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Der November zeichnete sich aus durch dynamisches Wetter mit wiederholten Schneefällen, die vor allem den Gebieten im Norden den Winterstart bescherten. Für die Beurteilung der Lawinengefahr waren Neu- und Triebschneeschichten relevant, aber auch ältere, kantig aufgebaute Schichten und eingeschneiter Oberflächenreif.
Schweizweit lag die Temperatur im November im langjährigen Mittel (Quelle: MeteoSchweiz). Sie unterlag aber grossen Schwankungen, mit Kaltlufteinbrüchen und Schneefall im Wochentakt und bis in tiefe Lagen (vgl. Abbildung 1). Am meisten Schnee fiel dabei am Alpennordhang, im Unterwallis und in Nordbünden. Damit waren diese Gebiete für Ende November schon gut eingeschneit (vgl. Abbildung 13).
Am Mittwoch und Freitag war es meist sonnig, am Donnerstag mehrheitlich stark bewölkt. Es wehten nur schwache Winde und mit einer Nullgradgrenze bei rund 3000 m war es noch einmal mild (vgl. Abbildung 1).
Am Samstag stellte sich eine Südföhnlage ein: Im Süden war es bedeckt, im Norden föhnig. Allerdings zogen auch dort am späteren Vormittag hohe Wolken auf. Die Nullgradgrenze lag im Norden mittags bei rund 2800 m, im Süden sank sie auf 2200 m (vgl. Abbildung 1). Der Wind aus südlichen Richtungen blies tagsüber meist schwach bis mässig, abends und in der Nacht zum Sonntag mässig bis stark. In der Nacht auf Sonntag begann es im Süden zu schneien. Am Montagvormittag endete der Föhn und auch im Norden setzte Niederschlag ein. Die Schneefallgrenze lag zunächst bei 2200 m und sank am Sonntagnachmittag gegen 1000 bis 1500 m.
In der Nacht auf Montag fiel verbreitet Schnee mit zeitweise starkem Nordwind. Die Schneefallgrenze sank bis am Morgen im Norden auf rund 700 m, im Süden auf 1000 m. Am Morgen endete der Schneefall. Tagsüber gab es einzelne Aufhellungen. Der Wind drehte auf Nordost und flaute ab, ausser am Alpensüdhang.
Insgesamt fielen von Samstagabend bis Montagmorgen oberhalb von rund 2200 m folgende Schneemengen (vgl. Abbildung 3):
Die Neu- und Triebschneeschichten setzten sich langsam. Am Alpennordhang und in Nordbünden überlagerten sie an Schattenhängen oberhalb von rund 2500 m eine ungünstig aufgebaute Altschneedecke und waren vor allem dort teils störanfällig. An Sonnenhängen und in den übrigen Gebieten wurde der Neuschnee nur im Hochgebirge auf einer dünnen Altschneedecke abgelagert.
Von Dienstag bis Freitag war das Wetter veränderlich. Am Dienstag und Mittwoch zog im Westen ein Höhentief vorbei, am Donnerstag und Freitag stellte sich vorübergehend Hochdruckeinfluss ein. Während der Alpennordhang meist unter Hochnebel oder hohen Wolken steckte, waren die Gebiete des Wallis, Tessins und Graubündens wetterbegünstigt. Am sonnigsten war es dabei am Dienstag und Donnerstag. Die Temperaturen waren mit einer Nullgradgrenze bei 1800 bis 2000 m kühl (vgl. Abbildung 1). Schnee fiel vor allem in der Nacht auf Mittwoch, und zwar in den Urner Alpen und am zentralen Alpensüdhang mit 10 bis 25 cm oberhalb von rund 2000 m. Bis am Donnerstagmorgen schneite es dann vom Simplongebiet bis ins nördliche Tessin nochmals 5 bis 15 cm. Sonst fielen in dieser Periode nur wenige Zentimeter Schnee. Der Wind wehte allgemein schwach bis mässig aus südlichen Richtungen. Am Freitag drehte er auf West bis Nordwest, nahm deutlich zu und blies am Abend besonders im Norden mässig bis stark. Am Nachmittag fielen im Norden oberhalb von rund 1300 m bereits wenige Zentimeter Schnee.
