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GE: die Compagnie des pasteurs
Isabelle Graesslé und Kurt Veraguth geben uns einen Überblick über die Ursprünge der Compagnie des pasteurs und ihr heutiges Wirken. (Red.).
Isabelle Graesslé und Kurt Veraguth
Die Genfer Compagnie des pasteurs: 477 Jahre Geschichte!
Am 13. September 1541 kehrt Jean Calvin nach drei Jahren Exil in Strassburg nach Genf zurück. Er tritt auch gleich im Kleinen Rat der Stadt auf und verlangt die Einberufung einer Kommission zur Formulierung der Kirchlichen Verordnungen, eines Verfassungstexts zur Festlegung der Strukturen der Genfer Kirche. Diese werden denn auch am 20. November desselben Jahres erlassen. Der Grundsatztext ist zwar sehr kurz, aber seine Wirkung sprengt den Genfer Mikrokosmos und bildet einen der originellsten Aspekte von Calvins Werken ab, insofern er die Beziehung zwischen Kirche und Staat in vielen vom Genfer Vorbild geprägten Ländern bestimmen sollte.
Die berühmt gewordenen Kirchlichen Verordnungen halten nicht nur das kirchliche Amtsverständnis mit seinen vier Ämtern – Pastoren, Doktoren, Ältesten und Diakonen – fest, sondern auch die Art ihrer Ernennung. Sie erlassen den Gottesdienstplan der Stadt, befinden über Schulen, Krankenhaus und Gefangenenbesuch und begründen zwei Körperschaften, das Konsistorium – bestehend aus Pastoren und Ältesten, die über das sittliche Verhalten und den Glauben der Gemeindeglieder wachen, – und die Compagnie des pasteurs. Letztere spielt im Genf des 16. Jahrhunderts eine herausragende Rolle.
Dank den Registern der Compagnie, deren Edition inzwischen beim Jahr 1618 angelangt ist, wissen wir besser über die Aktivitäten der Pastoren Bescheid, ob es sich nun um Besuche in den Landgemeinden, Empfehlungsschreiben für ins Ausland reisende Pastoren oder die Prüfung von Pfarramtskandidaten handelte.
Die anlässlich der jährlichen Verlesung des berühmten «Règlement des censures» in Erinnerung gebrachte Pfarrdisziplin führte bisweilen zur Absetzung störender Figuren und beanspruchte einen ansehnlichen Teil der zur Verfügung stehenden Zeit, ebenso wie die Behandlung dogmatischer Fragen. Die nicht selten spannungsreichen Beziehungen zwischen den Stadtoberen und den sowohl in legislativen als auch in exekutiven Gremien vertretenen Geistlichen wären ausführlicher zu beleuchten, so heftig waren die Konflikte zumindest bis gegen 1555.
Die Compagnie verfolgte allerdings auch so prosaische Ziele wie die materielle Unterstützung ihrer Mitglieder, deren Gehälter sehr bescheiden ausfielen. Ihr Vorsitzender, der Moderator, vom Gründer als «Pastor der Pastoren» bezeichnet, wechselte von Woche zu Woche oder aber einmal im Jahr. Abgesehen von Jean Calvin und Théodore de Bèze drückten einige gewichtige Figuren der Compagnie des pasteurs ihren Stempel auf, darunter Simon Goulard, dessen Amt mit den dunklen Zeiten der Escalade (1602) zusammenfiel.
Im 17. Jahrhundert spielten die Pastoren eine aktivere, aber auch gesetztere Rolle im Leben der Stadt, umso mehr als die calvinistische Lehre im 18. Jahrhundert an Strenge verlor und man sich von der Unnachgiebigkeit der Anfänge befreite. Der Einfluss der Compagnie wurde im Ausland spürbar, wo Namen wie jene von Pictet, Turrettini oder Tronchin kursierten. Mit dem Ende des Ancien Régime schwand im 19. Jahrhundert auch der Einfluss der Compagnie des pasteurs, deren Rechte und Pflichten nach und nach wegfielen.
Isabelle Graesslé, Theologin, Pfarrerin, erste Moderatorin der Compagnie (2001–2004).
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Quellen: Francis Higman, «Les origines de la Compagnie des Pasteurs de Genève», Bulletin de la Compagnie 1602, 283 (Dezember 1991), S. 277–287.
Albert Olivet, «La Compagnie des Pasteurs de l’Église protestante de Genève de 1543 à 1800: esquisse historique», Revue de Théologie et de Philosophie, 3 (1915), S. 114–139.
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Die Compagnie des pasteurs et des diacres: aus dem Leben eines Kollegiums
Im ersten Artikel des «Règlement des censures» steht: Die Pastoren (die Diakone gehörten noch nicht dazu) haben so regelmässig in der Versammlung der Compagnie zu erscheinen, wie ihnen möglich ist, und zwar zur bestimmten Zeit, besonders wenn Vorladungen angesetzt sind. Die Pastoren der weiter entfernt liegenden Pfarreien mögen ihnen nicht zu lange fernbleiben. Der Text aus dem 19. Jahrhundert setzte in weiser Voraussicht auf Flexibilität für die Teilnehmer. In Anlehnung daran könnte man heute sagen: Auf dass die Geistlichen mit schwerer Bürde ihnen nicht zu lange fernbleiben… Es ist tatsächlich schwierig für uns, regelmässig (8 Mal pro Jahr) in grosser Runde zusammenzukommen. Aber an Vitalität fehlt es der Compagnie nicht.
Am Anfang unserer Sitzungen stehen Gottes Wort und das Gebet; diese Dimension liegt uns am Herzen. Wir bieten auch ein monatliches Treffen unter dem Titel «Prier en bonne compagnie» an sowie einmal im Jahr eine gut besuchte dreitägige Retraite.
Unsere Treffen bieten Raum zum Austausch, lassen die Pluralität der Überzeugungen zum Ausdruck kommen und erlauben uns, Konsenslösungen zu erarbeiten.
Das neue Laizitätsgesetz hat uns dazu herausgefordert, das Zusammenleben in Genf theologisch aufzuarbeiten. Eine Gruppe beschäftigt sich speziell mit den ekklesiologischen Implikationen der Führungsverantwortung, eine andere hat sich mit dem Problem der Entlassungen innerhalb der Kirche befasst.
Höhepunkte im Jahreslauf sind unsere Theologietage; dieses Jahr standen die Identität als Pfarrpersonen und die Herausforderungen neuer Rituale zur Debatte.
Kurt Veraguth, Pfarrer in Genf und SRPV-Vorstandsmitglied