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Guten Tag Herr Wolfisberg, besten Dank, dass Sie sich für ein Interview zur Verfügung gestellt haben. Sie haben sowohl Ihren Bachelor als auch Ihren Master 2022 als Jahrgangsbester der Universität Luzern abgeschlossen. Wie haben Sie Ihre Zeit während der Schulzeit organisiert, um akademische Spitzenleistungen zu erzielen?
Ich habe insbesondere im Bachelorstudium die Semesterzeit intensiv genutzt, sodass ich im Master auf ein solides Fundament zurückgreifen konnte. Dies hat mir erlaubt, während des Masterstudiums einer 20-%-Tätigkeit als wissenschaftlicher Hilfsassistent nachzugehen und das Leistungsniveau dennoch hochzuhalten.
Welche Fächer haben Sie besonders interessiert und welche haben Sie besonders herausgefordert?
Ich habe mich vor allem für die klassischen Fächer interessiert, welchen zuweilen ein etwas konservatives Image anhaftet und die von juristischen Laien häufig als «trocken» bezeichnet werden: So gehörten das Sachenrecht, das Erbrecht, das Vertragsrecht sowie das Zivilprozessrecht zu meinen Interessenschwerpunkten. Besonders herausgefordert haben mich das Verwaltungsrecht sowie die Grundlagenfächer, insbesondere die Rechtsphilosophie sowie die Rechtssoziologie. Letztere daher, weil sie die klassischen Rechtsdisziplinen von einer Metaebene teils sehr kritisch betrachten.
Gab es bestimmte Gewohnheiten oder Routinen, die Sie entwickelt haben, um Ihren Erfolg zu fördern?
Eine seriöse Vor- und Nachbearbeitung der einzelnen Vorlesungen während des Semesters half mir, dass ich den Lernaufwand während den Prüfungsphasen nicht wesentlich erhöhen musste und mich auf das Lösen alter Prüfungen konzentrieren konnte.
Eine seriöse Vor- und Nachbearbeitung der einzelnen Vorlesungen während des Semesters half mir, dass ich den Lernaufwand während den Prüfungsphasen nicht wesentlich erhöhen musste und mich auf das Lösen alter Prüfungen konzentrieren konnte. - Jonas Wolfisberg
Welche Ressourcen oder Hilfsmittel haben Ihnen während Ihrer schulischen Laufbahn besonders geholfen?
Einerseits habe ich meine Vorlesungsnotizen stets von Hand erstellt, was mir bei der Memorisierung erhebliche Vorteile verschafft hat. Andererseits bin ich überzeugt davon, dass die klassischen Werke der Standardliteratur als Lehrbücher im Studium beibehalten werden sollten. Auch wenn es fast unmöglich ist, in solchen Werken sowohl die Bedürfnisse von Praktikerinnen und Praktikern mit dreissig Jahren Berufserfahrung als auch diejenigen von Studierenden im 1. Semestern vollständig abzudecken, konnte ich von der Lektüre solcher Werke doch erheblich profitieren: Zum einen halfen sie mir beim Erwerb der Fähigkeit, komplexe juristische Texte zu verstehen und darin das Wesentliche zu erkennen. Zum anderen konnte ich mir durch die Lektüre der juristischen Klassiker nicht nur mein juristisches Wissen erwerben, sondern mir auch eine juristisch korrekte Sprache aneignen, welche ich bei Falllösungen und Semesterarbeiten einsetzen konnte. Ausserdem lernte ich so viel über die korrekte Zitierweise von Literatur und Rechtsprechung.
Wie haben Sie Ihre ausserschulischen Aktivitäten und Hobbies in Einklang mit Ihrem akademischen Engagement gebracht?
Gerade im Bachelorstudium habe ich ausserschulische Aktivitäten während des Semesters relativ stark zurückgesteckt, konnte mich diesen allerdings während der vorlesungsfreien Zeit und im Masterstudium widmen, wo die akademische Belastung insgesamt deutlich geringer war.
Was sind Ihre beruflichen Ziele?
Ich werde im Oktober 2023 die Anwaltsprüfung im Kanton Obwalden absolvieren. Anschliessend werde ich eine Dissertation an der Universität Luzern in Angriff nehmen. Sicher wäre es schön, den akademischen Weg noch etwas weiter beschreiten zu können, doch ist in diesem Bereich ohnehin viel von Zufällen abhängig. Ideal wäre es, eine akademische mit einer praktischen Tätigkeit verbinden zu können, erweisen sich doch praktische Impulse häufig als sehr hilfreich für die Forschung. So stiess ich während meines Anwaltspraktikums bei der Gabriel & Bucher AG in Sarnen auf zwei Themen, in welchen noch Forschungsbedarf besteht und habe diese je in einem Aufsatz aufgegriffen. Auf jeden Fall ist es mein Ziel, später zumindest einen kleineren Lehrauftrag inne zu haben.
"Ich erachte es als zentral, sich im Bachelorstudium eine solide Grundlage in den klassischen Fächern zu erarbeiten, besonders wenn später die Anwaltsprüfung absolviert werden soll." - Jonas Wolfisberg
Was möchten Sie aktuellen Jura-Studierenden auf den Weg geben?
Ich erachte es als zentral, sich im Bachelorstudium eine solide Grundlage in den klassischen Fächern zu erarbeiten, besonders wenn später die Anwaltsprüfung absolviert werden soll. Diese Grundlage kann anschliessend im Masterstudium vertieft und/oder verbreitert werden. Bei der Wahl des Anwaltspraktikums war es für mich der richtige Weg, mit der Gabriel & Bucher AG eine kleine Kanzlei mit breiter Ausrichtung zu wählen. So konnte ich während meines Anwaltspraktikums in zahlreiche Rechtsgebiete blicken und mich mit den jeweiligen Rechtsschriften vertraut machen. Persönlich war ich nicht bereit, diesen breiten Einblick gegen einen bloss partiellen Einblick in einer Grosskanzlei zu tauschen. Auf eine Verschönerung des CVs sollte meiner Ansicht nach in dieser Phase der Ausbildung nicht das Schwergewicht gelegt werden.
Vielen Dank für das Interview und die Ratschläge, Herr Wolfisberg. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren nächsten Karriereschritten.
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