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Sie hat es geschafft sich in der Männerwelt des Surfens als Frau durchzusetzen. Maya Gabeira (33) hat im Februar 2020 im portugiesischen Nazaré einen neuen Frauen-Weltrekord und eine Jahresweltbestleistung beider Geschlechter aufgestellt. Die Big-Wave-Surferin ritt eine 22,4 Meter hohe Welle und verbesserte so ihren bisherigen Frauen-Rekord von 20,8 Metern. Den Männer-Wettbewerb gewann der Hawaiianer Kai Lenny mit einem Wellenritt auf 21,3 Meter. 2020 war kein Mann und keine Frau besser als Gabeira. «Als Frau in dieser Position in einer männer-dominierten Sportart zu sein, ist ein wahrgewordener Traum», schreibt sie auf Instagram.
Dass der Rekord erst über ein halbes Jahr später bestätigt wird, dürfte an der World Surf League (WSL) liegen. Die Vermessung und Anerkennung des Rekords ging auffällig lange. Warum? Ausgerechnet dann entschied die WSL, auf wissenschaftliche Hilfen und Messtechniken zu setzen. Davor hatten sie die Höhe der Wellen nur mit Videoaufnahmen und Fotos geschätzt. Schlussendlich wurde der Rekord anerkannt und Maya Gabeira zur Besten aller Surfer 2020. Dass der Wellenritt ausgerechnet in Nazaré, dem europäischen Mittelpunkt des Big-Wave-Surfens, stattfand, hat für Gabeira eine zusätzliche Bedeutung.
Megawelle kostet ihr fast das Leben
2013 verliert sie an selber Stelle beinahe ihr Leben. Sie stürzt bei der Jagd nach einem Rekord auf einer Megawelle. Ihr rechtes Wadenbein wird zertrümmert, ihre Rettungsweste weggerissen. Ihr Surfpartner, Carlos Burle, versucht die Verunfallte ein erstes Mal aus dem Wasser zu ziehen, doch weitere Wellen reissen sie mit. Sie verliert ihr Bewusstsein und treibt leblos mit dem Gesicht im Wasser an der Oberfläche. «Ich habe viel gelitten in diesen Minuten, während ich langsam das Bewusstsein verlor. Ich dachte darüber nach, meine Familie nie wieder zu sehen. Ich akzeptierte den Tod», sagte sie der «Times». Erst dann gelingt es Burle, sie zu retten. Er muss sie minutenlang reanimieren.
Ihr Kampf zurück in den Big-Wave-Zirkus war lang und schmerzhaft. Das zertrümmerte Bein verheilte nur langsam und zusätzlich litt sie an starken Rückenschmerzen – drei Operationen an der Wirbelsäule waren nötig. Doch aufgeben wollte sie nicht. 2015 kehrte sie zurück, ein Jahr später holte sie sich mit Sebastian Steudtner einen neuen Surfpartner. Er ist es, der sie bei ihren beiden Rekordritten jeweils mit dem Jetski ins Wasser raus zog. «Da haben wir den Stempel drauf gemacht, dass sie zurück ist», sagt Steudtner im Februar nach Gabeiras Ritt.
«Schöne Klatsche für die Männer»
Dass mit der Brasilianerin eine Frau den diesjährigen Rekord innehält, beschreibt der Deutsche als «eine schöne Klatsche für die Männer, für eine Ego-Szene, in der viel falscher Stolz im Spiel ist». Tatsächlich musste sie sich in der surfenden Männerwelt stets beweisen. Als sie 2018 den bisherigen Frauen-Weltrekord mit 20,7 Metern aufstellte, musste Gabeira zuerst eine Petition starten, bevor die WSL den Rekord anerkannte. Ein weiteres Beispiel sind die Reaktionen auf ihren schweren Unfall von 2013: «Sie besitzt nicht die Fähigkeiten» oder «Vielleicht ist es an der Zeit, ein wenig zurückzutreten», hiess es aus der Surf-Männerwelt.
Sie habe sich das schon ihr ganzes Leben lang anhören müssen, sagte Gabeira in einem Interview. Mit 14 Jahren begann sie in Rio de Janeiro zu surfen und entschied mit 17 Profi zu werden und zog nach Hawaii. Drei Jahre später holte sie den ersten von fünf XXL Global Big Wave Awards. Jetzt ist die Brasilianerin wieder im Surf-Olymp angekommen. Der «Süddeutschen Zeitung» sagt sie: «Ich surfe nicht besser als Männer. Aber in der vergangenen Saison habe ich es trotzdem geschafft, alle zu schlagen. Ich glaube, das ist etwas Besonderes.» (smi)