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Nun stellt sich die Frage, warum wir nicht „dreissig“ schreiben. Nach der ss/ß-Regel der Rechtschreibreform steht „ss“ nach kurzem Vokal (Fluss), „ß“ aber nach langem Vokal (Fuß) […]. Vor 1996 wurde uns zugemutet, vom „Fluß“ in die „Flüsse“ zu springen. […] Auf einen Diphthong (Doppelvokal) folgt nie ein „ss“, sondern dann stets ein Eszett (heiß, außer, fließen).
Aus presse und internet
2021-04-06
2021-04-01
Abend für Abend fänden sich Altstadtbewohnerinnen und -bewohner draussen auf der Stüssihofstatt ein, als Theke diene der Brunnenrand und als Treibstoff das Take-away-Angebot des benachbarten Kinos Stüssihof. «Dort treffen wir uns jeden tag bei jedem wetter um 17 uhr (natürlich mit abstand)», schrieb der Mann, ein vehementer Verfechter der Kleinschreibung […].
2021-03-28
Aus einer empirischen Erhebung des „Rates“ geht hervor, dass die „Gender“-Schreibvarianten weniger als 0,01 Prozent (entsprechend 15.000 Treffern) ausmachen und nach wie vor das „generische Maskulinum“ mit mehr als 2 Mio. Treffern dominiert.
Christine Pabst, Herausgeberin des Österreichischen Wörterbuchs, sitzt in dem Gremium. Am aktuellen Statement zu gendergerechten Schreibungen betont sie besonders das zu den Punkten sachliche Korrektheit, Lesbarkeit, Vorlesbarkeit, Verständlichkeit, Rechtssicherheit und Eindeutigkeit neu hinzugekommene Kriterium Erlernbarkeit. Kolleginnen aus mehrsprachigen Ländern hätten dies in die Diskussion eingebracht.
2021-03-13
Stimmt die Behauptung, dass junge Menschen immer mehr Rechtschreibfehler machen? Eine Auswertung von Abiturklausuren zeigt: leider ja. […] Die früher gern verwendete Ausrede, man habe erst die alte und dann die neue Rechtschreibung erlernen müssen und wisse nun gar nicht mehr, was richtig oder falsch sei, können die Abijahrgänge 18 und 19 nicht mehr für sich in Anspruch nehmen. […] Dennoch hat die Rechtschreibreform die Schreibkompetenz beeinflusst. Bei den s-Lauten nach kurzen und langen Vokalen (s, ss oder ß) gibt es zwar nur geringe Veränderungen zwischen den Achtzigerjahren und heute. Der Wegfall des »ß« bei »daß« hat jedoch offenbar Verwirrung gestiftet. Heute werden bei der Unterscheidung von »dass« und »dass« etwa doppelt so viele Fehler gemacht wie früher bei »das« und »daß«. Die Fehlerzahl bei der Getrennt- und Zusammenschreibung – einem Kernbereich der Reform – hat sich sogar verdreifacht. Die von den Reformern versprochenen Verbesserungen sind also in Gaienhofen nicht eingetreten.
An der Tafel steht unser Lehrer Peter Merks, der uns im Jahre 1954 die Kurzschrift »Sprechspur« beibringt. […] Ich kann die Schrift bis heute lesen. Sie ist eine Lautschrift, die um 1930 der preußische Generalmajor Felix von Kunowski erfunden hatte, der Stenografie ähnlich. Sie wurde Anfang der Fünfzigerjahre von einigen Pädagogen wiederentdeckt, die annahmen, diese Schrift wäre für Kinder leichter zu lernen als die lateinischen Buchstaben.
2021-03-11
Könnte denn der Rat für deutsche Rechtschreibung nicht endlich mal das Gendersternchen akzeptieren? [Lobin:] Meine persönliche Meinung: Er sollte es nicht tun. Die Frage des Gendersterns ist eine Frage des Sprachgebrauchs. Der Stern gehört nicht zum Bereich der Standardisierung von sprachlichen Formen und nicht zum Kernbestand der deutschen Orthographie […]. Wir müssen uns im Rechtschreibrat darüber verständigen, dass es auch Formen schriftsprachlicher Konventionen gibt, die außerhalb der Orthografie eher im Bereich der Typographie liegen.
2021-03-08
Pessimistische Hirnforscher gehen davon aus, dass die anspruchsvolle Arbeit von Chirurgen um die Mitte des Jahrhunderts nur noch von Asiaten ausgeübt werden kann, die durch das Erlernen der komplizierten Schriftzeichen eine bessere Hand-Auge-Koordination ausbilden. Auch die Einführung des Lernprinzips «Schreiben, wie man hört» führt an deutschen Schulen zu bleibenden orthographischen Kalamitäten.
