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Im Lauf der Jahrhunderte sind viele Ideen darüber entstanden, wie man Schach spielen sollte, um Erfolg zu haben. Hier eine kleine Übersicht von Greco bis Carlsen.
Das moderne Schach begann mit Gioacchino Greco um 1620. Seine überlieferten Partien sind auf Chessmaniac zu finden. Er war der erste, der das Prinzip der Initiative im Schach verstand, und daraus ableitete, dass man als Voraussetzung möglichst viele Figuren im Spiel haben sollte, was durch schnelle Entwicklung zu erreichen wäre. Richard Rétis Behauptung, dass Paul Morphy das Entwicklungsprinzip entdeckt hätte, ist nicht korrekt. Es waren Greco und seine Zeitgenossen.
Philidor, um 1750, war der erste, der auf die Bedeutung von Bauernstrukturen hinwies, „Die Bauern sind die Seele des Schachspiels“. Er war diesbezüglich der Vorläufer von Steinitz. Von ihm sind nur ein paar wenige Partien überliefert, weil er seinen Zeitgenossen derart überlegen war, dass er fast ausschliesslich Vorgabepartien spielte.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten ein paar Spieler wieder die Spielstärke Grecos, allen voran Paul Morphy. Inzwischen hatte die Theorie keinerlei Fortschritte gemacht, im Gegenteil, das Spiel war zum Dilettantismus verkommen, wie z.B. die Wettkämpfe zwischen McDonnell und La Bourdonnais deutlich dokumentieren.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann ausgiebig über Schachstrategie diskutiert, Siegbert Tarrasch trieb das Entwicklungsprinzip mit seiner Tempokampf-Theorie auf die Spitze und propagierte das Zentrumsprinzip, wonach man mindestens einen Bauern im Zentrum haben sollte. Wilhelm Steinitz seinerseits hielt nichts vom Entwicklungsprinzip, denn er hatte herausgefunden, dass es in geschlossenen Stellungen viel eher auf gesunde Bauernstrukturen ankam.
In den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts publizierten viele Autoren zur Schachstrategie. Allen voran Aaron Nimzowitsch, Richard Réti und Rudolf Spielmann.
Nimzowitsch empfahl die Beherrschung des Zentrums durch Figuren und führte mit Tarrasch leidenschaftliche Kontroversen über das Thema. Heutzutage kann man sagen, dass es Geschmackssache ist, ob man das eine oder andere bevorzugt. Ausserdem vertrat Nimzowitsch eine Blockade- und Überdeckungs-Strategie. Beide Strategien sind bestenfalls dazu geeignet, nicht zu verlieren, und haben ausgedient.
Réti seinerseits empfahl, ein starkes Zentrum des Gegners zuzulassen, um es von den Flanken her anzugreifen. Auch dieses Prinzip hat sich in der Praxis bewährt. Darüber hinaus betonte er die Wichtigkeit eines positionsgemässen, d.h. eines auf die Bauernstruktur abgestimmten Plans. Diese Ansicht hält sich bis heute, obwohl etwa Magnus Carlsen dies für witzlos erachtet.
Neben all den ‚Strukturalisten‘ ist Rudolf Spielmann untergegangen. Er erkannte, dass eine Initiative dem Gegner Probleme stellt, und war bereit, dafür Material zu opfern. Ausserdem erkannte er, dass verteidigen viel schwieriger ist als angreifen, und dass normalerweise die Schwierigkeit der Aufgabe Partien entscheidet.
Michael Botwinnik ist der Vater des wissenschaftlichen, konkreten Schachs. Er untersuchte konkrete Zugfolgen in mehr oder weniger statischen Bauernstrukturen, etwa im Französisch oder im holländischen Stonewall. Dieser Ansatz hat sich auch in halb geschlossenen Stellungen durch die sowjetische Schachschule verbreitet und sich heutzutage dank der Computer im Spitzenschach durchgesetzt.
Der konkrete Ansatz hat manche Autoren und Spieler dazu veranlasst, Opfervarianten zu untersuchen. Historisch gesehen sind die Vorläufer dieser Spielweise Neschmetdinow, Tal und Velimirovic. Bis 1950 wurde nämlich kaum geopfert, Spielmann war die Ausnahme. Opferkombinationen gab es hingegen schon immer, aber man war der Ansicht, dass ein Opfer bis zum Gewinn berechnet werden müsse.
Der Ansatz der Flexibilität ist seit Längerem bekannt. Dabei geht es darum, sich möglichst viele Optionen offen zu halten oder zu verschaffen. Konkret darüber geschrieben hat kaum jemand, ausser Hans Berliner, der aber masslos übertrieb, indem er behauptete, dass Partien durch flexible Züge gewonnen werden.
Zusammengefasst stelle ich fest, dass in der Schachliteratur bis heute eine statische Betrachtungsweise gepflegt wird. Im heutigen Spitzenschach sieht es aber ganz anders aus. Da werden Strukturen ständig transformiert und die dynamische Spielweise herrscht ganz klar vor. Die Kommentatoren warten dann einfach darauf, dass sich in einer Partie eine Struktur verfestigt, um über plausible Pläne und Strategien referieren zu können.
Magnus Carlsen meint zur Strategiefrage lapidar: „Man muss die Situation ständig neu bewerten. Das ist eines der Dinge, die die besten Spieler von den zweitbesten unterscheiden, die Fähigkeit, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen.“