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Der Überfall Russlands auf die Ukraine rief nach grossen Worten und verführt zu mitunter durchsichtigen Manövern, wie etwa die Erklärung der Grünliberalen am letzten Montag im Kantonsrat, in der sie den Regierungsrat aufforderten, ihr Parteiprogramm zur Verhinderung eines Energienotstandes haargenau sofort umzusetzen. Ein Teil der Grünen möchte autofreie Sonntage zur Behebung der gleichen Krise. Nichts gegen autofreie Sonntage, aber dazu braucht es den Krieg in der Ukraine wahrlich nicht.
Es muss wohl im Gymi gewesen sein, wo mir Paul Celans Frage, ob man nach Auschwitz noch Gedichte schreiben könne, erstmals begegnet ist. Und Brechts Gedicht an die Nachgeborenen mit der Frage, «Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist», was dasselbe meint. Ich verstand, was das bedeutet, aber ich begriff es nicht. Selbstverständlich nicht. Zwei Jahrzehnte später gab mir die Realität Nachhilfe.
Andrej Markovic ist Historiker mit Schwerpunkt in osteuropäischer Geschichte und in der Fachkommission Frieden und Sicherheit der SP Schweiz aktiv. Im Gespräch mit Sergio Scagliola ordnet er die politische Kommunikation der involvierten Parteien zeitgeschichtlich ein und versucht, deren ideologische Selbstinszenierung und die westliche Rezeption zu kontextualisieren.