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Therapie
Wie wird Osteoporose behandelt?
Osteoporose ist in jedem Alter und in jedem Stadium behandelbar. Osteoporose kann zwar nicht vollständig geheilt, das Risiko weiterer Frakturen jedoch bedeutend gesenkt und die Schmerzsituation und damit die Lebensqualität erheblich verbessert werden.
Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, Osteoporose zu behandeln, zum einen über eine Hemmung des Knochenabbaus (Bisphosphonate, Calcitonin, Denosumab, Selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren) zum andern über eine Förderung des Knochenanbaus (Teriparatid). Auf beide Weisen kann das Frakturrisiko gesenkt werden.
Behandlung
Es steht heute eine ganze Palette von Medikamenten mit zum Teil sehr unterschiedlichen Wirkmechanismen und Darreichungsformen zur Verfügung, welche Einfluss auf die Knochendichte nehmen und das Frakturrisiko senken (z. B. in Form von Tabletten, unter die Haut gespritzt, als intravenöse Dreimonatsspritzen oder als Jahresinfusion). Ihr Osteoporose-Spezialist oder Ihre Osteoporose-Spezialistin berät Sie gerne und wird Ihnen je nach Risiko oder Stadium der Erkrankung diejenige Massnahme empfehlen, die für Sie am wirksamsten ist.
Bei einer Osteoporose-Therapie handelt es sich immer um eine Langzeittherapie, die in einer ersten Phase in der Regel zwischen drei und fünf Jahren dauert. Danach ist eine Neubeurteilung durch den Experten erforderlich. Medikamente sollten deshalb von den Betroffenen nie leichtfertig abgesetzt oder unregelmässig eingenommen werden. Allfällige Probleme müssen unbedingt mit dem Arzt oder der Ärztin abgesprochen werden.
Bisphosphonate
Bisphosphonate werden im Knochen eingelagert und hemmen die knochenabbauenden Zellen.
Durch die Beruhigung des Knochenstoffwechels bleibt der bestehenden Knochensubstanz ausreichend Zeit, stärker zu mineralisieren, was sich in einer Zunahme der Knochendichte und der Festigkeit äussert.
Dies vermindert das Risiko von Brüchen erheblich. Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit von Bisphosphonaten (Alendronat, Risedronat, Ibandronat, Zoledronat) zur Verhinderung von osteoporosebedingten Knochenbrüchen.
Die wissenschaftliche Datenlage bezüglich der Wirksamkeit kann von Substanz zu Substanz verschieden sein. Bisphosphonate werden entweder in Tablettenform eingenommen oder intravenös verabreicht. Alle Bisphosphonate sind zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose zugelassen, einige auch für die Osteoporose beim Mann oder für die Glucocorticosteroid-Osteoporose
Calcitonin
Calcitonin ist ein körpereigenes Hormon, das am Kalziumstoffwechsel beteiligt ist.
Zur Therapie der Osteoporose wird synthetisches Lachs-Calcitonin in Form eines Nasalsprays verwendet. Calcitonin hemmt die Aktivität der knochenabbauenden Zellen und hat durch direkte Beeinflussung des zentralen Nervensystems eine schmerzlindernde Wirkung.
Es ist für die Behandlung der postmenopausalen Osteoporose zugelassen.
Eine Senkung des Wirbelfraktur-Risikos wurde nachgewiesen. Es besteht jedoch keine Wirksamkeit bezüglich der Verhinderung von Nicht-Wirbel-Brüchen.
Denosumab
Denosumab ist ein biotechnologisch hergestellter Wirkstoff, der erste Antikörper im Einsatz gegen die Osteoporose.
Denosumab hemmt die für den Knochenabbau zuständigen Zellen, erhöht dadurch die Knochendichte und senkt das Risiko von Wirbel- und Nichtwirbelbrüchen.
Der Wirkstoff wird alle sechs Monate mit einer Spritze unter die Haut verabreicht.
Denosumab ist zugelassen für die Behandlung der postmenopausalen Osteoporose sowie zur Senkung des erhöhten Frakturrisiskos bei Frauen und Männern, welche eine Therapie mit einem Antihormon wegen Brust- bzw. Prostatakrebs erhalten.
