Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03331.jsonl.gz/1082

Diamantweg-Buddhismus
Der Diamantweg-Buddhismus ist eine der grösseren buddhistischen Organisationen weltweit und in der Schweiz. In der Schweiz existieren zurzeit 13 lokale Zentren und Gruppen, und zudem ein Retreat- und Seminarzentrum in Amden SG. Weltweit werden rund 650 Zentren gezählt.
Der Name „Diamantweg“ leitet sich vom Sanskrit-Begriff vajrayana für den tibetischen Buddhismus ab.
Ole Nydahl, geboren am 19. März 1942 in Kopenhagen, wächst als Sohn eines Gymnasiallehrers auf, dient eine Zeitlang in der dänischen Armee und studiert dann Philosophie, Englisch und Deutsch an der Universität von Kopenhagen. In den folgenden Jahren arbeitet Nydahl an einer Doktorarbeit zu Aldous Huxleys Pforten der Wahrnehmung, die er aber nicht abschliesst. In dieser Zeit macht Nydahl verschiedene Drogenexperimente mit Cannabis und LSD.
Beruflich arbeitet Nydahl in dieser Zeit als Englischlehrer in Abendkursen im Gymnasium und macht zwischendurch Schmuggelreisen nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten, so berichtet Nydahl davon, im Jahr 1967 mit 34 Kilo Gold am Körper nach Indonesien geflogen zu sein. Daneben übt sich Nydahl im Boxen und im Motorradfahren.
Im Jahr 1966 will Nydahl ein erstes Mal nach Nepal reisen, aber der indisch-pakistanische Krieg hält ihn für Wochen in Afghanistan fest. Auf dem Rückweg nach Europa lernt er nach eigenen Angaben „viel über die Moslems“ (Die Buddhas vom Dach der Welt. Mein Weg zu den Lamas. 3. Aufl. 1994, s. 10). Hier deutet sich schon das spannungsvolle Verhältnis von Ole Nydahl zum Islam an, das ihn heute umstritten macht.
Im Jahr 1968 heiratet er seine Frau Hannah (geb. Christiansen, 1946-2007), die Hochzeitsreise soll wieder nach Nepal führen, wobei die Reise im Auto über Persien und Afghanistan führt. Wieder vermerkt Nydahl anlässlich des Grenzübertritts von Afghanistan nach Indien Islamkritisches: „Es entspannte, nach Indien zu kommen. Schon an der Grenze spürten wir die ganz anderen Schwingungen. Wir hatten die sexuell notleidende Atmosphäre der moslemischen Länder hinter uns und waren in bester Laune“ (a.a.O. s. 12).
In Delhi begegnet Nydahl dem Hinduismus, der allerdings auch nicht bestehen mag: „In Delhi machten wir die ersten Erfahrungen mit Hindu-Gurus. Erfahrungen, die uns anfänglich beeindruckten, die uns jedoch nicht besonders berührten. Wir haben nie den Draht zu ihnen bekommen, waren von Anfang an nicht besonders auf einen Kontakt mit Hindus aus.“ (a.a.O. s. 13).
Ziel der Reise ist der Tibetische Buddhismus der Kagyü-Linie, den Nydahl bereits aus der Literatur kennt, so hat er Lama Kazi Dawa Samdups „Tibetan Yoga and Secret Doctrines“ als Reiselektüre dabei. „Nach der Lektüre von „Tibetan Yoga and Secret Doctrines“ waren wir natürlich erpicht darauf, eine tibetischen Lama kennenzulernen“. Der erste Lama, den sie treffen ist aber vor allem als Drogenhändler tätig. Begegnungen in Tempeln sind eindrücklicher.
Auf einer weiteren Reise im Folgejahr begegnen Ole und Hannah dem Lama Tsechu Rinpoche, der zu ihrem ersten Lehrer wird. Auf der Rückreise wollen sie Cannabis in hohlen Buddhaköpfen aus Messing nach Dänemark schmuggeln. Eine solche Sendung wird vom dänischen Zoll gefunden und Nydahl wird verhaftet. In der Haft inszeniert er mit einem Messer einen Selbstmordversuch, um das Verfahren zu beschleunigen. Während dieser Zeit macht Nydahl erste Meditationserfahrungen. Schliesslich wird Nydahl zu vier Monaten Haft verurteilt, die durch die Untersuchungshaft beinahe abgesessen waren.
