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Mongolen sind keine Ackerbauer, sie handeln das nötige Getreide [* 2] ein, sammeln auch die Samenkörner einer auf nacktem Sand 60-90 cm hoch wachsenden Grasart, die sie zerstoßen und mit Butter anmachen. Sonst ist die Mongolei ein Land des Nomadentums und zwar vorwiegend der Schafherden, denen sich im S. mehr das Trampeltier und die Ziege, im N. mehr das Pferd [* 3] beigesellt. Den Reichtum und Wertmesser bildet für die Bevölkerung [* 4] das Vieh. Die Mongolei versorgt ganz China [* 5] mit Schafen und führt große Mengen Schlachtvieh nach Rußland aus.
Das Pferd ist klein und unansehnlich, aber äußerst genügsam und ausdauernd; einzelne Große besitzen an 20,000 Stück, die sie in Herden zu 500 teilen. Neben den Produkten der Viehzucht [* 6] erzielen die Mongolen bedeutenden Gewinn aus der Beförderung von Waren vermittelst ihrer Saumtiere. Die internationalen Märkte zu Kalgan, Urga und Kiachta, zu Kobdo, Uliassutai u. a. O. werden von Russen viel besucht. Zahlmittel ist der Ziegelthee (s. Thee), in Urga kostet ein guter Hammel 3-4 Ziegel.
Der Hauptverkehr findet auf der 1570 km langen Straße Kiachta-Urgan-Kalgan statt, welche 1689 als einzige Zugangsstraße nach China zugestanden wurde; doch werden russischerseits große Anstrengungen gemacht, andre kürzere Routen in Aufnahme zu bringen. Rußland führt Baumwollgewebe und Tuch in die Mongolei ein und bezieht Thee, dann Vieh, Häute und Felle. Die Bevölkerung wird auf 2 Mill. Seelen geschätzt; sie besteht aus den ursprünglichen Bewohnern, den Tataren, welche jetzt hauptsächlich noch im NW. wohnen, dem Hauptvolk, welches dem Lande den Namen gegeben hat, den Mongolen (s. d.), die aber ständig an Zahl abzunehmen scheinen, und aus Chinesen, welche durch fortwährende Einwanderung bereits das Übergewicht erlangt haben. Tausende von Quadratmeilen sind indes noch ganz unbewohnt.
Die Verwaltung der Mongolei wird an oberster Stelle geleitet von dem Ministerium für die Verwaltung der unterthänigen Landschaften (außer der Mongolei noch die Dsungarei, Kuku-Nor, Chinesisch-Turkistan und Tibet) in Peking, [* 7] unter welchem die Gouverneure von Urga, Kobdo, Uliassutai, Tarbagatai und Kuku-Nor stehen. Die ursprüngliche staatliche Organisation (s. Mongolen) wurde nach Unterwerfung der Mongolei durch die Mandschudynastie aufgelöst und das Land in 85 voneinander unabhängige »Fahnen« zerstückelt mit erblichen Chanen an ihrer Spitze, denen die innere Verwaltung obliegt, und denen die Kommandeure der Fahnen unterstellt sind.
Jeder Mongole ist vom 18. Jahr bis zum Lebensende militärpflichtig und muß sich auf eigne Kosten unterhalten und bewaffnen. Diese Bewaffnung besteht aber nur aus Bogen [* 8] und Pfeilen, höchstens aus Luntenflinten. Die chinesische Regierung erhält außerdem zur Bewachung der festen Plätze eine Armee aus (kaum besser bewaffneten und ausgebildeten) chinesischen und türkischen Berufssoldaten. Nach einem neuern Plan soll die Armee der Mongolei 20,000 Mann betragen und in der Nähe von Kalgang unter dem Befehl des Generals stehen, dem auch die Verteidigung von Peking übertragen ist.
Die Aufrechthaltung der Ordnung und des dienstlichen Verkehrs ist Sache der Amban, von denen der eine ein geborner, aber bereits zum Chinesen gewordener Mongole, der andre ein Mandschu sein muß. Große Macht und ausgedehntes Grundeigentum zugleich mit den darauf weidenden Nomaden besitzen die vom Dalai Lama installierten, aber von der chinesischen Regierung bestimmten 10 Khutuktu und Obern der zahlreichen Klöster, deren Insassen je nach der Sekte, der sie angehören, gelbe oder rote Röcke tragen. Über die neuere Entdeckungsgeschichte der s. Asien, [* 9] S. 933.
