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Mit zwei Uraufführungen im Wettbewerb, zwei in der Kritikerwoche und einer weiteren im abendlichen Piazza-Programm ist das Schweizer Filmschaffen dieses Jahr in Locarno gut vertreten. Und dies durchaus auch im qualitativen Sinne.Dieser Inhalt wurde am 09. August 2001 - 13:39 publiziert
Als wichtigstes internationales Festival des Landes bietet Locarno Jahr für Jahr auch dem Schweizer Film eine willkommene Plattform. Aber nicht jedes Jahr sind die Schweizer Produktionen auch ausserhalb der eigens für sie kreierten Festivalsektion "Appelations Suisse" so gut vertreten wie diesmal.
Gleich zwei neue Schweizer Spielfilme hat die neue Direktorin Irene Bignardi für wettbewerbswürdig befunden: "Scheherazade" von Riccardo Signorell und "Happiness is a Warm Gun" von Thomas Imbach.
"Scheherazade"
Im Rahmen des generell hohen Wettbewerbs-Niveaus hatte "Scheherazade" keinen einfachen Stand. Das spannend konzipierte Kammerdrama des Eishockeyprofis und filmischen Autodidakten Signorell verblüfft angesichts seines winzigen Budgets (rund 350'000 Franken) durch sein hohes filmisches und dramaturgisches Niveau.
Das Drama um Inzest und Eifersucht führt fünf Menschen auf einer Motorjacht auf dem Zürichsee zusammen. Allerdings bleiben im Verlauf der 85 Filmminuten ein guter Teil der Psychologie und fast die ganze Figuren-Entwicklung auf der Strecke.
"Happiness is a Warm Gun"
In "Happiness is a Warm Gun" spürt Thomas Imbach der ungewöhnlichen Beziehung zwischen dem friedensbewegten ehemaligen Bundeswehrgeneral Gert Bastian und der grünen Politikerin Petra Kelly nach. Der Film setzt in dem Moment ein, da Bastian im Oktober 1992 seiner schlafenden Geliebten eine Kugel in den Kopf schiesst.
Im Zürcher Flughafengebäude inszeniert Imbach hochstilisiert mit Zeitraffer und dokumentarischem Material den Versuch der beiden Figuren, ihr eigenes Handeln zu begreifen. Imbach hat mit seinem neuen Film seinen komplexen und intelligenten dokumentarischen Fiktionalismus perfektioniert.
"Die Reise nach Kafiristan"
Als Piazza-Film hat Irene Bignardi "Die Reise nach Kafiristan" von Fosco und Donatello Dubini programmiert. Ein Entscheid, der angesichts der unglaublich schönen Drehorte in Usbekistan und Jordanien selbst dann eingeleuchtet hätte, wenn der Film seine Geschichte weniger asketisch und perfekt erzählen würde.
Die Orientreise der zwei ungewöhnlichen Frauen Annemarie Schwarzenbach und Ella Maillart kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs bildet den Hintergrund für ein mit traumwandlerischer Sicherheit inszeniertes, mitunter fast meditatives Roadmovie.
"Meier 19" und "Venus Boys"
In der "Kritikerwoche" schliesslich hatten mit "Meier 19" von Erich Schmid und "Venus Boyz" der Regisseurin Gabriel Baur zwei Dokumentarfilme ihre Premiere, die beide ein grosses Publikum nicht nur anzogen, sondern auch begeisterten.
"Meier 19" zeichnet minutiös und gut eingebettet in die historische Situation die Geschichte jenes Zürcher Polizeibeamten nach, der bis heute unter seinem einsamen Kampf gegen die vermeintliche Korruption in den eigenen Reihen zu leiden hat.
"Venus Boys" schafft hinreissend Aufmerksamkeit und Verständnis für die sogenannten "Drag Kings", Frauen, die sich analog zu den männlichen "Drag Queens" als Männer auf Zeit inszenieren und dabei ganz praktisch die Geschlechterrollen hinterfragen.
swissinfo und Michael Sennhauser (sda)
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