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6F1. Huters Kritik am Newtonschen Gravitationsgesetz
1. Teil I
Carl Huter: Welt- und Menschenkenntnis, 1905. III. Lehrbrief, vierte Lektion
Gliederung und Fettdruck durch die Carl-Huter-Stiftung.
Zitat Anfang:
- Aber auch dieses rein mechanische Gesetz versagt z. B. bei einer Anzahl Kometen, auch dieses Gesetz ist unvollkommen, es erklärt nichts von Entwicklung, Ruhe-, Flug- und Lebenstriebkraft der Weltkörper.
- Es lässt kalt, es behandelt die Materie und die Weltkörper wie tote Massen und doch ist überall volles Leben in der Masse.
- Es lassen sich ausserdem, besser als alle diese Astronomen, Mathematiker und Physiker es vermocht haben, die Körperformen, Bewegungsbahnen, Entfernungen, Dichte usw. der Sonne, der Planeten, Monde und Kometen und ihre individuelle Eigenart und Wertmasse nach meiner neuen Weltformellehre berechnen. *), **)
- Es würde zu weit führen, dieselbe detailliert darzulegen. Ich kann hier nur in grossen Zügen das neue Empfindungs-, Formen-, Bewegungs- und Harmoniegesetz erklären, ein Gesetz, das nicht nur im Bau eines Weltsystems Gültigkeit hat, sondern das bei jeder Kristallisation von Elementen wiederkehrt, und das in der Zelle waltet wie in jedem Lebewesen. **)
Zitat Ende.
*) Eine kurze Erläuterung zur Weltformellehre findet man in Carl Huter: Welt- und Menschenkenntnis, III. Lehrbrief, vierte und fünfte Lektion. Dort nennt er diese Lehre "Weltformellehre mit dem Zonen-, Sphären- und Polaritätsgesetz."
**) Weitere Erläuterungen hat Huter nicht veröffentlicht und vermutlich auch mündlich nicht gegeben. Es ist nicht auszuschliessen, dass Carl Huter ein Dokument mit entsprechenden Erläuterungen erstellt hat und dass man es früher oder später auffinden wird.
2. Teil II
Carl Huter: Welt- und Menschenkenntnis, 1905. III. Lehrbrief, fünfte Lektion
Gliederung und Fettdruck durch die Carl-Huter-Stiftung.
Zitat Anfang:
- Was nun das Gesetz der Schwerkraft anbetrifft, so möchte ich hier erwähnen, dass mit dem vermeintlichen Newtonschen Gesetz keineswegs alle mathematischen Möglichkeiten erschöpft sind.
- So wahrscheinlich, ja für manche vielleicht unerschütterlich, das Newtonsche Gravitationsgesetz erscheinen mag, so wenig erklärt es das Leben und Empfinden in oder meinetwegen ausser der Materie, und das ist der hinkende Pferdefuss bei diesem vermeintlich gefundenen Gravitationsgesetz, das als wissenschaftliches Dogma unsere besten Geister beherrscht.
- Dieses Gesetz ist nur und nichts weiter als eine relative Anschauung, nach der sich bisher das Weltgebäude nach Masse, Form und Bewegung erklären liess. Wenn diese Anschauung sich in eine mathematische Formel kleidete, die ausserdem in ihren Gleichungen sich sogar mit den Tatsachen oder mit dem Naturgeschehen deckt, wenigstens soweit wir es mit der Mechanik zu tun haben, so ist sie zunächst befriedigend.
- Da sie aber das Leben, das Empfinden vollständig ignoriert, so muss sie dem tiefer Schauenden recht dürftig und mangelhaft vorkommen.
- Er mag sich vielleicht damit abfinden, und da er nichts Besseres zu finden weiss, sich sogar gefangengeben in diese bestrickenden mathematischen Formeln.
- Aber sie bringen gerade den furchtbaren Widerspruch in die wirkliche Wahrheit vom "Sein" hinein; denn nichts ist realer als das Empfinden selbst, und da dieses vor diesen mathematischen Formeln als nicht vorhanden erscheint, so sind eben diese Formeln falsch.
