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"Delete early, delete often" ist das leicht abgewandelte Motto, dass daran erinnert, Datenlecks durch verlorene oder gestohlene USB-Sticks mittels regelmäßigem Löschen zu minimieren. Sind Sie es leid, beim Formatieren eines USB-Sticks auf Ihrem lokalen Computer darauf zu achten, nicht versehentlich das falsche Gerät zu löschen? Um den Vorgang zu vereinfachen, haben wir eine USB-Löschstation als Software auf einem Raspberry Pi implementiert. Die Software wartet drauf, dass ein USB-Stick angeschlossen wird. Der wird dann bereinigt. Also: shreddy, ready, go!
Warnhinweis
Zunächst einmal sollten sensible Informationen nicht ungeschützt auf mobilen USB-Sticks gespeichert werden, vor allem dann nicht, wenn die Gefahr besteht, dass sie verloren gehen. Es ist daher immer eine gute Idee, Daten vor dem Speichern zu verschlüsseln oder einen USB-Stick mit Verschlüsselungsfunktion zu verwenden, der man vertrauen kann oder noch besser, die verifiziert wurde. Nichtsdestotrotz werden viele Daten auf USB-Sticks gespeichert. Wenn diese nicht regelmäßig gelöscht werden, sammelt sich ein Informationsberg, der, auch wenn einzelne Dateien weniger sensibel sind, in der Menge viel über interne Aktivitäten oder persönliche Angelegenheiten preisgeben kann. Daher verringert das regelmäßige Löschen von USB-Sticks die Auswirkungen im Falle eines Verlustes.
Löschen von Flash-Speichern
USB-Sticks nutzen Flash-Speicher. Werden Informationen darauf gelöscht, werden die Daten zunächst nicht wirklich gelöscht. Dateiinhalte können oft auf der Ebene des Dateisystems wiederhergestellt werden, insbesondere bei FAT-Dateisystemen, die auf USB-Sticks weit verbreitet sind. Ein Wiederherstellen ist solange möglich, wie Verwaltungsinformationen und Dateiinhalte nicht überschrieben werden. Aber selbst bei teilüberschriebenen Dateien können noch genügend extrahierbare Informationen erhalten bleiben. Früher wurden Dateien auf Magnetplatten mit speziellen Löschprogrammen mehrfach überschrieben, um eine Wiederherstellung zu verhindern oder zu erschweren. Während dies bei magnetischen Festplatten gut funktioniert, funktioniert dieser Ansatz bei Flash-Speichern nicht. Der Flash-Speicher-Controller versucht, Schreibvorgänge über den Flash-Speicher zu verteilen, sodass eine gleichmäßige Schreibbelastung der Speicherzellen erzielt wird. Diese Methode wird als Wear-Levelling bezeichnet und verlängert die Lebensdauer eines Speichermediums. Dieses Wear-Leveling verhindert jedoch, eine einzelne Datei einfach zu überschreiben. Beim Versuch eine Datei mehrfach zu überschreiben würden zwar mehrere Regionen innerhalb des Flash-Speichers überschrieben werden, nicht notwendigerweise aber die Speicherzellen, an denen der ursprüngliche Dateiinhalt gespeichert war. Außerdem hält der Flash-Speicher-Controller zusätzlichen Speicherplatz als Ersatz für ausfallende Speicherzellen vor. Wurde der Dateiinhalt an eine solche nun nicht mehr nutzbare Stelle geschrieben, kann er ohne Low-Level-Zugriff auf den Flash-Speicher nicht mehr überschrieben werden.
Was ist also der richtige Weg, um einen USB-Speicherstick zu löschen? NIST SP 800-88 Rev. 1 "Guidelines for Media Sanitization" empfiehlt das folgende Verfahren zum Löschen von USB-Wechselmedien (einschließlich sogenannter Pen Drives, Thumb Drives, Flash Memory Drives, Memory Sticks usw.):
Datenträger werden mit organisatorisch genehmigten und getesteten Überschreibtechnologien/-methoden/-tools überschreiben. Das Überschreiben sollte mindestens zwei Durchgänge umfassen, und dabei ein Muster im ersten Durchgang und sein Komplementärmuster im zweiten Durchgang verwenden. Es können zusätzliche Durchgänge verwendet werden.
Das NIST fügt jedoch auch als Hinweis hinzu: "In den meisten Fällen, in denen eine Bereinigung gewünscht ist, sollten USB-Wechselmedien vernichtet werden." Das ist die Empfehlung, um auf Nummer sicher zu gehen.
