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Eine seit Jahrzehnten geltende Zollerleichterung ermöglicht es, dass Brotweizen mit reduzierten Zöllen in die Schweiz eingeführt werden kann, sofern mindestens 55 % des gewonnenen Mehls für technische Zwecke bestimmt sind. 20 % der eingeführten Mengen können in den Brotsektor gelangen, und dieses Verfahren wird vom Bundesrat in Frage gestellt.
Die Herstellung von Stärke in der Schweiz ist nur möglich, wenn die Rohstoffe (Getreide) zu reduzierten Zöllen importiert werden können und ein Teil des gewonnenen Mehls im Brotsektor verwertet werden kann. So muss ein Müller, der 100 kg Getreide zur Herstellung von Stärke importiert, mindestens 55 kg davon für diesen Zweck reservieren, während 20 kg in Form von Backmehl auf dem inländischen Markt verkauft werden können (die restlichen 25 Kilogramm sind Nebenprodukte der Müllerei). Rund 10’000 Tonnen Mehl (entspricht 13’000 Tonnen Getreide) landen so auf dem Schweizer Brotmarkt, obwohl sie zu einem reduzierten Satz importiert wurden.
Der Bundesrat möchte diese Ausnahmeregelung seit Jahren abschaffen. Die Motion Knecht möchte hingegen eine Lösung finden, um sie beizubehalten. Was steht für die Getreideproduzenten wirklich auf dem Spiel?
Diese Zollerleichterungen werden fälschlicherweise als „eines der wichtigsten Dossiers des Schweizer Getreidemarktes“ betrachtet, erweisen sich aber im Gegenteil als eher marginal für den einheimischen Markt.
Eine Aufhebung der Zollerleichterungen für technisches Mehl würde eventuell einen Marktanteil von 13’000 Tonnen Getreide zurückbringen, sofern die Mehlkäufer nicht den Import von Fertigprodukten bevorzugen. Das ist die kurzfristige Überlegung.
Mittelfristig muss man sehen, dass die Verarbeiter (Müller) rund 50’000 t Getreide zum Mahlen verlieren würden, was fast 10 % des Brotgetreide-Gesamtvolumens entspricht. Was würde in diesem Fall passieren, wenn man bedenkt, dass sich die grossen Mühlen bereits in einer Situation der Überkapazität befinden? Die Antwort ist klar: eine Strategie zur Senkung ihrer Produktionskosten und damit einhergehend Druck auf die Getreidepreise.
Der SGPV analysiert die mittel- und langfristige Situation und ist der Ansicht, dass es klüger ist, eine finanziell gesunde Mühlenstufe zu erhalten, als kurzfristige Risiken einzugehen, die weitaus schädlichere Auswirkungen für die Produzenten haben könnten.
Die von der Agrarpolitik angestrebte Extensivierung der Produktion verstärkt die Schwankungen bei den Erträgen und der Qualität unserer Ernten. Es wird immer schwieriger, die Nachfrage auf dem Markt zu befriedigen. In einer solchen Situation ist es klüger, den Status quo zu verteidigen, als neue Marktanteile anzustreben, die möglicherweise durch Importe gedeckt werden müssen, weil es in der Schweiz keine ausreichenden Mengen gibt.
SGPV, Bern, 06. November 2023
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