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Der Nebelspalter wurde 1875 von Jean Nötzli in Zürich als «Illustriertes humoristisch-politisches Wochenblatt» gegründet. Seit 1998 erscheint er als Monatszeitschrift. Der Nebelspalter gilt seit der Einstellung des englischen Satiremagazins Punch (1841–2002) als das älteste existierende Satiremagazin der Welt.
Nationale Institution
Seine erste Blütezeit hatte der Nebelspalter in den 1930er und 1940er Jahren, als er die Ideologie der Nationalsozialisten und ihrer frontistischen Mitläufer in der Schweiz anprangerte. 1933 wurde der Nebelspalter im Deutschen Reich verboten. Parallel dazu schnellte in der Schweiz die Auflage in die Höhe. Als der Rorschacher Verleger Ernst Löpfe-Benz 1922 den Nebelspalter übernommen hatte, betrug die bezahlte Auflage nur noch 364 Exemplare. 1945 belief sie sich auf 30'000. Der Nebelspalter hatte gegenüber dem Nationalsozialismus ein Selbstverständnis als «Speerspitze der geistigen Landesverteidigung» entwickelt, das er im Kalten Krieg gegenüber dem Kommunismus bis in die 1960er Jahre aufrechterhielt.
Talentschmiede
Seine Popularität verdankte der «Nebi», wie er von Fans genannt wird, zu einem wesentlichen Teil dem damaligen Chefredaktor Carl Böckli (* 23. September 1889, † 4. Dezember 1970), der mit seiner Doppelbegabung als Zeichner und Texter in der Tradition Wilhelm Buschs anzusiedeln ist. Unter dem Kürzel «Bö» fertigte er bis 1962 Tausende Cartoons, Zeichnungen und Texte. Bis in die 1970er Jahre stieg die Auflage auf 70'000 Exemplare. Über Jahrzehnte figurierte der Nebelspalter als satirisch-humoristisches Leitmedium und als Talentschmiede der Schweiz, mit der Künstlerbiografien verknüpft sind, etwa jene von bekannten Zeichnern wie René Gilsi, Jakob Nef, Fritz Behrendt, Werner Büchi, Nico Cadsky, Horst Haitzinger als auch von Satirikern wie César Keiser, Franz Hohler, Lorenz Keiser, Peter Stamm oder Linard Bardill.
Krisenjahre
Mit der rasanten Entwicklung und den grossen Umbrüchen der Schweizer Medienlandschaft im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts hatte der Nebelspalter Mühe mitzuhalten. Karikaturen, Kolumnen und andere satirische Formen wanderten mehr und mehr in die Tagespresse und in die audiovisuellen Medien ab. In den 1990er Jahren schlug unter Chefredaktor Iwan Raschle die radikale Neuausrichtung des Nebelspalter im Stile der Frankfurter Titanic fehl. Die Auflage sackte von 34'000 Exemplaren auf 17'000 ab, durch das schrumpfende Inseratevolumen verschärfte sich die Krise zusätzlich. Es folgten mehrere Wechsel in der Chefredaktion und 1996 der Verkauf des Titels an den Basler Friedrich Reinhardt Verlag. Ende April 1998 wurde bei einer Auflage von 8'000 seine Einstellung angekündigt.
Renaissance
1998 übernahm der Thurgauer Verleger Thomas Engeli den Titel in letzter Minute. Ihm gelang es, den Abonnenten- und Leserschwund aufzuhalten und eine gegenläufige Entwicklung einzuleiten. Inzwischen zählt die Zeitschrift wieder 200 regelmässige Text- und Bildautoren. Zum 130. Geburtstag des Titels im Jahr 2005 hat der Nebelspalter offensichtlich mit einigem Erfolg den sanften Relaunch gewagt. Unter Chefredaktor Marco Ratschiller vollzog der Titel ein Face-Lifting mit schlicht-feuilletonistischem Anstrich und schaffte es, namhafte Exponenten der aktuellen Schweizer Autoren- und Satireszene wie Andreas Thiel, Simon Enzler, Gion Mathias Cavelty, Lisa Catena oder Reto Zeller für das Heft zu verpflichten.
2017 erscheint der Nebelspalter mit einer Druckauflage von 21'000 Exemplaren und kommt nach den letzten verfügbaren MACH-Leserzahlen 160'000 Leser pro Ausgabe. Die Nebelspalter-Hauptausgaben erscheinen zehnmal jährlich jeweils am ersten Freitag eines Monats (mit Ausnahme von August und Januar).
Liste der Nebelspalter-Verlage
Jean Nötzli, Zürich, 1875–1902
Johann Friedrich Boscovits, Zürich, 1902–1914
Jean Frey AG, Zürich, 1914–1921
Ernst Löpfe Benz AG, Rorschach, 1921–1996
Friedrich Reinhardt AG, Basel, 1996–1998
Engeli & Partner Verlag, Horn, seit 1998
Liste der Nebelspalter-Chefredaktoren
Jean Nötzli, 1875–1900
J. Hauser, 1900–1912
Paul Altheer, 1914–1927
Carl Böckli, 1927–1952 (Bildredaktion bis 1967)
Franz Mächler, 1952–1984
Werner Meyer-Léchot, 1984–1993
Iwan Raschle, 1993–1996
Jürg Vollmer, 1996
Hans Suter, 2000–2004
Marco Ratschiller, seit 2005