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|Franz Duncker (1822-1888)|
Verleger, befreundet mit Keller seit dessen Berliner Zeit. Kellers Sinngedicht sollte ursprünglich (als Galathea) bei Duncker erscheinen. Fast 25 Jahre nach Vertragsabschluß löste Keller den Vertrag auf und zahlte den Vorschuß mit Zinsen zurück.
Anzahl registrierte Briefe: 9 an, 12 von Keller (20 ZB Zürich)
<ZB: Ms. GK 78h; GB 3.2, S. 168>
Berlin den 19t. Sept. 1855.
Lieber Herr Dunker!
Ich habe Ihnen heute den Rest der Erzählung gebracht, welche Sie in der Volkszeitung abdrucken. Kaum nach Hause gekehrt, fand ich einen Brief von der Viewegschen Handlung vor, worin sie gegen diesen Abdruck auf das Entschiedenste protestirt und androht, wenn er stattfinden würde, denselben als Nachdruck zu behandeln. Ich habe nämlich schon vor drei Wochen die Sache angezeigt und damals keinen Widerspruch erhalten. Ich stelle es Ihnen anheim, ob Sie die Fortsetzung an einer geeigneten Stelle abbrechen wollen oder nicht. Hinzufügen muß ich, daß Vieweg mißverständlich zu glauben scheint, es handle sich um den Abdruck eines großen Theils oder aller Erzählungen, da er den Ausdruck gebraucht: Abdruck der Erzählungen. Jedenfalls wird die Sache nicht erheblich sein und wenn der Cholerikus nicht weiß, was ihm selber nützt, so mag er's haben.
Zugleich wird mir angezeigt, daß Hr. Vieweg sich in der Schweiz befinde und daß ein Uebereinkommen wegen der Novellen, die ich ihm angeboten, erst nach seiner Rückkunft Ende Oktober stattfinden könne. Dies und noch andere Quängeleien, die man mir macht, veranlaßt mich, endlich von dem Viewegschen Verlage abzusehen und mich an einen anderen Verleger unverzüglich zu wenden. Da Sie wiederholt so freundlich waren, mich zu einem Anerbieten aufzufordern, so erlaube ich mir, | Ihnen zuerst und gleich die betreffenden Vorschläge mitzutheilen, die ich zu machen im Falle bin. Die Novellen, unter dem Titel: "Die Galathee" werden eine Sammlung heiterer und durchsichtiger Erzählungen sein, welche in eine Haupterzählung eingeschachtelt sind, und zwei Bände von je 20 Oktavbogen stark. Am liebsten wäre mir Druck und Ausstattung, wie an Ihren Widmann'schen kleinen Erzählungen. Für diese 2 Bände beanspruche ich ein Honorar von fünfhundert Thalern, wovon die Hälfte sogleich bei Abschluß des Kontraktes und die andere Hälfte nach Ablieferung des letzten Manuskriptes ausbezahlt würde. Denn leider bin ich nochmals im Falle, ein noch nicht fertiges Manuskript zu verhandeln.
Ich habe aber schon bei den Vieweg'schen Erzählungen mit Erfolg die Maßregel getroffen, bei einer allfälligen Verspätung über einen festgesetzten Termin hinaus mir einen Abzug oder eine Konventionalstrafe gefallen zu lassen, da ich von dem Romane her im Geruch eines säumigen Autors stehe. Daher schlage ich auch jetzt wieder zur Sicherstellung des Verlegers vor, daß nach dem festgestellten Termin mir für jeden Monat weiterer Säumniß 25 Thaler von dem verabredeten Honorar abgezogen werden. Bis Mitte November d. J. müßte das Ganze abgeliefert sein und hienach das Abkommen getroffen werden.
Die Novellen haben alle einen einheitlichen Charakter, welcher dem Ganzen zu Grunde liegt und durch die Haupt- oder Einkleidungsnovelle motivirt ist.
Wenn Sie auf den Verlag eingehen mögen, so werde ich so lange hier bleiben, bis das Buch fertig ist und dasselbe unter ihrer gestrengen Aufsicht zu Tage fördern.
Ich wende mich schriftlich an Sie, da ich nicht weiß, wann Sie sicher zu | sprechen sind und bitte, mir beförderlichst Ihre gefällige Meinung zugehen zu lassen oder eine Gelegenheit zu näherer Besprechung bekannt machen zu wollen, wobei ich dann ein Stück mitbringen und Ihnen den spezielleren Charakter des Buches auseinandersetzen könnte.
Mit besten Grüßen
Ihr ergebenster
Gottfried Keller
<ZB: Ms. GK 78h; GB 3.2, S. 170>
Berlin d. 28t. Septbr 1855.
Lieber Herr Dunker
Ich habe mich mit den Stipulationen, die wir neulich getroffen, in eine Sackgasse verrannt und da der Kontrakt noch nicht ausgefertigt ist, wünsche ich noch aus selber hinauszukommen wo möglich. Ich habe nämlich über die Hälfte des Honorares schon in der Weise disponirt, daß ich sie nothwendig gleich jetzt brauche. In dieser Rücksicht habe ich auch die Konventionalstrafe vorgeschlagen, welche ohne jene Voraussetzung keine rechte oder billige Begründung hätte; denn wenn ich nicht spätestens vom 1ten Oktober an jeden Tag, ohne alle Ablenkungen und Sorgen, zu der Arbeit verwenden kann, so wird es nicht möglich sein, das Buch bis zum 15t. Nov. respektive bis zum 15t. Oktober druckreif fertig zu kriegen und ich würde jener Strafe verfallen, ohne die dieselbe begründende Wohlthat eines Vorschusses genossen zu haben.
