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| Hilarius von Poitiers († 367) - Schreiben des heiligen Hilarius gegen den Kaiser Konstantius

Gegen den Kaiser Konstantius
Einundzwanzigstes Hauptstück.
Was aber den Sohn betrifft, so wirst du nirgends Aehnlichkeit finden. Daß er aber das Ebenbild Gottes sey, sagt der Apostel, doch mit dem Beisatze des unsichtbaren; [S. 311] damit du unter dem Ebenbilde nicht eine Gleichgestaltung verstehen möchtest. Denn er spricht:1 „Welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist;“ damit das Ebenbild des unsichtbaren Gottes auch darum, weil er selbst unsichtbar ist, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes wäre. Die Aehn-lichkeit aber hat er mit dem Ebenbilde nach Gott2 dem Menschen beigelegt, damit da nicht eigenthümliche Wesenheit angenommen werden möchte, wo mit dem Ebenbilde die Aehnlichkeit verbunden wäre. Endlich wo eine Gleichheit in Beziehung auf die Macht angegeben wird, dort wird auch auf die Aehnlichkeit des Wirkens bei dem Sohne hingewiesen; wann aber zur, Förderung der Erkenntniß gelehrt wird, dann wird so gesagt: „Alles, was der Vater thut, ebendasselbe thut auf ähnliche Weise auch der Sohn.“ Auf ähnliche Weise thun schien zu wenig, wenn es nicht auch ebendasselbe wäre, was auf ähnliche Weise gethan wurde. Und somit ist die Aehnlichkeit des Thuns auf religiöse Weise nachgewiesen in der Eigenthümlichkeit ebenderselben Thaten. Es findet aber bei dem Herrn auch eine Aehnlichkeit des sündigen Fleisches Statt; er hat aber nicht die Aehnlichkeit des Fleisches3, sondern er hat die Aehnlichkeit des sündigen Fleisches; so daß das, was in Gottes Gestalt ist, Mensch ist, was aber die Aehnlichkeit des sündigen Fleisches hat, Aehnlichkeit des Menschen ist, indem es in der Gestalt des Menschen, aber ausser der Sünde des Menschen ist. Wie schlau ist also das Bekenntniß deiner Religion, nach den Schriften den Sohn dem Vater ähnlich zu nennen, da nach dem Ebenbilde und der Aehnlichkeit Gottes nur der Mensch gestaltet ist? Warum täuschest du also mit Worten? Warum hintergehst du durch List? Warum nennest du ihn nicht [S. 312] auf religiöse Weise, Gott gleich; denn dieses ist den heiligen Schriften gemäß.
1: Koloss. 1, 15.
2: D. h. er hat nach dem Worte Ebenbild auch noch das Wort Aehnlichkeit in der Stelle Gen. I, 26 beigefügt.
3: Weil bei ihm die Wahrheit des Fleisches Statt hat.