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Bildkommunikation
Texte sehen und Bilder lesen
«Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.» Diesen Spruch bekommt man immer mal wieder zu hören (!); ober er nun stimmt oder nicht, wird kaum diskutiert. Ist er nicht einfach eine gängige Formel, die dem «schauen» den Vorzug geben will gegenüber dem «lesen»? Immerhin stammt der Spruch «One look is worth a thousand words» laut Wikipedia aus dem Mund des Werbers Fred R. Barnard, der Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts für den Gebrauch von Bildern in Werbeaufdrucken auf Strassenbahnen weibelte. Das war genau in jener Zeit, als ein grosser «Visualierungsschub» einsetzte und auch die grossen und seriösen Zeitungen wie die New York Times und auch die Neue Züricher Zeitung damit begannen, vermehrt Bilder abzudrucken. Das mussten, vor allem im angelsächsischen Raum, nicht nur Fotografien sein, sondern ebenso Cartoons und Comics. Mag am Anfang das Wort gewesen sein, damals begann der grosse Siegeszug des Bildes.
Das eine nicht gegen das andere ausspielen
Wer heute eine Zeitung oder eine Zeitschrift in die Hand nimmt, sieht vor allem Bilder, Bilder, Bilder. Auch in den sozialen Medien sind es Fotografien oder bewegte Bilder, die um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Da droht dann der Eingangsspruch schon mal obsolet zu werden. Angesichts der Fülle der Bilder, die unseren Augen vorgesetzt werden, verkommen sie zu einem optischen Reiz, dem wir immer weniger trauen. Da kommt Skepsis auf, Stichworte wie Bilderflut und Bilderschwemme fallen. Die berühmte amerikanische Publizistin Susan Sontag schrieb zum Beispiel, durch Fotografien werde «die Welt zu einer Aneinanderreihung beziehungsloser, freischwebender Partikel, die Geschichte, vergangene und gegenwärtige, zu einem Bündel von Anekdoten und faits divers.» Wohl aus ähnlichen Gründen hielt der Medienwissenschaftler Neil Postman ein Plädoyers fürs Lesen: «Sich auf geschriebene Sätze einzulassen bedeutet, einer Sequenz von Gedanken zu folgen, was beträchtliche Fähigkeiten des Schlussfolgerns und Beurteilens erfordert.» Müssen Bilder und Text gegeneinander ausgespielt werden? Bilder können lügen, wie es auch Texte können. Und gute Bilder können etwas Unerhörtes ins Bewusstsein bringen, wie das auch gute Texte schaffen. Berühren lassen können wir uns von beiden.
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