Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03137.jsonl.gz/771

Mit dem Klimawandel rückt die Bodenversiegelung vermehrt ins Bewusstsein. Sie sorgt etwa dafür, dass sich im Sommer städtische Hitzeinseln bilden, hat aber noch andere unerwünschte Folgen. Eine neue Analyse des Statistischen Amts des Kantons Zürich zeigt auf, wie sich die Versiegelung im Kanton seit Beginn der Achtzigerjahre entwickelt hat.
Boden, der mit einer luft- und wasserundurchlässigen Schicht, meist aus Asphalt oder Beton, bedeckt ist, bezeichnet man als versiegelt. Die Analyse des Statistischen Amts zeigt: Im Kanton Zürich sind derzeit 25’000 Hektaren oder 14 Prozent der Fläche versiegelt. Einen grösseren Anteil an versiegelten Flächen haben nur die Kantone Basel-Stadt mit 46 und Genf mit 20 Prozent. Zum Vergleich: In Bergkantonen wie Graubünden, Uri oder Wallis sind nur etwa 2 Prozent der Gesamtfläche versiegelt. Ob Mittelland oder Berggebiet – die versiegelten Flächen befinden sich praktisch vollständig im Siedlungsraum. Umgekehrt sind die Siedlungsflächen aber keineswegs überall versiegelt. So sind im Kanton Zürich die Wohngebiete zur Hälfte unversiegelt. Fast komplett gegen Luft und Wasser abgedichtet sind dagegen Industrie- und Gewerbegebiete sowie Flächen für den Strassenverkehr.
Netto 250 Fussballfelder mehr pro Jahr
Seit den Achtzigerjahren ist das versiegelte Gebiet im Kanton Zürich unter dem Strich um 5’800 Hektaren gewachsen. Dies entspricht ziemlich genau der Fläche jenes Teils des Zürichsees, der auf Kantonsgebiet liegt. Pro Jahr kamen im Mittel 175 Hektaren – oder rund 250 Fussballfelder – hinzu. Dabei hat sich die Versiegelungsgeschwindigkeit in jüngster Zeit, etwa seit Beginn des neuen Jahrtausends, ein wenig verlangsamt. Dies dürfte in erster Linie der flächendeckenden Verdichtung im Kanton Zürich geschuldet sein, der Tatsache also, dass immer mehr Menschen auf einer bestimmten Fläche wohnen und arbeiten.
Zulasten von Äckern, Wiesen und Gärten
Welche Flächen werden vor allem versiegelt? Wenn man sich die Bodenbedeckung anschaut, trifft es in erster Linie mit Gras, Kräutern, Rasen oder Bäumen bewachsenes Land. Konkret kommen im Siedlungsraum vor allem Gärten, Sportanlagen, Schrebergärten und dergleichen «unter die Walze», im landwirtschaftlich genutzten Gebiet Äcker und Wiesen. Ebenfalls gefährdet sind Obst- und Gartenbauanlagen, die traditionell oft am Siedlungsrand liegen. Die erwähnte Verdichtung bringt es mit sich, dass heute im Vergleich zu früher vermehrt Flächen im bestehenden Siedlungsgebiet versiegelt werden. Das Überbauen von Kulturland ist hingegen seltener geworden.
Hie und da gewinnt Landwirtschaft Boden zurück
Die Umnutzung verläuft nicht ausschliesslich in eine Richtung. Es gibt auch einst bebautes Land, dessen Versiegelung aufgebrochen wird. Dies geschieht zwar nicht oft, scheint sich aber in den letzten Jahren zu häufen. Auf den entsiegelten Flächen entstehen neue grüne Areale im Siedlungsraum, etwa Parkanlagen, mit Bäumen bestandene Plätze oder Alleen. Zuweilen kommt es auch vor, dass erneut landwirtschaftlich nutzbares Kulturland entsteht, meist im Zusammenhang mit von Anfang an nur temporär geplanten Bauten.
Datengrundlage Arealstatistik
Die Analyse des kantonalen Statistischen Amts basiert auf der Arealstatistik des Bundesamts für Statistik. Diese bietet einen Überblick über Bodennutzung und -bedeckung auf dem Gebiet der Schweiz und weist dabei auch versiegeltes Land aus. Die Ergebnisse der jüngsten Erhebung, der Arealstatistik 2013/18, sind vergleichbar mit jenen der Vorgängererhebungen 1979/85, 1992/97 und 2004/09. Damit sind Aussagen zu Wandel und Dynamik der Bodennutzung seit Beginn der Achtzigerjahre möglich. Erhebungsbedingt sind die Ergebnisse der Arealstatistik mit einer gewissen Unschärfe behaftet.
statistik.info 2022/06. Bodenversiegelung im Kanton Zürich. Ausdehnung und Wandel seit Beginn der Achtzigerjahre.