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Jährlich ab Mitte Mai blüht sie in drei Farbvarianten und bietet auf dem Tulpenhügel in Grengiols ein beeindruckendes Naturspektakel - die Tulipa Grengiolensis. Dass die weltweit einzigartige Tulpenart heute noch existiert, ist jedoch nicht selbstverständlich.
Angefangen hat alles damit, dass die Grengjer Tulpe im Mai 1946 vom Botaniker Eduard Thommen erstmals beschrieben und nach dem Auffindungsort Grengiols benannt wurde. Thommen war der Erste, der die Einzigartigkeit dieser Tulpe erkannte. Die Grengjer Tulpe ist nämlich keine Wildtulpe, kann aber als verwilderte Gartentulpe angesehen werden. Bemerkenswert ist zudem, dass sie gar in drei unterschiedlichen Formen zu finden ist: rein gelb, rot gestreift und rein rot. Ihr Vorkommen ist aber bis heute extrem selten. So selten, dass die Tulpe auch heutzutage nur in der Umgebung des Dorfes Grengiols zu finden ist. Doch woher kommt das?
Der Roggenacker als geeigneter Lebensraum
Das Überleben der Grengjer Tulpe ist eng mit dem traditionellen Anbau von Winterroggen verbunden. Auf Dauer kann die Tulpe nur in Äckern überleben, die im Herbst gepflügt und bepflanzt werden, so wie es beim Roggenanbau erforderlich ist. Würden die Äcker, wie bei anderem Getreide oder bei Kartoffeln im Frühjahr gepflügt, würden die zu dieser Zeit bereits keimenden Tulpenzwiebeln beschädigt und die Tulpen folglich früher oder später eingehen.
Die Kornkammer des Wallis
Weil es früher um Grengiols herum überall Roggenäcker gab, galt das Dorf bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Kornkammer der Region. Dies verdeutlicht sich dadurch, dass sogar der Ortsname vermutlich vom Lateinischen «graneirolas», zu Deutsch «kleine Kornspeicher» stammt. Heute jedoch, wird das Roggenbrot, welches man im Dorfladen kaufen kann, aus Brig geliefert.
Rettung im letzten Moment
Durch die Ausdehnung der Ortschaft und den vermehrten Anbau von Kartoffeln anstelle von Winterroggen, wurde die Zahl der Roggenäcker und damit auch der Lebensraum der einst reichlich vorhandenen Grengjer Tulpen immer kleiner. Als der Biologe Laudo Albrecht 1988 eine Bestandesaufnahme machte, wurden gerade mal noch ein paar hundert Tulpen gezählt. Die Grengjer Tulpe war somit akut gefährdet. Den weltweit letzten natürlichen Standort dieser Tulpenart galt es daher zu erhalten.
Die Kunst der Zucht
Doch die herausfordernde und aufwendige Zucht der Grengjer Tulpe ist mit ein Grund, weshalb die Tulpenart bis heute so selten ist. Sogar in botanischen Gärten in Bern, Basel und Genf, wo sich Fachleute intensiv mit Pflanzen auseinandersetzen, gelang die Zucht bis anhin mehr schlecht als recht. Und auch professionelle holländische Tulpenzüchter bekunden Mühe die Grengjer Tulpe zu vermehren.
Erfolgreicher Artenschutz
Diese Erkenntnis war für den Walliser Staatsrat 1994 Grund genug, die rare Grengjer Tulpe unter Schutz zu stellen und die Chalberweid zum Naturschutzgebiet zu erklären. Kurz darauf wurde die Tulpenzunft Grengiols gegründet. Diese kümmert sich seither um die Erhaltung dieser Pflanzenart. Und der Einsatz zahlt sich aus. Mittlerweile konnte die Fläche auf sechs Äcker und insgesamt 1730 Quadratmeter ausgedehnt werden und auch der Bestand hat sich erholt. Inzwischen sind es wieder über 6000 blühende Tulpen, die dank der grossartigen Arbeit der Tulpenzunft jährlich bewundert werden können.
Die Tulpenzunft Grengiols
Ziel und Zweck der Tulpenzunft ist neben dem Erhalt und der Vermehrung der Grengjer Tulpe «tulipa grengiolensis» auch die Pflege der entsprechenden Kulturlandschaft durch Anbau von Roggen in traditioneller Handarbeit. Die Tulpenzunft ist wie ein Verein organisiert und setzt sich vornehmlich aus Blumenliebhabern zusammen. Eine Mitgliedschaft steht allen offen. Organisationen wie die Tulpenzunft oder die Stiftung Dorf am Bettlihorn sind wichtig für Grengiols. Denn sie bringen beispielsweise während der Tulpenblüte an Spitzentagen an die tausend Besucher auf die Tulpenäcker und damit Leben und Wertschöpfung ins Dorf.
Besuch der Tulpen: gut zu wissen
Ab cirka Mitte Mai können die Tulpen in den Tulpenäckern auf der Chalberweid jedes Jahr aufs Neue bestaunt werden. Ein Besuch ist auf eigene Faust möglich. Interessierten bietet sich während der Tulpenblüte die Möglichkeit, an Führungen der Tulpenzunft teilzunehmen. Diese finden entlang des eigens dafür erstellten und gut ausgeschilderten Tulpenrings statt und demonstrieren die eindrückliche Kulturlandschaft von Grengiols. Neben spannenden Informationen über die Tulpen, erfahren Teilnehmende auch viel Interessantes über das Dorf und die Kultur von Grengiols.
Sind Sie unsicher, ob die Tulpen schon blühen? Über den Blütestand informiert man sich am Besten via Webcam. Neben vielen anderen Informationen, ist diese auf der Webseite der Tulpenzunft zu finden.
Tag der Grengjer Tulpe
Alljährlich findet zudem der Tag der Grengjer Tulpe statt. Hier werden neben einem Brunch auf dem Dorfplatz auch Führungen angeboten. Allen Besuchenden, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, steht ab dem Bahnhof Grengiols ein «Tulpenbus» zur Verfügung, der sie fahrplanmässig in die Nähe der Tulpenäcker bringt.
Neu auch Kunst- & Kulturangebote
Zudem fallen die neu ins Leben gerufenen «Grängjer Kulturtäg» genau in die Blütezeit der Tulpen. Hier kann man den Besuch der Tulpen perfekt mit hochklassigen musikalischen und künstlerischen Darbietungen kombinieren. In ihrem Gastbeitrag hat Sophie Agten im Jahr 2022 über die erste Ausgabe der «Grängjer Kulturtäg» berichtet.
WEITERFÜHRENDE LINKS & QUELLEN
Unser Gastautor: Klaus Agten
Klaus Agten (57) ist verheiratet und hat vier Kinder. Er ist gelernter Kaufmann und Zunftmeister der Tulpenzunft Grengiols. Ausserdem ist er ehemaliger Gemeindepräsident von Grengiols.