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Von Gregor Loepfe
Im Zuge der «Great Migration» verliessen viele Schwarze aus Angst vor Armut und Rassendiskriminierung den Süden der USA in Richtung Industriestädte des Nordens. In Harlem, dem nördlichsten Teil der New Yorker Insel Manhattan, fand die schwarze Mittelklasse zahlbaren Wohnraum. Harlem entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Zentren afroamerikanischer Kultur. Das führte nach 1920 zur «Harlem Renaissance», einer wichtigen sozialen und kulturellen Bewegung von Künstlern der «Black Community». Der Jazz spielte dabei eine Hauptrolle. Der Cotton Club in Harlem wurde zum Zentrum. Von 1927 bis 1931 war das Orchester von Duke Ellington dort die Hausband. Ellington selbst verlegte seinen Wohnsitz nach Harlem.
Sugar Hill, das Quartier der schwarzen Mittelklasse
Der «Duke» lebte in Sugar Hill, das im nördlichen Teil des Viertels Hamilton Heights liegt. Der Name nimmt Bezug auf die relativ gut situierte Einwohnerschaft. Der Pianist und Arrangeur Billy Strayhorn sollte ab dem Jahr 1939 für Duke Ellington arbeiten. Für ein erstes Treffen verriet ihm Ellington die eigene Adresse in Harlem. Um zu Ellingtons Haus zu gelangen, sollte Strayhorn die Linie «A» der U-Bahn nehmen. Angeblich schrieb Strayhorn das Stück «Take The A Train» als Geschenk für Ellington und als Einstieg in das Arbeitsverhältnis. «Take The A Train» wurde später sogar zur Erkennungsmelodie des Duke Ellington Orchestra. Der von Strayhorn geschriebene Text offenbart den freudigen Wunsch, möglichst schnell bei Ellington einzutreffen und die Zusammenarbeit zu besiegeln:
«You must take the 'A' train
To go Sugar Hill 'way up in Harlem
If you miss the 'A' train
You'll find you've missed the quickest way to Harlem
Hurry, get on now it's coming
Listen to those rails a-thrumming
All 'board get on the 'A' train
Soon you will be on Sugar Hill in Harlem»
Die ersten und wichtigsten Aufnahmen
Die allererste Aufnahme stammt natürlich vom Duke Ellington Orchestra selbst. 1941 arrangierte Strayhorn das Stück für das Ellington-Orchester und es wurde am 15. Februar eingespielt. Ellington nahm es auch später immer wieder auf, so auch mit Ella Fitzgerald und Dizzy Gillespie. Fitzgerald verwendete den Song als Eröffnungsstück in ihren eigenen Konzerten. Das amerikanische National Public Radio nahm «Take The A Train» in seine Liste der hundert bedeutendsten Musikstücke des 20. Jahrhunderts auf.
Interpretationen im Repertoire von Radio Swiss Jazz
Die Aufnahmen im Repertoire von Radio Swiss Jazz sind allesamt ziemlich traditionell gehalten. Die Ghost Band Duke Ellington Orchestra, ein Nachfolge-Orchester im Stile Ellingtons nach dessen Tod, nahm das Stück 1987 zusammen mit Branford Marsalis auf. Eine weitere Version für Grossformation stammt von der Pepe Lienhard Big Band. Fassungen für mittelgrosse Besetzung mit Bläsern existieren vom Swinghouse Septet, dem Metronome Quintet und vom Vibrafonisten Lionel Hampton und dessen Band, zusammen mit der Sängerin Dianne Reeves. Schliesslich gibt es noch Interpretationen im Trio von den Jazzpearls und dem Great Jazz Trio mit Hank Jones, Eddie Gomez und Jimmy Cobb sowie ein rasantes Arrangement von Teddy Wilson, Isla Eckinger und Peter Giger.