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Weitab der monumentalen, omnipräsenten Klassik Komponisten fristet ein Heer von unbekannten Tonsetzern, wie die Berufsgattung damals auch genannt wurde, das Schicksal der Vergessenen. Ihre Werke sind meist von untergeordneter Bedeutung, der Schaffensumfang eher gering, die Biografie austauschbar. Wer kennt den jüngeren Bruder von Joseph Haydn? Michael Haydn steht völlig im Schatten des grossen Bruders, obwohl sein Oeuvre keineswegs als gering oder unbedeutend klassiert werden kann.
Ein Schwede in Deutschland
In Uppsala geboren, verbrachte Johan Joachim Agrell (1701–1765) die ersten Schaffensjahre in Schweden, wo ihn der musikbeflissene Bruder von Friedrich I entdeckte. Angetan vom Ausnahmetalent des jungen Agrell, holte ihn Maximilian von Hessen-Kassel an den Hof von Kassel, wo er die nächsten 23 Jahre als Kammermusiker in der Kapelle des Prinzen verbrachte. Dieser beschäftigte unter anderem hin und wieder den aus Parma stammenden Komponisten Fortunato Chelleri (1690 – 1757) als Kapellmeister und Privatmusiklehrer, hieß 1728 die Ausnahmevirtuosen Pietro Locatelli (1695 – 1764) und Jean-Marie Leclair (1697 – 1764) als Gäste des Hauses willkommen und gilt 1732 in vielen Quellen als wesentliche Triebfeder für die Einladung Johann Sebastian Bachs (1685 – 1750) nach Kassel. Über einen Zeitraum von zehn Dienstjahren muss Johan Agrell das Schloss von Jesberg vorgekommen sein wie ein Sanssouci für Vollblutmusiker.
Stilistisch ist Agrells Musik stark geprägt von den Einflüssen der italienischen Barockmeister. In der Einordnung gilt er als Barock Komponist. In seinen späten Werken ist die heranbrechende Frühklassik klar erkennbar, die musikalische Trendwende spürbar. Frühe Werke orientieren sich noch vornehmlich an der Barocken Tradition der Italiener, aber auch am norddeutschen Stil eines Georg Philipp Telemann. In den Spätwerken tauchen dann erste Vorboten der Frühklassik auf, besonders die Stilelemente der Mannheimer Schule sind erkennbar. Einen gewichtigen Beitrag lieferte Agrell zur Entwicklung des sogenannten „bürgerlichen Klavierkonzerts“ sowie zur Ablösung der Sinfonie von der Oper und deren Entwicklung hin zur selbständigen Musikform. 1738 führte kein geringerer als Antonio Vivaldi eine seiner Sinfonien im Amsterdam auf. 1746 wurde Agrell zum „Director Chori Musici“, d.h. zum Leiter der Ratsmusik („Musikchor“) der Freien und Reichsstadt Nürnberg bestellt, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.
Concerto: reinhören lohnt sich
Videofilm zur Agrell Produktion
Das Helsinki Baroque Orchestra präsentiert eine Auswahl von Agrells Orchesterwerken, die damals von Schweden bis Süddeutschland verbreitet waren. Die drei Sinfonien und Konzerte der Aeolus Einspielung (AE10047 / SACD) spannen einen Bogen von den Früh- bis hin zu den Spätwerken Agrells. Das Orchester bildet den stilistischen Wandel mit einer veränderten Sitzordnung ab. Das Violinkonzert D-dur erklingt ebenso wie die Sinfonie in A-dur in einer Aufstellung, bei den ersten und zweiten Violinen – rechts und links vom Rest – die äusseren Flanken des Orchesters bilden. Agrells ältere Werke hat das Ensemble auf dieser CD mit beiden Violinstimmen im linken Flügel der Formation aufgenommen.
Die akkurate Spielweise des Helsinki Baroque Ensembles unter Apo Häkkinen verleiht Agrells Kompositionen eine lebendige Frische. Die Aeolus Einspielung ist gelungen, aufnahmetechnisch und interpretatorisch, die Wiederentdeckung dieses in Vergessenheit geratenen Komponisten ist eine Bereicherung in der Musiksammlung.
Die Hybrid-SACD bietet Stereo und Mehrkanalton. Eine Besonderheit: die Stereo und 5.0 Aufnahmen wurden mit zwei unabhängigen Mikrofon Setups realisiert. Die Aufnahme ist ebenfalls als Hi-Res-Download, allerdings nur Stereo, mit einer Auflösung von 24 Bit/88.2 kHz verfügbar.
Das 40 Seiten umfassende Booklet informiert detailliert über Agrells Leben und die eingespielten Werke. Das auch in Deutsch verfasste Booklet wird bei der Download Version als PDF-Datei mitgeliefert.
Modernes Wiedergabesystem
CD, SACD, Hi-Res-Download, Mehrkanalaudio: wie spielt man diese Formatvielfalt optimal ab, besonders die Mehrkanal SACD. Was bringt die 5.0-Version gegenüber einer 2-Kanal-Hi-Res-Varante an Musikgenuss?
Diese Formatvielfalt bietet dem Musikliebhaber eine bisher nie dagewesene Auswahl, Qualität und vielleicht auch Qual der Wahl. In einem nächsten Blogbeitrag stellen wir ein audiophiles Wiedergabesystem vor, welches all diese Formate kompromisslos spielen kann. Womit wir auch die Frage was Mehrkanalton an Mehrgenuss bringt – oder bringen sollte – beantworten werden. Echte Hi-Res-Aufnahmen (ich zähle Transfers von analogen Masterbändern nicht zu echten, nativen HD-Aufnahmen, obwohl diese auch hervorragend klingen können) wie die Aeolus Agrell Einspielung, gespielt über eine moderne Audioanlage verblüffen durch eine fesselnde Transparenz und Natürlichkeit. Dies besonders, wenn noch eine akkurat, ohne billige Surroundeffekte, produzierte Mehrkanaleinspielung vorliegt. Das System, das wir vorstellen werden, kann sowohl die Mehrkanal SACD Spur digital an den Vorverstärker mit integriertem D/AWandler liefern, wie das Album Booklet der Hi-Res-Downlod Version auf dem iPad anzeigen – und noch etwas mehr!