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Apfelwickler (Obstmade)
Carpocapse des pommes (franz.); Codling moth (engl.)
wissenschaftlicher Name: Cydia pomonella L.
Synonyme: Carpocapsa pomonella L., Laspeyresia pomonella L.
Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Lepidoptera, Tortricidae
Der Apfelwickler (Cydia pomonella) ist der Hauptschädling im europäischen Apfelanbau. Die Raupe (Obstmade) bohrt sich in den Apfel und dringt bis zum Kerngehäuse vor. Sie hinterlässt Frassgänge, die mit krümeligem Kot gefüllt sind. Die fertig entwickelte Raupe verlässt den Apfel und spinnt sich zwischen Rindenschuppen in ein Kokon ein. Dort überwintert sie und verpuppt sich im folgenden Frühjahr. Die ersten Falter erscheinen während der Blüte, weitere können noch 6-7 Wochen später schlüpfen. Die befruchteten Weibchen legen die Eier an den Blättern oder Früchten ab. Es treten ein bis zwei Generationen pro Jahr auf. Als direkte Massnahme gegen den Apfelwickler stehen die Verwirrungstechnik mit Pheromonen (sexuelle Lockstoffe), die Anwendung von Granuloseviren und Insektenwachstumsregulatoren zur Verfügung. Die ersten beiden können auch im Biolandbau / ökologischen Landbau angewandt werden.
Abb. 1. Larve des Apfelwicklers (Cydia pomonella)Abb. 2. Die Larve des Apfelwicklers (Cydia pomonella) frisst Gänge im Fruchtfleisch und im Kerngehäuse. Frassgänge sind mit feuchtem, krümeligem Kot gefüllt. Ein Teil des Kotes wird durch das Bohrloch nach Aussen befördert.
Schadbild
Der Apfelwickler verursacht wurmstichige Äpfel. Die Raupe (Obstmade) dringt durch die Fliege, die Stielhöhle oder seitlich ins Innere des Apfels ein (Abb. 1 und 2). Das Bohrloch ist an den noch unreifen Äpfeln deutlich zu sehen. Die Raupe frisst zuerst einen kaum sichtbaren Spiralgang unter der Fruchthaut. Später bohrt sie sich durch das Fruchtfleisch zum Kerngehäuse und ernährt sich von den Kernen (Samen). Die Frassgänge sind mit feuchtem, braunem, krümeligem Kot gefüllt, zum Teil wird der Kot durch das Bohrloch nach Aussen befördert. Die Samenanlagen sind angefressen. Früh befallene Früchte fallen vorzeitig ab. Werden befallene Früchte gelagert, beginnen die Äpfel im Lager zu faulen.
Gelegentlich kommt es vor, dass die Raupen die Äpfel nur anstechen, dann aufgeben und einen anderen Platz zum Einbohren suchen. Solche Einstiche verursachen 2-3 mm grosse braune Flecken (abgestoppte Schäden). Das Gewebe darunter ist braun verkorkt und Spuren des Spiralgangs sind noch sichtbar.
Das Schadbild kann mit demjenigen der Apfelsägewespen (Hoplocampa testudinea) verwechselt werden. Letztere treten allerdings früher auf. Zudem hat die Larve der Apfelsägewespe zehn Beinpaare während die Raupe des Apfelwicklers nur acht Beinpaare besitzt.
Schädling
Die Flügelspannweite des graubraunen Falters beträgt 15-22 mm (Sutton et al. 2014). Die Flügel sind bei genauem Hinsehen abwechselnd graubraun und weiss gestreift (siehe lepiforum.de). Am äusseren Ende der Vorderflügel befindet sich ein kupferfarbener Fleck. Die Hinterflügel sind gleichmässig hellbraun.
Die einzeln abgelegten Eier sind oval, abgeflacht und etwa 1 mm gross. Sie sind zuerst durchscheinend weiss, später werden sie rötlich und dunkler.
Die junge Raupe ist ungefähr 2 bis 3 mm lang, weisslich und besitzt einen auffälligen braunen Kopf. Die ausgewachsene Raupe ist 12 bis 20 mm lang und crèmefarbig bis rosa gefärbt. Sie hat eine dunkelbraune Kopfkapsel und einen braunen Brustschild. Die Raupe besitzt 8 Beinpaare: An den drei Brustgliedern befindet sich je ein Paar gegliederte Beine. Am Hinterleib besitzt die Raupe fünf ungegliederte Bauchbeine: am 3., 4., 5., 6. sowie am 10. (letztes Glied) die Nachschieber (oder Afterfüsse).
Die gelbe bis braune Puppe ist 12 mm lang und liegt in einem weissen Kokon.
Lebenszyklus
Der Apfelwickler überwintert als Raupe in einem selbst gesponnenen Kokon in Rindenspalten, in der Streuschicht am Boden oder auch an Baumpfählen. Die Verpuppung beginnt im Frühling etwa zu Beginn des Ballonstadiums der Apfelblüten. Das Schlüpfen der Falter startet während der Blüte und dauert etwa 6-7 Wochen.
Die Weibchen legen nach der Befruchtung die Eier zuerst einzeln an Blätter ab, später auch an junge Früchte, die den Haarflaum bereits abgestossen haben.
