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Barrys Geschichte ist auch eine Geschichte der Hundezucht. Betrachtet man ihn in seinem goldfarbenen, an einen Schrein erinnernden Schaukasten in Bern, kommt man nicht umhin, zu bemerken, dass er eher wie ein stolzer, athletischer Labrador als wie ein schwermütiger, massiger Bernhardiner aussieht.
Die Rettungshunde des Hospiz zum Grossen St. Bernhard waren Promenadenmischungen, die Chorherren legten keinen Wert auf Äusserlichkeiten. Die Bernhardiner als Rasse, wie wir sie heute kennen, entwickelten sich erst nach dem Tod von Barry.
"Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Rassezucht ernsthaft begann, wurde das Äussere bald zum Einzigen, das eine Rolle spielte", erklärte Rudolf Thomann, der Leiter der Fondation Barryexterner Link in Martigny. "Vor allem Engländer entwickelten eine Vorliebe für enorm grosse Hunde, und sie waren bereit, extrem hohe Preise zu bezahlen."
"Die vorherrschende Meinung war 'grösser ist besser'!", pflichtet Marc Nussbaumer bei, der im Naturhistorischen Museum in Bern die grösste Hundeschädel-Sammlung der Welt betreut.
"Das Besondere an der Hundezucht generell ist: Hat man eine Rasse, die durch einen speziellen morphologischen Aspekt charakterisiert wird – sei es ein grosser Kopf, ein kleiner Kopf, langhaariges Fell, kurzhaariges Fell – wird man dieses besondere Merkmal betonen wollen", erklärte Nussbaumer.
"Ein Bernhardiner hat zwei Hauptmerkmale: die Grösse und einen schweren Kopf, diese Merkmale wurden daher bei der Zucht übertrieben betont, und zwar bis zu einem Grad, dass wir sie heute wieder etwas kleiner züchten wollen."
1923 war auch das Barry-Präparat verändert worden, weil es den Vorstellungen des Publikums nicht mehr entsprochen hatte. Sein Kopf wurde vergrössert (der Originalschädel wird in einem separaten Schaukasten gezeigt), die Beine um etwa 10 Zentimeter gestreckt (sieht man genau hin, kann man den Unterschied bei der Farbe und Beschaffenheit des Fells sehen).
Zudem wurde der gesenkte Kopf angehoben, um die demütige Haltung zu "korrigieren" und den Hund nobler und heldenhafter aussehen zu lassen.
Barry war zwischen 40 und 45 Kilogramm schwer gewesen, während moderne Bernhardiner mehr als 100 Kilogramm wiegen können. Heute ist das Präparat Barrys 64 Zentimeter hoch, doch zu seinen Lebzeiten war er etwas kleiner gewesen. Moderne Bernhardiner haben eine Widerristhöhe (Übergang vom Hals zum Rücken zwischen den Schulterblättern) von 70 bis 90 Zentimetern.
Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch, swissinfo.ch