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Wie der Baustoffhersteller am Freitag zusammen mit den Jahreszahlen mitteilte, wird sich Verwaltungsratspräsident Beat Hess an der Generalversammlung im Mai 2023 nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Der VR will den aktuellen Konzernchef Jan Jenisch als Nachfolger von Hess vorschlagen.
Jenisch wird damit - vorausgesetzt die Aktionäre stimmen dem Vorschlag zu - in Personalunion sowohl den Posten des Präsidenten als auch den des CEO bekleiden, allerdings nur vorübergehend, wie betont wird. "Der Verwaltungsrat betrachtet dieses Doppelmandat als Übergangszeit, um die derzeitige Transformation von Holcim und die rasche Umsetzung der Strategie 2025 zu gewährleisten", heisst es dazu in der Mitteilung.
Ein Nachfolger auf dem CEO-Posten soll "innerhalb der nächsten 12 Monate" präsentiert werden. Auf die Frage, ob ein neuer Konzernchef intern oder extern gesucht werde, sagte Jenisch an einer Telefonkonferenz: "Wir haben eine Menge Talente in der Firma und werden keine Mühe haben, zum richtigen Zeitpunkt die CEO-Nachfolge bekanntzugeben."
Vizepräsidentin wird wichtiger
Um "weiterhin eine unabhängige Kontrolle zu gewährleisten", führt der Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung zusätzliche Corporate-Governance-Massnahmen ein. So wird die derzeitige Vizepräsidentin des Verwaltungsrats Hanne Sørensen die neu geschaffene Funktion einer "Lead Independent Director", also einer unabhängigen "Aufpasserin", übernehmen.
Sie erhält dabei "klar definierte Aufgaben und Zuständigkeiten", wie es heisst. So kann sie etwa Sitzungen ohne Anwesenheit des Verwaltungsratspräsidenten einberufen, sie leitet Sitzungen der unabhängigen Mitglieder des Verwaltungsrates oder sie genehmigt die Tagesordnungen für die Verwaltungsratssitzungen. Ausserdem darf sie sich "auf Anfrage direkt mit den Grossaktionären beraten und mit ihnen kommunizieren".
In ihrer neuen Funktion wird Hanne Sørensen ausserdem den Vorsitz im Nominierungs-, Vergütungs- und Governance-Ausschuss führen, wobei der Präsident in keinem dieser Ausschüsse Mitglied ist. Holcim betont zudem, dass mit Ausnahme des Verwaltungsratspräsidenten alle Mitglieder des Verwaltungsrats unabhängig seien.
Langer Transformationsprozess
Der abtretende Präsident Hess wurde 2010 in den Verwaltungsrat von Holcim gewählt und ist seit 2016 Verwaltungsratspräsident beim Baustoffriesen. Der Verwaltungsrat dankt ihm in der Mitteilung für seine "hervorragende Führung" als Präsident während der letzten sieben Jahre. Der starke Mann bei Holcim ist aber bereits seit längerem der jetzige CEO Jenisch.
Der frühere Sika-Chef ist seit 2017 Konzernchef bei Holcim und seither - zumindest gegen aussen - das Gesicht des Konzerns. Er hat in seiner bisherigen Zeit schon viel bewirkt beim Konzern, der in einer längeren Transformationsphase steckt. Die Bedeutung des Zementgeschäftes soll dabei deutlich geringer werden, in dem etwa der Bereich Solutions & Products (Dachmaterialien oder Bodenbeläge) ausgebaut wird.
Mit 23 Zu- und Verkäufen im Jahr 2022 und bereits sieben in den ersten beiden Monaten 2023 wurde diese Transformation zuletzt stark voran getrieben. Solutions & Products macht laut den Firmenangaben bereits 19 Prozent des Umsatzes. Auch der Ausbau der Region Nordamerika gehört zur Transformation - dort werden aktuell 35 Prozent des Umsatzes erzielt.
Ein wichtiges Ziel von Holcim ist aber vor allem auch mehr Nachhaltigkeit - Baustoffhersteller gelten bekanntlich als grosse Umweltverschmutzer, was sich etwa auch im Aktienkurs manifestiert. Auch hier ist schon einiges passiert. "Als führendes Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit hat Holcim den CO2 Ausstoss pro Umsatz deutlich reduziert und ist auf dem besten Weg, ein Net-Zero-Unternehmen zu werden", heisst es in der Mitteilung dazu.
uh/tv
(AWP)