- Ich weiss, ich wage viel mit dieser Behauptung, aber ich habe die Logik des gesunden Menschenverstandes hinter mir, der jedem sagen wird, die scheinbaren Gesetze, die Kepler und Newton fanden, beschreiben wohl, aber sie befriedigen nicht; sie können unmöglich schon die Wahrheit in allen Punkten getroffen haben, da sie das Leben, das Empfinden ausschliessen. Der kalte Rechner oder vielleicht Nichtdenker wird aber das Empfinden als ein mechanisches Faktum zu erklären versuchen, nur um die Kepler-Newtonsche materiell-mechanische Welttheorie zu retten.
- Ich will hier aber gleich bekanntgeben, dass ich ganz andere, und zwar auch in strengste mathematische Regeln und Formeln gekleidete Rechenexempel in Reserve habe, die ich später an einer anderen Stelle veröffentlichen will, mathematische Formeln, die eben das Leben und Empfinden mit den Kepler-Newtonschen Gesetzen zusammengenommen einschliessen. Es wird danach die Welt in einer solch befriedigenden Weise erklärt, dass sich die wundern werden, welche heute in den Kepler-Newtonschen Gesetzen oder, besser gesagt, mathematischen Welterklärungsformeln das unüberwindliche Ende aller Forschung gesehen haben. *)
- Vielleicht findet schon irgendein scharfsinniger Mathematiker mit hervorragenden physikalischen Kenntnissen einige dieser Formeln und Gesetze auf Grund der Anregungen, welche ich so reichlich in diesem und in dem zweiten Lehrbrief dieses Werkes gegeben habe.
- Auf eines möchte ich hier aber schon aufmerksam machen durch die Fragestellung: Warum ziehen sich die Stoffe an? In dem Newtonschen Gravitationsgesetz ist eben nur lediglich beobachtet, dass sich die Stoffe in einem bestimmten Verhältnis nach ganz bestimmten Regeln und Formeln anziehen; erklärt ist aber damit nichts, denn man kann ebensogut behaupten, die Stoffe stossen sich nach den und den Formeln ab, und die Weltkörper sind nicht durch innere Anziehungskraft entstanden, sondern durch Pressung, durch Ätherdruck, welcher die Verdichtungen und Weltkörperbildungen bewirkte. Es haben auch im Ernst einige Physiker diese Idee aufgeworfen.
- Die eigentliche Wahrheit liegt in Wirklichkeit auf beiden Seiten, auf Seiten der Stoffanziehungs- als auch auf der der Stoffabstossungs-Theoretiker, und auch damit ist die Wahrheit über das Wesen der Form- und Kraftbildung der Weltkörper nicht erschöpft, auch da ist noch Stückwerk.
- Wir sehen hieran, dass so, wie die bekannten Religionsformen den Tieferdenkenden nicht befriedigen, weil sie Stückwerk sind, uns auch die Wissenschaft, die man oft noch gedankenloser anstaunt als die Religion, weil man wenigstens bei ihr nach intellektueller Seite hin vollste Befriedigung zu finden hofft, vielfach enttäuscht. Auch bei ihr sind Dogma, Autoritätsgutgläubigkeit und recht viel Irrtümer zu Hause. Der nach innerem Frieden sich sehnende moderne Mensch findet daher in der Kunst, im Genuss, in der Liebe, in der sozialen Ethik, sowie auch in der naiven Arbeit inmitten der Natur mehr Frieden als in den starren Dogmen der Wissenschaft und der Religion. Dieser moderne Kunst-, Genuss-, Liebes-, Sozial-, Arbeits- und Naturmensch wird aber einst die Fesseln sprengen, die um die offizielle Wissenschaft und Religion lagern, und eine neue Wissenschaft und Religion sich verschaffen, und zwar auf Grund dieser Lehren.
