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Die rätselhaften Bildwelten von Hernan Bas sind ein wahres Farbenfest und erzählen von wunderlichen, vage gehaltenen, oft ins Paranormale kippenden Begebenheiten, die mit kulturhistorischen Allusionen gespickt sind. Nun widmet Peter Kilchmann dem erfolgreichen Künstler die vierte Einzelausstellung.
Die grossformatigen Gemälde und Papierarbeiten von Hernan Bas (*1978, Miami, lebt und arbeitet in Miami und Detroit) sind bevölkert von verträumten, androgynen jungen Männern, die sich in heruntergekommenen, baufälligen oder viktorianisch angehauchten Innenräumen aufhalten. Sie interessieren sich für die skurrilsten Dinge, jagen sie doch Monster, kommunizieren mit Poltergeistern oder lassen sich menschliche Skelette auf ihre eng anliegenden schwarzen Kleider drucken. <The Monster Hunter (or, desperately seeking Nessie)>, 2020, zeigt eine Szene aus dem Leben Steve Felthams, der mehr als sein halbes Leben, von 1991 bis 2019, damit verbrachte, das sagenhafte Monster Loch Ness von seinem, zu einer Bibliothek umgebauten Van aus zu beobachten. Der als Jüngling dargestellte Feltham sitzt lässig auf einem Plüschsofa, umgeben von einer überbordenden Fülle von Büchern und gerollten Karten. In der einen Hand hält er ein Fernglas, mit der anderen erzeugt er mit einer pantomimischen Geste den Schatten des Monsters am unteren Bildrand. Von Bas’ Hang zum Paranormalen spricht <The curious case of Matthew Manning poltergeist>, 2020. Matthew Manning (*1955), ein britischer Autor und Heiler, der über parapsychologische Fähigkeiten verfügen soll, war als Kind angeblich im Familienhaus in Cambridge einer Reihe von poltergeistischen Störungen ausgesetzt. Etwa als sich an den Wänden von Matthews’ Schlafzimmer über sechshundert Unterschriften von vorwiegend ehemaligen, verstorbenen Mietern des Hauses fanden. In Bas’ Gemälde sieht man die Wände vom Boden bis zur Decke mit unzähligen Namen übersät, die der Künstler zum Grossteil nach fotografierten Originalen minuziös nachbildete. Davor kauert der junge Manning mit einem Kameraden auf einer Récamière in verträumter Zweisamkeit, während ein obskurer Schattenwurf von rechts über die Wand kriecht.
Vielfältig sind die Quellen seiner Inspirationen, die neben Beobachtungen aus der Umgebung überwiegend aus der Vergangenheit stammen. Man denke nur an Instanzen wie Oscar Wilde, Charles Baudelaire oder Joris-Karl Huysman, deren Geschichten Bas zu veranschaulichen sucht. Gleichzeitig beflügeln ihn Künstler wie Felix-Gonzalez-Torres, Joseph Beuys oder John Baldessari. Diese Fragmente sampelt er in Anlehnung an seine Musikerfreunde in Detroit, um etwas unverkennbar Eigenes zu schaffen. Hernan Bas schildert eine Welt, die aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Die darin lebenden Protagonisten gefallen sich in einer Attitüde der Melancholie, frönen ihren Träumen, die noch nicht durch eine brutale Aussenwelt gefährdet sind.
Hernan Bas — Interios, Galerie Peter Kilchmann, Zürich, bis 14. August 2020
www.peterkilchmann.com