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Wir besuchen den Nationalpark Superagüi, an der Küste des Bundesstaates Paraná, in dem, unter anderen, auch die seltenen Exemplare des “Mico-leão-da-cara-preta“ (Schwarzkopflöwenäffchen – Leontopithecus caissara) und des “Papagaio-de-cara-roxa“ (Rotschwanzamazone – Amazona brasiliensis) eine Zuflucht gefunden haben, also zwei Kostbarkeiten der Natur an einem paradiesischen Ort.
Der Nationalpark Superagüi ist Teil eines Übergangsgebietes zwischen Flussmündungen und Meer, dem “Complexo estuário“ von Paranaguá, Cananéia und Iguape. Im Jahr 1991 wurde der Park von der Unesco zum “Reservat der Biosphäre“ erklärt, denn er ist unter dem Gesichtspunkt der Ernährungsergänzung eine der bedeutendsten Regionen des Landes. Etwas später dann, im Dezember 1999, erweiterte die Unesco den Schutz des Gebietes als “Naturerbe der Menschheit“. In diesem Naturparadies findet der Besucher Buchten, einsame Strände, Sumpfgebiete, Mangrovedschungel und unendliche Formationen des Atlantischen Regenwaldes. Viele seltene Tierarten, darunter auch vom Aussterben bedrohte Arten, leben innerhalb der Parkgrenzen, der noch keine organisierte touristische Infrastruktur besitzt – und es existiert auch noch kein Plan zu seiner Wartung.
Der kleine Flecken “Barra do Superagüi“ befindet sich ausserhalb der Parkgrenzen, und dort gibt es acht Pousadas, vier Restaurants und einen Campingplatz. Es existiert keine reguläre Transportverbindung auf dem Wasser, deshalb muss man private Motorboote chartern, um zum Park zu gelangen. Die touristische Nachfrage ist noch relativ gering, aber nach der Installation von Elektrizität Ende 1998 und der Nähe des Parks zu den grossen urbanen Zentren Curitiba und São Paulo, ist es wahrscheinlich, dass das touristische Interesse in naher Zukunft steigen wird – was ein Programm zur touristischen Planung notwendig macht.
Das wunderbare, fast vollständig vom Atlantischen Regenwald bedeckte Reservat, ist zu einer letzten Zufluchtsstätte für die beiden gefährdeten Tierarten – das Schwarzkopflöwenäffchen und die Rotschwanzamazone – geworden. Beide können sich auf diesen streng geschützten 34.000 Hektar Regenwald einigermassen sicher fühlen und – so hofft man – sich hier auch wieder vermehren.
Der Nationalpark Superagüi liegt auf einer Insel. Die einmalige Schönheit des kleinen Primaten mit dem schwarzen Gesicht und einer ebensolchen Mähne, zusammen mit dem Papagei, dessen blauer Kopf mit der tiefroten Stirn eigentlich viel auffallender ist als der im deutschen Namen erwähnte rote Schwanz (die Brasilianer nennen ihn deshalb auch “Rotgesichtiger Papagei“), stehen an der Spitze einer ganzen Reihe seltener Tierarten, die in diesem Reservat anzutreffen sind. Die Insel mit ihrem ruhigen, traditionellen Lebensstil lockt zunehmend mehr Besucher an. Das hat bewirkt, dass die Bewohner inzwischen auch den Schutz der lokalen Biovielfalt in ihr tägliches Arbeitsprogramm aufgenommen haben. Seltene Säugetiere, wie der Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus), seltene Vögel wie der schwarz-weiss gezeichnete Wassertyrann (Fluvicola nengeta), der Langschnabelspecht (Nasica longirostris), der Temminck-Zwergspecht (Picumnus temminckii) oder die anmutigen Seeschwalben, kann man überall beobachten.
Im Wasser bringt das Fischen mit kleinen Kanus, von nur einem halben Meter Breite, gute Ergebnisse. “Robalos, Peixe-pedras, Baiacus“ und Shrimps lassen sich leicht fangen von dem, der ein bisschen Anpassungsfähigkeit und Ausdauer mitbringt. Das Angeln ist eine der Lieblingsbeschäftigungen vieler Besucher – während eines Angelausflugs kann man Schildkröten, Fluss- und Meeresdelfine beobachten – ein Paradies. Zum Mittagessen gibt es eine “Paella Valenciana“, nach einem spanischen Rezept, mit Meeresfrüchten und allerlei Extra-Ingedienzien – müssen Sie unbedingt probieren!
