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Der Gebana AG in Frauenfeld, spezialisiert auf fair gehandelte biologische Produkte, droht in Brasilien das Aus: Bei der Bio-Sojaernte wurde das Pestizid Endosulfan nachgewiesen. Die Biobauern und gebana fordern nun mittels einer Petition das sofortige Verbot der Chemikalie.
"Die Sojaernte sämtlicher Biobauern in Capanema im Süden von Brasilien weist Spuren von Endosulfan auf, obwohl die Bauern das Pestizid nachweislich nicht angewendet haben", klagt Adrian Wiedmer, Geschäftsleiter der gebana AG.
Seit 1999 bezieht die im Versandhandel tätige Fair-Handelsfirma ihr Bio-Soja aus der Region nahe dem Biosphärenreservat Igussu. "Hier haben die Kleinbauern bereits Mitte der 80er-Jahre auf Pestizide verzichtet.
Für die ärmeren waren die Chemikalien ohnehin zu teuer, zudem stellten sie fest, dass diese krank machten und der Umwelt schaden, wie Wiedmer ausführt.
In Europa verboten
Das Schädlingsbekämpfungsmittel Endosulfan wurde in Brasilien auch von der deutschen Firma Bayer CropScience vertrieben. In Deutschland wurde die giftige Chemikalie bereits1991 verboten, in der Folge im übrigen Europa. "Wir haben die Produktion von Endosulfan Anfang 2009 weltweit eingestellt", sagt Utz Klages, Pressesprecher der Bayer CropScience gegenüber swissinfo.ch.
Gemäss Wiedmer hat sich der Absatz von Endosulfan in Brasilien "in jüngster Zeit verdoppelt". Er vermutet, dass die Agrarkonzerne vor einem allfälligen weltweiten Verbot ihre Lager im Süden ausverkaufen wollten. Dem hält Klages entgegen, dass Bayer CropScience "2009 den Vertrieb von Endosulfan in Brasilien eingestellt" habe. "Es gibt jedoch Firmen, namentlich in Israel oder China, die immer noch Endosulfan herstellen."
Die Mehrheit der konventionellen Bauern in Capanema setzt auf Endosulfan. Untersuchungen ergaben, dass diese Bauern, aber auch der Regen die Verunreinigung verursacht haben. "Unmittelbar nach der Anwendung verdunstet bis zu 70 Prozent des Endosulfans und verbreitet sich in der gesamten Region, auch auf die Biofelder", erklärt Wiedmer.
Bioernte unverkäuflich
In der diesjährigen Ernte von 3400 Tonnen Bio-Soja aus Capanema befinden sich mit 0.15 kg Endosulfan relativ kleine Mengen des Gifts.
Die Konzentration betrage durchschnittlich 0.045 Milligramm pro Kilogramm Soja. Laut gebana ist das zehn Mal weniger als zugelassen und für die Gesundheit unbedenklich.
"Doch bereits geringste Spuren machen die Bioernte unverkäuflich", sagt Wiedmer. Die "Reinheit" der Endprodukte stünden heute im Zentrum und nicht mehr der überprüfte, nachhaltige Anbau oder soziale Aspekte.
Beträchtliche Verluste
"Rund 300 Bio-Sojabauern erhalten keine Bio-Prämie mehr und sie verlieren zudem den Absatzmarkt", beschreibt Wiedmer die Lage. "Das bedeutet, dass rund zwei Drittel der Bio-Sojabauern vor dem Ruin stehen."
Bedroht sind auch die Stellen der 35 Beschäftigten von gebana in Brasilien". Die gebana Brasil betreibt moderne Anlagen und Silos, auch die Weiterverarbeitung der Futterqualität zu Sojakuchen, Öl und Lezithin erfolgt direkt vor Ort.
Das verunreinigte Bio-Soja kann laut gebana bestenfalls als Tierfutter verkauft werden. Wiedmer rechnet mit einem Verlust von "mehreren hundert tausend Franken".
Bio-Soja aus Brasilien macht rund die Hälfte des Umsatzes von 10 Millionen Franken aus, die andere Hälfte erwirtschaftet gebana mit Bio-Datteln aus Tunesien und Dörrfrüchten aus Burkina Faso. Die Umsatzeinbussen würden sich auch auf die Gebana AG in Frauenfeld auswirken: "Unsere Beteiligung verliert an Wert, so dass die Firma als Ganzes mit Verlusten rechnen muss.
Petition lanciert
Die desolate Lage wollen weder die Bio-Sojabauern noch Gebana hinnehmen. Unter dem Titel "Chega" (Es reicht), haben sie die Internetplattform www.chega.org ins Leben gerufen, auf der sie ein sofortiges Verbot von Endosulfan fordern. Mehr als 1000 Personen haben dort bereits die Petition unterschrieben und an die brasilianische Regierung geschickt.
"Der Zeitpunkt ist günstig", betont Wiedmer: Die brasilianische Zulassungsbehörde ANVISA revidiert derzeit die Zulassung von Endosulfan und anderer geächteter Pestizide wie Paraquat und Methamidophos.
Die Petition der Bio-Kleinbauern aus Capanema fordert das sofortige Verbot der drei hochgiftigen Substanzen. Unterstützt wird sie von gebana wie auch Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie der Erklärung von Bern, Greenpeace, WWF und dem Pestizid Aktions-Netzwerk PAN in Deutschland.
Von Bauern zu Kunden
Die gebana AG importiert und verkauft Bio-Lebensmittel aus dem Süden ohne Zwischenhandel an die Kundschaft.
Garantiert gentechnikfreie Soja von Kleinbauern aus Brasilien war das erste Produkt des 1998 gegründeten Bio&Fair-Direktversands.
Es ist bis heute mit fünf Millionen Franken Umsatz das Wichtigste.
Hinzu kommen Bio-Lebensmittel wie Cashewnüsse und Trockenfrüchte aus Westafrika, Datteln aus Tunesien und Olivenöl aus Palästina.
Die gebana AG geht auf die Bananenfrauen um die Frauenfelder Pfarrersfrau Ursula Brunner zurück, die in den 1970er-Jahren erste "Soldidaritätsbananen" verkauften und in der Folge die Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel (gebana) gründeten.
Die Kontakte zu Kleinbauern in Lateinamerika wie auch zu Konsumenten in Europa flossen in die Arbeit der gebana AG ein.
InfoSüd und swissinfo.ch