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Frequently asked questions (FAQ) zu schulischer Sexualaufklärung für Kinder und Jugendliche
Die Sexualaufklärung ist als Bildung zur sexuellen Gesundheit für Kinder und Jugendliche zu verstehen. Bildung zur sexuellen Gesundheit beinhaltet eine außerschulische Bildung und Erziehung durch die Eltern sowie eine Sexualaufklärung, welche die Schule als öffentliche Institution sicherstellt. Dieser Lernprozess begleitet die natürliche, emotionale und soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen und ergänzt die Erziehung im familiären Kontext. Er muss aus verschiedenen entwicklungsfördernden und altersgerechten Modulen bestehen, welche den Bedürfnissen der Schüler angepasst sind. Es ist die Aufgabe der Schule, die sexuellen Rechte und Verantwortlichkeiten innerhalb der Sexualität zu unterrichten, um dem Menschenrecht «Zugang zu Wissen und Bildung» von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden.
Sexualaufklärung ermöglicht Kindern eine positive Einstellung zu sich und ihrem Körper zu entwickeln und einen verantwortungsbewussten Umgang mit sich selbst und anderen zu erlernen. Sexualaufklärung hat die Absicht die Persönlichkeit und das Selbstvertrauen von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Sie hilft den Kindern und Jugendlichen sich Fähigkeiten anzueignen, Geschick und Kernkompetenzen zu entwickeln, welche sie befähigen ihre Sexualität und Beziehungen selbstbestimmt erfahren und leben zu können. Zudem ermöglicht sie allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Information und Bildung, welches ihr Recht ist.
Kinder und Jugendliche sind von erwachsenen Menschen abhängig. Gerade in diesem Abhängigkeitsverhältnis geschehen Übergriffe (1). Sexualaufklärung in der Familie und im institutionellen Rahmen leistet einen wichtigen Beitrag zur Prävention von sexueller Ausbeutung. Sexualaufklärung befähigt Kinder, sexuelle Ausbeutung zu erkennen, einzuordnen und entsprechend Hilfe zu holen. Präventionsprogramme, die nicht in einer Sexualaufklärung eingebettet sind und sich nur auf „Nein-Sagen", "Weglaufen und Hilfe holen“ beschränken, vermitteln den Kindern und Jugendlichen zwar Wissen über Gefahren, jedoch fehlen ihnen wichtige Zusammenhänge, die das schnelle Erfassen und das Reagieren auf Situationen begünstigen würden.
(1) Eine empirische Untersuchung zu sexuellen Übergriffen an Kindern und Jugendlichen in der Schweiz (vgl. Optimus-Studie, 2012, S. 9) zeigt, dass im Fall von Kleinkindern (1-5 Jahre) Täter_innen vor allem aus dem engen Familienkreis oder dem nächsten Bekanntenkreis stammen.
Die Lehre von Rechten und Verantwortlichkeiten beginnt bereits im frühen Kindesalter mit dem Erlernen von gesellschaftlichen Regeln. Im Bereich der Sexualität geht es unter anderem darum zu lernen, welche Aktivitäten in den Bereich der Privatsphäre gehören und welche im öffentlichen Raum Platz haben. Dieser Lernprozess setzt ein Wissen über seinen eigenen Körper und dessen Respekt, Wissen über eigene Gefühle und Emotionen voraus. Ins besonders Aufklärung im Bereich der Emotionen, ist eine Teilprävention vor sexueller Ausbeutung. Kinder lernen ihre Gefühle wahrzunehmen, auszudrücken und zu unterscheiden, ob es sich um „gute“ oder „schlechte“ Gefühle handelt. Sie lernen ihre eigenen Grenzen besser kennen und können diese durch ein kräftiges „Nein“ verteidigen, beziehungsweise haben sie die Möglichkeit darüber zu berichten, wenn ihnen etwas Unangenehmes passiert ist. Kinder und Jugendliche müssen nicht nur ihre persönlichen Grenzen, sondern auch die der anderen erkennen und lernen, diese zu akzeptieren. In der präventiven Sexualaufklärung ist dies genauso wichtig, um sexuelle Ausbeutung unter Kindern vorzubeugen (Täterprävention).
