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Simpert Niggl wird am 23. Mai 1654 im bayrischen Schwangau geboren. 1671 tritt er als Novize in die Benediktinerabtei Neresheim ein. 1673 leistet er Profess. 1678 ist er Priester und wird 1682 mit erst 28 Jahren zum Abt gewählt. Er resigniert 1706 wegen Krankheit und stirbt am 3. März 1711.[1]
Der junge Abt steht einem Kloster vor, das sich nicht nur personell von den Verheerungen des Dreissigjährigen Krieges glänzend erholt hat und die jungen Geistlichen konsequent in Dillingen und Salzburg weiterbildet. Unter seiner Regierung hat Neresheim deshalb, auch dank eines regen Gelehrtenaustausches, den Ruf einer der bestgeordneten und mit hervorragenden Kräften besetzten Abtei. Wie angesehen der Abt ist, zeigt seine Einladung an die Krönungsfeierlichkeiten des Kaisers Joseph I., die 1699 in Augsburg stattfinden. Er ist 1685 Mitbegründer der Niederschwäbischen Benediktinerkongregation.[2]
Eine weitere wichtige Station seiner Abtstätigkeit ist die Reise nach Konstantinopel. Zusammen mit seinem Prior Leonhard Haydt[3] unternimmt Abt Simpert vom Oktober 1699 bis Ende Januar 1701 eine Reise an den osmanischen Hof. Die beiden Benediktiner begleiten den kaiserlichen Grossbotschafter und Reichshofratspräsidenten Graf Wolfgang von Oettingen-Wallerstein zur Friedensmission nach dem Grossen Türkenkrieg und dem Frieden von Karlowitz.[4] Der Abt führt ein Tagebuch und gibt dieses 1701 in Druck.[5] Anschliessend erhält er den Titel «Kaiserlicher Rat und Erbkaplan».
Abt Simpert Niggl ist gleichzeitig der grosse barocke Bauherr der Abtei Neresheim. Sein erster Bau liegt im Klostergebiet bei Dischingen. Bis 1684 erstellt er hier im Hochstatter Hof ein Sommerschloss für die Abtei. Über dem Hauptportal des Schlosses befindet sich sein Wappen, das in Blau einen silbernen aufrechtgehenden Greif zeigt, der hier allerdings eher einem geflügelten Löwen ähnlich ist. In den Pranken hält das Fabeltier ein Dreiblatt.
Zum 600-jährigen Jubiläum der Klostergründung 1695 lässt er der romanischen Basilika eine barocke Westfassade mit Schweifgiebeln vorblenden und ihren Innenraum mit Stuck neu fassen.[6]
1694 erteilt er dem Vorarlberger Baumeister Valerian Brenner den Auftrag für den Neubau der westlichen Wirtschaftstrakte. Auf der tiefergelegenen Ebene um einen grosszügigen Ökonomiehof zusammenfasst, bilden die talwärts dreigeschossigen Bauten eine imposante Sockelzone der Klosteranlage.[7]
1699 beginnt Abt Simpert mit dem Klosterneubau. Er verdingt Planung und Ausführung jetzt dem Unterelchinger Baumeister Michael Wiedemann.[8]
1702 bis 1704 liegt die Abtei im Kriegsgebiet. Sie wird abwechselnd von Kaiserlichen und ihren Gegnern, den mit Frankreich verbündeten Bayern besetzt. Nur Kontributionszahlungen von 22 000 Gulden verhindern Brandschatzungen. Abt und Konvent müssen mehrfach flüchten.
Gebaut sind bei Kriegsausbruch die beiden repräsentativen Ost- und Westflügel. Nach dem entscheidenden Sieg der Kaiserlichen bei Höchstädt baut Abt Simpert weiter. 1706 muss er aber aus gesundheitlichen Gründen resignieren. Er stirbt 3. März 1711 im Alter von 57 Jahren. Sein Nachfolger überlebt ihn nur um wenige Monate. Erst unter Abt Amandus Fischer wird der Klosterneubau 1714 beendet.[9] Die Baukosten werden mit 45 000 Gulden angegeben.
