Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03464.jsonl.gz/2186

James Bond kennen alle. Aber haben Sie schon mal seinen Schöpfer, den Briten Ian Fleming, darüber sprechen hören, warum die Figur des James Bond so viele Frauen näher kennenlernt; ja kennenlernen muss? Ian Fleming, dem man seine Vorliebe für Portwein und filterlose Raven A anhört, erklärt es Ihnen. So wie Bond handelt, so spricht Fleming; direkt und auf den Punkt.
Manchmal gibt es in den Badeferien diese Tage, wo sich das Wetter nicht entscheiden kann zwischen Sonne und Regen. Warum treffen Sie sich da nicht einfach mit Rudyard Kipling, dem Autor von «Das Dschungelbuch», in der Hotelhalle? Er lässt sie jedes Wetter vergessen und nimmt Sie stattdessen mit seinem altertümlichen Singsang mit auf eine Zeitreise geradewegs in die britische Kolonialzeit.
Sie sind auf dem Flughafen und warten darauf, dass es mit dem Boarding losgeht. Der Start soll wie angekündigt erfolgen. Ihre Kinder streiten sich nicht. Alles ist bestens. Wenn nur nicht diese leichte Nervosität wäre, die Sie immer mal wieder vor einem Flug befällt. Das ist der ideale Zeitpunkt, um etwas mit Vladimir Nabokov, «Lolita», zu plaudern. Seine sonore Stimme mit dem herrlichen Akzent beruhigt ungemein.
Einige Interviews erwischen die Autoren in sehr persönlichen Momenten. Raymond Chandler etwa war in den 1950er Jahren auf einer Europareise, um sich vom Tod seiner Frau abzulenken. Was ihm nicht wirklich gelang. Und so hört man deutlich, wie der Schöpfer des harten Privatdetektivs Philippe Marlowe betrunken und schlecht gelaunt auf die Fragen des höflichen Ian Flemings antwortet, den man Chandler als Interviewer angeboten hatte, damit der überhaupt zusagte.
Über was sprechen die Supertexter ihrer Zeit? Über Geld, das sie zu wenig verdienen. Über das Leben, das sie führen. Über Privates. Über das Handwerk des Schreibens. Und wie sie zum Schreiben gekommen sind.
Dem Autor Anthony Burgess etwa, «A Clockwork Orange», wurde Anfang 40 ein unheilbarer Hirntumor diagnostiziert; er habe nur noch ein Jahr zu leben. Der Engländer arbeitete bis dahin als Lehrer. Nur nebenher versuchte er sich als Autor. Nun aber beschloss er, in seinem «letzten» Lebensjahr möglichst viel zu schreiben. In der Hoffnung, dass unter den Werken wenigstens eines so erfolgreich sein würde, dass seine Familie nach seinem Tod von den Copyrights leben könnte. Diese überaus produktive Phase des Briten dauerte dann noch über 30 Jahre, bevor er als Multimillionär starb – an Lungenkrebs.
Man wird es Ihnen im Buchladen verzeihen, wenn Sie für einmal nicht den dicken Ferienschmöker kaufen kommen, sondern The Spoken Word «British Writers» und «American Writers» (hg. von der British Library). Denn die insgesamt 6 CD’s werden Ihnen nach den Ferien gehörig Appetit aufs Lesen gemacht haben.
Bild: Nickolai Kashirin auf Flickr (CC BY 2.0)