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Inhaltsverzeichnis
Ausgangslage
Rechtliche Grundlagen
Gemäss § 31 des Volksschulgesetzes vom 7. Februar 2005 (VSG, LS 412.100) werden die Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe regelmässig beurteilt. Berücksichtigt werden insbesondere die Leistung, die Lernentwicklung und das Verhalten. Das Volksschulgesetz überträgt die Kompetenz zur Festlegung der schriftlichen Form der Beurteilung dem Bildungsrat (§ 31 Abs. 3 VSG). Dieser legt im Reglement über die Ausstellung der Schulzeugnisse an der Volksschule (Zeugnisreglement) vom 1. September 2008 (ZRgl, LS 412.121.31) fest, wie die Beurteilung der Schülerleistungen im Zeugnis in Form von Noten (Gesamtleistungen in den Fächern) und der Zuordnung von Begrifflichkeiten (Lernentwicklung und Verhalten) zu erfolgen hat.
Notengebung und Beurteilung
In den Zeugnissen erfolgt die Notengebung in den Fächern des Lehrplans (Pflicht-, Frei- und Wahlfächer (§ 2 ZRgl). Die Lehrpersonen haben zweimal jährlich ein Zeugnis auszustellen, je auf Ende Januar und auf Ende des Schuljahres (§ 3 ZRgl). Auf der Kindergartenstufe und in der 1. Klasse der Primarstufe werden keine Noten erteilt (§ 4 ZRgl). Statt einer Benotung erfolgen Elterngespräche. Diese finden mindestens zweimal jährlich statt, in der Regel je ein Gespräch pro Semester (§ 4 Abs.1 ZRgl). Auf der Kindergartenstufe kann dann auf die Durchführung eines zweiten Elterngesprächs verzichtet werden, wenn Eltern bzw. Erziehungsberechtigte dies ausdrücklich wünschen und die verantwortliche Kindergartenlehrperson damit einverstanden ist (§ 4 Abs.2 ZRgl).
In Deutsch, Französisch und Englisch werden die Schülerleistungen differenziert beurteilt. Neben der Gesamtnote in den einzelnen Fächern werden die vier Teilbereiche Hörverstehen, Leseverstehen, Sprechen und Schreiben gemäss Lehrplan abgebildet (§ 5 und § 7 ZRgl). Damit ist gewährleistet, dass nicht allein sprachproduktive Fertigkeiten beurteilt werden.
Projekt «Belastung - Entlastung im Schulfeld»
Im Sommer 2009 lancierte Bildungsdirektorin R. Aeppli das Projekt «Belastung - Entlastung im Schulfeld». Unter Leitung einer externen Fachperson analysierten die Verbände von Schulbehörden, Schulverwaltungen, Lehrpersonen und Schulleitenden sowie Vertretungen von Pädagogischer Hochschule und Bildungsdirektion die Belastungssituation an der Volksschule und skizzierten Entlastungsmöglichkeiten. Dabei wurde auch vorgeschlagen, den Beurteilungsaufwand bei der Erstellung der Zeugnisse zu reduzieren. Hauptzielsetzung des detaillierten Vorschlags ist einerseits eine Verminderung des zeitlichen Aufwands durch eine Änderung des Zeugnisrhythmus, aber auch ein Zugewinn an konzeptioneller Klarheit. Konkret werden fünf Massnahmen vorgeschlagen:
- Änderung des Zeugnisrhythmus auf der Kindergartenstufe und auf der Primarstufe;
- Beurteilungsinstrumente zu den Sprachlehrmitteln im Fach Deutsch;
- benutzerfreundlichere Zeugnissoftware;
- Schaffung eines einheitlichen Beurteilungskonzepts im Sinne einer Orientierungshilfe;
- Ausfüllen und Ausdrucken der Zeugnisformulare durch die Schulverwaltungen.
Weitere Entlastungsmassnahmen
Die Beurteilung der Schülerinnen und Schüler ist in den Sprachfächern besonders aufwändig. In den Zeugnissen werden die Schülerleistungen mit einer Note beurteilt. Zusätzlich sind in Deutsch, Französisch und Englisch die vier Teilbereiche Hörverstehen, Leseverstehen, Sprechen und Schreiben abzubilden. Der zeitliche Aufwand hierfür ist vor allem für Lehrpersonen, welche an der Sekundarstufe unterrichten, nicht unerheblich. Entsprechend ist zusätzlich zu den Entlastungsvorschlägen aus dem Projekt Belastung - Entlastung im Schulfeld zu prüfen, ob zumindest teilweise auf die Beurteilung der Teilbereiche in den Sprachen und deren Abbildung in den Zeugnissen verzichtet werden soll.
