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Der Krankheitsverlauf bei Arthrose lässt sich in folgende Stadien einteilen:
- Stadium I: oberflächliche Knorpeleinrisse sowie Verluste der Knorpelsubstanz (Proteoglykan).
- Stadium II: Knorpelzellen gehen zugrunde und die Einrisse vertiefen sich. Die Gelenkschleimhaut kann sich entzünden (Synovialitis).
- Stadium III: Die Risse erreichen die tieferen Knorpelschichten. Grössere Stücke brechen aus, wodurch die Gelenkinnenhaut (Synovialmembran) weiter gereizt wird.
- Stadium IV: Der Knorpel wurde soweit zerstört, dass die knöcherne Deckplatte freiliegt. Die Knochenplatte unterhalb des Knorpels verdickt sich und verhärtet (subchondrale Sklerosierung). Am Knochenrand lagert sich Knochensubstanz ab (Randexostose). Bindegewebe und Faserknorpel werden gebildet. Im Knochen entstehen durch die Schädigung Geröllzysten (subchondrale Pseudozysten) (s. u.).
Eine Arthrose tritt an einem oder mehreren der grossen, stärker belasteten Gelenken auf. Betroffen sind vor allem das Kniegelenk (Gonarthrose), das Daumensattelgelenk (Rizarthrose), das Schultergelenk (Omarthrose) sowie – bei Männern – das Hüftgelenk (Coxarthrose) und – bei Frauen – die Fingergelenke (Heberden-, Bouchardarthrose). Damit unterscheidet sie sich von der Autoimmunerkrankung „rheumatoiden Arthritis", bei der häufig viele Gelenke entzündet sind.
Infografik: Vergleich gesundes (links) und arthrosekrankes Knie (rechts)
Eine Arthrose entsteht über viele Jahre, wobei der Krankheitsverlauf schubweise und nicht vorhersehbar verläuft. Grob lässt sie sich in folgende drei Stadien einteilen:
- Bei der „latenten" oder auch „stummen" Arthrose verspüren die Betroffenen aufgrund des Fehlens von Schmerzrezeptoren im Gelenk keine Schmerzen, weswegen die Erkrankung in dieser Phase häufig nicht entdeckt. Erste Beschwerden im Frühstadium sind Ermüdungs- und Steifigkeitsgefühle, die sich nach Schonung oder spontan bessern. Gelenkschmerzen treten vor allem beim Übergang von Ruhe in Bewegung (sogenannter Startschmerz) auf und bessern sich bei Bewegung wieder. Zudem leiden die Betroffenen unter Muskelverspannungen und Belastungsschmerzen, die durch eine starke oder lang andauernde Belastung ausgelöst wird. Dieses Stadium kann Jahre dauern und in eine der beiden nachfolgenden Stadien übergehen.
- Bei der aktivierten Arthrose treten Entzündungszeichen wie Schwellung, Überwärmung, Rötung, Spannungsgefühle und Gelenkerguss auf. Diese tritt auf, wenn der Knorpel weitgehend zerstört ist. Ursache der Entzündung ist abgeschliffenes Knorpelmaterial in der Gelenkflüssigkeit, welches die Schleimhaut der Gelenkinnenhaut (Synovialmembran) reizt. Diese Phase wechselt sich mit der der dekompensierten Arthrose ab.
- In der dekompensierten Phase schreitet die Knorpelzerstörung weiter fort. Die Betroffenen leiden bereits bei geringen Bewegungen beziehungsweise in Ruhe unter Schmerzen. Typische Beschwerden sind Gelenkgeräusche (Krepitationen), die durch das Aneinanderreiben von Knochen mit den Sehnen entstehen. Achsenfehlstellungen, Versteifungen und Instabilität des Gelenks sind möglich.
Abhängig davon, ob ein erkennbarer Grund für den Gelenkverschleiss vorliegt oder nicht, werden zwei verschiedene Formen unterschieden:
- Primäre Arthrosen treten ohne erkennbare Ursache auf. Es wird vermutet, dass sie auf eine genetische Veranlagung (endogener Knorpelbildungsdefekt) zurückgehen. Die Veränderungen treten in der Familie gehäuft auf, wobei insbesondere Frauen im mittleren Alter betroffen sind.
