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Pastor droht drei Jahre GefängnisstrafeWie das Coronavirus unsere Arbeit in Myanmar beeinflusst 20.05.2020 - 16:19 | Christian Possa
In Myanmar bereiten sich die Schulen auf ihre Wiedereröffnung im kommenden Semester vor. Ausserdem muss womöglich ein Pastor drei Jahre ins Gefängnis, da er sich dem Verbot grosser Versammlungen widersetzt hat.
Mit Stand vom 18. Mai bestätigte das Gesundheitsministerium 187 positive Corona-Virus Infektionen von mit 6 Todesfällen und 97 gemeldeten Genesungen. Am 13. Mai erklärte ein Berater der Regierung, dass die Verwendung von Einweg-Gesichtsmasken nicht tragbar ist und zu einer schweren finanziellen Belastung für die Bürger und Bürgerinnen werden könnte, und drängte sie, erschwingliche selbstgemachte Masken zu verwenden. Die Regierung verkürzte die Ausgangssperre um zwei Stunden. Das heisst ab dem 15. Mai ist die Ausgangssperre ab 24.00 Uhr bis 04.00 Uhr.
Das Ministerium für soziale Wohlfahrt, Hilfe und Wiederansiedlung verteilte in fünf Hilfslagern im Bezirk Kachin und 25 Hilfslagern im Bezirk Rakhine Handdesinfektionsmittel, Seifen, Stoffgesichtsmasken, Waschbecken, Aufklärungsplakaten, Thermometern und Säcken mit Kalkpulver. Des Weiteren haben mehr als 6'300 Personen in der Region Rangoon ihren Arbeitsplatz verloren, da 50 Fabriken aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona-Krise geschlossen wurden oder ihre Belegschaft reduziert haben.
Ein christlicher Pastor wird nach seiner Entlassung aus einer 21-tägigen Quarantäne in Rangoon laut momentanen Angaben bis zu drei Jahre im Gefängnis verbringen und angeklagt werden, weil er sich einem Verbot grosser Versammlungen widersetzt hat. Die religiöse Versammlung, die am 22. März stattfand, wurde mit mindestens 80 bestätigten Infektionen in Verbindung gebracht. Darunter zwei Todesfälle, womit es sich um die grösste Gruppe von Infizierten im Land handelt.
Das Bildungsministerium wird bis zum 16. Juni alle Schulen, die als Quarantäneeinrichtungen genutzt werden, auf den Beginn des neuen Schuljahres vorbereiten. Der stellvertretende Direktor der Abteilung für Grundbildung erklärte, dass 6'021 Schulen, die als Quarantänestationen genutzt wurden, vor Juli desinfiziert werden müssen, um den Beginn des Schuljahres vorzubereiten. Eltern sind besorgt, dass es für ihre Kinder möglicherweise nicht sicher ist, sie in Schulen zu schicken.
12.05.2020
Myanmars Wirtschaft leidet
Der Aufbau von vorübergehenden Hilfseinrichtungen läuft auf Hochtouren. Jedoch leidet die Wirtschaft stark unter den Folgen der Corona-Krise. Dies führt zu Entlassungen und finanziellen Einbussen bei der Bevölkerung.
Das Gesundheitsministerium von Myanmar hat die aktuellen Infektionszahlen bekannt gegeben. Insgesamt sind 180 Fälle bestätigt worden, von denen sechs Personen an den Folgen des Virus' verstorben und 72 Personen bereits wieder genesen sind. Von diesen 72 genesenen Infizierten sind 55 bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden und stehen momentan unter häuslicher Quarantäne.
55'609 Personen wurden in Einrichtungen im ganzen Land unter Quarantäne gestellt. Laut Angaben würde der bereitgestellte Platz aber für bis zu 100'000 Personen ausreichen. Das Ministerium für soziale Wohlfahrt, Hilfe und Wiederansiedlung verteilte ausserdem weiterhin Gesichtsmasken, Handdesinfektionsmittel, Seifen, Waschbecken und Thermometer in 15 Hilfslagern in Kachin und 10 Hilfslagern im nördlichen Shan. In den Städten Mandalay, Mawlamyaing Taunggyi und Lashio werden derzeit Testeinrichtungen aufgebaut.
