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Kaspar Wolleb
Inhaltsverzeichnis
Pfarrer von Brienz: 1505–15323?
Prior: ca. 1523–1531
Kustos: ca. 1523–1531
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Heinrich Wolleb und der Engelina Russi.
Brüder: Heini und Peter Wolleb.
Lebensbeschreibung[1]
Für Herkunft und Personalien des P. Kaspar können nur Vermutungen angestellt werden, die sich indes gut vertreten lassen. Die Herkunft der Familie Wolleb weist auf Ursern hin, die aber später, 1539, unter Ammann Beat Wolleb das Urner Landrecht erhielt. Als Vater des P. Kaspar war nach Ansicht von P. Gall Heer Heinrich Wolleb, der 1457 und 1463 Talammann war und zu den wohlhabendsten Männern des Tales gehörte. Von seiner Gattin Engelina Russi hatte er zwei Söhne, beide unbändige Haudegen, die mehr als einmal mit dem Gericht zu tun bekamen, so vor allem 1497 und 1498 gegen den Luzerner Schultheissen Seiler.[2] Der eine, Heini Wolleb ging als Held von Frastanz in die Geschichte ein, im Schwabenkrieg von 1489. Sein Bruder Peter wurde ca. 1500 wegen Blutrache ermordet. Als weiteren Sohn kann man P. Kaspar betrachten, der zwar in dieser Verwandtschaft nicht genannt ist, dessen Name aber im späteren 16. Jahrhundert unter den Wolleb oft wiederkehrt[3] Peter erscheint als Bruder des Kaspar insofern naheliegend, weil sein Name zweimal im Nekrolog III von Engelberg vorkommt, am 22. Januar und am 22. Juli, wohl mit Rücksicht auf sein gewaltsames Ende.[4] Kaspar muss zwischen 1470 und 1475 geboren sein. In Engelberg taucht sein Name erstmals 1505 auf, da er als Pfarrer von Brienz, das seit 1219 unter dem Patronat von Engelberg stand, den sogenannten Laienzehnten für sich forderte, den das Kloster 1378 in Brienzwiler gekauft hatte. Obwohl er nicht zur Pfrund gehörte, erlangte er ihn mit Hilfe der Schirmorte. Diese Erwähnung besagt aber nicht, dass er erst 1505 nach Brienz kam. Denn Abt Heinrich Porter hatte nach seiner Absetzung 1497 mit Einwilligung seines Abtes auf die Pfarrei Brienz verzichtet zu Gunsten des Weltpriesters Georg Hofdorffer, auch Hochdorfer genannt, aus der Diözese Regensburg. Er sollte die Pfarrei verwalten bis zum Tod Abt Heinrichs. Sicher war Georg 1499 noch in Brienz, wie ein Brief vom 18. Mai an den Propst in Interlaken zeigt. Über sein Ausscheiden aus der Pfarrei vernehmen wir nichts. Es durfte aber bald nach dem Tode Abt Heinrichs erfolgt sein, der am 26. März 1505 starb. Auf diesen Zeitpunkt kam wohl P. Kaspar nach Brienz, da die Pfarrei nicht lange verwaist bleiben durfte. Der neue Abt Barnabas Bürki, von dem der Tag der Primiz, nicht aber den Wahltag bekannt ist, war bei der Wahl noch nicht Priester. Erst auf den 11. November, also kurz nach der Primiz des Abtes, reichte Wolleb seine Forderung auf den Laienzehnten ein, bereits als Pfarrer. Über seine Seelsorgetätigkeit schweigen die Quellen. Es ist nur nachweisbar, dass P. Heinrich Stulz 1519 zur Finanzierung seiner Heiliglandfahrt einige Mitbrüder um Unterstützung bat und dass auch P. Kaspar unter den Wohltätern vorkommt, aber nur kurz "her kaspar wolleb" genannt, nicht Pfarrer. Es wäre aber denkbar, dass er damals nicht mehr in Brienz war und dass er später nochmals dahin zurückkehrte. Denn er verliess Brienz erst endgültig, als Bern 1523 sein erstes Reformationsmandat erliess und die Predigt des "reinen Gotteswortes" vorschrieb. Er wurde aber nicht von der Regierung verjagt, wie etwa behauptet wurde. In Engelberg bekleidete er noch die Ämter des Kustos oder Hüters der Sakristei und des Priors. Er starb am 4. Mai 1531. Als Prior nennt ihn noch eine Glasscheibe, die zwar verloren ging, die aber P. Ildephons Straumeyer in einem Bauernhaus des Tales gesehen hat und demnach in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch existiert hat. Ein Ereignis könnte noch mit P. Kaspar in Verbindung stehen. Im Jahre 1500 stellte der Abt einem P. Kaspar von Engelberg einen Empfehlungsbrief für eine Romfahrt zum Jubiläum aus. Weil der Familienname fehlt, dachte man in der Regel an P. Kaspar Gross, dem das wertvolle Nekrolog von 1491 zu verdanken ist. Es könnte sich aber ebenso um Wolleb handeln.
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
- Haas, Leonhard: Schultheiss Seiler, in: Geschichtsfreund 89, 1934, 119ff.
- Gisler, Johannes: Die spätmittelalterlichen Abtzins- und Steuerrödel von Ursern 1445–1476, in: Geschichtsfreund 116, 1963, S. 105ff.
- StiBiEbg cod. 11, f. 3v und 26v.
Bibliographie
- Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 93.
- Heer, Gall: Urner als Konventuale und Klosterschüler in Engelberg bis 1800, in: Geschichtsfreund 124, 1971, S. 238-240.
- StiArEbg Professbucheinträge nach P. Gall Heer.