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Die Lymphdrainage ist eine Technik, welche, basierend auf der manuellen Behandlung des Körpers, genauso durchgeführt wird wie die Massage, sich hierbei aber im Speziellen auf die Strömungswege der Lymphgefäße konzentriert.
Bei der Lymphdrainage handelt es sich um eine sehr bekannte Form der Massage.
Einen Großteil ihrer Bekanntheit verdankt die Lymphdrainage der Tatsache, dass sie eine weitverbreitete Therapieform der Cellulite darstellt.
INHALTSVERZEICHNIS
ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DER MANUELLEN LYMPHDRAINAGE
Die als manuelle Lymphdrainage bekannte Art der Massage wurde in ihrer heute bekannten Form im Jahr 1930 von den Eheleuten Emil und Astrid Vodder erfunden.
Vodders Interesse lag von Anfang an in der Erforschung des Lymphsystems, ein zu diesem Zeitpunkt noch sehr wenig bekanntes Gebiet, er nahm dabei Bezug auf vier in Latein verfasste Schriften mit dem Titel “Vasa Lymphatica”, geschrieben von Thomas Bartholin, einem dänischen Anatomen, welcher als erster das menschliche Lymphsystem zur Gänze beschrieben hat.
Im Jahr 1936 wurde die manuelle Lymphdrainage während des Schönheitskongresses “Santè e beautè” zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Erst nach einigen Jahren begannen unterschiedliche Forscher wie der Deutsche Foldi und die australische Ärztin Casley-Smith, die wissenschaftlichen Untersuchungen auf dem Gebiet zu vertiefen und damit den Grundstein der Bewährung der manuellen Lymphdrainage als Heilmethode zur Behandlung von Lymphödemen und weiteren Problematiken zu legen.
Heute findet die Lymphdrainage erfolgreiche Anwendung sowohl auf dem Gebiet der Medizin als auch in den Bereichen der Ästhetik und des Wohlbefindens. Die raffinierte Massagetechnik steht Seite an Seite mit weiteren Praktiken, welche ihren Effekt weiter verstärken, darunter die Kompressionsbandagierung, die Drucktherapie, die Kinesiotherapie und die Haltungsgymnastik.
WIE DIE MANUELLE LYMPHDRAINAGE ANGEWENDET WIRD
Die manuelle Lymphdrainage beinhaltet die Behandlung der Haut mittels einer sanften, langsamen und schonenden Druckausübung. Besonders wichtig ist hierbei die Richtung, in welche dieser Druck ausgeübt wird: Die Lymphdrainage muss stets dem Strömungsrichtung der Lymphe folgen. Die Behandlung beginnt mit der Massage des Halses, einer besonders lymphatischen Zone. Von hier aus bewegt sie sich in die anderen Bereiche des Körpers.
Die Vodder-Methode: die weitverbreitetste Technik der Lymphdrainage
Die manuelle Technik nach Vodder besteht aus der Druckausübung auf das Gewebe und hat das Ziel, auf diese Weise die im Gewebe angestaute Lymphe zum Abfluss in Strömungsrichtung anzuregen (wiederherstellende oder beschleunigende Wirkung) und damit die überschüssigen Flüssigkeiten von den enstprechenden Stellen zu entfernen.
Die Methode wird durchgeführt mittels leichter Druckausübungen, welche in runder, ovaler oder rotierender Form umgesetzt werden und mehr oder weniger ausgedehnt und tiefgehend sein können. Sie ähneln Streicheleinheiten, welche die Haut in Längs- und Querrichtung bewegen ohne, dass man dabei abrutscht oder Reibungen auf der Haut verursacht.
Die sanften Bewegungen sowie die Einschränkung einiger Anwendungsformen liegen in dem Ziel begründet, jegliche Beschädigung der empfindlichen Blut- und Lymphgefäße zu vermeiden, weshalb die Massage ohne die Verursachung jeglicher Schmerzen und ohne die Entstehung von Rötungen der behandelten Stellen stattfinden sollte.
