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Rhetorische Gestaltungsmittel sind sehr wirkungsvolle Stilmittel, die leider von recht wenigen Rednerinnen und Rednern bewusst eingesetzt werden. Einige rhetorische Gestaltungsmittel werden oft unbewusst richtig angewandt. Denken Sie etwa an Vergleiche. Im folgenden werden einige solche Gestaltungsmittel kurz dargestellt.
Anekdote
Eine kurze treffende Geschichte oder Begebenheit mit einer überraschenden Pointe, in der häufig ein Körnchen Lebenswahrheit steckt. Die Anekdote dient der Verdeutlichung zentraler Vortragsideen und der Charakterisierung von Personen oder Situationen.
Beispiele:
Ein alter Weiser wurde anlässlich eines Festes gefragt, woher wohl der Brauch komme, mit den Weingläsern anzustossen. Er antwortete: " Im Wein liegt die Wahrheit, und mit der Wahrheit stösst man überall an!"
Was würden Sie zu folgender Geschichte sagen? Da sucht ein Mann verzweifelt unter einer Strassenlaterne seinen Hausschlüssel. Ein Freund, der ihn antrifft, fragt ihn, wo er wohl den Schlüssel verloren habe. "Ich vermute, dort drüben", sagt der Mann und zeigt gegen den nahen Wald! "Und warum suchst du hier?", will sein Freund wissen. "Weil es hier mehr Licht hat!"
Ausruf
Kurze und treffende Ausrufe dienen der kurzen prägnanten Zusammenfassung oder Zuspitzung des bereits Gesagten.
Beispiele:
"Wehret den Anfängen!"
17 Mio. US-Dollar werden pro Minute weltweit für die Rüstung ausgegeben. Ist das nicht Irrsinn!"
Ähnlichkeit (Analogie)
Sie vergleicht Aussagen und Fakten mit anderen Lebewesen, Gegenständen oder Situationen.
Beispiele:
Ein Turm wird bezüglich der Bauart mit einem Grashalm verglichen.
Das Vorgehen zur Gründung einer Firma wird mit der Planung eines Wohnhauses verglichen.
Beispiel
Abstrakte, theoretische Aussagen und Theorien werden anschaulich dargestellt. Je mehr das Beispiel dem Erfahrungsschatz und dem Vorstellungsvermögen der Zuhörerinnen entspricht, desto grösser ist die Wirkung. Beispiele wirken oft eindringlicher als sachliche Erörterungen.
"Viele Erfolgreiche waren als Kinder keine guten Schüler. So zum Beispiel Winston Churchill; er..."
"Jede Technik kann missbraucht werden: Die Kernspaltung liefert uns Energie ... aber eben auch die Atombombe."
Bild (Metapher)
Das eigentlich gemeinte Wort wird durch ein anderes ersetzt, das eine Ähnlichkeit aufweist. Die Metapher kann auch als verkürzter Vergleich umschrieben werden.
Beispiele:
"Er war wie ein Löwe." Gemeint ist: mutig, stark wie ein Löwe.
"Das ist nur eine faule Ausrede!" Gemeint ist: eine falsche, vorgetäuschte oder nicht einleuchtende Ausrede.
"Glut" statt "Leidenschaft"
Gegensatz
Zu bestimmten Begriffen werden Gegensätze und Alternativen aufgezeigt. Vor dem Hintergrund der schwach aufgezeigten Gegenmeinung wirkt ihre effektive, überzeugend und ausführlich begründete Meinung besonders gut.
Beispiele:
früher - heute
einerseits - andererseits
positiv - negativ
Vorteil - Nachteil
Kosten - Nutzen
Befürworter - Gegner
"Er war gross und stark, sie klein und schwach."
"Die Idee ist einfach, schwer ist sie aber zu realisieren."
Raffung
Konzentrierte Wiederholung in wenigen (Schlag-)Worten oder Sätzen. Solche verdichteten Sätze eignen sich vor allem für den Beginn einer Rede, da sie Interesse und Aufmerksamkeit wecken. Mit der Raffung lässt sich auch ein Redeabschnitt zusammenfassen.
