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Heinrich Jacoby / Elsa Gindler
Ein Kommentar
© Thomas Fehr, Mai 2000
Deutsch: Leitlinien, Richtlinen, Anleitungen. Vorstufen Alexanders waren 'orders' und 'directive orders'. Dieser Begriff wurde von F.M. Alexander verwendet, um die Steuerungsvorgänge beim Selbstgebrauch zu beschreiben. In einer Fussnote in seinem dritten Buch definiert er das Erteilen von Direktiven als 'das Senden von Botschaften vom Gehirn zu den Mechanismen' und ' das Leiten der Energien, die für ihren Gebrauch notwendig sind'.
(Man beachte: Alexander definiert den Begriff nur indirekt im Zusammenhang mit der zugehörigen Aktivität!)
Es handelt sich um einen der meist-missverstandenen Begriffe, und es wäre der F.M Alexander-Technik gedient, wenn dieses Konzept weggelassen werden könnte. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass Alexander selbst mehr und mehr zu dieser Ansicht neigte. Während für das theoretische Verständnis der FMAT der Begriff der 'Direktiven' notwendig und wie von F.M. Alexander definiert auch genügend ist, so kann er in der Praxis nicht so umgesetzt werden, wie das Alexander beschrieb, ohne innere Widersprüche auszulösen: Sobald die Direktiven 'gedacht' werden, assoziieren sich sofort und unvermeidlich die entsprechenden von der Gewohnheit abhängigen Konzepte, worauf wir uns sofort wieder in der Bahn des Bekannten befinden, also genau dort, wo wir weg wollen. Heute finden sich in jedem Buch und jeder Illustrierten über die Alexander-Technik die tradierten Direktiven ausformuliert und wenn möglich mit Pfeilen illustriert oder verbunden mit der Anweisung, sie oft zu wiederholen. Nichts kann der Idee der FMAT entegegengesetzter sein!
Ebenso weist die Verwendung des deutschen Worts 'Richtungen' auf ein fundamentales Missverständis der Technik hin; Direktiven sind eben gerade das Gegenteil von Autosuggestionen! Die von Alexander formulierte pädagogische Absicht war, dem Schüler die (ihm noch unbekannte) Erfahrung zu vermitteln und ihn gleichzeitig die zugehörigen Gedanken denken zu lassen, mit der Absicht, Assoziationen zu erzeugen. Dies basiert auf den in den 20er Jahren aktuellen Lerntheorien, die in dieser Form heute überholt sind.
Unser Organismus hat die Fähigkeit, sich selbst zu ordnen, und es muss das Ziel jeder Arbeit an sich (und anderen) sein, diese mehr oder weniger verschütteten Vorgänge wiederzubeleben und zu unserem Vorteil wirksam werden zu lassen. In diesem Konzept können die Direktiven so verstanden werden: Während der Ausführung unserer ausgewählten Handlung wird unser Organismus auf eine gewisse Weise reagieren (sich anpassen, sich ausdehnen), und es mag helfen, wenn wir - in aller Vorsicht, siehe oben - uns darauf gedanklich vorbereiten. Zu diesem Zweck machen wir uns in der Vorbereitungsphase zur Handlung die erarbeiteten Anleitungen präsent, solange, bis wir sie in ihrer Gesamtheit überblicken, in der Absicht, durch unsere Bewusstheit die letzten Hindernisse für ihr Geschehen aus dem Weg zu räumen. Es versteht sich von selbst, dass die jeweiligen Direktiven von Schüler zu Schüler und von Entwicklungsstand zum nächsten variieren, und es ist Aufgabe der Lehrer, die Schüler mit den jeweils angemessenen Anweisungen zu versehen. Die von Alexander formulierten Direktiven sollten verstanden werden als eine Beschreibung, worauf es hinausläuft, und nicht als Erfolgsrezept.
Letzlich ist es so, dass unser Organismus 'Denken' im weitesten Sinne für ausgewogenes Funktionieren in keiner Weise braucht, also auch keine Direktiven. Geschieht was soll und bemerke ich es, kann ich mich freuen; weiss ich, was geschehen soll und bemerke es nicht, nützt es mir nichts.
Eigentlich sollten die Direktiven geheim sein und in Initiationen weitergegeben werden; dann könnten sie wirksam sein. Die Tatsache, dass die Direktiven Alexanders aufgeschrieben sind und zu oft ohne Verständnis weitergegeben werden, hat sie so korrumpiert, dass auf sei verzichtet werden sollte.

letzte Überarbeitung: 22. 3. 2001
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