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Kirche
Zur Geschichte
Im päpstlichen Schutzbrief für die Benediktinerabtei Erlach Kt. Bern wird im Jahr 1185 unter ihren Besitzungen auch der Hof „Menzenowa“genannt. Das Kloster hat zweifellos Menznau durch die Herren von Hasenburg erhalten. Das jurassische Adelsgeschlecht der Hasenburger ist seit 1212 in der Willisauer Gegend nachweisbar. 1245 schenkt Walter von Hasenburg der Kirche „S. Johannis in Menzenowe“ ein Eigengut. Das Patrozinium des hl. Johannes des Täufers ist auf Erlach, das denselben Kirchenpatron hatte, zurückzuführen. Um 1320 gingen die hasenburgischen Rechte, d.h. das Patronat über die Kirche sowie die niedere Gerichtsbarkeit an die Deutschordenskommende Hitzkirch über. Wahrscheinlich hat dies Theobald von Hasenburg vermittelt, der um 1290 in diesen Orden eingetreten war.
Von der Burgkapelle zur Barockkirche
Als erstes Gotteshaus diente die dem hl. Bartholomäus geweihte Burgkapelle. Von dieser imposanten Burganlage sind heute leider keine Überreste mehr vorhanden. Ein gotisches Bildstöckli (1583) beim Oberhus, am Weg zum Burghügel, bestand schon als die Burg noch bewohnbar war.
Der Bau der ersten Kirche von Menznau fällt mit der Gründung der Pfarrei zusammen, also in der Mitte des 11. Jahrhunderts, etwa um 1050 bis 1070.
Im Jahre 1329 wurde der Grundstein für die zweite Kirche gelegt, der später ein gotischer Chor angebaut wurde. Vermutlich stammen die wertvollen gotischen Figuren, die sich heute im Landesmuseum befinden aus dieser Kirche.
Die dritte Kirche – die Vorgängerkirche der bestehenden Pfarrkirche – stand auf dem heuti-gen Friedhof und war geostet. Der Haupteingang befand sich etwas unterhalb des Missionskreuzes. Der Chor reichte bis zum Gehweg bei den Familiengräbern, oberhalb der Bahnlinie. Die Grundsteinlegung erfolgte am Josefstag, 19. März 1628. Der Sufraganbischof von Konstanz weihte die Kirche am 29. Mai 1635. Damals gehörte Menznau zur Diözese Konstanz. Diese Kirche war ein reichhaltiger Barockbau. Laut Protokolleintragung wurden vom Abbruch der Kirche genaue fotografische Aufnahmen gemacht. Diese Bilder sind unauffindbar. Einzig eine Zeichnung des Menznauer Malers Vinzenz Vonlaufen aus dem Jahre 1832 mit der Aufschrift „Das Dorf Menznau mit Kirche in Ansicht von Morgen gegen Abend“ ist im Besitze der Kirchgemeinde.
Kirchenbau von 1890 bis 1892
Im Laufe der Jahre war die Kirche baufällig und zu klein geworden. Bei Unwettern trat öfters der Dorfbach über die Ufer und brachte Geschiebe zum Dorf. Damals gab es noch keine Auffangsammler im Ricken. Kies und Geröll wurde vielfach im Dorf verteilt. Das hatte zur Folge, dass unsere Vorfahren 2 Stufen hinabsteigen mussten, bevor sie das Kirchenportal betreten konnten. Gleiches können wir heute noch bei den alten Häusern Schaubhaus, Dangelhaus und Rothaus feststellen.
Schon 1786 beschlossen die Kirchengenossen von Menznau zwecks Kirchenneubaus mit dem Komtur der Deutschritterkommende Hitzkirch in Verbindung zu treten. Damals besassen die Deutschritter das Kollaturrecht (Recht den Pfarrer zu stellen und Steuern zu erheben) der Pfarrei Menznau. Man konnte sich jedoch über eine Vergrösserung der Kirche oder über deren Neubau nicht einigen. Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten innerhalb der Kirchengenossen veranlassten die damalige Regierung des Standes Luzern folgenden Entscheid zu treffen: „Eine Vergrösserung wäre gleichwohl kostspielig und erfülle die Erwartungen nicht. Man solle zuwarten bis genügend Mittel für einen Neubau vorhanden seien“.