Oberhalb von rund 2000 m entstanden meist kleine, störanfällige Triebschneeansammlungen. Im Bereich der Hochnebelobergrenze und in der klaren Nacht auf Freitag bildete sich verbreitet Oberflächenreif (vgl. Abbildung 4). In der Folge wurde dieser eingeschneit und war als Schwachschicht relevant (vgl. unten „Neue Messwertseite auf www.slf.ch - Lawine trifft IMIS-Schneestation“).
Der Wintereinbruch dieses Wochenendes war mit Sturm und viel Neuschnee im Norden fulminant. Am Samstag fiel im Norden oberhalb von rund 1200 m etwas Schnee. Bereits am Samstag war der Wind aus westlichen Richtungen in der Höhe stark bis stürmisch. Die Schneefallgrenze stieg bis am Abend gegen 1600 m. Nur ganz im Süden war es ziemlich sonnig. Am Sonntag überquerte eine aktive Kaltfront die Schweizer Alpen (vgl. Abbildung 5). Am Sonntag und Montag schneite es im Norden häufig. Die Schneefallgrenze stieg in der Nacht auf Sonntag auf rund 2000 m und sank bis am Abend hinter der Kaltfront rasch auf rund 500 m. Der Wind blies stark bis stürmisch aus West, gegen Abend aus Nordwest. Im Süden war es mit ruppigem Nordföhn mehrheitlich stark bewölkt mit Aufhellungen und etwas Schnee, der über den Alpenhauptkamm drückte.
Neuschnee und die verschiedenen Triebschneeschichten waren vor allem an Schattenhängen hoher Lagen sowie allgemein im Hochgebirge störanfällig, wo sie auf eine teils schwache Altschneedecke abgelagert wurden. Wo Oberflächenreif vorhanden war und nicht durch den Wind zerstört wurde, wurde dieser er eingeschneit.
In der Nacht auf Dienstag fielen im Norden noch wenige Zentimeter Schnee bis in tiefe Lagen. Damit endete die Grossschneefallperiode (vgl. Abbildung 6). Eine weiterführende Bilanz zum Wetter dieser drei Tage ist bei MeteoSchweiz nachzulesen.
Vom 11. bis 14.11. fielen oberhalb von rund 2200 m in Summe folgende Schneemengen (vgl. Abbildung 6):
Von Dienstag bis Samstag war es in den Bergen meist sonnig und vor allem am Mittwoch und Donnerstag mild. Die Obergrenze des Hochnebels lag meist zwischen 1000 und 1500 m, zeitweise aber auch um 2000 m (vgl. Abbildung 7).
Der Nordostwind blies am Dienstag und Mittwoch mässig bis stark. Am Donnerstag und Freitag wehte der Wind schwach bis mässig aus unterschiedlichen Richtungen.
Entsprechend war in hohen Lagen die Schneeverteilung vom Wind geprägt und unregelmässig. Dort wo die Triebschneeansammlungen auf Oberflächenreif oder auf eine weiche, kantig aufgebaute Schneeoberfläche abgelagert wurden, verbanden sie sich nur schlecht mit dem Altschnee. Entsprechend wurde am Dienstag, 14.11. die erste, bedeutende Lawinenaktivität am Alpennordhang und in Nordbünden registriert. Die Schneebrettlawinen erreichten kleine bis mittlere Ausmasse. Sie wurden an allen Expositionen, vor allem aber an Nordhängen beobachtet. Sie lösten sich spontan, oder wurden mittels Sprengung künstlich ausgelöst (vgl. Abbildung 8).
Auch durch Personen wurden Lawinen ausgelöst. Dabei ereignete sich der erste tödliche Lawinenunfall der Saison (vgl. Abschnitt Lawinenunfälle).
Auch in dieser Periode bildete sich vor allem in den klaren Nächten Oberflächenreif, welcher stellenweise bis Ende Monat in Schneeprofilen festgestellt wurde und als Schwachschicht berücksichtigt werden musste.
In der Nacht auf Sonntag erreichte eine Kaltfront den Alpennordhang. Mit kräftigem Nordwestwind war es stark bewölkt und verbreitet fiel Schnee bis gegen 500 m. Die Schneefallgrenze stieg tagsüber bis auf 800 Meter, gegen Westen hin auf rund 1000 Meter an. Ganz im Süden war es mit Nordföhn sonnig. Am Montag und Dienstag war es im Norden und Osten meist stark bewölkt und im Osten fiel in Schauern noch etwas Schnee. Im Westen und im Süden war es meist sonnig.
