Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03139.jsonl.gz/3158

Renaturierung
Renaturierungen oder Revitalisierungen bezwecken »die vom Menschen im Laufe der Jahre überformten Fliessgewässer in einen naturnahen Zustand zurückzubringen.« Dabei werden, wie im konkreten Fall eines zu renaturierenden Baches, die Vernetzung des Baches mit der Landschaft, die Schaffung bachtypischer Strukturen wie Kiesbänke und Flachwasserzonen, die Förderung der Dynamik sowie die Erstellung von Flutmulden angestrebt.
Hier wird
versucht, die Natur nachzubilden und durch technische Perfektion noch zu
übertreffen. So ist ein naturnaher Zustand kein natürlicher Zustand; ein solcher
kann nur durch die »Zeit« entstehen – durch das Akzeptieren des
Unvollständigen. Ausserdem vernetzt sich ein Bach nicht mit der Landschaft, sondern
gehört, wo er fliesst, zur Landschaft. Vernetzung ist ein sozialer Begriff, der
von isolierten Individuen geschaffen worden ist. Ebenso erschafft sich der Bach
seine Strukturen selber, und sei es, dass er die künstlichen, vom Menschen eingebrachten Elemente erst überdauern muss. Schliesslich braucht der Bach keine
Flutmulden; diese braucht nur der Mensch, damit er den Bach jederzeit im Griff
hat – vielleicht sogar im Würgegriff.
»Renaturierung« ist eine Sprachlüge.
Veröffentlicht am 03.09.2019 9:17 Uhr.