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- Bild: zvg
Die Lunge besteht aus zwei Lungenflügeln und hat eine Baumstruktur. Am Ende jedes kleinsten Astes liegen Lungenbläschen, in denen der Austausch von Sauerstoff und CO2 stattfindet. Zwischen der Brustwand und der Lungenoberfläche liegt das Rippenfell, zwischen dessen Schichten ein Spalt mit Unterdruck besteht. Dieser Unterdruck sorgt dafür, dass sich die Lunge den Brustwandbewegungen anpasst. Sie macht das Atmen sozusagen erst möglich.
Dringt nun normale Luft in diesen Spalt und damit normaler Luftdruck, kollabiert die Lunge und das Atmen ist auf dieser Seite der Lunge nicht mehr möglich. Medizinisch spricht man von einem Pneumothorax. Wenn die gegenüberliegende Seite noch gut funktioniert, kann das auch unbemerkt vonstattengehen und der Patient spürt das Atemdefizit nur bei Belastung.
Die häufigste Ursache für das Eindringen von Luft in den Rippenfellspalt, und damit für den Kollaps eines Lungenflügels, ist das Einreissen der Lungenoberfläche. Hierbei gelangt die Luft der Lunge in den Spalt, sodass der Lungenflügel zusammenschrumpft und kollabiert. Wiederum die häufigste Ursache hierfür ist das Rauchen.
Beim Rauchen werden die Lungenbläschen an der Oberfläche der Lunge grösser und können dadurch einreissen. Rippenbrüche sind eine weitere häufige Ursache. Die Lungenoberfläche wird durch ein spitzes Knochenfragment des Rippenbruches angeritzt, Luft dringt wiederum in den Rippenfellspalt und der Lungenflügel schrumpft.
Gefährlich wird es dann, wenn der Druck im Rippenfellspalt durch einen Ventilmechanismus immer mehr ansteigt. Dann können Herz und anderer Lungenflügel komprimiert werden – ein lebensbedrohlicher Zustand.
Die Diagnose wird einerseits durch «Abhören» der Atemgeräusche gestellt. Auf der Seite des Lungenkollapses lassen sich keine Atembewegungen feststellen. Andererseits ergibt das Röntgen des Brustkorbes die Diagnose.
Die Therapie besteht in der Wiederherstellung des Unterdrucks im Rippenfellspalt. Hierfür wird ein Schlauch durch die Brustwand in den Spalt eingelegt und dieser an einen Unterdruck angeschlossen. Der Lungenflügel dehnt sich wieder aus, der oberflächliche Defekt kann verkleben und nach zwei bis drei Tagen kann der Schlauch gezogen werden.
Sollte es dann jedoch wieder zu einem Lungenkollaps kommen, muss eine Operation an hierfür spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Hierbei wird eine stabförmige Kamera in den Rippenfellspalt eingeführt und durch einen weiteren kleineren Zugang der Lungenriss verklebt.
Dr. Michael Kettenring