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Unfallbegriff > Knalltrauma / Gehörtrauma
Inhalt
- Mit Trillerpfeife sehr nahe am Ohr gepfiffen
- Grenzwert für kurz dauernde, akute Schallereignisse
- Pfeifenpfiff eines Zugführers bei Zugsabfahrt
- In der Oper drei zu laut verstärkte Gongschläge
- Detonierter Knallkörper anlässlich eines Fussballspiels
- Schallpegel von 91,6 dB (A) und Luftdruckwelle durch Zünden einer Handkonfettikanone
- Akustisches Signal durch Marderschutzgerät
- Test einer Alarmglocke mit 83 dB (A) mit drei Meter Abstand
- Paukenschlag
- Schiessen im Schützenhaus ohne Pamir
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In Kürze
Knalltrauma / Gehörtrauma
Rechtsprechung in chronologischer Reihenfolge
Mit Trillerpfeife sehr nahe am Ohr gepfiffen
Urteil 8C_368/2020 vom 17.09.2020 E. 5.2 und 6.8 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt
Der Versicherte hat in einer Warteschlange vor einem Club in Belgrad gewartet, als plötzlich jemand hinter ihm sehr nahe an seinem linken Ohr in eine Trillerpfeife gepfiffen hat.
Es ist erstellt, dass das Modell der Trillerpfeife unbekannt ist und dass es Modelle mit Spitzenpegeln von 105 bis 115 db gibt. Dieser Wert liegt nicht nur unter dem Grenzwert von 160 bis 190 dB für Knalltrauma, sondern auch unter demjenigen von 125 db (A) resp. 140 dB (C) gemäss Urteil 8C_477/2007 vom 10. September 2008. Zusammenfassend ist das Unfallmerkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht erstellt.
Pfeifenpfiff eines Zugführers bei Zugsabfahrt
Urteil 8C_183/2020 vom 22.04.2020 E. 2.1 (Volltext): Unfallbegriff bejaht; vor Gericht nicht strittig
Der Versicherte erlitt einen Tinnitus, als ihm ein Zugführer bei der Abfahrt des Zuges "direkt von hinten" mit einem Abstand von weniger als 20 cm in sein rechtes Ohr pfiff.
Unbestritten ist, dass es sich bei diesem Ereignis um einen Unfall im Rechtssinne (Art. 4 ATSG) handelt.
In der Oper drei zu laut verstärkte Gongschläge
Urteil 8C_176/2018 vom 27.09.2018 (Volltext): Unfallbegriff bjaht; vor Gericht nicht strittig
Ein beim Opernhaus angestellter Sänger erleidet ein Gehörtrauma (Tinnitus Grad ll), als bei einer Hauptprobe drei zu laut verstärkte Gongschläge aus dem Lautsprecher ertönten. Gemäss E. 10.4.1 wurde der Grenzwert für eine Gehörschädlichkeit der Gongschläge - wenn überhaupt - nur knapp erreicht.
In der Folge wurde die Leistungspflicht nach ca. 2 Jahren infolge fehlendem adäquaten Kausalzusammenhang (Psycho-Praxis) eingestellt.
Die Voraussetzungen für eine Berufskrankheit wurden nicht erfüllt.
Detonierter Knallkörper anlässlich eines Fussballspiels
Urteil 8C_545/2019 vom 14.09.2019 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt
Ein akustisches Gutachten hatte einen Schallexpositionspegel L AE von 112,2 dB mit einer Unsicherheit von ± 4 dB ergeben. Das Gericht kam im Wesentlichen unter Verweis auf die Urteile 8C_280/2010 vom 21.05.2010 und 8C_317/2010 vom 03.08.2010 sowie unter Bezugnahme auf die im Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall aufgeführten Grenzwerte zum Schluss, dass der genannte Schallexpositionspegelwert nicht ungewöhnlich sei (Urteil 8C_368/2020 E. 6.2.1 vom 17.09.2020).
Schallpegel von 91,6 dB (A) und Luftdruckwelle durch Zünden einer Handkonfettikanone
Urteil 8C_403/2018 vom 07.09.2018 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt
4.1. Es steht fest und ist unbestritten, dass die Versicherte am 27. November 2015 während der Weihnachtsfeier ihrer Arbeitgeberin mit anderen Arbeitskollegen an einem Tisch neben der Bühne sass, als ein Komiker eine Handkonfettikanone anzündete. Er sei in einem Abstand von ungefähr einer Armlänge neben ihr gestanden und habe die Kanone auf der Höhe ihres rechten Ohrs gehalten. Unbestritten ist ebenfalls die Tatsache, dass es sich beim vermeintlichen Tatobjekt um eine Handheld Cannon des Herstellers MagicFX handelt.
