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<h2>SubmittedText<h2><p>Die vierte, digitale Revolution, die "Industrie 4.0", spielt für die künftige Entwicklung der Schweizer Wirtschaft eine wichtige Rolle. Sie bietet dem Wirtschaftsstandort Schweiz die Chance, sich trotz hohen Lohnniveaus und trotz starkem Franken wettbewerbsfähig zu halten. Die Umstellung des schweizerischen Arbeitsmarktes benötigt entsprechend qualifizierte Arbeitskräfte, um die neuen Industriewerkzeuge betreiben zu können. </p><p>Diese Umstellung ist in vollem Gange. Sie ist aber auch verbunden mit der Sorge, dass eine immer grössere Anzahl von Arbeitsplätzen für nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter verlorengeht. Gerade ältere Arbeitnehmende mit tiefem Qualifikationsniveau dürften davon betroffen sein. </p><p>Wir bitten den Bundesrat vor diesem Hintergrund um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Sind Kinder und Jugendliche mit den heutigen Lehrgängen auf die neuen Erwartungen des Arbeitsmarktes im Bereich Digitalisierung genügend vorbereitet? </p><p>2. Ist die Berufsbildung an die neuen Anforderungen genügend angepasst? </p><p>3. Wie sieht es auf Ebene der Bachelor- und Masterabschlüsse aus?</p><p>4. Braucht es zusätzliche Studiengänge im Bereich Daten, Big Data, Cyber usw.? </p><p>5. Bestehen genügend Angebote im Bereich Weiterbildung, vor allem für (ältere) Arbeitnehmende mit einem tieferen Qualifikationsniveau? </p><p>6. Welche Lösungen sieht man für ungenügend qualifizierte Arbeitnehmende vor?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich bewusst, dass die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen von grosser Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft sind. Er ist bereits daran, im Dialog mit Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Zivilgesellschaft dazu beizutragen, dass unser Land von der zunehmenden Digitalisierung profitiert. Zu diesem Zweck hat der Bundesrat am 20. April 2016 die Strategie Digitale Schweiz verabschiedet. Im zugehörigen Massnahmenpaket kommt der Weiterentwicklung der Wissensgesellschaft hohe Bedeutung zu. Im Rahmen der genannten Strategie legt der Bundesrat Ende 2016 einen Bericht zu den zentralen Rahmenbedingungen für die digitale Wirtschaft vor und wird darin auch die entsprechenden Rahmenbedingungen im Bildungssystem thematisieren. Bund und Kantone gewichten die mit der Digitalisierung einhergehenden Herausforderungen für das Bildungssystem im Rahmen der Bildungszusammenarbeit in besonderem Masse. Mit Inkrafttreten des neuen Bildungszusammenarbeitsgesetzes (BiZG) soll ein neuer Koordinationsausschuss "Digitalisierung in der Bildung" als Plattform für den strategischen Austausch zwischen Bund und Kantonen und ihren Partnern über die Herausforderungen und den Umgang mit dem digitalen Wandel dienen.</p><p>Zu den einzelnen Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:</p><p>1. Die Ziele der obligatorischen Schule werden im Rahmen der kantonalen Schulhoheit interkantonal über sprachregionale Lehrpläne harmonisiert. Die dort verankerten Ziele im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien sind die Förderung des Verständnisses für Medien und ihre verantwortungsvolle Nutzung, der Erwerb von Anwenderkompetenzen sowie "Grundkonzepte der Informatik verstehen und zur Problemlösung einsetzen". Die Umsetzung erfolgt in den einzelnen Kantonen.