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Wissenschaftliche Arbeiten sollten objektiv, klar, präzise, zuverlässig und gut strukturiert sein. Hier finden Sie einige Hinweise, wie Sie dies erreichen können.
Die Passivkonstruktion umgeht die Nennung des «handelnden» Subjekts. Das Passiv sagt nicht, «wer was tut», sondern «was getan wird». Das Passiv fokussiert auf die Handlung und anonymisiert dabei den Verursacher oder die Verursacherin:
«Es werden 300 Personen entlassen; die Zustimmung konnte nicht erteilt werden.»
Passive Sätze klingen steif und schwerfällig, sie nehmen dem Text die Präzision und den Fluss. Vermeiden Sie passive Sätze, verwenden Sie die aktive Form, indem Sie sich immer fragen: «Wer handelt?»:
«Die Bank X entlässt 300 Personen.»
«Die Zürcher Baudirektion hat das Solarprojekt nicht bewilligt.»
Die aktive Form ist präziser, kürzer, verständlicher und lässt den Text fliessen. Sie verschleiert die Identität des handelnden Subjekts nicht und ist damit verantwortungsbewusst.
Siehe auch: Die Bildung und Verwendung von Aktiv und Passiv
Wissenschaftliches Arbeiten verlangt von Forschenden, dass sie sich selbst zurücknehmen, dass sie vorurteilslos an Ihre Forschungsfrage herangehen. Aus diesem Grund finden Sie in deutschsprachigen wissenschaftlichen Arbeiten selten die Ich-Form (im Gegensatz zu englischsprachigen wissenschaftlichen Arbeiten). Versuchen auch Sie die Ich-Form zu umgehen. Manchmal – aber nicht immer – braucht es die Ich-Form bei der Beschreibung der Methode, nach der Sie vorgehen. Die Methode, die Sie anwenden muss sich auf die Theorie sowie die frühere Forschung stützen, die in Ihrer Literaturübersicht behandelt werden. Die Theorie und die bisherige Forschung sollten Sie kritisch beleuchten, um eine objektive Methodenauswahl zu ermöglichen. Die Verwendung der Ich-Form hilft manchmal, einen längeren Methodenteil klar und präzise zu beschreiben.
Weitere Informationen zur Verwendung von ich, wir und die/der Autor:in finden Sie unter https://www.scribbr.de/wissenschaftliches-schreiben/ich-form-personalpronomen/
Die Verwendung der Pronomen Du/Sie/Ihr in der zweiten Person sollten Sie vermeiden, um als Forschende die nötige Distanz zu den Lesenden zu wahren:
So nicht: «In den folgenden Kapiteln erfahren Sie…»
Besser: «Die folgenden Kapitel zeigen/erläutern/erklären/fokussieren auf…»
Darüber hinaus sollten Sie es vermeiden, Vermutungen über die Interpretationen, das Verständnis oder die Haltung der Lesenden anzustellen.
Generell sind die wissenschaftlichen Arbeiten in gendergerechter Sprache zu verfassen. Die sogenannte Legaldefinition: «In diesem Text wird der Einfachheit halber nur die männliche Form verwendet. Die weibliche Form ist selbstverständlich immer miteingeschlossen» gilt als veraltet, nicht angemessen und wird an der Hochschule für Wirtschaft nicht akzeptiert.
Um sexistischen Sprachgebrauch zu vermeiden, d. h. die Verwendung von er oder sie für eine generische Person, verwenden Sie z.B. die Pluralform oder geschlechtsneutrale Formulierungen, beispielsweise «Studierende» statt Student oder Studentin oder «Lesende» statt Leser oder Leserin/nen.
Siehe auch: Leitfaden für die sprachliche Gleichstellung (2016, Update folgt demnächst)
Voreingenommenheit beim Schreiben geht weit über die Verwendung geschlechtsspezifischer Pronomen hinaus. Wissenschaftliche Texte sollten präzise sein und Verallgemeinerungen über bestimmte Personengruppen vermeiden.
Scribbr bietet nützliche Hinweise zur Vermeidung von Vorurteilen in der Sprache: https://www.scribbr.de/wissenschaftliches-schreiben/gendern-in-wissenschaftlichen-arbeiten/
Üblicherweise verfassen die Autorinnen/Autoren eine wissenschaftliche Arbeit im Präsens. Jedoch kommen teilweise auch Perfekt oder Präteritum zum Einsatz. Welche Zeitform jeweils Verwendung findet, hängt auch von den unterschiedlichen Teilen einer Arbeit ab.
