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Typisch E-Type – und doch ganz anders: Der auf Vollgas getrimmte Low Drag GT von Eagle begeistert. Doch es gibt ein Problem – die Schweizer Behörden
Kraftvoll, ja fast schon aggressiv steht er da und tönt auch so: Der Eagle Low Drag GT macht keinen Hehl daraus, dass er auf der Suche nach einer Rennstrecke ist. Die neueste Schöpfung des 1982 gegründeten britischen E-Type-Spezialisten und Tuners (www.eaglegb.com) ist dabei keine «Freestyle»-Variante eines Jung-Designers, sondern bezieht sich auf jene Sport-Prototypen, die vor über 50 Jahren in der Jaguar-Rennabteilung entstanden sind.
Aerodynamik-Spezialist Malcolm Sayer, der bereits die C- und D-Types eingekleidet hatte und 1960 am E-Type arbeitete, entwickelte damals parallel eine Wettbewerbsversion, die noch windschlüpfriger, leichter und schneller sein sollte. Gemäss einer angekündigten FIA-Meisterschaft für Seriensportwagen entstand so das erste GT Prototype Coupé, dessen Gitterrohrrahmen und weitgehend neu gestaltete Karosse aus Aluminium bestanden und das später als Low Drag Coupé bekannt wurde. Jaguar selbst hatte sich zwar 1956 offiziell vom Motorsport zurückgezogen, doch es gab noch eine ganze Reihe privater Teams, die ihre Rennkatzen erfolgreich einsetzten. Das blieb auch 1962 so, als sich ein Dutzend Lightweight-Roadster auf den Rundstrecken tummelte. Dennoch kam es zu keiner Kleinserie, weil man in Coventry mit der E-Type-Produktion mehr als ausgelastet war. Der GT-Prototyp wurde 1963 an den ehemaligen RAF-Piloten und Privatfahrer Dick Protheroe verkauft, der das inzwischen technisch weiterentwickelte Auto ebenfalls im Wettbewerb einsetzte und es 1964 beim 12-Stunden-Rennen in Reims sogar zum Sieg führte.
Das zweite Low Drag Coupé entstand 1964 auf Wunsch des erfolgreichen Wiesbadener Jaguar-Importeurs und Rennfahrers Peter Lindner, als er seinen Lightweight-Roadster im Werk entsprechend umbauen liess. Mit diesem Auto wollten der Deutsche und sein Co Peter Nöcker in Le Mans gewinnen, mussten aber mit überhitztem Zylinder aufgeben. Ende des Saison verunglückte Lindner in Montlhéry tödlich; sein Coupé ist erst vor wenigen Jahren komplett restauriert worden. Auch Protheroe kam 1966 bei einem Rennunfall ums Leben, allerdings in einem Ferrari. Ein dritter Low Drag entstand 1965 auf Basis des Lightweight von Peter Lumsden und wurde ebenfalls in Rennen eingesetzt. Gegen die Übermacht der Ferrari 250LM und Ford GT40 hatte das konstruktiv etwas in die Jahre gekommene Auto allerdings kaum noch eine Chance.
Geblieben ist die Legende, und die fährt nun mit optimierter Technik und feiner Ausstattung vor. Angetrieben wird der auf Basis eines Spender-Coupés (mit Chassisnummer) komplett neu aufgebaute Alu-Zweisitzer vom klassischen Jaguar-XK-Reihensechszylinder-Benziner, der schon in der Basisversion aus Leichtmetall besteht, 4,7 Liter Hubraum aufweist und mit elektronischer Einspritzung satte 351 PS bei 4800/min sowie 488 Nm bei 3600 Touren abgibt. Es geht aber auch noch mehr. Übertragen wird die Kraft via Fünfgang-Schaltgetriebe und Differentialsperre auf die Hinterräder. Die geschwindigkeitsabhängig untersetzte Servolenkung, ein neu abgestimmtes sowie verstellbares Fahrwerk, gewichtsreduzierte Magnesiumfelgen und moderne Scheibenbremsen garantieren bestmögliche Kontrolle, ein ABS-System oder Airbags gibt es dagegen nicht. Der Innenraum orientiert sich ganz nah am Original-E-Type, weist aber Detailverbesserungen wie Klimaanlage, beheizbare Front- und Heckscheiben oder ledergepolsterte Komfort-Schalensitze mit integrierten Kopfstützen auf. Dank verlängertem Radstand gibt es auch etwas bessere Platzverhältnisse als in einem E-Type-Coupé.
Augenscheinlich sind die Güte aller Materialien und die rundum liebevolle Verarbeitung – kein Werk-E-Type hat je so exakt ausgesehen wie ein Eagle. Auch in puncto Fahrdynamik und den subjektiven Eindrücken darf mit einer atemberaubenden Steigerung gerechnet werden: Wer den nur 1040 Kilo schweren Low Drag GT bisher fahren konnte, stieg mit feuchten Augen wieder aus. Der 4,31 Meter lange, 1,74 m breite und 1,2 m hohe Wagen beschleunigt als «Works»-Version in unter fünf Sekunden auf Tempo 100 und ist je nach gewählter Untersetzung bis 280 km/h schnell. Ein grosser Tank prädestiniert das Auto zudem für die Langstrecke.
Der Low Drag GT entsteht wenige Male in 7000 Stunden Handarbeit und nur auf Bestellung. Der Preis beträgt über eine Million Franken netto, was eine sehr stolze Ansage ist: Erst 2012 wurde eine der seltenen sehr gut gemachten Replica für 316.000 Franken versteigert. Dennoch sollte der Eagle-Kurs für einige interessierte Eidgenossen nicht das Hauptproblem sein. Schwieriger wäre es nämlich, den Eagle Low Drag GT hier zuzulassen, weil er nicht mehr den damaligen Spezifikationen des Spenderfahrzeugs entspricht. Eine Einzelabnahme ist unumgänglich und das Ergebnis offen. Eagles Technischer Direktor James Brace kann das nur teilweise nachvollziehen: «Die Schweizer Behörden sind besonders streng. Ich mag akzeptieren, dass man die Modifikationen prüfen will, aber unser Auto ist doch viel sicherer als das Original!»