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Eine Porträtsammlung von Menschen nach der Lebensmitte
Claude Weill (67), Zürcher Journalist, später Erwachsenenbildner und schliesslich Stressbewältigungs-Coach für Schulen, Organisationen und Unternehmen, beschäftigt sich seit Jahren mit existentiellen Fragen. Der Blick in die Zukunft in Richtung Tod, der Blick zurück auf das gelebte Leben, auf Krisen, deren Bewältigung und Phasen der Zufriedenheit und des Glücks steht nun im Zentrum eines Buchs mit Porträts von Männern und Frauen nach der Lebensmitte.
Männer und Frauen nach der Lebensmitte bei einem Vortrag über Fragen des Alters
Weill entschied sich, Menschen zu befragen, die ihm nahe stehen, mit denen er Freundschaften pflegt, also Weggefährten auf seinem Lebensweg. Wie er in der Einleitung zu seiner Arbeit sagt, war ihm dieselbe ein Ausweg, die befürchtete Sinnkrise beim Eintritt ins AHV-Alter zu vermeiden. Zwölf Personen zwischen 55 und 73, je sechs Frauen und Männer, waren bereit, bei dem Projekt mitzumachen. Weill hatte einen Fragebogen mit 31 zum Teil intimen Fragen ausgearbeitet, von denen mindestens sieben beantwortet werden sollten. Zum Beispiel Fragen nach den Visionen und erreichten Zielen, nach Veränderungen, Krisen und Karrierebrüchen, aber auch nach Spiritualität und Lebenssinn. Christian Thum, ein mit dem Autor befreundeter Facharzt, bestätigte ihm, dass der Fragenkatalog in der existentiellen Psychotherapie tauglich angewendet werden könne. Auch dieses Gespräch ist in das Buch aufgenommen worden.
Die Personen aus Weills Umfeld setzten unterschiedliche Schwerpunkte, sie sind oder waren in verschiedenen Berufen tätig, haben Familie, engagieren sich politisch, wie Jochi Weil, oder versuchten sich aus Zwängen heraus selbst zu verwirklichen wie die Sachbearbeiterin Ursi Lusti. Den Satz, der dem Buch den Titel gab, „In Glücksmomenten bin ich weder jung noch alt,“ äussert Ursula Hochstrasser, die sich als Lebenskünstlerin bezeichnet. Sie schrieb eine Art Essay zu ihrem Dasein und nahm den Fragenkatalog als Leitlinie, während der Philosoph Matthias Klemm, der kurz nach Abschluss des Buchmanuskripts verstarb, mit Claude Weill Mails austauschte. Es gab keine Pflicht, die 31 Fragen „abzuarbeiten“: So wechseln sich Gesprächsprotokolle mit Briefwechseln oder autobiographischen Texten ab, was der Lektüre förderlich ist. Am Schluss jedes Porträts ist eine Kurzbiographie beigefügt, welche die wichtigsten Lebensdaten umfasst. Alte und neuere Fotos ergänzen das Bild, welches man sich aus den Texten macht.
Einigen Porträts und Interviews wäre ein strenges Lektorat besser bekommen, als des Herausgebers Ziel, die Sprache so authentisch wie möglich zu belassen, da wird ein guter Gedanke schnell verschenkt, zuviel Banales stehen gelassen, dem ungeübten Schreiber zuwenig geholfen, seiner Idee gerecht zu werden. Dennoch gibt das Buch einen Eindruck, wie unterschiedlich Menschen an der Schwelle zum alt werden damit umgehen. Ärgerlich ist die Illustration auf dem Buchtitel. Meines Erachtens ist der Eingriff in das Bild Die sieben Lebensalter des Weibes von Hans Baldung Grien mit den lächerlichen Badehosenzeichnungen übergriffig. War das als Verkaufsargument für den Buchhandel gedacht?
Die Gedanken zum Lebenssinn, zum Umgang mit dem älter werden, aber auch wie verschieden erlebte Enttäuschungen und Krisen verarbeitet und überwunden werden können, sind durchaus geeignet als Katalysator für Leserinnen und Leser, ins eigene Dasein einzutauchen.
Claude Weill: In Glücksmomenten bin ich weder alt noch jung. Verlag edition 8, Zürich, 2017. 23 Franken, 19.80 Euro