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Von Hermann-Luc Hardmeier. Wie Heinrich Moser vor 150 die hiesige Energiegewinnung revolutionierte, erklärte die Kunsthistorikerin Mandy Ranneberg am Dienstagabend im Museum Allerheiligen.
„Offenbar hat der Name Heinrich Moser immer noch einen guten Klang“, freute sich Peter Scheck vom Historischen Verein Schaffhausen. Er überblickte eine stattliche Zuhörerschaft von knapp 100 Gästen, die ins Museum Allerheiligen gekommen waren. Unter ihnen auch die beiden Urenkel von Moser, der Stadtpräsident Peter Neukomm und mehrere andere bekannte Persönlichkeiten der Stadt. Durch den Abend leitete Mandy Ranneberg, Kuratorin des Moser Familienmuseums Charlottenfels. Sie erklärte, wie bereits im 17. Jahrhundert mittels Wasserrädern und zwei Kanälen die Kraft des Rheins für die Energiegewinnung genutzt wurde. Sie zeigte viele historische Karten und erläuterte gut nachvollziehbar die Zusammenhänge.
Mosers wollte mehr Power
Mit der Industrialisierung stieg Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Schaffhausen der Energiebedarf. Die Kanäle und die damit bestehende Abhängigkeit vom Pegelstand des Rheins hemmten die Entwicklung und sorgten für Engpässe. 1850 erwarb Heinrich Moser mehrere Liegenschaften an der Mühlenstrasse und verpachtete diese an Produzenten. Die Energieausbeute war unbefriedigend. Oder etwas salopp ausgedrückt: Moser wollte mehr PS für seine Pächter. Dazu gehörten eine Weberei, eine Wattefabrik und ein Sägewerk. Moser investierte in den Bau eines Kleinkraftwerks, bestehend aus Kanal, Turbine und einer über Häusergrenzen hinweg geführten Transmission. Um das Gefälle und damit die Energieausbeute zu erhöhen, legte Moser den Kanal tiefer. Durch diese Massnahmen sicherte er die Energieversorgung gleich mehrerer Pächter und leitete damit eine bahnbrechende Wende der Energieversorgung ein.
Der Geheimplan
Im Winter 1857/58 bewirkte der niedrige Rheinpegelstand einen Energiemangel sämtlicher Unternehmen im Mühlequartier. Johannes Rauschenbach schlug der Stadt den Bau eines Grosskraftwerks vor, um eine kontinuierliche Energieversorgung zu gewährleisten. In den nächsten Jahren befasste sich ein städtisches Komitee mit den Realisierungsmöglichkeiten. Die Umsetzung war schwierig. 1860 wandte man sich an Heinrich Moser, der einen Plan für die technische Umsetzung ausgetüftelt hatte. Diesen Plan wollte er erst veröffentlichen, wenn zuvor bestimmte Bedingungen erfüllt waren. Die Referentin sprach augenzwinkernd auch von einem Geheimplan Mosers. Der Unternehmer versprach im Gegenzug, bestehende und neue Betriebe kontinuierlich mit ausreichend Energie zu versorgen. 1866 war der Bau des Wasserkraftwerks vollendet. Es bestand aus einem Querdamm, einem Turbinenhaus, einem tiefergelegten Kanal und einer Drahtseiltransmission. Es gab viele Rückschläge, die Bauzeit wurde um das Dreifache überschritten und die Kosten schätzungsweise um das Fünffache. Doch im Nachhinein steht der „Moser-Damm“ stellvertretend für die industrielle Entwicklung Schaffhausens und dies wird dieses Jahr zu Recht mit dem 150-jährigen Jubiläum gefeiert werden.
Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am Mittwoch, 2. März 2016 in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“.