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Ein aus Grüntee-Blättern hergestelltes Arzneimittel hat in einer offenen Studie, die in Cancer Prevention Research (2009; doi: 10.1158/1940-6207.CAPR-08-0167) publiziert wurde, bei Patienten mit Prostatakrebs vor einer geplanten Operation mehrere Tumormarker vermindert.??Grüntee ist reich an Polyphenolen, denen – neben einer Reihe weiterer gesundheitsfördernder Eigenschaften – eine krebshemmende Wirkung zugeschrieben wird.
Die Hinweise stammen zumeist aus experimentellen Untersuchungen oder aus epidemiologischen Beobachtungen, die eine geringe medizinische Aussagekraft besitzen. ??Inzwischen liegen aber erste Resultate aus klinischen Studien vor.
Vor drei Jahren berichteten Saverio Bettuzzi und Mitarbeiter der Universität Parma, dass Patienten, bei denen in einer Prostatabiopsie eine intra-epitheliale Neoplasie (eine Präkanzerose) entdeckt worden war, seltener an einem Prostatakrebs erkranken, wenn sie täglich drei Kapseln eines Extraktes einnahmen, das reich an Grüntee-Epigallocatechinen war: Nach einem Jahr erkrankten nur einer von 30 Teilnehmern im Vergleich zu neun von 30 in der Kontrollgruppe (Cancer Research 2006; 66: 1234-40). Eine Auswirkung auf den PSA-Wert wurde aber nicht erzielt.??
Anders war dies in der Studie der Forschungsgruppe um James Cardelli vom Feist-Weiller Cancer Center in Shreveport im US-Staat Louisiana. Hier waren die Patienten allerdings schon an einem Prostatakrebs erkrankt, die PSA-Werte darum höher. ??Die 27 Teilnehmer im Alter zwischen 41 und 72 Jahren befanden sich nach einer positiven Biopsie auf der Warteliste für eine radikale Prostatektomie (Entfernung der Prostata). Während diesem Zeitraum nahmen sie täglich 4 Kapseln eines Extraktes ein, die laut Cardelli zusammen so viele Polyphenole enthielten wie 12 Tassen Grüntee.
In den median 34,5 Tagen bis zur Operation zeigte sich ein signifikanter Rückgang beim prostataspezifischen Antigen (PSA). Bei einigen Patienten soll sich der Wert um mehr als 30 Prozent vermindert haben. Zu einem signifikanten Rückgang kam es auch bei zwei Krebswachstumsfaktoren, dem hepatocyte growth factor (HGF) und dem vascular endothelial growth factor (VEGF). Die positiven Effekte auf HGF und VEGF wurden später im Labor auch an Fibroblasten aus den Präparaten nachgewiesen.??Von diesen beiden Studien auf eine krebshemmende Wirkung zu schließen, wäre verfrüht, zumal die US-Studie noch nicht einmal eine Vergleichsgruppe hatte. Offen bleibt auch, welche klinischen Auswirkungen eine präoperative Reduktion der Tumormarker haben könnte.
Immerhin zeigen beide Studien, dass die Grüntee-Extrakte sicher zu sein scheinen. Die italienischen Forscher berichteten über zwei Durchfallerkrankungen, die sich jedoch spontan besserten, die US-Kollegen haben auch die Leberwerte analysiert und hier eher Verbesserungen gefunden als Hinweise auf eine Hepatotoxizität (Giftwirkung auf die Leber). ??Wie William Nelson von der Johns Hopkins Universität in Baltimore, der Herausgeber von Cancer Prevention Research, in der Pressemitteilung berichtet, hat inzwischen eine ähnliche Untersuchung beim Mammakarzinom (Brustkrebs) begonnen.
Quelle:
www.aerzteblatt.de
Originalpublikation:
http://cancerpreventionresearch.aacrjournals.org/cgi/content/abstract/1940-6207.CAPR-08-0167v1
Kommentar:
Das “Aerzteblatt” stellt meines Erachtens sehr zu Recht fest, dass noch offen ist, welche Auswirkungen die präoperative Verminderung von Tumormarkern auf den Krankheitsverlauf haben könnte. Mit anderen Worten: Aus der Veränderung von Laborwerten kann noch nicht auf eine günstige Wirkung auf den Prostatakrebs geschlossen werden. Es besteht bei solchen Studien immer die Gefahr, dass sie in dieser Richtung überinterpretiert werden. Das kommt nämlich allen Beteiligten entgegen:
Wir Leserinnen und Leser wünschen uns ja sehnlichst einfache, natürliche Schutzmittel gegen Krebs. Die Medien bekommen mehr Aufmerksamkeit mit reisserischen Aussagen, während differenziertere, leisere Töne untergehen. Und selbst die Forschenden profitieren oft von einer möglichst erfolgversprechenden Darstellung ihrer Arbeiten, geht es doch nicht selten auch um die Sicherung oder Erschliessung weiterer Geldquellen.
Nichtsdestotrotz ist es natürlich begrüssenswert, dass in letzter Zeit so viele wissenschaftliche Studien sich mit Grüntee und seinen gesundheitlichen Wirkungen beschäftigt haben.
Aus diesen Forschungen scheint mir zu mindestens ein Aspekt klar: Es braucht, um fassbare Effekte auf die Gesundheit zu erzielen, ziemlich hohe Grüntee-Dosen konstant über den Tag verteilt und über längere Zeiträume eingenommen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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