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Dissident und Nobelpreisträger Liu Xiaobo bestattet
- Samstag, 15. Juli 2017, 22:13 Uhr
Zwei Tage nach seinem Tod ist die Asche des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo ins Meer gestreut worden. Das gab sein Bruder Liu Xiaoguang auf einer Medienkonferenz bekannt. Wenige Stunden zuvor war der Menschenrechtsaktivist eingeäschert worden.
An der Zeremonie in der nordostchinesischen Stadt Shenyang nahmen nach Angaben der Behörden seine Frau Liu Xia, weitere Angehörige und einige Freunde teil. Lius Witwe sei «sehr niedergeschlagen» gewesen, erklärte der Vertreter der Stadtverwaltung, Zhang Qingyang.
Behandlung im Ausland verweigert
Liu Xiaoguang, zu dem der Nobelpreisträger Berichten zufolge keinen Kontakt mehr hatte, dankte der Kommunistischen Partei bei einer Pressekonferenz für die Organisation der Bestattung. Kritiker fürchten, bei der Zeremonie könne es sich um einen Versuch des Staates handeln, alle Spuren des Dissidenten auszulöschen.
Lius Ehefrau hatte sich zunächst nicht geäussert. In einer später kursierenden handgeschriebenen Mitteilung und einer kurzen Videobotschaft schien sie die Seebestattung zu unterstützen.
Liu war am Donnerstag im Alter von 61 Jahren an den Folgen einer Leberkrebserkrankung gestorben. Gut einen Monat zuvor war er nach mehr als acht Jahren in Haft aus dem Gefängnis in ein Spital in Shenyang verlegt worden. Bis zuletzt verweigerten die Behörden dem Demokratieaktivisten eine Behandlung im Ausland.
Hausarrest ohne Anklage
Liu verbüsste in China eine Haftstrafe, weil er in einem Manifest zur Demokratisierung des Landes aufgerufen hatte. 2010 erhielt der Bürgerrechtler und Regierungskritiker für sein Engagement den Friedensnobelpreis, den er aber wegen seiner Inhaftierung nicht entgegennehmen konnte.
Nach seinem Tod wuchs die Kritik am Hausarrest der Witwe des Dissidenten. Ein Regierungsvertreter erklärte am Samstag, Liu Xia sei frei. Er führte dies jedoch nicht näher aus. Liu Xia stand seit der Verleihung des Nobelpreises an ihren Mann im Jahr 2010 faktisch unter Hausarrest, obwohl offiziell nie Anklage erhoben wurde.
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