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Biographie von Leonardo Pisano
Über das Leben von Leonardo Pisano, genannt Fibonacci, ist wenig bekannt. Vermutungen führen zum Geburtsjahr um 1170, das Todesjahr wird nach 1240 angenommen. Der Geburts- und Todesort ist wahrscheinlich Pisa. Es existiert ein Originaldokument aus dem Jahre 1241, in dem die Stadt Pisa Fibonacci eine Pension gewährt. Von diesem Zeitpunkt an fehlen weitere gesicherte Hinweise auf Fibonaccis Leben.
Privatgelehrter und mathematischer Schriftsteller
Fibonaccis Vater war Leiter der pisanischen Handelskolonie in Bugia (Bougie) im heutigen Algerien. Fibonacci lernte dort bei einem muslimischen Lehrer das indisch-arabische Zahlensystem kennen und war davon begeistert. Ausgedehnte Reisen in den Orient gaben Fibonacci die Gelegenheit, sein mathematisches Wissen zu erweitern und zu vertiefen. Um das Jahr 1200 kehrte er nach Pisa zurück und lebte dort als Privatgelehrter und mathematischer Schriftsteller. 1202 entstand sein wichtigstes Werk, der "Liber abaci", ein enzyklopädisches Rechenbuch, das der westlichen Welt die arithmetischen Rechenmethoden auf der Basis des indisch-arabischen Stellenwertsystems vermittelte.
Grundstein für einen Neubeginn der angewandten Mathematik
Man kennt Leonardo Pisano heute praktisch nur unter seinem Beinamen Fibonacci, der sofort die Assoziation mit der nach ihm benannten Fibonacci-Folge weckt. Seine wahre Bedeutung liegt allerdings nicht in der Entdeckung dieser Zahlenfolge, sondern in der Tatsache, dass er sich durch das Studium der antiken Wissenschaft und die Begegnung mit der arabischen Mathematik zu einer Reihe von Schriften anregen liess, die für einen Neubeginn der angewandten Mathematik in Europa den Grundstein legten. Eine besondere biographische Konstellation führte dazu, dass Fibonacci auf zahlreichen Reisen mit dem mathematischen Wissen verschiedener Kulturen in Kontakt kam. Er kombinierte die auf diese Weise erworbenen Kenntnisse mit eigenen Überlegungen und brachte den gesamten Wissensschatz nach seiner Rückkehr in die Heimat zu Papier.
Seine wohl folgenreichste Leistung war die umfassende Darstellung und Erläuterung des Rechnens mit den damals noch nicht gebräuchlichen indisch-arabischen Ziffern. Für viele gilt Leonardo Pisano als der bedeutendste Mathematiker des Mittelalters.
Überlieferte Werke von Fibonacci
- "Liber abaci" (Link verlässt diese Seite) (Ausgabe von 1857), das "Buch der Rechenkunst" (vollendet 1202; erhalten in der Überarbeitung von 1228): Einführung der indisch-arabischen Ziffern und Erklärung der arithmetischen Operationen auf der Basis des dezimalen Stellenwertsystems; praktische Aufgaben und Regeln für den Handel (englische Übersetzung, 2002)
- "Practica geometriae" (Link verlässt diese Seite) (Ausgabe von 1862, verfasst 1220): Grundbegriffe der euklidischen Geometrie und geometrische Praxis (Vermessung, Flächen- und Volumenformeln für ebene Figuren und Körper)
- "Liber quadratorum", das "Buch der Quadratzahlen" (verfasst 1225): Eigenschaften der Quadratzahlen und Aufgaben, die zu quadratischen Gleichungen führen; bedeutendstes Werk der Zahlentheorie zwischen Diophant und Fermat
- "Flos" (verfasst um 1225) und "Epistola ad Magistrum Theodorum": Lösungen algebraischer Gleichungen