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Gallensteine können so groß wie Sandkörner oder ein Hühnerei sein. Meist verursachen sie keine Beschwerden. Aber wenn doch, leiden die Betroffenen unter schmerzhaften Koliken und Entzündungen. Durch Gallensteine kann sich auch das Krebsrisiko erhöhen.
Gallensteine: Was sind das?
Gallensteine sind Ansammlungen von Kristallen in der Gallenblase oder den Gallengängen, die sehr schmerzhafte Koliken oder Entzündungen verursachen können. In der Medizin unterscheidet man zwei unterschiedliche Typen von Gallensteinen: Sie können entweder aus Cholesterin oder Bilirubin bestehen. Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die unser Körper zur Bildung von Zellmembranen und Hormonen benötigt. Wir führen uns Cholesterin über die Nahrung zu, der größte Teil wird jedoch von der Leber gebildet. Bilirubin hingegen ist ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin, der über die Galle ausgeschieden wird.
Unter bestimmten Umständen können die beiden Stoffe in der Gallenblase ausflocken und Gallensteine bilden. Ein seltenes Phänomen ist das nicht: Rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind von Gallensteinen betroffen - häufig ohne es zu wissen, denn nicht immer verursachen Gallensteine Beschwerden.
Bilirubin-Pigmentsteine treten meist in Form von sogenanntem Gallengries als kleinteilige Ansammlungen von Kristallen auf. Sie sind in der Regel deutlich kleiner als Cholesterinsteine, die bis zur Größe eines Hühnereis anwachsen können.
Wie bekomme ich Gallensteine?
Gallensteine entstehen dann, wenn die löslichen Stoffe in der Gallenflüssigkeit in ein Ungleichgewicht geraten. Die Flüssigkeit wird von der Leber produziert und in der Gallenblase gespeichert, die im oberen bis mittleren rechten Bauchraum unterhalb der Leber sitzt. Über die Gallengänge wird das Sekret an den Darm abgegeben, wenn wir zum Beispiel fettreiche Nahrung gegessen haben. Für die Fettverdauung spielt die Gallenflüssigkeit eine entscheidende Rolle: Sie hilft dem Darm dabei, Fette aus der Nahrung zu spalten und aufzunehmen.
In ihrer Zusammensetzung ist die Gallenflüssigkeit sehr fein abgestimmt, zum Beispiel liegen Gallensäure und Cholesterin in einem bestimmten Verhältnis vor. Die Gallensäure sorgt dafür, dass das eigentlich wasserunlösliche Cholesterin in Lösung bleibt. Ist der Anteil an Cholesterin erhöht oder der der Gallensäure reduziert, kristallisiert das Cholesterin in der Gallenblase aus. Mit der Zeit kann sich so ein Cholesterinstein bilden. Bilirubin-Pigmentsteine bilden sich, wenn der Körper vermehrt den Blutfarbstoff Bilirubin produziert und der Abfluss oder die Umwandlung in seine löslichen Abbauprodukte gestört ist. Dann kann auch das Bilirubin ausfällen und sich als Gallengries niederschlagen.
Während Bilirubin-Pigmentsteine vor allem bei schweren Lebererkrankungen wie einer Zirrhose oder Infektionen auftreten und im Vergleich eher selten sind, liegt die Ursache von Cholesterinsteinen meist in einer Fehlernährung oder eine genetische Veranlagung für hohe Cholesterinwerte. Auch starkes Übergewicht (Adipositas) gilt als Risikofaktor. Einen weiteren Zusammenhang sehen Forscher:innen in langen Fastenperioden. Der Grund: Im Hungerzustand setzt der Körper gespeichertes Cholesterin aus dem Fettgewebe frei, was den Cholesteringehalt der Gallenflüssigkeit erhöht und zur Bildung von Gallensteinen führen kann.
Generell steigt das Risiko für Gallensteine mit zunehmenden Alter an, wobei Frauen generell häufiger von einer Gallensteinerkrankung betroffen sind als Männer. Wissenschaftler:innen vermuten, dass die Bildung von Gallensteinen mit dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen zusammenhängt. Auch während Schwangerschaften treten Gallensteine häufig auf.
Gallensteinen: Was darf man essen und was nicht?
✔️ Eine spezielle Gallen-Schonkost, um Gallensteinen vorzubeugen oder zu behandeln, wird heute nicht mehr empfohlen. Ärzt:innen raten allgemein dazu, sich ausgewogene zu ernähren, Idealgewicht zu halten und mindestens 1,5 Liter Wasser oder ungesüßten Tee zu trinken.
✔️ Pflanzliche Fette in der Nahrung sind in der Regel gesünder. Sie enthalten im Gegensatz zu tierischen Fetten in Fleisch- und Milchwaren kaum gesättigte Fettsäuren, die den Spiegel des "schlechten" LDL-Cholesterins erhöhen. Gesättigte Fettsäuren begünstigt die Entstehung von Cholesterinsteinen. Auch in gehärteten Pflanzenfetten wie Kokosfett sind gesättigte Fettsäuren enthalten.
✔️ Ballaststoffe tragen nicht nur zu einer gesunden Verdauung bei, sondern können auch den Cholesterinspiegel im Blut senken. Daher eignen sich eine ballaststoffreiche Ernährung auch bei Gallensteinen. Ballaststoffe sind vor allem in Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und Haferkleie enthalten.
