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Mandarin-Granate bei Rolf Dillmann
Mandarin-Granat ist die im
Handel übliche Bezeichnung für leuchtend orange Spessartine, einer Varietät
der Granat-Gruppe. Mineralogisch gesehen sind Spessartine seltene Endglieder der
Granat- Mischkristallreihen. Nur wenige Spessartine zeigen ein reines, leuchtendes Orange. Daher ist es
meines Erachtens sinnvoll, zur Unterscheidung im Handel Spessartine in Orangetönen
als Mandarin-Granate zu bezeichnen.
Die Bezeichnung Spessartin stammt von Beudant, der diese Granatvarietät 1832
nach dem deutschen Mittelgebirge Spessart benannt hat, wo Spessartine in kleinen
Dimensionen gefunden werden.
1992 wurden Mandarin-Granate aus Namibia bekannt. Die Schönheit dieser Steine bewirkte, daß sie sehr schnell rund um den Erdball bekannt und begehrt wurden. Neben Mandarin-Granat existieren die weniger gebräuchlichen Bezeichnungen Hollandine (nach dem Haus von Oranien, der königlichen holländischen Familie) und Kunene-Spessartin. Letzterer Name rührt vom ersten Fundort her, der nahe dem Grenzfluß Kunene zwischen Namibia und Angola liegt. Inzwischen hat sich der bildhafte Handelsname Mandarin-Granat durchgesetzt. Mandarin-Granate aus Namibia sind inzwischen aus dem Handel nahezu verschwunden.
Im März 1999 tauchten die ersten Mandarin-Granate aus Nigeria auf. Diese Steine mit denen aus Namibia vergleichbar sind, wobei der Fachmann eine eigene Charakteristik erkennt. Die Mandarin-Granate aus Nigeria wurden zufällig bei der Suche nach Turmalinen entdeckt und von den Steinsuchern ursprünglich für Feueropale gehalten. Eine Untersuchung der Steine deckte bald den Irrtum auf und eine groß angelegte Suche nach den begehrten Mandarin-Granaten begann. Der FUNDORT befindet sich im äußersten Südwesten von Nigeria, nahe dem Ort Iseyin, etwa drei Autostunden entfernt von der Stadt Ibadan. Das Vorkommen der Mandarin- Granate in Nigeria ist aluvial, das heißt, die Rohsteine wurden vom Entstehungsort durch Erosion in einen Fluß gespült und weiter transportiert. Dort, wo der Fluß langsamer floss, lagerten sich die spezifisch schweren Steine ab. Durch diesen Vorgang der gravitativen Selektion ist der Bereich in dem längst ausgetrockneten Flußbett überschaubar, in dem Mandarin- Granate gefunden werden. In der Landschaft ist der einstige Fluß nicht mehr zu erkennen. Die Mine liegt in einer Ebene im Buschland. Der Abbau erfolgt im Tagebau. Während der Regenzeit werden Pumpen benötigt, um das Wasser aus den Gruben zu entfernen. In der Trockenzeit müssen lange Wegstrecken zurückgelegt werden, um an eine Wasserstelle zu gelangen, wo die Mandarin-Granate ausgewaschen werden.
Den langen Transport im Fluss sieht man den meisten Rohsteinen deutlich an, sie sind oft sehr stark abgerollt. Vereinzelt sind die ursprünglichen Kristallflächen noch zu erkennen und es existieren auch wenige, relativ gut erhaltene Kristalle.
Das herausragende Merkmal der Mandarin-Granate aus Nigeria ist deren Brillanz. Die Werte der Lichtbrechung liegen extrem hoch, bei über 1,8 (höher als bei den Mandarin- Granaten aus Namibia). Hierdurch erhalten perfekt proportionierte Mandarin-Granate ohne störende Einschlüsse eine Brillanz, die außer dem Mandarin-Granat nur ganz wenige Edelsteine erreichen.
Die FARBE der Spessartine, beziehungsweise Mandarin-Granate aus Nigeria reicht von einem angenehmen Gelborange über Orange und Orangerot bis hin zu einem intensiven Rot, wobei störende Brauntöne hinzukommen können.
Da die FARBSÄTTIGUNG der feinsten Mandarin-Granate nicht zu intensiv ist, bleibt die Farbe auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen noch leuchtend orange, ohne ins Schwarze zu versinken. Dies gilt auch für die außerordentlich seltenen, größeren Steine. Gemindert werden kann die Brillanz der Mandarin-Granate durch störende EINSCHLÜSSE. Natürlich gilt auch beim Mandarin-Granat, daß einschlußfreie Steine am begehrtesten sind. Einschlüsse, die die Lichtführung im Stein kaum herabsetzen, werden akzeptiert, ähnlich wie man dies auch bei Rubelliten und Smaragden gewohnt ist. Starke Einschlüsse beeinträchtigen die Schönheit der Steine und wirken sich daher wertmindernd aus. Absolut einschlußfreie, größere Mandarin-Granate sind ausgesprochen selten.
Mandarin-Granate gehören wie alle Granate dem kubischen Kristallsystemen an. Sie sind daher optisch isotrop und zeigen keinen Pleochroismus. Einige wenige Steine sind an sich mehrfarbig, was sich sehr interessant äußern kann, aber nicht mit dem Pleochroismus zu verwechseln ist. Seine gute Widerstandsfähigkeit macht den Mandarin-Granat zum idealen Edelstein als unkomplizierten, ständigen Begleiter. Sowohl beim Schleifen als auch beim Fassen erweist sich der Mandarin-Granat aus Nigeria als problemlos. Der weitaus größte Teil der gefundenen Rohsteine zeigt starke Einschlüsse und Risse. Diese sind, wenn überhaupt, nur für Gravuren, Cabochons, Ketten oder ähnliches zu verwenden. Der kleinste Anteil der gefundenen Mandarin-Granate eignet sich zum Facettieren.
Mandarin-Granate in Facettierqualität sind sehr selten, insbesondere feine und größere Exemplare. Größere Partien feiner Mandarin-Granate wurden mir trotz intensiven Bemühungen nicht angeboten, es handelt sich vielmehr immer nur um einige wenige Steine. Es bleibt zu hoffen, daß die Funde in Nigeria nicht allzu bald erschöpft* sind, damit viele Liebhaber dieser wunderschönen Steine die Chance haben, einen Mandarin-Granat zu erlangen.
*Seit August 1999 nehmen die Funde hinsichtlich Qualität und Menge so deutlich ab, daß zu befürchten ist, daß das Vorkommen nahezu erschöpft ist. Facettierbare Mandarin-Granate wurden mir seit Februar 2000 kaum mehr angeboten. Dabei ist es gut möglich, daß die angebotenen Steine aus Funden stammen, die bereits einige Monate zurückliegen.
Quelle: Mandarin-Granate aus Nigeria von Ekkehard F. Schneider