Die Massage kann anhand vier unterschiedlicher Grundgriffe durchgeführt werden: stehender Kreis, Pumpgriff, Schöpfgriff und Drehgriff. Diese Begriffe werden im folgenden näher erläutert.
Der stehende Kreis wird angewendet, indem die Haut mit flachen Fingern kreisförmig (auf der Stelle oder in spiralförmig größer werdenden Kreisen) verschoben wird. Diese Methode wird hauptächlich im Bereich des Halses, des Gesichts und auf den Lymphknoten oder aber auf Körper und Extremitäten angewendet, indem man acht Finger der Hände übereinander legt.
Der Pumpgriff wird vor allem im Bereich der Rundungen von Armen und Beinen und auf der Hüfte angewendet. Der Handteller wird hierbei auf die Haut aufgedrückt und die gestreckten Finger verschieben sich in die gleiche Richtung in ovalen Kreisbewegungen auf der Haut, ohne dass dabei die Fingerkuppen zur Druckausübung genutzt werden.
Der Schöpfgriff wird auf den Beinen und Unterarmen mittels Drehung des Handglenks angewendet. Das Handgelenk bewegt sich hierbei auf der betroffenen Stelle in spiralförmigen Bewegungen und wird nach der Druckausübung immer wieder angehoben.
Der Drehgriff (angewendet auf Brust, Brauch und Rücken) wird erzeugt, indem das Handgelenk in schwingenden Bewegungen von außen nach innen abgesenkt wird, wodurch ein spiralförmiger Druck von der gesamten Hand aus auf die Haut ausgeübt wird, während der Daumen sich in Flißerichtung der Lymphe dreht; mit der Druckentlastung wird das Handgelenk angehoben und der Daumen vollendet die angefangene Bewegung.
Die Vodder-Methode und die Leduc-Methode: die Denkrichtungen
Die Lymphdrainage folgt dem Diktat zweier, sich durch ihre Typologie und die Anzahl der angewendeten Maßnahmen unterscheidenden Denkrichtungen, zum einen der von Vodder, zum anderen der Leduc-Methode.
Die Lymphdrainage nach Vodder basiert, wie oben beschrieben, auf der Anwendung vier verschiedener Grundgriffe (siehe oben): stehender Kreis, Pumpgriff, Schöpfgriff und Drehgriff.
Die Behandlung nach Leduc indessen sieht nur zwei unterschiedliche Massageformen vor, welche sich nach der zu behandelnden Erkrankung richten: Call-Up-Inciting-Methode und Resorptions-Methode.
Erstere wird durchgeführt anhand auf der entsprechenden Stelle in Fließrichtung ausgeführter Massagebewegungen, um so den Abfluss angestauter Flüssigkeiten zu begünstigen, während zweitere auf die Infiltrationszonen wirkt, um die Absorption der Flüssigkeiten im Bereich der oberen Lymphgefäße anzuregen.
Die Erfahrung des Therapeuten
Anders als man vielleicht annehmen mag, handelt es sich bei der Lymphdrainage um keine leicht auszuübende Technik. Die Erfahrung des Therapeuten spielt hier eine essentielle Rolle: Der Masseur muss über eine perfekte Kenntnis über das Lymphsystem verfügen, um mit den Händen den genauen Weg der Lymphe in ihren Kanälen nachzeichnen zu können.
Der während der Massage ausgeübte Druck wird allmählich gesteigert, erreicht jedoch zu keinem Zeitpunkt ein übertriebenes Maß und darf, da es sich um eine “sanfte Massage” handelt, nie so stark sein, dass der Patient durch ihn Schmerzen erleidet.
Die Druckausübungen sind ähnlich derer einer Massage, jedoch mit einem Unterschied: Die Lymphdrainage wirkt sich kutan und subkutan aus, hat aber keinerlei Einfluss auf die Muskulatur.
