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Die Armee sucht Frauen auf allen Kanälen Bild: Screenshot Youtube
An Milena soll es nicht scheitern. Die Infanteristin ist schwer begeistert vom Militär. Für den Militärdienst habe sie sich entschieden, weil sie einen Ausgleich zu ihrem Alltag gesucht habe, sagt sie in einem Video des VBS. Das Exerzieren bereut sie nicht. Durch den Militärdienst habe sie gelernt, sich durchzusetzen: «Das hilft mir sicher in meinem zukünftigen Beruf als Primarschullehrerin.»
Das Problem: Es gibt in der Schweizer Armee aktuell nur 1253 Milenas. Die Vision des «Chef der Armee 2030» sieht das Ziel bei mindestens 10 Prozent Frauenanteil, bei einem Bestand von 140'000 also mehr als 14'000 Frauen.
Das zu erreichen, wird schwierig. In den zehn Jahren zwischen 2010 (1034 Frauen) und 2020 nahm der Frauenbestand jährlich nur um 22 Frauen zu. Geht es in diesem Tempo weiter, dauert es mehr als 600 Jahre, bis 14'000 Frauen die Schweiz beschützen.
Nur einmal gab es so viele Frauen im Militär, und das war im Zweiten Weltkrieg. Der Frauenhilfsdienst (FHD) unterstand ab Januar 1940 dem Territorialdienst der Armee. Die Frauen waren unter anderem im Motorwagendienst und der Fliegerbeobachtung zuständig. Und in der Armeeküche. Zeitgleich mussten 650'000 Männer einrücken. In keinem anderen Land wurden so viele Marschbefehle verschickt wie in der Schweiz.
Im Jahr 2000 verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat eine völkerrechtliche Resolution, die eine gleichberechtigte Teilnahme von Frauen in allen friedens- und sicherheitspolitischen Initiativen verlangte. Seitdem fühlt sich die Schweizer Armeespitze unter Druck.
Mit 0,9 Prozent Frauenanteil steht die Schweiz im internationalen Vergleich nämlich schlecht da. Bei der deutschen Bundeswehr liegt der Anteil der Frauen bei rund zwölf Prozent. In den USA befindet er sich je nach Teilstreitkraft zwischen 8,6 Prozent (Marines) und 19,6 Prozent (Navy).
Das Thema «Frauen in der Armee» wurde in der Schweiz lange stiefmütterlich behandelt. Erst mit der Armee XXI wurden den Frauen Zugang zu allen Funktionen ermöglicht. Mit dem Grundsatz «Gleiche Leistung – gleiche Chancen» herrscht für Rekrutinnen aber auch die gleich lange Rekrutenschule – 18 harte Wochen.
Trotz grosser Aufklärungsarbeit hat sich so manche junge Frau das mit dem Militär wohl anders vorgestellt. Die Abbrecherquote liegt bei 10 Prozent, wie eine Armeesprecherin gegenüber dem «Nebelspalter» mitteilte. Bei den männlichen - dienstpflichtigen - Rekruten befindet sich die Quote bei 14 Prozent.
All das ist der Armeespitze bekannt. Das internationale Schlusslicht ist ihr peinlich. Fachleute wurden eingestellt, um das Problem zu lösen. Es wurden so viele Arbeitsgruppen und Fachstellen mit Konzeptstudien und Berichten beauftragt, dass man schnell die Übersicht verliert. Allein letztes Jahr erschienen drei Studien zum Thema. Mittlerweile befindet man sich bereits in der Metaebene: Der «Prüfbericht Zuständigkeiten bezüglich Frauenförderung in der Armee» beschrieb vor einem Jahr das Durcheinander folgendermassen:
«Beurteilung: Insgesamt gewannen wir den Eindruck, dass im VBS momentan sehr viele operative Aktivitäten (z.B. neues Imagevideo erstellen, Frauentag organisieren, Messeauftritte oder Schulbesuche planen) am Laufen sind (…) Zudem wurde uns nicht abschliessend klar, wer die Gesamtsicht zu allen Aktivitäten innehat und diese schlussendlich verantwortet.»
Aber auch diese Kritiker empfahlen Bundesrätin Amherd «bis Ende 2020 eine Gender-Perspektive für die Schweizer Armee zu verfassen». Also wieder eine Studie. Zum gleichen Ergebnis kam der «Bericht Arbeitsgruppe Frauen in der Armee Erhöhung des Frauenanteils in der Armee», der im März 2021 erschien. Zum einen wird empfohlen, dass «Soldatinnen in Reportagen, Interviews und Video-Clips sich vorstellen (…) und so Frauen für den Dienst in der Armee motivieren.»
Andererseits soll eine «Fachstelle/Dienststelle für Frauen so rasch als möglich in Angriff genommen werden.» Eine weitere externe Studie soll zudem die wissenschaftlichen Grundlagen liefern, warum so wenig Frauen in die Armee wollen. Die Umsetzungen dazu müsse «regelmässig überprüft» werden. Also nochmals Studien.
Was das alles kostet, ist nicht zu erfahren: «Der finanzielle Aufwand für Frauenrekrutierungen kann nicht in Schweizer Franken beziffert werden», schreibt eine Sprecherin.
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