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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Sechstes Buch
8. Gegenstand und Ziel der Abhandlung des Hilarius.
Zwar haben wir in den vorhergehenden Büchern aus der Lehre des Gesetzes und der Propheten heraus unsere Lehre vorgetragen, von Gott und Gott, vom wahren Gott und wahren Gott, von der Erkenntnis des einen wahren Gottes in dem wahren Gott-Vater und in dem wahren Gott-Sohn, nach der Einheit des Wesens, aber nicht nach der (zahlmäßigen) Einheit der Person.
Dennoch muß eine vollständige Darlegung dieses Glaubens aus den Lehren der Evangelien und Apostel dargeboten werden, damit die Erkenntnis des Sohnes Gottes als wahren Gottes möglich werde, nicht in einem dem Vater fremden und von ihm verschiedenen Wesen, sondern in derselben Göttlichkeit, da er durch die wahre Wirklichkeit seiner Geburt sein Dasein hat. Wirklich glaube ich, niemand könne so geistverlassen sein, daß er die Selbstbekundungen Gottes, wenn er sie erfaßt, nicht einsieht oder, wenn er sie einsieht, sie dennoch nicht einsehen will, oder glaubt, sie durch das Meinen menschlicher Klugheit berichtigen zu sollen.
[S. 270] Doch ehe wir mit der Besprechung des eigentlichen Gegenstandes der heilbringenden Geheimnisse beginnen, muß jede Hülle dieser verschlagenen Bosheit deutlich erkennbar gemacht werden, damit nicht in irgend jemandem die Verkündigung der Irrlehre sich einschmeichle, indem sie (die Irrlehrer) die Namen (anderer) Irrlehrer übermäßig hervorheben. Womit das verborgene Gift sich verdeckt, eben damit soll es verraten und angeprangert werden, und das Empfinden des öffentlichen Gewissens soll zu der Erkenntnis des schmeichlerischen Giftes den Zugang finden.