Den Konventionalabzug aber aufzuheben oder den Schlußtermin hinauszusetzen geht nicht wohl an, weder in Ihrem noch in meinem Interesse. Sie wünschen das Werklein noch bis Weihnachten zu | verwenden, und ich habe mir diese force-tour vorgesetzt, um in einer bestimmt abgemessenen Zeit ein Stück meines Weiterkommens abzuwickeln.
Ich habe dieser Tage probirt, mich inzwischen sonst zu behelfen, allein es ist jetzt ein so widerhaariger Moment, daß es nicht anging. Ich bitte Sie daher, wenn es Ihnen nicht allzu unbequem und überhaupt unangenehm ist, die Sache noch so einzurichten, daß ich bis zum 1ten Oktober Mittags die Hälfte der ganzen Summe erhalten könnte und mich hierüber in ein par Worten berichten zu wollen?
Ihr ergebenster
Gottfr. Keller
<ZB: Ms. GK 78h; GB.3.2, S. 171>
Berlin den 8t. Nov. 55.
Geehrter Herr Dunker! Damit Sie nicht etwa Vorkehrungen wegen des Druckes treffen, finde ich doch für gut, Ihnen anzuzeigen, daß ich seit mehreren Wochen alle Lust verloren habe, an Ihrem Buche zu schreiben, und dasselbe für einige Zeit zur Seite legte.
Erst war ich sogar Willens, diese Arbeit so lange hinzuziehen, bis das ganze Honorar in Strafabzügen aufgegangen wäre, da ich aber hiefür billig nur ausgelacht würde, so will ich das Werklein doch bis etwa im Januar künftigen Jahres fertig machen ohne Uebereilung.
Mit den Saint Paul'schen Sachen ist nach meiner Ansicht nichts anzufangen, ich wenigstens kann nicht klug daraus werden. Herr March, bei dem sie liegen, wird | sie Ihnen wieder zustellen
Ihr ergebenster
Gottfried Keller.
<ZB: Ms. GK 78h; GB 3.2, S. 172>
Zürich d. 16/3 1857.
Geehrtester Herr Dunker!
Unser Buch hat leider das Schicksal des grünen Heinrich erlebt und <ist> aller guten Vorsätze und Vorkehrungen unerachtet weit über das vorgesteckte Ziel hinaus zurückgeblieben, weil die äußeren Lebensverhältnisse abermals stärker gewesen sind, als ich selbst. Ich danke Ihnen indessen für Ihre bisherige geduldige Haltung, und bin für jetzt zu einer Frage veranlaßt. Es hat sich auch jetzt herausgestellt, daß ich den Umfang des Gegenstandes nicht genau zum Voraus zu berechnen wußte, und daher | die Arbeit gegen 60 Oktavbogen, statt der festgestellten 40 stark werden dürfte. Ich sehe dies, da ich eben beginne, die einzelnen Novellen in die größere Hauptnovelle einzureihen und aneinanderzuhängen.
Ist Ihnen nun diese allfällige Erweiterung der Bogenzahl (resp. Vermehrung von 2 Bändchen auf 3) recht, oder wünschen Sie, daß es bei der konktraktlichen Abrede bleibe? Sie können in Ihrer Bestimmung darüber um so ungenirter sein, als es mir leicht fällt, einzelne Novellen wegzulassen und anderweitig zu verwenden.
Nur bitte ich Sie, mir in ein par Worten darüber Nachricht geben zu wollen, denn ich möchte nun in der nächsten Zeit die Sache zum Abschluß bringen und mich mit Ihnen endlich in's Reine setzen. Politik und | Kriegslärm haben mich leider zuletzt noch auf Abwege gebracht und abermals ein par Monate gekostet.
Wenn Sie etwa die Herren Scherenberg u March sehen sollten, so haben Sie doch die Freundlichkeit, dieselben von mir zu grüßen, und letzterem sagen Sie, er solle mir doch einmal schreiben, oder ich vergesse ihn!
Achtungsvoll grüßend
Ihr ergebenster
Gottfried Keller.
<ZB: Ms. GK 79a Nr. 87; unveröffentlicht>
Berlin den 29ten Juni 1857.
Lieber Herr Keller!
Sie werden nun Ihrerseits mit Recht ungeduldig sein, daß ich Ihnen auf Ihren Brief bis heute gar nicht geantwortet habe. Da Sie aber meine bisherige Haltung als Verleger lobend anerkannt haben: so darf auch ich wohl Nachsicht in Anspruch nehmen u. gewiß werden Sie es mir nicht als Gleichgültigkeit für Ihr Buch auslegen, auf das ich mich vielmehr sehr freue.
