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Henri Matisse' «Sitzende Frau» aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt ist tatsächlich Raubkunst. Zu diesem Schluss kommt die Taskforce «Schwabinger Kunstfund», wie das Gremium am Donnerstag mitteilte.
Das Kunstmuseum Bern, das von Cornelius Gurlitt als Alleinerbe eingesetzt wurde, hat Kenntnis von der Einschätzung der Taskforce, nimmt aber keine Stellung. Das sagte Sprecherin Ruth Gilgen auf Anfrage. Das Haus will sich frühestens Anfang Juli wieder zu Wort melden.
Das Museum hat sechs Monate Zeit, um über Annahme oder Ablehnung der Erbschaft zu entscheiden. Zuletzt entschied das Museum Anfang Juni, einen Rechtsbeistand beizuziehen, um die vielen offenen Fragen zu klären.
Wie Matisse' «Sitzende Frau» genau in die Sammlung von Gurlitts Vater Hildebrand kam, könne nicht mit letzter Sicherheit dokumentiert werden, räumte die Taskforce-Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel am Donnerstag ein. Das Gremium komme aber zum Schluss, «dass es sich bei dem Werk um NS-Raubkunst aus dem rechtmässigen Eigentum der Sammlung von Paul Rosenberg handelt».
Wann die Familie das Bild aus den 1920er-Jahren zurückbekommt, ist völlig unklar. Gurlitt und seine Anwälte hatten vor dem Tod des Kunstsammlers bereits Kontakt mit den Enkelinnen von Paul Rosenberg aufgenommen.
Die Verhandlungen standen kurz vor dem Abschluss. Dann allerdings meldete sich ein weiterer Anspruchsteller, und die Übergabe fand nicht statt.
Henri Matisse (1869-1954) malte das Bild «Sitzende Frau» um das Jahr 1924 herum. Es handelt sich um ein Ölgemälde auf Leinwand - 55,4 Zentimeter hoch und 46,5 Zentimeter breit. Es zeigt eine dunkelhaarige Frau in einem geblümten Kleid mit Perlenkette, die auf einem braunen Sessel sitzt.
Sie trägt ein Kopftuch und hat die Hände, in denen sie einen Fächer hält, in den Schoss gelegt. Die Lostart-Datenbank listet das Bild als Teil des Schwabinger Kunstfundes unter der Identifikationsnummer «Lost Art-ID 477894» auf.
Unter dem Punkt «Provenienz» ist die Sammlung Paul Rosenberg angegeben. Das Porträt wurde ihm einst von den Nazis geraubt, befand sich zeitweise im Besitz von Hermann Göring und gelangte später in die Sammlung Gurlitt.
Hildebrand Gurlitt war ein angesehener Kunsthändler im Dritten Reich. Nach seinem Tod hortete der Sohn Cornelius die Sammlung in aller Verschwiegenheit in seiner Wohnung. Erst wenige Jahre vor seinem Tod kamen die Behörden durch Zufall auf Cornelius Gurlitts Spur. In der Schwabinger Wohnung des kauzigen älteren Herrn stiess die Polizei auf eine umfangreiche Bildersammlung, die zunächst als Weltsensation gefeiert wurde.
Von millionenschweren Bildern war die Rede, aber auch von Raubkunst. Wie wertvoll die Sammlung wirklich ist, wird inzwischen kontrovers diskutiert. Die Herkunft der Bilder wird von einer Taskforce geklärt. (lhr/sda/dpa)