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Gewonnen wird der gediegen vorkommende S. durch einfaches Ausschmelzen, durch Destillation,
[* 19] vereinzelt
auch durch Auslaugen mit Schwefelkohlenstoff. Sehr reiche Vorkommen werden auf Sizilien
[* 20] in Kesseln geschmolzen; meist aber wendet
man Meiler (calcaroni, s. Tafel »Schwefel«,
[* 4] Fig.
1) an, deren gestampfte Sohle gegen eine 5 m hohe Mauer a mit Stichloch c geneigt ist. Man schichtet darauf
das Erz gegen einen aus eisernen Stäben gebildeten Rostb und läßt einige Zugschächte offen, durch welche der Meiler angezündet
wird.
Später werden die Kanäle mit Steinplatten verschlossen und der Meiler mit einer Decke
[* 21] aus Lehm, Erzklein etc. versehen, welche
zugleich zur Regelung der Verbrennung dient. Wie der Prozeß vorschreitet, sammelt sich der S. unter dem
Rost und wird von Zeit zu Zeit durch das Stichloch in nasse hölzerne Blockformen abgelassen. Der durch Verbrennen von
S. entstehende Verlust beträgt bei diesem Betrieb 0,33-0,4 des Gesamtschwefelgehalts.
Der gewonnene rohe S. wird meist in Frankreich raffiniert.
Ähnlich ist der Betrieb mit Schachtöfen, in denen ebenfalls kein andres Brennmaterial benutzt wird.
GrößereAusbeute bei bedeutend erhöhtem Aufwand an Brennmaterial und Vermeidung der Verpestung der Luft durch schweflige Säure
gewährt das Ausschmelzen mit Sublimation aus thönernen oder eisernen Gefäßen. In
[* 10]
Fig. 2 sind a gußeiserne Retorten, welche
mit dem Erz beschickt und dann verschlossen werden; die Schwefeldämpfe gelangen durch die Röhren
[* 22] b in
die Vorlagec, aus welcher der verdichtete S. in die Bassins d abfließt, um in Formen geschöpft zu werden. Bisweilen befördert
man die Destillation durch Einleiten von überhitztem Wasserdampf. Vorteilhafter als diese Apparate sind die Öfen
[* 23] mit Dampfheizung, von welchen der Grittische
[* 10]
(Fig. 3) folgende Einrichtung hat: a ist der äußere
konische Ofenschacht von 3 m Höhe, mittels Flantsche bb auf eisernen Balken cc gelagert, welche auf Säulen
[* 24] dd ruhen.
Der innere Schacht e besteht aus durchlöchertem Eisenblech, der Rost am untern Teil des Schachts aus zwei
halbrunden, durchlöcherten und an Scharnieren beweglichen Eisenplatten. Die obere Mündung des mit Erzen zu füllenden Innenschachts
ist durch einen Deckel f luftdicht verschließbar. Unter den Rost läßt sich auf einem Wagen ein Rezipient g schieben, in welchem
sich der ausgeschmolzene S. sammelt, der daraus durch den Hahn
[* 25] h in Holzgefäße, die in der Vertiefung
l
stehen, abgelassen wird.
Aus den extrahierten Erzen gewinnt man den zurückgehaltenen Schwefelkohlenstoff durch Behandeln mit Wasserdampf.
Der Verlust an Schwefelkohlenstoff beträgt dann nur 1,66 Proz. Viel S. wird
auch aus Schwefelmetallen gewonnen, teils als Hauptprodukt der vorzunehmenden Operation, teils als Nebenprodukt bei weiterer
Verarbeitung der Schwefelmetalle auf verschiedene Hüttenprodukte. Dies gilt besonders für Schwefelkies, welcher aus 46,7
Eisen
[* 27] und 53,3 S. besteht und in konischen, feuerfesten Röhren bei Abschluß der Luft destilliert wird.
Man gewinnt 13 bis 14 Proz. S., welcher stets Arsen enthält und oft durch Thalliumgehalt orangerot gefärbt ist. Auch aus
Kupferkies wird S. gewonnen.
Während rhombischer S. sich bei anhaltendem Erhitzen bis fast zum Schmelzpunkt in monoklinische Kristalle verwandelt, gehen
letztere bei gewöhnlicher Temperatur, schneller am Licht,
[* 41] beim Schütteln oder Kratzen, in die rhombische Modifikation über.
Der monoklinische S. hat das spez. Gew. 1,96,
schmilzt erst bei 120° und löst sich leicht in Schwefelkohlenstoff, aus welchem in hoher Temperatur monoklinischer, in der
Kälte rhombischer S. kristallisiert.
Geschmolzener S. wird bei stärkerm Erhitzen dunkler und dickflüssig und ist zwischen 200-250° dunkel rotbraun und höchst
zähflüssig; bei noch stärkerm Erhitzen wird er wieder dünnflüssiger, aber nicht heller, siedet bei
448,4° u. gibt orangeroten Dampf. S. verflüchtigt sich indes schon bei viel niedrigerer Temperatur, selbst vor dem Schmelzen.
Dunkler, zähflüssiger S. erstarrt bei schnellem Abkühlen in Wasser zu einer braunen, weichen, durchscheinenden Masse vom
spez. Gew. 1,91, die allmählich, schneller beim Kneten,
in gelben S. übergeht.