Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/2510

Morbus Menière (MM) ist eine Erkrankung des Innenohrs, deren Ätiologie nur unvollständig verstanden ist und die sowohl das Hörvermögen als auch das Gleichgewicht beeinträchtigt. Klassischerweise leiden Betroffene an schubweise auftretendem Drehschwindel, Tinnitus und Hörstörungen. Zwischen akuten Schüben sind die Patienten initial symptomfrei, aber vor allem Tinnitus und Hörverlust können auch permanent werden. Eine kausale Therapie steht nicht zur Verfügung, aber eine symptomatische Behandlung verschafft in vielen Fällen wesentliche Erleichterung.
Symptome
Die Erkrankung geht mit einer Störung des Hörvermögens und des Gleichgewichts einher:
- Die meisten Patienten leiden unter starkem Schwindel und haben das Gefühl, sie selbst oder ihre Umwelt würde sich drehen. Das führt dazu, dass es ihnen schwerfällt, das Gleichgewicht zu bewahren und aufrecht zu stehen. Stürze im Sinne von Drop Attacks werden beobachtet. Der Schwindel wird in der Regel von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Nach Minuten oder Stunden klingt der Schwindel spontan wieder ab, lässt den Patienten aber ermattet und müde zurück. Manche Betroffene beschreiben, nach einer solchen Schwindelattacke kurzzeitig Probleme mit der zeitlichen und räumlichen Orientierung zu haben.
- Darüber hinaus ist Tinnitus typisch für diese Erkrankung. Besonders in ruhiger Umgebung und wenn Betroffene erschöpft sind, hören sie störende Geräusche, die keine reale Entsprechung haben. Diese werden meist als Brummen, Summen oder Pfeifen beschrieben.
- In frühen Phasen der Erkrankung besteht meist noch kein Hörverlust. Im Laufe der Zeit kommt es jedoch zu einer Reduktion des Hörvermögens für alle Frequenzen. Vor allem in Bezug auf niedrige Frequenzen kann sich sogar eine Taubheit einstellen.
Der MM verläuft schubweise, wobei zwischen einzelnen Episoden unterschiedlich lange Zeiträume liegen können: Einige Patienten erfahren sehr häufig Anfälle wie oben beschrieben, während sie bei anderen nur vereinzelt auftreten. Zwischen akuten Phasen sind die Patienten symptomfrei [1]. Unter Umständen kündigt sich eine bevorstehende MM-Attacke durch ein Gefühl der Fülle und des erhöhten Drucks im Ohr an. Die Symptomtrias aus Schwindel, Tinnitus und Hörverlust besteht anfänglich nur während eines akuten Schubes. Im Krankheitsverlauf bereitet der Schwindel immer weniger Probleme, während Tinnitus und Einschränkungen der akustischen Wahrnehmung zu permanenten Symptomen werden. Während initial meist nur ein Ohr betroffen ist, sind in späteren Phasen des MM zuweilen beide Ohren in riskantes Geschehen involviert.
