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Der Begriff der 2000-Watt-Gesellschaft wurde 1997 von Wissenschaftern der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) geprägt. Er beschreibt ein visionäres energiepolitisches Modell, das im Rahmen des ETH-Programms Novatlantis entwickelt worden ist.
Die Idee entstand aus der Forschung heraus, auf der Suche nach der Antwort, wie einerseits die immer knapper werdenden globalen Ressourcen gerechter und nachhaltiger genutzt und andererseits damit auch die Klimaschutzziele erreicht werden können. Es geht also darum, sowohl den Energieverbrauch, vor allem von fossiler Energie, als auch den CO2-Ausstoss massiv zu senken.
Zur Erklärung: Watt und Kilowattstunden
Ziele
Es ist das erklärte Ziel von Bund und Kantonen, die Schweiz bis ins Jahr 2150 zu einer 2000-Watt-Gesellschaft umzugestalten.
Zwischenziel 2050:
Absenkung des Energiebedarfs auf 3500 Watt und zwei Tonnen CO2-Aussstoss pro Person und Jahr in der Schweiz
Ziel 2150:
2000 Watt und eine Tonne CO2-Aussstoss pro Person und Jahr
Das Erreichen dieser Ziele setzt eine rigorose Anpassung der Infrastruktur und einen Wandel der Lebensweise voraus. Um diese Veränderungen bewältigen zu können, wurde ein entsprechend grosser Zeithorizont gewählt.
Ist-Zustand
Weltweit besteht aktuell eine 2000-Watt-Gesellschaft. Nur ist der Energiekonsum nicht gleichmässig verteilt. Ein indischer Bauer lebt mit einem Energiebedarf von ungefähr 500 Watt – natürlich herrschen in Indien auch andere klimatische Bedingungen als in der Schweiz. Die Länder Nordafrikas und Südamerikas sind heute etwa 2000-Watt-Gesellschaften, während wir in Europa um 6000 Watt benötigen. Einsamer Spitzenreiter sind die USA mit einem Energieverbrauch von 13000 Watt pro Kopf.
2000-Watt-Gesellschaft
Geschichtlich betrachtet hatten wir in der Schweiz in den 1960er-Jahren eine 2000-Watt-Gesellschaft. Es geht jedoch nicht darum, den damaligen Lebensstandard wieder einzuführen, sondern den heutigen Standard an einen Verbrauch von 2000 Watt anzupassen.
Übrigens, so sah es in Langnau in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts aus:
Strategien zur Erreichung der 2000-Watt-Gesellschaft
Die drei wichtigen Begriffe heissen Effizienz, Substitution und Suffizienz.
- Effizienz
Erhöhung der Material- und Energieeffizienz
Effizienz bedeutet, «mit weniger mehr machen», also die Deckung der Bedürfnisse mit einem kleineren Einsatz von Energie und Rohstoffen zu erreichen.Um Effizienz geht es zum Beispiel, wenn sparsamere Motoren in Autos eingesetzt werden. Aber auch dann, wenn Produkte absichtlich – um mehr Geld zu verdienen – so hergestellt werden, dass sie nicht die optimale Wirkung erzielen oder Teile in Geräte eingebaut werden, die die Lebensdauer verkürzen.
Ein berümtestes Beispiel dafür ist die Absprache des weltweiten Kartells der Hersteller von Glühbirnen anfangs des letzten Jahrhunderts, mit der die Lebensdauer von 2500 Stunden auf 1000 Stunden reduziert wurde (materielle Obsoleszenz). Heute wird dies vor allem bei Elektrogeräten in besonders krasser Weise angewandt. Nicht nur die Umwelt wird dadurch geschädigt, sondern auch das Portemonaie der Konsumenten.
Bei Effizienz geht es aber insbesondere auch darum, die sogenannte „Graue Energie“ zu berücksichtigen. Darunter wird die Energie verstanden, die für die Produktion der Güter und Dienstleistungen benötigt wird. Holz hat beispielsweise als Baumaterial nur einen Viertel des Energiebedarfs von mineralischen Baustoffen wie Beton, Backsteinen etc. Wird für die Konstruktion konsequent Holz in möglichst wenig verarbeiteter Form verwendet, kann die Hälfte der grauen Energie unserer Bauten eingespart werden. Aufgrund der grauen Energie haben neue Autos, auch wenn sie weniger Kraftstoff verbrauchen, eine schlechtere Energiebilanz als ältere Modelle.
- Substitution
Ersatz von fossilen durch erneuerbare Energieträger und Reduktion der CO2- Intensität der übrigen Nutzung fossiler Energien.Substitution bedeutet mit anderen Worten «wir stellen auf erneuerbare Ressourcen um».
- Suffizienz
Neue Lebens- und Unternehmensformen – Stichwort: Wegwerfgesellschaft
Suffizienz bedeutet «wir nehmen nur, was wir wirklich brauchen». Es geht darum, den Bedürfnissen Prioritäten zuzuordnen und ein einzelnes Bedürfnis nicht unnötig wachsen zu lassen. Damit lässt sich unter anderem auch verhindern, dass der sogenannte «Rebound-Effekt» die Effizienzbemühungen wirkungslos macht.Als Rebound-Effekt wird zum Beispiel bezeichnet, wenn effizientere Autos dazu führen, dass die Nutzer vermehrt das Auto benutzen, weil sie das Gefühl haben, es sei ja effizienter als das alte. Oder wenn ein neues Einkaufszentrum gebaut wird, welches pro Fläche lediglich 25 Prozent der Betriebsenergie des alten benötigt, aber dafür viermal grösser ist. Suffizienz spielt aber auch dann eine Rolle, wenn Konsumenten beispielsweise dazu verleitet werden, alleine aufgrund eines modischen Designs ein neues Produkt zu kaufen, obwohl es gegenüber dem alten keinen wesentlichen Zusatznutzen besitzt (psychologische Obsoleszenz).
Führungen
Führungen
Das Energieerlebnis Langnau bietet Führungen an zum Thema „2000-Watt-Gesellschaft“, die hier gebucht werden können.
Obsoleszenz
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