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(Leader – November/Dezember 2021, Seite 8)
Der Computer ist als Kommunikationshilfe ein Fortschritt, wird aber im pädagogischen Bereich häufig massiv überschätzt. Er erweist sich schnell einmal als «Krücke», bei der die Menschen das natürliche Gehen verlernen oder gar nicht mehr erlernen.
Die Digitalisierung ist ein zivilisatorischer Quantensprung, aber sie hat ein Doppelgesicht, das Chancen und Gefahren zeigt. Sie erleichtert die weltweit frei gewählte Kommunikation unter frei gewählten Partnern, aber sie ermöglicht auch die weltweit totale Überwachung.
Um Letzteres zu verhindern, braucht es die Fähigkeit des kritischen und distanzierten Umgangs mit Technologie, sonst wird das Instrument zum Beherrscher jener, die es benutzen. Was mit der Chance der Dezentralisation begonnen hat, wird zum Fluch der Zentralisation.
Kultur braucht territoriale Brennpunkte, aber diese sollen vielfältig sein, miteinander konkurrieren und voneinander lernen. Sie sollten sich auch eigenständig finanzieren.
Die politischen Machtzentralen, die sich dank elektronischer Kommunikation einen Vorsprung erarbeiten und diesen bürokratisch, über Steuern und über das Bildungswesen sichern, sind eine Gefahr. In einer offenen Gesellschaft ist dafür zu sorgen, dass die ausgebildeten Benützenden die Systeme beherrschen, ohne von ihnen beherrscht zu werden. Sonst verschwinden Freiheit und Selbstverantwortung, ohne dass dies bemerkt würde.
Der englische Schriftsteller George Orwell hat schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts davor gewarnt, dass Menschen durch staatlich erzwungene Kommunikation zu Staatssklaven werden.
Robert Nef, Publizist, St.Gallen