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Für viele Herausforderungen, die Kinder und Erwachsene bei der Lebensbewältigung haben, gibt es heutzutage soziale Einrichtungen. Sozialpädagogen arbeiten beispielsweise in Jugendheimen, Freizeitzentren oder auch als Bildungsberater. Die Aufgabenfelder reichen von erzieherischen, über beraterische bis hin zu therapeutischen Dienstleistungen. Diese Möglichkeiten entwickelten sich jedoch nicht von heute auf morgen.
In diesem Artikel wird die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der modernen Sozialpädagogik erläutert, vom Almosensystem im Mittelalter bis zur Fülle an verschiedenen Methoden und der staatlichen Infrastruktur, wie wir sie heute haben.
Die Geschichte der Sozialpädagogik ist dabei eng verknüpft mit dem Wandel der gesellschaftlichen Einstellungen zu Armut, Arbeit und Bildung.
Mittelalter: Armenpflege und erste karitative Einrichtungen
Die Geschichte der Sozialpädagogik beginnt im Mittelalter.
In der damaligen ständischen Gesellschaft galt Armut als gottgewollt. Daher wurde sie auch weitestgehend geduldet, bzw. gab es keine gesellschaftliche Verantwortung in dem Sinne, dass etwas dagegen unternommen wurde.
Für Mitglieder der höheren Gesellschaftsschichten war das Geben von Almosen ein Weg, um ihre Sünden zu tilgen. Aus diesen Almosen wurden dann Klöster, Hospitäler und Hospize errichtet, in denen Notleidende Hilfe suchen konnten und versorgt wurden.
Die Sozialpädagogik – ihr Weg von gestern bis heute
14. und 15. Jahrhundert: Erste Gesetze zur Versorgung der unteren Schichten
Das 14. und 15. Jahrhundert brachte viele gesellschaftliche Entwicklungen mit sich, die auch das Armenwesen veränderten:
Die wirtschaftliche und politische Macht konzentrierte sich immer mehr in den Städten. Aufgaben, die vorher von der Kirche abgedeckt wurden, übernahmen nun die Stadtverwaltungen, so auch die Versorgung der Armen.
Eine Vorreiterrolle hatte Preussen: Im «allgemeinen Landrecht für die Preussischen Staaten» von 1794 wurde erstmals gesetzlich festgelegt, dass Gemeinden und Städte zur Versorgung der Bürger verpflichtet sind.
Die Bevölkerung in den Städten wuchs schnell, die Städte reagierten mit neuen Gesetzen zur Organisation und Koordination der Gesellschaft. Dies äusserte sich beispielsweise in der Einführung von Gesetzen, die das Betteln einstellen und kontrollieren sollten. Ab nun benötigte man bestimmte Berechtigungen, um betteln zu dürfen, ausserdem kam es zu einer Unterscheidung zwischen wahren und falschen Bettlern und damit zu einer Überprüfung der Bedürftigkeit.
Industrielle Revolution: Arbeitsmoral und Disziplin
Die Industrielle Revolution führte zu einer massiven Umwälzung der Gesellschaft. Nicht nur wuchs die Bevölkerung auf eine nie dagewesene Art und Weise, es entstand auch eine neue Gesellschaftsschicht: Die der Arbeiter.
Arbeit erlangte einen hohen Stellenwert und galt als gesellschaftliche Pflicht. Armut wurde als selbstverschuldet angesehen, Betteln und Arbeitslosigkeit wurden als Vergehen gegen die werktätige Bevölkerung betrachtet.
Auf dieser Grundlage entstanden Einrichtungen wie Arbeits- und Zuchthäuser, in die Bettler und Obdachlose eingewiesen und zur Arbeit verpflichtet wurden.
Ende des 19. Jahrhunderts: Die Settlement-Bewegung
In England entstand Ende des 19. Jahrhunderts die sogenannte «Settlement-Bewegung». Angehörige des Bürgertums wie Pfarrer, Professoren und Studenten siedelten in Armen-und Arbeitervierteln, um so einen Beitrag zur Überwindung der sozialen Ungleichheiten zu leisten.
