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Tipps
schreiben sie auf, wie viel das Kind trinkt, wie häufig es erbricht und wie häufig es Durchfall hat
Elektrolytlösung im Minischoppen „Medi-Nurser“ in 5 ml Schritten oder mit einer Spritze in 2 – 5 ml Schritten alle 5 Minuten verabreichen (Medi-Nurser von Nuby gibt es z.B. in grossen Migros-Filialen für ca. Franken 7.-)
Elektrolytlösung eiskalt verabreichen
Normolytoral-Lösung® als Eiswürfel einfrieren
Fruchtsäfte müssen mit Wasser im Verhältnis 1 Teil Fruchtsaft 4 Teile Wasser verdünnt werden
wenn Kinder nur Cola trinken wollen, dann im Verhältnis 1 Teil Cola, 4 Teile Wasser verdünnen
Milchgetränke sind nicht ideal, wenn Kinder nur Milch trinken wollen, Milch 1:1 mit Wasser verdünnen
sobald das Kind wieder essen will, bewähren sich kleine häufige Mahlzeiten
Was ist ein Brechdurchfall
- Unter Brechdurchfall oder Magendarmgrippe versteht man das plötzliche Auftreten von Erbrechen, von Durchfall oder von beidem gleichzeitig.
- Häufig wird die Krankheit auch von Fieber begleitet.
- In den ersten drei Lebensjahren erkranken Kinder durchschnittlich ein bis zweimal jährlich an einem Brechdurchfall.
- Durchfall und Erbrechen sind nicht die Krankheit, sondern die natürlichen Reaktionen des Körpers auf krankmachende Stoffe und das sind meistens Viren.
- Ein Brechdurchfall dauert in der Regel einige Tage, kann aber auch bis zu einer Woche oder auch länger andauern.
Wie behandeln
- Medikamente, welche einen Brechdurchfall beenden, gibt es nicht.
- Sie können höchstens helfen, das Erbrechen zu lindern.
- Grundsätzlich gilt jedoch: die Erreger im Magendarmtrakt müssen wieder raus und dies geschieht eben über das Erbrechen und den Stuhl
- Das Gefährliche an einem Brechdurchfall ist, dass vor allem Säuglinge und Kleinkinder in kurzer Zeit zu viel Flüssigkeit und Mineralsalze verlieren und austrocknen können.
- Wichtig ist, dass das Kind genug trinkt, Essen ist nicht wichtig.
- Häufig kleine Mengen Elektrolytlösung schluck- oder löffelweise alle 5-10 Minuten anbieten.
- Gestillte Kinder sollte/ darf man weiter stillen. Zusätzlich bei Bedarf auch Elektrolytlösungen anbieten.
Elektrolytlösung selber herstellen
- Die industriell hergestellte Elektrolytlösung hat den Vorteil, dass das Verhältnis von Zucker und Salze genau ist.
- Im Notfall kann aber Elektrolytlösung auch selber hergestellt werden.
- 1lt abgekochtes Wasser oder schwacher Kräutertee (z.B. Fenchel, kein Fertigtee)
- 1 gestr. Teelöffel Salz
- 8 gestr. Teelöffel Traubenzucker
Wann zum Arzt gehen
- jederzeit, wenn Sie das Gefühl haben, ihrem Kind gehe es schlecht
- bei absoluter Trinkverweigerung
- wenn das Kind zu müde zum Trinken ist
- wenn das Kind keine Tränen mehr hat
- wenn das Kind weniger als 4 nasse Windeln pro Tag hat
- wenn das Kind gar nicht mehr spielt
- bei Kindern unter 3 Monaten sobald sie Fieber haben (>37,9) oder das Erbrechen und/oder Durchfall länger als ein paar Stunden anhält
Warum kein Cola
- Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass Cola bei Brechdurchfall helfen soll.
- Cola enthält aber Zucker in zu grossen und Salz in zu kleinen Mengen und ist daher ungeeignet.
- Um den Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen auszugleichen, muss der Körper Zucker und Salz gleichzeitig in einem bestimmten Verhältnis aufnehmen, dabei ist das richtige Verhältnis entscheidend.
- Elektrolytlösungen haben die ideale Zusammensetzung von Mineralsalzen und Zucker.
