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Martin Suter
Geboren 1948 in Zürich, arbeitete als Werber und Creative Director. Seit 1991 schreibt er als freischaffender Autor Kolumnen, Romane und Drehbücher. Er lebt in Spanien und Guatemala. (2015)
Werke (Auswahl)
Der Koch.
Diogenes Verlag, 2010
Ein perfekter Freund.
Diogenes Verlag, 2002
Der Koch
Diogenes Verlag, 2010
Er schreibt Romane, Kolumnen, Theaterstücke und Drehbücher: Martin Suter zählt inzwischen zu den bekanntesten und erfolgreichsten Autoren der Schweiz. Im Mittelpunkt seines jüngsten Romans, «Der Koch», steht Maravan, ein tamilischer Asylbewerber, der sich in der Kochkunst auskennt, vor allem in den Geheimnissen der aphrodisischen Küche. «Love Food», so heisst seine Spezialität, und zunächst ist seine Kundschaft noch eher harmlos - allerdings nicht lange. Aber Maravan braucht das Geld für seine Familie in Sri Lanka.
Aus: Martin Suter. Der Koch. Diogenes Verlag, 2010
Dalmann war schon immer das gewesen, was man heute einen Networker nennt. Er pflegte systematisch Beziehungen, vermittelte Geschäfte, gab Tipps und bekam welche, brachte Leute zusammen, sammelte Informationen und gab sie selektiv weiter, wusste, wann schweigen und wann reden. Und davon lebte er, und zwar ziemlich gut. Im Moment schwieg Dalmann. Und während Van Genderen in seinem gurgelnden Holländerdeutsch auf ihn einsprach, beobachtete er unauffällig, wer an diesem Abend sonst noch alles im Huwyler war.
Fr, 14.05.10, 14:00
Ein perfekter Freund
Diogenes Verlag, 2002
Aus: Martin Suter. Ein perfekter Freund. Diogenes Verlag, 2002
Seine Hand spürte das Gesicht, aber sein Gesicht spürte die Hand nicht.
Fabio Rossi liess sich wieder auf die Bettdecke sinken und versuchte, dorthin zurückzukehren, wo er sicjh eben noch befunden hatte. An den Ort ohne Gefühle, Geräusche, Gedanken und Gerüche.
Es war vor allem der Geruch, der ihn davon abhielt, die Augen zu öffnen. Es roch nach Krankenhaus. Er würde noch früh genug erfahren, weshalb er hier war.
Das nächste, was durch das Dunkel drang, war eine Stimme. „Herr Rooossi“, rief sie, wie vom andern Ufer eines Flusses. So weit weg, dass er sie ignorieren konnnte, ohne unhöflich zu erscheinen.
Die Geräusche entfernten sich, aber der Geruch blieb. Er wurde intensiver mit jedem Atemzug. Fabio wollte durch den Mund atmen. Es war ihm, als ob er ihn nur zur Hälfte öffnen könnte. Er betastete ihn. Wieder das gleiche Gefühl: Die Finger spürten die Lippen, aber die Lippen die Finger nicht.