Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03614.jsonl.gz/413

Nein zur Forderung nach mehr Inflation!
In der Schweiz herrscht seit einigen Jahren ein stabiles Preisniveau. Der Landesindex der Konsumentenpreise hat sich insgesamt nur unwesentlich verändert. Zwar steigen beispielsweise die Prämien für die Krankenkassen und die Preise für das Bahnfahren, anderseits sind die Preise für viele importierte Güter wie Elektronikgeräte, Autos, Benzin, Heizöl gesunken.
Im Euro-Raum beurteilt die Europäische Zentralbank (EZB) den Anstieg des Preisniveaus als ungenügend. Sie sagte wiederholt, sie wolle 2 % Inflation pro Jahr und weitet die Geldmenge weiter aus. Diese Aussage wird auch von der Schweizer Wirtschaftspresse wiedergegeben, ohne die Konsequenzen darzulegen. Was bedeutet es jedoch für den einzelnen Bürger, wenn er einer Inflation von 2 % oder mehr pro Jahr ausgesetzt wäre?
Bei einer Inflation von 2 % pro Jahr steigt das Preisniveau über 20 Jahre um 52 %. Bei einer Inflation von 5 % pro Jahr um 179 %, d.h., das Preisniveau ist um das 2,8-fache angestiegen. Noch ausgeprägter gestalten sich die Verhältnisse bei einer Inflation von 10 % pro Jahr. In diesem Fall steigt das allgemeine Preisniveau um 640 % auf über das 7,4-fache.
Was bedeutet dies für die Entwicklung der Kaufkraft über 20 Jahre? Die Kaufkraft eines Schweizer Frankens sinkt umso stärker je höher die Inflationsrate ist. Dies veranschaulicht beispielsweise eine Person A, die ihre Ersparnis von 20‘000.- CHF zu Hause aufbewahrt. Davon will sie nun über die nächsten 20 Jahre jedes Jahr 1‘000.- CHF ausgeben. Bei einer Inflation von 2 % pro Jahr sinkt die Kaufkraft des Schweizer Frankens derart, dass sie im zwanzigsten Jahr für die 1‘000.- CHF 1/3 weniger Waren und Dienstleistungen als im ersten Jahr erhält.
Bei einer Inflation von 5 % pro Jahr sinkt die Kaufkraft um ca. zwei Drittel oder 64 %. Und bei einer Inflation von 10 % pro Jahr erhält die Person A nach 20 Jahren für die 1‘000.- CHF nur noch ca. 1/8 der Waren und Dienstleistungen, die sie für den gleichen Betrag im ersten Jahr kaufen konnte.
Zwei weitere Beispielen sollen diesen Sachverhalt verdeutlichen:
Beispiel Kaffee Crème: Die Person B will über die 20 Jahre für ein Kaffee Crème immer denselben fixen Betrag von 4.- CHF ausgegeben. Mit einer Inflation von 10 % pro Jahr wird für diese 4.- CHF die Tasse jedes Jahr mit weniger Kaffee gefüllt, so dass im zwanzigsten Jahr nur noch gerade der Boden der Tasse bedeckt wird. Die folgende Abbildung illustriert die Lage jeweils im zwanzigsten Jahr bei den unterschiedlichen Inflationsraten pro Jahr.
Beispiel Wohnung mit 4 Zimmer: Die Person C will über die 20 Jahre für ihre Wohnung immer denselben fixen Betrag von 1‘500.- CHF/Monat ausgegeben. Mit einer Inflation von 10 % pro Jahr bei den Wohnungsmieten kann sie jedoch im zwanzigsten Jahr für diese 1‘500.- CHF/Monat statt einer Wohnung mit 4 Zimmer höchstens noch ein kleiner Raum mit Kochnische, WC und Dusche mieten. Die folgende Abbildung illustriert wiederum die Möglichkeiten im zwanzigsten Jahr bei den unterschiedlichen Inflationsraten.
Bewahrt die Person das Geld nicht zu Hause auf, sondern leiht es einer Bank, dann werden die für das Geld auf dem Sparkonto von der Bank bezahlten Zinsen, die dazu beitragen sollten die Kaufkraft zu erhalten, besteuert.
Schlussfolgerung: Eine durch übermässige Ausweitung der Geldmenge verursachte Inflation ist nicht harmlos. Der Prozess läuft schleichend ab. Meistens kann man erst im Rückblick das ganze Ausmass der Wirkungen erkennen. Deshalb unterliegen Bürger und Bürgerinnen häufig einer Geldillusion. Sie glauben, man könne mit einem Franken auch nach Jahren immer noch gleich viel kaufen. Die Inflation wirkt wie eine Steuer auf dem gehaltenen Bargeld oder auf nominell gleich hoch bleibenden Renten. Dem Bürger wird weggenommen, obwohl er diese Steuer nicht beschlossen hat und er nicht weiss, wem sie zu Gute kommt. Aus diesen Gründen ist Inflation, auch wenn sie nur einen tiefen Prozentwert erreicht, abzulehnen.
Bemerkung: Inflation in Form eines laufenden Anstiegs des Preisniveaus wird praktisch immer durch eine übermässige Geldschöpfung der Notenbank eines Landes verursacht. Dadurch wird die Preisbildung im Marktsystem zwangsläufig beeinflusst.