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Kurz nachdem wir den Biber bei regnerischem Wetter im Algonquin Park verlassen hatten, um weiter in Richtung Killarney Provincial Park zu fahren, erschreckte uns das Klingeln meines Handys – wer ruft uns hier in Kanada an? Es war der Biber, beim Abschied hatten wir ihm ja unsere Visitenkarte gegeben: «Hab erst jetzt gesehen, dass ihr aus der Schweiz kommt», sagte er, «bitte richte meinen Schweizer Kollegen, den Appenzeller Biberli, denen das Dämmleinbauen von Seiten der Regierung, unterstützt von eurer starken Bauernlobby, untersagt ist, meine besten Grüsse aus!» Ihr könnt euch unsere Überraschung vorstellen, wusste doch dieser Kanadische Baumeister nicht nur von der Existenz der Appenzeller Kollegen, sondern auch von der Eigenart des Schweizer Dialekts, alles in der Verkleinerungsform auszudrücken. Härzig, nicht? An dieser Stelle richte ich mich an meine Leser, besonders an den einen, diese Grüsse doch bitte an meiner Stelle weiterzuleiten. Und bitte zeige ihm doch diese Bilder, damit er sich an seine Fähigkeiten erinnert.
Die 4 cm auf der Landkarte von Algonquin bis Killarney sind etwa 500 Km auf den Kanadischen Schild gelegte, oder in den Schild gesprengte Strasse, umgeben von unzähligen Wälder, Seen und geschliffenem Fels. Kanadischer Schild, so werden die Gesteinsformationen genannt, welche grosse Teile von Quebec und Ontario einnehmen und sehr, sehr alt sind. Vor nahezu vier Milliarden Jahren, unsere Erde war gerade etwa eine Milliarde Jahre alt, wurde es durch Verwerfung der sich bildenden Erdkruste geformt und ist heute noch sichtbar als von mehreren Eiszeiten geschliffene Felslandschaft. Die Oberfläche zeigt noch heute die Schliffspuren der bis zu 3000 Meter dicken Eisschicht, die ihre Arbeit während Jahrtausenden ausführte. Mit dem Schmelzen der Gletscher vor etwa zehntausend Jahren bildeten sich abertausende kleinere und grössere Seen auf unterschiedlichen Höhen. Daher kommen hier besonders viele Flussläufe und Wasserfälle vor, die beliebte Kanu- und Kajakstrecken sind. Für uns ist das Wasser noch immer zu kalt für solche Abenteuer, daher begnügen wir uns mit Tagesausflügen zu Fuss oder mit dem Bike.
Der Killarney Park liegt am Nordufer der Georgian Bay des Lake Huron. Uns trennen hier nur etwas mehr als 80 Km vom Bruce National Park auf der Westseite der Bay, wo wir vor etwa einem Monat waren (siehe Beitrag Blue Mountain – NO TRESPASSING). Der Park ist wunderbar in dieser Rundhöcker Landschaft gelegen, mit malerischen Buchten, alten Mischwälder und glattpolierten rötlichen Gneis mit vielen mineralischen Einschlüssen. Von dieser Landschaft waren in den zwanziger Jahren nicht nur Abenteurer auf der Suche nach Edelsteinen begeistert, sondern inspirierte auch eine Gruppe von Kunstmaler auf der Suche nach einer neuen kanadischen Ausdrucksform der Malerei. Bekannt unter dem Namen «The Group of Seven» waren sie der Überzeugung, dass Kunst nur mit engem Kontakt zur Natur entstehen kann und sie jede Faser dieser Natur abbilden soll. Die Werke dieser Künstler sind omnipräsent. Man findet sie auf Hausfassaden, Kirchenmauern, in Kunstmuseen und vor allem in Souvenirläden.
Nicht nur die Landschaft begeistert uns, sondern auch die Vielfalt an Pflanzen und Tiere. Obwohl das Wetter immer noch mehrheitlich kalt und trübe ist, machen sich immer wieder Sonnenfenster mit schönen Wetterstimmungen auf. Diese nutzen wir für Wanderungen und Tagesausflüge mit dem Velo, von denen wir eine kleine Auswahl von den Schönheiten hier zeigen können.