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Die Schülerinnen und Schüler
Die Akademie Heilig Kreuz wird im Oktober 1904 mit 27 Schülerinnen eröffnet. Sechs davon stammen aus dem Kanton Freiburg, acht aus weiteren katholischen Kantonen und 13 aus dem Ausland. Dieser kosmopolitische Charakter ist typisch für die damalige Zeit. Er verblasst ab 1918 und geht 20 Jahre später ganz verloren.
Nachdem die Akademie zum kantonalen Mädchengymnasium geworden ist, nimmt die Schülerinnenzahl langsam zu: von 81 im Jahr 1916/17 auf 250 im Jahr 1957. Der Wachstumsprozess wirkt sich unwesentlich auf die Zusammensetzung der Schülerinnenschaft aus. Die Freiburgerinnen stellen im langjährigen Durchschnitt knapp die Hälfte der Gymnasiastinnen. Bis in die 50er-Jahre sind die mehrheitlich aus der Deutschschweiz stammenden Internen etwas zahlreicher als die Externen. Seit 1950/51 ist das Externat durch den Zustrom von Freiburgerinnen vor allem in die französische Abteilung grösser als das Internat.
Der Unterricht vollzieht sich bis in die 50er-Jahre hinein in einem rigiden Rahmen. Er vermittelt weltliche Bildung in Verbindung mit christlichem Glauben und gibt jenen Themen Vorrang, die die Gymnasiastinnen auf ihre spätere Bestimmung als christliche, im öffentlichen Leben stehende Berufs- und Familienfrauen vorbereiten. Das Internatsleben verleiht dieser katholischen Ausrichtung zusätzlich Gewicht, denn die Schülerinnen werden nicht nur während des Unterrichts, sondern auch in der Freizeit fast pausenlos von den Schwestern betreut. Höhepunkte im Jahresablauf bilden die traditionellen katholischen Feiertage. Wer ein späteres Hochschulstudium aufnimmt, wird meist Apothekerin, Ärztin, Juristin oder Gymnasiallehrerin.
In den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts werden seitens der Schülerinnen erste Vorbehalte gegenüber dem Erziehungsstil der Schwestern laut – mit steigender Tendenz in den 60er-Jahren. Die Schülerinnenschaft verändert sich innert weniger Jahre und mit ihr auch ihre Schule. Galten bis anhin strikt einzuhaltende Verhaltensregen und Disziplin, macht sich bald mehr Individualismus breit, und die religiöse Ausrichtung tritt in den Hintergrund. Die neue Sicht der Dinge stellt die Schwestern vor grosse Herausforderungen. Mit Bedauern und ohnmächtig blicken sie auf eine untergehende Welt, die sie selber erschaffen und während eines halben Jahrhunderts sorgsam gepflegt haben.
Ab den 60er-Jahren steigt die Schülerinnenzahl stark an: von 255 im Jahr 1960 auf 429 im Jahr 1970 und auf 885 im Jahr 1978. Zwischen 2000 und 2012 nähert sich die Schülerzahl jeweils zum Schuljahresbeginn der Tausendergrenze. Aus heutiger Sicht sind damit die Höchstwerte erreicht. Seit 2012/13 gehen die Schülerzahlen leicht zurück. Eine weitere wichtige Entwicklung zeichnet sich in der Zusammensetzung der Schülerschaft ab: Seit 1962 sind die deutschsprachigen Schülerinnen in der Minderheit. 1973 werden zunächst die deutschsprachigen Klassen für Knaben geöffnet. Abgesehen von einigen Jahren sind die Mädchen bis heute in der Mehrheit. 1982 wird das Internat aufgegeben. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich das ehemalige Mädchengymnasium zu einer mehrheitlich französischsprachigen Einrichtung für vor allem Schülerinnen und Schüler aus dem Einzugsgebiet der Stadt Freiburg gewandelt.
