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jeder Naturkörper, welcher nach der hergebrachten Einteilung der Natur in Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich
dem zweiten dieser Reiche angehört. Dasselbe ist von dem Mineralreich, welches die leblosen Naturkörper begreift, sehr bestimmt
unterschieden; denn die Pflanze ist ein lebendiges Wesen,
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weil sie, wie der Begriff des letztern erfordert, 1) sich ernährt, d. h. fremde und chemisch von
ihren Bestandteilen verschiedene Stoffein sich aufnimmt und zu solchen verarbeitet, 2) wächst, d. h. durch neue Bildungen,
die sie aus ihren eignen Bestandteilen erzeugt, sich vergrößert, und 3) sich fortpflanzt, d. h. von selbst
neue gleichartige Wesen hervorbringt. Auch unterscheidet sie sich durch ihre chemische Zusammensetzung
aus organischen verbrennlichen Stoffen wesentlich von den Mineralien.
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Schwieriger ist es dagegen allezeit gewesen, einen durchgreifenden und zugleich anwendbaren Unterschied zwischen Pflanze und
Tier anzugeben. Denn wenn Linné beide Naturreiche schied, indem er sagte: »Plantae crescunt et vivunt, animalia
crescunt, vivunt et sentiunt«, oder wenn man, wie gewöhnlich, den Tieren allein Empfindung und freiwillige Bewegung zuschreibt,
so trifft dies zwar zu, wenn wir irgend eine bestimmte Pflanze von den höhern Stufen des Gewächsreichs einem bestimmten vollkommnern
Tier gegenüberstellen; aber dieser Unterschied wird immer weniger anwendbar, je tiefer wir in beiden
Reichen herabsteigen.
Anderseits werden bei den Tieren die Bewegungen immer einförmiger, je mehr man sich den niedrigsten Organismen nähert, und
bei diesen sind sie kaum von denjenigen der ihnen verwandten niedern Pflanzen verschieden. Von sinnlicher Wahrnehmung aber
läßt sich bei den niedrigsten Organismen kaum reden. Es hat daher immer gewisse lebende Wesen gegeben,
von denen man im Zweifel war, ob es Pflanzen oder Tiere seien. War dasselbe früher mit den Phytozoen oder Pflanzentieren der
Fall, deren tierische Natur jetzt zweifellos ist, so gilt dies in der neuern Zeit von den Schizomyceten
und Myxomyceten.
Die Eigentümlichkeiten des Pflanzenreichs, welche in gleicher Weise bei den Tieren nicht zu finden sind,
liegen teils in Verhältnissen der Organisation, teils in gewissen Lebenserscheinungen. Zu den erstern gehört die Einheit
des Elementarorgans, der vegetabilischen Zelle,
[* 11] die wir bei allen Pflanzen in annähernd gleicher Form der ursprünglichen
Anlage antreffen. Diese meist mikroskopisch kleinen Organe, gebildet aus einer lebensfähigen Protoplasmamasse,
die sich oft mit einer aus Cellulose bestehenden Haut
[* 12] umgibt (s. Zelle), sind für alle Pflanzen charakteristisch.
Bei den niedrigsten Vegetabilien bildet eine einzige Zelle den ganzen Körper der Pflanze; bei den einigermaßen vollkommnern
aber
ist schon eine Anzahl von Zellen zur Bildung des Körpers vereinigt, und bei den vollkommensten und größten
Gewächsen, den Kräutern und Bäumen, besteht der Körper aus einer unzähligen Menge miteinander verbundener mikroskopisch
kleiner Zellen. Jegliches Wachstum der Pflanze beruht auf Vergrößerung dieser Elementarorgane, und diese geht vor sich, indem
die Zellmembran ihren Flächenraum dadurch vergrößert, daß neue Zellstoffteilchen zwischen die alten
eingelagert werden; der Ausdehnung
[* 13] der Zellmembran folgt das von ihr umschlossene Protoplasma nach.
