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Dichter und Befreiungstheologe Ernesto Cardenal mit 95 Jahren verstorben
Am 1. März ist der nicaraguanische Schriftsteller, Priester, Befreiungstheologe und Regierungskritiker Ernesto Cardenal im Alter von 95 Jahren in Managua gestorben. Cardenal hatte einst die Diktatur von Anastasio Somoza bekämpft und wurde nach der erfolgreichen Revolution der Sandinisten 1979 zunächst Nicaraguas Kulturminister. Später über er jedoch immer wieder scharfe Kritik an der sandinistischen Führung des Landes. Den früheren und heutigen Präsidenten Daniel Ortega, mit dem er einst acht Jahre in der Regierung gesessen hatte, verglich er später mit Adolf Hitler und sprach von «Staatsterrorismus». Cardenal nannte sich selbst «Sandinist, Marxist und Christ». Papst Johannes Paul II. hatte ihm 1985 die Ausübung des priesterlichen Dienstes verboten, weil er Minister der Revolutionsregierung war. Im Februar 2019 hob Papst Franziskus das Verbot wieder auf. Bereits zuvor hatte Cardenal Sympathien für den ersten Papst aus Lateinamerika bekundet: «Er ist dabei, die Dinge im Vatikan auf den Kopf zu stellen. Nein, genauer ausgedrückt: Er stellt die Dinge, die verkehrt herum stehen, wieder auf die Füsse.» Cardenal hielt sich mehrmals für Lesungen in Deutschland auf und war im deutschen Sprachraum mit Übersetzungen seiner Werke über Jahrzehnte stark präsent. Für sein literarisches Werk erhielt er 1980 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2012 den spanischen Königin-Sofia-Preis für Iberoamerikanische Literatur.
kath.ch/kh