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Seit Ende 2007 ist auf dem binationalen Flughafen Basel-Mulhouse ein Instrumentenlandesystem (ILS) für Anflüge auf die Südpiste 33 in Betrieb. Die Luftfahrtbehörden der beiden Länder, das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) und die Direction générale de l'aviation civile (DGAC), haben in einem Abkommen die Modalitäten für dessen Benutzung festgelegt. Zu Flügen von Süden auf das ILS 33 kommt es, wenn der Nordwind die kritische Stärke überschreitet und Landungen aus Norden nicht mehr zulässt.
Der im Abkommen festgelegte Wert für die nördliche Rückenwindkomponente, ab dem der Betrieb auf Südanflüge umgestellt werden muss, beträgt 5 Knoten (rund 9 Stundenkilometer). Er basiert auf internationalen Empfehlungen. Die Vereinbarung enthält weiter die Bestimmung, dass die beiden Behörden eine vertiefte Analyse durchführen, sofern der Anteil der Südanflüge in einem Kalenderjahr mehr als 8 Prozent aller Instrumentenlandungen ausmacht.
Da die Anflüge auf das ILS 33 im vergangenen Jahr den Wert von 9,96 Prozent erreichten, haben das BAZL und die DGAC die entsprechende Analyse durchgeführt. Sie kommen zum Schluss, dass ausgeprägte Nordwindlagen in der ersten Jahreshälfte der Grund waren, weshalb der Anteil der Südanflüge gegenüber 2009 um 2,1 Prozentpunkte angestiegen ist und auch 1 Prozentpunkt über dem Wert von 2008 lag, dem ersten Betriebsjahr des ILS 33.
Ein vom BAZL in Auftrag gegebenes Gutachten des Deutschen Wetterdienstes bestätigte diese Erkenntnis und stellte fest, dass die Nordwindlagen im Vergleich zu den letzten zehn Jahren insbesondere im zweiten Quartal 2010 am stärksten waren. Seit 2008 nehmen die Nordwindlagen tendenziell zu, was gemäss Gutachten auf ein in Zyklen auftretendes Wetterphänomen zurückzuführen ist.
Die vertiefte Analyse liefert auch Informationen über die Verteilung der Südanflüge nach Monaten, Wochentagen und Tageszeiten. Diese zeigen, dass der höchste Anteil an Südanflügen im Mai mit 23,9 Prozent und der tiefste im August mit 2,3 Prozent verzeichnet wurden. Aufgeteilt auf die Tage gab es am meisten Anflüge montags und dienstags, am wenigsten samstags. Zudem orientiert die Studie über selten vorkommende Wetterlagen wie an den beiden letzten Dezembertagen, als trotz starken Windes Landungen von Norden erfolgten, da die Sicht für Südanflüge ungenügend war. Gesamthaft halten die beiden Behörden fest, dass das ILS 33 2010 wie schon in den Vorjahren gemäss Vereinbarung benutzt worden ist.
In Ergänzung der vertieften Analyse hat die DGAC in Absprache mit dem BAZL weitere Optimierungen am Betrieb des ILS 33 vorgenommen. Dabei handelt es sich um Verbesserungen in der Darstellung der Daten des Informatiksystems, das die Fluglotsen bei der Pistenwahl unterstützt und um die Installation eines Messgerätes direkt neben der Piste, das noch exaktere aktuelle Windwerte liefern soll. Zudem hat die DGAC im Bestreben, den Anteil der Südanflüge möglichst gering zu halten, Trainingsflüge auf das ILS 33 untersagt. Zuvor bestand lediglich eine Aufforderung an die Piloten, auf solche Flüge zu verzichten. 2009 waren bereits Anpassungen am Informatiksystem durchgeführt und der Parallelbetrieb der Landesysteme für Nord- und Südanflüge aufgenommen worden.
2011 wird der Flugbetrieb in Basel-Mulhouse vorübergehend eine Änderung erfahren. Auslöser ist die Sanierung der Nord-Südpiste. Durch die Bauarbeiten wird die Piste von Anfang Mai bis Anfang Juli nicht in der gesamten Länge zur Verfügung stehen, weshalb die Landesysteme ausser Betrieb gesetzt werden müssen. Während dieser Zeit kommt für die Südanflüge das alte Verfahren zur Anwendung, bei dem die Piloten ein anderes Gebiet überqueren und kurz vor der Landung eine langgezogene Kurve nach Sicht fliegen müssen. Da sich das Abkommen zwischen BAZL und DGAC auf Anflüge bezieht, die mit Hilfe der ILS durchgeführt werden, haben die beiden Behörden entschieden, während den Bauarbeiten an der Piste die Landungen sowohl von Norden wie von Süden nicht zu zählen. Der Anteil der Südanflüge für 2011 wird folglich anhand des Verkehrs in der übrigen Zeit des Jahres errechnet.