Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03645.jsonl.gz/1507

Gemeinde
Masein
Das Spiel Mazza Cula ist eine Art "Alpengolf" und wurde in Masein vor etwa vierzig Jahren von Zugezogenen aus Tschappina eingeführt. Die Mazza (Schlagstock) besteht aus einem Holzstecken mit einem Holzkolben an der Spitze. Als Cula (Kugel) wird eine gefärbte hölzerne Strumpfkugel von 5 cm Durchmesser verwendet. Zwei Mannschaften mit je zwei bis drei Personen spielen gegeneinander. Das Ziel ist kein Loch, sondern ein Stein, ein Baum oder ein Stalltor. Jede Mannschaft die mit weniger Schlägen das Ziel trifft, erhält einen Punkt. Die Verlierer bezahlen den Siegern pro Punkt Vorsprung 20 Rappen.
Mazza Cula wird im Frühling nach der Schneeschmelze, sowie im Herbst nach dem Abweiden gespielt. Die Strecke führt von Masein nach Flerden. Dort wird eine Stärkungspause eingelegt, bevor über eine andere Route wieder nach Masein zurück gekehrt wird. Die Spieler sind nicht in einem Verein organisiert. Je nach Zeit, Lust und Laune trifft man sich am Sonntagnachmittag um 13 Uhr oder an einem Feiertag am Ausgangspunkt .
Die Pflege von überliefertem Brauchtum wird in Masein grossgeschrieben. So zieht Jahr für Jahr ein ad-hoc-gebildeter Chor bestehend aus in Masein wohnhaften Männern am 29. und 30. Dezember von Hof zu Hof beziehungsweise von Haus zu Haus, um das alte Jahr gebührend auszusingen.
Es wird davon ausgegangen, dass dieser Brauch seit der Gründung der Knabengesellschaft Masein im Jahre 1817 gepflegt wird. Das Reperotire umfasst rund 15 Lieder, die jeweils an vier Sonntagabenden im November/Dezember gemeinsam geprobt werden.
Am Altjahrssingen nahmen in den letzten Jahren jeweils zwischen 45 und 50 Männer aller Alterskategorien teil. Die ersten Sporen verdienen sich die Schulabgänger in der Regel als Laternenträger ab. Das ist die Gelegenehit, mit den Gepflogenheiten des Brauches und den Liedern vertraut zu werden, um dann im darauf folgenden Jahr selber als aktiver Sänger dabei zu sein. Die Sänger werden auf ihrem Rundgang von der Dorfbevölkerung mit Speis und Trank verwöhnt.
Das Theaterspielen hat in Masein eine sehr lange Tradition. So haben Nachforschungen ergeben, dass unter der Leitung der Knabengesellschaft bereits im Jahr 1854 zum ersten Mal in Masein ein Theaterstück aufgeführt wurde. Anton Feltscher, welcher nach seiner Jugendzeit in Masein wegzog und sich als Schauspieler in Hamburg ausbilden liess, kehrte nach erfolgreicher Karriere im Pensionsalter nach Masein zurück. Unter seiner Regie wurden im unscheinbaren Heinzenberger Bauerndorf anspruchsvolle Stücke der klassischen Literatur einstudiert, bei welchen neu auch junge Frauen des Dorfes, die in der Mädchengesellschaft organisiert waren, Zugang fanden. Nach seinem Tod im Jahre 1885 übernahm seine Frau für über zehn Jahre die Führung der Theatergruppe. Um die Jahrhundertwende wurden die Theaterstücke jeweils vor grossem Publikum auch in Thusis aufgeführt.
Abgesehen von einigen Unterbrüchen – z.B. während des Ersten Weltkrieges – wurde in Masein weiterhin leidenschaftlich Theater gespielt bis es dann 1969 zu einem Bruch mit dieser Tradition kam, weil damals abendfüllende Tanzanlässe mit moderner Musik gefragter waren und zudem die Kassen besser füllten.
Nach einer rund 10jährigen Theaterabstinenz hat die Jungmannschaft Masein im Jahre 1980 die Theatertradition wieder aufleben lassen. Diese gelungene Darbietung war die Initialzündung zu einer seit nunmehr über 30 Jahren gepflegten Weiterführung der Maseiner Theaterkultur.
Durch den Zusammenschluss der Knabengesellschaft mit der Mädchengesellschaft im Jahre 1967 wurde in Masein die heutige Jungmannschaft gegründet.
Weiterer zur Geschichte des Theaterspielens in Masein hier lesen