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Eine Studie hat herausgefunden, dass
85 Prozent der Jugendlichen zeigten bessere Resultate, wenn sie sich
voll und ganz auf Etwas konzentrieren. Nach dieser Untersuchung
gibt es aber 15 Prozent, die besser arbeiten, wen sie Verschiedenes
gleichzeitig tun. In "20 Minuten" heisst der Titel
"Jeder 7. Teenager arbeitet besser dank multitasking".
An dieser Geschichte sind mehrere Dinge interessant: erstens wurde die
Studie von Jugendlichen (17-18 jährige gemacht). Man muss die Studie also mit
mit einem Körnchen Salz geniessen. Zweitens hatten die Versuchsteilnehmer
selbst entschieden, ob sie Multitasker sind oder nicht. Das ist schwierig zu
beurteilen weil der Begriff Multitasking nicht sehr klar definiert ist: gilt
das Hören von Musik zur Arbeit als Multitasking?
Drittens - und das ist aus rhetorischer Sicht, der interessanteste Punkt -
wurde die Aussage der Studie gedreht und damit in den Medien verbreitet:
es sieht vom Titel so aus, als ob Multitasking gut sei.
Angenommen, eine neue Herzoperation wird getestet und eine Studie zeigt, dass
80 Prozent der Patienten dabei sterben. Der Titel wäre:
"Jeder 5. Patient wird dank neuer Herzoperation gesund."
Klingt doch toll, nicht?
20 Min: Jeder 7. Teenager arbeitet besser dank multitasking
.
Die zwei Studienleiterinnen Sarayu Caulfield (17) und Alexandra Ulmer
(18) haben am vergangenen Wochenende in San Diego die Zusammenfassung
ihrer Untersuchung vorgestellt. "Wir wollten unbedingt herausfinden, wie
Medien-Multitasking junge Menschen beeinflusst", sagte Caulfield. Ulmer:
"Die Ergebnisse unserer Studie deuten darauf hin, dass sich das Gehirn
von uns jungen Digital Natives an den Einfluss der konstanten Berieselung
durch Medien gewöhnt hat und - weil wir damit aufgewachsen sind -
mit den verschiedenen Reizen zurechtkommt."
Für die Studie haben die Schülerinnen 400 Jugendliche
analysiert. Die Teilnehmer wurden basierend auf einem standardisierten
Test der Stanford-Universität in "sehr gute", "mittelgute" und
"schlechte" Medien-Multitasker unterteilt und willkürlich in einen
von zwei Räume geschickt. Dort lösten sie eine Reihe von
kognitiven Tests am Computer. Die Aufgaben waren einfach: So mussten
sie beispielsweise erkennen, ob sich ein bestimmtes farbiges Rechteck
bewegte, wenn sich der Hintergrund auf dem Bildschirm änderte.
Im Multitasking-Raum lösten die Studenten die Tests und hörten
währenddessen Musik, tippten auf ihren Handys, surften im Internet
und lasen Mails. Die Teilnehmer im Nicht-Multitasking-Raum machten
dieselben Tests, einfach ohne Ablenkungen. "Es hat sich gezeigt: Die
meisten Teenager erbrachten bessere Leistungen, wenn sie sich auf nur
eine Aufgabe konzentrierten", so Ulmer. "Aber diese eine Gruppe - die sehr
guten Multitasker - arbeitete am besten in einer Multitasking-Umgebung."
Gregor Waller vom Departement Angewandte Psychologie an der
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)
hat sich auf das Gebiet der Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen
spezialisiert. Seiner Meinung nach hängt die Leistungsfähigkeit
beim Multitasking vor allem vom Bereich ab, der das Gehirn fordert. "Jeder
kann Auto fahren und währenddessen ein Gespräch führen",
sagt er. Dies habe damit zu tun, dass das Bedienen des Fahrzeugs einen
anderen Teil des Gehirns fordere als das Sprechen.
So verhalte es sich auch bei den Tests, die in der Studie
durchgeführt worden seien. Rechtecke zu erkennen beanspruche
den visuellen Bereich, während Musik hören eine auditive
Tätigkeit sei. "Das kann funktionieren, weil sich die kognitiven
Bereiche wenig überschneiden und so keine oder nur eine minime
Ablenkung entsteht", so Waller.
Wenn jemand beispielsweise aber ein deutsches Buch lese und dazu Musik
mit deutschen Texten höre, sei die Ablenkung viel grösser, weil
bei beiden Tätigkeiten die Verarbeitung von Sprache eine zentrale
Rolle spiele. Hätten die Teilnehmer also eine Mathematikprüfung
lösen müssen, bezweifle er, dass sie gleich gut abgeschnitten
hätten.
"Ich bin grundsätzlich der Überzeugung, dass jeder Mensch
produktiver und effizienter arbeitet, wenn er sich auf nur eine Aufgabe
konzentriert." Dass das Gehirn allerdings anpassungsfähig sei und
nach einer gewissen Zeit einen Trainingseffekt zeige, könne er sich
durchaus vorstellen. Hier glaube er aber, dass eher eine Art Ausblendung
stattfinde. "Wenn jemand beispielsweise seit vielen Jahren immer vor dem
Fernseher lernt, dann kann sich das Gehirn an die Geräusche und
Bilder gewöhnen und die Ablenkung ausblenden - das bedeutet aber
auch, dass die Person nicht viel davon mitbekommt, was im TV läuft."