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Die Jury des 10. Zurich Film Festivals hat Germán Tejeiras «Una Noche Sin Luna» zum besten Film im internationalen Spielfilmwettbewerb gekürt. Hat er das verdient?
Der geschiedene Taxifahrer César (Marcel Keoroglián) ist auf dem Weg zur Neujahrsfeier der neuen Familie seiner Frau und der gemeinsamen Tochter, als er sich als Schlichter in eine Auseinandersetzung einbringen will. Wenig später sitzt er wieder in seinem Auto und sieht sich das blaue Auge an, das er von seinem selbstlosen Eingreifen davonträgt. Das Geschenk für seine Tochter liegt auf dem Beifahrersitz. César weiss um die ungünstige Wirkung eines blauen Auges, wenn es um Versöhnung und Wiederherstellung intakter familiärer Beziehungen geht.
Mit ungünstigen Tatsachen konfrontiert
Das Schicksal gönnt es César nicht, seiner Tochter das Geschenk als liebevoll aussehender Vater zu übergeben. Er muss als blauäugiger zu seiner Tochter gehen und sie fragen, ob er einen Kuss von ihr bekommt – sie verwehrt ihm diesen. Es wäre ihm wohl ein schwacher Trost, machte man ihn darauf aufmerksam, dass in und vor derselben Kleinstadt zwei weitere Männer mit einer ungünstigen Tatsache konfrontiert sind.
Da ist der Folkloresänger und Gefängnisinsasse Miguel (Daniel Melingo), der an Neujahr Freigang erhält, um einen Auftritt in einer örtlichen Veranstaltungshalle zu geben, wohin auch der Trickkünstler Antonio (Roberto Suárez) gehen will. Antonio aber hat einen Platten und muss die Nacht notgedrungen bei einer schwach frequentierten Mautstation verbringen. Miguel erfährt derweil, dass der gönnerhaft auftretende Besitzer des Klubs ihn nur deshalb anforderte, weil dem Sänger der ersten Wahl eine Handverletzung das Gitarrenspiel verunmöglicht.
Knicke als Leitmotive
Diese Knicke in der Linearität des Lebens sind im Film leitmotivisch. So findet der Vater César zwar trotz blauem Auge einen Zugang zur Tochter. Doch als er sie noch in derselben Nacht auf eine Fahrt im Riesenrad einlädt, bleibt dieses prompt stehen. Der Grund hierfür ist einer der unzähligen Stromausfälle, denen in den drei Geschichten die Funktion eines ambivalenten Zeichens zukommt. Sind die Stromausfälle zuerst Zeichen des abwesenden Glückhabens, entpuppen sie sich später als günstige Vorfälle.
So ist das der Fall bei César, der die Möglichkeit erhält, seiner Tochter die Angst auf dem stillstehenden Riesenrad zu nehmen. Oder beim Sänger, dem niemand zuhört, bis er im dunkeln Raum das Publikum für sich alleine hat und singt: «Una noche sin luna en el cielo / en tus brazos senti el consuelo. (Eine Nacht ohne Mond am Himmel / in deinen Armen fand ich Trost.)»
Unwiderstehliche Melancholie
Das Lied erschliesst die Grundthematik des Films auf eine sehr schöne Weise. Die drei Männer, die sich Einsamkeit und Alleinsein gewohnt sind, finden in ihren Mitmenschen in dem Moment Trost, als die Lichter ausgehen. Und in diesem Moment des Glücks in der Geborgenheit zeigt sich auch die versöhnliche Art des Filmes. Weil die Leben der drei Männer womöglich eine Wende hin zu den Mitmenschen und weg von der Einsamkeit genommen haben. Eine Wende auch, die auch im Willen der drei Protagonisten, sich dem Leben auszusetzen, eine Ursache findet.
Es gibt Filme, die von einer unwiderstehlichen, sanften Melancholie durchdrungen sind und durch Verzicht auf konstruierte Dialoge den Protagonisten ihre Innerlichkeit lassen, die in einer Zeit des ständigen, selbstzweckhaften Geredes schon oft genug veräussert wird. «Una noche sin luna» ist ein solcher Film und hat die Aufmerksamkeit verdient, die ihm die Auszeichnung der ZFF-Jury beschert.