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Im Kommunismus braucht es keine Bilanzen. Alles gehört dem Staat. In einer Marktwirtschaft ist das Eigentum staatlich garantiert. Dieses Eigentum von natürlichen und juristischen Personen gilt es genau aufzulisten, zu bewerten und abzugrenzen. Ohne exakt geführte Bilanzen ist eine Marktwirtschaft undenkbar.
Was zeigt uns eine Bilanz? Der Ausdruck „Bilanz“ stammt vom italienischen Begriff „bilancia“, was „Waage“ bedeutet. Aktiven und Passiven halten sich die Waage; sie sind betragsmässig im Gleichgewicht.
Eine Bilanz ist die Gegenüberstellung von Vermögen (Aktiven) und Kapital (Passiven) an einem Bilanzstichtag. Die Summe der Aktiven entspricht immer der Summe der Passiven.
Das Vermögen auf der Aktivseite einer Bilanz wird genau ermittelt und bewertet. Es wird gegliedert in Umlaufvermögen und Anlagevermögen. Je liquider ein Vermögenswert ist, desto weiter oben in der Bilanz wird er aufgeführt.
Der Ausdruck „Liquidität“ steht für die Verfügbarkeit eines Aktivums, mit dem ein Vermögenswert verwendet werden kann, um eine Schuld auf der Passivseite zu bezahlen. Dabei werden beide Seiten der Bilanz gleichviel reduziert.
Der Ausdruck „Liquidität“ ist eine Abkürzung des Begriffs „Liquide Mittel“ und stellt immer ein Aktivum, also Vermögen, in der betreffenden Bilanz dar. Der Ausdruck „Liquidität“ kann niemals für ein Passivum verwendet werden.
Daraus folgt, dass Notenbankgeld nie und nimmer „Liquidität“ der Notenbank sein kann. Denn Notenbankgeld ist Passivum der Zentralbank und „Liquidität“ ist ein Aktivum.
Die Bilanzsumme entspricht der Addition sämtlicher Vermögenswerte auf der Aktivseite.
Demgegenüber zeigt die Passivseite, woher das Kapital stammt zur Finanzierung des Vermögens auf der Aktivseite. Dabei gibt es nur zwei Möglichkeiten: Eigenkapital und Femdkapital.
Das Vermögen auf der Aktivseite kann nur mit Eigen- oder Fremdkapital finanziert sein. Es gibt absolut keine andere Möglichkeit.
Die Summe aller Passiven stimmt bewertungsmässig mit der Summe aller Aktiven überein. Die Bilanzsumme ist auf der Aktiv- und Passivseite dieselbe.
Die Passivseite zeigt aber nicht nur, woher das Kapital stammt zur Finanzierung des Vermögens auf der Aktivseite. Die Passivseite zeigt zugleich, wem bei einer Liquidation des Unternehmens das noch vorhandene Vermögen zusteht. Dem Eigentümer oder den Fremdkapitalgebern.
Dabei sind die Fremdkapitalgeber den Eigenkapitalgeber vorangestellt. Wichtig ist dabei: Die Passivseite kann nicht länger sein als die Aktivseite. Warum? Weil nicht mehr Vermögen auf der Passivseite verteilt werden kann, als auf der Aktivseite tatsächlich vorhanden ist.
Verliert das Vermögen auf der Aktivseite an Wert, so wird dadurch auch die Passivseite reduziert. Zuerst vermindert sich das Eigenkapital, wenn dieses aufgebraucht ist, fällt der Wert der Verbindlichkeiten. Auch die Fremdkapitalgeber müssen Wertberichtigungen vornehmen.
Beispiel: Fällt der Wert eines Hauses, so vermindert sich dadurch zuerst das Eigenkapital des Hausbesitzers. Ist dieses „weggefressen“, so wird das Fremdkapital angegriffen. Fällt der Wert eines Hauses unter den Wert der Hypothek, so muss die Bank die Hypothek wertberichtigen.
Die Aufstellung einer Bilanz ist mathematisch exakt. Die Minus- und Pluszeichen der Mathematik werden in einer Bilanz durch Darstellung „links oder rechts“ respektive „Soll“ oder „Haben“ definiert.
Eine Bilanz gewährt die bessere Übersicht als eine „Milchbüchlein-Rechnung“ mit Plus- und Minuszeichen in chronologischer Reihenfolge. Eine Bilanz wird in verschiedene Konten aufgeteilt, die einzeln werden geführt. Das verbessert den Überblick gegenüber einer Milchbüchlein-Rechnung.
