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Ehemaliges Jesuitenkolleg und Kirche hl. Ignatius und Franz Xaver
Mannheim wird kurfürstliche Residenzstadt
1720 verlegt Kurfürst Carl Philipp[1] seinen Hof endgültig nach Mannheim, nachdem eine Wiederaufnahme der Residenz in Heidelberg an Religionsfragen scheitert. Sein Bruder und Vorgänger, der 1685–1716 regierende Johann Wilhelm,[2] fördert zwar den Wiederaufbau der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg nach ihrer Zerstörung von 1693 stark, belässt den Hof aber in Düsseldorf. Carl Philipp beginnt sofort nach dem Scheitern seiner Bemüshungen in Heidelberg mit dem Neubau des riesigen Barockschlosses von Mannheim.[3] Er lässt es an der Stelle der 1622 und 1689 zerstörten Friedrichsburg im südlichen Teil der befestigten Stadt bauen, nun aber nicht mehr mit Wällen abgeschottet, sondern wie die neuen badischen Residenzen Karlsruhe und Rastatt mit einem Ehrenhof zur Bürgerstadt geöffnet.
|Stadtpläne von Mannheim [1] um 1777 und [2] um 1865, bei beiden Plänen ist Norden unten.

|1. Plan der Stadt Mannheim um 1777. Oben die Residenz, rechts an sie anschliessend das Jesuitenkolleg, das hier (nach 1773) mit «Das Hof-Gericht» bezeichnet ist. Das ehemalige Gymnasium ist mit «Seminarium» beschriftet. Der Plan ist als Standort von 900 neuen Laternen gezeichnet und umfasst dunkel angelegt und beschriftet alle damaligen residenzialen, kirchlichen und städtischen Bauten. Das 1777 begonnene Zeughaus ist noch nicht enthalten, hingegen ist «Das Redouten-Haus» (1777 eröffnet) am späteren Schillerplatz eingetragen. Der Plan muss deshalb um 1776/77 entstanden sein. Bildquelle: Landesarchiv BW.|
|2. Plan der Stadt Mannheim um 1865. Fast hundert Jahre später ist die Stadtbefestigung abgebrochen, aber noch immer thront (entgegen allen damaligen kartographischen Regeln) die südlich gelegene Residenz über der Stadt. Das ehemalige Jesuitenkolleg ist jetzt «Grossh. Lyceum» und «Dechnei». Ausserhalb des noch immer intakten Stadtkerns entwickeln sich erste Erweiterungen, wie der Bahnhof (1840) mit der neuen Eisenbahnbrücke (1862/65) nach Ludwigshafen. Weil der neue Bahnhof (1871) noch nicht eingetragen ist, muss der Plan zwischen 1862 und 1870 lithographiert worden sein. Bildquelle: Landesarchiv BW.|
Kollegneubau 1730–1734
Dem katholischen Kurfürsten folgen als engste Vertraute drei Jesuitenpatres nach Mannheim, darunter auch der spätere Rektor P. Nikolaus Staudacher.[4] Die kleine Jesuitenmission wird schon 1727 mit inzwischen 12 Mitgliedern zur Residenz erhoben. Im gleichen Jahr erhalten die Jesuiten vom Kurfürsten einen grossen Bauplatz im südwestlichen Stadtteil, am Festungswall direkt beim noch im Bau befindlichen Schloss. 1730 legt der Kurfürst den Grundstein für den Kolleg-Neubau. Der dreigeschossige, 108 Meter[5] lange Flügel schliesst direkt an den westlichen Schlossflügel-Eckrisalit mit dem dahinterliegenden Opernhaus an. Er wird in zwei Etappen gebaut. Die südliche, an das Schloss anschliessende Etappe ist schon 1731 gedeckt und bewohnbar. Die nördliche, an die Kirche anschliessende Etappe ist 1734 bezugsbereit. Der Bau zählt 30 Fensterachsen, alle Zimmer der drei Geschosse sind auf die Gärten am Festungswall orientiert.
In der Gebäudemitte ist eine grosse Halle über alle Geschosse ausgeschieden. Aus ihr werden zwei in einem Stichflügel gelegene Säle erreicht. Unten, in die Halle vorgerückt, ist es das massiv gewölbte Refektorium von sechs Meter Raumhöhe. Der obere Saal ist nur vom Gang des ersten Obergeschosses mit zwei freien Treppenläufen in der offenen Halle erschlossen. Die Mitteleingänge zu beiden Sälen sind durchgehend reich gestaltet. Der offenbar wichtigere, zehn Meter hohe obere Saal ragt, ebenso wie die Treppenhalle, mit der Muldendecke drei Meter ins Dachgeschoss.[6] Die wie Theaterarchitektur gestaltete Treppenhalle dient nicht als Treppenhaus, wie dies eine Planveröffentlichung von 1907 zeigt. Das Haupttreppenhaus mit einer dreiläufigen Treppe befindet sich im Südteil der ersten Etappe. Der Haupteingang mit Eingangshalle liegt im nördlichen Teil.
In den Stichkappengewölben des Refektoriums wird 1738 ein grosses Fresko mit dem Thema «Die Speisung der Fünftausend» gemalt. Das Fresko wird Cosmas Damian Asam zugeschrieben, der einige Jahre vorher in der Schlossresidenz die Kuppeln des Treppenhauses, der Schlosskirche und des Rittersaales freskiert.[7]
Der Planer des Kollegs bleibt unbekannt. Der gleichzeitige Schlossneubau, vor allem der zum Kolleg führende Flügel mit der Schlosskirche, wird 1726–1733 durch Guillaume d'Hauberat geplant.[8] Wahrscheinlich ist aber schon das Kolleg eine Planung von Alessandro Galli da Bibiena, obwohl dieser erst nach 1733 mit eigenen Planungen in Erscheinung tritt. Jedenfalls lässt er sich mit einem 1730 datierten Kollegplan vor der dreigeschossigen Fassade porträtieren.[9]
Wegen des inzwischen praktisch vollendeten Neubaus und der Grundsteinlegung zur Kirche erfolgt 1735 die Erhebung der Mannheimer Residenz zum Kolleg. Es ist die letzte Kolleggründung der deutschen Jesuiten.[10]
Gymnasium, Seminarium Musicum und Sternwarte
1747, nach der Rohbauvollendung der Kirche (Beschrieb siehe unten), beginnen die Jesuiten auch mit dem Neubau des Gymnasiums, das sie direkt an den Westchor der Kirche anschliessen. 1750 kann der Bau, der zwei Vollgeschosse und ein Mezzaningeschoss besitzt, bezogen werden. 1757 erfolgt auf kurfürstliche Initiative die Erweiterung mit dem zweigeschossigen «Seminarium musicum». Mit der Sternwarte, die der Mannheimer Jesuit, Heidelberger Professor und Hofastronom P. Christian Mayer gründet, wird noch vor der Auflösung des Ordens ein letztes Gebäude in Angriff genommen. Der achteckige Turm im Garten des Jesuitenkollegs wird 1772–1774 gebaut.
Schicksale der Kolleg- und Schulgebäude nach 1773
Auf Druck der absolutistischen Fürsten wird der Jesuitenorden 1773 vom Papst aufgehoben.[11] Das Kollegium Mannheim wird wenig später geschlossen, die Räume werden für das Hofgericht weiterverwendet. Ein Teil der inzwischen 30 Patres und Brüder führt die Lehr- und Pastoraltätigkeit als Privatpersonen oder Weltpriester weiter, darunter auch der Astronom Mayer und der Musikdirektor Alexander Keck. Altersbedingte Lücken führen 1781 wie in Heidelberg zur Übergabe der Schule an die französischen Lazaristen. Nach dem Übergang Mannheims an das Grossherzogtum Baden wird 1807 im ehemaligen Kollegflügel ein Lyzeum und das Pfarramt eingerichtet. Gymnasium und Musikseminar werden weiterhin für Schulzwecke genutzt.
