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Khanh vor seinem Haus: Sein Vater baute ihm ein Geländer, um ihm das Treppenlaufen zu vereinfachen.
Text: Tamara Fritzsche, World Vision Schweiz
Wenn es darum ging, eine Matheaufgabe zu lösen, war Khanh stets einer der ersten seiner Klasse, der die Lösung hatte. Er liebte die Mathematik und das Lösen kniffliger Aufgaben fiel im leicht. Khanh besuchte damals die 4. Klasse. Das war vor sieben Jahren, kurz vor seinem Unfall.
Ein Fall aus 10 Metern Höhe
Khanh lebt mit seinen Eltern in einem Dorf in Quan Son. Der Distrikt liegt in einem abgelegenen Berggebiet rund 200 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Hanoi. Seine Eltern sind Bauern und leben von dem wenigen, was die Ernte hergibt. Wie so oft war der aufgeweckte Bub in seiner Freizeit mit seinen Freunden unterwegs. Auf dem Programm an jenem Novembernachmittag 2013 stand: Spass haben, spielen und toben – ein typischer «Bubentag» eben. Und dann passierte, wovor alle Eltern ständig Angst haben: Der Bub kletterte die Äste eines rund 10 Meter hohen Baumes hinauf, verlor das Gleichgewicht, stürzte und schlug auf einem Felsen auf. Er wurde auf der Stelle ohnmächtig, Blut floss ihm aus Nase und Ohr. Khanh wurde postwendend ins nächstgelegene Krankenhaus in Ngoc Lac gebracht. Die Ärzte erkannten sofort, wie ernst seine Lage war. Die nächsten 20 Tage lag er im Koma. Man riet den Eltern, ihren Sohn mit nach Hause zu nehmen, denn die Hoffnung, dass er sich nochmals erholen würde, war verschwindend klein. In ihrer Verzweiflung baten die Eltern die Ärzte darum, ihren Sohn in das renommierte Krankenhaus in Hanoi zu überführen. Nach gut einem Monat war das Geld, das sie gespart oder von Verwandten und Nachbarn geliehen hatten, jedoch aufgebraucht und ein weiterer Krankenhausaufenthalt deshalb unmöglich.
Endlich Selbstständig: Mit den Krücken ist Khanh heute wieder mobil und besucht regelmässig seine Grossmutter, die nur wenige Häuser entfernt wohnt.
Auf Hilfe angewiesen und erhalten
World Vision ist seit 2007 in der ländlichen Region Quan Son aktiv. Die meisten Einwohner leben von der Landwirtschaft, wissen aber nur wenig darüber, wie sie ihre Ernte und ihr Einkommen steigern können. Die Hälfte der rund 35'000 Einwohner lebt von der Hand in den Mund und unter der Armutsgrenze. Ausserordentliche Kosten wie für Krankenhausaufenthalte, wie sie bei Khanhs Familie anfielen, liegen deshalb kaum drin und können ganze Familien noch tiefer in die Armut stossen. Eine Kinderpatenschaft kann da viel bewirken. Seit seinem vierten Lebensjahr ist Khanh Patenkind. Als die in Quan Son tätigen World Vision-Mitarbeitenden von dem Unfall und den daraus resultierenden finanziellen Nöten der Familie erfuhren, boten sie ihre Unterstützung an. World Vision kam für die weitere Behandlung im Krankenhaus in Hanoi, die Reise dahin und die Verpflegungskosten auf.
Rückkehr in den Alltag
Wenig später erwachte der Bub im Krankenhaus und erkannte auch seine Familie wieder. Nach einem Aufenthalt in einem Kinderkrankenhaus wurde er schliesslich in ein Rehabilitationszentrum überwiesen, wo er unter anderem lernte an Krücken zu gehen. Bis heute ist Khanh körperlich stark eingeschränkt. Nach gut sechs Monaten durfte er endlich und zur Freude der ganzen Gemeinde nach Hause zurückkehren.
Um Khanhs Familie finanziell weiter zu unterstützen, erhielt sie Ferkel und Hühner von World Vision. Die Familie nahm auch an verschiedenen Aktivitäten teil, zum Beispiel an Schulungen über Reisanbau, und wurde Mitglied einer Spargruppe. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen World Vision und dem Erziehungs- und Ausbildungsministerium des Distrikts, konnte Khanh 2017 zurück in die Schule. Nach nur drei Monaten musste er die Schule aber wieder verlassen, da es in seinem Distrikt noch kein Programm für Kinder mit Behinderungen gibt. Seine Mitschüler bringen ihm seither die Hausaufgaben mit nach Hause. Damit er nach wie vor mit Gleichaltrigen in Kontakt bleibt und lernen kann, organisierte World Vision in seinem Dorf einen Kinderclub, der sich regelmässig trifft.
Khanh ist heute 16 Jahre alt und ein schlauer und geselliger junger Mann, der sich nach wie vor gerne mit seinen Freunden trifft, um Spass zu haben. Nach mehr als sechs Jahren Behandlung und Rehabilitation ist er in der Lage, selbstständig aufzustehen und kurze Strecken mit den Krücken zu gehen. Zuhause hilft er seinem Vater bei den Hausarbeiten. Das ist umso wichtiger, seit seine Mutter vor einem Jahr unerwartet an Krebs verstarb.
Khanh trainiert täglich und macht weiterhin Fortschritte. Aufgeben gibt’s bei ihm nicht.
Unfälle geschehen und können bereits arme Familien in noch grössere Not stossen. Mit einer Kinderpatenschaft können Sie verhindern, dass das passiert. Jetzt Leben verändern!