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Gideon Flachsmann
Ich hatte in den letzten Monaten mit einem Ehepaar zu tun, das über mich Texte verbreitete, in denen es angebliche vergangene Inkarnationen über mich erforscht hatte und veröffentlichte. War ein Kampf mit ihnen… Nun, es ist ja mittlerweile gut drei Jahre her, dass ich mit Herrn Flachsmann zu tun hatte. Aber dies erzähl ich gerne.
Ich war damals in einer Ausbildung Sprachkünstlerische Therapie bei den Anthroposophen (auch ein Völkchen für sich, über das ich gern Auskunft gebe oder Missstände bespreche). Mit daran teilnahm für ein Jahr auch eine Frau, die mich später kontaktierte wegen ihres Sohnes, um den sie sich Sorgen machte. Dieser war zum Anhänger geworden von Flachsmann und die Mutter fühlte sich überfordert damit, diesen einzuschätzen bzw. mit ihrem Sohn entsprechend zu argumentieren, ihn los zu bekommen von diesem. Sie hielt mich für kompetent genug, da vielleicht etwas bewegen zu können.
Ich lernte dann erst mal in diesem Elternhaus Michael (Name geändert) kennen – und leider Gottes auch schon lieben, was mich allerdings nicht abhielt von meiner inneren Distanzfähigkeit. Das war sozusagen meine erste Liebe auf den ersten Blick. 🙁
Naja. Ich wurde dann von Michael und seiner Mutter eingeladen zur sogenannten Erdenfeier von Flachsmann. Das fand in der Schweiz statt und geladen waren Menschen aus aller Welt und Vertreter aus allen Religionen. Zwischen dem kleinen Schloß Hüningen und dem großen Zelt war eine Wiese, um deren anfangs noch leeren Zentrum kreisförmig kleine offene weiße Zelte zum Betreten aufgebaut waren. Dort durfte jede Religion sich einen eigenen Tempel erbauen, einen eigenen Altar oder so. Wurde auch fleißig genutzt.
Sowohl vor dem Zelt auf dieser großen freien Wiese als auch in dem Zelt fanden die Veranstaltungen statt. Flachsmann war ja früher Eurythmie-Lehrer, wurde dann aber sozusagen verstoßen, weil er angeblich schwarzmagisch gearbeitet hat. Und eine Frau kümmerte sich darum, dass er an keiner Schule mehr unterrichten durfte.
Dementsprechend aus seiner Vorgebildetheit heraus des Eurythmie-Studiums, aber auch durch einen (von ihm erzählten) (dubiosen) geistigen Lehrer hatte er einige Fähigkeiten entwickelt, durch die er auch eigene Übungen erfunden hat, die er mit uns über den Tag verteilt ab und zu machte: Körperübungen. Ich muss sagen: Das hatte was und war schön.
Ich kann auch nicht behaupten, dass er dumme Sachen erzählte, als er von den Chakren sprach und von Kundalini. Seine Inhalte waren da sehr schön und rein gehalten.
Aber es gab schon ein paar Verhaltensweisen, die ich sehr merkwürdig fand und die ich wirklich etwas kritisieren musste. Weiter unten mehr. Es gab so einen Hofstaat um ihn herum, der ihn abschottete gegen zu viel privates Interesse irgendwelcher Teilnehmer.
Ich besuchte dann meinen angehenden Freund. Er zeigte mir dann eine Menge Unterlagen, die Flachsmann an seine engeren Kreise früher heraus gegeben hatte. Früher hatte er eine Art Geheimschule gegründet, die er ‚Weiße Quelle‘ (Fontalba) bezeichnete. Diese Schule fand aber irgendwann ihr Ende. Dort hatte er (seinen) Einblick gegeben über (die) (sieben) Eingeweihte(n) und Meister in bestimmten, nennbaren Inkarnationen. Zu jedem dieser gab er Unterlagen heraus, durch die man sich mit diesen in der überirdischen Welt angeblich verbinden könnte. Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, zählte er auch zu diesen Meistern. Aber auch mit den anderen beschäftigte ich mich daraufhin, um meine eigenen Differenzierungen zu entdecken.
Es waren aber auch Texte dabei, die Meditationen darstellen sollten verschiedenster Art. Eine Art Selbstbewusstseinstraining. Habs nicht mehr in Erinnerung. Ich entschied jedenfalls, dass ich mein Selbstbewusstsein nicht aus Meditationen holen will, sondern aus dem Tätigsein in der ‚Welt‘, meinem Beruf, meiner Berufung und dem Arbeiten mit Menschen usf.
