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Oberst Nils Nilsson Brahe, 54mm Airfix
Historia:
In der Schlacht bei Lützen am 6. November 1632 prallte das evangelische Heer unter dem schwedischen König Gustav II. Adolf in einem verlustreichen Kampf auf das katholische Heer unter dem kaiserlichen Feldherrn Wallenstein. Unter den Gefallenen war auch der Schwedenkönig, der im Getümmel des Gefechts, kurzsichtig wie er war, den feindlichen Linien wohl zu nahe gekommen war. (Ich habe Gustav Adolf auf der Grafik dezent im Hintergund als Portrait reingestellt) Trotz des Todes des Königs konnte das schwedische Heer das Feld behaupten. Auch wenn nicht wirklich von einem Sieg gesprochen werden kann, war es auch keine vollendete Niederlage.
Unter den Verlusten der Schlacht war auch Oberst Nils Brahe, den eine Kugel ins linke Knie traf. Graf Brahe wurde am 14. Oktober 1604 in Rydboholm geboren und hatte in Leiden studiert. Mit nur 23 Jahren wurde er Oberst des altehrwürdigen Uppland Regiments. Gustav Adolf habe Brahe einst als der fähigste Schwede seiner Armee nach dem Artilleriekommandanten Lennart Torstensson bezeichnet. 1631 wurde er zum Oberst der Gelben Regiments befördert.
Die fatale Kugel die sein Knie traf brachte Brahe eine derart schwere Verletzung bei, dass er am folgenden 21. November daran in Naumburg starb. Das Gelbe Regiment (Schwedisch "Gula Regementet") wurde 1624 als Hofregiment formiert. Es war das älteste der "farbigen" Garderegimenter und verdankte seinen 1626 erstmals genannten Namen einer Modeströmung in den evangelischen Armeen jener Tage, die Farben als Regimentsnamen schätzten. Das Gelbe Regiment bestand überwiegend aus deutschen Söldnern.
Im August 1629 wird die Bezeichnung deutsche Gelbkittel genannt - ein Indiz für eine Bekleidung die dem Namen des Regiments entspricht. Die mehrfach genannte gelbe Bekleidung dürfte das Regiment ziemlich sicher auch in der Schlacht von Lützen getragen haben. In 16 Kompanien aufgeteilt, zog das Regiment mit 610 Musketieren, 324 Langspiessern und 194 Offizieren am 6. November in den Kampf. Die Verluste des Regiments bei Lützen waren furchtbar.
Ein italienischer Offizier der Kaiserlichen Armee wurde Augenzeuge des Untergangs des Gelben Regiments. Er schilderte wie eine grosse Menge gelber Kittel aufmarschierte, mit Langspiessen welche die Musketen deckten. Dann seien sie von kaiserlichen Truppen angegriffen und geworfen worden. Es sei erstaunlich gewesen zu sehen, wie das Regiment in einem Moment zu einem Leichenhügel wurde. Ein andere Bericht erzählt ebenfalls davon.
Die Blüte der Armee (das Gelbe und das benachbarte Blaue Regiment) habe aus alten Soldaten mit 7 oder 8 Dienstjahren bestanden. Ihre Leichen hätten den Boden bedeckt, auf dem sie als Lebende gefochten hatten. Etwas blumig wird gesagt, dass diese erfahrenen Soldaten zuvor schon so lange nicht mehr im Kampf geschlagen worden seien, dass sie vergessen hätten wie man davonrenne. Das Gelbe und das Blaue Regiment erlitten beim Angriff auf das Zentrum der kaiserlichen Armee Verluste von 75%.
Baubericht:
Die vorliegende 54mm Figurengruppe hat eigentlich nichts mit dem 30jährigen Krieg zu tun. Es handelt sich um Figuren einer Serie um den Englischen Bürgerkrieg 1642 bis 1649. Als erstes kam 1977 der "English Civil War Pikeman" in der Verkauf. Als nächstes folgte 1978 der Cavalier/Roundhead, den man als Offizier der Royalisten oder als Reiter der Truppen der Parlaments gestalten konnte. Der dritte im Trio ist der 1978 erschienene "English Civil War Musketeer".
