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The German Poster Museum in Essen (DE), incorporated in 1969, is not the oldest,
but probably one of the biggest poster museums in the world with more than 300 000 posters in
it's collection. After the retirement of the first director, Dr. Frieder Mellinghoff, in 2002, the museum went into hibernation pending a review of the concept, organization, and financing, and relocated from the city center to an "abandoned coal mine" in the suburbs of Essen.
On April 1, 2005, a new director was appointed: Rene Grohnert, a longtime passionate poster fan, who kindly sent me the following pictures and text (in german), which describes
the history, the transfer and the relaunch of the museum. As will become clear from the lecture,
the dire straits turned out to be a veritable poster heaven, the envy of anyone with a large poster collection.

Das Deutsche Plakat Museum - Geschichte, Umzug, Neuanfang
von René Grohnert [R.G.] und Lars Herzog-Wodtke [L.H.-W.]
Wenn man sich die Geschichte des Deutschen Plakat Museums in Essen ansieht, so fällt dessen Gründung in eine Zeit, in der sich das Verhältnis zum Plakat in der Gesellschaft stark gewandelt hat. Ein kurzer Blick auf die Entwicklung dieser Umstände zeigt die Zusammenhänge auf.
Zur Geschichte des Sammelns von Plakaten
Nach Deutschland kam die Kunde von den neuartigen Plakaten bzw. das Plakat selbst zunächst über private Wege. Handelsreisende brachten die Blätter mit in die Heimat. Hans Sachs, [4] der wohl wichtigste private Sammler zwischen 1900 und 1933, schilderte seine erste Begegnung mit dem Plakat so: "Zu Ostern 1897 wurde ich in die Unterprima [...] versetzt und drückte dort mit einem Freunde die Schulbank, [...] der von Zeit zu Zeit erzählte, dass er Reklameplakate sammelte. [...] als er mich eines Tages aufforderte, seine geheimnisvolle Sammlung anzusehen, [...] war ich überrascht, welche Leuchtkraft von den Wänden seines kleinen Stübchens ausging, das über und über mit bunten Bildern behängt war [...] und einige machten auf mich einen so mächtigen Eindruck, dass ich im Geheimen wünschte, auch meine Stube gleichermassen auszustatten." [5] So begann eine einzigartige Sammlerkarriere, Sachs trug die an Anzahl grösste und inhaltlich wichtigste private Plakatsammlung zusammen, gründete den Verein der Plakatfreunde (1905-1922) und gab die für uns heute wichtigste Quelle zur Identifizierung von Plakaten jener Zeit, die Zeitschrift "Das Plakat" (1910-1922), heraus.
Aber auch die professionellen Sammler, die Museen, waren gefordert, die sich abzeichnende Entwicklung zu dokumentieren. Dies geschah zunächst zögerlich, und es sollte einigen wenigen Institutionen vorbehalten bleiben, auf diesem Gebiet Weitsicht zu beweisen, [6] Ausstellungen zu organisieren und zum Thema Plakat zu publizieren. [7] Aber erst um 1905, als sich eine eigenständige deutsche Plakatentwicklung abzeichnete, wurden auch andere Institutionen zu Plakatsammelstätten. Der Erste Weltkrieg verhalf dem Propaganda- bzw. dem politischen Plakat ans Licht, ein neuer Bereich tat sich so auch für die Sammler auf.
Nach dem Ersten Weltkrieg hielt die Sammelfreude eine Zeit lang an. So hatte der Verein der Plakatfreunde im Jahre 1921 über 7 000 Mitglieder, die fleissig sammelten und tauschten. "Das Sammeln von Plakaten war in ganz Deutschland in Mode gekommen. Private Sammler und Institutionen waren starke Konkurrenten bei der Suche nach Blättern erster Künstler, grosser Marken oder drucktechnischer Raritäten. Man sammelte an Museen, Universitäten, Kunstgewerbeschulen, Bibliotheken. [...] Allerdings wurden die meisten dieser Sammlungen nicht weitergeführt, gingen z.B. im Zweiten Weltkrieg verloren oder wurden vernichtet, aufgelöst, verschenkt oder verkauft." [8] In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre ebbte das Sammeln langsam ab. Dies mag zum einen an der schwierigen wirtschaftlichen Situation gelegen haben, zum anderen veränderten die Plakate ihr Aussehen. US-amerikanische Werbemethoden hielten in Deutschland Einzug. Das Plakat war immer seltener Ausdruck individueller Gestaltungsfähigkeit, immer öfter jedoch wurde es in eine Werbekampagne eingebunden. Die Corporate Identity einer Firma oder einer Kampagne schrieb die einheitliche Anwendung von Farben, Typographie, Slogans, Bildern usw. vor. Das Plakat verlor in gewisser Weise seine Eigenständigkeit und damit offenbar auch den Charme, den es bis dahin anscheinend auf die vielen Sammler ausgestrahlt hatte. Die oft beschworene Vielfältigkeit des Plakates der 1920er-Jahre existierte vor allem im kulturellen Bereich, erfasste aber die Breite der Plakatproduktion nicht. Sie wurde zwar wegweisend, blieb aber elitär.
