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Ab Freitag kommt es im Halbfinal zum fünften Playoff-Duell zwischen Gottéron und Zürich. Etwas überraschend: Die ersten vier Duelle entschieden die Freiburger allesamt für sich. Ein Rückblick.
Wer ZSC und Gottéron hört, denkt tendenziell eher an den grossen Zürcher Schlittschuhclub und das kleine Freiburg. Hier der neunfache Schweizermeister, da der titellose Underdog. In den Direktvergleichen in den Playoffs sieht das aber ganz anders aus. Viermal trafen die beiden Clubs schon aufeinander, viermal gewann Gottéron.
1992/93. Viertelfinal: Gottéron (2.) – Zürich (7.) 4:0 (4:3, 4:3, 8:4, 6:4)
Im Jahr zuvor hatte zwar der ZSC im Playoff-Viertelfinal unter dem jungen Trainer Arno Del Curto sensationell den HC Lugano ausgeschaltet, trotzdem waren vor dieser Serie die Rollen klar verteilt. Zürich gelang die Playoff-Qualifikation mit nur gerade zwölf Siegen in 36 Spielen, Freiburg verpasste den Qualifikationssieg nur knapp. Und tatsächlich: Gegen das Gottéron mit Slawa Bykow und Andrei Chomutow hatte die Equipe des Bündner Trainers keine Chance.
Mit Sergei Priakin hatten zwar auch die Zürcher ihren Russen. Mehr als drei Punkte in den vier Spielen brachte er jedoch nicht zustande. Zum Vergleich: Bykow holte damals in neun Playoff-Spielen 22 Punkte, Chomutow in elf Partien 18. Auch in Sachen Schweizer Spieler hatte Freiburg mehr zu bieten. Christian Weber, Andy Ton oder Michel Zeiter gaben zwar alles, Pascal Schaller, Samuel Balmer oder Mario Rottaris waren aber schlicht besser.
So gewann Gottéron die Serie problemlos 4:0. Später verloren die Freiburger den Final gegen Qualifikationssieger Kloten indes klar 0:3.
1993/94. Viertelfinal: Gottéron (1.) – Zürich (8.) 3:0 (8:2, 6:5, 10:1)
Ein Jahr nach der ersten Serie waren die Trümpfe noch ungleicher verteilt. Gottéron war nun auf dem Höhepunkt der Russen-Jahre angelangt. Die Freiburger gewannen die Qualifikation mit elf Punkten Vorsprung auf das zweitklassierte Kloten. Wenig überraschend fegten sie im Playoff-Viertelfinal auch über Zürich hinweg. Mit Sergei Priakin und Vladimir Yeremin hatten die Zürcher nun zwar sogar zwei Russen im Team, dem Vergleich mit Bykow/Chomutow hielten sie aber auch im Duo keineswegs stand. Während die Zürcher Ausländer normale Statistiken von einem Punkt pro Spiel aufwiesen, holte Bykow in elf Playoff-Spielen unglaubliche 32 Punkte, Chomutow immerhin 25.
In der Serie gegen Zürich war nur die Partie im Hallenstadion ausgeglichen, im St. Leonhard hingegen gewann Gottéron Spiel eins 8:2 und schickte die bedauernswerten Zürcher in der dritten und letzten Partie der Serie sogar mit einem Stängeli in die Ferien.
Gottéron schaffte es danach zwar zum dritten Mal in Folge in den Final, holte aber erneut nicht den Titel, weil es die Serie gegen Kloten 1:3 verlor.
2008/09. Viertelfinal: ZSC Lions (2.) – Gottéron (7.) 0:4 (1:3, 0:3, 1:2, 2:3 n.V.)
