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Die Renaissanceschriften des 15. Jahrhunderts entstanden aus dem allgemein
erwachten Interesse für die Welt der Antike. Neu in diesem Alphabet sind die
Versalien, es sind die Schriftzeichen aus der römischen Capitalis Monumentalis.
Die Gemeinen entstammen aus der humanistischen Minuskel.
Im 15. Jahrhundert wird Venedig zum Zentrum der Druckkunst südlich der Alpen. Nicolas
Jenson entwirft 1470 die erste formal vollendetste Renaissance- Druckantiqua. Die
Renaissance-Antiqua von Jenson dient lange Zeit als Vorbild in Bezug auf Rhythmus,
Schriftbild, Proportionen und Zurichtung. Ihre Merkmale sind die konkaven Basen der
Serifen; starker und schwacher Zug sind nicht stark differenziert; der Übergang von
der Serife zum Schaft ist vermittelt, bzw. abgerundet. An- und Enstriche sind
vorwiegend schräg. Die Oberlängen sind ausgeprägt (Überlängen). Die Achsenstellung
der runden Buchstaben ist schräg. Die Renaissance-Kursive wird erstmals 1501 von
Francesco da Bologna nach dem handschriftlichen Vorbild der Cancellaresca
geschnitten. Später wurde sie zur Schwesternschrift der Antiqua geschnitten und als
Auszeichnungsschrift verwendet.
Pan » /
Claude Garamond schnitt 1532 den Prototyp der Gattung der Französischen
Renaissance Antiqua. Auffallend gegenüber der Schriftformen von Jenson sind die
feineren Serifen und Haarstriche sowie die hellere Grauwirkung des gesamten
Schriftbildes. Sie zeichnet sich aus durch stärker differenzierte Strichdicken
als bei der Venezianischen, die Schriftformen sind feiner und zugleich auch
strenger. Ansonsten sind die Merkmale der beiden Renaissance-Schriften ähnlich.
Gegen Ende des Spätmittelalters (Ende 14., anfangs 15. Jahrhundert) greift die
Schriftentwicklung südlich der Alpen nochmals auf die vorgotische Schriftform
zurück: auf die Karolingische Minuskel. Das Zentrum der Schriftentwicklung war
Florenz. Die Schrift, welche da neu entstand, war die Humanistische Minuskel.
Sie entstand im gleichen Geist wie die Renaissance. Gegenüber der
Karolingischen Minuskel war die Senkrechte bei den Gemeinen betonter. Bei Eigennamen
und Zäsuren gab es Versalien. Weitere Merkmale sind die ausgeprägten
Endstriche bei den Gemeinen, Unterlängen, i-Punkte und ein gemeines g mit
geschlossener Schlinge. Sie war eine wichtige Urkunden- und Bücherschrift und
wurde mit der Feder geschrieben.