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Wir Menschen sind an das Leben an Land bestens angepasst. Im bzw. unter Wasser dagegen stoßen wir schnell an unsere Grenzen. Mit aquatischen Säugetieren können wir in keinerlei Hinsicht mithalten. Das trifft auch auf das Hören zu. Dieser Ansicht war die Wissenschaft jedenfalls bislang. In einer neuen Studie fanden Forscher der University of Southern Denmark jetzt heraus, dass wir Menschen unter Wasser doch besser hören können als gedacht.
Dass der Mensch an das Hören an Land besser angepasst ist als an das Hören unter Wasser, ist nicht überraschend. Aus evolutionsbiologischer Sicht hat es für uns kaum einen Nutzen, unter Wasser gut hören zu können. Dennoch scheint unser Gehör im Vergleich zu Meeressäugern wie Robben nicht so schlecht abzuschneiden, wie bisher von Wissenschaftler angenommen. Der neuen Studie zufolge können wir bei bestimmten Frequenzen nämlich ebenso gut hören wie Robben.
Bereits seit den 1950er Jahren wird das menschliche Gehör unter Wasser untersucht. Vor allem im Militär wollte man verstehen, wie Taucher durch Unterwasserexplosionen beeinträchtigt werden. In all diesen Studien, die unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen durchgeführt wurden — mit Taucherausrüstung, mit Neoprenkappen oder mit luftgefüllten Tauchermasken —, wurden höhere Hörschwellen ermittelt als in der aktuellen Studie, erklärt Jakob Christensen-Dalsgaard, Experte für das Gehör von Tieren und Professor an der University of Southern Denmark und Hauptautor der Studie.
An der neuen Studie nahmen sieben Personen teil und die Tests ergaben, dass unter Wasser die durchschnittliche Hörschwelle von 71 Decibel bei 500 Hertz liegt. Die Hörschwelle gibt an, welche Lautstärken man gerade noch hören kann. Über Wasser entsprechen Geräusche wie eine laufende Dusche oder menschliches Husten einer Lautstärke von 71 Decibel.
«Sie ist 26 dB niedriger als in früheren Studien angenommen, so dass wir zu dem Schluss kommen müssen, dass der Mensch unter Wasser deutlich besser hört als bisher von der Wissenschaft berichtet. Der Schwellenwert von 500 Hz entspricht dem, was Tiere wie Kormorane und Robben unter Wasser hören», sagt Christensen-Dalsgaard.
In den früheren Studien ging man davon aus, dass das menschliche Ohr unter Wasser durch die sogenannte Knochenleitung funktioniert, was bedeutet, dass die Schallwellen den Schädel in Schwingung versetzen. Diese Hypothese würde zu den früher festgestellten hohen Hörschwellen passen.
«Wir glauben jedoch, dass die Resonanz in der eingeschlossenen Luft im Mittelohr den Schall verstärkt und das Ohr empfindlicher macht. Dies haben wir auch in früheren Studien an Kormoranen, Schildkröten und Fröschen gezeigt», erklärt Christensen-Dalsgaard.
Doch auch wenn wir uns bei bestimmten Frequenzen unter Wasser mit Robben messen können, bedeutet dies nicht, dass wir uns auch ebenso gut orientieren können. Dafür fehlt unserem Gehör eine entscheidende Fähigkeit: die genaue Bestimmung der Richtung, aus der die Schallwellen kommen.
«In der Luft können wir die Richtung des Schalls bis auf wenige Grad genau bestimmen, aber im Wasser gibt es eine Fehlerspanne von bis zu 90 Grad. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn wir sind darauf trainiert, auf die geringen Zeitunterschiede zwischen den Ohren zu reagieren, die auf die Schallgeschwindigkeit in der Luft zurückzuführen sind. Im Wasser ist die Schallgeschwindigkeit viermal so hoch, und die Zeitunterschiede sind viel geringer», erklärt Christensen-Dalsgaard abschließend.
«Die Ergebnisse zeigen, dass der Mensch unter Wasser weniger gut in der Lage ist, die Richtung des Schalls zu bestimmen, und bestätigen damit, dass das menschliche Gehör nicht an die Bedingungen unter Wasser angepasst ist.»
Julia Hager, PolarJournal