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2.1 Den "Frauenwert" im Bauernhaus heben
Die Tätigkeit der Landfrauenvereine solle sich nicht nur zum Segen der einzelnen Bäuerinnen, sondern des ganzen Bauernstandes auswirken, hiess es in einer der ersten Ausgaben der "Landfrauen-Zeitung" 1931. Eines der Hauptziele der "Bäuerinnenbewegung" war es, den "Frauenwert" im Bauernhaus zu heben, damit die Frauenarbeit höher eingeschätzt werde. "Die weibliche Landflucht kann nur durch mehr Wertschätzung der Person und deren Arbeit aufgehalten werden. Auch das Minderwertigkeitsgefühl, das in unserm Frauenstand noch so stark vertreten ist, soll, wo es Not tut, dem Standesbewusstsein weichen!" Oft ging es den Landfrauenvereinen auch um die Umsetzung konkreter Anliegen. Vorwiegend um Selbsthilfe im Absatz landwirtschaftlicher Produkte wie Eier, Gemüse, Obst und Beeren, Butter, Speck und Schlachtgeflügel. Die Bäuerinnen trugen mit ihren produktiven und kommerziellen Aktivitäten so massgeblich zur Bewältigung der Agrarkrise der Dreissigerjahre bei. Am wichtigsten für die Bäuerinnen und Landfrauen waren aber wohl die Vorträge und Diskussionsrunden über Haushalt und Selbstversorgung, Erziehung und Gesundheit sowie die Betriebszweige der Frauen und ländliche Kultur, die von den lokalen Landfrauenvereine jeweils im Winterhalbjahr durchgeführt wurden. (1)
Augusts Gillabert-Randin war eine der treibenden
Kräfte für den organisatorischen Zusammenschluss
der Bäuerinnen und Landfrauen.
(Aufnahme aus den Dreissigerjahren, F. Gilliéron)
2.2 Die ersten Landfrauen-Organisationen
Der erste erfolgreiche Versuch eines organisatorischen Zusammenschlusses von Bäuerinnen erfolgte 1918 in Moudon, Kanton Waadt: Die initiative Bäuerin Augusta Gillabert-Randin gründete in Moudon die erste Bäuerinnenvereinigung der Schweiz, "L’Association des productrices de Moudon et environs". Sowohl beim Bezug von Produktionsmitteln wie auch beim Absatz der Produkte sollte der Zwischenhandel ausgeschaltet werden.
In der Deutschschweiz ging die erste Initiative einer gemeinsamen Vermarktung von Eiern 1926 von Emilie Dettwyler-Jecker im Kanton Schaffhausen aus. Der Kantonale Landwirtschaftliche Frauenverein wurde schliesslich 1928 im Kanton Schaffhausen gegründet.
Die SAFFA, die erste schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit 1928 in Bern, war ein ganz zentrales Ereignis für die Beschleunigung der Entwicklung von Bäuerinnenorganisationen. Die Berner Berufsberaterin Rosa Neuenschwander stellte rückblickend fest: "Wenn einst die Geschichte der Frauenbewegung in der Schweiz geschrieben würde, so müsste darin der Zusammenschluss der Bäuerinnen, zu dem die unvergessliche Tagung an der SAFFA den Auftakt bildete, als einer der grössten Momente stehen. Die Bäuerinnenbewegung wuchs mit einer Urkraft aus dem Boden, die ihresgleichen sucht. Kaum je fand der Ruf nach Zusammenschluss ein so mächtiges Echo wie hier, wo mit fast keinen propagandistischen Mitteln gearbeitet wurde."
