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Wie beeinflussen Glaubenssätze dein Leben?
Glaubenssätze sind tief in uns verankert, können uns motivieren oder limitieren. Wir haben Tipps aus der Psychologie zum Identifizieren und Entmachten solcher Sätze.
Matilda sitzt mit ihrem Mann Lars und den Kindern am Frühstückstisch, sie planen den Samstag. Das eine Kind möchte mit einer Freundin draussen spielen, das andere Kind will Fahrrad fahren üben und braucht Unterstützung. Lars hat am Mittag mit Freunden zum Fussball abgemacht. Ausserdem muss noch eingekauft und für die Gäste am Abend alles vorbereitet werden.
Matilda versucht, eine Lösung zu finden, so dass alle zufrieden sind und das Notwendige erledigt wird. Das Telefon klingelt, Lars hebt ab und die Kinder rennen in ihr Zimmer.
Matilda sitzt alleine am nicht abgeräumten Tisch und fragt sich, wieso sie ihre Wünsche nicht auch geäussert hat. Sie hätte doch gerne einen Spaziergang gemacht.
Aber eine Stimme im Kopf murmelte: «Du bist nicht wichtig».
Glaubenssätze sind Sätze, die du für wahr hältst.
Es sind innere Überzeugungen, die du über dich, andere Menschen und die Welt hast. Meist wirken sie auf unbewusster Ebene.
Innere Überzeugungen haben einen grossen Einfluss auf die Qualität deines Lebens, denn sie beeinflussen neben deinen Gedanken auch das, was du tust oder nicht (Verhalten) und wie du dich fühlst (Gefühle).
Während sogenannte positive oder förderliche Glaubenssätze dich motivieren, dir Selbstvertrauen und Lebensfreude schenken, bremsen dich negative, nicht förderliche, limitierende Glaubenssätze. Sie lassen dich zweifeln und führen dazu, dass du dich minderwertig fühlst und dir wenig zutraust.
Wie entstehen innere Überzeugungen?
Matilda spielte als Kind leidenschaftlich gerne Fussball. Aber sie war die Jüngste im Team und der Trainer widmete sich hauptsächlich den bereits stärkeren Spielerinnen. Bei den Spielen sass Matilda meist auf der Ersatzbank. Das Kind Matilda war nicht in der Lage, die taktischen Gedankengänge des Trainers zu verstehen, doch blieb ihm das Gefühl „ich bin nicht wichtig.“
Im Laufe der Jahre passte sich Matilda mit diesem Satz im Hinterkopf oft an und getraute sich nicht, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äussern. Manchmal wurde sie sogar von den Eltern oder anderen Bezugspersonen gelobt für ihre Bescheidenheit, was ihre innere Überzeugung noch mehr festigte.
Diese starke Anpassungsfähigkeit und übermässige Zurückhaltung beeinflusst bis heute Matildas zwischenmenschliche Begegnungen.
Und so kommt es beispielsweise dazu, dass sie am Samstagmorgen ihrer Familie nicht sagt, was sie gerne unternehmen würde, sondern die Pflichten erledigt und sich um die Wünsche der anderen kümmert.
Glaubenssätze entstehen über dein gesamtes Leben, aber die Kindheit nimmt eine besondere Rolle ein.
Viele Glaubenssätze werden in der Kindheit gebildet und verankern sich über die Jahre. Dabei prägen dich Erlebnisse, Erfahrungen und insbesondere Meinungen, Überzeugungen und Regeln naher Bezugspersonen.
Eine wichtige Rolle nehmen die psychischen Grundbedürfnisse (Bedürfnis nach Bindung, Autonomie und Sicherheit, Lust und Unlustvermeidung, Selbstwerterhöhung und Anerkennung) ein. Wenn diese langfristig nicht erfüllt wurden, können nicht förderliche Glaubenssätze entstehen.
Möglich ist aber auch, dass du als Kind das Verhalten deiner Eltern missinterpretiert hast und daraus ein Glaubenssatz entsteht, ohne dass er überprüft worden wäre.
