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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1991 von Marlies Bayer-Ciprian
FANNY FLECKENSTEIN, 1861−1904
Von doppelter Seite kannte auch Fanny Fleckenstein die Sorgen und Nöte der Arbeiterfrauen. Erstens als Tochter aus einer Fabrikantenfamilie: ihrem Onkel gehörte die obere Tuchfabrik am Reidbach, der Vater war «Fabrikant am See». Zweitens war sie seit 1892 Elementarlehrerin in Wädenswil. In dieser Funktion musste auch sie miterleben, wie ihre Schützlinge viel zuwenig gut betreut werden konnten. Wann hätte die Fabrikarbeiterin noch Zeit gefunden, die Kleider anständig zu flicken, die Kinder sauber zu halten, ihnen abwechslungsreiche Nahrung zu geben? Wo hätte sie es lernen sollen?
Im Herbst 1900 war der Beschluss gefasst: Diesem Mißstand muss man abhelfen! Fanny Fleckenstein gründet eine Fortbildungsschule, welche an Abendkursen den jungen Arbeiterfrauen und -mädchen «Praktische Wissenschaften» vermitteln soll. Selbständig geht sie den Erziehungsrat um Unterstützung an und erreicht so, dass ein «Verein zur Förderung weiblicher Fortbildung» gegründet wird. Mit Hilfe der bereits oben genannten Frauen, Frau Pfarrer Emmy Schreiber-Kunz, der Handarbeitslehrerin Emma Rusterholz und weiterer Mitglieder wird unter dem Präsidium von Pfarrer Jakob Pfister die Ausbildung in Gesundheitspflege, Erziehung, Flicken, Nähen, Putzen und Kochen in Angriff genommen.
Fanny Fleckenstein, 1861−1904.
Zudem sollen auch die volkstümlichen Erzählungen wieder bekanntgemacht werden. Die praktischen Kochkurse im nicht mehr verwendeten Schützenhaus auf der Fuhr, an der Stelle des heutigen Oberstufenschulhauses, können von 1902 an angeboten werden. Herr Pfarrer Pfister befürwortet diese Kurse sehr, denn er glaubt, dass die Männer ihr Geld nur im Wirtshaus vertrinken, weil ihr Zuhause nicht anheimelnd und das Essen schlecht ist. In diesem Punkt durfte offenbar damals die Frau die Verantwortung für das Handeln des Mannes tragen! Noch diverse Neuerungen durfte die «Mutter» des Vereins mittragen, bevor sie 1904 starb. Eine Namensänderung hat dieser Verein seit damals auch erlebt; er heisst nun «Frauenverein».