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Zwischen der Bahnlinie und dem Ring der Stadt Löwen ragte das hohe Gebäude der Provinzverwaltung einige Jahre als einsamer Erneuerer des Gebietes in die Höhe. Seit kurzem gehört dies jedoch Vergangenheit an. Im regelrechten Schnellzug-Tempo wurden zwischen Bahnhof und Verwaltungsgebäude fünf Büroblocks versetzt hochgezogen, ein Entwurf der Architekten Crepain Binst Architecture und Archi+I. Dieses Projekt war gleichzeitig der Startschuss für die neue Büroentwicklung im Bahnhofsumfeld von Löwen. Das Vorhaben bildet zusammen mit dem Verwaltungsgebäude der Provinz und der Restrukturierung des Trassenumfeldes eine Umsetzung des Masterplans Westelijke Spoorgeul (westliche Bahnrinne). Der Plan wurde 1997 vom Projektteam für Stadtentwurf unter der Leitung von Marcel Smets, dem derzeitigen Hauptarchitekten von Flandern, erstellt. Darin war eine neue Stadtlinie entlang des Geländes zwischen der Bahntrasse und dem Ring von Löwen vorgesehen, mit zwei Ankerpunkten an den jeweiligen Ecken des Gebietes: das Gebäude der Provinzverwaltung und das Flämische Verwaltungszentrum (Vlaams Administratief Centrum, VAC).
Glassockel
Der neue Bürokomplex der KBC-Bank besteht aus fünf Einzelgebäuden mit jeweils fünf Etagen, die auf einem Glassockel von 300 Metern Länge ruhen, in denen sämtliche öffentliche Funktionen der KBC und der Stadt Löwen untergebracht sind. Dieser fast fünf Meter hohe Sockel zeigt auf der der Bahnlinie zugewandten Seite einen terrassenförmigen Aufbau, der einen weiten Ausblick zwischen der Ringstrasse und der Bahntrasse gewährt. Unter dem Sockel befindet sich ein öffentlicher Fahrrad-Abstellraum mit 5000 Plätzen für Arbeitnehmer des Bürokomplexes und Pendler. Unter diesem Abstellraum liegt noch ein unterirdischer Parkplatz mit 684 Einstellplätzen, der unabhängig vom Oberbau genutzt werden kann. Zwischen den Stadtgräben (dem Ring) und dem Gebäude befindet sich ein öffentlicher Park, eine grüne Spazierpromenade als Fußgängerverbindung zwischen dem Martelaarsplein vor dem Bahnhof und dem höher gelegenen Provincieplein. Gemeinsam bilden Sockel und Park das Rückgrat von Gebäudekomplex und Umfeld zugleich, das dem Ganzen eine Struktur verleiht.
Dynamisches Fassadenbild
Die fünf Gebäude des Komplexes, die abwechselnd mit ihrer jeweils offenen und geschlossenen Seite dem Ring und der Trasse zugewandt sind, sind U-förmig angeordnet. Dies vermittelt den Eindruck einer dynamischen Fassadenansicht, mit abwechselnd schmalen, breiten und zurückspringenden Elementen. An einigen Stellen sind diese über vollkommen transparente Luftbrücken miteinander verbunden. Die Gebäude selbst besitzen jeweils zwei zentrale Kerne, um die sich der Verkehr konzentriert. Die Komplexe wurden mit 135 cm-Modulen entworfen, so dass die Büros auf unterschiedliche Weise ausgestattet werden können. Darüber hinaus gewährleistet diese Modulgröße eine homogene rhythmische Gliederung der Giebel. Die Fassaden der fünf Gebäude sind jeweils als Variation desselben Themas in Granit und Glas ausgeführt, jeweils mit eigener Fensteraufteilung und individuellem Relief. Darüber hinaus erstrahlen sie in einer jeweils eigenen Farbgebung: Imperial Rot, Schneeweiß, Olivgrün, Kristallschwarz und Goldgelb. Der Granit wurde mittels Wasserstrahltechnik aufgeraut, so dass eine ‘abgelebte’ Oberfläche entstand.
Integrierte Lösung
Zur Aufnahme der Fenster der fünf Büroblocks kam das Profilsystem CS 77 zum Einsatz. Bei zwei der Gebäude sorgt eine Granitwellung für die Kerndichtung an den Fenstern. Hier konnte das Standard- System verwendet werden. Bei den drei übrigen Gebäuden zeigt der Granit in Höhe der Fenster keine Wellung, weshalb von den Architekten auf der Außenseite ein Aluminiumrahmen vorgesehen wurde, der auf diese Weise die Kerndichtung übernehmen sollte. Die große Zahl der auf diese Weise einzusetzenden Fenster machte die Suche nach einer integrierten Lösung zu einer Herausforderung. Der Verarbeiter Hegge aus dem belgischen Hamont-Achel übernahm die Aufgabe, gemeinsam mit dem Architekten und Reynaers Aluminium eine Variation des CS 77-Profils zu entwickeln. ‘Die neu geschaffene Variante ermöglichte es, das Wellenprofil in das Fensterprofil einzuklicken‘, erklärt Wim Moors, Projektleiter bei Hegge, ‘so dass keine sichtbaren Befestigungsmittel wie Schrauben benötigt wurden. Dadurch ließ sich bei der Montage der großen Anzahl Fensterprofile für diese drei Gebäude eine große Zeitersparnis erzielen‘.
Exklusivität
Die Aufmerksamkeit, die der Entwicklung der Fensterprofile zuteil wurde, ist bezeichnend für die Einsatzbereitschaft von Architekten und Bauunternehmer für diesen Komplex. Die Detailausgestaltung der Fassaden verleiht dem Komplex eine besondere Ausstrahlung und Exklusivität, Eigenschaften, die bei marktkonformen Bürogebäuden normalerweise nicht in Betracht gezogen werden. Die Position der Gebäude, die Farbschattierungen und die rhythmische Gestaltung der Fassaden schaffen außerdem eine große Offenheit und ein abwechslungsreiches Straßenbild, das sich von der Uniformität vieler großer Entwicklungsprojekte absetzt. Damit stellen diese Gebäude zweifellos eine Bereicherung für die Stadt Löwen dar.