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Krankheiten: Endometriose

|Klassifikation nach ICD-10|
|N80||Endometriose|
|ICD-10 online (WHO-Version 2006)|
Endometriose ist eine gutartige, aber schmerzhafte chronische Wucherung von Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ausserhalb der Gebärmutter.
Die Endometriose ist eine häufige gynäkologische Erkrankung. Etwa 10% aller Frauen erkranken in der Zeit zwischen der Pubertät und den Wechseljahren, in Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 40.000 Frauen. Die Endometriose wird häufig erst spät (im Mittel 7-10 Jahre nach der ersten Schmerzsymptomatik) diagnostiziert.
Wie die normale Gebärmutterschleimhaut verändern sich auch die Endometrioseherde während des Menstruationszyklus. Die Endometriose befällt meist den unteren Bauch- bzw. Beckenraum. Häufig sind dabei die Eierstöcke betroffen. Eine Ausbreitung auf die Scheidenwand und den Darm sind nicht selten. Sehr selten wurden Herde in der Lunge und im Gehirn beschrieben.
Die Ursachen für die Entstehung der Endometriose sind noch immer nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass in erster Linie eine Verschleppung von vitalen Schleimhautzellen im Menstruationsblut über die Eileiter in die Bauchhöhle, dies in Verbindung mit einer angeborenen muskulären Überaktivität der Gebärmutter, stattfindet. Eventuell kann es sich auch um eine hormonell begünstigte Veränderung (Metaplasie) von embryonalen Bauchhöhlenzellen (Coelomepithel) handeln. Von vielen Wissenschaftlern werden auch sogenannte Umwelthormone wie beispielsweise PCB, DDT oder Dioxine für eine Häufigkeitszunahme dieser Erkrankung verantwortlich gemacht. Diese Substanzen wirken unter anderem ähnlich wie das Hormon Östrogen und könnten damit eventuell das endokrine System bereits während der vorgeburtlichen Phase durcheinander bringen.
Betroffen sind meist Frauen im gebärfähigen Alter. In der Regel tritt die Krankheit erkennbar aber erst zwischen dem 23. und 27. Lebensjahr auf. Es wurden jedoch bereits Fälle vorpubertärer Endometriose beschrieben bisher allerdings ohne wissenschaftliche Bestätigung. Während der Menopause bilden sich die Endometriosen fast immer zurück.
Leitsymptome der Endometriose sind mit dem Menstruationszyklus verbundene krampfartige Schmerzen von zunehmend grösserer Intensität als "normale" Regelschmerzen, aber auch chronische Bauch- und Rückenschmerzen vor der Periode und innere Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Fast alle Endometriose-Patientinnen benötigen Schmerzmittel in steigender Dosierung. Verlängerte und verstärkte Menstruationsblutungen, eine vergrösserte Gebärmutter, erschwerter/schmerzhafter Stuhlgang oder erschwerte/schmerzhafte Harnentleerung können ebenfalls auftreten.
Viele Endometriosepatientinnen leiden unter unerfülltem Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit). Ursache hierfür dürfte zum einen die muskuläre Überaktivität der Gebärmutter mit der Folge einer verkürzten Verweildauer der Spermien im Eileiter sein. Als Nebeneffekt dieser Überaktivität kommt es zu einer vermehrten Anhäufung von genetisch fremden Spermien in der Bauchhöhle und einer Überaktivierung des Immunsystems. Gleiche Effekte entstehen durch den "chronischen Reizzustand", welchen die Endometrioseherde in der Bauchhöhle auslösen. Anzunehmen ist daher, dass Spermien innerhalb von Gebärmutter und Eileiter und auch eine befruchtete Eizelle als "genetisch fremd" wie ein Organtransplantat angegriffen werden. Zum anderen kann eine Endometriose nicht selten zu Verwachsungen von Eileitern und Eierstöcken mit Störung der Eizellaufnahme und auch zu Verschlüssen der Eileiter führen.
Viele Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, erfahren erst im Rahmen der Ursachenforschung (Sterilitätsdiagnostik) von ihrer Endometriose. Wegen ihres oft schmerzfreien Verlaufs kann sie zu spät erkannt werden.
Einteilung gemäss der WHO:[1]
Eine sichere Diagnose und erst recht eine Therapie ist ausschliesslich durch einen operativen Eingriff in Vollnarkose, meist in Form einer Bauchspiegelung (Laparoskopie), möglich. Bei den meisten Endometriosebefunden ist auch eine ambulante Operation möglich.
Endometrioseherde können operativ mit Hitze (Elektrokauterisierung) oder durch Ausschneiden (Enukleation) entfernt werden. Zusätzlich können hierbei evtl. vorhandene Verwachsungen gelöst, Endometriosezysten entfernt und bei Kinderwunsch die Durchgängigkeit der Eileiter mittels Chromopertubation geprüft werden.
Bei grossflächigem, evtl. nicht komplett operablem Befund kann auch eine Hormontherapie angewandt werden. Bei dieser Therapie wird das Auftreten der Menstruation maximal sechs Monate lang unterdrückt, was ein vorübergehendes "Eintrocknen", aber keine Zerstörung der Endometrioseherde und damit zumindest vorübergehend eine Verringerung der Schmerzen bewirkt, dabei allerdings auch Symptome und Probleme der Menopause wie Abbau der Knochendichte (Osteoporose), Hitzewallungen und Schlafstörungen auslöst.
In besonders schweren Fällen ohne Kinderwunsch stellt erst die Entfernung beider Eierstöcke und Eileiter (beidseitige Salpingo-Oophorektomie) eine definitive Linderung. Würde man nur die Gebärmutter (bei Endometrioseherden in der Uteruswand) entfernen, bestünde das gleiche Rückfallrisiko wie bei herkömmlichen operativen Massnahmen.[2] Dieser Eingriff führt jedoch zu einer verfrühten Menopause mit den damit verbundenen bekannten Problemen, siehe oben.
Neben der operativen Entfernung der Endometrioseherde können die Herde auch mit einer Hormontherapie ruhiggestellt werden, z.B. mit Gestagenen wie der Minipille und der 3-Monats-Spritze oder der "normalen" Pille (aber ohne Pause eingenommen).
Die Wirkung homöopathischer Behandlungen ist umstritten. Durch Studien validierte Daten dazu gibt es nicht.
Rückfälle sind bei allen Behandlungsmethoden nicht selten.
Symptomatisch können die Schmerzen mit Buscopan, Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder weiteren COX-Hemmern behandelt werden.
Nach Meinung der britischen Endometriosevereinigung kann das Leiden eventuell durch eine Ernährungsumstellung gelindert werden. Dabei soll es helfen, auf Milch, Milchprodukte und Weizen zu verzichten, viel frisches Obst und Gemüse, kaltgepresste Öle wie Nachtkerzenöl, Leinöl, Olivenöl, dazu fetten Seefisch (Omega-3-Fettsäuren) zu essen.
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