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Als Pao Zhi bezeichnet man das Aufbereiten bzw. Präparieren arzneilicher Drogen für die Verwendung innerhalb einer Rezeptur. Im weiteren Sinne gehören auch das Anbauen, Ernten, Reinigen, Selektieren, Trocknen und Lagern zur Aufbereitung der Kräuter. Im engeren Sinne meint man damit das Weiterverarbeiten unter Zuhilfenahme von Feuer.
Als Pao Zhi bezeichnet man das Aufbereiten bzw. Präparieren arzneilicher Drogen für die Verwendung innerhalb einer Rezeptur. Im weiteren Sinne gehören auch das Anbauen, Ernten, Reinigen, Selektieren, Trocknen und Lagern zur Aufbereitung der Kräuter. Im engeren Sinne meint man damit das Weiterverarbeiten unter Zuhilfenahme von Feuer. Durch die spezielle Aufbereitung kann die Resorption bestimmter Arzneimittel verbessert, ihre Funktion abgeändert, ihre Wirkung modifiziert oder ihre Toxizität verringert werden. So ermöglichen uns die verschiedenen Methoden des Pao Zhi, die Effektivität der Behandlung zu erhöhen und mögliche Nebenwirkungen für den Patienten zu verringern bzw. zu vermeiden.
Pao Zhi ist also eine wichtige Maßnahme zur Therapiesicherheit. Es hilft uns, die Kraft eines Krautes zu kontrollieren und in die richtigen Bahnen zu lenken.
Das erste eigenständige Werk über Pao Zhi ist Großvater Lei’s Abhandlung über die Aufbereitung von Arzneimitteln (Lei Gong Pao Zhi Lun) von Lei Xiao, ca. 600 n. Chr. Die im Jahre 1578 erschienene Große Materia Medica (Ben Cao Gang Mu) von Li Shizhen enthält ebenfalls viele Referenzen zur Aufbereitung der Arzneidrogen. Etwas später, ebenfalls während der Ming-Dynastie, folgte im Jahre 1622 Miao Xiyong’s Die Methoden der Aufbereitung von Arzneimitteln (Pao Zhi Da Fa). Auch in vielen anderen klassischen Werken zur Materia Medica finden Präparierungsmethoden Erwähnung.
Zwei wichtige moderne Quellen sind die Kompilation der wichtigsten Erkenntnisse über die Aufbereitung von Kräutern in verschiedenen Epochen (Li Dai Pao Zhi Ji Yao) und Erfahrungen in der Aufbereitung von Chinesischen Arzneimitteln (Zhong Yao Pao Zhi Jing Yan Ji Chang). Diese beiden Bücher sind Sammlungen der Pao-Zhi-Verfahren, herausgegeben von der Chinese Academy of TCM in Beijing.
Die Funktionen des Pao Zhi im Überblick
Viele Arzneien haben mehrere Wirkrichtungen. So heißt es beispielsweise über Chuanxiong Rhizoma (Chuan xiong), dass es zum Kopf aufsteigen und auch zum Meer des Blutes, also ins Durchdringungsgefäß (Chong mai) und in die Gebärmutter, absteigen kann. Je nach Aufbereitungsart kann die eine oder andere Wirkrichtung verstärkt werden.
Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle bei der Lenkung der Wirkung eines Krautes. Dies beginnt bereits bei der Auswahl eines bestimmten Pflanzenteils, erstreckt sich über die Aufbereitung bis hin zur Kombination mit anderen Arzneimitteln. Auch die Dosis kann hierbei ausschlaggebend sein.
Durch die spezielle Aufbereitung kann die Wirkung von Arzneidrogen in bestimmte Leitbahnen, Körperregionen oder Schichten gerichtet werden. Unterschiedliche Aufbereitungsarten sollen hier exemplarisch an den drei Drogen Menthae haplocalycis Herba (Bo he), Schizonepetae Herba (Jing jie) und Paeoniae Radix Alba (Bai shao) dargestellt werden.
