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von Mädchen, sei es von Knaben (oder von beiden), mit grünen Zweigen oder Blumen, wobei die Ankunft des Frühlings mit einem Liede («Maïentse») verkündet wird und vor den Häusern Gaben erbeten werden. Nicht selten geht dem Zug das Maibrautpaar voraus («Époux ou Épouses de Mai»),
auch Maikönig und Maikönigin genannt (ein Päärchen der hübschesten Kinder), die die Fruchtbarkeit des kommenden Jahres symbolisieren sollen. Im Kanton Neuenburg (z. B. Dombresson) durften die Knaben nur singen, wenn die Buchen am ersten Maisonntag belaubt waren, andernfalls sangen die Mädchen; auch hatten im ersteren Falle die Knaben von Rochefort das Recht, die Mädchen zu küssen. Besonders reich muss gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts der Umzug von Fleurier gewesen sein, da im Jahr 1843 sich nicht weniger als 200 kostümierte Kinder, immer je ein Knabe und ein Mädchen, daran beteiligten.
Dabei durften auch die Narren («Fous de Mai») nicht fehlen. In Grandson und in Arzier (Waadt) war es nicht ein Brautpaar, welches den Zug anführte, sondern eine Königin («Reine oder Reinette de Mai»),
die auf das zierlichste aufgeputzt und mit einem Maiglöckchen- und Immergrünkranz gekrönt war. Sehr altertümlich scheint der Brauch in Estavayer zu sein, wo die Knaben in Wagen mit weissen Blumen umziehen und durch den Zuruf «Poutta la bala» die Mädchen necken. Diese werfen ihnen als Rache gelbe Blumen an mit dem Neckruf «Bovinrons». Gelbe Blumenkränze werden auch - offenbar zum Spotte für die Knaben - hoch oben an den Häusern angebracht, und die Knaben suchen sie mit allen Mitteln zu entfernen.
Mancherorts (Waadt, Solothurn, Zürich, Tessin) richtet man Maibäume auf, gewöhnlich bunt geschmückte Tannen, oder man schmückte die Brunnen mit Grün (früher in Basel Land; in der Neuzeit noch in den Kantonen Neuenburg und Schaffhausen). Das «Maienstecken», d. h. das Aufstellen eines bunt geschmückten Bäumchens am Hause, in der Nacht auf den 1. Mai, ist heute noch teilweise eine Ehrenbezeugung für unbescholtene Mädchen, während umgekehrt als Schandenbezeugung ein Strohwisch oder Strohmann angebracht wird. Ueber die «Châteaux d'Amour», einen alten und jetzt abgegangenen Maibrauch der französischen Schweiz, sind wir nur ungenügend unterrichtet. Sie scheinen eine Fortsetzung jener mittelalterlichen Liebesspiele gewesen zu sein, die in der fingierten Belagerung und schliesslichen Eroberung einer von Jungfrauen durch Blumenwerfen verteidigten Burg bestanden haben. In Sargans und Umgebung wird der Mai «eingeläutet» und währenddem Gebete um ein gesegnetes Jahr gesprochen. Die gleiche Grundbedeutung hat es, wenn im Birseck (Basel Land) der Bannumzug auf diesen Tag fiel. Anderweitige Vergnügungen aller Art knüpfen sich an den 1 Mai. In Nendaz zog die Jugend an einen bestimmten Ort und erging sich in einem eigenartigen Ballspiel: «tsarat». Die Churer Jugend beging an diesem Tage früher ein grosses Jugendfest, während man jetzt dort Spaziergänge auf die Maiensässe unternimmt. Hübsch ist auch die Sitte der Puschlaver Schuljugend, die in ihrer Gesamtheit nach Selva, einer weithinblickenden Berghöhe, zieht, in der dortigen Kapelle einen Gottesdienst verrichtet und hernach im Freien eine Polenta bereitet, die gemeinsam mit dem Lehrer verzehrt wird. «Zum Schlusse fällen die Knaben im Walde eine Lärche. An ihrer Krone wird der leere Mehlsack aufgeknüpft, Sträusse von Alpenblumen umhüllen ihn. Nun zieht man in's Dorf, um vor dem Schulhause den Maibaum aufzupflanzen.» Der Mai ist reich an Kalender- und Wetterregeln, die wir hier nicht aufzählen wollen. Als besonders heilkräftig gilt das am 1. Mai geschöpfte Wasser (Basel Land), wie auch der Tau; letzterer wird namentlich gegen Sommersprossen verwendet (Kanton Bern). Dass Aemterbesetzungen, Landsgemeinden, Gemeindeversammlungen und Gerichte (besonders in Zürich, Glarus) von alters her gern auf den Mai verlegt wurden, sei nur beiläufig erwähnt.
