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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch X.
14.
Basilides sagt, es gebe einen nichtseienden Gott, der aus Nichtseiendem eine nichtseiende Welt geschaffen habe; er habe einen nichtseienden Samen herabgeworfen gleich dem Samen der Senfstaude, der in sich den Stamm, die Blätter, die Zweige, die Frucht habe, oder gleich dem Pfauenei, das in sich die vielen verschiedenen Farben habe; das ist der Samen der Weit, aus dem alles entstanden ist. Er hat das All als nichtseiend und als vom nichtseienden Gott zum Dasein vorausbestimmt in sich. In dem Samen selbst war nämlich eine dreifache Sohnschaft, in allem dem nichtseienden Gott wesensgleich, aus Nichtseiendem erzeugt. Von dieser dreigeteilten Sohnschaft war ein Teil fein, der andere schwer, der dritte der Reinigung bedürftig. Der feine entwich sofort, sobald der Samen vom Nichtseienden abgeworfen wurde, und stieg aufwärts und kam zum Nichtseienden. Nach ihm strebt nämlich jedes Wesen wegen seiner wunderbaren Schönheit, jedes auf seine Art. Der schwere Teil der Sohnschaft blieb noch im Samen, als nachbildbar, und konnte nicht aufsteigen (er steht nämlich tief unter der aus feinen Teilchen bestehenden), sie beschwingte sich aber mit dem Heiligen Geiste; die mit ihm angetane Sohnschaft tut ihm nämlich Gutes und empfängt Gutes. Die dritte Sohnschaft bedarf der Reinigung; sie blieb in dem Haufen des Gesamtsamens und tut Gutes und empfängt Gutes. Es [S. 275] gibt eine sogenannte Welt und eine Oberwelt. Basilides scheidet nämlich alles in zwei Hauptteile. Das Zwischending zwischen beiden nennt er den dazwischenliegenden Heiligen Geist, der den Duft der Sohnschaft hat. Aus der Gesamtheit des Weltsamenhaufens entwich bei seiner Zeugung der große Archon, das Haupt der Welt, von unaussprechlicher Schönheit und Größe. Dieser erhob sich bis zum Firmament und meinte, über ihm sei nichts anderes mehr, und wurde leuchtender und mächtiger als alles, was darunter lag, mit Ausnahme der zurückgelassenen Sohnschaft; er wußte aber nicht, daß sie weiser war wie er. Er wendete sich nun zur Schaffung der Welt und erzeugte sich einen Sohn, der mächtiger ist als er, und setzte ihn zu seiner Rechten; und das ist die Achtzahl. Dieser nun schafft die gesamte himmlische Welt. Ein anderer Archon erstand aus dem Gesamtsamen, größer als alles, was darunter liegt außer der zurückgelassenen Sohnschaft, viel geringer jedoch als der frühere; sie nennen ihn Siebenzahl. Er ist aller der Dinge, die unter ihm sind, Schöpfer und Gestalter und Leiter, er schuf sich einen klügeren und weiseren Sohn,.Alles dies bestehe nach einem vorgefaßten Plan jenes Nichtseienden; es gebe aber unzählige Welten und Räume. Jesus, der Sohn Mariens, habe die Kraft des Evangeliums in sich aufgenommen, die über den Sohn der Achtheit und der Siebenheit herabkam und sie erleuchtete, um die zurückgelassene Sohnschaft zu erleuchten, zu scheiden und zu reinigen, die den Seelen Gutes tun und sich Gutes tun lassen sollte. Und die Basilidianer selbst seien Söhne, die um deswillen in der Welt seien, auf daß sie durch ihre Lehre die Seelen reinigten und zugleich mit der Sohnschaft zu dem Vater oben hinaufsteigen, von wo die erste Sohnschaft herabkam; und so lange wird nach ihnen die Welt bestehen, bis alle Seelen mit der Sohnschaft (hinauf) gekommen sind. Und Basilides schämt sich nicht, solche Wundermären zu erzählen.