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«In Farben gezeichnet». Orchestration und dynamische Formvorgänge in der symphonischen Musik des frühen 19. Jahrhunderts
Die in der Malerei bereits Ende des 17. Jahrhunderts ausgetragene «querelle du dessin et de la couleur» findet sich auch in den Diskussionen zur Instrumentalmusik in der Frühromantik. Der zumeist negativ belegte Terminus des «Kolorits» (Hanslick) und die Beibehaltung der hierarchischen Trennung in sogenannte primäre (Melodik, Rhythmik und Harmonik) und sekundäre (Klangfarbe, Textur und Dynamik) musikalische Parameter spiegelt sich noch in den Kompositionslehren der zweiten Jahrhunderthälfte wider. Während die «strukturellen» Aspekte des Tonsatzes als reine Komposition in den Mittelpunkt der Unterweisung gerückt wurden, wurden die «einkleidenden» Eigenschaften als angewandte Komposition in den «Anhang» in Form von Instrumentations- bzw. Orchestrationslehre verwiesen. Erst mussten die Bedingungen der Zeichnung geklärt sein, bevor man sich den Farben zuwenden konnte, so dass Orchestration als «Coloriren und Ausmalen des in Umrissen schon fertig gezeichneten Bildes» (Fink) galt. Der allmähliche aber tiefgründige Wandel im Musikdenken des 19. Jahrhunderts äussert sich explizit u.a. in der Veröffentlichung selbstständiger Orchestrationslehren seit Berlioz. Damit setzte eine Entwicklung ein, wonach Farbe nicht länger als sekundäre Verdeutlichung einer bereits existierenden und sich selbst genügenden Struktur fungierte, sondern allmählich zu einem wahrhaft «konstitutiven Moment des Tonsatzes» (Dahlhaus) avancierte.
Das Projekt zielt darauf, anhand von ausgewählten Symphonien und Ouvertüren aus den ersten dreissig Jahren des 19. Jahrhunderts, die Herausbildung einer «funktionalen» Orchestration zu untersuchen. Auf technischer Ebene gilt es zu verstehen, welche Wechselbeziehungen zwischen Instrumentenbehandlung und formalen Funktionen bestehen und welche Art von Vermittlung ein Komponist zwischen Harmonik, Thematik und Klangfarbe herstellt, um einen bestimmten dramaturgischen Effekt zwischen vollkommener Klarheit und unlösbarer Ambiguität zu erzielen. Aus theoretischer Perspektive ist die Hierarchie zwischen den Parametern von Fall zu Fall zu klären, wobei die Partituranalyse und das Studium von autographen Quellen zeigen werden, welche eventuelle Rangordnung zwischen Zeichnung und Farbe im kompositorischen Prozess zu erkennen ist. Die Interaktion zwischen unterschiedlichen Zentren, Komponisten und Gattungen soll zu einer historiographischen Neubewertung führen und somit eine «positive» Geschichte der Rolle der Orchestration innerhalb der Satztechnik des 19. Jahrhunderts ermöglichen. Durch die Erarbeitung einer neuen Analysemethode inklusive einer spezifischen Terminologie soll das existierende Vokabular von dynamischen Funktionsbezeichnungen aus Formenlehre und Energetik erweitert werden.
Das Projekt wird gefördert durch den Forschungsfonds zur Förderung exzellenter Nachwuchsforschender der Universität Basel.
Projektleitung: Dr. Federica Di Gasbarro
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