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HIV und/oder Influenza bei invasiven Pneumokokken: eine tödliche Kombination?
Ein Hot Topic in der Infektiologie ist der Einfluss der Keimlast auf den Krankheitsverlauf und die Prognose bei bakteriellen Infektionen. Eine südafrikanische Studie zeigt den Einfluss von HIV und Influenza auf die invasiven Pneumokokkenerkrankungen.Eine Kohortenstudie in Südafrika hat nun den Einfluss von Influenza und HIV-Infektion auf die Pneumokokkenlast im Blut bei 6396 Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen von 2009 bis 2011 untersucht. Die Pneumokokkendichte im Blut wurde mittels Molekularbiologie (realtime lytA PCR) quantitativ gemessen. 51% der Patienten waren HIV-infiziert und bei 8% waren Influenzaviren vorhanden.
Die wesentlichen Resultate:
- Pneumokokken wurden im Blut bei 7% aller Patienten nachgewiesen. Die PCR zeigte eine 4-5x höhere Sensitivität als Blutkulturen.
- Zwar waren Pneumokokken das ganze Jahr über vorhanden, aber es fand sich eine eindeutige zeitliche Assoziation mit Influenzainfektionen mit einer Häufung im südafrikanischen Winter und Frühling (s. Abb.).
- HIV-Infektion und Influenza-Koinfektion waren unabhängige Risikofaktoren für eine erhöhte Pneumokokkendichte im Blut.
- Eine erhöhte Pneumokokkendichte im Blut war wiederum mit einer erhöhten Mortalität assoziiert (Dichte >= 10000 DNA Kopien/ml: adjustiertes Risiko: 3.6).
Kommentar:
Die erhöhte Pneumokokkendichte bei Patienten mit Influenza- oder HIV-Koinfektion ist ein möglicher Grund für den schwereren Verlauf von Pneumokokken-Infektionen bei diesen Patienten. Da die Mehrzahl der Todesfälle der Pneumokokken-Influenza-Koinfektionen aber erst nach 7-14 Tagen auftritt und andererseits in diese Kohortenstudie nur Patienten eingeschlossen wurden, deren Symptome maximal 7 Tage dauerten, dürfte der Effekt hier eher unterschätzt worden sein.
Bedeutung:
- Molekularbiologische Nachweismethoden haben eine höhere Sensitivität als Blutkulturen und zusätzlich prognostische Bedeutung.
- Eine Pneumokokken-Impfung von HIV-infizierten Personen aller Altersgruppen könnte das Risiko für invasive Pneumokokkenerkrankungen und die damit verbundene Morbidität und Mortalität reduzieren. (In der schweizerischen HIV Kohorte wird deshalb schon seit Jahren die Pneumokokkenimpfung durchgeführt.)
- Ebenso sollte die Grippeimpfung das Risiko für schwere Pneumokokkeninfektionen vermindern.