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Der Verkehr formt die Idee einer Stadt
Wenn man an Kopenhagen denkt, so ist wohl eine der ersten Assoziationen, wohl etwa zeitgleich mit dem Gedanken an die Statue der Meerjungfrau, der Begriff der «Fahrradstadt». Wenn man an Hanoi denkt, kommt ein Bild einer unglaublich chaotischen Strasse, wohl zeitgleich mit den Begriffen Ho Chi Minh, Vietnamkrieg und Napalm, in den Sinn. Wenn man an Venedig denkt, so ist nach dem Markusdom und den anderen wundervollen Bauten aus der alten Lagunenrepublik wohl im Kopf sofort das Bild von lieblichen Kanälen, durch welche sich nicht allzu liebliche Kreuzfahrtschiffe quetschen. Diese drei Beispiele, die sicherlich noch durch abertausende ergänzt werden könnten, zeigen exemplarisch, dass die Verkehrsführung eine immens wichtige Rolle für das Image einer Stadt spielt.
Freiburg hat in dieser Hinsicht einen grossen Vorteil. Selbst nach der Fusion wird es so klein sein, dass sich die Welt wohl darum foutiert, ob in einem Städtchen an der Saane die Strassen halbwegs sicher für den Langsamverkehr oder ob die ÖV-Verbindungen annehmbar sind. Der Welt mag dies egal sein, der Bevölkerung wohl eher nicht.
Der Fahrradverkehr hat in Freiburg sowieso einen gewichtigen Nachteil. Die Stadt ist von Steigungen durchzogen. So ist ein Aufbau eines «Fahrradkults» wie in Kopenhagen wohl nicht möglich, doch das Pedalieren sollte dennoch keine Qual sein. Daher müssen die löblichen Schritte zum Aufbau eines Netzes von Fahrradstreifen und -Wegen fortgesetzt werden.
Hier trifft man auf eines der grossen Probleme der Verkehrsführung: Der begrenzte Platz. Gerade in Städten verschärft sich diese Problematik, da hier viele Menschen auf kleinem Raum leben. Auch kommen die erhöhten Lasten eines wirtschaftlichen und politischen Zentrums in der Region im Falle Fribourgs hinzu. Das bedeutet, dass die Verkehrsinfrastruktur sehr viel mehr Menschen und Verkehr verkraften muss, als Einwohner in der Stadt leben. Dies muss ebenfalls beachtet werden, wenn der Verkehr geplant wird. Denn wenn der verkehrstechnische Anschluss an das Zentrum mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Rad zeitraubend, unangenehm oder anderweitig problematisch ist, so sorgt dies für einen hohen Anteil an motorisierten Individualverkehr, sprich Autos. Diese nehmen jedoch mehr Platz ein als andere Verkehrsmittel, besonders angesichts der Tatsache, dass der meiste Pendlerverkehr Individualverkehr im wahrsten Sinne des Wortes ist, was bedeuten soll, dass häufig ein Auto bloss von einer Person genutzt wird. Es wäre wohl keine besonders ausgetüftelte Lösung, einfach dem Auto die Einfahrt in die Stadt zu verbieten. Es müsste vielmehr für ernsthafte Alternativen gesorgt werden.
Da Infrastrukturanpassungen nicht billig sind und nicht nur den Einwohnern der Stadt Fribourg, sondern auch denjenigen der Agglomeration und des Kantons zugutekommen, ist die Fusion eine grosse Chance. So könnten die Zentrumslasten besser verteilt werden und auch die vergrösserte Stadt Freiburg könnte in ein neues Verkehrszeitalter geführt werden und der elendige Primat des motorisierten Individualverkehrs in die Vergangenheit verbannt werden. Dies mag auf den ersten Blick den Nutzniessern dieser Verkehrspolitik sauer aufstossen, doch letztendlich überwiegen die Vorteile für die Allgemeinheit und auch für die bisherigen Autofahrer. Dazu gehört neben der verbesserten Luftqualität und einer weniger grossen Gesundheitsbelastung durch den Verkehr auch eine Zeitersparnis, denn in öffentlichen Verkehrsmitteln lässt es sich sehr viel besser arbeiten als während des Autofahrens.
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Milan Herlth
Student, Kollegium Heilig Kreuz