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Die Geschichte der Klassischen Archäologie in Basel
Chronik
1841
Der Ordinarius für griechische Sprache und Literatur Wilhelm Vischer-Bilfinger (1808–1874) erforscht und publiziert drei eisenzeitliche Grabhügel in der Hard bei Basel.
1849
Einweihung des Museums an der Augustinergasse. Zu den ausgestellten Kunstschätzen gehören auch Gipsabgüsse und einige antike Originale.
Im Wintersemester hält Jacob Burckhardt (1818–1897) in Basel seine erste Vorlesung über die "Geschichte der antiken Kunst".
1859
Johann Jakob Bernoulli (1831–1913) habilitiert sich für "die Fächer der classischen Philologie und Archäologie und der alten Geschichte".
1874
Johann Jakob Bernoulli wird zum Extraordinarius und 1895, in Anerkennung seiner Publikationen über Ikonographie, zum Ordinarius ernannt. Bis 1898 lehrt er ehrenamtlich Klassische Archäologie.
Wilhelm und Sophie Vischer-Heussler errichten eine Stiftung zugunsten einer altertumswissenschaftlichen Professur mit Schwergewicht auf Archäologie oder Vergleichender Sprachwissenschaft.
1887
Für die Gipsabgüsse wird ein eigenes Gebäude an der Klostergasse errichtet; in dieser ersten "Skulpturhalle" findet auch ein Teil des archäologischen Unterrichts statt.
1890
Ferdinand Dümmler (1859–1896) aus Halle wird als Ordinarius für lateinische Sprache und Literatur berufen; in seiner kurzen Lehrtätigkeit bietet er mehrfach archäologische Übungen zu Vasen und Skulptur an.
1898
Mit der Berufung von Hans Dragendorff (1870–1941) aus Estland kommt die Professur der Vischer-Heussler-Stiftung erstmals der Archäologie zugute. Nach nur vierjährigem Wirken nimmt Dragendorff einen Ruf als Leiter der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt an.
1907
Ernst Alfred Stückelberg (1867–1926) habilitiert sich für "Frühchristliche Alterthumskunde, Kunstgeschichte und historische Hilfswissenschaften".
1909
Ernst Pfuhl (1876–1940) aus Charlottenburg wird als Extraordinarius für Archäologie auf die Stiftungsprofessur berufen. 1911 wird er zum Ordinarius befördert. Er setzt sich für die Gründung eines Archäologischen Seminars ein.
1912
Die Kuratel genehmigt die von der Philosophischen Fakultät beschlossene Errichtung der Seminarien für Musikwissenschaft, für Archäologie und für Wirtschaftskunde und Wirtschaftsgeschichte. Das Archäologische Seminar erhält einen Raum in der Universitätsbibliothek, dazu 1924 den angrenzenden sog. Hörsaal.
1924
Elsa Mahler (1882–1970) promoviert als erste Doktorierende in Klassischer Archäologie. 1928 habilitiert sie sich für Russische Sprache und Literatur und wird 1938 zur ersten Professorin der Universität Basel ernannt.
1927
Aus Platzgründen wird die Gipssammlung in Kellerräumen an der Viaduktstrasse 45 magaziniert; sie bleibt dort bis zum Umzug 1941 in ein Provisorium an der Mittleren Strasse 33.
1935
Der Antrag von Kuratel und Regenz auf Schaffung von vier neuen Lehrstühlen (Orientalische Philologie, Allgemeine und Indogermanische Sprachwissenschaft, Klassische Archäologie sowie Musikwissenschaft) wird aus finanziellen Gründen abgelehnt.
1936
Karl Friedrich Schefold (1905–1999), dem aus politischen Gründen ein weiteres Fortkommen in Deutschland verwehrt ist, habilitiert sich für Klassische Archäologie. 1939 erhält er einen Lehrauftrag für "Kunst des alten Orients und der christlichen Antike", der zwei Jahre später um "Kunstgeschichte der alten Mittelmeervölker" erweitert wird.
1941
Nach Ernst Pfuhls Tod wird Arnold von Salis (1881–1958), ordentlicher Professor in Zürich, bis 1948 mit der Lehrstuhlvertretung betraut.
