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Die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg der Fair-Food-Initiative wird auf dem Prognosemarkt aktuell auf bescheidene 6% beziffert. Gemäss der Vorhersage von politan ist das wahrscheinlichste Resultat ein Ja-Stimmenanteil von 40 bis 45%. Bei der Initiative für Ernährungssouveränität sieht es noch klarer aus. Hier geht der Prognosemarkt von nur 2% Wahrscheinlichkeit aus, dass sie angenommen wird, während politan das wahrscheinlichste Abstimmungsresultat zwischen 30 und 39% sieht.
Gehen wir also einmal davon aus, dass am Sonntag die Agrar-Initiativen verworfen werden. Dann würde sich die Frage stellen, ob die Ablehnung eine Folge der Abstimmungskampagne war oder ob die Initiativen gar nie eine Chance hatten. Denn erinnern wir uns: Anfangs August erfuhren die Vorlagen in den Umfragen noch eine überwältigende Mehrheit. Bei den GfS Umfragen waren es deutlich über 70% der Befragten, die angaben, für die Vorlagen zu sein, bei den Umfragen des Tages-Anzeigers waren es immerhin über 60%.
Haben die Befürworter der Agrar-Initiativen den Abstimmungskampf verloren oder war es schon von Anfang an klar, dass die Vorlagen keine Chance haben würden? Einigen Aufschluss dazu geben uns die Vorhersagen des Prognosemarktes seit Mitte Juli (siehe die Abbildungen unten). Auf diesem wurde vor den ersten Umfragen die Wahrscheinlichkeit für ein Ja bei der Fair-Food-Initiative bei etwa 6% gehandelt und bei der Initiative für Ernährungssouveränität bei etwa 4%. Das ist also etwa gleich hoch wie jetzt!
Selbst als Mitte August die Umfragen von Tages-Anzeiger und GfS publiziert wurden, ging der Prognosemarkt von einem Nein aus. Die Wahrscheinlichkeit für ein Ja bei der Initiative für Ernährungssouveränität wurde nie bei mehr als 19% gehandelt. Bei der Fair-Food-Initiative, hingegen, stieg die Unsicherheit vorübergehend etwas stärker. Die Wahrscheinlichkeit für ein Ja stieg nach den ersten Umfragen auf über 30%. Doch auch eine deutliche Niederlage von weniger als 40% Ja-Stimmenanteil wurde als mindestens so wahrscheinlich gehandelt.Die Vorhersagen des Prognosemarktes zeigen, dass die Initiative für Ernährungssouveränität nie eine realistische Chance hatte. Mit Bezug auf die Fair-Food-Initiative liegen die Dinge etwas anders. Die Umfragewerte und die Reaktion des Prognosemarktes weisen darauf hin, dass die Befürworter der Fair-Food-Initiative bei einem idealen Verlauf der Abstimmungskampagne möglicherweise einen Coup hätten landen können. Ab Ende August wurde jedoch klar, dass keine solche Dynamik entstehen würde. Und so nahm die Wahrscheinlichkeit für ein Ja bei der Fair-Food-Initiative kontinuierlich ab.
Der Prognosemarkt ist zu jedem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass es bei den Agrar-Initiativen ein Nein geben würde. Die Vorhersagen haben damit gezeigt, dass die Kampagne die gewöhnlichen Effekte auf das Abstimmungsverhalten ausgeübt hat. So hat sie dazu beigetragen, dass die meisten Wähler sich so entschieden haben wie man das aufgrund von Thema und Parteienkonstellation erwarten konnte. Für eine Mehrheit bei der Fair-Food-Initiative hätte es schon einer aussergewöhnlichen Kampagne bedurft.