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| Josef Fisch, Einleitende Notizen: Athanasius Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens. In: Ausgewählte Schriften des Heiligen Athanasius, Erzbischofs von Alexandria und Kirchenlehrers : 2. Band / aus dem Urtexte übers. und mit Einl. sowie erl. Bemerkungen vers. von Jos. Fisch. (Bibliothek der Kirchenväter, 1 Serie, Band 29), Kempten 1875.

Einleitende Notizen: Athanasius Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens
Einleitende Notizen
[S. 7] Dieses Rundschreiben, das in einigen Manuscripten in der Überschrift als erstes Buch oder erste Rede gegen die Arianer bezeichnet wird, wie bereits in der Einleitung zu den vier Büchern gegen die Arianer bemerkt worden ist, ist vom heiligen Athanasius nach seiner gewaltsamen Vertreibung aus Alexandria durch den Feldherrn Syrianus und vor der gewaltsamen Einsetzung des Georgius abgefaßt worden. Dieß geht aus dem Inhalt des Rundschreibens selbst hervor, da bei dessen Abfassung nach K. 5 und 20 Athanasius nicht mehr in Alexandria sich aufhält, sondern in gewissen Gegenden, die er nicht nennen will, und da nach K. 7 die Eindrängung des Kappadociere Georgius auf den Bischofsstuhl in Alexandria erst beabsichtigt wird. Es fällt also die Abfassung des Rundschreibens zwischen den 9. Februar 356 - 24. Februar 357; vgl. das Leben des Athanasius in der Einleitung S. 19. Die abweichende Ansicht des Baronius, der die Abfassung dieses Rundschreibens in das Jahr 36l setzt, wird von Montfaucon widerlegt. Baronius schöpft nämlich seine Ansicht aus K. 22 des Rundschreibens, [S. 8] wo Athanasius sagt, die Arianer seien schon vor sechsunddreissig Jahren als Häretiker erklärt und von der ökumenischen Synode (zu Nicäa) aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen worden. Da Baronius aus der Stelle folgert, daß das Rundschreiben sechsunddreissig Jahre nach der Synode von Nicäa (325) abgefaßt worden sei, so ergab sich nach seiner Berechnung das Jahr 361. Es muß aber diese Stelle nicht nothwendig so aufgefaßt werden, sondern man kann sie auch so auffassen, daß Arius zuerst von Bischof Alexander in Alexandria im Jahre 320 als Häretiker erklärt wurde, wie auch K. 12 und 13 berichtet wird, und daß ihn später die ökumenische Synode von Nicäa aus der Kirchengemeinschaft ausschloß.
Der Zweck des Rundschreibens ist zunächst nicht wissenschaftliche Polemik gegen den Arianismus, wie wir derselben in den vier Büchern gegen die Arianer begegnen, sondern Warnung vor den Umtrieben der Arianer. Doch wird auch ihre häretische Lehre in Kürze dargestellt und widerlegt.
Die ersten vier Kapitel bilden eine Einleitung. Christus habe das Auftreten von falschen Propheten vorhergesagt, damit wir uns vor denselben in Acht nehmen können. Der Teufel habe von jeher, um leichter täuschen zu können, sich auf die Worte Gottes in der heiligen Schrift berufen. So machten es auch die Häretiker, deren Vater der Teufel sei. Man müsse darum um die Unterscheidung der Geister beten. Von K. 5 - 7 werden die Umtriebe geschildert, welche die Arianer machten, um die Beschlüsse der Synode zu Nicäa illusorisch zu machen. Da sie in fortgesetzten Winkelversammlungen die früheren Beschlüsse wieder abändern, so führen sie dadurch eine Unsicherheit des Glaubens, ja völligen Unglauben herbei. Auch werfen sie sich zu Richtern in eigener Sache auf. Von K. 8 - 1l warnt nun Athanasius vor den Fallstricken der Arianer, die ihre falsche Lehre in hinterlistige Worte hüllen, sich wie der Teufel der Worte der Schrift bedienen und wie der Antichrist vorgeben. Christum zu Predigen, auch nicht von dem. um was es sich bandelt, sondern von andern Dingen reden. In K. [S. 9] 12 wird die häretische Lehre des Arius kurz angegeben, wegen welcher er von Bischof Alexander excommunicirt wurde. Von K. 13 - 18 folgt eine kurze Widerlegung der arianischen Lehre. In K. 18 und 19 wird dann das Lebensende des Arius erzählt, und aus den besonderen Umständen seines Todes der Schluß gezogen, daß seine Lehre durch Gott selbst verurtheilt worden sei. Die letzten Kapitel 20 - 23 enthalten noch eine Aufmunterung zur muthigen Ertragung der Verfolgungen von Seite der Arianer und Meletianer, die sonst gegenseitig Feinde waren, aber in der Gottlosigkeit gegen Christus und in der Verfolgung der Katholiken sich geeinigt haben. Auch im Kampfe mit der Häresie könne man die Martyrerkrone erlangen. Der Arianismus werde nicht lange dauern. Trost in der Verfolgung möge die Aussicht auf die verheissene Belohnung gewähren. [S. 10]