Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03638.jsonl.gz/790

Es ist eine Ausstellung im Museum Tinguely, die an den damaligen Originalplan der Impasse Ronsin angelegt ist. Impasse Ronsin ist eine 50 Meter lange Sackgasse im Herzen von Paris, im Montparnasse-Quartier. Namhafte Künstler wie Constantin Brâncuși oder auch Jean Tinguely hatten dort ihr Atelier.
Eine Künstlersiedlung, die man sich romantischer nicht hätte vorstellen können – oder etwa doch? «Jean Tinguely hat gesagt, dass es für diese 30 Ateliers nur eine Toilette gab und keine Dusche. Das umschreibt ungefähr, wie die sanitarischen Massnahmen waren (…) Es war wirklich sehr bescheiden, isoliert und fast etwas arm», so der Vize-Direktor des Museums, Andres Pardey.
Deshalb war die Künstlersiedlung so beliebt
«Die Künstlersiedlung war in Paris, das war die Welthauptstadt der Kunst. Ausserdem war sie beliebt, weil es Ateliers gab. Diese waren immer eine Mangelware. Weiter waren die Ateliers sehr bescheiden und dementsprechend günstig. Und es gab eine spannende Mischung unterschiedlicher Künstler», so der Vize-Direktor.
In der Ausstellung ‹Impasse Ronsin: Mord, Liebe und Kunst im Herzen von Paris› zeigt das Museum Tinguely rund 50 Künstlerinnen und Künstler mit über 200 Werken. Wenn man durch die Ausstellung im Museum Tinguely läuft, flaniert man sozusagen durch die Sackgasse Impasse Ronsin. Sogar die Ateliers sind teilweise nachgebaut und sehen so aus, wie die diejenigen aus der damaligen Zeit.
Die mörderische Mätresse
Im Mai 1908 fand in der Villa Steinheil, in der Impasse Ronsin, ein Doppelmord statt. Heute hat dieser Ort noch immer etwas Makabres an sich, hier steht nämlich das Leichenschauhaus des Hôpital Necker. Am 31. Mai 1908, einem Pfingstsonntag, wurden der Maler Adolphe Steinheil und seine Schwiegermutter Emilie Japy in ihren Schlafzimmern erdrosselt aufgefunden. Marguerite, die Frau des Malers, lag gefesselt im Kinderzimmer. Sie behauptete, dass sie ebenfalls Opfer des Übergriffs war aber verschont blieb, weil man sie für die Tochter hielt. Es gab einen spektakulären Prozess, indem man sie ein Jahr später freigesprochen hat – aus Mangel an Beweisen. Die französische Gesellschaft liess sich aber nicht lumpen und verschloss ihre Tore für die Freigesprochene, sogar ihre Tochter wandte sich von ihrer Mutter ab.
Marguerite Steinheil war bekannt für ihre ausserehelichen Affären. Kurz nach dem Doppelmord heiratete sie einen englischen Anwalt. Von ihm wollte sie zuerst nichts wissen, danach hat sie aber nachgegeben, weil sie mitbekommen hat, dass er über ein hohes Ansehen verfügt. Für den Vize-Direktoren des Museum Tinguely ist klar: «Ich bin davon überzeugt, dass sie die Morde begangen hat. Sie war eine sensationelle Persönlichkeit. Ein Mord passt perfekt in ihr Lebensportfolio rein.»
Die Ausstellung ‹Impasse Ronsin: Mord, Liebe und Kunst im Herzen von Paris.› kann man bis am 29. August 2021 im Museum Tinguely besuchen.