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unscheinbar geworden, angewandt hat; daß diese Type aber schon früher zum Druck eines umfangreichen lateinischen Werkes gedient haben mußte, läßt sich aus Pfisters deutschen Drucken erkennen, in denen alle im Lateinischen vorkommende Lettern abgenutzt, aber die nur im Deutschen gebräuchlichen (k, w, z) neu und scharf erscheinen. Pfisters Drucke, soweit sie sich, wo ihnen sein Name nicht beigedruckt ist, wirklich als von ihm angefertigt erkennen lassen, sind bis auf einen einzigen reichlich mit Holzschnitten illustriert; ihr Erzeuger war, ehe er zum Typendruck griff, der in allen eine nur sehr untergeordnete Rolle spielt, jedenfalls seinem Beruf nach Formschneider, Brief- oder Kartendrucker, der, wäre er wirklich nicht ein Schüler Gutenbergs, dessen Erzeugnisse zu Gesicht [* 2] bekommen und den Nutzen der beweglichen Lettern in der Ausübung seines Berufs erkannt hatte.
Der Umstand indes, daß in Bamberg [* 3] und dessen Nähe mehrere Exemplare der 36zeiligen Bibel [* 4] entdeckt worden sind, läßt schließen, daß zwischen ihm und Gutenberg wirklich nähere Beziehungen bestanden haben müssen; das Auffinden dieser Bibeln aber sowie die Angabe des Paulus von Prag [* 5] aus dem Jahr 1463, die zur Erklärung des Worts libripagus für eine Art Encyklopädie bestimmt gewesen zu sein scheint: »daß während seiner Anwesenheit in Bamberg dort ein Mann die ganze Bibel in Holztafeln geschnitten und sie binnen vier Wochen auf Pergament gedruckt habe«, sind anderseits als schlagende Beweise für den Druck der 36zeiligen Bibel durch Pfister angesehen werden. Da dieser jedoch eine »Biblia pauperum« (17 Folioblätter mit Holzschnitten) in lateinischer und deutscher Ausgabe druckte, so kann nur diese gemeint sein, denn eine ganze Bibel ist niemals in Holz [* 6] geschnitten worden; auch wäre es damals nicht möglich gewesen, ein solch umfassendes Werk binnen der genannten kurzen Zeit im Druck herzustellen.
Die Werke, welche ein Datum und Pfisters Namen tragen, sind eine zweite Ausgabe von »Boners Edelstein«, 1461, überhaupt das erste Buch in deutscher Sprache, [* 7] welches deutlich Druckort und Druckjahr aufweist, sowie »Das Buch der vier Historien« vom Jahr 1462. Nach diesem Jahr kommen keine Druckwerke mit seinem Namen mehr vor; auch ist sein Todesjahr unbekannt. Wann er in Bamberg zu drucken begonnen, ist ebenfalls nicht festzustellen; da man ihm indes auch auf Grund der Familienähnlichkeit seiner Drucke die »Eyn manug d' cristeheit widd' die Durcke« zuschreibt, diese aber mit Bezug auf die Allgemeingeschichte auf das Jahr 1455 zurückverlegt werden muß, so wird hierdurch in das Dunkel über sein erstes Auftreten keineswegs Klarheit gebracht. Möglich, daß er die »Manung« noch zu Mainz [* 8] selbst unter Gutenbergs Leitung gedruckt hat; ihr geringer Umfang wie der Mangel aller Holzschnitte in derselben scheinen dafür zu sprechen.
Die Mitbewerbung der Stadt Feltre im Venezianischen um die Ehre der Erfindung der Buchdruckerkunst für ihren Mitbürger Pamfilo Castaldi wird schwerlich von jemand, der nicht befangen ist von nationalen Vorurteilen, ernst genommen werden; nur der Umstand, daß diese Erfinderfabel weit verbreitet worden ist in Italien [* 9] und durch das Denkmal, das man dem sogen. Erfinder zu Feltre gesetzt und enthüllt hat, von der italienischen Nation gewissermaßen sanktioniert worden ist, nötigt, dieselbe zu erwähnen.
