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Route in dieser Reihenfolge:
Anchorage, Kenai Peninsula, Anchorage, Wasilla, Fairbanks, Delta Junction, Tok, Dawson City, Tok, Copper Center, Valdez, Copper Center, Glenallen, Palmer, Anchorage, Kenai Peninsula, Anchorage.
Teilnehmer: meine Eltern in einem Fahrzeug; meine Ehefrau, unsere beiden Töchter (1.5 / 3 Jahre) und ich im anderen Fzg.
Fahrzeuge: 2 Motorhomes Ford RV 25 ft. Länge (Cruise Amerika)
Gefahrene Kilometer: ca. 5000 km
Ausrüstung: Rute: Orvis Zero-G #6 / Rolle: Loop-Evotech six/nine mit 6er Orvis Wonderline G3 & 9er Orvis Depth Charge
Zukäufe in Alaska: Fliegenrute Lamiglas 90 #10 (USD 120.-)
Unsere Reiseplanung sah vor, dass wir die erste Woche zuerst auf die Kenai- Peninsula fahren und uns dem Lachsfischen widmen, sofern die Lachse im Aufstieg sind. Bei Durchfahrt am Russian-River hatten mein Vater und ich bereits feuchte Augen und lösten unmittelbar die AK-Angellizenzen.
Nach erfolgloser Suche eines Stellplatzes im Russian River Campground entschlossen wir uns, weiter bis nach Soldotna (Kenai-River) zu fahren. In freudiger Erwartung auf die Reds im Kenai wurden wir aber dann herbe enttäuscht. Der erste Run war bereits vorbei, auch die Kings haben sich wieder verzogen und mit dem nächsten Aufstieg war erst in 2-3 Wochen zu rechnen.
Frustiert entschlossen wir uns dann, zur Freude der weiblichen Reisebegleiter, nach Seward zu fahren, dort einige Tage zu verbringen und dann unsere Reise 'gen Norden fortzusetzen. Wenn Zeit genug ist, könnten wir am Schluss der Reise nochmals die Kenai-Peninsula zu besuchen, mit der Hoffnung auf den zweiten Run.
Nach Seward fuhren wir also gegen Norden wieder über Anchorage, anschliessend Wasilla und suchten uns am Montana Creek einen Stellplatz (dem Highway-Angler sei dank !).
Das Möwengeschrei vom Fluss war verdächtig und bei der ersten Inspektion des Flusses waren mein Vater und ich voller Zuversicht - Kings are in !
Der Montana ist im Oberlauf ein klarer und sehr schöner Fluss und wird dann breit und schlammig. Die Kings konnten somit im Oberlauf auf Sicht gefischt werden, was zwar, wenn man alleine am Fluss ist, ein wunderschönes Erlebnis gewesen wäre, mit aber den anderen paar dutzend Fischern zum Stress-Erlebnis wurde.
Die Stellplatznachbern, eine bunte Familie aus Colorado, erklärten mir kurz die Regulations und schwärmten von einer harten und nicht gross erfolgsversprechenden Fischerei. Na egal - hauptsache mal wieder am Wasser und mit der Fliegenrute auf Kings !
Nun kam aber die harte Aufgabe: durch die Klarheit des Wassers konnte man genau ausmachen wo ein oder mehrere Kings stehen. Das hat den Vorteil, dass man nicht blind fischen muss, jedoch war das den anderen Angelkollegen auch klar...
Ich verzog mich zu einer Eisenbahnbrücke wo in einem tiefen Becken mit einigem Schwemmholz 5 Kings standen. Seite an Seite mit 8 anderen Fischern versuchte ich einen King zu überlisten. Da der Pool relativ tief war, musste schwer gefischt werden. Oben in den Einlauf rein, absinken lassen und langsam das Blei dem Boden folgen lassen, Drift-Fishing (Montage siehe am Schluss des Berichts). Bereits in der ersten Viertelstunde verspürte ich ein leichtes Zupfen und schlug an. Kurze Explosion im Wasser, Schockzustände bei mir und den Mitfischern, ein lautes "Fish-on" von meiner Seite. Doch leider war das eine kurze Freude. Kurz darauf löste sich der King vom Hacken und entschwand wieder in der Tiefe. Ich machte mir Selbstvorwürfe und dachte während den nächsten Würfe, was ich beim nächsten Biss besser machen könnte, und dass ich sowieso keine zweite Chance bekommen würde.
