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Kurt Wernli habe auf verschiedenen Ebenen und in diversen Funktionen viel für den Kanton Aargau geleistet, betonte Landammann Jean-Pierre Gallati am Dienstag im regierungsrätlichen Kondolenzschreiben zum Hinschied des früheren Vorstehers des Departements des Innern. Obwohl Kurt Wernli aus einem politisch engagierten Arbeitermilieu im Gebenstorfer Ortsteil Vogelsang stammte, betrieb er die Politik zunächst eher als Schwärmerei in der «Europafraktion» des Aargauischen Jugendparlaments und in der Verbindung «Libertas» am Lehrerseminar Wettingen. Erst mit dreissig trat er in die Sozialdemokratische Partei ein, nachdem ihn sein Mentor, der SP-Nationalrat und Lehrerkollege Ernst Haller, in der Windischer Bezirksschulstube aufgesucht und ermahnt hatte: «Es wär jetz a dr Zyt …»
Vielfältiges Engagement
Die Aufforderung zur politischen Betätigung zeigte schon nach einem Jahr Früchte. Kurt Wernli gehörte von 1973 bis 1980 dem aargauischen Verfassungsrat an, in dem er zeitweise die SP-Fraktion und in der letzten Phase die bedeutende Redaktionskommission präsidierte. Die auf Anhieb von seinen Fähigkeiten überzeugte SP Aargau wählte ihn 1977 zum Kantonalpräsidenten und nominierte ihn 1983 zum Ständeratskandidaten. Aber gegen die damaligen eidgenössischen Schwergewichte Julius Binder (CVP) und Hans Letsch (FDP) hatte er keine Chance, hingegen wurde er im gleichen Jahr in den Grossen Rat gewählt. Er leitete von 1993 bis 1997 die Staatsrechnungskommission – ein Sprungbrett für ihn, um 1998 zum Grossratspräsidenten gewählt zu werden.
Von 1986 bis 1995 präsidierte er auch den Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverband. Er war stolz, dass seine in einfachen Verhältnissen lebenden Eltern ihren drei Kindern eine gute Ausbildung ermöglichten und er Lehrer werden konnte. Nach dem Seminar unterrichtete er drei Jahre an der Realschule Unterentfelden. Danach bildete er sich an den Universitäten Zürich und Cambridge zum Bezirkslehrer für Deutsch, Geschichte und Englisch aus. Ab 1968 unterrichtete er an der jungen Bezirksschule Windisch und leitete sie ab 1984 als Rektor.
Eine Kandidatur mit Folgen
Als der gesundheitshalber zurücktretende sozialdemokratische Regierungsrat Silvio Bircher 1998 ersetzt werden musste, setzte die SP auf eine Frauenkandidatur und erhob die Buchser Anwältin Ursula Padrutt auf den Schild. Aber innerhalb der Partei regte sich Widerstand. Ein Komitee, nicht zuletzt mit Kräften aus dem Bezirk Brugg, portierte Kurt Wernli als «wilden» Kandidaten. Nun war Feuer unterm Dach. Dem unerwünschten Konkurrenten wurde vorgehalten, er sei ein «Frauenkiller» und verletze Ehrlichkeit, Fairness und Solidarität innerhalb der Partei. Noch vor den Wahlen beschloss seine Stammsektion, die SP Windisch, mit 31 gegen 7 Stimmen den Parteiausschluss ihres prominentesten Mitglieds. Dessen Rekurs lehnte die Geschäftsleitung der SP Aargau ab.
Der nunmehr parteilose Kurt Wernli lag im ersten Wahlgang bei einer relativ hohen Stimmbeteiligung von 45 Prozent über 13 000 Stimmen vor der offiziellen Kandidatin und nur 600 Stimmen unter dem absoluten Mehr. Im zweiten Wahlgang betrug sein Vorsprung sogar 36 500 Stimmen. Zwei Wiederwahlen, 2001 und 2005, schaffte er problemlos auf dem ersten respektive zweiten Platz der Gewählten. Zweimal, 2001 und 2006, war er Landammann. Die SP, zweitstärkste Fraktion im Grossen Rat, musste sich zehn Jahre lang, bis 1999, gedulden, bis sie mit Urs Hofmann wieder in der Aargauer Regierung vertreten war. Inzwischen hatten sich die politischen Wogen um Kurt Wernli auch in seiner Wohngemeinde Windisch wieder geglättet. Seine Gattin Elisabeth bekam das wiederhergestellte Vertrauen als Einwohnerratspräsidentin und als Gemeinderätin zu spüren.
Wesentliche Weichenstellungen
Während Kurt Wernlis Amtszeit als Innenminister stimmte das Aargauer Volk dem Wechsel vom obligatorischen zum fakultativen Gesetzesreferendum zu. Weiter wurden die elf Bezirksämter abgeschafft. Die ursprüngliche Funktion der Bezirksamtmänner als quasi Regierungsstaathalter war längst der Rolle als Untersuchungs- und Strafbefehlsrichter gewichen; sie wurden mit der Umsetzung der neuen Schweizerischen Strafprozessordnung durch regionale Staatsanwaltschaften ersetzt. Ein weiterer Schwerpunkt im regierungsrätlichen Wirken von Kurt Wernli war das Zentralgefängnis-Projekt in Lenzburg.
Kurt Wernli leugnete seine politischen Wurzeln nicht. Aber sektierisch-ideologische Verhärtungen widerstrebten ihm je länger, desto mehr. Als Infanteriehauptmann aD und grundsätzlicher Befürworter der Kernenergie löckte er wider den Stachel.