Neurologisch
- Schwindel
Was – nahezu – jeden Schwindel aufrechterhalten kann Nahezu jeder Schwindel dauert länger oder bleibt sogar ganz aufrecht erhalten, wenn Schwindel-Betroffene nicht aus ungünstigen Gedanken über sich und ihre Welt (Kognitionen) herauskommen können, nicht [tinnitus-liga.de]
Labyrinthektomie: Besserung der Beschwerden: Schwindel 95 %, Tinnitus 75 %, Druckgefühl 80 %, immer Ertaubung. [eref.thieme.de]
Im Akutfall werden der Schwindel und das Erbrechen mit z. B. [de.wikipedia.org]
Der Schwindel wird in der Regel von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Nach Minuten oder Stunden klingt der Schwindel spontan wieder ab, lässt den Patienten aber ermattet und müde zurück. [symptoma.com]
- Nystagmus
[…] für mindestens 20 min, meist mehrere, maximal 12 Stunden; der Nystagmus schlägt meist zum gesunden Ohr (am Anfang der Attacke, die aber nur ausnahmsweise beobachtet werden kann, schlägt der Nystagmus zum betroffenen Ohr [Reizsymptom]; innerhalb einiger [eref.thieme.de]
Als Begleitsymptom liegt bei den Patienten meist ein Nystagmus vor, welcher auch ohne Hilfe der Frenzel-Brille diagnostiziert werden kann. [flexikon.doccheck.com]
- Schwindelgefühl
"Sie sollten Ihrem Hausarzt ausführlich über Dauer, Art und Weise des Schwindelgefühls berichten und auch in welchen Situationen dieser auftritt", rät Jahn. [t-online.de]
Über die reinen Anfälle hinaus kann sich dann ein ständiges Schwindelgefühl bemerkbar machen. Der Wirkmechanismus der für Betroffene und oft auch für Behandler unvorstellbaren Schwindelerlebnisse ist in vielen Fällen dennoch gut erklärbar. [tinnitus-liga.de]
Auch die Schwindelgefühle nehmen im Verlauf der Erkrankung häufig zu, bis sie unter Umständen in eine Art Gefühl andauernder Unsicherheit beim Gehen mündet. [beobachter.ch]
Darüber hinaus können sie zusätzlich schwere Schäden hinterlassen, darunter Schwerhörigkeit, ein dauerhaftes Schwindelgefühl und ständige Ohrgeräusche. Auch Depressionen können entstehen. [welt.de]
Systemisch
- Sturz
Ähnlich wie bei den vertebrobasilären Zirkulationsstörungen kann es beim Morbus Menière ohne Auslöser, Prodromi oder Bewusstseinsstörungen zu plötzlichen rezidivierenden Stürzen kommen [ 103]. [eref.thieme.de]
Konstant anhaltender Tinnitus und Hörprobleme können bestehen bleiben Der Schwindelanfall kann so heftig verlaufen, dass die Patienten zu Boden stürzen. [klinikum-muenchen.de]
Denn zahllose Stürze und daraus resultierende Knochenbrüche gehen auf Schwindelanfälle zurück. Zum Thema: [hno-aerzte-im-netz.de]
Er kann gefährliche Folgen haben wie zum Beispiel Stürze. Oft sind die plötzlichen Anfälle mit Schwerhörigkeit und mit Ohrgeräuschen auf einem Ohr verbunden. Dahinter kann auch Morbus Menière stecken, die letztendlich zu Tinnitus führen kann. [t-online.de]
- Gleichgewichtsstörung
Informationen für Patientinnen und Patienten mit Gleichgewichtsstörungen (Dreh- und Schwankschwindel, Morbus Menière) Falls Sie unter Gleichgewichtsstörungen leiden, sollten Sie sich gründlich internistisch und neurologisch untersuchen lassen. [dr-wilden.de]
Auch lassen sich lang anhaltende Gleichgewichtsstörungen mit Ohrgeräuschen und Hörminderung oft durch manualtherapeutische Behandlung der oberen Halswirbel bessern. [boewing-molsberger.de]
Medikamentöse Therapie von Gleichgewichtsstörungen). [eref.thieme.de]
Klingt ein Schwindelanfall ab, bleiben normalerweise keine fühlbaren Gleichgewichtsstörungen zurück. [gesundheit-im-netz.net]
Béla Büki, Leiter der Ambulanz für Hör- und Gleichgewichtsstörungen am Universitätsklinikum Krems. Büki und Dr. [pharmazeutische-zeitung.de]
- Blässe
Weitere Krankheitssymptome des Morbus Menière sind: Übelkeit und Erbrechen Blässe und Schweißausbrüche Zittern der Augen Stürze durch den Schwindel Entwicklungen von Angststörungen und Depression Die genauen Ursachen der Krankheit sind nicht bekannt. [amplifon.com]
Häufig gehen sie mit Übelkeit und Erbrechen einher, begleitet von Blässe und kaltem Schweiß. Ein weiteres wichtiges Symptom der Menière-Krankheit ist die meist einseitige Schwerhörigkeit, die sich während eines Anfalls einstellt. [gesundmed.de]
Haut
Gastro-intestinal
- Erbrechen
NW: Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Herzklopfen, Nervosität. Transtympanale Installation von Gentamicin (chemisch-toxische Labyrinth-Ausschaltung). Prognose: Unregelmäßige Frequenz der Attacken. [eref.thieme.de]