Die Wirtschaft wurde von den Folgen des Virus ebenfalls hart getroffen. Den meisten der rund 60'000 registrierten Fabriken und Unternehmen droht ein irreversibler Schaden, wenn die Stilllegungsmassnahmen aufgrund der Corona-Krise über den 15. Mai hinaus verlängert werden. 125 Fabriken sind bereits dauerhaft geschlossen worden, was zu Entlassungen von rund 17'000 ArbeiterInnen führte. Für die Familien der Betroffenen ist dies eine enorme finanzielle Einbusse.
Ausserdem werden in Rangoon und Mandalay diejenigen mit 5000 Kyat gebüsst, die keine Masken tragen. Es aber gibt viele Menschen, die es sich nicht leisten können, Masken zu kaufen, da sie ihre Arbeit und ihr Einkommen verloren haben.
21.04.2020
Geringe Infektionszahlen trotz vielen Grenzübergängern
In ganz Myanmar gilt inzwischen nachts eine Ausgangssperre. Das Ministerium für Gesundheit und Sport geht weiter davon aus, dass noch immer viele Personen die Grenze überqueren.
Bislang wurden in Myanmar 117 Fälle von Coronainfizierungen bestätigt. Inzwischen sind fast 45.000 Menschen in Einrichtungen im ganzen Land unter Quarantäne gestellt worden. Nach Angaben des Ministeriums für Gesundheit und Sport (MoHS) sind bis zum rund 46.000 Wanderarbeitskräfte aus dem Ausland zurückgekehrt, die meisten davon aus Thailand. Es wird angenommen, dass Tausende weitere über inoffizielle Grenzübergänge zurückgekehrt sind.
Das MoHS erliess eine Verordnung, die Treffen von fünf oder mehr Personen verbietet. In allen Gemeinden wurde von 22.00 Uhr bis 4.00 Uhr morgens eine Ausgangssperre verhängt. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden angewiesen, während dieser Zeit zu Hause zu bleiben. Kinder und Jugendliche haben derzeit keinen Zugang zu Bildung, da alle Schulen geschlossen sind.
17.04.2020
Regierung organisiert Hilfsflüge
In Myanmar gilt nun in insgesamt 10 Gemeinden der Region Rangoon eine verschärfte Ausgangssperre. Ausserdem organisiert die Regierung Hilfsflüge für Staatsbürger die im Ausland gestrandet sind, und nicht mehr nachhause kommen.
Myanmar zählt laut aktuellen Zahlen 146 bestätigte Corona Virus Fälle. Davon sind fünf Personen verstorben und zehn bereits wieder genesen. Um die Rückverfolgung der Infektionskette zu unterstützen, werden gezielt Gebäude, Strassen und auch kleinere Dörfer abgeriegelt, in denen bereits Infektionen stattgefunden haben. Gemäss einer Erklärung des Gesundheits- und Sportministeriums vom 24. April haben die Behörden nun in insgesamt 10 Gemeinden rund um Rangoon eine verschärfte Ausgangssperre verhängt. Die bestehende Ausgangssperre von 22 Uhr bis 4 Uhr morgens, die in allen 45 Gemeinden der Region Rangoon verhängt wurde, bleibt bis zum 18. Juni in Kraft.
Die Regierung bereitet Hilfsflüge für Bürger Myanmars vor, die Schwierigkeiten haben, aus den fünf umliegenden asiatischen Ländern zurückzukehren. Internationale kommerzielle Flüge sind jedoch weiterhin verboten, teilte das Ministerium für Zivilluftfahrt am 25. April. Laut Angaben des Luftfahrtministeriums werden diese Hilfsflüge im kommenden Monat stattfinden. Diejenigen, die nach Hause zurückkehren möchten, müssen ihre persönlichen Daten und den Grund ihrer Rückkehr bis zum 28. April an die Botschaft senden. Jede myanmarische Staatsbürgerin und jeder Staatsbürger, die mit Hilfsflügen zurückkehren, müssen anschliessend eine 21-tägige Quarantäne in einer staatlichen Einrichtung und eine siebentägige Heimquarantäne durchlaufen.
07.04.2020
Steht Myanmar vor einer Infektionswelle?
Trotz der geringen Anzahl an bestätigten Erkrankten wird davon ausgegangen, dass Myanmar eine grosse Infektionswelle bevorsteht. Es wurden viele Massnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung getroffen und durchgesetzt. Des Weiteren schürt das Virus Diskriminierung von Freiwilligen und Helfenden.
