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Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura
PetinescaSeeland - Archäologie - Religion
Petinesca - eine Gründung der Helvetier
Petinesca - eine Gründung der Helvetier
Eine bronzezeitliche Feuerstelle beim Waldhaus Studen aus der Zeit um 1000–800 v.Chr. ist bisher das älteste Zeugnis menschlicher Tätigkeit am Jensberg.
In der jüngeren Eisenzeit (Latènezeit), im 2. und 1. Jahrhundert v.Chr., bildete eine imposante, befestigte Höhensiedlung der Helvetier das Zentrum der Region. Seinen Namen – Petinesca – verdankt dieses Oppidum dem mächtigen Petinius, seinem Gründer. Von der 35 ha umschliessenden Befestigung zeichnet sich der westliche Abschlusswall mit Graben, der sogenannte Keltenwall, noch heute markant im Gelände ab.
Zahlreiche Funde aus der Zeit des keltischen Oppidums traten beim Bau des Nidau-Büren-Kanals zwischen Port und Schwadernau zutage. Waffen, Geräte und Schmuck wurden vermutlich als Weihegaben dem Fluss übergeben.
Der römische Vicus
Der örtliche Kiesabbau zerstörte zwar Teile des Vicus Petinesca, löste aber im ausgehenden 20. Jahrhundert auch umfangreiche archäologische Untersuchungen aus. Diesen Rettungsgrabungen verdanken wir wichtige Erkenntnisse zur römischen Siedlung.
Kurz vor der Zeitwende kam das schweizerische Mittelland unter römische Verwaltung. Die Siedlung Petinesca verschob sich bezüglich des keltischen Vorgängers etwas nach Osten, an die am Fuss des Jensbergs durchziehende Fernstrasse. Die einheimische Bevölkerung wurde allmählich romanisiert. Das heisst, sie nahm immer mehr römische Kulturelemente an, etwa beim Hausbau, bei den Geschirrformen und bei den Esssitten.
Der Vicus (Dorf) erlebte im 1. Jahrhundert n. Chr. einen kräftigen Wachstumsschub. Das Siedlungsareal des Unter-dorfs wurde in rund 9m breite Parzellen unterteilt. Dicht gedrängt reihten sich vorerst Holzbauten, später Lehmfachwerkhäuser längs der Strasse auf. Erst im Verlaufe des 2. Jahrhunderts begannen sich Steinbauten durchzusetzen, die nun mehrere Parzellen belegten.
Während der Blütezeit lebten im römischen Petinesca rund 2000 Menschen. Die nächsten Ortschaften dieser Grösse waren Salodurum/Solothurn und Brenodurum/Bern-Engehalbinsel). Aventicum/Avenches, der Hauptort der Helvetier, war das nächstgelegene städtische Zentrum.
In den Vicushäusern wurde nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet und gehandelt. Im Unterdorf waren Töpfer, Schmiede, Bronzegiesser, Gerber und Hornschnitzer am Werk. In der Ebene der Zihl wurde im 1. Jahrhundert n.Chr. -Keramik produziert. Zudem ist hier eine kleine Hafenanlage belegt.
Der allmähliche Niedergang des römischen Reiches ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts ging auch an Petinesca nicht spurlos vorbei. Häuser wurden aufgegeben und ihre Sodbrunnen für die Entsorgung von Kadavern verwendet. Im Unterdorf begann man mit dem Bau einer Fluchtburg, die aber nie vollendet wurde. Im Verlaufe des 4. Jahrhunderts verliessen auch die letzten Bewohner die einst blühende Ortschaft. In den Jahren 368 und 369 n.Chr., als Petinesca bereits eine «Geisterstadt» war, baute die römische Armee am Zihlübergang zwei mächtige Wehrbauten.
In den Jahren 368 und 369 n.Chr., als Petinesca bereits eine «Geisterstadt» war, baute die römische Armee am Zihlübergang zwei mächtige Wehrbauten.
Der Tempelbezirk Gumpboden
Über dem Vicus lag ein grosser Tempelbezirk, dessen Ausmasse bei der Grabung 1937 erkennbar wurden. Er verdeutlicht die Wichtigkeit des religiösen Lebens und diente der ganzen Region als zeremonielles Zentrum. Nebst einer Vielzahl römischer Götter verehrte man weiterhin auch keltische Gottheiten.
Das Gräberfeld am Keltenweg
Die Toten wurden in römischer Zeit ausserhalb der Siedlung bestattet, oft entlang der Strassen. So wurden seit 1991 an der Strasse Richtung Jura über 50 Gräber – meist Brandbestattungen der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts – entdeckt. Ein grosser Teil des Gräberfeldes ist jedoch dem Bau von Bahn und Autostrasse zum Opfer gefallen.
Das Mittelalter
Recht schnell verschlang der Wald die Ruinen von Petinesca. An der Zihl entstand über den Trümmern der östlichen Wehranlage eine Kirche. Kirche und Weiler verdanken ihren Namen «Bürglen» dem römischen burgus. Die Kirche dürfte im frühen 9. Jahrhundert bereits bestanden haben. Ab dem 10. Jahrhundert thronten auf dem Jensberg (Chnebelburg) und am Zihlufer (Guldhubel) zwei Holzburgen der örtlichen Herrschaft. Die Toten bettete man zur letzten Ruhe um eine Kapelle in Bellmund und bei der Kirche Bürglen.
Die Burgherren von Chnebelburg und Guldhubel verliessen ihre Sitze im 13. Jahrhundert und zogen nach Biel oder Nidau. Diese aufstrebenden Städte übernahmen ab dieser Zeit die regionalen Zentrumsfunktionen – der Jensberg fiel in den Dornröschenschlaf.
Autor: Archäologischer Dienst des Kantons Bern / Quelle: 2012