Die Gebäudezerstörungen beginnen im 20. Jahrhundert. Das ehemalige Jesuitenkolleg wird ab 1901 zur Hälfte abgebrochen, um die Platzanlage vor dem Schloss als frühe Hauptverkehrsachse auszubilden.[12] Gleichzeitig erfolgt im südlichen Teil des ehemaligen Kollegs eine blockartige Schlosserweiterung für das Amtsgericht. Im Gebäuderest mit den beiden grossen Saalräumen und der zweiläufigen Treppe werden schon 1927 die «Asam»-Fresken endgültig entfernt. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg werden die Reste des ehemaligen Kollegs abgebrochen und durch einen modernen Neubau ersetzt. Das gleiche Schicksal blüht den beiden Schulgebäuden am Chorhaupt der Kirche. Nur die Kirche und die Sternwarte werden wieder in ihrer ursprünglichen Form hergestellt.
Kurfürst Carl Philipp
Anfang März 1733 legt Kurfürst Carl Philipp den Grundstein zur neuen Kirche, nachdem das Kolleggebäude mit Ausnahme des Anschlussbereichs fertiggestellt ist. Vieles am geplanten Neubau ist für eine Jesuitenkirche aussergewöhnlich. Die Lage des Kirchenbauwerks mit seiner direkten Residenz-Verbindung, wie dies der Kurfürst von seiner Hofkirche in Neuburg an der Donau[13] kennt, und auch die ungewöhnliche Monumentalität unterscheidet sie von den üblichen Kollegkirchen. Nicht der Jesuitenorden will hier seine Macht demonstrieren. Der Kurfürst als eigentlicher Bauherr will dieses starke sakrale Zeichen, das schon an der Einweihung «Basilica Carolina» genannt wird, als Hofkirche neben seiner neuen Residenz sehen. Mit dem Bau muss aber gewartet werden. Es scheint, dass zum Zeitpunkt ihrer Grundsteinlegung die Planung erst im Groben vorhanden ist, denn es dauert noch fünf Jahre bis zum eigentlichen Baubeginn.
Erst 1738 wird ernsthaft mit dem Bau begonnen. Planer ist Alessandro Galli da Bibiena.[13] Der vor allem als Theaterarchitekt bekannte Italiener baut seit 1737 auch den südwestlichen Schlossblock mit dem Opernhaus und leitet jetzt den Kirchenneubau. 1742 stehen die Umfassungsmauern. Im Dezember dieses Jahres stirbt Kurfürst Carl Philipp. Die Baustelle bleibt bis 1744 verweist.
|Gebäudepläne aus «Collegio Societatis Jesu Mannhemii: Basilica Carolina, Opus Grande» Mannheim 1760.

Auf dem Stich der «Scenographia» ist der Entwerfer-Vermerk links «Bibiena coepit, F. W. Raballiati perfecit et delineavit. Ser.mi Elect. Palat. Architecti.» und der Stechervermerk rechts «Jos. et Joan. Klauber Cath. Ser.mi S. R. F. Pr. et Ep. Aug. Landgr. Hassiae Chalc. Sculps. Aug. Vind.»
D.h. links: Bibiena hat begonnen und F. W. Raballiati hat vollendet und gezeichnet, beide als Architekten Ihrer Hoheit, des pfälzischen Kurfürsten.
Rechts: Joseph und Johann Klauber, Ihrer Hoheiten des Fürstbischofs von Augsburg und des hessischen Landgrafen katholische Chalcographen in Augsburg sind die Stecher.
Bildquellen: Uni Heidelberg.
|Nordfassade
||Ostfassade und Querschnitt durch das Emporen-Turmjoch|
|Grundriss Erdgeschoss, genordet, mit hälftiger Darstellung der Emporen (rechts).||Chor- (West-) Fassade und Querschnitt durch den Chor||«Scenographia sine aspectus optice»: Modellansicht von Osten.|
Kurfürst Carl Theodor
Der Nachfolger auf dem pfälzischen Thron, Carl Theodor, ist schon früh vom kinderlosen Kurfürsten Carl Philipp als Erbe eingesetzt und geschult worden.[15] Er setzt 1744 die Baumassnahmen seines Vorgängers fort. Unter dem Chor lässt er eine Fürstengruft anlegen. 1745 kann das Hauptdach aufgerichtet werden. 1746–1747 folgen die Gewölbe. 1748 kann die Kuppel, eine Holzspanten-Konstruktion, aufgeführt werden.[16] In diesem Jahr stirbt Alessandro Galli da Bibiena. Sein bisheriger Bauleiter Franz Wilhelm Rabaliatti übernimmt die Baustelle.[17] Ein Bauunterbruch ist nicht feststellbar, was auf eine schon längerdauernde Zusammenarbeit Rabaliattis mit Bibiena deutet.[18] Später unterschreibt er das Kupfer «Scenographia Basilicae Carolinae» der Einweihungsschrift selbstbewusst mit «Bibiena coepit. F. W. Raballiati perfecit et delineavit. Sermi Elect. Palat. Architecti», was man nicht nur auf das Kupfer, sondern auch auf den dargestellten Bau beziehen kann: Er ist Vollender des von Bibiena begonnenen und 1748 im Rohbau fertigen Kirchenbaus. Rabaliatti ist aber nicht Nachfolger von Bibiena am Hof. Dies ist kurzzeitig noch einmal Guillaume d'Hauberat. 1752 wird Nicolas de Pigage Oberbaudirektor.[19] Auf den nun beginnenden Innenausbau haben diese Wechsel vor allem indirekten Einfluss, indem sie die schon längere Zeit vorhandene Zuwendung des Hofes zum französischen klassizistischen Barock zusätzlich beeinflussen.
Im März 1749 beginnt Egid Quirin Asam mit seinem Bautrupp in den Gewölben und in der Kuppel mit den Stuckaturen und den Fresken.[20] Der Bruder des noch 1730 in der Residenz arbeitenden, aber schon 1739 verstorbenen Cosmas Damian Asam wirkt in Mannheim vor allem als Maler. Er übernimmt auch die bescheidenen ornamentalen Stuckaturen, die er zwar entwirft, aber durch seinen Trupp ausführen lässt. Der Akkord für die Ausführung des ornamentalen Stucks und der Decken- und Kuppelfresken lautet auf 10 500 Gulden. Am 29. April 1750 stirbt Egid Quirin Asam überraschend in Mannheim. Ein Grossteil der Fresken und der Stuckaturen ist erstellt. Sie werden im gleichen Jahr von Werkstattmitgliedern vollendet. Gelichzeitig bemalt Hofmaler Brinckmann noch die Pendentifs mit Erdteilallegorien.[21] Von den Arbeiten Asams ist heute nichts mehr erhalten.
