Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03639.jsonl.gz/706

t = 7:51:57 vmax = 45,2
Wetter: Sonnig, leicht bewölkt, warm bis sehr warm. Ich habe mir eine ordentliche Bräunung geholt - oder noch mehr als das.
Begegnungen:
Vor vielen Häusern in dieser Gegend steht ein kleines Gestell mit Haken, an denen Peperoni-, Knoblauch- und Zwiebelzöpfe hängen. In einem Dorf kaufte ich einen solchen Zopf Knoblauch zur Ergänzung meiner Mahlzeiten. Zudem meinte Everett, dass Mücken knoblauchduftende Leute verschmähen würden. Die betagte Frau, die ihn mir verkaufte, hatte von ihrer Freundin gerade ein Stück Melone bekommen. Da ich gern auch ein Stück gegessen hätte, fragte ich, was eines koste. Daraufhin brachte mir die Freundin eine Scheibe Melone und lud mich ein, in ihrem Hof zu rasten.
Während ich aß, erzählte sie dies und jenes auf deutsch. Unter anderem berichtete sie von einem Mann, der im letzten Jahr auf dem Weg nach Jerusalem durch das Dorf gekommen war - zu Fuß! Sie bot mir noch mehr von der Melone an, was ich dankend ablehnte, ich war wirklich satt. Damit ich mir die Hände waschen konnte, füllte sie eine Gießkanne mit Wasser, das sie mir auf der Wiese in ihrem Hof über die Hände laufen ließ. Leider versäumte ich, ein Foto zu machen.
Kurz vor Knoblauch und Melone passierte ich einen rastenden Fernradler. Während ich den Knoblauch kaufte, fuhr er die Straße entlang. Später war ich dabei ihn einzuholen, als er in eine Richtung abbog, die ich nicht einschlagen wollte.
An der kroatischen Grenze traf ich einen deutschen Radler, der in Wien gestartet war. Nach der Grenze fuhr er weiter den offiziellen Donauradweg, ich die Bundesstraße entlang.
Ich wollte über Popovac nach Kneževi Vinogradi fahren und so eine gute Ecke abkürzen. Obwohl ich keine Karte von der Gegend zwischen beiden Ortschaften hatte, war ich sehr zuversichtlich, einen Weg zu finden. In Popovac überholte mich ein jugendlicher Rüpel mit seinem Prollgefährt, um mich im gleichen Moment rechtsabbiegenderweise zu schneiden. Ich konnte eine Kollision verhindern und schimpfte laut auf den Trottel. Ein paar alte Männer, die auf der andere Straßenseite saßen, schauten herüber...
Ich fuhr über kaum befestigte Wege durch kleine Felder und Weinberge. An einem traf ich ein paar Arbeiter, die mir in etwa die Richtung angaben, in die ich fahren musste, einer von ihnen sprach etwas deutsch. Außer diesen Leuten traf ich in den Hügeln nur einen Hund, der das Feld seines Herrn bewachte. Ich fuhr alle Feldwege ab, die in die richtige Richtung zu gehen schienen, aber sie endeten ausnahmslos an abgelegenen Feldern oder kleinen Weinbergen. Da in Kroatien vor Landminen auch außerhalb der markierten Flächen gewarnt wird, wollte ich nicht einfach querwaldein durch die Hügel nach Süden gehen. Eineinhalb Stunden und reichlich zwanzig Kilometer später gestand ich mir ein, dass ich keinen Weg nach Kneževi Vinogradi finden würde.
Wenn man jetzt auf der Karte (man benutze hierzu die von Google) die Irrwege verfolgt, die ich in den 250 Meter hohen Hügelchen gefahren bin, sieht das einfach nur lächerlich aus. An der Stelle, an der ich endgültig umkehrte, hatte ich laut Karte die Hügel schon zur Hälfte durchquert, aber gerade dort ging die ungebahnte Wildnis richtig los. Von der Rückfahrt bergab durch meterhohe Pflanzen nahm ich ein kurzes Video auf.
Um nach Popovac zurück auf die Europastraße zu fahren, war ich zu stolz... Die Straße, die ich jetzt befuhr, führte entlang einer Hügelkette nach Nordosten, aber war die einzige, die wieder in Richtung "Donauradweg" führte. Laut Karte gab es keine direkte Verbindung durch die Berge nach Süden zu der Straße, die ich erreichen wollte. Mit mir selbst schimpfend folgte ich dieser gezwungenermaßen, da mein Bedarf an Irrwegen für diesen Tag gedeckt war. Obwohl die Dämmerung und die Abendluft reizend waren und ich anfangs mit knapp dreißig Stundenkilometern dahinrollte, konnte ich die Fahrt nicht wirklich genießen, fuhr ich doch entgegengesetzt der Richtung, die ich eigentlich einzuschlagen hatte. Nebenbei hielt ich Ausschau nach einem Schlafplatz, sah aber nichts Passendes. Wegen der Landminen wollte ich nicht aufs Geradewohl irgendwo campen. Halb und halb hatte ich schon geplant, in Kroatien "zivilisiert" zu übernachten.
Schließlich traf ich nach einundzwanzig Uhr erschöpft in einer Pension in Suza ein. Das Personal war freundlich und zuvorkommend, nach Rücksprache mit dem Chef wurden auch Euro akzeptiert. Ein Angestellter trug mir mein Gepäck mit nach oben auf das Zimmer. Ich duschte meine Sachen und mich; erfrischt ging ich mit noch feuchter Kleidung und nassem Haar in die Gaststube und fragte nach einer warmen Mahlzeit. Der Ober holte die deutsch sprechende Köchin, mit der ich mich rasch einigte. Es gab eigentlich keine warme Küche mehr, aber ich erhielt trotzdem eine warme, gut schmeckende und reichliche Mahlzeit; wahrscheinlich aufgewärmtes Mittagessen. Ich ließ mir Zeit damit und den zwei Bier, während ich die anderen Gäste dabei beobachtete, wie sie mich beobachteten. :) Gegen 22:10 schrieb ich noch ein paar Zeilen ins Tagebuch und fiel dann ins Koma.