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Germanische
Sprachwissenschaft. Die
Erforschung der german.
Sprachen ist eine besondere
Abteilung der german.
Philologie
(s. Deutsche
[* 2]
Philologie). Begründet ist die
Germanische Sprachwissenschaft durch J.
^[Jakob] Grimms «Deutsche
Grammatik» und mehr
als die andern Zweige der german.
Philologie durch die Forschungen in den letzten 25 Jahren so gewaltig gefördert worden,
daß sie als eine eigene Wissenschaft für sich dasteht. Von entscheidendem Einfluß ist der Umstand gewesen, daß sie sich
in engstem Zusammenhang mit der vergleichenden indogerman.
Sprachwissenschaft entwickelt hat. Die neueste Epoche der
Germanische Sprachwissenschaft datiert seit W. Scherers
Buch «Zur Geschichte der deutschen
Sprache»
[* 3] (Berl. 1868). (S. Deutsche
Philologie, Bd. 5, S. 43 a.)
Bald darauf fanden die Grundsätze der neuesten
Entwicklung der vergleichenden indogerman.
Sprachwissenschaft besonders auf dem
Gebiete der german.
Sprachen Anwendung. Diese Grundsätze bestanden in der strengen Forderung der Ausnahmslosigkeit
der mechanisch gedachten lautlichen (sog. lautgesetzlichen)
Entwicklung, in der
Betonung
[* 4] des Wirkens der
Analogiebildung im
Leben der
Sprache sowie in dem Hinweis, daß die induktiver Untersuchung zugänglichern lebenden
Sprachen und Mundarten von
denselben allgemeingültigen Gesetzen beherrscht werden wie die toten
Sprachen. Die allerjüngsten Bestrebungen
suchen noch mehr, als es früher der Fall war, die lebenden Mundarten für die Sprachgeschichte nutzbar zu machen und die
Grammatik der vormals gesprochenen
Sprache von den
Fesseln der traditionellen
Orthographie zu befreien, und zielen vor allem
dahin, das alte Schema der
Grammatik durch eine wirkliche Geschichte der
Sprache zu ersetzen. -
Vgl. die Litteraturangaben unter Deutsche Sprache I, Germanische Sprachen, Gotische Sprache, Englische Sprache, [* 5] Niederländische Sprache [* 6] und Litteratur, Friesische Sprache und Litteratur, Nordische Litteratur und Sprache.