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Links zu den einzelnen Kapiteln:
ein Songwriter’s Song
Starbesuch beim Song und Videodreh im Sturmwind
erste Veröffentlichung mit Elvis Costello
McCartneys erste CD-Single
Versionen und Formate
Rezeption und Statistik
«Once Upon A Long Ago» steht wie kein zweiter Song für das öffentliche Image von Paul McCartney als Rocker mit süssen Balladen und gilt zugleich als einer seiner besten Songs aus den 1980er-Jahren. Bei der Veröffentlichung anno 1987 war Paul 45-jährig und vierfacher Familienvater. Nach einem Vierteljahrhundert im Pop-Olymp schien er alles erreicht zu haben, was es zu erreichen gab. Nostalgie würde die letzte Station vor dem Vergessen werden sein. Bekannterweise kam es anders. Mit drei Jahrzehnten Distanz ist es die Single im Wendepunkt McCartneys Karriere von der lebenden Legende zum noch überlebenden Teil dieser Legende. Durch die Zusammenarbeit mit Elvis Costello lancierte McCartney die dritte Phase seiner Karriere, in der er sich mit seiner Beatles-Vergangenheit versöhnen sollte.
ein Songwriter’s Song
Nach den einleitenden Klavierakkorden auf C und Fmaj7 von «Once Upon A Long Ago» setzt Paul mit dem Gesang ein. Die Melodie ist sanft wie ein Hügel, sie steigt an, ehe sie wieder abfällt. Das Ganze wiederholt sich noch einmal, bevor eine Terz höher gesungen die Sinnfrage gestellt wird, was das alles soll. Danach rundet der Refrain den ersten Teil ab. Paul beschreibt «Once Upon A Long Ago» als Song über das Gefühl des Erinnere dich der alten Zeiten, alles war damals viel einfacher. Deshalb erscheint es passend, dass er als neuer Song auf der Kompilation «All The Best!» erschienen ist, die sonst die Höhepunkte seiner Karriere seit der Trennung der Beatles 1970 dokumentiert.
Mark Knopfler, Paul McCartney und Tina Turner (vlnr) am 20. Juni 1986 anlässlich des 10. Princes’ Trust All Star Rock Concert Charity Konzert im Wmbley Stadion in London.
Foto: paulmccartney.com
«Once Upon A Long Ago» entstand im Sommer 1986, als Paul am Klavier sass und im Notenbuch seiner Tochter Stella blätterte. Darin gab es einen Abschnitt über Tonleitern und gebrochene Akkorde, was in die Eröffnungszeile «Picking up scales and broken chords» (Sammle Tonarten und gerbochene Akkorde) eingeflossen ist. Aufs Songwriting kommt Paul auch in der zweiten Strophe zurück, als er fragt: «Making up moons in a minor key, what have those tunes got to do with me?». (Produziere Monde in Moll, was haben diese Melodien mit mir zu tun?) Aber auch der Refrain «Once upon a long ago, children searched for treasure, nature’s plan went hand in hand with pleasure» kann auf die ursprüngliche Entstehung des Songs zurückgeführt werden: Tochter Stella, die Musikunterricht nimmt und den versteckten Schatz des Musizierens entdeckt und so ganz nach dem Plan von Mutter Natur kommt. Noch nicht wissend, dass Stella die weltberühmte Modeschöpferin wird und Sohn James erfolglos in die musikalischen Fussstapfen des Vaters treten würde.
Den letzten Bezug zum Musikerleben nimmt Paul in der letzten Strophe mit: «Playing guitar on an empty stage, counting the bars of an empty cage.» (Auf einer leeren Bühne Gitarre spielen, die Gitter eines leeren Käfiges zählend). Lange ist es her, dass Paul auf leeren Bühne gespielt hatte. Aber auch auf einer vollen. Abgesehen von den beiden Charityauftritten bei Live Aid (1985) und dem Prince’s Trust (1986), war er nach der Ermordung von John Lennon nicht mehr aufgetreten. Erst nach der Veröffentlichung von «Flowers In The Dirt» sollte Paul 1989/1990 auf die «World Tour» gehen, die ihn auch nach Zürich führen sollte.
