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Diesmal entgegnete der Angesprochene nicht. Er widmete sich dem Teller, der nach wie vor ungeleert vor ihm stand, und liess sein Gegenüber mit seinen Anwürfen stehen.
Wilhelm Schnepfensskorn griff nach einer Tüte Salz-Kümmel-Stängel, riss diese auf, angelte sich einen heraus und begann an diesem zu knabbern.
Am Tisch herrschte für einmal Ruhe, die aber nicht lang währte. Noch lange bevor Kurt Schuster bis zum letzten Stück seiner Pizza vorgedrungen war, liess er sich wieder vernehmen: „Elefanten sind grösser als die Fische, die in diesem Lokal herum schwimmen.“
Wilhelm Schnepfensskorn unterbrach augenblicklich sein Kauen: „Spielen Sie auf etwas Bestimmtes an?“ Er legte eine Kunstpause ein, welche die Dauer zweier Kaubewegungen währte. „Wollen Sie etwa andeuten, es sässe ein Elefant vor einem Teller mit Fischen? Dann kann ich ihnen nur sagen, dass Sie ein Rhinozeros sind.“
„Und warum?“
„Erstens, weil Sie dann ein Hornochs sind, und zweitens, weil Sie nicht an einen Elefanten heran reichen. Elefanten verfügen über ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Sie hingegen stolpern immer wieder über die eigenen Fehler. Unterlassen Sie bitte das Reden über die Tiere und essen Sie bitte Ihre Pizza fertig, sonst kommen wir nie aus diesem Lokal raus.“
„Das Essen einer Pizza ist ein Genuss. Man muss geniessen und nicht zupacken, als hätte man einen Rüssel im Gesicht, um damit alles hinunterzustopfen.“
„Nun halten Sie mal klein bei. Ich stopfe nicht, ich esse. Das ist schon mal ein wesentlicher Unterschied. Und im Gegensatz zu Ihnen geniesse ich, denn solange ich esse, ist die Pizza auch warm. Bei ihnen ist sie kalt, wenn Sie zu Ende mit ihr kommen.“
Wilhelm Schnepfensskorn knabberte weiter. Viel blieb nicht mehr auf dem Teller. Demnächst musste er sich um Nachschub kümmern.
Der Essende unterbrach auf einmal seine Tätigkeit und sagte: „Dennoch, ich muss sagen, es ist was dran am Elefanten. Das Gedankenspiel ist nicht ganz ohne Reiz. Was denken Sie, Herr Schuster: Wie beweglich bin ich?“
„Eine Fangfrage“, knurrte Kurt Schuster.
„Nein, sicher nicht. Ich will Sie nicht fangen. Davon habe nichts. Manchmal habe ich solche Momente und dann stelle ich mir derartige Fragen. Ich stelle mir vor, ich sei in einem Wald und müsse mich zwischen Bäumen fortbewegen. Das ist vermutlich ein Albtraum, wie ihn viele Forscher kennen. Man steckt fest und kommt nicht weiter. Die Bäume halten mich umfangen. Man verliert die Übersicht. Die Bäume stehen auf einmal dichter. Man kommt nicht mehr durch. Man ist festgenagelt in einem Wildwuchs, den man nicht mehr überschauen kann, so sehr wächst das einem alles um den Kopf. Was glauben Sie, Herr Schuster, stehen im Urwald die Bäume genug weit auseinander, so dass ich mich zwischen ihnen hindurch bewegen kann?“
„Das geht schon. Ich habe in einem Science-Fiction-Dokumentarfilm gesehen, dass Tiere, auch gepanzerte und ebenfalls solche von erklecklicher Grösse, ohne Schwierigkeiten durchkamen. Was den Tieren gelingt, sollte bei Ihnen auf klappen.“
„In einem Dokumentarfilm?“
„Ganz sicher. Die Bäume wichen zur Seite, sobald diese Ungeheuer durch wollten.“
„Ungeheuer?“
„Im Film klappte es.“
„Ein Film, auch dokumentar, ist Erfindung.“