Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03134.jsonl.gz/437

1. Definition
Definition
Kreislaufprobleme sind weit verbreitet: Fast jeder kennt zumindest einzelne Symptome für einen geschwächten Kreislauf – wie Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen oder Schweissausbruch bis hin zum Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren. Solche Kreislaufbeschwerden sind auf eine verminderte Durchblutung des Gehirns zurückzuführen, deren Ursache ein zu niedriger Blutdruck (sog. Hypotonie) ist.
Niedrige Blutdruckwerte können zum einen durch einen plötzlichen und heftigen Blutdruckabfall bedingt sein (akute Hypotonie): Bis zu 600 Milliliter Blut können in die untere Körperhälfte versacken. Sinkt der Blutdruck, versucht der Kreislauf eine gewisse Zeit lang, das Blut in die lebenswichtigen Organe umzuleiten, indem sich die Blutgefässe zu den Muskeln verengen. Reicht dieser Hilfsmechanismus nicht aus, verringert sich die Durchblutung des Gehirns. Wegen dieser Minderdurchblutung ist das Gehirn vorübergehend mit Sauerstoff unterversorgt. Ein akuter Blutdruckabfall (z.B. durch orthostatische Dysregulation) zeigt sich durch Kreislaufprobleme in Form von Augenflimmern, Schwindelattacken, Schweissausbruch und schlimmstenfalls Kreislaufkollaps beziehungsweise Ohnmacht (Synkope).
Niedrige Blutdruckwerte können zum anderen ein dauerhafter Zustand sein (chronische Hypotonie). Mögliche Anzeichen für chronisch niedrige Werte sind neben Augenflimmern und Schwindel auch Antriebslosigkeit, schnelle Ermüdbarkeit, hohes Schlafbedürfnis, erhöhte Reizbarkeit, Wetterfühligkeit, Appetitlosigkeit, depressive Verstimmung oder Stiche in der Herzgegend.
Ein Sonderfall der Kreislaufprobleme ist die sogenannte orthostatische Dysregulation: Orthostase bezeichnet die aufrechte Lage des Körpers. Damit in dieser Position alle Organe ausreichend mit Blut versorgt sind, passt der Körper seinen Blutdruck und somit das Kreislaufsystem im Sitzen oder Stehen normalerweise entsprechend an. Bei der orthostatischen Dysregulation ist diese Anpassung gestört und es kommt zu Kreislaufstörungen soblad man aus dem Liegen schnell aufsteht. Eine Orthostasestörung kann aber auch bei langem Stehen in der Sonne oder in grossen Menschenmengen sowie nach üppigen Mahlzeiten mit Alkoholkonsum Kreislaufbeschwerden verursachen. Die Symptome der Kreislaufprobleme reichen von Blässe, Übelkeit, Leeregefühl im Kopf über Gangunsicherheit, Schwindel, Schweissausbruch, verschwommenes Sehen und Tunnelsehen bis hin zum Ohnmachtsanfall.
Ein niedriger Blutdruck und damit verbundene gelegentliche Kreislaufprobleme sind – vor allem bei Menschen jüngeren und mittleren Alters – meist harmlos. Medizinisch bedeutsam ist es beispielsweise, wenn
- der Blutdruck ständig zu niedrig ist und ausgeprägte Kreislaufbeschwerden verursacht,
- (im höheren Alter oder bei bestimmten Nervenerkrankungen) der Körper dauerhaft Probleme hat, den Blutdruck und somit das Kreislaufsystem in aufrechter Lage anzupassen,
- ein akuter Blutdruckabfall auftritt, der oft plötzlich und ohne Warnzeichen heftige Kreislaufprobleme auslöst und somit ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch Stürze besteht.
2. Ursachen
Kreislaufprobleme können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Je nachdem, warum der für die Kreislaufbeschwerden verantwortliche niedrige Blutdruck (Hypotonie) entstanden ist, unterscheidet man:
- Kreislaufprobleme durch eine primäre Hypotonie: Bei einer primären Hypotonie ist der Blutdruck dauerhaft erniedrigt, was vermutlich mit der körperlichen Verfassung oder dem Körperbau (Konstitution) zusammenhängt – die genauen Ursachen sind unbekannt. Durch eine primäre Hypotonie verursachte Kreislaufbeschwerden können zum Beispiel nach langer Bettlägerigkeit, bei Überhitzung (z.B. bei heissem Wetter o. langem Baden in zu heissem Wasser), bei stark schwankenden Temperaturen, bei kräftezehrenden Erkrankungen oder bei Jugendlichen während eines Längenwachstumsschubs auftreten.
