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Afroamerikanische Religionen
Der Begriff «Afroamerikanische Religion» ist eine Sammelbezeichnung für Praktiken, Vorstellungen und Traditionen in der Region Amerika, die über einen afrikanischen Hintergrund verfügen. Die bekanntesten Vertreter sind Voodoo (Haiti), Santería (Kuba), Candomblé und Umbanda (Brasilien), das Spektrum an afroamerikanischen Religionen ist allerdings viel breiter. Die Namen für Richtungen oder Gruppen sind unzählig und überlagern sich häufig.
Die Geschichte der afroamerikanischen Religionen beginnt im 16. Jahrhundert mit dem transatlantischen Sklavenhandel von Afrika nach Amerika, wo sich Angehörige verschiedener afrikanischen Ethnien in der Diaspora kulturell neu finden mussten. Die Religionen bildeten sich besonders an den klassischen Umschlageplätzen des Sklavenhandels, also in der Karibik und Brasilien (vor allem Salvador de Bahia). In den katholisch geprägten Ländern Mittel- und Südamerikas haben sich die afroamerikanischen Religionen in den letzten 500 Jahren entfaltet, im protestantisch geprägten Nordamerika hingegen kaum.
In der Diaspora waren die verschiedenen afrikanischen Kulturen diversen Einflüssen ausgesetzt, wodurch die synkretistischen Glaubensinhalte afroamerikanischer Religionen zu erklären sind. Beeinflusst sind die afroamerikanischen Religionen insbesondere, den Herkunftsorten der Sklaven gemäss, durch die Traditionen der westafrikanischen ethnischen Zugehörigkeiten Yorùbá, Fon und Ewe. Obwohl Sklaven aus Afrika den grössten Teil der Zwangsarbeitenden auf den Plantagen ausmachten, gab es auch andere Gruppen, beispielsweise Anhänger und Anhängerinnen indianischer Religionen, die ihren Beitrag zu den afroamerikanischen Religionen leisteten. Zum Beispiel wurden deren Tiergötter mit afrikanischen Ahnen assoziiert. Weitere synkretistische Glaubensinhalte sind bedingt durch die Christianisierung (oder zumindest gewisse Anstrengungen um die Sklaven in den sozialen Raum des Christentums zu integrieren) und das Verbot des Auslebens der eigenen Religion. Traditionelle afrikanische Riten wurden somit unter dem Deckmantel der katholischen Heiligenverehrung ausgeübt. Dadurch gab es beispielsweise eine Identifizierung der afrikanischen Götter, Geister und Ahnen mit katholischen Heiligen.
Das Ende der Sklaverei und die Einführung der Religionsfreiheit in den jeweiligen Ländern im 19. Jahrhundert (Religionsfreiheit in Kuba erst 1976) führten zur freien Entfaltung der Religionen und ermöglichte die Traditionsbildung, da es weniger neue Importe gab. Afroamerikanische Religionen galten anfangs als Religion von Sklaven, im Laufe des 20. Jahrhunderts fanden sich aber auch zunehmend Anhänger und Anhängerinnen der weissen Mittelschicht. Es entstanden neue Traditionen, Rituale und Vorstellungen durch den Einzug alternativ-spiritueller Strömungen wie dem Spiritismus, der Theosophie und der Esoterik. In einem jüngeren Entwicklungstrend breiteten sich afroamerikanische Religionen durch die Migration insbesondere in die USA, im kleineren Ausmass auch nach Europa aus.
Der Glaube afroamerikanischer Religionen ist aufgrund der diversen Einflüsse synkretistisch. Die verschiedenen Gemeinschaften sind meist klein und dezentral organisiert. Afroamerikanische Religionen bauen nicht auf heiligen Schriften auf, sondern bestimmen ihre Identität über die regelrechte Ausübung der Praxis und die Initiationen, die die Anhänger und Anhängerinnen zur Praxis befähigen. Im Zentrum steht die Arbeit mit den Göttern, Geistern oder Ahnen. Diese Arbeit wird angeleitet durch hierarchisch geordnete Spezialisten und Spezialistinnen. Sie bestimmen die notwendige Musik, Kräuter, Opfer und Techniken für die Rituale.
Es gibt in Europa viele Gemeinschaften und Bewegungen mit afrikanischen und afroamerikanischen Elementen, allerdings existieren dazu keine genauen Zahlen. Viele Traditionen werden nur im Privaten praktiziert, oft fehlt eine Organisationsstruktur. Über einen grösseren öffentlichen Auftritt verfügen afrobrasilianische Religionen wie Umbanda oder Candomblé. Dieser ist geprägt durch die Diaspora-Situation von Leuten, die aus Brasilien migriert sind.