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Die Hausarbeits-Beichte
Ein Papablog von Réda El Arbi.
Ich verfüge über den Luxus, oft von Zuhause aus arbeiten zu können, und gelte so als Teilzeit-Hausmann, da meine Frau ganztags ausser Haus arbeitet. Und ich gebe gerne bei meinen Freunden damit an, dass bei uns die Rollenverteilung wirklich emanzipiert sei. Nun war meine Frau letzthin für eine ganze Woche an irgendeiner Konferenz im Ausland und ich war alleine daheim. Und da die die Konferenz in Übersee stattfand und so nicht die geringste Chance bestand, dass meine Frau nach Hause kommen könnte, liess ich mich in Sachen Hausarbeit und Ordnung völlig gehen. Erschreckenderweise erfüllte ich jedes Klischee über Männer, die alleine gelassen werden. (Lesen Sie auch: «Noch einmal mit den Wölfen heulen»)
Ich ass dauernd Fertiggerichte und liess die Verpackungen auf der Küchenkombination schiefe, fettige Türme bilden. Klamotten und Schuhe verteilte ich gleichmässig in der ganzen Wohnung (ich machte den Riechtest, um frische von verstunkener Wäsche zu unterscheiden), wunderschöne Kaffeetassen dienten in aufopfernden Weise auch als Aschenbecher und Pfannen mit Spaghettiresten fanden ihre Bestimmung als Schleimpilzplantagen. Ich vermied es, jemanden einzuladen, weil ich absolut keine Lust hatte, auch nur einen Finger im Haushalt zu rühren. Mein Kater verbrachte mehr Zeit in seinem Katzenklo, weil ich das reinigte – und es ihm wohl insgesamt sauberer erschien als der Rest der Wohnung. Und ich fühlte mich wohl.
Ja, man könnte sagen, ich sei ein Schwein. Nur, normalerweise bin ich das nicht. Sobald ich in Gesellschaft bin, ist es mir wichtig, einen Grundlevel an Sauberkeit und Ordnung vorweisen zu können. Und ich beteilige mich auch daran. Dachte ich wenigstens. Nach einer Woche im Sumpf der Faulheit brachte ich die Wohnung einigermassen auf Vordermann und wunderte mich über die Schweinerei – und wie wohl ich mich darin fühlte. Es war an der Zeit, meine Wahrnehmung in Bezug auf meine Beteiligung an den Haushaltsarbeiten zu überprüfen.
Nun, ich mache meistens die Wäsche. Das heisst, ich werfe sie in die Maschine und lass diese laufen. Das wars dann. Wenn meine Frau mich nicht darauf aufmerksam macht, lass ich sie da drin vergammeln. Und wenn sie mich darauf aufmerksam macht, häng ich sie auf und lass sie dann an der Leine vergammeln. Also da besteht Verbesserungspotenzial. Nur, es ist nicht mal so, dass ich zu faul bin. Es verschwindet einfach aus meinem Fokus. Ich kann vor der Waschmaschine stehen und nicht wahrnehmen, dass die Wäsche in der Maschine schon vor zwei Tagen fertiggewaschen war.
Oder ich sauge Staub und nehme die Böden feucht auf. Ja, das mach ich ab und zu. Dann lass ich den Staubsauger mitten in der Wohnung und den Eimer mit dem Lappen und dem Dreckwasser dekorativ im Badezimmer rumstehen. Wohl um subtil einen Beweis zu hinterlassen, dass ich mich am Haushalt beteilige. Aber auch das verschwindet in einem blinden Fleck meiner Wahrnehmung. Ich steh in der Wohnung, und wenn jemand mich fragen würde, wo der Staubsauger sei, würde ich Stein und Bein schwören, er sei säuberlich im Putzkasten verräumt, selbst wenn er vor mir steht.
Nein, ich will hier nicht die fadenscheinige Entschuldigung anbringen, ich sei halt ein Mann. Ich werde mich da echt reinhängen müssen, um etwas zu ändern. Trotzdem wundere ich mich darüber, dass ich bei anderen Männern ein verständnisvolles Nicken ernte, wenn ich davon erzähle, während Frauen mit vorwurfsvollem oder angewidertem Blick reagieren, je nach Detaildichte meiner Beschreibung. An meiner Erziehung kanns nicht liegen, meine Mutter nötigte mich schon als kleines Kind, mich am Haushalt zu beteiligen. Ich war nie eines dieser verwöhnten Muttersöhnchen. Mit 14 Jahren zog ich von Zuhause aus und führte ab da meinen eigenen Haushalt, mehr oder weniger organisiert. Ich kann putzen, rein technisch, ich kann sogar ziemlich gut kochen (was ich nie mache, weil sich der Aufwand für die paar Minuten, in denen dann das Essen heruntergeschlungen wird, einfach nicht lohnt) und ich bügle meine Hemden immer selbst.
Egal, woran es liegen mag. Ich nutze die Gelegenheit, hier öffentlich Besserung zu geloben und meiner Frau für ihre Geduld zu danken, mit der sie mich immer wieder liebenswert und frei von jeder Nörgelei auf meine Haushaltspflichten aufmerksam macht. Sie sagt, sie liebe mich, wie ich sei, und ich sei nun mal kein Putzteufel. Nun, das ist wohl eher ein Grund, mir noch mehr Mühe zu geben.