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Mittelalterliche Werwölfe für das 21. Jahrhundert. Zukunftsweisende Implikationen einer Identität als «Menschen» zwischen «Natur» und «Kultur» in speziesistischen Ontologien (12.-13. Jahrhundert)
In meinem Beitrag nehme ich die Situierung meiner Forschung im Anthropozän ernst und strebe so an, die Relevanz der intellektuellen Geschichte des Mittelalters für die Aktualität aufzuzeigen. Mit der Erforschung mittelalterlicher Werwölfe verfolge ich in diesem Sinne drei Ziele für die Zukunft: Eine Hinterfragung des modernen Konzepts «Natur», das in einer Dichotomie zu «Kultur» gedacht wird; Eine Problematisierung unserer Identität als «Menschen», die mit einer hegemonialen Alterisierung der «Natur» einhergeht; Der Abbau von Speziesismus. Die Methode, mit der ich meinen Blick ins Mittelalter kanalisiere, ist die symmetrische Anthropologie. Als theoretische Grundlage hierzu dient mir der ontological turn, mit dem ich mich darauf einlasse, mittelalterliche Realitäten als ontologisch fremd zu verstehen. Dies veranlasst mich dazu, Werwölfe in meinen Quellen – alle im Nord- und Westeuropa des 12.-13. Jh. von christlichen Autor*innen verfasst – als ontologisch real zu lesen. Eine Interpretation, die sich dadurch plausibilisiert, dass in dieser Zeit eine Renaissance von Werwolfgeschichten festzustellen ist, die mit einem Wandel christlicher Ontologie zusammenfällt: der Dogmatisierung der Transsubstantiationslehre. Die Resultate meiner Arbeit weisen darauf hin, dass diese damalige ontologische Neuerung, die sich vordergründig darin äusserte, Verwandlungen als real zu verstehen, darüber hinaus eine Fülle entscheidender Konzepte tangierte: Natur, Kultur, menschliche Identität, Spezies, Geschlecht, Körper und Seele. Für das 21. Jh. impliziert dies, dass radikale ontologische Neuerungen von Konzepten, auf denen das Anthropozän gründet, möglich sind und sich in einer relativ kurzen Zeitspanne durchsetzen können.