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Texte: Jakob Weber / Hans Speck
Im Klöntal standen früher - und stehen übrigens auch heute noch - ausgedehnte Waldungen, in denen fast das ganze Jahr Holzergruppen beschäftigt waren. Wegen der geografischen Lage des Klöntals wurde hier nicht der Holzschlag, sondern der Transport des Holzes zu den Verarbeitungsbetrieben und Bedarfstellen zum Hauptproblem und dieser beschäftigte ganze Familien. Beim Restaurant St. Fridolin in Netstal heisst eine Örtlichkeit heute noch "Flötzplatz“. Das lässt vermuten, dass Holz auf dem Wasserwege vom Klöntal ins Tal gelangte. Hans Thürers "Geschichte der Gemeinde Netstal“ und die Geschichte des ländlichen Hauptortes Glarus von Dr. Jakob Winteler bestätigen dies. Strittig sind sie sich lediglich darüber, ob die Holztransporte auf dem Wasser "Flötzen“ oder "Flössen“ hiessen.
Die Glanzzeit muss das "Flössen“ kurz vor dem Jahre 1800 erlebt haben, wird doch im Herbst 1788 die Zahl der Flösser im Klöntal mit fünfzig Mann angegeben. Charakterisiert werden die Flösser als junge, bärenstarke und furchtlose, rauhe Holzer. Ihr Arbeitswerkzeug war ein an einem langen Stecken befestigter Haken. Seine Mahlzeit soll jeder Flösser in einem Bündel auf dem Rücken bei sich getragen haben und oft trotz grimmiger Kälte den ganzen Tag im Wasser gestanden oder mindestens die tropfnassen Kleider auf dem Körper getragen haben. Die Holzerrechte erwarben sie sich von den Gemeinden Glarus, Ennenda und Netstal und vielfach durch vertragliche Absprachen von den Schwyzern im Gebiet vom Gampel bis gegen den Pragelpass hinauf. Bekanntlich reicht ja der Kanton Schwyz hier in einem ausgedehnten Zipfel bis zur Chlönbrücke hinter dem Richisau.
Wie war die Tätigkeit dieser Männer, die riesige Mengen von Holz zum Richisau oder Unter- und Oberlangeneck über den See bis nach Netstal oder vielfach bis in den Walensee hinunter transportierten? Das geschlagene Holz wurde in Nutzholzträmel und die weniger wertvollen Stücke und die dickeren Äste - Brennholz wurde damals noch in rauhen Mengen benötigt - in Blütsche- Klötze von drei Schuh Länge geschnitten. Nachdem ein Holzklafter zu drei Fuss Scheiterlänge 3,12 Kubikmeter ausmachte und ein heute im Glarnerland übliches Klafter Holz mit einem Meter Scheiterlänge drei Raummeter, also drei Kubikmeter lose geschichtetes Holz ergeben, müssen die Flösserstücke wenig mehr als einen Meter lang gewesen sein.
Während die Trämel wenn möglich im Winter mit speziellen Schleifschlitten auf die Sägen von Netstal und Glarus oder auch nach auswärts geführt wurden, warf man die Blütschen, also die zersägten Klötze, bei starker Schneeschmelze oder wenn der Bach als Folge von anhaltenden Regengüssen viel Wasser führte in die Chlön und flösste sie so zum See. Anders verlief dann der Transport über die spiegelglatte Seefläche bis zum Ausfluss beim heutigen Rhodannenberg. Hier konnte man das Holz nicht einfach in einzelnen Klötzen von der Gewalt der unbändigen Wasser fortspülen lassen, sondern man nahm das Ganze zu einem eigentlichen Sammeltransport zusammen. Ein paar lange und nicht zu dicke Baumstämme wurden mit eisernen Ketten, an deren Enden sich Haken befanden, lose aneinander befestigt. Damit bildete man beim Einlauf des Sees, also direkt in der Bachmündung, einen Halbmond, der alles durch den Bach hinuntergeflösste Holz umfing. Sobald alles beieinander war, schloss man die Kette, und in der geometrischen Form eines Zirkels (Kreis) ging der ganze Transport als eine Einheit von drei bis vier Mann in einem separaten, eigentlichen Floss, vom Nordwind angetrieben dem Ausfluss des Sees entgegen. Dort wo der Löntsch seinen Anfang nimmt, wurden die Klötze dann wieder einzeln den damals, als der Klöntalersee noch nicht gestaut war, wilden Fluten des Baches übergeben.
In einem hölzernen Rechen, zu dessen Verfertigung die Gemeinde Riedern verschiedentlich das Holz liefern musste, fing man die hinuntergeschwemmten Klötze wieder auf. Dass eine solche Art von Holztransporten nicht immer so glatt verlief, zeigt die Tatsache, dass auf der ganzen Löntschstrecke, die um die 15 Kilometer lang sein dürfte, bis zu 40 Prozent des Holzes verschwanden, das heisst genauer gesagt, irgendwo hängen blieben. Am schlimmsten muss die Passage bei "Büttenen" – auf halbem Weg zum Klöntalersee gewesen sein, wo sich der Wildbach im Laufe der Jahrtausende ein an die fünfzig Meter tiefes Tobel gefressen hat. Wie hart und unerschrocken die damaligen Flösser gewesen sind, zeigt die Praxis, mit welcher festgehangene Klötze freigelegt wurden, sofern dies nicht mit dem langen Hakenstecken durch die Fluten watend getan werden konnte. Im eben erwähnten Löntschtobel wurde einer der Flösser von zwei starken Männern auf einem knapp einen Meter langen Brett sitzend an einem Seil zur Stelle der verklemmten Stücke hinabgelassen, wo er dann frei schwebend versuchte, die Klötze wieder in Fluss zu bringen. Dass sich dabei sehr oft Unfälle ereigneten, verwundert niemanden. Jedoch war es nicht so, dass die Männer von dem knapp über den gurgelnden und tosenden, sich wild überschäumenden Wassermassen pendelnden Sitzbrett oder sonst wie in die Fluten stürzten. Es wurden lose Felsbrocken oder grosse Mengen Geröll durch eine kurze Berührung mit dem Seil vollends herausgelöst und verletzten den im Tobel schwebenden Flösser am Kopf oder sonst wo am Körper ernstlich. Für das Wagnis, welches der am Seil Hinabgelassene einging, wurde ihm ein doppelter
Taglohn ausbezahlt.
Während mindestens zwei Jahrhunderten erfreute sich die Holzflösserei aus dem Klöntal einer grossen Blüte. Jahr für Jahr müssen grosse Holzpartien abgeholzt worden sein. Gefährdet haben jedoch diese Holzschläge die damaligen Waldungen kaum, denn obwohl verschiedene Gesetze und Verordnungen über den Betrieb der Holzflösserei erlassen werden mussten, war nie von einer Einschränkung der Holzerei im Klöntal die Rede. Die hingegen im Klöntal später eine gewisse Zeit lang aufgekommene Eisenerzgewinnung muss die Waldwirtschaft bald einmal in Frage gestellt haben, worauf wir jedoch heute nicht eingehen wollen. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nämlich 1886, hörte die Holzflösserei auf.
Eine andere Art der Holzbeförderung war im Klöntal ebenfalls beheimatet. Wegen der schwierigen Beförderung ganzer Baumstämme wurde das Holz an Ort und Stelle zu Kohle gebrannt und dann in Säcken mit Saumpferden ins Tal zu den Verbrauchern gebracht. Eine sicher teure Heizmaterialbeschaffung, wenn wir den Heizwert dieser Holzkohle und die Umtriebe miteinander vergleichen und mit den heutigen Preisen multiplizieren.