Diskutabel kann die Bewertung des Vermögens sein. Ein Haus hat verschiedene Werte wie Handelswert oder Steuerwert. Ist dieser festgelegt, passt sich die restliche Bilanz am Stichtag exakt den Gegebenheiten an. Eigen- und Fremdkapital hängen von der Bewertung des Hauses ab.
Betrügereien gibt es überall. Ein Betrugsfall liegt dann vor, wenn Vermögenswerte absichtlich falsch bewertet werden. Das kann zur Schädigung der Gläubiger auf der Passivseite führen. Der oft gehörte Ausdruck „solange die Leute daran glauben“ sei alles bestens, ist eine Irrlehre.
Es ist nicht „alles in Ordnung“, wenn ein gefälschter Picasso verkauft wird. Die Besitzer echter Picassos werden dadurch geschädigt. Das gilt für sämtliche Bewertungen in Bilanzen. Es gilt auch und insbesondere für die Bewertung von Notenbankgeld.
Aus einer Marktwirtschaft sind Bilanzen nicht wegzudenken. Das Eigentum einer natürlichen oder juristischen Person kann durch den Staat nur garantiert werden, wenn klare Verhältnisse herrschen. Bilanzen sind exakt zu führen. Sie dienen als Beweisgrundlage.
Diesbezüglich ist Wirtschaftswissenschaft eine mathematisch exakte Wissenschaft – wenn man von Betrügereien absieht, die früher oder später doch auffliegen. Jeder Leser wird seine Lohnabrechnung genau prüfen und verlangt absolute Exaktheit. Ob sein Lohn gerecht ist, ist eine andere Frage.
Jeder Marktteilnehmer ist gehalten, seine Bilanz genau zu führen. Eine natürliche Person wird aber kaum täglich eine Bilanz schriftlich führen. Trotzdem hat jede natürliche Person in ihrem Kopf eine Vorstellung von ihrem persönlichen Vermögen und ihren Schulden – oder sollte es zumindest haben.
Verliert sie den Überblick, so könnte es sein, dass der Staat bei einer Überschuldung mit Konkurseröffnung eine Einschätzung vornimmt – in Form einer Bilanz. Bei juristischen Personen schreibt das OR zwingend eine Bilanzführung vor, sofern der Umsatz über 100’000 Franken beträgt.
Das Prinzip einer Bilanz ist immer dasselbe. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Trägerschaft des Unternehmens privatwirtschaftlich, gemischtwirtschaftlich oder staatlich ist.
Die Bilanzen sind somit die Grundlage zur Gewährung von Eigentum. Aufgrund der Bilanzen kann der Staat das Eigentum garantieren. Dabei stehen die einzelnen Bilanzen aber nicht für sich alleine da in der Volkswirtschaft.
Die Bilanzen sind miteinander verflochten. Es besteht ein Geflecht von Bilanzen. Wobei auch diese Bilanzen übereinstimmen müssen.
Wenn die juristische Person A in eine Obligation der juristischen Person B investiert, so muss diese Investition mit der Bewertung bei B übereinstimmen. Wenn das Vermögen von Unternehmen A unter Wert ihrer ausstehenden Obligationen fällt, so muss Investor B eine Wertberichtigung vornehmen.
Es stimmen also nicht nur Aktiven und Passiven in der Bilanz jedes einzelnen Unternehmens überein, sondern auch die gegenseitigen Verflechtungen von verschiedenem juristischen Personen. Dabei spielt es keine Rolle, ob allfällige Verluste realisiert werden oder nicht.
Wir sehen: Bilanzen sind Voraussetzung für das Funktionieren einer Marktwirtschaft.
Umso erstaunlicher ist, dass führende Zentralbanker, Wirtschaftsprofessoren, Wirtschaftskapitäne und Politiker sich in vollkommener Ignoranz über die Aussagekraft von Bilanzen hinwegsetzen.
Prominenteste Beispiele sind die Zentralbanken. Angesehenste Zentralbankchefs der Gegenwart behaupten allen Ernstes, die Zentralbanken schafften „aus dem Nichts“ ein „liquides Vermögen“ und könnten damit „alles“ kaufen.
Damit interpretieren Sie Notenbankgeld eindeutig als Eigenkapital der Zentralbank. Das Kapital zum Kauf ihres Vermögens stamme von der Zentralbank selber – sei also Eigenkapital der Zentralbank. Das ist ein verhängnisvoller Irrtum.
Laut Jens Weidmann, dem Chef der Deutschen Bundesbank, kann diese „aus dem Nichts“ „Liquidität schaffen“ und damit Staatsanleihen „in Billionenhöhe“ kaufen.
