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Der Hollywood-Film «Joker» ist bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. Der Film mit Joaquin Phoenix in der Rolle des Batman-Gegenspielers Joker erhielt den Hauptpreis zum Abschluss des Filmfestivals am Samstagabend.
Der Film hatte bei der Mostra bereits die grösste Aufmerksamkeit von Kritikern und Publikum eingeheimst und blieb vor allem mit der überragenden Leistung von Joaquin Phoenix in Erinnerung.
Todd Phillips, bekannt als Regisseur der «Hangover»-Klamaukfilme, erzählt mit gesellschaftskritischen Untertönen die Vorgeschichte des Bösewichts aus den Batman-Comics. Weil eine Buchvorlage fehlt, konnte er sich dabei viele erzählerische Freiheiten nehmen.
Der Goldene Löwe ging zuletzt vor zwei Jahren an eine US-Produktion: 2017 gewann «The Shape of Water» von Guillermo del Toro die höchste Auszeichnung des Festivals.
Der zweitwichtigste Preis des Festivals, der Grosse Preis der Jury, ging an «J'accuse» («An Officer and a Spy») von Roman Polanski. Der 86-jährige Oscarpreisträger erzählt darin von der Dreyfus-Affäre, über den jüdischen französischen Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 durch ein Kriegsgericht in Paris wegen angeblichem Landesverrat zugunsten des Deutschen Kaiserreiches zu Unrecht verurteilt wurde.
Über die Teilnahme des Polanski-Filmes am Festival hatte es im Vorfeld eine Kontroverse gegeben. Der in Frankreich lebende Roman Polanski wird in den USA wegen Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen polizeilich gesucht. Im Jahr 1977 hatte er Sex mit der damals 13-jährigen Samantha Geimer, ein Jahr später floh er aus den USA. Die US-Filmakademie hatte Polanski wegen des Falles im vergangenen Jahr ausgeschlossen.
Für die beste Regie wurde der Schwede Roy Andersson ausgezeichnet, der in seinem Melodram «About Endlessness» in kurzen Episoden in die traurigen Seelen von Menschen blickt. Der in Hongkong lebende Yonfan gewann den Preis für das beste Drehbuch für den Animationsfilm «No. 7 Cherry Lane».
Als beste Schauspieler ehrte die Jury den Italiener Luca Marinelli und die Französin Ariane Ascaride. Marinelli gewann die Trophäe für seine Darstellung in «Martin Eden» von Pietro Marcello nach einer Buchvorlage von Jack London, Ascaride für ihre Leistung im Sozialdrama «Gloria Mundi» von Robert Guédiguian.
Die Dokumentation «La mafia non è più quella di una volta» des Italieners Franco Maresco erhielt den Spezialpreis der Jury. Mit dem Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller wurde Toby Wallace ausgezeichnet, der in «Babyteeth» der Australierin Shannon Murphy einen Drogensüchtigen spielt. (sda/dpa)