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Land:
Vanuatu
Koordinaten:
15.40°S, 167.83°E
Laufnummer Global Volcanism Program:
257030 (ex 0507-03)
Gipfelhöhe:
1496m
Kurzcharakteristik:
Schildvulkan
Von Vanuatu, der Inselrepublik im Südpazifik, die bis zum Jahr 1980 als britisch-französisches Kondominium den Namen Neue Hebriden trug, hört man hierzulande bloss selten. Neuigkeiten aus dieser abgelegenen Ecke erreichen uns meist nur, wenn dort tropische Wirbelstürme wüten, wie etwa im März 2015 der Zyklon Pam, oder wenn Vulkane spektakuläre Bilder liefern.
Vulkanologisch hat Vanuatu tatsächlich sehr viel zu bieten. Immerhin umfasst dieser Inselstaat, der sich über ein 1300 Kilometer langes Gebiet erstreckt und aus über 80 Inseln und Inselgruppen zusammensetzt, nicht weniger als 13 Lokalitäten, die in der Liste der aktiven Vulkane der Welt figurieren (also im Laufe der vergangenen 10000 Jahre tätig gewesen sind).
Eine dieser Lokalitäten ist die Insel Ambae, die – zumindest auf älteren Karten – auch Aoba genannt wird. Sie liegt östlich von Espiritu Santo in der Provinz Penama, inspirierte während des Zweiten Weltkriegs den amerikanischen Schriftsteller James Mitchener zu seiner Trauminsel «Bali Hai» und wird heute von über 10000 Menschen bewohnt.
Kokosnuss- und Kakaoplantagen prägen die küstennahen Gebiete, während die dahinter aufsteigenden Hänge mit dichtem Regenwald bedeckt sind. Aber die zahlreichen Schlackenkegel und Lavafelder entlang einer längs durch die Insel ziehenden Spaltenzone zeugen von einer regen vulkanischen Tätigkeit in der Vergangenheit: Ambae ist ein mächtiger, langgestreckter Schildvulkan, der knapp 1500 Meter über den Meeresspiegel aufragt und der gelegentlich auch als Mount Manaro oder als Mount Lombenben bezeichnet wird.
In den beiden ineinander verschachtelten Gipfelcalderen haben zwei Kraterseen Bestand, die sich optisch und chemisch stark unterscheiden: der türkisfarbene, hochsaure Lake Voui (oder Vui) und der dunkle, schwachsaure Lake Manaro Lakua. Zudem bildet sich in der Nachbarschaft des Lake Voui sporadisch der kleine Lake Manaro Ngoru.
Der Lake Voui ist etwas mehr als 2 Quadratkilometer gross, erreicht – gemäss Daten von 2009 – in der Seemitte eine grösste Tiefe von 120 Metern und fasst rund 40 Millionen Kubikmeter Wasser. Dieses Wasser ist um die 40 Grad heiss und hat einen pH-Wert, der während einer Messreihe in den Jahren 2005 bis 2006 zwischen 1,6 und 2,8 schwankte. Der Lake Manaro Lakua ist praktisch gleich gross, aber viel weniger tief (nur rund 20 Meter an seiner tiefsten Stelle am Ostrand). Sein Volumen fasst rund 17 Millionen Kubikmeter kühleres Wasser, dessen pH-Wert während der gleichen Messreihe zwischen 4 und 6,2 schwankte.
Unter dem Lake Voui ist eine Magmakammer lokalisiert worden, weshalb die Gefahr phreatischer oder phreatomagmatischer Explosionen in beiden Kraterseen besteht. Schon in alten Zeiten haben sich solche Ereignisse vor allem durch den dadurch ausgelösten Niedergang von Schlammströmen (Lahars) verheerend auf die Küstensiedlungen am Fuss des Vulkanmassivs ausgewirkt. Deshalb wurden die bedrohten Gebiete unverzüglich evakuiert, als im November 2005 Dampf- und Gaswolken über dem Gipfel aufstiegen, Schlacken ausgeworfen wurden und sich im Lake Voui eine ringförmige Insel anhäufte.
Etwa die Hälfte der Inselbevölkerung musste damals ihre Wohnstätten verlassen und auf der Insel in Notlager dislozieren, und vor der Küste lagen Schiffe vor Anker, um bei Bedarf die Insel evakuieren zu können. Doch die Lage beruhigte sich alsbald wieder. Allerdings färbte sich im Mai 2006 der Lake Voui plötzlich blutrot. Eine derartige Farbveränderung ist jedoch nicht ungewöhnlich bei Vulkanseen, deren exotische Chemie von einströmenden Gasen und durch Mineralausfällungen rasch durcheinandergebracht werden kann. Neuere Fotos zeigen den Lake Voui jedenfalls wieder türkisfarben. Die abgestorbenen Bäume an dessen Rändern zeugen aber von anhaltenden und stark schwefelhaltigen Entgasungen.
Die verlässlichste Quelle über das aktuelle Geschehen auf Ambae sind die Bulletins des Vanuatu Geohazards Observatory. Das jüngste Bulletin erschien am 10. Oktober 2016 und stuft die Gefahrenlage* mit 2 ein. Der Vulkan sei «unruhig», und gewarnt wird vor hydrovulkanischen Explosionen in allen Kraterseen («The area of risk is around every Manaro lakes»). Das Vanuatu Geohazards Observatory empfiehlt deshalb, diesem Gefahrengebiet fernzubleiben.
* Die Gefahrenlage wird durch das Vanuatu Geohazards Observatory anhand einer sechsteiligen Skala eingestuft:
Level 0 – Normal
Level 1 – Signs of Volcanic Unrest
Level 2 – Major unrest
Level 3 – Minor eruption
Level 4 – Moderate eruption
Level 5 – Very large eruption