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Lemberg 1988:
Vom Fenster aus beobachtet ein elfjähriges Mädchen, wie unten auf der Strasse der Trauerzug für die Beerdigung seiner Mutter zu einer Demonstration heranwächst. Die Mutter Marianna, eine gefeierte Sängerin an der Lemberger Oper, hatte sich am Befreiungskampf für eine unabhängige Ukraine beteiligt und war auf offener Strasse erschossen worden.
Die ukrainisch-polnische Autorin erzählt in ihrem preisgekrönten Roman von einem Vier-Generationen-Haushalt von Frauen, die nur wenig gemeinsam haben: ihre rebellische Natur und ihre künstlerische Begabung. Doch nur die Mutter Marianna konnte ihre Begabung als Sängerin auch ausleben.
Die Urgrossmutter Stanislawa ist eine verbitterte alte Frau, die in ihrem abgedunkelten Zimmer vor sich hinvegetiert. Aba, die Grossmutter, hatte schon früh ihren Traum, Malerin zu werden, begraben und wurde stattdessen Ärztin. Und die Tochter muss ihren Platz im Leben erst noch finden.
Jahre später streift die Tochter mit Mikolaj, einem Ex-Liebhaber ihrer verstorbenen Mutter, durch Lemberg. Er ist Bildhauer und ein intimer Kenner der Stadt. Mit ihm diskutiert sie deren wechselvolle Geschichte und den Einfluss, den diese auf das Leben der Menschen hat. Man glaubt, sich seiner Geschichte entziehen zu können – doch irgendwann holt sie einen doch ein.
Veronika Scheuermeier