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Auf dem Ostende des Kestenbergs, auf dem auch die Burg Waldegg liegt, erhebt sich Schloss Brunegg. Die Burg wird als habsburgische Gründung des 13. Jahrhunderts betrachtet und soll zusammen mit der Feste Wildegg ein Vorwerk für die Habsburg gewesen sein. Wir bezweifeln solche taktischen Überlegungen bei der Gründung und sehen vielmehr die beiden Burgen als Zentren einer Rodungsherrschaft, die zur Vergrösserung und Sicherung des habsburgischen Machtbereichs diente.
Das Schloss Brunegg liegt kühn zuäusserst auf einem aufragenden Felsgrat, der nach Westen vom fortlaufenden Hügelrücken durch einen künstlich ausgetieften Graben abgetrennt wurde. Auf der schmalen Felszunge erheben sich der Bergfried und das Wohngebäude mit Küchenhaus. Weitere Gebäude hatten auf dem engen Baugrund nicht Platz. Seitlich etwas verschoben befindet sich unterhalb dieser Gebäude der Burghof. Das ehemalige Tor war befestigt und mit einer Fallbrücke ausgerüstet. Eine zinnenbekrönte, mit scharten versehene Ringmauer verlief einst vom Bergfried zum Tor. Vom Tor führte der Bering, der noch heute mindestens in den Fundamenten erhalten ist, dem Bergrücken entlang weiter bis an die Südostecke, wo sich in der aussenseitigen Mauer ein Rundturm befand. Von hier aus verlief die Mauer in gerader Richtung bis zum Palas, wobei sie auf halber Strecke mit einem weiteren Rundturm verstärkt war. Der Burghof war ursprünglich geräumiger als heute, da sich das Ökonomiegebäude nur an die Nordmauer lehnte. Heute nehmen die verschiedenen landwirtschaftlichen Gebäude die ganze Fläche zwischen den Mauern ein. Der Rest des ehemaligen Bergfrieds sowie der Palas sind heute unter dem gleichen Dach zusammengefasst. Der im Halbrund schliessende Turm besteht aus mächtigen Molassequadern, die beim Ausbrechen des Grabens gewonnen worden waren. Die Steinblöcke ohne Kantenschlag sind zu einem imposanten Mauerwerk zusammengefügt, das in den unteren Geschossen eine Mauerdicke von vier Metern erreicht. Östlich an den Bergfried schliess sich ohne Einsparung der Palas an, lediglich von einer relativ schwachen Mauer vom Bergfried getrennt. Das Mauerwerk des dreigeschossigen Wohngebäudes macht durchaus einen mittelalterlichen Eindruck, auch wenn die Fensteröffnungen aus verschiedenen späteren Epochen stammen. Der Turm ist in das gesamte Wohnsystem einbezogen worden.
