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Marc Sway (39) stand seinen Schweizer Grosseltern sehr nahe. Mit dem Grossvater hat er noch in dessen hohem Alter über die Musikindustrie diskutiert.
Ich wuchs zwischen zwei Kulturen in der Schweiz auf. Meine Mutter ist Brasilianerin, mein Vater Schweizer. Meine Grosseltern väterlicherseits lebten wie ich und meine Familie in Männedorf und zu ihnen pflegte ich eine liebevolle Beziehung. Mein Grosi machte mit mir Ufzgi, kochte für meine Schwester Carmen und mich und unterstützte uns Geschwister. Als ich noch ein Kind war, organisierten meine Eltern an den Wochenenden brasilianische Shows und Konzerte. Entweder waren wir Kinder auch dabei und sammelten deshalb schon früh Bühnenerfahrung, oder wir blieben zu Hause bei unseren Grosseltern. Vor allem meinem Grosi stand ich sehr nahe. Wenn meine Eltern auf Tour waren, machte sie all das für uns, was sonst meine Mutter tat. Es war kein grosser Unterschied zwischen dem Grosseltern- und dem Elternhaus. Im Gegenteil: Es war für uns immer eine grosse Freude, ja ein absolutes Highlight, bei ihnen zu sein. Mein Grosi hat einen grossen Teil der Grosselternrolle übernommen. Deshalb war die Beziehung mit ihr intensiver als mit dem Grossvater. Das veränderte sich nach ihrem Tod. Sie starb, als ich 16 war. Es war mein erster grosser Verlust in meinem Leben. Grossvater füllte die Lücke aus, die entstand. Mein Grossvater war eine beeindruckende Persönlichkeit. Bis ins hohe Alter hat er nie aufgehört zu lernen und blieb immer neugierig. Er hat sich für viele Dinge interessiert, er war ein intelligenter Mensch, dem durchaus auch eine akademische Laufbahn angestanden hätte. Dies blieb dem Jungen aus einem eher einfachen Elternhaus aber verwehrt. Er wurde als Kind auf einen Bauernhof verdingt. Ein dunkles Kapitel in unserer Geschichte.
Der Grossvater, eine angesehene Persönlichkeit
Durch seiner Lungenkrankheit hatte mein Grossvater Glück im Unglück: Er kam zur Kur nach Männedorf und lernte dort mein Grosi kennen. In Männedorf absolvierte er eine handwerkliche Lehre, blieb danach im Betrieb und machte eine schöne Karriere. Er wurde Gemeinderat, war Präsident des Fussballclubs Männedorf. Ich diskutierte mit ihm über vieles, das Musikmachen interessierte ihn ganz besonders. Er freute sich über meine Musikkarriere und war stolz auf mich. Bis ins hohe Alter las er täglich drei Zeitungen.
Ich glaube, meine brasilianische Grossmutter hat meine Schweizer Grosseltern nur einmal getroffen. Da war ich zu klein, um mich daran zu erinnern. Zu ihr hatte ich eine Ferienbeziehung. Sie besass einen grossen Kräutergarten, braute stets etwas zusammen und machte beispielsweise Hustensirup selber, was mich sehr faszinierte. Dieses Wissen, eine Art Urheilkunde, hat sie von ihren Vorfahren geerbt. Als Kind war ich ganz blond. Bei den Besuchen in Brasilien war ich deshalb ein kompletter Exot im Dorf. Aber die anderen Kinder störte das nicht. Das ist das Schöne an Kindern, sie sind offen und interessieren sich nicht für Andersartigkeiten. Das Cliché der kulturellen Unterschiede meiner beiden Herkunftsländer – hier die angepassten, eher kühlen und pünktlichen Schweizer, da die ausgelassenen, warmherzigen Brasilianer – trifft in ganz vielen Fällen tatsächlich zu, nicht aber in Bezug auf meine Schweizer Grosseltern. Sie waren stets offen, fortschrittlich und herzlich.•