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Ute Aurand - Lichtgedichte
Freitag, 30. Mai 2014, 20:15h, Festivalkino Cinema Z3
Ute Aurand ist eine der Schlüsselfiguren der Berliner Experimentalfilmszene und erntet für ihre “Lichtgedichte” weltweite Anerkennung. Anfang 2014 widmete ihr die Tate Modern eine Werkschau, anlässlich ihres neuesten Films "To be here", der 2013 am New York Filmfestival Premiere feierte. Die Kamera ist Tagebuch und Instrument der Bewahrung: Ute Aurand sammelt die in der Kamera geschnittenen Bilder und bringt sie manchmal Jahre später in eine neue zeitliche Reihenfolge. Daraus entstehen kleine Zeitminiaturen, die den Gesten und Erscheinungen des Augenblicks Raum geben. Über ungewohnte Bildfrequenzen, unterschiedliche Blendenöffnungen, kurze oder lange Schnitte in der Kamera und den akribischen Schnitt entstehen visuell starke Filmgedichte, lyrische Poesie, Rhythmus und Musik durch optische Eindrücke. VIDEOEX zeigt die wichtigsten Filme ihrer Karriere und spannt den Bogen vom 1980 entstandenen Erstlingsfilm "Schweigend ins Gespräch vertieft", hin zum 2013 fertiggestellten dritten Teil ihrer Trilogie "To be here".
Ute Aurand (*1957) lives in Berlin. She studied filmmaking at the Deutsche Film und Fernsehakademie Berlin (dffb). From 1990-95 she presented the series Filmarbeiterinnen-Abend at the Arsenal cinema, Berlin, featuring films made by women, mostly experimental. 1995-96 she organised Sie zum Beispiel (Her, for Example) at the Arsenal and Babylon cinemas, in which 12 women filmmakers/artists selected and presented a personal selection of films by other women filmmakers. 1997 she founded FilmSamstag together with Renate Sami and Theo Thiesmeier, later joined by Bärbel Freund, Karl Heil, Milena Gierke and Johannes Beringer, to present a monthly film programme in Kino Filmkunsthaus Babylon Mitte until 2007. Ute Aurand teaches, curates filmprograms and spent extended periods in India, Japan and the USA.
- 180. Kopfüber im Geäst, Ute Aurand, D 2009
- 181. To be here, Ute Aurand, D 2013
- 182. Schweigend ins Gespräch vertieft, Ute Aurand, D 1980
- 183. OH! die vier Jahreszeiten, Ute Aurand & Ulrike Pfeiffer, D 1988
180. Kopfüber im Geäst
“Eine Montage aus kurzen Erinnerungsbildern, gefilmt zwischen 2000 und 2007, dem Tod meiner Mutter und dem Tod meines Vaters. Ich bestaune die Verwandlung von Orten und Gefühlen, erwachsen inmitten von Kindheitsstimmungen.” (U. Aurand)
181. To be here
Ihre Stadt- und Landschaftsbilder sind Beobachtungen der Wirklichkeit von einem radikal subjektiven Standpunkt aus.
182. Schweigend ins Gespräch vertieft
“Schweigend ins Gespräch vertieft war mein erster 16mm Film und er hat etwas von dem, was erste Filme oft haben - entstanden durch einen besonderen, manchmal unfreiwilligen Mut, häufig ohne Wissen über filmische Gesetze, einzig aus der Notwendigkeit, diesen Film machen zu wollen.“ Der deutsche Film-/Wissenschafter & Filmemacher Ingo Petzke schrieb dazu 1981: “Es scheint urplötzlich eine ganze Gruppe von Frauen um die dffb und die Hochschule für Kunst in Berlin zu geben, die experimentelle Filme macht, die einen deutlichen Bruch mit dem bundesdeutschen E-Film der letzten zehn Jahre darstellen. Es ist eine Filmform, die das Bild weniger be- und verarbeitet, als komponiert, die sich mehr auf den Aufbau eines Bildes einschliesslich darin zu findender Metaphorik verlässt als auf intellektuelle Aufbau- und Montage-Prinzipien. Auch wenn die anwesenden Filmemacherinnen es verständlicherweise von sich wiesen, gleich in eine Schublade gepackt zu werden, lässt sich doch mit Recht behaupten, dass diese Filme eher in der Tradition Maya Derens stehen als irgendeines anderen Filmemachers. (Auch wenn diese Anlehnung wohl mehr intuitiv als bewusst sein dürfte).“
183. OH! die vier Jahreszeiten
Ute Aurand und Ulrike Pfeiffer filmten sich gegenseitig auf vier berühmten Plätzen Europas: im Winter in Berlin vor dem Reichstag, im Sommer in Paris im Brunnen auf dem Place de la Concorde, im Frühling auf dem Roten Platz in Moskau, im Herbst im Bankenviertel von London. Die Filmkritikerin Marion Kranen schrieb dazu im Buch Blaue Wunder. Neue Filme und Videos von Frauen 1984 bis 1994: «Die Bewegungen und Handlungen der Frauen bestimmen den Blick, und die Kamera lässt sich mitreissen von ihrer Dynamik. Die Filmemacherinnen erfinden sich keine neuen Räume, sie benutzen die patriarchal geprägten Orte für ihre Zwecke, funktionieren sie um durch ihre Präsenz. Diese Orte politischen Theaters sind ausgerichtet auf ein ehrfürchtig zuschauendes Publikum – die Filmemacherinnen setzen ihre eigene Inszenierung dagegen: ihre Massstäbe richten sich nach dem eigenen Körper und seinen Bewegungen. Durch sie erobern sie sich die Plätze und stellen sich selbst in deren Zentrum.»