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Welcome (2009)
Welcome (2009)
Oder: Um Kopf und Kragen schwimmen
Seit über drei Monaten ist der Teenager Bilal (Firat Ayverdi) schon auf der Flucht. Zu Fuss schaffte es der Kurde vom Irak bis an den Ärmelkanal. Sein Endziel ist England, wohin seine Freundin Mina (Derya Ayverdi) emigriert ist. Das Pärchen trennt nun nur noch 32 Kilometer eiskaltes und vielbefahrenes Wasser. Da Bilal die heimliche Fahrt in den Lastwägen, der normale Weg der Flüchtlinge im Norden Frankreichs, wegen eines Foltertraumas nicht schaffen würde, fasst er den Entschluss, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Dabei soll ihm der ehemalige Topschwimmer Simon (Vincent Lindon) helfen, der sich seine Tiefkühlpizzas heute als Schwimmlehrer verdient. Simon lebt gerade in Scheidung von seiner Frau Marion (Audrey Dana), freundet sich mit Bilal an und unterrichtet den Jungen im Kraulen. Da Minas Vater seine Tochter zur Heirat zwingen will, drängt die Zeit.
Film-Rating
Welcome mischt zwei bereits verwendete Filmthemen, die so noch nie gemeinsam auf die Leinwand gebracht wurden. Das Flüchtlingsschicksal (die Beispiele sind unzählig) mit dem "Ich schaff den Ärmelkanal, damit es mir besser geht"-Sportlerdrama (eigentlich nur On a Clear Day). Das könnte leicht in die Hosen gehen, weil sowas auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen passen will. Regisseur Philippe Lioret (Je vais bien, ne t'en fais pas) schafft es aber vor allem dank tollen Schauspielern zu begeistern.
Vincent Lindon ist cool. Ein einsamer Mann, der seine Frau immer noch liebt, und dem man das plötzlich erkennbare Helfersyndrom abnimmt, weil ihm sonst nicht mehr viel bleibt in seinem Leben. Firat Ayverdi als Bilal unterstützen zu wollen, ist verständlich. Der Purscht hat Visionen. Sobald er in England ankommt, will er bei Manchester United anheuern. Die Fussballer-Karriere ist ein kühner Traum für einen irakischen Kurden. Aber wieso nicht. Englisch hat er auch schon ordentlich gelernt, was die Kommunikation in Frankreich - zumindest mit Lindons Figur Simon - erleichtert. Überhaupt mixen sich die kurdischen Laien mit einem Star des französischen Kinos recht gut.
Das Böse wird im Film verkörpert durch die Bürokraten im Einwohneramt oder stiere Nachbarn. Als Zuschauer ist man aber sicher nicht auf deren Seite, weil man die Hoffnung nie verliert, dass alle beide, Simon und Bilal, ihre Frauen zurückerobern können. Der unzähmbare Wunsch auf ein Happy End war schon immer ein wichtiges Merkmal bei einem crowd pleaser. Welcome ist genau das, und will auch nicht viel mehr sein. Dass nebenbei noch ein paar der angewandten Flüchtlingsmethoden auf den Lastwagenstellplätzen von Calais gezeigt werden, ist trotzdem ein weiteres Plus.
OutNow.CH:
17.02.2009 / rm
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