Sexualaufklärung im Kindergarten soll, wie auf jeder Schulstufe, alters- und entwicklungsgerecht vermittelt werden. Kinder lernen zum Beispiel anhand von Liedern die Vielfallt der Gefühle kennen, üben durch Rollenspiele die Selbstbehauptung und erfahren durch Geschichten, warum „Nein“ sagen wichtig ist und dass ein Nein seine Gültigkeit hat. Sexualaufklärung im Kindergarten hat einen präventiven Charakter und dient als Grundlage für einen wirksamen Schutz vor sexuellen Übergriffen. Durch den spielerisch gestalteten Präventionsunterricht werden Kinder gestärkt, ihre Gefühle und Emotionen ernst zu nehmen und lernen ihren Körper, ihre Grenzen und die Grenzen der anderen Kinder besser kennen. Der Einsatz von pädagogischem Unterrichtsmaterial ist dem Alter entsprechend angepasst und für eine entwicklungsgerechte Sexualaufklärung unerlässlich.
Die Vermittlung dieses Wissens ergänzt die Sexualerziehung der Eltern und kann für diese auch einen unterstützenden Charakter aufweisen. Schulische Sexualaufklärung erlaubt es den Kindern die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu lernen. Sie beantwortet die Fragen der Kinder und Jugendlichen, auf welche Eltern nicht immer eine Antwort haben, sich nicht wohl fühlen diese zu beantworten oder komplexe Themen wie sexuelle Orientierung, sexuelle Gewalt, sexuelle Praktiken usw. schwierig finden zu besprechen. Noch schwieriger kann es für Kinder und Jugendliche selber sein, sich mit solchen Fragen an ihre Eltern zu wenden oder sie wollen von sich aus auch zu Hause nicht mehr darüber sprechen, was häufig während der Pubertät beobachtet wird. Schulische Sexualaufklärung leistet einen wichtigen Beitrag zur Handlungssicherheit der Eltern / Erziehungsberechtigten und Betreuenden in dem sie einen Teil der Aufklärung übernimmt und eine Kommunikationsplattform bietet.
Im schulischen Alltag treten sexualisierte Themen und Verhalten von Kindern und Jugendlichen häufig auf. Lehr- und Bezugspersonen müssen diese Themen aufnehmen und in einen Kontext setzen. Erst durch die Auseinandersetzung mit den sexualisierten Themen und Verhalten werden Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung vollumfänglich unterstützt und gefördert. Dort, wo Sexualität jedoch nicht nur situativ besprochen wird, sondern auch im Lehrplan verankert ist und sogar in Zusammenarbeit mit Fachpersonen der sexuellen Gesundheit umgesetzt wird, kann ein professioneller Umgang mit der Thematik stattfinden. Sexualaufklärung in der Praxis stärkt Kinder und alle Beteiligten (Eltern, Erziehungsberechtigte, Lehrpersonen, Mitarbeitende im institutionellen Bereich, etc.) Sie leistet nicht nur einen wesentlich Teil zur Prävention von sexuellen Übergriffen sondern fördert die Handlungssicherheit im Bezug auf sexualisierte Themen und Verhalten von Kindern und Jugendlichen aller Beteiligten.
