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Neuss in Deutschland, New York, Buenos Aires und San José in Costa Rica sind die Stationen, an die wir Josef Klein in den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg begleiten, nicht in chronologischer Folge, sondern hin und her springend. Josef, 1903 geboren, wird zu Joe, als er 1925 in die amerikanische Metropole auswandert. Dort schlägt er sich eher schlecht als recht als Angestellter seines Freundes Arthur durch, der Werbe-Flyer produziert.
Sein Leben im multikulturellen Schmelztiegel Harlem gerät völlig aus den Fugen, als er mit seiner Fähigkeit als Amateurfunker die Aufmerksamkeit einflussreicher Männer erweckt, und diese ihn für ihre Sache einspannen. Erst viel zu spät bemerkt Josef, dass er sich mitten im Spionagegetriebe der Deutschen befindet.
In ihrem neuen Roman «Der Empfänger» verarbeitet die Schriftstellerin Ulla Lenze die Geschichte ihres Großonkels. Dabei herausgekommen ist ein fiktionales, fesselndes Zeitzeugnis über eine Zeit im Umbruch und das Schicksal eines Auswanderers in Amerika.
Es ist ein verstörender Lebenslauf, der hier gezeichnet wird. Josef Klein ist ja kein glühender Anhänger nationalsozialistischen Gedankenübels. Er bekennt sich zum Hotspot New York, liebt den Jazz von Ella Fitzgerald und Duke Ellington und sucht als Amateurfunker den Kontakt mit aller Welt. Allerdings distanziert er sich nicht vom braunen Umfeld, sondern macht mit, wo er nicht hätte mitmachen müssen. Dass solch ein Verhalten grundfalsch ist, wird uns gerade heute wieder sehr bewusst. So ist «Der Empfänger» von Ulla Lenze ein spannender Roman zur rechten Zeit.
Monika Steiner