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Entschlackung ist ein Thema, das jeden Frühling in den Gesundheitszeitschriften zur Sprache kommt und im Internet propagiert wird.
Worum geht es dabei eigentlich?
Hier eine Zusammenfassung aus Wikipedia mit anschliessendem Kommentar:
Was ist Entschlackung?
„Entschlackung (von Schlacke, einem Verbrennungsrückstand) ist ein Ausdruck für Maßnahmen in der Alternativmedizin, die mutmaßliche Giftstoffe und schädliche Stoffwechselprodukte ausscheiden sollen.Die Wirksamkeit dieser Verfahren ist nicht gegeben, die angenommenen Wirkungsweisen lassen sich nicht nachweisen.“
Was sind Schlacken?
„Unschärfen bestehen sowohl in der Definition der Substanzen, die unter diese Schlacken fallen, als auch bezüglich der Maßnahmen, die als Entschlackung zu gelten haben. Im weiteren Sinne fallen auch medizinische Therapieformen hierunter, wie etwa das Entfernen harnpflichtiger Substanzen aus dem Blut in der Dialyse (Blutwäsche). Auch Ammoniak, das bei einer leberbedingten Hirnerkrankung im Rahmen einer Leberzirrhose vermehrt anfällt und dessen Produktion durch eine antibiotische Darmdekontamination und Lactulosebehandlung verringert wird, wäre ein Beispiel in diesem Zusammenhang. Meistens werden unter Entschlackung allerdings bestimmte im Rahmen der Alternativmedizin eingesetzte Maßnahmen wie „Entschlackung durch Fastenkuren“, „Ausleitung“ von Quecksilber (Amalgam), Impfstoffen und anderen Schlacken durch Schröpfen, Cantharidenpflaster, Einläufe, Schwitzkuren und den Einsatz von Abführmitteln (Laxantien) verstanden, die unter dem Begriff Ausleitende Verfahren zusammengefasst werden. Ein allgemein anerkannter Nachweis, dass der Körper in diesem Sinne therapeutisch „entgiftet“ oder „entschlackt“ werden müsse, liegt dabei nicht vor. Das subjektive Erleben von Heilerfolgen durch Patienten ist u. a. durch den Placeboeffekt erklärbar.“
Geschichte der Entschlackung
„Besonders in den traditionellen hinduistischen Behandlungsmethoden des Ayurveda ist die sogenannte Entschlackung unter dem Begriff Panchakarma etabliert. Die Entstehungsgeschichte der Entschlackung in diesem Sinne in der westlichen Welt reicht dagegen nur zurück zum Ende des 19. Jahrhunderts, als die großen Industriestädte mit Abwassersystemen versorgt wurden. Korrespondierend dazu kam die Theorie zur Krankheitsentstehung auf, dass Darm und Nieren Giftstoffe enthalten und aus dem Körper abführen würden. Verstopfung und Harnverhalt sollen Fäulnis und innere Vergiftungen erzeugen wie ein überlaufender Kanal. Der Begriff Entschlackung als Analogie zur Reinigung von Hochöfen oder des Feuerkessels von Dampflokomotiven wurde erstmals von Otto Buchinger, einem Anfang des 20. Jahrhunderts tätigen Arzt und Erfinder einer Fastenmethode verwendet.“
Zur Bedeutung der Entschlackung
„Mehrere Stoffe, die normalerweise von Darm, Leber und Nieren entgiftet und ausgeschieden werden, können sich bei Funktionsstörungen dieser Organe im Körper anreichern und unter Umständen schädlich sein. Für einige Situationen konnten bewiesenermaßen wirksame Therapieformen wie Dialyse oder Laktulosebehandlung entwickelt werden. Dabei sind sowohl einige der schädlichen Stoffe, die bei diesen Methoden entfernt werden als auch die Schädlichkeit derselben, wenn sie ohne diese Maßnahmen im Körper akkumulieren bekannt. Dies gilt jedoch nicht für die Entschlackung der Alternativmedizin im engeren Sinne, wo es oft keinen allgemein anerkannten Nachweis für die Schädlichkeit der propagierten Gifte (zumindest in der Konzentration, die bei den Patienten vorliegen) gibt. Bei anderen Stoffen ist ihre schädliche Anhäufung im Körper zwar nachgewiesen, wie z. B. Cholesterin und Kalk bei Arteriosklerose, Uratkristalle bei Gicht, Proteine bei Amyloidose und Alzheimer-Krankheit oder Immunkomplexe bei einigen Formen der Glomerulonephritis und Vaskulitis, jedoch ist nicht nachgewiesen, dass diese Stoffe durch die propagierten Entschlackungsmaßnahmen über die natürlichen Beseitigungs- und Ausscheidungsmechanismen hinaus in nennenswerter Menge entfernt werden könnten, noch gibt es einen Beweis dafür, dass diese Stoffe durch die jeweiligen Maßnahmen effizient ausgeschieden werden.“
Quelle: Wikipedia
Kommentar & Ergänzung:
Aus der Sicht der Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde ist zu sagen, dass Entschlackungsmittel oft drastisch wirkende Abführpflanzen wie Senna (Sennesblätter, Sennesfrüchte), Aloe oder Faulbaumrinde enthalten. Als Nebenwirkung kann es dabei zu Bauchkrämpfen kommen und bei längerdauernder Einnahme zu Gewöhnung.
Wenn Ihnen jemand einreden will, Sie seien verschlackt und bräuchten dringend eine Entschlackungskur, dann fragen Sie doch genau nach, um welche Art von Schlacken es sich dabei genau handelt. Fragen Sie nach den Namen dieser Schlacken. Unsinnig ist auch die Vorstellung, dass wir über den Winter besonders viele Schlacken anreichern und dass diese im Frühjahr durch Entschlackung eliminiert werden müssen.
Mit dem Thema „Schlacken“ und „Entschlacken“ wird meines Erachtens den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen.
Viele Apotheken und Drogerien surfen im Frühjahr auf der Entschlackungswelle. Und für zahlreiche NaturheilpraktikerInnen ist Entschlackung ein beliebtes Thema.
Egal ob Apotheke, Drogerie oder NaturheilpraktikerIn – wer Ihnen Entschlackung andrehen will, versucht Ihnen ein Phantom aufzuschwatzen und ist meines Erachtens nicht seriös. Mein Tipp:
Einen grossen Bogen um solche Geschäfte oder Praxen machen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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