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Chinese hatte Nasenspitze leicht voraus!
von Caroline Christen
Nicolas Christen reiste mit zwei Kaderkollegen/Sportsoldaten und zwei Betreuern nach Litauen, wo die 32. Austragung der CISM WM im Ringen ausgetragen wurde. Ca. 300 Sportlerinnen und Sportler fanden sich in Klaipeda ein. Der Grossteil der Wettkämpfer kam aus den osteuropäischen und asiatischen Ländern. Die Schweiz vertrat Westeuropa zusammen mit Finnland, Griechenland und Polen. Zusätzlich waren auch noch Ringer aus den USA mit von der Partie. Übernachtet wurde standesgemäss in einer Militärkaserne mit Massenschlag. Im Schweizer Abteil hatten sich auch die Ukrainer eingerichtet, wobei einer offenbar für regelmässige Nachtruhestörungen durch lautes Schnarchen verantwortlich war!
Der Urner startete in der Gewichtsklasse bis 71 kg im griechisch-römischen Stil. Ihm wurde der Vertreter Chinas namens Gele Qing zugelost. Der Start gelang dem Schattdorfer sehr gut. Er konnte den Punkterückstand wegen einer Passivität durch zwei Kampfpunkte drehen. Diese Führung nach zweieinhalb Minuten passte dem Chinesen gar nicht und er konnte noch vor dem Pausengong mit 3:2 Punkten in Front ziehen. Der ausgeglichene Kampf fand auch zu Beginn der zweiten Wettkampfhälte seine Fortsetzung. Nach etwa vier Minuten hatte Nicolas Christen die grosse Chance, die Führung an sich zu reissen, denn er befand sich in einem aussichtsreichen Griff, welchen er jedoch nicht sofort ausführte. Durch dieses nur Sekundenbruchteile dauernde Zögern konnte sich der Asiate aus der unangenehmen Position befreien. Bis zwanzig Sekunden vor Ende der Partie führte der Chinese immer noch mit 3:2 Punkten. Dann gab es eine umstrittene Szene, welche den Kampfrichtern einiges an Kopfzerbrechen bescherte. Die drei Unparteiischen konsultierten die Videobilder und kamen zum Schluss, dass keiner der beiden Ringer einen Punkt zugute habe. Diese Entscheidung passte den beiden Schweizer Coachs und auch Nicolas Christen nicht, denn sie sahen auf Grund der Situation einen Punkt für sich. Die Kampfrichter mussten sich auf diese Intervention hin die Situation nochmals anschauen und dieses Mal sprachen sie Punkte aus, und zwar vier Punkte für den Chinesen und einen Strafpunkt gegen Nicolas Christen. So stand es zwanzig Sekunden vor Schluss anstatt ausgeglichen 3:3 plötzlich 8:2 für den Chinesen. Wohl wäre der Vorteil bei ausgeglichenem Punktestand immer noch beim Asiaten gewesen, doch sechs Punkte Rückstand wenige Sekunden vor Kampfende waren zuviel, um das Blatt noch wenden zu können. Der Chinese gewann den Kampf nach Punkten und zog in den Viertelfinal ein. Dort besiegte er den Vertreter Koreas mit 4:2. Im Halbfinale bekam er es mit einem Ringer aus Russland zu tun, welcher im letzten Jahr Gegner von Nicolas Christen war und welcher Vize-Weltmeister wurde. Dieser Fight sah keine klaren Vorteile für einen der beiden Ringer. Leider verlor der Chinese den Finaleinzug mit 3:2 Punkten, was das vorzeitige Ausscheiden von Nicolas Christen bedeutete.
Somit konnte Nicolas Christen sein Ziel, eine Erstrundenniederlage zu vermeiden, nicht umsetzen. Er muss sich aber nicht vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben, denn er schrammte nur minimal an einem Sieg vorbei.
Stefan Reichmuth, Willisau, welcher im Freistil in der Gewichtsklasse bis 86 kg antrat, musste gegen einen Ukrainer auf die Matte. Er verlor diesen Kampf mit 2:11 Punkten und schied frühzeitig aus, da der Osteuropäer seinen nächsten Kampf verlor.
Damian Dietsche, Kriessern, startete im griechisch-römischen Stil bis 80 kg. In der ersten Runde verlor er gegen einen Aserbeidschaner mit 2:4 Punkten. Da dieser sich für den Final qualifizieren konnte, durfte der Ostschweizer nochmals antreten. Dies tat er gegen den Vertreter Koreas mit einer starken Leistung und einem 5:4 Punktesieg. Somit rückte die Bronzemedaille ins Visier, welche ihm nur noch der Armenier streitig machen konnte. Dieser Kämpfer zeigte sich aber auf der Höhe seiner Aufgabe und er bezwang Damian Dietsche mit 8:0 Punkten. Dietsche klassierte sich somit im sehr guten 5. Schlussrang.
Die Woche war für Nicolas Christen mit dem Wettkampf in Litauen noch nicht gelaufen. Er flog früher als seine Kaderkollegen nach Hause, um am nächsten Tag mit der ersten Mannschaft Schattdorfs im wichtigen Premium League Kampf in Einsiedeln mitmachen zu können. Dies tat er mit Bravour, konnte er seiner Mannschaft im letzten Kampf doch die notwendigen Punkte zum 19:18 Sieg sichern. Ende gut, alles gut!
Fotos: Gabriel Christen