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Ich bin nicht Wonder Woman …, ich bin Dao, neugierig, ein Arbeitstier und vor allem eine grosse Träumerin! Als Kind sah die Liste meiner Traumberufe so aus: Schauspielerin in Hollywood, Pharmazeutin, Flugbegleiterin, Animateurin im Club Med, Anwältin, Primaballerina im Béjart Ballet, Krimiautorin, Künstlerin.
Was glaubst du, welchen Beruf ich gewählt habe?
Ich wurde in Freiburg geboren, von vietnamesischen Eltern mit «Weitblick» erzogen und habe in Genf eine «lineare» Schulausbildung durchlaufen, d.h. zuerst die obligatorische Schule, Orientierungsschule, dann Gymnasium mit Schwerpunkt Naturwissenschaft und Musik. Wenn ich «Weitblick» sage, dann will ich damit ausdrücken, dass sich meine Eltern mit meinen Träumen in Bezug auf Schauspiel und Kunst nicht wirklich anfreunden konnten! Meine Mutter hat mir schon sehr früh zu verstehen gegeben, dass ich einen «richtigen Beruf» wählen müsste, der es mir ermöglicht, finanziell unabhängig zu sein, in Teilzeit zu arbeiten und das in einem Bereich ohne Arbeitslosigkeit – egal, in welchem Land ich lebe ... In der Primarschule flüsterte mir meine Mutter, als der Klassenlehrer nach unseren Berufswünschen fragte, ins Ohr: Apothekerin!
Bin ich Apothekerin geworden?
Seit meinem 9. oder 10. Lebensjahr, stellte ich dies nicht in Frage, da die Pharmazie für mich sozusagen vorbestimmt schien. Ich träumte davon, die Welt zu bereisen, und meine Mutter sagte mir, dass ich als Pharmazeutin reisen müsste, um medizinisch wirksame Pflanzen zu sammeln. Es stimmt schon, dass mich die Gerüche in den Apotheken faszinierten (z. B. getrocknete Pflanzen, pharmazeutische Zubereitungen), genau wie die weissen Kittel und die Freundlichkeit der Menschen, die dort arbeiteten.
Mein Fernseherlebnis
Da die Universität Genf direkt neben dem Hochhaus der Télévision Suisse Romande (TSR für die Nostalgiker) liegt, verbrauchte ich teilweise meine Mittagspausen in den Fernsehstudios oder auch als Statistin für verschiedene Sendungen. An dem Tag, als ich von der Uni zurückkam und meiner Mutter erzählte, dass ich Schauspielerin werden und gleichzeitig mein Pharmaziestudium fortsetzen wollte, allerdings in der doppelten Zeit (es würde also 10 statt der 5 Jahre dauern), gab sie mir sehr schnell zu verstehen, dass dies nicht funktionieren würde und ich zunächst meinen Abschluss machen müsse. Dann würde ich genug Geld verdienen, um nach Hollywood zu gehen und zu tun, was ich will.
Hollywood Chewing Gum
Ich liebte das Pharmaziestudium, wir waren eine tolle Clique und die Dozierenden liessen uns unsere unwahrscheinlichen Ideen im Labor testen. Mein Hollywood-Traum löste sich nach und nach in Luft auf. Aber an dem Tag, an dem ich mein Pharmazie-Diplom erhielt und mit meinen Kommilitonen gefeiert hatte, wusste ich, dass das nicht der richtige Beruf für mich war. Ich bewunderte diejenigen, die direkt die Leitung von Apotheken übernommen haben, insbesondere, da dies die Anfangszeit der grossen Apothek-Ketten war.
Erinnerst du dich an Amanda Woodward aus Melrose Place?
Wenn du mit amerikanischen Fernsehserien aus den 90er Jahren gross geworden bist, wirst du dich sicher an Beverly Hills und Melrose Place erinnern! Ich war von dieser schönen, starken Frau fasziniert, die ihre eigene Marketing-Agentur leitete.
