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Auf den ersten Blick weist die blau-graue „Russisch Blau“ eine Ähnlichkeit mit der Kartäuserkatze oder blau-grauen Britisch Kurzhaarkatzen auf. Wer genauer hinschaut erkennt aber, dass diese Katzenrassen auf keinen Fall zu verwechseln sind!
Russisch Blau
© MuzzyCo / stock.adobe.com
Geschichte
Russisch Blau ist nicht gleich Russisch Blau. Heute sind drei wesentliche Zuchtzweige in Europa bekannt, aufgrund ihrer jeweiligen Historie unterscheiden sie sich teilweise immens voneinander.
Der sibirische/skandinavische Typ ist etwas kleiner, besonders elegant und hat weit auseinander gesetzte Ohren. Der eher dunkel gefärbte Typ ist meistens etwas menschenscheu und wird darum nicht besonders oft gezüchtet.
Der amerikanische Typ ist der eleganteste von allen. Mittelgross mit eher hellerer Färbung und sehr weit gesetzten Ohren ist er besonders kontaktfreudig und auch Fremden gegenüber zugetan.
Der englische Typ ist eher kräftiger. Besonders herausragend ist eine ehr enge, vertikale Ohrenstellung von Russisch Blau des englischen Zuchtzweigs. Vom Charakter her liegen Katzen dieses Typs zwischen dem sibirischen und amerikanischen Zuchtzweig.
In Deutschland existieren vor allem Mischungen dieser Zuchtzweige – dies ist durchaus erwünscht, um die genetische Vielfalt zu erhalten!
Doch warum unterscheiden sich die jeweiligen Zuchtzweige so stark voneinander? Der Grund ist in der Zuchtgeschichte der Russisch Blau Katze zu finden. Die Russian Blue stammt, wie der Name verrät, aus Russland. Man vermutet, dass sie als natürliche Rasse in der nordrussischen Hafenstadt Archangelsk vorkam und von dort aus um 1860 von britischen Matrosen nach England eingeführt wurde. Sie wurde als „Archangel Katze“ 1875 im Crystal Palace in England vorgestellt. Im 19. Jahrhundert war die Rasse sowohl in England als auch im Zarenreich in Russland beliebt. Seit 1937 ist die Russisch Blau Katze als eigenständige Rasse anerkannt. Mit Eintritt des zweiten Weltkriegs wurde der Bestand von Russisch Blau extrem dezimiert, die Rasse konnte aber durch Einkreuzungen von Siamkatzen, Britisch Kurzhaar und Europäisch Kurzhaar gerettet werden. Dadurch wurde das Fell der Russisch Blau Katze kürzer und dichter, ihre Augen tief-smaragdgrün.
Doch kommt ist die Zuchtgeschichte noch nicht zu einem Ende! So gibt es nach wie vor Bestrebungen, weisse und schwarze Russisch Blau anerkennen zu lassen. In den 60er Jahren wurde das „The Russian White and Black Program“ in England begründet: Frances McLeod of Arctic begann, „Russisch Weiss“ und „Russisch Schwarz“ zu züchten. Die Australierin Mavis Jones verpaarte in den 70er Jahren eine weisse Hauskatze mit einer Russisch Blau. Ihr Ziel war eine neue Farbvariante der Rasse, die „Russisch Weiss“. In den späten 70er Jahren wurden diese Russisch-Blau-Hybriden vom Royal Agricultural Society (RAS) Cat Club of New South Wales als Farbvariante der Russisch Blau anerkannt. Mittlerweile wurden die schwarzen und weissen Varianten der Russisch Blau auch in Zuchtverbänden in Australien, Neuseeland und Südafrika anerkannt. Die American Cat Fanciers Association billigt der „Russian Black“ und „Russian White“ mittlerweile Championchip-Status zu, sie wird dort als „Russisch Kurzhaar“ geführt. Ihr Zuchtstandard entspricht dem der Russisch Blau, sie darf aber auch einfarbig schwarz oder einfarbig weiss sein. Die Augenfarbe muss wie bei der Russisch Balu einem leuchtenden Grün entsprechen. Der Grossteil der Zuchtverbände erkennt aber nach wie vor nur die blau-graue Variante der Russian Blue an.
Charakter
Der Körperbau der Russisch Blau Katze ist graziös. Die langbeinigen, mit einem Gewicht von drei bis fünf Kilogramm mittelgrossen Katzen unterscheiden sich so immens vom eher gedrungenen Körperbau der Britisch Kurzhaar. Der Kartäuserkatze sieht sie hingegen schon ähnlicher – wären da nicht die Augen, die bei der Kartäuser gelb sind, bei der Russisch Blau aber leuchtend smaragdfarben. Der Kopf der Russisch Blau ist keilförmig, Augen und Ohren stehen weit auseinander. Besonders charakteristisch ist das ausgeprägte Schnurrhaarkissen im Gesicht der Russisch Blau, welches ihr einen besonders repräsentativen Gesichtsausdruck verleiht.
