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Das Haus im "Glück"
Das Haus im "Glück"
Unmittelbar hinter der Fortunagasse 28 in Richtung Lindenhof entstand im Jahre 15 vor Christus im Zusammenhang mit den Feldzügen der beiden Adoptivsöhne des Kaisers Augustus, Tiberius und Drusus, eine Militärstation. Diese bestand als Zollstätte weiter, nachdem sich das Römische Reich nordwärts ausgedehnt hatte. Das Vicus Turicum (Zürcher Dorf) erlebte eine bescheidene Blütezeit im späten ersten, zweiten und frühen dritten Jahrhundert nach Christus. Schätzungen zufolge umfasste der Vicus eine Bevölkerung von 250 bis 350 Menschen.
Der Begriff «Turicum» ist ein vorrömischer Name, zurückgehend auf die keltische Siedlung Turicum im 1. Jahrhundert vor Christus. Bis vor wenigen Jahren war man davon überzeugt, dass die Wurzeln der heutigen Stadt Zürich etwas mehr als 2000 Jahre, bis in die frühe römische Zeit, zurückreichten.
Neuere archäologische Forschungen haben dieses Bild nun verändert. Nicht das römische Militär legte im Jahre 15 v. Chr. die Grundsteine zum heutigen Zürich, vielmehr waren dies die Kelten, die um 80 v. Chr. hier lebten. Sie gehörten zur civitas, der Stammesgemeinde der Helvetier, deren Territorium sich über das gesamte Schweizerische Mittelland erstreckte.
Im Bereich Fortunagasse 28 / Rennweg 38 in Zürich, unmittelbar beim Lindenhof, haben Umbauten die Reste eines grossen römischen hölzernen Hauskomplexes zutage gefördert. Bei diesen aus den Jahren 10 bis 20 nach Christus stammenden Holzhäusern handelt es sich um die ältesten zivilen Bauten im alten Zürich der Römerzeit, der sogenannten Vicus Turicum. In den Liegenschaften konnte ein Abundantia-Relief gefunden werden. Das lateinische Wort «Abundantia» bedeutet deutsch «Fülle» oder «Überfülle» und steht in engem Zusammenhang mit «Fortuna», dem Glück.
Die ersten festen Steinhäuser am Rennweg, der damals als schmaler Weg vom südlichen Ende des Lindenhofs in nordwestlicher Richtung zur Sihl hinunterführte, entstanden um das Jahr 1000, als auf dem Lindenhof die karolingische Pfalz gebaut wurde. Der Bau der grossen ottonische Pfalz förderte die Bedeutung des Rennwegquartiers am Fusse des Lindenhofhügels.
Aus diesen Einzelbauten entwickelte sich um den Rennweg und die Fortunagasse eine kleine Vorstadt, die an ihrem Ende bereits mit einem Tor abgeschlossen war. Diese Entwicklung geht auf die Zeit der Zähringer zurück, die in Zürich von 1097 bis zu ihrem Aussterben 1218 Reichsvögte waren. Sie war eine Folge der Stadterweiterung westlich der alten Siedlung beim Lindenhof. Der Rennweg war damals mit seinen langen, geschlossenen Häuserfluchten und einer rechtwinkligen Kreuzung die breiteste Strasse Zürichs und hob sich mit seiner geraden Linie von den verwinkelten Gassen um die Strehlgasse ab, die aus der römischen Siedlung am linken Ufer der Limmat entstanden waren.
Erstmals erwähnt wird der Rennweg in einer Urkunde vom 7. Dezember 1221, in der im Zusammenhang mit einer Pfarrstelle für das Siechenhaus an der Sihl et. Hu. an dem Renwege als Zeugen genannt werden. Drei Jahre später wird ein Bertholus am Rennwege erwähnt, später erscheinen die Bezeichnungen Renniwegi, Rennewege und Renniwege. In verschiedenen Urkunden und Rodeln tauchen zahlreiche Berufe auf, die am Rennweg vertreten waren, so zum Beispiel Metzger, Bäcker, Tischmacher, Holzschnitzer, Sattler oder Zimmermänner.
Im 16. und 17. Jahrhundert fanden auf dem Rennweg Truppen-Aufmärsche und Paraden statt.
Bis um 1880 standen die Häuser auf der lindenhofwärts gelegenen Strassenseite an einem erhöhten Fussweg namens «Rain», der durch eine Stützmauer vom tiefer liegenden Teil des fahrbaren Rennwegs getrennt war (heute findet sich vergleichbares noch in Thun). Sie lagen damit um etwa ein Stockwerk höher als die Gebäude auf der anderen Strassenseite. In den Jahren 1879 und 1880 wurde die Stützmauer abgetragen und die fahrbare Strasse verbreitert, was zur Folge hatte, dass die vorherigen Kellergeschosse des mittleren Rennwegs seither deren Erdgeschosse bilden.
In Anlehnung an diese altrömische Siedlungsbezeichnung Vicus Turicum sowie des von Julius Cäsar nach der Schlacht bei Zela am 20. Mai 47 v.Chr. ausgerufenen Spruches «Veni, Vidi, Vici» entstand der Firmenname «ViciMed», der vorher noch nie verwendet wurde. Der Firmensitz der ViciMed AG soll zudem vom «Glück» der Fortunagasse beseelt werden, welches wie beschrieben auf dem Abundantia-Relief festgehalten wurde. Zudem konnte auf dem Areal ein Sodbrunnen aufgefunden werden, was für Leben spricht. Dieser Sodbrunnen soll die neu gegründete ViciMed AG zum Leben erwecken.