4.4. Ist folglich mit der Vorinstanz von einem maximalen Schallpegel von 91,6 dB (A) auszugehen, stellt sich ferner die Frage, ob der genannte Wert als ungewöhnlicher äusserer Faktor zu qualifizieren ist (zu den kumulativ bedingten Unfallmerkmalen: BGE 142 V 435 E. 1 S. 438, BGE 142 V 219 E. 4.3.1 S. 221). Mit Blick auf das Urteil 8C_280/2010 vom 21. Mai 2010 E. 3.2.1, worin befunden wurde, dass ein Knalltrauma mit einem maximalen Schallpegel von 111 dB (A) den Unfallbegriff mangels Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht erfülle (vgl. zum Grenzwert für kurz dauernde, akute Schallereignisse auch Urteil 8C_477/2007 vom 10. September 2008 E. 3.2), muss dies bei einem Schallpegel von maximal 91,6 dB (A) umso mehr gelten. Soweit die Versicherte einbringen lässt, dass bei einer Konfettikanone nicht nur ein Schalldruck-, sondern auch eine Luftdruckwelle verursacht werde, dringt sie mit dieser Argumentation ebenfalls nicht durch. Denn selbst wenn der Knall mit einer Lautstärke von 91,6 dB (A) zusätzlich von einer Luftdruckwelle begleitet würde, so könnte angesichts des geringen Schallpegels diese Luftdruckwelle ihrerseits jedenfalls nicht als aussergewöhnlicher äusserer Faktor anerkannt werden. Fehlt es somit bereits am Erfordernis der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors, kann die Frage, ob die übrigen kumulativen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind, wie jene des rechtserheblichen Kausalzusammenhangs zwischen dem geltend gemachten Knalltrauma und den dadurch bewirkten Folgen, offen bleiben.
Akustisches Signal durch Marderschutzgerät
Urteil 8C_317/2010 vom 03.08.2010 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt
Sachverhalt: Gemäss den Akten vernahm der Versicherte am 27. oder 28. Juli 2007 abends einen ihm unbekannten Pfeifton. Als er sich dem vermuteten Standort der Lärmquelle näherte, löste er den automatisch gesteuerten Einschaltmechanismus des auf dem Nachbargrundstück installierten Marderschutzgerätes aus, welches ein von ihm als unerträglich empfundenes akustisches Signal, vergleichbar einem Knall, aussandte.
Resultat: Unfallbegriff nicht erfüllt.
3.2. Es hat sich am 28. Juli 2007 nichts Ungewöhnliches im Sinne des Unfallbegriffs nach Art. 4 ATSG ereignet hat. Die geltend gemachte Gehörschädigung mag aus medizinischer Sicht natürlich kausale Folge einer äusseren Einwirkung gewesen sein, ein Rückschluss auf das Merkmal der Ungewöhnlichkeit kann daraus aber nicht gezogen werden (vgl. dazu BGE 134 V 72).
Vielmehr verhält es sich hier wie im Fall 8C_280/2010 (Urteil vom 21. Mai 2010 E. 3.2.1), wo bei einem maximalen Schallpegel von 111 dB die Grenzwerte für eine Gehörgefährdung bei Schallexposition durch ein Marderschutzgerät deutlich unterschritten wurde.
Der in jenem Fall von der SUVA beigezogene Experte stellte klar, dass aus fachmedizinischer Sicht nur Knalltraumata mit Spitzenwerten zwischen 160 bis 190 dB in Betracht fallen.
Test einer Alarmglocke mit 83 dB (A) mit drei Meter Abstand
Urteil 8C_477/2007 vom 10.09.2008 (Volltext): Unfallbegriff nicht erfüllt
3.1 Die Bagatell-Unfallmeldung vom 15. Februar 2005 lautet wie folgt: "Ich arbeitete am Bildschirm. Im Glaskasten, direkt neben meinem Arbeitsplatz wurde eine neue Alarmglocke montiert und bei geöffneter Türe ohne Vorwarnung ca. 3 Meter von mir entfernt, getestet." Betroffen seien beide Ohren und die Schädigung bestehe aus starkem Ohrenpfeifen und einer Hörbehinderung. Gemäss telefonischer Auskunft des Monteurs, der die Alarmanlage montiert und getestet hatte, wurde der Test bei geschlossener Glastüre durchgeführt und habe er die anwesenden Personen vor der Testung gewarnt. In seiner Anwesenheit habe sich die Versicherte nicht über irgendwelche Beschwerden beklagt.
