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Erklärungsversuch
Homoerotik
Das hohe Niveau, welches die Zeitschrift auch in der Erörterung wissenschaftlicher Erkenntnisse gewonnen hatte, illustrieren einige der Schlusssätze einer sich über drei Nummern hinziehenden Abhandlung1. Sie war verfasst von Dr. med. Erich Meyer mit der Überschrift
"Vom Paidikon Eros [Paidikon Eros = Knaben- oder Jünglingsliebe] der Antike zur Homosexualität der Gegenwart, Versuch einer Erklärung der Homoerotik".
In dieser Abhandlung werden auch einige der Ansätze und Theorien Magnus Hirschfelds kritisch untersucht und teilweise als falsch abgelehnt, so etwa seine Lehre von sexuellen Zwischenstufen. Natürlich war dieser Beitrag bei weitem nicht der einzige seiner Art, er sei hier lediglich wegen der modern anmutenden Folgerungen herausgehoben:
"Auch die femininen Homosexuellen, die übrigens in der Gesamtheit der gleichgeschlechtlich Empfindenden nur einen Bruchteil bilden, der sehr häufig überschätzt wird, suchen in der Regel ihre Ergänzung durch den Vollmann. Einzig für sie passt die Bezeichnung Hirschfelds: 'Anders als die Andern'. [...] Wenn Hirschfeld, Bloch u.a. wiederholt betonen, man fände unter Homosexuellen sowohl hochbegabte wie auch Menschen mit mehr oder weniger ausgesprochenen Degenerationszeichen, so geht daraus nur hervor, dass der homosexuelle Mensch im Grunde nichts anderes ist als der heterosexuelle. Einzig seine Triebrichtung ist anders. [...] Nach unseren Erfahrungen, die sich mit denen Molls decken, besteht zwischen der Sexualität des Homo- und Heterosexuellen psychologisch kein Unterschied. [...] Wir sind mit Hirschfeld der Ansicht, dass die Homosexualität dem Homosexuellen eigen ist, d.h. sie in seiner Persönlichkeit begründet ist und völlig aus dieser entspringt. [...] So betrachtet ist die Homosexualität in der Regel als eine eingeborene seelische Reaktionsweise aufzufassen. [...] Ich bin der festen Überzeugung, dass es von selbst zu einer Aufhebung der gegen die Homosexuellen gerichteten Strafbestimmungen kommen wird, wenn unsere Ansicht, dass es sich einzig und allein um die seelisch bedingte Ergänzungssehnsucht einer Reihe von Menschen handelt, die sonst sich weder körperlich noch seelisch von ihren Mitmenschen unterscheiden, als in dem Ziel dieser Sehnsucht, die weder krank, noch entartet, noch Verbrecher sind, [wenn diese Ansicht] allgemeine Anerkennung gefunden hat."
Ernst Ostertag, August 2004
Weiterführende Links intern
Quellenverweise
- 1
Karl Meier, Menschenrecht, Nr. 8 bis 10/1942