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Die Wohn- und Repräsentationsräume fürstlicher Residenzen waren im 18. Jahrhundert mit einer Fülle edler Textilien ausgestattet. Neben ihrer praktischen und ästhetischen Funktion spiegelten kostbare Raumausstattungen auch den Status eines Hauses. Machtbewusste Fürsten trafen daher häufig persönlich die Auswahl ihrer textilen Einrichtungen und bestellten bevorzugt gemusterte Seiden aus Lyon, damals Zentrum der französischen Seidenindustrie.
Zu den beliebtesten Darstellungen in Dekorationsseiden des 18. Jahrhunderts zählten Pflanzen aller Art, besonders farbenfrohe Blumen, aber auch Vögel und bunte Schmetterlinge. Mitunter sind sogar kleine Gartenansichten wiedergegeben. Es entstanden zahlreiche Kompendien von Aquarellen und Stichen, in denen heimische und exotische Pflanzen und Tiere dargestellt wurden und die den Künstlern als Anregung dienten.
Mit den Dekorationen wurde die Natur vom Garten in die Innenräume verlegt – gezähmt und kunstvoll arrangiert: Das Zusammenspiel der Motive in einer ästhetischen Gesamtkomposition folgte nämlich primär den Gesetzen der Kunst. Die Beschränkungen, die sich für den Entwurfskünstler etwa durch die Breite der Gewebebahnen oder die vorgegebenen Formen der sie aufnehmenden Wandsegmente oder Möbelstücke ergaben, mussten durch künstlerische Gestaltung überwunden werden.
Bild: Abegg-Stiftung, Christoph von Viràg, Riggisberg