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Die Cinémathèque suisse hat die traurige Pflicht, den Tod des Schweizer Produzenten Yves Peyrot bekannt zu geben. Er verstarb am 1. Dezember im Alter von 83 Jahren. Im Jahr 1939 in Genf geboren, arbeitete er nach seinem Studium an der Fotoschule in Vevey zunächst als Kameramann für Werbefilme der Firma Ema Films, dann für Citel Films, die ebenfalls hauptsächlich Kinowerbung produzierte. Mit dem Material dieser Firma drehte Jean-Louis Roy 1965/66 den Film L’Inconnu de Shandigor, (Der Unbekannte von Shandigor) und regte ihn damit gewissermassen zum Weitermachen an.
So stieg Yves Peyrot mit seinem neuen Partner Yves Gasser in die Produktion von Spielfilmen ein und begleitete die Nouvelle Vague des Westschweizer Films auf recht aussergewöhnliche Weise. Als Erstes übernahm er ein ursprünglich innerhalb der Groupe 5 entwickeltes Projekt, den Film L’Invitation von Claude Goretta, der 1972 am Festival in Cannes den Jurypreis gewann. Welch ein Anfang! Allein im Jahr 1973 produzierten Yves Peyrot und Yves Gasser La fille au violoncelle von Yvan Butler, Les Vilaines Manières von Simon Edelstein, L’Escapade von Michel Soutter und La Paloma von Daniel Schmid (mit Eric Franck).
Daraufhin gründeten sie eine Parallelgesellschaft in Frankreich, Action Films, und produzierten oder koproduzierten eine ansehnliche Anzahl prägender Werke des Westschweizer Films der 1970er- und 1980er-Jahre, unter anderem von Claude Goretta (La Dentellière, Pas si méchant que ça, La Provinciale, La Mort de Mario Ricci, Orfeo), Alain Tanner (Le Milieu du monde, Jonas qui aura 25 ans en l’an 2000, Messidor, Les Années lumière), Michel Soutter (Repérages) und Simon Edelstein (Un homme en fuite).
Über ihre französische Gesellschaft waren sie auch an der Produktion «französischer» Filme beteiligt wie Providence von Alain Resnais, Loulou von Maurice Pialat, Rêve de singe von Marco Ferreri, Un papillon sur l’épaule von Jacques Deray, Les Sœurs Brontë von André Téchiné, Retour à Marseille von René Allio und La Cité des femmes von Federico Fellini. Yves Gasser war eher der Mann fürs Finanzielle, während Yves Peyrot der Mann vor Ort war, der ausführende Produzent, der die Dreharbeiten von A bis Z begleitete. Gemeinsam trugen sie wesentlich dazu bei, die Idee der offiziellen Koproduktionsabkommen der Schweiz mit Frankreich zu verankern, und sie gründeten Citel Films Distribution, um die Kontrolle über die Verbreitung ihrer Filme in der Schweiz zu behalten.
1986 schloss sich die Vertriebsgesellschaft mit Jean-Claude Nicoles Pressegruppe Sonor SA zusammen, die damals die Tageszeitung La Suisse besass. Schon sehr bald kam es zu Meinungsverschiedenheiten über die Vertriebsstrategie, was schliesslich zum Konkurs der Gruppe und somit auch zum Konkurs von Citel führte. Yves Peyrot hatte seine Arbeit als Produzent in der Zwischenzeit eingestellt, war jedoch weiterhin an der Seite von Jean-Pierre Grey im Rahmen der Firma Montblanc Distribution im Vertrieb tätig.
2011 blickte Yves Peyrot vor der Kamera von Cinémémoire, einer mündlich überlieferten Geschichte des Schweizer Films der Universität Lausanne, auf seinen aussergewöhnlichen Werdegang zurück und beantwortete die Fragen von Marthe Porret und Laurence Gogniat mit einer guten Prise Humor.
Die Cinémathèque entbietet der Familie von Yves Peyrot ihr herzlichstes Beileid.
Frédéric Maire