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hinweist, und welche als interglazial zu bezeichnen sind. An der vom Vortragenden neu aufgefundenen Stelle folgt unter oberm Geschiebemergel ein Thon und unter demselben ein feiner Sand, dessen einzelne Bänkchen massenhaft Schalen von Cardium edule und Tellina solidula enthalten und zwar auf primärer Lagerstätte, da noch häufig beide Klappen bei einander liegen. Jentzsch will die glazialen Ablagerungen in Preußen [* 2] in Früh-, Alt-, Inter- und Jungglazial gliedern.
Alt- und Jungglazial sind Gletscherablagerungen, Früh- und Interglazial Sedimente in eisfreiem Gebiet. Paläontologisch soll das Frühglazial in seiner marinen Form Yoldia arctica, in seiner Süßwasserfacies Dreissena polymorpha führen, das Interglazial in den marinen Ablagerungen am häufigsten Cardium und Tellina. In den Glazialbildungen kommen diese Reste dann aufgearbeitet auf sekundärer Lagerstätte vor, und zwar ist Frühglaziales in Altglaziales verschleppt, während im Jungglazial alles bunt durcheinander vorkommt. Die Fläche, innerhalb welcher in den Provinzen Preußen interglaziale marine Ablagerungen vorkommen, ist so groß wie das Königreich Württemberg. [* 3]
Milch - Breslau [* 4] legte Stücke eines neuen Minerals aus Leopoldshall vor. Es kommt in monosymmetrischen farblosen Kristallen vor, besteht aus wasserhaltigem Magnesiumborat und wurde nach dem Entdecker Hintzeit benannt. Professor Steinmann sprach über das bolivianische Devon. [* 5] Auf dem bolivianischen Hochplateau finden sich außer vulkanischen Gesteinen, die nach der Kreideformation [* 6] entstanden sind, und Sandsteinen unsichern Alters ausgedehnte Thonschiefermassen von paläozoischem Habitus, in welchen im benachbarten Argentinien eine Reihe von Horizonten nachgewiesen ist.
Nach d'Orbigny und Forbes soll die Hauptmasse dieser Schiefer silurisch sein, außerdem sind noch permokarbonische Schichten vorhanden. Steinmann fand nun eine reiche Devonfauna, von welcher später Ulrich - Straßburg [* 7] Proben vorlegte. Es liegen in einem ausgedehnten Gebiet Bolivias auf granitischer Unterlage kambrische und silurische Thonschiefer mit Quarziteinlagerungen. Konkordant darüber lagern die devonischen Bildungen, aus Sandsteinen, sandigen Thonschiefern und Mergeln bestehend.
Die etwa 300 m mächtigen Schiefer enthalten in Knollen [* 8] kalkige Massen, aber keine durchgehende Kalkbank. In diesen Knollen sind die vortrefflich erhaltenen Versteinerungen eingebettet. Nach oben gehen die Schiefer in Sandsteine über, welche undeutliche Pflanzenreste geliefert haben. Innig mit diesen verknüpft folgen dann die permokarbonischen Sedimente. Schließlich legte Professor Graeff - Freiburg [* 9] Porphyrgesteine vom Montblanc, die durch Druck schieferig geworden sind, vor.
In der zweiten Sitzung wurde als Ort der nächstjährigen Versammlung Freiberg [* 10] gewählt. Dann sprach Oppenheim - Berlin [* 11] über die Fauna des oberitalienischen Tertiärs. Die vorgelegten Landschnecken aus den eocänen Tuffen des Val dei Mazzini bei Pugniello im Vicentinischen schließen sich im wesentlichen an die Bewohner der heutigen Tropen an, insbesondere sind indomalaiische und westindische Verwandtschaftsbeziehungen zu konstatieren. Das reiche Vorkommen von Clausilien, einer jetzt auf felsige Gehänge angewiesenen Gruppe, weist auf ein gebirgiges Hinterland des Vicentiner Tertiärbeckens hin, eine Beobachtung, welche durchaus im Einklang steht mit den Resten fremder, heute nicht mehr an Ort und Stelle vorhandener Gesteine, [* 12] der Granite, Syenite, Porphyre, Glimmerschiefer und Jurakalke, welche der Vortragende in dem gleichalterigen Basalttuff von Ai Fochesatti aufgefunden hat.
Dann besprach Oppenheim die Fauna des Monte Pulli bei Valdagno, dessen Lignite zu der Entwickelung einer Textilindustrie an letzterm Orte wesentlich beigetragen haben. Redner wies die vollkommene zeitliche Identität mit den tertiären Kohlenlagern Südungarns nach; beide faßt er als Absätze aus den Ästuarien eines alttertiären Festlandes auf, welches am Alpenrand entlang sich über die Grazer Bucht bis Ungarn [* 13] hinein erstreckte. Von den vielen vorgelegten, zum großen Teil mit der Epidermis [* 14] erhaltenen Formen, welche sich auf die Gattungen Cyrena, Anomia, Modiola, Potamomya, Melanopsis u. a. verteilen, ist das Vorkommen schön gefüllter Congerien hervorzuheben, welche sich eng an lebende Arten Südamerikas und Westafrikas anschließen, anderseits aber auch der Congeria spathulata des Wiener Beckens nahe stehen.
