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Bruno Manser - die Symbolfigur des Widerstands gegen die Zerstörung der Regenwälder und die Verwendung von Tropenholz - ist vor zehn Jahren im Urwald von Sarawak auf Borneo spurlos verschwunden. Sein Engagement führen die Penan und der Bruno Manser Fonds weiter.
Der 1954 in Basel geborene Bruno Manser lebte nach seiner Schulzeit auf verschiedenen Schweizer Alpen, bis er als 30-Jähriger zu einer Reise in den malaysischen Bundesstaat Sarawak aufbrach. Dort stiess er zu dem im Urwald lebenden Volk der Penan und lernte in den darauffolgenden sechs Jahren das Überleben im Dschungel und die Kultur seiner Gastgeber kennen. Unermüdlich dokumentierte Manser mit Skizzen und Zeichnungen die Flora und Fauna des Regenwaldes.
Tropenholz zum Thema gemacht
Zusammen mit den Penan trat Bruno Manser bei friedlichen Strassenblockaden gegen die Holzfäller auf. Als er 1990 von der malaysischen Regierung ausgewiesen wurde und in die Schweiz zurückkehrte, lenkte er die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen ökologischen und sozialen Folgen der Abholzung der Regenwälder.
Zugunsten der Penan gründete Manser 1991 mit Hilfe von Freunden den Bruno Manser Fonds (BMF), veröffentlichte 1992 das Buch "Stimmen aus dem Regenwald" und sorgte mit spektakulären Protestaktionen für Aufsehen.
Das Thema "Tropenholz" kam auf die politische Agenda. Im Jahr 2000 brach Bruno Manser erneut nach Sarawak auf. Seit dem Mai aber verliert sich jede Spur.
Rätsel um Verschwinden geht weiter
Noch nach zehn Jahren gibt die Verschollenheit von Bruno Manser Rätsel auf. Sein Bruder Erich Manser ist siebenmal in den Dschungel nach Borneo zur Suche aufgebrochen - das letzte Mal im Jahr 2008. Dabei hat er lediglich das letzte Nachtlager sowie ein von Bruno Manser stammendes Stückchen Staniolpapier ausmachen können.
Trotz der verschiedenen Suchaktionen gibt es seit dem 25. Mai 2000 kein Lebenszeichen von Bruno Manser mehr, und juristisch gesehen gilt er seit dem 10. März 2005 als tot. "Solange man ihn nicht gefunden hat, trage ich eine minimalste Hoffnung in mir, dass er noch lebt", sagt Erich Manser.
Abschied habe er aber dennoch genommen, nämlich auf seinen Reisen in den Regenwald. "Ich bin dort seinen letzten Spuren sehr nahe gekommen", erklärt Erich Manser.
Eine weitere Suche mache für ihn aber keinen Sinn mehr. Nach Ansicht von Erich Manser könnten die Holzfäller-Gesellschaften, die Regierung oder auch das Militär hinter dem Verschwinden stecken. "Einen Unfall schliesse ich klar aus", sagt Erich Manser.
Grosser Verlust für Penan
Bruno Mansers Verschwinden lässt nicht nur seine Angehörigen in der Schweiz voller Trauer zurück, sondern auch seine zweite Familie, die Penan. "Als Bruno verschwand, war das für uns, wie wenn Sonne und Mond vom Himmel entwichen wären." So habe ihm ein Penan die Gefühle geschildert , berichtet BMF-Leiter Lukas Straumann. Bruno Manser lebe für die Penan weiter und sei dabei in ihre Mythologie eingegangen.
Schwierige Kampagne auf Borneo
Die Penan setzen sich nach wie vor für die Erhaltung ihres Lebensraums ein. Auch der BMF führt das Engagement seines Gründers fort. Das Vertrauen der Penan, das Bruno Manser aufgebaut hat, habe die Türen für nachhaltige Projekte geöffnet.
"Die Arbeit rund um den Regenwald auf Borneo ist wohl weltweit eine der schwierigsten Kampagnen", betont Lukas Straumann. Für die Regierung von Sarawak gelte der Fonds nach wie vor als radikal, sie lehne jede Kooperation ab.
Auch die malaysische Regierung halte an ihrer kurzsichtigen und zerstörerischen Waldpolitik fest. Die Folge sei, dass heute weniger als zehn Prozent der Urwälder Sarawaks erhalten geblieben seien.
Fonds geht vor Gericht
Angesichts der schwierigen politischen Umstände versucht der Bruno-Manser-Fonds, die Probleme auf juristischem Weg zu lösen: "Unser Schwerpunkt liegt in der Frage nach den Landrechten", erklärt Straumann. Der BMF erstellt im Rahmen des "Community Mapping-Projects" Karten der Penan-Territorien, die vor Gericht als Beweismittel dienen.
"Zu unseren grössten Erfolgen zählt, dass mittlerweile zehn Penan-Gemeinden Landrechte über ein Gebiet von der Grösse des Kantons Zürich vor Gericht geltend machen", resümiert Straumann.
Franziska Herren, swissinfo.ch. und InfoSüd
Gedenken an Bruno Manser
"Tagebücher aus dem Regenwald", herausgegeben 2004 im Christoph Merian Verlag.
"Bruno Manser – Laki Penan" , Film von Christoph Kühn 2007.
Gedenkfeier für Bruno Manser in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel mit Persönlichkeiten aus der Schweiz und Malaysia am 8. Mai 2010 von 16.30 bis 18.30 Uhr.
Bruno Manser Fonds
Der Bruno Manser Fonds wurde 1991 gegründet.
Als der Bruno Manser Fonds im Jahr 2000 seine charismatische Leitfigur verlor, brach eine finanziell schwierige Zeit an.
"Heute steht der Fonds dank seiner knapp 4000 Mitglieder finanziell solide da", sagt BMF-Geschäftsleiter Lukas Straumann.
Der BMF arbeitet heute im Rahmen des schweizerischen Engagements in der internationalen Tropenholz-Organisation ITTO mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco zusammen, insbesondere bei der Realisierung des Pulong Tau Naturparks in Sarawak.