Sexualaufklärung stärkt / begleitet die ganzheitliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Sie erlernen eine positive Herangehensweise an die Sexualität kennen und werden sich ihrer Bedürfnisse, ihrer Grenzen, ihrer Rechte aber auch ihrer Pflichten bewusst. Sie lernen ihren Körper besser kennen und zu benennen, bewusst wahr zu nehmen, zu schützen oder falls nötig zu verteidigen. Kinder und Jugendliche können dadurch eine positive Einstellung zu ihrem Körper entwickeln, gewinnen an Selbstvertrauen und erlernen entsprechende Kommunikationsfähigkeiten, dem Stadium ihrer Entwicklung angepasst. Dazu gehört das Sprechen über Gefühle und der sorgfältige Umgang mit seinen eigenen Grenzen und den Grenzen von anderen. In diesem Sinne ist Sexualaufklärung nicht nur Lebensschule sondern unterstützt die Prävention von sexueller Ausbeutung, ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Infektionen. Mit Hilfe von Sexualaufklärung lernen Kinder und Jugendliche sich und andere zu respektieren, wie auch psychosoziale Kompetenzen in Zusammenhang mit Beziehungen und Sexualität zu entwickeln (zum Beispiel der Umgang mit Emotionen, Selbstbewusstsein, Entwicklung einer kritischen Meinung).
Ganzheitliche Sexualaufklärung findet altersgerecht statt und übermittelt aktuelle und wissenschaftliche Informationen. Sie strebt in erster Linie die Vermittlung von positiven und angenehmen Aspekten der Sexualität an, bevor potentielle Risikos, die mit Sexualität in Verbindung gebracht werden, zur Sprache kommen. Dabei respektiert sie die individuellen Grenzen der Kinder. Sexualaufklärung stärkt die sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen damit sie selbständig und informiert Entscheidungen zu ihrer Sexualität treffen können. Sie entspricht den Kinderrechten und dem stattlichen Auftrag in Bezug auf die Prävention von sexuellem Missbrauch, unerwünschten Schwangerschaften und sexuelle übertragbaren Infektionen sowie der Vorbeugung von Homophobie. Professionelle Sexualaufklärung deckt folgende Aspekte ab: Der menschliche Körper und seine Entwicklung; Fruchtbarkeit und Fortpflanzung; Sexualität; Emotionen; Beziehungen und Lebensstile; Sexualität, Gesundheit und Wohlbefinden; Sexualität und Rechte; Soziale und kulturelle Determinanten der Sexualität. Schulische Sexualaufklärung ist ein planbares und ergänzendes Angebot (abgestützt auf den Lehrplan), über welches die Eltern / Erziehungsberechtigten vorgängig informiert werden. Sie ergänzt die Erziehung im familiären Kontext.
In der französischen Schweiz hat sich bereits seit über 30 Jahren ein Modell bewährt, bei dem externe Fachpersonen der sexuellen Gesundheit kontinuierliche Sexualaufklärung in der Schule anbieten. Die Akzeptanz der Eltern gegenüber dieser Tradition ist gross und das Angebot wird geschätzt (2). In der deutschen Schweiz liegt oftmals bei den Lehrpersonen der Schule selbst. Hier bietet sich ein Patchwork an verschiedenen Modellen, welche abhängig sind von den jeweiligen Schulen oder Lehrpersonen. Darunter finden sich umfassende Angebote aber auch solche, die sich auf die Vermittlung minimaler Informationen meistens in Form von Biologie und Fortpflanzung beschränken, wobei Beziehungsaspekte und soziale Komponenten ausser Acht gelassen werden. Ein Kooperationsmodell zwischen Lehr- und Fachpersonen der sexuellen Gesundheit wäre hier wünschenswert und würde die Qualität des Unterrichtes garantieren. In der italienischen Schweiz sind die Lehrpersonen verantwortlich für Sexualaufklärung. Eine Gruppe von Ausbildungscoaches steht den Lehrpersonen zur Verfügung, um sie bei der Umsetzung dieser Aufgaben zu unterstützen. In der Sekundarschule und im post-obligatorischen Bereich intervenieren externe Fachpersonen der sexuellen Gesundheit um die Sexualaufklärung zu ergänzen (spezifische Interventionen zum Thema der sexuellen Gesundheit).
