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Biogasanlage Val Müstair
Mit der Vergärung der Rindergülle und dem Mist der rund 40 landwirtschaftlichen Betriebe im Val Müstair könnte Ökostrom produziert werden, der das ganze Tal mit Energie versorgt. Im Rahmen des Modellvorhabens hat die Gemeinde Val Müstair deshalb geprüft, ob sich mit den vorhandenen organischen Reststoffen eine Biogasanlage zur Ökostromerzeugung betreiben lässt.
Das Bündner Val Müstair schliesst hinter dem Ofenpass an das Engadin an und wird zu einem grossen Teil von Italien umgeben. Anfang 2009 haben die sechs Gemeinden Fuldera, Lü, Müstair, Santa Maria Val Müstair, Tschierv und Valchava zur Gemeinde Val Müstair fusioniert. Zur selben Zeit startete auch das Modellvorhaben «Biogasanlage Val Müstair». Ziel des Projekts war es, aus organischen Reststoffen - Rindergülle und Rindermist - der rund 40 landwirtschaftlichen Betriebe und den Gastroabfällen der Hotels Ökostrom zu produzieren, indem eine Biogasanlage gebaut wird. Eine ganze Talschaft könnte mit dem Ökostrom versorgt werden. Positive Nebeneffekte wären zudem eine Verbesserung der Düngerqualität, da das vergorene Substrat pflanzenverträglicher ist und der Stickstoff von den Pflanzen schneller aufgenommen wird. Damit zusammenhängend könnte auch die Grundwasserqualität verbessert werden, denn die schnellere Stickstoffaufnahme durch die Pflanzen reduziert das Auswaschen ins Grundwasser. Da die vergorenen Substrate dabei nahezu geruchsfrei sind und daher geringere Geruchsemmissionen entstehen, kann auch die Umwelt geschont werden. Ein weiterer Nebeneffekt wäre die Nutzung der anfallenden Wärme durch den Ausbau eines Fernwärmenetzes und damit verbunden der ökologische Ersatz von Ölheizungen.
Zu wenig Rohstoffe zur Vergärung zugesichert
Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden mögliche Standorte für die Biogasanlage eruiert und die Wirtschaftlichkeit der Biogasanlage sowie der mögliche Gasertrag durch die Vergärung der gelieferten Substrate Gülle, Mist und Gastroabfälle wurden berechnet. Ein geeigneter Standort für den Bau der Biogasanlage wurde gefunden, ebenso zeigten die Berechnungen, dass in der Region genügend organische Reststoffe für die Ökostromproduktion vorhanden wären. Die Studie zeigte aber auch, dass eines der Projektziele, nämlich die Biogasanlage gewinnbringend zu betreiben, nicht erreicht werden kann. Das «Provedimaint electric Val Müstair (PEM)», die öffentlich-rechtliche Anstalt der Gemeinde Val Müstair, die sich für eine taleigene Stromversorgung einsetzt, hat sich dennoch bereiterklärt, die Biogasanlage zu bauen und zu betreiben. Dies unter der Voraussetzung, dass die Landwirte den überwiegenden Teil ihres vorhandenen Hofdüngers im Val Müstair zur Vergärung in der Biogasanlage zur Verfügung stellen. Die entsprechende Vereinbarung wurde an alle Landwirte im Val Müstair verteilt. Das ernüchternde Ergebnis war jedoch, dass mit den retournierten Vereinbarungen nur ein geringer Anteil der verfügbaren Hofdüngermenge für die Vergärung in der Biogasanlage zugesichert wurde. Der PEM-Vorstand hat daraufhin am 31. August 2011 beschlossen, die Biogasanlage im Val Müstair wegen der nicht ausreichend zur Verfügung gestellten Mengen an Rohstoffen nicht zu bauen.
Projekt hat trotz Misserfolg Modellcharakter und zeigt neue Wege für Wärme- und Stromproduktion auf
Obwohl die Biogasanlage nicht gebaut werden konnte, wird das Projekt dennoch Modellcharakter behalten. Denn nicht nur die Idee, aus organischen Reststoffen Ökostrom zu produzieren, kann als innovatives Element bezeichnet werden, sondern auch die beabsichtigte Gesamtlösung, praktisch eine ganze Talschaft mit dem notwendigen Haushaltsstrom aus ökologischer Produktion zu versorgen und gleichzeitig die natürlichen Schönheiten des Tales und die intakte Natur vor menschlichen Eingriffen zu schützen.
In der Ortschaft Müstair ist für die nächsten fünf Jahre ein Anschlusspotential von 5000 bis 6000 Megawattstunden Wärme pro Jahr ermittelt worden. Die PEM ist interessiert an der Produktion von Elektrizität aus erneuerbaren Energien. Aus diesem Grund hat sie ein Vorprojekt für den Ausbau der Fernwärmeversorgung mit Stromproduktion in Auftrag gegeben. Für die Wärme- und Stromerzeugung ist eine neue Holzvergasungsanlage vorgesehen, die das Restholz eines führenden Herstellers von Kork- und Linoleumböden mit Standort in Müstair (LiCo AG) verwerten wird.
|Thema||Erneuerbare Energien|
|Periode||2007-2011|
|Kanton||Graubünden|
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