Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03612.jsonl.gz/1439

Broschüre als PDF herunterladen
Was ist ein CI?
Das Schallsignal, das unser Ohr aufnimmt, wird normalerweise in der Hörschnecke (lateinisch Cochlea) von den Haar-Sinneszellen in Nervenimpulse umgewandelt. Die Folge von Nervenimpulsen wird im Gehirn verarbeitet, es entsteht ein Höreindruck. Wenn bei einer Schwerhörigkeit die Haarzellen geschädigt sind, können keine Signale mehr an die Nervenzellen weitergegeben werden. Ist der Hörnerv nicht geschädigt, kann dieser über ein Cochlea-Implantat (CI) direkt stimuliert werden. Kernstück des Implantats ist ein Elektrodenträger, der in die Hörschnecke eingeführt wird und dort die vorhandenen Nervenzellen elektrisch anregt. Darin liegt auch der wesentliche Unterschied zum Hörgerät: Das Hörgerät verstärkt den aufgenommenen Schall akustisch und ist auf eine Restfunktion der Haarzellen angewiesen, das CI hingegen stimuliert elektrisch direkt die Nervenzellen.
|Das Cochlea-Implantat-System besteht aus zwei Teilen: dem bei der Operation implantierten Teil mit dem Elektrodenträger in der Hörschnecke, und dem äusseren Teil, dem Soundprozessor, der wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen wird. Das Mikrofon des äusseren Teils nimmt den Schall auf, leitet diesen an den Prozessor weiter, der die Schallinformationen in eine Reihe von elektrischen Impulsen umwandelt und diese drahtlos über eine Sendespule durch die Haut an das Implantat sendet. Das Implantat stimuliert entsprechende Elektroden in der Hörschnecke, die ihrerseits direkt die vorhandenen Nervenzellen anregen.|
Hier finden Sie Animationen und Kurzfilme zum Hören mit einem CI:
In der Schweiz gibt es fünf CI-Zentren: In Basel, Bern, Genf/Lausanne, Luzern und Zürich. Am CI-Zentrum Zürich werden zurzeit Systeme der Hersteller Advanced Bionics, Cochlear und MED-EL implantiert. Ein weiterer Hersteller ist Oticon Medical.
Ablauf einer CI-Versorgung
Ist eine Hörstörung so stark, dass sie mit einem Hörgerät nicht mehr versorgt werden kann, wird abgeklärt, ob ein CI infrage kommt.
Bei gehörlos geborenen Kindern wird das Hörproblem häufig durch den Neugeborenen-Hörtest festgestellt, welcher üblicherweise in den ersten Lebenswochen stattfindet. Durch eine frühe Implantation kann die Zeit der Hirnreifung und damit der Sprachentwicklung genutzt werden. Bei Kindern, die nach der Geburt ertaubt sind, sollen baldmöglichst Abklärungen im Hinblick auf ein CI durchgeführt werden. Wird eine Hörstörung vermutet, so werden verschiedene Hörprüfungen vorgenommen. Bestätigt sich eine bedeutende, beidseitige Innenohr-Schwerhörigkeit, so erfolgt zunächst eine probeweise Hörgeräteanpassung über einige Monate sowie eine audiopädagogische Betreuung. Wird durch die Eltern, die Audiopädagogin und die behandelnden Ärzte zu wenig Nutzen der Hörgeräte erkannt, so werden mit allen Beteiligten Gespräche über eine mögliche CI-Versorgung geführt.
Bei Erwachsenen wird eine Reihe von speziellen Hörprüfungen durchgeführt, um den Hörverlust zu messen, das Sprachverstehen mit dem aktuell verwendeten Hörgerät einzuschätzen und den Erfolg eines späteren CI abschätzen zu können. Erwachsene, welche seit früher Kindheit taub sind, kommen in der Regel nicht als CI-Träger in Frage, da bei ihnen das Gehirn die Klänge nicht verarbeiten kann.
Eine Kernspintomogramm (MRI) des Innenohres und des Hörnervs sind die weiteren Abklärungsschritte, welche Hinweise geben, ob eine CI-Operation möglich und sinnvoll ist.
