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Tokio/Singapur (awp/sda/dpa/dapd) - Nach den Erfolgen vom Wochenende bereitet das Atomkraftwerk Fukushima 1 neue Sorgen. Im Reaktor 3 stieg der Druck wieder derart, dass Techniker einen Druckablass in Erwägung zogen. Bei diesem Vorgang war es in den ersten Tagen der Krise zu Explosionen gekommen.
Am Wochenende war es gelungen, vier der sechs Reaktorblöcke ans Stromnetz anzuschliessen und die Temperaturen in den mit Wasserwerfern gekühlten Reaktorblöcken zu stabilisieren. "Selbst wenn bestimmte Dinge glatt gehen, wird es auch Rückschläge geben", sagte Kabinettssekretär Yukio Edano am Montag. "Im Augenblick sind wir nicht so optimistisch, dass es einen Durchbruch gibt."
Das Atomkraftwerk ist bei dem Erdbeben und dem anschliessenden Tsunami vor zehn Tage stark beschädigt worden. Bei mehreren Wasserstoffexplosionen wurden die Reaktorgebäude von Block 1, 3 und 4 erheblich beschädigt; in Block 2 wurde vermutlich der innere Reaktorbehälter havariert. Dabei traten erhebliche Mengen Radioaktivität aus.
Die austretende Radioaktivität belastet zunehmend die Landwirtschaft in der Umgebung des beschädigten Atomkraftwerks. Die japanischen Behörden riefen Bauern und Molkereien der Region dazu auf, freiwillig darauf zu verzichten, verstrahlte Lebensmittel und Milch in den Handel zu bringen.
Bei Spinat aus der Stadt Hitachi, mehr als 100 Kilometer südlich des Atomkraftwerks, wurde in einem Fall ein Jod-131-Wert von 54'000 Becquerel pro Kilogramm festgestellt. Bei Cäsium wurden 1931 Becquerel gemessen.
Der Grenzwert liegt in Japan bei 2'000 Becquerel pro Kilogramm Spinat für radioaktives Jod und bei 500 Becquerel für Cäsium. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt allerdings einen generellen Grenzwert von nur 100 Becquerel pro Kilogramm.
Bei der Naturkatastrophe sind am 11. März Tausende ums Leben gekommen. Die Nationale Polizeibehörde teilte mit, bis Montag seien 8'649 Leichen geborgen worden. 12'877 Menschen würden immer noch vermisst. Hunderttausende Japanerinnen und Japaner wurden obdachlos.
Zehntausende verbrachten am Montag eine weitere Nacht in bitterer Kälte. Vor allem ältere Menschen sind mittlerweile sichtlich erschöpft. "Wie lange wird das bloss noch andauern", sagte ein alter Mann dem japanischen TV-Sender NHK. Er hatte die Nacht mit seiner Frau im Auto verbracht. "Was ich mir wünsche, ist eine Behelfsbehausung. Und ein Bad."
Die Lage in den Notunterkünften, wo nach unterschiedlichen Angaben 360'000 bis 400'000 Menschen untergebracht sind, ist weiter angespannt. Zwar treffen allmählich Hilfsgüter ein und die Reparaturarbeiten unter anderem an den Gas- und Wasserleitungen sind im Gange, doch vielerorts mangelt es an Heizöl und Öfen.
Nach Einschätzung der Weltbank hat die Katastrophe in Japan Schäden in der Höhe von bis zu 235 Mrd USD angerichtet. Die Kosten für die Privatversicherer schätzt die Institution auf bis zu 33 Mrd USD.
Die Katastrophe werde das Wirtschaftswachstum Japans zunächst vermutlich um ein halbes Prozent mindern, schreibt die Weltbank in einem Bericht, den sie am Montag in Singapur veröffentlichte. In den darauf folgenden Quartalen werde die japanische Wirtschaft mit dem Wiederaufbau dann wieder wachsen.
Für den Wiederaufbau benötigt das Land nach Einschätzung der Weltbank rund fünf Jahre. Zur Bewältigung der immensen Kosten will die japanische Regierung einen Nachtragshaushalt auflegen. Es sei unumgänglich, bis Juni zwei zusätzliche Haushaltsgesetze mit Mitteln für den Wiederaufbau zu beschliessen, sagte Jun Azumi von der regierenden Demokratischen Partei Japans (DPJ).
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