Offen bleibt die Frage, warum eigentlich zu den Glanzzeiten des Plakates niemand auf die Idee kam, ein Deutsches Plakat Museum zu errichten!
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten traten auch im Bereich der Plakatsammlungen wesentliche Veränderungen ein. Sammlungen jüdischer Personen, Firmen oder Institute wurden konfisziert, nicht gleich- geschaltete Künstler hatten keine Möglichkeit mehr, tätig zu werden, wurden verhaftet oder emigrierten. Es entstanden aber auch neue Institutionen, die so genannten Gauarchive. Sie hatten die Aufgabe, "Tradition und Gegenwart der nationalsozialistischen Bewegung" zu dokumentieren. Viele der beschlagnahmten Plakatsammlungen wurden in diese Gauarchive überführt. Auch sonst hatten diese Archive viel zu tun. Die NS-Propagandamaschinerie lief zwischen 1933 und 1945 immer auf Hochtouren, der Plakatausstoss war bis zum bitteren Ende enorm. Aber auch diese Institutionen gingen, genau wie viele andere, in den Flächenbombardements der Grossstädte zu Kriegsende zum grossen Teil in Flammen auf, wurden nach der Auslagerung nicht wiedergefunden oder von alliierten Truppen beschlagnahmt. Damit ging auch ein Grossteil visuellen Gedächtnisses verloren.
Der Neuaufbau nach dem Kriege brachte vielerorts nun herrenlos umhervagabundierende Plakatsammlungen zum Vorschein. Selten war es möglich, Herkunft oder Eigentümer zu ermitteln. Mittlerweile befand man sich aber im "Kalten Krieg", und so wurden die aufgefundenen (und nicht nur Plakat-) Sammlungen weder nach Sinn noch nach Verstand, sondern ausschliesslich nach politischer Zugehörigkeit des Standortes zusammengeführt und damit erneut Zusammenhänge zerrissen. Das Plakat als Sammelgegenstand fiel dann ohnehin dem Vergessen anheim. [9]
Erst seit Ende der 1950er-Jahre, mit der massenhaften Verbreitung des Fernsehens, geriet der gesamte Werbemedienmarkt in Bewegung. Es entfachte sich eine Diskussion über die Werbewirksamkeit der "alten" im Vergleich zu den "neuen" Medien, alles kam auf den Prüfstand. Das Plakat veränderte seine Position im Reigen der Werbemedien erneut, wurde von manchem sogar tot gesagt. Nach und nach veränderte das Fernsehen die Preisstrukturen dann zu seinen Gunsten. Angestossen aber war eine Diskussion, die das Plakat verstärkt unter aktueller aber auch retrospektiver Sicht betrachtete.
In den 1960er-Jahren waren es dann Historiker, die das Plakat für sich entdeckten. Sie betrachteten das Plakat als Quelle umfassender historischer Erkenntnis und als Träger konkreten ästhetischen Bewusstseins. So ist es kein Zufall, dass in den 1960er-Jahren die Krefelder Ausstellung "Die Jugend der Plakate" [10] und das Buch "Das deutsche Plakat. Von den Anfängen bis zur Gegenwart" [11] zur Initialzündung für eine neue Plakatrezeption wurden. In diesem Zusammenhang steht die Gründung des ersten nationalen, des Polnischen Plakatmuseums [12] und in der Folge natürlich auch die des Deutschen Plakat Museums [siehe dazu Abschnitt II].
