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Sie haben sich dafür entschieden Schweizerdeutsch zu lernen? Zum Lernen einer Sprache gehört es doch auch immer dazu etwas über die Kulturen und Bräuche des jeweiligen Landes, zu erfahren. Wenn Sie eventuell vorhaben, in die Schweiz auszuwandern, dann kommt es immer gut an, wenn man sich mit den Gebräuchen bereits gut auskennt. Wissen Sie zum Beispiel, warum die Schweizer am 1. August feiern? Wir geben Ihnen „alli Informatione“ (dt.: alle Informationen), die Sie brauchen, um mit Ihrem Wissen glänzen zu können.
Warum feiern die Schweizer den Bundesfeiertag? – Die Geschichte des 1. Augusts
Zunächst erscheint die Antwort auf die Frage, warum die Schweizer den 1. August feiern, als einfach. Dieser Tag gilt als der Geburtstag der Schweiz, doch die Geschichte dahinter ist etwas komplizierter. Denn laut den Schweizer Chroniken des Geschichtsschreibers Aegidius Tschudi aus dem 16. Jahrhundert gilt der 8. November 1307 als das Datum des sogenannten Rütlischwurs. Wieso aber gilt dieses Datum, an dem die Alte Eidgenossenschaft der Schweiz gegründet wurde, nicht als Geburtstag des Landes? „Dr Grund“ (dt.: Der Grund) dafür ist ganz einfach, die Stadt Bern wurde im Jahr 1191 gegründet und die Berner wollten im Jahr 1891 den 700. Geburtstag feiern. Dabei kam es ihnen gelegen daraus ein zweitägiges Event zu machen und sie mit der 600. Jahresfeier der Gründung „vo dr Schwiiz“ (dt.: der Schweiz) zu verbinden. Dass die Schweiz am 1. August 1291 gegründet wurde, blieb jedoch zunächst nicht unbestritten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auch der 8. November noch als Geburtstag der Schweiz gefeiert, doch bis zum Zweiten Weltkrieg hatte sich zunehmend der 1. August 1291 als Geburtsstunde etabliert.
Der 1. August wird seit 1899 jährlich als der Geburtstag der Schweiz gefeiert, auch wenn das Datum historisch umstritten ist.
Wie wird der Schweizer Nationalfeiertag gefeiert?
Auch bei dieser „Frog“ (dt.: Frage) sollte man zunächst in die Geschichte zurückschauen, denn das Bundesfeiertagskomitee, welches heute als „Pro Patria“ bekannt ist, gibt es bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1910 und 1960 wurden sogenannte Bundesfeier-Postkarten verkauft um die Einnahmen an gemeinnützige Institutionen, zu spenden. Seit 1992 dienen die Verkäufe von 1-August-Abzeichen und Bundesfeier-Briefmarken der Pflege und Erhaltung von Baudenkmälern und Kulturlandschaften. Obwohl der 1. August bereits „sit em Ändi“ (dt.: seit Ende) des 19. Jahrhunderts als Geburtstag der Schweiz gilt, wurde er bis 1994 nur in einzelnen Kantonen als ein arbeitsfreier Feiertag angesehen. Erst durch die „1. August Initiative“ wurde er als der Nationalfeiertag in der gesamten Schweiz anerkannt und ist seitdem in jedem Kanton ein arbeits- und schulfreier „Daag“ (dt.: Tag).
1. August-Brunch
Wenn Sie am 1. August zufällig in der Schweiz sind und Ihre Sprachkenntnisse testen wollen, dann sollten Sie einen der Bauernhöfe, auf denen der sogenannte 1. August-Brunch stattfindet, besuchen und die vielen frischen Lebensmittel genießen. Diese Tradition wurde am Nationalfeiertag 1993 ins „Läbä“ (dt.: Leben) gerufen und wird seitdem jährlich wiederholt. Neben Milch, Müsli und Früchten wird zu diesem Anlass auch der 1. August Weggen serviert. Bei diesem Hefegebäck wird noch vor dem Backen ein Kreuz, welches an die Flagge der Schweiz erinnern soll, in den Teig geschnitten. Wenn Sie nicht die Chance haben zu einem solchen Brunch zu gehen, können Sie den Weggen oder auch das 1. August-Brot, welches ebenso vor dem Backen eingeschnitten wird, natürlich auch in einer Bäckerei kaufen und probieren.
Geschmückte Städte
Wenn Sie durch Schweizer Straßen laufen und sich wundern, warum überall die Landesflagge oder auch Fahnen der Kantone oder der Gemeinden hängen, dann ist wahrscheinlich der 1. August. Viele Schweizer schmücken ihre Häuser am Nationalfeiertag mit Flaggen. An öffentlichen Plätzen, Gebäuden oder „Strossä“ (dt.: Straßen) ist das Aufhängen der Landesflagge sogar Pflicht. Doch auch wenn landesweit überall Fahnen zu finden sind, unterscheiden sich die Traditionen der einzelnen Ortschaften.
Welche Bräuche gibt es am Bundesfeiertag?
Obwohl es sich beim 1. August um den Nationalfeiertag handelt, gibt es keine gemeinsame Feier, vielmehr zelebrieren die Gemeinden unter sich. In einigen Orten werden dafür traditionelle Trachten angezogen. Die Feiern des 1. Augusts finden dabei an öffentlichen Plätzen statt, wobei die Veranstaltung häufig durch eine Rede einer bekannten Persönlichkeit und durch das Spielen des örtlichen Musikvereins eröffnet wird. Am „Obe“ (dt.: Abend) werden Sie die Straßen hell erleuchtet sehen, denn die Kinder der Gemeinden ziehen mit ihren Lampions los, wie wir es von dem Martinstag kennen.
Auch im Schweizer Fernsehen und Radio wird der 1. August gefeiert. Der Bundespräsident hält eine Rede, welche landesweit übertragen wird. Am besten ist es natürlich direkt bei einer solchen Bundesfeier dabei zu sein, haben Sie jedoch nicht „d Möglikeit“ (dt.: die Möglichkeit) zu einer solchen Veranstaltung zu gehen, dann können Sie auch die Übertragung einer Gemeinden-Feier auf den öffentlichen Fernsehsendern der Schweiz ansehen.
Der 1. August ist der wichtigste Feiertag der Schweizer Eidgenossenschaft und deshalb wird er auch durch verschiedene Traditionen gestaltet. Auch außerhalb der Schweiz wird der Bundesfeiertag in den weltweiten Botschaften und in der schweizerisch-deutschen Stadt Laufenburg zelebriert.
Fazit
Mit Ihrem Wissen über den Schweizer Nationalfeiertag können Sie nun glänzen, aber am besten kommt das doch an, wenn Sie dabei auch noch Schweizerdeutsch sprechen. Sie sind noch kein Mitglied unserer Community? Dann treten Sie doch jetzt bei und nutzen die Chance Schweizerdeutsch zu lernen.
Vokabular – Liste
|Schweizerdeutsch||Hochdeutsch|
|1||alli Informatione||alle Informationen|
|2||dr Grund||der Grund|
|3||vo dr Schwiiz||der Schweiz|
|4||Frog||Frage|
|5||sit em Ändi||seit Ende|
|6||Daag||Tag|
|7||Läbä||Leben|
|8||Strossä||Straßen|
|9||Obe||Abend|
|10||d Mögligkeit||die Möglichkeit|