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Riley Sheen – kann der Spätzünder Brian O’Neill ersetzen?
Riley Sheen (29) ist ein klassischer Spätzünder, auch Late Bloomer genannt. Erst mit 24 Jahren verliess Sheen 2019 das Junioren- und Universitätshockey. Bis dahin spielte er unter anderem in der WHL und an der University of Calgary. In der Saison 2019/20 spielte er in der zweithöchsten Liga Russlands für ORG Beijing, dort war er mit 50 Scorerpunkten in 53 Spielen der Topscorer des Teams. 2020 erfolgte dann der Wechsel nach Deutschland in die DEL2 zu den Bietigheim Steelers. Dort verbuchte er in der ersten Saison in 56 Spielen 75 Scorerpunkte und stieg mit dem Team in die DEL auf. In der Saison 2021/22 spielte er somit erstmals in der höchsten Spielklasse eines Landes. Sheen hatte in der DEL keinerlei Anpassungsschwierigkeiten: 64 Scorerpunkte in 55 Spielen!
Kein Wunder, dass seine Leistungen für Aufsehen sorgten. Rögle BK nahm Sheen im Sommer 2022 unter Vertrag, wo er bis zu seinem EVZ-Wechsel unter Vertrag stand. In knapp eineinhalb Jahren bestritt er 52 Spiele und verbuchte 32 Scorerpunkte (sieben Tore).
Der 29-jährige Stürmer kann eine wichtige Figur im Powerplay spielen und überzeugt insbesondere durch seine Abschlussstärke und Spielintelligenz. Seine Powerplay-Stärke bewies er auch bei seinem EVZ-Debüt, als er gleich in seinem ersten Spiel im Powerplay erfolgreich war. In dieser Hinsicht ist der Kanadier definitiv eine willkommene Verstärkung. Beim EVZ hat Sheen die undankbare Aufgabe, Brian O’Neill (35) zu ersetzen. Der US-Amerikaner fällt wegen einer schweren Verletzung mindestens drei Monate aus. Wie O’Neill ist auch Sheen ein Spieler, der nicht unbedingt durch seine Postur (181cm/75kg) beeindrucken kann. Der Flügelspieler bringt aber wichtige Elemente mit, welche dem Zuger Spiel helfen können. Von seiner Spielart her ähnelt er O’Neill zuweilen ein bisschen und man muss davon ausgehen, dass Kläy zum Zeitpunkt von Sheens Verpflichtung bereits um den drohenden, langfristigen Ausfall von O’Neill wusste. So gesehen macht es Sinn, einen ähnlichen Spielertyp ins Team zu holen. Allerdings ist er nicht ein Spieler, der nur an seinen Scorerpunkten gemessen werden darf. An erfolgreichen Punktesammlern (Martschini, Michaelis, Herzog) mangelt es beim EVZ ohnehin nicht.
Was hat der EVZ mit Ian Derungs vor?
Für ungleich mehr Verwunderung sorgte die Leihe von Flügelspieler Ian Derungs (24). Der 24-Jährige wechselt leihweise für den Rest der Saison vom EHC Biel zum EV Zug. EVZ-Sportchef Reto Kläy betonte bei der Verkündung des Transfers, dass Derungs dem EVZ im Hinblick auf die Playoffs mehr Kadertiefe verleihen könne.
Der 24-jährige Flügelstürmer stammt aus dem Nachwuchs des EHC Kloten, wo er bis 2018 spielte und in der Saison 2017/18 seine ersten NL-Spiele (elf Spiele, zwei Scorerpunkte) bestritten hat. Die Saison 2018/19 verbrachte er in der OHL bei den Kingston Frontenacs (57 Spiele, 20 Scorerpunkte). Nach einer OHL-Saison kehrte er in die Schweiz zurück und unterschrieb beim SC Langenthal. Zur Saison 2021/22 wechselte er zum HC Thurgau, wo ihm der definitive Durchbruch gelang. Er bestritt – inklusive Playoffs – 61 Spiele und sammelte dabei 70 Scorerpunkte. Mit 37 Toren war er in der Qualifikation der beste Torjäger der Liga. Kein Wunder, dass der HC Ajoie auf ihn aufmerksam wurde. Zur Saison 2022/23 zügelte er ins Jura, konnte sich dort aber aufgrund von Verletzungen nicht durchsetzen. In 33 Spielen sammelte er zehn Scorerpunkte. Er erzielte unter anderem in der Liga-Qualifikation gegen den HC La Chaux-de-Fonds zwei wichtige Tore. Auf diese Saison hin folgte der Wechsel zum EHC Biel, wo er einen Zweijahresvertrag erhielt. Auch bei den Seeländern hatte er mit Verletzungen zu kämpfen, weshalb er nur 17 Spiele bestreiten konnte.
Dass der Sohn von Thomi Derungs (Headcoach der Zuger U20) und Bruder von Kloten-Stürmer Keanu Derungs Talent und Potenzial besitzt, daran gibt es keine Zweifel. In der National League konnte er dies allerdings bislang nicht nachhaltig unter Beweis stellen. Wenn er über längere Zeit fit bleibt und von seinem Headcoach Vertrauen bekommt, könnte sich dies ändern. Es ist denkbar, dass er für den EV Zug einen sportlichen Mehrwert darstellen kann.
Robin folgt Nussbaumer und Vogel zum HCC – Derungs wie einst Brunner?
Louis Robin (20) wird derweil an den HC La Chaux-de-Fonds verliehen. Robin, der den EVZ zum Saisonende ohnehin in Richtung Ajoie verlassen wird, soll beim HCC wertvolle Spielpraxis sammeln. Er folgt damit seinen EVZ-Kollegen Arno Nussbaumer (21) und Rémi Vogel (22), welche aus demselben Grund derzeit beim HCC spielen. Der EVZ kann ihn jederzeit zurückholen, womit weitere Einsätze im EVZ-Dress erfolgen könnten. Allerdings dürften die Chancen auf weitere EVZ-Einsätze gering sein, sofern keine weiteren verletzungsbedingten Ausfälle dazu kommen.
Derweil hofft man im Zuger Umfeld, dass bei Ian Derungs ein ähnlicher Effekt eintrifft wie einst bei seinem Bieler Kollegen Damien Brunner (37). Dieser wechselte im Tausch gegen den heutigen MySports-Experten Thomas Walser (41) 2008 zum EVZ und entwickelte sich binnen vier Jahre zum NHL-Spieler. Kloten hatte damals keine Verwendung mehr für Brunner, was sich im Nachhinein als kapitaler Fehler erwies. Natürlich sind die beiden Personalien nur bedingt vergleichbar, aber auch Derungs könnte in einem neuen Umfeld eine Leistungssteigerung hinlegen und beim EVZ den NL-Druchbruch schaffen. Nur hat dies einen Haken: Derungs besitzt in Biel einen Vertrag für die kommende Saison, weshalb er ohnehin nach Saisonende den Verein wieder verlässt.