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Inhalt:
Der Doktor will seine Persönlichkeit vertiefen und entwirft sich daher ein spezielles Programm auf dem Holodeck, wo er sich mit einigen historischen Figuren austauscht und Teile von ihren Persönlichkeiten seiner Datenbank hinzufügt. Dabei überträgt er natürlich auch einige unberechenbare, negative Charaktereigenschaften, die sich bald zu einer finsteren Mister-Hyde-Persönlichkeit verdichten. Bald ist der Holodoc nicht mehr er selbst und wird phasenweise von diesen finsteren Trieben beherrscht.
Die Voyager verhandelt inzwischen mit den Mikhal-Travelers. Als Kes einige Zeit mit Zahir verbringt und er ihr anbietet, sie auf seinem Schiff mitzunehmen, überlegt sie ernsthaft, ob sie die Voyager nicht verlassen und ihrem Leben nicht eine neue Richtung geben soll.
Die negative Seite des Holodocs nimmt überhand. Nun will er den holographischen Körper des Holodocs behalten. Er verübt heimlich einen Mordanschlag auf Zahir und lähmt B'Elanna Torres, die er hilflos auf der Krankenstation zurückläßt. Schließlich schnappt er sich Kes und beamt mit ihr auf den Planeten. Doch als er merkt, daß sich seine Programmierung langsam auflöst, springt er mit Kes von einer Klippe, wird aber während des Fallens auf die Voyager gebeamt.
Kritik:
Welche Serie kennt man schon, in der Ghandi und Lord Byron zusammentreffen und Sätze fallen wie "Everyone seems to be treating me like I'm still a child. I'm three years old now." (dt.: Warum behandelt mich jedermann als wäre ich immer noch ein Kind? Ich bin jetzt drei Jahre alt!)? Der Begriff "wenig originell" ist daher ausgesprochen relativ, wenn es um Star Trek geht. Und deswegen ist hier der Vorwurf, daß die Story ein bißchen einfallslos daherkommt, wirklich nur dann sinnvoll, wenn man sich einzig und allein am Standard für Star Trek orientiert.
Dabei klingt vieles sogar recht vielversprechend. Der Holodoc wird zur unberechenbaren Gefahr und eine Alienrasse sieht nicht in der Forschung oder dem Kampf den größten Wert, sondern in der Freiheit, an alle Orte des Alls zu reisen, eine Einstellung, die die Autoren geschickt mit dem Verhalten und den Redewendungen dieser Außerirdischen verknüpft haben.
Nichtsdestotrotz: Die Story konnte wenig begeistern. Vieles erscheint vorhersehbar, und die Auflösung ist extrem witzlos. Auch die beabsichtigten Gruselelemente liefen zu sehr auf Sparflamme. Das ist im TV nicht ungewöhnlich, aber selbst wenn man das berücksichtigt war "The Darkling" eine ausgesprochen lauwarme Variation des Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Themas.
Im Mittelpunkt der Episode stehen Kes und der Holodoc. Beide wollen ihr Leben bereichern und verändern, in beiden Fällen mit negativen Resultaten. Kes wird immer unzuverlässiger und auch selbstsüchtiger, und der Holodoc kann mit den negativen Charaktereigenschaften, die er sich mit aufgehalst hat, nicht umgehen, sie ergreifen Besitz von ihm und lassen ihn die Kontrolle über sich verlieren. Das soll zeigen, daß Freiheitsdrang und der Wunsch, erwachsen zu werden, nicht ohne Auseinandersetzung mit den eigenen Schattenseiten funktionieren kann.
Überzeugen konnte das alles deswegen nicht so sonderlich, weil zum einen diese Erkenntnisse nun wirklich nicht sonderlich bahnbrechend sind (erst recht nicht innerhalb Star Treks) und weil zum anderen zu keinem Zeitpunkt der Episode die Pfade der Vorhersehbarkeit verlassen wurden. Wie von B'Elanna angekündigt lösten sich die "Negativ-Algorithmen" des Docs am Ende spurlos auf, just im rechten Moment, als er mit Kes in den Abgrund stürzte. Und Kes blieb natürlich doch auf dem Schiff und so der Serie noch für eine Weile erhalten.
Nun kann man natürlich einwenden, daß Vorhersehbarkeiten bei einer Serie so gut wie zwangsläufig sind. Natürlich wird das Raumschiff unserer Helden am Ende gerettet werden und natürlich wird sich jeder Mordfall am Ende auflösen. Spannend wird es aber nur, wenn der Zuschauer zwar das "Happy End" erahnt, er aber keine Ahnung hat, wie eine anscheinend aussichtslose Situation jemals in einem guten Ausgang münden kann. Niemand fragt sich bei "Best of Both Worlds" (dt.: In den Händen der Borg), ob es der Enterprise gelingen wird, die Borg aufzuhalten. Spannend wird es aber, weil der Zuschauer sich nicht vorstellen kann, WIE das gelingen soll.
