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Unsere Kunden konfrontieren uns immer wieder mit sehr konkreten Fragen, die gar nicht so einfach zu beantworten sind. Das jüngste Beispiel: „Wie lange muss bzw. darf ein ALT-Text auf einer Website sein?“
Das ALT-Attribut des IMG Tags enthält bekanntlich einen Text, der das Bild beschreibt. Dieser ALT-Text ist nicht zu verwechseln mit einer Bildlegende, welche unter oder neben einem Bild steht, sondern er liegt gewissermassen hinter dem Bild und ist für den Website-Besucher im Normalfall nicht sichtbar. Er kommt erst dann zum Zug, wenn der Besucher das Bild nicht sehen kann – sei es, weil das Bild nicht geladen wurde, sei es, weil der Besucher sehbehindert ist und sich den Seiteninhalt durch einen Screenreader vorlesen bzw. über eine Braille-Zeile ausgeben lässt. Auch der Google Bot, der eine Website für die Google-Suche indiziert, nutzt den Inhalt des ALT-Attributs, denn er kann nur mit Texten etwas anfangen und gewissermassen ebenfalls blind.
Weil der Inhalt des ALT-Attributs also sowohl für Sehbehinderte als auch für Google relevant ist, sollte jedes Bild (sofern es nicht ein rein gestalterisches Element darstellt) mit einem ALT-Text versehen werden. Dieser ALT-Text soll den Bildinhalt so gut beschreiben, dass man sich das Bild vorstellen kann, ohne es zu sehen. Zudem ist das ALT-Attribut ein beliebter Ort, um SEO Keywords unterzubringen. Aber wie lange sollten Texte für das ALT-Attribut mindestens bzw. höchstens sein?
Rein technisch gibt es weder eine Unter- noch eine Obergrenze. Das ALT-Attribut darf leer sein, es darf aber auch umfangreiche Texte enthalten. Das W3C empfiehlt zwar eine Obergrenze von 75 bis 100 Zeichen, aber das ist nur eine allgemeine Empfehlung – der W3C Markup Validation Service beurteilt eine Webpage auch dann als valide, wenn sie einen ALT-Text mit gut 1’000 Zeichen enthält.
Beantwortet man die Frage aus Sicht der Barrierefreiheit (Accessibility), dann gilt die allgemeine Regel: So kurz wie möglich, aber so lange wie nötig! Wer auf einen Screenreader oder eine Braille-Zeile angewiesen ist, ist generell froh um knappe Texte, weil das Lesen mit dem Ohr bzw. mit der Fingerkuppe langsamer geht als mit den Augen. Wohl deshalb hatte die Accessibility-Fachstelle der Universität Toronto eine Obergrenze für die ALT-Text-Länge vorgeschlagen, welche je nach Sprache bei 90 (Koreanisch) bis 115 Zeichen (Deutsch) liegt. Man könnte auch argumentieren, dass ein ALT-Text auf eine Braille-Zeile passen sollte – je nach Modell wären das maximal 80 Zeichen. Und es gibt Hinweise, dass gewisse Screenreader Probleme mit ALT-Texten machen, die länger als 125 Zeichen sind.
Auf der anderen Seite müssen die Informationen doch so präzise sein, dass Sehbehinderte verstehen, was das Bild zeigt und was es aussagen soll. Der ALT-Text für das Unternehmenslogo ist mit „Mustermann AG Logo“ sicher ausreichend – das berühmte Foto jenes Chinesen, der sich während der Proteste auf dem Tiananmen-Platz ganz allein einer Panzerkolonne entgegenstellte, braucht hingegen eine ausführlichere Beschreibung als nur „Mann vor Panzer“. Und wenn es sich gar um eine komplexe Grafik handelt (z.B. eine Organisationsstruktur oder ein statistisches Diagramm), dann ist unter Umständen noch mehr Text nötig – wobei man dann besser auf das LONGDESC-Attribut ausweicht, um alle enthaltene Informationen wiederzugeben.
Auch aus Sicht der Suchmaschinen-Optimierung ist man gut beraten, ALT-Texte kompakt zu halten. Es ist nämlich davon auszugehen, dass der Google Bot nicht das gesamte ALT-Attribut ausliest, sondern bei zu langen Texten abbricht: Einem Experiment von Shaun Anderson zufolge beachtet Google nur die ersten 16 Wörter bzw. gut 100 Zeichen. Auch ein Video des Google-Mitarbeiters Matt Cutts zum Thema ALT-Attribut legt nahe, dass man 20 Wörter nicht überschreiten sollte.
Fazit: Auch wenn es keine harte Grenze gibt, so führen doch alle Indizien zu einer einfachen Faustregel: Beschränken Sie sich bei ALT-Texten auf ein Dutzend Wörter bzw. 100 Zeichen.