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Aspekte des Mentaltrainings
Mentaltraining umfasst viele kognitive Aspekte im Sport
Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeitssteuerung sind eine zentrale Komponente in der mentalen Arbeit. Nur wenn Athleten wichtige externe und unteren Faktoren richtig wahrnehmen können, können Situationen richtig eingeschätzt werden und die passende Handlung abgeleitet werden. Athleten müssen dabei einerseits lernen sich selber richtig wahrzunehmen (z.B. Wo befinde ich mich auf dem Spielfeld? Bin ich im Gleichgewicht? Ist mein Arm gestreckt? Wie müde ist meine Muskulatur? Was passiert gerade mit meinen Emotionen). Andererseits müssen sie auch das relevante Umfeld genau beobachten können (z.B. Wo ist der Gegner? Was macht/plant der Gegner? Wo ist der Ball? Woher kommt der Wind? Wie ist der Schnee und das Gelände beschaffen?). Darüber hinaus müssen die Athleten die Fähigkeit erwerben die Aufmerksamkeit auf die relevanten Faktoren zu lenken (z.B. wann schaue ich auf den Gegner, wann auf äussere Faktoren, wann auf den Ball) und Störfaktoren auszublenden (z.B. Störverhalten von anderen Wettkämpfern, Zuschauer oder andere störende äussere Einflüsse).
Eine gute Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeitssteuerung erlauben in einem weiteren Schritt antizipative und taktische Fähigkeiten zu entwickeln. Antizipative Fähigkeiten bezeichnen dabei die Kompetenz aus verschiedenen Faktoren (z.B. Spielsituation, Position des Gegners, Vorlieben des Gegners) den weiteren Spielverlauf vorherzusehen. Gelingt dies, kann man frühzeitig seine Reaktion auf die gegebene Situation einleiten und sich damit einen wichtigen Vorteil verschaffen. Taktische Fähigkeiten erlauben eigene und fremde Entscheidungs- und Handlungsalternativen zu erkennen, zu bewerten und sich situativ für erfolgsversprechendste taktische Option zu entscheiden sowie diese konsequent umzusetzen. Dies beinhaltet auch auf Abweichungen vom geplanten Wettkampfverlauf mit taktischen Veränderungen reagieren zu können.
Im Bereich der Psychoregulation lernen die Athleten das für Spitzenleistungen optimale Aktivierungsniveau zu erreichen. Sind Sportler zu wenig aktiviert (verschlafen, unkonzentriert, unmotiviert) sind optimale Leistungen ebenso wenig zu erreichen wie wenn Übermotivation, Nervosität, Ärger, Wut oder Verkrampfungen das Leistungsvermögen beeinträchtigen. In diesem Bereich lernen Athleten zunächst zu erkennen, in welchem Aktivierungszustand sie sich befinden und in welche Richtung das Aktivierungsniveau beeinflusst werden muss, um optimale Leistungen zu ermöglichen. Durch das Erlernen von Aktivierungs- und Entspannungstechniken erhalten sie Steuerungsmöglichkeiten, um dies zu bewerkstelligen. Hierzu gehören Aspekte wie Körpersprache, Gedankensteuerung und generell der Umgang mit Emotionen.
Eine der zentralen Techniken im Mentaltraining ist das Visualisieren. Das Visualisieren ist eine Fähigkeit sich Vorgänge oder Bilder sehr realitätsnah vorstellen zu können. Dabei hat der Athlet den Vorteil sich Bewegungsabläufe so vorzustellen und kognitiv einzuüben, wie sie idealtypisch ausgeführt werden. Dadurch wird das Stabilisieren/Automatisieren von Bewegungsabläufen durch wiederholte visuelle Vorstellung der richtigen Bewegungsabläufe (psychomotorisches Lernen) erreicht. Visualisieren kann somit einen wichtigen Beitrag dazu leisten Bewegungen und Entscheidungen im Wettkampf schneller, präziser und automatischer auszuführen, da sie vorher schon mehrfach bildlich eingeübt worden sind. Aber auch das Erreichen einer erfolgsorientierten Einstellung durch positiv belegte Erfolgsbilder sowie die Gedanken- und Emotionssteuerung in der Psychoregulation kann durch Visualisieren unterstützt werden.
Der Umgang mit Druck-/Stresssituationen ist im Leistungssport besonders wichtig, da es oft schwierige Situationen gibt und der Athlet oft während des Wettkampfs alleine damit umgehen muss. Im Mentaltraining lernen die Athleten wie sie einerseits Druck und Stress vermeiden oder reduzieren können und andererseits wie sie die Symptome abschwächen können (so dass das die Leistung möglichst wenig beeinträchtigt wird), wenn Druck-/Stresssituationen nicht zu vermeiden sind.
Motivation bedeutet den Willen zu haben eine Handlung auszuführen. Dies heisst, dass sich eine Person grundsätzlich nur selber motivieren kann. Im Mentaltraining können wir aber daran arbeiten diesen Willen zu trainieren und Anreize zu setzen, welche es dem Athleten erleichtern sich zu motivieren. Hierzu kommen beispielsweise Methoden der Zielsetzung, realistischen Selbsteinschätzung sowie der leistungsfördernden Ursachenerklärung (auf welche Faktoren führe ich Erfolg und Misserfolg zurück) zur Anwendung. Werden diese Techniken gut beherrscht ist ein positiver Effekt auf die Motivation des Athleten zu erwarten.
Diese letztgenannten Methoden sind auch von zentraler Bedeutung für Selbstbewusstsein, Selbstwert/-vertrauen und das Erfahren von Selbstwirksamkeit. Selbstbewusstsein bedeutet sich selbst zu kennen. Sich bewusst zu sein über die eigene Persönlichkeit, Antriebsfaktoren sowie seiner Stärken und Schwächen als auch diese realistisch einschätzen zu können. Umgangssprachlich wird Selbstbewusstsein oft mit Selbstwert/-vertrauen synonym verwendet. Selbstwert/-vertrauen geht jedoch einen Schritt weiter. Hierbei kommt die zusätzliche Dimension der Bewertung der eigenen Persönlichkeit und Fähigkeit ins Spiel. Hierbei bewertet sich das Individuum im Verhältnis zu Anforderungen von spezifischen Situationen/Aufgaben oder Erwartungen anderer. Wir sprechen von hohem Selbstvertrauen, wenn ein Athlet in dieser Bewertung zum Schluss kommt, vielen Anforderungen/Situationen gewachsen zu sein und/oder den meisten Erwartungen gerecht werden zu können. Ein gutes Selbstvertrauen entsteht durch viele Faktoren, aber realistische Zielsetzungen und Selbsteinschätzung, welche Erfolgserfahrungen sind dabei ein wichtiger Faktor. Ebenso wichtig ist in diesem Zusammenhang die Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit beschreibt die Erwartung eines Athleten wie viel er aus eigener Kraft zum Erfolg beitragen kann. Athleten mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung glauben, dass sie ihren Erfolg zu einem grossen Mass selber beeinflussen können. Hierbei kommt der richtigen Ursachenklärung (Kausalattribution) eine grosse Bedeutung zu. Nur wenn Ursachen für Erfolg und Misserfolg auf Faktoren zurückgeführt werden, welche das Individuum durch Training, mehr Einsatz oder andere Taktik verändern kann, wird ein Gefühl der Selbstwirksamkeit entstehen.