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Bruno Molls erster rein fiktionaler Film ist ein Spielfilm mit dokumentarischem Schauplatz geworden. Moll hat seine Geschichte in das vor dem Abbruch stehende Hotel und Restaurant „Hammer“ in Olten — lange Zeit ein Zentrum des Oltener Kulturlebens, das im letzten Jahr abgerissen wurde — hinein erfunden. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Figur des alten Kellners Studer, der sich hartnäckig weigert, „sein“ Hotel, mit dem sein Leben eng verbunden ist, zu verlassen. Über 50 Jahre hat er im „Hammer“ gelebt und gearbeitet. Mit dem Abbruch verliert er seine vier Wände und damit auch Erinnerungsmöglichkeiten und einen Teil seiner Geschichte.
Baumann, der Besitzer des „Hammer“, will das Hotel aus Spekulationsgründen abreissen lassen, um an seiner Stelle einen Prunkbau aufstellen zu können. Am Tag der Sprengung wird das Hotel nur noch von Studer bewohnt, der trotz guten Zuredens seitens des Spekulanten und des Sprengoffiziers starrköpfig bleibt und seinen Lebensraum, mit dem ihn so viele Erinnerungen verbinden, nicht aufgibt.
Aus der Sicht des alten Kellners werden die Stunden am Morgen des beginnenden Hausabbruchs geschildert. Auf seinen letzten Gängen durch die Hotelräumlichkeiten rufen die vertrauten Gegenstände intensive Erinnerungen an sein vergangenes Leben in ihm wach. Bruchstücke seiner eigenen Lebensgeschichte tauchen auf, in denen sich immer auch die Zeitgeschichte widerspiegelt. Seine Erinnerungen haben für ihn grösseren Realitätswert als die Gegenwart. In seiner trotzig-resignativen Art zieht ersieh ganz auf die Vergangenheit zurück. Die Soldaten, die das Haus für die Sprengung vorbereiten, erinnern ihn an seine eigene Dienstzeit, daran, wie er sich während dieser Zeit in Lydia verliebt hatte, die ihm später von Baumann abspenstig gemacht wurde. Und an seine andere grosse Liebe, Linda, mit der er in Amerika den Traum von einem eigenen Hotel verwirklichen wollte, um alsbald enttäuscht wieder in den „Hammer“ zurückzukehren. Eine Laienaufführung von Schillers Wilhelm Teil, Modeschauen, Tanzaufführungen und viele weitere Veranstaltungen von einst drängen sich ihm auf. Verzweifelt klammert sich Studer an diese Erinnerungen, um der Gegenwart zu entfliehen, von der er nichts wissen will. Aber der Lärm der rasch voranschreitenden Spreng Vorbereitungen holt Studer ständig aus seinen Träumereien in die brutale Realität zurück. Mit den grandiosen Neubauplänen Baumanns kann er überhaupt nichts anfangen. Einzig der junge Mägu steht auf seiner Seite. Dieser möchte das Hotel besetzen, um es später in ein Alternativzentrum mit Selbstverwaltung umzuwandeln. Doch auch für diese Ideen kann sich der alte Kellner nicht mehr begeistern. Er möchte einfach nur, dass alles so bleibt, wie es jetzt ist. Seine tief sitzende Resignation hindert ihn daran, sich aktiv für sein Anliegen zu wehren.
Die beiden Handlungsebenen des Films — Vergangenheit und Gegenwart — kommen laufend miteinander in Berührung und lösen sich fliessend ab. Das Eintauchen in die Erinnerung wird stets aus der warm getönten subjektiven Sicht von Studer gezeigt. Die Gegenwartsebene erscheint kühler und nüchterner. Sie krankt ein wenig an Klischeeproblemen: Die Darstellung des Spekulanten und die Aktion des Hausbesetzers, der, nachdem das Militär die Sprengladungen schon befestigt hat, im letzten Moment noch schnell ein Transparent an die Fassade hangen will, wirken zu plakativ. Die Drogengeschichte des im Film sterbenden Fixers wirkt zu reduktiv.
Alle Figuren werden in diesem Film sehr menschlich gezeichnet. Molls Sympathien gehören eindeutig dem alten Kellner, der von Paul Wöhrle überzeugend gespielt wird. Die Stärken des Films liegen in den intensiven und traumschönen, durch die Erinnerung des alten Kellners leicht überhöhten Rückblenden. In diesen Sequenzen zeigt Moll viel Gespür für Atmosphärisches und für das Einfangen von Stimmungen.