Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03309.jsonl.gz/1834

In Sri Lanka waren wir bereits ein Jahr zuvor, für etwa drei Monate. Jetzt sind wir wieder da und suchen eine Gelegenheit, um ein Haus zu bauen. Wir wohnten in einem AirBnB nahe Tangalle. Der Landlord, Rashika, hat dort ein typisch Sri Lankisches Haus, das er auf AirBnB anbietet. Das Haus liegt in einem Aussenquartier von Tangalle. Wir mussten etwa 10-15 Minuten laufen, um den Food City in Tangalle zu erreichen. Das Haus hat mehrere Räume: einen Eingangsbereich, ein Wohnzimmer, eine Küche, zwei Schlafzimmer mit Bad, einen Dienstraum für die Waschmaschine. Dann gab es noch das Buddha-Zimmer. Das war eine Gerümpelkammer mit Buddah-Altar, in der stets das Licht brannte, damit sich Buddah nicht erschreckt, wie uns Rashika erklärte. Und schliesslich gab es noch einen abgeschlossenen, total leeren Raum.
Die Lage
Ich genoss die Zeit in diesem Haus. Die Nähe zum Städtchen Tangalle war praktisch. Die 20 Liter Trinkwasserflaschen konnte ich 200 Meter weiter vorne an der Hauptstrasse auffüllen lassen. Das Tragen der vollen Flaschen auf den Schultern sah ich als Krafttraining an. Innerhalb von 15-20 Minuten war man zu Fuss am Meer. Da gab es gemütliche Strandbeizli. Aber ein Landstück in dieser Lage war schwierig zu bekommen. Wir hatten zwar einen Kontakt hergestellt, aber es schien, dass das Land relativ teuer war.
Dimuthu, Barbaras langjähriger Driver und mittlerweile unser Freund, zeigte uns verschiedene Landstücke, die für den Bau eines Hauses in Frage kämen. Alle waren sie recht weit ausserhalb Tangalles. Beim letzten beklagte ich diese Lage. Barbara war meiner Meinung. Ich weiss nicht, ob es eine Art Verzweiflungstat war, aber Dimuthu führte uns zum Haus seiner Mutter und sagte, dass das Grundstück nebenan ihm gehöre. Er bot uns an, dort ein Haus zu bauen. Wir schauten ihn ein wenig lang an.
Der erste Spatenstich
Dimuthu erklärte, dass er zwar Land habe, aber kein Geld, um ein Haus darauf zu bauen , dass es aber sein grösster Wunsch wäre, seinem jetzt sechsjährigen Sohn einmal ein Haus vererben zu können. Warum er das Grundstück nicht gleich zu Beginn zeigte und uns seine Hoffnung offenbarte, war mir nie klar geworden. Aber jetzt gib es relativ schnell: zwar ist das Grundstück auch 7 Kilometer von Tangalle entfernt, aber wenigstens nahe an der Hauptstrasse, wo es Busse gibt. Barbara übernahm die Initiative und schlug Dimuthu vor, uns das Land zu überlassen und nach einiger Zeit Land und Haus zurück bekommen sollte. Das Haus wäre dann so etwas wie der Pachtzins für das Land. Eine echte win-win-Situation!
Dimuthu und seine Frau Wasana waren begeistert und sofort einverstanden . Dimuthu zückte sein Smartphone und parlierte etwas in Singhala. Eine Stunde später kam ein Mann in Sarong und Flipflop und begann mit einem gewöhnlichen Messband, das Land manuell auszumessen. Ein Wort gab das andere, Barbara gab die Masse des fertigen Hauses an, es wurden ein paar Telefone geführt und gegen Abend waren weitere Bauarbeiter, Baumaterialien und sogar ein Bagger auf dem Grundstück. Nun wurde gebaut, gehämmert, geschaufelt, gewässert, was das Zeug hielt. In der Zwischenzeit zeichnete Barbara den Wunschgrundriss des Hauses und ging damit zu einem Architekten.
Der Vertrag
Der Architekt machte nicht viel mehr, als Barbaras Zeichnung in einem CAD-System nachzubilden. Des Architekts Mehrwert beruhte auf der Planung der Sickergruben, einer Angelegenheit, von der wir keine Ahnung hatten. Wichtig war dann aber der Vertrag zwischen Dimuthu/Wasana einerseits und uns andererseits. Zuerst gingen wir zu einem lokalen Anwalt in Tangalle. Dort gibt es ein grösseres Bezirksgericht, so dass Anwälte eigentlich gebraucht werden. Aber dieser machte keinen guten Job. Also gingen wir zu einer Anwältin in Colombo, das ca. 4 Stunden Autofahrt entfern liegt. Diese Anwältin war nun genau das Gegenteil von ihrem Kollegen.
Sie war präzis, hilfsbereit und schnell. Der Vertrag, den sie vorlegte, was sauber und entsprach exakt unseren Vorstellungen. Haus und Land gehen nach 30 Jahren an Dimuthu/Wasana zurück. In der Zwischenzeit wird das Haus über AirBnB angeboten. Dimuthu und Wasana übernehmen so etwas wie die Verwalterrolle und erhalten einen guten Anteil an den AirBnB-Einnahmen. Klar, dass sie das Haus in bestem Zustand halten wollen, denn es gehört dereinst ja ihnen. Schon heute behandeln sie es so, als wäre es ihr Eigentum. Wenn sie zu Besuch kommen, greifen sie zum Besen und beginnen, um unser Haus herum zu aufkehren.
Grundsteinlegung
Als die Mauern um das Grundstück standen, ging es darum, den ersten Stein zu verlegen. Dazu musste ein buddhistischer Mönch her! Trotz strömendem Regen musste auf dem lehmigen Grundstück ein Tisch aufgestellt werden, abn dem der Mönch und sein minderjähriger Adlatus Platz nahmen. Zukünftige Bewohner, Hausbesitzer, Nachbarn, Freunde und zufällig Anwesende mussten mit zum Gebet erhobenen Hände um den Tisch des Mönchs stehen und andächtig den singhalesischen Worten zuhören, die der Mönch in den nächsten zwei Stunden mit monotoner Stimme vorlas.
Dann wurde dort, wo eine Ecke des zukünftigen Gebäudes sein wird, ein tiefes Loch gegraben, in welches ein hohler Backstein gelegt wurde, der mit verschiedenen kleinen Gegenständen gefüllt war, wie z.B. eine Kette oder Gewürze. Der Stein wurde gesegnet und beschworen und dann zugeschüttet. Schliesslich musste das Terrain ruhen und sich senken. Es war Ende März und wir wollten wieder nach Europa zurück. Barbara verabredete sich mit Dimuthu für Ende August. Von April bis August , also fünf Monate, blieb das Grundstück unberührt liegen.
Während der ganzen Bauzeit – von September 2018 bis Dezember 2018 war Barbara täglich auf der Baustelle. Ab hier berichtet sie über den Fortschritt des Hausbaus!