Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03651.jsonl.gz/328

Herstellungsort unbekannt, Mitte 19. Jh.
Glas, Schliffdekor; Silber
H. 15 cm, Dm. 5,7 cm
Inv. 2002.359.
Im 19. Jahrhundert war es üblich, dem neugeborenen Kind die Brust zu geben. Konnte oder wollte die Mutter das Stillen nicht selbst übernehmen, so wurde das Kind normalerweile zu einer Amme gegeben oder eine solche in das Haus genommen. Das "Aufziehen von Hand", wie das Flaschengeben auch genannt wurde, stellte eigentlich die Ausnahme dar und wurde vielfach kritisiert. 1838 heisst es bei Charles Dickens über die frühe Kindheit des Oliver Twist: "In den ersten acht oder zehn Monaten war Oliver das Opfer eines systematischen Betrugs und einer unausgesetzten Gaunerei. Er wurde nämlich aufgepäppelt. Die Armenhausbehörde meldete den ausgehungerten und elenden Zustand des Waisenkindes pflichtschuldigst an den Gemeindevorstand. Dieser forderte einen Bericht darüber, ob sich "in dem Hause" keine Frauensperson befände, die in der Lage sei, dem kleinen Oliver Twist die Nahrung zu reichen, deren er bedurfte." Das Aufpäppeln wurde also als die schlechteste Möglichkeit angesehen, um ein Kind zu ernähren.
Das Kind, das diese Flasche gereicht bekam, gehörte offensichtlich einer wohlhabenden Familie an. Üblicherweise sind die Saugflaschen aus unverziertem Glas oder ganz aus Zinn. In dem letzteren Falle durften sie auch hinfallen, was bei den gläsernen Exemplaren nicht vorkommen durfte. Aber Glas war hygeinischer und erlaubte den Überblick darüber, wieviel das Kind bereits getrunken hatte. Bei diesem Exemplar sorgt der Schliffdekor nicht nur für eine Verschönerung des Gegenstandes, sondern auch für einen sicheren Halt in der Hand der Mutter oder Kinderfrau.