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Dr. Rainer Kündig, Vorstandsmitglied und ehemaliger
Co-Geschäftsführer des «Netzwerk Mineralische
Rohstoffe Schweiz» (NEROS). Er leitete während fast
30 Jahren die Schweizerische Geotechnische
Kommission an der ETH Zürich, wo er weiterhin im
Fachbereich «Angewandte Mineralogie» doziert.
Herr Dr. Kündig, sind Hohlräume im Untergrund etwas Aussergewöhnliches?
Nein. Natürliche Hohlräume kommen in den oberen Schichten der Erdkruste sehr häufig vor. Diese sind uns allen auch als Höhlen bekannt. Unsere Vorfahren, die Höhlenbewohner, nutzten diese als Schutz und Wohnraum.
Wie entstehen diese Hohlräume und was geschieht mit ihnen über die Zeit?
Die meisten Höhlensysteme entstehen dadurch, dass zirkulierendes Wasser unterirdische Gesteinsschichten löst. So entwickeln sich über Jahrtausende riesige, vernetzte Höhlensysteme im Untergrund. Berühmte Beispiele in der Schweiz sind das weit verzweigte Hölloch im Muotatal mit über 200 Kilometer Länge oder der unterirdische See in Saint-Léonard im Wallis.
Sind solche natürlichen Hohlräume einsturzgefährdet?
Die natürlichen Hohlräume sind in der Regel stabil. In unmittelbarer Nähe zur Erdoberfläche können sich jedoch trichterförmige Senkungen an der Oberfläche bilden. Ein Beispiel dafür sind Dolinen in Karstgebieten.
Kann man die Kavernen, die bei der Salzgewinnung entstehen, mit natürlichen Hohlräumen im Untergrund vergleichen?
Die Kavernen, die bei der Salzgewinnung entstehen, werden schneller gebildet als natürliche Höhlen. Sie sind aber nicht vernetzt untereinander, was bedeutet, dass kein Wasser zirkuliert.
Wie können Geologen die Entwicklung von natürlichen oder absichtlich geformten Kavernen beurteilen?
Die Geologen nehmen mittels geophysikalischer Messmethoden an der Oberfläche sowie mit Sonden und Robotern direkt in den Kavernen dreidimensionale Messungen vor. Diese liefern exakte Erkenntnisse über die Dimensionen der Hohlräume. Auf Basis von diesen Messergebnissen, geologischen Erfahrungswerten und Kenntnissen über die spezifischen Gesteinsschichten können die Geologen bei absichtlich geformten Kavernen präzise Prognosen stellen, wie sich diese entwickeln.
Kann der Mensch diese Entwicklung beeinflussen?
Natürliche Hohlräume sind durch Menschen nur wenig beeinflussbar. Das ist bei absichtlich geformten Kavernen anders: Mit der heute verfügbaren Technologie können Bohrfachleute deren Entwicklung metergenau überwachen und steuern. So berechnen sie beispielsweise exakt, wie dick die Salzschicht sein muss, die sie zwecks Stabilität über der Kaverne stehen lassen. Falls nötig stoppen sie die Laugung und damit das Wachstum der Kaverne.