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Die so genannte zentrale Fazialislähmung hat ihren Ursprung im Gehirn, die periphere Lähmung geht auf eine Schädigung im Verlauf des Nervs nach dem Austritt aus dem Hirnstamm zurück. Die in der Folge entstehenden Lähmungen der Gesichtsmuskulatur sind meist leicht erkennbar.
In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um eine so genannte periphere idiopathische Fazialisparese, das heisst es lässt sich keine Ursache für die Funktionsausfälle des Nervs finden. Die Häufigkeit wird angegeben mit 2 bis 3 Fälle auf 10‘000 Menschen pro Jahr.
Der Fazialisnerv versorgt mit seinen Impulsen die mimische Muskulatur des Gesichts. Er steuert also jene Muskeln, die den Gesichtsausdruck mitgestalten und gewährleistet das Schliessen der Augen, das Runzeln der Stirne, Lachen, Pfeifen und vieles mehr.
Sie entsteht überwiegend aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn, seltener durch Tumore. Häufigste Ursachen sind demnach Hirnschlag oder Schädel-Hirnverletzung mit Blutung ins Schädelinnere, weitere sind Multiple Sklerose und Aneurysmen.
Sie ist üblicherweise einseitig, zeigt sich als Schwäche, als inkomplette oder vollständige Lähmung und befällt meist eine ganze Gesichtshälfte von der Stirn bis zum Kinn. Wenn lediglich eine Schwäche der Nervenfunktion vorliegt, sind die Symptome wenig ausgeprägt, gelegentlich auch so diskret, dass man sie kaum wahrnimmt.
Sie betrifft überwiegend die untere Gesichtshälfte und damit die Mimik im Mundbereich. Weil für Bewegungen der Stirne und für den Lidschluss die Nervenimpulse von beiden Hirnhälften kommen, wird ein einseitiger Ausfall des Nervenzentrums – beispielsweise nach Hirnschlag – im oberen Gesichtsbereich durch die gesunde andere Hirnhälfte ausgeglichen. Das Auge kann noch geschlossen werden, allerdings fällt der Lidschluss schwächer aus.
Die periphere Fazialislähmung hat gute Aussicht auf zumindest teilweise Rückbildung und die Spontanheilungsrate erreicht 60 bis 80%. Die Nervenfunktion kann sich bald wieder erholen, bis zur Genesung vergehen aber oft einige Wochen bis Monate. Die Prognose ist insbesondere günstig, wenn die Lähmung nicht komplett ist und sich rasch wieder Teilfunktionen einstellen. Eine frühzeitige medikamentöse Therapie wirkt sich vorteilhaft aus.
Gelegentlich bleiben indessen Restsymptome zurück, wozu auch Zuckungen der Gesichtsmuskulatur gehören, eine Asymmetrie des Gesichts oder funktionelle Ausfälle (fehlender oder abgeschwächter Lidschluss, Erschlaffung der Lippen usw.).
Bei fehlendem Lidschluss muss das Auge nachts mit einer Schutzklappe versehen werden. Das Austrocknen verhindern tagsüber künstliche Tränenflüssigkeit, nachts das Anfeuchten mit einer Augensalbe.
Bewegungsübungen vor dem Spiegel können Restfunktionen fördern und zur Rehabilitation beitragen. Es sollte aber nicht zu viel trainiert werden, 20 bis 30 Minuten täglich genügen, in drei bis vier Etappen. Durch übermässiges Stärken der Muskulatur auf der gesunden Seite kann sich die Asymmetrie verstärken und es besteht die Gefahr des Auftretens von fehlerhaften Mitbewegungen (zum Beispiel gleichzeitiges Schliessen des Augenlids bei Mundbewegungen).
Ausser dem Schutz vor schweren Kopfverletzungen (Helm tragen) bei entsprechenden Arbeiten und Sportarten sind keine Prophylaxemöglichkeiten bekannt.
Bei Verdacht auf eine Fazialisparese sollte man rasch einen Arzt aufsuchen, da Medikamente in der Frühphase besser wirken. Wenn starke Ohrschmerzen eine Gesichtslähmung begleiten, sollte dies notfallmässig zum Arzt führen.
Neurologische Untersuchungen präzisieren die Diagnose. Eine umfassende fachärztliche Abklärung ist besonders bei einem verzögerten Heilungsverlauf nötig. Dann werden weitere Verfahren eingesetzt wie Elektromyographie, Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT). Eine Untersuchung der „Nervenflüssigkeit“ des Rückenmarkkanals (Liquor) erfolgt bei Verdacht auf eine infektiöse Ursache.
Die konservative Therapie besteht in erster Linie in der Gabe von Kortisonpräparaten. Die Schwellung des Nervs soll damit möglichst rasch behoben werden. Wenn Ursachen bekannt sind, werden auch diese behandelt, zum Beispiel mit Virostatika (Mittel gegen Viren) bei Nachweis von Herpes- oder Zosterbläschen, Antibiotika bei Borreliose.
Operation: Sind Restlähmungen zurückgeblieben, können verschiedene plastisch-chirurgische Massnahmen den Zustand verbessern – abhängig von den Ausfallserscheinungen.