(2) http://www.profa.ch/multimedia/docs/2014/01/Education_sexuelle_debat.pdf
Primär liegt die Verantwortung für Sexualaufklärung bei den Eltern / Erziehungsberechtigten. Sie sind die ersten Personen, die ihre Kinder zum Thema Sexualität aufklären. Sie dienen als Vorbild für ihre Kinder und vermitteln ihre persönlichen Normen und Werte, welche auch den religiösen und / oder den kulturellen Kontext spiegeln. Neben dieser familiären Prägung hat auch das weitere Umfeld einen Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit, dem Werteverhalten, den Fähigkeit überlegte Entscheidungen zu treffen und auf das positive Körpergefühl des Kindes. Die Schule vermittelt unterstützend im Rahmen ihres öffentlichen Bildungsauftrags grundlegende Kenntnisse zur sexuellen Gesundheit ergänzend zur Erziehung der Eltern / Erziehungsberechtigten. Dieser öffentliche Auftrag enthält normalerweise die Prävention von sexuelle übertragbaren Infektionen und ungeplanten Schwangerschaften und die Prävention von sexueller Gewalt und Homophobie. SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz unterstützt die Möglichkeit, dass Lehrpersonen bei der Sexualaufklärung durch Fachpersonen der sexuellen Gesundheit unterstützt werden können.
Sexualaufklärung basiert auf dem Ansatz von sexuellen und reproduktiven Rechten, wissenschaftlichen Grundlagen und aktuellen Gegebenheiten. Sexualaufklärung in der Schule wird ganzheitlich und ohne Beurteilung von Werten vermittelt; Schulische Sexualaufklärung stärkt Kinder und Jugendliche indem sie ganzheitlich und wertneutral vermittelt wird. Dank Wissen und Bildung erhält jedes Kind die gleiche Chance eine positive und gesunde Sexualentwicklung zu erlangen, unabhängig von Kultur, Religion oder Geschlecht. Dies ist die Voraussetzung, damit sich Kinder und Jugendliche ganzheitlich entwickeln und sich in ihrem Körper sicher fühlen können. Schulische Sexualaufklärung respektiert kulturelle und religiöse Werte, solange sie mit den Grundrechten des Kindes vereinbar sind. Die Empfehlungen der WHO und UNESCO werden berücksichtigt: „ Sexualaufklärung (…) berücksichtigt kulturelle, soziale und genderspezifische Gegebenheiten. Sie entspricht der Lebenswirklichkeit junger Menschen(3).“
(3)WHO-Regionalbüro für Europa und BZgA: Standards für die Sexualaufklärung in Europa, S. 31
Die Annahme, dass Sexualaufklärung zu mehr und früheren sexuellen Aktivitäten führt, ist nicht berechtigt. Tatsächlich kann diese Behauptung durch verschiedene Studien widerlegt werden (Kirby et al. 2005). Umfragen in der Schweiz haben bestätigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen den ersten sexuellen Kontakt konstant mit 17 Jahren erleben (OFSP 2014). Kinder machen sich, durch die Auseinandersetzung mit Themen der Sexualität, ihr eigenes Bild. Soziale Werte und Normen werden aufgezeigt und hinterfragt. Dies fördert die Meinungsbildung und das Selbstbewusstsein. Durch Erwerb von Kompetenzen wird das Kind befähigt bei unerwünschten (sexuellen) Übergriffen seine persönliche Integrität besser zu schützen und zu verteidigen. Frühe Sexualaufklärung korrigiert irrige Informationen aus den Medien und fördert die Entscheidungskompetenz. Dies hat zur Folge, dass sich ein heranwachsendes Kind besser vor Verhalten schützen kann, welches Risiko birgt.
