Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03219.jsonl.gz/1678

- Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat ihren ersten Verdacht bestätigt, dass ein Radbruch zur schweren Entgleisung eines Güterzuges Mitte August im Gotthard-Basistunnel führte.
- Das Rad habe aufgrund von Ermüdung (Schwingungsrissen) ausgehend von den Rissen in der Lauffläche versagt.
- Die Sust empfiehlt eine bessere Sichtkontrolle aller Räder vor der Abfahrt eines Zugs, um weitere derartige Unfälle zu verhindern.
Wie die Sust weiter schreibt, konnten die gefundenen Radstücke einem Wagen des Unternehmens Transwaggon AB zugeordnet werden. Dieses ist eine schwedische Tochterfirma des Zuger Unternehmens Transwaggon. Gemäss Christoph Kupper, Bereichsleiter Bahnen und Schiffe bei der Sust, seien während der Untersuchung «schwerwiegende Mängel» gefunden worden, die «Sofortmassnahmen» erforderten.
So kam es zum Unfall
Der betroffene Güterwagen war der elfte Wagen in der Komposition. Gemäss der Dokumentation der Sust brach ein Fragment der Radscheibe etwa zehn Kilometer nach Einfahrt in den Tunnel ab. Daraufhin lösten sich weitere Bruchstücke.
Die Achse hing schräg unter dem Wagen. 17 Kilometer vom Tunnelportal entfernt brach das letzte Fragment ab. Die Achse schlug auf die Weiche des Spurwechsels Faido und zerstörte sie. Die nachfolgenden 16 Güterwagen entgleisten. Den Zug riss es zwischen dem 13. und 14. Wagen auseinander und gewisse Wagen landeten auf dem ablenkenden Gleis.
Das betroffene Rad des Typs BA 390 war 2008 hergestellt worden. Seit der letzten Wartung wies das Rad samt Achse eine Laufleistung von rund 140'000 Kilometer auf. Wie die Sust in ihrem Zwischenbericht schreibt, wuchsen die Risse über «einen längeren Zeitraum». Stand heute seien keine technischen Mittel vorhanden, mit denen ein solcher Defekt automatisch und frühzeitig festgestellt werden könnte.
Seit 2017 besteht in der Europäischen Union eine Taskforce («JNS Procedure Broken wheels»), die Radbrüche untersucht. Diese war damals eingerichtet worden, nachdem den italienischen sowie den belgischen Aufsichtsbehörden Fälle gemeldet worden waren.
Der Bund informiert betroffene Wagenhalter
Der nun beim Unfall im Gotthard betroffene Radtyp gehörte damals nicht zu den gemeldeten Modellen. Die Sust schreibt aber: «Die ersten Ergebnisse der Untersuchung zeigen eine Ähnlichkeit mit den Radbrüchen, die Gegenstand der ersten ‹JNS Procedure Broken wheels› waren.»
Aus diesem Grund empfiehlt die Untersuchungsstelle, die Massnahmen der europäischen Taskforce auf das Modell BA 390 auszuweiten. Das würde eine Auflistung sämtlicher im Einsatz stehender Räder des Typs 390 sowie zusätzliche Kontrollen bedeuten. Wie SBB Cargo schreibt, besitzt das Unternehmen keine Wagen mit dem betroffenen Radtyp.
«Dank des Sust-Berichtes wissen wir, welche Radtypen vom Schaden betroffen sind», erklärt Michael Meier, Mediensprecher beim Bundesamt für Verkehr (BAV), gegenüber SRF. 125 betroffene Unternehmen würden kommende Woche vom BAV Post erhalten. Die Eisenbahnverkehrsunternehmen und Wagenhalter seien dann dazu verpflichtet, ihr Rollmaterial zu kontrollieren. Zudem werde man mit der europäischen Eisenbahnagentur in Kontakt treten und eine Kontrolle des Radtyps anregen.