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Kapitel 5
Verbreitet das Wort
Erzählt den Leuten von Scientology. Allein schon das Wissen, dass es Scientology gibt macht eine Person besser.
L. Ron Hubbard
Scientologen sind unerbittlich beim Versuch, andere zur Beteiligung an ihrem religiösen Glauben zu gewinnen, und viel von diesem Bekehrungseifer ist sicherlich durch ihren aufrichtigen Glauben begründet, dass Scientology ihr Leben verbessert hat und dies auch bei anderen bewirken kann. Aber es gibt auch einige gewinnsüchtige Motive, die sie nur selten zugeben. Allen voran, je mehr Mitglieder eine bestimmte Kirche hereinbringt, desto mehr Geld erhält jeder Angestellt von Scientology, da deren Lohn auf Einheiten basiert, die durch die voraussichtlichen Wocheneinkünfte bestimmt werden.
Das funktioniert übrigens besser in der Theorie als in der Praxis, da sich Scientologen darüber beklagten, dass Hubbard bei steigenden Einnahmen einfach den Personalbestand vergrössert, und sie so nur wenig vom zusätzlichen Geld zu sehen bekommen.
Ein zweiter möglicher Grund für ihren erbarmungslosen Bekehrungseifer ist, dass ein Scientologe für jedes einzelne Mitglied das er hineinbringt, sagt mir ein Freund, einen Anteil zwischen fünf und fünfzehn Prozent, üblicherweise zehn Prozent, von den gesamten Geldern bekommt die andere Leuten der Gruppe spenden. Auch wenn ein Scientologe beschliesst, nicht als Verkäufer aufzutreten, dürfte er keine grosse Wahl haben, da manche Scientologen zum Unterschreiben eines Versprechens gedrängt wurden, "Ron (Hubbard) zu helfen, diesen Planet zu klären". Gelegentlich wurde auch gegenüber Leuten Druck ausgeübt, die "Ron" dabei nicht unterstützten. Ein ehemaliger Anhänger berichtete wie Scientologen während ihrer Auditing Sitzung routinemässig über ihre Fortschritte seit dem Eintritt in Scientology befragt wurden. Falls sie nichts getan hatten, wurden sie gelegentlich mit dem Schreiben eines Aufsatzes mit fünfhundert Worten bestraft, in dem sie erklären mussten warum sie das Wort nicht ausgebreitet haben. Hoffentlich ist ihre Technik heute etwas weltgewandter.
Während sich Scientologen im allgemeinen ihren Freunden und ehemaligen Bekannten mit dem Bemühen Bekehrte zu gewinnen nähern, so sind sie nicht abgeneigt auch Fremde zu werben. Dies geschieht normalerweise mit Flugblättern oder Eintrittskarten mit der Einladung an die Leute, "in die spannende Welt der totalen Freiheit" einzutreten. Sie benutzten auch ihre Bücher und Broschüren um Fremde zu ködern. Einem Mädchen näherte sich in einem Bus auf der Fifth Avenue in Manhatten ein Mann, der ihm "Dianetik; Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" überreicht und erklärte, ihr Leben würde dadurch verändert, und dann verschwand oder sie dachte es wenigstens. Als sie versuchte aus dem Bus auszusteigen, versperrte er ihr den Weg und verlangte fünf Dollar für das Buch. In einem anderen Fall machten zwei Scientologen eine Kleinanzeige in der "Village Voice", ein Buch "mit einem Schutzumschlag" für einen Dollar anbietend. Diejenigen die Pornographie erwarteten wurden schwer enttäscht. Sie erhielten eine zwölfseitige Broschüre mit dem Titel "Alles über Scientology" zugeschickt, ein Büchlein das von den Orgs und Kirchen gratis abgegeben wird.
Scientologen haben ihre Dienste auch in Zeitungen angeboten, unter der Überschrift "Kirchliches" (in der New York Times) und manchmal in den Branchen-Telefonbüchern in Sparten wie "IQ Tests", "Persönlichkeitsentwicklung" und "Persönliche Beratung". Doch im Branchen-Telefonbuch von Tunbridge Wells in England erschienen sie zufälligerweise unter der Titel "Zoo". Damit niemand vermuten konnte dass dies ein beabsichtigter Zufall war, erklärte die Telefongesellschaft, dass die Scientologen darum ersucht hätten, die Anzeige auf der letzten Seite des Verzeichnisses zu plazieren "und es war in diesem Fall möglich".