Hier eine Übersicht der einzelnen Abschnitte und der jeweils üblicherweise verwendeten Zeitformen:
|Abschnitt der Arbeit
|Empfohlene Zeitform
|Beispiel
|Literaturübersicht
(oder wenn die Arbeit anderer Forschender besprochen wird)
Präsens (Darstellung von gegenwärtigem Wissen, allgemeingültige Informationen)
|Forschende sind sich einig, dass…
|Präteritum (Beschreibung einer Handlung in der Vergangenheit)
|Martin (2020, S. 23) stellte fest, dass…
|Methode
Beschreibung des Verfahrens
|Präsens (Beschreibung des bestehenden Untersuchungsgebiets, bekannter Methoden/Verfahren)
|Nachhaltiges Management beinhaltet…
|Perfekt oder Präteritum (Beschreibung der eigenen Arbeitsschritte)
|An der Befragung haben 1500 Personen teilgenommen.
An der Befragung nahmen 1500 Personen teil.
|Berichterstattung über eigene oder fremde Ergebnisse
|Perfekt oder Präteritum (Präsentation der Forschungsergebnisse)
|Die Befragung hat ergeben…
Die Befragung ergab…
|Diskussion der Auswirkungen der Ergebnisse oder früherer Aussagen
|Präsens (Interpretation der gewonnenen Erkenntnisse)
Präteritum oder Perfekt (nur bei Bezug auf Ergebnisse)
|Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass…
Die Umfragen zeigten, dass…
Die Umfragen haben gezeigt, dass…
|Darstellung von Schlussfolgerungen, Beschränkungen, zukünftigen Richtungen usw.
|Präsens
Futur
|Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass…
Zukünftige Studien sollten sich mit … befassen…
Wissenschaftliche Texte bestehen aus Absätzen, die ein gemeinsames Thema oder Unterthema behandeln. Jeder Absatz wiederum besteht aus mindestens zwei Sätzen und behandelt eine Kernidee. Achten Sie darauf, dass Ihre Sätze logisch miteinander verknüpft sind, z. B. durch die Verwendung von Bindewörtern (z. B. daher, jedoch, damit), sodass sich ein guter Textfluss ergibt.
Aufbau:
Ein (längerer) Absatz beginnt meist mit einem einleitenden Satz, der die Kernidee des Absatzes wiedergibt. Darauf folgen Sätze, die diese Kernidee stützen, z. B. Beispiele mit Erklärungen, Kausalzusammenhänge, oder Aufzählungen. Zum Abschluss folgt ein zusammenfassender Satz oder ein Fazit.
Beispiel:
[D]ie Bewertung eines wissenschaftlichen Beitrags erfolgt im Regelfall nach formalen und inhaltlichen Kriterien. Zu den typischen formalen Kriterien gehören neben der strikten Einhaltung der formalen Vorgaben auch Aspekte, wie beispielsweise die sinnvolle Strukturierung des Textes, die optische Gestaltung des Dokumentes (inklusive der Abbildungen und Tabellen), die korrekte Zitierweise oder die Angemessenheit der Sprache. Die inhaltliche Güte eines Beitrags ergibt sich maßgeblich auf Basis der wissenschaftlichen Arbeitsweise. In deren Bewertung fließen die Qualität der Auseinandersetzung mit dem bestehenden Wissen beziehungsweise der verfügbaren Literatur, die angewendete Methodik, die an den Tag gelegte Objektivität und die Nachvollziehbarkeit der Argumentation sowie der Ergebnisse ein. Natürlich spielen die Ergebnisse der Arbeit ebenfalls eine Rolle bei der inhaltlichen Bewertung. Jedoch sei hier der Vollständigkeit und Klarheit halber erwähnt, dass auch negative Ergebnisse, z. B. der Nachweis, dass etwas nicht funktioniert, wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse darstellen (sofern diese objektiv und nachvollziehbar zustande gekommen sind). [Es hat sich allerdings gezeigt], dass negative Studienresultate seltener veröffentlicht w)erden als positive [5].
(Aus: Köhler, C. (2020). Basiswerkzeuge zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Springer. S. 17f.)
Die Abschnitte in Ihrer Arbeit sollten Sie auch bei Beginn eines neuen Teils der Arbeit gut miteinander verknüpfen, z.B. durch Überleitungen.
«Das letzte Kapitel hat sich auf XY fokussiert,… das folgende vertieft nun…»
So sollten Sie auch die Literaturübersicht und den Methodenteil miteinander verbinden, da die von Ihnen gewählte Methode auf der von Ihnen untersuchten früheren Forschung basieren und von dieser beeinflusst sein sollte. Darüber hinaus sollte der Analyse-/Ergebnisteil vom Methodenteil geleitet und strukturiert sein. Wenn Sie einen oder mehrere Sätze einfügen, die die einzelnen Abschnitte miteinander verbinden, ergibt sich ein klarer roter Faden in Ihrer Arbeit.
«Um die oben genannte Forschungslücke zu schließen und die gestellte Forschungsfrage zu beantworten, wird im Folgenden…»
«Um die Forschungslücke zu schließen…»