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Giulia Senn ist eine der neun Läuferinnen, welche in der engeren Auswahl für die 4x400m Staffel der Olympischen Spiele steht. Sechs von ihnen wären dann im September für die Spiele nach Tokyo gereist, nun wurden diese um ein Jahr verschoben. Giulia gibt uns einen Einblick, wie es nun weitergeht.
Bist du traurig, dass Tokyo um ein Jahr verschoben wurde oder siehst du es auch als Chance für dich, da du bis dann noch mehr trainieren kannst?
"Ja, ganz klar bin ich traurig. Aber bis zum nächsten Jahr kann ich noch mehr trainieren und noch schneller werden. Ich sehe es als eine Chance mich weiterhin zu verbessern, da ich noch jung bin."
Wäre die Teilnahme der 4x400m Staffel bereits jetzt definitiv gewesen oder hättet ihr euch noch qualifizieren müssen?
"Jein. Die besten 16 Staffeln der Welt können an den Spielen teilnehmen und wir sind bis anhin unter diesen. Jedoch massgeblich ist das World Ranking kurz vor den Spielen. Wir hätten jetzt im April noch ein Trainingsweekend in Tenero gehabt, welches aber abgesagt wurde."
Hast du dir schon neue Ziele für diese Saison gesetzt, jetzt wo die Olympiade und die U20 WM nicht stattfinden?
"Nebst den Schweizermeisterschaften wurde die Europameisterschaft noch nicht abgesagt, dort könnte ich auch allenfalls mit der 4x400m Staffel mit. Im nächsten Jahr ganz klar die Olympischen Spiele und die U23 EM. Momentan möchte ich weitertrainieren und mich dabei nicht verletzen."
Was für Trainings machst du jetzt? Wie ersetzt du fehlendes Material?
"Momentan trainiere ich gleich viel, wenn nicht mehr, da ich oftmals zwei Trainings pro Tag auf dem Plan habe, was vorher mit der Schule gar nicht möglich war. Es ist ein komisches Gefühl alleine zu trainieren, aber ich gewöhne mich so langsam daran. Da ich mich jetzt in der Aufbauphase befinde, mache ich viele Hügelläufe. Wenn mal etwas auf der Bahn ansteht, dann kann ich auf die 250m Bahn in Oerlikon ausweichen. Dort mache ich «Ausdauertrainings»; 5x300m, dann 6x200m und zum Abschluss 8x100m, zwischen den einzelnen Läufen gibt es eine einminütige Pause und zwischen den verschiedenen Distanzen 5 Minuten. Die Zeiten sind eher locker angesetzt mit ca. 52’’ auf 300m, 30-32’’ auf 200m und die Hunderter jeweils so schnell wie es noch geht.
Ich merke es vor allem in meinem Krafttraining, dass ich nicht die gleichen Materialien habe wie sonst. So brauche ich zwischendurch auch mal die Hilfe meiner Eltern oder meines Bruders, um Gewichte auf die Schultern hochzuheben."
Bild: Alex Wagner