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Wie sehen Vertreter der Kantonalverbände den SFV? Wo drückt der Schuh? Mit diesen und weiteren Fragen sahen sich die Delegierten in Bern konfrontiert.
Die Umfrage wurde im Rahmen der Vorarbeiten für die SFV-Strukturreform durchgeführt. Insgesamt 82 Delegierte machten mit. Hier einige Ergebnisse: 55 Teilnehmende sind der Auffassung, der SFV sei kaum bekannt bzw. werde zu wenig ernst genommen (54). 27 erachten sein Erscheinungsbild als antiquiert, 5 attestierten ihm ein "hervorragendes Image". 75 möchten, dass der SFV professionell bzw. öffentlichkeitswirksam (70) und kämpferisch (62) auftritt, 27 wollen ihn kompromissbereit, bloss 5 kompromisslos.
Bei der Frage nach den wichtigsten Problemen schwangen das Restwasser bzw. Schwall/Sunk obenaus (25 Nennungen), gefolgt von den fischfressenden Vögeln (23), der Chemikalienbelastung (19), der Aus- und Weiterbildung (18) und der Nierenkranheit PKD (13).
Einigkeit herrscht darin, dass es den SFV braucht (71 Nennungen), nur in einem Fall wurde gesagt, der SFV nütze den Fischern nichts. Hingegen ist nicht immer klar, was er macht (38), 32 fanden jedoch, er mache seine Sache gut.
In der Westschweiz ist seit einiger Zeit eine Kommission zum Schutz der Äschenpopulation der Genfersee-Region, der lemanisch-stämmigen Äsche, an der Arbeit.
Unter der Ägide des Schweizerischen Fischerei-Verbands (SFV) haben sich die Vertreter der eidgenössischen und kantonaler Fischereibehörden, der Fischereiorganisationen der Kantone Genf, Waadt, Wallis sowie des zu Frankreich gehörenden Teils der Chablais-Region im Bestreben zusammengeschlossen, genauen Aufschluss über den Zustand der Äschenpopulation des Rhonebeckens zu erhalten. Diese ist spezifisch, d.h. sie kommt nur in den Zuflüssen der Rhone vor.
In einer ersten Phase einigte man sich darauf, mit einer von den betroffenen Kantonen und der französischen Nachbarregion gemeinsam getragenen, koordinierten Aktion den Erhalt und die Entwicklung dieser Äschenart zu fördern, deren Bestand im Abnehmen begriffen ist. Zu diesem Zweck wurde ein Besatzplan ausgearbeitet, in Ergänzung von bereits beschlossenen Massnahmen zur Revitalisierung von Fliessgewässern. Historische Nachforschungen sollen ausserdem detaillierten Aufschluss geben über die Verbreitung dieser Äsche im Rhonebecken. Schliesslich werden Lebensräume ausgeschieden, die sich für den Aufbau von spezifischen Muttertierbeständen besonders gut eignen. Der SFV ist in dieser Kommission durch den Vizepräsidenten für die französische Schweiz, T. Potterat, vertreten.
Mit einem Eklat begann die 12. Generalversammlung der Europäischen Angler-Allianz (EAA) - und mündete in einen viel versprechenden Neubeginn. Der SFV-Delegierte Martin Peter berichtet aus Slowenien.
Die GV vom vergangenen 20. bis 23. April verlief alles andere als harmonisch. Der im letzten Jahr gewählte Übergangspräsident Bernard Breton (Frankreich) hatte eine Dynamik entwickelt, die weder transparent noch statutenkonform war. Dies stiess vielen nationalen Mitgliedverbänden sauer auf. So kam es gleich zu Beginn der Behandlung der statutarischen Geschäfte zum Eklat: Nachdem zunächst die Traktandenliste nicht genehmigt wurde, traten zwei der fünf Mitglieder der Geschäftsleitung mit sofortiger Wirkung zurück, in der Hoffnung, dass die übrigen drei dasselbe tun würden. Da dies aber nicht geschah, wurde ein Misstrauensantrag gegen diese dreiköpfige "Rumpf-Geschäftsleitung" gestellt, der dann auch mehrheitlich angenommen wurde.
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Somit stand man plötzlich ohne Traktandenliste und Geschäftsleitung da. Als Tagespräsident wurde alsdann der Schreibende gewählt, dem die Aufgabe zufiel, diese Generalversammlung ordnungsgemäss fortzusetzen und doch noch einem guten Ende zuzuführen. Er wurde dabei tatkräftig von der britischen Delegation unterstützt, sodass sowohl die kurzfristig neu erstellte Traktandenliste als auch die statutarischen Geschäfte doch noch problemlos über die Bühne gehen konnten. Dabei wurde u. a. eine interimistische Geschäftsleitung, bestehend aus Peter Mohnert (Verband Deutscher Sportfischer VDSF) sowie aus Vertretern Dänemarks, Sloweniens und Hollands, gewählt. Mohnert wurde zugleich als interimistischer EAA-Präsident bestimmt. Diese Übergangs-Geschäftsleitung erhielt von der GV den Auftrag, bis im kommenden Herbst neue Statuten, neue Strukturen und einen ordentlichen Rechnungsabschluss pro 2005 sowie ein Budget für das Jahr 2006 vorzulegen. Es wurde zudem vereinbart, anfangs Oktober 2006 eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen, die dann eine neue Verbandsleitung zu wählen sowie über die erwähnten Anträge der interimistischen Geschäftsleitung zu befinden haben wird.
