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Ovarialzysten (Eierstockzysten)
– oder: „Das stille Leiden der Meerschweinchen“
Was versteht man unter Ovarialzysten?
Ovarialzysten (Eierstockzysten) sind flüssigkeitsgefüllte, mit einer epithelialen Membran begrenzte Hohlräume, die sich aus verschiedenen Anteilen des Ovars (Eierstock) im Bauch des Meerschweinchens entwickeln können.
Je nach Ursprungsort lassen sich 3 verschiedene Arten von Zysten unterscheiden: Follikelzysten, Lutealzysten und Retezysten.
Wann treten Ovarialzysten typischerweise auf und was ist die genaue Ursache für die Entstehung von Ovarialzysten
Meistens erkranken mittelalte bis ältere weibliche Meerschweinchen. Die genaue Ursache für die Entstehung von Eierstockzysten ist unbekannt. Man geht jedoch davon aus, dass es im Körper des Meerschweinchens zu einer fehlerhaften Regulierung bzw. Ausschüttung von Hormonen kommt.
Welche Symptome zeigen erkrankte Meerschweinchen?
Erkrankte Meerschweinchen zeigen anfangs oft noch keine nennenswerten klinischen Symptome. Werden die Eierstockzysten im Bauch der Tiere über Wochen und Monate jedoch grösser und grösser, so kann es zu einer Verdrängung anderer Organe, v.a. zur Verdrängung des Darmtraktes kommen. Betroffene Meerschweinchen magern kontinuierlich ab und zeigen häufig Verdauungsprobleme (Durchfall, etc.).
Eierstockzysten können, müssen aber nicht hormonbildend sein. Vor allem kleinere Zysten sind häufig hormonell aktiv und produzieren in unterschiedlichem Masse Östrogen und Progesteron. Ein hoher Östrogenspiegel kann zu Alopezie (Fellverlust, v.a. im Bereich der Flanken) und im schlimmsten Fall zu Blutarmut (Knochenmarkssuppression) führen.
Wie können Ovarialzysten diagnostiziert werden?
Grössere Eierstockzysten können oft schon während der Allgemeinuntersuchung des Meerschweinchens durch Abtasten des Bauches diagnostiziert werden. Auch auf Röntgenbildern stellen sich Zysten als rundliche Gebilde im Abdomen (Bauch) dar. Besser und sicherer im Zweifelsfall ist jedoch eine Ultraschalluntersuchung.
Bei meinem Meerschweinchen wurden Ovarialzysten diagnostiziert – was kann man nun für das Tier tun?
Eine Therapie richtet sich immer nach dem Zustand des kleinen Patienten, nach der Ausprägung vorhandener Zysten bzw. nach den durch die Zysten verursachten Symptomen. Liegen kleine, hormonell aktive Zysten vor (Tier zeigt klinische Symptome wie Haarverlust, etc.), so kann eine hormonelle Therapie mit einem sogenannten HCG-Präparat versucht werden. Das Meerschweinchen bekommt im Abstand von 10 Tagen 3 x eine Spritze mit einem HCG-Präparat unter die Haut gespritzt. Damit kann z.B. oft der Haarverlust in der Flankenregion rückgängig gemacht werden. Auch einer Neubildung von weiteren Zysten wird so evtl. entgegengewirkt. Bereits vorhandene Zysten können jedoch mit diesen Injektionen nicht „weggespritzt“ werden.
Sind die Zysten grösser bzw. hat das Meerschweinchen ausgeprägte klinische Symptome (Abmagerung, Verdauungsprobleme), so ist oft eine Kastration die einzige Möglichkeit, um dem Tier wieder ein normales Leben ohne Schmerzen zu ermöglichen. In einer Operation unter Vollnarkose werden sowohl beide Eierstöcke mit Zysten, als auch die Gebärmutter entfernt. Wichtig bei einer Operation ist die sorgfältige Auswahl einer geeigneten Narkose, eines geeigneten und ausreichenden Schmerzmittels, Flüssigkeitstherapie via Venenkatheter und eine permanente Überwachung des Patienten mit Sauerstoffmessgerät, EKG, Temperaturmesser, usw. Auch die Aufwachphase nach einer Operation ist kritisch – die kleinen Patientinnen sollten gut überwacht, gewärmt und bei Bedarf zwangsgefüttert werden. Antibiotika, Schmerzmittel und Probiotika zur Unterstützung der Magen-Darm-Flora müssen über mehrere Tage verabreicht werden.
Sollte eine Operation trotz ausgeprägter Zysten aus welchem Grund auch immer nicht möglich sein, so kann auch versucht werden, unter Ultraschallkontrolle grosse Zysten zu punktieren, d.h. mit einer Spritze Flüssigkeit aus den Zysten zu ziehen.
Bei beiden letztgenannten Möglichkeiten (Operation, Punktion von Zysten) muss äusserst sorgfältig und steril gearbeitet werden, damit keine Infektionen im Bauchraum entstehen können.