Im Jahr 1969 reisen Nydahls wiederum nach Asien. In Delhi treffen sie einen hinduistischen Swami an: „ Wir wollten uns den heiligen Mann einmal ansehen. Wie schon erwähnt, fühlten wir uns nie sonderlich zu den Hindus hingezogen, und dieser Guru war uns besonders fremd. Er predigte nämlich das Zölibat als den einzigen Weg zur Befreiung, was Hannah und mir überhaupt nicht einleuchtete.“ (a.a.O. 56)
Im Dezember 1969 begegnen Nydahl und seine Frau in Nepal dem 16. Karmapa, dem wichtigsten Lehrer der Kagyü-Tradition. Nydahls besuchen verschiedene Veranstaltungen, bis es zum ersten längeren persönlichen Gespräch kommt: Karmapa „befragte uns über das Land, aus dem wir kamen, und ich erzählte ihm von den Dänen, Ich trug dabei wohl ein bisschen dick auf – aus meinem Mund hörte es sich so an, als seien die Dänen eher ein wildes und tapferes Wikingervölkchen als brave Millimeterdemokraten. Karmapa lachte und sagte, er sei auch so ein Kraftprotz; er sei nämlich ein Khampa, gehöre dem Stamm der Krieger aus dem östlichen Tibet an. Dabei boxte er mich ein paarmal auf die Schulter, und ohne daran zu denken, wer er war, erwiderte ich seine sanften Boxhiebe. Er fiel fast vom Sitz vor Lachen, während ich mir etwas beklommen dessen bewusst wurde, was ich eben getan hatte.“ (a.a.O. s. 70)
Nydahl stellt sich als Angehöriger einer Nation von Kriegern vor, was den Karmapa, der aus einem Volk mit ähnlicher Tradition stammt, Eindruck macht. Nydahl äussert den Wunsch, ein Boddhisattva zu werden. Karmapa nimmt Nydahl und seine Frau als Schüler an.
Nydahl entscheidet sich, dem Drogenkonsum abzusagen. Seither ist er Drogen gegenüber kritisch eingestellt: „Heute haben wir nur einen Rat: Finger weg von Drogen! Nichts davon ist gut. Die Schäden, die sich nicht sofort zeigen, kommen später zu tage und sind schwer zu beheben. Um Erleuchtung zu erlangen, brauchen wir nichts als unseren Geist, so wie er hier und jetzt ist.“ (a.a.O. s. 10).
Nydahl und seine Frau bleiben bis ins Jahr 1972 hinein bei Karmapa, dann werden sie von ihm beauftragt, Zentren der Karma-Kagyü-Linie in Europa aufzubauen.
Obwohl Nydahl keine traditionelle klösterliche Ausbildung in der Kagyü-Tradition absolviert hat, nimmt er den Titel Lama an. In Konsequenz seiner kritischen Sicht des zölibatären Lebens sind er und seine Lernenden Laien-Buddhisten. Wer in buddhistischen Zentren des Diamantweg-Buddhismus mitmacht, bleibt ins westliche Leben integriert.
Ziel des Diamantweg-Buddhismus in Lama Oles Interpretation der Kagyü-Tradition ist es, durch Meditationspraxis und das Entwickeln von Mitgefühl und Weisheit eine „reine Sichtweise“ zu erlangen, die alles als gut wahrnimmt, und damit in einem Zustand dauerhaften Glücks zu sein.
In der Praxis scheint diese „reine Sichtweise“ einiges an Verdrängung und selektiver Wahrnehmung zu implizieren, wenn Ole Nydahl etwa empfiehlt: „Wenn Du dafür sorgst, dich gut zu fühlen, wirst Du die Welt als schön erleben, die Dinge sind wunderbar und sinnvoll. Erinnere Dich daran, dass allen die Buddhanatur innewohnt und entscheide Dich dafür, alles als frisch und neu zu erleben, in allem das zu sehen, was schön ist. Wichtig ist zu verstehen, dass höchste Wahrheit höchste Freude bedeutet. Ich kann dir sagen, mein Geist funktioniert sehr einfach. Ich habe eine automatische Funktion, eine Aussonderungsfunktion. Wenn sich etwas schlecht oder seltsam anfühlt, dann sagt mein Geist: ‚Darum brauchst Du Dich nicht zu kümmern, dass hat keinen Wahrheitsgehalt, scheint sich eher um einen Fehler im heutigen Produktionsprozess zu handeln oder um eine Verunreinigung.’’’ (Fragen an den Lama, https://www.lama-ole-nydahl.de/fragen/?tag=reine-sichtweise)
Im Unterschied zu anderen Richtungen des Buddhismus tritt der Diamantweg-Buddhismus durchaus werbend auf, so werden Interessierte aktiv zu Veranstaltungen eingeladen.
