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Das Lightning Netzwerk ist ein dezentrales System, welches die Überweisung von Kleinstbeträgen ermöglicht und das Risiko von Drittparteien beseitigt. Es eröffnet neue Märkte, revolutioniert bestehende und basiert auf dem besten Wertspeicher der Geschichte der Menschheit: bitcoin.
Jonas Affolter, Affolter Consulting – 9 min Lesedauer
Was ist das Lightning Netzwerk?
Blockchain-Layers
Bitcoin, die wertvollste digitale Kryptowährung, ermöglicht es jedem Wert zu transferieren, ohne von Mittelsmännern abhängig zu sein. Um das Lightning Netzwerk verstehen zu können, müssen wir zuerst verstehen, was Layers sind. Die Bitcoin-Blockchain, auf welcher Bitcoin basiert, wird First Layer, oder erste Schicht genannt. Diese ist höchst sicher und verlässlich, aber für Millionen alltägliche Transaktionen nicht skalierbar genug. Um dieses Skalierungsproblem zu lösen, werden schnellere Transaktionsgeschwindigkeit und niedrigere (oder keine) Transaktionskosten auf dem Second Layer erzielt. Diese zweite Schicht baut auf dem First Layer auf. Sie können sich das so vorstellen, als würden zwei Parteien einen bitcoin vom First Layer in den Second Layer transportieren und dort einen eigenen Zahlungskanal aufmachen. Dies wird allen Teilnehmern des First Layers mitgeteilt, damit der Konsensus beibehalten werden kann. Diese beiden Parteien haben nun einen neuen Channel eröffnet, welcher einen bitcoin enthält. Dies ist vergleichbar mit dem Tab an der Bar, bei welchem nicht jeder einzelne Drink individuell bezahlt werden muss, sondern am Schluss des Abends der gesamte Tab ausgeglichen wird. Falls die beiden Parteien wieder zurück auf den First Layer kommen wollen, müssen sie lediglich diesen einen bitcoin in das Netzwerk zurückbringen.
Skalierung
Um dieses System zu veranschaulichen, beziehen wir uns auf ein Beispiel aus dem Artikel „Warum Bitcoin grösser ist, als viele denken“:
„Stellen Sie sich einen Hedgefonds-Manager vor, der sich täglich einen Hotdog kauft. Er könnte mit dem Hotdog-Händler einen Channel eröffnen in den er 0.01 BTC legt. Der Händler selbst legt keine bitcoins in den Channel. Jedes Mal, wenn unser Hedgefonds-Manager einen Hotdog kauft, können beide Parteien eine aktualisierte Verteilung der bitcoins im Channel signieren. Nach zehn Hotdogs für jeweils 0.0001 bitcoins wäre die neue Bilanz: Hedgefonds-Manager erhält [sobald die Parteien zurück auf den First-Layer gehen]0.009 BTC und der Hotdog-Verkäufer erhält 0.001 BTC. Um diese bitcoins tatsächlich zu transferieren, wird der Channel geschlossen […]. Die Anzahl an Transaktionen auf der Blockchain wurde von zehn auf zwei reduziert, was Zeit und Gebühren spart. Das ist aber noch nicht alles. Wenn nun ein Analyst von der Firma des Hedgefonds-Managers, welcher bereits einen Channel (z.B. für das Bier am Abend) mit dem Manager offen hat, ein Hotdog kaufen will, muss er nicht einen eigenen Channel mit dem Hotdog-Verkäufer eröffnen, sondern kann den Channel zwischen dem Hotdog-Verkäufer und dem Manager nutzen. In der Theorie könnte das Lightning Network Millionen von Transaktionen pro Sekunde erreichen.“
Sicher haben Sie nun realisiert, dass das exponentielle Wachstum des Netzwerks das Netzwerk selbst wertvoller macht und ein Flywheel-Effekt entsteht: Mehr Nutzer führen zu besseren Vorteilen, welche mehr Nutzer anziehen und so weiter.
In orange können wir das explosive Wachstum an bitcoins in eröffneten Channels und in blau die Beträge in US-Dollar sehen. Das heisst, dass immer mehr Channels eröffnet werden und das Netzwerk immer mehr Verbindungen hat, welche von einer höheren Liquidität profitieren.
