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Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Tom Felton: Was machen eigentlich die anderen «Harry Potter»-Stars?: Die Harry-Potter-Kinder sind erwachsen geworden
Emma Watson, zwei Jahre ist es her, seit die letzte Klappe zum «Harry Potter»-Finale fiel. Wie haben Sie die Potter-freie Zeit erlebt?
Ich bin viel gereist, habe in Pittsburgh, Los Angeles und New Orleans Filme gedreht. Und jetzt habe ich gerade drei Drehwochen in Island hinter mir. Es war alles sehr aufregend und nervenaufreibend, denn obwohl ich jahrelange Filmerfahrung habe, bin ich eigentlich ein Neuling, was Castings und Crew-Wechsel betrifft.
Haben Sie inzwischen auch Ihr Studium abgeschlossen?
Ich habe drei weitere Semester Englisch in Oxford studiert. Das letzte nehme ich im Frühjahr 2013 in Angriff. Dann bin ich endlich fertig!
Ihre Jugend war von «Harry Potter» geprägt. Haben Sie nun im Teenager-Drama «The Perks of Being a Wallflower» quasi eine normale Schulzeit nachzuholen versucht?
Meine Eltern bestanden darauf, dass ich während der «Harry Potter»-Zeit nicht nur Privatlehrer habe, sondern ab und zu auch in eine Klasse gehe. Ganz fremd ist mir eine normale Schule also nicht, auch wenn ich nicht immer da war. Ausserdem: Zwei meiner besten Freundinnen habe ich in der Schule kennengelernt. Das Drehen dieses Films fühlte sich jedoch tatsächlich wie eine beschleunigte Adoleszenz an. Alles, was ich im wirklichen Leben verpasst habe, habe ich hier innerhalb von sieben Wochen nachgeholt, beispielsweise die Bälle und die Schulsportveranstaltungen.
Kamen Sie sich als prominente Schülerin an Ihrer eigenen Schule manchmal seltsam vor?
Ich fühlte mich schon etwas isoliert durch die Aufmerksamkeit, die mir «Harry Potter» eingebracht hatte. Ich kann mich also durchaus mit dem Wunsch vieler Jugendlicher identifizieren, von den anderen akzeptiert zu werden und irgendwo dazuzugehören.
Dabei ist die Jugend doch auch eine Zeit der Persönlichkeitsentfaltung. Man will sich abgrenzen, nicht angepasst sein. Hatten Sie keine wilden Zeiten?
Die wilden Zeiten kamen eher später. Zum Beispiel beim Drehen dieses Films in Pittsburgh. Die Hotelzimmer der Schauspieler waren alle auf demselben Stock und miteinander verbunden. Wir verwandelten das ganze Erdgeschoss quasi in eine Hippiekommune – wir rannten herum, es wurde bis in die frühen Morgenstunden Gitarre gespielt, und wir tauschten sogar Socken untereinander aus. Ich weiss nicht, warum wir deswegen nicht mehr Ärger bekommen haben, aber für mich wars Freiheit pur!
Inzwischen haben Sie sicher auch den ersten Herzschmerz hinter sich. Wie haben Sie den überstanden?
Ich stellte mir die Liebe schicksalhaft und romantisch vor. Wie bei Romeo und Julia: Man würde viel leiden und wäre ein Opfer in der ganzen Geschichte. Schliesslich lief es ja in keiner Shakespeare-Erzählung richtig rund. Als ich dann das Buch «The Perks of Being a Wallflower» las, musste ich weinen. Denn mir wurde klar: So muss es nicht sein. Eigentlich darf es so gar nicht sein! Man muss in der Liebe kein Opfer sein, sondern kann entscheiden, an wen man sein Herz verschenkt. Im Buch heisst es ja, man akzeptiere die Liebe, von der man denke, dass man sie verdiene. Ich finde, das stimmt. Es mag nach einem Klischee klingen, aber erst wenn man sich selber versteht, wird man auch diejenigen Menschen anziehen, die richtig für einen sind.
Fühlen Sie sich manchmal einsam, wenn Sie so um die Welt jetten?
Jeder fühlt sich manchmal einsam. Das gehört zum menschlichen Dasein. Aber ich habe ein paar gute Freundinnen, für die es keine Rolle spielt, wie lange wir uns nicht gesehen haben; wir finden immer wieder gleich den Draht zueinander. Drei sind für die Toronto-Premiere von «The Perks of Being a Wallflower» eingeflogen, obwohl sie bereits bei einem Screening hysterisch geheult hatten, weil der Film sie so mitgenommen hat. Aber sie wissen, wie viel mir der Film bedeutet, und haben mich deshalb nochmals unterstützt.
Ich wollte eine Identität jenseits von Hermine finden.
Apropos Premiere: Sie sind inzwischen zu einer Stilikone auf dem roten Teppich herangereift. Wie fühlen Sie sich in dieser Rolle?
Ich finde es schön, dass man mir den Raum gibt, mich zu entfalten und andere Facetten zu zeigen, als man sie all die Jahre über von mir gewohnt war. Natürlich bin ich etwas überwältigt, wie sehr mein Stil oder meine Outfits unter die Lupe genommen werden. Aber allgemein sind die Reaktionen ja schmeichelnd.
Vor allem der Kurzhaarschnitt hat so manche Zeitungsseite gefüllt ...
Ja, seit ich 15 war, träumte ich davon, mir die Haare schneiden zu lassen, damit ich auch äusserlich eine Identität jenseits von Hermine finden konnte. Aber jetzt lasse ich sie wieder wachsen, denn viele Rollen erfordern längere Haare.
Stimmt es, dass Sie in der Verfilmung des «Mommie Porn»-Bestsellers «50 Shades of Grey» mitspielen wollen?
Ein typisches Internetgerücht: Jemand schreibt was, und es wird so lange wiederholt, bis es wahr erscheint. Ich habe weder das Buch gelesen noch ein Script oder eine Offerte bekommen. Ich kann also nicht mal sagen, ob ich interessiert wäre, bei diesem Projekt mitzuarbeiten.
Derzeit drehen Sie den biblischen Film «Noah» – wieder mit Logan Lerman aus «Perks of Being a Wallflower». Die Chemie zwischen Ihnen scheint zu stimmen ...
Ja, das wird auch der Regisseur Darren Aronofsky gedacht haben. Es ist eine grosse Hilfe, wenn bei einem so grossen Projekt, an dem Russell Crowe und Sir Anthony Hopkins beteiligt sind, ein guter Freund auf dem Set dabei ist, dem man vertrauen kann. Ich hoffe, noch oft mit Logan und Ezra aus «Perks of Being a Wallflower» zu arbeiten. Beide sind spezielle Menschen und tolle Schauspieler.
Haben Sie das gemacht?
Ich habe für Sofia an der Stange getanzt (lacht). Nein, Quatsch. Ich habe sie einfach mit E-Mails bombardiert und ihr gesagt, dass ich das könne und das Drehbuch wirklich genial fände.
Sie tanzen normalerweise also nicht an einer Stange und trinken keine Entschlackungssäfte. Was machen Sie denn in Ihrer Freizeit?
Ich male und zeichne. Ich tanze ein bisschen und treffe Freunde. Ich höre Musik: Mumford & Sons, isländische Künstler – allerlei, was immer ich gerade um mich herum höre oder man mir empfiehlt. Abwechslung muss sein, sonst verpufft die Kreativität im Nu. Ich schaue mir auch viele Filme an, denn meine Filmkenntnisse sind noch längst nicht da, wo sie sein sollten. In diesem Punkt habe ich noch einiges vor mir.
Autor: Marlène von Arx