Erwägungen
Grundsätzliche Überlegungen
Lehren, Lernen, Fördern und Beurteilen sind das Fundament für erfolgreichen Unterricht. Die wichtigste Aufgabe der Lehrpersonen besteht darin, den Lernprozess zu prägen und zu begleiten. Aussagen zur Entwicklung und zum Lernstand gehören zwingend zum Lernen. Kinder haben ein Anrecht darauf zu wissen, wie und ob sie gut lernen. Diese unterstützende Beurteilung erlaubt es den Lehrerinnen und Lehrern, auf die individuellen Lernwege der Schülerinnen und Schüler einzugehen und den Unterricht entsprechend den Bedürfnissen zu planen. In diesem Kontext erfüllt das Zeugnis im Wesentlichen vier Funktionen:
- Orientierungsfunktion: Schülerinnen und Schüler, Eltern und Erziehungsberechtigte sowie Lehrpersonen erhalten eine Information über den Leistungsstand, der in einer bestimmten Beobachtungsperiode erreicht wurde.
- Motivationsfunktion: Durch die Aussicht, gute Leistungen darin dokumentiert zu finden, hat das Zeugnis eine Anreiz- und Motivationsfunktion.
- Auslesefunktionen: Beim Übertritt in die Gymnasien werden die Erfahrungsnoten bei den Aufnahmeprüfungen mitberücksichtigt.
- Kontrollfunktion: Der Staat kontrolliert den Schulbesuch und die Erfüllung der Schulpflicht. Das Zeugnis bildet den Schulbesuch ab.
Entlastungsmassnahmen im Einzelnen
Änderung des Zeugnisrhythmus
Bei einer allfälligen Änderung des Zeugnisrhythmus sind § 3 und § 4 ZRgl anzupassen. Für die einzelnen Schulstufen drängen sich dabei unterschiedliche Lösungen auf.
Elterngespräche im Kindergarten und in der 1. Klasse (§ 4 ZRgl)
Es soll nur noch ein Elterngespräch pro Schuljahr stattfinden.
|Heute||neu|
|2 Elterngespräche pro Jahr. Auf Wunsch der Eltern und der Lehrperson findet nur eines statt.||1 Elterngespräch pro Jahr, das jeweils bis Ende des 3. Quartals geführt werden muss.|
Begründung:
Bis anhin führen die verantwortliche Kindergartenlehrperson bzw. die Erstklasslehrperson und die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten zweimal jährlich ein Gespräch, um sich gegenseitig über den Entwicklungsstand, das Wissen, das Können und die Disposition des Kindes zu informieren. Die Minimalvorgabe von zwei Gesprächen pro Jahr kann vor allem dann zu einem unverhältnismässigen Mehraufwand führen, wenn die Leistungen und das Verhalten des einzelnen Kindes zu keinen Bemerkungen Anlass geben. Deshalb soll künftig nur ein Elterngespräch vorgeschrieben sein. Weitere Gespräche im Einzelfall sind gemäss § 61 Volksschulverordnung bei Bedarf zusätzlich zu führen.
Zeugnisse der 2. bis 5. Klasse (§ 3 ZRgl)
Es wird nur noch ein Zeugnis jeweils am Ende des Schuljahres ausgestellt.
|Heute||neu|
|2 Zeugnisse jeweils Ende Semester.||1 Zeugnis am Ende des Schuljahres|
Begründung:
Gestützt auf § 60 und § 61 Volksschulverordnung haben sich Lehrpersonen und Eltern bei auftretenden Schwierigkeiten, speziellen Ereignissen oder aussergewöhnlicher Entwicklung von Leistung und Verhalten gegenseitig zu informieren. Entsprechend hat der allfällige Verzicht auf ein Zeugnis im Jahr auf die unterstützenden Prozesse der Beurteilung keinen Einfluss. Der Informations- und Wissensstand ist damit auch in längeren Phasen ohne Zeugnis gewährleistet.
Zeugnisse der 6. Klasse und der Sekundarstufe (§ 3 ZRgl)
Der Zeugnisrhythmus wird nicht geändert. Wie bis anhin wird jeweils Ende Januar und am Ende des Schuljahres ausgestellt.
|Heute (§ 3 ZRgl)||neu|
|6. Klasse: 2 Zeugnisse jeweils Ende Semester||wie bisher|
|Sekundarstufe: 2 Zeugnisse jeweils Ende Semester, Standortgespräch(e) im Rahmen des Projekts 3. Sek.||wie bisher|