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Geschichte des Papyrus-Hunter
Die Ausserbetriebnahme des Hunters aus der Luftwaffe wurde von Ende 1998 auf Ende 1994 vorverlegt. Im Doppel-Trainingskurs (DTK) 1993 in St. Stephan bot sich die letzte Gelegenheit, einen Hunter mit einer speziellen, der Fliegerstaffel 15 angemessenen Bemalung zu versehen. Ende Jahr sollte dann die Leichtfliegerstaffel 7 auf Porter ab St. Stephan fliegen.
Im Sommer 1993 hatte ich meine Staffelkollegen eingeladen, um über das Projekt zu befinden. Viele Vorschläge wurden entworfen und wieder verworfen, bis sich das Design des «Papyrus» durchsetzte. In Anlehnung an unser Staffelabzeichen mit einem Papierflieger, gefaltet aus einer NZZ mit der Schrift «Times New Roman», sollte ein Flugzeug entstehen, das im Flug wie eine fliegende Zeitung aussieht. Als Hauptschriftzug wurde naheliegenderweise «Fliegerstaffel 15» gewählt. Am Rumpf sollten die Namen der Helfer und Gönner verewigt werden, auf den Flügeln die Namen der aktiven Fl St 15-Piloten. Das Konzept war an einem Nachmittag mit einer Verlängerung in die Nacht entstanden, die Umsetzung dauerte etwas länger.
Es begann mit der Bewilligung durch die Luftwaffe. Dazu hatte ich mich mit dem damaligen BAMF-Direktor Glanzmann, selber Hunterpilot, in Verbindung gesetzt. Während zwei sehr konstruktiven Treffen einigten wir uns schliesslich auf eine umsetzbare Realisierung. Die einzige Auflage war, dass die gewählte Grundfarbe nicht schwarz in Anlehnung an eine Beerdigung sein sollte.
Begeisterung überall
Der nächste Ansprechpartner war der Kommandant der Flugplatz Abteilung 7, Major Peter Hofmann. Er liess sich sofort begeistern, es brauchte keine Überzeugungsarbeit. Die praktische Umsetzung war dann der nächste Knackpunkt. In St.Stephan gab es keine geeigneten Räumlichkeiten für die Bemalung. Wieder zusammen mit dem BAMF konnte dann ein Hangar auf dem Flugplatz Interlaken gefunden werden. Schliesslich galt es noch die Mannschaft zu bestimmen. Wie genau intern die Auswahl getroffen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Der entscheidende Mann für uns war François Bertherin. Seine ausserordentliche Fähigkeit, absolut perfekt die Farben aufzutragen, können immer noch am «Papyrus» bewundert werden. Ebenso wichtig war seine herausragende Persönlichkeit. Er verstand es, seine neun Kollegen während den zehn Tagen in Interlaken permanent zu motivieren und zu Höchstleistungen zu animieren. Einen damals 35-jährigen Hunter von der alten Farbe zu befreien erwies sich als extrem aufwändig. Man stelle sich vor, die Flügelunterseite oder den Rumpfunterteil in einer kräfteraubenden Stellung abzulaugen und abzuschleifen. Gegen das Heck hin ist Öl und Petrol tief in die Farbe eingedrungen. Auch die letzten Rückstände mussten entfernt werden! Es bleibt noch zu erwähnen, dass uns ganz inoffiziell, dafür um so effizienter, die Kollegen vom BAMF Interlaken stark unterstützt haben.
Dieser ganze Kraftakt wurde in der ersten DTK-Woche durchgezogen. Übers Wochenende war dann der harte Kern der Fl St 15 in Interlaken. Zusammen mit François und seinen Kollegen haben wir das Design im Detail festgelegt. Die verschiedenen Folien wurden auf und unter dem Flügel und am Rumpf angebracht. Das tönt einfacher als es ist. Die Schriftzüge müssen absolut geometrisch und mit kleinsten Toleranzen platziert werden. Dem ursprünglichen Konzept folgend, zieren die Namen von François Bertherin und Bernie Schoch die linke Rumpfseite, Oliver Borgeaud und René Viani die rechte Rumpfseite. Die Flpl Abt 7 als auch die Fl Kp 18 sind auf beiden Seiten verewigt.
Bernie Schoch und auch René Viani haben uns vor einem finanziellen Debakel bewahrt. Bernie, der Bruder des Staffelkollegen Zorro, hat alle Farben und die nötigen Komponenten gratis zur Verfügung gestellt. René, ein Kollege von François, hat sämtliche Folien ebenfalls kostenlos für uns angefertigt. Offensichtlich sind René zeitweise die Messer ausgegangen, um die Schriftzüge aus den Folien herausschneiden. Einen so grossen Auftrag hatte er bis anhin noch nie ausgeführt! Nochmals herzlichen Dank für die grosszügige Unterstützung.
Der «Papyrus» hebt ab
François mit seinen Kollegen waren fast Tag und Nacht am «Papyrus» an der Arbeit. Zeitlich gab es keinen Spielraum. Am Donnerstag, 18. November, musste ich zwingend in Interlaken zum Werkflug mit dem inzwischen auf «Papyrus» getauften Hunter starten können. Natürlich war die ganze Bodenmannschaft und auch mehrere Fotografen anwesend. Während des Fluges wurde ich von einem Hunter-Trainer begleitet und auch gefilmt. Am nächsten Tag war es mir vergönnt, den «Papyrus» den Kollegen und einem breiten Publikum in SST vorführen.
