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Professuren
Da die Geschichte akademischer Institutionen vornehmlich durch die Lehrstühle geprägt wird, fokussiert der folgende Überblick auf deren Aktivitäten. Bislang waren bzw. sind am Soziologischen Institut folgende LehrstuhlinhaberInnen tätig: Peter Heintz, Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny, Volker Bornschier, Hans Geser, Marlis Buchmann, Kurt Imhof, Marc Szydlik, Jörg Rössel, Eldad Davidov und Katja Rost.
Das SUZ wurde im Jahre 1966 mit einem Lehrstuhl für Soziologie für Peter Heintz, einem ehemaligen Mitarbeiter von René König, gegründet. Peter Heintz (1920-1983) zählte zu jener Generation von Soziologen, die wie etwa König oder Adorno stark an den Entstehungsbedingungen autoritärer Dispositionen und repressiver Herrschaftsordnungen interessiert war. Beim Institutsgründer äusserte sich dies in seinem ausgeprägten Interesse für die Entwicklungssoziologie, soziale Schichtung und die damit verknüpften Spannungen. Peter Heintz bemühte sich vor allem um die theoretischen Grundlagen einer "Soziologie der Weltgesellschaft" und um die Erforschung der sozialen Realität der Schweiz. Auf diese Weise sollte die Entwicklung einer möglichst allgemeinen und erklärungskräftigen soziologischen Theorie mit methodisch strengen empirischen Untersuchungen verbunden werden. Heintz war durch die Simmelsche Intention geprägt, dass die universalen Gesetzmässigkeiten von Gesellschaft in den einzelnen Teilgebieten des sozialen Lebens ihren Ausdruck finden.
Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny (1934-2004), der seit 1966 als Assistent am Institut tätig war, folgte 1974 als Extraordinarius ad personam. 1975 wurde er zum Ordinarius befördert und leitete das Institut nach dem Tod von Heintz 1983 fast 15 Jahre lang. Zwischen 1996 und seinem Tod hatte er überdies die Präsidentschaft der von Heintz gegründeten "Stiftung Weltgesellschaft" inne. Sein Forschungsinteresse richtete sich auf Prozesse des strukturellen und kulturellen Wandels von Gegenwartsgesellschaften und im Besonderen – vor dem Hintergrund der Entwicklung der Welt zu einer Gesellschaft – auf die Phänomene der internationalen Wanderungen, des Aufkommens von Minderheiten sowie der Veränderungen von Ehe, Familie, Lebensformen und Lebensstilen. Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny konzentrierte seine Forschung auf die Analyse des internationalen Systems, wobei er sich thematisch vor allem mit Fragen der Migration und der Minderheitensoziologie beschäftigte. Er baute diesen Zweig aus und etablierte insbesondere in den Bereichen der Soziodemographie und der Familienforschung eine auf der Analyse von Individualdaten beruhende mikrosoziologische Perspektive.
Volker Bornschier – 1976 Privatdozent, 1981 Assistenzprofessor, 1988 Extraordinarius und 1994 bis 2009 Ordinarius – trug nach Peter Heintz dazu bei, die Weltgesellschaft als spezifischen Gegenstand des Instituts weiterhin fest zu verankern. Von 1983 bis 1996 gestaltete er als Präsident der "Stiftung Weltgesellschaft" (1982 noch von Peter Heintz gegründet) deren internationale Forschungskoordination und -förderung, gegenwärtig wirkt er als Vizepräsident. In der Forschung beschäftigt er sich mit dem Aufbau und dem Wandel moderner Gesellschaften, wobei die Einbindung in das Weltsystem, der Technikwandel, einzelne institutionelle Ordnungen, wie z. B. die Staatsausgestaltung und das Bildungssystem, und die Rolle transnationaler sowie supranationaler Akteure in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berücksichtigt werden. Seine Forschungen orientieren sich an seiner Theorie konfliktiver Evolution und integrieren Spezialsoziologien: Weltgesellschaft, westliche Gesellschaft im Wandel, institutionelle Ordnungen und soziale Ungleichheit, Konflikt, Gewalt, Kriminalität, vergleichende Wirtschaftssoziologie und politische Ökonomie.
