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Die Geschichte des einst grössten Blockhauses der Welt
In der Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon stand einst ein Blockhaus, das als das grösste der Welt galt. Das Gebäude wurde für eine Weltausstellung gebaut und bestand unter anderem aus 54 riesigen Baumstämmen. Leider fiel es 1964 einem Feuer zum Opfer.
Quelle: Gemeinfrei
Die Dimensionen des Holzgebäudes waren riesig: 63 Meter lang, 31 Meter breit und 22 Meter hoch.
Die Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon war Mitte des 18. Jahrhunderts ein bedeutendes Wirtschaftszentrum. Dies unter anderem, da drei transkontinentale Eisenbahnlinien die Stadt als Endstation an der Pazifikküste nutzten. Beispiellos für die florierende Wirtschaft war aber auch die Holzindustrie. Die weltweite, grosse Depression gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte aber auch vor dem prosperierenden Oregon nicht halt. Viele Arbeitsplätze gingen verloren.
Inoffizielle Weltausstellung in Portland
Um die Wirtschaft anzukurbeln, beschlossen im Jahr 1900 einige der wohlhabendsten und mächtigsten Geschäftsleute von Portland eine riesige, internationale Messe zu veranstalten. Fünf Jahre später wurde dies mit der «Lewis and Clark Centennial and American Pacific Exposition and Oriental Fair» in Portland Realität. Der etwas sperrige Name kam daher, da das Thema der Messe auch dem 100-jährigen Jubiläum der Lewis and Clarke Expedition in Oregon gewidmet war – der ersten Überlandexpedition der Vereinigten Staaten zur Pazifikküste und zurück.
Und obwohl die Veranstaltung vom Bureau of International Expositions tatsächlich nicht offiziell als Weltausstellung eingestuft wurde, kam sie nahe an den Begriff heran: Über 21 Länder präsentierten verschiedenste Exponate in speziellen Gebäuden und Strukturen, die extra für die auf vier Monate angesetzte Ausstellung gebaut wurden. Italien zeigte in einem grossen Pavillon eine umfassende Sammlung von Marmorstatuen. Und auch Frankreich gab enorme Summen für ihre Exponate aus; es liess eine Nachbildung des Salons von König Ludwig XIV bauen.
Schlussendlich zog die beinahe-Weltausstellung rund 1,6 Millionen Besucher in die Stadt. Die Veranstaltung war ein Erfolg und erfüllte somit teilweise den ursprünglich wirtschaftlichen Zweck.
Quelle: City of Portland
Eine Aufnahme von 1904 gibt Einblick in den Bau des Forestry Buildings.
Quelle: Library of Congress
Aufnahme von 1905: Im Inneren des Gebäudes wurden Forstprodukte, Wildtiere und indianische Fotografien gezeigt.
Grösstes Blockhaus der Welt
Auf dem Ausstellungsgelände wurden Dutzende Gebäude für die Exponate der teilnehmenden Länder gebaut. Die meisten errichtete man im Stil der spanischen Renaissance und versah sie mit architektonischen Verzierungen wie Kuppeln, gewölbten Eingängen und rot gefärbten Dächern. Jene Gebäude, die nicht für die dauerhafte Nutzung vorgesehen waren, wurden grösstenteils aus Gips auf Holzrahmen gefertigt und nach der Ausstellung rückgebaut.
Eine Ausnahme hinsichtlich des Baustils bildete das sogenannte «Forestry Building», ein Blockhaus, das von den Ausstellern stolz als «das grösste der Welt» bezeichnet wurde. Die Behauptung kam aber auch nicht von ungefähr: Über 54 unbearbeitete Douglasien-Baumstämme mitsamt Rinde und in voller Länge wurden für den rund 30‘000 US-Dollar teuren Bau verwendet. Die meisten der riesigen Stämme stammten aus einem alten Baumbestand in Columbia County, Oregon.
Für damalige Verhältnisse war der Holzbau mit einer Länge von 63 Metern, einer Breite von 31 Metern und einer Höhe von 22 Metern ein gewaltiges Bauwerk. Einige der Stämme hatten denn auch einen Durchmesser von rund 1,8 Metern. Im Innenraum befanden sich Säulengänge sowie ein zweistöckiger Mittelgang mit kreuzförmigen Grundriss, der ebenfalls durch Stämme gestützt wurde. Das Gebäude beherbergte diverse Ausstellungen über lokale Forstprodukte, Wildtiere und indianische Fotografien.
