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Der im 19. Jahrhundert berühmt gewordene Anwalt Pierre-Antoine Berryer wurde seine Berufung in die Wiege gelegt, bereits sein Vater Pierre-Nicholas Berryer übte den Beruf eines Anwalts aus.
Dennoch hegte Pierre-Antoine Berryer zunächst den Wunsch, Geistlicher zu werden und er ging an das "Collège de Juilly" der Oratorianer.
Schliesslich studierte er Rechtswissenschaft und wurde 1811 als Anwalt zugelassen. Politisch war er zu jener Zeit Bonapartist, dies änderte sich jedoch bald und er bekannte sich als Royalist.
Als König Ludwig XVIII 1815 ins Exil musste, folgten ihm Pierre-Antoine Berryer und sein Vater nach Gent. Als die sogenannte "Herrschaft der Hundert Tage" von Napoleon I endete, kehrten der König und die Berryers nach Frankreich zurück. Dort wurden Verfahren gegen jene Generäle angestrengt, die sich Napoleon zuwandten. Pierre-Antoine Berryer verteidigte die Generäle, obwohl er damals auch wegen ihnen sich zum Weggang aus Paris gezwungen sah. General Debelle wurde zu 10 Jahren verurteilt, General Pierre Cambronne wurde freigesprochen.
Da er sich zu jener Zeit auch für staatlich verfolgte Journalisten einsetzte, wurde er schon bald als Fürsprecher der Pressefreiheit angesehen. 1818 und 1820 folgten zwei weitere aufsehenerregende Verteidigungen von Pierre-Antoine Berryer, als er sich für die Generäle Canuel und Donnadieu einsetzte, die an der Niederschlagung der Aufstände in Lyon und Grenoble beteiligt waren.
Durch seine Popularität konnte Pierre-Antoine Berryer auch politisch Akzente setzen. So wurde er 1830 für das Departement "Haute-Loire" in die Nationalversammlung gewählt und er setzte sich für die Bekämpfung gegen anti-monarchistische liberale Tendenzen ein.
Als Maria Karolina, Prinzessin von Bourbon-Sizilien, Herzogin von Berry 1832 versuchte, den Thron für ihren Sohn zu sichern und einen Aufstand organisierte, versuchte Berryer sie davon abzuhalten, jedoch erfolglos.
Als die Herzogin nach dem gescheiterten Aufstand vor Gericht gestellt wurde, verteidigte sie Berryer,scheiterte jedoch. Da er im Vorfeld von den Umsturzplänen wusste, musste auch er sich vor einer Verfolgung fürchten und er versuchte, in die Schweiz zu fliehen, wurde aber verhaftet und als Mitverschwörer angeklagt.
Pierre-Antoine Berryer übernahm seine Verteidigung gleich selbst und konnte einen Freispruch erreichen.
Es folgten weitere Verteidigunsaufträge für grosse Persönlichkeiten, darunter für François-René de Chateaubriand, ein Schriftsteller und Politiker sowie Napoleon III, den er nach seinem Putschversuch in Boulogne-sur-Mer verteidigte.
Ab 1851 zog sich Pierre-Antoine Berryer auf dem politischen Parkett etwas zurück und konzentrierte sich wieder vermehrt auf seine Anwaltspraxis. Dennoch versuchte er, die verfeindeten Häuser Orleans und Bourbon wieder zusammen zu bringen und er sprach sich erfolglos gegen ein französisches Eingreifen in Mexiko aus, welche 1862 stattfand.
Heute geniesst Pierre-Antoine Berryer den Ruf eines gegnadeten Redners und zu seinem Gedenken üben junge Pariser Anwälte rhetorische Wettkämpfe aus, die "La Berryer" genannt werden. Im Pariser Justizpalast steht zudem eine Statue von ihm im "Salles des Pas Perdus".