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Ein Missverständnis, das zum Skandal wurde, verhalf Little Big Town 2015 zum Anschlusstreffer an ihre bislang erfolgreichste Single „Pontoon“. Nachdem das Quartett seine zweite Single „Girl Crush“ aus dem aktuellen Album Pain Killer veröffentlichte, gab es Hasskommentare im Netz und Beschwerden beim Radio: solcher Lesben-Country wäre eine Schande fürs Genre. Bei genauerem Hinhören wird aber klar: Im abgrundtief souligen Countrysong geht es um eine Frau, die so manisch versessen auf einen Mann ist, dass sie seine Freundin verführen will, um ihm näher zu sein. Wenn jemand wisse, wie man einen Countrysong schreibe, den es noch nie gegeben hat, dann Lori McKenna, Hillary Lindsey und Liz Rose (die Autorinnen von „Girl Crush“) urteilte das Magazin CMT. Als Reaktion auf die Kontroverse sagte Karen Fairchild: „Diese Engstirnigkeit ist total schockierend für mich, besonders weil der Song gar nicht davon handelt…und selbst wenn?“. Die vielen Diskussionen in der Presse wirkten als gute Promotion für die Single, die am Ende Platz 1 der Countrycharts erreichte und sich bisher über 2 Mio. Mal verkaufte. Auch wegen ihrer großartigen Stimmperformance wurde die Single bei den Grammys 2016 in drei Kategorien nominiert und gewann die Kategorie „Best Country Duo/Group Performance“.
Little Big Town bringen nicht nur frischen Wind, sondern auch den größten Pop-Rock-Appeal in die heutige Country-Szene. Ihr vierstimmiger Harmoniegesang trifft in die Kerbe von The Eagles, von Crosby, Stills, Nash & Young und Fleetwood Mac. Auch die Fans von Lady Antebellum, Alison Krauss und Rascal Flatts springen spontan auf sie an. Nach seinem bislang erfolgreichsten Album Tornado (2012) hatte sich das Quartett 2014 mit der leichtfüßigen Single „Day Drinking“ zurückgemeldet, die im trinkfreudigen Amerika ein Sommerhit wurde und auch hierzulande in den Beach-Clubs lief. Das Video beginnt mit einem Stau auf dem Highway. Karen Fairchild, Jimi Westbrook, Kimberly Schlapman und Phillip Sweet alias Little Big Town steigen einfach aus ihrem Auto aus und gehen rüber zum Strand, um da ein bisschen zu feiern. Eine Metapher für die Karriere der Band? Könnte sein. Zu Beginn, vor 17 Jahren, war sie Stop-and-Go und hob erst in diesem Jahrzehnt wirklich ab.
Quelle: countryundco.de