Die «Lateiner»: Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai) und Bonifazius (14. Mai) sind im Volke wegen des häufig eintretenden Temperatursturzes als «Eisheilige» gefürchtet.
Am Urbanstag (25. Mai) wurde im Sarganserland das Bild des h. Urban (des Weinheiligen) in den Brunnen getaucht, um ein gutes Weinjahr zu erzielen. Ebenso wurde in Basel die Bildsäule Urbans auf einem Brunnen «festlich gekleidet, mit Blumen geschmückt, und ihr in jede Hand ein Glas roten und weissen Weines gegeben; am Festmahle Abends wurde dem Heiligen das Wachstum für das laufende Jahr empfohlen» (nach Schweizerbote 1819).
An Himmelfahrt («Uffart») werden besonders gern Ausflüge auf benachbarte Höhen unternommen, um den Sonnenaufgang zu betrachten, so gehen oder gingen die Stadtzürcher auf den Uetliberg, die Schinznacher auf die Gislifluh, die Berner auf den Bantiger, die Maienfelder auf die Luziensteig. Dass Flurumritte mit Vorliebe auf diesen Tag verlegt werden (Luzern, Basel Land), haben wir schon oben gesehen. - Im Thurgau fiel das «Eierlesen» auf Himmelfahrt. - Von kirchlichen Bräuchen erwähnen wir das Aufziehen eines Christusbildes an die Kirchendecke in Freiburg, Luzern, Zug und Schwyz, wobei man glaubte, dass von derjenigen Himmelsgegend, gegen welche das Bild sich kehre, die Gewitter des Jahres kommen würden (Schwyz). In Saas (Prätigau) erscheinen die jungen Mädchen mit Blumenkronen bekränzt in der Kirche.
Festspeisen sind: geschwungener Rahm (Zürcher Oberland), Butterschnitten («Ankebock» Berner Mittelland, «Ankebrut» Kt. Zürich). Von Aberglauben erwähnen wir die Vorstellung im Kanton Luzern, an Himmelfahrt kehre die seit Ostern gestörte Ordnung in die Natur zurück, nachdem in der Zwischenzeit die kleinen Buben den Himmel regiert hätten. Im Thurgau gelten die an Himmelfahrt gelegten Eier als schutzkräftig gegen Donnerwetter und Hagelschlag. Acht Tage nach Himmelfahrt wird in Buckten die «Nach-Uffert» gefeiert, bestehend in einem Tanz im Wirtshaus mit Geschenken der Bursche an die Mädchen, die ihnen an «Nachostern» Eier geschenkt hatten.