1942
Karl Schefold wird zum Extraordinarius und 1953 zum Ordinarius ernannt.
1960
Karl Schefold wird zum Inhaber des neu geschaffenen Lehrstuhls für (Klassische) Archäologie ernannt. Für die Fünfhundertjahrfeier der Universität organisiert er zusammen mit Herbert A. Cahn und Christoph Bernoulli eine Ausstellung griechischer Antiken mit internationalen Leihgaben ("Meisterwerke griechischer Kunst"), die auf grosses Interesse stösst.
1961
Die von Dr. René Clavel gestiftete Million Schweizerfranken und die Unterstützung durch Privatsammler machen den Weg frei für die Gründung des Antikenmuseums, das 1966 mit Ernst Berger als dessen Direktor eröffnet wird.
1962.
Ernst Berger (1928–2006) habilitiert sich für "Klassische Archäologie". 1968 wird er zum Extraordinarius ernannt.
1963
Das Archäologische Seminar zieht für die Dauer des Umbaus der Universitätsbibliothek (bis 1968) in die neu eröffnete Skulpturhalle an der Mittleren Strasse 17.
1964
Karl Schefold leitet die ersten Schweizer Grabungen in Eretria (GR).
1975
Gründung der "Ecole suisse d'archéologie en Grèce".
1976
Margot Schmidt (1932–2004) habilitiert sich für "Klassische Archäologie mit besonderer Berücksichtigung der Malerei und Mythologie". 1982 wird sie zur Extraordinaria ernannt.
1977
Rolf A. Stucky (*1942) wird zum Ordinarius für Klassische Archäologie und Vorsteher des Archäologischen Seminars ernannt.
1982
Nach Abschluss des Parthenon-Rekonstruktionsprojekts in der Skulpturhalle organisiert Ernst Berger einen internationalen Parthenon-Kongress.
Peter Blome (*1948) habilitiert sich für "Klassische Archäologie"; 1988 wird er zum Extraordinarius ernannt.
1988
Beginn der Ausgrabungen in Petra (Jordanien) unter der Leitung von Rolf A. Stucky.
1995
Karl Reber (*1955) habilitiert sich für "Klassische Archäologie". 1996 wird er zum Assistenzprofessor, 2001 zum Titularprofessor ernannt.
1998
Martin A. Guggisberg (*1960) habilitiert sich für "Klassische Archäologie". 2005 wird er zum Titularprofessor ernannt.
2008
Martin A. Guggisberg wird zum Ordinarius für Klassische Archäologie und Vorsteher des Archäologischen Seminars ernannt.
2010
Das seit 2008 bestehende Departement für Altertumswissenschaften bezieht erstmals ein gemeinsames Domizil im Rosshof am Petersgraben 51. Es umfasst die Fachbereiche der Ägyptologie, Alten Geschichte, Klassischen Archäologie, Ur- und Frühgeschichtlichen und Provinzialrömischen Archäologie, Gräzistik, Latinistik, Historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft und Vorderasiatischen Altertumswissenschaft.
Persönlichkeiten, Förderer und Dozenten der Klassischen Archäologie
Der Gräzist und spätere Regierungsrat Wilhelm Vischer-Bilfinger spielte in den Jahren um 1850 in Universität und Politik wie auch im Kulturleben von Basel eine entscheidende Rolle. 1832 wurde er Privatdozent und Lehrer am Pädagogium, 1836 ordentlicher Professor für griechische Sprache und Literatur. Seine Reisen nach Italien und Griechenland machten ihn mit den materiellen Zeugnissen der Antike vertraut, aber er hatte auch ein waches Interesse für die archäologische Hinterlassenschaft der Region. 1841 erforschte und publizierte er drei eisenzeitliche, in der Hard bei Muttenz gelegene Grabhügel. Auf sein Betreiben wurde 1842 die "Antiquarische Gesellschaft" gegründet, die sich insbesondere für die regionale Archäologie einsetzte und auch Objekte ankaufte, so etwa die Funde aus der römischen Villa von Frick, keltische Münzen aus Nunningen oder den grossen Münzfund des 3. Jahrhunderts n. Chr. aus Reichenstein.
