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Der süsse Plutonium-Junge
Jeder grössere Konzern in Japan besitzt sein eigenes Maskottchen, dem die Aufgabe zukommt, den Menschen die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens näher zu bringen. Auch die Nuklearindustrie wollte nicht auf diese Tradition verzichten. Angesichts der Reaktorkatastrophe von Fukushima und der Entdeckung von hochgiftigem Plutonium im Boden des AKW-Geländes wirkt besonders eine atomare Animefigur wie ein Hohn.
Pluto-kun, zu Deutsch der Kleine Pluto, wurde in den 1990er-Jahren von der staatliche nukleare Forschungsorganisation PNC ins Leben gerufen, um den Japanern die Angst vor dem für die Kernenergie gebräuchlichen Schwermetall Plutonium zu nehmen.
Einen grünen Hut mit Antennen tragend, erklärte Pluto-kun in einem kontroversen Aufklärungsvideo die Vorteile der friedlichen Nutzung von Plutonium, einem zentralen Bestandteil zur Entwicklung von Schnellbrütern, in welche die japanische Energiebranche damals viel Hoffnung setzte. Eine schwierige Aufgabe, bestand doch ausgerechnet der in der Atombombe von Nagasaki verwendete Sprengstoff aus Plutonium. Dies sei eine äusserst bedauerliche Sache, meinte Pluto-kun: «Denn eigentlich bin ich ein grosser Freund des Friedens!»
Umstrittene Szenen
Für Kontroverse sorgten die Abschnitte im Aufklärungsvideo, welche die relative Gefahrlosigkeit von Plutonium für den menschlichen Körper betonten. Eine Animeszene, die zeigt, wie ein Junge zahlreiche plutoniumhaltiges Getränk zu sich genommen hat, sollte diese Tatsache bildlich unterstreichen. «Auch wenn ihr Plutonium trinkt, werdet ihr nicht sofort sterben», erläutere Pluto-kun in aller Gemütsruhe: «Sollte es in den Magen gelangen, wird es fast vollständig ausgeschieden.»
Tatsächlich kann über die Nahrung oder Trinkwasser in den Körper gelangtes Plutonium wegen seiner schlechten Löslichkeit grösstenteils ausgeschieden werden. Die Alpha-Strahlung des Plutoniums kann zudem von der obersten Hautschicht oder einem Blatt Papier aufgehalten werden. Wird jedoch bereits die kleinste Menge Plutoniumsstaub eingeatmet, besteht die hohe Gefahr einer Krebserkrankung. Genau so verhält es sich, wenn Plutonium in den Blutkreislauf gelangt. Zwei Gefahren, die Pluto-kun im Video nur oberflächlich andeutet.
Pluto-kun lebt weiter
Es folgte viel Kritik aus dem Ausland. Die US-Energiebehörde warf den Machern vor, die schwerwiegenden Auswirkungen von Plutonium zu verharmlosen. Die Forschungsorganisation zog daraufhin das Aufklärungsvideo zurück. Der Kleine Pluto überlebte den Skandal. Bis heute fristet er ein Dasein als eines von vier Maskottchen im Atom World, einem Museum der Japanischen Atomenergiebehörde in der Präfektur Ibaraki.
Die 1967 gegründete Power Reactor and Nuclear Fuel Development Corporation (PNC) hatte die Aufgabe schnelle Brüter zu entwickeln. Ausserdem unterhielt sie Wiederaufbereitungsanlagen für Kernbrennstoffen. PNC wurde 2005 in das Atomic Energy Research Institute (JAERI) intergriert, das heute wiederum unter dem Dach der Japanischen Atomenergiebehörde (JAEA) existiert.
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