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1976
Regie: Manuela Martelli
Darst.: Aline Küppenheim, Nicolás Sepúlveda, Hugo Medina, Alejandro Goic, Carmen Gloria Martínez, Antonia Zegers, Marcial Tagle, Amalia Kassai, Gabriel Urzúa u.a.
1976 erstickt Chile im dritten Jahr unter Augusto Pinochets Diktatur. Carmen, Arztgattin und gelangweilte Hausfrau der oberen Mittelschicht, hat jedoch andere Sorgen. Ihr Ferienhaus in der südlichen Küstenstadt Las Cruces wird renoviert, und sie reist alleine dorthin, um die Renovationsarbeiten persönlich zu überwachen. Da sie als einstige Medizinstudentin über Fachkenntnisse verfügt, wird sie vom örtlichen Priester gedrängt, die Schusswunde eines jungen Mannes zu behandeln, der bei ihm Unterschlupf gefunden hat. Carmen verarztet den Mann und erkennt rasch, dass er weder ein Krimineller noch ein kleiner Dieb ist, sondern ein Opfer politischer Verfolgung. «1976» erlebte seine Weltpremiere am letztjährigen Filmfestival von Cannes und ist das Spielfilmdebüt der 1983 in Santiago de Chile geborenen Manuela Martelli. Martelli war bisher vor allem als Schauspielerin tätig und hat in über dreissig Filmen mitgewirkt, mehrfach auch mit der vierzehn Jahre älteren Aline Küppenheim, die mit geradezu beängstigender Präsenz die Hauptfigur verkörpert. Ihr dabei zuzusehen, wie sie als brave, unpolitische Vertreterin des Grossbürgertums unversehens mit der Realität von Chiles bleiernen Jahren konfrontiert wird, macht «1976» zu einem singulären Seherlebnis. Bei uns war die Schauspielerin, die nicht nur in Chile, sondern in ganz Lateinamerika zu den besten ihrer Generation zählt, zuletzt in Sebastián Lelios Oscargewinner «Una mujer fantástica» zu sehen. Marina Ashioti schreibt auf Little White Lies: «Aline Küppenheim ist erschütternd in ihrer Darstellung der müden Carmen. Gefangenschaft, Paranoia und ein wachsendes Gefühl des politischen Aufbruchs werden geschickt mit intensiven Nuancen und Komplexität verkörpert – so sehr, dass der als politisches Drama beginnende Film zu einer fesselnden Charakterstudie wird, gefiltert durch die Genre-Elemente eines Politthrillers. Stets eine Zigarette in der Hand, bemächtigen sich Angst und Besorgnis jeder Faser von Carmens Wesen, als die Illusion eines Lebens in Komfort, Musse und bürgerlicher Komplizenschaft zu zerbrechen beginnt.»