Das Interesse am Plakat wuchs, und man konnte bis zur Mitte der 1970er-Jahre auf allen grossen Flohmärkten in Deutschland Plakate kaufen, vor allem wegen ihrer dekorativen Erscheinung. Einen Handelswert im Eigentlichen stellten die Blätter noch nicht dar. Einige Randbedingungen seien noch erwähnt. 1973 lag das Todesjahr von Toulouse-Lautrec 70 Jahre zurück, so dass keinerlei Urheberschutz mehr auf seinen Arbeiten lag. Die Motive tauchten jetzt auf Tassen, Tellern und Taschentüchern auf und machten ihn zeitweise zum meistzitierten Plakatkünstler. Überhaupt wurde der Jugendstil wieder sehr beliebt, besonders dessen dekorative Qualität. Nicht zuletzt nahm sich das "psychedelische Plakat" [13] diesen Stil zum Vorbild. Dazu kam dann noch die so genannte "Postermanie". Hunderte von dekorativen Motiven für Küche, Flur, Kinderzimmer und WC wurden als Innenraumdekoration angeboten. Bis in die 1980er-Jahre hielt dieser Boom an. Die privaten Plakatsammlungen orientierten sich in der Regel eher thematisch. Sie konzentrierten sich z.B. auf Filmplakate, Eisenbahnplakate oder politische Plakate. Ganz unmerklich aber bekamen die Plakate einen Marktwert. Erste Galerien und Auktionshäuser in Paris und New York widmeten sich ausschliesslich dem Plakat als Ausstellungs- und Handelsgegenstand. Die erste reine Plakatauktion in Deutschland fand 1983 bei Ketterer in München statt, 1986 begannen Jörg Weigelt Auktionen in Hannover mit ihren Aktivitäten. Im Wert stiegen zunächst die Jugendstilplakate, gefolgt von Plakaten der Wiener Secession. Derzeit finden jährlich ca. 50 Plakatauktionen in Europa und den USA statt, darunter auch bei den bekanntesten Auktionshäusern Sothebeys und Christie's in London, Paris, New York und Berlin.
Heute hat das Plakat wieder einen unumstrittenen Platz im Werbemittelgefüge. Die Einsatzmöglichkeiten haben sich sogar erweitert. Speziell für die Hintergrundbeleuchtung gedruckte Plakate strahlen durch die Nacht, drehende Litfasssäulen unterhalten den eiligen Autofahrer bei roter Ampel, Citylight-Boards lassen zwei bis drei bis zu 9 mm² grosse, hinterleuchtete Plakate rotieren, digitale Varianten flimmern auf Grossbildschirmen in U-Bahnhöfen. Die Medienkonkurrenz ist einem ineinander greifenden Konzept gewichen: Plakate werben für Fernsehprogramme, Radiosendungen, Internetseiten. Im Internet kann man sich über Plakataktivitäten informieren, [14] alles scheint möglich. Die klassische Innovation im Plakat aber findet schon lange nicht mehr in diesen durchstrukturierten Werbelinien statt. Plakate für kulturelle Veranstaltungen, die eher auf ihre Zielgruppen setzen denn auf durchgezogene Gestaltungsrichtlinien, haben sich die Gestaltungsfreiheit der Glanzzeit des Plakates erhalten und werden auch immer noch intensiv gesammelt.
