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Die ersten brauchbaren, selbstfahrenden Fahrzeuge tauchen zu Beginn des 19. Jh. in England auf, das ab dem 17. Jh. der Pionier im Bergbau und in der Veredelung und Bearbeitung von Metallen war. Hier befindet sich auch die Wiege der Dampfmaschine, wurde doch bereits 1698 eine Dampfpumpe zur Entwässerung einer Kohlengrube eingesetzt. Es brauchte aber noch ein volles Jahrhundert, viel Erfahrung und handwerkliches Geschick, um eine Maschine mit guter Leistung und bescheidenem Gewicht zu bauen, die für den Antrieb eines Strassenfahrzeuges geeignet war. 1801 wurden in London versuchsweise Personen mit Dampfomnibussen befördert und in den 1830er Jahren fahrplanmässige Buslinien eingerichtet. Durchsetzen konnten sich diese mit Kohle betriebenen Dampfomnibusse trotz ihrer überlegenen Geschwindigkeit vorerst nicht: Der Fahrpreis war zehnmal höher als bei den Pferdepostkutschen, nicht zuletzt wegen der exorbitanten Mautgebühren, die bis zum achtfachen der Strassenzölle für Pferdeomnibusse betrugen. Dagegen wurden für den Güterverkehr in steigendem Umfang Dampfzugmaschinen eingesetzt. Auf Initiative der Pferdezüchter- und Eisenbahnlobby verabschiedete das englische Parlament 1865 den «red flag act», ein Gesetz, das die Geschwindigkeit dieser Fahrzeuge auf 6,4 km/h ausserorts und 3,2 km/h innerorts beschränkte. Zusätzlich hatte eine mit einer roten Flagge ausgerüstete Person dem Gefährt voranzugehen und das Publikum vor der nahenden "Gefahr" zu warnen. Damit wurde ein aufstrebender Industriezweig zurück in die Hinterhöfe verbannt und mit der Entwicklung von «Benzinkutschen» schon gar nicht erst begonnen. Während 31 Jahren beschränkte man sich auf den Bau von Dampfpflügen, Strassenwalzen, Antrieben von Dreschmaschinen und Kermess-Attraktionen. England verfügte 1865 mit mehr als 20'000 km verlegter Schienen über das grösste und dichteste Eisenbahnnetz Europas! Auf Druck der Stadt London, die förmlich in den Pferdefäkalien versank, wurde der «red flag act» 1896 aufgehoben. Die Metropole bestellte umgehend in Deutschland «Daimler»- Omnibus-Chassis in dreistelliger Zahl. Zur Erledigung des Grossauftrages gründete Daimler eine Tochtergesellschaft in England. Die «Royal Artillery» beschaffte ihre Dampf-Zugmaschinen, die u. a. im Burenkrieg (1899-1903) zum Einsatz kamen, in Frankreich.
DAMPFPFLUG: HOHES GEWICHT UND SCHLECHTE ADHÄSION KENNZEICHNETEN DIE DAMPFTRAKTOREN. DESHALB WURDEN DIE PFLÜGE MIT SEILWINDEN ÜBER DIE FELDER GEZOGEN.
Im innovativen Frankreich, das dank Napoleon über ein dichtes Netz von hervorragend angelegten «routes nationales» verfügte, die bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jh. dem ständig steigenden Verkehr genügen sollten, hatte man die Berührungsängste der Engländer nicht. Die Motorisierung setzte hier allerdings gegenüber England rund 20 Jahre später ein. Indiz dafür ist eine ganze Reihe von Patenten, die 1828 der Gewerbeschullehrer Onésiphore Pecqueur, unter anderem für das Differential, einreichte. Weit verbreitet waren die Dampfomnibusse des Glockengiessers Amédée Bollée (1844-1903). Noch heute können einzelne Exemplare in Museen bestaunt werden. Seine 1873 vorgestellte, fünf Tonnen schwere «L'Obéissante» erreichte eine Geschwindigkeit von 40 km/h! Zu Beginn der 1880er Jahre erprobten Graf Albert de Dion (1856-1946) zusammen mit seinem Mechaniker Georges Bouton Dampf-Kleinwagen, deren Fahrgestelle stark an die späteren Konstruktionen von Carl Benz erinnern. Die Ära des Dampfautomobils war damit aber keineswegs abgeschlossen.