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Geldpolitische Strategie
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Mandat
Verfassungs- und Gesetzesauftrag
Die Bundesverfassung beauftragt die Nationalbank als unabhängige Zentralbank, die Geld- und Währungspolitik im Gesamtinteresse des Landes zu führen (Art. 99 BV). Der Auftrag wird im Nationalbankgesetz (Art. 5 Abs. 1) präzisiert. Dieses betraut die Nationalbank mit der Aufgabe, die Preisstabilität zu gewährleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung zu tragen.
Die Nationalbank muss somit allfällige Zielkonflikte zwischen Preisstabilität und Konjunkturentwicklung im Gesamtinteresse des Landes bestmöglich lösen, wobei die Preisstabilität Vorrang hat. Die Verpflichtung auf das Gesamtinteresse bedeutet auch, dass die Nationalbank ihre Politik auf die Bedürfnisse der schweizerischen Volkswirtschaft als Ganzes ausrichtet und nicht einzelne Regionen oder Branchen begünstigt.
Bedeutung der Preisstabilität
Preisstabilität ist eine wesentliche Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Inflation und Deflation beeinträchtigen dagegen die Entwicklung der Wirtschaft. Sie erschweren die Entscheide von Konsumenten und Produzenten, verursachen Fehler beim Einsatz von Arbeit und Kapital und führen zu Umverteilungen von Einkommen und Vermögen.
Mit ihrem Streben nach Preisstabilität schafft die Nationalbank Rahmenbedingungen, die es der Wirtschaft ermöglichen, ihr Produktionspotenzial voll auszuschöpfen. Die Geldpolitik zielt dabei auf mittel- und langfristige Preisstabilität ab. Vorübergehende Preisschwankungen hingegen kann sie nicht ausgleichen.
Angemessene monetäre Bedingungen
Um Preisstabilität zu gewährleisten, muss die Nationalbank für angemessene monetäre Bedingungen sorgen. Sind die Zinsen während einer langen Zeit zu tief, führt dies zu einer überhöhten Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Auch besteht die Gefahr, dass es an den Märkten für Vermögenswerte zu Übertreibungen kommt. Zwar kurbelt all dies die Produktion zunächst an; auf die Dauer entstehen aber Engpässe. Die Produktionskapazitäten werden dann zu stark beansprucht und das Preisniveau steigt. Umgekehrt führt ein hohes Zinsniveau zu einer geringen Gesamtnachfrage. Dies wirkt sich dämpfend auf die Preise von Gütern und Dienstleistungen aus.
Berücksichtigung der Konjunkturentwicklung
Die Wirtschaft ist zahlreichen Einflüssen aus dem In- und Ausland ausgesetzt. Die daraus entstehenden konjunkturellen Schwankungen erzeugen einen mehr oder weniger starken Preisdruck. Solche Entwicklungen lassen sich nicht vermeiden. Obwohl die Geldpolitik grundsätzlich mittel- und langfristig ausgerichtet ist, kann sie dennoch dazu beitragen, derartige Schwankungen abzuschwächen.
Am häufigsten kommt es zu Inflations- oder Deflationsdruck, wenn sich die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen nicht im Gleichschritt mit den Produktionskapazitäten der Wirtschaft entwickelt. Eine solche Situation kann z. B. bei unvorhergesehenen Schwankungen des Konjunkturverlaufs im Ausland oder starken Wechselkursbewegungen entstehen. Die preistreibenden Effekte nehmen zu, wenn die Wirtschaft überhitzt, und lassen nach, wenn die Produktionskapazitäten nicht voll ausgelastet sind. Die Nationalbank muss dann schrittweise die Preisstabilität wiederherstellen. Sie wird im ersten Fall ihre Geldpolitik tendenziell straffen, im zweiten Fall lockern. Eine auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik hat folglich einen glättenden Einfluss auf die Gesamtnachfrage und verstetigt so die Konjunkturentwicklung.
Die Situation ist komplexer, wenn Preiserhöhungen durch Faktoren ausgelöst werden, welche die Kosten der Unternehmen steigen lassen und diese zu einer Verringerung des gesamtwirtschaftlichen Angebots führen. Eine anhaltende Verteuerung des Erdöls wäre hierfür ein Beispiel. In einem solchen Fall muss die Geldpolitik einerseits dafür sorgen, dass die höheren Produktionskosten nicht in eine Inflationsspirale münden, und andererseits verhindern, dass die von den erhöhten Produktionskosten betroffenen Unternehmen zu stark belastet werden. Eine übereilte Wiederherstellung der Preisstabilität würde die Gefahr starker negativer Auswirkungen auf Konjunktur und Beschäftigung in sich bergen.
