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Ziel
In diesem zweiteiligen Tutorial wollen wir dir eine Reihe von Tipps zur Nachbearbeitung von DJ-Mixes vorstellen.
Im ersten Teil erklären wir dir, wozu du Mastering für DJ-Mixes brauchst, was es bei der Aufnahme zu berücksichtigen gibt, und worauf du beim Ausgleich von Lautstärke- und Frequenzunterschieden achten musst. Im zweiten Teil befassen wir uns mit den Themen Stereopanorama, Fades, Gesamtlautstärke und Export.
1. Wozu Mastering?
Im Vergleich zum Mastering einzelner Tracks ist das Mastering von DJ-Mixes im Normalfall eine weitaus weniger komplexe und weniger zeitaufwändige Angelegenheit. Das liegt daran, dass die Tracks, mit denen du auflegst, höchstwahrscheinlich bereits einen Mastering-Prozess durchlaufen haben. Wie viel Nachbearbeitung dein DJ-Mix benötigt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:
- Zielplatform: Möchtest du den Mix lediglich mit deinen Freunden teilen? Denkst du an einen Upload mit einem Online-Musikdienst wie Soundcloud? Soll der Mix stark komprimiert im Radio laufen?
- Verwendete Tracks: Hast du ausschließlich mit Vinyl aufgelegt, rein digital oder beides? Setzt sich deine Tracklist aus verschiedenen Genres zusammen? Sind im Mix ausschließlich moderne Tunes zu hören oder auch Klassiker aus den vergangenen Jahrzehnten?
- Vorbereitung: Verwendest du einen Kompressor oder Limiter bereits während der Aufnahme? Wie gut schaffst du es, Lautstärke- und Frequenzunterschiede verschiedener Tracks schon während des Auflegens anzupassen?
Abhängig von den Antworten auf all diese Fragen kann das Mastering eines DJ-Mixes mehr oder weniger extrem ausfallen. Musikstücke, die auf Vinyl veröffentlicht wurden, haben häufig ein engeres Stereopanorama und weniger Höhen im Vergleich zu einem digitalen Release. Klassik und Jazz werden in der Regel viel weniger komprimiert als EDM, Pop und Rock. Und ein Rock-Song aus den aktuellen Charts ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch stärker komprimiert als ein Rock-Song aus den Charts der 80er Jahre (Stichwort „Loudness War“). Insofern wird ein Crossover-Mix, der Vinyl-Releases aus dem vergangenen Jahrhundert mit digitalen Neuveröffentlichungen kombiniert, wohl mehr Nachbearbeitung fordern als ein DJ-Mix mit dem Titel „Best of 2020 EDM“.
Unterm Strich solltest du dir bei der Beurteilung deines Mixes folgende zwei Kernfragen stellen:
- Gibt es starke Lautstärke- bzw. Frequenzschwankungen von Track zu Track?
- Ist der Gesamtmix laut genug?
2. Tipps für die Aufnahme
Grundsätzlich gilt: Je mehr du bereits beim Recording deiner Mixe richtig machst, desto weniger müssen diese anschließend nachbearbeitet werden:
- Stelle in den Settings deines Recorders eine ausreichend hohe Bittiefe und Abtastrate ein: Zumindest 16 Bit und 44.1 kHz.
- Insbesondere beim Live-Mixing in Clubs oder Radiostationen macht es Sinn, einen Kompressor bzw. Limiter bereits während der Aufnahme zu verwenden: Hier muss ein bestimmtes Lautstärkeniveau gefahren, aber Clipping auf alle Fälle vermieden werden. Beim Auflegen im Studio empfehlen wir hingegen auf einen Live-Kompressor bzw. -Limiter zu verzichten und diese Audio-Werkzeuge erst bei der Nachbearbeitung zu benutzen. Doch natürlich solltest du auch im Studio Clipping vermeiden. Sorge also dafür, dass du genug Headroom im Mix hast und bedenke, dass du die Gesamtlautstärke ohne Probleme nachträglich anheben kannst. Nach einigen Sessions mit dem gleichen Equipment wirst du schon selbst rausfinden, wie du die Lautstärkeregler positionieren musst und welche Input-Volume für dein Mixing Sinn macht.
- Solltest du in deinen Sets viele ältere Tracks oder Schallplatten spielen und diese mit moderneren Stücken mischen, kann es Sinn machen, diese vor dem Auflegen ein wenig aufzupeppen. Alte Vinyl-Tracks kannst du zunächst digitalisieren und dann mit Hilfe diverser Audio-Tools „mordernisieren“. Beispielsweise kannst du analoges Rauschen und Knistern reduzieren, das Stereopanorama erweitern, die Höhen mit einem EQ oder Exciter mehr in den Vordergrund bringen oder die Lautheit durch einen Kompressor vergrößern. Mischst du die aufbereiteten Stücke später mit modernen, digitalen Tracks, sind Volume- bzw. EQ-Anpassungen seltener nötig und der Mix klingt insgesamt ausgewogener. Sehr empfehlenswert zu diesem Thema ist der Artikel „The Art of DJing: Avalon Emerson“ von Resident Advisor.
