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Börsencrashs führen nicht unweigerlich zu Rezessionen, aber wir sollten aus ihnen lernen, meint Lucy OCarroll, Chief Economist, Aberdeen Standard Investments.
16.10.2017, 16:00 Uhr
Redaktion: elt
Der Schwarze Montag 1987 wurde durch Panikreaktionen an den weltweiten Börsen verursacht und durch den Programmhandel verstärkt. Die Kursverluste heute vor dreissig Jahren waren doppelt so hoch wie der grösste Tagesverlust beim Börsencrash 1929. Sie übertrafen die Verluste, die 2008 im Zuge der globalen Finanzkrise beobachtet wurden, bei weitem. Dieser Tag machte nur allzu deutlich, wie verflochten die internationalen Märkte bereits zu einer Zeit waren, in der das Wort "Globalisierung" noch nicht in aller Munde war. Der Börsencrash des Jahres 1987 war auch der erste, bei dem die breite Verwendung von Finanzderivaten eine Rolle spielte, und der erste, der Pensionsfonds und institutionelle Investoren, die damals noch relative Neulinge auf den Aktienmärkten waren, betraf. Und er war der erste Markteinbruch, der durch die zunehmende Digitalisierung verstärkt wurde.
Es mag, gemäss Lucy O'Carroll, Chief Economist bei Aberdeen Standard Investments, nicht überraschen, dass die Ereignisse des Schwarzen Montags Ängste vor einer Wiederholung des Börsencrashs von 1929 und der darauffolgenden wirtschaftlichen Depression schürten. Doch diese Ängste erwiesen sich als unbegründet. Die Aktienmärkte fanden ihr Gleichgewicht bald wieder. In nur zwei Börsentagen holten die US-Märkte mehr als die Hälfte ihrer Verluste vom Schwarzen Montag auf. In Grossbritannien beendete der FTSE-100-Index das Jahr auf einem höheren Niveau als er es begonnen hatte.
Ungeklärte Ursachen
Selbst 30 Jahre nach dem Schwarzen Montag herrscht Uneinigkeit über seine eigentlichen Ursachen. Faktoren wie Globalisierung, Digitalisierung und zunehmende Komplexität von Finanzinstrumenten spielten eine Rolle. Auch strukturelle Mängel der Märkte leisteten einen negativen Beitrag. Sogenannte "Circuit Breakers", also Handelsunterbrecher, die dazu dienen, den Handel angesichts hoher Verkaufsvolumen und abrupt fallender Märkte vorübergehend zum Stillstand zu bringen, wurden erst nach der schmerzlichen Erfahrung des Schwarzen Montags eingeführt. Auch weitere Faktoren spielten eine Rolle. So hielt in Grossbritannien ein starker Sturm am Freitag vor dem Schwarzen Montag viele Händler von ihren Arbeitsplätzen fern. Nachdem sie sich nach Kursrückgängen an der Wall Street das ganze Wochenende lang den Kopf über ihre offenen Handelspositionen zerbrochen hatten, waren sie nur allzu bereit für Verkäufe, als die Börsen am 19. Oktober wieder öffneten.
Doch während noch immer darüber diskutiert wird, welche Faktoren tatsächlich für den globalen Abverkauf verantwortlich waren, scheint der Auslöser für das Einsetzen der darauffolgenden Erholung klar zu sein. Am 20. Oktober bekräftigte der Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Alan Greenspan, die "Bereitschaft, als Liquiditätsquelle zu dienen, um das Wirtschafts- und Finanzsystem zu unterstützen". Hinter den Kulissen ermutigte die Fed die Banken auch, weiterhin Kredite zu denselben Bedingungen wie vor dem Crash zu vergeben, um so einen Liquiditätsengpass zu vermeiden und dazu beizutragen, das Vertrauen von Wirtschaft und Anlegern zu unterstützen. Die Reaktion der Fed auf den Schwarzen Montag schuf daher einen Präzedenzfall für die Verwendung von Liquidität zur Überwindung von Finanzkrisen in den kommenden Jahrzehnten.
Was wir daraus gelernt haben
Die Anlagemärkte reagieren potenziell empfindlich auf scharfe Korrekturen, zumal dann, wenn die Bewertungen wie zurzeit überzogen scheinen. Doch der Schwarze Montag lehrt uns, dass solche Korrekturen auch ohne ein eindeutiges Auslöseereignis auftreten können. Ausserdem lassen die Ereignisse von vor dreissig Jahren darauf schliessen, dass Märkte nach Personalwechseln an der Spitze besonders verwundbar sind. Vor dem Schwarzen Montag waren die Anleger hinsichtlich der politischen Präferenzen des neuen Fed-Vorsitzenden unsicher. Danach gewannen sie den Eindruck, dass die Fed und ihr Vorsitzender Greenspan ihnen wie gewohnt zu Hilfe eilen würden.
Letztendlich zeigte der Schwarze Montag, dass politische Interventionen erfolgreich verhindern können, dass ein Börsencrash eine Wirtschaftskrise nach sich zieht. Falls Massnahmen der Fed Selbstzufriedenheit und Sorglosigkeit bei der Risikoeinschätzung fördern, könnte man argumentieren, dass die Eindämmung der Auswirkungen des Schwarzen Montags der Finanzkrise 2008 den Weg ebnete.
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