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UNCTAD und Fair Trade bündeln ihre Kräfte zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von ArbeiterInnen auf der Welt. Dass aber nicht nur internationale Partnerschaften, sondern auch zahlreiche lokale Kooperationen und Aktivitäten auf kommunaler Ebene für mehr Nachhaltigkeit sorgen, zeigte die 12. Internationale Konferenz der Fair Trade Towns in Madrid.
Die internationale Konferenz wurde von der Bürgermeisterin von Madrid, Manuela Carmena Castrillo, eröffnet. In ihrer Eröffnungsrede sprach sie von der Wertehaltung, die in einer multikulturellen Stadt wie Madrid für das Zusammenleben notwendig sei: «Städte können sich nur entwickeln, wenn in der Stadt Solidarität herrscht. » Die Kernwerte für Madrid sind deshalb auch Solidarität, Kreativität und Innovation. In diesem Kontext spiele Fair Trade Town eine zentrale Rolle für die Stadt und funktioniere als eine Art von Brückenschlag zwischen lokaler und globaler Nachhaltigkeit. Diese Wertehaltung finde in Madrid in verschiedenen Massnahmen Ausdruck, wie z.B. in der öffentlichen Beschaffung, im ethischen Konsumverhalten und im nachhaltigen Tourismus.
Im anschliessenden Podiumsgespräch wurde die internationale Rolle des Fairen Handels thematisiert. Führende Vertreter von UNCTAD, WFTO, Fairtrade International und CLAC (Latin America Small Produces Network) [jeweils links] teilten ihre teils sehr persönliche Motivation zum Fairen Handel. Unterbrochen wurde das bekennende Gespräch durch einen vehementen lateinamerikanischen Bauernvertreter, der die internationale Fair Trade Verbände fragte, wo sie denn geblieben seien, als die internationalen Handelsverträge, wie Mercosur, verhandelt wurden. Rudi Dalvai, Präsident von WFTO, entgegnete diplomatisch, dass man Mikro- und Makroökonomie unterscheiden müsse und dass hier noch ganz andere Akteure ihr Gewicht einbringen.
Dass die Bewegung des Fairen Handels das internationale politische Parkett erreicht hat, zeigt die anschliessende gemeinsame Absichtserklärung von UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) und dem Fair Trade Advocacy Office. Ziel der gemeinsamen Absichtserklärung ist es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von HandwerkerInnen, ArbeiterInnen und Bauernfamilien in Afrika, Asien und Südamerika zu verbessern. «Vom ersten Tag an waren wir der Überzeugung, dass Unterstützung für Entwicklungsländer nicht in Form von Verteilung von Hilfspaketen erfolgt, sondern durch die Förderung ihres Handels» meint dazu Isabelle Durant, UNCTAD's deputy secretary-general und ergänzt «Aber damit Handel ein Instrument zur Entwicklung wird, muss das Handelsgeschäft für alle Parteien fair sein. »
In den folgenden zwei Tagen wurden die zahlreichen Facetten und bewährte Beispiele aus der Praxis der Fair Trade Towns in Präsentationen und Workshops beleuchtet. So wurde in der belgischen Fair Trade Town Brügge eine Schoggi-Tafel mit Informationen zum Fairen Handel kreiert und ein Kinderbuch gestaltet. In Bristol werden regelmässig «social evenings» organisiert, in welchen es um übergeordneten Nachhaltigkeitsthemen geht und unterschiedlich engagierte Menschen vernetzt werden. In Deutschland werden seit einiger Zeit Moscheen erfolgreich in die Fair Trade Town Kampagne miteinbezogen und die Fair Trade-Metropole Ruhr hat eine Broschüre für faire Veranstaltungen inkl. Checkliste herausgegeben. Zudem waren viele VerteterInnen von spanischen Schulen und Universitäten anwesend, die aufzeigten, wie Fairer Handel und nachhaltiger Konsum in der Bildung integriert werden können.
Besonders aufgefallen ist auch die Tatsache, dass in vielen Ländern das Bedürfnis besteht, lokale Produkte in den Fair Trade Town Prozess miteinzubeziehen und um Synergien mit regionalen ProduzentInnen aufzubauen.
Die Aufbruchstimmung aus den Gemeinden geht also international weiter. Im nächsten Jahr wird sie mit der internationalen Konferenz ihren Höhenpunkt in Wales finden.