Aehnlich sind die Volksbräuche an Pfingsten. Auch hier werden Ausflüge auf Berge unternommen (in Stäfa auf den Lattenberg, in Graubünden Maiensässpartien). Im Unter Engadin zieht die erwachsene Jugend zum Tanz auf die Wiesen hinaus. Eltern und Paten beschenken die Kinder mit Eiern (Kanton Schaffhausen); früher erhielt jeder Schaffhauser Bürger und jede Witwe an Pfingsten eine Mass Wein und ein Pfund Brot; im Zürcher Oberland verabreichen die Bauern den Armen die «Hingst Milch», im Glauben, dadurch im Jahr reicheren Milchertrag zu haben. «In Schlatt (Thurgau) backen die jungen Mädchen Kuchen und besuchen einander.» In der Pfingstnacht malen ledige Bursche der St. Galler Gemeinden Rüti und Oberriet an die Häuser sog. «Pfingstmannli» und zwar in Rüti solchen Mädchen, die keinen Schatz haben, in Oberriet dagegen solchen, die einen haben. Interessant ist der Pfingstumzug mit dem «Pfingstlümmel» im Frickthal und mit dem «Pfingstblütter» im Birseck. «Einige Knaben gehen in den Wald; einer von ihnen wird ganz mit dichtbelaubten Zweigen bekleidet; dann setzt man ihn auf ein Pferd, gibt ihm einen grünen Zweig in die Hand und führt ihn so in's Dorf. Beim Dorfbrunnen wird der „Pfeistlümmel“ heruntergenommen und in den Trog getaucht, wofür ihm das Recht zusteht, Jedermann zu bespritzen» (Frickthal). Ganz analog im Birseck. Entsprechend der kirchlichen Feier an Himmelfahrt, wurde in Freiburg an Pfingsten eine hölzerne Taube vom Chore niedergelassen; an einigen Orten des Kantons Luzern liess man auch eine lebende Taube herabfliegen. - Aberglauben: «Gundelrebe, die an Pfingsten während der Predigt gepflückt worden, ist gegen alle Krankheiten gut» (Simmenthal). Speisen: Butterschnitten, «Anke-Brut», (Zürcher Oberland).
Fronleichnam (zweiter Donnerstag nach Pfingsten) ist ein vorwiegend kirchliches Fest. Grosse Prozessionen finden an diesem Tage statt, denen zu Ehren die Strassen bekränzt werden.
Medardus (8. Juni) ist einer der wichtigsten Lostage, namentlich in Bezug auf die Heuernte.
10,000 Ritter (22. Juni) wird als Unglückstag angesehen. Wer an diesem Tage mäht, richtet sein Gras zu Grunde (Gossau).
Johannes der Täufer (24. Juni) ist vor allem Termintag für Aemterbestellungen, Abgaben u. dgl.; aber auch als Mittsommer bedeutender Lostag und mit abergläubischen Vorstellungen enge verknüpft. Gewisse Kräuter werden erst dadurch zauberkräftig, dass sie an Johannis geholt werden. Bäder in der Johannisnacht sind besonders heilsam (Kanton Luzern); anderseits warnt ¶
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man vor dem Baden, da die Johannisnacht ihr Opfer forciere. Aus dem gleichen Grunde soll man an diesem Tage nicht auf die Kirschbäume steigen, da man leicht zu Tode fallen kann. In Fuldera hat die Dorfjugend am Johannisabend das Recht, sämtliche Ziegen zu melken und über die Milch zu verfügen. Wenn der Geisshirt mit dem Horn seine Ankunft verkündet, eilen Knaben und Mädchen ihm vor das Dorf hinaus entgegen, gehen mit ihren Eimern von Ziege zu Ziege und melken sie aus. Aus dem Erlös der verkauften Milch wird abends ein Tanzvergnügen veranstaltet (nach Herzog). Auf den Alpen Bohl und Aellgäu (Kanton Bern) wird der Milchertrag vom 4. Juli (Johannistag alten Stils) für die Armen verarbeitet.
Peter und Paul (29. Juni) ist mancherorts ein Zauber- und Unglückstag.
Jacobus der Aeltere (25. Juli) ist der Tag der Aelplerkirchweih auf dem Stoss und auf der Berra (Freiburg). Im Kanton Bern sollen die Sennen brennende, mit Werg umwickelte und in Pech getränkte Pfeile und Speere über die Felswände herabfliegen lassen. (Nach J. J. Frickart.) Früher wurden im Kanton Bern an diesem Abend Höhenfeuer angezündet.
Lorenz (10. August). Wer an Lorenzen in der Erde gräbt, findet Kohlen (Glarus, Luzern, Zollikon bei Zürich, Stein a./Rhein).
Mariae Himmelfahrt (15. August) ist in allen katholischen Gegenden ein hoher kirchlicher Festtag («Muttergottesfest»). Im Aargau fiel ehedem auf diesen Tag die Weihe der Kräuter, mit denen man sich vor Gespenstern, Zauber und Blitzstrahl schützt.
