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Der Begriff Fachkultur bezeichnet die in einem Fach selbstverständlich geltenden Normen, Standards und Codes, die sich im Laufe der Geschichte des Faches etabliert haben und die der Praxis der Mitglieder der Fachgemeinschaft zugrunde liegen. Die Codes der Fachkultur beziehen sich sowohl auf inhaltliche und methodische Aspekte des Faches als auch auf die kommunikativen Praktiken im Fach. Mit dem Erlernen und Inkorporieren der verschiedenen Aspekte der Fachkultur durch die Studierenden wird deren fachliche Identität aufgebaut. Tatsächlich lernen die Studierenden während der Sozialisation in ein Studienfach nicht nur dessen Inhalte, Theorien, Methoden und Forschungsergebnisse kennen, sondern sie verinnerlichen auch die fachspezifischen Normen, Werte und Verhaltensweisen. Dies erfolgt meist nicht explizit, sondern gleichsam nebenbei im Kontakt mit Fachvertretern und Fachvertreterinnen, sowie über die fachlichen Anforderungen und informellen sozialen Erwartungen, die den Studierenden vermittelt werden. Die historisch gewachsenen Fachkulturen sind in Bezug auf Geschlecht meist nicht neutral. Vielmehr können geschlechtsspezifische Aspekte in der Praxis und im Selbstverständnis der einzelnen Fachgemeinschaften eingelagert sein. Sie verweisen implizit auf Aspekte von Praxis und Identität, die männlich oder weiblich konnotiert sind, und könnnen daher gegenüber dem jeweils anderen Geschlecht ausschliessende Effekte entfalten.