Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03382.jsonl.gz/549

Rechtzeitig schlafen gehen – eine Frage des Willens?
Dieses Phänomen ist so weit verbreitet, dass Katharina Bernecker und Veronika Job herausfinden wollten, warum dies so ist. Ihre Ergebnisse wurden im British Journal of Social Psychology veröffentlicht.
Die Forscherinnen vermuten, dass die Ursache hierfür mit einem Mangel an Selbstbeherrschung in Zusammenhang steht: Aus irgendeinem Grund schaffen es jene Menschen nicht, den notwendigen Willen dafür aufzubringen. Um diese Hypothese zu prüfen, legte die Forschungsgruppe 173 Personen Fragebögen zur Beantwortung vor. Sie sollten eine bestimmte Anzahl von Aussagen bejahen oder verneinen, um so zu bestimmen, von welcher Willenstheorie sie überzeugt waren.
Menschen, die den Willen für eine begrenzte Ressource halten, gehen davon aus, dass dieser schwindet und durch den Schlaf wiederhergestellt wird. Die Anhänger der Theorie der Unbegrenztheit denken hingegen, dass der Wille jederzeit genutzt werden kann. Nach der Befragung führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zehn Tage lang ein Tagebuch: Sie sollten morgens notieren, zu welcher Zeit sie am Vorabend eingeschlafen waren (im Unterschied zur Zubettgehzeit), wann sie aufgewacht waren und wie gut sie geschlafen hatten.
Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass die Überzeugung der Willenstheorien sich auf den Grad des Zögerns vor dem Schlafengehen auswirkt. Diejenigen, die an einen unbegrenzten Willen glauben, neigen viel weniger dazu, das Schlafengehen hinauszuzögern. Jene, die an einen begrenzten Willen glauben, zögern das Schlafengehen etwa 40 bis 50 Minuten hinaus. Die Forscherinnen vermuten, dass eine erhöhte Fernseh- oder Internetzeit diesen eine sofortige Befriedigung verschafft, wohingegen für das Ausgeruhtsein nach einer Nacht guten Schlafs acht Stunden Geduld notwendig sind.
Bernecker, K., & Job, V. (2020). Too exhausted to go to bed: Implicit theories about willpower and stress predict bedtime procrastination. British Journal of Psychology, 111(1), 126–147.