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Der Bau der «Aurora Borealis» wurde bereits im Jahr 2006 durch den Wissenschaftsrat empfohlen. Man rechnet mit Baukosten von 650 Millionen Euro (Stand 2008). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte die technischen Planungen und Vorarbeiten mit 5,2 Millionen Euro, als Voraussetzung für eine mögliche Realisierung.
Eine entsprechende Finanzierung vorausgesetzt, sollen die Vorbereitungen für den Bau des Schiffes 2011 abgeschlossen werden, so dass der Bau selbst 2012 begonnen werden könnte. Mit dem ersten Einsatz der «Aurora Borealis» wäre in diesem Fall im Jahr 2014 zu rechnen.
Das wohl anspruchsvollste Forschungsschiff weltweit soll als europäische Kooperation realisiert werden. Die europäischen Nationen haben grosses Interesse daran, die arktische Umwelt und deren potenzielle Veränderungen zu verstehen, da ihre Territorien teilweise bis in die hohen nördlichen Breiten reichen und Europa in ständigem Austausch mit und unter dem Einfluss der arktischen Umwelt steht. Deshalb wurde «Aurora Borealis» als eines von nur sieben Grossforschungsprojekten der Sektion «Environmental Sciences» in die Liste des «European Strategy Forum on Research Infrastructures» (ESFRI) der Europäischen Kommission im 7. EU-Forschungsrahmenprogramm aufgenommen. Daraufhin haben 15 Institutionen und Gesellschaften aus zehn europäischen Ländern einschliesslich Norwegens und der Russischen Föderation im Jahr 2008 das «European Polar Research Icebreaker Consortium», genannt ERICON gegründet, das von der Europäischen Kommission mit 4,5 Millionen Euro gefördert wird.
Deutschland hat sich mit dem seit mehr als 25 Jahren in den Polarmeeren operierenden Forschungsschiff «Polarstern», das vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut betrieben wird, einen sehr guten Ruf erworben. Allein das Alfred-Wegener-Institut ist durch mehr als 74 Kooperationsverträge mit den wichtigsten internationalen Zentren der Polar- und Meeresforschung verbunden. Die «Polarstern» wird der deutschen Forschung als unverzichtbarer Bestandteil auch weiterhin zur Verfügung stehen. Mit der «Aurora Borealis» soll die Wissenschaft nun aber zusätzliche Verstärkung erhalten, die der deutschen und der europäischen Polar- und Meeresforschung eine einzigartige Möglichkeit eröffnet, ihre Spitzenstellung im globalen Wettbewerb für die nächsten Jahrzehnte auszubauen und zu festigen.
Forschungseisbrecher der Grösse und Leistungsfähigkeit für den ganzjährigen autonomen Einsatz in den Polargebieten gibt es bislang weltweit weder im kommerziellen Sektor noch im wissenschaftlichen Einsatz. Die «Aurora Borealis» wird somit erstmals ganzjährige Expeditionen in die extremsten, bisher kaum erforschten Regionen unserer Erde ermöglichen und damit Erkenntnisse über die Geschichte, die klimatische Entwicklung und die heutige Umwelt der Polargebiete liefern.
Wer die ungelösten Fragen unseres Klimas klären will, muss die Arktis bereisen, um Bohrungen auszubringen – und er muss gegen Packeis gewappnet sein. Die «Aurora Borealis» wird daher einen Bohrturm tragen, mit dem bis zu einer Wassertiefe von 5000 Metern noch einmal 1000 Meter in das Sediment gebohrt werden kann. Wissenschaftliche Tiefbohrungen werden damit erstmals selbst im treibenden Packeis, ohne Unterstützung durch andere Eisbrecher, möglich sein. Um diese Tiefbohrungen durchführen zu können, muss die «Aurora Borealis» im driftenden Eis exakt auf Position gehalten werden. Dazu braucht sie ein eisfähiges, dynamisches Positionierungssystem - ein absolutes Novum in der Schifffahrt. Nach umfangreichen Modelltests in den Eistanks der Hamburgischen Schiffbau Versuchsanstalt (HSVA) und bei Aker Arctic in Helsinki konnte nun nachgewiesen werden, dass «Aurora Borealis» bei einer Eisdecke von wenigstens zwei Metern tatsächlich dynamisch positionieren kann.
Eine weitere Besonderheit der «Aurora Borealis» sind ihre zwei sieben mal sieben Meter grossen «Moon Pools» – durchgehende Schächte in der Mitte des Schiffsrumpfes, durch die Techniker und Wissenschaftler Geräte in die See absenken können, ohne Wind und Wellen ausgesetzt zu sein. Über dem hinteren «Moon Pool» wird der Bohrturm stehen, der vordere ist allen anderen wissenschaftlichen Arbeiten vorbehalten und erlaubt es erstmals, auch sehr empfindliche und teure Geräte, wie ferngesteuerte oder autonome Roboter unter einer geschlossenen Eisdecke auszubringen. Rings um diesen «Moon Pool» werden auf mehreren Decks die Laboratorien angeordnet sein, gestaltet als Atrium mit Rundgang und Geländern. Hier sind ausserdem zahlreiche Stellplätze für zusätzliche wissenschaftliche Laborcontainer vorgesehen, so dass das Schiff für jede Forschungsexpedition optimal mit Laboratorien ausgerüstet werden kann.
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