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werden kann, genügend
Wasser abzuführen vermag, um das Jouxthal vor jeder Ueberschwemmung sicher zu stellen, und die
Höhe
des Seespiegels zwischen 1005 m im Minimum und 1008,5 m im Maximum halten soll. Diese mit finanzieller Beihilfe des Bundes
vom November 1901 bis Dezember 1904 durchgeführte Arbeit hat zugleich die Möglichkeit zur Schaffung
einer beträchtlichen nutzbaren Wasserkraft gegeben. Der Kanal zweigt bei La Tornaz vom
Lac Brenet ab und führt durch einen 2632 m
langen
Tunnel zu dem am
Crêt des Alouettes (nö. vom Brenetsee) befindlichen Stauweier.
Der Kanal hat einen Querschnitt von etwa 5,7 m2 und ein gleichmässiges Gefälle von 3‰ und vermag
in der Sekunde etwa 20 m3Wasser abzuführen. Vom Stauweier oder Reservoir führt eine eiserne Röhrenleitung dem Elektrizitätswerk
La Dernier das benötigte Triebwasser zu, das einen reinen Fall von 234 m hat und eine Kraft von 3720-6740 PS liefert.
Das überschüssige
Wasser des Reservoirs fliesst durch zwei weitere eiserne Leitungen zur Orbe ab. Der
Fluss treibt ferner in
Vallorbe und Umgebung
(La Dernier, Les Éterpas etc.) verschiedene mechanische Werkstätten,
Schmieden
und andere Betriebe. In
La Dernier bei
Vallorbe ist auch eine Fischzuchtanstalt eingerichtet worden.
Es folgt die Schluchtenstrecke bis zur Stadt Orbe mit dem schönen
Wasserfall des
Saut duDay (grosse
Fabrik
zur Herstellung von chlorsaurem Kali), unterhalb welchem das die Bezirke
Yverdon und
Grandson mit Licht und Kraft versorgende
Elektrizitätswerk
Les Clées liegt und der die Fabriken von Orbe bedienende Kanal beginnt. Die der Orbe noch verbleibende
sog. Kraft des
Palier de
Montcherand wird von einem in der Orbeschlucht oberhalb des Dorfes
Montcherand
stehenden und 1904-1906 erbauten Werk nutzbar gemacht, dem das
Wasser mit einem Bruttofall von 98 m und einer Arbeitsleistung
von 2800 PS durch einen 3600 m langen
Stollen zugeführt wird. Die gewerblichen Betriebe des Dorfes
Ballaigues erhalten ebenfalls
Orbewasser, das durch mächtige Pumpwerke vom
Saut duDay zu einem oberhalb des Dorfes angelegten Reservoir
hinaufgehoben wird. In Orbe treibt der Fluss einige grosse
Mühlen.
Der dritte Abschnitt des Flusslaufes beginnt nach seinem Austritt aus den
Schluchten von
Le Day unterhalb der
Brücke von Orbe.
Vor dem Jahr 1860 pflegte die über ihren eigenen Schuttkegel fliessende Orbe oft über die Ufer zu treten
und die ganze
Ebeneunter Wasser zu setzen. Heute führt ein von Ufersicherungen begleiteter Kanal den Fluss mit gleichmässig
sanftem Gefälle in den
Neuenburgersee ab und schützt die
Ebene, die zusehends dem Wiederanbau gewonnen wird, vor jeder Ueberschwemmungsgefahr.
Die grössern Nebenarme, wie
Talent,
Nozon und
Mujon, sind ebenfalls korrigiert und kanalisiert worden,
während man zugleich auch den Querschnitt der beiden Entwässerungskanäle,
Canal Oriental und
Canal Occidental, beträchtlich
erweitert und die
Brinaz, den
Bey und den
Buron vollständig korrigiert und direkt in den
See geführt hat. Eine Schleuse gestattet,
eine gewisse Menge Wassers durch
Yverdon zu führen und dessen Kanäle und Abzugsgräben rein zu halten.
Alle diese sehr kostspieligen Arbeiten sind vom
Bund reichlich unterstützt worden. Infolge der Entwässerung der Sumpfebene
werden allmählig alle noch in
Yverdon bestehenden Mühlenanlagen eingehen.
Das Thal der Orbe ist ein mit Alluvionen überführtes Muldenthal. DieTobel und
Schluchten im höhern
Abschnitt des Unterlaufes sind in
Jura-, Neocom- und Tertiärschichten eingeschnitten.
Bibliographie.
Zu nennen sind in erster Linie die verschiedenen vom Baudepartement des Kantons Waadt
veröffentlichten Broschüren und Berichte, dann
die die Subvention der Entwässerungs- und Korrektionsarbeiten in der Orbeebene betreffende Botschaft der Bundesrates an
die eidgenössischen Räte, der Rapport des Ingenieurs Palaz
(Lausanne 1889) und eine vom Ingenieur C.
