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Frau L. ist freischaffende Biologin und Expertin für Gewässerökologie.
Sie hat das Rentenalter erreicht, bleibt aber weiterhin berufstätig.
Ihre Mutter hat im Alter von 75 Jahren ein Umbauprojekt umgesetzt. Frau L. ist diesem Vorbild gefolgt und das Haus auch erst im Rentenalter umgestaltet. Weiterbauen ist beinahe Familientradition und das Alter spielt dabei keine Rolle.
Frau L. wurde in diesem Haus geboren, kurz nachdem es ihre Eltern in den 1940er Jahren gebaut hatten.
Seinerzeit verteilten sich die Wohnräume vor allem auf das Erdgeschoss. Nur ein Teil des Dachs war bewohnbar. Das Haus liegt in der Nähe von Zürich und überblickt den See.
Jahre später wohnt die Mutter von Frau L. im Alter von 75 Jahren allein im Haus. Wie kann sie noch möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben, ohne dass Haus und Garten ihr zur Belastung werden? Sie entschliesst sich zum Einbau einer zweiten Wohnung im Dachgeschoss.
Ein Balkon und eine grosse Lukarne schaffen einen Aussenraum und sorgen für mehr Raum und neue Öffnungen. Frau L. zügelt in diese neue 2-Zimmer-Wohnung und teilt während den nächsten zwanzig Jahren das Haus mit ihrer Mutter.
Als ihre Mutter ins Pflegeheim muss, beschliessen beide, das Erdgeschoss zu vermieten.
Eine Mieterin zieht ein. Nach dem Tod ihrer Mutter kauft Frau L. den Hausanteil ihres Bruders.
Sie beauftragt einen Architekten, später einen zweiten. Die Vorschläge überzeugen sie nicht: Alle sehen den Abbruch des bestehenden Gebäudes vor.
Ein dritter Architekt kommt ins Spiel und das Projekt wird konkreter. Endlich wird eine Umbauvariante in Betracht gezogen: Das bestehende Satteldach könnte durch ein zusätzliches Flachdachgeschoss ersetzt werden.
Frau L. ist von dieser Lösung voll überzeugt.
Nach dem Umbau zählt das Haus drei Wohnungen. Jede verfügt über ihren eigenen Eingang:
Wenn Frau L. das Haus verkauft hätte, hätte sie sich eine Eigentumswohnung kaufen können. Aber wo hinziehen?
Sie hatte keine Affinität zu einem anderen Stadtteil oder einer anderen Gemeinde. Und im Alter die Stadt zu verlassen, findet sie eine schlechte Idee.
Zudem fühlte sie sich in ihrem Quartier sehr wohl, alle kennen sich hier. Warum also diese gute Wohnsituation für eine ganz Unbekannte aufgeben?
Weiterbauen im Bestand bewahrt den Garten, den gewachsenen Boden und die Bäume. Für Frau L. war es wichtig, dass nicht alles dem Erdboden gleich gemacht wird. Der Mähroboter sollte nicht zum Boss werden!
Sie weiss natürlich, dass mehr Grundfläche hätte überbaut werden können, aber unter Verlust des Gartens. Dieses Opfer war ihr zu gross. Die Möglichkeit den Garten zu erhalten war ein entscheidendes Argument für den Umbau im Bestand.
Während der Bauphase wurde der Garten sorgfältig geschützt. Es wurde darauf geachtet, dass der Boden nicht verdichtet wurde. Dank dieser Vorsichtsmassnahmen konnten Bepflanzung und Bäume erhalten bleiben.
Ein Ersatzneubau hätte grössere finanzielle Mittel erfordert. Er hätte 3 bis 4 Millionen Franken gekostet.
Um einen entsprechenden Hypothekarkredit zu erhalten, hätte Frau L. die Wohnungen verkaufen müssen. Mit dem Verkauf der Wohnungen hätte sie aber auch an Selbstbestimmung verloren.
Ein Umbau war finanziell vernünftiger. Er hat ihr erlaubt das Haus zu behalten und somit frei bestimmen zu können, mit wem sie das Haus bewohnen möchte.
Wir treffen Frau C. Sie bewohnt mit ihrer Familie die neue Wohnung im Obergeschoss.
Das Haus hat sie vom ersten Augenblick an begeistert: So etwas sieht man nicht jeden Tag! Das Haus gleicht einem Einfamilienhaus, aber man teilt es mit anderen. Es gefällt ihr, Nachbarn zu haben und sie schätzt diese Kombination.
Auch das Quartier und die Sackgasse mit den vielen Kindern sind ein wichtiger Aspekt. Frau C. schätzt es, dass ihre Kinder allein draussen in einer geschützten Umgebung spielen können.
