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Abnahme oder Zunahme?
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) veröffentlichte am 26. Juni 2014 die aktuelle Tierversuchsstatistik für das Jahr 2013 und verkündete das zweite Jahr in Folge eine Abnahme der in Tierversuchen verwendeten Tiere.
Im Jahr 2013 wurden Versuche an 590ʼ245 Tieren durchgeführt, das sind 2,7 Prozent weniger als 2012. Das wäre an sich eine positive Nachricht, sprächen die Zahlen nicht eine andere Sprache. Denn der Grund für die Abnahme ist der Rückgang von Tierversuchen in der Pharmaindustrie um 15,2 Prozent. Wurden diese Versuche aus finanziellen oder rechtlichen Gründen ins Ausland verlagert? Wurden sie durch Alternativmethoden ersetzt? Dazu werden leider keinerlei überprüfbare Aussagen gemacht.
Hingegen erfahren wir, dass die Schweizer Hochschulen, insbesondere die Universitäten und die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH), wie jedes Jahr mehr Versuchstiere als im Vorjahr eingesetzt haben. 2013 betrug diese Zunahme 8 Prozent.
Die Zahl der universitären Tierversuche ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, so dass heute mehr Versuchstiere an unseren Hochschulen eingesetzt werden als in der Schweizer Pharmaindustrie. Noch vor wenigen Jahren waren die Pharmaunternehmen für zwei Drittel der eingesetzten Versuchstiere verantwortlich.
Um ihr öffentliches Ansehen zu pflegen, finanzieren Schweizer Pharmaunternehmen, allen voran Novartis und Roche, seit einigen Jahren universitäre Forschungsgruppen, damit diese an ihrer Stelle schmerzhafte Tierversuche an Affen, Hunden und Katzen durchführen. So poliert die Pharmaindustrie ihr Image auf, indem sie die ETH und die Universitäten in den Kantonen Zürich, Basel, Waadt, Bern und Freiburg die Drecksarbeit machen lässt. Doch es bleibt anzumerken, dass diese Studien nur einen kleinen Teil ausmachen, denn 80 Prozent der Schweizer Tierversuche werden an Nagetieren durchgeführt.
Immer mehr Forscher für immer mehr Versuche
Woher kommt diese Zunahme und ist sie gerechtfertigt, weil sie zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit beiträgt? Eine interessante Antwort auf diese Frage gibt der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der selber zahlreiche Tierversuche finanziert. Im September 2014 erwähnt er in seiner Zeitschrift die astronomische Zahl von doktorierten Wissenschaftlern, die jedes Jahr unsere Universitäten verlassen. Gut 10ʼ000 dieser Postdocs, so der Bericht, sollen in der Forschung arbeiten. Damit kämen auf jede der 4000 Schweizer Professuren im Durchschnitt drei bis vier potenzielle Anwärter. Und da man all diese Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen muss, damit sie der Schweizer Hochschullandschaft erhalten bleiben, werden mit den immer höheren Forschungszuschüssen des Bundes zahlreiche Studien finanziert, die für die Schublade bestimmt sind.
Tierversuche werden dank öffentlichem Druck schonender
Unter dem öffentlichen Druck wird das Tierleid bei Tierversuchen in der Schweiz reduziert. Viele Verfahren werden verkürzt, etwa im Bereich der Onkologieforschung. So muss man beispielsweise Tiere nach der Inokulation von Tumorzellen nicht mehr in ihrem Käfig sterben lassen, wie das vor 15 Jahren noch üblich war. Es ist allerdings ein Armutszeugnis, dass diese Verbesserungen erst auf Druck der Öffentlichkeit umgesetzt werden und die Wissenschaftler das Tierleid nicht von sich aus so weit wie möglich reduzieren.
Doch auch das etwas weniger grosse Leid rechtfertig nicht, dass unnütze Versuche durchgeführt oder – noch schlimmer – Versuche wiederholt werden, nur um zu erklären, warum frühere Studien widersprüchliche Ergebnisse lieferten.
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Übervolle Tierhaltungen und überzählige Versuchstiere
Erstmals enthält die BLV-Statistik auch Angaben zu den in Versuchstierhaltungen gehaltenen und für Versuche eingesetzten Tieren. Die Produktion von gentechnisch veränderten Zuchtlinien führt dazu, dass jedes Jahr Hunderttausende Tiere, mit denen die Forscher nichts anfangen können, vergast werden. 2013 wurde eine halbe Million «überschüssige» Tiere getötet. Die Betriebskosten für die Tierhaltungen an Schweizer Hochschulen belaufen sich auf rund 80 Millionen Franken pro Jahr. Davon gehen 70 Millionen direkt zu Lasten der Steuerzahler.