- Ich möchte noch bemerken, dass ursprünglich die Atome so locker und so fern voneinander in den Weltnebelgebilden lagen, dass das Newtonsche Gesetz bei ihnen versagt. Rein mechanisch ist auch hier die Gravitation der Atome zu einem Körper nicht zu erklären. Denn die Wirkung der Anziehung kann eben wegen der gegenseitigen Entfernung der Atome voneinander nicht eintreten, wenn nicht noch andere als rein mechanische Ursachen hinzukommen. Diese Ursachen aber beruhen eben im Empfinden und im Ergänzen, im Lieben und im Abgeneigtsein der ersten Atome untereinander selbst. Das Atom ist daher beseelt und regelt sich in seinen Neigungen und Bewegungen nicht nach kalt-mechanischen, sondern nach Sympathie und geistigen Gesetzen.
- Die Mechanik erscheint uns nur so kalt, weil wir das innere Wesen und Empfinden der Atome nicht verstehen und aus Unverstand eben leugneten nach dem alten Wahrwort: "Was man nicht weiss, macht einen nicht heiss."
- Diese Psycho-Physiognomik lehrt aber aus der Materie und aus jeglicher Form das Wesen und Empfinden und Wollen und Streben zu lesen; ihr erscheint alle Bewegung, alle Mechanik nur Mittel zum Zweck, nicht aber Selbst- oder Endzweck der Dinge. Denn das wirkliche Wesen der Welt ist die Liebe zum Schönen und Vollkommenen.
Zitat Ende.
*) Weitere Erläuterungen hat Huter nicht veröffentlicht und vermutlich auch mündlich nicht gegeben. Es ist nicht auszuschliessen, dass Carl Huter ein Dokument mit entsprechenden Erläuterungen erstellt hat und dass man es früher oder später auffinden wird.
Anmerkungen
Es ist unbekannt, ob Carl Huter jemals solche Regeln und Formeln aufgeschrieben hat. Wenn dies der Fall sein sollte, ist es nicht völlig auszuschliessen, dass das Dokument erhalten geblieben ist und man früher oder später darauf stossen wird. Er hat nie einen Artikel veröffentlicht, der weitere Einzelheiten oder sogar Regeln und Formeln enthält.
Relativitätstheorie: Die nach Huters Tod (1861-1912) entstandene Allgemeine Relativitätstheorie hat zu einem neuen Verständnis der Gravitation geführt. Dort wird sie als Raumkrümmung geschrieben. Anschaulich kann man sich die Krümmung als eine Delle oder Mulde vorstellen. Wo sich eine Masse befindet, ist der Raum gekrümmt - wie grösser die Masse desto stärker die Krümmung. Die Anziehung eines kleinen Gegenstandes durch einen Planeten bedeutet in diesem Modell: Der Gegenstand fällt in die Delle (resp. Mulde). Die Newtonsche Formel erweist sich damit lediglich als annähernd korrekt ist. Sie ist eine Vereinfachung der Formel, die man in der Relativitätstheorie findet. Das alles ändert nichts daran, dass die naturwissenschaftliche Physik die Massenanziehung lediglich mittels Formeln zu beschreiben nicht aber plausibel zu erklären vermag.
Erkenntnisse in den letzten Jahren und Jahrzehnten: In der naturwissenschaftlichen Physik sind Erscheinungen beobachtet worden, die sich nicht mit der Newtonschen Formel beschreiben lassen.
- Einerseits besteht die Vermutung, dass eine "dunkle Materie" besteht, denn die nach der Newtonschen Formel ermittelte Gravitationskraft ist führt nicht zu jener starken Kraft, die nötig ist, damit die Galaxien die beobachteten (engen) Bahnen beschreiben. Deshalb nimmt man an, dass es eine unsichtbare, sogenannte "dunkle Materie" gibt, die in gleicher Weise auf die jeweilige Galaxie eine Anziehungskraft ausübt.
- Andererseits wurde beobachtet, dass die Gravitationskraft in besonders "leeren" Räumen offensichtlich deutlicher schwächer ist als dies aufgrund der Newtonschen Formel zu erwarten ist.
Huters Kritik an der Unvollkommenheit der Newtonschen Formel (oben und am Ende des nachfolgenden Abschnitts) hat somit von der naturwissenschaftlichen Physik im Grundsatz eine Bestätigung erhalten.