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Das heutige Aussehen des Schloss Chillon geht zu grossen Teilen auf die grosse Restaurierungskampagne von 1890 bis 1930 zurück. Damals wurden insbesondere die Fassaden auf der Seeseite restauriert. Der damalige Schlossarchitekt Otto Schmid hat die mittelalterlichen Fenster, die im 18. und 19. Jahrhundert verändert oder zugemauert, wiederhergestellt. Otto Schmid hat für diese Fensteröffnungen im Rauminnern grosse Eichenholzläden entworfen und herstellen lassen, die teilweise von weissem Fensterglas durchbrochen sind und direkt an das Mauerwerk anschliessen. Diese neumittelalterlichen Läden passen sich hervorragend in die restaurierten mittelalterlichen Mauern ein, aber sie sind bei starkem Regen nicht genügend dicht.
Diese Vorrichtungen haben im 20. Jahrhundert mehr oder weniger ausgereicht. Mit der Klimaerwärmung haben sich heute auch die meteorologischen Phänomene verstärkt. Das Schloss Chillon hat von 2018 bis 2020 mehrmals extreme Stürme erlebt. Sie brachten grosse Niederschlagsmengen und starke Westwinde mit sich. Das lokale Mikroklima führt dazu, dass die nordwestlichen Fassaden des Schlosses dem Wetter am stärksten ausgesetzt sind. Die Innenläden lassen viel Wasser durch, was zu kleineren Überschwemmungen in den Sälen führt.
Photo 1 : Gebaüde W Fensteraussicht nach der Arbeit
Photo 2: datiert vom 20.04.1899 zeigt den Zustand der Fenster in W nach dem Abriss
Photo 3 : Außenansicht der Nordwestseite des Schlosses, aufgenommen am 10.03.2020
Photo 4: Antoine Graf, während der Veranstaltung “Baustellenbesuch” in Chillon im Jahr 2019
Um diese Situation, welche die Konservation des Schlosses gefährdet, zu beheben, wurden Arbeiten zur Verbesserung der Abdichtung der Fenster lanciert. Der Gebäudekomplex W, der von diesem Problem am stärksten betroffen ist, wurde als erstes renoviert.
Die Innenläden von Otto Schmid sind Teil des historischen Monuments und sollten als solches natürlich erhalten bleiben. Die durchgeführten Verbesserungsmassnahmen respektieren das bisherige Aussehen der Fenster, lösen aber das Problem der Wasserdichte zu grossen Teilen. Auf der Aussenseite der Läden wurden komprimierbare Abdichtungen angebracht. Auf den Fensterbrettern wurden zudem Wetterschenkel installiert. Die mechanische Stoppvorrichtung der Läden wurde ebenfalls verbessert, so dass das Holz auf das Mauerwerk gedrückt wird. Die verrotteten Teile der Läden wurden ausgebessert oder teilweise ersetzt.
Die Glasfenster wurden restauriert. Die Spachtelmasse, die zur Abdichtung diente, war teilweise beschädigt und wurde komplett ersetzt. Die Fenster wurden auch besser in den Läden befestigt, um die Wasserdichte zu erhöhen.
Die Steinquader, aus denen die Fensteröffnungen bestehen, müssen ebenfalls restauriert werden. Diese grösseren Arbeiten werden erst später stattfinden können, weil Gerüste benötigt werden. Während der Arbeiten an den Fenstern wurden bloss die Fensterbänke provisorisch neu mit Mörtel überzogen.
Die Effizienz dieser Massnahmen wurde 2019 erfolgreich an einem Fenster getestet. 2021 wurden die Massnahmen auf die gesamte Fassade des Gebäudes W angewandt.
In den nächsten Jahren werden alle Fenster zur Seeseite hin ebenfalls wasserdichter gemacht.
Um diese Restaurationsarbeiten zu finanzieren, verfügt die Stiftung über einen Fonds, der aus dem Verkauf des Schlossweins Clos de Chillon gespeist wird, und manchmal über Subventionen von Wohltätigkeitsorganisationen. Für diese Abdichtungsarbeiten hat die Stiftung nationale und kantonale Subventionen erhalten.
Antoine Graf,
Unterhaltsarchitekt Schloss Chillon und graf + rouault architectes
Der « Camera Nova » Saal stammt aus dem Gebaüde « W ». Jeder Saal trägt einen Namen und einen Buchstaben, der sich auf die Nomenklatur des Schlosses bezieht. Anhand der Buchstaben können die verschiedenen Trakte auseinander gehalten werden, die um fünf Innenhöfe und einen zentralen Bergfried angeordnet sind. Zur Landseite hin hat das Schloss vor allem Wehreinrichtungen, während auf der Seeseite die Wohngebäude stehen.
Auch dieser Saal war Ende des 14. Jh. den Savoyern vorbehalten. Er hiess Camera nova juxta magnum pelium, also neuer Saal neben dem grossen Ofen. Da sich in den 30er-Jahren der Vorstand der Vereinigung für die Restaurierung des Schlosses hier traf, nannte man ihn auch Vorstandssaal. Diese 1887 gegründete Vereinigung war bis 2002 mit der Unterstützung des Kantons Waadt für die Restaurierung und den Betrieb des Schlosses zuständig. Seit 2002 übernimmt eine Stiftung, die Fondation du Château de Chillon, diese Aufgabe.