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Messier 16, Adlernebel, Eagle Nebula
Objektbeschreibung
Vermutlich wurde der offene Sternhaufen Messier 16 als erster vom Schweizer Astronomen P. L. de Cheseaux im Jahre 1746 entdeckt. 18 Jahre später stiess Charles Messier auf denselben Sternhaufen und erkannte als einer der ersten, dass M 16 in einen schwachen Nebel eingebettet ist. Dies war in diesem Fall aber eher ein Zufall und auf die schlechte Kontrastleistung seiner verwendeten Fernrohre zurückzuführen, denn Messier sah auch bei anderen Sternhaufen nichtexistente, diffuse Nebel. Zudem erkannten zahlreiche Astronomen später und zur gleichen Zeit, darunter auch John Herschel, noch keinen Nebel bei M 16. John C. Duncan entdeckte den Nebel im 12"-Refraktor des Within Observatory und stufte ihn als leichter erkennbar als der Nebel in den Pleiaden ein. Im Jahre 1895 machte E. E. Barnard möglicherweise als erster eine Aufnahme von M 16 mit dem Nebel. Der Nebel wurde sodann von John L. E. Dreyer unter der Bezeichnung IC 4703 in seinen zweiten Index Catalogue aufgenommen.
In den meisten Atlanten und Katalogen findet man unter der Bezeichnung M 16 gleichzeitig den offenen Sternhaufen mitsamt dem umgebenden Nebel. Im Uranometria 2000.0 wird hier jedoch zwischen dem Haufen M 16 (NGC 6611) und dem Nebel IC 4703 unterschieden.
Der vom Nebel umgebene offene Sternhaufen M 16 liegt hauptsächlich im nordwestlichen Teil des Nebels und enthält eine grosse Anzahl von Riesen des O- und B-Typs, Sterne von grosser Leuchtkraft und hoher Temperatur. Zahlreiche kurzlebige blaue Riesen sind anwesend und viele schwache Variable des T-Tauri Typs, von denen man annimmt, dass sie sich immer noch im Prozess der gravitationalen Kontraktion befinden. Es wird vermutet, dass der Haufen erst etwa 800'000 Jahre alt ist und einige der Sterne erst vor etwa 50'000 Jahren zu leuchten begonnen haben. In anderen Quellen findet man ein Alter von 55 Mio. Jahren - kosmisch gesehen auch noch sehr jung.
Wegen der starken und sehr unterschiedlichen Verdunkelung und Errötung der Sterne durch den Nebel von teils bis zu vier Magnituden, ist es schwierig, eine genaue Entfernung des Sternhaufens zu bestimmen. Schätzungen belaufen sich von 4200 bis 11'000 Lichtjahren, die letzte und beste beträgt etwa 7000 Lichtjahre. Sie versetzt M 16 in den grossen Sagittarius-Spiralarm unserer Galaxis, welches auch gut mit den Radiomessungen übereinstimmt. [4]
Das nebenstehende dreifach Falschfarbenkomposit des Hubble Space Telescopes zeigt einen Ausschnitt des Adlernebels IC 4703. Die blaue Farbe repräsentiert das Emissionslicht von zweifach ionisiertem Sauerstoff bei 500.7nm, grün das von Wasserstoff-alpha bei 656.3nm und rot das von einfach ionisiertem Schwefel bei 672.5nm.
Die Zentralregion des Nebels markiert die Grenze zwischen einer leuchtenden H-II Region und dunklen Molekülwolken. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um den idealen Ort für Fotoevaporation handelt - einem Prozess bei dem die UV-Strahlung von heissen, jungen Sternen langsam eine angrenzende Wolke erodiert.Bei den dunklen, langestreckten und scharfumrandeten Strukturen, Fred Hoyle nannte sie 'Elefantenrüssel', handelt es sich Vorsteher der Molekülwolke in die H-II Region. Diese habe sich in der starken, ionisierenden Strahlung besser gehalten als weniger dichte Wolken in der Umgebung, welche schon lange zuvor ionisiert und zerstreut worden sind. Eventuell werden diese Rüssel auch erodiert.
Auf der HST-Aufnahme ist gut zu erkennen, wie Gas von der vom Sternhaufen beleuchteten Teil der Wolke abströmt. Am oberen Ende des linken Pfeilers sind einige kleine fingerartige Vortsätze zu erkennen, abgeschlossen von EGGs (Evaporating Gaseous Globules) an deren Spitze. In diesen EGGs (dt. Eier), die etwas grösser als unser Sonnensystem sind, befinden sich Sterne und eventuell auch Planeten in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Diese Globulen schirmen das dahinterliegende Gas von der starken Strahlung des Sternhaufens ab und rufen so diese Fingerstruktur hervor. Im gesamten Nebel lassen sich solche EGGs in einem unterschiedlichen Entwicklungsstadium beobachten. In einigen lässt sich sogar ein werdender Stern beobachten. So ähnlich mag unser Sonnensystem vor mehr als sechs Milliarden Jahren ausgesehen haben. [174]
Radio-Emissionen des Adlernebels wurden erstmals mittels der 300ft-Schüssel des National Radio Astronomy Observatory von Green Bank, West Virginia, detektiert. In einer späteren Studie wurde festgestellt, dass Nebel und Sternhaufen etwa 12'500 Sonnenmassen betragen. Bei der akzeptierten Distanz beträgt der Durchmesser des Nebels rund etwa 70 Lichtjahre.
Der romantische Name Star-Queen Nebula (Sternenkönigin) stammt von Robert Burnham und zwar nach der dunklen Silhouette in der Mitte des Nebels, welche die Vorstellung einer auf einem Thron sitzenden Königin erweckt. Den Namen Eagle Nebula (Adlernebel) fand er ein bisschen zu prosaisch für solch ein Objekt, zudem der Adler schon in zwei hellen Sternen erster Grössenklasse, Wega und Atair, verewigt wurde. [4]
|Name||Typ||RA [hm]||Dec [dm]||Const||⌀ [']||vMag||Beschreibung|
|NGC 6611||C+N||18 18.8||-13 47||Ser||35.||6.0||Cl, at least 100 st L & S; = M16|
|IC 4703||OC||18 18.9||-13 47||Ser||B, eL, Cl M16 inv|
Wie findet man den Adler mit der Sternenkönigin?
Der Adlernebel M 16 liegt nahe des 'Dreiländerecks' Serpentis Cauda, Scutum und Sagittarius, nur 3 Grad nördlich vom Schwanennebel M 17 in Sagittarius. Mittels nebenstehender Karte und einem Grossfeldokular ist es ein leichtes, dieses Schmuckstück im Fernrohr einzustellen. Der Sternhaufen ist in einer dunklen Nacht auch schon von blossem Auge erkennbar. Die beste Beobachtungszeit ist April bis August.
Visuelle Beobachtung
350 mm Öffnung: Die ausgeprägte Adlerform sieht man bereits in kleineren Teleskopen bei geringer Vergrösserung und grossem Gesichtsfeld. Die beiden dunklen Finger verlangen nach einem alpinen Himmel und mittelgrossen Amateurteleskopen, um sicher wahrgenommen zu werden. [192]