Bei Kindern erfolgen gewisse Abklärungen in Narkose. Logopädische Untersuchungen über mögliche Störungen in der Sprachentwicklung ergänzen bei Kindern die Abklärung.
Ausführliche Gespräche mit dem Patienten und seinen Angehörigen sollen die Chancen und Grenzen einer CI-Versorgung aufzeigen. Nach dem Entscheid zur Operation werden die IV (Invalidenversicherung) oder die AHV und die Krankenkasse über den geplanten Eingriff informiert und die Kostenübernahme beantragt.
Anlaufstelle für Eltern: Erstberatungsstelle des Kantons Zürich für Familien mit einem hörbeeinträchtigten Kind.
Die Operation erfolgt bei Kindern und Erwachsenen in Vollnarkose und dauert in der Regel etwa 2 Stunden. Nach einem Hautschnitt hinter dem Ohr werden die Elektroden in die Cochlea eingeführt und die Empfängerspule in einer Vertiefung im Knochen verankert. Die Funktionsfähigkeit und die Nervenreizung werden bereits während der Operation geprüft. Die verbleibende Narbe wird später wieder von den Haaren verdeckt. Ein bis zwei Tage nach der Operation kann die Patientin oder der Patient mit einem kleinen Verband nach Hause entlassen werden. Nach acht Tagen erfolgen eine Wundkontrolle und die Fadenentfernung. Unmittelbar nach der Operation kann der Patient noch keine Höreindrücke wahrnehmen. Nach vier bis fünf Wochen erfolgt die erste Anpassung des Soundprozessors (äusserer Teil des CI-Systems).
Die Risiken der Operation sind sehr gering: Manchmal können vorübergehende Schwindelbeschwerden und Geschmacksstörungen auf der Zunge auftreten, selten Wundheilungsstörungen. Eine Gesichtsnervenlähmung kann dank der heute verwendeten Operationstechnik nahezu ausgeschlossen werden.
Siehe auch das Merkblatt der Schweizerischen Gesellschaft für ORL zur CI-Operation (PDF).
Der Erfolg der CI-Implantation hängt wesentlich von der Nachbetreuung durch kompetentes Fachpersonal und einer konsequenten Schulung der Höreindrücke (Hör- und Sprachtraining) ab. Nach der Erstanpassung erfolgen wiederholte Kontrollen zur Optimierung des Soundprozessors im CI-Zentrum.
Bei Kindern ist eine enge Zusammenarbeit von Eltern, BetreuerInnen, Lehrpersonen und AudiopädagogInnen über viele Jahre eine Grundvoraussetzung. Ein intensives Sprachtraining macht es dem Gehirn möglich, das Hören und durch die Sprachentwicklung das Sprechen zu erlernen. Dazu benötigen alle Beteiligten Zeit und Geduld. Kinder mit CI können Lautsprache, Bildung und Integration auf verschiedenen Wegen erreichen: in Schwerhörigen- oder Gehörlosenschulen, aber auch in der normalen Schule mit zusätzlicher Therapie und Unterstützung.
Erwachsene, die vor der Ertaubung hören und sprechen konnten, benötigen ebenfalls eine mehr oder weniger lange Eingewöhnungsphase, bis auch sie Sprache wieder verstehen können. Dazu empfiehlt es sich sehr, ein regelmässiges Hörtraining zu machen. Dieses findet bei einer anerkannten Audioagogin (Hörtherapeutin) in der Nähe des Wohnortes statt. Das Ziel ist eine individuelle Förderung zur Unterstützung der Hörentwicklung und der Kommunikations- und Interaktionsfähigkeiten. Dies beinhaltet Vokal-Konsonanten-Übungen, Silbenübungen, Zahlen- und Einzelwortverständnis, Hören und Zuordnen von Geräuschen und Klängen, Hören und Verstehen sachbezogener Sätze und Texte, Telefontraining, themenzentrierte Gespräche, und Einsatz technischer Hilfsmittel. Das Hörtraining wird zusammen mit dem CI beim Kostenträger (IV/Versicherung) beantragt.
Die untenstehende Grafik zeigt den typischen zeitlichen Ablauf bei einer CI-Versorgung am CI-Zentrum Zürich. Abhängig vom Alter, Hör-Erfolg etc. sind Abweichungen möglich.