2021-03-06
Duden-Preisträgerin Christa Dürscheid spricht über ihre Forschung sowie Besonderheiten der Schweiz […]. Die Rechtschreibreform wurde öffentlich breit diskutiert, ähnlich ist es jetzt mit der „Genderisierung“, der gleichberechtigten Berücksichtigung aller Geschlechter. Welchen Standpunkt vertreten Sie hierbei? Dürscheid: Die geschlechtergerechte Sprache ist nun mal ein wichtiges Thema. Was in Stellenanzeigen und anderen Texten schon länger gefordert und umgesetzt wird, das dokumentiert nun auch das Wörterbuch. […] Was die Schreibung angeht: Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat ja seine Entscheidung noch zurückgestellt. Offiziell zugelassen ist die Verwendung des Gendersterns also noch nicht. In Texten setzt er sich aber immer mehr durch.
Der Duden steht massiv in der Kritik – weil er „Arzt“ neuerdings männlich definiert. […] Als Chefin des Duden ist man immer auch ein bisschen Blitzableiter. Aber so stark wie jetzt, sagt Kathrin Kunkel-Razum, war das Gewitter bisher dann doch eher selten. […] Vor 24 Jahren erlebte sie eine ähnliche Empörung. Es war 1997, damals ging es um die Rechtschreibreform. […] Die Entrüstung war groß, dass man nun „Stängel“ schreiben sollte und „Fantasie“. Lange her. Aber nun ist die nächste Gewitterfront aufgezogen. Sie richtet sich gegen den Siegeszug der geschlechtergerechten Sprache […].
2021-03-04
Für die Digital Natives, die Generation, die von Kindesbeinen an täglich stundenlang auf Smartphone-Displays starrt, ist die Mundart die neue Hochsprache. Das Schreiben gehe leichter von der Hand, es sei authentischer. Man habe keine Scheu und tippe munter drauflos, denn Regeln gebe es ja keine. Und so zeigt sich nur schon innerhalb eines Dialekts eine riesige Bandbreite von «innovativen» Schreibvarianten.
Die Redaktion der Berliner Zeitung erhält regelmäßig Manuskripte, die voll und ganz und überaus akkurat nach den alten Rechtschreibregeln abgefasst sind. Oft stammen sie von älteren Autoren. Die Unterstellung, dass diese sich noch immer in einem längst vergeblichen Kampf gegen die 1996 vollzogene Rechtschreibreform befinden, geht jedoch fehl. Die entsprechenden Korrekturen in ihren Texten nehmen sie in der Regel unkommentiert hin, sie scheinen lediglich für sich und ihr Schreiben befunden zu haben, sich nicht mehr an das neue Regelwerk anzupassen. Die Wirklichkeit der geschriebenen Sprache gibt ihnen recht. Was seit der sogenannten Rechtschreibreform im alltäglichen Schriftverkehr umgesetzt wird, ist wenig kohärent und folgt vielmehr dem Wildwuchs beliebiger Anwendungen. Das gilt nicht zuletzt auch für Versuche, der Geschlechterdiskriminierung in der Sprache Einhalt zu gebieten und sie durch Doppelpunkt, Stern oder andere schriftsymbolischen Setzungen nicht nur kenntlich zu machen, sondern gleich zu beheben.
2021-03-03
Christian Kracht erzählt in seinem Roman „Eurotrash“ von einem Schriftsteller namens Christian Kracht. […] Aber warum beharren Sie dann auf der alten Rechtschreibung? [Kracht:] Achso, ja, ich habe vor fünfzehn Jahren einmal ein Manifest unterschrieben gegen die Rechtschreibreform, unter anderem übrigens mit Daniel Kehlmann zusammen. Und ich weiß nicht, ob ich da jetzt so einfach wieder herauskomme aus dieser Verpflichtung.
Wir wissen es: so wie die wortführer der gegner, z. b. der lehrerverbandspräsident, die nun einfach in neuer rechtschreibung publizieren.
2021-03-02
Die Tageszeiten nach Adverbien werden seit der Rechtschreibreform als Substantive angesehen und großgeschrieben: vorgestern Nacht, gestern Abend, morgen Mittag, heute Nachmittag. Hängt an den Tageszeiten jedoch ein -s, wandelt sich die Wortart zurück zum Adverb – und Adverbien werden kleingeschrieben: morgens, mittags, abends, nachts.
