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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

7. Buch
16. Von Apollo, Diana und den übrigen auserlesenen Göttern, die man zu Teilen der Welt machte.
Apollo gilt ihnen als Seher und Arzt; um ihn aber auch in einem Teil der Welt unterzubringen, ließen sie ihn die Sonne sein und Diana, seine Schwester, den Mond und den Hort der Wege [weshalb man sie sich als Jungfrau vorstellt mit bezug darauf, daß der Weg nichts gebiert], und daher führten beide Pfeile, weil diese beiden Gestirne Strahlen vom Himmel bis zur Erde entsenden. Den Vulcanus machen sie zum Feuer der Welt, den Neptunus zum Wasser der Welt, den Vater Dis das ist den Orcus zum irdischen, und zwar untersten Teil der Welt. Liber und Ceres setzen sie über die Samen, entweder jenen über die männlichen, diese über die weiblichen, oder jenen über die flüssigen, diese über die trockenen. Auch hier natürlich mündet alles auf die Welt das ist auf Jupiter aus, der ja deshalb „Vater und Mutter zugleich“ genannt wurde, weil er jeglichen Samen von sich gebe und in sich aufnehme. Man macht ja auch die Ceres zur „großen Mutter“, die nach ihnen nichts anderes ist als die Erde, und macht sie auch zur Juno, und deshalb schreibt man ihr die sekundären Ursachen der Dinge zu, obgleich es doch von Jupiter heißt: „Vater und Mutter der Götter“, weil Jovis nach ihnen die ganze Welt ist. Die Minerva ferner liessen sie, weil sie ihr die Vorstandschaft über die Fertigkeiten der Menschen zuschrieben und nicht einmal einen Stern fanden, wo sie ihr ihren Platz angewiesen hätten, den obersten Äther oder auch den Mond sein. Gar die Vesta hielten sie deshalb für die größte der Göttinnen, weil sie die Erde sei, und wiesen ihr gleichwohl das Feuer in der Welt zu, das schwächere, dessen sich die Menschen zu leichteren Zwecken bedienen, nicht das heftigere, das den Vulcanus angeht. Und demnach sehen sie in allen auserlesenen Göttern diese Welt, in einigen die gesamte, in anderen Teile von ihr, die gesamte zum Beispiel in Jupiter, Teile von ihr in Genius, in der „großen Mutter“, in Sonne und Mond oder vielmehr in Apollo und Diana. Und zuweilen machen sie einen Gott zu mehreren Dingen, zuweilen ein Ding zu mehreren Göttern. Ein Gott ist zugleich mehreres, wie Jupiter selber; er ist die ganze Welt und er ist der Himmel allein und er wird für einen bestimmten einzelnen Stern gehalten und ausgegeben; so ist Juno die Herrin der sekundären Ursachen, sie ist die Luft und ist die Erde und wäre, wenn sie über Venus siegte, ein Stern1 . Ebenso ist Minerva der oberste Äther und dieselbe Minerva der Mond, den man sich an der untersten Grenze des Äthers denkt. Beispiele dafür, wie sie ein und dasselbe Ding zu mehreren Göttern machen, sind die Welt, durch Janus und Jupiter, oder die Erde, durch Juno, die „große Mutter“, und Ceres vorgestellt,
1: Nämlich der Morgenstern; s. voriges Kapitel.