Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03170.jsonl.gz/787

Am 13. Oktober 1921 wurde im neuen Alfa-Romeo-Showroom an der Via Dante 18 in Mailand der RL präsentiert. Es gab von Anfang an zwei Versionen, den Normale (2916 cm3, 56 PS) und den Sport (2994 cm3, 71 PS); speziell war an dieser Maschine, dass sie über eine seitliche liegende Nockenwelle verfügte, die sowohl über Stossstangen wie auch Kipphebel die hängenden Ventile betätigte. Dazu gab es auch noch eine Trockensumpfschmierung. Schon frühe Varianten verfügten rundum über Trommelbremsen. Das Fahrzeug, das als Alfa Romeo RL Targa Florio in die Geschichte einging, hatte gegenüber dem Sport einen nochmals verkürzten Radstand (2,88 anstatt 3,14 Meter), und auch ein paar Pferdchen mehr, nämlich derer 95. Der Wagen, dessen Hubraum 3154 cm3 betrug, war von Anfang an siegfähig. Seinen grössten Auftritt hatte er an der Targa Florio von 1923, wo Ugo Sivocci den ersten von insgesamt 10 Siegen von Alfa Romeo bei diesem so legendären Rennen auf Sizilien nach Hause fahren konnte. Doch eigentlich schrieb nicht Sieger Sivocci Geschichte, sondern Antonio Ascari, der als Zweiter ins Ziel kam (und der Vater des grossen Alberto Ascari war). Es begab sich so: Ascari führte das Rennen souverän an, als in der letzten Runde kurz vor dem Ziel der Motor seinen Dienst quittierte. Ascari und sein beifahrender Mechaniker prügelten auf den Wagen ein, doch erst ein paar herbeigeeilte Alfa-Mechaniker konnten die Maschine wieder zum Leben erwecken. Ascari packte sie alle ins und aufs Auto, mit fünf Personen an Bord überquerte der Alfa als vermeintlicher Sieger die Ziellinie. Doch die Stewards – gab es schon damals – waren der Meinung, dies sei nicht reglementskonform, Ascari müsse mit seinem eigenen Mechaniker ins Ziel kommen. Also fuhr dieser auf der Rennstrecke zurück, konnte dort aber seinen Beifahrer nicht finden, deshalb packte er kurzerhand einen verdutzten Zuschauer in den Wagen und raste wieder ins Ziel. Für den Sieg reichte es aber nicht mehr, den holte wie erwähnt Sivocci. Es war dies übrigens auch aus anderen Gründen ein wichtiger Tag für Alfa Romeo. Denn nach dem Rennen pinselten die Mechaniker das «Quadrifoglio Verde», das vierblättrige Kleeblatt auf den Wagen von Ascari. Ob das Glückssymbol auch als Erinnerung an die vier Mechaniker in und auf Ascaris Fahrzeug dienen sollte, ist nicht mehr bekannt.
Mehr klassische Alfa Romeo gibt es immer auf www.radical-mag.com.
Photos: ©Peter Ruch.