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Max (1996)
Es gab eine Zeit, da musste man in gewissen Ländern Europas wie Italien die sog. "grüne Versicherungskarte" mitführen. Damit konnte man im Ausland beweisen, dass man mit einer Haftpflichterversicherung ausgerüstet war. Die Doppelzüngigkeit dieser Länder war, dass die eigenen Bewohner sich nicht versichern mussten. Wenn man also einen Unfall mit einem Einheimischen hatte, blieb man oft an seinem Schaden sitzen. So war es zu der Zeit auch ein Muss, eine Ferien-Kasko zu lösen. Diese kostete in den 70er-Jahren beim TCS um die Fr. 85.-- für 3 Wochen. Dieser Betrag war nicht allzu hoch, aber auch nicht wenig.
Die Istrien Ferien im 1997 blieben mir deswegen in Erinerung, weil ich keine aktuelle Grüne Versicherungskarte bei mir hatte und deswegen die alte Grüne Karte mit dem Gültigkeitsdatum von Ende 1996 auf 1998 mit Kugelschreiber fälschte.
Wie kam es dazu? In den Jahren davor schickte mir die Berner-Versicherung automatisch die neueste 1 Jahr gültige Versicherungskarte zu. Aber nicht dieses Jahr. Dies entdeckte ich aber erst auf der Fahrt durch Italien. Guter Rat war teuer. Ich hatte nur eine alte aus dem Jahre 1996 bei mir. Wie wärs, wenn ich die "6" mit einem schwarzen Kugelschreiber zu einer "8" abändern würde? Gesagt getan. Es sah gut aus und fast nicht zu erkennen, dachte ich mir.
Von Italien kommend rollte ich beim slowenischen Zoll aus und streckte dem Zollbeamten meine Schweizer Pass hin. Meine "Grüne Versicherungskarte" behielt ich zurück, bis er nach ihr fragte: "Wo haben Grüne Versicherungskarte?". Wow, da nahte das Unheil. Ich tat so, wie ich nach ihr suchte, immer noch hoffend, dass er mich durchwinkt. Aber weit gefehlt. So streckte ich ihm die Karte durch das Sichtfenster seiner Kabine. Er schaute sich die Karte genau an. Auf einmal machte er seine Tischlampe an und betrachtete die Karte genauer. "Was haben sie mit der Karte gemachte? Sie haben das Gültigkeitsjahr gefälscht!" und zeigte auf die veränderte Jahreszahl. Ich stellte mich dumm und sprach etwas von Kinder, die damit gespielt haben mussten.
Er beorderte mich und mein Fahrzeug samt Wohnwagen auf den Zoll-Parkplatz und verlangte von mir, dass ich hier in der Zollbaracke zu warten hätte. Ich stand da in einem Eckraum ohne Sitzgelegenheit. Die Zeit verging nur langsam. Es war mühsam. Die Hitze war enorm. Nach 2 Stunden musste ich in einen kleinen Raum kommen, wo ich verhört wurde, wie ich es nur aus Ferseh-Krimis kannte. Mit einer hellen Lampe beleuchtete er mein Gesicht. Es nützte nichts zu sagen, dass meine Versicherung jederzeit den Versicherungsschutz bestätigen konnte. Dann wurde ein Protokoll und meine Personalien aufgenommen. Alles in Slowenisch. Als ich das Dokument unterschreiben sollte, schrieich darunter, dass ich den slowenischen Text nicht verstehe und unterschrieb.
Dann musste ich unweit des Zollgebäudes eine slowenische Haftpflichtversicherung kaufen. 300 Deutsche Mark verlangten sie für 2 Wochen..... dann durfte ich weiterfahren. 3 Stunden sass ich im slowenischen Zoll fest.
Ich war bereits wieder zu Hause und hatte die Sache fast vergessen, da erhielt ich einen eingeschriebenen Brief aus Koper. Bogdan übersetzte ihn mir: " Ich sei der Fäschung eines offiziellen Dokumentes bezichtigt und verurteilt worden. Als Strafe sei ich einmalig des Landes verwiesen worden, was bereits durch Ausreise erfolgt sei."
Ein Paar Jahre später bekam ich erneut ein Dokument aus dem Regionalgericht Koper: Im Rahmen einer Amnestie sei meine Strafe und der Eintrag gelöscht worden. Ich gelte nun nicht mehr als vorbestraft.

Autobiographie von Max Lehmann

Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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