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Ein kleines Wunder
Eine kranke Hündin muss so schnell wie möglich operiert werden. Sonst wird sie nicht lange überleben. Doch der Halter weigert sich. Wenigstens nimmt er die Tabletten mit.
Die Hündin lag auf dem Tisch und machte einen sehr kranken Eindruck. Nach meinem Untersuch musste ich dem Besitzer eröffnen, dass sie unbedingt operiert werden müsse. «Sie hat grosse Probleme, eine Entzündung der Gebärmutter. Es gibt nur die Operation, um sie zu retten!» Der Besitzer hatte grosse Mühe, mich zu verstehen. Deutsch war nicht seine Stärke. Er erzählte mir radebrechend, dass er erst seine Frau fragen müsse, und die sei in Übersee, ihrem Heimatland, auf Familienbesuch.
Ich verstand, dass er sich nächsten Monat bei mir melden wolle. Nochmals versuchte ich es ihm zu erklären: «Sie müssen Ihren Hund sofort operieren. Sonst kann er sterben!» Der Besitzer winkte ab: «Hund von Frau, Frau erst in vier Wochen da!» Verzweifelt gab ich ihm Medikamente, um der Hündin wenigstens die erste Zeit, bis wir die Frage der Operation geregelt hätten, zu helfen. Er nahm die todkranke Hündin wieder mit. Sie war so schwach, dass er sie tragen musste. Ein trauriges Bild! Kurz darauf gelang es mir, einen Dolmetscher zu organisieren, ich konnte aber den Besitzer telefonisch nicht mehr erreichen.
All meine Lehrbücher waren derselben Meinung: Die Hündin mit diesem medizinischen Problem musste operiert werden, sonst würde sie nicht überleben! Die Geschichte machte mich betroffen. Da aber diese Leute unauffindbar waren, nahm ich an, sie hätten das Problem anderswo gelöst.
Monate später war die Hündin angemeldet zum Impfen. Ich stutzte. Ein fröhlicher Besitzer meinte, sie habe sich mit den Medikamenten gut erholt. Tatsächlich stand eine gesunde, fröhliche und wedelnde Hündin auf dem Tisch. Diesmal war ich es, die nicht verstand. «Sie haben sie nicht operieren lassen?» «No!» «Und sie lebt?» Der Besitzer wurde ungeduldig. «Hier zum Impfen, Hund gesund, Tabletten gut!
Ich schluckte leer und impfte die nun gesunde Hündin. Meine Lehrbücher hatten sich geirrt. Oder ist das Leben doch nie ganz begreifbar?
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