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Louis Leakey: Ein Leben für die Hominidenforschung
Wenige Leute haben mehr Einfluss auf das Studium menschlicher Ursprünge gehabt als der glänzende, leidenschaftliche, aktive, exzentrische und gelegentlich unberechenbare Louis Leakey.
Louis Seymour Bazett Leakey wurde am 7. August 1903 bei der Kabete Mission, neun Meilen vor Nairobi in Kenia geboren. Seine Eltern, Harry und Mary Leakey, waren englische Missionare beim Kikuyu Stamm, und trotz kurzer Aufenthalte in England während seiner Kindheit wuchs Louis mehr afrikanisch als englisch auf. Er spielte mit Afrikanern, sie lehrten ihn die Jagd, und die Kikuyu-Sprache beherrschte er so fließend wie die englische, er wurde auch als Mitglied des Kikuyu Stammes aufgenommen. Im Alter von 13 Jahren, nach dem Entdecken von steinernen Werkzeugen, wurde er von der Leidenschaft für Vorgeschichte gepackt und entschied, daß er mehr über die Leute wissen wollte, die diese Werkzeuge herstellten. 1922 begann er ein Studium in Cambridge, aber ein Rugby-Unfall im folgenden Jahr machte dies unmöglich. Er verliss Cambridge und ging zurück nach Afrika um bei der Leitung einer paläontologischen Expedition zu helfen. Er kam 1925 zurück nach England, um sein Studium weiterzuführen, und graduierte 1926 erstklassig in Anthropologie und Archäologie.
Im Verlauf der nächsten Jahren leitete er eine Anzahl von Ausgrabungen in Ost Afrika. Er war eindeutig ein aufsteigender Stern, und 1930 wurde ihm ein Ph.D für seine Arbeit verliehen. 1932 entdeckte er Fossilien bei Kanam und Kanjera und behauptete, daß sie die ältesten wahren Vorfahren moderner Menschen waren. Bei seiner Rückkehr nach England wurden diese überall als wichtige Funde gelobt, und Louis’ Anerkennung stieg noch höher. Als Antwort auf einige Zweifel lud er den Geologen Percy Boswell nach Afrika ein, um die Fundstellen während seiner nächsten Expedition zu besuchen (1934-1935). Leider führte eine unglückliche Kombination von unzulänglicher Dokumentation und Pech dazu, daß Leakey keine Fundstelle zuverlässig identifizieren konnte. Zurück in England schädigte Boswell’s Bericht Leakey’s wissenschaftlichen Ruf ernsthaft.
1928 hatte Louis Frida Avern, eine Engländerin die er in Afrika getroffen hatte, geheiratet. Während er 1933 in England war, begegnete er Mary Nicol, eine wissenschaftliche Illustratorin, und bald begann er ein Verhältnis mit ihr trotz der Tatsache, daß er ein Kind und eine schwangere Frau hatte. Mary schloß sich seiner nächsten Expedition nach Afrika an, sie kehrte nach Hause zurück, um ab 1935 mit ihm zusammen zu leben. 1936 reichte seine Frau Frida die Scheidung ein, und Louis und Mary heirateten in diesem Jahr. Die Skandale in seinem persönlichen Leben und die Kanam und Kanjera Fiaskos zerstörten Louis’ vielversprechende akademische Karriere in Cambridge. Ohne eine feste Arbeit bezog er ein kleines Einkommen aus Vorträgen und dem Schreiben von Artikeln, 1937 kam er nach Afrika zurück, um ein umfassendes völkerkundliches Studium des Kikuyu Stammes zu beginnen.
Während des 2. Weltkrieges lieferte Louis gute Arbeit ab, aber zwischen seinen Kriegszeit-Verantwortungen setzten er und Mary ihre archäologische Arbeit fort. 1941 wurde ihm ein Ehren-Kurator am Coryndon Museum angeboten (später das Kenia National Museum), und 1945 nahm er eine schlecht bezahlte Position als Kustos des Museums an, damit er seine paläontologische und archäologische Arbeit in Kenia fortsetzen konnte. 1947 organisierte Louis den ersten pan-afrikanischen Kongreß über Vorgeschichte, ein erfolgreiches Unternehmen, das half, seinen Ruf wiederherzustellen und brachte vielen Wissenschaftlern die immense Menge wichtiger Arbeit, die die Leakeys seit dem Kanam/Kanjera Debakel geschafft hatten, näher.
