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Jürgen Zinnecker Dozent an der
Universität Siegen,
präsentierte in einem Vortrag der Tele-Akademie am
24.11. 2002 konkrete Resultate einer Studie zwischen 1993 und
2000 für Kindheits- und Jugendforschung. |
Darin wurden die Auswirkungen auf die Kinder von Eltern mit ungelösten Konflikten mit denen jener Eltern verglichen, die ihre Probleme partnerschaftlich lösen. Die Resultate waren recht aufschlussreich. Wir möchten an dieser Stelle nicht alle Tabellen detailliert wiedergeben. Es konnte bei der umfangreichen Untersuchung festgestellt werden, dass die Qualität der Beziehung eine zentrale Rolle spielt.
Wir beleuchten nachfolgend lediglich die Resultate zweier Elterntypen. Jene Elterngruppen, die alles durchgehen liessen und jene, die alles übermässig kontrollierten, klammern wir in unserem Bericht aus. Die "Laisser - Faire" Eltern und die "misstrauischen Kontrollierer" schnitten ohnehin schlechter ab.
Die beiden Gruppen, die im Zentrum unserer Betrachtung stehen, sind "Konflikteltern" und Eltern, welche "Konflikte partnerschaftlich lösen". Da gab es eindeutige Differenzen. Uns erstaunten die Auswirkungen der unterschiedlichen Verhaltensweisen bei alltäglichen Problemen. In der Studie wurden bei allen Familien alltägliche Situationen simuliert. Zur Veranschaulichung schildern wir hier eine der vielen Szenen:
Die Familie kann sich nicht auf ein Fernsehprogramm einigen. Bei allen Fallbeispielen wurde untersucht: Wie lösten die einzelnen Familien dieses banale Problem? So wurden von der Arbeitsgruppe jahrelang unterschiedlichste Konfliktsituationen videographiert und dabei zahlreiche paraverbale und nonverbale Signale registriert, im Computer gespeichert, und danach analysiert.
Die Resultate waren eindeutig:
Die Arbeitsgruppe konnte mit dem Forschungprojekt eindeutig nachweisen, dass die Kinder der "Konflikt-Eltern" mehr Alkohol und Drogen konsumierten und viel mehr "Schwarzfahrer" aufwiesen. Ihre Kinder zählten zu jenen Jugendlichen, die auch mehr Gesetze übertraten. Dafür zeichnen sie sich durch einen grösseren Ehrgeiz aus, ein positives Lebensziel zu erreichen. Dies fanden wir erstaunlich.
Durch folgende sechs Feststellungen unterscheiden sich die Kinder der "Partnerschaftseltern" eindeutig von allen andern Elterngruppen:
Diesen günstigen Gegebenheiten sprechen Kinder und Jugendliche, die mit den biologischen Eltern zusammenleben, häufiger zu. Die Befragung von 1500 Kindern darf ernst genommen werden.
Aus der Sicht von Kommunikationsberatern zeigt sich, dass der Umgang mit Konflikten und die Pflege des dialogischen Kommunikationsverhaltens sich lohnen.
Anstatt immense Summen zur nachträglichen Korrektur und zum Aufbau von Auffangnetzen auszugeben, sollten sich die verantwortlichen Politiker überlegen, ob es nicht erstrebenswert wäre, die partnerschaftlichen Familienstrukturen vermehrt zu fördern.
Lehrkräfte und Eltern müssen befähigt werden, mit Konflikten umgehen zu können. Kritik, Beanstandungen und Problemlösungsgespräche können gelernt werden, wie Lesen und Schreiben.
Mit Flucht oder Schweigen auf der einen und Predigen oder Abkanzeln auf der andern Seite kommen wir nicht weiter. Aus unserer Sicht geht es vor allem darum, das Gegenüber immer ernst zu nehmen und dem Versuch, den Mitmenschen zu verstehen - ohne seine Meinung teilen zu müssen. Es geht vor allem um Wertschätzung!
Die Fähigkeit, Mitmenschen zu schätzen, lässt sich weder befehlen noch anordnen, doch ist das partnerschaftliche Kommunizieren weitgehend lernbar. Wir müssen nur die grundsätzlichen Werkzeuge kennen, damit wir ohne das Gegenüber zu verletzen, unsere Ansicht unverblümt, klar und konkret auf den Punkt bringen können.
Wir fragen uns immer wieder: Warum können so viele Menschen unangenehme Aussagen nicht ruhig und freundlich vortragen?
In einem Vortrag am Konvent des grössten Schulkreises der Schweiz, schloss ich das Referat über das Thema- "Wie können wir schlechte Nachrichten übermitteln?" - mit folgendem Zitat von Max Frisch:
Diese Zeilen passen auch zum partnerschaftlichen Verhalten bei Konflikten.

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