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Bericht 2017 Gruppe
Junge Kunst
Wie bereits in den vorherigen Jahren spielte auch im Berichtsjahr das Thema «Performance» eine wichtige Rolle bei den Ankäufen der Gruppe Junge Kunst:
Im Berichtsjahr stand der Gruppe Junge Kunst nur ein reduzierter Ankaufsetat von insgesamt CHF 60'000 zur Verfügung. Anstatt mit dem Geld viele kleinere Ankäufe zu tätigen, entschied sich die Gruppe Junge Kunst dafür, eine zentrale Arbeit für das Museum zu erwerben. In Anbetracht der bevorstehenden Kunsthauserweiterung sind solche substanziellen Werke besonders wichtig, da kleine Werke in einem Museumskontext rasch verloren wirken.
«Wir freuen uns sehr,
dass wir diese substanzielle Arbeit ...
In Weiterführung der Ankäufe der letzten Jahre wurde im Berichtsjahr erneut der Bereich «Performancekunst» gestärkt – diesmal mit einer Installation von Joan Jonas. Die 1936 geborene Künstlerin ist so etwas wie die Grande Dame der Performancekunst und gehört ihrem Alter nach eigentlich nicht zum Bereich «Junge Kunst». Dass sich die Gruppe Junge Kunst trotzdem für einen Ankauf dieserKünstlerin entschieden hat, liegt darin begründet, dass die verdiente Anerkennung von Joan Jonas' Werk lange ausblieb. Sie war während vieler Jahre eine sogenannte Künstler-Künstlerin, die erst seit Kurzem von Institutionen und wichtigen internationalen Grossausstellungen entdeckt wird – wie die aktuelle Ausstellung in der Tate Modern zeigt.
... für das
Kunsthaus Zürich
sichern konnten!»
Joan Jonas begann ursprünglich als Bildhauerin. In den 1960er Jahren sah sie Performances und Happenings von Künstlern wie Claes Oldenburg, Robert Whitman, Robert Rauschenberg und wie diese mit Tänzerinnen wie Yvonne Rainer, Simone Forti, Trisha Brown und Lucinda Childs zusammenarbeiteten. Jonas war begeistert von dieser neuen Kunstform: «Ich war sofort angezogen von der Möglichkeit einer Form, in der ich alle Disziplinen verwenden oder schichten konnte.» 1968 führte Jonas zum ersten Mal öffentlich eine Performance auf. Das angekaufte Werk «Mirror Pieces Installation II» ist eine Installation, die zum einen die Aufzeichnung einer Performance enthält sowie einige Spiegel und Kleidungsstücke, die die Performer damals getragen haben. In dieser Form kann das Werk gut in einem Museumskontext gezeigt und in all seinen Komponenten erfahrbar gemacht werden. Der Film dokumentiert die Performance «Nudes with Mirrors»aus dem Jahre 1969, die Jonas in
Vorbereitung der «Mirror Piece»-Serie in ihrem Loft in der Grand Street gefilmt hatte. Diese «Mirror Pieces» inszenierte Joan Jonas sowohl im Innen- wie auch im Aussenraum und benutzte dafür Spiegel als Props. Jonas interessierte daran die Möglichkeit einer Fragmentierung und Schichtung von visuellen Informationen sowie das Aufbrechen von gängigen Wahrnehmungsmustern. Zugleich waren für sie die Texte von Jorge Luis Borges zum Thema Spiegel eine wichtige Inspirationsquelle. Jonas beschreibt die Arbeit wie folgt: «Ich entwickelte eine Serie von Arbeiten, in der (...) Männer und Frauen körpergrosse Spiegel und Glasscheiben in langsamen Bewegungen umhertragen. Dabei folgen sie choreografierten Mustern und Sequenzen, wodurch sie sich selbst und die Zuschauer in den Spiegeln reflektieren, ebenso wie den Raum, der fragmentiert wird und zugleich verflacht. Die Spiegel zeigen nach vorn zum Publikum. Das Glas ist schwer. Die Performer bewegen sich langsam – in Reihen. Ursprünglich als reine Performance aufgeführt, entschied sich Joan Jonas 2014 für die jetzt von der Gruppe Junge Kunst angekaufte Form der Installation. Diese Haltung, ihre Werke über die Jahre weiterzubearbeiten und einzelne Teile neu zusammenzuführen, ist ganz charakteristich für Jonas' künstlerische Praxis. Wir freuen uns sehr, dass wir diese substanzielle Arbeit für das Kunsthaus sichern konnten. Es ergänzt die früheren Bestände wunderbar, denn bisher gab es in der Sammlung nur Videos der Künstlerin, aber keine Performance.