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Berichterstattung zum Freitod von David Goodall beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 11. Mai 2018 haben Sie die Berichterstattung in der Zeitspanne vom 8. bis 10. Mai 2018 in der «Tagesschau» und bei «10vor10» zum Freitod des 104-jährigen Australiers David Goodall beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
Wenn ein 104-jähriger Australier sich den Freitod wünscht und dies in Australien nicht tun darf und dafür in die Schweiz reist, ist das kein Thema für die Tagesschau oder die Sendung 10vor10. Das ist seine private Angelegenheit und für uns Bewohner in der Schweiz nicht relevant. Wenn er damit Australiens Politik beeinflussen will, soll dies im Australischen Fernsehen ausgestrahlt werden. Es ist sicher nicht Aufgabe von SRF für Sterbehilfe und Freitod Reklame zu machen. Dies kann in einer separaten Talk-Sendung diskutiert werden, mit Fachleuten.
Wir gehen davon aus, dass Sie unser Anliegen ernst nehmen und grüssen Sie freundlich
B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Franz Lustenberger, Redaktion «10vor10», und Herr Christian Dütschler, Redaktionsleiter «10vor10», schrieben:
Mit Mail vom 11. Mai beanstanden Herr und Frau X die Berichterstattung über den Freitod des 104-jährigen Australiers David Goodall in den SRF-Sendungen Tagesschau und 10v10. Das Ereignis sei für die Schweiz nicht relevant; die SRF-Sendungen hätten «Reklame für Sterbehilfe und Freitod gemacht».
8. Mai; Tagesschau am Mittag[1]
Diese Sendung informiert über die Ankunft des australischen Wissenschafters David Goodall in Basel; Der Beitrag informiert über die Beweggründe des 104-Jährigen; im Beitrag wird aber auch gesagt, dass Goodall seine Mission medienwirksam zu inszenieren wisse. (Bericht ab 12:05)
Die Ankunft war am Vormittag aktuell; ein erster Beitrag war also gerechtfertigt. Die beiden Abendsendungen (Tagesschau von 19.30 Uhr und 10v10 vom 8. Mai) verzichteten auf eine weitere Berichterstattung; es gab nichts zu berichten, das über die Information der Mittagssendung hinausgegangen wäre.
Die erwähnten Hauptabendsendungen widmeten sich dagegen ausführlich der Kündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran durch die USA, den neusten Zahlen der Arbeitslosigkeit in der Schweiz, der finanziellen Situation der Pensionskassen, den Wahlen in Armenien oder dem Filmfestival in Cannes.
9. Mai; Tagesschau-Hauptausgabe von 19.30 Uhr[2]
Der bevorstehende Freitod von David Goodall, respektive seine letzte Medienkonferenz vor seinem Ableben, ist national und international auf ein sehr grosses Echo gestossen. Die Chefredaktion von SRF hat entschieden, dass darüber nur in einer Aktualitätssendung ausführlich berichtet wird. Die Sendung Schweiz-aktuell hat nicht berichtet, da der regionale Aspekt fehlt, obwohl der Freitod im Baselbiet stattfinden sollte.
Ausführlich berichtet hat die Tagesschau in Form einer aktuellen News-Story.
9. Mai; 10v10[3]
Entsprechend hat sich die Sendung 10v10 auf eine Kurzmeldung im Newsblock beschränkt. Der Newsblock ist - als Ergänzung zu den ausführlicheren Reportagen und Hintergrund-berichten - ein fester Bestandteil der Sendung. In diesem Gefäss werden Aktualitäten des Tages aus allen Themenbereichen in Kurzform zusammenfasst. Am 9. Mai hat 10v10 im Newsblock zu folgenden Themen berichtet: «Kantone sollen Ärztezulassung steuern», «Machtwechsel (in Malaysia) zeichnet sich ab» und «Kampf um Sterbehilfe-Legalisierung». Letztere Meldung war 16 Sekunden lang.
10. Mai, Tagesschau-Hauptausgabe von 19.30 Uhr[4]
Die Tagesschau hat in einer vom Moderator gelesenen Video-Nachricht von 33 Sekunden das Faktum des Freitodes vermeldet.
Private Angelegenheit?
Sterbehilfe ist ein Thema, mit dem sich viele Menschen in vielen Ländern beschäftigen. Es ist ein aktuelles und relevantes gesellschaftspolitisches Thema. Es ist ein Thema, mit dem sich auch die Politik, respektive die Gesetzgebung in vielen Ländern, sehr intensiv befasst. In diesem Sinne ist der Freitod von David Goodall alles andere als eine rein private Angelegenheit. Er hat für die Diskussion international und national eine gewisse Relevanz.
Das Thema ist aktuell und relevant zugleich.
Die beiliegende Presseschau mit Artikeln aus Schweizer Zeitungen zeigt, dass sich alle Blätter des Landes sehr intensiv des Themas angenommen hatten. Mit dem Suchbegriff «David Goodall» finden sich in der Schweizer Mediendatenbank SMD ab April 2018 insgesamt 218 Artikel. Im beigelegten Dossier sind 77 davon ausgewählt; auch die Regionalpresse ausserhalb von Basel hat ausführlich berichtet (PDF-Beilage David Goodall).