Die EAA ist unentbehrlich
Wenn es auch eine turbulente Versammlung war, so darf man heute hoffen, dass die EAA nach dieser Lektion einen nachhaltigen Neustart macht. Das ist überaus wichtig, denn die Probleme sind auch auf europäischer Ebene nicht kleiner geworden. Neben der EU-Wasserrahmenrichtlinie und den Kraftwerkproblemen ist vor allem auch der Kormoran ein grosses Thema. Hier wird von allen Seiten Druck gemacht, mit einigem Erfolg: Selbst die holländische Regierung ist nunmehr bereit, sich dieses Themas anzunehmen und Massnahmen gegen ein Überhandnehmen dieses Prädators zu ergreifen. Es ist unerlässlich, dass dieser Druck auch seitens der EAA aufrechterhalten wird.
Im Übrigen waren die Rahmenbedingungen für diese 12. Generalversammlung der europäischen Angler-Dachorganisation ideal. Sie fand auf Einladung des slowenischen Landesverbands am wunderschönen See von Bohinj statt. Dieser liegt am Rande des Triglac-Nationalparks. Aus ihm fliesst der bekannte Fluss Sava Bohinska mit den starken Äschen- und Forellenbeständen ab.
Jeweils am 5. Juni wird der "Internationale Tag der Umwelt" mehr oder weniger feierlich begangen. So auch in der Schweiz.
Zu Wort meldete sich heuer der neue Direktor des Bundesamts für Umwelt (BAFU), Bruno Oberle. Und er sagte schöne, gescheite, grosse Worte. So etwa, als er von der Artenvielfalt als unserem "Erbe" sprach und wörtlich festhielt: "Die Biodiversität ist ein Kapital, das über Millionen von Jahren der Evolution entstanden ist und das wir immer noch kaum kennen. Mit den Arten, die verschwinden, verschwinden auch die Auswirkungen dieser Arten auf ihren Lebensraum; die Vielfalt der Umwelt nimmt ab, sie verarmt (…). Zusammengefasst: Die Biodiversität ist ein Reichtum, den wir hüten und entwickeln müssen." Wer von uns Fischerinnen und Fischer könnte das nicht unterschreiben? Ähnliche Gedanken waren auch anderswo zu lesen. Zum Beispiel im Magazin ORNIS, der Zeitschrift des Schweizer Vogelschutzes SVS. In der letzten Aprilausgabe wurde eine SVS-Kampagne lanciert, unter dem Motto "Biodiversität - Vielfalt ist Reichtum". Auch dazu können wir Jünger Petri stehen.
Wo bleiben die Fische?
Das Ganze hat bloss einen Haken: Weder Herr Oberle noch der SVS dachten beim Intonieren ihrer Hohelieder auf die Artenvielfalt an die Fische - oder sagten jedenfalls nichts Derartiges. Vielmehr war die Rede von Buchen, Eichen, Rehen und Spitzmäusen bzw. vor allem von Vögeln. Immerhin erfuhr die ORNIS-Leserschaft, dass in der Schweiz 70 Prozent der Amphibienarten auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Nichts zu lesen bzw. zu hören war hingegen von der Tatsache, dass von den ursprünglich 54 einheimischen Fischarten deren 34 gefährdet oder vom Aussterben bedroht und weitere acht bereits ausgestorben sind. Dass an der latenten Bedrohung einiger Fischarten, vorab der Äsche und der Bachforelle, auch gewisse Vogelarten beteiligt sind, die zufolge einer mittlerweile weitgehend überflüssig gewordenen Schutzpolitik zum quantitativen und qualitativen Problem geworden sind, wird vom SVS seit jeher systematisch unterschlagen. Für ihn und seine Adepten ist eben nur wahr, was aus Gründen der Interessenpolitik wahr sein darf. Und beim obersten Umweltschützer der Nation haben Buchen, Eichen, Rehe und Spitzmäuse bzw. die 80 Tagfalterarten im Mattertal und die 372 Pflanzenarten in Grindelwald offenbar einen höheren Stellenwert als Flossenträger, die für Durchschnittsaugen in der Regel der Sichtbarkeit entzogen sind.
Ja, die Fische kranken an ihrer Nicht-Sichtbarkeit, an ihrer schmeichel- und streichelwidrigen Schleimigkeit, an ihrer nassen Kälte. Selbst Jungfischchen haftet nichts vom hilfslos-tollpatschigen Charme der meisten Tierkinder an: Sie bleiben unter der Wasseroberfläche unnahbar, interessieren höchstens im Aquarium als Studienobjekte hinter Glas. Diese den Vogel-, Tier- und Pflanzenfreunden ach so fremden Wirbeltiere deswegen mit Ver- oder zumindest mit Missachtung zu bestrafen, ist dennoch nicht angängig.
Vielfaltschutz für sämtliche Arten!
Wir meinen: Wer sich zur Artenvielfalt und deren Schutz bekennt, muss den Schutz bedrohter Fischarten ebenfalls wollen, muss Fakten zur Kenntnis nehmen und akzeptieren, dass unter Umständen gewisse (Vogel-)Arten zu Gunsten anderer (Fisch-)Arten zurückgebunden werden müssen.
Wir Fischerinnen und Fischer sind diesem Grundsatz verpflichtet. Wir tolerieren fliegende bzw. fischende "Konkurrenten" überall dort, wo keine Fischarten gefährdet sind. Wo aber das Gleichgewicht zu Ungunsten dieser Fische zu kippen droht, fordern wir Gegenmassnahmen - im Namen und im Interesse der Erhaltung der Artenvielfalt. Auch im Fanel am Neuenburgersee!

Zu den folgenden Schwerpunktsthemen hat der SFV ausführliche Online-Dossiers eingerichtet: