Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03379.jsonl.gz/1221

Tausende von Autofahrer auf der Staffeleggstrasse kennen ihn und werden ihn vermissen: Giovanni Massenz in Ueken. Der stets rauchende Nonno auf dem Bänkli an der Hauptstrasse war vielen bekannt – im 89. Lebensjahr ist er am 11. Oktober verstorben
Zum Gedenken
Mit Giovanni Massenz starb der letzte noch bekannte Mitarbeiter des 1967 stillgelegten Bergwerks Herznach.
Als drittältestes von acht Kindern in einem kleinen Dorf in Norditalien geboren, erlebte er den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Entbehrungen. Nach abgeschlossener Schulzeit schickte die Familie den 14-jährigen Giovanni in die norditalienischen Alpen als Schäferjunge. Dort war er für wenig Lohn mit 300 Schafen unterwegs. Das hart verdiente Geld schickte er nach Hause zur Unterstützung der Familie. Nach drei Jahren ging Giovanni nach Frankreich, wo er sich in einem Baugeschäft das Handwerk des Maurers aneignete. Während eines Weihnachtsurlaubs zu Hause wurde er von der Militärpolizei abgeholt und für 18 Monate in den Militärdienst gesteckt. Im Jahr 1953 emigrierte Giovanni Massenz in die Schweiz. In Liestal arbeitete er als Maurer. Dort lernte er seine spätere Frau Antonia kennen. Um sein Gehalt aufzubessern wechselte Giovanni wenig später ins Eisenbergwerk Herznach. Zusammen mit italienischen Kumpels wohnte er in einem Zimmer in Ueken, um jeweils am Wochenende zur Familie in Liestal zu pendeln. Später zog die Familie nach Ueken. Die Kinder Giancarlo und Raffaello erinnern sich an die von der schweren Arbeit geprägten Bergwerkarbeiter, wie sie mit braunen Gesichtern aus dem Stollen kamen. Giovanni Massenz integrierte sich im Dorf, wo man nicht nur seine Liebenswürdigkeit, sondern auch seine Fähigkeiten als Maurer schätzte. An Sonntagnachmittagen liebte er es, im Restaurant Sonne zu jassen. Nach der Schliessung des Bergwerks Herznach im Jahr 1967 wechselte er zur Stahlton AG in Frick, wo grosse Brückenträger und andere Betonelemente fabriziert wurden. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er bei der Stahlton AG. Nach dem Tod seiner Ehefrau Antonia im Jahr 1998 lebte Giovanni bei seinem jüngeren Sohn Raffaello. Gesundheitliche Probleme mit verschiedenen Operationen überstand er mit eiserner Kraft und ebensolchem Willen. Nach seiner Genesung war er fast jeden Tag beim Pilze sammeln im Wald anzutreffen.
An der Abdankungsfeier nahmen die Enkel Marc, Sandro und Angela mit bewegenden Schilderungen von ihrem Nonno, der sie interessiert auf ihrem Lebensweg begleitet hat, Abschied. Giovanni wird den Talbewohnern und den vielen Autofahrern als liebevoller Mensch mit seinem braungegerbten, mit Furchen durchzogenen Charakterkopf in Erinnerung bleiben. Blumen erinnern auf dem Bänkli an Giovanni Massenz, den letzten Bergwerk-Mitarbeiter. (ghi)