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Wer im Wallis aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, der kam irgendwann mal mit einem grossen Dichter in Berührung. So ging es mir auch, da ich meine Kindheit in Brig und Naters verbrachte. Ich weiss es nicht mehr, in welchem Jahr ich Rainer Maria Rilke in der Schulzeit begegnete – auf jeden Fall zählt sein Gedicht «Herbsttag» bis heute zu meinen Lieblingsgedichten.
Rainer Maria Rilke kam am 4. Dezember 1875 in Prag zur Welt. Er war der einzige Sohn von Josef Rilke und von Sophie oder Phia Rilke. Die Ehe war nicht sehr glücklich. Sie ging nach elf Jahren in die Brüche und seine Mutter wohnte seit 1884, von ihrem Manne getrennt, meistens in Wien. Sie hat ihren berühmten Sohn um fast fünf Jahre überlebt.
Rainer Maria Rilke reiste viel – 1919 auch in die Schweiz. Seinen letzten Arbeits- und Inspirationsort fand Rainer Maria Rilke in der Nähe von Sierre, im Château Muzot. Sein Gönner Werner Reinhart mietete das Schlösschen 1921 und erwarb es im Jahr darauf. Das Schlösschen Muzot ermöglichte dem Dichter den Anschluss an die literarische Produktivität seiner Vorkriegsjahre. Rainer Maria Rilke starb am 29. Dezember 1926 und wurde am 2. Januar 1927 in Raron im Wallis begraben.
Sein Grabspruch ist nicht auf Anhieb zu verstehen. Er stammt von Rilke selber, entstand am 27. Oktober 1925 auf Muzot und stand in seinem Testament. Er lädt wohl eher zum Nachdenken ein und inspirierte zu unterschiedlichen Interpretationen.
Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.
Rainer Maria Rilke
Quelle Gedicht: M. Engel; U. Fülleborn, H. Nalewski, A. Stahl (Hrsg.), Rainer Maria Rilke, Werke, Kommentierte Ausgabe in vier Bänden, Gedichte 1910 bis 1926, Bd. 2, wbg Edition, Darmstadt, 1921, 394.853.