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Die Fahrt mit der Eisenbahn Curitiba – Morretes – Paranaguá, angelegt zwischen 1880 und 1885, ist die aufregendste Eisenbahnstrecke Brasiliens und eine erstaunliche Ingenieurs-Leistung, besonders für die damalige Zeit! Der Zug verlässt Curitiba auf einer Höhe von 900 Metern, um durch 14 in den Fels gegrabene Tunnel und 41 Brücken und Viadukte aus Eisenstahl die steile Serra do Mar hinabzuklettern – 110 Kilometer beträgt die Strecke.
Der grösste Brückenbogen ist der über den Rio São João, dessen Länge 113 Meter beträgt – die Brücke hat vier Bögen, deren mittlerer eine Höhe von 58 Metern erreicht! Der Viaduto Carvalho, eines der grössten Wunder der Technik dieser Strecke, befindet sich in mehr als 900 Metern Höhe – er besitzt Stützmauern von 10 m Höhe, die in der Luft einen Winkel von 45 Grad beschreiben – bekannt als Curva do Diabo (Teufelskurve). Der Blick nach unten ist unvergleichlich: Bedrohlich heraufgähnende Canyons – tropischer Urwald an ihren Hängen – das Blau des Atlantik umrahmt die Szenerie.
MORRETES
Ist eine kleine gemütliche Kolonialstadt aus dem Jahr 1721, am Ufer des Rio Nhundiaquara – hier ist der spektakulärste Teil der Eisenbahnfahrt vorbei. Aber wenn Sie einfach Lust haben, hier ein bisschen zu verweilen – die üppige Vegetation lädt zu Spaziergängen und der Fluss zu einem Bad ein. Barreado ist eine lokale Spezialität, die als Mittagessen zu probieren, sich lohnt.
Der Ort liegt am Fuss der Serra do Mar, 75 km von Curitiba, und hat gute Zeiten erlebt, als die Mate-Plantagen in seiner Umgebung gute Renditen abwarfen. In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts erlebte es einen erneuten Aufschwung als Handelsposten zwischen der Küste und dem Hochplateau – dann verlor es diese Bedeutung durch die politische und wirtschaftliche Emanzipation des paranaensischen Hinterlandes. Verschiedene antike Kirchen und andere historische Remineszensen aus seiner Blütezeit, am Rand von Kopfstein gepflasterten Strassen, sind reichlich vorhanden und gut erhalten.
Der Pico de Marumbi ragt aus einer Gebirgsformation hervor, die Conjunto Marumbi genannt wird – er ist 1.547 Meter hoch und wird von Kletter-Fans gerne aufgesucht, denn er bietet alle denkbaren Schwierigkeitsgrade.
Zwischen dem Bahnhof – der übrigens ebenfalls sehenswert ist (von 1885) – und dem Berg, kommt man an dem zirka 50 m hohen, vertikal herabstürzenden Wasserfall Cascata dos Marumbistas vorbei – innerhalb einer atemberaubend schönen Umgebung. Der Berg selbst befindet sich innerhalb des Parque Estadual Pico do Marumbi, ein Areal von 370 Hektar, gegründet 1990.
Cascatinha
Dieser kleine Wasserfall liegt nur 5 km vom Ort entfernt, umgeben von einem schönen Wäldchen, am Ufer des Rio Marumbi. Nach einer kleinen Stromschnelle verbreitert sich der Fluss und formt einen See von zirka 10.000 m² Fläche, mit einer Tiefe zwischen einem und vier Metern – ein idealer Platz zum Baden. Hier gibt’s eine bescheidene Infrastruktur für Camping, Toiletten, Umkleideräume und einen Schnellimbiss.
Salto dos Macacos
Der Rio dos Macacos stürzt sich aus einer Höhe von 70 Metern auf eine Granit-Felsplatte und formt rund herum einen beeindruckend schönen Natur-Pool. Dahinter bildet er erneut einen Wasserfall, den Salto Redondo, mit zirka 30 Meter freiem Fall, auf 20 Meter Breite! Insgesamt ein atemberaubendes Naturspektakel. Allerdings ist der Zugang zu diesen Fällen ein bisschen mit Arbeit verbunden: entweder von der Strasse ausgehend – zwischen Porto de Cima und Engenheiro Lange, und von da aus 2 Stunden zu Fuss – oder per Eisenbahn, in Engenheiro Lange aussteigen und von dort 2-3 Stunden zu Fuss!