Als Folge der SAFFA-Tagung wohl wurde 1929 in Brugg die "Landwirtschaftliche Frauenvereinigung", später in Aargauischer Landfrauenverband umbenannt, gegründet. 1930 kam es im Kanton Bern zur Gründung des Bundes bernischer Landfrauenvereine (BBL), dem Zusammenschluss zahlreicher lokaler Landfrauenvereine auf kantonaler Ebene. Die Bäuerin und Haushaltungslehrerin Bertha Brönnimann-Kobel aus Münchenbuchsee wurde zur ersten Präsidentin gewählt, Klara Minger, die Tochter von Bundesrat Rudolf Minger, zur ersten Sekretärin. Dank den zahlreichen Mitgliederbeiträgen und der Unterstützung von Kanton und diversen Verbänden konnte der BBLG 1931 als einziger kantonaler Landfrauenverband ein hauptamtliches Sekretariat einrichten. 1932 kam es auch im Kanton Solothurn zum Zusammenschluss auf kantonaler Ebene. Im Bündner Oberland schlossen sich 1931 die Bäuerinnen als "Las Sursilvanas" zusammen. (1)
2.3 Die Gründung des SLF 1932
Den Anstoss zur Gründung einer Landfrauenorganisation auf gesamtschweizerischer Ebene gab nach Aussagen Beteiligter Ernst Laur, Bauernsekretär und Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV). Nach einem verlorengegangenen Rundschreiben an die Kantonalpräsidentinnen und nach dem Einsatz einer Studienkommission 1931 unter der Leitung von Berufsberaterin Rosa Neuenschwander war es am 7. Juli 1932 soweit: Die Kantonalen Bäuerinnenverbände Waadt, Schaffhausen, Bern, Aargau und beide Basel gründeten in Olten den Schweizerischen Landfrauenverband (SLF). Das Präsidium übernahm der Kanton Bern, da der Verband bernischer Landfrauenvereine (BBL) ja als einziger kantonaler Verband über ein ständiges Sekretariat verfügte. Marie Renfer, die Sekretärin des BBL, wurde auch zur Geschäftsführerin des SLF gewählt. Zur Ehrenpräsidentin des neugegründeten Verbandes wurde Augusta Gillabert-Randin ernannt und zur ersten Präsidentin Anna Schneider-Schnyder von Schwand-Münsingen.
Die erste Delegiertenversammlung des SLF konnte sich 1932 auf kein gemeinsames Publikationsorgan einigen, so dass die kantonalen Sektionen ihre Mitteilungen und Artikel weiterhin in der lokalen oder der kantonalen bäuerlichen Presse unterzubringen versuchten. Die 1930 erstmals erschienene "Schweizerische Landfrauen-Zeitung" (LFZ), die "Wochenschrift für Schweizer Landfrauen und Landfrauen-Vereinigungen", deren Artikel im wesentlichen Emilie Dettwyler-Jecker schrieb, konnte sich weder als Publikationsorgan des SLV noch des BBL etablieren. (1)
Ernst Laur, Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes,
gab den Anstoss für die Gründung einer Landfrauenorganisation.
Hier bei der 25-Jahr-Feier des SLFV. (slfv)
2.4 Zweck: Förderung der Bäuerinnen
Der Schweizerische Landfrauenverband gab sich bei der Gründung statuarisch das Ziel, die Bäuerinnen in sozialer, wirtschaftlicher und ethischer Hinsicht zu fördern. Im Mittelpunkt der Tätigkeiten standen die Probleme des Produkteabsatzes, der bäuerlichen Berufsbildung und die Erleichterung der Bäuerinnenarbeit.
Dem SBV trat der SLV erst 1941 bei. An der Delegiertenversammlung von 1943 ergriff mit Lili Kohler-Burg, Präsidentin des SLV, erstmals eine Frau das Wort: Die Schweizer Bäuerin habe nach ihrer treuen Mithilfe am Mehranbau ein "Anrecht auf eine richtig anerkannte Stellung" auch nach dem Krieg. Die Präsidentin des SLV forderte die Schaffung von Grundlagen, damit "bei richtiger Bewirtschaftung eines Bauernhofes die Familie bescheiden, aber ohne Sorgen leben" könne. Lili Kohler forderte auch eine massvolle Modernisierung des bäuerlichen Haushaltes. "Nicht Boiler und Staubsauger verlangen wir ins einfache Bauernhaus, nur die elementarsten Notwendigkeiten wie einen nicht rauchenden Feuerherd, eine einfache Badegelegenheit in heizbarem Raume. Eine praktische Einteilung und Einrichtung der Küche soll der Bäuerin die Arbeit ersparen, ebenso soll die übrige Haushaltung solid, standesgemäss und einfach sein: Möbel, Wäsche, Kleidung." Betriebsberaterinnen wären notwendig, die, "um den nötigen Respekt zu haben", staatlich eingesetzt werden müssten. Auch einen Ausbau der Landkindergärten verlangte Kohler, und – "wo es nötig sei, sollten in Spitzenzeiten der Arbeit auch Kinderkrippen für die ganz Kleinen errichtet werden".
