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«Handelszeitung Online»: Der langjährige Microsoft-Manager Steve Sinofsky verlässt überraschend das Unternehmen. Wie konnte es dazu kommen?
Marco Gabriel: Mit der Einführung von Windows 8 hat die Bedeutung von Hardware und Zusatzdienstleitungen - zum Beispiel die Online-Speicherung in der Cloud - deutlich zugenommen. Dies hat dazu geführt, dass die verschiedenen Bereiche von Microsoft viel enger zusammenarbeiten müssen ...
... und Sinofsky wollte diesen internen Strategiewandel nicht mittragen.
Anscheinend konnte Steve Sinofsky, welcher sich unter anderem mit der Einführung von diversen Office-Versionen und Windows 7 einen guten Namen gemacht hat, mit der «neuen» Microsoft nicht anfreunden.
Neben diesen internen Umwälzungen will Microsoft mit einem neuen Tablet im günstigeren Preissegment dem Branchenprimus Apple Marktanteile entreissen. Inwieweit beeinflusst der Rücktritt nun diesen Plan?
Aufgrund des guten Track Records von Steven Sinofsky bei der Einführung von neuer Software besteht eine kleine Unsicherheit, ob die Nachfolgerin, Julie Larson-Green, in die Fussstapfen ihres Vorgängers treten kann. Sie arbeitet allerdings bereits seit 1993 bei Microsoft, was den Übergang einfacher macht. Die Strategie, das Angebot auf Hardware und Dienstleistungen auszuweiten, wird durch diese Rochade jedoch eher noch verstärkt. Zudem versucht Microsoft, die Apple-Kunden nicht mit tiefen Preisen, sondern mit einer deutlich grösseren Funktionalität zum gleichen Preis zu überzeugen.
Trotzdem stellt sich die Frage: Sind die internen Umwälzungen tatsächlich der einzige Grund für den Rücktritt? Schliesslich sind die Verkaufszahlen von Microsoft rückläufig.
Die eher schwachen Verkaufszahlen sind auf den von Microsoft verschlafenen Strukturwandel in der PC-Branche - also den Trend zu mobilen Geräten wie Tablets - zurückzuführen. Wir gehen davon aus, dass Steven Sinofsky nur einen geringen Einfluss auf die strategische Ausrichtung von Microsoft gehabt hat und demzufolge nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann.
Derweil ist Microsoft ins Visier der EU-Kommission geraten. Dabei wird dem Konzern vorgeworfen, den Windows-Nutzern monatelang die Wahlfreiheit über den Internet-Browser verweigert zu haben. Wurde Steve Sinofsky Opfer dieser Streitigkeiten?
Nein. Die wettbewerbsrechtlichen Auflagen der Europäischen Union sind für Microsoft lösbar und dürften heute kaum mehr grosse Wellen schlagen. Die freie Browserwahl hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren.
Marco Gabriel ist Investment Advisor der VP Bank Gruppe