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Mitte des 20. Jahrhunderts herrschte in der Schweiz ein Mangel an Lehrpersonen. In Zug profitierte man zu dieser Zeit von drei katholischen Lehrerinnen- und Lehrerseminaren, die dem Mangel entgegenwirken konnten. Der Kanton drückte sich jedoch vor der Verantwortung.
Schweiz, Mitte der 1950er-Jahre: Vielerorts zeichnet sich ein Mangel an Lehrpersonen ab. Dieser ergab sich aus einer steigenden Geburtenrate nach dem Zweiten Weltkrieg, die Baby Boomers kamen nach. Der Druck auf Ausbildungsstätten für Lehrpersonen wurde immer grösser.
Bildungspolitik in den Nachkriegsjahren
Die Organisation der Lehrerausbildung in den Nachkriegsjahren war von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Je nach Region übernahm der Kanton, die Stadt oder die Gemeinde die Rolle des Trägers. In der Zentralschweiz pflegte man lange eine seminaristische Tradition: Es waren private und meistens katholische Seminare, die Lehrpersonen ausbildeten.
Im Kanton Zug waren es die zwei Lehrerinnenseminare Bernarda in Menzingen und Heiligkreuz in Cham sowie das Lehrerseminar St. Michael in Zug. Sie kamen über Jahrzehnte für die Lehrerinnen- respektive Lehrerausbildung auf, wie Nancy Eckert in einer Masterarbeit untersuchte (siehe Box). Der kleine Kanton Zug profitierte folglich von einem grossen Angebot frisch ausgebildeter Lehrpersonen. Nicht zuletzt dank den drei Seminaren hatte der Lehrerinnenmangel in den 1950er- und 1960er-Jahren im Kanton Zug keine Auswirkungen. Denn auch viele Nichtzuger, die an den Seminaren studierten, entschieden sich für eine Arbeit an einer Zuger Schule.
Die Kosten der Ausbildung trug nicht der Staat, sondern die katholischen Seminare selbst. In den frühen 1960er-Jahren gerieten die Klöster in Menzingen und Cham, die Trägerinnen der beiden Lehrerinnenseminare Bernarda und Heiligkreuz, in finanzielle Schwierigkeiten. Die Situation verschärfte sich nun auch im Kanton Zug. Auf eine angemessene Unterstützung der kantonalen Behörden mussten die Ordensgemeinschaften jedoch lange warten.
Die Last der Zuger Klostergemeinschaften
In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre setzte der wachsende Lehrpersonenmangel die Politik immer mehr unter Druck. Der Kanton Zug musste Vereinbarungen mit den Seminaren treffen. Der erste Vertrag kam mit dem Lehrerseminar in Zug zustande. Das St. Michael verpflichtete sich, eine Mindestanzahl Studenten aufzunehmen, und kam im Gegenzug in den Genuss kantonaler Beiträge. Die Diskriminierung der Lehrerinnenseminare reichte bis in die 1980er-Jahre.
Erst später, als sich der Mangel an Lehrpersonen weiter zuspitzte, kamen vergleichbare Abkommen mit den Lehrerinnenseminaren Bernarda und Heiligkreuz zustande. Die zwei Ordensgemeinschaften hatten anders als das «Freie katholische Lehrerseminar St. Michael» mit grossen Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Deshalb begann man, in den zwei Lehrerinnenseminaren vermehrt weltliche Lehrpersonen einzustellen. Dies bedeutete aber auch einen grösseren finanziellen Aufwand für die Klöster in Menzingen und Cham, die nicht mit den gleichen staatlichen Beiträgen wie das St. Michael unterstützt wurden.
Finanzielle Benachteiligung der Lehrerinnenseminare
Eine Angleichung der kantonalen Beiträge für die Lehrerinnenseminare an dasselbe Niveau wie beim Lehrerseminar in Zug lehnte der Regierungsrat 1970 ab. Seine Argumentation: Die Klostergemeinschaften in Menzingen und Cham würden immer noch weniger weltliche Lehrpersonen beschäftigen und hätten deshalb kein Anrecht auf die gleichen staatlichen Beiträge wie das Lehrerseminar St. Michael. Die Arbeit der Schwestern fand folglich eine geringere finanzielle Anerkennung.
Im Rahmen ihrer 2015 veröffentlichten Masterarbeit «Schlusspunkt nach 160 Jahren. Die De-Institutionalisierung des Lehrerinnenseminars Bernarda in Menzingen» untersuchte Nancy Eckert die Entwicklung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung im Kanton Zug. Heute leitet Eckert die Abteilung der Hochschulentwicklung und des Qualitätsmanagements an der Pädagogischen Hochschule Schwyz.
