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Die Weinrebe ist eine der ältesten Kulturpflanzen mit einer reichen Kulturgeschichte. Ihr Vorfahre, die Wilde Rebe, stammt aus dem südeuropäischen-westasiatischen Raum und ist eine Wärme liebende Kletterpflanze. Rebkulturen finden sich demnach in der Region an südexponierten, besonnten Hanglagen.
Von der Wildpflanze zur Kulturpflanze
Die Wilde Rebe (Vitis vinifera
var. sylvestris
) ist eine der wenigen einheimischen Lianen
. Sie ist sehr selten und nur noch an einigen wenigen Stellen der Region zu finden, so an zwei Stellen entlang der Birs und in der Petite Camargue Alsacienne
. Die wenigen Standorte verraten ihren Lebensraum, der in der Region ebenfalls selten geworden ist: die Auenwälder. Noch vor der Rheinkorrektion in der Mitte des 19. Jh. war sie eine verbreitete Auenwaldpflanze, die in der Oberrheinischen Tiefebene
ihre nördliche Verbreitungsgrenze erreicht. Flussbegradigungen und das Entfernen der Lianen bei der Waldpflege liessen die Wildrebenbestände schwinden. Die Wilde Rebe ist die Wildform der überall kultivierten Weinrebe, die im Unterschied zur Wildrebe einhäusig (männliche und weibliche Blüten auf der gleichen Pflanze) ist. Die Weinrebe ist eine der ältesten Kulturpflanzen und wurde bereits bei den Ägyptern und Babyloniern um 3500 v.Chr. kultiviert.
Alte, neue, rote und weisse Sorten
Durch die Jahrhunderte alte Züchtungsgeschichte ist eine Vielzahl an Sorten entstanden. Im Baselbiet ist die häufigste Rebsorte der Blauburgunder (auch Spätburgunder oder Pinot noir), aus der sich ein leichter Rotwein keltern lässt. Bei den weissen Trauben liegt die Sorte Riesling x Sylvaner (auch Müller-Thurgau) an der Spitze, während im Markgräflerland der Gutedel (auch Chasselas) die typische Rebsorte ist.
Schon 1857 berichtete Johannes Kettiger in seinem Bericht über «Landwirtschaftliche Zustände in Basel-Land», dass es sich beim Roten in erster Linie um «blauen Klevner» (Blauburgunder) handle. Beim Weissen wurden im Baselbiet nach Kettiger vorwiegend Gutedel und Elben (auch Elbelen oder Elbling) angebaut. Elbling ist eine der ältesten weissen Rebsorten und wurde schon von den Römern in Mitteleuropa gezogen und erst im 17. Jh. von neueren Sorten allmählich abgelöst. Züchtungsversuche in Deutschland und der Schweiz durch den Thurgauer Hermann Müller ab 1882 führten 1908 zur Sorte Riesling x Sylvaner (deshalb auch Müller-Thurgau-Rebe genannt). Sie ist in der Region heute die häufigste weisse Rebsorte und kann dank ihren geringen Ansprüchen an Boden und Klima auch in rebbaulichen Randlagen kultiviert werden.
Pilze und Läuse im Rebberg
Neben der Konkurrenz besserer Weine aus dem Ausland und der ungünstigen Entwicklung der Arbeitslöhne waren vor allem auch Krankheiten und Schädlinge der Reben für die dramatische Rebbaukrise in der zweiten Hälfte des 19. Jh. verantwortlich. Um 1860 wurde die Reblaus aus Amerika im Süden Frankreichs eingeschleppt und richtete verheerenden Schaden an den Wurzeln an. 1876 erreichte sie das benachbarte Elsass, wo sie bis 1911 einen Drittel der Rebberge verseuchte. Die Region Basel wurde durch die Reblaus weniger stark betroffen; erst 1906 trat in Allschwil ein erster Reblausherd auf. Die wichtigste Massnahme war der vollständige Ersatz mit veredelten Rebstöcken, bei denen die Rebsorte auf eine resistente amerikanische Unterlage gepfropft wird.
Für die Region dramatischer war der Befall der Reben mit dem Falschen und dem Echten Mehltau. Es handelt sich um zwei verschiedene Pilzarten, die ebenfalls ungefähr zur gleichen Zeit wie die Reblaus aus Amerika eingeschleppt wurden. Beide Arten befallen Blätter sowie Beeren und bilden einen flockigen, grauweissen Rasen. Neben Ertragsausfällen und Schwächung der Reben konnten die beiden Krankheiten bei entsprechender Witterung ganze Ernten vernichten. Die Bekämpfung erfolgte beim Echten Mehltau mit Bestäuben von fein verteiltem Schwefel und beim Falschen Mehltau durch die berühmte Bordeaux-Brühe, die Kupfersulfat enthielt.
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