[Geschichte.]
Die älteste Geschichte der Mongolen ist wenig bekannt. Sie führten, in Horden oder Stämme geteilt, in den weiten Hochebenen, welche sie mit ihren Herden durchzogen, ein einförmiges Dasein. Stammfehden sowie Raub- und Eroberungszüge erhielten sie in kriegerischer Tüchtigkeit. Ihre Religion war ein roher Naturdienst; sie verehrten Fetische, ihre Priester hießen Schamanen. Erst als das Haupt der Goldenen Horde, des Herrscherstammes der Niutschen, Tamudschin, auf einem allgemeinen Reichstag (Kurultai) 1206 zum Dschengis-Chan aller Mongolenstämme ausgerufen worden war, erhielten die Mongolen in einem allgemeinen bürgerlichen und religiösen Gesetzbuch, Yassa, die Grundlage einer höhern Kultur und überschwemmten nun mit ihren Horden China und Vorderasien.
Nach Dschengis-Chans Tod (1227) setzten dessen Söhne und Enkel, unter die er sein Reich so geteilt hatte, daß einer derselben, Oktai, welcher in dem aus einer Hirtenstadt in einen glänzenden Herrschersitz umgeschaffenen Karakorum seine Residenz aufschlug, als Großchan die Oberleitung behalten sollte, die Eroberungszüge fort. 1237 drangen mongolische Horden unter Dschengis-Chans Enkel Batu verwüstend in Rußland ein, eroberten Wladimir, Moskau, [* 10] Kiew [* 11] und viele andre Städte, überschwemmten dann Polen, verbrannten Krakau [* 12] und gingen teils nach Ungarn, [* 13] wo sie das Magyarenheer am Sajofluß vernichteten und das ganze Land entvölkerten, teils nach Schlesien, [* 14] wo sie Breslau [* 15] verbrannten und über das vereinigte Heer der Deutschen Ritter, der Polen und der Schlesier auf der Ebene von Wahlstadt bei Liegnitz [* 16] zwar siegten, aber so großen Verlust erlitten, daß sie keine Lust empfanden, ihren Zug in der Richtung nach Westen fortzusetzen.
Sie wendeten sich südlich nach Mähren [* 17] und dann nach Ungarn, von wo Batu das gesamte Heer auf die Nachricht vom Tod Oktais (1241) nach Rußland zurückführte. Nach dessen Tod nämlich hatte seine Witwe Turakeina nicht seinen Erstgebornen, sondern ihren eignen Sohn, Kajuk, zum Großchan erhoben. Aber als dieser bereits 1247 starb, bewirkte Batu, daß Mangu, der Sohn Tulis, eines andern Sohns Dschengis-Chans, den Thron [* 18] bestieg, der, unterstützt von seinen Brüdern Hulagu und Kublai, das Reich bedeutend erweiterte; er selbst eroberte China, Tibet und verschiedene an Indien grenzende Landschaften; Hulagu erstürmte 1258 Bagdad und machte sich die seldschukkischen Sultane von Ikonion zinsbar.
Das große Mongolenreich erstreckte sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. vom östlichen Chinesischen Meer bis an die Grenze Polens und von dem Himalaja bis in die Niederungen Sibiriens. Die Hauptstadt war zuerst Karakorum gewesen; aber Kublai, der nach Mangus Tod 1259 Großchan geworden war, verlegte seinen Herrschersitz nach China und beförderte dadurch die Auflösung des Reichs. Die östlichen Mongolen nahmen den Buddhismus an, die westlichen den Islam, während nur die Horden in der Bucharei der alten Religion treu blieben. In China dauerte die mongolische Herrschaft unter dem Namen der Dynastie Jüen oder Juan bis 1363, wo einem gemeinen Chinesen ihre Vertreibung gelang (s. China, S. 17). Die Mongolen zogen sich nach den Gegenden außerhalb der Großen Mauer zurück; wo sie sich mit ihren zurückgebliebenen Stammgenossen in dem Land zwischen dem Amur und der Selenga ¶
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vereinigten. Anfangs herrschten noch die Abkömmlinge Dschengis-Chans; aber bald trennte sich das Volk in unabhängige Horden, die verschiedene Namen erhielten (s. oben). In Persien [* 20] hatte Hulagu eine Dynastie gegründet, allein die Mongolen nahmen hier ganz die Sitten und die Sprache [* 21] des Landes an. Die Sultane bekannten sich zum Islam; selbst die arabisch-persische Verfassung ward eingeführt, und die höchsten Emire rissen bald alle Gewalt an sich. Die ganze Geschichte der Mongolen in Persien ist eine Kette von innern Kriegen und Empörungen, bis ein neuer.