Dazwischen kam die französische Revolution, mit dem Einmarsch fremder Truppen in unser Land, und der Zerfall der alten Eidgenossenschaft. Kulturkampf, Sonderbundskrieg, Klosteraufhebungen und parteipolitische Auseinandersetzungen verzögerten die Planungs-arbeiten für einen Kirchenneubau. Im Jahre 1860 liess man beim Architekten Wilhelm Keller zwei Grundpläne erstellen, den einen für eine Vergrösserung des Kirchenschiffes mit Anbau einer Sakristei, den andern für einen Neubau der Kirche mit Beibehaltung des alten Turmes.
Beide Pläne fanden keine Zustimmung bei den Menznauern. Um einen Kirchenneubau etwas voranzutreiben, machte der vormalige Pfarrer und Dekan Anton Kaufmann eine namhafte Vergabung mit der Auflage, dass innerhalb von 10 Jahren eine neue Kirche gebaut werde.
Am 28. Oktober des jahres1886 beschloss die Kirchgemeindeversammlung den Bau einer neuen Pfarrkirche. Von den 104 anwesenden Bürgern stimmten deren 94 für den Neubau. Am 24. Juli 1887 wählte die Kirchgemeindeversammlung die Mitglieder der Baukommission mit folgenden Personen:
Martin Hunkeler, Pfarrer
Moritz Grüter, Kirchenrat und Gemeindepräsident, Vizepräsident
Johann Meyer, Lehrer, Kirchenrat, Gemeindeschreiber, Aktuar
Peter Näf, Kirchmeier, Gemeindeammann, Grossrat
Alois Sigrist, alt Gemeindeammann und Grossrat
Albert Reis, Verwalter, Kirchenrat
Alois Frey, Marchstein, Richter und Kirchenrat
Johann Näf, Lehrer und Posthalter
Johann Wechsler, Kirchenrat
Leo Felber, alt Verwalter und alt Kirchenrat
Alois Bühler, alt Waisenvogt und Geschäftsagent
Josef Kreienbühl, Elsenegg
Johann Meyer, Kessental
Architekt Johann Josef Meyer aus Buttisholz, der für die Menznauer das 1878 fertigerstellte Schulhaus (heute Gemeindehaus) geplant hatte, erhielt den Auftrag für die Planung und Ausführung des Kirchenbaues. Architekt Meyer hat auch die Kirchen von Grossdietwil und Römerswil gebaut.
Man konnte sich über den Standort der neuen Kirche lange nicht einigen. Jetzt galt es die Finanzierung des Neubaus zu sichern. Die Regierung des Kantons Luzern hatte als Nach-folgerin der Deutschritterkomturei Hitzkirch den Bau des Chores und die Restauration des Hochaltares zu übernehmen. Die Korporationsrechte der Kirchgemeinde wurden mit einem Betrag von Fr. 6‘000.– abgelöst. Die von Dekan Kaufmann und Johann Unternährer zugesagten Legate wurden in Betracht gezogen und die Kirchensteuern erhöht. Gezielt eingesetzte Fronarbeiten waren notwendig.
Am 21. Juli 1890 erfolgte die Grundsteinlegung durch Dekan Jakob Meyer, Pfarrer in Altishofen. Den letzten Gottesdienst in der alten Kirche feierte man am 26. April 1891.
Die Kirche wurde abgebrochen und das Material für den Neubau verwendet. Steinbrüche aus der näheren Umgebung lieferten Baumaterialien. Lastwagen waren damals noch unbekannt und die Bahn wurde erst fünf Jahre später eröffnet. Baustoffe, wie Emmenbollen und Ziegelsteine mussten mit Pferde- und Stierenzug herbeigeschafft werden. Die Schüler der Klassen von Lehrer Johann Näf halfen beim Abladen. Von Schülern wurden die Ziegel auf Leitern auf das Dach befördert.
Zufolge grosser Geldknappheit entschloss man sich, die Innenausstattung aus der alten Kirche zu übernehmen. Dadurch blieben die Kunstgegenstände erhalten. Der Architekt hat dem neuromanischen Äussern der Kirche im Innenraum darum einen spätbarocken, klassi-zistischen Charakter verliehen.
