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Sera sull'Alpe
Giovanni Giacometti (1868–1933)
Giovanni Giacometti, Sera sull'Alpe (Abend auf der Alp), 1906, Öl auf Leinwand. Museo d'arte della Svizzera italiana, Lugano. Dauerleihgabe Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur, Bern
Giovanni Giacometti, der Vater von Alberto und Diego, wird in Stampa im Bergell geboren. Da er in München nicht an die Kunstakademie zugelassen wird, schreibt er sich zunächst an der dortigen Kunstgewerbeschule ein und nimmt Unterricht an privaten Kunstschulen. Er begegnet Cuno Amiet, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden wird. Zusammen mit Amiet setzt er ab Herbst 1888 seine Ausbildung an der Académie Julian und der École Nationale des Beaux-Arts in Paris fort. Aus finanziellen Gründen ist er gezwungen, das Studium abzubrechen und ins Bergell zurückzukehren, wo er sein Leben verbringt. 1894 lernt er Giovanni Segantini kennen, dessen Einfluss während fast ein Jahrzehnt lang in seinen thematischen und stilistischen Entscheiden erkennbar ist, und mit dem er im Rahmen verschiedener Projekte zusammenarbeitet, darunter das monumentale Trittico della Natura (Alpentriptychon). Vor allem dank der Auseinandersetzung mit der Malerei von Amiet gelingt es Giacometti, sich vom Einfluss seines Mentors zu lösen. Amiets neoimpressionistische Pinselführung und sein abstrakteres Verhältnis zur Farbgebung ermöglichen es ihm, die lange angestrebte Intensivierung von Licht- und Farbwirkung zu erzielen.
Abend auf der Alp stammt aus dieser schöpferischen Phase des Künstlers. Zwar ist das Thema noch zutiefst segantinisch, doch die Wahl einer kühnen Farbpalette und die Darstellung der Alpszene mittels einer unterbrochenen Pinselführung mit vertikalen, horizontalen und schrägen Strichen, die das Motiv gestalten, zeugen von den Experimenten in der Zeit ab 1905. Das Werkwurde 1912 von der Eidgenossenschaft erworben und im selben Jahr als Leihgabe an das Museum übergeben.