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Die Zünftigkeit die lebenslänglich galt, beruhte auf dem schon in der Frühzeit des 13. Jahrhunderts zur Geltung kommenden Axiom, dass kein hier niedergelassener Gewerbetreibender oder Handwerker ohne Zunft als selbständiger Geschäftsherr oder Meister seinen Beruf ausüben durfte. Speziell bei den Krämern lässt sich seit dem 14.Jahrhundert die Tendenz verfolgen, neu aufkommende Handwerke und Industriezweige durch die Eingliederung in die Zunft sich dienstbar zu machen und in Abhängigkeit zu halten. Hieraus erklärt sich die Krämerzünftigkeit mehrerer Gewerbe, für die eine andere Zunft aus technischen Gründen viel näher gelegen hätte.
Die Erwerbung der Zunft geschah durch Kauf. Die älteste überlieferte Gebühr vom Jahre 1372 betrug vier Gulden und einen halben Gulden an das Geschirr.
Eine Ratserkanntnis vom Jahre 1403 bestimmte, dass alle diejenigen, die sich durch Teilnahme an einem Kriegszug das Bürgerrecht verdienten, auch unentgeltlich in die Zunft aufzunehmen seien, in welche ihr Beruf sie weise. Derart erhielten in den nächsten zwölf Jahren 149 Neubürger kostenlos die Zunft zu Krämern.
Im Jahre 1423 setzten Vorgesetzte und ganze Zunftgemeinde die Taxe auf 4 Gulden 2 Schilling fest, wovon 1 Schilling dem Meister und der andere dem Oberknecht zukam.
Diese ansehnliche Summe wurde von der Minderzahl bar entrichtet. Zum wenigsten musste aber einer, der mit der Zunft dienen, «dorzu lieb und leyd mit ir liden wollte», einen Gulden und zwei Schilling anzahlen und für die übrigen drei Gulden, die in der Regel vierteljährlich abzutragen waren, einen dem Zunftvorstand genehmen Mithaften und Bürgen stellen. Ausnahmsweise begnügten sich auch Meister und Sechser mit der Hinterlage eines Pfandes. Schmuck und Geräte aus Edelmetall, Waffen, Kleider, Erzeugnisse des eigenen Handwerks werden zu Safran in diesem Zusammenhang genannt. Ein einziges Mal gestatteten die Zunftregenten den Zunftkauf ohne Bürgschaft und Pfand, 1515, gegenüber dem Nadler Stephan Stumm von Wessenburg. Vollends singulär ist die Schenkung des Zunftrechtes «umb Gotzwillen», wie sie 1486 auf Fürbitte des Hans von Bärenfels und dessen Hausfrau dem Jerg Seckler zuteil wurde.
Im 14. und bis ins 15.Jahrhundert hinein waren persönliche Freiheit und der Besitz des Bürgerrechts nicht unerlässliche Vorbedingungen der Zünftigkeit. Noch die Zunftordnung von 1472 sah den letzteren Fall vor, indem der Zunftmeister neu aufgenommenen Zunftbrüdern, die nicht Bürger waren, gebieten sollte, sich innert 14 Tagen zu den Ladenherren (städtische Finanzkommission) zu begeben, um sich mit diesen wegen des Bürgerrechtskaufes zu vereinbaren.
Auf alle Fälle schrieb der Safran vor, keinem die Zunft zu leihen «er sige dann der zunfft wirdig». Erfand sich über kurz oder lang, dass einer «mishandelt» oder etwas wider seine Ehre getan hätte, so sollte er das Zunftrecht und sein einbezahltes Geld verloren haben.
Erst die Jahre 1525 und 1528 mit ihren Mandaten über Erwerb des Bürgerrechts durch alle Zünftigen verlangten als endgültige Forderung «Mannrecht und Abschied», d.h. den schriftlichen Nachweis persönlicher Freiheit, ehrlicher und ehelicher Geburt und eines guten Leumundes.
