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Brunnen
ausserhalb der Stadt standen Reisenden und ihren Tieren zur Verfügung.
Schmale
Wege verbinden die Dächer. Sie wurden ausschliesslich von den
Frauen benutzt.
Reich
geschmücktes Wohnzimmer. Die vielen Spiegel an der Wand verteilen
das spärliche Licht im Raum.
Blick
in eine Küche auf dem Dach.

Ein
Ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem zeiht sich durch die
ganze Stadt: Von der Quelle wird das Wasser zuerst zu den Moscheen
geleitet, wo es zur Körperreinigung vor dem Beten dient. Danach
wird es durch Kanäle zu den Plätzen geleitet, wo es für
den Hausgebrauch verwendet wird. Zum Schluss erreicht es die Gärten,
wo es zum Bewässern der Pflanzen und zum Tränken der Tiere
gebraucht wird. Schliesslich fliesst es auch in ausserhalb der Stadt,
wo die Tiere der Karawanen getränkt werden und die Felder bewässert
werden.
Das
Leben der Männer und Frauen fand komplett getrennt statt. Die
Strassen und Plätze wurden fast ausschliesslich von den Männern
benutzt. Sie verkauften die Güter in den Läden, bestellten
die Felder, versorgten die Tiere, trafen sich auf den Plätzen
zum Diskutieren und um Neuigkeiten auszutauschen. Die verschiedenen
Plätze wurden von Männern verschiedenen Alters benutzt.
Sowohl Männer als auch Frauen bilden zudem untereinander Gruppen,
die aus jenen bestehen, die gleichzeitig zum ersten Mal den Ramadan
begehen (zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr). Diese Gruppen halten
ein Leben lang zusammen und bilden eine soziale Einheit. Jede Gruppe
hat einen Anführer (der oder die Älteste), untereinander
ruft man sich bei einem speziellen Übernamen.
Die
Frauen leben in den Hàusern und betreten die Strassen nur,
um Wasser zu holen. Sie bestimmen im Haus. Um untereinander Kontakt
halten zu können, bewegen Sie sich auf den Dächern, die
untereinander mit schmalen Stegen verbunden sind. Ihr soziales Leben
findet deshalb über der Stadt statt, von wo aus sie auch einen
Guten Blick in die Umgebung der Stadt haben. Kommt eine neue Karawane
an oder bricht ein Feuer aus, stimmen die Frauen Gesänge an,
um die Männer zu warnen. Die Botschaft wird in Melodien und
Worte verpackt.
Doch
wie finden sich in einer so strickt nach Geschlechtern geteilten
Gesellschaft junge Männer und Frauen um heiraten zu können?
Hier kommen wieder die sozialen Gruppen ins Spiel: Männer aus
einer Gruppe suchen sich meist Frauen aus einer jüngeren Gruppe
aus. Vom Singen der Frauen auf den Dächern wissen sie, welche
Mädchen in heiratsfähigem Alter sind. Sie kennen diese
oft noch vom Sehen, als sie Kinder waren und noch in den Strassen
zeigen durften. Wenn sich ein junger Mann für ein Mädchen
interessiert, sagt er das seiner Mutter. Diese teilt es der Mutter
des Mädchens mit, welche wiederum mit ihrem Mann spricht. Ist
der Vater der Tochter einverstanden, trifft er sich auf der Strasse
mit dem Vater des Sohnes. Der Kreislauf schliesst sich, wenn der
Vater des Sohnes wieder mit seiner Frau spricht. Nach diesen geheimen
Verhandlungen wird die Heiratsabsicht auf den Dächern der Stadt
unter den Frauen weitergegeben und besungen, so dass es auch die
Männer in den Strassen erfahren. Danach kann es bis zu einem
Jahr dauern, bis das Paar heiratet (und sich erst dann auch tatsächlich
wieder trifft). Eine Hochzeit dauert sieben Tage und sieben Nächte.
Jede
Familie hat ihr eigenes Haus, die Kinder blieben zu Hause bis sie
heiraten. Im Erdgeschoss befindet sich oft nur der Treppenaufgang
in den oberen Stock und ein Lagerraum. Im ersten Geschoss befinden
sich der Essraum, der von verschiedenen Schlafzimmern umgeben ist.
So gibt es eins für die Eltern, eins für die Mädchen
und eins für die Jungen, manchmal noch ein weiters für
die Grosseltern. Diese Zimmer sind zum Teil leicht erhöht und
über Treppen erreichbar. Ein spezielles Zimmer (von der Grösse
her fast eher eine Kammer) gehört ausschliesslich der Frau.
Dort empfängt sie in der Hochzeitsnacht den Bräutigam
und gebiert die Kinder. Stirbt der Mann, wird sein Leichnam bis
zur Beerdigung hineingelegt. Diverse weitere Nischen dienen als
Lagerräume, Schränke und Toiletten. Die Toiletten bestehen
aus Löchern im Boden, die Ausscheidungen werden in einen Behälter
geleitet. Alle zwei Jahre wird dieser geleert und ausgespühlt.
Ein
weitere Treppenaufgang führt auf das Dach, wo sich auch die
Küche befindet. Männer können das Dach nur in der
Sommerzeit betreten, wenn sie draussen übernachten.
In
der Mitte der Stadt gibt es einen Zentralplatz mit zwei Moscheen,
eine für jeden Stamm. Weiter Moscheen gibt es in den Quartieren.
Am Zentralplatz ist ebenfalls die Wasseruhr mit ihrer ganz speziellen
Zeitmessung. Ein Mann (früher ein Sklave) taucht einen Korb
aus Palmblättern ins Wasser und zieht in sofort wieder hoch.
Das Wasser tropft durch einen kleine Öffnung, so dass der Korb
nach drei Minuten leer ist. Der Zeitmesser macht einen knoten in
eine Palmschnur und füllt den Korb erneut. Wer an ihm vorbei
geht kann von ihm die genaue Uhrzeit erfahren.
Das
soziale Netz unter den Einwohner ist für deren Leben unabdingbar.
Als um 1983/84 ein Grossteil der Familien in die von der Regierung
bereitgestellten komfortablen Häuser umzog, brach das Leben
zusammen. Heute lebt niemand mehr in der Altstadt von Ghadames.
Zu spät haben die Einwohner gemerkt, dass sie der neu gewonnene
Komfort für immer aus ihrem traditionellen Leben reisst.
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