2021-02-24
The Gothenburg City Culture Committee has proposed to remove the Nordic letters from certain street names to make it easier for foreign-born tenants who struggle with Scandinavian lettering, the news outlet Samhällsnytt reported. The Moderates, the Christian Democrats and the Liberals in the Gothenburg City Culture Committee consider names such as Långfilsgatan and Kärnmjölksgatan in the district of Kallebäck problematic for tenants with a foreign background. To accommodate them, it has been proposed to change the names that include the trademark Å, Ä and Ö letters. The initiative was vehemently opposed by the national-conservative Sweden Democrats.
2021-02-19
Die Sprache ist ein lebendiger Organismus, der sich nach seinen immanenten Strukturgesetzen entwickelt. Jedweder künstliche Eingriff in diese sprachlichen Gesetzmäßigkeiten ist von Übel, wie die sogenannte Rechtschreibreform bewiesen hat, deren Auswüchse ja bis heute die Sprache schädigen.
Dazu: aktuelles zitat.
2021-02-13
Sprache entwickelt sich von unten, und das ist auch gut so. Jeder künstliche Eingriff hat ihr immer nur geschadet, wie die erste Rechtschreibreform gezeigt hat.
2021-02-05
Man muss dafür jedoch im Archiv 25 Jahre zurückblättern, bis Anfang Februar 1996. Es ist das Jahr, in dem US-Präsident Bill Clinton wiedergewählt wird und die deutsche Telekom an die Börse geht. Seit zwei Jahren wird über die Rechtschreibreform gestritten, EU-Bürger protestieren gegen Sparpläne aus Brüssel.
2021-01-28
Schon die unsägliche Rechtschreibreform hat der deutschen Sprache nicht gutgetan.
Es steckt einem ja nicht nur die bis heute als unausgereift einzustufende Rechtschreibreform in den Knochen; seit einigen Jahren leidet die Rechtschreib(un)sicherheit zusätzlich unter den verheerenden Auswirkungen der Methode „Schreiben nach Gehör“, von der man inzwischen zwar abrückt, die aber wie ein Mühlstein um die Hälse ganzer Schülergenerationen hängt, was einem kaum wiedergutzumachenden Eingriff in das orthographische Bewusstsein gleicht. Wenn vor diesem Hintergrund fortan auch noch alles „durchgegendert“ werden soll, dann empfehle ich vorsorglich einen Verzicht auf die Bewertung der Rechtschreib- und Grammatikleistung aller Schüler […].
2021-01-27
Wenn also der Duden das generische Maskulinum abschafft, wie es gerade in deutschen Medien heißt, ist das weder so gut, wie die Befürworter dieser Entscheidung glauben, noch so schlimm, wie die Gegner fürchten. Vor allem aber ist es nicht wahr. Der Duden kann das generische Maskulinum sowenig abschaffen, wie ein Hersteller von Landkarten Berlin abschaffen kann oder ein Taschenrechner Nachkommastellen. Der Duden hat keine Macht über die Sprache, seit der Rechtschreibreform hat er nicht mal mehr das Rechtschreibmonopol, das liegt beim Rat für Deutsche Rechtschreibung.
2021-01-26
Der Genderstern in Texten ruft schnell heftige Reaktionen hervor. Der Typograf und Buchgestalter Friedrich Forssman lehnt dieses Zeichen ab. […] Der große Unterschied zu anderen Zeichen wie beispielsweise Semikolon, Ausrufezeichen oder Bindestrich sei, dass der Genderstern eine moralische Funktion haben solle […]. Dagegen wehrt er sich […]. Der Genderstern sei auch anders zu beurteilen als die Rechtschreibreform 1996. Diese Reform rief ebenfalls sehr viel Empörung hervor, ist aber inzwischen weitgehend akzeptiert. Doch mit dem Genderstern würden wir uns "von unserer Sprachgeschichte dramatisch abschneiden", meint Forssman.
2021-01-21
Der Duden hat seit der Rechtschreibereform keinerlei amtliche Funktion mehr; er «darf» also alles. Er erhebt aber den Anspruch, den allgemeinen Sprachgebrauch wiederzugeben.
