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Die Gräfin Bertha von Thierstein, welche eine Äbtissin war des Klosters Olsberg, hatte einen Hofmeister oder Kastenvogt, welcher gegen die armen Leute rauh und unmild war.
Auf eine Zeit da kam ein Mann, der klopfte an dem Tor des Klosters an und begehrte etwas um Gottes Willen. Der Torwächter aber wies ihn ab und sagte, das Kloster hätte viel durch Brand gelitten und man hätte nichts auszugeben. Der Mann aber wollte sich nicht abweisen lassen. Da ward es dem Hofmeister angezeigt, der ging stracks heraus, den Armen unwirsch zu behandeln. Wie er aber unter das Tor kam, da sagte der Arme: „Date et dabitur vobis“, und mit den Worten verschwand er. Der Hofmeister erschrak sehr und erzählte es alsbald der Äbtissin, die ihn schon oft seiner Rauheit willen mit ernsten Worten gestraft; da befahl sie, man solle künftig Niemanden mehr mit leerer Hand gehen lassen, der ein Almosen begehre.
Als aber der Arme jene Worte: Date u.s.w. sprach, drückte er seine offene Hand in einen Stein, der bei dem Tor war, und es blieb die ganze Form der Hand in dem Steine, wie wenn sie in Wachs gedrückt wäre.
In dem Bauernkriege hat man den Stein hinweggeführt, er ist aber noch in einem Dorfe vorhanden.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.