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Lichts geschützten Asphaltteile bleiben aber löslich. Behandelt man demnach die Platte nach der Belichtung mit einem Lösungsmittel, z. B. Lavendelöl, so löst dieses nur die Teile auf, die sich unter den Strichen der Zeichnung befanden; an diesen Stellen wird die Platte freigelegt, an den übrigen bleibt sie bedeckt und ähnelt so einer Zeichnung, die durch Radieren in dem Asphaltüberzug hergestellt ist. Übergießt man solche Platten mit einer Säure, so ätzt diese das Metall an den bloßgelegten Stellen an, und so entsteht eine vertiefte Zeichnung im Metall (Tiefätzung), die auf das vollkommenste einem Kupfer- oder Stahlstich gleicht und, wie dieser, abgedruckt werden kann.
Dieses Verfahren eignet sich nur für Reproduktion von Zeichnungen in Strichmanier. Die homogenen Halbtöne gewöhnlicher Photographien werden dadurch nur mangelhaft wiedergegeben. Wendet man statt des positiven Bildes ein negatives Glasbild als Original an, so werden die unter den im Negativ durchsichtigen Strichen liegenden Partien unlöslich, und beim Ätzen solcher Platten bleiben die Striche der Zeichnung erhaben stehen und stellen so einen Block für die Buchdruckpresse dar (Hochätzung).
Das Verfahren verlangt aber ein viel tieferes Ätzen als das oben genannte photographische Kupferdruckverfahren. Der Asphaltprozeß auf Kupfer [* 2] und Zink ist bis in die neueste Zeit angewendet worden; auf Zink wurden hauptsächlich Hochdruckblöcke für die Buchdruckpresse gefertigt. Führt man das Asphaltverfahren auf lithographische Stein aus, so erhält man einen in lithographische Manier abdruckbaren Stein, indem die im Licht [* 3] unlöslich gewordenen Asphaltteile die Fähigkeit haben, die fette Schwärze anzuziehen und festzuhalten und beim Druck wieder abzugeben (photolithographisches Verfahren von Lemercier, Bareswil ^[richtig: Barreswil bzw. Barreswill (= Charles-Louis Barreswil, 1817-1870)] und Davanne).
Größern Beifall errangen sich die Methoden, welche auf Anwendung von chromsaurem Kali und Leim basieren. Bedeckt man die Chromleimschicht mit einem positiven Bild, so werden die unter den durchsichtigen Partien liegenden Stellen unlöslich, die übrigen nicht. Ist die Schicht auf Stahl oder Kupfer ausgebreitet, und behandelt man sie nach der Belichtung mit heißem Wasser, so wird das Metall an allen nicht vom Licht getroffenen Stellen freigelegt und kann alsdann durch eine Ätzflüssigkeit vertieft werden. So erhält man eine Platte für den photographischen Stahldruck oder Kupferdruck.
Führt man die Beachtung aber unter einem negativen Bild aus, so erhält man durch Ätzung einen Hochdruck für die Buchdruckpresse. Auch hier hat die Erzeugung von Halbtönen Schwierigkeiten. Diese überwand man dadurch, daß man die Halbtöne des photographien Bildes durch ein Netz brach, d. h. in lauter einzelne Punkte auflöste. Solches erreichte Meisenbach, indem er ein feines, auf einer Glasplatte befindliches Liniennetz auf die zu reproduzierende Photographie legte und danach ein Negativ aufnahm; in diesem zeigten sich alle Halbtöne durch das Netz zerteilt und reproduzierten sich in gleicher Weise beim Kopieren auf asphaltiertem (s. oben) oder leimchromiertem Zink.
Die Ätzflüssigkeit wirkt durch die Unterbrechungsstellen der Halbtöne, und diese stellen sich beim Abdruck durch mehr oder weniger dicht stehende Punkte dar. So entstanden die sogen. Autotypien, die jetzt im Buchillustrationswesen massenhaft Verwendung finden. Aber auch für den Kupferdruck lernte man Halbtöne reproduzieren. Man stäubte eine Kupferplatte mit feinem Asphaltpulver ein, schmolz dieses durch Erhitzen an und übertrug darauf ein nach einem photographischen Positiv kopiertes negatives Pigmentbild (s. oben), in welchem die Lichter hohe, die Schatten [* 4] tiefe Lagen bilden.
