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a PD Dr., Präsidentin der Schweizerischen Hypertonie-Gesellschaft; b Dr. med., Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie
In zwei kürzlich publizierten retrospektiven Studien wurden die Daten des Danish Cancer Registry und des Danish Prescription Registry analysiert, um den Zusammenhang zwischen der Verwendung von Hydrochlorothiazid (HCTZ) und dem Risiko von Basaliomen, Spinaliomen und nodulären Melanomen zu untersuchen. Diese beiden Studien zeigten, dass hohe kumulative Dosen von HCTZ (> 50 g) mit einer dosisabhängigen Erhöhung des Risikos von Nicht-Melanom-Hautkrebs, nicht aber von Melanom, assoziiert waren. Die Erhöhung des Risikos für das Spinaliom war nur gering und dasjenige für das Basaliom vernachlässigbar.
Bei der Risikoabwägung pro vs. contra HCTZ muss berücksichtigt werden, dass die Senkung des Risikos von tödlichen und nicht tödlichen Ereignissen, die durch die Reduktion des Blutdruckes mittels HCTZ erreicht wird, viel höher ist als das gering erhöhte Risiko für ein Spinaliom. Die beiden Studien wiesen zudem einige Einschränkungen auf, die die Interpretation erschweren. Erstens weisen statistische Assoziationen aus Beobachtungsstudien nicht zwingend einen kausalen Zusammenhang auf. Hypertonie ist sehr häufig mit anderen Risikofaktoren (z.B. Rauchen oder Sonnenexposition) assoziiert, die das Krebsrisiko ebenfalls erhöhen. Dennoch ist ein Kausalzusammenhang denkbar, da HCTZ zu einer Photosensibilisierung der Haut führen kann. Zweitens ist eine kumulative Dosis von 50 g HCTZ hoch. Dies entspricht einer täglichen Einnahme von 12,5 mg HCTZ über mehr als 10 Jahre. Daher gelten die Ergebnisse der Studie nur für Patienten, die HCTZ über einen langen Zeitraum einnehmen. Drittens: blutdrucksenkende Medikamente wie HCTZ verlängern das Leben und daher die Zeit, in der ein Krebs entstehen kann. Gemäss unseren Kenntnissen wurde dieser Faktor in den oben genannten Studien statistisch nicht berücksichtigt. Viertens: Die dänische Bevölkerung ist eher hellhäutig. Menschen mit heller Haut haben ein höheres Hautkrebsrisiko. In den Studien fehlen zudem Informationen zur genetischen Veranlagung (z. B. Mutationen) und zur Exposition gegenüber UV-Strahlung, die Hauptrisikofaktoren für alle Hautkrebserkrankungen sind. Daher sollten die Ergebnisse aus dieser dänischen Bevölkerung nur mit Vorsicht auf andere Populationen verallgemeinert werden.
Nichtsdestotrotz sollten diese neuen Daten in der täglichen klinischen Praxis berücksichtigt werden. Da das Risiko vor allen bei einer Langzeitverschreibung von HCTZ besteht, empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Hypertonie die Verwendung von Alternativen zu HCTZ bei jungen Patienten. Auch bei Patienten, die bereits einmal ein Spinaliom hatten, sollte HCTZ als Vorsichtsmassnahme vermieden werden. Die Schweizerische Gesellschaft für Hypertonie rät von der Anwendung von HCTZ bei Patienten mit familiärer oder genetischer Veranlagung für Hautkrebs, sowie bei Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen, ab. Für die meisten Patienten mit Hypertonie gibt es jedoch keinen Grund, HTCZ zu stoppen, da das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, ziemlich gering ist – und im Vergleich zu den Risiken einer unbehandelten Hypertonie zu vernachlässigen ist.
Die Schweizerische Gesellschaft für Hypertonie und die Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie empfehlen, Nutzen und Risiko von HCTZ individuell zu evaluieren. Die Wahl des blutdrucksenkenden Arzneimittels sollte immer noch nach den aktuellen Richtlinien (www.swisshypertension.ch) erfolgen. Bei Patienten, die ein HCTZ-Rezept erhalten haben, sollte die Haut jährlich vom Hausarzt überprüft werden. Die Verwendung eines UV-Schutzes, wie er allgemein von Dermatologen empfohlen wird, um alle Hautkrebserkrankungen zu verhindern, und eine regelmässige Überprüfung Ihrer Haut, wird immer empfohlen, auch bei Personen/Patienten die nicht mit HCTZ behandelt sind!
Korrespondenzadresse
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Info[at]swisshypertension.ch
Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie
Dalmazirain 11
CH-3005 Bern
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