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Drama
Japan 2008
Alternative Titel Okuribito; Nokan: Die Kunst des Ausklangs; おくりびと
Regie
Yojiro Takita
Drehbuch Kundo Koyama
Darsteller Masahiro Motoki, Ryoko Hirosue, Tsutomu Yamazaki, Kimiko Yo, Takashi Sasano
Länge 131 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 6
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
©
Text Marco, molodezhnaja 26.7.09
© Bilder Shochiku, Screenshots molodezhnaja
STORY
Als das Orchester, in dem Daigo Kobayashi (Masahiro Motoki) als Cellist spielt, aufgelöst wird, zieht er mit seiner Frau Mika (Ryoko Hirosue) von Tokio in das verschlafene Heimatdorf seiner verstorbenen Mutter zurück. Dort sucht er einen Job und landet wegen eines Missverständnisses beim alten Bestatter Ikuei Sasaki (Tsutomu Yamazaki). Da er dringend Geld braucht und der Job gut bezahlt wird, überwindet Daigo seine Abscheu und nimmt die Stelle an. Fortan wird er von Ikuei in die traditionellen japanischen Einbalsamier- und Bestattungsrituale eingewiesen. Doch damit verstört er Freunde und Familie.
REVIEW
Wie nahezu alle Zuschauer bei den Oscarverleihungen 2009 war ich erstaunt, dass der Preis für den besten fremdsprachigen Film nicht an einen der Favoriten "Waltz With Bashir" und "Entre les murs" ging. Der Gewinner hiess vielmehr "Departures" und war für viele Filmfans ein grosses Fragezeichen. Doch schon mit der Nennung des Regisseurs beginnt sich der Schleier zu lichten. Der 1955 geborene Yojiro Takita begann als Schmuddelfilmer (Groper Train), bevor er im neuen Jahrtausend einige Kassenerfolge und künstlerisch geachtete Werke drehte. Auf sein Konto gehen etwa die Fantasyfilme Ashura, Onmyoji und seine Fortsetzung, aber auch der meisterlichen Samuraifilm When the Last Sword Is Drawn, der an die Samurai-Spätwerke von Yoji Yamada erinnert.
Kein Unbekannter also - und mit "Departures" setzt er seine hochwertige Schaffensreihe fort. Ob das Drama wirklich den Oscar verdient hat, ist Interpretationssache, doch auf alle Fälle handelt es sich um einen vorzüglich gemachten und bewegend erzählten Film, der in nahezu allen technischen Belangen überzeugt, auch wenn er etwas lang und zum Ende hin erwartungsgemäss leicht sentimental ist. Stark etwa die Schauspieler: Mit einem zwischen verloren und traurig pendelnden Blick gibt Masahiro Motoki (The Bird People in China) die vielleicht beste Leistung seiner Karriere. Der alte Tsutomu Yamazaki (Tampopo, "Kagemusha") glänzt mit weiser Zurückhaltung und viel Menschlichkeit. Wie er die Leichen behutsam präpariert, ist berührend. Ryoko Hirosue (Collage of Our Life) wiederum füllt die etwas undankbare Frauenrolle souverän aus und spielt mit viel Charme.
Takita gibt diesem Ensemble viel Raum, um sich zu entfalten. Er inszeniert ungehetzt, aber nie langweilig, baut auf realistische und doch gehaltvolle Dialoge, geht nahe an die Figuren heran, ohne Nüchternheit einzubüssen. Eine Umgebung wie in diesem Film können sich viele Schauspieler nur wünschen. Doch "Departures" ist nicht nur ein Spielfeld für die Akteure - hier zeigt vielmehr auch ein erfahrener Regisseur, was er kann: Es dominieren einfache, aber präzise Bildkompositionen, in ihrer Überzeugungskraft unterstrichen von treffsicherem Musikeinsatz, der vor allem auf klassische Klänge zurückgreift, schliesslich ist der Protagonist Cello-Spieler.
Doch es ist nicht die Technik oder das Schauspiel, das beim Publikum zwischen Gefallen und Nichtgefallen entscheidet. Es ist die Geschichte. "Departures" nähert sich schliesslich dem Tabuthema Tod, das in der japanischen Gesellschaft einen anderen Stellenwert hat als im Westen. Jeder Mensch, jede Bevölkerungsgruppe, jede Religion widmet sich dem Ableben auf andere Weise. Und zu sehen, wie hier die Bestattung extrem ritualisiert wird, hat einen exotischen Reiz. Die Gefühle, die dabei hochkommen, sind jedoch von universeller Natur. Der Verlust eines lieben Menschen, die Chance, ihn zum letzten Mal zu sehen, bevor man unweigerlich Abschied nehmen muss. Das hat etwas Ergreifendes. Und wie die beiden Männer würdevoll damit umgehen, auch grosse Einfühlsamkeit. Das geht freilich auch darum besser, weil die Toten hier meist jüngeren Alters sind und gut aussehend verblichen sind. Mit einem greisen Sumoringer würde die Prozedur wohl weniger elegant wirken.
Erstaunlicherweise findet auch immer wieder Humor den Weg in den Film. Anfänglich besteht er vor allem aus Daigos Abneigung gegenüber seinem neuen Job. Später gibt es subtilere Momente - etwa wenn ein paar Mädels der Oma lachend die Lieblingssocken überstreifen. Oder wenn die ganze Familie dem Toten Kussabdrücke aufs Gesicht mitgibt. Da wird der Tod zu dem, was er ist: Etwas Natürliches, mit dem wir alle umgehen müssen, früher oder später. Und dabei hilft manchmal etwas Humor und die Erinnerung an die gute Zeit mit dem geliebten Menschen. "Departures" ist daher weniger ein Film über Tod und Verderben, sondern einer über das Leben. Lasst es uns geniessen, es auskosten, bis auch wir in jenem Sarg liegen und präpariert werden. Solch eine Botschaft spricht die alten Herren der Oscar-Jury natürlich an. Und plötzlich ist es gar nicht mehr so erstaunlich, dass "Departures" seinen Konkurrenten die goldene Statue weggeschnappt hat.
MEINE
DVD
Hongkong, Code 3, NTSC
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Japanisch 5.1 mit englischen und chinesischen Untertiteln.
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SCREENSHOTS
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