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Das vorliegende Fotobuch kommt ganz ohne Vorwort aus -"fast 40 Jahre Fotografie" sind darin versammelt, wie die Künstlerin selbst darüber schreibt. Es ist prallvoll mit einigen der besten Fotos aus Bettina Rheims’ mehr als 40-jähriger Karriere. Darunter finden sich viele berühmte und bekannte, aber auch einige vergessene Fotos, etwa von der italienischen Schauspielerin Monica Bellucci, die - ausgerechnet sie! - eine Flasche Ketchup über ihre Spaghetti schüttet... und das noch dazu in einem roten Kleid und sich die eigenen roten Fingernägel schmatzend abschleckend. Einige Fotoserien bekommen ein Geleitwort von Journalisten oder Kritikern. So etwa die Worte von Patrick Besson (Paris Match) der Rheims’ Bilder schon damals, 1996, mit den treffenden Worten beschrieb: "Bettina Rheims ist eine Renaissance-Malerin, die ihre Modelle mit einem Brotmesser entkleidet hat. In ihrem Werk explodieren Rock, Punk und Rap an der Ecke der sixtinischen Kapelle." Ein "Best of" der letzten 40 Jahre also, von der Fotografin selbst ausgewählt.
Gender Studies und moderne Lover
Das darauf folgende Bild zeigt Rose McGowan, bist zu den Brüsten versunken in einer Badewanne, die mit Rosenblättern gefüllt ist, die dem Ganzen etwas Blutrünstiges verleihen, obwohl es doch eigentlich eine romantische Vorstellung ist. Vielleicht schreibt Catherine Millet 2008 deswegen über Bettina Rheims: "Diese Ambivalenz ist typisch für die Künstlerin, die brave und junge Mädchen fotografiert hat, die sich wie Prostituierte entkleiden, Ikonen der Schönheit, wenn ihre Körper von Schweiß und blauen Flecken bedeckt sind, Symbole des Lebens, die sich als ausgestopfte Tiere entpuppen. Oder auch die mutierenden Körper jener, die beschlossen haben, ihr Geschlecht zu wechseln, Sie hat erkannt, dass genau das ihre Berufung ist: zweideutige Situationen zu zeigen - allerdings schonungslos." Eine ganze Serie von Fotos ("Modern Lovers", "Gender Studies") ist diesen Transvestiten gewidmet und zeigt Männer, die wie Frauen ausschauen - und umgekehrt. Weitere Fotoserien: "Tokyo Room" et al.
Fotografie: Momenti Mori
Eigentlich ist jedes Bild ein Memento Mori, wie Serge Bramly zur Fotoserie "Animial" schreibt, denn wenn sich die Blende für einen Bruchteil einer Sekunde öffnet, ist dies auch ein "Sinnbild für die Dauer unseres Daseins im Angesicht der Ewigkeit". Der Tod lauert also nicht nur in dieser Fotoserie über ausgestopfte Tiere, sondern auch hinter jedem weiteren Schnappschuss. Ein paar Bilder für den Mineralwasserhersteller Evian vermitteln diesen Moment der Ewigkeit ebenso wie Fotos von Madonna, die sich in ihrem Like-a-Virgin-Dress am Boden oder auf dem Bett eines Hotelzimmers wälzt. Selbst die Fotoserie I.N.R.I, die sich dem Leben Jesu widmet, atmet den düsteren Glanz des Todes, denn dieser ist bei der Geschichte von Gottes Sohn stets gegenwärtig, erfüllt sein Dasein quasi erst in dieser Bestimmung. So wundert es nicht, wenn eine Madonna aus ihrer linken Brust blutet oder am Kreuz eine Frau mit Brüsten hängt, wer das Foto ausklappt, wird glauben, sich zuerst getäuscht zu haben. Bettina Rheims bildet das Heilige und das Profane ab, wie Philippe Dagen es nennt, "je mehr Zeit vergeht und ihr Werk verändert, desto weniger hat es mit Fotografie und umso mehr mit Performance zu tun." Philippe Dagen sieht ihre Fotografien als "Happenings" und für diese Theorie gibt es in vorliegender, hochwertiger Publikation des TASCHEN-Verlages mehr als genug Beweise. Ein wunderschöner Ausflug in die Neunziger and beyond!