Durch solches Bild ließ man eine Ätze von Eisenchlorid wirken, welche um so tiefer in die Kupferplatte einfraß, je weniger hoch die schützende Pigmentlage war. Die durch Asphaltpulver geschützten Stellen blieben dabei als einzelne Punkte stehen und bildeten ein Korn, welches in den Schattenstellen dichter, in den Lichtstellen weniger dicht war. Dieses Korn ermöglichte ähnlich wie in der Schwarzkunst den Abdruck der Halbtöne. Das Verfahren rührt von Klic in Wien [* 5] her und wird jetzt in umfangreicher Weise von den Ölbildreproduktions-Ateliers Deutschlands [* 6] zur Herstellung der sogen. Photogravüren verwendet.
Eine andre Art der Photogravüre beruht auf Anwendung der Galvanoplastik [* 7] oder der Photogalvanographie. Bei dieser wird ein nach einer linearen Zeichnung gefertigtes Pigmentbild, welches ein Relief bildet, auf Kupfer übertragen und dann galvanisch abgeklatscht. So erhält man eine vertiefte Kupferplatte, die zum Kupferdruck sich eignet. Halbtonbilder lassen sich jedoch in dieser Weise nur reproduzieren, wenn man den Halbton körnt. Dieses geschieht durch Zusatz fein gepulverten Glases zur Pigmentschicht. In dieser Weise fertigt Goupil in Paris [* 8] seine Photogravüren (vgl. Photogalvanographie).
Führt man den Chromgelatineprozeß auf Stein aus, so erhalten die durch das Licht unlöslich gewordenen Teile die Fähigkeit, fette Schwärze anzuziehen und beim Druck wieder abzugeben; so entsteht eine Photolithographie, die wegen leichterer Ausführbarkeit größere Beachtung fand als der photographische Stahldruckprozeß. Osborne und Asser führten dieses Verfahren auf Papier aus und erhielten ein Bild, das eingeschwärzt zum sogen. Übertragsprozeß verwendbar war, d. h. sich auf einen lithographischen Stein abdrucken ließ und diesen dadurch druckfähig machte. In ganz analoger Weise wie auf Stein läßt sich das Verfahren auch auf Zink ausführen und liefert dann eine sogen. Photozinkographie.
Photolithographie und Photozinkographie spielen bei der Reproduktion geographischer Karten eine große Rolle. Für Wiedergabe von Bildern in Halbtönen sind sie weniger geeignet. In dieser Hinsicht werden sie weit von dem sogen. Lichtdruckverfahren in den Schatten gestellt, welches zuerst von Tessié de Mothay ausgeübt, von Albert in München [* 9] (daher auch Albertotypie) erheblich verbessert und dadurch erst lebensfähig wurde. In diesem Prozeß dient die Gelatineschicht selbst als Druckfläche.
Man trägt eine Mischung derselben mit chromsaurem Kali auf Glas, [* 10] belichtet unter einem negativen Bild und wäscht mit Wasser. Dieses entfernt nur das Chromsalz, läßt aber die Gelatineschicht intakt. Die vom Licht nicht getroffenen Stellen nehmen leicht Wasser an, die übrigen nicht; dagegen nehmen die vom Licht veränderten leicht fette Schwärze an, welche auf den andern Stellen nicht haftet. Walzt man demnach die Platte mit fetter Schwärze in lithographischer Manier ein und druckt sie dann auf Papier, so gibt sie ein Bild in fetter Schwärze mit allen Halbtönen. Das Einschwärzen und Abdrucken läßt sich beliebig oft wiederholen, obgleich die leicht verletzbare Gelatineschicht nicht so viele Abdrücke aushält wie der lithographische Stein. Das Verfahren ist durch die Bemühungen Alberts, Obernetters u. a. zu einem hohen Grade der Vollkommenheit ausgebildet worden und liefert Bilder, die von Photographien kaum unterschieden werden können, mit allen Halbtönen, die in den ¶
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gewöhnlichen heliographischen Prozessen so leicht verloren gehen. Neuerdings ist die Schnellpresse [* 12] in das Verfahren eingeführt worden. Im Lichtdruck ist das Problem, photographische Halbtöne durch Pressendruck herzustellen, in der einfachsten und vollkommensten Weise gelöst. Nur hat er den Übelstand, daß die Lichtdruckplatten sich nicht aufbewahren lassen. Man hat Halbtondrucke aber auch auf andre Weise angefertigt. Jedes Pigmentbild (s. oben) erscheint reliefartig.
