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Eisvogel (Alcedo atthis)
Steckbrief
Wissenschaftlicher Name: Alcedo atthis
Klasse: Vögel
Ordnung: Rackenvögel
Familie: Eisvögel
Länge: 16-17cm
Spannweite: 24-26cm
Gewicht: 40-45g
Verbreitung: Europa, Asien, Nordafrika
Brutbestand CH: 400-500 Paare
Lebensraum: Langsam fliessende Gewässer
Zugverhalten: Standvogel, Kurzstreckenzieher
Aussehen & Bestimmung
Der Eisvogel ist durch seine auffällige Färbung unverwechselbar. Die Brust des Eisvogels ist orange gefärbt. Schulterfedern und Flügeloberseiten sind blau bis türkis, können je nach Licht aber auch hellblau wirken. Die Rückenfedern haben ein leicht helleres blau als die Schultern. Unterhalb des Schnabels haben die Eisvögel eine weisse Kehle. Männchen und Weibchen können vom Gefieder her nicht unterschieden werden. Einziges äusserliches Unterscheidungsmerkmal ist die Schnabelunterseite. Diese ist beim Weibchen orange gefärbt. Diese orange Färbung nimmt mit dem Alter des Weibchens zu. Jüngere Weibchen sind deshalb etwas schwerer zu erkennen, weil sie oftmals nur einen kleinen Fleck an orange zeigen.
Junge sind etwas weniger intensiv gefärbt und haben einen hellen Schnabelspitz. Zudem haben sie noch dunkelgraue Füsse. Die orange Färbung der Füsse erhalten die Eisvögel erst im Verlaufe des zweiten Lebensjahrs.
Verwechslungsmöglichkeit
Der Eisvogel kann eigentlich kaum verwechselt werden. Ich habe schon mitbekommen, dass gewisse Menschen den Eisvogel mit dem Kleiber verwechselten. Diese beiden Arten können jedoch leicht anhand ihres unterschiedlichen Lebensraums und ihres Verhaltens unterschieden werden. Zudem ist der Kleiber deutlich weniger intensiv gefärbt.
Wo findet man Eisvögel?
Besonders im Spätsommer und Anfangs Winter sind die Chancen, Eisvögel zu sehen, an allen grösseren Gewässern recht hoch. Zu diesem Zeitpunkt hat es nämlich am meisten Eisvögel und sie suchen am Ufer von Flüssen, Seen und Teichen nach Nahrung.
Zur Brutzeit bewohnt der Eisvogel Ufer langsam fliessender Gewässer und kleinerer stehender Gewässer, welche ihm einen potenziellen Brutplatz anbieten. Das Nest gräbt der Eisvogel nämlich in die senkrechte Uferböschung. Selten genügt auch der Wurzelteller eines umgestürzten Baums. Zudem müssen genügend Sitzwarten im und am Wasser zur Verfügung stehen. Diese braucht der bunte Vogel, um Ausschau nach kleinen Fischen zu halten.
Im Winter ist der Eisvogel weniger anspruchsvoll. So ist er im Winter an allen möglichen Gewässern anzutreffen. Einige Individuen überwintern sogar im Hafenareal. Als Sitzwarten nutzen sie die Reling von Booten oder Schiffstege.
Wie viele Eisvögel gibt es in der Schweiz?
Der Brutbestand des Eisvogels in der Schweiz liegt bei ungefähr 400 bis 500 Paaren. Allerdings kann diese Zahl von Jahr zu Jahr sehr stark schwanken. In kalten Wintern können die Bestände regelrecht einbrechen. Die Uferbereiche gefrieren bereits bei wenigen Grad Celsius unter Null und der Eisvogel kann nicht mehr zu seiner Nahrung gelangen. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf das Mittelland, die grösseren Alpentäler und das Tessin.
Was frisst der Eisvogel?
