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Fed Cup Schweden - Polen

zurück zur Hauptseite Last updated: 18.10.2015
|Fed Cup 2010 - Europa/Afrika-Zone I - Lissabon,||Fed Cup 2011 - Weltgruppe II - Schweden-Ukraine|
|Fed Cup 2012 - Europa/Afrika-Zone I - Eilat,||Fed Cup 2012 - Weltgruppe II/EA - Schweden-Grossbritannien|
|7.-9. Februar 2014|
1. Runde der Weltgruppe II im Fed Cup vom 8./9. Februar 2014 in Boras (SWE)
Es bietet sich die Gelegenheit für eine polnische Revanche, nachdem die Schwedinnen vor zwei Jahren im israelischen Eilat einen für uns legendären Sieg gegen die Radwanska-Schwestern hatten feiern können. Legendär ist für mich auch der Moment in der Diskothek in Boras zwei Monate später, als ich zum ersten Mal Euphoria von Loreen hörte und die Leute auf der Tanzfläche völlig abgingen. Einen Monat später gewann der Beitrag Schwedens verdientermassen den Eurovision Song Contest. Mit Boras-Erfahrung im Rücken haben wir uns diesmal gleich im voraussichtlichen Spielerhotel einquartiert.
Sehr vereinfacht dargestellt muss man für die Zugehörigkeit
zur Weltgruppe I (acht Teams) konstant mit zwei Top 50-Spielerinnen antreten
können.
Um ein Weltgruppen II-Team (weitere acht Nationen) zu sein, muss man konstant über zwei Top 100-Spielerinnen verfügen. Da wird es mit dem aktuellen Formstand eng für die Schwedinnen.
In der Europa/Afrika-Zone I (sechzehn Teams) wird die Bandbreite dann grösser. Ein Überleben sichert man sich dort mit zwei Top 200-Spielerinnen. Wobei das Ziel vieler starker Nationen wie beispielsweise Rumänien, Belgien, Grossbritannien, der Ukraine oder Österreich natürlich ist, dort herauszukommen. Dazu erhalten jedoch nur zwei Teams pro Jahr die Chance, welche im April die Play Offs zur Weltgruppe II/EA-Zone I bestreiten dürfen.

Im schwedischen Team wird mittel- oder gar kurzfristig Nachwuchs benötigt und glücklicherweise sind Ansätze da. Die Nordeuropäerinnen treten mit den vier sowohl in der Einzel- als auch in der Doppelweltrangliste bestklassierten Spielerinnen des Landes an. Auf dem Papier braucht Schweden zwei Punkte aus den Einzeln gegen Polens Nummer 2 und den Sieg im abschliessenden Doppel, um Polen trotz Radwanska erneut besiegen zu können.

Schweden:

Johanna Larsson
Sofia Arvidsson
Rebecca Peterson
Hilda Melander
|Einzel

85
135
257
418
|Doppel

145
220
563
333

Zum zweiten Mal nach 2010 kann Polen während der Ära Radwanska in der Weltgruppe II antreten. Die Herausforderung für Fed Cup-Captain und Radwanska-Coach Tomasz Wiktorowski ist es, dass er trotz den Stärkeunterschieden die bestmögliche Teamleistung abrufen kann indem sich die Spielerinnen gegenseitig ergänzen und hochschaukeln.

Polen:

Agnieszka Radwanska
Katarzyna Piter
Paula Kania
Alicja Rosolska

Einzel

4
110
171
1141

Doppel

-
77
144
46
|Fed Cup Schweden - Polen|
|Spieltag||Spielstand||Spiel 1||Spiel 2||Spiel 3|
| Samstag

.
| 1:1

.

Larsson - Piter

6:1 6:2

Arvidsson - Radwanska

1:6 1:6
| Sonntag

.
| 2:3

.

