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Was ist der Cheerleadereffekt?
Der Cheerleadereffekt wurde durch die Serie «How I Met Your Mother» bekannt, in welcher Barney Stinson eine der Hauptrollen darstellt. Der Frauenheld und selbsternannte Experte des weiblichen Wesens weist darauf hin, dass Frauengesichter auf den ersten Blick in der Gruppe betrachtet viel attraktiver erscheinen, als wenn man sie einzeln betrachtet. Cheerleader, Brautjungfern und Studentinnen einer Verbindung (wie man sie aus amerikanischen Colleges kennt) sind die perfekten Beispiele dafür. Wenn sie in einer Gruppe auftauchen, ziehen sie sofort alle Blicke auf sich. Obwohl, oder besser gesagt, gerade weil der Beobachter nicht jedes Gesicht einzeln sieht, stuft er die Attraktivität einer Person höher ein, als wenn er die Attraktivität jedes Gruppenmitglieds bewerten würde.
Wie kommt der Effekt zustande?
Auszug aus der Studie: Attraktives afroamerikanisches weibliches Target mit attraktiven weiblichen Flanker.
Die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Studie lassen vermuten, dass der Cheerleadereffekt aus einer Kombination des Ensemble Encodings mit der Evaluability Hypothese sowie der Normtheorie und Kontrasteffekten entsteht, wobei das Ensemble Encoding hier optional sein könnte. Sobald die Targets Flanker besitzen, verfällt die Testperson laut Evaluability Hypothese in den «joint evaluation mode». Das bedeutet, dass die Targets dabei mit den Flankern verglichen werden. Laut Normtheorie sucht der Mensch, wenn er etwas bewerten soll, immer nach der Bewertungsnorm der Kategorie. Zur Bildung dieser gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder entsteht diese durch Ensemble Encoding, womit sich die durchschnittliche Attraktivität der Gruppe bestimmen und daraus eine Bezugsnorm ermitteln lässt. Die andere Variante ist, da die Gruppe klein und die verfügbare Zeit, um zu bewerten lange ist, dass die Testperson die Flanker einzeln mit dem Target vergleicht und somit diese nicht zusammengefasst, oder besser gesagt nicht-ensemble-encoded, als Norm verwendet. Zuletzt kommen Kontrasteffekte ins Spiel, welche schlussendlich für die Bewertung verantwortlich sind. Kontrasteffekte entstehen durch Bewertungen eines Ziels in Bezug auf einen Vergleichsstandard (hier: Norm). Ist dieser Vergleichsstandard tief (hoch), also unattraktiv (attraktiv), wirkt das damit zu vergleichende Objekt bzw. das Gesicht im direkten Vergleich attraktiver (unattraktiver).
Alles in allem hatte Barney Stinson recht: Personen wirken attraktiver, wenn sie sich in einer Gruppe befinden. Die einzelne Person sieht dabei am attraktivsten aus, wenn die Begleitung unattraktiv ist. Wer also an seiner Attraktivität zweifelt, muss versuchen, einen Kontrast zwischen sich und seiner Begleitung zu schaffen. Die unattraktivsten Freunde sind hierbei am hilfreichsten.
27. Mai 2020