Das Deutsche Plakat Museum in Essen
1964 erwarb die Folkwangschule für Gestaltung rund 300 französische Plakate der Jahrhundertwende. Die als Lehrmittel eingesetzte Sammlung wurde unter finanzieller Mitwirkung der Stadt Essen (als Träger der Folkwangschule für Gestaltung) und mit wesentlicher Unterstützung aus der privaten Wirtschaft schnell erweitert. 1968 wurde die Sammlung in der Villa Hügel unter dem Titel "Französische Meisterplakate um 1900" gezeigt. Das Echo war enorm, und so fiel dann die Idee, einen Förderverein zur Gründung eines Deutschen Plakat Museums mit Sitz in Essen zu gründen, auf fruchtbaren Boden. 1969 wurde das Deutsche Plakat Museum e.V. (DPM) als gemeinnütziger Verein gegründet. 1970 trat der Verein dann erstmals mit einer Ausstellung unter eigenem Namen an die Öffentlichkeit.[15]
|Abbildung 1: Der damalige Minister für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, eröffnete die erste grosse Ausstellung des Deutschen Plakat Museums e.V. im Haus der Industrieform (1970)|

Mit Inkrafttreten des Hochschulgesetzes im Jahre 1971 ging jedoch die Folkwangschule für Gestaltung in einen Fachbereich einer neuen Fachhochschule auf, um sich ein Jahr später als Teil der ebenfalls neu gegründeten Universität-Gesamthochschule Essen wiederzufinden. Da die Trägerschaft nun von der Stadt auf das Land überging, stand die Plakatsammlung zur Disposition. Die Stadt Essen, die sich von Anfang an beim Aufbau der Plakatsammlung engagiert hatte, übernahm schliesslich 1974 die Trägerschaft. Dies geschah per Vertrag mit dem Gründerverein Deutsches Plakat Museum e.V. Dieser Vertrag regelte und regelt bis heute Rechte und Pflichten der Beteiligten. Zur Beratung und Aufsicht wurde ein Kuratorium gegründet, dem Mitglieder des Rates der Stadt Essen und Vertreter des Gründervereins [16] angehören. Organisatorisch wurde das DPM dem Museum Folkwang angegliedert. Eine ständige Präsenz erhielt das Museum zunächst im Haus Industrieform / Alte Synagoge. [17] Die Sammlung wuchs schnell (1974: 100 000 Exemplare), so dass neue Räume gefunden werden mussten. 1979 zog das Deutsche Plakat Museum in Räumlichkeiten in der Rathenaustrasse 2 (Theaterpassage), ebenfalls im Zentrum gelegen. Zunächst wurden dort nur die Depots eingerichtet. 1983 konnten dann im selben Komplex auch die Ausstellungsräume in Besitz genommen werden. Ab jetzt konnten die viel beachteten Ausstellungen [18] auch in eigenen Räumen gezeigt werden. Das Museum konnte sich damit einen guten Ruf in Deutschland und darüber hinaus erwerben.

Das bisher gezeichnete Bild ist aber nur eine Seite der Medaille, die andere - nicht öffentliche - ist der Zustand der Plakatsammlung selbst. Über die Ausstellungstätigkeiten hinaus blieb aber offenbar keinerlei Raum, um sich der Sammlung als Basis des Museums gebührend zu widmen. Langfristig führte dies dazu, dass die Sammlung zwar durch Schenkungen, Übertragungen und vereinzelte Ankäufe anwuchs, man jedoch von einer systematischen Sammlungstätigkeit eben soweit entfernt war wie von der Möglichkeit einer gezielten Forschungstätigkeit.
Mit dem Anwachsen der Sammlung über die Jahre (2005: über 340 000 Exemplare) erwiesen sich die Depots als hoffnungslos zu klein, der bauliche Zustand des Hauses selbst verschlechterte sich ebenfalls. So entstand Stück für Stück eine Situation, die die Existenz des Museums selbst in Frage zu stellen drohte. Im Jahre 2004 wurden die entscheidenden Grundlagen für einen Neuanfang gelegt. Es wurde überlegt, welcher Voraussetzungen es bedarf, um die Arbeitsfähigkeit des DPM als zentralen Ort für Plakatsammlung und Ausstellung wieder herzustellen. Als erster Schritt wurde die Verlagerung der Sammlung in angemessene Räumlichkeiten geplant. Angemessen hiess in diesem Fall, ausreichenden Platz für eine zukunftssichere Lagerung zu finden. Dieser Platz wurde in den Räumen des ZukunftsZentrums Zollverein gefunden, [19] die Ausstattung bereitgestellt. Nach gründlicher Planung begann der Umzug der Sammlung dann im September 2004.
[R.G.]
Wie man mit 300 000 Plakaten umziehen kann
Depotsituation
Ein Grossteil der Plakate lag in säurehaltigen Wellpappmappen in offenen Holzregalen, ein Teil lose dicht gedrängt in Planschränken und in Kompaktusanlagen. Die Grossformate waren an Klemmbügeln befestigt und an Stangen unter die Decke gehängt. Dazu kam eine Vielzahl von gerollten, gefalteten und an Kartenstangen montierten Plakaten. Dies führte z.T. zu erheblichen mechanischen Schäden an den Plakaten, zumal kaum Arbeitsflächen für eine Bearbeitung vorhanden waren. Auch war ein Reinigen der Depots so nicht möglich und viele Plakate wurden von einer Staubschicht überzogen.
