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Abgeschlossenes Projekt: Bessere Verschreibungspraxis dank kontinuierlichem Feedback
Ein Programm, bei dem sich die Ärzteschaft in Spitälern wöchentlich mit Expertinnen und Experten für Infektionskrankheiten austauschte, bewirkte einen adäquateren Einsatz von Antibiotika.
Der Antibiotikaverbrauch korreliert mit den Antibiotikaresistenzen. Deshalb ist es wichtig, medizinische Fachpersonen und Patienten so zu unterstützen, dass Antibiotika seltener eingesetzt und gezielter verschrieben werden (Dauer, Art der Verabreichung, Dosierung oder Spektrum). Spezielle Programme zur Begleitung der Ärztinnen und Ärzte, so genannte Stewardship-Programme, haben einen nachweislich positiven Einfluss auf die Verschreibungspraxis von Antibiotika in Spitälern. In der Schweiz gab es bisher nur wenige solche Bemühungen, obwohl Hinweise auf unnötige oder suboptimale Antibiotikabehandlungen auch in Schweizer Spitälern bestehen.
Schulung und Feedback als zentrale Massnahmen
Zur Unterstützung der Ärzteschaft bei der Verschreibung von Antibiotika in Spitälern haben Forschende des Universitätsspitals Lausanne (CHUV) unter der Leitung von Laurence Senn ein Programm entwickelt und getestet, bei dem Infektiologinnen und Infektiologen Schulungen in Spitälern anbieten. Letztere überprüften zudem wöchentlich die Verschreibungspraxis der Ärztinnen und Ärzte und diskutierten diese mit ihnen. Ein Schlüsselelement der mehrdimensionalen Feedback-Strategie war eine Website, die sich an die verschreibende Ärzteschaft richtete (siehe Link unten). Das Programm konzentrierte sich auf spezifische Breitbandantibiotika, die zur Behandlung von Infektionen durch so genannte gramnegative Bakterien verschrieben werden. Das Forschungsprogramm wurde während sechs Monaten in den Abteilungen Innere Medizin, Allgemeinchirurgie und Intensivmedizin von acht Akutspitälern in vier Kantonen (Freiburg, Neuenburg, Wallis und Waadt) durchgeführt und evaluiert. Die Abteilungen wurden nach Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: In der Interventionsgruppe wurde das Programm durchgeführt, in der Kontrollgruppe nicht.
In einem Viertel der Fälle wurde eine Behandlungsänderung vorgeschlagen
Im Rahmen der Studie wurden fast 10'000 stationäre Patienten untersucht, von denen mehr als 1500 ein Breitbandantibiotikum erhielten, das im Fokus der Forschenden stand. In einem Viertel dieser Fälle wurde eine Änderung der Antibiotikatherapie vorgeschlagen: in den meisten Fällen ein Abbruch der Behandlung, gefolgt von einer Deeskalation (Verringerung des Spektrums) und einer Umstellung von intravenöser auf orale Einnahme. Allerdings gab es zwischen den untersuchten Abteilungen deutliche Unterschiede bei den Verschreibungen, die als suboptimal beurteilt wurden: In der Intensivmedizin wurde etwa ein Zehntel der untersuchten Verschreibungen als unangemessen eingestuft, in der Chirurgie etwa ein Drittel.
Bedarf an langfristigen Programmen
Die Intervention der Forschenden führte während des sechsmonatigen Studienzeitraums zu einem leichten Rückgang des Einsatzes der meisten kritischen Antibiotika, bei einigen hingegen zu keinen Veränderungen. In Anbetracht der insgesamt adäquaten Verschreibungspraxis (etwa drei Viertel aller Verschreibungen wurden als korrekt beurteilt) betrachten die Forschenden diesen Effekt als Erfolg. Die Studie zeigt, dass das Bewusstsein der verschreibenden Ärzteschaft dafür geschärft werden muss, wie wichtig es ist, die Verschreibung von Antibiotika täglich neu zu bewerten und systematisch ein Absetzdatum festzulegen. Die Ergebnisse bieten eine Grundlage für künftige langfristige Stewardship-Programme, da sie zeigen, auf welche Abteilungen, Antibiotika oder Optimierungen künftige Massnahmen abzielen sollten. Um einen optimalen Antibiotikaeinsatz in Spitälern zu erreichen, empfehlen die Forschenden die Umsetzung einer mehrdimensionalen Strategie mit Feedbacks, Schulungsrunden, Weiterbildungen sowie der Bereitstellung von Leitlinien und Lehrmaterial, unter anderem auch von Instrumenten zur Entscheidungsfindung.
Stand: August 2022