Was die Bogenzahl angeht: so wünsche ich dieselbe auf die ursprünglich festgesetzte Zahl von 40 beschränkt zu sehen, weil sich ein solches Buch meiner Ansicht nach leichter verkauft. Nun aber möchte ich vor allen Dingen das Manuskript recht bald erhalten, dann könnte das Buch gerade zur besten Zeit, wenn die Leute von dem Reisen u. Umherbummeln | müde sind u. wieder zu den Büchern greifen, erscheinen u. noch für das Weihnachtsgeschäft zur rechten Zeit kommen. Solche Bücher müssen aber spätestens im Oktober versandt werden, sonst werden sie von den Buchhändlern in das neue Jahr hineinvertrödelt, der Verleger hat sein Geld hineingesteckt u. bekommt zur Ostermesse doch noch nichts dafür. -
Mit großem Behagen habe ich erst jetzt Ihre Leute von Seldwyla gelesen. Diese bringen mich auf eine Bitte. Um dem Sonntagsblatt der Volkszeitung, aus welchem unser Volk seine ästhetischen Begriffe hernehmen soll, recht sorgfältig ausarbeiten zu lassen, habe ich demselben in einem gescheiten u gemüthvollen Kerl mit Namen Horwitz, einen besondern Redaktor gegeben, weil ich selbst doch gar zu sehr durch mein Geschäft abgehalten werde, obschon ich sonst selbst sehr gern ein wenig volksschriftstellerte; | Dr. Horwitz hat nun die Absicht einen der ersten Aufsätze darin, von "deutschen Dichtern u Volksschriftstellern" handeln zu lassen u. darin sollen auch Sie eine Stelle finden u. wir bitten Sie uns dazu ein Paar Notizen über Ihren Lebensgang u Ihre Entwickelung zu geben. Sie können sicher sein, daß wir mit keinen Vehseschen "profund eminenten" oder dgleichen Dingen dabei um uns werfen werden, sondern werden alles im schlichten u verständigen Tone halten, wie er sich für unser Blatt ziemt u. man von demselben kennt. Wenn Sie ferner glauben, dß sich eine oder die andre Novelle aus der Galathee für die Volksztg eignet: so werde ich solche natürlich gern wieder als einen Vorläufer darin erscheinen lassen. -
Von unserm Leben u Treiben hat Ihnen meine Frau in dem einliegenden Briefchen gewiß genugsam vorgeplaudert, u auch von unsern Plänen Sie in Ihren Bergen u. unter Ihren Leuten aufzusuchen; | nur fürchte ich, daß meine Geschäfte mich am Ende gar nicht fortlassen, denn es passirt da immer hier u dort eine solche Teufelei, daß man immer wieder aus dem ruhigen Geleise geworfen wird u daher gar nicht abkommen möchte.
March habe ich vor einiger Zeit; Scherenberg am letzten Samstag in einer Gesellschaft gesehen, wo er ein Stück aus seinem nordpolarischen Epos vorgelesen, das im Style von Waterloo viel verspricht, wenigstens packten uns die großen Umrisse die er uns an jenem Abend gab, gar sehr, allein man weiß noch nicht, ob er sich nicht in einen Ballast von Einzelheiten verirrte, weil der Stoff gar groß u überall zu Episoden einladet, sein Waterloo ist offenbar ihm drum so gut gelungen, weil hier der Stoff selbst auch in sich abgeschlossen u. übersehbarer ist. - Also bitte lassen Sie recht bald von sich hören.
Mit bestem Gruß
Ihr ergebenster
Franz Duncker
<ZB: Ms. GK 78h; GB 3.2, S. 173>
Zürich d. 4t. Juli 1857.
Lieber Herr Dunker!
Ich danke Ihnen für Ihren freundl. Brief; ich glaubte Sie wollten mich auf eine neue Weise mit Stillschweigen bemaßregeln, was gar nicht so ungeschickt ausgedacht wäre. Ihr Buch sollen Sie gewiß im Okt. versenden. Wenn Sie auch nächster Tage kein Manuskript erhalten, so soll der Druck doch bis Anfang August vor sich gehen. Ich will hier gleich der Geldfrage erwähnen. Ich habe Ihnen nun viele Monate Conventionalstrafe zu zahlen; allein ich sage Ihnen zum Voraus, daß ich Ihnen freiwillig kein baares Geld mehr zustelle, sondern wir wollen jeder behalten, was er hat, damit die Affaire einen gemüthlichen Anstrich behält. Ich muß jetzt nothwendig mit diesen Sachen aufräumen; denn ich werde vermuthlich nun doch noch ein Professor werden, da meine Landsleute mir kein anderes Brödchen wollen zukommen lassen, sondern ich soll durchaus etwas lesen, wenn auch nur ein par Stunden wöchentlich. Es schadet mir am Ende nichts, und ich kann nachher bessere Sachen schreiben, wenn ich dabei nicht mehr an's Geld denken und immer die Bogen zählen muß. Doch behalten Sie die Professorsache noch für sich, denn ich muß noch diplomatisiren und den Preis hinauftreiben. |
Ich bring' es nicht über mich, wiederum Notizen von mir zu geben. Sehen Sie in der neuen Auflage oder Ergänzungsheften etc des Pierer'schen Lexikons nach, wohin ich solche Data seiner Zeit geben mußte. Sodann ist eine Art Bericht eines Anderen über meine Person im London Athenäum No 1535, März 28, 57, Seite 408 zu lesen, welche meines Wissens von F. Freiligrath ist, denn er hat mir wenigstens die betreffende Nummer zugeschickt. Ein englischer Rezensent hatte nämlich die Leute v. Seldw. angezeigt und gesagt er wisse nichts von meinen Antezedenzien, worauf dann Freiligrath jene löbliche Aufklärung einsandte. Ich weiß wohl, daß ich nun in eben dem Raume, den obige Auseinandersetzung einnimmt, die verlangte Notiz selbst hätte geben können; allein es graut mir, abermals den Tag meiner Geburt und dergleichen Dinge zu berufen, da ich bereits ein alter Mensch bin, der in der Neujahrsmitternacht am Fenster steht. Wenn ich noch einmal jung werde, was leichtlich passiren kann, so werde ich dann in alle solche verlangte Notizen schreiben: G. Keller, geb. 1858 od 59 etc zu Zürich, oder wo es dann ist.
