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Karate hat sich zu einem sehr leistungsfähigen Kampfstil entwickelt. Obwohl das Goju Ryu Karate Do beide Pole, den äusserlichen Aspekt „Go“ (Yang) wie auch den inneren Aspekt „Ju“ (Yin) enthält, ist es sehr schwierig die inneren Aspekte zu vermitteln. Dafür braucht es ein spezielles Training, welches über Jahre hinweg die inneren Sinne schult. Die Körperintelligenz reagiert immer auf der Ebene, auf der wir uns mit unserem Geist befinden. Da die äusseren Stile auch die äusseren Sinne resp. den oberflächlichen Geist (Superficial Mind) ansprechen, reagiert der Körper über diese Sinne.
Als Beispiel zu nennen ist hier die Kontraktion.
Ein Angriff oder ein Eindringen in meine Sphäre löst sofort eine Reaktion im vegetativen Nervensystem, dem Sympathikus aus, was zu verschiedenen chemischen Reaktionen führt, welche die Muskeln in Alarmbereitschaft bringen. Die Muskeln spannen sich an, das ganze Körpersystem reagiert und stellt sich auf den Fluchtmodus ein. Dies ist ein normaler Vorgang unserer Körperintelligenz. Durch die Schulung und die Fokussierung auf die inneren Sinne, kann diese Kontraktion vermieden werden, indem wir die Kraft, die auf uns zukommt nicht mit Anspannung beantworten, sondern sofort bewusst einen Muskelzyklus einleiten:
Ein Zyklus besteht aus 5 Phasen (5 Elemente) 1) Aktivierung (Kontraktion), 2) Enstpannung, 3) Dehnung,4) Ent-Dehnung, 5) Neutraler Zustand.
Mit anderen Worten eine Kraft wird über ein kurzes Aktivieren und der nachfolgenden Entspannung und der Dehnung elastisch aufgenommen und über die Ent-Dehnung des Muskels wiedergegeben. Die Kraft wird dabei wie bei einem Ball, der am Boden aufspringt, aufgenommen und gespeichert, bevor die elastische Dehnung des Balles mit einer schnellen Ent-Dehnung vom Boden wieder aufspringt.
Diese Muskelzyklen
1) Aktivierung
2.) Entspannung
3.) Dehnung
4.) Entdehnung
5.) Neutral
sind in jeder Bewegung vorhanden.
Um diese spüren zu lernen braucht es ein Training, das über die inneren Sinne anstelle dem oberflächlichen Geist (Superficial Mind) ausgeführt wird.
Zudem ist ein beharrliches, resp. ausdauernde Schulung unter einem Lehrer, der diese innere Schulung über eine Traditionslinie gelernt hat nötig, um diese Geheimnisse zu entdecken und für sich selbst zu integrieren.
Die wichtigste Vorbedingung für das Erspüren dieser Muskelzyklen ist der Wechsel vom oberflächlichen Geist (Superficial mind) zum Tiefengeist (Deep mind).
Nur dann, wenn wir mit einem tieferen Bereich des Geistes arbeiten, können wir den Körper so umprogrammieren, dass die elastische Kraft genutzt werden kann.
So ist ein geübter Praktizierender des Taiji in der Lage über Gewahrsein und Intention die Intelligenz des Körpers zu verändern.
Äussere Sinne
- Sehen
- Hören
- Schmecken
- Riechen
- Tasten
Innere Sinne
- Muskelstatus (5 Phasen)
- Gelenkspositionen (Ausrichtung / Aligning)
- Druck
- Temperatur
- Schmerzsensoren (Kribbeln)
Um wirklich mit den inneren Sinnen trainieren zu können ist es wichtig, dass wir den Fokus und das Gewahrsein nach innen verlegen. Dies erreichen wir durch tiefes Entspannen und durch tiefes Atmen, so als möchten wir uns dem Schlaf übergeben. Sobald wir diesen tiefen Zustand erreicht und fast einschlafen, werden wir einen träumerischen Zustand erreichen, dann ist es nötig unsere Aufmerksamkeit nach innen zu verlegen und mit den inneren Sinnen wahrzunehmen.
