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Beschwerden
Es handelt sich hier um das gleiche wie bei der einfachen Migräne, außer daß der Patient nicht nur unter seinem Kopfweh leidet, sondern auch noch unter seiner Aura. Eine Aura ist eine Sensation, die normalerweise auftritt, bevor sich das Kopfweh entwickelt. Sie kann visuell sein, was am häufigsten vorkommt (etwa ein Flickerlicht vielleicht), oder ein Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl in einer Hand oder Schwindel oder auch Denkstörungen, die bis zu ekstatischen Halluzinationen reichen können, wie sie bei Hildegard von Bingen auftraten.
Interessanterweise kann die Aura im Vordergrund stehen, sogar ganz ohne Kopfweh. In solchen Fällen verspürt der Patient nur vorübergehende neurologische oder psychische Symptome, was eine Unterscheidung von epileptischen oder transient ischämischen Attacken erschwert.
Während es verschiedene Theorien über die Entstehung eines Migräneanfalles gibt, scheinen die defizitären Symptome auf momentan verminderter Durchblutung einzelner Hirnareale zu beruhen. In seltenen Fällen kann es dabei zu Schlaganfällen kommen.
Die sorgfältige Patientenbefragung gibt gute Hinweise dafür, daß es sich um eine klassische Migräne handelt. Wegen der Aura sollte man sich aber nicht allzu sicher fühlen. Um dieselbe von anderen Erkrankungen mit Auren abgrenzen zu können, sollten vielleicht einzelne technische Hilfsuntersuchungen durchgeführt werden.
Das EEG zeigt dieselben Veränderungen wie bei der einfachen Migräne, nämlich häufig eine vermehrte Photosynchronisation auch in den langsamen Frequenzen, und recht oft auch intermittierende temporale Herdveränderungen. Manchmal sind diese ähnlich zu oder sogar identisch mit epileptischen Veränderungen. Bei diesen Patienten gibt es eine gute Behandlungsmöglichkeit mit Antikonvulsiva. Eine transkranielle Doppleruntersuchung erlaubt der Ausschluß eines symptomatischen Angioms mit größerem Blut-Steal-Mechanismus. Bei Migräne mit visueller Aura können Veränderungen bei den visuell evozierten Potentialen gesehen werden, gleich wie bei Gleichgewichtsstörungen (etwa in Basilarismigräne) solche bei den akustisch evozierten Potentialen. Beide scheinen symptomatisch für ischämische Funktionsstörungen in den entsprechenden cerebralen, bzw. pontocerebellären Arealen zu sein. Morphologische Veränderungen wie Tumoren oder angiodysplastische Missbildungen können mit CT oder MRI ausgeschlossen werden. Letzere zeigt recht häufige kleine ischämische Läsionen in der weißen Substanz der Grosshirnhemisphären.
Im Prinzip ist die Behandlung der Migräne mit Aura gleich wie die der Migräne ohne Aura. Patienten mit isolierter oder sehr lange anhaltender Aura (länger als zwanzig Minuten) sollten diese nicht mit einem vasokostriktiv wirkenden Mittel behandeln, wie Ergotamin oder Sumatriptan, sondern sollten statt dessen ein Spasmolyticum verwenden. Als Prophylaxe sollten diese Patienten niedrig dosiert Aspirin© einsetzen oder Flunarizin, allein oder in Kombination mit einer anderen Präventivbehandlung. Meiner Meinung nach sollten isolierte Auren ohne nachfolgende Schmerzen überhaupt nicht behandelt werden. Da sie meistens harmlos sind, sollte man sie als interessante Phänomene ansehen und sie tolerieren. Sie können aber Patienten am Autofahren oder bei Arbeiten an gefährlichen Maschinen behindern.
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