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Paul Sarasin (1856–1929)
Naturforscher und Gründer des Schweizerischen Nationalparks
Paul Benedikt Sarasin wurde am 11. Dezember 1856 in Basel geboren. Er durchlief die Basler Schulen und begann an der Universität Basel ein Studium der Medizin. Nach dem ersten Propädeutikum zog es ihn jedoch nach Würzburg ans Institut des namhaften Zoologieprofessors Karl Semper. Dort widmete er sich zoologischen Studien und promovierte 1882 mit einer Dissertation über die Entwicklungsgeschichte der Wasserschnecke Bithynia tentaculata.
Forschungsreise nach Ceylon
In den Jahren 1883 bis 1886 begaben sich Paul Sarasin zusammen mit seinem Vetter Fritz Sarasin auf eine längere Reise nach Ceylon (heute Sri Lanka), um zoologische und anthropologische Feldforschung zu treiben. Das Erscheinen der ersten drei Bände des monumentalen Werks "Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschungen auf Ceylon" in den Jahren 1887 bis 1893 machte die beiden Autoren zu Zoologen und Anthropologen ersten Ranges. Eine zweite Forschungsreise führte die beiden 1893 bis 1896 nach Celebes (heute Sulawesi). Auch hier leisteten sie geographische und geologische Pionierarbeit in einem grösstenteils noch unerforschten Gebiet.
Forschungsreise nach Celebes
Die Ergebnisse dieser und einer zweiten Forschungsreise (1902–1903) wurden in einem fünfbändigen Werk publiziert. 1907 folgte eine weitere Reise nach Ceylon. Nach der ersten Celebesreise hatten sich die beiden Forscher 1896 wieder in Basel niedergelassen. Paul Sarasin wandte sich auch anderen Forschungsgebieten zu und legte eine ausserordentliche enzyklopädische Vielseitigkeit an den Tag. Er fühlte sich nicht nur in der Zoologie, Ethnologie und Prähistorie zu Hause, sondern schrieb auch über Anatomie, Geologie, Botanik, Tierpsychologie, Astronomie, Kunstgeschichte und Religionsgeschichte.
Gründung von Pro Natura
Eine neue Periode in Paul Sarasins Leben begann mit dem Erwachen der Naturschutzbewegung. 1906 wurde anlässlich der Jahresversammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in St.Gallen eine Naturschutzkommission ins Leben gerufen, die Paul Sarasin präsidierte. 1910 erfolgte mit der Pacht des Val Cluozza die Grundsteinlegung zum Schweizerischen Nationalpark. Im selben Jahr kam es zur Gründung des Schweizerischen Naturschutzbundes (seit 1997 "Pro Natura"). Am 20. März 1914 schliesslich, gerade noch rechtzeitig vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs, gab die Bundesversammlung dem Schweizerischen Nationalpark ihren Segen und sicherte seinen Fortbestand mit einer Bundesgarantie von CHF 30'000. Es war der erste Nationalpark der Alpen und Mitteleuropas.
Parallel dazu setzte sich Paul Sarasin auch für die Idee eines umfassenden Weltnaturschutzes ein. Zunehmende gesundheitliche Probleme zwangen Paul Sarasin zum Rückzug ins Privatleben. Am 7. April 1929 erlag er im Alter von 73 Jahren einer Lungenentzündung.
Handschrift
Brief von Paul Sarasin an den Botaniker und ETH-Professor Carl Schröter, 31. Dezember 1917: Es geht um ein geplantes Naturreservat in der Linthebene.
Werk
Zusammen mit Fritz Sarasin herausgegebene Arbeiten (Auswahl):
- Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschungen auf Ceylon, Bd. 1–3, Wiesbaden 1887–1893; Band 4: Die Steinzeit auf Ceylon (Link verlässt diese Seite), Wiesbaden 1908
- Materialien zur Naturgeschichte der Insel Celebes (Link verlässt diese Seite), Wiesbaden 1898–1906
- Reisen in Celebes (Link verlässt diese Seite), Wiesbaden 1905
- Ein vollständiges Werkeverzeichnis findet sich im Anhang des von Fritz Sarasin verfassten Nekrologs, Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel (Link verlässt diese Seite), 40 (1928–1929) 2, S. 24–28.
Bestand
Informationen über Paul Sarasin bietet das biographische Dossier im Hochschularchiv der ETH Zürich. Einige Briefe finden sich in den Nachlässen von Albert Heim (Hs 400: 431), Arnold Heim (Hs 494a: 1.2), Hans Schardt (Hs 388: 2342-2352) und Carl Schröter (Hs 399: 1052–1055e, Hs 398: 225, 271). Der Nachlass von Paul Sarasin befindet sich in der Bibliothek des Museums für Kulturen Basel.