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Er hatte nochmals alles versucht: In South Carolina marschierte Buttigieg mit streikenden McDonalds-Arbeitern, schüttelte unzählige Hände und versuchte noch möglichst viele Wähler – vor allem Schwarze – umzustimmen. Doch es reichte nicht. Nach dem schwachen Wahlergebnis vom Samstag zieht Buttigieg jetzt die Reissleine.
Dabei hatte alles so gut angefangen für den Jung-Star: Sein Überraschungssieg im Bundesstaat Iowa machte ihn Anfang Februar über Nacht zum Mitfavoriten im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Eloquent, unaufgeregt, intellektuell – Buttigieg wirkte in vielerlei Hinsicht wie das pure Gegenteil zum amtierenden Präsidenten. Der zuvor kaum bekannte Bürgermeister einer mittelgrossen Stadt in Indiana konnte eine beachtliche Fangemeinschaft aufbauen.
Doch diese Fans waren mehrheitlich gut gebildet und weiss. Bei den einfacheren Leuten, vor allem aber bei den Schwarzen und den Latinos, kam er nicht an. Er war zu jung, zu unerfahren. Es fehlte ihm die Bekanntheit und das Beziehungsnetz eines Joe Biden. Das wurde ihm zum Verhängnis. In South Carolina gaben ihm nur etwa zwei bis drei Prozent der Schwarzen die Stimme. Die Afroamerikaner sind ein wichtiger, vielleicht entscheidender Teil der demokratischen Basis. Ohne ihre Stimmen gab es für Buttigieg kaum einen Weg zum Sieg.
Ein Opfer für Biden
Doch weshalb steigt Buttigieg schon jetzt aus, noch bevor es am Dienstag beim «Super Tuesday» erst so richtig losgeht? Zum einen verhiessen die Umfragen nicht viel Gutes für den Dienstag. Weder im bevölkerungsreichen Kalifornien noch in den Südstaaten wie Alabama oder Tennessee hätte er gewonnen, das schien nach South Carolina klar.
Zum anderen behielt Buttigieg den Blick fürs Ganze im Auge. Er hätte zwar im Rennen bleiben können, um weiter an Bekanntheit zu gewinnen. Doch er hätte damit den anderen gemässigten Kandidaten weiterhin wichtige Stimmen abgeknöpft, insbesondere Joe Biden. Davon hätte vor allem der beim Establishment verhasste linke Kandidat Bernie Sanders profitiert. Indem Buttigieg jetzt aussteigt, hilft er dem gemässigten Lager, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Biden gegen Bernie lautet jetzt das Rennen – falls Mike Bloomberg am Dienstag nicht überraschend gut abschneidet.
Versprechen für die Zukunft
Trotz dem frühen Aus hat Buttigieg viel erreicht. Als erster offen homosexueller Kandidat hat er einen Bundesstaat gewonnen und damit Geschichte geschrieben. Die Momente nach seinen Auftritten, als sein Ehemann ihn auf der Bühne umarmte, sorgten für Rührung bei den Fans.
Gut möglich, dass einige Wählerinnen und Wähler noch nicht bereit waren für einen homosexuellen Präsidenten. Doch Buttigieg ist erst 38-jährig. Gelingt es ihm in den nächsten Jahren, seine Bekanntheit auch bei Schwarzen und Latinos zu verbessern, kann er noch lange in der Top-Liga der US-Politik mitspielen. Seine emotionale Abschiedsrede am Sonntagabend wirkte durchaus wie ein Versprechen für die Zukunft.
SRF 4 News, 2.3.2020, 5 Uhr