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Ich kam am 31.10.1995 als grosses gesundes Baby auf die Welt. Ab meinem 2. Lebensjahr kam ich in die Kinderkrippe Chinderhuus in Urdorf. Da meine Mutter alleinerziehend war und arbeiten musste, verbrachte ich 4 Tage pro Woche im Chinderhuus und einen Tag bei meiner Grossmutter. Anfangs lernte ich viele neue Kinder kennen und hatte ein enges Verhältnis zur damals angestellten Leiterin der Krippe. Seit meinem Eintritt im Chinderhuus gab es häufige Leiterwechsel, was sehr schwer für mich war, da ich lange brauchte, um Vertrauen zum neuen Leiter zu fassen.
Im August 1999 hat sich mein Vater das Leben genommen. Ich reagierte darauf sehr unterschiedlich: Zum Teil wurde ich wütend und aggressiv und 2 Sekunden später war ich wieder traurig. Durch diese vielen Veränderungen wurde ich immer unsicherer und zog mich zurück. Meine Mutter entschied sich, zum Kinderpsychiatrischen Dienst zu gehen und abzuklären, was man gegen meine plötzlichen Gefühlsausbrüche tun kann. Nach der Abklärung ging ich einmal wöchentlich in eine Musiktherapie. In der Grundschule war ich vermehrt unkonzentriert und störte den Unterricht, was oft zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Lehrern führte. Da die Lehrer nicht mehr mit mir klar kamen, erhielt ich ein zweites Pult ausserhalb des Schulzimmers, im Korridor. Gleichzeitig fanden wegen meinem Verhalten viele Gespräche mit den Lehrern, Mutter, Grossmutter, Therapeuten, Schulpsychologin und der Kinderärztin statt.
2003 wurde bei mir in einer weiteren Abklärung durch einen Facharzt ADHS diagnostiziert. Mir wurde ein Methylphenidat verschrieben und eine Verhaltenstherapie. Das Medikament half mir sehr in der Schule und bei den Hausaufgaben. Jedoch hatte ich starke Schlafstörungen und mein Appetit war gering. Meine aggressive und aufbrausende Art sowie das Unverständnis der Lehrer waren der Grund für den Wechsel in eine private Tagesschule mit Kleinklassen. Dadurch mussten wir auch umziehen und ich hatte es anfangs wieder schwer, neue Freunde zu finden. In dieser Schule habe ich mich nach dem Einleben sehr wohl gefühlt und gelernt, mit meinen Gefühlen um zu gehen. Ich war dort von der 2.-6. Klasse. Im September 2009 beschloss meine Mutter, mich wieder in eine öffentliche Schule zu schicken, da ich grosse positive Fortschritte gemacht hatte. Ich hatte mich darauf gefreut, wieder in eine „normale“ Klasse zu gehen. Jedoch wirkte sich dieser Entscheid nach nur einem Jahr wieder negativ auf mich aus. Ich konnte mich nicht genug konzentrieren und meine Noten fielen sehr schlecht aus. Ich wurde wieder von der Schule genommen und kam in ein Internat in Vilters. Dank der Kleinklassen konnte ich mich besser konzentrieren und machte wieder Fortschritte. Doch dann wieder ein Rückschlag: Nach nur 4 Wochen Schulzeit musste die Schule wegen Geldmangels schliessen. Einmal mehr musste eine neue Schule gefunden werden. Wieder kam ich in ein Internat in Zug. Da ich mitten im Jahr dazu kam, musste ich die 2. Oberstufe wiederholen.
Durch die vielen Schulwechsel hatte ich mich so in mich zurückgezogen, dass ich in den ersten Wochen kaum mit jemandem Kontakt knüpfte. Meine Angst, wieder alle Freunde zu verlieren war zu gross. Doch nach einiger Zeit begann ich mich zu öffnen und konnte mich wieder gut intergirieren. Dank dem klaren und strengen Internatsleben ging es auch aufwärts mit den Schulnoten. Ich lernte viel und konnte mir eine gute Grundlage für das Berufsleben schaffen. Ich wurde auch Teil des Schulrugby-Teams. Mit dem Rugby hatte ich endlich einen Sport gefunden, bei dem ich an meine Grenzen gehen konnte. Durch den sportlichen Ausgleich und die tägliche Betreuung im Internat hatte ich endlich wieder Hoffnung, in dieser Schule meinen Abschluss zu machen. Was ich dann auch erfolgreich tat. Danach begann ich eine Lehre als Schreiner. Mich hat das Arbeiten mit Holz schon die ganze Kindheit begleitet. Ich hatte einen eigenen Hobbyraum zuhause, wo ich mich austoben konnte. Auch in der Berufsschule kämpfte ich immer noch mit Konzentrationsschwächen und Zappeligkeit. Was die Lehrer teilweise auch zu spüren bekommen. Nach meinem Lehrabschluss ging ich in die RS und arbeite nun als Schreiner. Ich lerne immer wieder dazu, um mit dem ADHS zurecht zu kommen. Dabei hilft mir auch, dass ich sehr gutes und unterstützendes Umfeld habe.