Larsson - Radwanska

4:6 1:6

Arvidsson - Piter

6:2 6:1

Larsson/Arvidsson - Rosolska/Radwanska

2:6 2:6
Boras
Die Reise von Freitagabend bis Sonntagabend gestaltete sich sehr kurz, selbst für ein Fed Cup-Wochenende. Doch die Reise nach Boras war eine gelungene Abwechslung.
1:0 Johanna Larsson (WTA 85) - Katarzyna Piter (WTA 110) 6:1 6:2
Die ersten Punkte deuteten auf eine endlos lange und hartumkämpfte Partie mit Vorteilen bei Larssons Aufschlag hin. Doch schnell wogte die Partie auf die Seite der 25-jährigen Schwedin, die druckvoll, geduldig und sicher agierte und gar mit 4:0 in Führung ging. Mit einigen gut gesetzten Anfeuerungsrufen unserseits verschaffte sich Larsson das Break bei 0:0 im ersten Satz und bei 3:2 im zweiten Satz. Da gab Piter recht einfach ab bei ihrem ersten Ernstkampf für das polnische Team seit der E/A-Zone I in Tallinn 2009, wo sie unter anderem einen Dreisatzsieg über Larsson hatte feiern können. Am ersten Tag kassierten die Siegerinnen Larsson und anschliessend Radwanska kein einziges Break gegen sich. Larsson verwertete fünf von sechs Breakchancen gegen Piter. Ihre polnische Gegnerin war sehr motiviert in das Fed Cup-Abenteuer gegangen und war danach umso angefressener. Sie liess sich selbst von der süssen Einlage von Mannschaftskameradin Kania (Bilder 9-10) während des Radwanska-Matches nicht mehr aufheitern.
1:1 Sofia Arvidsson (WTA 135) - Agnieszka Radwanska (WTA 4) 1:6 1:6
Bei einem Klassenunterschied wie demjenigen zu Radwanska - der bestklassierten Spielerin, die an diesem Fed Cup-Wochenende im Einsatz stand - ist es trügerisch die Leistung von Arvidsson einzuschätzen. Doch ich fand sie gut, was die 19 Gewinnschläge auch untermalen. Das stimmte mich positiv für Arvidssons Einzel vom Sonntag. Radwanska hingegen unterstrich ihre Stärken: Sie antizipiert das Spiel unglaublich gut und scheint immer bereits am richtigen Ort zu stehen. Ihr feines Händchen nutzte sie zu vielen gelungenen Stoppbällen. Sie griff oft clever durch die Mitte an, um ihrer Gegnerin keine guten Winkel für einen Passierball zu bieten. Auch nach ersten Aufschlägen tauchte sie mehrmals überraschend am Netz auf, um den Punkt gegen die auf dem falschen Fuss erwischte Gegnerin abzuschliessen. Am meisten erstaunte mich, dass die Halbfinalistin der Australian Open mit ihrer Vorhand gelegentlich richtig viel Tempo erzeugen konnte. Dann drückte sie den Schlag meistens mit so einer Pfannentechnik von hinten nach vorne durch, den Schläger eher vertikal in der Hand haltend, anstelle ihn seitwärts schön durchzuschwingen. Aber effektiv war es! Mit all diesen Waffen manövrierte sie Arvidsson in den Ballwechseln früher oder später aus.
Aufstellung
In den Teamwettbewerben à la Davis Cup und Fed Cup steht immer die Frage im Raum, welche/n Spieler/in man in die nächste Partie schicken wird. Kurzfristige Wechsel sind möglich und gehören durchaus zur Mannschaftstaktik. Bei Schweden und Polen war die Besetzung der Einzel 3 und 4 am Sonntag aber spätestens am Frühstückstisch klar. Bei den Schwedinnen gab es nach dem ersten Tag keinen Grund zum Wechseln. Auch bei den Polinnen gab es keine Wechsel. Denn als Roland und ich relativ spät zum Frühstück gingen, waren Polens Nummer 3 Kania und Doppelspezialistin Rosolska ebenfalls dort. Das sah auch Schwedens Sportchef Sjögren, der ebenfalls am Buffet stand. Keine Geheimnisse also.
Kania hatten wir bereits tags zuvor beim Training beobachten können. Ihr Lieblingsschlag ist die Vorhand longline und sie spielt auch einen effektiven hohen Top Spin Defensivball. Ansonsten waren aber keine besonderen Stärken auszumachen. Vor allem ihre Volleys und Angriffe waren mangelhaft. Daher wird sie auch bestimmt keine Kandidatin für das Doppel sein. Ausser die Begegnung ist nach dem Einzel bereits entscheiden. Bei dieser Ausgangslage kämen bei Schweden ebenfalls die Reservistinnen zum Einsatz wie beispielsweise Melander auf Bild 4.
