Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03533.jsonl.gz/1075

Alles Begann mit einem Zeitungsartikel in der welschen Zeitung „Le Matin“. Ich las eines Morgens einen Artikel über einen Kinderarzt, Dr. Zala, in Burkina Faso, der gegen die Krankheit Noma in seinem Land kämpft. Zu dieser Zeit war ich gerade in der Ausbildung zur Radiologie-Fachfrau und hatte grosse Lust, auch einmal den Alltag einer Radiologie in einem Entwicklungsland zu erleben. Ich kontaktierte Dr. Zala und fragte, ob ein Praktikum im Kinderspital von Ouahigouya, wo er arbeitete, möglich sei.
Es klappte!
Im September 2002 flog ich zum ersten Mal nach Burkina Faso, damals war ich 21 Jahre alt. Dort lernte ich Dr. Zala besser kennen und er erzählte mir, dass er im Mai 2005 ein eigenes Kinderspital für die arme Bevölkerung eröffnen wolle und fragte ob ich Lust hätte, dort eine kleine Radiologie für ihn aufzubauen. Ich stimmte zu und im Juni 2005, einige Monate nach Abschluss meiner Ausbildung, flog ich für 7 Monate nach Ouahigouya.
Leider war das aus Frankreich gespendete Röntgengerät vor Ort so alt und kaputt, dass nichts mehr damit anzufangen war. So liess ich mich vom lokalen Personal kurzfristig als „Tropenschwester“ umschulen und konnte das einheimische Team schon bald in der täglichen Pflege der kleinen Patienten unterstützen. Tausende von Kindern mit Malaria, schwere Unterernährung, Magen-Darm-Infekte, HIV oder AIDS brauchten dringend Hilfe. Die Arbeit vor Ort war ein täglicher Kampf gegen Elend und Hoffnungslosigkeit. Und für mich war es die grösste Schule meines Lebens.
Eine ganz besondere Begegnung veränderte mich nicht nur innerlich, sondern war ebenfalls die Ursache für die grosse Wende in meinem Leben. Ich lerne Koulsouma kennen. Koulsouma war ein kleines, verwahrlostes Waisenmädchen (ca. 2 Jahre alt), das aus Mangel an Waisenhausplätzen nach dem Tod ihrer Eltern nicht rechtzeitig Hilfe bekommen hatte. Sie litt an Kwashiorkor, einer schweren Form der chronischen Mangel- bzw. proteinlosen Ernährung und wurde in einem erbärmlichen Zustand in Dr. Zalas Kinderklinik eingeliefert. Da Koulsouma keine Angehörigen hatte, pflegte ich sie Tag und Nacht. Wir versuchten alles, was in unserer Macht stand, doch vergeblich, Koulsouma starb zwei Monate später in meinen Armen. Kurz vor ihrem letzten Atemzug versprach ich ihr, in Zukunft alles dafür zu tun, damit nie mehr ein Kind in Burkina Faso ein solches Schicksal erleiden muss.
Am Krankenbett von Koulsouma, August 2005
In welcher Form ich später mein Versprechen einhalten würde, wusste ich damals noch nicht. Dies war der Moment, an dem ich mich tief in meinem Inneren entschied, selbst ein Waisenhaus zu gründen, so richtig bewusst wurde es mir aber erst später, im September 2006, als ich nochmals für einen Monat in Dr. Zalas Kinderklinik arbeiten ging. Plötzlich war er da, der tiefe Wunsch, mein Versprechen sofort zu halten und möglichst schnell unser Waisenhaus zu eröffnen. Spontan entschieden meine Mutter und meine beste Freundin Nina Werfeli, mich dabei zu unterstützen.
Wir gründeten zusammen den Verein Association Sourire Aux Hommes in der Schweiz, dies war am 2. November 2006. Wir eröffneten gleichzeitig ein Spendenkonto. Doch ausser einem Mietvertrag für ein altes Haus in Ouahigouya hatten wir absolut nichts. Ich liess mir einen Teil meines Erbes vorbeziehen und somit hatten Nina und ich bei unserer Reise nach Ouahigouya gerade mal 6000 Schweizer Franken Startkapital und 2 Monate unbezahlten Urlaub, um das alte Haus zu renovieren und unser erstes Waisenhaus am 15. Januar 2007 zu eröffnen. Damals starteten wir mit 7 Kindern. Als wir wieder in die Schweiz zurückkamen, schrieb ich unseren ersten Newsletter. Damit starteten wir endgültig durch und mit jedem Monat kamen mehr Leute dazu, die uns finanziell unterstützen wollten. Unser Projekt wuchs uns wuchs, ein zweites Waisenhaus kam im November 2010 hinzu und inzwischen haben 51 Kinder eine neue Familie und eine sichere Zukunft auf L’Île du Bonheur erhalten.
Heute kann ich es kaum fassen, wie gut und wie schnell sich unser Projekt dank all unseren Spendern entwickelt hat. Die Idee war sehr gewagt, doch die Überzeugung, das Richtige zu tun, motiviert uns weiterhin täglich. Die gute Entwicklung unsere kleinen Schützlinge und die Erkenntnis, dass mit so wenig schon so viel erreicht und verändert werden kann, bestätigt uns dies ebenfalls.
Mehr Infos zur Gründung und alle Details über die Entwicklung und den Verlaufs unseres Projektes und die einzelnen Schicksäle der kleinen Bewohner von L’Île du Bonheur erfahren Sie unter der Rubrik "Newsletter". Dort können Sie alle 8 Newsletter-Ausgaben herunterladen.
Natalie Burlet