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Haas Martin, Mittelschullehrer, Historiker, Stadtrat, 1935-2019
Nach der Ausbildung zum Historiker wurde Martin Haas ans Gymnasium von Winterthur gewählt. Neben der Schule interessierte er sich stark für die Politik, 1981 gelang ihm der Einzug in die Winterthurer Exekutive, 1990-2002 war er Stadtpräsident.
Martin Haas ist von St. Gallen, wo er aufgewachsen ist, nach Winterthur gekommen, als er eine Stelle als Gymnasiallehrer an der Kantonsschule Winterthur antrat. Winterthurer Wurzeln waren aber vorhanden. Sein Grossvater hatte bei Sulzer gearbeitet und sein Vater ist in Winterthur aufgewachsen. 1971 wurde er als 36-Jähriger als Vertreter der FDP in den Kantonsrat gewählt, dem er bis Ende 1989 angehörte. Während vier Jahren war er Fraktionschef der Partei.
1981 folgte die Wahl in den Winterthurer Stadtrat. In den ersten Jahren war er für die Kultur, das Gesundheitsamt, das Arbeitsamt, die Einwohnerkontrolle, den Sport und den Schlachthof zuständig. Nach der Reorganisation der Stadtverwaltung führte er von 1987 bis zu seiner Wahl ins Stadtpräsidium im Jahre 1990 das Departement Sicherheit und Umwelt. Als Vorsteher dieses Departementes befasste er sich vor allem mit Umweltschutzmassnahmen und Arbeitslosenprogrammen.
Winterthur war eine der ersten Schweizer Städte, die solche Programme in die Wege leiteten. Der promovierte Historiker und frühere Geschichtslehrer am Gymnasium verneint, dass ihm das Polizeiwesen weniger zugesagt habe als die Kultur. Ersteres sei wegen der damals brennenden Probleme mindestens so wichtig gewesen.
In der Kultur sei es damals darum gegangen, eine gewisse Gleichberechtigung zwischen den verschiedenen Institutionen herbeizuführen. Man habe auch jungen Organisationen, beispielsweise den Winterthurer Musikfestwochen, eine Chance gegeben. Heute sei die Kultur ein einziges «Patchwork», in dem neben etablierten Institutionen auch kleine Gruppierungen und Nischenanbieter ihren Platz hätten. Der FDP-Politiker hat sich auch für die umstrittenen Beiträge an das alternative Kulturzentrum Gaswerk eingesetzt und damit den Vorwurf widerlegt, dass er sich nur für die etablierte Kultur stark mache.
Haas war kein volksnaher Stadtpräsident, auf viele Leute wirkt der gebildete, intelligente Analytiker eher kühl und distanziert. Trotzdem wurde er 1990 mit dem zweitbesten Resultat aller Stadträte ins Präsidium gewählt und 1994 und 1998 mit der jeweils höchsten Stimmenzahl bestätigt. Der Leistungsausweis des Stadtpräsidenten kann sich insbesondere im Museumsbereich sehen lassen. Beim Aufbau des Museums Villa Flora war Haas federführend.
Ein grosser Wurf war beim Museumskonzept aus finanziellen Gründen zwar nicht gelungen. Immerhin konnte die Uhrensammlung ins Gewerbemuseum integriert werden, und das Naturmuseum wurde neu gestaltet. Des Weiteren konnte für das Bibliothekswesen eine neue Infrastruktur projektiert werden.
Das Stadtmarketing hat seine anfänglichen Schwierigkeiten überwunden und wird heute nicht mehr in Frage gestellt. Während seiner Amtszeit wurden in Winterthur Tausende von Stellen abgebaut. Auch die Verteilzentren von Migros und Coop verschwanden. Lediglich bei der Credit Suisse wurde eine grössere Zahl von neuen Stellen geschaffen.
Haas meinte bei seinem Rücktritt, der Stadtrat habe alles unternommen, um gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen. Nach der Hochkonjunktur in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre habe man geglaubt, dass die Sulzer-Areale innerhalb von fünf Jahren neuen Nutzungen zugeführt werden könnten. Diese Einschätzung habe sich als falsch erwiesen. Positiv entwickele hat sich Winterthur laut Haas als Wohnstadt. Er verwies darauf, dass die Bevölkerung, nicht zuletzt dank der S-Bahn, starkzugenommen Einwohner hat.
Nach seinem Rücktritt hatte Haas weiterhin verschiedene Ämter in kulturellen und gemeinnützigen Organisationen bekleidet. Als Historiker mit dem Spezialgebiet 16. Jahrhundert will er darüber hinaus Recherchen zur Reformationsgeschichte anstellen und seine Arbeiten publizieren. Martin Haas ist nach längerer Erkrankung am 13. Oktober 2019 verstorben.