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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

105. Vortrag
5.
Demgemäß sagt er auch das Folgende: „Und jetzt verherrliche mich Du, Vater, bei Dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte, bevor die Welt war“. Denn oben hatte er gesagt: „Vater, die Stunde ist gekommen, verherrliche Deinen Sohn, damit Dein Sohn Dich verherrliche“, und in dieser Reihenfolge der Worte hatte er gezeigt, zuerst müsse der Sohn vom Vater verherrlicht werden, damit der Sohn den Vater verherrliche. Jetzt aber sagt er: „Ich habe Dich verherrlicht [S. 1042] auf Erden, ich habe das Werk vollbracht, das Du mir gegeben hast, daß ich es tue, und jetzt verherrliche mich“; gleich als habe er zuerst den Vater verherrlicht, von dem er dann verherrlicht zu werden verlangt. Also ist die Sache so zu verstehen, er habe oben die beiden Worte gebraucht von dem, was erst geschehen sollte, und in welcher Ordnung es geschehen sollte: „Verherrliche den Sohn, damit der Sohn Dich verherrliche“, jetzt aber habe er ein Wort der vergangenen Zeit von einer künftigen Sache gebraucht, wo er sagt: „Ich habe Dich auf Erden verherrlicht, ich habe das Werk vollbracht, das Du mir gegeben hast, daß ich es tue“. Wenn er dann sagt: „Und nun verherrliche mich Du, Vater, bei Dir selbst“, als ob er später vom Vater verherrlicht werden sollte, den er früher selbst verherrlicht hatte, was zeigt er damit anders, als die vorausgehenden Worte: „Ich habe Dich auf Erden verherrlicht“, habe er so gesprochen, als hätte er schon getan, was er erst tun sollte; hier aber habe er verlangt, daß der Vater das tue, wodurch der Sohn jenes erst tun sollte, d. h. daß der Vater den Sohn verherrliche, durch welche Verherrlichung des Sohnes dann auch der Sohn den Vater verherrlichen würde? Wenn wir schließlich betreffs der Sache, die erst in der Zukunft eintreten sollte, auch das Wort in die zukünftige Zeit setzen1, wo er selbst für die künftige Zeit die vergangene setzte, so wird die Dunkelheit des Ausspruches verschwinden; wie wenn er gesagt hätte: Ich werde Dich verherrlichen auf Erden, ich werde das Werk vollbringen, das Du mir gegeben hast, daß ich es tue, und nun verherrliche mich Du, Vater, bei Dir selbst. So ist es denn wohl klar, wie der andere Ausspruch, wo er sagt: „Verherrliche Deinen Sohn, damit Dein Sohn Dich verherrliche“; es ist auch ganz der gleiche Gedanke, nur daß hier auch die Weise eben dieser Verherrlichung angegeben, dort aber verschwiegen wird, als sollte jenes durch dieses denen erklärt werden, die ein Bedenken haben konnten, wie denn der Vater den Sohn, und [S. 1043] besonders, wie auch der Sohn den Vater verherrlichen sollte. Denn wenn er sagt, der Vater werde von ihm auf Erden verherrlicht, er aber vom Vater bei demselben Vater, zeigt er fürwahr die Weise der doppelten Verherrlichung. Er nämlich verherrlicht den Vater auf Erden, indem er ihn den Völkern verkündet; der Vater aber verherrlicht ihn bei sich selbst, indem er ihn zu seiner Rechten setzt. Aber darum wollte er nachher betreffs der Verherrlichung des Vaters, wo er sagt: „Ich habe Dich verherrlicht“, lieber das Zeitwort der Vergangenheit setzen, um so zu zeigen, in der Vorherbestimmung sei bereits geschehen und für geschehen anzunehmen, was einmal ganz gewiß eintreten sollte, d. h. daß auch der Sohn, vom Vater beim Vater verherrlicht, den Vater auf Erden verherrlichen würde.
1: Dies ist nicht notwendig, denn Christus hat bereits in der Vergangenheit durch seine Lehre, seinen Gehorsam, seine Wunder den Vater verherrlicht, und darum konnte er mit Recht den Vater bitten, er möge ihn seinerseits verherrlichen.