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Macron ernennt Senkrechtstarter zum Premierminister und lässt potenzielle Präsidentschaftskandidaten ratlos zurück
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat den bisherigen Bildungsminister Gabriel Attal zum neuen Premierminister Frankreichs ernannt. Dies gab das französische Präsidialamt am Dienstag in einer Pressemitteilung bekannt. Attal ist damit der jüngste und erste offen schwule Premierminister in der Geschichte Frankreichs.
Die Nominierung von Gabriel Attal
Gabriel Attal und Elisabeth Borne, die zweite Frau in der Geschichte Frankreichs, die das Amt des Premierministers innehat, hielten bei eisigen Minusgraden ihre Antrittsreden vor der Pariser Residenz des Premierministers, dem Matignon. Attal betonte bei seinem Amtsantritt seine Prioritäten: Bildung, Stärkung der Mittelschicht, Wiederherstellung der Autorität und Kontrolle der Einwanderung.
Macrons Strategie für eine zweite Amtszeit
Macron will seiner schwierigen zweiten Amtszeit neuen Schwung verleihen, nachdem er im vergangenen Jahr mit Massenprotesten gegen eine Rentenreform und bitteren Meinungsverschiedenheiten innerhalb seines eigenen Lagers über ein geplantes Einwanderungsgesetz zu kämpfen hatte, die seine Regierungskoalition schwer belasteten. Die überraschende Entscheidung hat sowohl die Schwergewichte in Macrons Mitte-Koalition als auch seine Gegner verblüfft, von denen einige unzufrieden sind, dass ein potenzieller Rivale an der Spitze der Regierung steht. Macrons Wahl kommt zu einer Zeit, in der der Präsident in aggregierten Umfragen nur eine Zustimmungsrate von 30 Prozent hat und seine Koalition in europäischen Wahlumfragen etwa 10 Prozentpunkte hinter dem rechtsextremen Rassemblement National liegt.
Reaktionen auf Attals Ernennung
Der junge Gabriel Attal hat eine steile politische Karriere hingelegt, nachdem er 2016 die Sozialistische Partei verlassen hatte, um Macrons Präsidentschaftskandidatur zu unterstützen. Er wurde 2017 ins Parlament gewählt und trat ein Jahr später als Staatssekretär für Jugend in die Regierung ein – als jüngstes Kabinettsmitglied seit Beginn der Fünften Republik. Später wurde er Regierungssprecher und dann Haushaltsminister. Seit Juli ist er Bildungsminister und damit der vierte Regierungschef unter Präsident Macron.
Die Ernennung Attals zum Premierminister erfolgte vor mehreren anderen Kandidaten, darunter der langjährige Verbündete und ehemalige Landwirtschaftsminister Julien Denormandie. Andere politische Schwergewichte mit Blick auf die nächsten Präsidentschaftswahlen, darunter Innenminister Gérald Darmanin und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire, zeigten sich weniger erfreut darüber, dass ihr junger Kollege an der Spitze der Regierung steht, während ihr eigenes Schicksal noch ungewiss ist.
Gabriel Attals politische Zukunft
Attal hat vor kurzem Philippe, den ehemaligen Premierminister, als den französischen Politiker mit den besten Umfragewerten abgelöst, wie aus einer im Dezember veröffentlichten IPSOS-Umfrage hervorgeht. Er wird nun als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt. Die französischen Meinungsforscher haben begonnen, Attal in ihre Umfragen einzubeziehen. Laut einer IFOP-Umfrage ist er die zweitbeste Wahl für das Pro-Macron-Lager bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 2027, knapp hinter Philippe, der seine Kandidatur bereits offiziell gemacht hat.
Reaktionen der Opposition
Die Oppositionsparteien kritisierten Attals Jugend. Der linke Hardliner Jean-Luc Mélenchon schrieb auf Twitter: „Verflucht Macron und seine Inszenierung! Ein Premierminister jünger als meine Kinder! Wo sind die Erfahrung und die Weisheit in der Regierung?“ Auch Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Rassemblement National, äußerte sich kritisch und bezeichnete die Ernennung Attals als einen weiteren Versuch Macrons, sich als „Erneuerer“ darzustellen, während er in Wirklichkeit nur „leere Worte“ liefere.
Herausforderungen für Gabriel Attal
Gabriel Attal steht als Premierminister vor großen Herausforderungen. Er muss das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung wiederherstellen und gleichzeitig mit der wachsenden Unzufriedenheit und den politischen Spannungen in Frankreich umgehen. Rentenreform, Einwanderungspolitik und soziale Gerechtigkeit sind nur einige der drängenden Themen, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Es bleibt abzuwarten, ob es Attal gelingt, die Erwartungen zu erfüllen, die Regierung zu stabilisieren und gleichzeitig seine eigene politische Karriere voranzutreiben.
Ausblick auf die politische Landschaft Frankreichs
Mit der Ernennung von Gabriel Attal zum Premierminister sendet Macron eine klare Botschaft: Er will eine neue Generation politischer Führung in Frankreich etablieren und gleichzeitig seine eigene politische Zukunft sichern. Die Reaktionen auf Attals Ernennung zeigen jedoch, dass es in Macrons Koalition und unter den potenziellen Präsidentschaftskandidaten Unzufriedenheit und Spannungen gibt. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie sich die politische Landschaft entwickelt und ob Macron und Attal die Herausforderungen meistern und Frankreich in eine erfolgreiche Zukunft führen können.