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Als erster von bisher sechs befragten Ex-Verwaltungsratsmitgliedern der SAirGroup hat Thomas Schmidheiny am Donnerstag vor Gericht zu den Anklagepunkten Stellung bezogen.
Er hat die Strategie der Schweizer Fluggesellschaft verteidigt und betont, dass ein Ausstieg bei der belgischen Sabena die Beziehungen zur EU gefährdet hätte.
Der dritte Prozesstag um den Niedergang der Swissair hat am Donnerstag die Wende gebracht. Mit der Befragung des Zementindustriellen Thomas Schmidheiny füllte sich am Nachmittag auch die Stadthalle Bülach gut zur Hälfte mit Prozessbesuchern und Medienschaffenden.
Erstmals trat einer der für die Swissair-Pleite verantwortlich gemachten Angeklagten auf die Fragen des Bezirksgerichts ein. Den Vorwurf der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung sowie der mehrfachen ungetreuen Geschäftsführung wies Schmidheiny aber zurück.
"Ich anerkenne nichts aus dieser Anklageschrift", sagte er. Im Prinzip sei die Anklage falsch, ergänzte der einstige Vizepräsident des Swissair-Konzerns und Verwaltungsrat während zwei Jahrzehnten.
Druck aus Belgien
Zur inkriminierten Zahlung von 150 Mio. Euro an die belgische Fluggesellschaft Sabena sagte Schmidheiny, dass diese unter anderem auf gewissen Druck der belgischen Regierung zu Stande gekommen sei.
"Der belgische Staat hat signalisiert, dass die Unterzeichnung der bilateralen Verträge gefährdet sei", sagte der ehemalige Verwaltungsrat: "Deshalb war ein grosser Druck entstanden."
In diesem Falle wäre der Verwaltungsrat der SAirGroup als Killer der bilateralen Verträge dagestanden, sagte Schmidheiny: "Ein Scheitern der bilateralen Verträge wäre für die Schweizer Wirtschaft verheerend gewesen."
Plan zur Restrukturierung der Sabena
Ende des Jahres 2000 habe der Verwaltungsrat einen Plan zur Restrukturierung der belgischen Fluggesellschaft Sabena entworfen, sagte Schmidheiny. Damit sollte die Sabena auf eine Kostenstruktur gestellt werden, die sie überlebensfähig gemacht hätte.
Dieser Plan habe den Abbau von 700 bis 800 Stellen und den Verkauf von Aktiven vorgesehen. Zudem seien ein Zuschuss der belgischen Regierung von 100 Mio. Euro und von 150 Mio. Euro der Swissair enthalten gewesen, "die ich verbrecherisch mitbewirkt habe", sagte Schmidheiny.
Mit diesen Massnahmen sei der Verwaltungsrat überzeugt gewesen, dass die Sabena für die Jahre 2001 und 2002 funktionstüchtig wäre. "Wenn wir gesagt hätten, wir zahlen nichts mehr, wäre die Sabena Anfang 2001 Konkurs gegangen. Wert Null", sagte Schmidheiny.
Ausstieg viel teurer
"Meines Erachtens hätte die Nichtfinanzierung der Restrukturierung zu viel höheren Folgekosten geführt", sagte Schmidheiny. Den Betrag für einen Ausstieg könne er nicht nennen. "In diesem Fall wäre die belgische Regierung massivst gegen uns vorgegangen."
Die Sabena sei eine Schlüsselbeteiligung für die Swissair gewesen. Denn über die gemeinsame Managementgesellschaft AMP seien beide Fluggesellschaften aus einer Hand geführt worden. Dadurch habe man Einkauf und Streckennetz optimieren können.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Die frühere nationale Fluggesellschaft Swissair galt lange als "fliegender Geldschrank". Doch am 2. Oktober 2001 blieb sie wegen Liquiditätsmangel am Boden (Grounding).
Die Konkurs gegangene Swissair wurde mit Unterstützung des Bundes durch eine neue Gesellschaft ersetzt, die Swiss. Diese wurde im März 2005 von der deutschen Lufthansa übernommen.
Der Strafprozess vor dem Bezirksgericht in Bülach, der vom 16. Januar bis zum 9. März dauert, soll Licht in das Debakel bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.
Die Anklageschrift umfasst 100 Seiten. 19 Angeschuldigte sollen einvernommen werden.
Zurzeit bereitet die Staatsanwaltschaft eine weitere, zivilrechtliche Anklageschrift vor.