Unpräpariertes Menthae haplocalycis Herba (Sheng bo he) ist scharf, kühl, aufsteigend und zerstreuend. Es tritt in stärkerem Maße in die Lungen-Leitbahn ein (Wei-Qi-Ebene) als in die Leber-Leitbahn. In der Lungen-Leitbahn und an der Körperoberfläche zerstreut es Wind-Hitze, lindert damit Beschwerden wie Hals- und Kopfschmerzen oder gerötete Augen. Geröstetes Menthae haplocalycis Herba (Chao ho he) steigt weniger stark an die Oberfläche und hilft, Stagnationshitze aus der Qi- und Blut-Ebene zu beseitigen. Diese Anwendung kennen wir z.B. aus der Rezeptur Xiao Yao San. Verkohltes Menthae haplocalycis Herba (Bo he tan) wirkt überhaupt nicht mehr zerstreuend. Es kann als Botenkraut für den Lungenfunktionskreis eingesetzt werden, wenn man z.B. die Wirkung der Rezeptur in den Hals oder in die Nase leiten möchte, aber bei einem schwachen Patienten die zerstreuende Wirkung von Bo he umgehen will.
Unpräpariertes Schizonepetae Herba (Sheng jing jie) geht ins Taiyang und zerstreut Wind-Kälte. Verkohltes Schizonepetae Herba (Jing jie tan) geht ins Jueyin, wo es Blutungen stillt, Wind beruhigt und das Leber-Qi reguliert. Benutzt wird dies z.B. in der Gynäkologie, bei unregelmäßiger und krampfartig schmerzhafter Periodenblutung.
Das Anbraten in Essig (cu chao) führt die Wirkung eines Arzneimittels in die Leber-Leitbahn und in die Blut-Ebene. So tritt die in Reisessig angebratene Päonienwurzel (Cu bai shao) vor allem in die Leber-Leitbahn ein und wirkt insbesondere auf der Blut-Ebene. Dadurch behandelt sie besonders gut Frauenleiden. Sie adstringiert stärker die Leber, wirkt effektiver schmerzstillend, Blut nährend und blutstillend.
Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen Wirkungen der Päonienwurzel (Bai shao) auf, die sie nach unterschiedlichen Aufbereitungsverfahren entfaltet.
AufbereitungsartWirkung
in Reisessig anbraten (Cu chao bai shao oder Cu ba shao oder Cu shao)
Wirkt insbesondere auf der Blut-Ebene und behandelt Frauenleiden. Wirkt stärker die Leber adstringierend, schmerzstillend, Blut nährend und blutstillend.
in Wein gebraten (Jiu chao bai shao oder Jiu chao bai shao oder Jiu shao)
mildert die kalte Natur von Bai shao ab und harmonisiert die Mitte; wirkt stärker blutbelebend; besonder empfehlenswert im Winter; behandelt Bauchschmerzen
trocken angebraten (Chao bai shao oder Zhi bai shao)
behandelt Durchfall mit Bauchschmerzen
angebrannt bzw. verkohlt (Jiao bai shao oder Jiao shao oder Bai shao tan)
Wirkt besonders stark Blut adstringierend und blutstillend.
Kalte Arzneimittel können durch Rösten in ihrer Kälte abgemildert werden, aber auch warme Arzneimittel können durch Rösten leicht gekühlt werden. Dies geschieht beispielsweise, wenn Angelicae sinensis Radix (Dang gui) so lange in der Pfanne geröstet wird, bis seine Öle flüssig werden und austreten. Diese aromatischen Öle sind es, die Dang Gui sein warmes Temperaturverhalten verleihen. Diese Droge nennt man dann Chao dang gui, wenn sie trocken geröstet worden ist, oder Tu Chao dang gui, wenn sie in Erde geröstet worden ist.
Auch Atractylodis Rhizoma (Cang zhu) wird durch Rösten kühler. Dies beruht auf dem gleichen Prinzip wie bei Dang gui.
Gardeniae Fructus (Zhi zi oder Shan zhi) ist in unpräpariertem Zustand kalt und etwas feucht. In diesem Zustand ist es besonders gut geeignet, um Hitze zu klären. Wenn Feuchtigkeit-Hitze besteht, kann Zhi zi geröstet werden (Jiao shan zhi). Dadurch wird die kalt-feuchte Natur von Zhi zi abgemildert. Um Blut-Hitze zu kühlen und Blutungen zu stillen, ist die verkohlte Gardeniafrucht (Hei shan zhi oder Zhi zi tan) am besten geeignet.
