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Gemäß Camus gibt es nur ein wirkliches und ernstes philosophisches Problem; nämlich die Frage, ob das Leben überhaupt lebenswert sei. «Alles andere – ob die Welt drei Dimensionen und der Geist neun oder zwölf Kategorien hat – kommt später.»1 In diesem berühmt gewordenen Auftakt zu seinem Werk „Der Mythos des Sisyphos“ wirft Camus die existenzielle Frage auf, dessen Negation für jährlich rund tausend Menschen in der Schweiz2 bedeutet, sich selbst das Leben zu nehmen.
Das Phänomen des „Selbst-mordes“ oder fachsprachlich des „Suizides“ stellt uns dabei bereits vor seiner inhaltlichen Auseinandersetzung vor ein grundsätzliches Problem; nämlich müssen wir uns zuerst einmal die Frage stellen, ob es überhaupt gerechtfertigt ist, darüber offen zu diskutieren. Sollte Selbstmord wirklich ein Thema sein, über das wir offen – d.h. ohne dabei eine klare Position zu vertreten, – diskutieren? Sollte die Möglichkeit bestehen, dass sich ein Leser nach beendeter Lektüre aus dem Fenster stürzt?
Mit einem Blick in die Geschichte (der Philosophie) lassen sich dafür zwei generalisierte Positionen konstruieren. Auf der einen Seite stehen Denker wie Platon, Thomas von Aquin, Augustinus – als Vertreter der bis vor Kurzem in Europa noch omnipräsenten christlichen Position – Hegel und Kant, die sich explizit gegen einen Diskurs aussprachen, der damit enden könnte, dass man sich selbst das Leben nimmt. So stellt Selbstmord nach Kant beispielsweise einen direkten Verstoß gegen die moralische Pflicht dar, unser eigenes Leben zu respektieren und zu erhalten. Dieser Richtung folgend müsste man den unumstößlichen Grundsatz formulieren, dass es das Leben an erster Stelle – trotz Leid und Verzweiflung – unter allen Umständen zu erhalten gibt.
Andere Positionen vertreten dabei Philosophen wie Seneca, Epikur oder Hume, die argumentieren, dass es Umstände geben könnte, unter denen der Selbstmord (moralisch) gerechtfertigt wäre, insbesondere wenn das Leiden des Individuums unerträglich wird. Manche modernere Denker wie Jean Améry haben sich sogar dafür ausgesprochen, den Selbstmord nicht bloß als ein Akt der Verzweiflung zu betrachten, sondern als eine Form der Autonomie und Selbstbestimmung.
Wie sollten wir dieses Thema, welches sich von der Philosophie zur Psychologie über die Soziologie bis hin zur Theologie erstreckt, also diskutieren? Welche Rolle spielen individuelle Erfahrungen und kulturelle Kontexte bei unserer Sichtweise und unserem Verständnis von Selbstmord? Wie könnte eine tiefergehende Auseinandersetzung mit diesem Thema unsere persönlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen von Freiheit, Autonomie und Ethik beeinflussen?
Sie möchten etwas dazu beitragen? Wir freuen uns über Ihren spannenden Beitrag.
1. Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos, deutsch von Vincent von Wroblewsky, Reinbek bei Hamburg 2000, S. 11.
Essay-Wettbewerb
Zu diesem Thema ist ein Essaywettbewerb ausgeschrieben! Einsendeschluss ist der 1.11.2023.
!!ACHTUNG!!
Bitte beachten Sie, dass diese Themen sehr sensibel sind und professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden sollte, wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, mit Selbstmordgedanken kämpfen. Wählen Sie: 0800 33 66 55 zur 24h täglichen Soforthilfe für Menschen in schweren psychischen Krisensituationen, oder 143 für die Telefon-Seelsorge.