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URIS Fellow Herbstsemester 2021
Russlands Annektion der Krim im Jahre 2014 hat innerhalb der Ukraine-Forschung zu einer verstärkten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Halbinsel und ihrer Geschichte geführt. In seinem Forschungsprojekt „Between Nation and Empire. Crimea under the German Occupation in 1918“ setzt sich Prof. Mikhail Akulov, URIS Fellow im Herbstsemester 2021, mit einer fast vergessenen Episode aus der Spätphase des Ersten Weltkriegs auseinander. Im Fokus steht das Projekt des Wilhelminischen Deutschland, die seit Mai 1918 besetzte Krim in eine Heimat für alle deutschsprachigen Kolonisten in Russland zu verwandeln. Auch wenn diese Pläne nicht umgesetzt wurden, ist diese Episode nicht zuletzt deshalb interessant, weil sie spannende Vergleichsperspektiven mit anderen Epochen in der Geschichte der Halbinsel und anderen Plänen nationaler „Homogenisierung“ der dort ansässigen Bevölkerung eröffnet.
In seiner Lehrveranstaltung „Neither the Red, Nor the White: The 1917 Revolution as a National Moment“ wird Mikhail Akulov gemeinsam mit Studierenden die Bedeutung der vielfältigen nationalen Bewegungen innerhalb der Russischen Revolution von 1917 untersuchen, die üblicherweise als „russisch“ bezeichnet und die häufig auf die Konfrontation zwischen „Weissen“ und „Roten“ reduziert wird. Im Fokus stehen die Ukraine und Zentralasien und der Vergleich „nationaler Befreiungsbewegungen“ vor dem Hintergrund von nation building und Dekolonialisierung. Einen eigenen Themenkomplex sollen postsowjetische Narrative über diese historischen Prozesse bilden, die in der Erinnerungskultur immer wieder instrumentalisiert werden.
Prof. Mikhail Akulov forscht und lehrt als Historiker an der Nazarbayev Universität in Nur-Sultan (Astana) in Kasachstan. Er studierte Geschichte an der Harvard-University (USA), wo er 2013 mit einer Dissertation („War Without Fronts: Atamans and Commissars in Ukraine, 1917-1919“) zur Geschichte der Ukraine im Ersten Weltkrieg promoviert wurde. Anschliessend folgte er dem Ruf auf eine Professur für Geschichte an die Kasachisch-Britische Technische Universität in Almaty. Seit 2018 ist er an der Fakultät für Geschichte, Philosophie und Religionswissenschaften der Nazarbayev-Universität in Nur-Sultan tätig, wo er vor allem Kurse über die Geschichte Eurasiens während des kurzen zwanzigsten Jahrhunderts (1914-1991) unterrichtet.
Zu Mikhail Akulovs Forschungsgebieten zählen gesellschaftliche Transitionsprozesse, die Ideen- und Sozialgeschichte der Sowjetunion, Faschismustheorien, sowjetische und postsowjetische Utopien und die Historiographie der Geschichtsphilosophie.
Kontakt: <email-pii>
Weitere Informationen zu Mikhail Akulov: CV und Publikationsliste