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In Sotschi finden die teuersten Olympischen Spiele aller Zeiten statt. Russlands Präsident Wladimir Putin konnte für das 50-Milliarden-Projekt seine reichsten Männer gewinnen.
Sie werden auch die «Oligarchen-Spiele» genannt – die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. In den Bergen des westlichen Kaukasus' gibt es die «Potanin-Piste», die «Gazprom-Gondel» und die «Sberbank-Schanze».
Die Namen der Bauten zeigen, woher das Geld für die Olympischen Winterspiele 2014 vorwiegend stammt: von staatsnahen Firmen, Banken und einer Hand voll russischer «Gross-Investoren», die ihrerseits allesamt Bau- und Energiefirmen im Rücken haben.
Präsident Wladimir Putin hat sie alle «gebeten», sich mit immensen Summen am Mega-Projekt Sotschi 2014 zu beteiligen. So baute der russische Oligarch Oleg Deripaska den Flughafen in Sotschi neu und erstellte eines der olympischen Dörfer. Sein ehemaliger Erzfeind Wladimir Potanin hat ein Skigebiet aus dem Boden gestampft.
Potanin, Vorsitzender der Beteiligungsgesellschaft Interros, hat das Skiresort Rosa Chutor finanziert. Wo vor ein paar Jahren noch ein einziger Lift mit Holzsesseln stand, gibt es heute hochmoderne Lifte, breite Pisten, grosse Hotelkomplexe und luxuriöse Chalets.
In Rosa Chutor findet ein Teil der alpinen Wettkämpfe statt. Allein in die Pisten und Lifte soll Potanin mehr als 2 Milliarden Dollar investiert haben. Er kann es sich leisten: Laut «Forbes» ist er fast 15 Milliarden Dollar schwer.
Oleg Deripaska, mit dem sich Potanin bis 2012 einen erbitterten Machtkampf um den Rohstoffkonzern Norilsk Nickel lieferte, ist ebenfalls mit von der Partie in Sotschi: Neben dem neuen Flughafen finanzierte Deripaska mit 760 Millionen Dollar eines der Olympiadörfer sowie eine 42 Kilometer lange Strasse rund um das Dorf herum.
Deripaska lässt für die Winterspiele insgesamt 1,5 Milliarden Dollar springen. Er ist mit Aluminiumhandel reich geworden, heute hält er die Mehrheit am weltweit grössten Metallkonzern Rusal und besitzt laut Schätzungen 8,5 Milliarden Dollar.
Auch der staatlich kontrollierte Energiekonzern Gazprom hat sich finanziell wesentlich für die Olympischen Spiele eingesetzt. Der weltgrösste Erdgasproduzent baute die Gaspipeline für das ehemals abgelegene Sotschi sowie ein Gaskraftwerk.
Ebenfalls von Gazprom finanziert werden die Skipisten von Krasnaja Poljana, der zweiten Destination für die alpinen Wettkämpfe. Zudem finanzierte Gazprom ein weiteres olympisches Dorf sowie das Langlauf- und Biathlonzentrum Laura. Kostenpunkt: 3 Milliarden Dollar.
Die russische Staatsbahn (RZD) hat mehrere Strassen und Bahnlinien gebaut. Als wichtigste gilt die Strasse zwischen Adler und Krasnaja Poljana, die 8 Milliarden Dollar gekostet haben soll.
Zudem bekam RZD den Auftrag, die Bahnlinie zwischen Tuapse und Adler zu erneuern sowie die Bahnhöfe in den Austragungsorten Adler, Dagomys, Matsesta, Chosta und Sotschi zu vergrössern.
Diese Arbeiten schlugen mit 9,2 Milliarden Dollar zu Buche – das sind 20 Prozent des Gesamtbudgets von Sotschi. Pikantes Detail: Die Billettpreise haben allein 2008 um ein Prozent aufgeschlagen.
Darüber, ob die Investoren auch nach den Spielen auf Einnahmen hoffen dürfen, wird gestritten. Einige wie Andrei Elinson, der Vize-Chef von Oleg Deripaskas Investmentvehikel Basic Element, bestehen darauf, dass die Projekte profitabel bleiben – auch, wenn die Spiele längst vorbei sind.
Viel eher dürfte aber der Staat diese Löcher wieder stopfen – und die Korruption ihres dazu beitragen. Branchenkenner reden von den Investitionen in Sotschi als der «grössten Geldwäscheaktionen aller Zeiten».
Die Oligarchen und ihre Firmen würden dann über Hintertürchen wieder begünstigt. Zum Beispiel über die öffentlichen Fonds: Die russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow und Leonid Martinjuk behaupten, dass die «Investoren» die öffentlichen Staatsfonds plünderten, die ursprünglich für Sotschi-Bauten vorgesehen waren. Es soll um 30 Milliarden Dollar gehen.
Die teuersten und grössten Projekte für die Olympischen Winterspiele seien ohne Ausschreibungen und unter der Hand vergeben worden. «Nur Oligarchen und Firmen rund um Putin wurden mit den Olympischen Spielen reich», schreibt Nemzow auf seinem Blog.
Es habe keinen fairen Wettbewerb gegeben, und die Vetternwirtschaft habe Kostenüberschreitungen von mehreren Milliarden zur Folge gehabt. Die staatliche Gesellschaft für den Bau der Olympia-Stätten, Olympstroy, habe nie einen Bericht über ihre Aktivitäten abgelegt.
Ein gutes Beispiel dafür, wie Putins Freunde von Sotschi profitieren, ist Arkadi Rotenberg mit seinem Firmenkonglomerat. Den Bautycoon kennt Präsident Putin seit seiner Jugend. Die beiden waren Trainingspartner im Judo und treten noch heute gemeinsam bei Sportanlässen auf.
Rotenberg wurde reich, als er sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aus Teilen des staatlichen Energiekonzerns Gazprom seine Baufirma zusammenkaufte. Er ist gemäss Forbes 3,3 Milliarden Dollar schwer.
Für Sotschi 2014 baute Rotenbergs Pipeline-Firma Stroygazmontazh die 177 Kilometer lange Gaspipeline. Der grösste Brückenbauer Russlands, Mostotrest, an dem Rotenberg ebenfalls Anteile hat, erstellte mehrere Strassen und Kreuzungen rund um den Austragungsort der Olympischen Winterspiele.
Schätzungen gehen davon aus, dass die Firmen um Rotenberg rund 6,9 Milliarden US-Dollar aus Bauten rund um die Olympischen Spiele absorbiert haben. Das wären rund 15 Prozent des olympischen Budgets. Mit anderen Worten: Jeder siebte Olympia-Rubel ging an die Rotenbergs.