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btb Verlag / ISBN: 978-0063093539
Übersetzung: Sissi F. Alexander und Julie Grünbach
Text: Cyril Schicker
Er teilte einst mit Iggy Pop sowie David Bowie Küche und Bad in Berlin. Nebst der aus musikalischer Sicht (und psychedelischer?) wohl aufregendsten Männer-WG kollaborierte er mit Pop-Art-Koryphäe Andy Warhol. Mit Metallica. Mit Jazz-König John Zorn. Mit Kunstmaler Julian Schnabel. Mit Leinwandzauberer Willem Dafoe.
Lou! Reed!
Nach ihm wurde sogar eine Spinnengattung (Loureedia) und ein Asteroid (Loureed) benannt. Aber abgesehen von Arachnologie, Astrologie und obigem Namedropping kennen wir alle Lou Reed als Velvet-Underground-Aushängeschild. Der 2013 verstorbene New Yorker ist aber noch mehr. Und nein, damit ziele ich nicht seine ausufernde suchtmittel- und krankheitsgeschwängerte Vergangenheit an – oder nur indirekt.
Lou Reed…
War zeitlebens grosser Tai-Chi-Verfechter. Die chinesische Kampfkunst ist auch Thema „seines“ Buches: THE ART OF THE STRAIGHT LINE – My Tai Chi. „Es hat ihn gerettet“, sagt AM Homes, Professor für kreatives Schreiben in Princeton, den Lou Reed konsultierte, als er 2009 ein Buch über Tai Chi schreiben wollte.
Diese Meinung wird auch von vielen anderen in dieser Version des Buches geteilt, das posthum von der Künstlerin Laurie Anderson, seiner Lebensgefährtin, in Zusammenarbeit mit Lou Reeds engen Mitarbeitern Stephan Berwick, Bob Currie und Scott Richman im Stil eines Sammelalbums fertiggestellt wurde.
Das Buch enthält eine Fülle von Interviews im Stil mündlicher Überlieferungen mit einer Vielzahl von Reeds Zeitgenossen, die von Anderson und den anderen Herausgebern des Buches geführt wurden, sowie Abschriften von Gesprächen, die Lou Reed mit Kampfsportzeitschriften über seine Tai Chi-Praxis führte.
Die Gästeliste ist hochkarätig: von Iggy Pop und Anohni (ex Antony and the Johnsons), über die Produzenten Tony Visconti und den verstorbenen Hal Willner bis hin zu Regisseur Darren Aronofsky.
Tai Chi hat viel mit Meditation zu tun. Ich persönlich bin weniger kampfkünstlerisch und schon gar nicht meditativ. Und doch liest sich THE ART OF THE STRAIGHT LINE – My Tai Chi gut. Ein Schmankerl für alle Lou Reeds und Velvet-Underground-Anhänger da draussen ist das Buch sowieso.