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Langsam wächst das Lager an Kleinteilen, welche fertiggestellt und bereit für das Museum sind. Daneben sind auch ein paar grössere Stücke vorangeschritten, die wir hier gerne zeigen.
Das erste Bild zeigt die Hose eines Musketiers um 1640. Sie ist nach einem Schnitt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und mit viel Handarbeit hergestellt worden. Da über Europa verteilt noch ein paar ähnliche Hosen vorhanden sind und einige davon gut dokumentiert sind, konnte auch die Verarbeitung originalgetreu kopiert werden.
Danach ist der Frack eines Berner Füsiliers nach dem Reglement von 1804 zu sehen. Die Uniform ist hier noch in Anprobe. Die Teile sind nur grob zusammengenäht und ohne Futter, damit Änderungen leicht möglich sind.
Als letztes ist der Waffenrock eines Füsiliers 1861 zu sehen - ebenfalls zur Anprobe.
Mit dem Versuch, die Uniformen der jungen Schweizerischen Armee zu vereinheitlichen, wurde 1852 auch der Tornister festgelegt. Im "Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres" wurde der Tornister detailliert beschrieben. Da es von diesen Tornistern im Originalzustand nur noch eine handvoll gibt, haben wir eine Kopie gefertigt.
Das erste Bild zeigt eines der beiden Kalbsfelle welche dafür verwendet wurden. Auf dem zweiten und dritten Bild ist die Entstehung der verzinnten Schnallen zu sehen. Als Leder für die Riemen wurde hier wiederum sämisch gegerbtes Hirschleder verwendet. Früher wurde dafür sämisch gegerbtes Rindsleder verwendet. Dafür konnten wir leider auch nach langer Suche keinen Lieferanten mehr finden. Das Hirschleder kommt jedoch optisch sehr nahe an das Original, erst recht nachdem es geweisselt wurde. Das vierte Bild zeigt den flach ausgelegten Tornister. Er wird nun mit Holz verstärkt, mit Ziegenleder eingefasst und zusammengenäht.
Die vier letzten Bilder zeigen den fertigen Tornister, inkl. Kaput- und Packriemen. Sämtliche Riemen werden noch geweisselt.
Als nächstes werden wir nun das Nachfolgemodell - den Tornister 1861 anfertigen. Er ist identisch aufgebaut, allerdings mit schwarzem Rinds- und Ziegenleder.
Nun ist ein weiteres Prachtstück fertig geworden: Der Tschako des Berner Füsiliers nach Vorschrift von 1829.
Hier einige Bilder aus der Produktion - vom Filztubus bis zum fertigen Tschako.
Für die Figur eines Musketiers um 1640 haben wir ein paar genähte Stoffstrümpfe hergestellt. Diese waren damals günstiger als gestrickte Strümpfe, und daher entsprechend verbreitet. Der Wollstoff ist krappgefärbt und die Strümpfe sind von Hand genäht.
Im Fall der ersten Figur mit welcher wir begonnen haben, war es relativ leicht die Uniform und Ausstattung authentisch zu kopieren. Im historischen Museum Bern gibt es noch ein paar wenige Originalteile. Zudem ist im Reglement für die Berner Miliz von 1829 neben detaillierten Massangaben sogar eine Schnittzeichnung für den Uniformfrack zu finden. Die Massangaben sind teilweise im Berner Fuss, teilweise im Pariser Fuss angegeben, müssen also richtig umgerechnet werden. Wir haben uns dafür ein kleines Tool eingerichtet: Fussumrechner
Je weiter man jedoch zurück geht, desto weniger offizielle Angaben findet man. Im gedruckten Reglement für die Bieler Miliz von 1770 findet sich neben einigen farblichen Details der Hinweis, der Schnitt solle wie beim Eptinger Regiment sein. Damit ist das Schweizer Regiment in französischen Diensten gemeint. Hier helfen also die schon ab Mitte 18. Jahrhundert relativ detaillierten französischen Ordonnanzen. Im Gegensatz zur Schweiz wurde damals in Frankreich aber auch in anderen Ländern schon darauf geachtet, dass alle Uniformierten einheitlich daher kommen. Aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gibt es auch in der Schweiz noch einige Originale. Bei den meisten davon handelt es sich jedoch um Offiziersuniformen, welche aufwendiger und eleganter hergestellt wurden.
Bei der Miliz von Delémont um 1740 wird es schon schwieriger. Hier konnten wir im Archiv des ehemaligen Fürstbistum Basel unter anderem eine Zusammenstellung der Kosten aus dem Jahre 1730 finden, welche die Stoffarten, Farben und Preise auflistet. In solchen Rechnungsbüchern findet man oft die detailliertesten Angaben. Neben der Schwierigkeit mit der Umrechnung von Massen und Währungen kommt hier auch noch die Schrift dazu. Im Gegensatz zu gedruckten Reglementen sind deutschsprachige handschriftlichen Dokumente in Kurrent-Schrift verfasst. Hier hilft kein Online-Tool. Es muss Wort für Wort übersetzt werden, was je nach Handschrift auch mal etwas dauern kann.
Gehen wir noch weiter zurück, gibt es gar keine schriftlichen Vorgaben und in den nur noch Fragmente von Kleidungsstücken. mehr. Dies liegt daran, dass man in den meisten Ländern erst nach dem dreissigjährigen Krieg (1618 bis 1648) eine einheitliche Uniformierung angestrebt hat. Für die Zeit davor ist man daher etwas freier. Dies macht die Zusammenstellung eines authentischen Soldaten jedoch nicht einfacher. Im Falle der Schweizer welche um 1475 gegen die Burgunder gekämpft haben, findet man unter anderem in den Chroniken Diebold Schillings einige Hinweise.
Quellen der Bilder:
In den letzten Wochen haben wir vor allem sehr viele Unterlagen und Bildmaterial zu den älteren Figuren zusammengetragen, sowie bei diversen Museen und Sammlern Originale vermessen. Wir legen viel Wert darauf, auch die kleinsten Details so authentisch wie heute noch möglich zu reproduzieren und dies auch zu belegen. Dafür muss man tief in die jeweilige Zeit eintauchen.
Daneben haben wir ein paar Kleinteile fertig gestellt und diverse Schnittmuster erstellt. Hier ein paar Einblicke:
Auch bei den neueren Figuren ging einiges weiter. Wir durften zwei Palletenrahmen voller Uniformen und Ausrüstungsgegenstände aus der Zeit um 1860 bis heute in Empfang nehmen. Diese werden wir nun reinigen und pflegen. Danach werden die Füsiliere nach und nach eingekleidet.