- Bei sekundären Arthrosen ist die Ursache bekannt. Sie entstehen, wenn ein Missverhältnis zwischen Beanspruchung und Beschaffenheit beziehungsweise Leistungsfähigkeit des Gelenks vorliegt, ausgelöst z. B. durch Übergewicht, Leistungssport oder bestimmte berufliche Tätigkeiten (Fliesenleger, Gärtner). Auch angeborene Fehlstellungen (z. B. angeborene Hüftgelenkdysplasie), Infektionen, metabolische (z. B. Gicht) oder endokrine Erkrankungen (z. B. Hypothyreose), Verletzungen und Unfälle (z. B. Gelenkfächerfrakturen) oder Gelenkblutungen können einen Gelenkverschleiss nach sich ziehen.
Um eine Arthrose festzustellen, führt der behandelnde Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei geht er im Ausschlussverfahren vor, d.h. er verifiziert, dass den Symptomen und Beschwerden keine sonstige Erkrankung zugrunde liegt. Mithilfe von Röntgenaufnahmen lassen sich Schwere und Ausprägung der Arthrose erkennen. Ist der auf dem Röntgenbild erkennbare Gelenkspalt stark verengt, deutet das auf Arthrose hin.
Eine Blutuntersuchung wird für eine Diagnose der Arthrose nicht benötigt. Es gibt keine typischen Marker bei Blutuntersuchungen.
Behandlungsziel ist das Lindern der Schmerzen, Verlangsamung des fortschreitenden Prozesses sowie der Erhalt der Gelenkfunktion. Die Therapie orientiert sich an den Hauptbeschwerden und hängt vom Erkrankungsstadium ab. Das Behandlungskonzept beinhaltet folgende Massnahmen:
- Allgemeine Massnahmen wie Gewichtsabnahme, sportliche Betätigung sowie Schonung des betroffenen Gelenks. Manchmal sind unter anderem entlastende Gehilfen, orthetische Massnahmen wie z. B. Schuheinlagen, Verbände mit elastischer Binde oder Hilfsmittel (z. B. bestimmte Dosenöffner) sinnvoll.
- Physikalische und krankengymnastische Massnahmen. Erstere können Muskelverspannungen lösen, die Schmerzen lindern und die Muskel kräftigen. Angewandt werden beispielsweise Kälte- und Wärmetherapie, Ultraschall, Laser- und Stosswellentherapie sowie transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS), bei der niederfrequente Ströme mittels Hautelektroden durch das betroffene Gelenk geschickt werden. Mithilfe der Physiotherapie sollen die Muskeln gelockert werden sowie die Beweglichkeit des Gelenks erhalten bleiben. Zum Einsatz kommen unter anderem Massagen, isometrisches Muskeltraining, Gangschule, konventionelle Bewegungstherapie oder Wassergymnastik.
- Ergotherapie wie beispielsweise Gelenkschutztraining.
- Medikamentöse Therapie. Eingesetzt werden unter anderem sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Das sind Medikamente, die Schmerzen lindern, gleichzeitig aber auch Entzündungen hemmen. Zu den NSAR zählen Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen, Celecoxib, Diclofenac und Ketoprofen. Des Weiteren werden auch andere Schmerzmittel ohne den entzündungshemmenden Effekt (z. B. Paracetamol oder ins Gelenk injizierte Lokalanästhetika), in das Gelenk injiziertes Kortison (intraartikuläres Glukokortikoid) sowie Hyaluronsäure, Glucosamin und Chondroitin verabreicht.
- Operative Massnahmen (z. B. Gelenkersatz, -versteifung) kommen infrage, wenn alle anderen Methoden erfolglos blieben.
Unabhängig von der jeweiligen Therapie ist es wichtig, dass Arthrosepatienten aktiv am Behandlungserfolg mitwirken. Hierzu gehört, dass sie ...
- die Übungen auch täglich durchführen, um sich möglichst viel Beweglichkeit zu erhalten.
- im Beruf und Alltag auf eine gelenkschonende Haltung und Bewegung achten.
- ihre Grenzen erkennen und akzeptieren.
- sich ausgewogen ernähren, um eventuell vorhandenes Übergewicht abzubauen.
- auf eine vernünftige Lebensweise sowie ihre Gesundheit achten.
- ihr Verhalten und die Folgen daraus beobachten und daraus lernen.
- sich eventuell einer Selbsthilfegruppe anschliessen. In Selbsthilfegruppen erfahren die Betroffenen, wie andere Betroffene mit der Erkrankung umgehen. Ihnen werden so verschiedene Wege durch die Erkrankung aufgezeigt.
- lebensfroh bleiben.
