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Geboren um 1605 in Au-Argenau im Bregenzerwald, geht Michael Beer von 1622–1625 in die Lehre ins niederösterreichische Mistelbach an der Grenze zu Mähren. Sein Lehrmeister ist Maurermeister Hans Garttner. Die weite Distanz und der Zug nach Osten sind anfangs des 17. Jahrhunderts bei Bildhauergesellen üblich. Ihnen wird der knapp 18-jährige Beer gefolgt sein. Nach der Lehrzeit und während des ganzen Dreissigjährigen Krieges verbleibt er im Erzherzogtum Österreich, wird auch im Fürstbistum Salzburg und im Kurfürstentum Bayern gearbeitet haben. Die Klugheit und Energie, mit der er in dieser Zeit das italienische Erbe in der neuen Architektur dieser Länder studiert und aneignet, und damit die Grundlagen der Vorarlberger Schule schafft, sind erstaunlich. Sein erstes aktenkundiges Bauwerk[1] nach der Rückkehr in die Heimat ist die einfache Dorfkirche von Bludesch, 1651–1652. 1651 wird er von Fürstabt Giel von Gielsberg nach Kempten berufen, um die Stiftskirche und die Residenz zu bauen. Schon 1642 hat er sich von Jakob Kuen, der aus der fürstkemptischen Herrschaft Hohenegg stammt und nun in Bregenz wohnhaft ist, Pläne erstellen lassen. Es sind wohl diese Beziehungen zu Vorarlberg, sicher auch Referenzen aus der früheren, uns unbekannten Tätigkeit, die Fürstabt Giel von Gielsberg zur Berufung von Michael Beer bewegen. Es ist, knapp nach dem Ende des Dreissigjährigen Krieges, der grösste Bauauftrag im süddeutschen Bereich. Die kraftvolle Zusammenfassung von Elementen des süddeutschen Schlossbaus und der Sakralarchitektur von Salzburg, Innsbruck und Mailand ist nicht allein dem Vorarlberger Meister zuzuschreiben, die Architektur ist auch ein Verdienst des mitplanenden Fürstabtes. Nach dem Baubeginn am Konventgebäude wird 1652 der Grundstein zum Kirchenneubau gelegt, aber schon im Oktober 1653 trennt sich der Abt von Beer und setzt den Misoxer Baumeister Giovanni Serro an dessen Stelle. Das Langhaus ist zu diesem Zeitpunkt schon eingewölbt, wird aber von Serro wieder abgebrochen und erhöht. Über die Gründe der Trennung ist nichts bekannt, vielleicht ist es das nicht genehme, nieder angesetzte und korbbogige Gewölbe.
Michael Beer heiratet relativ spät, mit fast 50 Jahren, am 25. Januar 1654 eine Tochter aus vermögender Familie, Maria Metzler. Sie stirbt 1660 bei der Geburt des vierten Kindes, das später als Franz Beer II von Bleichten der grösste Vorarlberger Baumeister sein wird. Mit der zweiten Ehefrau Anna Seiler aus Au hat Michael Beer drei weitere Kinder.
Für den Neubau des Benediktinerpriorats Hofen bei Buchhorn (Friedrichshafen) bewirbt er sich in Weingarten mit einem «Unterangebot». Er will das Prestigeobjekt in seiner Heimatgegend nicht den Konkurrenten überlassen, die zu dieser Zeit noch immer die Misoxer Baumeister sind. Er kann das Bauvorhaben 1654–1661 ausführen.
1657 gründet er die Auer Zunft, ein Berufsverband und gleichzeitig eine kirchliche Bruderschaft, die bis 1787 insgesamt 1814 Lehrlinge ausbildet. Michael Beer selbst bildet 18 Lehrlinge aus, zu den ersten zählen die Brüder Michael und Christian Thumb.
Inzwischen ist Michael Beer ein gesuchter Baumeister im Bistum Konstanz geworden. Er baut in für die Benediktiner in Isny, für die Augustiner-Chorfrauen in Inzigkofen, für die Augustiner-Chorherren in Kreuzlingen, für die Zisterzienserinnen in Rottenmünster, für die Jesuiten in Rottenburg am Neckar, Ebersberg und Landshut, für die Dominikanerinnen in Bludenz, aber auch für das Haus Hohenzollern in Sigmaringen.
Ein kleines, aber wichtiges Werk ist die Frauenkapelle von Fischen im Allgäu, 1664–1666 erbaut. Gekonnt verbindet er hier einen Längsbau mit einem Zentralbau, wie eine ländliche Variante der Stiftskirche von Kempten. Er kann dieses Werk nicht mehr zu Ende führen: Auf dem Heimritt von Ebersberg am 30. Mai 1666 will er die hochgehende Bregenzerache zwischen Au und Schoppernau überqueren. Pferd und Reiter werden von den Fluten mitgerissen. Michael Beer ertrinkt und wird am folgenden Tag bei Unterargenstein gefunden.
Pius Bieri 2008
|1651–1652||Bludesch (A), Pfarrkirche Hl. Jakobus.||Neubau.|
|1651–1653||Kempten (D), Benediktiner-Fürstabtei.||Neubau von Klosterkirche und Residenz, vollendet von Giovanni Serro.|
|1652||Isny (D), Benediktinerabtei.||Planungen.|
|1652||Rottenburg (D), Jesuitenkolleg.||Neubau Kolleggebäude.|
|1653–1654||Bludesch (A), Schloss Jordan.||Erweiterung (heute Ruine).|
|1654–1661||Hofen Friedrichshafen (D), Benediktinerpriorat.||Neubau des Konventwestflügels mit Eckflügel Südwest.|
|1656||Bludenz (A), Dominikanerinnenkloster

