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Thomas-Cook-Insolvenz: viele weitere werden folgen
Die am 22.9. gemeldete Insolvenz des Reisebüros Thomas Cook ist das Ergebnis einer Kreditklemme, die dem Finanzkrach 2008 ähnelt. Hochverschuldete Unternehmen, die bisher ihre Kredite immer wieder verlängern konnten, sind für die Banken ein zu großes Risiko geworden.
Anfangs hieß es, das Reisebüro habe 1,7 Mrd. Pfund Schulden, später zeigten Gerichtsunterlagen eine Bilanz mit einem Defizit von 3,1 Mrd. Pfund. Die Negativzinspolitik der Zentralbanken macht die Kreditmärkte in einer Weise unvorhersehbar, wie man es bisher nicht kannte. Der normale Zusammenhang zwischen Risiko und Zinssatz scheint entkoppelt zu sein.
Am 25.9. brach einer der größten Arbeitgeber Nordirlands, Wrightbus, zusammen, 1300 Arbeitsplätze sind gefährdet. Ähnlich wie Thomas Cook war er in Verhandlungen mit potentiellen Käufern, darunter der chinesische Maschinenbaukonzern Weichai, der sich aber aus den Gesprächen zurückzog. Die Brexit-Krise spielt hier eine Rolle, da ein erheblicher Teil der Busteile, u.a. Fahrgestell und Motoren, von Unternehmen in der EU bezogen wird.
In derselben Woche fand die Metro Bank, eine relativ kleine britische Bank, keine Käufer für eine Anleihe im Wert von 250 Mio. Pfund, die mit 7,5% verzinst war. Die Bank benötigt die Mittel, um die Mindestanforderungen der neuen Bankabwicklungsregeln der Bank von England und der EU-Aufsichtsbehörden zu erfüllen.
Sie verfügt über ein Vermögen von 21 Mrd. Pfund, und ihre Aktie fiel in den letzten 18 Monaten von 40 Pfund auf 1,75 Pfund, nachdem sie im Januar 2018 berichtet hatte, daß sie für Kredite in Höhe von 900 Mio. Pfund ein zu niedriges Risiko angegeben hatte, und eine behördliche Untersuchung begann. Zwar konnten die Aktionäre 350 Mio. Pfund aufbringen, doch Analysten bezweifeln öffentlich, daß die erforderlichen Finanzmittel zusammenkommen.
Solche falsch berechneten Vermögenswerte fallen bei den Streßtests der EZB systematisch unter den Tisch, weil sie dabei Zahlen verwendet, die von den eigenen Rechenmodellen der Banken stammen. Die Metro Bank ist ein kleineres Finanzinstitut, aber Vertrauen ist an den Finanzmärkten so selten geworden, daß ein hohes Ansteckungsrisiko besteht. Metro hatte ein geringes Risiko für ihre Gewerbekredite (50%) angegeben und dies inzwischen auf 100% korrigiert. Bei genauerem Hinsehen ist an diesen Krediten allerdings wenig „Gewerbliches“.
Faktisch hat die Metro Bank also ihren eigenen Leerverkäufer finanziert.
Ein Kreditnehmer war z.B. der Fonds von Crispin Odey, der 19 Mio. Pfund gegen die Metro-Aktie wettete. Odey organisierte am 16. Januar einen größeren Leerverkauf und erzielte bisher einen Gewinn von 75 Mio. Pfund, das entspricht 2,7% des Grundkapitals der Bank. Faktisch hat die Metro Bank also ihren eigenen Leerverkäufer finanziert.
Auch Aston Martin, der Hersteller von James Bonds Lieblingswagen, steckt in Schwierigkeiten. Mit Müh und Not konnte er 150 Mio.$ an dreijährigen Anleihen mit 12% Verzinsung an dem Mann bringen.
Das Unternehmen braucht Barmittel, um die Markteinführung seines neuen Geländewagens DBX im Dezember abzuschließen. Dies erfordert weitere 100 Mio. $, für die 15% Zinsen geboten werden müßten! Eine der Hürden ist, daß es 1400 Vorbestellungen des DBX nachweisen muß, der pro Stück 140.000 Pfund kosten soll. (siehe dazu im Guardian)
Hedgefonds wetten gegen Aston Martins Schuldenpapiere und Aktien, seit die Aktie um 75% gefallen ist. Standard & Poor’s hat Astons Kreditrating um eine Stufe auf CCC+ gesenkt, weit unten im Ramsch-Bereich.
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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).
Der Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann, <email-pii>
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