Zu diesem Zeitpunkt bewarb ich mich bei der Berufsgenossenschaft der Schweizer Apotheker (Ofac-Gruppe) und wurde als Marketing-Projektleiterin eingestellt. Diese Erfahrung war ein grosser Meilenstein für den Rest meiner Karriere. Ich reiste durch die ganze Schweiz und traf viele Apotheker/innen und habe dabei gesehen, dass jede Apotheke ihre eigene Seele hat und dass jede/r Apotheker/in seinen Beruf ganz individuell ausübt. Es gibt kein vorgefertigtes Muster, man muss etwas wagen.
Forschung an der Universität Genf
Wissbegierig beschloss ich, zurück an die Universität Genf zu gehen, um eine Doktorarbeit in pharmazeutischen Wissenschaften zu schreiben. Vier Jahre forschte ich und betreute Pharmazie-Studierende bei praktischen Arbeiten oder Masterarbeiten – und an den Wochenenden habe ich auch in einer Apotheke gearbeitet, um Geld zu verdienen.
F&E im Bereich Biotechnologie
Nach meiner Promotion habe ich bei einem Genfer Pharmaunternehmen (OM Pharma) im Bereich Forschung und Entwicklung gearbeitet. Ich konnte anwenden, was ich an der Universität Genf gelernt hatte. In dieser Position reiste ich häufig, um die Mitarbeiter/innen an den Fertigungsstandorten zu schulen. Durch diese Erfahrung wurde mir klar, dass ich es liebe, Wissen zu vermitteln und zu lehren.
Back to the … University
An der Universität Genf ergab sich die Möglichkeit eine Stelle in der Lehre zu besetzen. Ich erwarb ein Zertifikat für berufspädagogische Bildung an der EHB und arbeite 10 Jahre lang als Ausbildungsverantwortliche an der Universität Genf (Unité de Formations des Apprentis – UFA). So sah ich Hunderte junge und nicht mehr ganz so junge Menschen, die kamen, um etwas zu lernen, und die Uni mit einem Diplom verliessen, das ihnen die Tür zum Arbeitsmarkt weit öffnete.
Inkognito-Ausbildung dank der FernUni Schweiz
Ich bin wissensdurstig ... mein Job an der Universität Genf nahm mich zu 100 % in Beschlag, aber ich hatte Lust, wieder zu studieren, um meine Liste der Traumberufe zu komplettieren ... Ich entdeckte ein Werbeplakat vor meiner Haustür, während mein Mann, der aus den USA stammt, eine Umschulung absolvierte. Ich wagte mich an ein Fernstudium, den Bachelor in Recht an der FernUni Schweiz. Ausser meine engsten Angehörigen und Freunde wusste keiner, dass ich ein neues Online-Studium begonnen hatte, da ich Angst davor hatte zu versagen und dass man mir diese Entscheidung falsch auslegen würde.
Vier Jahre lang habe ich mich abgerackert, um alles unter einen Hut zu bringen ... Mein Mann bat mich, einen Pakt mit ihm zu schliessen. Meine Lernzeit musste sich auf einen Abend pro Woche beschränken und ich konnte samstags ein bisschen Zeit dafür aufwenden, aber mehr nicht! Ich befasste mich mein ganzes Leben lang mit Grundlagenwissenschaften, darum erinnerte mich das Studium in Recht an den Philosophieunterricht ... wo nichts schwarz oder weiss ist, sondern alles grau!
Mein Bachelor Recht im Fernstudium
Schliesslich vergeht die Zeit wie im Flug, ich traf wunderbare Menschen, andere Studierende, die so wie ich hart arbeiteten, die sich ständig in Frage stellten, aber wie auch ich davon träumten, Juristin zu werden!
Anschliessend habe ich meinen Vorgesetzten und meinen Kolleginnen und Kollegen mitgeteilt, dass ich gerade mein Studium beendet und einen Bachelor in Recht an der FernUni Schweiz erworben habe.
Ich hatte keine Lust aufzuhören ... Ich habe das Master-Studium in Recht an der Universität Genf begonnen, wobei ich davon ausging, Kurse zu schwänzen, da ich immer noch Vollzeit arbeitete.
