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Anno 1997 schaffen die Schweizer bei der B-WM in Polen unter Nationaltrainer Simon Schenk den Wiederaufstieg nicht. Aber 1998 organisieren sie die WM und dürfen als Gastgeber mitspielen. Seither sind wir nicht mehr abgestiegen.
Unter Nationaltrainer Ralph Krueger kann sich die Schweiz in der Weltelite behaupten. Bereits bei der WM 1998 gelingt mit dem 4:2 gegen Russland ein Sieg gegen die Grossen. In den nächsten Jahren bodigen die Schweizer immer wieder einen Favoriten. 2000 beispielsweise erneut Russland in St. Petersburg. 2006 beim olympischen Turnier in Turin nacheinander Tschechien und Kanada. 2008 Schweden und ab und zu – etwa 2004 und 2005 – den Erzrivalen Deutschland. Aber jetzt in Stockholm unter Sean Simpson gelingt es, mehr als zwei Grosse im gleichen Turnier zu besiegen: Schweden (3:2), Kanada (3:2 n.V.) und Tschechien (5:2). Das hat es seit 1948 nie mehr gegeben.
Wir werden in Stockholm Zeit-Zeugen eines tiefgreifenden Wandels unseres Eishockeys auf internationaler Ebene. Es ist wahrscheinlich die spektakulärste Veränderung seit der letzten WM-Medaille von 1953. Nationalmannschafts-Leitwolf Martin Plüss hat 1998 bei der WM debütiert und hat diese ganze Entwicklung miterlebt. Er sagt es so: «Wir brauchen heute in einem Spiel viel weniger Energie. Weil wir spielerisch viel besser geworden sind.»
Das tönt banal, bringt aber diesen historischen Wandel auf den Punkt: Früher waren die Schweizer technisch nicht gut genug, um Eishockey zu spielen. Sie mussten die Gegner vom Eis arbeiten. Im besten Wortsinne bodigen. Das sah so aus: Hinten die Scheibe sofort wegschlagen, vorne den Puck wieder erkämpfen. Die Schweizer mussten lange Wege laufen und sehr, sehr viel Kraft aufwenden. Selbst gegen die vermeintlich «Kleinen» waren die Spiele härteste Arbeit. Bei einer WM galten die Partien der Schweizer jahrelang als die langweiligsten. Wer will schon Sportlern beim Arbeiten zuschauen?
Jetzt sind die Schweizer dazu in der Lage, das Spiel in der eigenen Zone zu beruhigen, die Scheibe zu halten und mit schnellen Zügen bis in die gegnerische Zone zu kommen. Oder noch einfacher gesagt: Sie haben endlich die technischen und läuferischen Fähigkeiten, um den Puck für sich arbeiten zu lassen. Um das Eishockey zu spielen, statt zu arbeiten, und den Umstand auszunützen, dass der Puck immer schneller ist als der schnellste Spieler. Um jedes Missverständnis zu vermeiden: Hinter den neuen spielerischen Qualitäten der Schweizer steckt sehr, sehr viel Arbeit. Es ist also nicht etwa so, dass unsere Spieler fauler geworden sind. Sie haben bloss so hart gearbeitet, dass sie jetzt auch spielen können. «Früher wurden wir von den Grossen dominiert und die Spiele waren einseitig», sagt Martin Plüss. «Jetzt sind wir spielerisch gleichwertig. Unsere Siege gegen Schweden, Kanada und Tschechien holten wir in ausgeglichenen Spielen.» Diese Feststellung lässt sich statistisch spektakulär untermauern: 2006 besiegten wir beim olympischen Turnier die Kanadier bei einem Torschussverhältnis von 18:49 mit 2:0 und beim 4:2-Sieg gegen die Tschechen war der Gegner ebenfalls drückend überlegen (19:42 Torschüsse). Beim 3:2 n.P. hier in Stockholm waren wir den Kanadiern auch optisch überlegen (29:21 Torschüsse) und spielten gegen die Tschechen auf Augenhöhe (31:39 Torschüsse).
Bereits vor einem Jahr waren die Schweizer gleichwertig und verloren unglücklich: Beim 2:5 gegen Finnland bei der WM 2012 waren sie sogar überlegen (28:26 Torschüsse) und beim 2:3 gegen Kanada gleichwertig (30:30). Auch der gestrige 4:1-Sieg gegen Dänemark untermauert die These «Spiel statt Arbeit». Die Dänen, die taktisch sehr ähnlich arbeiten wie einst die Schweizer unter Ralph Krueger, versuchten uns zu bodigen (vom Eis zu arbeiten). Tatsächlich erarbeiteten sie sich bei 5 gegen 5 ein 1:1. Aber wir holten den Sieg spielerisch im Powerplay. Mit drei Treffern im Überzahlspiel. Da liessen die Schweizer erfolgreich den Puck für sich arbeiten. Das war im besten Wortsinne Spiel, und nicht Arbeit.
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Unter Ralph Krueger mussten die Schweizer für einen Sieg bei der WM sehr hart arbeiten. Nun reicht erstmals die spielerische Kunst.
Anno 1997 schaffen die Schweizer bei der B-WM in Polen unter Nationaltrainer Simon Schenk den Wiederaufstieg nicht. Aber 1998 organisieren sie die WM und dürfen als Gastgeber mitspielen. Seither sind wir nicht mehr abgestiegen.