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Italienische Hügellandschaft in der Toskana, im Monte San Michele 893 m, zwischen Florenz und Siena. Berühmt ist der Wein aus Chianti, der aus einer Mischung von roten (90-95%) und weissen (5-10%) Traubensorten (Sangiovese, Canailonero, Malvasia und Trebbiano) gewonnen wird. Der Chianti classico wird aus bis zu 98% roten und nur geringem Anteil weissen Trauben im Kerngebiet zwischen Florenz und Siena hergestellt.
Inhaltsverzeichnis
Ein Land - Ein Wein
Der Chianti ist eine historische und geographische Region und ein Symbol der toskanischen Bauernkultur. Er umfasst die Hügel zwischen den Monti del Chianti im Westen und den Flüssen Arno, Ombrone und Arbia im Osten, d.h. den südlichen Teil der Provinz Florenz und den nördlichen Teil der Provinz Siena. Das hügelige Gebiet hat einen felsigen Boden und es scheint ein Wunder, dass auf dieser dünnen fruchtbaren Schicht neben Wäldern auch Wein, Olivenbäume und Gemüsefelder üppig gedeihen können. Das geographische Gebiet hat seine eigene Geschichte: es ist das Land der Konflikte zwischen Siena und Arezzo und zwischen Florenz und Siena, das Land der Heiligen und der Krieger, der grossen Künstler, der Bauern und der Herrscher, das Land der Hügel und der Anhöhen mit Bauernhöfen und Villen, mit Burgen und Sprengeln, mit Abteien und abgeschlagenen Türmen, mit Dörfern aus Stein und grossen, strengen Palazzi, das Land, das seit ungefähr fünf Jahrhunderten einem der berühmtesten Weine Italiens das Leben schenkt.
Ein kurzer blick in die Geschichte
Die historischen Wurzeln dieses unberührten Landstrichs im Herzen der Toskana reichen zurück bis in die Bronzezeit und werden von Fossilien, Fragmenten von Vasen, eingeritzten Steinen, aber auch von verschiedenen Werkzeugen und Waffen bezeugt. Archäologische Funde von Siedlungen und Gräberfeldern hingegen bezeugen das Leben der Etrusker, die bis zur römischen Eroberung in diesem Gebiet herrschten. Das berühmte Gräberfeld von Montecalvario in der Nähe von Castellina bei Radda lässt die Bedeutung des etruskischen Volkes im Chianti erahnen.
Und doch haben dem bekannten Geographen Emanuele Repetti (19. Jh.) nach die Römer diesem Gebiet seinen Namen gegeben. Er leitet sich ab von dem lateinischen Verb clango, das ich halle wider bedeutet und auf den Lärm der Jagden der Barone, die die Wälder dieses Gebietes widerhallen liessen, anspielt.
Da es von den wichtigsten römischen Strassen - von der Via Cassia, die das Valdarno durchquerte und auch von der Via Francigena (die über Siena und Lucca Roma mit Mittel- und Westeuropa verband), die über das nahe Valdelsa führte - ausgeschlossen war, blieb das Land des Chianti auch noch im Mittelalter isoliert. Trotzdem war es nicht weniger begehrt von den drei toskanischen Städten, die um die Vorherrschaft über die Toskana stritten: Arezzo, Florenz und Siena.
Die Politik der Vorherrschaft der Stadt Florenz prallte vor allem mit der Regierung der Stadt Siena zusammen und die Grenzen des jeweiligen Zugehörigkeitsgebietes der beiden Städte wurden lange umkämpft. Nach einer Legende aus den Anfängen des 12. Jh. löste man die Querelle mit einem Wettkampf: die Hauptpersonen waren zwei Ritter. «Der Ort der Begegnung der beiden Ritter, die beim ersten Hahnenschrei von den Stadttoren aufbrechen, wird die Grenze zwischen Florenz und Siena bezeichnen.» So wurde es in einer parlamentarischen Übereinkunft zwischen den Regierungen der beiden Städte festgelegt. «Man erzählt sich jedoch, dass sich die Florentiner eines schwarzen Hahnes bedienten, dem tagelang das Essen verwehrt wurde und der deshalb, hungrig wie er war, lange vor dem Morgengrauen schrie. Die Florentiner konnten so einen Vorsprung gewinnen, da ihr Ritter früher losritt. Und da er im Vergleich zu seinem Gegner viele Meilen mehr ritt, gelang es ihm, bis nach Fonterutoli im Gebiet von Castellina zu kommen.» Die Grenze wurde also bei Castellina festgesetzt, wenige Kilometer von Siena entfernt an einer später Croce Fiorentina genannten Stelle.