Er und Mary setzten ihre Ausgrabungsarbeiten an vielen Stellen während der 1950’er Jahre fort, besonders in der Olduvai Schlucht in Tanganika (jetzt Tansania). Obwohl ihnen 1948 die Entdeckung eines wichtigen miozänen Menschenaffen-Fossils einige Aufmerksamkeit brachte und zu mehr Finanzierungsmöglichkeiten führte, behinderten doch Geldprobleme immer wieder die Menge der Arbeit, die sie hätten machen können. Trotzdem machten sie weiterhin bedeutungsvolle Entdeckungen.
1959 fand Mary ihr erstes bedeutungsvolles hominide Fossil, einen robusten Schädel mit riesigen Zähnen. Es wurde auch eine Anzahl steinerner Werkzeuge gefunden und Louis, typisch, erkannte die Wichtigkeit des Fundes und behauptete es sei ein menschlicher Vorfahr und nannte das Exemplar Zinjanthropus boisei. Allen anderen schien es merklich unhuman, und ähnlich den robusten Australopithecinen. Trotz allem, es war ein bedeutender Fund, der ihnen gewaltige Öffentlichkeit verschaffte. Das “National Geographic Magazine” druckte die ersten unzähliger Artikel über die Leakeys und ihre Funde, und gewährte beachtliche finanzielle Mittel, die den Leakeys erlaubte, den Umfang ihrer Ausgrabungen bei Olduvai immens zu vergrößern.
Innerhalb einiger Jahre hatten sie viele weitere hominide Fossilien gefunden, darunter einige, die weit glaubhaftere menschliche Vorfahren und Werkzeughersteller waren als Zinj. 1964 nannte Louis, zusammen mit Phillip Tobias und John Napier, die neue Spezies Homo habilis. Obwohl ursprünglich kontrovers, wurde habilis schließlich überall als eine Spezies anerkannt.
Während der 50’er Jahre kriselte es in Louis und Marys Ehe, meistens wegen Louis’ Seitensprüngen, aber sie blieben zusammen, wohl wegen ihrer Kinder. In den 60’er Jahren setzte Mary fort, sich auf die Olduvai Schlucht zu konzentrieren, während Louis zwischen vielen anderen Projekten hin und her pendelte. Er war massgeblich für Jane Goodall’s jahrzehnte langen Feldstudiums von Schimpansen in der Wildnis verantwortlich, weiterhin für ähnliche Projekte von Dian Fossey (Gorillas) und Birute Galdikas (Orang-Utans). Er war unter anderem auch mitverantwortlich für ein Primaten-Forschungszentrum, für Ausgrabungen in Äthiopien, und für die Suche nach Vormenschen bei den “Calico Hills” in Kalifornien (letztere Kampagne wurde von den meisten Wissenschaftlern als Hirngespinst betrachtet). Außerdem unternahm er viele Vortragsreisen um Gelder zu sammeln, viel davon in Amerika, wo er ungeheuer populär war.Über allem litt seine Gesundheit, und er wurde von ernsten medizinischen Problemen geplagt. Er brach zusammen und starb im Oktober 1972 in England mit 69 Jahren.
Einige Tage vor seinem Tod hatte ihm sein Sohn Richard den gerade entdeckten fossilen Schädel ER 1470 gezeigt, dieser schien Louis’ Ansicht zu untermauern, daß die Gattung Homo eine lange Geschichte hatte und nicht von den Australopithecinen abstammte. Der Fund führte auch zu einer Versöhnung zwischen Louis und Richard, die persönlich und berufsmäßig einige Jahre zusammengeprallt waren. Louis’ letzte Jahre waren sehr schwierig gewesen, aber diese Entwicklungen müssen seine letzten Tage aufgeheitert haben.
leicht verändert nach: http://<ip-pii>/dundee/evo/bio_leakey.htm