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Wann brauchen Kinder beim Lernen und den Hausaufgaben eine Pause? Früher als man denkt...
Pausen machen ist eine Kunst
Wie jeder weiss, sind Pausen ein wichtiger Bestandteil des Lernens und Arbeitens. Sie dienen der Erholung und erlauben es uns, über längere Zeit konzentriert zu arbeiten.
Doch:
- Wann und in welchen Abständen sollte man Pausen machen?
- Wie lange?
- Was sollte in der Pause gemacht werden und was nicht?
Wenn wir diese Fragen lesen, merken wir, dass die Antworten nicht auf der Hand liegen. Wirksame Pausen zum rechten Zeitpunkt zu machen ist eine Kunst!
Eine Kunst, die Ihrem Kind dabei hilft, sich den Lernstoff besser zu merken, sich schneller zu erholen und die Lust am Lernen fördert, anstatt es zu einer mühsamen und anstrengenden Tätigkeit werden zu lassen.
Wenn wir Eltern fragen, wann sie ihr Kind eine Pause einlegen lassen, erhalten wir fast immer Antworten wie:
- Wenn Daniel durch mich durchsieht.
- Wenn Florian ganz zappelig wird, ständig aus dem Fenster schaut und auf dem Stuhl herumrutscht oder müde wird.
- Wenn Anna sich gar nicht mehr konzentrieren kann und viele Fehler macht.
Die Antworten lassen darauf schliessen, dass allgemein die Auffassung vertreten wird, dass eine Pause dann gemacht werden sollte, wenn man müde ist und sich nicht mehr konzentrieren kann.
Das klingt logisch, aber es gibt eine bessere Alternative:
Lassen Sie Ihr Kind eine Pause einlegen bevor es müde ist und sich nicht mehr konzentrieren kann!
Schauen wir uns dazu ein Beispiel an:
Christian und Julia gehen in die fünfte Klasse und haben beide einen anstrengenden Nachmittag vor sich: Sie müssen neben den Hausaufgaben noch eine Prüfung vorbereiten.
Christian hat herausgefunden, dass seine Konzentration meistens nach ca. 20 Minuten nachlässt. Er macht deswegen jeweils bereits nach 15 Minuten eine kurze Pause von 3 bis 5 Minuten. In dieser hört er ein Lied, trinkt etwas, schaut ein wenig aus dem Fester oder geht aufs Klo.
Julias Mutter glaubt, dass sich ein Kind in der fünften Klasse zumindest 45 Minuten konzentrieren können sollte. Als Julia müde wird, versucht die Mutter sie mit Sätzen wie "komm, noch 15 Minuten" oder "in der Schule musst du dich ja auch 45 Minuten konzentieren können!" zu motivieren. Sie macht erst eine Pause, nachdem sich Julia kaum mehr konzentrieren kann und sehr viele Fehler macht.
Das Ergebnis?
Christian bleibt durch die kurzen Lerneinheiten und die Minipausen zwischendurch während der ganzen Zeit konzentriert. Die Arbeit geht ihm leicht von der Hand und er fühlt sich nach dem Lernen erholt. Eine längere Pause von 15 Minuten nach drei Lerneinheiten erlaubt es ihm, sich richtig zu regenerieren. Er hat insgesamt 60 Minuten konzentriert gearbeitet und die Hausaufgaben nach nicht ganz eineinhalb Stunden fertig (davon 20 Minuten Pause).
Ganz anders ergeht es Julia. Auch sie ist in den ersten 15 Minuten konzentriert. Nach dieser Zeit nimmt die Konzentration und damit auch die Motivation jedoch schnell ab. Julia wird unruhig. Es gelingt ihr immer schlechter, ihre Aufmerksamkeit auf den Stoff zu richten und das Gelernte zu behalten. Ihre Mutter wird immer ärgerlicher, weil sie sich nicht genügend konzentriert. Nach 35 Minuten merkt die Mutter schliesslich, dass das Lernen keinen Sinn mehr macht. Julia braucht eine lange Pause um sich zu erholen, und ist danach kaum mehr bereit, sich nochmals auf das Lernen einzulassen. Auch Julia hat 60 Minuten gearbeitet, davon aber lediglich 20 Minuten in guter Verfassung.
Die folgende Grafik zeigt die Lernkurven von Christian und Julia. Bei Christian sieht man 4 kurze Lernphasen mit hoher Konzentration und Lernbereitschaft. Bei Julia zwei längere Lernphasen, bei denen Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft nach einiger Zeit deutlich einbrechen.
Was Julia durch diesen Ablauf und das Lernen bis in die Erschöpfung hinein lernt, lässt sich folgendermassen zusammenfassen:
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Lernen ist ungeheuer anstrengend – wenn man damit angefangen hat, muss man weitermachen, bis man nicht mehr kann.
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Wenn ich nicht mehr mag, muss ich quengeln, unaufmerksam sein und Fehler machen, damit meine Mutter merkt, dass ich eine Pause brauche.
Julia wird mit der Zeit immer schwerer dazu zu überreden sein, ihre Hausaufgaben zu machen. Christian braucht weniger Überwindung – er weiss, dass er eine Pause machen darf, wenn er eine benötigt.
Und so finden Sie die richtigen Pausenabstände für Ihr Kind:
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Achten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind darauf, wann es müde wird. Dies wird je nach Stoff und Tagesform etwas unterschiedlich sein, aber mit der Zeit können Sie und Ihr Kind in etwa einschätzen, wie lange die Arbeitsphasen sein sollten.
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Ermutigen Sie Ihr Kind zu Kurzpausen, bevor es sich nicht mehr konzentrieren kann. Die ersten zwei Pausen können sehr kurz sein (3 bis 5 Minuten) und sollten das Kind nicht aus dem Lernen herausholen. Kurz aus dem Fenster schauen, ein wenig plaudern, etwas trinken, eine Runde auf dem Trampolin etc. eignen sich für diese Pausen. Sofern die Hausaufgaben länger dauern, sollte die dritte Pause länger sein und mit etwas verbracht werden, das gut unterbrochen werden kann.
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Leiten Sie Ihr Kind dazu an, mit der Zeit selbst in den richtigen Abständen bewusst kurze Pausen zu machen, damit es die Hausaufgaben selbständig machen kann.
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Das Autorenteam
Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund leiten gemeinsam die Akademie für Lerncoaching. Sie sind Autoren folgender Bücher:
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