Hans Geser, der sich wie Hoffmann-Nowotny und Bornschier in Zürich habilitierte, wurde 1986, nachdem er seit 1983 eine Soziologie-Professur in Heidelberg innehatte, an die Universität Zürich berufen. Seine primären Forschungsinteressen sind Bereiche der vergleichenden Organisations- und Gemeindesoziologie. Ziel ist es, durch breit angelegte komparative Untersuchungen und dem Aufspüren des Allgemeinen im Besonderen, Einblick in die Anatomie und die Entwicklungsprozesse gesellschaftlicher Institutionen zu gewinnen, insbesondere in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Mit der Berufung von Hans Geser gelang es, die Analyse des interorganisationellen Systems in Richtung einer mesosoziologisch ausgelegten politischen Organisationsforschung zu erweitern. Themenschwerpunkte bildeten einerseits die Analyse von Gewerkschaften, Parteien, Gemeinden, Kleinstaaten. Andererseits deckte der Lehrstuhl die Bereiche der soziologischen Systemtheorie und des Interaktionismus ab, wobei letzterer sich in der intensiven Erforschung neuer Kommunikationstechnologien niederschlug. Hans Geser wurde 2012 emeritiert.
Marlis Buchmann, die ebenfalls in Zürich habilitierte, war von 1990-1994 ordentliche Professorin für Soziologie an der Eidgenössischen Hochschule Zürich (ETHZ). 1994 wurde sie auch als Ordinaria an die Universität Zürich berufen. Von 1994 bis 2005 war sie Doppelprofessorin für Soziologie an der ETHZ und an der Universität Zürich. Seit 2004 ist sie zudem Geschäftsführende Direktorin des "Jacobs Center for Productive Youth Development" der Universität Zürich. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Lebenslauf, Soziale Schichtung und Mobilität, Bildung, Beruf, Arbeitsmarkt und sozialer Wandel. Ihre wissenschaftliche Biographie ist stark geprägt von Forschungsaufenthalten und Gastprofessuren an US-Eliteuniversitäten. Inhaltlich schlug Marlis Buchmann einen ähnlichen Weg wie Hoffmann-Nowotny ein. Auch ihr Bezugspunkt sind Ungleichheiten im internationalen Schichtungssystem. Ihre ebenfalls mikrodatenbasierten Forschungsaktivitäten, welche überdies auch vermehrt kulturellen Strukturen und Prozessen Beachtung zuteil werden lässt, thematisieren bildungssoziologische Fragen, die Berufs- und Arbeitsmarktforschung und die Soziologie des Lebenslaufs (insbesondere Kindheit, Jugend und junges Erwachsenenalter).
Mit Kurt Imhof verfügte das Institut neben Marlis Buchmann seit 1998 über eine zweite 50%-Professur. Kurt Imhof, der parallel dazu eine 50%-Professur am Publizistischen Seminar der Universität Zürich bekleidete, befasste sich hauptsächlich mit dem Phänomen des sozialen Wandels und dem Spezialbereich der Kommunikationssoziologie. Für die Untersuchung der ihn interessierenden Phänomene hat er 1997, zusammen mit vier Forscherkolleginnen und -kollegen, den "fög – Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft" ins Leben gerufen. Anhand einer Vielzahl von Projekten, die wiederum in sechs Forschungsfeldern organisiert sind, wird am fög das Ziel verfolgt, den sozialen Wandel moderner Gesellschaften anhand der Aufmerksamkeits- und Konfliktstrukturen öffentlicher Kommunikation über möglichst lange Zeiträume hinweg zu analysieren. Seit Mai 2005 war Kurt Imhof Co-Leiter der Schweizer Beteiligung am "Ludwig-Boltzmann Institute for European History and Public Spheres", seit September 2005 leitete er zudem das Projekt "Democracy in the Media Society" im Rahmen des NCCRs "Challenge Democracy in the 21st Century".
