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08.12.2022 00:02:50
|Beschreibung|
Mit 13 Jahren spielte er in der Harmonie-Musikgesellschaft Fulenbach die Klarinette. Seine musikalischen Fähigkeiten steigerten sich derart, dass die Dorfjugend von dieser Begeisterung mitgerissen wurde. Mit Mietinstrumenten eröffnete er einen Jungbläserkurs. Rund 20 Jungmänner bildete er zu tüchtigen Musikanten aus, die für lange Jahre zum guten Mitgliederstock der Dorfmusik gehörten.
Seine ersten Kompositionsversuche erwiesen sich bereits als vielversprechend, wie beispielsweise der Festmarsch zur Hundertjahrfeier der Harmonie-Musikgesellschaft Fulenbach im Jahre 1920. Schon mit 16 Jahren schrieb Stephan Jaeggi seine Erstlingskomposition "Treue Wacht" und stellte diese zusammen mit der Harmonie-Musikgesellschaft Fulenbach vor.
Der Mechaniker
Es war der ausdrückliche Wunsch seiner Eltern, dass Stephan Jaeggi sich einen Beruf aneignen musste, der ihn später vor der brotlosen Kunst bewahren sollte. Eine Handwerkerlehrzeit als Mechaniker hatte er in der Lehrwerkstätte seines Onkels Alfred Jäggi mit Erfolg bestanden.
Titanic
Als Stephan Jaeggi neun Jahre alt war, hörte er wie jeder wissbegierige Bub damals, vom Untergang des angeblich unsinkbaren Passagierschiffes "Titanic". Die Schiffskatastrophe beherrschte 1912 monatelang die Schlagzeilen auf der ganzen Welt. Stephan Jaeggi ging diese Tragödie nicht mehr aus dem Kopf. Er musste der "Titanic" eine Komposition widmen. Mit 19 Jahren wurde die von ihm komponierte dramatische Fantasie "Titanic" von der Stadtmusik Olten uraufgeführt.
Das Musikstudium
Durch die wirtschaftliche Lage der 20er Jahre, die wegen Arbeitsmangel viele junge Leute vor die Verdienstlosigkeit stellte, wurde auch Stephan Jaeggi Opfer der Zeit. Seine Eltern ermöglichten ihrem musikalisch talentierten Sohn während dieser Zeit ein Musikstudium am Konservatorium in Basel. Darauf wurde er von diversen Musikkorps als musikalischer Leiter verpflichtet. Aufgrund seiner grossen Erfolge zeichnete sich der Weg des Aufstiegs für Stephan Jaeggi deutlich ab. Als Dirigent und Experte hat Stephan Jaeggi einmal folgende Sätze gebraucht: "Die tonliche Förderung muss an die Spitze der Ausbildung gestellt werden, damit die "Tanzbödeli-Mentalität" der Tongebung ausgeschaltet wird. Eine Besetzung braucht nur einen solchen "Holzhaus-Jodler" unter sich zu haben und schon ist die Einheitlichkeit der Tonkultur gefährdet."
Stadtmusik Bern
Als 1933 bei der Stadtmusik Bern die Stelle des Dirigenten ausgeschrieben wurde, meldete sich Stephan Jaeggi. Unter den Bewerbungen grosser Musiker befanden sich auch solche aus Deutschland und Oesterreich. Stephan Jaeggi galt zu dieser Zeit mit seinen 30 Jahren als Newcomer und einer der besten Blasmusikdirigenten Europas. Er wurde als neuer Musikdirektor der Stadtmusik Bern gewählt. Schon zwei Jahre später holte sich Stephan Jaeggi mit dem 80köpfigen Musikkorps am Eidgenössischen Musikfest in Luzern den ersten Rang.
Der Komponist
Es begann die Periode der Reife, aus welcher jene Werke stammen, die in der Geschichte der originalen Blasmusikliteratur einen sehr grossen und ehrenvollen Platz einnehmen. In den 30er Jahren, während und nach dem 2. Weltkrieg, tauchte in den Programmen der Schweizer Musikvereine immer häufiger der Name Stephan Jaeggi auf. Vier Festspielmusiken sind Zeuge von Jaeggis Kompositionsgattungen. Seine Musik zu "Hie Bern! Hie Eidgenossenschaft" aus dem Berner Jubiläumsjahr 1953 kann als Krönung seines Schaffens auf dem Gebiet der Orchesterwerke bezeichnet werden. Die Musik zum Festspiel "Bärgsonntig" für das Eidgenössische Turnfest in Bern wies ebenfalls auf Jaeggis Begabungen hin. Insgesamt sind 148 Kompositionen und 176 Bearbeitungen aus der Feder von Stephan Jaeggi bekannt.
