Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03104.jsonl.gz/1877

Sehr geehrte Menglin,
ich möchte mich mit einem „Problem“ an Sie wenden, da ich sie für eine kompetente Experten in diesem Thema halte.
Pai MU Tan dürfte ihnen bekannt sein, er ist sicherlich nicht das Höchste der gefühle, trotzdem beschäftigt er mich schon länger, da er immer als Weißer Tee bezeichnet wird.
Diese Auffassung teile ich nicht. Er ist was Geschmack und Tassenfarbe angeht, doch eher ein leicht anfermentierter – also – Oolong-Tee. oder? Habe gehört, dass das Weiß sich eben auch auf die Tassenfarbe bezieht.
Die Krönung fand ich jetzt beim Pai Mu Tan von – sorry – A. (ein sehr beliebter Grossmarkt). ER wird al Weißer Tee bezeichnet, ist aber nur Bröselzeug, kein Blatt zu erkennen schon gar nicht die feinen, weißen Epitel-Häärchen am Blatt. Wieso nennt man ihn Weißen Tee?!?
Fragt ein ratloser
Frieder
Lieber Teefreund aus dem Norden,
ich kann diese Frage erst beantworten, wenn wir uns zuerst auf den Gebrauch vom Begriff „Fermentation“ einigen.
Die so genannte Fermentation ist ein Ausdruck des Verständnis der westlichen Teewelt. In unserer Sprachgebrauch in Taiwan benutzen wir das Wort nicht sehr geläufig. Das Wichtigste bei der Oolongherstellung ist die Prozesse von Welken und der so genannten Fermentation nicht zu trennen, während man bei einem weissen Tee nur die Prozesse vom Welken und Trockenen geschehen lässt. Bei Schwarztee sind die Prozesse von Welken, Fermentation und Rollen eindeutig getrennt. Durch die deutlichen unterschiedlichen Prozesse entstehen unterschiedliche Teesorten. Der Begriff „Fermentation“ allein reicht nicht, um einen Tee zu bestimmen.
In Taiwan ist es unbestritten, ob ein weisser Tee fermentiert ist. Nach der chinesischen Teetradition ist ein weisser Tee ein nicht „erröteter“ Tee, während ein Oolong „errötet“ ist – sein Blattrand zeigt rötliche Färbung. Dieser Prozess der „Errötung“ – Welken, Ruhen, Fermentieren macht einen Tee zu einem Oolong, während der Prozess vom Welken (bis 60% Feuchtigkeitsverlust) und leichtes Trockenen (am besten unter der Sonne) einen Tee zu einem weissen Tee verwandelt. Das heisst: ein weisser Tee wird nur gewelkt und getrocknet, ohne den Prozess von „Errötung“ – Welken, Ruhen und Fermentieren. Auch wenn man hier im Westen bei Ende des Welkens eine Fermentation bei einem weissen Tee feststellt, bedeutet dieser Prozess im Verständnis der chinesischen Teewelt noch keinen notwendigen Schritt zu einem Oolong.
Wenn ein Oolong den richtigen Prozess „erlebt“, sollte er nicht mehr den „Heu“-Geschmack eines weissen Tees erhalten – obwohl ein edeler weisse Tee diesen Geschmack auch nicht betont. Ein richtig hergestellter Oolong, dessen Duft die grassige Note verliert, zum Blume und Frucht verwandelt wird, würde ich behaupten – schmeckt ganz anders als ein weisser Tee.
Was dieser so genannte weisse Tee aus dem Grossmarkt sein sollte, kann ich keine Kommentare abgeben. Ich kann hier nicht für andere Leute sprechen, was sie gerne behaupten. Es ist doch ziemlich selbstverständlich, dass man das verkauft, was gerade für Umsatz verspricht. Warum sollen wir uns denn wundern, dass ein weisser Tee vielleicht ein Schwarztee ist? Solange man die Sprache des Tees nicht verstehen will, ist man auch in der Lage die Ignoranz weiter zu pflegen.
Warum sollen wir uns überhaupt aufregen, wenn manche einen „schlechten“ (falschen) Tee trinken und manche zu ihren Genuss kommen? Ich finde es nicht selbstverständlich, dass ein Teeliebhaber einen guten Teelieferant findet oder eine Lieblingssorte entdeckt. Denn er hat sich damit auseinandergesetzt und Zeit genommen – wie Du. Die Menschen müssen es zuerst wollen und sich auf den Weg machen.