Es geht nicht darum, Schuldige zu suchen oder Schuldzuweisungen zu machen. Aber das Aufspüren der Herkunft deiner Glaubenssätze hilft dir, diese heute loszulassen und zu verändern.
Ein Satz, eine Erfahrung kann also dein gesamtes Leben beeinflussen.
Dies hat damit zu tun, dass wir die Welt durch einen Wahrnehmungsfilter sehen. Da wir unsere Umgebung selektiv wahrnehmen, suchen wir immer wieder nach der Bestätigung unserer Hypothesen.
Matilda fokussiert sich vielleicht im Alltag unbewusst auf Situationen, die ihr bestätigen, dass sie nicht wichtig ist und dass andere vorgehen. In der Psychologie spricht man in diesem Zusammenhang vom sogenannten Bestätigungsfehler (confirmation bias).
Wie reagierst du in bestimmten Situationen?
In deinem Verhalten spiegeln sich oft sogenannte Bewältigungsstrategien. Du wirst beispielsweise aggressiv (fight), unterwirfst dich (flight) oder erstarrst innerlich (freeze).
Mit diesen Schutzstrategien verhinderst du, unangenehme Gefühle wie Angst, Trauer, Ablehnung, Wut zu spüren. Es ist wichtig, dass du deine Glaubenssätze sowie deine daraus resultierenden Bewältigungsstrategien kennst und voneinander trennst.
Als Kind konntest du möglicherweise nicht mit gewissen Gefühlen umgehen. Als Erwachsene kannst du erkennen, dass es ein „altes“ Gefühl ist und dass du dieses heute aushalten und richtig einordnen kannst.
Identifikation und Auflösung limitierender Glaubenssätze in 5 Schritten
Im Folgenden zeige ich dir, wie du negativen Glaubenssätzen auf die Spur kommen und diese bestenfalls zu bestärkenden Glaubenssätzen ummodellieren kannst.
Schritt 1: Erkenne deine limitierenden Glaubenssätze
Folgende Fragen unterstützen dich dabei, deine Glaubenssätze zu identifizieren:
- Selbstgespräche: Welche Selbstgespräche führst du immer wieder? Spricht da eine hemmende Stimme zu dir? Wie lauten die entsprechenden Sätze? Was glaubst du über dich, Menschen in deinem Umfeld und die Welt?
- Gefühle: Hast du in bestimmten Bereichen wiederholt negative Gefühle? Welche Gedanken führen zu diesen Gefühlen?
- Verhalten: Merkst du, dass es dir nicht gelingt, ein bestimmtes Verhalten zu verändern? Welche Glaubenssätze leiten dich zu diesem Verhalten?
- Verallgemeinerungen/Redewendungen: Wo verwendest du Verallgemeinerungen, wie „immer“, „alle“, „nie“, „jede:r“, „müssen/nicht dürfen“ ? Könnte hinter der Aussage eine innere Überzeugung stecken? Welche Redewendungen und Sprüche verwendest du öfters?
- Lebensbereiche analysieren: Gibt es Lebensbereiche, in denen du gerne weiterkommen würdest, dies aber nicht klappt? Was bremst dich aus?
Notier dir alle negativen Glaubenssätze und lies sie dir im Anschluss laut vor. Achte darauf, welche Gefühle sie auslösen. Notier dir gerne das Gefühl zum jeweiligen Glaubenssatz.
Wähle einen Glaubenssatz aus, den du verändern möchtest und bearbeite ihn mit den folgenden Schritten. Sobald sich der neue Glaubenssatz durch Wiederholung gut im Alltag etabliert hat, kannst du die Schritte mit einem anderen Glaubenssatz durchgehen, den du verändern möchtest.
Schritt 2: Überprüfung
Hinterfrage deinen Glaubenssatz auf seine Richtigkeit und setze dich gleichzeitig mit den damit verbundenen Gefühlen auseinander.
