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Gelobet sei der HERR, der seinem Volk Israel Ruhe gegeben hat, wie er es zugesagt hat. 1. Könige 8,56
Ein paar Flugstunden von hier tobt der Krieg. Ich schreibe diesen Text am 30. April und hoffe, es herrsche in drei Monaten (wenigstens) Waffenruhe. Ich muss daran denken, wenn ich die Losung lese. Zu gross ist der Kontrast zum Tempelweihgebet des Salomo.
In der Geschichte Israels steht die Einweihung des ersten Tempels (ca. 1000 v. Chr.) am Anfang einer rund vierhundertjährigen Blütezeit. Im Windschatten der lokalen Grossmächte konnte Israel dank Davids militärischer Erfolge seine Macht festigen. «Ruhe» hat in erster Linie die Bedeutung von Frieden. Aber das Wort meint mehr als allein die Abwesenheit von Krieg. Hier wird eine Art «Landeskirche» eingerichtet. Im Gebet übernimmt der König eine priesterliche Funktion. Salomon segnet die Gemeinde und installiert gewissermassen eine ständige Leitung zwischen Tempel und Himmel. Was unten gebetet wird, soll oben gehört werden. Wenn man vom Exodus her bis zu dieser feierlichen Einweihung liest, entsteht tatsächlich der Eindruck, dass die Israeliten endlich zur Ruhe gekommen sind. Allerdings sollte sie nicht ewig dauern. Zweihundert Jahre später holten sich die Syrier das Nordreich zurück. Aber wie wertvoll waren diese Jahre! Muss einem der Krieg auf den Leib rücken, um für einen 80-jährigen Frieden dankbar zu sein? Merken wir erst bei einer schweren Krankheit, welches Geschenk die Gesundheit ist?
Von Ralph Kunz