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Im Sommer 2008 war ich bereits für einen Monat in Sambia und habe in Ndola an der Mackenzie Community Schule beim Bau eines dritten Schulzimmers und einer Bibliothek mitgewirkt. Allerdings konnte das Dach erst im Juli dieses Jahres fertiggestellt werden, da das Hilfswerk kein Geld mehr hatte. Dank diversen Spenden von den Kirchgemeinden Lohn/Stetten/Büttenhard und Oberhallau aber auch von vielen privaten Spendern, konnte der Bau dieser Schulzimmer endlich abgeschlossen werden. Die Böden und die Wände wurden gepflastert, für die Bibliothek bauten wir Regale und für das Klassenzimmer Tische und Bänke. So konnte die Klasse das neue Schulzimmer pünktlich zum Schulstart am 6. September einweihen.
Die vielen Veränderungen in kurzer Zeit in der Mackenzie Community Schule lenkte das Interesse der sambischen Regierung auf den Slum. Diese plant nun, Strom- und Wasserleitungen in Mackenzie zu bauen, damit die ganze Community mit Elektrizität und fliessendem Wasser versorgt werden kann.
Die Verwandtschaft und Freunde von Claire übernahmen die Kosten für den Bau eines Projektgebäudes, das "Malaika Home". Dieses steht nun allen zukünftigen Freiwilligen zur Verfügung. Da Malaika Home bereis am Stromnetz angeschlossen ist, wird der Computerunterricht in Zukunft auch dort stattfinden.
Im August starteten wir ein Mikrokreditprogramm mit sechs Leuten von Mackenzie. Da jeder Kredit mit Zins zurückgezahlt wird, kann das Geld als neuer Kredit wieder verwendet werden. Auf diese Weise multipliziert sich der Wert jedes Dollars und die Zahl der unterstützten Familien.
In Kabwe arbeitete ich zusammen mit den Organisationen BOCCS und Life Trust am AIDS-Waisen- und Schulprojekt. Bis jetzt bestehen acht Schulen, eine im Zentrum von Kabwe und sieben in Slum ähnlichen Stadtteilen. Die Schulen werden von über 4'000 Schülern besucht. Zurzeit werden in den acht BOCCS-Schulen etwa 400 Kinder pro Tag im Rahmen des Speisungsprogramms mit Essen versorgt.
Anfang September erhielt die Hauptschule "Kabwe Main" zehn neuwertige Computer. Meine Hauptaufgabe bestand nun darin, Schüler sowie Lehrpersonen in die Welt der Computer einzuführen, und einen EDV Lehrplan in englischer Sprache zu erstellen.
Neben dem Computerunterricht gab es auch einige Schreiner-Arbeiten für mich. Die Wand unseres Lagerraumes fiel aus der Fassung, was zum Einsturz der Decke führte. Ein lokaler Schreiner meinte, dass er da nichts tun könne. Glücklicherweise war aber gerade ein Schreiner aus der Schweiz anwesend...
In Mpanshya gibt es kaum bezahlte Arbeitsplätze und die Armut ist sehr hoch. Nach Abschluss der Schule haben Jugendliche kaum Ausbildungsmöglichkeiten. Bei diesem Problem setzt das Projekt der Bethlehem Mission Immensee an. Das Ausbildungszentrum welches eine Berufsausbildung für Holz- und Metallbearbeitung anbietet, soll den Absolventen Perspektiven für ein eigenes Geschäft oder einen Job in der Stadt eröffnen.
Die Arbeit in der Schreinerei brachte immer wieder neue Herausforderungen. Die Handhabung von Maschinen in Njanya (lokale Sprache) zu erklären ist ein Ding der Unmöglichkeit, da die benötigten Worte oft gar nicht existieren. Zudem ist die mangelnde Schuldbildung ein Problem. Es kommt vor, dass sich Schulabgänger melden, welche nicht viel mehr als ein "How are you?" zu Stande bringen. Auch mit der Mathematik sieht es oft nicht viel besser aus. Dies kann für einen Schreiner (respektive für seine Kunden) gravierende Folgen haben. 100 durch zwei können sie rechnen, aber wenn es darum geht die Hälfte von einem Meter zu berechnen...
Im Krankenhaus Mpanshya erlebte ich wie AIDS Menschen beeinträchtigt und wie diese Krankheit ganze Familien auslöscht. In Sambia liegt die HIV-Infektionsrate bei rund 25-30 Prozent der Bevölkerung. Sambia hat 11,7 Millionen Einwohner. Im Jahr 2005 gab es in Sambia 1,13 Millionen AIDS-Kranke. 98'000 Menschen starben an AIDS. Da AIDS das Immunsystem schwächt, kann man davon ausgehen, dass die Krankheit auch für die Sterberate diverser anderer Krankheiten wie z.B. Malaria mitverantwortlich ist. Offiziell wird Malaria als Todesursache angegeben, aber in Wirklichkeit war das geschwächte Immunsystem für den Tod verantwortlich.
Die Lebenserwartung der heute geborenen Kinder ist in den letzten zehn Jahren von durchschnittlich 44 auf 33 Jahre gesunken. Damit hat Sambia eine der tiefsten Lebenserwartungen weltweit.
In Sambia haben schon 630'000 Kinder durch AIDS ihre Mutter oder ihren Vater verloren. Nach dem Tod der Eltern werden die Kinder, nach afrikanischer Tradition, in der Familie des Onkels oder bei den Grosseltern aufgenommen. Aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und Armut führt dies meist zu grossen Problemen für die ganze Familie. Deshalb leiden AIDS-Waisenkinder oft an Unterernährung, werden misshandelt oder zur Arbeit gezwungen und haben somit oft keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.
Die afrikanische Grossfamilie ist kaum noch in der Lage, weitere AIDS-Waisen zu integrieren. Viele AIDS-Waisen finden nur zeitweise Unterschlupf bei Verwandten und müssen sich dann alleine durchschlagen. Sie wachsen in überfüllten Heimen oder auf der Strasse auf und laufen Gefahr, zu verwahrlosen, zu erkranken und sexuell missbraucht zu werden. AIDS trifft so die Kinder, die keine Wahl haben und nichts für ihr Schicksal können.
Während meiner Zeit als Lehrer bemerkte ich auch, dass Kinder durch AIDS massiv am Schulbesuch gehindert werden. Es kommt immer wieder vor, dass Schüler eine ganze Woche nicht zum Unterricht erscheinen. Viele von ihnen müssen sich um ihre kranken Eltern kümmern oder jüngere Geschwister versorgen. Als ich mit den betroffenen Schülern das Gespräch suchte, endete es meist in Tränen. Viele AIDS-Waisen müssen arbeiten und können das Schulgeld für eine öffentliche Schule nicht aufbringen. Ausgerechnet in besonders betroffenen Gebieten verlieren deshalb die Schulen ihre Schlüsselrolle im Bereich der AIDS-Aufklärung...
Im Namen meiner Freunde in Sambia bedanke ich mich vielmals für eure Unterstützung!