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H&M versucht immer wieder, sein Fast-Fashion-Image loszuwerden und sich als nachhaltig zu präsentieren. Vor vier Jahren verzichtete der Bekleidungshersteller auf die Edelmaterialien Mohair und Kaschmir. Nun hat er beides still und leise wieder ins Online-Sortiment aufgenommen.
Peta-Video löste 2018 Mohair-Verzicht aus
Auslöser des Mohair-Verzichts war ein Video, das die Tierschutzorganisation Peta 2018 auf zwölf Mohair-Farmen in Südafrika verdeckt aufgenommen hatte. Mohairziegen werden darin grob über den Boden geschleift und von den Arbeitern hin- und hergeworfen.
Die Scherer werden pro Tier bezahlt, was den achtlosen Umgang mit den Ziegen fördere. Viele Tiere erleiden schmerzhafte Verletzungen bei der Schur. Würden sie zu früh geschoren, erfrören die Ziegen, sagt Peta.
Auch andere grausame Szenen sind zu sehen. Bei der Schlachtung wird einer Ziege ohne Betäubung die Kehle durchgeschnitten. Üblich seien auch Praktiken wie Kastrationen ohne Betäubung. «Hemmungslose Tierquälerei ist in der Mohairindustrie an der Tagesordnung», resümierte die Tierschutzorganisation.
Mehrere Textilunternehmen kündigten an, künftig auf Mohair zu verzichten, darunter H&M, Zara, Tom Tailor und Primark. 2018 nahm H&M Mohair aus dem Sortiment, 2019 und 2020 folgten grosse Marken wie Esprit, Vero Moda, Only, Zara und S. Oliver.
Auch Kaschmirwolle ist nicht ohne Tierleid zu haben
Seit diesem Jahr führe H&M wieder Mohair und Kaschmirwolle, berichtete unter anderen das Nachhaltigkeitsportal «Utopia». Peta veröffentlichte Anfang November eine Petition, in der die Organisation H&M auffordert, auf Kaschmir und Mohair weiterhin zu verzichten.
Mohair, Angora und Kaschmirwolle
Kaschmirwolle ist streng genommen keine Wolle, weil sie nicht aus Haaren von Schafen besteht. Die Haare stammen von Kaschmirziegen. Sie sind feiner, leichter und können Wärme besser halten als Schafwolle. Grösste Erzeugerländer sind China, Mongolei, Afghanistan, Nepal und Indien. Meist wird das hochpreisige Material mit anderen Wollsorten gemischt, oft wird das nicht oder nur teilweise deklariert.
Noch edler ist Mohair, das feinste und leichteste Haar in der Textilherstellung. Es stammt von der Angora- oder Mohairziege. Mit etwa 60 Prozent Weltmarktanteil ist Südafrika der grösste Produzent. Auch in Lesotho, der Türkei und den USA wird die feine Faser produziert.
Nicht zu verwechseln ist Mohair mit Angorawolle – diese stammt von Kaninchen.
H&M rechtfertigt sich mit Labels
H&M beruft sich auf die Labels «Responsible Mohair Standard» und «Good Cashmere Standard». Seit 2020 erlaube der Konzern nur zertifiziertes Mohair und beginne damit, konventionell erzeugtes Kaschmir auslaufen zu lassen, schreibt der Konzern auf seiner Website. Bis 2030 wolle man nur noch nachhaltig beschaffte Materialien verwenden.
Peta ist weder vom einen noch vom anderen Standard überzeugt. Sinn und Zweck der Nachhaltigkeitslabels sei es nicht, die Situation der Tiere zu verbessern. An dieser habe sich «rein gar nichts verändert», sagt Johanna Fuoss, Fachreferentin Bekleidung und Textil bei Peta Deutschland, gegenüber «Utopia»: «Sie sollen nur das Gewissen der Verbraucher beruhigen, während dieselben Produkte wie vorher verkauft werden.»
Nach dem «Responsible Mohair Standard» weiterhin erlaubt sind laut Peta beispielsweise die betäubungslose Kastration, das Abschneiden von Ziegenohren oder die Haltung von Ziegen ohne natürliches Licht. Ähnliches gelte für den «Good Cashmere Standard».
Peta bemängelt fehlende Transparenz
Die Tierrechtsorganisation ärgert sich besonders darüber, dass H&M die Wiedereinführung beider Wollsorten nicht transparent machte. Obwohl das Unternehmen mit Peta in mehreren Projekten zusammenarbeitet, beispielsweise bei der Entwicklung veganer Produktlinien, teilte das Unternehmen die Sortimentsänderung nicht mit. Das veränderte Angebot sei Peta USA bei einer Überprüfung der Website aufgefallen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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