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Nach einem feinen Apéro, serviert vom Waag-Team, und einer kurzen GV (das Protokoll folgt wie immer per Mail) scharten sich Mitglieder und Freunde der Elsässer Mundart um Pierre Kretz – und lauschten gebannt dem Monolog der Ulmer Therese, die so gerne mal die Claire Zachanassian gespielt hätte … Und die das Wort Schadenfreude wie einen Orden an ihre Brust heftet.
Hier einige Impressionen:
«Ich bin a beesi Frau»
Der Mann tot. Der Sohn tot (er war homosexuell, ein weiteres Stigma für Theres, und ihr «Schängele» war einer der ersten AIDS-Toten der 80er Jahre). Das Dorf als vereinte Gegnerschaft. Genuss im Leben verleiht ihr einzig noch die eigene Bosheit. Trotzdem mag man «d Ulmer Theres», versteht sie und leidet mit ihr. Pierre Kretz kreiert schmerzhaft und glaubhaft das Schicksal einer Frau, wie es sie wohl vielfach gab.
Lesung im Elsässerdeutsch
Diesen deutschen Dialekt hört man im Elsass nicht mehr viel. Die Elsässer reden mehrheitlich Französisch. Schriftsteller Pierre Kretz sagt, Dialekt rede er eigentlich nur noch mit seinen Schweizer Bekannten. Im Elsass gebe es, komme eine Gruppe zusammen, immer irgendeinen, der nicht Elsässisch könne - dann wechsle man halt ins Französische. Deshalb kommt sein Monolog «Ich bin a beesi Frau» zweisprachig, Elsässerdeutsch und Französisch, heraus.
Über den Autor
Pierre Kretz wurde 1950 in Sélestat (Schlettstadt), im Mittelelsass, geboren. Nach einem Jurastudium „Man hat mich, zurecht, der Kategorie der «linken Anwälte» zugeordnet. Ich habe diesen Beruf geliebt,“ hat er sich im Alter von 50 Jahren hauptberuflich der Schriftstellerei zugewandt. Seit dem Jahr 2000 lebt er in einem Tal der Vogesen, in Sainte-Marie-aux-Mines, am Fuße des Taennchel, eines Berges, der ihn seit seiner Kindheit fasziniert. Dort hat er seine ersten zwei Romane geschrieben.
„Ich war, so glaube ich, ein politisch engagierter Anwalt, aber ich bin kein politisch engagierter Schriftsteller. Das Schreiben an sich ist schon ein Engagememnt. Es rechtfertigt sich von selbst.“Aber es liegt mir fern, mich hinter dieser Rolle verstecken zu wollen, und mich damit zu begnügen, dem Lauf der Welt, ob gut oder schlecht, zuzuschauen. Das Schreiben entbindet den Schriftsteller nämlich nicht von seiner Verantwortung als Staatsbürger. In «meinem» Tal engagiere ich mich in Vereinen. Und dieses Engagement ist sehr wichtig für mich. Denn so sehr ich auch die Rolle des politisch engagierten Schriftstellers ablehne, so sehr kann ich mir den Akt des Schreibens losgelöst vom Weltgeschehen und der Gesellschaft nicht vorstellen.
Pierre Kretz in der Schnabelweid SRF
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