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Menschenopfer,
ein bei fast allen heidn. Völkern üblicher Brauch,
Menschen der erzürnten Gottheit als
Sühne darzubringen.
Im vorgeschichtlichen Europa
[* 2] hat man mehrfache
Spuren von
Menschenopfer feststellen können, namentlich als Leichenfeier
bei der
Bestattung von Häuptlingen. Im histor.
Altertum finden sich die
Menschenopfer besonders beim semit.
Stamme; die Phönizier opferten
Kinder dem
Moloch. In
Karthago
[* 3] war das Kinderopfern Staatseinrichtung. Auch die
Araber brachten
Menschenopfer, ebenso die Israeliten, wie
viele
Stellen des Alten
Testaments bezeugen.
Bei den alten Griechen waren
Menschenopfer zur Homerischen Zeit namentlich als Leichenopfer noch ziemlich allgemein.
Mit Erstarkung des Humanitätsgefühls wurden sie hier allmählich verbannt. Am längsten hielt sich das Opfern von Verbrechern.
Auch die
Römer
[* 4] kannten das
Menschenopfer, sowohl das freiwillige als das unfreiwillige. Hier galt
es besonders, die unterirdischen
Götter durch dasselbe zu sühnen. Allein man opferte auch hier vor allem Verbrecher. Am
Feste des
Jupiter Latiaris und den Compitalien wurden bis 97
v. Chr.
Menschenopfer dargebracht; in diesem Jahre wurden sie durch Senatsbeschluß
abgeschafft.
Bei den
Germanen sind die
Menschenopfer unter allen
Stämmen nachweisbar. Vor allem wurden sie dem Kriegsgott Ziu
(Tyr)
und dem Totengott Wodan (Odin) gebracht. Meist bediente man sich zu diesen Opfern der Kriegsgefangenen.
Bei den Nordgermanen
opferten zuweilen Könige ihre
Kinder, um dadurch ihr Leben zu verlängern;
Völker gaben ihren König dem
Tode preis, um dadurch
Mißwachs zu vertreiben. Noch bis heute haben sich im Volksaberglauben
Erinnerungen an alte
Menschenopfer forterhalten.
(S. Einmauerung.)
Über die
Menschenopfer bei den alten Mexikanern s. d. In
Afrika
[* 5] hat erst die neueste Zeit den massenhaften in Dahome
(s. d.),
Uganda u. a. O. ein Ende gemacht. - Auch die
Witwenverbrennung oder -Erwürgung zur Leichenfeier des Gatten ist
Menschenopfer, das
sich in dieser Form namentlich in
Indien erhalten hat.
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