Perrin im Bulletin technique de la Suisse romande (Oktober 1904) veröffentlichte Studie.
Bezirk des Kantons Waadt.
Liegt im nw. Kantonsteil und grenzt im N. an den Bezirk
Grandson, im O. an die Bezirke Yverdon und
Échallens, im
S. an die Bezirke
Cossonay und La Vallée
und im NW. an Frankreich. 20950 ha Fläche und 15248 Ew., also 73 Ew. auf einen
km2. Er
ist einer der flächengrössten Bezirke des Kantons und zerfällt orographisch in vier ungleich grosse
Zonen: das
Bergland des
Jura, die subjurassischen Plateaux, die
Ebene der Orbesümpfe und den W.-Abfall des
Jorat.
Die beiden letzten dieser
Zonen sind zugleich die räumlich beschränktesten. Das Juragebirge weist hier mehrere nahezu parallel
SW.-NO. streichende Ketten auf. Deren nördlichste ist die Kette der
Aiguilles und des
Mont deBaulmes (1563 und 1205 m), die
die Grenze zwischen den Bezirken Orbe und Grandson
bildet und sich dann in diesem letztern weiter fortsetzt. Dann
folgt die den
Mont Risoux nach NO. fortsetzende Kette, die auf Schweizerboden die O.-Flanke des
Mont d'Or (1451 m) und, jenseits
des Einschnittes der
Jougnenaz, den Mont
Suchet (mit 1591 m der höchste Punkt des Bezirkes) umfasst und
in der Umgebung des Dorfes
Baulmes ausstreicht.
Die Zone der subjurassischen Plateaux (750-450 m) senkt sich langsam zur
Ebene der Orbesümpfe und endigt mit dem das Städtchen
Orbe und das Dorf
Arnex tragenden
Rücken. Neben dem tiefen
Tobel der Orbe wird sie noch von mehreren andern, weniger bedeutenden
Einschnitten gequert. Die Sumpfebene (445 m im Mittel) bildet eine 2-4 km breite und vollkommen horizontale
Fläche, die von der Orbe und ihren Nebenadern, sowie von einer grossen Anzahl von Kanälen durchzogen wird.
Oestl. dieser
Ebene umfasst der Bezirk Orbe endlich noch einen Teil der W.-Flanke und der westl. Gehängeterrassen des Berglandes
des
Jorat (445-615 m) mit einem Teilstück des tiefeingeschnittenen
Laufes des
Talent. In geologischpetrographischer
Hinsicht lässt sich der Bezirk einteilen in 1. das Gebiet des
Jura mit
Jura- und Neocomkalken, 2. das aus Neocom und tertiärer
Molasse bestehende und mit tonig-kiesigem Moränenmaterial überführte subjurassische
Plateau und 3. die Sumpfebene mit Alluvial-
und Torfboden.
Mit Ausnahme des Gebietes um
La Praz und eines Teiles der Nozonwasser gehört der Bezirk Orbe dem Einzugsgebiet des
Rhein an.
Neben der Orbe, seinem beträchtlichsten Wasserlauf, entspringen hier noch der
Mujon und die
Brinaz, die beide in den
Neuenburgersee
münden. Jener durchfliesst zwischen
Valeyres und
Rances ein kleines Thälchen und vereinigte sich einst
mit der Orbe, bis er dem
Canal Occidental zugeleitet wurde, mit dem er sich nun w. Yverdon
in den
See ergiesst. Die
Brinaz entspringt
mit drei Quellarmen auf Boden der Gemeinden
Baulmes und Vuiteboeuf. Ebenfalls dem
Neuenburgersee tributär ist der von
Sainte Croix herabkommende
Arnon, der während einer kurzen Strecke die Gemeinde Vuiteboeuf durchfliesst und in diesem
Dorf die zwischen den
Aiguilles de Baulmes und dem Mont
Suchet entspringende
Baumine erhält.
meisten in der Plateauzone, einige auch am Hang oder Fuss des Jura und drei (Chavornay, Bavois und Corcelles) im Jorat, während
in der Ebene der Orbesümpfe keines liegt. Im Allgemeinen sind die Siedelungen zu Weilern und Dörfern gruppiert; eine grössere
Anzahl von Einzelsiedelungen treffen wir blos in den Gemeinden Vallorbe und Vaulion.
15248 Ew., wovon 14071 Reformierte, 1143 Katholiken und 34 Andere; 14095 Ew. sprechen französisch, 610 deutsch und 535 italienisch.
