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Vorurteile überlisten
von Elisabeth Michel-Alder
Anonymisierte Bewerbungsverfahren bereichern das Kandidatenfeld
Toll, die Geschichte des 53jährigen Sachbearbeiters S.M, der in der "ZEIT" erzählt, wie er als Sehbehinderter nach einem Arbeitsunfall und Umschulung zu seinem neuen Job kam. Die Bewerbung erfolgte anonymisiert. Heisst: stark standardisiert. Name, Adresse, Foto, Alter entfielen. Zu beschreiben waren Qualifikationen, Berufserfahrung, Aus- und Weiterbildungen sowie Einstellungen. 65 frühere traditionelle Bewerbungen von M. waren ohne Echo geblieben; diese eine öffnete ihm die Tür zum Vorstellungsgespräch. Da überzeugte er und konnte beiläufig die Hilfsmittel zeigen, auf die er zur Entfaltung seiner vollen leistungsfähigkeit angewiesen ist.
Im öffentlichen Sektor in Belgien wird nur anonymisiert ausgeschrieben. Wissenschaftliche Studien bringen an den Tag, dass sich das Kandidierendenfeld dabei qualitativ und quantitativ erweitert. Das Reservoir an Talenten ist offenbar grösser als ursprünglich angenommen.
Welche Unternehmen hierzulande wären für ein Pilotprojekt mit solchen Verfahren - zunächst bei der Rekrutierung von Fachkräften - bereit?