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Blutverdünnung auch bei erhöhtem Sturzrisiko?
Die Angst vor oraler Antikoagulation bei älteren Patienten mit erhöhter Sturzgefahr ist gross. Doch diese Befürchtung scheint gemäss einer prospektiven Studie im American Journal of Medicine oft unbegründet zu sein: Patienten mit hohem Sturzrisiko hatten nicht mehr Blutungskomplikationen als jene mit geringer Sturzgefahr.
An der prospektiven Kohortenstudie nahmen 515 konsekutive Patienten teil, die mit oraler Antikoagulation aus dem Spital entlassen wurden. Primärer Endunkt waren Blutungskomplikationen nach 12 Monaten bei Patienten mit hohem und niedrigem Sturzrisiko unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Alkoholmissbrauch, Medikamentenzahl, zusätzliche Therapie mit Thrombozytenhemmer und Schlaganfall oder TIA in der Vorgeschichte.
Insgesamt trat bei 35 Patienten eine schwere Blutungskomplikation auf, was einer Inzidenz von 7.5 pro 100 Patientenjahre entspricht. Bei den 308 Patienten mit hoher Sturzgefahr (59.8%) lag die Inzidenz mit 8.0 pro 100 Patientenjahre nicht signifikant höher als bei jenen mit niedriger Sturzgefahr (6.8 pro 100 Patientenjahre, p=0.64). Auch in der multivariaten Analyse war ein erhöhtes Sturzrisiko nicht mit einem signifikant höherem Blutungsrisiko verbunden (Hazard Ratio 1.09). Mit nur drei Blutungen, die infolge eines Sturzes auftraten, lag die Inzidenz bei 0.6 pro 100 Patientenjahre.
Konklusion der Autoren: In dieser prospektiven Kohortenstudie war bei Patienten unter oraler Antikoagulation ein hohes Sturzrisiko nicht mit einem erhöhten Risiko für Blutungskomplikationen verbunden. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine erhöhte Sturzgefahr kein valides Argument gegen eine indizierte orale Antikoagulation sei.
Link zur Studie
Am J Med 2012;125:773-778 - Donzé J et al.
31.07.2012 - gem