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Seit dem 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine, hat die Energiewende in der westlichen Welt eine deutlich höhere Dringlichkeit. Denn die von der Europäischen Union verhängten Sanktionen sowie das faktische Gasembargo Russlands gegen die meisten westlich orientierten Länder haben die Preise für sämtliche Energieträger in die Höhe schiessen lassen. Bis zum Kriegsausbruch in der Ukraine gehörten Deutschland, Italien, Belarus, die Türkei und die Niederlande zu den grössten Abnehmern von russischem Erdgas. In diesen Ländern wiegt heute das politische Versäumnis der vergangenen Jahrzehnte besonders schwer, dass die Energieversorgung geografisch nicht auf mehrere Förderstaaten aufgeteilt, sondern Russland zum hauptsächlichen Energielieferanten aufgebaut wurde. Russland war 2021 nach den Vereinigten Staaten der zweitgrösste Erdgasproduzent und der grösste Gasexporteur der Welt. Russland förderte rund 760 Milliarden Kubikmeter Erdgas und exportierte etwa 200 Milliarden Kubikmeter über Pipelines. Knapp 170 Milliarden Kubikmeter davon flossen nach Europa und in die Türkei.
Die Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA) haben sich im Jahr 2022 zweimal darauf geeinigt, ihre Notreserven anzuzapfen. Dies, um die Spannungen an den Märkten zu verringern und keine Lieferengpässe entstehen zu lassen. Gleichwohl verharrten die Notierungen für fossile Brennstoffe weiter auf hohem Niveau. Um die massive Abhängigkeit von (nicht nur russischem) Erdgas und Erdöl rasch zu beenden, rückt die möglichst schnelle Umsetzung der Energiewende, sprich der Ausbau der erneuerbaren Energien (Sonne und Wind), nochmals stärker in den Fokus des Alten Kontinents.
Ausbau der erneuerbaren Energien als Ausweg aus der Krise?
Die Energieerzeugung ist derzeit für 30 Gigatonnen und – je nach Quelle – bis zu 80 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dabei produzieren die Menschen in den reichsten Ländern die höchsten Emissionen: die durchschnittlichen Emissionen pro Kopf sind in jenen Ländern, in denen das Durchschnittseinkommen (Median) über USD 25 000 liegt, höher als die des globalen Durchschnitts. In Ländern mit einem Durchschnittseinkommen zwischen USD 15 000 und USD 20 000 liegen die CO₂-Emissionen pro Kopf nahe beim globalen Durchschnitt (4,8 Tonnen CO₂ pro Jahr).
Um den Klimawandel zu stoppen, muss sich die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre stabilisieren und dazu müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen auf Netto-Null sinken. Dies zu erreichen, wird eine der grössten globalen Herausforderungen in den kommenden Jahren. Die Dringlichkeit zeigen auch die vier Schlüsselindikatoren für den globalen Klimawandel: die Konzentration der Treibhausgase, der Anstieg der Meeresspiegel sowie die Erwärmung und der Säuregrad der Ozeane. Diese erreichten im Jahr 2021 allesamt neue Rekordwerte.
Um diese Herausforderung zu bewältigen, muss die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert und die Produktion erneuerbarer Energien rasch ausgebaut werden. Im Zentrum stehen dabei Wind und Sonne. Laut der International Renewable Energy Agency braucht es für einen erfolgreichen und zeitnahen Wechsel der Energieproduktion fünf Dinge:
- Technologien für erneuerbare Energien wie Generatoren, die für jedermann zugänglich sind,
- einen besseren Zugang zu Komponenten wie Batteriespeichersystemen und Rohstoffen,
- gleiche Wettbewerbsbedingungen für erneuerbare Energietechnologien,
- eine Umstellung der Energiesubventionen von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien sowie
- eine Verdreifachung der Investitionen in erneuerbare Energien.
Um das 1.5-Grad-Ziel zu erreichen, muss bis 2030 zudem der Anteil erneuerbarer Energien an der globalen Stromerzeugung von heute 29 % auf 60 % steigen. Dafür müssen jährlich mindestens USD 4 Billionen in erneuerbare Energien investiert werden – auch in Technologie und Infrastruktur. Ein Grossteil dieser Investitionen fliesst in die Forschung von öffentlichen Instituten wie Universitäten und Hochschulen sowie von aktienkotierten Unternehmen. Doch der Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien allein wird aufgrund der weiter wachsenden Weltbevölkerung (IWF-Schätzung 2050: 9,7 Milliarden, rund ein Viertel mehr als 2020) nicht ausreichen. Die Energieeffizienz muss ebenfalls gesteigert werden.