</p><p>2. Die Berufsbildung in der Schweiz zeichnet sich besonders durch den direkten Bezug zur Arbeitswelt aus. Alle Berufsbilder der beruflichen Grundbildung (rund 230) und der höheren Berufsbildung (rund 420) werden laufend überprüft und gegebenenfalls an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes angepasst. Die Stärke des Systems liegt darin, dass die Organisationen der Arbeitswelt (OdA) als Vertreter der Wirtschaft am Puls des Geschehens die notwendigen Schritte selbst einleiten. Auch werden bei allen Berufen der beruflichen Grundbildung im allgemeinbildenden Unterricht der Einsatz und der Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien als eigenständiger Kompetenzbereich vermittelt. Zudem erarbeiten Bund, Kantone und OdA in Zusammenarbeit mit Experten der Wissenschaft bis im Frühling 2017 eine Grundlage für die strategische Weiterentwicklung der Berufsbildung, in welcher die Herausforderungen durch die Digitalisierung ebenfalls aufgegriffen werden.</p><p>3./4. Für die Hochschulen hat die digitale Transformation viele Facetten, die Lernende, Lehrende und die Institutionen betreffen. Die Entwicklung und Gestaltung von neuen Aus- und Weiterbildungsangeboten im Hochschulbereich liegt in der Autonomie der einzelnen Hochschulen. Sie können den Bedarf sowie die inhaltliche und praktische Relevanz von neuen Aus- und Weiterbildungsgängen am besten beurteilen und ihr Angebot entsprechend ausrichten. So hat der ETH-Rat beispielsweise in seiner strategischen Planung 2017-2020 "Big Data" und "Digitale Wissenschaften" als einen von vier strategischen Fokusbereichen definiert. Erkenntnisse aus diesem Bereich fliessen auch in Aus- und Weiterbildungsgänge ein. Die Hochschulen pflegen ausserdem den Austausch mit der Wirtschaft und Gesellschaft und passen ihre Aus- und Weiterbildungsangebote entsprechend an. Insbesondere in der angewandten Forschung stehen die Fachhochschulen teilweise in sehr engem Austausch zur Wirtschaft.</p><p>5. Aufgrund der beschleunigten Entwicklung bei den Informations- und Kommunikationstechnologien ist insbesondere das Weiterbildungssystem gefordert. Die Zahlen belegen, dass total 11 Prozent der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren Informatikweiterbildungskurse besuchen. Damit belegt die Informatik hinter den Kursen in "Medizin und Gesundheit" sowie Persönlichkeitsentwicklung den dritten Platz. Der Anteil der Informatikaktivitäten nimmt sogar mit zunehmendem Alter zu. In der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen macht er etwa 25 Prozent aus. Die grosse Nachfrage deutet auf ein ebenso grosses Angebot hin. Bei Personen ohne nachobligatorische Bildung liegt die Weiterbildungspartizipation generell tief. Dementsprechend ist sie auch im Bereich Informatik unterdurchschnittlich.</p><p>6. Grundsätzlich trägt der einzelne Mensch die Verantwortung für seine Weiterbildung. Dies steht auch im Weiterbildungsgesetz (WeBiG), welches am 1. Januar 2017 in Kraft tritt. Der Bund setzt sich jedoch gemeinsam mit den Kantonen dafür ein, Erwachsenen, die über ungenügende Grundkompetenzen verfügen, den Erwerb und Erhalt solcher Kompetenzen zu ermöglichen.</p><p>Grundkompetenzen Erwachsener sind Voraussetzung für das lebenslange Lernen und umfassen grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten. Dazu gehören auch grundlegende Kenntnisse in der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Das SBFI leistet im Rahmen des WeBiG Finanzhilfen an die Kantone und schliesst zu diesem Zweck Programmvereinbarungen bzw. Leistungsvereinbarungen für die Periode 2017-2020 ab. Weiter prüft der Bund zurzeit im Rahmen der Fachkräfte-Initiative vertieft die Finanzierung der Weiterbildung von älteren und gering qualifizierten Arbeitnehmenden. Ein Expertenbericht wurde am 12. September 2016 am nationalen Spitzentreffen Fachkräfte Schweiz präsentiert. Der Bundesrat hat das WBF am 9. November 2016 beauftragt, bis Ende April 2017 konkrete Konzepte für die finanzielle Unterstützung von Weiterbildungen zu entwickeln.</p>  Antwort des Bundesrates.