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Was Value bedeutet
„Um bei der Kapitalanlage langfristig überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen, muss die angewandte Anlagepolitik folgende Vorteile bieten: (1) Sie muss objektive oder rationale Tests ihrer Solidität bestehen, und (2) sie muss sich von jenen Strategien unterscheiden, die von den meisten Anlegern oder Spekulanten verfolgt werden.“
Benjamin Graham in The Intelligent Investor
Ursprung und Geschichte
Den Value-Grundlagen entsprechend zu investieren hat seinen Ursprung in der grossen Weltwirtschaftskrise der dreissiger Jahre, die auf den Zusammenbruch des Aktienmarktes im Jahre 1929 folgte. Das Grundziel war, „Investment“ von „Spekulation“ zu unterscheiden. Dazu wurde ein vernünftiges, konservativanalytisches Gerüst entwickelt, um den Wert einer Anleihe oder Aktie so rational wie möglich zu bestimmen. Benjamin Graham (1894 – 1976) leitete diese Bestrebung in zweifacher Hinsicht: (1) auf wissenschaftlicher Ebene als Dozent Finanzen an der Columbia University in New York und (2) als erfolgreicher Anwender in der Praxis in seiner Firma Graham-Newman Corp. Er ist allgemein anerkannt als „Vater“ der modernen Wertpapier-Analyse. Das wissenschaftliche Lehrbuch „Graham & Dodd’s Security Analysis“ (1934) und die Prosafassung „The Intelligent Investor“ (1949) gelten bis heute als die „Bibeln des Investierens“ der Value-Analysten.
Was ist Value?
Value – Wert oder Substanz – bedeutet laut Webster’s Dictionary „the monetary worth of something“. Ferner ist valuation – Bewertung – im gleichen Wörterbuch definiert als „the appreciation of worth“. Generell sind Value-Analysten somit bestrebt, unterschätzte und unterbewertete Anlagemöglichkeiten zu finden. Als analytische Grundlage wird dabei das Timing von Kauf- und Verkaufsentscheidung durch die Sicherheitsmarge – der Unterschied zwischen Preis und fairem Wert – ersetzt.
Wie und warum funktioniert der Value-Ansatz?
Der zu erwartende Erfolg einer Kapitalanlage hängt vom Verhältnis zwischen Börsenkurs und dem vom Analysten kalkulierten „inneren Wert“ ab. Wenn der bezahlte Preis in Relation zu diesem effektiven wirtschaftlichen Wert hoch ist, wird die Rendite wahrscheinlich nicht zufriedenstellend ausfallen. Ist aber der Preis günstig, wird man eine angemessene Rendite erzielen können. Der Value-Ansatz liefert über einen langen Zeitraum überdurchschnittliche Resultate, weil er den Investor dahingehend diszipliniert, nicht zu viel zu zahlen. Dieser Gedankengang klingt einfach in der Theorie, ist jedoch schwierig in die Praxis umzusetzen. Es bedeutet die mental anspruchsvolle Aufgabe, Anlagemöglichkeiten zu analysieren, die vom Markt missverstanden, vernachlässigt oder gemieden werden. Daher kann der Value-Ansatz lediglich als Nischenstrategie für eine Minderheit von unabhängig denkenden Investoren dienen. Diese Anleger müssen willens und fähig sein, Entscheide zu treffen, die möglicherweise von der allgemeinen Meinung markant abweichen.
Wann und wo ist es sinnvoll, nach dem Value-Ansatz zu investieren?
Ein engagierter Value-Analyst befindet sich auf der permanenten Suche nach preiswerten Anlagemöglichkeiten. Folglich ist es sinnvoll, nach „Value“ zu suchen, wann und wo immer man die Möglichkeit sieht, unterbewertete Anlagen zu finden. Es ist aber keineswegs gesagt, dass „Value“ jederzeit erhältlich ist. Dies hängt von den Marktgegebenheiten und dem gewählten Anlageuniversum ab. Verständlicherweise ist es für Analysten mit einem uneingeschränkten Anlageuniversum wahrscheinlicher, wiederholt Value zu finden, als für diejenigen mit fixen Vorgaben wie Land, Branche oder Thema.
Anwendung heute
Mit der Zeit haben sich aus der ursprünglichen Graham & Dodd-Disziplin des Investierens verschiedene Formen, Anpassungen und Interpretationen entwickelt. Heutzutage existieren möglicherweise so viele (oder so wenige) Unterstile wie es Value-Analysten gibt. Der kleinste gemeinsame Nenner, nach dem sie alle ihr Investmentprogramm verfolgen, bleibt der Grundsatz, nicht zu viel zu zahlen. Die Einhaltung dieses zentralen Prinzips hat es ihnen ermöglicht, die Vermögen ihrer Kunden über Jahre zu erhalten und darüber hinaus substantiell zu vermehren. Ben Graham kann stolz auf das sein, was er ausgelöst hat.