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Paul Bodmer (1886–1983) wächst in Zürich auf, wo er eine Lehre zum Theatermaler macht. Als solcher ist er wie auch sein Künstlerfreund Reinhold Kündig einige Jahre lang in Deutschland tätig. 1910 kehrt er in die Schweiz zurück und arbeitet als freier Künstler. Seine 1913 gestalteten Wandbilder im neuen Universitätsgebäude von Karl Moser ecken im gutbürgerlichen Zürich mit ihren nackten Figuren an, nach heftigen Protesten muss er sie selbst wieder übermalen. Mit weiteren Wandgemälden hält er sich und seine Familie über Wasser und erlangt schliesslich grössere Anerkennung aufgrund seiner Fresken im Zürcher Fraumünsterkreuzgang, an denen er von 1924-1941 arbeitet. Das Bildprogramm zu den Entstehungslegenden des Fraumünsters veranschaulicht Bodmers späteren, idealistisch-mythologisierenden Stil. Es folgen viele Auftragsarbeiten für öffentliche Gebäude in und um Zürich. 1947 erhält er den Kunstpreis der Stadt Zürich.
Der Teilnachlass von Paul Bodmer umfasst Schriften zu seinen Werken und zu biografischen Ereignissen. Private und geschäftliche Korrespondenzen machen einen grossen Teil des Konvoluts aus, so etwa ein umfangreicher Briefwechsel mit seinem Freund Reinhold Kündig. Ebenfalls im Nachlass enthalten sind Lebensdokumente, Sammlungen zu Ausstellungen, Presseartikel und Werkabbildungen sowie Porträtfotografien von Bodmer. Einige Fotografien zeigen auch die kurzlebigen Wandmalereien in der Universität Zürich. Doch mehr Material als zu dem Kunstskandal findet sich zu seinem Hauptwerk im Fraumünsterkreuzgang. In einem Notizbuch beschreibt Bodmer ausführlich den Entstehungsprozess des dekorativen Zyklus und sinniert über die Freskomalerei an sich sowie sein Selbstverständnis als Wandmaler. Er beschreibt seine frühen Eindrücke von Arnold Böcklin, Giovanni Segantini, Ferdinand Hodler und den Impressionisten, die zusammen mit Studien von italienischen Fresken ein Verlangen nach einer eigenen formalen Gestaltung auslösen. In seinen Notizen hält Bodmer fest, dass das Gegenständliche der Gestaltung für ihn weniger Bedeutung hat, solange die menschliche Haltung dahinter echt und voller Empfindung ist und schliesst: «Je einfacher, desto besser».
Die Dokumente aus dem Nachlass und den Sammlungen von Paul Bodmers Frau, Emma Bodmer-Rauch, wurden bereits im September 1989 von einem der Söhne des Paars, Martin Bodmer, geordnet. 2017 wurden sie von der Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich als Schenkung an SIK-ISEA übergeben. Die ausführlichen Betrachtungen des Künstlers zu den Fraumünsterfresken und der Freskomalerei verdeutlichen sein Streben nach einer eigenen Ausdrucksweise. Der Wandel von seinem frühen, abstrakt-dekorativen Stil hin zu seiner späteren, idealisierend-naturalistischen Bildsprache und der damit einhergehende Erfolg kann anhand der Dokumente im Teilnachlass sehr gut nachverfolgt werden.
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 312
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Nina Schweizer, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 26.02.2020