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Strafen, die keine echten sind, sind bei den grossen Sportverbänden offenbar beliebt. Das IOC hatte Russland trotz grossflächigem Staatsdoping an den Olympischen Spielen antreten lassen – bloss nicht unter russischer Flagge, sondern als «Russisches Olympisches Komitee». Bei einem Olympiasieg wurde nicht die russische Nationalhymne gespielt.
Das war eine Mogelpackung – wohl kein Mensch scherte sich um diese Strafe. Und auch wenn auf der Teamkleidung das Kürzel «ROC» zu lesen war: Allen war klar, dass da zwar nicht Russland drauf stand, aber sehr wohl Russland drin steckte.
Nun schwebt nach der russischen Invasion in der Ukraine auch der FIFA eine solche Lösung vor. Russlands Nationalteam soll die WM-Playoffs Ende März bestreiten dürfen. Heimspiele dürfen nur auf neutralem Boden und ohne Zuschauer stattfinden, Russland darf nicht als Russland spielen, sondern als «Russische Fussball-Union» (RFU) und auch das Abspielen der Hymne wurde untersagt.
Auf dem Weg zur WM 2022 trifft Russland im Halbfinal auf Polen, bei einem Sieg gibt es einen Final ums Turnierticket gegen den Sieger der Partie Schweden – Tschechien. Doch die drei Nationen weigern sich, gegen Russland anzutreten – ganz gleich, wie die Trikots letztlich angeschrieben sind.
«Die Entscheidung der FIFA ist für uns inakzeptabel», hielt der polnische Verbandspräsident Cezary Kulesza fest. «Solange in der Ukraine Krieg herrscht, sind wir an einem solchen Spiel nicht interessiert.» Polens Nationalteam werde nicht zum Playoff-Spiel gegen Russland antreten, «unabhängig davon, wie die russische Mannschaft heisst.»
Auch Kuleszas schwedischer Amtskollege Karl-Erik Nilsson zeigte sich unzufrieden mit der FIFA-Lösung. «Aus unserer Sicht hat sich dieser Kriegskonflikt seit gestern kein bisschen verändert, zumindest ist er nicht besser geworden. Das bedeutet, dass wir keine andere Einstellung haben als gestern», sagte Nilsson zur Zeitung «Expressen». Noch vor dem FIFA-Beschluss hatten Polen, Schweden und Tschechien entschieden, nicht zu den Playoffs gegen Russland anzutreten.
«In der gegenwärtigen Situation sehen wir keine Möglichkeit, von dieser Position abzurücken», betonte Nilsson. Der schwedische Fussballverband werde sich nun erneut mit den Kollegen in Polen und Tschechien beraten und auch die Einladung der FIFA zu Gesprächen annehmen. Er erwarte vom Weltverband, dass er härtere Massnahmen ergreife.
Und wenn nicht? Was, wenn es bei diesen Sanktionen der FIFA bleibt? Karl-Erik Nilsson spricht von einer absurden Vorstellung: «Wenn Polen, Schweden und Tschechien nicht antreten, könnte die ultimative Konsequenz sein, dass die FIFA den Weg für Russland ebnet, an der WM 2022 teilnehmen zu können.» Die anderen Nationen würden bei einem Nichtantreten forfait verlieren, die Russen ohne zu spielen gewinnen.
Doch das letzte Wort scheint in der Angelegenheit noch nicht gesprochen zu sein. Nebst den drei zunächst betroffenen Verbänden haben sich weitere positioniert. Die FA, der englische Fussballverband, betonte ihre Solidarität mit der Ukraine. «Wir werden in absehbarer Zukunft in keinem Wettbewerb zu Spielen gegen Russland antreten», so die Engländer. Und der Präsident des französischen Fussballverbands sagte in der Zeitung «Le Parisien», er tendiere dazu, Russland von der nächsten WM auszuschliessen. «Normalerweise bin ich der Meinung, dass der Sport dazu da ist, Völker zu versöhnen und Spannungen abzubauen. Aber in diesem Fall geht das viel zu weit.»
Russlands Fussball und Staatspräsident Wladimir Putin hatten vor wenigen Tagen bereits eine erste Quittung für den Krieg erhalten. Der europäische Fussballverband UEFA zog den Final der Champions League aus St.Petersburg ab. Statt in Putins Heimatstadt findet die weltweit wichtigste Partie des Klubfussballs nun in Paris statt.
Man hat sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte an zwei Bilder gewöhnt: Rafael Nadal als Sieger, als Dominator auf Sand. Und an Rafael Nadal mit Bandagen, an Krücken gehend, leidend. Der Körper hat ihn immer wieder im Stich gelassen. Mal war es der Rücken, mal die Knie, mal die Schultern. Und immer wieder sein linker Fuss. Im letzten Monat nahm der Kontrast zwischen den zwei Bildern neue Dimensionen an. Triumph am ersten Sonntag in Paris, am Tag darauf ging Nadal in Barcelona an Krücken.