St. Peter.
|Erweiterung, Ausbau.|
|1656–1657||Isny (D), Benediktinerabtei.||«Neuer Bau» und Konventgebäude.|
|1656–1660||Schussenried (D)

Prämonstratenserabtei
|Planung der Konvent- und Ökonomie-Neubauten, wahrscheinlich auch Leitung der Ausführung.|
|1657–1658||Rankweil (A), Frauenbergkapelle.||Erweiterung, Anbau der Loretokapelle.|
|1658–1659||Sigmaringen (D), Gräflich-Hohenzollernsches Schloss.||Wiederaufbau.|
|1659–1663||Inzigkofen (D), Augustinerinnen-Chorfrauenstift.||Neubau Konvent und Kirche.|
|1660||Sigmaringen (D), Josephskapelle.||Umgestaltung des Baus von Giovanni Albertalli (1629).|
|1661–1669||Rottenmünster (D), Zisterzienserinnen-Stift.||Neubau Kirche.|
|1662||Haigerloch (D), Gräflich-Hohenzollernsches Schloss.||Umbau, Erhöhung um ein Stockwerk.|
|1662–1665||Tübingen (D), Stipendium Martinianum, Münzgasse 13.||Neubau Studentenhaus.|
|1664–1666||Fischen im Allgäu (D), Frauenkapelle.||Neubau.|
|1664−1665||Kreuzlingen (CH), Augustinerchorherrenstift.||Wiederaufbau Schloss Seeburg.|
|1665–1668||Kreuzlingen (CH), Augustinerchorherrenstift.||Neubau der Konventgebäude.|
|1665–1669||Rottenmünster (D), Zisterzienserinnen-Stift.||Neubau Stiftsgebäude. Fertigstellung Peter Willi und Michael Thumb.|
|1665–1666||Landshut (D), Jesuitenkolleg.||Kollegneubau, ab 1667 durch Michael Thumb. Leiter des Baus ist Br. Heinrich Mayer SJ. Fertigstellung durch Michael Thumb.|
|1666||Luzern (CH) Jesuitenkirche.||Planungsbeteiligung im Projektstadium, mit Michael Thumb.|
|1666||Ebersberg (D), Jesuiten-Studienanstalt und Wallfahrtskirche.||Neubau Konvent und Vorbau Kirche. Wieder mit Br. Heinrich Mayer SJ. Nur Planung. Ausführung durch Johannes Moosbrugger 1666−1668.|
|Michael Beer I (um 1605-1666)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|um 1605||Au-Argenau, Bregenzerwald||Vorarlberg A|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Vorderösterreich OA Bregenz||Konstanz|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|30. Mai 1666||Au-Argenau Bregenzerwald||Vorarlberg A|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Vorderösterreich OA Bregenz||Konstanz|
|Kurzbiografie|

Michael Beer ist der Gründervater der Auer Zunft. Die Ausbildungspraxis der Zunft sorgt für einen ausgezeichneten Nachwuchs. Die Vorarlberger Baumeister werden zu wichtigen Vertretern des süddeutschen Hoch- und Spätbarock. Michael Thumb wird mit dem Auftrag des Kemptener Kloster- und Stiftskirchenneubaus, dem grössten Bauauftrag im oberdeutschen Raum der Jahre nach dem Dreissigjährigen Krieg, auf einen Schlag bekannt. Zwar muss er diesen Bau schon nach kurzer Zeit an die noch immer besser in italienischer Baukunst ausgebildeten Misoxer abtreten. Aber bei den geistlichen Bauherren des Bistums Konstanz und vor allem bei den damals wichtigsten Aufraggebern, den Jesuiten, kann er sich anschliessend hervorragend einführen.