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Das häufige Wasserlassen mit oder ohne Brennen
Harnwegsinfekte in der Praxis
Dr. Stefano Bachmann, Praxis in Heiden
In seinem halbstündigen Referat gab der Internist und Infektiologe St. Baumann einen praxisnahen Überblick über Diagnostik und Behandlung der akuten Harnwegsinfektion.
Zusammenfassung Vortrag "Das häufige Wasserlassen mit oder ohne Brennen"
Ein Harnwegsinfekt (HWI) wird bei Vorhandensein typischer Symptome wie Dysurie und Pollakisurie sowie einer Keimzahl von >105/ml Mittelstrahlurin gestellt (wobei einige Autoren tiefere Keimzahlen akzeptieren, insbesondere bei Staphylococcus saprophyticus). In der Regel verläuft eine Cystitis ohne Fieber, bei Fieber ist nach Flankenschmerz zu suchen und ggf. eine Pyelonephritis zu diagnostizieren. Einziges Symptom bei älteren Menschen kann eine Verhaltensänderung mit Verwirrtheit sein. Unterschieden wird ein einfacher Harnwegsinfekt bei strukturell und neurologisch unauffälligen Harnwegen von einem komplizierten HWI (z. B. Männer, Kinder, Katheter-assoziiert, bei Diabetes mellitus oder Schwangerschaft). Die meisten HWI’s entstehen aszendierend (vgl. Graphik). Die Diagnose kann mittels Urinstatus gesichert werden, wobei ein negatives Nitrit einen HWI nicht ausschliesst, jedoch ein Argument gegen gram-negative Keime sein kann (Hummers, 2005). Eine Urinkultur ist bei Rediv oder unklarer Symptomatik sinnvoll.
Behandelt werden sollte grundsätzlich jeder HWI, nicht jedoch jede asymptomatische Bakteriurie (ausser während der Schwangerschaft!). Mittel erster Wahl in der Ostschweiz ist weiterhin TMP/SMX (z. B. Bactrim ® oder eine Generikum – BR Couchpin zu liebe wie der Referent vielsagend bemerkte…). Eine Heilung ist in 95% zu erwarten nach einer Behandlung für 3 Tage bei unkompliziertem HWI (bzw. nach 7-10 Tagen bei kompliziertem HWI). Eine Pyelonephritis ist für 7-14 Tage mit einem Fluorchinolon zu behandeln (z. B. Ciprofloxacin).
Die Wirkung von Blasentees ist nicht belegt, dem Trinken von Preisbeersaft hingegen kommt eine prophylaktische Wirkung zu ().
Diskutiert wurde der Fall einer Patientin mit iv-Drogenabusus mit Dysurie und Methicillin resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) in der Urinkultur. Die Auswahlmöglichkeit Vancomycin po ist ist bei fehlender Resorption nicht zu empfehlen, Kontaktaufnahme mit der Infektiologie des KSSG (Tel. 24h 071 494 11 22) immer eine gute Alternative, entscheidend jedoch die Endokarditis-Suche mittels Herzechokardiographie.
In der Diskussion wurde ferner die Frage nach Dauerprophylaxe bei einer 80-jährigen Patientin mit rezidivierenden HWI’s aufgeworfen, eine solche jedoch wegen der Resistenzentwicklung nicht befürwortet, dafür eine genügend lange Behandlung von 10-14 Tagen empfohlen. Eine weitere Frage betraf die Behandlung eines symptomatischen DK-Trägers. In diesem Fall solle der Katheter während der antibiotischen Therapie gewechselt werden.
Die vollständige Präsentation des Vortrags von Dr. Stefano Bachmann (pdf-file) finden Sie hier