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Oscar-Verleihung 1970: Keine hat bis heute höhere Einschaltquoten in den USA gehabt. «Midnight Cowboy» wurde als bester Film gekrönt. Die meisten Preise erhielt der Western «Butch Cassidy and the Sundance Kid».
Die Gewinner: Oscargeschichte, Vergangenheit. Einem anderen Film gelang etwas, was bis heute keinem weiteren gelungen ist.
Rekordhalter
«They Shoot Horses, Don't They» hält einen bis heute gültigen Rekord: Keine Produktion, die nicht als Bester Film nominiert war, erhielt je mehr Oscarnominierungen als Sydney Pollacks Drama.
Der Film basiert auf der gleichnamigen Pulp-Novelle von Horace McCoy. Er war in den 1920ern ein erfolgloser Schauspieler, der als Rausschmeisser sein Geld verdiente.
In dem Club, für den er arbeitete, fanden Tanz-Marathons statt. Basierend auf diesen Erfahrungen schrieb er seinen Roman.
Zeitreise in Elend
Regielegende Sydney Pollack verfilmte die Geschichte 1969. Sie nimmt uns mit zurück in die Zeit der amerikanischen Wirtschaftskrise.
Hungrig, verzweifelt und arbeitslos nahmen viele Menschen an zermürbenden Tanz-Marathons teil, die bis zu einem Monat dauern konnten.
Tanzen für eine Mahlzeit
Keine Nachtruhe und nur 15 Minuten Mittagsschlaf gab es für die Tänzerinnen und Tänzer. Aber dafür immerhin sieben Mahlzeiten am Tag.
Für viele waren die Mahlzeiten der einzige Grund, um teilzunehmen. Andere hofften, von einem Hollywood-Produzenten entdeckt zu werden.
Die Paare, die bis zum Schluss durchhielten, gewannen nur eine bescheidene Summe. Aber die Zeiten waren nun mal schlecht.
Gefangen mit den Tanzenden
Regisseur Pollack schuf in diesem historischen Setting ein fesselndes Drama, das zeigt, wie sehr die Teilnehmer von ihrer Verzweiflung getrieben wurden. Und welch hohen Tribut ihre Ausbeutung als Spektakel für zahlende Kunden forderte.
Das Filmpublikum leidet mit: Weil die Kamera nie den Tanzsaal verlässt, ist man als Zuschauer mit den Kandidaten gefangen.
Gut gealtert
Entertainment Weekly schrieb Jahre später, dass der Film besser gealtert sei, als jeder anderer seiner Zeit. Warum das stimmt, ist leicht zu erkennen.
Menschen, die für eine Karriere oder aus rein finanziellen Gründen Strapazen und Erniedrigungen auf sich nehmen, sieht man heute in Reality-Formaten wie «Big Brother», «Survivor» oder «Ich bin ein Star, holt mich hier raus!».
Dank seiner treffenden Darstellung der konkurrenzbesessenen, unterhaltungsgeilen US-Gesellschaft ist der Film heute relevanter denn je.
Die grosse Jane Fonda
Die Zeitlosigkeit des Films fusst aber auch auf den schauspielerischen Leistungen. Sie machen die Erfahrung der Tänzerinnen und Tänzer greifbar.
Jane Fonda spielt die erfolglose Schauspielerin Gloria. Ihr Spiel ist so realistisch, dass man die jahrelange Not und Enttäuschung ihrer Figur in jeder Bewegung spüren kann.
Der Film läutete eine Wende in ihrer Karriere ein. Zuvor war sie bloss als sexy Blondine wahrgenommen worden. Erst nach ihrer Oscar-Nominierung für «They Shoot Horses, Don’t They?» nahm man sie als Schauspielerin ernst.
Gig Youngs Sternstunde
Bei der Preisverleihung anno 1970 ging Jane Fonda allerdings leer aus. Ihr Schauspielkollege Gig Young, ein bekanntes Gesicht im Kino und Fernsehen der 1950er und 1960er, hatte mehr Glück.
Wie er den zynischen Zeremonienmeister des Tanzmarathons verkörperte, beeindruckt bis heute: Nicht zuletzt, weil sich im abgehalfterten Entertainer, der Mitleid für die Tanzenden heuchelt, viele TV-Folterknechte der Gegenwart spiegeln.