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Eine Zeit lang wird gewissermaßen nur experimentiert, bis sich die
Parteien gegenseitig erkannt, abgegrenzt und verständigt
haben.
Endlich naht die Hauptwahl.
Hat niemand amMorgen die nötige Stimmenzahl erreicht, so kommt es am
Nachmittag zur Acceßwahl, d. h. es kann jene auch dadurch erreicht werden, daß mehrere
Kardinäle, die bereits für einen
Kandidaten gestimmt haben, nachträglich einer andern
Partei beitreten (accedo steht auf dem Wahlzettel statt eligo).
Aber es sind auch noch andre Schwierigkeiten mit der
Wahl verbunden.
Drei europäische Mächte:
Frankreich,
Österreich
[* 6] und
Spanien,
[* 7] haben das
Recht, gegen die bevorstehende
Wahl eines ihnen mißliebigen
Kardinals zu protestieren (sententia
exclusiva), und jeder dieser
Staaten beauftragt, meist insgeheim, einen
Kardinal mit dieser
Verwerfung. Die Exklusion muß indes
erhoben werden, bevor die Stimmenmehrheit von zwei Dritteln auf einen
Kardinal sich vereinigt hat; es
darf aber auch von jeder der genannten Mächte nur einmal protestiert werden.
ein
Buch, in welchem
Stellen eines oder mehrerer
Bücher zusammengetragen sind, die in
Worten übereinstimmen (Verbalkonkordanz)
oder übereinstimmende
Gedanken enthalten (Realkonkordanz). So bearbeitete
Flügel eine Konkordanz über den
Koran (Leipz. 1842), Cowden
Clarke eine Konkordanz überShakespeare (neue Ausg., Lond. 1881), Lomler eine solche über
LuthersSchriften (Darmst.
1827-29). Unter biblischer Konkordanz versteht man die in alphabetische
Ordnung gebrachte Sammlung aller in der
Heiligen Schrift vorkommenden
Worte, gleichlautenden Redensarten und
Ausdrücke, mit Angabe der
Stellen, wo dieselben zu finden sind.
»Vereinbarung« zwischen
Staat und
Kirche über Verhältnisse der letztern innerhalb
des Gebiets des erstern. Früher, besonders solange die
Bischöfe selbst
Landesherren waren, wurden vielfach Konkordate zwischen
den
Bischöfen und den weltlichen
Landesherren abgeschlossen; heute wird die
¶
mehr
Bezeichnung regelmäßig nur Vereinbarungen zwischen dem Papst und einzelnen Staaten gebraucht. Über die rechtliche Natur der
Konkordate sind die Ansichten verschieden. Diejenige Rechtsanschauung, welche dem System der römischen Kurie am meisten entspricht,
erklärt die Konkordate für einseitige Privilegien des Papstes, die er in Milderung des streng kanonischen Systems einzelnen
Staaten zugestehe; danach seien nur die Staaten durch die Konkordate gebunden, nicht aber der Papst, der
seine Privilegien wieder einseitig entziehen könne, wie er sie einseitig erteilt habe.
Anderseits werden die Konkordate für wirkliche Verträge erklärt, eine Theorie, welche von der großen Mehrzahl der heutigen
wissenschaftlichen Vertreter des Kirchenrechts geteilt wird. Die herrschende Lehre
[* 11] nimmt in den Konkordaten
wirkliche zweiseitige Verträge an, und diese Verträge werden spezieller meist als völkerrechtliche Verträge oder als eine
eigentümliche dritte Klasse von öffentlichen Verträgen neben den Staats- und Völkerverträgen charakterisiert.
Verschiedene gewichtige Stimmen haben jedoch diese Theorie für unhaltbar und vom Standpunkt des modernen Staats
aus einen bindenden Vertrag mit der katholischen Kirche zur Regelung der Verhältnisse der letztern innerhalb eines Staatsgebiets
für rechtlich unmöglich erklärt. Der Staat kann die kirchlichen Verhältnisse für einen Teil seiner Unterthanen, soweit
er sie überhaupt zu ordnen hat, nie durch Vertrag, welcher zwei gleichberechtigte, selbständige Paciszenten voraussetzen
würde, sondern nur durch Staatsgesetz regeln.
Die Konkordate sind nach dieser Theorie als solche ohne Rechtsverbindlichkeit, wohl aber mag eine moralisch bindende Kraft
[* 12] derselben behauptet werden. Wo die Konkordate in die Staatsverfassung aufgenommen oder mit Gesetzeskraft begabt sind, haben
sie selbstverständlich hierdurch rechtlich bindende Kraft erlangt. Was von der rechtlichen Natur der Konkordate
gilt, gilt in gleicher Weise von der rechtlichen Natur der sogen. Zirkumskriptionsbullen (s. d.). Während nämlich die Bezeichnung
Konkordat sich schon im Mittelalter findet, wird der AusdruckZirkumskriptionsbulle erst neuerdings gebraucht.
Als im Anfang des 19. Jahrh. die gänzlich zerrütteten Verhältnisse der katholischen Kirche neu geordnet werden mußten
und eine große Anzahl von Staaten hierüber in Verhandlungen mit dem römischen Stuhl getreten war, bildete
sich die Unterscheidung zwischen Konkordaten und Zirkumskriptionsbullen dahin aus, daß unter erstern eine prinzipielle Ordnung
des gesamten Verhältnisses zwischen Kirche und Staat für das betreffende Land, unter letztern dagegen nur eine Ordnung und
Abgrenzung der Diözesanverhältnisse und dessen, was dazu gehörte (Dotationen, Bischofswahlen etc.),
verstanden wurde; erstere wurden regelmäßig (nicht prinzipiell) mit katholischen, letztere mit protestantischen Landesherren
abgeschlossen.
Als das erste Konkordat pflegt man die Vereinbarung zwischen dem deutschen KaiserHeinrich V. und dem Papst Calixt II. (1122) zu bezeichnen
(sogen. Wormser Konkordat); durch dasselbe wurde der Investiturstreit dahin beendet, daß der Kaiser auf die Belehnung
mit Ring und Stab
[* 13] verzichtete und die kanonische Wahlfreiheit hinsichtlich der höhern Kirchenämter anerkannte, während die
kaiserliche Belehnung mit den Regalien als Ausfluß
[* 14] der weltlichen Hoheitsrechte von der Kirche anerkannt wurde.