Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03345.jsonl.gz/1238

Noch sind sich die einzelnen Wettermodelle nicht ganz einig, wo genau, wie schnell und in welcher Stärke ein Randtief im Lauf des Samstags durch Mitteleuropa ziehen soll. Verschiebungen um 100 bis 200 km nach Norden oder Süden, aber auch um einige Stunden sind bei schnell ziehenden, kleinräumigen Sturmtiefs (auch Schnellläufer genannt) selbst in der Kurzfrist noch üblich und erschweren daher die Prognose des exakten Wetterablaufs. Die hier folgenden Ausführungen stützen sich weitgehend auf das amerikanische Wettermodell GFS und zeichnen ein mögliches Szenario ab, das aber keineswegs als Weisheit letzter Schluss gelten sollte.
Gegenüber dem Ereignis vor einer Woche sind einige Voraussetzungen anders:
- Das Geopotenzial wie auch der absolute Luftdruck sind wesentlich höher. Dies bedeutet, dass die gezeigten Windgeschwindigkeiten für höhere Lagen gelten (etwa 1500 statt 1300 m).
- Die nächtliche Abkühlung zuvor fällt wahrscheinlich moderater aus. Damit ist für eine leichtere Durchmischung des warmen Höhenwinds bis in die Niederungen gesorgt, der Niederschlag geht rascher bis in höhere Lagen in Regen über.
- Das tageszeitliche Timing ist um ungefähr 9 bis 12 Stunden verschoben. Der Niederschlag setzt etwa um die Mittagszeit ein, womit die feste Phase – sofern sie überhaupt auftritt – nur von kurzer Dauer ist.
- Nicht nur die Luftmasse in mittleren Lagen, sondern auch in der Höhe ist wesentlich wärmer und energiereicher als vor einer Woche. Die Niederschlagsintensität ist höher, die potenzielle Schneefallgrenze mit 1500 bis 2000 m aber so hoch, dass die Niederschlagsabkühlung nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.
Interessant ist der Umstand, dass sich innerhalb des Warmsektors ein kleiner Trog befinden soll, der ähnliche Eigenschaften aufweist wie eine vorlaufende Konvergenz im Sommer, aber der Jahreszeit gemäss mit deutlich schwächeren Folgen:
An dieser Linie wird auch etwas Labilität gerechnet, sodass mit deren Eintreffen konvektiv verstärkter Regen (Schauer, möglicherweise vereinzelt sogar gewittrig) auftritt. An dieser Linie ist auch mit den stärksten Böen in den Niederungen zu rechnen. Diese dürften bei 70 bis 90, in exponierten Lagen auch bei 100 km/h oder knapp darüber liegen und sollten – sofern der Fahrplan von GFS ungefähr stimmt – in den frühen Abendstunden auftreten. Auf den Bergen, insbesondere auf den Jura- und Schwarzwaldgipfeln sowie auf den exponierten Voralpengipfeln tobt der Sturm ganztags, erreicht die Spitzen mit 120 bis 140 km/h aber ebenfalls am Abend.
Die Kaltfront schleift dann in der Nacht wahrscheinlich noch länger in west-östlicher Erstreckung knapp nördlich der Schweiz, sodass die Schneefallgrenze in den Alpen nur langsam sinkt. Im Jura und im Schwarzwald geht der Niederschlag wahrscheinlich bereits in der Nacht bis in tiefe Lagen in die feste Phase über. Mit dem Absinken der Schneefallgrenze bis in die Niederungen am Alpennordhang am Sonntagvormittag wird der Hochdruck aus Westen bereits derart wirksam, dass nur noch wenig bis gar kein Schnee mehr die tiefsten Lagen erreicht. Der Wind lässt dann auch bald nach, nur auf den Bergen sowie in den Tälern der Alpensüdseite weht noch starker bis stürmischer Nordwind:
Von Montag bis Mittwoch steht eine ruhige Hochdruckphase mit den üblichen Begleiterscheinungen im Winter an (Nachtfrost, in den Niederungen Nebel oder Hochnebel und in der Höhe zunehmend mild). Das Wetterlagenkarussell scheint sich derzeit im Wochentakt drehen zu wollen, jedenfalls zeigen die Modelle eine nächste mögliche Sturmphase für das nächste Wochenende an. Ob sie auch so abenteuerlich eintrifft, wie etwa GFS in den letzten Läufen vermehrt rechnet, wird sich zeigen müssen.