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Die britische Organisation UK Antarctic Heritage Trust (UKAHT) sucht vier bis fünf Bewerberinnen und Bewerber für die vielleicht abgelegensten Jobs der Welt. Wer letztlich ausgewählt wird, kümmert sich auf der Goudier-Insel in der Antarktis um das südlichste Postamt der Erde sowie den Besuchershop und zählt fünf Monate lang täglich Pinguine – rund 14'500 Kilometer von Grossbritannien entfernt.
Die Goudier-Insel liegt zwar auf einer Insel im Süden, hat aber herzlich wenig mit Wärme und Sandstränden zu tun. Im Gegenteil: Das kleine Eiland liegt vor der antarktischen Halbinsel, ist so gross wie ein Fussballfeld, besteht aus Felsen und ist von ewigem Eis umgeben.
Auf der Insel befindet sich Port Lockroy, ein Naturhafen und ein gleichnamiger historischer Stützpunkt, der 1944 im Rahmen der britischen Operation Tabarin errichtet wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Stützpunkt in eine Forschungsstation umgewandelt, 1962 aber schliesslich geschlossen und verlassen.
1996 wurde die historische Bedeutung des Stützpunktes anerkannt, weshalb ihm der Status einer historischen Stätte zugewiesen wurde. Im Rahmen dessen wurde Port Lockroy in ein «lebendes Museum» umgewandelt und entsprechend restauriert. Seither empfängt es in der Sommersaison zwischen November und Ende März bis zu 18'000 Besucherinnen und Besucher.
Seit 2006 steht es unter der Obhut des UKAHT (UK Heritage Trust). Die britische Stiftung kümmert sich um die Pflege und die Erhaltung sechs historischer Stätten auf der antarktischen Halbinsel. Dazu gehören auch drei Gebäude auf der Goudier-Insel. Auf ebendieser werden nun zwischen November 2023 und März 2024 vier bis fünf Personen für offene Stellen gesucht.
Schauen wir uns deinen Arbeitsort und deine Aufgaben mal etwas genauer an. Auf der Job-Seite von UKHAT wird alles im Detail erklärt.
Wenn du dich für einen der Job auf der Goudier-Insel bewerben möchtest, musst du es gesellig mögen. Untergebracht wirst du mit den anderen drei bis vier Mitarbeitenden in einer kleinen Nissenhütte, die im Stile der anderen historischen Gebäude auf der Insel nachgebaut wurde. Dort teilt ihr euch ein Schlafzimmer mit Etagenbetten
(wehe, du schnarchst!!!) und mit Zugang zu Küche- und Wohnbereich. Auf komfortable Hygienestandards musst du verzichten: Eine klassische Toilette und eine Dusche wirst du vergebens suchen.
Waschen kannst du dich trotzdem. Und zwar in dem Waschraum, der sich in der Nissenhütte befindet. Dafür wirst du einmal pro Woche mit Wasserkanistern von Besucherschiffen beliefert. Es kann aber vorkommen, dass aufgrund schlechten Wetters zwei Wochen lang kein Schiff anlegt. Kein Schiff = keine Dusche. Wenn aber ein Schiff anlegt, kannst du auch mal dort duschen. Erleichtern kannst du dich auf einer Campingtoilette, die du und dein Team täglich leeren müsst.
Na, noch interessiert? Dann lies mal schön weiter.
In der Küche mit angrenzendem Wohnraum gibt es einen Herd und eine Heizung, die beide mit Gas betrieben werden. Gehörst du zu denjenigen, die auch im Winter mit kurzen Hosen herumspazieren? Wunderbar! Richtig warm wird es in der Hütte nämlich nie: Im Durchschnitt wird die Temperatur drinnen zwischen 14 und 15 Grad liegen. Anfang Saison dürfte es aber kälter sein, zudem sind die historischen Gebäude, in denen du arbeiten wirst, weder isoliert noch beheizt.
Dennoch ist es auf der antarktischen Halbinsel gar nicht so kalt, wie man zunächst vermuten könnte: Wie die aktuelle Shopmanagerin Natalie Corbett im Februar berichtete, sei die Temperatur seit November selten unter 0 gefallen. Für die Britinnen und Briten also ganz gewöhnliche
Sommer-Temperaturen.