Marc Szydlik ist seit 2004 Ordinarius für Soziologie in Zürich. Vorher arbeitete er am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, an der Freien Universität Berlin sowie an der Universität Erfurt. Ausserdem war er Gastwissenschaftler an der Harvard, Columbia, Oxford, Stanford und Cambridge University. Von 2005 bis 2013 war er Institutsvorsteher des SUZ. Seit 2005 leitet er die Forschungsgruppe AGES („Arbeit, Generation, Sozialstruktur“). Marc Szydlik forscht und lehrt hauptsächlich im Bereich der Sozialstrukturanalyse und der Lebenslaufsoziologie (mit Fokus auf das Erwachsenenalter), wobei er sich innerhalb dieser Forschungsfelder vor allem mit Arbeitsmarkt- und Familienfragen beschäftigt. So hat er z. B. nach einem grösseren Projekt zur Übereinstimmung von Ausbildung und Arbeitsplatz die Flexibilisierungsfolgen für Arbeit und Familie unter die Lupe genommen. Sein gegenwärtig zentrales Forschungsthema sind Generationen in Familie und Gesellschaft – in allen wesentlichen Aspekten (z. B. Kontakte, Konflikte, Hilfe, Pflege, aktuelle Geldtransfers, Erbschaften) und im internationalen Vergleich.
Jörg Rössel besetzt das vierte – neu geschaffene – 100% Ordinariat am Soziologischen Institut. Vor seiner Tätigkeit an der Universität Zürich war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter/Assistent am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig beschäftigt. Nach einem einjährigen Aufenthalt an der Harvard University 2003/04 übernahm er (Gast-) Professuren an der International University Bremen, der Universität Erfurt und der Universität zu Köln. Jörg Rössel forscht und lehrt in den Bereichen Soziologische Theorie, Sozialstrukturanalyse, Politische Soziologie, Kultursoziologie und historisch-vergleichende Soziologie. Gegenwärtige Schwerpunkte der Forschung sind die Logik sozialwissenschaftlicher Erklärungen, die komparative Analyse von Demokratisierungsprozessen sowie der Zusammenhang von Schichtung und Lebensstilen. Die Lehre soll zukünftig durch einen stärkeren Schwerpunkt auf dem Bereich der soziologischen Theorien bestimmt werden. Im Bereich der Forschung soll sich die Aufmerksamkeit verstärkt dem Phänomen des Altruismus im Bereich der Mikrotheorien und der horizontalen Differenzierung der Gesellschaft im Bereich der Makrotheorien zuwenden. Seit August 2013 ist Jörg Rössel Institutsvorsteher des SUZ.
Eldad Davidov ist seit 2009 Extraordinarius für Soziologie an der Universität Zürich. Er studierte Volkswirtschaft, Soziologie und Sozialwissenschaften an den Universitäten Tel Aviv und Gießen und habilitierte 2008 an der Universität zu Köln. Sein methodologischer Forschungsschwerpunkt liegt v.a. in der Analyse von interkulturellen und longitudinalen Umfragedaten anhand von Strukturgleichungsmodellen. Dieser Schwerpunkt wird ebenfalls in seiner Lehre abgedeckt, auch in internationalen Sommerschulen wie z. B. Essex und Lugano. Inhaltlich untersucht er Werte und Einstellungen gegenüber Immigranten und anderen Minderheiten sowie ihre Ursachen und Wirkungen in einer ländervergleichenden Perspektive. Dabei stehen Beziehungen zwischen soziodemographischen Merkmalen, Autoritarismus, nationaler Identität, Einstellungen gegenüber Immigranten, Werten und politischer Orientierung im Mittelpunkt – genauso wie die Erklärung von interkulturellen Unterschieden dieser Beziehungen. Eldad Davidov ist Mitglied im Komitee „Cross National Comparisons“ im Netzwerk „Quantitative Methods in the Social Sciences 2“ (2008-2011), das von der European Science Foundation zur Entwicklung und Anwendung methodologischer Innovationen finanziert wird.
