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französisch Schaffhouse. Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft, der zwölfte in der offiziellen
Reihenfolge. Eintritt in den
Bund 1501.
Lage und Grösse.
Schaffhausen
ist der nördlichste Kanton, die «Nordmark» der
Schweiz. Sein N.-Punkt bei Oberbargen, Grenzstein Nr. 593, liegt in 47° 48'
30" NBr. und in 826 m Meereshöhe und ist gleichzeitig der nördlichste Punkt der
Schweiz. Im S. reicht
der Kanton mit der Rüdlingerparzelle bis in das Rheinknie bei der Tössmündung unter 47° 33' 10" NBr., im O. mit der Steinerparzelle
bis zum Grenzstein Nr. 424 an der Strasse Stein
a. Rh.-Oehningen unter 8° 52' 41" OL. von Greenwich, im W.
bei der Wunderklingermühle in der Gemeinde Unterhallau bis zum Grenzstein Nr. 354 unter 8° 24' 25" OL. von Greenw.
Die grösste Länge von Oberbargen bis zum Rheinknie beträgt ungefähr 29 km, die grösste Breite vom W.- zum O.-Punkt ungefähr 35 km.
Die Stadt Schaffhausen liegt fast in zentraler Lage innerhalb dieser 4 Grenzpunkte. Mit einem Flächeninhalt
von 294,22 km2 (wovon 95,5% produktiver und 4,5% unproduktiver Bodenfläche) ist Schaffhausen
der siebentkleinste Kanton der
Schweiz,
wenig grösser als Nidwalden
und Genf.
Die geschichtliche Entwicklung hat ihm ein in drei voneinander getrennte Teile zerfallendes Gebiet
und recht verwickelte Grenzverhältnisse verschafft.
1. Der Hauptteil des Kantons (251,14 km2), dehnt sich von der Rheinbiegung bei Schaffhausen
fächerartig nach W.,
N. und NO. über die breite Thalsohle des
Klettgaus mit den sie einrahmenden Höhenzügen, über das Randengebiet und den
sog. Reiat aus; er schliesst zwei kleine badische Enklaven ein: das Dorf Büsingen
am Rhein und den Verenahof
bei Büttenhard, einen vereinzelten, zur badischen Gemeinde Wiechs gehörenden Bauernhof. Fast auf allen
Seiten ist dieser
Hauptteil vom Grossherzogtum Baden
umgrenzt, und nur auf der östl. Hälfte der S.-Grenze stösst er an die Kantone Thurgau
und Zürich
an. Nach langem
Rechtsstreit gegen den Kanton Zürich
ist dem Kanton Schaffhausen
durch bundesgerichtliches Urteil vom das Hoheitsrecht über
den ganzen Stromlauf des
Rhein von der Büsingergrenze an bis zum
Urwerf unterhalb der Stadt Schaffhausen zugeschieden worden;
die genaue Festsetzung dieser Kantonsgrenze ist durch Staatsvertrag zwischen den Kantonen Zürich
und Schaffhausen
vom erfolgt. Dagegen
ist der Grenzstreit über die Strecke vom
Urwerf bis zur Landesgrenze unterhalb des
Rheinfalles zur Zeit noch nicht erledigt.
2. Die
Steiner Parzelle (31,36 km2) beginnt am Ausfluss des
Rhein aus dem
Untersee und umfasst den w. Teil des Schienerberges,
das untere Biberthal und den ö. Abfall des Staffelwaldes und Rauhenberges. Sie ist vom Hauptteil des
Kantons getrennt durch einen Fuss, den das Grossherzogtum
Baden bei Gailingen gegenüber Diessenhofen
an den
Rhein setzt. Mit dem
Weiler
und der Kirche Burg gegenüber Stein
greift der Kanton Schaffhausen
auf das linke Rheinufer hinüber; dieses kleine linksufrige Gebiet zwischen den
thurgauischenDörfern Untereschenz,
Kaltenbach und
Wagenhausen umfasst etwa 0,7 km2. Unterhalb dieser
Stelle bildet der
Rhein die S.-Grenze gegen den Kanton Thurgau;
im W., N. und O. grenzt die
Steiner Parzelle, in welcher ausser dem malerischen
Städtchen Stein
a. Rh. (mit Burg) die
DörferHemmishofen,
Ramsen und
Buch liegen, an das GrossherzogtumBaden.
