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Amar Kanwar – Evidence
Zwei einschneidende Ereignisse in der indischen Geschichte haben Amar Kanwars soziale und politische Wachsamkeit geprägt und geschärft: Eines waren die organisierten Massaker, die Vergeltungsschläge an Sikhs nach der Ermordung von Indira Gandhi am 31. Oktober 1984, das andere war die Chemiekatastrophe in Bhopal, als am 3. Dezember des gleichen Jahres aus einer Pestizidfabrik der amerikanischen Chemiefirma Union Carbide giftige Dämpfe entwichen, die mehrere tausend Menschen töteten und hunderttausende verletzten.
Als Filmemacher beschäftigt sich Amar Kanwar (*1964) mit den sozialen, politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auf dem indischen Subkontinent, mit dem Konflikt zwischen Indien und Pakistan, den Misshandlungen und Vergewaltigungen der Frauen, dem Kampf für die Demokratie. Ihn interessieren in seinen Videos gesellschaftliche und wirtschaftliche Gefälle, er bewegt sich in Konfliktzonen, filmt Schauplätze von Macht, Gewalt und Missbrauch der Natur. Dagegen setzt er den Mut des Einzelnen, die Kraft von Gruppen, die Energie der Poesie. Jedes seiner Hauptthemen wird umgarnt von Seitenthemen, wird mit einfachen, aber bedeutsamen Nebenschauplätzen versetzt, wird aufgebrochen und vielfach hinterfragt. Er sucht in seinen intensiven Filmen tief reichende, den Nerv des Lebens, der Gesellschaft, der Erfahrung treffende Gewissheiten, erdauerte, erlebte, gefühlte „Beweise“.
Amar Kanwar nimmt 2012 zum dritten Mal in Folge an der documenta teil. Die von Urs Stahel kuratierte Ausstellung im Fotomuseum Winterthur zeigt in sieben Räumen zentrale Videowerke von Kanwar.
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