Ein Vorrecht zur Zünftigkeit blieb seit dem 15.Jahrhundert allezeit den in der «zunfft erborenen» d.h. den nach dem Zunftkauf des Vaters erzeugten Söhnen eingeräumt. Wer derart in die Zunft aufgenommen wurde, erneuerte die Zunft. Der Ausdruck «Zunfterneuerung» bedeutet darum nicht – wie man aus dem Wortlaut schliessen könnte – Wiedereintritt eines schon Zünftiggewesenen. Der Vorteil der Erneuerung bestand in der mässigen Einkaufsgebühr. Sie betrug 1430 die Hälfte des Zunftkaufes und wurde 1447 auf 10 s. und ein Viertel Wein, resp. 13 s. 4 d. herabgesetzt, bei welchem bescheidenen Betrag es bis zum Jahre 1622 blieb.
Anders verhielt es sich mit der Einkaufsgebühr Zunftfremder, deren Abstattung trotz Bürg- und Pfandschaft sich oft Jahre lang hinausschleppte. Im Jahre 1515 klagte der Vorstand, dass er wegen solch liederlichen Zahlern bisher grossen Unwillen gehabt und Verluste auf sich geladen habe. Um dem Übelstand zu steuern, beschloss man, Säumigen so lange das Handwerk oder Gewerbe still zu stellen, bis sie «meine herren vernügt», d.h. ihren Verpflichtungen nachgekommen. Fünf Jahre später wurden Seckelmeister und Schreiber bevollmächtigt, von sich aus rückständige Beträge einzutreiben und 1526 machte die Zunft vollends Ernst durch den Beschluss, hinfort nur bei sofortiger Barzahlung das Zunftrecht zu erteilen. Die Strenge und Ausschliesslichkeit, die in der Folgezeit die Einbürgerungspraxis kennzeichnete, machte sich zwangsläufig auch bei der Zünftigkeit geltend durch die Tendenz, Fremden den Zunftkauf tunlichst zu erschweren. So steigerte 1569 der Safran seine Aufnahmegebühr auf das Doppelte. Als Gründe dieser rigorosen Massnahme nennt das Protokoll die grossen, täglich über die Zunft ergehenden Unkosten und das analoge Vorgehen anderer Zünfte!
Im 17.Jahrhundert erhöhte die Safranzunft noch zweimal aus eigener Machtvollkommenheit ihre Gebühren im Hinblick auf den starken Zustrom der Fremden (Refugianten); zunächst 1622 auf 20 Pfund und 4 Batzen Bottgeld (16¼ G.) für Zunftfremde und auf 10 Pfund und 2 Batzen Bottgeld für solche, deren Vater die Zunft mit dem «Gutenjahr» und dem Wachsgeld erhalten hatte, ohne leibzünftig zu sein, während die nur unmerklich gesteigerte Erneuerung für Meistersöhne auf 16 Batzen und 4 Batzen Bottgeld festgesetzt wurde. Eine 1627 durch Zunftschreiber Andreas Bletz vorgenommene Umfrage über Steigerung des Zunftkaufes ergab, dass die andern zünftigen Korporationen dem Beispiel des Safran entweder vorangegangen oder gefolgt waren.
Die rigorose Handhabung der Zunftgebühren erfuhr höchst selten eine Milderung. Wohl alleinstehend in den Annalen der Basler Zünfte ist jenes Beispiel aussergewöhnlicher Vergünstigung, wie sie der Safran 1629 dem Pfarrherrn Joh. Georg Gross zu St. Peter und seinen acht Töchtern zuteil werden liess. Diese acht Töchter – man würde sie heute als Kunstgewerblerinnen bezeichnen – fertigten Stick-, Näh- und Buchbinderarbeiten an und wurden am 25. Januar 1629 miteinander in die Zunft aufgenommen, dergestalten, dass sie «für ein persohn und ihr offen laden für ein gewerbsladen gehalten werden soll».
