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Myth. Figur aus Nidwalden, die zur Befreiungstradition gehört und der Sage nach in der Schlacht von Sempach 1386 etl. Spiesse der gegner. Truppe ergriff, in seinen Körper rammte und dadurch seinen Mitstreitern eine Gasse in die feindl. Reihen öffnete. Dank dieser Heldentat errangen die Eidgenossen den Sieg über die Habsburger. Die Sage wird erstmals im Halbsuterlied von 1533 erwähnt; möglicherweise beeinflusst durch den Tod von Arnold ( -> 4) in der Schlacht bei Bicocca 1522. Die Erwähnung einer siegbringenden Heldentat erscheint in den Quellen bereits früher (um 1476), ohne jedoch den Namen W. zu erwähnen. In den zeitgenöss. Berichten über die Schlacht finden sich hingegen keine Hinweise auf eine Heldentat oder auf W.
Die Geschichtsschreibung setzte lange den legendären W. mit einem Arnold gleich, der 1367 zum ersten und einzigen Mal als Zeuge in einem Prozess unter der Namensform Erni in den Quellen erscheint. Eine andere Deutung sah in Arnold ( -> 2), der erstmals 1389 erwähnt wird und um 1418 als Landammann von Nidwalden verstarb, den mögl. Sohn des legendären W. Eine dritte Interpretation warf die Frage auf, ob die beiden oben genannten, urkundlich belegten Arnold nicht identisch seien. Trotz aller Spekulationen ist die hist. Existenz W.s nicht belegt.
Die W.-Sage entsprang dem Bedürfnis nach einem gestärkten Gemeinschaftsbewusstsein des lockeren, durch innere Konflikte gefährdeten eidg. Bündnissystems. In der Darstellung "Chronicon Helveticum" aus der Mitte des 16. Jh. zementierte Aegidius Tschudi die scheinbar reale Existenz W.s. Die Legende gehörte im 17. Jh. zum festen Bestandteil der Volkserziehung und wurde im Verlauf des 18. und 19. Jh. um weitere Elemente angereichert. So erhielt W. u.a. den Beinamen Struchan, der wiederum an die Legende des Drachentöters Struchan W. erinnerte. 1701 wurde ein W.-Standbild auf dem oberen Dorfbrunnen von Stans errichtet. Nachdem ein Brand es 1713 zerstört hatte, entstand 1723 ein neues Standbild auf dem unteren Brunnen. Grossen Einfluss übte die Darstellung der Tat W.s durch Johannes von Müller aus, dessen auf Tschudi beruhende "Geschichten der Schweizer" (ab 1780) einem didakt.-patriot. Ziel verpflichtet waren. In den vaterländ. Schriften der Aufklärung erscheint W. vollends als Nationalheiliger. Während der Helvetik und Mediation wurde er sowohl von den Vertretern der neuen wie auch der alten Ordnung vereinnahmt. 1822 variierte Heinrich Zschokke die W.-Sage, indem er W. erstmals eine Gasse für die Freiheit und nicht mehr nur für die Seinen schlagen lässt. In Stans wurde zu Ehren W.s 1865 das von Lukas Ferdinand Schlöth geschaffene Denkmal eingeweiht, während in Sempach bereits ein Jahr früher ein Stein mit Inschrift errichtet worden war. Als nationales Symbol für die Opferbereitschaft im Namen der Freiheit erlebte die Figur des W. im 20. Jh. in der Geistigen Landesverteidigung einen nächsten Höhepunkt. Bis heute werden am letzten Samstag im Juni in Sempach und am 9. Juli in Stans jährl. Gedenkfeiern abgehalten.
Literatur
– B. Suter, Arnold W., der Heros von Sempach, 1977
– H. Achermann, H. Horat, Das Winkelriedhaus, 1993
– G.P. Marchal, Schweizer Gebrauchsgesch., 2006, 307-348
Autorin/Autor: Andreas Waser