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Das Benediktinerinnenkloster St. Johann in Müstair liegt auf 1250 m ü. M. am Dorfrand von Müstair im Val Müstair in Graubünden. Der lateinische Name für Kloster «monasterium» gab dem Dorf und dem ganzen Tal seinen Namen.
Auf dem Klosterareal bestand schon in der mittleren Bronzezeit, d.h. um 1500 v. Chr., eine kleine Siedlung, auch spätantike und frühmittelalterliche Reste wurden nachgewiesen. Die Stiftung des Klosters geht nach der Überlieferung auf Karl den Grossen (8. Jh.) zurück, dendrochronologische Untersuchungen des Alters verschiedener Dachhölzer bestätigen diese Gründungszeit (Fälldaten der Hölzer zwischen 785 und 788).
Müstair, Nordhof
© Stiftung Pro Kloster St. Johann in Müstair
Die heutige Anlage widerspiegelt die gesamte Baugeschichte des Klosters und damit auch die politischen und sozioökonomischen Verhältnisse der Region und Europas während über 1200 Jahren. Von der karolingischen Klosteranlage um das Jahr 800 ist heute noch die Klosterkirche und die doppelgeschossige Heiligkreuzkapelle erhalten, um das Jahr 1000 wurde der massive Wohnturm, Plantaturm genannt, auf der Nordseite der Klosterkirche errichtet (er beherbergt heute das Klostermuseum). Östlich bilden Konventbauten, die eingegliederte romanische Bischofsresidenz mit Herrschaftskapelle und ein Schulgebäude aus dem 19. Jh. die zwei Klosterhöfe mit der erwähnten ausserhalb stehenden, doppelgeschossigen Heiligkreuzkapelle vom Ende des 8. Jh. An die zwei Klosterhöfe schliesst der dritte Teil der Anlage an, der Wirtschaftshof mit Bauten, die teilweise bis in romanische Zeit zurückreichen und heute im Wesentlichen in der Form des 17. und 18. Jh. erhalten sind.
Die Klosterkirche beherbergt den grössten in situ erhaltenen Freskenzyklus aus karolingischer Zeit. Die Entstehungszeit der Fresken kann zwischen 785 und 795 festgelegt werden. Alles deutet darauf hin, dass die in ihrer karolingischen Substanz mehrheitlich erhaltene Kirche von Anfang an als ausgemalter Raum gedacht war: Ursprünglich handelte es sich um einen stützenlosen Raum mit drei Apsiden auf der Ostseite und einer flachen Holzdecke. Er war ringsum, an Apsiden und Wänden, vollständig mit Darstellungen der Christusgeschichte ausgeschmückt. Die Szenen waren in einem dekorativen Bildraster angelegt, wobei sich die einzelnen Felder thematisch und räumlich aufeinander beziehen.
Ende des 12. Jh. waren die karolingischen Malereien teilweise erneuert worden. Gegen Ende des 15. Jh. wurde die Klosterkirche zur spätgotischen Hallenkirche umgestaltet, so wie sie sich heute räumlich präsentiert. Anstelle der flachen Holzdecke wurde das Gewölbe mit Rundpfeilern und die Nonnenempore eingebaut, auch die Fenster wurden verändert und die spätromanische Ausmalung, die wegen der nun eingebauten Gewölbe nicht mehr als Ganzes wahrnehmbar war, ist wohl zu dieser Zeit übertüncht worden. Ein Teil der karolingischen Malereien, nämlich der Davidszyklus über den eingebauten Gewölben, wurde bereits im 19. Jh. entdeckt. 1947–1951 wurde der grosse karolingische Freskenzyklus freigelegt. Er ist nicht mehr in seiner Gesamtheit erhalten: Die Ausmalung der Klosterkirche zeigt heute die verschiedenen Zeugnisse über die Jahrtausende nebeneinander und sich überlappend: im Wesentlichen die ursprüngliche karolingische Bemalung in feinen Ocker- und Rottönen auf den Seitenwänden und in den Kalotten der Apsiden, in leuchtend bunten Farben Teile der romanischen Erneuerung in den unteren Bereichen der Apsiden und zudem auch in der Mittelapsis vier jüngste Bilder von 1597, aber auch leere Stellen, beispielsweise an der Südwand, wo die Ausmalung nicht mehr erhalten ist. Weil diese vorzügliche Ausmalung in den christlichen Darstellungen auch ikonographische Interpretationen zur Entstehungszeit zeigt, lässt sie, gelesen als Abbild religiöser Vorstellungen und weltlichen Verhältnissen, höchst interessante Rückschlüsse auf die Entwicklung christlicher Malerei und ihrer Motive zu.
Das Benediktinerinnenkloster von St. Johann in Müstair ist seit dem 12. Jh. ein Frauenkloster. Das Leben der Nonnen in klösterlicher Gemeinschaft, das dem Gebet, der Arbeit und der Meditation gewidmet ist, und die gleichzeitige fachliche und finanzielle Unterstützung der Anlage durch die öffentliche Hand und Private, die Stiftung Pro Kloster Müstair, ermöglicht die Erhaltung des Klosters in Müstair nicht nur in seiner historischen Substanz, sondern auch in funktionaler Kontinuität.