Veranstaltungen zur Bildung und Erziehung der Armen und Arbeiter wurden organisiert, um deren Eigenverantwortung zu fördern.
Diese Idee war insofern fortschrittlich, als dass sie nicht auf Abschreckung durch Strafen, sondern auf Erziehung setzte. Die Settlement-Bewegung kann damit auch als der erste Schritt zu einer Sozialpädagogik, wie wir sie heute kennen, gesehen werden.
Auch ein anderes Ereignis fand in dieser Zeit statt: 1844 tauchte in einem Artikel des Politikers Karl Mager in der Zeitschrift «Pädagogische Revue» zum ersten Mal der Begriff «Social-Pädagogik» auf.
Entwicklungen im Nationalsozialismus
Der Nationalsozialismus machte in wenigen Jahren alle vorherigen Fortschritte und Errungenschaften zunichte. Arme und Schwache sollten nicht mehr länger unterstützt werden, sondern galten im Gegenteil als gesellschaftlicher Makel und wurden ausgeschlossen. Die staatliche Unterstützung galt ganz dem «gesunden Volkskörper», Einrichtungen wie die Caritas oder die Arbeiterwohlfahrt wurden aufgelöst oder in ihrem Tätigkeitsrahmen stark eingeschränkt.
Entwicklungen ab den 1960er-Jahren: Umwälzungen und Neudefinitionen
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges besann man sich wieder auf gesellschaftliche Solidarität. Die 1960er-Jahre brachten Revolutionen in vielerlei Hinsicht, herrschende Normen wurden von jungen Bewegungen in Frage gestellt. Auch die Methoden zur Hilfe sozial Schwächerer wurden kritisiert. So wurde beispielsweise die fehlende wissenschaftliche Fundierung der Methoden angekreidet.
Ein weiterer Kritikpunkt war die Fokussierung auf die Einzelfallhilfe, die nur auf Symptome anstatt auf die Ursachen von Armut und gesellschaftlicher Trennung eingeht.
Dies mündete in die Entstehung einer Vielzahl von neuen Konzepten, wie zum Beispiel der «Antiautoritären Pädagogik» oder der «Kollektiverziehung». Sozialpädagogische Einrichtungen schossen aus dem Boden und legten den Grundstein für die Vielzahl an Möglichkeiten, die wir heute haben.
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Psychoboom in den 1980er-Jahren
In den frühen 80er-Jahren setzte der sog. «Psychoboom» ein. Eine Fülle an Büchern, Kursen und Seminaren zum Thema Lebensberatung und Selbsthilfe drängte auf den Markt. Die Psychologie wurde zum populären Massenphänomen, viele therapeutische Verfahren wie zum Beispiel die Gestalttherapie, Bioenergetik oder psychoanalytische Beratungskonzepte wurden entwickelt und von der Gesellschaft mit Begeisterung aufgenommen.
Durch die psychologische Forschung erkannte man auch immer mehr den Zusammenhang zwischen Bildung und Milieu sowie den Einfluss des unmittelbaren Umfeldes auf das Individuum. Armut und Missstände in bestimmten Bevölkerungsschichten wurden erstmals in einem breiteren gesellschaftlichen Kontext erfasst. Dadurch wurde der Sozialpädagogik eine wichtige Methode hinzugefügt: Die Gemeinwesenarbeit.
Die heutige Gesellschaft braucht Sozialpädagogik!
Fazit: Heute gibt es ein reichhaltiges Angebot an Methoden und Handlungsansätzen, die sich aufteilen lassen in Einzelfallhilfe, Gruppenpädagogik und Gemeinwesenarbeit. Es herrscht Konsens darüber, dass soziale Probleme vielseitig verflochten sind und individuelle, soziale sowie gesellschaftliche Ursachen dafür verantwortlich sind.
Im Gegensatz zum längsten Teil der Geschichte ist es heute für uns selbstverständlich, dass Armen und sozial Schwächeren geholfen werden soll.
Die Sozialpädagogik bildet auch heute noch einen wichtigen Lösungsansatz in erzieherischen, beraterischen bis hin zu therapeutischer Begleitung von Menschen in ihren vielfältigen Herausforderungen.