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Obwohl sich junge, mittelalte und ältere Probanden nicht darin unterschieden, ob sie eine passive oder eine aktive Strategie zur Lösung des Konfliktes benutzen, hatte die Wahl der Strategie unterschiedlichen Einfluss auf ihren negativen Affekt. Während sich junge und mittelalte Probanden genau gleich schlecht fühlten, egal ob sie ein Konflikt aktiv angegangen oder vermieden haben, berichteten ältere Probanden am Ende des Tages von deutlich weniger schlechten Gefühlen, wenn sie dem Konflikt aus dem Weg gehen konnten.
Die Forscher erklären diesen Befund damit, dass die passive Strategie den Zielen älterer Erwachsenen entspricht. Ältere Menschen nehmen im Unterschied zu jüngeren Erwachsenen deutlicher wahr, dass ihre verbleibende Lebenszeit immer kürzer wird. Sie konzentrieren sich deshalb lieber auf ihr gegenwärtiges Wohlbefinden und nicht auf Ziele, die in ferner Zukunft liegen. Aus diesem Grund suchen sie Harmonie und vermeiden Spannungen in den Beziehungen zu ihren Nächsten. Zwischenmenschliche Konflikte nicht mit einem «heissen Kopf» anzugehen und unnötige Konfrontationen zu vermeiden hilft ihnen dabei. Abwarten, bis sich der Partner beruhigt, dem Streit mit den eigenen Kindern aus dem Wege gehen, einem aufgewühlten Freund die Zeit geben, sich zu beruhigen: für ältere Erwachsene ist das nicht ein «feiges» Verhalten, sondern kluge Strategien, um Harmonie zu bewahren und sich hier und jeztwohl zu fühlen.
Quelle: Charles, S.T., Piazza, J.R., Luong, G., & Almeida, D.M. (2009). Now you see it, now you don’t: Age differences in affective reactivity to social tensions. Psychology and Aging, 24(3), 645–653.