Heute definiert der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) seinen Zweck ganz ähnlich wie bei der Gründung 1932, wenn auch etwas umfassender: "Der SBLV vertritt die beruflichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen seiner Mitglieder auf eidgenössischer und internationaler Ebene. Der SBLV unterstützt und koordiniert die Tätigkeit der Mitgliedorganisationen zur Wahrnehmung der Interessen der Bäuerinnen und aller im SBLV organisierten Frauen". Der Verband ist, wie die gesamte Schweizer Wirtschaft, dienstleistungsorientierter geworden. Ein Tätigkeitsgebiet hat der SBLV inzwischen mehrheitlich auf die Werbe- und Marketing-Ebene (siehe 2.7: Projekt "Ernährung und Gesundheit") verlagert: die "Produkteverwertung". In den ersten Jahren seines Bestehens hat der SLV die Bäuerinnen bei Werbung und Verkauf von Gemüse, inländischem Fett, Milch und Käse tatkräftig unterstützt. Heute sind es einzelne Aktionen, meistens in Zusammenarbeit mit Produzenten- oder Branchenorganisationen. Erwähnt sei etwa der Tag der Pausenmilch, der auf nationaler Ebene jedes Jahr von den kantonalen Landfrauenverbänden durchgeführt und von den Schweizer Milchproduzenten und vom SBLV organisiert wird. (13) (1)
2.5 Mitglieder und Eckdaten
1932 gründeten fünf Sektionen mit 12,000 Mitgliedern den Schweizerischen Landfrauenverband (SLF). 1981 umfasste der Schweizerische Landfrauenverband 17 Sektionen mit 57,000 Mitgliedern; zurzeit haben die 27 Kantonalverbände rund 70,000 Mitglieder. Seit Frühjahr 2007 ist die "Association Romande des Paysannes Professionelles" Kollektivmitglied. Von 1949 bis 2005 nannte sich der Schweizerische Landfrauenverband SLFV; 2005 änderte der SLFV seine Bezeichnung in SBVL (Schweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband). Der Sitz des Verbandes ist in Brugg.
Gesamtschweizerisch beträgt der Anteil der Bäuerinnen etwa 45 Prozent, d.h. 55 Prozent der Mitglieder sind nichtbäuerliche Landfrauen. Parteipolitisch ist der SBLV – seit jeher ? unabhängig und konfessionell neutral. Die Organe des SBLV sind die Delegiertenversammlung, die Präsidentinnenkonferenz, der Vorstand, die Geschäftsstelle und die Fachkommissionen Redaktion, Agrarpolitik Öffentlichkeitsarbeit, Gesellschafts-, Familien- und Sozialpolitik, Qualitätssicherung Berufsbildung Bäuerin (QSBB) und die Prüfungskommissionen (PKB).
Im Fach "Betriebsarbeiten", das späte "Betriebslehre" hiess,
wurden praktische und theoretische Kenntnisse geprüft. (slfv)
2.6 Aktivitäten Bäuerlich-hauswirtschaftliches Bildungswesen
Die Ausbildung der Bäuerin war immer zentrales Anliegen des Landfrauenverbandes und ist immer noch sehr wichtig für den heutigen SBLV, gerade auch in Zusammenhang mit der rechtlichen Stellung der Bäuerin. Zuerst ging es darum, überhaupt Berufsausbildungen, die auch offiziell anerkannt würden, zu schaffen.
