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Murten im Lauf der Geschichte
Murten im Mittelalter
Die heutige Stadt entstand um 1170 am südlichen Seeufer. Sie war eine Gründung der Herzöge von Zähringen, die das Reichslehen beanspruchten und durch eine weitere Grenzfeste ihre westlichen Randgebiete sichern wollten. Als nach deren Aussterben Murten 1218 reichsfrei geworden war, wurde es später mit einer Mauer befestigt. In der Zeit des Interregnums kam die Stadt 1255 unter die Schutzherrschaft Savoyens, dem später die Habsburger den Besitz für kurze Zeit streitig machten. Verschiedene Bündnisse mit benachbarten Städten sicherten Murtens Stellung, das sich allmählich baulich erweiterte und mit der Zeit gegenüber den umliegenden Dörfern eine Vorrangstellung einnahm. 1416 fielen die meist aus Holz errichteten Häuser Murtens einem Stadtbrand zum Opfer. Aus Stein wieder aufgebaut trat sie 1476 anlässlich der siegreichen Schlacht der Eidgenossen gegen Karl den Kühnen vor seinen Mauern ins europäische Geschichtsbewusstsein. Bereits ein Jahr zuvor musste sich Murten den Bernern und Freiburgern ergeben und bildete hinfort eine Gemeine Herrschaft der beiden Stände. Diese anerkannten die alten Stadtrechte und liessen Murten abwechslungsweise durch einen Schultheissen, der seinen Amtssitz in dem von den Savoyern erbauten Schloss hatte, verwalten.
Murten im Zeitalter des Absolutismus
Die Reformation ist 1530 von Bern her ins Murtenbiet gebracht worden. Die konfessionellen und politischen Gegensätze, die dadurch zwischen Freiburg und Bern entstanden, führen zu wiederholten Auseinandersetzungen. So musste sich Murten sowohl im Ersten als auch im Zweiten Villmergerkrieg neutral verhalten. Während Kirche und Schule unter die Leitung Berns zu stehen kamen, war Murten in militärischer Hinsicht Freiburg zuzugspflichtig. Der stärkere kulturelle Einfluss Berns machte sich auch im Rückgang der französischen und in der Ausbreitung der deutschen Sprache geltend. Wirtschaftlich blieb in der Zeit des Absolutismus alles beim Alten, obwohl sich Glaubensflüchtlinge in Murten niederliessen und sich Viehzucht, Wein-, Korn- und Tabakbau, Gewerbe und Handel dank den zahlreichen Wochen- und Jahrmärkten im Rahmen der regionalen Wirtschaft neben dem Verkehr zu Land und Wasser ausdehnten.
Murten während der Revolutionszeit
Mit der französischen Revolution brach auch im Murtenbiet eine neue Zeit an. Als 1798 die Franzosen zuerst Freiburg hart bedrängten, wollte ihnen Bern in Murten Widerstand leisten. Gross war dann aber die Enttäuschung der Murtner, als sich die bernische Besatzung zurückzog und die Stadt den Franzosen überliess. In der Folge lösten sich die Einquartierungen verschiedener Armeen ab, und zahlreiche Bürger wurden in Gefangenschaft gesetzt. Murten verlor die alten Rechte und wurde 1803 in der Mediationszeit gegen seinen Willen durch Napoleon - wohl auf den Rat des Landammanns Louis d'Affry - Freiburg zugeteilt. Der jahrzehntelange Kampf gegen das patrizisch-klerikale Freiburg weckte bei den von radikaler Gesinnung erfüllten Murtnern neue Kräfte. Das Erziehungs- und Schulwesen wurde verbessert und die Stadt durch eine Reihe von Um- und Neubauten bereichert.
Murten nach der Gründung des Bundesstaates
Durch die Linienführung der Eisenbahn von Bern nach Lausanne über Freiburg benachteiligt, gelang es Murten im Zeitalter der Industrialisierung nicht, sich durch die Ansiedlung von Industrien wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Wohl breitete sich die Stadt auf das umliegende Gelände aus, nachdem sie Anschluss an lokale Eisenbahnlinien gefunden und sich in ihr auch eine kleinere Uhrenfabrik niedergelassen hatte. In der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg konnte Murten indessen lediglich eine regionale Wirtschaftstätigkeit aufweisen. Aus touristischer Sicht hat demgegenüber die Altstadt dank strenger Bau- und Schutzvorschriften weitgehend ihre Ursprünglichkeit und Geschlossenheit bewahrt.
Murten in heutiger Zeit
Seit der letzten Nachkriegszeit ist ein eigentlicher Wirtschaftsaufschwung zu verzeichnen. Neue Wohnquartiere sind entstanden; Industrie und Gewerbe dehnt sich aus. Mit der Erschliessung durch die Autobahn A1, deren sorgfältige Linienführung die Landschaft intakt lässt, ist Murten besser an die benachbarten Zentren angebunden. Die Einwohnerzahl hat sich in der Zeit seit 1970 - nicht zuletzt auch mit der Aufnahme der Dörfer Burg, Altavilla und Büchslen in das Gemeindegebiet - um etwa 1'900 Personen vergrössert. Die Zahl der Arbeitsplätze in Murten übersteigt die Zahl der berufstätigen Einwohnerinnen und Einwohner, Gewerbe und Industrie florieren grossmehrheitlich. Die touristische Entwicklung hat mit der Landesausstellung "Expo 02", die in Biel, Murten, Neuenburg und Yverdon-les-Bains eingerichtet war, ebenfalls einen Aufschwung erlebt. Murten ist heute ein attraktives Ausflugsziel, aber auch ein attraktiver Wohnort, der neben der sehenswerten, urtümlichen Altstadt über zweisprachige Schulen in modernen Anlagen, eine gut ausgebaute Infrastruktur sowie eine zeitgemässe Verwaltung verfügt.
http://www.murtenseevully-history.ch/