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Todesursache Nummer eins
Diagnose Der Herzinfarkt ist ein lebensbedrohliches Ereignis. Durch einen plötzlichen, zumeist vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefässes kommt es zum Pumpverlust des betroffenen Herzmuskel-Gebietes und später, falls die Blockade des Gefässes länger anhält, zum Absterben von Teilen des Herzmuskels.
«In der Schweiz erleiden rund 30'000 Menschen jährlich ein akutes koronares Ereignis, das heisst einen Herzinfarkt oder eine instabile Angina Pectoris», sagt Gabor Sütsch, Facharzt FMH für Kardiologie.
Die charakteristischen Symptome sind der plötzliche Brustschmerz, das Gefühl von Enge, der vernichtende Druck vorwiegend hinter dem Brustbein, der meistens in Ruhe auftritt und über 15 bis 20 Minuten anhält.
Der Schmerz strahlt in die Arme oder die Schultergegend aus, manchmal in den Unterkiefer oder in den Oberbauch. Meist treten neben der unerträglichen Brustenge auch Atemnot, starke Unruhe und Todesangst auf.
Begleitend werden Blässe, Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen, aber auch Blutdruckschwankungen bis zur Synkope beobachtet. Bei Frauen sind die Symptome oft weniger ausgeprägt.
Hilfreich für Frühdiagnostik
Das sofortige Elektrokardiogramm ist für die Früherfassung des Infarktes von entscheidender Bedeutung. Zusätzlich werden schnelle und spezifische Bluttests zur Messung von Botenstoffen oder Abbauprodukten eingesetzt.
Der Standard zur Diagnosesicherung ist nach wie vor die Koronarographie. Dabei werden die Herzkranzgefässe mittels Kontrastmittel dargestellt, das gezielt über einen Katheter in den Koronargefässen angereichert wird. Dies ermöglicht es, nicht nur das akut betroffene, sondern auch gefährdete Nachbargefässe zu erfassen.
Anschliessenden erfolgt über dieselben Katheter die Behandlung relevanter Verengungen mit einem Ballon und einem Stent, einem Metallgitter, welches das Gefäss von innen aufdehnt. Gelegentlich ist eine Zweitbehandlung oder eine Bypassoperation nötig.
Senkung der Körpertemperatur
«Der Erfolg einer jeden Therapie des Herzinfarktes hängt von der Reaktionsgeschwindigkeit aller Beteiligten ab, das heisst, jede Minute zählt», betont Gabor Sütsch. Die Gefahr des Herzstillstandes ist in der ersten Stunde am grössten. Oberste Priorität hat die sofortige Alarmierung über den Notruf 144.
Bei einem Bewusstlosen mit Herzkreislaufstillstand wird mit der kräftigen Herzmassage mit einer Frequenz von mindestens 100/Minute begonnen. Sobald ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) vorhanden ist, wird dieser aktiviert und die Herzmassage fortgeführt, bis die Rettungsequipe eintrifft oder Lebenszeichen auftreten.
Nur ein rasch eingesetzter AED zusammen mit den beschriebenen Massnahmen kann den plötzlichen Herztod abwenden. Der Kathetereingriff mit der Ballon- und Stentbehandlung innerhalb der ersten 1 bis 2 Stunden bietet die beste Aussicht, den Herzinfarkt fast vollständig zu verhindern. Neuerdings, so Sütsch, wird nach einem Herzkreislaufstillstand die «Kühlung» des Patienten propagiert.
Durch Senkung der Körpertemperatur kann der Schaden am Herzmuskel und am Hirn verringert werden. Ebenso wichtig wie die Katheterintervention sind die medikamentöse Behandlung vor und nach dem Eingriff, etwa die Hemmung der Blutplättchenaktivität (Bremsung der Gerinnselbildung), die Entlastung der Herzarbeit und die Schmerztherapie.
Erste Hilfe
Von zentraler Bedeutung bei einem Infarkt ist die professionelle Hilfe durch Sanität und Notarzt. Anschliessend erfolgt der Transport auf die Notfallstation, mit Vorteil in ein spezialisiertes Zentrum mit hauseigenem Herzkatheterlabor. Unverzüglich werden spezifische Medikamente in die Blutbahn verabreicht und die Koronarographie mit obigen Massnahmen vorgenommen.
Was den Krankheitsverlauf und die Prognose betrifft, ist die Sterblichkeit nach dem Infarkt altersabhängig: Ältere Patienten sind mehr gefährdet. «Die Prognose hängt wesentlich von der Grunderkrankung ab», sagt Gabor Sütsch.
Rhythmusstörungen spielen dabei in der ersten Phase eine entscheidende Rolle. Falls ventrikuläre Tachykardien oder ein Kammerflimmern in den ersten drei Monaten auftreten, so beträgt die Sterblichkeitsrate des plötzlichen Herztodes ohne die oben beschriebenen sofortigen Reanimationsmassnahmen über 80 Prozent.
Mögliche Komplikationen
Komplikationen können von geringfügig bis lebensbedrohlich reichen. Am meisten gefürchtet sind die erwähnten Herzrhythmusstörungen, gefolgt vom Herzmuskelversagen oder dem rasch auftretenden Lungenödem. Gelegentlich kommt es zu Herzklappenfunktionsstörungen, zur Ruptur der Herzwand oder zu Ausbuchtungen. Gerinnselbildungen im Herzen oder Lungenembolien sind nicht selten.
«Nicht zu unterschätzen sind die Komplikationen, die infolge der Therapie selber entstehen können», betont Gabor Sütsch. Im späteren Verlauf rücken der Umbau des Herzmuskels mit Herzerweiterung und Klappenfunktionsstörung, eine Abnahme der Pumpleistung und die Erschöpfung des übrigen Herzmuskels infolge kompensatorischer Überbeanspruchung in den Vordergrund.
Ungünstig ist die Situation insbesondere dann, wenn ein weiteres Ereignis auftritt, die empfohlenen Medikamente nicht eingenommen und die übrigen Empfehlungen der Spezialisten mit den nötigen Kontrollen nicht befolgt werden.