Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03211.jsonl.gz/1632

Was ist Noma?
Noma ist eine bakterielle Erkrankung, die fast ausschließlich Kinder in Entwicklungsländern, vor allem in den ärmsten Länder Afrikas, Asiens und Südamerikas trifft. Am stärksten ist der afrikanische Kontinent mit rund 80% aller Noma-Fälle betroffen. Jährlich erkranken zehntausende von Kindern.
Noma ist das Gesicht der Armut!
Bertrand Piccard, Mitgründer der NOMA-HILFE-SCHWEIZ, über seine erste Begegnung mit der Krankheit Noma.
Auslöser der Krankheit sind Wasser- und/oder Nahrungsmangel, schlechte hygienischen Verhältnisse (Mundhygiene) und ein schwaches Immunsystem. Die meisten Kinder erkranken zwischen 2 und 6 Jahren. Noma ist nicht ansteckend.
Noma verläuft in vier Phasen. Die Erkrankung beginnt mit Entzündungen des Zahnfleischs oder der Mundschleimhaut. Von dort schreitet die Erkrankung schnell voran und befällt innert weniger Tage tiefere Gewebeschichten wie Muskulatur und sogar Knochen. Sie kann sich je nach Verlauf innert fünf Wochen über das gesamte Gesicht ausbreiten. Dies kann zu einer Beeinträchtigung aller körperlichen Funktionen, wie Essen, Sprechen, Riechen, Sehen und Hören führen.
Eine auf Noma zurückzuführende Kiefersperre oder fehlende Kiefermuskulatur verunmöglichen ein Kauen oder Schlucken. In der Folge stirbt das Kind an Durst, Hunger, Erbrochenem oder an der Infektion selbst. Ohne Hilfe sind die Folgen der Krankheit unvermeidlich und endet meist tödlich. Die Sterblichkeitsrate ohne medizinische Betreuung liegt bei hohen 80%. Erhält ein Noma-Opfer aber rechtzeitig fachgerechte Hilfe, so liegt die Überlebenschance nahe bei 100%.
Neben den körperlichen Beeinträchtigungen sind die Kinder auch Ausgrenzung und Isolation ausgesetzt – mit unabsehbaren psychischen Folgen.
Die Erkrankung könnte durch strukturierte präventive Massnahmen und durch Verbesserung der sozio-ökonomischen Verhältnisse in den Entwicklungsländern vermieden werden. Dazu gehören sauberes Wasser, gute Mundhygiene sowie angemessene Ernährung der Kinder. Ebenfalls hilfreich ist eine Behandlung bzw. Vermeidung anderer Krankheiten wie Malaria, Masern, Röteln, Typhus, etc. ist ebenfalls hilfreich.
Von Noma betroffene Kinder, sollten umgehend mit einem angepassten Not-Ernährungsprogramm und einer medikamentösen Antibiotika-Therapie behandelt werden, um das Immunsystem wiederaufzubauen. Meist ist auch eine weiterführende Behandlung mit plastischen Operationen sowie Physiotherapie notwendig. Dies übersteigt jedoch die Möglichkeiten der Entwicklungsländer bei weitem.
Verlässliche Angaben zur Häufigkeit von Noma-Erkrankungen existieren noch nicht. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt jedoch, dass jährlich zwischen 80’000 und 90’000 Kinder an Noma sterben. Etwa 10’000 überleben die Krankheit mit verheerenden Folgen. Überlebende sind stark entstellt und werden häufig von Familie und Gemeinschaft verstoßen.
Video Inediz/MSF