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Das nicht sehr alte La Chaux de Fonds ist zu Ende des 18. Jahrhunderts von einer grossen Feuersbrunst heimgesucht worden,
die die Bauwerke der Vergangenheit zum grössten Teil zerstört hat. Die Stadt ist demnach, in der
Schweiz ein seltener Fall,
regelmässig angelegt und von durchweg modernem Aeussern. Daneben ist sie mit ihren 1000 m Höhenlage
die höchstgelegene Stadt Europas. Ihre Längsaxe liegt in der Richtung SW.-NO.; im SW. schneidet die Stadt die prachtvolle
Verkehrsader der
Rue Léopold
Robert.
Die
Strassen sind breit, gut beleuchtet, laufen einander parallel oder schneiden sich im rechten
Winkel und werden von hohen
Häuserreihen begleitet. Die Entwicklung dieser jurassischen Bergstadt ist durch zwei Unternehmungen
der Neuzeit wesentlich gefördert worden: die Versorgung der
Häuser mit Trinkwasser, das in 14,5 km langer Leitung aus den
Gorges de l'Areuse hergeführt wird, und mit elektrischer Kraft und elektrischem Licht, zu welchem Zwecke ebenfalls in den
Gorges de l'Areuse ein eigenes Elektrizitätswerk und in der Stadt selbst eine Transformatoren- und Reservestation
erbaut worden sind.
Das Klima von La Chaux de Fonds ist ein trockenes; der mittlere jährliche Barometerstand beträgt 677 mm, die mittlere Jahrestemperatur
+6,3° C., die mittlere Temperatur des wärmsten Monats (Juli) +16° C., diejenige des kältesten (Dezember)
-2,6° C.
Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge
(Wasser und
Schnee) misst 1300 mm. Gewitter sind selten, man zählt deren
im Jahr kaum mehr als 10-12. Vorherrschende
Winde sind der NO. (la bise) und der SW., die meist nur mässig stark wehen.
Nebel sind selten, weil einerseits das Thal selbst ohne fliessendes
Wasser ist und es anderseits von den
Nebeln des schweizerischen
Mittellandes durch die für diese unübersteigliche Schranke der benachbarten Juraketten getrennt
wird.
Daher ist das Jahresmittel der hellen Tage ein relativ sehr grosses. Der starken Insolation hält die nächtliche Strahlung
die
Waage. Da die Luft sehr trocken ist, können selbst tiefe Temperaturen leicht ertragen werden. Nimmt
man zu allen diesen Faktoren noch die bemerkenswert reine Luft, so darf man das Klima von La Chaux de Fonds als ein durchaus
gesundes bezeichnen. Von grossem Interesse ist die Einwirkung der Höhenlage und ihres Klimas auf Gesundheit,
Sitten und Charakter
der Bewohner dieses Hochthales, deren Energie, Lebhaftigkeit, Unternehmungslust und im Durchschnitt kräftige
Körperbeschaffenheit allgemein bekannt sind.
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Handel und Industrie.
Nachdem die von einigen Kantonen erlassenen Einzelgesetze über amtliche Kontrole von Gold- u. Silberwaaren allmählig in
Vergessenheit geraten waren und dadurch Uebergriffe und Missbrauch diesem Zweig des Handels und der Industrie erheblichen
Schaden zuzufügen begannen, übernahm es auf Wunsch der Interessenten der Bund, Wandel zu schaffen. Das
Ergebnis war der Erlass zweier Bundesgesetze, deren eines (Bundesgesetz über Kontrolierung und Garantie des Feingehaltes
der Gold- und Silberwaaren) am in Kraft trat und am durch einen Zusatz ergänzt wurde, während das andere
(Bundesgesetz betr. den Handel mit Gold- und Silberabfällen) vom datiert. Darnach ist die
amtliche Kontrolierung obligatorisch für Uhrengehäuse, die eine der folgenden Bezeichnungen führen: für das Gold 18 Karat
oder 750 Tausendteile und darüber, 14 Karat oder 583 Tausendteile und darüber;
für das Silber 875 Tausendteile und darüber, 800 Tausendteile.
Das Kontrolamt in La Chaux de Fonds hat mit dem eidgenössischen Kontrolstempel versehen 1890: 384968
goldene und 47889 silberne Uhrengehäuse;
1900: 508703 goldene und 58911 silberne Uhrengehäuse.
Diese Zahlen allein geben aber kein vollständiges Bild von dem gesamten Umfang des Uhrenhandels und der -industrie von La Chaux de Fonds.
Denn es ist wohl zu beachten, dass nicht nur die der obligatorischen eidgenössischen Kontrole unterworfenen
Uhren, sondern daneben auch noch die von dieser Kontrole befreiten Uhren aus den verschiedensten Metallen u. Legierungen
in Masse hier fabriziert werden. La Chaux de Fonds verfertigt u. liefert Uhren von allen nur erdenklichen Arten u. ist das
bedeutendste Zentrum der die Uhrenindustrie betreffenden Handelsunternehmungen.
Die in der Zahl von mehr als 200 hier vorhandenen Uhrengeschäfte (comptoirs) arbeiten beinahe ohne Ausnahme alle für den
Export. In La Chaux de Fonds bestehen 9 Banken; es erscheinen 9
Zeitungen, wovon 3 täglich; von den übrigen widmen sich
zwei ausschliesslich den Interessen der Uhrenindustrie. Das hiesige Postbureau ist eines der wichtigsten
der Schweiz u. das bedeutendste der Schweiz in Bezug auf den internationalen Waarenverkehr. Sein Umsatz betrug 1900: 4019783
Briefe, wovon 512000 eingeschriebene;
318000 Pakete nach der übrigen Schweiz, 137901 Pakete ins Ausland;
es hat aus der Schweiz
u. dem Ausland 387369 Pakete empfangen u. für die enorme Summe von 777836 Franken Briefmarken verkauft.
