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Wenn der amtierende Champion mit einem nahezu identischen Team in die neue Saison startet, gilt er automatisch als Favorit. Dies ist bei den Golden State Warriors der Fall. Otto Porter Jr. ist der einzige Spieler, der in der letzten Saison über 20 Minuten pro Spiel absolviert hat und jetzt nicht mehr dabei ist. Für ihn soll unter anderem der 20-jährige Jonathan Kuminga häufiger eingesetzt werden.
Die Jungstars Andrew Wiggins und Jordan Poole wurden mit neuen Verträgen ausgestattet. Dazu kommen die langjährigen Erfolgsgaranten Stephen Curry, Klay Thompson und Draymond Green. Green sorgte zuletzt für Unruhe im Team, als er Poole während des Trainings volle Kanne ins Gesicht schlug. Er ist aber wieder beim Team und dürfte auch beim ersten Saisonspiel gegen die Los Angeles Lakers im Einsatz stehen. Poole sagte zu dem Thema: «Er hat sich entschuldigt und war professionell.» Jetzt gehe es für alle wieder darum, alles für den Titel zu geben.
Die Los Angeles Clippers sind endlich wieder gesund und gelten deshalb als einer der Topfavoriten. Dies liegt vor allem an Kawhi Leonard und Paul George. Leonard führte Toronto 2019 zum Titel und soll dies nun auch in LA tun. Doch der zweimalige Verteidiger des Jahres hat seit Juni 2021 keinen Ernstkampf mehr bestritten. Ist er jedoch spätestens zu den Playoffs in Bestform und bleibt auch George gesund, haben die Clippers eines der besten Kader in der NBA.
Wie bei den Clippers gilt auch in Colorado: Schön, seid ihr wieder da. Die Denver Nuggets können in dieser Saison wieder auf Jamal Murray und Michael Porter Jr. zählen. Die beiden verstärken das Team um den zweifachen MVP Nikola Jokic. Murray begeisterte 2020 in den Playoffs in der coronabedingten Bubble und überzeugte auch in der Saison 2020/21, bis er sich das Kreuzband riss und seither kein Pflichtspiel mehr bestreiten konnte. Auch der 24-jährige Porter verpasste einen Grossteil der letzten Saison, bewies in den Playoffs dann aber wieder sein grosses Potenzial als Skorer und Dreierschütze.
Die Phoenix Suns haben unruhige Monate hinter sich, seit sie im Playoff-Viertelfinal gegen die Dallas Mavericks ausgeschieden sind. Center Deandre Ayton unterschrieb in Indiana, doch die Suns beharrten auf dem Recht, den 24-Jährigen zu den Bezügen, die ihm die Pacers boten, zu halten. Zum Trainingsstart sagte der Mann von den Bahamas, er habe seit Mai nicht mehr mit Trainer Monty Williams gesprochen. Und trotzdem muss mit dem Team aus der Wüste gerechnet werden. Das liegt neben Ayton vor allem an Devin Booker und Chris Paul.
Auch im Osten stehen vier Teams etwas über dem Rest. Der letztjährige Finalist hat sich im Sommer nochmal verstärkt. Mit Malcolm Brogdon stösst ein erfahrener Point Guard zu den Boston Celtics. Er verstärkt den Kern um die Jungstars Jayson Tatum und Jaylen Brown sowie den Defensivspezialisten Marcus Smart. Jedoch wird nicht mehr Trainer Ime Udoka an der Seitenlinie stehen. Der 45-Jährige wurde wegen einer intimen Beziehung zu einer Mitarbeiterin der Franchise für ein Jahr gesperrt. Er wird vorerst durch seinen Co-Trainer Joe Mazzulla ersetzt.
Dahinter lauern die Milwaukee Bucks mit Superstar Giannis Antetokounmpo. Der Champion von 2021 muss aber vorerst auf Khris Middleton verzichten. Der 31-Jährige wird mit einer Verletzung am Handgelenk mehrere Wochen ausfallen. Doch in der Regular Season können Antetokounmpo und Jrue Holiday das Team problemlos tragen. In den Playoffs müssen aber alle drei Stars gesund sein.
Bringen die Brooklyn Nets dieses Jahr tatsächlich mal ihr Talent aufs Feld? Wenn ja, sind sie ein klarer Titelanwärter. Denn mit Kevin Durant und Kyrie Irving haben sie zwei Superstars, die aber aus unterschiedlichen Gründen immer wieder ausfallen und für Unruhen sorgen. Irving fehlte wegen seines Impfstatus lange, Durant forderte im Sommer die Entlassung von Trainer Steve Nash. Zudem gab es immer wieder Gerüchte, dass sie die Nets verlassen könnten. Nun sind aber doch beide weiterhin in Brooklyn. Dazu kommt mit Ben Simmons ein sehr talentierter Guard, der als Ballhandler und Verteidiger einen grossen Einfluss haben kann. Das Talent haben sie, jetzt müssen sie es nur nutzen.
Ein ehemaliger Brooklyn-Spieler ist seit Februar 2022 bei den Philadelphia 76ers unter Vertrag. James Harden nahm nach den schwachen Playoffs eine Gehaltskürzung in Kauf, damit Spieler wie Defensivspezialist P.J. Tucker geholt werden können. Mit MVP-Kandidat Joel Embiid und Jungstar Tyrese Maxey sollen sie Philadelphia zum ersten Titel seit 1983 tragen.