Eine letzte Steigerung erfuhr die Einkaufsgebühr zu Safran im Jahre 1675 durch den Beschluss, dass Neubürger ausser der Einkaufstaxe noch einen Feuereimer oder 4 Pfund Geld abstatten mussten.
Zu dieser einmaligen finanziellen Leistung gesellten sich die periodischen Beiträge des mittelalterlichen Heizgeldes, ferner des aus der fronfastenlichen Bruderschaftsgebühr hervorgegangenen Wachsgeldes und des seit dem 17.Jahrhundert anstatt persönlichen militärischen Dienstes erhobenen Soldatengeldes.
Neben diesen finanziellen Verpflichtungen waren auch einzelne wesentliche Verrichtungen öffentlicher Art der Zunft und ihren Angehörigen überbunden, «um der Stadt Nutz, Ehr und Frommen zu werben und ihren Schaden zu wenden», gemäss dem Wortlaut des Eides, den alljährlich die Zunftbrüder auf ihrem Hause dem Oberstzunftmeister an dem nach Johanni abgehaltenen Schwörtag zu Handen des Rates schwuren.
Zunächst der Wachtdienst, auf der allgemeinen Hut- und Wachtpflicht basierend. Die in der Altstadt wohnenden Safranzünftler erfüllten diesen Dienst im Verband ihrer Zunft, die in den Vorstädten und jenseitsrheins sesshaften Krämerzünftigen im Verband der betreffenden Gesellschaft. Nach der ältesten vorhandenen Wachtordnung aus dem Jahre 1374 waren die Zünfte gruppenweise so verteilt, dass an jede in acht Nächten einmal die Reihe kam. Zur nächtlichen Scharwacht gesellte sich das Hüten an den Toren, sowie beim Rathause. Die Zunft war hiezu in Sektionen von je fünfzehn Mann eingeteilt, die in regelmässiger Reihenfolge auf die Wacht zu ziehen hatten. «Nach Gelegenheit der Läufe» konnte durch den Rat die Stärke der Wachtmannschaft gemindert oder gemehrt werden. Am Tage stellten die Krämer jeweilen zur Torhut unter dem Spalentor Mannschaft und einmal in der Woche hütete man nachts «mit ganzer Zunft» auf dem Rathause. Frauen, die ein safranzünftiges Handwerk oder Gewerbe trieben, waren der Wachtpflicht keineswegs frei, sondern hatten sie durch einen Stellvertreter zu versehen. Befreiung erfolgte nur vorübergehend für Kranke und «Kindbetter». Wohl um unerlässlicher Berufserfüllung willen wurde 1445 vom Safran dem Arzt Ulrich Ress bei seiner Zunftaufnahme persönliche Befreiung vergönnt unter der Bedingung, dass er dafür seinen Sohn oder einen guten Knecht stelle.
Schon im Laufe des 15.Jahrhunderts wurde vereinzelt gegen Bezahlung eines Wachtgeldes Stellvertretung geduldet. Das früheste Beispiel zu Safran betrifft die reiche Metze (Mechthild) Meltingerin, die sich 1444 mit drei Gulden vom Wachen und Reisen loskaufte.
Der Grundsatz, mit eigenem Leibe zu wachen, wurde in der Folgezeit oft durchbrochen. Vornehme und ältere Zünftler stellten Lohnwächter oder kauften sich dauernd los. Ungebühr und schlechte Hut waren aber oft die übeln Folgen. So wurde 1525 sechs Safranzünftigen die Befugnis als Ersatzmänner zu wachen, entzogen, weil sie sich unter den Toren und im Rathaus mit «Weintrinken ungebührlich gehalten».
