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Im Allgemeinen ist die Harninkontinenz bei Frauen ein häufiges Symptom. Während der Schwangerschaft sind bis zu 64 % und in den Wochen nach der Geburt bis zu 45 % der Frauen von diesem Leiden betroffen. Mit Bewegung, verbunden mit spezifischen Übungen für den Beckenboden, können die Symptome gelindert und die Lebensqualität verbessert werden. Gespräch mit Nadine Simonson, Physiotherapeutin im Spital Wallis, Standort Sitten.
Was ist Harninkontinenz?
Es gibt drei Arten von Harninkontinenz: die Belastungs-, die Drang- und die Mischinkontinenz.
- Am häufigsten kommt die Belastungsinkontinenz vor. Sie zeichnet sich durch unwillkürlichen Harnverlust bei Husten, Niesen und körperlichen Tätigkeiten aus. Im Allgemeinen sind Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt von dieser Art der Inkontinenz betroffen.
- Die Dranginkontinenz zeichnet sich durch Harnverlust in Verbindung mit einem plötzlichen Harndrang aus.
- Bei der Mischinkontinenz treten gleichzeitig Symptome der Belastungs- und der Dranginkontinenz auf.
Der Beckenboden: Definition
Der Beckenboden besteht aus verschiedenen Muskeln, die zwischen dem Schambein und dem Sacrum eine «Hängematte» bilden. Er spielt eine Rolle bei der Kontrolle des Urins und des Stuhlgangs, im Sexualleben, bei der Geburt und bei der Unterstützung der Organe des kleinen Beckens (Blase, Gebärmutter und Rektum). Consultez la brochure. Konsultieren Sie die Broschüre (auf Französisch) “Sport nach der Entbindung“.
Schwangerschaft und Geburt sind Risikofaktoren
Schwangerschaft und Geburt (natürliche Geburt und Kaiserschnitt) sind die wichtigsten Risikofaktoren einer Belastungsinkontinenz. Die zahlenmässige Zunahme der Harninkontinenz in diesem Zeitraum steht in Zusammenhang mit mehreren Faktoren:
- Das Wachstum der Gebärmutter und das Gewicht des Babys bewirken einen erhöhten Druck auf die Blase.
- Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft beeinträchtigen die Viskoelastizität der Blase und führen zu einer Schwäche ihres Schliessmuskels.
- Das Auseinanderziehen und Komprimieren der anatomischen Strukturen des Beckenbodens während der Geburt kann dessen Funktion beeinträchtigen.
Welche Art von körperlicher Aktivität?
Bei der allgemeinen Bevölkerung bilden die meisten körperlichen Aktivitäten für den Beckenboden kein Problem. Im Gegenteil: Eine leichte oder mässige körperliche Aktivität reduziert das Risiko einer Harninkontinenz.
Die körperliche Aktivität wirkt sich positiv aus, da sie zu einer allgemeinen Stärkung beiträgt. Sie beansprucht und stärkt nämlich auch die Muskulatur des Beckenbodens und führt zu einer Reduktion des Körpergewichts.
Den schwangeren Frauen wird eine angepasste körperliche Aktivität empfohlen. Sie ermöglicht den Erhalt und/oder die Verbesserung des Gesundheitszustands, die Gewichtskontrolle im Verlauf der Schwangerschaft, die Linderung der Schmerzen in der Lendengegend sowie die Reduktion des Risikos für Gestationsdiabetes und Präeklampsie.
Wie oft?
Gegenwärtig wird Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt 30 Minuten körperliche Aktivität pro Tag und 4 bis 7 Tage pro Woche empfohlen.
Diese Empfehlung gilt für Frauen mit einer Schwangerschaft ohne Komplikationen und ohne Kontraindikationen für eine körperliche Aktivität. Die Tätigkeiten sollten nur mässig intensiv sein. Beispiele: Gartenarbeit, Tanz, Laufen.
Die Frauen müssen darüber informiert werden, dass eine mässige körperliche Aktivität in den Wochen nach der Geburt keine Auswirkungen auf die Menge und die Zusammensetzung der Muttermilch oder auf das Wachstum des Neugeborenen hat.
Die Auswirkungen der körperlichen Aktivität auf die Harninkontinenz
Gemäss einer neuen Synthese von Studien zu diesem Thema können Übungen zur Stärkung des Beckenbodens während der Schwangerschaft oder die Kombination dieser Stärkung mit anderen körperlichen Aktivitäten die Häufigkeit und den Schweregrad der Symptome einer Harninkontinenz während der Schwangerschaft und der Zeit nach der Geburt reduzieren.
Eine mässige körperliche Aktivität muss bei schwangeren Frauen gefördert werden, da ihre Wirkung auf Bluthochdruck, Gewichtszunahme und Gestationsdiabetes anerkannt ist.
Die körperliche Aktivität wirkt sich auch positiv auf die Bereitschaft der Frauen aus, Übungen zur Stärkung des Beckenbodens auszuführen. Diese Übungen werden empfohlen, um die Harninkontinenz der Frauen während der Schwangerschaft und unmittelbar nach der Geburt zu behandeln oder ihr vorzubeugen.
Ein weiterer Nutzen der regelmässigen körperlichen Aktivität schwangerer Frauen? Eine neuere Studie legt nahe, dass die Kinder sportlicher Frauen bei kognitiven Tests und Sprachtests bessere Ergebnisse erzielen!