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Es brennt in Europa. Die anhaltende Hitze und die Trockenheit begünstigen Wald- und Flurbrände. Mit dieser Problematik befasst sich Georg Johann Goldammer. Er sagt, wir lebten im Pyrozän, im Zeitalter des Feuers.
Georg Johann Goldammer
Waldbrandforscher
Goldammer leitete das Zentrum für globale Feuerüberwachung an der Uni Freiburg im Breisgau (D). Das Institut ist assoziiert mit der United Nations University.
SRF News: Was verstehen Sie unter dem Zeitalter des Feuers?
Johann Georg Goldammer: Das Zeitalter des Feuers ist ein Zeitalter, das sich in zwei Phasen einteilt. Mit Beginn der industriellen Revolution haben die Menschen angefangen, die fossilen Brennstoffe, die unter der Erdkruste eingelagert sind, an die Oberfläche zu fördern und dort zu verbrennen: Öl, Gas und Kohle.
Die Verbrennungsprodukte werden in der Atmosphäre deponiert. Das sind die Treibhausgase, Kohlenstoff und andere Spurengase. Das bestimmt nun nicht nur die Atmosphäre, sondern auch das Klima. Durch diese Verlagerung der fossilen Brennstoffe in die Atmosphäre ändert sich das Klima und macht unsere Erde insgesamt brennbarer.
Wir sind im zweiten Teil des Pyrozäns, in dem Teil eins – die Verbrennung fossiler Brennstoffe – die Erde in eine höhere Brennbereitschaft versetzt hat.
Der Klimawandel schlägt sozusagen zurück. Was wir in diesem Sommer sehen, dass die Vegetation in Europa sehr viel anfälliger ist gegenüber Feuer, liegt an diesen langanhaltenden Trockenzeiten.
Diese Trockenzeiten sind Ausdruck der Klimakrise. Wir sind jetzt im zweiten Teil des Pyrozäns, in dem sozusagen der Teil eins, also die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die Erde in eine höhere Brennbereitschaft versetzt hat.
Das deutlichste Zeichen des Zeitalters des Feuers sind die Waldbrände. Wie zeigt sich das Feuerzeitalter sonst noch?
Wir sehen, dass neben den Waldbränden auch grosse Teile unserer Kulturlandschaften brennen. Zeitgleich zu dieser Klimaänderung haben sich auch unsere Landschaften verändert. Gerade in Südeuropa oder Südosteuropa, auf dem Balkan sehen wir die Folgen der Landflucht.
Früher intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen geraten in einen brennbereiten Zustand, den wir in den letzten 2000 Jahren in dieser Form nicht gekannt haben.
Die junge Generation, die vielleicht auf dem Land noch geboren ist, zieht in die Städte. Es sind nur noch wenige ältere Menschen da, die das Land nicht mehr bewirtschaften.
Das bedeutet, dass viele ehemalige intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen oder auch Weideflächen von der Vegetation wieder eingenommen werden. Sie geraten in einen brennbereiten Zustand, den wir in der Kulturgeschichte in den letzten Hunderten oder 2000 Jahren in dieser Form nicht gekannt haben.
Das Feuer findet mehr Nahrung in den Landschaften und gleichzeitig beschert uns die Klimakrise länger anhaltende Trockenzeiten.
Das Feuer findet mehr Nahrung in den Landschaften und gleichzeitig beschert uns die Klimakrise länger anhaltende Trockenzeiten. Das hat einen doppelten Effekt auf die Zunahme der Waldbrände und der Landschaftsbrände.
Auch die Schwere der Waldbrände nimmt zu, sie brennen viel intensiver. Das hat Auswirkungen auf die Gesellschaft, auf den Menschen, auf die Siedlungen und auf die Luftqualität beispielsweise. Mit all den Entwicklungen sind wir jetzt konfrontiert.
Wie können wir uns verhalten, damit wir in diesem Zeitalter des Feuers überhaupt leben können?
Zunächst gilt es grundsätzlich, die Treibhausgasemissionen aus fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Damit wird dieser Effekt abgeschwächt, mit dem wir die industrielle Revolution eingeleitet haben. Wir sind aber derzeit an einem Punkt, wo sich das Klima bereits verändert hat.
Nun muss das Augenmerk daraufgelegt werden, dass wir unsere Kulturlandschaften, die Naturlandschaften, und unsere Wälder so gestalten, damit sie nicht mehr so leicht brennbar sind. Beim Wald beispielsweise ist die Forstwirtschaft gefragt. Hier sollten wir in Zukunft die pflanzliche Biomasse, das Totholz, als erneuerbare Energie für Pellets in Heizungen nutzen.
Das Gespräch führte Yves Kilchör.