Lablab Semen album (Bai bian dou) entfaltet auch unterschiedliche Wirkungen, je nachdem, ob es unpräpariert oder geröstet verwendet wird. Die unpräparierte Droge (Sheng bai bian dou) löst Toxine heraus und kann bei verchiedenen Arten von Vergiftungen angewandt werden. Außerdem nährt es das Milz-Yin. Man kann es also bei Milz-Schwäche mit Trockenheit anwenden, was sich am trocknen Zungenkörper manifestiert. Die geröstete Droge (Chao bai bian dou) kräftigt das Milz-Qi und beseitigt Feuchtigkeit. Sie findet entsprechend Anwendung bei Milz-Schwäche mit Feuchtigkeit, was man leicht am dicken weißen Zungenbelag und am feuchten Zungenkörper erkennen kann.
Gigeriae galli Endothelium corneum (Ji nei jin) beseitigt im unpräpariertem Zustand (Sheng ji nei jin) Knoten, Steine und Akkumulationen, wohingegen die geröstete Droge (Chao ji nei jin) die Verdauung kräftigt.
Manche Arzneimittel geben ihre Wirkstoffe nur schwer an das Dekokt ab oder werden vom Körper nur schwer absorbiert. Dies lässt sich durch eine entsprechende Aufbereitung der Drogen verbessern. Beispielsweise gehen die Wirkstoffe von Corydalis Rhizoma (Yan hu suo) nur schwer ins Dekokt über. Präpariert man es hingegen mit Essig (Cu yan hu suo), verdoppelt sich die Aufnahmefähigkeit.
Ähnlich verhält es sich mit Testudinis Plastrum (Gui ban), Amydae Carapax (Bie jia), Fossilia Ossis Mastodi (Long gu), Ostreae Concha (Mu li) und Haliotidis Concha (Shi jue ming). Durch Wärmezufuhr (Zhi oder Duan) werden diese mineralischen Drogen in ihrer Struktur poröser, wodurch sich die Wirkstoffe beim Abkochen besser herauslösen.
Bei Polygoni multiflori Radix (He shou wu) kennt man auch zwei verschiedene Formen. Die unbehandelte Wurzel (Sheng he shou wu) ist kühl und nährt auf befeuchtende Weise. Sie wird z.B. gerne bei Obstipation aufgrund von Blut-Mangel und Trockenheit der Därme gegeben. Um die Blut auffüllende Wirkung von He shou wu zu verstärken, muss es zusammen mit schwarzen Bohnen (Hei Dou) und Reiswein 12 Stunden lang gekocht werden. Dann erhält man die präparierte Polygonumwurzel (Zhi he shou wu).
Manchmal ist es nötig, drastisch wirkende oder toxische Arzneimittel zu benutzen. Doch sollte dies den Kranken nur so wenig wie möglich belasten.
Aconiti Radix lateralis (Fu zi), zum Beispiel, ist scharf, heiß, trocknend und toxisch.
Unpräpariert wird es heutzutage nur noch selten innerlich angewandt. Doch in der Abhandlung über Kälte-Schädigung (Shang Han Lun) benutzte Zhang Zhongjing rohes Fu zi häufig, um lebensbedrohliche Yang-Leere-Zustände schnell zu behandeln und Patienten aus kollapsartigen Zuständen zu retten. Von einigen sehr erfahrenen chinesischen Ärzten abgesehen, wird rohes Fu zi heutzutage meist nur noch äußerlich in der Akupunktur zusammen mit Moxa benutzt. Zur innerlichen Anwendung wird präparietes Fu zi verwendet. Bei einer typischen Aufbereitungsart wird Fu zi zusammen mit schwarzen Sojabohnen (Hei dou) 48 Stunden lang gekocht. Dabei absorbiert Hei dou die Toxine von Fu zi und machen es weniger trocken und heiß. So präpariert kann es das Mingmen-Feuer auf etwas mildere Weise wärmen und schädigt weniger das Yin.