Die von den Habsburgen gegründete feste soll nach alter Sage vom Rohrdorferberg durch einen geheimen unterirdischen Gang mit der Wildegg verbunden gewesen sein. Unterirdische Gänge von solchen Dimensionen sind nicht bekannt und dürfen deshalb unbesehen ins reich der Fabel verwiesen werden. Fest steht hingegen, dass Brunegg den Schenken des gräflichen Hofs von den Habsburgern verliehen wurde. Sie nannten sich nach dem Besitz „Schenken von Brunegg“. Der erste namentlich bekannte Besitzer der Anlage war Wernher der Schenke von Brunegg, der sich um das Kloster Frauental verdient gemacht hatte. Aus dem Jahrzeitenbuch dieses Klosters geht hervor, dass er im Jahr 1270 starb. Wie oft die Burg den Eigentümer wechselte, kann nicht nachvollzogen werden. Sie erscheint 1297 im Besitz des Ritters Johannes von Hedingen, des habsburgischen Vogts zu Baden. Über dessen Tochter gelangte die Feste an den Ritter Rudolf von Trostberg. Im ausgehenden 14. Jahrhundert übernahm Ritter Heinrich Ggessler von Meienberg, österreichischer Landvogt im Aargau, das gräfliche Lehen. Seine Witwe wohnte hier, als die Berner 1415 den Aargau eroberten. Während sich viele Burgen und Städte ohne Widerstand ergaben und dem Stand Bern huldigten, leisteten die Festen Brunegg und Lenzburg hartnäckigen Widerstand. Schliesslich wurde Brunegg der bernischen Hoheit unterworfen und hatte fortan den Bernern offenzustehen. Die Erben Gesslers stritten sich um die Burg, worauf bern das Lehen wieder an sich zog und es 1470 an Heinrich Rot von Aarau verlieh. Die Burg scheint zu diesem Zeitpunkt in schlechtem baulichem Zustand gewesen zu sein, denn im Zusammenhang mit der Verleihung der Anlage an Heinrich Rot war von dringend erforderlichen Bauarbeiten die rede. Diese unterblieben aber. Zwei Jahre später übernahmen die Segenser die Wehranlage. Bern gestattete ihnen ausdrücklich, die Burg notwendig auszubessern. Anlässlich der Einführung des neuen Glaubens kam es mit den Eigentümern von Brunegg zu Auseinandersetzungen. Bern übernahm deshalb 1538 die Herrschaft und unterstellte sie dem Vogt auf der Lenzburg. Dieser setzte einen Wächter und Pächter auf Brunegg. Dieser Zustand währte bis zum Untergang der bernischen Herrschaft. Auch Bern selbst liess jeweils nur die allernötigsten Flickarbeiten ausführen. Die Lenzburger Landvogteirechnungen geben Aufschluss über die Arbeiten auf Brunegg, die aber mehr das Pächter- und Ökonomiehaus im Burghof betreffen als das Schloss selbst. Mehrmals verursachten Naturgewalten bauliche Veränderungen. So wurde 1626 das Satteldach des Bergfrieds von einem heftigen Sturm weggefegt. Bei den Reparaturarbeiten erwies sich auch das Mauerwerk als „gar fuhl vnd bös“. 1664 schlug der Blitz in den Turm ein und liess das dort eingelagerte Pulver explodieren. Der Turm wurde aufgerissen und das Dach des Bergfrieds und zum Teil des Wohnbaus zu Boden geschleudert. Die Turmmauer wurde mit Eisenankern notdürftig zusammengeflickt, doch stürzte sie bereits 1684 ein und musste neu aufgebaut werden.
1804 ging die Burg an den neugegründeten Kanton Aargau über, der sie noch im gleichen Jahr an einen Arzt veräusserte. Dieser richtete eine Pflegeanstalt im Schloss ein. Zu diesem Zweck wurde es umgebaut, der Turm auf die Höhe des Palas abgetragen, und die beiden Gebäude erhielten ein einheitliches Fach. Auf der Südseite, wo früher der Bering zum Tor geführt hatte, wurde eine dreistufige Gartenterrasse angelegt. Der Graben vor dem Tor war wohl schon früher von den Bernern aufgefüllt worden. Auch die Ökonomiegebäude wurden umgestaltet, so dass das Pächterhaus an die Südmauer im Zwinger zu stehen kam. 1815 übernahm der Lenzburger Oberst Friedrich Hünerwadel den Besitz. Über seine Erben gelangte die Anlage in die Hände der heutigen Besitzerfamilie. Die wohnliche Innenausstattung von Brunegg wird durch wertvolle Kachelöfen bereichert. Unter diesen erwähnen wir besonders einen Winterthurer Turmofen mit mehrfarbig bemalten Kacheln, die moralische und allegorische Szenen mit Bibelsprüchen aufweisen, signiert „Hans Caspar Ehrhartt, Haffner zu Winterthur 1648“. die Burg ist als Privatbesitz nicht öffentlich zugänglich.
Bibliographie