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Links zu den einzelnen Kapiteln:
der Ritterschlag zu Sir Paul
zurück zu den Beatles-Standards
Oobu Joobu und die Single B-Seiten
ein kleiner Skandal um die Videoclips
In The World Tonight Videodokumentation
die Versionen
Rezeption und Statistik
Die Beatles vereinbarten untereinander, dass die in den «Anthology» Jahren 1995/96 keine neuen Alben veröffentlichen würden, um sich nicht selber zu konkurrenzieren. Nach dem Album «Off The Ground» 1993 und der «New World Tour» im selben Jahr, konzentrierte sich Paul für die nächsten zwei Jahre auf das «Anthology»-Projekt mit Buch, TV-Special, und Videodokumentation, worin die Beatles ihre eigene Geschichte erzählen. Und drei Doppelalben mit Live-Aufnahmen, unveröffentlichten Songs und Outtakes aus dem Studio. Neben der Anthology komponierte Paul zur selben Zeit seine symphonische Dichtung «Standing Stone», eine Auftragsarbeit zum 100-Jahr-Jubiläum von EMI Records, die im September 1997 erscheinen sollte. Und privat nahm ihn ab Ende 1994 Linda McCartneys Brustkrebs-Erkrankung in Beschlag, an der sie im April 1998 sterben sollte.
der Ritterschlag zu Sir Paul
1997 begann mit einem Paukenschlag: Wie immer gab das britische Königshaus an Neujahr die Ernennungen in den Ritterstand bekannt, auf Vorschlag von Premierminister John Major sollte Paul McCartney in den Adelstand erhoben werden. Am 11. März 1997, zwei Monate bevor «Flaming Pie» in die Läden kam, schlug Queen Elisabeth 2 Paul McCartney zum Ritter.
Paul McCartney zeigt die Medaille, die er anässlich seines Ritterschlages erhalten hat.
Als elfjähriger gewann Paul 1953 anlässlich der Krönung von Elisabeth einen Aufsatzwettbewerb, es war eine Lobeshymne auf die schöne, junge Königin. 1965 wurden die Beatles mit dem Member Of The British Empire Orden MBE ausgezeichnet, der untersten Stufe der britischen Auszeichnungen. 32 Jahre später erhielt Paul die höchste Auszeichnung und wurde in den Adelsstand erhoben. Eigentlich hätte «Her Majesty» nicht auf «Abbey Road» gehört, doch ein Tontechniker fügte den McCartneys Songschnippsel als Hidden Track an. Der Song zeigt die Ambivalenz der Briten zu ihrer Königin: «Her Majesty is pretty nice girl but she hasnt a lot to say».
Nach seinem 40. Geburtstag begann McCartney zu malen und als Sujet beschäftigte ihn kleine hübsche Königin noch immer. So malte er 1991 die Königinnen-Trilogie, die Königin über einen Witz lachend, eine grünere Königin und die Königin nach ihrer ersten Zigarette. «Wir dürfen uns über die Königin lustig machen. Sie ist keine Diktatorin», so Paul zu seinen Gemälden.
Paul McCartneys Queen Trilogie von 1991: «The Queen after her first cigarette» (links), «A greener Queen» (mitte) und «The Queen Getting a Joke».
Alle Bilder von paulmccartney.com
Am 11. März 1997 fuhr Paul McCartney in seiner dunkelblauen Mercedes Limousine beim Buckingham Palast vor. Einige hundert Fans hatten sich vor dem Tor versammelt und kreischten. «Ein wunderschöner Tag und ein langer Weg hierher von der kleinen Terrace Street in Liverpool», scherzte Paul nervös mit den Reportern. Mit einem Victory-Zeichen betrat McCartney den Palast. Danach folgte er dem Protokoll und kniete ernst vor der Königin, die ihn adelte. Kein heimliches Kiffen in den Toiletten des Buckingham Palastes mehr mehr wie 1965, als die Beatles den MBE Orden erhielten. «Es ist seltsam, ohne die anderen drei hier zu sein. Ich schaue ständig hinter mich, ob sie nicht doch da sind», so Paul zu den Reportern. Weder Ringo Starr noch George Harrison waren an der Zeremonie zugegen, sie nannen Paul später «Seine Heiligkeit». Zwanzig Jahre später, 2017, wurde Ringo Starr ebenfalls zum Ritter geschlagen und kann sich nun Sir Richard Starkey nennen.