Rio Nhundiaquara
In der Indianersprache heisst „Nhundi“ – Fisch, und „Quara“ – Loch – der Fluss diente den ersten Expeditionen ins Hochplateau einst als erste natürliche Verbindung. Und es stellte sich heraus, dass er auch der goldhaltigste Fluss der Gegend war, ein Umstand, der stark zur Entwicklung der Region beigetragen hat. Eine der fotografisch ansprechensten Szenarien ist die historische Ansammlung der antiken Häuschen, rechts und links an seinen Ufern, inmitten des Städtchens Morretes selbst!
Dies sind nur ganz wenige von den vielen, vielen Sehenswürdigkeiten in und um Morretes herum. Sie können sich hier ohne weiteres eine Woche lang in einer der netten Pousadas einquartieren, um jeden Tag unterwegs zu sein in dieser spektakulären Natur – aber danach haben Sie immer noch nicht alles gesehen!
ANTONINA
Wenn man schon in Morretes ist, so sollte man Antonina bestimmt nicht auslassen. Mit rund 19.000 Einwohnern, liegt der Ort nur 15 km östlich von Morretes, an der Bucht von Paranaguá – er ist alt und friedlich. Die ersten Siedler haben hier im Fluss Nhundiaquara nach Gold gesucht. Die schöne Kirche im Stadtzentrum, Nossa Senhora do Pilar von 1714, ist sehenswert. Aber nicht nur sie. Ähnlich wie in Morretes hatte auch diese kleine Stadt ihre Blütezeit – als Gold im Fluss gefunden wurde, als später die Mate-Plantagen-Besitzer ihre Wohnpaläste in dem Städtchen errichteten.
Hier sind ein paar sehenswerte Einzelheiten:
Um einen Eindruck aus der Vergangenheit des Städtchens zu bekommen, sucht man am besten zuerst einmal den Platz Praça Coronel Macedo auf, einen antiken Platz aus den Anfängen der Republik, der älteste öffentliche Treffpunkt des Städtchens überhaupt. Um ihn herum stehen die verschiedensten Zeitzeugen aus dem Zyklus des Mate-Booms, zwischen verschiedenen uralten und seltenen Bäumen.
Ausser den Kirchen, von denen auch hier mindestens drei sehenswerte Exemplare stehen, empfehlen wir, sich den alten Bahnhof Estação Ferroviária anzusehen – ein deutliches Symbol aus der reichen Ära der Mate-Plantagen, konstruiert im Jahr 1916.
Denkmalgeschützt ist auch der Brunnen Fonte da Carioca, in den hat der Kaiser Dom Pedro II., während seines Besuchs im Jahr 1880, persönlich die erlauchte Hand getaucht und von dem kristallklaren Wasser getrunken – heute ziert ihn das kaiserliche Wappen. Sogar ein Theater hat die kleine Stadt, das Teatro Municipal, es wurde 1875 bereits gebaut – in diesem Fall vom Flussgold aus dem Rio Nhundiaquara. Nun wandern Sie mal hinüber zum Ufer der Baía de Paranaguá – hier am Wasser finden Sie den Platz Romildo Gonçalves Pereira, mit einer herrlichen Sicht auf die Bucht, die Boote und im Hintergrund die blau schimmernde Silhouette der Serra. An seiner Seite befindet sich der Mercado Municipal und eine Sonnenuhr.
Bairro Laranjeiras ist ein Stadtteil, der ausser dem schon erwähnten Fonte da Carioca noch einen zweiten historischen Brunnen besitzt, den Fonte da Laranjeira. Er wurde ebenfalls noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts vollendet – er befindet sich am Anfang eines interessanten Aufstiegs zum Morro da Pedra, von wo man einen phantastischen Panorama-Blick über die Stadt und die Bucht geniesst.
Bairro Alto – ein hochgelegener Stadtteil, der sich mit seinen Flüssen, Wasserfällen und dichter Vegetation immer mehr als neues Areal für Freizeit und ökologische Wanderungen entpuppt. Das Gebiet ist auch historisch von Bedeutung: hier nahm zum Beispiel die japanische Kolonisation von Paraná ihren Anfang – unzählige Pfade und Wege führen von hier aus in alle Himmelsrichtungen, einige bis hinüber in den Nachbarstaat São Paulo.
