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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch IX.
18.
Die Juden hatten von alters her ein Recht, ein Lehrer war ihnen von Gott gegeben worden, Moses, und durch ihn ein Gesetz, eine Wüste und ein Berg, der Sinai; sie hatten einen Gesetzgeber, Gott. Nachdem sie aber den Jordan überschritten und das schwererkämpfte Land erhalten hatten, zerrissen sie auf verschiedene Weise das Gesetz Gottes, da jeder das Gesagte anders auffaßte, und so gingen sie auseinander, nachdem sie sich Lehren aufgestellt und Sonderlehren erfunden hatten, deren Verschiedenheiten ich auseinandersetzen werde. Sie haben sich in eine Unmenge von Sekten gespalten; ich will die hauptsächlichsten zur Darstellung bringen. Die Lernbegierigen werden hiedurch auch mit den übrigen leicht bekannt. Drei Richtungen kann man bei ihnen unterscheiden: Anhänger der ersten sind die Pharisäer, der zweiten die Sadduzäer, die dritten sind die Essener. Die letzteren führen ein ziemlich ernstes Leben in gegenseitiger Liebe und in Enthaltsamkeit, scheuen jedes Werk der Begierlichkeit, ja sie wollen nicht einmal von solchen hören; sie verzichten auf die Ehe, nehmen fremde Kinder an, machen sie zu den ihrigen und erziehen sie zu ihren eigenen Anschauungen, ziehen sie auf und unterweisen sie in den Wissenschaften, hindern sie aber nicht am Heiraten, sie selbst aber enthalten sich der Ehe. Frauen nehmen sie nicht auf, auch wenn solche sich ihrer Richtung anschließen wollen, da sie ihnen durchaus mißtrauen.