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Kreativität und Dreistigkeit als einträgliches Geschäft
Ein Kosovare ergaunerte sich innert vier Jahren in Luzern und Zug mit Kleindelikten etwa 700’000 Franken. Das Luzerner Kriminalgericht machte ihm nun den Prozess. – Dies, obwohl der Mann bei seinen Verbrechen erstaunlich kreativ vorgegangen war.
Den Anfang nahmen die Betrügereien mit der Luzerner Café Bar Ammaro GmbH. Diese erwarb der heute 49-jährige Kosovare für rund 4000 Franken und liess sich als alleiniger Gesellschafter im Handelsregister eintragen. Im Namen des Cafés schloss er gegen 50 Mobilkommunikationsverträge ab und liess sich dabei ebenso viele iPhones aushändigen, die er dann weiterverkaufte. Durch die Vertragsabschlüsse verschlimmerte er die Überschuldung des Cafés um rund 85’000 Franken, so dass das Unternehmen später bankrott ging.
Versicherungen geprellt
Zeit, sich anderen «Geschäftstätigkeiten» zu widmen. So täuschte er beispielsweise fünf Mal vor, an einem Verkehrsunfall beteiligt gewesen zu sein. Er füllte dabei jeweils ein europäisches Unfallprotokoll aus und unterzeichnete dieses als Unfallfahrer. Das Protokoll wurde der Versicherung eingereicht. In drei Fällen kam diese für den Unfallschaden auf und bezahlte rund 45’000 Franken aus.
Das Fälschen von Unterschriften blieb auch weiterhin sein wichtigstes «Arbeitsinstrument», ebenso wie seine Leidenschaft für Mobiltelefone. So gab er sich mit einer selbst erstellten Vollmacht als Vertreter einer Hünenberger Firma aus. Über diese schloss er wiederum Mobilfunkverträge ab und bezog Handys, alles im Gesamtwert von rund 68’000 Franken. Gleichzeitig frönte er dem Online-Shopping. Ohne seine Einkäufe zu bezahlen, versteht sich. Wenn die bestellten Waren, darunter zahlreiche Reifen-Sets, tatsächlich geliefert wurden, nutzte er sie für sich selbst oder verkaufte diese.
Im Audi RS6 unterwegs
Einsetzen konnte er die Reifen unter anderem an seinem Audi RS6 Quattro. Diesen leaste er bei einer Chamer Garage auf den Namen seiner Café Bar Ammaro GmbH. Danach liess er mit gefälschten Unterschriften bei der Motorfahrzeugkontrolle den Vermerk «Halterwechsel verboten» aus dem Fahrzeugausweis löschen. So konnte der Mann das Fahrzeug über ein Inserat auf Autoscout24 weiterverkaufen.
Auch, dass zu diesem Zeitpunkt gegen ihn bereits Betreibungen im Umfang von über 150’000 Franken aufgelaufen waren, hielt ihn nicht von weiteren Warenbezügen ab. Dazu manipulierte er einen Betreibungsregisterauszug, was das potentielle Opfer, ein Leasingvermittler, jedoch bemerkte. So fokussierte er sich auf mehrere Einbrüche und Hehlereien. Für einen Bekannten verkaufte er bei einem Goldschmied in der Zuger Altstadt diversen Schmuck, Goldbarren und Münzen. Für die aus Einbrüchen stammenden Wertgegenstände erhielt er vom Goldschmied knapp 33’000 Franken.
… mit fremdem Benzin
Aber nicht nur Gold, auch andere Rohstoffe hatten es dem umtriebigen Kosovaren, der nach seiner Ankunft in der Schweiz eine Metzgerlehre absolviert hatte, angetan. Nachdem ein reguläres Arbeitsverhältnis in die Brüche ging, setzte er die ihm vom Unternehmen anvertraute Tankkarte weiterhin ein und verkaufte den Treibstoff. So fand er mehrere Unternehmen, welche die Wagen ihrer Angestellten mit der fremden Tankkarte volltanken liessen. Die 50 Rappen Rabatt je Liter, die sie dabei erhielten, reichten offenbar als Motivation für eine Deliktsumme von rund 27’500 Franken.
Kreativität legte er auch an den Tag, wenn es darum ging, unter falschem Namen Bestellungen zu tätigen. Da die Waren teilweise nur auf Vorauszahlung geliefert wurden, tätigte er eine Einzahlung von geringem Wert auf das Empfängerkonto und liess den Post-Empfangsschein bei einer Poststelle abstempeln. Auf einem anderen Post-Empfangsschein füllte er den Betrag für die gewünschte Vorauszahlung aus und setzte die beiden Hälften zusammen, so dass der Eindruck entstand, er hätte die gewünschte Vorauszahlung geleistet. So erschwindelte er sich Waren im Wert von über 100’000 Franken, darunter zehn Fernseher, aber auch Computer, Reifen, Garagengeräte oder Autoersatzteile.
Schädigung von Geschäftspartnern
Alles in allem ergaunerte sich der 49-jährige Kosovare in der Zeit von 2009 bis 2013 einen Deliktsbetrag von über 700’000 Franken (einschliesslich versuchter Taten). Dabei nutzte er zwar sein persönliches Umfeld und stiftete dieses mit an, primär wurden jedoch Geschäftspartner geschädigt. Laut der Beurteilung des Gerichts zeigte der Mann, der 569 Tage in Untersuchungshaft verbrachte, während dieser Zeit offenbar kaum Reue.
Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte ihn daher zu vier Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe, unter anderem wegen gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung, Urkundenfälschung und Hehlerei. Ausserdem wurde eine frühere bedingte Vorstrafe von sechs Monaten widerrufen, wie aus dem eben veröffentlichten Urteil hervorgeht. Der Mann hat dagegen Berufung angemeldet.
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