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Kulturell ist das lusophone Afrika vielleicht der am wenigsten bekannte Teil des Kontinents in Europa, abgesehen von der kapverdischen Musik und ihrer emblematischen Botschafterin, Cesária Évora, die leider 2011 verstarb. Das Festival Afrikamera bietet uns in seiner zwölften Ausgabe die Möglichkeit, einen Blick auf die Filmproduktion dieser Region zu werfen. Africa Lusofonia präsentiert eine Auswahl aktueller Spiel- und Dokumentarfilme aus Angola, Guinea-Bissau und Mosambik neben Produktionen aus anderen Regionen Afrikas.
Während vor allem das postkoloniale Befreiungskino Angolas und Mosambiks der 1970er-Jahre als „Militant Cinema“ überregional Furore machte und sich heute im Zuge einer verstärkten kritischen Auseinandersetzung mit kolonialer Vergangenheit neuer Aufmerksamkeit erfreut, setzen sich neue und neueste Produktionen des lusophonen Afrika neben der eigenen Geschichte auch mit anderen gesellschaftlichen Themen auseinander, wie beispielsweise Gender, Religion oder Urbanität.
Highlights des Programms
Die satirische und sehr graphische Komödie Keteke (Ghana) von Peter Sedufia eröffnet das Festival am 7.11. in Anwesenheit des Regisseurs.
Ein Paar, das das einzige in seinem Dorf verfügbare Transportmittel, den Zug, verpasst hat, wird einen Kreuzweg leben, um sein erstes Baby zur Welt zu bringen. Für 70 Minuten nehmen wir am hektischen Rennen von Boi (Adjetey Anang) und Atswei (Lydia Forson) teil, die den Schienen folgen, um von einer Station zur anderen zu gelangen und hoffen, den nächsten Zug zu nehmen (ja, es würde genügen, an der ersten Station zu warten, aber wenn wir es einfach machen würden, gäbe es keinen Film). Dieses Rennen gegen den Zug (Keteke bedeutet Zug in Akan-Sprache) ist ebenso ein Rennen gegen die Uhr, mit der bevorstehenden Ankunft ihres Babys als Marker in Aktion, wie es das Rennen der Zeit ist, das in den 80er Jahren fliegt, nie direkt erwähnt, sondern extrem gut durch die Arbeit von Kostümen und Frisuren vorgeschlagen.
Am 8.11. zwei Veranstaltungen in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung. Beide Eintritt frei.
Der Dokumentarfilm, Dying For Gold (Südafrika,Lesotho,Mosambik,Swasiland) um 18 Uhr: Die Regisseure Catherine Meyburgh und Richard Pakleppa setzen sich mit der 120-jährigen Geschichte des Goldabbaus und den bis heute spürbaren Folgen der damit einhergehenden rassistisch-kapitalistischen Ausbeutungspraktiken in Südafrika auseinander.
Um 20 Uhr: Pas d‘or pour Kalsaka von dem burkinischen Regisseur Michel K. Zongo dokumentiert die Folgen der Goldausbeutung aus Sicht der Bewohner*innen des Dorfes Kalsaka. Dabei verknüpft Zongo afrikanische Erzähltraditionen mit Western-Elementen. im Anschluss Diskussion mit Regisseur Michel K. Zongo und Asanda Beyna (Prof. f. Soziologie, Universität Kapstadt), Moderation: Dija Mambu.
Am 9.11 gibt es zwei Programme mit mit Kurz- und Mittellängenfilmen sowie zwei Spielfilme, darunter Resgate (Mosambik) um 21Uhr in Anwesenheit des Regisseurs Mickey Fonseca. Ohne wirklich zu spoilen, ist es klar, dass Brunos Erlösungsweg, der gerade 4 Jahre im Gefängnis wegen eines Autodiebstahls verbracht hat, voller Hindernisse sein wird und von einer Vergangenheit verfolgt wird, die nie aufhört, alle Protagonisten einholen zu wollen. Resgate ist ein guter klassischer Gangsterfilm mit einer Reihe von Mini-Twists, die aufeinander folgen und sich in einem letzten Teil gegenseitig aufheben, der das Tempo der Geschichte deutlich beschleunigt.
Am 10.11. Mabata Bata (Mosambik/Portugal) : Eine spektakuläre oxymorone Einführung! Schöne Landschaften, ein weiches goldenes Morgendämmerungslicht, ein Kind, das lächelnd herumläuft…. ein metallisches Geräusch – Cut auf einem schwarzen Bildschirm. Unter dem Deckmantel einer tragischen Fabel erzählt uns Sol de Carvalhos Film, wie alle Fabelwesen, von der Realität und ihren Grundlagen: der Suche nach dem persönlichen Glück, der individuellen Tribut an die Gesellschaft, an die Familie und insbesondere an die von Kriegen verwüsteten Regionen, den verwüsteten grundlegenden Betriebsstrukturen, der Geiselnahme von Menschen, die zwischen Amboss und Hammer gefangen sind…. und den Minen.
Am 11.11 in Anwesenheit des Hauptdarstellers Alassane Sy, Baamun Nafi (Nafi’s Father; Senegal) von Mamadou Dia, der das Festival beschliesst. Er erzählt von der Auseinandersetzung zweier Brüder über die bevorstehende Hochzeit ihrer Kinder. Während sich die junge Nafi und ihr Cousin Tokala die Hochzeit wünschen und Zukunftspläne für einen Umzug nach Dakar schmieden, ist ihr Vater, ein lokaler religiöser Führer, strikt dagegen, denn sein Bruder Ousmane ist Anhänger einer fundamentalistischen islamischen Sekte.
12. Afrikamera – 7. bis 11. November 2019: Alle Informationen und das komplette Programm
Malik Berkati
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