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«Ein Hirntumor verwandelte meinen Sohn in ein Monster»
Als das Verhalten ihres Sohnes sich drastisch änderte, wusste Laura Perry, dass dahinter mehr steckte, als die Ärzte vermutet hatten.
Das war seltsam: Ben, damals vier, weigerte sich im April 2014 plötzlich, mit Messer und Gabel zu essen, und benutzte stattdessen seine Hände. Auch seine Legofiguren, die er so liebte, fasste er nicht mehr an. Die Mutter, die 39-jährige Engländerin Laura Perry, dachte sich erst nicht viel dabei. «Ben war so ein zauberhafter Junge mit einem unwiderstehlichem Lächeln», erzählt sie.
Ein paar Wochen später bemerkte sie aber, dass seine linke Körperhälfte zitterte. Zudem wurde Ben apathisch und schien in seiner eigenen Welt zu leben. Und dann konnte er sich plötzlich nicht mehr auf den Beinen halten, stürzte oft.
Nach und nach verwandelte er sich in einen anderen Menschen. «Als ich ihn morgens weckte, weinte er und schrie herum. Wenn ich ihm etwas zu trinken gab, schmetterte er die Tasse zu Boden.» Er versuchte, seine Mutter zu beissen, und spuckte oft auf den Boden. «Ich hasse dich», sagte er regelmässig zu ihr. «Unser Leben wurde zum Albtraum», sagt Laura. «Abends beim Essen warf er alles auf den Boden und lachte dabei schon fast hysterisch. Quasi über Nacht verwandelte sich mein Bub in ein Monster.»
Im Internet schaute sie nach, gab die Symptome ein, die Ben zeigte. Die Suchergebnisse wiesen auf einen Hirntumor hin. Erst auf ihr Drängen hin erklärte sich ein Arzt einverstanden, Bens Hirn eingehend zu untersuchen. Er machte ein sogenanntes MRI, eine genaue Untersuchung des Hirns. Behutsam versuchten die Eltern, ihren Buben auf das Ereignis vorzubereiten. «Es ist wie in einem Raumschiff», erklärten sie ihm, als er in die Röhre geschoben wurde. Das Ganze dauerte eine Stunde. Danach wurden die Eltern ins Besprechungszimmer gerufen. Vater Neil fragte: «Sie haben etwas gefunden, nicht wahr?» Der Arzt nickte und eröffnete die niederschmetternde Diagnose: «Ihr Sohn leidet unter einem Hirntumor.» Laura Perry erinnert sich: «Ich fühlte mich wie von einem Auto überfahren.» Doch es war auch ein bisschen Erleichterung dabei. «Endlich wussten wir, woran wir waren und was unserem Bub fehlte. Das Geschwür war verantwortlich für seine unkontrollierten Wutausbrüche.»
Eine Operation war unumgänglich. «Mami, ich habe solche Angst», sagte Ben zuvor unter Tränen. «Wir sind hier und werden auf dich warten», versuchten die Eltern ihren Buben vor der Operation zu beruhigen. Der Eingriff dauerte drei Stunden. «Abends um halb sieben bekamen wir den Bescheid, dass Ben am Aufwachen war. Er war zwar noch durcheinander. Doch als er uns sah, begann er zu lächeln. Es war sein früheres Lächeln», sagt die Mutter dankbar.
Den Ärzten war es gelungen, den Tumor vollständig zu entfernen. «Ein besseres Resultat hätten wir uns nicht wünschen können», sagt Laura. Die Eltern blieben in den folgenden zwei Wochen bei ihm im Spital. «Ben musste wieder lernen zu gehen, und seine Muskeln wurden gestärkt.» In den folgenden Wochen, als er wieder zu Kräften kam, wurde er der liebevolle Bub, der er früher war. «Er kann gehen, benutzt wieder Messer und Gabel und sagt mir häufig, wie sehr er mich liebt. Ich bin so dankbar, dass ich ihn wieder bei mir habe.»