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Tai Chi Quan / Taiji Quan
Taiji Quan ist eine alte chinesische Bewegungskunst, die ganzheitliche Gesunderhaltung, Meditation und Selbstverteidigung beinhaltet. Es ist eine Lebens- und Kampfkunst, welche besonders stark mit der daoistischen Philosophie verbunden ist und dessen Prinzipien umzusetzen versucht. Unter den Kampfkünsten gilt das Taiji Quan als eine Innere Kampfkunst (Nei Gong).
|Tai bedeutet so viel wie „sehr“ oder „aller“. Ji (im Westen oft auch „Chi“ geschrieben) wird mit „Firstbalken“ (der höchste/ oberste Balken) übersetzt. Quan steht für „Faust“ oder allgemein auch für „chinesische Kampfkunst“. Somit kann man Taiji Quan auch als „Faustkampf des Allerhöchsten“ übersetzen. Der philosophische Ausdruck Taiji deutet auf „das allerhöchste Wirkprinzip“ hin. Es wird im Taiji-Symbol mit der Harmonie zwischen den beiden Polaritäten Yin und Yang dargestellt. (mehr dazu unter Yin Yang)|
Entstehungsgeschichte
Die Angaben zur Entwicklungsgeschichte des Tai Chi Quan sind teils sehr widersprüchlich und von vielen Legenden umwoben. Selten berufen sich Anhänger des Tai Chi Quan auf Wurzeln, die bis auf die Liang-Dynastie (502–557) zurückgehen sollen. Die meisten der heute Tai Chi Quan Praktizierenden berufen sich auf Vorläufer oder Wurzeln aus dem 10. bis 15. Jahrhundert. Weil früher die Kunst nur innerhalb eines engen Personenkreises (in Klöster oder Familien) weitergegeben wurde, erklärt, warum sich das Tai Chi Quan weitgehendst der offiziellen Geschichtsschreibung entzieht.
Eine weitverbreitete Geschichte erzählt vom daoistischen Mönchen Zhang San Feng (ver. Angaben zu Geburtsjahr: 960 / 1247 / 1279). Er soll das System der weichen Kampfkünste und somit auch das Tai Chi Quan in den Wudangbergen entwickelt haben, nachdem er den Kampf zwischen einem weissen Kranich und einer Schlange beobachtet hatte.
Chen Wangting, der gegen Ende der Ming Dynastie (1368-1644) lebte, formte aus alten und neuen Elementen den nach ihm benannten Chen-Stil. Dieser wurde für fünf Generationen nur in seiner Familie weitergegeben, bevor Yang Luchan (ein Diener der Chen Familie, 1799-1872) ihn erlernte, umformte und dann als Yang-Stil weiterlehrte.
Vom Yang-Stil wurde später noch der Wu-Stil und noch später der Su-Stil abgeleitet.
1956 wurde von der staatlichen Körperkultur- und Sportkommission China ein Buch herausgegeben mit dem Titel Jianhua Taijiquan (Vereinfachtes Tai Chi Quan). Die 24 Übungen oder die 24-Schritt Form gilt als die Form mit den geringsten Anforderungen und wurde entwickelt, damit jede und jeder damit etwas für seine Gesundheit tun kann. Die 24 Übungen sind vom Yang Stil, der 108er und 85er- Form abgeleitet und fand dadurch eine sehr grosse Verbreitung. Dieses vereinfachte Tai Chi ist auch unter dem Namen „Peking-Stil“ bekannt.
Im letzten Jahrhundert machte das Tai Chi Quan auf die Initiative der chinesischen Regierung grosse Veränderungen in Bezug auf die Art und Weise seiner Ausführung durch. Die meisten explosiven und kraftbetonten Elemente wurden herausgenommen und die lockeren, sanften und anmutigen Teile wurden stärker betont. Der kämpferische Aspekt geriet dadurch in den Hintergrund. Doch das Tai Chi Quan entwickelte sich dadurch zu einer vorzüglichen Übung der Gesundheit. Es wird oft als „Meditation in Bewegung“ bezeichnet. Die langsamen Formen des Tai Chi Quan werden vielfach als eine Form des Qi Gong (Kultivierung der inneren Energie „Qi“) geübt.
Die 10 Grundregeln
Die folgenden „zehn Grundprinzipien“ von Yang Chengfu (Er gehörte zu den ersten, die ab 1914 eine grössere Anzahl Aussenstehender unterrichtete.) fassen die angestrebte Körper- und Geisteshaltung eines Übenden zusammen. In den verschiedenen Schulen gibt es darüber hinaus eine Vielzahl von weiteren Prinzipien.
- Den Kopf entspannt aufrichten
- Die Brust zurückhalten und den Rücken gerade dehnen
- Das Kreuz/die Taille locker lassen
- Die Leere und die Fülle auseinander halten (das Gewicht richtig verteilen)
- Die Schultern und die Ellenbogen hängen lassen
- Das Yi (意 yì Absicht, Intention) und nicht die Gewaltkraft (力 lì Muskelkraft) anwenden
- Die Koordination von Oben und Unten
- Die Harmonie zwischen Innen und Außen
- Der ununterbrochene Fluss (die Bewegungen sollen fließen)
- In der Bewegung ruhig bleiben