Mit den zunehmenden Schülerzahlen wächst der Raumbedarf. Die beengte Raumsituation wird ab Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem Dauerproblem, das die Schulleitung bis heute in Atem hält. Als das Kollegium in den 1980er-Jahren das Progymnasium aufgibt, sinken die Schülerzahlen im Jahr 1987 zwar auf 462. Die Entspannung ist aber nicht von Dauer, denn schon wenig später steigen sie in unerwartete Höhen, so dass sich die Raumfrage mit neuer Dringlichkeit stellt. Es besteht nicht nur Bedarf an mehr, sondern angesichts grösserer Schulklassen auch an grösseren Schulzimmern, die überdies den Unterricht nach zeitgemässen Methoden zulassen. Zur langfristigen Abhilfe des Dauerproblems schreibt man im Frühjahr 2013 einen Architekturwettbewerb aus.
Auch die in den 60er-Jahren geführte Diskussion um die Demokratisierung von Bildung hinterlässt ihre Spuren in der Geschichte des Kollegiums, indem nun auch Kinder aus Mittelschichtsfamilien das Gymnasium erobern. Die soziale Zusammensetzung der Schülerschaft verändert sich parallel zu den übrigen Entwicklungen. Die Gesamtheit der Schülerinnen und Schüler wird im Verlauf der Jahre zunehmend heterogener und lässt sich immer weniger mit allgemeingültigen Aussagen beschreiben. Naheliegender ist es, sie mit einem Kaleidoskop zu vergleichen, bilden doch die Schülerinnen und Schüler mit ihren je unterschiedlichen sozialen, kulturellen und persönlichen Einzelmerkmalen einen bunten, sich ständig verändernden Mikrokosmos.
Die sich seit den 1960er-Jahren abzeichnenden Entwicklungen wirken sich auf das schulinterne Zusammenleben aus: Die ehemals gemeinsam begangenen Feste werden ebenso aufgegeben wie die gemeinsam gestaltete Freizeit. Mit Zustimmung der Schulleitung bildet sich in den 1970er-Jahre ein Schulrat auf Probe, der sich allerdings bald wieder auflöst. Dank der Unterstützung der Direktion erwacht er 2002 zu neuem Leben. 1976 formiert sich ein Chor, der mit kurzer Unterbrechung in den Jahren 1983-1986 bis heute besteht. Sein traditionelles Jahreskonzert und seine öffentlichen Auftritte tragen zur Präsenz der Schule in der Öffentlichkeit bei. Überhaupt ist das Spektrum musikalischer Aktivitäten als Ort der Begegnung – auch von Lernenden und Lehrerenden – breit. Zu erwähnen sind in diesem Kontext die interne Weihnachtsfeier mit dem traditionellen Konzert des hauseigenen Orchesters sowie die kürzlich erfolgte Gründung einer Jazzband.
Thematische Tage und Sporttage knüpfen an frühere, zwischenzeitlich vergessene Aktivitäten an. Sie wurden den Anforderungen der neuen Matura (MAR, 1995) angepasst und in neuer Form als fester Bestandteil in das Schulprogramm aufgenommen. Ab 1985 gehen die Klassen gelegentlich auf Studienreise, und schon bald werden diese Fahrten für die 3. Klassen zur Tradition. Das sie aber bald nur noch dem Namen nach etwas mit „‘Studien“ zu tun haben, werden sie im Jahr 2000 abgeschafft – wenn auch nicht ganz: Die Lehrpersonen für alte Sprachen halten diese Tradition mit Studienreisen nach Griechenland und Italien aufrecht und ermöglichen den Lernenden so eine direktere Begegnung mit der Antike und deren Gesellschaft. Weitere Anlässe werden zur Gewohnheit: Die Durchführung eines Tages für die 4. Klassen, dem ein Ball vorausgeht, der sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch den Lehrpersonen offen steht, oder die Organisation von Ausstellungen, wo in speziellen Räumen von Schülerinnen und Schülern geschaffene Kunstobjekte zu bewundern sind.
Angesichts der Tatsache, dass das Gymnasium auf vier Jahre verkürzt wurde und das ausserschulische Sozialleben das schulinterne Leben zunehmend in den Hintergrund gedrängt hat, zielen alle diese Anlässe darauf ab, dass die Schülerinnen und Schüler sich untereinander, aber auch mit ihrer Schule und verbunden fühlen und sich mit ihr identifizieren.