Für weniger kritische Daten und Datensammlungen kann jedoch ein einfacher Überschreibansatz mit mehreren Durchgängen ausreichend sein. Da das Überschreiben einer einzelnen Datei aufgrund der Art und Weise, wie der Flash-Speicher verwaltet wird, prinyipbedingt kein Überschreiben darstellt, bleibt als Ansatz ein mehrfaches vollständiges Überschreiben, um das Risiko von Datenrückständen erheblich zu verringern. Wei et al. beobachteten in ihren praktischen Wiederherstellbarkeitstests:
In den meisten Fällen reichte das zweimalige Überschreiben des gesamten Datenträgers aus, um den Datenträger zu säubern, unabhängig vom vorherigen Zustand des Laufwerks. Es gab drei Ausnahmen: Etwa 1 % (1 GB) der Daten blieb auf Laufwerk A nach zwanzig Durchläufen übrig. Wir testeten auch eine kommerzielle Implementierung des 5220.22-M-Standards mit vier Durchläufen auf Laufwerk C. Für den Fall der sequentiellen Initialisierung entfernte sie alle Daten, aber bei der zufälligen Initialisierung blieb ein einzelner Fingerabdruck (Anmerkung: zuvor wurden auf dem Datenträger Testdaten verteilt) übrig.
Mit anderen Worten: Es gibt keinen wirklich korrekten Weg der sicheren Datenlöschung, außer die Daten nicht außerhalb eines Verschlüsselungscontainers zu verarbeiten oder den Datenträger physisch zu zerstören. Sagen Sie uns nicht, Sie seien nicht gewarnt worden. Trotzdem haben wir ein Tool erstellt, wenn Sie versuchen möchten, Daten zu löschen.
Software
Wir haben eine Software in Python implementiert. Diese nutzt die Bibliothek
py-udev für das Monitoring von entsprechenden USB-Events. Die Speichermedien
werden dann in drei Durchgängen überschrieben: Der erste und zweite Durchgang
verwenden den Befehl badblocks, um
die komplementären Muster 0x00 und 0xff zu schreiben. Der badblocks-Befehl ist
eigentlich nicht für das Überschreiben von Daten gedacht. Dies ist jedoch ist ein
Nebeneffekt beim Prüfen des Speichers auf beschädigte Bereiche. Wir verwenden das Programm
hier, weil es die Angabe eines expliziten Schreibmusters erlaubt. Das
Überschreiben des Blockgeräts in einem dritten Durchgang wird durch den Aufruf
des shred-Befehls im Zufallsmodus
umgesetzt. Das Überschreiben des Speichers mit Zufallsdaten soll den Aufwand
für die Suche nach extrahierbaren Datenresten erhöhen. Anschließend legt die
Software ein neues FAT-32-Dateisystem an. Dazu nutzt das Programm
parted und
mkfs.
Die Software kann auf einem Raspberry Pi installiert werden, der in einem Büro in einer vertrauenswürdigen Umgebung platziert wird. Nutzerinnen und Nutzer können ihre benutzten USB-Sticks anstecken und später wiederkommen, um sie abzuholen. Dies kann ein eigenes Sicherheitsproblem darstellen. Nochmals, Sie wurden gewarnt.
Die Software implementiert zwei Methoden, um über den Status zu informieren. In
einem Netzwerkmodus hat die Löschstation Netzwerkschnittstelle, über die
mittels
netcat oder
telnet Statusinformationen abgefragt werden können (siehe
Screenshot). Da der Netzwerkmodus einem möglicherweise kompromittierten
Raspberry Pi erlaubt, den Inhalt des USB-Sticks auszulesen und Daten an einen
Angreifer auszuleiten, könnte der Raspberry Pi alternativ in einem
Funkschnittstellen blockierenden Metallgehäuse und ohne Ethernet betrieben
werden. Die zweite Methode der Statussignalisierung ist ein am Raspberry Pi
angebrachtes USB-Busylight. Solange ein Löschvorgang läuft, leuchtet das
Busylight rot, ein rotes Blinken meldet einen Fehler, und ein grünes Licht
bedeutet, dass alle eingesteckten USB-Sticks verarbeitet wurden. Im Leerlauf,
wenn kein USB-Speicherstick eingesteckt ist, spart das Busylight Energie und
ist aus. Die Software unterstützt derzeit Busylights von Kuando über die
Python-Bibliothek pyBusylight.
Der Quellcode ist auf Github verfügbar. Dort ist auch die Installationsanleitung zu finden.