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von Armand Baeriswyl
1156 verzichteten die Zähringer auf ihre Ansprüche im westlichen Reichsgebiet und und konzentrierten ihre Kräfte auf die heutige Westschweiz. Um 1200 wurden von Herzog Berchtold V. von Zähringen gleichzeitig die Städte Bern und Burgdorf gegründet. Der direkte Vergleich zeigt zwei unterschiedliche Formen: Bern als grosse, von Anfang an auf eine zahlreiche Bevölkerung hin zielende Stadt mit Handels-, Markt- und Gewerbeeinrichtungen, aber einer verhältnismässig bescheidenen Stadtkirche und einer kleinen Stadtburg (Burg Nydegg). Im Gegensatz dazu entstand im Schatten der grossen Burg eine kleine Stadt mit geringer Einwohnerzahl, aber einer reich ausgestatteten grossen Stadtkirche.
Es ist deshalb anzunehmen, dass die Herzöge von Zähringen diesen beiden Gründungen unterschiedliche Aufgaben zuweisen wollten. Die an der Kreuzung eines Land- und eines Flussweges gelegene Stadt Bern sollte in erster Linie die wirtschaftliche Drehscheibe werden, Burgdorf das herrschaftliche Verwaltungszentrum des «regnum» Burgund. Aus heutiger Sicht wird dies mit verschiedenen Überlegungen begründet. Die Burg unterscheidet sich in Grösse, Ausstattung und Repräsentation augenfällig von den Turmburgen in den anderen Zähringerstädten wie Thun, Moudon, Freiburg im Uechtland, oder eben Bern. Das reiche Raumprogramm der Burg Burgdorf mit mehreren Kapellen, Sälen unterschiedlicher Grösse und der Halle sind Zeichen, dass hier eine Plattform für ein differenziertes höfisches Leben einer zähringischen Residenz geschaffen werden sollte.
Weiterer Hinweis auf die geplante Stellung als Herrschaftszentrum liefert die Kirche. Das Bauwerk erscheint sehr gross für die kleine Gründungsstadt und unterscheidet sich damit evident in Grösse und Lage von derjenigen von Bern. Für kirchliche Feste, Hochzeiten, Taufen, möglicherweise auch als Grablege, sollte die Kirche den Herzögen von Zähringen dienen.
Auf den ersten Blick merkwürdig erscheint zudem die Tatsache, dass die Gründungsstadt von der Burg abgerückt platziert wurde. Vermutlich ist der Grund darin zu suchen, dass der einzig repräsentative Zugang zur Burg im Westen lag und der Burgherr nicht wünschte, seine Burg nur durch die Stadt erreichen oder verlassen zu können. Burgdorf hatte grundsätzlich gute Voraussetzungen für die Funktion als Herrschaftszentrum. Die politische und wirtschaftliche Gründe führten jedoch zu einer anderen Entwicklung. Mit dem Tode des zähringischen Erben, des Grafen Hartmann V. von Kyburg im Jahre 1265 wurde Bern von den deutschen Königen gefördert, während Burgdorf von den finanzschwachen Grafen von Neu-Kiburg in seiner Entwicklung behindert wurde. Somit hatte die ursprünglich als «Krone Burgunds» geplante Stadt Burgdorf diese Würde an das wirtschaftlich und politisch mächtigere Bern abtreten müssen.
, Armand : Bern oder Burgdorf: Wem gebührt die «Krone Burgunds»? Einige Überlegungen zur Gründung und
Frühgeschichte von Burgdorf
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 8. Jahrgang 2003, Heft 2, .