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LUDWIG VAN BEETHOVEN – EIN GENIALER PIANIST
Bereits als Kind erregte Ludwig van Beethoven mit seinem Klavierspiel reichlich Aufmerksamkeit. Sein Lehrer, Christian Gottlob Neefe, attestierte ihm „vielversprechendes Talent“ und er spiele „sehr fertig und mit Kraft das Klavier.“ Ludwig entwickelte sich denn auch zu einem herausragenden Pianisten, dessen virtuoses Spiel und hervorragende Improvisationskunst viel gerühmt wurden.
Ganz seiner besonderen Begabung – und wohl auch seinem Selbstbewusstsein – entsprechend, unternahm Beethoven bereits im Alter von 14 Jahren den ersten Versuch eine Komposition für Klavier und Orchester zu schreiben. Von diesem dreisätzigen Konzert in Es-Dur ist uns leider nur die Klavierstimme erhalten. Mitte der Neunzigerjahre war Beethoven dann gleich mit zwei Klavierkonzerten beschäftigt, eines in B-Dur und eines in C-Dur.
Die Klavierkonzerte schrieb Beethoven in erster Linie sich selbst auf den Leib. Sie entsprachen seinen pianistischen Fähigkeiten und sollten diese ins Rampenlicht stellen, wie er gerne betonte: „Für mich gibt es kein grösseres Vergnügen als meine Kunst zu treiben und zu zeigen“ (an seinen Freund Franz Wegeler). Dies gelang ihm vortrefflich, wie der Klaviervirtuose Carl Czerny, der als Zehnjähriger Schüler von Beethoven wurde, in seiner Autobiographie berichtete: „er bringt auf dem Clavier Schwierigkeiten und Effecte hervor, von denen wir uns nie etwas haben träumen lassen.“
Beethovens 1. Klavierkonzert op. 15 beginnt überraschend verhalten, doch bald entwickeln sich ein auf Brillanz ausgelegter Orchesterklang und im Solopart eine strahlende Virtuosität. – Im sehr lyrischen langsamen Satz zeugt die differenzierte und variantenreiche Melodielinie nicht nur vom Ideenreichtum des Komponisten, sie bringt uns auch den versierten Pianisten nahe, denn wohl hatte der Interpret Beethoven gerade in diesem Satz sein Publikum immer wieder mit seiner Improvisationskunst fasziniert. Durch stets neue Wendungen wird die Melodik kunstvoll umspielt. Oft stehen Klavier und Orchester in ausgewogenem Verhältnis; die Klangfarben der Bläser untermalen die Kantilene oder sie treten mit dem Solopart in Dialog. – Den Schlusssatz legte Beethoven, wie seinerzeit meist üblich, als Rondo an. Das Ritornell und die wechselnden Couplets zeigen Brillanz, ausgelassene Spielfreude und Humor.
Der Komponist Beethoven war jetzt arriviert und konnte seinen Erfolg in vollen Zügen geniessen: „Meine Kompositionen tragen mir viel ein, und ich kann sagen, dass ich mehr Bestellungen habe, als fast möglich ist, dass ich befriedigen kann. Auch habe ich auf jede Sache sechs, sieben Verleger, und noch mehr, wenn ich mir’s angelegen sein lassen will: man akkordiert nicht mehr mit mir, ich fordere und man zahlt. Du siehst, dass es eine hübsche Lage ist“ (an Wegeler).
Dr. Ellen Taller