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Die Ermordung von Julius Cäsar im Jahr 44 v.Chr. war der Anfang vom Ende der römischen Republik. Ein Jahr später brach am anderen Ende der Welt, im heutigen Alaska, der Vulkan Okmok aus. Die Explosion schleuderte schwefelhaltige Gase und Asche über 30 Kilometer hoch in die Atmosphäre und hinterliess einen Krater mit einem Durchmesser von zehn Kilometern.
Eis als Klimagedächtnis
Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, Aschespuren von Okmok in Eisbohrkernen aus Grönland nachzuweisen. «Das Eis ist ein Klimagedächtnis, es speichert die Zusammensetzung der Atmosphäre der Vergangenheit», erklärt Michael Sigl, Klimaforscher an der Universität Bern, gegenüber der «Tagesschau». So könne man die Schwefel- und Aschepartikel analysieren und das Alter dieser Eruption bestimmen.
«Die Daten von insgesamt sechs Eiskernen belegen eindeutig, dass der Ausbruch des Okmoks 43 v. Chr. einer der grössten der vergangenen 2500 Jahre war», so Sigl weiter.
Drei Grad zu kalt im Sommer
Die Schwefelsäure-Partikel in der Atmosphäre sorgten für eine Kälteperiode. Es war eine der kältesten Phasen in der nördlichen Hemisphäre der letzten 2500 Jahre, wie Klimasimulationen ergaben. Sommer und Herbst waren im Schnitt drei Grad kälter als normalerweise, möglicherweise sogar bis zu sieben Grad.
Auch schriftliche Quellen aus dieser Zeit sprechen von einer grossen Kälte in Teilen Mitteleuropas, zudem war es deutlich feuchter. Die Sommerniederschläge lagen laut den Berner Modellrechnungen zwischen 50 und 120 Prozent höher als gewöhnlich. Die Folge: Ernteausfälle und Hungersnöte.
Das Jahr ohne Sommer
Grosse Vulkanausbrüche können einen grossen Einfluss auf das Klima haben. Eine ähnliche Kraft wie der Ausbruch von Okmok vor 2000 Jahren hatte der Ausbruch des Tambora 1815 in Indonesien. Darauf folgte das sogenannte «Jahr ohne Sommer». In Mitteleuropa war es deutlich kälter, die Ernte fiel schlecht aus und es kam zu Hungersnöten. In der Schweiz fiel mitten im Sommer Schnee bis in tiefe Lagen.
Darunter litten die Cäsar-Mörder und Cäsars Nachfolger. Beide Parteien lieferten sich einen blutigen Bürgerkrieg, auch das ist schriftlich überliefert. So steht etwa in Plutarchs Schilderungen: «Brutus wurde immer schwächer, und da niemand in der Armee etwas zu essen hatte, waren seine Soldaten gezwungen, an ihre Feinde zu appellieren. Als sie zu den Toren der Stadt gingen, bettelten sie bei den diensthabenden Wachen um Brot, welche, sobald sie von Brutus' Zustand erfuhren, selbst zu ihm gingen und ihm Essen und Trinken brachten.»
Nilflut blieb aus
Andere Folgen hatte der Vulkanausbruch für Ostafrika. Der Sommermonsun verschob sich in den Süden, die jährliche Sommerflut des Nils blieb aus, was auch hier für Hungersnöte sorgte. Deshalb war Kleopatra, die Herrscherin von Ägypten, nicht in der Lage, die Bürgerkriegsparteien des Römischen Reiches mit dringend benötigtem Getreide zu versorgen. Schliesslich ging auch Kleopatras Reich unter.
«Die klimatischen Extreme haben sicherlich die politischen Umstürze zu dieser Zeit beeinflusst», erklärt Sigl. «Sie waren nicht allein verantwortlich, haben aber sicherlich dazu beigetragen, dass die Krise so stark war. Gerade die Hungersnöte in grossen Teilen Ägyptens und des Römischen Reiches waren ein wichtiger Faktor.»
Ein Vulkanausbruch in Alaska beeinflusste den Untergang Roms – das zeigt, wie vernetzt die Welt bereits damals war.