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Der Hilferuf über die “Stromattacke“ der Maritacas kam von “Senhor José“, wie ihn alle nannten, er war mein nächster Nachbar in Belo Horizonte, wo ich einige Jahre meines Brasilienlebens verbracht habe. Schwer atmend ließ er sich auf meiner Gartenbank nieder und stammelte etwas von “Maritacas“ und “angenagten Stromkabeln“ – weil ich den Zusammenhang noch nicht verstand, schenkte ich ihm einen Pinga (Zuckerrohrschnaps) ein und wartete, bis er sich beruhigt hatte.
Zusammen mit seiner Frau “Dona Lourdes“ bewohnte Senhor José ein bescheidenes Häuschen auf der gegenüber liegenden Seite meines weiträumigen, ziemlich verwilderten Gartengrundstücks, auf dessen dichtem “Dschungelabschnitt“ sich verschiedene Wildtiere eingenistet hatten: Eine Gruppe von Pinselohräffchen war meine ganze Freude, ein Schwarm Tukane besuchte mich mehrmals pro Woche, und die Kolibris hatten sich daran gewöhnt, sich am üppigen Angebot von Blumen und Blüten zu bedienen – für mich als Fotograf ein Paradies.
Wenn Sie, wie ich, Vögel beobachten und sie gerne um sich haben, ist es sicher nicht schlimm oder gar problematisch, wenn Sie zum Beispiel Papageien entdecken, die in den Zwischenräumen unter dem Dach Ihres Hauses leben. Durch meine Bewunderung für diese Tiere finde ich sogar das laute Geschrei, das sie oft von sich geben, einfach nicht mehr störend.
Dass eine Pavuasittich-Familie (Psittacara leucophthalmus) unter dem Dach von Senhor Josés Häuschens lebte – die in Brasilien als “Maritacas“ bekannt sind –erschien mir immer ganz natürlich, denn wenn die Vögel sich dafür entschieden hatten, dort zu leben, dann aus Gründen der Anpassung, der Sicherheit und aus einer Reihe anderer Gründe. Tatsache ist, dass die Vögel bisher auch Senhor José und seine Frau nicht gestört hatten – und sie sich offenbar auch nicht durch uns stören ließen – warum also sollten wir sie von dort vertreiben?
Diese Meinung änderte sich – zuerst bei Senhor José, und als ich den Grund seines Hilferufes erfuhr, auch bei mir. Senhor José hatte seltsame Geräusche gehört, die sich von denen unterschieden, die sie gewohnt waren. Er beschloss nachzusehen, ob unter dem Dach alles in Ordnung war. Als er die Bescherung sah, fiel er fast von der Leiter und rannte dann schreiend zu mir rüber, als ich gerade ein paar Kolibris fotografierte.
Ich konnte ihn beruhigen, jedoch bestand er darauf, mir anzusehen, was ihn so aus der Fassung gebracht hatte: Ein Maritaca-Baby hatte sich zwischen den Stromkabeln verfangen, und je mehr es sich bewegte, desto mehr verletzte es sich. Zum Glück konnten wir es dann gerade noch rechtzeitig retten, und alles war wieder gut. Allerdings war ich schockiert, als José auf die Stromkabel deutete, die an einer Stelle fast bis auf die Drähte abgenagt waren – erst jetzt fing ich an, seinen “Hilferuf“ richtig zu deuten. Vielleicht war die Dachluke für diese Vögel doch nicht der beste Platz zum Leben. Auch wenn es sicher aussah, barg es Risiken für die Vögel und für uns.
Nicht jeder mag Papageien, weil sie viel Lärm machen oder weil viele Ereignisse und Vorkommnisse mit ihnen auf der Innenseite des Daches zu gequetschten Drähten, unterbrochenen Telefonleitungen, Kurzschlüssen und sogar Bränden führen kann. Aber glauben Sie mir, was auch immer er tut, seien Sie sicher, dass der Vogel es nicht böse meint.
Da sie im Schutz der Dachluke brüten, werden viele Papageien durch Stromschläge getötet oder schwer verletzt. „Es kommt sehr häufig vor, dass Vögel mit Drähten umwickelt und sogar mit nekrotisierenden Füßen bei uns abgegeben werden, und wir sie amputieren müssen“, sagte ein Tierarzt, den wir aufsuchten, um das Problem zu lösen.
Was war zu tun?
Sie einfach unter dem Dach rausholen? Das war wohl unsere erste Idee, aber nicht die beste – und nicht einmal die richtigste. Deshalb konsultierte ich einen Ornithologen, der nicht nur als Vogelzüchter hier lebte, sondern sich auch auf die Fortpflanzung von Vögeln spezialisiert hatte, um dieses Thema ein wenig zu klären.