«Once Upon A Long Ago» ist also ein sentimentaler Song über das Musikerdasein und zeigt Paul auf der Höhe der Kunst, sentimentale Balladen zu schreiben. Vielleicht war sie zu sentimental, gemäss einer Biographie von 2011 hat Paul den Song für den Film «The Princess Bride» von Rob Steiner geschrieben. Diesem wäre der Song aber zu sentimental gewesen, weshalb er den Auftrag für den Soundtrack Mark Knopfler gegeben hatte.
Starbesuch beim Song und Videodreh im Sturmwind
Ursprünglich hat Paul den Song mit Freddie Mercury im Kopf komponiert. Nach Live Aid waren die beiden miteinander in Kontakt geblieben. Doch Mercurys Agenda war zu voll, als dass es zu einer gemeinsamen Session gekommen wäre. Paul nahm «Once Upon A Long Ago» schlussendlich am 11. und 12. März 1987 in seinem Hog Hill Studio auf. Phil Ramone, der Ende 1970 die ersten Songs der «RAM»-Sessions produziert hatte, produzierte «Once Upon A Long Ago». Am 1. Juli 1987 wurden in den Londoner Abbey-Road-Studios die Overdubs mit dem Violinisten Nigel Kennedy und dem Saxofonisten Stan Sulzman eingespielt, George Martin besorgte die endgültige Abmischung.
Abbild der Ästhetik der Mitte der 1980er-Jahre: schwarzweisses Video mit Neonfarben durchsetzt. Hier Punkgeiger Nigel Kennedy in einem Screenshot aus dem Video von «Once Upon A Long Ago» von 1987.
Im Videoclip sieht man Paul mit Band im Valley of the Rocks bei Lynmouth im Devonshire spielen. Ursprünglich war ein Dreh in Norwegen geplant gewesen, doch dieser war durch schlechtes Wetter verhindert worden. Am Folgetag eines Sturmes wurde das Video nun in England gedreht. Die zerzausten Haare von Paul im Videoclip lassen es kaum erahnen, dass bei Windgeschwindigkeiten von immer noch 80 bis 100 Stundenkilometern gedreht wurde.
Nigel Kennedy versteckt sich im Video unter einem Hut. Ein bärtiger Mann wischt die Noten und gebrochenen Akkorde aus dem Text zusammen. Am Ende des Clips hat er den Gipfel erreicht, wo zuvor die Band gespielt hat. Zusätzlich, passend zur Weihnachtszeit, in welcher der Song veröffentlicht wurde, ist im Clip eine Zeichentrickfilm-Sequenz mit Figuren von Geoff Dunbar eingefügt. Dunbar, der schon «Rupert And The Frog Song» im Video von «We All Stand Together» animierte, erzählt die Geschichte einer glücklichen Familienweihnacht, wobei Vater und Mutter verdächtig Paul und Linda ähnlich sehen.
erste Veröffentlichung mit Elvis Costello
Im März 1987 war Paul mit Phil Ramone ins Studio gegangen. Nach den enttäuschenden Verkäufen von «Press To Play» hatte Pauls Auftrag gelautet, poppigere Songs zu produzieren. «Kürzlich habe ich Phil Ramone ein paar Aufnahmen gemacht, und dieser Song («Once Upon A Long Ago») ist eines der Resultate (…) Ich bin ganz zufrieden damit», erzählte Paul während den Promotionen zur Single. Zehn Songs haben sie miteinander eingespielt, doch die Sessions waren enttäuschend verlaufen. Phil Ramone mochte nicht mit Pauls Neugier auf Drum-Computer und elektronische Sounds eingehen. Aus den Sessions mit Phil Ramone wurden zehn Jahre später als B-Seiten der «Flaming Pie»-Singles noch «Atlantic Ocean», «Love Mix» und «Love Come Tumbling Down» veröffentlicht.
Überblendung im Video von «Once Upon A Long Ago» – Screenshot
Der letzte veröffentlichte Song aus den Ramone Sessions findet sich auf der B-Seite der Single «Once Upon A Long Ago»: «Back On My Feet» ist zugleich die erste gemeinsame Veröfentlichung von Paul McCartney und Elvis Costello. Während des Jahres 1987 hatten Paul und Elvis zusammen Musik gemacht und Songs geschrieben. Sie entschieden sich jedoch gegen ein gemeinsames Album, weshalb sie bis Mitte der 1990er-Jahre auf ihren Alben die Resultate ihrer Zusammenarbeit veröffentlichten. «Es war wie zwei Handwerker, die sich zusammensetzten», erzählt Paul übers Songwriting mit Elvis Costello. «Als erstes halfen wir uns gegenseitig, ein paar unserer Songs in Ordnung zu bringen. Dazu zählte auch «Back On My Feet».» Der Refrain «I don’t need love/though the temptation is sweet/give me your hand/until I’m back on my feet» mahnt denn auch eher an den zornigen Costello denn an den netten McCartney.
