Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03121.jsonl.gz/1208

Vietnamesisch
In der Romandie haben vietnamesische Priester in den Pfarreien die Seelsorge übernommen. Für den Rest der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein wird die Seelsorge durch den beauftragten vietnamesischen Seelsorger koordiniert.
Geschichte der Mission und Migration
Nachdem sich der Kommunismus am 30. April 1975 über Südvietnam ausgebreitet hatte, versuchten viele Vietnamesen ihr Land zu verlassen, was die Tragödie der Boatpeople (Bootsflüchtlinge) in den Meeren Indochinas auslöste. Die Schweiz nahm zwischen 1978 und 1982 aus humanitären Gründen rund zehntausend Personen aus den Flüchtlingslagern Asiens auf.
1980 war Bischof Anton Hänggi Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz. Er ernannte Pater Joseph Pham Minh Van zum Seelsorger für die neue katholische Vietnamesen-Mission Schweiz, mit Sitz in Fribourg. Die Flüchtlinge benötigten neben materieller und sozialer Unterstützung auch spirituelle Führung. Es ergab sich eine Zusammenarbeit zwischen Mission, Caritas Schweiz und andern Hilfswerken. Die gewaltigen kulturellen Unterschiede riefen nach Begleitung und nach Übersetzern nicht nur sprachlicher, sondern auch kultureller Art. Dazu eigneten sich bereits in der Schweiz integrierte Landsleute, die Sprache und Lebensweise der neuen Heimat kannten. 1981 wurde Pater Joseph Nguyen Van Sinh zum zweiten Seelsorger ernannt und der Missions-Sitz ins zentrale Olten verlegt, um die in der ganzen Schweiz verstreuten Flüchtlinge zu erreichen. 1986, angesichts der besonders in der Westschweiz gestiegenen Flüchtlingszahlen, teilten sich die beiden Seelsorger nach Sprachgebiet auf, um den Erwartungen und Bedürfnissen noch effizienter gerecht zu werden. Seit 2011 betreuen 3 Priester, die in Territorialpfarreien angestellt sind, die Vietnamesen in der Romandie.
Die katholische Vietnamesen-Mission Schweiz zählt rund 4500 Katholiken. Sie bilden neun Gemeinschaften in der Deutschschweiz (Basel, Bern, Liechtenstein, Luzern, Solothurn, St. Gallen, Tessin, Wattwil, Zürich) und vier in der Westschweiz (Fribourg, Genf, Lausanne und Vevey).
Pastorales Angebot und Situation
Die vietnamesische Seelsorgestelle umfasst die ganze Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein. Viele Vietnamesen sind als Flüchtlinge in den 70er und 80er Jahre in die Schweiz gekommen. Auch die zweite Generation nimmt am Leben der Gemeinschaft teil, und trägt vermehrt Verantwortung in der Organisation des religiösen Lebens. Die vietnamesischen Priester sind auch Vertrauenspersonen für nicht-christliche Vietnamesen.
Die vietnamesischen Seelsorger feiern die Gottesdienste an 13 Orten. An jedem Gottesdienstort gibt es jeweils eine Gemeinschaft mit einem Pastoralrat, der aus 5-7 Personen besteht. Der Missionar stellt eine wachsende Teilnahme der Vietnamesen am Leben der Ortspfarreien wahr. Der Wunsch der Gläubigen nach einer eigenen Seelsorge ist aber nicht vermindert, vor allem auch für die Spendung der Sakramente. Es gibt eine hohe Zahl von Beichtenden. An allen Gottesdienstorten gibt es eine Gruppe von Ministranten, teilweise auch Chöre. Der Missionar hat mit dem steigenden Alter immer mehr Mühe die vielen Reisen zu bewältigen, da die Gemeinschaften weit verstreut sind. Monatlich wird ein Missionsbüchlein mit Informationen und geistlichen Texten an die Gläubigen verschickt.
Neben Ehevorbereitungen führt der Missionar Taufvorbereitungsgespräche für Kinder und Erwachsene durch. Immer wieder kommt es zu Konversionen von vietnamesisch-buddhistischen Familien. Regelmässig gibt es regionale Treffen mit den Jugendlichen, mit den lokalen Pastoralräten und den Gläubigen. Gesamtschweizerische Aktivitäten sind Wallfahrten, Einkehrtage, die kirchlichen Hochfeste, das asiatische Neujahrsfest und der Jahrestag der 118 vietnamesischen Märtyrer. Hinzukommen Besuche von alten und kranken Menschen, wie auch von Familien in Schwierigkeiten.
Als eines der grössten Probleme bezeichnet der Missionar den Zerfall der Familien aufgrund der neuen sozialen und materiellen Realität. Die Zahl der Scheidungen innerhalb der Gemeinschaft steigt. Zur Zeit leben etwa 15-20% der Familien getrennt.