Ebenso müssen Arisaematis Rhizoma (Tian nan xing) und Pinelliae Rhizoma (Ban xia) vor den Gebrauch 48 Stunden lang in Alumen (Ming fan) eingeweicht und anschließend weiter mit Glycyrrhizae Radix (Gan cao) präpariert werden, wodurch Ban xia seine gelbe Farbe bekommt und den größten Teil seiner Toxizität verliert. Diese Drogen bezeichnet man dann als Fa ban xia bzw. Zhi tian nan xing.
Weniger drastisch sind beispielsweise die Toxine von Toosendan Fructus (Chuan lian zi) oder Arecae Semen (Bing lang). Deren Toxine können durch Rösten vermindert werden. Dadurch erhält man dann die vergleichsweise milden Drogen Chao chuan lian zi oder Jiao bing lang.
Insbesondere die Arzneimittel tierischen Ursprungs riechen oft stark. Um solche unangenehmen Gerüche zu vermindern, werden die tierischen Bestandteile in Essig gebraten. Typische Beispiele hierfür sind Trogopterori Faeces (Wu ling zhi), Hirudo (Shui zhi) und Tabanus (Meng chong). Weiterhin kann der Essig die Arzneimittel in die tiefe Blut-Ebene führen. Hieran sieht man, dass sich die verschiedenen Funktionen der Aufbereitung auch überschneiden und ein Präparationsverfahren mehreren Zwecken dienen kann.
Auch das separate Ernten und Zubereiten der einzelnen Bestandteile einer Arzneipflanze fällt unter Pao Zhi im weiteren Sinne. Von manchen Heilpflanzen werden unterschiedliche Teile mit teils ähnlichen, zum Teil aber auch grundverschiedenen therapeutischen Wirkungen gewonnen. Besonders zahlreich sind die vom Mandarinenbäumchen oder die vom Lotus gewonnenen Drogen.
Beim Mandarinenbäumchen werden separat die Blätter (Ju ye), die Schale der unreifen Frucht (Qing pi), die Schale der reifen Frucht (Ju pi), getrocknet und lange gelagert als Chen pi bezeichnet, sowie verschiedene Teile der inneren Haut (Ju hong und Ju bai), die Fasern (Ju luo) und auch die Kerne (Ju he) verwendet. All diese Teile besitzen ähnliche Eigenschaften; sie alle regulieren das Qi. Doch entsprechend ihrer Signaturen gehen sie in verschiedene Körperregionen und -schichten, weshalb sie bei unterschiedlichen Problemen eingesetzt werden können.
Beim Lotus unterscheidet man die Blätter (He ye), den Wurzelstock (Lian ou oder einfach Ou), die Knoten des Wurzelstocks (Ou jie), die Samenkelche (Lian fang), die Lotussamen (Lian zi), die Keimlinge der Lotussamen (Lian zi xin) und die Staubblätter (Lian xu). Anders als oben bei den Mandarinendrogen haben die einzelnen Teile der Lotuspflanze sehr unterschiedliche Eigenschaften. Sie reichen vom nährenden Befeuchten bis zum Adstringieren – und die bitteren Keimlinge (Lian zi xin) klären sogar Hitze.
