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Helvetia Franciscana ist eine historische Zeitschrift der drei schweizerischen Orden des hl. Franziskus von Assisi. Sie publiziert wissenschaftliche Aufarbeitungen der vielfältigen Geschichte der drei Orden des hl. Franziskus in der Schweiz und in der angrenzenden Nachbarschaft. Gleichzeitig bibliografiert sie die aktuellen Publikationen schweizerischer Ordensleute kontinuierlich.
Der Pädagoge und Historiker Carl Bossard (Stans NW), würdigt die vom Bündner Kapuziner Theodosius Florentini († 1865) gegründete franziskanische Schwesternkongregation, die Lehrschwestern vom Heiligen Kreuz (Menzingen), in ihrer pädagogischen Kärnerarbeit für die Bildung der Frauen in der katholischen Schweiz. Am 17. Oktober 1844 trifft Sr. Bernarda Heimgartner (1822-1863) auf Florentinis Rat zusammen mit zwei Mitschwestern in Menzingen ein. Das Datum ist der Geburtstag des Bildungsinstituts Menzingen, das zu einer dynamischen Entfaltung für Frauen bis ins höhere und akademische Bildungswesen in der Schweiz geführt hat.
Kapuziner-Brüder und Baldegger-Schwestern am 6. Mai 1921 nach Tansania
Mit Tansania erhielten die Schweizer Kapuziner zusammen mit den Baldegger Schwestern zum ersten Mal ein eigenes Missionsgebiet in Übersee in Eigenverantwortung. Seit der ersten Aussendungsfeier am 6. Mai 1921 in der Klosterkirche Wesemlin in Luzern sind 202 Brüder und 126 Schwestern nach Tansania auf Mission gegangen. Und die Missionen in Tansania und auf den Seychellen haben sehr bald bei den Kapuzinern in der Schweiz und später auch bei den Baldegger Schwestern weitere Engagements und Hilfeleistungen im Namen Christi in anderen Ländern und Erdteilen ausgelöst. Dabei ist selbst die Schweiz seit dem 16./17. Jahrhundert für die Kapuziner Missionsgebiet. Bereits vor 1921 finden sich Kapuziner aus der Schweiz europa- und weltweit auf Mission. Der Beitrag des Provinzarchivaren liefert dazu einen Überblick.
Bibliotheken spielen bei den Kapuzinern im Dienst der Seelsorge und Mission eine bedeutende Rolle. In der Schweiz war seit der Ankunft der Kapuziner aus Italien – zuerst im Tessin 1535 mit der Gründung des Klosters Bigorio und dann erstmals nördlich der Alpen Europas überhaupt 1581 und 1582 mit den Gründungen der Klöster Altdorf in Uri und Stans in Nidwalden – bis ins 20. Jahrhundert hinein eine engmaschige Bibliothekslandschaft entstanden: wo eine Kapuzinerniederlassung, dort auch eine Bibliothek. Seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts erfolgen zahlreiche Schließungen von Niederlassungen – nicht nur beim Kapuzinerorden – infolge Nachwuchsmangels. Geblieben sind Bibliotheken als wichtiges schweizerisches Kulturgut. Ihre Schicksale sind unterschiedlich und haben Folgen auf historische Buchbestände. Ausgesuchte Beispiele zeigen, wie dieser überlieferte Schatz an analogem Wissen der Nachwelt tradiert wird: der Orden, die kantonalen und kommunalen Institutionen sowie die Universitäten arbeiten zusammen im Bereich des Möglichen.
Helvetia Franciscana 49, Luzern 2020, 164 S., ill. – ISSN 1661-7703.
CHF 30.00 (plus Versandkosten).
Bezug: Provinzarchiv Schweizer Kapuziner, Wesemlinstr. 42, CH-6006 Luzern <email-pii>.
Homepage:
www.kapuziner.ch/helvetia-franciscana/
Der diesjährige Band widmet sich folgenden Schwerpunkten: dem Kloster Mels mit seinem Bilderzyklus Karl Borromäus; der «Biblioteca antica del Convento dei Cappuccini al Bigorio»; den Beziehungen zwischen Engelberger Mönchen und Brüdern Kapuzinern; dem Missionar Antoine Marie Gachet und seiner Tätigkeit bei den Indianern in Nordamerika.
Kloster Mels
Von den vier Beiträgen über das kürzlich renovierte Kapuzinerkloster Mels gilt einer dem heiligen Karl Borromäus. Wie kommt dieser Reformbischof zu den Kapuzinern in Mels? Was machte ihn in Mels so prominent, dass die Klosterkirche ihm geweiht ist, und dass da einer der schönsten Schweizer Bildzyklen des Heiligen seine Biographie erzählt? Antworten dazu liefert Niklaus Kuster. Zum ersten Mal wird eingehend diese alte Altartafel, ein Spätwerk des Luzerner Künstlers Kaspar Meglinger († um 1670), wissenschaftlich beschrieben und gewürdigt, dazu begleitend illustriert bis ins Detail mit photographischen Aufnahmen von Bruno Fäh.