Dies ist anfangs schwierig, aber nach einiger Zeit passiert dies halb automatisch, sobald wir unsere Aufmerksamkeit nach innen verlegen.
Erst in diesem Zustand können wir die einzelnen Muskelzyklen wahrnehmen und können über die Drucksensoren die Kräfte un Körper erkennen und damit arbeiten.
Während dem ganzen Training müssen die tieferen Bereiche des Geistes aktiv sein, d.h. das Gehirnbewusstsein, das Alltagsbewusstsein (Superficial mind) muss so gut als möglich ausgeschaltet werden.
Es ist immer nur ein Annähern an den idealen Zustand, denn jede äussere Störung, jedes überstarkes Wollen (von Ego gesteuert) wird uns wieder etwas zurück zum oberflächlichen Geist bringen. Es ist also ein ständiges Vertiefen und Fokussieren auf das Innere nötig, um diesen Zustand des inneren Gewahrseins zu halten.
Was kann uns dieses Training im Goju Kai Karate Do bringen?
Ein Arbeiten an den inneren Prozessen im Körper bewirkt folgendes:
- Anstelle von Muskelkraft werden Kräftewellen und in einem späteren Entwicklungsschritt Energiewellen erzeugt.
- Anstelle einer Kontraktion lernen wir das Momentum der Kraft aufzunehmen, zu neutralisieren und auszusenden. Dies tönt einfach, ist aber erst durch jahrelange intensive Schulung möglich. Anfangs wird dieser Kreislauf äusserlich sehr gross sein und innerlich klein, weil wir ihn noch nicht im Detail spüren. Später wird der äussere Kreis reduziert, dafür wird der innere Kreis ausgeweitet.
- Anstelle einer doppelten Kontraktion, z.B. durch das gleichzeitige Belasten beider Beine oder das Anspannen aller Muskeln die ein Gelenk halten, lernen wir immer nur ein Bein zu belasten und die doppelte Kontraktion in den Muskeln zu verringern und später ev. ganz wegzulassen.
- Wir lernen mit elastischer Kraft zu arbeiten.
- Schonung der Gelenke
- Aufbau der körpereigenen Resourcen
Es kann ein enormer Gewinn sein, sich auf diese Reise zu begeben, da dabei das Bekannte noch besser verstanden wird und da viele neue Aspekte das Training bereichern können.
Mögliche Uebungen
Sanchin oder Han-Zenkutsu Dachi
Um den inneren Muskelzyklus bei dieser Stellung zu lernen – gibt es eine gute Uebung, die 5. Loosening exercise von Master Huang
- Kontraktion
Wir bringen unseren Geist (unsere Aufmerksamkeit) zusammen mit der Bewegung vom vorderen Fuss über den Unterschenkel, Knie, Oberschenkel , dem Steissbein, Taille, Brust, Schultern, Nacken zum Scheitel.
Dabei bewegen wir den Körper etwas nach hinten, belassen aber die Kontrolle auf dem vorderen Fuss, bis der Körper ca. 2/3 der Distanz nach hinten verlegt wurde, dann beginnen wir zu sinken und den hinteren Fuss zu verbinden. Während diesem Weg bleibt das hintere Bein in der selben Beugung.
2. Entspannung
Jetzt beginnen wir zu sinken ca. ¼ der Höhe und verlagern den Körperschwerpunkt weiter nach hinten, so dass unser Steissbein über der Ferse ist. Das Sinken leiten wir ein, indem wir den unteren Rücken aus der „natürlichen“ Hohlkreuzkrümmung begradigen, dabei sinkt das Steissbein gegen unten. Es soll dabei keine Kraft aufgewendet werden, sondern wir arbeiten über die Entspannung.