Im Jahre 1608 erkannte der Zunftvorstand, dass diejenigen, welche die Zunft durch Erneuerung oder Kauf empfingen und kein «eigen Feuer und Licht», auch keine offenen Läden hatten, nicht schuldig sein sollten, weder zu hüten noch zu wachen. Wer aber eigenes Feuer und Licht und offenen Laden hat oder Handwerk treibt, er sei ledig oder verheiratet, soll ohne alles Mittel Torhut und Nachtwache versehen.
Während des Dreissigjährigen Krieges kam eine ganze safranzünftige Berufsgruppe – die Apotheker – mit untertänigem Supplizieren um Befreiung von der Nachtwache ein. Der Rat gewährte ihnen denn auch in Gnaden und gegen Stellung von Ersatzleuten ihre Bitte, «umb willen sie wegen ihres ohnruohigen berufs tags und nachts Gespannen stehen ...».
Auch für die Organisation bei «sorglichen Läufen», d.h. in Zeiten der Kriegsgefahr, war die Zunft die Grundlage für die militärische Einteilung. In Gemeinschaft mit den «Hausgenossen» oblag der Safranzunft die Bewachung des Ringmauerstückes zwischen Aeschentor und Steinentor mit den Türmen «Guckinsnest» und «Lueginsland», daran der Zunft Zeichen angebracht war.
Besondere Vorschriften galten für die Krämer auch bei Feuersnot. Wenn in älterer Zeit vom Richthaus die Ratsglocke Sturm gellte oder die Trompeten und Trommeln zum Alarm ertönten, musste die waffenpflichtige Zunftmannschaft samthaft gerüstet nach dem Marktplatz laufen und bei dem durch die Safranlilie kenntlich gemachten Hause sich sammeln, um der weitem Befehle des Rates gewärtig zu sein. Später fiel diese Besammlung dahin, und die Zunft hatte von sich aus die Hilfeleistung zu organisieren. Sie beorderte jährlich eine gewisse Zahl ihrer Genossen zu den Feueräxten, zu den «Schuopfen», zu den Eimern, zu den Leitern, zu den «Leitfassen» und in den «Werckhof in fürs nötten». Zwei Feuerleitern, eine Feuerspritze sowie eine Anzahl Ledereimer mit dem Zunftwappen bemalt, wurden im Zunfthause aufbewahrt.
Der verheerenden Birsighochwasser der Jahre 1529 und 1530 eingedenk, dehnte 1531 der Rat die Hilfeleistung der Zünfte wie bei Feuersnot auch auf Wassersnot aus. Laut der am 4. April 1531 erlassenen Wasserordnung, Basels erster systematischer Organisation zur Bekämpfung von Hochwasser, war auch die Safranzunft verpflichtet, zur Hilfeleistung Mannschaft auszulegen, hauptsächlich um eine Verstopfung der Birsigbrücken und Gewölbe zu verhindern. Die Safranmannschaft hatte das Gässlein «hinter der weissen Taube, zum blauen Vogel und der orte» zu hüten und wo es nottat, Hand anzulegen.
Wie beim Wachen und Hüten, so bildete selbstverständlich beim «Reisen», d.h. beim kriegerischen Auszug ins Feld, die Zunft unter ihrem Gerfähnlein die taktische Einheit, die durch die Zunfthäupter ausgehoben, gemustert und, wenigstens durch einen Sechser, geführt wurde. Da Wehrpflicht und Wehrhaftigkeit allgemein galten, musste auch jeder Safranzünftige im Mittelalter der Forderung des «Harnesch» d.h. der persönlichen militärischen Ausrüstung nachkommen. Sie bestand normalerweise aus Panzer, Beckenhaube oder Kesselhut und Blechhandschuhen. Bei der Zunftaufnahme hatte sich jeder neue Zunftbruder mit dem Meister hierüber zu vereinbaren. Von wohlhabenden Petenten verlangte 1446 die Safranzunft «gantzen harnesch», bei wenig Begüterten begnügte man sich massvoll mit dem halben Harnisch, liess es etwa auch bei einer Ausrüstung bewenden, «so daz er sich truwe, in nöten domit zuo behelfen». Wehr und Waffe durften weder verkauft noch versetzt werden, vielmehr sollte der Harnisch, wie eine Erkanntnis zu Safran sich anschaulich ausdrückt, in eines jeden Zunftbruders Haus «auf in warten, so man sin bedürfe, daz er in hab und gerüstet kome noch sinem vermögen».
