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Gliederung meiner Filme. ?
Neu im Kapitel «Filme 1965-2011»
Gliederung meiner Filme.
Wenn ich meine Filme betrachte, ist ein Prinzip der Gliederung nicht zu übersehen. Es lohnt, sich mit dem Einen und dem Anderen zu befassen, auch wenn später noch komplexere Strukturen hervortreten mögen.
20 Min.
z.B. Uniformen (1969)
Zwei Themen im Film.
A) Uniformen: Berufsuniformen, Vereinsuniformen, Trachten usw.
B) Durch die Montage werden die verschiedensten Formen der Uniformität zusammengebracht: Mode, Architektur und Verhalten aller Art.
5 Min.
Eine Linie ist eine Linie ist eine Linie (1970)
A) Die Linie.
B) Die Gestalten, die durch die Linie geschaffen werden.
Am Anfang des Films bewegt sich die Linie nach und nach auf die Leinwand und am Schluss des Films verschwindet sie wieder langsam aus dem Bild. Doch während den fünf Minuten Dauer des Films ist die Linie nie nur Linie, immer hat sie sich schon in den Dienst eines Bildes, einer Abbildung gestellt. Während die Zuschauer auf das zu blicken suchen, was sich vor einem Sekunden-Bruchteil zeigte, hat die Linie schon Kommendes erahnen lassen.
Der Titel des Films macht darauf aufmerksam, dass während den fünf Minuten des Films – trotz der entstandenen Abbildungen – immer die Linie da ist.
***
Der Filmtitel geht von Gertrude Steins Zeile aus
«A rose is a rose is a rose».
***
Eine Linie direkt auf 35mm-Blankfilm gezeichnet. Dann kopiert, sodass auf der Filmkopie und damit auf der Leinwand weisse Linien auf schwarzem Grund zu sehen sind.
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Der Film wurde an den Oberhausener Kurzfilmtagen mit einem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.
50 Min.
Isidor Huber und die Folgen (1972)
Gestalterisches Prinzip:
Zwei Ebenen der filmischen Darstellung, gleichermassen von Ironie geprägt.
A) Die Redner: Im Rahmen des Jubiläumsfests zu Ehren von Isidor Huber werden Reden gehalten. Ein Redner des veranstaltenden Komitees, ein Politiker, ein Historiker, ein Theologe und der Unternehmer AG – jeder hebt auf seine Weise hervor, was Isidor Huber geschaffen hat, den lukrativen Handel, der hier weitgehend das Leben bestimmt (den Kapitalismus).
B) Die Dokumentation: Zwischen den Reden zeigen dokumentarische Aufnahmen aus unserem Alltag (Zürich und Umgebung), welch wundersame Blüten das System treibt. Nicht nur den Reden, auch den Bildmontagen und den Kommentaren ist nicht zu trauen. Der ganze Film ist von Ironie getränkt.
Noch deutlicher wird dies durch die Trickfilmszenen, durch die das Prinzip des Systems noch deutlicher wird. Kein Wort, kein Bild, das so ernst genommen werden darf, wie es im Film daherkommt. Die Zuschauer sind ständig beschäftigt, jedem Text, jedem Bild den verborgenen Sinn zu geben, der darin angespielt sein könnte.
29 Min.
Berufe beim Zoll (1973)
Drei Filmer wurden von der Oberzolldirektion zum Einreichen eines Film-Konzepts eingeladen. Mein Exposé wurde zur Realisierung ausgewählt.
Gestalterisches Prinzip des Films:
A) Dokumentarische Darstellung der Berufe beim Zoll: Grenzwächter, Zollbeamter, Edelmetallprüfer.
B) Wie ich im Exposé dargelegt hatte, lud ich Vertreter der Gewerkschaft zu einer Projektion der Rohmontage des Films ein, damit sie ihre Kritiken an der filmischen Darstellung anbringen konnten. Ihre Kritiken habe ich an den betreffenden Stellen in den Film eingefügt.
