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Bato Kannon, die pferdeköpfige Göttin der Barmherzigkeit, ist einer der Bodhisattvas, die im Buddhismus verehrt werden. Viele von ihnen sind in ganz Japan zu sehen. Es ist ein traditioneller japanischer Wert und Brauch, Pferden und anderen Haustieren nach ihrem Tod respektvolle Ehrerbietung zu erweisen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Tierschutz in Japan fest verankert ist. Japan hinkt bei Tierschutzinitiativen offenbar weit hinter anderen entwickelten Ländern hinterher. Auf einer Skala von «A» bis «G» rangiert Japan auf dem Tierschutzindex des Welttierschutzes von 2019 auf «E» – und damit weit schlechter als europäische Länder. Für diesen Unterschied gibt es mehrere Gründe.
Tierschutz? Nie gehört.
Einer davon ist das Fehlen einer wirksamen Tierschutzgesetzgebung für die Nutztierindustrie. Obwohl 1973 in Japan eine nationale Gesetzgebung zum Tierschutz eingeführt wurde, konzentrierte sie sich hauptsächlich auf Heimtiere. Das japanische Ministerium für Landwirtschaft, Forst und Fischerei hat Richtlinien für den Tierschutz in der industriellen Tierhaltung eingeführt, aber Tierschutzorganisationen haben kritisiert, dass Nutztiere oft nicht in den Geltungsbereich der Vorschriften fallen.
Ein weiterer Grund ist das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber Tierschutz und tierischen Produkten. Eine Umfrage aus dem Jahr 2019 ergab, dass fast 70 Prozent der Konsumenten das Wort «Tierschutz» noch nie gehört haben. Diese in der japanischen Gesellschaft vorherrschende Ignoranz ermutigt die Tierhalter nicht, ihre Einstellung zum Tierschutz zu ändern.
Es entwickelt sich etwas
179 Menschen haben in diesem Jahr über Crowdfunding in das Projekt «Wald, in dem Kühe leben» der Sagotani Farm in der Stadt Hiroshima investiert. Der Milchviehhalter Hiroya Kubo verwendet rund 3 Millionen Yen (umgerechnet knapp 21’000 Franken), um auf einem Hügel auf seinem Hof etwa 80 Bäume zu pflanzen. «Wenn die Bäume gross sind, werden die Kühe zwischen ihnen herumlaufen – ich bin sicher, die Kühe werden sich freuen, sie zu sehen», erklärt Hiroya Kubo.
Der Landwirt hat vor, in den benachbarten Bergen mehr Rinder weiden zu lassen. Auf seinem 35 Hektar grossen Betrieb hält er derzeit 60 Milchkühe. Er rechnet damit, dass er irgendwann über 100 Hektar Weideland haben wird, aber er plant gleichzeitig, die Zahl der Kühe gegenüber dem jetzigen Stand deutlich zu reduzieren. «Denn das wird die Beziehung zwischen Landwirt, Kühen und Umwelt verbessern», zeigt Kubo sich überzeugt. Er glaubt an die Idee der «Silvopasture», der Integration von Bäumen und Weideviehhaltung auf demselben Land. Mit diesem Konzept soll auch das Tierwohl gefördert werden.
Neue Vorschriften für Export
Ein anderes Beispiel: In den letzten zehn Jahren hat ein kleiner Schlachthof in der Präfektur Gifu Hygienestandards und die Einhaltung von Tierschutzbestimmungen für Rindfleischexporte in 14 Länder, darunter die Europäische Union und die Vereinigten Staaten, eingeführt. «Wir verlangen von den Landwirten, dass sie detaillierte und strenge Verfahren unter Berücksichtigung des Tierschutzes einhalten», sagt Mitsushi Kobayashi, Geschäftsführer von JA Hida Meat. «So haben wir zum Beispiel ein Schmerzverbot für den Transport von Rindern zum Schlachthof und wir stellen sicher, dass die Lastwagen bei jedem Transport sauber sind. Auch müssen die Kühe alle 12 Stunden etwas zu trinken bekommen.»
Obwohl diese Tierschutzmassnahmen für die Landwirte und die Arbeiter im Schlachthof arbeitsintensiver sind als herkömmliche Methoden, haben sie den Export von Wagyu-Rindfleisch in die Europäische Union und andere Länder ermöglicht, so dass die Rindfleischpreise in der Region im Vergleich zu anderen Regionen sehr hoch geblieben sind, so Mitsushi Kobayashi.
Dr. Shinnichi Kobayashi, Professor an der Shizuoka Universität für Agronomie, sagt: «Die Japaner trauern sehr um ihr Vieh – bei ihrem Kaufverhalten ist ihnen der Tierschutz aber gleichgültig.» Er ergänzt: «Wir sehen den Druck von Tierschutzorganisationen und das Auftauchen von Fleisch- und Milchalternativen auf dem Lebensmittelmarkt, darum werden mehr Landwirte und Verbraucher das Thema künftig auch in Japan ernster nehmen.»