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Bild des Monats September 2011: Die Pairs stützen die Krone
Die Abbildung zeigt den gekrönten französischen König auf dem Thron sitzend, das Karlszepter und die Justizhand in den Händen. Zu seiner rechten stehen vier Kirchenfürsten, von denen anhand der Wappen der Erzbischof von Reims und der Bischof von Beauvais erkennbar sind. Zu seiner linken sind fünf Laienfürsten abgebildet. Drei davon können identifiziert werden (von innen nach aussen): Der Graf von Toulouse, der Herzog von Bourbon und der Graf von Flandern. Die Fürsten, die als Pairs de France den König umgeben, legen ihre Hand an die Krone. Die Miniatur ist dem livre du sacre entnommen, einem mit 38 Miniaturen reich verzierten Krönungsordo, der für Karl V. von Frankreich (1364-1380) erstellt worden ist.
Die komplex gestaltete Miniatur verbildlicht Verfassung auf mehrschichtige Weise. Der Krönungsordo zielt zunächst darauf, über die Darstellung des konkreten Krönungsvorgangs eine bestimmte Vorstellung vom Königtum herzustellen: Die Pairs stützen die Krone und damit den König. Diese verfassungsrechtliche Realität soll für die Beteiligten sicht- und erfahrbar gemacht werden.
Auf einer zweiten Ebene bildet die Miniatur die Inszenierung des ‹Kronestützens› durch die Pairs de France ab. Diese Abbildung zeigt möglicherweise die realen Verhältnisse bei der Krönung Karls V. von 1364. Sie weist aber auch in die Zukunft, indem sie ein Bild des Königs ikonographisch festlegt, das ihn auf lange Sicht in immer gleicher Weise umgeben von den Pairs darstellt.
Sowohl die während der Krönung tatsächlich stattfindende Szene als auch ihre Abbildung vergegenwärtigen bildlich eine ideale Ordnung der französischen Monarchie. Auf den symbolischen Gehalt der Miniatur verweist etwa die Darstellung des Grafen von Toulouse, der im 14. Jahrhundert als Person an einer Krönung nicht teilgenommen haben kann, weil die Grafschaft Toulouse seit 1271 nicht vergeben war. Aber auch die Anlage des Bildes lässt deutlich werden, dass nicht der reale Vorgang abgebildet wurde. Denn mit dem Karlszepter und den zwölf Gefährten wird auf die Krönung Karls des Grossen verwiesen und auf diese Weise das französische Königtum historisch legitimiert.
Bild: Livre du sacre, London, British Library, Cotton Tiberius VIII.B., f. 59v, aus: Geyer, Stefan, «...l’onction du Roy ne donne au Roy aucun novel pover...». Zur Bedeutung bildlicher Fixierung von Herrschaftsrecht im späten Mittelalter am Beispiel des livre du sacre Karls V. von Frankreich, in: Laura Beck Varela (Hrsg.) Crossing Legal Cultures (Yearbook of Young Legal History, Vol. 3) , München 2009, S. 172.