Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03485.jsonl.gz/592

Die moderne Geschichte des Weinbaus im Kanton Tessin beginnt im Jahr 1905. Dann nämlich werden in Mendrisio versuchshalber die ersten 12’000 Stöcke Merlot gepflanzt. Gleichzeitig wurde auch mit den Rebsorten Freisa und Bondola experimentiert. Die Beobachtungen durch Ingenieur Giuseppe Paleari zwischen 1921 unde 1932 hatten folgende Resultate ergeben: – Merlottrauben ereichten im Durchschnitt 11,9 %Vol. Alkohol bei 6,9 Gramm Säure pro Liter – die Freisa erreichte im Durchschnitt 10,4 %Vol. Alkohol bei sehr hohen 9,6 Gramm Säure pro Liter – die einheimische Bondola erreichte Werte von 9,6 %Vol. Alkohol bei 7,4 Gramm Säure pro Liter
Das ausgewogene Verhältnis zwischen Alkohol und Säure, die geschmacklichen Charaktereigenschaften sowie die Eignung für alle Regionen im Kanton Tessin, liessen den Entscheid zugunsten der Merlotrebe ausfallen. Sie wurde per Dekret die neue «offizielle» Rebsorte im Tessin.
Von den 8000 Hektaren Reben im Jahr 1870 sind 2010 noch 1041 Hektaren mit Reben bestockt. Aus der gemischten Kultur, bei der unter Pergeln Mais, Tabak und Gemüse wuchsen, wurde ein intensiver, professioneller Rebbau mit 4000 Rebstöcken pro Hektare.
Weinbau ist in der Tessiner Bevölkerung stark verwurzelt. 3800 Rebbesitzer bewirtschaften kleine bis kleinste Parzellen und verkaufen die Ernte an Kooperativen, Handelshäuser oder stehen bei den zirka 30 Selbstkelterer unter Vertrag.
Heute sind etwa 82 Prozent der Rebfläche mit Merlotreben bestockt. Daneben sind auch Pinot Noir, Bondola, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Diolinoir, Gamaret und Ancellotta empfohlene blaue Sorten. Bei den weissen Sorten sind es Chardonnay, Chasselas, Sémillon, Sauvignon, Kerner, Riesling x Silvaner, Pinot Grigio, Pinot Bianco und Doral.
Merlot binaco ist keine Rebsorte, sondern ein Wein aus den blauen Merlottrauben, die sofort nach der Lese gepresst werden, bevor die Farbe aus den Beerenhäuten in den Saft gelangt.
Eine Besonderheit im Tessiner Weinbau sind die Variationen der Uva Americana. Diese werden zu Traubensaft, Grappa und Wein verarbeitet. Der Wein aus Amerikanerreben duftet intensiv nach Walderdbeeren und wird auch Foxton oder Chatzeseicher genannt.
Die Bezeichnung «Sonnenstube» trifft für den Weinbau nicht zu. Den rekordverdächtigen 2200 Sonnenstunden pro Jahr stehen ebenfalls rekordverdächtigen 1800 Millimeter Niederschläge gegenüber. Zudem wird das Sottoceneri regelmässig von Hagelschlägen heimgesucht. Dennoch gelingt es den Tessiner Winzer regelmässig gute bis hervorragende Qualitäten zu produzieren.
Deutschschweizer Winzer, die in den frühen 1980er-Jahren im Tessin Rebland kauften brachten dem Merlot einen gewaltigen Qualitätsschub.