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Kleine Geschichte der Augenbrauen
Redaktion: Olivia Goricanec; Fotos: Getty Images
Schon seit jeher spielen Augenbrauen in Geschichte und Ästhetik der Menschen eine wichtige Rolle. Im alten Ägypten rasierten sich sowohl die Frauen als auch die Männer ihre Brauen komplett, um sie danach mit dunklen Strichen nachzuziehen. In der Antike galten Frauen mit dichten und dunklen Brauen als schön. In Japan entfernten während der Heian-Periode (794–1185) adlige Damen ihre Brauenhaare komplett und zeichneten kunstvolle hohe Bögen. Ein ganz anderes Schönheitsideal herrschte später im mittelalterlichen Europa. Ein heller Teint und eine hohe Stirn waren das Mass aller Dinge. Dafür wurden Haaransatz und Augenbrauen rasiert oder gezupft, wie es auch Queen Elizabeth I tat. Im 17. und 18. Jahrhundert ging die Tendenz wieder zu einem natürlicheren Aussehen. Ein Wendepunkt in der Geschichte der Augenbrauen war der Übergang ins 20. Jahrhundert, als kommerziell hergestellte Kosmetika auf den Markt kamen, unter anderem auch für die Brauen. Im Stummfilm gehörten die Augenbrauen zudem als wesentliches Mittel des mimischen Ausdrucks unverzichtbar zum schauspielerischen Repertoire. Die Ära der dramatischen Augenbrauen währte die Dreissigerjahre hindurch: Schauspielerinnen und Schönheitsidole wie Marlene Dietrich oder Greta Garbo rasierten sich die Brauen komplett und zeichneten sie an einer höheren als der ursprünglichen Stelle in einem starken Bogen strichdünn nach.
Die Vierzigerjahre brachten einen Wandel zurück zur natürlicheren Braue, sie wurde etwas dicker getragen, es entstand ein weniger strenger Look, wie ihn etwa die Schauspielerin Veronica Lake trug. Diese Tendenz setzte sich im folgenden Jahrzehnt fort: Die Augenbrauen wurden breiter, dunkler und stark betont wie bei Elizabeth Taylor. In den Sechzigerjahren gab ein weiterer Hollywoodstar die Form vor: Sophia Loren. Ihre Brauen waren weltberühmt und eine Kunst für sich, denn sie rasierte sie komplett und zeichnete sie mit senkrechten Strichen nach.
Mit Faye Dunaway erlebte die dünnere Augenbraue in den Siebzigern ein Comeback, bevor in den Achtzigerjahren starke, breite und unberührte Augenbrauen wie bei Brooke Shields en vogue wurden. Als das Playmate Pamela Anderson mit «Baywatch» in den Neunzigern zum Star wurde, fand ihr Stil – unter anderem ihre sehr dünnen Augenbrauen – viele Nachahmerinnen, und die natürlichen, buschigen Exemplare waren Geschichte. Bis das britische Topmodel Cara Delevingne auf der Bildfläche erschien und mit seinem Markenzeichen der kräftigen, dunklen Brauen die schmalen Linien verdrängte. Zumindest für den Moment.