Beispiele:
"IST-Aufnahme - Analyse - Programmierung, das sind unsere Aufgaben in der nächsten Zeit."
Rhetorische Frage
Die Aussage wird in Frageform gekleidet. Es ist keine reale Frage, die von den Zuhörer/-innen wirklich beantwortet werden soll. Die Antwort liegt dabei auf der Hand, beziehungsweise die Frage wird durch den Referenten oder die Referentin selber beantwortet. Aussagen in Frageform haben die bessere Akzeptanz.
Beispiele:
"Würde uns das nicht allen nützen?"
"Sollten wir nicht die Veranstaltung schliessen?"
"Müssten wir nicht vermehrt auf unsere Gesundheit achten?"
Scheinwiderspruch
In der Form eines Wortspieles wird ein angeblicher Widerspruch aufgebaut. Die Wörter widersprechen sich aber nur scheinbar, da Sie unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden (z.B. "Weniger wäre oft mehr"). Solche Scheinwidersprüche provozieren. Sie müssen interpretiert und ausgedeutet werden.
Beispiele:
"Freiheit statt Sozialismus"
"Mehr Freiheit - weniger Staat"
"Global denken - lokal handeln"
Sprichwort
Sprichwörter können oft den Zitaten gleichgesetzt werden. Sie vermitteln Weisheiten, Lebensregeln, Erfahrungen oder Moral: Dank der formelhaften Prägung wirken sie
eindringlich.
Beispiele:
"Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht."
"Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht."
Steigerung
Die Steigerung baut eine folgerichtige Reihe in Einzelschritten auf und endet in einem Höhepunkt. Die Steigerung kann auch durch die Wiederholung eines Wortes oder durch adjektivische Verwendung der Steigerungsform erzielt werden.
Beispiele:
"Nicht eine, nicht zwei, sondern drei Torten wurden aufgetischt."
"Ich habe das nicht gewünscht, ich habe das schon gar nicht bestellt, im Gegenteil, ich habe das verboten!"
"Das ist schön so! Schöner wäre ... . Am schönsten wäre nun aber ... ."
Vergleich
Vergleiche knüpfen an Bekanntes, Erlebtes an. Sie dienen dazu, einen Sachverhalt zu veranschaulichen. Treffende Vergleiche werden leichter im Gedächtnis behalten. Vor allem Zahlen rufen nach einem Vergleich.
Beispiele:
Den Amerikanern sind die Katzen fast so heilig wie den Indern die Kühe.
Über 42 Mio. Hauskatzen leben heute in den Vereinigten Staaten. Das Futter für sie kostet jährlich etwa zwei Milliarden Dollar - mehr als doppelt so viel, wie der Staatshaushalt Brasiliens für die Bildung und Erziehung vorsieht.
Verzögerung
Die Lösung oder die zentrale Aussage wird hinausgezögert. Damit wird die Spannung der Zuhörer/-innen erhöht.
Beispiel:
"Was glauben Sie, war in der Schachtel? Eine Schokolade, eine Brosche oder nur ein wertloser Stein? Ich will es Ihnen sagen. Doch zuvor will ich..."
Vorwegnahme von Einwänden
Mögliche Einwände, Gegenargumente oder Fragen werden in den Ausführungen bereits vorweggenommen und gegebenenfalls widerlegt. Der (scheinbare) Dialog führt nicht nur zur besseren Akzeptanz, sondern lässt den Vortrag auch lebendiger erscheinen.
Beispiel:
"Nun, jeder Fachmann weiss natürlich, dass ..."
"Sie werden jetzt denken, dass niemand von den Kosten spricht. Aber..."
Wiederholungen
Die Wiederholung verstärkt, wirkt dramatisch, kann den Erinnerungswert steigern und schält die Kernaussage heraus.
Beispiele:
"Niemand, aber auch gar niemand, hat das Recht, die Todesstrafe auszusprechen."
30 Tage, also einen ganzen Monat, haben wir dafür gebracht."
Zitate
Zitate bestechen durch ihre Prägnanz. Sie dienen zur Belegung oder Unterstützung gemachter Aussagen.
Beispiel:
"Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann." (Marie von Ebner-Eschenbach)