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Luftaufnahmen
Wo sich die Birs aus dem Delsberger Becken durch die erste Jurakette zwängt, erhoben sich beiderseits des Flusslaufes verschiedene Burganlagen. Während von der Burg Saugern nur noch wenige Reste original erhalten sind, die zudem von einer unsachgemäss historisierenden Restauration verdeckt wurden, erinnern auf der linken Talseite noch beträchtliche Mauernzüge an die einstigen Festungen. Auf dem gleichen, zum Birstal abfallenden Bergkamm befinden sich die Reste der Festung Beauregard in einem halbkreisförmigen, doppelten Steinwall, der wohl aus dem 10. Jahrhundert stammt. Diese Anlage dürfte der ursprüngliche Wohnsitz der Grafen von Saugern gewesen sein. Knappe zehn Minuten unterhalb dieser ältesten Wehranlage stehen die Überbleibsel einer gestaffelten Festung aus dem 12. Jahrhundert, die aus einer typischen Doppelburg bestand. Von der oberen Burg, Béridier genannt, ist noch der viereckige Wehrturm erhalten, der das Erdbeben von 1356 überstand. Die untere Anlage, als Vorburg zur oberen wohl gleichzeitig mit dieser angelegt, gab der ganzen Feste den Namen. Die Vorburg wurde beim gleichen Erdbeben stark beschädigt, im Gegensatz zur benachbarten Anlage aber wieder aufgebaut. Sie ist heute in die dortige Wallfahrtskapelle mit der dazugehörigen Einsiedelei eingebaut. Der « St. Anna-Turm » hinter dem Gotteshaus dürfte der Rest des ehemaligen Wehrturms sein, an den sich auf drei Seiten Wohn- und Ökonomiegebäude anschlossen. Es ist anzunehmen, dass die Grafen von Saugern in der neuen Anlage ihren Wohnsitz nahmen, nachdem sie aus unbekannten Gründen Beauregard verlassen hatten.
Von den Grafen von Saugern, deren Geschichte noch einer vertieften Forschung offen steht, ist ihre nahe verwandtschaftliche Beziehung zu den Grafen von Egisheim im Elsass bekannt. Diese waren ihrerseits wieder mit dem hochburgundischen Königshaus versippt. Den Egisheimer Grafen stand die Kastvogtei des Klosters und späteren Chorherrenstifts Moutier-Grandval bis ins Jahr 967 zu. Aus diesen verwandtschaftlichen Verflechtungen liesse sich auch die Überlieferung erklären, wonach Papst Leo IX, der ein Graf von Egisheim und Vetter Kaiser Heinrichs III war, auf einer Reisse von Rom in seine Heimat im Jahr 1049 die Kapelle der ersten Burganlage persönlich eingeweiht haben soll. Die Erinnerung an diese volksverbundene und untadelige Gestalt auf dem päpstlichen Stuhl in einer verwilderten Zeit lebt in der Wallfahrtskapelle der unteren Burg noch heute weiter.
Die Verwaltung des Sornegaus mit dem Richteramt stand den elsässischen Grafen zu, die damit ihre Verwandten von Saugern beauftragten. Diese besorgten von ihrem Wohnsitz auf der Vorburg aus die Geschäfte. Beim Aussterben der Grafen von Saugern gelangte die Vorburg mit der Feste Saugern an die Grafen von Pfirt, von denen der Bischof von Basel sie 1271 erwarb. Von da an residierten bischöfliche Vögte auf der Vorburg. Einer von ihnen verwickelte sich in eine Fehde mit einem neuenburgischen Adligen, in deren Verlauf die Anlage teilweise zerstört wurde. Kaum wieder instand gestellte, erlitt sie beim grossen Erdbeben von Basel beträchtliche Schäden. Die untere Burg wurde bald wieder aufgebaut, die obere liess man in Trümmern.
Neben den Kastellanden, die auf der Vorburg ihres Amtes als Richter, Verwalter und Vögte walteten, waren auch andere Adlige mit ortsgebundenen Lehen begabt. Diesen war neben anderen Aufgaben auch die Burghut anvertraut. Ob zu diesem Kreis die Familie « von Vorburg » gehörte, die, im 16. Jahrhundert in den Adelsstand erhoben, den Stiften von Moutier-Grandval und Saint-Ursanne mehrere Mitglieder stellte und deren weltliche Vertreter später meist im Dienst der Bischöfe von Mainz und Würzburg standen, kann nicht mit Sicherheit entschieden werden. Seit dem 14. Jahrhundert in Delsberg ansässig, erlosch sie 1712 in einem Duell des würzburgischen Rates Jean François von Vorburg.
Im Schwabenkrieg wurde die Vorburg 1499 schwer beschädigt und als Wohn- und Verwaltungssitz unbrauchbar. Der Vogt zog mit seinem Stab nach Delsberg. Die Gebäulichkeiten wurden ihrem Schicksal überlassen. Allerhand Gesindel und Wegelagerer liessen sich darauf im verfallenden Gemäuer nieder. Als sie zu einer Landplage zu werden drohten, stellte der Delsberger Rat an den Bischof das Gesuch, die noch verbliebenen Reste des Bauwerks niederreissen zu dürfen. Mit der Ausnahme der Kapelle wurden hierauf sämtliche Gebäude zerstört.
Das Kirchlein aber mit seiner immer noch lebendigen Erinnerung an den eifrigen Papst Leo wurde verschiedentlich restauriert und vergrössert, ja sogar mit einer Einsiedelei versehen. Heute ist es der beliebteste Wallfahrtsort des Kantons Jura.
Bibliographie