Neben der Schulmedizin werden eine Reihe naturheilkundlicher Therapiemöglichkeiten angeboten, allerdings wurde hier der Nutzen wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen. Hierzu zählen unter anderem:
- Akupunktur, die zwar nicht zu den klassischen Naturheilverfahren zählt, jedoch ergänzend durchgeführt werden kann. Durch die an bestimmte Punkte auf der Haut gesetzte Nadeln soll sie dabei helfen, Schmerzen zu lindern, Muskeln zu entkrampfen und das Immunsystem zu aktivieren.
- Ausleitende Verfahren wie beispielsweise blutiges / unblutiges Schröpfen sowie Blutegeltherapie. Diese Methoden sollen die körperliche Abwehr (Immunsystem) stimulieren, Schmerz- und Entzündungsauslöser ausschalten und die Stoffwechseltätigkeit verbessern.
- Eigenblutinjektionen, bei denen aus der Vene Blut entnommen, eventuell verändert (z. B. Aktivierung) und dem Betroffenen später wieder unter die Haut (subkutan) oder in den Muskel (intramuskulär) injiziert wird. Eigenblutinjektionen sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers stimulieren.
- Neuraltherapie soll Störfelder im Körper beseitigen. Hierfür wird ein lokales Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) an die Gelenke oder umgebende Strukturen injiziert.
- Hydrotherapie. Die morgendliche Waschung wird nach kneippschen Prinzipien durchgeführt und soll die Durchblutung sowie die Stoffwechseltätigkeit fördern. Feuchte Heublumensäcke, etwa 42 °C warm, sollen die Schmerzen lindern, dürfen jedoch nicht bei einem akuten Schub angewendet werden.
- Heliotherapie, bei der der Betroffene mit natürlichem oder künstlichen Sonnenlicht bestrahlt wird. Dies verbessert die Abwehrkräfte und die psychische Befindlichkeit. Bei einem akuten Schub muss die Heliotherapie ausgesetzt werden.
- Homöopathische Wirkstoffe. Eingesetzt können beispielsweise Calcium floraticum D6, Silicea D12 (bei Arthrose), Rhus toxicodendron D 12 (Bewegung lindert Schmerzen), Bryonia D12 (Gelenkentzündung mit starken stechenden Schmerzen) oder Apis D12 (stechende Schmerzen, die sich durch kühle Umschläge bessern). Ebenfalls verwendet werden Komplexpräparate mit mehreren Homöopathika oder Schüssler-Salze.
- Phytotherapie. Bei Arthroseschmerzen können unter anderem Brennnesselkraut, Teufelskralle, Weidenrinde, Ingwer, Hagenbuttenpulver oder Gelbwurzelpulver eingenommen werden. Äusserlich helfen Pfefferminzöl, Arnika- und Beinwelltinkturen sowie spanischer Pfefferextrakt. Während eines akuten Schubs hilft Weidenrindenextrakt, bei chronischen Beschwerden dagegen Teufelskrallenwurzelextrakt.
Der Verlust des Knorpels hat zur Folge, dass benachbarte Knochenflächen ungedämpft aufeinandertreffen, sodass sich auch die Knochen mit der Zeit verändern. Unterhalb des betroffenen Gelenks verdichten sie sich (subchondrale Sklerosierung) und bilden an den Knochenrändern knöcherne Auswüchse, die sogenannten Osteophyten, die die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks behindern. Durch die vergrösserte Gelenkfläche verdickt sich das kranke Gelenk und der Aufbau (Deformierung) verändert sich. Eine Arthrosis deformans entsteht. Bricht der Knochen unter der ungewohnten Belastung zusammen, entstehen im Inneren Löcher (Geröllzyste), in denen sich Zellreste und Stoffwechselprodukte der Knochen und Knorpel sammelt. Entzündet sich die Gelenkhaut, entsteht eine aktivierte Arthrose.
Eine Arthrose ist nicht heilbar, vielmehr schreitet die Krankheit immer weiter fort, da die Fehlbelastung den Knorpel immer mehr schädigt. Mediziner sprechen auch von einem „progredienten Verlauf". Daher ist es wichtig, bei Verdacht möglichst frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Mit geeigneten Therapien lässt sich der Erkrankungsverlauf aufhalten oder zumindest verlangsamen.
Die Entstehung einer Arthrose wird durch viele verschiedene Faktoren begünstigt. Als unbeeinflussbare Risikofaktoren sind eine familiäre Veranlagung, das weibliche Geschlecht sowie das Alter zu nennen. Beispielsweise leidet bei den über 65-Jährigen jede zweite Frau und jeder dritte Mann an Arthrose.
