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Lesebuch,
im weitern Sinn jedes Buch, welches ohne besondern Nebenzweck für die unterhaltende und anregende Lektüre bestimmt ist, zum Unterschied von Lehrbüchern, Nachschlagebüchern etc. Im engern Sinn versteht man darunter ein Schulbuch, welches für die Leseübungen der Schule den nötigen Stoff darbietet. Abgesehen von einigen Sammlungen lateinischer und griechischer Lesestücke (Chrestomathien), gab es früher solche Lesebücher in den Schulen nicht, weil man neben den alten Klassikern Bibel [* 2] und Gesangbuch fast ausschließlich zu den Leseübungen benutzte.
Erst seit dem letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts kamen Lesebücher in den deutschen Schulen in Gebrauch. Zu den ältesten gehören: für höhere Schulen Sulzers »Vorübungen zur Erweckung der Aufmerksamkeit und des Nachdenkens« (1768) und für Volksschulen Rochows »Kinderfreund« (1776). Während in diesem und seinen zahlreichen Nachahmungen der moralische Zweck überwog, dem durch selbstgemachte belehrende Erzählungen gedient werden sollte, schnitt man später, zumal in der Schule K. F. Beckers (s. Becker 1), die Lesebücher ganz für den grammatischen Zweck zu. Daneben und in den Volksschullesebüchern bis in die neueste Zeit hinein wurde ein breiter Raum für kompendiarische Mitteilungen aus dem Gebiet des Realunterrichts (Geschichte, Geographie, Naturkunde) verwandt.
Erst unter dem Einfluß der
Brüder
Grimm und namentlich seit dem Vorgang
Philipp
Wackernagels
(»Deutsches
Lesebuch«, 1843) hat sich
die
Erkenntnis allmählich
Bahn gebrochen, daß das deutsche eine für den Schulzweck geeignete Auswahl des
Besten aus der gesamten
nationalen Litteratur zu bieten habe. Seitdem ist eine große Anzahl trefflicher Lesebücher für alle
Stufen des Schulunterrichts erschienen, welche wesentlich dazu beigetragen haben, dem deutschen
Volk die
Schätze seiner Litteratur
bekannt und wert zu machen.