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Am 7. November 1940 kam in der Commencement Bay in der Nähe von Seattle ein Wind auf. Nichts Gewaltiges: Die maximale Windgeschwindigkeit betrug 64 km/h. Das gilt zwar als starker Wind, nicht aber als Sturm. Die Auswirkung des Windes waren aber gewaltig. Für die Tacoma-Narrows-Brücke, vor allem aber für die Brückenbaukunst.
Nur vier Monate und sieben Tage zuvor war unter Trommelwirbeln und Fanfaren an derselben Stelle die Tacoma-Narrows-Brücke eröffnet worden. Sie war zu diesem Zeitpunkt die drittlängste Hängebrücke der Welt. Leon Moisseiff, der Chefingenieur des Bauwerks, nannte sein Werk ganz bescheiden «die schönste Brücke der Welt».
Moisseiff hatte zuvor mitgeholfen, die Manhattan-Brücke und die Benjamin-Franklin-Brücke zu errichten. Der gebürtige Lette war ein gefeierter Brücken-Ingenieur, dessen Theorien beim Bau der weltberühmten Golden-Gate-Brücke berücksichtigt wurden. Die Tacoma-Narrows-Brücke ist seine erste Arbeit als Chefingenieur gewesen.
Bereits vor ihrer Einweihung verpassten Arbeiter der Brücke den Übernamen «Galloping Gertie». Denn nur schon geringe Windböen reichten, um die Brücke in Schwingung zu bringen. Gegenmassnahmen wurden zwar ergriffen – doch sie versagten alle.
Am Morgen des 7. November war Leonard Coatsworth, ein Reporter der «Tacoma News Tribune», der letzte Mensch, der versuchte, die Brücke zu überqueren. Mit ihm im Auto: Tubby, der Cockerspaniel seiner Tochter.
Coatsworth schaffte es nicht mehr über die Brücke. Die Schwingungen waren derart gross, dass er Hund und Auto zurücklassen und zu Fuss umkehren musste: «Ich hörte Beton aufbrechen ... der Wagen wurde hin und her geworfen ... ich musste auf allen Vieren kriechen. Ich keuchte, meine Hände und Knie bluteten. Am Ende riskierte ich alles und rannte das letzte Stück. In Sicherheit sah ich dann, wie die Brücke einstürzte.»
Auch der mutige Professor Farquharson (zu sehen im Video unten) scheiterte beim Versuch, auf der schaukelnden Brücke bis zu Tubby vorzudringen. Er kehrte ohne Tier zurück.
Am 11. November 1940 um 11 Uhr stürzte die Tacoma-Narrows-Brücke ein und riss Cockerspaniel Tubby in die Tiefe. Der Hund blieb das einzige Todesopfer.
Der Bau der Tacoma-Narrows-Brücke ging als einer der grössten Ingenieur-Fehler in die Geschichtsbücher ein. Die Erkenntnisse aus dem Vorfall halfen aber mit, die Brückenbaukunst weiterzuentwickeln. Zehn Jahre später wurde die Brücke erneut errichtet. Sie steht heute noch.
Chefingenieur Moisseiff erlebte dies nicht mehr. Er erlag drei Jahre nach dem Einsturz einem Herzinfarkt. (tog)