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Er bewegt Lady Gaga
Das Figurentheater ist lebendig und dynamisch. Im indonesischen Wayang-Theater bewahren Erneuerer die überlieferten Formen vor Erstarrung und ermöglichen ihre Weiterentwicklung. Ein solcher Erneuerer ist der junge dalang Ki Catur «Benyek» Kuncoro aus der Region Yogyakarta auf Java. Er vermischt das traditionelle Figurentheater mit Hip Hop und ist vor allem bei einem jungen und gut gebildeten Publikum beliebt. Wir haben uns mit ihm unterhalten.
Museum der Kulturen Basel: Woher kommt Ihr Interesse für das wayang-Theater?
Catur Kuncoro: Das ist keine schwierige Frage. Ich wurde in eine traditionelle Künstlerfamilie geboren, mein Vater Ki Supardi ist dalang [Puppenspieler, Anm. d. Red.] und meine Mutter Sri Yatinah ist sinden [Sängerin in einem Gamelan-Orchester, Anm. d. Red.]. Mein Grossvater Ki Cermo Bancak war auch dalang. Ein javanisches Sprichwort besagt: «tresno jalaran soko kulino», das heisst sinngemäss: «der Apfel fällt nicht weit vom Stamm». Ein weiterer Faktor, der mein Interesse weckte ist, ist dass keines meiner 6 Geschwister den dalang-Beruf meines Vaters weiterführte. Ja, das ist also meine Geschichte.
MKB: Wie kamen Sie darauf, das traditionelle wayang-Theater mit Elementen des Hip Hop und Pop zu verbinden?
Catur Kuncoro: In den Jahren 2009 und 2010 wurden die Jungen in Yogyakarta richtiggehend von Hip Hop infiziert. Es entstanden viele Hip Hop-Gruppen, die die lokale Sprache verwendeten. In ihrem Sprechgesang verwendeten einige auch Anleihen aus der alten javanischen Lyrik. Da fühlte ich, dass dieses Musik-Genre evtl. in der Lage wäre, junge Leute und urbane Communities der Kunst des wayang näher zu bringen.
MKB: Wie passen Lady Gaga oder der Rapper Sammy in das wayang-Theater?
Catur Kuncoro: Die Figur der Lady Gaga habe ich als wayang-Figur für eine wayang hip hop Aufführung im Hotel Ritz-Carlton in Jakarta geschaffen. Das eingeladene Publikum bestand zu einem Grossteil aus Leuten der Socialite-Szene. Um diesem Publikum wayang näher zu bringen, habe ich zwei Figuren kreiert, die diese Community symbolisieren: Lady Gaga und Justin Bieber. Sammy wiederum ist eine zeitgenössische Adaption des punokawan Semar [punokawan sind die Diener- und Spassmacherfiguren des wayang, Anm. d. Red.].
MKB: Wie wurde Ihre Erneuerung der Tradition aufgenommen?
Catur Kuncoro: Am Anfang gab es sowohl positive wie auch negative Reaktionen. Ein Teil der Jungen lernte wayang kennen und schätzen. Auf der anderen Seite hat man mir vorgeworfen, ich würde das originale wayang kaputt machen. Das dauerte ungefähr 2 Jahre an, bis so 2010 oder 2011.
MKB: Puppenspieler sind auf Java Stars. Wie gehen Sie damit um, ein Star zu sein?
Catur Kuncoro: Das ist eine schwierige Frage, denn ich fühle mich nicht so, hahaha. Ja. Vielleicht sagen das einige so und ich danke denjenigen für ihre Wertschätzung meiner Kunst. Und vielleicht ist das eine Seite, aus der eine Verantwortung resultiert; meine Verantwortung die Existenz dessen aufrechtzuerhalten, was ich geschaffen habe.
MKB: Welche Figur des wayang-Theaters ist Ihre Lieblingsfigur?
Catur Kuncoro: Meine Lieblingsfigur ist Prabu Dasamuka, ein Dämonenfürst Rawana aus dem Epos Ramayana.
Beispiele solcher Aufführungen finden Sie auf YouTube. Zum Beispiel unter diesem Link.