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Tagesbericht vom 30.09.2002
Nach kurzer Fahrt sind wir in Lynchburg, ebenfalls im Staate Tennessee. Lynchburg liegt irgendwo im Hinterland. Kein Mensch, auch wir nicht, würde sich für dieses Örtchen interessieren, wenn nicht ausgerechnet in dieser abgelegenen Ortschaft seit bald 140 Jahren (ausser während der Prohibition) Whiskey gebrannt würde. Ein junger Mann namens Jack Daniel hat hier 1866 die erste eingetragene Distillery Amerikas eingerichtet und betrieben. Noch heute wird am gleichen Ort nach den gleichen Rezepten der weltberühmte Whiskey gebrannt. Auf einem Rundgang lassen wir uns in die Geheimnisse dieser Whiskeybrennerei einweihen. Wahrscheinlich weil der ganze Vorgang für die Herstellung des Whiskeys vor allem für Ausländer so geheim ist und auch geheim bleiben soll, spricht der Führer in einem derart seltsamen Amerikanisch, dass ich kaum ein Wort verstehe. Die Amerikaner in der Gruppe lachen aber viel. Daraus schliesse ich, dass die Herstellung des ‚Jack Daniel's' lustig sein muss. Wer meint, die Leute lachen, weil sie Whiskey getrunken haben, irrt.
Lynchburg befindet sich in einem sogenannten ‚Dry County', einem ‚trockenen Landkreis', in dem kein Alkohol serviert werden darf. Dank einem Spezialgesetz darf seit 1996 in dem der Brennerei angegliederten Shop Whiskey verkauft werden, allerdings nur in einer Spezialkaraffe mit Medaille. Da wir auf unserer Reise mehr von einem guten Inhalt als von einer wertvollen Flasche haben, lassen wir diesen Kauf bleiben und ziehen nüchtern weiter über Land. Da wir die CD mit den Hits von Elvis Presley gestern bereits gekauft haben, verzichten wir auf Memphis und fahren in den ‚Great Smoky Mountains National Park'. Obwohl wir nach einiger Zeit von der Nebenstrasse auf die Autobahn wechseln, ist es jetzt an Position Nord 36° 14' 0.32“ und West 86° 42' 34.18“ bereits dunkel. Eigentlich kein Wunder, müssen wir doch unsere Uhren wieder eine Stunde vorstellen. Das heisst, ich muss meine Uhr stellen, Bobo ist nach wie vor uneinsichtig und bestimmt die aktuelle Zeit mit viel Hirnarbeit anhand der Schweizer Zeit, manchmal rechnet er richtig, manchmal täuscht er sich aber auch.
Ah, da hat Liseli noch etwas vergessen: unterwegs hat sich Sir James in ein ‚Chu Chu' verwandelt und ist durch Chattanooga hindurchgefahren. Das war doch Glenn Miller, der auf die ‚Chattanooga Chu Chu' stand, oder? Aber diese Musik haben wir zur Zeit leider nicht am Lager. (Danke, Bobo!)