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Der Ursprung des Protestantismus wird in erster Linie mit Deutschland und Luther verbunden. Aber auch die Schweiz spielte in dieser Phase der Religionsgeschichte eine wichtige Rolle. Mit Zwinglis Zürich und Calvins Genf kann die Schweiz als die andere Wiege des Protestantismus betrachtet werden.Dieser Inhalt wurde am 12. März 2020 - 16:51 publiziert
Die meisten Feierlichkeiten zu einem halben Jahrtausend Reformation fanden in der Schweiz wie auch anderswo 2017 statt, 500 Jahre nachdem Martin Luther in Deutschland seine berühmten Thesen öffentlich gemacht hatte. Dies, obwohl die Reformationsbewegung in der Schweiz etwas später in Gang gekommen war.
Die zentrale Figur der Schweizer Reformation ist Huldrych Zwingli. Der aus St. Gallen stammende Pfarrer kam 1519 nach Zürich. Mit seinen eigenwilligen Predigten erneuerte er die Kirche der Stadt innerhalb von wenigen Jahren von Grund auf. 1525 wurde die katholische Messe in Zürich offiziell abgeschafft.
Ein Kuriosum: Die Reformation, welche die religiöse Landschaft der Schweiz nachhaltig prägen sollte, hatte mit einer Geschichte um ein Wurstessen begonnen.
Die Reformation in der Schweiz lässt sich jedoch nicht auf eine Person und einen Ort reduzieren. Genf war eine weitere Hochburg des Protestantismus.
Der französische Jurist Jean Calvin kam 1536 nach Genf. Im Jahr zuvor hatte er in Basel einen der einflussreichsten theologischen Texte der Reformation veröffentlicht, die Institutio christianae religionis. Innerhalb weniger Jahre verwandelte seine rigorose Umgestaltung der Kirche Genf zu einer Speerspitze der weltweiten Reformation. Deshalb wird die Stadt oft auch als "protestantisches Rom" bezeichnet.
Die Reformatoren von Zürich und Genf gaben der Bewegung neuen Auftrieb, und der Protestantismus, wie wir ihn heute kennen, wurde stark von den Ereignissen in der Eidgenossenschaft des 16. Jahrhunderts geprägt. Im Jahr 1566 einigen sich die beiden reformierten Kirchen auf ein Lehrbekenntnis (Confessio Helvetica posterior), welches die Rolle der Schweiz als zweiter grosser Pol der Reformation definitiv festigte, als Alternative zur Reformation der Lutheraner.
Die Geschichte der Schweizer Reformatoren mag heute weit entfernt erscheinen. Aber wie so oft in der Geschichte kann es lohnend sein, sich an die Fakten der Vergangenheit zu erinnern und ihrer zu gedenken. Es ist in der Tat eine "Gelegenheit, über die eigene Geschichte und Identität nachzudenken", wie Joël Burri, Chefredaktor der protestantischen Presseagentur Protestinfo, betont.
Zürich und Genf waren nicht die einzigen Städte, die sich der Reformation anschlossen. Die protestantischen Ideen verbreiteten sich in vielen Teilen der Eidgenossenschaft und über deren damalige Grenzen hinaus. Doch nicht die ganze Schweiz trat zum reformierten Glauben über. Viele Gebiete blieben katholisch. Und einige Regionen, wie zum Beispiel Graubünden, wurden gemischt-konfessionell.
So entstand die multikonfessionelle Schweiz, die wir heute noch kennen, zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Die Entwicklung führte letztlich zu einer vielfältigen religiösen Landschaft mit einer Vielzahl von Traditionen.
Heute hat der Protestantismus in der Schweiz jedoch stark an Boden verloren und ist nicht mehr die Mehrheitsreligion von früher. Vor allem durch die Einwanderung aus lateinischen Ländern konnte sich der Katholizismus besser behaupten. Aber auch er hat nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher.
In Kirchen und Gotteshäusern sind die Bänke bei Messen oder Gottesdiensten meist nur noch sehr spärlich besetzt. Und für die religiösen Institutionen erhält der Ausdruck "Predigen in der Wüste" seine volle Bedeutung. So sehr, dass sich regelmässig die Frage stellt: Ist die Schweiz noch eine christliche Nation?
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