Die Schwärzen sind hoch und die Lichter tief. Beim Trocknen schwindet freilich das Relief zusammen. Durch langes Kopieren unter gewissen Vorsichtsmaßregeln ist man aber im stande, ein so hohes Relief zu erhalten, daß es in Blei [* 13] abgeklatscht werden kann. Solches geschieht mit Hilfe einer hydraulischen Presse, [* 14] und man erhält dadurch eine Bleiform, die, mit halbdurchsichtiger Gelatinefarbe übergossen und auf Papier abgedruckt, ein Bild liefert, welches die tiefste Schwärze durch eine hohe, also dunklere, die Halbtöne durch eine weniger hohe, also hellere, Farbenlage wiedergibt (Woodburys Reliefdruckprozeß).
Dies Verfahren wird seit Einführung des Lichtdrucks wenig mehr ausgeübt. Der sogen. photographische Glasdruck ist nichts weiter als ein modifizierter Lichtdruck. Zu demselben dient ein photographische Negativ, welches auf der Bildseite mit Chromgelatine präpariert und dann rückseitig belichtet wird. Die durchsichtigen Stellen werden dadurch fähig, fette Schwärze anzunehmen, welche sie beim Abdrucken wieder abgeben. Die Photoskulptur, wobei mit Hilfe eines Pantographen (Storchschnabels) die Umrisse einer [* 11] Figur auf einen Thonblock übertragen werden, um dem Bildhauer als Hilfskontur zu dienen, kann nicht als ein photographisches Verfahren gelten, wenn auch die Photographie des zu modellierenden Gegenstandes dabei als Vorlage benutzt wird. Das Wesentliche an den sogen. Photoskulpturen ist Bildhauerarbeit.
Vgl. Scamoni, Handbuch der Heliographie (Berl. 1873);
Husnik, Das Gesamtgebiet des Lichtdrucks (3. Aufl., Wien 1885);
Derselbe, Heliographie (2. Aufl., das. 1888);
Derselbe, Zinkätzung (das. 1886);
Schnauß, Der Lichtdruck und die Photolithographie (3. Aufl., Düsseld. 1886);
Allgeyer, Handbuch über das Lichtdruckverfahren (Leipz. 1881).
Geschichte der Photographie.
Die Lichtempfindlichkeit des Chlorsilbers war schon den Alchimisten bekannt, und 1727 benutzte sie der Arzt J. H. ^[Johann Heinrich] Schultze in Halle [* 15] a. S. zur Reproduktion von in Schablonen geschnittenen Schriftzügen durch das Sonnenlicht. Diese Versuche gerieten indes in Vergessenheit, und ähnliche Bemühungen von Davy und Wedgewood im J. 1802 blieben gleichfalls ohne Erfolg, weil sie kein Mittel fanden, die Kopie zu fixieren, d. h. lichtfest zu machen. Nicéphore Niepce beschäftigte sich seit 1814 mit ähnlichen Arbeiten und suchte zuerst die Bilder der Camera obscura [* 16] aufzunehmen. 1828 zeigte er Bilder, die mit Hilfe von Asphalt in heliographischer Manier (s. oben) angefertigt worden waren.
Somit ist die Asphalt-Heliographie das erste praktische photographische Verfahren. 1829 verband sich Nicéphore Niepce mit Daguerre, der Versuche in gleicher Richtung gemacht hatte, und dieser setzte nach Niepces Tod seine Untersuchungen allein fort und entdeckte 1838 das nach ihm benannte photographische Verfahren mit Silberplatten und Quecksilberentwickelung, welches 1839 publiziert wurde. Hier wurde zuerst ein bei kurzer Expositionsdauer hervorgerufener unsichtbarer Lichteindruck durch einen zweiten Prozeß, die Entwickelung, sichtbar gemacht. 1839 publizierte Fox Talbot sein Verfahren, Bilder auf Papier zu kopieren, und später einen Negativprozeß auf mit Jodsilber und Silbernitrat getränktem Papier.
