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Delphine und Henri führen in Paris ein Musikgeschäft. Das geschäftliche Interesse hat die beiden zusammengebracht. Vor allem für Delphine ist es eine Vernunftehe, aber beide fühlen sie wohl in ihrer ruhigen, bequemen Beziehung. Bis Delphine einen berühmten, attraktiven Musiker kennenlernt. Delphine und Henri sind eines der vier Paare, die Sullivan in ihrem Roman «Die Verlobungen» porträtiert.
Vier Paare und eine Alleinstehende
Das sind auch Gerald und Evelyn, die aus Trauer um einen gemeinsamen Freund zusammengefunden haben. Je mehr sie beisammen sind, desto mehr entdecken sie ihre tiefe Liebe zueinander. Sie gründen eine Familie, die zum Zentrum ihres Lebens wird.
Und da sind James und Sheila: Sie stammen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und sind eigentlich glücklich miteinander. Aber James belastet, dass er Sheila nicht denselben Wohlstand bieten kann, den sie von ihrem Elternhaus gewohnt ist.
Und da ist Kate, die die Ehe grundsätzlich ablehnt. Ausgerechnet ihre beiden besten Freunde Jeff und Toby aber wollen heiraten. Und zwar mit möglichst viel Prunk. Doch unter der glamourösen Oberfläche müssen sie um die Anerkennung ihrer homosexuellen Beziehung kämpfen.
Schliesslich ist da noch die alleinstehende Frances, die erfolgreich in einer Werbeagentur arbeitet und den Slogan «A Diamond Is Forever» erfindet. Dieser Slogan trägt in den 50er- und 60er-Jahren ganz wesentlich dazu bei, dass in den USA viele Verlobungsringe verkauft werden. Aber Frances selbst hat kein Interesse an einer Paarbeziehung und ist deswegen im konservativen Amerika der 50er-Jahre mit Verachtung und Bewunderung ihrer Mitmenschen konfrontiert. Ihre Figur stellt einen Gegenpol zu den vier Paaren dar.
Historische Bezüge unnötig
Es sind junge und ältere Paare, wohlhabende und weniger wohlhabende, die Sullivan in ihrem rund 600 Seiten starken Roman porträtiert. Ihre Geschichten sind durch einen alten Verlobungsring verbunden miteinander, der in der Zeit zwischen 1901 und 2012 durch die Hände eben dieser vier Paare geht.
Weil der Roman ein ganzes Jahrhundert umfasst, erfährt man ganz nebenbei auch einiges über historische Ereignisse in den USA im 20. Jahrhundert. Der Vietnamkrieg, die Watergate-Affäre, sogar 9/11 sind Thema in «Die Verlobungen». Hier will die Autorin allerdings zu viel. Die vielen historischen Bezüge verwirren mehr als sie erleuchten. Die Lebensgeschichten der vier Paare reichen völlig, um moralische, gesellschaftliche und politische Veränderungen im 20. Jahrhundert zu thematisieren.
Ohne Vorurteile erzählt
In den vier – oder vielmehr acht – verschiedenen Porträts gelingt es der jungen Autorin aber, ohne Vorurteile über unterschiedliche Vorstellungen, was eine gute Beziehung ausmacht, zu schreiben. Ist es Geborgenheit, materielle Sicherheit, Gewohnheit oder das Image bei den Mitmenschen? Oder doch Romantik und Leidenschaft? Auf diese Frage gibt Sullivan keine schlüssige Antwort. Schlussendlich muss sie jeder für sich selbst beantworten.