Für das Kochen sind du und deine Teammitglieder abwechselnd zuständig. Ein Gourmetkoch wird während dieser Zeit nicht aus dir werden: Die Lebensmittel werden aus Grossbritannien geliefert und bestehen aus einer Auswahl an Trocken- und Konservenprodukten. Ab und zu könnte es auch mal frisches Essen von Besucherschiffen geben.
Strom gibt es auf der Basis nur sehr limitiert mittels Solarenergie. Haarföhn, elektrische Zahnbürste und derartiges kannst du also zu Hause lassen.
Kommunizieren wirst du hauptsächlich über Satellit und das vor allem für berufliche Zwecke. Per E-Mail wirst du mit dem UKAHT-Team in Kontakt bleiben und Schiffsbesuche und Logistik koordinieren. Theoretisch könntest du natürlich auch private E-Mails senden, aber UKAHT will dir da nichts vormachen:
Mehr zur «Freizeit» später. Das Satellitentelefon sollte nur für Notfälle genutzt werden. Am besten stehst du deshalb mit deiner gesamten Familie und dem Freundeskreis auf Kriegsfuss: Dein Kontakt zu ihnen wird sich während fast 5 Monaten auf ein absolutes Minimum beschränken.
Egal welchen Job du auf der Insel wählst, er wird viel körperliche Arbeit beinhalten. Du und deine Teammitglieder müsst nämlich regelmässig schwere Kanister und Kisten herumschleppen, sowie täglich eine Menge Schnee schaufeln.
In anderen Worten: Ja, es wäre besser für dich, wärst du Athlet oder Athletin. Traditionellen Sport wirst du auf der Insel aber aus diversen Gründen nicht betreiben können: Die Insel ist klein, felsig, verschneit und Zeit hast du sowieso keine.
Ja, korrekt. Auch wenn Port Lockroy extrem isoliert ist, empfängt der Ort täglich Hunderte von Besucherinnen und Besuchern. Das bedeutet:
Falls du die beiläufige Information in den Klammern überlesen haben solltest: Du hast alle zwei Wochen einen Tag frei. Alle zwei Wochen. Einen Tag.
Wichtig ist auch, dass du gesund bist. Natürlich gibt es auf der Goudier-Insel einen Vorrat an Schmerzmitteln und Antibiotika, aber solltest du ernster erkranken, dürfte es schwierig werden. Das nächste Spital liegt
nicht in der Nähe verdammt weit weg in Ushuaia, Argentinien.
So, soviel zum Setting. Nun zu den eigentlichen Stellenausschreibungen und Aufgaben.
Gesucht wird eine Leitperson für den Stützpunkt, ein bis zwei Assistenzen und ein Shop-Manager oder Managerin. Ein Grossteil der Arbeit besteht aber für alle in denselben Aufgaben:
Jep, auf der winzigen Goudier-Insel hat es eine Postfiliale. Die einzige weit und breit. Am besten hegst du grosse Begeisterung für Briefmarken: Du wirst etwa 80'000 Briefe und Postkarten von Hand frankieren müssen. Das jetzige Team versandte einen Monat nach dessen Ankunft fast 30 kg Postkarten.
Nicht zuletzt musst du auch noch die Tierwelt beobachten und protokollieren. Auf der Insel leben Tausende von Pinguinen und ein Hauptteil der Tierwelt-Beobachtung besteht darin, die gelegten Pinguin-Eier, sowie die Pinguine zu zählen. Von Vorteil ist es, wenn du mit einem belastbaren Riechorgan ausgestattet bist: Denn, wo es viele Pinguine gibt, gibt es auch viel Pinguin-Kot. Diesen gilt es stetig wegzuschrubben, bevor ihn die Besucherinnen und Besucher in den Shop, das Museum oder die Postfiliale schleppen.
Verdienen tut man für diese Arbeit je nach Position zwischen umgerechnet 1470 und 2120 Franken pro Monat. Essen, Unterkunft und Transport werden zudem von UKHAT übernommen.
Worauf wartest du noch? Bewerben kannst du dich noch bis am 26. März hier. Du müsstest dafür allerdings eine Arbeitsbewilligung in Grossbritannien besitzen.
problemfall
Alpöhy
Rapsfeld