Sexualaufklärung, die sich an den sexuellen Rechten orientiert, verpflichtet sich der Meinungsfreiheit ebenso wie der Glaubens- und Religionsfreiheit und garantiert den für die Schule geltenden Grundsatz der religiösen Neutralität. Ziel der Sexualaufklärung ist mit Kindern und Jugendlichen über verschiedene religiöse als auch kulturelle Wertesysteme in Austausch zu kommen. Die kritische Auseinandersetzung lässt Kindern und Jugendlichen die Freiheit, sich mit ihrem Wertesystem zu identifizieren ohne dabei andere Wertesysteme als minderwertig oder falsch klassieren zu müssen. Schulische Sexualaufklärung soll Ansichten wie „kein Sex vor der Ehe“ genauso zu Wort kommen lassen, wie die Forderung „Ehe für alle, auch für homosexuelle Paare“. Eine wertneutrale Sexualaufklärung anerkennt die religiöse und kulturelle Vielfalt, insofern die Grundrechte wie Bildung und Chancengleichheit gewährleistet sind.
Wie alle Menschen haben auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung Anliegen und Fragen zu Sexualität und sind unterschiedlichen, auch medialen Einflüssen ausgesetzt. Auch sie haben das Recht auf eine Sexualaufklärung, die auf ihre Fragen eingeht und ihrer Entwicklung und ihren Fähigkeiten Rechnung trägt. Eine geistige oder körperliche Behinderung erfordert unter Umständen mehr Zeit, Unterstützung und Begleitung. Diesen Bedürfnissen muss eine Sexualaufklärung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung gerecht werden. Es benötigt damit eventuell spezifische Hilfsmittel, um den Einfluss der Behinderung auf den Alltag, das erhöhte Risiko einer Schwangerschaft, eines sexuellen Missbrauchs oder einer HIV/STI-Ansteckung zu berücksichtigen. Wie alle andern haben diese Kinder und Jugendlichen das Recht, in ihrer Sexualität anerkannt, gehört und geschätzt zu werden. Die Sexualaufklärung respektiert ihr Recht auf Privatsphäre und setzt sich für das Prinzip der «sexuellen Verantwortung» ein. Das bedeutet, dass die sexuelle Identität jeder Person und ihr Recht auf ein qualitativ gutes Sexualleben anerkannt ist. A. Dupras (2010).
Kinder und Jugendliche mit Behinderung brauchen eine differenzierte und ergänzende Sexualaufklärung. Diese besteht aus mündlichen Beiträgen und aus Bildern und ermöglicht das Kennenlernen des eigenen Körpers. Sie ist fortlaufend im Alltag und im Leben integriert. Sie ermöglicht eigene Bedürfnisse zu identifizieren und Antworten auszudrücken. Die Kultur der Intimsphäre, der Selbstachtung und der Achtung anderer Menschen gibt die Familie weiter. Die Fachpersonen betreiben ergänzend eine formale, angepasste, erklärende und auf einem positiven Zugang beruhende Sexualaufklärung, die die notwendigen Informationen sicherstellt. Dies erlaubt, auch ausserhalb der Familie über Sexualität und sexuelle Gesundheit zu sprechen. Das pädagogische Team ist integraler Bestandteil des Prozesses und unterstützt diesen im Alltag. Zudem macht es sich regelmässig Gedanken über seine Rolle und seine Haltung.
Die Fachtitel von SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz «Fachperson sexuelle Gesundheit in Bildung und Beratung» und «Spécialiste en santé sexuelle – éducation-formation-conseil» werden für den erfolgreichen Abschluss von 2 CAS in der Deutschschweiz respektive einem DAS in der lateinischen Schweiz verliehen. Die berufsbegleitende Weiterbildung wird an verschiedenen Fachhochschulen in der Schweiz angeboten, in enger Zusammenarbeit mit SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz. Fachpersonen mit diesem Fachtitel können während ihrer beruflichen Laufbahn von Fortbildungen profitieren, welche verschiedene spezialisierte Schweizer Fachhochschulen oder Fachverbände wie faseg, ARTANES oder ARTCOSS in enger Zusammenarbeit mit SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz anbieten. Fachpersonen mit Fachtitel sind befähigt, auf dem Gebiet von Bildung und Beratung zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit qualifiziert zu arbeiten. Dazu gehören im Bereich Bildung sexualpädagogische Interventionen, Fachvorträge, Coaching für Fachpersonen oder Elternschulungen. Auf der Ebene der psychosozialen Beratung umfasst dies beispielsweise Beratung rund um das Thema Schwangerschaft, Verhütungsberatung, Beratung zu sexuell übertragbaren Infektionen einschliesslich HIV sowie zu sexueller Gewalt. Fachpersonen mit diesem Fachtitel fördern kritisches Denken und informiertes Handeln und beraten ergebnisoffen. Sie richten ihr berufliches Handeln nach den ethischen Handlungsprinzipien des Ethikkodex zum Fachtitel. Die Fachverbänden der sexuellen Gesundheit in Bildung und Beratung sind bestrebt durch Vernetzung, Austausch und Fachtagungen die Qualität der Praxis zu sichern.