Nach der Gerüstentfernung beginnen 1751 die Ausstattungsarbeiten. Die Altäre und auch der Chorboden sind Marmorausführungen. Nur die Figuralplastik ist Stuck. Der Hochaltar kann 1753 aufgestellt werden. Sechs Altäre im Querhaus und in den Abseiten folgen ein Jahr später. Alle Altäre und ihre Figuralplastik sind Werke des seit 1752 in Mannheim tätigen, in Frankreich geschulten Hofbildhauers Peter Anton von Verschaffelt.[22] Von den beiden Bildhauern Paul Egell[23] und Augustin Egell[24] stammen die meisten Holzbildhauerarbeiten, von denen aber nur diejenigen des Orgelprospektes den Zweiten Weltkrieg überleben. Augustin Egell arbeitet am Hof mit Matthäus van der Branden zusammen.[25] Dieser ist in der Jesuitenkirche Schöpfer der Beichtstühle. Die Emporenorgel (II/P/32) ist ein Werk des Strassburger Orgelbauers Johann Georg Rohrer, der sie 1753–1755 baut.[26]
Am 15. November 1756 wird die Kirche in Gegenwart des Kurfürsten eingesegnet und in Benutzung genommen. Die eigentliche feierliche Einweihung findet am 18. Mai 1760 statt. Davon zeugt ein Druckwerk, das die Jesuiten zu Ehren der beiden Kurfürsten in Auftrag geben. In den beigefügten Kupferstichen der Augsburger Brüder Klauber nach Vorlagen des Baumeisters Rabaliatti wird das Bauwerk in Plan und Bild eindrücklich vorgestellt.[27] br> Die Schlussabrechnung von 1758 ergibt Baukosten von über 400 000 Gulden.[28]
Die Jesuitenkirche nach 1773
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens ändert sich für das nun als Hofkirche genutzte Kirchenbauwerk nichts, da für den Unterhalt weiterhin die Einnahmen der ehemaligen Jesuitengüter zur Verfügung stehen. Die Gruft wird allerdings nie benutzt, weil Kurfürst Carl Theodor schon 1777 die Residenz nach München verlegen muss. Mit dem Frieden von Luneville wird Mannheim badisch. Der neue Landesherr bestimmt sie zur Pfarrkirche und überlässt der neu gegründeten Pfarrgemeinde einen nördlichen Teil des ehemaligen Kollegiums als Pfarrhaus. 1906 erfolgt erstmals eine konservierende und auch vorbildliche Restaurierung des Gotteshauses. Im Zweiten Weltkrieg wird das Bauwerk im September 1943 mit Brandbomben und im Januar 1945 mit Sprengbomben, zwar nicht vollständig, aber unter dem fast vollständigen Verlust aller Fresken und des Grossteils der Ausstattung zerstört. Der Wiederaufbau setzt 1948 ein und ist 1960 beendet. Mit Ausnahme des Hochaltars und zweier Querhausaltäre wird auf die Rekonstruktion der Ausstattung verzichtet. Weil diese aber schon zur Erbauungszeit völlig der übermächtigen Architektur unterordnet ist, kann man noch heute den Raumeindruck (aber nicht den Farbeindruck) der Barockzeit erleben.
Architektur und Ausstattung der Jesuitenkirche
|Ein italienischer Baukörper mit deutscher Fassade|
|Vergleiche von Sant'Ignazio und Il'Gesù in Rom|
|Die Mannheimer Jesuitenkirche ist eine Wandpfeiler-Basilika mit Querschiff, Tambourkuppel über der Vierung und einem Halbrund-Chorabschluss.[29] Ihr Querschiff ragt im Grundriss nicht über die Seitenschiffe. Mit der bekannten, 1568 begonnenen Mutterkirche der Jesuiten in Rom Il Gesù, verbindet vor allem der Bautypus.[30]|
|Weil im Jahrhundert nach dem Bau von Il Gesù unzählige Kirchen derart gebaut werden, ist ein Vergleich mit einem ab 1623 gebauten Nachfolgebauwerk, der Jesuitenkirche S. Ignazio des Collegio Romano, aussagekräftiger. Vergleicht man die Pläne der beiden Jesuitenkirchen, sieht man schnell Gemeinsamkeiten, aber auch grosse Unterschiede. Gemeinsam ist den beiden Bauwerken die hohe Tambourkuppel über der Vierung und der kurze Halbrundchor. Sogar die Langhausjoche haben mit 12 Meter (S. Ignazio) und 12,5 Meter (Mannheim) ähnliche Achsmasse. Wegen der Kuppel, die bei Jesuitenbauwerken nördlich der Alpen grosse Ausnahme ist, wird Mannheim gerne mit den römischen Kirchen verglichen.[31] Die Unterschiede zu diesen sind aber trotzdem augenfällig. Die bei den italienischen Kirchen tiefen, als Kapellen ausgebildeten Wandpfeiler-Abseiten mit Altären an der Aussenwand sind in Mannheim auf schmale Wandpfeiler-Nischen reduziert, die zudem noch bühnenartig erhöht sind.[32] Verbunden mit dem schmäleren Mittelschiff kommt damit in Mannheim eine Vertikalbetonung zustande, die römischen Kirchen fremd ist. Diese Vertikaltendenz ist auch in der Fassade ablesbar. Wenn Joseph Braun schreibt, dass die Kirche ein echter italienischer Barockbau sei,[33] trifft dies keineswegs auf die Fassade zu. Ihre vertikale Addition von Versatzstücken der Klassik über zwei Geschosse, und ihr wildes Giebelgeschoss haben keine Gemeinsamkeit mit Rom, aber auch nicht mit Bauwerken des süddeutschen Barocks oder der französischen Klassik. Mehr zu dieser eigenartigen Fassade unten.|
Der Kirchenraum Heute
Raumabmessungen
Der Raum ist innen 60 Meter lang. Die Innenbreite des zweijochigen Langhauses mit den versteifenden Abseiten und damit auch des Querhauses beträgt 27 Meter. Langhaus und Vierung sind 16 Meter breit, der Chor 15 Meter. Eine Stichkappen-Tonne überspannt Langhaus und Chor. Die Abseiten und Querhausarme sind mit Quertonnen gedeckt. Die Raumhöhe im Mittelschiff beträgt 29 Meter. Das Verhältnis B/H ist damit knapp 1:2, bei Il Gesù ist es 1:1,5. Die Kuppelhöhe im Innenraum beträgt rund 43 Meter, bis zum Laternenkopf sind es 54 Meter. Die Wandpfeiler sind 5,5 Meter tief, die Doppelpilaster-Breite gibt die Pfeilerbreite von 4,5 Meter vor.
Raumbeschrieb
Der Raum überrascht den Eintretenden mit einer gewaltigen Architekturinszenierung.. Mit Ausnahme der zu bunten Pilaster- Fries- und Gurtbögen-Marmorierung ist der barocke Eindruck noch intakt.[34] Die vertikale und horizontale Architekturgliederung ist sehr ausgewogen, ein mächtiges, bis in den Chor durchlaufendes Kranzgesims betont die Horizontale. Dank des kurzen Langhauses erfolgt eine schnelle Steigerung zur dominierenden Kuppel. Anders als bei den zitierten italienischen Vorbildern ist dank grosser Fenster im Gewölbebereich und in den Abseiten viel Tageslicht vorhanden. Anders ist auch die Behandlung der Abseiten, der sogenannten Kapellen. Ihr Bodenniveau, auch das der angedeuteten Querhäuser, liegt vier Stufen erhöht. In Lang- und Querhaus sind an den Aussenwänden in halber Höhe der Kapellen schmale Seitenemporen angebracht. Die Altäre, in italienischer Art eigentlich an der Aussenwand stehend, sind deshalb frei vor die Emporen gestellt. Im schmalen Joch vor dem Chorhalbrund sind auf dieser Höhe Oratorien angebracht.