1933 konnten im Kanton Bern die ersten Haushaltlehrprüfungen durchgeführt werden. 1945 erfasste das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (BIGA) erstmals auch die bäuerliche Haushaltlehre. Nach langen Vorbereitungsarbeiten des Landfrauenverbandes fanden 1944 im Kanton Bern die ersten Berufsprüfungen für Bäuerinnen statt. Zweck dieser Prüfung war nicht nur eine bessere Wertschätzung des bäuerlich-hauswirtschaftlichen Berufes, sondern man hoffte auch, die Bauerntöchter mehr der Scholle erhalten zu können. 1948 wurden gemeinsame, schweizerische Richtlinien für die Berufsprüfung der Bäuerinnen erstellt. Als Expertinnen und Experten fungierten Lehrerinnen und Lehrer der Landwirtschaftsschulen und Bäuerinnenschulen sowie Bäuerinnen mit Berufsprüfung. 1962 trat das seit langem vom SLFV und dem 1961 gegründeten Verband katholischer Bäuerinnen erarbeitete und vom BIGA anerkannte Reglement endlich in Kraft. Die Prüfung dauerte drei Tage und beinhaltete zwölf Fachgebiete. Die erfolgreichen Bäuerinnen erhielten nun das eidgenössische Diplom. Das grosse Ziel, einen vom BIGA anerkannten Beruf "Bäuerin" zu haben, war erreicht.
Die veränderten Betriebsstrukturen führten in den Achtzigerjahren dazu, dass die Bäuerin einen Betriebszweig übernahm und selbständig organisierte. Dementsprechend wurde auch die Ausbildung zur Bäuerin angepasst. Die neue Berufsprüfung des Reglements von 1995 umfasste acht Fachgebiete, darunter eines "Landwirtschaftliche Fachkenntnisse". Die erfolgreichen Kandidatinnen erhielten den eidgenössischen Fachausweis Bäuerin.
Seit 1999 können die Bäuerinnen die Betriebsleiterinnenschule besuchen und die höhere Fachprüfung absolvieren, die der Fachprüfung zum Meisterlandwirt entspricht. Die Bäuerinnen können sich in dieser neuen Ausbildung vertiefte betriebswirtschaftliche und unternehmerische Kompetenzen aneignen und investieren damit in ihre Zukunft.
In Zusammenhang mit der AP 2002 wurde für die Bäuerin dank des Einsatzes der Verbandsführung ein weiterer Meilenstein erreicht: das BLW stellt die Bäuerin mit Fachausweis dem Landwirt mit Fähigkeitszeugnis gleich. Somit kann auch die Bäuerin, wenn sie Betriebsleiterin ist, Investitionskredite und Direktzahlungen von Bund und Kantonen erhalten.
Der Weg zur Bäuerin
"Bäuerin FA (Fachausweis)": Abschluss der Berufsprüfung
Voraussetzungen:
- Fähigkeitszeugnis einer beruflichen Grundausbildung oder Mittelschulabschluss
- Zwei Praxisjahre
- Kompetenznachweis der Basismodule Verpflegung, Hausdienst, Wäscheversorgung, Gartenbau, Selbstversorgung
- Erfolgreiche Modulabschlüsse bei der Berufsprüfung: 7 Pflichtmodule (Familie und Haushalt, Verpflegung, Selbstversorgung, Gartenbau, Betriebslehre, Buchhaltung, Recht) und 3 Wahlmodule aus den Bereichen Ernährung, Haus- und Landwirtschaft
Abschlussprüfung: Studienarbeit, Präsentation der Studienarbeit und Beantwortung von ergänzenden Fragen. Der Abschluss Bäuerin mit Fachausweis dient als Grundlage, um Hauswirtschafterinnen im Familienhaushalt ausbilden zu können. Er berechtigt eine Betriebsleiterin dazu, Direktzahlungen, Investitionskredite und Starthilfen zu beziehen.
