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Sie führen eine von nur zwei Bars in São Tomé. Wie kam es dazu?
Ein Franzose hatte die Bar 2010 eröffnet. Nach drei Jahren zog er weg, weil er müde von der Insel war. Als ich die Bar übernahm, war sie leergefegt. Ich musste sechs Monate warten, bis ich an Rum kam, auch Gin und Whisky gab es auf São Tomé nicht. Aber die Bar war beliebt bei Expats, also gab ich ihnen Einkaufslisten mit, wenn sie in ihre Heimat reisten.
Mittlerweile ist die Bar gut gefüllt. Was trinken die Leute am liebsten?
Gravaninha, einen Longdrink, den ich entwickelt habe: Maracujá, Rum, Zuckersirup, Limette, Eis.
In São Tomé können sich die wenigsten einen Barbesuch leisten.
Früher war das eine «Bar für Weisse», das gefiel mir nicht. Um junge Leute anzuziehen, habe ich kostenloses Internet eingeführt. Alle sagten: Mach das nicht! Aber das Internet ist die Droge der Jugend. Sie kommen nach der Schule, surfen und trinken Milch. Ohne die Jungen hätte ich den Laden längst dichtmachen können.
Wo gehen denn die Leute hin, die Geld haben, die Politiker etwa?
Politiker sieht man hier nicht. Nirgendwo im öffentlichen Leben. Die leben im Privaten und geben ihr Geld im Ausland aus.
Langsam kommen mehr Touristen ins Land. Merken Sie das?
Nein. Früher gab es drei Flüge pro Woche, da sassen fünf bis zehn Touristen drin. Heute sind es doppelt so viele. Die Superreichen fliegen zur Nachbarinsel Príncipe, wo ein Südafrikaner Luxusresorts gebaut hat. Die anderen verschwinden im Dschungel. Die, die für Bars so wichtig sind, Deutsche und Engländer, siehst du sowieso nicht.
Vielleicht, weil kaum jemand diese ehemalige Kolonie Portugals kennt.
Zwei Drittel der Portugiesen können São Tomé nicht mal auf der Karte zeigen. Und das internationale Publikum hat abgenommen. Als ich 2010 ankam, war die Mischung perfekt: Es gab grosse Communities von Franzosen, Spaniern, Italienern, alle Mitte zwanzig, alle hier, um die Welt zu retten. Heute schicken die Organisationen keine Weltenretter mehr, weil kein Geld mehr da ist.
Was hat Sie hierher verschlagen?
Meine Familie stammt aus Guinea-Bissau, ich bin aber in Portugal aufgewachsen. Meine portugiesische Freundin machte den Doktor in Meeresbiologie. Sie fragte: São Tomé oder Madagaskar? Ich sagte Madagaskar, aber sie hat mich übergangen. Zu Recht: Ich wusste nicht, wie schön es hier ist. Wir bekamen zwei Kinder. Nachdem wir uns getrennt hatten, habe ich in Portugal als DJ gejobbt und in England als Tellerwäscher. 2010 kam ich dann zurück, um bei meinen Söhnen zu sein.
Leben Ihre Kinder noch hier?
Nein, meine Jungs sind 13 und 10 Jahre alt, sie leben in Portugal. São Tomé ist zu klein für Teenager.
Besucher halten es für das Paradies.
São Tomé ist nicht Afrika, es ist eine Illusion Afrikas. Es gibt keine Tropenkrankheiten und kaum Kriminalität, dafür einen Regenwald und überall freundliche Menschen. Das Motto hier ist «Leve, leve» – immer mit der Ruhe. Aber diese Unverbindlichkeit hat Schattenseiten. Die Leute kommen und sagen: «Wow! So sollte das Leben sein!» Für eine Woche vielleicht, aber nicht länger.