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4.1 Die Knospe ist schuld
Das FiBL versuchte, die Knospe als Schutzmarke anzumelden; da das FiBL selbst jedoch weder Produkte erzeugt noch in den Handel bringt, war dies rechtlich nicht möglich. Die Lösung des Problems lag in der Anmeldung der Knospe als Kollektivmarke. Dazu war die Gründung eines Verbandes notwendig, von dem mindestens ein Mitglied die Anforderungen zur Verwendung der Schutzmarke erfüllen musste.
Am 1. September 1981 fand im Hotel Viktoria in Basel die erste konstituierende Versammlung zur Genehmigung der Statuten statt. Einziger Vereinszweck war "die Schaffung und Inschutznahme einer Ursprungsmarke für Produkte aus biologischem Anbau gemäss den ‹Richtlinien für Verkaufsprodukte aus biologischem Anbau› und die Kontrolle deren rechtmässiger Verwendung durch die Mitglieder und allfälliger Lizenznehmer".
Aus dem zunächst losen Zusammenschluss einiger Organisationen ist die Vereinigung schweizerischer biologischer Landbauorganisationen VSBLO herangewachsen, die heute als Dachorganisation aller Schweizer Biobauern deren Anliegen nach innen und aussen wahrnimmt.
4.2 Von VSBLO zu Bio Suisse
Als Namen legte sich die frisch gegründete Biobauern-Dachorganisation die naheliegende Abkürzung VSBLO zu. Da kein besserer Namen gefunden werden konnte, lancierte der Verein ein Preisausschreiben. Von den 802 Vorschlägen wurde keiner sofort ausgewählt. Erst 16 Jahre später, 1997, wurde Bio Suisse zum offiziellen Verbandsnamen erklärt, obwohl Bio Suisse beim Preisausschreiben 1981 schon sechsmal genannt worden war.
4.3 Später Anschluss der AVG
So wie die Bio-Gemüse AVG unter Leitung von Hans Müller der gemeinsamen Verabschiedung der ersten gesamtscheizerischen Bio-Richtlinien 1980 ferngeblieben war, beteiligte er sich mit seinen 300-400 Biobauern, zahlenmässig die stärkste Gruppe im schweizerischen Biolandbau, auch nicht an der Gründung des VSBLO. Hans Müller mit seinem autoritären Führungsstil konnte sich nicht überwinden, sich mit den übrigen VSBLO-Mitgliedern an einen gemeinsamen Tisch zu setzen. Mit steigendem Marktwert der Knospe entwickelte sich dies zu einem immer grösseren Nachteil für die AVG-Produzenten. Erst 1986, unter dem Präsidium von Fritz Dähler, nahm die AVG, zum grossen Leidwesen ihres Ehrenpräsidenten Hans Müller, mit der VSBLO Beitrittsverhandlungen auf, die 1989 zum Beitritt führten. Die unter einem einzigen Dach vereinten Biobauern bekamen dadurch auf politischer Ebene ein grösseres Gewicht.
4.4 Die Organisation Bio Suisse
Heute umfasst Bio Suisse 33 bäuerliche Mitgliedorganisationen und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau. 6,114 Landwirtschaftsbetriebe sind knospe-zertifizert, was rund 11 Prozent der gesamtschweizerischen Bauernbetriebe und 11 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmacht. Das Knospe-Label, heute ein Label mit hohem Marktwert, wird an knapp 800 Lizenznehmer aus Verarbeitung und Handel vergeben.
Kerngedanke des biologischen Landbaus ist es, Bodenfruchtbarkeit und Tiergesundheit dank Beachtung der natürlichen Kreisläufe dauerhaft zu erhalten.
Die Knospe-Marke bedeutet:
- Gesamtbetriebliche Bioproduktion und natürliche Vielfalt auf dem Biohof
- Verzicht auf den Einsatz von Gentechnik
- Verzicht auf chemisch-synthetische Spritzmittel und Kunstdünger
- Verzicht auf unnötige Zusatzstoffe wie Aroma- und Farbstoffe
- Schonende Verarbeitung der Lebensmittel
- Regelmässige und unabhängige Kontrolle von Anbau und Verarbeitung