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Nachdem die Lawinensituation zunächst mehrheitlich günstig war, sorgte der gebietsweise teils starke Wind für sehr störanfällige Triebschneeansammlungen. Lawinenauslösungen durch Personen standen im Vordergrund. Am Mittwoch und Donnerstag fiel gebietsweise mehr als ein Meter Schnee. Dieser wurde auf eine sehr ungünstige Schneeoberfläche abgelagert. In der Folge stieg die Lawinengefahr in allen Regionen markant an, im Norden, im Wallis und in Graubünden auf Gefahrenstufe 4, «gross». Zahlreiche spontane Lawinen lösten sich, auch sehr grosse. Vielerorts mussten Strassen und Wege gesperrt werden.
Von Freitag bis Montag war es in den Bergen meist sonnig, über dem Mittelland lag teils zäher Hochnebel. Das aus Lawinensicht wichtigste Wetterelement war der Wind. Dieser blies:
Da die Schneeoberfläche in allen Regionen pulvrig war, konnte der Wind Schnee verfrachten (Abb. 1, 2).
Als zusätzliches Element kam die sehr ungünstige Schneeoberfläche ins Spiel. Während den meist niederschlagsfreien, aber sehr kalten Tagen seit dem Jahreswechsel, hatte sich vielerorts grosser Oberflächenreif gebildet, oder war der obere Teil der Schneedecke kantig aufbauend umgewandelt (siehe Bildgalerie). Die Triebschneeansammlungen wurden auf diese ungünstige Schneeoberfläche abgelagert und waren damit äusserst störanfällig (Abb. 3 und 4). Zahlreiche Lawinenauslösungen durch Personen, vereinzelt auch spontane Lawinen, waren die Folge. Die Lawinengrösse war meist klein (Grösse 1, Rutsch), vereinzelt aber auch mittelgross (Grösse 2, mittel = typische Skifahrerlawine, Abb. 5).
Dort, wo der Wind Schnee verfrachten konnte, stieg die Lawinengefahr an. Der frische Triebschnee war das Hauptproblem.
Etwas anders war die Situation in Teilen des Unterengadins: hier war die Schneedecke teils sehr störanfällig, obwohl es seit mehr als einer Woche weder Neuschnee noch Wind gegeben hatte. Immer wieder wurden Lawinenauslösungen und Gefahrenzeichen, wie Wumm- oder Zischgeräusche, gemeldet (Abb. 6). Warum? Der Grund hierfür musste in der Vergangenheit gesucht werden: in einigen Gebieten war ein grosser Oberflächenreif, welcher sich am 21.12. gebildet hatte, von zwei kleinen Schneefällen zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel (gesamthaft 20 bis 40 cm Neuschnee), eingeschneit worden (Abb. 7). Dort, wo der Reif vorhanden war, war die Schneedecke auch in dieser Wochenberichtsperiode noch sehr störanfällig. Wo er fehlte, war die Lawinensituation wesentlich günstiger. Ein genaueres Bild der Situation zeigte sich erst zögerlich, mit Rückmeldungen von Bergführern und Tourengehern. Mit den im Nachhinein verfügbaren Informationen war die Rückstufung der Lawinengefahr auf Stufe 2, mässig am 03.01. in diesen Regionen evtl. etwas verfrüht. Eine entsprechende Korrektur wurde im Bulletin am Morgen des 09.01. vorgenommen.
Am Dienstagnachmittag, 12.01. und in der Nacht auf Mittwoch, 13.01. schneite es verbreitet. Bis Mittwochmorgen fiel am Alpennordhang und im Wallis verbreitet 20 bis 40 cm Schnee, entlang des nördlichen Alpenkammes von der Diablerets bis ins Gotthardgebiet bis 60 cm Schnee. Nur am Alpensüdhang blieb es trocken. Nach einer kurzen Wetterberuhigung am Mittwoch folgte eine zweite Niederschlagsphase. Diese brachte am Alpennordhang und in Nordbünden intensiven Schneefall. Die Schneefallgrenze lag im Westen zwischen 1000 und 1400 m, sonst in tiefen Lagen. Verbreitet fiel am nördlichen Alpenkamm vom Gotthardgebiet bis ins Liechtenstein, sowie in Nordbünden nochmals mehr als ein halber Meter Schnee. Damit betrug die 2-Tages-Neuschneesumme gebietsweise mehr als ein Meter (Abb. 9).
