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| Hieronymus († 420) - Briefe

V. Briefe kirchenrechtlichen und pastoralen Inhaltes
146. An den PresbyterDer Ausdruck Presbyter wurde in diesem Briefe bei der Übersetzung mit Absicht belassen. Evangelus
2.
Nun kommt Dein Einwand: „Wie ist es zu erklären, daß man zu Rom nur auf die Empfehlung eines Diakons hin zum Presbyter geweiht wird?“ Was kümmert mich der Brauch einer Stadt? Warum willst Du aus einem vereinzelten Vorgang, der zur Quelle der Selbstüberhebung wurde, ein kirchliches Gesetz herauspressen? Je seltener eine Sache ist, desto mehr wird sie begehrt. Das Flohkraut ist bei den Indern wertvoller als der Pfeffer. Die kleine Zahl der Diakone macht es erklärlich, daß sie besonders geehrt wurden, während die Presbyter, die [S. 388] reichlich vorhanden waren, zurücktraten. Im übrigen pflegen in der Kirche, auch zu Rom, die Presbyter zu sitzen, während die Diakone stehen. Allerdings ist es allmählich zu reichlichen Mißbräuchen gekommen. So habe ich selbst gesehen, wie ein Diakon in Abwesenheit des Bischofs sich inmitten der Presbyter setzte oder beim häuslichen Mahle den Priestern den Segen spendete. Wer so handelt, möge sich merken, daß er nicht recht tut. Er beachte das Wort des Apostels: „Es geziemt sich nicht, daß wir Gottes Wort vernachlässigen und den Tischen dienen.“ 1 Solch ein Diakon möge sich ins Gedächtnis rufen, wozu die Diakone eingesetzt wurden; er studiere die Apostelgeschichte, um sich der Bedeutung seines Standes bewußt zu werden! Die Namen Presbyter und Bischof unterscheiden sich nur dadurch, daß der eine mehr das Alter, der andere mehr die Würde des Amtes betont. So erklärt es sich auch, daß in den Briefen an Timotheus und Titus nur die Rede ist von der Weihe des Bischofs und des Diakons, während die Presbyter nicht erwähnt werden, 2 weil eben im Bischof der Presbyter mit eingeschlossen ist. Will man jemand befördern, so erhebt man ihn aus einer minderen Rangstufe zu einer höheren. Dann müßte man also die Mitglieder des Presbyterats zu Diakonen weihen, um zu zeigen, daß der Presbyter unter dem Diakon steht und aus einer niedrigeren Stufe zu diesem Amte erhoben wird. Da nun aber der Diakon zum Priester geweiht wird, so dürfte ihm ohne weiteres klar sein, daß das Priesteramt höhersteht, mag auch der aus diesem Amt fließende Gewinn geringer sein. Vergessen wir nicht, daß die apostolischen Überlieferungen auf alttestamentlichen Gebräuchen aufbauen! Was Aaron, seine Söhne und die Leviten im Tempel waren, das mögen die Bischöfe, die Presbyter und die Diakone in der Kirche für sich in Anspruch nehmen!
[S. 389]
1: Apg. 6, 2.
2: 1 Tim. 3, 1 ff.; Tit. 1, 5 ff. (ohne Erwähnung der Diakone).