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Nachruf im Rheintaler Almanach
Karl Albert Hasler, Oberriet
Im hohen Alter von 90 Jahren starb am 15. Juli Karl Albert Hasler, Gastwirt zur Krone in Oberriet.
Geboren am 1. Dezember 1862, verlebte der Verstorbene eine schöne Jugendzeit und wandte sich nach dem Besuch der Primar- und Realschule seiner Heimatgemeinde der Stickereiindustrie zu, in welcher Branche er eine umfassende praktische Lehre durchmachte und sich im Ausland fachmännisch weiterbildete.
Mehrere Jahre war er, zunächst als Angestellter und später in leitender Stellung in der Stickerei Pfund und Vallois tätig.
1910 übernahm er von seinen Geschwistern das renommierte Gasthaus zur Krone, das er als pflicht- und verantwortungsbewusster Mann vorbildlich führte.
Die Eigenschaften des aufgweckten, fortschrittlichen Mannes blieben seinen Mitbürgern nicht verborgen.
Sie betrauten ihn mit der Mitgliedschaft des Schulrates und dessen Präsidenten, ein Amt, das er während 36 Jahren in seltener Umsicht und Treue versah.
Mit seinem angeborenen haushälterischen Sinn verband sich eine fortschrittliche Aufgeschlossenheit.
In seine Amtszeit fällt der Bau des neuen Primarschulhauses, das bei Berücksichtigung aller aller modernen Erfordernisse mit einem überaus geringen Kostenaufwand gebaut werden konnte.
Karl Albert Hasler hat eine ungeheure vorbereitende und leitende Arbeit beim Bau des Schulhauses bewältigt.
Er war in allem ein gewissenhafter und getreuer Verwalter öffentlichen Gutes.
Seine Mirbürger delegierten ihn auch während einiger Zeit in den Großen Rat.
Doch lag ihm die Politik eigentlichz nicht.
Die Interessen der Gemeinde lagen ihm näher.
Seiner Familie war er ein lieber, treubesorgter Gatte und Vater.
Er freute sich, seine Kinder zu tüchtigen Menschen heranreifen zu sehen.
Ein Sohn widmete sich als Priester dem Dienste Gottes und wirkt heute segensreich als Kaplan in Au.
Mit Karl Albert Hasler ist eine markante Gestalt aus dem Dorfbild von Oberriet geschieden, ein Mann von großem Wissen, Charakter und verantwortungsvollem Pflichtbewußtsein.
Quelle: Rheintaler Almanach 1953, p. 152 / Dora M. Stalder

Nachruf in der Rheintalischen Volkszeitung
Alt-Kantonsrat Karl Albert Hasler †
(Eins.) In den Abendstunden des vergangenen Dienstags starb Karl Albert Hasler, Gastwirt zur «Krone».
Eines Mannes Leben, reich an Jahren und Arbeit, hat damit seinen Abschluß gefunden.
Wenn wir nun dem Lebensweg des Verstorbenen etwas nachgehen, so tun wir es um dem Dahingeschiedenen nochmals den öffentlichen Dank zu bekunden für sein jahrzehntelanges Wirken im Dienste der Allgemeinheit.
Sein Lebensweg begann am 1. Dezember 1862 im alten Stationsgebäude, das sein Vater Karl Salesius Hasler seit Beginn der Eisenbahn als Stationsvortand der Vereinigten Schweizerbahnen bewohnte.
Die Natur hatte dem ältesten Sohn prächtige Gaben des Herzens und des Geistes in die Wiege gelegt.
Die Erziehung trug zur Entwicklung derselben ebenfalls ihren Teil bei.
1868 verliess der Vater den Bahndienst, kaufte das alte Gasthaus zur «Krone», das nach kurzem Besitz einer Feuersbrunst zum Opfer fiel.
Er ließ das jetzige Gasthaus zur «Krone» erbauen und wurde fast gleichzeitig Stickfabrikant.
Hier verlebte nun Karl Hasler zusammen mit einem Bruder und zwei Schwestern seine Jugendjahre.
Bei seinem hohen Alter von 90 Jahren umspannen seine Erlebnisse und Erinnerungen eine Zeit, in welcher das Dorfbild seiner geliebten Heimatgemeinde eine starke Umwandlung und Verschönerung erhalten hat.
Im alten hölzernen Schulhaus, das auf dem Platze des heutigen Rathauses stand und 1878 abgebrochen wurde, erhielt er die Primarschulbildung, die er in den drei darauffolgenden Jahren in der damals neu gegründeten Realschule Oberriet erweiterte.
Zeichnerische Begabung und reiche Verdienstmöglichkeit der ansteigenden Blütezeit der Stickereiindustrie beeinflussten seine Berufswahl und wiesen ihm den Weg nach St. Gallen in die siebenmonatige Lehre als Stickereizeichner.