Aufmerksamen Beobachtern fiel auf, dass nicht nur die anderen Beatles nicht anwesend waren, sondern auch, dass Pauls Frau Linda fehlte. Zu stark war sie durch den Krebs geschwächt. «Das beste am ganzen ist, dass wenn Linda und ich alleine in den Ferien sitzen und einen Sonnenuntergang geniessen, ich mich zu ihr umdrehen und sagen kann: ‹Hey, du bist eine Lady. Was lächerlich ist, weil du aus deinem Mädchen eine Lady machen musst – obwohl sie (Linda) das für mich sowieso schon immer war», so Paul zu seinem Fan Club. Und würdigte seinen Ritterschlag: «Es ist eine grosse Ehre.»
zurück zu den Beatles-Standards
Doch nun zurück zu
Die Beatles «Anthology» wurde veröffentlicht, Paul erinnerte
sich an das Arbeiten früher und nahm die Songs in der
alten Arbeitsweise auf. Am Tag als «Free As A Bird» veröffentlicht
wurde, begannen die Aufnahmen der wunderbaren Ballade «Little
Willow». «Little Willow» ist ein Song für Pauls Familie
um sie über Tod einer engen Freundin hinwegzutrösten.
Paul meinte im Club Sandwich, der Zeitung seines Fa(u)n Clubs,
obwohl es eigentlich ein Freudentag für ihn hätte
sein müssen, nämlich die erste Veröffentlichung
der Beatles nach einem Vierteljahrhundert, nahm er diesen
traurigen Song auf. Man solle nicht zu viel hinein interpretieren.
Waren auf «Flowers In The Dirt» (1989) viele Produzenten und Gastmusiker
mitdabei und «Off The Ground»(1993) ein Bandalbum, so
ist «Flaming Pie» sozusagen fast ein Soloalbum. Jeff
Lynne, Ringo Starr und Linda waren die einzigen Begleitmusiker.
Multiinstrumentalist McCartney spielte wie auf den Alben «McCartney» (1970) und «McCartney 2» (1980) beinahe alle Instrumente
selber. George Martin, eigentlich schon im Ruhestand, konnte
Paul für «Beautiful Night» an Bord holen.
Vier Songs nahmen
Paul und Steve Miller auf, Drei davon schafften es aufs Album: «Young Boy», «If You Wanna», und «Used To Be Bad». Nur
der wunderbare Blues «Broomstick» ist ausschliesslich
auf der 2. britischen «Young Boy»-Single zu finden. Während
Jeff Lynnes Gitarrenspiel eher verhalten klingt, gibt Steve
Miller bei «If You Wanna», einem wunderbaren Driving
Song, und «Used To Be Bad», einem in einer zweistündigen
Jamsession entstandenen Texas Blues, ist die Exzellenz kleiner
Meisterwerke. Letzterer trägt gar die Autorenschaft
Miller/McCartney und nicht umgekehrt! Und gar eine Songwriting-Premiere
ist auf «Flaming Pie» zu finden: «Really Love You», das auch mehr nach Jam Session klingt, wurde von Paul und
Ringo Starr geschrieben.
Skizzenbuch
und Archiv
Paul wurde immer wieder vorgehalten, dass er seine Alben zu
perfekt produziere. «Flaming Pie» kommt rauh und ungeschliffen
daher. In der Tat hat «Flaming
Pie» etwas Skizzenbuchhaftes wie es das «Weisse Album» hatte.
