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Im Jahr 1883 wird Erich Heckel im sächsischen Döbeln als jüngstes von drei Kindern geboren. Die Tätigkeit des Vaters als Baurat der königlich-sächsischen Eisenbahn erforderte einige Wohnortswechsel, den Hauptteil seiner Kindheit und Schulzeit verbringt Heckel in Dresden und Chemnitz. Im literarischen Debattierclub am Humanistischen Gymnasium Chemnitz lernt er Karl Schmidt (später Schmidt-Rottluff) kennen und begeistert sich für Schriftsteller wie Friedrich Nitzsche und Henrik Ibsen. Schon bald erhält Heckel auch außerhalb der Schule Zeichenunterricht beim Leiter des Chemnitzer Kunstvereins Kunsthütte und fertigt erste Naturstudien in Tusche und Aquarell an. 1904 schließt er die Schule mit Abitur ab und wird vom Kunstverein Kunsthütte für eine seiner Zeichnungen prämiert. Im April desselben Jahres beginnt Heckel das Architekturstudium an der Königlich-Sächsischen Technischen Hochschule Dresden und lernt über seinen Bruder Manfred die Kommilitonen Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl kennen. Kurz darauf beginnt auch Schmidt-Rottluff ein Architekturstudium und schließt sich dem Freundeskreis an. Am 7. Juni 1905 gründen die vier jungen Männer die Künstlergruppe Brücke. Als Geschäftsführer mietet Heckel mit Schmidt-Rottluff einen leerstehenden Laden in Dresden an, der sich zum ersten Atelier der Brücke entwickelt.
Die Anfänge der Brücke (1905–1910)
Im Herbst 1906 bricht Heckel das Studium ab, arbeitet weiterhin im Architekturbüro von Wilhelm Kreis als technischer Zeichner und kümmert sich intensiv darum, verschiedene Gruppenausstellungen für die Brücke zu organisieren. In den nächsten zwei Jahren hält sich Heckel mehrfach in Dangast auf und lernt dort die Kunsthistorikerin und Autorin Rosa Schapire kennen, die 1907 erstes passives Mitglied der Künstlergruppe wird. Als eine der ersten Frauen wurde sie 1904 in Deutschland promoviert. Anfang des Jahres 1909 reist Heckel für vier Monate durch Italien, hauptsächlich hält er sich in Rom auf, wo er in einer kleinen Atelierwohnung mehr mit seinen Zeichnungen als mit der Stadt und ihren Sehenswürdigkeiten beschäftigt ist. Den Sommer verbringt er neben ersten Aufenthalten an den Moritzburger Teichen – die zu einem beliebten Brücke-Motiv werden – wieder in Dangast und bleibt im kommenden Frühjahr auch einige Zeit in Berlin, wo der intensive Kontakt und die Freundschaft mit Otto Mueller ihren Anfang nehmen.
Umzug nach Berlin und das Ende der Brücke (1910–1913)
Ende 1910 lernt Heckel seine spätere Lebensgefährtin, die Tänzerin Milda Frieda Georgi (1891–1982) kennen, die unter dem Künstlernahmen Sidi Riha auftritt. Die beiden beginnen ihre Sommer an der Ostseeküste zu verbringen, wo Heckel weitere Inspirationen für seine Werke findet. Nach einem Jahr ziehen Sidi Riha und Erich Heckel im Dezember 1911 gemeinsam nach Berlin-Steglitz. Heckels Bruder Manfred ist in dieser Zeit als Bauingenieur der Eisenbahn in der deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi und Ruanda) tätig. Von dort bringt er Skulpturen und Gebrauchsgegenstände mit, die Heckel in seine Werke und seinen künstlerischen Stil einbeziehen wird. In der Berliner Großstadt lernt er bald den Kunsthistoriker Walter Kaesbach, Assistent an der Berliner Nationalgalerie, kennen. Dieser wird nicht nur ein Mentor, sondern darüber hinaus einer seiner zentralen Sammler. Heckel liest sich intensiver in das Werk Dostojewskis ein. Im Jahr 1913 zerwirft sich die Künstlergruppe Brücke über der geplanten Brücke-Chronik. Am 27. Mai informiert die Gruppe offiziell über ihre Auflösung. Im selben Jahr findet Heckels erste Einzelausstellung in der Galerie Fritz Gurlitt in Berlin statt.
Der Erste Weltkrieg (1914–1918)
Im darauffolgenden Sommer bricht der Erste Weltkrieg aus und Heckel meldet sich als Freiwilliger, wird aber als dienstuntauglich eingestuft. Im Herbst desselben Jahres absolviert er stattdessen eine Ausbildung beim Roten Kreuz in Berlin. Anfang 1915 beginnt er als Krankenpfleger in einem Berliner Lazarett zu arbeiten. Im März wird er nach Flandern in einen Sanitätszug unter Leitung des Kunsthistorikers Walter Kaesbachs versetzt. Kaesbach versammelt dort befreundete Künstler – darunter sind neben Heckel auch Max Kaus, Otto Herbig, Anton Kerschbaumer und der Jurist und Dichter Ernst Morwitz. Neben dem Sanitätsdienst gehen die Künstler weiter ihrer künstlerischen Arbeit nach. Es entstehen auch Gemeinschaftsarbeiten. Im Mai 1916 übernimmt Heckel von Kaesbach das Kommando über den Sanitätszug. Neben der Kunst beschäftigt sich die Gruppe auch mit Literatur. Durch Morwitz wird Heckel mit der Lyrik Stefan Georges bekannt, mit der er sich auch nach dem Ersten Weltkrieg weiter auseinandersetzen wird. Ebenso beginnt eine intensive Lektüre Jean Pauls. Heckel lässt sich hiervon zu verschiedenen Werken anregen. Beispielhaft hierfür ist das Gemälde Roquairol (1917), das auf eine Romanfigur aus Jean Pauls Titan (1800–1803) zurückgeht. Noch während des Kriegs heiraten Siddi und Erich Heckel in Berlin, Siddi Heckel vertritt während der kriegsbedingten Abwesenheit die Geschäfte des Künstlers. Im November 1918 wird er aus dem Militärdienst entlassen.