Doch Legende beiseite (die sicherlich den berühmten schwarzen Hahn ins Feld schickte): Der Schiedsspruch von Poggibonsi setzte im Jahre 1203 die florentinische Vorherrschaft fest, die sich konkretisierte mit der Schaffung einer Reihe autonomer Gerichtsbarkeiten mit Verwaltungscharakter, den leghe (Ligas), in den Grenzgebieten. Auch das Land des Chianti hatte eine. Sie war aufgeteilt in drei Drittel, die ungefähr den heutigen Gebieten der Gemeinden Radda, Castellina und Gaiole (historischer Chianti) entsprachen. Dies, bis die Medici – nach dem Fall der Republik Siena – auch diese Gebiete in ihren Herrschaftsbereich einverleibten.
Trotz seiner etruskischen und römischen Ursprünge ist der Chianti, so wie wir ihn heute kennen, in urbanistischer, landwirtschaftlicher und architektonischer Hinsicht (mit seinen Flecken und Bauernhöfen, Mühlen und Brennöfen, Bauernhäusern, Türmen und Burgen, Klöstern, Kirchen, Oratorien und Kapellen) mittelalterlich: ein Grenzland, das reich ist an Befestigungen und befestigten Dörfern. Ein Land, das die Faszination der Geschichte bewahrt hat. Ein Land, in dem der Weinstock über den anderen Anbau (Getreide, Gemüse, Obst) immer mehr die Oberhand gewinnt. Ein Land, in dem die alten Olivenbäume weiss schimmern. Das wertvolle, im Geschmack scharfe und leicht bittere Olivenöl, das aus den kleinen Oliven hergestellt wird, wurde bereits von den Römern geschätzt. Sie verwendeten es nicht nur für die Zubereitung von Speisen, sondern auch für die Beleuchtung, die Massage der Muskeln der Athleten und die Hautpflege der Frauen.
Wein und Öl charakterisieren die naturreine und schmackhafte Küche des Chianti (die wahrscheinlich auch die Bruschetta erfunden hat, die noch heute überall verbreitet ist, vor allem in der Zeit, wenn das Öl frisch gepresst ist), in der das Schwein und Kleinvieh noch heute unangefochten dominieren. Sie bewahrt die Prägung des alten Bauernhoflebens, als jedes Landgut unabhängig war: man buk das Brot im eigenen Ofen; man presste das Öl in der eigenen Ölpresse; im Hof hielt man Hühner und Hasen und im Stall die Ochsen, die Kühe, die Schafe und das Schwein, das mit einem grossen Fest im Herbst geschlachtet wurde, wenn die Pilzsucher in den Wäldern die besten, zwischen den Kastanienbäumen wachsenden Steinpilze fanden.
Berühmt sind die leckeren Würste mit Fenchelkörnern und Gewürzen aus dem Chianti; der gefüllte Hals vom Huhn, den man in vielen Teilen der Toskana nur selten findet, der im Chianti jedoch noch ziemlich verbreitet und besonders wohlschmeckend ist; und natürlich der Schmorbraten, der in Wein geschmort wird und eine Kochzeit aus fernen Zeiten erfordert, die um die sechs Stunden beträgt; oder das Freilandhähnchen, das ebenfalls in Wein zubereitet wird, oder der Hase mit den schwarzen Chiantioliven.
Der Chianti - Sein Wein und grosse Persönlichkeiten
Zahlreich sind die Gerichte, die vom Aroma des Chiantiweins charakterisiert werden. Er ist das beherrschende Element dieses Landes und wurde mit Gewissheit seit den Etruskern und den Römern (auch wenn uns die damaligen Eigenschaften des Weins nicht überliefert wurden) zu allen Zeiten geschätzt. Als später die Einfälle der Barbaren unser Land verwüsteten, widmeten sich die Benediktinermönche und die Mönche aus dem Vallombrosa der Niederschrift von Urkunden, die die Agronomie und den Weinanbau betrafen, und der Umsetzung der Regeln in die Praxis. So verbreiteten sie diese wertvolle Kultur, die in Abteien wie Coltibuono, Passignano und Poggialvento aufbewahrt wird.
