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2023 war das trockenste Jahr der letzten drei Jahrzehnte in Spaniens bevölkerungsreichster Region. Rationierungen sollen ab Ostern in Kraft treten. Die Touristen sollen von der Misere nichts mitbekommen – dabei sind sie Teil des Problems.
Das Jahr 2024 hatte kaum begonnen, da musste die andalusische Landesregierung schon einen Dürrenotstand ausrufen. «Seit fünf Jahren fällt in unserer Region nicht mehr genügend Regen, die Trockenheit braucht alle unsere Reserven auf», erklärte Andalusiens Ministerpräsident Manuel Moreno Bonilla. Die Bewohner von Andalusiens grossen Städten wie Sevilla, Córdoba und Málaga müssten noch vor dem Sommer mit Wasserrationierungen rechnen, kündigte Moreno Bonilla an. 2023 war das trockenste Jahr der letzten drei Jahrzehnte. Laut den Zahlen des Umweltministeriums lagen die Wasserreserven in Andalusien am 23. Januar dieses neuen Jahres bei 18,4 Prozent und damit dreizehn Punkte unter dem Wert des Vorjahres und 60 Prozent unter dem zehnjährigen Mittel. In einem Dutzend Seen konnten Wissenschafter keine Proben entnehmen, weil die verbliebene Schlacke bereits gekippt war.
Die Pläne der Regionalregierung sehen nun vor, dass tragbare Entsalzer, wie etwa bei Ozeanüberquerungen üblich, eingesetzt werden und Tankschiffe die andalusischen Häfen mit Trinkwasser beliefern.
Schon jetzt muss eine der rund acht Millionen Andalusier im Alltag mit Wasserrestriktionen leben. Nördlich von Córdoba etwa gibt es viele Ortschaften, die seit letztem März nur mit Tanklastern versorgt werden, 80 000 Menschen sind betroffen. In der Provinz Málaga müssen vierzig Gemeinden seit August damit leben, dass nachts das Wasser abgestellt wird. Seit Januar steht auch der Touristenort Fuengirola auf dieser Liste. Wenn es nicht bald regnet, wird auch die Touristenhochburg Málaga bereits zu Sommerbeginn von Wasserrestriktionen betroffen sein.
Regen bleibt aus
Meteorologen sind sich einig, dass die Trockenheit anhalten wird, was in Spaniens bevölkerungsreichster Region besonders dramatisch ist. Ende Januar kletterte das Thermometer in allen Provinzhauptstädten in Andalusien auf 20 Grad, und für Februar sind keine nennenswerten Regenfälle vorgesehen. Während die Normalbürger Einschränkungen bei der Wasserversorgung hinnehmen müssen, hat die andalusische Landesregierung aber versprochen, dass sie alles tun werde, damit die Touristen von den Restriktionen nicht betroffen seien. Dabei sind sie Teil des Problems. Im letzten Jahr kamen rund zwölf Millionen Gäste aus dem Ausland in Spaniens südlichste Region.
Umweltorganisationen schätzen, dass jeder von ihnen je nach Jahreszeit und Unterkunft zwischen 450 und 800 Liter Wasser am Tag konsumierte.
Landwirtschaft konsumiert am meisten
Besonders gravierend macht sich der Wassermangel auch in der Landwirtschaft bemerkbar. Schon spricht Spaniens führende Tageszeitung «El País» von ersten «Klimaflüchtlingen» auf der Iberischen Halbinsel, 31 000 sollen es schon sein. Einer von ihnen ist der Bauer José Luis Pérez. «Wir brauchen Regen», sagte er gegenüber der Zeitung im vergangenen Sommer. Pérez sagte damals, dass es, wenn es im Herbst nicht regnen werde, es auch 2024 kein Wasser in der Region gebe. «Wenn das so weitergeht, werde ich mir einen Job als Maurer suchen», sagte er. Pérez hat dann seine 40 Hektaren grossen Tomatenfelder in der Nähe von Sevilla wegen chronischen Wassermangels zwar auch aufgegeben – mauert aber doch nicht. Er sucht nun sein Glück hundert Kilometer westlich, nahe der portugiesischen Grenze.
Spanien hat inzwischen ein strukturelles Problem, denn das Land hat die drittgrösste Anbaufläche von ganz Europa. Und 70 bis 80 Prozent des Wassers würden für die Bewässerung genutzt, sagte Carlos Garriga von der Stiftung «We Are Water».
Statt den Wasserpreis zu erhöhen und die künstliche Bewässerung einzudämmen, wurden die Anbauflächen von den Landwirten sogar noch ausgeweitet. Allein in Andalusien sind in den letzten 25 Jahren die bewässerten Anbauflächen um 45 Prozent auf 881 000 Hektaren gestiegen. Politiker jeglicher Couleur drückten stets ein Auge zu, wenn etwa an den Hängen der regenarmen Costa del Sol immer mehr wasserintensive Pflanzungen von Tropenfrüchten wie Avocados oder Mangos entstanden. Doch in den vergangenen drei Jahren gingen wegen der Trockenheit 80 Prozent der Ernte verloren. Mittlerweile ist die Axárquia östlich von Málaga die Gemarkung mit den einschneidensten Auflagen bei den Wasserrestriktionen für den menschlichen Konsum.
Auch die Feuchtgebiete im berühmten Nationalpark Doñana sind weiterhin gefährdet. Zwar hatte sich die Regionalregierung mit dem Madrider Landwirtschaftsminister darauf geeinigt, keine neuen Erdbeerplantagen vor den Toren Doñanas mehr zu genehmigen. Doch laut Medienberichten lassen sich die Bauern immer wieder neue Tricks einfallen, um das Grundwasser anzuzapfen und ihre Felder zu bewässern. Laut den Beamten der staatlichen Umweltbehörde Seprona kommen dabei versteckte Brunnen, manipulierte Wasserzähler und vergrabene Wasserrohre zum Einsatz. Für ein einziges Kilo Erdbeeren werden dabei laut Schätzungen der Umweltorganisation WWF rund 300 Liter Wasser benötigt.
Während in Andalusien am Montag nun offiziell der Dürrenotstand in Kraft tritt, dürfte Katalonien im Nordosten Spaniens bald folgen. Denn auch in der für ihre Badeorte bekannten Region sind die Niederschläge im Langzeitmittel um die Hälfte gesunken.