In dem 1849 eröffneten Museum an der Augustinergasse fanden aber nicht nur lokale Funde, sondern auch Objekte aus dem Mittelmeerraum Platz. Wiederholt setzte sich Vischer für den Ankauf von Originalen ein, so für zwei Köpfe aus dem Besitz des Bildhauers Carl Steinhäuser, eine Gruppe von Vasen aus Capua und für griechische Münzen, die er selbst ordnete. Manche grosszügige Schenkung betraf Objekte aus seinem eigenen Besitz. Am Herzen lagen ihm aber auch die in einem grossen Saal aufbewahrten Gipsabgüsse, für deren Vermehrung er die Basler Bürgerschaft zu Spenden aufrief.
Nach seinem Rücktritt von der Lehrtätigkeit setzte Vischer als Regierungsrat und Vorsteher des Erziehungskollegiums 1869 die Wahl des jungen, noch nicht promovierten Friedrich Nietzsche auf den Griechisch-Lehrstuhl durch.
Zur Person: E. His, Basler Gelehrte des 19. Jahrhunderts (Basel 1941) 125–135. – K. Schefold, Basler Antiken im Bild (Basel 1958) 6–12. – E. Vischer, Wilhelm Vischer, Gelehrter und Ratsherr 1808–1874, im Spiegel seiner Korrespondenz mit Rudolf Rauchenstein (Basel 1958). – B. Wyss, Wilhelm Vischer-Bilfinger (1808–1874) und das Philologische Seminar der Universität Basel, Museum Helveticum 19, 1962, 225–231.
Werke (Auswahl): Erinnnerungen und Eindrücke aus Griechenland (Basel 1857). – Kleine Schriften 1–2 (Leipzig 1877/78).
Nach wenigen Semestern der Theologie in Basel studierte der als Sohn des späteren Antistes der Basler Kirche geborene Jacob Burckhardt in Berlin und Bonn Geschichte, Altertumswisssenschaft und Kunstgeschichte und promovierte 1843 mit einer Arbeit über Karl Martell. Von seiner Habilitation 1844 an lehrte er fast fünfzig Jahre lang an der Universität Basel Geschichte und Kunstgeschichte, unterbrochen nur durch längere Reisen und durch seine Tätigkeit als Ordinarius für Kunstgeschichte und Archäologie von 1855 bis 1858 am neueröffneten Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Seine glänzend und immer frei vorgetragenen Vorlesungen umfassten alle Epochen vom Alten Ägypten bis zu Napoleon. In seinen öffentlichen Vortragszyklen liess er auch ein weiteres Publikum an seinem Wissen teilhaben.
1849 las er zum ersten Mal über die "Geschichte der antiken Kunst" und hielt damit die erste archäologische Vorlesung in Basel. Später behandelte er die "Kunst des Altertums" turnusgemäss alle zwei Jahre und war darauf bedacht, auch neue Entdeckungen in seine Darstellung mit einzubeziehen. Den herben Skulpturen des Zeustempels von Olympia konnte er wenig abgewinnen, jedoch war er einer der ersten, der die künstlerische Bedeutung des Altars von Pergamon erkannte.
Die Publikationen, die zu Burckhardts Lebzeiten erschienen, galten der Spätantike ("Die Zeit Constantins des Grossen", 1853) sowie der Kunst und Geschichte Italiens ("Der Cicerone", 1855; "Die Cultur der Renaissance in Italien", 1860, "Die Geschichte der Renaissance in Italien", 1867). Die "Griechische Culturgeschichte" behandelte er zwar mehrfach in Vorlesungen, jedoch verzichtete er darauf, sie zu publizieren.
Zur Person: E. His, Basler Gelehrte des 19. Jahrhunderts (Basel 1941) 184–201. – W. Kaegi in: A. Staehelin (Hg.), Professoren der Universität Basel aus fünf Jahrhunderten (Basel 1960) 152–153. – W. Kaegi, Jacob Burckhardt, eine Biographie 1–7 (Basel 1947–1982).
Zum Werk: Gesamtausgabe (Basel 1929–1934). – Kritische Gesamtausgabe (Basel 2000ff.).
