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Antigravitacija
Audrius Stonys
Litauen, 20 min
In einem Dorf in Litauen blickt eine Frau in die Kamera und sagt ein Gedicht auf. Etwas später steigt sie auf einer schwindelerregend hohen Leiter bis zum Dach der Kirche wie dieser Mann, der einen Fabrikschornstein erklimmt. Den Ausgangspunkt des zweiten Kurzfilms von Audrius Stonys bildet erneut eine Reihe von Fragen, die er in zwei Sätzen zusammenfasst: «Wie sieht die Welt aus, wenn man sie von einem Kirchendach aus betrachtet? Was hält die zwischen Himmel und Erde schwebenden Menschen?» Und wie so oft bei Stonys, gibt es auch hier keine endgültige Antwort: Der Film ist nur ein perzeptorisches Instrument, ein bescheidenes Werkzeug für den Versuch, die Realität aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Die Kamerabewegungen wirken leicht wie der Schnee, der alles bedeckt und mit dem die Kinder spielen. Durch die Befreiung von den Gesetzen der Schwerkraft erhalten wir die göttliche Fähigkeit, den Kosmos, so klein er auch sein mag, entlang einer vertikalen Achse zu betrachten. Tarkowski, den Stonys bewundert, ist nie fern und jede Einstellung von Antigravitation enthält im Keim die Möglichkeit des Falls.
Emmanuel Chicon