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Der Tod der Grande Armée
Artikel erschienen: DIE ZEIT Nº 23/2012 – 10. Juni 2012 – Autor Volker Ullrich
Im Juni 1812 überschritten Napoleons Truppen die russische Grenze. Es sollte ein Feldzug in den Untergang werden.
In der Frühe des 23. Juni 1812 inspiziert Napoleon in Ostpreussen das Ufergelände an der Memel. Der Njemen, wie die Russen den Strom nennen, bildet die Grenze zum Zarenreich, und Napoleons Armeen sollen ihn am nächsten Tag überqueren. Als der Kaiser der Franzosen die Erkundung beendet hat und zurückgaloppiert, springt ein Hase auf. Das erschreckte Pferd bäumt sich auf und wirft den Reiter aus dem Sattel. Sofort erhebt sich Napoleon und tut, als sei nichts geschehen. Doch seine Entourage deutet den Zwischenfall als böses Omen. «Jedermann war innerlich mit diesem Sturz beschäftigt», berichtet Napoleons Grossstallmeister, Armand Augustin Caulaincourt, «und der Gesichtsausdruck der meisten Offiziere des Hauptquartiers schien deutlich zu sagen: Wären wir Römer, die an Orakel glaubten, wir würden den Njemen nicht überschreiten.»