1850: 13203, 1880 13763, 1888: 13803, 1900: 15248 Ew. Das seit 1888 sich geltend machende raschere Wachstum der Bevölkerungszahl
ist in erster Linie der an verschiedenen Orten aufgeblühten industriellen Tätigkeit zuzuschreiben.
Hauptbeschäftigung der Bewohner ist gleich wie in den meisten Bezirken der Waadt
die Landwirtschaft, die der ziemlich grossen
Höhenunterschiede wegen in den mannigfaltigsten Formen betrieben wird.
Reich an Wald sind besonders die Gemeinden Baulmes und Vallorbe; Wein wird in 11 Gemeinden gebaut, vor allem in der Gemeinde
Orbe, deren zur Ebene sich senkenden Hänge meist mit Reben bepflanzt sind. In der Ebene werden einige Spezialkulturen betrieben
und in gewissen Teilen Torfgruben ausgebeutet. Seit einer Reihe von Jahren hat sich in Vallorbe die Bienenzucht beträchtlich
verbreitet, so dass man hier 1897 volle 690 Bienenstöcke zählte, deren Honig sehr geschätzt wird.
Die Bodenbenutzung verteilt sich wie folgt:
Von grosser Bedeutung ist im Bezirk Orbe die industrielle Tätigkeit geworden. Zu den in Vallorbe schon seit langer Zeit rühmlich
bekannten Schmieden und Feilenhauereien haben sich seit etwa 30 Jahren hier und in der Umgebung (Ballaigues inbegriffen) zahlreiche
neue Industriezweige gesellt, wie übrigens auch in Baulmes und in
Orbe selbst. Zu nennen sind das Elektrizitäts-
und Wasserwerk (Usine électrique des forces Motrices) der Orbe und von Joux;
Postbureau, Telegraph. Telephon; Postwagen nach Yverdon, Échallens, Arnex, Station Croy und weiter nach Romainmôtier und Vaulion,
nach Ballaigues und Vallorbe, nach Baulmes. Die Gemeinde liegt zum grössten Teil in der Ebene der Orbesümpfe, zieht sich auf 5 km
dem die Ebene im W. begrenzenden Gehänge entlang und umfasst auch noch einen Teil der Plateaulandschaft
weiter westlich. Zusammen mit einer Anzahl von Einzelsiedelungen und der Strafkolonie: 276 Häuser, 2080 Ew., wovon 168 Reformierte, 197 Katholiken
und 15 Andere;
1784 Ew. französischer, 185 deutscher und 109 italienischer Zunge.
Stadt allein: 235 Häuser, 1736 Ew. 1860:
1859, 1880: 1873 und 1888: 1929 Ew. Die während der vergangenen 40 Jahre nur schwache Vermehrung der
Bevölkerungsziffer zeigt jetzt dank der Entwicklung der industriellen Tätigkeit ein rascheres Anwachsen. Reformierte Kirchgemeinde
zusammen mit der Gemeinde Montcherand.
Die Stadt liegt auf einer von der Orbe auf drei Seiten umflossenen Halbinsel, die sich nach S. zum letzten
Engpass des Flusses vor seinem Eintritt in die Ebene absenkt. Die Oberstadt im N. gruppierte sich einst um ein altes Schloss,
an dessen Stelle sich jetzt eine mit Bäumen bepflanzte grosse Terrasse befindet, die eine weite Aussicht auf die Ebene der
Orbe, einen Teil des Jura und des Jorat und auf die Alpen bietet. Schloss und Stadt waren mit Befestigungsanlagen
umgeben, von denen sich einige Reste bis auf heute erhalten haben.
Etwas ö. vor der Stadt liegt der Vorort Les Granges mit einer grossen Schokoladefabrik. Von den in Orbe einst vorhandenen
sieben Kirchen oder Kapellen hat sich nur die grosse Liebfrauenkirche (Notre Dame) erhalten, die jetzt
reformierte Pfarrkirche ist. Sie steht an der Stelle einer anscheinend im Lauf des 11. Jahrhunderts in der Oberstadt erbauten
Kapelle, an die im S. ein Hospiz sich anschloss, während sich gegen N. eine den Namen Poteylar tragende und noch heute vorhandene
Türe öffnete.
Nachdem diese der h. Jungfrau geweihte Kapelle durch eine grosse Feuersbrunst 1407 zerstört worden war, erbaute man ein geräumigeres
Gotteshaus, indem man in einem der Mauertürme, der fortan als Glockenturm diente, ein Gewölbe ausbrach und daran beiderseits
die Seitenschiffe anbaute. Diese Kirche wurde während der Belagerung des Schlosses 1475 beschädigt,
während eine Feuersbrunst 1688 Glockenturm und Dachstuhl zerstörte. Ihr Aeusseres zeigt keine besonderen Sehenswürdigkeiten;
das Innere bildet eine schöne Folge von Gewölben, die mit unechtem Marmor mehr oder weniger glücklich ausgelegt worden
sind, und birgt eine 1875 eingeweihte Büste des Reformators Viret.
