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Frage an das Krebstelefon
Es verwundert kaum, dass ein neu entwickeltes Frühwarnsystem, welches unter die Haut eingepflanzt wird, mediales Aufsehen erregt. Ein kleiner brauner Leberfleck mit einem Durchmesser von fünf bis zehn Millimetern warnt die Trägerin oder den Träger vor negativen gesundheitlichen Konsequenzen.
Nach einem Bericht in der Pendlerzeitung 20min über das Implantat wandte sich eine Person an das Krebstelefon und wollte wissen, wie zuverlässig diese Methode sei. Damit könne Prostata-, Brust-, Dickdarm- und Lungenkrebs bereits in einem sehr frühen Stadium erkannt werden.
Antwort von den Fachberaterinnen Krebstelefon
Bei solchen Anfragen können wir als Fachberaterinnen innerhalb der Krebsliga Schweiz auf die Expertise von Spezialistinnen und Spezialisten zurückgreifen, etwa Aline Flatz, wissenschaftliche Mitarbeiterin Trends, Studien & Support. Flatz erläutert die Wirkungsweise des Sensorsystems in Form eines „künstlichen Leberflecks“, das von einer Forschergruppe der ETH Zürich entwickelt wurde.
«Krebserkrankungen können zu einer Erhöhung des Kalziumgehaltes im Blut führen (Hyperkalzämie). Auch Personen mit einer Krebserkrankung, welche aber noch keine Symptome entwickelt haben, können bereits eine Hyperkalzämie aufweisen. Das Sensorsystem kann eine Hyperkalzämie erkennen und signalisiert diese durch eine Hyperpigmentierung der Haut.
Das System besteht aus veränderten Zellen mit einem natürlich vorkommenden Zellmembranrezeptor. Dieser ist am Kalziumhaushalt in der Zelle beteiligt und erkennt eine Hyperkalzämie. Dieser Rezeptor wurde mit einer Signalkaskade in der Zelle verbunden, welche, wenn sie aktiviert wird, zur Bildung von einem schwarzen Hautpigment führt (Melanin).
Versuche an Mäusen fanden bereits statt. Die veränderten Zellen wurden den Tieren subkutan implantiert. Bei Mäusen mit hyperkalzämischen Brust- oder Darmkrebs bildete sich ein schwarzer Fleck auf der Haut. Bei gesunden Mäusen gab es keinen Fleck.
Die Resultate sind spannend und vielversprechend. Sie zeigen, dass ein biomedizinisches Sensorsystem in einem Lebewesen funktionieren kann. Zwar wurde dieses System für den Nachweis von Hyperkalzämie entwickelt, vorstellbar ist jedoch, dass ein solches System auch andere Körperparameter überwachen könnte. Dafür wäre bloss ein minimalinvasiver Eingriff nötig.
Trotzdem können die Resultate nicht einfach auf Menschen übertragen werden. Bis diese Technik Personen tatsächlich vor Krebs warnen kann, ist man noch weit entfernt.
Ausserdem ist dieses Frühwarnsystem kein vollständiger Schutz: Zwar erkennt es eine Hyperkalzämie, diese ist jedoch kein spezifisches Symptom von Krebs. Auch andere Krankheiten können eine Hyperkalzämie verursachen, zum Beispiel eine Niereninsuffizienz. Und nicht alle Krebserkrankungen verursachen eine Hyperkalzämie. »
Die entsprechende Studie finden Interessierte hier.
Das Krebstelefon-Team begleitet und berät Betroffene, Angehörige und Interessierte. Haben Sie Fragen? Dann mailen, telefonieren oder chatten Sie mit uns: http://www.krebsliga.ch/krebstelefon
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