Ausstattung
Die Ausstattung wird im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Mit Ausnahme von vier Fresken in den Kuppelpendentifs sind auch alle Gewölbe- und Kuppelfresken nicht mehr erhalten. Selbst Farbaufnahmen vor der Zerstörung fehlen.[35] Nebst den sehr bescheidenen Stuckaturen können nur vier Kapellenaltäre und das Orgelgehäuse gerettet werden. Auch ein Weihwasserbecken von Verschaffelt zählt noch zur originalen Ausstattung. Die beiden Altäre im Querhaus werden wiederhergestellt, der Hochaltar kann 1986–1997 rekonstruiert werden.
Hochaltar
Der Hochaltar wird 1755 als sechssäuliges, nach vorne offenes Ziborium[36] über einem ovalen Grundriss gebaut. Es umklammert die im Vordergrund stehende Altarmensa. Es ist ein Werk des Bildhauers Peter Anton von Verschaffelt, der einem Entwurf seines Vorgängers Paul Egell folgt, und der auch die Figuralplastik ausführt.[37] Der Hochaltar liegt noch völlig in der spätbarocken Tradition, wie sie zu dieser Zeit in Kurmainz und im Hochstift Würzburg durch Balthasar Neumann vertreten wird. Schon in der Einweihungsschrift wird das hervorragende Werk in einem Kupfer von Rabaliatti und Klauber vorgestellt. Nach seiner Zerstörung 1945 dauert es ein halbes Jahrhundert, bis die Rekonstruktion gewagt wird. Nach seiner Zerstörung 1945 dauert es ein halbes Jahrhundert, bis die Rekonstruktion gewagt wird. Sie ist hervorragend gelungen.
Neben-und Seitenaltäre
Die vier Altäre in den Abseiten können nach dem Krieg restauriert werden. Die Querhausaltäre sind Rekonstruktionen. Alle sechs Altäre sind ursprünglich Werke von Verschaffelt. Im Gegensatz zum Hochaltar sind sie einfachste Säulenretabel aus rötlichem Lahnmarmor. Ihre Gestaltung ist schon stark klassizistisch geprägt. In ihren Auszügen sind Reliefs aus weissem Marmor eingelassen, in den Querhausaltären sind diese in Stuck rekonstruiert. Das Thema der Reliefs bezieht sich auf die jeweiligen Altarblätter.[38] Nur der Kreuzaltar enthält heute rekonstruierte Engelsfiguren von Verschaffelt beidseits der Mensa.
Orgeln
1755 liefert Johann Georg Rohrer die Orgel der Eingangsempore.[39] Ursprünglich geplant, das untere Fenster zweigeteilt zu umspielen,[40] baut er in der Ausführung einen Prospekt mit zwei grossen Seitentürmen, die durch je ein Feld mit dem eigenständigen, fünfteiligen Mittelteil verbunden sind. Zurückhaltende, aber qualitätsvolle Bildhauerarbeiten setzen sich in Gold vom dunklen Naturholzgehäuse ab. Sein Werk, das er mit 32 Registern baut, wird schon 1893 ersetzt. Nur das Gehäuse überlebt diesen Neubau und auch den Zweiten Weltkrieg. Im heute wiederhergestellten Prospektgehäuse ist seit 1965 ein neues und bedeutend grösseres Werk (IV/P/56) eingebaut.
Eine weitere Orgel steht erst seit 1961 auf der linken Querhausempore. Ihr als barock bezeichneter, schwerer Prospekt zählt nicht zur Ausstattung des 18. Jahrhunderts.[41] Die Gründe für die Aufstellung sind nicht nachvollziehbar. Die Orgel wird trotz ihrer Lage als Chororgel bezeichnet. Sie ist heute (2021) nicht mehr bespielbar. Zudem erdrückt sie optisch den unter ihr stehenden Seitenaltar.
Kanzel
Anstelle der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kanzel hängt heute an alter Stelle die Kanzel aus der nach 1805 abgerissenen Heidelberger Karmeliterkirche. In der Rokoko-Kartusche des Kanzelkorbes sind die Initialen CT des Kurfürsten Carl Theodor angebracht. Sie ist allerdings ein nicht benutzbares, und im Vergleich zur alten Kanzel auch zu kleines Möbelstück.[42]
Fassade
Architektur
Die Fassade folgt in der Horizontal- und Vertikalteilung der Struktur des Innenraums. Die Vertikalen der beiden Türme decken die Abseiten. Der dreiteilige Mittelbau deckt das Langhaus ab. Die beiden Fassadengeschosse übernehmen die Höhenlagen des Langhausgebälkes und des Zerrbalkens über dem Langhausgewölbe. Das Giebelgeschoss entspricht dem dahinterliegenden Dachraum. Damit ist die Fassade nicht nur reines Schaustück, sondern bildet die Vertikalität des Innenraums auch aussen ab. Das untere Geschoss des Mittelbaus wird mit der vortretenden Vorhalle betont. Mit ihrem flachen Tympanon-Dreiecksgiebel und ihrer gleichmässigen Dreiteilung durch Pilaster wirkt die Vorhalle wie eine wuchtige Tempelarchitektur. Sie hat keine Gemeinsamkeiten mit der Restfassade. Diese liegt streng in einer Ebene. Sie ist mit Pilastern gegliedert und in Haustein ausgeführt. Sie weist zwar klassische Motive auf, hätte aber mit Sicherheit keinen der damaligen Klassiker befriedigt. Auffallend unmotiviert sind vor allem die Segementgiebel, die das Obergeschoss der Türme allseitig von ihrem Oberbau trennen. Dieser tritt im Glockengeschoss zurück und ist mit Zwiebelhauben abgeschlossen. Ein Dreieckfrontispiz bekrönt das dazwischenliegende Giebelgeschoss des Mittelbaus. Die Fassade wirkt insgesamt monumental, auch eigenartig, nicht einfach zu verstehen. Sie ruft seit jeher viel Lob über ihre Gesamtwirkung, aber wegen der unbesorgten Verwendung aller möglicher Versatzstücke der Traktatliteratur auch Kritik hervor.[43] Man glaubt es der Geschichtsschreibung, dass ein Theaterarchitekt Entwerfer dieser Fassade ist.
Bildhauerarbeiten
Das Relief mit dem Christusmonogramm im Tympanon der Vorhalle ist die letzte Arbeit von Paul Egell. Alle anderen Bildhauerarbeiten der Fassade sind Werke Verschaffelts. In der mittleren Fensteröffnung der Vorhalle sitzt die eindrückliche Figur der geflügelten Fama neben einem Löwen. Sie hält die Posaune über dem von einem Putto gehaltenen Wappenschild des Kurfürsten. Eindrücklich ist nicht nur das Werk, sondern auch die Ruhmverkündigung eines weltlichen Fürsten an einem Sakralbauwerk. Die Fama wird in den Seitennischen rechts von der Tapferkeit und links von der Mässigung begleitet. Zwei weitere Figuren stehen in den Nischen des Obergeschosses. Auch sie sind Personifikationen weltlicher Tugenden, rechts die Klugheit, links die Gerechtigkeit.
