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Ein weiteres kleines Experiment habe ich gemacht. Und zwar ging es mir darum, zu schauen, ob das Anzeigegerät Temperaturveränderungen hinterherhinkt:
Dies habe ich gemacht, indem ich anstelle eines PT100-Temperatursensors, also eines temperaturabhängigen Widerstands, einen ganz normalen Widerstand anschließe. Wobei diese Widerstände nicht genau sind. Also Kalibrierungen oder so kann man damit nicht machen. Ich habe einen mit 147Ω genommen. Das entspricht etwa 124°C. Zusätzlich, um eine plötzliche Temperaturveränderung zu simulieren, habe ich einen mit einem Schalter zuschaltbaren zusätzlichen Widerstand parallelgeschaltet. Wird der Schalter geschlossen, verringert sich dadurch der Gesamtwiderstand und die angezeigten °C werden weniger.
Beim ersten Versuch habe ich einen zuschaltbaren Widerstand mit 1kΩ genommen. Der Anzeigewert änderte sich nach dem Zuschalten auf ca. 72°C.
Bei meinem Anzeigegerät (Greisinger GIA 2000) kann ich einen Tiefpassfilter zwischen 0 und 2 Sekunden in 0.01-Schritten einstellen. Bei der Einstellung "2 Sekunden" hat das Anzeigegerät etwa 5 Sekunden gebraucht, um den neuen Wert zu erreichen, egal in welche Richtung, also egal, ob ich den zusätzlichen Widerstand dazuschalte oder wieder wegnehme. Dabei spult die Anzeige. Bei der Tiefpasseinstellung "0 Sekunden" ist die Anzeige so gut wie sofort am neuen Wert, spult also schneller.
Nun habe ich das gleiche mit einem höheren zuschaltbaren Widerstand gemacht, um eine sehr kleine Änderung der Temperatur zu simulieren, und zwar 0.5°C. Hier war der Unterschied zwischen 0 und 2 Sekunden geringer: Bei 0 hat es etwa 3 Sekunden und bei 2 hat es 5 Sekunden gedauert, bis der Endwert erreicht war. Wahrscheinlich gab es bei dem 1kΩ-Widerstand auch eine größere Verzögerung als "so gut wie sofort", ich habe sie nur nicht bemerkt. Es trat nämlich ein Effekt auf, welcher das ganze etwas undurchsichtig macht:
Die angezeigte Temperatur erhöht sich während der ersten Minuten. Also wenn man den 147Ω-Widerstand anschließt, dann das Gerät einschaltet, springt die Anzeige zwar sofort auf 123.9°C, aber steigt dann innerhalb von 10sek auf 124.0, nach weiteren 30sek auf 124.1 und nach weiteren 60sek auf 124.2°C. Dann bleibt sie stabil. Zumindest auch weitere drei Minuten. Könnte das durch eine Erhitzung des Widerstands kommen? Ein wärmerer Leiter bedeutet ja einen höheren Widerstand und damit eine höhere Temperaturanzeige. Ich weiß es nicht, aber es schaute so aus, fand ich. Als Test habe ich das Gerät mit den angeschlossenen Widerständen erst mal laufen lassen, bis die Anzeige auf 124.2°C gestiegen war. Dann habe ich einen Ventilator draufpusten lassen. Ich hatte den Eindruck, als wenn die Anzeige so um 0.05°C sinkt. Dann habe ich einen stärkeren Ventilator draufpusten lassen. Nun hatte ich eher den Eindruck, die Temperatur würde um 0.05°C steigen... Dann habe ich mit einer Pipette Eiswasser auf den Widerstand geträufelt. Vollkommen unerwartet stieg der Wert nun um etwa 0.3°C! Als letzten Versuch habe ich das ganze Anzeigegerät mit angeschlossenem Widerstand in den Kühlschrank gestellt. Auch hier gab es wieder einen Anstieg um etwa 0.3°C. Ich bin vollkommen ratlos. Es würde mich freuen, wenn azeotrop mal versucht, solche Anzeigeänderungen zu produzieren. Ob das mit seinen Geräten auch geht.
Fazit:
Die Abschaltung des Filters bewirkt also jedenfalls nicht, daß es keine Verzögerung gibt. Es scheint noch etwas anderes eine Trägheit der Anzeige zu verursachen.
Die Anzeigeänderungen, die ich zB mit dem Kühlschrank erzeugen konnte, sind vielleicht ein Argument, nicht das Anzeigegerät für sich zu kalibrieren, also das Anzeigegerät mit einem hochgenauen Widerstand zu kalibrieren, sondern das ganze System in einer möglichst praxisnahen Situation.