Es gefällt ihr, dass die Wohnung über einen eigenen Hauseingang verfügt, mit eigener Treppe ins Obergeschoss, und dass die Wohnung das gesamte Geschoss einnimmt.
Das Zusammenleben funktioniert gut und die Bewohner kümmern sich umeinander. Zudem sei es ein Glück, sich nicht allein um das Haus kümmern zu müssen, eine Erleichterung, wenn man die Aufgaben untereinander aufteilen kann.
Frau L. hat ihre dritte Säule in das Projekt investiert. Dies ermöglichte ihr, eine günstigere Hypothek aufzunehmen. Da das Haus schuldenfrei war, erhielt sie das Geld, obwohl sie bereits im Rentenalter war.
Frau L. meint, dass sie den Fünfer und das Weggli habe: Sie habe eine gute Nachbarschaft und Einnahmen. Für sie als Selbständigerwerbende, die keine Pensionskasse habe, sei dieses Einkommen wichtig. Denn von der AHV allein könne man ja nicht leben! Mit den Mieteinnahmen bezahlt Frau L. die Hypothek sowie einen Teil ihres Lebensunterhalts.
Begonnen hat es mit einem Hausbesuch. Der Architekt reagierte sehr positiv auf die Idee, am Haus weiterzubauen. Er nahm dies als eine Herausforderung an. Frau L. hat schnell entdeckt, dass die Ökologie ein gemeinsames Anliegen ist, wie die Nutzung von Holz und Solarenergie.
Auch zu den Mitarbeiter·innen entstand eine gute Beziehung: Eine Architektin begleitete Frau L. während der gesamten Planung. In der Bauphase koordinierte ein anderer Mitarbeiter die Arbeiten.
Frau L. empfand es ein Vorteil, dass das Büro über all diese Kompetenzen verfügt.
Dort wo früher 3 Heizöltanks standen, befindet sich heute der Pelletspeicher. Das Haus verfügt über einen Boiler mit einem Fassungsvermögen von 1000 Litern.
Wärmesensoren ermöglichen die automatische Steuerung: Wenn die Temperatur im Boiler unter 50 Grad fällt, startet der Pellet-Heizkessel.
Für Heizung und Warmwasserbereitung verbraucht das Haus 3½ bis 4 Tonnen Pellets pro Jahr.
Das Haus ist Minergie-zertifiziert. Es ist optimal isoliert. Frau L. findet, dass der Komfort im Sommer besonders angenehm ist: wenn es draussen 35 Grad warm ist, steigt die Innentemperatur nicht über 25 Grad. Die Dämmung ist ausgezeichnet.
Der Architekt hat ihr erklärt, dass der Sommer kritischer sei als der Winter, weil es sehr schwierig sei, die Wärme abzuführen. Grosse Vordächer schützen deshalb die Fenster vor der Sonne. Diese Lösung erweist sich als sehr wirksam.
Die Dämmung wurde aussen an den bestehenden Wänden angebracht, was zu tiefen Fenstersimsen führte. Frau L. empfindet es als sehr angenehm, dass man dort alle möglichen Sachen aufstellen kann. Die Wohnung habe dadurch eine schöne Qualität gewonnen.
Wie sollte die Aufstockung verkleidet werden? Die Herausforderung bestand darin, eine harmonische Ergänzung zum Erdgeschoss zu schaffen und die Kontinuität zu gewährleisten. Das Haus hat nun ein völlig neues Aussehen und Frau L. schätzt diese Veränderung. Mit der neuen Fassadengestaltung setzt sie ihren eigenen Akzent.
Vor dem Umbau hat sich Frau L. über verschiedene Alters-Wohnformen informiert. Ihr schwebte die Idee einer Hausgemeinschaft vor. Für dieses Projekt hätte ein Gemeinschaftsraum Platz finden müssen. Da die verfügbare Fläche aber zu klein war, hat sie diese Idee wieder verworfen.
Frau L. gab ihr Projekt aber nicht auf, sondern passte es an.
Die Schaffung einer Kleinwohnung im Gartengeschoss erlaubt ihr verschiedene Wohnszenarien im hohen Alter in Betracht zu ziehen: Sie kann die hindernisfreie Wohnung selbst bewohnen oder sie einer Pflegeperson zur Verfügung stellen.
Frau L. hofft, dass auch ihre letzten Lebensjahre zu Hause verbringen zu können. Auch im Erdgeschoss wurde der Umbau genutzt, um eine hindernisfreie Wohnung zu gestalten.
Die Bilanz ist positiv. Frau L. erhält viele Komplimente: «Du hast gute Arbeit geleistet, das Ergebnis ist super».
Sie fühlt sich im Haus sehr wohl und meint, dass sie das Beste daraus gemacht habe. Es sei genau das richtige für sie und sie würde es sofort wieder tun.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn Frau L. denkt bereits über die nächsten Schritte nach...
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