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Tripolis – Erstmals nach der Ära von Muammar al-Gaddafi haben die Libyer am Samstag ein demokratisches Parlament gewählt. Bei der Auszählung der Stimmen zeichnete sich ein Vorsprung für die liberale Allianz von Mahmud Dschibril ab.
Die Gruppierung des ehemaligen Übergangsministerpräsidenten habe in der Hauptstadt Tripolis und in Bengasi die meisten Stimmen erhalten, meldeten Wahlbeobachter nach Wählerbefragungen. Die islamistische Muslimbruderschaft belegte demnach den zweiten Platz.
Verlässliche Auszählungsergebnisse der Wahl lagen am Sonntag noch nicht vor. Allerdings erklärte auch einer der Führer der islamistischen Parteien, Mohammed Sawan, dass die liberale «Allianz der Nationalen Kräfte» in Tripolis und Bengasi, der zweitgrössten Stadt des Landes, «deutlich vorne» liege.
Der neu gewählte Allgemeine Nationalkongress löst den Übergangsrat ab, den Funktionäre und Aktivisten während der Revolution informell gebildet hatten. Die 200 Abgeordneten sollen eine Übergangsregierung ernennen und die Wahl eines Rates vorbereiten, der eine Verfassung für das Land schreiben soll.
Bei der ersten demokratischen Wahl seit Jahrzehnten gaben am Samstag rund 63 Prozent der 2,8 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme ab.
In mehreren Regionen wurde der Wahlgang erheblich gestört - vor allem im Osten des Landes. Hier betrachten viele Bürgerinnen und Bürger ihre Region im Nationalkongress als unterrepräsentiert. Von den 200 Sitzen werden nur deren 60 an Vertreter aus Ostlibyen vergeben.
Einige Wahllokale im Osten blieben wegen Sicherheitsproblemen geschlossen. In mehreren Städten stürmten Demonstranten Wahllokale und verbrannten Urnen und Wahlzettel. Ein Wähler wurde in Adschdabija getötet.
Dort, in der Wüstenstadt Kufra sowie in Bengasi werde die Wahl nachgeholt, sagte der Leiter der nationalen Wahlkommission, Nuri al-Abbar, am Sonntag. Abbar äusserte sich dennoch zufrieden mit dem Verlauf der Wahl. Nur 24 von 1554 Wahllokalen hätten nicht geöffnet werden können.
Einen Termin für die Bekanntgabe des Endergebnisses wollte Abbar vor den Medien in Tripolis nicht nennen. Dass die Resultate korrekt seien, sei für ihn wichtiger als der zeitliche Faktor. «Wir haben 42 Jahre gewartet, da sollten wir jetzt nicht allzu ungeduldig sein.» (SDA)