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Highlight 2004: Bienenhaltung als Chance für Waisenkinder
Damit ein Waisenhaus in Kenia sich finanzieren kann, werden Einkommensmöglichkeiten gesucht und in der Bienenzucht gefunden. Biovision strebt jedoch noch mehr an: eine Gesundheitsprophylaxe und eine solide berufliche Zukunft für die Jungen und Mädchen.
Pause im Bienen-Workshop des Mully Children Family Home (MCF), einem Waisenhaus in Kenia. Bernard Muasya Kiio, eines von 34 Mitgliedern des Bienen-Clubs, setzt sich in den Schatten am Fluss und erzählt: „Ich war neun, als mein Vater starb. Meine Mutter blieb mit mir und sechs Geschwistern zurück. Sie war schwanger und sehr krank. Es ging ihr immer schlechter“. Bernard senkt den Blick und sucht nach Worten. „Ich verliess die Schule und ging auf die Strasse, wie meine Geschwister auch.“ Hier stockt der Junge. Dann fährt er mit dumpfem Gemurmel fort, von dem nur Bruchstücke wie Drogen’ oder ‚Polizei’ verständlich sind. Schliesslich versagt seine Stimme und er verbirgt das Gesicht hinter zitternden Händen.
Bernard ist eines von 550 Waisenkindern, die im MCF von Ndalani, 120 Kilometer nördlich von Nairobi, Zuflucht gefunden haben. Die meisten der Mädchen und Knaben waren wie Bernard verwahrloste Strassenkinder, die sich unter unvorstellbaren Verhältnissen in kriminellen Kinderbanden mit Diebstahl, Drogen oder Prostitution durchschlugen.
Honig als Multiprophylaxe
Das Waisenhaus wurde von Charles Mully, einem Geschäftsmann aus Nairobi, gegründet. Neben dem grossen Heim von Ndalani, zu welchem auch ein Landwirtschaftsbetrieb gehört, baute er in der Nähe ein zweites Zentrum für 120 junge Frauen und ein drittes für 85 Kinder in Eldoret. Auf der Suche nach Einkommensmöglichkeiten für das Waisenhaus kam Charles Mully auf die Idee, im MCF Honig zu produzieren und zu verkaufen. Damit stiess er bei Brigitte Nyambo, Biovision Koordinatorin in Nairobi, auf offene Ohren. Ihr ging es vor allem um den Honig als Gesundheitsprophylaxe für die Kinder und um die Vermittlung des neuen Wissens, denn damit können sich die Waisen das Fundament für eine tragfähige Existenz schaffen. „Wenn sie als junge Erwachsene das Heim verlassen, werden sie über das Rüstzeug moderner Bienenzüchter verfügen, und den Schritt in eine neue Zukunft wagen können“, ist die Koordinatorin von Biovision überzeugt.
Projekt gestartet
Ein Handwerker des MCF erlernte die Herstellung moderner Bienenkästen, und der Fachlehrer für Landwirtschaft und Biologie erhielt eine Ausbildung in moderner Bienenhaltung. Er entwickelte zusammen mit Biovision entsprechende Lehrunterlagen und testete sie in seinen Klassen. Die Poster und Cartoons sollen optimiert und für den Einsatz in ganz Kenia gedruckt werden.
Im Bienenhain am Flussufer ist die Pause vorbei. Die Mitglieder des ‚Bee-Clubs’ machen sich an die Betreuung ihrer Bienenvölker. Bernard Muasya Kiio hat sich wieder gefasst. Stolz zeigt er, wie die modernen Bienenkästen fachgerecht zusammengesetzt werden. Sollte er seinen Traumberuf eines Arztes verpassen, wird er die Ersatzkarte spielen können und ein guter Imker werden.
Bienenhaltung: Sanft modernisiert
Traditionelle Honigproduzenten in Afrika arbeiten mit ausgehöhlten Rundhölzern, in welche die Bienen, eine Unterart der europäischen Bienen, ihre Waben bauen. Dabei fällt viel Wachs an, und der Honigertrag ist gering. Bei der Ernte werden die Insekten mit offenem Feuer vertrieben, wobei die Bienenvölker meist eingehen. Zudem ist der Honig mit Wachs, Rauch und toten Larven durchsetzt, und immer wieder entstehen Buschbrände.
Deshalb fördert Biovision eine sanfte Modernisierung der Bienenhaltung und der Honigproduktion. Mit sogenannten ’Langstroth Hives’, einfachen Bienenkästen aus Holz, die von lokalen Handwerkern gebaut werden, können viele Probleme behoben werden. Die Bienenkästen sind mit drahtbespannten Holzrahmen bestückt, in welche die Bienen ihre Waben bauen. Die Rahmen können für die Ernte herausgenommen, in einer Zentrifuge geschleudert und anschliessend wieder eingesetzt werden. So bleiben die Bienen unbehelligt, der Honigertrag wird erheblich gesteigert und seine Qualität stark verbessert.