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Duesenberg – der amerikanische Rolls-Royce
Die Geschichte der Duesenberg Motor Company währte nur kurz, aber sie brachte Automobile hervor, deren Schönheit und Qualität bis heute legendär sind. Rund 500 Exemplare wurden gebaut. Diejenigen, die noch erhalten sind, gehören zu den teuersten Sammelobjekten, die der Oldtimer-Markt heute zu bieten hat.
Friedrich (1876-1932) und August (1879-1955) Düsenberg stammen aus dem Städtchen Lemgo in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Nach dem Tod des Vaters 1881 wanderte die Mutter mit ihnen und vier weiteren Geschwistern 1885 in die USA aus. Die Brüder änderten nicht nur ihren Nachnamen in die kompatiblere Schreibweise „Duesenberg“ um, sondern auch ihre Vornamen: Fred und Augie.
Die erste Firma von Fred, gegründet 1897, stellte Fahrräder her, darunter auch ein motorisiertes Exemplar, das die Brüder gemeinsam konstruierten. Fred arbeitete parallel als Rennfahrer für den Hersteller Jeffery und fuhr in dieser Zeit zwei Weltrekorde ein. Ab dem Jahr 1902 tunte er Fahrzeuge anderer Firmen, ein Jahr später musste er für den Fahrradbetrieb Insolvenz anmelden. 1905 wurden die Brüder von der Mason Motor Car Company in Des Moines engagiert, wo sie für kurze Zeit ihre technische Begabung ausleben konnten.
Nachdem Fred Duesenberg mehrere Geldgeber aufgetrieben hatte, konnten die Brüder 1913 endlich ihr eigenes Unternehmen gründen, die Duesenberg Motor Company in St. Paul (US-Bundesstaat Minnesota). Sie starteten mit einem Vierzylinder, der später durch einen Achtzylinder-Reihenmotor mit 4,3 Litern Hubraum und 90 PS ersetzt wurde. Im Ersten Weltkrieg verlegte sich Duesenberg auf die Rüstungsproduktion und lieferte Motoren für Boote und Flugzeuge der britischen und französischen Armee.
Nach dem Krieg ging es weiter mit dem Autobau, ausserdem stieg die Firma in den Rennsport ein, wo sie schon bald Erfolge feiern konnte: 1920 mit einem neuen Weltrekord (251 km/h) in Indianapolis, 1921 in Le Mans mit dem Sieg beim Grossen Preis von Frankreich. Als Rennwagenschmiede war der Name Duesenberg bald in aller Munde, aber die Brüder – vor allem Fred – wollten mehr. Ihr Anspruch war kein geringerer, als das beste Auto der Welt zu bauen. Man kann sagen, dass es ihnen gelungen ist. Allerdings waren die Duesenbergs auch immer die teuersten Wagen auf dem Markt, so dass der Kundenkreis von vornherein sehr beschränkt war. Um einige Namen zu nennen: Die Schauspieler Gary Cooper, Clark Gable, James Cagney und Greta Garbo fuhren die Luxuslimousinen, ebenso der Zeitungsmagnat Randolph Hearst oder der exzentrische Millionär Howard Hughes. Für den einfachen Mann auf der Strasse blieben die Autos ein Traum – er konnte sich allenfalls einen Ford „Model T“ leisten.
Die Brüder Duesenberg waren auf technischem Gebiet Perfektionisten, die überwiegend auf Handarbeit setzten. Eine kaufmännische Ader allerdings besassen sie nicht. Mitte der 1920er Jahre gerieten sie in finanzielle Schwierigkeiten, die sie alleine nicht mehr bewältigen konnten. Sie hatten Glück, dass Errett Lobban Cord 1926, der zuvor schon die Auburn Automobile Company erworben hatte, das Unternehmen aufkaufte. Fred und Augie blieben in Führungspositionen und entwickelten weiterhin unter einem Dach Fahrzeugmodelle und Motoren für Cord, Auburn und Duesenberg, ähnlich wie später Rolly-Royce und Bentley in England.
Die Technik der Duesenbergs war zukunftsweisend, nicht nur wegen der hohen Qualität und Zuverlässigkeit. So verfügten sie lange vor der Konkurrenz über hydraulische Bremsen, Kompressoraufladung und Vierventiltechnik. 1929 erschien das Modell J mit einem Hubraum von 6,9 Litern und 265 PS, das eine Geschwindigkeit von 180 km/h auf die Räder brachte. Der 1932 vorgestellte Nachfolger SJ legte noch einmal zu: 320 PS, Höchstgeschwindigkeit 243 km/h.
Man muss sich vor Augen halten, dass Duesenberg – wie viele andere Hersteller damals auch – nur Fahrgestelle und Motoren lieferte. Die Aufbauten entstanden je nach Kundenwunsch in den Werkstätten von Karosseriebauern, Schreinern, und Sattlern. Deshalb gibt es keine zwei Duesenberg-Modelle, die sich gleichen – jeder Wagen ist ein Unikat. Kein Wunder, dass die Oldtimer heute immer wieder Spitzenpreise erzielen, wenn sie den Besitzer wechseln.
1932 war ein Schicksalsjahr für die Brüder Duesenberg. Im Juli verunglückte Fred auf dem Heimweg von der Arbeit mit seinem Wagen tödlich. Dadurch verlor die Marke ihren genialen Konstrukteur und innovativen Antreiber. Neue Entwicklungen in der Produktion taten ein Übriges. Es gab nun ausreichend starke Hydraulikpressen, um grosse Bleche für Motorhauben, Kotflügel und Dächer maschinell herzustellen. Die getrennte Fertigung war preislich nicht mehr konkurrenzfähig, und die Hersteller – allen voran Ford – liessen komplette Autos vom Band rollen. Duesenberg verlor mehr und mehr Marktanteile. 1937 kam das endgültige Aus, als die Cord Corporation Konkurs anmeldete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es verschiedene Versuche, die Marke wiederzubeleben, die aber allesamt scheiterten. Von den ursprünglichen Duesenbergs sind heute noch etwa die Hälfte fahrtüchtig. Verkäufe oder Versteigerungen sind höchst selten, denn wer einen Duesenberg sein Eigen nennt, trennt sich kaum mehr von ihm. Und wenn doch – unter einer Million Dollar ist keiner zu haben.
Oberstes Bild: Duesenberg Model J Murphy Convertible Sedan 1929 (© AlfvanBeem, Wikimedia, CC)