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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

6. Buch
11. Was Seneca von den Juden hielt.
Unter anderen abergläubischen Gebräuchen der Staatstheologie tadelt er auch die Mysterien der Juden und vorab ihre Sabbatfeier und behauptet, sie täten unnütz daran, daß sie durch diese alle sieben Tage eingeschobenen Sabbate fast den siebenten Teil ihres Lebens durch Feiern verlören und sich schädigten, da sie vieles, was dringlich Erledigung heische, nicht ausführen könnten. Der Christen jedoch, die schon damals den Juden äußerst verhaßt waren, wagte er weder in günstigem noch in ungünstigem Sinne zu gedenken und entzog sich so der Alternative, sie entweder zu rühmen im Widerspruch zu der traditionellen Gepflogenheit seines Vaterlandes oder sie zu tadeln im Widerspruch vielleicht mit seiner eigenen Neigung. Indes sagt er doch in einem Zusammenhang, wo er von den Juden spricht: „Da unterdessen der bei diesem ganz verkommenen Volk übliche Gebrauch so um sich gegriffen hat, daß er schon in allen Ländern angenommen ist, so haben die Besiegten den Siegern Gesetze gegeben“. Er sagt dies im Tone der Verwunderung, und da er nicht wußte, was hier nach Gottes Fügung vor sich ging, läßt er eine Bemerkung folgen, die andeutet, was es nach seiner Ansicht mit diesen Mysterien für eine Bewandtnis habe. Er sagt nämlich: „Sie freilich kennen die Gründe ihres Gebrauches; aber der größere Teil des Volkes macht nur mit, ohne zu wissen, warum“. Doch von den Mysterien der Juden und speziell davon, warum und wieweit sie auf Gottes Anordnung eingeführt worden sind und dem Volke Gottes, dem das Geheimnis des ewigen Lebens geoffenbart worden, nachmals, da es sein mußte, wiederum durch Gottes Anordnung entzogen worden sind, habe ich bei anderen Gelegenheiten gesprochen, besonders in den Schriften wider die Manichäer, und es wird davon auch in diesem Werke an geeigneterer Stelle die Rede sein.