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Am Anlass einer Non-Profit-Organisation wurde uns das sogenannte Conference-Pack in einer Tasche ausgehändigt, die diese Organisation von Frauen in der dritten Welt für Frauen in der ersten Welt herstellen lässt, um erstere finanziell unabhängig(er) zu machen. Den Frauen werden Nähmaschinen und Material (Reissäcke, die zur Weiterverarbeitung auseinandergeschnitten und in verschiedenen Farben gefärbt werden) überlassen, aus denen sie dann – nach einer Vorlage – diese Taschen fertigen. So können sie sich Geld verdienen, um sich und ihre Kinder durchzubringen, denn ihre oft trinkenden Ehemänner sind dazu oft weder willens noch fähig. Eines Tages wurde die Projektleiterin von einer der Frauen gerufen, die verzweifelt war, weil ihr Ehemann ihre Nähmaschine verkauft und den Verkaufserlös für sich eingestrichen hatte. Die Projektleiterin versuchte dem Ehemann nun klar zu machen, dass die Nähmaschine nicht ihm, sondern seiner Frau gehöre und er kein Recht hätte, diesen Gegenstand zu verkaufen. Der Ehemann reagierte völlig verständnislos auf diese sachenrechtliche Ausgangslage und fragte verdutzt: „How can property own property?“ (Wie kann Eigentum Eigentum besitzen?)
An diese Geschichte muss ich immer denken, wenn Frauen Männern erklären wollen, wie unsere Realitäten aussehen, wie wir die Dinge erleben, sehen, einordnen; wenn wir also nicht in der Lage sind, unser mind-set mit dem mind-set unseres Gegenübers bündig zu bringen; wenn wir einfach nicht in der Lage sind, uns verständlich zu machen, wenn Mentalitäten aufeinandertreffen, die für den einen einfach unerklärlich für den anderen unglaublich sind: „How can property own property?“
„Alle Einsicht beginnt mit den Sinnen“ hat einer dieser grossen italienischen Renaissance-Künstler gesagt. (Ich kann Michelangelo und Leonardo da Vinci ganz schlecht auseinanderhalten – einer von beiden war‘s). Was wir nicht wirklich erlebt und empfunden (gefühlt) und so buchstäblich erfahren haben, können wir uns schlecht vorstellen, glauben es nicht, (wenn es uns nicht in den Kram passt), und wehren uns dagegen reflexartig, (wenn wir uns von der damit verbundenen ‚Sicht der Dinge‘ oder Wahrheit bedroht fühlen.) Und der grosse Wissenschaftler Max Planck hat gesagt: „Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.“ Das – so denke ich – gilt auch für politische Wahrheiten:
Das Frauenstimmrecht ist eine solche politische Wahrheit.
Das Urteil darüber, in wie weit diejenigen ausgestorben sind, die die Rechte der Frauen, die Gleichstellung des Weiblichen, die Realitäten, Nöte und Bedürfnisse weiblicher Existenzen nicht wahrnehmen und nicht wahrhaben wollen, geschweige denn, für wichtig halten was Frauen in ein – oft sehr männliches dominiertes Umfeld – einbringen können, überlasse ich der Erfahrung und Beobachtungen meiner LeserInnen.