Der Bauabt, der zwischendurch nach Konstantinopel reist, wird anschliessend an seine Rückkehr in einem Stich dargestellt.[10] Abt Simpert, um diese Zeit um die 50, steht im Kaftan mit pelzverbrämter Kopfbedeckung vor einem offenen und mit Straussenfedern bekrönten Feldzelt. Auffallend ist sein zweigeteilter Janitscharen-Schnurrbart. Zu seinen Füssen sehen wir das barocke Neresheimer Kloster, wie es um diese Zeit gebaut ist. Darüber tragen Putten sein Wappen, dessen Schriftband das Anagramm «SIMPERTUS EST PRIMUS» enthält.
Pius Bieri 2011
Literatur:
Niggl, Simpert: «Diarium, Oder: Aussführliche curiose Reiss-Beschreibung. Von Wien nach Constantinopel und von dar wider zuruck in Teutschland». Schlüter in Augsburg 1701.
Schütz, Bernhard: Abtei Neresheim. Grosser Kunstführer. Lindenberg 1999.
Anmerkungen:
[1] Lebensdaten nach Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens, Band 96 (1985).
[2] Auch Augsburger Kongregation vom Hl. Geist genannt. Zu ihr gehören Füssen, Irsee, Ottobeuren, Elchingen, Fultenbach, Donauwörth, Mönchsdeggingen und Neresheim.
[3] Leonhard Haydt (1654-1710) aus Augsburg, er tritt im gleichen Jahr wie Simpert Niggl in Neresheim ein. Priesterweihe 1678, Chorregent, Musikdirektor, Prior in Neresheim und Fultenbach.
[4] Schon an den Friedensverhandlungen vom November 1698 bis Januar 1699 ist Wolfgang IV. Graf zu Oettingen-Wallerstein (1626−1708) beteiligt. Die Grafschaft Oettingen-Wallerstein liegt westlich von Nördlingen und ist Schutzvogtei der Abtei Neresheim. Die Beziehungen der Abtei ihrem Schutzvogt sind Ende des 17. Jahrhunderts wenig belastet, da beide den 1583 in München geschlossenen Vergleich noch respektieren.
[5] Siehe Literatur. Der Reisetross, der Oettingen auf der 15-monatigen Reise begleitet, umfasst 279 Leute.
[6] Baumeister ist wahrscheinlich Valerian Brenner.
[7] Valerian Brenner (1652–1715), Vorarlberger Baumeister, Schüler von Michael Thumb, seit 1687 in Diensten des Augsburger Domkapitels. Er baut 1684–1694 die Wallfahrtskirche im nahen Biberbach und ist seit 1683 laufend auch in Fultenbach tätig.
[8] Michael Wiedemann (1661−1703), Stuckateur und Baumeister-Impresario, arbeitet bis 1699 in Salem, gleichzeitig ist er in Säckingen, Ellwangen und am Schloss Freudental tätig.
[9] Amandus Fischer (1672−1730), aus Ochsenhausen, regiert 1711−1728.
|Abt OSB Simpert Niggl (1654–1711) in Neresheim|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|23. Mai 1654||Schwangau Bayern D||Kurfürstentum Bayern|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Benediktinerabtei Neresheim||1682–1706|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|3. März 1711||Neresheim Baden-Württemberg D||Herrschaft Abtei Neresheim|
|Kurzbiografie|

Abt Simpert Niggl ist der wichtigste Vorsteher der Abtei Neresheim im 17. Jahrhundert. Aussergewöhnlich ist seine 17-monatige Reise nach Konstantinopel, die er auch literarisch verarbeitet. Er ist Mitbegründer der Niederschwäbischen Benediktinerkongregation und wird für mehrere Jahre deren Präses. Seine Regierungszeit ist geprägt von den Neubauten in Neresheim. 1694 beginnt er mit dem Neubau des grossen Ökonomiehofes, lässt 1695 die barocke Schaufassade der romanischen Kirche erstellen und ist ab 1699 mit dem Neubau des Klosters beschäftigt, das zu seinen Lebzeiten zum grossen Teil fertig gestellt ist, obwohl die Abtei 1702–1704 in Kriegsgebiet zu liegen kommt.
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