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Schleifende Kaltfront
Am heutigen Freitag war die Druckverteilung in Mitteleuropa weiterhin flach. Rückseitig einer an den Alpen schleifenden Kaltfront floss mit einer westlichen Strömung feuchtkühle Luft ein.
Die Kaltfront hat sich in der vergangenen Nacht aus Nordwesten genähert. Sie streift nun die Alpennordseite und äussert sich mit einem hohen Bedeckungsgrad und vereinzelten Niederschlägen. Im Tagesverlauf war insbesondere am nördlichen Alpenrand mit Schauern zu rechnen. Die Luftmasse wurde an den orographischen Hindernissen gezwungen aufzusteigen, sodass sich in der instabilen Schichtung einige Schauer gebildet haben. In Graubünden reichte es für ein isoliertes Gewitter.
Die Front erstreckt sich von West nach Ost und ist somit Strömungsparallel zum vorherrschenden Westwind positioniert. Die Front markiert einen Übergang zwischen zwei unterschiedlichen Luftmassen. Sie unterschiedet sich meist im Hinblick auf Temperatur und Feuchte. Schneiden sich die Isothermen (Linien gleicher Temperatur) und Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks), verlagert sich die Front mit der Strömung. Liegen die Isothermen und Isobaren parallel, bleibt die Front stationär. Man spricht dabei von baroklinen und barotropen Verhältnissen.
Auch der Alpenhauptkamm agiert als eine Art «Wetterschneise». Die Kaltfront ist schwach ausgeprägt und überquert die Alpen nicht. Es findet auf der Südseite kein Luftmassenaustausch statt. Dieser Unterschied der Alpensüd- und Alpennordseite ist gut im Vergleich zweier Radiosondierungen erkennbar.
In der Darstellung heben die blauen Flächen zwischen den zwei verschiedenen Temperaturkurven eine Abkühlung von Donnerstag 12 UTC zu Freitag 12 UTC hervor, rote Flächen sind Bereiche einer Erwärmung. Die Taupunktdifferenzen sind in grünen und gelben Flächen abgebildet. Grüne Flächen stelle eine Anfeuchtung der Luft dar, während gelbe Bereiche für eine Abtrocknung stehen.
Auf der Alpensüdseite in Novara/Cameri (Italien) ist kaum ein Unterschied im Verlauf zu erkennen. Auf der Alpennordseite in Payerne ist eine Anfeuchtung der Luftsäule, sowie eine Abkühlung unterhalb 3000m ü. M. erkennbar.
Hinter der Kaltfront wird sich ein weitreichendes Hochdruckgebiet bilden. Dieses führt mit seiner antizyklonalen Strömung die weniger warmen Luftmassen im Osten an den Alpen vorbei und erzeugt eine östliche Strömung auf der Südseite. So wird die Luft die südliche Region des Landes über Umwege und mit einem zeitlichen Versatz erreichen.
Exkurs Superzelle
Aus gegebenem Anlass werfen wir einen Blick zu unseren Nachbarn nach Deutschland. Nachdem am gestrigen Nachmittag und Abend einzelne Gewitter am Jura und im Alpenvorland aufgetreten sind, entwickelte sich zwischen dem Bodensee und der Donau (Region Oberschwaben) eine mächtigere Gewitterzelle. Sie verlagerte sich über Memmingen bis nach München. Im Radarloop kann man die Verlagerung und die Reflektivitäten im Seitenaufriss erkennen. Bei genauer Betrachtung der Animation ist ab 19 UTC eine leichte Richtungsänderung nach Südosten auszumachen. Es deutet darauf hin, dass es sich bei der Zelle um einen sogenannten «right-mover» gehandelt hat. In der Nähe von München schwächte sie sich langsam ab, induzierte durch ihren Outflow jedoch an der rechten Vorderseite eine neue Zelle. Diese zog weiter Richtung Osten.