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Die Vagina - Anatomie, Funktionen und häufige Erkrankungen
Die Vagina, die häufig auch als Scheide bezeichnet wird, zählt zu den inneren Geschlechtsorganen einer Frau. Sie ist ein etwa zehn bis zwölf Zentimeter langer, muskulärer und dehnbarer Schlauch, der die äusseren Geschlechtsorgane mit der Gebärmutter verbindet. Die Vagina ist sehr elastisch und daher in der Lage, sich bei einer Entbindung derart auszudehnen, dass sie als Geburtskanal für das Baby dient. Bei der Periode der Frau kann das Menstruationsblut zudem durch die Vagina abfliessen.
Die Öffnung der Vagina ist vor dem ersten Geschlechtsverkehr durch das Jungfernhäutchen, auch als Hymen bezeichnet, leicht verengt. Dieses liegt etwa zwei Zentimeter hinter dem Scheideneingang und reisst in den meisten Fällen beim ersten Geschlechtsverkehr ein, was eine Blutung zur Folge haben kann.
Themenübersicht dieses Artikels
Welche anatomischen Strukturen machen die Vagina aus?
Die Vagina ist ein sogenanntes Hohlorgan, das aus einem flexiblen und glatten Muskelschlauch besteht, der zwischen zehn und zwölf Zentimeter lang ist. Die extreme Dehnbarkeit der Vagina, die beispielsweise bei der Geburt eines Kindes notwendig ist, erklärt sich durch ihre flexible und faserige Struktur. Diese erlaubt es, sich bei der Geburt der Grösse des Kindes und beim Geschlechtsverkehr der jeweiligen Anatomie des Penis anzupassen. Darüber hinaus verfügt die Vagina über einen schnellen Selbstheilungsprozess. Dies wird aufgrund der sauren Körperflora und ihrer speziellen Struktur ermöglicht.
Während die Vagina zu den inneren Geschlechtsorganen der Frau zu zählen ist, handelt es sich bei den äusseren Genitalien um die Schamlippen, die Klitoris und den Scheidenvorhof. Neben der Harnröhre mündet auch die Scheide in den Scheidenvorhof. Dieser wird von den kleinen Schamlippen umschlossen. Diese gehen vorne in die Klitoris über. Die kleinen Schamlippen wiederum werden von den grossen Schamlippen umschlossen. In der Klitoris befinden sich Schwellkörper. Von der Entwicklung her entspricht sie dem männlichen Geschlechtsorgan. Die Klitoris ist durchzogen von zahlreichen Nerven und spielt für das sexuelle Lustempfinden der Frau eine zentrale Rolle.
Funktionen und Aufgaben der Vagina
Was ist die Scheidenflora bzw. das Scheidenmilieu?
Neben Schleimhautzellen befinden sich in einem normalen Scheidensekret etwa 100 Millionen Keime pro Milliliter. Vorwiegend handelt es sich bei diesen Bakterien um Milchsäurebakterien, die in der beinahe eisenfreien Umgebung der Scheide sehr gut gedeihen können. Durch die Umwandlung von Zucker in Milchsäure führen diese Bakterien zu einer Absenkung des pH-Wertes in der Vagina.
Der pH-Wert einer gesunden Scheide liegt unter 4,5 und somit deutlich unter dem Wert der Haut, der etwa 5,5 beträgt. Aufgrund des sauren Scheidenmilieus ist es für Krankheitserreger schwer, sich zu vermehren. Zu diesen Krankheitserregern zählen etwa Pilze oder Bakterien. Darüber hinaus bilden viele Milchsäurestämme neben der Milchsäure weitere Stoffe, die eine Vermehrung von Krankheitserregern erschweren, wie etwa antibiotisch wirksame Eiweissmoleküle oder Wasserstoffperoxid. Im Scheidensekret gesunder Frauen lassen sich zwischen fünf und acht verschiedene Stämme von Milchsäurebakterien finden, wobei die Zusammensetzung der Stämme von Frau zu Frau verschieden sein kann. Aus diesem Grund ist auch die Anfälligkeit für vaginale Infektionen von Frau zu Frau unterschiedlich.