Johann Jakob Bernoulli, ein Sohn des gleichnamigen Apothekers und Bruder des Arztes und Naturforschers Carl Gustav Bernoulli, schloss sein Studium in Basel und Berlin 1854 mit einer althistorischen Arbeit ab. 1855/56 bereiste er Rom und Teile Italiens und Griechenlands. Zurück in Basel war er längere Zeit als Lehrer für Geschichte an Gymnasium und Pädagogium sowie an der damaligen Gewerbeschule tätig. 1859 habilitierte er sich für die "Fächer der classischen Philologie und Archäologie und der alten Geschichte". 1874 wurde er zum Extraordinarius ernannt. Während fast vier Jahrzehnten unterrichtete er ehrenamtlich Klassische Archäologie, denn die bestehenden altertumswissenschaftlichen Lehrstühle galten der griechischen und lateinischen Philologie. Bernoulllis Forschungsschwerpunkt war das Gebiet der antiken Plastik; es war nicht zuletzt seinem Wirken zu verdanken, dass die grosse Sammlung von Gipsabgüssen 1887 ein eigenes Gebäude erhielt.
Nicht nur die antike, auch die zeitgenössische Kunst fand Bernoullis Interesse. Schon auf seiner ersten Romreise pflegte er intensiven Kontakt mit den dortigen Künstlerkreisen; in Basel engagierte er sich für das Schaffen seiner Freunde Arnold Böcklin (1827–1901) und Ernst Stückelberg (1831–1903).
Ein bleibendes Denkmal setzte sich Bernoulli mit seinen grundlegenden Publikationen zur antiken Ikonographie und Porträtkunst. Die dafür nötige Denkmälerkenntnis hatte er sich in den grossen Museen Europas erworben. So begründete er in seiner Ikonographie der römischen Kaiser (1886–1894) durch sorgfältige Vergleiche die Kriterien für die heutige Typenscheidung, stellte Replikenreihen auf und schied Fälschungen aus. Nach dem Abschluss der "Römischen Ikonographie" wurde Bernoulli in Anerkennung seiner grossen wissenschaftlichen Verdienste 1895 zum Ordinarius befördert.
Zur Person: R. Bernoulli-Sutter, Die Familie Bernoulli (Basel 1972) 146–147. – K. Schefold, Der Archäologe Johann Jacob Bernoulli (1831–1913), Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 87, 1987, 155–160. – K. Schefold, in: R. Lullies/W. Schiering (Hg.), Archäologenbildnisse. Porträts und Kurzbiographien von Klassischen Archäologen deutscher Sprache (Mainz 1988) 55–56.
Werke (Auswahl): Aphrodite. Ein Baustein zur griechischen Kunstmythologie (Leipzig 1873). – Römische Ikonographie I: Die Bildnisse berühmter Römer mit Ausschluss der Kaiser und ihrer Angehörigen (Stuttgart 1882). – Römische Ikonographie II 1–3: Die Bildnisse der römischen Kaiser und ihrer Angehörigen (Berlin 1886–1894). – Griechische Ikonographie mit Ausschluss Alexanders und der Diadochen (München 1901). – Die erhaltenen Darstellungen Alexanders des Grossen (München 1905).
Der aus Halle stammende Ferdinand Dümmler schloss sein Studium der klassischen Philologie und der Archäologie in Halle, Strassburg und Bonn 1882 mit einer Dissertation über den Philosophen Antisthenes ab. Seine Stipendiatenreise führte ihn nach Rom, Etrurien und Griechenland; ein zweiter Aufenthalt galt insbesondere den Kykladen und Zypern, wo er unter schwierigen Bedingungen Surveys und kleinere Ausgrabungen durchführte.
