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Sie produzieren rund 50 Prozent des Walliser Weinvolumens und sollen an einem konspirativen Treffen im September 2012 bestimmt haben, wie viel sie den Winzern für Fendant, Pinot noir, Gamay und Dôle zahlen wollten. Händler zahlen den Weinbauern kurz vor der Ernte für ihre Traubenlieferungen vom Vorjahr üblicherweise die letzten 20 Prozent. Gelingt es nicht, einen abschliessenden Preis auszuhandeln, was der Normalfall ist, kann der endgültige Preis für die letztjährige Ernte noch angepasst werden – nach unten oder nach oben.
"Wir wollten Produzenten helfen"
Aufgrund der vollen Lager und der guten Prognosen für die Ernte 2012 beschlossen die Weinkellereien, den Produzenten als Schlusspreis für das 2011 gelieferte Kilo Fendant 2.70 Franken und für das Kilo Pinot noir 2.90 Franken zu bezahlen. «Das waren Mindestpreise. Wir versuchten, den Produzenten zu helfen und sie vor zu tiefen Preisen zu schützen», rechtfertigt Weinhändler Jean-Bernard Rouvinez, der das Treffen präsidierte, das Vorgehen gegenüber der «SonntagsZeitung». Die Weinbauern hingegen sprechen von einer Schutzbehauptung.
Preisabsprachen gegenüber Grossisten scheiterten
An einem zweiten Treffen hätten die Weinhändler auch eine Preisabsprache gegenüber den Grossisten beschliessen sollen. Die geplante Absprache gegenüber dem Grosshandel kam jedoch nicht zustande, weil einige Beteiligte darin ein illegales Kartell vermuteten. Die eidgenössische Wettbewerbskommission habe aufgrund der Vorgänge «eine Marktbeobachtung der Weinbranche» vorgenommen. Allerdings erklärte die Weko gegenüber der Zeitung nun, dass sie keine Untersuchung eröffne, weil für die Ereignisse die Verjährungsfrist von fünf Jahren knapp abgelaufen war. sda
"Preisdrückerei hält an"
Der Direktor von Branchenpriumus Provins, Roland Vergères, musste das Unternehmen 2014 verlassen. Pierre-Alain Grichting, seit 2014 Verwaltungsratspräsident von Provins, sagt, das Verhältnis zu den Weinbauern habe sich verbessert. Man sei auf die Weinbauern angewiesen, so der Oberwalliser. Man wolle mehr Menge aus dem Wallis. Doch der Markt gebe im Moment aber fast nichts her. Wegen der Konkurrenz zum ausländischen Wein bleibe der Kampf um Preis und Rentabilität aber pickelhart, macht er gegenüber der «SonntagsZeitung» klar.
Doch die Weinbauern haben offenbar noch nichts vom besseren Verhältnis gespürt. «Von der steigenden Nachfrage der grossen Händler spüren wir nichts. Die Preisdrückerei hält an», sagt Winzer Lothar Varonier. Mit den Preisen der Weinkellereien könne er nicht überleben. In den vergangenen Jahren sind die Erträge, auch aufgrund der schlechten Witterung, eingebrochen. Wurden 2011 noch 43 Millionen Liter geerntet, sank der Wert im vergangenen auf unter 30 Millionen Liter. Der Frühlingsfrost vernichtete bis zu 35 Prozent der letztjährigen Ernte.
Bauern haben finanzielle Probleme
Die grossen Weinkellereien bewirtschaften zwar selbst grosse Rebflächen, sie sind aber auf die Mengen der Weinbauern angewiesen, um ihren Verpflichtungen gegenüber Detailhändler wie Coop und Denner nachzukommen. Aufgrund der tiefen Erträge haben die Weinbauern finanzielle Probleme. Vor allem auch jene, die selber einkeltern und ihre Kellereien modernisierten. Die Preise für die Trauben sind zwar gestiegen - beim Chasselas auf 3.20 bis 3.40 Fr. pro Kilo und beim Pinot Noir auf 3.40 bis 3.60 Fr. pro Kilo - doch die höheren Preise machen die geringeren Erträge nicht wett.
Gemäss Weinbauer Varonier benötigt ein Weinbauer 4 Franken je Kilo, um die Anbaukosten zu decken. «Immer mehr Kollegen haben Motivationsprobleme. Ihre Kinder wollen die Reben nicht übernehmen. Etliche denken ans Aufhören und wollen ihre Reben verkaufen oder verpachten», mahnt der Oberwalliser gegenüber der «SonntagsZeitung».