Quelle: Library of Congress
Über 54 unbearbeitete Douglasien-Baumstämme mitsamt Rinde und in voller Länge wurden für den Bau verwendet.
Brände, Borkenkäfer und Termiten
Nach Ende der Ausstellung erwarb die Stadt das imposante Holzgebäude. In den folgenden Jahren wurde es dann wegen mangelhaftem Unterhalt stark in Mitleidenschaft gezogen und war am Ende gar baufällig. 1914 wäre das Forestry Building zudem beinahe einem Feuer zum Opfer gefallen, als ein benachbartes Gebäude in Brand geriet und Glut auf das Dach des Holzbaus fiel. Dank dem schnellen Eingreifen der lokalen Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Feuers aber verhindert werden.
In den 40er Jahren wurde dann über einen Abriss des Gebäudes diskutiert, da es inzwischen zu einem Sicherheitsrisiko geworden war und für die Öffentlichkeit geschlossen werden musste. Die Balkone waren aus ganzen Baumstämmen gebaut worden, die sich im Laufe der Zeit verzogen hatten und dadurch gefährlich instabil wurden. Zudem war das Forestry Building zu einem wahren Festsaal für holzzerstörende Organismen geworden: Borkenkäfer und Termiten frassen sich durch das Holz.
Der Staat Oregon – der später in Besitz des Gebäudes war – weigerte sich aber, für Reparaturen des Bauwerks zu zahlen. In den späten 40er Jahren kam es dann wie es kommen musste: Ein weiterer Brand brach aus, der durch Funken aus dem Ofen eines Hausmeister ausgelöst wurde. Das Feuer frass daraufhin ein Loch mit einem Durchmesser von 4,5 Metern in das Dach. Erst in den 1950er Jahren brachte die Handelskammer schliesslich genug Geld auf, um mit der Instandsetzung der veralteten Struktur zu starten.
Quelle: Library of Congress
Im Innenraum befanden sich Säulengänge sowie ein zweistöckiger Mittelgang mit kreuzförmigen Grundriss.
Quelle: Portland Archives
Zwei Frauen sitzen auf einem der Balkone im Inneren des Gebäudes. Die historische Aufnahme zeigt eindrücklich, wie massiv die Stützbalken im Gebäude waren.
Asche im Umkreis von einer Meile
Zu diesem Zeitpunkt stellte man aber fest, dass das Gebäude nie wieder zu seinem alten Glanz zurückfinden würde. Denn das alte Holz, wie es für den Bau verwendet worden war, konnte zwar noch gefunden werden, lag aber wesentlich tiefer im Wald und war weniger einheitlich. Ein weiteres Problem wäre der Transport gewesen, da die Stämme per Lastwagen zum Standort gebracht und spezielle Systeme für die Handhabung hätten entwickelt werden müssen, damit die Rinde nicht beschädigt würde. Das Fazit: Die Suche nach passenden Baumstämmen wäre unerschwinglich, wenn nicht gar unmöglich.
Leider stand das Forestry Building aber auch so unter keinem guten Stern mehr: Am 17. August 1964 brach aufgrund einer defekten elektrischen Leitung ein dritter Brand aus, der für das Bauwerk schliesslich den Tod bedeutete. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder. «Die Flammen schlugen fast zehn Stockwerke hoch», sagte ein Augenzeuge laut einem damaligen Zeitungsbericht des «Oregonian». Das Feuer soll den Himmel meilenweit erleuchtet haben und Asche fiel wie Schneeflocken im Umkreis von einer Meile um das Gebäude auf den Boden.
Nach dem Brand gründete eine Gruppe von Bürgern zusammen mit führenden Vertretern der Holzindustrie das Western Forestry Institute (heute World Forestry Center), um die entstandene Lücke zu füllen. Daraufhin wurde ein neues, feuerfesteres Forstwirtschaftsgebäude aus der Feder des Architekten John Storrs aus Oregon im Washington Park in Portland errichtet.
Quelle: Portland Fire Departement
Der Todesstoss für das Forestry Building: Beim Feuer von 1964 brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder.
Artikel-Serie: Besondere Orte
Mit der Serie «Besondere Orte» stellen wir in loser Folge spektakuläre oder besonders bemerkenswerte Plätze, Bauten und Geschichten auf der ganzen Welt vor.