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Die Jahreszeiten
30.10. und 19.11.2016: Die Jahreszeiten von J. Haydn
Zusammen mit dem Konzertchor Ludus Vocalis Basel und dem Akademischen Orchester
Basel www.aob.ch unter der Leitung von Fritz Krämer am 30. Oktober im Goetheanum Dornach und am
19. November in der Martinskirche Basel.
Solisten:
Letzte Probe im Goetheanum (30.10.2016)
Zum Werk:
Die Jahreszeiten von Joseph Haydn
«Die Jahreszeiten haben mir den Rest gegeben. Ich hätte sie nicht schreiben sollen», bemerkte Haydn (1732–1809) einmal zu seinem zweiten Oratorium. Auf seinen zwei Englandreisen in den 1790ern hatte der Wiener Komponist das Potential grosser Oratorienkompositionen kennengelernt. Händel wurde nach wie vor aufgeführt und vom Publikum verehrt, und so sann Haydn über die Komposition eigener Oratorien nach. Mit John Miltons Creation und James Thomsons The Seasons brachte er sich englische Textvorlagen in die Heimat mit, wo ihn der Wiener Hofbibliothekar Baron Gottfried van Swieten drängte, das Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Van Swieten war ein Liebhaber der Oratorienkunst und organisierte regelmässig private Aufführungen von Händel-Oratorien. Mozart schrieb aus diesem Anlass seine deutsche Fassung des Messiah und Haydn liess sich schliesslich auf die Zusammenarbeit mit dem Amateurdichter ein. Van Swieten übersetzte das Versepos Creation ins Deutsche, und obgleich Haydn vom Libretto nicht sonderlich begeistert war, ging die Arbeit zügig vonstatten. Die Schöpfung wurde ein grosser Erfolg und machte Haydn über Nacht zu einem Stern am Komponistenhimmel.
Schon während der ersten Aufführungen der Schöpfung arbeitete Haydn an den Jahreszeiten und das Publikum erwartete deren Uraufführung sehnsüchtig. Doch die Entstehung sollte sich noch zwei Jahre mühsam hinziehen. Immer wieder mischte sich van Swieten in die musikalische Umsetzung ein, er verlangte üppige tonmalerische Umsetzungen der Naturschilderungen und liess Haydn wenig kreativen Freiraum. Empört über den rechthaberischen Starrsinn des Barons kritzelte er bei der Korrektur des Klavierauszugs eine Notiz in die Noten: „Diese ganze Stelle [...] ist nicht aus meiner Feder geflossen; es wurde mir aufgedrungen, diesen französischen Quark niederzuschreiben.“
In Oratorien waren es üblicherweise Helden der Antike oder des Christentums, die durch profunde Themen führten, genau wie in der Schöpfung. In den Jahreszeiten sangen hingegen Bauern von irdischen Belanglosigkeiten und Haydn hatte grosse Probleme, sich damit anzufreunden. Dennoch gelang ihm im Frühjahr 1801 die Fertigstellung einer grossartigen und zukunftsweisenden Komposition. Ideen der idyllischen Naturverbundenheit und der Flucht ins Private verweisen bereits auf die herannahende Kulturepoche des Biedermeier und Romantiker wie Weber, Schubert oder Lortzing inspirierten sich bald am volkstümlichen Ton des Haydn-Oratoriums.
Dem Jahreszeitenzyklus entsprechend ist es in vier Teile gegliedert. Eine stürmische G-Moll- Einleitung vollzieht den übergang vom Winter zum Frühling, der vom Chor freudig begrüsst wird. Wohlgemut pfeift Pächter Simon (Bass) sich mit dem Thema aus der Sinfonie mit dem Paukenschlag bei der Arbeit ein Lied und bringt damit eines der seltenen Selbstzitate Haydns. Seine Tochter Hanne (Sopran) und Bauer Lukas (Tenor) stehen ihm zur Seite. ähnlich wie in Vivaldis Jahreszeiten erklingt auch hier ein Loblied auf die Natur im Sommer, ein Jagdlied im Herbst und im Winter werden im fugaten Schlusschor ernstere Töne angestimmt, wie man sie aus der Schöpfung kennt.
Haydn mag das Libretto nicht gemocht haben, aber seine Komposition fand ihre Bewunderer. So stand im Winter 1801 in einer Ausgabe der Zeitung für die elegante Welt: «Demungeachtet hat und behält das Werk unübertreffliche Schönheiten, herrlich und grossartig gearbeitete Partien und Tongemälde […], wodurch es sich zu allen Zeiten auszeichnen wird.»