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Die Geschöpfe des Prometheus
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf die Ballettmusik «Die Geschöpfe des Prometheus»
Als Prometheus einst das Feuer raubte und es zu den Menschen brachte, legte er damit den Grundstein zur Zivilisation. Als kluge Innovationen folgten bald das Rad und der tiefe Teller. Jüngst aber greift eine weit verbreitete Ignoranz gegenüber dem sozialen Miteinander, dem noch immer unbesiegten Hunger in der Welt und dem nun auch spürbaren Klimawandel um sich – kombiniert mit salonfähigem Zweifeln an der Wissenschaft. Dass es dazu kommen konnte, ist Epimetheus zu verdanken, Prometheus’ Bruder, dessen Name «der danach Denkende» bedeutet. Er heiratete übrigens die schöne Pandora – die mit der Büchse allen Übels …
Eine etwas andere Geschichte erzählt Ludwig van Beethoven in seiner Ballettmusik Die Geschöpfe des Prometheus op. 43, einer Auftragskomposition für den italienischen Ballettmeister Salvatore Viganò (1769–1821), der nach vielen Stationen zwischen 1799 und 1803 in Wien wirkte und 1811 Ballettdirektor an der Mailänder Scala wurde. Zwar haben sich weder ein Szenarium noch die originale Choreografie erhalten. Und doch lässt sich das in einer Introduktion und 16 musikalischen Nummern vertonte mythische Geschehen aufgrund des Theaterzettels nachvollziehen: In Beethovens Lesart haucht Prometheus mit der Flamme des Himmels zwei menschlichen Tonstatuen das Leben ein, vermag dabei aber nicht, ihre Vernunft zu erwecken. Nachdem eine höhere Stimme ihn von der Zerstörung seines Werkes abgehalten hat, führt er die Wesen auf den Parnass, wo sie durch Apollo nun nicht nur Vernunft und Gefühl erhalten, sondern auch den Sinn für die Natur und Kunst empfangen sollen.
Obwohl das gesamte Ballett mit 29 Aufführungen ordentlichen Erfolg hatte, fand es bei den Zeitgenossen kein dauerhaftes Echo. In der Zeitung für die elegante Welt hiess es 1801 recht nüchtern: «Ob Herr van Beethoven bei der Einheit – um nicht Einförmigkeit der Handlung zu sagen, das leisten konnte, was ein Publikum, wie das hiesige, fordert, will ich unentschieden lassen. Daß er aber für ein Ballet zu gelehrt und mit zu weniger Rücksicht auf den Tanz schrieb, ist wohl keinem Zweifel unterworfen. [...] Dies fängt schon mit der Ouvertüre an. Bei jeder großen Oper würde sie an ihrer Stelle seyn, und einer bedeutenden Wirkung nicht verfehlen; hier aber steht sie an ihrer unrechten Stelle.» Und tatsächlich handelt es sich bei der Ouvertüre um einen fast sinfonisch disponierten Satz mit einer langsamen Einleitung und einer breit angelegten Durchführung. Wohl nicht zufällig verweist Beethoven mit dem eröffnenden Septakkord fast zitathaft auf die wirkungsvolle Eröffnung seiner Ersten Sinfonie; die Eröffnung des Prometheus-Finales aber kehrt in der Eroica wieder.
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