Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03385.jsonl.gz/1859

Ab welchem Alter sollten ihre Männer Ihre Prostata untersuchen lassen?
Generell ab 50. Bei familiärer Vorbelastung, also wenn der Vater oder Grossvater am Prostatakarzinom erkrankt war, wird die Messung des PSA-Wertes ab 45 empfohlen. Bei spezieller genetischer Risikosituation wie eine BRCA2-Mutation ist eine Untersuchung ab 40 angezeigt.
Was halten Sie von einem PSA-Screening?
Über den Effekt eines flächendeckenden, altersabhängigen PSA-Screenings wurde und wird kontrovers diskutiert. Wichtig ist die Aufklärung des Patienten über die möglichen Risiken und Nutzen einer PSA-Bestimmung. Ein risikoadaptiertes sogenanntes opportunistisches Screening halte ich für sinnvoll. Dabei werden die Zeitintervalle einer Kontrolle von der Höhe des initialen PSA-Wertes abhängig gemacht.
Vor gut 10 Jahren war das PSA-Screening besonders umstritten, da falsch positive Resultate zu Übertherapien führten. Ist diese These heute widerlegt?
Ziel des PSA-Screenings ist es, ein Prostatakarzinom in einem frühen Stadium zu erkennen, um beste Heilungschancen zu haben. Es ist unbestritten, dass ein PSA-Screening zu einem Anstieg der Diagnosen führt. Viele Patienten haben zu diesem Zeitpunkt keinerlei Symptome. 2012 erfolgte aufgrund von kontaminierten Studiendaten in den USA die Empfehlung, den PSA-Wert weniger häufig zu messen. Die Folge war ein Anstieg der Diagnosen eines fortgeschrittenen sowie metastasierten Prostatakarzinoms, das viel schwieriger zu behandeln ist. Studien haben gezeigt, dass ein PSA-Screening das Mortalitätsrisiko senkt.
Wie lassen sich unnötige Biopsien vermeiden?
Durch die verbesserte Bildgebung, insbesondere durch die immer besser werdende MRIs, sollen langfristig unnötige Biopsien verhindert werden. Ideal wäre, wenn durch eine gezielte Biopsie die Diagnose gestellt werden kann. Aktuell ist eine Kombination aus gezielter und systematischer Biopsie noch nötig.
Wie lange muss der PSA-Wert nach einer Prostata-Entfernung noch kontrolliert werden?
Der PSA-Wert spielt eine wesentliche Rolle in der Nachsorge. Nach der Operation sinkt der Wert ab, im Idealfall in den nicht erkennbaren Bereich und bleibt dort. Die Nachkontrolle sollte individuell besprochen werden und von weiteren Faktoren wie Tumorstadium, Prognosen abhängig gemacht werden. Meist wird während der ersten zwei Jahre nach der Operation vierteljährlich der PSA-Wert kontrolliert. Schrittweise werden die Zeitintervalle auf sechs Monate verlängert. Danach macht man meist jährliche Kontrollen. Weitere werden individuell mit dem Patienten besprochen. Sie hängen vom Alter und vom Allgemeinzustand des Patienten ab. Zu Prostatakarzinom-Rezidiven kann es aber auch mehrere Jahre nach einer Prostatektomie kommen, sodass die Bestimmung des PSA-Wertes im Abstand von ein bis zwei Jahren sinnvoll ist.