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Selina Hangartner, M.A.
Referent: Prof. Dr. Jörg Schweinitz
Ziel des Dissertationsprojektes ist es, zu untersuchen, wie frühe Tonfilme um 1930 in der Phase des sich vollziehenden Medienwandels vom Stumm- zum Tonfilm auf diesen Wandel reagierten.
Auffällig ist, dass um 1930 eine beachtliche Anzahl von Filmen entstand, die ihre eigene Medialität selbstreflexiv ausstellen oder gar offen thematisieren: Die Einführung des Tons initiierte eine Phase der medialen ‹Selbstbespiegelung› und der Zurschaustellung des eigenen Dispositivs. Schien die neue Dimension des Tons einem gesteigerten Illusionismus der Filme den Boden zu bereiten, so durchbrachen die selbstreflexiven Inszenierungsweisen und die autothematischen Inhalte gerade die illusionistische Darstellung. Dieser Anti-Illusionismus mündete in narrativ fantasievoll konstruierten filmischen Welten, die einerseits die eigene neue Medientechnik und die apparativen Aspekte verwandter neuer Medien (Radio, Grammophon) ostentativ zur Schau stellten und andererseits die Genrewelten und Inszenierungsweisen, denen sie selbst folgten, offenlegten und zum Teil selbstironisch kommentierten.
Als Phänomen des Medienwandels wurde eine ‹Ästhetik des Staunens› angestrebt, die in den ersten Stummfilmen schon einmal einen Medienumbruch (den ursprünglichen Wechsel hin zum Kino überhaupt) begleitete. Erneut zielte die Selbstausstellung der eigenen, neuen Medialität auf die Attraktion des Modernen. Gleichzeitig war in vielen frühen Tonfilmen eine ästhetische Dimension angelegt, die auf ein Bewusstsein von der Artifizialität und geistigen Elaboriertheit der Filme ausgerichtet ist.
Dies lässt sich (auch) als Reaktion auf die zeitgenössischen Diskurse der ästhetischen Kritik am ‹illusionistischen Tonfilm› deuten. Denn dem frühen Tonfilm wurde von vielen Kritikern die ästhetische Vielschichtigkeit abgesprochen und ein Hang zu sentimental verklärtem Illusionismus und Eskapismus vorgeworfen. Mit selbstironischem Gestus banden die Filme diese kulturellen Diskurse, die sich aus umfassenderen Ideen und Paradigmen der Zeit speisten, in ihre mediale Selbstrepräsentation mit ein.