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04.12.2019 - Bernadette Reichlin
04.12.2019
Bernadette Reichlin
Der pfeifende Ziegenbock
Wer oder was macht was oder wie? Manchmal irritieren Texte statt zu informieren. Ein Beispiel: … als er ein Pfeifen hörte. Es war eine Kugel, die ein Ziegenbock namens Patrick traf. „Wer hat da wen wie getroffen? Warum hat der Ziegenbock wohl die Kugel angegriffen und dabei gepfiffen?“ schrieb Thomas Kägi, ein treuer Leser dieser Kolumne, der mir dieses sprachliche Holperding schickte. Vielleicht hat ja auch der Akkusativ gepfiffen, der vergessen gegangen ist.
Es geht noch irritierender: Das Tier wurde einem Landwirt entnommen. Ein ähnlicher Vorfall wird schon in der Bibel vermeldet: Gott entnahm Adam eine Rippe, aus der er Eva formte. Aber ein ganzes Tier, ein Ziegenbock etwa? „Hoffentlich hat der Landwirt überlebt!“, schreibt Thomas Kägi dazu.
Fragen wirft auch die folgende Meldung auf: Dissidenten wurden gehängt und nach Sibirien verbannt. Umgekehrt würde die Sache ja Sinn machen – wenn solche Strafmassnahmen überhaupt sinnvoll sind. Vielleicht müsste einfach das „und“ durch ein „oder“ ersetzt werden.
Ein falsches Wort, oder eines zuviel oder zuwenig, kann nicht nur eine Beziehung zerstören, sondern einen ganzen Text verfälschen. Die Halle ist nicht nur gross, sondern auch riesig. Was heisst da „auch“? Könnte eine grosse Halle auch winzig sein? Zeitungstexte sollten Fragen beantworten und nicht neue aufwerfen. Auch ein Wort zu viel – oder ein paar zu wenig – steckt im Titel „Mann tötet seine eigene Mutter“. Seine und eigene sagen dasselbe aus. … die Mutter seiner Nachbarin/ seines Freundes, das wären eine wortreichere, bei dieser Meldung wohl aber eine falsche Präzisierung.
Manchmal ist Zeitungslektüre auch lehrreich: Wettbewerbliche Vorteile hat da ein Unternehmen – und ich ein Wort gelernt, das ich bisher nicht kannte. Auch wenn es im Duden steht. Ich überlege: Wenn aus dem Substantiv „Wettbewerb“ ein Adjektiv werden kann, sollte doch das Verb nicht mehr weit sein: Ich wettbewerbe, du wettbewirbst …
Der Weiher sei in Gefahr, zu einem verschlampten Tümpel zu werden. So die Meldung. Also, ich finde es nicht richtig, ein Stück Natur Schlampe zu schimpfen. Ein Weiher kann ja nichts dafür, dass in ihm ein reger Kreislauf des Lebens herrscht. Achten sollte man lediglich darauf, dass der Weiher dabei nicht verschlammt und trüb wird. Sonst ist es nämlich bald vorbei mit dem lustigen Leben der Frösche, Kröten und anderen Tümpelbewohnern.
Zum Schluss noch eine Delikatesse aus der Gastroszene: Der Teller, in dem das Essen serviert wird, ist beste Hausmannskost. Wer, was, wie, kann da wieder gefragt werden. Entweder war das Essen so gut, dass der Teller begeistert mitgegessen wurde oder alles schmeckte so nach Karton, dass der (Karton?)-Teller aus Versehen ebenfalls in den Mund wanderte. Wo da die Hausmannskost bleibt? Aber vielleicht ist der Gastrokritiker ein Appenzeller. Denn diese essen ihren Käse mitsamt dem Teller. Haben wir schon als Kind gesungen.