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"Im Mai 1902 gab das Ensemble des Stadttheaters St. Gallen in Herisau eine Vorstellung von Stegemanns "Niklaus von Flüe". Sprachlich schienen die ausländischen Dialektfärbungen der Spieler wesentlich zu stören, worauf sich der Dramatische Verein Herisau entschloss, das gleiche Stück in urchig schweizerischer Sprache aufzuführen. Das Aufführungsrecht hierfür wurde ihm aber verweigert. In der Überzeugung, dass nur eine grosse Organisation im Stande ist, einzelnen Vereinen zu ihrem Recht zu verhelfen, Stellung zu nehmen gegen unbegründete Verweigerung des Aufführungsrechtes, die Interessen der angegliederten Gesellschaften in jeder Beziehung zu wahren und zu fördern, damit letztere mit Erfolg sich in der ihnen zugewiesenen Aufgabe gegenseitig ergänzen und unterstützen können, fasste der Vorstand des Dramatischen Vereins Herisau im Juni 1903 den Entschluss, die Initiative zur Gründung einer Vereinigung der Dramatischen Vereine der Schweiz zu ergreifen."
Für dieses Vorhaben, einen Verband der Dramatischen Vereine zu gründen, wie dies in andern Sparten der Volkskultur üblich war, fanden die Herisauer im Dramatischen Verein Zürich einen erfahrenen Partner: der Dramatische Verein Zürich war schon Mitinitiant des Verbands Stadtzürcherischer Dramatischer Vereine. Nach vorbereitenden Gesprächen, an denen 24 Vereine teilgenommen hatten, kam es am 18. November 1906 in Zürich zur konstituierenden Delegiertenversammlung. Der Zentralverband Schweizerischer Dramatischer Vereine (ZSDV), wie er damals hiess, war gegründet.
Eine der ersten Aktivitäten des Verbands bestand in einer Resolution gegen die Unsitte, in Ermangelung von männlichen Darstellern männliche Sprechrollen durch Damen zu besetzen. Diese Resolution entsprach den Statuten des Verbands, die unter anderem die Bekämpfung von Auswüchsen auf der Volksbühne zu seiner Aufgabe machten. Die Hebung der Qualität des Volkstheaters war von Anbeginn der Vereinsgeschichte eine wichtige Zielsetzung. Schon im Jahr 1907 fanden die ersten Kurse für Amateurspieler statt: ein Regiekurs und ein Sprechtechnikkurs.
"Am 5. Mai 1979 findet in Baden die 33. Generalversammlung der GSVT (Gesellschaft für das Schweizerische Volkstheater) und die 73. Delegiertenversammlung des ZSDV (Zentralverband Schweizerischer Dramatischer Vereine) statt. Dies dürfte seit 73 Jahren das markanteste Ereignis für das Schweizerische Volkstheater sein, bringt es doch den längst fälligen Zusammenschluss der beiden Organisationen unter dem neuen Namen Zentralverband Schweizer Volkstheater."
Dieser Zusammenschluss war wichtig, denn gesamtschweizerisch bahnte sich ein Zusammenschluss der Theaterschaffenden, der Professionellen sowie der Amateure, in einem reaktivierten Centre Suisse des Internationalen Theater-Instituts (ITI) an, und vom Bund war ein Konzept zur Unterstützung der kulturellen Verbände in Vorbereitung. In beiden Fällen wäre es für das Volkstheater nachteilig gewesen, wenn zwei Organisationen den Anspruch auf die Vertretung des Volkstheaters erhoben hätten. Für diese neue Entwicklung auf nationaler Ebene war eine eindeutige Vertretung der Interessen durch einen Verband notwendig. Als äusseres Zeichen des Zusammenschlusses erschien 1981 die "Theater-Zytig" als Organ des neustrukturierten Verbands.
Der Zusammenschluss der beiden Organisationen in einem Dachverband gab dem Zentralvorstand zudem mehr Handlungsspielraum; der Verband konnte kulturpolitisch aktiver werden und sich als Vertreter des Volkstheaters gegenüber andern Bereichen des Theaters und der Volkskultur öffnen und natürlich den Amateurtheaterverbänden der anderen Sprachregionen. Die Beteiligung an den Schweizer Volkstheatertagen in Aarau und am Internationalen Amateurtheatertreffen in Thun ist dadurch möglich geworden.
Ganz gelungen war diese Fusion allerdings nicht; noch war der neue ZSV kein Dachverband. Mit dem vor allem in der Innerschweiz stark verankerten ZSV konnten sich nicht alle Regionen anfreunden; im Kanton Bern, im Wallis und in Graubünden blieb das Volkstheater ausserhalb des ZSV in regionalen Verbänden organisiert.
"Das Jahr 1994 wird nicht als gewöhnliches Jahr in die Geschichte des ZSV eingehen. Nach einer langen Vorbereitungsphase, die 1988 mit der Bildung von Regionalstellen eingeläutet wurde, haben die Delegierten am 20. Mai 1994 in Einsiedeln der neuen Verbandsstruktur einstimmig zugestimmt. Seit dem 1. Januar 1995 besteht der ZSV aus einem Dachverband mit acht autonomen Regionalverbänden. Das bringt ganz klar den Vorteil, dass wir damit noch näher, noch intensiver bei den Mitgliedern sind. Mit der neuen Struktur werden wir auch unserm Leitbild "Das Mitglied steht im Mittelpunkt" gerecht."
Ein Verband mit über 600 Kollektivmitgliedern (Theatervereinen oder Vereinstheatergruppen) stellt den Dachverband vor ganz andere Probleme als zur Zeit der Fusion, als es noch 130 Mitglieder waren. Die Führungsarbeit des Zentralvorstands wurde immer aufwendiger, und der Kontakt zur Basis, zu den einzelnen Mitgliedern, litt immer stärker darunter. Die Idee einer Regionalisierung drängte sich auf: statt einer zentralistischen Struktur soll ein regional zuständiger Verband mitgliedernah arbeiten können.
Zudem zeigte sich immer klarer, dass der ZSV, will er das Volkstheater der ganzen deutschen und rätoromanischen Schweiz sowie in Italienisch-Bünden wirksam und glaubwürdig vertreten, mit den bestehenden regionalen Volkstheaterverbänden eine gemeinsame Lösung finden muss, d.h. mit der amathea.ch (damals noch Bernische Gesellschaft für das Volkstheater BGVT) und der Bündner Vereinigung für das Volkstheater (BVV/UTOP/AGT) . Die Regionalisierung mit der Gründung von fünf neuen Regionalverbänden erlaubte die Integration der bestehenden drei regionalen Verbände und die Entwicklung zu einem wirklichen Dachverband. Mit den neuen Statuten, die am 1. Januar 1995 in Kraft traten, war diese Reorganisation des ZSV als Dachverband der regionalen autonomen Volkstheaterverbände abgeschlossen.
Dank der Mitgliedschaft in einem der Regionalverbände des ZSV stehen Sie mit Ihren Anliegen nie allein. Sie können immer mit der Unterstützung einer starken Organisation rechnen und profitieren von der Anerkennung des Verbands in der Öffentlichkeit.