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Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats, deren Fortschreiten bis zum Zahnverlust führen kann. Sie wird in leichter bis moderater Form bei den meisten Erwachsenen gefunden. An einer schweren Parodontitis leiden weltweit etwa 5 bis 20 %. Diabetes und Parodontitis sind komplexe chronische Erkrankungen, die wechselseitig aufeinander wirken.
Wie entsteht Parodontitis?
Im Mund gibt es immer Bakterien. Kaum ist ein Zahn sauber geputzt, lagern sich diese bereits wie-der an. Zu Beginn sind es recht harmlose Stämme, welche diese Oberfläche besiedeln. Erst mit der Zeit, wenn diesen Bakterien regelmässig Nahrung zugeführt wird, sie von der Zahnbürste und an-deren Putzinstrumenten in Ruhe gelassen werden und sie sich vermehren können, kommt es zur Parodontitis: Aus einer harmlosen dünnen Plaqueschicht entwickelt sich ein Belag, in dem sich jetzt auch schädliche Bakterien wohlfühlen. Dieser Belag verursacht dann eine Entzündung am Zahnfleischrand, die sich zunehmend weiter ausbreitet, wenn man nichts dagegen unternimmt.
Natürlich wehrt sich die körpereigene Abwehr bereits früh. Durch die gesteigerte Durchblutung im entzündeten Gewebe gelangen viele Abwehrzellen in die Region. Diese bekämpfen die Bakterien. Dabei werden auch vielfältige Entzündungsbotenstoffe produziert, welche helfen, die Abwehr zu verbessern, die aber gleichzeitig auch die Entzündung verstärken.
Der Belag, der zum Teil aus lebenden, sich vermehrenden Bakterien und zum Teil aus mineralisierten Bakterien in Form von Zahnstein besteht, kann sich der Entzündung folgend entlang der Zahnwurzel in die Tiefe ausbreiten. Durch die Entzündung ist das Zahnfleisch aufgelockert. Mit der Zeit baut sich der zahntragende Knochen ab.
Auf diese Weise kann sich die Parodontitis langsam immer mehr ausbreiten, eine immer grösser werdende, entzündete Fläche einnehmen und trotzdem unentdeckt bleiben. Parodontitis ist eine chronische Entzündungskrankheit, die keine Schmerzen verursacht und sich zu Beginn in einer unter Umständen nur leichten Rötung und Schwellung des Zahnfleischs äussert. Die Blutungsten-denz nimmt aber früh zu, und deshalb ist eine Blutung beim Putzen und vor allem bei der Reinigung der Zahnzwischenräume ein sehr ernstzunehmendes Anzeichen.
Wie kann sich Diabetes auf die Mundgesundheit auswirken?
Wie schnell und wie stark sich eine Parodontitis entwickelt und ausbreitet, wird von verschiedenen Faktoren mitbestimmt. Nicht alle Leute reagieren gleich empfindlich auf die schädlichen bakteriellen Beläge. Man weiss heute zum Beispiel, dass das Rauchen einen starken negativen Einfluss auf den Verlauf einer Parodontitis hat. Eine gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil wirken sich positiv aus. Es gibt aber auch viele systemische Erkrankungen, bei denen beobachtet werden kann, dass die Parodontitis stärker ausgeprägt ist, schneller zu Knochenverlust führt und sich auch nur mit mehr Aufwand behandeln lässt. Zu diesen Erkrankungen gehört auch der Diabetes mellitus mit all seinen Varianten. Vor allem dann, wenn der Zuckerspiegel nicht ideal eingestellt ist.
Bei einem hohen Blutzuckerspiegel werden mehr Entzündungsbotenstoffe in den parodontalen Geweben gefunden, die zu einem stärkeren Knochenabbau führen. Die Parodontitis wird also durch den Diabetes verstärkt. Auf der anderen Seite konnten aber auch Untersuchungen ausgewertet werden, die zeigen, dass Patienten, die Parodontitis haben, häufiger einen Prädiabetes oder Diabetes entwickelten.
Es besteht also diese Wechselwirkung, dass die Parodontitis den Diabetes schlecht beeinflusst und der Diabetes die Parodontitis verschlimmert.
Was lässt sich gegen Parodontitis unternehmen?
Glücklicherweise lässt sich Parodontitis erfolgreich behandeln. Dazu ist es notwendig, sich einerseits in professionelle Hände zu begeben und andererseits selber ein paar Tricks zu lernen.
Eine Dentalhygienikerin/ein Dentalhygieniker HF oder eine Zahnärztin/ein Zahnarzt erheben zuerst die Befunde, bei dem sie bei jedem Zahn dokumentieren, wie weit die Zahnbeläge auf die Wurzel vorgedrungen sind und wie tief die Sonde nun zwischen dem Zahnfleisch und der Wurzel messen kann. Bei gesunden Verhältnissen betragen die Messwerte 2 – 3 Millimeter, bei einer Parodontitis werden Taschentiefen gemessen, die bis zur Wurzelspitze reichen können. Mit zusätzlichen Rönt-genbildern können sich die Behandelnden dann ein Bild über den Zustand, die Prognose und den Behandlungsplan machen, die sie dann mit ihren Patientinnen und Patienten besprechen.