Von Samstagabend bis Montagmorgen fielen oberhalb von rund 1200 m folgende Schneemengen (vgl. Abbildung 9):
Dieser Neuschnee wurde von starkem Nordwestwind verfrachtet. Vor allem dort wo die Triebschneeansammlungen auf einer lockeren Altschneeoberfläche lagen, waren sie teils störanfällig.
In hohen Lagen war die Schneeverteilung vom Wind geprägt und unregelmässig. Rücken und Kuppen waren vom Wind teils abgeblasen, in Rinnen und Mulden sowie hinter Geländeknicken lagen teils beachtliche Triebschneeansammlungen. Die Altschneedecke enthielt teils kantig aufgebaute Schwachschichten und lokal auch eingeschneiten Oberflächenreif. Einzelne Lawinenabgänge wurden in diesen tieferen Schichten der Schneedecke beobachtet.
Der Wind blies in dieser Periode am Nördlichen Alpenkamm und am Alpenhauptkamm meist mässig bis stark aus West bis Südwest, sonst schwach bis mässig. Am Mittwoch war es in den Bergen sonnig mit dünnen Wolkenfeldern. Die Nullgradgrenze stieg auf rund 3000 m, im Westen auf rund 3300 m. Damit wurde es, wie schon in den ersten Novembertagen, nochmal sehr mild (vgl. Abbildung 1). Am Donnerstag und Freitag war es im Westen und Süden unterschiedlich bewölkt, im Norden und Osten mit Föhn recht sonnig. Am Freitag nahm auch im Norden die Bewölkung zu.
Mit dem starken Südwestwind wurde vor allem an Schattenhängen lockerer Altschnee verfrachtet und es entstanden lokal Triebschneeansammlungen. Durch die Sonneneinstrahlung und Wärme lösten sich an steilen Südhängen da und dort Nass- und Gleitschneerutsche (vgl. Abbildung 10).
Am Samstag war es bedeckt. Im Westen und Süden setzte am Morgen Niederschlag ein, der im Tagesverlauf die ganze Schweiz erfasste. Die Schneefallgrenze sank von rund 2000 m gegen 1200 m. Am Sonntag war es im Norden meist bedeckt und zeitweise fiel Schnee bis ins Mittelland. In den südlichen Vispertälern, am Alpensüdhang und im Engadin war es teilweise sonnig. Am Montag war es im Westen und Süden meist, im Nordosten nach Abzug der Restbewölkung teilweise sonnig. Gegen Abend zog aus Nordwesten neue Bewölkung auf.
Der Wind blies am Samstag bis in den Vormittag hinein im Norden und im Jura stark bis stürmisch, im Süden schwach bis mässig aus südwestlichen Richtungen. Tagsüber drehte er auf West bis Nordwest und blies bis zum Montag mässig bis stark, im Süden als Nordföhn.
Von Samstagmorgen bis Montagmorgen fielen oberhalb von rund 1800 m folgende Schneemengen (vgl. Abbildung 11):
Mit dem starken Nordwind wurde der Neuschnee verfrachtet. In Rinnen und Mulden lagen störanfällige Triebschneeansammlungen. Diese konnten auf lockerem, aufgebautem Altschnee, auf einer Kruste im Altschnee oder teilweise auf eingeschneitem Oberflächenreif leicht ausgelöst werden. Kämme und Rücken waren oft abgeblasen.
Am Dienstag war es meist bewölkt, abgesehen von Aufhellungen am Vormittag im Westen. Von Dienstagabend bis am Donnerstag schneite es wiederholt und bis in tiefe Lagen. Dabei schneite es mit 20 bis 40 cm am meisten im Jura und am Alpennordhang (vgl. Abbildung 12). Der Wind blies in den Gebieten mit Schneefall schwach bis mässig aus West bis Nordwest. Im Süden wehte er am Donnerstag mässig bis stark aus Nord.
Die teils intensiven Schneefälle, welche regelmässig am Wochenende und in der letzten Novemberwoche fielen, bauten vor allem in den nördlichen Gebieten eine, für Ende November beachtliche Schneedecke auf. So lagen auf 2000 m folgende Schneehöhen:
Diese Schneehöhen waren im Vergleich zum langjährigen Mittel im Westen und Norden überdurchschnittlich. An einigen Stationen lag rund die doppelte Schneemenge als normalerweise um diese Jahreszeit. Im Süden hingegen lagen meist weniger als 50% der durchschnittlichen Schneehöhen.
