Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03420.jsonl.gz/2395

Dazu ein interessantes Zitat von Ludwig Marcuse:
“Die Unlust, die das Denken zu begleiten pflegt, ist von derselben Art, wie die Unlust, die ursprünglich das Gehen oder das Schreiben oder das Klavier-Spielen zu begleiten pflegt. Das Gehen wird in frühen Jahren zwangsweise eingeübt, bis es nicht mehr schmerzt. Das Denken wird nie so hart trainiert; Lernen ist meist das Gegenteil von Denken-lernen. Die Erziehung geht mehr auf das Einrammen von angeblich Fraglosem als auf das In-Frage-stellen. Die Unoriginalität des Einzelnen ist nicht eine Gabe der Natur. Schopenhauer hatte schon recht, dass der Mensch, den er fand, Fabrik-Ware ist. Aber nicht die Natur pflegt Fabrik-Ware herzustellen; dieser Ruhm bleibt der menschlichen Gesellschaft. Der Mensch hat es nicht nötig, die Vernunft zu entwickeln. Ja, er hat gar keine Gelegenheit, die Vernunft zu entwickeln. Ja noch mehr, es ist lebensgefährlich, die Vernunft zu entwickeln. Ist es ein Wunder, dass er dankbar ist für jede Philosophie, die vom Denken dispensiert?”
Zitat aus: Ludwig Marcuse, Das Märchen von der Sicherheit, Diogenes 1981
Kommentar und Ergänzung:
Es gibt in Pflanzenheilkunde / Komplementärmedizin /Naturheilkunde leider viele Ansichten und Methoden, die vom Denken dispensieren und zu blinder Gläubigkeit anleiten. Meines Erachtens ist das unwürdig und verdummend. Wir müssen im Gegenteil lernen, präzis zu denken, Behauptungen zu prüfen, alte Gewohnheiten in Frage zu stellen. Das versuche ich auch in meinen Kursen und Lehrgängen zu vermitteln.
Ich bin überzeugt davon, dass es in diesem Punkt eine gründliche Erneuerung braucht in Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde / Komplementärmedizin oder wie immer man es nennen will.
Siehe dazu auch:
P.S.:
Wer war Ludwig Marcuse?
Der Verlag beschreibt Ludwig Marcuse (1894 – 1971) als einen illusionslosen Epikureer, einen menschenfreundlichen Pessimisten, der nach humanisierenden Veränderungen sucht, ohne sich vor einen ideologischen Karren spannen zu lassen.
Er war ein deutscher Philosoph und Schriftsteller, der 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wegen seiner jüdischen Herkunft gezwungen war, Deutschland zu verlassen. Bis 1939 lebte Marcuse im französischen Sanary-sur-Mer. Nach einem halbjährigen Aufenthalt in der Sowjetunion gelang ihm im selben Jahr die Flucht in die USA. Dort übernahm er an der University of Southern California in Los Angeles eine Professur und lehrte deutsche Literatur und Philosophie. Zu Beginn der 60er Jahre liess er sich wieder dauerhaft in Deutschland nieder.
(Biografische Angaben laut Wikipedia)
Ludwig Marcuse ist heute kaum mehr bekannt. Es gibt jedoch in den “Bücherbrockys” und Buchantiquariaten immer wieder Taschenbücher von ihm zu kaufen.
Mich sprechen seine Bücher immer wieder an, beispielsweise:
Ludwig Marcuse, Philosophie des Glücks, Diogenes 1972
Ludwig Marcuse, meine Geschichte der Philosophie, Diogenes 1981
Ludwig Marcuse, Philosophie des Un-Glücks, Diogenes 1981
Weitere Beiträge hier mit Zitaten von Ludwig Marcuse hier: