächen verändert. Es ist an dieser Stelle irrelevant, daß ein Beobachter Unterelemente zwischen den Effektoroberflächen und den sensorischen Oberflächen des Organismus erkennt, da das Nervensystem eben durch die Interaktionen seiner neuronalen Bestandteile und somit unabhängig von intervenierenden Elementen als ein Netzwerk neuronaler Interaktionen definiert ist" (228 f.).
"Das Nervensystem hat als ein geschlossenes neuronales Netzwerk weder Input noch Output, und es gibt kein Merkmal seiner Organisation, das es ihm ermöglichte, in der Dynamik seiner Zustandsveränderungen zwischen möglichen internen oder externen Ursachen für diese Zustandsveränderungen zu unterscheiden" (229).
strukturdeterminierte Systeme (242)
"Für diese [zustandsdeterminierten] Systeme gilt: a) sie können nur Interaktionen durchlaufen, die entweder ihre Struktur verändern und zu Zustandsveränderungen führen, oder die sie auflösen, indem sie Zustandsveränderungen auslösen, die zum Verlust ihrer Identität führen; b) die Zustandsveränderungen aufgrund von Störeinwirkungen werden durch die Eigenschaften der einwirkenden Entitäten nicht im einzelnen bestimmt, sondern nur ausgelöst; c) auch die Strukturveränderungen, die zu ihrer Zerstörung führen, werden durch die Eigenschaften der zerstörenden Entität nicht im einzelnen bestimmt, sondern dadurch nur ausgelöst [...]" (242 f.).
"Wäre der von einem System aufgrund einer Interaktion eingenommene Zustand durch die Eigenschaften der Entität bedingt, mit der das System interagiert, dann wäre die Interaktion eine ›instruktive‹ Interaktion. Systeme, die instruktiven Interaktionen unterliegen, können mit wissenschaftlichen Verfahren nicht analysiert werden. Alle instruierbaren Systeme würden nämlich aufgrund gleicher Einwirkung denselben Zustand einnehmen und notwendigerweise für den Standardbeobachter ununterscheidbar sein" (243).
Information ist bestenfalls eine Metapher (243)
"Würde der Beobachter eines Nervensystems, sei es in einem konkreten Experiment, sei es in seiner Vorstellung, sich in einen synaptischen Spalt stellen, die präsynaptischen und postsynaptischen Oberflächen beobachten und die Transfereigenschaften des von ihm hergestellten Systems mit Hilfe von Inputund Outputrelationen beschreiben, so würde er ein offenes Netzwerk und kein Nervensystem beschreiben. Eben dies geschieht aber dann, wenn ein Beobachter den Organismus als System beschreibt, das voneinander unabhängige sensorische und effektorische Oberflächen für seine Interaktionen mit der Umwelt besitzt" (250).
"Da wir lebende Systeme sind, folgt aus diesen [systemtheoretischen] Überlegungen, daß unsere gesamte individuelle Erscheinungswelt unserer Autopoiese untergeordnet ist, daß wir andernfalls zugrundegehen, und daß wir daher als Individuen geschlossene Systeme sind. Daraus folgt weiterhin, daß Kognition als ein Phänomen des Individuums der Autopoiese des Erkennenden untergeordnet ist und daß alle kognitiven Zustände als Zustände des Erkennenden durch die Art determiniert sind, in der dieser seine Autopoiese verwirklicht, und nicht durch Bedingungen der Umwelt, in der dies sich ereignet. Kognition ist daher ein prinzipiell subjektabhängiges Phänomen" (302).
"Philosophen, Psychologen und Biologen haben verschiedentlich betont, daß der Akt der Erkenntnis in gewisser Weise an den Erkennenden gebunden ist. Unglücklicherweise sind Philosophen und Wissenschaftler meist der Meinung, daß die Anerkennung der Subjektabhängigkeit der Kognition zu Idealismus und Solipsismus führt." Für Maturana ist dies ein Irrtum, der seine Ursache darin hat, daß "[...] wir in einen denotativen Sprachbereich eingebunden sind, in dem sogar subjektbezogene Vorstellungen auf denotative Weise ausgedrückt werden, so als ob sie unabhängig von uns Beobachtern existierten." Seine These ist demgemäß, "daß Solipsismus als Problem erst dann entsteht, wenn wir darauf bestehen, von einem subjektabhängigen kognitiven Bereich die Eigenschaften subjektunabhängiger kognitiver Bereiche zu fordern" (301).
"Die Frage des Solipsismus entsteht lediglich als Scheinproblem oder überhaupt nicht, denn die notwendige Bedingung der Möglichkeit, überhaupt darüber zu sprechen, ist die Verfügbarkeit einer Sprache. Diese aber ist ein konsensuelles System der Interaktion in einem subjektabhängigen sprachlichen Bereich. Allein diese Bedingung widerlegt jeden Solipsismus" (310).
"Wenn [...] mithilfe eines Beobachtungsverfahrens das in Frage stehende Phänomen durch die Projektion auf ein [...] Netz von Relationen dargestellt wird, wird jede Beschreibung dessen, was in dieser Matrix von Relationen der Fall ist, notwendigerweise als ein Zustand eben dieser Matrix interpretiert werden [...]. Der Erfolg einer Vorhersage beweist daher lediglich, daß eine bestimmte Abbildungs- oder Projektionsoperation vorgenommen werden kann, enthüllt jedoch nicht das Wesen bzw. die spezifische Eigenart dessen, was abgebildet oder projiziert wird" (297).
Ein Aspekt...