Schlosserarbeiten
Von grossem künstlerischen Wert sind die 1755 erstellten Rokoko-Schmiedeeisentore der drei Vorhallenportale. Ihr Meister ist der Schlossermeister Philipp Reinhardt Sieber. «Sie gehören zum Besten, was in dieser Beziehung je geleistet wurde. Diese Tore erinnern lebhaft an diejenigen des Würzburger Schlosses, mit denen sie viel Ähnlichkeit haben.»[44]
Pius Bieri 2021
|Literatur

Collegio Societatis Jesu Mannhemii: Basilica Carolina, Opus Grande. Mannheim 1760.
|Rieger, Johann Georg: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung von Mannheim und seiner Umgebung. Mannheim 1824.|
|Gerich, Alfred: Die künstlerische Ausstattung der Jesuitenkirche in Mannheim, in: Freiburger Diözesanarchiv Band 37, Freiburg 1909.|
|Braun, Joseph S.J.: Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten II, Freiburg 1910.|
|Kuld, Joseph: Die Jesuitenkirche in Mannheim und ihre Geschichte, in: Die christliche Kunst, München 1916/17.|
|Duhr, Bernhard: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge, Band III-2 und IV-I, München-Regensburg 1913/1921.|
|Hofmann, Eva: Peter Anton von Verschaffelt. Dissertation Heidelberg 1982.|
|Huth, Hans: Die Kunstdenkmäler des Stadtkreises Mannheim. Berlin 1982.|
|Stiebinger: Das Bild der Stadt Mannheim im Spiegel der Reisebeschreibungen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts. Dissertation Wien 2013.|
|Günther, Eva-Maria: Mannheim, Jesuitenkirche. Kunstführer, Lindenberg 2021.|
Anmerkungen
[1] Carl Philipp von der Pfalz und von Pfalz-Neuburg (1661–1742) wird 1716 als Nachfolger seines Bruders Johann Wilhelm Kurfürst der Pfalz. Bei der Regierungsübernahme ist er noch kaiserlicher Statthalter in Innsbruck. Er beschliesst, wieder in der Pfalz zu regieren. 1718 zieht er in Schwetzingen ein und lässt hier den Lustgarten bauen. Er beabsichtigt, in Heidelberg das Schloss wieder als Residenz herzurichten. 1718 besucht er erstmals nach der Zerstörung von 1689 das sich wieder im Aufbau befindliche Mannheim. Er verlegt im April 1720 den Hof und die Verwaltung von Heidelberg nach Mannheim und residiert vorläufig im Oppenheimer Palais am Marktplatz. Jeweils von Mitte Mai bis Anfang November verbringen er und der Grossteil des Hofes in Schwetzingen.
Mehr zu Carl Philipp unter: www.pfalzneuburg.de.pdf
[2] Johann Wilhelm von der Pfalz (1658–1716) regiert 1690–1716 als Pfalzgraf-Kurfürst von der Pfalz und als Pfalzgraf-Herzog von Pfalz-Neuburg. Er entstammt der jüngeren Neuburger Linie der Wittelsbacher. Sein Vater Philipp Wilhelm, Herzog von Jülich-Berg, wird nach dem Aussterben der männlichen Linie Pfalz-Simmern 1685 neuer Kurfürst der Pfalz. Damit regiert ein katholisches Herrscherhaus die calvinistische Pfalz. Der Regierungssitz des Kurfürsten bleibt nach der Zerstörung Heidelbergs 1693 weiterhin Düsseldorf. Hingegen lässt er ab 1697 Schwetzingen zu seinem Sommersitz ausbauen. In Heidelberg lässt er ab 1703 das neue Jesuitenkolleg, ab 1712 auch die Jesuitenkirche bauen. Er verschafft den Jesuiten in Heidelberg auch Lehrpositionen an der Universität.
[3] Mannheim wird 1606 durch Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz als sternförmige Festung (Friedrichsburg) mit vorgelagerter, ebenfalls sternförmig befestigter Planstadt gegründet. Die zwischen Neckar und Rhein gelegene Neugründung wird schon 1622, am Beginn des Dreissigjährigen Krieges, durch den kaiserlichen General Tilly erobert und zerstört. Nach Friedensschluss wiederaufgebaut und neu auch mit calvinistischen Glaubensflüchtlingen besiedelt, wird Mannheim schon 1689 erneut dem Erdboden gleichgemacht, nun in der systematischen Zerstörung der Pfalz durch Truppen des französischen Sonnenkönigs. Der erste katholische Kurfürst Johann Wilhelm (siehe oben) erteilt 1698 dem holländischen Festungsbaumeister Menno van Coehoorn mit der Planung des Wiederaufbaus, der 1699 beginnt. Auf die sternförmige Isolierung der Friedrichsburg wird jetzt verzichtet.
[4] P. Nikolaus Staudacher (1660–1736) aus Pfarrkirchen, 1709–1713 Rektor des Kollegs von Neuburg an der Donau, 1713 wird er vom späteren Kurfürst Philipp Wilhelm, damals habsburgischer Statthalter in Innsbruck, als Beichtvater und Universitätsprofessor gewünscht, was eine Versetzung als Rektor des Kollegs von Hall im Tirol bedeutet. 1720 kommen er und fünf weitere Patres mit dem Kurfürsten nach Mannheim, wo sie sogleich den Gymnasialunterricht eröffnen. 1729 wird die Jesuitenmission Mannheim mit 10 Patres und zwei Brüdern zur Residenz und 1735 zum Kolleg. Staudacher ist 1735–1736 auch der erste Rektor in Mannheim.
[5] Noch heute werden in der Literatur die Masse des 18. Jahrhunderts in Fuss angegeben, ohne aber die vielen lokalen Veränderungen dieser Masseinheit gegenüber dem metrischen System zu berücksichtigen. Die Kolleglänge wird mit 376,5 Fuss angegeben. Bezieht sie sich auf das Mass vor 1810, ergäbe diese einen Fuss von ca. 286 mm. Mit den genannten 376,5 Fuss Länge und 45 Fuss Breite könnte auch der badische Fuss von 1810 mit 300 mm gemeint sein. Das Längenmass müsste sich dann nicht auf die Kolleglänge, sondern auf Gesamtlänge bis zum Anschluss an die Residenz (ca. 113 m) beziehen.
[6] Die lichten Masse der beiden Säle betragen 18,8 m L x 10,5 m B x 6,1 m H (EG) und 15,0 m L x 10.5 m B x 9,7 m H (OG), alle aus einer Planaufnahme von 1907 gemessen. Die überlieferten Masse von 70' x 40' für das Refektorium würden die Fusslänge von ungefähr 286 mm ergeben. Der obere grosse Saal wird später als Aula benutzt, seine Nutzung zur Jesuitenzeit ist nicht bekannt (vielleicht Versammlungs- und Studierraum, oder Bibliothek?).
[6] Der Entwurf stammt nicht sicher von Asam. Auch die Ausführung durch ihn, fast zehn Jahre nach seiner Arbeit in der Residenz, ist weder wahrscheinlich noch belegt.
[8] Guillaume d'Hauberat (1680–1749). Schüler von Robert de Cotte, der ihn 1716 in kurkölnischen Diensten holt. 1726 ist er in Mannheim Nachfolger von Jean Clément Froimont. Er stellt den Mittelbau des Corps de Logis fertig und ist Planer des westlichen Querflügels und der Schlosskapelle. Die 1731 fertiggestellte Schlosskapelle ist auch im Innenausbau sein Werk. Weil das Kolleg 1730 begonnen wird, fällt die Planung in seine Zeit als Bauverantwortlicher. Er tritt 1738 in die Dienste des Fürsten von Nassau-Weilburg, worauf Allessandro Galli da Bibiena seine Stellung einnimmt. Nach dessen Tod 1748 wird er kurzfristig nochmals Oberbaudirektor. Mehr zu d'Hauberat in wikipedia.org/
[9] Quelle: Huth 1982, S. 564. Zu Alessandro Galli da Bibiena siehe die Anmerkung 14.
