Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03552.jsonl.gz/1500

NURU
«Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man durch den Tod nicht verlieren.»
Johann Wolfgang von Goethe
Warum es NURU braucht
Allgemeine Fakten zur medizinischen Situation in Tansania:
Als ein äquatoriales Land ist Malaria (die von einer Mücke übertragbare Krankheit) immer noch die Haupttodesursache.
Die aktuellsten Statistiken zeigen, dass es in Tansania für 300'000 Menschen nur einen einzigen Arzt gibt. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt einen Arzt auf 600 Menschen. So gesehen würde es in Tansania 500-mal mehr Ärzte brauchen.
Die medizinischen Institutionen lassen sich in folgende Kategorien einteilen:
- Spitäler: Einrichtungen mit einem erweiterten, medizinischen Angebot, z.B. genaue Blutuntersuchungen, Transfusionen etc. und einem kleinen Operationssaal. Anzahl: 241 (4%). Auf knapp 190'000 Einwohner gibt es also nur ein einziges Spital.
- Gesundheitszentren: Diese verfügen über keine erweiterten medizinischen Angebote und keinen Operationssaal. Anzahl: 742 (11%)
- Dispensarien: Minimalste Untersuchungen, kein Ultraschall, kein Operationssaal. Anzahl: 5680 (85%)
Fakten zur medizinischen Situation von Frauen und Säuglingen während der Schwangerschaft, der Geburt und der Zeit nach der Geburt:
Pränatale Gesundheitsversorgung:
Unter pränataler Gesundheitsversorgung versteht man die Gesundheitsversorgung einer schwangeren Frau während ihrer Schwangerschaft. Nur 15 Prozent der Frauen profitieren von pränataler Gesundheitsversorgung während ihrer Schwangerschaft. Nur 4 von 10 Frauen erhalten die empfohlenen vier oder mehr Untersuchungen während ihrer Schwangerschaft.
Nur ungefähr die Hälfte der Schwangeren erhielten bei der pränatalen Untersuchung Informationen über eventuelle Schwangerschaftskompli-kationen. Das ist alarmierend, denn die Frauen haben kein Bewusstsein dafür, was für Komplikationen auftreten können und wie sie sich gegebenenfalls verhalten müssen.
Geburt:
Ungefähr die Hälfte der Frauen in Tansania gebären in einer Gesundheitseinrichtung und nur die Hälfte der Geburten ist durch eine medizinische Fachperson betreut. Unter medizinischer Fachperson versteht man Krankenschwestern, Hebammen, Ärzte. Andere Geburten werden durch traditionelle Geburtshelferinnen betreut. Das sind Frauen im Dorf die zwar keine Ausbildung haben, aber irgendwann einmal im Dorf die Aufgabe erhalten haben, für Gebärende zu sorgen und die sich deshalb eine gewisse Erfahrung angeeignet haben. Schockierend ist aber, dass immer noch 30 Prozent der Frauen ohne jegliche Betreuung gebären oder höchstens auf die Unterstützung von Freunden oder Verwandten zählen können.
Über 50 von 1000 Säuglingen sterben bei oder bis zu einem Jahr nach der Geburt.
Über zehn Prozent der Kinder überleben das fünfte Lebensjahr nicht.
Mehr als 8'000 Frauen sterben in Tansania jährlich an den Folgen von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen.
- Es hat insgesamt nur 2720 Hebammen in Tansania. Das ist einer der Hauptgründe für die hohe Sterberate der Mütter bei der Geburt.
- Mehr als eine von 23 Frauen überlebt die Geburt ihres Kindes nicht. Das heisst, mehr als 4 Frauen von 100 sterben bei der Geburt. Die Schweiz hat die gleiche Sterberate auf 80'000 Frauen.
Trotz den unzureichenden medizinischen Verhältnissen werden in Tansania jährlich 1.8 Millionen Kinder geboren. Die Zahl der Geburten ist in Tat und Wahrheit wahrscheinlich noch viel höher, da nur ungefähr 8% der Geburten registriert werden.
Medizinische Einrichtungen in Tansania haben häufig zu wenig Personal und eine schlechte Infrastruktur: Nicht selten müssen sich Frauen zum Gebären ein Bett teilen oder gar auf hartem Betonboden gebären. Dazu werden sie vom medizinischen Personal oft sehr schlecht behandelt.
Private medizinische Einrichtungen existieren vor allem in städtischen Gebieten. Sie sind zudem zu teuer und geographisch nicht erreichbar für Frauen vom Land.
Postnatale Gesundheitsversorgung:
Postnatale Gesundheitsversorgung ist dazu da, mögliche Komplikationen nach der Geburt zu verhindern.
Drei von zehn Frauen werden bis zu zwei Tagen nach der Geburt medizinisch betreut.
Die medizinische Betreuung innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Geburt wäre aber oft lebensrettend, da tödliche Komplikationen meistens in diesen 48 Stunden auftreten. Fast 60 Prozent der Frauen erhalten keine Nachkontrolle.
In Tansania ist die Wahrscheinlichkeit, während der Schwangerschaft zu erkranken, sehr gross. Entsprechend hoch ist auch die Mutter- und Säuglingssterblichkeit. Gründen dafür sind die üerfüllten und qualitativ mangelhaften öffentlichen Einrichtungen. Einen besseren medizinischen Standard garantieren private Einrichtungen. Für den grössten Teil der tansanischen Bevölkerung sind letztere aber nicht bezahlbar. Deshalb braucht es dringend effiziente und innovative Projekte, die Müttern und Kindern eine finanzierbare und bedürfnisgerechte Betreuung während der Schwangerschaft, der Geburt und der Zeit danach garantieren.
Der Umgang mit schwangeren und gebärenden Frauen in öffentlichen Spitälern Tansanias ist traurig und macht sprachlos. In der Zeitung „The Citizen“, einer englischsprachigen Zeitung Tansanias, wurde am 26.Juli 2014 ein Artikel veröffentlicht, in dem betroffene Frauen über ihre Erfahrungen auf Geburtenabteilungen berichten. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte den Artikel unbedingt lesen! Die Stiftung NURU wird dafür sorgen, dass Müttern solche traumatisierenden Erfahrungen erspart bleiben!
Originaltext aus der Zeitung „The Citizen“ (26.Juli 2014)
Eine deutsche Übersetzung des Artikels finden Sie hier.