Die Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Fischen. Insektenlarven und Frösche stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Auf einer Sitzwarte, also einem Ast oder Schilfhalm über dem Wasser, wartet der kleine Vogel, bis er einen kleinen Fisch im Wasser entdeckt. Der Eisvogel stürzt sich senkrecht, mit angezogenen Flügeln ins Wasser. Dort versucht er den Fisch mit dem Schnabel zu packen, bevor er wieder aus dem Wasser startet. Um den Fisch zu töten schlägt der Vogel diesen mehrmals gegen einen Ast.
Damit der Fisch nicht im Hals stecken bleibt, verschlingt ihn der Eisvogel Kopf voran in einem Stück. Wenn du einen Eisvogel beobachtest, bei welchem der Kopf des Fisches vorne aus dem Schnabel ragt, ist das ein guter Hinweis, dass dieser Eisvogel mit dem Füttern der Jungen beschäftigt ist.
Wo nistet der Eisvogel?
Eisvögel graben eine lange Brutröhre in die steile Uferböschung. Weil viele dieser steilen Uferböschungen durch die Uferbegradigung und Uferbefestung verloren gegangen sind, werden dem Eisvogel auch künstliche Nisthilfen angeboten. Am Ende der Brutröhre befindet sich eine kleine Höhle, in welche das Weibchen 6 bis 7 Eier legt. Diese werden abwechselnd vom Männchen und Weibchen bebrütet. Nach 18 bis 21 Tagen schlüpfen daraus die Jungen. Diese werden in den nächsten 23 bis 27 Tagen von den Eltern mit kleinen Fischen versorgt. Danach stellen die Eltern die Fütterung allmählich ein, bis die jungen Eisvögel die Bruthöhle verlassen. In den ersten 2 bis 3 Tagen werden die Jungen noch von den Eltern gefüttert. Dann werden sie aus dem Revier vertrieben und müssen sich die Nahrung selber suchen.
In der Zwischenzeit beginnen die Eltern schon mit einer weiteren Brut. Die Bruten können sich in gewissen Fällen sogar überlappen. Pro Jahr kann ein Eisvogel-Paar bis zu 3 Bruten aufziehen. Pro Brut fliegen jeweils bis zu 5 Junge aus. Davon überleben aber nur die wenigsten den ersten Winter. Auch allgemein haben die Eisvögel eine relativ kurze Lebenserwartung, denn sie sind sehr stark abhängig vom Wetter und nur ein kurzer Kälteeinbruch kann den Bestand stark dezimieren. Um dem entgegenzuwirken ist die Reproduktionsrate relativ hoch.
Zugverhalten
Der Eisvogel ist in der Schweiz hauptsächlich ein Standvogel. Im Winter ziehen aber zusätzlich Individuen aus dem Norden an unsere Gewässer. In sehr kalten Winter ziehen die Brutvögel aus der Schweiz weiter in den Süden. Tatsächlich gibt es Eisvögel, welche bis in den Mittelmeerraum ziehen und dort auch im Salzwasser jagen.
Eisvögel fotografieren
Eisvögel sind recht scheue Tiere. Ohne Tarnung hat man keine Chance auf eine kürzere Distanz an die schönen Vögel zu gelangen. Im Winter hast du aber gute Chancen an Gewässern auf einen Eisvogel zu treffen. Mit einem Tarnzelt und einigen aufgestellten Ästen am Wasser sind die Chancen auf einen erfolgreichen Ansitz recht hoch. Ansonsten kann der Eisvogel auch im Birdlife Zentrum La Sauge fotografiert werden. Die Äste, auf welche sich der Eisvogel dort setzt, sind aber nicht so attraktiv. Die Chancen, einen Eisvogel zu sehen, sind aber in La Sauge sehr gross.
Quellen
Die Bestandeszahlen, Länge, Gewicht und Spannweite entsprechen den Daten der Vogelwarte Sempach
Informationen über Verhalten, Verbreitung usw. entsprechen meinen eigenen Beobachtungen und wurden mit Informationen aus folgenden Quellen ergänzt:
Die Vögel der Schweiz (2007) Lionel Maumary et al.
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016
Der Kosmos Vogelführer (2017) Lars Svensson et al.