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KIESERS KERNTHESEN
Fehlinterpretation und Irrtümer – Teil 2
Nr. 7: "Ohne sportliche Erfahrungen sollte man kein Krafttraining beginnen."
Der Sachverhalt ist genau umgekehrt: Krafttraining bereitet die Muskulatur auf die Belastungen im Sport vor. Ohne die notwendige muskuläre "Infrastruktur" inklusive Sehnen und Knochen ist ein gesundes Sporttreiben nicht gewährleistet. Krafttraining ist Aufbau - Sport ist Verbrauch.
Nr. 8: "Frauen müssen anders trainieren als Männer."
Sowohl die Muskulatur der Frauen als auch die der Männer entsprechen einander qualitativ und unterliegen denselben physiologischen Gesetzmässigkeiten. Es ist deshalb nicht notwendig, in der Trainingsmethodik zu differenzieren. Einzig bei der Übungszusammenstellung ist es sinnvoll, die anatomischen Voraussetzungen der Frau und des Mannes zu berücksichtigen.
Nr. 9: "Krafttraining ist nichts für Kinder und ältere Menschen."
Kinder dürfen und sollen Krafttraining betreiben, da gerade in der Wachstumsphase die Entwicklung der Muskulatur wichtig ist. Ein Problem stellt jedoch die Körpergrösse dar. Die meisten Maschinen erfordern eine minimale Körperlänge von 1,50 Meter. Ältere Menschen profitieren überdurchschnittlich vom Krafttraining, da die im Alter überhand nehmenden Abbauprozesse gebremst und die Aufbauprozesse gefördert werden. Offensichtlich wird dies beispielsweise an der Restrukturierung der Knochensubstanz durch Krafttraining.
Nr. 10: "Dehnen bewahrt vor Verletzungen."
Dehnen schützt weder vor Verletzung noch vor Muskelkater. Ein korrektes Training an den Maschinen führt automatisch zu jenem Grad an Beweglichkeit, den die Natur im individuellen Fall vorgegeben hat.
Nr. 11: "Man kann gezielt nur an gewissen Körperstellen abnehmen."
Fettabbau vollzieht sich nur durch eine negative Kalorienbilanz. Wo und wann die Fettdepots am Körper abgebaut werden, ist individuell festgelegt und kann nicht exakt durch Übungen gesteuert werden. Ein Training der Bauchmuskulatur bewirkt demzufolge genauso viel oder wenig Abnehmen am Bauch wie ein Training des grossen Gesässmuskels. Lediglich eine Gewebestraffung kann an spezifischen Körperstellen erfolgen.
Nr. 12: "Vor dem Krafttraining muss man sich aufwärmen."
Die Übungen des gesundheitsorientierten Trainings werden stets innerhalb eines kontrollierten Bewegungsumfanges und mit einem langsamen Bewegungstempo ausgeführt. Schnelle Bewegungen, die kurzfristig zu hohen Belastungsspitzen und eventuell Verletzungen führen, treten nicht auf. Wenn Sie mit der ersten Wiederholung einer Übung anfangen, erscheint Ihnen der Widerstand etwa mittelschwer; Ihre Muskeln haben kein Problem, diesen Widerstand zu überwinden. Nach 30 bis 60 Sekunden wird die Übung richtig anstrengend und Ihr Muskel muss seine Höchstleistung erbringen. Diejenige Muskulatur, die Sie für die Übung benutzen, ist durch die vorangegangenen Wiederholungen vor allem koordinativ gut auf diese Anstrengung vorbereitet. Insofern ist das "Aufwärmen", wenn man es so bezeichnen mag, ein Teil jeder Übung, und zwar als eine Art "spezifisches Aufwärmprogramm".