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01-2019 Blickfang
AUS.GEZEICHNET
Schau! mich! an!
In der Gartenanlage von Berrington Hall im englischen Leominster thront der markante skulpturale Pavillon der Künstler Heather und Ivan Morison vom Studio Morison. Nicht nur seine Farbe schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. Auch sein Name tut es. «Look! Look! Look!» ist ein aufregendes, rosafarbenes Faltwerk im Grünen.
Text Studio Morison, PD, SD | Fotos Marsha Arnold / Ivan Morison
Leominster ist eine kleine, englische Marktstadt im britischen Bezirk Herefordshire in den West Midlands. Rund fünf Kilometer nördlich der Stadt befindet sich Berrington Hall: ein neoklassizistisches Herrenhaus aus dem späten 18. Jahrhundert, angeschlossen an eine grosse Parklandschaft. 1957 erwarb die Wohltätigkeitsorganisation National Trust das Anwesen. Das Herrenhaus war umgeben von einer vielseitig genutzten Anlage: der edwardianische Garten im Süden, ein Waldgarten im Nordosten und eine Wäschetrocknungszone im Westen. Ein Garten wie dieser, umzogen mit einer Mauer, war ursprünglich der Gemüsegarten für den Haushalt, er wurde aber wie viele andere nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr als solcher genutzt.
IM MITTELPUNKT EINES MEISTERWERKS
Der ummauerte Garten ist die Arbeit von Capability Brown, einer der bekanntesten Landschaftsarchitekten aus dem 18. Jahrhundert. Die Parklandschaft von Berrington Hall gilt als Browns letztes Meisterwerk. Der zeitgenössische, skulpturale Pavillon «Look! Look! Look!» von den Künstlern Heather Morison (geb. Peak) und Ivan Morison vom Studio Morison nimmt den Mittelpunkt von Browns Werk ein.
Rein dekorative Gebäude wie dieser Pavillon waren bei der Landschaftsgestaltung des 18. Jahrhunderts beliebt. Die gefaltete Form der Struktur spiegelt die geometrischen Formen wieder, die in der Innenausstattung der Villa zu finden sind. Von aussen betrachtet hat der Pavillon eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Ananas – inspiriert vom Import exotischer Früchte zur damaligen Zeit. Man nimmt an, die Frucht ist früher auch in den Gärten von Berrington Hall gewachsen. Das Studio Morison verbrachte mehr als ein Jahr damit, die Geschichte des Anwesens und die Bedeutung des ummauerten Gartens zu erforschen, der zu damaligen Zeiten für Reichtum und Kultivierung stand. Die daraus resultierende Arbeit versucht, sich mit einigen der grundlegenden Ideen, Themen und Aktivitäten des Garten zu verbinden.
ES BEGANN MIT EINEM PAPIERORIGAMI
Die Künstler entwarfen die Struktur zuerst aus Papier mit Origami. Um ihre Entwürfe zum Leben zu bringen, zogen sie das britische Ingenieurbüro Artura hinzu. Gemeinsam realisierten sie den acht Meter hohen Pavillon. Ein versenkter Fundamentrahmen aus Metall wird mit Schraubankern gehalten. Darüber ist die Holzstruktur gelegt. Die Elemente sind von einem speziellen, witterungsbeständigen Gewebe ummantelt. Seine rosa Farbe ist nicht zufällig gewählt. Der Ton wurde einer traditionell georgianischen Farbpalette entnommen.
Die Künstler entschieden sich für die Herstellung von einzelnen Holzbauelementen, die mit einer fünfachsigen CNC-Maschine zugeschnitten und anschliessend in der Werkstatt zusammengebaut wurden. Die Struktur besteht aus 90 rautenförmigen Holzkassetten aus Birkenfurnier. Der Entwurf der skulpturalen Form basiert auf einem Rechteck aus Papier, das so gefaltet wurde, dass es strukturelle Stabilität erhält und ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Der wichtigste Aspekt der Arbeit bestand darin, dem Betrachter das Gefühl zu vermitteln, die endgültige Form des Pavillons sei gefaltet worden, wozu der Eindruck scharfer Kanten beiträgt. nationaltrust.org.uk/berrington-hall, woodawards.com