- Kreislaufprobleme durch eine sekundäre Hypotonie: In dem Fall sind die Ursachen für den niedrigen Blutdruck bekannt. Zum einen kommen verschiedene Erkrankungen, wie Herz- o. Gefässkrankheiten, Hormonstörungen, Erkrankungen des Nervensystems, als Grund für die Kreislaufprobleme infrage. Diese vermindern die Herzleistung, der Rückfluss von venösem Blut zum Herzen gestört ist oder Blutverluste treten auf. Zum anderen können Medikamente, die sich auf den Kreislauf auswirken, die Auslöser für sekundäre Hypotonien sein.
- Kreislaufstörungen bei orthostatischer Hypotonie und Ohnmachtsanfälle (Synkopen) infolge eines niedrigen Blutdrucks: Diese Kreislaufprobleme nehmen eine Sonderstellung ein. Wenn die Anpassung von Kreislauf beziehungsweise Blutdruck an die aufrechte Lage des Körpers (Orthostase) gestört ist, können zum Beispiel schnelles Aufstehen aus dem Liegen, langes Stehen in der Sonne und üppige Mahlzeiten mit Alkoholgenuss die Ursachen für plötzliche Blutdruckabfälle und entsprechende Kreislaufbeschwerden bis hin zu Ohnmachtsanfällen sein. Ursache der orthostatischen Dysregulation ist eine Störung der Venenfunktion in den Beinen, die durch Nervenerkrankungen oder die Einnahme verschiedener Medikamente entstehen kann.
Kreislaufprobleme treten häufig bei Infektionskrankheiten auf. Aber auch Entzündungen im Körper, Vergiftungen, Verletzungen mit starkem Blutverlust, Drogenmissbrauch oder eine starke Unterkühlung können die Ursachen für Kreislaufbeschwerden sein. Ausserdem können Schockzustände oder psychische Störungen zu einer Kreislaufstörung führen. Da Nierenerkrankungen oder Durchfall den Salz- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers beeinflussen, können sie über die so entstehende Funktionsstörung des Stoffwechsels ebenfalls Kreislaufprobleme verursachen.
Kreislaufprobleme können ausserdem Begleitsymptom verschiedener Krankheiten sein. Mögliche Ursachen sind:
- Herzrhythmusstörung
- Herzschwäche
- koronare Herzkrankheit
- Herzinfarkt
- Asthma bronchiale
- Lungenembolie
Kreislaufprobleme können ihre Ursachen auch in einer Reizung des Nervus vagus (= 10. Hirnnerv) haben: Bei entsprechend veranlagten Menschen kann dies dazu führen, dass sich die Blutgefässe plötzlich erweitern, dadurch fällt die Herzfrequenz ab und der Blutdruck sinkt.
Darüber hinaus treten Kreislaufprobleme auch häufig in der Schwangerschaft auf. Dies hat seine Ursache darin, dass das Herz-Kreislauf-System in der Schwangerschaft starke Veränderungen erfährt: Das Blutvolumen und die Herzschlagfrequenz steigen. Ausserdem erweitern sich die Blutgefässe bei Schwangeren, weil die Hormone die Gefässmuskulatur entspannt.
3. Diagnose
Da Kreislaufprobleme viele verschiedene Ursachen haben können, ist eine gründliche Diagnose nötig, um den Grund für die Probleme abzuklären. Um die akuten Ursachen für Kreislaufstörungen festzustellen, ist es hilfreich, noch während der akuten Beschwerden den Blutdruck und die Herzfrequenz zu kontrollieren. Der Arzt kann so erkennen, ob beispielsweise ein niedriger Blutdruck oder Puls akuter Auslöser der Probleme ist. Daraus können sich bereits erste Hinweise auf die mögliche Ursache der Kreislaufprobleme ergeben.
