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Es ist die allerletzte Szene des Films «Saint Laurent»: Gaspard Ullliel, der in der Hauptrolle über zwei Stunden lang als überfragiler Modedesigner zu sehen war, meist verloren, müde, abgelöscht und medikamentiert, lächelt zum Schluss ganz direkt in die Kamera. Schelmisch? Glücklich? Erlöst? Oder gar diabolisch, wie einst der junge Hannibal Lecter, den er vor sieben Jahren verkörperte?
Wie einst Alain Delon
Wie genau er in die Kamera lächelt bleibt offen: Ulliel ist kein Schauspieler, der die Gefühlsregungen seiner Figuren vorschnell verrät. Aber das hat nichts mit mangelndem Talent zu tun, im Gegenteil. Er kennt seine Ausstrahlung, vertraut auf seine Anziehungskraft und weiss, dass es nichts bringt, vor der Kamera unnötig die Gesichtszüge zu verziehen. Er vertraut auf sein Inneres und erzielt damit interessante Mehrdeutigkeiten. Wie einst Alain Delon, könnte man sagen.
Schon als Jugendlicher war Ulliel in Fernsehproduktionen zu sehen, vor rund zehn Jahren folgte der Einstieg in den Spielfilm. «Gaspard wird ein Star», soll der Regisseur Jean-Pierre Jeunet 2004 gesagt haben, als er ihn für sein Erster-Weltkriegs-Epos «Un long dimanche de fiançailles» neben Audrey Tautou in einer zentralen Rolle besetzte. Besonders gewagt war diese Aussage nicht: Ulliel war zu diesem Zeitpunkt bereits zweimal für den César als bester Nachwuchsdarsteller nominiert worden, für seine Darstellung im Film von Jeunet erhielt er den Preis tatsächlich.
César als bester Nachwuchsdarsteller
Ulliel blickt bereits auf eine Traumkarriere zurück, zumal er auch als Model begehrt ist, ziemlich gut zeichnen kann – die Skizzen im Film «Saint Laurent» fertigte er vor laufender Kamera – und eine musikalische Ader hat.
Insbesondere die Beschäftigung als Model hat ihn weit gebracht: Im Auftrag von Chanel stand er für Martin Scorsese vor der Kamera, und als Markenbotschafter verdient er genug Geld, um sich seine Filmrollen in aller Ruhe auszusuchen.
Die Hauptrolle in «Saint Laurent» erhielt er unter anderem aufgrund seiner körperlichen Ähnlichkeit mit dem gertenschlanken Modezar. Aber nicht nur. Der Regisseur des Films, Bertrand Bonello, hat weit mehr aus seinem Schauspieler heraus geholt. Er hat ihn, nachdem Anforderungen wie eine Angleichung an die Stimme und die Gestik Saint Laurents gegeben waren – einfach sich selbst sein lassen. Und ihn damit zu einer Meisterleistung angetrieben.
Warten auf das erste internationale Angebot
Gaspard Ulliel hat für «Saint Laurent» bereits viel Beachtung erhalten. Ob es für einen César reicht, den er nun nicht mehr in der Nachwuchsriege erhalten würde, ist offen. Auf jeden Fall ist seine Karriere an einem neuen Punkt angekommen.
Sein akzentfreies Englisch hat er als Hannibal Lecter in Peter Webbers Verfilmung «Hannibal Rising» bereits unter Beweis gestellt. Dass seine oft undechiffrierbare Miene kein Model-Handicap ist, sondern eine willentliche Zurücknahme vor der Kamera, wissen wir nun ebenfalls. Doch was folgt als nächstes? Ulliel wartet ab, vermutlich auf ein internationales Angebot. Er hat auch Zeit, denn sein derzeitiger Arbeitgeber heisst schliesslich – einmal mehr – Chanel.