McCartneys erste CD-Single
1983 kam die CD auf den Markt und sollte das goldene Zeitalter der Musikindustrie einläuten. 1987 wurde sie vom Luxus- zum Allgemeingut. Singles wurden auch als CDs veröffentlicht. «Once Upon A Long Ago» ist die vierzigste Single von Paul McCartney veröffentlichte. Sie erschien zwei Wochen nach dem Album «All The Best!». Bemerkenswert an der Single ist, dass es Pauls erste CD-Single war, die ein Sammelsurium der B-Seiten der anderen Formate ist.
Neben «Back On My Feet» wurden für die Maxisingles Rock'n'Roll-Klassiker, die Paul am 20. und 21. Juli 1987 eingespielt hat, verwendet: «Midnight Special», «Don’t Get Around Much Anymore», «Lawdy Miss Clawdy» und «Kansas City». Die nüchterne Qualität dieser Songs kontrastiert mit der reichen Produktion von «Once Upon A Long Ago» und «Back On My Feet». Die Songs aus der Juli-Session sollten ein Jahr später exklusiv in der Sowjetunion und für die Fan Club Mitglieder von Paul auf dem Album «Choba B CCCP» veröffentlicht werden, das erst 1991 im Westen regulär in den Handel kam.
Versionen und Formate
Die Single «Once Upon A Long Ago» in den USA weder veröffentlicht worden noch ist der Song auf der US Version von «All The Best!» enthalten. Erst auf der Videosammlung «The McCartney Years» erschien zumindest der Videoclip in den USA. In Kanada, Europa und dem Rest der Welt erschien «Once Upon A Long Ago» auf dem Album «All The Best!» und als Single in fünf Versionen.
Die finale Version findet sich auf dem Album und dauert 4:09 Minuten. Die Singleversion ist mit 4:20 nur etwas länger. Doch anstelle des Gitarrensolo Fade-outs hat George Martin nochmals den Refrain angehängt. Diese Version ist auf der 7” Single und der CD-Single enthalten. Auf der sandfarbenen 1. Maxi ist die «Long Version» enthalten. Auch hier folgt anstelle des Fade-outs nochmals der Refrain. Die «Long Verison» dürfte der Video-Version entsprechen. Auf der zweiten Maxi mit den graublauen Duplex-Bildern, ist die «Extended Version», die 6:06 Minuten dauert. Dies ist der Song in seiner ganzen Länge, aus dem die Albumversion gekürzt wurde. Neben einem längeren Intro, bei dem nach und nach alle Instrumente zum Zug kommen, überrascht der Song mit einem feurigen, zweiten Gitarrensolo und ist definitiv ein Hinhörer.
Fred Evans als Notenkehrer zu Beginn des Videoclips von «Once Upon A Long Ago».
– Screenshot aus dem Videoclip.
Gut drei Wochen nach der Single erschien die VHS-Kassette «Once Upon A Video» mit vier Videoclips. Neben «Once Upon A Long Ago» waren «We All Stand Together» von 1984 und den beiden Clips zu den Singles «Pretty Little Head» sowie «Stranglehold» vom Album «Press To Play» enthalten.
Rezeption und Statistik
«Once Upon A Long Ago» erreichte Platz 10 in den englischen Singlecharts (die Maxi gar Rang 8) und sollte trotz grandioser Songs die letzte Topten Single McCartneys bis «FourFiveSeconds» (2015) in in den britischen Charts bleiben.
Eine weitere Topten-Platzierungen gab es in Belgien mit dem 4. Rang. und der Schweiz mit Platz 10. Top 20 Positionen gab es in Holland (11), Deutschland (13) und Österreich (17).
Declan Patrick Albert Mac Manus, bekannt geworden als Elvis Costello, und Paul, beim gemeinsamen Songwriting 1987/1988. – Foto: Linda McCartney / MPL Communications