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Blöcken, die die Klippenzone, besonders im NO. gegen den Rätikon hin, fortsetzen. Die Klippen sind somit als Ueberreste oder Relikte einer Decke aufzufassen, die derjenigen der Hochalpen aufgesetzt war, sich als Fortsetzung der Präalpen einst vom Fuss des Rätikon bis in den Dauphiné hinein erstreckte und deren Abtragung die Molassesedimente von der aquitanischen bis zur pontischen Stufe mit Geschiebematerial versorgt hat. Die vollständige Zerstückelung dieser ehemaligen Decke muss durch die Erosion im Laufe der Pliozän- und der Pleistozänzeit erfolgt sein. Mit dieser Annahme lässt sich auch das Vorkommen von Gesteinen ostalpiner Fazies in der miozänen Nagelfluh sehr leicht erklären.
VI. Gebiet des Rätikon und der Graubündner Kalkalpen.
Die tektonische Darstellung dieses Gebietes wird uns zum Abschluss der Untersuchungsreihe führen, die bis dahin so bemerkenswerte, ja sogar ganz unerwartete und eigentümliche Resultate ergeben hat. Nördlich vom Rätikon sieht man die Falten der dreilappigen Glarnerdecke und diejenigen der Säntisdecke unter den Flysch eintauchen. Die letzteren setzen sich noch auf eine ziemliche Länge durch das Vorarlberger Land fort, während die Schichtenglieder der Glarner Decke sich zum letztenmal am Fläscherberg zeigen.
Nun tritt die hauptsächlich aus Triasgliedern ostalpiner Fazies bestehende Masse des Rätikon auf, die die Fortsetzung der österreichischen Kalkalpen bildet und sich wie eine Aussenbastion derselben zwischen die Thäler des Prätigaues und des Montafon einschiebt. Auf den ersten Blick könnte man versucht sein, die überall auf dem Flysch schwimmende triadische Scholle des Rätikon als die Fortsetzung der Klippendecke der Ostschweiz aufzufassen. Es haben aber neuere Untersuchungen gezeigt, dass wir es hier mit einer neuen und eigenen Ueberschiebungsdecke zu tun haben, zwischen welcher und dem Fläscherberg noch alle Glieder der Präalpen und der Klippen konstatiert werden können, während sie selbst in ihren obern Partien sich mit den Engadineralpen und den österreichischen Alpen im Allgemeinen verknüpft.
Zwischen dem den Fläscherberg bedeckenden Flysch und der Gipfeldecke des Rätikon findet man die zerquetschten und ausgewalzten Reste von drei verschiedenen Faltendecken. Diese sind:
1. Die Falknisdecke; Schuppen von Jurakalken (Tithon und krystalline sog. Falknisbreccie) mit roten Schichten der obern Kreide als Vertreter der Decke der medianen Präalpen.
2. Die Brecciendecke, die der Zone der Hornfluhbreccie entspricht.
3. Die rätische Decke mit Aptychenschiefern, Radiolaritenschichten und basischen Eruptivgesteinen.
Darüber folgt die ostalpine Decke. Alle diese auf fast unglaubliche Art ineinandergekneteten Schuppen werden einerseits von Flysch und andererseits von krystallinen Gesteinen begleitet und zeigen sich unwiderlegbar als überschobene grosse Komplexe. Das gleiche trifft auch für die grosse Decke des Rätikon oder die ostalpine Decke zu, an deren Aufbau krystalline oder sogar granitische und dioritische Gesteine in Gestalt von schwimmenden Massen einen so grossen Anteil nehmen.
Wir haben von dieser Erscheinung schon bei der Betrachtung der Zone der krystallinen Alpen gesprochen, in der man von nun an zwei verschiedene Regionen unterscheiden muss: die primären, d. h. an Ort und Stelle gebildeten krystallinen Zentralmassive und die überschobenen Massen an sekundärer Lagerstätte. Dieser letztern Kategorie gehört die Mehrzahl der krystallinen Gneis- und Granitmassive Bündens, vom Julier über die Sesvenna bis zum Silvrettamassiv, an, die von paläozoischen (Casannaschiefer, Verrucano) und mesozoischen (Trias und Jura) Sedimenten begleitet werden und in Gestalt von unzähligen Schuppen dem Flysch oder dem Bündnerschiefer aufsitzen. Die Ueberschiebung dieser Felsarten ist besonders klar zu erkennen zwischen Schuls und Ried im Unter Engadin, wo der tief eingeschnittene Inn unter der ostalpinen Decke die Bündnerschiefer des nördlichen und mittleren Graubündens wieder blosgelegt hat. Die Splügener Kalkberge bilden triadische und liasische Ueberschiebungsfetzen, während das Julier- und das Silvrettamassiv überschobene Fetzen von krystallinen Gesteinen sind.
