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In dieser Rubrik kommen meist linke und links-liberale Medien zur Kasse. Doch heute muss für einmal die «Neue Zürcher Zeitung» als liberal-bürgerliches Blatt kritisiert werden.
Die NZZ titelte am 16. Oktober: «Den Inseln im Südpazifik steht das Wasser bereits bis zum Hals». Mal abgesehen davon, dass die Schlagzeile sprachlich ziemlich schräg daherkam (seit wann haben Inseln einen Hals?): Die Behauptung war schlicht falsch.
221 Inseln sind um durchschnittlich 6 Prozent grösser geworden
Die Zeitung suggerierte, dass die Südseeinseln wegen des Anstiegs des Meerespiegels bald absaufen. Offenbar waren der Autorin des Artikels, der NZZ-Australienkorrespondentin, aber entscheidende Forschungsresultate nicht bekannt. Diese belegen, dass die meisten Inseln im Südpazifik, die oft nur wenige Meter hoch sind, nicht etwa vom Untergang bedroht sind, sondern im Gegenteil flott an Fläche zulegen.
So kam eine Studie der Auckland University in Neuseeland kürzlich aufgrund von Satellitenaufnahmen zum Schluss, dass 221 Atolle im Indischen und Pazifischen Ozean zwischen 2000 und 2017 um durchschnittlich 6 Prozent gewachsen sind. Konkret sind 153 dieser Inseln grösser geworden, während nur 68 geschrumpft sind (siehe hier und hier).
Koralleninseln wachsen flott in die Höhe
Schon 2010 wiesen Forscher der Auckland University und der Geowissenschaftskommission der Fidschi-Inseln nach, dass von 27 untersuchten Atoll-Inseln nur vier geschrumpft sind, während die anderen flächenmässig grösser geworden oder stabil geblieben sind. Die Autoren hatten Flug- und Satellitenbilder ausgewertet, die bis zu 60 Jahre alt waren (siehe hier). Auch weitere Forschungsresultate zeigen: Von einem Untergang der Südseeinseln kann keine Rede sein (siehe hier, hier und hier).
Der Grund für das Flächenwachstum ist meist, dass solche Atolle und flachen Inseln Korallenriffe sind. Und Korallen haben die Eigenschaft, flott in die Höhe zu wachsen, falls nötig. Das Wachstum geht meist schneller voran, als der Meeresspiegel wegen der Erderwärmung steigen kann.
Die Behörden von Inselstaaten hoffen auf Geld
Im Artikel der NZZ wurde aber behauptet, dass Länder wie Vanuatu, Kiribati oder Tuvalu, die aus Atollen bestehen, besonders bedroht seien. «Der Klimawandel hat alle südpazifischen Inselstaaten bereits schwer beschädigt», wurde ein Botschafter von Vanuatu zitiert. Nicht erwähnt wurde, dass die Behörden solcher Inselstaaten ein Interesse daran haben, ihre angebliche Bedrohung durch die Erderwärmung möglichst drastisch darzustellen – weil sie sich so die finanzielle Unterstützung reicher Staaten sichern können.
Zu Wort kam im NZZ-Artikel auch Aiyez Sayed-Khaiyum, Klimawandel-Minister des Inselstaates Fidschi im Südpazifik. Für die Insel Yasawa, die zu Fidschi gehört, sei der Klimawandel mit steigendem Meeresspiegel schon heute harte Realität, sagte der Minister. «Wir haben bereits sechs Dörfer weiter in das Landesinnere hinein verlegen müssen. Weitere 40 werden folgen.»
Küstenveränderungen gehören zu Südseeinseln
Nicht zur Sprache kam, dass Erosion und Küstenabtragung bei solchen Inseln völlig normal sind und seit Jahrtausenden stattfinden. Gewisse Küsten werden durch das Meer abgetragen, an anderen wird neues Material angespült. Auch Umsiedlungen gehören zur Realität dieser Inseln, seit sie bewohnt sind.
Der schwedische Ozeanograph Nils-Axel Mörner, der letztes Jahr gestorben ist, befasste sich sein Leben lang mit Veränderungen des Meeresspiegels und bereiste dazu 59 Länder. Vor fünf Jahren forschte er auch in Fidschi. Er überprüfte dort, ob die Meldungen, wonach das steigende Meer schon viel Schaden angerichtet hat, stimmen.
Stabiler Meerespegel in Fidschi
In einem Interview mit der «Basler Zeitung» gab Mörner anfangs 2018 über seine Erkenntnisse Auskunft (siehe hier). Er und sein Team gingen in Fidschi konkreten Fällen nach, wo die Erhöhung des Meeresspiegels zu Küstenerosion geführt haben soll. «Das Resultat war, dass die Erosion durch Eingriffe des Menschen verursacht worden ist», sagte Mörner, «etwa durch neue Küstenbauten, die die Wasserströmungen verändern, oder die verstärkte Ernte von Seegurken, was den Meeresuntergrund destabilisiert haben könnte.»
Nils-Axel Mörner, verstorbener Ozeanograph
Nils-Axel Mörner fand noch mehr heraus: «Wir konnten nachweisen, dass der Meeresspiegel auf Fidschi ab 1550 bis etwa 1700 rund siebzig Zentimeter höher lag als heute. Dann sank er ab und war im 18. Jahrhundert etwa fünfzig Zentimeter tiefer als heute. Anschliessend stieg er auf etwa das heutige Niveau.» Und weiter: «In den letzten 200 Jahren hat sich der Pegel nicht wesentlich verändert. Während der letzten 50 bis 70 war er sogar absolut stabil.»
Für einmal keine kritische Berichterstattung
Von alldem war im NZZ-Artikel nichts zu erfahren. Stattdessen schürte der Text auf billige Art die Angst vor dem Klimawandel. Die «Neue Zürcher Zeitung» zeichnet sich normalerweise durch eine kritische Berichterstattung aus. Diesmal war es anders.
Artikel zum Thema Meeresspiegel-Anstieg: siehe hier
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