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Die erste Seilbahn Brasiliens (und die dritte der Welt) wurde gestern Montag (27.10.2014) einhundertundzwei (102) Jahre alt. Um diesen Tag zu feiern verteilte die ”Companhia Caminho Aéreo Pão de Açúcar”, das die Seilbahn betreibende Unternehmen – im Stadtteil Urca, in Rio de Janeiro – bis zum späten Nachmittag 2.000 Stücke Kuchen an die Besucher.
Die Marketing-Chefin des Unternehmens, sagte, dass im administrativen Teil der Seilbahn Verbesserungen vorgenommen werden, und dass diese Arbeiten voraussichtlich bis zum Beginn des Jahres 2015 abgeschlossen sind. ”Wir machen einige Reformen in den Räumlichkeiten, wie zum Beispiel das Auswechseln der Fussböden, Verbesserungen der Toiletten und der Räume für unsere Mitarbeiter, neue Hinweisschilder und eine Restauration des Amphitheaters und des Parkeingangs“, erklärte sie.
Die Seilbahn wurde 1912 von dem Ingenieur August Ferreira Ramos konstruiert. Nachdem er das Projekt entwickelt und eine Analyse zur praktischen Umsetzung durchgeführt hatte, gründete er die ”Companhia Caminho Aéreo Pão de Açúcar“ (Luftweg-Kompanie Zuckerhut) und suchte nach Partnerschaften mit Investoren. Sein Vorhaben stiess in weiten Kreisen der Gesellschaft auf Unglauben, sogar bei seinen Kollegen im ”Club der Ingenieure“, die ihn als verrückt erklärten und sarkastisch vorschlugen, er solle die Seilbahn vom Zuckerhut mit dem Nationalen Irrenhaus verbinden (das sich ebenfalls im Stadtteil Urca befindet).
Als eine ihrer ersten Aktionen präsentierten die Investoren im Finanzministerium die Bedeutung der Seilbahn für eine Projektion der Stadt Rio de Janeiro im internationalen Szenario. Für sie bedeutete die Seilbahn eine Verbesserung, welche die Stadt verschönern würde und, als eine der ersten Seilbahnen der Welt, wäre sie auch ein Beweis für die Kompetenz brasilianischer Ingenieurskunst.
Die Einweihung der Seilbahn fand ein breites Echo, auf nationaler wie internationaler Ebene, wegen der damaligen Schwierigkeiten einer solchen Konstruktion, die eine gewaltige technologische Herausforderung darstellten – mit besonderen Aufstiegsschwierigkeiten zur Spitze des enormen Felsquaders, und vor allem wegen fehlender qualifizierter Arbeitskräfte in Brasilien. Der Beiname ”Bondinho“ (Bähnchen) wurde der Seilbahn von Rios Bürgern, den Cariocas, gegeben, inspiriert von den Strassenbahnen, die zu jener Zeit in der Stadt zirkulierten. Im Lauf der Zeit wurden die Einzelteile modernisiert und die Seilbahn bekam neue Kabinen mit grösserem Fassungsvermögen, denn von Jahr zu Jahr nahm der Touristenverkehr zu.
Nach Auskunft der Administration beträgt der gegenwärtige Besucherdurchschnitt pro Tag 4.000 Personen in der niederen Saison und steigt auf bis zu 8.000 in der Hochsaison – das ist die Zeit zwischen Dezember und Januar – und solche Zahlen werden auch erreicht bei besonderen Events in der Stadt am Zuckerhut. Besucherrekord war der 30. Dezember 2012, als 10.767 Besucher mit der Seilbahn zum Zuckerhut hinauf- und wieder hinunterfuhren. In diesen 102 Jahren ihres Verkehrs hat die Seilbahn zirka 40 Millionen Menschen hinauf und hinunter transportiert – 47% davon waren ausländische Gäste.
Die Attraktion einer Auffahrt zum Zuckerhut begeistert die Besucher Rio de Janeiros nach wie vor – ohne von dort oben das Panorama der ”Cidade Maravilhosa“ genossen zu haben, verlässt kaum ein Besucher die Stadt. Ein argentinischer Tourist, der Brasilien zum ersten Mal besucht, bestätigt, dass er von diesem Ausflug begeistert war. ”Ich habe die Seilbahn genossen, sie ist absolut sicher, und man spürt den Aufstieg kaum. Und wenn man dann oben ist und sich diese wunderbare Stadtlandschaft vor einem auftut… Am liebsten möchte man gar nicht mehr fortgehen“, sagt er.
Eine Carioca Lehrerin, erzählt, dass sie bisher noch nie diesen touristischen Höhepunkt besucht hatte. ”Zum ersten Mal bin ich nun hier oben und glücklich, das es zufällig auch ein so spezieller Tag, der Geburtstag des ”Bondinho“ ist. Habe sogar ein Stück Kuchen bekommen. Dieser Ausflug lohnt sich wirklich, die Aussicht von hier oben ist herrlich und gut für viele Erinnerungsfotos“, sagt sie.
Die Seilbahn des Zuckerhutes hat auch schon sehr viele prominente Persönlichkeiten transportiert, wie Albert Einstein, John Kennedy, Brooke Shields und Roberto Carlos. Ausserdem wurde sie als „Location“ in bedeutenden kinematografischen Inszenierungen benutzt, wie im James-Bond-Film ”007 Moonraker – Streng geheim“, von 1979 und der neueren Produktion von ”Rio, Eu Te Amo“ (Rio, ich liebe dich).