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Liebe Kolleginnen und Kollegen, können Sie sich vorstellen, dass in einer Notfallambulanz bei Verdacht auf einen Herzinfarkt eine Anmeldung ans Katheter-Labor erfolgt, ohne dass vorher ein EKG abgeleitet wurde? Klar, diese Frage ist rein rhetorisch; umso eher darf man sich gelegentlich wundern, wie oft bei Patienten mit Dyspnoe ohne vorgängige Diagnosestellung eine bronchodilatierende und auch anti-entzündliche inhalative Therapie begonnen und der Effekt abgewartet wird. Dyspnoe für längere Zeit unkritisch mit einer Bronchialobstruktion und der Indikation für eine Kombinationstherapie mit einem Betastimulator und einem Kortikosteroid gleichzusetzen, kann zu falschen, unnötigen oder gar schädlichen Therapien führen. In einer Untersuchung einer Gemeinschaftspraxis-Ambulanz liess sich beispielsweise eine rein klinisch gestellte Asthmadiagnose bei fast einem Drittel der Patienten nicht bestätigen. Stimmbanddysfunktionen («vocal cord dysfunction»), Hyperventilation, Trachealstenose und funktionelle Ursachen können sich zum Verwechseln ähnlich präsentieren.