2009 waren die Vorzeichen gänzlich andere als während der Jahre von Slawa Bykow und Andrei Chomutow. Der ZSC, der mittlerweile ZSC Lions hiess, war im Schweizer Eishockey das Mass aller Dinge. Nur wenige Wochen vor der Serie hatten die Zürcher die Champions Hockey League gewonnen, im Jahr zuvor waren sie zudem Schweizermeister geworden. Doch der Ausgang war am Ende der gleiche – Gottéron gewann diskussionslos. Wie war das möglich?
Erstens lief in dieser Serie alles für die Freiburger, was nur für sie laufen konnte. Bei langjährigen Fans unvergessen sind die Szenen aus dem vierten und letzten Spiel, als Zürich kurz vor Schluss 2:1 führte. Zunächst traf Ryan Gardner statt des leeren Tors nur den Pfosten, dann traf Thibaut Monnet Alain Birbaum – statt des leeren Tors. Im Gegenzug wurde Julien Sprunger vermeintlich gefoult, klopfte mehrmals wütend mit dem Stock auf den Boden, ehe der Puck irgendwie wieder zu ihm kam und er 12 Sekunden vor Schluss den Ausgleich erzielte. Eine ikonische Szene, die noch jahrelang im St. Leonhard als Werbung gezeigt wurde und diese Serie bestens illustriert. Der zweite Grund für Gottérons Erfolg war Torhüter Sébastien Caron. Wie bereits im Jahr zuvor beim Sensationserfolg gegen Bern zeigte der Kanadier einige schier unglaubliche Paraden und musste sich in vier Spielen nur gerade viermal bezwingen lassen.
Vom heutigen Team waren nebst Sprunger damals auch Andrei Bykow und Adrien Lauper bereits mit dabei, auf Zürcher Seite Patrick Geering. Die Saison endete danach auch für Freiburg mit einer herben Enttäuschung. Im Halbfinal verlor die Mannschaft von Trainer Serge Pelletier gegen Davos trotz 3:1-Führung 3:4.
2012/13. Halbfinal: Gottéron (1.) – ZSC Lions (4.) 4:1 (3:2, 2:1 n.V., 5:4 n.P., 2:5, 5:4)
Auf dem Weg in den Final räumte Qualifikationssieger Gottéron 2013 die Zürcher am Ende zwar scheinbar klar aus dem Weg. Die einzelnen Spiele waren allerdings hart umkämpft – und es wurde manch eine schöne Geschichte dabei geschrieben. Etwa in Spiel zwei, als Andrei Bykow in der Verlängerung der entscheidende 2:1-Siegtreffer gelang. Während vor der Halle bereits massenweise Justin-Bieber-Fans campierten, weil der Superstar tags darauf im Hallenstadion auftrat, schoss Bykow den Puck wunderbar unter die Latte. Allerdings erkannten das die Schiedsrichter nicht, sodass das Spiel weiterlief. Der ausgelassen jubelnde Bykow zeigte seinen Mitspielern aber immer wieder an: Dieser Puck war drin! Irgendwann wurde es den Freiburgern dann zu bunt, sie schossen den Puck einfach aus dem Spielfeld, damit die Schiedsrichter das Video anschauen und den Siegtreffer endlich geben konnten.
Nicht minder dramatisch ging es im Spiel danach im St. Leonhard zu. Alle Fans, die damals im Stadion waren, können sich noch daran erinnern, wie Goalie Benjamin Conz am Boden liegend beim entscheidenden Penalty von Ryan Shannon akrobatisch im letzten Moment das Bein hob und Gottéron so spektakulär zum Sieg hexte. In Spiel vier gelang Zürich zwar im 15. Anlauf der erste Playoff-Sieg gegen Freiburg, anschliessend machte Gottéron zu Hause den Sack aber zu.
Der heutige Trainer Christian Dubé war damals noch als Spieler dabei, genau wie Andrei Bykow, Julien Sprunger und Killian Mottet. Bei Zürich standen Patrick Geering, Reto Schäppi und Chris Baltisberger bereits auf dem Eis. Im Final unterlag Gottéron anschliessend dem SC Bern 2:4.