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Von übriggebliebenen Chinesinnen und warum sie es sind
Eine Prognose beschreibt, dass die Zahl der heiratsunfähigen Jungesellen im Jahr 2020 rund 30 Millionen zählen dürfte. Die 34-jährige Ein-Kind-Politik hat nämlich dazu geführt, dass die Frauen stark in der Unterzahl sind. Eine weitere Studie aber zeigt, dass alleine in Peking eine halbe Million Frauen unverheiratet sind. Für diese Frauen wurde im Jahr 2007 der frauenfeindliche Begriff «übrig gebliebene Frau» kreiert – und dies ausgerechnet vom nationalen Frauenverband.
«Shengnü» werden heute alle unverheirateten Frauen genannt, die mehr als 27 Jahre zählen. Sie seien viel zu beschäftigt, berichten gebildete Frauen in China. Eine ist beispielsweise Lehrerin, über 34 Jahre alt, und arbeitet bis 26 Stunden pro Woche. Nach ihrem Sprachstudium hat die junge Frau ein weiteres Studium in Angriff genommen, doch hatte sie im Medienbereich kein Glück. Wie viele andere lacht sie über sich und den Begriff «Shengnü», also Übriggebliebene. Natürlich hat auch sie schon Beziehungen hinter sich, doch war ihr Freund nicht nur sehr unromantisch, sondern stritt sich auch bei jeder Gelegenheit mit ihr. Wenn sie auszog, holte er sie immer wieder zurück. Und als sie über 30 Jahre alt war und den Auszug durchgezogen hatte, entschied sie sich, nicht mehr heiraten zu wollen.
Hoch gesteckte Heiratsziele
Es ist in China üblich, dass man in eine höhere soziale Schicht einheiraten soll. Frauen mit Hochschulbildung und Aufenthaltsrecht in einer Metropole bleiben nur darum schon unverheiratet, weil sie sozial nicht höher steigen können, doch auch unterprivilegierte Männer, die auf dem Lande leben, haben es schwer, sich verheiraten zu können. Damit ist das Phänomen der Übriggebliebenen ein Stadt-/Landproblem. Die Vorstellungen und Ansprüche der gut ausgebildeten Frauen sind hoch gesteckt: Eine kleine Wohnung in einer Stadt, gegenseitiges Vertrauen in der Partnerschaft, Verständnis und gegenseitige Unterstützung. Man ist sich bewusst, dass Liebe vergehen kann und eine Frau noch immer unter dem Manne steht. Wenn eine Ehe funktionieren soll, dann müsste das Verhältnis familiär verantwortungsvoll im Zentrum stehen. Die Ehe dürfte niemals nur des Kinderwunsches wegen geschlossen werden, obwohl in China dieser Wunsch noch immer ganz oben auf der Wunschliste steht.
Heiraten geht ins Geld
Der gesellschaftliche Druck für eine Übriggebliebene ist gross. Vor allem die Eltern müssen unter einer Shengnü als Tochter leiden. Ein Mann kann eine wesentlich jüngere Frau heiraten, während sich dies im Gegensatz für eine Frau nicht schickt. Auch die Männer sind natürlich nicht bereit, eine Übriggebliebene zu heiraten, die um einiges älter ist. Damit sind sie auf dem Heiratsmarkt im klaren Vorteil. Für eine Familie gilt es wieder als beträchtliche Investition, einen Sohn zu verheiraten, während die Familie der Braut als Nutzniesserin dieser Investition gilt. Je nach Stadt sind die Kosten für eine Heirat höher oder tiefer. Zu den Aufwendungen gehört der Kauf einer Wohnung, inklusive Innenausstattung, eines Autos und der Auslagen für die Hochzeitszeremonie, inklusive der Flitterwochen. Für die Frauen ist es vorteilhaft, wenn sie mit grossem finanziellem Aufwand beworben werden, doch nimmt der Preis mit der Zunahme des Alters ständig ab. Übriggebliebene suchen ihre möglichen Ehepartner vermehrt im Ausland, denn über neunzig Prozent der Frauen gelingt es, innert (nützlicher) Frist, einen Partner zu finden.