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Wussten Sie, dass jeden Tag rund um den Globus knapp 300 Milliarden E-Mails verschickt und empfangen werden? Die Inhalte der Nachrichten mögen mehr oder weniger interessant sein, aber es lohnt sich ein Blick auf die Grussformeln am Ende, denn sie sagen einiges über den Charakter des Absenders und seine Relation zum Empfänger aus. Die hier genannten Beispiele zeigen - nicht immer ganz ernst gemeint - ob jemand eher neutral oder in irgendeiner Weise persönlich klingt.
"Mit freundlichen Grüssen" oder "Freundliche Grüsse"
Diese Formeln deuten darauf hin, dass der Absender schon eine halbe Ewigkeit im Berufsleben steht und einer älteren Generation angehört. Entweder ist er leicht angestaubt oder ihn nerven andere, trendigere Grussformeln. Das offiziell-formelle "Freundliche Grüsse" deutet auf einen Schweizer hin, "Mit freundlichen Grüssen" auf eine andere Person aus dem deutschsprachigen Raum. Beide sind auf jeden Fall "Klassiker". Wird noch ein "aus Basel" angehängt anstatt "nach Genf", könnte man einen selbstmitleidigen Charakter vermuten, der aus seinem Trott nicht herauskommt.
"Hochachtungsvoll"
Hier staubt's gewaltig. Die Empfängerin mag sich jetzt als Präsidentin oder sonstige Exzellenz fühlen, der Absender hat aber irgendwie den Anschluss ans laufende Jahrtausend verpasst. Höchste Zeit, die eigene Kommunikation zu überprüfen und einen Kurs in zeitgemässer Geschäftssprache zu belegen.
"Sonnige Grüsse"
Optimisten aller Länder, vereinigt euch! Diese Menschen lassen sich auch durch einen grauen und nassen Novembertag nicht aus der Fassung bringen und strahlen jederzeit Wärme und Sonnenschein aus. Es könnte sich aber auch um Träumer und Fantasten handeln. Auf jeden Fall schaffen sie es, mit dem Abschiedsgruss bereits wieder ein neues Gesprächsthema zu starten.
"BG"
Achtung, hier schreibt ein Arbeitstier, das so sehr beschäftigt ist, dass es keine Zeit für ein vernünftiges "Auf Wiedersehen" findet. Auch andere Abkürzungen wie "VG" oder "MfG" deuten auf einen Workaholic hin oder einen Menschen, der seine private Whatsapp-Kommunikation auf geschäftliche Mitteilungen überträgt. Von tiefer gehender Wertschätzung für den Empfänger ist jedenfalls nicht viel zu spüren. Wahrscheinlich wurde die E-Mail zwischen Tür und Angel geschrieben.
"Viele Grüsse"
"Viele Grüsse" deutet auf einen überaus grosszügigen und freundlichen Absender hin, der seine Adressaten gerne mit guter Laune überschüttet und die Grenze zwischen Geschäftlichem und Privatem nicht mehr sieht. Andererseits könnte die Formel auf einen Kompromiss hindeuten oder auf den Versuch, mit einem ausgewogenen Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz Sympathie zu erzeugen.
"Liebe Grüsse"
Sucht die Absenderin körperliche Nähe oder hat sie gar ein kleines Muttersyndrom? Auf jeden Fall will sie eine Wohlfühlatmosphäre schaffen und sich jederzeit hilfsbereit zeigen. Dies kann leicht schief gehen, denn je nach Adressat könnte die Floskel als zu vertraut und einschmeichelnd aufgefasst werden.
"Schöne Grüsse"
Ein Poet am Schreibtisch! Selbst seine Grussformel soll seine Nähe zur Dichtkunst ausdrücken. Der Schuss kann jedoch leider schnell nach hinten losgehen, wenn der Empfänger eines Geschäftsschreibens - sei es ein Kunde oder ein Auftraggeber - eher prosaischer Natur ist. Wer weiß, ob nicht bald ein "Hässliche Grüsse" folgt, wenn es mit der Zusammenarbeit nicht klappt?
"Einen guten Start in die Woche"
So verabschiedet sich eine Olympiateilnehmerin. Oder ihr Coach. Für Absender mit dieser Grussformel wird jede noch so kleine Tätigkeit ein neuer Rekordversuch, um die Bestmarke zu knacken und auf dem Treppchen ganz oben zu stehen. Es stellt sich aber die Frage, welche Floskel sie verwenden, wenn es gerade mal nicht Montag ist.
So, jetzt wird es für Sie interessant. Fragen Sie sich einmal selbst, welcher Grussformel-Charakter Ihnen am nächsten steht. Denken Sie immer an den Empfänger - vielleicht wird es ja Zeit, Ihre Gewohnheiten zu ändern.