Die Insel
Die Region von Superagüi an der Küste von Paraná wurde bereits vor vier Jahrhunderten kolonisiert. Jedoch gibt es immer noch keine urbanen Szenarien auf dieser Insel. Und das ist den bescheidenen Bewohnern zu verdanken, die ihren eigenen traditionellen Lebensstil über allem pflegen, um die unverfälschte Erhaltung dieses Naturparadieses zu garantieren. Autoverkehr, zum Beispiel, ist hier nicht erlaubt. Wir selbst haben uns per Fahrrad durch den geschützten Atlantischen Regenwald bewegt.
Aber es gibt hier nicht nur Regenwald. Die Insel besteht aus sandigem Boden, auf dem eine reichhaltige, diversifizierte Vegetation entstanden ist. Wie die verantwortliche Analystin des Parks, erklärt: “Es gibt hier erhöhte und tiefer liegende Gebiete, was die Existenz von Sumpfgebieten und Mangrovenwäldern begünstigt. Was der Fauna zugutekommt, ist die kontinuierliche Vegetation. Ohne sie wäre es unmöglich, Arten wie dem Löwenkopfäffchen oder dem Rotschwanzpapagei eine Heimat zu bieten.“
Ein Inselbewohner erzählt, dass er einst Hühner, Ziegen und Pferde auf einem Terrain hinter seinem Haus gehalten hatte. Als er jedoch bemerkte, dass die anspruchsvollen Äffchen sich an den Tieren störten, entschloss er sich, deren Haltung aufzugeben.
Und kaum hat er ein paar der von diesen Primaten bevorzugten Samenkerne (“Ingá, Embaúba“ und “Cupiva“) aus der Tasche gezogen, erscheint das erste Äffchen in einer Baumkrone. Uns fehlen die Worte ob der Schönheit dieses orangeroten Zwerges mit dem tiefschwarzen Gesicht. Und dann plötzlich lässt sich die ganze Bande hinter dem Leittier blicken, um sich auf die ausgelegten Kerne zu stürzen.
Die Tierchen sind tatsächlich sehr anspruchsvoll: Sie leben nur auf ebenen Flächen mit einer maximalen Höhe von zwanzig Metern über dem Meer. Und so disputieren sie geeignete Flächen, wie dieses Gelände hinter dem Haus des Inselbewohners.
Die Park-Analystin erzählt, dass leider, so nimmt man an, nur noch zwischen 400 und 800 dieser kleinen Primaten in freier Natur existieren. Das grösste Problem, um diese Spezies zu erhalten, besteht aus der Ungenauigkeit dieser Daten. Wenn nämlich die Zahl der Individuen in Freiheit zu gering ist, um ein Ansteigen der Populationen zu gewährleisten, wird es notwendig, eine Reproduktion in Gefangenschaft zu forcieren.
Das tägliche Brot aus dem Regenwald
Nicht nur um den Erhalt der Fauna kümmert man sich. Der Regenwald selbst ist eine Einnahmequelle für zahlreiche Familien, denn er bringt spezielle Blätter hervor, die in der lokalen Küche besonders geschätzt werden.
“Der Wald ist unser Broterwerb“, sagt ein Mitglied des Frauenvereins, die diese Blätter in dem Ort Barra do Ararapira verkaufen. Die Blätter des “Cataia-Baums“ (Drimys brasiliensis Miers) werden gekauft, um daraus einen therapeutischen Tee zu brauen, oder sie zum Würzen von typischen Gerichten zu benutzen. Und nicht zu vergessen der berühmte “Whisky Caiçara“, der in Wirklichkeit ein Zuckerrohrschnaps (Cachaça) ist, welcher in diesen Blättern reift – eine Spezialität von grossem kommerziellem Wert.
Neben diesen Blättern sind auch die typischen Mikro-Orchideen der Insel wahre Reliquien. Ihre Blüten, von der Grösse eines Wassertropfens, sind von unvergleichlicher Schönheit.
Angelausflug
Auch im Wasser beschenkt die Natur die sie schützenden Menschen reichlich. Schildkröten und Delfinen begegnet man während eines Angelausflugs in grosser Zahl. Und das Fischen selbst bringt üppige Resultate und wird von den Einheimischen zur Selbsterhaltung auch eifrig betrieben. Die von ihnen benutzten schmalen Kanus sind gewöhnungsbedürftig – man braucht einen guten Gleichgewichtssinn beim Ein- und Aussteigen – und natürlich auch während des Angelns, wenn man einen Fisch am Haken hat.
