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Den Preis einer Firma berechnen
Bevor ein Unternehmer seine Firma verkauft, will er in aller Regel wissen, wie viel er dafür verlangen kann. Wie kann man aber den Preis einer Firma berechnen? Der naheliegende Weg besteht darin, eine Unternehmensbewertung durchzuführen. Allerdings existieren verschiedene Bewertungsmethoden, die zu höchst unterschiedlichen Resultaten führen können. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Methode bzw. den richtigen Methodenmix zu wählen, um den Marktwert eines KMU zu prognostizieren. Im Folgenden werden die gängigen Methoden kurz beschrieben und auf die Stärken und Schwächen des jeweiligen Ansatzes eingegangen.
Substanzwertmethode
Bei der Substanzwertmethode konzentriert man sich auf die Bilanz eines Unternehmens. Welche Vermögenswerte hat die Firma und welche Verbindlichkeiten? Gibt es Unter- oder Überbewertungen einzelner Positionen, die man korrigieren muss? Wird die Firma fortgeführt oder will man den Betrieb liquidieren? Der Substanzwert eines Unternehmens ergibt sich aus der Summe der wertbereinigten betrieblichen Aktiven abzüglich der Summe der wertbereinigten betrieblichen Passiven.
Die Stärke der Substanzwertmethode liegt in der relativen Objektivität. Man stützt die Unternehmensbewertung auf Aktiven und Passiven, die effektiv vorhanden sind und deren Werte sich auf relativ neutrale Weise berechnen lassen. Es lässt sich daher schwer ein Preis rechtfertigen, der tiefer ist als der Substanzwert einer Firma.
Die Schwäche der Substanzwertmethode liegt darin, dass sie meistens zu Unterbewertungen führt. Eine Firma ist in der Regel wertvoller als die Summe ihrer Bestandteile. Die trifft insbesondere auf Geschäftsmodelle mit geringer Kapitalintensivität und hoher Rentabilität zu wie zum Beispiel Dienstleistungsfirmen. Eine grössere Berechtigung hat die Substanzwertmethode bei kapitalintensiven Betrieben mit tiefer Rentabilität, was oft auf Produktionsunternehmen zutrifft.
Discounted-Cashflow-Methode (DCF-Ansatz)
Beim DCF-Ansatz steht der Zusammenhang zwischen Cashflow und Firmenwert im Fokus. Das Unternehmen wird als Investitionsobjekt betrachtet, das eine risikoadäquate Rendite erwirtschaften muss. Hierfür werden die künftigen Überschüsse (meisten der nächsten 5 Jahre) prognostiziert und mit einem adäquaten Prozentsatz, der den spezifischen Risiken des Unternehmens Rechnung trägt, diskontiert. Den Unternehmenswert berechnet man mittels Addition der berechneten Barwerte.
Der DCF-Ansatz ist vermutlich die bekannteste und anerkannteste Methode, um den Wert einer Firma zu berechnen. Die investitionstheoretische Herangehensweise mit der Betrachtung von Risiko und Rendite vermag zu überzeugen.
Die Schwäche des DCF-Ansatzes liegt darin, dass die individuelle Umsetzung leicht angegriffen werden kann. Umsatz- und Gewinnprognosen sind gerade bei KMU mit hohen Unsicherheiten behaftet. Firmeninhaber neigen dazu, die Ertragsentwicklung viel zu optimistisch zu prognostizieren. Weiter ist es beinahe unmöglich, die einzelnen Risikozuschläge objektiv zu berechnen. Letztlich handelt es sich um eine subjektive Einschätzung des Bewertenden, was die Aussagekraft der Unternehmensbewertung mindert. Der DCF-Ansatz führt bei KMU meist zu überhöhten Werten, da künftige Erträge über- und die betriebsspezifischen Risiken unterschätzt werden.
Praktikermethode
Bei der Praktikermethode handelt es sich um eine Mischrechnung, die Substanzwert und Ertragswert kombiniert. Hierbei wird der berechnete Ertragswert (z.B. gemäss DCF-Ansatz) doppelt und der Substanzwert einfach gewichtet. Die Praktikermethode ist gerade im KMU-Bereich beliebt und wird auch gerne von staatlichen Stellen angewandt.
Die Stärke der Praktikermethode liegt in ihrer Einfachheit. Zudem stellt sie einen Mix aus zwei gegenläufigen Methoden dar (Substanzwert mit Tendenz zur Unterbewertung und Ertragswert mit Tendenz zur Überbewertung), so dass sie oft einen sinnvollen Unternehmenswert ergibt.
Die Schwäche der Methode liegt darin, dass sie keinen Raum für individuelle Wertung lässt. Bei einigen Firmen sollte der Substanzwert höher gewichtet werden als bei anderen. Bei einigen Firmen sollte er überhaupt keine Rolle spielen. Durch die generalisierte Gewichtung von 2 zu 1 werden Betrieb mit höchst unterschiedlichen Risikostrukturen und Ertragsmechanismen zu Unrecht über einen Kamm geschert.
Marktmultiplikatoren
Mit der Multiplikatoren-Methode kann man den Preis einer Firma berechnen, indem man sie mit den Transaktionswerten von anderen Firmen vergleicht. Wenn man zum Beispiel eine chemische Reinigung bewertet, dann schaut man welche Preise andere, bereits verkaufte chemische Reinigungen im Verhältnis zum ihrem Umsatz, zu ihrem Gewinn oder zu einer anderen Kennzahl erzielt haben. Aus den Daten wird ein Durchschnitt (der Multiplikator) gebildet, den man mit der entsprechenden Kennzahl (Umsatz, Gewinn, etc.) der zu bewertenden Firma multipliziert.
Die Stärke der Methode liegt in ihrer Marktnähe und Objektivität. Der Firmenwert basiert nicht auf einer theoretischen Modellrechnung, sondern auf realen Marktpreisen von vergleichbaren Firmen. Dies verleiht ihre eine hohe Glaubwürdigkeit.
Die Schwäche der Multiplikatoren-Methode liegt im Mangel an verfügbaren Daten. Gerade im KMU-Bereich werden die Eckdaten von Transaktionen in der Regel nicht veröffentlicht. Das führt dazu, dass der Datensatz vielfach zu klein ist, um einen aussagekräftigen Multiplikator-Wert zu berechnen.
Fazit
Es gibt keine Standardmethode, anhand welcher man den Preis einer Firma berechnen kann. Oft ist es ein Methodenmix, der einen ans Ziel führt. Ausserdem bedarf es einer fachmännischen Wertung und Interpretation der einzelnen Ergebnisse. Es ist zum empfehlen, die Unternehmensbewertung einer Person bzw. einer Firma zu überlassen, die sich mit dem Verkauf von Firmen auskennt und aus praktischer Erfahrung weiss, welche Preise am Markt bezahlt werden.