Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03586.jsonl.gz/129

Brückenangebot zur Integration des Jägervolks der Shikari
Die Shikari sind traditionell ein nomadisches Volk von Sammlern und Jägern. Ihnen fällt die Integration in die indische Gesellschaft nicht leicht, da sie sich schwer damit abfinden können, ihren alten Lebensstil aufzugeben. Das Projekt richtet sich deshalb an die ganze Shikari-Familie und will ihren Kindern mit einer Brückenschule den Eintritt in die reguläre Schule erleichtern. Eltern werden mit Hygienekursen in Gesundheitsthemen geschult und Frauen können mit Nähkursen eine neue Einkommensquelle erschliessen und dadurch ihre Stellung innerhalb der Gemeinschaft verbessern.
Land/Ort: INDIEN– Kurnool
Projektnummer: INH 11-060-20
Projektziel: Über eine Brückenschule werden Shikari-Kinder auf den regulären Schulbesuch vorbereitet. Kurse helfen den Eltern, sich in die indische Gesellschaft einzugliedern und zeigen ihnen alternative Einkommensmöglichkeiten.
Projektwirkung: Die Shikari-Gemeinschaft ist besser in der indischen Gesellschaft integriert.
Mittelbedarf: 17 000 CHF pro Jahr
Die Shikari werden sesshaft
Die Shikari sind eine Minderheit im Vielvölkerstaat Indien, die traditionell einen nomadischen Lebensstil als Jäger und Sammler pflegten. Aufgrund der Privatisierung des Bodens und des Zwangs zur Integration in die Mehrheitsgesellschaft ist dieser Lebensstil für sie heute nicht mehr möglich. Deshalb haben sie sich in den letzten Jahren nordöstlich von Kurnool niedergelassen – auf Land, das ihnen von der Regierung zur Verfügung gestellt wurde. Mit dieser Massnahme versucht die indische Regierung, die Shikari-Familien in die Gesellschaft zu integrieren und zu einem sesshaften Bauernleben zu bringen. Den Shikari fällt es jedoch schwer, ihren alten Lebensstil abzuwerfen und sich mit dem neuen Leben anzufreunden.
Im Rahmen des indischen Förderungsprogramms von Scheduled Tribes (englisch für «gelistete Stammesbevölkerungen») wurden 53 Shikari-Familien am nordöstlichen Rand von Kurnool unter einfachsten Bedingungen in kleinen Häuschen angesiedelt. Der gleichnamige Distrikt Kurnool liegt im Bundesstaat Andhra Pradesh, hat etwas mehr als vier Millionen Einwohner und liegt an der östlichen Grenze des Bundesstaats, ungefähr 200 Kilometer südlich der Grossstadt Hyderabad. Die sanitären Anlagen und die Trinkwasserversorgung in ihrem neu errichteten Dorf sind dürftig; zwar stellt die Regierung einen Wassertank zur Verfügung, das Wasser darin ist jedoch nicht sauber. Viele Shikari-Kinder sind unterernährt und leiden aufgrund der unhygienischen Verhältnisse an Darmwürmern und Hautkrankheiten. Über die Pläne der Regierung, sie zur Landwirtschaft zu bewegen, sind die Shikari nicht erfreut. So ziehen sie trotz des erhaltenen Landes weiterhin das Jagen der Landwirtschaft vor und verkaufen das Fleisch um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Die Situation der Shikari
Kriminelles Verhalten ist unter den Shikari verbreitet. Da sie für die moderne Arbeitswelt keine erforderlichen Qualifikationen mitbringen, ist die Verlockung grösser, sich an kleinen Raubüberfällen zu beteiligen. Zudem ist das illegale Brennen von Alkohol üblich, was zu einem erhöhten Alkoholkonsum und dementsprechend mehr gewaltsamen Auseinandersetzungen führt.
