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Medikamententests an Patienten in St. Urban
In der Psychiatrischen Klinik St. Urban im Kanton Luzern sollen in den 1950er und -60er Jahren Patienten mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt worden sein. Betroffen waren offenbar über 200 Personen. Die Arzneimittel seien von der Basler Pharmaindustrie kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Im Gegenzug hätten die Pharmafirmen Zugang zu den Resultaten erhalten, sagte der Medizinhistoriker Urs Germann in einem Beitrag der SRF-Sendung "Schweiz aktuell" Im Fernsehbeitrag war ein Testbericht über das in St. Urban getestete Beruhigungsmittel Taractan von 1962 zu sehen. Teilweise sei es zu Zwangsbehandlungen bekommen, teilweise seien Patienten dazu überredet worden, sagte Germann.
Dass zu jener Zeit in der Psychiatrie Medikamentenversuche an Patienten durchgeführt wurden, ist nichts Neues. Im April war bekannt geworden, dass die Psychiatrische Klinik in Basel zwischen den 1950er- und den -70er-Jahren regelmässig nicht zugelassene Wirkstoffe an Patienten getestet hatte. Über Medikamentenversuche in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen TG ab den 1950er Jahren wurde 2015 gar eine Studie in Auftrag gegeben. Ein interdisziplinäres Forschungsteam untersuchte dieses dunkle Kapitel der Psychiatrie im Thurgau, von dem über 1600 Patienten betroffen waren.