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Elsass - Kultur
Sprachstreit
«Mûroises» und Senf nach Elsässer Art
Markenschutz für gekreuzte Beeren und Senf
Von Redaktion
Maire Jean Vogel verkauft seine «mûroises» am Beerenmarkt von Saâles und freut sich über die Aufnahme des Begriffs ins Wörterbuch der «Académie Française».
SAALES.- In einem seit Jahren anhaltenden Streit um die Bezeichnung der Kreuzung von Brombeeren und Himbeeren als «mûroises» (aus mûres und framboises) hat der Maire der elsässischen Gemeinde Saâles, Jean Vogel, einen stolzen Sieg davongetragen: Die Mitglieder der «Académie Française» gaben nach sorgfältiger Prüfung einem Antrag Vogels statt und nahmen den Begriff in die 9. Ausgabe ihres Wörterbuches auf. Die «mûroise» sei aus der natürlichen «Kreuzung zwischen der Brombeere und der Himbeere entstanden», präzisieren die Sprachhüter.
Für den Maire, der hauptberuflich als Landwirt «mûroises» und anderes Obst anpflanzt und daraus Konfitüre herstellt, ist dies nur ein Teilsieg: Denn er liegt im Clinch mit einem Unternehmen aus der Bretagne, das den Begriff «mûroise» für sich beansprucht und darauf bereits 1989 Markenschutz erhalten hat. Diese Firma stellt ebenfalls Konfitüre, aber auch Essig aus der gekreuzten Beere mit dem besonderen Geschmack her, die vor rund 100 Jahren über die USA und England nach Frankreich gelangt sind.
Vor drei Jahren untersagten die Bretonen dem Elsässer unter Androhung einer Klage, diesen Begriff zu verwenden. Auf seinen Etiketten stehe daher nur «Frucht ohne Namen», erläutert Vogel. Nun hofft der Maire, dass seinen Konkurrenten das Recht auf den Markennamen entzogen wird.
Senf: «Dite à l‘Alsacienne»
Auch Senf - französisch «moutarde» - ist in Frankreich nicht einfach «Senf», sondern ein geschützter Markenname, der allein den Senfproduzenten in der Region Dijon zusteht: «Moutarde de Dijon».
Eine gesetzliche Ausnahme gibt es allerdings, und die betrifft das Elsass. Während der deutschen Besetzung der Periode 1870 bis zum Ersten Weltkrieg von 1914/18 haben die Besatzer den milderen elsässischen Senf zu den «cochonailles» auf dem elsässischen Sauerkraut dem bedeutend schärferen aus Dijon vorgezogen. Nach den Weltkriegen leiteten die Elsässer daraus ein Gewohnheitsrecht ab, das denn auch mit dem spitzfindigen Kompromiss «Moutarde dite à l‘Alsacienne» (Senf nach Elsässer Art) markenrechtlich in Frankreich geduldet wird…
Wie ernst die Franzosen den Schutz ihrer Markenprodukte aus Feld und Keller nehmen, hat jüngst auch die Waadtländer Gemeinde Champagne erfahren müssen - als Frankreich die Ratifizierung der bilateralen Abkommen mit der Schweiz von der Umbennennung des sehr einfachen, aber gleichwohl traditionellen Weissweines aus dieser Ortschaft abhängig machte…
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Lust auf «mûroises» aus Saâles? Die Ortschaft in den nördlichen Vogesen (Bas-Rhin) veranstaltet in den Sommermonaten einen vielgeliebten Markt mit artisanlen Spezial-Erzeugnissen aus dieser beerenreichen Gegend. Hier die Adresse des Bürgermeisters und Konfitüren-Produzenten:
Jean Vogel, Confitures, Bluets, Petits Fruits, Mûres, 12, Chemin de Badémont, F-67420 Saâles, Tel. +33-3-88-97-74-14
Von Redaktion