Die den geldpolitischen Entscheiden zugrundeliegende Konjunkturanalyse wird durch Unsicherheit erschwert. Konkret bestehen Unsicherheiten einerseits hinsichtlich des Auslösers und der Dauer der Störungen, welche die Wirtschaft treffen. Andererseits sind auch die Übertragungsmechanismen, die Verzögerungen und das Ausmass, mit denen die geldpolitischen Massnahmen auf Konjunktur und Preise wirken, mit Unsicherheit behaftet.
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Geldpolitisches Konzept
Das geldpolitische Konzept der Nationalbank legt fest, wie sie den geldpolitischen Auftrag umsetzt. Es ist seit dem Jahr 2000 in Kraft und beruht auf drei Elementen: einer Definition der Preisstabilität, einer mittelfristigen Inflationsprognose und – auf operativer Ebene – einem Zielband für einen Referenzzinssatz, dem Libor (London Interbank Offered Rate) für dreimonatige Anlagen in Franken.
Definition der Preisstabilität
Die Nationalbank setzt Preisstabilität mit einem Anstieg des Landesindexes der Konsumentenpreise (LIK) von weniger als 2% pro Jahr gleich. Auch Deflation, d.h. ein anhaltender Rückgang des Preisniveaus, verletzt das Ziel der Preisstabilität. Mit dieser Definition trägt die Nationalbank der Tatsache Rechnung, dass die Teuerung nicht punktgenau gesteuert und präzise gemessen werden kann. Messprobleme ergeben sich etwa bei qualitativen Verbesserungen von Gütern und Dienstleistungen. Solche Veränderungen sind bei der Berechnung des LIK nur unvollständig berücksichtigt; sie tragen dazu bei, dass die gemessene Teuerung die effektive Teuerung tendenziell leicht überzeichnet.
Inflationsprognose
Die Nationalbank prüft regelmässig, ob ihre Geldpolitik im Hinblick auf die Gewährleistung der Preisstabilität angemessen ist. Dazu veröffentlicht sie vierteljährlich eine bedingte Inflationsprognose für die kommenden drei Jahre, was ungefähr dem Zeitbedarf für die Übertragung geldpolitischer Impulse auf die Wirtschaft entspricht. Ein so langer Prognosezeitraum ist mit grossen Unsicherheiten behaftet. Mit der Publikation einer mittelfristigen Prognose unterstreicht die Nationalbank indessen die Notwendigkeit, eine vorausschauende Haltung einzunehmen und frühzeitig auf Inflations- und Deflationsgefahren zu reagieren.
Die bedingte Inflationsprognose dient als Hauptindikator für den geldpolitischen Entscheid, spielt aber auch in der Kommunikation eine wichtige Rolle. Sie beruht auf einem Szenario der zukünftigen internationalen Konjunkturentwicklung und wird unter der Annahme erstellt, dass der zum Zeitpunkt der Prognoseveröffentlichung publizierte Referenzzinssatz über die nächsten drei Jahre unverändert bleibt (daher «bedingte» Prognose). Die Prognose zeigt damit auf, wie sich die Preise im aktuellen Szenario der Weltkonjunktur und einer unveränderten schweizerischen Geldpolitik entwickeln würden. Sie lässt sich daher nicht direkt mit Prognosen vergleichen, welche die erwarteten geldpolitischen Entscheide einbeziehen.
Die Nationalbank verwendet mehrere ökonomische und statistische Modelle zur Erstellung der bedingten Inflationsprognose. Neben der Inflationsprognose berücksichtigt sie für ihren Entscheid eine Vielzahl von Indikatoren zur konjunkturellen und monetären Entwicklung im In- und Ausland sowie zur Finanzstabilität. Hierzu zählen u.a. Zins- und Wechselkursentwicklungen und das Geld- und Kreditwachstum. Von grosser Bedeutung sind auch Informationen aus den Gesprächen, die die Delegierten für regionale Wirtschaftskontakte der Nationalbank mit Unternehmen über deren wirtschaftliche Aussichten führen.
