Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03308.jsonl.gz/1796

Nadler/in
Der Ursprung der Nadel lässt sich nicht genau datieren. Die ältesten Nadeln bestanden aus Knochen. Einfache Näh-und Stecknadeln sowie gewerbliche Nadeln aus Eisen-,Stahl- oder Messingdraht wurden erstmals im Mittelalter gefertigt. Die Nadler[1] jener Zeit waren ausserdem für die Herstellung von Nadlerwaren wie z.B. Stifte, Ösen, Stricknadeln, Ketten, Drahtgitter sowie Fischnadeln und Mausefallen zuständig. Die Nadelherstellung wurde oft im Zuge der Drahtherstellung vorgenommen, weshalb zum Teil auch die Drahtzieher[2] Nadeln herstellten.
mehr lesen
Im Rahmen der Nähnadelherstellung wurde der abgeschnittene Draht (ausschliesslich Eisen- und Stahldraht) ursprünglich an einem Ende zugespitzt und am anderen Ende platt geschlagen. Am platt geschlagenen Ende erfolgte schliesslich eine Bohrung für das Nadelöhr, welches man daraufhin mit der Filzfeile länglich feilte. Mit dem Aufkommen von Schleif- und Scheuermühlen im 16. Jahrhundert verlor jedoch die Nähnadelherstellung allmählich ihren handwerklichen Charakter. Dank der Schleif- und Scheuermühlen konnten innert kürzester Zeit massenweise qualitativ bessere Nähnadeln fertiggestellt werden und dies sogar von Kindern. So betrug der Anteil an Kindern in den meisten Grossbetrieben bis zu 60% der Gesamtangestellten. Die Kinderarbeit fand auch bei der Stecknadelherstellung Einzug, als im 17. Jahrhundert das Festklopfen des Nadelkopfes meist mechanisch mittels der Wippe erfolgte und sich dadurch auch eine Produktionssteigerung erzielen liess. Im 19. Jahrhundert, im Zuge der zunehmenden industriellen Draht- und Nadelfabrikation, verschwanden allähnlich bisweilen eingesetzte Techniken, wie z.B. das Draht- und Nadelschmieden sowie das Grobdrahtziehen, das zumeist mittels einer Zange durch das Zieheisen (Stahlplatte mit konischen Löchern) gezogen wurde.
Abgesehen von einzelnen Nadelspezialanfertigungen (z.B. Tätowiernadeln) und Drahtziehtechniken, wie z.B. das Prinzip des Mittel- und Feindrahtzuges, erfolgt die Nadel- und Drahtproduktion heute vornehmlich industriell. So erfährt auch die Berufsbezeichnung der Nadler bzw. Drahtzieher eine Veränderung: seit 2013 lautet sie in Deutschland Fachkraft für Metalltechnik. In der Schweiz werden allerdings im Rahmen der Nadelproduktion meist Polymechaniker beschäftigt, die das Nadlerhandwerk „on the job“ erlernen.
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Nadlerin.
[2] „«Drahtzieher» nannte man auch denjenigen, der – wie der Veranstalter des Puppentheaters die Puppen am Draht bewegt, ohne selbst öffentlich aufzutreten – andere vorschickt, um seinen Willen ausführen zu lassen“ (Palla, 2010, S. 50).
Artikel als PDF
Literatur
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 47-50, 155-156.
Aagard Herbert: Nadler, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 167-170.
www.aubi-plus.ch → Eintrag Fachkraft für Metalltechnik, abgerufen am 25.10.2018.
Ähnliche Berufe