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Romane über Edison Wie Thomas Edison die Welt elektrifizierte
- Montag, 31. Juli 2017, 8:14 Uhr
Sie brachte Licht in die moderne Welt: die Glühbirne von Thomas Edison. Gleich zwei Romane erzählen die Geschichte jener Erfindung mit Schattenseiten.
Seine Augen müssen geleuchtet haben. Im Oktober 1879 bringt Edison – nach Jahren des Tüftelns und Forschens – endlich den Baumwollfaden in seiner Glühbirne zum Leuchten. Das erste Modell brennt noch nicht länger als zwei Stunden. Aber Edison erhält im Januar 1880 das Patent für seine «Electric Lamp».
Mit der Glühbirne hat Edison das Produkt, das die ersten Städte elektrifiziert. Die Zeitungen schreiben euphorische Berichte. Auch J.P. Morgan, der reichste Banker der USA, klopft bei Edison an. Mit der Elektrifizierung Amerikas wittert er ein lukratives Geschäft. So gründet Edison mit Morgans Geld die «Edison Electric Light Company».
Systemkrieg in der Industriegeschichte
Beim Versuch, den Elektrizitätsmarkt der USA zu erobern, trifft Edison auf einen starken Gegner: George Westinghouse, Erfinder der Druckluftbremse und Inhaber von Nikola Teslas Wechselstrompatenten.
Wechselstrom lässt sich günstiger verkaufen. Doch Edisons Beleuchtungssystem läuft mit Gleichstrom. Und so kommt es zum ersten grossen Systemkrieg der Industriegeschichte.
Der Kampf zwischen Edison und Westinghouse ist das Thema der beiden Romane «Licht» von Anthony McCarten und «Die letzten Tage der Nacht» von Graham Moore. Die Autoren erzählen die Geschichte jedoch aus zwei gegensätzlichen Perspektiven.
«Licht»: Die Geschichte eines moralischen Blackouts
Anthony McCarten beleuchtet das Leben Thomas Edisons auf mehreren Zeitebenen: vom schwerhörigen Jugendlichen, der begeistert die Telegrafie entdeckt, bis zum ernüchterten Greis, der die Jubiläumsfeier für seine Glühbirne schwänzt, um auf einem verlassenen Bahnhof über sein Leben zu sinnieren.
Prägend für Edisons Leben sind die Fahrwasser, in die er während seiner geschäftlichen Beziehung mit J.P. Morgan gerät. Am Tiefpunkt dieser moralischen Abwege steht seine Beteiligung am elektrischen Stuhl. Edison unterstützt dessen Entwicklung nur, um damit die tödliche Gefahr von Wechselstrom öffentlichkeitswirksam zu demonstrieren.
«Die letzten Tage der Nacht»: Ein Justiz-Thriller
Ganz anders begegnet man Edison im gut recherchierten Roman von Graham Moore. Hauptfigur ist der blutjunge – und historisch verbürgte – Anwalt Paul Cravath, der für seinen ehrlichen, wenn auch etwas bärbeissigen Mandanten George Westinghouse einen aussichtslosen Prozess führen soll. Der eiskalte Geschäftsmann Edison hat Westinghouse nämlich gleich 312 Mal verklagt.
Der Witz dieses Romans liegt nun darin, dass Paul Cravath in jeder Wendung, die der Stromkrieg nimmt, seine Finger im Spiel hat. Sogar als der exzentrische Erfinder Nikola Tesla bei einem Brandanschlag beinahe ums Leben kommt, befindet sich Cravath im selben Raum. Wenn er gegen Ende des Romans den Banker J.P. Morgan aufsucht, lanciert er damit die entscheidende Intrige.
Reif fürs Kino
Dass die versierten Drehbuchautoren Graham Moore und Anthony McCarten dieselbe Geschichte aufgreifen, entspricht einer gewissen Logik. Sie beide wissen, dass die Dramatisierung historischer Stoffe gerade hoch im Kurs steht, besonders wenn klingende Namen die Hauptrollen stellen.
Daher erstaunt es nicht, dass die elektrisierende Geschichte rund um die Glühbirne im Dezember in die Kinos kommt. Unter dem Titel «The Current War» wird Benedict Cumberbatch als Thomas Edison zu sehen sein.
Erstaunlich ist nur, dass keiner der beiden Autoren das Rennen gemacht hat. Zum Zuge kam das Drehbuch eines dritten Autors: Michael Mitnick. Wie er die Geschichte wohl erzählen wird?
Der Vater der Glühbirne
«Genialität besteht zu einem Prozent aus Inspiration und zu 99 Prozent aus Transpiration». Dies soll Thomas Edison gesagt haben. Am 18. Oktober 1931 ist er verstummt. Ein Rückblick.
Buchhinweise
- Anthony McCarten: «Licht». Diogenes, 2017
- Graham Moore: «Die letzten Tage der Nacht». Eichborn, 2017
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