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22.09.2022 | Majken Grimm | Junior News
In Mendrisio im Tessin war es im Sommer 2022 verboten, das Schwimmbecken zu füllen oder den Garten zu giessen. Wer zu viel Wasser verbrauchte, bekam eine Busse. Denn der Stadt ging das Trinkwasser aus. Es hatte so wenig geregnet, dass sich die Quellen leerten. Die Leute mussten Wasser sparen.
Wird es auch an anderen Orten in der Schweiz in der Zukunft zu wenig Wasser geben? Wir fragen die Wasserforscherin Manuela Brunner.
Manuela, du bist neuerdings Forscherin an der WSL und Professorin an der ETH Zürich. Was genau erforschst du?
Ich bin Hydrologin, beschäftige mich also mit der Verfügbarkeit von Wasser. Zum Beispiel gehe ich Fragen nach wie: Wo in der Schweiz gibt es viel oder wenig Wasser und warum? Wie oft gibt es extreme Ereignisse wie Hochwasser oder Trockenheit? Werden sie in Zukunft häufiger?
Du hast früher bereits an der WSL gearbeitet und untersucht, ob in der Schweiz das Wasser knapp wird. Was hast du herausgefunden?
Damals habe ich erforscht, ob und wo Wasserknappheit in der Schweiz ein Thema ist und ob Wasserreservoirs wie zum Beispiel Stauseen allenfalls helfen können, Wasserknappheit zu vermindern. Mit dem Klimawandel wird die Niederschlagsmenge immer mehr schwanken. Dadurch wird extreme Trockenheit immer wahrscheinlicher. Unsere Berechnungen haben gezeigt, dass in der Schweiz vor allem das Mittelland in extremen Jahren von Trockenheit betroffen ist. In den Alpen gleicht die Schneeschmelze die Trockenheit besser aus. Auch Wasserreservoirs können Trockenheit teilweise ausgleichen. Aber das geht nicht überall: Nicht jede Gegend hat Flüsse und Kanäle, die mit einem Wasserreservoir verbunden sind.
Müssen wir Wasser sparen?
In manchen Gegenden muss man das jetzt schon, wie man am Beispiel des Tessins sieht. Die Trockenheit ist aber nicht in allen Regionen gleich stark. Regionen, in denen das Trinkwasser vorwiegend vom Regen stammt, sind stärker betroffen als Regionen, wo ein Teil des Trinkwassers aus Gletscher- und Schneeschmelze besteht. Mit dem Klimawandel werden Zeiten mit grosser Trockenheit immer häufiger und extremer, das sagen Klimamodelle vorher. Deshalb müssen wir in Zukunft häufiger Wasser sparen.
Was müssen die Menschen dann tun?
Das kann zum Beispiel sein, dass die Landwirtinnen und Landwirte ihre Felder anders bewässern: Statt mit einem Sprinkler das Wasser auf dem ganzen Feld zu verteilen, können sie Schläuche mit Löchern auslegen, die das Wasser tröpfchenweise direkt dort abgeben, wo die Pflanzenwurzeln sind. Wasser sparen kann aber auch jeder und jede einzelne von uns. Wir können zum Beispiel Regenwasser auffangen, um damit unseren Garten zu giessen, oder duschen statt in der Badewanne baden.
An welchen Forschungsprojekten wirst du arbeiten?
In meinem neuen Forschungsteam laufen momentan mehrere Projekte mit Bezug zu Trockenheit an: Unter anderem wollen wir herausfinden, was wir tun können, um extreme Trockenheit und auch Hochwasser zu verhindern oder zumindest abzumildern. Ausserdem werden wir erforschen, wie Trockenheit die Waldbrandgefahr beeinflusst und die Wasserqualität verändert.