Künstlerische Etablierung in der Weimarer Republik (1918–1932)
Zurückgekehrt nach Berlin wird Heckel Gründungsmitglied des Arbeitsrates für Kunst und ist vorübergehend auch Teil der Novembergruppe. Heckel gelingt in den folgenden Jahren die Etablierung in der deutschen Museumslandschaft, seine Werke finden nun Eingang in öffentliche Sammlungen. Für den Berliner Kronprinzenpalais ist er sogar in der Auswahlkommission tätig. Im Laufe der 1920er-Jahre wird Ferdinand Möller zum wichtigsten Kunsthändler Heckels. Von Kaesbach erhält er 1921 den Auftrag im Erfurter Angermuseum einen Raum mit Wandbildern auszumalen. In dem hierfür zwischen 1922 und 1924 geschaffenen Bildzyklus Lebenszyklus porträtiert er auf einer Wand den Lyriker Stefan George im Kreis seiner Jünger. Heckel ist häufig bei seinem ehemaligen Brücke-Kollegen Otto Mueller in Breslau zu Gast, der an der dortigen Kunstakademie lehrt. Als dieser 1930 stirbt, ordnet Heckel gemeinsam mit Schmidt-Rottluff den Nachlass. Im selben Jahr beginnt Sidi Heckel mit einer systematischen Erfassung von Heckels Gemälden.
Die Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)
Zu Beginn des Nationalsozialismus hat Heckel noch einige Befürworter – auch aus völkischen Kreisen – auf seiner Seite. Er wird von ihnen als Vertreter deutscher Kunstauffassung gefeiert. In der Hoffnung auf Anerkennung unterschreibt er im August 1934 den Aufruf der Kulturschaffenden – eine Loyalitätsbekundung gegenüber Hitler als neuem Staatsoberhaupt. Auch wenn Heckels Ausstellungstätigkeit im Vergleich zur Weimarer Republik – nicht zuletzt aufgrund der kritischen Stimmen des NS-Regimes – stark zurückgeht, hat Heckel 1934 und 1935 noch einige Einzelausstellungen. Die dort gezeigten Werke – hauptsächlich naturalistisch geprägte Landschaftsmalerei – werden von der Presse positiv besprochen. Mit Fortgang des Nationalsozialismus erfährt auch Heckel zunehmend Repressionen. Im Rahmen der Propagandaaktion „Entartete Kunst“ werden im Sommer 1937 fast 800 Arbeiten von ihm aus deutschen Museen beschlagnahmt. Ein Teil davon wird in der darauffolgenden gleichnamigen Propaganda-Ausstellung polemisch zur Schau gestellt. Anders als beispielsweise Schmidt-Rottluff erhält Heckel kein Berufsverbot. Dennoch bekommt auch er keine Ausstellungsmöglichkeit mehr und hat unter Materialknappheit zu leiden. So beschränkt sich seine künstlerische Tätigkeit in den folgenden Jahren im Wesentlichen auf Aquarellarbeiten. Während des Zweiten Weltkrieges und den zunehmenden Bombenangriffen fürchtet der Künstler die Zerstörung seiner Werke und legt mehrere Depots an unterschiedlichen Orten in Deutschland an. Dennoch werden etliche seiner Werke zerstört. Im Januar 1944 wird Heckels Wohnung und Atelier in der Emser Straße in Berlin durch eine Brandbombe verwüstet. Daraufhin zieht er nach Hemmenhofen an den Bodensee um.
Nachkriegszeit am Bodensee und Hochschulprofessur (1945–1970)
Auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges kehrt Heckel nicht mehr nach Berlin zurück, sondern bleibt bis zu seinem Tod am Bodensee. Das Angebot, eine Lehrtätigkeit an der Berliner Hochschule für Bildende Künste anzunehmen, lehnt er ab. Stattdessen übernimmt er 1949 eine Professur an der neueröffneten Karlsruher Akademie der Bildenden Künste, wo er bis 1955 tätig ist. Nach 1945 malt Heckel einige seiner im Krieg zerstörten Werke neu und knüpft auch motivisch an ältere Arbeiten an. Er ist nun auch verstärkt wieder in Ausstellungen vertreten. 1947 erhält er seine erste Einzelausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg in der Hamburger Galerie der Jugend. Mit Siddi erwirbt er 1952 in Hemmenhofen ein Grundstück und lässt ein eigenes Wohnhaus errichten. Zu Heckels 70. Geburtstag im Jahr 1953 finden nicht nur mehrere Jubiläumsausstellungen statt, dem Künstler wird das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 1955 nimmt er an der ersten documenta in Kassel teil. 1964 erscheint ein zweibändiges Werkverzeichnis der Druckgrafik Heckels, ein Jahr später eine Monografie mit einem Werkverzeichnis seiner Gemälde. Im gleichen Jahr beteiligt sich Heckel mit einer umfassenden Schenkung von Werken am Brücke-Museum, das Schmidt-Rottluff initiierte. Bei der Eröffnung im Dezember 1967 ist er allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend. 1968 erleidet er einen Schlaganfall und verwirklicht daraufhin seine letzten Arbeiten auf Papier. Am 27. Januar 1970 verstirbt Heckel im Krankenhaus in Radolfzell. Seine Frau Siddi verwaltet seinen Nachlass und erhält 1977 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse. Am 9. Mai 1982 stirbt sie in Hemmenhofen.