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Der Film beginnt, wie Scream zu beginnen hat: Ein eierschalenfarbenes Einfamilienhaus ragt einsam in die Dunkelheit, während auf der Tonspur bereits das Telefonklingeln zu hören ist. Am anderen Ende der Leitung wartet natürlich der Ghostface-Killer, wie der Mörder mit der ikonischen weissen Maske heisst, um von seinem ahnungslosen Opfer zu erfahren, was dessen Lieblings-Horrorfilm sei. So beginnen alle Scream-Filme seit 1996, doch 2022 – Ghostface ruft erneut bei einer jungen schönen Frau an – stellt ihn vor ein Problem: Die Generation Z lässt unbekannte Anrufe via Festnetz einfach vor sich hin klingeln. Also muss er erstmals via Mobiltelefon texten, damit die Sache in Fahrt gerät und er seine silberne Klinge schwingen kann.
Scream (5) setzt mit genuiner Komik und viel Selbstreflexion an. Die Scream-Reihe unterscheidet sich von den Horror-Franchises der Achtziger (Halloween, Friday the 13th, Nightmare on Elmstreet) ohnehin nicht nur darin, dass der oder die Killer:in in jedem Film ein:e andere:r ist, der oder die ins Kostüm schlüpft und (ab dem zweiten Film) die Taten der mörderischen Vorgänger:innen imitiert. Sondern auch darin, dass Scream von Anfang an eine «Meta»-Reihe war, bei der die Filme gleichzeitig auch immer Kommentar zum Slasher-Genre sind. Auch der fünfte Teil gibt an, zu wissen, was er sei, und in welcher Konjunktur er stehe, und so verneint die junge Sam (Jenna Ortega), als Ghostface sie endlich an den Hörer kriegt, dass sie etwas mit billigen Slasher-Filmen am Hut habe. Stattdessen kenne sie sich nur mit Elevated Horror, also den hochwertigeren Produktionen, aus, die in den letzten Jahren begannen, den Horror (sonst ungeliebtes Kind des Kinos) zu vergolden: The Babadook sei nämlich ihr Lieblingsfilm.
Scream 5 weiss natürlich auch, dass er niemals Horror elevaten wird, dafür will er aber ein «Requel» sein, denn, so sinnieren auch die Figuren im Film: Sequels will niemand mehr; das Aufwärmen des ewig Gleichen sei öde. Passé. Aber auch Reboots seien unbefriedigend, werden dem Original nicht gerecht, wenn sie mit gänzlich neuem Personal auffahren und die Lust von Fans des Originals nicht mehr bedienen. Der neue Scream sucht die goldene Mitte. À propos Fans: Was gibt es eigentlich Schlimmeres, als die vergiftete Kultur abgedrehter Anhäger:innen eines Originals, denen man es ohnehin nie recht machen kann? Sie sind auch Teil von Scream 5, denn der Film weiss jetzt schon, dass er in Internetforen und Youtube-Beiträgen sarkastischer Hobby-Kritiker:innen bald bis ins Detail auseinandergeschraubt wird, und fährt rhetorisch bereits geschickt gegen sie auf.
Das Regisseuren-Team, bestehend aus Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, das sich «Radio Silence» nennt, inszeniert also den Generationenkampf, und lässt Scream bewusst im Spannungsfeld stehen. Der Film folgt der Scream-Genealogie in ihrer Logik und lässt es sich nicht entgehen, ikonische Szenen zu reinszenieren und zu parodieren. Gleichzeitig ist ihm das ewige Wälzen der Horrorfilm-Regel, wie es die Vorgänger noch getan haben, zu blöd. (Als eine Figur im Verlauf des Films einen Anruf von Ghostface erhält, und dieser mit seinem üblichen Spiel – «You forgot: Never answer …» – ansetzt, hängt diese schlicht mit einem «I’m bored» auf). Was nun nach Inkonsequenz klingt, macht Scream stattdessen zur konsequenten und zeitgemässen Fortsetzung der Reihe: Wissend, dass man die Wiederholung nicht mehr nur mit einem ironischen Kommentar aufwerten kann, lässt der Film Einiges hinter sich, sucht Variationen, bevor er doch wieder eine gehörige Portion Nostalgie liefert. Nur eines in der Scream-Version-2022 passt nicht in unser Jetzt: Die leeren, dunkeln Krankenhausgänge, die Ghostface nutzt, um seine Opfer erneut zu stalken, die ihm vormals entwischt waren. Den Luxus haben wir gerade nicht.
START 13.01.2021 REGIE Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett BUCH James Vanderbilt, Guy Busick KAMERA Brett Jutkiewicz SCHNITT Michel Aller MUSIK Brian Tyler DARSTELLER*IN (ROLLE) Melissa Barrera (Sam), Jenna Ortega (Tara), Courtney Cox (Gale Weathers), David Arquette (Dewey), Neve Campbell (Sidney Prescott) PRODUKTION Lautern Entertainment, Outerbanks Entertainment u.a., USA 2022 DAUER 115 Min. VERLEIH Warner Bros.
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