Kurz darauf jedoch die Überraschung ! Zupfen - Anhieb - Fish-on ! - und dann ging die Post so richtig ab ! Wohl der grösste Kamerade der fünfer Truppe hatte mein Hacken attakiert und zog nun mit singender Rolle durch den Pool. Dann eine Flucht zum Auslauf des Pools und darüber. Die anderen Fischer hatten mittlerweile Platz gemacht und gaben mir nicht mehr grosse Chancen, den Fisch in den Pool zurückzubringen. Das Backing kam zum Vorschein, der Knoten passierte die Ringe und ich betete gegen Himmel, dass der Knoten halten möge. Er tat es und nach langen Minuten konnte ich den Fisch wieder zurück in den Pool bringen. Doch jetzt kam das nächtste Problem - das Schwemmholz, gestaut am Pfeiler der Eisenbahnbrücke bot es einen idealen Fluchtunterstand. Der Fisch schien sich dem bewusst zu sein und nahm, unbeeindruckt von meinen Drill-Versuchen, Kurs auf das sperrige Holz, verschanzte sich darin und hielt sich still. Da weder Zug noch Bewegung auf der Leine zu verspüren war, dachte ich dass der Fisch bereits verloren war. Zwei Mitfischer eilten mit einem grossen Netz über das Schwemmholz und bestätigten, dass der Fisch noch da ist. Sie begannen langsam das Holz wegzuräumen und zu bewegen bis der Fisch sich wiederum in den Pool flüchtete. Einige Minuten später konnte ich den King landen und allgemeiner Beifall von den Mitfischern und den mittlerweile eingefunden Zaungäste erklang. Glücklich wie selten begann ich den Rückweg zu unserem Camper, was sich als Knochenarbeit gestaltete: 50 Pfund ca. 600mt. durch den Wald zu schleppen ist eine wahre Tortur.
Nach dem allgemeinen Begutachten wurde der King zerteilt und bei meinen Eltern und uns eingefroren. Leckere King-Steaks begleiteten uns von nun an auf unserer ganzen Reise. Noch zu erwähnen ist, dass dies der einzige Fisch war, den wir auf unserer Reise behalten haben. Die restlichen Fische haben wir wieder ins Wasser zurück gesetzt. Catch- & Release-Fan wird man in Alaska sowieso. Denn wenn man sieht, wie mit den Fischen umgegangen wird, dann wird der Beschützerinstinkt automatisch geweckt. Und wenn man zum Schluss der Reise am Flughafen von Anchorage sieht, wieviele Europäische Touristen mit wievielen Kisten Lachs nach Hause fliegen, dann gibts sowieso nur noch Catch- und Release. Ich mag gar nicht daran denken, wieviele Lachshälften nach 2 Jahren Zwischenlagerung in der Kühltruhe der Alaska-Fischer vergammeln und dann weggeworfen werden - und nur damit, dass man zu Hause im Kollegenkreis den dicken Max markieren konnte. Schade.
Am nächsten Tag fuhren wir weiter zum Denali und anschliessend nach Fairbanks. Zwischen Fairbanks und North Pole sind wir auf dem Riversedge Campground übernachtet, gemäss Milepost & Highway Angler eine gute Adresse für's Grayling-Fischen am Chena River.
Im Fluss sah man vereinzelt Ringe und Burbot-Seiten im Wasser aufblitzen. Lachse waren gem. den anderen Campground-Gästen keine im Fluss. Also, 6er Rute aufbauen und ab ans Wasser. Das braun-moorige Wasser lies Schottland-Erinnerungen aufkommen. Die Äschen nahmen sporadisch trockene Fliegen und mein Vater und ich konnten einige landen. Gross waren sie jedoch nicht, aber es war trotzdem schön.
Nach dem Chena-River war erstmal eine längere Pause mit dem Angeln angesagt. Wir fuhren über Delta-Junction und Tok nach Dawson-City. Genossen die Goldgräber-Stimmung und kehrten wiederum über den Top of the World Highway nach Alaska zurück.