Das weiche Fell der Russisch Blau sticht besonders heraus. Das blau-graue Haarkleid mit einem silbrigen Schimmer ist schliesslich namensgebend für die Rasse! Jegliche Fellschattierungen, Flecken oder eine Tabby-Zeichnung sind laut Rassestandard unerwünscht. Sogar Nasenspiegel und Fussballen müssen idealerweise blau sein. Zwar werden heutzutage auch weisse und schwarze Farbschläge gezüchtet, sind aber noch nicht von allen Zuchtvereinen anerkannt worden. Russisch Blau Kitten kommen allerdings oft mit einer Geisterzeichnung auf die Welt, die aber spätestens mit einem Jahr einem zeichnungslosen, einfarbigem Haarkleid weichen sollte. Abgesehen von der Farbe ist auch die seidige Beschaffenheit des Fells einzigartig: Deckhaar und Unterwolle der Russisch Blau sind gleich lang - dadurch entsteht ein kurzes, weiches Haarkleid mit einer plüschigen Beschaffenheit. Die Russisch Blau ist die einzig bekannte Katzenrasse mit einem solchen Doppelfell!
Russisch Blau Charakter
Sind Sie auf der Suche nach einer besonders anhänglichen, intelligenten Katze? Dann dürften Sie von der Russisch Blau begeistert sein. Russisch Blau gelten als verschmuste, mässig aktive Katzen. Während sie als Kitten oft verspielt und sehr temperamentvoll sind, ändert sich dies mit dem Erwachsenwerden. Dann wird aus den lebensfreudigen, lebendigen Katzenkindern ein sanfter, souveräner Athlet. Oft werden sie darum als perfekt für die Wohnungshaltung angeboten. Doch Vorsicht: Die Russian Blue ist besonders intelligent und möchte gefordert und gefördert werden! Türen zu öffnen oder die Futterschublade aufzuschieben ist kein Problem für die meisten Russisch Blau. Diese Katze möchte beschäftigt werden, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommt – und da sie besonders menschenbezogen ist, liebt sie insbesondere Spiele mit den Menschen. Targettraining und Erziehung mit dem Clicker sind nur zwei Möglichkeiten, die Erkundungsfreude einer Russisch Blau in die richtigen Bahnen zu lenken. Intelligenzspielzeuge liebt die lernfreudige Katze genauso wie Futtersuchspiele. Viele Russisch Blau scheinen sogar bereit sein, Zirkustricks zu erlernen, wobei dies natürlich immens vom persönlichen Charakter der Katze abhängt. Apropos: Wussten Sie, dass Francis, der Hauptcharakter der bekannten Krimi-Buchserie „Felidae“, ein Russisch Blau Kater ist?
Als familienliebende Katzen sollten Russisch Blau auf keinen Fall allein gehalten werden. Gerade bei der Haltung in der Wohnung oder bei Familien, die selten daheim sind, bietet es sich darum an, gleich zwei Katzen ein Zuhause zu geben. Hierbei muss es sich nicht zwingend um eine Russian Blue handeln, denn die Russisch Blau Katze verhält sich auch anderen Katzenrassen gegenüber freundlich, gelassen und souverän. Wie bei allen Katzen ist eine gründliche Sozialisierung beider Katzen ein Muss, damit sie sich problemlos vergesellschaften lassen. Wer seine Russisch Blau von einem professionellem Züchter ersteht, sollte darum auf eine gute Elternstube Wert legen und seine Katzen nicht vor der zwölften Lebenswoche aus dem gewohnten Zuhause entfernen.
Pflege
Die Russisch Blau verliert aufgrund ihres einzigartigen, doppelte Fells kaum Haare. Dies und der Fakt, dass sie weniger Glycoprotein Fel d 1 produziert macht sie besonders geeignet für Katzenhaar-Allergiker. Glycoprotein gilt als nur einer der Auslöser für Katzenhaar-Allergie – die geringere Produktion sorgt zwar dafür, dass die Russisch Blau in vielen Fällen besser von Katzenhaar-Allergikern toleriert wird, macht sie aber nicht zu einer hypoallergehen Katze. Das doppelte Fell der Russisch Blau mag besonders sein, es ist aber nicht besonders pflegeaufwendig. In der Regel reicht es, die Katze einmal wöchentlich zu bürsten, um überschüssiges Fell zu entfernen.
Der jährliche Check-Up beim Tierarzt ist wie bei allen anderen Katzenrassen ein Muss. Dabei geht es nicht nur um eventuell fällige Impfungen. Die Vorsorgeuntersuchung umfasst auch ein Abhören von Herz und Lunge sowie ein Blick ins Mäulchen der Katze, um eventuell vorhandenen Karies frühzeitig zu erkennen.