Gäste haben Gelegenheit zu beweisen, dass auch das Angeln von Neulingen an diesem Ort sofort ansehnliche Ergebnisse bringt. Es können künstliche Köder und auch Shrimps benutzt werden, mit denen man schon nach ein paar Minuten einen mittelgrossen “Robalo“ (Barschart – Perciformes), oder einen “Badejo“ (Mycteroperca spp.), “Garoupa“ (Zackenbarsch – Epinephelinae) und sogar ein neugieriger “Peixe-pedra“ (Drachenkopf – Scorpaeniformes) aus dem Wasser ziehen kann.
Auch einen “Baiacu“ (Kugelfisch aus der Gattung Tetraodontiformes) – eine interessante Spezies, die sich sofort aufbläst und zu einer stacheligen Kugel wird kann an der Angel sein. Das Aufblasen ist eine Abwehrhaltung des Fisches, mit dem man sehr vorsichtig umgehen muss. Er hat zwar nur vier Zähne, aber die sind messerscharf. Auch zu seiner Verwendung in der Küche ist äusserste Vorsicht geboten, denn er ist giftig – nur erfahrene Hausfrauen verstehen es, ihn zuzubereiten und die giftigen Teile vom ungiftigen Muskelfleisch zu trennen“ (Vergleiche den japanischen “Fugu“, eine gefährliche Delikatesse).
Auf der Suche nach der Rotschwanzamazone
Der kleine Ort “Guaraqueçaba“, vor der Insel “Superagüi“, dessen Name aus der indigenen Tupi-Sprache stammt und “Schlafplatz der Guarás“ (rosafarbene Ibisse) bedeutet, hat eine Bevölkerungszahl von knapp 9.000 Einwohnern und ist touristisch noch kaum erschlossen. Er macht seinem Namen alle Ehre – die rosafarbenen Ibisse geben dem blauen Himmel des Munizips entzückende Farbtupfer. Zahlreiche andere, schon erwähnte fliegende Raritäten bekommt man hier ebenfalls zu Gesicht. Den am meisten erwarteten Vogel, mit der roten Stirn und dem roten Schwanz aber findet in nur der Nähe der kleinen “Ilha dos Pinheiros“, die von den Einheimischen bezeichnenderweise auch “Insel der Papageien“ genannt wird und als Schlaf- und Nistplatz dieser seltenen Art bekannt ist.
Die Anfahrt ist schwierig und sollte nicht in der Dunkelheit gemacht werden. Am interessantesten ist es loszufahren, wenn die ersten Strahlenfinger am Horizont erscheinen und die Landschaft in ein goldenes Licht tauchen, und sich die Luft plötzlich erfüllt von einer Kakophonie an Vogelstimmen – auch das typische Geschrei der Papageien kann dazwischen herausgehört werden. Und dann erscheinen sie – in kleinen Gruppen umschwärmen sie ein paar Palmen, um an deren grossen Rispen mit den hartschaligen, pflaumengrossen Früchten, ihren Hunger zu stillen. Wie bei allen Sittich- und Papageienarten vollführen sie dabei einen Heidenlärm und streiten sich um die besten Futterplätze.
Das Futterangebot auf “ihrer Insel“ ist jedoch bei weitem nicht ausreichend, deshalb pendeln die meisten Vögel zwischen der Insel und dem Festland, wo sie den Tag damit verbringen, sich an ihren bevorzugten Futterplätzen zu bedienen – vor Sonnenuntergang fliegen sie dann zurück zu ihren Schlafplätzen.
Bis 1981 wusste man kaum etwas von dieser besonderen Spezies unter den so beliebten anderen Amazonen. Und kaum hatte sich die Wissenschaft näher mit ihrem Studium befasst, musste sie feststellen, dass ihre Populationen bereits erschreckend geschrumpft waren. Und als diese Spezies dann noch als extrem selten bekannt wurde, brachte dies als tragischen Nebeneffekt die skrupellosen Tierhändler auf den Plan, deren Handlanger dem seltenen Vogel nun erst recht nachstellten. Sie und die fortschreitende Waldvernichtung brachten den Bestand der endemischen Vögel an den Rand der Ausrottung.
Inzwischen beginnt sich der Restbestand zwischen 3.000 und 4.000 Exemplaren dank strenger Schutzmassnahmen zu stabilisieren. Trotzdem drohen ihrem langfristigen Überleben immer noch zahlreiche Gefahren, wie die zunehmende Vernichtung ihres Lebensraumes durch das sich Ausbreiten von Weekendhäusern auf dem Festland, wo ihre Futterbäume stehen (oder gefällt werden), und vor allem durch die illegalen Tierhändler, die bei der geringsten Unaufmerksamkeit der lokalen Tierschützer die Nester der Vögel für ihr schmutziges Geschäft ausnehmen.