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Steuern sparen beim Bezug der Pensionskasse
Mit grossem Interesse lese ich Ihre Beiträge zur Geldberatung. In einem früheren Artikel beantworten Sie eine Frage zum Freizügigkeitsgeld-Bezug. Sie schliessen den Artikel mit dem generellen Hinweis, dass nur zwei Freizügigkeitskonten erlaubt sind. Darf ich Sie fragen, woher diese Information stammt? O.B.
Ich beziehe mich bei dieser Information auf die Verordnung über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (SR 831.425). Und ganz exakt: Diese Verordnung wurde vom Bundesrat am 3. Oktober 1994 gestützt auf Artikel 26 Absatz 1 des Freizügigkeitsgesetzes (FZG), Artikel 124a Absatz 3 des Zivilgesetzbuches (ZGB 2) und Artikel 99 des Versicherungsvertragsgesetzes erlassen.
Konkret geregelt ist die Frage nach der Anzahl der erlaubten Freizügigkeitskonten oder -policen im Artikel 12 der Freizügigkeitsverordnung. Diese besagt einerseits, dass die Versicherten «jederzeit die Freizügigkeitseinrichtung oder die Form der Erhaltung des Vorsorgeschutzes wechseln» können. Und unter Absatz eins heisst es: «Die Austrittsleistung darf von der bisherigen Vorsorgeeinrichtung höchstens an zwei Freizügigkeitseinrichtungen übertragen werden».
Man kann das Freizügigkeitsgeld somit vor einer Auszahlung an eine Freizügigkeitseinrichtung splitten und dann auszahlen lassen. Allerdings müssen es zwingend zwei verschiedene Freizügigkeitseinrichtungen sein. Man darf also nicht zwei Konten oder zwei Policen bei der gleichen Freizügigkeitseinrichtung unterhalten, was auch aus Sicherheitsüberlegungen nicht sinnvoll wäre.
Ich interpretiere den Verordnungsartikel so: Sie dürfen einen Teil des Freizügigkeitsgeldes bei einer Versicherung in eine Police und den Rest auf ein Freizügigkeitskonto einer Bankstiftung übertragen lassen. Oder Sie dürfen die Beträge an zwei Versicherungen oder Bankstiftungen überweisen. Dies alles in der Hoffnung, dass Sie das Freizügigkeitsgeld später bei der Pensionierung gestaffelt beziehen können. Dies ist in der Sache sinnvoll und zu empfehlen.
Allerdings stufen einige Steuerbehörden den Bezug bei einer Freizügigkeitseinrichtung als einen generellen Vorsorgefall ein und zählen den späteren Bezug von der zweiten Freizügigkeitseinrichtung zusammen, womit die Steuerersparnis nicht mehr gegeben ist. In der Praxis gibt es hier in den Kantonen Unterschiede. Wenn Sie sicher sein möchten, wie dies bei Ihnen gehandhabt wird, empfehle ich, vor einem Bezug der Freizügigkeitsleistung mit den Steuerbehörden Ihrer Wohngemeinde bzw. Ihres Wohnkantons Kontakt aufzunehmen.
Auch beim Bezug von mehreren Konten der steuerbegünstigten Säule 3a gibt es ja in der Praxis bei der steuerlichen Einstufung kantonal beträchtliche Unterschiede. Ob der gewünschte Steuerspareffekt durch mehrere Konten in der 3. Säule und bei zwei Freizügigkeitseinrichtungen beim Freizügigkeitsgeld gelingt, ist somit längst nicht in jedem Fall garantiert.
Unklar im Text der Freizügigkeitsverordnung Artikel 12 ist für mich übrigens die Frage, was denn gilt, wenn jemand mehrere Arbeitgeber hatte. Darf man dann die Austrittsleistung pro Arbeitgeber an zwei Freizügigkeitseinrichtungen übertragen? Jedenfalls finde ich nichts, was dagegen spricht. Schwieriger dürfte dann allerdings erst recht die steuerliche Einschätzung eines so gestaffelten Bezuges werden. Hier zweifle ich stark, dass die Steuerbehörden jeden Bezug als Einzelbezug akzeptieren würden.