Deswegen wundere ich mich immer ein wenig über das Plotelement, bei dem eine Hauptfigur einer Serie sich fragt, ob sie nicht etwas völlig Neues tun soll. Da diese neue Richtung fast immer ein Ausscheiden aus der Serie bedeuten würde, weiß der Fan freilich von vorne herein, wie die Entscheidung ausfallen wird, hätte er doch sonst längst erfahren, daß der Darsteller XY die Serie verläßt. Aber auch der Nicht-Fan riecht da schnell den Braten. Ich frage mich, was die Autoren nur so sehr für diese Serien-Plot-Schablone begeistert, daß sie sie gar so oft einsetzen? Denn es endet so gut wie immer damit, daß sich die Figur am Ende dazu entschließt, doch in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben. Wenn die Autoren wirklich mal einen Hauptdarsteller aus einer Serie herausschreiben, suchen sie nämlich meist nach weitaus dramatischeren Situationen, und jeder Zuschauer mit einem Hauch an Serienerfahrung weiß das.
Hier überlegte sich Kes, ob sie die Voyager verlassen sollte, und das einzige, das sich der Zuschauer in dem Zusammenhang fragt, ist eben, wie sie sich entscheiden wird, und genau die Antwort kennt man schon. Zusätzlich Fragen nach dem "Wie", "Was" oder "Warum" stellten sich hier nämlich leider nicht, genau das wäre aber notwendig gewesen, um Spannung zu erzeugen.
Das Ende der Liebesbeziehung zwischen Neelix und Kes wird hier erstmals "offiziell" bekannt gegeben. Daß die Trennung der beiden nicht in eine Episode eingebaut wurde, ist ärgerlich. Das ganze macht den Eindruck, als hätten sich die Autoren plötzlich entschlossen, die Beziehung der beiden einfach auszuradieren. Erinnert man sich an das übertrieben eifersüchtige Verhalten von Neelix in der zweiten Staffel, ist es kaum glaubwürdig, daß seine Reaktionen auf den Entschluß von Kes, ihre Verbindung zu ihm aufzulösen und sich sogar auf ein Liebesabenteuer mit einem anderen Mann einzulassen, plötzlich gleich Null sein sollten. Jeri Taylor meinte, sie habe sich dafür eingesetzt, die Trennung der beiden nicht zu zeigen. Das Ende einer Liebesbeziehung, so ihre Argumentation, sei etwas ganz Alltägliches, daraus müsse man nicht immer eine große Sache machen. Ich bezweifle aber, daß das der wahre Grund war. Denn dann hätte man die vielen Liebesbeziehungen, die man bislang in Star Trek erlebte, auch weglassen können, denn daß sich zwei Personen verlieben ist ebenfalls etwas Alltägliches. Nein, viel wahrscheinlich erscheint es, daß die Autoren beim schmerzlosen Beenden der eindeutig unergiebigen Neelix/Kes-Beziehung keine schlafenden Hunde wecken wollten. Denn der besitzergreifende Neelix hätte sich angesichts seines bisherigen Verhaltens niemals achselzuckend mit einer Trennung von Kes abgefunden. Eine entsprechend kurze Abschiedsszene wäre also jedem Zuschauer sofort als eindeutiger Widerspruch zum Neelix-Charakter aufgefallen. Daher verlegte man die ominöse Trennung einfach auf einen Zeitpunkt, der wohl irgendwo zwischen zwei Episoden liegen sollte.
Insgesamt ist das doch recht enttäuschend. Auch wenn die Liebesbeziehung zwischen Kes und Neelix ein Fehler war, die Trennung hätte gezeigt werden müssen.
So brillant der Sturz in den Abgrund tricktechnisch umgesetzt wurde, die Rettung durch den Transporter war da weitaus weniger einfallsreich. Auf diese Weise sollte die Autoren in Star Trek keine Plots auflösen, zumal bereits in der Episode vorher Chakotay und das Außenteam auf die gleiche Weise vor den Borg gerettet wurden.
Kes trägt hier zeitweise ein extrem hautenges Kostüm. Die Macher von "Star Trek - Voyager" strebten dabei offenbar bereits zu diesem Zeitpunkt etwas an, das sie dann in der vierten Staffel mit einer neuen Darstellerin völlig ungeniert durchzogen: Das Ködern der Zuschauer mit einer Dame im hautengen Bunny-Kostüm.
Die Tarken, vor denen Zahir warnte, sollten, obwohl sie recht vielversprechend klagen, nie in der Serie auftauchen. Das ist nicht schlimm, nur wäre es nicht schlecht gewesen, wenn sie in "Darkling" kurz vorbeigesehen und für den dringend erforderlichen Wirbel gesorgt hätten.