Demnach wäre Castaldi von adligen Eltern gegen das Ende des 14. Jahrh. zu Feltre geboren, hätte in Padua [* 10] studiert, auch der Dichtkunst obgelegen und später die erste italienische Schule in seiner Vaterstadt errichtet, die bald so berühmt wurde, daß sie auch Schüler aus Deutschland [* 11] für das Studium des Italienischen herbeizog. Unter diesen befand sich der Fabel zufolge 1454 ein gewisser Fausto Comesburgo aus Mainz; von Gutenberg aber hatte Castaldi schon 1442 Druckproben gesehen, und während ersterer die ihm von Fust (dem Fausto Comesburgo!) gegebenen pekuniären Unterstützungen in erfolglosen Versuchen mit Holztafeldrucken verbrauchte, war es ihm, Castaldi, sehr bald gelungen, zweckmäßige bewegliche Typen herzustellen, für welche ihm die zu Murano gefertigten und vom Bischof von Equilo erfundenen Glasbuchstaben zum Muster gedient hatten. Er legte seiner eignen Erfindung aber keinen Wert bei, sondern trat sie an Fust ab, der 1456 nach Mainz zurückkehrte, und dessen Gesellschafter daselbst sich jetzt der Castaldischen Idee mit großem Eifer bemächtigten; der Psalter von 1457 sei ihr erstes, mit beweglichen Typen erzeugtes Werk gewesen; alles, was vorher gedruckt worden, sei von Holztafeln abgezogen.
Den Wert dieser ganzen Geschichte charakterisiert wohl am besten die Thatsache, daß auch nicht ein Wort, nicht eine Zeile aufgefunden worden ist, als deren Drucker Castaldi nachzuweisen wäre; hätten ihn die Stäbchen der Glasbläser von Murano wirklich auf den Gedanken geführt, solche Stäbchen mit Typen zu versehen und aus ihnen Worte zu bilden zum nachherigen Abdruck, so hat er solchen eben nicht gemacht, und dies allein würde genügen, ihn jedes Anrechts auf die Erfindung des Buchdrucks verlustig zu machen.
Von größerer Bedeutung für die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst, schon weil sie weit allgemeinere Verbreitung und viel zahlreichere Anhänger gefunden als diese Castaldi-Legende, sind die Ansprüche gewesen, welche Holland und speziell Haarlem [* 12] erhoben hat für einen der Seinigen, Lourens Janszoon Coster (Johanns Sohn, Küster). Zwei Drucker in letzterer Stadt, van Zuren und Coornhert, die daselbst 1561 eine Druckerei gründeten, haben, wahrscheinlich auf vorhandene alte Holztafeldrucke gestützt, zuerst versucht, Haarlem als Ort der Erfindung der Buchdruckerkunst geltend zu machen;
ein Buch, das ersterer zu diesem Behuf geschrieben haben soll, ist indes niemals aufgefunden und nur von Scriver 1628 in seinem »Lavre-Crans voor Lavrens Coster« dem Titel nach erwähnt worden;
Coornhert, in der Vorrede der von ihm herausgegebenen »Officia Ciceronis«, bezeichnet die Erfindung als »zuerst zu Haarlem, obwohl nur in sehr roher Weise« gemacht, ohne indes einen Erfinder zu nennen;
das Gleiche thut der Florentiner [* 13] Luigi Guicciardini in seiner 1566 zu Antwerpen [* 14] vollendeten »Descrittione di tutti i paesi bassi«.
Dieses Werk, das bald (1567-1613) ins Deutsche, [* 15] Französische, Holländische, [* 16] Englische [* 17] und Lateinische übersetzt ward, hat sehr viel beigetragen zur Verbreitung der Ansprüche Haarlems; eine abgerundete, feste Form erhielten diese aber erst durch den Historiographen der Staaten von Holland, den Arzt Hadrian de Jonghe (Junius, gest. welcher zwischen 1566 und 1568 eine holländische Landesgeschichte unter dem Titel: »Batavia« [* 18] verfaßte, die 1588 zu Leiden [* 19] gedruckt wurde. Während seine vorgenannten drei Zeitgenossen sich noch in unsichern Angaben bewegen und keinen Erfinder nennen, hat er seiner Fabel eine bestimmte Form gegeben; nach derselben habe vor 128 Jahren (also 1438, sobald man von dem Jahr, in welchem er seine »Batavia« zu schreiben begann, zurückrechnet, oder 1440, wenn man das Jahr der Vollendung in ¶
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Betracht zieht) zu Haarlem ein Mann, Namens Lourens Janszoon, nach seinem Stand als Küster zubenannt Coster, gelebt, der einstmals während eines Spaziergangs in dem vor der Stadt gelegenen Gehölz zum Zeitvertreib Buchstaben aus Buchenrinde verkehrt ausgeschnitten, sie zu Worten zusammengefügt und dann mit Tinte abgedruckt habe als Spielzeug für die Kinder seines Schwiegersohns Thomas Pieterzoon. Die gewöhnliche leichtflüssige Tinte der Schreiber aber habe sich für den Druck ungeeignet erwiesen, und es sei ihm mit Hilfe dieses Schwiegersohns gelungen, eine bessere und dickere Farbe hierfür zu erfinden, woraus er den in Holz geschnittenen Bildern die Erklärung beigefügt habe mit Hilfe seiner Lettern, beide, Bild und Erklärung, dann abdruckend.
