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Beinahe täglich begegnen wir neuen, unbekannten Wörtern. In den bevorstehenden Sommermonaten, welche viele gerne in fremden Ländern verbringen, passiert dies besonders oft. Lasst uns einen Blick auf einige Themen im Zusammenhang mit unserem Wortschatz werfen!
Definition von Wortschatz
Im Folgenden soll unter «Wortschatz» die Gesamtheit der Wörter aller beherrschten Sprachen eines einzelnen Individuums verstanden werden. Der aktive Wortschatz meint denjenigen Teil unseres Wortschatzes, welchen wir auch selbst verwenden. Der passive Wortschatz umfasst sämtliche von uns verstandenen Wörter und ist folglich stets grösser als der aktive Wortschatz.
Die Wortschatzgrösse ist individuell höchst verschieden. Der Wortschatz von Erwachsenen schwankt zahlenmässig zwischen 50'000 und 200'000 Wörtern, wovon ungefähr 15'000 aktiv gebraucht werden.
Ein paar Zahlen zur regulären Wortschatzentwicklung
Zur Freude aller bringt ein Kind sein erstes Wort meist um seinen ersten Geburtstag hervor – der Wortschatz wächst zunächst eher langsam. Nachdem ein Kind mit etwa 18 Monaten die 50-Wort-Schwelle geknackt hat, kommt es zum sogenannten «Wortschatzspurt» – einer Zeit, in der der Wortschatz rapide ansteigt. Ein Kind lernt dabei bis zu zehn Wörter am Tag.
Bei Schuleintritt versteht ein Kind 8'000 bis 14'000 Wörter. In den ersten fünf bis sechs Schuljahren kommen jährlich bis zu 3000 Wörter hinzu.
Zwei typische logopädische Störungsbilder mit Schwierigkeiten hinsichtlich Wortschatz
Gewissen Personen fällt das Lernen von neuen Wörtern ausserordentlich schwer.
Zahlreiche Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung erwerben ihre ersten Wörter nur langsam und haben Mühe, ihren Wortschatz auszubauen. Dies führt schnell zu einem beachtlichen Rückstand zu ihren Altersgenossen.
Auch Menschen mit Aphasie, einer erworbenen Sprachstörung (z.B. durch Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma), fehlen oftmals die Worte – sie wissen meistens haargenau, was sie sagen möchten, doch es misslingt ihnen, die passenden Wörter abzurufen.
Zum Umgang mit Wortschatzlücken
Hand aufs Herz, wie verhalten Sie sich bei Wortschatzlücken: Regen Sie sich auf, dass Sie das betreffende Wort nicht (mehr) kennen? Oder weckt ein unbekanntes Wort Ihre Motivation, seine Bedeutung herauszufinden?
Wahrscheinlich sind Ihnen beide Situationen bestens vertraut. Wünschenswert wäre es jedoch, wenn wir öfters mit Neugier anstatt mit Frust oder Enttäuschung reagieren würden. Lasst uns daher lieber jedes neue Wort als «Schatz» sehen, dessen Bedeutung es zu finden gilt!
Ich hoffe, dass Sie unbekannten Wörtern mit Neugier begegnen können und die Freude am Erweitern Ihres Wortschatzes finden oder beibehalten! Gerade die Ferienzeit bietet ein ideales Übungsfeld hierzu.
Wer ein ausgesprochen ausgefallenes, schönes Wort entdeckt, darf es gerne in den Kommentaren mit der Leserschaft teilen.
Nebenbei: «Scazi da plaids» bedeutet im meistgesprochenen romanischen Idiom, dem Sursilvan, «Wortschatz». Vielleicht will ja der eine oder andere dieses Wort in seinen Wortschatz aufnehmen!
Rahel Schmuki