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IAMANEH Schweiz, Senegal
Kleinkrankenkassen für Frauen
Senegal zählt rund 11 Mio. Einwohner mit einer Lebenserwartung von durchschnittlich 56 Jahren. Trotz vielfältiger Bemühungen des Staates, die Basisgesundheitsversorgung auszubauen, und trotz den im Vergleich zu anderen Ländern Westafrikas beachtlichen Ausgaben für Gesundheit von 15% (2005) des Bruttoinlandprodukts ist die Mütter- und Kindersterblichkeit nach wie vor hoch, wobei Malaria, Durchfallerkrankungen und Infektionskrankheiten die hauptsächlichen Ursachen sind. Ein Hauptproblem ist, dass Familien mit kleinen Einkommen und insbesondere Frauen in Notsituationen kein Geld auf der Seite haben, um sich behandeln zu lassen und mit ihrem kranken Kind rechtzeitig das Gesundheitszentrum aufzusuchen oder die verschriebenen Medikamente zu kaufen.
Die Vorstädte von Dakar - Pikine und Guédiawaye - sind wichtige Ankunftsorte für die neu ankommende Bevölkerung, die die ländlichen Gebiete aufgrund der Arbeitssuche verlässt. Die Gesundheitseinrichtungen sind in einem schlechten Zustand und der Zugang für die Bevölkerung aus finanziellen Gründen schwierig.
Unsere Partnerorganisation ENDA Graf, ein Zweig der ENDA Tiers Monde, ist eine internationale und nicht gewinnorientierte Nichtregierungs-Organisation, die lokale Initiativen mit dem Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, unterstützt und begleitet. Mit der Gründung von Kleinkrankenkassen in Pikine und Guédiawaye, die von den Frauengruppen selbst initiiert und verwaltet werden, will sie auf nachhaltige Art und Weise die Gesundheitsversorgung, insbesondere die der armen Bevölkerung, verbessern. Gleichzeitig stellen die Krankenkassen auch einen wichtigen Beitrag zu einer eigenverantwortlichen und demokratisch geführten Entwicklung dar.
Bisher wurden im Rahmen des Projekts vier Krankenkassenvereine gegründet, die heute insgesamt etwa 4000 Mitglieder zählen. Ziel ist es, diese Zahl in den nächsten drei Jahren mindestens zu verdoppeln, um damit einer Vielzahl von Familien den Zugang zur Gesundheitsversorgung sicherzustellen und die nachhaltige Finanzierung der Kassen und der medizinischen Dienstleistungen sicherzustellen. Um dies zu erreichen, werden bestehende Frauengruppen angesprochen und über die Krankenkasse informiert.
Die Mikrokrankenkassen bauen auf der bestehenden sozialen Dynamik in den Quartieren von Guédiawaye und Pikine auf. Das assoziative Leben in den Quartieren ist sehr stark ausgeprägt. Es existieren mehrere hunderte von Interessensgruppierungen, Spargruppen, Tontines, Vereine etc., in denen Frauen und Männer sich organisieren, um gemeinsam bestimmte (individuelle oder kollektive) Ziele zu verwirklichen. Die Kleinkrankenkassen stützen sich in der ersten Phase auf Frauengruppen ab, in denen das gegenseitige Vertrauen gross genug ist, um das Risiko zu tragen. Diese Gruppen bilden die Basis der Selbstverwaltung der Kleinkrankenkassen. Die Frauengruppen treten als Garant für die monatlichen Prämien gegenüber der Kasse auf, die Solidarität innerhalb der Gruppe ist dabei das zentrale Element. Anders aber als Spar- oder Kreditsysteme in denen alle Mitglieder in eine Kasse einzahlen und entsprechend profitieren, finanzieren in diesem Fall die Gesunden die Behandlung der Kranken und versichern sich für den Krankheitsfall. Dies setzt voraus, dass die Menschen solidarisch sind (auch mit Menschen, die sie nicht kennen) und bereit, in die Zukunft zu planen. Angesichts der alltäglichen Realität, der kleinen Einkommen und der sozialen Verpflichtungen, denen Menschen in diesem gesellschaftlichen Kontext unterworfen sind, stellt dies eine grosse Herausforderung dar…
Krankenkassen in diesem Kontext können nur gelingen, wenn Menschen, die daran teilhaben, ihre Bedürfnisse und Anliegen an das Angebot einer Krankenkasse selbst definieren können und willens sind, für ihr Projekt lokale Ressourcen zu mobilisieren. Die Jahresversammlung der Krankenkasse ist eine Plattform hierfür, an der die Frauen diskutieren und mitbestimmen können. Krankenkassen, die von Frauengruppen getragen werden, sind auch ein Spiegel ihrer Bedürfnisse. So werden Kostenübernahme von Schwangerschaftsbegleitung, Geburt und Kinderkrankheiten zu einem wichtigen Bestandteil des Angebots.

Land/Region: Senegal / Dakar: Pikine und Guédiawaye
Zeitraum/Projektphase: 1.4.2005 - 31.3.2007
Schweizerische Organisation: IAMANEH Schweiz
Website: www.iamaneh.ch
Kontakt: Maya Natarajan, <email-pii>
Partnerorganisation: ENDA Graf Sahel, Guédiawaye
Informationen: www.iamaneh.ch/projekte