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Die Andamanen – verwunschenes Paradies im Indischen Ozean
Während die Malediven oder Seychellen inzwischen längst als bekannte Destinationen für exklusiven Tourismus im Indischen Ozean gelten, sind die zu Indien gehörenden Andamanen in dieser Hinsicht bisher nur wenig erschlossen.
Gerade das macht sie zu einem Geheimtipp für alle, die noch unberührte Traumstrände in einer faszinierenden tropischen Inselwelt suchen.
Wer die Andamanen besucht, darf keine ausgebaute touristische Infrastruktur erwarten. Die Inseln sind überhaupt nur zum Teil für Reisende zugänglich. Die Ursprünglichkeit der Landschaft und ihrer Bewohner wiegt das aber mehr als auf.
Ehemalige britische Strafkolonie
Die Andamanen und das benachbarte Archipel der Nikobaren bilden ein abgelegenes Stück Indien. Weit entfernt von der Landmasse des riesigen Subkontinents breiten sich die Inseln als einsame Landtupfer zwischen dem Golf von Bengalen und der Andamanensee – zwei Randgebieten des Indischen Ozeans – aus. Indonesien, Birma und Thailand mit der Strasse von Malakka liegen hier wesentlich näher als das indische Mutterland. Insgesamt 204 Inseln mit gut 300’000 Bewohnern umfasst der Andamanen-Archipel. Etwa ein Drittel von diesen lebt in der Hauptstadt Port Blair auf South Andaman Island, wo sich rund 60 % der Bevölkerung angesiedelt haben. Viele andere Eilande des Archipels sind kaum oder gar nicht bewohnt.
Aufgrund ihrer abgelegenen Position führten die Inseln lange ein Schattendasein. Zwar war die Existenz der Inselgruppe bereits den Arabern und auch im mittelalterlichen Europa bekannt. Doch Genaues wusste man nicht. Dafür rankten sich zum Teil fantastische Geschichten um die Andamanen. Im sogenannten Pariser „Buch der Wunder“ aus dem 15. Jahrhundert werden sie als Heimat wolfsköpfiger Menschen vorgestellt. Da der Archipel weder wertvolle Gewürze noch sonst interessante Handelsgüter bot, blieben die Andamanen auch im Zeitalter der Entdeckungen weitgehend unberührt.
Erst die Engländer errichteten Ende des 18. Jahrhunderts im heutigen Port Blair einen Marinestützpunkt, der aber bald wieder aufgegeben wurde. Im 19. Jahrhundert nutzten die britischen Kolonialherren die Inselgruppe als Strafkolonie für aufständische Inder. Die Andamanen galten als Ort der Verbannung und Strafe für politische Gefangene. Das Zellengefängnis (Cellular Jail) in Port Blair ist bis heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten. Es galt während der gesamten Zeit seiner Nutzung als ein berüchtigter Ort und befand sich nahezu bis zum Ende der britischen Herrschaft in Betrieb.
Dringend notwendig: Schutz der Ureinwohner
Heute sind diese Zeiten zum Glück vorbei. Und die Andamanen beginnen langsam, sich dem Tourismus zu öffnen. Allerdings bleiben Reiseaktivitäten auf bestimmte Gebiete beschränkt. Neben den Hauptinseln South, Middle und North Andaman Island können nur Havelock Island, Little Andaman und Long Island für längere Aufenthalte genutzt werden. Andere Inseln sind immerhin für Tagesausflüge zugänglich, andere dagegen gar nicht. Die benachbarten Nikobaren sind für Touristen ganz verschlossen.
Diese Verbotszonen und Beschränkungen haben einen guten Grund: Auf den Inseln leben noch einige indigene Völker, deren Ursprünge bis in die Anfänge menschlicher Besiedlung Asiens zurückreichen. Manche von ihnen wie die Sentilesen lehnen bis heute jeden Kontakt mit der modernen Zivilisation ab und verhalten sich Fremden gegenüber geradezu feindselig. Diese Urbevölkerung der Andamanen ist aufs Höchste bedroht. Lange durch Verfolgung und eingeschleppte Krankheiten dezimiert, ist ihre Zahl heute auf wenige Hundert Menschen geschrumpft; einige Stämme sind bereits ganz ausgestorben, andere stehen kurz davor. Schutz und Abschottung sind daher notwendig und dienen den Ureinwohnern wie den Reisenden gleichermassen.
