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Keiner war überrascht, als Rafael Nadal kurz vor Mitternacht wie befürchtet mitteilte: "Ich bin weg. Meine Saison ist zu Ende." Spätestens im dritten Satz der Niederlage gegen David Goffin war offensichtlich, dass Nadal unter grossen Schmerzen litt. Obwohl er anschliessend versicherte, er hätte selbst im Fall eines Sieges gegen den Belgier auf die letzten beiden Gruppenspiele verzichtet, hatte der Spanier im zweiten Satz noch vier Matchbälle abgewehrt. "Es war ein Wunder, dass es überhaupt so eng war", sagte Nadal resigniert. "Aber es machte keinen Spass. Und ich habe es nicht verdient, noch zweimal mit einem so schrecklichen Gefühl auf den Platz zu gehen."
Der Iberer, der mit 31 Jahren als ältester Spieler der Geschichte ein Jahr als Nummer 1 beenden wird, wusste, dass die Voraussetzungen nicht rosig waren. Er hatte wegen Problemen im rechten Knie bereits die Swiss Indoors ausgelassen und vor dem Viertelfinal in Paris-Bercy Forfait erklärt. Es war wohl ein Fehler, in der französischen Hauptstadt überhaupt anzutreten, aber Nadal sicherte sich damit die Nummer 1.
Nun ist - wieder einmal - Pflege und Regeneration angesagt. "Ich bin wohl der Spieler mit den meisten Verletzungen", stellte der Mallorquiner fest. "Das Gute ist: Diese Verletzung ist nichts Neues. Wir alle, mein ganzes Team, haben Erfahrung damit." Sie wüssten, was es braucht, um für die nächste Saison wieder bereit zu sein. "Ob es dann auch funktioniert, werden wir sehen."
Roger Federer hatte am Sonntag gesagt, Nadal habe dieses Jahr mehr Benzin im Tank gehabt, mehr spielen können und deshalb die Nummer 1 verdient. Es reichte aber einmal mehr nicht bis ganz zum Schluss, ein Masters-Titel bleibt dem Spanier weiterhin verwehrt. Im Gegensatz zu ihm verzichtete Federer nach dem Triumph an den Swiss Indoors auf die Teilnahme in Paris. Hätte er dort zwei Partien gewonnen, hätte er nun in London die Chance auf die Nummer 1. So bleibt er im besten Fall 140 Punkte hinter Nadal. Dafür scheint Federer an den ATP Finals nun der frischeste aller Spieler.
Natürlich sei er enttäuscht, sagte Nadal. "Aber ich werde jetzt nicht weinen. Ich hatte eine grossartige Saison." Dem Spanier gelang ein ähnlich grandioses Comeback wie Federer, nachdem er die letzte Saison wegen einer Handgelenkverletzung vorzeitig abgebrochen hatte. Er gewann zum zehnten Mal das French Open, das US Open sowie die Masters-1000-Turniere in Monte Carlo und Madrid. Dass nun die Krönung fehlt, wird er verschmerzen können. Wichtiger ist für ihn, dass er im Januar in Australien wieder fit ist. Sonst könnte die Nummer 1 sehr schnell wieder weg sein.