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Kildes Selbstvertrauen muss unerschütterlich sein. Ohne diese immense mentale Stärke wäre das, was der Norweger am Samstag auf der Streif aufführte, nicht möglich gewesen. Er fuhr derart kompromisslos den Berg hinunter, als gäbe es kein Morgen, als hätte es die vorangegangenen zwei Tage nicht gegeben.
Es waren zwei Tage, die für Kilde nicht gut verlaufen waren. Am Donnerstag der Bruch eines Mittelhandknochens der rechten Hand, als er im Abschlusstraining in den Schnee gegriffen hatte, am Freitag in der ersten Abfahrt die spektakuläre Rettungstat bei der Einfahrt in den Zielhang, mit der er einen Einschlag im Fangnetz verhinderte. Nahe an einer Katastrophe sei er da gewesen, sagte Kilde danach. Die Folgen hätten in der Tat gravierend sein können, wäre er im Sicherheitszaun gelandet.
Zu Platz 16 hatte es Kilde noch gereicht, was nach der glimpflich abgelaufenen Schrecksekunde zur Nebensache verkommen war, beim Norweger aber wohl auch den Willen zusätzlich schärfte, die rangmässige Scharte bei erster Gelegenheit auszuwetzen. Entsprechend bereit war er. Die Selbstverständlichkeit, mit der er die Aufgabe meisterte, war beeindruckend - bei Verhältnissen, bei denen wohl manches andere Weltcup-Rennen nicht stattgefunden hätte.
Es schneite, die Sicht war auf ein Minimum beschränkt, die Piste unruhig. Kilde liess sich von den äusseren Bedingungen nicht beirren. Er habe ein gutes Gefühl gehabt, und in der havarierten Hand habe er keine Schmerzen verspürt, berichtete er nach seinem zweiten Weltcup-Sieg in Kitzbühel nach jenem in der einen Abfahrt im Vorjahr.
Bei seinem siebten Weltcup-Sieg in der laufenden Saison, dem fünften in der achten Abfahrt des Winters, stand Kilde wieder deutlich über allen anderen. 67 Hundertstel betrug sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Franzosen Johan Clarey, der es auch zwei Wochen nach seinem 42. Geburtstag wieder aufs Podest schaffte und den eigenen Rekord des ältesten Podest-Fahrers im alpinen Weltcup weiter in die Höhe schraubte. Der drittklassierte Amerikaner Travis Ganong lag schon eine knappe Sekunde zurück. Eindrücklicher hätte Kilde seinen Status als derzeitiger Abfahrts-Primus nicht untermauern können.
Die Schweizer vermochten mit den Besten nicht mitzuhalten. Niels Hintermann auf Platz 10 war am Tag nach Rang 3 wiederum der Beste aus dem Team von Swiss-Ski, das ohne Marco Odermatt auskommen musste. Der Nidwaldner verzichtete zur Schonung seines linken Knies, in dem er nach seinem ungewollten Manöver tags zuvor im Steilhang der Streif Schmerzen verspürt hatte, auf den Start. In der Weltcup-Gesamtwertung liegt Odermatt als Führender noch 225 Punkte vor Verfolger Kilde.
Feuz genügte Platz 16, um sich im Schlussklassement der zweiten Abfahrt als zweitbester Schweizer einzureihen. Für den Schangnauer hatte die Klassierung in seinem letzten Weltcup-Rennen keine Priorität. "Wichtig ist für mich vor allem, gesund im Ziel zu sein." Er wollte seinen letzten Auftritt als Skirennfahrer geniessen. "Das ist mir bestens geglückt. Alles ist gut."
(sda)