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Skorpion-Alarm
Ausgerüstet mit zwei Greifzangen und einem stachelförmigen Schwanz, sitzt an einem Weiher auf dem Hönggerberg ein Tier, das ausschaut wie ein Skorpion. Skorpione in Höngg, kann das sein?
24. Oktober 2018 — Marianne Haffner
Skorpione sind uns am ehesten aus der Südschweiz, vor allem aus dem Tessin, bekannt. Mit dem Gift in ihrem Schwanzstachel betäuben sie Beutetiere, meist Insekten. Fühlt sich ein Skorpion von einem Menschen bedroht, sticht er nur im äussersten Notfall zu. Und der Stich von einem Schweizer Skorpion – es gibt drei Arten – ist nicht gefährlicher als ein Bienenstich. Was hier in Höngg aussieht wie ein Skorpion, heisst Wasserskorpion. Er ist aber mit den richtigen Skorpionen nicht verwandt, denn diese gehören zu den Spinnentieren, während der Wasserskorpion ein Insekt ist. Genauer gesagt eine rund zwei Zentimeter lange Wanze, die an das Leben im Wasser angepasst ist. Der «Schwanz» besteht aus zwei circa ein Zentimeter langen Halbröhren, die bei Bedarf dicht aneinandergelegt werden und wie ein Schnorchel als Atmungsrohr dienen. Die Rohröffnung ist stets nahe der Wasseroberfläche, während die Wanze auf einer Wasserpflanze sitzt und auf ihre Beute lauert. Kommt ein Wasserfloh oder eine Insektenlarve in Reichweite, packt der Wasserskorpion die Beute mit seinen Fangbeinen, das heisst, er klemmt sie eigentlich ein, indem er den Fuss blitzartig gegen den Unterschenkel klappt. Mit dem kurzen Mundrüssel sticht er die Beute an und saugt sie aus. Auch ganz junge Fische und Kaulquappen werden so erbeutet und verzehrt. Wasserskorpione sind keine guten Schwimmer. Ihre Beine sind nicht speziell ans Wasserleben angepasst und so schreiten sie lieber auf dem Boden seichter Gewässer herum, die Atemrohröffnung stets nahe der Wasseroberfläche, um jederzeit rasch Luft zu holen. Und sollte das Gewässer zu tief sein, klemmen sie eine Luftblase unter die Flügel und «schweben» damit knapp unter der Wasseroberfläche. Wasserskorpione können fliegen wie andere Wanzen auch. Geflogen wird allerdings nur, wenn sie sich jetzt dann bald ein Winterquartier an Land suchen oder in ein anderes Gewässer wechseln. Dies ist beispielsweise im nächsten Frühling der Fall, wenn es zur Paarung und Eiablage geht. Ab nächstem Mai werden die Larven schlüpfen, die mit jeder der insgesamt fünf Häutungen immer mehr dem erwachsenen Tier ähneln – einem Wasserskorpion eben – und schliesslich einige Jahre alt werden können.