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Covid-Studie
Eine schwere Erkrankung lässt das Gehirn 20 Jahre altern
Eine neue Studie zu den langfristigen kognitiven Auswirkungen schwerer Covid-Verläufe kommt zu beunruhigenden Ergebnissen.
Während die Corona-Pandemie gefühlt aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet, forschen Wissenschafler*innen weiterhin fieberhaft am Coronavirus — insbesondere zu den langfristigen Folgen einer Erkrankung.
Eine neue Studie unter der Leitung von Forscher*innen des Imperial College London und der University of Cambridge untersuchte nun die kognitiven Auswirkungen schwerer Covid-Verläufe — und kommt zu beunruhigenden Ergebnissen.
Diese deuten darauf hin, dass die Auswirkungen noch mehr als sechs Monate nach der akuten Erkrankung nachweisbar sind und dass eine Erholung bestenfalls allmählich eintritt.
Patient*innen, die mit Covid ins Spital eingeliefert wurden, hätten demnach möglicherweise Denkschwierigkeiten, die mit dem Altern um 20 Jahre vergleichbar seien.
Die Arbeit ist nach Angaben der Autor*innen die bisher gründlichste Untersuchung zu den langfristigen kognitiven Auswirkungen schwerer Covid-19-Verläufe.
Langsamere Verarbeitungsgeschwindigkeit
Die Studie, veröffentlicht im eClinicalMedicine, untersuchte 46 Patienten, die mit einem schweren Covid-19-Verlauf ins Spital eingeliefert wurden. Sechzehn dieser Patienten mussten während ihres Spitalaufenthalts künstlich beatmet werden.
Rund sechs Monate nach ihrer akuten Erkrankung absolvierten die Patient*innen eine Reihe komplexer kognitiver Tests. Jede Person wurde mit zehn demografisch vergleichbaren gesunden Kontrollpersonen verglichen.
Die Ergebnisse deuten demnach darauf hin, dass diejenigen, die mit Covid ins Spital eingeliefert wurden, besondere kognitive Beeinträchtigungen aufwiesen.
«Das, womit sie am meisten zu kämpfen haben, ist das verbale Verständnis», erklärt Menon. Dazu gehöre auch das Vervollständigen von Analogien, etwa dass Schuhbändel für Schuhe das sind, was Knöpfe für einen Mantel sind.
Die Überlebenden schnitten bei Aufgaben wie dem verbalen Analogieverständnis besonders schlecht ab. Sie zeigten zudem eine langsamere Verarbeitungsgeschwindigkeit.
Verlust von zehn IQ-Punkten
Die Forscher*innen errechneten, dass das Ausmass der kognitiven Defizite im Durchschnitt etwa 20 Jahren Alterung entspricht. Eine 50-jährige Person, die mit einer schweren Covid-Erkrankung ins Spital eingeliefert wurde, zeigte somit ähnliche kognitive Testergebnisse wie ein 70-Jähriger, was einem Verlust von zehn IQ-Punkten entspreche, so die Studie.
«Kognitive Beeinträchtigungen sind bei einer Vielzahl von neurologischen Erkrankungen, einschliesslich Demenz, und sogar beim normalen Altern zu beobachten, aber die Muster, die wir gesehen haben — der kognitive ‹Fingerabdruck› von COVID-19 — unterscheiden sich von all diesen», erklärte der Hauptautor David Menon.
Generell bestünde bei den langfristigen Folgen ein Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung. So verursache Covid «Probleme mit einer Vielzahl von Organen im Körper, einschliesslich des Gehirns, unserer kognitiven Funktion sowie unserer psychischen Gesundheit», erklärt Menon.
Adam Hampshire vom Imperial College London zufolge sind allein in England rund 40'000 Menschen mit Covid-19 auf der Intensivstation behandelt worden. Viele weitere waren demnach zwar sehr krank, wurden aber nicht ins Spital eingeliefert. Dies bedeutet, dass es eine grosse Zahl von Menschen gebe, die noch viele Monate später Probleme mit der Wahrnehmung hätten.
«Wir müssen dringend prüfen, was getan werden kann, um diesen Menschen zu helfen.»