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Wer oder was ist der Grüne Ritter?
«The Green Knight» ist eine sagenumworbene Gestalt aus dem Umfeld der Artussage.
Halt, Moment! Artus was?
König Artus – oder King Arthur, wie er im Englischen heisst – ist ein ebenso sagenumworbener König, dessen Geschichten seit dem Mittelalter in unzähligen Werken (Romane, Gedichte, Songs, Filme, you name it...) überliefert werden. Einen «richtigen» König Artus hat es allerdings nie gegeben.
«The Green Knight»: jetzt im Kino
«The Green Knight» von David Lowery läuft ab Donnerstag, dem 29. Juli in unseren Kinos.
Artus' wohl berühmteste Erfindung ist die «Tafelrunde». Ein runder Tisch, an welchem niemand durch seine Platzierung benachteiligt oder bevorzugt werden kann. Dort Platz genommen haben die «Ritter der Tafelrunde», zu denen unter anderem Lancelot oder Parzival gehörten.
Alright! Zurück zum Grünen Ritter. Der wird hier von Dev Patel gespielt?
Nein, die Rolle welche Dev Patel (der Junge aus «Slumdog Millionaire», später dann Oscar-nominiert für «Lion») übernimmt, ist jene von Sir Gaiwan, Neffe von König Artus und ebenfalls Ritter dieser Tafelrunde.
Und was hat dieser Gaiwan mit dem Grünen Ritter zu tun?
Als an einem Silvesterabend der Grüne Ritter, eine überdimensionale Gestalt dessen Körper aus Baumrinde zu sein scheint, die Tafelrunde dazu auffordert, ihn mit seiner Axt zu schlagen, meldet sich Gaiwan freiwillig um diesen Schlag auszuführen. Aber selbstverständlich hat diese etwas seltsame Aufforderung auch einen kleinen Haken: So verkündet der Grüne Ritter, dass, sollte er den Axtschlag überleben, er denselben Schlag in exakt einem Jahr der gleichen Person «zurückgeben» darf.
Leider ignoriert Gaiwan diese Fussnote und enthauptet den Grünen Ritter... der kurz darauf wieder aufsteht – ohne Kopf. Und so reitet der kopflose Grüne Ritter wieder davon, während Gaiwan nichts anderes übrig bleibt, als sich ein Jahr später auf den Weg zu seiner sicheren Enthauptung zu machen.
OK, genug zum Inhalt. Wie ist der Film?
Fantastisch! Wortwörtlich.
Wirklich?
Ja! Aber, machen wir uns nichts vor: «The Green Knight» ist ein wortkarges Arthouse-Epos, das sich als Blockbuster-Kino tarnt. Rüstungen und Schwerter machen sich in einem Trailer immer gut, schlussendlich lebt der Film allerdings weniger von seiner Geschichte – wobei es durchaus eine gibt und man kann ihr auch folgen –, dafür umso mehr von seiner Stimmung.
Und da hilft es natürlich enorm, dass Regisseur David Lowery («A Ghost Story», «The Old Man & the Gun») und sein Kameramann Andrew Droz Palermo haufenweise paradiesische Bilder eingefangen haben. Wer die klebrig-unwirklichen CGI-Schlachten zeitgenössischer Hollywood-Blockbuster langsam aber sicher satt hat, dürfte höchstwahrscheinlich in Tränen ausbrechen, wenn er oder sie Dev Patel zwei Stunden lang dabei zuschauen darf, wie er in Licht gebadet majestätisch über Felder und durch Wälder reitet.
Selbstverständlich ist «The Green Knight» aber mehr als einfach nur eine Ansammlung hübscher Bilder. Wenn Sir Gaiwan in Richtung seines sicheren Ende reitet und dabei wiederholt feststellen muss, dass sich sowohl Natur wie auch sämtliche anderen Figuren, denen er auf seiner Reise begegnet, gegen ihn gestellt haben, kann man immer wieder Parallelen zu unserer Gegenwart ziehen. Jenen Zuschauer:innen, welche sich von der Atmosphäre des Films unbeeindruckt zeigen, dürfte das aber trotzdem zu wenig sein.
Wer spielt sonst noch mit?
Auch Alicia Vikander («Tomb Raider», «The Danish Girl», «Ex-Machina»), Joel Edgerton und «Mission: Impossible»-Bösewicht Sean Harris haben kleinere Rollen im Film. Doch «The Green Knight» bleibt in erster Linie eine Dev Patel-Show.
4.5 von 5 Sternen.