Hubbard beschrieb in seinem PABS (Preclear Auditor Bulletin) drei zusätzliche Wege um Scientology zu verbreiten. Als erste Methode schlug er den Scientologen vor, in der Zeitung Kleinanzeigen mit folgendem Inhalt zu plazieren: "Persönliche Beratung, ich spreche mit jedermann über alles. Rufen sie Reverend xy zwischen x und y Uhr an". Hubbard verlangte jedoch, der anrufenden Person nicht helfen, weil dies "seine Kundschaft entwertet". Stattdessen regte er an, zuerst einmal den Umstand zu anerkennen, dass "dies ein recht grosses Problem ist" und dann im Gespräch mit der Person auf keinen Fall das Problem zu lindern. "Es könnte das letzte Problem sein das diese Person hat und dies dadurch so einfach zu lösen wäre ein schlechter Dienst. Man soll aus dem Problem etwas machen, nicht nichts aus ihm machen ..."
Hubbard mag geahnt haben, dass solche Methoden in Frage gestellt oder kritisiert werden könnten, und er schien darum bemüht die Presse nicht herausfinden zu lassen, wer dahinter steckt. Er wies die Scientologen an:
In Interviews mit der Presse das Wort Scientology nicht zu erwähnen.
Was aber wenn die Presse dies ohnehin vermutet und dann fragt, was Scientology ist? Hubbard schreibt:
Einfach nur über die Kirche zu reden, über ihre Tätigkeit und unverzüglich auf tatsächliche Fälle und ihre Behandlung hinweisen.
Ich wiederhole, mit der Presse nie über Scientology diskutieren.
... der Geistliche soll mit den Achseln zucken und sagen, dass es darüber viele Bücher gibt und dass er nicht vorhat den Blättern der öffentlichen Presse eine Lektion einer fortgeschrittenen Wissenschaft zu erteilen. [sic!] Hinter dieser Angelegenheit stehe er selbst, das heisst die Kirche und die wohltätigen Aktivitäten der Kirche, und nicht Scientology. Er soll auch bemerken, dass die Ausbildung der heutigen Geistlichen viel Wissen und Fähigkeiten vermittelt und dass Scientology dabei den höchsten Rang einnimmt.
Die zweite Methode die er vorschlägt, welche auch er und seine gegenwärtige Frau verwendete, wurde "Krankheitsforscher" genannt. Hubbard wies die Scientologen an, in der lokalen Zeitung eine Kleinanzeige zu plazieren mit dem Inhalt, Opfer von Kinderlähmung (oder Arthritis) sollen sich bei ihm melden. Hubbard schlug vor, die Anzeige mit "Forschungsorganisation" oder "gemeinnützige Organisation" zu unterschreiben. Wenn die Leute, die auf die Anzeige antworteten, im Hauptquartier erschienen, wurde ihnen etwa drei Stunden kostenloses Gruppenauditing erteilt, später folgten bezahlte individuelle Auditingsitzungen.
Dieses Vorgehen war nicht dazu berechnet, für Scientology den medizinischen Berufsstand zu gewinnen, sondern Hubbard betonte, dass die Scientologen keine Behandlung oder Heilverfahren für diese Krankheiten anbieten würden, vielmehr diese nur "erforschten" und daher die medizinischen Gesetze nicht angewendet werden können. Er fügte hinzu, dass diese Methode für einen Auditor oder Geistlichen annehmbar war und dass "selbst ein Bauhandlanger Kinderlähmung oder Arthritis oder Athma oder irgendetwas anderes prüfen kann".
In "Kontakte durch Unglücksfälle", der dritten Methode, empfiehlt Hubbard den Geistlichen von Scientology, die Zeitungen nach Unfällen und Todesanzeigen zu durchsuchen und die Opfer oder die Verwandten der Verstorbenen dazu zu bringen, sich "zum Trost und zur Hilfe der Kirche anzuschliessen". Er sagte, dass der Geistliche "täglich jede für ihn greifbare Zeitung nehmen und jeden Bericht ausschneiden soll, durch den er einen Preclear gewinnen könnte". Der Geistliche soll in den Besitz der Adresse der Person kommen, durch den Bericht selbst oder durch Rückfrage bei der Zeitung, der er sich als Geistlicher vorstellen soll. Der Geistliche soll dann die Person oder ihre Familie anrufen und sich selber "als ein Geistlicher dessen Mitleid durch den die Person betreffenden Zeitungsbericht erweckt wurde" schrieb Hubbard.
Was aber wenn die Presse darüber etwas herausfindet? Hubbard unterstrich, dass der Geistliche "einfach antworten soll, dass es ein Auftrag der Kirche ist denjenigen beizustehen, die Hilfe benötigen", und wiederum eine Diskussion von Scientology zu verhüten. Stattdessen soll er, wie Hubbard meint, "über die Arbeit der Geistlichen reden und wie heutzutage vielzuwenig Geistliche an den Orten zu finden sind, wo sie benötigt werden".