Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/159188

<h2>SubmittedText<h2><p>In seiner Antwort auf die Interpellation 07.3486, "Louis Agassiz vom Sockel holen und dem Sklaven Renty die Würde zurückgeben", hat der Bundesrat 2007 die Position vertreten, der Bund sei "für die Be- oder Umbenennung von Berggipfeln oder anderen geografischen Objekten nicht zuständig". Ansprechpartner für die Vergabe oder Änderung von geografischen Namen seien die Kantone und die betroffenen Gemeinden. Die 1863 auf Initiative des damaligen Bundesrates innert gerade einmal vier Tagen realisierte Umbenennung der "Höchsten Spitze" im Monte-Rosa-Massiv in "Dufourspitze" bezeichnete er als Ausnahme, nicht als Präzedenzfall.</p><p>Ich frage in diesem Zusammenhang:</p><p>1. Wie soll die 2014 auf Initiative von Bundesrat Burkhalter innert drei Wochen realisierte Umbenennung der "Ostspitze" im Monte-Rosa-Massiv in "Dunantspitze" bezeichnet werden? Als "wiederholte Ausnahme", als "Sonderfall" oder doch als "Präzedenzfall"?</p><p>2. Ist er sich dessen bewusst, dass durch seine ablehnende Haltung bei der geforderten Umbenennung des "Agassizhorns" in "Rentyhorn" in der Schweiz und darüber hinaus der Eindruck entsteht, dass innert Kürze eine bundesrätliche Lösung gefunden wird, wenn es um die Ehrung eines berühmten weissen Schweizer Kartografen oder Humanisten geht, dass aber auf die vorgeschlagene Ehrung eines unbekannten schwarzen kongolesischen Sklaven und Rassismusopfers mit jahrelanger Hinhaltetaktik und widersprüchlichem Formalismus reagiert wird?</p><p>3. Ist er sich dessen bewusst, dass Historiker seit 2007 nachgewiesen haben, dass Louis Agassiz (1807-1873) nicht nur ein "namhafter Rassist" war, dessen "rassistische Ansichten weit über das in jener Zeit übliche rassische Interpretationsparadigma hinausgingen", sondern dass sich der Einfluss seines Denkens bis zu "Hitlers amerikanischen Lehrern" (Stoddard, Davenport) und den Rassehygienikern der Nazis (Baur, Fischer, Lenz, Mjöen) nachweisen lässt?</p><p>4. Am 10. August 1840 wurde der Punkt 3946 Meter über Meer in der Verlängerung des Nordwestgrats des Finsteraarhorns nicht zu Ehren des berühmten Glaziologen Louis Agassiz "Agassizhorn" benannt, sondern von ihm selbst anlässlich seiner Expedition ins Unteraargebiet so getauft. Ist er anlässlich dieses 175-Jahr-Jubiläums und angesichts der seit 2007 neuen Fakten (Präzedenzfall "Dunantspitze", Agassiz als Nazi-Vordenker) bereit, zu einer Umbenennung des "Agassizhorns" in "Rentyhorn" Hand zu bieten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1./2./4. In seiner Antwort auf die Interpellation 07.3486 von 2007 hat der Bundesrat die Vorgehensweise bei der Namensgebung von Berggipfeln im Allgemeinen und der Benennung des Agassizhorns im Speziellen erläutert. Daran hat sich nichts geändert. Die Gemeinden und Kantone sind für die Benennung von Berggipfeln zuständig.</p><p>Im Fall der Namensgebung der Dunantspitze handelt es sich um eine Neubenennung einer bis 2014 unspezifisch als Ostspitze bezeichneten Erhöhung, die bis anhin im Landeskartenwerk keine Erwähnung fand.</p><p>Die Bestimmung der Dunantspitze als geografischer Name ist aufgrund eines Vorschlags des damaligen Bundespräsidenten, doch auf Entscheid der betroffenen Gemeinde Zermatt und nach Zustimmung der kantonalen Nomenklaturkommission durch den Kanton Wallis erfolgt. Das Bundesamt für Landestopografie hat zur Nachführung der Namen im Landeskartenwerk die Meldung des neuen Gipfelnamens Dunantspitze vom Kantonsgeometer und von der Nomenklaturkommission übernommen.</p><p>3. In der obengenannten Antwort auf die Interpellation 07.3486 hat der Bundesrat unmissverständlich seine Verurteilung jeglichen rassistischen Denkens zum Ausdruck gebracht und zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem rassistischen Gedankengut von Louis Agassiz aufgefordert. In diesem Sinn hat die im Generalsekretariat des Eidgenössischen Departementes des Innern angesiedelte Fachstelle für Rassismusbekämpfung 2012 die "Agassiz-Ausstellung" in Grindelwald mitunterstützt. Das bis heute in vielen Landesteilen gezeigte Ausstellungsprojekt regt anschaulich zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem rassistischen Gedankengut von Agassiz und dessen verspäteter Rezeption in der Schweiz an. Solche Initiativen tragen dazu bei, sich auch mit problematischen Aspekten unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen und sie als Teil unserer Geschichte anzuerkennen. In diesem Sinn würde es der Bundesrat begrüssen, wenn sich die zuständigen Gemeinden zu weiterführenden Schritten bewegen liessen.</p>  Antwort des Bundesrates.