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Vorsteuerabzug auf Spesenabrechnungen
Frage: Meine Frage betrifft den Vorsteuerabzug auf den Spesenabrechnungen unserer Mitarbeiter in Sachen Mittagsverpflegung. Wenn ein Mitarbeiter (mehrheitlich Aussendienst) sein Mittagessen über die Spesen abrechnet, darf auf diesem der Vorsteuerabzug getätigt werden?
- Wenn er alleine isst?
- Mit weiteren Mitarbeitern?
- Mit Kunden?
Antwort: Grundsätzlich können Sie auf sämtlichen Aufwendungen die in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer als Vorsteuern geltend machen, sofern die Aufwendungen geschäftsmässig begründet sind. Aufwendungen, welche an Personen bezahlt werden, welche in Ausübung ihrer Arbeitstätigkeit entstehen, erfüllen grundsätzlich diese Anforderung, sofern die von den Personen erbrachte Tätigkeiten grundsätzlich eine steuerbare Leistung darstellt (also wenn nicht etwa eine ausgenommene Leistung wie z.B. Schulungsleistung, für welche nicht optiert wurde, erbracht wurde). Gemäss Art. 28 MWSTG darf ferner nur folgende Vorsteuer zurückgefordert werden:
- die ihr in Rechnung gestellte Inlandsteuer
- die von ihr deklarierte Bezugsteuer (Art. 45–49 MWSTG)
- die von ihr entrichtete oder zu entrichtende Einfuhrsteuer, die mit unbedingter Forderung veranlagt wurde oder die mit bedingter Forderung veranlagt wurde und fällig geworden ist, sowie die von ihr für die Einfuhr von Gegenständen deklarierte Steuer (Art. 52 und 63 MWSTG).
Zudem gelten folgende Spezialregeln:
- Hat die steuerpflichtige Person bei nicht steuerpflichtigen Landwirten und Landwirtinnen, Forstwirten und Forstwirtinnen, Gärtnern und Gärtnerinnen, Viehhändlern und Viehhändlerinnen und Milchsammelstellen Erzeugnisse der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft, der Gärtnerei, Vieh oder Milch im Rahmen ihrer zum Vorsteuerabzug berechtigenden unternehmerischen Tätigkeit bezogen, so kann sie als Vorsteuer 2,5 Prozent des ihr in Rechnung gestellten Betrags abziehen.
- Hat die steuerpflichtige Person im Rahmen ihrer zum Vorsteuerabzug berechtigenden unternehmerischen Tätigkeit einen gebrauchten individualisierbaren beweglichen Gegenstand für die Lieferung an einen Abnehmer oder eine Abnehmerin im Inland ohne Mehrwertsteuerbelastung bezogen, so kann sie auf dem von ihr entrichteten Betrag einen fiktiven Vorsteuerabzug vornehmen. Der von ihr entrichtete Betrag versteht sich inklusive Steuer zu dem zum Zeitpunkt des Bezugs anwendbaren Steuersatz.
- Der Abzug der Vorsteuer ist jedoch nur zulässig, wenn die steuerpflichtige Person nachweist, dass sie die Vorsteuer bezahlt hat. Abschliessend erlaube ich mir noch auf die weiteren Ausschluss- bzw. Einschränkungsregeln in Art. 29–31 sowie Art. 33 MWSTG zu verweisen.
Vorsteuerkorrektur bei der MWST-Abrechnung?
Frage: Wenn eine Gesellschaft eine Liegenschaft besitzt, die nicht optiert ist, und die damit zusammenhängenden Aufwände deshalb ohne Verrechnungssteuer bucht, muss dann bei der MWST-Abrechnung trotzdem zusätzlich eine Vorsteuerkorrektur gemacht werden?
Antwort: Die Antwort lautet «Nein». Eine Vorsteuerkorrektur betrifft bereits zurückgeforderte Vorsteuern – wenn Sie also keine Vorsteuern zurückgefordert haben, muss folglich nichts korrigiert werden.
