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Die Produktion von tierischen Lebensmitteln benötigt grosse Mengen an Futterprotein. In der Schweiz werden Proteinträger heute, für die biologische wie die konventionelle Produktion, in grossen Mengen importiert. Dass in der Bio-Wiederkäuerfütterung ab 2022 kein Futter mehr importiert werden darf, erhöht den Druck auf den heimischen Anbau von proteinreichen Pflanzen. Alternative Proteinquellen sind dringend gesucht.
Einheimische Leguminosen
Einheimische Leguminosen wie Ackerbohnen, Proteinerbsen oder Lupinen sind klimatisch besser an die Schweizer Bedingungen angepasst als Soja. Im Gegensatz zu Getreide, schwanken die Erträge von Körnerleguminosen stark und das Ertragsniveau ist tiefer. Erbsen und Ackerbohnen gelten zwar als Proteinträger, deren Stärkegehalt ist aber höher als der Proteingehalt. Bezüglich Rohprotein (RP)-Gehalt ist die gelbe Lupine die einzige Körnerleguminose, die auf dem Niveau der Sojabohne von rund 400 g / kg TS mithalten kann. Der RPGehalt der Proteinerbse liegt bei rund 200 bis 250 g / kg TS und von der Ackerbohne bei knapp 300 g / kg TS. In einer Studie der Agroscope (Agrarforschung Schweiz 10[5]) wurden verschiedene Proteinfuttermittel bewertet. Die Studie ergab, dass Körnerleguminosen bei allen Tierarten einsetzbar sind. Das für einzelne Aminosäuren suboptimale Aminosäurenprofil benötigt, bei eher anspruchsvollen Tieren, womöglich eine Kombination mit anderen Proteinträgern. In der Studie wurde festgehalten, dass die Proteinqualität in der Endmast oder bei Galtsauen kein limitierender Faktor ist. Der Proteingehalt der Ackerbohne ist zu gering für den grossen Einsatz in Proteinkonzentraten. Im übrigen Kraftfutter wird sie jedoch als wertvolle Komponente bewertet.
Ackerbohne im Mischfutter
Die Ackerbohne gehört zu den Körnerleguminosen und ist eine alternative, einheimisch produzierbare Proteinquelle zu Sojaprodukten in der Tierernährung. Ackerbohnen binden mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft. Deshalb sind sie in der Fruchtfolge interessant und eignen sich besonders in Fruchtfolgen mit wenig Kunstwiesen. Um Stickstoffverluste zu vermeiden, sollten nach den Ackerbohnen keine Leguminosen und keine Kunstwiese angebaut werden. Optimal als Nachkultur eignen sich die Stickstoff-Zehrer Wintergerste, Mais oder Kartoffeln.
Besonders in der aktuellen Situa tion mit den bevorstehenden Richtlinien-Änderungen in der Bio-Wiederkäuerfütterung sind solche einheimische Kulturen von besonderem Interesse.
Einige Sorten haben einen erhöhten Tanningehalt (Gerbstoffe). Diese beeinträchtigen die Futteraufnahme wie auch die Verdaulichkeit des Proteins. Weitere Faktoren für einen limitierten Einsatz in der Nutztierfütterung sind die enthaltenen Glucoside Vicin und Convicin, die zu Störungen des Fettstoffwechsels führen können. Der Einsatz ist bei allen Tierarten, als Bestandteil von Futtermischungen möglich, es werden jedoch Höchstanteile empfohlen (Tabelle).
Reduzierte Vicin- und Convicin-Gehalte
Es gibt Sorten, welche durch die Züchtung reduzierte Vicin- und Convicin-Gehalte aufweisen. So die Sommerackerbohne Tiffany, die ertragsstark ist, mit hohem Proteingehalt. Dank dem stark reduzierten Vicin- und Convicingehalt kann der Anteil in der Ration erhöht werden, ohne Einbussen in der Schmackhaftigkeit oder Auswirkungen für das Tier.
