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Im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro zeigt ein Pilotprojekt für die vom Aussterben bedrohten Goldenen Löwenäffchen erste Erfolge. Gebaut wurden für sie und andere Wildtiere eine grüne Brücke sowie Überführungen und Tunnel. Sie sollen den Tieren eine sichere Überquerung einer Schnellstraße bieten und Fragmente des Atlantischen Regenwaldes miteinander verbinden. Aufnahmen von selbstauslösenden Kameras zeigen, dass die Überführungen von den Äffchen bestens angenommen werden. Aber nicht nur die Löwenäffchen nutzen die Überführungen, um heil auf die andere Straßenseite zu gelangen.
Die Aufnahmen zeigen ganze Gruppen von Löwenäffchen in den mit Seilen bestückten Überführungen. Begleitet werden sie teilweise von Krallenaffen. Auch die den Stachelschweinen ähnelnden Greifstachler und Marmosops (Beutelratten) wurden bei der Benutzung der gleichen Struktur von den Kameras bereits erfasst.
Die Überführung ist Teil eines Projektes zum Ausgleich von Eingriffen in die Natur. Angelegt wurden dazu 17 Tunnel, zehn Überführungen und eine begrünte Brücke. Sie verbinden Teile des Atlantischen Regenwaldes, die von der Staatstraße BR-101 durchschnitten werden. Die Staatsstraße BR-101 ist eine der wichtigsten und vielbefahrendsten Schnellstraßen Brasiliens. Für die Tiere bedeutet sie eine große Barriere und enorme Gefahr.
Die 2020 erstellte grüne Brücke soll Abhilfe schaffen. Bepflanzt wurde sie mit Baum- und Straucharten des Atlantischen Regenwaldes der Region. Noch sind die Bäume zu klein, als dass sie von den Affen genutzt werden. Andere Tiere haben sie aber längst schon als sicheren Übergang entdeckt. Ameisenbären, den Füchsen ähnelnde Wildhunde, Gürteltiere, Nagetiere wie Pakas und ebenso Seriemas (Laufvögel) überqueren auf ihr mittlerweile gelassen die Schnellstraße.
Brücken für den Genaustausch
Für die Tiere bedeuten die Überführungen und Brücken eine Verbindung ihres Lebensraumes und damit eine Erhöhung des Nahrungsangebotes. Im Fall der Goldenen Löwenäffchen wurde damit aber auch die Möglichkeit eines Genaustausches angestrebt. Nur noch 2.500 dieser kleinen Primaten leben in freier Wildbahn, wie Wissenschaftler schätzen.
Lediglich in einem eng begrenzten Gebiet bei Rio de Janeiro kommen die Goldenen Löwenäffchen vor. Ihr Lebensraum ist der Atlantische Regenwald. Der ist dort jedoch stark zerstückelt, so dass die verschiedenen Gruppen der Goldenen Löwenäffchen mehr oder weniger isoliert in kleinen Waldstücken leben. Das hat Auswirkungen auf die Fortpflanzung. Die grünen Brücken werden deshalb auch als wichtiger Beitrag für einen Genaustausch zwischen den Gruppen der Primaten gesehen.
Ebenso wichtig sind sie aber auch für die Autofahrer. Nur 19 Monate sind die Strukturen in Betrieb. Von der Betreibergesellschaft der Schnellstraße heißt es jedoch, dass schon jetzt weniger Unfälle mit Tieren registriert werden.
Noch gibt es in Brasilien wenige Überführungen oder grüne Brücken für Wildtiere. Lediglich im Bundesstaat Pará überqueren seit 2017 zwei grüne Brücken eine Eisenbahnlinie. Im Bundesstaat São Paulo wurde 2018 eine zehn Meter breite und 50 Meter lange Wildtierbrücke begrünt. Sie führt über die Rodovia dos Tamoios, eine Straße, die São Paulo über das Gebirge Serra do Mar hinweg mit der Küste verbindet.
Auch diese grüne Brücke wurde im Verbund mit weiteren, einfacheren Überführungen angelegt, die die Baumwipfel der einen Straßenseite mit denen der anderen Seite verbinden. Gedacht sind die mit Seilen bestückten Überführungen vor allem für die auf den Bäumen lebenden Tiere, allen voran den Affenarten, die sich nicht am Boden fortbewegen. Ihre Ausführungen sind unterschiedlich. Mal werden sie aus Holz erstellt, mal aus Stahl. Auch aufgespannte Netze dienen teilweise als Überquerungshilfen.
Jährlich sterben 475 Millionen Wildtiere auf den Straßen Brasiliens
Wie wichtig Überführungen und grüne Brücken für Mensch und Tier sind, verdeutlicht eine Studie des brasilianischen Ökologiezentrums der Universität Lavras (CBEE-UFLA). Nach dieser werden auf Brasiliens Straßen Jahr für Jahr durchschnittlich 475 Millionen Wildtiere überfahren. Mit 90 Prozent stellen vor allem Kleintiere wie Vögel und Frösche den Großteil. Aber auch große Tiere wie Capivaras und selbst der seltene Jaguar werden immer wieder Opfer beim Versuch, Straßen zu überqueren.
Eine grüne Brücke kann da eine Abmilderung schaffen. Ihrem Bau voraus gehen eingehende Studien darüber, an welchen Stellen es am häufigsten zu Überfahrungen kommt. Angelegt werden sie in der Regel für eine spezielle Tierart, wie im Fall von Rio de Janeiro für das Goldene Löwenäffchen. Für sie wird ihr Lebensraum auf der Brücke simuliert.
Je nach Lage und Ausstattung wird diese laut Spezialisten dann jedoch von 20 bis 50 verschiedenen Tierarten angenommen, darunter auch solche, die nur selten zu sehen sind. Auf der über die Rodovia dos Tamoios führenden grünen Brücke wurden nach nur einem Jahr der Bepflanzung von den selbstauslösenden Kameras beispielsweise bereits der südamerikanische Mähnenwolf, Wildhund und Ozelot registriert.
Beim Bau von Straßen sind in Brasilien zwar Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur vorgesehen. Zur Erstellung von grünen Brücken gibt es aber keine Verpflichtung. Dennoch scheinen sich diese nach und nach durchzusetzen. Für die geplante Verdoppelung der Staatstraße BR-280 in Santa Catarina wurde zumindest bereits der Bau einer grünen Brücke vorgesehen.