Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03647.jsonl.gz/115

Die besten Gespräche gibt es, wenn man zusammen einen Kaffee trinkt. Den heissen Kaffee kann man nicht schnell trinken, darum hat man Zeit füreinander. Und die Pausen, die entstehen, wenn man zwischendurch einen Schluck nippt, helfen dabei das Gesagte zu überdenken und nicht non-stop zu sprechen.
Ich glaube, dass auch Jesus gerne mal einen Kaffee trinken würde, wenn er so unter uns leben würde wie vor 2000 Jahren. Wahrscheinlich weniger wegen dem Kaffee, sondern mehr wegen uns. Er würde die Chance nutzen um ins Gespräch zu kommen, zuzuhören und das Wichtige anzusprechen.
Ich stelle mir Jesus vor, wie er mir vis à vis sitzt, sich mitten im Gespräch plötzlich nach vorne lehnt, mich ernst anschaut und sagt: „Hast du gemerkt, dass du einen Kaffee Jackett trinkst?“
„Was? Wie meinst du das?“, würde ich dann wahrscheinlich fragen. „Hast du es nicht gesehen?“, würde er antworten „der Kellner hat den Kaffee beim Servieren so ungeschickt auf den Tisch gestellt, dass er den Zipfel seines Jacketts in deinen Kaffee getunkt hat.“
„Wäh, wie unappetitlich!“ würde ich ausrufen und den Kaffee sicher nicht mehr fertig trinken. „Schau her, du kannst meinen haben“, würde Jesus als nächstes sagen und mir seinen Kaffee rüberschieben: Den sauberen, frischen ohne Jackett-Zipfel-Kontakt.
Ich würde dann wohl einen Moment lang nichts mehr sagen. Aber vielleicht würde ich neu begreifen, dass so ein Tausch typisch für Jesus ist. Er deckt das Schmutzige und Eklige auf: meine Fehler, meine Schuld, aber auch das Versagen von anderen. Er nimmt diese Fehler auf sich und bietet einen neuen Anfang an.
Mit diesen Gedanken im Hinterkopf würde ich den frischen Kaffee von Herzen gerne annehmen und „Danke!“ sagen. Nicht nur für den Kaffee, sondern vor allem für die zweite Chance, die mir Jesus immer wieder gibt.
_________