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Forschende haben in einer Studie das komplexe Zusammenspiel zwischen Schlaf, Darmflora und Verhaltensentwicklung bei Säuglingen entflochten. Ein Befund: Je reifer das Darmmikrobiom, desto reifer ist auch das Schlafmuster der Babys sowie deren Entwicklungsstand.
Bei Babys macht der Schlaf tagsüber im Durchschnitt rund 25 Prozent der gesamten Schlafenszeit aus. Je älter die kleinen Kinder werden, desto mehr verlagern sie ihre Schlafenszeit in die Nacht und entwickeln den typischen, «reifen» Tag-Nacht-Rhythmus. Die Schlafenszeiten sowie der Übergang von einem unreifen zu einem reifen Schlafmuster sind allerdings höchst individuell.
Die Forschenden um Salome Kurth von der Universität Freiburg und vom Universitätsspital Zürich fanden nun in einer Längsschnittstudie mit 162 Säuglingen Hinweise, dass beispielsweise diejenigen, die mit 12 Monaten besonders ausgeprägt am Tag schliefen, im Alter von zwei Jahren weiter entwickelte motorische Fähigkeiten besassen. Umgekehrt galt: Je weniger Tagesschlaf desto reifer die Verhaltensentwicklung, wie das Team im Fachmagazin «Progress in Neurobiology» berichtet.
Interessanterweise korrelierten diese Muster auch mit gewissen Merkmalen des Darmmikrobioms: Hatten die Babys im Alter von 3 oder 12 Monaten eine vielfältige Darmflora - Fachleute sprechen dann von einer reifen Darmflora - schliefen sie tagsüber weniger und wiesen einen reiferen Entwicklungsstand auf.
Ebenfalls ging aus der Studie hervor, dass eine von Bakterien der Gattung Bacteroides dominierte Darmflora mit einem höheren Anteil an Tiefschlaf einherging, wie Hirnwellen-Messungen zeigten.
Und zudem zeigte sich anhand von Messungen mit Bewegungssensoren, dass je reifer die Darmflora war, desto häufiger sich die Babys in der Nacht bewegten. Eine Möglichkeit ist, dass die Bewegungen von Zuckungen im Schlaf herrühren. Und: «Es gibt Studien, die zeigen, dass Zuckungen im Schlaf mit der Ausreifung der motorischen Nervenbahnen zum Gehirn zu tun haben», sagte Schlafforscherin Kurth im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Die meisten Zusammenhänge waren bei Babys im Alter von drei Monaten am stärksten zu beobachten. Dies weise auf eine sensible Entwicklungsphase hin, schrieb der Schweizerische Nationalfonds in einer Mitteilung vom Donnerstag.
Für die Studie beobachteten die Forschenden die Babys im Alter von 3, 6 und 12 Monaten. Jeweils während zehn Tagen überwachten sie den Schlaf-Wach-Rhythmus der Säuglinge mit Bewegungssensoren. Zudem machten sich die Eltern Notizen zum Schlafverhalten und alltäglichem Verhalten ihrer Kinder. Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms wurde anhand von Stuhlproben ermittelt. Sämtliche Babys waren gesund, wurden zumindest in den ersten drei Monaten primär gestillt und kamen bei einer natürlichen Geburt zur Welt.
Verhaltensstörungen und viele Krankheiten, die im Schul- oder Erwachsenenalter sichtbar werden, haben ihren Ursprung bereits in der frühen Kindheit. Die Forschenden vermuten anhand der Ergebnisse, dass der Schlafrhythmus und die Darmflora hier mit hineinspielen.
«Natürlich muss dies in klinischen Studien als nächstes überprüft werden, aber grundsätzlich sind sowohl der Schlaf als auch das Darmmikrobiom vielversprechende Schrauben, an denen man bei bestehendem Leidensdruck drehen könnte», sagte Kurth. Damit meint sie beispielsweise individuell angepasste Bett- und Schlafenszeiten sowie die Tageszeit-spezifische Gabe von Prä- und Probiotika.
Ob es die Darmflora ist, die den Schlaf beeinflusst oder umgekehrt, ist übrigens nicht geklärt. Kurth vermutet, dass es «ein komplexes Zusammenspiel ist, das in beide Richtungen geht.»
(sda)
Es ist die vermutlich grösste Angst frischgebackener Eltern. Und die Angst schleicht sich in den Zauber der ersten Tage, Wochen und vielleicht sogar Monate nach der Geburt eines Kindes: der plötzliche Kindstod. Dass also der kleine Schläfer, wenn er nicht gerade leise schnarcht, nicht mehr atmen könnte. Und so stehen Eltern nachts manchmal am Bett, auch wenn sie nicht durch Schreien geweckt wurden und prüfen, ob das Kind noch atmet.