Im Laufe der Jahre und besonders nach dem 11. Jh. steigerte sich im gesamten Gebiet der spezialisierte Anbau des Weinstocks, der niedrig und in Zeilen angebaut wurde und oft sogar von den Stadtmauern vor Viehschäden und vor Diebstahl geschützt wurde. Dies beweist die Toponomastik einiger Strassen in Florenz. Via della Vigna Vecchia, Via della Vigna Nuova, Via Vinegia, Santa Maria in Vigna (später Santa Maria Novella) bezeugen das Vorhandensein der Weinstöcke nicht nur am Stadtrand, sondern auch im Inneren der Stadt selbst. Und sie wurden sehr geschützt: Unbefugte konnten nicht eintreten, von Mensch oder Tier zugefügte Schäden wurden hart bestraft und die Zerstörung konnte sogar die Folter zur Folge haben. Andererseits war der Wein einem harten Steuerwesen unterworfen und die Qualität wurde bezahlt auf der Grundlage der Bewertung durch das Kataster.
Der Chiantiwein ist Gast vieler Seiten in Büchern herausragender Persönlichkeiten, die Beziehungen zu dem Land des Chianti hatten.
Michelangelo Buonarroti (1475-1564), der Besitzungen im Chianti besass, lässt in seiner Briefsammlung Lobreden auf den Chiantiwein nicht aus. Er stellte ihn her, er trank ihn, er bot ihn mit grosser Begeisterung seinen Freunden an und er machte sogar dem Papst ein Fässchen zum Geschenk. Machiavelli (1469-1527) suchte, als er einer gegen die Medici gerichteten Verschwörung verdächtigt wurde, in seinen armen Landgütern im Chianti Zuflucht. Von seinem Haus, dem Albergaccio in Sant’Andrea in Percussina, wo er gerade Il Principe schrieb, begab er sich gerne in die Osteria, um (wie er selber schreibt) ingagglioffirsi, um zu trinken und zu spielen, bevor er sich wieder panni curiali (erhabene Kleider) anzog, um scharfsinnig die Themen der Politik, deren grosser Erneuerer er war, darzulegen.
Und von Galilei (1564-1642) erzählt uns sein Schüler Vincenzo Viviani, dass der grosse Wissenschaftler in seiner Villa bei Grignano die Anschuldigungen der Ketzerei vergass, wenn er sich ergötzte nella delicatezza de’ vini e delle uve e del modo di custodire le viti, ch’egli stesso di propria mano le potava e legava nelli orti (an der Feinheit der Weine und der Trauben und der Art und Weise der Pflege der Weinstöcke, die er selbst mit eigener Hand in den Gärten beschnitt und band).
Wir dürfen aber auch nicht Francesco Redi (1626-1698) vergessen. Obwohl er den Wein von Montepulciano, der für ihn d’ogni vino è re (der König aller Weine ist), an die erste Stelle setzte, sang er unseres Chianti Lob mit folgenden Versen: «Lingua mia già fatta scaltra / gusta un po’, gusta quest’altro / vin robusto che si vanta / d’esser nato in mezzo al chianti…». Ein Wein, der definiert wurde als majestätisch, gebieterisch, der aus dem Herzen «ohne Gepolter jedweden Kummer und Schmerz vertreibt».
Ein Wein also, der irgendwie mit dem Leben, der Geschichte, den Traditionen seines Landes übereinstimmt. Ein Land, das sich der Wertschätzung grosser Persönlichkeiten des Gestern und des Heute rühmen darf, die allen Künsten und auch der Musik angehören. Eine schöne Erinnerung ist, dass das Land des Chianti die berühmte Accademia Chigiana ins Leben gerufen hat. Die bekannte Akademie entstand im Jahre 1923 nach einem Treffen des Grafen Chigi Saracini mit Arrigo Boito in der Villa aus dem 17. Jh. in der Nähe von Castelnuovo Berardenga. Sie wurde nach dem Hausherrn benannt und nur neunzehn Jahre später nach Siena verlegt, von wo ihr Ruhm in alle Welt gelangte.
Die Legenden
In Panzano, nur wenige Kilometer vom Dorf entfernt, bezeugt ein Oratorium den Kult, der in diesem Gebiet um die Mitte des 12. Jh. herum dem Hl. Eufrosino, Schutzpatron des Chianti, erwiesen wurde. Er soll dort aus seiner Geburtsstadt Cappadocia zum Ende seines mühseligen Lebens, das er dem Evangelisieren vieler Menschen und auch der Bewohner dieser Orte gewidmet hatte, angekommen sein und wurde dort auch nach seinem Tode begraben.