Myanmar hatte in den vergangenen 24 Stunden gerade einmal fünf neue bestätigte Fälle des Coronavirus'. Obwohl die Gesamtanzahl damit auf «nur» 21 bestätigte Fälle ansteigt, warnt das Ministerium für Gesundheit und Sport vor einem grossen Ausbruch. «Grund dafür ist, dass vom 19. März bis zum 1. April schätzungsweise mehr als 36'000 Wanderarbeiter aus Thailand nach Hause zurückgekehrt sind, die tatsächliche Anzahl könnte aber noch viel höher sein», berichtet unsere Länderverantwortliche Swe Swe Myint. Laut einer offiziellen Ankündigung des Aussenministeriums vom 30. März sollen in rund einer Woche eine grössere Anzahl Einheimische nach Myanmar einreisen dürfen. Diese Personen müssen vorerst aber eine 14-tägige Isolationszeit durchlaufen, bevor sie in ihre eigenen vier Wände heimkehren dürfen.
Strengere Massnahmen gibt es in Township Namsang im südlichen Shan-Staat. Dort wurde täglich von 19 bis 6 Uhr eine Ausganssperre verhängt. «Damit wird versucht, Treffen von Jugendlichen in Gruppen zu verhindern und die Ausbreitung des Virus' zu verringern», so die Länderverantwortliche. Diese Regelung gilt vorerst bis Ende April.
Menschen in Quarantäne sowie BeamtInnen und Freiwillige, die in Quarantäneeinrichtungen arbeiten, sehen sich laut Angaben vor Ort mit gesellschaftlicher Diskriminierung konfrontiert. Angehörige des Gesundheitswesens, VerwaltungsbeamtInnen, Sicherheitspersonal und Freiwillige, die zur Überwachung von Rückkehrern in Quarantäneeinrichtungen eingesetzt werden, werden oft als Träger des Coronavirus' angesehen.
31.03.2020
Infizierte in Myanmar - die Regierung handelt
In Myanmar wurden erste Personen postiv getestet und umgehend Massnahmen getroffen. Strände schliessen, Restaurants dürfen nur noch Essen to go verkaufen und verschiedenste Personen wurden unter Quarantäne gestellt.
In Myanmar wurden am 26. März erste Personen positiv auf das Coronavirus getestet. «Die Infizierten kommen mehrheitlich aus Übersee. Ihre Wohnorte wurden vorerst abgeriegelt um eine Ausbreitung zu verhindern», berichtet unsere Länderverantwortliche Swe Swe Myint. Bis zum 30. März wurden insgesamt zehn Personen positiv getestet und 400 weitere stehen unter strenger Beobachtung. In Yangon City dürfen Restaurants keine Gäste mehr bewirten, lediglich das Mitnehmen von Essen ist gestattet. Die Regierung der Stadt Mandalay hat beschlossen, alle 41 grossen Märkte zu schliessen. Nur Geschäfte, die Lebensmittel und pharmazeutische Produkte verkaufen, dürfen geöffnet haben. Strände in mehreren Regionen wurden geschlossen. Ausserdem hat das Aussenministerium auch die Ausstellung von Visa aller Art für alle Ausländer eingestellt. Die Aussetzung bleibt vorerst bis zum 30. April 2020 in Kraft. Da einige Rückkehrer die Anweisungen des Ministeriums für Gesundheit und Sport bezüglich eines zweiwöchigen Aufenthaltes zu Hause nicht befolgen, setzen verschiedene Regierungsebenen Vorschriften bei der Zusammenarbeit mit Gemeinde- und Wohlfahrtsgruppen durch. Gegenwärtig werden viele Rückkehrer in Klöstern, Schulen und leerstehenden Gebäuden unter Quarantäne gestellt. «Einige Menschen beschweren sich über die Qualität der Quarantäneeinrichtungen», erzählt Swe Swe Myint. Gegen Personen, welche die Anweisungen missachten, würden Maßnahmen ergriffen, so der Sprecher des Gesundheits- und Sportministeriums. Die Regierung Myanmars hat eine Anweisung herausgegeben, wonach die Hälfte der Regierungsangestellten im Homeoffice arbeiten soll. Vorerst wurde auch die Entwicklungsarbeit in den Gemeinden eingestellt. Viele internationale Mitarbeiter verschiedener Organisationen und Unternehmen sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Das Bildungssystem hat wegen der Sommerferien vorerst eine Ruhepause und ist nicht von der Coronakrise betroffen.
