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Dieses Album hat das Zeug, zu einer der Überraschungen des Jahres zu avancieren! Nicht nur wegen des spannenden Konzeptes, sondern vor allem auch wegen eines der aufregendsten jungen Talente auf den internationalen Dirigentenpulten - dem jungen spanischen Maestro Pablo Heras-Casado. Dieses Album soll Farinellis Leistungen als Impresario unterstreichen und zeigen, wie gross sein Einfluss auf die Musik Spaniens war. Doch es wäre nicht vollständig ohne etwas von dem Balsam, mit dem der Sänger Farinelli die Leiden des spanischen Königs zu lindern versuchte - Porporas Arie »Alto Giove« zum Beispiel, hier gesungen von Countertenor Bejun Mehta, war eines der Stücke, die bei jenen Musikabenden zu hören waren.
Rezension
Die erste Aufnahme für das Alte-Musik-Label Archiv Produktion von Pablo Heras-Casado gleicht einem Donnerknall. Der wandlungsfähige 36-jährige spanische Dirigent eröffnet seine Rolle als Botschafter des Labels mit einer neue Sicht auf den Sänger Farinelli, nachdem erst im März seine Einspielung der zweiten Sinfonie von Felix Mendelssohn erschienen war (harmonia mundi). Denn zwar ist die Londoner Zeit des Kastraten durch die Werke, die während seiner Zusammenarbeit mit seinem Lehrer Porpora entstanden, und die Verfilmung von Gérard Corbiau 1994 auch einem grösseren Publikum bekannt. Doch dass Farinelli im Alter von 32 Jahren an den spanischen Hof kam, um dort exklusiv für Phillip V. Nacht für Nacht die gleichen sechs Lieder zu singen und nach dessen Tod mehr als zehn Jahre lang Künstlerischer Direktor der Theater am Palacio del Buen Retiro in Madrid sowie am Palacio Real von Aranjuez war, weiss kaum jemand. Pablo Heras-Casado schaut nun auf diese zweite Seite des Künstlers als Unternehmer, Dirigent und Impresario und wollte eben nicht noch ein Gesangsalbum zum Thema Farinelli abliefern. "Farinelli ist der Star dieses Albums", sagt Pablo Heras-Casado, doch er versucht sich dem Sänger vor allem durch Orchesterwerke zu nähern. Nach der Forschungsarbeit des Musikwissenschaftlers Olivier Fouré fanden Arbeiten von bekannteren Komponisten wie Nicola Porpora, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Adolf Hasse und José de Nebra auf die CD, aber auch von Nicola Conforto, Francesco Corradini, Juan Marcolini und Niccolò Jommelli. Als Dirigent gibt Pablo Heras-Casado einen frischen Blick auf die Ouvertüren, Sinfonias und Tänze, den das Concerto Köln mit ansteckendem Enthusiasmus umsetzt. Als Zugeständnis an Farinelli-Fans findet sich dann aber doch noch Gesang auf dem Album: Porporas berühmte Arie "Alto Giove" aus "Polifemo", gesungen vom Countertenor Bejun Mehta, darf natürlich nicht fehlen. Ein Highlight ist allerdings der Fandango "Tempest Grande" aus der Zarzuela "Vendado Es Amor" von de Nebra, in dem Mehta sogar beide Stimmen singt. Birgit Schlinger (Quelle/Copyright: G+J Entertainment Media)