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In keiner anderen Weltregion wird so viel Alkohol getrunken wie in Europa. Von den 25 Staaten, in denen der Alkoholkonsum am höchsten ist, liegen nur drei nicht auf unserem Kontinent: Grenada (ein Inselstaat in der Karibik), Südkorea und Australien.
Am anderen Ende der Skala dominieren dagegen die islamisch geprägten Länder: Unter den 25 Staaten, in denen am wenigsten Alkohol konsumiert wird, befinden sich nur gerade drei, die keine muslimische Mehrheit aufweisen – und kein einziges europäisches Land. Das geht aus Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor.
Innerhalb des trinkfreudigen europäischen Kontinents gibt es zudem ein deutliches Ost-West-Gefälle. Unter den Top Ten der Vieltrinker tummelt sich nur gerade ein einziges Land, das nicht zur östlichen Hälfte Europas gehört: der Kleinstaat Andorra. Neben diesem Pyrenäenstaat sind es nur noch Portugal und Frankreich, die annähernd mit den osteuropäischen Schluckspechten mithalten können.
Von diesen sind die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion dem Alkohol am meisten zugetan. An der Spitze steht Weissrussland mit 17,5 Litern reinem Alkohol pro Kopf und Jahr vor Moldawien mit 16,8 Litern. Auch Litauen und Russland befinden sich in dieser Spitzengruppe.
Die Schweiz dagegen ist mit ihren 10,7 Litern Mittelmass. Wir konsumieren deutlich weniger Alkohol als unsere französischen Nachbarn (12,2 l), und auch die Deutschen (11,8 l) trinken mehr als wir. Im Vergleich mit den Italienern giessen wir aber jede Menge Alkohol hinter die Binde: Unsere südlichen Nachbarn bringen es nur auf 6,7 Liter pro Kopf.
Wenn man den konsumierten Alkohol nach Typ – Bier, Wein, Spirituosen – unterteilt, ergeben sich andere Ranglisten, denn die Vorlieben und Gewohnheiten unterscheiden sich zum Teil beträchtlich. Der südwestafrikanische Staat Namibia beispielsweise führt die Rangliste beim Bierkonsum an, obwohl der Gesamtkonsum an Alkohol pro Kopf (10,8 l) nur minimal über dem schweizerischen Wert liegt.
Dass Namibia beim Gerstensaft die Liste weit vor dem zweitplatzierten Gabun – ebenfalls ein afrikanischer Staat – anführt, liegt an der Tatsache, dass nahezu der gesamte Alkohol (96,7 %) in Form von Bier konsumiert wird. Ein fernes Echo der deutschen Kolonialzeit, vielleicht?
Beim Bier ist die europäische Dominanz jedenfalls weniger ausgeprägt: Es sind nur noch 14 europäische Staaten unter den ersten 25.
Beim Wein nehmen dagegen wieder europäische Länder die Spitzenplätze ein. Auffallend ist, dass in Portugal am meisten Wein pro Kopf (7,2 l) getrunken wird, während der iberische Nachbar Spanien – immerhin der drittgrösste Weinproduzent der Welt – nicht einmal unter den ersten 25 auftaucht. Ohnehin ist die Liste für ein paar Überraschungen gut: Italien, noch vor Frankreich der grösste Weinproduzent der Welt, liegt weit hinter der Schweiz (Rang 7 mit 5,3 l) auf dem 14. Platz.
Dafür figuriert Dänemark (5,5 l) auf dem vierten Platz. Wie die Schweden (4,3 l) trinken die Dänen am meisten Alkohol in Form von Wein und nicht – wie es das Klischee will – als Schnaps oder Bier. Dies gilt übrigens auch für die Schweiz: Fast die Hälfte (49,4 %) des konsumierten reinen Alkohols führen wir uns als Wein zu Gemüte.
Hochprozentiges ist besonders in Osteuropa beliebt: In Moldawien (10,8 l), das ohnehin einen hohen Alkoholkonsum aufweist, liegt der Anteil der Spirituosen am Gesamtverbrauch bei 64,5 Prozent. In Russland sind es ebenfalls über 50 Prozent.
Das Armenhaus der gesamten westlichen Hemisphäre, Haiti, liegt in dieser Liste auf dem 7. Platz, weil nahezu der gesamte Alkoholkonsum in Form von Spirituosen (99,6 %) erfolgt.
Auch bei den Spirituosen ist ein europäisches Übergewicht zu verzeichnen, aber es ist weniger ausgeprägt als beim Bier oder Wein. Schnaps wird offenbar fast überall getrunken; am wenigsten vielleicht noch in Afrika: Nur ein einziges Land von diesem Kontinent – Liberia – figuriert unter den Top 25.
Die auffälligen unterschiedlichen Präferenzen bei den konsumierten Alkoholtypen in Europa haben dazu geführt, dass man von einem eigentlichen Bier-, Wein- und Schnaps-Gürtel spricht. Im Internet kursieren entsprechende Karten wie diese hier:
Diese Karte ist allerdings nicht ganz korrekt. Nimmt man die WHO-Zahlen als Grundlage, ergibt sich ein leicht anderes Bild:
Die bedeutendsten Unterschiede: