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Taylor Townsend sorgte in der 2. Runde beim French Open für ein Ausrufezeichen. Die für eine Tennisspielerin übergewichtig wirkende Teenagerin kegelte Alize Cornet (WTA 20) aus dem Turnier. Ihr Geheimnis könnten die Notizen sein, welche sie während den Seitenwechseln liest.
Taylor Townsend ist momentan vielleicht die grösste Hoffnung im US-Tennis. Im April erst wurde sie 18 Jahre alt. Bis vor dem French Open gewann sie nur zwei Partien auf der WTA-Tour (in Indian Wells). Jetzt steht sie als erste Amerikanerin in der dritten Runde in Roland Garros. Dabei wirkt die Powerfrau aus Chicago eher wie eine untrainierte Hobby-Spielerin als wie die neue Tennishoffnung der USA.
Denn Townsend hat nicht die Figur der vielen Osteuropäerinnen im Spitzentennis. Sie ist viel mehr ein Pummelchen. Dies wurde ihr auch schon zum Verhängnis. Der amerikanische Tennisverband verweigerte Townsend 2012 eine Wildcard für die Qualifikation für das US Open und riet ihr, das Juniorenturnier nicht zu bestreiten. «Es geht um ihre Langzeitgesundheit und ihre Langzeitentwicklung», erklärte General Manager Patrick McEnroe damals und riet ihr, Gewicht zu verlieren und in Form zu kommen.
Townsend nahm doch am Juniorinnenturnier teil und stiess bis in die Viertelfinals vor. Der Verband verweigerte ihr dafür aber die finanzielle Unterstützung, worauf sie sich von USTA trennte und seither mit der ehemaligen Weltnummer 4 und Wimbledon-Finalistin Zina Garrison arbeitet.
Garrison sieht in der Kontroverse um ihr Gewicht einen Vorteil: «Taylor musste erkennen, dass sie anders ist. Aber rückblickend hat sie das stark gemacht.» Tatsächlich überraschte die Juniorensiegerin des Australian Open von 2012 im Bois du Boulogne. In der ersten Runde schaltete sie Landsfrau Vania King in zwei Sätzen aus, in der 2. Runde die an Nummer 20 gesetzte Alize Cornet. Townsend führte 6:4, 4:1, ehe ihr die Nerven auf dem Weg zum glatten Zweisatzsieg einen Strich durch die Rechnung machten und sie sich am Ende 6:4, 4:6, 6:4 durchsetzte.
Dabei überzeugt der Jungstar nicht nur mit Powerschlägen von der Grundlinie, sondern führt ein feines Händchen, liebt das Serve’n’Volley-Spiel und stürmt nach eigenen Angaben insbesondere in schwierigen Situationen gerne ans Netz. Andy Murray hat sie auf jeden Fall schon als Fan gewonnen. Der Schotte twitterte gestern während der Partie gleich zweimal. Als «gutsy win» bezeichnete er den Sieg. «Gutsy» kann man mit «gefrässig, mutig, kräftig» übersetzen. Alles passt.
Die Linkshänderin, die, seit sie sechsjährig ist, Tennis spielt, wird in der Weltrangliste in die Top 200 vordringen (aktuell WTA 205). Besiegt sie in der nächsten Runde die an Nummer 14 gesetzte Carla Suarez Navarro, wäre sie seit Serena Williams 1998 die jüngste Amerikanerin in den Achtelfinals der French Open. Die Chancen dazu sind intakt. ITF-Turniere einbezogen hat Townsend jetzt elf Siege aneinander gereiht.
Als bekennender Fan von Roger Federer («Ich liebe ihn») überzeugte Townsend schon bei den Juniorinnen. Nach dem erwähnten Australian-Open-Titel 2012 schloss sie als erste Amerikanerin seit Gretchen Rush 1982 die Junioren-Jahresweltrangliste auf Rang 1 ab und scheiterte beispielsweise in Wimbledon 2013 erst im Final an Belinda Bencic.
Mit Eugenie Bouchard, dem aufgehenden Sternchen Kanadas, spielt Townsend immer wieder Doppel und Andrea Petkovic erklärte nach ihrem Sieg in Charleston kürzlich: «Die wird mal eine ganz grosse Spielerin. Hoffentlich erst, wenn ich nicht mehr spiele.»
Auffallend bei der Amerikanerin mit dem strahlenden Lachen ist, dass sie während den Seitenwechseln oft liest: «Das sind Notizen vom Training. Ich mach das immer, so bleibe ich fokussiert.» Und nach Siegen feiert sie gerne mit dem «Nae Nae Dance». Mal schauen, ob wir den in Paris noch sehen werden. Ach ja, die Wildcard konnte ihr dieses Mal weder der US-Verband noch die French-Open-Organisatoren verweigern: Townsend gewann den Startplatz dank guten Resultaten auf der ITF-Tour.