Die sehr gut geleitete Vereinigung der Uhrenfabrikanten von La Chaux de Fonds zählt den weitaus grössten Teil der hiesigen
Fabrikbesitzer zu ihren Mitgliedern und leistet wertvolle Dienste. Das Gleiche gilt von der kantonalen Handels-, Industrie-
und Arbeitskammer, die hier ihren ständigen Sitz hat.
Die Collectivité horlogère de La Chaux de Fonds errang in ihrer Gesamtheit an der Pariser Weltausstellung von 1900 einen
Grand Prix, die höchste verliehene Auszeichnung.
Bevölkerung.
Die erste amtliche Volkszählung fand 1750 statt und ergab für La Chaux de Fonds:
Für die Zählung von 1900 ist zu berücksichtigen, dass die Bewohner von Les Eplatures durch allgemeine Abstimmung vom 13. und die
Vereinigung ihrer Gemeinde mit La Chaux de Fonds gewünscht, dass dem der Gemeindegeneralrat von La Chaux de Fonds am 2. Februar und
der Neuenburger Grosse Rat am beigestimmt haben und dass somit die am 1554 Ew. zählende
Gemeinde Les Eplatures in obigen Zahlen für 1900 miteingerechnet ist.
Die Bevölkerung verteilt sich dem Bekenntnis nach auf 29370 Reformierte, 5634 Katholiken, 923 Juden und 44 Andersgläubige;
dem Zivilstand nach auf 12503 Verheiratete, 1885 Verwitwete und 21583 Ledige;
der Herkunft der Ausländer
nach auf 1792 Franzosen, 1312 Deutsche, 1081 Italiener und 218 Angehörige anderer Länder;
dem Beruf nach auf 7518 Uhrenmacher, 567 Bauern, 10824 Angehörige
anderer Berufe und 1262 Lehrlinge.
Mit Hinsicht auf die Bevölkerung steht La Chaux de Fonds unter den
Schweizer Städten im siebenten Rang. Bei 30,2‰ Geburten und 16,5‰ Sterbefällen ergibt sich ein Geburtenüberschuss von
13,7‰, der La Chaux de Fonds in dieser Hinsicht unter den Schweizer Städten in die dritte Stelle einreiht (Le Locle 20,6‰;
Basel
14,7‰).
Denkmäler und Bauten.
Wie wir zu erwähnen bereits Gelegenheit hatten, weist La Chaux de Fonds kaum Denkmäler vergangener
Zeiten auf. Bemerkenswerte Bauten (alle modernen Datums) sind: die 1795 erstellte reformierte Kirche für den Gottesdienst
in französischer Sprache, ein kühner Bau von ovaler Gestalt mit einer prachtvollen Holzkanzel, einem Meisterwerk der Schnitzerei
aus dem ehemaligen Kloster Bellelay, und ihrem mitten aus dem Häusergewirre der Stadt aufragenden Glockenturm;
das 1803 erbaute Rathaus, an das sich eine Reihe von geschichtlichen Erinnerungen knüpfen;
die deutsche reformierte Kirche
mit schlankem Turm;
die Kirche der freien reformierten Gemeinde,
ein bemerkenswerter Bau in gotischem Stil;
die sehr schöne
Synagoge;
das Gemeindehaus, das elegante Gebäude des eidgenössischen Kontrolamtes, die Uhrenmacher-
und Mechanikerschule, mehrere grossartige Schulhäuser und endlich zahlreiche und sehr schöne Privatbauten, wie das Gebäude
der Eidgenössischen Bank A. G. und andere.
Auf dem Rond-point de la Fleur de Lys steht der prachtvolle Monumentalbrunnen,
den das Kontrolamt zur Erinnerung an die Versorgung der Stadt mit Trinkwasser aus den Gorges de l'Areuse
errichten liess.
Oeffentliches Leben.
Sehr entwickelt ist in La Chaux de Fonds besonders das religiöse Leben, dem neun dem Kultus bestimmte Gebäude dienen: die
reformierte französische und deutsche Landeskirche, die christkatholische und die römischkatholische Kirche, die Kirche
der freien reformierten Gemeinde, die Kapellen der Methodisten, Mährischen Brüder und der Adventisten
vom 7. Tag und die Synagoge. Dazu besitzen hier je ein ihren besondern Bestrebungen dienendes Lokal die Christliche Vereinigung
junger Männer, das BlaueKreuz, die Loge Zukunft des internationalen Guttempler-Ordens.
Die von der arbeitsamen Bevölkerung stets in hohen Ehren gehaltenen Werke der Nächstenliebe äussern sich
neben dem Bestehen zahlreicher Wohltätigkeits- u. Unterstützungsvereine in der Gründung zweier sog. Krippen zur Aufnahme
der Kinder von nicht in ihrer Wohnung arbeitenden Eltern, eines Gemeindewaisenhauses, eines durch Privatinitiative 1818 unter
dem Namen «Etablissement de travail» errichteten Mädchenwaisenhauses,
einer 1877 in Betrieb gesetzten und von einer Aktiengesellschaft unterhaltenen Volksküche. Der allen
Anforderungen der Neuzeit entsprechende Gemeindespital, ein im n. Teil der Stadt im Quartier «Les Arbres» stehendes prachtvolles
Gebäude, ist 1898 eröffnet worden. Der ehemalige, 1849 eingeweihte alte Spital in der Spitalgasse dient heute andern Zwecken.
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