Die aus Nussbaumholz geschaffene Kanzel wurde 1664 fertiggestellt. Der Hochaltar von 1677 ist die Stiftung eines Hitzkircher Komturs. Der Marienaltar aus dem Jahre 1628 ist der kostbarste. Der rechte Seitenaltar wurde 1757 im Rokokostil erbaut. Der untere Teil des Taufsteins (17. Jahrhundert) wurde vermutlich aus Stöckalper Marmor gehauen.
Die Baukosten der neuen Kirche mit Turm, aber ohne Glocken und Uhr beliefen sich auf rund Fr. 200‘000.–. Für den Chorbau zahlte der Kanton Fr. 28‘700.–.
An einem sonnigen Herbsttag, 25. Oktober 1892 konsekrierte der Bischof von Basel und Lugano, Dr. Leonhard Haas, die neue Kirche und spendete gleichentags das Firmsakrament.
Bis zur Renovation im Jahre 1986 wurden an der Kirche, ausser den nachfolgend aufgeführten, keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen.
1931 Anschaffung von 5 Glocken und einer neuen Turmuhr.
1941 Einbau der ersten Heizung und neuen Fenstern.
1970 Neubedachung mit Biberschwanzziegeln.
1977 Einbau der Bankheizung.
Kirchenrenovation 1986 bis 1988
In den Jahren 1986 bis 1988 wurde eine umfassende Renovation der Pfarrkirche an die Hand genommen mit dem Ziel, das Gotteshaus und dessen Ausstattung in den ursprüng-lichen Zustand zu versetzen und notwendige Verbesserungen anzubringen.
Der Boden wurde mit Luzerner Sandstein aus Root belegt. Unter Verwendung der alten Docken hat man die Kirchenbänke erneuert und bequemer gestaltet. Die Kabinettscheiben von 1941 sind in die neuen Fenster eingesetzt worden. Die Goll-Orgel aus dem Jahre 1892 mit 20 Registern hat man durch eine mechanische Metzler-Orgel mit 27 klingenden Regis-tern ersetzt. Auf Weisung der Denkmalpflege wurde der ursprüngliche Prospekt beibehalten. Die Bankheizung hat man wieder eingebaut und im Chor durch eine Bodenheizung ergänzt. Mit der Neugestaltung von Vorplatz und Umgebung wurde der Eingang für Rollstühle ermöglicht.
Bischof Dr. Josef Gandolfi segnete die restaurierte Kirche 1988 ein. Die Pfarrei freute sich über die geglückte Renovation. Die Gesamtkosten der Renovation betrugen Fr. 4,87 Mio. 1992 betrug die verbleibende Restschuld 1,25 Mio Franken.
Am 25. Oktober 1992 jährte sich der 100. Weihetag der Pfarrkirche. Das Gedenkfest feierte die Pfarrei am 27. September und verband es mit dem Pastoralbesuch des Bischofs.
Quellen
Hans Unternährer, Kirchmeier
Protokolle und Dokumente aus dem Pfarreiarchiv
Dr. Hochstrasser, die Kollaturablösung 1966
Martin Hunkeler, Geschichte der Gemeinden Menznau und Werthenstein.
Josef Estermann, Botschaft zur Kirchgemeindeversammlung 1986
Sanfte Renovation der Pfarrkirche 2012
24 Jahre nach der Gesamtrenovation der Pfarrkirche wurde der Innenraum der Kirche einer Gesamtreinigung unterzogen. Ein Brand in der Turmsakristei mit starker Rauch-entwicklung vor zwei Jahren setzte dem Innenraum sehr zu, so dass sich der Kirchenrat für eine Innenreinigung entschlossen hat. Am 23. Juli 2012 haben die Fachleute der Firma Stuckatura Antonini aus Stans mit ihren Reinigungsarbeiten im Chor der Pfarrkirche begonnen. Staub und Russpartikel haben sich in den vergangenen Jahren an den Wänden und auf den Altären abgelagert. Die Verschmutzungen wurden mit Latex-Schwämmen im Trockenverfahren entfernt. Anschliessend wurden die Wände zum Schutz mit einem Anstrich versehen. Die gesamte Ausstattung wurde mit weichen Textilien und mit Dachshaarpinseln gereinigt. Für die Reinigungsarbeiten wurden bewegliche Gelenk-Hebebühnen eingesetzt. Daher musste kein Baugerüst aufgestellt werden. Bereits nach sechs Wochen, Ende August konnten die Arbeiten abgeschlossen werden und die Kirche erstrahlt in neuem Glanz.