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Bild 1: Flache Druckverteilung über Mitteleuropa. Bodendruckkarte mit Fronten von Freitag, 8. Juni 2006, 12 UTCgross.jpg, 95 KB
Bild 2: 500-hPa Höhenkarte (ca. 5700 Meter) vom 8. Juni 2007. Das Höhentief über dem Ärmelkanal hat in der Folge auch bei uns die Aufsteigbewegung der Luftmasse begünstigt.gross.jpg, 66 KB
Der Wasserdampf liefert schlussendlich die Energie, welche die Wolke zum Wachsen bringt und in der Folge auch die Wassermassen, die bei einem "Wolkenbruch" zu Boden fallen. Anhand des gefallenen Niederschlags lässt sich erahnen, wie viel Wasserdampf in einer Gewitterwolke vorhanden ist.
Wird die wasserdampfreiche Luft zum Aufsteigen gezwungen, kühlt sie sich in grösserer Höhe naturgemäss wieder ab. Da kühlere Luft nicht mehr so viel Wasserdampf mitführen kann, wird dieser in Form von Wasser ausgeschieden. Beim ’Kondensieren’ wird Kondensationsenergie frei, welche die Wolke zum weiteren Wachsen antreibt. Gut sichtbar sind die Aufwindzonen im Cumulus congestus (s. Bild 3).
Bild 3: "Cumulus congestus", im Volksmund auch "Blumenkohlwolke" genannt. Freiwerdende Kondensationswärme treibt die Luftmassen zum weiteren Aufsteigen an.gross.JPG, 141 KB
Bild 4: Cumulonimbuswolke: Der obere Teil der Wolke ist vereist und bildet einen klassischen "Amboss".gross.JPG, 129 KB
Bei der Auf- und Abbewegung innerhalb der Wolken tauen die Eiskerne wieder auf, setzen mehr Wasser an und gefrieren erneut. Die Eiskörner werden immer grösser bis sie schlussendlich durch das Eigengewicht als Hagel auf die Erde fallen. Durch die bei der Auf- und Abbewegung der verschieden gearteten Luftpakete entstehenden Reibung kommt es zu einer elektrischen Spannung die als "Blitz" und in der Folge auch als Donner Entladung erfährt. Ausfallende Kaltluftmassen bewirken zusätzlich die gewitterbegleitenden Sturmböen.
Die Gewitterlage vom 4. bis 10. Juni 2007
Die "Flachdrucklage" vom 4. bis 10. Juni weist einige zusätzliche interessante Phänomene auf, welche die unwetterartigen Auswirkungen erklären helfen. So mögen sich auch langjährige Meteorologen kaum an einen ähnlichen Fall erinnern, bei dem die Flachdrucklage mit einem solchem Energiepotential so lange andauerte. Meist kommt es nach heftigen Gewittern innert weniger Tage zu einer Stabilisierung. Die Luftmasse wird abgekühlt, respektive ausgetauscht und das vorhandene Energiepotential damit abgebaut. Im aktuellen Fall kann man von einer fast einwöchigen Periode sprechen, bei der der mittlere Luftdruck reduziert auf Meereshöhe zwischen 1011 und 1016 Hektopascal lag.
Die ersten schweren Gewitter gingen am 4. Juni in der Stadt Schaffhausen nieder. In der Folge gab es mit Ausnahme des 5. und 6. Juni praktisch täglich Gewitter mit Folgeschäden.
Bild 5: Niederschlagssummen vom 6.-10. Juni 2007.gross.jpg, 297 KB
Lokal grosse Regenmengen wie in den vergangenen Ereignissen in Schaffhausen, Biel, Huttwil, Basel, am Urnersee und auch Zürich - um nur einige zu nennen - sind nicht zuletzt auch auf das Fehlen eines richtigen Höhenwindes zurückzuführen. Durch die kaum vorhandenen Winde in der Höhe blieben die Gewitterzellen - einmal entstanden - an Ort und entledigten sich dort ihrer Wassermassen. Dies zeigt sich darin, dass die registrierten Niederschlagsmengen auf kleine Distanzen komplett unterschiedlich sein können.
So fiel beispielsweise innert fünf Tagen in Biel eine akkumulierte Regenmenge von fast 90 Liter Wasser pro Quadratmeter. Im nicht weit entfernten Bern wurden in derselben Periode nur gerade 7 Liter totalisiert.
Die extremen 1 bis 2-stündigen Niederschlagssummen lagen in der Periode vom 6.-10. Juni an einigen Messstationen und an verschiedenen Tagen bei etwa 50 mm. Dies zeigt das hohe Niederschlagspotential der über uns lagernden Luftmasse.
Im folgenden Abschnitt werden noch zwei Tage mit der grössten Aktivität untersucht:
Donnerstag, 7. Juni 2007
Am 7. Juni gab es in der Schweiz im Wesentlichen vier "Hot spots" (s. Bild 6):
- die Ajoie
- der Raum Biel-Lyss und das Gebiet nordöstlich davon
- die Region zwischen Urner- und Lauerzersee
- das Appenzell im Gebiet Schwende-Gonten
Bild 6: Niederschlag Tagessummen vom 7. Juni 2007 anhand von Radardaten. Die Farben entsprechen der Mengenangabe in der Legendegross.jpg, 199 KB
Bild 7: Extremwertstatistik der Station Wynau anhand von 10-Minuten-Regenmengen.gross.jpg, 20 KB
Freitag, 8. Juni 2007
Am 8. Juni gab es zwei grössere und einige kleinere "Hot Spots":
- die Region um den Napf
- die Stadt Basel und Teil des Kantons BL
Bild 8: Niederschlag Tagessummen vom 8. Juni 2007 anhand von Radardaten. Die Farben entsprechen der Mengenangabe in der Legendegross.jpg, 161 KB
Als aussergewöhnliches Ereignis kann man die Gewitter von Freitagnacht im Napfgebiet bezeichnen.
Die Region ist ja als Gewitterzone bekannt. Die Landschaftsform begünstigt die Entwicklung und das Verharren von Gewitterzellen in diesem Raum. Wie eine "Sprungschanze" fördert der ins Mittelland hinausragende Napf das Aufsteigen der feuchtlabilen Luftmassen.
Innert weniger Stunden fielen dort nach Radarschätzungen lokal mehr als 100 Liter Wasser pro Quadratmeter. Das entspricht ungefähr der Regenmenge, die ansonsten in einem ganzen Monat zusammen kommt. An der Niederschlagsstation Wasen im Emmental - welche nicht genau im Zentrum des Gewitters lag - registrierte der Beobachter 71.5 mm Regen. Leider wurde in der Folge der Messgarten überschwemmt, sodass weitere Daten vorerst nicht erhältlich sind.
Das letzte ähnlich grosse konvektive Niederschlagsereignis in der Region datiert aufgrund der vorliegenden Statistiken aus dem Jahre 1975, liegt also mehr als 30 Jahre zurück.