Bartholomäus (24. August) ist grosser Lostag. Am Bartholomäus-Sonntag wird der Alpertrag des Flumserberges (St. Gallen), der Alp Aï (Waadt) und der Alpen von Gsteig (bei Saanen) an die Armen verteilt. Auf denselben Tag findet die Käseabgabe der Eifischthaler Sennen an den Pfarrer von Vissoye statt (nach Herzog).
Auf Ende August fällt der Aarauer «Bachfischet». Um diese Zeit wird der Stadtbach behufs Reinigung abgeleitet, und die darin befindlichen Fische dürfen von der Schuljugend gefangen werden. Wenn der Bach Abends wieder in sein altes Bette geleitet wird, holen ihn die Kinder mit Kürbislaternen, grünen Zweigen und Fackeln unter Trommel- und Musikbegleitung und Absingung des Bachfischet-Liedes in Suhr ab.
Verena (1. September) Im Surbthal (Aargau) lassen die Müller die Mühlsteine schärfen und die Mühlbäche putzen; denn die Heilige war nach der Legende auf einem Mühlstein die Aare hinuntergefahren. Am Verenatag wurden in der alten Grafschaft Baden die Kinder festlich frisch gekleidet, ihnen besonders die Köpfe gewaschen und die Haare schön gekämmt.
Michaëlis (29. September) ist bedeutender Los- und Termintag. Im Kanton Schwyz ist der h. Michaël, ähnlich wie andernorts St. Niklaus oder das Weihnachtskind, Gabenspender. Während der Vesper fliegt der Erzengel in den Häusern umher, um die in der Kirche weilenden Kinder zu beschenken. In Beromünster wurde an diesem Tage ein grossartiges Stiftungs- und Kirchweihfest veranstaltet, an dem eine besondere Münze («Michaelspfennig») geschlagen und ein besonderes Brot («Michaelsbrödli») verteilt wurde.
Am Dionysiustage (9. Oktober) «gingen im Ormontsthal die geheimen Polizeiwächter vermummt und von ländlicher Musik begleitet von Tür zu Tür, boten den Männern possenhafte Grüsse, den Mädchen Thymiansträusse und einen hübscheren dem Pfarrer an, und legten dann bei einem fröhlichen Schmause ihr Amt in die Hände der neuen Flurschützen („Messeliers“) nieder.» (Nach Herzog).
Das Rosenkranzfest fällt auf den ersten Sonntag im Oktober und ist ein Festtag ausschliesslich kirchlichen Charakters in der katholischen Schweiz.
Gallus (16. Oktober) ist wichtiger landwirtschaftlicher Termintag.
Am Lukastag (18. Oktober) werden in Basel die bedürftigen Schüler, angeblich in Erinnerung an das Erdbeben vom Lukastag 1356, mit Tuch zu Kleidern («Schülertuch») beschenkt.
An Crispini (25. Oktober) wurden in Chur auf den Zunftstuben grosse Schmausereien abgehalten; in Winterthur veranstalteten die Schuster einen militärischen Umzug.
Allerheiligen (1. November) und Allerseelen (2. November) weisen ausschliesslich kirchliche Festbräuche auf.
Bedeutungsvoll sind dagegen die Fronfastenzeiten, namentlich im Aberglauben. Dieselben fallen jeweilen auf Mittwoch, Freitag, Samstag nach Aschermittwoch, Pfingsten, Kreuzeserhöhung (14. September) und Lucia (13. Dezember). Am Vorabend vor Fronfasten muss aufgesponnen sein (Kt. Schwyz); Fronfastenkinder sehen Gespenster oder können weissagen (allgemein);
an Fronfasten darf man nicht «zöpflen» (Zöpfe flechten), sonst geht Einem das Haar aus (Neerach);
wenn man an Fronfasten und den beiden folgenden Tagen das Obst abliest, so tragen die Bäume mehrere Jahre nicht mehr (aargauisches Siggenthal).
