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Ja, wenn man ein zufälligerweise erhalten gebliebenes Stück Pergament der Fraumünsterabtei in Zürich zum Massstab nimmt, dann ist das die älteste Nennung des Ortsnamens.
Genauso zufällig sind die Fundstücke aus der Zeit von 1799/1800, als die Franzosen, Österreicher und Russen die Schweiz zum Kampfplatz machten. Einige Kanonen- und Musketenkugeln, ein paar Uniformknöpfe mit der Aufschrift «République Française» auf dem Emperg. An zwei Stellen auf Gemeindegebiet der Flurname Franzosenhau (nahe dem Höbrig westlich des Dorfkerns, sowie an der Grenze zu Glattfelden). Und der Name Kaibengraben für den Stubengraben der heute noch nördlich ins Kieswerkareal hineinsticht. Dort sollen die Franzosen ihre «vercheibeten» (d.h. toten) Pferde entsorgt haben. Diese Mosaiksteinchen sind Überreste von Not und Entbehrung – bei den hiesigen Einheimischen wie den fremden Soldaten.
Im März 1799 brach der Zweite Koalitionskrieg aus. Ab da hatten die Weiacher Einquartierungen zu erdulden. Auf ihrem Gebiet lagerte Mitte Mai das 7. Bataillon der Helvetischen Armee mit rund 750 Mann unter dem Zürcher Kommandanten Hausheer, das 5. Bataillon mit 858 Mann bei Stadel. Ende Mai 1799 verloren die Franzosen Schlachten bei Frauenfeld und Winterthur, zogen sich schliesslich hinter die Glatt zurück. Am 3. Juni eroberten die Österreicher nach einem Schusswechsel über die Häuser hinweg das Dorf Glattfelden. Nach der Ersten Schlacht bei Zürich nahmen sie am 7. Juni die Hauptstadt ein. Für wenige Monate herrschten die Kaiserlichen nun über das Zürcher Unterland und das Studenland bis Koblenz. Im August wurden sie von Russen abgelöst. Dann drehte das Kriegsglück, die Franzosen eroberten Zürich am 25./26. September zurück, die Russen flüchteten über den Rhein. Bis am 1. Mai 1800 war der Rhein die Frontlinie. Auf beiden Seiten lagerten grosse Truppenteile – im Norden österreichische und russische, im Süden französische und helvetische. Im November 1799 schlug die 67. Halbbrigade der Franzosen ihr Hauptquartier in Weiach auf. Die auf umliegenden Hügeln und im Hardwald campierenden Soldaten (rund 2500) verbrauchten enorme Mengen an Brennholz.
Der Eichwald im Hard, einer der schönsten im ganzen Züribiet, litt in diesen Monaten enorm. Da der Nachschub nicht funktionierte, beschafften sich die Franzosen auch Lebensmittel, Futtermittel für ihre Pferde und Metall für Kugeln kurzerhand in den Dörfern. Oft genug mit brutaler Gewalt und ohne Entschädigung. Selbst dreiste Plünderungen wurden in den seltensten Fällen geahndet, weil auch höchste Kreise bis nach Paris zutiefst korrupt waren.
Was wir aus schriftlichen Überlieferungen weiter wissen: in dieser Besatzungszeit brannte das Gemeinde- und Schulhaus ab. Es stand an der Friedhofmauer, wo sich seit 1857 das Alte Gemeindehaus befindet. Ob die Soldaten dafür verantwortlich waren, ist bislang ungeklärt. Klar ist jedoch, zumindest aus Berichten der Nachbargemeinden, dass die Soldaten sich auch an den Frauen vergriffen haben sollten. Sei es durch Vergewaltigung oder einvernehmlicheren Sex: im Jahr 1800 verzeichnen die Pfarrbücher etliche Geburten mit nur vage bekannter Vaterschaft (so in Kaiserstuhl: «ein französischer Caporal»).
Zusätzlich zu all den gestohlenen Gütern mussten auch noch Kriegskontributionen in Form von Sondersteuern gezahlt werden, was bald kaum möglich war, weil schlicht nichts mehr da war. Weder Geld, noch Essbares noch Geräte zum Bestellen der Felder. Zu alldem kam noch hinzu, dass die Verwaltung über weite Strecken komplett ausgefallen war, denn die basierte für wesentliche Teile des Lebens (so z.B. das Weiacher Dorfgericht) auf der fürstbischöflichen Verwaltung im Schloss Rötteln am Nordufer des Rheins.
Die Weiacher mussten sich von Grund auf neu organisieren. Noch Jahre nach dem Krieg waren dessen Folgen in den Wäldern und den Gemeindefinanzen unübersehbar.
Ortshistoriker: Ulrich Brandenberger