Dem Hl. Eufrosino sind viele Wunder zugeschrieben worden, die vor allem dank eines wundersamen Wassers stattfanden. Dieses stammte aus einem Brunnen in der Nähe des Oratoriums, der auch noch das ganze 19. Jh. Ziel von weither kommenden Pilgern war.
Die alte Legende vom Hl. Eufrosino wurde im Laufe der Jahre und Jahrhunderte überliefert. Doch haben viele legendäre Erzählungen aus diesem Land ihren Ursprung auch in der näheren Vergangenheit. Wir erinnern an die Legende des Barone di ferro, des eisernen Barons Bettino Ricasoli (1809-1880). Er wurde so genannt aufgrund seiner Härte, die er sowohl den Bauern als auch der Familie gegenüber zeigte. Im Namen Viktor Emanuels II., der den Anschluss dieser Region an Piemont vorbereitete, war er im Jahre 1859 Diktator in der Toskana und später bekleidete er zweimal das Amt des Premierministers. Über seinen Tod wird erzählt, dass während der Trauerfeier in der Familienkapelle der Burg von Brolio ein heftiger Wind Türen und Fenster aufstiess und vier Kerzen umstiess, die an den Ecken der Totenbahre standen und unverzüglich ausgingen. Dieses Ereignis schien von überirdischen Kräften gewollt, um den Kirchenbann auszudrücken, mit dem der Baron belegt wurde, der einige religiöse Orden unterdrückt und zahlreiche Kirchengüter beschlagnahmt hatte. Im Mittelalter sah der Kirchenbann nämlich vor, dass als Zeichen des Verlustes des göttlichen Lichtes und der Verdammnis in die Finsternis der Hölle vier Kerzen ausgelöscht wurden, indem sie mit Gewalt auf den Boden umgestürzt wurden.
Von diesem Moment an begann der Geist des Eisernen Barons überall mit grossem Lärm und Gepolter zu erscheinen, zu Fuss oder zu Pferd, im Park und auf den Basteien der Burg.
Um diese Anwesenheit zu exorzieren, wurde ein Kapuzinermönch gerufen, der eine zweite Totenfeier forderte. Im Laufe dieser tobten, während die auf den Schultern getragene Bahre immer schwerer wurde, von neuem die Winde, die sich nur dank eines Exorzismus legten, dem es gelang, die Seele des Herrn in einer wenig von der Burg entfernten Macchia anzuketten. Und noch heute – so sagt man – erscheint der Baron dort mit Schrecken erregendem Lärm und dem Geräusch galoppierender Pferde und der Räder eines Karrens.
Die Weinherstellung
Die Pergamente, die in der Kirche Santa Caterina in Lucignano gefunden wurden und in denen man von der Weinherstellung im Chianti spricht, sind sehr alt, genauer gesagt aus dem Jahre 913 n. Chr.. Wir haben auch Nachricht, dass im Jahre 1023 in Grignano in der Gerichtsbarkeit von Florenz einem Bauern Ackerland und Land mit Weinstöcken zugestanden wurde und dass er sich um ihre Verbesserung bemühte. Und in denselben Jahren liessen die Herren von Brolio – die Familie Firidolfi, von denen die Familie Ricasoli abstammte – Weinstöcke an den Hängen unter ihrer Burg anpflanzen.
In der Zeit der Entstehung der Stadtstaaten wurde der Handel mit Wein zu einer wichtigen Quelle des Reichtums. So wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jh. in Florenz unter den niederen Zünften die der Vinattieri, der Weinhändler, gegründet, begleitet von immer neuen Osterien, in denen man den Wein kostete, und Verkaufsstellen, in denen man mit dem Wein handelte. Der Weinkonsum ist in diesen Jahren nicht mehr auf die herrschaftlichen Tafeln beschränkt, sondern er wird allgemein im Volk üblich und gegenwärtig auf allen Tischen. Wein wird als unerlässliches Nahrungsmittel angesehen, auch wenn man sich mit einem acquarello begnügen musste, das aus der zweiten und dritten Pressung der Trauben stammte. Er war ein Zusatz zu einer oft energiearmen und ungenügenden Nahrung.
Die Menge, in der der Wein in jedem sozialen Milieu getrunken wurde, nahm – ab dem 13. Jh. - überall konstant zu, auch wenn er immer höheren Steuern und folglich stetigen Teuerungen unterworfen war.