Die Los Angeles Lakers sind ein Spezialfall. LeBron James und Anthony Davis führten das Team 2020 zum Titel. Dann folgte aber ein Aus in der 1. Playoff-Runde und ein 11. Platz in der Western Conference, der nicht mal zur Teilnahme an den Pre-Playoffs berechtigt. Das lag auch daran, dass James und Davis verletzungsbedingt häufig fehlten und das Kader rundherum nicht gut zusammengesetzt war. Russell Westbrook war in seiner ersten Saison in LA auch nur noch ein Schatten seines früheren Selbst.
Nun sind die Hoffnungen aber wieder grösser. Westbrook akzeptiert, unter dem neuen Coach Darvin Ham nur noch von der Bank zu kommen. Ausserdem sollen die Neuverpflichtungen wie Patrick Beverley, Dennis Schröder oder Lonnie Walker die Altstars etwas entlasten. Dennoch sehen nur sehr wenige Experten das Team um LeBron James als echten Titelanwärter. Für den 38-Jährigen könnte es dennoch eine rekordträchtige Saison werden. 1326 Punkte fehlen ihm zum alleinigen NBA-Rekord für die meisten Punkte in der Karriere. James dürfte Kareem Abdul-Jabbar also in dieser Saison ablösen.
Hinter der absoluten Spitze tummeln sich einige spannende Teams, die für eine Überraschung gut sind. Im Westen sind dies die Dallas Mavericks und die Memphis Grizzlies. Die Mavs standen in der letzten Saison, angeführt von Luka Doncic, bereits in den Playoff-Halbfinals. Nun verstärkte sich Dallas mit Christian Wood von den Houston Rockets. Dennoch wird weiter viel am hochtalentierten Slowenen hängen.
Auch in Memphis ruhen die Hoffnungen auf einem Jungstar. Ja Morant, wie Doncic 23 Jahre alt, begeisterte die Basketball-Fans mit seiner Athletik und seinem spektakulären Spielstil. Nur fehlt Memphis mit Jaren Jackson Jr. der eigentliche Co-Star noch einige Monate. Das könnte im dicht besetzten Westen ein Problem sein. Doch die Grizzlies überraschten bereits in der letzten Saison alle.
Im Osten übertreffen die Miami Heat regelmässig die Erwartungen. Angeführt vom unnachgiebigen Jimmy Butler standen sie in der letzten Saison in den Playoff-Halbfinals. Mit Defensivspezialist Bam Adebayo und dem wurfstarken Tyler Herro haben die Floridianer weitere sehr starke Spieler im Team. Zudem gilt Erik Spoelstra als einer der besten Coaches in der NBA.
Der Nummer-1-Pick im diesjährigen Draft war Paolo Banchero. Der 19-jährige Forward darf in Orlando auf viel Spielzeit hoffen. Doch auch auf dem gleichaltrigen Jabari Smith Jr., der von den Houston Rockets als Dritter ausgewählt wurde, ruhen grosse Hoffnungen. Der an zweiter Stelle gedraftete Chet Holmgren von den Oklahoma City Thunder wird die Saison verletzt verpassen.
Banchero und Smith werden aber wie die meisten Rookies etwas Eingewöhnungszeit in der stärksten Basketballliga der Welt brauchen. Dem 22-jährigen Keegan Murray wird hingegen nachgesagt, der Rookie zu sein, der am schnellsten liefern könnte. Auch er dürfte bei den Sacramento Kings von Beginn an Starter sein.
Es gibt vor allem zwei Vereine, deren Entwicklung in diesem Jahr sehr spannend sein dürfte. Dabei handelt es sich einerseits um die New Orleans Pelicans mit Zion Williamson, der die gesamte letzte Saison verpasste. Dem 22-Jährigen wird nun aber bescheinigt, in der Form seines Lebens zu sein. Wenn er jetzt einlöst, was sich viele von ihm versprechen, seit er 2019 gedraftet wurde, könnte er schon dieses Jahr zu einem der besten Spieler in der NBA werden.
Interessant sind auch die Detroit Pistons, die mit Cade Cunningham (1. Pick 2021), Jaden Ivey (5. Pick 2022) und Jalen Duren (12. Pick 2022) gleich mehrere junge und sehr talentierte Spieler im Team haben. Der 20-jährige Cunningham zeigte bereits gegen Ende der letzten Saison, dass er das Potenzial zum Star hat, nun erwarten viele den nächsten Schritt in seiner Entwicklung.
Die grossen Free Agents verlängerten in diesem Jahr bei ihren Klubs. Dafür gab es drei grosse Trades. Einer davon betraf das Team von Clint Capela. Die Atlanta Hawks verstärkten sich mit Dejounte Murray. Der 26-jährige Guard soll vor allem mit seiner Defensivstärke helfen. Die Hawks zählen im starken Osten aber nur zum erweiterten Kreis der Titelanwärter.
Dies gilt auch für die Cleveland Cavaliers, die ihrem jungen Kern um Darius Garland, Evan Mobley und Jarrett Allen einen starken Skorer hinzugefügt haben. Von den Utah Jazz wurde Donovan Mitchell geholt.
Die Jazz waren an einem weiteren Blockbuster-Trade beteiligt. Neben Mitchell gaben sie in Rudy Gobert auch den zweiten prägenden Spieler der letzten Jahre ab. Der dreifache Verteidiger des Jahres soll die bisher schwache Defensive der Minnesota Timberwolves verstärken. Mit Anthony Edwards (20) und Karl-Anthony Towns (26) zählt Minnesota zwei hochtalentierte Spieler im Kader. Dennoch werden den Timberwolves nur Aussenseiterchancen auf eine Finalteilnahme zugerechnet.