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Unter einem Chäibenwinkel verstand man früher einen Tierfriedhof, um es anständig zu sagen. In Wirklichkeit war es einfach eine Grube, wo man die toten Tiere hinein warf und notdürftig mit Sand, Kies oder Erde zudeckte. Also eine Tierkadaverablagerungsstelle.
Der Seebacher Chäibenwinkel befand sich im Norden des Riedenholzes fast ganz hinten in einer Waldecke, welche um 1930 Siebentannen und später Tannenputsch genannt wurde, weil dort eine Gruppe (Putsch) besonders hohe Tannen standen. Hier entsorgten auch alle Seebacher Metzger ihre nicht weiter verwertbaren Schlachtabfälle. Unter anderem lagern hier auch die Knochen, die Haut und andere Teile des bekannten Zirkuselefanten Tantor von der Tiergarten AG. Siehe dazu unter Tantor!
Bis zur Eingemeindung war in Seebach Landwirt Walter Tanner-Phillippin, wohnhaft gewesen an der Köschenrütistrasse 12 (bei der ehemaligen Abzweigung des Kronenweglis) zuständig für die Entsorgung der Tierkadaver. Er war der offizielle Abdecker der Gemeinde Seebach. Ob er bei jeder Entsorgung eines Tierkadavers anwesend war oder wie das genau geregelt wurde, konnte die OGS noch nicht in Erfahrung bringen. Nach einer beiläufigen Bemerkung von Peter Moscheni war Walter Tanner aber ein eher strenger Wächter und achtete sehr auf Ordnung. Schikanen stellte er den Lieferanten aber keine in den Weg. Das war damals auch nicht sinnvoll, denn es war noch eine Zeit, wo jedermann hart arbeiten musste, wenn er überleben wollte.
Die Bezeichnung Chäibenwinkel hat eine tiefere Bedeutung, denn Chäib heisst im älteren Züritüütsch nichts anderes als «totes Tier», von mittelhochdeutsch keibe = Leichnam, Aas. Winkel hatte ursprünglich die Nebenbedeutung von «weit weg vom Dorf». Der Flurname oder manchmal auch bloss die Ã?rtlichkeitsbezeichnung Chäibenwinkel ist sprachgeschichtlich gut überliefert und kein Seebacher Unikum, ja nicht einmal ein Zürcher Unikum, sondern findet sich im Umkreis von 100 km zigfach.
Quellen: - Kurt Wirth - Peter Moscheni - Idiotikon Bd.III, 103 (Cheib)