Der Ausdruck Chianti erscheint jedoch erst zum Ende des 14. Jh.: davor wurde der toskanische Wein Vermiglio genannt, wenn er rot war, und Vernaccia, wenn weiss. Gewiss ist, dass die im Chianti mit seiner ganzen Provinz hergestellten Weine bereits im florentinischen Kataster des Jahres 1427 streng von allen anderen toskanischen Weinen unterschieden wurden, da sie (abgesehen von den Weissweinen einiger Ortschaften des oberen Valdarno) als hochwertiger beurteilt wurden. Auch bevor er sich Chianti nannte, war der in diesem Gebiet hergestellte Wein übrigens sehr bekannt für einen Prozess der Weinherstellung, der zu Anfang der zweiten Hälfte des 14. Jh. von zwei Florentinern erfunden wurde. Er bestand darin, dass man dem gerade abgestochenen Wein einen kleinen Prozentsatz an verdörrten Trauben hinzufügte und ihn dann erneut gären liess, um einen hochreinen Wein zu erhalten. Ausserdem waren Eiweiss, bittere Mandeln und Salz für das Aufhellen vorgesehen und Pfeffer und Rosenblütenblätter, um dem Wein eine schöne Farbe zu verleihen.
Ein entscheidender Schritt auf dem Gebiet der Produktionstechnik fand dank der Studien von Giovanni Cosimo Villifranchi über die Weinherstellung statt. In seinem Werk Oenologia toscana (1773) hinterliess er uns nützliche Hinweise. Er informiert uns, dass die Trauben zum guten Teil schwarze Canaiolo sein müssen, mit einer gewissen Menge an San Gioveto, Mammolo und Marzimino, und er präzisiert den eventuellen Ersatz beim governo (zusätzliche Gärung), für das man den Most verwendete, der in den Jahren, in denen der Wein zu herb war oder eine zu intensive Farbe hatte, mit weissen Canaiolo oder mit Trebbiano ersetzt wurde, da der Wein von der Farbe eines funkelnden Rubins sein sollte.
Notwendige Präzisationen, da – wie Villifranchi schreibt - viele aus Gewinngier und um die Anfragen nicht zu kündigen den Chiantiwein mit Weinen anderer Orte verschnitten, so dass der weise Entschluss notwendig wurde, ihn nicht mehr in Fässern zu versenden, sondern in Fiaschi.
Ein Wein, der verteidigt und geschützt werden muss
Einige Regeln waren bereits seit dem Jahr 1444 von den Organismen der Liga des Chianti gegeben worden, um den guten Namen und die Qualität dieses Weins zu schützen. Organisch ging jedoch Grossherzog Cosimo III. das Problem an und zwar mit einer Verordnung aus dem Jahre 1716: die Produktions- und Verkaufsbedingungen wurden festgelegt und es wurde auch die Bezeichnung geschützt, indem man die Gebietsgrenzen der verschiedenen Herstellungen bestimmte und schwere Sanktionen vorsah für die Fälle der Verfälschung und des Schwarzhandels. Eine Verordnung, die ihrer Zeit voraus war und für die Verbraucher eine Garantie darstellte.
Von grundlegender Bedeutung war unter diesem Gesichtspunkt die Tat des Barons Ricasoli, der einen regelrechten Kodex des Chianti ausarbeitete, eines Weins, der – wie er im Jahre 1870 an den Professor Studiati aus Pisa schrieb - «von der Sangioveto den grössten Anteil seines Buketts erhält … und eine gewisse Kraft der Wahrnehmung; von der Canaiolo die Lieblichkeit, die die Härte der erstgenannten besänftigt, ohne dem Wein etwas von seinem Bukett zu nehmen, da auch sie damit ausgestattet ist; die Malvagia, auf die man auch verzichten könnte bei Weinen, die für die Alterung bestimmt sind, neigt dazu, das Produkt aus den beiden ersten Traubensorten zu verdünnen, sie steigert seinen Geschmack und macht ihn leichter und besser geeignet für den Verbrauch auf der alltäglichen Tafel». Der Kodex Ricasoli gibt nicht nur die Traubensorten an, sondern auch die Regeln für die Verarbeitung, indem er festlegt, dass die Traubenkämme von den Trestern getrennt werden mussten, die Bottiche für die Gärung geschlossen sein mussten, der Abstich des Mostes schnell sein musste und dass danach die Trester gepresst werden und der Wein, der herauskommt, sich mit dem ersten vereint in Fässern, in denen die Gärung weiter gehe.
Im Jahre 1878 triumphierte der Chianti mit den Regeln des Barons Bettino Ricasoli auf der Ausstellung von Paris.
