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Er ist der umstrittenste Personalmanager von Swiss Banking; und er ist möglicherweise bald weg vom Fenster.
John F. Bradley, Amerikaner, vor dreieinhalb Jahren von der US-Grossbank JP Morgan zur UBS gestossen, hat offenbar seinen Kredit verspielt.
Aus Headhunter-Kreisen ist zu hören, dass Bradley keinen Rückhalt mehr in den Frontabteilungen der Schweizer Grossbank geniessen würde.
Eine zweite Quelle berichtet, die UBS habe bereits einen Such-Auftrag am Laufen.
Ziel sei ein Schweizer, der das Zeug für den Posten des globalen Chefs Human Resources der Grossbank habe, sagt der Gesprächspartner.
Mit dem Namen Bradley ist bei der UBS ein besonderes Experiment verbunden. Es heisst „Performance Measurement and Management“ (PMM) und wurde vom Amerikaner nach dessen Wechsel aus den USA ins Zürcher Finanzzentrum eingeführt.
PMM sorgte für anhaltende Kritik. In der Anfangsphase zwang PMM die Vorgesetzten, Mitarbeiter nach vorgegebener statistischer Normalverteilung in eine von 5 Leistungskategorien einzuteilen.
„Forced Ranking“ hiess die Zwangseinstufung. Sie wurde nach Protesten vor zwei Jahren abgeschwächt.
Geändert hat sich nur wenig. Nach wie vor wird von den UBS-Chefs erwartet, dass sie die vorgegebenen Prozentzahlen der 5 Leistungsklassen einhalten.
Ausnahmen müssen auf nächst höherem Level von den Vorgesetzten begründet werden.
Angefragte Schweizer Personalfachleute schütteln den Kopf über Bradleys Quali-System.
„Das macht sonst niemand auf der ganzen Welt“, sagt ein Spezialist. Selbst JP Morgan, wo Bradley zuvor wirkte, habe das Forced Ranking nicht hundertprozentig umgesetzt.
Bradleys Modell könne nicht funktionieren, da es zwei gegenläufige Ziele unter einen Hut bringen wolle.
„Entweder man beurteilt die Leute aufgrund ihrer Leistung, oder man drückt sie nach einer vorgegebenen Statistik in eine Qualifikationsschublade“, sagt die Quelle. „Beides gleichzeitig geht nicht.“
In der Praxis würde der Versuch auf einen zweistufigen Prozess hinauslaufen, der Unruhe und Unverständnis provoziere.
Nach der ersten Qualifizierung würde jeder Chef „nochmals reinstechen“ und seine Mitarbeiter in einem zweiten Anlauf einer der 5 Leistungsstufen zuordnen. Das sei willkürlich und werde von den Betroffenen als unfair empfunden.
„Die Vermischung von Forced Ranking und individueller Qualifikation ist ein konzeptioneller Fehler“, sagt der Fachmann. „Damit hat Bradley seinen Ruf bei der UBS beschädigt.“
Ein interner UBS-Personalmanager sagt, dass die Bedeutung der jeweiligen Qualifikation ständig schwanke. Die Qualifizierung „Underperformer“ respektive „Needs improvement“ würde mal so, mal anders gedeutet.
„Im Dezember, als das PMM für das letzte Jahr besprochen wurde, hiess es in den Führungssitzungen noch, „Needs improvement“ sei OK“, sagt die Quelle.
„Bei der Bonusverteilung im Januar galt dann „Needs improvement“ als nicht mehr gut.“
Der forcierten Einteilung in die Leistungsklassen kommt bei der UBS derzeit besondere Bedeutung zu.
Eine schlechte Qualifizierung hat nicht nur Folgen für die Entschädigung, sondern kann im laufenden Personalabbau ausschlaggebend für eine Kündigung sein.
„Bei einem Stellenabbau innerhalb einer Einheit werden zusätzlich zur Leistung weitere Kriterien wie Aufgabenbereich, Potenzial, Erfahrung, Netzwerk angeschaut“, sagt eine UBS-Sprecherin
Trotz der Abschwächung bleibt „Leistung“ wohl das entscheidende Kriterium bei der Frage, wer über die Klinge springen muss.
Wer wieviel leistet, geht aus John F. Bradleys umstrittenem Performance Measurement and Management hervor.
Laut der UBS-Sprecherin hat sich die Diskussion um Bradleys PMM beruhigt. Gleiches sagt die interne Personalkommission. Dieses Jahr habe es deutlich weniger Rückmeldungen zum Quali- und Bonus-Prozess gegeben, heisst es dort.
Zuständig für einen Wechsel von Bradley zu einem neuen globalen Personalchef ist Ulrich Körner. Als Chief Operating Officer (COO) verwaltet Körner die halbe Bank.
Körner hatte Bradley 2009 angeheuert und ihm den Auftrag erteilt, das Personalmanagement der Bank auf den Kopf zu stellen.
Bradley trennte sich von langjährigen Schweizer Chefs und führte ein Callcenter ein. Während die UBS Schweiz die Vorgaben des Amerikaners mustergültig umsetzte, stellten sich Abteilungen im Ausland teilweise quer.
Körner zeigte sich in der Vergangenheit emotionslos, wenn es darum ging, wichtige Positionen neu zu besetzen.
Letzten Sommer entzog der Deutsche dem langjährigen Kommunikationschef Michael Willi das Vertrauen. Bereits zuvor waren weitere Schlüsselleute wie die Strategiechefin von Bord gegangen.
Der sich abzeichnende Wechsel an der Spitze des Personals könnte mit der Strategieumkehr zusammenhängen. Die UBS will sich weitgehend aus dem angelsächsisch geprägten Investment Banking verabschieden.
Der neue Fokus auf die Vermögensverwaltung könnte das Schweizer Element innerhalb der Grossbank stärken. Deshalb könnte ein Schweizer als globaler Personalchef ins Konzept passen.