Was die 40 Bogen unseres Buches betrifft, so bin ich selbst von der Erweiterung abgekommen, | da ich froh bin, wenn die 40 aufgeschrieben sind. Ob sich eines der Novellchen für Ihr Sonntagsblatt eignet, müssen Sie selbst herausfinden; ich glaube indessen nicht, da das Ganze das strikte Gegentheil von einem soliden reellen Volksbuche ist.
Eine kleine Novelle werde ich mit Ihrer Erlaubniß dem Frankfurter Museum geben, dessen Verleger und Redakteur mich wiederholt darum plagen. Ich sagte ich könne jetzt keine extra Sache schreiben (der Verleger besuchte mich nämlich selbst) wenn sie eine Probe aus Ihrem Buche abdrucken wollten, so könnten sie es thun, was sie nun gern annahmen. Ich werde überhaupt von allen möglichen Feuilletons u dergl. um novell. Beiträge angegangen und man bietet mir jedes Honorar an, so daß ich jetzt Geld verdienen könnte wie Heu, wenn ich die Fabrik recht im Gange hätte. Doch ist es mir ein Beweis, daß meine Sachen viel gelesen werden; auch glaube ich, daß es sich solider und nachhaltiger ausnimmt, wenn man nicht alle Tage mit Beiträgen in allen Zeitschriften figurirt und auf den Lesetischen herumflattert à la Hakländer.
Ich bin sehr begierig auf Scherenbergs Eisgedicht, das | wird jedenfalls, wenn alle Stränge reißen, sich gut für die Fleischer zum Einwickeln der Würste eignen bei die Hitze, oder der Verleger kann seinen Braten auf die Makulatur legen. Doch ungezogenen Scherz bei Seite, ich erwarte mir viel davon und freue mich recht darauf, falle es aus, wie es wolle.
Verzeihen Sie, daß ich Sie so lange aufhalte mit diesem ungeschäftlichen Geschwätz und seien Sie guter Dinge wegen der Galathee, welche in ihrer Weise ein selbständiges und wohlgeputztes Frauenzimmer sein wird.
Mit vielen Grüßen Ihr ergeb. G. Keller.
Sie müssen jedenfalls nach Zürich kommen, denn es ist jetzt ein ordentlicher Platz hier, jeden Sommer schießen da deutsche Verleger herum, wie die Bremsen, Vieweg hat wenigstens ½ Dutzend Autoren hier an der Schnur und kommt von Zeit zu Zeit, sie zu inspiziren. Die geringeren läßt er herrisch in den Gasthof kommen, die dickeren sucht er im Hause auf.
<ZB: Ms. GK 78 h; GB 3.2, S. 175>
Zürich d. 24/4 60.
Geehrter Herr Dunker.
Beifolgendes Manuskript liegt schon seit Neujahr in meinem Schranke in Ungewißheit, ob es noch soll gedruckt werden oder nicht. Das letztere wurde endlich beschlossen, und eh' ich das Ding weiter schicke, will ich es Ihnen höflicher Weise erst zum Verlage vorlegen.
Meine Bedingungen wären 300 Thaler Honorar bei 2000 Auflage u 25 Freiexemplare. Sodann sofortige Herausgabe, im Ablehnungsfall beschleunigte Rücksendung des Manusks. Auch bitte ich Sie, dasselbe nicht weiter herumzuzeigen. |
Ihre Novellen rücken ihrem seligen Ende zu und werden zum letzten Mal in die Mache genommen. Ende Juni denke ich mit allen alten Geschichten aufgeräumt zu haben. Es wird übrigens das erste Büchlein sein, das ich auch äußerlich fertig und abgerundet zu Stande gebracht habe. Bis jetzt wurde ich immer über ungeschickten Schluß und allerhand Langweiligkeiten getadelt.
Bestens grüßend
Ihr ergebenster
Gottfr. Keller.
<ZB: Ms. GK 79a Nr. 88; GB 3.2, S. 175>
Berlin den 3ten Mai 1860.
Lieber Herr Keller!
Ein Manuskript von Ihnen ist eine so seltene u. so erfreuende Erscheinung, daß es mir äußerst schwer fällt Ihnen den Apotheker von Chamouny wieder zurückzuschicken. Ich habe denselben mit dem größten Interesse gelesen u. mich an der Schönheit verschiedener Stellen z. B. gleich dem Anfang, dann aber namentl. Heines Begräbniß, dem tollen Spuck auf dem Kirchhof u an der Montblancfahrt des Dichters wahrhaft erbaut. Weniger günstig ist der Eindruck des Ganzen u. die Läuterungsidee des Dichters erscheint zu weit ausgesponnen, manches so namentl. der Abgesang schwer verständlich. Wie ich das Publikum zu kennen glaube wird das Gedicht daher aus | diesen Gründen u. weil die Himmelfahrt des Dichters seinem wirkl. Heimgang etwas spät nachfolgt, kein Glück machen, u. aus diesem Grunde lehne ich den Verlag ab u. möchte Ihnen, wenn ich mir in solchen Dingen einen Rath erlauben darf, u. ich spreche ihn überhaupt nur aus, weil nach Ihrem Briefe Sie selbst schon geschwankt haben, - von der Veröffentlichung des Gedichtes abreden. Sie haben mit Ihren Leuten von Seldwyla einen so schönen Erfolg gehabt, daß mir u. jedem Ihrer Freunde ein weniger günstiger Erfolg eines folgenden Werkes sehr schmerzhaft sein würde, zumal Sie mit Ihren Novellen, wenn Sie sich endlich entschließen, dieselben zum Druck abzusenden, gewiß einen großen | u. durchschlagenden Erfolg zu erwarten haben, der durch ein minder günstig aufgenommenes Zwischenstück einigermaßen gefährdet werden würde. Soweit haben Sie mit aller Offenheit meine Meinung u. werden mir dieselbe auch wenn Sie Ihnen nicht gefällt, gewiß nicht entgelten lassen, was ich aus der Kürze der Zeit entnehmen werde, in welcher Sie der diesmaligen Sendung die der Novellen nachfolgen lassen werden Dr. Frese u. meine Frau grüßen Sie aufs beste, den Passus in Ihrem letzten Brief an Frl. Assing wegen des Abschiedes von Zürich hat meine Frau nicht verstanden, sie hat sie am letzten Tage ihrer Anwesenheit in Zürich noch erwartet, hat Sie aber ihrerseits nicht aufsuchen lassen wollen, um nicht aufdringlich zu erscheinen u. Sie, der vor | allen Besuchen eine solche Bange zu haben scheinen, nicht noch mehr zu behelligen.