Um die Zeit der Dezemberfronfasten geht ein Gespenst um: die «Frau Faste», auch «Fraufaste-Wibli» oder «-Müeterli» genannt. Auch fahren die Hexen in den Fronfasten-Nächten zum Hexensabbat (Heiden im Appenzell).
Gebräuche und Feste, deren Datum je nach dem Ort ein verschiedenes ist, sind die Kirchweihen und die Märkte. Die Kirchweih (meist «Kilbi», in Freiburg «Bénichon», im katholischen Genf «Vogue») war ursprünglich, wie das Wort besagt, das Weihefest einer neuerrichteten Kirche und gleichzeitig oft Patronatsfest. Da aber bei dieser Gelegenheit immer viel Landvolk zusammenströmte, entwickelten sich daraus schon im Ausgang des Mittelalters eigentliche Volksfeste, die schliesslich mit der Kirche in keiner Berührung mehr standen.
Die gewöhnliche Kirchweih nimmt in der ganzen Schweiz so ziemlich denselben Verlauf wie im übrigen Europa. Daneben gibt es aber auch mancherlei besondere Kirchweihsitten. Die gegenseitigen Besuche ganzer Orte haben wir bei Anlass der Fastnacht schon berührt; ebenso sind die «Feckerkilbe» von Gersau und die «Aelplerkilbenen» bereits erwähnt worden. «In Klein-Solothurn wird die Vorstädtler-Kilbi von den Hausbesitzern am Margaretentage gefeiert und mit der Erinnerung an die Schlacht bei Dornach verknüpft, wornach die waffenfähige Mannschaft eben von der Kirchweih zum Entsatz von Dornach abberufen worden sei und nach der Rückkehr die Lustbarkeit fortgesetzt habe. Nach dem Gottesdienst versammeln sich Männer und Frauen im Gasthof zum Festmahl. Dort wird der Kilbe-Tanz versteigert. Der Meistbieter erhält das Recht und die Pflicht, denselben zu eröffnen, mit seiner Tänzerin allein, mitten auf der Aarebrücke. Berusste Knaben kreisen um die Gruppe, um ihr im Gedränge Luft zu machen. Vom Festmahl werden Nüsse und Backwerk für die Jugend massenhaft auf die Gasse geworfen.» (L. Tobler).
Besonders reich an originellen Kilbenen ist der Kanton Graubünden. Hier haben wir die «Knödel-Kilbi» in Sagens (il «litgun» de Sagoign),
deren Name von der Sitte herrührt, dass die Knaben sich «angeblich zur Verherrlichung des Sagenser Wappens, eines Kolbens, den man witzig den grossen Knödel nannte, durch die Mädchen einen Riesenknödel bereiten liessen und denselben bei Wein und witzigen Reden verspeisten.» Merkwürdig ist die «Käsfastnacht» (scheiver de caschiel) in Lumbrein an Sonntag Invocavit. Es wird eine Prozession abgehalten, an welcher drei als Nonnen verkleidete Mädchen («die drei Marien») voranschreiten.
Als Kopfputz tragen sie den «Stuorz», ein Zeichen der Trauer, zwei davon auch Totenköpfe in den Händen, während die mittlere als «schmerzhafte Mutter» sieben Schwerter auf der Brust hat. In der Mitte der Prozession wandelt ein Knabe in weitem schwarzen Gewande, ein schwarzes Kreuz tragend. Er heisst «nelli» (Lamm) und soll Christus als Opferlamm darstellen. Von weiteren Graubündner Kirchweihen seien nur kurz angeführt: der «Honigsonntag» von Vals, die «Knöpfli-Kilbi» (Domengia da bizocals) von Lenz, die «Ziger-» und «Erdäpfel-Kilbenen» im Schanfigg, die «Kraut-Kilbi» in Haldenstein u. a. m. Es scheint, dass in diesem Kanton das Wort «Kilbi» oft ganz allgemein für «Volksfest» gebraucht wird.
Die Märkte und Messen geben zu keiner eingehenden Erörterung Anlass, da sie sich, unwesentliche lokale Abweichungen abgerechnet, fast überall gleich abspielen. Berühmt war ehedem die Zurzacher Messe. ¶