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|Wiederherstellung, Gesamtrenovation||Baugeschichte

Die Kirche St. Nikolaus in San Niclà (Fraktion der Gemeinde Valsot) wurde im späten 12. Jahrhundert gebaut. Das romanische Bauwerk besteht aus einem breiten, einschiffigen Langhaus, einer halbrunden, übergewölbten Apsis und einem an der Kircheneingangsfront vorgelagerten Turm.
Um 1500 entstand an der Süd-Westfront des Turmes eine jetzt stark beschädigte Wandmalerei, die sich aus einem St. Christophorus-Bild, zwei Wappen und einem kleineren St. Antonius-Bild zusammengesetzt (gem. Pöschel, K. d. Schw., GR, III).
Auf eine, nachträgliche Erhöhung des Turmes deutet die andersartige Mauerwerkstruktur des obersten Turmgeschosses.
Über dem Schiff, das ursprünglich sehr wahrscheinlich flach gedeckt war, wurde 1718 (Datum über dem Scheitel der Apsis) ein auf Lisenen ruhendes Tonnengewölbe eingebaut. Gleichzeitig erfolgte die Veränderung der Schiffsfenster, die barock-geschweifte Leibungen erhielten.
Um 1800, nachdem die Kirche nicht mehr in Gebrauch war, wurde sie als Bauernhaus umgebaut und bis vor kurzem als solches benutzt. (Über die Art des Umbaus, s. Bestandesaufnahmepläne und Fotos).
Als nächste Bauphase soll nun, nachdem die im Privatbesitz befindliche Kirche durch die Stiftung „Baselgia San Niclà“ erworben werden konnte und sobald die nötigen Mittel vorhanden sein werden, die Wiederherstellung des Zustandes von 1718 und die Restaurierung des ganzen Bauwerkes erfolgen. Es soll für kirchliche und kulturelle Anlässe benutzt werden können.
|Bestandesaufnahmen||Zustand 1983:

Der als Bauernhaus (mit Wohnung, Stall und Scheune) umgebauten Kirche. Dabei wurde, nebst der inneren Unterteilung des Kirchenraums, die Apsis durch die Scheuneeinfahrt teilweise zerstört, die ehemalige Rundbogen-Kirchentüre teilweise zugemauert und als schmale Wohnungstür umgebildet, die ehemalige Turmtüre als Küchenfenster umgestaltet, die Fassaden des Kirchenschiffes durch verschiedene Fensterausbrüche und durch die Stalltüre, verunstaltet, u. a. m.
|Wiederherstellung und Restaurierung||Einleitende Bemerkungen:

Trotz des profanen Umbaus ist der ursprüngliche Bestand noch deutlich zu erkennen, sodass die Rekonstruktion relativ leicht und fast lückenlos möglich wird. Als wesentlich zerstörte Elemente, ohne Anhaltspunkte für die Wiederherstellung, sind eigentlich nur die unteren Lisenenabschlüsse und die Bodenkonstruktion zu nennen, die Opfer der vor allem im jetzigen Stallbereich stattgefundenen Niveauabsenkung und Unterkellerung geworden sind.
Für die Rekonstruktion bieten auch die vom „Technischen Arbeitsdienst“ (TAD) in den Jahren 1932 bis 1938 gemachten Erhebungen und Rekonstruktionszeichnungen (vergl. Kunstdenkmäler d. Schweiz, Gr. Band III) eine wertvolle Hilfe, denn damals waren einzelne, ursprüngliche Elemente bzw. gewisse Veränderungen derselben noch ablesbar, heute hingegen nicht mehr, da sie z. B. durch den Einbau eines zusätzlichen Zimmers in der Scheune, durch die Überputzung der Fassaden und durch andere Ergänzungen der jüngsten Zeit versteckt oder verwischt worden sind.
Nach der Wiederherstellung und Restaurierung soll die Kirche nicht nur für kirchliche Zwecke sondern auch für kulturelle Anlässe verschiedener Art benutzt werden können. Diese Mehrzwecknutzung verlangt unweigerlich spezifische Einrichtungen und Ausstattungen oder auch den Verzicht auf solche rein sakraler Natur, was in diesem konkreten Fall, wo eine profanierte Kirche in ihrem ursprünglichen Zustand versetzt werden soll, wohl widersprüchlich scheinen mag. Projektstudien liessen aber bald erkennen, dass dieses Problem dank der günstigen räumlichen Gegebenheiten, in vernünftiger und verantwortbarer Art und Weise gelöst werden kann. Wichtig ist, dass dabei der eigentliche Kirchenraum weitgehend von fremden Zutaten verschont bleiben kann und dass auch sonst keine wesentlichen Eingriffe in die ursprüngliche Substanz vorgenommen werden müssen.
Die mehrzweck-bedingten Einrichtungen und deren Konzeption sind namentlich:
- Ein WC-Raum und eine kleine Tee-Küche 1) . Sie sollen im Turm untergebracht werden, also dort wo die ursprüngliche Substanz z. T. schon durch die jetzige Wohnungsküche zerstört ist. Die äussere Schale dieser Räume wird als isolierende Vormauerung ausgebildet, sodass das alte Mauerwerk nicht verpflastert werden muss. Die einst zugemauerte Turmtüre (heute Küchenfester) kann als WC-Zugang wieder geöffnet werden.
- Lagermöglichkeit für Mehrzweckmobiliar. (Tische, Stühle etc.) Diese wird im benachbarten, auch im Besitz der Stiftung befindliche Schopf geschaffen 2). Kleinere Gegenstände können auch im 1. Turmgeschoss gelagert werden.
- Freie bewegliche Bestuhlung an der Stelle von fest eingebauten Kirchenbänken.
- Verzicht auf Rekonstruktion der Kanzel und auf einen eingebauten Abendmahltisch/Taufstein/Altar. Der Ort der einstigen Kanzel, durch die Mauernische und Ansätze eines Kanzelkorpus noch erkennbar, soll für den späteren eventuellen Einbau einer kleinen Orgel reserviert werden. Ein runder beweglicher Tisch in der Apsis soll für kirchliche Zeremoniell wie für andere Anlässe dienlich sein.
- Verzicht aus Butzenscheiben- oder Kunstverglasung der Schifffenster. Zu Gunsten einer helleren Raumbelichtung soll handgeformtes Klarglas (z. B. Goetheglas) verwendet werden.
- Zusätzliche Beleuchtungseinrichtungen. Neben einem wenn möglich alten Kirchenleuchter in Schiffsmitte, sollen auf den Lisenenkapitellen einfache Spottleuchten installiert werden, die, je nach Bedarf, „ortgerichtet werden können.
- Einbau einer einfachen Abluftanlage. Durch die vorhandene, runde Luftöffnung im Schiffgewölbe, die einen durchbrochenen Holzdeckel erhalten soll, wird die Abluft abgesogen und durch Kanäle via Turm ins Freie befördert. Das Aggregat soll aus akustischen Gründen im 2. Turmgeschoss untergebracht werden.
- Einfache Verdunkelungseinrichtung an den drei Schiffsseitenfenstern. Je eine dünne, möglichst leichte Holztafel in Fensterform kann bei Bedarf an zwei im Fensterrahmen befindlichen Haken vorgehängt werden.
1) Das bei der Errichtung der Drainageleitung gefundene Fundament der ursprünglichen Sakristei diente schlussendlich für die Errichtung einer Küche und eines Abstellraumes.
2) Der benachbarte Schopf konnte, Dank der Errichtung des Abstellraumes neben der Küche, abgebrochen werden.
|Dokumente|