Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03355.jsonl.gz/1527

Unter Kniearthrose (auch Gonarthrose) versteht man eine Abnutzung der Knorpelschicht des Kniegelenks. Der Knorpel dient der Schockverminderung bei Belastung. Im fortgeschrittenen Stadium der Gonarthrose ist dieser weitestgehend degeneriert. Es entstehen „Löcher“ in der Knorpelschicht. Im Gegensatz zum Knorpel ist der Knochen sensibel auf Druck. Wenn der Knorpel abgenutzt ist, kommt es zu einem schmerzhaften Knochen-Knochen-Kontakt der Gelenksflächen des Knies. Die Gonarthrose ist eine degenerative Erscheinung, deren Häufigkeit mit steigendem Alter nicht-linear zunimmt. Frauen sind davon deutlich häufiger betroffen als Männer. [1]
Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören Übergewicht, starke Belastung im Alltag (intensiver Sport oder Handwerksberufe), Achsfehlstellungen der Beine [2] und/oder Fehlfunktionen des Fusses (Knickfuss) oder des Knies (starke Innen- oder Aussenrotation des Ober- oder Unterschenkels). Frühere Verletzungen und Operationen des Knies, insbesondere der Menisken, erhöhen ebenfalls das Risiko, eine frühzeitige Gonarthrose zu entwickeln. Typische Anzeichen für eine beginnende Gonarthrose sind Anlaufschmerzen, Bewegungseinschränkungen und eine Verdickung oder Schwellung des Gelenks.
Gonarthrose und Fehlstellungen
In einer amerikanischen Studienpopulation von insgesamt knapp 2600 Personen hatten über 50% der Männer und knapp ein Drittel der Frauen eine Varusstellung (O-Bein-Stellung), während jede vierte Frau und nur jeder zehnte Mann eine Valgusstellung (X-Bein-Stellung) des Knies vorwiesen. Die Beinachsen wurden anhand von Röntgenbildern im Stehen ermittelt. [3] Die häufiger vorkommende O-Beinstellung erhöht die Belastung auf das mediale Kniekompartiment und ist eine der primären Gründe zur Entstehung der medialen Gonarthrose [4]. Eine Valgusstellung des Knies führt hingegen eher zu erhöhter Belastung des lateralen Kniekompartimentes und es besteht somit ein erhöhtes Risiko für eine laterale Gonarthrose. In der eben erwähnten Studienpopulation kommt die mediale Gonarthrose, unabhängig von Rasse und Geschlecht, deutlich häufiger vor. [3]
In einige Fällen beobachten wir wider Erwarten, dass bei einer Valgusstellung eine mediale Gonarthrose entsteht, was im ersten Moment unverständlich sein mag. Hier muss die Kompensationsbewegung des Beines beobachtet werden. Um die X-Beinstellung und/oder die Pronation des Fusses zu kontrollieren/kompensieren, richtet der Körper die Fussspitze des Standbeines nach innen, um wiederum in der Abstossphase den Oberschenkel nach aussen rotieren zu können. Durch diese Aussenrotationsbewegung des Oberschenkels folgt eine verstärkte Drehbewegung und erhöhte Belastung auf das mediale Kniekompartiment. Dies führt zu einer frühzeitigen Abnutzung des Knorpels auf der medialen Seite des Knies.
Wie kann mir NUMO bei meiner Gonarthrose helfen ?
Im allgemeinen Gedanken wird die Idee verbreitet, dass bei Knie- oder Hüftarthrose die Schläge auf die Gelenke reduziert werden müssen, um das Gelenk zu schonen. Daher wird häufig weiches Sohlenmaterial als erste Massnahme empfohlen. Mit weichem Sohlenmaterial besteht allerdings die grosse Gefahr einer Instabilität des Fusses. Bei Achsfehlstellungen führt weiches Sohlenmaterial zu einer Verstärkung der vorhandenen Problematik. Daher sollte man in erste Linie auf die Stabilisierung der Achsen mit harten Sohlenmaterial setzen. Dies kann mit einer Gang- oder Laufanalyse verlässlich erkannt werden.
