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- Airbus hat ein System von zwielichtigen Firmen betrieben, um Schmiergelder zu überweisen.
- Schweizer Mittelsmänner waren Teil dieses Systems.
- Das zeigen Recherchen von RTS und Tamedia in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Netzwerk von Enthüllungsjournalisten (EIC).
Genfer Anwälte, ein Zürcher Treuhänder – spezialisiert im Aufbau von Off-Shore-Firmen – und Schweizer Bankkonten: Die undurchsichtigen Geschäfte von Airbus basierten über Jahre hinweg auf Diensten von Schweizer Mittelsmännern.
Das zeigen E-Mails, Verträge und Bankdokumente, die dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» sowie dem französischen Online-Portal «Médiapart» zugespielt worden und gemeinsam mit dem Enthüllungsnetzwerk EIC ausgewertet worden sind.
Der Airbus-Konzern ist seit längerem Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Unregelmässigkeiten und versteckte Zahlungen von Kommissionen soll es beim Verkauf von Satelliten und Helikoptern nach Kasachstan, einem Liefervertrag von Linienflugzeugen nach Libyen oder auch bei Geschäften mit Mali oder Saudi-Arabien gegeben haben.
Hausdurchsuchungen in Genf
Bei den internationalen Untersuchungen gerät auch die Schweiz in den Fokus der Ermittler. Im Zusammenhang mit den Verkäufen nach Kasachstan hat Frankreich die Schweiz um Rechtshilfe gebeten. In der Folge wurde im Januar 2017 im Genfer Domizil eines früheren Verantwortlichen der Service- und Marketingorganisation (SMO) von Airbus eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Die Grundlage dazu bildete ein Beschluss des Bundesgerichts.
Die französische Justiz interessiert sich auch für einen tunesischen Geschäftsmann, der mit SMO-Airbus in der Kasachstan-Affäre zusammengearbeitet haben soll. Er hat enge Verbindungen in die Schweiz: So hielt sich verschiedentlich in der Genfersee-Region auf und pflegte Beziehungen zu einer Genfer Bank.
Die SMO-Airbus war in mehrere heikle Verträge und Verkäufe involviert. Ihre Rolle: Mittelsmänner «entschädigen», die halfen, Aufträge an Land zu ziehen. Auf grösste Diskretion bedacht, entwickelte diese Spezial-Abteilung von Airbus eine Galaxie von Filialen, die für Airbus als Schutzmauer dienten.
Genfer Anwälte und Zürcher Treuhänder
In diesem Konstrukt betreuten Anwälte einer Genfer Kanzlei eingetragene Körperschaften auf den Niederländischen Antillen, in Panama oder Luxemburg. Diese erste Schutzwand hätte Airbus ermöglicht, seine Kontrolle über das undurchsichtige Konstrukt – das aus einem Geflecht von Off-Shore-Firmen bestand – zu verstecken.
Die Dokumente zeigen auch die massgebliche Rolle einer Zürcher Treuhandfirma beim Führen von Firmen, die teilweise verdächtigt werden, beim Verstecken von Schmiergeldern geholfen zu haben.
Millionen verteilt im Auftrag von Airbus?
Die Enthüllungen des Europäischen Netzwerks von Enthüllungsjournalisten (EIC) zeigen, dass die libanesische Firma Samit fast 10 Millionen Euro von Airbus erhalten hat. Dies um den Verkauf von Flugzeugen an die ägyptische Fluggesellschaft Egyptair einzufädeln. Das ist zumindest die offizielle Version.
Die Recherchen deckten auf, dass Samit praktisch dieselbe Summe an Dritte weiterleitete, konkret an sechs Offshore-Firmen. Ein Dokument einer Zürcher Treuhandfirma lässt vermuten, dass die Überweisungen im Auftrag von Airbus geschahen.
Gewisse verdächtigte Firmen würden nicht nur aus der Schweiz heraus betreut, sondern hätten auch Konten bei Schweizer Banken, so RTS. Eine undurchsichtige Überweisung aus der Schweiz hat die Genfer Behörden dazu bewogen, Ermittlungen einzuleiten.
«Kein Kommentar»
Die Zürcher Treuhandfirma reagierte nicht auf Anfragen von RTS. Und ein Partner der Genfer Anwaltskanzlei könne aufgrund des Berufsgeheimnisses nicht auf Fragen antworten.
Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass sie keine Untersuchung im Zusammenhang mit Airbus eröffnet habe.
Airbus will sich nicht zum Fall äussern. Das Unternehmen arbeitet seit einigen Jahren verstärkt mit den Behörden zusammen. Die SMO-Airbus wurde 2015 zwar aufgelöst, die Ermittler wollen sich dennoch mit deren geheimen Praktiken beschäftigen.