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Thüringen, um 1830
Papiermaché, bemalt
Baumwolle, Ziegenleder
Echthaar (nicht ursprünglich)
H. 68 cm
Inv. 1953.54.
Mädchenpuppe
Andreas Voit, Hildburghausen
(Thüringen), um 1840/50
Papiermaché, bemalt; Ziegenleder
Baumwolle, bedruckt (Kleid)
H. 70 cm
Inv. 1975.98.
Zwei Puppen zum Liebhaben
Puppen waren lange Zeit elegante, nach der neuesten Mode gekleidete und frisierte Damen, die sich als Rollenvorbilder, zur Bewunderung und Nachahmung anboten. Das ist damit zu erklären, dass im 17. und 18. Jahrhundert Belange der Haushaltsführung, nicht der Kinderpflege im Mittelpunkt der Mädchenerziehung gestanden hatten. Erst mit der zunehmenden Bedeutung der Familie und der Emotionalisierung der Mutter-Kind-Beziehung wurden im 19. Jahrhundert auch Puppen, die wie wirkliche Kinder aussahen, hergestellt. Kindheit an sich hatte an Wert gewonnen, und so waren Puppen nicht mehr ausschliesslich nach dem Ideal des erwachsenen Menschen geformt. Mütterlichkeit und Fürsorge, die nun so hohe Werte waren, sollten durch das Spielen mit der kindlich gestalteten Puppe gefördert werden. Mit diesem Spielzeug konnten Mädchen das zärtliche Verhalten, das sie selbst erfuhren, imitieren. Diese Behandlung der Puppen als seien sie wirkliche Kinder gipfelte in ihrer vielstufigen ‹Erziehung›, wie sie in einigen Kinderbüchern geschildert wurde.
Die beiden Puppen besitzen einen naturalistisch bemalten Kopf aus Papiermaché mit weichen und kindlichen Proportionen. Die Körper bestehen aus Stoff (Knabe) oder aus Ziegenleder (Mädchen) und sind mit Stroh gefüllt. Das macht die Puppen anschmiegsam, und ihre relativ grosse Gestalt lässt ebenfalls den Eindruck eines Kindes aufkommen.
Beide Puppen besitzen noch die Kleidung aus ihrer Entstehungszeit. Der Knabe ist in einen zweiteiligen, dunkelvioletten Knabenanzug mit weisser Halskrause gekleidet, das Mädchen trägt ein bedrucktes Baumwollkleid, dessen feiner Dekor von der stilistischen Fortschrittlichkeit im Textildruck zur Zeit des Biedermeier kündet.