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Stadtkirche
Stadtkirche
der Evang.-ref. Kirchgemeinde
Kirchplatz 3
8400 Winterthur
Die Stadtkirche mit den zwei Türmen ist Mittelpunkt und Wahrzeichen von Winterthur. Eine erste Holzkapelle entstand hier schon im 7. Jhdt. Sie wurde im 8. Jhdt. durch eine Holzkirche und im 9. Jhdt. durch ein erstes massives Gotteshaus ersetzt Der Südturm wurde erst gegen Ende des 15. Jhdt. gebaut und hatte bis 1659 einen Käsebissenturm. Dann erhielt er den neuen Barockhelm und die Turmuhr von Tobias Liechti, die 1923 ein elektrisches Werk bekam.
Mitten in der Altstadt, wenige Meter neben der geschäftigen Marktgasse liegt der Kirchplatz mit der Stadtkirche. Beide strahlen Ruhe und Besonnenheit aus, als wärs noch ein Friedhof, der aber 1826 aufgehoben worden ist. An der Kirche fällt das Turmpaar auf. Es sind nur Geschwister, nicht Zwillinge. Zuerst gab es nur einen Turm, den nördlichen, 50m hoch und mit einem Spitzhelm versehen. 1486 bis 1490 gesellt man ihm südlich einen Bruder dazu, der es aber vorerst nur auf 40m Höhe brachte. Er wurde mit einem mit Ziegeln versehenen Satteldach (Käsebisse) gebaut. 1659 stockte man ihn auf, verzierte ihn reichlich und versah ihn mit einer Turmuhr von Tobias Liechti, die erst 1923 ein elektrisches Werk erhielt. Nun war der Kleine zum Grossen geworden, eine Gleichheit wurde wieder nicht erreicht. 1794 wurde der nördliche Turm endgültig auf die Höhe des südlichen gebracht und in der heute noch erhaltenen Ausgestaltung dem südlichen angeglichen. Er besteht in seinen Obergeschossen aus Bäntaler Tuffstein, gewonnen aus den Tüfels-Chilen", dem optischen Naturschauspiel mit Wasser Tuffstein, Moos und Fels im nahen Tösstal, Gemeinde Zell.
Eine erste Holzkapelle entstand hier schon im 7. Jahrhundert. Sie wurde im 8. Jahrhundert durch eine Holzkirche und im 9. Jahrhundert durch ein erstes massives Gotteshaus ersetzt. Um die Jahrtausendwende gewann Winterthur als Markt- und Handelsstadt immer mehr Bedeutung. Die Bevölkerung wuchs und verlangte nach einem grösseren Kirchenraum. Bei Stadtbränden wurde die Kirche mehrmals zerstört und nachher wieder aufgebaut. Die brandgeröteten Sandsteine am Nordturm gehen auf den Brand von 1244 zurück. Auf seiner Ostseite sind Spuren von alten Anbauten sichtbar
Die Kirche selbst entstand 1501 bis 1518 neu und erhielt eine reiche Innenausstattung, die jedoch, kaum fertiggestellt, der Reformation zum Opfer fiel. Nicht einmal die Orgel durfte bleiben. Später wurden auch reformierte Kirchen wieder geschmückt. Heute präsentiert sich die Stadtkirche mit einem dreischiffigen Kirchenraum mit Chor und Orgelempore.
Augenfällig ist die Barockorgel aus dem 18. Jhdt., die Kanzel und das Gestühl aus Eichenholz und der gewaltige Wandmalereizyklus, den der Berner Paul Zehnder (1884-1973), romanisch inspiriert, in den Jahren 1924-1930 schuf. Diese Freskenmalerei, eigenwillig in Farb und Form, ist in unserem Lande die grösste im 20. Jhdt. Entstandene und hat immer wieder die Gemüter bewegt und erregt.
Die grosse Barockorgel, die Carl Joseph Riepp 1766-68 für das Kloster Salem/Schwaben baute, wurde 1809 vom Collegium Musicum gekauft und im Kanton Zürich als erste Orgel nach der Reformation wieder in einer Kirche installiert. Sie war die erste Orgel der nachreformatorischen Zeit im Kanton Zürich, und sie nimmt seither im Musikleben der Stadt Winterthur eine wichtige Rolle ein. Heute steht im originalen Gehäuse der barocken Riepp-Orgel eine Walckerorgel von 1888, eine der bedeutendsten romantischen Denkmalorgeln Europas.
Die Winterthurer Stadtheiligen
St. Laurenzius zählt seit der Spätantike zu den beliebtesten Heiligen. In Winterthur lässt sich seine Verehrung erst sehr spät nachweisen. Ein Inventar des Chorherren Stifts Heiligberg bei Winterthur, das um 1300 entstanden ist, führt neben anderen auch Reliquien der Märtyrer Laurenz, Pankraz und Alban auf. Das sind der Hauptpatron (Laurenz) und die beiden Nebenpatrone.
Während über den Hauptpatron Laurentius und die Beziehung zur Stadtkirche wenig überliefert ist, weiss man über die Verehrung des ersten Nebenpatrons Albanus mehr. Am Albanstag 1264 hatte die Eulachstadt ihren ersten Stadtrechtsbrief erhalten. Dadurch wurde dieser Tag zum „Schwörtag“, das heisst, die Bürger mussten jedes Jahr der Landesherrschaft den Treueid leisten und ihre Beamten wählen. In dieser Eigenschaft hat der St. Albanstag die Reformation überdauert und lebt im Albanifest bis heute weiter.
Über das Martyrium Albans ist wenig bekannt. Als Glaubensbote soll er im Jahr 406 bei einem Vandaleneinfall in Mainz getötet worden sein und seinen eigenen Kopf zur Begräbnisstätte getragen haben. Er wird üblicherweise als Priester oder Diakon dargestellt, fälschlicherweise auch –wie hier in Winterthur- als Bischof. Es gibt auch andere Aufzeichnungen über seinen Tod (siehe „Die drei Winterthurer Schutzheiligen“).
Der Eisheilige Pankraz schliesslich, der zweite Nebenpatron der Stadtkirche, wurde vom bäuerlichen Bevölkerungsteil verehrt.