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The Heart is a Lonely Hunter ist erst der zweite Filmscore von Dave Grusin und doch einer seiner bekanntesten. Das verdankt Grusin in diesem Fall seinem ausgeprägten Sinn für wunderbar eingängige Melodien, und in Lonely Hunter verwendet er genau so eine. Sein Hauptthema ist auf (den nicht allzu zahlreichen) Grusin Samplern ebenso vertreten wie es der Komponist und Pianist bei seinen einstigen Auftritten jeweils oft zum Besten gab – und es ist wohl eines seiner bekanntesten mit jenam aus Tootsie und On Golden Pondüberhaupt.
Wir hören es natürlich gleich im schönen, eingängigen Main Title, eingeläutet von einem Horn-Motiv, die später von Grusin als Logomusik für Tristar Pictures verwendet wurde. Die Verwendung des Cembalo fand Ende der 60er und anfangs der 70er oft als Ersatz für das Klavier Verwendung (auffällig war dessen Einsatz u.a. in mehreren frühen Columbo-Folgen), auch Grusin verwendet den speziellen Klang dieses Tasteninstruments um sein Hauptthema zu intonieren. Manchmal für sich stehend, oft auch mit einer Querflöte gepaart und mit feinfühlig verspielten Violinen unterlegt. Dieses Thema unterstreicht den naiv-hilfsbereiten Charakter des taubstummen Singers (gespielt von Alan Arkin) dar, ehe es von Streichern übernommen und ausgeprägt vorgetragen wird. Ein zweites wichtiges Thema ist jenes für Mick (die junge Sondra Locke in ihrer ersten Filmrolle), in 20 Dollars Guest zu hören. Grusin fügt im Verlauf seiner Komposition beide Themen zusammen um die wachsende freundschaftliche Beziehung zwischen Singer und Mick wiederzugeben (Long Face). Interessant sind die kleinen Veränderungen in den Tracks 18 und 19 (zwei Versionen des selben Stücks, I Hate You). Die Version 19 ist etwas düsterer, unfreundlicher und wie das Booklet statiert, mehr aus der Perspektive Singers gesehen, während Track 18 musikalisch mehr auf Mick eingeht. Das ist in der Verwendung des variierenden Themenmaterials gut zu erkennen. Selbiges kann auch für Married People festgestellt werden: Track 4 (Soundtrackalbum) ist eine romantischere Version von Track 28, die stiller und vertraulicher ist.
Ein weiteres Thema ist jenes für Dr. Copeland, bluesig, nachdenklich stimmend, welches ebenfalls desöfteren Verwendung findet. Eines der „typischen“ Grusin-Stücke ist das locker-flockige, leider recht kurze Early Jean Shrimpton mit seinem fröhlichen Unterton. Last Walk/Why?schliesslich setzt den bitteren Schlusspunkt (Singer begeht Selbstmord) ehe Grusin für die Schlusstitel kurz noch einmal sein Hauptthema erklingen lässt (End Title).
Eine Besonderheit dieser FSM Veröffentlichung ist die Präsentation des Filmscores (Tracks 16 bis 32), auf den sich diese Besprechung auch bezieht, der zum bekannten, ebenfalls enthaltenen Albumschnitt (Tracks 1 bis 15) mehr Variation im Themenmaterial zeigt und nicht von Songs durchzogen ist (fünf Stück sind auf dem LP-Schnitt zu hören, was den Hörlauf doch merklich stört). Einiges vom hier erstmals zu hörenden Material wurde im Film schliesslich aber nicht verwendet, so zum Beispiel die Tracks Alone Again und Reunion. Alone Again ist eine der Szenen mit Singer, die Grusin mit Musik unterlegte, und bei denen sich die Filmemacher dann doch entschieden, sie ohne Musik zu belassen.
The Heart is a Lonely Hunter ist ein mit etwas mehr als 30 Minuten kurzer und doch reizvoll abwechslungsreicher Score von einem Komponisten mit einem Händchen für wundervolle Melodien.
Interessant übrigens die Anmerkungen im Booklet, dass die Macher daran dachten, Grusins Musik gänzlich zu ersetzen und den Komponisten tatsächlich anfragten, ob denn Quincy Jones ein guter Ersatz wäre. Ja, solche Geschichten gibt und gab es.
Wieder eine feine Sache von Film Score Monthly, die sich wirklich Mühe geben, nicht nur vorhandene Quellen anzuzapfen sondern auch nach weiterem Material suchen und es dem Hörer zugängig machen. Dafür darf der Hut gezogen werden. Für Grusin-Fans ist diese CD eigentlich unumgänglich, auch weil man vom Mann aus Colorado in den letzten Jahren aktuellerseits so gut wie nichts mehr hörte.
THE HEART IS A LONELY HUNTER Dave Grusin Film Score Monthly FSM Silver Age Classics Vol. 12 No. 9 79:03 Min. / 36 Tracks