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Scientology zahlte 12,5 Millionen Dollar für Steuerfreiheit
Washington, 30. Dezember (AFP) - Die Scientology-Organisation hat 1993
gegen die Zahlung von 12,5 Millionen Dollar an das US-Finanzamt ihren
steuerfreien Status zurückerhalten, den ihr die Steuerbehörde 1967
aberkannt hatte. Wie die Tageszeitung "Wall Street Journal" am Dienstag
berichtete, hob das Finanzamt im Gegenzug Steuerbescheide und Geldstrafen
auf, die es gegen Scientology und leitende Mitarbeiter verhängt hatte.
Auch Rechnungsprüfungen bei 13 Organisationen von Scientology seien im
Rahmen der geheimen Abmachung zwischen Finanzamt und Scientology gestrichen
worden. Die 1954 in Los Angeles gegründete Organisation sagte ferner zu,
mehrere tausend Klagen gegen die Steuerbehörde zurückzuziehen.
Drei Jahre nach ihrer Gründung hatten die Finanzbehörden Scientology die
Steuerfreiheit eingeräumt. 1967 wurde sie ihr mit der Begründung wieder
entzogen, die Organisation sei ein nach Gewinn strebendes Unternehmen und
müsse deshalb Steuern entrichten. Die Organisation zählt weltweit sechs
Millionen Mitglieder und hat ein Vermögen von schätzungsweise 300
Millonen Dollar (534 Millionen Mark).
In Deutschland ist Scientology sehr umstritten. Die Innenministerkonferenz
hatte Anfang Juni beschlossen, die Organisation bundesweit vom
Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Sie wird verdächtigt, totalitäre
und somit verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen. Scientology selbst
betrachtet sich als Religionsgemeinschaft und wird in den USA auch als
solche anerkannt.
ut/ilo
© AFP
US-Finanzbehörden: Scientologen wiesen religiöse Ziele nach
Mittwoch, 31. Dezember 1997
Washington (dpa) - Die Scientology Church hat nachgewiesen, daß sie
ausschließlich religiöse und wohltätige Ziele verfolgt, bevor sie 1993 nach einem langen Disput ihren steuerfreien Status zurückbekam.
Das betonte die amerikanische Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS)
am Mittwoch in Washington in einer Stellungnahme zu der Enthüllung, daß die in Deutschland umstrittene Organisation 12,5 Millionen Dollar für die Zusage der Steuerfreiheit zahlte und mehrere weitere Bedingungen erfüllte.
Die Anerkennung des steuerfreien Status habe sich auf umfangreiche
Informationen der Scientology Church über ihre finanziellen und anderen
Handlungen gestützt, betonte der IRS.
Vereinbarungen dieser Art beendeten häufig Steuerstreitigkeiten und seien
vertraulich. Ob Ermittlungen wegen des "Lecks" eingeleitet wurden, wollte
ein IRS-Sprecher nicht sagen. In der Stellungnahme wird jedoch betont, daß
dafür der Chefinspekteur der Behörde zuständig sei.
Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" vom Dienstag erklärten sich die
Scientologen außer der Geldzahlung bereit, einen Ausschuß einzusetzen, der die Beachtung aller Vorschriften für steuerfreie Einrichtungen überwachte.
Die Scientologen willigten ferner ein, Tausende von Klagen gegen die
Steuerbehörde einzustellen und Mitglieder bei Klagen nicht zu unterstützen. Nach einem Bericht der "New York Times" vom Mittwoch war der IRS mit einer Flut von 2 200 Klagen überzogen worden.
Die 1954 von dem Science Fiction-Autor L. Ron Hubbard in Kalifornien
gegründete Scientology Church, die nach Schätzungen über Sachwerte von 300 Millionen Dollar verfügt, erhielt 1957 Steuerfreiheit.
Zehn Jahre später entzogen die Behörden der Hauptkirche in Kalifornien
diesen Status wieder mit dem Vorwurf, daß sie gewinnorientiert sei. In
Deutschland wird die Organisation ebenfalls beschuldigt, wirtschaftliche
Ziele zu verfolgen.