Auch während einer Schwangerschaft verändert sich die Scheidenflora grundsätzlich kaum. Jedoch kann es bei manchen Frauen zu einem Anstieg des pH-Wertes in der Vagina kommen. Aus diesem Grund sind regelmässige Kontrollen beim Frauenarzt empfehlenswert, damit Infektionen möglichst frühzeitig erkannt werden können.
Die natürliche und gesunde Zusammensetzung der Scheidenflora kann durch äussere Einflüsse gestört werden. Dies ist beispielsweise bei der Einnahme von Antibiotika der Fall, da diese nicht nur die Zahl der unerwünschten Bakterien vermindern, sondern auch zu einer Reduzierung der Milchsäurebakterien in der Vagina führen. Dies ist auch der Grund dafür, dass viele Frauen bei der Einnahme von Antibiotika unter einem Vaginalpilz leiden. Das Milieu innerhalb der Scheide ist durch die Einnahme der Medikamente derart gestört, dass es Krankheitserregern erleichtert wird, sich in der Vagina anzusiedeln.
Dieses Phänomen lässt sich bei einigen Frauen auch bei der Einnahme von Hormonpräparaten, also beispielsweise der Anti-Baby-Pille, beobachten. Darüber hinaus können auch die Verwendung von Seifen im Intimbereich sowie die Anwendung spezieller Intimsprays die Scheidenflora negativ beeinträchtigen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, die äusseren Genitalien in erster Linie mit klarem Wasser zu reinigen. Auf Scheidenspülungen sollte zudem verzichtet werden, denn eine gesunde Scheide kann sich von selbst reinigen.
Letztlich können auch Erkrankungen, wie beispielsweise Immunschwächekrankheiten oder Diabetes mellitus ungünstige Einflüsse auf die natürliche Scheidenflora nach sich ziehen. Sollte die Frau häufig unter Pilzinfektionen der Scheide leiden, ist es daher sinnvoll, die mögliche Existenz verschiedener Grunderkrankungen abzuklären.
Was sind häufige Erkrankungen der Vagina?
Vaginale Infektionen
In der frauenärztlichen Praxis zählen Infektionen der Vagina zu den häufigsten Krankheitsbildern. Diese lassen sich beispielsweise im Rahmen von gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen finden. Als Ursache kommt in den meisten Fällen eine Störung der gesunden Scheidenflora in Frage. Diese wiederum führt dazu, dass sich Bakterien, Pilze oder Viren in der Scheide einnisten und vermehren können.
Abhängig vom jeweiligen Auslöser können auch die Symptome einer vaginalen Infektion unterschiedlich ausfallen. So klagen viele Betroffene unter starken Schmerzen im Intimbereich, die vor allem beim Sexualverkehr auftreten. Darüber hinaus sind auch Rötungen der vaginalen Schleimhaut und ein unangenehmer Ausfluss aus der Vagina keine Seltenheit bei Scheideninfektionen. Bei manchen Frauen können jedoch auch keine Symptome auftreten.
Die Behandlung einer Vaginalinfektion ist vom jeweiligen Erreger abhängig. Hierzu wird vom behandelnden Gynäkologen das Scheidensekret analysiert, um den Erreger zu identifizieren. Sobald dieser bekannt ist, kann mit einer medikamentösen Therapie begonnen werden.
Scheidenpilz
Wenn die Vagina von speziellen Pilzen befallen ist, wird dies als Scheidenpilz bezeichnet. Oftmals handelt es sich hierbei um den Erreger Candida Albicans, der normalerweise im Darm eines Menschen angesiedelt ist. Zu den häufigsten Symptomen bei einem Scheidenpilz zählen ein starker Ausfluss aus der Vagina sowie ein brennender und starker Juckreiz im Scheidenbereich. Der Ausfluss kann einen äusserst unangenehmen Geruch haben und eine weissliche bis grünlich-braune Farbe haben.
Eine Ansteckung mit einem Scheidenpilz ist nur durch direkten Körperkontakt möglich. Durch die gemeinsame Nutzung von alltäglichen Dingen, wie etwa dem Toilettensitz, ist eine Übertragung hingegen nicht möglich.
Als Behandlungsmöglichkeiten bieten sich bei einem Scheidenpilz bestimmte Zäpfchen an, die von der Frau in die Vagina eingeführt werden. Auch der Partner sollte bei einem Scheidenpilz mit behandelt werden. Dies geschieht durch eine Salbe, die auf den Penis aufgetragen wird.