Jene Freizügigkeit, die bei aller Liebe zur engeren Heimat auch die Fremde kennen lernen will, führte ihn für zwei Jahre in die Städte Argenteuil, St. Denis und Paris selbst, die sich damals in der Stickereiindustrie einen besondern Namen erworben für die Spitzenfabrikation.
Ausgerüstet mit ausländischer Fachausbildung kehrte Karl Hasler zurück ins väterliche Geschäft um dort den Pantograph selbst in die Hand zu nehmen und durch Erlernen des Stickens seiner Berufsausbildung die letzte Rundung zu geben.
Der Wandel der Zeit und seine beruflichen Anstellungen in Rorschach, St. Gallen und Teufen führten ihn von der Handstickerei hinüber zur Schifflistickerei und Kettenstickerei.
Nach Oberriet zurückgekehrt stand er während 11½ Jahren als Angestellter und Geschäftsführer in leitender Stellung in der Firma Pfund & Vallois.
Bekannt mit den gerechten Ansprüchen des Arbeitgebers und der Arbeitnehmer gründete er dann ein eigenes Stickereigeschäft in der «Krone» und übernahm 1910 von seinen Geschwistern das Gasthaus.
Als strebsamer Geschäftsmann erstellte er 1923 die Parterrelokale und den Saalbau zur «Krone», der seit 1925 mit den zwei andern Sälen unserer Pfarrei im Dienste unserer konfessionellen Standesvereine steht.
Der erste Weltkrieg und die damit verbundenen und sich wiederholenden Krisenerscheinungen der Stickerei bewirkten mehr und mehr den Rückgang der Industrie.
Die klare Erfassung der Situation und der damals 1915 wohl harte Entschluß zur Aufgabe seines Geschäftes bewahrten Karl Hasler und seine neugegründete Familie vor jenen schweren Schicksalsschlägen, von welchen sich sehr viele wirtschaftlich nie mehr erholten.
Am 1. Mai 1911 segnete Pfarrer Alois Maier seinen ehelichen Lebensbund mit Jungfrau Maria Lina Mattle, aus der Mühle im Moos.
Seine liebsten und schönsten Stunden verlebte der treubesorgte Vater stets daheim im Kreise seiner Angehörigen.
Die Hingabe an die Familie, an Gattin und Kinder war ihm gottgewollte und naturgegebene Selbstverständlichkeit.
Als Gatte war er treuer Lebensgefährte, kluger Führer und besorgter Helfer.
Als Vater war er Erzieher, der nach außen mit scheinbar nüchterner Art, innerlich aber mit liebendem Herzen Ratgeber und Wegweiser sein wollte, um seine Kinder durch gute Erziehung und Schulbildung zu ertüchtigen für die selbständige Meisterung des Lebens.
In seinem Greisenalter leuchtete immer wieder die stille väterliche Freude aus seinen Augen, die am Guthirtsonntag 1942 seinen einzigen Sohn als Priester des Herrn zum erstenmal hinaufsteigen sahen zum Altare Gottes, um das hochheilige Opfer des neuen Bundes darzubringen.
Die treue Besorgnis der Gattin, die aufopfernde Pfleg und Hilfe seiner Lieben angesichts der wachsenden Beschwerden des Alters und seiner Erkrankung waren ihm wohltuende Freude und tröstende Linderung.
Die fleißige Einkehr der Kinder im Elternhaus und ihre treue Einstellung zur Familiengemeinschaft haben das Familienband so immer enger geschlossen und lassen es uns begreifen wie hart der heutige Weggang vom offenen Grab ist für seine Gattin, die 41 Jahre lang mit ihm gemeinsam den Lebensweg gegangen.
Es wer ein hartes Weggehen für seine drei Töchter und seinen geistlichen Sohn, der heute als Kaplan in Au segensreich wirkt,
Die Mutter des Dahingeschiedenen war Karolina geb. Sartory.
Bekleidete auch sein Urgroßvater Karl Fidel Sartory im Militär den Rang eines Hauptmanns 1. Klasse im 2. Schweizerregiment Bleuler in Spanien und avancierte er zum Oberst und Platzkommandanten von Tortosa, so schlug Karl Hasler als Wachtmeister des Bat. 74/IV seine Beförderung in die Offiziersschule trotzdem aus.
Seine soldatische Kameradschaft übertrug er auf seine Kameraden bei den Schützen und er war schon vor 30 Jahren Ehrenmitglied des Rheintal[s].
Mehr als die Hälfte seiner Lebensjahre stellte er in den Dienst der Allgemeinheit und des öffentlichen Lebens.
Einige Jahre war er Mitglied des Großen Rates.
Die Politik lag ihm aber eigentlich nicht.
Die Interessen der Gemeinde lagen ihm näher.
Als Geschäftsmann legte er Wert auf die Verbesserung des wirtschaftlichen Lebens unserer Pfarrei.
