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© Marcel Burkhardt
Um zu zeigen, ob eine Population wegen der Jagd abnimmt, sind langjährige Überwachungsprogramme nötig. Seit beeindruckenden 36 Jahren wird die Situation des Birkhuhns im Tessin überwacht. Die Jagdverwaltung Tessin und die Vogelwarte haben nun diese Daten ausgewertet und den Einfluss der Jagd quantifiziert.
In Birkhuhnpopulationen gibt es normalerweise gleich viele Hähne wie Hennen. Das Überwiegen der Hennen in einer bejagten Population deutet auf einen grossen Effekt der Jagd hin, da nur Hähne geschossen werden dürfen. Und tatsächlich: Zu Beginn der Zählungen in den 1980er Jahren gab es im Tessin nur einen Hahn auf rund 4 Hennen. Nachdem der Jagddruck abnahm, stieg der Anteil Hähne zwar an, blieb aber mit nur rund einem Drittel der Population immer noch sehr tief. Dieser immer noch geringe Anteil kann auf die Jagd zurückgeführt werden, da die Autoren bei Küken ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis fanden.
Der grosse Jagddruck führt zu einer geringeren Dichte der Hähne und damit zu kleineren Balzgruppen. Dies ist problematisch, da Hennen bei grösseren Balzgruppen besser in der Lage sind, den stärksten Hahn als Vater ihres Nachwuchses auszuwählen. In einem Modell zeigte das Autorenteam ausserdem, dass bei Einstellung der Jagd zu Beginn der 1980er Jahre das Geschlechterverhältnis bereits nach wenigen Jahren ausgeglichen worden wäre. Auch wenn über die lange Zeit kein negativer Bestandstrend beobachtet wurde, wird die Jagd im Tessin als belastend angesehen. Sie wirkt sich stark auf die Populationsstruktur aus und verhindert sehr wahrscheinlich eine Zunahme der Population. Dies wäre jedoch wünschenswert, da sich weitere Faktoren wie Klimawandel und Habitatverlust in Zukunft negativ auf das Birkhuhn auswirken könnten. Für eine gemäss Roter Liste als «potenziell gefährdet» eingestufte Art ist es deshalb besonders wichtig, dass das Jagdmanagement die Grösse und Struktur einer Population sowie die Veränderungen im Lebensraum berücksichtigt.