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Die Fahrzeug-Option “Volles Potenzial für autonomes Fahren” ist ein Software-Paket, das Tesla für alle Fahrzeuge mit mindestens “Autopilot 2 Hardware” verkauft. Abgekürzt wird die Option auch Tesla FSD genannt, da sie im englischen Sprachraum “Full Self Driving” heißt.
Dieser Artikel erklärt den aktuellen FSD Funktionsumfang soll dabei helfen herauszufinden, ob der Kauf von FSD sinnvoll ist oder ob der “Basis Autopilot” oder der “Enhanced Autopilot (EAP)” für die eigenen Bedürfnisse auch ausreicht.
- Was bedeutet autonomes Fahren bei Tesla genau?
- Welche Tesla Fahrzeuge haben die Möglichkeit für autonomes Fahren?
- Wie funktioniert FSD technisch?
- Unterstützung durch den Dojo Supercomputer
- Wie groß ist der aktuelle Funktionsumfang von Tesla FSD?
- Teslas Strategie zum autonomen Fahren im Vergleich zu anderen Herstellern
- Soll man FSD jetzt kaufen oder doch lieber noch warten?
- FSD kann teuer sein
- Ist ein einmal gekauftes FSD Paket auf ein neues Fahrzeug übertragbar?
- Wie kann ich Tesla FSD kaufen?
- Mein Fazit zum Tesla FSD
Was bedeutet autonomes Fahren bei Tesla genau?
Unter autonomen Fahren versteht man das selbstständige Teilnehmen eines Fahrzeuges am Straßenverkehr, ohne die Unterstützung eines menschlichen Fahrers. Autonomes Fahren wird von den Autoherstellern aller Marken in die folgenden Entwicklungsschritte aufgeteilt:
- Level 1: assistiertes Fahren
- Level 2: teilautomatisiertes Fahren
- Level 3: automatisiertes Fahren
- Level 4: vollautomatisiertes Fahren
- Level 5: autonomes Fahren
Die Unterschiede und welche Fähigkeiten ein Fahrzeug auf diesen unterschiedlichen Levels aufweisen muss, wird in diesem Beitrag genauer erklärt.
Die Idee hinter Teslas FSD Software: Irgendwann in der Zukunft wird durch die stetige Weiterentwicklung der Autopilot-Software das Fahrzeug komplett autonom durch einen Computer gesteuert fahren können (Level 5).
Das bedeutet, dass es keinen menschlichen Fahrer mehr benötigt. Auch keinen, der das Fahrzeug überwacht und nur im Notfall eingreift. Während der Entwicklung dieses Systems veröffentlicht Tesla nach und nach neue Funktionen als Bestandteil der FSD Option, die unter dem normalen Autopiloten und dem EAP nicht freigeschaltet sind.
So ist zum Beispiel im Sommer 2020 die Anhalte-/Anfahrautomatik an Ampeln und Stoppschildern dazu gekommen.
Auch wenn im Zusammenhang mit Tesla immer vom “Autopilot” die Rede ist, muss beim aktuellen Entwicklungsstand der Fahrer trotzdem in JEDER Situation das Fahrzeug ununterbrochen beaufsichtigten, um jederzeit sofort eingreifen können.
Welche Tesla Fahrzeuge haben die Möglichkeit für autonomes Fahren?
Kurz zusammengefasst: alle Tesla Fahrzeuge mit Baujahr nach ungefähr Oktober 2016.
Detaillierter betrachtet kann die FSD Software-Option kann nur für Fahrzeuge mit mindestens Autopilot Hardware AP2 gekauft werden. Die FSD Funktionen setzen aber den AP3 oder den AP4 “FSD Computer” voraus. Ältere Tesla Fahrzeuge mit AP2 oder AP2.5 Computer erhalten mit dem Kauf der “Volles Potenzial für autonomes Fahren” deshalb auch den Hardware Upgrade auf den AP3 “FSD Computer”.
Der Preis für den Computer ist im Preis für FSD enthalten. Ein Upgrade auf AP4 gibt es allerdings nicht. Laut Tesla ist das auch nicht notwendig, da die Entwicklung von FSD auf dem AP3 basiert und in Zukunft alle Fahrzeuge mit AP3 autonom fahren können sollen.
Welche Autopilot-Computer Version in einem Tesla eingebaut ist, lässt sich in den Fahrzeugeinstellungen unter Fahrzeug > Software > zusätzliche Fahrzeuginformationen abrufen. Wenn dort “Computer für autonomes Fahren” steht, handelt es sich um den “FSD Computer” (umgangssprachlich auch AP3 oder HW3, beziehungsweise AP4/HW4 genannt).
Für Model S und X mit Herstellungsdatum vor September 2017 ist auch ein zusätzliches Upgrade der Kameras notwendig, damit FSD in Zukunft funktionieren wird. Dieses Upgrade ist kostenlos, respektive im Preis für FSD enthalten.