- Nausea
Initial kommt es zu einem Druckgefühl auf dem Ohr, Tinnitus und Hörminderung, bevor akut ein heftiger Drehschwindel Drehschwindel einsetzt mit Fallneigung, Nausea, Vomitus (vgl. Abb. A-1.6), Hyperhidrosis, Diarrhö und Bradykardie. [eref.thieme.de]
Durchblutungsfördernde Mittel werden häufig ungezielt verordnet, die Effektivität wird kritisch bewertet und kontrovers diskutiert. 6 Nebenwirkungen Als unerwünschte Arzneimittelwirkungen können unter anderem auftreten: Diarrhoe, Nausea, Appetitlosigkeit [flexikon.doccheck.com]
Ohren
- Tinnitus
Mit zunehmender Anfallfrequenz persistieren Hypakusis und Tinnitus im Intervall, um während der Menière-Attacke weiter zuzunehmen. [eref.thieme.de]
- Hörsturz
Auch wenn ein akuter Hörsturz gelegentlich von Schwindel begleitet sein kann Hörsturz Schwindel, bleibt diese Schallempfindungsschwerhörigkeit kochleärer Genese (diskutiert werden Durchblutungsstörungen der A. labyrinthi) ohne fassbare vestibuläre Symptome [eref.thieme.de]
Momentan wird sie in Deutschland vornehmlich bei einem Hörsturz angewendet, der nicht auf eine systemische (also intravenöse oder orale Gabe) Kortisontherapie reagiert hat. [drdewes.de]
Ursachen eines Hörsturzes Bei den Ursachen eines Hörsturzes sind vermutlich Durchblutungsstörungen der kleinsten Gefäße (Mikrozirkulation) im Innenohr verantwortlich. Das Wissen darüber, warum ein Hörsturz auftritt ist nur begrenzt vorhanden. [symptome.ch]
Juni 2009 um 14:36 Uhr Ich habe eben die Sprechstunde aus Heft 03/09 zum Thema Tinnitus und Hörsturz gelesen. Ich hatte selber einen Hörsturz und habe eine Frage: Mein Arzt stellte bei mir noch "Morbus Meniere" fest. [tauchen.de]
- Hörstörung
Der Nachweis einer Hörstörung im zeitlichen Zusammenhang mit der Drehschwindelattacke sichert die Diagnose. Die anfängliche Reversibilität der Hörstörung erschwert den Nachweis. [eref.thieme.de]
In einer Hörprüfung (Audiometrie) wird der Arzt eine Hörstörung feststellen können. [hno-stuttgart.com]
Je häufiger die Patienten die Symptomatik des Morbus Meniére erfahren, um so mehr ist mit einer bleibenden Hörstörung und Tinnitus zu rechnen. [wicker.de]
- Völlegefühl im Ohr
Da auch die Cochlea betroffen ist, tritt zusätzlich eine fluktuierende Tieftonschwerhörigkeit während des Schwindelanfalls und Tinnitus auf, des weiteren ein Druck- und Völlegefühl im Ohr. [eref.thieme.de]
Im Anfall verschlechtert sich das Hörvermögen des erkrankten Ohres, verbunden mit einem Ohrgeräusch (Tinnitus) und manchmal auch einem Druck- oder Völlegefühl im Ohr. [de.wikipedia.org]
Das gilt bei einem der folgenden Kriterien: fluktuierendes Hörvermögen* Völlegefühl des Ohres häufige, spontane Schwindelattacken In Ausnahmefällen kann dennoch eine Kraftfahreignung ausgesprochen werden: Wenn über eine Beobachtungszeit von 2 Jahren ausschließlich [betanet.de]
- Völlegefühl im Ohr
Da auch die Cochlea betroffen ist, tritt zusätzlich eine fluktuierende Tieftonschwerhörigkeit während des Schwindelanfalls und Tinnitus auf, des weiteren ein Druck- und Völlegefühl im Ohr. [eref.thieme.de]
Im Anfall verschlechtert sich das Hörvermögen des erkrankten Ohres, verbunden mit einem Ohrgeräusch (Tinnitus) und manchmal auch einem Druck- oder Völlegefühl im Ohr. [de.wikipedia.org]
Das gilt bei einem der folgenden Kriterien: fluktuierendes Hörvermögen* Völlegefühl des Ohres häufige, spontane Schwindelattacken In Ausnahmefällen kann dennoch eine Kraftfahreignung ausgesprochen werden: Wenn über eine Beobachtungszeit von 2 Jahren ausschließlich [betanet.de]
Diagnostik
Diagnostische Verfahren, die eine zweifelsfreie Bestätigung der Diagnose MM erlauben würden, stehen nicht zur Verfügung. Deshalb beruht die Diagnose auf der Interpretation anamnestischer Angaben und klinischer Daten [2]:
- Von besonderer Bedeutung bei der Aufarbeitung eines Verdachtsfalles ist das intermittierende Auftreten von Symptomen, das für die meisten Erkrankungen des Ohres (und des zentralen Nervensystems) nicht typisch ist. Nach Möglichkeit sollte deshalb in einem Kalender aufgezeichnet werden, wann, wie lange und wie stark bestimmte Symptome erlebt werden. Wenn der Patient Drop Attacks erfährt, so ist auch dies zu notieren.
