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Zinngraveur
Der Zinngraveur* graviert in zinnerne Platten, Pokale, Schilder, Ziergegenstände, Schmuckstücke und andere Objekte Verzierungen wie Wappen, Ornamente oder Namenszüge ein. Zuerst wird die Gravier-Vorlage zeichnerisch entworfen und ausgestaltet. Nach Übertragen der Vorlage auf das Objekt beginnt die eigentliche Gravierarbeit. Die Gravur wird mit Radiernadeln leicht eingeritzt und mit Grabsticheln ausgearbeitet. Sich wiederholende Muster oder Figuren, zum Beispiel Sterne, Punkte oder Buchstaben, werden mit Punzen eingedrückt oder eingeschlagen. Daneben kommen auch selbst angefertigte Reliefmodelle und Schablonen zum Einsatz.
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Das Handwerk des Zinngraveurs erfordert handwerkliches, künstlerisches und zeichnerisches Geschick. Es kann über die reguläre Berufsbildung in der Schweiz heute nicht mehr erlernt werden. Als Basis empfiehlt sich die vierjährige Ausbildung zum Graveur EFZ.
Geschichte
Die Gravierkunst reicht bis in die Anfänge menschlicher Kultur zurück: Bereits in der Frühzeit ritzten Menschen mit scharfkantigen Steinen und Knochen Verzierungen in Werkzeuge, Gefässe und Waffen und schmückten die Wände von Höhlen mit Ritzzeichnungen. Die Entdeckung von Metallen als Rohmaterialien für zahllose Geräte sowie die Entwicklung und stetige Verbesserung neuer Werkzeuge brachten auch eine fortlaufende Verfeinerung der Gravier-Technik mit sich. Bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. hatte diese in Mesopotamien einen ersten Höhepunkt erreicht, wovon Funde von gravierten Siegeln, Helmen und weiteren Objekten zeugen. Die Gravierkunst war bei allen Völkern der Antike bekannt und verbreitet. Nach dem Untergang des römischen Reiches geriet sie in weiten Teilen Europas vorübergehend in Vergessenheit. Sie wurde aber, wie viele andere Künste auch, in den Klöstern bewahrt. Ausgehend von den klösterlichen Goldschmitten erlebte sie eine allmähliche Wiedergeburt, die im Hochmittelalter in einer neuerlichen Blüte gipfelte. Aufgrund dieser Überlieferungsgeschichte blieb die Gravierkunst lange Zeit mit dem Goldschmiedehandwerk verbunden, begann aber früh, sich in zahlreiche Zweige aufzuspalten. So bildeten sich zum Beispiel Kupferstecher, Siegel- und Edelsteingraveure, Glasgraveure und unter den zahlreichen Metallgraveuren eben auch Zinngraveure. Die Graveure verzierten Uhren, Gewehrläufe, Säbel- und Degenklingen, Instrumente und zahlreiche andere Objekte aus gravierbaren Materialien mit Schriftzügen, Ornamenten oder Zeichnungen. Die Glanzzeit des Gravier-Gewerbes endete Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen von maschinellen und chemischen Reproduktionsverfahren.
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.
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Literatur
Berufsverzeichnis des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, www.bvz.admin.ch/bvz/berufe → Eintrag Graveur EFZ/Graveurin EFZ, http://www.bvz.admin.ch/bvz/grundbildung/index.html?detail=1&typ=EFZ&item=1321&lang=de, abgerufen am 02.08.2014.
Hugger Paul: Der Zinngraveur, in: Hugger Paul (Hg.): Sterbendes Handwerk, Heft 13, Basel 1967.
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 1994, S. 124-126.
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