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Gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen, finanzpolitische Stabilität und eine gute Bonität der Schuldner gelten gerade bei Staatsanleihen in aller Regel als wichtige Voraussetzung, um sich für den Kauf von Obligationen zu entscheiden. Dies gilt insbesondere auch für Anlagen in Schwellenländern, den sogenannten Emerging Markets. So haben Pleiten von Staaten wie beispielsweise Argentinien dazu geführt, dass Anleihen von Schwellenländern oftmals als sehr risikoreich und deshalb als wenig attraktiv wahrgenommen werden. Die Bonität dieser Anleihen liegt tatsächlich unter derjenigen von westlichen Staatsanleihen. Andererseits war die Bonität von Staatsanleihen aus Schwellenländern über die vergangenen Jahre gerade bei den Anleihen in Lokalwährungen recht konstant und liegt mit einem durchschnittlichen Rating von BBB+ gemäss S&P im Bereich «Investment Grade».
Schwellenländer – gute Wachstumsaussichten und stabile Schuldenquoten
Während die meisten Industrienationen mit einer Überalterung der Bevölkerung, tiefen Wachstumsraten und steigenden Verschuldungsquoten konfrontiert sind, stellt sich die Datenlage vieler – wenn auch nicht aller – Länder in den Emerging Markets etwas freundlicher dar. So wird diesen Staaten mittel- und längerfristig ein höheres Wachstumspotenzial zugetraut als den Industrienationen. Die Erfahrungen im Krisenjahr 2022 (Russlands Krieg gegen die Ukraine, stark steigende Inflationsraten etc.) deuten darauf hin, dass diese Erwartungen nicht völlig unbegründet sind. Viele Schwellenländer haben sich in Bezug auf ihr Wirtschaftswachstum deutlich besser geschlagen als die westlichen Industrienationen (siehe Abb. 6).
Zudem sind in den vergangenen Jahren bei vielen Ländern der Emerging Markets Fortschritte bei der Bekämpfung der Inflation festzustellen. Während sich beispielsweise 2022 einige Industrienationen mit zweistelligen Inflationsraten konfrontiert sahen, lagen diese in wichtigen Schwellenländern im einstelligen Prozentbereich (China: 2 %, Brasilien: 9,3 %, Südafrika: 6,9 %, Mexiko: 7,9 %, Indien: 6,7 %). Und auch die Verschuldungsquoten im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt liegen oftmals unter denen, die – mit Ausnahme der Schweiz – aktuell in westlichen Industrienationen festzustellen sind (siehe Abb. 7).
Bei der demografischen Entwicklung gibt es aber auch bei den Schwellenländern Licht und Schatten. So kämpft China infolge der lange Zeit verfolgten Ein-Kind-Politik mit einer Überalterung der Bevölkerung und einem sinkenden Arbeitskräftepotenzial.
Emerging Markets-Obligationen – was es zu beachten gilt
Für Anlegerinnen und Anleger, die sich für Anlagen in Schwellenländern interessieren, gibt es unter anderem Folgendes zu beachten. Dies gilt nicht nur beim Kauf von Aktien, sondern auch bei Investments in Obligationen:
1. Man unterscheidet bei Emerging Markets-Obligationen generell zwischen sogenannten Hard- und Local-Currency- Anlagen. Also zwischen Obligationen, die in US-Dollar (Hard Currency) oder in Lokalwährungen (Local Currency) emittiert werden. Dabei weisen Local-Currency-Anlagen in der Regel eine höhere Rendite und eine kürzere durchschnittliche Kapitalbindungsdauer (Modified Duration) auf, sind also geringeren Zinsänderungsrisiken ausgesetzt. Die Rendite im Local-Currency-Bereich wurde Ende April für den JP Morgan GBI-EM Diversified Index denn auch mit über 7 % angegeben, die Duration mit knapp 4,6 Jahren. Zum Vergleich: Der breite Swiss Bond Index (SBI) rentierte mit knapp 1,9 %, die Duration wurde mit 6,9 Jahren angegeben. Für die höhere Rendite und das geringere Zinsänderungsrisiko in den Schwellenändern müssen aber höhere Wechselkursrisiken in Kauf genommen werden.
2. Auch bei Investitionen in Emerging Market-Bonds gilt es, Klumpenrisiken zu beachten. Einige Referenzindizes haben deshalb die maximale Gewichtung eines Landes begrenzt, andere nicht. Das ist besonders im Hinblick auf chinesische Staatsanleihen zu beachten, die im investierbaren Anlageuniversum stark an Bedeutung gewonnen haben. In einigen Indizes beträgt die Gewichtung chinesischer Anleihen zwischenzeitlich über 50 %. Dabei bedeutet die hohe Gewichtung Chinas nicht nur ein erhöhtes Klumpenrisiko, sie geht vielmehr auch zulasten der Rendite. Chinesische Anleihen rentieren mit weniger als 3 % und weisen eine Duration von über fünf Jahren auf.
Wir sind der Überzeugung, dass eine Beimischung von Emerging Markets-Obligationen mittel- und langfristig einen sinnvollen Beitrag zu den Rendite-Risiko-Eigenschaften eines Portfolios liefern kann. Um ein erhöhtes Klumpenrisiko zu vermeiden und um eine attraktive Verfallsrendite sowie tiefere Zinssensitivität zu gewährleisten, orientieren wir uns in unseren Vermögensverwaltungsmandaten an einem Referenzindex in Lokalwährungen, der die Gewichtung einzelner Länder auf 10 % begrenzt. Zudem sollte aus Risikoüberlegungen der Anteil von Emerging Markets-Obligationen am Portfolio nicht mehr als 3 % betragen und mittels breit diversifizierter Fonds erfolgen. Der Anlagehorizont ist wie bei Aktieninvestments idealerweise mindestens fünf, besser zehn Jahre.
Mögliche Fondsinvestments aus unserer EmpfehlungslisteAsien/Pazifik Debt Local Currency
Legg Mason GF plc - Western Asset Asian Opportunities(IE00B2Q1FD82)
Emerging Markets Debt Local Currency
BlackRock BGF - Emerging Markets Local Currency Bond(LU0278470058)
Emerging Markets Debt Hard Currency
Vontobel Fund - Emerging Markets Debt
(LU0926439562)
Nachhaltiges Investment
Schroder International Selection Fund BlueOrchard Emerging Markets Impact Bond Fund
(LU2498533053)
Dr. Stefan Kunzmann, Leiter Investment Research
Rechtliche Informationen
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