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Chris McSorley (55) ist nicht mehr Trainer von Servette und zum General Manager wegbefördert worden. Das Scheitern der kanadischen Besitzer ist programmiert.
Was ist der Ritterschlag für einen Hockey-Trainer? Die Bestätigung dafür, bereits im Amt eine Legende geworden zu sein? Wenn eine Entlassung undenkbar wird. Wenn der Weg zur Entpflichtung die Beförderung nach oben ist. So wäre es bei Arno Del Curto in Davos. Für ihn würde wohl da Amt seines lebenslänglich bezahlten Ehrentrainers geschaffen. Oder in Bern würde Marc Lüthi zum Verwaltungsratspräsidenten befördert.
Servettes kanadische Investoren um Mike Gillis hatten ein Problem zu lösen: Wie können wir uns Chris McSorley entledigen ohne dass es in der Stadt zu Aufruhr kommt und der Klub den politischen Rückhalt verliert?
Mit ihrem Marionetten-Präsidenten Hugh Quennec haben sie nun einen famosen Plan umgesetzt: Sie haben Chris McSorley auf den prestigeträchtigen Posten eines General Managers «hinaufgeschoben.» Götterdämmerung. Es ist der Anfang vom Ende eines Hockey-Märchens, das mit der Ankunft von Chris McSorley und seinen US-Investoren im Sommer 2001 und dem Aufstieg in die NLA im Frühjahr 2002 begonnen hat.
Die Amerikaner sind längst ausgestiegen und haben den Klub Chris McSorley überlassen, der vorübergehend als Besitzer, Manager und Cheftrainer «Alleinherrscher» wird. Als die Finanzierung immer grössere Probleme bereitet, holt Präsident Hugh Quennec kanadische Investoren und kauft Chris McSorley die Anteile am Unternehmen für rund vier Millionen ab. Der smarte Kanadier sieht die heraufziehenden unlösbaren finanziellen Probleme ohne neues Stadion besser als sein Präsident und nützt schlau die Gunst der Stunde zum Verkauf.
Die neuen Besitzer um Mike Gillis wollen nicht Geld ausgeben, sondern so bald wie möglich Geld verdienen. Es sind Hockeyimperialisten ohne Sensibilität für die ganz besonderen Verhältnisse im helvetischen Hockeymarkt.
Chris McSorley, der Servette zum bestfunktionierenden Sportunternehmen der Westschweiz aufgebaut hat und diesen Klub personifiziert, stand den Kanadiern bei der Umsetzung ihrer erzkapitalistischen Philosophie, wie wir sie von ihren Landsleuten schon in Kloten kennengelernt haben, im Wege. Aber eine Entlassung des charismatischen Schöpfers des modernen Servette ist nicht möglich.
Chris McSorley ist zu beliebt in der Stadt und bei den Sponsoren. Und ohne ihn würden auch noch die letzten minimalen Chancen auf eine neue Arena entschwinden. Also ist er nun zum «König von Genf» befördert worden. Er bekommt ein prestigeträchtiges Amt in einem schönen Büro und darf so tun, als sei es sein Entscheid. So wird der Anschein erweckt, alles sei in bester Ordnung und man gehe herrlichen Hockey-Zeiten entgegen. Happy Chris, Happy Servette, Happy Genf.
Aber Chris McSorley hat, da er seine Anteile verkauft hat, nur noch Prestige, Popularität und symbolische Macht. Wie die Königin von England.
Kann Servette mit einem General Manager Chris McSorley funktionieren? Theoretisch ja. Praktisch nein. Denn erstens haben die kanadischen Besitzer in allen wichtigen Entscheidungen das letzte Wort. Chris McSorley ist als Manager bloss eine «Lame Duck» («lahme Ente»). Und zweitens kann in Genf ein Trainer unter Chris McSorley so wenig Gestaltungskraft entfalten wie unter einem General Manager Arno Del Curto in Davos. Oder wie in Bern ein General Manager wenn Marc Lüthi sich auf den Posten des Verwaltungsratspräsidenten zurückziehen würde.
Am ehesten würde die «Zirkuslösung» mit dem bisherigen Assistenten Louis Matt und seinem Zwillingsbruder René Matt, dem früheren Assistenten bei Gottéron funktionieren. Die beiden würden als Trainer und Coaches gar nicht erst irgendetwas anderes denken und tun als das, was ihnen Chris McSorley empfiehlt.
Die kanadischen Besitzer dürften so scheitern wie zuvor die Hockey-Imperialisten in Kloten – und Chris McSorley hat gute Chancen, der Hans-Ueli Lehmann der Westschweiz zu werden: Wenn die neuen Besitzer die Lust verlieren, wird er für sehr wenig Geld das Unternehmen zurückkaufen, clever die Schulden noch von den alten Besitzern begleichen lassen, von vorne anfangen und Servette wieder nach seinem Willen formen können. Wenn er denn will.
Aber so lange in Genf keine neue Arena gebaut wird, gibt es in diesem Hockey-Märchen kein Happy-End. Politik und Wirtschaft haben es in Genf bisher versäumt, die «Belle Epoque» zum Bau eines Stadions zu nutzen, die ihnen Chris McSorley beschert hat. Zu frisch sind wohl die Erinnerungen an die Fehlinvestition ins neue Fussballstadion.
Nach wie vor ist nicht ausgeschlossen, dass Chris McSorley in absehbarer Zeit Genf verlassen wird. Wohin geht er dann? Zurück nach Nordamerika? Oder baut er in der Schweiz, in Lugano, in Lausanne oder in Fribourg eine Dynastie auf?