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In der bulgarischen Hauptstadt Sofia begann das Zeitalter der elektrischen Strassenbahn 1898, als die Konzessionen für den Bau und den Betrieb von Tramlinien an eine belgische und eine französische Firma vergeben wurden. Am 1. Januar 1901 konnte der Betrieb von sechs Linien auf einem etwa 23 Kilometer langen meterspurigen Netz aufgenommen werden.
Der Erste Weltkrieg setzte dem Netzausbau allerdings rasch ein Ende. In den Zwanzigerjahren wurde der Betrieb verstaatlicht, was Doppelspurausbauten, die Einrichtung von Wendeschlaufen sowie den Bau neuer Strecken ermöglichte. Zu dieser Zeit stellte man allerdings auch fest, dass der Gleiszustand miserabel war und die Spurweite durch Spurerweiterung längst nicht mehr der Meterspur entsprach. Um sich die enormen Kosten einer kompletten Sanierung des Bestandnetzes zu ersparen, wurde 1927 die neue Spurweite von 1009 mm festgelegt.
1978 begannen die Bauarbeiten für ein Metro-System. Dies blieb zunächst ohne Folgen für das Tram, da der Bau der ersten U-Bahn-Strecke aufgrund von Geldmangel und wegen archäologischen Funden rund 20 Jahre in Anspruch nahm. Erst nach der Jahrtausendwende kam es zu verschiedenen Stillegungen von Straßenbahnstrecken im Zusammenhang mit dem U-Bahn-System.
In den Achtzigejahren fiel der Entscheid, den weiteren Netzausbau in Normalspur (1435 mm) auszuführen. 1987 konnte die erste Normalspurstrecke im Osten der Stadt eröffnet werden. Einzelne, gemeinsam genutze Streckenabschnitte wurden mit einem Dreischienengleis 1009/1435 mm versehen.
Für den dringend nötigen Weiterausbau des Strassen- und U-Bahn-Netzes fehlten jedoch die Mittel, so dass die bulgarische Metropole zunehmend unter einem Verkehrschaos litt und ein verbessertes öffentliches Transportsystem benötigte. Zwar erkannte die Stadtverwaltung den Wert des bestehenden öV-Systems, sah sich jedoch nicht in der Lage, die notwendigen Verbesserungen wie etwa den Ersatz überalterter Fahrzeuge zu finanzieren. So kam es gelegen, dass per 2017 bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) 28 relativ neue und modernisierte Strassenbahnwagen zum Verkauf standen, welche grundsätzlich den Anforderungen der Verkehrsbetriebe Stolitschen Elektrotransport AG (S.E.T.) 1) entsprachen und sich relativ einfach an die seltene Spurweite anpassen liessen.
Im Rahmen des Beitrags an die EU-Osterweiterung beteiligte sich die Schweizerische Eidgenossenschaft unter Federführung des Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) am Projekt «Basler Tramwagen für Sofia». Die Unterstützung umfasste:
- Kauf der 28 Be 4/6 659–686 «Guggummere» von den Basler Verkehrs-Betrieben
- Finanzierung und Organsisation des Transport einschliesslich Belade- und Entladearbeiten
- Kauf der notwendigen Ersatzteile und Werkstattausrüstungen
- Schulung von Wartungs- und Betriebspersonal der S.E.T.
Ferner finanzierte das SECO eine Mobilitätsstudie für die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs in Sofia. Die gesamten Aufwendungen beliefen sich auf 2,55 Mio. Franken.
1) Etwa als «Metropolitan Elektotransport AG» übersetzbar.
In vier konzentrierten und aufwändigen Transportaktionen im Januar (vier Wagen), April (acht Wagen), Juli (acht Wagen) und November 2017 (acht Wagen) gelangten die 28 Be 4/6 659–686 von Basel nach Sofia. Die erste Etappe von der BVB-Hauptwerkstätte Klybeck zum Güterbahnhof der Deutschen Bahn erfolgte auf dem Strassenweg, da der Gleisanschluss bei der ehemaligen Bauwerkstätte Dreispitz nicht mehr zur Verfügung stand. Den restlichen Teil der Reise legten die «Guggummere» auf der Schiene zurück.
Einsatz in Sofia
Nach wenigen Änderungen wie etwa dem Anpassen der Radsätze an die neue Spurweite von 1009 mm kamen die Wagen mit unveränderten Betriebsnummern in Sofia wieder in Betrieb. Ihr Haupteinsatzgebiet waren anfänglich die Radiallinie 8 (Wohnkomplex Ljulin-5 – Justizpalast) und die Durchmesserlinie 11 (Stadtviertel Ilijanzi – Stadtviertel Knjaschewo). Der Einsatz erfolgte ausschliesslich als Alleinfahrer; die Elektrokupplungen wurden demontiert. Anhänger waren in Sofia keine mehr vorhanden.