Für uns Piloten war es ein normaler DTK, gespickt mit zusätzlichen Aufgaben. Passend zum «Papyrus» hatten wir alle unsere Helme mit feinen Papierstreifen aus der NZZ beklebt. Zudem organisierte ich ein Abteilungsfoto mit möglichst viel Personal und Material. 12 Hunter, Tankwagen, Traktoren, Pikett-Fahrzeuge etc. und fast die gesamte Mannschaft wurden auf der Piste in St. Stephan aufgestellt und von einem Mirage Aufklärer als auch von einer Alouette 3 fotografiert. Die Planung als auch die Ausführung musste bei vollem Flugbetrieb erledigt werden. Ehrlicherweise hatte ein guter Draht zur Einsatzzentrale geholfen. Für den Tag der offenen Türe am 19. November stellten wir ein spektakuläres fliegerisches Programm zusammen. Neben Erdangriffen auf den Flugplatz mit 12 Huntern zauberten wir mit 16 Huntern die Zahl 15 an den Himmel. Dabei hatte uns die Fl St 2 mit Piloten und Flugzeugen ausgeholfen. Der Höhepunkt war die Vorführung des «Papyrus». Sogar am Freitag in St. Stephan liess sich François etwas Spezielles einfallen. Das Flugzeug wurde mir von Mechanikern übergeben, die ganz im «Papyrus»-Look eingekleidet waren. Nach der Landung gab es an einer «Papyrus»-Bar Erfrischungen!
J-4040 wird J-4015
Noch kurz zum Flugzeug. Das BAMF hatte uns J-4040 mit noch wenigen Flugstunden bis zur nächsten Kontrolle zugeteilt. Die Idee war, dass am Ende des DTK dieser Hunter ausgemustert werden sollte. Wir nahmen uns die Freiheit, aus naheliegenden Gründen den «Papyrus» J-4015 zu taufen. So waren damals gleichzeitig zwei J-4015 in der Luftwaffe! Jeder 15-er wollte natürlich mit dem Papyrus fliegen, mehrere Male wenn möglich. Die verbleibenden Flugstunden liessen das aber nicht zu. Aus sehr gut unterrichteter Quelle hatte ich erfahren, dass niemand einen Vergleich zwischen Kerosinverbrauch und Flugzeit macht. Zudem gibt es im Militär grosse Toleranzen, so dass es auf ein paar Stunden mehr oder weniger nicht ankam. Darum wurden nach dem Flug jeweils nur einige wenige Flugminuten ins Logbuch eingetragen. Erstaunlicherweise mussten aber die üblichen 2000 Liter Petrol getankt werden!
Während des DTK bemühte ich mich um das Überleben unseres Hunters. Entgegenkommenderweise war das BAMF bereit, uns Ende 1994 den «Papyrus» zu überlassen unter der Bedingung, dass eine Trägerschaft zustande kommt. An Privatpersonen wurden keine Hunter abgegeben (wie immer mit Ausnahmen). Es ist mir gelungen, noch während den zwei Wochen DTK die Unterschrift aller vier Gemeindepräsidenten des Obersimmentals zu bekommen. Damit war der «Papyrus» gerettet. Ohne finanzielle Unterstützung, ohne Wohlwollen von Seiten BAMF, Flpl Abt 7 und dem gewaltigen Einsatz der Kollegen der Fl Kp 18 wäre der «Papyrus» nie entstanden. Nach 1994 gehört der Dank dem Vorstand, den Helfern und Mitgliedern des Huntervereins. Zudem hat Bernie Schoch mehrere Male die finanziellen Engpässe des Vereins beseitigt. Alle haben zum Erfolg des schönsten Hunters weltweit beigetragen!
Autor: 15ter Kommandant der Fl St 15, Ueli Leutert
Hawker Hunter Mk.58/Mk.58A
Der englischer Hawker Hunter waren von 1958 bis 1994 bei der Schweizer Luftwaffe im Einsatz. Gekauft wurden 160 Maschinen (Ein- und Doppelsitzer).
Konstrukteur: Hawker Aircraft Ltd.
Hersteller: Hawker Aircraft Factory
Zweck: einsitziger Abfangjäger/Erdkämpfer
Erstflug: 20. Juli 1951
Länge: 13,95 m
Spannweite: 10,24 m
Höhe: 3,99 m
Motor: 1 x Rolls Royce Avon 203/207
Motorleistung: 1 x 4580 kp Standschub
Startgewicht: 10760 kg
Max. Geschwindigkeit: 1150 km/h im Horizontalflug
Steigleistung: 30,0 m/s
Gipfelhöhe: 16030 m.ü.M.
Reichweite: 1000 km
Besatzung: 1 Pilot
Bewaffnung: 4×30 mm Aden-Kanonen, vier Unterflügelstationen für Zusatztanks, 450 kg-Bomben, Lenkwaffen (Sidewinder AIM-9, Maverick AGM-65B) und ungelenke Luft-Boden-Raketen (Oerlikon)
Bemerkungen: 100 + 30 + 30 Maschinen beschafft (2. und 3. Serie Mk. 58A-Occasionen)