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Die Schilddrüse ist die grösste Hormondrüse des Menschen und beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen. In den beiden Schilddrüsenlappen, die wie die Flügel eines Schmetterlings unterhalb des Kehlkopfs vor der Luftröhre liegen, wird aus Eiweiss und Jod das Hormon Thyroxin (T4) gebildet. Daraus kann Trijodthyronin (T3) produziert werden. Beide Schilddrüsenhormone beeinflussen die Herzaktivität und den Blutdruck, den Stoffwechsel, die Verdauung und die Psyche. Werden in der Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion – wissenschaftlich Hypothyreose genannt – vor: eine ernsthafte Erkrankung.
Fremdeln mit der eigenen Schilddrüse
Diese Erkrankung wird zumeist von einer chronischen Entzündung der Schilddrüse verursacht, die wiederum die Folge der Autoimmunkrankheit Hashimoto-Thyreoiditis ist. Hierbei versteht das Immunsystem die Schilddrüse als körperfremdes Gewebe und bekämpft sie.
Daneben kann eine Schilddrüsenunterfunktion zahlreiche andere Ursachen haben: Sind Hypothalamus oder Hypophyse als steuernde Gehirnareale in ihrer Funktion eingeschränkt, wirkt sich das negativ auf die Hormonproduktion der Schilddrüse aus. Auch eine medikamentöse Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion oder die therapeutische Bestrahlung von Krebs im Halsbereich kann die Funktion der Hormondrüse beeinträchtigen. Bei etwa zehn Prozent aller Schwangeren stellt sich nach der Entbindung eine Schilddrüsenunterfunktion ein, die allerdings in den meisten Fällen ohne weitere Behandlung abheilt. Nur selten ist eine Hypothyreose angeboren, in Europa ebenfalls selten liegt ein Jodmangel dieser Erkrankung zugrunde.
So zeigt sich eine Schilddrüsenunterfunktion
Da die Schilddrüsenhormone viele verschiedene Prozesse im Körper beeinflussen, können die Symptome eines Mangels an Schilddrüsenhormonen sehr unterschiedlich ausfallen. Zu den möglichen Beschwerden gehören:
- verminderter Herzschlag, Bluthochdruck
- Müdigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit
- Muskelschwäche, Gliederschmerzen
- blasse, trockene Haut, spröde Nägel, Haarausfall
- chronische Verstopfung, Gewichtszunahme, erhöhte Blutfettwerte
- Gedächtnisschwäche, depressive Stimmung
- eingeschränkte Libido, bei Männern Potenzprobleme
Blutwerte und radioaktive Marker
Um angesichts dieser vielfältigen Beschwerden eine Schilddrüsenunterfunktion sicher zu diagnostizieren, werden verschiedene Verfahren angewandt. Hierbei wird zunächst das Blut auf den TSH-Wert untersucht. Dieser Wert zeigt an, wie hoch der Anteil des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) ist. Dieses in der Hypophyse gebildete Hormon regt die Schilddrüsenaktivität an. Bei einer Unterfunktion ist der TSH-Wert im Blut erhöht.
Per Ultraschall kann der Zustand der Schilddrüse untersucht werden: Zeichnet sie sich dunkel ab und weist sie eine uneinheitliche Struktur auf, spricht das für eine Entzündung der Drüse. Zusätzlich kann eine Szintigrafie durchgeführt werden: Dabei wird eine radioaktiv markierte Flüssigkeit in die Vene gegeben. Arbeitet die Schilddrüse nicht ausreichend, nimmt sie die Substanz kaum oder gar nicht auf. Bildgebende Verfahren machen die Aktivität der Hormondrüse sichtbar.
Hormone kompensieren Schilddrüsenunterfunktion
Die Schilddrüsenunterfunktion wird medikamentös durch die Einnahme von synthetische hergestelltem Thyroxin ausgeglichen. So lassen sich Beschwerden erfolgreich lindern oder sogar vollständig beheben. Die Hormonpräparate müssen in den meisten Fällen lebenslang eingenommen werden. Die richtige Dosis wird zunächst durch eine «einschleichende Therapie» ermittelt, wobei das Medikament in langsam gesteigerter Menge verabreicht wird, bis die Symptome des Hormonmangels zurückgehen, ohne dass eine Schilddrüsenüberfunktion inszeniert wird.
Patienten, die Hormone einnehmen, sollten regelmässige Kontrollen durchführen lassen, auch weil sich die Dosis nach dem Körpergewicht richtet. Ein normales Körpergewicht und den Stoffwechsel anregende Bewegung unterstützt die Therapie einer Schilddrüsenunterfunktion. Eine spezielle Ernährungsempfehlung für diese Erkrankung gibt es allerdings nicht. Das heisst: Du kannst essen, was du magst – nur gesund sollte es sein.