- Sie können ohne Rezept in jeder Apotheke oder Drogerie gekauft werden.
- Eine Glucose-Elektrolyt-Lösung wie Normolytoral®, GES 45® etc. gehört in jede Haus- und Reiseapotheke einer Familie.
Warum keine Sportgetränke
- Die Elektrolytkonzentrationen isotonischer Sportgetränke entsprechen nicht dem idealen Verhältnis von Zucker und Salz.
Warum keine Schondiät
- Früher wurde ein langsamer Nahrungsaufbau empfohlen. Untersuchungen zeigen aber, dass das unnötig ist. Fettige Speisen sollten eher vermieden werden, und manchmal ertragen die Kinder auch Milchprodukte eine Weile nicht mehr.
- Obwohl man heute von der Schondiät weggekommen ist, gibt es ein altes Rezept – “die Karottensuppe nach Moro” welches eben trotzdem manchmal hilft den Durchfall in den Griff zu bekommen.
Warum Milch nach einem Brechdurchfall oft schlecht vertragen wird
- Milchzucker (Laktose) ist ein natürlicher Bestandteil der Milch und ein sogenannter Zweifachzucker.
- Er besteht aus zwei einzelnen Zuckerbausteinen – Glukose und Galaktose.
- Damit der Milchzucker im Dünndarm aufgenommen werden kann, muss er zuerst in diese beiden Bausteine zerlegt werden.
- Das Enzym Laktase, das sich in der Dünndarmschleimhaut befindet, ist für diese Spaltung zuständig.
- Bei einem Durchfall ist die Dünndarmschleimhaut beschädigt und das Enzym Laktase ist vorübergehend in zu kleiner Menge vorhanden.
- Es kommt zu einer vorübergehenden Laktose-Intoleranz.
- Der Milchzucker bleibt im Darm, bindet Wasser, und es kommt zu weiteren Durchfällen.
Wie entsteht Durchfall
- der Angriffsort vieler Durchfallerreger ist der Dickdarm
- während die Keime (meistens Viren) durch den Mund aufgenommen und mit dem Nahrungsbrei vorangeschoben werden, versuchen sie sich an der inneren Darmwand festzuhalten
- dazu docken sie an bestimmten Rezeptoren an
- nach dem Andocken vermehren sich die Keime, schütten Gifte aus und greifen damit die Darmschleimhaut an
- die geschädigte Darmschleimhaut kann nun dem Nahrungsbrei die Flüssigkeit nicht mehr entziehen
- es entsteht ein wässriger Durchfall
- weiter werden Elektrolyte aus der Darmwand ausgeschieden
- der Darm zieht sich bei Durchfall häufiger als normal zusammen und es entstehen Bauchschmerzen
- Durchfall ist auch ein Schutzmechanismus des Körpers, der sich auf diese Weise der schädlichen Durchfallkeime entledigt
Karottensuppe nach Moro
Noch vor etwas mehr als hundert Jahren war eine der häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern der Durchfall.
Die Situation besserte sich schlagartig mit der Einführung einer speziellen Karottensuppe, welche der Kinderarzt Professor Ernst Moro 1908 einführte. Warum genau die Karottensuppe half, war damals ein Geheimnis. Wissenschaftler fanden erst in den letzten Jahren heraus, warum die Karottensuppe bei Durchfall wirkt.
Die Zubereitung der Karottensuppe nach Moro gehörte lange Jahre zum Standard auf pädiatrischen Stationen, verlor dann aber an Bedeutung.
Das Rezept Karottensuppe nach Moro
- 500 Gramm geschälte Karotten in einem Liter Wasser eine Stunde lang kochen
- pürieren
- pürierten Brei mit Wasser wieder auf einen Liter auffüllen
- 1 gestrichener Teelöffel Salz
Warum und wie wirkt die Karottensuppe
- beim langen Kochen der Karotten werden kleinste Zuckermoleküle freigesetzt
- diese Zuckermoleküle sehen den Darmrezeptoren zum Verwechseln ähnlich
- die Durchfallkeime docken nun an den Zuckermolekülen an
- die Erreger werden mit dem Nahrungsbrei ausgeschieden