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Gefährdungen des Kindeswohls
Kindsmisshandlungen, wie sie im Folgenden nach ihrer Art definiert werden, sind immer Ereignisse in einem komplexen sozialen und psychischen Gefüge. Ihre Ursprünge sind vielfältig und ihre Entwicklung lässt sich oft über Generationen verfolgen. Auch die Schädigungen, die durch Kindsmisshandlungen hervorgerufen werden, sind vielfältig, manchmal gar nicht sichtbar und manchmal so gravierend, dass sie zum Tod eines Kindes führen. Welche Symptome misshandelte Kinder zeigen, hängt von ihren individuellen Bewältigungsmöglichkeiten ab. So können zum Beispiel Geschwister auf dieselbe Situation mit unterschiedlichen Symptomen reagieren.
Misshandlungen werden in Familien, Pflegefamilien, in Institutionen, bei Freizeitbeschäftigungen oder auch in der Schule verübt. Sie können wiederholt ausgeübt werden, aber auch nur vereinzelt.
Formen von Kindsmisshandlungen
In der Fachliteratur finden sich unterschiedliche Aufteilungen in Formen von Kindsmisshandlungen. Im Netzwerk halten wir uns an die gebräuchlichste Unterteilung in die vier Formen der Vernachlässigung sowie der psychischen, der physischen und der sexuellen Gewalt.
Landläufig sind vor allem die körperliche oder die sexuelle Gewalt bekannt. Den weniger augenfälligen Formen, nämlich der psychischen Misshandlung und der Vernachlässigung, sollte aber genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt werden, weil auch sie das Kindeswohl stark beeinträchtigen, weil sie recht häufig vorkommen und weil sie oft unbewusst ausgeübt werden.
Wenn wir auf je einer weiteren Seite diese vier Formen von Kindsmisshandlungen definieren, dann geschieht dies im Bewusstsein, dass sie sich überlappen. Wir nehmen die Benennung trotzdem vor, weil dadurch das Bewusstsein für die Thematik Kindsmisshandlung geschärft werden kann.
Schliesslich möchten wir noch auf zwei besondere Formen von Gewalt hinweisen, nämlich auf die strukturelle und die häusliche Gewalt.
Die strukturelle Gewalt, also die Gewalt, die durch Medien oder gesellschaftliche Phänomene ausgeübt wird, ist zwar ein ernstzunehmendes Problem. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor struktureller Gewalt ist aber eine gesellschaftspolitische Aufgabe und gehört nicht zu den primären Aufgaben der Anlaufstellen des Netzwerks Kindesschutz. (Siehe dazu auch das Kapitel Prävention.)
Unter häuslicher Gewalt versteht man Gewalt, die im engsten Familien- oder Beziehungskreis ausgeübt wird. Kinder sind dabei indirekte oder direkte Opfer, indem sie entweder Zeugen der häuslichen Gewalt sind oder indem sie selbst auch misshandelt werden.
Diese Gewaltform betrifft meist die ganze Familie. Es kommen oft körperliche und verbale Gewalt vor. Kinder erleben diese mit und werden verängstigt oder seelisch gekränkt, unabhängig davon, ob sie selbst betroffen sind oder eine ihnen nahestehende Person.
In gewaltbereiten Beziehungen sind die Erwachsenen oft so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie die Kinder vernachlässigen. Gerade in solchen Beziehungen wären die Kinder aber auf besondere Betreuung angewiesen.
Die Definitionen folgen neben den projektinternen Quellen im Wesentlichen
- der Publikation des EDI von 1992: Kindesmisshandlungen in der Schweiz, Schlussbericht zuhanden des Vorstehers des Eidgenössischen Departements des Innern, Juni 1992
- der Website der Stiftung Kinderschutz Schweiz www.kinderschutz.ch