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Warum verziehst du das Gesicht, wenn du das Wort „Spiritualität“
hörst?
Weil es ein Wort ist, bei dem ich nicht mehr weiß, was sich dahinter
versteckt und welche Interessen damit verbunden sind.
Das Wort treibt seinen Schabernack mit uns. Ich nenne einige
Verbindungen, die ich mit dem Wort gefunden habe: Spiritualität
im Klassenzimmer, Spiritualität und Gesundheit, Spiritualität
des Geldes, Spiritualität des Radios, Spiritualität und Management,
Forschungsspiritualität. Wem dient dieses Wort?
Aber du gibst zu, dass die Leute mit dem Wort etwas suchen,
was ihnen fehlt? Spiritualität hat etwas mit Geist zu tun. Vielleicht
suchen sie Geist in geistlosen Zeiten?
Ja, sicher. Irgendetwas werden sie schon suchen. Aber es kommt
darauf an, was sie suchen. Ich bin mir nicht sicher, ob bei dem
Thema „Spiritualität und Management“ gerade der Geist in geistlosen
Zeiten gesucht wird oder doch nicht eher Effizienz und
Profit. Ich bin nicht sicher, ob bei „Spiritualität und Gesundheit“
nicht doch nur die Steigerung des eigenen Wohlbefindens gesucht
wird. Ich bin nicht sicher, ob im religiösen Gebrauch des
Wortes die Menschen die Steigerung der eigenen Frömmigkeit
suchen.
Was hast du gegen Wohlbefinden?
Nichts! Aber man sollte das Kind beim Namen nennen und es
nicht „artig kämmen“ mit dem hohen Wort Spiritualität.
Was hast du dagegen, dass Menschen um ihre eigene Frömmigkeit
besorgt sind?
Auch das Interesse an der eigenen Frömmigkeit kann eine verblümte
Form des Egoismus sein. Auch diese Suche kann „geistliche
Habgier“ sein, wie Johannes vom Kreuz es nennt. Religiöser
Selbstgenuss ist die komischste Form des Genusses.
[...]
Steffensky Fulbert, in: AUFATMEN, Heft 2/2021, S. 8-11 (siehe PDF-Download).