SERM
SERM (Selektive Estrogen Rezeptor Modulatoren) dürfen nur von postmenopausalen Frauen eingenommen werden.
Raloxifen und Bazedoxifen sind Substanzen mit einer östrogenähnlichen Wirkung selektiv am Knochen, nicht jedoch am Brustgewebe und an der Gebärmutter.
Sie hemmen die Aktivität der knochenabbauenden Zellen, was zu einer leichten Zunahme der Knochenmasse und zur Senkung des Wirbelfraktur Risikos führt.
Die Einnahme der Tabletten erfolgt täglich zu einer beliebigen Tageszeit.
Teriparatid
Teriparatid ist ein Bruchstück des Parathormons, welches biotechnologisch hergestellt wird.
Es ist das erste und bisher einzige den Knochenaufbau fördernde (knochenanabole) Medikament in der Schweiz.
Teriparatid erhöht die Dicke der Knochenbälkchen (Trabekel), verbessert die Verbindungen der Trabekel untereinander und erhöht damit die Knochenfestigkeit. Das Risiko von Wirbel- und Nichtwirbelbrüchen wird verringert.
Teriparatid wird einmal täglich unter die Haut gespritzt. Es ist zur Behandlung postmenopausaler Frauen und von Männern, beide mit schwerer Osteoporose, sowie zur Behandlung der Glucocorticosteroid-Osteoporose zugelassen.
Das Medikament wird jedoch heute von den Kassen nur dann übernommen, wenn neue Wirbelfrakturen trotz einer Therapie mit Bisphosphonat, Calcitonin, Denosumab oder SERM auftraten. Die maximale Therapiedauer beträgt 24 Monate.
Weibliche Sexualhormone
Weibliche Sexualhormone können den postmenopausalen Knochenverlust ebenfalls bremsen.
Die Behandlung mit Östrogenen oder mit dem synthetischen Hormon Tibolon wird daher oft in den frühen Wechseljahren zur Vorbeugung oder Behandlung von Osteoporose bei Frauen genutzt, die unter Wechseljahrbeschwerden leiden.
Wie bei jeder anderen Therapie müssen auch vor einer Östrogenbehandlung im Einzelfall Nutzen und Risiken gegeneinander abgewogen werden.
Kalzium
Kalzium macht einen wesentlichen Bestandteil des Kristalls Hydroxyapatit aus, welcher dem Netz der Kollagenfasern, die das Knochengewebe bilden, die nötige Härte und Festigkeit verleiht. Milchprodukte sind die wichtigsten Kalziumlieferanten und liefern 60 bis 70% der täglichen Kalziumzufuhr.
Die extraharten Käse sind sehr reich an Kalzium. Eine Portion von 40g enthält ca. 480mg Kalzium. Ein Liter Milch enthält 1200mg Kalzium, was den empfohlenen täglichen Bedarf abdeckt. Auch Mineralwasser ist eine nennenswerte Kalziumquelle. Der Kalziumgehalt der verschiedenen Mineralwasser variiert allerdings stark. Ein Liter Mineralwasser, das 500 mg Kalzium/ Liter enthält, entspricht der halben empfohlenen Tagesdosis eines jungen Erwachsenen.
Die täglich einzunehmende Kalzium-Menge ist altersabhängig. Bei Kindern wird eine Einnahme von 800 mg/Tag empfohlen, bei Jugendlichen 1200mg/Tag, bei Erwachsenen 1000mg/Tag, bei Frauen nach der Menopause und generell im Alter 1200mg/Tag.
Vitamin D
Vitamin D spielt eine zentrale Rolle in der Erhaltung der Knochengesundheit, denn es fördert die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm und den Einbau von Kalzium in den Knochen. Bei einem Mangel an Vitamin D geht ein Grossteil des zugeführten Kalziums verloren und es gelangt nicht zum Knochen. Im Gegensatz zur breiten Palette von Kalzium-Lieferanten beschränkt sich die Auswahl an Vitamin D reichen Nahrungsmitteln im Wesentlichen auf fette Meeresfische und Fischöl (Lebertran). Geringere Mengen von Vitamin D sind im Eigelb und in Lebergerichten zu finden.
