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Vor circa zwanzig Jahren wurde eine Gruppe von Stanford University Studenten in den Winterurlaub geschickt. Den Studenten wurde mit auf den Weg gegeben, ein tägliches Journal während der Ferien zu schreiben.
Einige Studenten sollten ihre wichtigsten Grundwerte in diesem Journal niederschreiben und dann notieren, inwieweit ihre Tagesabläufe mit diesen Werten in Einklang waren.
Die andere Gruppe wurde instruiert, sie sollten lediglich die positiven Aspekte eines jeden Tages notieren.
Als die Studenten aus dem Urlaub zurückkamen, stellten die Wissenschaftler fest, dass jene, die über ihre Grundwerte reflektiert hatten, allgemein gesünder, weniger oft erkältet waren und über mehr Energie und bessere Arbeitsmoral verfügten.
Im Laufe der Zeit wurden ähnliche Ergebnisse in beinahe 100 weiteren Studien nachgewiesen. Stanford Professor Kelly McGonial (hier ein Ted Talk in Englisch mit dt. Untertitel) erläutert in ihrem Buch “The Upside of Stress” (frei von mir übersetzt):
„Es zeigt sich, dass reflektieren über die Werte, eine der effektivsten psychologischen Interventionen darstellt, die je untersucht wurden. Kurzfristig fühlen sich jene, die ihre Werte niederschreiben energiegeladen, mehr Kontrolle habend, stolz und stark. Es gibt ihnen auch das Gefühl, mehr zu lieben und hilft zu mehr Verbundenheit und Empathie gegenüber anderen. Es erhöht die Schmerztoleranz, verbessert die Selbstbeherrschung und hilft, besser mit Stress umzugehen.
Langfristig erhöht es die Lernfähigkeit, reduziert die Arztbesuche, verbessert die psychische Gesundheit, hilf beim Abnehmen, um das Rauchen aufzugeben oder den Alkoholgenuss zu reduzieren. Es hilft Menschen, besser mit Diskriminierungen umzugehen und reduziert das oft vorhandene Gefühl, sich selber einschränken zu müssen. In vielen Fällen sind dies die Resultate einer einmaligen Werte-Session. Für Menschen, die, wenn auch nur einmal zehn Minuten, über ihre Werte reflektieren und sie notieren, zeigen sich Vorteile Monate oder sogar Jahre später.“
Aber warum?
Warum soll eine solch einfache Übung derart gravierenden Einfluss und unglaubliche Ergebnisse erzielen?
Die Macht der Grundwerte
Was ist der Mittelpunkt unseres Seins? Was ist unser Kern? Sind es unsere Gefühle, Gedanken und Erfahrungen? Sind es unsere Überzeugungen, Werte und Prinzipien? Oder sind wir einfach, wie wir sind?
Ich glaube, dass unter unseren komplexen Varianten und Zwiebelschichten von Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen unsere tief verwurzelten Werte zu finden sind. Ich sehe diese intrinsischen Werte als die Grundlage und Struktur, die begründet, wer wir sind.
Dies unterscheidet sich von unseren Glaubenssystemen. Letztere sind gelernt oder basieren darauf, was wir uns erzählen oder auf Dingen, die wir erlebt haben. Glaubenssätze erscheinen oft statisch, sie können uns als Realität erscheinen, aber ändern sich im Laufe der Zeit, weil wir uns ändern.
Unsere Grundwerte dagegen sind immer bei uns. Sie sind fest verankert und doch sind sie zugleich schwer greifbar, als ob sie sich verstecken wollten. Nicht spontan vorhanden, wenn wir uns mit ihnen auseinandersetzen wollen. Für die meisten Menschen ist es nicht einfach, direkt eine Antwort auf die Frage, „Was sind deine wichtigsten fünf Grundwerte?“ zu finden. Probieren Sie es aus, indem Sie aus diesen 348 Grundwerten Ihre acht wichtigsten auswählen. Aus der Vielfalt zu selektieren ist gar nicht so einfach und zeigt, dass es vielleicht Zeit ist, sich mit seinen Grundwerten zu befassen.