Jede Klassenveranstaltung ist verschieden. Die folgende Schilderung ist ein Beispiel, wie eine Klassenveranstaltung verlaufen kann.
Im Vorfeld einer Klassenveranstaltung zu Sexualaufklärung wird der Einsatz mit der Lehrperson vorbesprochen. Dabei werden Vorgehen, zu behandelnde Inhalte, Einbettung in die Unterrichtsplanung, Besonderheiten, auf die im Unterricht Rücksicht genommen werden müssen, allfällige Elterninformation, usw. besprochen. Je nach Thematik wird geschlechtergetrennter oder geschlechtergemischter Unterricht vereinbart. In der Regel werden die Lehrpersonen aufgefordert, die Schülerinnen und Schüler (SuS) anonyme Fragen aufschreiben zu lassen, damit sich die Sexualpädagog_innen auf den Unterricht vorbereiten und auf das Interesse der SuS eingehen können, ohne dass diese sich im Unterricht exponieren müssen. Da die Sexualpädagog_innen die SuS nicht kennen, kommt dem Einstieg in die Thematik eine wichtige Rolle zu. Ein spielerischer Einstieg mit Vorstellungsrunde, Abmachungen treffen und erstes über Liebe, Freundschaft und Sexualität sprechen, bricht das Eis und begünstigt eine vertrauensvolle Atmosphäre. Je nach Schwerpunkt wird spezifisches Veranschaulichungsmaterial verwendet: Bilder, Videosequenzen, Modelle der inneren und äusseren Geschlechtsorgane, Symbolgegenstände, Verhütungsmittel, Broschüren, usw. Es wird viel Wert auf abwechslungsreichen und interaktiven Unterricht gelegt, wobei alle SuS für sich entscheiden, wieviel sie sich eingeben wollen. Eine Auswertung mit den SuS und eine Nachbesprechung mit der Lehrperson schliessen die Klassenveranstaltung ab.
SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz unterstützt die Professionalisierung der Sexualaufklärung sowohl unter Einbezug externer Fachpersonen als auch die Sensibilisierung und Weiterbildung von Lehrpersonen zu Fragen im Zusammenhang mit Sexualität und sexueller Gesundheit. SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz setzt sich für eine ganzheitliche Sexualaufklärung ein, welche auf den Rechten basieren wie sie in den WHO-Standards verteidigt werden. SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz setzt sich auch für die Förderung der Elternbildung ein. Eltern / Erziehungsberechtigte und andere Bezugspersonen von Kindern müssen mit erforderlichen Kompetenzen und Informationen ausgestattet werden, damit sie eine unterstützende Rolle bei letzteren spielen können. Dieses vielseitige “Kooperationsmodell“ ist einerseits ein Garant für die Qualitätssicherung und ermöglicht andererseits eine positive und nachhaltige Antwort der Gesellschaft auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Jugendlichen. Die schulische Sexualaufklärung ist eine wichtige Grundlage für die Persönlichkeits- und Identitätsbildung und zur Prävention sexueller Gewalt und Homophobie bei Kindern und Jugendlichen, ebenso wie zur Verhütung unerwünschter Schwangerschaften und zur Verhinderung sexuell übertragbarer Infektionen.