***
An einer schweizerischen Veranstaltung von Berufsberatern wurde auch mein Film vorgeführt. Das Fach-Publikum kritisierte, wenn die Berufe beim Zoll so kritisch geschildert werden, würden sich kaum Interessenten für diese Berufe finden.
Der Vertreter der Oberzolldirektion, der für die Ausbildung verantwortlich ist, entgegnete, man habe die Realität dieser Berufe nicht beschönigen wollen, dafür sei die Zeit der Ausbildung allzu teuer.
105 Min.
Eine Abwandlung des Titels des früheren Tanner-Films «Charles mort ou vif?» (1969).
Cinéma mort ou vif? (1978)
Die Originalversion des Films ist französisch.
Mein 16mm-Film besteht aus drei Projektionsrollen. Zu Beginn der drei Rollen, ist auf der Leinwand der Text zu lesen:
ERSTER TEIL: Warum und wie andere Bilder und Töne herstellen.
(Ein Tag der Dreharbeiten in Genf.)
ZWEITER TEIL: Die Montage. Die Musik.
Warum und wie andere Bilder und Töne herstellen.
DRITTER TEIL: «… die Betrachtungsweise des Zuschauers verändern ...»
(Der Film und das Kinopublikum.)
Gestalterisches Prinzip:
A) Der Film «Cinéma mort ou vif?» ist eine Dokumentation der Dreharbeiten und der Montage des Films «Jonas qui aura 25 ans en l'an 2000». Im ersten Teil des Films stehen die Aussagen von Alain Tanner zu seinem Film, steht die Realisierung der Szene 46, der einzigen Szene, in der die acht zentralen Personen des Films «Jonas» zusammentreffen.
B) In alle drei Kapitel der Dokumentation sind kritische Aussagen von Beteiligten eingefügt.
Als ich Alain Tanner unseren Film zeigte, war er aufgebracht, dass ich neben seinen Aussagen auch das in den Film aufgenommen hatte, was seine Mitarbeiter und Darsteller zu seinem Film sagten – dazu fehle ihnen die Kompetenz.
Produzent: Yves Gasser, Paris:
«Die Filmproduktion ist schwierig, weil in diesem System die Qualität eines Drehbuchs nichts zählt – dieses wird ausschliesslich nach wirtschaftlichen Kriterien beurteilt, denn der einzige Zweck ist – und das ist auf der ganzen Welt dasselbe – dass die Kinos Woche für Woche rentieren, nur das zählt.»
«Die Hilfe des Staates ist unumgänglich. Ohne staatliche Unterstützung könnte es keine Autorenfilme mehr geben. () Man könnte keine solchen Filme mehr drehen, weil sie nicht rentieren, denn das System ist halt so wie es ist.»
35mm, 3156m, 115 Min. Budget Fr. 1'200'000.-, mit einer staatlichen Unterstützung der Schweiz von Fr. 250'000.-.
Darsteller: Jacques Denis, Roger Jendly. Die beiden Schauspieler arbeiten in der Schweiz für die Bühne, sind gewohnt, ihre Rollen mit den jeweiligen Regisseuren aus dem Buch, den Dialogen zu entwickeln. Im Tanner-Film sind sie nur notwendige Elemente der Szenen. Dass die Beiden das ganze Drehbuch studiert hatten, um ihre Figuren zu gestalten, erwartete Alain Tanner nicht von den Darstellern.
Mit der Finanzierung des Films sind auch Ansprüche an die Nationalität der Mitwirkenden verbunden – aus Frankreich sind fünf der acht Hauptdarsteller, der Tonmeister, die Cutterin und der Komponist der Filmmusik.
Darstellerin: Miou-Miou, Paris. Die Darstellerin wurde teils für einen halben Tag zu den Dreharbeiten in die Schweiz eingeflogen (z.B. zur Szene 46).
Cutterin: Brigitte Sousselier, Paris. Ihre Kreativität war nicht gefragt. Sie hatte den Film strikt nach den Vorstellungen von Tanner zu montieren.
Musiker: Jean-Marie Sénia, Strassburg. Nach Wünschen von Tanner improvisierte Sénia auf dem E-Piano kleine Musik-Elemente, die mehr oder weniger zur jeweiligen Szene passen.
