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Mitten im pazifischen Ozean, weit vor der Küste des ecuadorianischen Festlandes, liegt eine Inselgruppe, die in Bezug auf die Evolutionslehre Geschichte schrieb: Der Kolumbusarchipel, auch die Galpagosinseln genannt. Dreizehn grössere Inseln gehören dazu, fünf von ihnen sind besiedelt, sowie über 100 kleine, gar winzige Inseln.
Entdeckt bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts, wurden sie im 17. Jahrhundert zum Versteck für Seeräuber und erlangten im 19. Jahrhundert rückblickend Berühmtheit durch die Studien von Charles Darwin. Im zwanzigsten Jahrhundert wurden die Inseln gar als Strafkolonien benutzt, bevor sie dann 1959 zum Nationalpark erklärt wurden und seit 1978 unter UNESCO-Weltkulturerbe stehen.
Einzigartige Tier- und Pflanzenwelt
Rund 40 % der Arten, welche auf der Inselgruppe leben, gelten als endemisch. Das bedeutet, dass sie sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen. Doch seit der Entdeckung durch den Menschen wurde das natürliche Ökosystem der Vulkaninselgruppe belastet.
“More than 230 islands, islets and rocks born of volcanoes make up the archipelago. Their isolation, during million years, has created ecosystems, unique, on Earth.”
Parque Nacional Galápagos Ecuador
Eingeführte Nutztiere wie Schweine oder Ziegen sowie die Jagd auf essbare Tiere veränderten die vorhandene Flora und Fauna stark. Insbesondere die durch den Menschen mitgebrachten Ratten werden mit verantwortlich gemacht für die starke Reduktion der Galapagos-Riesenschildkröte. Aber auch Seefahrer sind mitverantwortlich für die grosse Abnahme der Schildkröten, da sie die Tiere als lebende Konserven mit an Bord nahmen. Zu hunderten wurden die Tiere auf Schiffen abtransportiert.
Naturschutz am Beispiel der Galapagos-Riesenschildkröte
Die Galapagos-Riesenschildkröte wurde, aufgrund ihres häufigen Vorkommens, zur Namensgeberin der Inselgruppe. Inzwischen leben aber von den vormals 250‘000 Tieren nur noch 20‘000. Durch die Isolation der einzelnen Inseln entwickelten sich vierzehn verschiedene Unterarten, perfekt auf die Gegebenheiten der Inseln angepasst, von welchen aber nur noch zehn existieren. Augenfällig sind vor allem die unterschiedlichen Panzerformen, welche eine klare Zuordnung zur Insel erlauben.
“Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.”
Charles Darwin (1809-1882), Naturwissenschaftler
Obwohl der Naturpark bereits 1959 definiert wurde, kamen griffige Gesetze zur Umsetzung des Artenschutzes erst 1998 zum Tragen. Während die Population 1974 etwa bei 3000 Exemplaren lag, konnte die Zahl wieder massiv gesteigert werden. Brutzentren für Schildkröteneier gewähren Schutz vor Ratten, Ameisen, Ziegen, Katzen, Hunden, Schweinen und weiteren unnatürlichen Feinden der Schildkröten.
Während bei zehn Arten seither die Zahlen wieder wachsen, konnte eine Art nicht mehr gerettet werden: Die Chelonoidis abingdonii. Als letzter seiner Art erreichte Lonesome George internationale Berühmtheit. Nach seiner Auffindung 1972 (man glaubte die Art auf der Insel Pinta bereits ausgerottet) lebte Lonesome George in einer Schildkrötenstation und wurde zur Ikone des Natur- und Artenschutzes. Er wurde sogar gefangen genommen, um grössere Fischereikontingente von der Regierung zu erpressen. Um zumindest einen Teil der artenspezifischen Gene von Chelonoidis abingdonii zu erhalten, versuchte man den einsamen George mit einer anderen Unterart zu paaren – leider erfolglos. 2012 starb der über Hundertjährige an einem Herzversagen. Zumindest Hybride (Mischlinge) seiner Unterart fanden Forscher noch.
Eine leichte Erholung der Population findet bei der Hoodensis-Unterart statt, welche auf der Insel Española zu finden ist. Hierfür sorgte das Riesenschildkröten-Männchen Diego, welches die Mehrheit der heute lebenden 2000 Tiere zeugte.
Auch die Wiederbesiedlung von Inseln, auf denen die Riesenschildkröten ausgestorben sind, wird veranlasst, um die Ökosysteme wieder zu normalisieren.
Naturschutz unter Beschuss
Trotz Bemühungen in Sachen Naturschutz wurde dem Naturpark 2007 von der UNESCO angedroht, ihm den Titel des Weltnaturerbes zu entziehen, da immer noch zu starke Eingriffe in die Natur erfolgen (durch Tourismus, Fischerei, Siedlung). Strengere Restriktionen sollen nun dafür sorgen, dass das Naturparadies auch in Zukunft für einen sanften Tourismus und Einnahmen daraus sorgt.
Die Verbote, Kontingente und Lizenzierungen führen aber auch vielfach zu Unverständnis seitens der lokalen Bevölkerung. Obwohl die Inseln vom Tourismus profitieren, verdient nur gerade ein Drittel der Einheimischen an diesem Wirtschaftszweig mit. Die Mehrheit der Gelder wandert zu Investoren aufs Festland. Um eine grössere Akzeptanz zu erreichen, müssen mehr Einheimische am Tourismus mitverdienen können.
Trotzdem sind wir guten Mutes, dass die verbleibenden zehn Arten durch effizienten Schutz erhalten werden können und die Lokalbevölkerung die strengen Vorschriften der Einzigartigkeit des Paradieses Willen respektieren.