Nach dem Tod des 16. Karmapa im Jahr 1981 konnte sich das Komitee, das mit der Auffindung seiner Reinkarnation beauftragt war, nicht einigen. Eine Fraktion bestimmte den 1985 geborenen Orgyen Trinley Dorje zum 17. Karmapa, eine andere den 1983 geborenen Trinley Thaye Dorje. Trinley Thaye Dorje lebt heute in Indien, ist seit 2017 verheiratet und Vater eines Kindes, wogegen Orgyen Trinley Dorje, in den USA lebend, seit Januar 2019 mit Missbrauchsvorwürfen einer Anhängerin konfrontiert ist. Lama Ole Nydahl hat sich stets auf die Seite von Trinley Thaye Dorje gestellt.
Im Jahr 1981 wird Lama Ole Nydahl zum ersten Mal in die Schweiz eingeladen und hält Veranstaltungen in Bern.
Am 23. April 1982 gründet Lama Ole Nydahl das Diamantweg-Zentrum in Bern.
Ab 1983 entsteht eine Gruppe in Basel, die 1988 den Verein Karma Dorje Ling, ab 1990 Karma Kagyü Verein Base,l begründet. Im Jahr 1989 wird ein Zentrum in Dornach bezogen. Im Jahr 2004 zieht das Zentrum nach Basel um.
Im Jahr 1991 wird das Zentrum in Zürich begründet.
Die Diamantweg-Zentren werden ehrenamtlich geführt, es gibt kein bezahltes Personal.
Mit Ole Nydahls Verzicht auf zölibatäre, klösterliche Lebensweise sind nicht alle Exponenten der Kagyü-Tradition einverstanden.
Im Westen ist Ole Nydahl umstritten wegen kritischer Aussagen zum Thema Islam. Kritik fanden auch Ole Nydahls Kontakte zu Vertretern europäischer Rechtsparteien.
Im Jahr 2019 leitete die Deutsche Buddhistische Union ein Ausschlussverfahren gegen den Diamantweg-Buddhismus ein, welchem dieser durch Austritt zuvorkam.
Eintritt an Veranstaltungen und Spenden tragen die Kosten der Gemeinschaft.
Es gibt 560 Zentren in über 60 Ländern, darunter 13 Zentren in der Schweiz.
Buddistische Zentren der Karma Kagyü Linie – Schweiz
Hammerstrasse 9
8008 Zürich
https://buddhismus.org/
Buddhistisches Zentrum Aarau
Im Ifang 10
5000 Aarau
https://buddhismus-aarau.ch
Buddhistisches Zentrum Basel
Laufenstrasse 15
4053 Basel
https://buddhismus-basel.ch/
Buddhistisches Zentrum Bern
Gerberngasse 14
3011 Bern
https://www.facebook.com/BuddhismusZentrumBern/
Buddhistisches Zentrum Biel
Brüggmattenweg 8
2503 Biel
Buddhist Meditation Group Geneva
Studio Soham
23 Rue du Prieuré
1202 Genève
Buddhistische Meditationsgruppe Glarus
c/o Ina & Erik LaSerra
Sandstrasse 13
8750 Glarus
Buddhistische Meditationsgruppe Locarno
c/o Studio Terapeutico di Elisabetta Mellier-Mayr
Piazzetta de‘ Capitani 10
6600 Locarno
http://www.buddhismo-ticino.ch/
Buddhistisches Zentrum Luzern
Rössligasse 14
6004 Luzern
Buddhistisches Zentrum St. Gallen
Hintere Davidstrasse 20
9000 St.Gallen
Buddhistische Meditationsgruppe Thun
Hofstettenstrasse 7
3600 Thun
Buddhistische Meditationsgruppe Toggenburg
c/o Christina Buchser und Adrien Vögtlin
Obere Wanne 5
9630 Wattwil
Buddhistische Meditationsgruppe Winterthur
Haus zum Widder
Spitalgasse 11
8400 Winterthur
Buddhistisches Zentrum Zürich
Hammerstrasse 9
8008 Zürich
https://www.facebook.com/BuddhismusZentrumZuerich/
Retreat- und Seminarzentrum Amden
Bellevue
8873 Amden
https://www.amden-retreat.ch/