1:2 Johanna Larsson (WTA 85) - Agnieszka Radwanska (WTA 4) 4:6 1:6
Bei guter Länderkampfstimmung starteten die Nummern 1 der jeweiligen Equipen in den entscheidenden Sonntag. Vor allem wegen Radwanska hatten sich einige polnische Fans eingefunden, wobei die Heimnation Schweden in der Borashallen von der Stimmung her insgesamt die Nase doch vorne hatte. Im Gegensatz zum Aufeinandertreffen mit den gut organisierten Briten vor zwei Jahren.
Es ist kaum zu glauben, aber das 6:4 im ersten Durchgang sollte der einzige Satz von insgesamt 10 an diesem Wochenende bleiben, in dem die unterlegene Spielerin mehr als 2 Games gewinnen konnte. Radwanska ist bekannt für ihre Stoppbälle und am Vortag hatte sie diese gegen Arvidsson oft und erfolgreich angewendet. Gegen Larsson wäre dieser Schlag prädestiniert, da die Schwedin oft weit hinter der Grundlinie positioniert ist. Zu meiner Überraschung wendete die Polin diese Waffe nur selten an. Eventuell lag es am Top Spin, mit dem Larsson ihre Schläge versetzt und der die Aufgabe für Radwanska diesbezüglich schwerer gestaltet.
2:2 Sofia Arvidsson (WTA 135) - Katarzyna Piter (WTA 110) 6:2 6:1
Nach einigen veröffentlichten Mannschaftsfotos auf den Social Media-Plattformen im Vorfeld und Bekundungen wie sehr sie sich auf den Fed Cup freut, musste Piter mit der klaren Niederlage am Samstag eine herbe Enttäuschung einstecken. Vor ihrem Match am Sonntag entschloss sie sich zur Kehrtwende und schottete sich vor ihrer Partie ab. Das Match von Radwanska verfolgte sie nicht von der Spielerbank aus, sondern blickte nur sporadisch aus den Katakomben im Spielerbereich hervor, um sich über den Spielfortschritt zu informieren.
Auch gegen Arvidsson war die Partie erst umkämpft, bevor sich die Schwedin dann doch deutlich durchsetzen konnte. Arvidsson spielte besser als es ihre gefallene Klassierung vermuten liesse. Daher sehe ich der Saison 2014 für sie doch positiv entgegen. Auch Larsson machte mit ihren Resultaten im Januar sowie an diesem Wochenende einen positiven Eindruck und wird auch dank der Rückkehr von Trainer Mattias Arvidsson an ihre Seite (Larsson-Piter, Bild 7) voraussichtlich eine gute Saison spielen.
Bei Piter sehe ich Potential in etwa bis Weltranglistenposition 80. Zu weit mehr fehlt ihr die nötige Power. Ich würde sie vom Spielstil, Körperbau und Potential her mit der Luxemburgerin Minella vergleichen. Ein etwas überraschendes Vorgehen fand ich, dass Piter beim eigenen Aufschlag ab und zu ihre Position noch um einen halben Meter nach aussen anpasste bevor sie servierte. Von den vier nominierten Fed Cup-Spielerinnen Polens ist Piter die einzige, welche mit Adidas einen anderen Ausrüster hat. Für den Länderkampf trug sie aber ebenfalls die Bekleidung von Lotto, welche im Sog von Radwanska wohl auch mit dem polnischen Tennisverband einen Vertrag abgeschlossen haben. Die Schwedinnen tragen auch während dem Fed Cup die Bekleidung ihrer persönlichen Ausrüster, was im Tenniszirkus gang und gebe ist. Ihr Traininganzug ist von Tretorn gesponsert. Der Firma aus Helsingborg, deren Logo auf der schwedischen Flagge basiert. Allerdings mit etwas unterschiedlicher Farbgebung.
2:3 Johanna Larsson/Sofia Arvidsson (WTA Doppel 145/220) - Alicja Rosolska/Agnieszka Radwanska (WTA Doppel 46/-) 2:6 2:6
In Eilat stiess bei mir auf Unverständnis, dass Fed Cup-Captain und Radwanska-Coach Tomasz Wiktorowski für das entscheidende Doppel gegen Schweden die Radwanska-Schwestern aufstellte und nicht etwa Agnieszka Radwanska an der Seite von Alicja Rosolska. Das führte zum bislang grössten Erfolg, den wir an der Seite der Schwedinnen miterleben durften. Zwei Jahre später bekamen wir nun den Vergleich vorgesetzt im wiederum entscheidenden Doppel. Diesmal aber mit der nach mir stärkeren Aufstellung der Polinnen. Rosolska hat eine 19:8 Bilanz im Fed Cup, ist aber in diesen 27 Doppelpartien noch nie an der Seite von Radwanska angetreten.