Rückblick auf das tektonische Gesamtsystem der Schweizer Alpen. Die verschiedenen von uns festgestellten Dislokationserscheinungen, namentlich die grossen vom Innern des Gebirges gegen seinen Aussenrand hin geschobenen und überkippten Faltendecken oder Deckfalten, müssen mit Bezug auf ihren Ursprung und ihre Entstehungsweise noch etwas näher betrachtet werden. Die Falten der Hohen Kalkalpen von der Dent du Midi bis zu den Churfirsten fügen sich mit ihren Wurzeln alle zwischen und im Süden der krystallinen Massive der Aiguille Rouge, des Mont Blanc, der Aar und des St. Gotthard ein, d. h. also nördlich der breiten zentralen Muldenzone der Glanzschiefer.
Die Präalpen- und Klippendecke, sowie auch die Decke der Hornfluhbreccie müssen ihre Wurzeln südlich der Glanzschieferzone und zwar wahrscheinlich zwischen den liegenden Falten der Walliser Gneisdecken gehabt haben. Die Zone der «Pietre Verdi», die sich unter und auch über der Decke der Dent Blanche (Arollagneis) fortsetzt, zeigt eine gewisse Analogie mit den Serpentingesteinen der rätischen Decke. Die Wurzeln der ostalpinen Decke endlich dürften noch weiter südwärts gelegen haben, nämlich südlich der sog. Amphibolitzone von Ivrea, welche sie vom Addathal an überdeckt.
Auch die nördlicheren Gneiszonen und die Glanzschieferzone, sowie die Klippenzone werden von ihr überflutet, bis sie an die helvetische Fazies anstösst. Es scheint sogar, als ob diese grosse horizontale Bewegung der Erdkruste die bis an den Rhein zu verfolgenden nördlicheren Ueberschiebungen zuerst überdecke und dann vertrete. Es sind diese Annahmen bis jetzt aber blosse Hypothesen, da die betr. Gebiete geologisch noch zu wenig bekannt sind, um jetzt schon völlig beweiskräftige Schlüsse ziehen zu lassen. Die einzige sichere Tatsache ist der Ursprung der Decken mit helvetischer Fazies nördlich der Zone der Glanzschiefer und derjenige der Präalpendecken bis zum Rätikon südlich dieser Zone. Ein eigentliches Rösselsprungspiel hat diese letzteren dann an ihre jetzige Stelle nordwärts vor die erstgenannten zu stehen gebracht. ¶
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Vor die Lösung einer grossen Aufgabe stellt uns ferner noch die Zone der Glanzschiefer, in der bis jetzt eine Gliederung in Unterabteilungen nicht möglich gewesen ist, obwohl sie einen mächtigen Komplex von sedimentären Schichten darstellt, der von der Trias vielleicht bis zum Tertiär reicht. Fast sicher erscheint dies für den Bündnerschiefer und wenigstens wahrscheinlich für die Walliser Glanzschiefer, die in einzelnen Teilen (z. B. den Sandsteinen von Sembrancher) grosse Aehnlichkeit mit dem Flysch zeigen.
Wenn man diese Aehnlichkeit mit der Tatsache zusammenhält, dass sich der stark gequetschte Flysch der Präalpen von den Glanzschiefern nicht unterscheiden lässt, dass dieser Flysch ursprünglich in grossen Massen zwischen der Zone der Präalpen und der Zone der Hochalpen, d. h. südlich dieser letztern, gelegen haben muss und dass er endlich zusammen mit den Präalpen über eben diese Hochalpen hinüber geschoben worden ist, so wird eine Zusammenstellung des Flysches mit den Glanzschiefern keineswegs als gewagt erscheinen, sondern eher eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich haben.
