Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03396.jsonl.gz/363

Beschreibung
Yolanda Alther, Christoph Walser: «…ein lustig Schlößlein…». Ein Beitrag zur Bauuntersuchung 2016/17 auf der Burgruine Wynegg, Malans GR
«…ein lustig Schlößlein…». Ein Beitrag zur Bauuntersuchung 2016/17 auf der Burgruine Wynegg, Malans GR
Die heute von Wald umgebene Burgruine Wynegg liegt ca. 1,5 km nordwestlich von Malans GR. Die kleine Burg wurde auf einem Geländesporn mit steil abfallenden, teils felsigen Flanken im Nord- und Südwesten errichtet. Der Bestand zeigt heute grösstenteils ein auf mittelalterlichen Mauern errichtetes, palaisartiges Herrschaftsgebäude mit umfriedetem Innenhof aus dem 17. Jh.
Im Zuge von Sanierungsarbeiten 2016–2017 konnte die Burgruine erstmals eingehend bauarchäologisch untersucht werden. Insgesamt liessen sich neun (Haupt-)Bauphasen unterschieden. Trotz wenigen bekannten Quellen konnten doch einige Phasen mit den schriftlichen Informationen korreliert werden. Gemäss dieser Überlieferung wurde die Burg im 13. Jh. gebaut. Ihr Name taucht erstmals 1254 in den Quellen auf. Im Verlauf des Spätmittelalters wurden bei Umbauarbeiten Teile der Burg abgebrochen. Die ältesten Mauerreste finden sich heute im Süden und Osten der Anlage. Hier haben sie sich bis auf Höhe des einstigen Kellergeschosses erhalten.
Im 16. Jh. war die Burg unbewohnt und dem Zerfall preisgegeben. 1602 gelangte sie durch Erbteilung an den Ritter und Chronisten Johannes Guler, der sich nunmehr Guler von Wynegg nannte. Auf ihn, resp. seinen Sohn gehen die umfassendsten Umbaumassnahmen zurück (Bauphase 7). Im Zuge dieser zwischen 1602 und 1620 durchgeführten Arbeiten erhielt die Anlage ihr schlossartiges Aussehen. Der Ausbau der Burganlage in einen schlossartigen Wohnsitz reiht sich zeitlich passend in eine Phase ein, in der zahlreiche Bürgerhäuser in Graubünden neu errichtet oder umgebaut werden.
Der Bau Gulers erstreckte sich vom Keller bis zum Dach über mindestens vier Stockwerke mit hohen Räumen im Wohnbereich und teilweise symmetrisch angelegten, grosszügig bemessenen Fensternischen. Von der ehemaligen Ausstattung blieben an der Ostwand im ersten Obergeschoss eine Nische für einen Wandschrank und an der Westwand der Ansatz eines Kamins erhalten. Spuren der ehemaligen Täferbefestigung belegen einen Innenausbau mit Holz. Für die ersten beiden Stockwerke ist von mindestens drei bis vier Räumen, für das erste Obergeschoss von mindestens zwei Räumen auszugehen. Das teilweise in den Felsen gehauene Kellergeschoss besass zumindest im nordwestlichen Kellerraum ein Tonnengewölbe. Nach dem Umbau Gulers, aber noch vor dem Auszug der letzten Bewohnerinnen Mitte des 18. Jh. kam es schliesslich zu weiteren Eingriffen am Bauwerk. So wurden etwa mehrere Fensteröffnungen angepasst oder neu eingebaut, ein Nebeneingang errichtet, im Keller ein Kreuzgewölbe eingezogen und der Palas erhielt einen Stufengiebel.