Der Maulbeerbaum bildet auch eine unerschöpfliche Quelle wertvoller Arzneimittel. Insbesondere seine Blätter (Sang ye), Zweige (Sang zhi), Früchte (Sang shen zi) und die Wurzelrinde (Sang bai pi) werden arzneilich verwendet. Diese einzelnen Teile des Baumes besitzen entsprechend ihrer Signaturen unterschiedliche Wirkungen. Die Blätter, als die atmenden Teile der Pflanze, haben einen besonderen Bezug zur Lunge sowie zu den der Lunge zugeordneten Skleren und zur Körperoberfläche. Der Wind, dem sie lange ausgesetzt sind, macht die Maulbeerblätter auch zu einer Wind-Droge, welche bei ihrer kalten Natur Wind-Hitze zu behandeln vermag. Wind gehört andererseits der Wandlungsphase Holz an – und auch durch ihre grüne Farbe haben die Maulbeerblätter einen Bezug zur Leber. Sie klären Hitze aus der Leber und der Leber-Leitbahn. Somit behandelt Sang ye gerötete, tränende, gereizte, trockene oder schmerzhafte Augen, entweder durch Wind-Hitze oder Leber-Hitze. Während die leichten Blätter dem Luftorgan Lunge entsprechen, stehen die länglichen Zweige (Sang zhi) in Analogie zu den menschlichen Gliedmaßen. Man wendet sie bei Bi-Syndromen an, um schmerzhafte Obstruktionen der Glieder zu beseitigen. Die süß-sauren Maulbeeren (Sang shen zi) besitzen als Früchte ein nährendes und befeuchtendes Potential. Sie kräftigen die Niere und festigen die Essenz. Die Wurzelrinde (Sang bai pi) besitzt eine für Wurzeln untypische weiße Färbung. Die weiße Farbe führt ihre Wirkung in die Lunge. Sie stillt Husten und Atemnot, wirkt harntreibend und schwemmt Ödeme aus. Das Hauptanwendungsgebiet von Sang bai pi ist Husten aufgrund von Lungen-Hitze. Diese Beispiele sollen illustrieren, wie verschiedene Teile ein und derselben Heilpflanze teils sehr unterschiedliche Wirkungen haben und diese in unterschiedlichen Körperregionen entfalten können.
Angefangen wird mit der Kontrolle des Erntezeitpunktes – z.B. wird Mori Folium (Shuang Sang Ye) idealerweise erst nach dem ersten Frost geerntet. Erst dann besitzen sie ihr gesamtes Qi und ihre volle Kraft. So können sie ihr kühlendes Potential am besten entfalten. Oder durch jahrhundertelange Erfahrung weiß man z.B., dass die beiden Drogen der Rezeptur Er Zhi Wan, Ligustri lucidi Fructus (Nü zhen zi) und Ecliptae Herba (Han lian cao), die beste Qualität besitzen, wenn sie zur Sommersonnenwende bzw. zur Wintersonnenwende geerntet werden. In den Klassikern der chinesischen Materia Medica finden sich stets genaue Angaben darüber, zu welchem Zeitpunkt ein bestimmtes Kraut geerntet werden soll und ob es dann in der Sonne oder im Schatten zu trocknen ist etc.
Nach dem Ernten werden die Drogen dann gewaschen, getrocknet, präpariert und für die Lagerung, Weiterverarbeitung oder den direkten Gebrauch fertiggestellt. So werden bei Eriobotryae Folium (Pi pa ye) nach der Ernte die feinen Härchen von der Unterseite der Blätter abgebürstet, damit sie später keine Irritationen im Hals hervorrufen.
Hierbei werden die Arzneimittel so lange im Wok oder im Backofen geröstet, bis sie den gewünschten Grad an Gelb- oder Braunfärbung erreicht haben. Qing chao ist das Rösten ohne andere Substanzen. Chao Huang ist der erste Grad des Röstens, wobei das Kraut eine gelb-bräunliche Farbe bekommen soll. Wenn z.B. Lai Fu Zi geröstet wird (Chao lai fu zi), verringern sich seine Reizstoffe und es eignet sich besser zur Behandlung der Verdauungsorgane, insbesondere, um Blähungen zu beseitigen. Unbehandeltes Lai fu zi ist scharf und kann leicht Magenschmerzen verursachen. Die unpräparierten Pharbitissamen (Sheng qian niu zi) wirken zu drastisch und können nur von Patienten von starker Konstitution eingenommen werden. Wenn sie jedoch geröstet werden (Chao qian niu zi), sind sie milder und können stagniertes Qi, Feuchtigkeit, Hitze, Nährungsstagnationen, Schleim und stagnierten Stuhl aus den Durchgangsorganen abführen. Durch das Rösten wird Ziziphi spinosae Semen (Suan zao ren) weniger befeuchtend gemacht, da es hierbei teilweise seine fetten Öle verliert.
Bitter-kalte Drogen wie Coptidis Rhizoma (Huang lian) und Scutellariae Radix (Huang qin) können durch Rösten weniger kalt gemacht werden, wodurch sie von schwachen Patienten besser vertragen werden. Zum anderen können sie auf diese Weise noch besser Feuchtigkeit-Hitze klären.
