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In Monthey wurde in der Kapelle von Closillon eine Tafel zum Gedenken an die Opfer sexueller Misshandlungen durch Walliser Priester enthüllt. Sie soll an das Leiden der Misshandelten erinnern und wurde auf Wunsch eines Opfers angebracht.
Der Schritt wollte vorbereitet werden: Mit einer eigenhändig für die Enthüllung des Mahnmals einberufenen Pressekonferenz wollten Bischof Jean-Marie Lovey und Generalvikar Richard Lehner zuerst die Medien über sexuelle Misshandlungen in der Kirche informieren und sensibilisieren. Ein heikles Thema, das mit der notwendigen Sorgfalt und Empathie angesprochen werden sollte.
So dauerte an der kurz darauf stattfindenden Messe zur Enthüllung der Gedenktafel nicht lange, bis Bischof Lovey die Worte aussprach, auf die die rund 80 Personen warteten: «Ich möchte aufrichtig um Verzeihung bitten», sagte er mit zitternder Stimme. Nicht Bühnenreif, keine Darbietung, sondern so ausgesprochen, wie man es sagt, wenn man es ernst meint.
Wieso die Gedenktafel in Monthey angebracht wurde, scheint auf den ersten Blick sonderbar. In Sitten wäre die Gedentafel an einem geistlich- und gesellschaftlich zentraleren Ort gelegen, in Siders näher an der Sprachgrenze. Der Entscheid fällten jedoch weder das Bistum Sitten, noch die Territorialabtei Saint-Maurice – sondern Stéphane. Er war als Junge von einem Geistlichen, der als Lehrer und Fussballtrainer arbeitete, sexuell misshandelt worden.
Nulltoleranz für jegliche Art von Gewalt
«Das Bistum Sitten hat in Bezug auf sexuellen Missbrauch eine Nulltoleranz», sagte Generalvikar Richard Lehner. Eine diesbezügliche Charta sei aufgesetzt worden, die «von allen Pastoralvertretern unterzeichnet werden muss.» Letztere müssen dem Generalvikar zudem einen Auszug aus ihrem Strafregister übergeben.
Das Bistum hat sich verpflichtet, alle möglichen Massnahmen zu ergreifen, um Missbrauch zu verhindern und in dieser Angelegenheit professionelle Hilfe zu leisten. «Auch in Schulen wenden wir eine Nulltoleranz auf jegliche Art von Gewalt an», sagte Michel Beytrison stellvertretend für seine Vorgesetzten Christophe Darbellay und Jean-Philippe Lonfat.
Etwa 15 Priester im Kanton
Die Gedenktafel solle ebenfalls daran erinnern, wachsam zu bleiben, damit sich solche Ereignisse nicht wiederholten, sagte Jean-Marie Fürbringer, Vize-Präsident des Vereins für die Unterstützung von misshandelten Personen in Verbindung mit religiösen Autoritäten Sapec, am Samstag. Fürbringer sagte, dass die Opfer vier Grundrechte hätten: das Recht auf Wissen, das Recht auf Gerechtigkeit, das Recht auf Wiedergutmachung und das Recht auf die Garantie, dass alles getan wird, um zu verhindern, dass sich solche Verbrechen wiederholen.
Das Bistum Sitten hat verschiedene Massnahmen ergriffen, um Missbrauch zu verhindern und Hilfe zu leisten. So hat etwa die Diözese Sitten im Februar 2019 entschieden, für alle französischsprachigen Pastoralbeamten, Priestern, Diakonen und Laien einen Workshop zur Prävention von sexuellem Missbrauch durchzuführen.
Die Diözese Sitten schätzt die Zahl der Priester, welche sexuelle Misshandlungen begingen, im Kanton zwischen 1958 und 1992 auf etwa fünfzehn. Vier von ihnen sind noch am Leben, praktizieren jedoch nicht mehr. Ein weiterer Fall aus dem Jahr 1962 ist 2019 aufgedeckt worden. Insgesamt sind mehrere Dutzend Opfer betroffen. Bis Ende 2018 wurden in der ganzen Schweiz 317 Misshandlungsfälle registriert.awo/sda