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Die ehemaligen schweizerischen Privatbahnen haben in der Zeit zwischen 1860 bis 1900 eine grosse Anzahl zum Teil sehr ähnlicher Zweiachser-Flachwagen im Stil des erhaltenen M3 beschafft, trotzdem sind nur sehr wenige erhalten geblieben. Am übernommenen Wagen fehlte ein grosser Teil der Anschriften leider auch die Wagennummer, die Typenbezeichnung M3 war dagegen noch vorhanden. Anhand der Abmessungen und des Achsstandes konnte herausgefunden werden, dass es sich nur um die Serie 8001-8150 der Nord-Ost Bahn (NOB) handeln kann. Die noch heute vorhandene Aufhängung der früher vorhandenen Spindel-Bremse ermöglichte eine noch genauere Zuordnung. Der erhaltengebliebene Flachwagen stammt aus der zwischen 1872 und 1873 von der Maschinenfabrik und Giesserei Kirchheim (Deutschland) gelieferten Serie SS 1674-1723. Ein solcher Steintransportwagen (SS) kostete damals gemäss dem Rollmaterialverzeichnis Fr. 3895.-. Bereits 1874 änderte die Nordostbahn die Nummerierung auf SS 8001-8050. Zwischen 1880 und 1887 änderte sich die Bezeichnung von SS auf M2 die Wagennummern blieben dieselben. Bei der 1902 durchgeführten Verstaatlichung erhielt die Serie die SBB Bezeichnung M3 60001-60050. Einige Wagen der Serie sollen 1925 zu Schotterwagen umgebaut worden sein, erschienen 1927 aber wieder als M3 mit Ihrer alten Nummer im Verzeichnis. Zwischen 1936 bis 1947 wurden alle noch verbleibenden Wagen ausrangiert und teilweise als Werkwagen an diverse Interessenten verkauft. Mindestens ein Wagen gelangte zur damaligen BBC später ABB, von welcher die HEG den Wagen 1991 übernehmen konnte.
Wegen seines schlechten Zustandes wurde der Wagen auf der Strasse von Baden nach Olten überführt. Dort wurden die morschen Holzteile demontiert und der Rahmen in der HW Olten sandgestrahlt und grundiert. Mit der Bahn, natürlich verladen auf einem Flachwagen gelangte der M3, oder was von ihm übrig blieb, nach Delémont. Es zeigte sich bald, dass an einigen Stellen des Rahmens Schweissarbeiten nötig waren, teilweise mussten sogar Verstärkungen angebracht werden. Der Holzboden, ursprünglich doppelt (d.h. kreuzweise) ausgeführt, wurde nur in einfacher Konstruktion, jedoch mit dickeren Brettern aus alten SBB Güterwagen ersetzt.
Die Speichenachsen wurden ausgebaut, die Achslager ausgewaschen und neue Schmierpolster eingebaut. Zum Teil wurden die alten Öffnungen für die früher übliche Oberschmierung neu angefertigt.
Mit dem Revisionsdatum 1.8.93 wurde der Wagen mit der fiktiven SBB Nummer 60001 beschriftet. Dies einerseits auf Wunsch des Verkehrshauses Luzern (Ausstellung 1994) und andererseits wegen der Tatsache, dass sowohl 2 NOB als auch 2 SBB Achslager am Fahrzeug vorhanden sind. Seit 1995 ist der M3 in der Rotonde Delémont remisiert.
Auf die Rekonstruktion des Bremsersitzes und der Handbremse wurde aufgrund der noch ungenügenden Dokumentation vorerst verzichtet.
Einzigartig ist die noch vorhandene Sicherheitskupplung (Scherhaken). Diese bis ca. 1900 übliche Ausrüstung diente bei einem Defekt der ordentlichen Schraubenkupplung als "Notkupplung".
Hinweise zur früheren möglichen Nummerierung verdanken wir Herrn H. Bischofberger. Die Dokumentation der Geschichte des M3 war nicht einfach. Auch die Suche in Archiven hat bis heute keine neuen Erkenntnisse gebracht. Korrekturen oder ergänzende Angaben nehmen wir jederzeit gerne entgegen.
|Baujahr||1872|
|Hersteller||Mf. Kirchheim (D)|
|Mittlere Tara||5.39 t|
|Radstand||3450 mm|
|Länge über Puffer||7360 mm|
|Sitzplätze||-|
|Übernahme HEG||1991|
|Restauriert||1991 – 1993|