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Ausgangs- und Zielpunkt des Programms ist die aberwitzige Geschichte des Handlungsreisenden Lucho Abril Marroquin, wie sie der peruanisch-spanische Schriftsteller, Journalist und Nobelpreisträger im Roman „Tante Julia und der Schreibkünstler“ erzählt. Um diese Geschichte rankt sich alte und neue Musik aus Peru von Claudio Rebagliati, Ernesto Lopez Mindreau, Enrique Pinilla, Celso Garrido-Lecca, Daniel Alomia Robles u.a.
Zum Text
Lernübungen für ein aufrichtiges Leben stammt aus Tante Julia und der Schreibkünstler, einem der berühmtesten Romane der lateinamerikanischen Literatur und dem beliebtesten Roman des Schriftstellers, Politikers, Journalisten und Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa (*1936 in Arequipa/Peru).
Zur Musik
Codex Trujillo (1780): Nr. 16 : Lanchas para baylar
Lanchas para baylar stammt aus einer Handschrift, die von Baltasar Jaime Martinez Companon angefertigt und vom Bischof der peruanischen Stadt Trujillo herausgegeben wurde. Sie dokumentiert in über 1400 Aquarellen und 20 Partituren das Leben der Diözese gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die musikalischen Teile wurde vermutlich von Pedro José Solis, dem Musikmaestro der Kathedrale von Trujillo, geschrieben. Nr. 16 Lanchas para baylar („Auftakt zum Tanz“) bezeichnet einen Tanz für Violine und Continuo.
Claudio Rebagliati (1843-1909): Que si, que no, ya viene, Album sudamericano, Nr. 2
Aufgewachsen in Ligurien und Korsika übersiedelte Claudio Rebagliati als Vierzehnjähriger mit seiner Familie nach Chile, wo er mit verschiedenen Opernproduktionen ganz Südamerika bereiste. 1863 liess er sich in Lima nieder, um während 11 Jahren als Konzertmeister des Theaterorchesters zu wirken. Daneben war er als Musiklehrer, Dirigent, Konzertveranstalter und Komponist von Messen, grossen Orchesterwerken u.a. tätig. 1881 brannten chilenische Truppen im Salpeterkrieg sein Haus mit einem reichen Musikarchiv und einem Grossteil seiner Kompositionen bis auf die Grundmauern nieder. 1870 war sein Album sudamericano erschienen, eine Sammlung von Bearbeitungen peruanischer Lieder und Tänze für Klavier. „Mal so, mal so; es kommt, wie’s kommt.“ (1870)
Claudio Rebagliati (1843-1909): Catchua, Album sudamericano, Nr. 19
“Ich fange dich” (1870)
Ernesto Lopez Mindreau (1892-1972): Marinera y tondero
Nach Musikstudien in Chiclayo, Trujillo und Lima, in New York, Berlin und Paris wirkte Ernesto L. Mindreau als Pianist, Dirigent und Klavierlehrer. Ab 1928, seiner endgültigen Rückkehr nach Lima, konzentrierte er sich auf seine Lehrtätigkeit, die Leitung von Schulchören, Militärkapellen und Musikschulen. Bei seinen vielfältigen Tätigkeiten kam seine kompositorische Tätigkeit, die stark von der Auseinandersetzung mit den Melodien, Rhythmen und Klängen der traditionellen peruanischen Musik geprägt war, nicht gebührend zur Geltung. Die Higher School of Public Artistic Training seiner Geburtsstadt Chiclayo ist nach ihm benannt. Marinera und Tondero sind zwei traditionelle peruanische Lied- und Tanzformen. (1956)
Enrique Pinilla (1927-1989): Cuarteto de cuerdas; 2. Satz Allegro moderato
Enrique Pinilla Sanchez-Concha studierte u.a. am Madrider Konservatorium. Neben der elektronischen Musik und der traditionellen Musik im Rahmen der Musikethnologie interessierte er sich gleichermassen für Musikjournalismus, Filmmusik und Musikwissenschaft. 1961 arbeitete er während ein paar Jahren als Musikkritiker für die equadorianische Zeitung Expreso. 1966 studierte er elektronische Musik an der Columbia University, um später eine Professur für Musikethnologie am nationalen Konservatorium für Musik von Peru zu übernehmen und während ein paar Jahren die Abteilung für Musikwissenschaft zu leiten. Die reichhaltige Liste seiner Kompositionen umfasst Kammermusik, Chor- und Orchesterwerke, Lieder, elektronische Kompositionen und Filmmusik. „Streichquartett“ (1989)
Celso Garrido-Lecca (*1926): Divertimento para quinteto de vientos ; 3. Satz Nocturno
Nach Kompositionsstudien in Lima und in Santiago de Chile, wirkte Celso Garrido-Lecca während zehn Jahren als Komponist und musikalischer Berater an der Theaterabteilung der Universität Chile. Danach wechselte er in die Kompositionsabteilung dieser Universität, die er auch einige Zeit leitete. 1964 ermöglichte ihm ein Stipendium Studien bei Aaron Copland in den USA. 1973, wieder in Peru, wurde er an den Lehrstuhl für Komposition des nationalen Konservatoriums und schliesslich zum Direktor dieser Institution berufen. Zusammen mit Manuel de Elias gründete er das Colegio de Compositores Latinoamericanos de Musica de Arte in Lima. „Holzbläserquintett“ (1965)
Celso Garrido-Lecca: Divertimento para quinteto de vientos ; 2. Satz Variaciones
Enrique Pinilla: Cuarteto de cuerdas ; 2. Satz Allegro moderato
Ernesto Lopez Mindreau: Marinera y tondero
Claudio Rebagliati: El pajarillo yaravy; Album sudamericano, Nr. 15
“Der Vogel Jaravy”
Traditional: El Alcatraz. Ritmo de festejo
Der Alcatraz ist neben Tanz- und Liedformen wie dem Festejo, der Marinera und dem Tondero Teil des traditionellen Kulturerbes, das sich in verschiedenen Regionen Perus entwickelt hat. Der Grundtakt des Alcatraz besteht aus zwölf Achteln, verteilt auf vier Schläge. Durch die geschickte Verknüpfung der verschiedenen Stimmen hört es sich an wie ein ständiger Wechsel zwischen Dreiviertel- und Sechsachteltakt. Im Verlauf der Choreografie des zugehörigen Paartanzes versuchen die Tänzerinnen und Tänzer eine imaginäre Kerze anzuzünden, die ihre Tanzpartner halten. Komposition und Text von El Alcatraz sind traditionell. Grundlage für unser Arrangement ist ein Chor-Arrangement von Luis Craff.
Codex Trujillo, Nr. 16: Lanchas para baylar
Daniel Alomia Robles (1871-1942): El condor pasa; Unica version original
Daniel Alomia Robles war ein peruanischer Musikwissenschaftler und Komponist von Opern und Zarzuelas (spanischen Operetten). Bekannt ist er insbesondere als Komponist der Zarzuela El cóndor pasa aus dem Jahr 1913, die 2004 zum „Patrimonio cultural de la nación“ („kulturellen Erbe der Nation“) erklärt wurde, und hier wiederum insbesondere für das gleichnamige, auf traditionellen Anden-Melodien beruhende Titellied. Simon and Garfunkel spielten eine sehr erfolgreiche Coverversion des Liedes unter dem Titel El Condor Pasa (If I Could) auf ihrem Album Bridge over Troubled Water von 1970 ein. „Der Kondor fliegt vorbei.“ (1913)