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Trotz all den nötigen Aufarbeitungen in der röm.-katholischen Kirche und in der Gesellschaft gibt es viel anderes zu tun und einiges ist in positiver Bewegung. So geschah - fast unbemerkt von den Medien und damit für Viele nicht zugänglich - in Basel ein wichtiger historischer Schritt. Der im Vatikan zuständige Kardinal für die Ökumene, Kurt Koch, und der Präsident der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa, Gottfried Locher, haben eine Absichtserklärung über ökumenische Gespräche in Europa unterzeichnet.
Der in Luzern tätige Theologieprofessor Wolfgang Müller schreibt hierzu auf kath.ch:
"Basel, die Stadt am Rheinknie, kann eine Anzahl imponierender kirchlicher Grossveranstaltungen in ihren Mauern aufzählen. Das Konzil von Basel im 15. Jahrhundert sollte die synodalen Reformbewegungen des Konzils von Konstanz weiter vorantreiben. Im Jahr 1989 fand in dieser Stadt die erste Ökumenische Versammlung «Friede in Europa» statt, aus der die Initiative für eine «Charta Oecumenica» (2001) hervorging, die nach den Umbrüchen in Mittel- und Osteuropa eine Absichtserklärung aller Kirchen in Europa zum gemeinsamen Handeln verabschiedete. Das Treffen der 8. Vollversammlung der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (Geke) vom 13. bis 18. September schreibt sich in diese beeindruckende Liste ein.
Diese Unterzeichnung ist ein historischer Schritt.
Bei der Geke handelt es sich um eine Institution, die einen Zusammenschluss auf der Basis der «Leuenberger Konkordie» bildet. Diese Konkordie ist ein Ökumene-Dokument, das die seit der Reformation getrennten lutherischen, reformierten und die aus ihnen hervorgegangenen unierten Kirchen im Sinn einer Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zusammenfasst. Das Modell dieser Kirchengemeinschaft basiert auf dem Grundgedanken einer «versöhnten Verschiedenheit».
Dies wiederum war Basis für einen Ökumene-Text zwischen katholischer und lutherisch-reformierten Kirchen «Communio Sanctorum» (»Die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen»), der die Grundlage für die Absichtserklärung eines Dialogs zwischen diesen Kirchen bildet, die am Bettag in Basel unterzeichnet wurde. Diese Unterzeichnung ist ein historischer Schritt, denn erstmals tritt eine regionale Kirchengemeinschaft in Dialog mit Rom. Es sollen die kontrovers-theologischen Fragen des Kirchen- und Amtsverständnisses benannt und gleichzeitig nach den Gemeinsamkeiten hinter den Differenzen gefragt werden.
Die Fragen, denen sich die Kirchen Europas stellen, sind identisch.
Wie ist diese Absichtserklärung zu bewerten? Die Erklärung schreibt sich in den allgemeinen Trend der neueren ökumenischen Gespräche ein, die zum Teil bilateral und regional geführt werden. Im Gegensatz zum Dialog des Vatikans mit den verschiedenen Weltbünden setzt dieser Dialog den Akzent auf eine spezifische Region. Die Fragen, denen sich die Kirchen Europas stellen, sind identisch: gesellschaftliche und kulturelle Pluralität, Schwund volkskirchlicher Strukturen, Indifferenz an konfessionellen Unterschieden usw.
Angesichts dieser Herausforderungen ist es für die Kirchen in Europa hilfreich, sich auf das Gemeinsame zu besinnen. Die anstehenden Fragen sollen im Sinn eines synodalen Prozesses gemeinsam von Kirchenleitungen, Theologie und Basis vorangetrieben werden. Jede Gesprächsform, die in einem ökumenischen Sinn geführt wird, ist zu begrüssen.
Basel 2018 kann von Basel 1431 lernen, dass der synodale Weg klippenreich ist. Der ökumenische Dialog weiss um den Ratschlag des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth: «Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig» (2. Korintherbrief 3,6)."
Sie finden hier die beiden Dokumente:
a. "Erklärung über die Absicht der Gesprächsführung"
b. Arbeitsdokument "communio sanctorum"
PS: Und stellen Sie sich vor: es bewegt sich noch viel mehr in der Römisch-Katholischen Kirche zum Positiven.