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Hüftgurt kontra Brust-/Sitzgurt
Im Falle eines Sturzes sind die Vorteile der kombinierten Brust-/ Sitzgurt-Anseilmethode (1) bezüglich Sicherheit - zumindest im deutschsprachigen Raum - bis heute unbestritten. Diese These wird auch von den umfassenden Untersuchungen des DAV-Sicherheitskreises erhärtet. Interessanterweise hat sich diese Ansicht in der Praxis nicht durchsetzen können.
Das Resultat von Versuchen mit Puppen ( Dummies ), die in Frankreich durchgeführt und in der Jahreszeitschrift ski et alpinisme der ENSA in Chamonix vorgestellt wurden, weist nun darauf hin, dass der kombinierte Brust-/Sitzgurt nicht immer ein kleineres Verletzungsrisiko garantiert. Dies betrifft vor allem Situationen, bei denen der Kopf eines Stürzenden während der Fangstosseinwirkung zurückgeschnellt wird. Die vorangehend vorgestellte Studie kommt zum Schluss, dass das Anseilen mit Brust-/ Sitzgurt infolge Schleudertrauma und Aufprall des Kopfes am Fels bei einigen Fällen höhere Verletzungsrisiken in sich birgt als mit der alleinigen Verwendung des Hüftgurtes.
Ohne die Kompetenz der ENSA und die Gewissenhaftigkeit der Versuche in Zweifel zu ziehen, lassen die publizierten Ergebnisse und Folgerungen doch einige Fragen offen:
Gesamthaft gesehen zeigt die vorliegende Studie sehr interessante und bedenkenswerte Teilaspekte von Sturzrisiken auf. In diesem Sinne ist sie auch als weitere Diskussionsgrundlage zum Thema « Hüftgurt kontra Brust-/Sitzgurt » von Interesse. Es wäre jedoch falsch und gefährlich, daraus den Schluss zu ziehen, dass nun die Verwendung eines Hüftgurtes allein bedenkenlos empfohlen werden kann: Die Praxis zeigt, dass « sturzerprobte » Kletterer auf gut abgesicherten Routen die meisten Situationen auch mit dem Hüftgurt allein gut beherrschen. «Sturzunerfahrene» Alpinkletterer hingegen sollten bei der Gesamtbewertung ihres Sturzrisikos die nach wie vor gewichtigen Vorteile der Brust-/Sitzgurt-Anseilmethode nicht leichtfertig ausser acht lassen.