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Jodtabletten und Kernkraftwerke
Bei einem Kernkraftwerk-Unfall kann radioaktives Jod in die Umgebung austreten. Wenn man dieses einatmet, über Essen oder Getränke einnimmt, besteht die Gefahr, dass es sich in der Schilddrüse anreichert. Als Folge davon ist langfristig die Entstehung von Schilddrüsenkrebs möglich. Rechtzeitig eingenommene Jodtabletten schützen einzig vor der Aufnahme von radioaktivem Jod und dessen Anreicherung in der Schilddrüse. Jodtabletten werden alle zehn Jahre an Schweizer Haushalte abgegeben, die im Umkreis von 50 km eines Schweizer Kernkraftwerks liegen. In den Gebieten ausserhalb dieses Bereichs sorgen die Kantone für die Lagerung der Jodtabletten, damit sie im Ereignisfall die Bevölkerung versorgen können. Die Jodtabletten sollte man keinesfalls vorbeugend einnehmen.
Annalise Foletti
Eidg. dipl. Apothekerin und Co-Betriebsleiterin
Was ist bei der Einnahme von Schilddrüsenhormon-Präparaten zu beachten?
Die Aufnahme dieser Medikamente wird durch gewisse Lebensmittel beeinträchtigt. Deshalb sollten sie nur mit Leitungswasser und mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden. Wenn die Einnahme am Morgen nicht möglich ist, kann sie auch unmittelbar vor dem Schlafengehen, mindestens zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit erfolgen. Eine Einnahme immer zum gleichen Zeitpunkt und unter den gleichen Bedingungen (nüchtern) ist wichtig, um einen stabilen Hormonspiegel zu erreichen. Es kann auch zu Wechselwirkungen mit Bestandteilen von Nahrungsmitteln (z. B. Milch), anderen Medikamenten und Multivitaminpräparaten kommen, manche vermindern die Wirkung der Schilddrüsenhormon-Präparate. Solche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel müssen in einem Abstand von mindestens zwei Stunden zu den Schilddrüsenhormon-Präparaten eingenommen werden. In der Apotheke geben wir gerne detailliert Auskunft.
Wie äussert sich eine Schilddrüsenüberfunktion?
Anders als bei der Unterfunktion läuft der Stoffwechsel bei einer Hyperthyreose auf Hochtouren. Symptome sind Nervosität, Unruhe und Gereiztheit, vermehrtes Schwitzen und warm-feuchte Haut, Zittern, Schlaflosigkeit sowie Bluthochdruck. Auch hier sind die Anzeichen unspezifisch und treten selten miteinander auf.
Was passiert bei einer Überdosierung von Jod?
Manche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Jod. Die tägliche Einnahme kann problematisch sein, wenn sie mehr als 1 Milligramm Jod enthalten. Wer dauerhaft zu viel Jod zu sich nimmt, erhöht das Risiko einer Schilddrüsenüberfunktion. Eine Überdosierung durch Lebensmittel ist kaum möglich. Eine Ausnahme sind getrocknete Algen, insbesondere Seetang.
Kretinismus in der Schweiz
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Kretinismus in der Schweiz weitverbreitet. Davon betroffene Menschen litten aufgrund eines Jodmangels an einer Entwicklungsstörung, die zu Kleinwuchs und geistiger Behinderung führte. Viele hatten einen Kropf in teilweise grotesken Dimensionen. Kretinismus war insbesondere in Bergregionen verbreitet, da die dortigen Böden arm an Jod sind und die lokalen Nahrungsmittel deswegen kaum Jod enthalten. Es dauerte lange, bis man erkannte, dass das Krankheitsbild auf Jodmangel zurückzuführen war. Der Chirurg Hans Eggenberger aus Herisau sammelte Unterschriften, um den Verkauf von jodiertem Salz zu ermöglichen. Seit 1922 ist es erhältlich, bereits nach einigen Jahren Salzjodierung waren Erfolge dieser Massnahme sichtbar. Salz wird zur Jodversorgung verwendet, weil es kostengünstig ist und über das ganze Jahr konsumiert wird. Zudem ist das technologische Verfahren zur Anreicherung einfach.