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von © Matthias, HB9TPN
Zufällig bin ich über eine Thematik gestolpert, welche sehr interessant ist und uns täglich begleitet.
Ja gut, wenn man es nicht weiss, dann lebt es sich ungeniert weiter.
Unsere Erde leistet sich den Luxus von mehreren Nord- und Südpolen. Zum einen gibt es den geographischen Nord- und Südpol, die den Schnittpunkt der geographischen Längengrade und den 90. Breitengrad darstellen. Die Erde dreht sich um die Erdachse, welche durch den geographischen Nord- und Südpol geht. Die Neigung der Erdachse gegenüber der Ebene der Erdbewegung um die Sonne (Ekliptik) beträgt ca. 23.5°. Ein Phänomen dabei ist, dass die Erde in der Winterzeit näher der Sonne ist, als im Sommer. Durch die Ekliptik werden die Jahreszeiten auf der Erde bestimmt. Die geographischen Pole findet man auf jedem Atlas oder Globus, diese weichen jedoch vom magnetischen Nord- und Südpol wesentlich ab.
Bild1: Geographischer Nordpol [Quelle: wikipedia.org ]
Die magnetischen Pole (Nord- und Südpol) werden von den magnetischen Feldlinien der Erde gebildet. Das Erdmagnetfeld besteht wesentlich aus dem inneren und dem äusseren Feld. Der Hauptanteil des Magnetfeldes (95%) wird vom flüssigen Erdkern hervorgerufen. Dieser Feldanteil unterliegt langsamen zeitlichen Veränderungen. Der zweite Anteil des Erdmagnetfeldes entsteht durch die elektrische Beeinflussung durch die Ionosphäre bzw. Sonnenwinde, welche uns Funkern ebenfalls bestens bekannt ist. Die so erzeugten magnetischen Stürme führen zu schnellen Schwankungen des Magnetfeldes, welche Polarlichter und Störungen des Funkverkehrs hervorrufen können. Der magnetische Nordpol verändert sich zur Zeit etwa 40km pro Jahr und der magnetische Südpol wandert ca. 15km pro Jahr.
Bild 2: Dynamische Feldlinien um die Erde [ Quelle: www.scientificamerican.com ]
Eine Kompassnadel weist auf grossen Teilen der Erdoberfläche grob in die Richtung des geographischen Nordpols. Je näher man sich jedoch dem geographischen Nordpol nähert, desto grösser wird die Abweichung des magnetischen zum geographischen Nordpol. Dies wird als geographische Deklination bezeichnet und muss bei der Positionsbestimmung auf Landkarten mitberücksichtigt werden. Da sich der tatsächliche magnetische Pol in ständiger Bewegung befindet, wird der magnetische Nord- und Südpolpol, welcher man zur Deklination verwendet, mathematisch aus verschiedenen Faktoren, u.a. auch dem Zeitpunkt der Bestimmung, berechnet. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels ist die Deklination in der Nordwestschweiz ca. 2.5°. Konkret heisst das, dass der geographische Nordpol um 2.5° zum magnetischen Nordpol abweicht.
Bild 3: Verschiebung des magnetischen Nordpols im Laufe der Jahre 1590 bis 2020 [ Quelle: wikipedia.org ]
Ein weiterer Pol der Erde wird als geomagnetischer Pol bezeichnet und ist im Unterschied zum tatsächlich gemessenen magnetischen Nord- und Südpol aus dem mittleren Verlauf der magnetischen Feldlinien berechnet. Die Berechnung geht vom Modell aus, dass sich im Erdmittelpunkt ein theoretisch kleiner Stabmagnet, bzw. ein Dipol befindet. Die geomagnetischen Pole werden als der Schnittpunkt der Achse dieses angenommenen Stabmagneten mit der Erdoberfläche definiert. Auch diese Achse des Magnetmodells wandert im Laufe der Jahre.
Bild 4 links: Schwarz zeigt den magnetischen Nordpol, rot zeigt den geomagnetischen Nordpol über den Lauf der Jahre
Bild 4 rechts: Schwarz zeigt den magnetischen Südpol, rot zeigt den geomagnetischen Südpol über den Lauf der Jahre [ Quelle: www.gfz-potsdam.de ]
Die Polachsen könnten sich theoretisch umkehren, d.h. der Nordpol wird zum Südpol und umgekehrt. Dieses Szenario fand bereits in der fernen Vergangenheit schon statt. Jedoch ist eine Vorhersage des nächsten Ereignisses mit einer Wiederholfrequenz der Feldumkehrung von 0.78 Millionen Jahren und einer grossen Variabilität sehr vage und könnte schon morgen, oder aber erst in ein paar Tausend Jahren erfolgen.
Bis dahin geniesst die Frühlingszeit!