- Aus einem Elektronystagmogramm lassen sich Hinweise auf eine Störung des Vestibularapparats ableiten. Darüber hinaus sollten die Augenbewegungen in dunklen Raum evaluiert werden [3].
- Für eine bessere objektive Einschätzung des Schweregrades der Symptome eignet sich zum anderen die Audiometrie: Es wird besonders empfohlen, das Sprachverstehen über das oder die betroffenen Ohren zu testen.
Eine Computer- oder Magnetresonanztomographie des Kopfes verspricht keine spezifischen Befunde in Bezug auf den MM, kann aber angezeigt sein, um Differentialdiagnosen auszuschließen.
Therapie
Der MM ist nicht heilbar, aber verschiedene Therapien können helfen, die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren und die Stärke der Symptome zu mindern. Um eine Entscheidung zu einer möglichen Behandlung zu treffen, bedarf es präziser Kenntnisse zum Krankheitsverlauf im individuellen Fall.
Zunächst werden in der Regel Diuretika und Antiemetika eingesetzt, um den durch akkumulierte Endolymphe im Innenohr ausgeübten Druck zu reduzieren und belastende Symptome wie Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu lindern [4]. Dem Patienten wird in diesem Zusammenhang auch nahegelegt, eine salzarme Diät zu halten. Diese Maßnahmen sind in vielen Fällen bereits ausreichend, um den MM zu kontrollieren. Ist dies nicht der Fall, können invasivere Methoden in Betracht gezogen werden.
Zum einen besteht die Möglichkeit einer Injektion von oto- und vestibulotoxischem Gentamicin oder Dexamethason in das Mittelohr. Diese Injektion erfolgt durch einen temporären Zugang über das Trommelfell und kann bei Bedarf auch wiederholt werden [5]. Zum anderen kann versucht werden, mit Hilfe eines Druckpulsgenerators und nach Legen eines Paukenröhrchens den Druck im Mittel- und Innenohr zu ändern. Die Beweislage zur Wirksamkeit dieser Therapie ist jedoch noch recht spärlich. Schließlich kommen chirurgische Interventionen zur Therapie des MM infrage: Ein endolymphatischer Shunt dient dem besseren Abfluss angestauter Flüssigkeit und damit einer Dekompression.
Wenn die MM-assoziierten Symptome eine stärkere Belastung darstellen als ein Verlust des Hörvermögens und der Funktion des Gleichgewichtsorgans, kann der Nervus vestibularis durchtrennt oder das gesamte Innenohr im Rahmen einer Labyrinthektomie exstirpiert werden [6]. Die Notwendigkeit zur Umsetzung radikaler Therapien ergibt sich im Einzelfall daraus, wie gut der Patient auf die zuvor genannten Therapien anspricht. Manche Patienten sind über Monate oder gar Jahre symptomfrei und selbst schwere MM-Anfälle rechtfertigen hier wohl keine irreversible Ausschaltung des Hör- und Gleichgewichtsorgans.