Congerien sind also schon vom Untereocän an in den Flußmündungen des zentralen Europa [* 15] weit verbreitet gewesen, wir kennen sie auch aus dem Obereocän Englands und dem Miocän des Mainzer Beckens, und es liegt also nach der Ansicht des Vortragenden keine Berechtigung vor, aus dem reichen Auftreten dieser Gruppe in den Brackbildungen des Unterpliocän auf eine starke Kontinentalperiode in dieser Phase der Erdgeschichte zu schließen, eine Ansicht, welche von Süß und M. Neumayr wiederholt vertreten worden ist.
Schenck - Halle [* 16] sprach über den Laterit. Man versteht darunter eine rote Schicht von außerordentlich wechselnder Mächtigkeit und enormer Verbreitung, die indes auf die Tropen beschränkt ist und nur selten in subtropische Gegenden hinübergreift. Sie hat ihre Hauptverbreitung in Indien, Ceylon [* 17] und Afrika. [* 18] Eine petrographische Definition läßt sich nicht geben, weil das Gebilde nur ein Resultat der Tropenverwitterung ist und seine Beschaffenheit daher völlig von der des verwitternden Gesteins abhängig ist.
Die Verwitterung ergreift in den Tropen die Gesteine bis zu Tiefen, von denen man sich keine Vorstellung machen kann. Dabei erhält sich aber in wunderbarer Weise die Struktur des ursprünglichen Gesteins, und jedem normalen Laterit kann man es auf den ersten Blick ansehen, ob er aus Granit, Schiefer, Diabas oder einem andern Gestein hervorgegangen ist. Eine dritte Eigentümlichkeit der Tropenverwitterung ist die intensiv rote Farbe der entstehenden Zersetzungsprodukte, die in der vollkommenen Oxydation der Eisenverbindungen ihren Grund hat.
Die Ursache der Lateritbildung ist sicherlich, worauf ja die Verbreitung zwingend hinweist, im tropischen Klima [* 19] zu suchen, und zwar werden hier die hohe Temperatur und die sehr große Regenmenge zusammenwirken. Wie weit auf die rote Farbe die dem Regen beigemengten, durch die starken Gewitter der Tropen erzeugten Salpetersäuremengen von Einfluß sind, ist schwer zu sagen. Die Intensität der Farbe ist natürlich durchaus abhängig von der Menge des Eisens, und so kommt es beispielsweise, daß der Tafelberg bei der Kapstadt [* 20] auf der einen Seite, die aus eisenreichem Gestein besteht, in tiefroten Laterit, auf der andern, eisenarmen, in eine Art Kaolin verwandelt ist. Die Erhaltung der Struktur ist an das Fehlen von Frost geknüpft, denn durch wiederholtes Gefrieren und Auftauen wird in jedem Boden durch Zersprengung die ursprüngliche Struktur völlig verwischt. Die verschiedenen Arten von Laterit, die man ¶
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unterscheiden kann, entsprechen verschiedenen Stadien der Lateritbildung. Man kann von den auf ursprünglicher Lagerstätte befindlichen Eluviallateriten die umgelagerten Detrituslaterite unterscheiden. Die erstern sind zunächst Tiefenlaterite und können ganze Schichtensysteme bilden. Sie gehen durch Aufhebung der Struktur und Konzentration des Eisengehalts in Oberflächenlaterite über, und es können schließlich eisenreiche, zellige, oft schlackig aussehende Krusten daraus werden. Die Detrituslaterite sind entweder Absätze des fließenden Wassers oder vom Winde [* 22] umgelagert, oder auch bei Strandverschiebung von der Brandungswelle umgelagert und dann als mariner Laterit zu bezeichnen.
In der dritten Sitzung sprach Baron v. Reinach - Frankfurt [* 23] über die Parallelisierung der Gesteine des südlichen Taunus mit denen der Ardennen und der Bretagne, Professor Jentzsch - Königsberg [* 24] machte einige Mitteilungen über eigentümliche Erscheinungen in der Oberflächengestaltung Westpreußens, so über gewisse sich auf kleinern Gebieten wiederholende Analogien in der Richtung der Flußläufe, über eigenartige Erscheinungen an den Rändern des Weichselthals sowie über das eigentümlich gewundene Thal, [* 25] welches von Leba über Lauenburg [* 26] und Neustadt [* 27] nach Rheda führt, mit seinen beiden Enden im Meeresniveau liegt und in der Mitte, auf der Wasserscheide zwischen Leba und Rheda, auf 50 m über dasselbe sich erhebt.
Den letzten Vortrag hielt Pfaff - Erlangen [* 28] über die Resultate der Ausgrabung einer von ihm aufgefundenen Höhle bei Forchheim. Dieselbe liegt 30 m über dem Flusse, ist 25 m lang, 6 m breit und 1,6 m hoch. Unter einer oberflächlichen Schicht von großen Blöcken folgte zunächst eine rotbraune thonige Schicht mit Asche, Scherben und andern Kunstprodukten. Mit zunehmender Tiefe zeigten die Scherben und Feuersteine Anzeichen von immer niedrigerer Kultur. Die weitere Nachgrabung in dem untern Lehme, der keine Kunstprodukte mehr enthielt, forderte ein Skelett [* 29] zu Tage, welches einem siebenjährigen Kinde angehörte und, wie die Beigaben bewiesen, an Ort und Stelle bestattet war. Das außerordentlich mürbe Skelett weist auf einen ziemlich niedrigen Entwickelungszustand hin.