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„The endless Summer“, ist einer der ersten und einflussreichsten Surf-Filme, und er hat im Jahr 1966 ein Filmgenre geschaffen, dass sich bis heute in unzähligen ähnlichen Dokumentationen weiterentwickelt hat. Der Film folgt einigen jungen Surfern auf ihrer Reise um die Welt, immer auf der Suche nach der ultimativen Welle, immer der Sonne folgend, für immer im Sommer verbleibend, den Erdball umrundend an den Küsten von Australien, Tahiti, Hawai, Südafrika, der westafrikanischen Küste entlang und immer weiter nach Westen, nach Westen, Jahr um Jahr sich um den Erdball bewegend. Immer weiter und für immer? Kommt eine solche „Illusion“ nicht irgendwann an ihr Ende ? Oder surfen dieselben jungen und bronzenen Gestalten auch heute noch, also 55 Jahre später, an irgendwelchen „Geheimstränden“, unter den Tafelbergen am Kap der guten Hoffnung, auf den kapverdischen Inseln, auf den westlichen Hebriden, für immer um die zwanzig Jahre alt, für immer gebräunt, straff und gesund im Spiel von Licht und Wellen?
Sich der Sonne nähern, sich vom Erdball abheben, diesen Traum scheinen einige gelebt zu haben, die doch in der kurzen Zeitspanne dieses Wagnisses Unsterblichkeit zumindest gespürt haben. So schwingt sich der junge Ikarus der griechischen Mythologie jubelnd und mit Federflügeln, die ihm sein Vater angeheftet hat, der Sonne entgegen und verlässt die kühlen tieferen und sicheren Zonen der Atmosphäre.
Ein anderer spürt diese fast übernatürlichen Ausdehnung von Zeit und Raum beim Rückzug in die Wälder, so der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau im Jahr 1854: “auf denn, ziehe jene weiteste Strasse, die nicht am Mississippi oder am Stillen Ozean ihr Ende findet, die nicht nach dem abgewirtschafteten China oder Japan führt, sondern geradewegs auf eine Tangente des Erdballs - dort wandere Sommer und Winter, Tag und Nacht, bis die Sonne – der Mond – ja, bis die Erde hinter Dir verschwindet.“ Und so zeigt uns Thoreau in der stillen Betrachtung des „Walden Ponds“ Möglichkeiten, wie wir ohne Kraftanstrengungen, Verkrampfungen, technische Hilfsmittel oder Psychopharmaka unseren Sommer wenigstens gefühlt ein wenig endlos machen.
Eine andere phantastische Ausgangslage ist wiederum eine grosse Liebe, wie im Film „500 days of summer“, hier verliebt sich ein Architekturstudent in eine Assistentin namens „Summer“, und die turbulente und auch traurige Beziehung endet am Tag 500 derselben, als er eine junge Frau namens „Autumn“ trifft.
Aber wir können auch in der Schweiz bleiben und zwar im Tessin, wo „Klingsor’s letzter Sommer“ von Herrmann Hesse unendliche Sommernächte in wildwuchernder Vegetation intensivst nachempfinden lässt. Der wiederum weniger romantische Bertolt Brecht meinte dazu: „diese Nouvelle ist sehr schön…es ist einer darin der am Schluss nurmehr roten Wein trinkt und verkommt und die Jahreszeiten anschaut und den Mond aufgehen lässt, das ist seine Beschäftigung.“ Und Brecht resümiert am Ende desselben Jahres (1920) seinen eigenen Sommer: “ich habe nicht viel gemacht, etwas geschwommen, einiges gelesen, nichts geliebt. Aber die Zeit war nicht arm. Ich musst umschaufeln und mich an den Anblick von Leichen gewöhnen (er studierte Medizin). Schlimmer, als das nichts getan wurde, ist, dass viel angefangen wurde. Immerhin sind einige Balladen fertig. Auch die Sägearbeit an dem Ast, worauf ich sitze, schreitet voran, wenn auch langsam. Aber die Sicherheit treibe ich mir noch aus.“
Am Ende ist der „endlose Sommer“ ein Gefühl, und zwar eines, das eben in dieser Jahreszeit immer wieder zu denen durchdringt, die dafür empfänglich sind und die sich das auch irgendwie verdient haben. Es ist schwer zu sagen, was die Voraussetzungen sind, möglicherweise ein ständiges Leiden am Lauf der Welt. „Switch on summer from a slot machine“ das ist evtl möglich wie im „Where do the Children play“ von Cat Stevens, aber es reicht nicht aus. Das Gefühl kann aufkommen, wenn man wie der „Fänger im Roggen“ die Arme ausbreitet, um Kinder daran zu hindern in Richtung einer gefährlichen Klippe zu laufen. Es kann die untergehende Sonne in milder Abendluft nach frischem Regen über einem Classic OpenAir Konzert im Rychenbergpark sein. Es kann einem auf Wiesen im Zürcher Weinland auf der Suche nach Kaninchenfutter begegnen.
Schlussendlich geht es bei diesem Gefühl auch um eine stille aber kraftvolle Illusion, denn der Sommer verlängert sich und wird nochmal heisser und intensiver, während die Tage in unseren Breiten gleichzeitig bereits kürzer werden und der Erdball bereits in den Herbst rollt. In diesen Tagen der Sommersonnenwende kann gegen Mittag das Grün der Bäume vor einem wolkenlosen Himmel noch dunkler, fast schwarz werden. Das Phänomen des verlängerten endlosen Spätsommers ist verblüffend und lässt an die Ewigkeit denken, ist aber wohl doch nur eine Art der „Hysterese“, übersetzt „Nachwirkung“ vom griechischen „hysteros“ (ὕστερος) = „hinterher, später“. Eine Hysterese-Kurve beschreibt in der Physik die Änderung einer Wirkung, die verzögert gegenüber der Änderung einer Ursache auftritt.
Und damit wünschen wir Ihnen einen wunderbaren Sommer mit vielen schönen Erlebnissen, die auch im Herbst noch lange nachwirken. So wie auch die Denkanstösse und Anregungen, die wir Ihnen in unseren Kursen vermitteln, lange und sicher nachwirken sollen….