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Die Geschichte von berühmten Familien übt einen ganz besonderen Reiz aus. Einerseits kann die in vielen Fällen beeindruckende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie die lange Lebensdauer von Interesse sein. Andererseits befriedigen Intrigen, Streitigkeiten und öffentliche Repräsentanz das voyeuristische Verlangen der Betrachter. Der renommierte amerikanische Wirtschaftshistoriker David Landes, der mit seinen bekanntesten Werken ("Der entfesselte Prometheus" und "Wohlstand und Armut der Nationen") weit über die Grenzen seines Landes berühmt wurde und zahlreiche Debatten auslöste, hat nun in 11 Familienporträts versucht, die "Macht der Familie" genauer zu analysieren und das Besondere der Wirtschaftsdynastien zu finden. Aufgeschlüsselt nach den drei Bereichen Banken, Autos und Rohstoffe ist das "Who is who" der mächtigen Familien vertreten: Von den Rothschilds über die Agnellis, Toyoda, Ford und den Rockefellers bis hin zu den Guggenheims. Der Autor schien mit seiner Publikation das Ziel gehabt zu haben, die Bedeutung der Familie in der Wirtschaftsgeschichte und auch in der Gegenwart stärker zu betonen. Dem gebildeten Leser wird spätestens nach Lektüre der Einleitung aufgefallen sein, dass es jener David Landes war, der vor ein paar Jahren noch den Abgesang der Familienunternehmen prophezeit hatte und diese nicht für zukunftsfähig hielt.
Statt einer wirtschaftshistorischen und vergleichenden Analyse der Familienunternehmen rollt Landes die Geschichte einzelner Familiendynastien bloß auf, stellt sie, ohne Bezug, aneinander und erzählt deren schon an anderer Stelle mehrfach dargelegten Geschichte nach. Zwar gelingt Landes ein unterhaltsamer Ritt durch die Geschichte einzelner Familien in deren Wirkungsphasen. Der Ertrag ist jedoch eher gering. David Landes hätte nicht nur einer andere Auswahl treffen (Wo sind die mächtigen Stahlunternehmen und mächtigen Unternehmerdynastien des Bergbaus?), sondern vor allem systematischer an dieses Thema herangehen müssen. Genau wie sein Kollege Harold James, gelingt es Landes nicht, Fragen zu klären oder neue Einsichten zu liefern. Hat Harold James mit seiner Studie über Familienunternehmen in Europa im 20. Jahrhundert immerhin noch auf originäre Quellen zurückgegriffen, referiert Landes aus altbekannter Sekundärliteratur. Dies wäre weniger nachteilig, hätte sich der Autor einem methodisch innovativen Ansatz bedient. Es wäre äußerst hilfreich gewesen, komparatistisch vorzugehen. An Hand dieses Zugriffs hätten dann einige Fragen der Wirtschaftsgeschichte geklärt werden können, bspw. wie die einzelnen Unternehmen mit Krisen umgegangen sind oder mit welchen Strategien, wie das "Principal-Agent-Problem", im jeweiligen Unternehmen gelöst worden ist.
All das tut David Landes nicht. So bleibt nach der Lektüre des Buches ein ernüchterter Leser zurück. Gerade als historisch Interessierter hätte man sich mehr erhofft. Für die historische Forschung bringt David Landes nichts Neues. Schade, birgt die Thematik doch vielfältige Möglichkeiten und Chancen.