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Auch diese Wochenberichtsperiode verlief sehr dynamisch. Im Westen und Norden schneite es verbreitet täglich bei milden Temperaturen. Die Lawinengefahr lag in der Nacht zum Freitag, 29.01. noch gebietsweise bei sehr gross (Stufe 5), später dann in den Alpen bei Stufe 3 (erheblich) und 4 (gross). Es gingen weiterhin Tallawinen nieder. Die Lawinendienste waren in vielen Gebieten weiterhin gefordert. Für Schneesport abseits gesicherter Pisten war die Lawinensituation in den meisten Gebieten kritisch.
Wie schon in der davorliegenden Wochenberichtsperiode schneite es im Norden und Westen gebietsweise täglich (vgl. Abbildung 1). Mit meist milden Temperaturen (vgl. Abbildung 2) lag die Schneefallgrenze in mittleren Lagen (zwischen 1000 und 2000 m). Die Neuschneesumme über die ganze Wochenberichtsperiode (Freitagmorgen, 29.01. bis Donnerstagmorgen, 04.02.) erreichte im westlichsten und nördlichen Unterwallis sowie im westlichsten Berner Oberland 120 bis 160 cm, sonst im Wallis und am Alpennordhang verbreitet 80 bis 120 cm. Vom Gotthardgebiet über Nord- und Mittelbünden bis ins Unterengadin waren es 40 bis 80 cm, weiter südlich weniger.
Der Wind blies meist aus westlichen Richtungen - am Freitag, 29.01. und Samstag, 30.01. stark bis stürmisch. Am Sonntag wehte der Wind schwach bis mässig, ab Montag dann gebietsweise wieder mässig bis stark. Damit bildete sich vor allem in den Neuschneegebieten Triebschnee, besonders in hohen Lagen oberhalb von rund 2200 m.
Die Lufttemperaturen waren in der ganzen Wochenberichtsperiode mild und die Nullgradgrenze lag zwischen 1500 und 2500 m (vgl. Abbildung 2).
Die Niederschlagsperiode, welche in der Nacht auf Mittwoch, 27.01. aus Westen begonnen hatte, dauerte bis am Donnerstagabend, 28.01. – in der Nacht auf Freitag gab es eine Niederschlagspause. Damit fielen zwischen der Nacht auf Mittwoch und der Nacht auf Freitag die in Abbildung 3 dargestellten Neuschneemengen. Die Schneefallgrenze lag am Mittwoch, 27.01. noch in tiefen Lagen und stieg bis am Freitag bis auf rund 2000 m an.
Am Freitag fiel erneut verbreitet Niederschlag. Ganz im Norden und im Osten gab es am Nachmittag einzelne Aufhellungen, ganz im Süden war es trocken und teils sonnig. Die Schneefallgrenze lag in der Nacht im Westen bei rund 2000 m, sonst zwischen 1500 und 1800 m. Im Tagesverlauf sank sie auf rund 1200 m. Der Wind blies im Norden meist stark bis stürmisch, im Süden mässig aus Nordwest.
Nach einer weiteren Niederschlagspause in der Nacht zum Samstag setzte am Samstagvormittag aus Westen erneut Niederschlag ein. Im Süden und Osten war es am Vormittag noch teils sonnig. Die Schneefallgrenze lag im Westen zwischen 1500 und 2000 m, im Osten bei rund 1400 m. Die zwischen Freitagmorgen und Sonntagmorgen gefallenen Neuschneemengen sind in Abbildung 4 dargestellt.
Der Wind blies in der Nacht zunächst noch stark bis stürmisch aus Nordwest, liess dann aber nach. Tagsüber blies im Süden und Osten mässiger Südwind, sonst wehte der Wind meist mässig aus West.
In der Nacht zum Sonntag fiel im Norden noch letzter Schnee. Die Schneefallgrenze sank, im Westen von etwa 2000 auf 1600 m, im Osten von rund 1600 auf 1400 m. Tagsüber war es im Westen und Süden recht sonnig. Im Nordosten war es meist bewölkt. In Graubünden war es bei wechselnder Bewölkung teils sonnig. In der Nacht zum Montag setzten aus Westen neue Niederschläge ein.
Von Montag bis Mittwoch war es im Allgemeinen meist stark bewölkt. Längere Aufhellungen gab es in Nord- und Mittelbünden und im Engadin, am Dienstag auch im Tessin und Südbünden. Schnee fiel vor allem im Westen und Norden (vgl. Abbildung 5). Der Wind blies aus West bis Südwest, im Westen und Norden zeitweise stark, sonst meist schwach bis mässig.
Die Niederschläge im Wallis und am Alpennordhang endeten in der Nacht zum Donnerstag. Die Schneefallgrenze sank von 2000 m gegen 1500 m. Tagsüber war es in den Bergen im Osten trotz hoher Wolkenfelder recht sonnig, im Westen meist bewölkt.