Bei den aus vielen Zellen zusammengesetzten Pflanzen tritt, wenn die Zelle auf diese Weise eine gewisse Größe erreicht hat,
Teilung derselben in zwei Tochterzellen ein, deren jede dieselben Prozesse wiederholt, etc. In diesem Fall
ist also das Wachstum verbunden mit Zellenvermehrung. Die meisten einzelligen Pflanzen sind mikroskopisch klein; auch bei
ihnen tritt, sobald das Wachstum die für die Spezies charakteristische Größe erreicht hat, Vermehrung derZelle ein, nur daß
die Tochterzellen sich isolieren und gleich wieder als selbständige Individuen ein eignes Leben beginnen.
Schon bei diesen einzelligen Pflanzen, die wir als die niedrigsten und dem Tierreich verwandtesten zu betrachten haben, wird
die typisch pflanzliche Form gewonnen. Eine Differenzierung des Körpers in verschiedene, nur bestimmten Lebenszwecken dienende
Organe besteht noch nicht: die einzige Zelle ist Ernährungs- und Fortpflanzungsorgan zugleich. Andre einzellige Pflanzen lassen
schon eine Gliederung in verschiedenartige Teile und eine damit verbundene Trennung der physiologischen
Thätigkeiten erkennen. Dieselbe ist bei allen höhern Pflanzen durchgehends vollzogen und dokumentiert sich auch äußerlich
in der Gliederung des Pflanzenkörpers in die morphologischen Grundorgane.
Für jeden Lebensvorgang in der Pflanze gibt es nicht nur eine obere und untere Wärmegrenze, sondern auch einen bestimmten
Temperaturgrad, bei welchem derselbe mit dem Maximum von Energie verläuft. Diese Abhängigkeit der Vegetationsvorgänge von
äußern Einwirkungen bezeichnet man als Reizbarkeit. Letztere steigert sich mit zunehmender Intensität
des Reizes stets nur bis zu einer gewissen Grenze, dem Optimum, nach dessen Überschreitung die Wirkung selbst bei intensivster
Einwirkung schließlich gleich Null wird; auch tritt ein Effekt überhaupt nicht ein, solange die in der Pflanze vorhandenen, der
Reizung entgegenstehenden Widerstände nicht überwunden werden können.
Nur unter diesem Gesichtspunkt erscheinen die physiologischen Wirkungen der äußern Kräfte auf die Pflanze verständlich. Ebenso
wie von der Wärme hängt alles Pflanzenleben vom Licht
[* 23] ab. Schließt man den Endtrieb eines kräftigen mit der Mutterpflanze
in Verbindung stehenden Sprosses in einen undurchsichtigen, rings geschlossenen Rezipienten ein, so entwickeln
sich stark verlängerte Stengel und kleine, unansehnliche, gelbe Blattflächen an Stelle der normalen (s. Etiolement), während
derselbe Endtrieb am Licht wieder grüne Blätter hervorbringt. Es erklärt sich dies aus der Eigenschaft des
Chlorophylls (s. d.),
erst unter dem Einfluß gewisser Lichtstrahlen zu ergrünen.
Dies wird durch einen im Holzkörper aufsteigenden Wasserstrom bewirkt, der wieder eines Aufsammlungsapparats,
d. h. eines verzweigten Wurzelsystems, bedarf. Bei einer untergetauchten Wasserpflanze sind derartige Einrichtungen kaum nötig,
und ihre Wurzeln sowie ihr Holzkörper entwickeln sich dem entsprechend viel schwächer als bei Landpflanzen. Es herrscht
also überall zwischen der Ernährungsart, dem äußern und innern Bau sowie den physiologischen Leistungen
der Pflanze ein inniger Konnex. Schließlich stehen die Pflanzen auch unter sich und mit Tieren in engen biologischen Beziehungen.
Das genauere Studium dieser gegenseitigen Abhängigkeit kam erst in der Neuzeit zu richtiger Geltung.