Es ist noch etwas früh, um eine abschliessende Einordnung des Schneefalls zu machen. Allerdings deuten die Neuschneemessungen am Donnerstagmorgen, 14.01. an, dass es sich gebietsweise um einen recht ausserordentlichen Schneefall handelte (Tab. 1).
Tab. 1: Einordnung des gemessenen Schneefalls (HN) an ausgewählten Stationen in Graubünden. HNmax gibt den höchsten, bis jetzt am jeweiligen Messfeld gemessenen, Wert als Vergleich an.
Summe über
Messfeld
Neuschnee (HN)
Rang (von Anzahl Jahre mit Messungen)
HNmax
1 Tag
Davos
66 cm
4 (von 114)
90 cm
1 Tag
Arosa
65 cm
11 (von 127)
96 cm
2 Tage
Chur
44 cm
8 (von 134)
80 cm
2 Tage
Davos
84 cm
9 (von 114)
146 cm
2 Tage
St. Antönien
103 cm
9 (von 76)
138 cm
Der Neuschnee fiel auf eine sehr ungünstige Schneeoberfläche. Dies führte zu einem sehr markanten Anstieg der Lawinengefahr, auch in mittleren Lagen (unterhalb der Waldgrenze). Besonders im südlichen Wallis, teils aber auch am östlichen Alpennordhang und in Nordbünden war zudem die Schneedecke recht dünn und stark aufbauend umgewandelt. Brüche in der Altschneedecke mussten hier erwartet werden.
Am Mittwoch war die Lawinengefahr verbreitet Stufe 3, «erheblich», ausser in Teilen des nördlichen Alpenkamms vom Wildstrubel bis in die Urner Alpen, wo bereits Stufe 4, «gross» vorhergesagt wurde. Mit den sehr intensiven Schneefällen in der Nacht auf Donnerstag und am Donnerstag, stieg sie grossflächig auf Stufe 4, «gross».
Bereits in der Nacht auf Mittwoch wurden zahlreiche Lawinenabgänge von automatischen Detektionssystemen erfasst. Auch Pistenbully-Fahrer meldeten schon am frühen Morgen spontane Abgänge. Dass die Schneedecke äusserst instabil war, zeigte sich dann auch tagsüber: Risse, Wummgeräusche und Lawinenauslösungen wurden aus fast allen Regionen gemeldet (Abb. 10 und 11). Mit dem erneuten Einsetzen der Schneefälle nahm die Lawinenaktivität nochmals zu: in der Nacht auf Donnerstag und am Donnerstag lösten sich zahlreiche, auch sehr grosse (Grösse 4) Lawinen spontan. Teils wurden auch Strassen verschüttet oder waren Häuser betroffen.
Ein detaillierter Rückblick auf die Lawinenaktivität erscheint im nächsten Wochenbericht.
Es war eine sehr dynamische Woche. Anpassungen im am Morgen erscheinenden Bulletin wurden fast täglich vorgenommen. Diese betrafen meist nur einen relativ kleinen Teil des Prognosegebietes. Grund dafür war meist der Wind, welcher früher als vorhergesagt eingesetzt hatte, oder welcher stärker als erwartet, blies. Aber auch am Mittwoch und Donnerstagmorgen wurden die Prognose am Morgen gebietsweise angepasst.
Etwas anders verhielt sich die Situation im Unterengadin (GR) zwischen Flüelapass und dem Münstertal. Hier wurde am Samstag, 09.01. effektiv eine Korrektur auf Grund von zahlreichen ungünstigen Beobachtungen aus dem Gelände vorgenommen. Dabei sind Rückmeldungen der Beobachter, aber auch der Öffentlichkeit eine sehr wichtige Informationsgrundlage für die Lawinenwarnung. Wenn Du also eine Lawine oder Gefahrenzeichen, wie Wummgeräusche, beobachtet hast, melde uns dies bitte. Am besten per SLF-App White Risk (Abb. 12). Sehr gern mit Fotos. Diese helfen uns (dem Lawinenwarnteam) ein besseres Bild der Situation machen zu können. Und evtl. verwenden wir sie auch in einem der nächsten Wochenberichte.
In dieser Wochenberichtsperiode wurden 12 Lawinen gemeldet, in welchen Personen mitgerissen wurden. Während den starken Schneefällen am Mittwoch, 13.01. und 14.01. wurden auch Lawinen gemeldet, welche Strassen verschüttet hatten. Vereinzelt waren auch Häuser betroffen.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.