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Punkt, Punkt, Komma, Strich – an der falschen Stelle können Satzzeichen verheerend sein. Literatur-Blogger Max Huwyler erzählt eine kleine Geschichte über die Liebe im Angesicht von Zwang und Freiheit in der Kommasetzung.
Max Huwyler
Es gibt die kleine Geschichte eines Paares, das sich im Deutschen Seminar kennen gelernt hatte, sich verliebte, sich sehr liebte, das in vertrautem Zusammensein studierte, sich leidenschaftlich auf tiefgründige grammatikalische Regelungen einliess. Zusammenarbeit in selbstverständlicher Eintracht. Sie waren in Fachbüchern und Vorlesungsmanuskripten auf Ungenauigkeiten aus, die nach ihrer Ansicht zu viel interpretatorischen Spielraum liessen.
Das führte zu abendlangen, oft überraschend fröhlichen Disputen. Sie beide mochten das. Und es ging lange gut. Bis das Paar eines Tages nach der Vorlesung über Zwang und Freiheit in der Kommasetzung ins Disputieren kam. Bis bei einer These der wie nebenbei hingesagte Satz des jungen Mannes «Ist das denn eigentlich von Relevanz?» die Studentin in unerwartete Rage versetzte.
Der Disput wurde heftig, wuchs zu Streit, zu Zank mit Kugelschreiber- und Notizblockschmeissen, bis der Studentin – das ist als dramatischer Höhepunkt und Umschwung zu werten – dieser Satz entwich: «Wenn du da ein Komma setzt, dann ziehe ich aus!» So schön hatte er sie noch nie gesehen. «Dann zieh dich doch aus, wäre doch besser als schreien», sagte er und versuchte, gewinnend zu lächeln. Und sie: «Ausziehen! Ohne sich, beziehungsweise mich!»
Sie ging grusslos, weinte dann sehr für eine Weile, wechselte die Fakultät, hängte sich an einen Kunstmaler der abstrakten Richtung. Der Student doktorierte über «Die Trenn- und Bindungsfunktion von Satzzeichen und deren Beziehungsfunktion in der gesprochenen und notierten deutschen Sprache seit der Renaissance». Er bestand summa cum laude.