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Der Rückgang der Kohlepreise stellt den Bau des Lavna-Hafens am Westufer der Kola-Bucht erneut in Frage. Die Hauptakteure des Projektes haben keine verbindlichen Vereinbarungen über die Terminals unterzeichnet und versuchen nicht, an einem Projekt teilzunehmen, in das der Staat bereits 32 Milliarden Rubel investiert hat. Der Projektbetreiber behauptet, Anpassungen an seinem Finanzmodell, seinem Geschäftsplan und seinem Umsetzungszeitplan vorgenommen zu haben. Experten bezweifeln jedoch, dass der Kohlehafen in der heutigen Realität grundsätzliche Perspektiven hat.
Der Bau des Lavna-Kohleterminals, dessen erste Phase Ende 2020 geplant war, könnte auf unbestimmte Zeit verschoben werden, teilten Experten der Branche auf Anfrage der Zeitung Kommersant mit. Ihnen zufolge haben Vertreter von Kohleunternehmen und Investoren bei den letzten Treffen bereits gesagt, dass es kein Terminal geben wird.
Laut einem Bericht in der Zeitung Kommersant besteht das Hauptproblem darin, dass die Verlader unter den Bedingungen der aktuellen Krise und der sinkenden Kohlepreise die verbindlichen Dokumente für die Verladung des Terminals zu ‘Take-or-Pay’-Bedingungen (Erklärung am Ende) nicht unterschrieben haben. Der Leiter des Verkehrsministeriums Jewgeni Dietrich meinte am 14. August 2020 an einer Sitzung der Arbeitsgruppe des Staatsrates für Verkehr und Energie das Fehlen solcher Vereinbarungen. Er stellte fest, dass der Staat bereits 32 Milliarden Rubel (347 Mio. Euro) in das Projekt investiert habe und diverse andere Investoren 15 Milliarden Rubel (163 Mio. Euro).
Die Entscheidung für den Bau des Lavna-Kohleterminals im Rahmen der Entwicklung des Verkehrsknotenpunkts Murmansk wurde bereits 2012 getroffen. Das Projekt mit einer Kapazität von 18 Millionen Tonnen Jahresleistung geriet aber schon früher in Turbulenzen. Mehrmals änderten sich die Investorengruppen und Finanzierungspläne und das Projekt kam ins Stottern.
Noch im März kündigte der Gouverneur der Region Murmansk, Andrei Chibis, trotz der Schwierigkeiten an, dass der Hafen von «Lavna» im Jahr 2022 in Betrieb genommen werde und im ersten Quartal desselben Jahres seine Auslegungskapazität von 18 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen werde. Quellen von Kommersant berichteten bereits im Sommer, dass das Projekt auch Schwierigkeiten mit dem Bau der Eisenbahnlinie habe.
Derzeit werden das Finanzmodell, der Geschäftsplan des Projekts und der Zeitpunkt der Konzession angepasst, sagte Igor Freidin, Generaldirektor von «Lavna», gegenüber Kommersant. Dies sei auf eine Änderung der Kohlemarktsituation während der Pandemie sowie auf eine Verschiebung des Zeitpunkts für den Bau der Eisenbahn zurückzuführen. Das Projekt werde umgesetzt, fügte er hinzu: ʺDie Projektdokumentation wurde vorbereitet, die Ausrüstung wurde gekauft, der Bau der Straße wird fortgesetzt, die Arbeiten zur Finanzierung durch die Gazprombank sind im Gange. Die Bank war bereit die «State Transport Leasing Company» zur Umsetzung des Projekts mit über 30 Milliarden Rubel (325 Mio. Euro) zu versorgenʺ.
Das Verkehrsministerium teilte Kommersant mit, dass der Bau des Bundesgrundstücks im Rahmen der Entwicklung des «Lavna»-Terminals nach dem im Staatsvertrag festgelegten Zeitplan erfolge. Mögliche Optionen für die Ergänzung von Kohle mit anderen Ladungsarten, beispielsweise Mineraldünger und Eisenerz, werden derzeit geprüft.
Der Leiter von Infoline-Analytics, Mikhail Burmistrov, sagt, dass das Hauptproblem aufgrund der Situation mit dem Coronavirus mit dem Zeitpunkt des Baus der Eisenbahn zusammenhängt. Dies werde zu einer zeitlichen Verschiebung des Projekts führen, aber es sei zu früh, um über sein Scheitern zu sprechen, sagte der Experte.
Laut Maxim Khudalov von ACRA hat der Bau eines Kohleterminals für das Verladen in westlicher Richtung heute jedoch keine Zukunft. „Die Dekarbonisierung der EU ist ein langfristiger Trend. In bestimmten Situationen des Marktes ist es möglich, Kohle von westlichen Häfen nach Asien zu transportieren, aber es ist zu riskant, in eine solche Entwicklung zu investieren“, sagt der Analyst. ʺDüngemittel, das Weißrussland auf russische Häfen ausrichten will, könnten möglicherweise die Kohle für «Lavna» ersetzen, aber diese Option scheint auch riskant zu seinʺ. Laut Maxim Khudalov ist die Konzentration auf nur ein Ladegut ein gefährlicher Schritt.
Erklärung Take-or-Pay
Der Take–or–Pay-Vertrag ist ein Vertrag, bei dem jemand eine unbedingte Verpflichtung zur Zahlung übernimmt, unabhängig davon, ob der andere Vertragspartner eine vereinbarte Gegenleistung durch die Lieferung von Waren oder Dienstleistungen erbringt.
Heiner Kubny, PolarJournal