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In Babat gab es wahrscheinlich bis ins frühe 17. Jahrhundert eine Sekte, deren Anhänger bestimmte Rituale praktizierten, um sich mit teuflischer Energie (industria diabolica) aufzuladen. Die früheste Erwähnung dieser Sekte findet sich in den 1679 von Jacob Schychs herausgegeben «Miscellanea inusitata». Georgette Muelas hat die Passage aus dem Lateinischen übersetzt und resümiert sie in ihrem Buch über «Santa Lemusa» (S. 69). Muelas nennt die Sekte auf griechisch Diaboloklephtes («Teufelsdiebe») – gibt jedoch nicht an, woher der Begriff stammt. Das wichtigste Ritual der Sekte, die Liturgia diabolica, bestand aus drei Teilen. In einem ersten Akt versammelten sich die Teufelsdiebe, wahrscheinlich an den nördlichen Abhängen des Mont Majorin, um gemeinsam Kirchenlieder zu singen – rückwärts allerdings. Dazu tanzten sie sich einen tranceartigen Zustand hinein. Im zweiten Teil assen sie eine Suppe aus Schweineinnereien, die mit einer geheimen Würzmischung aromatisiert war: Twasis. Dazu tranken sie einen Alkohol namens Nook. Im dritten Part torkelten die Teufelsdiebe in Trance oder Trunkenheit durch den Wald bis sie eine Sternenkonstellation über sich am Himmel sahen, der sie sich auf die eine oder andere Weise verbunden fühlten – dann legten sie sich auf den Rücken und verbrachten den Rest der Nacht damit, diabolische Energie in sich aufzunehmen.
Unklar ist, ob die «Miscellanea» von einem Ritual sprechen, das Ende des 17. Jahrhunderts noch praktiziert wurde – oder ob sie sich auf einen Kult beziehen, der damals bereits Legende war. Schychs gibt auch ein Rezept für Twasis wieder, wenn auch ohne exakte Proportionen und mit einzelnen Zutaten, die nicht identifiziert werden können. Der Autor verrät also seinen Lesern die Komposition der geheimen Mischung (occultum mixtio) – Muelas schliesst daraus, dass das Ritual zu Schychs Zeit «bereits der Vergangenheit angehörte – sonst hätte der Verfasser das Rezept wohl nicht publizieren können.»
1999 hat das Ritual in Babat ein Revival erfahren. In einem Lesezirkel haben sich ein paar Männer zusammengefunden, die alle Quellen zu dem teuflischen Geschehen genau studiert und seinen Ablauf rekonstruiert haben. Am 6.6. um 6 Uhr abends wurde der Twasis-Club gegründet und die Liturgia diabolica wohl seit vierhundert Jahren zum ersten Mal wieder praktiziert – an den Abhängen des Mont Majorin. Seither widerholt sich die Sache Jahr um Jahr.
Twasis ist ein Zusammenzug aus lemus. twa (franz. trois) und sis (six) – also 3 x 6 oder 666. Sechshundertsechsundsechzig ist eine biblische Zahl, die zum Beispiel in der Offenbarung des Johannes vorkommt und in okkulten Kreisen als die Zahl des Antichristen, als die Zahl des Tieres gilt. «Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres; denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.» So orakelt die Offenbarung (13, 18).
Ob die Männer wirklich glauben, dass sie im Rahmen eines solchen Rituals teuflische Energie aufnehmen können? Odo Reger, der dem Club der Männer vorsteht, meinte 2005 dazu: «Wir lassen das ganz bewusst offen – aber auf jeden Fall ist es ein grossartiges Erlebnis» (Interviev mit Reger in «Leko» vom 5. März 2005).
Das Logo des Twasis-Clubs von Babat ist die Triqueta, ein Zeichen aus drei verbundenen Kreisbögen, das schon seit etwa 5000 Jahren in den verschiedensten Kulturen immer wieder als Symbol für Dreisamkeit, Weiblichkeit, Männlichkeit usw. benutzt wird. Der Twasis-Club allerdings erkennt in dem Zeichen drei Mal die Zahl 6 – und sieht also seinen eigenen Namen darin. In dem erwähnten Interview äussert Reger ausserdem die Vermutung, dass auch der Triskel, das Zeichen auf der Flagge von Santa Lemusa, im Grund aus drei Sechsen besteht.
Der Club hat auch das Rezept für die Twasis-Gewürzmischung «wissenschaftlich rekonstruiert», wie Reger versichert – und alle in den «Miscellanea» genannten Gewürze identifiziert. In der vom Club kanonisierten Mischung findet sich allerdings zum Beispiel auch ein Anisstern – llicium verum kam aber nachweislich erst in den 1830er Jahren auf die Insel, kann also zur Zeit von Schychs noch nicht verwendet worden sein. Doch wer weiss, die offizielle Geschichte hat ja auch nicht immer recht – und gerade wenn der Teufel seine Finger im Spiel hat…
First Publication: 16-6-2014
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