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Berlin - Christoph Schlingensief ist tot. Er starb am Samstag in Berlin mit 49 Jahren, wie seine Familie mitteilte. Schlingensief gehörte zu den bedeutendsten Regisseuren der Gegenwart und hat wie nur wenige die deutschsprachige Film- und Theaterwelt irritiert und beflügelt.
Schlingensief war Anfang 2008 an Lungenkrebs erkrankt und operiert worden. Im Mai 2010 sagte er in einem Interview, er wisse seit einigen Monaten, dass er neue Metastasen habe. Durch den Krebs sei "alles in den Boden gerissen worden".
Dabei war er voller Pläne. Überraschend für die Kunstwelt war Schlingensief sogar die Gestaltung des deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale in Venedig 2011 übertragen worden. An der Pressekonferenz zur Vorstellung seiner Pläne hatte er Anfang Juli 2010 in Frankfurt am Main aber schon nicht mehr teilnehmen können.
Auch eine Produktion für die Ruhrtriennale ("S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken") musste er wegen seiner Krankheit absagen.
Lichtgestalt oder Spinner
Christoph Schlingensief wurde, wie es ein Kritiker schrieb, von den einen als "nervtötender oder auch begnadeter Selbstdarsteller" oder gar als "Spinner" und von den anderen als "Lichtgestalt unter all den Energiesparlampen" in der Kulturszene angesehen.
Seine Visionen und Kunstvorstellungen erinnerten manchmal an den Aktionskünstler Joseph Beuys (1921-1986) und dessen "erweiterten Kunstbegriff". Beuys war denn auch eines der grossen Vorbilder des Regisseurs.
Seine Krebserkrankung verarbeitete Schlingensief auch auf der Bühne. Produktionen wie "Mea culpa" oder "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" am Wiener Burgtheater und bei der Ruhrtriennale fanden 2008 und 2009 grosse Beachtung.
2009 veröffentlichte er sein bewegendes "Tagebuch einer Krebserkrankung", mit dem er auch auf Lesereise ging. Noch in diesem Mai inszenierte er das Opernprojekt "Via Intolleranza II" nach Luigi Nono in Brüssel und anderen Orten.
Schlingensiefs letzter Traum aber hiess Afrika mit einem eigenen "Festspielhaus" in Burkina Faso.
SDA-ATS