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In einer Phase, in der Goldsmith mit Anstrengung „andere Filme“ zu vertonen, denn jene, für die er in den letzten 15, 20 Jahren bekannt wurde, entstanden City Hall, I.Q., Angie, Rudy, Six Degrees of Separation und eben Powder. Dass Goldsmith weiterhin dem Actiongefilde treu blieb, zeigten die im gleichen Zeitraum oder kurz danach komponierten Bad Girls, The Shadow, Executive Decision, Chain Reaction und Star Trek: First Contact.
Powder erzählt die Geschichte eines Jungen, der unter mysteriösen Umständen alleine im Haus seiner verstorbenen Grosseltern lebte. Seine Haut ist schneeweiss und kein Haar bedeckt seinen Körper. Als Jeremy in die High School kommt, sieht er sich diversen Problemen, die auch andere Teenies mitmachen müssen, ausgesetzt. Ausgrenzung, erste Liebe, Grenzen ausloten, verstärkt durch sein äusseres Erscheinungsbild. Doch Powder, wie er genannt wird, hat auch spezielle Kräfte erhalten, wie er spätestens in der Physikstunde unter Beweis stellt.
Es ist interessant im Booklet von zwei Komponisten zu lesen, die sich noch vor den Dreharbeiten für den Film interessierten: John Williams und Jerry Goldsmith. Williams wollte sich jedoch erst entscheide, nachdem er einen Cut des Films gesehen hatte und das lag für die Macher nicht drin. Zu knapp war die Zeit zwischen Fertigstellung und Kinorelease. Für Victor Salva (The Nature of the Beast, Jeepers Creepers) kein Problem, outete er sich doch als grosser Fan von Goldsmith. Umso mehr verwundert die völlig unterschiedlichen Ansätze, die Goldsmith und Salva für Powder hatten. Während der Regisseur insbesondere in der ersten Hälfte einen düsteren Score à la Goldsmith der 60er Jahre vorsah, schwebten dem Komponisten weiche Klänge vor, „sweet, ethereal and upbeat“, wie Salva in Jeff Bonds Liner Notes bemerkt, und somit in direktem Gegensatz zu dem was sich der Filmemacher vorstellte. Nicht weniger verwunderlich, aber eben Hollywood par excellence, was Salva in seinen Sätzen zum Originalalbum schrieb, bei dem sich Goldsmith entschied lediglich 35 Minuten seiner Musik zu veröffentlichen.
Die Intrada CD nun, bei der das Label auf die 48-Spur-Bänder zurückgreifen konnte, bringt satte 65 Minuten Musik und gibt einen etwas differenzierteren Eindruck gegenüber der alten Scheibe. Das neue Material, das durchaus auch pessimistische und finsterere Klänge offenbart („You’re Afraid“, „Enemies“, „Jacob’s Ladder“), beschreibt im Besonderen den Beginn des Films, nicht weniger als die ersten 9 Tracks (inklusive des bereits veröffentlichten „The Spoons“) sind hier als „previously unreleased“ zu hören. Wie die meisten Langfassungen von Goldsmith-Musiken, ist auch diese gegenüber dem Original koherenter, erzählerischer, umfassender in der Entwicklung der Themen und Motive. Wer die wärmeren Melodien und Orchestrationen eines Rudy bevorzugt, wird an Powderjedenfalls seine Freude haben.
Phil, 4.5.2016
3.5