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Reformationsgeschichte in Königsfelden
Wenn hier von «Königsfelden»
gesprochen wird, ist damit ein Frauenkloster der Ordensgemeinschaft der
Klarissen (franziskanischer Frauenorden) gemeint, welches nach der
Ermordung König Albrechts von Österreich im Jahr 1308 von dessen Ehefrau
Elisabeth 1311 gegründet wurde. Das Kloster stand 1317 – 1364 unter der
Leitung von Agnes von Ungarn, der Tochter der Klostergründerin. Dem
Kloster war ein kleiner Franziskanerkonvent angegliedert, der für die
Seelsorge und den Gottesdienst zuständig war.
Das Kloster
Königsfelden florierte im 14. Jahrhundert vor allem durch zahlreiche
grosszügige Schenkungen aus dem Haus Habsburg-Österreich. Nach der
Eroberung des West-Aargaus durch Bern 1415 ging die Verbindung zur
Stifterfamilie verloren. Die wirtschaftliche Lage begann sich zu
verschlechtern. 1528 folgte im Rahmen der Reformation die
Säkularisierung (Verstaatlichung) des Klosters, das weiterhin von einem
Hofmeister verwaltet wurde, aber kein Kloster mehr war.
Das
Kloster Königsfelden dient hier als Musterbeispiel für die
reformationsbedingte Aufhebung eines Klosters sowie deren Umstände. Es
ist durchaus interessant, hier für einmal (oft geben die Quellen nicht
mehr her) Reformation aus der Sicht der Frauen zu erleben. Ebenfalls
wichtig ist die Feststellung, dass Klöster zur damaligen Zeit nicht
selten auch «geschlossene Anstalten» für adlige und gutbürgerliche
Töchter waren, die aus irgendeinem Grund nicht in einer weltlichen
Familienkarriere Platz fanden.
Das Kloster Königsfelden und die Reformation
In den 1520er-Jahren scheint der Konvent Königsfelden der Reformation positiv gegenübergestanden zu sein, Margaretha von Wattenwyl schrieb am 14. März 1523 an Ulrich Zwingli: (…) den es mir ein besundre grose fröid wer, wen ich üch ettwas guotz wist zuo duon - und ich nitt allein, sunder des erbüttend sich och all euangelisch Kristinen hie in unser versamlung zuo Küngsfelden, welche och ywer wirde yr gebett und gruos in Christo enbiettend, in des aller si christen schirm wir ywer erwird fliscklich befellend.
Im August 1523 erschien der Prinzipal des Franziskanerordens in Königsfelden, um hier eine Visitation (Kontrolle) vorzunehmen. Die Klosterfrauen verweigerten den Zutritt. Der Visitator musste unverrichteter Dinge wieder abziehen. Bern wandte sich daraufhin am 27. August 1523 an die Äbtissin und rügte deren Vorgehen scharf. Die Klosterfrauen wollten – so Bern – offenbar ihren fryen willen und ihr gotzhuss offen und unbeschlossen haben, so dass sie haruss gan und ander zü ihnen wandlen söllen und mögen, alles nach ihrem gefallen. Das akzeptierte Bern nicht und verlangte, dass die Nonnen nach Willen der Stifterin leben sollten, nämlich in gehorsami üwer oberkeit, und in haltung angenomner regel, und deshalb inbeschlossen üwer läben söllen schlyssen.
Katharina Truchsessin von Waldburg, die damalige Äbtissin, antwortete Bern einige Tage später am 5. September 1523 und entschuldigte sich für ihr Verhalten, erklärte dieses aber mit der Bibel, besonders den Paulusbriefen. Die Nonnen fühlten sich «als die armen gefangnen verwaisten kind, dy da ganz beschwärt an seel und lib syend».
Am 20. November 1523 übermittelte der Berner Rat dem Kloster Königsfelden und vor allem der Äbtissin eine Antwort auf den Brief vom 5. September und gewährte dem Konvent verschiedene Erleichterungen, worauf sich die Äbtissin bedankte und künftig Gehorsam versprach. Die Mehrheit der Klosterfrauen verlangte jedoch, frei über ihren Stand entscheiden zu dürfen. Bern hatte immerhin offeriert, ob aber einiche under üch oder den andern in den willen wurde kommen, sich uss üwerm gotzhus ze tund und von demselben zu sundern, es sye dass sy sich zu der ee verpflichten, oder sunst den wältlichen stat wurde annämen, wöllen wir in sölichem derselben die fryen wal lassen.
Der Chronist Valerius Anselm (1475–1547) hat in seiner Berner Chronik die «Ofnung des beslosnen Klosters Küngsfeldn» beschrieben und seinem Unverständnis über die Zugeständnisse des Berner Rats Ausdruck verliehen: Es was der zit ein schwerer, seltsamer, ja wunderbarer handel, dass ein wiser rat einer loblichen stat Bern, ouch uber ir ussgangen mandat, so streng anhielt wider evangelische friheit, als ob alein die geprediet, aber nit gehalten sölte werden, und dennocht sich lies wider bereden, die külngkliche Stiftung des beschlosnen klosters Küngsfelden, barfuosserordens, ufzeschliessen; ouch wider treffenliche pit und ermanung, semlicherm vorzesin, des bischofs von Costentz, her Jörgen Truchsessen zuo Wirttenberg stathaltern, her Jörgen von Fronsperg, hern Caspers von Mülnen, der schultes von Erlach und von Wattenwyl, und andrer edlen, so döchteren, schwestren oder muomen da hattend.
