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1978/1985
Fahne und Schleife
Rainbow-Flag, Red Ribbon
In der Aids-geprägten Zeit ab 1980 nahmen sich die frisch entstanden Hilfs- und Selbsthilfegruppen den bereits von der Befreiungsbewegung her bekannten Regenbogen als Zeichen der Hoffnung.
Der kalifornische Künstler Gilbert Baker (1951-2017) hatte die Regenbogen-Fahne 1978 zunächst mit acht Farben (zusätzlich Rosa und Türkis) gestaltet. Sie war als Symbol für "Gay Pride" gedacht (den CSD, Christopher Street Day und die Pride, stolz darauf, schwul respektive lesbisch zu sein). Und sie leitete sich aus der biblischen Geschichte von Noah und seiner Arche ab, wo gegen Ende der alles überschwemmenden Flut das Zeichen der Hoffnung für die in ihrem Schiff Fliehenden erschien: der Regenbogen, den Gott in den Himmel stellte, um zu zeigen, dass er sich versöhnen wolle und die Flut ein Ende nehme.
Beim Protest- und Trauermarsch im November 1979 (ein Jahr nach der Ermordung von Harvey Milk, des schwulen Bürgermeisters von San Francisco) wurde daraus die sechsfarbige Fahne. Sie prägte das Bild dieses Zuges und trat von da an ihren Lauf um die Erde an, bald als "National-Flagge" der weltweiten schwul-lesbischen Community.
Mit der rasanten Ausbreitung von Aids, den Gründungen von Aids-Hilfe Gruppen, der Aufklärung und Prävention, rückte ab Mitte der 80er Jahre das Gefühl von Solidarität mit den Erkrankten ins Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten. Damit begann ein Feldzug für Solidarität und Hilfe auf allen Kontinenten, gefördert durch internationale Organisationen wie UNO oder WHO (Weltgesundheits-Organisation).
Die neue Form von Solidarität gab sich ein neues Symbol: die Rote Schleife. Sie ist beides, ein Zeichen der Gefahr und des Verbundenseins aller, der Nichtbetroffenen mit den an Aids Leidenden und der Betroffenen mit den Hilfe Leistenden.
Es war ein Künstler in New York, Frank Moore, der die Rote Schleife, the Red Ribbon, entwarf. Er tat dies voller Trauer über die ersten Toten in der Künstler- und Homoszene, aber noch viel mehr angestachelt von Wut und Verzweiflung, weil er Sterbende sah, die von der eigenen Familie verstossen und von Kollegen verlassen irgendwo in Hinterhöfen oder Werkschuppen lagen. Hier war Solidarität gefragt - und sie wurde geleistet von anderen Betroffenen, die sich die Rote Schleife anhefteten - zum Zeichen ihres Dienenwollens.
Ernst Ostertag, August 2007, November 2011, April 2017