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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Elftes Buch
44. Gottes unveränderliche Fülle.
[S. 273] Nur mit Ehrfurcht bemühe ich mich darum, Gott zu erkennen; und diesen (Irrlehrern) zu antworten, scheint mir nicht weniger widergläubig zu sein, als ihnen anzugehören; und auch dies, darauf zu vertrauen, über dasjenige Wesen Aussagen machen zu können, das die Fassungskraft menschlichen Geistes überragt, und zwar mit Worten, deren (Wort-) Sinn noch armseliger ist als die (hineingelegte) Bedeutung; dann auch darüber Zweifel zu erwägen, ob Gott etwas fehle oder ob er vollkommen sei oder ob es dem Vollkommenen noch ausstehe, vollkommener zu sein.
Gott hat es nicht von anderswoher, immer Gott zu sein. Für den Fall aber, daß Gott eine Entwicklung durchgemacht habe, um zu irgendeiner Zeit einmal mehr zu sein, so kann er doch nicht dahin gelangen, daß gar nichts ihm ermangele. Denn von demjenigen Wesen, für das noch eine Entwicklung aussteht, erkennt man, daß es nie eine Entwicklungsstufe erreicht habe, ohne noch einen (weiteren) Zuwachs übrig zu lassen, sofern nämlich ein Wesen, das auf Entwicklung angelegt ist, auch trotz seines dauernden Fortschrittes immer noch der Entwicklung zugänglich ist. Was aber dauernd in vollendeter Vollkommenheit besteht und immer besteht, das läßt keine Möglichkeit, vollkommener zu sein, weil eine vollendete Vollkommenheit einen Zugang an erfüllterer Vollkommenheit nicht faßt.
Das also ist die Art, von Gott in rechter Erkenntnis zu denken: daß Gott nichts mangele, daß er vielmehr (vollkommen) erfüllt sei.