Larsson/Arvidsson hätten mit einer Leistung wie in Eilat Siegeschancen gehabt. Es unterliefen ihnen aber zu viele leichte Fehler. Im ersten Satz wäre für das Heimteam durchaus mehr drin gelegen, wenn man sich die Statistik der verwerteten Breakbälle ansieht, bei denen Schweden mit 1 von 4 weniger effektiv war als Polen mit 3 von 5. Über das gesamte Match hinweg ist der Sieg der Polinnen aber klar verdient, vor allem wenn man auf die Netzaktionen schaut. Dort gewann Schweden nur 10 von 25 Punkten, während Polen mit 25 von 41 Punkten die Akzente setzte, die vor allem von Rosolska ausgingen. Das Übel begann aus schwedischer Sicht als Arvidsson die am Netz stets präsente und gefährliche Rosolska mit einem Return direkt auf den Körper zum Fehler zwang. Das war eine durchaus sinnvolle taktische Variante. Doch Rosolska revanchierte sich kurz darauf bei Arvidsson, was die Schwächen der 30-jährigen aus Halmstadt schonungslos offenbarte. Rosolska hatte einen Schlüssel gefunden und hielt in der Folge immer und immer auf die am Netz stehende Arvidsson drauf, welche teilweise gar vor dem Ball zurückzog. Es schien schon fast, als ob sie Angst vor dem Ball hätte. Dadurch stieg die Verunsicherung bei der in den letzten Monaten nicht gerade mit Siegen überhäuften Arvidsson schlagartig an und sie beging in der Folge auch aus dem Spiel heraus zu viele Fehler.
Die einzige Gefahr für die Polinnen machte ich zu Beginn des zweiten Satzes aus, als Radwanska doch recht harsch auf Rosolska einsprach. Prompt beging die 28-jährige einen Doppelfehler. So wie die erfolgreichen Radwanskas untereinander umgehen, lässt sich nicht mit allen Teamkolleginnen umgehen. Ich interpretiere das so, dass Radwanska auch nach der Abnabelung von ihrem Vater und Trainer mit dem jetzigen Coach Wiktorowski auch wieder einen eher brummigen Kerl gefunden hat und nach einem autoritären Stil sucht.
Ins Schwarze treffen
Es fühlt sich an, als ob man mit verbundenen Augen einen Pfeil auf die Landkarte wirft, um seine nächste Feriendestination zu bestimmen. Das Pfeilwerfen muss ich allerdings nicht selbst übernehmen, sondern das macht die ITF für mich mit ihrer Auslosung der Fed Cup-Begegnungen im April. Im Februar ist der Zeitplan für mich immer sehr eng, was sich auch an diesem Wochenende zeigte. Den Transfer zum Flughafen musste ich kurzfristig per Taxi organisieren, da der letzte Bus bereits losfuhr als das Doppel noch im Gang war. Im April ist die Ausgangslage was das Einziehen von Ferientagen betrifft aber unproblematisch und so muss ich lediglich eine Woche Ferien für ein Heim- oder Auswärtsspiel bereithalten, welches am Osterwochenende stattfindet. Den Rest erledigt wie gesagt die Fed Cup-Auslosung für mich. Als gesetzte Nation könnte Schweden den Niederlande, Rumänien, Brasilien oder Thailand zugelost werden, die sich in den Kontinentalzonen durchgesetzt haben.
Mittlerweile hat diese Auslosung stattgefunden und Schweden wird in einem Heimspiel auf Thailand treffen. Ich würze diese Affiche wohl mit einem Besuch der Europa/Afrika-Zone II in Litauen unter der Woche, bevor ich für die Partie vom Wochenende nach Schweden weiterreise.
Opa Scheer
Speziell freute mich bei den Siegerinnen der Europa/Afrika-Zone I Niederlanden, dass ihr treuer Fan immer noch dabei ist, nachdem er in Lissabon 2010 doch schon einen etwas angeschlagenen Eindruck gemacht hatte. Aber fedcup.com schrieb während der Berichterstattung aus Budapest 2014 in ihrem Blogeintrag über Opa Scheer, der mittlerweile bereits 94-jährig ist und als Tennisreisender beschrieben wurde. Da haben Roland und ich noch 60 Jahre vor uns...
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