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Obwohl die bekannte Nordwestpassage seit 2007 beinahe jeden Sommer offen gewesen ist, gehört sie immer noch zu den schwierigsten Seepassagen für Schiffe aufgrund von Eis und Wetter. Trotzdem zieht sie Menschen von überall her an, die sie durchsegeln wollen und die Zahl der Touristen, die diese geheimnisvolle Route auf kleinen Expeditionsschiffen befahren möchten, ist am Steigen. Jetzt plant die Grossreederei Crystal Cruises ihr Schiff Crystal Serenity mit 1‘070 Passagieren an Bord, die Passage zu durchqueren. Warnungen und Befürchtungen von Experten und Gemeinden haben die kanadische Regierung aufhorchen lassen und zu einer genauen Beobachtung der Planung und Umsetzung geführt.
Aufgrund der Bedenken, durch diese eisige und gefährliche Passage zu navigieren, arbeiten die kanadischen Behörden eng mit der Reederei zusammen, um mögliche schwere Worts-Case-Szenarien zu verhindern. Während andere Schiffe in kanadischen Gewässern ungehindert navigieren dürfen, sagt Ottawa, dass sie die Crystal Serenity jederzeit auffordern können, eine andere Route zu nehmen, wenn es notwendig sein sollte; desweiteren würde auch das Verteidigungsministerium eingeschaltet werden. Die Küstenwache, die für Eisbrecherservice sorgt, „wird weiter mit Verantwortlichen von Crystal Cruises zusammenarbeiten, um eine sichere Durchfahrt zu gewährleisten“, erklärt Hunter Tootoo, Fischereiminister- „Über unser Marinekommunikations- und –verkehrszentrum in Iqaluit wird die kanadische Küstenwache die Reise täglich überwachen auf der Fahrt durch die Nordwestpassage“, sagt die Sprecherin des Amtes für Fischerei und Ozean, Carole Saindon. „Sollte ein Notfall eintreten, wird die Küstenwache mit dem Verteidigungsministerium zusammen in Bezug auf Koordination der Sicherung- und Rettungsmassnahmen zusammenarbeiten.“ Kanada wird dem Schiff befehlen, eine andere Route zu suchen, sollte „zu irgendeinem Zeitpunkt das kanadische Verkehrsministerium Transport Canada finden, dass die behördlichen Bedingungen nicht erfüllt sind oder ein Sicherheitsrisiko besteht“, schreibt Amber Wonko, die Sprecherin von Transport Canada. Sollte es zu einer Umweltverschmutzung kommen, wird die Küstenwache umgehend ein „Umweltschutzprotokoll“ in Aktion setzen, fügt sie an. Wie gross und ab welcher Art von Umweltverschmutzung notwendig sind, damit das Protokoll eingesetzt wird, ist unklar. Der Arktis-Experte John Higginbotham meint auch, dass noch Gesprächsbedarf bestehe, „ob es wirklich sicher ist, ein Schiff mit so vielen Gästen an Bord durch die Nordwestpassage fahren zu lassen.“ Der ehemalige Regionalleiter der Küstenwache, Kapitän David (Duke) Snider, meint dazu: „Das grösste Problem ist, dass dies das erste Mal ist, dass ein reines Kreuzfahrtschiff dieser Grösse eine solche Reise unternehmen möchte.“ Er fügt an, dass „jede mögliche Option in Bezug auf Sicherheit im Vorfeld der Reise“ betrachtet worden sei.
Zwei von Transport Canada akkreditierte Eislotsen wird an Bord der Serenity sein und ein Hilfsschiff der BAS, die Ernest Shackleton, ist aufgeboten worden, erklärt Kapitän Snider weiter. Dieses Schiff fungiert als Eisbrecher und „eine Unmenge an Erfahrung in der europäischen Arktis und der Antarktis“. An Bord wird auch dort ein Eislotse, Hubschrauber und weitere Notfallausrüstung sein.
Die Reise sei innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe ausverkauft gewesen, sagt die Sprecherin von Crystal Cruises. „Es gibt eine Warteliste mit weiteren 400 Personen.“ Zurzeit starten die Preise bei US$ 21‘855 und gehen bis über US$ 120‘000 für eine Doppel-belegte Penthouse-Suite. Alle Passagiere müssen ausserdem einen Versicherungsnachweis über mindestens US$ 50‘000 für allfällige Evakuierungsmassnahmen erbringen.
Das Schiff Crystal Serenity wird Alaska am 16. August verlassen und seinen ersten Punkt in Kanada etwa 10 Tage später erreichen. Die Ankunft in Grönland ist für den 7. September geplant und das Endziel New York City am 17. September erreicht werden. Mehrere Gemeinden im kanadischen Norden stehen auf dem Fahrplan, darunter Ulukhaktok, NWT, Cambridge Bay, NU, und Pond Inlet, NU auf Baffin Island. Dazu mein Duke Snider: „Wenn man diese Gemeinden besucht, muss man sich ihres Abdruckes und ihres Überlebens bewusst sein.“ Gemäss Snider arbeitet die Reederei eng mit den Gemeinden zusammen, um die Auswirkungen klar zu mildern. Sie würden nicht einfach 1‘000 Menschen in den kleinen Orten abladen, meint er. Auf der Webseite von Crystal Cruises steht, dass die Besuche nur „mit der Zustimmung der lokalen Behörden“ stattfinden. Andrea Charron, eine Forscherin an der Carleton Universität, erklärt, sie sei etwas nervös aufgrund der Charakterisierung des Nordens als „idyllisch“ durch die Tourismusindustrie. Dabei seien die Regionen gefährlich und gleichzeitig sehr sensibel. Sie erklärt weiter, dass die Idee der lokalen Einbindung prinzipiell gut sei, aber das Konzept, „den ganzen Laden leerkaufen, bis dann nächstes Jahr wieder Versorgungsgüter erhalten“ zu grossen Bedenken führe. Gleichzeitig würden einige Touristen die Orte wie Museen betrachten und dabei vergessen, dass sie sich im Zuhause von realen Menschen befinden. „Sollte diese Fahrt ein Erfolg werden könnte es andere Kreuzfahrtschiffe ermutigen, es zu versuchen. Und diese haben vielleicht nicht die gleichen Ressourcen und Planungen hinter sich wie es Crystal hat. Und das ist bedenklich“, meint Mrs. Charron. Diese Art von Reisen könnte sich in den nächsten Jahren verstärken, meint Duke Snider. Die Reederei hat am 1. März bekanntgegeben, dass sie eine nächste Reise für 2017 bereits plane, besonders da der Klimawandel ja das Meer erwärme und das Eis schmelzen würde.
Quelle: Marie-Danielle Smith, Embassy
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