[10] Der Titel eines Kollegs wird einer grösseren Jesuitenniederlassung verliehen. Es ist direkt dem Provinzial unterstellt. Die Niederlassung, die dem Kolleg vorangeht, wird Residenz genannt. Der Name Kolleg benennt das klosterähnliche Gebäude mit den Zellen und Studiersälen der Religiosen, gleichzeitig ist er auch der Titel der Jesuitenniederlassung. Jedes Kolleg betreibt ein angegliedertes Gymnasium, manchmal auch ein Lyzeum und ein Seminar. Zu jedem Kolleg gehört eine grössere Kirche. Kolleg, Schule und Kirche sind immer baulich getrennt. Das Kolleg Mannheim ist der oberrheinischen Provinz zugehörig. Diese umfasst 1760 folgende 16 Kollegien, die meist schon seit 16. Jahrhundert bestehen:
Aschaffenburg, Baden-Baden, Bamberg, Erfurt, Ettlingen, Fulda, Hagenau, Heidelberg, Heiligenstadt, Mainz, Molsheim, Schlettstadt, Speyer, Worms, Würzburg. Als letztes Kolleg nach Heidelberg 1725 folgt Mannheim 1735.
[11] Der Druck wird vor allem von den Höfen Spaniens, Portugals und Frankreichs betrieben. Aber auch der bayerische Kurfürst und die österreichische Kaiserin spielen mit. Im Gegensatz zur späteren, und in Bayern bereits geplanten Vermögenssäkularisation der geistlichen Güter spielen die erwartenden Geldeinnahmen keine Rolle. Es ist nur die Angst der Mächtigen vor der straff organisierten Organisation und vor ihrer zu sozialen Einstellung, die zur Ordensauflösung führen. Anderer Auffassung ist in Anbetracht ihrer Wissenschaftsleistungen der pfälzische Kurfürst Carl Theodor. Das Vermögen der oberdeutschen Jesuitenprovinz kann er aber als bayerischer Kurfürst ab 1777 gut gebrauchen. Er verwendet es zur Versorgung seiner zahlreichen illegitimen Kinder.
[12] Die neue Verkehrsachse wird Bismarckstrasse genannt. Die Strasse wird 1958 nochmals verbreitert. Nun fallen ihr nicht nur die nördliche barocke Platzrandbebauung, sondern auch die Schlosswacht-Häuser zum Opfer. Das Schloss ist in den 1960er Jahren wiederaufgebaut, gleichzeitig aber zwischen unglaublichen Auswüchsen von Verkehrsanlagen eingeklemmt. Es thront nicht mehr über dem Rhein, sondern über Asphaltbändern und Gleisanlagen.
[13] Die Hofkirche von Neuburg an der Donau wird 1607 als protestantisches Bauwerk begonnen und 1615 den Jesuiten übergeben.
[14] Alessandro Galli da Bibiena (1686–1748) aus Parma. Er wird nur in Deutschland Bibiena genannt. Die Familie, ursprünglich aus Bibbiena in der Toskana stammend, zählt zu den bekanntesten Theaterarchitekten des Barocks. Alessandro entstammt der dritten Generation. Alessandro lernt beim Vater Ferdinando und seinen Verwandten in Barcelona und Wien. Seit 1716 ist er im Umkreis des Kurfürsten Carl Philipp tätig, zuerst in Innsbruck, dann in Neuburg an der Donau. 1718–1719 arbeitet er mit dem Vater in Fano (Marken). Seit 1720 ist er in Mannheim tätig. Weil 1720–1726 Jean Clément Froimont und 1726–1733 Guillaume d'Hauberat den Schlossbau leiten, muss man Galli da Bibiena zu dieser Zeit als Mitarbeiter der kollektivistischen barocken Planung betrachten. Erst 1737–1742 leitet er, nun als Nachfolger des in andere Dienste getretenen d'Hauberat, die Fertigstellungsarbeiten am westlichen Querflügel und erstellt die südlich anschliessenden Hofbauten mit Opernhaus und Ballhaus. Ab 1738 ist er hauptsächlich mit der Jesuitenkirche beschäftigt.
[15] Carl Theodor (1724–1799), Kurfürst von der Pfalz, Herzog von Jülich Berg und nach 1777 auch Kurfürst von Bayern. «Der Name Karl Theodor steht für die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit Mannheims im 18. Jahrhundert und für den Aufstieg der Stadt zu einem der Kristallisationspunkte des europäischen Barocks. In seiner Regierungszeit wurden der Bau der kurfürstlichen Residenz mit Schloss und Schlosskirche – eine der größten barocken Schlossanlagen in ganz Europa – sowie der Sommersitz in Schwetzingen vollendet. Das Leben in Mannheim entfaltete einen bislang nicht gekannten höfischen Glanz» (Wikipedia).
[16] Der Dachstuhl der Kirche und die Kuppel sind das Werk des Stadtzimmermeisters Heinrich Wilhelm Warth (vor 1693–nach 1750) aus Egolzwil (Luzern).
[17] Franz Wilhelm Rabaliatti (1716–1782) vermutlich aus Stella (Savona I). Sein Name wird in Italien Rabagliati geschrieben. Er schreibt sich selbst Raballiati. Sein Vater wird schon 1703 im kurkölnischen Westfalen vermutet, sodass heute als Geburtsort auch Rüthen genannt wird. Ältere Quellen nennen als Geburtsort Stella bei Savona in Ligurien. Rabaliatti lernt Steinmetz bei seinem Vater in Deutschland. Die Gesellentätigkeit ist unbekannt. Seit den frühen 1740er-Jahren dürfte er am Bau der Jesuitenkirche tätig sein, wird aber erstmals 1746 als Steinmetz-Palier erwähnt. 1747 ist er Baumeister (nicht Hofbaumeister!). Als Nachfolger von Galli da Bibiena leitet er 1748–1754 die Vollendung der Jesuitenkirche von Mannheim. 1756 ist er für die Barockisierung der Jesuitenkirche von Freiburg im Üechtland (Fribourg) tätig. In Heidelberg leitet er 1749–1759 die Fertigstellung der Jesuitenkirche und baut 1750–1765 das repräsentative, schlossähnliche Seminarium Carolinum südlich des Jesuitenkollegs. Seit 1752 ist Nicolas de Pigage sein Vorgesetzter am Hof. Der Handwerker-Architekt Rabaliatti muss jetzt mit dem Künstler–Architekten De Pigage zusammenarbeiten, was sich auf seine Arbeit sehr positiv auswirkt.
[18] Wenig sinnvoll ist deshalb die Annahme, dass Rabaliatti erst 1746 nach Mannheim kommt. 1746 ist er längst etablierter Palier am Kirchenneubau und wird 1747 zum Baumeister ernannt. Er erhält jetzt ein Monatsgehalt von 25 Gulden für die Inspektion der Baustelle.
[19] Nicolas de Pigage (1723–1796) aus Luneville. Studium an der Académie royale in Paris. 1749 beruft ihn Kurfürst Carl Theodor nach Mannheim. Er baut im Schloss Mannheim die Bibliothek und den Cour d’écuries. In den niederrheinischen Besitzungen Carl Theodors ist Schloss Benrath sein Hauptwerk. Schwetzingen bleibt mit den Gartenbauten und dem Theater seine Lebensaufgabe. Unter seiner Direktion bleibt der Mannheimer Hof ein Zentrum der Rezeption französischer Architektur. Sein Einfluss zeigt sich auch in der Ausstattung der Jesuitenkirche. Zu Pigage siehe die Biografie in dieser Webseite.
