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Ein Beitrag von Milena Sentobe über ihre Arbeit, welche an der Bachelor-Diplomaustellung als auch während den ZHdK-Highlight gezeigt wurde
Der Titel dieses Textes ist sogleich der Titel meiner Bachelor-Arbeit (Bachelor Kunst und Medien – Bildende Kunst) wobei es wichtig ist, dass „I’m a shapeshifting bitch“ als Zitat aufgeführt ist. Dies verweist damit bereits auf einen von zwei Schwerpunkten meiner Arbeit, welche ich betonen möchte.
Die Schwerpunkte behandeln zum einen die Aspekte von einem (Teufels-)Kreis, bestehend aus sexistischen Zuschreibungen, die Repetition dieser Zuschreibungen und/oder die Aneignung von eben diesen. Zum andern thematisieren sie mögliche Zukünfte, Ideen oder Utopien.
Wenn ich nun also von sexistischen Zuschreibungen rede, beziehe ich mich auf Material und Form in der westlichen Kunst.
Spätestens seit dem Aufkommen der Minimal-Art, in welcher männliche* Positionen dominierten, und der ihr gegenüberstehenden performativen und auf den Körper bezogenen Kunst, in welcher weibliche* Positionen das Feld beherrschten, wird es offensichtlich, wer mit Latex und wer mit Neon arbeitet.
Damit nehme ich Bezug auf eine Reihe von geschichtsträchtigen, auf Naturkautschuk basierenden Werken von Künstlerinnen* seit den frühen 1970er-Jahren. Jede dieser Künstlerinnen* setzte in eigenständiger Art mit weichen, horizontalen, haptischen, organischen, dynamischen und vergänglichen Stoffen und/oder Methoden ein Gegengewicht zur minimalistischen, linearen, vertikalen, starren und geometrischen Objekt-Kunst der damals meist männlichen* Berufskollegen.
Anders ausgedrückt spreche ich von binären und meist auch heteronormativen Konnotationen die klar auf das jeweilige Geschlecht bezogen werden.
Woher kommen aber diese Konnotationen? Ist es die schon vor den 60er Jahren herrschende zweiseitige Norm die sich bis jetzt erstreckt? (die Norm würde sich in diesem Fall auf den Alltag beziehen, weil vor den 70ern weibliche Künstlerpositionen rar waren. Wenn Frauen* Kunst machten, dann wurde dies als „Hobby“ abgetan oder sie hatten nur dann Erfolg, wenn sie eine männliche* Praxis imitierten)
Oder entspringt es der Repetitionen, Wiederholungen und Zitaten der damaligen Künstlerinnen*, welche die ungerechte Behandlung ihrer Körper und Personen thematisieren wollten, damit die Polarisierung also quasi unterstützen, um zu betonen: wir sind anders, wir sind wir, wir sind FRAUEN keine MÄNNER. Separation als Mittel zum Zweck, wo der Zweck hier das Empowerment wäre.
Handelt es sich beim Adaptieren und Zitieren zwischen Material- und (Post-)Minimal-Kunst also um eine Aneignung, die Rollenbilder eher festschreibt, statt sie aufzudröseln und in Frage zu stellen? Oder ist die Wiederholung notwendig um der Thematik die nötige Gewichtung zu geben?
Lassen sich Fragmente neu zusammenführen, vielschichtig intertextu(r)ell kombinieren um mit den Mitteln der Kunst alternative Lebensformen jenseits gesellschaftlicher Rollenzuweisung anzurufen? Können wir durch Aneignungen, Thematisierungen und Weiterarbeiten auf einen queeren Weg gelangen?
Stellt dafür gar die Aufhebung von (Haut-)Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine ein ebenso monströses wie positives Versprechen dar?
Was sind die beständigen Utopien (und ich sage bewusst Utopie, weil wer weiss schon wie oft wir uns noch wiederholen müssen)? Wenn ich mir eine Deutung aus Haraway, Butler, Barad, Engel, Federici und so weiter zusammen sample (sieheStand Der Dinge), kann aus der imaginierten Utopie vielleicht auch eine Zukunft werden… Eine Zukunft in der wir unserer Rollen entschlüpfen können uns frei bewegen können. Wo wir alle Grenzen verwischen und eingefahrene Verständnisse umarbeiten. Weder er noch sie noch es.
*
Das Sternchen zeigt, dass Geschlecht und Identität konstruiert wird und dass wir anstatt eines festen Bildes des Geschlechts, in eine Richtung der Gender-Pluralität und Freiheit der Selbstdarstellung leben wollen.
Der Stand der Dinge ist Bestandteil der Arbeit und liegt als Print jeweils in der Ausstellung bei
Links zu den Zitaten im Stand der Dinge
Musik:
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Imitation_(Musik)
Körperpolitik:
Silvia Federici, Caliban und die Hexe: https://translibleipzig.files.wordpress.com/2014/03/fdrc_clbn-nd-th-wtch1.pdf
Shapeshifting:
Princess Nokia, Brujas: https://genius.com/Princess-nokia-brujas-lyrics
Trennung zwischen organisch und synthetisch:
Susanne Pfeffer über Pamela Rosenkranz’ Arbeit and der Biennale in Venedig: https://www.swissinfo.ch/ger/kultur/kunstbiennale-venedigadd-the-underlineein-raum-voller-duft-von-babyhaut/41424110
Hybride von Maschine und Organismus:
Donna Haraway, Ein Manifest für Cyborgs. http://www.medientheorie.com/doc/haraway_manifesto.pdf
Das Nichts:
Karen Brad, Was ist das Mass des Nichts? Unendlichkeit, Virtualität, Gerechtigkeit http://deeptimechicago.org/wp-content/uploads/2016/10/barad-k-what-is-the-measure-of-nothingness.pdf
Verwischung der Grenzen:
Donna Haraway, Ein Manifest für Cyborgs. http://www.medientheorie.com/doc/haraway_manifesto.pdf
Haut:
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Haut
Unendlichkeit und Nichts:
Karen Brad, Was ist das Mass des Nichts? Unendlichkeit, Virtualität, Gerechtigkei http://deeptimechicago.org/wp-content/uploads/2016/10/barad-k-what-is-the-measure-of-nothingness.pdf
Attribution:
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Attribution
Die Aneignung einer Pose:
Maja Beckers, Pose für mich! http://www.zeit.de/2014/44/tanzen-trend-voguing
Intra-agieren:
Karen Brad, Was ist das Mass des Nichts? Unendlichkeit, Virtualität, Gerechtigkeit http://deeptimechicago.org/wp-content/uploads/2016/10/barad-k-what-is-the-measure-of-nothingness.pdf
Aneignung:
Antke Engel, Aneignung/Umarbeitung /VerUneindeutigung http://www.igbildendekunst.at/bildpunkt/2007/aneignen/engel.htm
Das feminine Prinzip in eine maskuline Welt bringen:
Renate Bertlmann: „Ich wurde von den Männern als Psychopathin diffamiert“ Interview von Anne Katrin Feßler https://derstandard.at/2000031731933/Renate-Bertlmann-Der-weiblichen-Zote-neues-Terrain-erobert
Geschlechtszugehörigkeit:
Judith Butler, Performative Akte und Geschlechterkonstitution http://files.adulteducation.at/voev_content/340-butler_performanz.pdf