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Er ist das Vorzeigegetränk par excellence des Val-de-Travers im Kanton Neuenburg, und obwohl er seit der Antike für seine medizinischen Vorzüge bekannt ist, musste sich der Absinth beinahe während einem Jahrhundert bis ins Jahr 2005 verstecken. Bereits Hippokrates und Pythagoras rühmten seine wohltuenden und aphrodisischen Wirkungen. Sein sehr spezieller Geschmack wurde aber nicht vor dem Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt.
Die Geschichtsbücher sind sich einig: dieses Getränk aus Heilpflanzen der Region wurde von Frauen in Couvet im Kanton Neuenburg geschaffen. Eine Heilkundige namens Marguerite Henriette Henriod, geboren im Jahr 1734, habe das berühmte Getränk Absinth erfunden. Eine erste grössere Schnapsbrennerei wurde 1798 in dieser Ortschaft des Val-de-Travers eröffnet. Ihre Gründer waren Daniel-Henri Dubied und sein Verwandter Henri-Louis Pernod, dessen Name an den weltweiten Epos von Anis-Getränken erinnert.
Dank Henri-Louis Pernod, der 1805 mit dem Rezept die französisch-schweizerische Grenze überschritt, wurde die grüne Fee sowohl im intellektuellen Pariser Milieu als auch von Arbeitern geschätzt und erfreute sich bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts grosser Beliebtheit. Jedes Jahr wurden in Pontarlier zehn Millionen Liter gebrannt und die blauen Flaschen in die ganze Welt versandt.
Ab in den UntergrundNiemand rechnete mit den Gegnern dieses Alkohols, die ihn beschuldigten, verrückt zu machen, wenn man zu viel davon trank. Im Oktober 1910 wurde der Absinth in der Schweiz verboten, 1912 folgte das Verbot in den USA und 1915 in Frankreich.
Trotz einer langen Verbotszeit, welche in der Schweiz erst 2005 endete, brannten die traditionsbewussten Einheimischen heimlich weiter Absinth und verbesserten dabei ständig ihre Rezepte. Der 2005 gegründete Fachverband Absinth zählt heute 18 Mitglieder, welche um eine geschützte geografische Angabe IGP kämpfen. 2014 anerkannte das Verwaltungsgericht Rekurse gegen den AOC-Antrag, der die Benutzung der Namen «Absinth», «bleue» und «grüne Fee – fée verte» auf das Tal Val-de-Travers beschränken wollte.
2017 machte das Bundesamt für Landwirtschaft einen neuen Versuch und veröffentlichte den Antrag für einen IGP-Eintrag des Absinths des Val-de-Travers. Heute noch warten die Produzenten ungeduldig auf eine Anerkennung ihres Terroirs und ihres Wissens.
Warten Sie nicht auf eine Entscheidung, sondern gehen Sie heute schon auf Entdeckungsreise der tief verwurzelten Traditionen der grünen Fee.
Die Absinth-Route: eine Fee vereint zwei LänderDas Land des Absinths vereint die Regionen des Val-de-Travers und der Gegend um Pontarlier rund um das gemeinsame Erbgut des Absinths. Von Pontarlier über die Grenze bis zum Val-de-Travers haben Liebhaber der guten Blauen entlang der französisch-schweizerischen Absinth-Route, welche 2013 eingeweiht worden ist, viele Möglichkeiten, ihre Geschmacksnerven zu erfreuen.
Vom Bahnhof Noiraigue oder vom Tourismusbüro von Pontarlier aus führen 50 km gut gekennzeichnete Wege durch das Absinth-Land, vorbei an ungefähr 80 Produzenten, Gastwirten, Schokoladeherstellern, Bäckern und Metzgern, die ihre Leckereien zum Degustieren anbieten. Der Rhythmus des Spaziergangs ermöglicht einem auch, sich an der wunderbaren Natur zu laben, zum Beispiel am frischen Quellwasser, mit dem man den guten Absinth trüb werden lassen kann. Weiter kann man Museen, Anbaugebiete von Heilpflanzen und handwerklich arbeitende Produzenten besuchen, welche dieses Elixir verarbeiten. Entlang dem Parcours sind zudem viele Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten anzutreffen, so dass man die Strecke in beliebig viele Teile unterteilen kann.
Besuchen Sie das «Maison de l’Absinthe» in Môtiers
Im Herzen von Môtiers hat 2014 das «Maison de l’Absinthe» seine Tore geöffnet. Hier kann man die Geschichte des Getränks kennenlernen, von seiner Schaffung über die Jahrzehnte des Verbots bis zu seiner Rehabilitierung. Weiter zu geniessen: Kochworkshops, bei denen das mythische Getränk ins Gericht eingebunden wird.