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|WASSER. Wir brauchen es auf dem Tisch zum Trinken, in der Küche zum Kochen, im Badzimmer zum Waschen, ja sogar zum Spülen des Klosetts. Eine Selbstverständlichkeit. Bewusst an Wasser denken wir meist erst, wenn es dessen zu viel gibt: bei starkem Regen, bei Überschwemmungen. Oder wenn es davon zu wenig gibt: bei einer mehrtägigen oder gar mehrwöchigen Trockenperiode im Hochsommer.|

Aber denken wir auch daran, dass es Millionen von Menschen gibt, für die Wasser keine Selbstverständlichkeit ist? Die Mangel an Wasser haben? Die sich nach Wasser so sehnen, jeden Tag, oft ohne Aussicht darauf, es zu bekommen?

Auf meinen vielen Reisen rund um die Welt war ich auch einmal im Süden Brasiliens. Ich hörte dort vom „Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra“, von der Bewegung der Landarbeiter ohne Land, und beschloss, eine Siedlung solcher Landarbeiter zu besuchen, um mit eigenen Augen zu sehen, wie diese Menschen leben – leben müssen. Dank einer Hilfsorganisation der Lutherischen Kirche von Curitiba konnte ich dann im Bundesstaat Santa Catarina das Acampamento Eré und im Bundesstaat Parana das Assentamento Reserva besuchen und einige Tage dort bleiben.

Das Assentamento Reserva, was etwa soviel wie „improvisierte Besiedlung“ heisst, werde ich nie mehr vergessen. Etwa 600 Menschen lebten dort in selbst gebauten Hütten aus kleinen Baumstämmen und Baumästen, die mit schwarzer Plastikfolie überdeckt waren, als Schutz gegen die gleissende Sonne und die gelegentlichen subtropischen Regengüsse.
|Es waren Kleinbauern, die wegen des Baus eines Stauwehres mit einem riesigen Stausee ihre angestammten Felder zur landwirtschaftlichen Bebauung verloren hatten und, entgegen allen Versprechungen, kein neues Land zugewiesen bekommen haben.|
|Die Bilder, die ich dort gemacht habe, sprechen für sich.|
|Das kleine Wasserloch musste tagelang für die 600 Bewohner des Camps ausreichen. Aus dem Boden floss nur wenig Wasser nach. Und nur sehr unregelmässig kam aus einem nahen Dorf noch ein Lastwagen, der zusätzliches Trinkwasser herbeibrachte. Unvergesslich blieben mir auch die dortigen Frauen, die trotz dem grossen Mangel an sauberem Wasser versuchten, ihre Wäsche zu waschen. Für sie war „saubere“ Wäsche das bisschen „Kultur“, das sie in ihrem Elend aufrecht zu erhalten versuchten.|
|Die UNO hat das Jahr 2013 zum Jahr des Wassers erklärt. Das soll uns veranlassen, mehr an unser Paradies mit dem vielen sauberen Wasser zu denken. Vor allem aber auch an jene, die jeden Tag um sauberes Wasser kämpfen müssen, dafür betteln müssen, und kaum Aussicht darauf haben, ausreichend von diesem wertvollsten Nass zu bekommen. WASSER. Wir wissen gar nicht, wie reich wir sind – dank genügend Wasser.|
|Christian Müller (Text und Bild)|
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