Mit bestem Gruß
Ihr
Franz Duncker
<ZB: Ms. GK 79a Nr. 89; Ermatinger 1912>
Berlin 25 April 1872
Verehrter Herr Keller!
Da ich im Augenblicke aus dem Munde vieler Freunde u. Bekannten den Ruhm Ihres neuen Büchleins: "die sieben Legenden" höre; so erinnert mich das leicht begreiflicher Weise an den Vertrag, welchen wir am 30. September 1855!! über den Verlag zweier Bände Novellen abgeschlossen haben. | Da Sie mit der Erfüllung desselben im Rückstande geblieben: so hätte ich wohl erwarten dürfen, daß Sie mir das neue Büchlein als einen Art Ersatz zuerst angeboten hätten. Sie brauchten dabei sicher nicht zu fürchten, daß ich die drakonischen Bestimmungen jenes alten Vertrages in Ansehung der verzögerten Lieferung des Manuskriptes jetzt in Anwendung gebracht haben würde. - | Welche Motive Sie nun auch immer bestimmt haben mögen, dies nicht zu thun: so will ich doch wenigstens, da Sie nun wieder unter die Schriftsteller gegangen, meine Pflicht nicht versäumen u. Sie hiedurch an Ihre alten Berliner Freunde u. Ihren damals in Aussicht genommenen Verleger feierlichst erinnern.
Vielleicht finden Sie unter Ihren Manuskripten etwas anderes - | ich höre z. B. daß ein neuer Band zu den Leuten von Seldwyla fertig sein soll - womit Sie seine lange Geduld belohnen könnten.
Hochachtungsvoll
Ihr
ergebner
Franz Duncker
<Ermatinger 1912>
Verehrter Herr Duncker!
Ihre Interpellation kommt mir gar nicht überraschend vor, und ich will mich beeilen, dieselbe so gut es geht zu beantworten. Die "Legenden" habe ich niemandem angeboten, sondern es hat der Herr Verleger, den ich gar nicht kannte, von sich aus etwas von mir verlangt. Da das Büchlein schon seit Jahren fertig dalag, so habe ich es ihm gegeben. Ihnen würde ich es ohnedies nicht als Ersatz der zwei Bände Novellen angeboten haben, da eben diese Novellen im Umfange, der im Vertrag bestimmt ist, Ihnen zukommen und zukommen werden und nicht irgend etwas anderes. Nachdem ich einmal durch mein Amt, zu dem in den letzten Jahren noch zeitraubende und aufregende Staatsänderungen mit unendlichen Protokollen etc. kamen, in die abenteuerliche Verzögerung hineingeriet, so wollte ich den Zeitverfluß den Novellen wenigstens auch in dem Sinne zugut kommen lassen, daß sie wirklich fertig und reif werden, soweit das an einem alten Holzapfelbaum möglich ist. Sterben werden wir darüber nicht, und wenn Sie mich inzwischen etwa mit dem "Schein" bedrohen wollten, so würde ich schnell noch eine Porzia heiraten, die mich rettete.
Ihr Buch werde ich jedenfalls so bald als immer tunlich abliefern, da ich jetzt ernstlich gesonnen bin, noch einige Jahre zu schriftstellern, und dazu tabula rasa haben will. Einer oder der andern Entschließung, zu der Sie sich bis dahin bewogen finden, mit Ehrfurcht entgegensehend, verbleibe ich Ihr mit Hochachtung ergebener
G. Keller
Zürich, 28. April 1872
<ZB: Ms. GK 79a Nr. 90; unveröffentlicht>
Berlin W. Potsdamerst.20.
31. Dezember 1874.
Lieber Herr Keller!
Von meiner Familie habe ich zu meiner Freude nach langer Zeit einmal wieder von Ihnen persönlich berichten hören. Vornämlich aber gern vernommen, daß Sie gesonnen seien nach Vollendung Ihrer Leute von Seldwyla, zu deren glücklichem Abschluß ich Sie beglückwünsche, auch meinen Verlag mit den längst in Aussicht gestellten Novellen zu erfreuen. Sie haben, wenn ich recht berichtet bin, | in dieser Beziehung den Wunsch ausgesprochen, mit mir einen neuen Vertrag abzuschließen. Ich erkläre mich natürlich hiedurch sehr gern auch noch ausdrücklich dazu bereit, obschon Sie ohnedies wohl vorausgesetzt haben, daß ich die in dem alten Vertrage festgestellten Bußen für verspätete Erfüllung desselben niemals ernsthaft gegen Sie geltend gemacht haben würde.