Kameramann: Renato Berta (stammt aus dem Tessin, war Mitglied des Filmkollektiv Zürich). Renato war der einzige Mitarbeiter, mit dem Tanner die Gestaltung der einzelner Einstellungen besprach.
Doch Tanner störte es, was Renato in meinem Film sagte – und dies erst noch als dessen Abschluss.
R. Berta: «So wie Tanner funktioniert, kann er mit einem bestimmten Erfolg rechnen. Aber ich frage mich, ob es nicht Mittel und Wege gäbe, um weiter zu gehen. Ich finde, dass das in den alternativen Produktionsformen noch möglich ist, zum Beispiel wieder Filme mit kleinen Budgets, mit all den Schwierigkeiten, die das mit sich bringt. Also ich weiss nicht recht, ob man heute – oder ob Tanner einen solchen Schritt machen kann. Ich sage 'man', weil ich auch davon betroffen bin, weil ich heute von dieser Situation profitiere, denn ich werde auf den Filmen von Tanner relativ gut bezahlt. Und das erlaubt mir, auf anderen Filmen zu arbeiten, zum Beispiel auf Filmen von Jean-Marie Straub und anderen, die vermutlich weiter gehen, als die von Tanner. Aber leider sieht man diese Filme sehr selten in unseren Kinos, und das aus klaren, politischen und wirtschaftlichen Gründen, das heisst, die eigentliche Zensur geschieht da.»
68 Min.
Kollegen (1979)
Gliederung durch unterschiedliches Bild-Material.
Farbfilm-Aufnahmen der dokumentarischen Szenen.
Video-Aufnahmen schwarz-weiss der Sitzungen und Versammlungen.
Farbfotos der Sitzungen und Versammlungen.
Gestalterisches Prinzip:
A) Praxis: Im Zentrum steht der junge Arbeiter und Gewerkschafter Peter Hodel – seine Arbeit und die schwierigen Beziehungen zu den älteren Kollegen der Arbeiterkommission. Die Kontroversen der Kommission mit der Geschäftsleitung. Peters Zurückhaltung an der Versammlung der Sektion Zofingen der 'Gewerkschaft Textil, Chemie, Papier'. Die Anpassung der Gewerkschaftssekretäre an die Vorstellungen der Geschäftsleitung der Firma Siegfried in Zofingen. Und Peters Schweigen an diesen Verhandlungen – gegenüber der Geschäftsleitung, gegenüber den Sekretären der eigenen Gewerkschaft.
B) Reflexionen Im Film: Nach jeder dieser Auseinandersetzungen zeigte ich Peter Fotos der letzten Sitzung, der letzten Versammlung. Er äusserte sich zu diesen Situationen, zu seinem Verhalten, zu seiner Ängstlichkeit.
Gegen Ende des Films hören wir von Peter, dass der Präsident der Arbeiterkommission gestorben ist. Peter wird dafür kandidieren. Die Zuschauer hoffen (wie es sich bei den Filmvorführungen gezeigt hat), dass Peter gewählt wird. Der Film verrät nicht, wie die Wahl ausgehen wird. Es genügt mir, dass der Film Sympathien für Peters politische Haltung schafft.
***
Der Film wurde weitgehend von der Gewerkschaft GTCP finanziert. Doch da das Verhalten der Gewerkschafts-Sekretäre im Film kritisch dargestellt ist, haben diese erfolgreich verhindert, dass der Film in ihrer Gewerkschaft und in den Sektionen der Sozialdemokratischen Partei vorgeführt wird.
Immerhin wurde der Film am 1.Mai im vollen Saal des Zürcher Volkshauses gezeigt. Ich hatte an der 1.Mai-Demonstration Informationsblätter zu dieser Veranstaltung verteilt, erinnere mich noch an einen Mann, der sagte, sie seien nicht 'Kollegen' sondern Genossen. Ich suchte ihm zu vermitteln, dass der Film schweizerische Realität zeige – ein Film, in dem sich die Arbeiter konsequent als Kollegen verstehen. Keine Darstellung einer Wunsch-Vorstellung.
