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Die Liste jener, die von ausbeuterischen Arbeitsbedingungen betroffen sind, ist lang: Familien, die in den Backstein-Brennereien in Kambodscha in Schuldknechtschaft leben; staatenlose Kinder von Arbeitsmigrant*innen, die in der malaysischen Provinz Sabah auf abgelegenen Palmölplantagen ihren Eltern helfen, unrealistische Ernte-Vorgaben zu erfüllen statt die Schule zu besuchen; oder Migrant*innen aus Myanmar und Kambodscha, die in Thailand ohne Bewilligung auf abgelegenen Landwirtschaftsbetrieben schuften. Wir unterstützen auch Arbeitnehmende in besonders gesundheitsgefährdenden Berufen. Diese sind oftmals Teil der «Wertschöpfungsketten» von Konsumgütern, dank derer wir unseren bisherigen Lebensstil aufrechterhalten können. Zum Beispiel Arbeiter*innen, die ungeschützt giftigen Chemikalien ausgesetzt sind, sei es in den bangladeschischen Ledergerbereien oder in den Schiffsabwrackbetrieben der Strände von Chittagong, wo unter primitivsten Bedingungen alte Handelsschiffe zerlegt werden, die einst unsere Konsumgüter transportierten. Tausende atmen dabei giftigen Asbeststaub ein, der in einigen Jahren oder Jahrzehnten zu tödlichen Erkrankungen führen wird.
Ausbeuterische Bedingungen auf Palmölplantagen
Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf den Palmölplantagen im malaysischen Sabah. Mit der Pandemie verschlimmerte sich die Situation der Wanderarbeiter*innen aus Indonesien zusätzlich. Wegen der ausgesetzten Rückschaffungen wurden viele monatelang in unzumutbaren Abschiebeeinrichtungen festgehalten. Mit Recherchen und Aktionen gelang es unseren Partnerorganisationen vor Ort, das Thema in Malaysia und Indonesien in die Medien zu bringen und unabhängige Menschenrechtskommissionen auf den Plan zu rufen. Dies erhöhte den Druck auf die Regierung Sabahs, das menschenverachtende Migrationsregime für ausländische Palmölarbeiter*innen endlich zu reformieren. Gleichzeitig haben wir die Schweizer Behörden ersucht, diese Missstände bei den laufenden Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Malaysia zu thematisieren. Es darf nicht sein, dass die Schweiz Zollvergünstigungen gewährt für Produkte, die unter Verletzung von Grundrechten produziert werden.
Ausbau der Unterstützung und neue Austauschformen
Dank dem Fokus auf die Arbeitnehmenden, die häufig ohne formelle Anstellungen unter prekären Bedingungen arbeiten, und unserem wachsenden Netzwerk lokaler Basisorganisationen gelang es Solidar Suisse, 2021 bei einer Ausschreibung der amerikanischen Entwicklungsagentur USAID berücksichtigt zu werden. So können wir nun in sieben Ländern Asiens neue Organisationsformen für den informellen Sektor entwickeln und den Erfahrungsaustausch zwischen Ländern und Branchen fördern, damit sich erfolgsversprechende Ansätze und Methoden rascher in der Region verbreiten.
Unsere Partnerorganisationen haben rasch gelernt, mit der neuen Realität aufgrund von Covid-19 umzugehen. Zwar konnten Aktivitäten nicht oder nur beschränkt umgesetzt werden, doch die Basisorganisationen entwickelten neue Fertigkeiten im Umgang mit virtuellen Kommunikationsformen, die länderübergreifend eingesetzt wurden. So führte das asiatische Netzwerk für ein Asbestverbot eine dreitägige Konferenz mit 260 Teilnehmer*innen aus 22 Ländern durch, simultan übersetzt in zehn Sprachen. Und Solidar Suisse organisierte ein mehrtägiges virtuelles Treffen all unserer lokalen Partnerorganisationen in Asien, das dem immer enger werden Spielraum für zivilgesellschaftliche Akteur*innen gewidmet war. So konnten Teilnehmenden Gegenstrategien austauschen und sich gegenseitig Mut machen.