Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03573.jsonl.gz/2437

Die Grundmauern der Mühle Hunziken gehören zu den ältesten der Region und wurden 1480 zum ersten Mal erwähnt. Gegründet wurde das Konzertlokal durch Peter Burkhart (1942–2014),auch «Mühli-Pesche» genannt. 1973 kaufte er die Futtermühle zu Rubigen, zehn Tage, nachdem er sie zufällig entdeckt hatte. Er zog mit Frau, Kindern, Freunden und Freundinnen ein. Die Mühle war nun auch eine Wohngemeinschaft, und das selbst abgemischte Futter wurde an die eigenen fünfzig Schweine verfüttert, deren Population bald auf fünfhundert anwachsen sollte. Burkhart bildete sich zum diplomierten Viehhändler aus, war Futtermüller und Schweinemäster. Bald musste er am Loeb-Egge in Bern Crêpes verkaufen, weil ein Anstieg der Sojapreise das kleine Unternehmen beinahe in den Ruin trieb.
Als die Nachfrage nach Futtermehl aus Rubigen zurückging, baute Burkhart die Mühle nach und nach zu einem Konzertlokal um. Der erste Anlass in der Mühle Hunziken fand 1976 statt. Burkhart reiste weit, um in der Mühle Hunziken ein Sammelsurium an skurrilen Gegenständen und Figuren anzulegen – ob eine Jahrmarktorgel, Kunststoff-Figuren, ausgestopfte Tiere, alte Flipperkästen oder Grammophon-Trichter – es gibt nichts, was sich in der Mühle Hunziken nicht entdecken lässt. Burkhart leitete die Geschicke der Mühle Hunziken bis Sommer 2011, ehe er nach Frankreich auswanderte. Nach einem dreijährigen Rechtsstreit mit seinen Nachfolgern verkauften er und seine Familie am 6. Dezember 2014 die Gebäude. An Weihnachten 2014 verstarb Peter Burkhart.
Seit dem Verkauf sind zwei Pensionskassen die Eigentümer der Liegenschaft: Die Gepabu-Personalvorsorgestiftung sowie der Coopera-Sammelstiftung PUK kauften das Konzerthaus mit dem Ofenhaus und dem ehemaligen Schweinestall, die beide zu Wohnungen ausgebaut wurden, sowie einen Pferdestall für 3,1 Millionen Franken. Seither haben sie die historische Liegenschaft in der gleichen Grössenordnung umfassend saniert, ohne dass dabei der besondere Charme der Lokalität verloren gegangen ist. Bei beiden Pensionskassen sind zahlreiche Künstler versichert, welche auf Institutionen wie die Mühle Hunziken angewiesen sind.
Der Club selber gehört seit Dezember 2014 der Mühle Hunziken Konzert AG, die im Eigentum von Berner Privatpersonen steht und für das Konzerthaus einen 30-jährigen Mietvertrag mit den Liegenschaftseigentümern abgeschlossen hat. Präsident des Verwaltungrates ist der Berner Anwalt Thomas Bähler, als Vorsitzender der Geschäftsleitung war bis im August 2019 Christoph Fankhauser im Amt. Seit dem Saisonstart 2019/2020 zeichnet Christoph «Chrigu» Stuber für den Club verantwortlich. Die neue Clubführung hat das Lokal und den Aussenbereich über verschiedene Etappen aus- und umgebaut, insbesondere im Bereich Gastronomie und für Gruppen, so etwa mit dem separaten Raum «Bulloug», von dem aus durch ein riesiges rundes Fenster Einblick auf die Bühne möglich ist.
Die Club-Betreiberin organisiert jedes Jahr über 125 öffentliche Anlässe verschiedenster Stilrichtungen, dazu kommen gegen 25 private Events. Zahlreiche international und national bekannte Künstler gastieren regelmässig in der Mühle Hunziken, viele machen sogar einmal pro Jahr hier Halt. Die Mühle Hunziken gilt auch als «Hafen» für zahlreiche bekannte Berner Künstler – so waren die sieben Konzerte mit der Schweizer Band Patent Ochsner im Oktober 2019 beispielsweise wenige Minuten nach Veröffentlichung restlos ausverkauft, insgesamt ist die Band bereits rund 40 Mal in der Mühle Hunziken aufgetreten. Wegbereiter des «Berner Rock» wie Polo Hofer (1945–2017), welcher in wechselnden Formationen gar rund 70 Konzerte in der Mühle Hunziken gespielt hat, und Hanery Amman (1952–2017) gingen in der Mühle Hunziken ein und aus. Auch die Berner Kultband Züri West ist mehr als 30 Mal in der Mühle Hunziken aufgetreten.