1887 habilitierte er sich in Giessen. 1890 nahm er einen Ruf als Ordinarius an die Universität Basel an. Zusammen mit Jacob Wackernagel vertrat er die Altertumswissenschaft in einem umfassenden Sinn: neben philologischen Lehrveranstaltungen hatten auch Epigraphik, Sprachwissenschaft und vor allem Archäologie ihren Platz. Schon 1887 war ihm die Entzifferung und Deutung der lateinischen Inschrift auf der lange als Fälschung verdächtigten Fibula Praenestina gelungen. Als einer der ersten erkannte er die Eigenständigkeit der minoischen Kultur. Für sein Ziel, "die Archäologie hier [= in Basel] etwas mehr einzubürgern" (Wolters 1917, 299), war ihm die Zeit jedoch nicht gegönnt. Sein früher Tod im Alter von knapp 38 Jahren machte auch sein Projekt einer umfassenden "Griechischen Kulturgeschichte" zunichte, zu dessen Gunsten sein älterer, verehrter Kollege Jacob Burckhardt offenbar auf eigene ähnliche Pläne verzichtet hatte.
Zur Person: F. Studniczka in: Allgemeine Deutsche Biographie 1904, 163ff. und online. – P. Wolters, Aus Ferdinand Dümmlers Leben. Dichtungen, Briefe und Erinnerungen, den Freunden zum 15. November 1916 dargebracht (Leipzig 1917). – P. Von der Mühll in: A. Staehelin (Hg.), Professoren der Universität Basel aus fünf Jahrhunderten (Basel 1960) 264. – R. Lulllies in: R. Lullies/W. Schiering (Hg.), Archäologenbildnisse. Porträts und Kurzbiographien von Klassischen Archäologen deutscher Sprache (Mainz 1988) 128–129.
Werke: Kleine Schriften 1–3 (Lepizig 1901).
Der in Estland geborene Hans Dragendorff studierte in Dorpat, Berlin und Bonn Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Altphilologie. 1895 publizierte er seine Dissertation „De vasculis Romanorum rubris capita selecta“ in erweiterter, deutscher Fassung; sie gilt auch heute noch als Standardwerk für die Benennung und Klassifikation des römischen Luxusgeschirrs. Im Rahmen seiner Stipendiatenreise nahm er an den Ausgrabungen der archaischen Nekropole in Thera teil.
1898 wurde Dragendorff als Extraordinarius für Klassische Philologie und Archäologie nach Basel berufen. Schon vier Jahre später verliess er die Universität, da ihm die Leitung der eben gegründeten Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts übertragen wurde. Auch in Frankfurt blieb er jedoch in Kontakt mit der schweizerischen, insbesondere der provinzialrömischen Archäologie. 1906 leitete er die Grabungen beim Nordtor des Legionslagers von Vindonissa und setzte sich für die Gründung des dann 1912 eröffneten Museums ein. 1911 wurde er zum Generalsekretär des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin ernannt, dem er auch während der schwierigen Kriegsjahre vorstand.
1922 folgte Dragendorff einem Ruf an die Universität von Freiburg i. Br. als Ordinarius für Klassische Archäologie. Nach seiner Emeritierung 1938 übernahm er zu Beginn des Zweiten Weltkriegs erneut die Leitung der Römisch-Germanischen Kommission bis zu seinem plötzlichen Tod im Oktober 1941.
Zur Person: E. His, Worte der Erinnerung an Prof. Dr. Hans Dragendorff, Basler Zeitschrift füt Geschichte und Altertumskunde 40, 1941, 187–189. – G. Rodenwaldt, Gedächtnisrede auf Hans Dragendorff, mit Schriftenverzeichnis, zusammengestellt von H. Sichtermann, Jahrbuch der Preussischen Akademie der Wissenschaften 1941, 210–217. – P. Goessler, Badische Fundberichte 17, 1941–47, 9–11. – G. Grimm, Hans Dragendorff, in: R. Lullies/W. Schiering (Hg.), Archäologenbildnisse. Porträts und Kurzbiographien von Klassischen Archäologen deutscher Sprache (Mainz 1988) 179–180.
Zum Werk: Bibliographie siehe oben.
Ernst Pfuhl wurde als Sohn des Bildhauers Johannes Pfuhl in Charlottenburg geboren. Nach seinem Studium der Altertumswissenschaften in Berlin habilitierte er sich 1905 in Göttingen. Zuvor hatte er während vier Jahren Italien, Griechenland, Kleinasien und die Levante bereist. In diese Zeit fallen seine Grabungen in einer archaischen Nekropole von Thera sowie die ersten Vorarbeiten zum Corpus der ostgriechischen Grabreliefs, das ihm Alexander Conze in Pergamon übertrug. Mit Griechenland blieb er zeit seines Lebens auch durch seine Frau Sophia geb. Rhoussopoulos verbunden.