Das Bewusstsein ist der Schlüssel
Wenn man ein klares Verständnis seiner Werte hat, dann eröffnet allein dieses Bewusstsein die Fähigkeit, die Perspektive zu erweitern und stellt dem spirituellen Geist neue Möglichkeiten zur Verfügung. Gerade die Klarheit über die Hierarchie der Grundwerte führt zu einer Perspektive, die auf eine natürliche Art und Weise erklärt, warum man sich wie verhält oder woher manche unangenehmen Gefühle kommen. Die Mehrheit der Probleme entsteht durch eine Aktion, ein Ereignis oder eine Entscheidung, die mit den Grundwerten in einem Konflikt stehen.
Grundwerte sind weder schlecht noch gut, sondern neutral. Sie sind unser Kern. Deshalb gefällt mir der englische Begriff Core Values (Kernwerte) besser. Oft leben Menschen bestimmte Kernwerte, weil sie glauben, dass ihr Umfeld dies so erwartet, weil es Werte sind, die, so glaubt man, gut aussehen, während sie jedoch nicht dem wahren Ich entsprechen.
Forscher glauben, dass das Bewusstsein über die persönlichen Werte und das Reflektieren darüber, in Hinblick auf die Vorkommnisse, die täglich passieren, gerade dann hilft, die eigentliche Bedeutung eines stressigen Ereignisses zu enthüllen.
In der Tat, darüber zu schreiben, wie unsere täglichen Handlungen mit unseren tiefsten persönlichen Werten übereinstimmen, verbessert nachweislich unsere geistigen und biologischen Fähigkeiten. In den Worten von McGonigal: „Stressige Erfahrungen waren nicht mehr nur zu ertragen; Sie wurden erkannt als Resultat der Werte – kleine Dinge, die sonst irritierten, wurden zu Momenten der Bedeutung und des Verstehens.“
Persönliche Werte ausleben
Meine eigenen Erfahrungen spiegeln die Erkenntnisse der Forscher wider. In der Tat, stolperte ich in eine sehr ähnliche Praxis durch Zufall, bevor ich von diesen Forschungsergebnissen gehört hatte.
Alle sechs Monate beschäftige ich mich ausführlich mit meinen Grundwerten und verfasse einen Integritätsbericht. Dieser Bericht hat drei Abschnitte: Zuerst liste ich meine Kernwerte auf und reflektiere, was ich (momentan) darunter verstehe. Gerade Begriffe wie Liebe, Authentizität oder Gesundheit bedeuten für jeden etwas anderes. Zweitens untersuche ich, wie ich diese Grundwerte in den vergangenen sechs Monaten gelebt habe. Drittens übernehme ich die Verantwortung und reflektiere, wann und wo ich meinen Kernwerten nicht gerecht wurde. Ich habe festgestellt, dass diese einfache Übung tatsächlich hilft, meine Werte täglich präsent zu haben. Das Wissen darum, zum Beispiel, dass ich beitragen möchte (einer meiner Kernwerte und nicht mal in der Liste der 348) hilft, auch wenn es stressig wird, die sonntägliche SMSS auf jeden Fall zu schreiben.
Wenn wir das Leben leben und unsere Kernwerte kennen und lieben, ist das Leben leichter. Dinge, die unmöglich oder schwer schienen, sind plötzlich nicht mehr wichtig und scheinen nun fast ein bisschen albern. Es wird leichter, mit mehr Humor, Glück und Toleranz für sich selbst und andere zu leben. Unser Kern ist wie unser innerer Kompass: wenn wir ihn um eine Richtung bitten, wird er uns immer auf den wahrsten Weg steuern – und dafür bin ich sehr dankbar.
Mit jedem meiner Klienten (Arbeitsperiode zwischen drei und zwölf Monaten) werden in der zweiten Session die Grund- und Antiwerte untersucht. Dies führt häufig zu interessanten Einsichten beim Kunden (Kunden sind kundig), insbesondere die Hierarchie der Werte lässt vieles besser verstehen. Deshalb biete ich ein Modul „Grund- und Antiwerte“ an, in dem in einer Session nur dieses Thema erarbeitet wird.
Die Wissenschaft ist sich klar: „Über die persönlichen Kernwerte reflektieren wird Ihr Leben und Ihre Fähigkeit, mit stressigen Ereignissen in Ihrem Leben umzugehen, verbessern.“
Über Gewohnheiten und Denkmuster reflektieren…
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