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Bivio
Bivio
Das Passdorf Bivio (rom. Beiva) liegt auf einer Höhe von knapp 1800 m ü. M. an der Julierstrasse. Der Name Bivio bedeutet Wegscheide und bezieht sich auf die Lage am Fusse des Julier- und des Septimerpasses. Bereits im Reichsguturbar um 840 n. Chr. wurde Bivio als Unterkunftsort für Durchreisende erwähnt. Neben der Hauptsiedlung bestehen noch verschiedene Weiler.
Bivio wurde teilweise vom Bergell aus besiedelt. Die italienischsprachigen Einwohner pflegten regen Kontakt ins deutschsprachige Avers, zu den romanischsprachigen Nachbarn talabwärts und über den Julier ins Engadin. Bivio galt deswegen für sehr lange Zeit als einzige dreisprachige Gemeinde. Auch kirchlich nimmt Bivio eine besondere Stellung ein, gilt die Gemeinde doch seit der Reformation als paritätisch. Dies widerspiegelt sich in den Sakralbauten im Dorf: Die katholische Kirche St. Gallus stammt aus dem Jahr 1518 und birgt einen bedeutenden gotischen Altar; die reformierte Kirche wurde im Jahr 1675 erbaut.
Im Gotteshausbund bildete Stalla (Bivio und Marmorera) mit dem Avers die Gerichtsgemeinde Avers-Stalla und mit dem weit entfernten Unterengadiner Gericht Remüs (Ramosch) das Hochgericht Remüs-Stalla-Avers. Wegen der doch grossen Distanzen und der sprachlichen Unterschiede waren diese Strukturen äusserst schwierig.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fanden zahlreiche Bivianer eine Arbeitsstelle im aufblühenden Tourismus im nahen Engadin. Im Jahr 1959 wurde der erste Skilift in Bivio erbaut. Mit dem aufkommenden Tourismus konnten vermehrt Arbeitsstellen in der Bauwirtschaft und im tertiären Sektor geschaffen werden.
Im Jahr 1980 zählte das Dorf 237 Einwohnerinnen und Einwohner. Seither geht diese Zahl zurück und fiel im Jahr 2013 unter 200 Personen.