Am Donnerstag, 28.01. der letzten Wochenberichtsperiode stieg die Lawinengefahr gebietsweise auf die Stufe 5 (sehr gross) an. Mit den weiteren Niederschlägen am Donnerstag und auf Freitag wurden die Gebiete mit Stufe 5 (sehr gross) in der Prognose für Freitag, 29.01. nach Westen noch etwas erweitert (vgl. Abbildung 6).
Am Freitagmorgen, 29.01. wurde die Lawinengefahr für den Tag dann mit Stufe 4 (gross) prognostiziert (vgl. Gefahrenentwicklung ganz unten). Der Lawinenaktivitätsindex erreichte am Donnerstag, 28.01. den höchsten Wert des bisherigen Winters (vgl. Abbildung 7).
In Abbildung 8 ist die Lawinenaktivität für Donnerstag, 28.01. bis Sonntag, 31.01. für die Schweizer Alpen dargestellt. Am Donnerstag und Freitag lag das Schwergewicht der Aktivität eher im Westen im Bereich der mit Stufe 5 (sehr gross) bewarnten Gebiete. Am Samstag, 30.01. und Sonntag, 31.01. gab es in allen Gebieten noch beachtliche Aktivität mit auf Sonntag abnehmender Tendenz. Infolge der hohen Schneefallgrenze gingen Lawinen unterhalb 2000 m als Nass- und Gleitschneelawinen ab. Zudem stiessen viele Lawinen, die in höher gelegenen Einzugsgebieten als trockene Lawinen anbrachen, weiter unten in den nassen Schnee vor und rissen diesen auf dem Weg ins Tal mit.
Für den Donnerstag, 28.01. wurden etwas mehr als 700 Lawinen gemeldet (vgl. Abbildung 10, dunkelblaue Säulen). Je etwa ein Drittel wurden als mittlere und grosse Lawinen, 15% als sehr grosse und 3% als extrem grosse Lawinen klassiert. Gut 10% der Lawinen waren als «klein» klassiert. Zum Beispiel im Goms (vgl. Abbildung 9), aber auch im Lötschental und Leukerbad, Hasli-, Gadmer- und Meiental, Reusstal und Glarnerland erreichten Lawinen den Talboden und dort aus Sicherheitsgründen gesperrte Strassen.
Dass eine gewisse, eher kleine Anzahl Lawinen tatsächlich extreme Grösse erreichten, war abgesehen von der geschätzten Lawinengrösse auch im Text von Rückmeldungen ersichtlich: «Très très grande avalanche, l’aérosole a traversé tout le village et a fait beaucoup de dégâts à la forêt!» oder «… welcher von einer Lawine historischen Ausmasses spricht» oder «Für diese rund 400 m breite Lawine ist in den letzten 100 Jahren kein Ereignis bekannt.»
Gemessen an der Lawinenaktivität und dem Auftreten vieler sehr grosser und einer gewissen, wenn auch eher kleinen Anzahl extrem grosser Lawinen war die Verwendung der Stufe 5 (sehr gross) in den bewarnten Gebieten bestätigt.
Auch am Freitag, 29.01. und Samstag, 30.01. gab es noch beachtlich viele grosse und sehr grosse Lawinen. Und auch am Sonntag, 31.01. wurden noch einige grosse und sehr grosse Lawinen gemeldet (vgl. Abbildung 10). Die Lawinen vom Donnerstag bis Sonntag gingen an allen Expositionen fast gleichverteilt ab – nur die Expositionen Südwest und West waren etwas weniger betroffen als die anderen. Fast die Hälfte (47%) der gemeldeten Lawinen ging in einem Höhenbereich von 2000 bis 2500 m ab, etwa ein Drittel (28%) in einem Höhenband von 2500 bis 3000 m und etwa ein Sechstel (18%) von 1500 bis 2000 m (vgl. Abbildung 11) als Nass- und Gleitschneelawinen.
Nach Grossschneefällen nimmt die Lawinengefahr häufig rasch und nachhaltig ab. In diesem Fall war das nicht so und der Rückgang war sehr zögerlich. In der Nacht auf Freitag, aber auch tagsüber, gingen in den Hauptniederschlagsgebieten noch grosse und sehr grosse oder vereinzelt auch extrem grosse Lawinen ab, was auch zu erwarten war. Auch für den Samstag wurde vom Wallis bis in die Glarner Alpen grosse Lawinengefahr (Stufe 4) prognostiziert, in Nord- und Mittelbünden und im Unterengadin jedoch Stufe 3 (erheblich). Wohl wurden dort im Lawinenbulletin Altschneebrüche und einzelne spontane Lawinen erwähnt und auch, dass Wintersportler leicht Lawinen auslösen und diese gross werden können. Tatsächlich wurden dann etliche beachtlich grosse Lawinen durch Personen über grössere Distanzen fernausgelöst (vgl. Abbildung 12) und auch spontane Lawinen gingen ab.
