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Shat-Karma
Yoga legt nicht nur auf die geistige Sauberkeit grossen Wert, sondern auch auf die körperliche, und dies sowohl innerlich wie äusserlich. Gewisse Reinigungs-Prozesse sind vor allem am Anfang ebenso wichtig wie andere körperliche Übungen, denn ohne regelmässige Reinigung des gesamten Organismus fehlt die Basis zum gefahrlosen und wirkungsvollen Praktizieren von Asana und Pranayama. Diese Reinigungsübungen werden als "Shat- Karma" (Sechsfacher Prozess) in den grundlegenden Lehrbüchern des Hatha-Yoga aufgeführt. Von diesen als "Yoga-Shastra" (Textbücher des Yoga) bekannten Schriften sind die "Hatha-Yoga-Pradipika" von Yogi Svatmarama, die "Gheranda Samhita" des Weisen Gheranda und die "Shiva-Samhita", die direkt dem Mund des Gottes Shiva, dem Urquell des Hatha-Yoga, entsprungen sein soll, von besonderer Bedeutung.
Die sechs Reinigungspraktiken sind:
1. Dhauti, die Reinigung des Magens mit Hilfe eines Tuches
2. Vasti, die Reinigung des Darmes mit Wasser
3. Neti, die Reinigung der Nase mit Hilfe von Schnüren (Sutra-Neti) und Wasser (Jala-Neti)
4. Nauli, die Kräftigung und Massage der Unterleibsorgane durch Rotieren der Bauchmuskeln
5. Trataka, die Reinigung der Augen und des Geistes durch Blickfixierung
6. Kapalabhati oder Bhastrika, Blasebalgatmung zur Reinigung der Atemwege
In der Yoga-Shastra werden noch weitere Reinigungsübungen erwähnt, worunter besonders Kunjala oder Gajakarani (die Elefanten-Übung) zur Säuberung des Magens und Varisara oder Shankha-Prakshalana (die Muschelreinigung) zur Säuberung des gesamten Verdauungstrakts eine bedeutende Rolle spielen. Diese Reinigungsprozesse machen den Yogi stark und gesund und schenken ihm einen göttlichen Körper.