"Diplomierte Bäuerin HFP" (Abschluss Höhere Fachprüfung)
Voraussetzungen:
- Abschluss "Bäuerin mit Fachausweis" oder gleichwertiger Abschluss
- Zwei Praxisjahre nach Berufsprüfung
- Erfolgreiche Modulabschlüsse der Höheren Fachprüfung: 1 Pflichtmodul (Bäuerlicher Haushalt/Haushalt und Gesellschaft), 1 Besuchtmodul (Persönlichkeitsbildung und unternehmerisches Denken), 4 Wahlmodule (Qualitätsmanagement für Produkte und Dienstleistungen, Volkswirtschaft und Agrarpolitik, Marketing, Agrarrecht und Unternehmensformen, Versicherungen/Steuern/Personalrecht, Betriebskalkulationen und Finanzierung)
Die Module der höheren Fachprüfung werden von den Bäuerinnen und Landwirten grösstenteils gemeinsam besucht. Die Abschlussprüfung besteht aus einer modulübergreifenden Diplomarbeit sowie deren mündlichen Präsentation mit Beantwortung von ergänzenden Fragen.
Mehr ausgebildete Bäuerinnen dank Systemwechsel
Seit 2003 erfolgt die Ausbildung zur Bäuerin mit Fachausweis (Berufsprüfung) oder zur Diplomierten Bäuerin (Höhere Fachprüfung), modular (siehe Kasten "Der Weg zur Bäuerin"). Die Modularisierung stellte einen Systemwechsel in der Ausbildung zur Bäuerin dar: "Dank ihr lassen sich wieder mehr Frauen zur Bäuerin ausbilden als vor 10 Jahren", erläutert Regula Siegrist, Präsidentin der Qualitätssicherungs-Kommission Berufsbildung Bäuerin (QSBB) des SBLV, "denn den Frauen werden jetzt bereits erworbene Kompetenzen angerechnet und sie können ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechende Wahlmodule belegen." Gesamtschweizerisch können nun 70 Abschlüsse pro Jahr verzeichnet werden.
Die aktuellen Tätigkeiten des SBLV im bäuerlichen Bildungswesen liegen im Erarbeiten von Reglementen, Richtlinien sowie Ausbildungs- und Prüfungsunterlagen für die unterschiedlichen Aus- und Weiterbildungsstufen. Zusätzlich führt er Instruktionskurse für Prüfungsexperten durch. Die QSBB arbeitet strategisch innerhalb des SVBL, die drei Prüfungskommissionen Bäuerin (PKB) operativ und mit direktem Kontakt zur Basis und den Bäuerinnen-Schulen. Auf den 1. Januar 2008 wird der SBLV der Organisation der Arbeitswelt (OdA) "AgriAliForm" beitreten. "AgriAliForm", der Zusammenschluss von sechs Berufen der Landwirtschaft und der landwirtschaftlichen Spezialberufe, wurde 2005 gegründet, um diese sechs landwirtschaftlichen Ausbildungen zu reformieren.
Laut Regula Siegrist haben die meisten Bäuerinnen, wenn sie als Ehefrau oder Partnerin eines Bauern auf einen landwirtschaftlichen Betrieb kommen, einen beruflichen Erstabschluss. In der Ausbildung zur Bäuerin erwerben sie weitere Kompetenzen im hauswirtschaftlichen und im landwirtschaftlichen Bereich, um als gleichgestellte Partnerin zusammen mit dem Landwirt den Betrieb zu führen. Dass auch umgekehrt hauswirtschaftliche Module in die Ausbildung des Landwirts integriert werden, ist derzeit noch ein Fernziel. Obwohl es durchwegs einzelne landwirtschaftliche Schulen wie die Liebegg gibt, die Basiswissen in Hauswirtschaft und Ernährung in die landwirtschaftliche Ausbildung aufgenommen haben.