Weidmann interpretiert damit Notenbankgeld eindeutig als Eigenkapital der Deutschen Bundesbank. Notenbankgeld stellt aber auch bei der Deutschen Bundesbank Fremdkapital beziehungsweise eine Verbindlichkeit gegenüber Kreditinstituten dar.
Thomas Jordan, Chef der Schweizerischen Nationalbank, behauptet ebenfalls, seine Notenbank könne „aus dem Nichts (…) unbeschränkt (…) Liquidität“ schaffen und damit „unbeschränkt Euros“ kaufen.
Das Kapital zum Kauf der über 500 Milliarden Devisenanlagen der SNB stammt aber nicht von der Nationalbank selber, sondern von den Geschäftsbanken. Das heisst: Die SNB kauft Euros nicht mit selbst geschaffenem Eigenkapital, wie sie zu verstehen gibt, sondern mit Fremdkapital, das von den Banken stammt.
Der unumstössliche Beweis dafür ist die Bilanz der SNB selber. Dort beträgt keineswegs das Eigenkapital der SNB über 500 Milliarden Franken. Nein, das Fremdkapital der SNB beträgt über 500 Milliarden (Giroguthaben der Banken bei der SNB).
Die Tatsache, dass die Zentralbanken ihre Investitionen nicht mit Eigenkapital finanzieren, sondern mit Fremdkapital, hat weitreichende Konsequenzen – sowohl in wirtschaftlicher als auch in rechtlicher Hinsicht.
In wirtschaftlicher Sicht Hinsicht folgt, dass die Zentralbanken die Zinsen per Saldo mit ihrem hochsterilisierten „Quantitative Easing“ nicht beeinflussen können. Das Kapital, das sie in die eigene Volkswirtschaft investieren, entnehmen sie dieser Volkswirtschaft, indem sie bei dieser Fremdkapital aufnehmen.
Das ist ein Nullsummen-Spiel.
Unsere SNB exportiert zudem Kapital von der Schweiz ins Ausland. Sie nimmt Fremdkapital in der Schweiz auf und investiert dieses im Ausland. Dieser Kapitalexport der SNB macht volkswirtschaftlich keinen Sinn und ist zudem höchst riskant. Das hat der misslungene Mindestkurs deutlich bewiesen.
Auch aus rechtlicher Sicht hat die Erkenntnis, dass Notenbankgeld nicht Eigenkapital, sondern Fremdkapital der Zentralbanken darstellt, weitreichende Konsequenzen. Die SNB wird von ihren Fremdkapitalgebern abhängig. Deshalb ist sie mit ihrem Mindestkurs gescheitert.
Die SNB konnte sich nicht endlos bei den Banken weiter verschulden. Darum musste sie aufgeben.
Die Gläubiger der SNB müssen ihrerseits ihre Guthaben bei der SNB bewerten. Fällt der Wert des Vermögens der SNB unter den Wert ihrer ausstehenden Verbindlichkeiten, so müssen die Banken ihre Guthaben bei der SNB entsprechend wertberichtigen.
Es drohen den Banken gewaltige Verluste, wenn das Eigenkapital der SNB negativ wird. Das scheint sich bei den Banken herumgesprochen zu haben. Und die SNB hat offenbar realisiert, dass sie sich nicht endlos bei den Banken verschulden kann.
Es ist wichtig, dass die SNB ihre Bilanz sofort deponiert, sobald ihr Eigenkapital „weggefressen“ ist. Nachdem die Eigenkapitalquote der SNB von über 60 Prozent auf unter 5 Prozent gefallen ist, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das Eigenkapital der SNB negativ wird.
Die SNB bestreitet, dass die Banken ihre Guthaben bei der SNB wertberichtigen müssen, sobald ihr Eigenkapital negativ wird. Begründung: Sie könne ja jederzeit „Liquidität aus dem Nichts schöpfen“ und damit sämtliche Schulden „bedienen.“ Das ist naiv.
Die SNB interpretiert Notenbankgeld abermals fälschlicherweise als Eigenkapital anstatt als Fremdkapital.
Die Behauptung, die SNB könne „Geld aus dem Nichts schöpfen“ und damit einen Gewinn in der Höhe der Geldschöpfung erzielen, treibt zudem seltsame Blüten. Eine davon ist die unglückselige Vollgeld-Initiative.
Da wird behauptet, die SNB erziele bei einer Geldschöpfung von 300 Milliarden einen Gewinn von 300 Milliarden. Dieser Gewinn stehe der SNB zu und nicht den Geschäftsbanken.