Katharina von Bonstetten war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgetreten und hatte sich mit Wihelm von Diesbach in Bern öffentlich verheiratet. In den folgenden Monaten wurden die finaziellen Bedingungen der Austritte ausgehandelt und am 3. Juni 1524 dem Kloster Königsfelden übermittelt. Bern blieb bei seiner Entscheidung, die Klosterfrauen by der fryen wal, die ihnen schon früher zugestanden worden war (siehe oben), wollen lassen beliben, also dass si jetz oder hienach, in dem gotzhus bliben oder harus gan, und den weltlichen stand mögen annämen, wie sich irem gefallen nach wird gebüren. Die austretenden Frauen durften ihr beim Klostereintritt mitgebrachtes Gut wieder in Empfang nehmen, jedoch nur in Gegenwart des Schultheissen von Brugg und des Vogts von Schenkenberg.
Noch im gleichen Monat verließen mehrere Frauen das Kloster. Der drohenden Gefahr, dass nun dem Kloster Geld oder Wertsachen hätten entwendet werden können, setzte Bern die Anordnung an den Hofmeister (Verwalter) entgegen, künftig keine Klosterfrauen mehr in die Schtzkammer zu lassen. Ausgenommen blieb der Brugger Schultheiss. Es wurde nun immer schwieriger, einen geordneten und stiftungskonformen Betrieb des Klosters aufrecht zu erhalten. Auch die verbliebenen Klosterfrauen widersetzten sich zunehemend der Klosterleitung. Interventionen Berns fruchteten wenig.
Am 1. Dezember 1524 ordnete der Berner Rat an, dass der Klosterschatz zuhanden Berns genommen werden muss, um Diebstähle zu verhindern und den verbleibenden Schwestern, die weiterhin bereit waren, sich in sollichem kloster enthalten und ir läben darin verschlissen (=verbringen), ihr Auskommen zu garantieren.
Im Mai 1525 liess der Berner Rat alle Urkunden und Kleinodien (Schmuckstücke) ins Schloss Lenzburg überführen. Brugg und Lenzburg mussten nun für Ruhe und Ordnung sorgen. Klostervisitationen durfte künftig nur noch Bern selber durchführen.
Von den etwa 30 Klosterfrauen, die zu Beginn der Reformationszeit in Königsfelden residiert hatten, war ein grosser Teil bis 1524/1525 ausgetreten. Insgesamt kehrte jetzt wieder Ruhe ein.
Der junge Heinrich Bullinger, zu dieser Zeit Schulmeister im schon weitgehend reformierten Kloster Kappel, schrieb eine Auslegung des 127. Psalms für den damals in Königsfelden amtierenden Hofmeister Benedikt Matstetter. Darin werden die Schönheit und der Segen einer christlichen Haushaltung geschildert. Davon sollen auch die verbliebenen Klosterfrauen so sehr beeindruckt gewesen, dass sie beschlossen hätten, das Kloster zu verlassen und sich zu verehelichen.
Am 4. Dezember 1527, also unmittelbar vor der für den Januar des folgenden Jahres angesetzten grossen Berner Glaubensdisputation wurden für die Äbtissin des Klosters Königsfelden die Austrittsbedingungen festgelegt. So sollte sie ir kleider und kleinöter (=Schmuck), hussrat, silbergeschir und darzü järlich libdingwyss (Leibgeding = lebenslange Rente) hundert guldin ir läben lang erhalten. Die Rente musste ihr vom Hofmeister ausbezahlt werden, der als Verwalter die Klostergüter in Berns Namen beaufsichtigte. Als dies alles geregelt war, vermerkt das Missiv einfach und ohne Pathos: und soll quittieren.
Zu diesem Zeitpunkt, also unmittelbar vor der «offiziellen» vom 7.,
Im Februar 1528, kurz vor der Verkündigung der Berner Reformation durch das Grosse Reformationsmandat, befanden sich noch ein halbes Dutzend Schwestern im Kloster. Die Äbtissin verliess Königsfelden am 5. März 1528, der Gottesdienst war wenige Tage zuvor eingestellt worden.
Am 9. März erging die Anweisung des Berner Rates, die Kirchengeräte, vorab die wertvollen Monstranzen, nach Bern zu bringen, wo sie eingeschmolzen und zu Münzen verarbeitet wurden. Darunter soll sich auch ein goldener Kelch und der goldene Tisch der Königin Agnes befunden haben, unter deren Leitung das Kloster in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu grosser Bedeutung aufgestiegen war. Die Bilder wurden verbrannt.
So endete das Kloster Königsfelden nach über 200 Jahre «nicht so fast durch Machtansprüche einer Regierung, als durch unedle Selbstauflösung» (Liebenau).