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Atelier Jakob Höflinger, Basel, um 1860/65
Fotografie
H. 10,4 cm, B. 6 cm
Inv. 1963.74.
Wilhelm Wackernagel (1806–1869) kam 1833 nach Basel. Zu dem Zeitpunkt war der gebürtige Berliner 27 Jahre alt, hatte sein Germanistikstudium in Berlin absolviert und danach einige Jahre in Breslau gelebt. Mehrere Versuche, an einer preussischen Universität eine Anstellung zu finden, waren gescheitert, da er als Demagoge verdächtigt wurde.
Um dieser Misere zu entgehen, bewarb er sich auch in Basel.
So kam er 1833 zunächst ans Pädagogium; 1835 erhielt er eine ordentliche Professur für Germanistik an der Universität.
Bereits 1837 wurde ihm ehrenhalber das Basler Bürgerrecht verliehen. Seine hohe wissenschaftliche Qualifikation und sein grosses Engagement für das Gemeinwesen brachten ihm hohe Achtung ein. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1850 Maria Salome Sarasin (1816–1894), wodurch er noch stärker mit dem Basler Grossbürgertum verbunden wurde. Aus seiner zahlreichen Nachkommenschaft (aus den beiden Ehen hatte er neun Kinder) gingen viele bedeutende Wissenschaftler hervor. Seine engen Bindungen an Basel bewirkten, dass er ehrenvolle Berufungen nach München und Wien und selbst in seine Heimatstadt Berlin ablehnte.
Neben der universitären Arbeit hatte er in der Gründung der «Mittelalterlichen Sammlung», die seit 1856 im Bischofshof beim Münster untergebracht war, eine Lebensaufgabe gefunden. Als 1894, ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod, das Historische Museum in der Barfüsserkirche eingeweiht wurde, zierte das Bildnis Wilhelm Wackernagels die Titelseite des Festbuchs.
Die Fotografie entstand im Atelier des 1857 aus dem Schwarzwald zugewanderten Jakob Höflinger (1819–1892).
Er hatte sich in dem sich neu eröffnenden Markt der Porträtfotografie auf das kleine Format der «Carte de Visite» spezialisiert, wie sie auch bei diesem Altersbildnis des vertieft lesenden Wilhelm Wackernagel vorliegt.