Anschliessend ging es Richtung Valdez. Auf der Hin- und auch auf der Rückfahrt nach/von Valdez haben wir am Kultina-River in Copper Center Halt gemacht. Den Möwen und den Fischern war mit Red's zu rechnen. Es war nicht ganz einfach einen Stellplatz zu bekommen und mit der Erfahrung, die wir am Russian-River gemacht hatten, schraubten wir unsere Vorfreude auf Lachsfänge stark zurück.
Doch es dauert nicht lange und ich konnte die ersten Reds fangen. Bekanntlich fressen die Reds nichts mehr im Süsswasser und müssen mittels Drift-Fishing gehakt werden. Viel Gefühl war nötig, um die richtige Menge Blei in der Strömung über den Boden driften zu lassen und Hänger von Bissen zu unterscheiden. Aber es klappte.
Stellplatz direkt am Fluss, Steaks auf dem Grill, die eine Tochter in Zwiesprache mit den Fisch-Göttern, 5 Schritte und man ist am Lachsfischen ! Ferien puur !
Leider musste ich hier auch meinen ersten Flug-Schnur-Bruch verzeichnen, nachdem ein Red direkt in die Strömung floh und ich keine Chance mehr hatte, irgend etwas auszurichten. Bevor der Fisch mir die gesamte Schnur abzog ist sie glücklicherweise bei ca. 6 Meter gerissen. Spielte aber sowieso keine Rolle, da eh nur mit Blei beschwert wurde und ein Sink-Tip eigentlich überflüssig ist.
Valdez - eine weitere Hafenstadt mit Möglichkeit zum Halibut- und Lachsfischen vom Bootshafen aus. Leider waren keine Lachse selbst in Valdez, was uns jedoch Zeit lies die Erfolge der Charter-Fischer im Hafen zu bewundern. Halibut, Rockfish und Lingcod sind hier die Hauptfische. Nach Entladen der Fänge werden diese gleich am Hafen geputzt und verfrachtet.
Mein Vater und ich versuchten unser Glück mit grossen Spinnern von einer Mole aus. Mein Vater hatte plötzlich einen Hänger, oder doch nicht ? Der Hänger nahm langsam aber stetig Schnur von der Rolle. Die Rute wurde zwischen uns hin- und hergereicht, keiner von uns spürte aber irgendwelche Schläge. Nur ein stetiges Abziehen von Schnur war festzustellen. Halibut ??? Nach etlichen Minuten des Rätseln sahen wir weit draussen zuerst ein Ästlein auftauchen, welches sich zu einem ausgewachsenen Baum verwandelte, je mehr wir an der Rute zogen. Das Gelächter aber auch die Enttäuschung über den gemeinten Riesen-Halibut war gross.
Bei Solomon Gulch, vis-à-vis von Valdez, neben dem Ende der Pipe-Line sperrt eine Hatchery den Fluss und lässt nur kontrolliert die Pink-Lachse aufsteigen. Bei meinem letzen Besuch wurden die Lachse noch mit Baggern rausgeholt, mittlerweile gibt es für die Fische eine extra Umleitung, welche sie direkt in das innere der Fabrik zur Eindosung leitet. Na, da kann man nur den Lachs-Liebhabern "guten Appetit" wünschen...
Vor der Sperre stehen tausend Pinks an, auf diese fischen Angler und Seelöwen gemeinsam.
Doch einige überwinden die Sperre und können weiter den Fluss zum Laichen aufsteigen, was anscheinend den Erhalt sichert.
Nach einem erneuten Zwischenstop bei den Reds im Kultina-River gings dann über Glenallen und Palmer nach Anchorage zurück. Ein Fussmarsch vom Stadtzentrum liegt der Ship-Creek. Dort ist eine Fishladder eingerichtet, wo man herrlich die Kings beim Aufstieg beobachten kann. Die nachfolgenden Bilder sind aus dem geschonten Abschnitt des Flusses. Weiter unten darf gefischt werden. Mein Vater und ich versuchten am Abend den Kings nachzustellen, leider ohne Erfolg. Die Einheimischen waren dafür aber umso erfolgreicher und legten jeden King, der sich auch nur ein paar Meter hinter die Schongrenze wagte, auf die Schuppen.
Voller Hoffnung auf den zweiten Run gings nun wieder Richtung Kenai-Peninsula. Diesmal hatten wir am Russian-River Campground Glück und konnten für eine Nacht zwei Plätze ergattern. Der Russian gilt als einer der bekanntesten Lachsflüsse in Alaska und die Combatfishing-Bilder stammen meist aus dem Russian. Der Ranger beim Eingang meinte die Fischerei sei nicht hervorragend, jedoch sei auf die Bären zu achten.