Ich bitte Sie also um Ihre freundlichen Vorschläge u. werde meinerseits bemüht sein, die Sache rasch zum Abschluß zu | bringen. Sollten Sie schon druckfertiges Manuskript besitzen: so könnte der Druck alsbald beginnen, da bei den jetzigen schlechten Zeiten im deutschen Reiche, meine Druckerei vollkommene Muße hat, sich dieser angenehmen Beschäftigung hinzugeben.
Sollten Sie außerdem jetzt oder später geneigt sein, eine einzelne oder mehrere Novellen vorab durch Zeitschriften zu veröffentlichen: so würden Sie mich dazu für die Volkszeitung, oder im Sonntagsblatt, zu welchem sich meine damaligen | "Sonntagsspalten" in denen einst Ihre Frau Regel Amrain abgedruckt war, - erweitert haben - stets bereit finden
Ihren
treu
ergebenen
Franz Duncker
<ZB: Ms. GK 79a Nr. 92>
Berlin W. Potsdamerst. 20.
7. September 1878.
Verehrter Freund!
Vor einiger Zeit schon theilte mir Director E. Goldschmidt mit, daß Sie sich meiner erinnert u. antheilsvoll sich nach meiner jetzigen Lage erkundigt, auch von freien Stücken, da ihm dies Verhältniß ganz unbekannt, sich des Vorschusses erinnert, den ich Ihnen vor einer Reihe von Jahren auf einen Band Novellen gezahlt u. sich bereit erklärt, mir denselben jetzt zurückzuerstatten, | falls ich berechtigt sei, denselben für mich zu erheben u. mir derselbe jetzt persönlich zu Statten kommen würde. Leider kann ich nur bestätigen u. hinzufügen, daß mich nach so vielem Harten, das ich erfahren, die Ausführung Ihres Vorsatzes, als ein wahrer Freundschaftsdienst erfreuen u. von mancher augenblicklich dringenden Sorge befreien würde. - Ich arbeite zur Zeit noch als Redakteur der Volkszeitung, aber für den jetzt beschränkten Etat derselben | sind zu viele Kräfte vorhanden, daher das, was auf meinen Theil fällt, der ich als solcher zuletzt eingetreten, zu gering. Ich suche nach u. nach auch die Mitarbeiterschaft für andere Blätter u. habe bereits einige Feuilletons u. Korrespondenzen für die Frankfurter Zeitung geliefert; aber theils war meine Zeit u. mein Kopf noch viel zu sehr mit der Abwickelung der alten Geschäfte u Sorgen befaßt, theils ist es sehr schwer, bei der Überfülle journalistischer Kräfte, lohnende Verbindungen anzuknüpfen; auch wenn Sie in dieser Beziehung | irgend etwas für mich durch einen guten Rath, durch eine Verbindung, die Sie vorschlagen, thun könnten, würde ich dies als ächten Freundschaftsdienst mit warmer Dankbarkeit aufnehmen. Jedenfalls werden selbst nur einige freundliche Worte aus Ihrer Feder wohlthun
Ihrem
vielgeprüften
Franz Duncker
<ZB: Ms. GK 79a Nr. 95; GB 3.2, S. 177>
Berlin W. Potsdamerst. 20.
d.28 September 1878.
Hochgeehrter Freund!
Von einem Land-Aufenthalt zurückgekehrt, in dem ich einige Erholung u. Muße für eine zu fördernde literarische Arbeit gesucht, finde ich hier Ihr freundliches Schreiben vom 17ten d. M. nebst Inhalt von M. 400.-
Ich sage Ihnen meinen wärmsten Dank für Ihre Sendung u. noch mehr für die zarte u. sinnige Art, in der Sie diese Angelegenheit geordnet wissen wollen, mit der ich mich natürlich nur völlig einverstanden erklären kann. In meiner trüben Lage, in der ich gerade in Bezug auf ehemalige Freunde u. auf solche, für die ich nach Kräften Opfer gebracht habe, | so viel Bitteres erfahren, war mir Ihr Vorgehen u. Ihr Schreiben eine wahre Erquickung u. eine Ermuthigung, in meinen schweren Kämpfen auch ferner auszuharren.
Ihr
treu ergebner
Franz Duncker
<ZB: Ms. GK 77 Nr. 4; GB 3.2, S. 178>
Enge-Zürich 14 Nov 78
Hochgeehrter Herr u Freund!
Langsam vorgehend sende ich Ihnen mit beiliegenden 400 Mark eine weitere Abschlagszahlung u gedenke den Rest, Ihnen versprochener Maßen um Neujahr 1879 abzuliefern, hoffe es aber noch vorher thun zu können.
In Eile Ihr grüßend ergebener
G. Keller
<ZB: Ms. GK 79a Nr. 97>
Berlin W. Potsdamerst.20.
den 29 Novemb. 78.
Verehrter Herr u Freund!
Im Drang vielfacher Geschäfte war ich noch nicht einmal dazu gekommen, den Empfang Ihrer Zeilen vom 14ten d. M. nebst Inhalt mit M. 400 zu bestätigen als ich gestern einen neuen Beweis Ihrer thatkräftigen Freundschaft empfing. Herr Dr. S. Vogt Redaktor der Neuen Züricher Zeitung hat mir in Folge Ihrer Vermittelung eine regelmäßige Korrespondenz angetragen. Ich werde morgen den ersten | Versuch mit einer solchen machen. An Neuigkeiten fehlt es hier ja jetzt nicht, wenn sie auch wenig erfreulicher Natur sind.
