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Mit dem Kirchenbau von Langnau wurden auch die Kirchenstühle unter den Einwohnern, je nach Stand und Rang oder gespendetem Betrag, verteilt. Einem erhalten gebliebenen Verzeichnis kann man entnehmen, dass in der «vorderen Zyleten» dem Wirt unten am Albis der Stuhl Nummer 22 zugesprochen wurde, wohl aus Dankbarkeit für seine gespendeten 50 Gulden (ca. 300 Franken). Es hatte damals 47
nummerierte, 58 unnummerierte und 86Weiberkirchenstühle (Kirchenörter).
Von 1715 existiert noch eine Abrechnung über das Waisengut der minderjährigen Kinder des Hansjakob Widmer, erstellt vom Vormund, dem Ehegaumer und Säckelmeister Hansjakob Baumann zu Langnau. Nebst Einnahmen von Diethelm Schärer, «so er bey aberkauffung der Kinderen Haus und Güeter schuldig bleibt», von alt Sekelmeister Widmer eine Schuld, und von Heinrich Widmer zu Adliswil ebenfalls eine Schuld, sind natürlich auch Ausgaben verbucht, da heisst es: «…es wurde Tischgeld ins Rängg bezahlt (Kostgeld)…— der Diethelm Schärer erhält mehr Geld wegen längeren Behaltens der Kinder…»
Und zuletzt: «…ist auch zu zeigen, dass Vogt Hansjakob Baumann an Felix Widmer im Rängg das Tischgält für 2 Kinder daselbst bezahlt habe, mit einem alten Bett, Kunsthafen (Ofenschiff), Pfannen, das erste Jahr; das andere aber an Gält, wie oben staadt». Das Kostgeld wurde also aus der Fahrhabe des Verstorbenen in Naturalgabe bezahlt.
Mit dem Tode des 57 jährigen Heinrich Widmers, alt Sekelmeister, «Wirt und Gastgeb» unten am Albis, ging 1716 die wahrscheinlich längste Wirtedynastie auf dem Löwen zu Ende. Von nun an wechseln sich die Besitzer
(und Wirte) in recht häufiger Folge ab. Noch vor der öffentlich gehaltenen Gant des Restaurantes stellte der
Langnauer Müller Heinrich Leemann dem Gericht das Begehren, es sei auch eine ausstehende Schuld für geliefertes Mehl, das noch nicht bezahlt worden sei, auf den Gantpreis zu schlagen. Er beschrieb den Widmer als ehrlichen Mann, der lange krank gewesen sei, weshalb er mit der Schuldeintreibung noch zugewartet habe, nun sei aber der Widmer ganz unerwartet gestorben. Ein anderer, Hans Blattmann aus Wädenswil, forderte noch
drei Monate nach dem Tode und nach der Handänderung - vielleicht war die Kunde erst dann zu ihm gedrungen - von der Witwe einen ausstehenden Zins.
Hans Schwyzer vom Rängg, der das Gebäude ersteigert hat, war nicht lange Wirt; im Mai 1717, nur 3 Monate nach Protokollierung des Verkaufes, verkauft er an seinen Namensvetter Hans Georg Schwytzer von Meilen, der noch im selben Jahr ins Gemeindebürgerrecht aufgenommen wurde. In den sieben Jahre, die nun unter Hans Georg Schwytzer verliefen, verzeichnete das Landvogteigericht nicht weniger als 9 Klagen, an denen seine Person beteiligt war:
16. 9. 1717 Schlag- und Scheltungsspänigkeit (Schlag- und Schimpfstreit) Diethelm Schärers (Nachbar) und seiner Frau gegen Wirt Hans Geörg Schwitzer. …dass die gegeneinandergeflossenen Schältungen so wol von den wyberen als männeren obrikeitlich aufgehebt seien. …und deswegen weil der Wirt den Schärer auf dessen Boden angegriffen und seiner Frau einen Streich gegeben…
16. 12. 1719 Busse und Bezahlung der Arztkosten durch Schwitzer! Schwitzer vom Rängg beklagt sich gegen den Wirt Hans Georg Schwitzer.
4. 8. 1717 Diethelm Schärers Frau wird gebüsst, weil sie dem Wirt Schwitzer einen Schaden verursacht hat.
24. 8. 1719 Hans Georg Schwitzer beklagt sich wegen Winkelwirtens gegen Hans Eichholtzer. Er beruft sich dabei auf sein Tavernenrecht.
12. 12. 1720 Schimpfhandel zwischen Schwytzer und Eichholtzer, trotz Eichholtzers Schuld, wird es gütlich geregelt.
17. 1. 1722 Ein Streit zwischen dem Wirt und dem Albiswirt Wägmann gegen Näf von Bendlikon wird ebenfalls gütlich beigelegt.
20. 2. 1722 Wirt Hans Georg Schwitzer kann eine fällige Schuld nicht zurückzahlen und erhält einen Zahlungsaufschub.
10. 7. 1723 Georg Schwitzer klagt Catharina Eichholtzer wegen Winkelwirtens an, sie wird vom Gericht gebüsst.
2. 9. 1723 Schwitzer erhält neuerdings Zahlungsaufschub.»
Es scheint, dass man damals viel schneller vor Gericht ging, um Streitigkeiten zu schlichten oder Abmachungen zu bestätigen, denn bei
allen Wirten vom Unteralbis trifft man auf solche Eintragungen. Allerdings nicht immer gleich in solcher Fülle. Für Schwytzer waren die Geldschwierigkeiten doch grösser, die Klagen wegen Winkelwirtens mögen auch aus Existenzgründen erfolgt sein, denn im November 1724 verpachtete er alles vorerst einmal für 3 Jahre an Gorius (Gregor) Frick aus Maschwanden. Er versprach ihm, dass er nach Ablauf der Frist das Gewerbe käuflich übernehmen könne. Doch schon nach 2 Jahren wurde der Handel abgeschlossen. Frick hatte in seinem privaten Bereich drei sicher sehr schmerzliche Erlebnisse: im Mai 1727 starb sein 3 Monate altes Töchterchen, im Juli 1727 der neugeborene Sohn und bereits 2 Jahre zuvor war ihm ein Stammhalter geboren, aber nach 6Monaten ebenfalls verstorben.
Im öffentlichen Leben aber war er ein geachteter Mann, er wurde am 1. Januar 1732 zum Säckelmeister gewählt und behielt das Amt bis 1737. Aber trotzdem war auch er ein Mann mit rauhen Sitten. Während der Jahre 1736/37, also noch als Säckelmeister, wurde er drei Mal wegen ungebührlichen Redens gebüsst. Er versprach seinem Nachbarn, dem Schärer, das Wirtshaus, hielt aber sein Versprechen nicht und verkaufte an einen Rudolf Glättli von Hedingen. Vielleicht hatte ihm dieser mehr geboten.
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