Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03522.jsonl.gz/1380

Für ein Verbot belastender Affenversuche
Die Nationalrätin Maya Graf und Schweizer Tierschützer machen mobil gegen belastende Affenversuche. In einer Motion fordert Graf ein Verbot solcher Tierversuche. Unterstützt wird sie dabei unter anderem vom Schweizer Tierschutz STS, dem Zürcher Tierschutz und der Stiftung für das Tier (TIR) im Recht. Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, begrüsst die Forderung von Graf.
2007 deckte eine amerikanische Zitationsanalyse (gibt Aufschluss darüber, ob/wie häufig Versuchsresultate weiter verwendet wurden) auf, dass über 85% der Tierversuchsstudien mit Schimpansen, die zwischen 1995 und 2004 durchgeführt wurden, anschliessend entweder gar nicht oder lediglich von wissenschaftlichen Arbeiten zitiert wurden, welche nichts mit humanmedizinischen Entwicklungen zu tun haben.
Die übrigen 15% der Studien wurden zwar von humanmedizinisch-relevanten Arbeiten zitiert, diese konnten jedoch nichts zu einem humanmedizinischen Fortschritt beitragen.
2011 veröffentlichten der britische Forschungsrat für Biologie und Biotechnologie, der Rat für medizinische Forschung und der Wellcome Trust (zweitreichste Stiftung der Welt, die medizinische Forschung fördert) eine Übersichtsarbeit über die Ergebnisse der Affenversuche, die sie innerhalb der vergangenen 10 Jahre finanziert hatten. Sie kamen zu folgendem ernüchternden Schluss: „In den meisten Fällen (Affenversuche für die Neurowissenschaften) gab es wenig direkte Nachweise eines medizinischen Nutzens in der Form von Änderungen in der klinischen Praxis oder neuer Medikamente.“
Es gibt eine Reihe weiterer Untersuchungen, die belegen, dass die meisten Affenversuche keinen medizinischen Nutzen für den Menschen haben.
Darüber hinaus täuschen Affenversuche falsche Sicherheit vor: Viele Medikamente, wie beispielsweise Opren, TGN1412 oder BIA 10-2474 wurden im Affenversuch fälschlicherweise als sicher befunden und erwiesen sich daraufhin beim Menschen als tödlich. In den 80er Jahren wurden tausende Menschen durch Bluttransfusionen mit HIV infiziert, weil das Blut durch die vorausgegangenen Affenversuche als sicher galt – das HIV-verseuchte Blut löste bei den Affen keine Infektion aus.
Die Unterschiede zwischen Mensch und Affe sind zu gross, um von einer Art auf die andere schliessen zu können.
Die Organisation „Forschung für Leben“ behauptet in einem offenen Brief, dass ein Verbot belastender Tierversuche sowohl dem Menschen als auch dem Affen schaden würde. Schliesslich seien Affenversuche für einen medizinischen Fortschritt unabdingbar; und Affenforscher, die ihre Versuche nicht mehr in der Schweiz durchführen dürfen, würden ihre Versuche ins Ausland verlegen, wo das Wohl der Tiere weit weniger geschützt sei.
Dazu sagt Vanessa Gerritsen von TIR: „Wenn es den Forschern am Herzen liegt, ihren Versuchstieren die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen, dann steht ihnen dies auch in China oder in den USA frei. Dazu muss man die Versuche nicht in der Schweiz durchführen.“
Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert sowohl Politik als auch Forschung auf, die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel in humanmedizinisch relevante, tierversuchsfreie Forschung zu investieren, anstatt Zeit und Gelder mit Tierversuchen zu verschwenden.
„Die Teratogenität eines Stoffes zum Beispiel kann dank des Embryonalen Stammzellen Tests (EST) mit 78%iger Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden“, sagt Marietta Haller, wissenschaftliche Mitarbeiterin der AG STG. „Der entsprechende Affenversuch hat eine Trefferquote von bloss 50%.“
Über die AG STG
Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für einen innovativen, zukunftsorientierten und führenden Forschungsstandort Schweiz und somit für eine Wissenschaft ohne Tierversuche. Die medizinische Wissenschaft muss sich endlich wieder am Menschen orientieren und dabei die Ursachenforschung und die Vorbeugung gegen Krankheiten in den Vordergrund stellen.
Weitere Informationen: www.agstg.ch
Artikel von: AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner
Artikelbild: © AG STG