Hat ja doch schon Studer die Glanzschiefer ganz einfach mit dem Namen Flysch bezeichnet! Während der jetzige Flysch der Präalpen kaum metamorphosiert ist, zeigen der Graubündner Flysch, die Walliser Glanzschiefer und die Bündnerschiefer im Gegenteil eine weitgehende Veränderung infolge der dynamometamorphen Einwirkungen. Wenn ferner in den Präalpen jurassisch-kretazischer Flysch vorkommt, so wäre dies ein weiteres Argument für den Zusammenhang mit den Glanzschiefern, die ihrerseits nichts anderes als metamorphe Jura- und Kreidekalke, sowie vielleicht auch Tertiärschichten sind.
Mittelland. Das schweizerische Mittelland bildet in allgemeiner Hinsicht eine ausgedehnte Mulde von etwa 15 km Breite in der Nähe von Genf, welche bis über 50 km im mittleren und östlichen Teil unseres Landes anwächst. Die Tertiärablagerungen schmiegen sich am Jurafuss genau den Schichten der Sekundärzeit an.
Die als Molasseablagerungen bezeichneten Schichten des Mittellandes gehören vier Stufen an: der Aquitanischen, der Burdigalischen (auch Langhien genannt), der Helvetischen und der Oeninger Stufe. Darüber lagern die Quartärbildungen.
Diese Molasseschichten sind durch Aufschüttung in Seen oder Meerbusen entstanden; somit darf ihre ursprüngliche Schichtung nicht als absolut horizontal angenommen werden. Am Jurafuss, besonders im nördlichen Jura und auf dem Tafeljura, finden sich häufig Konglomerate, Juranagelfluh genannt, weil sie hauptsächlich aus Jurageröllen bestehen. Weit ausgedehnter sind die Geröllanhäufungen am Fusse der Alpen, wo sie hohe Gebirgsrücken aufbauen.
Während am Jurafuss u. zwischen den Jurafalten die Tertiärschichten, die überschobenen Teile ausgenommen, nur wenige Störungen aufweisen, haben dieselben dem Rande der Alpen entlang weitgehende Faltungen u. Ueberschiebungen erlitten, trotzdem die gewaltigen Nagelfluhanhäufungen wenig Tendenz zur Faltung besitzen mussten.
Aeusserst merkwürdig ist ausserdem das Vorhandensein einer Bruch- und Faltungslinie, welche 10-15 km vom Alpenrand entfernt verläuft und den fast horizontal liegenden westlichen Teil des Tertiärbeckens von dem dislozierten östlichen Teil trennt. In diesem letzteren sind die Schichten oft intensiv gefaltet oder überschoben und weisen, auch wenn sie nicht gefaltet sind, immer deutliches Einfallen gegen die Alpen auf, gerade als ob diese letzteren eingesunken seien. Diese Dislokationslinie hat die Benennung Antiklinalachse erhalten. Sie ist besonders im westlichen Gebiet sehr scharf ausgeprägt, indem ihre Richtung genau die Verlängerung der mitten im Molassebecken südlich von Genf auftauchenden Jura- und Kreideantiklinale des Mont Salève ist.
Die jetzige Gestaltung des Mittellandes steht insofern mit der tektonischen Lage in Zusammenhang, als die Oberfläche des ursprünglichen Beckens nach der Alpenerhöhung von den Alpen gegen den Jura zu geneigt war. Dadurch wurde die Richtung der erodierenden Flussläufe bedingt, von denen ein Teil nach Norden und ein anderer nach Südwesten abfliessen musste. Die Wasserscheide liegt aber nicht in der Mitte des Landes, indem dieser Mittelzone im Gegenteil eine Einsenkung entspricht, welche den Gewässern gestattete, nach Durchbruch des Jura die Rheinthalsenke zu erreichen. Die Wasserscheide des Mittellandes liegt im Südwesten nahe am Genfersee, der tiefsten Furche des Schweizerlandes.
Es muss noch besonders hervorgehoben werden, wie unregelmässig die Kontaktlinie des Mittellandes gegenüber den Alpenketten ist, welche oft bogenförmige Gestalt annehmen und förmlich auf die Miozänsedimente hinüber zu greifen scheinen. Letzteres ist denn auch tatsächlich der Fall bei der sog. Chablaiszone zwischen Rhone und Aare, welche eine auf das Tertiärgebiet überschobene grosse Scholle oder Decke bildet. Auch die übrigen, sog. normalen Ketten am Alpenrand greifen mehr oder weniger über ¶