Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03493.jsonl.gz/391

Von einem grossen Wahlkampffieber im Hinblick auf die zu besetzenden Sitze im Verfassungsrat kann man kaum sprechen. Die Wahlveranstaltungen hielten sich im (parteiinternen) Rahmen; überparteilich, aber wenig über die eigentlichen Kandidaten wurde bloss unter der Regie von Radio DRS diskutiert.
Immerhin gelang es den Parteien doch erstaunlich gut, Kandidaten für die Verfassungsratswahl zu finden. Die CVP und die SVP treten mit kompletten Listen zur Wahl vom 12. März an, die FDP präsentiert zwei (nicht ganz komplette) Listen, für den unteren und den oberen Bezirk, und die SP tritt gar mit drei Listen, nämlich einer kompletten Männerliste, einer Frauenliste und einer Jungsozialistenliste, an.
Dementsprechend gibt es Listenverbindungen unter den SP-Listen, unter den FDP-Listen sowie zwischen der CVP und der EVP. Die SVP geht alleine ins Rennen, hat ihre Liste aber «Unabhängigen» geöffnet.
Unter den 92 Kandidaten gibt es 30 Frauen, also ziemlich genau ein Drittel. Seebezirkler Grossräte sucht man auf den Listen für den Verfassungsrat vergeblich. Die FDP hat in einem Communiqué dies auch begründet: Das Stimmvolk habe dem Verfassungsrat und nicht dem Grossen Rat die Ausarbeitung der neuen Verfassung übertragen. Die Absenz der Grossräte entspreche also dem Volkswillen.
Hingegen befinden sich unter den Kandidaten einige ehemalige Grossräte, für die eine Wahl in den Verfassungsrat ein politisches Comeback bedeuten würde. Ein solches Comeback würde auch die Wahl einiger ehemaliger Gemeindepräsidenten oder Gemeinderäte bedeuten.
Nebst den «Altgedienten» findet man wie im ganzen Kanton eine Mehrheit an Neulingen auf dem politischen Parkett, allenfalls Kandidaten, die bloss parteiintern in Erscheinung getreten sind. Es mag dies den jungen Kandidaten eine Chance eröffnen. Immerhin 18 der Kandidaten sind 25-jährig oder jünger, wobei die Jungsozialisten eine grossen Teil davon ausmachen.
Für die Jungsozialisten geht es darum, den Achtungserfolg aus den Nationalratswahlen jetzt in etwas Zählbares, sprich Verfassungsratssitze, umzuwandeln. Auch die EVP, die immer wieder an Wahlen teilnimmt, möchten endlich einen Amtsträger stellen.
Ansonsten stellt die Verfassungsratswahl eine weitere Runde im Ringen der «Grossen» SP, FDP, CVP und SVP um politische Macht dar. Die FDP geht dabei als traditionelles politisches Bollwerk im Seebezirk ins Rennen. Mit Interesse wird man das Abschneiden der SVP verfolgen, die in den letzten Wahlen im Murtenbiet und in Kerzers viel Boden gut gemacht hat. Die Wahl dürfte somit auch richtungsweisend für kommende Grossrats- und Gemeindewahlen sein.
Unwahrscheinlich scheint, dass sich der politische Schwerpunkt von Murten/Kerzers verschiebt. Die Herkunft der Kandidaten deutet jedenfalls nicht darauf hin.