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- Familie: Libellulidae – Segellibellen
- Gattung: Leucorrhinia – Moosjungfern
- Art: Leucorrhinia rubicunda (Linnaeus, 1758)
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- DE: Nordische Moosjungfer
- FR: Leucorrhine rubiconde
- IT: Leucorrhinia rubiconda
- EN: Ruby Whiteface, Northern White-faced Darter
Wissenswertes
Leucorrhinia rubicunda ist eine nordische Art. In der Schweiz gab es bisher keine Entwicklungsnachweise. Sie hat eine beträchtliche Ausbreitungskapazität und wird gelegentlich weit weg von bekannten Standorten festgestellt. Auch in Zukunft sind Funde in der Schweiz nicht auszuschliessen. Dass sie hier bodenständig werden könnte ist jedoch unwahrscheinlich. Die letzten Funde stammen von einer Lehmgrube bei Basel. Zukünftige Funde sind aber in der ganzen Schweiz möglich. Beobachtungen müssen auf jeden Fall fotografisch gut dokumentiert werden.
MerkmaleGesamtlänge: 31-38 mm
Relativ kleine aber stämmige Moosjungfer. Mit weissem Gesicht und schwarzen Flecken an Hinterflügelbasis (Gattungsmerkmale). Körper schwarz mit farbigen Flecken auf Thorax und Abdomen-Oberseite. Mittelgrosse Flecken auf Abdomen-Segmenten, dreieckiger Fleck auf S7 etwa 3/4 so lang wie Segment. Flügelvorderrand von vorne gesehen gelb (bei Leucorrhinia dubia dunkel). Schwarze Hinterleibsanhänge. Männchen und Weibchen unterscheiden sich vorwiegend durch die Farbe der Flecken.
Männchen
Flecken auf Abdomen-Oberseite dunkel-rot, im Alter braun. Flügelmal rot-braun.
Weibchen
Flecken auf Abdomen-Oberseite gelblich und relativ gross. Flügelmale schwarz. Keine dreieckigen Fortsätze an Legescheide.
Jungtiere
Selbe Merkmale wie Weibchen. Die Flecken junger Männchen färben von gelb über orange zu rot um.
Belegfoto
M: Sicht auf Abdomen-Oberseite mit Pterostigmen.
W: Sicht auf Abdomen-Oberseite.
Verbreitung
Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Nordeuropa. Die südliche Grenze verläuft auf der Höhe von Nordfrankreich über Polen Richtung Osten.
Die Beobachtungen aus der Schweiz sind die südlichsten dieser Art. Leucorrhinia rubicunda ist hier als Gast einzustufen. Vor über 100 Jahren wurden fünf Individuen im Berner Oberland, Mittelland und Wallis beobachtet. Zwei Individuen stammen von 1989 und 1992 aus einer Lehmgrube in Oberwil. Seither wurde die Art nicht mehr beobachtet. Auch wurden nie Fortpflanzungsnachweise erbracht.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Ende April bis Mitte Juni.
Flugzeit: Anfang Mai bis Ende Juli.
Lebensraum
Die Lebensraumansprüche von Leucorrhinia rubicunda sind ähnlich wie die von Leucorrhinia dubia, jedoch etwas weniger spezifisch. Die Arten kommen auch teilweise zusammen vor. In Europa sind typische Entwicklungsgewässer gut besonnt, sauer, mesotroph, stehend, sowie mit flutenden und untergetauchten Moosen bewachsen. Der Grund ist mit Torfschlamm oder anderem organischen Schlamm bedeckt. Die Gewässer befinden sich meist in Randbereichen von Hoch- und Übergangsmooren, häufig sind es ehemalige Torfstiche. Die Art könnte praktisch überall in der ganzen Schweiz auftreten.
Lebensweise Imagines
Das Reifungs-, Jagd- und Ruhehabitat befindet sich unter anderem an trockenen Stellen lichter Wälder, auf Waldwiesen oder an Waldrändern.
Das Verhaltensmuster am Gewässer unterscheidet sich kaum von demjenigen von Leucorrhinia dubia. Reife Männchen verhalten sich bei geringer Dichte territorial und sitzen auf erhöhten Stellen. Die Paarung wird über dem Gewässer eingeleitet und in unmittelbarer Umgebung beendet.
Die Weibchen legen die Eier alleine mit wippenden Bewegungen aus der Luft über flutenden Moosen ab. Dabei werden sie häufig vom Männchen aus dem Flug bewacht. Die Eiablage kann aber auch sitzend auf flutenden Moosen erfolgen.
Der Schlupf findet in geringer Höhe in der Ufervegetation statt.
Lebensweise Larven
Leucorrhinia rubicunda überwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert 2 Jahre. Die Larven halten sich in der Unterwasservegetation auf. Trockenperioden können sie im Schlamm überdauern.
Gefährdung und Schutz
Europaweit ist Leucorrhinia rubicunda nicht gefährdet, in der Schweiz ist sie nicht beurteilt (NE), da sie nur sehr selten als Gast auftritt. In Mitteleuropa, am Rande ihres Verbreitungsgebiets, ist sie jedoch stark gefährdet. Hier sind die Zerstörung und Beeinträchtigung von Moorgewässern Hauptgefährdungsursachen.
Da die Art in der Schweiz nur als Gast auftritt, sind bei uns keine Schutzmassnahmen erforderlich. In der Umgebung besiedelter Gewässer sollen verlandete Torfstiche wiedergeöffnet und wenn möglich nach dem Rotationsprinzip gepflegt werden. Zudem sollen Hochmoore regeneriert werden.
- Rote Liste: NE - Nicht beurteilt
- Nationale Priorität: Keine
- NHV: -
Ähnliche Arten
Sie sieht sehr ähnlich aus wie die bei uns in höheren Lagen bodenständige Leucorrhinia dubia und muss bei Beobachtungen im Tiefland ebenso von Leucorrhinia pectoralis abgegrenzt werden. Von den anderen beiden einheimischen Moosjungfern stellen nur die Weibchen eine gewisse Herausforderung bei der Bestimmung dar.
Leucorrhinia dubia – Kleine Moosjungfer
Nur unwesentlich kleiner, aber deutlich schlanker. Ähnlich gefärbt und gezeichnet, aber farbige Flecken auf Abdomen deutlich kleiner, dreieckiger Fleck auf S7 nur etwa halb so lang wie das Segment. Zudem sind die Flügelvorderkanten dunkel.
M: Flügelmale schwarz.
W: Mit dreieckigen Fortsätzen an Legescheide.
Leucorrhinia pectoralis – Grosse Moosjungfer
M: Flügelmale schwarz. S7 mit gelbem Fleck, fast so lang wie das Segment. Übrige Flecken eher kastanienbraun als leuchtend rot.
W: Gelber Fleck auf S7 fast so lang wie das Segment.
Leucorrhinia albifrons, Leucorrhinia caudalis – Östliche, Zierliche Moosjungfer
Hinterleibsanhänge weiss.
M: Hinterleib mit heller Bereifung.