Noch ein Hinweis:
Sofern es sich um eine gewerblich genutzte Liegenschaft handelt, lohnt sich in der Regel fast immer eine Option.
Verrechnung Heizung und Nebenkostenabrechnung
Frage: Der Vermieter hat die Heiz- und Nebenkosten im Voraus an den Leistungserbringer inkl. MWST gezahlt und möchte diese am Ende des Jahres dem Mieter mittels Heiz- und Nebenkostenabrechnung in Rechnung stellen. Muss der Vermieter bei der Verrechnung noch eine zusätzliche Mehrwertsteuer von 8% auf die bereits in den Heiz- und Nebenkosten enthaltenen Vorsteuern schlagen, oder ist dies nicht erforderlich?
Antwort: Grundsätzlich hat der steuerpflichtige Vermieter die Möglichkeit, die Vorsteuer auf den Aufwendungen (Nebenkosten), welche zu einem späteren Zeitpunkt in Rechnung gestellt werden, zurückzufordern, sofern er für die Vermietleistung (Mietverhältnis) optiert hat (davon wird vorliegend ausgegangen). Im Weiteren hat der Vermieter auf den Nettoleistungen (Nettokosten ohne MWST) die Mehrwertsteuer wiederum auf der Rechnung dazuzuschlagen (offener Ausweis) und ermöglicht so den Mietern, die Vorsteuern zurückzufordern. Der Vermieter hat ferner einerseits in seiner MWST-Deklaration die Vorsteuern und andererseits die in Rechnung gestellten Kosten als Umsatz zu deklarieren.
Vorsteuerkürzung
Frage: Einer meiner Klienten (MWST-pflichtig, Branche Gartenbau) hat einen eigenen Werkhof erstellt. Die Vorsteuer für die Investitionen wurde geltend gemacht. Nach Fertigstellung des Werkhofes hat er einen kleineren Teil der Liegenschaft an einen selbständigen Maschinenmechaniker vermietet (Ich nehme mal an, dass dieser ebenfalls MWST-Steuerpflichtig ist). Dieser führt auch für meinen Klienten diverse Reparaturen durch und stellt dafür Rechnung. Der Mietertrag stellt jedoch einen kleinen Teil zum Gesamtumsatz (ca. 0,6%) dar. Muss hier trotzdem eine Vorsteuerkürzung wegen gemischter Verwendung angewendet werden? Und wenn ja, würde ich die Kürzung nur auf die Vorsteuerabzüge der Liegenschaft anwenden und nicht auf alle Vorsteuerabzüge (Investitionen) des Betriebes?
Antwort: Grundsätzlich ist auch bei 0,6% eine Vorsteuerkürzung vorzunehmen. M.E. würde ich aber vorab versuchen, den Mieter zu überzeugen, dass eine steuerpflichtige Vermietung erfolgen kann. Falls Ihre Annahme zutrifft, wonach der Mieter steuerpflichtig ist, sollte dies auch kein Problem darstellen, da die Nettobelastung für den Mieter gleich bleibt.
Spenden
Frage: Wir verbuchen Spendeneinnahmen und die entsprechenden Ausgaben meistens über Fondskonten. Die Ausgaben können den Spenden also direkt zugewiesen werden. Ist es in diesem Fall erlaubt auf den «Spendenausgaben» Vorsteuern geltend zu machen? Wäre es anders, wenn die Spenden über die Erfolgsrechnung gebucht würden und die Ausgaben nicht direkt zugewiesen werden könnten? Die Spenden führen ja zu keiner Vorsteuerkürzung.
