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Die 146. Open Championship in Birkdale verlief drei Tage lang relativ gemächlich – und auch das sonst so unbrechenbare britische Wetter war, abgesehen vom Freitag recht angenehm. Klar, es gab haufenweise tolle Schläge zu bewundern, doch Jordan Spieth schien die Bühne von Beginn an recht sicher zu beherrschen. Der 23jährige Texaner blieb als einziger Spieler auf den Runden Eins bis Drei jeweils unter Par und ging mit drei Schlägen Vorsprung auf Matt Kuchar in die Finalrunde. Doch dann schien Jordan etwas die Peilung zu verlieren und musste auf den ersten vier Löchern gleich mal drei Bogeys schreiben. Kuchar war nach dem Abschnitt mit Par – Birdie – Bogey – Par plötzlich gleichauf mit seinem Landsmann, bei dem vielleicht Erinnerungen an seinen kapitalen Absturz beim Masters 2016 wach wurden (dort verspielte er auf der letzten Runde einen Vorsprung von fünf Schlägen und Danny Willett holte sich das grüne Jacket).
Am 13. Loch kam Spieth dann vollständig vom Kurs ab und beförderte seinen Drive etwa 100 Meter weit nach rechts in den Steilhang einer turmhohen Düne – in dem Gelände wäre ein Sherpa hilfreicher als ein Caddie gewesen. Es folgten minutenlange Diskussionen, Spieth erklärte den Ball für unspielbar und suchte sich eine Dropzone. Die fand er zwischen den riesigen Sattelschleppern von Herstellern (die Leute von Callaway, Titleist, usw. werden sich diebisch über die kostenlosen Werbeminuten gefreut haben), bekam „relief“ und droppte den Ball schliesslich auf der Driving Range.
Ein Spieler dürfte das Drama aus der Ferne besonders genau betrachtet haben: Li Haotong aus China hatte die beste Schlussrunde mit 63 Schlägen abgeliefert, war mit -6 im Clubhaus und konnte sich mit nur zwei Schlägen Rückstand durchaus noch Hoffnungen auf ein Playoff oder gar den Solosieg machen.
Über 20 Minuten nach seinem Teeshot holte Spieth schliesslich aus, zirkelte einen blinden Schlag mit einem Fairwayholz nahe ans Green und kam, wohl zu seiner eigenen Überraschung, mit einem Bogey davon. Kuchar erzielte ein Par, ging zwar mit einem Schlag in Führung, aber so richtig profitieren konnte vom Ausflug seines Kontrahenten damit nicht, denn nun folgte einer der erstaunlichsten Finishes in der jüngeren Open-Geschichte: Als wäre Jordan plötzlich wachgerüttelt worden, spielte er die letzten fünf Löcher mit Birdie – Eagle – Birdie – Birdie – Par fünf unter Par und holte sich seinen dritten Majortitel.
Kuchar spielte auf der 15 und 17 zwar auch noch Birdie, doch das Schlussfeuerwerk von Spieth war einfach zu gut. Der 39jährige holte zwar sein bestes Ergebnis an einem Major (und hat nun bereits zehn Top-Ten Plätze ergattert), doch wie schon so oft in seiner 17jährigen Profikarriere reichte es für Mr. Nice Guy auch diesmal nicht ganz. Spieth hingegen fehlt nun nur noch der Pokal der US PGA Championship zum Karriere Grand Slam. Die Chance dazu bekommt er schon Anfang August im Quail Hollow Club. Er wäre (nach Gene Sarazen, Ben Hogan, Gary Player, Jack Nicklaus und Tiger Woods) nicht nur erst der sechste, sondern auch der jüngste Golfer, der jedes Major mindestens einmal gewonnen hat.
Für Aufsehen sorgten neben dem „Champion Golfer of the Year“ aber auch noch andere Teilnehmer: Brandon Grace gelang am dritten Tag eine 62er Runde, ein neuer Rekord an einem Majorturnier. Jonny Miller hatte 1973 in Oakmont die erste 63 erzielt, an dieser Zahl bissen sich in der Folge selbst herausragende Spieler wie Nick Price, Greg Norman, Payne Stewart, Nick Faldo, Tiger Woods und Rory McIlroy die Zähne aus.
Apropos Rory: Der startete am Donnerstag miserabel zur Open 2017. Auf den ersten sechs Löchern kassierte der Nordire gleich mal fünf Bogeys und wurde darauf von seinem Caddie J.P. Fitzgerald verbal zusammen gestaucht: „Du bist Rory McIlroy! Was für eine Sch… machst Du da?“ Die Schelte schien zu wirken, denn ab da lief es für den 28jährigen deutlich besser und nach der Runde bedankte sich Rory denn auch bei seinem Caddie für die „Aufmunterung“. Zum Schluss schaute immerhin der geteilte vierte Rang heraus – sein bestes Ergebnis an einem Majorturnier seit dem vierten Platz am Masters 2015. Der schlechte Start am ersten Tag dürfte Rory aber doch noch etwas wurmen, genau wie den Gesamtdritten Li Haotong die 74 am zweiten Tag, die ihn wohl den ganz grossen Coup kostete. Rafa Cabrero-Bello teilte sich den vierten Platz mit Rory und erzielte damit sein bestes Ergebnis an einem Major, während Superstars wie Jason Day (T27) und Dustin Johnson (T54) einmal mehr nicht so richtig auf Touren kamen.
Hier gibt’s eine Zusammenfassung von Spieth‘ Finalrunde zu sehen: www.youtube.com/watch?v=gJZ2JdTIYnI
Text: Peter Hodel
Foto: Gregory Shamus / Getty Images