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Erbrechen beim Hund – ein häufiges, aber nicht immer harmloses Symptom
Mögliche Komplikationen des Erbrechens
1. Verlust von Flüssigkeit = Austrocknung (Dehydratation)
Die verlorene Flüssigkeitsmenge kann beträchlich sein, insbesondere dann, wenn das Erbrechen andauert oder dabei grosse Mengen von Mageninhalt erbrochen werden. Da die betroffenen Tiere meistens nicht in der Lage sind zu trinken oder zu fressen, beziehungsweise Trinken oder Fressen weiteres Erbrechen auslöst, kommt es zur Austrocknung des Körpers. Die Nieren allein sind über längere Zeit nicht in der Lage, die andauernden Verluste zu kompensieren. Der Schweregrad der Austrocknung hängt von verschiedenen weiteren Faktoren ab. So können zum Beispiel ganz junge oder ganz alte Tiere mit einer derartigen Belastung weniger gut umgehen als Tiere im besten Alter. Ist die Umgebungstemperatur hoch, z. B. im Sommer, tritt die Austrocknung schneller ein. Kommt es zu weiterem Flüssigkeitsverlust, z. B. durch gleichzeitigen Durchfall oder durch eingeschränkte Nierenfunktion (Flüssigkeit kann nicht zurückbehalten werden), kann dies innert kurzer Zeit zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen.
2. Verlust von chemischen Substanzen (Elektrolyten) mit daraus folgender Störung des Stoffwechsels
Der Magensaft ist bekanntlich, chemisch gesehen, sauer: der pH-Wert liegt weit unter dem neutralen Wert 7. Geht über längere Zeit ungewöhnlich viel saurer Magensaft verloren, kommt es zur Verschiebungen des pH-Wertes im ganzen Körper. Dies kann schwere Folgen für verschiedene Zellfunktionen haben. Ebenso kommt es zum Verlust von Elektrolyten wie Kalium und Chlorid. Das Kalium beispielsweise ist wichtig für die Funktion der Nerven und Muskeln.
3. Einatmen von Erbrochenem mit daraus folgender Lungenentzündung (Aspirationspneumonie)
Dies ist eine eher seltene, aber um so gefährlichere Komplikation. Dabei gelangt entweder Flüssigkeit oder Nahrung in die Luftröhre und die Lunge. Insbesondere Patienten mit anhaltendem Erbrechen, geschwächte oder ältere Tiere können betroffen sein. Normalerweise schützt der Kehlkopf davor, dass das Futter in die Luftröhre gelangen kann. Daraus wird klar, dass Patienten mit gestörter Kehlkopffunktion (z. B. einer Kehlkopflähmung) besonders gefährdet sind. Je nach Art der eingeatmeten Substanz (Flüssigkeit oder feste Nahrung, Magensaft oder Wasser usw.) kommt es in der Lunge zu einer entzündlichen Reaktion, einer Lungenentzündung also. Die typischen Symptome sind: Husten mit Auswurf, Apathie (Lustlosigkeit), Atemnot und Fieber. Dieser Zustand ist lebensgefährlich!
4. Speiseröhrenentzündung (Oesophagitis)
Die Speiseröhre transportiert die aufgenommene Nahrung und Flüssigkeiten aktiv vom Rachen in den Magen. Dieser Transport verläuft normalerweise von vorne (Rachen) nach hinten (Magen). Wie bereits erwähnt, wird während des Erbrechens diese natürliche Bewegung der Speiseröhre durch den Unterdruck im Brustraum überwunden, und der Mageninhalt gelangt zurück in die Speiseröhre. Obwohl es durch die vermehrte Speichelproduktion und das Abschlucken des Speichels während der Übelkeit zur Neutralisierung des Mageninhalts kommt, kann es trotzdem passieren, dass die sonst sehr widerstandsfähige Speiseröhrenschleimhaut regelrecht verbrannt wird. Beim Menschen ist dieses Phänomen als Refluxoesophagitis gut bekannt. Beim Hund tritt diese Komplikation selten auf. Vermutlich wird sie aber auch unterdiagnostiziert, weil zur Diagnosestellung dieser Erkrankung eine Speiseröhrenspiegelung nötig ist. Die Symptome sind individuell unterschiedlich: Appetitlosigkeit, Würgen, Speichelfluss, Schmerzäusserungen während oder nach Futteraufnahme und Regurgitation. Im schlimmsten Fall kann es auch zur Bildung einer Speiseröhrenverengung (Striktur) kommen.
Wie bereits erläutert, dient das Erbrechen eigentlich einem guten Zweck, nämlich dem Schutzt des Körpers gegen schädliche Einflüsse von aussen. Die eigentliche Bedeutung des Erbrechens liegt aber zweifelsfrei an den vielen möglichen, zugrunde liegenden Ursachen dafür.
Andauerndes Erbrechen und Erbrechen, das sich mit anderen krankhaften Symptomen verbindet oder Erbrechen, welches zur zunehmenden Verschlechterung des Allgemeinzustandes führt, kann schwerwiegende Folgen für den Patienten haben. Es gilt also: Ist das Allgemeinbefinden nicht beeinträchtigt und legt sich das Erbrechen innerhalbvon weniger als 24 Stunden, kann der Hund durchaus konservativ vom Hundebesitzer selbst behandelt werden. Treten aber andere Beschwerden wie Blutbeimengungen im Erbrochenen, Durchfall, Fieber, Schwäche oder Atemnot auf, oder verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Patienten zunehmend, sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden.
Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
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Autor:
Dr. med. vet. Kamil Tomsa
Diplomate European College of Veterinary Internal Medicine
Kleintierklinik Rigiplatz
Hünenbergerstrasse 4/6
6330 Cham
www.kleintierklinikrigiplatz.ch