Katja Rost ist seit 2012 Ordinaria für Soziologie an der Universität Zürich. Vorher arbeitete sie an den Universitäten Leipzig, Bern, Zürich, Mannheim und Jena, am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung sowie in der freien Wirtschaft in Berlin und München. Sie studierte Soziologie und promovierte und habilitierte in Wirtschaftswissenschaften. Katja Rost forscht und lehrt hauptsächlich im Bereich der Wirtschafts- und Politischen Soziologie, wobei sie sich innerhalb dieser Schwerpunkte vor allem mit Corporate Governance, Anreizsystemen, sozialen Normen und gesellschaftlicher Verantwortung beschäftigt. So hat sie z. B. den Anstieg der Managergehälter in Publikumsgesellschaften aus Sicht der Markt-, Macht- und Sozialen-Normen-Perspektive näher beleuchtet. Ihre gegenwärtigen Forschungsthemen sind Wirtschaft, politische Eliten und multinationale Organisationen. Die Funktion von Eliten wird näher bestimmt aus Perspektive des Sozialen Kapitals, des Shit-Storm und der gesellschaftlichen Verantwortung. Multinationale Organisationen werden aus institutionensoziologischer Perspektive interpretiert, so z. B. als Organisationen, die mit komplexen Umweltsituationen konfrontiert sind.
Assistenzprofessuren
Peter F. Titzmann, hat seit 2012 die von der Jacobs Foundation gestiftete Assistenzprofessur für Lebenslauf- und Kompetenzentwicklung im Kindes- und Jugendalter an der Universität Zürich inne. Er studierte Psychologie an der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald und war danach an der University of York (UK) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Entwicklung und Akkulturation jugendlicher Migranten mit Fokus auf die Eltern-Kind-Beziehung, interethnische Freundschaften und abweichendes Verhalten.
Titularprofessur
Peter-Ulrich Merz-Benz (Habilitation 1994) befasst sich eingehend mit Soziologischer Theorie und Theoriegeschichte sowie mit erkenntnistheoretischen und methodologischen Grundlagen der Sozialwissenschaften.
Privatdozenten
Die fünf nicht (mehr) am Soziologischen Institut tätigen Privatdozenten Prof. Peter C. Meyer (Habilitation 1996, Zürcher Hochschule Winterthur), Prof. Dr. Manuel Eisner (Habilitation 1997, University of Cambridge), Prof. Dr. Michael Nollert (Habilitation 2002, Universität Freiburg i. Ue.), Prof. Dr. Christian Suter (Habilitation 1998, Universität Neuenburg) und Prof. Dr. Gaetano Romano (Habilitation 2001, Universität Luzern) bringen schliesslich in die Lehre Themen der Entwicklungs-, Gesundheits-, Kommunikations-, Konflikt-, Kriminal- und Wirtschaftssoziologie ein. Beat Fux (Habilitation 2001) legte wichtige Arbeiten vor zur Familiensoziologie, Bevölkerungswissenschaft, zur Sozial- und Familienpolitikforschung sowie zur ländervergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung. Beat Fux erhielt 2010 eine Professur an der Universität Salzburg. François Höpflinger (Habilitation 1987) beerbte die von Hoffmann-Nowotny eingeführte bevölkerungswissenschaftliche Forschungstradition und hat die schweizerische Alters- und Generationenforschung neu belebt. Er war von 1994 bis zu seinem Ruhestand 2013 als Titularprofessor am Soziologischen Institut der Universität Zürich tätig.