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Moskau, Wohnung von Ruslan Rachmaninow
Die Wohnung von Rachmaninow bei der Stremjannyi Per sah immer noch gleich aus wie vor zwei Jahren, als Maille zuletzt auf Mission in Moskau gewesen war – auch in der Küche hatte sich nichts verändert: der gleiche ehrwürdige Elektroherd, die alten gelben Fliesen, die selben verbeulten Töpfe, die vertrauten verstaubten Nippes an der Wand – und immer noch roch es leicht säuerlich, als sei irgendwo Milch ausgelaufen und geronnen. Dass hier einer der besten Köche Russlands hauste, auf die Idee wäre wohl niemand gekommen - oder aber gerade doch.
Maille kochte die Pilze weich, entgrätete den Lachs, schnitt Zwiebeln und etwas Ingwer klein und drehte alles durch den Fleischwolf. Die Farce packte er in kleinen Häufchen auf dünne Teigkreise, verschloss sie zu Halbmonden und legte sie auf einem mit Mehl bestäubten Brett aus. Dann briet er die Kalbsbrust an, schnitt das eingelegte Gemüse und eine rohe Rande in Streifen, wusch die Kartoffeln, öffnete den Rotwein und stellte schliesslich auch noch Kerzen auf den bereits mit allerlei Häppchen bestellten Küchentisch. Erst wollte Maille seinen Gastgeber mit einem lemusischen Menü überraschen – doch fand er die nötigen Zutaten nicht. Also beschloss er, Rachmaninow mit jenen russischen Gerichten zu bekochen, deren Zubereitung er einst von ihm selbst gelernt hatte. Mal sehen, was der Meister dazu sagen würde.