114 Min.
Wege und Mauern (1982)
Wenn ich den Gefängnisaufseher Paul Seiler nicht kennengelernt hätte, wäre dieser Film kaum zustande gekommen. Paul, ein Aufseher der sich für Gefangene engagiert und dies während und nach ihrer Zeit in der Strafanstalt Lenzburg.
Ich übernahm während eines Jahres die Betreuung der wöchentlichen Gesprächsrunde von Gefangenen. Mein Wissen zum Leben in der Strafanstalt wurde wesentlich durch die Gespräche in dieser Gruppe bereichert. Auch konnte ich da Jo Betschart als Darsteller für meinen Film gewinnen.
Gestalterisches Prinzip.
A) Das Leben des Strafgefangenen Jo Betschart. Gefängnis-Alltag, die Arbeit in der Werkstatt, die Zeit in der Zelle, die wöchentlichen Gesprächsrunden, die Spielstunden (Billard).
Aussagen von Jo zu einzelnen Sequenzen.
B) Das Leben des Aufsehers Paul Seiler als Überwacher und in Gesprächen mit Gefangenen. Sein Privatleben im Dorf, er und seine Frau, eine Sitzung der SP-Parteisektion, Blasmusik-Proben und der Unterhaltungsabend des Musikvereins. Ehemalige Gefangene, die Paul besuchen, die Gespräche mit ihnen.
Aussagen von Paul zu einzelnen Sequenzen.
Da Jo nichts mit Aufsehern zu tun haben wollte ('Knechte eines Apparats' sagte er), gibt es keine Filmaufnahmen, in denen Jo und Paul aufeinander treffen.
Ein typisches Bild dieser Situation: Am Weihnachtsabend verteilen die Aufseher Säcke mit gespendeten Geschenken – auch ein Sack für Jos Zelle. Kurz darauf sehen wir, wie Jo den Inhalt auf das Bett kippt, sich die Bescherung anschaut, eine Süssigkeit isst und sich wieder dem Fernsehapparat zuwendet.
Das Ende des Films.
Nach den Guten Ratschlägen des Direktors wird Jo entlassen, geht mit seinem Koffer und dem Fernsehapparat weg von der Strafanstalt, zum Bahnhof Lenzburg. / Paul macht wie üblich die allabendliche Runde von Zelle zu Zelle.
Dann der Schlusstitel: «Wege und Mauern».
Der Eindruck wird vermittelt, dass hier das gestalterische Prinzip zu einem Ende gekommen ist. Doch überraschend folgt noch eine Art Nachtrag.
Ein handgeschriebener Brief im Bild. Ich lese vor, was mir Jo geschrieben hat: «Salü Urs, vielleicht ist Dir schon mitgeteilt worden, dass ich zur Zeit in Untersuchungshaft bin, weil ich einen Einbruchdiebstahl begangen habe. Ich möchte dich bitten, wenn du Zeit hast, mich diese Woche noch zu besuchen. So wie es aussieht, werde ich jetzt wahrscheinlich die nächsten zwei Jahre wieder in den Bau wandern. Ich weiss nicht, was ich noch schreiben soll, denn ich bin kein grosser Briefschreiber. Ansonsten geht es mir den Umständen entsprechend gut. Es grüsst Dich Jo.»
Dann der Nachspann, die Mitwirkenden und die Stellen, die zur Finanzierung des Films beigetragen haben.
31 Min.
Etwas anderes (1987)
Der Vorspann endet mit dem Filmtitel «ETWAS ANDERES», dieser bleibt stehen, während wir hören, was «E» sagt (Dialekt):
«Wenn ich mich öffentlich zeigen würde, so dass ich zu erkennen wäre auf der Leinwand oder im Fernsehen, dass mich so viele Leute sehen würden, das würde mir also wirklich nicht gut tun. Ich würde mir zu wichtig vorkommen. Und ich will das einfach nicht mehr. Ich will so sein – mit allem, was ich habe, auch die Schwächen. Und ich empfinde das schon jetzt im Gespräch. Wenn ihr mir zuhört, spüre ich schon etwas davon, dass ich nicht mehr ganz von mir persönlich erzählen kann. Und dann geht es weg von meinem wirklich eigenen Leben und meinen eigenen Gedanken. Ich gehe dann ein wenig weg von dem… von der Wahrheit.»
