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Die Fellfarbe einer Katze ist den Artgenossen egal. Wichtig ist, ob sie einander mögen.
Die «richtige» Fellfarbe
Eine Frau möchte ein kleines Kätzchen adoptieren. Doch sie will das Tier nach seiner Fellfarbe aussuchen. Soll es etwa zum Sofa passen? Nein, der Grund ist ein ganz anderer …
Auf diesen seltsamen Anruf war ich nicht gefasst: «Ich suche eine Katze mit weissen Beinen!», sagte die Frau am anderen Ende. Tatsächlich hatte ich einige Jungkatzen aufgepäppelt und suchte gute Plätze für sie. Doch woher kam dieser Farbwunsch? Ich erklärte ihr, welche Geschichte unsere Katzen hatten und was für Probleme sie mit ins Leben nehmen würden. Sie hatten einen Schnupfen gehabt und würden wahrscheinlich immer wieder etwas schnupfen. Auch waren sie als Babys mit starkem Durchfall in der Praxis angekommen. Das Problem war zwar gelöst, erfahrungsgemäss dauerte es aber einige Monate, bis man alles wirklich in den Griff bekam. Die Frau war aber nicht interessiert an meiner Geschichte. Sie wollte lediglich etwas über die Beinfarben wissen.
Während des späteren Besuchs blieb sie unbeeindruckt von der Horde spielender Kätzchen. Eines kaute an meinem Schuh, ein anderes sprang mit einem Spielzeug durch die Praxisküche, verfolgt von den Adoptivbrüdern und ein kleines, dunkles interessierte sich stark für die Besucherin. Anfänglich wurde er von ihr aber sanft weggeschoben. Sie war sichtlich enttäuscht. «Da hat ja keines reinweisse Beine!» Meine Kätzchen hatten alle bis auf eines weisse Flecken. Die einen hatten kurze, andere hohe weisse Stiefelchen, doch ich kümmerte mich eigentlich nicht um ihr Fell. Mich interessierte nur die Ohrenfarbe, um sie auseinanderzuhalten. Das einzige Katerchen war dunkel getigert, ohne weisse Flecken, und bei den Weibchen gab es eins mit zwei hellen Ohren, eins mit einem hellen und einem dunklen und eins mit zwei dunklen Ohren. Dieses Erkennen anhand der Ohrenfarbe war praktisch beim Wägen und Verabreichen der Medikamente. Ansonsten waren mir die Gesundheit und der Charakter wesentlich wichtiger.
Schliesslich fand ich den Grund für den seltsamen Wunsch der Frau heraus. Sie hatte bereits eine Katze, ihre zweite war altershalber verstorben. Sie wollte unbedingt wieder ein Ebenbild ihrer toten Katze: «Ich habe Angst, dass Muki die Neue sonst nicht akzeptiert!» Nach einem langen Gespräch konnte ich sie überzeugen, dass Katzen einander mögen oder nicht mögen. Die Fellfarbe sei dabei weniger wichtig als der Charakter. Und dass der dunkle Tigerkater sie wirklich möge. Denn er war inzwischen auf einen Stuhl und von dort auf ihre Knie gelangt. Er schnurrte laut. Sie nahm den Kater mit. Später bekam ich ein Foto zugeschickt. Darauf sah man, dass eine helle und eine dunkle Katze friedlich aneinandergekuschelt schliefen. Der Kleine hatte es offensichtlich geschafft, sich durchzusetzen.
Sprechstunde: Fragen Sie Chantal Ritter
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