Es gibt auch Risikofaktoren, die jeder Einzelne selbst beeinflussen kann. Das Gewicht beispielsweise ist ein solcher Faktor, denn jedes Kilo zu viel belastet tragende Gelenke wie Knie und Hüfte zusätzlich. Zudem setzt überschüssiges Körperfett Botenstoffe frei (Entzündungsmediatoren), die Entzündungen im Gelenk und damit den Knorpelabbau fördern. Vor allem starkes Übergewicht mit einem Body-Mass-Index über 30 ist kritisch.
Aber auch Gelenküberlastungen – sei es aufgrund des Berufes, durch Sport oder im privaten Umfeld verursacht – begünstigen die Arthrose, da starke, ungleich verteilte Belastungen den Gelenken schaden. So erhöht das Heben oder Tragen schwerer Lasten über längere Zeit beispielsweise das Risiko einer Hüftgelenksarthrose bei Männern um das doppelte. Aber auch langes Sitzen, Gelenkfehlstellungen wie O- bzw. X-Beine, frühere Verletzungen oder auch Sport, bei dem hohe bzw. einseitige Belastungen ausgehalten werden müssen, begünstigen den Gelenkverschleiss.
Körperliche Betätigung kann – wenn sie regelmässig durchgeführt wird – das Arthroserisiko senken, da hierdurch der Verlust an Muskelmasse verhindert und damit die Gelenke stabilisiert werden. Dies reduziert Stürze und verhindert Knochenbrüche. Besonders geeignet sind Kraftsport sowie gelenkschonende Ausdauersportarten mit gleichmässiger Belastung wie z. B. Schwimmen, Skilanglauf, Tai-Chi, Nordic Walking oder Radfahren, wobei sich jedoch nicht alle für jede Arthroseform eignen.
Sportarten mit schnellen, abrupten Richtungswechseln, Stopps oder Drehbewegungen dagegen belasten die Gelenke und weisen ein hohes Verletzungspotenzial auf. Gelenkverletzungen erhöhen jedoch das Arthroserisiko. Fuss- oder Handball, Kampfsport sowie Tennis sind daher zur Prävention ebenso ungeeignet wie intensives Joggen, bei dem die Gefahr einer Gelenküberlastung besteht.
Des Weiteren können folgende Massnahmen das Erkrankungsrisiko senken:
- Abnehmen
- Orthopädische Korrektur von Gelenkfehlstellungen
- Tragen von ausreichend gedämpften Schuhwerk. Insbesondere bei Frauen tritt aufgrund des Tragens von hochhackigen Schuhen Arthrose am Zehengrundgelenk oder anderen Fussgelenken auf.
- Stehende und sitzende Tätigkeiten abwechseln, um einseitige Gelenkbelastungen zu vermeiden.
- Ernährung umstellen. Der Speiseplan sollte genügend Eiweiss, welches für den Muskelaufbau benötigt wird enthalten. Gleichzeitig sollten wenig tierische Lebensmittel verspeist werden, da in diesen gelenkschädigende Arachidonsäure enthalten ist, die Entzündungsreaktionen im Körper begünstigt. Besser geeignet sind Lebensmittel mit entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren. Enthalten ist diese beispielsweise in Raps- oder Leinöl, fettreichen Fisch wie Lachs oder Hering.
Im Kindesalter spielen Arthrosen keine Rolle. Wenn, dann tritt die sogenannte juvenile idiopathische Arthritis auf, eine Autoimmunerkrankung, bei der unter anderem Unbeweglichkeit und geschwollene, warme Gelenke die typischen Beschwerden sind.
Schwangere mit Rheuma leiden in der Regel unter der Autoimmunerkrankung „rheumatoide Arthritis" oder unter der Wirbelsäulenerkrankung „Morbus Bechterew". Arthrosen kommen normalerweise nicht vor.
Nein. Grund hierfür ist, dass bei einer Arthrose der Knorpel im kranken Gelenk geschädigt beziehungsweise zerstört wird. Da jedoch bisher keine Therapie existiert, die den betroffenen Knorpel wieder herstellen könnte, und er auch nicht in der Lage ist, sich selbst zu regenerieren, ist die Krankheit nicht heilbar. Eine Therapie kann jedoch die Beschwerden lindern und das Fortschreiten verlangsamen.
Internet:
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Bücher:
Böcker, Denk, Heitz, Höfler, Kreipe, Moch: Pathologie, Elsevier, 5. Auflage (2012)
Schewior-Popp, Sitzmann, Ullrich: Thiemes Pflege, Thieme, 12. Auflage (2012)
Prinz: Basiswissen Innere Medizin, Springer, 1. Auflage (2012)