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«Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.»
(Bruderklausengebet – Pauls Lieblingsgebet)
Nicht jeder kann von sich behaupten, er habe zwei Bischöfe produziert. Von Paul Ehrler dürfen wir so was sagen. Missionar war er im südlichen Afrika und unterrichtete im kleinen Seminar Chikwingwisha fünf Jahre lang. In dieser Mittelschule der Diözese Gwelo studierten Schüler, die sich für den Dienst in der Kirche interessierten. Paul unterrichtete Englisch, dazu war er qualifiziert, er hatte in Nottingham und London Sprache und Literatur studiert (von Altenglisch bis zur Moderne) und mit dem Bachelor (BA) abgeschlossen.
90 Jahre ist es her, seit Clemens Paul Ehrler als Spätling (wie er selber sagt) in eine siebenköpfige Bauernfamilie hineingeboren wurde. Und dies, zwölf Jahre hinter seinem nächsten Geschwister. Trotzdem fehlte ihm in Küssnacht nie an Spielgefährten. Rosengarten, Seebodenstrasse, Gesslerburg waren die Bereiche, wo sie sich tummelten.
Er besuchte die Volksschule und im selben Bezirk das Gymnasium, welches als Missionsschule galt. Nun folgten Philosophie und Theologiestudium im Missionsseminar Schöneck ob Beckenried. Als junger Priester war er zunächst Lehrer am Gymnasium (1958–1963). Ein Semester an der Universität in Fribourg verschaffte ihm Zulass an englischen Hochschulen.
1967–1972 war er in Süd-Rhodesien. Dann wurde er Rektor im Gymi Immensee. Die Wahlkommission entschied sich für «den Ehrler», da er sowohl kompetent in der Schule als auch verwurzelt in der Küssnachter Region war, er kannte Schüler und Elternschaft. Die Lehrerkollegen schätzten ihn, weil er auch mal Fünfe grad sein liess. Die Schüler nannten ihn schalkhaft Gummi, eine Zuschreibung, die gewiss keinen Verdacht auf aut autoritäre Führung ergibt. Zehn Jahre lang amtete der CPE als Rektor und Englisch-Lehrer. Dann war Zeit für ein theologisches «up date» in Berkeley USA, und er wurde in den Generalrat der SMB gewählt. Dieser Auftrag (zehn Jahre!) schloss auch Visitationen in Zimbabwe, Japan, Taiwan, Philippinen und Peru ein.
Von 1996 bis 1999 war Paul Ehrler Pfarrer in Kronbühl, einer Niederlassung der Immenseer in der Ostschweiz; danach weitere drei Jahre lang Kaplan der Mariahilf Kirche Luzern. Allerdings konnte Paul nicht mehr dort wohnen, wie sein Vorgänger Friedrich Kollbrunner, die Stadtverwaltung liess es nicht zu. Zur Absteige wurde das Romerohaus.
«Nun steckte ich bereits im Pensionsalter», schreibt Clemens, «und ich wurde Stützpunkt-Priester». Er meint damit: «Ausrücken, wenn wirklich Not am Mann ist.» Gewiss hat ihm damals schon die Abnahme des Gedächtnisses Sorge bereitet. Dennoch, immer schon und immer wieder war er eifriger Seelsorger und Prediger und Liturge. Meine obige Aufzählung der Lebensdaten lässt kaum genügend durchscheinen, wie viele Pfarrei-Einsätze, Aushilfen und Vertretungen er übernahm. Zu erwähnen ist der Krippenbau im Bethlehem, mit Marie-Theres Krummenacher aus Arth. Unter den drei Weisen wollte Paul unbedingt eine Königin auf dem Kamel haben: die schwarze Königin von Saba.
Viel Herzblut gab Paul her für das Leben mit Behinderten. Er fand in Doris Schön eine verlässliche Sekretärin und lebenslange Begleiterin. Sommersüber wirkte er im Behindertenlager Landschlacht TG. Wenn es um Marginalisierte ging, um Minoritäten, um Flüchtlinge, war er auf dem Platz. Man sah ihn Unterschriften sammeln am Bahnhof, gegen jede Form von Unterdrückung, für Umwelt und Klima, für amnesty international, für Gerechtigkeit auf der Welt insgesamt. Mit Vollblut organisierte er den «Weg der Menschenrechte», jenen Marsch von Immensee nach Luzern, jährlich im Mai, zusammen mit der amnesty Gruppe von Küssnacht und dem Romerohaus. Auf diesem Nachtmarsch sah man ihn als Gesangs-Animator bei den Stundenhalten, er dirigierte und sang laut vor mit seinem überaus kräftigen Tenor-Bariton.
Clemens Paul war musikalisch, machte jahrzehntelang in Chören mit, darunter zwei Luzerner Konzertchöre und der Amadeus-Chor Küssnacht. Auf seinem Notizblatt, betitelt mit «Hobbys» sind 18 Chöre aufgelistet, in denen er je war, und auf dasselbe Blatt – grad unter den Titel – schreibt er: «Begegnung mit dem Göttlichen».
Das Alter wurde für ihn mühsam. Sein Gedächtnis gab nach, das Sehen und das Hören auch. Clemens konnte aufbrausend wirken und stur. Als ich ihm eines Tages scherzend sagte, er sei ein «Munigrind», war er davon keineswegs angetan, er sah sich selber anders.
In den letzten Monaten merkten wir Mitbrüder, wie er versöhnlicher wurde. Obschon er nicht alles verstand, was die anderen redeten, suchte er dennoch dabei zu bleiben. Er sass mit denen am Tisch, die er zuvor bekämpft oder gemieden hatte. Eine schöne, tröstliche Erinnerung! –
Der Unfall mit Kopfverletzung beraubte ihn der Fähigkeit mit uns zu kommunizieren. Leider
Was ich noch nicht verraten habe, sind die Namen der beiden Bischöfe, die Clemens Paul hervorgebracht hat: Xavier Munyungani in Gweru und Michael Basera in Masvingo. Darauf ist er jetzt stolz.
Markus Isenegger