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Todesurteile durch FBI-Fehler?
- Montag, 20. April 2015, 3:22 Uhr, aktualisiert um 6:57 Uhr
Ein neuer Skandal trifft die US-Polizei. FBI-Spezialisten sollen lange Zeit massenhaft falsche kriminaltechnische Analysen geliefert haben. In der Folge könnten Todesurteile gefällt und vollstreckt worden sein. «Einer der grössten forensischen Skandale» des Landes, meinen Beobachter.
Experten der US-Bundespolizei FBI haben nach einem Bericht der «Washington Post» jahrzehntelang massenhaft falsche kriminaltechnische Analysen geliefert.
Bisher 268 Fälle untersucht
Dem Bericht zufolge, der sich auf neuste Untersuchungen unter anderem von Anwälten bezieht, hätten mehr als 95 Prozent der bisher untersuchten 268 Fälle ergeben, dass diese Analysen fehlerhaft gewesen seien und die Argumente der Anklage begünstigt hätten. Bei den betroffenen Prozessen habe es auch Todesurteile gegeben.
Die Zeitung spricht von einem der «grössten forensischen Skandale» in den USA. Beobachter gehen davon aus, dass das FBI zwischen 1980 bis 2000 in praktisch allen Gerichtsfällen falsche Beweise geliefert habe, wenn es um Spuren aus Haaren ging. Das Justizministerium hätte die Fehler bereits eingeräumt, berichtet die «Washington Post» weiter.
Auch das FBI seinerseits hat die Fehler bei der Erstellung wissenschaftlicher Gutachten eingestanden, die mit zur Verhängung der Todesstrafe führten.
Mindestens 60 Todesurteile betroffen
Die Behörde reagierte damit auf einen Bericht der Generalinspektion (OIG) des Justizministeriums, dem zufolge mindestens 60 Todesurteile auf fehlerhaften Gutachten oder zweifelhaften Zeugenaussagen basiert haben könnten. Drei der Verurteilten wurden bereits hingerichtet, elf sind während ihrer Haftzeit verstorben.
Das FBI versicherte, diese Fehler würden künftig vermieden. Zusätzlich zur Analyse von Haaren unter dem Mikroskop werde eine DNA-Analyse vorgenommen. Das Justizministerium und das FBI würden sich verpflichten, künftig grösstmögliche Genauigkeit bei Haaranalysen und anderen Analysen zu gewährleisten. Dafür würden «bedeutende Mittel» aufgewendet werden.
Nicht der erste Bericht zum FBI
Die betroffenen Todeskandidaten würden über die erfolgten Fehler informiert, und es werde dafür gesorgt, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahre, hiess es in einer FBI-Mitteilung.
Die Generalinspektion hatte bereits 1997 in einem Bericht auf schwere Fehler bei Analysen aus einem FBI-Labor hingewiesen. In dem neuen Bericht kritisierte die Generalinspektion nun, dass das FBI daraus nicht die nötigen Lehren gezogen habe.
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