Bigorio e la biblioteca antica
Wie wird eine kostbare Bibliothek im seit 1535 bestehenden Kapuzinerkloster Bigorio, wo die Geschichte der Kapuziner in der heutigen Schweiz beginnt, in die Zukunft tradiert? Die Antwort: wissenschaftliche elektronische Katalogisierung der ca. 4´000 Bände. Die Leiterin der Biblioteca Salita dei Frati in Lugano (Centro di Competenza del libro antico), Luciana Pedroia, beschreibt auf italienisch unter eingehender Würdigung eines Prototyps „una biblioteca cappuccina“ und der „nascita e formazione della biblioteca“ die Vorgehensweise der „catalogazione del fondo antico del Convento dei Cappuccini“.
Engelberger Mönche und Brüder Kapuziner
Warum schweben zwei Kapuzinerheilige, Fidelis von Sigmaringen und Josef von Leonessa, auf Wolken über der Benediktinerabtei Engelberg? So dargestellt auf einem aquarellierten Programmblatt, einer Anfertigung im Auftrag der Kapuziner von Stans des Jahres 1747 zum Lobpreis und Dank an den Abt Emmanuel Crivelli, eines der Quellen für eine seit 1635 in Zeiten der Not entstandene und bestehende Freundschaft zwischen Mönchen und Mendikanten. Die Abtei Engelberg ist seit 385 Jahren beim Kapuzinerorden affiliiert. All dies nachzulesen im Artikel von Christian Schweizer.
Ein Freiburger Kapuzinermissionar in Nordamerika
Der Freiburger Kapuziner Antoine Marie Gachet (1822-1890) war 1857-1862 tätig in der Menominee-Mission in Nordamerika. Hinterlassen von ihm ist aus dieser Zeit unter anderen Dingen und Schriften das wiederentdeckte handschriftliche und mit Zeichnungen versehene und lange als verschollen geglaubte Dokument „Cinq ans en Amérique. Journal d’un missionnaire“ (ca. 1862). In der daraus 2018 entstandenen jüngsten Publikation von Sylvia S. Kasprycki über „Five Years in America. The Menominee Collection of Antoine Marie Gachet„, an welchem auch einst der Kapuziner Anton Rotzetter Vorarbeit geleistet hatte, erkennt der Kapuziner Adrian Holderegger eine Neubewertung Gachets in ethnologischer Hinsicht.
Helvetia Franciscana 48, Luzern 2019, 196 S., ill. – ISSN 1661-7703.
CHF 30.00 (plus Versandkosten).
17 Autoren und Autorinnen bieten mit ihren Beiträgen ein schweizerisch interfranziskanisches Panorama der Geschichte und Kultur:
Ein Bericht über die Erschließung mittelalterlicher Handschriften im Kanton Luzern bringt Neuigkeiten zu den Niederlassungen und deren Brüder des Franziskusordens: Minoriten und Kapuziner in der Stadt Luzern und Kapuziner in Sursee.
Domherren im Bistum Sitten des 17. Jahrhunderts wagten den Schritt, ihre gut dotierten Pfründen zu verlassen und den Habit der Kapuziner anzulegen für ein bescheidenes Leben.
Das Kapuzinerkloster Brig nach dem Brand vom Wiederaufbau 1981 bis zur Auflösung des Konventes 2017 – das Ende einer Ära im franziskanischen Oberwallis.
Die Bedeutung der Bibliothek des einstigen Kapuzinerklosters Stans für Nidwalden: Historisches Schrifttum des 15.-19. Jahrhunderts und die damals im 20. Jahrhundert für modern gehaltene Literatur
Die entdeckte Moralis encyclopaedia des Marcellin de Pise als wichtige Quelle zur Neuinterpretierung des Bilderhimmels von Hergiswald im Kanton Luzern.
In memoriam Oktavian Schmucki OFMCap (1927-2018): Abschied von einem Altmeister unter den Ordenshistorikern des Franziskusordens aus katholischer und lutheranischer Perspektive; hinzu die Autobiographie des Verstorbenen.
Fidelis-Akademie in Sigmaringen 2018: Persönlichkeit, Verehrung und Faszination hl. Fidelis von Sigmaringen.