✔️ Bei Gallensteinen ist es besser, mehrere kleine Mahlzeiten einzunehmen als wenige große. Je mehr Nahrung wir aufnehmen, desto stärker muss sich die Gallenblase zusammenziehen, um Gallensaft auszuschütten. Das kann eine Gallenkolik auslösen.
❌ Liegen bereits Gallensteine vor, solltest du auf fettreiche Mahlzeiten verzichten. Zu viel Fett im Essen – insbesondere gesättigte Fettsäuren in tierischen Lebensmitteln – führen dazu, dass sich die Gallenblase stark zusammenzieht, um möglichst viel Gallenflüssigkeit auszuscheiden.
❌ Eine sehr fettarme oder fettfreie Ernährung ist allerdings auch nicht empfehlenswert. Zu wenig Fett in der Nahrung führt dazu, dass die Gallenflüssigkeit zu lange in der Gallenblase verweilt und dadurch zu stark eindicken kann.
❌ Raffinierte Kohlenhydrate wie Zucker, Sirup oder Weißmehl solltest du meiden. Nach Ansicht von Expert:innen können sie die Bildung von Gallensteinen begünstigen.
❌ Blähende Lebensmittel wie Kohl, Hülsenfrüchte oder Schwarzwurzel solltest du bei Gallensteinen und Gallengries ebenfalls meiden. Blähungen erhöhen den Druck auf die Gallenblase, was wiederum Gallenkoliken auslösen kann.
❌ Übergewicht gilt zwar als Risikofaktor für die Entstehung von Gallensteinen, einseitige Diäten und Fastenkuren sind bei Gallensteinen aber tabu. Im Hungerzustand setzt der Körper im Fettgewebe gespeichertes Cholesterin frei, was den Cholesteringehalt in der Gallenblase erhöht. Dadurch steigt das Risiko für die Bildung von Gallensteinen und bereits vorhandene Gallensteine können sich vergrößern. Besser ist eine langsame Gewichtsreduktion mit einer ausgewogenen Ernährung in Kombination mit Bewegung.
Welche Symptome treten bei Gallensteinen auf?
Die meisten Gallensteine verursachen keine Beschwerden und werden meist zufällig bei Ultraschalluntersuchungen des Oberbauches entdeckt. Man spricht in diesen Fällen von stummen Gallensteinen. Allerdings können sie Jahre später Schmerzen oder Entzündungen verursachen.
Treten Beschwerden auf, äußern sich diese meist in Form von:
- krampfartigen und anhaltenden Schmerzen im mittleren bis rechten Oberbauch (sogenannte Koliken), dumpfen, unspezifischen Oberbauchschmerz, Übelkeit und Erbrechen.
Wandert ein Gallenstein von der Gallenblase weiter in die Gallengänge, kommt es sehr häufig zu Komplikationen. Dann können weitere Symptome hinzukommen, wie:
- Gelbfärbung der Haut oder des Augenweiß (Ikterus), dunkler Urin, heller Stuhl und im fortgeschrittenen Stadium auch Schüttelfrost, Fieber und Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis).
Im weiteren Verlauf einer Gallensteinerkrankung können schwere Komplikationen wie eine akute Entzündung der Gallenblase (Cholezystis), der Gallengänge (Cholangitis) oder der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) auftreten. Das Risiko für Karzinome in der Gallenblase oder den Gallengängen kann sich unter Umständen erhöhen.
Gallensteine: So werden sie behandelt
Solange sie keine Beschwerden verursachen, müssen Gallensteine nicht entfernt werden. Manchmal lösen sie sich auch von selbst auf und werden über den Dünndarm ausgeschieden. Treten jedoch Beschwerden auf, ist meist eine Behandlung erforderlich. Leichte Beschwerden werden symptombezogen behandelt. Gegen die Schmerzen und Krämpfen kommen Schmerzmittel (Analgetika, NSAR) und krampflösende Medikamente (Spasmolytika) zum Einsatz.
Um Gallensteine zu entfernen, gibt es unterschiedliche Therapieansätze. In manchen Fällen können sie durch verschreibungspflichtige Medikamente mit dem Wirkstoff Ursodeoxycholsäure (UDCA) aufgelöst werden. Auch mithilfe von Stoßwellentherapie können manche Gallensteine zertrümmert werden. Allerdings ist bei beiden Therapieformen das Risiko einer Neubildung relativ hoch, weshalb Gallensteine heute in der Regel operativ im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laproskopie) entfernt werden. Welche Therapie geeignet ist, muss der Arzt oder die Ärztin im Einzelfall entscheiden.
Wenn wiederholt sehr starken Beschwerden wie Koliken oder akute Entzündungen auftreten, kann es nötig werden, die ganze Gallenblase operativ zu entfernen. Die Operation wird als Cholezystektomie bezeichnet und minimalinvasiv durchgeführt: Ein kleiner Schnitt in der Bauchdecke genügt, um die Gallenblase zu entfernt. Befinden sich die Gallensteine in den Gallengängen, wird sehr häufig operiert, da in diesem Fällen meist Komplikationen auftreten.
Die Cholezystektomie gehören zu den häufigsten Operationen in Deutschland: Rund 175.000 Männer und Frauen wird jährlich die Gallenblase entfernt. Dann kann der Körper die Gallenflüssigkeit nicht mehr speichern und sie wird direkt in den Darm ausgeschüttet. Auch ohne Gallenblase lässt sich ein ganz normales Leben führen: Die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit reicht für normale Mahlzeiten in aller Regel aus. Nur üppiges und besonders fettreiches Essen sollten Betroffene meiden.