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Stress
Die Hälfte aller Teilnehmenden hat Stress als möglichen Faktor für die MS-Entstehung erwähnt. Dabei wurden Stressereignisse in der jüngeren Vergangenheit als MS-auslösende Faktoren, aber auch psychische und physische Belastungen bereits während der Kindheit, als ungesundes Umfeld für eine normale Entwicklung erwähnt.
Stress umfasst eine grosse Bandbreite von Erfahrungen, die von «schwer traumatisierend» über «chronisch» und «wellenförmig» bis «alltäglich» reichen. Ob sie in der Kindheit, in der Jugend oder im Erwachsenenalter gemacht werden, zieht möglicherweise unterschiedliche Konsequenzen nach sich. Aus Sicht der MS-Forschung sind traumatische Erfahrungen sowie massiver chronischer Stress in der Kindheit / Jugend im Fokus, die auf die Hirnentwicklung Einfluss nehmen können. Im Erwachsenenalter stehen im weiteren wiederholte Stressphasen im Vordergrund, die das Immunsystem heftig herunter- und hochregulieren können. Wichtig festzuhalten ist, dass bisher keine sicheren Zusammenhänge zwischen Stress und der Entstehung von MS gezeigt werden konnten.
EBV / Pfeiffersches Drüsenfieber
Die Forschung geht davon aus, dass neben vielen weiteren Faktoren das Epstein-Barr-Virus eine besonders wichtige Rolle bei der Entstehung von MS spielen könnte. So gaben auch 12% aller Teilnehmenden an, dass sie das Epstein-Barr-Virus / Pfeiffersches Drüsenfieber als einen wichtigen auslösenden Faktor bei ihrer MS selbst vermuten.
Eine Studie hat kürzlich gezeigt, dass fast alle Menschen, die eine MS entwickeln, auch zuvor mit dem EBV Virus in Kontakt waren. EBV ist somit eine notwendige (aber nicht hinreichende) Bedingung für die MS. Festzuhalten ist auch, dass fast alle oder vielleicht sogar alle erwachsenen Personen vom EBV infiziert werden und nicht jeder eine MS entwickelt.
Darüber hinaus sind v.a. zwei Merkmale auffällig. Wenn die Infektion mit offensichtlichen Symptomen einhergeht (typischerweise während und nach der Pubertät) spricht man von Infektiöser Mononukleose oder Pfeifferschem Drüsenfieber. Infektiöse Mononukleose zieht manchmal auch langwierige Nachwirkungen (Schul- oder Arbeitsunterbruch, Müdigkeit, Depressivität) nach sich. Das Immunsystem wird hochreguliert. Infektiöse Mononukleose ist ein gut belegter Risikofaktor für das spätere Auftreten einer MS, wobei diese symptomatische EBV Infektion viel häufiger als eine spätere MS auftritt.
Wie andere Herpesviren nistet sich das EBV dauerhaft in Zellen des Körpers ein, in dem Fall bevorzugt in B-Lymphozyten. Gelegentlich kommt es zu einer Reaktivierung des EBV, die sich in erhöhten Levels von EBV-Anti-Körpern spiegelt. Zwischen der Reaktivierung des EBV und der Aktivität der MS wird ein Zusammenhang vermutet; dieser konnte allerdings bis zum heutigen Tag nicht stichhaltig bewiesen werden. Wie bei anderen Herpes-Viren wird die Reaktivierung des Virus zunächst durch ein geschwächtes Immunsystem (z.B. infolge Stress, Schlafmangel etc.) begünstigt und löst in einem zweiten Schritt eine Hochregulierung des Immunsystems aus. Therapiestudien gegen das EBV oder auch Impfstudien gegen EBV werden hier hoffentlich bald mehr Antworten geben.
Andere Infekte / Kinderkrankheiten
Knapp ein Viertel der Teilnehmenden berichteten auch von häufigen Erkrankungen im Kindesalter: Grippe, Erkältungen, Magen-Darm-Probleme, Angina, Windpocken, Mumps, Scharlach und andere Krankheiten und Infekte.
Es gibt mehrere bestimmte Infektionen und Krankheiten, welche die MS-Forschung auf dem Radar hat. Es gibt gewisse Hinweise für ein erhöhtes Risiko für Menschen, die eine HHV-6a-Infektion durchgemacht haben. Dabei handelt es sich um einen Subtyp des Dreitage-Fieber-Erregers, wiederum ein Herpes-Virus. Angina, also Mandelentzündungen – oft mit der Folge, dass die Mandeln entfernt werden mussten – trugen bisher nicht überzeugend zu einem gesteigerten MS Risiko bei.
MS «aus heiterem Himmel»
Im Gegensatz zu den am häufigsten genannten Bereichen, gab es auch einen beträchtlichen Anteil von Betroffenen, die nie oder nur selten krank waren und bei denen die MS quasi «aus heiterem Himmel» ausgebrochen ist. Auch dies ist ein äusserst spannendes Resultat, welchem wir in weiteren detaillierten Analysen nachgehen werden, um so allenfalls möglichen Unterschieden auf die Spur zu kommen.