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Lernen eine gute Hausfrau zu sein
Seit über hundert Jahren werden junge Mädchen im Kochen und in der Hauswirtschaft unterrichtet. Eine gute Hausfrau gibt wenig Geld aus, sie macht vieles selber und trägt so zum günstigen Lebensunterhalt der Familie bei.
Das Schulsystem, die Wirtschaft und auch die Sozialversicherungen wurden in der Schweiz im 20. Jahrhundert konsequent auf das Modell der Familie mit einem Ernährer und einer Hausfrau ausgerichtet, die unentgeltlich für das Wohl ihres Gatten und ihrer Kinder arbeitet.
Das Hausfrauenmodell war in der Schweiz so erfolgreich, weil es von der Linken wie von der Rechten getragen wurde und weil die Schweiz im Unterschied zu anderen europäischen Ländern im 2. Weltkrieg kaum Opfer zu beklagen hatte.
Darum setzten sich auch die Gewerkschaften massiv für Ernäherlöhnen ein und verteidigten beispielsweise die Tramchauffeure dagegen, dass sie Frauen als Fahrerinnen zuliessen.
Die Hausfrau ist eine Erfindung bürgerlicher Männer des 19. Jahrhunderts. Durch Hausfrauen konnten die Kosten für das Hauspersonal gespart werden und den Männern wurde durch sie der Rücken gestärkt, damit wurden sie wirtschaftlich leistungsfähiger
Das Wirtschaftswunder nach dem 2. Weltkrieg, machte auch die hohe Zahl an Hausfrauen möglich. Eine geschlechtergerechtere Arbeite- und Rollenteilung macht bis heute massive Anpassungen in den Sozialversicherungssystemen, bei den Steuern und im Schulsystem nötig.
Leitbild für die Schweizer Hausfrauenküche war „der Fülscher“, ein Kochbuch das 1923 zum ersten Mal erschienen war und bis 1966 sechs Neuauflagen erfuhr. Es war Leitmedium für die Schweizer Hausfrau aus dem oberen Mittelstand. Mit seinen 1700 Rezepten gilt es bis heute als Standardwerk
Riz Casimir war ein Standardgericht der gehobenen Hausfrauenküche, oben abgebildet ist Riz Colonial, die Variante mit Crevetten.
Hausfrau zu sein ist die Bestimmung der Schweizer Frau.
Hausfrau zu werden, war bis in die 80er Jahre keine Berufswahl, sondern Bestimmung einer verheirateten Frau, besonders wenn sie Kinder hatte. Technische Hilfsmittel wie vorgefertigte Lebensmittel oder Abwaschmaschinen waren in der Schweiz lange verpönt.
Hausfrau sein, bedeutete auch immer einem Konkurrenzkampf ausgesetzt zu sein. Donna Ideale: der Wettbewerb um die beste Hausfrau 1967.
Ab den 1980er Jahren war es unmodern, nur Hausfrau zu sein.
Viele Hausfrauen nahmen Teilzeitstellen an, meist weit unter dem Niveau ihrer Berufsausbildung.
Heute sind die Frauen gleich gut ausgebildet wie die Männer. Beim aktuellen Fachkräftemangel in der Wirtschaft fehlen die Frauen, wenn sie bei Mutterschaft jahrelang voll oder teilweise aus dem Arbeitsmarkt aussteigen.
Für eine geschlechtergerechtere Arbeitsteilung muss auch die Haus- und Familienarbeit besser zwischen Männern und Frauen aufgeteilt werden.
Die Bilder sitzen tief. Noch heute interessieren sich junge Männer wenig für Hausarbeiten und junge Frauen wenig für technische Arbeiten.
Auch heute entscheidet sich Gleichstellung in erster Linie in der Arbeitsteilung im Familienbereich. Für neue Lösungen braucht es die Männer und die Frauen.