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Berg, Alpenpass, Stromproduzent
Bernina als Berg
Bernina. Ein bekannter Name. Zu verdanken dem formvollendeten Piz Bernina, 4049 Meter hoch, der höchste Berg in Graubünden und der einzige Viertausender der Ostalpen. Flankiert wird der Piz Bernina vom Piz Palü (3900 m) und Piz Roseg (3937 m), die nicht ganz so hoch, aber genauso eindrucksvoll und ebenfalls mit Gletschereis und Schnee bedeckt sind.
Berühmter Biancograt
Die Erstbesteigung des Piz Bernina gelang 1850 dem Vermesser Johann Wilhelm Coaz mit dem Auftrag, den damals noch namenlosen Berg zu vermessen. Zusammen mit seinen Gehilfen und Bergführern, Jon und Lorenz Ragut Tscharner, bestieg Coaz den Piz Bernina über den Ostgrat – eine verwegene und spaltenreiche Route. Heute wird der Piz Bernina entweder über den Südgrat (Normalroute über den Spallagrat) oder über den anspruchsvollen und markanten Nordgrat bestiegen – den berühmten Biancograt. Die geschwungene Gratschneide aus Schnee und Eis wird wegen ihrer Schönheit auch als Himmelsleiter bezeichnet.
Bernina als Pass
Der Name Bernina steht auch für einen wichtigen Alpenpass. Bereits die Römer transportierten Güter über den Berninapass, der das Engadin mit der Valposchiavo respektive dem Veltlin verbindet. Die Via Valtellina war jahrhundertelang die kürzeste Verbindung zwischen Oberitalien und dem Bodenseeraum. Befördert wurden Wein und Korn nach Norden, Vieh und Käse nach Süden. Die Säumerroute über den Berninapass erlebte vor allem zwischen 1512 und 1797 eine Blütezeit, während dieser Zeit war das Veltlin Untertanengebiet der Drei Bünde (Staatsgebilde, aus dem 1803 der Kanton Graubünden hervorging).
Zwei Routen
Speziell am Berninapass ist, dass er auf der Südseite aus zwei Routen besteht; eine führt über die Ebene von Cavaglia (West-Bernina), die andere über die Ebene von La Rösa (Ost-Bernina). Historisch wurden beide Routen als Saumpfade benutzt, je nach Schneelage, Jahreszeit und Wegzustand. Dank den zwei Wegvarianten ist der Bernina heute sowohl durch eine Passstrasse als auch durch eine Eisenbahnlinie erschlossen.
Die Passtrasse, in Betrieb seit 1865, verläuft entlang der Ost-Route. Seit 1965 wird die Strasse auch im Winter offengehalten. Damit ist sie die höchste ganzjährig offene Strasse der Schweiz. Die Passhöhe beträgt 2328 m.
Die Bahnlinie, eröffnet 1910, folgt der landschaftlich schöneren West- Route. Seit 1913 fahren die Züge auch im Winter auf der berühmten Berninalinie, die zum UNESCO Welterbe RhB gehört. Die Überwindung des Berninapasses mit bis zu 70 Promille Steigung sowie der Kreisviadukt bei Brusio gelten als ingenieurstechnische Meisterwerke. Die Station Ospizio Bernina (2253 m) bildet den Scheitelpunkt dieser höchsten Alpenüberquerung auf Schienen.
Bernina als Stromproduzent
Während der Berninapass auf der Nordseite eher moderat Richtung Pontresina abfällt, geht’s auf der Südseite ziemlich steil in die Valposchiavo hinunter. Dieses Gefälle wird seit 1910 für die Stromproduktion genutzt (Inbetriebnahme Kraftwerk Robbia). Der Stausee Lago Bianco wurde 1912 fertiggestellt, mit einem Fassungsvermögen von 18 Millionen Kubikmetern bildet er den grössten Wasserspeicher des Energieunternehmens Repower AG.
Das Wasser aus dem Lago Bianco wird auf dem Weg nach Poschiavo durch drei verschiedene Kraftwerke geleitet: Palü, Cavaglia und Robbia. Zusammen erzeugen sie jedes Jahr rund 130 Gigawattstunden Strom. Das reicht, um rund 30‘000 Haushaltung zu versorgen. Mehr über die Stromproduktion auf der Südseite des Berninapasses kann man bei einer Wanderung auf der Via Energia erleben.