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Ein Artikel aus Welt der Tiere, Ausgabe 2/15
Von Elisabeth Kehl, Voliere-Gesellschaft Zürich
Papageien entsprechen in der Systematik der Vögel der Ordnung Psittaciformes (Papageienvögel). Traditionell werden die Papageien in zwei Familien unterschieden. Die Kakadus und die Eigentlichen Papageien. Kakadus haben eine aufstellbare Haube. Bei den Eigentlichen Papageien fehlt diese, wenn auch einige Arten Nackenfedern besitzen, die sich zu einer Krause aufstellen lassen.
Die Bezeichnung Psittaciformes leitet sich aus dem antiken Psittacus oder Sittacus ab. Diese Namen aus dem Altindischen erreichten uns mit den ersten Importen von Papageien unter
Alexander dem Grossen. Die Ordnung der Papageienvögel umfasst an die 400 Arten mit rund
400 Unterarten. Gemeinsam haben alle Papageienvögel die aufrechte Körperhaltung, den kräftigen Schnabel sowie den Kletterfuss, bei dem zwei Zehen nach vorne und zwei Zehen nach hinten gestellt sind. Sie ernähren sich von Samen, Früchten, Beeren, Blüten und Knospen sowie von Wurzeln. Einige Arten fressen auch Insekten und deren Larven.
FARBENFROHE VOGELFAMILIE
Die Eigentlichen Papageien werden im Grossen in zwei Unterfamilien unterteilt: die Loris (Loriinae) und die Psittacinae. Sie sind auf der ganzen Welt vertreten. Ausnahme: Europa und die Antarktis. Erstaunlicherweise jedoch stammen Fossilien der ersten echten Papageien aus Frankreich. Allerdings ist der genaue Verlauf der Evolution der Tiere noch ungeklärt.
Die Eigentlichen Papageien umfassen den grössten Teil der Art. Ihnen gemeinsam ist ein Strukturelement in den Federästen, in welchem sich das Sonnenlicht bricht. Die Tiere sind von einfarbiger bis wundervoll farbenprächtiger Natur. Diese fürs menschliche Auge faszinierende Tatsache führte leider zu ihrer Verfolgung, ja sogar bis zur kompletten Ausrottung einiger Arten. Das geflügelte Wort «sich mit fremden Federn schmücken» kommt also nicht von ungefähr! Heute sind über 25 bis 30 Prozent aller Papageienarten bedroht bis stark gefährdet. Da sie ausserhalbder Brutzeit oft in grossen Schwärmen unterwegs sind, gelten sie vielerorts als Ernteschädlinge und werden deshalb
gejagt. Wohl der massgebendste Grund für die Bedrohung der Vögel ist die
fortschreitende Zerstörung ihres natürlichen Habitats durch Menschen. Zu den Arten mit einer besonders ungewöhnlichen Ernährungsweise gehören die farbenprächtigen Loris (Loriinae). Sie ernähren sich von Pollen, Nektar und weichen Früchten. Zu diesem Zweck besitzen sie an der Zungenspitze verlängerte Papillen. Mit dieser «Pinselzunge» ernten sie die Pollen und den Nektar aus den Blüten. Aufgrund ihrer eigenwilligen Art der Nahrungsaufnahme ist die private Haltung nur erfahrenen Papageienkennern zu empfehlen.
BELIEBTE HAUBENTRÄGER
Die Familie der Kakadus (Cacatuidae) umfasst 6 Gattungen und 21 Arten, dazu gehört auch der uns so bekannte Heimvogel Nymphensittich. Das Verbreitungsgebiet aller Kakadus ist die
papua-australische Region. Sein auffälligstes Merkmal ist die Federhaube, die je nach Gemütszustand flach angelegt oder weit gesträubt ist. Ein auffälliger Unterschied zu den Eigentlichen Papageien besteht auch darin, dass Kakadus eine Gallenblase besitzen sowie eine besondere Federnstruktur, die Puderdunen. Diese sondern einen feinen Staub ab, der das Gefieder pflegt und schützt. Ihr Gefieder ist weiss, grau, schwarz oder rosa und bei einigen Arten mit gelben oder roten Partien versehen. Kakadus sind in sehr unterschiedlichen Lebensräumen anzutreffen. Sie sind monogame Vögel, deren Paarbindung erst mit dem Tod des Partners endet. Einige Arten sind durch die Lebensraumvernichtung besonders stark vom Aussterben bedroht. Dazu gehört auch der Orangenhaubenkakadu, eine Unterart des Gelbwangenkakadus, der nur auf der Insel Sumba zu finden ist. Von ihm leben nicht einmal mehr 1000 Exemplare in freier Wildbahn.
LAUTE IMITATOREN
Die meisten Kakadus und Papageienarten haben eine sehr laute Stimme – ihr Repertoire reicht von Krächzen und Kreischen bis hin zu schrillem Pfeifen. Sie ahmen auch gerne Geräusche und Stimmen nach. Heute leben ca. 50 Millionen Papageienvögel in Menschenobhut, oft unter Bedingungen, die nichts mit artgerechter Haltung zu tun haben. Diese intelligenten, verspielten und wunderschönen Vögel gelten leider auch heute noch als Statussymbol!
ANSPRUCHSVOLLE HALTUNG
Einige Papageienarten sind beliebte Heimtiere. Wer sich für die Heimhaltung entscheidet, muss sich jedoch einiger Probleme bewusst sein. Durch ihre speziellen Puderdunen produzieren Kakadus grosse Mengen an Staub, der sich im gesamten Raum niederlässt. Ihr Nagebedürfnis ist enorm, sodass Möbel, Kabel, Fensterbalken usw. nicht vor ihnen gefeit sind. Durch ihre laute Stimme sind sie nicht bei jedem Nachbarn beliebt, besonders da einige Arten gerade in der Dämmerung aktiv werden. Ausserdem haben sie einen grossen Bewegungsdrang und brauchen täglich genügend Freiflug, so dass von einer Käfighaltung unbedingt abzusehen ist. Sie benötigen grosse Volieren
und viel Zuwendung. Zudem: Eine einigermassen artgerechte Haltung ist
nur mit mindestens einem Partnervogel möglich.
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