Als "English Civil War Collection" fand ich die angestaubte Truppe in nostalgischer angehauchter Airfix-Box für deftige Franken 34.50 (dafür gab's bei Tamiya mehr als 4 Figuren). Das Thema gefiel mir aber, und die Ausführung der Kunststofffiguren war eingentlich auch ganz gut. Bloss das beiliegende Farbblatt als Bemalungshinweis war nicht besonders, weil der Bastler offenbar schwierige Details wie den Pulverbandolier des Musketiers oder die Zügel der Pferde einfach weggelassen hatte, und bloss bemalte was er huschhusch zusammensetzen konnte.
Aber die Bemalungshinweise waren mir ja ohnehin nicht hilfreich, da ich gar keine Roundheads oder Royalisten machen wollte. Mir schwebte eher etwas vom kontinentalen Schauplatz vor, wie eben die schwedische Armee von Gustav Adolf. In diese Richtung recherchierte ich auch, und bestellte mir kurzum die Osprey Bände 235 und 262 (The Army of Gustavus Adolphus, Infantry und Cavalry). Zusätzlich vertiefte ich mich in die Uniformkunde um den 30jährigen Krieg bevor ich zu Leim und Pinzette griff.
Eigentlich könnte man vier Figuren machen, denn nebst dem Royalistenoffizier wäre noch ein Reiter des Parlaments in der Box. Aber um den Kavalleristen auf Schwedisch umzubauen wären nur Tott's Schwedische Kürassiere in frage gekommen, und die hätten irgendwie nicht in mein Infanterietrio gepasst. In der Box fand sich neben den Figurenteilen auch ein Stück Plastikkarte um Riemen, Gürtel und Zügel zu fertigen. Die Zügel waren echt haarig für mich.
Der Royalistenoffizier hatte praktischerweise grosse Ähnlichkeit mit Nils Brahe. Einzig die Schärpe war etwas zu voluminös, aber ich faules Stück beliess sie so wie sie war weil ich sie hübsch fand. Einen Vergleich kann man auf der Grafik oben zwischen dem Brustbild des Modellbrahe in der Mitte und dem alten Stich ganz unten ziehen. Da sieht man die flache Schärpe Brahes, die unter dem weissen Rüschenkragen verläuft, was bei meinem Brahe eben nicht so ist.
Die Wahl des Gelben Regiments habe ich zwischendurch echt verflucht. Gelb mit seinen Schattierungen ist für einen Figurenanfänger wie mich wirklich kein Vergnügen. Zwischendurch kam schon der Gedanken auf, einfach das Trio zum Blauen Regiment zu versetzen, was simpler zu malen wäre. Aber da hätte ich meinen Nils Brahe nicht einbringen können. Es blieb bei Gelb. Am besten gelangen mir die gelben Lichter und Schatten beim Spiessknecht (und der steht jetzt ausgerechnet unscharf in Hintergrund).
Ein Problem hatte ich am Schluss mit dem Pikenmann. Während der Baus musste seine Pike schon mit Modeliermasse an der Stelle verspachtelt werden, wo die Spitze (auf der Grafik gar nicht mehr im Bild) mit dem Schaft des Langspiesses verleimt wird. Dort klaffte eine hässliche Spalte zwischen den beiden Teilen auf der rechten Seite, so dass eben gespachtelt werden musste. Als der Spiessgeselle dann fertig war, stellte ich fest dass das zweitoberste Glastablar meiner Vitrine zu tief hängt, beziehungsweise der Spiess zu lang ist.
So musste extra für den Spiesser die Vitrine umgehängt werden. Dabei hatte ich mich so gefreut dass ich nun mehr Platz für Zinnfiguren hatten, als ich den Sherman-Firefly rausholte, mit seinen Antennen auf dem Turm. Der Langspiesser hat nun eben dieselbe Höhe die die Funkantennen des Panzers der Guards. Und jetzt steht zwischen den Zinnkameraden eben auch ein Plastiktiro, dass sich aber unauffällig in die Vitrinenarmee fügt.
Aus derselben Bastelküche:
4th Kings Own, 28mm Victrix
Sergeant 3rd Battalion the Royals Scots, 90mm Elisena
Sergeant Bernard McCabe, 54mm Sparta
Gardist 2nd Foot Guards, 85mm Charles C.Stadden
Letov-Doppeldecker S.231 1:72 von KP