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Einer neuen Studie der Yale Universität zufolge verlängert Lesen das Leben. Wer 30 Minuten täglich lese, verlängere sich in der Summe das Leben fast um zwei Jahre. Die Herausgeber zitieren die Studie in ihrem Einleitungsessay wohl als Aufforderung, auch wieder mehr böse Bücher zu lesen. Aber was genau ist damit gemein? Etymologisch bedeutet böse so viel wie Bausch, Beule, Busen und Pusten, adjektivisch folglich auch "aufgeblasen, böse". Ja, Worte könnten auch töten.
Mesalliance mit Malaparte
Eine "Mesalliance mit Malaparte" – so könnte man das Thema auch bildlich zusammenfassen, denn das gewählte Pseudonym des Schriftstellers Curzio Suckert "Malaparte" bedeutet so viel wie "schlechte/böse" Seite. Exemplarisch wird dieser Schriftsteller auch im Vorwort genannt, denn trotz seiner zynischen Beschreibung der Physiognomien der Macht, fehle dem Leser doch die klare Distanzierung des Autors vom Geschilderten. Man muss bedenken, dass Malaparte als Journalist ein Interview mit Hans Frank führte, der auch als "Schlächter von Polen" oder "Judenschlächter von Krakau" bezeichnet wurde. Einerseits ist man erstaunt über die Messerschärfe der Schilderungen des Monsters Frank, "König von Frank-Reich" und seiner "Königin", andererseits verspürt man auch Ekel, dass Malaparte mit dem überhaupt reden konnte. Hätte er es nicht, würden wir vieles nicht wissen. "Kaputt" und "Haut", die beiden Werke Malapartes gehören u. a. deswegen für die Herausgeber in den Kanon der bösen Bücher.
Während etwa Erik Thomalla in seinem Essay über Belphegor/Johann Karl Wezel der Theodicée nachgeht schreibt Joseph Volg über de Sades 120 Journées de Sodome, das bekannteste Buch des wohl "berühmtesten und ungelesensten Autoren" unserer Kultur. Eine geradezu mentale Infektionsgefahr gehe von seinen Schriften aus, glaubten noch die Zeitgenossen, andere sprechen von Kerkerliteratur, denn die meiste Zeit seines Lebens habe der Geplagte ja tatsächlich im Gefängnis oder in Anstalten verbracht. Auch wenn die Französische Revolution ihn zunächst befreit hatte, landete er doch wieder dort, wo ihn auch das Ancien Regime am liebsten sah. Aber seine "saturnische Sprache" hat die Jahrhunderte überlebt und Libertins der Stunde berufen sich auch heute noch auf ihn. In weiteren Beiträgen geht es um Max und Moritz, Bonsels Biene Maja oder Feyerabends Schrift gegen den Methodenzwang. Aber auch Bücher von Thomas Bernhard, John Maxwell Coetzsee oder David Hughes werden in vorliegender Anthologie behandelt. Die Beiträge stammen unter anderem von Andreas Beyer, Michael Hagner, Ute Holl, Martin Mulsow, Klaus Theweleit und Joseph Vogl.