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Thomas Schütte gehört zu den Künstlern, deren Arbeitspraxis die Idee des „Hauptwerkes“ ausschliesst. Seine Ausstellung in der Kunsthalle Bern im Jahre 1990 trug den Titel „Sieben Felder“. Davon ausgehend, könnte man die Struktur seiner Arbeit insgesamt als „landschaftliche„ Ausbreitung von sehr diversen Werkgruppen bezeichnen - im Unterschied zu einer Konzeption, die zentrale Arbeiten mit Nebenwerken umgibt.
Insofern ist Schütte ein Künstler, der es einem Museum, das Arbeiten von ihm in seine Sammlung aufnehmen möchte, schwer macht – sofern man es für wichtig hält, dass für eine Museumssammlung exemplarische Arbeiten erworben werden. Wenn es also bei Schütte grundsätzlich keine repräsentativen Hauptwerke gibt, ist es doch so, dass die beiden von der Stiftung erworbenen Arbeiten einen Themenkomplex vertreten, der in den achziger Jahren im Mittelpunkt seines Kunst-Denkens gestanden hat.
Mit diesen Arbeiten greift Schütte den früheren Ansatz konzeptioneller Kunst auf, die am Museum, an den Institutionen der Kunst kritisiert hatte, sie eigneten sich das Kunstwerk zu bestimmten kulturellen Zwecken an und beraubten es damit seiner eigenen Intention, zum Beispiel der Intention direkter politischer Wirksamkeit.
An diese Geschichte der Institutionskritik knüpft Schütte an und erfindet für sie ein unerwartet direktes Bild: Das Bild des Museums, in das die Künstler ihre Werke hineintragen, die dort ohne Verzögerung verbrannt werden. Die Installation „Schrott“ zeigt in Form einer Wandmalerei Verbrennungsöfen und rollenweise grossformatige Zeichnungen, „Modell für ein Museum“ umgibt das Modell eines brutalistisch abweisend erscheinenden Museumsbaus mit Zeichnungen der Öfen und des Einganges zu dem gigantischen Bau.
Diese beiden Arbeiten von Schütte sind nicht zuletzt deshalb so interessant, weil sie die radikale Kritik der konzeptuellen Kunst weitertragen, dabei eine illustrative und dramatische Ästhetik einsetzen, die sich ohne Zweifel einem Seitenblick auf die zeitgenössische „Wilde Malerei“ verdankt. So zeigen gerade diese Arbeiten Schütte als einen Künstler, der ohne Berührungsängste verschiedene, auch antagonistische Diskurse schneidet, zugunsten einer Kunst des Zweifels, der Skepsis, der Kritik an ideologischen Gewissheiten.