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Macht und Ohnmacht des ordo senatorius im Spiegel der römischen Villenkultur. Untersuchungen zur Darstellung und Funktion von Villenanlagen in den Schriften Ciceros und Plinius d.J. (1. Jh. v. Chr.-1. Jh. n. Chr.)
Die römische Villenkultur spielte für Angehörige der römischen Oberschichten im 1. Jh. v. Chr.–1. Jh. n. Chr. eine bedeutende Rolle. Waren Villen im 2. Jh. v. Chr. noch primär ökonomisch motivierte Bauten (villa rustica), wurden sie im weiteren Verlauf zunehmend Orte und Ausdruck politischen und kulturellen Handelns. Während Villen in der ausgehenden Republik den nobiles dabei vielfach als Versammlungsorte zur politischen Kommunikation sowie zur standesgemässen Selbstrepräsentation im Kampf um Ansehen und Macht dienten, wandelten sich deren Funktionen in der frühen Kaiserzeit grundlegend. Mit der zunehmenden Konzentration der politischen Entscheidungsgewalt auf den Princeps fungierten insbesondere villae urbanae zusehends als luxuriöse Rückzugsorte, die Raum für erholsame Mussestunden (otium) in standesgemässer Gesellschaft boten. Der politische Niedergang des Senatorenstandes während der Kaiserzeit resultierte damit mancherorts in der Schaffung von Parallelwelten, in denen Villenanlagen als ästhetische Objekte innerhalb eines kultivierten Naturraums kunstvoll integriert wurden.
Im geplanten Beitrag soll dieser Prozess anhand der Schriften von Cicero und Plinius im historischen und sozialgeschichtlichen Kontext nachvollzogen werden. Bei Cicero wird zudem deutlich, wie Macht- und Herrschaftsansprüche im Rahmen senatorischer Zusammenkünfte in der Stadt oder auf dem Land ausgehandelt wurden. Plinius reflektiert in seinen Schriften dagegen die seit Octavian/Augustus einsetzenden Machtverlagerungen. Während negotium nun primär als Dienst für den Kaiser verstanden wurde, diente otium der eigenen persönlichen Erholung davon. Hierbei konfrontiert der Autor seine Leserschaft ausserdem mit der phantastischen Vorstellung von palastartigen Villenanlagen, die vielleicht als literarischer Gegenentwurf zur faktischen Realität des politisch entmachteten Senatorenstandes anzusehen sind. In den zwei hier behandelten Jahrhunderten zeigt sich deshalb insbesondere eine Transformation des otium-Begriffs.