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Nr. 211
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts fand in Villnachern ein Dorfbrand statt. Beim Wiederaufbau der Ansiedlung muss auch dieses kleine Wohnhaus neu entstanden sein, welches dem nur noch in Relikten vorhandenen Typus des spätgotischen «Stocks» ähnlich ist.
In dem am Jurarand gelegenen Dorf Villnachern wurde früher vor allem Weinbau betrieben. Die im frühen 20. Jahrhundert auftretende Reblaus zerstörte jedoch die Rebkulturen, sodass viele Villnacher Bauern gezwungen waren, auf den Obstbau auszuweichen. Zum Heimwesen unseres Hauses gehörte allerdings nur eine kleine Landwirtschaft, die Besitzer betätigten sich zusätzlich als Handwerker, z.B. als Weber oder als Schuhmacher. Landwirtschaft und Handwerk führten zur Herausbildung einer kleinbäuerlichen und kleingewerblichen Sozialstruktur, die sich bis in die Nachkriegszeit hinein erhalten hat.
Bekannt war Villnachern auch für seine Steinbrüche, in denen Jurakalk abgebaut wurde. So ist denn auch unser in den 1630er Jahren erbautes Haus gänzlich aus Jurakalksteinen errichtet. Vermutlich entstand das Gebäude anlässlich des Wiederaufbaus des Dorfes nach dem verheerenden Brand im Sommer 1633, der 24 Gebäude zerstörte. Der Baustil lässt vermuten, dass das Haus ursprünglich von einem reicheren Bauherrn errichtet wurde. Denn ein so genannter «Stock», ein gemauertes, einzeln stehendes Gebäude schützte besser vor Feuer und gegen Einbrüche, war jedoch mit wesentlich höheren Baukosten verbunden.
Aus den Quellen geht hervor, dass das Haus 1850 von zwei Familien bewohnt wurde. Insgesamt 13 Personen logierten damals in den kleinen Räumlichkeiten. Von 1866 bis 1897 war das Gebäude im Stockwerkeigentum unter zwei Besitzer aufgeteilt.
Die im Erdgeschoss eingerichtete Hutmacherei zeigt die Werkstatt von Hans Isler-Räber (1908– 1997) aus Wohlen AG, in der er bis zu seinem Tod Hüte aus Filz, Stroh und verschiedenen Geflechten hergestellt hat. Der originale Dampfkessel wurde restauriert und ist funktionstüchtig.