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Humusaufbau im Ackerbau
Aktualisiert: 9. Feb 2020
Die Humuswerte der Ackerböden in der Schweiz belaufen sich je nach Region und Bodenart zwischen 1 und 3,5 Prozent. Je nach Wirtschaftsweise können diese Werte knapp gehalten werden, sehr oft sind sie jedoch weiterhin rückläufig. Wind- und Wassererosion tun ihr übriges. Die relative Stabilität der Humuswerte darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Werte zu tief sind! Wir haben uns an diese Werte gewöhnt und empfinden sie als normal. Jedoch erst ein Humusanteil, der höher ist als 5 bis 6% ermöglicht eine stabile Biologie im Boden, die die angestrebte Krümelstruktur und ihre positiven Effekte wie Nährstoffgleichgewicht, Sickerfähigkeit, Wasserhaltefähigkeit und weiterer Humusaufbau erst ermöglichen. Weiter unten finden Sie acht Massnahmen, die nach Gerald Dunst in gegenseitigem Zusammenspiel eine Humusanreicherung bewirken.
Was ist Humus?
Der Boden ist leider schwach erforscht und die Wissenschaft kann sich bis heute nicht auf eine Definition von "Humus" einigen. In diesem Artikel wird unter Humus derjenige Teil des Bodens verstanden, der aus biologisch stabiler Substanz besteht. Diese wurde durch Mikroorganismen gebildet und setzt sich vorwiegend aus Huminstoffen und Huminsäuren zusammen. Wir sprechen hier also nicht von Nährhumus und von roher pflanzlicher und tierischer Masse, sondern vom stabilen Dauerhumus.
"Wiederbelebung" des Bodens
Bevor hier die acht wichtigsten Massnahmen kurz erläutert werden, muss erwähnt sein: Ein ein weitgehend toter, also ein biologisch nur schwach aktiver Boden baut durch eine Anpassung von wirtschaftlichen Massnahmen allein keinen Humus auf. Damit die nachfolgend beschriebenen Massnahmen greifen, benötigt der Boden zuerst Wiederbelebungsmassnahmen. "Von nichts kommt nichts", pflegten die Alten zu sagen und sie hatten recht: Der Boden sollte bei Umstellung auf humusaufbauende Wirtschaftsweise zuerst mit der maximal erlaubten Kompostgabe, also mit einer intakten Bodenbiologie und einer Anfangsmenge von fertigem Humus beimpft werden. Bei einer zu kleinen Kompostgabe besteht die Gefahr, dass die Mikrobiologie aufgrund von Nahrungsmangel stirbt, bevor die neuen Massnahmen greifen.
(Dieser Blog wird dieses Thema zu späterer Zeit eingehender behandeln.)
8 Massnahmen, die zu Humusaufbau im Ackerbau führen
1. Acker dauerhaft begrünen
Humusaufbau ohne dauerhafte Begrünung und Durchwurzelung des Bodens ist nicht möglich. Auch im Winter findet Photosynthese statt. Die humusbildende Biologie kann die Winterzeit nur überleben, wenn sie über Pflanzenwurzeln mit Zuckerlösungen versorgt wird. Jede Art der Gründüngung führt zu Humusaufbau, doch je vielfältiger sie ist, desto besser. Denn jede Pflanze hat ihre eigenen Wurzelausscheidungen und aktiviert damit bestimmte Mikrobenarten besser als andere. Vielfalt über dem Boden heisst auch Vielfalt im Boden. Winterharte Sorten oder die abgefrorene Gründüngung als Mulchdecke helfen dem Bodenleben über den Winter.
2. Boden minimal bearbeiten
Kein Pflugeinsatz. Durch dessen Umschichtung des Oberbodens wird die bestehende Biologie massivst gestört. Der Pflug zerstört die Lebendverbauung, die Krümelstruktur sowie die Regenwurmkanäle und ermöglicht erst die Verdichtung. Angestrebte "Frostgare" macht das Bodengefüge kaputt, indem die Kälte die eigentliche Gare des Bodens, die durch die Mikrobiologie gebildete Krümelstruktur, physikalisch aufsprengt. Die mechanische Bodenlockerung ist eine der grossen Ursachen für die Bodenverdichtung.