Im Rahmen des Projektes "Gemeinsame Berufsprüfung Hauswirtschaft" prüfte der SBLV zusammen mit weiteren Organisationen, ob es sinnvoll wäre, eine gemeinsame Prüfung vom Grosshaushalt im Spital über die Gastronomie bis zu den privaten und bäuerlichen Haushalten durchzuführen. Ende 2006 hat sich die Projektleitung entschieden, zwei Berufsprüfungen zu erarbeiten, eine für den Kollektiv- und eine für den Familienhaushalt (privat oder bäuerlich). Somit hätten auch private Landfrauen (ohne Bauernbetrieb), welche bereits heute zusammen mit den Bäuerinnen Ausbildungsmodule besuchen, die Möglichkeit, bei Erfüllen der notwendigen Voraussetzungen einen Fachausweis zu erlangen. Es wird sich in nächster Zeit zeigen, ob dieses Projekt realisiert wird. (13)
Förderung der Produkteverwertung
In den ersten Jahren nach der Gründung machte der SLF Werbung und Lobbying bei ausgewählten Zielgruppen (Hauswirtschaftslehrerinnen, Bäuerinnen, Stadtfrauen), um den Absatz der "Inland"-Produkte Gemüse, Fett, Milch, Butter, Eier und Rapsöl zu fördern. Der SLF nannte dies "Propaganda für den Gemüseabsatz". Er setzte sich auch selbst tatkräftig für den Gemüseabsatz selbst ein: Mit dem Verkauf an Marktständen oder dem Verkauf an Grossisten, hauptsächlich an Migros und an die Konservenfabriken.
Während des zweiten Weltkriegs arbeitete der SLF eng mit der Abteilung für Landwirtschaft des Bundes und dem Kriegsernährungsamt zusammen, um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern und die Verwertung der landwirtschaftlichen Produkte durch geeignete Verfahren zu verbessern beim Konservieren und der Vorratshaltung.
Nach wie vor setzt sich der SBLV für die Förderung der einheimischen, qualitativ hochstehenden Agrarprodukte ein. Im Zeitalter der Globalisierung macht es Sinn, vermehrt Werbung für Schweizer Produkte zu machen und auch auf ökologische Auswirkungen im Zusammenhang mit Transportwegen aufmerksam zu machen.
Das Thema gesunde Ernährung mit Schweizer Produkten ist für den SBLV aus nahe liegenden Gründen ein Dauerbrenner. So hat der SBLV ein neues Projekt zum Thema "Ernährung und Gesundheit" lanciert (mehr dazu siehe Abschnitt 2.7).
Erleichterung der Bäuerinnenarbeit
Der Mangel an Hilfskräften und die starke Arbeitsbelastung waren Grund genug für den SLF, schon in den Dreissigerjahren die Vereinfachung der Bäuerinnenarbeit zuoberst in die Prioritätenliste zu setzen. 1936 wurde die "Kommission für Arbeitserleichterung" ins Leben gerufen, 1946 die "Fachkommission für vereinfachte Arbeiten". 1947 setzte sich ein Aktionskomitee für die Gründung eines Schweizerischen Institutes für Hauswirtschaft (SIH) ein; 1948 wurde das SIH gegründet. Zusammen mit dem SIH wurden "zweckmässige" Haushaltmaschinen und -geräte sowie Arbeitstechniken geprüft. 1949 wurden fünf Prüfstellen für die Prüfung von Haushaltsartikeln geschaffen und Kurse über praktische Küchengestaltung organisiert.
Entstehung der bäuerlich-hauswirtschaftlichen Beratung
1958 wurde die Schweizerische Vereinigung zur Förderung der Betriebsberatung in der Landwirtschaft (SVBL) gegründet, in deren Vorstand der SLFV Einsitz nehmen konnte. Auch bei der Arbeitsgemeinschaft der bäuerlich-hauswirtschaftlichen Beraterinnen (ARBE), 1966 gegründet, war die Präsidentin des SLFV Mitglied. Schritt für Schritt entwickelte sich die bäuerlich-hauswirtschaftliche Beratung weiter. 1982 waren 30 Beraterinnen in 18 Kantonen tätig. Die meisten Stellen waren dank der Initiative der Kantonalen Landfrauenorganisationen geschaffen worden. 2005 waren in der Schweiz insgesamt 32 Beraterinnen in 19 Kantonen in der bäuerlich-hauswirtschaftlichen Beratung tätig (2003 entsprach dies 24 Vollzeitstellen, 2005 19 Vollzeitstellen).
Bäuerinnenhilfe
Im zweiten Weltkrieg organisierte die Bäuerinnenhilfe Arbeitskräfte für überlastete Bäuerinnen im Rahmen eines zuerst freiwilligen, später obligatorischen Landdienstes. 1948 begann der SLF Bauerntöchter für kurzfristige Einsätze zu vermitteln. Die kantonalen Landfrauenorganisationen übernahmen später diesen Service und führten ihn in die "bäuerliche Familienhilfe" über. Die bäuerliche Familienhilfe wird auch heute noch von zahlreichen kantonalen Sektionen des SBLV weitergeführt und bildet ein kohärentes Sozialwerk der Bäuerinnen- Landfrauenverbände.
