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Die Welt hat einen neuen ältesten Menschen. Die US-Amerikanerin Jeralean Talley hat zwei Weltkriege und drei Jahrhunderte erlebt. Wir stellen vor, wer sie ist und verraten ihr ganz persönliches Lebensmotto.
Mit dem Tod von Misao Owaka (verstorben 117-jährig am 1. April) und mit dem gestrigen Ableben der 116-jährigen Gertrude Weaver richten sich die Augen der Welt auf die Ranglisten der ältesten Menschen. Wer ist die neue Älteste? Es ist die US-Amerikanerin Jeralean Talley.
Jeden Morgen trinkt sie einen schwarzen Kaffee mit ein bisschen Zucker. Talley tut dies schon seit Jahrzehnten in demselben Haus. Sie verfolgt das Geschehen um sie herum seit mehr als einem Jahrhundert. Talley ist heute 42'321 Tage alt – bald wird sie ihren 116. Geburtstag feiern dürfen.
Talley wurde am 23. Mai 1899 in Georgia geboren, in einer Zeit, in der man noch die Menschen in Rassen einteilte. Als Tochter einer 13-köpfigen Familie verbrachte sie ihre ersten Jahre auf einer Farm. 36-jährig zog sie von zuhause aus und lernte in der Kleinstadt Inkster bei Michigan ihren Alfred kennen. Mehr als ein halbes Jahrhundert lebten sie zusammen – bis er vor bald 17 Jahren verstarb.
Jeralean Talley war vor dem Ableben von Owaka und Weaver lange bereits die älteste Person der Vereinigten Staaten. Mitglieder ihrer örtlichen Kirche nannten sie, bekannt wegen ihrer Weisheit, nur noch «Mutter Talley». Barack Obama ehrte sie bei ihrem 114. Geburtstag mit einem persönlichen Brief, in dem er sie als «Teil einer aussergewöhnlichen Generation» bezeichnete.
Ihr Leben führte sie nach der «Goldenen Regel» der praktischen Ethik: Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst. Trotz ihres fortschreitenden Alters fühlt sie sich immer noch gut, wie sie am Montag gegenüber dem Time-Magazin sagte: «Ich fühl mich nicht krank, ich versuche immer noch das Richtige zu tun.»
Warum wird man so alt? Was ist das Geheimnis von Hundertjährigen? Entwicklungspsychologen beschäftigen sich mit diesen Fragen erst seit wenigen Jahren. Der Grundtenor der bisherigen Forschung ist, dass ein glücksbringender Mix verschiedener Gene die Basis für ein langes Leben ist. Hilger Ropers, Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin, zweifelt, dass es dieses eine Gen gibt. Gegenüber Radio SWR sagte er, er glaube eher daran, dass das Fehlen einer «ganzen Reihe von negativen Faktoren» Leute älter macht.
Ein internationaler Forscherwettbewerb wollte trotzdem mögliche genetische Aspekte untersuchen. Der Genomics X-Prize wollte jene Forscher küren, die schnell, korrekt und preisgünstig das Genom von 100 über 100-Jährigen sequenziert und damit erforschbar machen. Im Oktober 2013 wurde der X-Prize jedoch erstmals abgesagt.
Die Begründung von Peter Diamandis, Gründer der X-Prize-Stiftung: Die Kosten für eine Genom-Sequenzierung dürften in den kommenden Jahren so oder so sinken. Die bereits gesammelten DNA-Proben wurden deshalb in eine Biobank überführt, um die Forschung zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen zu können.
Andere Forscher versuchten die Gründe hinter dem Altwerden in der Gesundheit zu finden. Eine Studie aus Italien stellte so zum Beispiel fest, dass die Vitamine A und E «wichtig erscheinen, um die Langlebigkeit zu garantieren».