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Was ist Geld? Viele Menschen stellen sich diese Frage nicht, weil sie sich in ihrem Alltagsleben nicht damit auseinandersetzen müssen. Ihrer Erfahrung nach ist Geld etwas, das sie im Tausch für ihre Arbeit erhalten und anderen im Tausch für deren Arbeit geben. Sie verwenden es, ohne sich zu fragen, was es genau sei oder weshalb ihm Wert zukomme.
Beantwortet doch jemand die Frage, wird schnell klar, dass viele Menschen noch an die Märchen von einst glauben: Unser Geld sei von Gold gedeckt, das in unterirdischen Gewölben à la Fort Knox unter den wachsamen Blicken von Staatsbeamten einlagert. Obwohl diese Sicht der Dinge dem Reich der Legenden angehört, ist sie doch tröstlich, setzt sie doch den Wert des Geldes mit einem anderen Ding (Gold, Öl, Handelsgüter) in Beziehung, das einen «inneren» Wert besitzt. Aber was ist ein innerer Wert? Was verleiht etwas einen inneren Wert? Denkt man diese Fragen zu Ende, gerät man in einen Zirkelschluss: Wer schuf den Schöpfer?
Was verleiht einem inneren Wert einen inneren Wert?
Ökonomen würden die Frage vermutlich mit einer komplexen Analyse der Mechanismen beantworten, nach denen moderne Geldsysteme funktionieren: Geld ist demnach die «Rechnungseinheit» in einem System multilateraler Handelsflüsse zwischen souveränen Staaten, das Schwankungen in Angebot und Nachfrage am heimischen Markt ausgleicht. Nur: Diese technische Definition beschreibt zwar die Mechanismen der Geldschöpfung und -nutzung, erklärt aber nicht, was Geld eigentlich ist. Sie mag einen Ökonomen überzeugen, ermöglicht aber kein intuitives Verständnis des Problems.
Ich bevorzuge eine einfache Antwort: Geld ist eine Sprache, eine Abstraktion, die Menschen erfunden haben, um sich gegenseitig etwas von Wert zu übertragen. Gleichzeitig ist Geld auch die Technik, die wir zum Sprechen dieser Wertesprache benutzen, also Münzen, Scheine und digitale Buchungen. Tatsächlich ist Geld eine mehrere tausend Jahre alte Kulturtechnik, die der Schrift vorausgeht. Vermutlich war Geld eine der Ursachen für die Entwicklung der Schrift. Fasst man Geld als Sprache auf, werden einige Dinge sehr viel klarer.
Wie Sprache erwächst auch Geld aus Notwendigkeit und bekommt dadurch einen Wert, dass es von Menschen genutzt wird, unabhängig davon, ob es sich um staatlich geprägtes Geld oder eine dezentrale Kryptowährung handelt. Denn die physischen Ausprägungen des Geldes, ob materiell (wie Münzen) oder immateriell (wie Tabellenkalkulationen), besitzen selbst keinen «Wert» – dieser steckt in den Dingen, gegen die wir unser Geld eintauschen können. In der Vergangenheit war es dennoch wichtig, dass es für diesen Wert eine physische Entsprechung gab – zuerst Metall, später Papier und Kunststoff. Aber im Internetzeitalter ist Materialität weder notwendig noch nützlich. Im Gegenteil: Die physische Repräsentation schränkt seine Nutzungsmöglichkeiten ein.
«Geld ist eine Sprache, eine Abstraktion, die Menschen
erfunden haben, um sich gegenseitig etwas von Wert zu übertragen.»
Ein mathematisch-monetäres Kommunikationssystem
Wenn wir Geld als Sprache des Wertes ansehen, was ist dann Bitcoin? Bitcoin ist eine neue Form von Geld, eine revolutionäre Art und Weise, Wert(e) über das Internet auszudrücken und zu teilen. Bitcoins sind wertvoll, weil sie nützlich sind und – im Internet – genutzt werden. Bitcoin ist rein digital und wird nicht durch Regierungen geprägt oder ausgegeben. Aber Bitcoin ist noch viel mehr. Es ist ein Softwaresystem, das nach transparenten Regeln funktioniert. Jeder kann an Bitcoin teilhaben, und jeder weitere Teilnehmer verschafft den Bitcoin-Regeln mehr Geltung und trägt dazu bei, eine berechenbare und faire Plattform für das Geld aller zu erschaffen.
Bitcoin ist kein Unternehmen, keine Organisation. Es gibt keinen zentralen Akteur, keine zuständige Behörde, keinen Geschäftsführer – das System wird ohne Machtzentrum von den Teilnehmern selbst gepflegt und verwaltet. Es ist ein «dezentrales» System.
Aber Bitcoin markiert in seiner abstraktesten, immateriellen und dezentralisierten Ausprägung vor allem eine radikale…