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Patrik Etschmayer / Montag, 24. September 2012
Wenn man derzeit nachfragt, wie es bei uns in den Naturwissenschaften steht, bekommt man vielfach zu hören, dass es zu wenige gute Wissenschaftler gebe, diese eine Mangelware seien und zu wenige nach kämen. Aber das könnte auch an den Wissenschaftlern selbst liegen.
Denn wie es aussieht, leiden auch jene Leute, die von sich erwarten, nur die Fakten zu beachten unter Vorurteilen, die dazu führen, dass Frauen gerade in diesen Feldern benachteiligt werden. Dies war lange Zeit nur ein Verdacht, der aus der ungleichen Besetzung von höheren, besser bezahlten Positionen in den Universitäten erwuchs, der aber gerne mit diversen Argumenten (Frauen wollen Familie, Frauen nehmen eher Auszeiten, Frauen sind nicht willens, Opfer für den Beruf zu bringen) weg erklärt und den Frauen selbst wieder in die Schuhe geschoben wurden.
Doch all diese Argumente könnten erst als stichhaltig betrachtet werden, wenn Frauen hier tatsächlich die gleichen Chancen bekommen. Würde frau nämlich aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt, wäre es auch logisch, dass eher die obigen Taktiken verwendet würden, um aus einer unbefriedigenden, ja sogar diskriminierenden Situation wieder heraus zu kommen.
Doch wie findet man heraus? Ganz einfach: Man erforscht die Forscher. In einem Doppelblindtest hat Corinne Moss-Racusin von der Yale Universität mit einigen Kollaboratoren zusammen Bewerbungsunterlagen für Posten als Labor-Manager an Biologie-, Chemie- und Physik-Professoren verschickt. Die Unterlagen waren identisch und unterschieden sich nur in einem Punkt: Die Hälfte war mit einem männlichen Namen versehen, die andere Hälfte mit dem einer Frau.
In einer gerechten Welt, hätten «Student-Studentin» im Schnitt die gleiche Bewertung bekommen. Doch hoppla, der «Mann» wurde - und zwar jenseits jeglicher Fehlertoleranz - sowohl als kompetenter als auch als besser anstellbar bewertet, ja die Akademiker fanden sogar, dass es sich eher lohnen würde, dem männlichen Studenten akademische Betreuung zukommen zu lassen.
Diese negativere Einstellung gegenüber der «Frau» hätte denn auch einen Effekt auf den Verdienst gehabt: Während «Er» mit einem mittleren Salär von $ 30'000 hätte rechnen können, hätte die Studentin noch ein Jahresverdienst von im Schnitt $ 26'500 eingestrichen. Und dies bei gleicher Qualifikation, gleicher Arbeit, ja vermutlich dem gleichen Stuhl, auf dem sie sitzen würde.
Sind das nun gemeine Machos, die Frauen nicht mögen? Man darf sich fragen ob es nun bedauerlich ist oder nicht, aber die schlechtere Bewertung hing nicht davon ab, ob ein Mann oder eine Frau die Bewerbungsunterlagen in die Hand bekommen hatte: Auch Frauen trauen Frauen weniger in der Welt der Wissenschaften zu, ja, die Unterschiede waren bei den weiblichen Professoren zwischen Student und Studentin sogar grösser als bei männlichen Fakultätsmitgliedern!
Ob dies hier in Europa anders ist, darf bezweifelt werden - und anhand dieser Einstellung ist es begreiflich, wenn es eher die Frauen sind, welche die wissenschaftliche Laufbahn vorzeitig verlassen, denn man kann seinen Hintern darauf verwetten, dass die Benachteiligungen auch nach der Anstellung weiter gehen - und nicht nur beim Gehalts-Scheck.
Offenbar unterwandern Geschlechterklischees die Wahrnehmung auch dort, wo Objektivität immer ganz gross geschrieben wird, fördern so einen «Brain-Drain», den sich weder Wirtschaft noch Gesellschaft leisten können.
Es wäre wirklich interessant gewesen, hätte die Studie auch noch überprüfen können, wie eine anonyme, also geschlechtsneutrale Bewerbung bewertet worden wäre. Dies hätte dann nämlich auch die Antwort auf die Frage geben können, ob es sich allenfalls lohnen würde, dass Bewerbungen für akademische Positionen anonymisiert gemacht werden sollten. Denn die Studie beweist, dass es scheinbar keine Fairness im Berufsleben gibt und zumindest der Anfang mit der eingebauten Bewerbungsfalle fairer gestaltet werden sollte.