Wir bleiben nicht in dieser Stellung sondern …
3. Dehnung
… sinken ca ¾ weiter und bewegen den Körper wieder nach vorne ins Zentrum und bauen die Spannung im hinteren Bein langsam auf, indem wir den Unterkörper langsam in eine Dehnung bringen. Das Gewicht des Oberkörpers schwebt einen Moment, d.h. das hintere Bein wird nicht sofort voll belastet. Wir geben dieses Gewicht dosiert ab so dass keine Kontraktion im hinteren Bein entsteht. Während wir weiter ins Zentrum sinken, werden die Muskeln gedehnt. Das vordere Bein wird jetzt etwas gebeugt. Während diesem Ablauf richtet sich der Oberkörper aus, indem wir den Rücken begradigen vom Lendenbereich bis zum Nacken. Dann lassen wir das Steissbein nochmals sanft sinken und lösen dadurch eine Rotation in der Hüfte gegen vorne aus.
4. Ent-Dehnung
Durch die Hüftrotation werden alle Muskeln nochmals leicht gedehnt, so dass das natürliche Ent-dehnen eingeleitet wird.
Vor dem Ent-dehnen schicken wir den Tiefengeist mit einer starken Intention voraus…d.h. wir stellen uns einen Punkt an der gegenüberliegenden Wand vor und schicken den Geist (mind) dorthin, so dass wir die Muskelspannung erhöhen können, ohne dass sich die Muskeln verkrampfen. Es ist sehr wichtig, dass wir mit einer tiefen Intention diesen Vorgang steuern, ansonsten werden sich die Muskeln verhärten.
5. Nach dem Ent-dehnen stabilisieren wir die Kräfte im vorderen Fuss. (neutrale Position)
bevor wir den Zyklus wieder mit dem Aktivieren des vorderen Beines beginnen. Das Stabilisieren im vorderen Bein geschieht ohne äussere sichtbare zusätzliche Bewegung, es passiert über die Entspannung des vorderen Beines, was ein Einsinken bewirkt.
Wichtig:
Phase 1: der vordere Fuss bleibt solange als möglich ca. 2/3 des Weges verbunden. Der vordere Fuss bleibt substantiell und der hintere Fuss hat noch keine Verbindung. Die Verbindung des hinteren Fusses passiert erst während dem Sinken gegen Schluss der 2. Phase – im Uebergang zur 3. Phase
Phase 4:
der hintere Fuss solange als möglich auf dem Weg nach vorne verbunden lassen, d.h. die Steuerung des Zentrums, wird möglichst lange hinten gehalten.
In dieser Phase bringen wir den Mind vom Fuss, Hüfte zur Brust und folgen dem Mind mit der Bewegung nach vorne.
Diese Uebung führen wir in einer etwas längeren Stellung als der üblichen Sanchin Dachi aus, eher in einer Han Zenkutsu Dachi, damit der äussere Kreis gut erkannt wird.
Später kann dieser Zyklus auch in der Sanchin Kata gemacht werden.
Ein chinesischer Lehrer würde diese Zyklen mit Metall (Kontraktion) Wasser (Entspannung) Holz (Dehnung) Feuer (Ent-Dehnung) und Erde (Neutrale Position) bezeichnen.
Dieser Zyklus der Elemente wird auch in der chinesischen Medizin verwendet, da jedes Organ einem Element zugeordnet ist, dabei unterstützt das eine Organ das Andere. Eine Verbesserung des einen Organ wird meistens dadurch erreicht, indem man das vorhergehende Organ stärkt. z.B. Leber (Holz) unterstützt das Herz (Feuer) usw.
Vorteile: Wenn wir lernen diesen Muskelkreislauf in den Bewegungen zu spüren, können wir ohne Kontraktion arbeiten, d.h. wir lernen auszuweichen, zu neutralisieren und abzugeben in einem elastischen Zustand.