Dieser wurde die Grundlage der modernen Photographie. Er wurde verbessert von Niepce de Saint-Victor, der 1847 statt des Papiers jodsilberhaltige Eiweißschichten als Negativplatten verwendete, und Archer und Fry in England, die das Kollodium an Stelle des Eiweißes verwendeten. Ihr 1851 publiziertes Kollodiumverfahren ist bis 1882 das herrschende geblieben. Jetzt tritt es gegen die hochempfindlichen Gelatineplatten zurück. Um die Entwickelung des Gelatineemulsionsverfahrens haben sich in erster Linie verdient gemacht: Bennett, der die Steigerung der Empfindlichkeit der Gelatineemulsion durch Wärme [* 17] erfand, ferner Monkhoven, Obernetter, Eder.
Der neueste Fortschritt besteht in der Herstellung farbenempfindlicher Platten, über deren Entdeckung im Text näheres mitgeteilt ist (s. oben). Der Positivprozeß erfuhr namentlich durch Einführung des Eiweißpapiers eine erhebliche Verbesserung. Eine ebenso durchgreifende Entwickelung zeigte die photographische Optik. 1842 berechnete Petzval in Wien die lichtstarke Porträtlinse, und Voigtländer schliff sie; sie reduzierte die für die Aufnahme nötige Belichtungszeit auf 1/10; später berechnete Petzval das zur Aufnahme von Zeichnungen dienende Orthoskop.
Sutton und Dallmayer konstruierten zu gleichen Zwecken das Tripletobjektiv;
Harrison 1863 die Kugellinse, welche ein ungewöhnlich großes Gesichtsfeld zeigt;
Busch 1866 das Pantoskop, dessen Feld das der Kugellinse weit überragt;
Steinheil 1867 die aplanatische Linse, [* 18] die für Architektur und Landschaft sowie Zeichnungsreproduktionen jetzt allgemein angewendet ist;
ihm reiht sich die Konstruktion von Voigtländers Euriskop an, das neuerdings durch Vergrößerung der Öffnung zu einem sehr lichtstarken Instrument geworden ist, welches mit der Porträtlinse Petzvals in Helligkeit konkurriert.
Die Kombinationen von Photographie mit Pressendruck reichen zurück bis 1827. Der von Nicéphore Niepce für sein heliographisches Verfahren angewendet Asphalt diente später für den ersten photolithographischen Prozeß von Lemercier, Barreswyl ^[richtig: Barreswil bzw. Barreswill (= Charles-Louis Barreswil, 1817-1870)] und Davanne (1853). Das erste photochemische Pressendruckverfahren mit chromsauren Salzen übte Talbot 1852 aus. Er ist Erfinder des photographischen Stahldruckprozesses.
Ihm reiht sich Poitevin an, der die von Talbot entdeckte Koagulation von Leim, gemischt mit chromsaurem Kali im Licht, zur Herstellung der Pigmentdrucke (Kohlenbilder) 1855 und später zur Erzeugung von Photolithographien mittels Chromsalze benutzte. Letzteres Verfahren wurde durch Osborne, Asser und James 1859, später durch Burchardt erheblich verbessert. Die Heliographie fand einen Förderer in Pretsch, der 1856 mit einem photogalvanographischen Verfahren hervortrat.
Nach ihm haben Dallas, später Scamoni, Mariot u. a. in gleicher Richtung erfolgreich gearbeitet. Klic erfand die Photogravüre mit Ätzung, welche 1883 öffentlich bekannt wurde, Meisenbach um dieselbe Zeit die Hochätzung in Halbtönen mit Netzwerk. [* 19] Woodbury erfand 1865 den Reliefdruckprozeß, später den von Rousselon verbesserten Prozeß der Photogravüre. Tessié de Mothay trat 1867 mit den ersten noch unvollkommenen Proben von Lichtdruck hervor, der durch Alberts Eingreifen 1868 einen raschen Aufschwung erfuhr und sich zu einem photographischen Pressendruckverfahren von sehr allgemeiner Anwendbarkeit entwickelt hat, an dessen Vervollkommnung zahlreiche Praktiker, wie Obernetter, Brauneck; Meyer u. a., gearbeitet haben. Eingebrannte ¶