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Landminen stellen weiterhin eine Gefahr dar
Traditionelle Musikinstrumente (Foto: A. Halbhuber)
Das Königreich Kambodscha liegt in Südostasien und grenzt im Nordwesten und Westen an Thailand, im Norden an Laos, im Osten und Südosten an Vietnam und im Süden an den Golf von Thailand. In Kambodscha leben ca. 14,7 Millionen Menschen. Die Hauptstadt Phnom Penh hat 1,5 Millionen Einwohner.
Das Land erholt sich langsam von einem jahrzehntelangen Konflikt, der bis weit in die 90er Jahre andauerte. Kambodscha zählt zu den am dichtesten verminten Ländern der Welt – seit dem Jahr 1970 sind ca. 60 000 Menschen durch Minenexplosionen gestorben, und noch weit mehr haben minenbedingte Verletzungen erlitten. Viele Opfer sind Kinder, die auf den Feldern gespielt oder Vieh geweidet hatten.
Eins der ärmsten Länder der Welt
Obwohl sich die Lebensbedingungen in den letzten beiden Jahrzehnten verbessert haben, ist Kambodscha immer noch eins der ärmsten Länder der Welt. Von 2004 bis 2007 betrug das Wirtschaftswachstum ca. zehn Prozent pro Jahr. Aufgrund der internationalen Finanzkrise wurde das Wachstum im Jahr 2009 gebremst, betrug 2010 aber wieder sechs Prozent.
Zirka 60 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Zu den Hauptanbauprodukten zählen Reis, Kautschuk, Getreide, Gemüsepflanzen und Tapioka. Der Tourismus und der Export von Bekleidungsartikeln stellen ebenfalls bedeutende Einkommensquellen dar. In der Bekleidungsindustrie, in der 70 Prozent aller Exporte erwirtschaftet werden, sind ca. fünf Prozent der Bevölkerung beschäftigt. Trotz des jüngsten Wirtschaftswachstums leben nach wie vor ca. ein Drittel aller Kambodschaner unterhalb der staatlich festgelegten Armutsgrenze. Die Armut ist in den ländlichen Regionen am weitesten verbreitet.
Im Gesundheitsbereich gibt es bereits einige Verbesserungen zu verzeichnen. Die Sterblichkeitsraten von Säuglingen und Kindern unter fünf Jahren beispielsweise sind in den letzten Jahren gesenkt worden. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist gestiegen, obwohl sie mit 60,3 Jahren für Männer und 65,1 Jahren für Frauen immer noch relativ niedrig ist. Andererseits stellt die große Anzahl von Menschen, die an HIV/AIDS erkrankt sind, das ohnehin labile Gesundheitssystem des Landes vor neue Herausforderungen. Ca. 63 000 Menschen sind derzeit nach offiziellen Angaben mit dem Virus infiziert, aber aufgrund des Mangels an Tests kann man davon ausgehen, dass viele Menschen überhaupt nichts von ihrer Ansteckung wissen.
Die grundlegende Infrastruktur des Landes ist zwar verbessert worden, aber es bleibt noch viel zu tun, vor allem in den ländlichen Regionen. Während 81 Prozent der Menschen in den Stadtgebieten Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, sind es auf dem Land lediglich 56 Prozent. Ca. 67 Prozent der Stadtbewohner haben Zugang zu ordentlichen sanitären Anlagen; auf dem Land sind es nur 18 Prozent.
Finanzexperten gehen davon aus, dass die kambodschanische Wirtschaft aufgrund des Bergbaus und durch die Entdeckung von Offshore-Ölvorkommen durchaus weiteres Wachstumspotential aufweist. Die Korruption stellt jedoch ein großes Problem dar; das Land hat eine der weltweit höchsten Korruptionsraten zu verzeichnen. Auch der Menschenhandel ist ein beunruhigendes Phänomen. Menschen werden sowohl innerhalb der Landesgrenzen (von den ländlichen in die städtischen Regionen) als auch auf internationaler Ebene von Menschenhändlern verschleppt. Viele werden mit falschen Versprechungen von gutbezahlter Arbeit angelockt und müssen dann unentgeltliche Zwangsarbeit in Fabriken und in der Landwirtschaft verrichten oder werden als Hausangestellte und Sexarbeiter ausgebeutet.
Kinder brauchen Schutz
Ernährungsprogramm in Battambang (Foto: A. Halbhuber)
Demographisch gesehen ist Kambodscha ein sehr junges Land. Die Zahl der Kinder unter 18 Jahren beläuft sich auf ca. sechs Millionen; mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre.
Schätzungsweise 570 000 Kinder wachsen in Kambodscha ohne elterliche Fürsorge auf. Die große Armut, die langen Jahre des Konflikts, Migrationsbewegungen und die steigende Anzahl der HIV/AIDS-Infizierten zählen zu den Hauptursachen dafür, dass Kinder nicht länger bei ihren Familien bleiben können. Laut Schätzungen von UNICEF könnte die steigende Zahl der HIV/AIDS-Infektionen bald für 25 Prozent aller Kinder ohne elterliche Fürsorge verantwortlich sein. Offiziellen Angaben zufolge sind derzeit mindestens 6000 Kinder mit HIV infiziert, aber die tatsächliche Zahl ist vermutlich wesentlich höher und weiter im Anstieg begriffen. Mutter-Kind-Übertragungen machen ein Drittel aller Neuinfektionen aus.
Zirka 45 Prozent der Kinder zwischen 5 und 18 Jahren müssen Kinderarbeit verrichten. Kinder werden zur Arbeit in der Landwirtschaft, der Fischerei, in Steinbrüchen, als Hausangestellte oder zum Betteln oder Verkaufen von Kleinwaren auf der Straße gezwungen.
SOS-Kinderdorf in Kambodscha
Aufgrund der gewaltsamen politischen Auseinandersetzungen, die bis in die späten 90er Jahre andauerten, sind viele Kinder, junge Menschen und Familien nach wie vor auf Hilfe angewiesen. SOS-Kinderdorf bietet Programme an, die auf die Bedürfnisse der lokalen Gemeinden ausgerichtet sind. Kleine Kinder werden im SOS-Kindergarten betreut. Größere Kinder in Phnom Penh, Angkor-Siem Reap und Battambang können die Hermann-Gmeiner-Schulen besuchen. Junge Erwachsene können in speziellen Unterkünften auf ihrem Weg in die Selbständigkeit begleitet werden.
Die SOS-Sozialzentren bieten Familienstärkungsprogramme an, um Familien vor der Zerrüttung zu bewahren. Gemeinsam mit lokalen Behörden arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit Familien und Gemeinden, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Kinder ausreichend zu versorgen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.