Zahlreiche Rezensionen in italienisch, französisch und deutsch über Publikationen franziskanischer Themen: Santa Maria delle Grazie in Bellinzona; Bernardin von Siena; das Schulwesen der Klarissen-Kapuzinerinnen in Lugano; Neuedition Bilderhimmel Hergiswald; Architektur des Kapuzinerklosters Sitten; die erstmals in Deutsch erschienenen Kapuzinerkonstitutionen von 1536; Schicksal des Kapuzinerklosters Rottweil; Ergebnisse und Befragungen aus Orden in der Säkularisierung des deutschsprachigen Europas im 21. Jahrhundert; die Gedenkfeier in Kroatien zum 150. Todesjahr Theodosius Florentini; Anton Rotzetters Leidenschaft für Franz von Assisi; Büchersammlung des Peter Falck in Fribourg; die Biblioteca Centrale dei Cappuccini und ihr Bezug zur Schweiz; der neue Ergänzungsband zum Proprium franziskanischer Ordensgemeinschaft.
Bibliographia Helveto-Franciscana 2017-2018 mit 413 angezeigten Publikationen franziskanischer Ordensleute der Schweiz.
Bibliographie: Luzern, Helvetia Franciscana 47, 2018, 248 S., ill. – ISSN 1661-7703. – CHF 30.00 (plus Versandkosten).
Bezug: Provinzarchiv Schweizer Kapuziner, Wesemlinstr. 42, CH-6006 Luzern – <email-pii>.
Homepage: Helvetia Franciscana: www.hfch.ch
Ausgabe (46. Band)
Franziskaner und Reformation – Kapuziner und Bruder Klaus – Menzingens „schwarze und braune“ Schwestern – Adieu Andermatt – Bibliographie Anton Rotzetter – Fidelis-Akademie
500 Jahre Reformation und 600 Jahre Niklaus von Flüe sind in der Helvetia Franciscana zwei Themenbereiche, die untereinander im Franziskusorden sich ergänzen:
Zum einen berichtet der deutsche Ordenshistoriker Johannes Karl Schlageter OFM (München) über den im Basler Barfüsserkloster wirkenden Humanisten-Gelehrten Konrad Pellikan (1478-1556), der seinen Weg als Observant via Erasmus von Rotterdam sich zum reformierten Dozenten an der Theologenschule des Huldrych Zwingli in Zürich entwickelte.
Zum anderen zeigt der reformierte Theologe Fritz Gloor (Stansstad) mit seiner quellenahen Abhandlung, wie im frühen 18. Jahrhundert der Nidwaldner Kapuziner Benno Lussy (1679-1755) sich als Bruderklausen-Apologet hervortat und auf dem Rücken des „vielseligen“ Bruder Klaus konfessionelle Polemik gegen die Reformation betrieb.
Bei der Schlacht- und Wallfahrtskapelle „Maria Hilf“ am Gubel bei Menzingen (Kanton Zug), die an den 1531 dort erfochtenen Sieg der Katholiken über die Reformierten erinnert, war 1851 ein Kapuzinerinnenkloster der Ewigen Anbetung“ entstanden. Der Konvent der „braunen Schwestern“ wurde in seinen Anfängen an den Rand des moralischen Abgrunds geführt infolge der Umtriebigkeiten des Gründungsvaters – des Menzinger Pfarrers Johann Josef Röllin (1814-1873) – und der Frau Mutter des Konventes, Aloisia Amman (Amtszeit 1857-1867). Dies beschreibt der Kapuzinerhistoriker Niklaus Kuster unter Berücksichtigung von Vision und Werk Röllins parallel und kontra zur jungen Kongregation der „schwarzen Schwestern“ in Menzingen, den Lehrschwestern vom hl. Kreuz, durch deren Gründerpersönlichkeiten wie den Kapuziner Theodosius Florentini (1803-1865) und die Kreuzschwester Bernarda Heimgartner (1822-1863).
Abschied wird genommen:
von der 1688 den Kapuzinern anvertrauten Pfarreiseelsorge des Urserntales in Andermatt mit der vom Provinzarchivar Christian Schweizer formulierten Würdigung des Präsentationsrechtes,
und von einem der ganz großen Franziskus-Forscher in Spiritualiät und Literatur, dem Kapuziner Anton Rotzetter (1939-2016), mit einer von seinem Mitbruder Oktavian Schmucki besorgten umfangreichen Biobibliographie.
In Sigmaringen (Hohenzollern) wurde am 23. April 2017 die publizierte Dissertation von Matthias Emil Ilg über den Kult des kapuzinischen Blutzeugen Fidelis von Sigmaringen (1578-1622) mit einer Akademie gefeiert, worüber zwei Beiträge dokumentieren.
Bibliographie: Luzern, Helvetia Franciscana 46, 2017, 288 S., ill. – ISSN 1661-7703. – CHF 30.00 (plus Versandkosten).
Bezug: Provinzarchiv Schweizer Kapuziner, Wesemlinstr. 42, CH-6006 Luzern – <email-pii>.
Homepage: Helvetia Franciscana: www.hfch.ch