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So klingt normalerweise eine Abschiedsrede: "Ich bin sehr dankbar für den Respekt, den ihr mir entgegengebracht habt", sagte Tom Brady zu später Stunde vor der versammelten Medienschar in Tampa. "Ich hoffe, ich habe euch das gleiche zurückgegeben." Der 45-jährige Kalifornier ist mit sieben Super-Bowl-Triumphen - die nächstbesten haben deren vier - bereits am Ende der letzten Saison vom Spitzensport zurückgetreten, kam nach nur 40 Tagen aber darauf zurück.
Vielleicht war es aber das berühmte eine Jahr zu viel. Auch wenn Brady in dieser Saison einer der besseren Quarterbacks in der Liga war, verlief diese für Tampa Bay und seinen Star enttäuschend. Acht Siege in der Regular Season standen neun Niederlagen gegenüber, die Buccaneers erreichten die Playoffs nur, weil sie in ihrer schwachen Division das am wenigsten schlechte Team waren. Im Playoff-Spiel gegen die starken Dallas Cowboys machte Brady aber - zum ersten Mal - den Eindruck eines Mannes, der nicht mehr mit letzter Konsequenz am Werk war.
Brady warf seine Bälle sehr schnell weg, offensichtlich nicht gewillt, einen harten Schlag eines Verteidigers ein- und wegzustecken. So blieb sein auch von Verletzungen geplagtes und bereits die ganze Saison enttäuschendes Team chancenlos. Ob es tatsächlich der letzte Auftritt Bradys als Spitzensportler war, bleibt vorerst offen. Sein Vertrag bei den Buccaneers läuft nach drei Jahren aus. Eine Verlängerung scheint unwahrscheinlich, der Wechsel zu einem neuen Team möglich, der Rücktritt die wahrscheinlichste Option.
"Im Moment fühlt es sich einfach wie das Ende einer Saison an", liess sich Brady nicht in die Karten blicken. Er werde nun versuchen, genügend Schlaf zu bekommen. "Und dann werde ich, und das meine ich ganz ehrlich, von Tag zu Tag schauen."
Wahnsinnig viele Optionen für einen Wechsel gibt es für Brady nicht. Es müsste ein Team sein, das derzeit keinen valablen Quarterback, aber ansonsten ein starkes Team beisammen hat. Auch müsste es bei der maximal erlaubten Lohnsumme (Salary Cap) noch genügend Spielraum haben. Schliesslich dürfte auch die Steuerlast eine Rolle spielen. All das sprach vor drei Jahren, als Brady nach 20 Saisons und sechs Meistertiteln in New England keine Zukunft mehr sah, für den Wechsel nach Florida.
Es spricht also einiges dafür, dass am Montagabend der Vorhang über eine der grössten Karrieren der Sportgeschichte fiel. Dass Brady erstmals seit seinem ersten Playoff-Einsatz 2002 in der ersten Halbzeit ohne Punkt blieb, wird dann nur noch eine Fussnote dieser Geschichte sein. Selbst ein Ausnahme-Athlet wie Brady entwischt "Väterchen Zeit" aber nicht gänzlich.
(sda)