Die rasch anwachsende Sammlung mit einer Vielzahl von Schenkungen und Übertragungen ganzer Plakatsammlungen wurde nach Sachgebieten und Namen, ungeachtet der Plakatformate abgelegt. Dazu kamen Konvolute aus Ausstellungen und ganze Nachlässe von Künstlern. Ergänzt wird die Sammlung durch eine nicht unerhebliche Anzahl von Objekten zum Thema Typologie und Drucktechnik. So finden sich zahlreiche Entwürfe, Druckplatten und Lithosteine sowie eine Sammlung von ca. 25 Druckmaschinen, die grösstenteils im Demonstrationsbetrieb laufen konnten.
Die Sammlung liess eine einheitliche Systematik vermissen. So finden sich neben der aktuellen Inventarisierung mit der Datenbank Faust 3. [20], in der 4 000 Plakate erfasst sind, verschiedene Inventarisierungsfragmente, z.B. 40 000 Lochkarten mit Microfilmen, die bedauerlicherweise nicht mehr ausgelesen werden können. Dazu kommen Regalbeschriftungen, Schenkungs- und Ausstellungslisten sowie zahlreiche Zugangsbücher.
Ein Gutachten zur Depotsituation und eine Konzeption für eine neue Unterbringung und Bearbeitung der Sammlung, in die umfangreiche Vorarbeiten einflossen [21], bildete den roten Faden für die Entwicklung eines so genannten Notprogramms für das Deutsche Plakat Museum. Nach der Bereitstellung der Mittel konnten im Sommer 2004 die Arbeiten in den Depots beginnen.
Vorbereitungen zur Konservierung und Umlagerung
Im ersten Schritt wurde die Sammlung gesichtet und die alte Ablagesystematik, alle Inventarisierungsfragmente und Regalbeschriftungen in einer Datenbank erfasst. So ist mit über 900 Standortnummern die Sachgebiets- und Namensablage jederzeit wieder rekonstruierbar.
Es folgte eine statistische Erhebung zu Anzahl und Format der Plakate sowie der Art der Aufbewahrung (plan, gerollt, gefaltet etc.). Hierbei wurden repräsentative Bereiche der Sammlung gezählt und vermessen, um dann über die Stapelhöhen eine Aussage zu Anzahl und Formaten der gesamten Sammlung machen zu können. Auf dieser Grundlage konnten dann Konservierungsverpackungen zum Schutz vor chemischen, physikalischen und mechanischen Schäden mit Formatstandards entwickelt werden:
Die Grossformate und Rohbogenformate sowie die gerollten Plakate sollen in einem alten, aber umfangreich überarbeiteten und neu strukturierten Depotraum verbleiben. Es folgte eine Ausschreibung der Konservierungsverpackungen und der Speditionsleistung.
Konservierung und Umlagerung
Danach wurden durch Kunstpacker die Plakate zu durchschnittlich je 20 Stück in Mappen zwischen Seidenpapier [26] und gerollte und gefaltete Exemplare in Schachteln verpackt. Die bis zu 450 cm langen Plakate an Kartenstangen wurden in Papphülsen eingeschoben. Auf nummerierten Etiketten wurde das Format, der alte Standort, die Anzahl der Plakate und die zuvor genannten Anmerkungen notiert.
Der Transport der Mappen erfolgte in eigens dafür angefertigten Holzkisten, die bedingt durch zu schmale Türzargen nur hochkant bewegt werden konnten.
Im neuen Depot angekommen, wurden die Mappen in neu aufgestellte Planschränke [27] nach Formaten sortiert eingelegt und im Anschluss alle Etikettendaten in einer Zustandsdatenbank aufgenommen.
Diese Zustandsdatenbank, in der über 18 000 Verpackungseinheiten mit Angaben zum Format, zum alten und neuen Standort, zur Anzahl der Plakate sowie die Anmerkungen zur Sammlung und zum Zustand enthalten sind, ermöglichen jederzeit die Rekonstruktion der alten Sachgebietsablage. Mit diesem "Raster", in dem je 20 Plakate beschrieben sind, lassen sich jetzt gezielt Aussagen zur Quantität und zum Zustand der Sammlung machen:
Fazit und Zahlen
Die benötigte Depotfläche von über 700 mm² konnte um ca. 200 mm² reduziert werden. Über die Zustandsdatenbank sind jetzt konkrete Aussagen über die Anzahl, die Formate und den Zustand der Plakate möglich und ist somit eine Prioritätenliste für zukünftige Restaurierungsmassnahmen abzuleiten.