Prognose
Eine Heilung des MM ist bis heute nicht möglich, aber verschiedene therapeutische Maßnahmen können die Häufigkeit der Anfälle und die Intensität der Beschwerden reduzieren sowie das Fortschreiten der Krankheit verzögern. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass im Erkrankungsverlauf Tinnitus und Schallempfindungsschwerhörigkeit zunehmen. Angaben dazu, wie viele MM-Patienten schließlich bilaterale Beschwerden entwickeln, variieren stark und reichen von 17 bis 75%. Wenn ein Hörverlust permanent geworden ist, kann der Einsatz von Hörgeräten und Cochleaimplantaten Betroffenen den Alltag erleichtern. Nur in seltenen Fällen bedeutet ein MM trotz medizinischer Behandlung eine schwere Behinderung für den Patienten, aber der Krankheitsverlauf im Einzelfall ist kaum vorherzusehen [7].
Ätiologie
Das histologische Pendant zum MM ist der endolymphatische Hydrops in der Cochlea und im Vestibularapparat, d.h. in beiden Organen akkumuliert Endolymphe und es kommt zu einem Druckanstieg, was die empfindlichen Sinneszellen schädigt: Das häutige Labyrinth des Innenohrs enthält Endolymphe und wenn deren Drainage gestört ist, bläht es aufgrund des erhöhten Druckes ballonartig auf. Diese Entwicklung ist die Basis des endolymphatischen Hydrops. Verschiedene pathologische Prozesse können eine Abflussstörung bedingen, z.B die Schwellung des Saccus endolymphaticus oder anderer Strukturen im Innenohr, oder eine Obstruktion des Ductus endolymphaticus. Zudem mag eine vermehrte Sekretion von Endolymphe zur Akkumulation derselben beitragen.
Wissenschaftliche Belege für die vorgenannten Pathomechanismen stehen jedoch noch aus und die Ätiologie des endolymphatischen Hydrops konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. In der jüngeren Literatur wird zu einer möglichen autoimmunen Pathogenese, infektiösen Ursachen und genetischen Faktoren spekuliert. Zustimmung findet vor allem die Hypothese zu einer autoimmunen Genese, da bei Personen mit Autoimmunerkrankungen eine Prädisposition zur Entwicklung eines MM zu bestehen scheint und eine immunsuppressive Therapie den MM-assoziierten Hörverlust lindert. Bezüglich infektiöser Auslöser steht vor allem der Herpes simplex-Virus im Verdacht, den MM provozieren zu können. In epidemiologischen Studien wurde in einigen Familien eine erhöhte Prävalenz dieser Erkrankung festgestellt, was eine genetische Komponente in der Entstehung des MM wahrscheinlich macht. Schließlich soll auch erwähnt werden, dass rekurrente Mittelohrinfektionen, Baro- oder mechanische Traumata als ätiologische Faktoren vorgeschlagen wurden.
Epidemiologie
Präzise Angaben zur weltweiten Inzidenz und Prävalenz des MM können nicht gemacht. In Großbritannien sind einer Studie zufolge etwa 150 von 100.000 Einwohnern betroffen und ähnliche Schätzungen liegen für die Vereinigten Staaten vor, in denen circa 0,2% der Bevölkerung am MM leiden.
Erste Symptome treten gewöhnlich im Alter von 20-50 Jahren und nur selten in der Kindheit auf [8]. Da die Erkrankung progressiv verläuft, sind schwerwiegende Symptome vor allem bei älteren Patienten festzustellen [9]. Es besteht wohl eine leichte Prädilektion für das weibliche Geschlecht, grundsätzlich sind aber Frauen und Männern betroffen. Bisher wurden keine Daten vorgelegt, die die Hypothese einer ethnischen Prädisposition unterstützen würden. Weder das Alter der Patienten bei Erstmanifestation, noch ihr Geschlecht oder ihre ethnische Abstammung erlauben Rückschlüsse auf den Krankheitsverlauf im individuellen Fall und auf die Wahrscheinlichkeit einer bilateralen Erkrankung.
