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Fast zwei Jahrzehnte war Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert. Heute ist die Gefängnisinsel Gedenkstätte und Touristenattraktion. Den Strom liefert ABB.
Der Industriekonzern ABB bringt Solarstrom auf die einstige Gefängnisinsel Robben Island, wo der verstorbene Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela während zwei Jahrzehnten inhaftiert war. Bisher war die zum Denkmal umfunktionierte Insel vollständig abhängig von Dieselgeneratoren.
Das südafrikanische Tourismusministerium hat das Projekt unterstützt. Für den Industriekonzern aus dem aargauischen Baden ist es ein Prestige-Mandat. Es wird betreut vom Italiener Claudio Facchin, der die Division Power Grid leitet und Teil der 11-köpfigen Geschäftsleitung von ABB ist. Robben Island sei ein Projekt, das sinnbildlich für die Bemühungen der Gruppe stehe, ein grüneres Stromnetz zu schaffen, heisst es in einem Communiqué des Industriekonzerns.
Das perfekte Gefängnis
Robben Island liegt knapp zwölf Kilometer vor der südafrikanischen Küstenstadt Kapstadt. Die Entfernung zum Land und die kalte, gefährliche Strömung machte den knapp fünf Quadratkilometer grossen Streifen Land zum idealen Ort, um Menschen wegzusperren oder zu isolieren. Seit dem 17. Jahrhundert wurde alles, was nicht in die Gesellschaft passte, hierher abgeschoben: Kriminelle, Lepra-Kranke, Verrückte.
Das südafrikanische Apartheidsregime setzte diese Tradition fort. Ab 1961 verfrachtete die weisse Elite Schwerstkriminelle und politische Gegner auf die Insel. Bis 1991 wurden rund 3000 Männer, die sich wie Nelson Mandela dem Kampf gegen die Unterdrückung der Schwarzen verschrieben hatten, auf Robben Island eingekerkert. Die Bedingungen waren barbarisch, das Gefängnis der «Vorhof zur Höllle» (Spiegel).
Denkmal und Tourismusattraktion
Heute ist Robben Island ein Denkmal. Die Insel ist eine nationale Erinnerungsstätte an die dunklen Jahrzehnte der Rassentrennung und gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Bis zu 2000 Touristen finden jeden Tag den Weg auf die Insel. Ehemalige Häftlinge führen durch das Gefängnis, geben Informationen aus erster Hand, zeigen das vier Quadratmeter winzige Verlies, in dem Mandela auf einer erbärmlichen Strohmatte schlafen musste, nachdem er vorher stundenlang im Kalksteinbruch geschuftet hatte.
Die Energie für den Betrieb der Denkstätte und für die Häuser der rund 100 Angestellten kam bisher ausschliesslich aus Dieselgeneratoren. Jene Eigenschaft, welche die Insel während Jahrhunderten zum idealen Gefängnis gemacht hat, die Abgeschiedenheit, hat auch dazu geführt, dass das Stromnetz komplett unabhängig von der Infrastruktur auf dem Land funktionieren musste. Knapp 600'000 Liter Benzin wurden deshalb jedes Jahr auf der Insel verbrannt.
Erste Solaranlage
Das ist passé. 20 Jahre nach der Eröffnung des Museums hat die erste Solaranlage in der Geschichte der Insel den Betrieb aufgenommen. ABB war an deren Bau beteiligt und hat einen Stromspeicher installiert, um die Stunden zu überbrücken, in denen keine Sonne scheint. Das System wird von Kapstadt aus gemanagt und überwacht.
Das südafrikanische Tourismusministerium gab den Anstoss zum Projekt. Die neue Anlage hat eine Spitzenkapazität von 667 Kilowatt und liefert damit genügend Strom für 130 Haushalte. Der Einsatz von Solarstrom führt unterm Strich zu Einsparungen von 75 Prozent beim Benzin und zu einer starken Reduktion des CO2-Ausstosses. Laut ABB sorgt die Umstellung überdies zu «substantiellen» Kosteneinsparungen.