3. Die Parzelle
Rüdlingen-Buchberg, der kleinste und abgelegenste Gebietsteil des Kantons (11,72 km2), liegt im Rheinknie
gegenüber der Tössmündung. Hier bildet der
Rhein die Grenze im O. und SW., vom zürcherischen Dorfe
Ellikon an der Thurmündung
bis zum
WeilerOberried kurz oberhalb des Städtchens
Eglisau; nach N. ist die Parzelle begrenzt durch das
zürcherische
Rafzerfeld und eine kleine badische Strecke mit dem Dörfchen
Nack gegenüber
Ellikon. In ihr liegen die
DörferRüdlingen und
Buchberg und erheben sich die Höhen des Hurbig (548 m) und der
Hohenegg (518 m). Bei dieser starken Zersplitterung
hat der kleine Kanton Schaffhausen
die verhältnismässig sehr lange Grenzlinie von gegen 200 km, die mit Ausnahme der
Wassergrenze des Rheinlaufes, einer Strecke an der
Wutach im W. und des
Kammes einiger Höhenzüge künstlich festgesetzt ist.
[Prof Dr. K. Henking.]
Orographie.
Den Grundstock des ganzen Gebietes bildet der dem Juragebirge angehörige
Randen, der im O. und S. vom
schweizerischen Molasseland umsäumt ist. Sein
Plateau erreicht im N. 914 m; von hier senkt er sich nach O. und S. mit mässigem
Gefälle, während er gegen das Wutachthal eine sehr steile Böschung bildet. Dieses einheitliche Gepräge wird vielfach
gestört durch verhältnismässig
¶
Aber auch das Molasseland im O. ist ganz erheblich zerschnitten. Während das flache Rheingelände bei
Stein und das untere Biberthal auf eine ziemlich weite Strecke eine Höhe von 410 bis 420 m einhalten, erhebt sich der prächtig
gelegene Hohenklingenberg auf 597 m, der Wolkenstein auf 592 m, und n. von Oberwald wird sogar eine Höhe
von 688 m erreicht. Dabei bricht dieser ganze, dem Schienerberg angehörige Molasseblock sehr scharf gegen die Thalsohle
des Rhein, der Biber und der Aach ab. An und auf einem ähnlichen Molassehügel liegt die Enklave RüdlingenBuchberg.
Sein Fuss ist am breitesten bei Rüdlingen; gerade hier hat aber die erodierende Tätigkeit des Rhein eingesetzt,
und nur durch umfassende Verbauungen wurde es möglich, die völlige Abtragung dieser Terrasse zu verhindern. Im Gebiet des
Jura bekommen die Geländeformen auch dadurch einen eigenartigen Charakter, dass die Thäler beim Austritt aus dem Randen oft
sich verzweigen. So werden jene wallartigen Höhen abgegrenzt, durch welche der Randen sich allmählig
gegen den Rhein abstuft, und so entsteht auch der mehr oder weniger deutliche Gefällsbruch der Thalsohle, wie er im Biberthal
bei Thaingen, im Merishauserthal bei der LängenbergerZiegelhütte und unten im Hemmenthalerthal (Hauenthal) vorhanden ist.
Geologie
Das alt anstehende Gestein ist grossenteils marines Sedimentgebirge; im O. und im S. kommt Sediment aus
süssem Wasser (Obere Süsswassermolasse) hinzu, und im Gebiet des Rheinthales bis zu Höhen von 500-600 m ist die heutige Beschaffenheit
der Bodenoberfläche das Werk glazialer Ablagerungen. Im W. setzt die Schichtenfolge mit der Trias und zwar mit der Anhydritgruppe
ein. Diese ist hier durch die ausgedehnten und mächtigen Gipslager von Schleitheim bekannt. Auch der
sie überdeckende Hauptmuschelkalk ist noch auf die Gemarkung Schleitheim beschränkt, während dem Keuper schon viel grössere
horizontale Ausdehnung zukommt, indem er auch am Hallauerberg noch vollkommen ausgebildet ist.
Die Juraformation weist im W. ihre sämtlichen Horizonte auf, während im Merishauserthal nur noch die
obern Schichten des Dogger und des Malm erscheinen und im Biberthal sogar nur der obere Malm zu Tage tritt. Wie überall
in der N.-Schweiz fehlt auch hier die Kreideformation. Somit bilden also Malmkalke die Bodenoberfläche des Randen, der auch
fetzenweise mit Tertiärgebilden von verschiedenem Alter und verschiedener Beschaffenheit überlagert
sein kann. So findet sich marine Molasse als Grobkalk (Muschelsandstein) bei Altorf (hart an der badischen Landesgrenze) und
eine gleichaltrige, wenig mächtige Ablagerung auf dem Buchberg bei Merishausen.
