Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/3447

Diese zeigt sich derzeit in guter Form. Trotz einer minimalen Abkühlung in den Sommermonaten dürfte sich der Aufschwung in der nach den USA zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt 2017 verstärken - zum ersten Mal seit sieben Jahren.
"Wir werden ausländischen Banken mehr Raum geben", kündigte der Chef der Bankenaufsicht Guo Shuqing, auf dem Parteikongress an. Der Marktanteil ausländischer Banken in der Volksrepublik habe sich in den vergangenen zehn Jahren auf 1,2 Prozent halbiert. "Das ist kein Vorteil für den Wettbewerb und Strukturverbesserungen", sagte Guo. Er signalisierte zudem, die Regeln für den Abbau fauler Kredite zu verschärfen. Finanzrisiken müssten ebenso eingedämmt werden wie ein Anstieg versteckter Schulden. Die Verschuldung, die etwa 258 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, gilt als eines der grössten Konjunkturrisiken. Die Rating-Agentur S&P stufte erst im September die Kreditwürdigkeit des Landes herab, da "eine längere Phase des starken Kreditwachstums die ökonomischen und finanziellen Risiken Chinas erhöht hat".
Die Zentralbank ist sich des Problems bewusst. Ihr Chef Zhou Xiaochuan warnte am Rande des Kongresses vor einem "Minsky Moment". Er spielte damit auf eine nach dem amerikanischen Ökonom Hyman Minsky benannte Theorie an, wonach trotz boomender Wirtschaft eine plötzliche Krise auftreten kann. "Wir sollten uns darauf konzentrieren, dramatischen Anpassungen vorzubeugen", sagte Zhou mit Blick auf die hohe Verschuldung der Unternehmen und steigender Verbraucherkredite.
Die Regierung geht bereits gegen eine drohende Immobilienpreisblase vor, was derzeit den Aufschwung leicht dämpft. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal um 6,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr hatte es noch zu 6,9 Prozent gereicht. Trotz des etwas verlangsamten Tempos dürfte das von der Regierung vorgegebene Ziel von rund 6,5 Prozent für das Gesamtjahr übertroffen werden. Die Konjunktur sei stabil, sagte der Sprecher des Statistikamtes Xing Zhihong. 2016 hatte es mit 6,7 Prozent das kleinste Plus seit 26 Jahren gegeben. Dieser Wert dürfte in diesem Jahr übertroffen werden, erwarten Experten nach den ersten drei Quartalen.
Höhepunkt des Immobilienbooms vorbei
Bremsspuren hinterliess in den Sommermonaten der Bausektor. Die Zahl der Neubauten nahm nicht mehr so stark zu, während der Verkauf von Bestandsimmobilien im September sogar erstmals seit mehr als zweieinhalb Jahren sank. "Der Immobilienboom hat zweifellos seinen Höhepunkt überschritten", sagte Analystin Rosealea Yao vom Beratungsunternehmen Gavekal Dragonomics. Um Überhitzungen vorzubeugen, hat die Regierung beispielsweise die Vergabe risikoreicher Kredite erschwert.
Gestützt wird der Aufschwung vom Aussenhandel und der Industrie, die von der besseren Weltkonjunktur profitiert. Die Firmen stellten im September 6,6 Prozent mehr her als vor Jahresfrist. Das ist mehr als Experten für möglich gehalten hatten. Sie bereiten sich damit auch auf den Winter vor, in dem die Regierung immer wieder im Kampf gegen die Luftverschmutzung Fabriken stilllegt. Der Einzelhandel schaffte im September ein überraschend kräftiges Umsatzplus von 10,3 Prozent.
"Derzeit braucht man sich um das chinesische Wachstum nicht zu sorgen", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Auch in den kommenden Quartalen dürfte die Volkswirtschaft in ähnlicher Grössenordnung zulegen, dafür wird alleine schon die Regierung sorgen." Präsident Xi Jinping kündigte auf dem Parteikongress eine Öffnung des Dienstleistungssektors sowie eine Reform des Devisen- und Finanzsystems an.
Bis 2035 solle China eines der innovativsten Länder der Welt werden, das seine Umweltprobleme grundlegend gelöst habe. In der Binnenwirtschaft will Xi den privaten Konsum als Grundlage für die weitere Entwicklung ankurbeln. Fortgesetzt werde der Kampf gegen Überkapazitäten in der Industrie.
(Reuters)