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Sonntag 4-Februar-2018
Bewegung sorgt ganz allgemein für eine bessere Durchblutung des Körpers und somit auch des Darms. Das sorgt für eine bessere Zufuhr von Nährstoffen und damit für eine bessere Darmfunktion. Außerdem wirkt sie sich positiv auf die Darmmotilität aus, sodass die Exkremente nicht unnötig lange im Körper verbleiben. Doch die Erkenntnis, dass Bewegung für die quantitativen und qualitativen Aspekte der Darmflora vorteilhaft ist, ist relativ neu. Wie funktioniert das im Einzelnen?
Umweltfaktoren und Darmflora
Dazu ist es nützlich, wenn wir uns zunächst einmal einen Überblick über die Umweltfaktoren verschaffen, die die Größe und Zusammensetzung der Darmflora negativ beeinflussen können:
Der Einfluss der Umwelt auf die Darmflora beginnt somit bereits in den frühesten Lebensphasen (Browne et al., 2017). Gleichzeitig ist ein stabiles und breites Darmmikrobiom für eine normale Physiologie des Darms während des gesamten Lebens unverzichtbar. Außerdem fördert es die Kommunikation über die Darm-Mikrobiom-Gehirn-Achse und unterstützt auf diese Weise die physische und psychische Gesundheit des Individuums (Monda et al., 2017).
Bewegung und Darmflora
Eine aktuelle Übersichtsstudie zeigt, dass Bewegung die Anzahl nützlicher Bakterien im Darm erhöhen kann und dass das Mikrobiom auf homöostatische und physiologische Schwankungen infolge körperlicher Bewegung reagiert (Monda et al., 2017). Der Übersichtsartikel kommt zu dem Schluss, dass „starke Hinweise darauf vorliegen, dass Bewegung ein Umweltfaktor ist, der Veränderungen in der qualitativen und quantitativen Zusammensetzung der Darmflora bewirken kann, woraus sich positive gesundheitliche Auswirkungen für den Wirt ergeben können.“
Aber wie wirkt sich Bewegung nun im Detail auf die Darmflora aus? Den Forschern zufolge können im Wesentlichen vier Haupteffekte identifiziert werden.
Bewegung:
Beginnen wir bei Punkt 1: Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Darmflora bei gesunden Menschen vielfältiger ist als bei kranken Menschen. Bei kranken Menschen ist die Diversität oft stark reduziert. Vor allem Jäger und Sammler wie beispielsweise die Hadza verfügen über ein viel breiteres Mikrobiom als westliche Menschen (Segata, 2015). Bei diesem Stamm – und vergleichbaren traditionell lebenden Völkern – werden im Allgemeinen keine chronischen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes berichtet. Zukünftige Forschung wird zeigen müssen, ob hierbei tatsächlich eine Ursache-Wirkungs-Beziehung vorliegt, jedoch findet diese Ansicht in der Wissenschaft eine immer größere Akzeptanz (Browne et al., 2017).
Weiterhin könnte ein besseres Verhältnis von Bakterioiden und Firmicutes zur Gewichtsreduktion und Verbesserung von Magen-Darm-Beschwerden beitragen (Monda et al., 2017). Eine gesteigerte Proliferation nützlicher Bakterien wirkt sich positiv auf die Barrierefunktion aus und reduziert somit das Risiko von Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen. Und schließlich sorgen kurzkettige Fettsäuren im Darm für den Schutz und die Erhaltung des Darmepithels (Morrison et al., 2016).
Auswirkungen von Dysbiose auf den Körper
Sind einer oder mehrere der vier obengenannten Aspekte gestört, liegt eine Dysbiose vor. Und wenn das Darmmikrobiom nicht im Gleichgewicht ist, zieht dies negative Folgen für ein breites Spektrum von Körperprozessen nach sich (Browne et al., 2017). Die Forschung der letzten 20 Jahre hat mögliche Einflüsse unter anderem in den folgenden Bereichen entdeckt:
Bedeutung für die Praxis
Basierend auf ihrer Übersichtsstudie kommen die Forscher zu dem Schluss, dass Bewegung als Behandlung oder Prävention bei Dysbiose und verwandten Störungen eingesetzt werden kann.
„Bewegung kann als Behandlung zur Bewahrung einer ausgewogenen Mikroflora oder zur Wiederherstellung ihres Gleichgewichts nach einer Dysbiose eingesetzt werden. Somit kann auf diese Weise der Gesundheitszustand verbessert werden. Dennoch ist weitere Forschung notwendig, um die Prozesse, die die Zusammensetzung und Funktion der Mikroflora verändern, noch besser zu verstehen.“
Das bedeutet: Gute Gesundheit beginnt im Darm. Und das beginnt wieder einmal mit guter Ernährung mit vielen Ballaststoffen und wenig Zucker, mit Stressreduktion und, wenn nötig, mit der Ergänzung von L-Glutamin und Prä- bzw. Probiotika. Aber auch Bewegung sollte dabei keinesfalls außer Acht gelassen werden.
Lesen Sie auch unser Whitepaper „Gute Gesundheit beginnt im Darm[AF1] “.
Literatur
Browne et al., Microbiota in Health and Disease: from pregnancy to childhood, Wageningen Academic Publishers (2017), pp. 17-35.
Monda et al., Exercise modifies the Gut Microbiota with Positive Health Effects, Oxidative Medicine and Cellular Longevity, Vol 2017 (2017), Article ID 3831972.
Morrison et al., Formation of short chain fatty acids by the gut microbiota and their impact on human metabolism, Gut Microbes, 2016, 7(3): 189-200.
Segata N., Gut Microbiome: Westernization and the Disappearance of Intestinal Diversity, Current Biology, Volume 25, Issue 14, 20 July 2015, Pages R611-R613.