Wo sich der Wein Chianti nennen durfte
Ab dem 19. Jh. schloss das Land des Chianti in Hinsicht auf den Wein stufenweise die Täler Val della Pesa und Val dell’Arbia und fast das ganze Val di Greve ein, da deren Umweltbedingungen denen des historischen Chianti nicht unähnlich waren und sie einen gleichermassen geschätzten Wein herstellten.
Die offizielle Anerkennung wurde mit einem Gesetz aus dem Jahre 1932 sanktioniert, das die ganze zentrale Toskana in das Herstellungsgebiet einfügte: ein Gebiet, das aufgeteilt wurde in sieben Untergebiete (Classico, Colli aretini, Colli fiorentini, Colline pisane, Colli senesi, Montalbano, Rufina), die die Pflicht hatten, den Wein mit den traditionellen Chianti-Weinrebsorten (Sangiovese, Canaiolo, Malvasia, und die zwischenzeitlich hinzugekommene Sorte Trebbiano) herzustellen und eine konstante Qualität zu erhalten. Diese Grenzen – die geographisch offiziell von der Karte des Istituto Geografico Militare von Florenz bekannt gegeben wurden – wurden im Jahre 1967 mit einem Gesetz bekräftigt, das Disciplinare del Chianti (Ordnungsvorschriften des Chianti) genannt wurde. Es schuf Tausende von Hektar mit spezialisiertem Weinberg und es legte eine strenge Reglementierung fest, die den Alkoholgehalt bestimmte und die notwendige Alterung, um die Bezeichnung Vecchio (Alt) oder Riserva (Auslese) für die Weine der verschiedenen Gebiete zu erhalten. Ausserdem stellte man die kontrollierte Herkunftsbezeichnung (Doc) auf, die später auf andere Gebiete ausgedehnt wurde: Montespertoli, Cerreto Guidi, Gambassi, Agliana, San Miniato, alles Orte mit alter Weintradition, denen es aber nicht gestattet wurde, auf der Etikette den Herkunftsort ihres Chianti hinzuzufügen.
Der Wein des Chianti Classico rühmte sich bis zum Jahre 1991 der Marke Gallo Nero, doch nach verschiedenen Rechtsstreitigkeiten sprach ein Urteil dieses Recht dem amerikanischen Weinbetrieb Gallo Winery von Ernest und Julio Gallo zu. Also entstanden die Bezeichnungen Chianti classico und Chianti geografico (letztere wurde von einer Gruppe von Bauernhöfen im Chianti gewählt). Auch die Marke Putto (die ausserhalb des Chianti classico verwendet wurde) änderte seine Bezeichnung um in Colli fiorentini.
Die Gebiete des Chianti Classico wurden – auch wenn nicht ohne Schmerzen – in einer Tagung festgelegt, die im Jahre 1997 stattfand. Es wurde bekräftigt, dass er von allen Gebieten von Radda, Castellina, Gaiole und Greve gebildet wird, während Barberino Valdelsa, San Casciano Val di Pesa und Castelnuovo Berardenga weite Gebiete ausgeschlossen sehen und Poggibonsi völlig ausgestossen wird.
Die Zugehörigkeit zu der Region des Chianti und seine Grenzen sind also weiterhin ein offenes und umstrittenes Problem, das die unbestrittene Faszination dieses Landes bezeugt, das heute so begehrt ist von den Ausländern - vor allem Deutschen und Amerikanern -, die es in tiefem Respekt erleben.
Was den Wein Chianti anbetrifft, muss man sagen, dass er sich heute entschieden unterscheidet von dem, den der Eiserne Baron reglementierte: es wurde nicht nur die maximale Herstellungsmenge in Hinsicht auf die Weinberge quasi halbiert, sondern man wertet nach der Eliminierung der weissen Trauben und der Reduzierung der Sorte Canaiolo heute die Sorte Sangiovese auf; der Alkoholgehalt hat 12° und 12,5° für die Auslese erreicht und in den besten Betrieben erreicht die Alterung – vor der Einführung in den Markt – vierundzwanzig Monate.
Das Bukett ist intensiv, mit einem Duft von Veilchen, der ausgeprägt ist im Chianti Classico und sich allmählich mit der Alterung verfeinert. Er ist ein lebendiger und runder Wein, wenn er im Jahrgang governato (nachgegärt) wird, der im Laufe der Zeit weich und samtig wird.
Ein Wein, der für dieses Land ein Symbol ist, sein Stolz, sein historischer Reichtum.
Quelle: emmeti.it
Chianti wurde von Italien.ch mit Punkten bewertet