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Vorgebliche Förderinstrumente wie die kostendeckende Einspeisevergütung KEV sind nicht erst aktuell die grösste Bremse für die Realisierung von Solarstromanlagen. Die Solarstrombranche und deren politische Lobbies brauchen ein weiterentwickeltes Denkmodell: Solarstrom als Teil der Energiepolitik von unten!
Die Stromwirtschaft hat mit der Vermittlung von in leistungsmässig kleinen Stromproduktionsanlagen erzeugter Elektrizität an StromverbraucherInnen in der Nachbarsschaft begonnen. Mit der Vernetzung solcher Netze wuchsen auch die Leistungen der Kraftwerke, es wuchsen auch die Distanzen zwischen Stromproduktion und -verbrauch, bis hin zu grossen Atomkraftanlagen mit vielen Atomreaktoren (Cattenom, Fukushima, …).
Solarstromanlagen ermöglichen eine andere Betrachtungsweise. Zwar ist es durchaus möglich, auch grössere Freiflächenanlagen zu realisieren, die beachtliche Leistungen erbringen. Die Modularität von Solaranlagen macht es möglich, jede einigermassen geeignete Fläche zum Beispiel an und auf Gebäuden für die Produktion von Solarstrom zu nutzen. Damit bietet sich die Möglichkeit, die Energieversorgung von Gebäuden in einem hohen Mass aus am Standort produzierten Energien abzudecken. Gerade Solarstromanlagen bieten die Möglichkeit, nicht für den Strommarkt zu produzieren, sondern den Energiebedarf für die Nutzung des Gebäudes selber abdecken zu können. In meinem Blog-Beitrag Die KEV zementiert Atomkraftwerke und stoppt den Weg in die Richtung einer nachhaltigen Energieversorgung – oder die wahren Gründe hinter dem Scheitern des KEV-Referendums zeige ich, dass die Stromversorgung eines Haushalts inklusive Wärmepumpenstrom für weniger als 3 Franken pro Tag zu haben ist (dies ist selbstverständlich mit einigen weiteren Annahmen zur Energiepolitik von unten verbunden, etwa einem hohen Stand der Energieeffizienz).
Am Beispiel des mit dem europäischen Solarpreis 2013 und dem 1. Norman Foster Solar Award 2013 ausgezeichneten Wohn- und Geschäftshauses im Zentrum von Romanshorn (Realisierung Viridén + Partner AG) kann illustriert werden, dass eine weitgehende Energieselbstversorgung selbst bei Bauten aus den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts möglich ist. Es gibt eine beschränkte Zahl weiterer solcher Beispiele – leider sind derzeit noch nicht alle Fachleute in der Lage, solche ambitiösen Projekte zu realisieren. Mit eine Begründung für die neueste Bildungsoffensive von EnergieSchweiz! Im Übrigen: auch solche Bauten sind an das Stromnetz angeschlossen – die Selbstversorgung erfolgt bilanzmässig betrachtet über das gesamte Jahr, in der Tendenz speisen solche Gebäude im Sommer Strom ins Netz ein und beziehen im Winter Strom ab Netz. Mit hohe Wahrscheinlichkeit werden zukünftig unter mehreren Gesichtspunkten zweckmässige lokale Stromspeicher zur Verfügung stehen, um den Austausch mit dem Stromnetz mengenmässig zu senken und auch den momentanen Selbstversorgungsgrad verbessern zu können.
Die Weiterentwicklung des Denkmodells zum Solarstom erfordert den Übergang von der Sicht auf den Strommarkt hin zu einem möglichst hohen Anteil Eigenversorgung, zuerst für das Gebäude, später auch für Mobilitätszwecke. Nicht mehr der Markt-Strompreis pro Kilowattstunde ist damit die Referenzgrösse, sondern der Investitionspeak zur Installation und Integration der Solaranlage ins Gebäude respektive die sich daraus ergebenden Jahreskosten während der Nutzungszeit. Wenn es normal ist, dass Solaranlagen zu einem Gebäude gehören, auf dem Dach, an den Fassaden, sinken auch die Realisierungsschwellen, sowohl bezüglich Finanzierung als auch bezüglich den Planungs-, Bewilligungs- und Realisierungsabläufen.
Die kostendeckende Einspeisevergütung KEV steht solchen Konzepten im Weg. KEV-Anlagen produzieren Strom für den Markt, solche Anlagen sind also nicht zwingend Bestandteil des Energiekonzepts eines Gebäudes. Diese Sichtweise ist nicht falsch, und es braucht auch zukünftig insbesondere grossflächige Anlagen, die Strom produzieren und ins Netz einspeisen, zum Beispiel solche auf grossen Scheunendächern. Fast 20’000 potenzielle Solar-AnlagenbesitzerInnen sollen auf KEV-Zusagen warten. Dieses Warten vermindert die Nachfrage nach Photovoltaik-Technologie, erschwert die dringlich erforderliche Weiterentwicklung der Möglichkeiten zur Integration von Solaranlagen in bestehende und neue Bauten – und dies nicht nur optisch und gestalterisch, sondern auch im Bezug auf das Energiekonzept. Die Fixierung auf die KEV auch für Fotovoltaikanlagen auf und an Bauten mit eigenem Stromverbrauch verhindert eine neue Normalität, die auf einen hohen Anteil an Energie-Selbstversorgung. Und diese Solarnutzung erfordert, da sie der Normalfall sein sollte, keine spezifische finanzielle Förderung. Denn: eine auf die Eigenversorgung ausgerichtete Solarstromanlage kostet pro Haushalt weniger als der Neueinbau einer Küche – von finanziellen Förderbeiträgen für Küchensanierungen ist allerdings nichts zu hören.
Somit als Botschaft der Energiepolitik von unten: HauseigentümerInnen, realisiert endlich Solarstromanlagen auf allen geeigneten Flächen! Sorgt dafür, möglichst viel des produzierten Stroms (möglichst effizient) im Gebäude selbst zu verbrauchen – und vergesst irgendwelche finanziellen Fördertöpfe! Nur so kann Sonnenenergienutzung zum alltäglichen Normalfall werden.
Es ist umstritten, ob die KEV als Subvention zu betrachten ist. Da es dabei um Geldflüsse geht, die via Strompreis von einem hohen Anteil der StromkonsumentInnen erhoben werden, handelt es sich letztlich um eine finanzielle Förderung auch wenn diese möglicherweise in dogmatischer Sicht nicht als Subvention zu bezeichnen ist – dies ist eine haarspalterische Wortklauberei!