Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03224.jsonl.gz/2391

Dieser Preis dürfte weit unter dem Marktwert liegen. Gemäss dem in der Sendung am Freitagabend gezeigten Dokument verkaufte Blatter die Übertragungsrechte für die WM in Südafrika für 250'000 Dollar an Warner, die Übertragungsrechte für Brasilien gingen für 350'000 Dollar an Warner, der zu diesem Zeitpunkt auch FIFA-Vizepräsident und Präsident des Verbandes von Nord- und Mittelamerika (CONCAF) war.
Fragwürdiger Deal
Gemäss den auch auf der Internetseite von SRF veröffentlichten Dokumenten wurde der Vertrag am 12. September 2005 einzig von Blatter für die FIFA und von Warner für den karibischen Fussballverband unterzeichnet.
Der Preis für die TV-Rechte sei viel zu tief, sagte der australische Unternehmer Jaimie Fuller gegenüber "10vor10" im Interview: "Das ist nur etwa fünf Prozent des Marktwerts." Fuller, der an der Spitze des Sportbekleidungsunternehmens Skins steht, hatte vor einem Jahr die FIFA-kritische Gruppe "New Fifa Now" gegründet. Laut Fuller ist es das erste Mal, das Blatters Name direkt auf einem belastenden Dokument auftaucht.
Warner verdiente Millionen
Der ehemalige Fussball-Funktionär Jack Warner gehörte bis 2011 zum höchsten Fifa-Zirkel. Er nutzte den Vertrag für ein gutes Geschäft. Nachdem die Fifa dem karibischen Fussball-Verband die Rechte für gesamthaft 600‘000 US-Dollar verkauft hatte, übertrug Verbands-Präsident Jack Warner die Rechte an seine eigene Firma. Diese verkaufte die Medien-Rechte 2007 an den TV-Sender SportsMax.
Unter anderem thematisierte dies auch ein Untersuchungs-Bericht des Fussballverbands Nord- und Mittelamerikas sowie der Karibik, Concacaf. Darin wird erwähnt, Jack Warner habe die TV Rechte 2007 für mehrere Millionen verkauft. Schätzungen von Medien gehen von 15 bis 20 Millionen Dollar aus.
Die FIFA schweigt
Nach Ansicht von Rechtsprofessorin Monika Roth könnte Blatters Verhalten strafrechtlich relevant sein: Sie denke an den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung, sagte sie in der Sendung. Es stelle sich die Frage, ob die TV-Rechte zu einem Freundschaftspreis oder zu einem kaufmännisch korrekten Preis verkauft worden seien.
Ungetreue Geschäftsbesorgung sei ein Offizialdelikt, führte Roth weiter aus. "Das heisst, die Strafverfolgung muss von Amtes wegen ohnehin eingreifen." Die Bundesanwaltschaft müsse ermitteln, sagte die Rechtsprofessorin.
Nach Angaben von "10vor10" nahm die Bundesanwaltschaft keine Stellung. Auch die FIFA wollte keine Stellung zu den Vorwürfen gegen Blatter oder Warner nehmen. Warner ist in den USA angeklagt wegen mutmasslicher Korruption und Geldwäscherei. Er befindet sich in seiner Heimat Trinidad und Tobago. Die USA haben um seine Auslieferung ersucht. Warner wurde darauf verhaftet, gegen Zahlung einer Kaution aber wieder auf freien Fuss gesetzt.