Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03352.jsonl.gz/3429

Nikifor
eigentlich Epifan Drowniak
Polen, 21.5.1895, Krynica (Polen) - 10.10.1968, Folusz (Polen)
Malerei
Geboren wurde Epifan Drowniak, so sein bürgerlicher Name, in Krynica, Polen (damals Russland). Möglicherweise wurde er in Anlehnung an den Patriot und Maler Jan Matejko dann später Nikifor-Matejko gerufen oder Nikifor Krynici (Nikifor vom Dorf Krynica). Seine Bilder sind oft mit «Maler Nikifor», «Künstler Nikifor» oder «Souvenir aus Krynica» gekennzeichnet.
Wie bei vielen Vertreter der naiven Malerei oder der Art Brut bleibt auch in seinem Lebenslauf vieles unklar. Er war der Sohn einer taubstummen Bettlerin und eines unbekannten Vaters. Nikifor konnte weder lesen noch schreiben und war wegen seiner Sprachstörungen ein Outsider. Nach dem Tod seiner Mutter fristete er das Leben eines Bettlers.
Vermutlich im Alter von 13 Jahren begann er zu zeichnen und zu malen und verwendete dabei die Materialien, die sich gerade anboten: Bleistifte, Packpapier, Notizzettel oder Zigarettenschachteln. Seine Bilder verkaufte er an Gäste, welche den Kurort Krynica aufsuchten. Die Leute liessen sich von Nikifor auch porträtieren.
Um 1930 wurde er von der Kunstwelt entdeckt, als sich im Thermalbad Krynica ein Ganzjahresbetrieb etablierte. Sein Künstlerdasein nahm er sehr ernst und erhielt nicht nur durch den Verkaufserfolg eine grosse Anerkennung. 1968 starb er nach langer schwerer Krankheit (wahrscheinlich Tuberkulose).
Viele Werke befinden sich in Museen und Privatsammlungen in Europa und den USA. 1998 gab die polnische Regierung, die sein Schaffen ab 1945 aktiv unterstützte, auch Briefmarken mit Illustrationen von Nikifor heraus. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Autodidakten in der naiven Malerei Polens.
Künstlerisches Schaffen
Nikifor arbeitete in Mischtechnik, vor allem mit Aquarellfarben, Gouache und Wachsstiften. Als Folge des Papiermangels sind die Bilder anfangs oft kleinformatig und die Bilderrahmen fertigte er selbst aus Papier. Zum Aufhängen verfertigte er Ösen aus Garn.
Seine Kompositionen sind häufig symmetrisch um ein zentrales Motiv gruppiert und missachten Proportionen. Thematisch malt er gerne Gebäude und Stadtansichten, wobei er Realität und Phantasie mischte. Nikifor liebte es auch, sich in erfundenen Situationen darzustellen, oft als Kirchenfürst, Richter oder Heiliger. Vermutlich um über sein Analphabetentum hinwegzutäuschen, schrieb er Buchstabenfolgen oder einzelne Wörter in die Bilder. Seine bevorzugten Farben sind Pastelltöne, Dunkelgrün, Ziegel- oder Braunrot und Schwarz.
Ausstellungen, Anmerkungen, Hinweise, Quellen
1967: Erste grosse Ausstellung in Warschau. Danach folgen unzählige Ausstellungen in Museen und Galerien in Europa und den USA.
2004: Entstand in Polen der Spielfilm «Mein Nikifor». Der Film erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise.Ausst. Galerie HILT: Nikifor, 1971; Berühmte naive Maler aus einer Privatsammlung, 1979; Outsiders, 1982; Art Brut – Kunst zwischen Genialität & Wahnsinn,1998