Im Jahr 1973 beschlossen die Regierung und der Kantonsrat eine Änderung im Vertrag mit dem Lehrerseminar St. Michael. Gemäss dem sogenannten Verursacherprinzip übernahm der Kanton neu die Kosten für Zuger Studenten. Dieses Prinzip galt aber nicht für alle Seminare. Eine Änderung der Verträge und damit eine Anpassung der finanziellen Beteiligung an den beiden Lehrerinnenseminaren lehnte der Kanton ab.
Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sich Zuger Politiker für eine bevorzugte Behandlung des Seminars St. Michael eingesetzt hatten. Über sogenannte «besondere kantonale Beiträge» in den 1970er- und 1980er-Jahren erhielt das Lehrerseminar in Zug Leistungen, die über die «normalen Vereinbarungen» hinausgingen. Auf Beschwerden des Seminars Bernarda in Menzingen ging die kantonale Erziehungsdirektion nicht ein.
Neugestaltung der Zuger Bildungslandschaft
Die Diskriminierung der Lehrerinnenseminare reichte bis in die 1980er-Jahre. Erst 1985 wurden sie dem Lehrerseminar in Zug rechtlich gleichgestellt. Gegen den Willen des Regierungsrats beschloss der Kantonsrat, dass die Gehälter der unterrichtenden Schwestern nun zu 100 Prozent vom Kanton übernommen werden sollten.
Trotzdem mussten die Seminare noch immer selber für die Kosten der Nichtzuger Studenten aufkommen. In den Lehrerinnenseminaren machten diese einen Anteil von bis zu 40 Prozent der Studenten aus. Die finanzielle Belastung für die weiblichen Klöster nahm weiter zu. Ungeachtet der finanziellen Unterstützung kämpften die beiden Lehrerinnenseminare mit angesammelten Defiziten in der Höhe von 1 Million (Cham) bzw. 1,5 Millionen (Menzingen) Franken. Um die Kosten zu decken, verzichteten die Schwestern in beiden Ordensgemeinschaften sogar auf ihren Lohn. Erst 1992, mit der Einführung eines neuen Schulgesetzes, kam die öffentliche Hand für die Beiträge Nichtzuger Studenten auf.
Ende des Betriebes im Jahr 2006
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts holte die Realität den Kanton Zug ein. Bis anhin hatte man an der seminaristischen Ausbildung aus Kostengründen festgehalten. Die Schaffung einer kantonseigenen Lehrerausbildungsstätte wurde jahrzehntelang von einer Mehrheit im Zuger Parlament und in der Regierung abgelehnt. Die bildungspolitischen Vorgänge um die Jahrtausendwende rückten die Frage nach einer zentralen pädagogischen Hochschule immer mehr in den Mittelpunkt. Die Lehrerinnenseminare in Menzingen und Cham wurden im Jahr 2006 geschlossen.

Die Entstehung des Lehrerinnenseminars Bernarda

Im sogenannten «Ordensfrühling» entstanden in der Schweiz des 19. Jahrhunderts zahlreiche katholische Frauengemeinschaften. So auch in Menzingen in den 1840er-Jahren. Pater Theodosius Florentini aus Baden verfolgte das Ziel, «den unchristlichen Zeitgeist mit christlichen Schulen» zu bekämpfen. Zu diesem Zweck bildete er Lehrerinnen aus. Darunter auch Schwester Bernarda Heimgartner. Sie wurde 1844 mit der Leitung einer neuen Mädchenschule in Menzingen beauftragt und gilt als Schlüsselfigur in der Gründungsgeschichte des nach ihr benannten Lehrerinnenseminars.
Innerhalb von wenigen Jahren erweiterten die Menzinger Schwestern ihren Wirkungskreis. Ab 1848 übernahmen sie unter anderem Schulen in Chur, St. Gallen, im Puschlav sowie im angrenzenden Ausland. Der Unterricht am Lehrerinnenseminar war für damalige Zeiten fortschrittlich. Neben «typisch weiblichen Arbeiten» wurden die Frauen auch in Deutsch, Rechnen, Geschichte, Geografie und Naturkunde unterrichtet. Die Mädchen sollten zu «klugen Frauen» mit «feinem Charakter» erzogen werden. Heute drücken in den Räumlichkeiten junge Zuger Gymnasiasten die Schulbank.
So sah es in den 1950er-Jahren im Lehrerinnenseminar Bernarda in Menzingen aus:
Ja
Nein