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„Stell Dir ein Bauprojekt vor, das 632 Jahre alt ist. Die Erschaffung eines gotischen Meisterwerkes und in all diesen Jahren wurden die Baupläne nicht geändert. Eine riesige Baustelle im Mittelalter und bei Fertigstellung im Jahre 1880 das grösste Gebäude der Welt……“
(sh) „….die Westfassade sprengte alle bisherigen Konventionen“ fährt er fort, „als grösste Kirchenfassade von 7000 m2, eingerahmt von zwei gewaltigen Türmen.“
„Stopp, langsam fang noch einmal von vorne an; ganz von Anfang“ entgegne ich und schaue in sein altes mit Furchen gezeichnetes Gesicht.
„Gut!“ sagt er und schlurft weiter. „Also fangen wir ganz von vorne an. In der spätrömischen Zeit diente der heutige Platz auf dem der Dom steht als Versammlungsplatz für die ersten Christen in Köln. Im Jahre 870 wurde die erste Kirche, der karolingische Dom vollendet. Als 1164 die Reliquien der Heiligen Drei Könige nach Köln kamen, wurde der Dom eine populäre Wallfahrtskirche in Europa, die allerdings in Grösse und Pracht nicht mehr ausreichte. So begann man 1248 den karolingischen Dom abzureissen. Das Projekt KÖLNER DOM wurde gestartet.
Der erste Meilenstein war die Einweihung des gotischen Chors im Jahre 1322. Der Bauteil wurde nach Westen mit einer Mauer abgeschlossen, so dass man hier Messen feiern konnte. Hier konnten auch wichtige Kunstwerke aus dem alten Dom, wie z. B. der Schrein der Heiligen Drei Könige und das Gerokreuz aufgestellt werden. Der nächste wichtige Meilenstein war die Fertigstellung der Seitenschiffe des Langhauses und die zwei Stockwerke des Südturms. Bis etwa zum Jahre 1530 wurde am Dom weitergearbeitet“.
Bauverzögerungen und Neubeginn
Ein tiefer Seufzer unterbricht seinen Monolog. Bedächtig fährt er fort: „Doch wie bei so vielen Projekten führte ein Geldmangel und ein plötzliches Desinteresse zur Verzögerung des Vorhabens und nur die wichtigsten Wartungsarbeiten wie das Notdach des Langhauses wurden vorgenommen. Das Projekt wurde sozusagen auf Eis gelegt und die Vision des Kölner Doms blieb nur ein Fragment. Als die Revolutionstruppen im Jahre 1794 durch das Rheinland zogen, flohen der Erzbischof und seine Leute. Das Gotteshaus – immerhin gross und geräumig – musste für andere Zwecke herhalten, beispielsweise als Lagerhaus. Erst 1801 wurde der Dom wieder zur Kirche umfunktioniert und 1842 wurde der Bau wieder aufgenommen. Finanziert wurde das Projekt jetzt durch die preussische Staatskasse und dem Zentral-Dom-Bauverein. Das Bauvorhaben erfolgte weiter nach den mittelalterlichen Plänen mit einigen neugotischen Ergänzungen unter Einsatz von neuen Technologien. So konnten 1864 die Querfassaden und die Obergadenzone von Langhaus und den Querschiffen fertig gestellt werden. Der hölzerne Dachstuhl des Chors wurde durch eine Eisenkonstruktion über dem Gesamtgebäude ersetzt.“
Langsam gehen wir weiter und lassen den Dom in seiner Prächtigkeit auf uns wirken.
Zweiter Weltkrieg und UNESCO Welterbe
„Im zweiten Weltkrieg wurde der Dom von 14 Fliegerbomben getroffen und viele Jahre des Wiederaufbaus und Renovierung folgten. Auch heute sind immer noch ‚alte Kriegswunden‘ zu sehen. Hinzu kommen die entstandenen Schäden durch Witterung und Umweltbelastungen. Der Kölner Dom trägt demnach zu Recht den Titel der ewigen Baustelle.“
Als herausragende Leistung gilt der Reliquienschrein der Heiligen Drei Könige; eines der grössten Reliquienschreine in Europa, sowie das ottonische Gerokreuz, welches das erste Grosskreuz des Abendlandes war.
Im Jahre 1996 erhielt der Dom zu Köln den Status des Welterbes. Er erfüllt folgende Kriterien. Kriterium I: ausserordentliche menschliche Schöpferkraft, Kriterium II: bedeutender Schnittpunkt menschlicher Werte bezüglich Architektur, Technologie, Städtebau oder Landwirtschaft und Kriterium IV: hervorragende Versinnbildlichung der menschlichen Geschichte durch Architektur / Technologie.
Und da gibt es noch eine andere Besonderheit. Der Dom wurde als erstes Welterbe in Deutschland auf die so genannte ‚Rote Liste‘ gesetzt. Der Grund hierfür war die Gefährdung der visuellen Integrität der Kirche und die gesamte Kölner Skyline durch geplante Bauvorhaben auf der anderen Rheinseite. Nach Änderung der Pläne wurde der Dom im Sommer 2006 wieder von der Roten Liste gestrichen.
„Und zum Abschluss noch ein paar technische Daten“, sagt er und reicht mir ein Blatt Papier. Als ich ihm danken möchte, verschwindet er langsam in der Dunkelheit. Verwundert schaue ich ihm nach. Mein Blick fällt auf die technischen Daten und immer wieder auf den mächtigen Dom, der in der Dunkelheit der Nacht erstrahlt…….
|Gesamtlänge aussen||144,58 m|
|Gesamtbreite aussen||82,25 m|
|Breite der Westfassade||61,54 m|
|Breite des Langhauses (innen)||45,19 m|
|Höhe des Südturms||153,31 m|
|Höhe des Nordturms||153,38 m|
|Höhe der Querhausfassaden||69,95 m|
|Innenhöhe der Mittelschiffe||43,35 m|
|Innenhöhe der Seitenschiffe||19,80 m|
|Stufen bis zur Turmspitze||509|
|Stehplätze||2800|
|Sitzplätze||1200|