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Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin
Erster Artikel
Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Mann gleich an Rechten. Soziale Unterschiede können nur auf einen gemeinschaftlichen Nutzen hin begründet werden.
II
Das Ziel eines jeden politischen Zusammenschlusses ist die Erhaltung der natürlichen und unverjährbaren Rechte der Frau und des Mannes: Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und besonders das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung.
III
Der Ursprung aller Herrschaftsgewalt liegt substantiell in der Nation, die nichts anderes ist als ein Zusammenschluss von Frau und Mann: Keine Körperschaft und kein Individuum kann Macht ausüben, die nicht ausdrücklich daraus hervorgeht.
IV
Freiheit und Gerechtigkeit bestehen darin, alles das abzustatten, was dem anderen zukommt; auf diese Art ist die Ausübung der natürlichen Rechte der Frau nur durch die fortwährende Zwangsherrschaft, die der Mann über sie verhängt, beschränkt; diese Schranken müssen durch die Gesetze der Natur und der Vernunft abgeschafft werden.
V
Die Gesetze der Natur und der Vernunft untersagen alle Handlungen, die für die Gesellschaft schädlich sind: Alles, was durch diese weisen und göttlichen Gesetze nicht verboten ist, darf nicht verhindert werden, und nichts darf zu tun erzwungen werden, was sie nicht vorschreiben.
VI
Das Gesetz muss der Ausdruck des allgemeinen Willens sein; alle Bürgerinnen und Bürger müssen zu seiner Entstehung persönlich oder durch ihre Vertreter beitragen; es muss dasselbe für alle sein: alle Bürgerinnen und Bürger sind vor seinen Augen gleich, und sie müssen in gleicher Weise entsprechend ihren Fähigkeiten und ohne andere Unterscheidung als der ihres Könnens und ihrer Talente zu allen Würden, Stellen und öffentlichen Ämtern zugelassen sein.
VII
Für keine Frau gibt es davon eine Ausnahme. Sie wird in dem vom Gesetz bestimmten Fall angeklagt, festgenommen und inhaftiert. Frauen fügen sich wie Männer diesem strengen Gesetz.
VIII
Das Gesetz darf nur besonders und offensichtlich notwendige Strafen festsetzen, und nichts darf bestraft werden, was nicht auf Grundlage eines Gesetzes beruht, das rechtsgültig ist, vor der Straftat erlassen wurde und rechtmässig auf Frauen angewendet wird.
IX
An jeder für schuldig befundenen Frau wird das Gesetz in voller Härte angewendet.
X
Wegen seiner, selbst fundamentalen, Meinungen braucht niemand etwas zu befürchten; die Frau hat das Recht auf das Schafott zu steigen, sie muss auch jenes haben, ein Podium zu betreten - vorausgesetzt, dass ihre Bekundungen nicht die durch das Gesetz festgelegte, öffentliche Ordnung stören.
XI
Die freie Äusserung von Gedanken und Meinungen ist eines der wertvollsten Rechte der Frau, weil diese Freiheit die Rechtmässigkeit der Väter gegenüber der Kindern sichert. Jede Bürgerin darf also frei sagen: „Ich bin Mutter eines Kindes, das von Ihnen ist“, ohne dass ein grausames Vorurteil sie zwingt, die Wahrheit zu verheimlichen; vorbehaltlich, dass sie den Missbrauch dieser Freiheit im vom Gesetz festgelegten Fall verantwortet.
XII
Der Schutz der Rechte der Frau und Bürgerin beansprucht einen wichtigen Nutzen; dieser Schutz muss zum Vorteil von allen eingesetzt werden und nicht zum besonderen Nutzen derjenigen, denen er anvertraut ist.
XIII
Für die Aufrechterhaltung der Staatsmacht und die Kosten der Verwaltung sind die steuerlichen Beiträge der Frau und des Mannes gleich; sie hat teil an allen Lasten und allen beschwerlichen Aufgaben; sie muss also gleichfalls teilhaben an der Besetzung von Stellen, Arbeitsplätzen,
Ämtern, Würden und Gewerben.
XIV
Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht entweder selbst oder durch ihre Repräsentanten über die Notwendigkeit der allgemeinen Steuerleistung zu befinden. Die Bürgerinnen dürfen ihr nur dann zustimmen, wenn der gleiche Anteil nicht nur für den Zugang zum Vermögen gilt, sondern auch für den zur öffentlichen Verwaltung, und dafür, den Anteil, die Veranlagung, die Eintreibung und die Dauer der Steuer festzusetzen.
XV
Die Menge der Frauen, die mit der der Männer durch die Steuerleistung verbündet ist, hat das Recht, von jedem öffentlichen Beamten über seine Amtsführung Rechenschaft zu verlangen.
XVI
Jede Gesellschaft, in der der Schutz der Rechte nicht sichergestellt und die Gewaltentrennung nicht festgesetzt ist, hat gar keine Verfassung. Eine Verfassung ist nichtig, wenn die Mehrheit der Individuen, die die Nation ausmachen, an seiner Erstellung nicht mitgewirkt hat.
XVII
Das Eigentum gehört beiden Geschlechtern gemeinschaftlich oder einzeln; es stellt für jeden ein unverletzbares und heiliges Recht dar; es darf niemandem als wahres Erbe der Natur vorenthalten werden, ausser wenn dies nach rechtmässiger Feststellung einer öffentlichen Notwendigkeit augenscheinlich erforderlich ist, unter der Bedingung einer gerechten und vorherigen Entschädigungsleistung.