Pathophysiologie
Histologisches Kennzeichen des MM ist der endolymphatische Hydrops, aber bis heute besteht keine Klarheit zu den pathophysiologisch Ereignissen, die zu dieser Kondition führen. Zu ihren Folgen hat man bessere Kenntnisse: Flüssigkeit akkumuliert im endolymphatischen System und ruft dessen ballonartige Dilatation hervor. Elektronenmikroskopisch lässt sich bereits in diesem Stadium eine Degeneration der Epithelzellen und deren Ersatz durch Zellen mesenchymalen Ursprungs zeigen, was einer Fibrose entspricht [10]. Schließlich kann der Druck im endolymphatischen System so weit ansteigen, dass es reißt. Da die Reissner-Membran zwischen Scala media und Scala vestibuli den geringsten Widerstand bietet, geschieht die Ruptur meist hier. Folglich kommt es zu einer Vermischung von Endolymphe und Perilymphe und zu einer Alteration der elektrochemischen Eigenschaften beider Flüssigkeiten. Das bedingt eine signifikante Störung der Funktion des Vestibularapparats und der Hörschnecke. Es kommt zu Schwindel und Nystagmus, und die Patienten entwickeln eine Schallempfindungsschwerhörigkeit, besonders für niedrige Frequenzen, und Tinnitus. Das Gefühl der Fülle im Ohr, das von vielen Betroffenen im Voraus von Anfällen beschrieben wird, lässt sich durch den hohen Druck selbst erklären. Die Ruptur der Membran ermöglicht eine Reduktion des Druckes im Innenohr, was kurzfristig zu einer Verbesserung der Symptome führt. Außerdem kann die Läsion heilen. Da die Ursache der Erkrankung jedoch nicht beseitigt ist, reißt die Membran nach einer unbestimmten Zeit erneut ein. Rekurrente Episoden, wie sie für den MM typisch sind, führen schließlich zu einer irreversiblen Schädigung der Innenohrstrukturen und zur Taubheit.
Prävention
Da die Ätiologie des MM kaum verstanden ist, können auch keine Empfehlungen zu seiner Prophylaxe ausgesprochen werden.
Patienten, die bekanntermaßen an dieser Erkrankung leiden, wird jedoch empfohlen, ihren Lebensstil derart anzupassen, dass Anfälle seltener und weniger intensiv auftreten. Was ihre Ernährung betrifft, sollten sie neben der bereits erwähnten salzarmen Diät auf einen geringen Konsum von Kaffee, Tee, Schokolade und Alkohol achten. Plötzliche Kopfbewegungen, die Schwindel auslösen können, sollten vermieden werden. Infektionen des Ohres sind umgehend medizinisch zu behandeln.
Zusammenfassung
Der Terminus MM beschreibt eine Erkrankung des Innenohrs. Die Leitsymptome des MM sind Drehschwindel, Tinnitus und Hörverlust, die anfallsartig auftreten. Zu seiner Ätiologie und Pathogenese ist nur wenig bekannt. Man weiß allerdings, dass dem Leiden ein endolymphatischer Hydrops zugrunde liegt, weshalb diese Bezeichnung zuweilen analog verwendet wird.
Die genannten Symptome treten in frühen Stadien der Erkrankung einseitig auf, aber ein nicht unbedeutender Anteil der Betroffenen entwickelt schließlich einen bilateralen MM [11]. Eine akute Episode dauert zwischen 20 Minuten und mehreren Stunden an, und anfänglich klingen die beschriebenen Symptome nach einem MM-Anfall vollständig wieder ab. Im Verlauf der Erkrankung kommt es jedoch zu einer irreversiblen Schädigung der Sinnesorgane, sodass die Beschwerden permanent werden.
Während einer Attacke sollte den Patienten Bettruhe verordnet werden. Darüber hinaus kommen Antiemetika zur Linderung der Symptome und Diuretika zur Behandlung des kausalen Hydrops zum Einsatz. Falls die Patienten nicht ausreichend auf eine solche Therapie ansprechen, sind invasive Methoden bis hin zur Exstirpation des Innenohrs in Betracht zu ziehen [12].