Auch die Vollgeld-Initianten meinen also fälschlicherweise, Notenbankgeld sei Eigenkapital der SNB. Deshalb meinen sie, bei Geldschöpfung entstehe ein Gewinn.
Die Vollgeld-Initianten sind somit im selben Spital krank wie die SNB. Die Prämisse der Vollgeld-Initiative ist falsch. Deshalb ist die ganze Initiative falsch.
Und ob die SNB ihre Schuld auf einer Banknote dokumentiert oder in Form von Buchgeld auf dem Bildschirm ist vollkommen egal. Es macht ja auch keinen Unterschied, ob der Leser eine Photo seiner Frau auf dem Bildschirm betrachtet oder in ausgedruckten, entwickelten Form; es handelt sich beide Male um seine Frau.
Und genauso ist Notenbankgeld nicht Eigenkapital, sondern eine Schuld der SNB; ungeachtet dessen, ob eine Soft- oder Hardcopy, ob Buch- oder Bargeld vorliegt.
Unglaublich erscheint, dass 105’000 Unterschriftsberechtigte einen Initiativtext unterschreiben, den sie offensichtlich nicht verstanden haben. Ich kann mir kaum vorstellen, dass 105’000 Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sich nach dem dunkelsten Kommunismus sehnen.
Von den Vollgeld-Genossen wird ja auch behauptet, die SNB könne auf der Aktivseite ihrer Bilanz einfach das „Bruttoinland-Produkt“ (BIP) verbuchen und dagegen Geld emittieren. Das ist Kommunismus pur: Dem Staat gehört alles. Deshalb dürfe nur er dagegen Geld emittieren.
Auf der Aktivseite einer Bilanz darf nur verbucht werden, was einem gehört. Und wenn das ganze BIP auf der Aktivseite der Staatsbank bilanziert werden soll, so heisst das, dass das ganze BIP der Staatsbank gehören soll. Das jedenfalls propagieren die Vollgeld-Genossen.
Erstaunlich ist, dass führende Wirtschaftsvertreter in unserem Lande die Fehlinterpretation der SNB-Bilanz ebenfalls nicht durchschauen und tatsächlich meinen, die SNB könne „Geld aus dem Nichts schöpfen“ und den Euro mit SNB-Eigenkapital stützen.
Dabei sollten doch gerade Wirtschaftsführer wissen, dass es keinen „free lunch“ gibt. Der Druck der Wirtschaftskapitäne auf unsere SNB sollte endlich aufhören. Dieser ist mikroökonomisch motiviert und erfolgt aus einer Froschperspektive.
Das ist unseriös und grobfahrlässig. Die Exporteure lassen sich auf Kosten der Steuerzahler eine gigantische Gratisoption schenken, deren exorbitantes Risiko die Steuerzahler tragen müssen. Die Exporteure bereichern sich auf Kosten der Allgemeinheit.
Die Wirtschaftsführer haben immer noch nicht begriffen, dass die SNB bei einer expansiven Geldpolitik keinesfalls Eigenkapital schöpft, sondern nur Schulden macht. Diese Schulden stellen für unsere Schweiz bereits jetzt eine immense Hypothek von über 500 Milliarden Franken dar.
Auch die jüngsten Demonstrationen von Gewerkschaften gegen die Nationalbank bezüglich einer Wiedereinführung des Mindestkurses verdeutlichen, dass auch Unia & Co. auf die „Irrlehre mit der Geldschöpfung aus dem Nichts“ hereingefallen sind.
Die Gewerkschaften würden viel besser dagegen protestieren, dass die SNB nicht einmal ein Prozent ihres Vermögens in der Schweiz investiert, den Rest im Ausland. Es wäre klüger, dafür zu demonstrieren, dass die SNB mit Inlandinvestitionen die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bekämpft und nicht im Ausland.
Aber eben: Wenn die SNB nicht versteht was sie tut, wie sollen es dann die Gewerkschaften verstehen?
Es wird höchste Zeit, dass die Wirtschaftswissenschafter, Zentralbanker, Wirtschaftskapitäne und letztlich die Politiker weltweit lernen, wie eine Bilanz zu richtig zu lesen und zu interpretieren ist. Dazu gehört vor allem auch die Bilanz ihrer Zentralbank.
Zentralbanken schaffen bei „Geldschöpfung“ kein Eigenkapital wie sie behaupten. Nein, die Zentralbanken verschulden sich in gigantischen Beträgen. Dadurch werden Zentralbanken verletzlich und zu einem Systemrisiko.