Am Dienstag, 14.11. ereignete sich der erste tödliche Lawinenunfall dieser Saison. Ein Mitglied einer vierköpfigen Freeridegruppe löste am Titlis im Laub (Wolfenschiessen, NW) auf rund 2400 m in einem steilen Nordwesthang eine Schneebrettlawine aus und wurde mitgerissen und verschüttet.
Bis zum Freitag, 10.11. wurden im November 5 Sommerbulletins publiziert (04., 05., 06., 08., 10.). Ab dem Samstag, 11.11. erschienen Lawinenbulletins mit Karte. Entsprechend der dynamischen Wetter- und Schneesituation wurden sie täglich, jeweils um 17 Uhr ausgegeben.
Am Freitag, 24.11. wurde erstmals diesen Winter eine Einschätzung für den Jura publiziert. Neu wird die Gefahr dort nicht erst ab Stufe 3 im Lawinenbulletin eingeschätzt sondern, wie in allen übrigen Gebieten der Schweizer Alpen, sobald Gefahrenstellen vorhanden sind.
Die Daten von Beobachtern und von automatischen Stationen können über die Seite „Messwerte“ auf unserer neuen Homepage visualisiert werden. Ab und zu geht auch mal etwas schief:
Die IMIS-Schneestationen (Interkantonales Mess- und Informationssystem) befinden sich in Höhenlagen möglicher Anrissgebiete und normalerweise im flachen Gelände. Obwohl bei der Standortauswahl auf die Sicherheit der Station geachtet wird, können sie ab und zu von grösseren Lawinen getroffen werden.
Wenige Stationen stehen aber auch im Hang. Eine solche wurde am Mittwoch, 15.11. von einer kleinen, durch eine Person ausgelöste Lawine getroffen. Exemplarisch kann daran gut der Einfluss eines solchen Ereignissen auf die Messung aufgezeigt werden:
Am 15.11. stieg eine Tourengruppe von Davos in Richtung Grüenihorn auf. Obwohl mit Abständen unterwegs, löste der Spurende am nordostexponierten Gipfelhang eine kleine Schneebrettlawine aus. Angebrochen war sie in einem eingeschneiten Oberflächenreif (vgl. Profil in Bildstrecke 10/19).
Die Lawine erreichte die IMIS-Hangstation Grüeniberg und lagerte dort etwa 80 cm Lawinenschnee ab (vgl. Abbildung 14). Der Ultraschall-Sensor an der Station hat das Ereignis mit dem sprunghaften Schneehöhenanstieg korrekt gemessen (vgl. „A“ in Abbildung 15).
Das Schneedecken-Simulationsprogramm SNOWPACK berechnet den ganzen Winter über die Schneedecke an dieser Station und daraus auch den gefallenen Neuschnee. Die automatische Kontrolle der Messwerte erkannte, dass der Anstieg der Schneehöhe für einen Schneefall viel zu abrupt erfolgte. Deshalb behandelte SNOWPACK die registrierte Schneehöhe zunächst als Fehlmessung und reagierte nicht weiter darauf (ohne eine solche Kontrolle würde bei jedem kurzzeitigen Messfehler, und solche gibt es bei Ultraschallsensoren immer wieder, sofort ein massiver Schneefall berechnet).
Bleibt die Schneehöhe dann aber über längere Zeit oben, und scheinen die gemessenen Werte wieder realistisch, wird der Höhenzuwachs vom Modell dann doch akzeptiert. Die gemessene, grössere Schneehöhe wird mit Neuschnee „aufgefüllt“ (B).
Der berechnete Neuschnee im Modell setzt sich stärker als der reale Lawinenschnee. Damit sinkt die im Modell berechnete Schneehöhe mit der Zeit immer tiefer unter die gemessene Schneehöhe. Um dies auszugleichen, fügte das Modell wieder Neuschnee ein (C). Dies wiederholt sich in den folgenden Tagen mehrmals, wobei die für den Ausgleich notwendigen, zusätzlichen Neuschneemengen immer kleiner ausfallen.
Weitere Infos zum Messen der Schneehöhe und zur Berechnung des Neuschnees siehe „Infos zur Schneemessung“.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.