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Tom Regan (1938 – 2017) – eine Erinnerung
Als der amerikanische Philosoph Tom Regan in den späten 1970er Jahren an seinem Buch The Case for Animal Rights zu arbeiten begann, wollte er eigentlich der Frage nachgehen, wie wir das Leid der Tiere mindern können, die wir für unsere Zwecke nutzen. Seine Recherchen und Überlegungen, so berichtete er später, hätten ihn aber schon bald auf eine viel grundlegendere Frage gebracht, nämlich: Dürfen wir Tiere überhaupt für unsere Zwecke nutzen? Und so ist sein Buch – 1983 erstmals erschienen und heute längst ein Klassiker – zu einer detaillierten Begründung geworden, wieso die Antwort darauf unbedingt Nein lauten muss: Wir dürfen Tiere nicht zu unserem Nutzen und Vorteil gebrauchen, weil wir damit deren Rechte verletzen. Dazu gehört das Recht, von anderen nicht einfach nur als Mittel für dessen Zwecke gebraucht zu werden. Denn Regan war überzeugt, dass auch nicht-menschliche Tiere über einen «Eigenwert» verfügen und also unabhängig davon wertvoll sind, ob sie für andere einen Wert oder Nutzen haben – eine Idee, die übrigens in der Schweiz, als weltweit einzigem Land, in Form der Tierwürde im Gesetz verankert ist.
Regan war sich der weitreichenden Konsequenzen seiner Gedanken bewusst: Sollten Tiere tatsächlich über basale Rechte wie das Recht auf Unversehrtheit, Freiheit und Leben verfügen, so müsste die kommerzielle Tierhaltung – ob in Tierfabriken, auf Pelzfarmen, in Versuchslabors, im Zoo oder Zirkus – nicht nur reformiert, sondern gänzlich abgeschafft werden. Tatsächlich verstand sich Regan als «Abolitionist» (von engl. abolition: abschaffen) und zog in seinen zahlreichen Büchern und Schriften immer wieder Parallelen zu anderen sozialen Kämpfen wie der Bürgerrechtsbewegung oder der Frauenbewegung. Dabei war die Tierethik für ihn nicht bloss eine akademische Angelegenheit. Regan trug seine Argumente für «die Sache der Tiere» auch Politikern vor, er sprach mit Vertretern der mächtigen Tierindustrie und ging mit Aktivisten auf die Strasse – als «Anwalt für die Rechte der Tiere und als Teil der Tierrechtsbewegung», wie er bis zu seinem Tod im Januar 2017 betonte.
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