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Rund 150 Frauen und einige Männer vor allem aus dem universitären Umfeld besuchten die halbtägige Konferenz anfang dieser Woche. Die Veranstaltung, die von der Abteilung Gleichstellung der UZH organisiert wurde, markierte den Abschluss des Aktionsplans Chancengleichheit 2013 – 2016 der UZH und fungierte gleichermassen als Auftakt für den geplanten Aktionsplan 2017 – 2020.
Tatiana Crivelli Speciale, Präsidentin der Gleichstellungskommission der UZH, führte durch den ersten Teil des Nachmittags, in dem die heutige Situation der Gleichstellungsarbeit im Vordergrund stand. Rektor Michael Hengartner gab einen eindrucksvollen Überblick über die Entwicklung an der Universität, die 1867 als zweite europäische Universität Frauen zum Studium zuliess.
Bei den Studierenden sind die Frauen an der UZH mittlerweile in der Mehrheit. Anders sieht es bei den Professuren aus – hier beträgt der Frauenanteil 20 Prozent. Rektor Michael Hengartner betonte, dass die Universität Zürich die Gründe für diese Diskrepanz genauer untersucht hat und weiter analysieren will.
Silvia Steiner, Bildungsdirektorin des Kantons Zürich, sagte in ihrer Ansprache, dass Frauenförderung nicht nur die Frauen etwas angehe. Alle seien gefordert, um die Gleichstellung von Mann und Frau zu erreichen. Dazu sei eine Vielzahl von Veränderungen notwendig. So müssten zum Beispiel Familien besser unterstützt werden und Arbeitgeber und –nehmer flexibler reagieren, damit Karriere und Familien besser vereinbart werden könnten.
Weiblicher Führungsstil
Ob Frauen als Führungskräfte anders agieren als Männer und ob Organisationen mit weiblicher Führung besser abschneiden, war das Thema von Alice Eagly, Professorin in Psychologie und Management an der Northwestern University in Chicago.
Gemäss Alice Eagly gebe es keine Forschungsresultate, die beweisen würden, dass die Effizienz oder die finanzielle Performance einer Organisation besser sei, wenn Frauen in der Führungsetage sässen. Hingegen hätten Frauen meist einen anderen Fokus als Männer: Sie seien eher an anderen Menschen interessiert, strebten weniger häufig als Männer Macht an und zeigten ein höheres Interesse als Männer, ein kollegiales Umfeld zu schaffen.
Aufgrund dieser Forschungsresultate wagte Eagly die Hypothese, dass Frauen in akademischen Führungspositionen eher bereit seien, die Bedingungen für Arbeitskräfte mit Familien zu erleichtern. Zudem würden sie Studierende eher ermuntern, sich auch für nicht-traditionell weibliche Fächer zu interessieren. Schliesslich würden weibliche Führungskräfte eher flache Hierarchien bevorzugen.
Stereotype Denkmuster als Hemmschuh
Stereotype Denkmuster seien in den Köpfen von Männern aber auch von Frauen nach wie vor verbreitet. Diese stellten erwiesenermassen einen Grund dar, weshalb viele Frauen nicht in Führungspositionen vorstossen würden, erläuterte Claudia Peus, Professorin für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement an der Technischen Universität München. Frauen würden sich generell eher unterschätzen, Charakterbezeichnungen wie „entschlossen“ oder „unabhängig“ würden sie weniger gerne auf sich als Männer beziehen. Claudia Peus postulierte deshalb unter anderem, dass bei Anstellungsverfahren bewusst auf eine geschlechtergerechte Sprache geachtet werde.
Christane Löwe, Leiterin der Abteilung Gleichstellung der UZH, verwies auf die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, in denen Gleichberechtigung der Geschlechter ausdrücklich als Anliegen der gesamten Gesellschaft deklariert werde. Mit diesen Worten entliess sie das Publikum in die Pause zum Austausch und zum Studium der Posterausstellung, die die Projekte der UZH und anderen Hochschulen im Bereich Gleichstellung aufzeigte.
Langer Atem nötig
Anschliessend moderierte Gabriele Siegert, Prorektorin Geistes- und Sozialwissenschaften der UZH, die Podiumsdiskussion mit Eva Åkesson, Rektorin der Universität Uppsala in Schweden, Eva Wiberg, Prorektorin an der Universität Lund in Schweden, Sarah Springman, Rektorin der ETH Zürich, sowie Andrea
Schenker-Wicki, Rektorin der Universität Basel. "Vermutlich sind an der Universität Zürich noch nie so viele weibliche Hochschulrektoren zur gleichen Zeit im gleichen Raum zusammengetroffen", freute sich Siegert.
Wie Andrea Schenker-Wicki zusammenfassend festhielt, sei der Übergang der PhD-Absolventinnen zur Professur der heikle Punkt, bei dem viele Frauen abspringen würden und einen anderen Weg wählten. Förderung von Frauen in akademischen Führungspositionen müsse deshalb sehr früh beginnen, darin war sich die Runde einig. Bereits an den Gymnasien, spätestens aber Ende Studium und erst recht auf Doktoratsstufe sei es an den Professoren und Professorinnen, talentierte junge Frauen zu ermuntern, den akademischen Weg zu gehen.
Beide Geschlechter gefordert
Eva Wiberg und Eva Åkesson betonten, der Wandel komme nicht von heute auf morgen, sondern brauche Zeit. Auch in Schweden, das gerne als Vorzeigeland genannt werde, sei noch viel zu tun, bis auch in Führungspositionen Gleichstellung erreicht sei. So habe sich gezeigt, dass Frauen im Universitätsbetrieb tendenziell mehr Arbeit in die Lehre steckten, während Männer eher in der prestigeträchtigeren (und oftmals besser bezahlten) Forschung tätig seien. Auch erhielten Frauen deutlich weniger Forschungsstipendien als Männer. Eva Åkesson hielt denn auch fest: «Nicht die Frauen sind bedauernswert, sondern die Hochschulen, die nicht vom Potenzial der Frauen Gebrauch machen.» Deshalb sei es auch an den Hochschulen sich zu verändern, dieser Verantwortung sei sie sich als Rektorin sehr bewusst.
Wie Sarah Springman auf eindrucksvolle Art schilderte, brauche es als Frau aber auch Mut, sich nicht einschüchtern zu lassen. Ihre Erfahrungen als Sportlerin kämen ihr in Bezug auf Ausdauer und Durchhaltewillen sehr zugute.
Einig waren sich die Podumsteilnehmerinnen, dass es auch gegenseitige Unterstützung durch andere Frauen und Männer brauche, die sich für ein faires und gleichberechtigtes Klima einsetzen würden. Beide Geschlechter seien gefordert, sich für die Chancengleichheit einzusetzen. Auch sei es wichtig, bewusst ein Leben ausserhalb des Hochschulbetriebs zu leben und Freundschaften zu pflegen.
Die Konferenz machte deutlich, dass es noch viel zu tun gibt. Doch eines wurde klar: Die Entwicklung geht in die richtige Richtung.
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