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zuletzt bearbeitet am Mittwoch, 17. Dezember 2008
Die Geschichte des Internet begann in der Zeit der ersten Mondlandung, d.h. in jener Zeit, als die Hippies die Welt mit ihren Ideen von Frieden, Freiheit und sexueller Befreiung zu beglücken begannen. Die Technologie, wie wir sie heute kennen, ist in einem universitären Versuchslabor entstanden und hat sich seither nur recht marginal weiterentwickelt. Die Studenten machten sich damals keine Gedanken über Sicherheit und mussten sich mit einem Bruchteil der heutigen Übertragungsbandbreiten zufrieden geben. Der Nutzen und speziell auch die kommerzielle Nutzung sind heute – vor allem angesichts der um einen Faktor von über 10’000 gestiegenen Übertragungsgeschwindigkeit – derart verlockend, dass die technologische Entwicklung mit der schier explosionsartigen Verbreitung und den gestiegenen Anforderungen nicht wirklich Schritt halten konnte. Das Internet kann daher als ein unreifes und unfertiges Produkt bezeichnet werden, das dennoch von einem breiten Publikum von mittlerweile gut über 1 Milliarde Menschen weltweit genutzt wird. So gesehen spielen wir Internetnutzer alle Softwaretester im grössten Test in der Geschichte der Menschheit.
Stellen wir uns vor, das Auto wäre noch nicht erfunden und eine Gruppe von jungen Ingenieuren bastelt in einer Scheune ein Auto. Der Entwicklungsstand ist wie folgt:
- 1 Fahrgestell, das gerade 700 kg zu tragen vermag
- 1 Lenkung, die zwar ab und zu klemmt, aber grundsätzlich funktioniert
- 1 Motor, der trotz kleineren Stottergeräuschen und Zündaussetzern mit bis 3’000 Umdrehungen pro Minute dreht und 32 PS leistet
- 1 Fahrersitz und 1 Beifahrersitz aus alten Holzstühlen, die mit ein paar Schrauben notdürftig am Fahrgestell befestigt sind
- 4 Räder mit profillosen Pneus und Trommelbremsen, die nicht entlüftet sind
- Windschutzscheibe, Türen, Stossstangen und Scheinwerfer fehlen und es gibt weder Sicherheitsgurte noch Airbags
- … aber es fährt.
Da kommt eines Tages ein interessierter Passant vorbei und findet riesigen Gefallen an dem unfertigen Gefährt. Er legt ein Bündel Geldscheine auf den Tisch, schnappt sich den Wagen und fährt davon. Seinen Kollegen zeigt er voll Stolz seine neue Errungenschaft. Diese kopieren das Auto und bevölkern damit die Strassen. Einige Individualisten basteln sich zusätzliche Teile und Geräte für ihr Fahrzeug, um dessen Funktionalität zu erweitern und sich von den anderen zu differenzieren (Add-ons und Plug-ins).
So etwas wäre für uns heute eigentlich unvorstellbar, aber eben diesem Bild entspricht der Zustand im Internet und wir haben trotzdem Gefallen daran. Und als Vertreter der Spezies „homo oeconomicus“ betreiben wir sogar Geschäfte mit mittlerweile Milliarden-Umsätzen über diesen Prototyp einer Kommunikationsinfrastruktur. Natürlich hat es auch bei der Entwicklung des Automobils ganz ähnliche Probleme betreffend Standardisierung und Sicherheit gegeben, aber das Auto hatte für die gleiche Marktdurchdringung, die wir mit dem Internet innert der letzten knapp zehn Jahre erreicht haben, rund hundert Jahre Zeit.