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Schaffhausen: ein kleiner historischer Abriss
Erste Siedlungen in Schaffhausen
Die ersten Spuren steinzeitmenschlicher Besiedlung finden wir an verschiedenen Orten Schaffhausens. Im Stadtgebiet fand man zahlreiche Wohn- und Fundplätze aus der Jungsteinzeit (vor ca. 12'000 Jahren). In römischer Zeit steht die Sicherung der Rheingrenze gegen Norden im Vordergrund. Um ca. 260 v. Chr. konnte die Rheingrenze gegen die vorrückenden Alemannen nicht mehr gehalten werden. Zahlreiche Grabfelderfunde aus der frühgermanischen Periode (5. - 1. Jh. v. Chr.) deuten auf eine dichte Besiedlung Schaffhausens.
Schaffhausen und die "Fränkische Zeit"
536 kamen die Schaffhauser Gaue (Bezeichnung für einen stammesmässig und landschaftlich geschlossenen Siedlungsraum) unter fränkischer Herrschaft.
Aufstieg Schaffhausens
Schaffhausen verdankt seinen Reichtum der guten Lage am Rhein. Der Rheinfall, ein natürliches Hindernis für Handel und Verkehr, kann die Kaufmannsstadt geschickt für sich zu nutzen. Die Entwicklung der Stadt wurde auch durch das Zusammentreffen wichtiger Handelsstrassen vom Klettgau und Hegau (an der "Schifflände", Fronwagplatz) begünstigt.
Der Schaffhauser Markt entwickelte sich in der Folge rasch zu einem wichtigen Handelszentrum. 1045 erhielt Graf Eberhard von Nellenburg von Heinrich III. das Münzrecht. Der vornehme und königsnahe Adel der Nellenburger verlagerte seinen Machtschwerpunkt vom Zürichgau nach Schaffhausen. 1050 konnte der Graf von Nellenburg auf die Unterstützung des Papst Leos IX. beim Errichten des Klosters "Allerheiligen" zählen.
Das Kloster hatte einen wichtigen Einfluss auf die spätere Entwicklung der Stadt, denn der Markt und das Gewerbe gingen 1080 in den Besitz des Klosters über, welches sich auf kirchliche Immunitätsprivilegien stützen konnte.
Im 13. Jh. entwickelte sich Schaffhausen bereits zu einer namhaften Stadt. 1218 wurde Schaffhausen zur reichsfreien Stadt.
Habsburg und Schaffhausen
1277 erteilte Rudolf von Habsburg den Bürger von Schaffhausen einen Freibrief. Kein fremdes Gericht sollte diese Bürger beurteilen dürfen. Das erste Städtebündnis zwischen Konstanz, St. Gallen, Zürich und Schaffhausen entsteht unter Heinrich VII. Geldnot zwang 1330 König Ludwig dem Bayer die Stadt an das Haus Habsburg zu verpfänden. Zwist zwischen Adel und Handwerkerstand führte 1411 zur Zunftverfassung, die bis 1798 ihre Gültigkeit hatte.
Die treuen Beziehungen zu Habsburg brachte der Stadt teilweise auch die Feindschaft der Eidgenossenschaft ein.
Im 14. Jh. wurde Schaffhausen baulich erweitert. 1415 wird Schaffhausen erneut reichsfrei und schaffte die ideale Voraussetzung zur Aufnahme in die Eidgenossenschaft zusammen mit Basel 1501. Das Bündnis half jedoch wenig während dem 30-jährigen Krieg. Einzig Zürich unterstützte Schaffhausen gegen die plünderten Kriegsbanden, die das Umland von Schaffhausen brandschatzten. Die Zeit nach dem westfälischen Frieden brachte Schaffhausen eine Periode des Reichtums. Zahlreiche Neu- und Umbauten in der Kernstadt zeugen von dieser fruchtbaren Periode. 1529 wird die Stadt durch einen Grossratsbeschluss reformiert. Der darauf folgende Bildersturm zerstörte leider zahlreiche Kunstwerke aus der Gotik. 1798 verkündete der Schaffhauser Rat die Aufhebung der Leibeigenschaft. Nach den Wirren der Revolutionszeit brachte die Regenerationsverfassung von 1831 wieder Ruhe in die Stadt.
Schaffhausen im 18. Jh.
Wirtschaftliche Not überschattete die neue junge Stadtgemeinde. Der Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein brachte Schaffhausen in wirtschaftliche Not. Auch die Aufhebung der Schifffahrtsvorrechte auf dem Rhein beschleunigte den Niedergang. Aufgrund der starken Bevölkerungszunahme und der wirtschaftlichen Depression folgte eine Massenauswanderung.