Anbauversuch mit neuer Sorte Tiffany
Im Erntejahr 2018 wurden in Zusammenarbeit mit UFA-Samen und UFA auf zehn Betrieben und insgesamt 25 ha die Ackerbohne Tiffany angebaut. Die Erträge fielen unterschiedlich aus; der Höchstertrag lag bei 4,5 Tonnen je ha.
Der Sonnhaldenhof in St. Urban ist einer dieser Betriebe. Marc Grüter erläutert im Interview seine Gründe für den Ackerbohnen-Anbau und die Erfahrungen mit der Sorte Tiffany auf seinem Betrieb.
Fütterungsversuch auf UFA-Bühl
Die geernteten Bohnen wurden 2019 auf UFA-Bühl in einem Fütterungsversuch bei Mastschweinen eingesetzt. Dabei wurde die Eignung der Sorte Tiffany bei Monogastriern untersucht. Im Versuch wurden 240 Mastschweine in drei Fütterungsgruppen unterteilt. Die im Bioschweinemastfutter für die Universalmast standardmässig eingesetzten Ackerbohnen (18 %; Variante «Standard») wurden einerseits durch die Sorte Tiffany ersetzt (Variante «Tiffany A»). In einer dritten Gruppe wurde der Tiffany-Anteil in der Ration erhöht (Variante «Tiffany B»).
Marc Grüter, Sonnhaldenhof, St. Urban baute die Ackerbohne Tiffany im Versuch von UFA und UFA-Samen an.
UFA-Revue: Auf welcher Fläche bauen Sie Ackerbohnen an?
Marc Grüter: Die Fläche beträgt jährlich rund 8 ha. Die Vorfrucht ist Weizen und über den Winter wird eine abfrierende Gründüngung gesä
Aus welchen Gründen haben Sie die Ackerbohne in Ihrer Fruchtfolge?
Grüter: Sie wertet die Fruchtfolge als Leguminose auf. Das heisst, die Bohne braucht im Anbaujahr grundsätzlich keinen Dünger und liefert der Folgekultur viel Stickstoff. Zudem produzieren wir so eine einheimische Eiweisskomponente zur Futtermittelherstellung
Wie hat sich die Sorte Tiffany im Versuch verhalten?
Grüter: Die Sorte Tiffany ist im Anbau gleichwertig wie die bisherigen Sorten. Da die Ackerbohnen im Allgemeinen sehr pflegeleicht sind, merkt man keine grossen Unterschiede. Der Ertrag ist rund zehn Prozent tiefer als bei den anderen Sorten.
Werden Sie in Zukunft die Sorte Tiffany wieder einsetzen?
Grüter: Seit dem Versuch vor zwei Jahren haben wir nun nur noch die Sorte Tiffany angebaut. Solange diese Sorte auf dem Markt gewünscht ist, werden wir diese weiterhin anbauen.
Mastleistung blieb gleich
Die Resultate zeigen: Die Mastleistung unterschied sich nicht zwischen den Varianten. In der Variante «Tiffany B» ergab sich ein etwas höherer Masttageszuwachs, verglichen mit den zwei anderen Varianten. Wurden Tiffany-Bohnen anstelle der üblichen Bio-Ackerbohnen rezeptiert, wurde pro Tier und Tag rund ein Prozent weniger Futter verzehrt. Die Variante «Tiffany B» wies somit den geringsten und die Variante «Standard» den höchsten Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs auf. Aufgrund des höheren Endgewichtes waren die Schlachtkörper der Variante «Tiffany B» tendenziell am schwersten.
Der Versuch auf UFA-Bühl zeigt, dass Bio-Ackerbohnen als Teilersatz zu übrigen Proteinquellen bei Mastschweinen eingesetzt werden können, wobei die Sorte keine Rolle spielt. Zu beachten ist, dass der Einsatz von Bio-Gerste durch die Erhöhung von Bio-Ackerbohnen gehemmt wird. Dies muss in der Rationsgestaltung berücksichtigt werden.