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Die USA im Ausnahmezustand
Wenn es eine Grafik gibt, die am besten zusammenfasst, was in den letzten Jahren in den USA passiert ist, so ist es die folgende: Die Entwicklung der Beschäftigung in den USA während Rezessionen (Quelle: Calculated Risk).
Sie zeigt, wie kostspielig die US-Finanzkrise seit 2007 gewesen ist. Es hat sechs Jahre gedauert, bis der Verlust an Arbeitsplätzen korrigiert worden ist. Das heisst, erst ab 2013 übersteigt die Zahl der Stellen das Niveau, das vor der Krise herrschte.
Die normalen Rezessionen seit dem Zweiten Weltkrieg waren viel kürzer. Sie hatten die Form eines V, nicht eines U. Mit einer Ausnahme: Die Wirtschaftskrise nach dem Platzen der Internetblase war ebenfalls länger als eine normale Rezession. Aber sie war viel weniger langwierig als die Krise im Anschluss an die Wirtschaftskrise von 2007.
Der Vergleich mit der Finanzkrise von 2001 ist auch aus einem zweiten Grund interessant. Sieben Jahre nach Ausbruch der Krise begann sich der Aufschwung bereits wieder zu verlangsamen. Die braune Kurve sank, d.h. der Zuwachs der Stellen verlangsamte sich wieder. Der Konjunkturzyklus kam an sein Ende.
Diesmal ist selbst acht Jahre nach Ausbruch der Krise kein Ende des Konjunkturzyklus in Sicht. Verantwortlich dafür sind wohl die tiefen Zinsen. Das heisst: Nicht nur die Krise, auch die Erholung ist völlig untypisch.
Die grosse Frage ist nun, wie schnell die Zinsen steigen werden. Im letzten Aufschwung stiegen sie ab Sommer 2004 sehr schnell, was dann bald die Immobilienkrise auslöste.
Wird es diesmal wieder so schnell gehen? Ich zweifle daran. Noch immer ist das Verhältnis von Erwerbsbevölkerung zur gesamten Bevölkerung deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Es gibt keinen Lohndruck nach oben, d.h. die Inflation wird nicht schnell ansteigen.
Mit anderen Worten: Selbst wenn das Fed vor Weihnachten die Zinsen erhöht, die USA befinden sich immer noch im Ausnahmezustand.