Scheidenkrebs
Typische Beschwerden, die auf Scheidenkrebs hindeuten können, gibt es nicht. Aus diesem Grund wird Scheidenkrebs häufig erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, wodurch die Heilungschancen deutlich verschlechtert werden.
Um Scheidenkrebs möglichst frühzeitig erkennen und behandeln zu können, sind regelmässige Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen sehr wichtig. Sollte der Scheidenkrebs rechtzeitig entdeckt werden, ist dieser in etwa 70 Prozent der Fälle heilbar. Zu den typischen Untersuchungsmethoden zählen unter anderem Röntgen, eine Computertomografie und eine Ultraschalluntersuchung.
Die Therapie von Scheidenkrebs ist abhängig von der Lage und der Grösse des Tumors. Wenn sich dieser zentral in der Scheide befindet, ist er in der Regel einfach zu entfernen. Sollte er sich hingegen in der Nähe des Gebärmutterhalses befinden, ist unter Umständen auch eine Entfernung der Gebärmutter erforderlich. Alternativ zur Operation kommt bei der Behandlung von Scheidenkrebs eine Bestrahlung in Frage.
Vaginismus
Beim Vaginismus handelt es sich um eine ungewollte Verkrampfung der Muskulatur im Beckenbodenbereich der Frau. Er erschwert den Geschlechtsverkehr zum Teil erheblich und wird von Betroffenen daher als sehr störend erfunden, da sie den Sex nicht geniessen können. In einigen Fällen wird dieser als schmerzvoll erlebt oder durch ein ungewolltes Verkrampfen der Muskulatur unmöglich gemacht. Darüber hinaus kann es auch bei der Benutzung von Tampons während der Regel der Frau zum Vaginismus kommen.
Als mögliche Ursachen kommen in vielen Fällen psychische Gründe in Frage. Falscher Scham oder Ängste können Vaginismus begünstigen. Vaginismus kann jedoch auch die Folge einer Geburt oder einer Operation sein.
Für die Behandlung von Vaginismus kommt gezieltes Beckenbodentraining in Frage, das der Betroffenen dabei helfen kann, die Muskulatur zu kontrollieren. Zusätzlich kann eine psychologische Behandlung dabei helfen, innere Verspannungen zu lösen. Auch der Einsatz von Vaginaldilatoren kann die Auswirkungen von Vaginismus reduzieren. Mit diesen lässt sich eine Desensibilisierung beim Einführen in die Scheide erreichen.
Vaginalsenkung
Bei einer Vaginalsenkung kommt es zu einer Lageveränderung der Scheide. Die Folge hierbei ist ein tieferer Eintritt der Vagina in das Becken. Oftmals tritt eine solche Scheidensenkung gemeinsam mit einer Senkung der Gebärmutter auf. Die Gebärmutter wandert hierbei in die untere Richtung und stülpt sich in die Vagina.
Als Grund für eine Vaginalsenkung kommt bei vielen betroffenen Frauen eine Beckenbodenschwäche in Frage. Mehrere vaginale Geburten, schwere körperliche Arbeit oder starkes Übergewicht sind die häufigsten Ursachen für das Auftreten einer solchen Beckenbodeninsuffizienz. Unter Umständen kann es auch nach einer operativen Entfernung der Gebärmutter zu einer Beckenbodenschwäche kommen.
Betroffene beschreiben im Rahmen einer Vaginalsenkung häufig Blasenbeschwerden und Druckgefühle als typische Symptome. Der ungewollte Verlust von Urin beim Husten oder Lachen können die Folge hiervon sein. Darüber hinaus können bei einer Vaginalsenkung auch Unterleibschmerzen auftreten.
Die Behandlung einer Vaginalsenkung ist vom jeweiligen Ausmass abhängig. Grundsätzlich kommen sowohl operative als auch konservative Therapiemöglichkeiten in Betracht. Regelmässiges Beckenbodentraining ist wichtiger Bestandteil der verschiedenen Therapien. Hierbei sollen Betroffene gezielte Übungen durchführen, mit denen die Muskulatur im Beckenbodenbereich gekräftigt wird. In vielen Fällen lässt sich bereits durch diese Massnahme eine Besserung der Beschwerden erreichen.