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Quelle: «Allgemeiner Anzeiger vom Zürichsee», 22. April 2005 von Peter Ziegler
Mit dem Abbruch des Hauses Seestrasse 114 wird der letzte Zeuge der alten «Krone» verschwinden. Auch die einstige Zentrum-Garage hat zu weichen. Das Areal östlich der Engelstrasse wird zwischen Bahnhofstrasse und Seestrasse neu überbaut.
Der lange, schmale, dreigeschossige Massivbau mit flachem Walmdach wurde im Jahre 1842 auf der Westseite des älteren Gasthofs als Saaltrakt erstellt. Bauherr war der «Krone»-Wirt Johann Jakob Brupbacher.
Klassizistische Merkmale
Die zur Seestrasse orientierte Schmalseite des vom Klassizismus geprägten Hauses weist drei Achsen mit hochrechteckigen Einzelfenstern auf und im ersten Obergeschoss einen kleinen Balkon mit reich verziertem Geländer. Die zur Engelstrasse gerichtete Nordwestfassade hat neun Fensterachsen; die gegenüberliegende Längsseite tritt nur berg- und seeseits auf einer Länge von wenigen Metern in Erscheinung; der Rest wurde 1932/33 mit dem neuen Haus Seestrasse 112 zusammengebaut. Auf der Seeseite grenzt das Haus mit der Schmalfront ans enge Kronengässlein.
Auffallend sind die hohen, mit profiliertem Aufsatz versehenen Fenster im ersten Obergeschoss. Hier lag einst der grosse Saal. Das zweite Obergeschoss, mit wesentlich niedrigeren Fenstern ohne Aufsatz, diente Wohnzwecken. Zwischen Haus und Engelstrasse dehnte sich ein Park aus.
Seidenzwirnerei Zinggeler
1856 kam das «Tanzsaalgebäude» mit der übrigen «Krone»-Liegenschaft durch Kauf in den Besitz von Rudolf Zinggeler-Syfrig – später Seidenfabrikant in Richterswil – und Samuel Zinggeler-Huber (1821–1893). Diese nutzten den ehemaligen Festsaal als Fabrikationsraum für die Seidenzwirnerei. 1873 erweiterten sie diesen Betrieb durch den Erwerb der Bandfabrik von Arnold Hauser neben dem Friedberg (nachmals «Seidenhof», seit 1891 Bank Wädenswil, dann SKA, abgebrochen 1975). Eine weitere Fabrikationsstätte befand sich seit 1873 hinter der Giessenmühle, in der früheren Spinnerei Billeter. Dazu gehörten Arbeiterwohnhäuser im Giessen zwischen See und Bahnlinie. Dieser Besitz wurde aber bereits 1876 an den Fabrikanten Wilhelm Pfenninger-Oechslin veräussert.
Samuel Zinggeler, 1873 Alleinbesitzer des Wädenswiler Unternehmens, erweiterte die Industrieanlagen am Central. Zu seinem Betrieb gehörte nun auch ein Zinnenanbau mit Dampfkessel in einem gemauerten Kesselhaus, ein Waschhaus mit Remise sowie eine Turbine. 1878 nahm die als Privatunternehmen organisierte «Quellwasserversorgungs-Gesellschaft Wädensweil» die neue Druckwasserversorgung in Betrieb, mit Quellfassung und Pumpenhaus in der Mülenen Richterswil. Ihr Büro hatte die Gesellschaft seit 1889 in der «Krone». Sichtbares Zeichen der Neuerung war der grosse Springbrunnen im ehemaligen «Krone»-Garten, der auch auf einer Fotografie festgehalten wurde.
Weinhandlung und Mosterei Hauser
Als Besitzer der «Krone»-Liegenschaft sind 1883 die Firma Zinggeler & Söhne, 1886 die Gebrüder Adolf und Albert Zinggeler und 1894 Adolf Zinggeler-Pfenninger nachzuweisen. Die Witwe von Adolf Zinggeler veräusserte die «Krone» samt angebautem Gewerbehaus im Jahre 1898 an den Weinhändler Jakob Hauser. Dieser liess am einstigen Saalbau einen Treppenhausanbau erstellen und ersetzte das Kesselhaus im Zinnenanbau durch ein Presslokal. Zur Weinhandlung gehörten im Jahre 1903 unter anderem zwei unterirdische Reservoirs, zwei Obstpressen, eine Turbine und ein Gasmotor. 1909 kamen ein weiterer Zinnenanbau auf der Nordwestseite, ein mechanischer Aufzug und ein Tresterbehälter hinzu. Zur Seestrasse hin lag das «Krone»-Wäldchen.
