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Biografia
Fritz Huf (* 14.8.1888 Luzern, † 14.12.1970 Gentilino).Kindheit in kleinbürgerlichen Verhältnissen. Hufs Vater ist Schuhmacher und stirbt 1899. Eine kaufmännische Lehre bei einer Bank und eine Goldschmiedelehre bricht Huf mangels beruflichem Ehrgeiz vorzeitig ab. 1906–09 Abendkurse an der Kunstgewerbeschule Luzern bei den Bildhauern Joseph Vetter und Walther Stäger. 1910 Reise mit Jean Arp nach Paris, ohne dass die gewünschte Begegnung mit Rodin stattfindet. Weil seine Plastiken nach Meinung Walter Helbigsnoch zu konventionell sind, wird Huf nicht in die Künstlervereinigung Der Moderne Bund aufgenommen.
1912 übersiedelt er mit seiner Freundin, der holländischen Dichterin Sophie van Leer, nach Frankfurt am Main, wo 1913 seine Einzelausstellung im Kunstverein bei expressionistischen Dichtern und Intellektuellen grosse Beachtung findet. Mit Else Lasker-Schüler verbindet ihn eine problematische Freundschaft. 1914–1924 in Berlin. Förderung durch die Dichterin Mechtilde Lichnowsky. Nicht zuletzt wegen seines Charmes ist er als Porträtist der kulturellen und wirtschaftlichen Elite erfolgreich. Zahlreiche Bildnisbüsten, unter anderem von Rainer Maria Rilke, Else Lasker-Schüler, Ernesto de Fiori, Georg Kolbe, Hermann Haller, Max Liebermann, Eleonora Duse und Walter Rathenau. 1919 Heirat mit Natascha, der Tochter des Bankiers Carl Fürstenberg. 1924 zieht er nach Frankreich. Um 1930 erste ungegenständliche Kleinplastiken, vorwiegend jedoch Grafik und Malerei. 1934 Mitglied der Künstlergruppe Abstraction-Création in Paris. Persönliche Bekanntschaft mit wichtigen Künstlern der Avantgarde, insbesondere mit Picasso.
Nach dem kriegsbedingten Aufenthalt in der Schweiz kehrt Huf 1947 nach Paris zurück. Der Tod Nataschas 1951 stürzt ihn in eine menschliche und künstlerische Krise, und er reist einige Jahre zwischen Rom, Paris und der Schweiz hin und her. In dieser Zeit Freundschaft mit dem Maler Nicolas de Staël. 1957 Heirat mit der Feuilletonistin Dorothea Hartmann und Rückzug nach Gentilino (Tessin). Ungegenständliches gemaltes Spätwerk. Trotz der Retrospektiven im Kunstmuseum Luzern 1962 und im Helmhaus Zürich 1969 sowie der Verleihung des Luzerner Kunstpreises 1968 bleibt ihm jeder kommerzielle Erfolg versagt.
Nach der frühen Auseinandersetzung mit Rodin – bis 1914 entstehen Büsten mit weich verwischten Zügen und Figuren mit expressiven Torsionen – um 1915 vorübergehend kubisch-tektonische Stilisierung. Archaische, insbesondere ägyptische Skulptur gerät in sein Blickfeld und führt zu einer Klärung der Formen. Um 1918 orientiert er sich, wie die meisten figürlichen Plastiker der Zeit, in seinen Aktfiguren mit geglätteter Oberfläche an Aristide Maillol. In den 1920er-Jahren gehört Huf in Deutschland zu den populären Erneuerern eines klassischen Menschenbildes um Georg Kolbe sowie Hermann Haller und Ernesto de Fiori, mit denen er 1921–23 im gleichen Atelier arbeitet. In seinen wenigen abstrakten Kleinplastiken nach 1930 steht er unter dem Eindruck der Formverknappung Constantin Brancusis.
Das gemalte Werk entsteht ab 1930 ohne öffentliche Resonanz zuerst in Anlehnung an Picassos spätkubistische und surrealistische Bilder. In den 1940er-Jahren flächige Landschaftsabstraktionen in der Art Jacques Villons. Nach 1947 Entwicklung einer lyrischen Farbfeldmalerei mit lockerem Farbauftrag in Anlehnung an die zweite Ecole de Paris. Neben Ölbildern viele grossformatige Pastelle in gedämpfter oder hell leuchtender Tonigkeit.
Nach den grossen Erfolgen als Porträtplastiker im Deutschland der Zwischenkriegszeit gerät er trotz seiner in Frankreich einsetzenden Bemühungen um einen Anschluss an die Avantgarde in Vergessenheit. Das grosse stilistische Spektrum seiner Plastik, Grafik und Malerei resultiert aus der bewussten Verarbeitung verschiedenster Vorbilder, weshalb – mit Ausnahme des Spätwerkes – keine kontinuierliche Entwicklung einer eigenen Sprache festzustellen ist.
Werke: Bellinzona, Civica Galleria d’Arte Villa dei Cedri; Kunstmuseum Luzern; Kunstmuseum Winterthur; Kunsthaus Zürich.
Franz Müller, 1998, aktualisiert 2017
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