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Die OECD appelliert an Arbeitgeber auch ältere Arbeitnehmende zu berücksichtigen
Werden ältere Arbeitnehmende von ihren Arbeitgebern diskriminiert, richtet das auch volkswirtschaftlichen Schaden an, warnt die OECD. Sie fordert Regierungen und Arbeitgeber dazu auf, generationenübergreifende Belegschaften zu fördern. Nur so könne man den Veränderungen der Arbeitswelt begegnen.
Im Jahr 2050 werden mehr als vier von zehn Menschen in den fortgeschrittensten Volkswirtschaften älter als 50 Jahre sein. Gleichzeitig wird in den OECD-Volkswirtschaften eine Person im Alter von 65 Jahren und älter auf zwei Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren kommen. Heute ist dieses Verhältnis eins zu drei. Dies zeigt die Studie «Promoting an Age-Inclusive Workforce» auf, welche die OECD veröffentlicht hat.
Rentenpolitik ist an das Alter und nicht die Arbeitsfähigkeit geknüpft
Dennoch sind aktuell Beschäftigungs- und Rentenpolitik sowie viele Unternehmenspraktiken eng an das Alter der Arbeitnehmer gekoppelt und nicht an deren tatsächliche Arbeitsfähigkeit und individuelle Bedürfnisse. Obwohl ältere Erwachsene heute gesünder und besser ausgebildet seien als je zuvor, blieben ihre Talente oft ungenutzt und würden übersehen, so die Autoren.
Arbeitgeber müssen eine altersdurchmischte Belegschaft fördern
«Die Förderung einer grösseren Vielfalt an Erfahrungen, Generationen und Talenten kann enorme Vorteile für Arbeitnehmer, Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes bringen», wird OECD-Generalsekretär Angel Gurría zitiert. Arbeitgeber müssten deshalb Initiativen entwickeln, die eine altersdurchmischte Belegschaft fördern und eine lebenszyklusorientierte Perspektive mit öffentlicher Unterstützung und einem guten sozialen Dialog einnehmen würden.
Höhere Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer verbessert Lebensstandard in OECD
Der Lebensstandard in der gesamten OECD würde sich durch eine höhere Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer deutlich verbessern, so der Bericht. Eine Verlängerung des Arbeitslebens könnte das BIP pro Kopf im Jahr 2050 in den OECD-Ländern um durchschnittlich 19 % steigern, wenn die Beschäftigungsquoten älterer Arbeitnehmer überall zu den leistungsstärksten Ländern wie Island und Neuseeland aufschließen würden.
Altersdiskriminierung ist ein weltweit verbreitetes Problem
Altersdiskriminierung ist nach wie vor ein weltweit verbreitetes Problem, das die Beschäftigungsmöglichkeiten älterer und manchmal auch jüngerer Arbeitnehmer einschränkt und erhebliche Kosten für die Wirtschaft verursacht.
Anstatt sich auf das Alter zu konzentrieren, sollte die Arbeitsmarktpolitik auf die verschiedenen individuellen Umstände und Kontexte zugeschnitten sein, so die Autoren weiter. Das bedeute, dass altersdiskriminierende Einstellungspraktiken abgeschafft und altersübergreifende Kulturen gefördert werden müssten, in denen sich alle Arbeitnehmer unabhängig von ihrem Alter wohl und geschätzt fühlten.
Bindung von Talenten ist entscheidend
Der Bericht liefert Belege dafür, dass Arbeitgeber, die positiv auf die sich verändernden Bedürfnisse der Mitarbeiter während ihres Lebenszyklus und ihrer Karrierestufen reagieren, ihren Erfolg bei der Gewinnung, Motivierung und Bindung von Arbeitnehmern verbessern. Diese Arbeitnehmer wiederum seien eher bereit, einen grösseren Beitrag zu ihrem Arbeitsplatz zu leisten und diesen effizient und produktiv zu gestalten, sind die Autoren überzeugt.
Arbeitsregelungen müssen flexibler und Mentorenprogramme geschaffen werden
Neben flexibleren Arbeitsregelungen könnten die Implementierung von Rückkehrprogrammen und die Bereitstellung von Möglichkeiten zur Karriere- und Finanzplanung während des gesamten Lebenszyklus der Mitarbeiter als wirksame Massnahmen zur Mitarbeiterbindung sowohl für jüngere als auch für ältere Arbeitnehmer dienen. Mentorenprogramme von jung nach alt würden auch viele Vorteile im Kontext von Mehrgenerationen-Arbeitsplätzen bieten und könnten helfen, Altersstereotypen aufzubrechen, empfehlen die Autoren.
Mitarbeiter brauchen Ausbildung und Kompetenzentwicklung
Regierungen und Unternehmen sollten zudem ihre Ansätze für Ausbildung und Kompetenzentwicklung überdenken. Derzeit würden nur 41% der Erwachsenen in der OECD an einer berufsbezogenen Weiterbildung teilnehmen. Und Arbeitnehmer, die jünger, höher qualifiziert und in Vollzeit beschäftigt seien, erhielten eher eine Weiterbildung als solche, die älter, geringer qualifiziert oder in Teilzeit tätig seien. Menschen zu ermutigen, ihre Qualifikationen während ihrer Karriere und ihres Lebens zu erhalten und weiterzuentwickeln, würde zu erheblichen Produktivitätsgewinnen führen und mehr älteren Menschen helfen, ihr Arbeitsleben zu verlängern, so das Fazit der Autoren.