Pico do Paraná – dieser höchste Berg Südbrasiliens befindet sich an der Grenze zwischen Antonina und Campina Grande do Sul. Er hat eine Gipfelhöhe von 1.962 Meter und wurde von dem Geologen Reinhard Maack entdeckt und erstmals 1941 bestiegen. Der Berg gehört zum Distrikt von Antonia – man erreicht ihn auf der BR-116, in Richtung Campina Grande do Sul, oder auf Wegen via Bairro Alto.
PARANAGUÁ
Ist eine farbenfrohe Stadt mit etwas mehr als 127.200 Einwohnern und einem alten Stadtteil, der von internationalen Touristen noch wenig besucht, ein schönes Gefühl tropischer Dekadenz vermittelt. Die Stadt ist immer noch einer der wichtigsten Häfen und liegt etwa 30 km vom Meer entfernt, an der Baia de Paranaguá – rund 100 km von Curitiba.
Die Altstadt von Paranaguá ist so klein, dass man sie ohne Stadtplan besichtigen kann. Ohne grosse Anstrengungen findet man auch die meisten kolonialen Gebäude und Kirchen, die Bars, Geschäfte und auch die Märkte. Die kolonialen Gebäude in der Rua da Praia sind eine besondere Attraktion – offiziell heisst die Strasse auch Rua General Carneiro!
Igreja de Nossa Senhora do Rosário – dies war die erste Kirche auf dem Boden von Paraná – sie wurde zwischen 1575 und 1578 gebaut. Sie wurde wiederholten Reformen unterzogen, erfuhr Anbauten, wurde ausgeraubt und viele Stücke sakraler Kunst zerstört.
Der am wenigsten von Verstümmelungen betroffene Teil ist ihre Fassade, die heute noch die Harmonie ihrer originalen Architektur präsentiert. Sie steht im Historischen Zentrum.
Was Sie auf keinen Fall auslassen sollten, ist das Museu de Arqueologia e Etnologia! Einige Museen in unserem Land sind enttäuschend – dieses ist es nicht! Es ist in einer wunderbar restaurierten Jesuitenschule untergebracht (von 1755). Die Exponate in dem in Ufernähe gelegenen Museum zeigen verschiedene indianische Ethnographica, Volkskunst und Kunsthandwerk, faszinierende alte Werkzeuge und aus Holz gefertigte Maschinen.
Und besuchen Sie den historischen Mercado Municipal do Café, eine Konstruktion aus dem 19. Jahrhundert, ein Art-Nouveau-Klassik-Mix, ganz aus Gusseisen, mit vielen Bögen und Verzierungen. Hier werden heutzutage Meeresfrüchte serviert und litoranes Kunstwerk ausgestellt. Befindet sich in der Rua da Praia.
Estação Ferroviária – auch hier ist der Bahnhof ein sehenswertes Gebäude – wurde am 5. Juni 1885 eingeweiht! Ist die Endstation der Eisenbahnstrecke Curitiba – Paranaguá, beziehungsweise ihr Anfang, denn man kann natürlich auch wieder mit der Bahn zurückfahren.
Porto Dom Pedro II – nach dem brasilianischen Ex-Kaiser genannt, ist der Hafen von Paranaguá besonders Export-Terminal für Saatgut – das grösste Brasiliens und der Staaten des Mercosul. Er liegt im Interior der Bucht von Paranaguá, sein Einfluss erstreckt sich auf eine weitgestreckte Region Brasiliens, und er ist Zwischenlager für die Importe des Nachbarn Paraguay, gemäss internationalem Abkommen.
Der derzeitige Hafen wurde 1935 in Betrieb genommen. Seine Existenz ist verbunden mit den fünf wesentlichen Wirtschafts-Zyklen: dem Zyklus des Goldes, des Mate-Tees, des Holzes, des Kaffees und der Diversifikation – als nämlich seine Exporte auf diverse Güter, wie Mais, Soja, Baumwolle, Pflanzliche Öle etc. erweitert wurden.