Prinzip der Gestaltung:
A) Gegenwart.
«E», die zentrale Figur des Films bleibt anonym (von hinten aufgenommen). Impressionen vom Arbeitsplatz / «E» auf einer Bank an der Sihl / das Haus, in dem die Treffen der Anonymen Alkoholiker stattfinden.
B) Damals.
Immer wieder Bilder aus der Vergangenheit von «E»:
Weingläser auf dem Tisch / ein Rebberg / Interieurs von Wirtschaften.
Der Film endet mit einer Aussage von «E»: «Wenn du nie aneckst im Leben – wenn ich diese Sucht nicht gehabt hätte, dann wäre bei mir alles normal verlaufen, und ich hätte ein ganz oberflächliches Leben gehabt. Aber ich frage mich schon, ob man einen solchen Tiefpunkt erleben muss, ob man ein solches Elend durchmachen muss, damit etwas anderes möglich wird.»
***
Gruppierungen, die üblicherweise Veranstaltungen mit Filmprojektionen zum Thema 'Sucht' veranstalten, haben den Film abgelehnt, setzten ihn nicht ein, weil er Bilder enthalte, die Lust nach Alkohol auslösen könnten.
Die Lust nach Alkohol, die «E» im Film mit grössten Schwierigkeiten überwindet, hätte nicht zur Darstellung kommen dürfen – es hätten im Film keine Bilder gezeigt werden dürfen, die an die schwierige Zeit von damals erinnern.
113 Min.
Şeriat (1991)
Gestalterisches Prinzip: Eine türkische Familie, die in der Schweiz lebt (in Dulliken). Zwei Filme ineinander verschränkt:
A) Ein männlicher Blick (Autor: Urs Graf) auf die Männer in der Familie Tütüncü.
B) Ein weiblicher Blick (Autorin: Marlies Graf) auf die Frauen in der Familie Tütüncü.
Das türkische Wort Şeriat steht für Scharia, das islamische Gesetz. Leben nach dem Gesetz des Islam, wie dieses von den Eltern vorgelebt wird.
Ein Riss geht durch die Familie – geprägt von der Vergangenheit, dem Leben in der Türkei und der Gegenwart in der Schweiz.
***
Der Vater Idris Tütüncü, der sich für seine Familie verantwortlich fühlt und als Präsident für den türkisch-islamischen Verein, für die kleine Moschee (Mescit) in Olten.
Der jüngste Sohn lebt in der türkischen Familie; doch tagsüber ist er in der Schule des Dorfes, ist er zusammen mit schweizerischen Kollegen.
Ein Sohn hat die Schule abgeschlossen und lebt nun bei Verwandten in der Türkei, wo er eine Tourismus-Ausbildung macht.
Die beiden älteren Brüder sind in der Türkei aufgewachsen. Sie haben hier zusammen eine Auto-Werkstätte, sind sich der religiösen Gesetze bewusst, die von ihrem Vater gelebt werden. Und doch wissen sie, dass sie diesen nicht gerecht werden.
*
Die ältere Tochter hat noch in der Türkei die Schule besucht, hält sich selbstverständlich an die religiösen Gesetze, wie sie von ihrer Mutter gelebt werden. Dazu gehören auch traditionelle Bräuche.
Auch erfahren wir, dass die Mutter mit ihrem Mann dieses Jahr die Pilgerreise nach Mekka gemacht hat.
Die jüngere Tochter fühlt sich wohl daheim in der türkischen Familie, liebt und beherrscht die traditionellen Handarbeiten. Im Schulzimmer sind auch die Adventskalender zu sehen, die die Kinder gemacht haben und die Klasse singt Weihnachtslieder. Mit einer schweizerischen Freundin steht sie in der Vorweihnachtszeit fasziniert vor den Auslagen der Schaufenster in Olten.