- Schnelle Cuts sind typisch beim Auflegen von Hip-Hop, Reggae, Pop oder Rock. Fließende Übergänge hingegen sind typisch für DJ-Mixe in den Genres Techno, Dubstep oder Drum&Bass: Zwei unterschiedliche Tracks laufen hier oft zeitgleich. In diesen Momenten ist es wichtig, die Volume-Fader beider Kanäle leicht herunterzufahren, da sich ansonsten die Lautstärken beider Tracks addieren. Blendest du dann einen der Tracks aus, kannst du die Position des Volume-Faders des verbleibenden Tracks wieder bis zum Anschlag hochziehen.
- Ähnlich kannst du auch mit Frequenzbändern vorgehen: Wenn du einen neuen Track reinmischst, kannst du zunächst den Bass komplett rausdrehen. Je mehr Bass du dann von Track B hinzufügst, desto mehr kannst du ihn von Track A entfernen.
3. Lautstärkeunterschiede
Höre die aufgenommene Session zunächst komplett durch und mache dir Notizen: Wo gibt es die größten Lautstärkeunterschiede? Wo sind die größten Unausgewogenheiten im Frequenzspektrum? Wenn du beim Durchhören die Lautstärke an deinem Player kaum manuell nachregeln musst, ist das ein gutes Zeichen: Wahrscheinlich sind nur minimale Korrekturen notwendig.
Hast du keine Zeit oder Geduld dafür, kannst du den Mix direkt in einen Audio-Editor laden und einen Blick auf die Wellenform werfen. Wir haben hierfür Logic Pro verwendet, das funktioniert aber genau so gut auch mit z.B. Ableton Live, Pro Tools oder Audacity. Lautstärke- bzw. Frequenzsprünge entstehen meist bei Übergängen von einem Track zum nächsten, selten jedoch solange ein einzelner Track läuft. Benutze die Wellenform, um die Übergänge ausfindig zu machen und um dir einen Überblick über den Lautstärkeverlauf zu verschaffen. Verlasse dich aber vor allen Dingen auf dein Gehör: Ein alter Vinyl-Release kann wesentlich leiser klingen als ein stark komprimiertes Audio-Signal; dennoch kann das Vinyl-Signal in der Wellenform die höheren Peaks enthalten!
Gepaart mit Alkohol, steigender Euphorie oder stumpfer werdendem Gehör ist ein typisches Merkmal vieler Mixe, dass sie zum Ende hin allmählich lauter werden. Oft werden gegen Ende auch die fetteren und stärker komprimierten Tunes ausgepackt. Dein Mix sollte nicht nur von Track zu Track, sondern auch im Gesamtverlauf, was die Lautstärke anbelangt, über ein gesundes Maß an Ausgewogenheit verfügen.
Lautstärkeunterschiede kannst du am besten mit einer Automation der Lautsärke ausgleichen. Die Korrekturen können entweder abrupt ausfallen (bei Cuts, wenn die Fader beim Auflegen sehr schnell bewegt wurden) oder allmählich (beim Mixing, wenn die Fader langsam bewegt wurden). Breakdowns eignen sich sehr gut, um unaufällig die Lautstärke über mehrere Sekunden hinweg leicht hoch oder runter zu fahren. Nach der Bearbeitung sollte dein Mix eine konsistente Lautstärke haben und die vorgenommenen Korrekturen sollten nicht auffallen.
Nehme Korrekturen nur vor, wenn die Lautstärkeunterschiede stark auffallen. Übertreibe es nicht und lasse deinen Mix auch ein wenig „atmen“!
4. Frequenzunterschiede
Auch größere Frequenzunterschiede im Mix kannst du mit Hilfe von Automationen ausgleichen. Wenn deine Tracklist ausschließlich aus modernen Releases aus dem gleichen Genre besteht, kannst du diesen Schritt wahrscheinlich überspringen. Insbesondere beim Mischen von Vinyl mit digitalen Tracks sind Unausgewogenheiten in den Höhen aber oft auffällig.
Ähnlich wie Lautstärkeunterschiede kannst du auch größere Unterschiede im Frequenzspektrum mit Hilfe einer Automation ausgleichen. Wir verwenden einen EQ mit einem High-Shelf-Filter, um die Höhen einer zugemischten Schallplatte zwischen zwei digitalen Tracks ein wenig zu boosten. Das Filter hat eine Grenzfrequenz von 5000 Hz und eine Flankensteilheit von 0.71. Die Automation erzeugen wir für den Gain-Parameter: An den Stellen, die verhältnismäßig zu dünn klingen, betonen wir die Höhen, indem wir den Gain-Parameter um ein paar dB nach oben bewegen.
Mit den Mitten und dem Bass kannst du ähnlich vorgehen, wobei Unausgewogenheiten hier noch seltener bzw. weniger auffällig sind.
Weiter geht es in Teil 02!
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14/03/2021