Von der übrigen Gesellschaft werden die Shikari aufgrund ihres Lebensstils ausgegrenzt. Sie werden wegen ihrer mangelhaften Hygiene und der Missachtung bestimmter Normen und Werte mit einem despektierlichen Blick bestraft. Auch die Kinder der Shikari sind von dieser Ausgrenzung betroffen. Sie sind undiszipliniert, ungepflegt und wissen nicht, wie man sich zu verhalten hat. In öffentlichen Schulen werden sie deshalb von anderen Schülern und deren Eltern diskriminiert, was dazu führt, dass die Shikari-Kinder nicht mehr in die Schule gehen wollen. Diese fehlende Bildung macht eine spätere Integration in die Gesellschaft nahezu unmöglich.
Eine Brückenschule für die Shikari
Die Salesianer Don Boscos wollen mit diesem Projekt die Grundlage schaffen, die eine schrittweise Integration der Shikari in die indische Gesellschaft ermöglicht. Sie berichten, dass die Shikari aufgrund der Erfahrungen zynisch und manchmal aggressiv gegenüber Fremden sind. Doch bereits das erste Treffen der Salesianer mit den Shikari war konstruktiv, denn die Shikari sind sich ihrer Situation bewusst und wollen eine gute Bildung für ihre Kinder. Dieser Wille hat die Salesianer motiviert, sich für die Shikari einzusetzen.
Die Brückenschule dient dazu, die Kinder auf den Unterricht in der regulären Schule vorzubereiten. Viele Shikari-Kinder haben noch nie eine Schule besucht und sind sich dementsprechend nicht gewohnt, den ganzen Tag im Schulhaus zu verbringen und sich länger zu konzentrieren. Deshalb wird der Unterricht ihren Bedürfnissen angepasst, sodass die Schule teilweise in der Natur durchgeführt wird. Zudem erhalten sie in der Schule ein nahrhaftes Mittagessen sowie Kurse über Körperhygiene.
Nach einem Jahr in der Einführungsschule werden die Kinder in das Don-Bosco Zentrum Navajeevan verlegt. Da die Eltern teilweise einen nomadischen Lebensstil pflegen, wohnen die Kinder unter der Woche im Zentrum. Dies hilft ihnen auch, sich weiter an den regelmässigen Schulbesuch zu gewöhnen und einen geordneten Tagesablauf in ihr Leben zu integrieren. Zusätzlich erhalten sie Nachhilfeunterricht, der die Wissenslücken füllen soll und sie endgültig auf den Besuch staatlicher Schulen vorbereitet. Denn das Ziel ist es, die Shikari-Kinder mit diesem Angebot auf die Normen der regulären Schule vorzubereiten und ihnen schlussendlich die Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen.
Integrationshilfe für die ganze Familie
Eine Verbesserung der Situation für die Shikari-Kinder ist jedoch nur möglich, wenn die ganze Gemeinschaft Unterstützung bei der Integration in die indische Gesellschaft erhält. Deshalb wird in diesem Projekt der ganzen Familie eine Hilfestellung geboten. Neben der Brückenschule für die Kinder und Jugendlichen werden mit Workshops die Eltern – speziell die Mütter – über gesellschaftsbezogene Themen informiert. Sie werden aufgeklärt über alternative Einkommensmöglichkeiten, Hygiene und Gesundheit sowie ihre Ansprüche und Rechte als Scheduled Tribes.
Zusätzlich werden Schneidereikurse angeboten, welches Frauen ermöglicht, Geld für die Schulbildung ihrer Kinder zu verdienen und zugleich ihr Selbstwertgefühl und ihre Stellung innerhalb der Gemeinschaft zu steigern. So ist auch das Ziel des Projekts, dass es in einer späteren Phase selbsttragend sein wird. Dies soll erreicht werden, indem die Frauen Aufträge von Bekleidungsfirmen annehmen und zusätzlich die Nachfrage nach ihren eigenen Modedesigns gestärkt wird.
Diese Massnahmen sollen den Shikari helfen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und die Chancen der indischen Gesellschaft nutzen zu können.
Helfen auch Sie mit, dass die Shikari-Kinder eine Schule besuchen können. Spenden Sie mit dem Vermerk INH-11-060-20 und geben Sie nicht nur diesen Kindern und Jugendlichen sondern der ganzen Shikari-Gemeinschaft eine Perspektive! Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!
Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Désirée Schöpfer.