Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/1216

Abgefahren!
Das Strahlen der alten Dame
Es war ein trister Tag ohne Charme und Aussicht. Der Nebel lag tief über der Stadt, die kahlen Bäume wirkten traurig, als hätte man ihnen jedes einzelne ihrer Blätter unter Zufügung von massiven Schmerzen von Hand ausgerissen. Es war ein Tag zum Wegschauen. Den Blick stumpf auf den Boden gerichtet, kämpften sich die Pendler auf ihrem Arbeitsweg Richtung Zug. Es war purer Zufall, dass ich sie mitten im trostlosen Pulk entdeckte: Auf einem unbequemen Gitterbänkli sass ganz alleine eine alte Dame. Sie war eingehüllt in einen grauen Mantel, um den Hals einen lila Seidenschal, im schneeweissen Haar Wasserwellen, auf der Nase eine Brille im Omi-Stil: gross, rund, geschwungene Metallbügel. Sie sass einfach nur da, wärmte ihre Hände am Kaffeebecher und lächelte zufrieden und herzlich in die Masse der sich hektisch hin- und herschiebenden Menschen auf Perron 9. Während ich sie fasziniert beobachtete, näherte sich ihr eine Frau Mitte 30. «Sie strahled soooo schön», sagte diese. Die alte Frau schaute sie noch strahlender an und meinte: «Sie auch!»