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Max Frisch, geboren 1911 in Zürich, einer der bekanntesten Schweizer Autoren, studierte nach einem abgebrochenen Germanistikstudium von 1936 bis 1940 an der ETH Zürich Architektur. 1942 heiratete er die Architektin Gertrud Anna Constance von Meyenburg und gründete, nachdem er 1943 den Wettbewerb für das Freibad Letzigraben gewonnen hatte, ein eigenes Architekturbüro. Er führte es bis 1955 weiter, widmete sich nach dem Erfolg seines Romans «Stiller» jedoch ganz dem Schreiben. Von seinen etwa ein Dutzend entwürfen wurden neben dem Bad nur zwei Einfamilienhäuser ausgeführt. Gestorben ist Frisch 1991 in Zürich.
von Gabrielle Boller
Es gibt Bauten, die erlangen einen so legendären Ruf, dass sie, selbst wenn sie einziges nennenswertes Werk eines Architekten bleiben, diesem zu dauerhaftem Ansehen verhelfen. Zu dieser Kategorie gehört das Freibad Letzigraben in Zürich, in frühen Jahren erbaut von Max Frisch, der später als Schriftsteller bekanntlich zu noch mehr Ansehen gelangen sollte. Seine Karriere jedoch begann er bürgerlich, als Architekt. Genauer gesagt war es ein Intermezzo, denn nach einem abgebrochenen Germanistikstudium, einem ersten Roman und journalistischer Tätigkeit studierte Frisch zur Erlangung von Bodenhaftung erst einmal Architektur. Er beendete das Studium mit Diplom und gewann 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, einen Wettbewerb zur Gestaltung eines Freibads in einem Zürcher Wohnquartier. Fluss- und Seebäder gab es bereits einige auf dem Stadtgebiet, doch Quartierbäder waren noch etwas Neues – entsprechend zeigte sich das Freibad Letzigraben, das Frisch zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Gustav Ammann gestaltete, als eine Art «Wohngarten » mit lockerer Bebauung. Lieblich mäandernde Natursteinwege führen durch sanft hügeliges Gelände, verschiedenste Sträucher- und Baumgruppen setzen stimmungsvolle Akzente, die geschwungenen Beckenränder des Nichtschwimmer- und des Planschbeckens erinnern an natürliche Seeufer, und ein achteckiger Holzpavillon mit Restaurant auf der höchsten Erhebung – dem ehemaligen Galgenhügel Zürichs – zeigt sich in filigraner Leichtigkeit mit Anleihen an den Stil der Landesausstellung. Elegant erhebt sich dann das Ensemble der Sprungtürme in Beton, bei dem vor allem der Zehnmeterturm, der erste in der Schweiz, schlank und eindrücklich vor dem Sportbecken aufragt. Ordentlich und heiter sieht das aus, wohltuend in der Wirkung auf die Menschen an der Schwelle zur Freizeitgesellschaft – genau so stellt man sich heute noch idealtypisch die damals ohne Hintergedanken Badeanstalt genannte Einrichtung vor: ein Ort zur erquicklichen, stets auch gesitteten sommerlichen Abend- und Wochenendgestaltung sowie körperlichen Ertüchtigung.
Es dauerte ein Weilchen, bis Max Frisch sein Projekt umsetzen konnte. Erst nach Kriegsende, 1947, konnte mit dem Bau begonnen werden, am 18. Juni 1949 wurde das Schwimmbad eröffnet. In seinen Tagebüchern hat Frisch öfter über die Arbeiten an seinem Bauprojekt berichtet, nicht ohne ein leichtes Befremden gegenüber dem Handfesten der Bautätigkeit zum Ausdruck zu bringen – zur Eröffnung allerdings schreibt er erfreut: «Sonniges Wetter und viel Volk. Sie schwimmen, springen von den Türmen. Die Rasen sind voll von Menschen (…); ein paar alte Leutchen, die natürlich nicht baden, bewundern die vielen Blumen, und der Pavillon mit den blauweissen Stores (…) hat stürmischen Betrieb.» 2006 wurde das denkmalgeschützte Freibad sorgsam saniert – und die bäderversessenen Zürcher können ihr Lieblingskultbad wieder im Originalzustand geniessen.