Aber ich nahm weiter teil an den Treffen, kleinere Treffen, die es dann gab. Darshan z.B. Da tauchten solche Dinge auf wie, dass der Herr erzitterte und rote Flecken am Körper bekam und uns ein (in Karlsruhe umstrittener) Heilpraktiker erklärte, dass dies keine normalen Zustände seien, wie das unsereins vielleicht kenne, sondern was Besonderes, ein Kundalini-Schub. Der Herr war dann gar nicht mehr recht ansprechbar und zitterte da vor seinem Publikum vor sich hin. Die Helfer ergriffen dann das Wort und luden die Teilnehmer zum Singen ein von Liedern, die Flachsmann selber geschrieben hatte. Die wurden dann gesungen und mit diesen wurde Flachsmann gestärkt.
Einmal geriet er in so einen Zustand, nachdem er in der Pause vorher einen Brief von mir gelesen hatte, in dem ich mich hilfesuchend, aber auch kritisch und eigenständig mitarbeitenwollend an ihn wandte. Er sprach daraufhin einen kleinen Vortrag an die Teilnehmer, in dem eigentlich nur ich erkennen konnte, dass er gegen mich wetterte. Er wurde so erzürnt ob meiner Worte in dem Brief, dass er wieder in das Zittern kam, eine Teilnehmerin sich zu Boden warf und lauthals: „Liebt euch, liebt euch, liebt euch“ rief. Dann wurde wieder gesungen für ihn. Und nachdem er wieder zu sich gefunden hatte, kümmerte er sich auch um diese Frau.
Ich erlebte, dass mein Freund ihn während der Seminare privat aufsuchte in den Pausen. Dort erhielt er Übungen für sich, die ihm helfen sollten. Ich hatte auch den Eindruck, dass sie ihm helfen konnten. Er zeigte mir diese Übungen. Aber da Michael recht wortkarg war, konnte ich nicht viel heraus bekommen über weitere Verhaltensweisen von Flachsmann. Ich kann mir schon vorstellen, dass er Dinge gesagt oder getan hat, bei denen Michael nicht wachsam genug war, zu bemerken oder zu hinterfragen, was da eigentlich noch geschah.
Nachdem ich Flachsmann diesen Brief hatte geben lassen, wurde ich dann auch schon aus dem engeren Gönnerkreis von Flachsmann ausgestoßen. Ich hatte keine Chance, mit ihm wirklich zu reden.
Bei einem anderen Darshan leitete er die Teilnehmer zum Singen und Tanzen auf. Dieses Singen und Tanzen hatte so etwas uriges, dass ich mich fühlte wie in irgendeinem Urwald bei irgendeinem Eingeborenenstamm. Und mir war klar, dass ich das nicht mitmache und auch nicht gutheißen kann. Es ging mir einfach zu weit und übertraf den guten Geschmack, das geübte Urteilsvermögen von Herankommen an die eigenen inneren Kräfte bei weitem.
Bei der zweiten und letzten Erdenfeier, an der ich ein Jahr später teilnahm, fiel mir noch mehr auf, dass es zu viele einseitig-männliche Züge gab in dem ganzen Gebahren des Herrn Flachsmann. Er ging sogar so weit, dass er sich als die Inkarnation Gottes sah oder irgend so etwas. Er meinte, man müsse ihn nun hofieren, um in seine Gunst zu kommen; er wundere sich, dass noch nichts käme. Man müsste ihn eigentlich umrennen vor Huldigung. Er lächelte dabei süffisant, dass ich nicht recht wusste, wie spaßig er das nun wirklich meinte. Aber eher steckte für mich doch ein wenig Wahnsinn darin.
Natürlich kehrt in uns alle Gott ein und auch so etwas, das man als Christus bezeichnen kann. Vielmehr ist es möglich, dass wir im Leben ganz viele der Dinge auch erleben können, die Christus durchlitten hat und wir können dieser geistigen Kraft lebendig sehr sehr nahe kommen. Aber eigentlich macht einen das sehr bescheiden und führt nur zeitweise zu solchem Übereifer wie ich es bei Flachsmann dauerhaft und hartnäckig fand. Mal hielt er sich für die Reinkarnation des Christian Rosenkreutz, dann war er noch viel mehr – und keiner wusste genau, was grad Stand der Dinge war… nur, dass er hoch zu achten sei.
Bei dieser zweiten Erdenfeier unterhielt ich mich mit der Frau, die sich damals zu Boden geworfen hatte. Wir sprachen darüber, dass Flachsmann zu männlich ist. Sie bestätigte dies aus ihrer Sicht und bekannte mir dann aber auch, dass sie sich gesagt habe, dass das bei ihm schon sein Recht habe und richtig so wohl sein müsse. Ich sagte: Es muss nicht so sein.
