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Basler Verkehrs-Betriebe (BVB)
Be 4/6 601+602 «Tatzelwurm» (1961–1995)

Nachdem die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) 1959 einen zweiteiligen Gelenkwagen-Prototypen (Be 6/6 1701, später 1802) in Auftrag gegeben hatten, zeigte sich aufgrund beidseitig vorangetriebener Studien, dass zwischen den VBZ und den BVB über die Bauart solcher Gelenkmotorwagen weitgehend Übereinstimmung bestand. Durch die Zusammenarbeit zwischen Basel und Zürich wurde es möglich, SIG und BBC mit der Entwicklung und dem Bau weiterer drei Prototypen – einer für Zürich (Be 6/6 1801) und zwei für Basel – zu beauftragen. Dabei waren verschiedene Vereinheitlichungen gelungen, so dass sich die Wagen hauptsächlich durch die unterschiedliche Anzahl der Fahrmotoren unterschieden.
Die Auslieferung der beiden Basler Prototypen Be 4/6 601 und 602 erfolgte 1961 und 1962. Nach 1963 bestand die Absicht, weitere 18 Fahrzeuge dieses Typs zu beschaffen. Die beratende Kommission empfahl jedoch als Alternative den kostengünstigeren Gelenkwagen von DÜWAG. Dieser Empfehlung folgte das Parlament, so dass es bei den beiden Prototypen blieb.
Im Vergleich zu zweiteiligen Gelenkwagen setzte SIG auf eine nach damals neuartigen Richtlinien konzipierte dreiteilige Gestaltung des Wagenkastens. Jedes Glied stützte sich auf einem zweiachsigen Drehgestell ab. Der Wagenkasten bestand aus einem vollständig geschweissten, leichten Stahlgerippe mit aufgeklemmten Leichtmetallblechen. Er war für das Fahrgastflusssystem nach Peter Witt mit grosser Aufnahmeplattform und Billeteurkabine konzipiert. Die gepolsterten Quersitze hatten einen Stamoidüberzug. Zur Heizung diente eine Warmluftheizung, die auch die Abwärme eines Teils der Anfahr-/Bremswiderstände nutzte. Im Sommer konnte das Heizgebläse zusätzlich zu in der Decke eingelassenen Ventilatoren zur Belüftung herangezogen werden. Für die Innenbeleuchtung dienten Leuchtstoffröhren. Die beiden mittleren der vier Türen – beim Zweimannbetrieb ausschliesslich zum Aussteigen verwendet – konnten jedoch vom Billeteur nur schlecht überwacht werden. Halbhohe Sicherheitsschranken sollten die Fahrgäste vor dem Eingeklemmtwerden schützen.
Bei den Drehgestellen handelte es sich um von SIG neu entwickelte Schwingarm-Drehgestelle mit Aussenlagern und einstufiger Torsionsstab-Federung (Drehstabfederung). Die beiden Motoren pro Triebdrehgestell waren längs eingebaut. Die Radsätze mit gummigefederten SAB-Rädern wurden über Hochleistungs-Schneckengetriebe angetrieben. Erstmals kam eine Druckluft-Scheibenbremse mit Bremsscheiben auf allen sechs Radsatzwellen zur Anwendung.
Die elektrische Traktionsausrüstung basierte auf der bekannten viermotorigen Art mit zwei Gruppen zu je zwei dauernd in Serie geschalteten Halbspannungsmotoren. Es wurde in Serie-/Parallelschaltung der beiden Gruppen angefahren. Eine elektropneumatische Schützensteuerung besorgte alle Motorgruppierungen, Umschaltungen und Regelvorgänge.
Spätere Änderungen (Auswahl):
Bevor die ersten DÜWAGs 1967 erschienen, waren die SIG-Gelenkwagen zusammen mit Grossraum-Anhänger auf der Linie 6 im Einsatz. 1967 kamen sie in das Depot Wiesenplatz und wurden auf den Linien 1/4 und 7 eingesetzt, ab 1985 auf der Linie 8. Die beiden Prototypen haben sich in Basel nicht bewährt und waren reparaturanfällige Sorgenkinder.
Eine schwere Kollision am 5. April 1991 gab den Anlass, den Be 4/6 601 auszumustern. Der Wagen 602 verkehrte nach dem 100-Jahr-Jubiläum der BVB anno 1995 ausschliesslich als Partytram («Haifischtram»). Am 18. August 2004 fiel er einem Grossbrand im Depot Wiesenplatz zum Opfer. Das ausgebrannte Wrack wurde am 24. Februar 2005 verschrottet.