Die Kirche hat eines der schönsten Geläute der Schweiz. Neben der Kirche
steht die Tour des Prisons oder
(ihrer Form wegen so genannte) TourRonde und etwas davon entfernt mitten im östl. Abschnitt der Promenade die TourCarrée.
Jene bildete einst den Haupteingang des Schlosses und beherrschte die ganze Stadt, diese (vielleicht der ehemalige Bergfried)
stand in der nö. Ecke der Umfassungsmauer des Schlosses, das mit seinen Türmen, Höfen, Mauern, Wällen
und Gräben eine für ihre Zeit sehr starke Anlage war.
Urkundliche Nachrichten über diese Burg fehlen vor der Mitte des 9. Jahrhunderts, wenn auch eine Ueberlieferung ihre Gründung
einem Edeln des transjuranischen Reiches Burgund (dem Patrizier Vandelin zu Beginn des 7. Jahrhunderts)
zuschreibt. Nachdem sie zu wiederholten Malen, so besonders um die Mitte des 13. Jahrhunderts unter den Herren von Montfaucon,
umgebaut und restauriert worden, kam sie zur Zeit der Burgunderkriege trotz tapferer Verteidigung 1475 in die Hände der
Eidgenossen, die sie mit einer Besatzung belegten.
Als sich diese einige Monate später zum Abzug genötigt sah, legte sie Feuer an das Bollwerk, von dem einzig die Mauern
erhalten blieben, die dann 1835 bei der Anlage der jetzigen Terrasse noch vollends abgetragen worden sind. Eine sehr bemerkenswerte
Baute ist die das tiefe Tobel der Orbe s. der Stadt in einem einzigen Bogen überspannende gemauerte Brücke,
die zu den kühnsten, grössten und schönsten des Kantons gezählt wird. Sie verdankt ihre Entstehung der Anregung des Bürgermeisters
Carrard und wurde nach den Plänen des Architekten Perregaux 1826 im Bau begonnen und 1830 vollendet; sie ist 83,25 m lang,
7,95 m breit und 30 In hoch.
Unterhalb davon befindet sich eine alte Steinbrücke, zu deren Bau ein Einsiedler Girard Borrellier seine Ersparnisse hergegeben
haben soll und die dann 1424 auf Kosten der Stadt vollendet worden ist. Eine dritte Brücke bei Les Granges stammt aus neuester
Zeit. Sekundarschulen, Gymnasium, Industrieschule, höhere Töchterschule. Ein schönes neues Schulhaus 1904 eröffnet.
Die auf Grund von Schenkungen von Privatleuten 1842 gegründete öffentliche Bibliothek zählt heute 3500 Bände.
Die einstigen Hospizien und klösterlichen Krankenanstalten ersetzt ein Krankenhaus, das 1876 eingeweiht wurde und zu dessen
Bau ein Bürger von Orbe, G. de Thienne, die Mittel testamentarisch vergabt hatte. Einige Jahre später
hat man am Ufer der Orbe 1,5 km nö. der Stadt eine Strafkolonie eingerichtet, die auch entlassene Sträflinge aufnimmt;
seit der Vollendung der Entwässerungsarbeiten in den Sümpfen der Orbe beschäftigen sich die Insassen der Anstalt, deren
Grundbesitz 1904 beträchtlich vergrössert worden ist, mit Landwirtschaft.
Die seit langen Jahren am Ufer der Orbe stehenden Mühlen sind vor kurzem vergrössert und umgebaut worden
und erfreuen sich einer beträchtlich anwachsenden Bedeutung. Eine Gerberei und eine Bierbrauerei. Die in Les Granges am rechten
Ufer des Flusses neu erstellte Schokoladefabrik beschäftigt zahlreiche Arbeiter und entwickelt sich rasch. Die Orbe mit
der Bahnstation Chavornay verbindende Strassenbahn war die erste elektrische Normalspurbahn der Schweiz
und überschreitet die Orbe auf dem Grand Pont, in dessen Mauerwerk eigens zu diesem Zweck ein Durchgang geöffnet werden musste.
Die Kraft erhält sie von einem an der Orbe am Ende ihres langen Schluchtenlaufes 1 km nw. der Stadt erstellten
Elektrizitätswerk, das durch einen 10 m hohen Staudamm aus Mauerwerk einen Fall von 11 m erzielt und eine Kraft von 260 PS
liefert und ferner noch Licht an die Stadt
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