Im Rahmen der Inventarisierung sollen die Plakate gereinigt und samt Abbildung in einer Datenbank erfasst (siehe Anm. 20) sowie zu jedem Plakat ein Kurzprotokoll mit Restaurierungskonzept und -aufwand erstellt werden. Somit wird eine Zeit- und Kostenschätzung für die Restaurierung und die Ausstell- und Ausleihfähigkeit über die Datenbank abrufbar sein.
[L.H.-W.]
Die Perspektiven
Natürlich wird man die vorhandenen rund 340 000 Plakate nicht im ersten Schritt systematisch erfassen können, dafür fehlen die Kapazitäten. Es ergab sich daher die Frage, nach welchen Kriterien man bestimmte Plakate gezielt auswählt und bearbeitet. Um diese Kriterien festlegen zu können, wurde ein konkretisiertes Museumsprofil erarbeitet. Nur auf einer solchen Grundlage lassen sich alle weiteren Schritte planen. Der Anspruch des DPM wurde folgendermassen formuliert:
Die "Ausformulierung" dieser drei Grundaussagen in konkrete zeitliche und inhaltliche Beschreibungen bildet dann in Absprache mit dem Museum Folkwang - zu dem das DPM organisatorisch gehört - die Grundlage für das weitere Vorgehen. Dabei kann es nicht um Vollständigkeit gehen, sondern um die Möglichkeit, die generellen Entwicklungslinien der Plakatgeschichte mit der Sammlung dokumentieren zu können.
Anhand dieses Profils, das im Wesentlichen der allgemeinen Plakatgeschichte folgt, wird die Sammlung Schritt für Schritt einer gründlichen Analyse unterzogen. Dabei wird sich dann herausstellen, wo die Stärken der Sammlung und wo deren Schwächen liegen, in welchen Bereichen die Sammlung überpräsent ist, in welchen Bereichen ggf. gar nichts vorhanden ist. Daraus wiederum ergibt sich, in welche Richtung die künftige Sammlungstätigkeit gehen muss. Der hier beschriebene Prozess wird sich nur in Etappen verwirklichen lassen und sich über Jahre hinziehen. Aber nur ein systematisches Herangehen an diese grosse Sammlung lässt darauf hoffen, deren Qualität vollständig zu erschliessen und diese dann auch für verschiedene Ausstellungs-, Publikations- und Forschungsprojekte nutzbar zu machen. Nach ersten Sichtungen der vorhandenen Verzeichnisse und dem Aufscheinen von Blättern hervorragender Qualität während des Umzuges, kann man begründet hoffen, dass diese Sammlung nach der Erschliessung nicht mehr nur quantitativ zu den grössten Sammlungen in Deutschland, sondern auch in ihrer Qualität zu den wichtigsten Sammlungen gehört, mindestens jedoch aufschliessen kann. [30]
Natürlich muss die Bibliothek nach dem Umzug wieder zugänglich gemacht werden, müssen parallel auch Ausstellungen vorbereitet, Ausleihen ermöglicht und Forschungsvorhaben unterstützt werden. Auch das Sammeln aktueller Plakate muss voran getrieben werden. Ein anspruchsvolles Programm. Wenn man aber dem formulierten Anspruch gerecht werden will, so wird man mittelfristig um eine Vergrösserung des Stammpersonals nicht herum kommen, was unter den gegenwärtigen Bedingungen nur schwer zu realisieren sein wird. Das erfolgreiche Einwerben von Drittmitteln wird daher wesentlich zur weiteren Entwicklung beitragen müssen.
Neuer Ausstellungsort
Die ins Auge gefasste Halle [32] bietet genügend Platz, um eine ständige Ausstellung zu präsentieren [33] und parallel dazu im Wechsel Gastausstellungen zu zeigen.
Das DPM wird sich nach der Umzugspause mit einer grossen Eröffnungsausstellung in der neuen Ausstellungshalle zurück melden.
Man muss der Stadt Essen, dem Deutschen Plakat Forum e.V. und allen anderen Beteiligten am Neuanfang des DPM für ihr Engagement danken. Trotz aller Probleme hat das Projekt gute Aussichten auf Erfolg.
[R.G.]
Anmerkungen
Autoren
René Grohnert, seit 1. April 2005 Leiter des Deutschen Plakat Museums Essen