Die Nationalbank reagiert nicht mechanisch auf die bedingte Inflationsprognose. Steigt die Inflation infolge von aussergewöhnlichen Faktoren, etwa einem plötzlichen massiven Anstieg des Erdölpreises oder starken Wechselkursschwankungen, vorübergehend über 2%, muss nicht unbedingt eine Korrektur der Geldpolitik erfolgen. Das Gleiche gilt bei kurzzeitigem Deflationsdruck.
Zielband für den Dreimonats-Libor
Zur Umsetzung ihrer Geldpolitik legt die Nationalbank ein Zielband für den Libor für dreimonatige Anlagen in Franken fest. Der Libor ist ein Referenzzinssatz des Interbankenmarkts für unbesicherte Kredite. Er entspricht dem getrimmten Mittelwert der aktuellen Zinskonditionen von elf führenden Banken. Der Libor wird täglich von der ICE Benchmark Administration veröffentlicht. Die Nationalbank gibt das Zielband, das gewöhnlich eine Breite von einem Prozentpunkt aufweist, regelmässig bekannt und hält den Libor in der Regel in der Mitte des Zielbands.
Die Nationalbank überprüft ihre Geldpolitik jeweils anlässlich der vierteljährlichen Lagebeurteilung. Falls die Umstände es erfordern, passt sie das Zielband für den Dreimonats-Libor auch an, ohne die nächste reguläre Lagebeurteilung abzuwarten.
Vor dem Hintergrund der internationalen Reformbestrebungen im Bereich der Referenzzinssätze für Finanzkontrakte gab die britische Finanzmarktaufsichtsbehörde im Juli 2017 bekannt, dass sie die Banken nur noch bis Ende 2021 zur Teilnahme am Libor-Panel verpflichten wird. Damit ist der Fortbestand des Libors in Frage gestellt. Die SNB wird rechtzeitig über die Anpassungen, die sich daraus für ihr geldpolitisches Konzept ergeben, informieren. Auf die Ausrichtung der Geldpolitik werden diese Anpassungen keine Auswirkungen haben.
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Geldpolitisches Instrumentarium
Zur Steuerung der monetären Bedingungen stehen der Nationalbank eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung. Diese beinhalten unter anderem Repo-Geschäfte, Devisenkäufe und die Festlegung eines Zinses auf die Sichtguthaben von Banken und anderen Finanzmarktteilnehmern bei der SNB. Weiterführende Informationen finden Sie unter Das geldpolitische Instrumentarium.
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Kommunikation
Der geldpolitische Entscheid wird vierteljährlich (und bei Bedarf öfter) an der Lagebeurteilung durch das Direktorium der Nationalbank getroffen und in einer Medienmitteilung veröffentlicht. An den Lagebeurteilungen im Juni und Dezember erläutern die Direktoriumsmitglieder den geldpolitischen Entscheid zusätzlich in einer Medienkonferenz.
Für die Erläuterung des geldpolitischen Entscheids stellt die bedingte Inflationsprognose ein wichtiges Kommunikationsmittel dar, weil ihr Verlauf, wegen der Annahme eines unveränderten Zinses über die nächsten drei Jahre, Rückschlüsse auf die künftige Geldpolitik zulässt. Wenn die prognostizierte Inflation ausserhalb des Bereichs der Preisstabilität zu liegen kommt, kann eine künftige Anpassung der Geldpolitik nötig werden. Droht die Inflation dauerhaft über 2% zu steigen, wird die Nationalbank demnach eine Straffung ihrer Geldpolitik ins Auge fassen. Umgekehrt wird sie eine Lockerung erwägen, wenn sich eine dauerhaft zu tiefe Inflation abzeichnet.
Das Quartalsheft publiziert nach den Lagebeurteilungen neben dem geldpolitischen Entscheid weitere Analysen zur wirtschaftlichen und monetären Entwicklung in der Schweiz und im Ausland. Es enthält auch die Ergebnisse aus den Unternehmensgesprächen der Delegierten für regionale Wirtschaftskontakte. Ergänzend zur Kommunikation an den Lagebeurteilungen erläutert die Nationalbank ihre Überlegungen zur Geldpolitik im jährlichen Rechenschaftsbericht. Zudem halten die Mitglieder des Direktoriums regelmässig Referate zu geldpolitischen Themen.