Ob seines loyalen Wesens, seinem verträglich Charakter, ob seiner Aufgeschlossenheit und Tüchtigkeit wurde Karl Hasler 1903 in den Verwaltungsrat der Sparkassa Oberriet gewählt.
Während 30 Jahren hat er als Präsident des Verwaltungsrates der Sparkassa sich ein wesentliches Verdienst erworben um die Prosperität dieses Bankinstitutes, das volkserzieherisch und sozialcaritativ eine nicht zu unterschätzende Aufgabe in unserer Gemeinde erfüllt.
Im Mittelpunkt seiner Verdienste steht seine Tätigkeit für das Schul- und Erziehungswesen unseres Dorfes.
Der Schulgemeinde widmete er Zeit, Umsicht- und Kraft.
Wohl niemand ermißt die Arbeit, die er in dieser Beamtung geleistet.
36 Jahre war er Schulratspräsident und diese 36 Jahre gehen in die Geschichte der Primarschulgemeinde Oberriet ein, wohl als seltenste, längste, je bekannte ununterbrochene Amtstätigkeit eines Schulratspräsidenten.
Das schönste Werk, auf das er in voller Berechtigung ganz besonders stolz sein durfte, ist der im Jahre 1935/36 erstellte Bau des neuen Primarschulhauses.
Wenn heute die breite Oeffentlichkeit in selten hohem Maße ihm die letzte Ehre erwiesen hat, so war dies ein Zeichen der allgemeinen Anerkennung für das, was Karl Hasler getan für sein liebes Oberriet.
Der Seelenruhe des Toten galt das von seinem Sohne zelebrierte Seelamt in der Pfarrkirche, aus der jeder zum letzten Abschied das christliche «Requiescat in pace» für den Dahingegangenen mit heim nahm.
*
Die hiesige Primarschulgemeinde betrauert ihren ehemaligen, langjährigen Präsidenten K. A. Hasler, zur «Krone».
Jeder Schulgenosse ist ihm zu Dank verpflichtet, rein schon durch die Tatsache, daß er in der langen, bewegten Zeit von 1912 bis 1948, also volle 36 Jahre, der Schule vorstand.
Kaum ein Schulgenosse hat je diese Wahl bedauert, hat doch unsre Primarschulgemeinde in der Amtszeit des Verstorbenen eine große, teils zeitbedingte Entwicklung durchgemacht.
Jedem Schulgenossen dürfte bekannt sein, daß der größte Markstein in der Geschichte der Schulgemeinde dieses Jahrhunderts der Bau des Schulhauses war.
Nur wer die Möglichkeit hatte, in jener Zeit in die Belege und Protokolle Einsicht zu haben, kann die Arbeit ermessen, welche der nun Verblichene leistete und zu leisten imstande war.
Daneben nahm die Ueberwachung des Baues, die umfangreiche Korrespondenz und andere unkontrollierbare Kleinarbeit sehr viel Zeit in Anspruch, die er alle selbstlos ohne Belohnung verrichtete.
Hervorzuheben ist auch, daß sich die Baukosten heute wohl auf das dreifache beliefen, und daß diese sich nur wegen der Spartendenz des damaligen Präsidenten so niedrig hielten und die Bauschuld bis zu seiner Demission auf einen kleinen Rest zusammenschmolz. -
Für das Wohl der Primarschulgemeinde und der Schuljugend war der Dahingeschiedene stets intensiv besorgt.
Er stand fest zum erprobten Alten, war aber auch für das gesunde Neue zugänglich und aufgeschlossen. -
In dieser ehrenden Erinnerung versichert der gesamte Primarschulrat von Oberriet die verehrte Trauerfamilie der aufrichtigen Teilnahme.
Unser langjähriger, verdienter Schulratspräsident möge den Lohn für seine uneigennützige Tätigkeit im Jenseits empfangen.
*
Beinahe fünf Jahrzehnte war der Verstorbene Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse Oberriet, wo er während mehr als 3 Jahrzehnten den Vorsitz führte.
Die umfangreichen Kenntnisse des Verstorbenen auf den verschiedenen wirtschaftlichen Gebieten kamen dem Institute sehr zu nutzen.
Durch seine umsichtige Leitung erfreute sich die Bank immer einer sehr soliden Grundlage und Karl Hasler hat als Sparkassapräsident immer einer[n] geraden Kurs eingehalten; riskierte Geschäfte wurden nicht getätigt, was wohl der 'Grund ist, daß das Institut trotz den durchgemachten verschiedenen Krisenjahren, wie sie Industrie und Landwirtschaft erlebten, vor Verlusten verschont blieb.
Verwaltungsrat, Aktionäre und die Oeffentlichkeit werden ihm ein dankbares Andenken bewahren.
Quelle: Rheintalische Volkszeitung vom 15. Juli 1952