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Der Einsiedler Dialekt ist ein Teil des Alemannischen. Man kann mit ihm auf unnachahmliche Weise sowohl der echten Fröhlichkeit als der tiefen Trauer Ausdruck geben. Charakteristisch ist, dass die Vokale o, e und i meist stark zerdehnt werden, wie etwa bei Lejhrer, Schneej, Beejri, Chilechouf, Broud, chou, schnye, ghye, verbiy usw. Wegen der vielen Diphtonge ihrer Sprache werden die Waldleute - hier seien nur als Beispiele angeführt: Chlouster, Mou, Oubed, hüüroute, Strouss, schöin - von den Fremden gern gehänselt.
Aufgrund der respektablen Zuwanderung der letzten Jahre geschah mit dem Dialekt dasselbe wie an anderen Orten auch: Seine «Kantigkeit» wurde zugunsten von mehr Weichheit im Ausdruck verflacht. Die Dynamik der Sprache fängt an, ihre Spuren zu hinterlassen.
Gerade aufgrund seiner originalen Herbheit eignet sich der Einsiedler Dialekt vorzüglich für Sang, Vers und Reim, wie das Meinrad Lienert (1865-1933) in seinen Gedichten und Erzählungen bewiesen hat. Vor ihm gab es wenige, welche die Mundart der Waldleute in Geschichten und Gedichten verwendet haben, etwa die geborene Zürcherin Elisabeth Bodenmüller-Lavater (1789-1877). Meinrad Lienerts Werke gehören zum Schönsten, was die Schweizer Mundart-Dichtung hervor¬gebracht hat. Er verstand es, die innigsten Regungen des Herzens und der Seele darzustellen. Nicht umsonst sind zahlreiche Verse Lienerts vertont worden. Sie gehören zum Allgemeingut der Sänger- und Jodlerchöre unseres Landes (Siehe CD «D'Muettersproch», Gedichte und Lieder von Meinrad Lienert, erschienen 1996 bei Radio DRS1).
Nach Meinrad Lienert hat sich auch sein Neffe, Otto Hellmut Lienert (1897-1965), der Einsiedler Mundart bedient.
Die sprachlichen Unterschiede der Einsiedler- und der Schwyzer-Mundart kann man im Hochtal sehr gut ablesen. Hinter Euthal liegt die trennende Sprachgrenze. Die Waldleute bedienen sich der Wörter frouge, Beejri, nüd, abä, zVäsper, Hour, wofür die Schwyzer im Ibrig traage, Beeri, nid, appä, zAabig, Haar verwenden. ©