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01. September 2017
Konsumentenpräferenzen für BIPV
Die öffentliche Verteidigung der Dissertation von Hans Christoph Curtius fand am 1. September 2017 an der Universität St. Gallen (HSG) statt. Die Forschung am Lehrstuhl von Prof. Rolf Wuestenhagen untersucht Fragen zur Verbreitung von Photovoltaik, insbesondere zu Konsumentenpräferenzen, Nachbarschaftseffekte und Implikationen für das Marketing von Photovoltaik. Die Arbeit wurde im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts ACTIVE INTERFACES innerhalb des PNR 70 des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) verfasst, welches neue Strategien zur Umsetzung von BIPV in Stadterneuerungsprozessen entwickeln soll.
Diese Doktorarbeit identifiziert und untersucht finanzielle und nicht-finanzielle Faktoren, welche die Investitionsentscheidung für Photovoltaik (PV) im Gebäudesektor im Allgemeinen und für gebäudeintegrierter Photovoltaik (BIPV) im Spezifischen bestimmen. Folglich unterstützt diese Arbeit die weitere Verbreitung dieser Technologien, welche dazu beitragen können die Elektrizitätsversorgung zu dekarbonisieren und somit auf die dringende Herausforderung der globalen Erwärmung zu reagieren.
Die kumulierte Dissertation besteht aus drei wissenschaftlichen Artikeln und einem einführenden Dachbeitrag. Im ersten Artikel werden basierend auf qualitativen teilstrukturierten Interviews produktspezifische, akteursspezifische und institutionelle Barrieren und Treiber der Verbreitung von BIPV identifiziert. Der zweite Artikel fokussiert auf Konsumentenpräferenzen von Hauseigentümern unter Berücksichtigung einiger produktspezifischer Eigenschaften von (BI)PV und untersucht die Zahlungsbereitschaft dieser. Im dritten Artikel werden Nachbarschaftseffekte untersucht und damit die Frage ob, warum und wie Verhaltensfaktoren die Entscheidung, PV zu installieren, beeinflussen. Der zweite und der dritte Artikel stützen sich beide auf eine große quantitative Studie, bei der u.a. die Methode Adaptive Choice Based Conjoint (ACBC) angewendet wurde.
Als wichtigste Determinanten der Investitionsentscheidung konnten folgende identifiziert werden: die Komplexität des Produktes, die Höhe der Investitionskosten und die Berechnung von Lebenszykluskosten, die Ästhetik von PV inklusive der Farbe der Module, das Bewusstsein und Vorwissen unter den relevanten Akteuren, das Herkunftsland der Module, und die Ausgestaltung finanzieller Fördermechanismen. Darüber hinaus spielen Nachbarschaftseffekte manifestiert durch deskriptive und injunktive Normen und deren zugrundeliegende Interaktion eine wichtige Rolle, um Investitionsentscheidungen für PV zu erklären. Die Ergebnisse der Arbeit haben signifikante Implikationen für Politik und Marketing. Politische Entscheidungsträger sollten in Erwägung ziehen, das Entstehen regionaler Hotspots zu unterstützen um Nachbarschaftseffekte anzuregen, Erträge aus Einspeisevergütungen über die gesamte Förderdauer kumuliert zu präsentieren und (BI)PV in Gebäudevorschriften oder Zertifizierungen zu integrieren. In puncto Marketing können schlüsselfertige Solardächer helfen, die Komplexität des BIPV-Entscheidungsprozesses zu überwinden und Photovoltaik-Aktionen können die Kraft von Nachbarschaftseffekten nutzen, um die Verbreitung von PV innerhalb von Gemeinden zu fördern.