Der nächste Schritt zur Diagnose der Kreislaufprobleme besteht darin, eine ausführliche Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Dabei fragt der Arzt vor allem, ob eine Grunderkrankung vorliegt, welche Medikamente man einnimmt und welche Ereignisse oder Bedingungen zum Auftreten der Kreislaufprobleme führten. Anschliessend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt den Herzschlag auf Regelmässigkeit und Frequenz kontrolliert, den Blutdruck misst und nach körperlichen Auffälligkeiten sucht. Um die Ursache für die Kreislaufprobleme einzugrenzen, kann ein Schellong-Test (d.h. mehrere Messungen von Blutdruck und Puls im Liegen und anschliessend im Stehen) erfolgen.
Zur Basisdiagnostik bei Kreislaufbeschwerden gehören auch eine Langzeit-Blutdruckmessung, ein Elektrokardiogramm (EKG), Belastungs-EKG beziehungsweise Langzeit-EKG und eine Blutuntersuchung. Je nach vermuteter Ursache werden weitere Untersuchungen durchgeführt, wie zum Beispiel eine Echokardiographie, Herzkatheteruntersuchung oder eine Elektroenzephalographie (EEG).
4. Therapie
Die gegen Kreislaufprobleme eingesetzte Therapie zielt vor allem darauf ab, die verminderte Durchblutung wiederherzustellen und den Kreislauf zu stabilisieren. Wie die Behandlung im Einzelfall aussieht, richtet sich nach den jeweiligen Ursachen für die Kreislaufbeschwerden. Es können folgende Massnahmen zum Einsatz kommen:
- Ursächliche Therapie: Wenn Ihre Kreislaufprobleme auf einen niedrigen Blutdruck bekannter Ursache (sog. sekundäre Hypotonie) zurückzuführen sind, besteht die wichtigste Behandlungsmassnahme darin, diese Ursache gezielt zu bekämpfen. Die Therapie kann zum Beispiel (je nach Grunderkrankung) darin bestehen, Stützstrümpfe anzupassen, Krampfadern zu operieren oder einen Herzschrittmacher einzusetzen.
- Allgemeinmassnahmen: Um Ihren Kreislauf zu stärken, ist es ratsam, auf Nikotin zu verzichten. Durch heiss-kalte Wechselduschen und Bürstenmassagen können Sie Ihren Kreislauf anregen – ebenso wie durch regelmässige Bewegung. Um Kreislaufprobleme zu vermeiden, ist es ausserdem sinnvoll, nicht lange zu stehen oder schnell aufzustehen und den ganzen Tag (auch nachts) genug zu trinken. Wenn Sie baden, achten Sie darauf, dass das Wasser nicht heisser als 37 Grad Celsius ist und Sie höchstens 10 Minuten in der Wanne bleiben. Darüber hinaus kann es hilfreich sein, zu üppiges Essen und Alkoholkonsum zu meiden.
- Medikamente: Falls nötig, können gegen Kreislaufprobleme auch kurzfristig blutdrucksteigernde Medikamente (sog. Antihypotonika) zum Einsatz kommen. Bei Kindern und Schwangeren sind diese Mittel allerdings nur eingeschränkt zur Therapie von Kreislaufstörungen geeignet.
Wenn Sie jüngeren oder mittleren Alters sind und einen dauerhaft leicht niedrigen Blutdruck haben, können gelegentliche Kreislaufprobleme harmlos sein. In dem Fall benötigen Sie keine besondere Therapie. Sie können Ihre Kreislaufbeschwerden womöglich schon in den Griff bekommen, indem Sie mehr trinken (Sie können den Kreislauf auch durch Kaffee ankurbeln), für ausreichend Bewegung sorgen oder auch mehr Kochsalz verwenden. Verringern sich Ihre Kreislaufprobleme, gilt dies auch bei wenig gestiegenen Blutdruckwerten als Zeichen für eine erfolgreiche Therapie.
Wenn akute Kreislaufprobleme auftreten, lautet die erste Massnahme zur Therapie: Beine hochlagern und kalte Umschläge machen. Halten die Probleme länger an, entwickeln sich Krämpfe oder eine Ohnmacht, liegt ein Notfall vor – dann heisst es: Schnell ins Krankenhaus! Wenn ein Kreislauf-Stillstand eintritt, erfordert dies eine sofortige Wiederbelebung.