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Gespräch mit Anton Stalder, ehemaliger Torhüter FC Pieterlen
von Felix König
Felix König: Toni, du warst zu früheren Zeiten Torwart des FC Pieterlen – wann war das?
Toni Stalder: Ich spielte ab den 60er-Jahren in der ersten Mannschaft. Nach dem Aufstieg 1967 in die 3. Liga war ich noch drei Saisons lang dabei. Danach brach ich mir die Achsel und war in der Folge nur noch bei den Senioren aktiv, nur noch teilweise als Torhüter, oft auch als Feldspieler. Dies aber auch nur eine begrenzte Zeit lang, denn nach einem Achillessehnenriss im Hallentraining hörte ich ganz mit dem Fussball auf.
In welchem Alter hast du mit dem Fussballspiel angefangen?
Als 16-jähriger begann ich bei den B-Junioren des FC Pieterlen. Wir hatten ein sehr starkes Team und wären beinahe in die interregionale Spielklasse aufgestiegen.
Wie kam es dazu, dass du Goalie geworden bist? War dies immer dein Wunsch?
Bereits während der Schulzeit stand ich beim Handballspiel mehrheitlich im Tor. Beim Fussball merkte ich rasch, dass ich als Goalie mehr Talent hatte, obwohl ich von der Kondition her gut hätte Feldspieler sein können.
Gab es ein Torwart-Idol, dem du nachgeeifert hast, wie Erwin Ballabio vom FC Grenchen?
Mein Vorbild war Eugène Parlier, der in den 60er-Jahren Torhüter des FC Biel war. Ein weiteres Idol war der Goalie der Grasshoppers Zürich, Charly Elsener. Dieser wurde an der Weltmeisterschaft 1966 gar mit einem Fairnesspreis ausgezeichnet. Erwin Ballabio, der berühmte Torwart des FC Grenchen war dagegen vor meiner Zeit aktiv. Er war mir vor allem als Kinobetreiber bekannt, weil sein Bruder mein Lehrlingsausbildner war und gute Leistungen jeweils mit Gratiseintritten belohnte.
Es gibt die böse Fussballerweisheit, wonach es sich beim linken Flügel sowie beim Torwart jeweils um spezielle Charaktere handelt. Gibt es ein Merkmal, das dich besonders auszeichnete?
Ich bin linksfüssig, sodass ich bei den Senioren auch am linken Flügel eingesetzt werden konnte. Somit habe ich gleich beide speziellen Spielpositionen in einer Person vereinigt.
Hattest du jemals den Wunsch oder die Gelegenheit, in eine höhere Liga zu wechseln?
Solches kam für mich aber nicht in Frage. Andere Pieterler Goalies hätten eher über das notwendige Talent für eine höhere Liga verfügt. So beispielsweise in den 90er-Jahren Patrick Leuenberger, der auch die ideale Torwartgrösse hatte.
Wie oft habt ihr bei den Aktiven wöchentlich trainiert?
Wir trainierten zwei Mal wöchentlich, jeweils am Dienstag und am Donnerstag. Eine Zeit lang besuchte ich am Wochenende zusammen mit einem Kollegen auch regelmässig die Sauna, bis ich von ärztlicher Seite den Hinweis erhielt, dass solches kurz vor dem Spiel nicht leistungsfördernd ist.
Welches waren während den Aktivzeiten deine Mitspieler in der ersten Mannschaft?
René Dubath, Beat Marfurt, Bernhard Ischer, André Tissot, Claude Colombo, Paul Schneider, Charly Pulfer, Hansruedi Sutter und Walter Hurni, um nur einige zu nennen. Und natürlich die Brüder Bruno und Erwin Graf. Erwin hätte mit seinem Talent viel erreichen können im Fussball. Gleiches gilt für Bruno, der darüber hinaus eine grosse Persönlichkeit und Team-Captain war.
Wart ihr ein erfolgreiches Team? Welches war die beste Rangierung, die ihr erreicht habt?
Nach dem Aufstieg in die 3. Liga erreichten wir einmal den zweiten und dann zwei Mal den dritten Gruppenrang. Wir waren ein gutes Team und es ist schade, dass es nie für die Aufstiegsspiele zur 2. Liga gereicht hat. Dies wäre in unserer Reichweite gewesen, aber es sollte nicht sein.
Gab es ein spezifisches Torwarttraining?
Ja, eine Zeit lang absolvierte ich zusammen mit Robert Ferkinghoff, meinem Vorgänger im FCP-Tor, separate Einheiten. Später erfolgte das Gleiche zusammen mit meinem Nachfolger Christian Gerber. Dies geschah jeweils wenn die Feldspieler Laufeinheiten absolvierten. Aber auch wir Goalies schenkten uns nichts und kamen durch das stetige «Auf-Ab!» an unsere körperlichen Grenzen.
Was gehörte zu deiner Aktivzeit zur Torwartausrüstung?
Ich trug jeweils Torwarthandschuhe und darüber hinaus Knieschoner. Dieser Schutz war sehr wertvoll, zumal daneben noch genügend Körperstellen ungeschützt blieben.
Der alte Fussballplatz bei den Pieterler Schulhäusern war berüchtigt, weil er bei Trockenheit sehr hart wurde und im Strafraum kein Rasen wuchs. Hatte dies Auswirkungen? Versuchte man als Goalie den Hechtsprung zu vermeiden?
Der alte Fussballplatz war schon sehr hart, zumal es in Tornähe weit und breit keinen Rasen mehr gab. Deswegen waren auch die Trainingshosen immer rasch zerrissen. Für mich als Goalie waren die Spiele bei Regen viel angenehmer. Aber während dem Match dachte ich nie an die harte Landung und versuchte nach jedem Ball zu hechten. Die Schürfungen verheilten ja wieder.
Wenn du heute an deine Aktivzeit zurückdenkst, welches sind die schönsten Erinnerungen, die dir geblieben sind?
Ein sportlicher Höhepunkt bildete der Aufstieg 1967 nach dem Sieg gegen Azzurri Lyss. Insgesamt war aber über all die Jahre die ausgezeichnete Kameradschaft das herausragende Erlebnis. Wir sassen nach jedem Spiel zusammen, nach Auswärtspartien oft unterwegs in einem Gasthof, nach Heimbegegnungen stets in unserer «Vereins-Beiz» Restaurant Pfauen in Pieterlen. Auch unsere Partnerinnen gesellten sich regelmässig zu uns. So wurde mancher Sieg ausgiebig gefeiert.
Gibt es umgekehrt etwas Ärgerliches das immer noch weh tut, wie ein unnötig verloren gegangenes wichtiges Spiel oder eine verpatzte Saison?
Mit dem Aufstieg im Direktduell gegen Azzurri Lyss verbindet sich gleich auch ein Negativerlebnis. Unser Schulhausabwart wurde nach dem Spiel von gegnerischen Akteuren brutal geschlagen und musste verarztet werden. Dieser sinnlose Gewaltausbruch hat mich sehr aufgewühlt.
Welche Beziehung hast du heute zum Fussball?
Ich verfolge den FC Pieterlen weiterhin, gehe jedoch kaum mehr an die Fussballspiele im Moos. Ein Stück weit kann ich die Begegnungen ja von mir zu Hause aus verfolgen. Daneben habe ich mich immer sehr für den FC Biel interessiert und auch dessen Spiele häufig besucht. Profi-Spiele im TV sehe ich nur selten an. Ich störe mich da an den unverhältnismässig grossen Salären der Spieler und teils auch am ganzen Theater, das durch die verwöhnten Akteure veranstaltet wird.