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ÜBER DEN KONFLIKT22. November 2018
Unter Konflikt versteht jede Person, jede Gruppe und jede Firma, ja sogar jede einzelne Kultur etwas anderes. Hauptsächlich von Männern höre ich regelmässig: «Kein Problem!» Kaum ist dieser Satz ausgesprochen, beginnt auch schon der Konflikt!
Methoden und Strategien tragen nur bedingt zur Konfliktlösung bei. Aus psychoanalytischer Sicht scheint es eine Realität zu sein, dass (fast) jeder von uns es vorzieht, die eigenen Fehler auf andere zu projizieren. Wirkt eine Person oder eine Situation bedrohlich, entsteht daraus schnell ein Konflikt.
Für Menschen, die an sich selbst oder unter der Leitung eines Psychotherapeuten in Balint-Gruppen arbeiten, liegt es eher auf der Hand, Konflikte zu analysieren.
In der Partnerschaft, in der Familie oder im Unternehmen sind die Struktur der Leitlinien, die Hierarchie, die Definition von Funktionen sowie die Rollen und Ziele nach identischen oder variablen Mustern aufgebaut. Konflikte, obwohl sie nicht verallgemeinerbar sind, entwickeln sich meistens, wenn konkrete Antworten auf die folgenden Fragen fehlen: Welche Ressentiments, Fakten und Umstände müssen geklärt werden? Wer besitzt das Geld, wer verfügt darüber und kontrolliert es, welche Interessen gibt es und wie ist die Macht verteilt?
Hinter Geldfragen verbergen sich weitere individuelle Ursachen, die zu Konflikten führen. Dazu gehören beispielsweise Armut, Arbeitslosigkeit, Gesundheitsprobleme, Persönlichkeitsstörungen wie Eifersucht, geringes Selbstwertgefühl, Dominanz, Hass, Rivalität, Diskriminierung, Faulheit, lineares Denken, Prestige und übertriebenes Verlangen nach Ablenkung.
Noch viel zu wenig werden Konflikte aufgrund von Werten wie Wohlstand, Gesundheit, Persönlichkeitsstärke, Empathie, Selbstwertgefühl, Gleichheit, Teilen, Wohlwollen, Toleranz, Initiative, Querdenken, kulturellem Reichtum und Tiefe angegangen.
Diskussionen mit kreativen Köpfen sind manchmal unerträglich. Sie betonen Schwierigkeiten, um sie bewusster zu machen. Wenn das Gefühl der Zugehörigkeit zur Gruppe gegeben ist, sind Lösungen eher möglich.
Für schöpferisch denkende Leute steht nicht allein das Thema Geld im Zentrum des Lösungsprozesses, sondern das Zusammenspiel von Ursachen und Lösungen. Dieser Ansatz bedeutet nicht, dass diese Menschen von einem altruistischen Geist geleitet sind. Ganz im Gegenteil, sie erheben Anspruch auf das Teilen der Verantwortung.
Personen, die viel reden und alles besser wissen wollen, die auf Fragen eine sofortige Antworte parat haben und eine schnelle Lösung für jedes Problem finden, oder diejenigen, die aus falscher Bescheidenheit schweigen, neigen dazu, ihre eigenen Schwächen in den Mittelpunkt eines Konflikts zu stellen.
Es scheint also, als ob die goldene Regel darin besteht, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sagen.