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Alle drei Jahre wird durch die WORLD KUOSHU FEDERATION eine Weltmeisterschaft ausgetragen. Diesen Sommer (27.-29.07.2018) finden die Wettkämpfe in den USA, genau genommen in Hunt Valley, Maryland statt. Als Mitglied der SWISS KUOSHU FEDERATION haben auch die Schüler des Shaolin Chan Tempels die Möglichkeit sich für die WM zu qualifizieren und teil zu nehmen.
Einer davon ist unser langjähriger Schüler Daniele Pavese. San Nian Ji, 42 Jahre, Shaolin Kung Fu seit 2010.
Daniele, du nimmst bereits das zweite Mal an einer Weltmeisterschaft teil. An der letzten Weltmeisterschaft in Mendoza Argentinien hast du unglaubliche Resultate erzielt: 1xGold und 2xBronze..! Wir nehmen an, du möchtest am letzten Erfolg anknüpfen? Was für Ziele hast du dir für die diesjährige Weltmeisterschaft gesteckt?
Die harte Vorbereitung für die WM 2015 in Argentinien hatte sich ausbezahlt. Die 10 Tage mit dem Nationalteam in Buenos Aires und Mendoza, welche noch mit dem Erfolg gekrönt wurde, bleiben unvergesslich. Jetzt steht die WM in Amerika vor der Tür und auch hierfür sind die Vorbereitungen in vollem Gange.
Ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass ich keine Erwartungen habe. Das Niveau für diese WM ist jedoch als hoch einzuschätzen, daher ist es sehr schwierig mich bei der Konkurrenz einzuordnen. Mein persönliches Ziel ist es, das Turnier mit dem Wissen abzuschliessen, dass ich in der Vorbereitung wie auch an der WM alles gegeben habe und in den richtigen Momenten mein bestes Kung Fu abrufen konnte. Sollte dies dann auch zu einem Erfolg führen, werde ich diesen natürlich stolz und dankend annehmen.
An der letzten Weltmeisterschaft bist du mit einer Faustform, mit dem Stock, mit dem Säbel und dem Taiji gestartet. Mit welchen Formen wirst du diesmal starten und warum?
In den vergangen drei Jahren konnte ich mich im Kung Fu weiterentwickeln. So konnte ich neue Formen wie mit dem Speer und der Königin der Waffen, dem Schwert lernen. Da diese Formen einen höheren Schwierigkeitsgrad aufweisen, wird es spannend zu sehen, sollte ich die Formen sauber abrufen können, wo ich mich bei der Konkurrenz einordnen werde. Gleich wie an der letzten WM werde ich auch wieder mit einer Faustform und in der Taiji Kategorien antreten. Auch hier jedoch mit neuen Formen.
Nun, die Weltmeisterschaft ist ja bereits am 27. Juli. Aber deine Vorbereitung hat ja bereits nach der letzten Weltmeisterschaft 2015 begonnen. Wie genau hast du dich, und wirst du dich auf die Wettkämpfe vorbereiten?
Nach der erfolgreichen letzten WM habe ich mir gesagt, das möchte ich nochmals erleben. Damit meine ich nicht nur den Erfolg, den nehme ich natürlich dankend wieder an. Nein, «damit» meine ich das gesamte Packet. Das fängt mit dem Träumen an und geht über in die emotionalen Schwankungen vor, während und nach dem Turnier. Auch essenzielle Sachen wie, wie gestalte ich auf einen für mich passenden Trainingsplan, gehören da rein.
- Was ist zu viel, was zu wenig und wann trainiere ich was?
- Was muss ich Essen damit ich Gewicht reduzieren kann, gleichzeitig aber keine Energie verlieren darf.
- Wie bereite ich mich mental vor, damit mir die Nervosität keinen Strich durch die Rechnung macht und ich mich, wenn es darauf ankommt, auf den Punkt konzentrieren kann.
All diese Sachen müssen geplant werden. Da man oftmals alleine trainieren muss, ist es nicht immer leicht sich auch an die selbst auferlegten Regeln und Pläne zu halten. Was mir dabei hilft ist, mich so oft es geht in der Welt des Kung Fu und Taiji zu bewegen. Dabei helfen mir Bücher, Dokumentations- wie auch Motivationsvideos. Am besten lerne ich eine Fremdsprache in dem Land wo sie gesprochen wird! Genau dieses Ambiente und diese Atmosphäre versuche ich mir für wichtige Ereignisse im Sport aufzubauen und aufrecht zu erhalten.
Du bist seit Jahren ein ambitionierter und ehrgeiziger Schüler an unserer Schule; nimmst regelmässig Privatunterricht an unserer Schule, gehst in den regulären Klassenunterricht und trainierst viel für dich alleine. Jetzt wollen wir natürlich wissen: Wieso machst du das alles? Man könnte meinen, du als Familienvater, Geschäftsführer einer eigenen Firma hast schon genügend um die Ohren?
In allem was ich mache möchte ich mich weiterentwickeln und besser werden. Das ist bei mir im Geschäft wie auch im Sport so. Damit du besser werden kannst, musst du dich weiterbilden. Auch hier ähneln sich die beiden Bereiche sehr. Spezifisch für die bevorstehende WM ist für mich auch spannend, nochmals die Leistungsgrenze meines Körpers zu ermitteln. Eine der grössten Herausforderungen dabei ist, den Energiehaushalt zu managen. Gerade mit Familie, Geschäft und Sport ist es wichtig, sich selber motivieren zu können und sich nicht über nicht erreichte Ziele und Leistungen aufzuregen.
Damit das gelingt, gilt es auch den Geist zu trainieren. Lehrreden wie “Löse dich von deinen Bedürfnissen“, wie auch die Tugenden des Geistes welche Wille, Ausdauer, Beharrlichkeit, Geduld und Mut fordern, sind Lehren die wir in unserer Schule lernen, welche mich aber auch immer wieder im alltäglichen Leben, sei es bei Familie oder Arbeit, fordern.
Jedoch nichts von all dem wäre möglich ohne die Unterstützung meiner Frau. Sie musste oft auf mich verzichten und managte alleine nebst ihrem Teilzeitarbeitspensum Haushalt, Kindern und die alltäglichen Sorgen und Pflichten. Das ist nicht selbstverständlich und dafür bin ich Ihr sehr dankbar. Ich freue mich jetzt schon wieder auf die Trainings ruhigeren Zeiten welche nach der WM kommen werden. Sollte ich wieder Erfolg haben, gebührt auch ihr ein grosser Anteil davon.
Daniele, vielen herzlichen Dank für den kleinen Einblick in deine Vorbereitungen. Was möchtest du zum Abschluss unseren Schülern und allen Interessierten mitteilen?
Wichtig im Leben ist es Ziele zu haben. Damit man diese erreichen kann, muss man sich des Weges mit allen Höhen und Tiefen bewusst sein. Kung Fu ist wie ein Wanderstock, welcher uns stützt und halt gibt und uns lehrt beharrliche und ausdauernd immer weiter zu gehen.
Weitere Infos:
Interview wurde durchgeführt von Stefanie Burri (Lin Yue)