General Guisan Marsch
Mit der Kriegsmobilmachung im September 1939 wurden sämtliche Wehrmänner zum Aktivdienst aufgerufen. Dies galt auch für den Trompeter-Wachtmeister Stephan Jaeggi, Spielführer im Solothurner Infanterie-Regiment 11 (Bat.-Spiele 50/51). Das Repertoire der Militärspiele bestand zu dieser Zeit vorwiegend aus ausländischen Militärmärschen. Und die Musik spielte während dem Krieg bekanntlich eine nicht unwesentliche Rolle für die Propaganda. Es erschien den Verantwortlichen während dieser Zeit wenig geschmackvoll, am Radio oder an Veranstaltungen deutsche Märsche spielen zu lassen. Aus diesem Grund wurde von offizieller Seite zunehmend nach eigenständiger, schweizerischer und patriotischer Musik gefragt. Der schweizerische Rundspruch war bestrebt, diese Idee zu fördern und hat im ganzen Land Wettbewerbe veranstaltet. Das ist schliesslich auch der Grund, wieso die wirklich bekannten Schweizer Militärmärsche ihre Wurzeln in der Zeit des zweiten Weltkriegs haben:
"Kameraden der Luft" (von Heinrich Steinbeck)
"Wehrbereit" (von Ernst Lüthold)
"Unsere Armee" (von Albert Müller)
"Grad us" (von Arthur Honegger)
"Inf. Regiment 13" (von Stephan Jaeggi)
"Soldatenblut" (von Hans Flury)
"Marsch der Grenadiere" (von Hans Honegger)
"Heer und Haus" (von G.B. Mantegazzi)
Der Oberkommandierende der Schweizer Armee im 2. Weltkrieg, General Guisan, gab den Auftrag, einen Wettbewerb auszuschreiben, mit dem Ziel, einen Marsch mit seinem Namen zu finden. Stephan Jaeggi war damals mit seinem Bataillonsspiel 51 in der Nähe von Delsberg stationiert. Sein Kommandant, Oberst Werner Schnyder aus Solothurn, machte ihn auf diesen Wettbewerb aufmerksam. Sogleich machte sich Stephan Jaeggi an die Arbeit und innert nur drei Tagen war ein Marsch fertig.
Richtig "gepokert"
Stephan Jaeggi schrieb aber nicht einfach nur einen Marsch, sondern er konzentrierte sich dabei voll und ganz auf die Person, für die er den Marsch schrieb, auf General Guisan. Bei jedem Ton den er schrieb, dachte er an den General. Da der General ein Waadtländer war, baute Stephan Jaeggi ein "Roulez Tambours" ein und führte den Marsch mit allen Tambouren des Regimentes auf. Um den Westschweizer Charme zu betonen, setzte er sechs Claironbläser ein. Inzwischen trafen Meldungen aus der ganzen Schweiz ein, wonach sich weitere Märsche um den Titel des "General Guisan Marsches" bewarben. Die Konkurrenz bei diesem "Talentwettbewerb" wurde enorm gross und wie immer bei solchen Wettbewerben liessen die verschiedenen Bewerber alle verfügbaren Beziehungen politischer, wirtschaftlicher und militärischer Natur spielen.
General Guisan aber wollte selber und persönlich entscheiden. Er hörte sich alle sieben Märsche an. Stephan Jaeggi kam mit seinem Spiel des Solothurner Regiments 11 als letzter dran. Nach der Uraufführung wandte sich der General an Stephan Jaeggi und sprach die bekannten Sätze: "Wachtmeister Jaeggi, ich danke Ihnen. Ihr Marsch soll meinen Namen tragen." Dies war zweifellos einer der grössten Momente im Leben von Stephan Jaeggi (mit dem Westschweizer Charme im Marsch hatte er richtig gepokert), es war aber auch ein grosser Moment für die Gemeinde Fulenbach. Jede Person in der kleinen Aaregäuer Gemeinde war stolz ein Fulenbacher oder eine Fulenbacherin zu sein.
Früher Tod
Sein enormes Engagement als Komponist, Dirigent, Leiter von Dirigentenkursen, Kampfrichter und Bearbeiter von Orchesterwerken sowie sein Schaffen für das schweizerische Blasmusikwesen forderte einen hohen Preis. 1957 erlag Stephan Jaeggi auf dem Höhepunkt seines musikalischen Schaffens und im Alter von erst 54 Jahren einem plötzlichen Herzversagen.
Erinnerungen mit Stolz
Dank Stephan Jaeggi wurde die Gemeinde Fulenbach in der ganzen Schweiz zum Inbegriff für Musik. Der "Fulenbacher-Marsch" von Stephan Jaeggi ist noch fast wöchentlich im Radio zu hören und wird bei jedem Auftritt der Harmonie-Musikgesellschaft speziell gewünscht. Die Gemeinde Fulenbach hat zum Gedenken an den grossen Komponisten und Dirigenten im Dorfzentrum ein Platz nach Stephan Jaeggi benannt.
Aus 175 Jahre Harmonie-Musikgesellschaft Fulenbach,
redigiert von Roman Jäggi, Fulenbach
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