Russisch Blau wird eine relativ leise, ruhige Stimme nachgesagt. Dies und ihr freundlicher, menschenbezogener Charakter machen sie zu idealen Tieren für die Wohnungshaltung. Dennoch sollte eines nicht vergessen werden: Russisch Blau sind überaus intelligente Tiere, die geistig und körperlich herausgefordert werden möchten! Eine abwechslungsreiche Umgebung mit genügend Möglichkeiten zum Klettern, Toben, Verstecken und Ausruhen ist darum ein Muss. Die Russisch Blau liebt die Beschäftigung mit ihrem Menschen – lassen Sie die Spielangel kreisen, verstecken sie Leckerli im Intelligenzspielzeug und lesen Sie sich vielleicht sogar im Clickertraining ein!
Krankheiten
Die Russisch Blau gilt als sehr robust. Es scheint, als würden die bekannten Erbkrankheiten an dieser Rasse vorbeigehen. Dennoch ist die jährliche Vorsorgeuntersuchung ein Muss, denn auch eine Russisch Blau Katze ist nicht vor Verletzungen und katzentypischen Krankheiten sicher! Bei Freigängerkatzen sollte ab dem Kittenalter geimpft werden, um eine frühzeitige Immunität gegen bekannte Infektionskrankheiten wie Katzenseuche, Katzenschnupfen und Tollwut zu erreichen.
Ernährung
Auch eine artgerechte Ernährung dient essentiell zur Gesunderhaltung der Katze bei. Als Fleischfresser können Katzen Kohlenhydrate nur in geringem Mass verwerten, ihre Nahrung sollte aus hochwertigen tierischen Proteinen bestehen. Fertigfutter mit einem hohen Fleischanteil und wenig pflanzlichen Inhaltsstoffen sind ideal, um Ihre Katze gesund zu ernähren. Viele Katzenhalter beschäftigen sich mittlerweile auch mit dem Thema BARF, der „biologisch artgerechten Rohfütterung“ für die Katze.
Russisch Blau Zucht
Haben Sie sich in die sanften Athleten mit dem blauen Fell verliebt? Russisch Blau werden mittlerweile in ganz Europa gezüchtet und es gibt viele professionelle Züchter, denen das Wohl ihrer Katzen am Herzen liegt.
Wer einer Russisch Blau ein Zuhause geben will, muss allerdings zwischen 500 und 700 Euro auf den Tisch legen. Dabei handelt es sich nicht um „Wucherpreise“. Katzenzucht ist ein teures Hobby! Verantwortungsvolle Züchter legen Wert auf eine regelmässige Gesundheitsvorsorge und artgerechte Ernährung der Elterntiere. Es wird geschickt verpaart, um Erbkrankheiten zu vermeiden und Kitten zu erhalten, die dem Zuchtziel der Russisch Blau entsprechen. Die Katzenmutter wird während der Trächtigkeit tierärztlich betreut. Sind die Katzenkinder da, geht es weiter: Mehrere Besuche beim Tierarzt zur Gesundheitsvorsorge und zum Impfen, eventuelle Kastrationen, gutes Katzenfutter, eine abwechslungsreiche Umgebung. Dies alles kostet natürlich. Dazu kommt der emotionale Aufwand. Ein Züchter ist rund um die Uhr für seine Katzen da – auch am Wochenende oder mitten in der Nacht! Ihm ist wichtig, dass seine Katzenkinder genügend Zeit zum Erwachsenwerden haben. Darum gibt er sie auch nicht vor der zwölften Lebenswoche ab. In dieser wichtigen „Prägungsphase“ lernen die Kätzchen alles katzenwichtige von ihrer Mutter, erproben Spiel und Kampf mit ihren Geschwistern, werden durch den freundlichen Kontakt mit der Züchterfamilie zu menschenbezogenen Wesen und sind dann bereit für ein langes, gesundes Katzenleben!
Wer nicht auf Papiere und einen Stammbaum Wert legt, scheut oft den Gang zum Züchter. Bitte nehmen Sie dennoch Abstand von sogenannten „Vermehrern“, die günstige „Rassekatzen ohne Papiere“ im Internet oder im Kleinanzeigenbereich der lokalen Zeitung anbieten! In den meisten Fällen handelt es sich hier um unprofessionelle Züchter, für die das Motto „Masse statt Klasse“ in Vordergrund steht. Auf eine geschickte Verpaarung und die Gesundheit der Tiere wird hier oft selten Wert gelegt. Denn eine verantwortungsvolle Zucht ist ein teures Hobby. Wem das Wohl seiner Katzen am Herzen liegt entstehen bestimmte Kosten, die durch den Kaufpreis des Rassetiers gedeckt werden müssen. Als Alternative bietet sich das örtliche Tierheim an. Hier suchen viele Katzen jeden Alters nach einem guten neuen Zuhause! Garantiert finden Sie hier auch ein menschenbezogenes Wesen, dessen Charakter ganz und gar der souveränen Russisch Blau entspricht. Oft landen auch Rassekatzen im Tierheim, es ist also einen Versuch wert!