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Detroit, Michigan, in den 50er-Jahren. Hier laufen die Autos vom Band, die dem Rest der Welt vom US-amerikanischen Wohlstand erzählen: die Chevrolets, Fords und Cadillacs.
Hier lebt und arbeitet der Mitzwanziger Berry Gordy: Tagsüber schraubt er Sitze in Autos, nachts schreibt er Songs und träumt von einer Musikkarriere – bis sein Traum mit «Reet Petite», Link öffnet in einem neuen Fenster wahr wird. Einer seiner ersten Songs, gesungen vom Soulsänger Jackie Wilson, wird zum Hit.
Gordy setzt das verdiente Geld dazu ein, ein Label zu gründen: Motown – benannt nach der Motor City Detroit. Und er hat einen Plan, wie er die Hitparaden erobern will: mit rigoroser Arbeit und der Ausrichtung auch auf ein weisses Publikum.
Von der Kanzel in die Hitparade
Damals befindet sich die afroamerikanische Musikszene im Umbruch. Unter dem Einfluss des Rock’n’Rolls von Chuck Berry und Little Richard, des jazzigen Ray Charles, begannen Gospel-Sänger wie Sam Cooke, weltliche Musik zu machen. Soul Music wird diese genannt, die Musik der Seele.
Zwei Ausrichtungen beherrschten die Szene: die raue, reduzierte Version aus Memphis – und die andere, mit der Berry Gordy aus Detroit die Hitparaden stürmt.
Seine Lesart ist raffiniert arrangiert und produziert – mit Streichern, Bläsern, aufwändigen mehrstimmigen Gesangsarrangement. Kurz gesagt: Der Soul aus Memphis klang nach schwitzigem Nachtklub, der aus Detroit nach Pop-Hitparade.
Das Geschäftsmodell Motown
Ein Schlüssel zum Erfolg war auch Berry Gordys Geschäftsmodel. Er bietet seinen Stars sowohl Öffentlichkeitsarbeit als auch professionelles Songwriting (gemeinsam mit andern Songwritern, die er anstellte). Sie bekommen ein Studio mit exzellenten Musikern und Arrangeuren.
Die Künstlerinnen und Künstler, die bei Motown einen Vertrag erhalten, werden in Benimm- und Tanzschulen geschickt. Eine umfassende Ausbildung, die zahlreiche Talente hervorbringt: Diana Ross & the Supremes, The Jackson Five (mit dem blutjungen Michael Jackson als Leadsänger), die Temptations.
In den 60er-Jahren folgt Hit auf Hit, phantastisches Popfutter für Radio und die Charts. Von den Unruhen der Zeit bleibt die Produktion aus dem Hause Motown lange Zeit unberührt. Während rundherum über Bürgerrechte und den Vietnam-Krieg gestritten wird, geht es hier um die Liebe.
Als dann in Detroit, vor der eigenen Haustüre, schlimme Rassenkrawalle ausbrechen, schleicht sich auch bei dem Label der Zeitgeist ein. Die Musik wird rauer, psychedelischer, weniger poppig.
Der Anfang vom Ende
Es war Berry Gordy selbst, der das Ende seines eigenen Labels einleitet. Anfangs der 70er-Jahre verlegt er das Zentrum seiner Geschäftstätigkeit nach Hollywood, zur Filmindustrie.
Die Hits lassen langsam nach. Die Stars, die er gross gemacht hat, sind anderswo untergekommen – etwa Michael Jackson und Marvin Gaye, die anfangs der 80er-Jahre den Markt dominieren.
Ende der 80er-Jahre verkauft Gordy sein Lebenswerk für eine hohe zweistellige Millionensumme – das Ende eines mythenhaften Labels.