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dodis.ch/18938
Besuch von Herrn Botschafter McKinney vom 22. November 1961
Herr Botschafter McKinney kam, um mir, wie er das in letzter Zeit gelegentlich tut, einige Telegramme des State Department zur vertraulichen Einsicht zu unterbreiten.
Im Anschluss daran, brachte ich das Gespräch auf die europäische Integration und namentlich auch auf die Stellung der Neutralen, dabei die eben abgeschlossene Genfer Ministerkonferenz5 als Ausgangspunkt benützend. Ich sagte McKinney, dass wir als Land der freien Presse Verständnis dafür hätten, dass auch in den Vereinigten Staaten viele Pressestimmen nicht mit der Auffassung der Regierung übereinstimmten, dass uns aber trotzdem ein weitverbreitetes Unverständnis gegenüber der Stellung der neutralen Länder einiges Unbehagen verursache. Dabei zitierte ich als Beispiel den jüngsten Artikel von Hazebrouk6 in der New York Herald Tribune. Am Verhältnis Finnland-Russland und Österreich-Russland zeigte ich, wie diese Länder überhaupt keine andere Wahl als die der Neutralität hätten, machte aufmerksam auf das durch das Vier-Mächte-Memorandum des Jahres 1955 etablierte Junktim zwischen der schweizerischen und österreichischen Neutralität7, verbreitete mich über unsere Wehranstrengungen an die Tatsache, dass wir sie völlig aus eigener Kraft tragen und machte ihm auch anhand der verfassungsrechtlichen Vorschriften über die Referendumsdemokratie verständlich, wie schwer es für uns wäre, die dem Souverän zugedachten Rechte an eine grössere Gemeinschaft abzutreten.
McKinney interessierte sich aufs lebhafteste für diese Ausführungen und versprach mir, dieser Frage in seiner künftigen Berichterstattung ans State Department alle Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei wollte er wissen, ob die Schweiz als «Brain-Center» der Neutralen zu betrachten sei, ob also in diesem Sinne seine Mission über die unmittelbar schweizerischen Belange hinausreiche. Ich sagte ihm, dass in dieser Richtung keinerlei Absprache unter den Neutralen bestehe, sondern dass bei der Pflege eines engstmöglichen Kontaktes jedes Land seine Neutralitätspolitik vertrete. Die Frage, ob allenfalls in einer gewissen kommenden Verhandlungsphase der Neutralitätsstandpunkt gemeinsam vertreten werden solle, sei noch in keiner Weise abgeklärt.
McKinney versprach sein Möglichstes auch zur Aufklärung der amerikanischen öffentlichen Meinung zu tun. Ich stellte ihm in Aussicht, ihm etwa zwei Tage vor dem Diner der Presse étrangère einige Kopien meiner Ansprache zur Verfügung zu stellen.
- 1
- E 2804(-)1971/2/40.↩
- 2
- Zur Berlinkrise vgl. z. B. das Schreiben von A. Escher an R. Kohli vom 27. Juli 1961 (Do-DiS-30565), das Schreiben von H. U. Rentsch an Kohli vom 16. August 1961 (dodis.ch/30446), das Schreiben von R. Hartmann an das Politische Departement vom 17. August 1961 (Do-DiS-30564), das Schreiben von F. Bieri an das Politische Departement vom 23. August 1961 (dodis.ch/30569), die Notiz von R. Godet an Kohli vom 7. September 1961 (dodis.ch/30570) und das Schreiben von R. Hartmann an das Politische Departement vom 11. September 1961 (dodis.ch/30567).↩
- 4
- Für verschiedene Politische Berichte der schweizerischen Botschaft in Paris vgl. E 2300 (-)1000/716/355.↩
- 5
- Es handelt sich um die Ministerkonferenz der EFTA vom 20. – 21. November 1961. Vgl. das BR-Prot. Nr. 2100 vom 15. November 1961, E 1004.1(-)-/1/655.↩