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Der Welpe wird uns vorgestellt, weil die Besitzerin bemerkt hat, dass der Hund eine zunehmende Kahlheit aufweist. Es ist kein vermehrter Juckreiz zu bemerken, und dem Hund geht es sonst bestens.
Mit der Lupenbrille wird die Haut von Diva untersucht: Die Haare der schwarzen Hautareale erscheinen stark ausgedünnt und teilweise abgebrochen. Die Haare der braunen Hautregionen erscheinen hingegen unversehrt. Die Haut weist ausserdem an verschiedenen Stellen Mitesser (Komedonen) auf, ist ansonsten aber unversehrt.
Differentialdiagnostisch muss bei diesem Hautbild einerseits an einen Befall mit Demodex-Milben (Haarbalgmilben, siehe Fall Nr. 20), andererseits aber auch an eine vererbte Haut- und Haarkrankheit, die sogenannte Farbmutanten-Alopezie, gedacht werden.
Zur genaueren Diagnose wird ein Hautgeschabsel angefertigt - hierbei wird mit einer Skalpellklinge an verschiedenen Hautstellen gekratzt, bis eine leichte Blutung eintritt. Die resultierenden Hautschuppen und Haare werden mikroskopisch untersucht: Es werden keine Demodex-Milben gefunden, hingegen ist ersichtlich, dass die Pigmente in den Haaren nicht fein und diffus verstreut sind, sondern sich Pigmentklumpen gebildet haben.
Die bei Diva beobachtete Fellveränderung ist typisch für eine sogenannte Farbmutanten-Alopezie (englisch: Color Dilution Alopecia; Alopezie = Haarverlust).
Diese Haarveränderung hat einen genetischen Hintergrund und wird bei Hunden beobachtet, welche auf bestimmte, aufgehellte Fellfarben gezüchtet worden sind: Ein solches Tier weist z.B. statt schwarzem sogenannt "blaues" Fell auf, ein braunes Fell wird in Richtung Silber oder Falb verändert. Grund für diese aufgehellte (oder englisch "diluted") Farbe ist der Umstand, dass die Farbpigmente nicht diffus verstreut im Haar verteilt sind, sondern sich zu Klumpen formieren. Diese Klumpenbildung bewirkt die gewünscht helle Fellfarbe, führt aber auch dazu, dass das Haar spröde und brüchig wird und somit ein grösseres Risiko trägt, auszufallen - was dann eben zum beobachteten Haarverlust führen kann. Ausserdem weisen betroffene Hunde häufig eine Verhornungsstörung der Haut auf, was zu Hautentzündungen führen kann.
Das veränderte Gen wird rezessiv vererbt - d.h. die beiden Elterntiere können das Gen tragen, ohne selbst Auffälligkeiten zu zeigen; die Nachkommen zeigen dann die Symptome, wenn sowohl das mütterliche als auch das väterliche Gen verändert sind. Eine Therapie ist nicht möglich, gegen die möglicherweise wiederholt auftretenden Hautentzündungen kann mittels Shampoos und Antibiotika vorgegangen werden. Mit betroffenen Tieren sollte nicht gezüchtet werden, auch sollte eine Paarung der involvierten Elterntiere nicht mehr ermöglicht werden.