Er bot sich an, mal bei uns vorbeizukommen, um sich die Maritaca-Küken und ihren Aufenthaltsort unter dem Dach anzusehen – schon am folgenden Tag war er bei uns – Senhor José war sichtlich war erleichtert, und Dona Lourdes machte frischen Kaffee und stellte frische gebackenes Käsegebäck – eine Spezialität in Minas Gerais – auf den Tisch der Veranda.
Während dessen kletterte ich mit unserem neuen Kollegen zur Dachluke hinauf, wo er die vier Maritaca-Babys inspizierte, die sich gar nicht dagegen wehrten, dass er sie alle von oben bis unten betastete, um sie auf eventuelle Parasiten zu untersuchen. “Mit denen ist alles in Ordnung“, lautete schließlich sein Befund, und weiter:
“Wenn Sie Eier oder Babys entdecken, entfernen Sie sie nicht aus ihrer Umgebung, in der sie sich befinden, denn das ist eine Straftat. Der Pavuasittich ist eine in Brasilien weit verbreitete Art, und im Südosten des Landes ist er in städtischen Gebieten häufig, aber die Tatsache, dass er uns immer näher kommt, ist in Wirklichkeit eine Folge seiner Anpassung“, so der Ornithologe.
Und er fuhr fort: „Psittacara leucophthalmus“ ist ein Vogel, der durch den Menschen verursachte Veränderungen in seiner Umwelt toleriert. Da es sich in der Natur um eine Spezies handelt, die sich in Hohlräumen fortpflanzt, passte sie sich schließlich an die Dachluken an, die wir in den Städten im Überfluss haben. Wenn der Vogel dort nistet, dann deshalb, weil es dort einen Hohlraum für ihn gibt, um sein Nest zu bauen.
Eine Möglichkeit, ihr Eindringen zu vermeiden, besteht darin, die Löcher der Fassade mit einem Metallschutz zu versehen. Wenn er aus Plastik ist, können die Vögel ihn mit ihren starken Schnäbeln aufhacken – viele Leute machen diesen Fehler. Ideal ist eine Verkleidung der Öffnungen mit einem Metallgitter“, fügte der Ornithologe hinzu, nachdem er die vier Küken wieder in ihr Nest gesetzt hatte.
Schon am nächsten Tag machten wir uns an die Arbeit, eine sich anbahnende Katastrophe im Keim zu ersticken: Senhor José sicherte die Leiter und ich versah die angeknabberten Kabel mit einer neuen Ummantelung – nur eine provisorische Maßnahme, bis die Maritaca-Babys flügge sein würden, dann würden wir die Luken mit Metallgittern verschließen.
Inzwischen machten wir uns Gedanken, wie wir die größeren Probleme eines Umzugs für “unsere Papageien“ vermeiden könnten – es war Senor Josés Idee, außen unter dem Dach ein paar Nistkästen aus Holz anzubringen, in der Hoffnung, dass sie beim nächsten Fortpflanzungszyklus dort brüten könnten.
Ob das klappen würde, wussten wir zwar noch nicht, aber wir waren fest entschlossen, einen Beitrag zur Unterbringung dieser Familie zu leisten, die bei uns noch frei lebte. Dem Fachmann zufolge gab es noch keine Studien über die Akzeptanz dieser Vögel für künstliche Holznester (wie sie bei anderen Papageienvögeln bereits üblich waren).
Ich möchte daran erinnern, dass es in Brasilien gesetzlich verboten ist, Nester von Wildtieren zu zerstören und sie zu fangen. (Gesetz Nr. 5197 vom 3. Januar 1967). Wenn man ein verletztes Tier findet, sollte man sich an ein Rehabilitationszentrum für Wildtiere wenden. Und noch ein Gedanke: Nicht die Vögel dringen in unser Dach ein, sondern wir sind diejenigen, die ihre natürliche Umgebung zerstören.
Tatsächlich warteten wir, bis die Küken sich gut entwickelt hatten und bereit zum Ausfliegen waren, und nachdem sie ausgeflogen waren, verfolgten wir weiter unseren Plan zu verhindern, dass sie zur nächsten Brutzeit wieder unter Senhor Josés Dach einziehen würden.
Und so kam es, dass ich einige Monate später, an einem warmen brasilianischen Frühlingsnachmittag, bei Senhor José und Dona Lourdes auf einer Gartenbank saß – eine “Batida de Limão“ im Glas – und wir beobachten konnte, wie ein kleiner, grasgrüner Maritaca-Papagei einen unserer neuen Nistkästen inspizierte – ob ER oder SIE, und ob sie überhaupt aus “unserer Familie“ waren, das konnten wir nur hoffen, denn diese Vögel sind. bis auf ein paar kleine rote Wangenflecke, vollständig grasgrün, und es gibt auch keine erkennbaren Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Exemplaren.