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Bryns WassertaufeHerr und Frau Bushnell wohnen im Wallis mit zwei Cardigans. Während 11 Jahren hatten sie einen Cardigan Rüden Cardwyn Gwylon (1985-1996) gezüchtet von Mrs Joan Fodden, England. Bryn, wie er genannt wurde, war Schweizer und Internationaler Champion und zugleich ein sehr sportlicher Corgi, begleitete er doch Herrn Bushnell beim Alpen-Marathonlauf!!
Zum Gedenken an die 1987 verstorbene Züchterin und seinen fantastischen Hund hat Herr Bushnell für das Handbook 1999 der Cardigan Welsh Corgi Association die nachfolgende Geschichte geschrieben, die wieder einmal beweist, wie physisch und psychisch robust ein Cardigan Corgi sein kann. Herr Bushnell hat mir die freundliche Erlaubnis erteilt, den Bericht - ein wahrer Albtraum - für die Corgi News zu übersetzen.
>>Es ist Sonntag und ich bin mit meinem Hund Bryn allein zuhause. Während im Ofen eine Pizza gebacken wird, mache ich mit Bryn einen Spaziergang. Wir begegnen einem pensionierten, jedoch rüstigen alten Mann, dem Aufseher des Bewässerungskanals, der sich über mehrere Kilometer dem steilen Alpenhang entlang streckt.
Plötzlich bemerke ich, dass Bryn nicht mehr da ist und rufe in alle Richtungen. Er badet oft im Bewässerungskanal, um sich zu erfrischen. Aber genau an dieser Stelle ist das Wasser im Kanal tiefer und fliesst schnell in ein altes zwei Kilometer langes Zementrohr, das unter den Weinbergen begraben liegt. Das Schlimmste befürchtend eile ich hinter dem Aufseher her und fordere ihn auf, sofort das Wasser abzustellen, aber er sagt, dies sei unmöglich. Es würde Stunden dauern, bis er zu Fuss durch die unwegsame Schlucht zur Wasserquelle vordringen könnte und der Wasserstand sich senken würde. Er empfiehlt mir, am anderen Ende der Leitung nachzuschauen, wo das Wasser nach ca. einer Viertelstunde wieder aus dem Rohr herauskommt.
Schnell ! Nach Hause, die Pizza aus dem Ofen nehmen, mit dem Motorrad auf dem Bergpfad so weit wie möglich fahren und dann neben dem Wasserfall hinaufklettern.
Während ich lange an der Stelle warte, wo das Wasser wie ein idyllischer Waldbach wieder zum Vorschein kommt, plagen mich die Zweifel. Wurde Bryn vom Wasser bereits über den Wasserfall geschwemmt und ist er auf den 10 Meter tiefer gelegenen Felsen zu Tode gestürzt? Aber auf den Felsen ist keine Spur von ihm. Vielleicht wurde Bryn überhaupt nicht in das Rohr geschwemmt, sondern wartet dort, wo ich ihn zuletzt gesehen habe.
Schnell ! Fahrt zurück zum Anfang des Rohrs, wo ich eine junge Frau und ihre Grossmutter frage, ob sie Bryn gesehen haben - sie sind vom Dorf und kennen ihn; ich rufe wieder nach Bryn; immer noch kein Zeichen und ich fahre nach Hause, um etwas zu essen.
Gerade als das Mittagessen fertig ist, klingelt es an der Tür. Die beiden Frauen hatten Bryn unter einem Schachtdeckel bellen gehört, waren aber nicht imstande den schweren Deckel zu entfernen. Als sie endlich einen Autofahrer um Hilfe bitten konnten, war Bryn nicht mehr da. Jetzt sind die junge Frau und ihr Mann gekommen, um mich mit dem Auto abzuholen.
Schnell ! Pizza wieder aus dem Ofen nehmen, Seil und Taschenlampe fassen, zum Schacht fahren, Deckel abheben, nachschauen, rufen und lauschen. Keine Spur von Bryn. Aber es gibt noch mehr solcher Schächte dem Pfad entlang, in den Hecken, in überwachsenen Böschungen, zwischen Dorngestrüpp und Brennnesseln. Die junge Frau begleitet mich aus Mitleid mit dem Hund. Ich bin froh für ihre moralische Unterstützung auf der zwei Kilometer langen Strecke mit rund 50 Schächten, nicht inbegriffen jene Schächte, die wir nicht finden oder nicht öffnen können. Dann, auf dem Rückweg, nochmals die gleichen und noch mehr Deckel abheben. Beim dritten Versuch müssen wir aufgeben, überwältigt von Erschöpfung, Hunger, Dämmerung und einem Gewitter.
