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Bonne nouvelle
Vincent Dieutre beginnt die Erkundung seines Pariser Quartiers Bonne Nouvelle mit einem 360°-Panorama-Schwenk. Darauf folgen Liebesspiele, das Bild eines Bettes im Schlafzimmer, von wo aus der Filmemacher zur Suche nach der verlorenen Zeit und dem verlorenen Territorium aufbricht, um dessen Geografien (leere, volle Strassen, Hauseingänge, überdachte Passagen, Schneiderateliers ...) in Plansequenzen zu beobachten, aus denen das sanfte Murmeln der Metropole dringt und über die sich wie verletzte Vögel die Erzählungen von Anmache und Droge legen. Aber in diese «klassischen» Einstellungen brennen sich brutale und willkürliche Zoombewegungen, die Ungleichgewicht in die gewahrte Distanz und den objektiven Blick zum Schielen bringen, und an Körper und Gesichter stossen, anonym und mögliche Avatare der in diesen Mikro-Geschichten inszenierten Personen – Geschichten wie fiktionale, dreistimmig mit Eva Truffaut und Bojena Horackova erzählte Parabeln. In dieses Umherstreifen durch die Stadt fügt Dieutre Bilder aus dem Tonstudio, wo die Off-Stimmen aufgenommen werden. Das Schlafzimmer und das Tonstudio, zwei Werkstätten, in denen die Stadt als unerschöpfliches Reservoir für Doku-Romane hergestellt wird.
Emmanuel Chicon