Antwort: Spenden werden ohne Gegenleistung ausgerichtet und führen deshalb auch nicht zu einer Kürzung des Vorsteuerabzuges (Art. 18 Abs. 2 Bst. d und 33 Abs. 1 MWSTG). Die Spenden gehören nicht zum massgebenden Umsatz für die Kürzung der Vorsteuern und sind nicht in den Umsatzschlüssel für die Vorsteuerkürzung einzubeziehen. Die Spenden sind ebenfalls nicht in den Umsatzschlüssel für die Vorsteuerkürzung einzubeziehen, wenn die steuerpflichtige Person – nebst den steuerbaren Einnahmen und den Spenden – ausgenommene Umsätze erzielt. Die Verbuchungsart hat bzw. darf grundsätzlich keinen Einfluss auf das Resultat hinsichtlich der Vorsteuerkürzung haben. Um zu prüfen, ob eine korrekte Vorsteuerkürzung vorgenommen wurde, müssten wir detailliert die Jahresrechnung, die Verbuchungsart sowie die Vorsteuerkürzung prüfen. Prima Vista bin ich der Ansicht, dass Sie zumindest teilweise einen Vorsteuerabzug vornehmen können müssten. Ich empfehle Ihnen zudem, das Beispiel Nr. 5, S. 26 ff. in der MWST-Info 09 Vorsteuerabzug und Vorsteuerkorrekturen zu konsultieren.
Mehrwertsteuer auf vermieteten Liegenschaften
Frage: Kann eine vermietete Liegenschaft in jedem der folgenden drei Fälle optiert werden:
- nur geschäftliche Mieter
- nur private Mieter
- gemischt (geschäftliche und private Mieter)
Wie verhält sich der Vorsteuerabzug in diesen drei Fällen (VST-Korrektur nötig?).
Antwort: Ja – wenn für alle Mietverhältnisse optiert werden kann, denn ergibt sich keine Vorsteuerkürzung/Vorsteuerkorrektur. Grundsätzlich nein – wenn die Privatpersonen, das gemietete Objekt aber für Geschäftszwecke nutzen, ist eine Option möglich. Bitte beachten Sie, dass nicht pro Gebäude, sondern vielmehr pro vermietete Einheit bzw. Mietvertrag optiert werden muss. Es ist eine Vorsteuerkürzung/Vorsteuerkorrektur vorzunehmen. Bitte beachten Sie auch, dass es verschiedene Modelle für die Berechnung der Vorsteuerkürzung/ Vorsteuerkorrektur gibt. Und ja – es ist eine Vorsteuerkürzung/Vorsteuerkorrektur vorzunehmen.
Gruppenbesteuerung
Die Muster GmbH hat die Verwaltungsadministration für die Personalvorsorgestiftung an die Vorsorge AG ausgelagert. Für diese Verwaltungstätigkeit stellt die Vorsorge AG eine vierteljährliche Rechnung inkl. 8% MWST an die Personalvorsorgestiftung. Bis heute bezahlt die Muster GmbH diese Rechnung der Vorsorge AG vollumfänglich und bucht diese als Beratungsaufwand ohne Vorsteuerabzug in der Muster GmbH. Dieser Aufwand inkl. MWST verbleibt bis heute in der Muster GmbH, d.h. er wird nicht an die Personalvorsorgestiftung weiterbelastet. Seit 1.1.2015 ist es möglich, eine sogenannte Gruppenbesteuerung bei der ESTV zu beantragen. Gemäss Art. 13 MWSTG ist die einheitliche Leitung der MWST-Gruppe erforderlich; tatsächlich sind die Geschäftsleitung der Muster GmbH und der Stiftungsrat der Personalvorsorgestiftung personalmässig weitgehend identisch (ausser der Mitarbeitervertretung).
Frage: Wäre es somit möglich, dass die Muster GmbH und ihre Personalvorsorgestiftung eine MWST-Gruppe bilden könnten? Als Konsequenz könnte die Personalvorsorgestiftung resp. die zahlende Muster GmbH die Vorsteuern auf den verschiedenen Beratungsrechnungen (Vorsorge AG etc.) zurückfordern.
Antwort: Grundsätzlich ist das möglich. Es ist aber unklar, welche Leistungen die Vorsorge AG etc. erbringt. Solange es sich um Leistungen handelt, welche direkt oder indirekt ausgenommenen Umsätzen (z.B. Vermögenserträge) zugeordnet werden kann/muss, würde auch weiterhin keine Möglichkeit zur Rückforderung der Vorsteuer bestehen.