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Die spannendsten Geschichten sind diejenigen, welche das Leben selbst schreibt. Dies nahm sich der 1971 geborene freischaffende Autor Alex Vonhuttwil zu Herzen. Der Berner und ehemalige Sänger einer Death Metal-Formation hat für die nachfolgenden Generationen schwarzmetallischer Tonkünste die Ereignisse in der norwegischen Black-Metal-Szene der frühen neunziger Jahre in Form einer Erzählung festgehalten.
Aus der Perspektive von Euronymous werden die Geschehnisse rund um die Osloer Szene geschildert. Die hundert Seiten gliedern sich in zwei Teile. Der erste Teil erzählt das Zusammenkommen und die Entwicklung wichtiger Szenegrössen wie Euronymous und Varg Vikernes, sowie den Suizid von Dead und dessen Ausschlachtung durch Euronymous. Der zweite Teil widmet sich derjenigen Periode, in der den Worten auch Taten folgten. Kirchenbrände und Morde sind Thema der Erzählung.
Der Rahmen einer Erzählung schafft dem Autor die nötige Distanz von der Realität, welche durch die Anonymisierung der Namen verstärkt wird. So trägt beispielsweise Varg den Namen Rune und Euronymous’ Plattenladen heisst ebenfalls nicht Helvete. Trotzdem hält sich die Erzählung in weiten Teilen an die wahren Gegebenheiten und es bleibt ein Leichtes, die tatsächlichen Personen und Schauplätze der Realität zuordnen zu können. Die auktoriale Ich-Erzählperspektive lässt Euronymous auch reflektierende Gedanken zu, ist für eine Erzählung aber eher untypisch. So weiss der Erzähler stellenweise Dinge, die Euronymous bis zu seinem Tod nie gewusst haben kann. Damit deutet der Titel “Mein Tod” - womit der Tod von Euronymous gemeint ist - auf eine viel kleinere Distanz zwischen der Erzählung und den Ereignissen, als dies tatsächlich der Fall ist. Es wird also deutlich, dass der Autor sich nicht vollständig in die Lage eines erzählenden Euronymous versetzen konnte, da die heutige Distanz zu den Ereignissen der neunziger Jahre viel grösser ist und dies in die Erzählung einfliesst. Hierbei stellt sich zudem die Frage, ob ein sich derart reflektierender Euronymous glaubwürdig ist. Euronymous macht deutliche Zugeständnisse innerhalb der Erzählung - er gibt unverscholten zu, wie es im bloss um die Vermarktung des Todes von Dead ging. Dazu gesteht er ein, unfähig in Geschäftsangelegenheiten gewesen zu sein. Von einem Menschen wie Øystein Aarseth wäre dies wohl nie zu erwarten gewesen, hätte dieser eine Erzählung verfasst. Es entsteht der Eindruck, der Autor von “Mein Tod” versucht vermeintlich unbemerkt seine eigenen Erkenntnisse als diejenigen von Aarseth zu verkaufen.
Der perspektivische Wechsel auf eine auktoriale Erzählweise wird nach dem Tod von Euronymous endgültig notwendig. Hierbei hätte sich trotz der Kürze dieses auktorialen Teiles eine deutlichere Abgrenzung durch einen dritten Teil besser gemacht. Weiter negativ anzubringen sind die teilweisen abrupten Themenwechsel zwischen den Themen Homosexuellenmord, Bandgeschichte von Mayhem und Kirchenbränden im zweiten Teil. Hier hätte eine Verschachtelung und eine näher an Aarseth platzierte Erzählsituation möglicherweise mehr Spannung gebracht.
Nichtsdestotrotz bietet “Mein Tod” eine unterhaltsame Lektüre. Die spannenden Geschehnisse der Realität wurden kurzweilig und in leserfreundlicher Sprache umgesetzt. So empfehle ich “Mein Tod” jedem Black Metal-Interessierten, der sich ein Bild von den frühen Neunzigern machen will, ohne dabei Primärforschung zu betreiben. Inhaltlich ist zwar nichts Neues zu verzeichnen, bleibt doch die Recherche eher oberflächlich, doch für einen kurzweiligen Abend sorgt das Buch allemal.
Zu beziehen ist das Stück für 9,70 Franken unter Books on Demand.