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Kodo Sawaki (1880–1965) verlor früh seine Eltern und musste bereits als Kind seinen Lebensunterhalt in der Obhut des Freundes eines Onkels unter Glücksspielern bestreiten. Nachdem er den Tod eines alten Mannes in einem Bordell erleben musste, kamen ihm die Unbeständigkeit des Lebens und die Absurdität eines solchen Todes zu Bewusstsein. Ohne Familie, ohne Freunde, ohne Geld, sechzehn Jahre alt, begab er sich zu Fuss zum Tempel Eihei-ji. Erst nur als Diener akzeptiert, wurde er 1897 zum Mönch ordiniert. Später zog er sich in eine verlassene Einsiedelei zurück, da er enttäuscht erkennen musste, dass das Üben von Zazen aus dem japanischen Zen praktisch verschwunden war. Er schlief wenig, verbrachte seine Tage und Nächte damit, Zazen zu praktizieren und die Unterweisungen von Meister Dogen zu studieren.
Nach Jahren solchen Lebens begann er umherzureisen und die Lehre überall in Japan zu verbreiten, in Grossstädten und Fischerdörfern, in Universitäten und Gefängnissen, und machte so die Praxis von Zazen auch für Laien zugänglich. Da er sich nirgends niederlassen wollte und stets allein unterwegs war, nannte man ihn «Kodo ohne Bleibe». Mit 55 Jahren wurde er als Professor an die Buddhistische Komazawa-Universität berufen und schliesslich auch einer der Verantwortlichen für die Unterweisung im Tempel Soji-ji, einem der beiden Haupttempel des Soto-Zen in Japan. Kodo Sawaki wurde für sein einfaches und freies Leben in ganz Japan respektiert und bewundert. Viele Schüler folgten ihm, unter ihnen Yasuo Deshimaru. 1965, als Kodo Sawaki im Sterben lag, bat er Deshimaru, ihm nachzufolgen und das ursprüngliche Zen in der westlichen Welt weiterzugeben, die reine Übung von shikantaza («im Sitzen die Wahrheit berühren», Eihei Dogen), die im traditionellen Tempelsystem jener Zeit fast vergessen war.