Ex post beurteilt wäre auch in diesen Gebieten eine Stufe 4 (gross) gerechtfertigt gewesen. Und auch am Sonntag und Montag blieb die Auslösewahrscheinlichkeit hoch. Der nur zögerliche Rückgang der Lawinengefahr in diesen Gebieten ist auf eine, für die Lawinenauslösung optimale Kombination von Schwachschicht- und Schneebretteigenschaften zurückzuführen. Die durch Personen fernausgelösten und spontanen Lawinen erreichten eine Breite von mehreren 100 Metern. Dabei gingen sie in den Schwachschichten am Boden (Novemberschnee) ab. Es lag also ein ausgeprägtes Altschneeproblem vor (vgl. Abbildung 13).
Zudem trugen auch die wiederholten, in Mehrtagessummen bedeutenden Schneefälle dazu bei, dass die Lawinengefahr auf hohem Niveau verharrte. Dies traf besonders auch für die Gebiete im Wallis zu, welche über die ganze Periode im Bereich von Stufe 3 (erheblich) und Stufe 4 (gross) lagen. Auch dort brachen Lawinen zum Teil bis in die tiefen Altschneeschichten und erreichten grosse und zum Teil sehr grosse Ausmasse.
Anfangs Februar waren die Schneehöhen ganz im Westen der Jahreszeit entsprechend, sonst deutlich überdurchschnittlich für die Jahreszeit. Auf 2000 m lag verbreitet 120 bis 200 cm Schnee, am Alpennordhang sogar meist 200 bis 300 cm. Im südlichen Wallis und Engadin waren es 80 bis 120 cm (vgl. Abbildung 14).
Die Neuschneesumme des Januar 2021 war an vielen Stationen aussergewöhnlich hoch. An 32 von rund 120 langjährigen Stationen (mindestens 30 Jahre Messdauer) gehören die Neuschneemengen des vergangenen Januars zu den drei höchsten je gemessenen Neuschneesummen. Mit wenigen Ausnahmen liegen all diese Stationen im östlichen Teil der Schweiz. Die Neuschneemengen liegen zwischen 55 cm (in Buchs AG, 387 m) und 402 cm (im Skigebiet Elm GL, 1690 m). An der tiefsten Station Buchs entspricht das mehr als 500 % und an der höchsten Station Weissfluhjoch (GR, 2536 m) mehr als 200% der langjährigen Neuschneesumme.
Auf Rang 1 liegen mit Ausnahme der MeteoSchweiz Station Hallau (SH, 419 m) alles Messstandorte, deren Messbeginn nach 1970 erfolgte. Auf Rang 2 und 3 liegen mehrheitlich die alpinen Stationen, die bereits die noch neuschnee- und lawinenreicheren Januare von 1968 oder 1951 registriert haben. Daraus kann geschlossen werden, dass wir in Teilen der östlichen Hälfte der Schweiz den neuschneereichsten Januar der letzten 50 Jahre erlebten.
In den mittleren Lagen sind diese teilweise sehr grossen Neuschneesummen zu Stande gekommen, weil es an rund 15 bis 22 Januartagen geschneit hat. Auch diese Anzahl Neuschneetage bedeutet an den meisten Stationen Rang 2 oder 3 und wird meistens von Januar 1986 übertroffen.
Bezüglich mittlerer Januar Schneehöhe tauchen nur noch die drei südlich beeinflussten Bündner Stationen Sta. Maria (1930 m), Buffalora (1970 m) und Splügen (1460 m) in den ersten drei Rängen auf. An den anderen Stationen waren die kühleren Jahre vor 1990 häufig schneereicher.
Die gebietsweise ausserordentliche Lawinensituation am Donnerstag und Freitag verlief auch dank der zuverlässigen Arbeit der Lawinendienste ohne Personenschäden auf Strassen und im Siedlungsgebiet.
Im freien Gelände ereignete sich am Sonntag, 31.01. und am Donnerstag, 04.02. leider je ein tödlicher Lawinenunfall. Die in dieser Periode ausgelösten Personenlawinen sind in Abb. 15 dargestellt. Einige davon waren gross oder sehr gross und häuften sich in Graubünden
Bis zum Redaktionsschluss wurden über 40 Lawinen mit Sachschäden bekannt. Schäden entstanden an Wald und Flur, an vereinzelten Gebäuden und durch die Verschüttung von Verkehrswegen (Schäden an Infrastruktur, Räumung oder Suchaktionen).
Lawinenmeldungen sind eine sehr wichtige Rückmeldung an den Lawinenwarndienst, insbesondere in Phasen mit spontaner Lawinenaktivität. Über «Beobachtung melden» gingen zwischen dem 27. und dem 31. Januar knapp 70 Meldungen, über SLFPro (Lawinendienste) total 1837 Lawinenmeldungen ein. Viele Lawinen wurden unmittelbar nach dem Abgang eingetragen. Diese raschen Meldungen verbessern die Datengrundlage und damit die Prognose im Lawinenbulletin deutlich.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.