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Frankreich, um 1700 –1710
Seidengewebe, broschiert, lanciert, Klöppelspitze
aus Goldfaden und -lahn
L. 102 cm, B. 102 cm
Inv. 1947.222.1.
Weisse Taufdecke
wohl Basel
erste Hälfte des 18. Jahrhunderts
Baumwollchintz, abgesteppt
L. 129 cm, B. 118 cm
Inv. 1947.222.2.
Weisses Tauftuch
wohl Basel
erste Hälfte des 18. Jahrhunderts
Baumwollmousseline, Nadelspitze
L. 149 cm, B. 115 cm
Inv. 1947.222.3.
Taufgarnitur aus wohlhabender Familie
Taufgarnituren wurden am Tag der Taufe für den Gang in die Kirche verwendet.
Eine vollständige Garnitur besteht aus mehreren Decken und Tüchern und zwei unterschiedlichen Kinderhäubchen, je eines für einen Knaben und für ein Mädchen. Eine gesteppte, einfarbige Decke sorgte für die Wärme, eine meist seidene, farbig gemusterte Decke über einem zarten Leinen- oder Baumwolltuch mit Spitzenbordüre brachte Pracht, und eine weitere Spitzendecke bedeckte das Kind vollständig (Kat.Nr. 17).
Der ehemals rote, heute lachsfarbene Seidenstoff der prachtvollen Taufdecke aus der Basler Familie Merian-Sarasin gehört in die Gruppe der sog. bizarren Seiden. Die zarten, stark geschwungenen und verfremdeten Blattmotive sind asymmetrisch angeordnet und mit naturalistischen Elementen vermischt, so dass eine bewegte und etwas unwirkliche, «bizarre» Bilderwelt entsteht. Seidenstoffe dieser Art wurden – unter dem Einfluss ostasiatischer Ornamentik – zu Beginn des 18. Jahrhunderts in verschiedenen europäischen Zentren der Seidenverarbeitung produziert und für besonders wertvolle Gewänder verwendet. Kleinere Textilien wie dieses Tauftuch oder auch liturgische Gewänder der katholischen Kirche konnten durchaus in Zweitverwendung eines solchen Stoffes entstehen, wenn etwa ein Kleidungsstück wegen einer Beschädigung oder wegen seines veralteten Schnittes auseinandergetrennt wurde.
In dem kostbaren Seidenstoff und dem reichen Besatz mit breiten Spitzen, die aus vergoldeten Silberfäden geklöppelt wurden, zeigt sich der Wohlstand der Basler Oberschicht. Diesen präsentierte man gern bei einer Taufe, in der sich der Fortbestand und das Blühen einer Familie manifestierten. Während Gold- und Silberspitzen nach den Vorgaben der Basler Reformationsordnungen des 18. Jahrhunderts an allen Kleidungsstücken ausser den Kopfbedeckungen untersagt waren, blieben Taufgarnituren von diesem Verbot offensichtlich verschont. In weniger wohlhabenden Schichten stellte die Hebamme, die in vielen Fällen das Neugeborene zur Kirche trug, die Taufgarnitur leihweise zur Verfügung.