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Nun kommen wir endlich auf die Hochzeitsfeiern zu sprechen. Die Verbindung zweier Personen zu einer ehelichen Verbindung, in welcher die Eheleute ihr ganzes Leben, Arbeit und Gewinn, Freud und Leid, aber auch Lust und Sorge miteinander teilen, wurde von jeher als ein wichtiger Akt angesehen.
Man versuchte deshalb den Eintritt in eine solche Vereinigung mit einer Feier ins Gedächtnis einzuprägen. Die religiöse Weihe musste zudem den Zweck unterstreichen und den Willen zur Gemeinsamkeit betonen, damit sie vor Augen behalten werden konnte. Als früher der Schulunterricht noch sehr mangelhaft war, wurde das Brautpaar noch vor der Kopulation über seine Religionskenntnisse verhört. Der Bräutigam musste sich ausweisen können, dass er eine Bibel besass und als Bürger des Vaterlandes die nötigen Waffen hatte. Die Trauung fand, mit einer dazugehörigen Predigt, in der Kirche statt. Um der Sache einen feierlichen Rahmen zu geben und etwas vornehm zu wirken, wurde das Brautpaar mit einem Umzug in und aus der Kirche begleitet. Zu diesem Zweck trafen sich die Brautleute mit den geladenen Gästen am Dienstagmorgen in einem Wirtshaus zum Frühstück. Die Frauenzimmer waren mit Sträussen und Kränzen geschmückt, während den Männern von der Gespielin der Braut ein Strauss aus künstlichen Blumen auf die linke Seite des Rockes genäht wurde. Dafür erhielt sie ein Dankesgeld von etwa 6 Batzen. Um 9 oder 10 Uhr begaben sich die Hochzeitsleute, von der Musik begleitet, zur Kirche. Voran schritten die Brautführer mit der Braut, dann folgten der Brautgeselle und der Bräutigam und schlussendlich folgte ihnen die ganze Gesellschaft paarweise nach. Nach der Predigt wurde die Trauung vollzogen. Nachher nahm man eine Mahlzeit ein, oder machte eine Spazierfahrt.
Gegenwärtig lassen sich die meisten Paare ohne Predigt kopulieren und machen nach der Kopulation eine Spazierfahrt, oder sie lassen sich erst unterwegs verbinden. Vor der Revolution war das Festmahl gewöhnlich mit viel Aufwand verbunden, so dass die Obrigkeit mehrmals Einschränkungen gebieten musste.
Bei diesen Gelagen war auch der Pfarrer anwesend, um „abzudanken“. Der Brautgeselle, als Begleiter des Bräutigams, musste den Pfarrer nach der Predigt zum Abendessen einladen und ihn dann auch abholen. Um 21 - 22 Uhr hielt der Pfarrer in der Gaststube stehend die „Abdankung“. Neben ihm rechts und links standen in Mäntel gehüllt der Hochzeiter und Geselle. Anschliessend wurde die Hochzeitgabe eingenommen und die „Nachörte“ nahm den Anfang, wobei sich Ledige und Verheiratete zusammentaten.
Erst jetzt konnte sich der Bräutigam zu seiner Braut setzen, denn bis dahin mussten er und der Geselle die Gäste bewirten. Beide trugen dazu weisse Schürzen mit „Fransen“. Die Gespielin würzte der Braut und den Gästen den Wein mit Muskatnüssen und füllte dem Pfarrer die Taschen mit „Biberzelten“. Braut und Gespielin trugen goldbordierte Hüte mit fliegenden Bändern, einen „Schappel“ (Jungfernkranz) und Haarbüschel. Reichere Bräute trugen manchmal auch silberne Gürtel.
Wenn jemand aus der höheren Gesellschaftsschicht heiratete, delegierte die Gemeinde einen Vertreter. So hatte der Pfarrer von Speicher im Namen unserer Gemeinde der Hochzeitsfeier von Dekan Zähner in Trogen und von Pfarrer Zollikofer in Grub beizuwohnen, wobei er Zähner eine Hochzeitsgabe von 7 Gulden 3 Batzen übergeben durfte.
Nach der Revolution hörten die überschwänglichen Zeremonien auf. Man traf sich einfach zum Essen und erfreute sich am Tanz. Seit die Vermählungen ohne Predigt in Mode kamen, gibt es auch keine Brautumzüge mehr.