Information
Bis 1943 hatte der SLF kein gemeinsames Publikationsorgan. Jede kantonale Sektion war selbst für die Publizierung ihrer Informationen in der kantonalen Presse verantwortlich. Ab 1943 erschien ein Mitteilungsblatt in unregelmässigen Zeitabständen. Lange Jahre erschien die Beilage "Die Bäuerin", zuerst als Beilage des "Geflügelhofes", dann als Beilage von "Die Grüne". Seit 1968 erhält die Geschäftsstelle des SLFV Unterstützung von einer Redaktionskommission. Zurzeit gibt der SBLV eine Spezialseite pro Monat in der "BauernZeitung" heraus und arbeitet in der Westschweiz mit der landwirtschaftlichen Fachzeitung "Agri" zusammen. Ferner organisiert der Verband Pressekonferenzen, veröffentlicht Beiträge und Interviews in Zeitungen und Zeitschriften sowie Communiqués zu Abstimmungsvorlagen.
Unterstützung der Arbeit der Mitgliederorganisationen
1966 begann der SLFV staatsbürgerliche Kurse zu organisieren, damit sich die Bäuerinnen Kenntnisse in Fragen und Problemen des öffentlichen Lebens aneignen und dann weitervermitteln konnten. Mit der Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen 1971 kam dieser staatsbürgerlichen Schulung noch grössere Bedeutung zu. Als logische Folge dieser Anstrengungen wurde anfangs der Neunzigerjahre die Fachkommission für politische Themen gebildet, die seit 2006 zwei Standbeine hat: die Kommission für Agrarpolitik und Öffentlichkeitsarbeit und die Kommission für Gesellschafts-, Familien- und Sozialpolitik.
Noch heute organisiert der SBLV Informations- und Arbeitstagungen zu aktuellen Themen wie "Die Bauernfamilie und das Geld", "Agrarpolitik" oder "Sozialversicherungen". Auch gibt der Verband Lohnrichtlinien für Angestellte im Bauernhaushalt und Adressmaterial heraus und stellt Dokumentationen für Interessierte zusammen.
Teilnahme an Ausstellungen
1939: "Landi", Schweizerische Landesausstellung in Zürich
1954: SLA, 11. Schweizerische Ausstellung für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau, in Luzern
1958: SAFFA, 2. Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit in Zürich
1964: EXPO Lausanne
2002: Expoagricole – Beteiligung an der Kinderfarm
Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene
Die Zusammenarbeit mit Frauen- und Berufsorganisationen auf nationaler und internationaler Ebene war von Beginn weg eine wichtige Zielsetzung des SBLV. Wichtigster Partner ist der Schweizerische Bauernverband (SBV). Der SBLV ist im Vorstand des SBV immer mit der Präsidentin, die auch die soziale Kommission des SBV präsidiert, vertreten. Auf internationaler Ebene trat der SLF schon 1933 dem Weltlandfrauenverband (ACWW) bei und ist auch Mitglied des Forums Landwirtschaft Schweiz – EU in der Arbeitsgruppe "Landfrauen". Auf interessenpolitischer und gesellschaftspolitischer Ebene arbeitet der SBLV national mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für hauswirtschaftliche Bildungs- und Berufsfragen (ARBE), der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen, dem Konsumentinnenforum Schweiz, dem Schweizerischen Bauernverband sowie der Schweizerischen Vereinigung zur Förderung der Betriebsberatung in der Landwirtschaft (Agridea) zusammen. Wichtig für den SBLV ist auch der Kontakt zu Parlamentsmitgliedern. Er ist zudem im Stiftungsrat der Krankenkasse "Agrisano" und der Vorsorgestiftung für die Schweizerische Landwirtschaft durch die Präsidentin und die Vizepräsidentin vertreten.