[20] Egid Quirin Asam (1692–1750) aus Tegernsee. Stuckateur, Maler, Bildhauer und Architekt. Seine Stuckaturen in Mannheim sind derart klassisch streng, dass ein direkter französischer Einfluss vermutet werden darf. Die Fresken sind nur in schwarzweissen Vorkriegsaufnahmen noch zu erahnen. Zu Egid Quirin Asam siehe die Biografie in dieser Webseite.
[21] Philipp Hieronymus Brinckmann (1709–1760) aus Speyer. Hofmaler in Mannheim. Seine Erdteilallegorien der Pendentifs sind teilrekonstruiert und recht malträtiert erhalten. Es sind keine Fresken, sondern Ölmalerei auf Putz.
[22] Peter Anton von Verschaffelt (1710–1793) aus Gent in Flandern. Bildhauerlehre. 1731 wird ihm ein Studium an der Pariser Akademie ermöglicht, welches er 1734–1737 als Volontär bei einem Bildhauer ergänzt. 1737–1751 ist er in Rom und erhält in den letzten Jahren Aufträge vom päpstlichen Hof. 1745 wird er Mitglied der Academia S. Luca. Seit 1752 ist er als Nachfolger von Paul Egell erster Hofbildhauer am kurpfälzischen Hof. Zu ihm siehe die Dissertation Hofmann 1982.
[23] Paul Egell (1691–1752) aus Waibstadt. Lehrmeister ist Balthasar Permoser in Dresden. 1721–1752 Hofbildhauer in Mannheim. Lehrer von Ignaz Günther. Er ist Schöpfer der Fassadenplastik und der Chorlogen der Jesuitenkirche.
[24] Augustin Egell (1731–1786) aus Mannheim. Von ihm sind die Kanzel (zerstört) und die Bildhauerarbeiten am Orgelprospekt.
[25] Johann Matthäus van der Branden (1716–1788) aus Heidelberg. Von Nagler (1852) wird er als «mittelmässiger Bildhauer» bezeichnet.
[26] Johann Georg Rohrer (1685–1765) aus Schlackenwerth in Böhmen, Bruder des Rastatter Hofbaumeister Johann Michael Rohrer, seit 1712 in Strassburg als Orgelbauer tätig.
[27] Rabaliatti zeichnet dazu zwei Grundrisse, zwei Querschnitte, einen Längsschnitt, drei Fassaden, den Hochaltar, eine Perspektivansicht aus Norden und eine Vogelschauansicht des Kollegiums mit Kirche und Schulen. Die Stiche sind präziser und aussagekräftiger als die meisten heutigen kunsthistorischen Planveröffentlichungen.
[28] 400 530 Gulden ohne Malereien. Zum Vergleich: Die im Volumen grössere Wallfahrtkirche Vierzehnheiligen (1740/75, Balthasar Neumann) kostet 163 000 Gulden Rheinisch.
[30] Das Vorbild Il Gesù, ein Bau des römischen Manierismus, findet im frühen 17. Jahrhundert vor allem in lateinischen Ländern viele Nachfolgebauten. Der bekannteste, und auch grösste Nachfolgebau wird im römischen Hochbarock gebaut. Es ist die Kirche des Collegio Romano im Campo Marzio, S. Ignazio. Hier ist das Querschiff wie in Mannheim mit den Seitenschiffen bündig. Beide Bauten sind seit 1683 in einem musterbuchähnlichen Standardwerk von Giovanni Giacomo de Rossi veröffentlicht. Gehe zu Rossi 1683.
[31] In der oberrheinischen Provinz ist Mannheim die einzige Kirche mit einer Tambourkuppel, in der grossen oberdeutschen Provinz ist dies einzig in Innsbruck der Fall.
[32] Sie werden bei den römischen Wandpfeiler-Basiliken als Abseitenkapellen bezeichnet. Leider wird die Kapellenbezeichnung in der Kunstgeschichte auch für die raumhohen Nischen bei Wandpfeilerhallen übernommen, die aber mit dem römischen Kapellentypus nichts gemeinsam haben.
[33] Joseph Braun in: Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten 1910.
[34] Die polychrome Behandlung der Pilaster mit einer lebhaft grünen Marmor-Imitation ist nicht identisch mit dem Vorkriegszustand (gelbgraue Marmorierung). Der Restaurierungsbericht ist mir nicht bekannt, die Farbe soll sich durch Abschleifen der vergilbten Oberfläche ergeben haben. Auch wenn, wie behauptet, bei der Nachkriegs-Wiederherstellung die Farbgebung nach Befund erfolgt ist, ist diese intensive Grünmarmorierung mit den um 1750 zur Verfügung stehenden Pigmenten (Malachit, Grünspan) schon genügend schwierig herzustellen, in derartigem Ausmass als einzige Farbe auch sehr selten, und hat durch das Fehlen der freskierten Deckenzone zudem eine unangenehme Vorherrschaft erhalten. Insgesamt muss die Jesuitenkirche vor dem Krieg farblich bedeutend harmonischer gewirkt haben.
[35] Der «Führerauftrag Monumentalmalerei» wird erst 1943 erteilt. Für Mannheim kommt er zu spät. In diesem Jahr brennt die Kirche und die Fresken können nicht mehr in Agfacolor fotografiert werden. Joseph Braun attestiert 1909 dem Innenraum zwar ein bewundernswerte Architektur, aber einen Mangel an Stimmung. Zum Stuckkleid schreibt er, dass es sich in mässigen Grenzen halte.
[36] Das Ziborium ist ein Säulenaufbau um eine zentrale Altarmensa. Es ist mit Voluten oder einem Volutenbaldachin bekrönt. Es wird auch Baldachin oder Tabernakel genannt. Barockes Vorbild ist der Baldachin-Tabernakel von Bernini in St. Peter (1625).
[37] Die Gruppe hinter der Mensa stellt den Ordensgründer dar, wie er Franz Xaver nach Indien entsendet. Darüber, im Gebälk, sind in einer goldenen Gloriole der Hl. Geist mit Engeln und Putti in Wolkengebilden zu sehen. Beidseits der Mensa stehen die Personifikationen der Religion und der India. Neben den goldenen Baldachinspangen stehen auf den äusseren Säulen zwei Engel, die mit Girlanden den Baldachin halten. Die Figuralplastik wird in «Gips» ausgeführt, um Kosten zu sparen. In der Bevorzugung von Naturstein gegenüber Stuckmarmor ist deutlich der italienisch-französische Einfluss spürbar.
[38] Alle Altarblätter wahrscheinlich von Lambert Krahe (1712–1790), Leiter der Düsseldorfer Gemäldegalerie. Ausführung der Querhausaltäre durch die Hofmaler Anton Felix Besold und Philipp Hieronymus Brinckmann. Die Altarblätter den jeweiligen Altarpatronen gewidmet.
Aloysius-Altar Joch I, Süd (L): Der Heilige mit Kreuz und Lilie.
Stanislaus-Altar Joch I Nord (R): Der Heilige in Verehrung des Kindes.
Borromäus-Altar Joch II Süd (L): Der Heilige reicht einem Sterbenden die Sakramente.
Elisabeth-Altar Joch II Nord (R): Elisabeth von Thüringen spendet Almosen.
