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Lange Zeit war jeder in diesem Land mit jedem befreundet, der in der gleichen politischen, wirtschaftlichen oder wissenschaftlich-kulturellen Klasse spielte. Natürlich war man auch mit anderen befreundet, die in niedrigeren Klassen mitliefen, aber es waren Freundschaften zweiter Klasse. Zu Ende ging diese Entwicklung zuerst in der Schweizer Wirtschaft, als immer mehr „Freunde“ gemeinsam in den gleichen Verwaltungsräten sassen, was zu den Zusammenbrüchen der Swissair, des alten UBS-Konzerns und vieler anderer Firmen führte.
Im kulturellen Bereich spielt derlei extrem häufig, was zur Herausbildung einer „Schwätzer-Klasse“ geführt hat, deren Teilnehmer sich gegenseitig begünstigen. Der Philosoph ging mit dem Schriftsteller-Freund und dem Journalisten-Freund an die gleiche Schule oder sie prügelten sich bei den Pfadfindern. Sie analysieren kulturelle, soziale oder wirtschaftliche Entwicklungen für Freunde, die über entsprechende Budgets verfügen. Sie werfen sich gegenseitig „Steine in den Garten“ (auf deutsch: Man hilft sich gegenseitig aus.)
Erst der Beizug ausländischer Topmanager hat vielen Schweizer Firmen wieder Schwung gebracht. An den Schaltstellen der Verwaltungen sitzen viele Franzosen und Deutsche. Nur in der Politik tut man so, als sei man noch unter sich, von einigen buntscheckigen Fällen in der Westschweiz einmal abgesehen.