Daß der Rest meines Verlages mit der Firma von C. Geibel nach Leipzig verkauft ist, habe ich Ihnen ja wohl schon früher mitgetheilt. Geibel hat dies wesentlich im Interesse meines Sohnes gethan, der den Buchhandel bei ihm gelernt hatte, dann eine kräftige Stütze mir in meinem Geschäfte werden sollte, was durch den Zusammenbruch desselben vereitelt worden. | G. denkt den Verlag mit seinen bedeutenden Mitteln weiter zu führen u. hofft ihn später, wenn die Unternehmungen so einschlagen, daß er sich selbst erhalten kann meinem Sohne zu übergeben. Die ersten Neuigkeiten habe ich kürzlich erhalten, eine populäre Astronomie mit einem Vorwort von Bernstein u. dann die Fortsetzung der durch die Krankheit u den Tod von Pertz seit Jahren ins Stocken gerathenen deutschen Ausgabe der Monumenta Germaniae in Auswahl. So weiß ich wenigstens meinen Sohn in guten Händen u. in der Möglichkeit den einmal ergriffenen Beruf mit Freudigkeit u. Erfolg ausüben zu können, denn Geibel, der ja auch die Firma meines Vaters Duncker u Humblot vor Jahren angekauft u. zu neuem Glanze emporgehoben, gilt mit Recht als einer der thätigsten u glücklichsten deutschen Verleger. Mein Sohn theilte mir mit, dß früher Geibel bereits einmal an Sie geschrieben wegen einer neuen Auflage Ihres grünen Heinrich. Ohne daß ich ein Recht hätte oder mir anmaßen wollte, auf Ihre Entschlüsse einzuwirken, würde es mir doch eine besondere Freude machen, wenn doch noch einmal eines Ihrer Werke unter meiner Firma erscheinen sollte. Wie geht es denn Frese? Sehen Sie ihn bisweilen?
Ihr dankbar ergebener
Franz Duncker.
<ZB: Ms. GK 77 Nr. 4; GB 3.2, S. 178>
Zürich 6 März 1879
Verehrter Herr u Freund.
Leider bin ich unter der Ungunst der Zeit mit meiner auf Neujahr übernommenen Verpflichtung in Rückstand gerathen und sehe mich sogar auch jetzt genöthigt, den Rest meiner Zahlungen nochmals in zwei Theile zu spalten. Ich sende Ihnen daher für jetzt abermals 400 Mark und werde kurz nach Ostern im Stande sein, das Uebrige abzuliefern.
Ich habe erst durch Sie erfahren, daß Ihr Herr Sohn jetzt in Leipzig ist, sowie | daß derselbe einen Theil Ihres ehemaligen Verlages dahin gezogen hat. Dadurch wurde mir ein Brief verständlich, den ich vorigen Herbst von Hrn. Geibel in Leipzig erhielt, u welcher unter Bezugnahme auf unser Novellenabkommen von 1855 sich anerbot, die neue Ausgabe des "Grünen Heinrich" zu übernehmen. Ich hatte aber diesfalls schon mit meinem Stuttgarter Verleger Abrede getroffen. Ich muß aber, obgleich das Buch seit 4 Jahren vergriffen ist, dem früheren Verleger Vieweg noch eine unverschämte Summe zahlen für angebliche 100 incomplete Exemplare, die noch vorhanden seien u die er wiederherstellen könnte, wenn er wollte.
Ihre Correspondenzen in der Zürch. Zeitung interessiren mich sehr und sie | kommen dem Blatte neben dem quasi officiösen Berliner Correspondenten, den es bisher hatte, gut zustatten. Ich bewundere namentlich die gemäßigte taktvolle Form Ihrer Briefe.
Frese sehe ich seit Jahren nicht mehr. Er soll im letzten Jahr Schlaganfälle erlitten haben.
Also mit besten Grüßen bis zum letzten Stadium dieser unserer Angelegenheit
Ihr ergeb.
G. Keller
<ZB: Ms. GK 79a Nr. 98>
Berlin, W., den 25 März 1879
Verehrter Herr u Freund!
Ihre Sendung vom 6ten d. M. mit M. 400 ist richtig u. sehr zu gelegener u. erwünschter Zeit in meine Hände gelangt. Verzeihen Sie, daß ich erst heute meinen Dank dafür ausspreche, so wie für die Aussicht, welche Sie mir eröffnen, den Rest wol zu Ostern abliefern zu können. Ich war aber in diesen ersten Monaten des Jahres über alle Maßen beschäftigt u. dies ist auch der | Grund weshalb ich mit meinen Korrespondenzen für die N. Z. Z. in der letzten Zeit pausieren mußte, denen Sie eine so freundliche Anerkennung zollen. Es scheint nämlich als ob endlich mein Geschäft wieder eine etwas friedlichere Wendung nehmen sollte. Von einer der Gesellschaften, welche jetzt mit vielem Erfolge unsere Stadt mit Pferdebahnen ausstattet, bin ich aufgefordert worden, in den Aufsichtsrath zu treten, um später dort den Vorsitz zu übernehmen, u. vor allem die wegen der | immer noch viel zu verwickelten u. zu bureaukratischen Ressortverhältnisse schwierigen Verhandlungen mit den Behörden zu führen. Es ist eine Stellung, die mich interessirt, weil sie in die öffentlichen Dinge eingreift, zunächst freilich sehr viel Arbeit u. erst später Aussicht auf lohnenden Gewinn zeigt, namentlich wenn es mir gelingt, den widerstrebenden Behörden die Erlaubniß zur Anlegung einer Bahn durch die belebte Leipzigerstraße abzuringen. Die Verhandlungen, welche zu dem nunmehr kürzlich erfolgten Eintritt in den Aufsichtsrath der großen internationalen Pferdebahn meinerseits | führten, so wie die Arbeiten, welche ich für die Gesellschaft bereits vorher übernommen hatte, lassen mir neben meinen andern literarischen u. redaktionellen Arbeiten leider keine freie Zeit für Korrespondenzen nach dort. Wenn Sie Herrn Dr. Vogt sehen, bitte entschuldigen Sie mich u. sagen ihm, daß ich meine Briefe aber in der allernächsten Zeit wieder aufzunehmen gedenke.