Patientenhinweise
Morbus Menière ist eine langsam progressive Erkrankung des Innenohrs, über deren Entstehung nur wenig bekannt ist. Symptome setzen meist im Erwachsenenalter ein. Betroffene leiden typischerweise an anfallsartig auftretendem Drehschwindel, Tinnitus und einer Beeinträchtigung des Hörvermögens. Die Intensität der Symptome und die Dauer eines Anfalls variieren von Patient zu Patient: In einigen Fällen klingen die Beschwerden bereits nach 20 Minuten wieder ab, in anderen halten sie für mehrere Stunden an. In der Zeit zwischen zwei Anfällen sind die Patienten - zumindest in frühen Stadien der Erkrankung - symptomfrei. Im Erkrankungsverlauf kommt es jedoch zu einer irreversiblen Schädigung der Sinneszellen im Hör- und Gleichgewichtsorgan. Deshalb ist es langfristig möglich, dass Betroffene ihr Hörvermögen gänzlich verlieren. Bei momentanem Kenntnisstand kann nicht vorhergesagt werden, ob sich ein Fall in diese Richtung entwickelt und ob damit zu rechnen ist, dass aus einer initial einseitigen Erkrankung eine Beeinträchtigung der Funktion beider Ohren entsteht.
Die Diagnose wird anhand anamnestischer Angaben und klinischer Befunde gestellt. Neben einer otologischen Untersuchung finden Verfahren wie die Audiometrie und Elektronystagmographie Anwendung, um den Schweregrad der Symptome objektiv zu beurteilen. Bisweilen empfiehlt sich auch eine Computer- oder Magnetresonanztomographie des Kopfes, um Differentialdiagnosen auszuschließen. Die Behandlung erfolgt zunächst symptomatisch, d.h. Betroffene sollten während eines akuten Schubes Bettruhe wahren und erhalten Medikamente, die Schwindel, Übelkeit und Erbrechen mindern. Falls dies nicht ausreicht, um die Intensität der Symptome auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, und Anfälle zudem sehr häufig auftreten, kann im Rahmen chirurgischer Eingriffe eine Therapie erfolgen. Manchmal muss in Kauf genommen werden, dass ein Patient auf einem Ohr ertaubt, um ihn von den sehr belastenden Symptomen zu befreien. Dies ist jedoch die letzte Option und in der Regel kann mit Hilfe der vorgenannten Maßnahmen eine ausreichende Kontrolle des Morbus Menière erreicht werden.
Quellen
- Mancini F, Catalani M, Carru M, Monti B. History of Meniere's disease and its clinical presentation. Otolaryngol Clin North Am. 2002;35:565-580.
- Crummer RW, Hassan GA. Diagnostic approach to tinnitus. Am Fam Physician. 2004;69:120-126.
- Black FO, Effron M Z and Burns DS. Diagnosis and management of drop attacks of vestibular origin: Tumarkin's otolithic crisis. Otolaryngol Head Neck Surg.90.1982;(2): 256-62.
- Santos PM, Hall RA, et al. Diuretic and diet effect on Meniere's disease evaluated by the 1985 Committee on Hearing and Equilibrium guidelines. Otolaryngol Head Neck Surg.1993; 109(4): 680-9.
- Schwaber MK. Transtympanic gentamicin perfusion for the treatment of Meniere's disease. Otolaryngol Clin North Am. 2002;35:287-295.
- Berryhill WE, Graham MD. Chemical and physical labyrinthectomy for Meniere's disease. Otolaryngol Clin North Am. 2002;35:675-682.
- Kinney SE, Sandridge SA, Newman CW. Long-term effects of Meniere's disease on hearing and quality of life. Am J Otol 1997 Jan;18(1):67-73.
- Lempert T, Neuhauser H. Epidemiology of vertigo, migraine and vestibular migraine. Journal of Neurology.2008; 256 (3): 333–338.
- Eaton DA, Roland PS. Dizziness in the older adult, part 2: treatments for causes of the four most common symptoms. Geriatrics. 2003;58:46, 49-52.
- Cawthorne T. Ménière's disease. Annals of Otology.1947; 56: 18–38.
- Ervin SE. Meniere's disease: identifying classic symptoms and current treatments. AAOHN J. 2004;52:156-158.
- Beasley NJ, Jones NS. Menière's disease: evolution of a definition. J Laryngol Otol.1998; 110 (12): 1107–13.