In ihrem Ferienhaus in den Weinbergen meint die Familie der Frau, dass kaum Hoffnung bestehe, weil das eiskalte Gletscherwasser an manchen Stellen bis zur Decke des 90 cm dicken Rohrs reiche.
Während ich abends zu Hause meine inzwischen eingetrocknete Pizza kaue, überlege ich mir, wie ich es meiner Frau erzählen soll, und vor allem was ich dem Züchter sagen soll, der seine Hündin zum Decken bringen möchte.
Bei Platzregen und Gewitter kommt meine Frau spät abends von ihrer Pilgerreise nach Lourdes zurück. In stiller Hoffnung lassen wir die Garagetüre halb offen und stellen Futter und Milch sowie Bryns Bett auf den Boden. Ich reiche meiner Frau eine Tube Salbe und bitte sie, mir damit meinen schmerzenden Rücken einzureiben. Aber bereits nach kurzer Zeit beginnt mein Herz wie wild zu schlagen und mein Puls steigt auf das Doppelte des normalen; es muss die falsche Salbe gewesen sein. Ich verbringe eine unruhige Nacht und denke an Bryn, wie er sich in dem eiskalten Wasser an einen winzigen Vorsprung klammert, falls er überhaupt noch am Leben ist.
Am Montag morgen bitte ich meinen Arbeitgeber um einen freien Tag, damit meine Frau und ich die Suche nochmals aufnehmen können, wenn auch nur, um nichts unversucht zu lassen. Jeden Schachtdeckel öffnen, nachschauen, rufen, lauschen und wieder zu machen, dann nach dem nächsten Schachtdeckel bachabwärts suchen. Unter dem fünfzigsten Deckel hat ein grösserer treibender Gegenstand eine dünne Weinranke verschoben, die am Tag zuvor quer im Rohr verkeilt war. Aber nach dem 56. Deckel sehen wir noch immer nur kaltes, schnell fliessendes Wasser, und hören nur das Echo unserer eigenen Stimme. Wir sind am Ende des Rohrs und am Ende unserer Hoffnung.
Wieder zu Hause zum Mittagessen stolpere ich wie schon so oft über das Spielzeug des Hundes und beschliesse, die Sachen in der Garage zu versorgen. In der Garage entdecke ich Bryn, der sein Futter und die Milch verschlingt! Müde, nass, mit roten Augen, wunden Pfoten und völlig abgewetzten Krallen; nach 20 Stunden Überlebenskampf im kalten Wasser war es ihm endlich gelungen, zu entkommen und nach Hause zu finden. Vielleicht hat unser Rufen, immer weiter bachabwärts, Bryn dazu veranlasst, seinen Halt aufzugeben und sich vom Wasser hinausspülen zu lassen, während er noch die Kraft hatte, sich über Wasser zu halten und vor dem Wasserfall aus dem Kanal zu krabbeln.
Der Tierarzt gab Bryn eine vorbeugende Spritze gegen Lungenentzündung und Muskelkrämpfe und erklärte ihn für körperlich gesund. Aber während mehreren Tagen zog Bryn es vor, die Welt von einem Balkon aus zu betrachten, so weit wie möglich von der Haustür entfernt. Er ging jeweils nur ganz wenige Meter vom Haus weg und immer in der entgegengesetzten Richtung der Weinberge. Hatte das Erlebnis wohl einen permanenten psychischen Schaden hinterlassen?
Nach einer ruhigen Woche war Bryn wieder normal und plantschte wie früher in den Bächen und Bewässerungskanälen. Beim Eingang zum Rohr, wo er verschwunden war, rufe ich ihn immer und schelte ihn, aber er schaut mich nur an als wollte er sagen: "Pass auf, dass du nicht hinein fällst!"<<
Andrew Bushnell
Übersetzung ANo
Corgi News August 2000