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Das Schweizer Radsportphänomen Ferdy Kübler ist tot. 1919 in Marthalen geboren
hat er 1942 die Tour de Suisse gewonnen und 1950 die Tour de France gewonnen. ""Ferdy National"
beendete 1957 seine Radsportkarriere.
Foto von Kübler. Man beachte das Outfit: Kein Helm. Veloschlauch um die Schultern,
Alu Flasche mit Korken ....
Josef Renggli, ein legendärer Sportreporter, der 2015 gestorben ist schrieb für die NZZ
einen Artikel über Kübler:
Ferdinand Kübler, genannt Ferdy, Bürger von Marthalen im
Zürcher Weinland, huldigte in seinem Leben vier Sportarten. Den
Radsport betrieb er während 19 Jahren. Die Karriere begann
1938 mit einem Anfängerrennen in Glarus, führte über
700 000 Kilometer, 17,5-mal um die Erde, von Adliswil zum Mond und
retour; sie umfasste 3200 Rennen und trug ihm 400 Siege ein - trotz
sechs durch den Zweiten Weltkrieg verlorenen Jahren. Sie endete am
21. Oktober 1957 mit der Sechs-Stunden-Américaine vor 12 551
Zuschauern im Zürcher Hallenstadion.
Das Rad spielte schon bei Ferdys Geburt am 24. Juli 1919 eine Rolle.
Nomen est omen, des künftigen Radstars Wiege stand im Weiler
Radhof zwischen Rheinau und Marthalen. Die Familie war mausarm,
der Vater Wärter in der Anstalt, er verdiente 140 Franken im
Monat. Ferdy war das zweitjüngste der fünf Kinder, er musste
schon während der Schulzeit bei Bauern schuften, fast wie ein
Verdingkind. Nach dem achten Schuljahr arbeitete er von morgens halb
fünf bis abends neun Uhr als Knecht für
einen Monatslohn von 20 Franken. Nach zwei Jahren hatte der
aufmüpfige Jüngling von dieser Schinderei genug. Heimlich
verliess er bei Nacht und Nebel das Elternhaus und floh mit 11 Franken
Startkapital nach Männedorf zu Bäckermeister Schneebeli.
In dessen Diensten machte der Brotausträger Kübler auf einem
alten Velo die Strassen zum Pfannenstiel unsicher, am Rücken
die 30 bis 35 Kilo Brot. Pro Monat gab es 30 Franken plus Kost und
Logis. Ein paar Franken durfte er behalten, den grössten Teil
schickte er nach Marthalen. Den
entscheidenden Schritt wagte das Landei 1937. Es fand eine Stelle in
der Stadt bei Bijoutier Barth an der Zürcher Bahnhofstrasse
und steigerte sein Einkommen von 30 auf 120 und später
sogar auf stolze 150 Franken. Jeden Morgen fuhr Ferdy auf einem
ausrangierten Damenvelo von Marthalen nach Zürich und abends
zurück: zweimal 42 Kilometer, Tagespensum 84 Kilometer, sechsmal
wöchentlich.
(...)
Kübler profitierte, wie er stets gern betonte, von der
Rivalität mit Hugo Koblet. Die beiden lebten zwar wie Hund und
Katze, doch Kübler, in dieser Beziehung ganz Diplomat, sprach
nie von seinem "Feind" Koblet,
sondern viel lieber von "Freund" Hugo. "Diplomatie ist die Kunst, so
zu lügen, dass einem sogar die Wahrheit geglaubt wird", sagte der
italienische Komiker Alberto Sordi. Er muss Kübler gekannt haben.