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Alle sieben Talgemeinden sollen sich fortan in einer Kommission zusammenfinden, um einen neuen Anlauf für eine Fusion im Verzascatal zu unternehmen, schrieb die Tessiner Regierung in dieser Woche. Der letzte Fusionsversuch ging auf das Jahr 2013 zurück, als sechs Gemeinden Ja zu einer einheitlichen Ortschaft von Sonogno bis Vogorno sagten. Nur die Gemeinde Lavertezzo lehnte die Idee ab und so geriet das Projekt ins Schlingern.
Lavertezzo weist zusammen mit Cugnasco-Gerra die Besonderheit auf, dass ihr Gemeindegebiet zweigeteilt ist. Ein Teil liegt oberhalb im Verzascatal, der untere Teil in der Magadinoebene.
Zwei unterschiedliche Lebens- und Arbeitswelten also, doch bei allen Gemeindeangelegenheit und Abstimmungen spricht die Gemeinde mit einer Stimme. Die Teilung habe geschichtliche Gründe, erklärt Elio Genazzi von der Abteilung der Gebietskörperschaften auf Anfrage.
Zur Zeit der Wanderweidewirtschaft hätten die Menschen den Sommer in den Bergen und den Winter in der Ebene verbracht. Mittlerweile lebt der Grossteil der Bevölkerung in den betreffenden Gemeinden jedoch in der Ebene - ein Umstand, der auch auf Abstimmungsresultate einen Einfluss haben kann.
Im Fall von Lavertezzo kam es zu einem Konflikt, der bis vor dem Bundesgericht landete. Es annullierte mit dem Entscheid vom September 2015 die Zwangseingliederung von Lavertezzo-Tal in eine neue Grossgemeinde im Verzascatal, weil sie gegen kantonale Normen verstosse. Dem voraus ging eine Beschwerde von Bewohnern aus Lavertezzo-Ebene, welche nicht von ihrem "Zwilling" im Tal getrennt werden wollten.
Die Tessiner Regierung nahm deshalb in der Zwischenzeit eine Änderung im Fusionsgesetz vor, so dass eine Aufteilung einer Gemeinde neu möglich ist.
Ob von diesem geänderten Gesetz im Fall des Verzascatals überhaupt Gebrauch gemacht werden müsse, wird laut Genazzi erst eine neue Abstimmung zeigen. Damit es zu dieser kommen kann, müssen sich nun die sieben Gemeinden auf einen neuen Versuch einigen. Die Fusion soll laut der Regierung den "prekären Zustand" der Verzascatal-Gemeinden beenden und sie zugleich in einer "kompakten Struktur" vereinen.
Eine der abstimmenden und demnach auch betroffenen Gemeinden wäre Corippo, die derzeit das öffentliche Leben für 13 Bewohner organisiert. Sie gilt derzeit als kleinste Gemeinde der Schweiz.
Das Tessin erlebt seit ungefähr 15 Jahren einen grossen Strukturwandel auf Gemeindeebene. Zählte das Tessin laut Genazzi im Jahr 2000 noch 245 Gemeinden, könnten es in "zwei bis drei Jahren" nur noch rund 100 sein.
(SDA)