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Der Nationalrat diskutiert in der Sondersession auch über die Gold-Initiative der SVP. Sie fordert, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) mindestens 20 Prozent ihrer Währungsreserven in Gold hält und dass das gesamte Gold in der Schweiz aufbewahrt wird. Heute liegt ein kleiner Teil des Goldschatzes der SNB im Ausland, hauptsächlich in London. Das sind die zehn Dinge, die Sie über Gold wissen müssen
Bis heute sind rund 175'000 Tonnen des gelben Metalles gefördert worden. Das entspricht ungefähr einem Würfel mit einer Kantenlänge von 21 Meter, oder um es bildlich darzustellen: Einem Häuserblock mit drei bis vier Etagen. Gold kann nicht gefälscht werden, und es gibt nicht mehr viel mehr davon. Der British Geological Survey kam 2005 zum Schluss, dass weltweit die Goldreserven in 17 Jahren erschöpft sein dürften.
Ende 2013 hatte die SNB Gold im Wert von rund 35 Milliarden Franken. Damit betrug der Anteil des Goldes an den gesamten Währungsreserven 7,5 Prozent, also deutlich unter den von der SVP geforderten 20 Prozent.
Nein. Gold ist kein gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel. Mit Goldvreneli können Sie weder beim Bäcker Brot kaufen noch ihre Steuern bezahlen. Das möchte neuerdings eine Bürgerbewegung ändern. Sie setzt sich dafür ein, dass ein Goldfranken geschaffen wird, eine Münze, die einen bestimmten Goldanteil enthalten muss. Für den Alltagsgebrauch ist eine solche Münze jedoch untauglich, weil sie nicht klein genug gestückelt werden kann. (Wie wollen Sie eine Stange Bier für 5.40 Franken mit Gold bezahlen?)
Überhaupt nicht. Nach Ausbruch der Finanzkrise 2008 hat sich der Wert des Goldes verdoppelt. Im Jahr 2013 hingegen ist der Kurs jedoch um 30 Prozent eingebrochen, und auch im laufenden Jahr hat Gold kontinuierlich an Wert verloren. Gold ist also keineswegs eine todsichere Anlage.
Gold ist fälschungssicher und in begrenztem Umfang erhältlich. Es eignet sich daher ideal als sogenannte Ankerwährung. Wenn eine bestimmte Währung – Franken, Dollar, Euro, etc. – an Gold gekoppelt wird und die Notenbank sich verpflichtet, jederzeit ihre Noten zu einem festen Kurs gegen Gold zu tauschen, dann kann keine Inflation entstehen. Dies war in der ersten Phase des sogenannten Goldstandards in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Fall. Damals gab es während Jahrzehnten keine nennenswerte Inflation.
Der Goldstandard verhindert nicht nur Inflation, er verhindert auch, dass die Notenbank mit ihrer Geldpolitik der Wirtschaft in Krisenzeiten helfen kann. In den regelmässigen Wirtschaftskrisen des 19. Jahrhunderts wurden deswegen Menschen massenweise gezwungen auszuwandern. Glarus, der erste Schweizer Industriekanton beispielsweise, verschiffte halbe Dörfer nach Übersee, daher gibt es heute eine amerikanische Stadt namens New Glarus. Im 21. Jahrhundert ist diese Art von Krisenbewältigung unmöglich geworden.
Bitcoins sind wie Gold fälschungssicher und in einer begrenzten Menge verfügbar. Sie werden durch einen Algorithmus im Zufallsprinzip erzeugt und müssen – ebenfalls wie Gold – geschürft werden, allerdings nicht in der Erde, sondern im Cyberspace. Die Anhänger der Bitcoins verfolgen ähnliche Ziele wie die Goldfans. Sie wollen eine globale Ankerwährung, die Inflation unmöglich macht und bekämpfen das Papiergeld der Notenbanken.
Eine globalisierte Weltwirtschaft ist zu komplex, um mit dem einfachen Mechanismus des Goldstandards gesteuert zu werden. Das hat sich schon Ende des 19. Jahrhunderts abgezeichnet. In den USA kam es damals beinahe zu einem populistischen Aufstand, weil der ans Gold gebundene Dollar mit der raschen wirtschaftlichen Entwicklung nicht mithalten konnte und das Geld rasant an Wert gewann. Vor allem die Bauern konnten ihre Schulden nicht mehr bezahlen und rebellierten dagegen, «ans Kreuz des Goldes» genagelt zu werden. Eine Revolte konnte im letzten Moment verhindert werden, weil in Alaska neue Goldreserven entdeckt wurden und damit die geldpolitische Situation entschärft werden konnte. In der Grossen Depression der 1930er Jahren musste der Goldstandard ebenfalls aufgegeben werden, nach langem Widerstand auch in der Schweiz.
Der Goldpreis ist volatil. Die grossen Verluste der SNB im Jahr 2013 gehen zum grossen Teil auf den Einbruch des Goldpreises zurück. Auch die Volkswirtschaft würde massiv unter Druck geraten, sollte der SVP-Initiative zugestimmt werden. Der ohnehin schon viel zu starke Franken würde noch stärker werden. Das hat Professor Peter Bernholz, ein führender Währungsexperte, kürzlich in der «NZZ» festgehalten: «Ausserdem muss man sich klarmachen, dass höhere Goldbestände keineswegs zu einer grösseren Stabilität der Währung führen. Eine solche wäre nur dann gegeben, wenn alle Banknoten auf Verlangen der Inhaber von der SNB jederzeit zu einem festen Preis in Gold umgewandelt werden müssten. Eine solche Rückkehr allein eines kleinen Landes wie der Schweiz zur Goldwährung würde aber umgehend zu einer massiven Überbewertung des Frankens führen.»
Gold verhindert Inflation, und die Angst vor einer Hyperinflation treibt die Menschen auch im 21. Jahrhundert noch um. Zudem zwingt ein Goldstandard die Staaten, ihr Budget auszugleichen und verhindert so eine Verschuldung. Doch der Preis dafür ist sehr hoch. Mit einem Goldstandard kann in Krisenzeiten der Wirtschaft nicht mit der Geldpolitik unter die Arme gegriffen werden. In den 1930er Jahre hat dies zur wirtschaftlichen Katastrophe der Grossen Depression geführt. Auch die Wirtschaftskrise der Gegenwart, die Grosse Rezession, wäre noch viel verheerender ausgefallen, hätten die Notenbanken die Wirtschaft nicht mit Geld geflutet. Unter einem Goldstandard wäre dies unmöglich gewesen. John Maynard Keynes, der wohl bedeutendste Ökonom des letzten Jahrhunderts, hat Gold deshalb als «barbarisches Relikt» bezeichnet.