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Es lebten einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich ein Kind. Doch die Jahre vergingen und sie hatten weder einen Sohn noch eine Tochter. Sie reisten sogar an einen heiligen Ort und wiederholten dort ihre Bitte: "Schenke uns ein Kind, ob ein Mädchen oder Junge, uns ist beides Recht, selbst wenn es nur ein Frosch ist."
Endlich wurde ihre Bitte erhöht und im Jahr darauf wurde ein Kindlein geboren. Doch es war kein gewöhnliches Kind - es war ein Fröschlein. Der Mann und die Frau aber freuten sich sehr, dass sie endlich ihr Kindlein hatten und liebten ihr Froschmädchen über alles.
Am liebsten war das Fröschlein draussen, dort übte es mit seinem Froschstimmchen, und schon bald hörte man die lieblichsten Lieder erklingen.
So vergingen die Jahre, und das Fröschlein war zu einem hübschen Froschmädchen herangewachsen. Jeden Tag ging es mit dem Vater zum Weinberg, wo er die Reben schnitt. Zur Mittagszeit musste die Mutter dem Vater das Mittagessen bringen. Doch der Weg war steil, und weil sie nicht mehr die Jüngste war, jammerte sie oft: «Ach, meine Füsse sind schwach, meine Beine müde. Bald habe ich nicht mehr die Kraft, um dir das Essen in den Weinberg zu bringen."
"Wie willst du kleines Fröschlein den schweren Topf tragen? "
"Binde mir den Topf auf den Rücken, dann wird es schon gehen.»
Dann band die Mutter den Topf mit dem Essen auf den Rücken des Fröschleis und bald sah sie das Fröschlein den staubigen Weg entlanghüpfen. Als es zum Gitter des Weinbergs kam, konnte es dieses nicht öffnen und auch nicht drübersteigen, also rief es: «Vater, öffne das Törchen, ich bringe dir das Mittagessen!»
Der Vater hörte das Stimmchen, kam zum Gitter und freute sich, als er sein Töchterchen mit dem Topf auf dem Rücken sah. Er nahm ihm den Topf ab, setzte sich ins Gras und ass seine Mahlzeit. Als er fertig war, sagte das Froschmädchen: «Vater, bitte setz mich dort auf den Kirschbaum, ich will ein wenig singen."
Der Vater hob seine Tochter auf einen Ast des blühenden Kirschbaums, und das Froschmädchen begann zu singen. Es sang so wunderschön, dass jeder, der es hörte, dachte, noch nie etwas Schöneres gehört zu haben.
So ging es nun jeden Tag, und die Stimme des Froschmädchens erklang über dem Weinberg, dass man es weitherum hörte.
Einmal war der Sohn des Königs auf der Jagd und kam am Weinberg vorüber. Er lauschte dem Gesang und fragte den Vater des Froschmädchens:
«Sag mir, wer singt da so schön in deinem Weinberg?»
Der Vater jedoch antwortete. «Ich weiss es nicht, ich höre nichts, das sind wohl die Krähen», denn er schämte sich, dem Königssohn sein Froschmädchen zu zeigen.
Dem Prinzen ging jedoch die schöne Stimme nicht mehr aus dem Kopf. Am nächsten Morgen kam er wieder, lauschte g und rief: «Bitte, sag mir, wer da singt in deinem Weinberg!»
Doch der Vater schämte sich immer noch und sprach: «Ich weiss es nicht, ich höre nichts, das sind wohl die Krähen.»
Als der Prinz am dritten Tag vorbeiritt und dem Gesang lauschte, rief er: «Bitte, nun verrate mir doch, wer da singt in deinem Weinberg. Ist es ein Mann, so soll er mein Freund sein, ist es ein Mädchen, so will ich es heiraten!»
Da ging der Mann zum Prinzen hin und sagte endlich: «Es ist meine Tochter, aber sie wird Euch nicht gefallen, denn es ist ein Froschmädchen.»
In diesem Augenblick sang das Fröschlein ein so wunderbares Lied, dass der Prinz sprach: «Ob Frosch oder Mädchen, ich möchte es sehen.»
Da hob der Vater das Froschmädchen vom Kirschbaum herunter. Der Prinz schaute es an und sagte: «Liebes Froschmädchen, deine Stimme hat mich bezaubert. Ich möchte dich gerne heiraten und jeden Tag deinem Gesang lauschen. Doch mein Vater hat eine Bedingung gestellt: Morgen müssen alle seine Söhne ihre Braut mit in den Palast bringen, und derjenige, dessen Braut die schönste Blume bringt, bekommt das Königreich. Sag, willst du morgen zum Schloss kommen und eine Blume mitbringen?»
Das Froschmädchen sagte: «Gerne will ich kommen und eine Blume mitbringen. Doch der Weg zum Schloss ist weit, bitte schicke mir einen weissen Hahn, damit ich auf ihm zum Palast reiten kann.»
Der Prinz versprach es und ritt zurück zum Schloss. Das Froschmädchen aber ging zur Sonne und bat sie um Sonnenkleider. Am nächsten Morgen wurde der weisse Hahn gebracht. Das Fröschlein pflückte eine Weizenähre, bestieg den Hahn und ritt darauf zum Schloss. Die Palastwachen wollten es nicht einlassen, doch es sprach: «Lasst mich sofort ein, der Königssohn erwartet mich!» Als die Wachen die wunderschöne Stimme hörten, senkten sie ihre Waffen und liessen das Froschmädchen ein.
Kaum aber hatte es das Palasttor durchschritten, da verwandelte sich der weisse Hahn in ein weisses Pferd und das Fröschlein in ein wunderschönes Mädchen im leuchtenden Sonnenkleid mit einer goldenen Weizenähre in der Hand.
Im Schlosshof wartete schon der König mit seinen Söhnen und ihren Bräuten. Die Braut des ältesten Sohnes brachte dem König eine Rose, diejenige des zweiten Sohnes eine Nelke, das Mädchen im Sonnenkleid jedoch übergab dem König die goldene Weizenähre. Da lächelte er und sagte: «Du hast mir die schönste Blume gebracht, denn was nützen uns Rosen und Nelken, wenn wir kein Brot zu essen haben? Dir und meinem Jüngsten Sohn will ich mein Königreich schenken!»
Es wurde Hochzeit gefeiert, gesungen, musiziert und getanzt, und das Froschmädchen wurde Königin.
Fassung D. Jaenike, nach: L. Tezner, Die schönsten Märchen der Welt für 365 und einen Tag, Juni, Darmstadt 1984
Foto Frosch von Pixabay
Was für ein wunderbares Märchen. Nicht immer ist alles so, wie es scheint. Und selbst ein kleines Fröschlein kann mit ihrem Gesang einen Königssohn bezaubern, bevor er weiss, wer da singt.
Dieses Märchen eignet sich sicher dazu:
- durch einen Weinberg zu spazieren im Herbst.
- an einen Teich zu sitzen und Frösche zu beobachten
- mit der schönsten Blume ein Brot zu backen :-)