Mit besten Grüßen
Ihr
dankbar ergebener
Franz Duncker
<ZB: Ms. GK 77 Nr. 4; GB 3.2, S. 179>
Zürich 16 April 1879
Verehrter Herr u Freund.
Endlich bin ich in der Lage, die Angelegenheit unsers gescheiterten Novellenprojektes abzuschließen.
Die 23 Jahreszinse à 5%, welche Ihnen zu dem Vorschuße von 250 Thalern zu erstatten sind, betragen zusammen 288 Thlr., mithin habe ich zu bezahlen:
538 Thlr. = 1614 Mark
bis jetzt bezahlt 1200 "
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bleiben 414 M.,
welche ich Ihnen im Anschlusse mit dem herzl. Danke für Ihre lange Nachsicht und freundschaftlich gütliche Auseinandersetzung übermache.
Ich darf Sie vielleicht noch bitten, | mir mit ein par Zeilen eine Entlastung von dem verunglückten Vertragsverhältnisse zukommen lassen zu wollen, um bei meinen keineswegs sorgenfreien Zuständen und für den Fall meines heute oder morgen möglichen Todes, meine Schwester vor Anforderungen gesichert zu wissen, welche nachträglich von dritter oder vierter Seite her auf Grund jenes Contraktes von 1855 erhoben werden könnten.
Es ist mir erfreulich gewesen, von Ihnen zu vernehmen, daß sich Ihre Lage besser gestaltet hat und Ihnen die Hoffnung auf eine lohnende und wirkungsreiche Thätigkeit wieder eröffnet ist. | Möge sich alles auf's Beste erfüllen und ich dereinst, wenn ich wieder einmal nach Berlin komme, vergnüglich auf den von Ihnen beherrschten Wagen einherfahren.
Inzwischen wäre es uns hier doch erwünscht, noch ein par Zeitungsberichte von Ihnen lesen zu dürfen; gestern kam in der Zürch. Zeitung eine Berliner Correspondenz, welche eine nicht gefährliche Abwickelung der Zollpolitik in Aussicht stellt, der wir aber nicht recht trauen.
Mit bestem Gruße
Ihr ergeb.
G. Keller.
<ZB: Ms. GK 79a Nr. 100; GB 3.2, S. 180 z. T.>
Berlin W. Potsdamerstr.20
den 28 April 1879
Verehrter Herr u Freund!
Erst heute komme ich dazu Ihre freundlichen Zeilen vom 16ten d. M. zu beantworten, den Empfang der damit übersandten M. 415 zu bestätigen u. Ihnen angebogen die gewünschte Bescheinigung zu übersenden. Gestatten Sie mir aber bei dieser Gelegenheit noch einmal meinen Dank für die noble u freundschaftliche Weise in der Sie diese Angelegenheit zum Abschluß gebracht haben auszusprechen, in schwerer Zeit haben Sie mir damit einen ächten Freundschaftsdienst erwiesen.
Heut tritt unser Reichstag wieder zusammen, auch ich glaube nicht an die so ungemein zuversichtliche Auffassung des Berliner Offiziösen in der Zürcher Zeitung u. werde hoffentlich bald Gelegenheit finden, Ihnen meine eigene Ansicht durch dieselbe Zeitung darzulegen, so eben hörte ich noch von maßgebender Seite, dß man sehr ernste u. erbitterte Kämpfe im Reichstag noch erwartet.
Wenn Sie etwas Neues erscheinen lassen: so haben Sie | vielleicht die Freundlichkeit mir direkt oder durch den Verleger Ein Exemplar zukommen zu lassen. Es würde mir eine Freude sein ein Werk von Ihnen im Sonntagsblatt, in der Volkszeitung oder in der Frankfurter besprechen zu können, u. die durch Sorgen u andere Arbeit stark bei mir eingetrocknete poetische Empfänglichkeit bedarf recht dringend einer solchen kräftigen Anregung, wie gerade Sie solche vorzugsweise zu geben vermögen.
Mit bestem Gruß
Ihr
dankbar ergebner
Franz Duncker
Hiedurch bescheinige ich dem Herrn Gottfried Keller in Zürich, daß in Folge gütlicher Vereinbarung der zwischen mir u. demselben im Jahre 1855 geschlossene Verlagsvertrag aufgehoben worden ist u. ich daher aus demselben weder Ansprüche an Zahlungen noch an zu lieferndes Manuskript gegen Herrn Keller besitze. Auch von anderer Seite können solche an Herrn Keller nicht erhoben werden, da ich die mir aus jenem Vertrage früher zugestandenen Rechte bei den stattgehabten Verkäufen meiner Verlagsartikel an die Herren C. Krabbe in Stuttgart u. Carl Geibel in Leipzig nicht mit abgetreten habe.
Berlin
den 28. April 1879
Franz Duncker
Editorial Keller Seite HKKA