Die jungen Raupen schlüpfen innerhalb von 1-2 Wochen. Sie kriechen zu den Früchten, bohren sich durch die Fruchthaut und ernähren sich vom Fruchtfleisch. Sie bilden Frassgänge in Richtung des Kerngehäuses, wo sie dann an den Kernen fressen. Ein Teil des Kotes wird von den Raupen aus dem Bohrloch gestossen, der Rest bleibt in den Frassgängen.
Nach 3 bis 4 Wochen sind die Raupen ausgewachsen und verlassen den Apfel. Sie suchen einen geschützten Ort, um einen Kokon zu spinnen. Ein Teil der Raupen verpuppt sich noch im gleichen Jahr, um als Falter der zweiten Generation zu schlüpfen. Meist sind zu dieser Zeit noch Falter der ersten Generation vorhanden. Der Rest bleibt bis zum nächsten Frühling als Larve im Kokon.
Der Apfelwickler kommt vor allem in milden Lagen mit warmer Witterung vor. In höheren Lagen ist er selten anzutreffen und verursacht meist keinen nennenswerten Schaden.
Wirtsspektrum
Die bevorzugte Wirtspflanze des Apfelwicklers (Cydia pomonella) ist der Apfel (Malus domestica). Er befällt aber auch die Birne (Pyrus communis), die Quitte (Cydonia oblonga) und den Weissdorn (Crataegus spp.), selten auch Prunus Arten wie Pflaumen, Aprikosen und Kirschen.
Überwachung und Prognose
Ein nützlingsschonender und umweltfreundlicher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfordert genaue Kenntnisse des Vorkommens und des Entwicklungsstandes von Schädlingen. Kontrollen sind deshalb unerlässlich (Pflanzenschutzempfehlungen für den Erwerbsobstbau):
- Das Auftreten des Apfelwicklers kann mit Pheromonfallen (Andermatt biocontrol) überprüft werden, insbesondere die 2. Generation im Spätsommer. Die Schadenschwelle ist bei 5-7 Falter pro Woche und Falle erreicht.
- Die Früchte müssen wiederholt auf Neubefall kontrolliert werden. Sind 0.5 bis 2% von 1000 kontrollierten Früchten befallen ist eine Behandlung angezeigt.
- Zur Zeit der Ernte muss der Befall der Früchte kontrolliert werden. Dies gibt einen Hinweis auf allfällig nötige Bekämpfung des Apfelwicklers im Folgejahr. Die Schadenschwelle liegt bei 1% Befall von 1000 bis 2000 kontrollierten Früchten.
- Mit dem temperaturgetriebenen Simulationsmodell SOPRA kann für die Schweiz eine Vorhersage der wichtigen Ereignisse im Entwicklungszyklus des Apfelwicklers (und anderer Apfelschädlinge) gemacht werden (sopra.info).
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
- Natürliche Gegenspieler des Apfelwicklers fördern (Kühne et al. 2006). Vögel fressen zum Beispiel die unter der Rinde überwinternden Raupen.
- Einzelbäume können mit einem Fanggürtel aus Wellpappe (Wellkarton), der Ende Juni unten um den Baumstamm gebunden wird, geschützt werden. Raupen, welche auf der Suche nach einem geeigneten Überwinterungsort sind, verstecken sich in den Hohlräumen und können Ende Juli mit der Wellpappe entfernt und vernichtet werden. Anschliessend die Wellpappestreifen erneuern und diese nach der Ernte vernichten (Bovey et al. 1979).
- Im Herbst den Stamm mit einer Bürste reinigen, um überwinternde Raupen zu entfernen.
- In grösseren, einheitlichen Anlagen können vor dem Schlüpfen der Falter Pheromone (weibliche Sexuallockstoffe) ausgebracht werden (Andermatt Biocontrol). Durch diese Verwirrungstechnik können die männlichen Falter die Weibchen nicht mehr auffinden und begatten: Es gibt keine befruchteten Eier, daher auch keine Raupen und kein Befall.
- Behandlung mit Granuloseviren unmittelbar vor und während der Schlüpfperiode der Raupen (Granuloseviren müssen von den Raupen vor dem Einbohren in den Apfel aufgenommen werden). Behandlung muss mehrmals durchgeführt werden (Andermatt Biocontrol, FiBL 2005).
- Bei einer gezielten chemischen Bekämpfung des Apfelwicklers ist der richtige Behandlungszeitpunkt wichtig.
- Zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen den Apfelwickler finden sie für die Schweiz unter Agroscope und BLW Pflanzenschutzmittelverzeichnis; für Deutschland in der online Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Verzeichnis der zugelassenen Pflanzenschutzmittel
Literatur
Bovey R, Baggiolini M, Bolay A, Bovay E, Corbaz R, Mathys G, Meylan A, Murbach R, Pelet F, Savary A, Trivelli G, 1979. La défense des plantes cultivées. Éditions Payot Lausanne: 864 p.
Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), 2005. Pflanzenschutz im Biokernobstanbau (pdf)
Kühne S, Burth U, Marx P, 2006. Biologischer Pflanzenschutz im Freiland. Eugen Ulmer KG, 288 S.
Sutton TB, Aldwinckle HS, Agnello AM and Walgenbach JF, 2014. Compendium of Apple and Pear Diseases and Pests. Second edition, St. Paul, Minn. The American Phytopathological Society, 218 p.