Garage Waldmeier & Weber
Im Herbst 1924 verkaufte Jakob Hauser die Liegenschaft zur Krone. Er hatte in den vergangenen Jahren sein Zweiggeschäft in Zürich zum Grossbetrieb und Hauptgeschäft ausgebaut und konnte nun das Stammhaus Wädenswil stilllegen. Interessent für das zentral gelegene Areal mit Bauten und Erweiterungsmöglichkeiten war Albert Waldmeier-Boog (1880–1934), seit 1921 Inhaber einer automechanischen Werkstätte im Tiefenhof zwischen Wädenswil und der Au. Noch 1924 schloss er sich mit Franz Weber-Blaser (1899–1982) zusammen und gründete die Garage «Waldmeier & Cie.», später Garage «Waldmeier & Weber». 1925 wurden die Mostereieinrichtungen abgetragen, das Presslokal im Zinnenanbau zur Garagewerkstätte umgenutzt, und am Platz des gerodeten «Krone»-Wäldchens entstanden Garage und Tankstelle. Die Eröffnung der Garage Waldmeier & Cie. am 1. August 1925, der ersten Garage im Dorf Wädenswil und anfangs als «Kronen»-Garage bekannt, fiel in eine günstige Zeit: das Automobil begann die Kutschen und Fuhrwerke zu verdrängen. In einem grossen Inserat im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» empfahl die neue Firma am 31. Juli 1925 ihre technisch best eingerichtete Garage und Reparaturwerkstätte, welche sich eigne für Autoreparaturen und Revisionen aller Systeme sowie für Bootsmotoren. «Wir führen Autobestandteile und empfehlen unsere Benzinabgabestation», hiess es weiter in der «Anzeige und Geschäftsempfehlung».
Die Fusion Waldmeier & Weber war nicht von langer Dauer. 1933 trennten sich die Geschäftspartner wieder. Albert Waldmeier plante an der Zugerstrasse 41 gegenüber dem Glärnischschulhaus eine neue Garage, starb aber kurz vor deren Eröffnung am 13. April 1934. Franz Weber führte die «Garage Weber» am Central weiter. Da er im einstigen Saalbau nicht alle Räume benötigte, vermietete er im Erdgeschoss gegen die Seestrasse ein Ladenlokal. Unter anderem lösten sich hier bis heute das Comestibles-Geschäft von Natale Bianchi, Kaisers Kaffeegeschäft, eine Filiale der Lebensmittelkette «Merkur» und die Central Brockenhalle ab.
Kronensaal und Zentrum-Garage im Abbruch.
Zentrum Garage
Ein Jahr nach der Eröffnung der Kronen-Garage empfahl die Firma Waldmeier & Co. am 31. Juli 1926 im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» ihren neu eingeführten «Taxameter-Betrieb», erreichbar unter der Telefonnummer 400. Am 1. Juli 1927 zeigten unter neuem Namen «Waldmeier & Weber» in der Lokalzeitung den Ausbau des «Taxameter-Betriebs» an. Sie verfügten nun über «neue Wagen 4, 6 u. 8 Cylinder», über offene und geschlossene Kleintaxis, dazu geräumige Fünf- bis Siebenplätzer für Überlandfahrten.
Mit dem Taxiunternehmen und den Vertretungen Citroen, Lancia und Fiat florierte die Kronen-Garage bis zu den Kriegsjahren 1939 bis 1945 sehr gut, dann gingen die Umsätze zeitbedingt stark zurück. Nach dem Krieg brachte Franz Weber seine «Zentrum Garage» mit viel Eifer wieder zu Prosperität. 1956 trat der älteste Sohn, Franz Weber, in den väterlichen Betrieb ein, übernahm aber 1967 eine eigene Werkstätte in Samstagern. Dafür standen jetzt dem Vater die beiden Söhne Beat und Jürg Weber zur Seite. Diese gründeten 1970, als sich Franz Weber-Blaser aus dem aktiven Geschäftsleben zurückzog, die Firma «B. + J. Weber & Co., Zentrum Garage». 1980 übernahmen sie die A-Vertretung der japanischen Marke Mitsubishi. Daneben führten sie auch für Opel ein umfangreiches Ersatzteillager, was der Kundschaft kurze Reparaturzeiten garantierte. Eine grosse Auswahl an Occasionsfahrzeugen rundete das Verkaufsprogramm ab.
Im Juni 1996 wurde bei der Einmündung der Zugerstrasse in die Seestrasse am Central mit dem Bau eines Verkehrskreisels begonnen. Da nun von der Seestrasse her keine Einfahrt mehr bestand, bedingte dies die Schliessung von Zentrum-Garage und Tankstelle. An der Seestrasse in Richterswil besassen Beat und Jürg Weber einen Zweitbetrieb, die Seeblick Garage AG. Diese verlegten sie in einen Neubau an der Hügsamstrasse in Samstagern und gewannen so Raum, um die Zentrum-Garage nach Richterswil zu zügeln und den Betrieb weiter zu führen.