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Ich hatte mit viel Hingabe und Überzeugung versucht, Herrn F., einem Ingenieur mit heftigen Ängsten und einer Neigung sich zu überfordern, die «7 Minuten» schmackhaft zu machen, und in meinen Augen passte es super in den Kontext. Er hatte meinen Ausführungen mit einer unübersehbaren aber aus Respekt maximal unterdrückten Skepsis zugehört. Seine Gedanken, die er verschwieg, schienen etwas wie «Dämlich einfach. Hält er mich für blöd?» auszudrücken. Folgsam versprach er aber, es auszuprobieren. Als er Wochen später wieder einmal völlig erschöpft und hoffnungslos war, und ich vorsichtig nach seinen Erfahrungen mit den «7Minuten» fragte, kam die Wahrheit zutage: Nicht ein einziges Mal versucht. Seine Erklärungen erspare ich Ihnen.
Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, dass es günstig ist, gleich nach dem Erklären der Technik den Patienten zu fragen: «Wären Sie einverstanden, jetzt gleich sieben Minuten unserer Stunde einem Experiment zu opfern, um es hier und jetzt auszuprobieren?» Ich gestehe, ich versuche hier, den Bonus der Autorität meiner Präsenz zu nutzen, aber es ist ja für einen guten Zweck…
Ich holte dies also beim zweiten Anlauf mit Herrn F. nach, erklärte ihm die Sache nochmals und lud ihn ein, jetzt einzusteigen. Er schloss die Augen, richtete sich bequem in seinem Sessel ein und legte los. Ich hielt ihn auf: «Herr F., Sie haben etwas vergessen.» Verdutzt öffnete er die Augen wieder und sah mich fragend an. «Das Handy und der Timer.» Er hatte signifikanterweise das Wichtigste ausgeklammert. Er kramte sein Handy aus seiner Hosentasche hervor, stellte nun seinen Timer ein, und jetzt starteten die sieben Minuten (die ich übrigens mit Neugier mitmachte: Denn was bei mir aufkommen würde, würde zwangsläufig im Zusammenhang mit seiner Präsenz stehen und war vielleicht von therapeutischem Interesse). Die sieben Minuten verstrichen. Aber sowohl Herr F. wie ich hatten nicht daran gedacht, den Klingelton nicht auf maximaler Lautstärke zu lassen, sodass wir beide aufsprangen, als er losging (eine gute Gelegenheit, es das nächste Mal besser zu machen!). Herr F. war über das, was er erlebt hatte, perplex und nachdenklich: Von den Raben, die er vor dem Fenster meiner Praxis krähen hörte, war er ganz natürlich zu den Problemen mit seiner streitsüchtigen Frau gekommen, von dort abgeschweift zum Joggen im Wald am Morgen, zu seiner Jobsuche, zu seinen Kindern, dann waren für eine Weile die Bilder verschwunden und dafür Herzklopfen aufgetaucht, was ihn offenbar zu seinem Vater führte, mit dem er aktuell ein sehr ambivalentes Verhältnis pflegte, um schliesslich bei einem zutiefst berührenden Kindheitserlebnis mit ihm zu landen. Von da weg blieben ihm keine Erinnerungen bis zum Punkt, wo ihn der Klingelton aus seiner Trance aufschreckte. Allgemein fühlte er sich aber innerlich erstaunlich still und ruhig.
Natürlich hatte er dies alles in und zum Teil dank meiner Gegenwart erlebt – es war also keine Selbsthypnose im strengen Sinn – aber immerhin versprach er (und ich glaube, er tat es sich selber gegenüber), diese Übung täglich einmal zu machen. «Nur einmal? Weshalb nicht fünfmal?», fragte ich ihn, überliess es aber ihm.