Kreuzaltar Querhaus Süd (L): Kreuzigungsdarstellung.
Marienaltar Querhaus Nord (R): Verkündigung.
[39] Die Quellen zu den diversen Orgel-Neubauten und -Restaurierungen sind spärlich. Erstaunlich ist, dass in vielen neueren Veröffentlichungen von einer Westempore gesprochen wird, obwohl die Eingangsempore nach Südost gerichtet ist. Das Werk der Orgelbaufirma Klais von 1965 weist 56 Register auf und hat elektrische Traktur mit elektronischer Spielhilfe.
[40] So ist die Orgel im Stich Rabaliatti und Klauber (1760) dargestellt.
[41] Der mächtige Prospekt soll aus der kleinen Kirche St. Johannes in Fürth am Odenwald stammen. Weil diese 1751/52 gebaut wird, wird dem Prospekt das gleiche Baujahr zugeschrieben, obwohl in Fürth die wirklich barock wirkenden Altäre erst 1754/62 gebaut werden. Etwas mehr Information zum wirklichen Baujahr dieses Prospektes wäre spätestens mit dem geplanten Neubau des Werkes wünschenswert.
[42] Die Kanzel der 1750er-Jahre kommt nach der Zerstörung der Heidelberger Kirche in das 1807 neu gebaute Langhaus der Kirche von St. Leon bei Wiesloch (heute St. Leon-Rot). Sie ist dort noch mit dem originalen Treppenaufgang erreichbar, dessen Brüstung drei vergoldete Rocaille-Felder aufweist. 1955 wird in St. Leon eine neue Kirche gebaut. Die ehemalige Heidelberger Kanzel kommt jetzt in die Jesuitenkirche Mannheim, an die Stelle der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kanzel. Der Rokoko-Treppenaufgang, aber auch der vorherige Zugang durch die Rückwand werden weggelassen. Die Kanzel hängt deshalb als nicht benutzbares Schaustück am Wandpfeiler.
[43] Erstaunlich ist, dass die Fassade der Jesuitenkirche trotz regem Besuch Mannheims durch Persönlichkeiten der Aufklärung im 18. Jahrhundert nur selten negativ beurteilt wird. Zwar äussern sich nur wenige überhaupt zur Jesuitenkirche, die meisten nehmen sie kommentarlos zu Kenntnis. Die Besucher beschreiben stattdessen das Theater, die Sammlungen oder die Sternwarte. Erst im 19. Jahrhundert äussert sich gelegentlich barockfeindliche Kritik am Bauwerk, so 1839 von Georg Friedrich Blaul. Allerdings stört sich auch zu dieser Zeit die Mehrheit der Kritiker nur am «überladenen» Innenraum (Chézy 1816) oder an der Buntheit, beides eine normale Reaktion von Klassizisten.
Mehr zu diesen Berichten siehe in der Arbeit von Silva Stiebinger.
Mit dem Aufkommen der Reiseführer um 1850 verschwinden die wertvollen Gebäudebeschreibungen. Erst mit der neuen Akzeptanz des Barocks am Ende des 19. Jahrhunderts erweckt die Jesuitenkirche wieder das Interesse von Kunsthistorikern.
Cornelius Gurlitt, der als Erster dem Spätbarock wieder zur Akzeptanz verhilft, schreibt im Kapitel «Das italienische-süddeutsche Barock» seiner «Geschichte des Barockstils» (1889) über die Jesuitenkirche Mannheim: «… eine durchaus eigenartige Anlage, welche in vieler Beziehung zeigt, wie sehr der Meister schon deutsche Gedanken in sich aufgenommen hatte». Er findet «namentlich die im Erdgeschoss vorgebaute Eintrittshalle mit hohen Pilastern und niederen dazwischen gestellten Arkaden der Front des Salzburger Domes an Unfreiheit der Verhältnisse verwandt» (Die Fassade des Domes zu Salzburg erscheint ihm beklommen und trotz mächtiger Verhältnisse nicht bedeutend). Dann vergleicht er «den kecken Reichtum an Einzelheiten, die bewegten Umrisslinien, die Buntheit der oft ziemlich äusserlich zusammengefügten Motive» mit den Fassaden von belgischen Kirchen des frühen 17. Jahrhunderts.
Georg Dehio wird in Mannheim gerne zitiert, weil er 1911 im «Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler» die Jesuitenkirche als «ohne Konkurrenz die bedeutendste Barockkirche in SWDeutschland» beurteilt. Dieses Urteil erstaunt, wenn man Zwiefalten, Birnau, Neresheim oder Wiblingen kennt. Nur: Württemberg zählt 1911 noch nicht zu Südwestdeutschland, dafür aber die heute französischen Gebiete von Elsass und Lothringen. Hier, jenseits des Rheins, findet man ausser in Ebersmunster tatsächlich keinen sakralen Barockbau von Bedeutung. Aber trotzdem stört der Vergleich. Denn Dehio gibt der gewaltigen Grösse von Mannheim gegenüber bedeutenderen, aber kleineren badischen Bauwerken wie St. Peter in Bruchsal ein zu grosses Gewicht.
[44] Zitat Josef Kuld in: Die christliche Kunst 1916/17. Wie bei fast allen Meistern der Jesuitenkirche Mannheim ist auch bei Philipp Reinhardt Sieber nicht mehr als der Name bekannt. Der Vergleich mit Würzburg ist korrekt. Tatsächlich sind die 1755 gelieferten Schmiedearbeiten voll dem Würzburger Rokoko in der Art des genialen Hofschlossers Johann Georg Oegg (1703–1782) verpflichtet.
|Weitere Fotos der Jesuitenkirche und der Umgebung aus der Wikipedia|
|1||2||3||4|
|1 .Südwestliche Ansicht von der Rheinbrücke aus. Aufgenommen am 17. Februar 2008 von Frank C. Müller.

2. Die nordwestliche Chorfront der Jesuitenkirche von der Sternwarte gesehen, am 11. September 2011 fotografiert von Jörg Bürgis.
3. Früher zusammenhängend, heute getrennt: Die Residenz (hier der Eckpavillon NW des Ehrenhofflügels mit der Schlosskirche), dahinter die Jesuitenkirche. Aufgenommen am 18. November 2017 von AnRo0002.
4. Die Sternwarte des Jesuiten-Hofastronomen P. Christian Mayer SJ im Garten des Jesuitenkollegs wird 1772–1774 gebaut. Aufgenommen am 9. August 2010 von Rudolf Stricker.
|Ort, Land (heute)||Herrschaft (18. Jh.)|
|Mannheim

Baden-Württemberg
|Kurfürstentum Pfalz|
|Bistum (18. Jh.)||Baubeginn|
|Mainz||1730|
|Bauherr und Bauträger|
|Kurfürst Carl Philipp von der Pfalz und von Pfalz-Neuburg (reg. 1716–1742)|
|Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz und Herzog von Jülich Berg (reg. 1742–1777), 1777–1799 Kurfürst von Bayern.

|Links: Kreuzaltar Querhaus S. Blatt: Besolt (?) 1756. Figuralplastik Verschaffelt rekonstruiert.

Rechts: Marienaltar Querhaus N. Blatt: Brinckmann (?) 1756. Figuren modern.
|Links: Borromäus-Altar in Joch 2 Süd.

Rechts: Elisabeth-Altar in Joch 2 Nord.
|Links: Aloysius-Altar in Joch 1 Süd.

Rechts: Stanislaus-Altar in Joch 1 Nord.