24.03.2020
Zwischen Zweifel und Ignoranz
Myanmar ist eines der wenigen Länder der Welt ohne offiziell bestätigten Corona-Fall. Einerseits wächst bei vielen Menschen die Besorgnis, dass das Virus bereits im Land ist, andererseits gibt es immer noch viele, die sich keine ernsthaften Gedanken machen und sich wie gewohnt bewegen.
Bis zur vergangenen Woche gab es in Myanmar immer noch keine bestätigte Erkrankung. Die Zahl der Verdachtsfälle ist auf zwölf gestiegen, 206 Kranke sind im ganzen Land unter Beobachtung gestellt worden. Diese Entwicklung spaltet die Gesellschaft. «Aufgrund der langen Grenze zu China wächst bei vielen Menschen die Angst, dass die Krankheit bereits im Land ist oder im Begriff ist, weiträumig aufzutreten», erzählt unsere Länderverantwortliche Swe Swe Myint. Auf der anderen Seite würden sich immer noch viele Bewohnerinnen und Bewohner keine ernsthaften Gedanken über die Morbidität und die Mortalität der Infektion machen und sich immer noch wie üblich bewegen. In Pathein oder Ayeyarwaddy beispielsweise trage niemand eine Maske und die Märkte seien sehr überfüllt.
Die Regierung ist bemüht, einer Ausbreitung mit verschiedenen Richtlinien entgegenzuwirken. So sollen beispielsweise überfüllte Plätze gemieden oder die persönliche Hygiene eingehalten werden. Auch häufiges Händewaschen, Einreiseeinschränkungen oder die Auferlegung von Quarantäneprogrammen zählen dazu. Die Gesundheitskontrollen an den Grenzübergängen würden sich schwierig gestalten, sagt Swe Swe Myint. «Tausende von myanmarischen Arbeitern aus Thailand belasten die für die Kontrolle zuständigen Grenzbeamten erheblich.» Der Bevölkerung entlang der Grenze würde die Heimkehr zehntausender Burmesen Sorge bereiten. Einen Grund für die allgemeine Verunsicherung im Land sieht Swe Swe Myint in der Stimmungsmache und den zahlreichen Falschmeldungen auf Facebook. «Viele Nachrichten sind gefälscht und basieren nur auf persönlichen Kommentaren, welche die allgemeine Öffentlichkeit irreführen und zu unangemessenen Bedenken führen.» Ein Teil der Bevölkerung habe auch Zweifel an den Ressourcen und Kapazitäten des Gesundheits- und Sportministeriums für den Fall, dass eine Epidemie auftreten sollte.
19.03.2020
Verdachtsfälle bisher nicht bestätigt
In Myanmar gibt es noch keine amtlichen Corona-Fälle. Experten zweifeln dies in Anbetracht der über 2000 Kilometer langen Grenze zu China an. Erste Projektaktivitäten mussten aufgrund der staatlichen Massnahmen verschoben werden.
Bis Mitte Woche verzeichnete Myanmar noch keine Corona-Erkrankungen. Auch ohne gemeldete Fälle hat die Regierung im April Festivals und Unterhaltungsveranstaltungen verboten, darunter das Thingyan-Fest, der grösste Jahresfeiertag des Landes. Zudem hat das Land seine Einreisebestimmungen verschärft. Schulschliessungen hat die Regierung erst in einem begrenzten Rahmen angeordnet.
Die Arbeit der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ist bisher erst in einem Projekt tangiert, sagt die Länderverantwortliche Swe Swe Myint. Eine für kommende Woche angesetzte Schulung zum Thema Umweltschutz habe abgesagt werden müssen. «Unsere Partnerorganisation plant, die Ausbildung der Lehrpersonen im Mai durchzuführen.» Wenn dies gelinge, werde das Projekt nicht verzögert. Auch wenn im Land bisher noch kein Corona-Fall bestätigt wurde, halten sich Swe Swe Myint und ihr Team an die gängigen Präventionsmassnahmen.
Arbeiten in Zeiten von Corona
Der Coronavirus ist inzwischen in den meisten Ländern der Welt angekommen. Erfahren Sie im Überblick, wie die aktuelle Situation unsere Arbeit in den 13 Projektländern beeinflusst.