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Ich lernte François dieser Tage in Paris kennen. Nicht in einem der zahlreichen netten Bistros, die es dort immer noch gibt, sondern in einer Kirche – St-Roch an der Rue Saint-Honoré im 1. Arrondissement. François hat dort eine Seitenkapelle und wird als Heiliger verehrt, also als St-François de Sales. Sein Namenstag ist der 24. Januar. Er lebte von 1567-1622 und war Fürstbischof von Genf mit Sitz in Annecy. Das Altarbild zeigt ihn im Priestergewand, wie er einen Reisenden, der die Alpen überquert, aus dem tiefen Schnee rettet. Diese bemerkenswerte Leistung allein hat ihn allerdings nicht zum Heiligen gemacht, sondern noch eine ganz andere, die nun uns Schreibende betrifft: Er ist der Schutzpatron der Schriftsteller und Journalisten! Zu dieser Ehre ist er dadurch gekommen, dass er zahlreiche Zeitschriften redigiert hat, welche zum Ziel hatten, abtrünnige Christen (gemeint waren Protestanten) wieder zur römisch-katholischen Kirche zu führen.
Die Altkatholische und die Christkatholische Kirche verehrt nur wenige Heilige und da gehört St-François de Sales definitiv nicht dazu, was uns Journalisten doch sehr erleichtert. Nie und nimmer ist es das Ziel unserer Schreibe, jemanden zu bekehren oder sie/ihn nach dieser oder jener Richtung zu biegen. Meinungs- und Glaubensfreiheit ist ein hohes Gut, für das unsere Kirche uneingeschränkt einsteht.
Dass dies so ist, dürfen wir aber gerne weitersagen.
Alois Schmelzer