Unseren Stellplatz-Nachbar trafen wir mit einem Colt im Halfter an. Er warnte uns vor einem Schwarzbären der sich die Nacht zuvor für sein Zelt interessierte und einem Grizzly, der sich am Vortag zwischen den Fischern im Fluss bedient hat. Meine Frau zog es somit vor, die meiste Zeit im geschützten Camper zu verbringen.
Der Russian ist wiederum ein klarer Fluss in welchem auf Sicht gefischt werden kann. Viele Reds waren nicht anwesend, aber trotzdem gelang es uns einige zu fangen. Ohne Pol-Brille wäre man jedoch aufgeschmissen.
Am darauffolgenden Tag fuhren wir über Soldotna, ohne fischereiliche Erfolge nach Homer, the world famoust Halibut Center.
Im Fishing Hole waren nicht nur Fischer anwesend sondern auch eine Robbe.
Auf der Rückreise von Homer nach Soldotna machten wir 2 Tage Halt am Anchor River. Gem. Highway Angler ein Paradies für Steelheads. Auch wiederum ein klarer Fluss, in welchem wir einige Pinks und Kings ausmachen konnten.
Nach Beobachten eines Guides mit zwei japanischen Gästen, welche auf die Steelheads ihr Glück erfolglos versuchten, beschlossen mein Vater und ich wiederum auf Lachs-Gear zu montieren und nahmen die Kings ins Visier.
Tags darauf begleitete mich zu meiner grossen Freude meine Frau ! Und lange gings nicht bis auch sie einen King an der Leine hatte. Wir genossen diesen Tag sehr, zusammen am Wasser. Zudem war es eine Freude für mich, meine Frau mit den Kings am schwitzen zu sehen. Sie machte die Sache sehr gut, landete so manchen King, erlitt Schnurbruch und klagte über Schmerzen in den Händen und Schultern. Genau wie es sein soll !
Einige Jahre zuvor hatte ich eine wundervolle Fischerei am Kasilof-River, beim Einfluss vom Crooked-Creek. Leider waren dieses Mal kaum Fische im Kasilof und Crooked und wir genossen die Gegend und ein paar Dolly Varden. Allgemein sind die Lachse dieses Jahr sehr spät dran - was wir auf unserer Reise mehrmals feststellten.
Anschliessend ging es dann an den Kenai-River nach Soldotna. Im River Terrace Campground direkt bei der Autobrücke in Soldotna wird täglich eine Liste nachgeführt, auf welcher ersichtlich ist, wieviele Lachse die letzen 24 Stunden in den Kenai aufgestiegen sind. Mittlerweile war die Anzahl auf 42000 - vor einer Woche noch 5000. Das lies uns hoffen ! Mein Vater hatte einen King im Drill, der auch ihm seine Schnur kostete. Auf die Schnittwunden in seiner Hand ist er jetzt noch Stolz !
Nach dem Kenai-River fuhren wir zurück nach Anchorage und hatten noch zwei Tage bis zum Abflug nach Hause.
Am letzen Abend bin ich nochmals an den Ship Creek gegangen und traf dort nicht nur Fische und Fischer an. Ein Biber schwamm fast inmitten von Anchorage den Bach hinunter und gesellte sich gegenüber zu mir. Zum Abschluss unserer Rundreise fing ich noch einen schönen Pink und einen weiteren King, welchen ich wiederum erst im Backing bezwingen konnte. Zudem hatte ich noch das Glück einen der ersten Silvers zu fangen.
Und noch ein Beispiel einer Drift-Fishing Montage:
45er oder 50er Monofil, Lachshacken mit einigen Wicklungen und Schlaufe gebunden und am anderen Ende eine Schlaufe um mit der Fliegenschnur zu verbinden. In die Schlaufe rote Wolle und ein Blei in das Monofil gedreht. Gesamt-Länge des Vorfaches ca. 1.5 - 2 Meter, Länge zwischen Angel und Blei ca. 1 Meter - je nach Gewässer und Fischart variiert die Länge.
Nachfolgend noch ein paar Bilder von unserem Familien-Urlaub.