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Von der Verbreitung der Kohle über die Ablösung durch Erdölprodukte bis hin zum Übergang von Gas auf Elektrizität wird die Schweizer Energiegeschichte von vielen Wendepunkten geprägt – und der stete Wandel hält an: Mit der geplanten Umsetzung der «Energiestrategie 2050» steht ein erneuter Energiewandel bevor. Im Folgenden wird die Schweizer Energiegeschichte mit einem Fokus auf die Kohle kurz beleuchtet.
Vor der industriellen Revolution war Holz die wichtigste Energiequelle in der Schweiz. 90% der Primärenergie stammte von der Holzverbrennung. Damals war das Interesse nach Kohle gering, da es in den Wäldern genügend Holz gab, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Dies änderte sich jedoch im 19. Jahrhundert, als die Energie durch die Industrialisierungswelle in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung eine immer wichtigere Rolle einnahm. Während die ersten Dampfmaschinen noch von Holzkohle angetrieben wurden, wurde diese zunehmend von Braunkohle ersetzt. So wurde im Jahr 1910 in der Schweiz lediglich 16% der Primärenergie aus Brennholz bezogen, während sich die importierte, fossile Kohle mit 78% zur wichtigsten Energiequelle der Schweiz entwickelt hatte.
Die Förderung der Kohle, die die Industrialisierungswelle im 19. Jahrhundert überhaupt ermöglicht hatte, brachte jedoch auch einen Bruch in der Tradition der Landschaftsnutzungen der Schweiz. Das schnell wachsende Bahnnetz ermöglichte die Einfuhr grosser Mengen von Kohle in die Schweiz, und das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum war nicht mehr an die lokalen Ressourcen gebunden. Die einheimische Förderung von fossilen Energiequellen konnte gegenüber der energetisch höherwertigen und billigeren importierten Kohle aus Deutschland und Frankreich nicht bestehen, und der einheimische Kohlebergbau verschwand bis 1900 nahezu vollständig. Als der Erste Weltkrieg ausbrach und die Schweiz mit einer Rohstoffknappheit konfrontiert wurde, markierte dies einen kurzzeitigen Auftrieb des einheimischen Bergbaus.
Der Zweite Weltkrieg stellte die Energieversorgung in der Schweiz erneut vor grosse Herausforderungen und zeigte die Abhängigkeit der Schweiz von importierten Energieträgern auf. Plötzlich herrschte ein grosser Mangel an Kohle, da die Kohlezufuhr aus dem Ausland eingestellt wurde. Die inländischen Industrien mussten nur noch mit einem Viertel der üblichen Energiezufuhr auskommen. Um den Verbrauch abdecken zu können, wurden die Kohlegruben erneut geöffnet, die vorher nur für den lokalen Bedarf verwendet wurden. Während zu Beginn des Krieges nur zwei Kohlegruben aktiv betrieben wurden, arbeiteten gegen Ende des Krieges rund 3300 Arbeiter in 40 Gruben. Nach der raschen Erholung der Importe nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und durch die hohen Abbaukosten und Erschöpfung vieler Gruben, verloren die Schweizer Bergwerke 1947 ihre Rentabilität und wurden wieder eingestellt.
Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren von einem rasanten und tief greifenden Strukturwechsel in der Energieversorgung geprägt. Mit dem zunehmendem Motorfahrzeugverkehr und der aufkommenden Fliegerei begann der Siegeszug des Erdöls, das die Kohle fast gänzlich aus dem Markt verdrängte. Förderung, Transport, Lagerung, Verwendung sowie Umweltverträglichkeit des Erdöls waren besser als diejenige der Kohle. So ging die Zeit der Kohle als Hauptenergieträger in der Schweiz zu Ende. Zu Beginn der 1970er Jahre wurden lediglich vier Prozent des Energiebedarfs in der Schweiz durch Kohle abgedeckt, während fast 80% des Primärenergieeinsatzes durch das Erdöl abgedeckt wurde.
Das Erdöl florierte bis zu der Erdölkrise Mitte der 1970er Jahren. Die Phase des starken Ölpreisanstieges zeigte nicht nur der Schweiz, sondern auch vielen anderen Ländern, die Gefahren der einseitigen Energieversorgung auf.
Kohle als Energieressource hat heute in der Schweiz kaum eine Bedeutung mehr. Der Anteil am Brutto- und Endverbrauch liegt unter 1% des gesamten Energieverbrauchs. Nach dem Erdöl, das weiterhin den Energie-Mix dominiert, folgt die Nuklearenergie mit 22% und dem Erdgas mit etwa 13%. Dabei wird die Energieversorgung der Schweiz von einer hohen Auslandsabhängigkeit geprägt: Rund 75% des Schweizer Energiebedarfs ist abhängig von Erdöl- und Gasimporten aus Ländern wie Russland, Libyen oder Kasachstan. Mit der Energiestrategie 2050 will sich die Schweiz zukünftig unter anderem von dieser Abhängigkeit lösen. Zudem fokussiert sich die Strategie darauf, den Anteil der erneuerbaren Energien zu fördern und den Anstieg des Gesamtenergieverbrauchs zu bremsen.
Heute entfällt rund 22% des Schweizer Gesamtverbrauchs auf erneuerbare Energien. Dieser Anteil ist hauptsächlich auf die Wasserkraft (13%) und Biomasse (5%) zurückzuführen. Jedoch werden gegenwärtig in der Schweiz nur ein Bruchteil des Potenzials der einheimischen erneuerbaren Energien genutzt. Die Energiestrategie 2050 beabsichtigt jedoch, den Ausstieg aus der Kernenergie mit einer Steigerung der Energieeffizienz und mit dem Ausbau und der Förderung von erneuerbaren Energien zu kompensieren. Insbesondere erneuerbare Energien aus Sonne, Wind, Holz und Geothermie, die heute noch wenig ausgebaut sind, sollen künftig eine grössere Rolle in der Energieversorgung einnehmen.