1909 wurde er nach Basel auf die seit dem Weggang von Hans Dragendorff 1902 vakante Stiftungsprofessur für Archäologie berufen und 1911 zum Ordinarius ernannt. Zu seinen Lehrverpflichtungen gehörten regelmässige Übungen vor den Gipsabgüssen in der Skulpturhalle, eine Aufgabe, die ihm sehr entsprach. Auf sein Betreiben hin wurden erstmals Abgüsse von archaischen und hellenistischen Skulpturen angekauft. Mit Beharrlichkeit verbesserte Pfuhl die Infrastruktur des 1912 gegründeten Seminars, vergrösserte die Bibliothek und setzte sich für die Anschaffung von Projektionsapparaten ein. Im übrigen unterrichtete er die ganze Breite seines Fachs, von der kretisch-mykenischen Kultur bis zur Kunst der Kaiserzeit.
Neben der Lehre nahmen die enzyklopädischen Werke über die "Malerei und Zeichnung der Griechen" (1923) und die erst postum erschienenen "Ostgriechischen Grabreliefs" (1977–1979) Pfuhls ganze Kraft in Anspruch. Den Plan eines Handbuchs der antiken Plastik verwarf er wieder, vielleicht im Bewusstsein, dass ihm nicht mehr genügend Zeit gegeben sein würde. 1940 erlag er seinem Herzleiden.
Zur Person: K. Schefold (mit Vorarbeiten von P. Von der Mühll), Ernst Pfuhl, Basler Jahrbuch 1943, 84–100. – K. Schefold in: R. Lullies/W. Schiering (Hg.), Archäologenbildnisse. Porträts und Kurzbiographien von Klassischen Archäologen deutscher Sprache (Mainz 1988) 192–193.
Werke (Auswahl): Malerei und Zeichnung der Griechen 1–4 (München 1923). – (mit H. Möbius, hg. von K. Schefold), Ostgriechische Grabreliefs 1–2 (Mainz 1977–1979).
Arnold von Salis, Sohn des letzten Antistes der Basler Kirche, studierte in Basel, Bonn und Berlin klassische Philologie, Archäologie und Kunstgeschichte und promovierte 1905 mit einer fächerübergreifenden Arbeit zur antiken Komödie. 1906 nahm er an den Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in Milet teil, wo ihm die aufsehenerregende Entdeckung zweier archaischer Grablöwen gelang. Nach Museumspraktika in Basel, Bonn und Berlin habilitierte er sich 1909 in Bonn mit einer Arbeit über den Pergamonaltar.
1910 wurde er als Extraordinarius an die Universität von Rostock berufen; 1916 übernahm er ein Ordinariat in Münster i. W. Von 1929 an war er als Nachfolger von Ludwig Curtius an der Universität Heidelberg tätig. 1940 wechselte er an die Universität Zürich und setzte sich dort beharrlich für den Ausbau des noch kleinen Instituts ein. Gleichzeitig übernahm er nach dem plötzlichen Tod von Ernst Pfuhl einen Lehrauftrag in Basel und teilte sich mit Karl Schefold bis 1948 in den akademischen Unterricht. 1951 trat er in den Ruhestand.
In Lehre und Werken war von Salis stark von Jacob Burckhardt und seinem Lehrer und Freund Heinrich Wölfflin beeinflusst; er war der erste, der Wölfflins Grundbegriffe der Kunstgeschichte für die Archäologie fruchtbar machte. In besonderem Masse zeugt davon sein erstmals 1919 erschienenes Buch über die "Kunst der Griechen".
Zur Person: H. Jucker, Gnomon 1958, 637–639. – M. Bieber, American Journal of Archaeology 62, 1958, 429–430. – H. Jucker, Schweizer Monatshefte 38, 1958/59, 432–437 (mit Verzeichnis der wichtigsten Veröffentlichungen). – H. Jucker in: R. Lullies/W. Schiering (Hg.), Archäologenbildnisse. Porträts und Kurzbiographien von Klassischen Archäologen deutscher Sprache (Mainz 1988) 210–211.
