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Ayurvedische Anwendung weiterer Yoga Praktiken
Pratyahara ist vielleicht der wichtigste Aspekt der Yoga-Praktiken. Zwar wird Pratyahara als “Kontrolle der Sinne” verstanden. Es geht dabei jedoch um die Internalisierung von Geist und Prana.
Der Begriff Pratyahara besteht aus zwei Sanskritwörtern, nämlich prati und ahara. Ahara bedeutet „Nahrung“ oder „etwas, was wir uns von aussen zuführen“. Prati ist eine Präposition, die „gegen“ oder „weg“ bedeutet. Pratyahara bedeutet wörtlich „Beherrschung des Ahara“ oder „Meisterung äusserer Einflüsse“.
Grob vereinfacht geht es im Pratyahara um Ruhe, Entspannung, Untätigkeit bzw. Nicht-Tun. Pratyahara dreht sich also um die Reduzierung von Aktivität, Reiz- und Stresseinwirkung. Viele Formen von Pratyahara praktizieren wir automatisch und in natürlicher Weise. So zum Beispiel Schlaf, Entspannung oder Fasten.
Ayurveda Therapien wie Massage, Marma Therapie oder Pancha Karma stellen auch Formen von Pratyahara dar.
In Bezug auf Yoga-Praktiken kann Pranayama als Pratyahara des Atems bzw. des Pranas betrachtet werden. Ebenso gibt es Pratyahara des Geistes, die Wendnung des Geistes nach innen.
Als fünfter von acht Stufen des Yoga kommt Pratyahara zentrale Bedeutung zu. Pratyahara ist ein Bindeglied zwischen den inneren und äusseren Aspekten des Yoga. Es ist fast unmöglich, unmittelbar von Asana zur Meditation überzugehen. Dies ist die Stelle, an der Pranayama und Pratyahara ansetzen.
Nach der Lehre des Ayurveda sind Sinneseindrücke die Hauptnahrung für den Geist. Wir beherrschen die Sinne, indem wir unsere Aufmerksamkeit von ihnen abziehen. Das geht auch aus den Yogasutras hervor: „Wenn die Sinne sich nicht mit ihren Objekten identifizieren, sondern die Natur des Geistes imitieren: das ist Pratyahara.“ Genauer gesagt ist es Mano-Pratyahara, denn wir ziehen die Sinne von ihren Objekten zurück und richten sie nach innen auf die Natur des Geistes, nämlich die Formlosigkeit.
Unter Dharana versteht man die Konzentration des Geistes: die Kunst, die Kunst den Geist einpünktig werden zu lassen. Dharana dient dazu, den Geist in ein Instrument der Meditation zu verwandeln. In ayurvedischer Hinsicht ist Dharana von grossem Wert für ayurvedische Psychologie und Lebensberatung.
Die Kraft der Aufmerksamkeit zurückzugewinnen und sie zu entwickeln ist eines der wichtigsten Ziele der Yoga-Praxis und der ayurvedischen Psychologie. Darin liegt die Vorasusetzung für ayurvedische Lebensführung und fortgeschrittene Yoga-Praktiken, welche beständige Achtsamkeit und innere Willenskraft benötigen. Um körperlich und geistig zu gesunden, um im Yoga fortzuschreiten und die Aspekte jenseits des Geistes zu erfahren, für all diese braucht es die Kraft der Aufmerksamkeit. Sie ist die Tür, durch dir wir gehen müssen.
Meditation braucht einen fokussirten Geist als Werkzeug. Der Geist kann nicht schweigen oder ruhig werden, ohne dass er zuvor konzentriert wurde. Es gibt verschiedene Formen von Dharana. Am wichtigsten sind die Konzentration auf ein äusseres Objekt (Trataka), auf Mantras sowie die Konzentration auf Tattvas bzw. die kosmischen Prinzipien.
Der Sankskrit-Begiff Dhyana bedeutet Meditation und ist unter anderem Thema in der Bhagavadgita (6.10-15). In Vers 10 steht: “Ein Yogi sollte sich stets bemühen, seinen Geist zu konzentrieren, indem er in Einsamkeit weilt, Gedanken und Körper unter Kontrolle hält und frei ist von Erwartungen und Begehren.”
Es gilt, den unbewussten Geist so zu transformieren, dass er unsere Meditationsanläufe nicht weiter behindert. Am einfachsten geschieht dies durch die Anwendung von Mantras (aber auch Pranayama ist hilfreich). Die Hintergrundstruktur des Geistes besteht aus Klang bzw. aus Wörtern, welche wiederum Klang sind. Diese Struktur lässt sich durch das Wiederholen eines bestimmten mantrischen Klangmusters verändern und vom rajasisch-tamasichen Zustand in einen sattvischen wandeln.
Mehr zum Thema Mantra kannst du zum Beispiel in dem Buch Nachtvögel von Swami Veda Bharati. Hier findest du einen Auszug aus diesem Buch.
Buchempfehlungen:
- Yoga und Ayurveda (Die uralte Kunst und Wissenschaft der spirituellen und psychosomatischen Integration) von David Frawley
- Ayurvedische Psychologie (Wege zum Selbst und das Energieprinzip im Ayurveda) von Jean-Pierre Crittin
- Yoga und Psychologie, Carsten Unger und Katrin Hofman-Unger
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