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Konservative Therapiemassnahmen
bei Pankreaserkrankungen
Die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen setzt zunächst eine exakte Diagnostik voraus. Nur wenn man weiss, um welche Krankheit es sich handelt und ein Tumor des Pankreas sicher ausgeschlossen ist, bzw. operativ nicht behandelt werden kann, kommen rein konservative Massnahmen in Frage. Natürlich haben sie nach erfolgten Operationen einen hohen Stellenwert.
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Die richtige Ernährung
Die Ernährung der Pankreaskranken spielt eine grosse Rolle. Wichtig ist, dass man am Tag mehrere Mahlzeiten (mindestens 6) zu sich nimmt. Dabei ist es gleichgültig, welche Krankheit vorliegt, abgesehen von akuten Krankheitsschüben oder unmittelbar postoperativ, wo besondere Grundsätze gelten. Wichtig ist ausserdem, dass dem Körper ausreichend Kalorien angeboten werden. Die häufig beobachtete Gewichtsabnahme ist nicht selten durch den Mangel an aufgenommener Nahrung zu erklären. Die Schwierigkeit liegt sehr häufig bei dem Fettverzehr. Fette sind die Hauptkalorienlieferanten. Pankreaskranke vertragen manche Nahrungsfette schlecht. Hier muss versucht werden, ein leicht verdauliches Fett zu finden. Beim Steigern der Fettmenge sollte man sehr behutsam vorgehen und mit kleinen Portionen beginnen. Als zusätzlicher Kalorienträger kann man mittelkettige Triglyeride (MCT-Fette) in Form von Margarine oder Speiseöl zu sich nehmen. Diese Stoffe haben den Vorteil, dass sie nicht erst durch Verdauungsenzyme aufgespaltet werden müssen. Grundsätzlich sollten Pankreaskranke eine Ernährungsberatung bekommen.
Exokriner Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse
Durch wiederholte Krankheitsschübe oder als Operationsfolge kann funktionsfähiges Pankreasgewebe so dezimiert sein, dass die Enzymmenge, die für die Verdauung der Nahrung notwendig ist, nicht ausreicht. So verbleiben unverdaute Bestandteile des Essens im Darm. Das führt zu Blähungen und Durchfällen, die wiederum die Resorption (Aufnahme aus dem Darm) behindern. Durch den Ersatz des eigenen Bauchspeichels durch ein von Tieren gewonnenes, gereinigtes und bearbeitetes Enzympräparat kann man diesen Mangel beheben. Bei der Ersatzbehandlung sind einige Punkte zu beachten: Das Präparat muss während des Essens eingenommen werden, damit es sich mit der Nahrung mischen kann. Bei noch vollständig erhaltenem Magen muss oft die Magensäuremenge durch einen Säurehemmer vermindert werden. Die Magensäure wird normalerweise durch das Bikarbonat, das im Pankreas gebildet wird, neutralisiert. Fällt diese Neutralisation weg, bleibt der Speisebrei im Darm sauer. Unter diesen Bedingungen können aber die Enzyme der Bauchspeicheldrüse – auch die in Kapselform eingenommenen – nicht so gut wirken. Es sind nicht alle angebotenen Präparate gleichwertig. Die angegeben Menge der Enzyme wird teilweise erst zu spät oder zu früh freigesetzt, sodass sie am gewünschten Darmabschnitt nicht verfügbar ist. Bei fortbestehenden Durchfällen sollte deshalb der Wechsel des Medikamentes probiert werden. Die Dosis des Präparates sollte nicht zu niedrig gewählt werden. Bei guter Resorption der Nahrung kann man dann später versuchen mit weniger auszukommen.
Durch die unsichere Resorption von Fetten ist sehr oft auch die Aufnahme fettlöslicher Vitamine gestört, die, wie der Name schon sagt, zur Resorption Fette benötigen. Man kann die Spiegel dieser Vitamine (A, D, E, K) im Blut bestimmen. Sind diese von den untersuchten Vitaminen nicht im Normbereich, dann sollten sie als Spritze in den Muskel injiziert werden. Die Einnahme in Tablettenform ist nur bei sicherer Resorption sinnvoll. Damit verhütet man Mangelzustände, aus denen später neue Krankheitsbilder entstehen können. Hier sind ganz besonders Knochenschäden wie Osteoporose und Osteomalazie zu nennen, aber auch Seh- und Hautveränderungen können auftreten.
Endokriner Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse
Durch Operation oder entzündlichen Funktionsverlust kann die Zahl der insulinbildenden Zellen so vermindert werden, dass ein Diabetes mellitus auftritt. In manchen Fällen entsteht dieser auch als frühes Zeichen eines Bauchspeicheldrüsenkrebses. Bei dem durch Verminderung der Insulinbildung verursachten Diabetes liegt ein echter Insulinmangel vor, so dass eine Tablettenbehandlung nur ganz kurzzeitig, meistens gar nicht wirksam ist. Empfehlenswert ist es für Diabetiker:innen grundsätzlich, mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen.
Bei der Insulinbehandlung Pankreasoperierter ist das Fehlen der insulinbildenden Zellkomplexe deshalb so bedeutungsvoll, weil mit diesem Verlust auch das Gewebe fehlt, dass das Gegenhormon des Insulins, das Glukagon, bildet. Wenn diese Patient:innen Insulin spritzen und dann nicht zum Essen kommen, ist die Gefahr der Unterzuckerung grösser, weil die Schutzmechanismen des Körpers bei niedrigem Blutzucker Glukagon auszuschütten und damit den Blutzucker anzuheben nicht funktionieren können. Deshalb werden Patienten nach Bauchspeicheldrüsenentfernung eher mit einem etwas höherem Blutzucker eingestellt, zumal bei Nachuntersuchungen praktisch keine Diabetesspätfolgen beobachtet werden.
Nachuntersuchungen und Patientenselbsthilfe
Nach einer Pankreasoperation oder bei einer chronischen Pankreatitis sollten alle betroffenen Patient:innen in regelmässiger Kontrolle bleiben, um eventuelle Veränderungen im Gesundheitszustand früh zu erfassen. Hierzu gehört die Überwachung des Diabetes und der Stoffwechselsituation, um zu klären ob es Mangelzustände aufgrund einer ungenügenden Aufnahme von Nährstoffen und Vitaminen gibt. Krankheitsbezogen sollten für alle Patient:innen Intervalle und Umfang der notwendigen Nachuntersuchungen festgelegt werden. Gerade bei den persönlichen Problemen hilft die Selbsthilfeorganisation von Patienten nach Pankreasoperationen der SSP (Schweizer Selbsthilfeorganisation Pankreaserkrankungen). Hier sind Patienten selbstständig aktiv im Umgang mit Ihren postoperativen Problemen und es kann Verbindung mit ebenfalls Betroffenen aufgenommen und Erfahrungen ausgetauscht werden.