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Mukopolysaccharidose Typ 4A (MPS-IVA) ist eine lysosomale Speicherkrankheit, deren Ursache in Mutationen des Gens liegt, das für das Enzym N-Acetylgalaktosamin-6-Sulfatase codiert. MPS-IVA wird autosomal rezessiv vererbt und ist auch als Morquio A bekannt. Das zuvor genannte Enzym wird zum Abbau bestimmter Glykosaminoglykane benötigt und wird in unterschiedlichen Geweben exprimiert, z.B. in Knochen, Knorpel und Cornea. Das klinische Bild wird von Skelettanomalien dominiert. Die Therapie basiert auf einer Enzymsubstitution.
Die Enzymdefizienz ist angeboren und die Akkumulation der Glykosaminoglykane Chondroitin-6-Sulfat und Keratansulfat beeinträchtigt die körperliche Entwicklung der Patienten schon früh. Während Betroffene normalgroß geboren werden, werden Skelettanomalien in der Regel in den ersten Lebensjahren erkennbar, z.B. Minderwuchs, Deformationen der Wirbelsäule wie Kyphose oder Gibbus und Skoliose, Malformationen des Brustkorbs (Pectus carinatum) und der Gliedmaßen (Coxa valga, Genu valgum) [1]. Daraus ergeben sich Gehstörungen und eine eingeschränkte Mobilität. Diese Symptome werden durch eine pathologische Laxität der Gelenke, entsprechende Gelenkinstabilität und Folgeleiden wie Arthrose weiter verstärkt. Je nach Lokalisation der Deformitäten beschreiben Betroffene Schmerzen im Bereich von Rücken, Hüfte oder Knie. Ein weiterer, häufig erhobener Befund ist eine Hypoplasie des Odontoids. Je nach Ausprägung kann dieser Zustand zu atlantoaxialer Instabilität und einer Kompression des zervikalen Rückenmarks führen, was schwere neurologische Symptome wie Paraplegie bedingen kann [2] [3]. Derartige Komplikationen treten jedoch nur selten auf.
Neben Skelettanomalien gilt ein reduzierter Visus aufgrund einer Hornhauttrübung als weiteres Leitsymptom der MPS-IVA. In einer ophthalmologischen Untersuchung fallen zudem häufig Astigmatismus, Katarakt und Retinadystrophie auf [4]. Ein Glaukom ist im Gegensatz zu anderen Mukopolysaccharidosen selten festzustellen.
Die Funktion weiterer Organsysteme kann beeinträchtigt sein und MPS-IVA-Patienten werden unter Umständen auch mit folgenden Symptomen vorstellig [4]:
Eine geistige Retardierung ist nicht typisch für MPS-IVA [5].
Hinweise auf lysosomale Speicherkrankheiten, die in der familiären Anamnese gegeben werden, erleichtern die Diagnosestellung wesentlich. Aber auch die Erhebung der oben beschriebenen klinischen Befunde sollte ausreichen, die Verdachtsdiagnose Mukopolysaccharidose zu stellen. Zur weiteren Aufarbeitung des Falles wird die bildgebende Diagnostik eingesetzt: In Röntgenaufnahmen sind eine generalisierte Platyspondylie und epiphyseale Dysplasien erkennbar [7]. Zur Unterscheidung verschiedener Mukopolysaccharidosen ist eine Urinuntersuchung erforderlich, in der eine vermehrte Ausscheidung jener Glykosaminoglykane festzustellen ist, deren Abbau gestört ist [8]. Bezüglich der MPS-IVA sind daher erhöhte Konzentrationen an Chondroitin-6-Sulfat und Keratansulfat zu erwarten. Die Diagnose ist mittels einer Bestimmung der Aktivität der N-Acetylgalaktosamin-6-Sulfatase abzusichern [9]. Alternativ können molekularbiologische Techniken Anwendung finden, um Gendefekte zu identifizieren, die eine Diagnose der MPS-IVA zulassen [10].
Neben der Enzymsubstitution sind unterstützende Maßnahmen erforderlich, um die Lebensqualität der Patienten zu erhalten. Dazu bedarf es gründlicher und regelmäßiger orthopädischer Untersuchungen. Der bildgebenden Diagnostik kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu. Schließlich wird auch eine Echokardiographie zur Beurteilung der Herzklappenfunktion empfohlen, ein zahnärztliche Untersuchung, möglicherweise Lungenfunktionstests, ein Hörtest und weitere Maßnahmen je nach klinischer Präsentation [4].