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In 150 Minuten lernen wir einen Mann kennen, der für viele Amerikaner jener Zeit zu einem wichtigen Vorbild wurde. Lincoln wurde als Symbol der Demokratie und der Zusammengehörigkeit angesehen und wird noch heute von den Amerikanern zu den beliebtesten Präsidenten aller Zeiten gezählt. “Lincoln” zeigt dabei die Bemühungen des 16. Präsidenten der USA, die Sklaverei abzuschaffen. Hier wird deutlich, wie wichtig Lincoln für den Werdegang der USA zu einem modernen Staat ist. Im Januar 1865, kurz nach seiner Wiederwahl, setzt sich Lincoln zum Ziel, einen Verfassungszusatz zu verabschieden, der die Sklaverei in den Vereinigten Staaten verbieten soll. Doch Lincolns Vorschlag stösst auf heftigen Widerstand im Repräsentantenhaus wie auch im Kabinett. Schliesslich gelingt es ihm und seinen Helfern trotz aller Hindernisse, die benötigten Stimmen zu bekommen. Der Zusatzartikel wird am 31. Januar 1865 angenommen und mit mehrheitlichem Jubel der Abgeordneten gefeiert.
Schauspielerische Meisterleistung
Der Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis, aufgewachsen in England und Irland, ist bekannt für seine totale Hingabe an eine Rolle. Er bleibt während des gesamten Drehs in seiner Rolle verhaftet, selbst wenn dadurch seine körperliche Gesundheit beeinträchtigt wird. Mit Rollenangeboten geht er sehr wählerisch um. Day-Lewis spielte gerade mal in sechs Filmen seit 1997 mit, wobei er in dieser Zeit auch eine Spielpause von fünf Jahren einlegte. Daniel Day-Lewis spricht nicht gerne über seine aussergewöhnlichen Schauspielmethode. Er verstehe sie selbst nicht gänzlich und möchte es auch nicht, äusserte er sich in einem kürzlich erschienen Interview mit der New York Times. Steven Spielberg, der nie zuvor mit Day-Lewis gefilmt hat, meinte zur Zusammenarbeit in der New York Times: “Ich schaue einem geschenkten Gaul nicht ins Maul. Ich habe Daniel nie über seinen Arbeitsprozess gefragt und ich wollte es auch nicht wissen.”
Day-Lewis’ überzeugende Darstellung des Präsidenten in “Lincoln” ist sehr einfühlsam und tiefsinnig, manchmal auch schwermütig. Auch äusserlich passt er perfekt in die Rolle des damaligen Präsidenten. Gross und dünn, mit einem unverwechselbaren Gesicht und einer hohen, aufrichtigen Stimme.
Kindheitstraum
Warum soll man sich einen Film über Abraham Lincoln ansehen, wenn es doch schon so viele andere Filme und Bücher über ihn gibt? Spielberg sagte im selben Interview mit der New York Times, dass die Mehrheit seiner Filme ihren Ursprung in seiner Kindheit hätten. Er erinnere sich an das erste Mal, als er als sechsjähriger Junge vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C. gestanden und zuerst extrem eingeschüchtert gewesen sei. Doch sobald er in Lincolns Gesicht geschaut habe, sei diese Angst verschwunden und er habe das erste Mal gespürt, was für ein eindrücklicher Mann Abraham Lincoln gewesen sein musste. Spielberg wollte schon immer einen Film über Lincoln drehen, hatte aber keine passende Grundlage finden können. 1999 sprach er das erste Mal mit der amerikanischen Historikerin Doris Kearns Goodwin, die dann 2005 die Biographie “Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln” veröffentlichte. Basierend auf diesem Werk schrieb Tony Kushner das Drehbuch für “Lincoln”. Mit einem Filmbudget von 65 Millionen US-Dollar wurden dann die Dreharbeiten im Oktober 2011 begonnen. Gefilmt wurde hauptsächlich im Bundesstaat Virginia, unter anderem an Originalschauplätzen.
Seit seinem Start in den amerikanischen Kinos am 16. November 2012 verzeichnet “Lincoln” mehr als 220 Millionen US-Dollar Einnahmen.
Gelobt und gepriesen
Spielbergs “Lincoln” erhielt sehr viele positive Kritiken und wird zu den besten Filmen des vergangenen Jahres gezählt. “Lincoln” wurde für zwölf Oscars 2013 nominiert, und zwar für den besten Film, die beste Regie für Steven Spielberg und den besten Hauptdarsteller für Daniel Day-Lewis.
Historiker haben jedoch eine eher zwiespältige Ansicht. Eric Foner schieb in einem Leserbrief an die New York Times, dass der Film mit dem Fokus auf die Verabschiedung des Zusatzartikels “derb übertreibe”. In einem anderen Brief an die New York Times bemerkt Kate Masur, dass die Rolle der Schwarzen “allzu sehr vereinfacht” dargestellt wird. Joshua M. Zeitz erwähnt in The Atlantic einige kleine Fehler, sagt aber, “Lincoln” sei kein perfekter, aber ein wichtiger Film.