Es sind viele neue Songs darunter, aber auch zwei alte: «Beautiful
Night», eine Ballade in bester McCartneymanier wie «My
Love», «Long & Winding Road» oder «No More Lonely Nights», hatte Paul während den «Press To Play» und «Flowers
In The Dirt» Sessions aufgenommen. War aber nie zufrieden
mit dem Song. Aber alle Leute sagten ihm, wie grossartig er
wäre. Deshalb habe er ihn mit Ringo neu eingespielt. Und Paul
freut sich über den gelungengen Schluss, bei dem Ringo
zu hören mit «Well We're on our way!» ist. «Great Day» spielte Paul Anfang der 70er-Jahre seinen
Kindern vor. Die Message ist auch Kinderleicht: Wenn du erwacht
bist, sag um himmelswillen dass es ein grossartiger Tag wird.
Während du noch dort stehst geh und bring noch einen
Stuhl mit. Es wird ein grossartiger Tag werden. «Beautiful
Night» und «Great Day», so Paul weiter in einem Interview, sind
ein grossartiger, weil positiver, Abschluss für ein Album
Die LP erschien in einem Klappcover. Hier die Innenseite.
der neue
McCartney Sound
«Heaven On A Sunday» ist von allen guten Songs auf dem
Album derjenige, welcher am besten ist. Er geht ins gleiche
Kaliber wie «Peace In The Neighbourhood» auf «Off The
Ground» oder «Don't Let Me Down», der B-Seite von «Get Back» anno 1969. McCartney hat eine neue Soundfarbe
entdeckt. Sein Sohn James spielt das Gitarrensolo. «Heaven
On A Sunday» beschreibt das wunderbare Gefühl, wenn
es einem gut geht und man glücklich verliebt ist: «Peaceful,
like Heaven On Sunday, Wishful, not thinking what to do».
Und der Refrain beschwört immer wieder «If I Only
Had One Love Yours Would Be The One I Chose.» Bei «Somedays» werden bei vielen Leuten Erinnerungen an «Eleanor Rigby» wach. Kunststück! kann man da nur sagen. Der gute
alte Geoffry Emerick, welcher Paul seit Revolver begleitet,
war auch hier der Toningeneur.
Zusammenfassend
lässt sich sagen, dass Flaming Pie keine Hitsingle wie «Hope Of Deliverance» hat, die sich über vir Millionen
Mal verkaufte, aber mit «Calico Skies», «Beautiful Night»,
«Somedays» und «Heaven On Sunday» hat Paul Songs geschrieben,
die besser sind, als so manches, was er zu Beatleszeiten
aufgenommen hat. Wenn das nächste Album auch so ein Hit
wird, kann man sich auf Pauls Alterswerk freuen! Die einzige
Bedingung, die er dazu erfüllen muss, ist, dass er sich wie
bei «Flaming Pie» zum Ziel setzt, dass ihm jeder
Song auf dem Album gefallen wird.
die Versionen
Gliechen die letzten Alben wahren Materialschlachten mit verschiedenen Versionen, wurde «Flaming Pie» in wohltuend wenig Versionen veröffentlicht: Nämlich bloss auf CD und in geringer Stückzahl noch auf Schallplatte und Musikassette. Auf allen Formaten waren dieselben 14 Songs enthalten. «In The World Tonight» erschien auf VHS-Kassette, in Japan als Laserdisc und in den USA als DVD. Von den Singles gab es je eine 7"-Picture-Disc sowie zwei Versionen der CD-Single mit anderen B-Seiten, so dass man ingesamt sechs Singles mit sechs Teilen von «Oobu Joobu» hatte. Auch als 2007 das Album digital im iTunes-Store veröffentlicht wurde, hatte sich nichts an der Zusammenstellung geändert.
Die Deluxe-Edition der «Archive Collection»-Wiederveröffentlichung von 2020.