Micropayments
Dank dieser Skalierung können Transaktionsgebühren praktisch eliminiert werden. So werden Micropayments, auf Deutsch Mikrozahlungen oder Kleinstbeträge genannt, möglich. Das Lightning Netzwerk ermöglicht Transaktionen von 0.00000001 BTC, beziehungsweise 1 Satoshi. Der Bitcoin First-Layer fordert auf Grund von fixierten Transaktionsgebühren höhere Beträge und macht Micropayments unpraktisch. Heute sind Kleinstbeträge denominiert in bitcoin Realität.
Anwendungsbereiche
Internationale Zahlungen
Im Jahr 2020 wurden laut der Weltbank 540 Milliarden US-Dollar in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen überwiesen. Diese Überweisungsströme kommen meist von Familienmitgliedern im Ausland, welche ihren Familien Geld nach Hause senden. Diese Überweisungen betragen durchschnittlich $200 pro Transaktion. Der Betrag wird über eine Bank, per Post oder über spezielle Überweisungsdienste wie Western Union gesendet, bei welchen durchschnittlich 6-7% Gebühren anfallen.
Bitcoin macht diese Mittelmänner überflüssig und ermöglicht es, praktisch gebührenfrei Überweisungen an die Familie zu senden. Wenn eine Familie sich nicht mit Bitcoin auskennt, oder keine bitcoins halten will, gibt es genügend Dienstleister welche Fiat-Währungen über das gleiche Netzwerk senden können. Bei diesen wird der gewünschte Betrag temporär in bitcoin umgewandelt, per Lightning Netzwerk gesendet und in Sekunden wieder zu Dollar gewechselt.
Das Internet wird revolutioniert
Auch der Werteaustausch über das Internet wird durch Bitcoin und das Lightning Netzwerk revolutioniert. In der Zukunft wird es Trinkgeld-Applikationen auf Twitter, YouTube und anderen Plattformen geben, auf welchen wir unseren bevorzugten Content Creators ein Trinkgeld schicken können. Diese gebührenfreien Transaktionen könnten auch Spielwährungen in Videospielen ersetzten und das Gaming zu einer finanziell produktiven Tätigkeit machen. Videospiele wie Axie Infinity, welche bereits heute tausende Familien ernähren, haben viel Potential und durch gebührenfreie Transaktionen könnte dies auch auf bestehende Videospiele ausgeweitet werden.
Ein weiterer Vorteil von Micropayments ist die Bezahlung von Dienstleistungen, welche auf Grund der Transaktionskosten für den Dienstleister (heute noch) nicht rentabel und deshalb nicht kaufbar sind. Ein Beispiel wäre das Lesen eines einzelnen Artikels. Die meisten Fachzeitschriften basieren heute auf einem monatlichen oder jährlichen Abo-Modell und nur so, können Leser*innen deren Artikel lesen. Was aber, wenn der/die Leser*in nur einen einzelnen Artikel lesen möchte? Das Lightning Netzwerk kann Kunden von Fachzeitschriften in der Zukunft ermöglichen, einzelne Artikel kaufen können. Ein Artikel für 30 Cent oder Rappen zu verkaufen, ist für Fachzeitschriften heute noch nicht rentabel, aber in der Zukunft kann ein neues Umsatzfeld durch das Lightning Netzwerk und Bitcoin ermöglicht werden.
Fazit
Diese und viele weitere Vorteile demonstrieren aktiv, dass Bitcoin, kombiniert mit dem Lightning Netzwerk, nicht nur den Wertaustausch, sondern das ganze Internet revolutionieren kann. Von internationalen Zahlungen bis zum Trinkgeld für Content-Creators wird das Lightning Netzwerk in der Zukunft unvorstellbar viel Wert schaffen und bitcoin zur Währung des Internets machen.
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Über den Autor
Jonas Affolter ist Geschäftsführer von Affolter Consulting und Bitcoin-Berater. Falls Sie Fragen haben oder sich mit ihm über die Welt von Bitcoin und seinem Platz in unserer Welt austauschen möchten, kontaktieren Sie ihn unter:
E-Mail: <email-pii>
Web: jonasaffolter.ch
Haftungsausschluss
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