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Dr. François Seydoux
Freiburg i.Ü.
Musikalische Schätze aus dem ehemaligen Franziskanerkloster Solothurn
Die Zentralbibliothek Solothurn hortet unter der Signatur S 609 ein hochinteressantes «Notenbüchlein» aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, das Johann Viktor Ruossinger (1630-1700) gehörte, dem Kaplan und späteren Canonicus zu St. Ursen. Die Handschrift enthält eine Reihe bedeutender und zum Teil bisher unbekannter Orgel- bzw. Gesangswerke (Basso continuo und eine Solostimme) von Komponisten wie Jakob Banwart (1609-ca. 1657) und Tarquinio Merula (1595-1665), sowie, nicht zuletzt, von der Novareser Ursulinerin Isabella Leonarda (1620-1704). - Das Manuskript war in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Besitz von Pater Louis Studer (1804-1873), des «letzten Franziskaners» in Solothurn, gelangt. Interessanterweise konnten kürzlich in einer anderen Handschrift, die im Jahre 1682 ebenfalls in den Besitz der Bibliothek des Franziskanerklosters Solothurn gelangt war und die heute in der Innerschweiz (Staatsarchiv Uri in Altdorf) liegt, weitere bisher unbekannte Werke von Tarquinio Merula, dem genialen italienischen Komponisten der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, «entdeckt» werden. F. Seydoux wird versuchen, den Zuhörern einiges Wissenswerte über die beiden Handschriften zu vermitteln, wenn auch manches Rätsel noch nicht definitiv gelöst werden konnte, so beispielsweise die Frage, wie die genannten italienischen Komponisten den Weg in die Schweiz bzw. nach Solothurn gefunden haben. - Einige dieser Werke weden im Anschluss an den Vortrag in der Jesuitenkirche erklingen.
François Seydoux absolvierte seine musikalischen Studien am Konservatorium Freiburg i.Ü. (Klavier, Orgel und Theorie), an dem er auch von Anfang der 1970er bis in die Mitte der 1990er Jahre unterrichtete. Parallel dazu studierte er Musikwissenschaft, Philosophie und christliche Archäologie an der Universität Freiburg i.Ü., wo er mit einer umfangreichen Arbeit über den bekannten Orgelbauer Aloys Mooser (1770-1839) bei Prof. Dr. Luigi Ferdinando Tagliavini promovierte und wo er z.Z. als Oberassistent wirkt. Neben einer regen Konzerttätigkeit befasst sich F. Seydoux hauptsächlich mit der Restaurierung alter Orgeln sowie dem Studium von spezifischen Problemen der Aufführungspraxis alter Musik und der Organologie. In letzter Zeit hat er sich einen Namen gemacht durch das Aufspüren bisher unbekannter Kompositionen bedeutender Musiker hauptsächlich des 17. Jahrhunderts.