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John Callahan (Joaquin Phoenix) liebt das wilde Leben, schwarzen Humor und den Alkohol. An diesen drei Vorlieben plant er eisern festzuhalten, komme was wolle. Selbst als er nach einer nächtlichen Sauftour im Rollstuhl landet, trinkt er munter weiter.
Die Treffen der Anonymen Alkoholiker besucht er zu Beginn nur auf Wunsch seiner Freundin. Der Effekt der animierten Gesprächssitzungen ist trotzdem wie aus dem Bilderbuch: John schwört der Flasche ab und findet zu seiner wahren Bestimmung als Cartoonist.
Das schmutzigste Zitat
Rückblende zum Abend vor Johns Autounfall: Wir sehen, wie ungezügelt es in den 70ern zu und her ging. Partylöwe Dexter (Jack Black) will von seinem neuen Saufkumpel wissen: «Wohin ist die schöne Frau verschwunden, die dich eben noch angebaggert hat?»
Der gleichermassen betrunkene wie ernüchterte John (Joaquin Phoenix) stellt klar: «Sie ist weg. Die wollte nur über ihre Verdauung reden.»
Dexter zeigt sich von der unappetitlichen Themenwahl der Lady kein bisschen überrascht: «Das ist das, worüber alle Leute in L.A. sprechen. Ihre Verdauung. Schliesslich sind es alles Arschlöcher!»
Der Regisseur
Seit über 30 Jahren dreht der 1952 geborene Gus Van Sant nun schon Filme. Daneben hat er auch zwei eigene Musikalben und einen Band mit Porträt-Fotos herausgebracht. International bekannt ist der schwule Allround-Künstler aber freilich für sein Schaffen als Regisseur.
Zum Beispiel für das Roadmovie «My Own Private Idaho» (1991) mit Joaquin Phoenix’ Bruder River in der Hauptrolle. 2003 sorgte seine Studie «Elephant» über das Schulmassaker von Littleton für viel Aufsehen. Van Sant räumte in Cannes dafür gleich zwei Preise ab: die Goldene Palme und den Regiepreis.
Nur der Oscar blieb dem 66-Jährigen bisher verwehrt. Am nächsten kam er dem Goldmännchen mit dem Publikumshit «Good Will Hunting» (1997) und dem Biopic «Milk» (2008). Beide Filme gewannen je zwei Academy Awards. Doch in den Königsdisziplinen «Bester Film» und «Beste Regie» gingen sie leer aus.
Fakten, die man wissen sollte
«Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot» fusst auf wahren Begebenheiten. Oder genauer gesagt: der gleichnamigen Autobiographie des Cartoonisten John Callahan.
Die Rechte für deren Verfilmung lagen lange bei Robin Williams, der 1997 in Gus Van Sants «Good Will Hunting» brilliert hatte. Sein Plan: Selbst die Hauptrolle zu spielen, am liebsten unter der Regie von Van Sant. Dazu kam es bekanntlich nie. Weil das Thema sämtlichen Studios Hollywoods zu unbequem war, um darin zu investieren.
Dann der Schock: 2014 nahm sich Robin Williams das Leben. Erst als Van Sant daraufhin den Stoff überarbeitete, kam die Produktion ins Rollen. Als Film des Streaming-Giganten Amazon, der – anders als Netflix – weiterhin ans Kino glaubt.
Das Urteil
Hollywoods Comedy-Legende Mel Brooks formulierte einst das Gleichheitsprinzip der Komik. Gemäss diesem dürfen Witze niemanden ausschliessen. Ganz einfach, weil auch Minderheiten einen Anspruch darauf hätten, verspottet zu werden.
Filmheld John Callahan folgt dieser Maxime. Seine Cartoons zeugen von einer ungebrochenen Lust, über alles und jeden zu lachen. Am liebsten über sich selbst und die eigenen Behinderungen. Ein Part, wie gemalt für Joaquin Phoenix.
Grossartig, wie sich der 43-Jährige diese Rolle zu eigen macht. Beinahe beiläufig gibt der Charismatiker Phoenix seiner Figur Ecken und Kanten. Ohne zu übertreiben, ohne falsches Pathos.
Eine Leistung, an die der Film selbst nicht ganz herankommt. Gus Van Sants jüngster Regie-Streich ist zwar kein Rührstück. Aber als unbedarfte Lobeshymne auf die Anonymen Alkoholiker kann «Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot» schon missverstanden werden.
Kinostart: 16.8.2018