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“Mädchen fallen oft durch die Diagnostik, weil sie so gut darin sind, ihre Symptome zu verstecken oder zu überspielen. Jungen tragen ihre Probleme nach aussen, während Mädchen lernen, dass wenn sie in ihrer Rolle gut sind, ihr Anderssein nicht bemerkt wird. Jungen greifen an und werden aggressiv wenn sie frustriert sind, während Mädchen im Stillen leiden und passiv-aggressiv werden. Mädchen lernen zu beschwichtigen und zu verzeihen. Sie beobachten Menschen aus der Ferne und ahmen deren Verhalten nach. Nur, wenn man genau hinschaut und die richtigen Fragen stellt, wird man die Unsicherheit in ihren Augen erkennen und sehen, dass ihr Verhalten nur gespielt ist.” Tony Attwood
Als Minderheit einer Minderheit sind Mädchen und Frauen mit Autismus doppelt benachteiligt. Da Jungen und Männer häufiger betroffen sind, beziehen sich viele Diagnosekriterien auf die männliche Ausprägung des Autismus. Bei Mädchen wird das Asperger-Syndrom oft erst sehr spät erkannt – wichtige Fördermassnahmen bleiben aus.
Asperger-Mädchen und Asperger-Frauen sind anders: Nach wie vor geht die Fachwelt von einem Geschlechterverhältnis von1 Mädchen auf 6–8 Jungen aus.
Typische Unterschiede: weibliche / männliche Asperger-Autisten
Die Symptome sind, insbesondere im Fall vom Asperger-Syndrom, häufig subtiler und weniger stark ausgeprägt als bei Jungen. Die betroffenen Mädchen werden daher oft lediglich als »seltsam« wahrgenommen, nicht jedoch als umfassend beeinträchtigt. Autistische Mädchen sind in der Regel ruhiger und können ihr Verhalten besser kontrollieren. Bei ihnen stehen daher seltener die Aggression und das Stören des Unterrichts, sondern vielmehr passives Verhalten und der Rückzug im Vordergrund. Dies entspricht dem gesellschaftlichen Rollenbild von Frauen (still, schüchtern, unschuldig, bescheiden), was auf andere Menschen weit weniger störend wirkt und daher nicht nach sofortiger Intervention verlangt.
Während Jungen mit Autismus daher in der Regel bereits im Kindesalter schwerwiegende soziale und kommunikative Probleme aufweisen, fallen diese Schwierigkeiten bei autistischen Mädchen oft erst im Jugend- und jungen Erwachsenenalter auf. Auch der mangelnde Blickkontakt wird bei Frauen eher auf eine Schüchternheit geschoben, die für das weibliche Geschlecht nicht ungewöhnlich erscheint und daher nicht zu der Annahme einer autistischen Störung führt.
Autistische Mädchen/Frauen können ihre Schwierigkeiten oft »tarnen«
Betroffene Mädchen können soziale Fähigkeiten und Fertigkeiten meist schneller erlernen als Knaben. Ausserdem gelingt es ihnen besser, ihre Schwierigkeiten zu »tarnen«. Sie beobachten aufmerksam und versuchen, andere Mädchen nachzuahmen oder sogar zu kopieren (z. B. deren Mimik und Gestik, aber auch soziale Verhaltensweisen), um nicht aufzufallen und »unsichtbar« in der Gruppe mitlaufen zu können. Oder sie versuchen, die Dinge auswendig zu lernen, die ihnen im sozialen Kontakt schwerfallen. Wenn sie an sozialen Spielen beteiligt sind, werden sie oft von Gleichaltrigen »geführt«, so dass sie bei der Kontaktaufnahme nicht selbst aktiv werden müssen. In der Grundschule werden sie häufig von anderen Mädchen »bemuttert«, in der weiterführenden Schule von diesen jedoch eher geärgert und gehänselt. Mädchen und Frauen mit Autismus sind häufiger sozial veranlagt als Knaben und können durchaus eine beste Freundin haben. Insgesamt zeigen sie oft ein grösseres Interesse an Freundschaften und Beziehungen als Jungen und können soziale Situationen oder Freundschaften häufig gut reflektieren, was Männer auf dem gleichen Level in der Regel überfordert.
- Einige erwachsene Frauen mit AS entwickeln im Laufe der Zeit immense Anpassungs- und Tarnstrategien, hinter denen sie sich verstecken, um nicht aufzufallen. Sie spielen eine Rolle in einer ausgeprägten Perfektion, um im Alltag zu funktionieren.
- Frauen mit AS können in vielen Fällen offener über ihre Gefühle sprechen als betroffene Männer.
- Frauen mit AS neigen seltener zu körperlich aggressiven Verhaltensweisen.
- Stereotype Verhaltensweisen von Mädchen wie Schaukeln, sich im Kreis drehen und Herumwirbeln, Aufräumen und Dinge wie Spielsachen arrangieren werden als normal und typisch weiblich eingestuft und fallen daher nicht auf.
- Die typischen Merkmale des Asperger-Syndroms sind bei Mädchen und Frauen häufig subtiler und in ihrer Intensität weniger ausgeprägt vorhanden.
- Frauen mit AS sind in vielen Fällen ausdrucksstärker was Mimik und Gestik betrifft. So können sie z.B. Freude oder Trauer besser nach aussen hin zeigen.
- Viele Frauen mit AS leben in Partnerschaften und haben Kinder.