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Den Begriff Manna kennen wir aus dem Alten Testament (2. Mose 16,31). Sechs Mal die Woche hatte Gott selber diese Speise vom Himmel fallen lassen, damit es am Morgen von den Israeliten, die sich auf der Wüstenwanderung befanden, eingesammelt werden konnte. Wenn wir heute von Manna reden, meinen wir damit den getrockneten Saft der Manna-Esche (Fraxinus ornus). Sie ist im Tessin und in ganz Südeuropa beheimatet und wird vor allem in Süditalien wirtschaftlich genutzt. Wie die gewöhnliche Esche wächst die Manna-Esche zu einem stattlichen, bis 10 m hohen Baum. Die duftenden, weissen Blütenrispen wirken im Grün der Blätter wie Wattebausche.
Um den Saft aus der Rinde zu gewinnen, schneidet man diese vorsichtig an. Durch die gezielte «Verletzung» der Rinde wird der Gehalt an Mannit, dem Hauptinhaltsstoff, stark gefördert. Auf dem Boden legt man grosse Blätter des Feigenkaktus oder von Agaven aus, um den heruntertropfenden Saft aufzufangen. Der eingetrocknete Manna-Saft wird gesammelt, gereinigt und dann verkauft. Diese Ernte findet wöchentlich statt und ist bei trockenem, heissem Wetter am ergiebigsten.
Der Saft der Manna-Esche enthält bis 90 % Mannit (oder Mannitol). Dabei handelt es sich um einen Zuckeralkohol, der als Zuckeraustauschstoff (E421) verwendet wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man das Mannit synthetisch herstellen, was zu einem Einbruch der Nachfrage führte. Aber noch heute werden Manna-Eschen in der Region Palermo von einzelnen Bauern als lukratives Nischenprodukt angebaut.
Das Mannit bindet im Darm viel Flüssigkeit und hält so den Darminhalt feucht. Durch die entstandene Volumenzunahme erhöht sich der Druck auf die Darmwand, was zu einem Stuhlreflex führt und schliesslich zur Darmentleerung. Gleichzeitig weiss man, dass auch der Fluss des Gallensafts angeregt wird, wodurch der Entschlackungseffekt erklärt werden kann. Da die Anregung des Darmes auf diese Weise kaum Risiken mit sich bringt, eignet sich Manna auch als leichtes Abführmittel für Kinder und Schwangere. Sogar Diabetiker können davon profitieren, da der Blutzucker durch das Mannit nicht ansteigt. Über die Wirkung weiterer Inhaltsstoffe gibt es kaum gesicherte Daten ausser der Erfahrung aus der Volksmedizin.
Herstellung von Manna-Sirup:
- 100 g Manna cannelata (Drogerie oder Apotheke)
- 30–40 ml Wodka (hochprozentig, bis 80 %)
- 550 g Haushaltzucker
- 330 g Wasser
Das zerbröckelte Manna in der Mischung von Wasser und Alkohol unter Erwärmen langsam auflösen, danach die Lösung durch ein Haushaltpapier in einem Trichter filtrieren. Das Filtrat wird nun mit 550 g Haushaltzucker zu einem Sirup verkocht. Den heissen Sirup in eine gereinigte Flasche abfüllen. Von dem erkalteten Sirup täglich 1–2-mal einen Teelöffel (Erwachsene einen Esslöffel) einnehmen. Bei starker Neigung zu hartem Stuhl oder bei Hämorrhoiden kann diese Dosierung über längere Zeit angewendet werden.