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Tiefdruckparade
Ein aussergewöhnlich kräftiges Tief lag heute Donnerstag über dem Nordatlantik. Nachdem sich tagsüber das Wetter in der Schweiz langsam beruhigte, geht es in den nächsten Tagen auch bei uns tiefdruckbestimmt und abwechslungsreich weiter.
Grosser Sturmwirbel
Über dem Nordatlantik entwickelte sich bis zum Donnerstagmorgen ein aussergewöhnlich kräftiges und grosses Tiefdruckgebiet. Es nahm auf den Satellitenbildern eine beeindruckende Fläche ein und reichte mit seinem Wolkenschirm von Grönland über Island, Schottland und Irland bis fast zu den Azoren. Im Vergleich dazu wirkte das europäische Festland daneben fast schon klein. Auf der Rückseite des Tiefs nahm die nachrückende Kaltluft weite Teile des Nordatlantiks ein und in der labilen Polarluft entwickelte sich die typische konvektive, feingerippte Wolkenstruktur.
Beeindruckend war auch der Kerndruck des Tiefs. Er wurde am Donnerstagmorgen auf der Bodenanalyse des britischen Wetterdienstes Met Office mit 931 hPa angegeben. Solch tiefe Luftdruckwerte sind beachtlich und kommen in aussertropischen Sturmtiefs nur alle paar Jahre mal vor.
Ähnlich tiefe Minimaldrücke um 930 hPa über dem Nordatlantik erreichten am 30. Dezember 2015 das Orkantief «Eckard» und am 26. Januar 2013 das Orkantief «Jolle». Im Winter 2019/2020, der in Kontinentaleuropa eine ganze Serie von Sturmtiefs hervorbrachte, sank der Luftdruck im Zentrum von Orkantief «Victoria» am 15. Februar 2020 südlich von Island bis auf 922 hPa. Der absolut tiefste, je analysierte Kerndruck eines Tiefs über dem Nordatlantik stammt vom «Braer-Storm» am 10. Januar 1993 mit 914 hPa ebenso südlich von Island.
Zweigeteilte Alpennordseite
Bei uns in der Schweiz war das Wetter heute zweigeteilt. Die nördliche Strömung teilte sich vor den Alpen in zwei Äste auf. Damit blieb die Nord- und Ostschweiz mit West- bis Nordwestwind und feuchterer Luft länger belastet. Hier sorgte schon in der Nacht auf Donnerstag etwas Schneefall vielerorts für eine dünne Neuschneeauflage. Tagsüber zogen nochmals Schneeschauer durch und das Wetter besserte erst langsam im Laufe des Nachmittags.
Anders sah es in Richtung Berner Oberland und in der Westschweiz aus. Hier wurde die Strömung zu einer schwachen Bise umgelenkt und die Wolken lösten sich unter langsam steigendem Zwischenhocheinfluss bereits am Vormittag recht gut auf. Am sonnigsten war es in den Alpen und auf der Alpensüdseite. Hier liess der Nordföhn langsam nach, nachdem am Mittwochabend auf der 1661 Meter hohen Cimetta noch eine Spitzenböe von 120 km/h auftrat. Im Mittelland stiegen die Temperaturen der Jahreszeit entsprechend auf 1 bis 5 Grad, im Südtessin reichte es für zweistellige Höchstwerte.
Schwungvolle nächste Tage
Nach einer vorübergehend klaren und frostigen Nacht schickt uns am Freitag das oben erwähnte Tief einen Gruss und lenkt tagsüber vom Atlantik her seine okkludierte Front über die Schweiz. Dabei fällt in der eingeflossenen Polarluft etwas Schnee bis in tiefe Lagen. Danach jagt ein Tiefausläufer den nächsten: Auf Samstag ziehen weitere Schneeschauer durch, von Samstag auf Sonntag zeichnet sich eine markantere Randtiefentwicklung ab mit starkem Wind, kurzer Föhnphase in den Alpen und einigem Niederschlag bei vorübergehend ansteigender Schneefallgrenze. Dahinter folgt am Sonntag hochreichend kalte und labile Polarluft mit teils kräftigen und lokal gewittrigen Schneeregen- und Graupelschauern. Freunde ruhigen Hochdruckwetters müssen sich also bis mindestens kommenden Montag erst einmal gedulden…