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Die grossen Säle der Bahnhofbuffets Basel oder Lausanne zeugen von einer prächtigen Zeit in der Bahnhofsrestauration. Im Bahnhof Bern hingegen deutet nichts auf eine ähnliche Vergangenheit hin. Der Schein trügt aber.
Restaurants und Bahnhöfe gehören seit Beginn des Eisenbahnzeitalters zusammen. So war bereits im 1847 erbauten Bahnhof Zürich der Spanischbrötlibahn eine Gaststätte untergebracht. Auch der erste Bahnhof Bern, 13 Jahre später in Betrieb genommen, verfügte über ein Buffet.
Speisen nach Klassen.
Die Gäste sassen im Buffet nach Klassen getrennt. Der Speisesaal erster und zweiter Klasse lag am Südende, jener dritter Klasse am Nordende des Kopfbahnhofes. Mit dem Umbau zum Durchgangsbahnhof 1891 wurde die Restauration in einem Neubau direkt am Gleis 1 untergebracht.
Die Trennung nach Klassen machte sich im Interieur sowie auf der Speisekarte der Gaststuben bemerkbar. So hatten die Menus der gehobenen Klasse mehr Gänge und waren teurer als jene der tieferen Klasse. Die Buffets waren aber nicht nur Kunden mit Billetts vorbehalten, sondern standen der gesamten Bevölkerung offen.
Bahnhofsatmosphäre.
Ursprünglich zur Verpflegung während einer Reise gedacht, wandelten sich die Buffets immer stärker zu offenen Gaststuben für alle. Das war auch nötig, hatten doch die Reisenden wegen stetig besseren Verbindungen oft kaum noch Zeit zum Genuss eines mehrgängigen Menus.
Die Angebote der Nachkriegszeit dokumentieren, wie mit kürzeren Umsteigezeiten die fliegende Verpflegung immer wichtiger wurde. So auch am Bahnhof Bern. Buffetwagen auf den Perrons boten ein kleines Grundsortiment an, Automaten präsentierten Süssigkeiten und Snacks und ein sogenanntes «Expressbuffet» bediente, wie auch an vielen anderen Bahnhöfen der Schweiz, die Reisenden.
In den Buffets bekamen die Reisenden Gesellschaft von einem Publikum, das die Atmosphäre der Eile, des Wechsels und die damit einhergehende Anonymität schätzte. Verliebte wie Randständige fanden dort ihren Platz.
Neue Restaurants im neuen Bahnhof.
Mit dem Umbau des Bahnhofs Bern 1974 wurde auch das gastronomische Angebot umgekrempelt. Die Klassenbuffets verschwanden und an ihre Stelle traten die Restaurants «Brasserie», «Trans-Express», «Rapid», «Soussol», «Taverna», «Terrassen-Café», «Galerie-Restaurant» oder «Grill Room».
Der Bahnhof Bern war mit diesem Angebot seiner Zeit voraus. 1989 forderte ein Strategiepapier der SBB: «Die bestehende Klassenbezeichnung in den Bahnhof Buffets ist abzuschaffen. Die einzelnen Lokalitäten schaffen sich dank ihrem Angebot und ihrer Ambiance ein eigenes Profil.»
Das Ende der klassischen Buffets war damit langsam gekommen. In Bern ist dieses Stück Kulturgut mit dem Neubau von 1974 verschwunden. In Basel und Lausanne soll es zumindest architektonisch erhalten bleiben.
Quellen:
- Werner Huber, Bahnhof Bern 1860–2010, Zürich 2010.
- Jonas Uebersax, Die Geschichte der Schweizer Bahnhofbuffets, Bern 2017 (Masterarbeit).
Weitere spannende Einblicke in die Schweizer Eisenbahngeschichte findest du im Blog von SBB Historic.