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Reportage: Von Solferino bis Les Verrières vom 26.08.2019
Vortrag von Herrn Dr. Stüssi-Lauterburg im Aare Saal der Sanavita AG Windisch
Lisbeth Kuhnt durfte etwas über 20 interessierte Zuhörende begrüssen. Auf einer militärhistorischen Reise hat sie vor einigen Jahren Herr Dr. Stüssi gehört, wie er als Historiker die Schlacht von Solferino erläuterte. Daher die Idee zu diesem Vortrag.
Die Kriege im Mittelalter müssen grässlich gewesen sein. So war es ein Meilenstein, als 1393 erstmals im Sempacherbrief Regeln für das Verhalten von Truppen im Krieg aufgestellt wurden. Herr Stüssi begann damit, zu erzählen und aus historischen Dokumenten vorzulesen. Es ging darum, dass Rücksicht auf Klöster und Frauen genommen werde und dass den Vertragsparteien untersagt wurde, einen Krieg zu beginnen. Die Alte Eidgenossenschaft hielt sich an die Regelungen in diesem Brief, der wohl eine «Humanisierung» der Kriegsführung bedeutete.
Am 8. Mai 1828 kam Henri Dunant als Sohn einer streng calvinistisch aber sozial aktiven Bürgersfamilie zur Welt. Mit Freunden gründete er den Christlichen Verein Junger Menschen (CEVI). Er war Banker und Spekulant und damit beschäftigt, Projekte für die Nutzbarmachung von Ländereien in Algerien durchzuführen. Er wollte dort reich werden. Doch geriet er in finanzielle Schwierigkeiten und beabsichtigte deshalb und auf Empfehlung von General Dufour, Kaiser Napoleon III, der gerade in Norditalien einen Feldzug gegen die Oestereicher führte, zu treffen.
Auf dem Schlachtfeld von Solferino, am 24. Juni 1859, wurde Dunant jedoch mit unsäglichem Leid, Blut und Tod konfrontiert. Zwischen den Kriegsparteien gab es fürchterliche Gemetzel. Tausende toter und schrecklich verwundeter Soldaten lagen auf dem Feld. Die Sanitätsdienste waren völlig überfordert, schlecht ausgebildet und hatten kaum Medikamente oder Verbandsmaterial. In der Kirche von Castiglione organisierte Dunant ein notdürftiges Lazarett und die Dorfbevölkerung half, wo sie nur konnte und ohne einen Unterschied zu machen, von wo die Soldaten kamen.
Durch dieses Erlebnis in Solferino aufgerüttelt, setzte er sich nun für die verwundeten Soldaten ein. Mit dem Aufruf «Tutti fratelli» forderte er Unterstützung für alle Soldaten, unabhängig von ihrer Nationalität.
Zurück in Genf verfasste Dunant 1862 das Buch «Eine Erinnerung an Solferino». Es rüttelte die Menschen auf. 1863 tagte zum ersten Mal die «Kommission der Fünf», Persönlichkeiten von Rang und Namen, die die Ideen des «guten Samariters» Dunant prüfen sollten. Aus dieser Kommission entstand dann das IKRK und 1864 wurden die ersten Genfer Konventionen formuliert, die im Wesentlichen aus den Vorschlägen von Dunants Buch hervorgingen,
Dunant war nicht Präsident der Kommission. Zwar begannen seine humanitären Visionen die Welt zu erobern. Die Umsetzung aber war schwierig und Sache der Juristen. Dunant überwarf sich mit dem Präsidenten und Juristen Moynier, wurde in einen Finanzskandal verwickelt und ging Konkurs. Er verlor alle seine Ämter und sein Ansehen in der Genfer Gesellschaft. 1887 zog er sich, völlig verarmt, nach Heiden zurück. Der Bericht eines Journalisten holte ihn 1895 aus der Vergessenheit. Nun verbesserte sich seine Lage wieder. Man erinnerte sich an den Gründer des Roten Kreuzes. Von Papst Leo XIII. erhielt er sogar ein Bild mit Widmung.1901 wurde Henri Dunant der erste Friedensnobelpreis überreicht.
Die Internierung der Bourbaki-Armee1871 in Les Verrières war ein Prüfstein für das noch junge Schweizerische Rote Kreuz. Erst 4 Jahre vorher war der «Hülfsverein für schweizerische Wehrmänner und ihre Familien» gegründet worden, quasi die Geburtsstunde der humanitären Schweiz. Das Bourbaki-Panorama (siehe Ausflug des forum 60 plus vom 12. Sept.) würdigt den Einsatz des SRK und das Ideal der neutralen Schweiz.
Die Gründung und der Betrieb (angestossen von den Ärztinnen Marie Heim und Anna Heer) der Pflegeschulen Lindenhof und Pflegi unterstanden ebenfalls dem SRK, sowie die Ausbildung von Samaritern.
Der Vortrag von Herrn Dr. Stüssi war spannend, dicht und anspruchsvoll. Für seine interessanten Ausführungen in die Frühzeit des Roten Kreuzes, erhielt er vom Präsidenten Peter W. Frey, ein flüssiges Geschenk aus der Umgebung von Solferino und dem Gardasee.
Vielen Dank auch an die Organisatorin Elisabeth Kuhnt. Für den Besuch des Bourbaki-Panoramas sind noch Plätze frei.
Elisabeth Salchli