Auch Süsswassermolasse fehlt nicht ganz auf diesen Höhen und findet sich z. B. bei Büttenhard. In grösserer Mächtigkeit
werden anderwärts die Malmkalke von Bohnerz und Juranagelfluh überdeckt. Bohnerz und der zugehörige
Erzlehm finden sich auf den Höhen von Stetten und Lohn, sowie auf dem das Klettgau auf seiner S.-Seite begleitenden Hügelzug
(Laufenberg, Hemming,
Rossberg etc.). Ansehnliche Massen von teils loser, teils mehr oder weniger fest verkitteter Juranagelfluh
treten im obern Biberthal, auf dem Reiat selbst und stellenweise auch auf dem Hochranden auf.
Ist man nun schon geteilter Meinung darüber, ob diese Juranagelfluh aus dem Jura der W.-Schweiz stamme oder aber ein Abschwemmungsprodukt
einer einst den Schwarzwald überlagernden und heute dort vollständig verschwundenen Juradecke bilde, so weiss man noch
viel weniger über die Herkunft der sog. tertiären Quarzite. Diese erscheinen gewöhnlich erbsen-, bohnen-
bis nussgross, gleichmässig aufgestreut auf dem Klosterfeld, viel reichlicher und mit faustgrossen Knollen untermischt im
Klosterhau und auf dem Hägliloh. Besonders zahlreich finden sich aber grössere Gerölle derselben mit Malmbrocken vermengt
auf dem Reiat (so um Büttenhard), wo sie neuerdings zur Gewinnung eines ausgezeichneten Schottermaterials
gesammelt werden.
Dieses lange geologische Zeiträume repräsentierende gesamte Gesteinsmaterial hat nun selbstverständlich im Laufe der Zeit
ebenfalls an den Lagerungsänderungen teilnehmen müssen, die man von nähern und entferntere Partien der Erdkruste kennt.
Namentlich jene der mittlern Tertiärzeit angehörige mächtige Bewegung, die im S. zur Auftürmung der
Alpen und im W. zu den gewaltigen Schichtenstörungen im sogenannten Kettenjura führte, kann auch am Randen nicht spurlos
vorübergegangen sein.
Aber hier klingt sie förmlich aus und bewirkt blos ein ziemlich gleichmässiges Fallen des ganzen Schichtensystems gegen
SO. um einen Winkel von 3-10°. Im N. und O. kam es dagegen zu einem gewaltigen, von einem bedeutenden
Absinken des n. und ö. Flügels begleiteten Bruch, der sog. Biberthalverwerfung. Sie ist am leichtesten zu erkennen auf der
Strecke vom Kesslerloch bei Thaingen durch das Biberthal bis Opfertshofen. Weiter kann man sie dann über Bargen, den Klausenhof
etc. nordostwärts verfolgen, anderseits wird man mit ihr aber auch das Verschwinden des Malm ö. vom
Fulachthal in Verbindung bringen und ihre Fortsetzung s. bis in den Rhein unterhalb der Rheinbrücke bei Schaffhausen
und westwärts bis
gegen die Lägern annehmen müssen.
Jenseits dieser Verwerfungslinie tritt die Molasse an die Stelle der Juraformation des Randen und zwar
die Obere Süsswassermolasse vom Biberthal bis an den Schienerberg; bei Rüdlingen und Buchberg gesellen sich ihr auch noch
ältere Stufen bei. Für das ganze unterhalb 600 m gelegene Areal bildet alpines Gesteinsmaterial die Bodenoberfläche. Seine
Mächtigkeit schwankt von kaum 1 dm (Fulachthal ö. von Thaingen, Kleiner Buchberg) bis 100 und mehr Meter
(Emmersberg und Enge bei Schaffhausen).
Es besteht aus feinem Lehm (in der Thalsohle), Sand und Kies.
Der letztere schwankt ausserordentlich in der Grösse des Kornes und ist bald lose, bald mehr oder weniger fest verkittet.
Findlinge von 1 bis 60 m3 Grösse sind nicht selten. Nach Entstehungsweise und Alter bieten diese diluvialen
Ablagerungen eine Mannigfaltigkeit, wie sie auf einem Terrain von so geringer Ausdehnung nicht grösser sein könnte. Mächtige
Grund- und Endmoränen sind ebenso typisch ausgebildet wie vollkommen geschwemmter Flussschotter. Die erste (älteste)
Vergletscherung, die sonst nicht so leicht zu konstatieren ist, findet sich in ausgezeichneter Weise
vertreten auf dem Neuhauserwald (älterer Deckenschotter);