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Geschichte der Impfung
Seit Jahrtausenden ist bekannt, dass durchgemachte Infektionskrankheiten vor einer erneuten Ansteckung und Erkrankung schützen könne.
Bereist 1500 v. Chr. soll die als Inokulation bezeichnete Übertragung von Pockenblaseninhalten leicht Erkrankter auf Gesunde zum Schutz vor einer Pocken-erkrankung in Indien durchgeführt worden sein.
Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Lady Mary Wortley Montagu, Ehefrau des damaligen englischen Botschafters am Hof in Instanbul, Zeugin von solchen Inokulationen. Im Jahr 1718 ließ sie ihre eigenen Kinder behandeln und berichtete nach ihrer Rückkehr in England davon. In der Ärzteschaft stieß sie jedoch zunächst auf Unverständnis und Desinteresse, obwohl auch der damalige König Georg I. seine Kinder Inokulieren ließ.
Ende des 18. Jahrhunderts nutzte der englische Landarzt Edward Jenner die Erkenntnis der Landbevölkerung, dass Melkerinnen, die sich mit Kuhpocken infiziert hatten, gewöhnlich nicht an Pocken beim Menschen (Blattern) erkrankten.
Am 14. Mai 1796 unternahm er die erste nachgewiesene Impfung, indem er einem Jungen über zwei Oberarmschnitte den Inhalt einer Kuhpocke übertrug. Sechs Wochen später wurde der Junge gezielt mit einer Menschenpockenblase infiziert. Er erkrankte nicht. Jenner bezeichnete sein Verfahren als vaccination ( lat. vacca die Kuh ), ein Begriff der im Englischen bis heute für das Impfen gebräuchlich ist.
1874 wurde in Deutschland das Reichsgesetz zur Pockenimpfpflicht eingeführt. Die breite Durchimpfung führte zu einer drastischen Abnahme der Pockenerkrankung.
Im Jahr 1880 gelang es Louis Pasteur in Frankreich einen Impfstoff gegen Hühnercholera und ein Jahr später die erste Impfung gegen Milzbrand (Bacillus anthracis) zu entwickeln.
Der Grundstein für das moderne Impfzeitalter war gelegt und es begann eine beispiellose Erfolgsgeschichte in der Primärprävention von Krankheiten durch Impfungen.
1967, über 150 Jahre nach dem ersten Einsatz der Pockenschutzimpfung, gab es weltweit noch 10 bis 15 Millionen Pockenfälle. Damals startete die WHO eine weltweite Impfkampagne mit dem Ziel, die Pocken auszurotten, was bereits 10 Jahre später erreicht wurde. Die weltweit letzte natürlich erworbene Pockenerkrankung beim Menschen trat 1977 in Somalia auf.
Die Entdeckung von Edward Jenner war der Beginn der Impfstoffentwicklung.
IMMUNISIERUNGSART
Aktive Immunisierung (= Impfung)
Bei der aktiven Immunisierung werden dem Impfling Lebend – oder Totimpfstoffe appliziert, die eine spezifische Immunantwort gegen den entsprechenden Erreger hervorrufen. Sie führen jedoch nicht zur Erkrankung. Im Rahmen der Impfantwort bildet der Organismus spezifisch B – und T – Zellen und ist damit auch in der Lage, spezifische Antikörper zu produzieren. Dadurch kann ein lang andauernder Schutz vor dem entsprechenden Erreger aufgebaut werden. Dia Dauer dieses Schutzes liegt je nach Impfung zwischen 1 und 30 Jahre, vielleicht sogar lebenslang (bedingt durch das Immunologische Gedächtnis).
Passive Immunisierung (= Immunglobulingabe)
Bei einer passiven Immunisierung werden schon gebildete Immunglobuline von einem anderen Menschen verabreicht. Sie stammen von sehr gut untersuchten Plasmaspendern. Sie werden oft bei chronischen Infektzuständen oder zur Substitution bei einem Antikörpermangelsyndrom eingesetzt.
Sonderfall Leihimmunität (Nestschutz)
Neugeborene haben einen Nestschutz. Hierunter versteht man diaplazentar übertragenen mütterliche Antikörper (IgG). Sie bieten dem Neugeborenen Schutz vor Infektionskrankheiten, gegen die die Mutter neutralisierende Antikörper besitzt. Dies können z. B. sein: Diphtherie, Poliomyelitis, Tetanus und Masern. Weniger gut funktioniert diese Leihimmunität hingegen bei Windpocken und fast gar nicht bei bakteriellen Infektionskrankheiten, wie z. B. Keuchhusten ( Bordetella pertussis). Die von der Mutter übertragenen Antikörper sind beim Säugling durchschnittlich 3 bis 6 Monate nachweisbar. Für Erkrankungen, gegen die die Mutter keine Immunität besitzt, besteht auch kein Nestschutz für Säuglinge.
Impfstoffe (Vakzine)
Impfstoffe sind Arzneimittel. Sie enthalten als wirksame Bestandteile nicht mehr virulente Erreger (Bakterien oder Viren) oder Teile davon. Man unterscheidet Lebendimpfstoffe von Totimpfstoffen (siehe dort). Zur Herstellung werden die Erreger vermehrt. Beim Hepatitis – B – Impfstoff werden gentechnische Methoden eingesetzt, um die entsprechenden Antigene zu gewinnen.
Lebendimpfstoffe
Lebendimpfstoffe enthalten attenuierte Erreger. Diese sind vermehrungsfähig, aber nicht krankmachend. Durch die Vermehrung im Impfling reicht eine relativ kleine Menge von Erreger im Impfstoff aus, um eine gute spezifische Immunantwort zu induzieren. Die Attenuierung stellt sicher, dass der immunologisch gesunde Impfling nicht an der Impfung erkrankt. Bei Immunsupprimierten ist die Gabe von Lebendimpfstoffen im Allgemeinen kontraindiziert.
Totimpfstoffe
Totimpfstoffe enthalten nicht mehr vermehrungsfähige Bakterien oder Viren oder Teile davon („entgiftetet“ Toxine = Toxoide, sehr immunogene Proteine oder weniger immunogene Polysaccharide). Bevor die Erreger durch entsprechende Maßnahmen, wie z.B. Formaldehyd oder Hitze, sicher intaktiviert werden, werden sie zunächst vermehrt.