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Exakt drei Wochen vor ihrem 40. Geburtstag verkündet Patty Schnyder ihren Rücktritt aus dem Profisport. Es ist das zweite Mal nach 2011, dass die Baselbieterin dem Tennis den Rücken kehrt. Wir lassen Schnyders ereignisreiche Karriere Revue passieren.
«Lass uns etwas Neues beginnen», schreibt Patty Schnyder am frühen Freitagmorgen auf Twitter und verabschiedet sich mit einer Statistik vom Scheinwerferlicht: «Am 21. November 2018 um exakt 15:20.23 Uhr war mein letzter Ball an einem Turnier unterwegs. Es war ein Matchball.» Sie ist «dankbar für 20 Jahre Profi-Tennis ohne grosse Verletzung» und bedankt sich «für den Support und bei bei meiner Familie».
In den letzten Jahren ihrer Karriere war es ruhiger um Patty geworden. Grosse Schlagzeilen machte sie zum letzten Mal im August in New York, als sie als älteste Spielerin der gesamten Weltrangliste die Qualifikation für die US Open schaffte und da in der Startrunde gegen Maria Scharapowa (2:6, 6:7) in der Night Session antreten durfte.
Doch nicht immer waren die Schlagzeilen um Patty Schnyder positiv. Da war dieser Heiler, der sie mit einer dubiosen Orangensaft-Kur zur Weltspitze führen wollte, ein verlorener Rechtsstreit gegen den Ringier-Verlag und Versteigerungen ihres Hausrats, nachdem sie ihre Steuern nicht bezahlt hatte. Es lohnt sich also, auf die erfolgreiche Karriere voller Nebengeräusche zurückzublicken.
Erfolge und Rekord
Der Beginn von Schnyders Profi-Karriere, die 1994 lanciert wurde, war überaus verheissungsvoll: Schon als Teenagerin gehörte sie zu den besten Spielerinnen der Welt und kam der Top 10 ganz nahe.
Die beste Platzierung erreichte die Baselbieterin 2005, als sie das Tennis-Jahr auf dem 7. Rang abschloss. Ihr bestes Grand-Slam-Resultat war der Halbfinal-Einzug an den Australian Open 2004.
Elf Einzel-Titel holte Schnyder auf WTA-Niveau, fünf im Doppel. 38 Mal wurde sie fürs Schweizer Fed-Cup-Team aufgeboten und feierte für die Schweiz 50 Siege – damit ist Schnyder Schweizer Rekordspielerin. In ihren 20 Profijahren erspielte sie sich rund 8,5 Millionen Dollar Preisgeld.
Hochstapler und Betrüger
Ihr Palmarès liest sich gut. Wäre Martina Hingis nicht gewesen, wäre Schnyder unumstritten die beste Schweizer Tennisspielerin aller Zeiten. Vielleicht hätte sie sogar auch den einen oder anderen Grand-Slam-Titel holen können, wäre sie nicht als 20-Jährige an Rainer Harnecker geraten. Schnyder verliebte sich in den dubiosen Heiler, welcher das junge Tennistalent mit fragwürdigen Methoden coachte. Schnyder trank auf Harneckers Anweisung täglich vier bis fünf Liter Orangensaft – ihre Leistungen auf dem Tennisplatz verschlechterten sich. In seiner Heimat wurde der Deutsche schliesslich als Hochstapler entlarvt – nachdem er auch Krebspatienten mit seiner Orangensaft-Kur Wunder versprach – und von einem Gericht verurteilt.
Harnecker zu Fall gebracht hatte ein Privatdetektiv namens Rainer Hofmann, den Schnyder 2003 heiratete. Doch auch dieser Hofmann ist kein unbeschriebenes Blatt. Wegen Unterschlagung, Urkundenfälschung und Betrug wurde auch er schon zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Wegen Hofmann brach Schnyder den Kontakt zu ihren Eltern ab. Und womöglich gab sie auch wegen ihres Gatten 2011 ihren ersen Rücktritt vom Profitennis. Schnyder zog mit Hofmann auf eine Pferderanch in Hannover, bevor sich die beiden 2013 scheiden liessen.
Zwangsversteigerung und Streit mit Ringier
Das nächste bittere Kapitel im Leben von Patty Schnyder: Hohe Schulden. Medienberichten zufolge sollen sich diese vor dem ersten Rücktritt der Tennisspielerin auf rund 600'000 Franken belaufen haben. Bei den Gläubigern handelte es sich um Banken, Kreditkarteninstitute, Inkassofirmen, eine Treuhandgesellschaft und die Steuerverwaltung. Im April 2012 kam zu es einer Zwangsversteigerungen von Schnyders Hausrat: Unter anderem kamen Tennisrackets, Sporttaschen und Tennisbälle unter den Hammer.
Bei all diesen Negativschlagzeilen verkommt der Rechtsstreit mit dem Ringier-Verlag fast zur Nebensache. Der «Sonntagsblick» hatte Schnyder auf seiner Titelseite einst wie folgt zitiert: «Meine Eltern sind wie die Taliban». Schnyder verklagte den Verlag darauf auf mehrere Millionen Franken, verlor aber.
Comeback und Karriereende
Nach der Scheidung mit Hofmann 2013 zog sie sich zurück. Negativschlagzeilen gab es keine mehr, Patty schien ihr Privatleben in den Griff bekommen zu haben – und wollte sich noch einmal im Tennis versuchen. 2015 nahm sie, ein Jahr nach der Geburt ihrer Tocher Kim, die Karriere wieder auf. «Ich bin abseits des Platzes glücklicher», sagte sie bei ihrem Comeback.
Auch wenn sie täglich bis zu dreieinhalb Stunden trainiere, sei das Tennis nicht mehr der Mittelpunkt ihres Lebens, sagte Schnyder im August dieses Jahres. Kim bestimme nun den Alltag. Zusammen mit Lebenspartner Jan begleitete die Kleine ihre Mutter in deren zweiten Tennis-Karriere fast überall hin. Jetzt hat Patty noch mehr Zeit, die sie mit Kim und Jan verbringen kann. Wer mag es ihr verübeln?