Die Zunft selbst besass in ihrer Rüstkammer im Erdgeschoss des Zunfthauses einen ansehnlichen Bestand an Schutz- und Trutzwaffen und allerlei Kriegsgerätschaften. Denn dem Zunftvorstand lag ob, bei einem Feldzug über die allgemeinen Rüstungen des Rates hinaus noch im besondern für die mitziehenden Zunftbrüder auf Zunftkosten das Nötige anzuordnen mit Instandstellen von Waffen, Ankauf von Lebensmitteln und Geräten, Dingen von Spielleuten, Karrern und Trossknechten. So erwuchsen beispielsweise im Burgunderkrieg den Krämern Unkosten, die kaum eine der Handwerkerzünfte zu tragen imstande gewesen wäre.
Im Jahre 1503 legte die Safranzunft ein besonderes «Reyssbüchlin» an, worin, mit dem Bellenzer Zug beginnend, alle aufgezeichnet wurden, die als Safranzünftige im 16. Jahrhundert unter dem Basler Banner ins Feld rückten. Nicht zuletzt mag dieser Versuch einer lapidaren zünftigen Kriegschronik angeregt worden sein durch das Hochgefühl dieses ersten Kriegszuges des eidgenössischen Basel über den Gotthardberg ins Welschland.
Die zweite Eintragung gilt dem «Kaltwinterfeldzug» von 1511 «zuo unssern lieben eidgenossen von Schwitz, die uns gemant hand über den küngg von Franckrich und zoch man gon Beletz zuo und fürer hin jn» – einem resultatlosen Feldzug, von dem die Basler am Altjahrabend 1511 enttäuscht heimkehrten. Erfolgreicher dann der Pavierzug, «unseirem helgen vatter dem bobst zu hilff» im Mai 1512, bei welchem Auszug Zunftmeister Konrad David seine Safranmannschaft persönlich führte.
Der grosse Ruhm, den das grosse Ringen vor Novara am 6. Juni 1513 den Eidgenossen brachte, klingt auch im Reisbüchlein in der Bemerkung nach, «und ist dis der zug gesin, als die schlachtt geschachtt zuo Navernen in Lombardy wider den franzosen und gewonen wir die schlachtt, got sy gelobtt». Aus der Siegesstimmung von Novara erwuchs noch im Frühherbst desselben Jahres 1513 der Dijon-Zug. Zu dem «recht kern von eerenlüten», die in der übermächtigen Zahl von 20000 Mann durch Basels Tore auszogen nach Burgund, gesellte sich auch das kleine Häuflein von 28 Mann der Safranzunft unter Hans Lux Iselin.
Dann, zwei Jahre darauf, am 13. und 14. September 1515 die Tage des Verhängnisses: die Riesenschlacht bei Marignano, an der 62 Safranzünftige teilnahmen. In wie weit die nach der Heimat geschickte Meldung der Basler Hauptleute – «wir hand vil wunde» – auch die Safranzunft betraf, ist aus dem Reisbüchlein nicht ersichtlich. Denn dieses reiht ohne Kommentar die Augenzeugen der katastrophalen Niederlage unter dem Stichwort ein: «der lest zug als schlacht geschacht».
Mit der Aufführung der Mannschaft, die im Kappeler Krieg und zum «Musser» Feldzug von der Zunft «in die reis» geschickt wurde, endet die von Zunft wegen kriegerische Tätigkeit.
