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Er selbst hielt sich für einen schlechten Schauspieler. Aber die Autorenfilmer des europäischen Kinos scheuten keinen Aufwand, um ihn als Hauptdarsteller zu gewinnen, von Claude Lelouch und François Truffaut über Constantin Costa-Gavras und Bernardo Bertolucci bis zu Michael Haneke. Letzterer schrieb ihm die Rolle in «Amour» (2012) sogar auf den Leib und schaffte es schliesslich, ihn auf die Leinwand zurückzuholen, von der er sich 2003 verabschiedet hatte, nachdem seine Tochter Marie, mit der er immer wieder auf der Bühne stand, von ihrem Freund buchstäblich totgeschlagen worden war. Ab da wollte er nur noch mit Gedichten auftreten. Glücklich, wer dabei im Publikum sitzen und dem unvergleichlichen Timbre seiner Stimme lauschen durfte. Nur gelegentlich hatte er sie ausgeliehen, als französische Synchronstimme, an Haneke für die Erzählstimme des Lehrers in «Das weisse Band» (2009) oder an Stanley Kubrick für Jack Nicholson in «Shining» (1980).
Anders als Nicholson war Jean-Louis Trintignant keiner, der die Leinwand mit seinem Auftritt dominierte – im Gegenteil: Er schien sich förmlich in seine Figuren zu verkriechen, um vom Rand des Geschehens her zu schillern, vielschichtig, ambivalent und unter der Oberfläche oft bis zum Zerreissen angespannt. Die unsympathischsten Rollen schienen ihm am faszinierendsten, faschistoide Figuren wie der (reale) Massenmörder Émile Buisson in «Flic Story» (1975) oder Marcello Clerici in «Il conformista» (1970), dessen Darstellung er später als seine beste wertete. Es war sicher seine schmerzlichste Rolle: Während der Dreharbeiten starb seine einjährige Tochter Pauline am plötzlichen Kindstod.