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Duett «mit zwei obligaten Augengläsern»
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf das Duett für Viola und Violoncello in Es-Dur «mit zwei obligaten Augengläsern».
Es gibt Augenmusik, und es gibt Brillenbässe. Mit beiden musikalischen Phänomenen (der Renaissance und der Vorklassik) hat Beethoven wenig zu tun, und dennoch findet sich im Katalog seiner Werke eine Komposition «mit zwei obligaten Augengläsern». Natürlich sollen hier nicht Augen und Brillen in einen Kontrapunkt zu Viola und Violoncello treten, wohl aber sind mit dem Beinamen scherzhaft die beiden Musiker angesprochen, für die Beethoven das Duett geschrieben hat. Nebenbei bemerkt: Bei den Sehhilfen wird es sich nicht um Lorgnetten gehandelt haben, die man sich beim Lesen an einem Stiel vor die Augen hielt (Brille links, Buch rechts). Vielmehr war eine aufwendigere Schläfen- oder Schläfenbügelbrille, notfalls auch ein simpler «Nasenquetscher» nötig, um frei musizieren zu können (dann galt wie immer: Bratsche links, Bogen rechts – und in diesem Fall sowieso: Brille auf der Nase).
Für welche musizierenden Augenglasträger Beethoven sein Duett schrieb, ist freilich nicht bekannt. Immer wieder taucht die Vermutung auf, es könnte sich gar um ihn selbst (Viola) und den befreundeten Nikolaus Zmeskall (1759–1833, Beamter und Komponist) handeln. Das legt zwar ein aus dem zeitlichen Umkreis des Werkes stammender Brief nahe (aus den frühen Wiener Jahren), kann aber nicht mit Sicherheit verifiziert werden. Mehr noch bliebt die Aussage «liebster Baron Dreckfahrer je vous suis bien obligé pour votre faiblesse de vos yeux» (Ich bin Ihnen sehr verbunden wegen der Schwäche Ihrer Augen) zu allgemein.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Komposition «fertig» geworden ist. Überliefert sind im sogenannten «Kafka-Skizzenbuch», einem vollkommen ungeordnet zusammengebundenen Konvolut, lediglich ein langer, vollständiger Kopfsatz und ein Minuetto; von einem (zweiten?) langsamen Satz liegen nur 23 Takte vor. Doch selbst da, wo Beethoven den Notentext vollständig niederschrieb, fehlen weite Teile der Artikulation und der Dynamik. Vielleicht gab es einst auch eine Reinschrift, die über die Jahrzehnte verloren gegangen ist oder seit Generationen in einem Familientresor schlummert. Dann aber heisst es jetzt: Augenglas und Lupe zur Hand nehmen und genau nachschauen.
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