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Hintergrund
Das Parfum «Miss Dior» ist nicht nur ein Bestseller. Es ist auch eine Hommage an eine bemerkenswerte Frau: Catherine Dior, die mutige Schwester des Modedesigners.
Der rosafarbene Flakon. Die Schleife. Der florale Duft. Der Name: Das Parfum «Miss Dior» kommt auf den ersten Blick sehr mädchenhaft daher. «Wenn wir den Namen ‹Miss Dior› hören, stellen wir uns eine junge, lebensfreudige, vielleicht sogar leichtsinnige Person vor», sagt auch Frédéric Bourdelier, Directeur Culture de Marque & Heritage bei Maison Christian Dior. «Die echte Miss Dior aber gab es. Sie hatte eine starke Persönlichkeit, ziemlich streng, und sie war von grosser Ernsthaftigkeit: Catherine Dior, die Schwester von Monsieur Christian Dior».
Mitglied der Résistance
Die 12 Jahre Jüngere war eine der wichtigsten Bezugspersonen für den französischen Designer. Und eine Widerstandskämpferin gegen die Nazis. Als solche spielt sie auch in der aktuellen TV-Serie «The New Look» auf Apple TV eine wichtige Rolle.
1941 lernte sie Hervé des Charbonneries kennen und lieben. Er war Mitglied der Résistance. Catherine schloss sich ebenfalls der französischen Widerstandsbewegung an, sie schrieb Berichte und gab sie weiter. 1944 wurde sie von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager in Ravensbrück gebracht.
«Die echte Miss Dior aber gab es, und sie war von grosser Ernsthaftigkeit: Catherine Dior, die Schwester von Monsieur Christian Dior.»Frédéric Bourdelier, Directeur Culture de Marque & Heritage bei Maison Christian Dior.
Im Frühling 1945 wurde sie befreit und kehrte nach Paris zurück. Sie wurde mehrfach für ihr Engagement ausgezeichnet. Über ihre Zeit in der Résistance und in Haft wollte sie aber viele Jahre nicht sprechen, erst im hohen Alter berichtete sie Schulklassen über ihr Leben. Stattdessen konzentrierte sie sich nach dem Krieg auf etwas anderes: Sie handelte mit frischen Blumen. «Wahrscheinlich half ihr diese Beschäftigung dabei, sich von ihren schlimmen Erfahrungen zu erholen», vermutet Frédéric Bourdelier.
Ein Garten im Flakon
Auch waren Blumen untrennbar mit den beiden Geschwistern Dior verbunden. Schon der kleine Christian legte einen Rosengarten bei seinem Elternhaus an. Später kultivierte er duftende Blüten im Park seines Landsitzes La Colle Noire in Südfrankreich, dem Ort, den er ganz nach seinen Wünschen gestaltete – und wo er für die Besuche seiner Schwester das schönste Zimmer einrichtete. So verwundert es nicht, dass auch der erste Duft von Dior ein Bouquet aus Blüten ist: «Ein Garten in einer Flasche», sagt Bourdelier.
Den Namen erhielt es von Diors britischer Muse Mitzah, die Catherine bei ihren Besuchen im Atelier in der 30 Avenue Montaigne in Paris immer mit «Miss Dior» begrüsste. Sowieso hatte Christian Dior ein Faible für alle britischen Dinge; das erklärt auch das «Pied de Poule»-Muster, das den Flakon bis heute ziert: «Monsieur Dior hat dieses eigentlich den Männern zugeordnete Muster für seine Frauenmode adaptiert», sagt der Heritage-Experte.
Das Parfum wurde bereits vor der ersten Modenschau im Februar 1947 entwickelt, bei der Dior seinen berühmten «New Look» präsentierte. Im Dezember 1947 wurde es an einem exklusiven Event der Öffentlichkeit vorgestellt.
Seitdem sind verschiedene Varianten erschienen, vom Eau de Toilette bis zum Gourmand-Duft. Ganz neu: «Miss Dior Parfum», kreiert vom Dior-Parfumeur Francis Kurkdijan. «Bei seiner Ankunft wollte er sämtliche Archive zu Miss Dior einsehen, insbesondere die originale Formel», erklärt Bourdelier. Entstanden ist ein Parfum, das wie das erste blumige und holzige Noten in der Tradition der Chypre-Düfte vereint.