Diese ersten Bücher seien nur auf einer Seite bedruckt, die unbedruckten Seiten aber zusammengeklebt gewesen; eins davon, in der Volkssprache abgefaßt, sei der »Spieghel onzer behoudenis« (die holländische Ausgabe des »Speculum salutis«). Nach und nach sei der Erfinder Coster von Buchenholztypen zu bleiernen und von diesen zu zinnernen übergegangen, der größern Dauerhaftigkeit des Materials halber. Die neue Kunst habe den verdienten Beifall im Volk, die gedruckten Bücher viele Käufer gefunden und hiermit dem Erfinder Wohlstand zugeführt; Coster aber habe infolgedessen die Zahl seiner Arbeiter und Gehilfen vermehren müssen, unter denen sich sodann auch ein gewisser Johannes (auch ein Faustus wird in unklarer Weise genannt) befunden habe.
Dieser habe sich als ein sehr ungetreuer Knecht erwiesen, denn sobald er hinreichend unterrichtet war im Typenguß und Satz, und was sonst zur Kunst gehörte, ergriff er die erste günstige Gelegenheit, und hierzu schien ihm die heilige Christnacht am geeignetsten, als alle andern dem Gottesdienst beiwohnten, um sich in das Arbeitszimmer zu schleichen, Typen und Werkzeug zusammenzupacken und schleunigst zu fliehen. Er ging erst nach Amsterdam, [* 21] dann nach Köln [* 22] und schließlich nach Mainz, wo er sich so sicher fühlte, daß er selbst eine Druckerei eröffnete, die ihm schon in der kurzen Zeit eines Jahrs reichliche Einnahmen brachte. Es war dies um 1442, wo er bereits das Doktrinal des Alexander Gallus mit denselben Typen gedruckt und veröffentlicht haben soll, deren sich Coster in Haarlem bedient hatte.
Jedem, welcher mit dem Wesen der Buchdruckerkunst bekannt ist, muß es unbegreiflich erscheinen, wie ein solches der Fust-Schöfferschen Verbesserungsgeschichte der Buchdruckerkunst nachgebildetes Märchen nicht nur Glauben, sondern auch gläubige Verteidiger Jahrhunderte hindurch hat finden können. Ein Zusammentreffen von mancherlei Umständen führte zu diesem Resultat. Die leichtfertige Fälschung des Junius fand Boden in dem Nationalitätsgefühl der Holländer; ihre nächsten und eifrigsten Verbreiter aber waren Gelehrte, die wohl oberflächliche Begriffe haben mochten von den Hantierungen der Buchdrucker, keineswegs aber von den Grundbedingungen, auf welche hin allein die Herstellung eines Schriftsatzes und sein nachmaliger Abdruck möglich sind; andernfalls würden sie wohl schwerlich für Typen aus Buchenrinde oder Buchenholz eingetreten seien.
