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Versauerung der Meere und Hochwasser
Durch den Klimawandel verschwinden immer mehr Korallenriffe. Foto: mychadre77 / iStock / Thinkstock
Probleme der Ozeane
Den Ozeanen kommt bei der Klimakontrolle eine Schlüsselrolle zu. Auch wenn wir das Gefühl haben, die Temperaturunterschiede zwischen der eisigen Kälte einer winterlichen Arktis und einer heissen Wüste im Sommer seien beträchtlich, so wären sie noch grösser ohne die massiven wärmespeichernden Wassermassen der Ozeane.
Die Ozeane absorbieren Wärme und geben diese stetig, aber sehr langsam wieder an die Umgebung ab. Das Oberflächenwasser nimmt die Wärme der Sonnenstrahlen auf und verteilt sie über Tausende von Kilometern via Oberflächen- und Unterwasserströmen über den Ozean.
Diese Wasserzirkulation ist extrem wichtig für das Klima auf den Kontinenten. Das gemässigte Klima hat Europa zum Beispiel dem Golfstrom zu verdanken. Die Meeresströmung wärmt sich im Golf von Mexiko auf, zirkuliert über den Atlantik und gibt die Wärme in Europa ab. Deshalb ist das nordwesteuropäische Klima viel milder als andernorts bei den selben Breitengraden.
Die Ozeane haben einen entscheidenden Einfluss auf das Erdklima. Sie wirken als Kohlendioxid-Senker (CO2-Senker). Das heisst, dass sie mehr CO2 aufnehmen als sie wieder an die Atmosphäre abgeben. Dabei nimmt vor allem das Phytoplankton CO2 auf und wenn es abstirbt, sinkt es als organisches Material an den Meeresgrund und wird so der Atmosphäre entzogen. Ausserdem geben diese winzigen Meerespflanzen zu Lebzeiten Sauerstoff ab - und zwar rund die Hälfte dessen, was wir Menschen und alle an Land lebenden Tierarten einatmen.
Doch durch die fortschreitende Abgabe von CO2 in die Atmosphäre sinkt die Fähigkeit der Ozeane, als Puffer für das Erdklima zu dienen. Gäbe es die Ozeane nicht, dann wären die Auswirkungen des Klimawandels heute bereits viel stärker spürbar. Forscher glauben, dass der Treibhauseffekt neben der Erwärmung der Meere auch tropische Stürme und schwere Niederschläge zur Folge haben wird. Diese könnten die Erosion der Böden begünstigen.
Korallen-Problem und Versauerung der Meere
Äusserst sensibel reagieren Korallen auf die Erwärmung der Erdatmosphäre. Bereits bei einem geringfügigen Ansteigen der Wassertemperatur beginnen die Polypen ihre Symbionten abzustossen: die Korallenstöcke bleichen aus.
Das Korallenproblem ruft nicht nur Naturschützer auf den Plan, die sich um die einmalige Artenvielfalt sorgen: Korallen sind für viele Nationen ein wichtiger Küstenschutz und Wellenbrecher. Der Fischreichtum der Korallenriffe sichert zudem vielen Menschen der Südhalbkugel ein regelmässiges Einkommen.
Neueste Untersuchungen haben gezeigt, dass CO2 im Wasser chemisch aktiv ist und den pH-Wert senkt. Dies führt zu einer Versauerung der Meere. Der tiefe pH-Wert stellt Steinkorallen und Planktonorganismen wie Kalkalgen vor grosse Probleme: Er behindert die Skelettbildung und führt zudem dazu, dass sich bestehende Kalkskelette auflösen. Da Plankton am Anfang der Nahrungskette im Meer steht, könnte diese Entwicklung verheerende Folgen für das ganze Ökosystem im Meer haben.
Meeresspiegel-Anstieg
Der Meeresspiegel ist in den letzten hundert Jahren weltweit um 10 bis 25 Zentimeter gestiegen. Wissenschaftliche Klimamodelle zeigen, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 noch einmal um 15 bis 95 Zentimeter ansteigen wird. Das ist zwei bis fünf Mal mehr als zwischen 1900 und 2000. Regionen unter einem Meter über Meeresspiegel - Bangladesch, Florida, Manila oder Kalkutta - werden überflutet.
Hochwasser
Ebenfalls prognostiziert die Wissenschaft aufgrund der Klimaerwärmung häufigere und ausgiebigere Starkniederschläge. Diese können an Flüssen und Seen Hochwasserkatastrophen auslösen, wie dies im August 2005 in der Schweiz geschah.
Die damalige Wettersituation - feuchtwarme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum stiessen auf kühle Luft aus der Nordsee - löste Rekordmengen von Niederschlägen aus. Die Böden in den betroffenen Regionen waren bereits vorher nass und vermochten den zusätzlichen Regen kaum mehr aufzunehmen. Innerhalb weniger Stunden stiegen Flüsse und Seen auf bisher nie gemessene Pegel an und traten über die Ufer.
- Im 20. Jahrhundert nahm die Durchschnittstemperatur weltweit um 0.4 bis 0.8 Grad Celsius, in der Schweiz sogar um 1.4 Grad Celsius zu.
- Seit 1966 hat die Schneedecke in der Nordhemisphäre um 10 Prozent abgenommen.
- Im 20. Jahrhundert haben sich die Gletscher weltweit zurückgebildet. Die Schweizer Gletscher haben zwischen 1864 und 2005 beinahe die Hälfte ihres Volumens verloren.
- Im März 2006 war die Meeres-Eisdecke der Arktis so dünn wie nie zuvor. Innerhalb eines einzigen Jahres ist hier eine Eisfläche von der Grösse Italiens geschmolzen.
- Im 20. Jahrhundert sind die Meeresspiegel weltweit um 10 bis 20 cm angestiegen. Die Messungen der NASA ergeben, dass der Meeresspiegel zwischen 1993 und 2005 um 3.6 cm gestiegen ist.
- In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben schwere Wetterereignisse auf der Nordhalbkugel um 2 bis 4 Prozent zugenommen.
- Hitzewellen wie El Niño wurden häufiger, intensiver und länger seit den 70er Jahren. In gewissen Regionen Asiens und Afrikas hat die Häufigkeit und Intensität von Dürren in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen
Quelle: WWF