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Gerne möchte ich hier meine Gedanken zum SRF Dok Film "Jetzt reden die Opfer, Satanic Panic in der Schweiz" vom Mai 2022 mitteilen. Dazu muss ich etwas ausholen.
Vor ca. neun Jahren, nach der Geburt meines letzten Kindes, ging es mir sehr schlecht. Ich hatte wieder, wie schon in früheren Jahren, Panikattacken, enorme Ängste und unternahm erneut einen Suizidversuch, nachdem ich über die Jahre einigermassen stabil über die Runden gekommen war. Ich konnte mir diesen Zusammenbruch nicht erklären und die Psychiatrische Klinik wurde ein weiteres Mal für neun Monate mein Zuhause.
Mein Mann schaute in dieser Zeit zu unseren Kindern und wollte nur eines, dass es mir wieder besser gehen würde und ich nach Hause zurückkehren konnte.
Im Laufe dieser Zeit stellte ein Arzt fest, dass ich mich mehrmals am Tag ganz anders verhielt, dass meine Stimme und auch meine Stimmung mehrmals wechselte, ich jedoch keinerlei Erinnerungen an diese Episoden hatte. In einer Therapiestunde sprach ich plötzlich mit Kinderstimme und wollte die Hand meines Therapeuten halten. Auch an diese Begebenheit hatte ich keinerlei Erinnerungen. Daraufhin wurde mittels validierten Tests, unter anderem dem "SCID-D" eine "Dissoziative Identitätsstörung" bei mir festgestellt (https://www.testzentrale.de/shop/strukturiertes-klinisches-interview-fuer-dsm-iv-fuer-dissoziative-stoerungen.html). Diese für mich neue Diagnose konnte ich am Anfang jedoch weder glauben, noch annehmen. Doch ich wollte wieder gesund werden und unternahm deshalb die ersten Schritte in dieser für mich neuen Therapieform.
Zuerst sollte ich einmal auf einem Blatt Papier meine innere Welt aufzeichnen. Ich mühte mich einige Wochen damit ab, bis diese innere Welt in mir Gestalt annahm. Ich teilte dem Arzt einfach mit, was sich in mir präsentierte. Dies hatte mit der Zeit zur Folge, dass ich stabiler wurde und sich die Suizidimpulse abschwächten. Über die Jahre kam dann auch diese "dunkle Welt" in mir zum Vorschein und ich erzählte diesem Arzt davon, der dies einfach einmal akzeptierte, was ich als hilfreich empfand.
Heute nach zehn Jahren Therapie, kann ich es die meiste Zeit akzeptieren, dass sich in mir verschiedene Persönlichkeitsanteile zeigen. Es ist ein bisschen wie in einer WG zu leben, wo sich alle umeinander kümmern und ich als Hauptperson schaue, dass es allen in mir gut geht.
Wir machen öfters "EMDR", eine sehr wirksame Therapieform bei Traumafolgestörungen, so dass ich über die Jahre immer stabiler wurde und ich keine stationären Aufenthalte mehr benötigte.
Dennoch lebe ich auch heute wirklich in Parallelwelten, ob mir das nun passt oder nicht. Da mühe ich mich in stundenlanger Therapie mit dieser dunklen Welt ab und gehe dann "fröhlich" nach draussen um für 16 Personen Mittagessen zu kochen Sowas Banales, wie alle anderen auch. Ich gehe in die Stadt, betreibe Sport, spiele mit den Kindern und daneben sind die Trigger, die Albträume, die Ängste und das JEDEN TAG und JEDE STUNDE, doch man sieht es mir nicht an. Ich sehe so normal aus und lebe dennoch kein normales Leben.
Diese Zerrissenheit spüre ich schon mein ganzes Leben...
Umso entsetzter war meine Innenwelt, nachdem wir diese zwei SRF Dok Filme über "Rituelle Gewalt" und auch über die "DIS" (Dissoziative Identitätsstörung) gesehen haben (12.2021 und 5.2022). Es gibt mehrere Dinge, die wir problematisch fanden. Zum einen war es die Verknüpfung der Dissoziativen Identitätsstörung mit der "rituellen Gewalt" als Verschwörungstheorie. Es fühlte sich an, als würden wir als Lügnerin hingestellt, die es spannend findet, sich zu inszenieren. Ich hatte über die Jahre gehofft, auch einmal jemandem erzählen zu können, dass ich eine "DIS" habe, ohne gleich in eine Schublade gesteckt zu werden. Leider wurden im Film keine neueren Studien herbeigezogen die belegen, dass die "DIS" keinesfalls so selten ist, wie angenommen. Die Idee, dass Therapeuten ihren Patientinnen solche Dinge grundsätzlich einreden, empfand ich als problematisch. Es gibt immer noch zu wenig gut ausgebildete Trauma-Therapeuten und -Therapeutinnen und dieser Film könnte leider dazu führen, dass sich weniger Menschen mit der Materie der Traumafolgestörungen und den Auswirkungen von Gewalt auf Menschen befassen wollen.
Ich hätte mir eine differenziertere Berichterstattung mit den neuesten Studien über "DIS" gewünscht. Der Hinweis, dass es gute Therapien bei einer Traumafolgestörung gibt, fehlte gänzlich. Wie traurig, wenn sich traumatisierte Menschen wieder verstecken müssen und ihre Innenwelt nicht "reden" darf.
Wenn man den Fernseher einschaltet oder die Zeitung zur Hand nimmt, wird doch deutlich, welche Folgen die Auswirkungen von schwerster Gewalt in unserer Gesellschaft haben, so man diese denn sehen will...
Luna (Pseudonym)