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Mangels eingehender Quellenstudien ist die Geschichte der Mühle von Oberwangen noch weitgehend unerforscht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Mühle allem Anschein nach stets ein privater Betrieb war und nie unmittelbar oder als Mannslehen der bernischen Obrigkeit unterstand.
Unsere eigenen «Forschungen» haben bisher folgende Resultate ergeben:
- 1602 die Mühle in Oberwangen taucht urkundlich erstmals auf, als der Müller Christian Wyss der Obrigkeit eine ihm gehörende Waldparzelle verkauft.
- 1722 aufgrund einer Bestätigung der Nutzungsrechte am Stadtbach ist bekannt, dass die Familie Wyss noch Eigentümerin der Besitzung ist.
- 1733 die Bauinschrift am Tennstor der Scheune zeigt, dass die Mühlegruppe jetzt Eigentum von Hans Winzenried ist. Hans Winzenried wird 1776 immer noch als Besitzer der Mühle erwähnt.
- 1821 sein Nachfolger, sein Sohn Niklaus Winzenried, lässt sich die Wasserrechte bestätigen. Durch Heirat gelangte die Mühle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Karl Hofstetter-Winzenried, in dessen Familie die Besitzung weitervererbt wurde.
- Die ursprüngliche Nutzung ist in den 1960er Jahren eingestellt worden, seither steht das Wasserrad still.
Baugeschichte
Im Gegensatz zur ziemlich unergiebigen Quellenlage haben die Aufdeckungen während der Renovationsarbeiten wesentliche Einblicke in die Baugeschichte der Mühle erlaubt.
Ausgedehnte Brandschichten unter der Pflästerung des Hofes zwischen Mühle und Scheune belegen, dass die heutigen Gebäude Vorgänger besessen haben.
Die in den einzelnen Schichten gefundenen Keramikfragmente datieren die beiden ältesten Schichten ins 13. und 14. Jahrhundert. Auch im heutigen Bau der Mühle sind wesentliche Teile erhalten, die vor das 18. Jahrhundert zurück reichen.
Die Analyse der Umfassungsmauer östlich der ersten Zimmerflucht hinter der Westfassade weist ziemlich genau auf den wohl noch dem 16. Jahrhundert angehörenden Kernbau hin. Im Grundriss knapp rechteckiger, gegen Süden drei-, gegen Norden zweistöckiger Baukörper mit Krüppelwalmdach.
Besterhaltene Teile dieses Kernbaus sind die Riegwand des Mittelteils im 1. Stock der Nordfassade, die zentralen Teile des Dachstuhls und die mächtige Balkendecke des ursprünglich vom Kellergeschoss bis zum 1. Stock durchgehenden Mahlraums. Der Mahlraum enthielt einen einstöckigen, eichernen Mahlstuhl, der bei den Renovationsarbeiten wieder hergestellt wurde.
Anstelle der heutigen Türe gelangte man vom Hof her durch ein mächtiges Rechteckportal in den Mahlraum, dessen Sturz auf der Innenseite durch einen Rundbogen entlastet wurde. Auf der Aussenseite war der Sturz durch einen dreizeiligen Hausspruch in Antiquabuchstaben verziert, von dem leider nur noch geringe Reste erhalten waren.
Nach dem Übergang der Mühle an Hans Winzenried setzte eine umfangreiche Bautätigkeit ein.
- 1733 südlich der Mühle wird eine grosse Scheune mit Krüppelwalmdach erstellt. Dieses Bauwerk beeindruckt noch heute durch den grossartigen Dachstuhl und das lustig bemalte Tennstor.
- 1756 der gleiche Müller baut die Mühle einschneidend um. Dem Altbau wird auf der Westseite ein zimmertiefer Anbau vorgesetzt, der mit einem weit vorgezogenen Vollwalm gedeckt ist. Der Anbau übernimmt im Wesentlichen das Konstruktionsprinzip der Fassaden des Altbaus, gemauerten Sockel mit Riegaufsatz, formt es aber dem Zeitgeschmacke entsprechend um. Dominierendes Element der neuen Westfassade sind die Sandsteingewände der Fenster und Türen und das mit Andreaskreuz-Streben versehene Fachwerk des Obergeschosses. Gleichzeitig werden alle bestehenden Fassaden im gleichen Sinne umgestaltet (Sandsteingewände der Fenster und Türen).
- ca. 1770 westlich der Mühle wird ein Spycher in vollständig aus Holz konstruierter Ständerbauweise errichtet. Einzig der gegen den Hof zur Scheune abfallende Sockel wird gemauert. Zwischen dem Spycher und der Scheune wird ein eleganter Brunnen mit Obelisk-Stock aus Solothurner Muschelkalk aufgestellt.
- 19. Jh. (1. Hälfte) es folgt eine weitere Ausbauphase, die vor allem den Spycher und das Innere der Mühle betrifft. Während die Mühle teilweise neu ausgestattet wird (Vertäfelung im 1. Stock, über zwei Zimmern durchgehender Sandsteinofen), wird der Spycher gegen Westen auf nahezu die doppelte Länge erweitert. Der Anbau dient vor allem der Trocknung von Heu und weist deshalb die charakteristische Gitterkonstruktion der Wände auf. Als Sockel des Anbaus wird ein hohes Kellergeschoss mit tonnengewölbtem Vorratsraum errichtet. Das Gewölbe ist ausnahmsweise nicht aus Backstein, sondern aus Sandsteinaquadern konstruiert. Der Anbau des Spychers ist an der Kellertüre 1834 datiert.
- 1828 die Scheune wird auf beiden Schmalseiten durch Anbau erweitert, was den ursprünglichen Baukörper vor allem auf der Nordostseite stark verunklärt hat. Bei der Renovation ist nur noch der Anbau auf der Südostseite rekonstruiert worden.
- 19./20. Jh. die drei Gebäude werden laufend den veränderten Bedürfnissen angepasst und umgebaut. Im Zusammenhang mit einer Neueinrichtung der Mühleninstallationen, die auch das Wasserrad umfasst, werden die Riegwände im Ost- teil des 1. Stocks vollständig neu aufgeführt. Um die Jahrhundertwende werden die ursprünglich aus Holz gefügten Stallwände der Scheune durch Backsteinmauern ersetzt, wobei die Südfassade gleichzeitig um ca. 2,5 m nach aussen versetzt wird.
- 2007 / 08 wurde ein neues Mühlerad eingebaut mit dem Ziel ein Kleinkraftwerk zu betreiben. Der Betrieb konnte bisher aus verschiedenen Gründen nicht aufgenommen werden.
Das Ofenhaus
Höchst bedauerlich bleibt, dass das Ofenhaus dem Dorf nicht erhalten werden konnte. Es musste dem Bau der neuen Dorfzufahrt geopfert werden. Heute steht es im Freilichtmuseum Ballenberg.