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3.5 km
Publiziert: 31 März 2013
Eine Gruppe kleiner runder Türme zieht oberhalb von Camorino, am Eingang zum Morobbiatal, die Blicke Vorbeireisender auf sich: die "Fortini della fame", die Hungerfestungen.
Eine Gruppe kleiner runder Türme zieht oberhalb von Camorino, am Eingang zum Morobbiatal, die Blicke Vorbeireisender auf sich: die "Fortini della fame", Hungerfestungen oder auch Hungertürme genannt. Es sind Zeitzeugen, die eng mit der bewegten Geschichte des 19. Jahrhunderts verknüpft sind. Die zylindrischen Bauten sind der verbliebene Rest einer Festungsanlage aus 36 Türmen. Fünf Türme gibt es heute noch. Bewundern lassen sie sich jedoch nicht nur von aussen. Auf Anfrage bei der Vereinigung Fortini della Fame werden geführte Besichtigungen durchgeführt. Gegründet wurde diese Associazione 2001 mit dem Ziel, die "Überbleibsel" der Verteidigungslinie wieder zu erschliessen. Von Zeit zu Zeit richtet sie in zwei restaurierten Türmen – es sind die beiden, die nachts erleuchtet sind – unter dem Motto Fortini in arte auch kulturelle Anlässe aus.
Doch warum wurden die Türme gebaut? Welchen Zweck hatten sie?
Die Türme sollen Teil der Verteidigungslinie Dafour gewesen sein, die ab 1853 zwischen Sementina, Monte Carasso, Giubiasco und Camorino errichtet wurde, um die Alpenpässe gegen mögliche Angriffe aus dem Süden zu verteidigen. Erprobt musste die Anlage nie werden, aber die Bauarbeiten ernährten die mehr als 6'000 Tessiner, die von den Österreichern aus der Region Lombardei-Venetien ausgewiesen worden waren. Mit der Schliessung der Grenzen – jedes Jahr waren Tessiner Saisonarbeiter, etwa Marroniverkäufer, in die Lombardei gegangen – widersetzte sich die österreichische Regierung mit Macht gegen die von Seiten der Kantonsregierung und Bevölkerung der Risorgimento-Bewegung entgegengebrachte Sympathie. Denn viele politisch Verbannte hatten im Tessin Gastfreundschaft gefunden. Die Ausweisung der Tessiner erfolgte zu einem kritischen Zeitpunkt; die miserablen Ernten und die Lebensmittelverteuerung hatten der Bevölkerung zugesetzt. Der Bau der Verteidigungslinie brachte vielen zumindest für einige Monate Arbeit.
Die fünf Türme mit den Namen “Ai Scarsitt”, “Ai Munt”, “Ala Pélera”, “Al Sass del Camosc” und “Al Pian di Bur” sind durch einen Lehrpfad verbunden, den die Vereinigung “Fortini della fame” konzipiert und eingerichtet hat. Die Wanderung führt durch Weinberge und Wald oberhalb von Camorino und kann normalerweise das ganze Jahr gemacht werden. Fünf Kilometer misst der Lehrpfad; zurückzulegen sind dabei 300 Meter Höhendifferenz. In rund zwei Stunden lässt sich der Weg bewältigen. Je nach Fotopausen dauert es natürlich etwas länger. Und Pausen sollte man einplanen. Denn abgesehen von den aussergewöhnlichen Bauten bieten sich dem Ausflügler auch andere Motive. So kann man beispielsweise vom höchsten Turm bis zum Lago Maggiore blicken. Der Verkehrsverein schlägt auch eine umfangreichere Wanderung vor, mit Start beim Bahnhof von Giubiasco. Giubiasco ist auch das Ziel dieses rund fünfeinhalb Stunden dauernden Ausflugs (1420 Meter Höhendifferenz, Distanz 12,1 km).
Hier finden sich weitere Informationen zu dieser etwas anspruchsvolleren Wanderung.