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Kosmogonie
(griech.), Weltentstehungslehre. Gegenüber den dogmatischen Aufstellungen der alten Religionssysteme, nach denen die Welt teils aus nichts, teils durch geschlechtliche Erzeugung oder aus einem Ei [* 2] etc. hervorgegangen sein sollte, sannen schon die alten griechischen Philosophen, namentlich der ionischen Schule, auf eine plausible Theorie der Weltentstehung und dachten an die Ballung dunstartig im Weltraum zerstreuter Massen zu festen Körpern. Diese Spekulationen wurden bei dem Erwachen der astronomischen Forschungen durch den phantasievollen Kepler neu aufgenommen und namentlich nach dem Studium der Nebelflecke [* 3] durch den ältern Herschel belebt, indem man in diesen kosmischen Massen Weltembryos zu erkennen glaubte. In einer bestimmtern Form war schon vorher Kant dem Problem in seiner »Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels« (1755) näher getreten, indem er aus der gleichmäßigen Bewegungsrichtung der Planeten [* 4] und deren Monde um ihre resp. Zentralkörper und um sich selbst ihre gemeinsame Entstehung aus einer in demselben Sinn bewegten Urmaterie folgerte, die über den gesamten Raum zerstreut gewesen war, in welchem jene Weltkörper sich jetzt bewegen.
Diese sogen. Nebularhypothese, welche noch immer die beste kosmogonische Hypothese darstellt, wurde durch Laplace in einigen wesentlichen Punkten verbessert, indem er die von Kant nur in Bezug auf den Saturn gewagte Abschleuderungshypothese auf das gesamte System übertrug und alle Planeten und Monde in Form von äquatorialen Ringen aus ihren Zentralkörpern hervorgehen ließ, wenn diese durch eine fortschreitende Zusammenziehung ihre Umdrehungsgeschwindigkeit hinreichend erhöht hatten.
Man hat den Prozeß sogar durch einen in einer gleich schweren Flüssigkeit in Rotation versetzten Öltropfen nachzuahmen gesucht (Plateauscher Versuch). In neuerer Zeit ist die Nebularhypothese namentlich durch Ennis verbessert und von dem Sonnensystem auf das ganze Sternsystem ausgedehnt worden, indem er die ursprüngliche Bewegung durch den schiefen Stoß aufeinander treffender Nebelmassen erklärte, die außer ihrer gegenseitigen Anziehung noch derjenigen entfernterer Nebelmassen folgen. Die Spektralanalyse [* 5] hat vielfach zur Stärkung der Nebularhypothese beigetragen, indem sie die Gleichheit der Materie durch den Raum nachwies.
Vgl. Klein, Entwickelungsgeschichte [* 6] des Kosmos (Braunschw. 1874);
Sonnenschmidt, Kosmologie (2. Aufl., Köln [* 7] 1879);
Moldenhauer, Das Weltall und seine Entwickelung (2. Aufl., das. 1884, 2 Bde.).