3.2 Dr. med. M. kam dabei zur Erkenntnis, dass der mittlere Pegel des Alarmtones bei offener Tür am Arbeitsplatz der Versicherten 83 dB(A) betrage. Der Schallexpositionspegel entspreche am Arbeitsplatz der Versicherten in Ohrhöhe einem solchen von 90 dB(A) SEL. Der Grenzwert für kurz dauernde, akute Schallereignisse liege für Spitzenpegel bei 140 dB(C) und für den Schallexpositionspegel bei 125 dB(A) SEL. Die Testergebnisse würden die beiden Grenzwerte weit unterschreiten, wobei vorzumerken sei, dass eine Reduktion um 3 dB bereits einer Halbierung der Schallenergie entspreche. Der gemessene Mittelungspegel von 83 dB(A) erreiche nicht einmal den Grenzwert für die Gehörgefährdung bei einer chronischen Lärmbelastung. Bei einem solchen Wert würde gemäss Dr. med. M. auch eine langjährige Exposition nicht zu Gehörschäden führen. Ein Lärmtrauma habe nicht stattgefunden. Der Lärmpegel sei dazu nicht geeignet gewesen. Aus fachärztlicher Sicht könne eine direkte Schädigung und damit die Verursachung des Tinnitus durch die Schalleinwirkung nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden, sie sei aber nicht wahrscheinlich.
Paukenschlag
Urteil U 245/05 vom 01.12.2005 (Volltext)
Sachverhalt: Gehörtrauma bei einer Souffleuse durch Paukenschlag
Resultat: Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.
2.4 Aufgrund der Messungen der SUVA sind die Paukeneinsätze in der Oper X wohl sehr laut, erreichen jedoch die gehörgefährdenden Grenzwerte bei weitem nicht, weshalb darin grundsätzlich kein ungewöhnlicher äusserer Faktor erblickt werden kann. Allerdings ist gemäss den Akten davon auszugehen, dass anlässlich der Aufführung vom 14. April 2002, in welcher die Beschwerdeführerin das Gehörtrauma erlitt, die Pauke lauter geschlagen worden war als bei jener vom 6. April 2003, als die SUVA ihre Untersuchungen durchführte. Es ist auch zu berücksichtigen, dass nicht derselbe Paukist im Orchester war.
Laut den Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde hatte am 6. April 2003 eine Frau Dienst. Da die Grenzwerte bei der Messung indessen bei weitem nicht erreicht wurden, kann angenommen werden, dass diese auch am 14. April 2002 nicht erreicht oder gar überschritten worden waren. Dass Pauken mitunter Spitzenwerte von 140 dB (C) verzeichnen, bedeutet nicht, dass dies auch bei den Aufführungen im Opernhaus B der Fall war. Solch hohe Ergebnisse hat die SUVA jedenfalls bei keinen der anlässlich von neun verschiedenen Stücken im Frühjahr 2003 durchgeführten Messungen registriert. Auch wenn die fragliche Aufführung lauter gewesen zu sein scheint als üblich, bedeutet dies noch nichts Ungewöhnliches, das über den geplanten Inhalt der Opernaufführung hinausginge, zumal es sich bei der Oper X ohnehin um eine als "laut" zu bezeichnende Oper mit teilweise sehr schallintensiven Passagen handelt, im Gegensatz etwa zum in der Opernmusik als "leise" geltenden "Barbier von Sevilla" mit einem von der SUVA im Souffleurkasten gemessenen Wert L 60-95 dB (A), entsprechend Lm 76 dB (A).
Der geltend gemachte Paukenschlag gehörte im Rahmen der Oper X-Wiedergabe zur Interpretation des Stückes und war in diesem Sinne gewollt. Dass er in der einen Aufführung etwas intensiver und in der anderen etwas weniger heftig ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Spielweise des Paukisten, dem Dirigenten und der Lautstärke anderer Instrumente, wie im vorliegenden Fall der Orgel. Da die Versicherte aufgrund ihrer Tätigkeit als Souffleuse die aufgeführte Oper bestens kannte, war sie auf den Paukeneinsatz gefasst, auch wenn dieser nicht von jedem Musiker zeitlich gleich schnell und gleich kräftig ausgeführt wird. Somit erfolgte nichts, was nicht im Bereich des Erwarteten lag, weshalb weder das Element der Plötzlichkeit noch jenes der Ungewöhnlichkeit erfüllt ist.
Schiessen im Schützenhaus ohne Pamir
Urteil vom 17.12.1973 (Suva-Jahresbericht 1974): Unfallbegriff nicht erfüllt
Sachverhalt: Versicherte Person betritt ohne den Pamir zu tragen das Schützenhaus, in welchem seine Kollegen bereits schiessen.
Resultat: Infolge fehlender Ungewöhnlichkeit ist der Unfallbegriff nicht erfüllt.