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März 2023
Lac Léman – DS Helvétie (II)
Am 18. Juni 1923 beschliesst die Generalversammlung der Compagnie Générale de Navigation (CGN) den Bau eines Raddampfers mit den gleichen Ausmassen, wie die jüngste Einheit der CGN-Flotte, DS Simplon ausweist. Den Bauauftrag erhalten wiederum die Gebrüder Sulzer in Winterthur.
Foto: Das Dampfschiff Helvétie wird im Jahr 1926 auf dem Schwimmdock der CGN fertiggestellt.
Die Gebrüder Sulzer dürfen mit diesem Neubau das elfte Dampfschiff in Serie innert rund 20 Jahren an den Genfersee liefern. Der Stapellauf erfolgt am 4. März 1926. Dem Neubau wird eine neuartige Gleichstrom-Drillings-Dampfmaschine mit ölhydraulischer Steuerung und Druckschmierung eingebaut. Ein solcher Antrieb kann heute in der Schweiz auf der «Stadt Luzern» auf dem Vierwaldstättersee bewundert werden.
Foto: Vollbesetzt ist die «Helvétie» im Kriegsjahr 1943 unterwegs.
Die Betriebsaufnahme der «Helvétie» verzögert sich bis zum 15. September. Das grosse Schiff, 78 Meter lang und 15,9 Meter breit, kann bis zu 1600 Passagiere mitnehmen. Benötigt wird eine Besatzung von elf Mann. 1930 wird das Oberdeck teilverglast, danach verkehrt der Dampfer bis zu Beginn der 1970er Jahre äusserlich unverändert.
Foto: Heckaufnahme mit der eindrücklichen Heckzier der «Helvétie».
Im Winter 1960 wird die Feuerung der beiden Kessel auf Öl umgestellt. Die «Helvétie» wird danach vermehrt eingesetzt. 1972 wird Verglasung auf dem Oberdeck vergrössert und hinten abgeschlossen. Es entsteht ein geschlossener Aufenthaltsraum. Gleichzeitig wird ein neues Steuerhaus erstellt.
Foto: Die «Helvétie» trifft im Somer 1947 in Rivaz ein.
1973 ist absehbar, dass die beiden Dampfkessel ersetzt werden müssen. Da die CGN gute Erfahrungen mit dem Umbau von Dampfschiffen zu Radschiffen mit diesel-elektrischem Antrieb gemacht hat, wird auf der «Helvétie» neben den Kesseln auch die Dampfmaschine ausgebaut. Nach letzten Einsätzen unter Dampf im November 1974 beginnen im Sommer 1975 die Arbeiten.
Foto: Das DS Helvétie trifft im Sommer 1971 als «Trans lémanique»-Kurs in Montreux ein. Auf diesem speziellen Kurs galten nur Erstklass-Billette mit einem Zuschlag!
Am 20. Juni 1977 kam das Radschiff wieder in Fahrt. Es wird die Antriebsanlage des Donauschleppers Goliath eingebaut. Zusätzlich müssen verschiedene Hilfsmaschinen und Apparate installiert werden. Um die Sicherheit zu verbessern, wird die Anzahl der Schottwände erhöht. Die Renovation und der Umbau kosteten 2,4 Mio. Franken.
Foto: Teile der Dampfmaschine der «Helvétie» sind im Musée du Léman in Nyon ausgestellt.
Seit ihrer Motorisierung im Jahre 1977 hat aber dieser diesel-elektrische Antrieb nie zur vollen Befriedigung funktioniert und MS Helvétie stand deshalb meistens im Reservedienst oder führte fahrplanmässig nur noch einmal in der Woche die «Croisières dansantes» durch.
Foto: Das Schiff Helvétie füllt in der Werfthalle, hier beim Umbau in ein dieselelektrisches Motorschiff, den ganzen Platz aus.
Anstelle des vom Sturm Lothar beschädigten MS Lausanne führt 1999 die «Helvétie» zusammen mit dem DS La Suisse die Silvesterfahrt aus. In den beiden Folgejahren steht das Schiff jeweils nur noch an 47 Tagen in Betrieb und es werden pro Jahr rund 3’300 km zurückgelegt.
Foto: Vollbesetzt unterwegs – das MS Helvétie am 14. August 1995.
Der diesel-elektrische Antrieb ist im Jahre 2002 definitiv am Ende und das Schiff muss stillgelegt werden. Seither ist es ausser Betrieb. Zur Konservierung wird aber das ganze Mobiliar sorgsam an Land aufbewahrt und auf dem Schiff ein Wasser-, aber auch ein Brandschutz, installiert und dazu noch ein Sicherheits-Alarmsystem.
Foto: Blick in den Erstklass-Salon, wie er sich im Juli 1998 präsentierte.
Im Frühling 2002 berichtet die DZ, dass die «Helvétie» in den nächsten zwei Jahren stillgelegt werden soll. Doch es reichte in jenem Jahr gerade noch zu einem einzigen Einsatztag.
Foto: Im Sommer 2000 verlässt die «Helvétie» Montreux.
2011 wurde eine Teilrenovation (insbesondere am Schiffsrumpf) durchgeführt, damit das Schiff 2012 und 2013 als «Ersatzmuseum» für das Musée Olympique in Ouchy eingesetzt werden konnte. 2015 beherbergte die «Helvétie» (II) die Ausstellung «100 Jahre IOK in Lausanne».
Foto: Ausstellungsschiff für das Olympische Komitee in Lausanne.
Nun wartet das Radschiff auf die Generalrevision. Wann diese stattfindet ist noch offen, eine Planung ist jedoch im Gange. Aus Platzmangel verlegte man die «Helvétie» im Winter 2022/23 nach Genf, sie kehrt jedoch im März wieder nach Lausanne zurück.
Foto: Prominent ausgestellt ist die «Helvétie» in Genf (Winter 2022/23).