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Im Wohnhaus lebte der Kirchensigrist Josef Frey mit seiner Familie. Als Lohn konnte er die Pfrund-Stiftung nutzen. Dazu gehörte auch die Scheune in der Bildmitte. Im Anbau des Wohnhauses wurde vor 1833 im Winterhalbjahr Schule gehalten. Alle Schülerinnen und Schüler wurde zusammen im gleiche Raum unterrichtet. Unter dem Anbau wurden ein paar Schweine gehalten. Später wurde dort eine öffentliche Toilette eingerichtet.
Die Dorfstrasse wurde von Fussgängern und Fahrzeugen ohne jede Einschränkung geteilt. Es waren aber von beiden nur wenige unterwegs. Erst in der Dorfmitte ist bereits eine Mittellinie auf die Strasse gemalt. “Reine Verschwendung” fand dies mein Vater damals und sagte dies auch den Strassenmalern, die sich allerdings nicht beeindrucken liessen. Das Regenwasser lief von der Fahrbahn ins angrenzende Land oder wurde durch den Strassengraben abgeführt.
Eine Geschwindigkeitsbeschränkung kannte man noch nicht. Jeder fuhr so schnell wie er konnte oder wollte. Wer zu schnell war oder sonst nicht gut drauf, landete unweigerlich an der Gartenmauer von Theodor Knüsel. Meistens blieb es beim Blechschaden.
Wenn im Winter die Strasse mit Eis und Schnee bedeckt war, so war dies der ideale Ort zum Schlittschuhlaufen. Erst der vermehrte Einsatz von Splitt und Salz setzte diesem Spass ein Ende.
Vom Kirchturm fast verdeckt ist die Kaplanei, ein schönes kleines Holzhaus mit grossem Garten. Davor steht die grosse Dorflinde und in deren Schatten ist die öffentliche Brückenwaage zu sehen. Die Eisenwaren- und Lebensmittelhandlung gehörte Otto Meyerhans, der im Nebenamt die Krankenscheine der Christlichsozialen Krankenkasse herausgab und als Waagemeister amtete. Rechts davon führten Jacques und Hedwig Knüsel-Meyerhans ihren Tuchladen. Der Platz vor dem Haus ist noch dicht mit Sträuchern bewachsen. Nach der Rodung und Umgestaltung zum Parkplatz wird die nachbarliche Fehde der beiden Verschwägerten im ganzen Dorf für Gesprächsstoff sorgen.
Beide Häuser haben auf der Rückseite eine Scheune oder zumindest einen Schopf. In früheren Zeit wurden dort Ross und Wagen untergestellt sowie Holz- und Futtervorräte gelagert. Hinter der Eisenwarenhandlung befand sich früher, im 19. Jahrhundert der Schiessstand. Geschossen wurde damals auf eine Distanz von 100 Metern. Der Name des Restaurants Schützenmatt erinnert noch daran.
Pyramidenförmigen Zierbäumen stehen im kleinen Vorgarten an der Strasse. Der Miststock vor der Scheune an der anderen Strassenseite wird von grossen Nussbäumen verdeckt. Bei der Einfahrt der Scheune steht ein parkiertes Auto. Auch hier wie fast überall führt die Strasse zwischen dem Haus und der Scheune durch. Wieso das so ist, konnte mir bisher noch niemand erklären. Im Anbau hinter dem Bauernhaus werden ein paar Schweine gehalten. Am Schopf neben dem Haus waren immer gepresste Tresterstücke, sogenannte “Träschstöckli” zum Trocknen aufgestapelt. Im Winter wurden sie dann im Ofen verbrannt, was wohl mehr Rauch als Wärme ergab.
Unten steht die Metzgerei Brun mit dem eigenen Schlachthaus. Strom- und Telefonleitungen werden noch oberirdisch von Stange zu Stange geführt. Befinden sich die weissen “Glöckchen” paarweise auf gleicher Höhe, so sind es Telefondrähte. Sind sie versetzt ist es eine Stromleitung.
Fast wie ein Weiler für sich, so präsentiert sich dieser Ortsteil. Das Schulhaus mit dem bekiesten Pausenplatz und die Käserei mit der grossen Schweinescheune sind beide 1914 entstanden. Zwischen ihnen stehen die Küferei Schmid und die Bäckerei Muggli, später Regazzoni.
Auf der andern Strassenseite steht das Gasthaus Kreuz mit dem angebauten Theatersaal. Dazu gehörte auch eine kleine Scheune, ursprünglich wohl als Rossstall der Gäste gebaut. Unter dem Theatersaal befindet sich die Militärküche für die Verpflegung der Soldaten, wenn diese im Dorf einquartiert waren. Geschlafen haben die Soldaten und Korporäle auf Stroh in der Turnhalle. Für die Offiziere und den Feldweibe und den Fourier wurden Zimmer in den beiden Gasthäusern und notfalls auch in Privatwohnungen gemietet.
Wie das Gasthaus “Sonne”, so verfügt auch das “Kreuz” über eine grosse Gartenwirtschaft unter den alten Rosskastanienbäumen. Das steinerne Kreuz, das dem Gasthof den Namen gab, steht vor einer Eibe bei der Auffahrt. 1965 wird ein unvorsichtiger Autofahrer das Kreuz zu Fall bringen. Der Ersatz kommt dann ausserhalb der Gefahrenzone an den Bach zu stehen.
Unten am Bildrand steht das noch fast neue Haus der Familie Schüpfer, wo Frau Schüpfer viele Jahre lang einen Coiffeursalon betrieb.
Ein kleines dunkles Auto fährt an der Küferei vorbei in Richtung Kirche. Es scheint fast. als ob die Zeit für einen Moment stillstehen würde. Man glaubt förmlich die Hitze des Tages zu spüren – ein friedlicher Hochsommernachmittag.
Die etwa 200 Schweine hat man immer gehört und gerochen, aber nie gesehen. Der Käsermeister Otto Thalmann mass abends während einer halben Stunde die Milch für die Kunden im Dorf aus und verkaufte auch Butter und Käse. Die übrige Zeit war die Käserei geschlossen. Wissen Sie was ein Chäs-Mertu ist? Ich könnte es Ihnen sagen.
Noch herrscht Ruhe, aber bald wird sich aber das Bild ändern. Bereits ist die Planung für die Verbreiterung der der Hauptstrasse und den Bau von Trottoirs im Gange. Sie wird der Anfang für die bauliche Umgestaltung des Dorfes sein, die bis heute nicht mehr aufgehört hat.
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