Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03221.jsonl.gz/2452

Zeckenbiss
Eine Zecke hat Sie gestochen. Wie die Zecke entfernen? Was ist mit Borreliose und FSME? Erfahren Sie, was Sie bei einem Zeckenbiss tun sollten und wann Sie zum Arzt gehen sollten.
Nach einer Wanderung entdecken Sie beim Duschen die Zecke in Ihrer Achselhöhle. Oft hat man dann den einen Gedanken: Hoffentlich keine Borreliose oder FSME! Die Krankheitserreger sind jedoch nicht dieselben: Die Borreliose wird durch Bakterien verursacht, und der Auslöser für die FSME ist ein von der Zecke übertragenes Virus. FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis.
FSME: Sollten Sie von einer Zecke gestochen worden sein, ist die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion eher gering; die Viren werden nicht bei jedem Stich übertragen. Hinzu kommt: Nur jeder sechste Infizierte entwickelt Krankheitszeichen. Zecken kommen in der ganzen Schweiz vor. Nur 1 bis 3 % der Zecken sind jedoch Träger des FSME-Virus. Betroffen sind fast alle Kantone des Mittellandes bis auf eine Höhe von 1000 Metern über Meer. Mehr über die aktuelle Verbreitung erfahren Sie unter www.bag.admin.ch, Rubrik Infektionskrankheiten. FSME-Infektionen treten vor allem im Frühjahr und im frühen Sommer vergleichsweise häufig auf. Sollten Sie zu denen gehören, bei denen die Krankheit ausbricht, können ca. ein bis zwei Wochen nach der Übertragung Fieber und grippeähnliche Symptome auftreten. Bei etwa zwei Dritteln der Erkrankten gehen die Beschwerden vorüber und die Krankheit heilt folgenlos aus. Die übrigen Erkrankten entwickeln, meist nach einer fieberfreien Periode von etwa einer Woche, neurologische Symptome. Es kann zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis), einer Hirnentzündung (Enzephalitis) oder einer Entzündung des Rückenmarkgewebes (Myelitis) kommen. Je nachdem treten dann starke Kopfschmerzen mit Fieber, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen auf. Des Weiteren kann es zu Gangstörungen, Krampfanfällen, Lähmungen und Atemstörungen kommen.
Beim Gros der Betroffenen heilt die Erkrankung glücklicherweise wieder vollständig aus. Ist aber das zentrale Nervensystem (Gehirn) mit betroffen, können die Schäden länger andauern oder sogar für immer bleiben. Die Gefahr, bleibende Schäden zu erleiden, steigt mit dem Lebensalter. Besonders gefährdet sind Männer über 50 Jahren.
Borreliose: Es ranken sich viele Gerüchte um die Borreliose. Das hängt damit zusammen, dass die Erkrankung ein buntes Bild an Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann, aber auch damit, dass viele Beschwerden, die nur schwer zu erklären sind, dann einem Zeckenstich und einer vermeintlichen Infektion zugeordnet werden. Erschwerend kommt hinzu, dass der Nachweis der Erkrankung nicht immer eindeutig möglich ist.
Infizieren können Sie sich durch einen Zeckenstich, bei dem Borrelien beim Blutsaugen an Sie weitergegeben werden. Die Gefahr, dass Sie von einer infizierten Zecke gestochen werden, besteht weltweit. In der Schweiz trägt im Durchschnitt jede fünfte Zecke Borrelien in sich. Von diesen Zecken verursachen aber nur etwa 5 von 100 eine Infektion (Nachweis von Antikörpern) und bei 1 von 100 Infizierten kommt es zu Krankheitszeichen. In der Mehrzahl der Fälle, also bei 99 von 100, wird unser Immunsystem mit den Erregern fertig. Deshalb lassen sich bei vielen Menschen Antikörper gegen Borrelien nachweisen, ohne dass jemals Krankheitszeichen aufgetreten sind. Bevorzugter Angriffsort der Zecken sind Kniekehle, Leiste, Achselhöhle und Gesicht. Die Stiche sind nicht schmerzhaft, weshalb sie häufig gar nicht oder erst später entdeckt werden. Sollten Sie von einer infizierten Zecke gestochen worden sein, bildet sich nach einiger Zeit – Tagen oder auch Wochen – auf der Haut die Wanderröte (Erythema migrans), ein roter Ring, dessen Durchmesser langsam von der Stichstelle ausgehend zunimmt. Diese Wanderröte ist charakteristisch für die Borreliose. Sie sollten damit umgehend zum Arzt gehen. Dieses Merkmal kann aber auch fehlen. Wird die Infektion nicht behandelt, können Symptome auftreten, die unspezifisch sind und bei vielen anderen Erkrankungen vorkommen: Hautveränderungen, Gelenk-, Muskel- und Nervenschmerzen bis hin zu Lähmungen.
DAS KÖNNEN SIE SELBST TUN
Die beste Vorbeugemassnahme gegen beide Erkrankungen: Schützen Sie sich vor Zeckenstichen:
1 In Wäldern sollten Sie das Unterholz meiden, da sich hier viele Zecken aufhalten.
2 Lange und geschlossene Kleidung hält die Zecken fern, ebenso wie auf die Haut aufgetragene, Insekten abwehrende Mittel.
3 Sie sollten lange Strümpfe tragen und die Hose in die Strümpfe stecken.
4 Nach jedem Aufenthalt im Wald sollten Sie Körper und Kleider gründlich nach Zecken absuchen und diese gegebenenfalls sofort entfernen.
Auch Ihr Haustier bringt gerne eine Zecke vom Ausflug in die Natur mit – daher bitte auch dieses regelmässig absuchen.