Die mineralisierten Zahnbeläge, also den Zahnstein, die Verfärbungen und auch die weichen Beläge muss man ganz gründlich entfernen. Je nach Tiefe der Tasche und Form der Wurzeln sind die Nischen besser oder weniger gut zugänglich und damit mit weniger oder mehr Aufwand zu reini-gen. Je schwieriger diese Areale zu erreichen sind, umso eher wird mit lokaler Betäubung gearbeitet, um Schmerzen während der Behandlung zu verhindern. Die Wurzeloberflächen müssen komplett von den Belägen befreit werden, damit die Entzündung aufgelöst werden kann. Ist die Parodontitis schon so weit fortgeschritten, dass sich nicht mehr alle Nischen reinigen lassen, können zum Beispiel kleinere chirurgische Eingriffe am Kieferknochen oder auch einmal ein Ersatz einzelner oder mehrerer Zähne notwendig werden.
Gleichzeitig muss aber die Wiederansiedelung von Bakterien verhindert werden. Hier geht jetzt die Verantwortung an die Patientin oder den Patienten über. Diese müssen lernen, auch die schwierig zugänglichen Stellen mechanisch mit der Zahnbürste und den passenden Hilfsmitteln für die Zahnzwischenräume von den weichen Zahnbelägen zu befreien, bevor diese wieder krankmachend werden oder mineralisieren können.
Während der Heilungsphase wird das Zahnfleisch straffer werden und wieder eine blassere Farbe annehmen, weil die Entzündung verschwindet. Durch die Straffung und ein bisschen auch durch Heilung am Taschengrund wird die Nische für die Bakterien kleiner. Das Zahnfleisch zieht sich etwas zurück und der Zahn kann länger erscheinen und zu Beginn sogar auf Kälte empfindlich reagieren. Dies sind etwas unangenehmere Begleiterscheinungen der Therapie. Sie zeigen aber gleichzeitig an, dass diese erfolgreich war.
Meistens kann nun ein Intervall bestimmt werden, in dem die Gewebe wieder kontrolliert und Beläge entfernt werden, die trotz optimierter Mundhygiene liegen bleiben. Je nach dem individuellen Risiko der Patienten, ist dieses Intervall kürzer oder länger.
Welchen Einfluss hat die Behandlung der Parodontitis auf den Diabetes?
Natürlich wurde auch untersucht, welchen Einfluss die Behandlung der Parodontitis auf den Diabetes hat. Um dies zu bestimmen, konnten mehr als 25 Studien mit weit mehr als 2 000 Patienten her-angezogen werden. Für die Resultate 3 – 4 Monate nach Behandlung der Parodontitis fanden sich Reduktionen des Langzeitwerts HbA1c von durchschnittlich 0,4 %.
Eine parodontale Behandlung mit nachfolgender Nachbetreuung lohnt sich also für den Zahnerhalt und für das Wohlbefinden, aber auch für den Diabetesverlauf.
Gibt es andere Erkrankungen in der Mundhöhle, welche in einem Zusammenhang mit dem Diabetes stehen?
Häufig wird bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes beobachtet, dass sie etwas weniger Spei-chel produzieren als Personen ohne Diabetes. Da der Speichel ganz vielfältige Aufgaben wahr-nimmt, können diese Funktionen bei einem reduzierten Speichelfluss etwas eingeschränkt sein.
Der Speichel kann zum Beispiel Säuren, die wir mit der Nahrung aufnehmen, und Säuren, die entstehen, wenn Bakterien Zucker aus der Nahrung umwandeln, wegspülen und zusätzlich mit verschiedenen Systemen neutralisieren. Auch für Areale auf dem Zahn, die schon ein bisschen angeätzt wurden, stehen remineralisierende Substanzen aus dem Speichel bereit. Wenn nun also der Speichelfluss reduziert wird, kann das Kariesrisiko ansteigen, und es wird umso wichtiger, dass die Zähne regelmässig gut kontrolliert und gereinigt werden.
Da die Schleimstoffe im Speichel helfen, die Schleimhaut vor physikalischen, chemischen und thermischen Reizen zu schützen und zu befeuchten, können sich bei Mundtrockenheit leichter Verletzungen oder Reizungen ergeben.
Der Speichel hat darüber hinaus auch antimikrobielle Eigenschaften, die bis zu einem gewissen Grad vor schädlichen Bakterien schützen. Wenn die Patienten zusätzlich ein reduziertes Immunsys-tem haben, kann es leichter zu Pilzinfektionen im Mund kommen.
Dr. med. dent. Petra Hofmänner
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