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Man kann das Herz als einen sehr zentralen „Motor“ in unserem Körper bezeichnen. Zum einen liegt das Herz (nahezu) mittig im menschlichen Körper, zum anderen ist es für die Versorgung aller Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen von zentraler Bedeutung.
Wie das gesunde Herz funktioniert
Das Herz ist etwas vereinfacht dargestellt eine Doppelpumpe, welche jeweils aus einer rechten und linken Vor- und Hauptkammer besteht. Die rechte Herzhälfte pumpt das Blut in die Lunge, die linke Herzhälfte wiederum pumpt das von der Lunge kommende sauerstoffreiche Blut dann in alle Organe. Die einzelnen Herzanteile sind durch Scheidewände und Herzklappen voneinander getrennt. Bei den allermeisten Kindern geht die komplexe Entwicklung der Herzstrukturen vollkommen problemlos vonstatten. Die überwiegende Anzahl aller Kinder ist daher herzgesund.
Herzfehler
Etwa ein Kind von 100 Neugeborenen hat jedoch einen Herzfehler, der durch eine gestörte Entwicklung des Herzens entsteht. Herzfehler können einfach sein, wie zum Beispiel kleine Löcher zwischen den beiden Vorkammern oder Hauptkammern (Septumdefekte). Es gibt jedoch auch komplizierte Fehlbildungen, bei denen eine Herzklappe oder sogar eine ganze Herzkammer nicht richtig ausgebildet ist. Manche dieser Fehlbildungen treten häufiger zusammen mit anderen im Sinne eines Syndroms (z.B. Down-Syndrom) auf. Auch bestimmte Krankheiten während einer Schwangerschaft, wie klassischerweise eine Rötelnerkrankung, können einen Herzfehler des ungeborenen Kindes verursachen.
Die meisten Herzfehler sind weniger komplex und müssen oftmals gar nicht mit Medikamenten oder Operationen behandelt werden. Dann sind einzig regelmässige Kontrollen durch Spezialisten für Kinder mit Herzerkrankungen (sogenannte Kinderkardiologen) notwendig.
Diagnose schon vor der Geburt
Gerade von den komplexen Herzfehlern können viele schon vor der Geburt durch spezialisierte Ultraschalluntersuchungen beim Baby diagnostiziert werden. Die Untersuchung erfolgt auf Zuweisung durch die betreuende Gynäkologin bzw. den Gynäkologen, wenn in der Routineuntersuchung der Verdacht auf einen Herzfehler auftaucht oder ein erhöhtes familiäres Risiko besteht, d.h. Personen mit angeborenen Herzfehlern in der nächsten Verwandtschaft. Kinder, bei denen vor der Geburt ein schwerer Herzfehler erkannt worden ist, kommen am besten geplant in einem Zentrumsspital auf die Welt, wo das Neugeborene direkt nach der Geburt durch Ärzte behandelt werden kann, die mit der Betreuung herzkranker Kinder Erfahrung haben. Der grosse Vorteil ist, dass diese Kinder nicht erst nach der Geburt aufwändig und risikoreich in eine spezialisierte Klinik verlegt werden müssen.
Screening nach der Geburt
Eine weitere Sicherheit, dass kein schwerwiegender Herzfehler vorliegt, kann das sogenannte POx-Screening geben. Nach den Schweizer Richtlinien wird bei neugeborenen Kindern in der Schweiz (wie auch in vielen anderen Ländern) im Verlauf des ersten Lebenstages durch eine harmlose und nicht-schmerzhafte Untersuchung der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen. Ist diese Untersuchung normal, können schwerwiegende, mit einem erniedrigten Sauerstoffgehalt im Blut einhergehende Herzfehler ausgeschlossen werden.
Was bedeutet ein Herzgeräusch?
Manche Herzfehler (oft weniger gravierende) werden dennoch erst später erkannt, z.B. durch ein Herzgeräusch, das der Kinderarzt bei der körperlichen Untersuchung Ihres Kindes hört. Er überweist das Kind dann zu einer Spezialistin/einem Spezialisten für Kinderkardiologie. Durch eine Ultraschalluntersuchung kann dort das gesamte Herz Ihres Kindes untersucht und dargestellt werden. Diese Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) verursacht keine Schmerzen und hat keine Nebenwirkungen.
Wie entwickeln sich Kinder mit Herzfehlern?
Die Prognose von Kindern mit Herzfehlern ist sehr unterschiedlich. Bei kleineren Herzproblemen bestehen oft lebenslang keinerlei Einschränkungen für die betroffenen Kinder. Bei komplexen Herzfehlern sind teilweise mehrere Operationen notwendig und die Lebenserwartung der Kinder kann dennoch eingeschränkt sein. Die überwiegende Anzahl der Kinder erreicht jedoch heute das Erwachsenenalter mit einer guten Lebenserwartung. Dabei steht natürlich nicht nur das Überleben im Mittelpunkt aller ärztlichen Bemühungen, sondern zudem auch eine gute Lebensqualität.
Für die Betreuung der Kinder und der Familien ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der jeweiligen Kinderkardiologin / dem Kinderkardiologen notwendig, weil die Patienten oftmals lebenslang (typischerweise ca. 1 bis 2 x pro Jahr) kardiologische Kontrollen benötigen.
Bei Fragen oder für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Kinderherzen – Zentrum für Kinderkardiologie