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Die Minderung der Umweltrisiken von Pflanzenschutzmitteln soll vom Bund mit Hilfe eines Risikoindikators überprüft werden. Dieser berücksichtigt auch den Umsetzungsgrad von Risikominderungsmassnahmen in der Praxis. Mittels einer Studie wurde dieser Umsetzungsgrad geschätzt.
Der Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (AP PSM) sieht vor, die Umweltrisiken von Pflanzenschutzmitteln (PSM) bis 2027 im Vergleich zum Referenzzeitraum 2012–2015 zu halbieren. Zur Überprüfung dieses Ziels entwickelte die Forschungsanstalt Agroscope Risikoindikatoren, welche die potentiellen Risiken für Organismen in Oberflächengewässern durch PSM abbilden. Diese Berechnung berücksichtigt unter anderem auch den Expositionsfaktor eines Wirkstoffs. Dieser repräsentiert die zu erwartende Verminderung des Risikos durch technische Massnahmen und berücksichtigt deren Umsetzungsgrad in der Praxis. Da bisher keine kontrollierten Datenerhebungen zur Umsetzung von solchen Risikominderungsmassnahmen gegenüber Oberflächengewässern vorliegen, wurde der Umsetzungsgrad anhand einer Schätzung durch Fachpersonen hergeleitet. Hierfür wurden pro Kanton verschiedene Experten und Expertinnen aus dem Bereich des Pflanzen- sowie Gewässerschutz kontaktiert.
Die Herleitung des Umsetzungsgrads erfolgte mittels einer zweistufigen Delphi-Umfrage, bei welcher die Befragten die Resultate einer vorhergehenden Umfragerunde einsehen und wenn gewünscht neu bewerten können. Die Umfrage hatte zum Ziel, den Umsetzungsgrad der Massnahmen gegen Abdrift und Abschwemmung von PSM, die Umsetzung von unbehandelten Pufferstreifen im ÖLN entlang von Oberflächengewässern sowie den Umsetzungsgrad der Anforderungen an einen konformen Befüll- und Waschplatz abzuschätzen. Dies jeweils für den Referenzzeitraum 2012–2015 wie auch für das Jahr 2021. Die Massnahmen zur Minderung der Abschwemmung wurden nur für das Jahr 2021 bewertet, da diese erst im Jahr 2018 eingeführt wurden. Die Schätzungen der Fachpersonen wurden jeweils für jeden Kanton gemittelt und nach kantonalem Anteil an der gesamtschweizerischen Fläche von offenen Ackerkulturen und Dauerkulturen gewichtet. Somit wird der höhere Einsatz von PSM von Kantonen mit vielen Ackerbau- und Dauerkulturen berücksichtigt.
Umsetzungsgrad der Massnahmen zur PSM-Risikoreduktion wird für 2021 höher eingeschätzt
Die Ergebnisse zeigten auf, dass alle Umsetzungsgrade der Massnahmen zur PSM-Risikoreduktion für das Jahr 2021 höher geschätzt wurden als die Umsetzungsgrade der gleichen Massnahmen im Referenzzeitraum 2012–2015. Der Umsetzungsgrad der Massnahmen gegen Abdrift konnte im Jahr 2021 gegenüber dem Referenzzeitraum um 25 % auf 83 % (± 8 %) gesteigert werden. Der Umsetzungsgrad der 6 m Pufferstreifen im ÖLN konnte im Jahr 2021 gegenüber dem Referenzzeitraum um 9 % auf 93 % (± 7 %) gesteigert werden und kann somit als beinahe vollständig umgesetzt angesehen werden. Der nationale Umsetzungsgrad der Massnahmen gegen Abschwemmung wurde für das Jahr 2021 auf 78 % (± 15 %) geschätzt. Die Umsetzung von konformen Befüll- und Waschplätzen wurde seit der Referenzzeitperiode bis zum Jahr 2021 um 24 % auf 76 % (± 13 %) gesteigert. Der Umsetzungsgrad gibt Hinweise darauf, bei welchen Massnahmen noch ein Steigerungspotential zur weiteren Vermeidung potentieller Umweltrisiken besteht.
Tabelle 1: Übersichtstabelle aller geschätzten nationalen Umsetzungsgrade der Risikominderungsmassnahmen. Die Gewich- tung der Mittelwerte erfolgte anhand der kantonalen Flächenanteile an offener Ackerfläche und Dauerkulturen.
Fazit
- Mit Hilfe einer Delphi-Umfrage konnten erfolgreich Umsetzungsgrade von Risikoreduktionsmassnahmen in der Praxis für die Zeitperiode 2012–2015 sowie für das Jahr 2021 ermittelt werden.
- Es wurde ausgehend vom Referenzzeitraum 2012–2015 eine Steigerung der Umsetzung von allen Risikoreduktionsmassnahmen sowie der Umsetzung konformer Befüll- und Waschplätze bis ins Jahr 2021 aufgezeigt.
- Die Umsetzung der Pufferstreifen gegenüber Oberflächengewässer im ÖLN wurde von allen Risikoreduktionsmassnahmen am höchsten geschätzt, die geringste Bewertung zeigte sich in der Umsetzung von konformen Befüll- und Waschplätzen.
- Die Daten dienen als Grundlage zur Herleitung eines Expositionsfaktors für den Risikoindikator.