Chao Jiao ist das Rösten der Droge bis sie braun-schwarz ist.
Crataegi Fructus (Shan zha), beispielsweise, ist sauer und bewegt das Blut. Im stark gerösteten Zustand (Jiao shan zha) steigert sie nicht mehr die Magensäurenbildung, sondern reduziert Nahrungstagnationen durch Fleisch und senkt nach modernen Erkenntnissen den Cholesterinspiegel. Auch Hordei Fructus germinatus (Mai ya), Oryzae Fructus germinatus (Gu ya) und Massa medicata fermentata (Shen qu) beseitigen nur dann Nahrungsstagnationen, wenn sie auf diese Weise geröstet worden sind.
Chao Tan bedeutet teilweise Verkohlung. Dabei wird unter hoher Temperatur so lange geröstet, bis das Äußere der Droge schwarz ist.
Drogen, die so behandelt worden sind, stillen Blutungen, wie z.B. verkohlte Rhei Radix et Rhizoma (Da huang tan), Rehmanniae Radix (Sheng di tan oder Shu di tan), Sanguisorbae Radix (Di yu tan), Mume Fructus (Wu mei tan), Schizonepetae Herba (Jing jie tan) etc.
Wenn ein Arzneimittel in der Pfanne geröstet wird und gelb-weißer Rauch aufsteigt, wird es mit einem Substanz-Wassergemisch abgelöscht und wieder solange erwärmt, bis die Flüssigkeit resorbiert oder verdampft ist und wieder gelb-weißer Rauch entsteht.
Meist werden Arzneimittel zwar, wie oben beschrieben, in wässrigen Lösungen gebraten, doch mitunter benutzt man auch trockene Substanzen zur Präparierung. Typische Medien sind dabei Erde, Sand, Weizenkleie oder Reismehl. Das Ziel dieser Aufbereitungsformen liegt meist darin, öligen oder beißend aromatischen Kräutern einen Teil ihrer Öle zu entziehen. Dies ist z.B. üblich bei Atractylodis macrocephalae Rhizoma (Bai zhu), Atractylodis Rhizoma (Cang zhu) und Angelicae sinensis Radix (Dang gui). Wenn sie in Sand oder Erde geröstet werden, verlieren sie einen Teil ihrer scharf-warmen, reizenden aromatischen Öle, was sie milder und verträglicher macht.
Um die relativ schwer verdauliche und klebrige Eselshautgelatine (E jiao) leichter verdaulich zu machen, bricht man sie in kleine Stücke und poppt sie dann in pulverisierter Cyclinae Concha (Hai ge ke). Die dabei entstehenden Kugeln nennt man E-jiao-Perlen (E jiao zhu). Diese lösen sich dann besser im Dekokt auf und lassen sich auch leichter resorbieren.
Hierbei wird ein Kraut zusammen mit einem anderen im Wok gebraten. Ein typisches Beispiel hierfür ist Rehmanniae Radix praeparata (Shu di huang), das gemeinsam mit Amomi Fructus (Sha ren) gebraten wird, um seine Klebrigkeit zu vermindern und es somit leichter verdaulich zu machen. Bei Bi-Syndromen aufgrund von Kälte und Blut-Mangel kann Shu di huang zusammen mit Asari Herba (Xi xin) geröstet werden.
Bestimmte Arzneimittel werden in einem Dämpfkorb mittels Wasserdampf gegart. Diese Aufbereitungsform ist typisch für Rehmanniae Radix praeparata (Shu di huang) oder Rhei Radix et Rhizoma (Shu da huang).
Im Fall der Rehmannia wird die frische Wurzel (Sheng di huang) auf ein Lotusblatt gelegt, mit gelbem Reiswein (Huang jiu) übergossen und 72 Stunden lang gedämpft. Anschließend wird es entnommen und in der Sonne getrocknet. Dieser Vorgang wurde traditionell noch acht Mal wiederholt. Dies bezeichnet man als „neun Mal dämpfen und neun Mal in der Sonne trocknen“. Dadurch verändert sich das Temperaturverhalten von kühl zu leicht warm. Shu di huang kühlt dann nicht mehr wie Sheng di huang das Blut, sondern füllt in stärkerem Maße Blut, Yin und Essenz auf.
