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Für die heutige Wanderung blieben wir auf dem Festland. Wobei eigentlich die Wanderung der kleinste Teil des Tages in Anspruch nahm. Es war eher eine Fahrt durch ehemalige Moorgebiete und Besichtigung von ein paar Kulturgütern. Wir fuhren mit dem Bus in südlicher Richtung, zuerst nach Marienhafe. Wir verliessen damit das Marschland und durchquerten ehemaliges, heute getrocknetes Moor. Marienhafe, heute etwa 15 KM im Landesinneren, befand sich mal am Meer, oder hatte zumindest einen Zugang zum Meer auch für grössere Schiffe. Das besondere an der Ortschaft ist die Kirche und die Geschichte dahinter:
Es war die Zeit der Christianisierung. Der Bischof dieses Gebietes wollte eine grössere Kirche besitzen als der Bischof der Gemeinde nebenan. Das Leben war hart am Rande des Moores und auf dem Moor. Die Leute hatten kaum genug zum Ăśberleben. Da kam es sehr gelegen, dass der Seeräuber Störtebeker auf „Stellensuche“ war. Man heurte ihn an, Handelsschiffe zu kapern. Das Handelsgut wurde verkauft und der Erlös wurde zur Finanzierung der Kirche eingesetzt. Sie muss jedenfalls riesig, schon fast ein Dom gewesen sein. Kreuzschiff, Hauptschiff mit Wandelgängen unter der Kuppel, 80 Meter hoher Glockenturm und einer 200 Meter langen Mauer um die Kirche herum.
Als man begann, das Moorgebiet trocken zu legen, war das der Anfang des Unterganges der Kirche. Der Boden wurde instabil. Dazu kamen Brände und ein Blitzeinschlag in den Kirchturm. Der Kreuzgang zerfiel wegen mangelndem Unterhalt. Heute steht eigentlich nur noch das 25 Meter lange Hauptschiff, der Chor und ein stark verkürzter Kirchenturm.
Passend zu den Folgen des trocknenden Moores, steht ganz in der Nähe in Suurhusen, der schiefste Kirchturm der Welt. Mit über 5 Grad ist er sogar noch schiefer als der Turm von Pisa.
Wobei, wenn man lange genug um die Kirche herum geht, sich die beste Position sucht um den schiefen Turm am besten zu fotographieren, beginnt irgend einmal alles schief zu werden. Jedenfalls ist es amtlich und der Turm schaffte es in das Buch der Weltrekorde. Er ist seit einigen Jahren nun aber stabilisiert.
Danach werden wir von unserem Bus an den Ems-Jade-Kanal gefahren. Unsere Wanderung beginnt etwas ausserhalb von Emden. Wir folgen dem Kanal eine Weile lang in Nordwestlicher Richtung.
Wir marschieren meist auf dem Damm. Kommen an Pferde- und Kuhherden vorbei. Eine Schar Wildgänse landet gerade auf einer grösseren Wiese, eine Drehbrücke wird gerade für die Durchfahrt eines Schiffes gedreht. Eine Schafherde zieht eine Weile vor uns her, bevor sie sich dann doch entschliesst, wieder an uns vorbei zu ihrem ursprünglichen Futterplatz zurück zu flüchten.
Heute ist das ehemalige Moorgebiet längst nicht mehr so arm wie frĂĽher. Das Moor ist grösstenteils ausgetrocknet, zurĂĽckgeblieben sind ein paar „grosse und kleine Meere“, die man aber so behalten will. Angesiedelt haben sich diverse grössere Industrien, wie zum Beispiel VW (mit 10000 Angestellten) oder einer der fĂĽhrenden Hersteller von Windenergieanlagen (Enercon mit 12000 Angestellten). Es gibt fĂĽnf grössere Städte mit jeweils um 40’000 bis 50’000 Einwohner.
Nach dem Mittagessen in Aurich, werden wir wieder zurĂĽck nach Norddeich gefahren, wo wir uns noch eine Weile in der Seehundestation aufhalten.
Wir erfahren viel ĂĽber das Leben der Seehunde, vor allem der jungen „Heuler“, die von ihrer Mutter verlassen, nicht mehr gefunden oder zurĂĽckgelassen, wurden. Sie werden hier liebevoll aufgezogen und fĂĽr das spätere Leben im Wattenmeer fit gemacht.
Ein weiterer, sehr interessanter Tag, an dem wir nebst Seeräubergeschichten (Störtebeker) auch wieder viel über die Lebensweise der damaligen Zeit erfahren haben.