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Von Adrian Michael ‒ 14. September 2023
1961 wagten sich Menschen erstmals in den Weltraum. Dies beeindruckte uns Sekundarschüler zutiefst. Meinem Mitschüler Jürg genügte die passive Teilhabe an den Ereignissen nicht und er begann selber Raketen zu entwickeln. Als Treibstofftanks dienten ihm leere Haarspraydosen, als Treibstoff verwendete er ein Gemisch aus Zucker und Unkrautvertilger. Dieser enthält Kaliumchlorat, das zusammen mit Zucker ein leicht entzündliches, explosives Gemisch bildet. Erste Raketenstarts mit ein paar Eingeweihten auf der Rüterwis verliefen enttäuschend. Die Raketen wollten nicht abheben, sie waren zu schwer. Jürg verfiel auf die Idee, die Raketenantriebe auf Modellwagen zu packen, die auf Rädern aus dem Flugmodellbau liefen.
Unsere ersten Tests verlegten wir auf den asphaltierten Sportplatz der Primarschule. Schon die ersten Versuche zeigten ermutigende Resultate: Die Raketenwagen schossen mit lautem Gezische und heller Stichflamme über den Platz. Wir wurden kecker, füllten den Treibstofftank schliesslich ganz und zündeten das Triebwerk. Der Wagen schoss los, flitzte über den Platz, überschlug sich an der Wand der Turnhalle und eine Stichflamme schoss hoch bis unter das Dach des Gebäudes. Der Schrecken war gross und wir beschlossen, diskret zu verschwinden. Im Eifer hatten wir aber übersehen, dass jeder Versuch auf dem Platz schwarze Schmauchspuren hinterlassen hatte.
Anderntags wurde in den Sekundarklassen eine hochnotpeinliche Umfrage gestartet. Die Täter sollten sich beim Hausvorstand melden. Wir beschlossen, unsere Schuld einzugestehen und meldeten uns. Nach einer tüchtigen Standpauke wurde uns eröffnet, dass der Sportplatz, falls eine Reinigung auf unsere Kosten ergebnislos bleiben würde, neu asphaltiert werden müsse, für 200 Franken pro Quadratmeter. Wir getrauten uns weder die Kosten auszurechnen noch unsere Eltern über das drohende Desaster ins Bild zu setzen.
Tage später wurden wir erneut vor den Hausvorstand zitiert. Er teilte uns mit, man habe mit Vertretern der Schulpflege die Situation nochmals fachmännisch überprüfen lassen und beschlossen, uns eine Chance zu geben: Wir könnten versuchen, die Schmauchspuren zu entfernen. So rückten wir zusammen mit Mitschülerinnen unserer Klasse, die sich mit uns solidarisiert hatten, am nächsten schulfreien Nachmittag mit Eimern und Schrubbern an und fegten wie wild an den schwarzen Spuren. Der Erfolg war mässig.
Tags darauf eröffnete uns der Hausvorstand, man habe unsere Bemühungen wohl vermerkt, aber auch das unbefriedigende Resultat unser Reinigungsaktion zur Kenntnis genommen. Man habe aber beschlossen, vorläufig einmal zuzuwarten, ob im Laufe der Zeit die verbliebenen Spuren von selbst verschwinden würden. Dabei blieb es dann auch.
Arthur Jetzer
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