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| Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)

1. Buch
31. Kapitel: Gott genießt uns nicht, sondern er gebraucht uns
34. Demnach scheint es, als ob die Ausdrucksweise, daß wir eine Sache genießen, wenn wir sie um ihrer selbst willen lieben und daß wir nur jene Sache, die uns selig macht, genießen, alle anderen aber nur gebrauchen dürfen, noch zweideutig wäre. Denn Gott liebt uns, und die göttliche Schrift spricht gar oft von seiner Liebe zu uns: Wie steht es also mit seiner Liebe zu uns? Liebt er uns, um uns zu gebrauchen oder um uns zu genießen? Aber wenn er uns genießt, so bedarf er unseres Gutes: das wird aber kein vernünftiger Mensch behaupten. Denn all unser Gut, das ist er ja selber oder es stammt wenigstens von ihm. Für wen kann es z. B. auch unklar oder zweifelhaft sein, daß das Licht nicht des Glanzes jener Dinge bedarf, die es selbst erleuchtet? Darum sagt auch der Psalmist ganz deutlich: „Ich sprach zum Herrn: mein Gott bist du, weil du meiner Güter nicht bedarfst1.“ Gott genießt uns also nicht, sondern er gebraucht uns. Denn würde er uns weder genießen noch auch gebrauchen, dann sehe ich nicht ein, wie er uns lieben sollte.
1: Ebd. 15, 2.