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Viele Ingenieure und Architekten (Damen und Herren), welche eine berufliche Veränderung anvisieren, möchten diese mit einer Führungsaufgabe verbinden. Meiner ersten Frage, ob sie gerne verkaufen, entgegnen diese Bewerber oft mit einem bestimmten und klaren «Nein». Die nächste Frage, ob sie harte Vertragsverhandlungen mit Lieferanten und Kunden und vor allem über Nachträge führen wollen, lässt die Kandidaten mit offenem Mund im Raum stehen, als ob sie diese Frage gar nicht betreffen würde. Die darauffolgende Frage, ob sie sich vorstellen könnten, zu einem fixen Lohn, welcher unter ihrem bisherigen Lohn liegt, zu arbeiten, notabene mit der Möglichkeit, mit einem Bonus über dem bisherigen Gehalt zu landen, empfinden viele Kandidaten als unlogisch. Sie sind der Meinung, sie hätten ja nachher mehr Verantwortung, und diese müsse selbstredend auch mit einem höheren garantierten Gehalt entlöhnt werden.
An dieser Stelle zeigt sich dann sehr schnell, welche Kandidaten sich als Führungspersönlichkeiten eignen und welche nicht. Natürlich gehören noch weitere Skills zu einer Führungsperson, aber ich will mich nur auf die oben beschriebenen konzentrieren und den Zusammenhang wie folgt erklären:
Eine Führungsperson muss vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Verkauf beherrschen, um für sich und ihre Mannschaft rentable Aufträge generieren zu können. Denn von einem guten Chef erwartet der Mitarbeitende interessante Arbeit und einen sicheren Job. Chefs, welche immer an den schlechten Marktpreisen, der harten Konkurrenz und an den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen herumnörgeln, sollten ihren Job jemand anderem überlassen.
Es gibt voraussichtlich fast keine Branche mehr, wo man nach der Vertragsunterzeichnung im laufenden Auftrag nicht über die eine oder andere Änderung diskutieren und nachverhandeln muss. Diese Arbeit muss man als Führungsperson lieben. Man muss es lieben, Verträge zu verhandeln, man muss es lieben, diese Verträge mit den Mitarbeitenden zu besprechen, um diese erfolgreich umsetzen zu können, und man muss es lieben, Abweichungen in den Verträgen zu erkennen und mit den Kunden und Lieferanten nachzuverhandeln, und dies natürlich immer im Sinne der nachhaltigen Unternehmensführung.
Jemand, der Führungsverantwortung übernehmen will, muss immer auch unternehmerische Verantwortung übernehmen wollen. Eigentlich sollte jede Führungspersönlichkeit, bildlich gesehen, erst am Ende des Jahres vom erwirtschafteten Überschuss im Verhältnis zum Mehrwert, den sie zum Ergebnis beigetragen hat, ihren Lohn beziehen. Dass die Höhe dieses Lohnes nicht garantiert sein muss und auch starken Schwankungen nach oben und unten ausgesetzt sein müsste, sollte in der heutigen Zeit kein Tabu mehr sein. Ein erfolgreicher Chef muss sich zutrauen können, ohne Bedenken finanzielle Verantwortung zu übernehmen.
Liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie die drei obigen Fragen mit einem klaren Ja beantworten können, dürfen Sie gerne weiterhin Chef oder Chefin werden wollen. Wenn Sie die Fragen nicht ohne Vorbehalt mit Ja beantworten können, empfehle ich Ihnen, an sich zu arbeiten, Ihre zukünftigen Mitarbeitenden werden es Ihnen danken.
Daniel Löhr
Partner