Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03293.jsonl.gz/780

Jugendarbeitslosigkeit
Zielsetzung
Basel-Stadt war Ende 2005 mit einer hohen Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (16 bis 25 Jahre alt) konfrontiert. Ihr Anteil an der Sozialhilfequote war mit 12,2 % (2005) sehr hoch. Die Analyse ergab, dass aufgrund struktureller Probleme Hunderte von jungen Erwachsenen in der Arbeitswelt nicht Fuss fassen konnten und Gefahr liefen, langfristig auf die Sozialhilfe angewiesen zu sein. Zwar leistete der Staat in verschiedenen Bereichen zusammen mit privaten Institutionen bereits sehr viel auf diesem Gebiet. Es fehlte aber eine koordinierende Gesamtsicht über die Aktivitäten und es fehlen neue oder erweiterte Massnahmen.
Der Regierungsrat setzte eine interdepartementale Strategiegruppe ein und gab ihr den Auftrag, ein umfassendes Massnahmenkonzept zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit zu entwickeln. Verschiedene Massnahmen sollen mit einer strategischen Gesamtoptik entlang der drei Handlungsfelder der (Vor-) Schule, der Übergänge in die Berufsbildung und Arbeitswelt und der beruflichen Desintegration bei den jungen Erwachsenen die Arbeitslosigkeit substanziell reduzieren.
Konzeptphase 2006 - 2012
Anfang November 2006 wurde das von der Strategiegruppe erarbeitete Gesamtkonzept zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit verabschiedet. Für die drei Handlungsfelder (Vor-)Schule, Übergänge von der Schule in die Berufsbildung und die Arbeitswelt sowie berufliche Desintegration beschloss der Regierungsrat je einen umfassenden Massnahmenkatalog, bei dessen Umsetzung alle Fachdepartemente mit einbezogen sind.
Seit 2009 ist die Leitung der Strategiegruppe beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Die Strategiegruppe hat die "Regierungsrätliche Delegation Jugendarbeitslosigkeit" mit den Vorstehern des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, des Erziehungsdepartements und des Präsidialdepartements.
Konsolidierungsphase 2013 - 2016
Die Strategie 2013 - 2016 fokussiert auf den nach wie vor heiklen Übergang von der Schule in die Berufsausbildung. Daher sollen die künftigen Massnahmen weiterhin an dieser Stelle ansetzen und dabei auch auf den Bedarf der Migrationsbevölkerung ausgerichtet werden. Als zweiten Schwerpunkt enthält die Strategie auch eine eigentliche Ausbildungsoffensive für Personen im Alter von 25 bis 40 Jahren, welche heute keinen Berufsabschluss haben und von der Sozialhilfe unterstützt werden müssen.
Auf Grundlage der Gesamtstrategie 2013 - 2016 liess die Strategiegruppe Jugendarbeitslosigkeit ein Konzept für ein Pilotprojekt „Nachholbildung für Menschen aus der Sozialhilfe" entwickeln. Mit dem Pilotprojekt soll die Nachholbildung für Personen ohne Berufsabschluss im Alterssegment von 25 bis 40 Jahren gezielt gefördert werden, damit ein qualifizierender Berufsabschluss erreicht wird. Die ersten Ergebnisse sind ermutigend: Momentan befinden sich 46 Personen aus der Sozialhilfe in einer beruflichen Grundbildung. Vier Personen konnten im Sommer 2016 ihre Ausbildung abschliessen und eine Arbeitsstelle antreten. Diese Erfolge bestätigen auch die Ergebnisse der externen Evaluation. Nach der Pilotphase entschied der Regierungsrat im Oktober 2016, die Nachholbildung in eine fünfjährige Projektphase zu überführen. Die Kosten von jährlich 249`000 Franken übernimmt der Fonds zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
Aktuell
In den nächsten vier Jahren bildet die verstärkte Beteiligung von jungen Migrantinnen und Migranten an der Berufsbildung den Schwerpunkt. Im Januar 2017 beauftragte der Regierungsrat die Strategiegruppe Jugendarbeitslosigkeit, ein entsprechendes Konzept umzusetzen. Im Kern geht es um die Fragestellung «eines bedarfsgerechten Zugangs» von Späteingereisten in die berufliche Grundbildung und in die weiterführenden Bildungsangebote des Kantons. Die Ausgestaltung und Zugangsstrukturen der bestehenden Angebote entsprechen in vielen Fällen den heutigen Herausforderungen nicht oder nicht mehr.
Im Fokus stehen drei Hauptgruppen: Junge aus der EU Süd, besonders aus Portugal, zum Partner zuziehende junge Frauen aus Drittstaaten, insbesondere aus dem Westbalkan und der Türkei, sowie Personen aus dem Asylbereich, inklusive Familiennachzug. Da von den Personen im Asylprozess wahrscheinlich der grösste Teil keine in der Schweiz anerkannte Ausbildung hat, sind in den letzten fünf Jahren rund 500 unter 25-jährige Späteingereiste ohne anerkannten Ausbildungsabschluss in den Kanton Basel-Stadt gezogen. Auf der strategischen Grundlage von fünf Handlungsfeldern sind elf Massnahmen zur Umsetzung entwickelt worden. Die Finanzierung erfolgt über den Fonds zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
Die Auswertung der letzten Jahre zeigt, dass das Massnahmenpaket zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu erfolgreichen Entwicklungen führte: Die Jugendarbeitslosigkeit verringerte sich deutlich: Von 6.0 Prozent im Januar 2006 auf 3.0 Prozent im Mai 2012; der Stand Ende Februar 2017 erreicht 4.5 Prozent (wobei ab Juni 2012 die Berechnungsgrundlagen für die Quote geändert wurden).
(Aktualisierung 23.03.17)