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Es könnte die späte Rache für Gijon 1982 werden. Damals betrogen Deutschland und Österreich Algerien bei der Fussball-WM. Jetzt kann es die Österreicher an der Hockey-WM in Prag erwischen.
Nach der 1:10-Niederlage von Österreich gegen Kanada ist die Ausgangslage in der Gruppe A delikat. Wenn Frankreich die Letten nach Verlängerung oder Penaltyschiessen besiegt, sind beide Teams gerettet und Österreich steigt ab.
Wenn Lettland oder Frankreich nach 60 Minuten gewinnen, oder wenn Lettland nach Verlängerung oder Penaltyschiessen siegt, steigt der Verlierer ab und das tapfere Österreich ist gerettet.
Frankreich und Lettland können also einen «Nichtangriffs-Pakt» schliessen wie einst Österreich und Deutschland bei der Fussball-WM 1982 in Spanien. Damals musste Deutschland, das gegen Algerien 1:2 verloren hatte, gegen Österreich 1:0 gewinnen – dann waren beide Teams auf Kosten Algeriens eine Runde weiter.
Und siehe da: Deutschland gewann am 26. Juni 1982 in Gijon 1:0 und nach dem ersten Tor von Horst Hrubesch in der 11. Minute blieben beide Teams so tatenlos, dass von einem «Nichtangriffs-Pakt von Gijon» gesprochen, geschrieben und gesendet wurde. Es war einer der grössten Skandale in der Geschichte der Fussball-WM. Deutschland erreichte bei diesem Turnier das Endspiel und verlor gegen Italien.
Auch das Eishockey kennt eine solche Geschichte. Bei der B-WM 1982 in Klagenfurt spielte die Schweiz in der allerletzten Partie des Turniers gegen Rumänien. Die Ausgangslage war brisant: Der Verlierer wäre in die C-Gruppe abgestiegen. Im Falle eines Unentschiedens (damals gab es das noch im Eishockey) würde es neben Holland hingegen China erwischen, die Schweiz und Rumänien wären gerettet.
Und siehe da: Die Schweiz und Rumänien einigten sich am 27. März 1982 auf ein 3:3. Damit es ja echt aussah, inszenierte Köbi Kölliker kurz vor Schluss sogar eine Schlägerei. Aber es war offensichtlich: Die beiden Teams hatten sich abgesprochen. Unvergessen bleibt, wie der Delegationsleiter der Chinesen nach dem Spiel aufgebracht durch die Kabinengänge rannte und jeden fragte: «Wel is Mistel Wasselvogel?, Wel is Mistel Wasselvogel?» Er meinte: «Where is Mister Wasservogel».
Das war der Name des Generalsekretärs des Internationalen Verbandes IIHF. Aber Walter Wasservogel zeigte sich wohlweislich nicht. Der Gipfel dieses unwürdigen Schauspiels: Die Rumänen wurden auch noch mit dem Fair-Play-Cup ausgezeichnet. Der Skandal von Klagenfurt blieb für die Beteiligten ebenso ohne Folgen wie der «Nichtangriffs-Pakt von Gijon».
Und nun also die WM 2015 in Prag. Sollte Österreich tatsächlich absteigen, weil es zwischen Frankreich und Lettland zum richtigen Resultat kommt, dann haben wir den «Skandal von Prag».