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Scopolia
Jacq., Pflanzengattung aus der Familie der Solaneen, perennierende kahle Kräuter mit starkem Rhizom, [* 3] aufrechtem, einfachem oder wenig ästigem Stengel, [* 4] ungeteilten, ganzrandigen Blättern und einzeln stehenden, auf schlanken Stielen hängenden oder nickenden, schmutzig purpurnen oder grünlichen Blüten. Der Kelch ist weitglockig, zur Fruchtzeit vergrößert, die Kapsel umhüllend, die Blumenkrone ist weitglockig mit gefaltetem, schwach fünflappigem Saume.
Die Kapsel springt oberhalb der Mitte mit Deckel auf. Von den drei Arten der Gattungen hat S. carniolica Jacq. besonderes Interesse. Ihre Heimat ist ein sehr beschränktes Gebiet im südöstlichen Europa, [* 5] westlich bis Krain, [* 6] sie findet sich aber verwildert in den Ländern, welche vom litauischen Stamme bewohnt sind; vereinzelt kommt sie auch bei Grüneberg i. Schl. und bei Ruppin vor. In ostpreußischen Dorfgärten tritt sie meist an Zäunen verwildert auf; man kennt dort die giftigen Eigenschaften des Wurzelstockes nicht, auf welche aber der litauische Name Tollrübe hindeutet. Es dürfte die Vermutung kaum abzuweisen sein, daß die Litauer, bez. die mit ihnen nächstverwandten alten Preußen, [* 7] die Pflanze schon aus ihren frühern Sitzen am östlichen Fuße der Karpathen als Nutzpflanze mitgebracht und in jenem eng begrenzten Gebiete der baltischen Ebene eingebürgert haben.
Auch in Galizien wird die S. kultiviert, in der Umgegend von Klausenburg [* 8] ist sie in fast allen Gärten zu finden; man benutzt sie gegen Rheumatismus und Fieber, aber auch als Abortivmittel und Liebeszauber. Bei den Rumänen heißt die Pflanze Matragun, offenbar im Anklang an Mandragora, mit deren Arzneiwirkungen die S. sicher vielfach übereinstimmt. Jedenfalls ist die Kenntnis der Eigenschaften der S. von Griechenland [* 9] nach Siebenbürgen gekommen, vielleicht schon zur makedonischen Zeit.