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Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) lässt keinen Zweifel daran, dass der Iran seine Bestände an angereichertem Uran lückenlos angeben muss. Teheran müsse umgehend und vollständig mit der IAEA bei der Klärung offener Fragen kooperieren, forderte IAEA-Chef Rafael Grossi am Montag zum Auftakt des Gouverneursrats der Uno-Behörde in Wien.
Das betreffe mögliche nukleare Aktivitäten an drei Orten, zu denen der Iran teils den Zugang verweigere. Die fraglichen Vorgänge liegen allerdings Jahre zurück und sollen eine sehr überschaubare Menge an angereichertem Uran betreffen, wie es aus diplomatischen Kreisen hiess. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Die Begründung für den Zugang in diesen konkreten Fällen sei unzureichend, hiess es.
Die IAEA überwacht weltweit die für den zivilen Bedarf gelagerten Uranvorräte und hat im Fall des Irans ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet. Im internationalen Atomabkommen von 2015, das den Iran am Bau einer Atombombe hindern soll, hatte Teheran der Einhaltung von Obergrenzen zugestimmt.
Mit dem Abkommen war dem Iran im Gegenzug ein Ende der wirtschaftlichen Isolation in Aussicht gestellt worden. Nach dem Ausstieg der USA 2018 steht das Abkommen am Rand des Scheiterns. Inzwischen hat der Iran diverse Auflagen verletzt.
Teheran versucht mit dem schrittweisen Ausstieg die verbliebenen Partner - China, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Russland - dazu zu bringen, die Handelsbeziehungen trotz der US-Sanktionen in Schwung zu bringen.
Grossi bescheinigte dem Iran allerdings auch, dass er trotz seiner jüngsten Ankündigung vom Januar, die Verpflichtungen aus der Vereinbarung nun zu ignorieren, bisher keine weitergehenden Schritte unternommen habe. Auch die aktuelle Überwachung des Atomprogramms durch die IAEA laufe auf dem bisher etablierten Niveau weiter.
Der Iran wies darauf hin, dass im Jahr 2018 rund 88 Prozent aller weltweiten Inspektionen der IAEA dem Iran galten. «An diesem Scheideweg haben die Behörde und ihre Mitgliedsstaaten die Verantwortung, die Weisheit zu zeigen, Probleme in gewissenhafter Art anzusprechen, um nicht das grössere Ganze der Kooperation zwischen dem Iran und der IAEA zu zerstören.»
Die IAEA, die als Fürsprecher einer sicheren zivilen Nutzung der Atomkraft auftritt, will laut Grossi als Reaktion auf die Klimaschutz-Debatte die Atomenergie wieder stärker ins Bewusstsein bringen. Das Interesse an dieser CO2-freien-Technologie sei wieder deutlich gewachsen. «Ich will sicherstellen, dass unsere Stimme gehört wird», kündigte Grossi an. Aktuell seien in 30 Ländern insgesamt 442 Reaktoren in Betrieb. In 19 Ländern werden laut IAEA derzeit weitere 53 Reaktoren gebaut. (aeg/sda/dpa)