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Wilfords Dreiflügelfrucht (Lei Gong Teng, Tripterygium wilfordii), eine Heilpflanze der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), scheint dem Basistherapeutikum Methotrexat bei rheumatoider Arthtitis ebenbürtig zu sein. Darauf deuten die Resultate einer Studie hin, die im Fachjournal »Annals of the Rheumatic Diseases« publiziert wurde. Die Studie war allerdings weder verblindet noch placebokontrolliert.
Alle Pflanzenteile der in Ostasien beheimateten Kletterpflanze Wilfords Dreiflügelfrucht (Tripterygium wilfordii) sind hochgiftig.
In der TCM werden die Wirkstoffe aus der Pflanze in niedrig dosierten Extrakten bei Gelenkschmerzen, Fieber, Ödemen und lokalen Entzündungen. In vitro (= im Reagenzglas) und in vivo (= im Tierexperiment) sind ausgeprägte entzündungshemmende und immunsuppressive Effekte dokumentiert. Welche der rund 300 Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind, ist allerdings nicht geklärt.
Nachdem bereits frühere Studien einen günstigen Effekt von Lei Gong Teng bei rheumatoider Arthritis dokumentiert hatten, wurde das TCM-Mittel jetzt in einer offenen, randomisierten Studie gegen das Standardmedikament Methotrexat geprüft, den Goldstandard unter den Basistherapeutika.
Die Studie wurde als Koproduktion chinesischer Zentren und dem US-amerikanischen National Institute of Arthritis and Musculoskeletal Skin Diseases durchgeführt.
Durchgeführt wurde die Studie am Peking Union Medical College Hospital (PUMCH), einer Klinik der tertiären Schwerpunktversorgung, an der jedes Jahr mehr als 30.000 Patienten mit rheumatoider Arthritis behandelt werden.
Total 207 Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis (RA) wurden in drei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe wurde mit Methotrexat in einer Dosis von 12,5 mg einmal pro Woche behandelt, die zweite Gruppe bekam 20 mg Tripterygium-Extrakt als Tabletten dreimal pro Tag, und bei der dritten Gruppe wurden beide Therapien kombiniert angewendet.
Eine Überprüfung nach sechs Monaten ergab folgende Resultate: 55 Prozent der Patienten, denen die Lei Gong Teng gegeben wurde, kamen auf eine deutliche Besserung. Beim Medikament Methotrexat allein waren es nur 46 Prozent. Am besten schnitt die Gruppe ab, die eine Kombination aus beiden bekommen hatte: Beinahe 77 Prozent dieser Patienten erreichten eine deutliche Verbesserung.
Durch Kombination beider Ansätze kann demnach eine deutliche Verbesserung der therapeutischen Wirksamkeit erreicht werden.
Die Studie hat allerdings ein paar Schwachstellen, welche die Aussagekraft einschränken.
Die Studie war zwar randomisiert, das heisst, die Teilnehmenden wurden per Zufallsprinzip auf die drei Gruppen verteilt. Es fehlt aber eine Placebo-Gruppe, da nach Auskunft keine geeigneten Placebo-Tabletten zur Verfügung standen.
Die behandelnden Ärzte und Patienten wussten also, welches Medikament ihnen verabreicht wurde. Darüber hinaus war der Untersuchungszeitraum zu kurz, um eine Aussage darüber zu machen, ob die Heilpflanze die Krankheit auch stoppen konnte oder ob sie nur die Symptome linderte. Zudem war die Methotrexat-Dosis geringer als in westlichen Ländern üblicherweise verabreicht.
Wilfords Dreiflügelfrucht ist zwar ein Naturheilmittel, doch gilt es einige kritische Punkte bezüglich Verträglichkeit zu beachten. Insbesondere muss mit Nebenwirkungen im Verdauungstrakt gerechnet werden, die in dieser Studie allerdings meist milde ausfielen (und auch bei Methotrexat auftraten) . Eine weitere Nebenwirkung von Tripterygium wilfordii sind Fertilitätsstörungen (Störungen der Fruchtbarkeit). Alle Teilnehmenden mit Kinderwunsch wurden daher von der Studie ausgeschlossen. Das selbe galt auch für Schwangere und Stillende, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass Wilfords Dreiflügelfrucht auch eine teratogene Wirkung entfaltet. Teratogen = Fehlbildungen bewirkend.