Mit orthopädischen Einlagen kann die Kniestellung stabilisiert/gesteuert werden und die Druckverteilung im Knie verändert werden. Als Beispiel kann bei einer Varusstellung der Druck auf das mediale Kompartiment durch eine Erhöhung des lateralen Rands einer Schuheinlage vermindert und so das Fortschreiten der medialen Gonarthrose gebremst werden. Der Einfluss von Einlagen dieser Art auf die Kniegelenkskräfte wurde in diversen Studien des Universitätsspitals Lausanne (CHUV) in Zusammenarbeit mit NUMO untersucht [5, 6, 7]. Ein Knick-Senkfuss hingegen kann z.B. Ursache für eine Valgusstellung sein, wobei man mit passenden Einlagen das Längsgewölbe des Fusses unterstützen und die folgende Valgusstellung vermindern kann.
Präventive und akute Massnahmen
Eine Achsfehlstellung verstärkt sich mit der Zeit, wenn die stabilisierenden Bänder des Kniegelenks mitbetroffen sind. Wenn in jungen Jahren eine Fehlstellung der Beinachse vorliegt, kann sich schon frühzeitig eine Kniearthrose unbemerkt entwickeln. Deshalb sollte bei Kindern und Jugendlichen die Beinachse regelmässig kontrolliert werden. Solange die Wachstum Fugen offen sind kann das Wachstum der Beinachsen beeinflusst/korrigiert werden. Nach Beendigung des Wachstums kann nur noch die Funktion/Bewegung des Beins beeinflusst werden. Solange eine Achsfehlstellung nicht zu prominent ist, kann mit einer Einlage in den meisten Fällen die Biomechanik zusätzlich unterstützt werden. Wenn eine Gonarthrose bereits besteht, stellen orthopädische Hilfsmittel wie Kniebandagen eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit dar. Mit einer solchen Bandage wird die Belastung auf das Knie verringert und der Stoffwechsel im Gelenk angeregt. Arthrose-bedingte Schmerzen können somit gelindert werden.
Bei Fragen und zur Terminvereinbarung an einem unserer Standorte melden Sie sich telefonisch bei uns.
Literaturverzeichnis
[1] Marien Kliniken, „Gonarthrose,“ [Online]. Available: https://www.marien-kliniken.de/kliniken-institute/klinik-fuer-orthopaedie-unfall-handchirurgie-und-sportverletzungen/sektionen/endoprothetik-kuenstlicher-gelenkersatz-und-wechseloperationen/krankheitsbilder/gonarthrose-kniegelenkverschleiss. [Zugriff am 4 Oktober 2023].
[2] S. Mariacher, C. Chmiel und U. Beise, „Arthrose,“ mediX, [Online]. Available: https://www.medix.ch/wissen/guidelines/arthrose/. [Zugriff am 4 Oktober 2023].
[3] B. L. Wise, J. Niu, M. Yang, N. E. Lane, W. Harvey, D. T. Felson, J. Hietpas, M. Nevitt, L. Sharma, J. Torner, C. E. Lewis und Y. Zhang, „Patterns of compartment involvement in tibiofemoral osteoarthritis in men and women and in whites and African Americans,“ Arthritis Care Research, Nr. 64, pp. 847-852, 25 Mai 2012.
[4] R. Liebscher-Bracht, „Kniegelenksarthrose - Wege in die Schmerzfreiheit bei Gonarthrose,“ Liebscher & Bracht, [Online]. Available: https://www.liebscher-bracht.com/schmerzlexikon/gonarthrose-kniegelenksarthrose/. [Zugriff am 4 Oktober 2023].
[5] A. Fischer, B. Ulrich, L. Hoffmann, B. Jolles und J. Favre, „Effect of lateral wedge length on ambulatory knee kinetics,“ Gait & posture, Nr. 63, p. 114–118.
[6] B. Ulrich, L. Hoffmann, B. M. Jolles und J. Favre, „Changes in ambulatory knee adduction moment with lateral wedge insoles differ with respect to the natural foot progression angle,“ Journal of biomechanics, 16 April 2020.
[7] G. Jaques, B. Ulrich, L. Hoffmann, B. M. Jolles und J. Favre, „Walking with Different Insoles Changes Lower-Limb Biomechanics Globally in Patients with Medial Knee Osteoarthritis,“ Journal of clinical medicine, 2016.