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- Du, Kind, erfährst, dass manche dich und deinesgleichen als eine zu bewältigende Masse wahrnehmen und dass andere über die Kosten, die du und deinesgleichen verursachen, stöhnen.
- Du erfährst wenig über die Realität produktiver Arbeit und bewegst dich meist in zubereiteten Räumen, die deine Kinderrealität sind.
- Du lernst, Dienstleistungen zu konsumieren und dich möglichst reibungslos in einem vorgegebenen Plan einzuordnen (auch den 'offenen Plan' des Immerkreativseinmüssens).
- Du wirst abgehalten von der Begegnung mit Menschen anderer Generationen und brauchst eigentlich kaum mehr zu lernen, dass es schonungsbedürftige (z. B. ältere, behinderte, nicht gesunde) Menschen rund um dich herum gibt.
- Du gewöhnst dich an eine überwiegende Feminisierung und Ferne von Männern im (organisierten) Kinderleben.
- Du sollst dich abfinden mit dem, was in der Einrichtung und in ihren wenigen Extraunternehmungen draussen geschieht, und solltest ansonsten möglichst umweltabstinent sein.
- Du sollst problemlos transportabel sein.
- Du sollst möglichst nur dann ein Bedürfnis nach Ruhe und Intimität äussern, wenn die dir am nächsten stehenden Erwachsenen gerade Zeit haben und ebenso danach aufgelegt sind.
- Du sollst möglichst das Beste machen aus den vielfältigen Anregungen, Sozialkontakten, Rahmenbedingungen, die alle möglichen Menschen dir jeden Tag bieten, sollst selbstständig auswählen und dich über manches Doppeldeutige und Verunsichernde hinwegsetzen.
Marianne Krug, Kindertageseinrichtungen der Neunzigerjahre: Riskanter Normalkonsum oder Chance um reichhaltigen Leben? In: Erziehen in der Risikogesellschaft. Beltz: Weinheim/Basel 1997. (113-114)