Quellen:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51988&no_cache=1&sword_list%5B0%5D=dreiflügelfrucht
http://www.salzburg.com/nachrichten/gesundheit/sn/artikel/heilpflanze-wirksamer-gegen-rheuma-als-gaengiges-medikament-102896/
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/58360/Rheumatoide-Arthritis-Chinesisches-Phytopharmakon-haelt-Vergleich-mit-Methotrexat-stand?s=wilfords
http://ard.bmj.com/content/early/2014/03/18/annrheumdis-2013-204807
Kommentar & Ergänzung:
Fragwürdige Propaganda als Krebsheilmittel
Wilfords Dreiflügelfrucht wird im Internet auf einer ganzen Reihe von fragwürdigen Websites mit hanebüchenen und haltlosen Versprechungen propagiert wie: Zerstört Krebs in 40 Tagen. Und das auch noch mit der grossartigen Attitüde des Aufdeckens unterdrückter Erkenntnisse.
Dass es sich dabei um Zellexperimente und Tierversuche an Mäusen handelt, die sich nicht einfach auf die Situation von Krebspatienten übertragen lassen, geht dabei unter. Und dass für diese Mäuseexperimente ein Inhaltsstoff der Pflanze durch einen chemischen Trick in eine nicht giftige Form gebracht wird, verschweigen die „Aufdecker“ sowieso. Es werden einfach ein paar interessante Ergebnisse aus der Grundlagenforschung zu einer Sensation aufgeblasen, bevor das Mittel seine Tauglichkeit bei Krebspatienten gezeigt hat. Dass die Situation nicht so einfach ist, ergibt sich auch aus der Beschreibung des relevanten Inhaltsstoffs von Wilfords Dreiflügelfrucht – Triptolid – auf Wikipedia:
„Gegenüber einer Reihe von Krebszelllinien (in vitro), als auch im Modellorganismus (in vivo) zeigt Triptolid eine hohe zytostatische Wirksamkeit. So ist es in der Lage das Wachstum von Tumoren und Metastasen zu verringern. Triptolid ist dabei in Konzentrationen von 2 bis 10 ng/ml (in vitro) wirksam und zeigt dabei eine höhere Wirksamkeit als beispielsweise Chemotherapeutikum Paclitaxel (Taxol). Als Folge dieser Erkenntnisse wurden verschiedene klinische Studien mit Triptolid als Chemotherapeutikum begonnen. Durch die hohe Toxizität haben Triptolid und seine verwandten Inhaltsstoffe von T. wilfordii nur eine kleine therapeutische Breite. Um die Toxizität zu reduzieren, wurden verschiedene Derivat hergestellt. Mit Hilfe von Aspergillus niger wurden strukturelle Modifikationen erhalten, die in vitro eine hohe Wirksamkeit gegenüber humanen Krebszelllinien zeigen. Ein wasserlösliches Triptolid-Derivat mit der Bezeichnung PG490-88 befindet sich derzeit in der klinischen Phase-I zur Behandlung solider Tumoren.“
Wenn im Internet also Wilfords Dreiflügelfrucht als Kräuterpräparat gegen Krebs propagiert wird, fehlt dem eine verlässliche Basis.
Wilfords Dreiflügelfrucht bei rheumatoider Arthritis möglicherweise wirksam
Beim Anwendungsbereich rheumatoide Arthritis gibt es dagegen einige Studien, die eine Wirksamkeit nahelegen, wenn auch nicht zweifelsfrei belegen. Elend ist allerdings, dass eine solcherart vorsichtige Formulierung nicht besonders gut ankommt. Viel attraktiver sind Schlagzeilen wie „TCM-Heilpflanze wirksamer als gängiges Rheumamedikament“.
Die fehlende Verblindung und die fehlende Placebo-Vergleichsgruppe sind bei der beschriebenen Studie unübersehbare Schwachpunkte. Theoretisch zu mindestens wäre es möglich, dass alle festgestellten Verbesserungen in allen drei Gruppen Placebo-Effekte sind. Die Placebo-Hypothese verträgt sich sogar mit der besseren Wirksamkeit der Kombitherapie. Die Erwartungshaltung der Patienten steigt, wenn sie zugleich ein chinesisches und ein westliches Medikament bekommen.
Siehe auch:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch