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Das ZFF hat sich über die Jahre hinweg zu einem Spezialisten entwickelt, wenn es darum geht, eine ganz besondere Perle an die Wasseroberfläche zu befördern: den kommenden Oscar-Gewinner.
In den vergangenen sechs Jahren lief vier Mal jener Film bereits am ZFF, der knapp ein halbes Jahr später in Hollywood mit dem Oscar für den besten Film prämiert wurde: «Spotlight» (Oscar 2016), «Birdman» (2015), «Argo» (2013) und «The Artist» (2012) liefen in der Limmatstadt, lange bevor sie in aller Munde waren, ja bevor sie überhaupt im regulären Kinoprogramm liefen.
Der Trick? Festivaldirektor Karl Spoerri holt Jahr für Jahr die aufsehenerregendsten Filme von anderen Festivals in die Limmatstadt. Das ZFF ist quasi die Bravo Hits der Kinobranche, vereint die grössten Hits aus Cannes, Venedig und Toronto an einem Ort.
Am Sonntag geht die 13. Ausgabe des Zurich Film Festival zu Ende. Wir haben das diesjährige Filmprogramm durch das Oscar-Sieb geschüttelt und präsentieren die aussichtsreichsten Kandidaten auf den Oscar 2018.
Stronger
Der Anschlag am Boston Marathon als Kino-Drama: Erin (gespielt von Tatiana Maslany) ist eine ehrgeizige Läuferin, Ex-Freund Jeff (Jake Gyllenhaal) will sie beim Rennen zurückgewinnen. Dann explodiert die Bombe. Jeff verliert beide Beine, nicht aber seine Hoffnung. «Stronger» ist grosser Sentimentalitätskitsch. Im Rennen um den Oscar für den besten Film wird er kaum mitmischen, aber Jake Gyllenhaal hat Aussichten auf den Darstellerpreis.
Quelle: youtube.com
Schweizer Kinostart: noch unbekannt.
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Der Film ist weitaus knackiger als sein Titel. Mildred Hayes (überragend: Frances McDormand) kauft entlang der Hauptstrasse drei Werbetafeln und schimpft auf ihnen gegen den lokalen Sheriff (Woody Harrelson), er konnte nicht verhindern, dass Mildreds Tochter vergewaltigt und getötet wurde. Ein pechschwarzer Rache-Krimi mit messerscharfen Dialogen. Regisseur und Autor Martin McDonagh steht früheren Oscar-Gewinnern wie Tarantino und den Brüdern Coen – seine grossen Vorbilder – in nichts nach.
Quelle: youtube.com
Schweizer Kinostart: 25. 1. 2018.
Blade Runner 2049
35 Jahre lang mussten wir der Fortsetzung von Ridley Scotts Kultfilm harren. Doch das hat sich gelohnt. «Blade Runner 2049» ist noch dunkler, noch smarter und noch betörender als Teil 1. Zwar haben Science-Fiction-Filme bei den Oscars seit je einen schweren Stand. Doch wann hat ein Hollywoodblockbuster zuletzt so traurig-schön über das Wesen der Menschheit philosophiert?
Quelle: youtube.com
Schweizer Kinostart: Jetzt im Kino.
Battle of the Sexes
Die Hollywood-Variante des Schweizer Kinohits «Die göttliche Ordnung»: Oscar-Preisträgerin Emma Stone spielt Tennis-Ass Billie Jean King, die von einem chauvinistischen Ex-Profi (Steven Carrell) zu einem Match herausgefordert wird. Ein Geschlechterkampf auf dem Centre-Court, inszeniert vom talentierten US-Regieduo Jonathan Dayton und Valerie Faris, das bereits vor 10 Jahren mit dem Roadmovie «Little Miss Sunshine» auf Oscar-Jagd ging. Damals musste das Duo Scorseses «The Departed» den Vortritt lassen. Doch 2018 könnte es für Dayton und Faris endlich Spiel, Satz und Sieg heissen.
Quelle: youtube.com
Schweizer Kinostart: 23. 11. 2017.
Call Me By Your Name
Der beste Film am ZFF, vielleicht sogar der beste Film des Jahres: Zwei junge Männer (Armie Hammer, Timothée Chalamet) verbringen den Sommer in der sonnendurchtränkten Toskana. Zwischen Schwimmausflügen, Fahrradfahrten und gemeinsamen Abendessen kommen sie sich langsam näher. «Call Me By Your Name» ist genau so zart, melancholisch und voller Empathie wie der diesjährige Oscar-Gewinnerfilm «Moonlight». Merken Sie sich den Namen von Regisseur Luca Guadagnino: Der Sizilianer hat ein prächtiges Auge fürs Detail und schafft Stimmungen wie kein Zweiter. Nach dem Besuch seines Films möchte man am liebsten sofort seinen nächsten Italienurlaub buchen.
Quelle: youtube.com
Schweizer Kinostart: noch unbekannt.
Wenn am 4. März 2018 in Hollywood wieder die begehrten Goldmännchen verliehen werden, dürften die Empfänger keine Unbekannten sein.
von Lory Roebuck