Wurden Sie von einer Zecke gestochen, gilt: Je länger die Zecke in Ihrer Haut sitzt, umso höher das Risiko, dass die infizierte Zecke Sie mit Borrelien ansteckt. Also: möglichst umgehend nach jedem Aufenthalt in der Natur den Körper nach Zecken absuchen und sie dann zügig entfernen. Öl und Klebstoff sind nicht die richtigen Mittel, um Zecken zu entfernen. Die Zecken ersticken dann und erbrechen erst recht den Darminhalt in die Wunde. Das Risiko einer Infektion steigt. Richtig ist, die Zecken mit einer Zeckenpinzette oder -karte am tiefstmöglichen Punkt zu fassen – direkt an der Hautoberfläche – und gerade aus der Haut zu ziehen. Bitte drehen Sie die Zecke nicht, sie hat kein Gewinde. Und quetschen Sie nicht den Leib, auch das erhöht das Risiko einer Infektion. Danach sollten Sie die Einstichstelle desinfizieren. Wenn der Saugrüssel in der Stichstelle verbleibt, ist das kein Anlass zur Sorge. Er trocknet und wächst später von alleine raus oder kann vom Arzt entfernt werden.
Noch ein Wort zur Untersuchung der Zecken auf Borrelien: Ja, es kann mit einer aufwendigen und teuren Laboruntersuchung herausgefunden werden, ob die Zecke, die Sie gestochen hat, mit Borrelien befallen ist. Das heisst aber noch nicht, dass Sie auch infiziert wurden. Trotzdem kann bei positivem Test eine Antibiotikatherapie erwogen werden. Da die Krankenkasse allerdings die Kosten nicht übernimmt, kann eine routinemässige Kontrolle der Zecken auf die Dauer für Sie sehr teuer werden. Nicht ganz falsch ist auch die Überlegung, nach jedem Zeckenbiss, ohne abzuwarten, mit einer Antibiotikatherapie zu beginnen. Wenn Sie sich aber vorstellen, dass nur jede fünfte Zecke befallen ist und nur bei einem Prozent der Infektionen Symptome auftreten, heisst das, dass Sie bei 1000 Bissen 998-mal ein Antibiotikum ohne Grund nehmen – mit all den Nebenwirkungen und Risiken! Sehen Sie die Wanderröte nach einem Zeckenstich auf Ihrer Haut, ist die Sache klar: Sie sind mit Borrelien infiziert worden und müssen zum Arzt.
Bei FSME kann man sich neben der Strategie, Zecken so weit wie möglich zu vermeiden, zusätzlich durch eine Impfung schützen. Sind Sie häufig im Wald und auf Wiesen unterwegs oder reisen in Ausbreitungsgebiete, sollten Sie sich impfen lassen. Für die Grundimmunisierung – erstmalige Impfung für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren (evtl. schon früher) – brauchen Sie drei Impfungen. Bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung haben Sie einen Schutz. Nach der dritten Impfung ist ein Langzeitschutz von mindestens 10 Jahren gewährleistet. Auffrischimpfungen werden daher alle 10 Jahre empfohlen.
Mit einem Schnellimpfschema können Sie eine Grundimmunisierung innerhalb von drei Wochen vor dem Urlaub erhalten.
So entfernt man eine Zecke: Die Zecke möglichst hautnah greifen, dann gerade herausziehen. Nie am Hinterleib anfassen und quetschen!
DAS MACHT DER ARZT
Da es ungleiche Krankheiten sind, die durch Zecken übertragen werden, sind die Behandlungsansätze sehr unterschiedlich:
FSME: FSME ist eine Viruserkrankung. Daher kann Ihnen der Arzt kein Medikament verschreiben, das die Krankheit heilt. Nur die Symptome, etwa Fieber und Schmerzen, lassen sich behandeln. Sie treten erst rund zwei Wochen nach dem Zeckenbiss auf, daher ist Ihnen der Zusammenhang vielleicht nicht sofort bewusst. Der Arzt kann durch eine Blutuntersuchung die Diagnose absichern. Ist bei Ihnen das Gehirn miterkrankt, müssen Sie im Krankenhaus behandelt und beobachtet werden. Sie müssen sich in jedem Fall körperlich schonen und Bettruhe einhalten. Je nachdem, was notwendig ist, bekommen Sie Medikamente verordnet gegen die Schmerzen, das Fieber, die Entzündung und gegebenenfalls gegen einen erhöhten Hirndruck. Bis die Erkrankung vollkommen ausgeheilt ist, kann es zwei Wochen dauern.
Borreliose: Ihr Arzt verschreibt Ihnen ein Antibiotikum für zwei bis drei Wochen, und damit ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung in Ihrem Körper gebannt. Sollte sich der typische Ring auf der Haut nicht zeigen, wird die Diagnose schwieriger. Es ist zwar möglich, dass Ihnen der Arzt Blut abnimmt und sich darin Antikörper gegen die Borrelien nachweisen lassen. Allerdings sind diese Tests nicht hundertprozentig aussagekräftig. So kann es vorkommen, dass eine Borreliose vorliegt und der Test es nicht nachweist und andersherum. Viele Schweizer haben Antikörper gegen Borrelien, ohne je zu erkranken; ein negativer Test wiederum kann zu falscher Sicherheit verleiten. Die Feststellung einer Borreliose ist daher immer eine Kombination aus Symptomen, der Krankengeschichte und Bluttests. Das Ziel der Therapie ist erreicht, wenn die Symptome verschwunden sind und Sie sich wieder gut fühlen.
Vom Arzt muss zuerst geklärt werden, dass die Beschwerden tatsächlich keine anderen Ursachen haben. Die «Verlegenheitsdiagnose» Borreliose kann dazu verführen, dass andere Krankheiten übersehen werden.