- Reise in die Vergangenheit: (Wichtige Vorbemerkung: Wenn du in deine Vergangenheit zurückkehrst, können unerwartete, teils heftige Gefühle auftauchen. Mach diese Übung daher nur, wenn du dich gut dabei fühlst oder überleg dir, ob du hierfür gerne professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen möchtest.) Woher kommt diese innere Überzeugung? Hast du diesen Glaubenssatz von einer Bezugsperson übernommen oder verbindest du ihn mit einer Erfahrung aus der Vergangenheit?
- Gibt es Beweise dafür, dass dieser Glaubenssatz heute der Realität entspricht?
- Gibt es Gegenbeweise? Sammle alle, die du finden kannst.
- Welches Gefühl löst dieser Glaubenssatz in dir aus?
- Welches Gefühl möchtest du stattdessen fühlen?
Höchstwahrscheinlich wirst du feststellen, dass dein Glaubenssatz nicht wahr ist – und schon verliert er an Macht.
Schritt 3: Veränderung des negativen Glaubenssatzes
Jetzt folgt die Veränderung zu einem positiven Glaubenssatz. Der bedeutendste Aspekt hierbei ist, dass der neue Satz zu dir passt und für dich annehmbar ist.
Es kann helfen, wenn du dich schrittweise an dein neues Ideal herantastest.
Ausgangssatz: „Ich bin nicht wichtig.“
Übergangssatz: „Ich darf Schritt für Schritt lernen, meine Wünsche und Bedürfnisse zu äussern.“
positiver Glaubenssatz: „Ich bin wichtig und alle andern auch.“
Achte zusätzlich bei der Formulierung darauf, dass dein neuer Glaubenssatz:
1. Positiv formuliert ist. Verneinungen wie „nicht“, „kein“, „nein“ versteht unser Gehirn nicht, da es in Bildern denkt.
2. In der Gegenwart geschrieben ist. Verzichte darauf den Satz in Zukunftsform zu schreiben. Verwende Präsens und fühl dich in den Satz hinein. Beispielsweise: „Ich bin …“, anstatt „ich werde …“
Schritt 4: Emotionen
Emotionen anzusprechen, ist besonders wichtig, da diese stärker als Kognitionen für unser Verhalten verantwortlich sind. Dies stellten Studien aus der Neurobiologie fest.
Der Glaubenssatz alleine genügt also noch nicht. Welche Emotion soll damit verbunden werden? Hier kann dir ein Vision-Board (Zielcollage) helfen, wo du deine Ziele und Wünsche anhand von Bildern, Worten, Zeichnungen festhältst. Collagen verstärken deinen neuen Glaubenssatz, da Bilder eine stärkere Wirkung auf unsere Emotionen haben als blosse Worte.
Schritt 5: Neues Verhalten bringt neue Erfahrungen
Dein alter Glaubenssatz hat sich über die Jahre tief festgesetzt. Um ihn nun zu ersetzen, ist es wichtig, dass du neue Erfahrungen machst. So bekommst du Beweise dafür, dass dein neuer Glaubenssatz stimmt. Dafür musst du in die Handlung kommen.
Aufgrund der vorherigen Auseinandersetzung wird es dir jetzt leicht fallen, folgende Fragen zu beantworten:
- Wie verhält sich eine Person mit dem neuen Glaubenssatz?
- Welches ist der kleinste erste Schritt, den du machen kannst, um dieser Person ähnlicher zu werden?
- Was würde diese Person anders machen als du bisher?
Und dieses Verhalten darfst du nun auch üben.
Üben meint immer auch wiederholen – deinen neuen Glaubenssatz, deine Gefühle, die dadurch ausgelöst werden, deine neuen Handlungen. Viel Spass!
Informationen zum Beitrag
Dieser Beitrag erschien erstmals am 10. März 2022 bei Any Working Mom, auf www.anyworkingmom.com. Any Working Mom existierte von 2016 bis 2024. Seit März 2024 heissen wir mal ehrlich und sind auf www.mal-ehrlich.ch zu finden.
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