***
Wenn Idris im Auto zur Arbeit fährt, hört er Musik von islamischen Mystikern, Musik, die eigentlich im Widerspruch zu den Gesetzen des Islam steht. Dessen scheint er sich nicht bewusst zu sein.
*
Etwas Besonderes ist, dass gegen Ende des Films eine Aufnahme der Mutter und der älteren Tochter im Gebetsraum der Frauen in der Moschee möglich geworden ist.
*
Ich habe die Familie Tütüncü zu einem Konzert der Gruppe von Oruç Güvenç eingeladen, Musik und Lieder der islamischen Mystik. Andächtig hat die ganze Familie daran teilgenommen. (Güvenç spielte das Streichinstrument Rebab, das ich im Film als 'Filmmusik' eingesetzt habe.)
25 Min.
Die Farbe des Klangs des Bildes der Stadt (1993)
Komponist: Alfred Zimmerlin.
Grundlage des Films ist ein Musikstück, das ich in in voller Länge aufgenommen habe (Ton und Bild).
In diesem Film eine besondere Art der Gliederung:
Die zwölfminütige Aufnahme des Musikstücks wird im Film zwei Mal hintereinander abgespielt. In beiden Teilen sind auch Aufnahmen der Musiker zu sehen (Posaune / Oboe / elektronische Bearbeitung des Klangs durch den Komponisten).
A) Die ersten 12 Minuten.
B) Die zweiten 12 Minuten.
24 Min. + 1 Min. für die Titel des Nachspanns.
Dass das Musikstück zwei Mal hintereinander abgespielt wird, ist eigentlich eine extreme Form der Gliederung; doch der grosse Teil des Publikums ist so sehr auf die Bilder konzentriert, dass es die Musik nur als begleitenden Hintergrund-Sound wahrnimmt.
Nur die Musiker im Publikum scheinen wahrzunehmen, dass die Aufnahme des Musikstücks zwei Mal hintereinander zu hören ist..
96 Min.
Die Zeit mit Kathrin (1999)
A) Schauspiel-Unterricht.
Dokumentarische Aufnahmen während den vier Jahren des Unterrichts. Kathrin im Bild, manchmal mit einem Lehrer/einer Lehrerin, manchmal mit einem anderen Schauspielschüler.
Diese Aufnahmen durch beobachtende Kamera.
Anschliessend spricht Kathrin manchmal über eine Szene, direkt zum Filmautor, der neben der Kamera steht.
B) Die private Kathrin.
Ausserhalb des Schauspiel-Unterrichts: Auf dem Heimweg, Treffen mit ihrem Freund, bei der Coiffeuse, Aikido-Übungen, Schwimmen in der Limmat, in einem Geschäft Kleider und Schuhe anprobieren. Und Kathrin sucht (in verschiedenen Kleidern) nach ihrer privaten Identität. Ich mache fotografische Porträts von Kathrin, sie trifft eine Auswahl der Fotos für die Bewerbungs-Schreiben an Theater.
Kathrins Aussagen direkt zum Filmautor, der neben der Kamera steht.
***
Die private Kathrin vor und nach den vier Jahren des Schauspiel-Unterricht (Beginn und Ende des Films):
Am Anfang des Films liest Kathrin unseren Vertrag und unterschreibt diesen.
Am Ende des Films packt Kathrin einen Koffer und spricht über die vier Jahren unserer Zusammenarbeit. / Sie steigt in einen Zug und winkt durch das Zugfenster (Fahrt zu ihrem Engagement am Theater Baden-Baden).
3 Filme x 16 Min.
Islamischer Alltag in Zürich (2001)
Drei Filme für eine Ausstellung des Zürcher Präsidialdepartements im Zürcher Stadthaus.
A) Dokumentarische Filmaufnahmen
des Alltags, der Familie, der beruflichen Tätigkeit.
B) Dokumentarische Filmaufnahmen
der religiösen Themen.
Die Aussagen der zentralen Person, ausschliesslich zur religiösen Thematik des Films (gesprochen zur Person hinter der Kamera).
