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Erst einmal gibt Giuseppe Verdi dem Vizekönig von Ägypten einen Korb. Erst beim zweiten Versuch – ein Jahr später – beisst Verdi an.
Der Vizekönig, offenbar ein hartnäckiger Mann, lässt ihm ein fertiges, ägyptisch angehauchtes Libretto zukommen und legt auch ein Schreiben bei, in dem er Verdi in jeder Beziehung plein pouvoir anbietet – bei der Besetzung der Sängerinnen und Sänger, beim Probeort, der Ausstattung und natürlich auch beim Honorar.
Er fügt noch folgendes Postscriptum hinzu: «Sollte Monsieur Verdi nicht akzeptieren, werden seine Hoheit an die Tür von Gounod klopfen. Oder von Monsieur Wagner.» Die kleine Erpressung wirkt: Verdi nimmt den Auftrag an. Und er telegrafiert umgehend nach Kairo, dass er umgerechnet rund 750 000 Euro Honorar fordere. Ausserdem wolle er das Geld in Gold, um Währungsschwankungen in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten zu umgehen. Gut, telegrafiert der Vizekönig zurück.
Verdi stattet Ägypten keinen Besuch ab
Nun macht sich Verdi ans Komponieren. Monatelang studiert er Bücher über ägyptische Geschichte, über ägyptische Kunstwerke und den Isis Kult. Er informiert sich über ägyptische Musik und Musikinstrumente, aber nach Ägypten reist er nicht. Gleichzeitig wird unter der strengen Aufsicht des französischen Ägyptologen Auguste Mariette mit dem Nachbau ägyptischer Tempel und Nillandschaften begonnen – in Paris.
Mariette ist ein bedeutender Forscher, oberster Ausgrabungsleiter in Ägypten und Gründer des ägyptischen Museums in Kairo. Mit der wissenschaftlichen Genauigkeit geht der Verfasser des «Aida»-Librettos jedoch eher locker um: Er vertauscht ägyptische und nubische Namen, geht frei mit der Zeit und historischen Fakten um. Und Vulkan, in dessen Tempel das zweite Bild spielt, ist eigentlich ein römischer Gott.
Umso wichtiger ist für Mariette historische Genauigkeit bei der Ausstattung. Da scheut man keinen Aufwand und keine Kosten. Verdi lässt sogar ägyptische Trompeten nachbauen, die es allerdings so in Ägypten nie gegeben hat. Für sie komponiert er das berühmteste Stück der ganzen Oper.
Uraufführung ohne Verdi
Im November 1870 ist die Partitur fertig. Doch dann erklären die Franzosen den Deutschen den Krieg, kurz darauf wird Paris belagert und die ganze Ausstattung von den Deutschen beschlagnahmt. «Maledetti goti!» – Verdi ist wütend: verdammte Goten, knurrt er.
Endlich! Im Dezember 1871 ist es soweit. Die Uraufführung am «Originalschauplatz» findet statt – mit grossem Pomp und Trara, mit haufenweise Kriegern und schwarz angemalten nubischen Sklavinnen, mit Palmen und gigantischen Tempeln.
Verdi bleibt der Uraufführung fern. «Ich gehe nicht hin», schreibt er einem Freund, « ... weil ich fürchten müsste, dort mumifiziert zu werden.»