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1790
Um 400 nach Christus als alemannische Siedlung «Rorscahun» (Ror = Schilfrohr, scahun = Schachen; alemannische Bezeichnung für Waldwiese) gegründet, entwickelte sich der Ort am Bodensee stetig weiter. Im Schwarzplan des Jahres 1790 ist die alte Struktur des vom Leinwand- und Kornhandel geprägten Rorschach noch gut ersichtlich.
Die Gebäude im Zentrum standen nah oder direkt am See, orientierten sich am Uferverlauf und mündeten im alten Hafenplatz, mit dem 1749 gebauten Kornhaus.
Etwas weiter südlich der Hauptstrasse, zerstreute sich die Siedlungsdichte in verschiedene Weiler und Höfe. Gut ersichtlich und freistehend waren die Klosteranlagen Mariaberg (im Süden) und Scholastika (im Westen, heutiges Areal des Hauptbahnhofes).
1866
Mit der Erstellung der Eisenbahnlinie Rorschach-St. Gallen im Jahre 1856, und der Anordnung des Bahnhofs westlich des Zentrums, begann der Ort in ebendiese Himmelsrichtung zu wachsen. Die Weiler und Höfe in der Steigung verschwanden oder aber wuchsen um ein Vielfaches an. Das Ufer wurde derweil erweitert, aufgeschüttet und ein neues Hafenbecken fügte sich um den Platz. Am Hafen standen noch immer viele der alten Historischen Gebäude, so auch ein Kaufhaus direkt am Hafenbecken. Die Industrialisierung kam in Rorschach an und begann sich rasant auszudehnen.
1887
Rorschach und seine Weiler begannen zu verwachsen. Nicht nur prägten immer mehr Gebäude das Landschaftsbild, die 1869 eröffnete Linie Rorschach-Romanshorn veränderte die Gebäudesilhouette im Zentrum radikal. So wurde beispielsweise das Kaufhaus zu zwei Dritteln abgebrochen und dient heute noch als Bahnhofsgebäude. Zu den Abbrüchen von Häusern gesellten sich Neubauten von Güterschuppen entlang der Bahnlinie. Diese konnten wiederum von dem neu gebauten und optimierten Hafenbecken profitieren, welches in seiner Form und Gestalt bis heute existiert. Die Hafenstadt fügte sich der Industrialisierung.
1921
Nach dem 1. Weltkrieg brach die Stickerei-Industrie und der Maschinenbau zusammen. Die Stadt am See welche sich so rasant entwickelte, durchlebte schwierige Zeiten. Die Ausdehnung und Verdichtung der Gebäude stagnierten. Während die Bevölkerungszahlen von 5’716 (1890) auf 12’883 Personen (1910) stiegen, sanken sie bis ins Jahr 1940 auf 10’591 Personen. Auch verlor der Ort mit dem Kloster Scholastika ein markantes Baudenkmal.
1972
In den 1960er Jahren gab es so viele Bewohner wie noch nie zuvor in Rorschach. Um 13’290 Menschen Platz zu bieten, mussten aufgrund der Verdichtung, einige historische Gebäude im Stadtzentrum weichen. Gut zu sehen sind die Veränderungen entlang der Hauptstrasse, welche in den 1950er Jahren verbreitert wurde. Nicht nur kamen neue Häuser dazu, auch die Architektur der 60er und 70er Jahre fand in Rorschach einen Platz. Ein Beispiel dafür ist das 1963 eröffnete Seerestaurant.
2002
Während sich umliegende Gemeinden in den vorgehenden Jahren stark entwickelten, schien Rorschach wieder in eine Stagnation verfallen zu sein. Um das Jahr 2000 lebten nur noch 8’668 Personen in der Stadt am See. Hundert Jahre zuvor waren es 9’146. Verdichtungen oder Quartiersausdehnungen fanden kaum statt. Alte und historische Bausubstanz wurde abgetragen und mit neuer ersetzt. Der Ort schien auf einem langen Weg der Identitätsfindung zu sein.
2022
Mit der Neugestaltung des westlichen Seeufers, sowie dem Bau des Würth-Gebäudes, scheint die Stadt mit seiner Vergangenheit aufräumen zu wollen. Die alten Güterschuppen wichen Flaniermeilen oder Wiesen und Plätzen, welche das Gesellschaftliche Leben aufwerten. Im Stadtzentrum folgte auf einen Parkplatz, in den 2010er Jahren die grosse Migros Überbauung. Auch der Stadtwald, welcher auf dem ehemaligen Industrieareal der Alcan realisiert wurde, zeugt von einem Streben und Wandel der Industriestadt zum attraktiven Wohnort. Die Bevölkerungszahlen geben dieser Entwicklung jedenfalls recht, sie nahmen seit dem Jahr 2000 zu und erreichten um das Jahr 2020 ein neues Hoch von 9’646 Personen.