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Sprungbrett für Mädchen eines Nomadenstammes
In Tansania können Massai-Mädchen dank des Engagements der St. Anna-Schwestern zur Sekundarschule gehen. In einer globalisierten Welt ist Bildung der Schlüssel zur Chancengleichheit.
Im Jahr 2002 wandte sich die katholische Erzdiözese von Arusha in Tansania an die St. Anna-Gemeinschaft, um die Bedürfnisse der Massai zu beurteilen, insbesondere im Bezirk Monduli und in den Dörfern von Monduli Juu Wad und Enguiki in der Region Arusha. Einigen Massai hat die Globalisierung ihre traditionellen Weidegründe genommen und so in die Armut getrieben. Auch die Einführung der Bargeldwirtschaft haben die Massai verarmen lassen.
Probleme wie Viehseuchen, Dürren und Krankheiten in der Familie können die Massai kaum bewältigen. Für sie ist es schwierig, andere Möglichkeiten ausserhalb ihrer Gemeinschaften wahrzunehmen, weil ihnen dazu die Bildung und das Wissen fehlen. Sie rückten immer stärker an den Rand der tansanischen Gesellschaft.
Zugang zu Universitäten
Die St. Anna-Schwestern eröffneten im Jahr 2003 in Monduli Juu die Enyorrata Engai Girls’ Secondary School für junge Massai-Frauen aus Halbnomadenfamilien, die dank einer besseren Bildung ihre Erfolgschancen erhöhen möchten. Ziel ist, jungen Massai-Frauen Bildung zu bieten und ihnen aufzuzeigen, wie sie ihre Familien unterstützen und diese in die Gesellschaft integrieren können. Die Schülerinnen durchlaufen die normale Sekundarschulausbildung, die Englisch, Mathematik sowie Wissen und Fähigkeiten umfasst, die für das Leben in einer Gemeinschaft nötig sind.
Die gesamte Ausbildung dauert vier Jahre und bereitet die Schülerinnen auf die landesweiten Abschlussprüfungen vor, nach deren Bestehen sie studieren können. Als das Projekt lanciert wurde, bestand das Ziel darin, längerfris tig 320 jungen Frauen Bildung zu gewährleisten. Wegen verschiedenen Problemen wie fehlenden Klassenräumen, Schlafsälen und Wasserressourcen konnte dieses Ziel bisher nicht erreicht werden. Derzeit können 192 junge Massai-Frauen die Enyorrata Engai Girls’ Secondary School besuchen.
Nadupoi fühlt sich sicherer
Nadupoi Kuresoi entstammt einer Familie mit elf Kindern, von denen sie die drittälteste ist. Ihr Vater hat drei Frauen. Sie ist die Tochter der ersten Frau. Von den elf Kindern sind zwei Buben und neun Mädchen. Ihre Kindheit war nicht leicht, da ihre Mutter bei der Kindererziehung keine Unterstützung des Vaters bekam. Dank des Einsatzes ihrer Mutter erhielt Nadupoi nach Ende der siebten Klasse die Möglichkeit, von 2009 bis 2012 die Sekundarstufe bei uns zu absolvieren. Sie bestand die landesweite Abschlussprüfung mit hervorragenden Noten.
Gegenwärtig macht Nadupoi an der Universität Ruaha ein Diplom in ländlicher Entwicklung. Nach dem Universitätsabschluss möchte sie zu ihrer Mutter zurückkehren und ihr bei der Anbauarbeit helfen. Zudem bemüht sie sich beim Staat um eine Stelle im Bereich der landwirtschaftlichen Entwicklung. Nadupoi ist glücklich und dankbar, dass sie die Chance auf Bildung hatte. Dank dieser fühlt sie sich innerhalb des Massai-Stamms und in der globalisierten Welt sicherer. Ähnlich wie Nadupoi sind unsere Absolventinnen heute Lehrerinnen, Pflegefachfrauen oder arbeiten in der Privatwirtschaft. Einige sind auch gute Mütter. Das alles macht Mut, das Schulprojekt weiterzuführen.
Stichwort Massai
Die Massai (oder Maassai) sind ein ganz besonderer Stamm, der für seine auch heute noch erhaltene traditionelle Kultur und Lebensweise bekannt ist. In Kenia und Tansania leben Schätzungen zufolge eine Million Massai. Sie sind nomadische Viehhirten und von ihren Tierbeständen abhängig, mit denen sie umherziehen, um Weideland zu finden. Der Globalisierung kann sich der Stamm nicht entziehen. Einige Massai stehen den damit verbundenen Veränderungen mittlerweile offen gegenüber und sind bereit, sich anzupassen.