Zum Werk: Bibliographie siehe oben.
Der aus Heilbronn gebürtige Karl Schefold promovierte 1930 bei Paul Jacobsthal in Marburg. Nach Reisen und Grabungserfahrungen im Mittelmeerraum folgte eine Assistenzzeit in Athen, die jedoch infolge der geänderten politischen Verhältnisse frühzeitig zu Ende ging. Es galt, in Basel eine neue Existenz aufzubauen. Schefold habilitierte sich 1936 und unterrichtete erst neben Pfuhl, dann neben Arnold von Salis, bis er 1953 zum persönlichen Ordinarius ernannt wurde. 1960 wurde für ihn der archäologische Lehrstuhl geschaffen.
Während seiner fast vierzigjährigen Tätigkeit entfaltete Schefold eine staunenswerte Produktivität auf verschiedensten Ebenen. Sein profundes Wissen und seine ganzheitliche Sicht auf die Antike zog viele Studierende an. Aber auch Kreise von Kunstliebhabern, Sammlern und Politikern liessen sich von seiner Begeisterungsfähigkeit anstecken. Im Zentrum stand immer die Auseinandersetzung mit dem Original, in der Kunst wie in der von ihm hoch geschätzten Dichtung. Zu Schefolds grossen Leistungen gehört die 1960 organisierte Ausstellung "Meisterwerke griechischer Kunst" und die im Jahr darauf erfolgte Gründung des Antikenmuseums. 1964 begründete er die bis heute andauernden Schweizer Ausgrabungen in Eretria. Für alle Unternehmungen waren jeweils die richtigen Helfer zur Stelle, doch ohne Schefolds treibende Kraft hätten sich die Pläne nicht umsetzen lassen.
Schwerpunkte in seinen weitgespannten Forschungen waren etwa die Entwicklung der griechischen Sagenbilder, die pompejanische Malerei oder die Bildnisse antiker Dichter, Redner und Denker. Auch sein letztes Werk galt seiner tiefen Überzeugung vom religiösen Gehalt der antiken Kunst.
Zur Person: R. Stucky, Antike Kunst 42, 1999, 71. – M. Schmidt, Gnomon 72, 2000, 571–575. – M. Rohde-Liegle et al. (Hg.), K. Schefold, Die Dichtung als Führerin zur klassischen Kunst. Erinnerungen eines Archäologen (Hamburg 2003).
Zum Werk: B. Müller-Huber (Red.), Karl Schefold, Bibliographie 1930–1990, mit zusammenfassenden Kommentaren des Autors (Basel 1990). – Bibliographie Karl Schefold 1990–1999, Antike Kunst 42, 1999, 72.
Margot Schmidt, gebürtig aus Coesfeld (Westfalen), beendete ihr weitgefächertes Studium, das auch ethnologische und juristische Lehrveranstaltungen umschloss, 1959 in Münster i. W. mit einer Dissertation über apulische Vasenmalerei, genauer über den Dareiosmaler, dem schon damals ihre Liebe und Bewunderung galt. Die griechisch geprägte Vasenmalerei Unteritaliens wurde fortan zu einem ihrer zentralen Forschungsgebiete, wie sie überhaupt die Magna Graecia als ihre eigentliche wissenschaftliche Heimat empfand. 1962 trat sie auf Einladung von Ernst Berger als wissenschaftliche Assistentin in den Dienst des neu gegründeten Basler Antikenmuseums. Als Konservatorin (seit 1966) und stellvertretende Direktorin (seit 1993) engagierte sie sich bis zu ihrer Pensionierung 1997 mit ihrer ganzen Kraft für die Belange des Museums.
