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Glaube & Wissenschaft
Georges Lemaître
Georges Lemaître, ein belgischer Priester und Physiker, wurde bekannt für die von ihm entwickelte Urknall-Theorie.
Georges Lemaître wird 1894 im belgischen Charleroi geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg studiert er Theologie und Physik. Die Theologie führt ihn 1923 zur Priesterweihe. Die Physik führt 1925 zu einer Professur in Löwen – und 1927 zu seiner bedeutendsten Idee.
Bei der Formulierung der Relativitätstheorie braucht Albert Einstein eine Konstante, um ein stabiles Universum zu erreichen. Lemaître postuliert eine Gegenthese: Was, wenn das Universum sich ausdehnt, also einmal in einem einzigen Anfangspunkt begonnen hat? Aus diesem «Ur-Ei» heraus hat sich dann alles entwickelt. Seine Theorie wird als «Big Bang», als Urknall, verspottet.
1929 kommt Edwin Hubble durch Messungen zum selben Schluss: Das Weltall dehnt sich aus. Einstein streicht seine Konstante 1933, als er Lemaître kennenlernt. Damit ist das antike Weltbild vom ewigen Universum widerlegt.
Viele Physiker sind skeptisch, weil die Theorie des Priesters gut zur katholischen Schöpfungslehre zu passen scheint: Platz für einen Gott, der den Urknall auslöst. Dem widerspricht Lemaître. Der christliche Gott versteckt sich nicht hinter einem Anfang der Welt, sondern wirkt in der Welt und den Beziehungen der Menschen. 1960 wird Lemaître zum Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ernannt und bleibt es bis zu seinem Tod 1966. Seine Theorie vom expandierenden Universum hat der Vatikan bereits 1951 anerkannt.
Text: Tobias Grimbacher, Naturwissenschaftler und Autor