Rezeption und Statistik
Die Weltwoche jubelte, McCartney hätte seine Stimme
wiedergefunden, die er zuletzt auf dem «Weissen Album» gehabt hätte und attestierte «Calico Skies» und «Great Day» die selbe
Klasse wie «Mother’s Nature Son». Nick Joyce
schrieb im Tages Anzeiger, die beste Tat McCartneys wäre,
dass er Steve Miller wieder entdeckt hätte. Anthony Decurtis gab im Rolling Stone nur drei von fünf Sternen, bezeichnet «Flaming Pie» als durchsetzungsfähig ohne devensiv zu sein, bzw. wissend ohne trendy zu sein. Und Steven Thomas Erlewine kommt auf allmusic.com zum Schluss, McCartney wäre immer dann am besten, wenn er sich nicht so sehr bemüht und seine müheloses melodisches Talent zum Vorschein kommt. Erlewine gibt 5,5 von 6 Sternen.
«Flaming Pie» gilt als heute Klasiker in Paul McCartneys Katalog und ist sein erfolgreichstes Album der 1990er-Jahre, bis 2007 verkaufte es sich 1,5 Millionen Mal. Sowohl in England als auch in den amerikanischen Billboard-Charts erreichte «Flaming Pie» den zweiten Rang hinter «Spice» von den Spice Girls. In den USA war es die höchste Chartplatzierung seit «Tug Of War» 1982. In England, den USA, Norwegen und Japan wurde das Album mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet. «Flaming Pie» war 1998 auf der Shortlist des Album des Jahres, unterlag aber Bob Dylans «Time Out Of Mind».
Neben den USA und England war «Flaming Pie» in den meisten Ländern ein Topten-Album: In Italien und Norwegen erreichte es Rang 3, in Dänemark Rang 4, in Spanien Rang 5, Deutschland und Österreich vermeldeten Platz 6, Australien und Holland Platz 9. Kanada und die Schweiz beschliessen den Topten-Reigen mit je einem 10. Rang. Schweden notierte Rang 11, Japan Rang 14 und Flandern Rang 19. Neuseeland und Frankreich (je Rang 23), Finnland (Rang 28) und Wallonien (Platz 29) beschliessen die Top-30 Platzierungen.
Ein Blick auf die Singlecharts zeigt, dass sich Paul McCartney in den 90er-Jahren, angefangen mit «Hope Of Deliverance» (1993) vom angelsächsischen zum globalen Topseller mauserte, dessen Singles sich in der weiten Welt besser als in den beiden Heimmärkten England und USA verkauften.: «Young Boy» erreichte in England den 19 Rang, in den USA wurde die Single nicht veröffentlicht. In Spanien und Peru errichte «Young Boy» mit Rang 3 und 4 die Top 5, Flandern meldete Rang 11 und Norwegen Rang 19, Kanada (Rang 22), Tschechien (Rang 24), Kanada (Rang 28) und Österreich (Rang 30) beschlossen die Top 30. Island notierte den 35. Platz, Schweden den 41. Holland vermeldete Rang 53., Deutschland Rang 55., Argentinien Rang 57. und Australien beschliesst den Chartreigen mit Platz 60.
«The World Tonight» erreichte in England und den US-Billboard Mainstream Rock Charts je Rang 23, in den Billboard Hot 100 resultierte Rang 64. Die Höchste Platzierung meldete Canada in den Top Singles auf Rang 14 und in der Kategorie Adult Contemporary mit Rang 19. In Holland (Platz 68) und Peru (Platz 70) gab es weitere Hitparadenplätze. «Beautiful Night» erreichte in England Rang 25 und in Holland Platz 75. In den USA wurde auf eine Veröffentlichung verzichtet.
In der Schweiz konnte sich keine der Singles in den Charts platzieren, was u.a. daran lag, dass die schweizerischen Radiostationen zwar viele Songs wie «Little Willow» von «Flaming Pie» in ihren Programmen spielten, aber nicht unbedingt aber die Singles.
Ende 1997 sprach Pauls Fanclub von einem «groundbreaking year». Mit dem Tod von Linda im April 1998 folgte der Tiefpunkt auf dem Fuss.
Foto: maccacollector.com