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Stanislas Wawrinka hat sich von den vielen bitteren Niederlagen in seiner Karriere nicht unterkriegen lassen. Dank dem grandiosen Erfolg gegen Novak Djokovic bietet sich dem «Stanimal» nun die Chance, endgültig aus dem Schatten von Roger Federer zu treten.
Stanislas Wawrinka fand in der Tennis-Welt lange kaum Beachtung. Zu grosse war die Strahlkraft von Roger Federer, der ihm fast immer vor der Sonne stand. Doch 2013 spielte «Stan» gross auf und sich in die Herzen der Tennis-Fans. Allerdings nicht mit grossen Siegen, sondern vornehmlich mit Niederlagen.
2013 etablierte sich Wawrinka zwar endgültig in der Weltspitze, doch in Erinnerung blieben vor allem drei äusserst bittere Niederlagen: Beim Australian Open verlor er im Achtelfinal gegen Novak Djokovic nach 5:02 Stunden den fünften Satz mit 10:12. Zwei Wochen später folgte das legendäre Doppel im Davis Cup gegen Tschechien.
An der Seite von Marco Chiudinelli musste sich «Marathon-Stan» nach 7:02 Stunden dem Duo Tomas Berdych/Lukas Rosol geschlagen geben. Der letzte Satz, der alleine 3:35 Stunden dauerte, endete 22:24. Am US Open folge die nächste Fünfsatz-Pleite: Trotz 2:1-Satzführung gegen Djokovic zog Wawrinka noch den Kürzeren.
Wawrinka galt bei vielen als der Mann der heroischen Niederlagen. Doch er selbst sah sich nie so: «Immer versucht. Immer gescheitert. Egal. Versuch es wieder. Scheitere wieder. Scheitere besser», liess er sich auf den linken Unterarm tätowieren.
Am Dienstag wurde er für seine Arbeit belohnt. Diesmal war es Wawrinka, der nach einem epischen Fünfsätzer gegen Djokovic jubeln durfte. Dank dem grössten Erfolg seiner Karriere steht er zum zweiten Mal in einem Grand-Slam-Halbfinal.
Dort trifft die Weltnummer 8 am Donnerstagmorgen um 9.30 Uhr Schweizer Zeit (bei watson im Liveticker) auf den Tschechen Tomas Berdych. Der Tscheche kam beim 6:1, 6:4, 2:6, 6:4 gegen David Ferrer (ATP 3) zum ersten Sieg seiner Karriere in der Rod-Laver-Arena und schaffte damit im elften Anlauf ebenfalls seine Halbfinal-Premiere in Melbourne.
Berdych ist der 23. Spieler in der Open Era, der an allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens einmal die Runde der letzten Vier erreicht hat. «Er spielt seit Beginn des Turniers sehr gut und ist nahe an den Top-Spielern dran», glaubt Wawrinka. «Aber klar, ich habe eine grosse Chance gegen ihn.» Gegen Berdych führt der Romand im Head-to-Head mit 8:5. Die letzten drei Begegnungen gewann er, zuletzt am US Open und an den ATP-Finals in London. «Ich spiele sehr gerne gegen ihn», so Wawrinka, «aber es wird einen harten Kampf geben.»
Im Gegensatz zum nimmermüden Djokovic, gegen den Wawrinka vor allem in den Grundlinien-Duellen dagegen halten musste, ist Berdych ein viel offensiverer Spieler. Der Romand wäre gut beraten, gegen den tschechischen 1,96-m-Hünen das Tempo etwas zu variieren und ein paar Slice-Bälle mehr einzustreuen. Berdychs grosse Schwäche ist der Kopf: Liegt die Weltnummer 7 einmal zurück, fehlt oft der letzte Wille.
Aber vorsichtig: Für Eurosport-Experte Mats Wilander ist Berdych «beste Spieler, der noch nie ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat». Kann Wawrinka den ganz grossen Coup trotzdem schaffen? Djokovic ist sich nicht ganz sicher: «Ich weiss nicht, ob Stan das Turnier gewinnen kann. Es ist aber offensichtlich, dass er mental gewachsen ist», so der Serbe. Und wer die Weltnummer 1, an dem Ort, wo er vier seiner sechs Grand-Slam-Titel feiern konnte, bezwingt, dem ist alles zuzutrauen.