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Erscheinungsort: NZZ am Sonntag
Erscheinungsdatum: 29. April 2007
Biomilch aus der Mutterbrust
Biomilch erweist sich als vorteilhaft für die Muttermilch
Stefan Müller
Es war ja zu vermuten - aber nun ist es wissenschaftlich erhärtet: Gesunde Ernährung wirkt sich positiv auf die Muttermilch aus. Eine soeben publizierte internationale Studie hat untersucht, ob sich die Muttermilch von Frauen, die sich vorwiegend biologisch ernähren, unterscheidet von der Muttermilch jener Frauen, die eine konventionelle Ernährungsweise vorziehen. 316 Mütter mit unterschiedlichen Ernährungsstilen spendeten ihre Muttermilch für die Studie. Rund 70 von ihnen ernährten sich vorwiegend von Fleisch- und Milchprodukten, die biologisch produziert wurden. 60 Frauen waren so genannt „Gemischt“-Köstlerinnen, die sich teils biologisch, teils konventionell verköstigten. Die übrigen Mütter ernährten sich konventionell. „Um den Einfluss anderer Faktoren auszuschliessen, achteten wir darauf, dass immer Frauen mit ähnlichen Merkmalen miteinander verglichen wurden“, sagt Lukas Rist, Forschungsleiter des Paracelsus-Spitals Richterswil, das zusammen mit den Universitäten Maastricht und Hamburg und dem Unispital Zürich die Studie durchführte.
Die Laboranalyse ergab, dass sich die verglichenen Milchproben in ihren Inhaltsstoffen tatsächlich unterscheiden. Die Milch der biologisch ernährten Frauen wies einen signifikant höheren Gehalt an Transfettsäuren tierischen Ursprungs (TFA, für trans fatty acids) und an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (CLA, für conjugated linoleum acids) auf. Die Analyse konzentrierte sich dabei vorab auf diese beiden Milchfette, wobei die TFA tierischen Ursprungs eine Vorstufe der CLA sind. Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind in der aktuellen Ernährungsforschung von grosser Bedeutung, da sie mit einer Vielzahl von gesundheitsfördernden Eigenschaften in Verbindung gebracht werden. So gelten sie als wirksam zu Verhütung von Diabetes, Arteriosklerose, Krebs sowie als "immunmodulierend": Das heisst, sie sollen Allergien entgegenwirken. Transfettsäuren nicht tierischen, sondern industriellen Ursprungs stehen dagegen in Verdacht, das Risiko für Herz/Kreislauferkrankungen zu erhöhen. Der Anteil dieser ungesunden TFA war eher niedriger in der Milch bei Frauen, die sich biologisch ernährt.
„Man könnte nun einwenden, die biologisch ernährten Mütter haben einfach besonders viel Milch getrunken oder Fleisch gegessen“, räumt Rist ein. „Doch das stimmt so nicht. Die statistische Datenanalyse zeigte, dass der Gehalt der Milchfette nicht allein von der konsumierten Menge abhängt.“ Vielmehr würden die Ergebnisse plausibel auf gehaltvollere Milch- und Fleischprodukte deuten. Ob die Bio-Muttermilch sich positiv auf die Gesundheit der Kinder auswirke, sei zwar erwarten, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen, sagt Rist. Die Studie laufe weiter und werde dieser Frage nachgehen.
British Journal of Nutrition (2007), Bd.97, S. 735-743