Das Paradoxon bei der Energieeffizienz
Im Pariser Abkommen von 2015 ist nicht nur das Ziel formuliert, den globalen Temperaturanstieg in diesem Jahrhundert deutlich unter 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu halten, sondern den Temperaturanstieg auf 1.5 Grad Celsius zu begrenzen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, ist nicht nur die Dekarbonisierung der Energieversorgung vonnöten. Auch die Steigerung der Energieeffizienz ist absolut unabdingbar. Doch Letztere hat ihre Tücken.
Um das 1.5-Grad-Ziel zu erreichen, muss bis 2030 zudem der Anteil erneuerbarer Energien an der globalen Stromerzeugung von heute 29 % auf 60 % steigen.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Energieeffizienzgewinne durch gesellschaftliche Trends wieder zunichtegemacht werden. Dies kann zu einem viel geringeren Rückgang oder sogar zu einem Anstieg (!) des Energiebedarfs führen. Beispiele dafür liefern der geringere Benzinverbrauch für Autos, der durch die Nutzung grösserer Fahrzeuge zunichte gemacht wurde. Andere Beispiele sind die Effizienzsteigerung der Internet-Hardware (Server, PCs, Laptops etc.), deren theoretische Energieeinsparungen durch eine Vervielfachung der Anzahl und die Vergrösserung von Rechenzentren (Cloud, Kryptowährungen etc.) aufgehoben wurden, oder die Verkürzung von Innovationszyklen, die durch eine höhere Marktdurchdringung zu einem höheren Energieverbrauch führte.
Jüngste Studien zeigen, dass gesellschaftliche Trends, wie die Digitalisierung, die industrielle Transformation oder die sogenannte Sharing Economy, durch ihre globale Verbreitung den Energiebedarf bis im Jahr 2050 im Best-Case- Szenario (im Vergleich zum Basisszenario) um 67 % senken, aber im «Worst Case»-Szenario um bis zu 40 % steigern könnten. Insofern müssen diese Trends von Massnahmen begleitet werden, die den Energiebedarf reduzieren.
Foto: Russland dreht Europa den Gashahn zu. Die in der Folge gestiegenen Gaspreise haben die Diskussionen um die Energiewende zusätzlich angeheizt.
Anlegern oder Anlegerinnen, die in die Energiewende investieren und Unternehmen unterstützen möchten, die sich dem Thema Netto-Null-Ziel widmen, stehen diverse Anlagemöglichkeiten, wie beispielsweise Fonds, zur Verfügung.
Energiewende: breit diversifiziert anlegen mit einem Fonds
Aus Risikoüberlegungen empfehlen wir, nicht in Einzeltitel, sondern in einen Aktienkorb zu investieren. Eine solche Gelegenheit bietet der DNB Fund - Renewable Energy, ein Fonds mit den thematischen Schwerpunkten erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Im Fokus des Fondsmanagements stehen Unternehmen, die mit ihren Technologien, Produkten und Dienstleistungen anderen dabei helfen, Treibhausgasemissionen zu senken oder zu vermeiden, und damit einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten. Das Portfolio setzt stark auf klein- und mittelkapitalisierte Unternehmen aus Europa und Nordamerika, vereinzelt auch auf Titel aus Schwellenländern. Berücksichtigt werden tendenziell Titel aus den Sektoren Industrie (Windkraft, Elektrotechnik), Technologie (Solartechnik, Halbleiter), Versorger (Stromerzeuger) oder Basismaterialien (Beschichtung, Seltene Erden, Dämmstoffe). Der Selektionsprozess für die Einzeltitel zeichnet sich neben dem starken Themenbezug auch durch eine grosse Bewertungsdisziplin aus. Dies ist aus Risikoüberlegungen, insbesondere in Phasen, in denen die Märkte übertreiben, begrüssenswert. Das Portfolio setzt sich aus 50 bis 60 Titeln zusammen, deren Top 10-Positionen rund 40 % des Portfolios ausmachen.
Senior Investment Advisor
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Peter Berger, Senior Investment Advisor
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