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Grosse Verdienste für die Entwicklung des Dorfes
In unserer Serie berichten uns ältere Menschen, die in der Rhode Lienz wohnen, aus ihrem Leben. Die Weiterentwicklung des Dorfes war für den während 20 Jahren in der Rhodsverwaltung amtierenden Moritz Ruppanner ein grosses Anliegen. Er hatte eine Vision, etwas Neues zu schaffen und das Dorf weiterzubringen. Der Schuttabbau in der Litten und der Bau des neuen Dorfstrassennetzes kosteten die damalige Rhodsverwaltung viel Schweiss, Energie und Überzeugungskraft.
Moritz Ruppanner ist mit seinen Eltern und fünf Geschwistern in Lienz aufgewachsen. Sein Vater betrieb zuerst eine Sägerei und wechselte dann ins Bauerngewerbe. Nach der Sekundarschule in Oberriet besuchte Moritz Ruppanner die Landwirtschaftliche Schule. Die Kindheit und Jugendzeit war geprägt von körperlich strenger Arbeit, erinnert er sich und macht diese verantwortlich für seine späteren gesundheitlichen Probleme. «Die 90 kg schweren Weizensäcke, die wir auf dem Rücken zu tragen hatten und die Drainagen im Sumpf oder in den Schollenböden fuhren in den Rücken», so Ruppanner.
Arbeit gab es genug Der junge Moritz bei der Arbeit
Im Jahre 1957 verunglückte seine Mutter und vier Jahr später auch sein Vater. Als einziger Sohn, der noch im Haus der Eltern lebte, führte er fortan mit seiner Frau Martha den Bauernbetrieb weiter. Den Eheleuten wurden drei Kinder geschenkt: Helen, Roger und Jörg. Neben der Arbeit auf dem Bauernhof führte Ruppanner für die Rhode damals noch Holzarbeiten aus. Arbeit gab es mehr als genug für die junge Familie und dennoch war da der Wille, mehr zu leisten und sich in einem öffentlichen Amt zu engagieren. Im Januar 1965 wurde Moritz Ruppanner in den Verwaltungsrat der Rhode Lienz gewählt und war zuerst zuständig für die Wald-/Weideausscheidung auf den Alpen Gräshalden und Räberen. Ein schwieriges und streitbares Unterfangen, wie sich bald herausstellen sollte.
Moritz auf der AlpViel Energie für die Rhode
Beide Seiten, die Rhode und die Alpkorporationen kämpften vehement um ihr vermeintliches Recht. Der Streit konnte erst im Jahre 1997 per Gerichtsbeschluss beigelegt werden. Im Januar 1969 übernahm er das Amt des Rhodmeisters und damit viele ungelöste Probleme. Nach der Flutkatastrophe vom 3. Juli 1967 war eine Strassensanierung bitter nötig. Dazu brauchte es Geld – das nicht vorhanden und auch nicht in Aussicht war. Der rettende Anker kam im Beschluss der Regierung, die Entnahme von Kies aus dem Rhein zu sperren, da sich die Rheinsohle beträchtlich gesenkt hatte. Das Kiesmaterial für den Strassenbau wurde damit rar – Hangschotter war eine Alternative. Dem Geschäftssinn von Moritz Ruppanner und der damaligen Rhodsverwaltung ist es zu verdanken, dass nach zähen Verhandlungen ab 1971 in der Lienzer Litten Schutt abgebaut und damit die dringend benötigte Geldquelle für das Dorf Lienz erschlossen werden konnte. Das Unterfangen hatte jedoch auch viele Gegner. So war der Schuttabbau jahrelang verbunden mit vielen Unannehmlichkeiten, Ärgernissen und Einsprachen, die Ruppanner nicht selten den Schlaf geraubt hatten. «Die Einwohner mussten immer wieder von Neuem davon überzeugt werden, dass die Einnahmen ja dem ganzen Dorf zugute kommen würden», erinnert er sich.
Martha und Moritz Ruppanner
Es war im Januar 1973, als die Rhodsverwaltung bekannt geben konnte, einen ausserordentlichen Beitrag von 500‘000 Franken zu leisten für die Schaffung besserer Infrastrukturen, Strassen und einer Kanalisation für das Dorf. Gegen dieses Vorhaben hagelte es erneut Einsprachen, viele Lienzer wollten die neue, parallel zum Hang verlaufende Strassenführung nicht. «Wäre die Rhodsverwaltung nicht hartnäckig genug gewesen, hätte es in Lienz damals keine Entwicklung geben können.» sagt Ruppanner. «Heute spricht niemand mehr von jener schwierigen Zeit. Ja, ja, die Zeit vergeht und die Leute vergessen schnell.»
Das Buch «Die Rhode Lienz»
Moritz Ruppanner erzählt sichtlich gerne aus der Zeit im Verwaltungsrat der Rhode und hat seine Erinnerungen und Erfahrungen in einer Art Biografie zusammengefasst. Diese liest sich wie ein spannender Krimi in dem Lienzer Schutt, Strassen und Menschen die Hauptrolle spielen. Es sind 20 Jahre, die das Leben von Moritz Ruppanner geprägt haben. Damit nicht alles vergessen geht und als Abschluss seiner Tätigkeit im Dienste der Öffentlichkeit lancierte der ehemalige Rhodmeister (in Zusammenarbeit mit dem Altstätter Historiker Werner Kuster) das Lienzer Buch «Die Rhode Lienz». Für das am 1. Dezember 1995 veröffentlichte, 336 Seiten starke Werk recherchierte Ruppanner während sieben Jahren intensiv und trug einmal mehr die Hauptlast.
Unternehmer oder Treuhänder
Unternehmergeist und Weitsicht begleiteten Moritz Ruppanner auch privat. Viele Jahre ging er für den Landverband auf Reisen. «Mit Zahlen konnte ich schon immer gut umgehen,» sagt der ehemalige Leiter Kommunalmaschinen beim Landverband. Im Alter von 52 Jahren schloss er seine berufsbegleitende Weiterbildung zum Technischen Kaufmann mit Erfolg ab. Moritz Ruppanner hatte Ideen und er wollte es zu etwas bringen. So war er politisch wie auch wirtschaftlich sehr aktiv. Mit dem Anbau von Chinaschilf ging er neue Wege. Das vielversprechende Geschäft wurde jedoch durch den Preisdruck aus dem Ausland zunichte gemacht. Die schwere Arbeit in jungen Jahren hat den heute 85-jährigen Moritz Ruppanner körperlich in die Knie gezwungen. 18 Operationen musste er bereits auf sich nehmen und dennoch beherrschen starke Schmerzen seine Tage. Würde er heute etwas anders machen in seinem Leben? «Wäre ich nochmals jung, würde ich nach der Sekundarschule die Kanti besuchen, studieren und dann Unternehmer oder Treuhänder werden», sagt er.
Text/Bilder: Heidy Frei