Vertiefende Beiträge und Gesprächssendungen
Herr und Frau X sind der Ansicht, dass das Thema «Sterbehilfe» in separaten längeren Sendungen behandelt werden soll. Genau dies hat SRF in den letzten Jahren auch mehrmals gemacht (Beilage Excel-Liste). Die Sendungen Club, Arena, Sternstunde Religion, Reporter und Rundschau) haben ausführlich das Thema «Sterbehilfe» von verschiedenen Seiten her beleuchtet.
Die Auflistung zeigt zudem, dass das Thema «Sterbehilfe» über die letzten Jahre nicht an Aktualität eingebüsst hat. Es ist in weiten Teilen der Bevölkerung ein relevantes Thema.
Davon zeugen die Zahlen: Im vergangenen Jahr sind 10’000 Menschen neu EXIT (Deutsche Schweiz) beigetreten. Damit zählt der Verein über 110'000 Mitglieder, wie der Jahresbericht[5] zeigt.
Fazit
Die Tagesschau und in einer Kurzmeldung die Sendung 10v10 haben zurückhaltend über den Freitod von David Goodall im Raum Basel berichtet. Sie haben sich auf die Vermittlung der Fakten beschränkt. Das Thema Sterbehilfe wurde schon mehrfach in grösseren Sendungen vertieft auf dem Sender SRF behandelt.
Die beanstandeten Sendungen haben in keiner Art und Weise «Reklame für Sterbehilfe und Freitod» gemacht.
Wir bitten Sie, die Beanstandung in diesem Sinne zu beantworten.
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Beiträge.
Im Programmauftrag des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG)[6] ist festgehalten, dass «die SRG [...] zur freien Meinungsbildung des Publikums durch umfassende, vielfältige und sachgerechte Information insbesondere über politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge» (RTVT, Art. 24 Abs. 4a) beiträgt. Diesem Auftrag kommt SRF unter anderem in seinen Informationssendungen wie der «Tagesschau» oder dem Nachrichtenmagazin «10vor10» nach. Die «Tagesschau» gibt dabei einen Überblick über die wichtigen Ereignisse des Tages. Kriterien für die Themenwahl sind Relevanz, Aktualität und Zuschauerinteresse.[7] Demgegenüber berichtet «10vor10» über Hintergründe zu den Schlagzeilen des Tages aus dem In- und Ausland.[8]
Sterbehilfe als gesellschaftspolitisches Thema, das kontrovers diskutiert wird, erfüllt die Kriterien der Relevanz und der Aktualität. Relevant, weil die Schweiz einen liberalen Kurs im Umgang mit der Sterbehilfe verfolgt; aktuell, weil ein 104-jähriger Australier seinem Leben in der Schweiz ein freiwilliges Ende setzen will und ihm dies in seinem Heimatland nicht erlaubt wird. Dass auf der Schweizer Mediendatenbank SMD ab April 2018 insgesamt 218 Artikel unter dem Stichwort «David Goodall» zu finden sind, wie die Stellungnehmenden von SRF erwähnen, zeigt, dass offenbar ein grosses (Medien-)Interesse vorhanden ist. Auch die beiden öffentlich-rechtlichen Sender in unseren Nachbarländern berichteten in ihren Onlineportalen über den Freitod des Australiers. So «ZDF heute» am 05.05.2018 unter dem Titel «Wunsch auf Sterbehilfe - Lebensmüder Mann wird untersucht»[9] und am 10.05.2018 in «Tödliche Infusion in Schweiz - 104-jähriger Goodall wählt Freitod»[10]; der ORF schaltete am 05.05.2018 den Online-Beitrag «Lebensmüde: Urteilsfähigkeit von 104-Jährigem wird geprüft»[11] auf.
Die vier von SRF ausgestrahlten Beiträge berichten über die Ankunft, die Medienkonferenz und über die Beweggründe für den Freitod des 104-Jährigen. Dabei wird auch kritisch erwähnt, dass David Goodall seine Mission medienwirksam zu inszenieren wisse. Die Chefredaktion von SRF hat zudem entschieden, dass nur in einer Aktualitätssendung («Tagesschau», Länge des Beitrags: 2 Minuten 17 Sekunden) ausführlich berichtet wird. Die beiden letzten Beiträge vom 9. und 10. Mai 2018 waren zudem sehr kurz: 16 Sekunden, resp. 33 Sekunden über den erfolgten Freitod.
SRF hat in den Informationssendungen «Tagesschau» sowie «10vor10» behutsam und faktentreu über den Freitod des Australiers berichtet und keinesfalls für Sterbehilfe sowie Freitod Reklame gemacht. Das Publikum konnte sich frei eine eigene Meinung bilden.
Ausserdem wurde das Thema Sterbehilfe bereits mehrfach in grösseren Sendungen («Der Club», «Rundschau», «Arena», «Reporter», «Sternstunde Religion» und «ch:filmszene») vertiefend angegangen wie das beigefügte Dokument «Übersicht - Sterbehilfe» zeigt.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen kann.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Manfred Pfiffner, stellvertretender Ombudsmann
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