Museumsarbeit und Wissenschaft waren für Margot Schmidt untrennbar miteinander verbunden. 1975 habilitierte sie sich mit „Studien zu Gehalt und Form der unteritalischen Grabkunst“. Ein weiteres ihr wichtiges Forschungsfeld waren die römischen Sarkophage und die mit ihnen verbundene Mythendeutung. 1982 wurde sie zur Extraordinaria ernannt. Für ihre herausragenden Leistungen wurde ihr 1984 der Wissenschaftspreis zuerkannt. Das Interesse für die Wahrnehmung der Antike aus der Perspektive der Frau, das bereits in der Publikation des Basler Medeasarkophags (1968) angeklungen hatte, bestimmte Margot Schmidts wissenschaftliches Werk bis ans Ende ihrer Karriere. Den krönenden Abschluss vor ihrer Pensionierung bildete die zusammen mit Ellen B. Reeder konzipierte Ausstellung „Pandora – Frauen im klassischen Griechenland“ (1995/96) im Basler Antikenmuseum.
Zur Person: R. A. Stucky, Antike Kunst 48, 2005, 3–5. – D. Suter, Gelehrtennachlässe aus 550 Jahren. Begleitpublikation zur Ausstellung „Sammeln, sichten, sichtbar machen. Gelehrtennachlässe aus 550 Jahren“. Universitätsbibliothek Basel (Basel 2010) 56f.
Zum Werk: Bibliographie in Antike Kunst 48, 2005, 6–8.
1961 wurde Ernst Berger von seiner damaligen Kustodenstelle in Kassel nach Basel zurückberufen, um das eben gegründete Antikenmuseum einzurichten und auch die Neueröffnung der Skulpturhalle vorzubereiten. Im Anschluss an seine 1951 erfolgte Promotion bei Ernst Buschor in München hatte er mit dem Reisestipendium die Mittelmeerländer bereist; 1957–59 war er als Assistent von Ernst Langlotz in Bonn an der Universität und im Akademischen Kunstmuseum tätig gewesen. Mit grossem diplomatischem Geschick und der ihm eigenen Begeisterungsfähigkeit gelang es ihm, das Basler Antikenmuseum in kurzer Zeit zu einem Haus von internationalem Rang zu machen.
1962 erhielt er die venia legendi in Basel, nachdem er sich zuvor in Freiburg i. Ü. habilitiert hatte. Rund ein Vierteljahrhundert lang führte er die Studierenden systematisch in die griechische Plastik ein. Mit seinen zwei Häusern bot er ihnen ideale Voraussetzungen: Im Antikenmuseum fanden Übungen vor und mit Originalen sowie praktische Übungen zur Restaurierung und zur Museumsarbeit statt. In der Skulpturhalle liess er sie an seinen Experimenten mit neuen Rekonstruktionen oder an seinen Forschungen zu Polyklet teilhaben. Er hatte erkannt, welche fast unbeschränkten Möglichkeiten der Gipsabguss für die Zusammenführung von Einzelteilen und für das Wiederherstellen von im Original verlorenen Gruppen bot. Auch Kopienkritik liess sich auf dieser Basis sehr gut betreiben, wie das insbesondere Bergers letzte grosse Ausstellung "Der Entwurf des Künstlers" 1992 belegte.
Höhepunkt von Ernst Bergers Wirken bildete 1981 die Schenkung der Sammlung Ludwig, die eine bauliche Erweiterung des Antikenmuseums nötig machte. Berger nahm auch diese Herausforderung in gewohnt souveräner Weise an, so dass er 1988, 22 Jahre nach der ersten, eine zweite Museumseröffnung feiern konnte.
Zur Person: M. Schmidt in: Kanon, Festschrift Ernst Berger (Basel 1988) V–VI. – P. Blome und Barbara L. Begelsbacher, Antike Kunst 50, 2007, 3–5.
Zum Werk: Bibliographie in Antike Kunst 50, 2007, 6–8.
Broschüre zum 100-Jahr-Jubiläum
Ausführlichere Informationen zur Geschichte des Fachbereichs finden sich in der Broschüre "Knochen, Scherben und Skultpuren. 100 Jahre Archäologie an der Universität Basel".
Die Broschüre kann an der Theke der Bibliothek bezogen werden oder als PDF heruntergeladen werden: Anna Laschinger, Annemarie Kaufmann-Heinimann: Knochen, Scherben und Skulpturen. 100 Jahre Archäologie an der Universität Basel (2012). [PDF (9.6 MB)]