Es wurden Stimmen laut, die einen Anschluss an den Deutschen Zollverein forderten.
Das Ende des Zunftsystems und die neue Eidgenössische Bundesverfassung von 1848 brachten, die für die Wirtschaft so wichtige Gewerbe- und Handelsfreiheit und für den Bürger neue demokratische Rechte. Handel und Verkehr erlebten alsbald einen markanten Aufschwung. Heinrich Moser war als Pionier wegweisend. Moser war für den Bau des Kraftwerks am Rhein verantwortlich, was den Weg für die ersten Fabrikanlagen ebnete. Mit dem Deutschen Zollverein konnte ein Freihandelsabkommen ausgearbeitet werden. Die verschlossenen Türen standen wieder offen und beschleunigten den wirtschaftlichen Aufschwung.
Vom Agrarkanton zum Industriestaat
Grosse Veränderungen fallen in die Zeit zwischen 1850 und 1939. Die dominierende Agrarwirtschaft weicht industriellen Produktionszentren. Die Bevölkerung verdoppelte sich in jener Zeit auf 15'000 Einwohner. Der Anschluss der Eisenbahn an die wichtige Nord-Südachse verstärkte den Helvetisierungsprozess Schaffhausens. Die Exportwirtschaft konnte nun stark wachsen, was sie allerdings zunehmend abhängiger von der Weltwirtschaftskonjunktur machte. Der erste Weltkrieg dämpfte die wirtschaftliche Entwicklung Schaffhausens - jedoch nicht so sehr wie ursprünglich befürchtet.
Die kriegsführenden Parteien waren gute Kunden der Industrie.
Die Wirtschaft war mit Ausnahme des Tourismus und des Baugewerbes immer noch auf Kurs. Schwerwiegender waren die Lohnausfälle der Arbeiterschaft während des aktiven Militärdienstes, denn eine Lohnausfallversicherung für die Wehrdienstpflichtigen gab es noch nicht. Auch die hohe Inflationsraten und die sozialen Wirren jener Zeit setzten der guten Konjunktur arg zu. In den Zwischenkriegsjahren erholte sich die Wirtschaft trotz deflationären Tendenzen nach und nach.
Innert 5 Jahrzehnten wurde Schaffhausen zu einem führenden Wirtschaftszentrum der Schweiz. Namhafte Firmen wie die Schweizerische Industriegesellschaft (SIG), Georg Fischer, Alusuisse oder die Uhrenfabrik IWC haben in Schaffhausen ihren Sitz.
Der zweite Weltkrieg setze der wirtschaftlichen Entwicklung ein jähes Ende. Die weltweiten ökonomischen Interdependenzen führen zu einer grossen Krise der Metall- und Maschinenindustrie. Auch das Baugewerbe wird in Mitleidenschaft gezogen. Die tiefe Depression führt zur Massenarbeitslosigkeit. Ausländische Währungen werden abgewertet, was die Schaffhauser Exportwirtschaft hart traf.
Die Zeit seit 1945
Nach dem 2. Weltkrieg hat eine starke wirtschaftliche Expansion eingesetzt. Durch die Eingemeindung von Buchthalen und Herblingen wurden neue Landparzellen für den weiteren industriellen Aufbau nutzbar gemacht. Viele ausländische Arbeitskräfte entschärften die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften. Erst 1974 verlangsamte sich das rasante Wachstum und machte einem breiten Strukturwandlungsprozess platz. Industrielle Arbeitsplätze wurden mehr und mehr abgebaut, schlecht qualifizierte aus- und inländische Arbeitskräfte entlassen. Der wirtschaftliche Strukturwandel hat in den letzten zehn Jahren den Verlust an industriellen Arbeitsplätzen weitgehend kompensiert.
Die angestrebten Wachstumsziele konnten, trotz einer verstärkten Ansiedlungspolitik, noch nicht erreicht werden.
Zwischen 1990 - 2005 hat die Schweizer Bevölkerung um 10% zugelegt. Im gleichen Zeitraum wächst die schaffhauser Bevölkerung lediglich um 3%. Schaffhausen (Stadt) zählt heute nur 34'000 Einwohner.
QUELLEN: Hrsg. Husman & Burg: "Schaffhausen, Stadt und Region". 2006, Schaffhausen, Edition BastaBächtold, Kurt & Wanner, Hermann: "Wirtschaftsgeschichte des Kantons Schaffhausen". 1983, Schaffhausen, Schaffhauser KantonalbankHistorisches Lexikon der Schweiz. 1920
www.genealogie-mittelalter.de
www.sh.ch: "Massive Investitionen für die Regionalentwicklung"; 2007