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Marianna Vaney aus Kerzers konnte am Freitag ihren 100. Geburtstag feiern. In Murten erhielt sie Geschenke von der Gemeinde Kerzers und von der Kantonsregierung. Ihre Freude über das Fest war gross.
«Ich finde keine Worte», sagte Marianna Vaney an ihrem 100. Geburtstag am Freitag im Hotel Murtenhof und Krone in Murten. «Ich bin tief gerührt über die Grosszügigkeit, mein Herz ist in Freiburg.» Marianna Vaney sprach abwechselnd Deutsch und Französisch, «ich werde die Sprachen mixen», betonte sie gleich zu Beginn der Feier fröhlich. Anwesend waren eine Delegation aus ihrer Gemeinde Kerzers, der Staatsrat Olivier Curty, der Staatsweibel sowie Familienangehörige.
Die Jubilarin erhielt Geschenke von Kanton und Gemeinde. «Mein Problem war immer, wo bin ich zu Hause?», sagte sie. «Jetzt weiss ich, Kerzers, der Kanton Freiburg, das ist meine Heimat.» Besonders angetan zeigte sich die Jubilarin vom Zeremonienmantel des Staatsweibels: «Diese wunderbare Uniform, das sieht man nicht jeden Tag; mon cœur est à Fribourg.»
Dass Marianna Vaney das Thema Heimat ansprach, kommt nicht von ungefähr: Geboren ist sie am 23. September 1922 in Debrecen im Osten Ungarns. Laut Lebenslauf mussten die ehemals eher wohlhabenden Eltern im Zuge der Weltwirtschaftskrise mit ihrem Einzelkind nach Budapest ziehen, um Arbeit zu suchen. Marianna Vaney erhielt eine gute Ausbildung, und kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs reiste sie für einen Sprachaufenthalt nach England.
Schutzpässe
Mit dem Einmarsch der Wehrmacht 1944 in Ungarn und der damit einhergehenden systematischen Verfolgung der Juden brach eine Zeit von Angst und Unsicherheit an. Dank ihrer Sprachkenntnisse, ihrem Charme und ein bisschen Glück gelang es ihr, einen Job als Schreibkraft in der schwedischen Botschaft zu finden. Um möglichst vielen Juden den Tod in Konzentrationslagern zu ersparen, stellte der Botschafter Raoul Wallenberg sogenannte Schutzpässe aus. In dieser Zeit vermittelte Marianna Vaney nicht nur ihren Eltern solche Pässe, sondern brachte sie auch zu Menschen, die sich für die Deportation bereits am Budapester Bahnhof befanden. «Sie haben Leben gerettet», sagte Olivier Curty in seiner Rede.
1947 verliess sie Budapest und reiste nach London, wo sie unter anderem als Kindermädchen arbeitete. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Felix-Clément Vaney kennen, ein Schweizer Jurist, dem sie 1949 in die Schweiz folgte. Die Familie wohnte zunächst in Lausanne, später in Bern und ab 1962 in Kerzers, wo auch ihre beiden Kinder aufwuchsen.
Mit über 40 entschloss sich die Jubilarin, sich an der Universität Bern als Englischlehrerin ausbilden zu lassen. Sie arbeitete an diversen Kollegien des Kantons und bot bis fast 90-jährig Englischkurse an. Heute wohnt sie in der Villa Sarepta in Bern mit Blick auf einen schönen Garten.