3. Stickstoffverluste reduzieren
Humus besteht zu rund 6% aus Stickstoff. Ohne verfügbaren Stickstoff wird also kein Humus aufgebaut. Allerdings darf Stickstoff, der in den Humus eingebunden werden soll, nicht vorzeitig, etwa durch Auswaschung oder Ausgasung, verloren gehen. Stickstoffverluste sind umso höher, je niedriger das C/N-Verhältnis ist. Deshalb hat die Anhebung des C/N-Verhältnisses auf 9 oder 10 absolute Priorität. Beispiele, um das C/N-Verhältnis zu erhöhen: Kohlenstoff (z.B. Stroh) auf dem Feld lassen ohne N-Ausgleichsdüngung, in Begrünung mehr Gräser als Leguminosen, Kompost mit weitem C/N-Verhältnis verwenden.
4. Auf Fungizide möglichst verzichten
Bauen Sie in der Umstellungszeit möglichst Kulturen an, bei denen Sie auf Ihrem Betrieb keine Pilzbefälle hatten, so dass Sie auf Fungizide verzichten können. Humusaufbau funktioniert nur unter Mithilfe von Mykorrhiza und Fungizideinsatz hat auf Bodenpilze fatale Folgen.
5. Vielseitige Fruchtfolge, Mischkulturen, mehrjährige Gräser und Leguminosen
Je mehr verschiedene Pflanzen gleichzeitig auf einer Fläche stehen, desto mehr Humus wird aufgebaut. Stellen Sie deshalb auf Mischkulturen um und/oder arbeiten Sie mit Untersaaten. Hier hilft auch eine alternative Betrachtung der Unkräuter. Sofern sie die Kulturen nicht bedrängen, kann man Unkräuter durchaus als eine Art "Untersaat" anschauen. Binden Sie zudem Bäume in Ihre Felder ein, Stichwort Agroforst. Bäume holen aus grösseren Tiefen Nährstoffe und Wasser an die Oberfläche, kühlen durch Verdunstung die Umgebungsluft und schaffen damit ein Mikroklima. Zudem helfen ihre "Abfallstoffe" aktiv beim Humusaufbau.
6. Sorptionskomplex (Ca:Mg:K) optimieren
Das optimale Verhältnis von Kalzium, Magnesium und Kalium hat Einfluss auf die Kationenaustauschkapazität (KAK), die positiv auf die Bildung der Ton-Humuskomplexe auswirkt, welche wiederum chemische Grundvoraussetzung für die Krümelbildung sind. Der Sorptionskomplex ist ideal bei folgendem Verhältnis: 75-80% Kalzim (Ca++), 10-15% Magnesium (Mg++) und 5% Kalium (K+).
7. Fäulnis verhindern
Sorgen Sie dafür, dass Ihre Wirtschaftsdünger nicht faulen. Fäulnisbakterien werden von den Bodenbakterien bekämpft, sobald sie, beipielsweise mit verfaulter Gülle oder Biogasgülle, auf das Feld kommen. Dieser Kampf bindet die Bodenorganismen und verbraucht viel ihrer Energie, den sie schliesslich nicht dem Humusaufbau widmen können. Falls auf Ihrem Betrieb Gülle oder Mist anfällt, fermentieren Sie ihn aktiv und verhindern Sie damit Fäulnis. Verwenden Sie keine Biogasgülle. Verwenden Sie bevorzugt guten Kompost.
8. Chemieeinsatz reduzieren
Wer Humus aufbauen will, muss die Bodenbiologie fördern. Mit anderen Worten: jegliche Massnahme, die Bodenorganismen tötet, sollte auf ein Minimum reduziert werden. Das gilt übrigens sowohl für den "biologischen" wie auch den "konventionellen" Landbau. Aus Sicht der Humusanreicherung ist eine wohlüberlegte und wohldosierte Herbizidbehandlung ("konventionell") mehrmaligem Striegeln und Hacken ("biologisch") vielleicht sogar vorzuziehen. Doch mittelfristig muss es sowohl für die "Konventionellen" als auch für die "Biologischen" das Ziel sein, auf Herbizideinsätze ganz zu verzichten.
Quelle und Informationen
Dunst Gerald; Humusaufbau, Chance für Landwirtschaft und Klima; 2. Auflage, 2019; Verlag Sonnenerde.
Bestellung: https://www.bloomling.at/sonnenerde/humusaufbau
Weitere Links
Tagung zu regenerativer Landwirtschaft in Köniz bei Bern
Veranstaltungen zum Thema Humusaufbau im deutschsprachigen Raum