2021-01-15
In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Duden-Redaktion die Definition männlicher Begriffe neu festgeschrieben hat. […] Darf der Duden das einfach? Sabine Krome, Geschäftsführerin des Rats für deutsche Rechtschreibung, klärt auf. [… Krome:] Man sieht daran, dass das „Duden-Monopol“ – also „verbindlich in Zweifelsfällen zu sein“ – nachwirkt, und zwar über den orthografischen Bereich hinaus. Die im Rahmen der Gender-Thematik häufig vorgenommene Bewertung des generischen Maskulinums ist eigentlich keine Rechtschreibfrage, sondern eine grammatische und sprachpolitische. Hier vermischen sich unterschiedliche Ebenen. In den deutschsprachigen Ländern ist nur die Orthografie amtlich und damit für einige Bereiche – Schulen und Behörden – rechtlich verbindlich, die Grammatik etwa folgt ebenfalls verschiedenen Regeln und Konventionen, sie ist aber nicht amtlich festgelegt. Für den Rat für deutsche Rechtschreibung wird die Frage erst dann zum Problem, wenn orthografische Regeln durchbrochen werden […]. Das aktuelle Papier zur geschlechtergerechten Schreibung ist gerade fertig geworden. Es muss jetzt noch von Mitgliedern des Gesamtrats, der am 26. März erneut tagt, gebilligt werden. […] Es handelt sich dabei um Empfehlungen des Rats, nicht aber um orthografische Änderungen des Regelwerks. Diese müssen jeweils erst von den staatlichen Stellen aller im Rat vertretenen Länder beschlossen werden.
2021-01-12
Vor genau 150 Jahren wurde das Deutsche Reich gegründet. […] Weil die staatlich geeinigten Deutschen in vielerlei Mundarten redeten, herrschte auch in der Rechtschreibung blankes Durcheinander. Deshalb begann Konrad Duden […] 1871 damit, ein Wörterbuch zu schaffen. […] Weil sich der Duden nun – nach 140 Jahren – identitären Obsessionen relativ kleiner Gruppen unterwirft, büßt er jede Verbindlichkeit ein – er schafft sich selber ab. Ich gehe jedenfalls weiterhin zum Bäcker – nicht zum Backshop, zur Backenden oder zur Bäcker*in.
Einen schlechten Ruf hatte die Kultusministerkonferenz schon immer. […] Die Liste der Themen, bei denen der Einrichtung wahlweise Untätigkeit, Inkompetenz oder Eigenbrödlerei der Länder vorgehalten wird, ist lang. Seien es Lehrkräftemangel, vergleichbare Noten, Schulabschlüsse und Schulformen, Digitalisierung, aufeinander abgestimmte Ferientermine oder, wenn man weiter zurückgehen will, die lange erbittert umkämpfte Rechtschreibreform, die ebenfalls von den Kultusministern ausging und umgesetzt wurde.
2021-01-06
[…] ein gewisser Sprachelitismus, dem wiederum eine Fehlkonzeption von Sprache zugrundeliegt, die eng mit der Vorstellung zusammenhängt, dass Sprache statisch sei: nämlich die Idee, dass es ganz klar richtige und falsche Formen gibt. Auch hier sind wir teilweise durch den Schulunterricht vorgeprägt: Wir denken über Sprache im Sinne von Normen nach. Wir fragen uns, was das standardsprachlich Richtige ist. Und tatsächlich gibt es ja auch Normen, die teilweise verbindlich sind – sowohl in der Schule als auch in Behörden müssen wir uns weitgehend an verbindliche Regelwerke halten. Das gilt vor allem für die Schriftsprache, wo es amtliche Rechtschreibregeln gibt. Auch diese gelten aber natürlich nur in offiziellen Kontexten – wenn eine Privatperson beschließt, von nun an nur noch klein zu schreiben, dann kann sie das tun, und wenn ein privatwirtschaftliches Unternehmen beschließt, ab sofort sein eigenes Regelwerk einzuführen, weil es die amtlichen Rechtschreibregeln für doof hält, hindert es auch niemand daran.
«… sowohl in der Schule als auch in Behörden müssen wir …» Wir? Für eine grosse mehrheit der bevölkerung gilt bezüglich der schule «mussten», und nur eine kleine minderheit arbeitet bei einer behörde. Für letztere ist auch nicht die behörde entscheidend, sondern der (ebenso freiwillige wie weit verbreitete) status als angestellter. Dass sich die behörden hinwiederum an die schulrechtschreibung halten, ist verständlich, aber nicht zwingend, wie Bismarck und mehrere schweizer gemeinden gezeigt haben.
2021-01-03
1871 legte Duden […] seinen ersten Vorschlag für eine Rechtschreibreform vor. 1876 war er einer der führenden Köpfe auf der Berliner Konferenz zur „Herstellung größerer Einigung in der deutschen Rechtschreibung“. Duden gehört zur Partei der Wissenschaftler, die die Buchstaben f, v und ph durch einheitliches f ersetzen wollten. Das Dehnungs-h wollten sie auch weitgehend abschaffen. Dann hätte man nicht mehr Vieh, sondern fi geschrieben.