Und ich unternahm dann auch entsprechend etwas: Seine Frau war diesmal auch dabei. Diese – immer kränklich, wie mir gesagt wurde (wen wunderts!) – hatte mit ihm zusammen die Königenwürde von vereinten Vertretern der Religionen mit Kronenaufsetzung in unserer Öffentlichkeit erhalten. Ihr wurde an Flachsmanns Seite die weibliche Königenwürde anerkannt. Sie brach dabei ins Weinen aus und ich hatte den Eindruck, dass auf ihr eine unsagbar große Last liegt. Flachsmann ist zu männlich und alles, was da an Mangel unasugesprochen lebt, muss sie als seine Frau tragen.
Ich fand das zum Himmel schreiend verdrehte Welt. Als eine ruhige Minute war und der Sitzkreis im großen Zelt (am selben Ort in Hünigen) ruhig genug war und auch Flachsmann und seine Frau dasaßen, stand ich auf und stellte mich mitten in den Kreis hinein. Ich war zuvor durch den Matsch gelaufen, der sich draußen auf der Wiese durch das viele Betreten dessen entwickelt hatte und hatte ganz erdige, schlammige Füße: geerdet, wie ich empfand. Auch hatte ich irgendwie bewusst ein braunes schlichtes Kleid angezogen. Von dem Garten am Schloss hatte ich mir eine rote Rose gepflückt, noch nicht wissend, was ich damit tun würde. Ich wollte intuitiv vorgehen: weiblich… Und dann trat ich in den Kreis und sagte, ich möchte eine kleine Geste machen, die aber eine große Wirkung haben soll. Ich wurde ins Englische übersetzt. Dann zeigte ich allen meine kleine rote Rose in meiner Hand und suchte, so viele Blicke wie möglich zu erhaschen von den Anwesenden und sie alle mit mir zu verbinden. Ich neigte diese Hand mit der Rose zum Herzen hin und schritt auf die sitzende Frau von Flachsmann zu. Ich kniete mich vor sie nieder und streckte ihr dann wortlos die Rose entgegen. Sie fiel herunter zu mir auf den Boden, fiel in Tränen aus und bedankte sich in allen ihr bekannten Sprachen. Was tat Flachsmann? Er saß noch auf seinem Stuhl… nach einem Weilchen spürte ich seine Hand auf meinem Haupt. Ich hatte kurz das Gefühl, meinen Kopf weg ziehen zu sollen. Ließ es aber dann doch sein. Es wäre aber gut gewesen und die Krönung von allem.
Danach verließ ich das Zelt. Michael war interessanterweise NICHT anwesend gewesen! Dann traf ich draußen einen der Kirche zugeneigten Mann, mit dem ich mich ein wenig angefreundet hatte aufgrund dessen, dass Michael mich seiner Frau vorgestellt hatte. Er war auch nicht anwesend gewesen bei der eben beschriebenen Aktion. Aber er sah, dass meine Füße schmutzig waren und bat, ob er mir die Füße waschen dürfe. Wir suchten dann ihr Gästezimmer auf und er lieh sich von der Gastgeberin eine Fußwanne aus und dann wusch er meine Füße. Ich fand dies alles sehr eindrucksvoll.
Dann setzte ich mich draußen auf die Veranda des Schlosses, an der die Teilnehmer vorbei kommen mussten, wenn sie nach der letzten Einheit zum Essen gingen. Da kamen mir doch interessanterweise Frauen entgegen mit langstieligen Rosen in den Händen. Sonst hatten die Blumen keine Rolle gespielt: aber an diesem Tag, an dem auch ich mit dieser kleinen Rose meine Tat vollbracht hatte.
Just die Frau, mit der ich über die zu starke Männlichket des Herrn Flachsmann gesprochen hatte, kam auf mich zu und schenkte mir ihre langstielige Rose. Und ein anderer Verantwortlicher vom Team kam auf mich zu und bedankte sich bei mir, weil ich etwas getan hätte was schon lange mal nötig gewesen war.
Das war aber mein Ausstand sozusagen. Ich hatte geplant, danach noch mit Michael an die Adria zu fahren. Er entschied sich dann aber, unsere Beziehung zu beenden. Ich nehme an, er muss irgendwie mit Flachsmann gesprochen haben und zu dem Entschluss gekommen sein: Flachsmann oder ich. Jedenfalls würde beides nicht zusammen passen.
Nun ja. Er fragte dann, ob wir dennoch an die Adria fahren. Ich bejahte. Ich wollte mir den Urlaub nicht vermiesen lassen und hatte mich sehr darauf gefreut! Also fuhren wir hin.
Was dann noch geschah, ist privater Natur und war in der Extremheit einmalig in meinem Leben: Ich sah mich derart missverstanden von Michael und es gab kein wirkliches Verständnis mehr von seiner Seite her, dass ich eine vorübergehende Ganzkörperlähmung hatte, die ich nur mittels besonderer Konzentration wieder weg bekam. Die Wellen der Adria danach halfen mir den Rest der Lebendigkeit wieder aufzugreifen und mich nicht mehr zu scheren um diesen Herrn Flachsmann.