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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Erstes Buch. Briefe von Augustins Bekehrung (386) bis zu seiner Erhebung zum Bischof von Hippo (395).
XIII. (Nr. 22.) An Bischof Aurelius
6.
Da aber diese Trinkgelage und verschwenderischen Gastmähler auf den Friedhöfen von dem fleischlich gesinntenund unwissenden Volke nicht bloß für Verehrung der Märtyrer, sondern auch für einen Trost der Verstorbenen gehalten werden, so können die Leute, wie mir scheint, auf folgende Weise eher von diesem schändlichen Unfug abgebracht werden. Man verbietet ihnen zwar diesen gemäß der Heiligen Schrift; die Opfergaben für die Seelen der Entschlafenen1 jedoch, die, wie wir fest glauben, etwas helfen, läßt man an ihren Gräbern bestehen, allerdings nicht zu reichlich, und reicht sie ohne Schaustellung und mit aller Bereitwilligkeit denen dar, die darum bitten, verkauft sie jedoch nicht. Will jemand frommen Gefühles eine Summe Geldes opfern, so soll er es persönlich den Armen spenden. So brauchen die Leute offenbar nicht die Gräber der Ihrigen zu vernachlässigen, was nicht geringes Herzeleid verursachen könnte, und in der Kirche werden nur Gedächtnisfeiern begangen, die mit Ehrbarkeit und Frömmigkeit vereinbar sind. So viel vorläufig über die Schmausereien und Trinkgelage.
1: Es bestand der Gebrauch, bei Leichengottesdiensten ein Opfer für die Armen auf das Grab zu legen. Daraus hatte sich ohne Zweifel der von Augustin getadelte Mißbrauch entwickelt. Augustinus will, daß nach dem Grundsatz verfahren werde: Tollatur abusus, maneat usus. Der Glaube an das Fegfeuer und die Verdienstlichkeit des Almosens für die dort befindlichen Seelen ist hier klar bezeugt.