Manche von ihnen, welche die Schwächen der Juniusschen Fabel empfanden, haben durch eignes Hinzuthun diese zu ergänzen gesucht. Der Kampf für und gegen Coster ist zum Teil mit großer Erbitterung geführt worden; entscheidend trat aber erst van der Linde gegen die Haarlemer Ansprüche 1869 im »Nederlandschen Spectator« in einer Reihe von Aufsätzen auf, die er dann in verbesserter und erweiterter Form 1870 unter dem Titel: »Die Haarlemsche Coster-Legende« erscheinen ließ, an welche sich 1878 sein Hauptwerk: »Gutenberg, Geschichte und Erdichtung« (Stuttg.),
geschlossen hat. Speziell Haarlem betreffend, weist derselbe nach, daß das erste daselbst gedruckte Buch, welches diese Stadt als Druckort und als Druckjahr 1485 trägt, »Dat leiden Jesu« war, der Drucker aber sich Jacob Bellaert von Zierikzee nannte. Die 32 Holzschnitte, welche das Werkchen enthielt, waren indes schon ein Jahr vorher von Gerard Leeu zu Gouda zum Druck desselben Buches benutzt worden; ja, 1473 druckte bereits zu Aalst in Flandern Dierik Martens und zu Utrecht [* 23] Nicolaus Kettelaer und Gerhard de Leempt; Haarlem hat mithin nicht einmal das Recht auf den Anspruch, daß es die erste Stadt in Holland gewesen sei, welche historisch nachweisbar eine Druckerei besessen habe.
Das Zeugnis eines Buchbinders, Cornelis, zu gunsten Costers besteht nicht vor der historischen Kritik, ebensowenig wie der im Museum zu Haarlem aufbewahrte Stammbaum eines gewissen Gerrit Thomaszoon, der ein Nachkomme Costers von mütterlicher Seite, seinem Beruf nach aber ein Gastwirt zu Haarlem gewesen sein soll. Genaue Nachforschungen in den Haarlemer Stadtarchiven und Kirchenregistern über die Person Costers haben nur dargethan, daß um 1446 ein Mann dieses Namens zu Haarlem gelebt hat, der einen Verkaufsladen für Salz, [* 24] Lichte, Öl, Seife etc. hielt, 1456 aber eine Gastwirtschaft begann und diese bis 1483 betrieb, worauf er von Haarlem wegzog, unermittelt wohin. Von dem Lourens Janszoon Coster, welchem als Erfinder der Buchdruckerkunst zu Ehren man in Haarlem ein 1856 enthülltes Monument errichtet hat, ist nicht die leiseste historische Spur aufgefunden worden.
Gutenberg der Erfinder.
Vermögen somit die hier erörterten Ansprüche nicht zu bestehen vor der prüfenden Geschichtsforschung, so wohnt ihnen allen gemeinsam ein Moment inne, dessen Beachtung uns ganz von selbst auf den wahren Erfinder, auf Gutenberg, verweist. Wann Gutenberg und wie er seine Erfindung begonnen, läßt sich freilich ebensowenig mit Bestimmtheit aus ihnen erkennen, wie wir dies aus den ihn selbst betreffenden historischen Nachrichten vermögen.
Johannes Gensfleisch, nach seiner Mutter genannt zu Gudenberg, hatte vermutlich mit seinen Eltern Anfang der 20er Jahre des 15. Jahrh. seine Vaterstadt Mainz der daselbst zwischen Adligen und Bürgern ausgebrochenen Unruhen halber verlassen müssen, hatte auch nicht Gebrauch gemacht von einer 1430 gewährten Amnestie, sondern war in Straßburg [* 25] verblieben, wie mit Wahrscheinlichkeit vorausgesetzt werden darf. Bestimmtheit über seinen Aufenthalt daselbst erhalten wir erst durch die von ihm 1434 veranlaßte Inhaftnahme des zufällig in Straßburg weilenden Mainzer Stadtschreibers; sie erfolgte einer ansehnlichen Zinsschuld halber, welche der Magistrat von Mainz an Gudenberg oder Gutenberg, wie die neuhochdeutsche Schreibart lautet, zu zahlen sich weigerte; als die Mainzer Behörde indes Zahlung versprach, ließ Gutenberg sofort den Stadtschreiber in Freiheit setzen. 1439 wurde ein größerer Prozeß verhandelt, gegen ihn angestrengt von den Erben eines Andreas Dritzehn, mit welchem er, wahrscheinlich um 1435, einen Kontrakt abgeschlossen hatte, um ihm und Andreas Heilmann das Steineschleifen zu lehren, und da Gutenberg 1437 auch mit einem Hans Riffe zum Betrieb des Spiegelmachens für die Heiltumsfahrt nach Aachen [* 26] in Geschäftsverbindung ¶