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Gummifabrik Dätwyler AG
Adresse
6460 Altdorf
UR
Architektur
Kunst am Bau
Die Gummifabrik verkörpert das Neue Bauen in der Innerschweiz. Salvisberg übernahm damit eine Pionierrolle für den Industriebau in dieser Region, was bislang in seinem Gesamtwerk wenig Beachtung findet. Beeindruckend ist der fliessende Übergang von Salvisbergs ursprünglichem Bau, hin zu Roland Rohns Erweiterung. Die liebevolle Ausarbeitung einzelner Details – etwa der Vorhalle und des Vordachs – steht in einem spannenden Kontrast zur sonst sehr reduzierten Architektursprache.
Chronologie
Das Fabrikareal der 1909 in Altdorf niedergelassenen Schweizerischen Draht- und Gummiwerke (seit 1946 Dätwyler AG) umfasst insgesamt 16 Bauwerke sowie mehrere Wohnsiedlungen für Mitarbeiter. Kern der Anlage sind die Hallen zur Gummi- und Kabelproduktion. Andere Betriebsstätten wurden im Rahmen der Unternehmensentwicklung – dem Ausbau anderer Standorte – frei und sind heute fremdgenutzt. Ende der 1930er-Jahre beauftragte Adolf Dätwyler Otto Rudolf Salvisberg, einen der damals erfolgreichsten Schweizer (Industrie-)Architekten, mit der Erweiterung des Areals. 1939 wurde mit dem Bau der Gummifabrik begonnen. Nach Salvisbergs Tod im Jahr 1940 wurde der Bau von dessen Nachfolger Roland Rohn bis 1947 fortgesetzt und erweitert.
Lage
Die Gummifabrik ist Teil des weitläufigen Gebäudekomplexes der Dätwyler AG am südlichen Ortsausgang von Altdorf. Die entsprechende Halle schliesst das Fabrikgelände in Richtung Südosten ab und repräsentiert die Dätwyler AG an der viel befahrenen Gotthardstrasse.
Beschreibung
Die Fabrikhalle von Salvisberg ist eingeschossig, der im Nordosten gelegene Rohn-Trakt drei- bis viergeschossig. Schauseite ist die der Führung der Gotthardstrasse folgende, geschwungene Südfassade von Salvisberg. Der mit einem Sheddach gedeckte Putzbau ist hier mit einem präzis gesetzten Band aus hochrechteckigen Fenstern gegliedert. An der südöstlichen Gebäudeecke sticht eine Vorhalle aus der Fassade hervor, die das Wandbild «Gotthard Transit» von Heinrich Danioth aus dem Jahr 1940 schützt. Die leichte Dachkonstruktion aus Holz wird von filigranen, kannelierten Stützen mit quadratischem oder rundem Querschnitt getragen. Ausserdem platzierte Salvisberg ein Schaufenster unterhalb des Wandbilds, das Passanten und Interessierten einen Einblick in die Fabrikation ermöglichte. Dieses Fenster wurde zwischenzeitlich zugemauert. Die Rückseite der Fabrikhalle ist regelmässig durchfenstert, je drei Fenster sind mit Lisenen zusammengefasst.
Die von Roland Rohn geplante Erweiterung setzt die geschwungene Fabrikhalle fort und akzentuiert das Ensemble mit einem hoch aufragenden Uhrturm. Wo sich früher eine weithin sichtbare Uhr befand, ist heute das Logo der Dätwyler AG angeordnet. Die Stirnseite des Uhrturms ziert ein über beide Obergeschosse reichendes Fensterband. Verbunden sind die Baukörper an der nordöstlichen Eingangsseite durch ein feingliedriges Vordach, das auf einer Pilzstütze lagert. Eine weitere Verbindung schaffen die markant unterteilten Fenster. Rohn übernahm hier die von Salvisberg entwickelte Gliederung.
Literatur
Themen