Havelock – am schönsten Strand Asiens
Die Insel, die sich bisher am aufgeschlossensten für Tourismus zeigt, ist zweifelsohne Havelock. Das östlich von South Andaman Island gelegene Eiland erfüllt alle Klischees einer Tropeninsel mit noch weitgehend unberührten Sandstränden, Regenwäldern und Mangroven. Bei der touristischen Entwicklung setzt man auf Nachhaltigkeit. Ein Ziel für Massentourismus soll Havelock niemals werden. Dafür hat sich die Insel als Ort für Flitterwochen herumgesprochen. Immerhin sind im Lauf der Jahre auf Havelock etliche kleinere Resorts entstanden, die einfachen bis gehobenen Ansprüchen genügen. Auch einige Restaurants existieren, die alles bieten, was die umliegende Andamanensee hergibt.
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Die Attraktion von Havelock sind seine Strände, was deren etwas fantasielose Durchnummerierung nicht unbedingt erahnen lässt. Der Strand Nummer 7 – auch Radha Nagar Beach genannt – wurde immerhin 2004 vom Time-Magazin zum schönsten Strand Asiens erkoren. Schönheiten sind aber auch die anderen Strände Havelocks. Als besonderes Highlight gilt der Elephant Beach, der nur über einen Dschungelweg zu erreichen ist. Hier locken traumhafte Korallenriffe im seichten Wasser. Die bunte und faszinierende Unterwasserwelt steht dabei auch ungeübten Tauchern und Schnorchlern offen. Von Havelock aus lassen sich gut Tagestouren zu den benachbarten Inseln des Ritchies-Archipels unternehmen. Hier geht es noch einsamer zu als auf Havelock selbst.
Little Andaman und Long Island
Touristisch relativ gut erschlossen ist auch Little Andaman. Die Insel liegt einige Dutzend Kilometer südlich von South Andaman Island und wird von den drei Hauptinseln durch die sogenannte Duncan Passage getrennt. Auf der Insel lebt noch der Stamm der Onge, der zur Urbevölkerung der Andamanen gehört. Die wenigen Dutzend Stammesangehörigen verteilen sich auf zwei Siedlungen im Norden und Süden – ein abgeschlossenes Gebiet. Little Andaman gilt auch als Refugium für einige seltene Arten von Meeresschildkröten, die hier ihre Eier ablegen.
Die Insel wird fast vollständig von Regenwald bedeckt, nur im östlichen Teil existieren ein paar Pflanzungen. Einige Jahre wurde versucht, den Wald zu roden, dann hat sich Indien aber eines Besseren besonnen und diesen Plan aufgegeben. Im Inselinneren gibt es idyllische Wasserläufe und Wasserfälle, die von Reisenden gerne besucht werden.
Zu den Attraktionen von Little Andaman gehören Elefanten-Safaris durch die Dschungelwelt. Ursprünglich sollten die Tiere bei der Rodung und der Anlage von Pflanzungen eingesetzt werden. Touristen-Safaris sind das neue Geschäftsmodell. Von den Stränden der Insel gilt der von Butler Bay als der schönste. Die Bucht ist insbesondere bei Surfern besonders beliebt. Nicht weniger interessant sind die Korallenriffe, die auch hier zum Tauchen und Schnorcheln einladen. Auf Little Andaman gibt es einige wenige Hotels und Unterkünfte, Camping ist ebenfalls möglich.
Nahezu unerschlossen, aber besuchbar ist Long Island. Die kleine Insel vor der Ostküste von Middle Andaman Island besitzt nur ein Dorf und ein einziges, recht einfaches Hotel. Dafür ist die Natur hier besonders unberührt. Das Innere der Insel, das ebenfalls von Regenwald bedeckt ist, wurde bisher nicht einmal richtig kartografiert. Auch auf Long Island gibt es Traumstrände, die der Entdeckung harren. Die Insel ist ein Ziel, bei dem der Abenteuer-Charakter eines Andamanen-Aufenthaltes besonders hervortritt. Ansonsten ist hier Abschalten von Stress und Hektik moderner Zivilisation angesagt.
Port Blair als Durchgangsstation
Der Weg auf die Andamanen führt über Port Blair, das von Indien aus mit Flugverbindungen von Madras oder Kalkutta erreichbar ist. Von der Hauptstadt der Andamanen geht es dann weiter per Schiff zum gewählten Ziel. Ein längerer Aufenthalt in Port Blair lohnt nicht. Das Cellular Jail bildet die weitgehend einzige Sehenswürdigkeit der Stadt, die ansonsten ein quirliger, aber nicht unbedingt schöner Ort ist.
Früher wurde für eine Andamanen-Reise eine extra Aufenthaltsgenehmigung benötigt. Diese Hürde ist inzwischen gefallen. Bürokratisch steht damit einer Reise auf die Andamanen nichts mehr im Wege.
Artikelbild: © Curioso – shutterstock.com