Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03239.jsonl.gz/390

Die US-Immobilienkrise hat 2008 eine (fast) globale Finanzkrise und Rezession ausgelöst. Um diese zu entschärfen, haben die Zentralbanken das System mit Liquidität überflutet und die Regierungen
mussten hunderte Milliarden Dollar und Euro in die Hand nehmen, um das Finanzsystem sowie grosse Arbeitgeber zu retten. Der Entschuldung von Hausbesitzern (insbesondere in USA) sowie Banken steht
ein massiver Anstieg der Staatsverschuldung gegenüber. Anleger begannen sich deshalb Gedanken über die Bonität gewisser Staaten zu machen und wurden in den GIPSI-Staaten (Griechenland, Irland,
Portugal, Spanien und Italien) fündig. Auf die globale Finanzkrise folgte deshalb eine Euro-Krise.
Weil in "Euroland" eine Währungsabwertung nicht möglich ist, versuchten die Finanzminister und die EZB, z.T. mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds, mit einer Austeritätspolitik die
Staatsfinanzen zu gesunden und damit das Vertrauen in den Euro sowie die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Die Folge war, dass die Arbeitslosigkeit z.T. auf über 25 % stieg mit
entsprechenden sozialen Kosten. Und je länger die Gesundung auf sich warten liess, desto geringer war die politische Akzeptanz und Durchsetzbarkeit. Heute muss festgestellt werden, dass mit höheren
Einnahmen und/oder tieferen Ausgaben das Verschuldungsproblem nicht gelöst werden kann. Die EZB hat deshalb eine Kehrtwende vollzogen und ein massives Anleihekaufprogramm gestartet. Dadurch sind
die Renditen von kurz- und mittelfristigen Staatsanleihen negativ geworden. Um den Kapitalzufluss in Grenzen zu halten, führte die Schweizerische Nationalbank einen Negativzins von 0.75 % ein.
Die USA und Japan versuchten seit 2008 durch extrem tiefe Zinsen und "quantitative easing" (Kauf von Staatsanleihen, was gemeinhin als "Notenpresse" bezeichnet wird) eine "asset price inflation"
in Gang zu setzen und einen "wealth effect" zu erzielen, damit die privaten Haushalte wieder mehr ausgeben. Der zusätzliche Konsum soll die Wirtschaft ankurbeln und neue Stellen schaffen. Während
dies in USA zum Ziel geführt hat, blieb "Abenomics" in Japan der Erfolg weitgehend versagt. Der Grund dafür ist die Abschottung und fehlende Reformbereitschaft Japans sowie die Überalterung
seiner Bevölkerung.
Beiden Ansätzen ist gemeinsam, dass das Problem der zu hohen Staatsverschuldung nicht gelöst, sondern nur in die Zukunft verschoben wird. Und mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass
mit höheren Einnahmen und/oder tieferen Ausgaben das Verschuldungsproblem überhaupt nicht mehr gelöst werden kann, weil beides sofort in eine Rezession mit enormen sozialen Kosten führt. Auch
eine Normalisierung der Zinsen scheint ohne "Crash" an den Aktienmärkten nicht mehr möglich zu sein; ein solcher würde aber zu einem Rückgang des Konsums und damit der ohnehin schon schwächlichen
Konjunktur führen.
Weil die Staatskassen leer sind, liegt die Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik heute auf den Schultern der Zentralbanken. Deren Instrumentarium ist aber sehr beschränkt. Der einzige Weg zur
Konjunkturankurbelung sowie Reduktion der Schuldenlast (und nun auch noch Deflationsbekämpfung) ist "asset price inflation" und damit Aushöhlung der Kaufkraft der eigenen Währung.
Da wir uns auf völlig neuen Pfaden bewegen, sind noch nicht alle Auswirkungen und langfristigen Folgen der "unkonventionellen Geldpolitik" der Zentralbanken klar absehbar. Eines ist jedoch schon
heute sicher: Die Zentralbanken haben auf Druck der Politik die Wertaufbewahrungsfunktion ihrer Währung der Beschäftigungspolitik geopfert. Für den Anleger bedeutet dies, einen grossen Bogen um
jegliche Form von Nominalwertanlagen zu machen und nur noch in Realwerten anzulegen. Diese unterliegen zwar Wertschwankungen, schützen aber vor der Aushöhlung der Kaufkraft, Abwertungen,
Währungsreformen, Schuldenmoratorien u.ä.m.
Die von der "unkonventionellen Geldpolitik" ausgelöste "asset price inflation" hat zu einer Überbewertung der meisten Anlageklassen (insbesondere der Aktien) in Europa, Japan und USA geführt.
Deshalb ist grösste Selektivität bei der Auswahl der Anlagen angesagt.