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Der Berner Tierschutz (vormals Tierschutzverein Bern) besteht seit 1844 und wurde von Tierfreunden als Vereinigung gegründet, welche «den Schutz der Tiere fördert».
Wie aus den alten Jahresberichten der 50er-Jahre ersichtlich ist, wurde der Ruf nach einem Tierheim in Bern immer lauter. Immer mehr zugelaufene, ausgesetzte und geschundene Tiere mussten untergebracht werden. Im Frühjahr 1949 eröffnete der damalige Verein ein erstes Katzen-Ferienheim in Oberbottigen. Schon damals war die Suche nach einem Standort schwierig und der gewählte Standort in Oberbottigen wurde «mit 7 km Abstand zur Stadt» schon als sehr abgelegen empfunden. Die Schaffung eines «Transportdienstes» wurde deshalb geplant. 1950 wurde dann schon ein grösserer Auslauf für die Katzen geschaffen. Total waren im Jahre 1950 264 Katzen an gesamthaft 3’187 Tagen im Ferienheim untergebracht.
Im Jahre 1950 kaufte der Verein ein «kleines Heimwesen» zwecks Errichtung eines Hunde-Ferienheims. Im Frühling 1951 kaufte der Verein Land in Oberbottigen dazu für den Bau eines Tierheimes für herrenlose Hunde. Ratschläge zur Gestaltung des Baus kamen vom Kynologischen Verein «Berna» und auch die Erfahrungen der bereits bestehenden Tierheime in Basel und Zürich konnten genutzt werden. Als Architekt wirkte Herr A. Grundmann. Mitte Mai 51 wurde an einer ausserordentlichen Hauptversammlung die Umsetzung des Bauprojektes von den Vereinsmitgliedern beschlossen. Kurz vor Weihnachten 51 waren die ersten Hundeboxen bezugsbereit.
Im Katzen-Ferienheim konnten 1951 bereits 360 Katzen an total 4’530 Tagen in Pension genommen werden. Bereits damals kamen aber auch schon 28 herrenlose Katzen an 378 Tagen in den Genuss der Dienstleistungen des Tierschutzvereines.
Die Finanzierung eines Tierheimes war schon 1952 keine leichte Sache. Der Kantonalverband Bernischer Tierschutzvereine spendete Fr. 5’000.– nach einer Besichtigung des Tierheims. Im April 52 musste der Verein jedoch für die Deckung der Gesamtkosten des Neubaus und die Renovation des Katzen-Ferienheimes von Fr. 120’000.– eine Hypothek von 90’000.– zu 3 ½ % aufnehmen, mangels weiterer Spender.
Massnahmen zur Geldmittelbeschaffung wurden schon damals umgesetzt. Durch einen Brief an die Berner Bevölkerung in der Auflage von 8’000 Exemplaren wurde versucht, die nötigen Finanzen zu beschaffen. Leider sei der Erfolg laut Jahresbericht «beschämend» gewesen.
Immer wieder ist in den Jahresberichten zu lesen, wie wenig der Tierschutz in den verschiedenen Kreisen der Bevölkerung verankert sei. Als Hauptkonkurrenz wurden immer wieder die «modernen Sportarten» genannt. Nur jeder 150. Einwohner von Bern war Mitglied im Tierschutzverein, welcher rund tausend Mitglieder zählte.
Die Schlussarbeiten des Tierheims verzögerten sich etwas und eine Quarantänestation musste auch noch eingerichtet werden. Die Frequenz im Tierheim war jedoch von Anfang an gut. Es wurden 5’315 bezahlte «Verpflegungstage» und 680 unbezahlte Tage für Hunde ausgewiesen, im Katzenheim konnten bereits 8’852 bezahlte Pensionstage und 1’420 Verpflegungstage für herrenlose Katzen ausgewiesen werden.
1960 konnte dann das neu erstellte Katzenhaus beim Tierheim in Betrieb genommen werden und das bisherige Katzen-Ferienheim wurde aufgelöst. Der Bau kostete damals Fr. 71’915.20. Gleichzeitig wurden die Ausläufe der Hunde für Fr. 11’318.05 verbessert. Ein Pflegetag kostete damals 30 Rappen, der Jahresbeitrag für Mitglieder war Fr. 4.–. In den Jahren von 1982–87 erfolgten verschiedene Um- und Neubauten, um das Tierheim den gegebenen Erfordernissen an zu passen. Seit dieser Zeit konnten keine baulichen Erweiterungen mehr vorgenommen werden.
Im Verlaufe der Jahre – vermutlich nicht zuletzt als Spiegelbild unserer Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft – konnten immer weniger Ferientiere aufgenommen werden. Der Platz wurde von den Findel- und Verzichttieren beansprucht. Seit 1992 können im Tierheim Oberbottigen nur noch herrenlose Tiere aufgenommen werden.
Interessantes ist auch sonst in den alten Jahresberichten nachzulesen. Etwa die ewig gleich bleibenden Probleme wie: Der Ruf nach einer Verjüngung des Vorstandes begründet durch die Schwierigkeiten jüngere Leute für die ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand zu gewinnen, die Diskussion über Jagd und Tierschutz, unwürdige und skandalöse Behandlung von Tieren auf ihrem Weg zur Schlachtbank, unverbesserliche Menschen, welche Tiere quälen und vernachlässigen, die mangelnde Zivilcourage der Nachbarn zu ihren Anzeigen beim Tierschutzverein zu stehen und vor der Polizei auszusagen, die Meldung angeblicher Tierschutzfälle, um anderen eines auszuwischen, die schlechte Zahlungsmoral einiger Mitglieder, der Versuch bei der Lehrerschaft das Thema Tierschutz im Stundenplan zu platzieren, um nur einiges zu nennen.
Es gibt aber auch Fortschritte: Die Notwendigkeit von Tierschutzvereinen wird heute nicht mehr in Frage gestellt oder gar deren Auflösung gefordert, heute ist immerhin jede/r 58. Stadtbernerin Mitglied im Berner Tierschutz und der Verein zählt 8 Mal mehr Mitglieder als vor 50 Jahren, im Vorstand ist der Geschlechter-Anteil ziemlich ausgeglichen, bei den Mitgliedern sind sogar zu 80 % Frauen, eine aktive Jugendgruppe besteht seit einigen Jahren und die Tätigkeit des Vereines darf durchaus in der Öffentlichkeit dargestellt werden und findet Beachtung, die Kommunikation mit den Mitgliedern und Medien ist einfacher geworden. Und nicht zuletzt ist das Tier auch im Gesetz jetzt keine Sache mehr!