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Naturliebhaber kommen in Kalifornien voll auf ihre Kosten. Auf unseren Trips haben wir nicht nur über atemberaubende Landschaften und wilde Tiere in den amerikanischen Urwäldern gestaunt, sondern auch über die Eigenheiten der US-Campingkultur.
Während man in Ländern wie der Schweiz und Deutschland in den meisten Wäldern einfach umherstreifen darf, ist man in den USA für ein Naturerlebnis auf öffentliche Parks angewiesen, da Privatgelände meistens nicht zugänglich sind.
Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Parks, die man gegen eine geringe Gebühr besuchen darf.
In Kalifornien gibt es sieben grosse Nationalparks, die vom "Department of the Interior" unterhalten werden, 278 vom Bundesstaat finanzierte "State Parks" und viele kleinere, von Gemeinden finanzierte Parks.
Ausserdem sind forstwirtschaftlich genutzte "National Forests" häufig der Öffentlichkeit zugänglich.
Abgesehen von einigen nur beschränkt zugänglichen "Wilderness"-Regionen, die dem Naturschutz dienen, sind die Parks vor allem als Erholungsgebiete für Menschen gedacht.
Die Touristenströme, die man an einem schönen Sommerwochenende in den Besucherzentren der Parks antrifft, beweisen, dass dieses Angebot auf reges Interesse stösst.
Zum Glück lässt der Trubel aber schlagartig nach, sobald man sich nur wenige Meter von den Aussichtsplattformen und den kurzen "scenic walks" um die Zentren entfernt.
Wilde Bären, zahmes Wild
Zum Teil reicht es schon, sich ein paar hundert Meter vom Besucherzentrum des Parks zu entfernen, um Vögel, Hirsche, Kojoten und ev. Bären zu beobachten. Bereits beim Parkeintritt wird man mit Informationstafeln darüber informiert, wie man sich gegenüber wilden Tieren verhalten soll und welchen gefährlichen Tieren man begegnen könnte.
Dort finden sich für Menschen, die in der Natur möglichst wenig stören wollen, auch bizarr anmutende Hinweise wie z.B. dass man am besten laut redend oder pfeifend durch den Park wandert, um die Tiere frühzeitig zu warnen.
Das Hauptziel der an jeder Ecke anzutreffenden Instruktionen ist, die Tiere wild zu belassen. Um die wilden Tiere möglichst von den Menschen fernzuhalten, müssen die Essensvorräte auf den Campingplätzen beispielsweise in bärensicheren Boxen abgeschlossen werden. Um die Besucher zu motivieren, werden die Hinweise häufig mit eindrücklichen Bildern von durch Bären zerstörten Autos und Wohnmobilen unterstützt.
Angesichts dieser Warnungen haben wir auf unseren Wanderungen lieber komplett auf intensiv riechenden Proviant verzichtet. Der Lebensraum der Tiere wird auch dadurch geschützt, dass nur eine begrenzte Besucherzahl in entlegene Gebiete der Parks, dem so genannten "backcountry", gelassen wird.
Zumindest die Hirsche und Rehe scheinen sich trotzdem an den Menschen gewöhnt zu haben. Dies wurde uns spätestens bewusst, als wir mehrere Rehe gemütlich über den Campingplatz spazieren sahen und aus nächster Nähe beobachten konnten. Dies zeigt jedoch nicht nur, wie zahm das Wild ist, sondern auch, wie grosszügig die Campingplätze angelegt sind und mit den Wäldern verschmelzen.
Campinggewohnheiten
Bei unserem ersten Versuch, Freitagabends auf einem Campingplatz an der kalifornischen Küste Unterkunft zu finden, haben wir gelernt, dass die meisten Campingplätze eine sehr beschränkte Anzahl an "camp-sites" zur Verfügung haben.
Normalerweise darf man sein Zelt auch nicht einfach auf eine Wiese stellen, sondern bekommt seinen eigenen Platz zugewiesen, meist mit Feuerstelle und Picknicktisch.
Die Plätze sind meistens sehr gross, so dass ausreichend Raum vorhanden ist, um die zum Teil omnibusgrossen Campingmobile so zu navigieren, dass man von den anderen Campingplatzbenutzern nichts mehr mitbekommt, wenn man abends am Lagerfeuer sitzt.
Aufgrund der Abgeschiedenheit vieler Nationalparks und dem Mangel an alternativen Übernachtungs-Möglichkeiten in abgelegenen Regionen, wie es sie in der Schweiz in Form der Berghütten gibt, stellt das Campingmobil auch beinahe die einzige komfortable Möglichkeit dar, in der Natur zu übernachten, da darüber hinaus viele Campingplätze nicht über fliessendes Wasser und Duschen verfügen.
Finanzmängel
Trotz der recht spärlichen Ausstattung und den Einnahmen aus Eintritts- und Campinggebühren benötigen die Parks staatliche Zuwendungen. Wegen der aktuell misslichen Finanzlage des Bundesstaates sind daher gerade kalifornische "State Parks" von Mittelkürzungen und Schliessungen betroffen.
Wir persönlich würden eine Schliessung der Parks sehr bedauern, da die Naturerlebnisse zu unseren bisher eindrucksvollsten Erlebnissen in den USA zählen. Allerdings wäre eine temporäre Schliessung vielleicht im Sinne der Tiere, die dann wieder eine natürliche Scheu vor dem Menschen entwickeln könnten.
Layla Lang, San Francisco Bay, swissinfo.ch
Fünfte Schweiz
Immer häufiger reisen auch junge Leute für längere Zeit ins Ausland, sei das zum Studieren, Forschen, für ein Stage oder zum Arbeiten.
Zu ihnen gehört auch Layla Lang, die von März bis August 2010 für swissinfo.ch über ihre Erlebnisse und Erfahrungen aus Kalifornien berichtet.
Biographie
Layla Lang ist 28 Jahre alt.
Sie hat an der ETH Zürich Biologie studiert. Ihre Diplomarbeit führte sie am Max-Planck-Insitut für Marine Mikrobiologie in Bremen, Deutschland durch.
Anschliessend lebte sie drei Jahre in München, wo sie als Projekt-Koordinatorin in der klinischen Forschung arbeitete.
Im Dezember 2009 zog Layla Lang mit ihrem Mann, der in Stanford eine Postdoktoranden-Stelle besetzt, an die Bucht von San Francisco in Kalifornien.
Sie arbeitet als klinischer Monitor und betreut klinische Studien in der Region Kalifornien.
Zusätzlich befasst sie sich mit Malerei und wissenschaftlicher Illustration (www.laylakaenel.com).
Zu ihren Hobbys zählen längere Fahrrad- und Trekking-Touren in der Natur.