Über dieses neue Projekt sprach ich nicht mit meinem Umfeld... das musste erst noch die erste Neuigkeit verdauen ... und ich wusste nicht, ob ich meinen Master-Abschluss schaffen würde.
Forensische Medizin, Netflix und Master in Recht
Die Studierenden waren halb so alt wie ich ... und ich fragte mich wieder einmal, warum ich mir das antue.
Ich begeisterte mich für das Medizinrecht und entdeckte die forensische Medizin unter dem strafrechtlichen Blickwinkel wieder. Ich vertiefte mich in das von mir geliebte Strafrecht, denn mich faszinieren immer noch Krimis (Krimiautorin war ja auch auf der Liste meiner Traumberufe).
Ich bin ein grosser Fan von Rechtsanwaltsserien bei Netflix: Murder, Suits, The Good Wife, sie motivierten mich, meinen Master zu Ende zu machen.
Und nun?
Jetzt war ich Juristin. Um Rechtsanwältin zu werden, hätte ich meinen Job aufgeben müssen, um meine obligatorische Berufspraxis in einer Anwaltskanzlei zu absolvieren. Ich war wie gelähmt ...
Ich nahm mir sechs Monate Zeit, um über alles nachzudenken. In dieser Zeit stellte ich alles in Frage, jede einzelne meiner Entscheidungen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre als Ausbildungsverantwortliche an der Universität Genf gearbeitet und ich dachte, dass es an der Zeit war, ein neues Kapitel aufzuschlagen.
Zurück zu den Träumen
Ich träumte davon, meine juristischen Kenntnisse in der Praxis anzuwenden ... Ausserdem wollte ich meine juristischen und wissenschaftlichen Kenntnisse miteinander verknüpfen. Bevor sich eine berufliche Gelegenheit ergab, träumte ich von einer zweiten Doktorarbeit in Medizinstrafrecht.
Ich habe mich beworben... Mein Bewerbungsgespräch für eine Doktorarbeit konkretisierte sich und ich wurde von zwei bekannten Professoren der Universität Genf (Rechtsmedizin und Strafrecht) angenommen. Mein Doktorat konnte also beginnen!
Gleichzeitig gab ich meinen Job an der Universität Genf auf, um beim Kanton Genf als Leiterin der Abteilung Weiterbildung im Dienst für Berufsberatung, Berufs- und Weiterbildung (OFPC) zu arbeiten. Nachdem ich schon Hunderte Lernende ausgebildet habe, besteht mein neuer Job darin, Erwachsene auszubilden und zu qualifizieren, die über eine umfassende Berufserfahrung ohne anerkanntes Diplom verfügten. Das Büro, in dem ich arbeite, ist der zuständige Dienst für Weiterbildung. Meine Tätigkeit basiert im Wesentlichen auf der Anwendung von eidgenössischen und kantonalen Rechtsgrundlagen.
Mercotte, Anne-Sophie Pic und die Kochwettbewerbe
Als Entspannung haben mein Mann und ich an zahlreichen Kochwettbewerben teilgenommen. Er als Profi, ich als Kochfan. Er coacht mich, ich wende an.
Bei vielen Wettbewerben habe ich insbesondere Mercotte aus der französischen Sendung «Le Meilleur Pâtissier» und Anne-Sophie Pic (Chefköchin mit weltweit den meisten Sternen) getroffen, die mich zu meinen Gerichten beglückwünschten.
Ich habe den ersten Preis der «Cuillère d’Or in Paris» gewonnen, ein kulinarischer Wettbewerb nur für Frauen… obwohl ich aufgrund meines nicht vorhandenen kulinarischen Talents sehr lange mit Komplexen zu kämpfen hatte.
#Incredible Heroe, aber keine Wonder Woman
Du musst nicht Wonder Woman sein, sei du selbst und glaube an deine Träume! Man ist niemals zu alt, um sich weiterzubilden, zu studieren oder den Job zu wechseln... alles ist möglich, man muss es nur wagen!
Ich weiss nicht, wo die Reise hingeht, auch nicht, was ich tun werde, wenn ich meinen zweiten Doktortitel in der Tasche habe (und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich ihn bekommen werde), aber ich träume weiter ...