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Mitte Juli war ich an einem Wochenende in Sibiu. Die Stadt in Rumänien hiess früher Hermannstadt und war das Zentrum von Siebenbürgen. Heute leben dort nur noch etwa 2000 Deutschstämmige. Die Mehrzahl von ihnen, um 20 000, ist nach dem Fall der Berliner Mauer nach Deutschland gezogen. Seit dem Untergang des kommunistischen Regimes versucht Rumänien, Anschluss an westeuropäische Standards zu finden, was sich als schwieriger Weg erweist. Korruption und Amtsmissbrauch bestimmen noch heute den Alltag. Das wird auch im kleinen Flughafen von Sibiu auf eine besondere Weise sichtbar. In der Abflug- und Ankunftshalle gibt es ein kleines Café, eine kleine Getränkebar und einen Kiosk. In das einzige betretbare Geschäft dürfen Passagiere aber nicht hineingehen. Auf dem Schaufenster steht in grossen Buchstaben geschrieben: «Crew only». Wer einen Blick durch die offene Tür erhaschen kann, entdeckt im Crew-Laden eine Fülle von Spirituosen, Parfüms, Zigaretten, Kleidern und Esswaren. Aber eben: nur für die Crew. Konkret, für die rumänische Crew, denn das Personal der Flieger aus Deutschland, Österreich usw. verlässt die Flugzeuge zwischen Landung und Start nicht.
Anton Ladner