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Der Legende nach war es die sagenumwobene ägyptische Königin Kleopatra, die den ersten Vibrator der Geschichte benutzte. Sie liess sich eine Papyrus-Tüte mit – wahrscheinlich recht wütenden – Bienen befüllen und stimulierte damit ihre Klitoris.
Kleopatra ging es damals noch um die pure Lust. Doch das änderte sich für die Frauen späterer Epochen. Der Grund war die Diagnose einer Krankheit, von der schon Hippokrates sprach und die erst 1952 aus den offiziellen Medizinbüchern gestrichen wurde: die weibliche Hysterie.
Jungfrauen und Witwen besonders betroffen
Hysterie heisst im griechischen Wortstamm «vom Uterus ausgehend». Die Diagnose war so vage wie das Krankheitsbild, weshalb Hysterie schnell zum Sammelbecken verschiedenster unklarer medizinischer Symptome wurde. Bekannt war, dass Jungfrauen und Witwen häufiger darunter litten als verheiratete Frauen – obwohl auch bei ihnen der Prozentsatz recht hoch war.
1653 begann Pieter van Foreest, Hysterie-Patientinnen manuelle Genitalmassagen zu verschreiben. Ausgeführt werden sollten sie von Hebammen mithilfe von Lilien-Öl, Moschus-Wurzeln und Krokus. Die Frauen sollten so bis zum «hysterischen Paroxysmus» massiert werden – womit faktisch zwar ein Orgasmus gemeint war, der aber von den Ärzten auch in den folgenden Jahrhunderten nicht als solcher anerkannt wurde.
Mit Lustgewinn – so die offizielle Meinung – hatten diese Massagen nichts zu tun. Ein weiblicher Orgasmus ohne die Penetration des männlichen Gliedes war undenkbar, so Rachel Maines in ihrem geschichtlichen Abriss «The Technology of Orgasm».
In den Händen der Männer
Was die Frauen dazu sagten? Nicht viel. Die Medizin und die Definition der weiblichen Sexualität lag damals fest in den Händen der Männer. Im wahrsten Sinne, denn die Genitalmassagen der Damenwelt übernahmen zunehmend Ärzte und Psychater.
Für sie war es ein lukratives Geschäft: Frauen mit Hysterie-Diagnose gab es zuhauf und weil die Behandlung nur kurze Erleichterung verschaffen konnte, kamen sie sicher wieder. Dennoch gab es eine Schattenseite: Bis die Dame den «hysterischen Paradoxysmus» erlangte, konnte es bis zu einer Stunde dauern. Nicht wenige Ärzte werden unter Tennisarmen und Sehnenscheidenentzündungen gelitten haben.
Der erste Vibrator
Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann der erste Vibrator erfunden (siehe Bildergalerie oben). Nicht für die Frauen, sondern um den Ärzten ihre Arbeit zu erleichtern. Ein willkommener Nebeneffekt war, dass sie viel mehr Patientinnen aufnehmen konnten, denn die Maschinchen erledigten den Job wesentlich schneller als die – wenn auch geübte – Doktorenschaft.
Obwohl die Frauen schon damals recht genau um die Freuden gewusst haben werden, die von dieser technischen Erfindung ausging, dauerte es noch bis zur sexuellen Revolution der 1970er-Jaher, bis das einstige medizinische Gerät ganz offiziell zum Sexspielzeug wurde.