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Die Dreifarbenschecke stammt aus dem Deutschen Rheinland. In Deutschland wird die Rasse denn auch «Rheinische Schecke» genannt, in der Schweiz und im Eurostandard «Dreifarbenschecke». Zur Entstehung der Rasse ist Folgendes bekannt: Der Pöstler Josef Heintz aus Grevenbroich züchtete Japanerkaninchen. Durch die Kreuzung zwischen einem grau-weissen Schlachtkaninchen und einem Japanenrammler ergab sich ein dreifarbig geschecktes Tier.
Mit diesem Tier begann Heintz eine dreifarbige Schecken-Rasse zu züchten, die er im Jahr 1905 ausstellte. Anfangs gab es noch Diskussionen über die Zuchtrichtung der Rheinischen Schecke, so bevorzugten manche Züchter Tiere mit weissen Nasen, andere strebten eine Kettenzeichnung ähnlich den Englischen Schecken an, bis man sich schliesslich auf das heutige Zeichnungsbild der Riesenschecke einigen konnte.
Gemäss aktuellem Standard gleicht die Kopfzeichnung der von anderen Schecken-Rassen. Sie umfasst die charakteristische Schnauzen-Zeichnung (den Schmetterling), die schmale, aber gleichmässige Augeneinfassung, die beidseitigen Backenpunkte und die möglichst scharf abgrenzende Ohrenzeichnung. Der Schmetterling sitzt auf der Nasenkuppe und reicht mit seinen Flügeln über die Schnauze und bis über die Mundwinkel. Er soll beidseitig den Unterkiefer erfassen.
Keine Rasse für schnelle Erfolge
Zur Rumpfzeichnung gehört der Aalstrich, der, unmittelbar hinter den Ohren beginnend, etwa zwei Zentimeter breit auf dem Rückgrat entlang bis zur Blumenspitze verläuft, und die sechs bis acht möglichst frei stehenden Seitenflecken an den Flanken. Die Abzeichen der Dreifarbenschecken sind zweifarbig, orange und schwarz gefärbt, alle Abzeichen mit Ausnahme der Backenpunkte sollen beide Farben aufweisen. Das Mindestgewicht beträgt 3,5, das Idealgewicht 4 bis 4,5 Kilogramm. Die Dreifarbenschecken sind in der Schweiz seit 1907 anerkannt.
Die Dreifarbenschecken gehören wie die Schweizer Schecken, Tschechen-Schecken, Dreifarben-Kleinschecken und Englischen Schecken zu den Punkteschecken und sind deshalb spalterbig. Verpaarung typengerechter Tiere untereinander führt zu 25 Prozent japanerfarbigen Tieren, 50 Prozent Typenschecken und 25 Prozent sogenannten Hellschecken (Schnäuzer). Die meist nicht lebensfähigen Hellschecken zeigen nur einen unvollständigen Aalstrich, keine Seitenzeichnung und einen unvollständigen Schmetterling.
Hervorgerufen wird dieser Erbgang durch den Faktor für Punktescheckung (deutsches Symbol k / K, englisch en / En), der mit einem sogenannten Letalfaktor verknüpft ist, der dazu führt, dass Hellschecken eine deutlich verminderte Lebensfähigkeit aufweisen. Aus Tierschutzgründen wird daher die Verpaarung einfarbiger Tiere empfohlen.
«Ausdauer und Geduld sind ein Muss»
Nachgefragt bei Andreas Wild, Präsident Dreifarbenschecken-Club Gruppe Ost
Herr Wild, mit wie vielen Tiere züchten Sie die Dreifarbenschecken?
Zurzeit habe ich fünf Rammler und neun Zibben. In der Regel mache ich zwei Würfe. Von jedem Wurf darf man sechs bis acht Jungtiere erwarten. Mit einem schön gezeichneten Jungen muss man zufrieden sein.
Was ist dabei die grösste Schwierigkeit?
Mit der Kopfzeichnung stehe ich etwas auf Kriegsfuss. Dieses Jahr habe ich einige Tiere mit nur einem Backenpunkt. Dieses Problem muss ich mit einer noch konsequenteren Auslese angehen. Die Fellbeschaffenheit meiner Zibben macht mir ebenfalls Mühe. Wammen und lose Fellhaut sind die Sorgenkinder.
Ihre Ratschläge an junge Züchter?
Ausdauer, Geduld und züchterische Grundlagen sind ein Muss. Dazu muss einem Bewusst sein, dass in der Zuchtsaison viele Jungtiere nicht für die Zucht oder Ausstellung geeignet sind und somit in die Mast gehen.
Wie ist der Dreifarben-Klub aufgestellt?
Der Hauptklub wird geleitet von Daniel Graf aus Luzern und umfasst 118 Mitgliedschaften. Unterteilt ist der Klub in sechs Gruppen. Leider sind einige Gruppen kaum mehr lebensfähig. Zusammenschlüsse und Auflösungen lassen sich kaum verhindern.
Wie sehen eure Klubschauen aus?
Alle zwei Jahre findet eine gemeinsame Klubschau statt, dieses Jahr mit 174 Kaninchen. Die anderen Jahre werden Gruppenausstellungen durchgeführt mit teilweiser schlechter Beteiligung. Ich finde, dass jedes Jahr eine schweizerische Klubschau sowie eine gemeinsame Klubschau durchgeführt werden sollten. Ein Wettbewerb unter gerade mal drei bis vier Züchtern ist nicht sehr motivierend.
Die Zucht aller Schecken, insbesondere der dreifarbigen Schecken, stellt eine besondere Anforderung an die Züchter. Wer schnelle Erfolge erwartet, sollte nicht diese Rasse wählen. Kenntnisse der Vererbung sowie über die allgemeinen Grundlagen der Kaninchenzucht, Geduld und die Bereitschaft, auch Rückschläge einzustecken, sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schecken-Zucht.
Allein das Züchten von Schecken bedeutet bereits eine riesige Herausforderung. Die Dreifarbigkeit erhöht diese noch zusätzlich. Die Farben Orange und Schwarz sollen gleichmässig verteilt sein, man spricht in diesem Zusammenhang von geblümten Ohren und geblümter Zeichnung. Dass man dazu von den Dreifarbenschecken noch einen vorzüglichen Körperbau und eine gute Fellstruktur erwartet, macht die Sache nicht einfacher. Die Grundfarbe ist weiss und die Zeichnungsfarben orange und schwarz. Dabei ist vor allem auf ein leuchtendes Orange zu achten.
Wechselbad der Gefühle
Einer, der sich mit dieser Rasse besonders gut auskennt, ist Andreas Wild aus Herisau AR. Der Präsident des Dreifarbenschecken-Klubs Gruppe Ost beschäftigt sich sowohl mit Kaninchen als auch mit Geflügel. Seit 1997 züchtet er die Dreifarbenschecken, eine Zucht, die er von seinem Vater übernommen hat. «Geduld, Geduld und nochmals Geduld» ist sein Leitsatz, wenn man ihn über die Voraussetzung für die Dreifarben fragt. «Freude und Enttäuschung» machen die Faszination der Schecken-Zucht für ihn aus.
Himmelhochjauchzend bei einem Wurf mit schön gezeichneten Schecken, beim nächsten Mal dann aber wieder zu Tode betrübt; das gehört für Wild Jahr für Jahr in die Zuchtsaison. Sein nächstes Ziel sind die Klubausstellung in Kirchberg BE und die Rammlerschau in Thun BE. Einen entsprechenden Rammler mit Jahrgang 2019 hat er bereits am Start mit der Hoffnung, die 96,5 Punkte vom letzten Jahr zu toppen.