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Rüppellfuchs
Vulpes rueppelli
© 2009 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Artwork © Owen Bell
Zahlreiche tierliche Organismen haben im Laufe ihrer Stammesgeschichte Mittel und Wege gefunden, um mit den unwirtlichen Verhältnissen in Trockenwüsten zurechtzukommen und die dortigen ökologischen Nischen nutzen zu können. Zu ihnen gehört der Rüppellfuchs (Vulpes rueppelli), der seinen Namen dem herausragenden Frankfurter Naturwissenschaftler und Afrikaforscher Eduard Rüppell (1794-1884) verdankt. Er gehört zu den kleineren der rund 35 Arten innerhalb der Familie der Hunde (Canidae): Die Kopfrumpflänge der erwachsenen Tiere bemisst sich gewöhnlich auf 42 bis 48 Zentimeter, die Länge des buschigen Schwanzes auf etwa 30 Zentimeter und das Gewicht auf 1,5 bis 2,5 Kilogramm, wobei die Männchen im Durchschnitt eine Spur grösser sind als die Weibchen.
Das Verbreitungsgebiet des Rüppellfuchses erstreckt sich über weite Bereiche Nordafrikas, der Arabischen Halbinsel sowie des Nahen und Mittleren Ostens - von Mauretanien im Westen bis Pakistan im Osten. Innerhalb dieses Areals kommt der zierliche Fuchs vornehmlich in Wüstengebieten vor, in welchen die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge weniger als 15 Zentimeter beträgt. Solche Gebiete haben gewöhnlich einen sandigen oder steinigen Boden und sind nur sehr spärlich mit wenigen Gräsern und einigen zähen, niedrigwüchsigen Sträuchern bewachsen. Einzig die extrem dürren («hyperariden«) Regionen in der zentralen Sahara und der zentralen Rub al-Khali, der Grossen Arabischen Wüste auf der Arabischen Halbinsel, scheint der Rüppellfuchs zu meiden.
Wie der Grossteil aller Wüstentiere weicht der Rüppelfuchs der glühenden Hitze des Tages aus, indem er denselben in einem kühlen Bau verbringt und ausschliesslich nachts umherstreift. Er ist ein sehr bewegliches Tier, welches in einer einzigen Nacht eine Fläche von etwa einem Quadratkilometer durchstöbern und dabei eine Wegstrecke von mehr als zehn Kilometern zurücklegen kann. Wie viele andere Tiere, welche an Orten mit magerem Nahrungsangebot leben, erweist er sich als wenig wählerischer Allesesser, der sich ganz nach dem örtlichen und saisonalen Angebot richtet. Auf seinen Streifzügen erbeutet er vor allem Heuschrecken, Käfer und weitere Insekten sowie Nagetiere aller Art, nimmt aber auch Früchte, saftige Blätter und sogar Gräser zu sich. Seinen Flüssigkeitsbedarf vermag er allein über seine Nahrung zu decken, sodass er keinen Zugang zu einem Wasserloch oder einem anderen Gewässer benötigt. Dies ist zweifellos seine bedeutendste Anpassung an das Leben unter Trockenwüstenverhältnissen.
Ausserhalb der Fortpflanzungszeit bewegen sich die Rüppellfüchse einzelgängerisch in individuellen Territorien umher, denn die Aussicht auf Jagderfolg ist im Alleingang erheblich besser als zu zweit oder im Rudel. Interessanterweise umschliesst stets das Territorium eines Männchens dasjenige eines Weibchens, so dass sich auf diesem Weg monogame Paare bilden.
Die Paarungszeit fällt in den späten Herbst und frühen Winter. Nach einer Tragzeit von siebeneinhalb Wochen bringt das Weibchen im Januar oder Februar einen Wurf von gewöhnlich drei oder vier Jungen zur Welt. Der Vater teilt während der Jungenaufzucht die Höhle mit der Mutter und den Jungen und beteiligt sich an der Jungenbetreuung, indem er Nahrung beschafft und Wache hält.
Rund vier Monate lang sind die Jungfüchse vollständig auf die Betreuung durch ihre Eltern angewiesen. Im Juli oder August, wenn sie sechs bis sieben Monate alt sind, verlassen sie das Territorium ihrer Eltern und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Wohngebiet. Nicht wenige von ihnen fallen auf der Wanderschaft Hunger, Durst und Fressfeinden wie Uhus (Bubo spp.), Leopard (Panthera pardus) oder Karakal (Caracal caracal) zum Opfer. Diejenigen, welche überleben, schreiten gegen Ende ihres ersten Lebensjahrs bereits selbst zur Fortpflanzung. Rüppellfüchse können in der freien Wildbahn ein Alter von nachweislich sieben und mutmasslich zehn bis zwölf Jahren erreichen.
Verlässliche Schätzungen der Rüppellfuchs-Bestandsgrösse und Einschätzungen der Bestandsentwicklung liegen für keinen Bereich des Artverbreitungsgebiets vor. Wie bei vielen Raubtieren dürften aber die Bestandsdichten von Natur aus gering sind, und gebietsweise dürften die Bestände aufgrund von Nachstellungen seitens des Menschen noch zusätzlich ausgedünnt sein. Tatsächlich sind schon Rüppellfuchsfelle in den Handel gelangt. Hier und dort wird der kleine Wüstenfuchs auch einfach aus Spass bejagt. In manchen Gegenden werden ferner Giftköder und Fallen zwecks Bekämpfung tierlicher «Viehdiebe» ausgelegt, was vermutlich auch dem Rüppellfuchs schadet. All dies geschieht jedoch nur in verhältnismässig kleinen Bereichen des riesenhaften Verbreitungsgebiets des Rüppellfuchses. Die unwirtliche Natur des restlichen, sehr grossflächigen Areals schützt den Rüppellfuchs hingegen gut und bewirkt, dass er gegenwärtig nicht als in seinem Fortbestand gefährdet eingestuft werden muss.
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