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Auf einem Grundriss aus der Planungsphase des Hauses zum Kirschgarten findet sich die Bezeichnung «Chambre pour les doméstiques» für diesen Raum; es handelte sich also um einen Raum für die Hausangestellten. Vermutlich kontrollierten sie von hier aus das Kommen und Gehen in der Kutscheneinfahrt, führten verschiedenste Arbeiten aus, nahmen Lieferungen entgegen und hielten sich für Botengänge bereit. Diesen zweckbetonten Charakter hat der Raum mittlerweile verloren: Die kostbare Stuckdecke aus der Zeit um 1740, die ihn jetzt schmückt, stammt aus dem Haus zum Goldenen Löwen in der Aeschenvorstadt. Als dieses Bauwerk Mitte der 1950er Jahre der Verbreiterung der Strasse weichen müsste, wurde diese Stuckdecke in das Haus zum Kirschgarten überführt und die Fassade in der St. Alban-Vorstadt wieder aufgebaut.
<KACHELOFEN>
Kachelofen aus dem Konventsaal des Kloster Muri im Aargau
Muri AG, Hafner Michael Leontius Küchler, 1773 datiert
Fayence mit ScharffeuerbemalunG
Inv. 1895.15.
Der mächtige, blau-weisse Kachelofen mit Ofensitz hat eine altertümliche Gesamtform. Zahlreiche Kacheln zeigen Fantasielandschaften, andere schildern konkrete Örtlichkeiten. So finden sich neben drei Darstellungen von Muri selbst auch Darstellungen von Besitzungen, die das Kloster im Kanton Thurgau besass: Eppishausen, Klingenberg und Sandegg. Auf weiteren Kacheln sieht man Besitzungen des Klosters im Neckargebiet. Repräsentation fand bei diesem Kachelofen nicht durch die Wahl eines aufwendigen und modernen Ofentypus statt, sondern durch die Abbildung des eigenen Besitzes und Einflussbereiches.
<KACHELOFEN>
Strassburger Kachelofen aus dem Reinacherhof, St. Johanns-Vorstadt 3
Strassburg, Hafnerei François-Paul Acker (Ofenbau) und Manufaktur Paul Hannong (Bemalung), um 1748-1753
Fayence mit Aufglasurmalerei; Sandsteinplatte
Inv. 1971.316.
Der Kachelofen aus dem Reinacherhof in der St. Johanns-Vorstadt ist von grosser Eleganz. Diese verdankt er vor allem der zurückhaltenden Farbgebung: Zum klaren Weiss der Oberfläche kommt nur der Purpurfarbton der Bemalung hinzu, der in sehr feinen Nuancen angewendet wird (Purpur-Camaieu). Den oberen Teil des Turmaufsatzes schmücken vier Frauenbüsten als Personifikationen der Jahreszeiten, darunter sieht man Schäferidyllen und andere Bilder ländlichen Lebens. Die Darstellungen folgen zeitgenössischen französischen Kupferstichen nach Werken von François Boucher, Nicolas Lancret und Joseph Parrocel.
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Strassburger Öfen in Basel
Basler Handelsherren bezogen nicht nur ihr Tafelgeschirr in Strassburg, sondern bestellten dort auch Kachelöfen für ihre stattlichen Wohnsitze. Es gab in Basel zwar durchaus lokale Hafner, doch erfüllten diese meist weniger anspruchsvolle Aufträge. Wer sein Haus mit besonders kostbaren Öfen schmücken wollte, bestellte diese bei Ofenhafnern in Zürich, Bern oder Strassburg. Die Strassburger Kachelöfen aus der Werkstatt Acker/Hannong waren dabei mit deutlichem Abstand die kostbarsten und aufwendigsten Öfen. Der in diesem Raum stehende Turmofen mit purpurfarbener Bemalung befand sich ursprünglich im Reinacherhof in der Basler St. Johanns-Vorstadt.
Der eigentliche Ofenbau der Strassburger Kachelöfen erfolgte in der Hafnerei von François-Paul Acker, die Bemalung in der Manufaktur seines Schwagers Paul Hannong.
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Strassburger Fayencen an Fürstenhöfen
Die überragende technische und gestalterische Qualität der Strass-
burger Produkte führte dazu, dass sie auch ausserhalb des Oberrheingebietes sehr begehrt waren. Einige deutsche Fürsten, so der prunkliebende Kurfürst Clemens August von Köln und Markgraf Ludwig Georg von Baden-Baden, bestellten in den 1750er-Jahren umfangreiche
Tafelservice. Diese waren für ihre Jagdschlösser (Clemenswerth im Emsland, Brühl bei Bonn und Favorite bei Rastatt) bestimmt, in denen
man nach gelockertem Hofprotokoll lebte. So waren die Tafeln bei den grossen Jagdessen mit Fayence- statt mit Porzellangeschirr gedeckt.
Es entfaltete sich ein überwältigender Augenschmaus mit Terrinen in Gestalt von Gemüsen und Tieren in natürlicher Grösse. Hinzu kamen Schaugerichte, die Schalen mit Früchten, Oliven oder gar angemachten Salaten vortäuschten. Dieses Spiel mit Überraschung und Augentäuschung (trompe l’œil) gehörte im 18. Jahrhundert zur facettenreichen Tafelkultur, welche die Gäste beeindrucken, erfreuen und unterhalten sollte.