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ZUM TOD VON MARTHE GOSTELI, DER GRÜNDERIN DES GOSTELI-ARCHIVS ZUR GESCHICHTE DER SCHWEIZERISCHEN FRAUENBEWEGUNG
07.04.2017 Die am 22. Dezember 1917 in Worblaufen geborene Frauenrechtlerin Marthe Gosteli (Bild) ist am 7. April 2017 in Muri bei Bern gestorben. Ihre bleibende gesamtschweizerische Bedeutung erlangte sie vor allem als Gründerin des Gosteli-Archivs zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung.
Die Gosteli-Stiftung schreibt heute in ihrer Medienmitteilung:
"Traurig teilen wir Ihnen mit, dass Marthe Gosteli in der Nacht auf den 7. April verstorben ist. Sie befand sich nach einem Sturz in Pflege.
Marthe Gosteli wurde am 22. Dezember 1917 auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Worblaufen bei Bern geboren. Während des 2. Weltkrieges arbeitete sie in der Abteilung Presse und Rundfunk des Armeestabes. Nach dem Krieg leitete sie die Filmabteilung des Informationsdienstes an der US-amerikanischen Botschaft in Bern.
Ihre Erfahrungen mit den Medien stellte sie ab Mitte der 1960er-Jahre ausschliesslich in den Dienst der Frauenbewegung. In den Jahren von 1964 bis 1968 war sie Präsidentin des bernischen Frauenstimmrechtsvereins. Anschliessend war sie Vizepräsidentin des Bundes Schweizerischer Frauenvereine BSF. 1970/1971 präsidierte sie die Arbeitsgemeinschaft der schweizerischen Frauenverbände für die politischen Rechte der Frau. Diese Organisation trug mit ihrem Verhandlungsgeschick mit dem Bundesrat wesentlich zur Annahme des Frauenstimmrechts auf eidgenössischer Ebene bei.
Anschliessend widmete sich Marthe Gosteli der Einführung des therapeutischen Reitens in der Schweiz und gründete schliesslich 1982 die Gosteli-Stiftung als Trägerin des Archivs zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung.
Stiftung und Archiv sind als 'Gedächtnis der Schweizer Frauen' Aufbewahrungsort für über 400 Bestände von Frauenrechtsorganisationen, Frauenverbänden und einzelnen Frauen, die in Politik, Wirtschaft, Bildung, Kultur, Gesellschaft und Familie eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Gosteli-Stiftung gibt den vielen vergessenen Frauen ein Gesicht, hält die Erinnerungen an ihr Tun lebendig und verankert dieses Bewusstsein in der Öffentlichkeit.
Marthe Gosteli wurde 1989 mit dem Trudi-Schlatter-Preis, 1992 mit der Burgermedaille der Burgergemeinde Bern, 2008 mit der Silbernen Verdienstmedaille der Oekonomischen und Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern und 2011 mit dem Menschenrechtspreis der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte ausgezeichnet. 1995 erhielt sie den Ehrendoktor der Universität Bern und jüngst (30. März 2017) durfte ihre Stiftung den Kulturpreis der Burgergemeinde Bern entgegennehmen.
Der Stiftungsrat und das Team der Gosteli-Stiftung sind bestrebt, das Lebenswerk von Marthe Gosteli im Sinn der Gründerin und Stifterin weiterzuführen."
Marthe Gostelis Kampf für die Frauenrechte ist zu Ende
Eigentlich wollte Marthe Gosteli den Kulturpreis der Burgergemeinde Bern am 30. März noch persönlich entgegennehmen - jenen Preis, der ihr Frauenarchiv in Worblaufen ehrt. Ein Sturz verunmöglichte dies allerdings. Stattdessen besuchte eine Delegation der Burger Gosteli am Krankenbett. Erholen konnte sie sich nicht mehr: In der Nacht auf Freitag starb sie 99-jährig.
Noch im Februar trafen wir sie zum Gespräch. Dabei schöpfte Gosteli aus ihrer reichhaltigen Erinnerung, aus ihrer «langen Geschichte»:
Stefanie Christ
«Sie sagte, wos langgeht»
«Sie fehlt uns», sagt Silvia Bühler, Leiterin der Gosteli-Stiftung. Marthe Gosteli habe im Archiv gewohnt und sei sehr präsent gewesen. Bis zum Schluss habe sie sich für ihre Sache eingesetzt. «Sie sagte, wos langgeht.» Dabei sei sie aber stets humorvoll und lebendig geblieben. «Sie hatte ein bewegtes und erfülltes Leben», sagt Bühler.
Die Frauenrechtlerin Marthe Gosteli ist am Freitag in ihrem 100. Lebensjahr verstorben. Das teilte ihre Wohngemeinde Ittigen mit. Gosteli hatte in den 1960er-Jahren die Frauenbewegung in der Schweiz massgeblich geprägt.
Der Ittiger Gemeindepräsident Marco Rupp würdigte Gosteli als «beeindruckende Persönlichkeit». Noch bis zuletzt habe sie aktiv am gesellschaftlichen Leben teilgenommen, sagte er.
Die Bernerin Marthe Gosteli prägte die Frauenbewegung nachhaltig
Das Gosteli-Archiv sei heute das bedeutendste Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung, schreibt die Gemeinde in ihrer Mitteilung (...). Die Gemeinde werde sich für das Weiterführen von Gostelis Vermächtnis einsetzen.
sda-ats
Audio:
Radio SRF 1, "Echo der Zeit", 08.03.2017, 18:00 Uhr
Marthe Gosteli: «Ich musste für alles kämpfen»
Erst 1971 hat die Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt. Zu verdanken ist dies auch Marthe Gosteli, die den Kampf um das Stimmrecht für Frauen damals angeführt hat. Die Pionierin und Vorkämpferin ist auch als beinahe 100-Jährige kein bisschen leise, wenn es um die Rechte der Frauen geht.
Video:
-> Kulturpreis 2017 der Burgergemeinde Bern: Porträt der Preisträgerin Gosteli-Stiftung
Mehr:
Auf dieser Webseite u.a. erschienen:
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Nachtrag vom 8.4.2017:
Nachruf auf Vorkämpferin des Frauenstimmrechts
Dass Schweizer Frauen 1971 das Stimmrecht erhielten, ist unter anderem Marthe Gosteli zu verdanken. Die Berner Frauenrechtlerin hatte jahrzehntelang für die Gleichberechtigung der Schweizer Frauen gekämpft.
Danach funktionierte sie ihr Elternhaus in Worblaufen um in ein Archiv zur Geschichte der Frauen. Nun ist Marthe Gosteli im Alter von 99 Jahren gestorben.
Elmar Plozza