In der folgenden Darstellung sind nur die Aufnahmen erwähnt, die in einem religiösen Zusammenhang stehen.
Fastenmonat Ramadan.
Djula Hasic aus Tuzla, Bosnien.
Am Abend am Arbeitsplatz eine Dattel essen als Ritual des Fastenbrechens.
Im Raum der Moschee das Gebet der Männer und Frauen.
Während des Ramadan werden hier nach dem Gebet alle Anwesenden zum Essen eingeladen – an diesem Tag angeboten von Djula und ihren beiden Töchtern.
Hadsch – Pilgerreise.
Mohamed Abdel Aziz aus Alexandria, Ägypten.
Er hat mit seiner Frau die Pilgerreise gemacht. Mit seinen Kommentaren sehen wir die Fotos, die er in Mekka gemacht hat.
Sie haben ihren drei Kindern Geschenke aus Mekka mitgebracht.
Teilnahme von Mohamed Abdel Aziz und seiner Frau am Gebet, in zwei Räumen einer Zürcher Moschee.
Gebet.
Fatih Dursun aus Konya, Türkei.
Das Gebet in seiner Wohnung.
Das Gebet mit seinen Eltern und seiner Schwester in ihrer Wohnung, anschliessend das Abendessen.
Das Gebet in der Gemeinschaft einer Moschee, anschliessend Zusammensein mit Kollegen beim Tee.
Expoagricole (2002)
In Murten, innerhalb der Landesausstellung, war die Abteilung Expoagricole zur Landwirtschaft in der Schweiz aufgebaut.
Darin vier Film-Spielstellen, in denen je zwei Monitore aufgebaut waren.
8 dokumentarische Filme über landwirtschaftliche Betriebe von 15 Minuten Dauer. Zu jedem dieser Filme je 2 Aufzeichnungen, in denen Personen auf ihre persönliche Weise das Porträt ihres landwirtschaftlichen Betriebs kommentieren.
A) Auf dem Monitor links wurde ein dokumentarisches Porträt eines landwirtschaftlichen Betriebs gezeigt.
Und auf dem Monitor rechts war eine Person dieses Hofs zu sehen, die das dokumentarische Porträt des Betriebs anschaute und kommentierte.
B) Auf dem Monitor links wurde das dokumentarische Porträt des landwirtschaftlichen Betrieb noch einmal gezeigt.
Doch war nun auf dem Monitor rechts eine andere Person dieses Hofs zu sehen, die aussprach, was ihr zu diesen Bildern durch den Kopf ging.
Im Überblick: 8 Höfe, 16 Betrachtungsweisen:
ein männlicher und ein weiblicher Blick,
eine Mutter und ihr Sohn, ein Vater und sein Sohn,
ein Vater und der Grossvater.
Und wie die Erfahrung zeigte: Zuschauer, die mit solch unterschiedlichen Betrachtungsweisen des Selben konfrontiert sind, kommen auch selbst ins Sinnieren – über das hinaus, was auf den Monitoren zu hören ist.
Produktion der 8 Betriebe:
Kartoffeln, Getreide, Zuckerrüben
Mutterkühe, Zucht- und Mastvieh
Pferdezucht, Milchkühe
Freilandgemüse, Erdbeeren
Rinder, Schweine, Käserei (Alp)
Rinder, Schweine, Käserei
Schweinezucht und -mast, Kartoffeln
Rebbau, Selbstkelterung.
3 Filme: «Ins Unbekannte der Musik» (2005-2010).
92 Min.
Urs Peter Schneider: 36 Existenzen (2005)
113 Min.
Jürg Frey: Unhörbare Zeit (2007)
108 Min.
Annette Schmucki: Hagel und Haut (2010)
A) Das Entstehen eines Musikstücks.
Drei Filme, in denen zu erleben ist, wie die drei Komponisten auf unterschiedlichste Weise an ihren Kompositionen arbeiten. So lässt der Film miterleben, wie drei Musikstücke entstehen.