Ein Vergleich des FSD Funktionsumfangs im Vergleich zum Umfang des Standard-Autopiloten und des “Enhanced Autopilot” zeigt die Tabelle in diesem Artikel zum Tesla Autopiloten.
Wie funktioniert FSD technisch?
Nicht nur Tesla, sondern auch andere Firmen sind seit Jahren daran, autonomes Fahren für Autos zu entwickeln. In Kalifornien sind die regulatorischen Gesetze diesbezüglich relativ locker. Bereits seit 2018 können Firmen eine Lizenz für fahrerlose Fahrzeuge im Straßenverkehr beantragen und im Mai 2020 verfügten schon 66 Unternehmen über eine solche Bewilligung. Und das, obwohl es Widerstand in der Bevölkerung gibt.
Bekannteste Vertreter sind wohl die Robotaxi Dienste Google Tochter Waymo und GM Cruise, die zumindest in fest definierten Bereichen einiger amerikanischer Städte dank hochauflösendem Kartenmaterial und dem Einsatz von LiDAR Sensoren bereits beachtliche Ergebnisse im autonomen Fahren lieferten.
Tesla geht hier einen anderen Weg. Die meisten Fahrzeuge der Konkurrenten sind neben Radar auch mit dem sogenannten LiDAR ausgestattet. LiDAR sind Sensoren, die mittels Laser Pulsen ein dreidimensionales Bild der Umgebung erschaffen, das vom Computer im Fahrzeug genutzt wird, um seine Umgebung zu erkennen und das Fahrzeug entsprechend zu lenken.
Elon Musk ist aber der Meinung, dass ein LiDAR nicht notwendig ist und Fahrzeuge auch nur durch den Einsatz von Bilderkennung über Kameras und ohne hochauflösende vorab erstellte Karten, autonom fahren können. Ein Mensch könne ja schließlich auch nur basierend auf visuellen Informationen Auto fahren.
Ursprünglich basierte Teslas Autopilot-System auf Kameras und einem Radar, aber keinem Lidar. Seit Mai 2021 wurde der Radar bei den Neuwagen sogar ganz weggelassen. Und mit dem Software-Update 2022.24.6 wurde das Radar auch bei älteren Fahrzeugen der ganzen Flotte deaktiviert. Diese Strategie nennt Tesla “vision only”, da die Fahrzeuge, genau wie ein Mensch, nur visuelle Informationen verwenden sollen.
Ob es schlussendlich gelingen kann, dass Tesla mit dieser Hardware-Ausstattung auch autonomes Fahren mit Level 5 erreicht, wird sich zeigen. Mittlerweile hat Tesla hier allerdings wieder einen Rückzieher gemacht und stattet Model S und X Neuwagen wieder mit einem Radar aus, wenngleich es ein moderneres ist, als früher verwendet wurde. Bei den Parksensensoren ist Tesla allerdings standhaft und liefert sämtliche Neuwagen weiterhin ohne Ultraschallsensoren aus.
Diese Übersicht zeigt, welche Kameras Tesla für Autopilot und FSD verwendet werden:
Der Vorteil von Teslas Herangehensweise ist bereits klar. Durch Tausende von Fahrzeugen auf der Straße verfügt Tesla über eine Unmenge von Daten, die für Computer Simulationen verwendet werden können. Denn alle Fahrzeuge, die mit Kameras ausgestattet sind, und das sind alle Teslas, die seit Oktober 2016 verkauft wurden, liefern auch dann Bild- und Sensordaten, wenn das Auto nicht im Autopilot-Modus fährt.
Dank dieser riesigen Flotte von “Testfahrzeugen” kann Tesla seine Autopilot-Software laufend verbessern und Neuerung in Simulationen in einer echten Umgebung in verschiedenen Ländern der Welt überprüfen. Dazu lässt Tesla im Hintergrund, quasi als Schattenkopie, eine Simulation seiner aktuell zu testenden Software mitlaufen und nutzt dazu aber die realen Sensordaten einer echten Fahrt als Parameter. Die so verbesserte Software wird dann in einem nächsten Update wieder auf die Fahrzeuge verteilt.
Es lernt also nicht jedes einzelne Auto für sich selbst, sondern das ganze System lernt quasi von den “Erfahrungen” und Fahrsituationen aller Teslas weltweit.
Im Vergleich dazu sind zum Beispiel Waymo und GM Cruise auf die amerikanischen Straßen und fix definierten Stadtteile begrenzt, die kartografiert wurden und in denen die autonomen Fahrzeuge unterwegs sein dürfen.