Von 1555 bis 1668 wurde das Reisbüchlein nur noch benützt, um die nie mehr zu aktivem Handeln gelangende zünftige Streitmacht zur Harnischschau auf dem Papier paradieren zu lassen. Sie setzte sich 1668, achtzig Mann stark, folgendermassen zusammen:
«Zu dem ersten Fahnen: 6 Mann im Harnisch mit langen Spiessen; 12 Mann zu den Musqueten; 2 Mann Hallipardierer.
Zum andern Fahnen: 6 Mann im Harnist mit langen Spiessen; 12 Mann zu den Musqueten; 2 Mann Hallepardierer. Zum Panier sind verordnet: 12 Mann im Harnist mit langen Spiessen; 24 Mann zu den Musqueten; 4 Mann Hallepardierer ...».
Eine zünftige Pflicht, die während des Mittelalters durch die religiöse Bruderschaft, nach der Reformation aber vom Zunftvorstand geordnet wurde, betraf die Leichenfolge und Grablege, das letzte ehrende Geleite, das einem verstorbenen Zunftangehörigen gegeben wurde. Wie ehedem lieferte die Zunft das kostbare Bahrtuch, das den Sarg deckte. Es wurde 1622 zum letztenmal aus feinem, schwarzem Londonertuch angefertigt und durch den Maler Felix Bock mit dem Zunftwappen geschmückt.
Zunftbrüder, die bei Begräbnissen ausblieben, wurden vor das Sechserbott zur Verantwortung geladen und verwarnt oder mit Geld gebüsst. Im Jahre 1631 meldet eine Protokollnotiz: «Dieweil mein gross gönstig hochehrend herren rathsherren, meister und sechs mit sonderm bedauren sechen miessen, das bey den leichbegengnussen die zunfftbrieder in so schlechter anzahl erscheinen, die abgestorbenen zunfftbrieder zuo ihrem ruowbettlein zu begleitten, insonderheit so ein rathsherr und ein meister oder aber dero lieben eheweiber durch den zeitlichen todt auss dieser welt in die ewige freuwdt erforderete, die herren sechser ihr christenlich mitleiden und schuldigkeit, wie sichs gebeurt und vor altershero gebreichig gewesen, deren Leichnam zu grab tragen, billich einstellen sollten, sondern sich schemen und beschweren.» Ein ausdrücklicher Beschluss setzte hierauf fest, dass wenn ein Ratsherr, ein Meister oder deren Eheweiber mit Tod abgingen, die Herren Sechser, soviel ihrer bei der Hand und bei guter Gesundheit waren, in ihren Sechser- oder Leidrücken christlichem Gebrauch nach, den Leichnam zu Grabe tragen sollten bei Strafe von 4 Gulden im Weigerungsfall.
Endlich ist noch an eine Pflicht der Zunftgenossen zu erinnern, die bis 1874 zu den Obliegenheiten der Zunft gehörte: die Besorgung des Vormundschaftswesens, ein heute der öffentlichen Verwaltung zugewiesenes Gebiet. Die Bevogtung von Witwen und Waisen geschah durch den Zunftvorstand, wie der älteste Beschluss zu Safran aus dem Jahre 1518 deutlich sagt: Wer um eine Vogtei anruft, hat nicht Gewalt, den Vogt selbst zu wählen, sondern Meine Herren vervogten nach ihrem Willen und Gefallen. Immerhin hatte seit dem 17.Jahrhundert die Familie ein Vorschlagsrecht. Der gewählte Vogt hatte ein Inventar aufzunehmen, das Vermögen zu verwalten und jährlich auf Lichtmesse Rechnung darüber abzulegen.
Im Jahre 1591 wurde ein schön gebundenes besonderes Waisenbuch angelegt, auf dessen Deckel der Maler Hans Bock das Zunftwappen malte. In der Folgezeit bildeten die Vogteigeschäfte geradezu eine Haupttätigkeit des Zunftvorstandes. Ihre oft beschwerliche und vielfach unerfreuliche Erledigung macht grösstenteils den Inhalt der dickleibigen Protokollbücher aus