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Vor langer Zeit hatten die Götter die Erde erschaffen. Blaues Wasser floss zwischen grünen Wiesen, Sträuchern und Bäumen in allen Formen wuchsen und streckten ihre Blätter dem Himmel entgegen. Vielerlei Pflanzen wuchsen, bildeten Blätter, Blüten, Früchte und Samen und die Götter erfreuten sich an ihrer Schöpfung. Doch etwas fehlte noch. «Wir sollten Menschen erschaffen, damit sie auf der Erde leben können», sprachen die Götter. Der Regengott machte sich sogleich an die Arbeit. Er nahm eine Handvoll Lehm und formte daraus Menschen. Er setzte sie auf die Erde und die Götter schauten zu, wie die Lehmmenschen auf der Erde wandelten. Alles ging gut, bis es regnete. Da fielen die Lehmmenschen um, und bald war nichts mehr von ihnen zu sehen. Da nahm der Baumgott Holz und schnitzte daraus Menschen. Diese Menschen aus Holz stakten nun auf der Erde herum und es dauerte nicht lange, da begannen sie einander zu schlagen. Klang! Klong! Tock! Tack! Bald brach bei dem einen ein Arm, beim anderen ein Bein und nicht lange, da war keiner mehr ganz. In ihrem Ärger schickten die Götter ein Feuer und die Holzmenschen verbrannten darin. Da schuf der Gott Tezcatlipoca Menschen aus Gold. Diese strahlten und glänzten in der Sonne. Sie wanderten auf der Erde und entdeckten schon bald ihr Spiegelbild im Wasser. Sie gefielen sich gut, die Goldmenschen. Sie betrachteten sich von morgens bis abends. Sie vergassen sogar zu essen. Nicht lange und sie waren verhungert. In ihrem Ärger schickten die Götter ein Erdbeben. Das verschlang die Menschen aus Gold und seither ist das Gold tief in der Erde versteckt. Nun nahm der Gott Quetzalcoatl gelbe und weisse Maiskörner, zerrieb sie und mischte ein wenig Wasser dazu. Dann liess er ein wenig von seinem Blut darauf tropfen und formte Menschen daraus. Jedem dieser Menschen gab er ein Maiskorn mit auf die Erde. Die Maismenschen pflanzten die Körner, pflegten die Maisstauden, waren fleissig und wurden so zu den rechten Menschen. Wir alle stammen von ihnen ab. Aber manchmal trifft man noch ein paar von den ersten Entwürfen der Menschen. Man erkennt sie daran, dass sie einander schlagen oder faul herumliegen und ihr Spiegelbild anstarren, oder umfallen, wenn ein wenig Sturm und Regen in ihr Leben kommt. Die rechten Menschen aber, jene die Quetzalcoatl aus Mais gemacht hatte, säen und ernten den gelben und weißen Mais bis heute.
Märchen aus Mexiko, Maya, Fassung: Djamila Jaenike, © Mutabor Verlag, aus: Pflanzenmärchen aus aller Welt