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Heinrich Stulz (2.)
Prior: um 1558
Lebensbeschreibung[1]
P. Heinrich wird im Gegensatz zum gleichnamigen Schaffner des Abtes Barnabas Bürki als Heinrich Stulz junior bezeichnet. Ob und wie die beiden verwandt waren, lässt sich bei der Knappheit der Quellen nicht festlegen. Von ihm entwirft P. Lorenz Manhart ein denkbar ungünstiges Bild. In seinem Brief an den Abt Jodoc Krämer von 1555 nennt er ihn in Anspielung auf seinen Namen "Der Stolze, nomine et ren. Man sollte ihm den Kellerschlüssel wegnehmen und ihm keine Vollmachten im Kloster geben, damit er demütig werde, oder ihn ganz aus dem Kloster verweisen, wie es die Benediktsregel vorsehe. Stulz habe ihn bei den Kastvögten verklagt und in schlechten Ruf gebracht. Manhart selbst stellt sich ganz auf die Seite des Abtes und tröstet ihn, da ihm die Schirmorte Unordnung, ja Unsittlichkeit vorwarfen, gegen die er sich energisch wehrte. Man solle doch nicht jedem "Hergeloffenen" Glauben schenken, hielt der Abt den Schirmorten vor, wohl auf Stulz gemünzt. Von Heinrich Stulz jun. liegt nur ein Brief vor. Der Brief ist vom 20. April 1561 datiert und an die Regierung von Luzern gerichtet, die ihm offenbar gewogen war. Hier schreibt er, er sei seit zwei Jahren in Muri. Luzern solle sich bei seinem Abt dafür verwenden, dass er ihm die ihm zustehende Pfründe bezahle. Er habe seit der letzten Jahrrechnung in Engelberg, bei der er offenbar zugegen war, nichts erhalten. Vom Abt von Muri erhalte er nichts. Doch brauche er in Muri zwei Pfründen, während er in Engelberg nur eine nötig habe. Mit 15 Gulden komme er nicht aus. Luzern solle sich auch bei seinem Abt dafür verwenden, dass er wieder ins Kloster zurückkehren könne. Er habe sich in Muri gut gehalten, und sofern er sich in etwas verfehlt habe, wolle er sich bessern. Abt Plazidus Tanner, der den Brief veröffentlich hat, bemerkt dazu, Stulz sei noch zum Prior ernannt worden, wie eine Glasscheibe beweise, die noch P. Ildephons Straumeyer im Haus des Gregor Waser gesehen habe.[2] Sie trage die Beschriftung "Herr Heinrich Stulz, Herr zu Engelberg, Prior und Konvent. 1558". Der Brief von Muri hingegen trägt die Unterschrift "Heinrich Stulz sesshaft zu Muri". Dass er noch zum Prior ernannt wurde, verdankt er vermutlich den Schirmherren, die bei der kleinen Zahl von Patres ohnehin keine grosse Auswahl hatten für die Wahl der Obern. Dass er in der Folge sein Versprechen, das Leben zu bessern, nicht hielt, zeigt sein späteres Verhalten. In der Osterwoche nach dem 30. März 1567 sei ein Berner in Giswil von drei[3] Unterwaldnern überfallen worden, die ihn zwangen, niederzuknien und zu beten. Nach anderer Darstellung sei er in den Sarnersee geworfen worden. Einer von den dreien sei ein Priester gewesen mit Namen Stäldy.[4] Robert Durrer meinte, Stäldy sei eine Falschlesung für Stulz.[5] Damit war Heinrich Stulz gemeint, der am Überfall beteiligt und 1567 nicht mehr im Kloster war. Wo er sich herumtrieb, ist unbekannt. Im Nekrolog II lautet der Eintrag: "25. März obiit her Heinrich Stulz der jünger anno 1569".[6] Im Nekrolog III ist am 14. März für Heinrich Stulz den ältern von späterer Hand beigefügt: "och herr Heinrich Stulz der jüngere starb im Krieg 1570"[7] Um welchen Krieg es sich handelt, ist ungewiss. Es wäre daran zu denken, dass er auch als Söldner sich anwerben liess. Stulz hat seine Spuren auch in der Stiftsbibliothek hinterlassen. In einer Inkunabel von 1484 steht kurz sein Name "Heinrich Stulz" vermerkt,[8] in einer weiteren von 1483 steht der Eintrag "Heinrich Stulz [15]57".[9]
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
- Collectanea Tanner 2 (1500-1600), StiArEbg cod. 282, S. 267-269.
- Nach einer andern Version waren es zwei.
- Wymann, Ed., Obw. Blätter II., 1904, 72f und 109f.
- Durrer, Robert: Landamman Heintzli. Ein Beitrag zur intimen Geschichte Unterwaldens im Zeitalter der Gegenreformation, in: Jahrbuch für schweizerische Geschichte, 1907, S. 280.
- StiBiEbg cod. 10, f. 6r.
- StiBiEbg cod. 11, f. 33v.
- StiBiEbg Ink. 216, Jakob de Voragine, Venedig 1484.
- StiBiEbg Ink. 121, Johannes Gallensis, de Regimine vitae humanae, Venedig 1483. Darunter ein Eintrag von der Hand des Abtes Plazidus Knüttel von 1627, der sich um die Bibliothek sehr verdient machte durch seine Ordnungsarbeiten.
Bibliographie
- Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 98.
- StiArEbg Professbucheinträge nach P. Gall Heer.