Um die Kontakte auch über die Grenze aufrecht zu halten, organisiert der SBLV für seine Mitglieder Reisen ins Ausland und stellt Programme für Exkursionen von ausländischen Landfrauengruppen in die Schweiz zusammen
Stellungnahmen zu politischen Vorlagen
Die Stellungnahmen bewegen sich in den Bereichen Landwirtschaftsrecht, Sozial- und Versicherungsrecht (z.B. Arbeitsrecht, Arbeitslosenversicherungsrecht), gesellschaftspolitisches Recht (zB. Mutterschaftsversicherung und Kinderzulagen). Gerade jetzt ist die Stellungnahme zu den Verordnungen der AP 2011 aktuell. Laut SBLV-Präsidentin Ruth Streit macht der Verband vor allem auf die Probleme in der Landwirtschaft aufmerksam, die durch die durchschnittliche erwartete Einkommenseinbusse von 20 bis 25 Prozent bei Umsetzung der AP 2011 noch verschärft würden. Der SBLV fordert mehr Kohärenz zwischen Produktepreis und Umwelt- und Tierschutzauflagen. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) wird aufgefordert, der Bevölkerung klar aufzuzeigen, dass die hohen Qualitätsauflagen in Sachen Produktionsmethoden, Umweltschutz und Tierschutz höhere Produktepreise zur Folge haben.
2.7 Neue Projekte des SBLV Projekt "Ernährung und Gesundheit"
Die SBLV-Mitglieder möchten, dass die allgemeine Bevölkerung von den Alltagskompetenzen der Bäuerinnen im Bereich Ernährung und Gesundheit profitieren kann. Slogans und Logo des neuen Projektes existieren bereits – die Website ist in Planung. Von 2009 weg sollen mit ausgebildeten Botschafterinnen einmal pro Jahr schweizweit themenzentrierte Produktetage durchgeführt werden in Zusammenarbeit mit Branchenorganisationen, Grossverteilern und anderen interessierten Kreisen. Eine Website ist in Planung. Der Slogan "Gesund essen – wir wissen wie" bildet zusammen mit der Biene das Logo für das Projekt und soll in drei Landessprachen kommuniziert werden. Kommen Slogan und Logo bei der Bevölkerung gut an, sind auch die Erfolgschancen für das Projekt gut.
Kommission Gesellschafts-, Familien- und Sozialpolitik:
Die Kommission Gesellschaft-, Familien- und Sozialpolitik behandelt folgende aktuelle Themen:
- Die Hauswirtschaft im Sinne von Alltagskompetenzen zu kommunizieren: Es geht um die Sensibilisierung der Konsumenten und Konsumentinnen im Umgang mit Lebensmitteln, z.B. unter Berücksichtigung von Umweltaspekten, aber auch um wichtige Themen wie das Haushalts- und Familienbugdet, Umweltschutz im Bereich Familie und Haushalt und effiziente und zeitsparende Haushaltführung. Eine ganz wichtige Zielgruppe sind die Schulen.
- Die sozialen Probleme in der Landwirtschaft in Zusammenhang mit dem seit Jahren zunehmenden Druck auf die Urproduktion durch die Liberalisierung der Märkte. Mit der Umsetzung der AP 2011 werden dieser Druck und damit die sozialen Probleme noch zunehmen.
Exkurs in die EU
1. Deutschland, Norwegen
Der Landfrauen-Verband funktioniert so wie in der Schweiz: es findet eine enge Zusammenarbeit mit dem nationalen Bauernverband und der zuständigen Regierungsbehörde statt. Organisatorisch und vor allem finanziell ist der Landfrauen-Verband hingegen unabhängig. Viele Mitglieder sind nicht Bäuerinnen, sondern Frauen aus dem ländlichen Raum, die Interessen und Werte des Verbandes teilen.
2. Österreich, Frankreich, Schweden
Nur Bäuerinnen können Mitglieder des Bäuerinnen-Verbandes sein, die Landfrauen nicht. Der Bäuerinnen-Verband ist dem Bauernverband angeschlossen. Damit haben die Bäuerinnen vor allem die finanzielle Unabhängigkeit verloren.