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Die von der Landwirtschaft verursachte Luftverschmutzung hat in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Zu nennen sind die trotz grosser Anstrengungen auf hohem Niveau stagnierenden Ammoniakemissionen, sowie die von der Tierhaltung bzw. Biogasanlagen ausgehenden Geruchsemissionen. Zur Luftverschmutzung trägt auch der Dieselruss bei, der von Traktoren ausgestossen wird.
Ammoniak (NH3) ist eine flüchtige Stickstoff-Verbindung die entsteht, wenn Eiweiss oder Harnstoff aus den Ausscheidungen der Nutztiere zersetzt wird. Der Schweizer Landwirtschaft gingen im Durchschnitt der Jahre 2008/10 jährlich etwa 48‘000t N durch Ammoniakemissionen verloren. Das entspricht einem mittleren Verlust von 45kg N/ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Ein Teil dieses Stickstoffs wird in empfindliche Lebensräume wie Wälder oder Magerwiesen verfrachtet. Dort führt er zu einer Überdüngung und damit zu einer Veränderung der Ökosysteme, insbesondere einer Beeinträchtigung der Biodiversität.
Die von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) mit dem Modell Agrammon berechneten Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft haben gegenüber den Jahren 1990/92 gesamtschweizerisch um 14% abgenommen. Seit 2000 stagnieren sie allerdings auf hohem Niveau. Im Schnitt der Jahre 2008/10 stammten 71% der Ammoniakemissionen aus der Rindviehhaltung und 13% aus der Schweinehaltung. Die Emissionen aus der Geflügelhaltung fallen mit einem Anteil von 3% am Total weniger ins Gewicht.
Betrachtet man die Entwicklung nach Emissionsstufen, fällt der Anstieg der Emissionen aus dem Stall (+46%) auf. Dies ist darauf zurückzuführen, dass mit der Zunahme an Laufställen und Laufhöfen die emittierenden Flächen der Ställe zugenommen haben. Hingegen sind die Emissionen bei der Ausbringung von Gülle aufgrund einer Vielzahl von - zum Teil gegenläufigen - Entwicklungen kontinuierlich zurückgegangen (-36%). Im Schnitt der Jahre 2008/10 machten die Emissionen durch Gülleausbringung 31% und die Emissionen aus den Ställen/Laufhöfen 33% der gesamten Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft aus.
Das BLW unterstützt die Reduktion der Ammoniakemissionen unter anderem über Ressourcenprojekte und Ressourceneffizienzbeiträge. Um dem Umweltziel Landwirtschaft von 25‘000t NH3-N näher zu kommen, sind weitere Anstrengungen zur Reduktion der Ammoniakemissionen notwendig.
Gerüche aus der Landwirtschaft werden mit dem fortschreitenden Siedlungsbau in ländlichen Gebieten zum Problem. Während es bisher vor allem Gerüche aus Schweine- und Geflügelställen waren, welche die Nachbarschaft verärgerten, hat das Thema mit dem Bau von landwirtschaftlichen Biogasanlagen eine neue Aktualität erreicht.
Zum Messen von Geruchsimmissionen gibt es bisher kein geeignetes Messgerät ausser der menschlichen Nase. Dementsprechend sind für Geruch auch keine Immissionsgrenzwerte festgelegt. Um die Bevölkerung dennoch vor übermässigen Geruchsbelästigungen zu schützen, sieht das Umweltschutzgesetz, und darauf abgestützt die Luftreinhalteverordnung (LRV), ein zweistufiges System vor. In der ersten Stufe müssen Emissionen, so weit als technisch-betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar, vorsorglich begrenzt werden. Das heisst, dass bei der Errichtung von Anlagen Mindestabstände zu bewohnten Zonen eingehalten werden müssen. Wenn trotz allen vorsorglichen Massnahmen übermässige Geruchsimmissionen entstehen, werden in der zweiten Stufe verschärfte Emissionsbegrenzungen, allenfalls mit Sanierungsfristen, notwendig.
Damit Konflikte zwischen landwirtschaftlichen Anlagebetreibern und Anwohnern und die daraus resultierenden teuren Nachrüstungen vermieden werden können, sind eine vorausschauende Standortwahl und eine umsichtige Planung umso wichtiger. Für die Planung von landwirtschaftlichen Um- und Neubauten werden die bestehenden Mindestabstandsempfehlungen zurzeit aktualisiert und ergänzt.
Dieselruss entsteht bei inhomogener Verbrennung in Motoren und wird zusammen mit den Abgasen ausgestossen. Die feinen Russpartikel mit ihren krebserregenden Bestandteilen können beim Einatmen in die Lungenbläschen vordringen und von dort aus über den Blutkreislauf in die Zellen verschiedener Organe gelangen. Schätzungen gehen zwar davon aus, dass die Emissionen 2010 gegenüber 2005 um 32% abgenommen haben. In der Landwirtschaft, welche von der 2009 bei Baumaschinen eingeführten faktischen Partikelfilterpflicht nicht betroffen ist, beträgt die geschätzte Reduktion 21%. Vom Umweltziel, welches für die gesamten Dieselrussemissionen 100t und für die Landwirtschaft 20t pro Jahr vorsieht, sind jedoch alle Sektoren noch weit entfernt. Für das Jahr 2010 wird der Ausstoss von Dieselruss auf insgesamt knapp 1500t geschätzt. Davon stammen 311t (21%) aus der Landwirtschaft.
Partikelfilter sind eine äusserst wirksame Massnahme, um die Dieselrussemissionen zu reduzieren. Da Traktoren mit serienmässig eingebauten Partikelfiltern zurzeit nur für wenige Modelle erhältlich sind, ist der Preis für solche Ausführungen hoch. Bei alten Motoren ist die Nachrüstung mit Partikelfiltern möglich, bringt aber ebenfalls sehr hohe Kosten mit sich. Zudem können sich technische Probleme ergeben.
Falls die europäischen Grenzwerte für den Offroad-Bereich, wie zurzeit diskutiert, um einen Partikelanzahlgrenzwert ergänzt werden, müssen zur Erreichung der Grenzwerte zwingend geschlossene Partikelfiltersysteme eingesetzt werden. Diese serienmässigen Lösungen werden zu einer weiteren Verbreitung der Partikelfilter auch in der Landwirtschaft führen. Eine solche Lösung hätte wirtschaftliche und technische Vorteile, da die Filter direkt von den Motorenherstellern kommen und dadurch Filter und Motor optimal aufeinander abgestimmt sind.
Weiterführende Informationen
Dokumentation
Rechtliche Grundlagen
Letzte Änderung 03.12.2019