Komponisten dreier Generationen – ein Altersunterschied von Lehrer zu Schüler:
Urs Peter Schneider, geb. 1939
Jürg Frey, geb. 1953
Annette Schmucki geb. 1968
B) Das Musikstück.
Es ist etwas besonderes, dass in einem Film ein Musikstück in seiner vollen Länge gezeigt wird, dass es in seiner ganzen Gestalt zum Hinhören und Hinsehen hingestellt ist, es eine besondere Präsenz bekommt, sodass eine intensive Zuwendung des Publikums entstehen kann.
Dauer der Musikstücke:
«36 Existenzen» 18 Min.
«Unhörbare Zeit» 38 Min.
«Hagel und Haut» 25 Min.
99 Min.
Gute Tage (2017)
Dokumentarische Aufnahmen über drei Jahre hinweg.
A) Hauptteil des Films: Der Filmautor besucht die fünf Künstler, sieht die zunehmenden Behinderungen, die abnehmenden Kräfte, das trotzdem entstehende künstlerische Werk – Boris Mlosch, Renate Flury, Daniel Pestel, Schang Hutter.
Im Prolog stellte ich das Werk von Cristina Fessler vor. Doch ich konnte keine Aufnahmen mehr von ihrem Schaffen machen – sie starb, bevor sie ihr Werk weiter entwickeln konnte.
B) Nebenaspekte des Films. Ich dokumentierte nicht nur die Arbeit der vier Künstler, sondern machte – parallel dazu – auch meine zunehmenden Behinderungen präsent. Dies kommt über die drei Jahre hinweg in verschiedenen Situationen zum Ausdruck.
Januar 2012 (Prolog).
Der Autor auf einem Weg in der Umgebung der Katzenseen. Er setzt sich auf eine Bank.
(Kommentar: «Ich bin in den letzten Jahren wohl öfter mal gestolpert. Doch erst als ich im letzten Sommer einmal ganz aus dem Gleichgewicht geriet, begriff ich, dass ich mich auf mein linkes Bein nicht mehr verlassen darf. Ich mache mir Sorgen, was ich tun werde, wenn ich nicht mehr mit der Kamera unterwegs sein kann. Nach all den Untersuchungen hatten die Ärzte gesagt, für das Bein wäre es gut, wenn ich mich möglichst viel abseits der asphaltierten Wege draussen in der Natur bewege. Aber sonst müsste ich wohl damit leben.»
März 2013.
In der Ferne ist UG zu sehen, auf einem Pfad durch den lichten Wald.
(Kommentar: «Ein gutes Jahr ist vergangen. Mein blödes Bein ist noch dünner geworden und das andere hat nun auch noch zu schwächeln begonnen.»)
August 2013.
Ein schmaler Pfad durch den Wald. Man kann sich leicht vorstellen, dass UG da gestolpert sein könnte, verunfallt ist.
(Kommentar: «Im Prinzip ist es gesund, sich möglichst viel über Stock und Stein zu bewegen. Die Ärzte sagten, der gebrochene Arm sei kein grösseres Problem, doch die Knochen des Daumens seien so zersplittert, dass das Gelenk versteift werden müsse.»)
August 2013.
UG setzt sich auf eine Bank am Waldrand, der linke Arm in einer Schlinge, der Daumen geschient.
(Kommentar: «Ich sagte, dass ich den Daumen zum Bedienen der Filmkamera brauche. Nachdem sie sich zurückgezogen hatten, um die Röntgenbilder nochmals zu studieren, sagten sie, auf ihrem Formular sei auf Grund meines Jahrgangs 'Rentner' eingetragen. Sie hätten nun noch einen Spezialisten beigezogen. Er werde es versuchen, aber ohne Garantie.»)
September 2014.
Der Blick, wie er sich von der Bank her ergeben könnte, wie wir ihn vom Prolog des Films kennen, als UG sich auf die Bank setzte. (Kommentar: «Bald sind drei Jahre verstrichen. Mir geht es recht gut. Ich fühle mich noch etwas unsicherer auf den Beinen und muss mich eben noch vorsichtiger durch die Welt bewegen.»)