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Die Karikaturistin Marie Marcks eroberte eine Männerdomäne
- Montag, 8. Dezember 2014, 15:48 Uhr, aktualisiert um 16:29 Uhr
Politik, Umwelt, Atomkraft, die Jugend, das Alter und die Rolle der Frau: das waren die Themen von Marie Marcks Karikaturen. Sie galt als bekannteste deutsche Karikaturistin und zeichnete für den «Spiegel«, «Die Zeit» und «Titanic». Am Sonntag ist Marie Marcks im Alter von 92 Jahren gestorben.
Marie Marcks wurde 1922 in Berlin geboren. Mit Papier und Stiften war sie von klein auf vertraut – der Vater war Architekt, die Mutter leitete eine Kunstschule. Dort absolvierte Marie Marcks eine Ausbildung.
Während des Zweiten Weltkriegs studierte sie einige Semester Architektur. Nach dem Krieg zog sie nach Heidelberg, wo sie bis zum Ende ihres Lebens wohnte. Dort arbeitete Marie Marcks zunächst als Grafikerin und brachte sich in das Heidelberger Kulturleben ein.
Marie Marcks in einer von Männern dominierten Zunft
In den 1960er-Jahren begann sie, für Zeitungen und Zeitschriften zu arbeiten: Sie war die Stammkarikaturistin der «Süddeutschen Zeitung», zeichnete für «Die Zeit», den «Spiegel», «Brigitte» und «Titanic». Die deutsche Karikaturistin Franziska Becker sagt über Marie Marcks Berufstand in der damaligen Zeit: «Lange war sie alleine in einer von Männern dominierten Zunft.»
Marcks Themen waren Neonazis, die Aufrüstungspläne der Grossmächte, die Umwelt. Franziska Becker sagt: «Marie Marcks war immer sehr nahe am Zeitgeist. Sie hat sich über Politik aufgeregt. Dass man sich aufregt und seinen Senf dazugeben möchte, gehört zum Karikaturen-Machen.»
Die Chronistin der Bundesrepublik
Immer wieder war die Rolle der Frau in der Gesellschaft Thema von Marie Marcks Karikaturen. Kaum jemand nahm Sexismus und Geschlechterklischees so schön auf die Schippe wie sie. Auch das Alter spielte eine Rolle. 2005 schrieb und zeichnete sie das Buch «Niemand welkt so schön wie du! Freud und Leid für Fortgeschrittene».
Marie Marcks arbeitete auch als Buch- und Kinderbuch-Illustratorin. Ausserdem wirkte sie bei der Produktion von Kurz- und Trickfilmen mit. Wegen ihrer breiten Themenpalette würdigte sie das «caricatura museum frankfurt» anlässlich einer Ausstellung zu ihrem 90. Geburtstag als Chronistin der Bundesrepublik.
Marie Marcks hat das Zeichnen bis zum Schluss nicht aufgegeben. In einem Interview zu ihrem 90. Geburtstag sagte sie: «Ganz ehrlich, zwischen 60 und 80 war ich am produktivsten.»
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