Medizinische Anwendung der Lymphdrainage gegen Ödeme
In der Medizin wird die Lymphdrainage hauptsächlich zur physischen Behandlung ödematöser Ansammlungen angewendet, also überschüssiger Flüssigkeiten, die nicht abfließen und deren Stagnation in der Folge zu Schwellungen führt.
Die Bildung solcher Ödeme ist verbunden mit einem erhöhten Blutdruck auf die Gefäße, welche in der Folge nicht mehr in der Lage sind, eine angemessene Menge an Flüssigkeit zu halten. Die daraus entstehende Extravasation führt in der Folge zu einer interstitiellen Ansammlung oder einer eingeschränkten Funktionalität sowie einer teilweisen/völligen Verstopfung der Lymphgefäße: dem Lymphödem (Artikel lesen)
DAUER DER BEHANDLUNG
Nur in seltenen Fällen kann mit einer einzigen Lymphdrainagesitzung das Ödem, geschweigedenn die zurückgebliebenen Flüssigkeiten, zur Gänze beseitigt werden; im Allgemeinen muss der Patient sich mehreren Behandlungen unterziehen, um gute Resultate zu erhalten (abhängig von der Ursache und der Stärke des Ödems). Die Häufigkeit sowie die Dauer der Sitzungen werden vom Spezialisten in Abhängigkeit von der Betroffenheit des Patienten und erst im Anschluss an eine vorbereitende Kontrolle, wenn nötig unterstützt durch diagnostische Untersuchungen, festgelegt.
KONTRAINDIKATIONEN
Wie alle Arten der Therapie (wie es auch die Lymphdrainage ist), finden sich auch hier Kontraindikationen: Von der Lymphdrainage wird dringend abgeraten bei Patienten mit akuten Verbrennungen, bösartigen Tumoren, Herz-Ödem, aktiver Tuberkulose, aktiven Infektionen, Trombose, Hyperthyreose, Vagotomie, Nieren- und Herzinsuffizienz und Neuropathie.
Auch unter Blutdruckschwankungen (Niedriger/Hoher Blutdruck) leidende Personen sollten sich keiner Lymphdrainagebehandlung unterziehung, ebenso wie Asthmatiker und Frauen während des Menstruationszyklus.
PRÄVENTION UND LEBENSSTIL
Regelmäßiger Sport und die Aufrechterhaltung einer gesunden und ausgewogenen Ernährungsweise, ohne Übermaß und reich an Liquiden (Wasser), sind ratsam, um den Stoffwechsel anzuregen, die Blutzirkulation zu reaktivieren und die Ansammlung von Fetten zu verringern, wodurch wiederum der Wasseraustausch angeregt wird.
Bei Einhaltung dieser einfachen Schritte ist die Lymphdrainage sicherlich die Behandlungsform der Wahl und kann die besten Resultate hervorbringen. Die Lymphdrainage kann nicht als Ersatz für einen gesunden Lebensstil dienen und darf auch nicht als Substitution für weitere von einem medizinischen Spezialisten vorgesehenen Behandlungsarten fungieren.
Für ein tiefergehendes Verständnis dessen, wofür die Lymphdrainage dient, ist es ratsam, zumindest über ein oberflächliches Verständnis des Lymphsystems (hier klicken) zu verfügen und zu wissen, um was es sich bei Lymphödemen (hier klicken), oder bei durch interstitielle Flüssigkeitsansammlungen hervorgerufene Schwellungen, die durch die unterschiedlichsten auslösenden Faktoren entstehen können, handelt.
MECHANISCHE LYMPHDRAINAGE
Die Lymphdrainage kann ebenso unter Verwendung elektromedizinischer Geräte erfolgen.
Diese Anwendungsform wird oft zur Behandlung von von Cellulite betroffenen Beinen verwendet; die Anwendung hat einen Effekt auf den flüssigen Teil der Stauung und wirkt indirekt auf die fibrotischen und proteischen Abschnitte.