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Wieder in Tokio. Der netten Angestellten des mächtigen Erziehungsministeriums MEXT ist nicht ganz wohl, dass ich Schulbücher fotografiere, aber sie kann mir den Wunsch auch nicht abschlagen.
Ich bin der einzige Besucher im Museum des Erziehungsministeriums – was nicht weiter verwundert, ist doch auch kaum irgendwo publiziert, dass es dieses Museum gibt. Als das Ministerium vor ein paar Jahren neue Gebäude (hinten im Bild) bezog, hat man das alte Gebäude stehen lassen, das – seit 1933 unverändert so genutzte – Büro des Ministers zum Museum erklärt und durch ein paar Räume ergänzt, in denen die Geschichte des Schulwesens in Japan dokumentiert wird.
Lediglich die Überschriften sind auch englisch angeschrieben, so dass ich auf die Beamtin angewiesen bin, die mir das eine oder andere erklärt, aber auch nicht sehr gut Englisch spricht.
Mich würde auch der Neo-Konfuzianismus während der Shogunats-Zeit (Google-Books) interessieren, darüber ist aber kaum etwas in Erfahrung zu bringen. Beschrieben ist die Erziehung am Ende des Shogunats und während der Meiji-Restauration (vgl. MEXT), 1879 wurde das erste Erziehungsgesetz verabschiedet.
Ich konzentriere mich auf die Illustrationen in den Schulbüchern, um die ja immer wieder heftig diskutiert wird.
Greifbar sind einige Büchlein aus den frühen 1940-er-Jahren, die für die damals besetzten Gebieten bestimmt waren und die die Rhetorik der Kriegsjahre etwas erahnen lassen:
Es werden auch einige Bilder aus dem zweiten Weltkrieg gezeigt – eine viel bessere Quelle für diese Zeit ist das Showa-Dokumentationszentrum Showakan, das auch von vielen Schulklassen besucht wird (und dem offenbar ständig Subventionen gekürzt werden).
Bilder MEXT und histclo.com (Evakuation von Schulkindern und Ausbildung als Flabhelferinnen)
Im MEXT-Museum dokumentiert wird dann die Neugliederung des Erziehungssystems während der amerikanischen Besatzungszeit (System 6-3-3-4 usw.). Wie stark auch darauf eingegangen wird, dass einige der amerikanischen Vorgaben nach dem Wiedererlangen der Souveränität wieder abgeschwächt wurden (Wiedereinführung von moralischer Erziehung, Stärkung von nationalem Gedankengut), kann ich nicht beurteilen.
Hier ein paar Ausschnitte aus heutigen Büchern, in denen u.a. der Atombombenabwurf auf Hiroshima thematisiert wird. Andere Bilder aus dem zweiten Weltkrieg finde ich in diesem Lehrbuch nicht.
Mir fällt auch wieder auf, sie anspruchsvoll es ist, drei Schriften und dann mit der ersten Fremdsprache noch eine vierte lernen zu müssen.
„Lebenskundliches“ (Zest for Life) hat einen wichtigen Platz und wird sehr breit gefasst (Höflichkeit, Sauberkeit, wann es angemessen ist, Fernsehen zu schauen und wann nicht usw., woher die Lebensmittel kommen usw.).