Eroberer mongolischen Stammes, Timur, das verwirrte Reich unterjochte. In dem Land nördlich vom Kaspischen Meer zwischen dem Jaik und der Wolga (Kaptschak) hatte Tudschi ein Reich gestiftet, das sich bis an den Dnjepr erstreckte, sich aber bald in mehrere kleine Chanate auflöste, die nach und nach sämtlich von den Russen unterjocht wurden. Ihrer ursprünglichen nomadisierenden Lebensart am getreuesten blieben die Mongolen in der Bucharei, wo Dschaggatai eine Herrschaft gegründet hatte, die sich vom Gihon bis an den Irtisch erstreckte.
Unter ihnen erstand auch jener zweite große Eroberer, Timur (s. d.), der die Macht der Mongolen vereinigte und sie zu neuen Eroberungen führte. Timurs erste Siege unterwarfen ihm 1380 ganz Chowaresmien; dann eroberte er Persien und Indien, drang bis Vorderasien vor, unterjochte auf dem Rückweg nach Osten Georgien und war eben im Begriff, in China einzufallen, als er 1405 starb. Die Zerwürfnisse unter seinen Verwandten über die Nachfolge führten bald eine gänzliche Auflösung des Reichs herbei. Nur in Dschaggatai erhielt sich die Dynastie Timurs, und von hier aus gründete Baber (s. d. 2) 1519 in Hindostan ein neues mongolisches Reich (das großmogulische, s. Ostindien, [* 22] Geschichte). So verloren die Mongolen seit dem Anfang des 16. Jahrh. alle welthistorische Bedeutung und wurden zum größten Teil den benachbarten Völkern, den Russen, Türken, Persern und Chinesen, unterthan. In Dschaggatai (s. Turkistan) allein behaupteten sich die mongolischen Herrscher, und dort herrschen noch jetzt als Chane Nachkommen Dschengis-Chans und Timurs unter chinesischer Oberhoheit.
Die Mongolen selbst sind, seit sie den buddhistischen Lamaismus angenommen, ein friedliches Volk geworden. Eine Verschmelzung der Mongolen mit der herrschenden Rasse der Chinesen hat nirgends stattgefunden, Mischheiraten kommen selbst in den an China angrenzenden mongolischen Distrikten nicht vor; je weiter entfernt die Mongolen von den Mittelpunkten chinesischen Lebens sind, desto mehr tritt unter ihnen der Haß und die Verachtung gegen ihre Gebieter hervor. Die Russen unterhalten Konsulate in Kobdo und Urga (s. d.), der wichtigsten Stadt der Mongolei; diesen ist eine militärische Bedeckung beigegeben, welche 1870 während des Aufstandes der Dunganen (s. d.) in Urga verstärkt, aber 1872 nach Beseitigung der Gefahr durch die Chinesen für diesen Teil der Mongolei wieder auf ihren frühern niedrigen Stand zurückgebracht wurde.
Vgl. außer den ältern Werken von Gerbillon, Timkowski, Pallas, Bergmann, Hyacinth, v. Richthofen in »Petermanns Mitteilungen« 1872; Prschewalskij, Reisen in der Mongolei 1870-73 (deutsch, Jena [* 23] 1876);
zur Geschichte: Hüllmann, Geschichte der Mongolen bis 1206 (Berl. 1796);
d'Ohsson, Histoire des Mongols etc. (2. Aufl., Amsterd. 1852, 4 Bde.);
I. ^[Isaak Jacob] Schmidt, Forschungen im Gebiet der ältern religiösen, politischen und litterarischen Bildungsgeschichte der Mongolen etc. (Petersb. 1824);
Hammer-Purgstall, Geschichte der Goldenen Horde, d. i. der Mongolen in Rußland (Pest 1840);
Derselbe, Geschichte der Ilchane, d. h. der Mongolen in Persien (Darmst. 1843, 2 Bde.);
Schott, Älteste Nachrichten von Mongolen und Tataren (Berl. 1846);
Wolff, Geschichte der Mongolen (Bresl. 1873);
Howorth, History of the Mongols (Lond. 1876-80, 2 Bde.).