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Dr. med. vet.
Fachtierärztin FVH für Kleintiere
Wenn ein Tier plötzlich sehr schnell zu altern scheint, kann eine Hormonerkrankung der Grund dafür sein. Bei Zwergpudel Siro wurde «Cushing» diagnostiziert: Sein Körper bildet zu viel eigenes Cortison.
Siro, ein neunjähriger Zwergpudelrüde, kommt in die Impfsprechstunde. Die Besitzerin erzählt mir, dass der Hund nun merklich alt geworden sei. Mit neun Jahren ist er zwar nicht mehr der Jüngste, für einen Zwergpudel aber nicht wirklich alt. Tatsächlich erinnert sein äusseres Erscheinungsbild an einen älteren Mann mit dünnen Beinen, etwas dickerem Bauch und schütterem Haar. Da ich diesen Hund schon einige Jahre kenne, macht mich seine veränderte Erscheinung stutzig. Er hat ein richtiggehendes «Hängebäuchlein» entwickelt. Beim Abtasten der Wirbelsäule und Beine spüre ich, dass er schlecht bemuskelt ist. An der Flanke hat er dünne Haare und die dunkel verfärbte Haut schimmert durch. Die Besitzerin erzählt weiter, dass ihr Hund viel hechelt und im Vergleich zu früher auch mehr trinkt. Alle diese Symptome sind typisch für eine länger andauernde, hochdosierte Cortisontherapie. Er bekommt aber keine Tabletten. So liegt der Verdacht nahe, dass seine Nebennieren zu viel Cortisol produzieren.
Vergrösserte Nebennieren
Um dies zu bestätigen, führe ich bei Siro eine Blutuntersuchung und einen so genannten Suppressionstest der Nebennieren durch, um deren Funktion zu kontrollieren. Der Test fällt positiv aus und der Ultraschall bestätigt, dass beide Nebennieren vergrössert sind. Das bedeutet: Der Hund leidet an einer «Cushing»-Erkrankung. Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon, das in kleinen Drüsen gebildet wird, die sich neben den Nieren befinden (den Nebennieren). Die Cortisol-Produktion wird von der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) via das Hormon ACTH gesteuert. Als Stresshormon hilft Cortisol dem Körper, in Stresssituationen klarzukommen, indem es durch abbauende Stoffwechselvorgänge Energie zu Verfügung stellt.
Gefahr: Diabetes und Thrombosen
Ein ständig erhöhter Cortisolspiegel – durch langfristige hochdosierte Medikamentenverabreichung oder durch diese Erkrankung – bewirkt einen Muskelabbau und die Förderung von Blutzuckerproduktion in der Leber. Im schlimmsten Fall kann er zu Diabetes führen. Ausserdem kommt es zu einer dämpfenden Wirkung auf das Immunsystem und einer erhöhten Gefahr von Thrombosen. Eine «Cushing»- Erkrankung kann aufgrund eines Tumors in der Hirnanhangsdrüse ausgelöst werden. Diese Tumore sind in der Regel winzig klein und weisen nicht die klassischen Symptome eines Hirntumors auf. Weil sie aber übermassig viel vom Hormon ACTH produzieren, werden die Nebennieren ständig stimuliert – und diese produzieren übermässig viel Cortisol. Meistens sind beide Nebennieren vergrössert, wie dies bei Siro der Fall ist.
Langsam wachsender Tumor
Da diese Hypophysentumore in der Regel sehr langsam wachsen, wird als Therapie häufig einfach ein Medikament verabreicht, das die Cortisol-Produktion in der Nebenniere hemmt. Grundsätzlich könnte die Hirnanhangsdrüse auch bestrahlt oder der winzig kleine Tumor in spezialisierten Zentren operativ entfernt werden. Manchmal kommt es auch aufgrund eines Tumors in der Nebenniere selber zu einer erhöhten Cortisol-Produktion. Diese Tumore sind etwa zur Hälfte bösartig und haben die Tendenz, in Blutgefässe einzuwachsen und Metastasen zu bilden. Befindet sich der Tumor auf der Nebenniere und ist nur eine Nebenniere betroffen, empfiehlt es sich, diese Nebenniere operativ zu entfernen. Aufgrund der Blutergebnisse und der beidseitigen Vergrösserung der Nebennieren ist davon auszugehen, dass die «Cushing»- Erkrankung bei Siro aufgrund eines kleinen Hypophysentumors ausgelöst wird. Er bekommt nun seit drei Monaten das Medikament Vetoryl, das die Bildung von Cortisol unterdrückt. Es geht ihm prima, seine Figur sieht schon wieder deutlich besser aus, er hechelt und trinkt weniger und die Haare beginnen vermehrt zu wachsen. Allerdings ist es nötig, die Therapie lebenslang durchzuführen und die Medikamenteneinstellung regelmässig zu überprüfen. Wenn das Medikament zu stark wirkt und in der Folge zu wenig Cortisol produziert wird, kann dies lebensbedrohlich sein.
Katzen seltener betroffen
Nicht nur beim Hund, auch bei der Katze kann eine «Cushing»-Erkrankung vorkommen. Bei Katzen ist diese Erkrankung jedoch viel seltener. Speziell bei der Katze ist, dass die Haut so dünn wird, dass sie durch kleinste Manipulationen reissen kann. Im englischen Sprachraum wird dies als «Fragile Skin Syndrom» bezeichnet. Es ist allerdings nötig, die Therapie lebenslang durchzuführen und die Medikamenteneinstellung regelmässig zu überprüfen.