Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03288.jsonl.gz/1981

Im dritten Teil unserer Geschichte schauen wir auf die rasanten technologischen Entwicklungen der 1930er-Jahre zurück, als durch Ganzstahlkarosserien Stromlinienfahrzeuge entstanden.
Das erste Export-Auto: Volvo PV36 «Carioca» (1935–1938)
Das Volvo Konzeptfahrzeug Venus Bilo erregte 1933 zwar grosse Aufmerksamkeit, die Zeit war aber noch nicht reif für das erste Stromlinienfahrzeug überhaupt. Die Studie sollte allerdings nicht in Schönheit sterben, sondern wurde zur Blaupause für den Volvo PV36, der 1935 auf den Markt kam. Der Volvo PV36 war mit dem neuesten Sechszylindermotor mit 3,6 Litern Hubraum ausgestattet und leistete rund 80 PS. Seine Höchstgeschwindigkeit betrug 120 km/h, damals eine enorme Geschwindigkeit. Die Karosserie sah nicht nur modern aus, sondern setzte auch in Sachen Sicherheit neue Massstäbe. Da der Verkaufspreis aber sehr hoch war, wurden vom «Carioca» nur 500 Limousinen und ein Cabriolet gebaut. Zu den Kunden zählten Ärzte, Industrielle und hohe Beamten, aber auch die schwedische Polizei, die 18 Fahrzeuge für den Streifendienst kaufte.
Nach drei Jahren war bereits Schluss; das letzte Fahrzeug wurde nach Teheran verkauft und dort von der schwedischen Botschaft gefahren. Den Übernamen «Carioca» bekam der PV36, weil dieses Volvo Modell zum ersten Mal auch nach Brasilien exportiert wurde. Carioca war der offizielle Spitzname der Bewohner von Rio. Insider schätzen, dass es heute nur noch 25 Exemplare des Oldtimers gibt; eines davon ist im Privatbesitz der Familie des Volvo Mitbegründers Gustaf Larson.
Der kleine grosse Erfolg: Volvo PV51–7 (1936–1945)
Der PV51 war das erste «kleinere» Volvo Modell, das in grosser Stückzahl gebaut wurde – insgesamt 6905 Exemplare. Es waren die ersten Volvo Fahrzeuge mit einer Ganzstahlkarosserie, die auch das Dach umfasste. Die Unterschiede zwischen den Modellvarianten lagen in Ausstattungsniveaus, von Standard bis Deluxe. Der PV51 wurde ebenfalls als Rolling Chassis mit Aufbauten nach Kundenwunsch verkauft – also zum Beispiel als Lieferwagen oder Cabriolet. Viele dieser Modelle wurden später auch im Zweiten Weltkrieg eingesetzt, an dem Schweden wie die Schweiz neutral geblieben sind.
Die neue Taxi-Ära: PV801–10 (1938–1947)
1938 wurde mit dem Volvo PV801 eine neue Taxi-Ära eingeleitet. Dank zusätzlicher Klappsitzen boten diese Modelle bis zu acht Personen Platz. Angelehnt an den typisch amerikanischen Stil mit abgerundeten Konturen und V-förmiger Schnauze, hob sich die PV800-Serie stark von der TR700-Serie ab. Nicht nur beim Design: Auch das Gepäck durfte fortan im Kofferraum mitreisen, und statt der Bezeichnung TR (trafikvagn) bekamen die Modelle die Bezeichnung PV für «personvagn» (Personenwagen). Praktisch alle verkauften PV800er wurden als Taxis eingesetzt. Die 3,7-Liter-Reihensechszylinder waren so zuverlässig, dass die Buckel-Taxis bis in die 1980er-Jahre zum Strassenbild Schwedens gehörten und Kilometerleistungen im Millionenbereich erreichten.