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... ungeheuer schäbig, der Titel ebenso wie der Witz.
Deshalb lassen wir es bei den ersten drei Wörtern. Denn bei dem, was ich euch nun zu erzählen habe, trifft dieser Titel den Nagel auf den Kopf.
Letzthin blieb ich im wahrsten Sinne des Wortes an einer TV-Sendung kleben. Wahrscheinlich habe ich vor lauter Staunen das Trinken, Essen und vielleicht zeitweise auch das Atmen vergessen. Ich habe mir eine Sendung angesehen über Autos in den 30er Jahren, also eigentlich war ich beim Durchzappen hängengeblieben. Frau Stinnes fesselte meine Abenteuerlust und meine Phantasie, wie es gewesen sein muss in diesen Jahren zu leben. Mir wurde bewusst: Meine Grosseltern waren in diesen 30er Jahren in der Blüte des Lebens und alles war unglaublich aufregend und so wunderschön. Doch dann mitten in den 30er Jahren gab es einen unsinnigen Krieg und die Welt wurde von all den Kriegsgrausamkeiten erschüttert. Doch zurück zu den Frauen in den 30er Jahren. Die waren dermassen emanzipiert, dass die Autoindustrie auf diese Pionierinnen aufmerksam wurde und angefangen hat, Kleinwagen zu bauen. Ja, Citroën baute also das Auto Citroën 10 HP B2 (Juni 1921) in Gelb. Ja, es gab diesen Wagen nur in Gelb (Spitzname petit citron), denn das war schon eine Revolution an sich, gab es doch bis anhin nur schwarze Autos. Im Film wurden Frauen in Paris gezeigt, die in diesem Citroën fuhren, inklusive Robe und es wurde auch geraucht, so mit langen Filtern. Opel hat nachgezogen und ebenfalls einen Kleinwagen gebaut, den Laubfrosch, und zwar in Grün. Daher soll die Redewendung «dasselbe in Grün» kommen. Dann gab es eine Frau, Clärenore Stinnes und zwar «Fräulein» Stinnes. Und eigentlich hiess sie Clara Eleonore, aber die hatte schon damals ihren Kopf. Die fuhr also um die Welt (1927 bis 1929) und zwar inklusive Kamerateam. Und Fräulein Stinnes war nicht nur die erste Frau – sie war der erste Mensch, der die Welt mit dem Auto umfuhr. Den Kameramann hat sie dann gleich nach der Rückkehr geheiratet. So ging das damals mit den Influencern, ha!
Am Tag nach der Sendung stand ich im Badezimmer und habe die Zähne geputzt und höre diese Meldung: Die Frauen sollen nun auch Formel 1 fahren dürfen. Mhm, Freunde, sie dürfen. Der Sportjournalist, seines Zeichens, F1 Spezialist, liess es sich dann schon nicht nehmen, noch den unnötigen Zusatz loszuwerden: «Nun, die Frauen werden dann schon nicht so schnell fahren können». Zum Glück hat er das noch gesagt, ich wäre nicht draufgekommen. Zum Glück sagen das die Männer immer wieder. In Sachen Sport sind sie schneller, stärker, besser, egal ob Skirennen, Leichtathletik, Minigolf etc. sie haben es einfach drauf. Mhm, aber in Sachen Autofahren, meine lieben Genossen, da könnte euch noch so manch eine Clärenore um die Ohren fahren. Wie habe ich in einem meiner letzten Blogs geschrieben, es kommt auf den Inhalt an, nicht auf die Verpackung.
Übrigens, so neu ist diese F1 Meldung im Jahr 2021 gar nicht, denn …
Mit 24 Jahren nahm Clärenore zum ersten Mal an einem Autorennen teil. Bis 1927 konnte sie 17 Rennsiege fast ausschliesslich gegen Männer feiern und war damit die erfolgreichste Rennfahrerin Europas.
Irgendwann, irgendwann wird es einfach völlig egal sein, wer hinter dem Steuer sitzt, wer im Cockpit sitzt, wer am Ruder steht, so wie es irgendwann einfach selbstverständlich sein wird, dass alle ob w oder m den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit überwiesen bekommen. Irgendwann. Bis dahin versetze ich mich in einem Tagtraum auf den Beifahrersitz von Clärenore und fahre in einem Affenzahn mit ihr durch die Wüste und bewundere ihren Drive, ihre Selbstverständlichkeit das zu machen, wozu sie Lust hat.
Next please.