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Warum wurde der Bericht erstellt? Die Karriere des Rüstungsproduzenten Emil Bührle und die Entstehung seiner Kunstsammlung liefern seit langem Stoff für Kontroversen. Dank seiner Geschäfte mit Nazi-Deutschland wurde Bührle zum reichsten Mann der Schweiz und investierte massiv in Kunst.
Nachdem bekannt wurde, dass Bührles Kunstsammlung als Leihgabe ans öffentlich finanzierte Kunsthaus Zürich kommt und dafür der Chipperfield-Erweiterungsbau gebaut wird, erhärtete sich die Kritik.
2015 warf das «Schwarzbuch Bührle», herausgegeben von Thomas Buomberger und Guido Magnaguagno, explizit die Frage auf, ob damit Raubkunst ins Kunsthaus Zürich gelange. Um Transparenz zu schaffen und die Wogen zu glätten, gaben Stadt und Kanton Zürich 2017 den Bericht beim Historiker Matthieu Leimgruber von der Universität Zürich in Auftrag.
Wieso sind die Werke der Sammlung Bührle umstritten? Emil Bührle baute in zwanzig Jahren eine Kunstsammlung von internationalem Rang auf, die viele impressionistische Schlüsselwerke enthält. Er profitierte ohne Bedenken von den Chancen, die sich ihm als Kunstsammler in einer hochproblematischen Zeit boten. Der internationale Kunstmarkt wurde ab 1933 überschwemmt von Werken. Teils wurden sie jüdischen Sammlerinnen und Sammlern im NS-Regime geraubt, teils befanden sich die Eigentümer in Notlagen und sahen sich gezwungen zu verkaufen.
Insbesondere der Kunsthandelsplatz Schweiz erlebte als sicherer Hafen einen ungeheuren Boom. Nach dem Krieg musste Bührle 13 Bilder als Raubkunst zurückzugeben. «Nur», kommentieren Kritiker. Andere sehen das Raubkunstkapitel als abgeschlossen an.
Was sind die Haupterkenntnisse des Berichts? Die Studie sollte ausdrücklich nicht Raubkunst in Bührles Sammlung suchen. Diese Forschung hat die Stiftung Sammlung Bührle in den letzten Jahren selbst geleistet. Der Bericht von Matthieu Leimgruber und seinem Team zeichnet die Karriere Bührles nach und erforscht die Wechselwirkungen zwischen dem Rüstungsfabrikanten, dem Kunstsammler und dem Mäzen.
Dabei wird deutlich, wie eng die Perioden intensiver Kunstkäufe mit guten Umsätzen des Waffenfabrikanten zusammenhängen. Nach der Auflösung des Bührle-Konzerns symbolisieren die Bilder des Sammlers sichtbar das Geld, das ein Schweizer Unternehmer mit Kriegen verdiente.
Was hat es mit den Zensur-Vorwürfen auf sich? Vor Abschluss des Berichts zog sich einer der beteiligten Historiker, Erich Keller, zurück und erhob Vorwürfe. Zentrale Passagen seien auf Wunsch der Kulturdirektion der Stadt Zürich und der Stiftung Sammlung Bührle entschärft worden. Die Unabhängigkeit des Berichts sei in Frage gestellt.
Stadt und Kanton Zürich liessen die Vorwürfe und den Bericht von externen Experten untersuchen. Das Review kommt zum Schluss, die wissenschaftliche Qualität des Berichts sei hoch, Beschönigungen seien nicht enthalten. Empfohlen wurden aber auch Änderungen, die umgesetzt wurden.
Was sind die Folgen? Die Forschungen sollen in die Vermittlung von Bührles Bildern im neu erweiterten Kunsthaus Zürich einfliessen. Inhalt und Form verantwortet das Kunsthaus Zürich. Hier stellen sich Fragen nach möglicher Befangenheit. Denn damit entscheidet jene Institution, die – wie der Bericht zeigt – über Jahre von den Zuwendungen des Mäzens Bührle enorm profitierte. Die Kontextualisierung der Bührle-Bilder soll «einem Kunstmuseum angemessen» kritisch erfolgen, so das Kunsthaus Zürich dazu auf Anfrage.
Ab wann werden Bührles Bilder im Kunsthaus Zürich zu sehen sein? Die Eröffnung des neuen Hauses erfolgt in Etappen im nächsten Jahr. Die Bührle-Bilder werden ab Herbst 2021 im Erweiterungsbau von David Chipperfield zu sehen sein.
Die Sammlung Emil Bührle
2012 haben die Stimmberechtigten der Stadt Zürich einen Kredit von 88 Millionen Franken bewilligt, der als städtischer Beitrag den Bau eines Erweiterungsgebäudes für das Kunsthaus am Heimplatz möglich macht.
Der Erweiterungsbau wird nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield erstellt. Es ergänzt den von Emil Bührle gestifteten Ausstellungssaal von 1958. Der Bau wird 2021 in Etappen in Betrieb genommen.