Ein typisches Verfahren dieser Gruppe ist das Backen in Teig (Wei). Dazu wird eine Droge, z.B. Puerariae Radix (Ge gen) oder Chebulae Fructus (He zi) in Weizenteig eingehüllt und dann im Backofen gebacken. Ge gen verliert darurch seine aufsteigende, oberflächenbefreiende und zerstreuende Funktion und geht stattdessen in die Därme, wo es Durchfall stillt. Auch bei He zi verstärkt sich durch diese Aufbereitungsart dessen adstringierende Kraft, wodurch es bei chronischem Durchfall im Rahmen von Leere-Mustern eingesetzt werden kann.
Wie oben bereits erwähnt, können toxische Arzneimittel zusammen mit anderen Arzneimitteln gekocht werden, um ihre Toxizität zu reduzieren und sie weniger drastisch wirken zu lassen. Typisch hierfür ist das Abkochen von Aconiti Radix lateralis (Fu zi) in schwarzen Bohnen (Hei dou) oder Alaun (Bai fan).
Mineralische Arzneimittel werden in einer Metallbox unter Sauerstoffabschluss solange erhitzt, bis sie leuchtend rot sind (Hong). Manche werden später noch mit Essig (Cu) abgelöscht. Diese Methode wird z.B. bei Fossilia Ossis Mastodi (Duan long gu) und Ostreae Concha (Duan mu li) benutzt. So präpariert, wirken diese Drogen stärker adstringierend und beruhigend, während sie im rohen Zustand (Sheng long gu und Sheng Mu Li) stärker absenkend wirken und aufsteigendes Leber-Yang wieder nach unten drücken. Die rohen Drogen sind also besser geeignet, Fülle-Muster wie Leber-Feuer zu behandeln und die kalzinierten Drogen eignen sich besser zur Behandlung von Leere-Mustern wie Herzklopfen, Nachtschweiß oder Nervosität.
Wie beim Destillieren wird ein spezielles Gefäß langsam erwärmt. Der aufsteigende Dampf kühlt in einem Zylinder ab und ergießt sich in ein separates Gefäß. Auf diese Weise wird z.B. schwarze Bohnenpaste (Hei Dou Gao) zum Behandeln von Neurodermitis gewonnen.
Das Fermentieren verstärkt die Enzymbildung von Arzneimitteln. Dazu werden die Arzneimittel pulverisiert, mit Wasser zu einem Teig geknetet und bei 30-37 Grad C luftdicht aufbewahrt. Ein Beispiel hierfür Massa medicata fermentata (Shen qu).
Verschiedene Arten von Getreidekörnern wie Hordei Fructus germinatus (Mai ya) oder Oryzae Fructus germinatus (Gu ya), werden erst nach dem Keimen für die Behandlung der Verdauungsorgane eingesetzt. Erst dann entfalten sie ihre Nahrungsstagnation auflösende Wirkung.
Hierbei werden Mineralien im Wasser zu sehr feinem Pulver zermahlen. Dabei schwimmen die feinsten Anteile an der Wasseroberfläche. Diese werden dann abgeschöpft und getrocknet. So erhält man ein sehr feines Pulver, das selbst auf empfindlichen Schleimhäuten oder auf Wunden keine Reizungen mehr hervorruft. Feines Perlenpulver (Zhen Zhu Fen) wird z.B. auf diese Weise gewonnen.
Dies ist eine sehr große Methodengruppe. Viele sehr spezielle Methoden können hierzu gezählt werden, z.B. die Herstellung von Xi Gua Shuang (Watermelon Frost). Hierzu wird eine Wassermelone (Xi gua) oben geöffnet und mit einem Löffel etwas ausgehöhlt. In dieses Loch füllt man dann Glaubersalz (Mang xiao) und hängt die Melone in einem Netz für ein bis zwei Tage im Schatten auf. Das Salz, das langsam nach außen dringt, wird abgeschabt und bei Halsschmerzen als Lutschtablette oder Spray angewendet.
Die Veränderung der Wirkung durch die Präparation am Beispiel von Rhei Radix et Rhizoma (Da huang)
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