Der Vitamin D-Bedarf kann in der Regel nicht allein über die Ernährung gedeckt werden. Der Hauptanteil des Vitamin D stammt aus unserer Haut, wo unter Sonneneinstrahlung (UV-B) Vorstufen des Vitamin D gebildet werden. Diese Vorstufen werden zunächst in der Leber und danach in der Niere aktiviert. Die aktive Form des Vitamin D ist für die Kalziumaufnahme aus dem Darm verantwortlich.
Um genügend Vitamin D zu produzieren, müsste man sich mindestens drei Mal wöchentlich je 20 Minuten ? kurzärmelig ? im Freien an der Sonne aufhalten. In den Wintermonaten ist dies durch die geringe Sonneneinstrahlung in unseren nördlichen Breitengraden allerdings nicht ausreichend. Auch nimmt die Fähigkeit der Haut, körpereigenes Vitamin zu produzieren, mit zunehmendem Alter ab. Älteren Menschen wird daher für den Erhalt ihrer Knochenmasse die zusätzliche Einnahme von Calcium- und Vitamin-D-Präparaten empfohlen. Bei Patienten, die wegen Osteoporose behandelt werden, ist dies zwingend notwendig.
Für Calcium liegt der Bedarf für Frauen ab 50 Jahren und Männer ab 65 Jahren bei 1200mg täglich, bei Vitamin D werden 800 (-1000) internationale Einheiten täglich empfohlen.
Kalzium und Vitamin D
Kalzium und Vitamin D wurden in allen Studien zu den obigen Medikamenten von den Patientinnen und Patienten als sogenanntes Supplement eingenommen. Deshalb trat jegliche nachgewiesene Wirkung solcher Medikamente gegen Knochenbrüche zusätzlich zu derjenigen von Kalzium und Vitamin D auf. Eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D ist zudem für die volle Wirkungsentfaltung der spezifischen Osteoporose-Medikamente Voraussetzung. Deshalb werden Supplemente auch in der täglichen Praxis zusätzlich zu den Osteoporose-Medikamenten verordnet.
Die Kombination von Kalzium und Vitamin D alleine vermindert das Risiko einer Schenkelhals-Fraktur bei älteren Menschen, die nicht mehr selbständig wohnen, um ca. 16 bis 20%. Dennoch genügt diese Behandlung nicht, um dem Knochenverlust während der Wechseljahre vorzubeugen.
Kalzium und Vitamin D sollten allen Patienten mit einem Osteoporose-Risiko verabreicht werden. Die Tagesdosis beträgt 800 IE für Vitamin D und 1000 bis 1200mg für Kalzium.
Knochengesunder Lebensstil
Eine wirksame und erfolgreiche Osteoporose-Therapie beruht gleichzeitig auf mehreren Säulen, die individuell auf die Betroffenen zugeschnitten sein müssen. Die korrekte und regelmässige Einnahme/ Verabreichung der Osteoporose-Medikamente sollte von einem allgemein «knochengesunden Lebensstil» begleitet werden.
Die mechanische Beanspruchung des Knochens stellt bei der Ausbildung und der Aufrechterhaltung der inneren Knochenarchitektur, der Knochendichte und weiterer Eigenschaften des Knochens einen wesentlichen Faktor dar. Die Knochenmasse hängt unter anderem stark vom Muskelgewicht ab.
Mit einem gezielten und konsequent durchgeführten Trainingsprogramm kann der altersbedingte Verlust an Knochenmineral verringert werden. Speziell die Kräftigungstherapie verbessert neben der Muskelkraft die Reaktionsfähigkeit und die Koordination und damit auch die Gehsicherheit, was wiederum das Sturzrisiko vermindert. Um einen möglichst hohen Effekt bei gleichzeitiger Sicherheit zu erzielen, sollte man sich von gut ausgebildeten Fachpersonen beraten, anleiten und kontrollieren lassen.
Nicht nur individuell zugeschnittene Trainings sondern auch Gruppenprogramme können wirksam sein, speziell wenn sie gleichgewichtsfördernde Übungen wie z.B. Tai Chi beinhalten.