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Eine blaublütige, durchlauchte Gesellschaft
Das waren noch Zeiten! Vor 150 Jahren traf sich Europas Noblesse im Bad Schinznach.
Am späten Vormittag schlenderten sie durch die Wandelhallen: Madame Dupasquier aus Le Hâvre, Madame la Comtesse de Montaigu aus Paris, Madame et Mademoiselle Tecklenberg aus Bremen und Madame et Mademoiselle Jermoloff aus Sankt Petersburg. «Bonjour, madame la comtesse, comment allez-vous?» Sie logierten im «Grand Hôtel Habsburg» oder in der etwas bescheideneren «Pension Habsburg», örtlich und organisatorisch strikte getrennt vom «Armenbad», wo «le peuple» unter rigorosen Auflagen behördlich angeordnete Badekuren machen durfte.
Die Noblesse dagegen verbrachte im Bad Schinznach zum Teil viele Wochen dauernde Kuraufenthalte, angereichert durch eine hervorragende Küche, durch musikalische Unterhaltung, dargeboten im «Salon vert» von einer Formation des Mailänder Scala-Orchesters «pour la danse», und durch zahlreiche weitere Vergnügungsangebote. Darunter waren Kutschenfahrten nach Königsfelden, auf die Habsburg, nach Lenzburg oder an den Hallwilersee.
Im Vordergrund standen aber die zahlreichen Angebote des Kurbades: Sitz- und Wannenbäder, unterschiedliche Duschen und Inhalationen. «Par personne et par bain» kostete das drei Franken, eine Kerze dazu weitere 50 Centimes und ein aufgewärmtes Frottiertuch nochmals 10 Centimes.
Wohl ebenso wichtig war das gesellschaftliche Leben der exklusiven Herrschaften. Gemäss den damals wöchentlich erscheinenden Gästelisten beherbergte das Bad Schinznach zahllose Comtes und Comtessen, Barons und Baronesses, Marquises, Colonels, Amiraux, Lords, Comendatores, Chevaliers, Conseillers, Doyens, Ducs, Earls, Lords, Ministres, Présidents und andere mehr. Konversiert wurde auf Französisch, der damaligen Weltsprache. Denn die Kurgäste kamen aus allen Herren und Damen Länder, aus Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Russland, Spanien, Italien und vielen andern, sogar aus Kolumbien, Südafrika und Ägypten – und natürlich aus der Schweiz.
Die optimale Dauer einer Badekur wurde mit drei bis vier Wochen empfohlen. Aber da war zum Beispiel «Madame la Princesse Galitzin et Mlle. sa fille de Russie», die vom 20. Juli bis am 21. September 1873 blieben. Und «Mme. la Comtesse Douairière de Narbonne Lara et suite de Paris» traf in grosser Gesellschaft am 25. Juni 1893 ein und erscheint am 17. September letztmals in den Fremdenlisten. – Exklusive Vergnügungen für eine exklusive Klientel!
Übrigens: Heute steht das Bad Schinznach jedem und jeder offen, zum gesellschaftlichen Zusammensein oder einfach aus Freude und Lust am Aufenthalt im heilenden Thermalwasser. Ein Blick auf bad-schinznach.ch lohnt sich!