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Ein Kino in Tokio, 22. Mai 1980. Plötzlich steht da dieser Automat. «Puck-Man» steht in gelben Lettern auf der Seite des Kastens. Darunter gelbe Figuren mit langen Nasen, die die Zunge rausstrecken und Punkte fressen. Vor dem Bildschirm ein Joystick - darunter ein Schlitz, um Münzen reinzustecken.
Voilà: Die Geburtsstunde von Pac-Man, wie wir ihn heute kennen.
Die Angst vor «F***-Man»
In Pac-Man umbenannt wurde die fresswütige Kreisfigur allerdings erst zwei Jahre später, 1982, als das Spiel auch in den USA auf den Markt kam. Aus Angst, die Automaten könnten durch jugendlichen Leichtsinn und einen Filzstift in «Fuck-Man» umbenannt werden, wurde der Name abgeändert.
Ein Name, der sich ursprünglich aus dem japanischen «Paku» ableitet, was so viel wie «kauen» oder «mampfen» bedeutet.
Die ersten Jahre von Pac-Man waren also bereits ziemlich turbulent. Sowohl im Vertrieb, wie auch im Spiel selber. Dort geht es darum, möglichst viele kleine Punkte zu fressen und nicht Opfer der vier Geister zu werden. Ausser man frisst einen grösseren Punkt und kann dann die Geister fressen. Aber nur für eine bestimmte Zeit. Und Früchte gibt's auch noch. Aber eigentlich ist alles ganz einfach.
So sieht es aus, wenn jemand die maximale Punktzahl von 3'333'360 erreicht:
Wer es selber versuchen will: Hier entlang, Link öffnet in einem neuen Fenster.
Endlich ein fröhliches Spiel
So bekannt der Name Pac-Man ist, so unbekannt ist der Name Toru Iwatani. Der Vater von Pac-Man sozusagen. Auch wenn der damals 22-jährige Entwickler eigentlich gar keine digitalen Kinder wollte. Iwatani hatte nämlich keine Ahnung von Videospielen, als er bei der Entwickler-Firma Namco Company zu arbeiten begann. Er wollte ursprünglich Flipperkästen designen.
Irgendwann ist er dann jedoch auf die Videospiele umgestiegen und entwickelte Pac-Man als eine Art Gegenstück zu den düsteren Ballerspielen Ende der siebzigerJahre (allen voran «Space Invaders»).
Pac-Man war das erste Videospiel, das herzig war.
Weil die Entwickler von Pac-Man feststellten, dass vor allem Männer Videospiele kauften, wollten sie mit Pac-Man auch den Frauen etwas bieten. «So, dass nicht nur 50% der Menschheit angesprochen wurden - sondern 100», erklärt SRF-Digitalredaktorin Martina Gassner.
Es war wohl weniger ein aktives Statement gegen das Patriarchat, als viel mehr ein gewinnorientierter Gedanke. Sonst hätte man die Figur durchaus auch Pac-Woman nennen können. Immerhin kam zwei Jahre nach Pac-Man auch Ms Pac-Man auf den Markt. Als eine von vielen Adaptionen der Figur, die jedoch nie an das Original heran kamen.
Hier spricht die SRF-Digitalredaktion auf dem «Geek-Sofa» über 40 Jahre Pac-Man:
Wer ist Pac-Man?
Unterdessen sind die Pac-Man-Automaten grösstenteils verschwunden. Man spielt Pac-Man auf allen möglichen Geräten – «wahrscheinlich würde er sogar auf einer Kartoffel laufen», so Digitalredaktorin Martina Gassner.
Dabei sieht man nur immer den verfressenen Kreis auf der Suche nach kulinarischer Befriedigung in digitaler Form. Ein (nicht ganz vollständiger) Spielball der Spassgesellschaft, die ihn durch sein Labyrinth treibt, um dem eigenen Hamsterrad zu entkommen.
Eine Gesellschaft, die keinen Gedanken daran verschwendet, dass Pac-Man vielleicht lieber als Kuchen-Diagramm tätig wäre. Und die ihn ohne zu zögern auf die schiefe Bahn schickt. Denn auch nach 40 Jahren gibt es zum Geburtstag von Pac-Man keinen Kuchen für ihn. Sondern nur laute Elektro-Musik und unzählige kleine Pillen, die ihn Geister sehen lassen. Und ihn antreiben, nochmals mindestens 40 Jahre durch die Gänge zu irren.