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Aktualisiert: vor 13 Stunden
Ich habe in meinem Blog bereits die ersten drei Elemente der Gewaltfreien Kommunikation vorgestellt:
Das vierte und letzte Element ist die Bitte.
Das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist, durch Worte Verbindung herzustellen. Eine der Grundannahmen der Gewaltfreien Kommunikation ist, dass wir alle gerne zur Erfüllung unserer eigenen Bedürfnisse und jener unseres Umfelds beitragen, sofern wir das freiwillig tun können. In diesem Sinne ist die Bitte als letzter Schritt ideal. Ich sage meinem Gegenüber, was konkret es tun könnte, um mein Bedürfnis von Schritt 3 zu erfüllen.
Bitte versus Forderung
Worin unterscheidet sich die Bitte von der Forderung? Durch das Wort "Bitte"? Indem ich den Satz als Frage formuliere? Marshall Rosenberg sagt, dass der Unterschied nicht in der Wortwahl oder Satzstellung zu finden ist, sondern einzig und allein in der Reaktion der bittenden Person, wenn das Gegenüber "Nein" sagt.
Wenn ein "Nein" als Antwort genauso ok ist, wie ein "Ja", ist es eine Bitte.
Wenn ein "Nein" sanktioniert wird, ist es eine Forderung.
Wenn jemand mir sagt (oder ich selbst mir sage), dass ich etwas tun muss/sollte/müsste, ist es vorbei mit der Freiwilligkeit und somit auch mit der Freude, es zu tun. Fakt ist also: Wenn ich etwas fordere, kann ich von Widerstand ausgehen.
"Heisst das jetzt, ich soll nur noch um Dinge bitten?"
"Aber dann funktioniert ja gar nichts mehr!"
"So läuft es in der Welt aber nicht. Manchmal muss man Dinge einfach tun."
Darüber lohnt es sich, nachzudenken. Auf jeden Fall ist es günstig, die Definition und verschiedenen Arten von Bitten zu kennen und damit herumzuexperimentieren. Meine Erfahrung ist, dass ich Forderungen oft durch Bitten ersetzen kann und im Dialog zu Lösungen komme, die für alle Beteiligten passen. Meistens nimmt das kurzfristig etwas mehr Zeit in Anspruch, dafür spare ich mir auf die Länge Kämpfe, Diskussionen und Unzufriedenheit. Wenn ich mich entscheide, etwas zu fordern, nehme ich den Widerstand in Kauf. Und: wenn ich mich entscheide, zu fordern, dann formuliere ich die Forderung auch als Forderung. Als "Bitte verkleidete Forderungen" vermeide ich.
Theorie zur Bitte
In der Gewaltfreien Kommunikation ist die Bitte nichts anderes, als meine Lieblingsstrategie. Die Definition von "Strategie" findest du hier. Sie ist in positiver Handlungssprache formuliert ("Ich möchte, dass Sie zuerst das komplette Protokoll lesen und mir anschliessend Fragen stellen" anstatt "Ich möchte, dass sie damit aufhören, Dinge zu fragen, die im Protokoll stehen") und unterscheidet sich von einem Wunsch ("Könntest du zuverlässiger sein?"), indem sie dem Gegenüber konkret Auskunft darüber gibt, was genau es jetzt tun soll ("Kannst du mir jetzt sagen, wann du die Bücher abholen gehst?").
Auch die drei Bitten-Typen sind nützlich:
Die Handlungsbitte
Das Gegenüber soll etwas tun: "Bitte schalte jetzt den Computer aus"
Die Beziehungsbitte
Das Gegenüber soll nicht primär etwas tun, sondern ich möchte eine Rückmeldung bezüglich unserer Beziehung: "Können Sie mir sagen, wie es Ihnen mit der Situation geht?"
Die Verständnisbitte
Eine eher ungewohnte Bitte, die sich vor allem dann lohnt, wenn es in der Vergangenheit mit der Person kommunikative Missverständnisse gab. Ich empfehle, diese Bitte mit einem Satz "anzukündigen", z.B.: "Da ich sicher sein möchte, dass ich ausdrücken konnte, was ich meine: Könntest du mir sagen, was du von mir gehört hast?"
Und falls dann die Person "nein" sagt, ist das nicht Ende des Gesprächs, sondern "lediglich" ein "Ja zu etwas anderem". Mit dieser Haltung ist es möglich, nach einem gemeinsamen "Ja" zu suchen. Vor allem hilft sie auch, ein "Nein" weniger persönlich zu nehmen. Eine Bitte, die ich bei einem "Nein" besonders mag: "Haben Sie eine Idee, wie wir das lösen können?".