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Der britische Skispringer Michael «Eddie the Eagle» Edwards landete an den Olympischen Spielen 1988 auf dem letzten Platz und wurde zum Publikumsliebling. Ab Donnerstag ist seine Geschichte im Kino zu sehen.
Herr Edwards, 28 Jahre nach den Olympischen Spielen von Calgary wurde Ihre Geschichte verfilmt. Wie fühlt sich das an?
Michael Edwards: Surreal. Ich erinnere mich noch an «Cool Runnings», den Film über die jamaikanischen Bob-Fahrer, aber dass es auch einmal einen Film über mich geben würde, hätte ich nie gedacht. Ich machte mir nur wegen meines Vaters etwas Sorgen, der etwas als Widersacher porträtiert wird. Aber in Wahrheit unterstützte er mich genauso wie meine Mutter. Zum Glück ist er nicht beleidigt, und gegen Ende kamen ihm die Tränen – wie mir auch.
Sie belegten damals den letzten Platz im Skispringen, aber wurden als «Eddie the Eagle» zum Star. Wie blicken Sie aus heutiger Perspektive auf diese Zeit zurück?
Es war grossartig! Ich hatte mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen meinen Traum erfüllt. Mein Plan war, etwas Aufmerksamkeit zu generieren, um für die nächsten Spiele Sponsoren zu gewinnen. Die Aufmerksamkeit bekam ich, aber das bedeutete leider, dass die «Eddie the Eagle»-Regel aufgestellt wurde und ich nicht mehr antreten konnte.
Es war ja auch waghalsig, was Sie da machten. Sie hätten sich das Genick brechen können.
Ich hatte mir das Genick schon als Teenager beim Skifahren gebrochen (grinst). Ich verstehe bis zu einem gewissen Grad, dass grosse Wintersportnationen sagen, dass sie 50'000 «Eddie the Eagles» zu Hause haben, die aber nicht an die Spiele mitnehmen. Aber ich finde, die Besten in ihrem Land sollten doch ihr Land an den Olympischen Spielen vertreten dürfen. Es ist ein besonderer Sportanlass, nicht einfach eine Weltmeisterschaft. Ich bin damals auch so populär geworden, weil ich den ursprünglichen Gedanken der Olympischen Spiele personifizierte. Ich hoffe, die Offiziellen sehen den Film und sehen ihren Irrtum ein.
Aber ein bisschen wahnsinnig waren Sie doch schon, sich mit nur wenig Skispring-Training auf die Schanze zu wagen?
Man muss wohl mutig und wahnsinnig sein. Ich fing mit 13 mit Skifahren an und hüpfte mit den Skis über Kollegen und Autos. Ich war es gewohnt, durch die Luft zu fliegen. Ich hatte genug Angst, um mich zu konzentrieren, aber nicht genug, um aufzugeben. Statt 20 Jahre wie andere Skispringer trainierte ich 20 Monate. Mehr Zeit und Geld hatte ich nicht. Ich brach mir alles Mögliche, auch den Schädel zweimal. Aber es war das alles wert, denn ich war der erste Brite, der sein Land im Skispringen an der Olympiade vertrat.
Einen Trainer wie Hugh Jackman im Film hatten Sie jedoch nie …
Stimmt, ich habe von anderen Teams gelernt, manchmal von Profis, manchmal von einem 13-jährigen Nachwuchsspringer. Ich hatte ja kein Geld für einen Coach – oder für sonst was. Im Scout Center in Kandersteg liessen sie mich für 1 Franken übernachten, aber Essen war nicht inbegriffen. Ich ass die Resten. Wenn die Gruppen nach Hause zurückkehrten, liessen sie mir ihre Büchsen zurück. Ich befreundete mich auch mit dem einen oder anderen Hotelier. Im Sommer schnitt ich das Gras ums Hotel, dafür gab's was zu essen und ein paar Franken. Damit kaufte ich Benzin oder Essen. So hielt ich mich über Wasser. Ich schlief oft im Auto. In Hinterzarten hatte ich schon den Schlafsack im Jury-Turm ausgebreitet, da sagte einer der Angestellten, er hätte einen Platz für mich gefunden: So landete ich im Schloss des Bürgermeisters, und sein Butler fuhr mich am Morgen zur Schanze. Ich habe viel Schönes erlebt. Auch mit den Profis: Das österreichische Team gab mir bessere Skis, die Westdeutschen einen Anzug, und den Helm hatte ich von den Italienern.
Das grosse Geld blieb auch nach den Olympischen Spielen aus. Wie ging es für Sie weiter?
Nachdem ich zum Rücktritt gezwungen worden war, bin ich als «Eddie the Eagle» herumgereist und habe Shoppingcenter und Achterbahnen eröffnet. Das war toll, aber ich suchte etwas, das mir den gleichen Kick gab wie das Skispringen. Ich versuchte es mit Auto-, Lastwagen-, und Pferderennen sowie Fallschirmspringen. Aber es war nicht das Gleiche. Schliesslich wurde ich sesshafter, heiratete und bekam zwei Kinder. Dann erhielt ich eine Offerte für eine Realityshow, in der ich Turmspringen lernen sollte. Ich hätte nie gedacht, dass ich einen zweieinhalbfachen Salto vom 10-Meter-Brett fertig bringe. So packe ich immer wieder die Gelegenheit, mich herauszufordern.
Sie haben aber auch Jus studiert. Was wurde daraus?
Ich gehe gerne an meine Grenzen, ob physisch oder mental. Ich habe den Abschluss gemacht und hätte noch die Prüfung zum Rechtsanwalt machen müssen. Aber als Rechtsanwalt hätte ich meine PR-Auftritte aufgeben müssen. Eine Anwaltspraxis hätte mich ja nicht einfach gehen lassen, wenn ich einen Job auf einem Kreuzfahrtschiff als Motivations-Trainer hätte annehmen wollen. So habe ich wieder als freiberuflicher Gipser gearbeitet, und das mache ich heute noch. Gestern eine Decke pflastern und morgen Kreuzfahrt. Ich mache gerne immer etwas Neues.
Sie haben Ihre Töchter erwähnt. Haben Sie Ihr Draufgängertum geerbt?
Die beiden haben nun mit Skifahren angefangen und die Jüngere, sie ist neun, erinnert mich mit ihrem wilden Fahrstil an mich in dem Alter. Ich sage ihr, sie soll langsamer fahren, aber dann denke ich, wieso eigentlich? Mich konnte in ihrem Alter auch nichts bremsen.