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Hätte es ihn nicht wirklich gegeben, könnte Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg glatt einem Politthriller entspringen. 1643 im heutigen Deutschland geboren, legte er am preussischen Königshof in Berlin eine steile Karriere hin. Nach nur sieben Jahren am Hof stürzte er 1697 den Kanzler, eliminierte auf skrupellose Weise die Opposition und wurde 1702 Premierminister.
Mit seinem Drei-Grafen-Kabinett schleimte er sich beim König ein, intrigierte gegen jede Konkurrenz, ermöglichte dem König seine Seitensprünge, korrumpierte fleissig und plünderte die Untertanen aus, um den überbordenden Luxus des Königs zu befriedigen. Dass er dabei auch selber zünftig absahnte versteht sich von alleine.
Schliesslich liess er sich vom König eine Erklärung anfertigen, die ihn von der Verantwortung für jegliches eventuelles Fehlverhalten in seiner Amtszeit freisprechen würde. Dies schützte ihn zwar nicht vor seinem späteren Sturz, dafür sein Privatvermögen.
Neben der traditionellen Grundsteuer erhoben Wartenberg und seine Kumpanen plötzlich Sondersteuern für Dinge wie das Trinken von Kaffee, Kakao oder Tee. Es folgten Hut-, Strumpf-, Kutschen- und sogar eine Perückensteuer. Letztere war besonders einträglich, da das Perückentragen gerade Mode war.
Auch Frauen, die zwischen 20 und 40 Jahre alt und unverheiratet waren, mussten sogenannte Jungfernsteuern zahlen. Damit habe man Ehepaare steuerlich entlasten und Nachwuchs fördern wollen. Eine verwandte Form dieser Steuer war auch in der Schweiz in den letzten Jahren mit dem Schlagwort «Heiratsstrafe» ein wiederkehrendes Thema in der Politik.
13 Jahre lang konnte Wartenberg mit seinen ergebenen Ministern die Untertanen mit immer neuen Steuern quälen, in die eigene Tasche wirtschaften und den Staat dabei in den Ruin treiben. Nach seinem Sturz wurde er nach Frankfurt verbannt, blieb ansonsten dank seines Freibriefs von weiteren Konsequenzen verschont. Sein Privatvermögen ermöglichte ihm bis zu seinem Tod 1712 und seiner Familie ein Leben in Luxus.