Technisch betrachtet arbeiten die Computer in den Fahrzeugen aller Hersteller mit Informationen aus sogenannten neuronalen Netzen. Vereinfacht gesagt geht es dabei um Mustererkennung und maschinelles Lernen mittels künstlicher Intelligenz (KI). Ein neuronales Netz wird dabei immer weiter mit Daten aus der Realität “trainiert” und verbessert sich so immer mehr.
Wenn Tesla also etwa das Fahren per Autopilot im Tunnel verbessern möchte, trainiert es seine KI mit den Sensorinformationen realer Tunnelfahrten von mittlerweile 2,5 Millionen Kundenfahrzeugen (Stand: Oktober 2022). Die Verbesserungen werden dann mittels Software-Updates wieder auf die Flotte aufgespielt und so perfektioniert man das Verhalten des Autopiloten Schritt für Schritt mit jedem Durchlauf, auch wenn die Fahrzeuge gar nicht zwingend im Autopilot Modus unterwegs sind.
Das folgende Video taucht technisch tief in die Materie ein. Es ist ein englischer Vortrag von Andrej Karpathy, dem ehemaligen Leiter für künstliche Intelligenz und Autopilot Vision bei Tesla.
Unterstützung durch den Dojo Supercomputer
Im Frühjahr 2019 erwähnte Elon Musk erstmals einen selbst entwickelten KI-Traningscomputer namens Dojo. Dabei handelt es sich nicht um einen Computer für das Fahrzeug, sondern um einen Supercomputer, den Tesla in einem Rechenzentrum für die Auswertung der riesigen Mengen an Videodaten verwenden möchte.
Insgesamt 3.000 hochspezialisierten KI-Chips werden für eine gewaltige Rechenleistung von bis zu 1.8 Exaflop aufgebaut. Der Regelbetrieb von Dojo begann im Jahr 2022. Das folgende Video stammt vom “Tesla AI Day”, der sich rund um das Thema künstliche Intelligenz, den Supercomputer Dojo und das autonome Fahren dreht. Es ist ein “Deep Dive” für alle, die sich mehr für das Thema aus technischer Sicht interessieren:
Wie groß ist der aktuelle Funktionsumfang von Tesla FSD?
Viele Menschen, die sich nicht mit diesem Thema beschäftigen, können es noch gar nicht glauben, dass autonom fahrende Autos überhaupt möglich sein sollen. Aber die Entwicklung schreitet in riesigen Schritten voran. Reguläre Autobahnfahrten mit automatischen Spurwechseln, bei denen der Fahrer lediglich kurz den Blinker antippt und sonst überhaupt nichts macht, sind bei vielen Teslafahrern (und auch bei anderen Marken) schon seit längerer Zeit Alltag.
Das eigentliche Gas geben, Spur halten, Lenken und Bremsen sind auch Dinge, die mittlerweile richtig gut funktionieren. Nach und nach kommen jetzt immer mehr zusätzliche Funktionen dazu. Natürlich ist uns hier die USA weit voraus, da die regulatorischen Gesetze in Europa nicht die gleichen lockeren Bedingungen bieten und viele Funktionen erst zugelassen werden müssen.
Europa legt hier eine viel härtere Gangart an den Tag, was die Einschränkungen des Autopiloten durch die UN/ECE in Europa zeigt.
Im Laufe des Jahres 2020 kamen zwar mit der Anhalte-/Anfahrautomatik an Ampeln und Stoppschildern und der Geschwindigkeitserkennung von Verkehrsschildern (nicht auf Autobahnen) auch in Europa neue Dinge beim FSD dazu. Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass diese Funktionen nicht in jeder Situation einwandfrei funktionieren.
Viele Dinge bei Tesla benötigen ihre Zeit und viel Überarbeitung, bis sie richtig zuverlässig und gut funktionieren. Außerdem sind bei diesen letzten Ergänzungen von FSD Funktionen erneut regulatorische Einschränkungen in Europa erkennbar. Die Fahrzeuge dürfen zum Beispiel nicht komplett autonom an der Ampel anfahren. Schaltet die Ampel auf Grün, ertönt nur ein Signalton, der den Fahrer darauf aufmerksam macht. In den USA fährt das Auto im Autopilotmodus automatisch bei Grün los.
Man merkt diese Einschränkungen auch an der Art, wie Tesla das System aktuell weiter entwickelt. Da das regulatorisch in den USA am einfachsten geht. Wurde der Autopilot und FSD Entwicklungsstand für die restliche Welt seit Ende 2019 praktisch eingefroren.
Der Autopilot- und FSD-Entwicklungsstand wurde für die restliche Welt außerhalb von Nordamerika seit Ende 2019 praktisch eingefroren.
Seither tut sich außerhalb von USA bezüglich FSD nicht mehr viel. Wir haben zwar die Ampel Anhalte-/Anfahrautomatik und die Geschwindigkeitserkennung erhalten. Aber seither nichts mehr.
Tesla beschränkt sich mittlerweile auf die Entwicklung der “Full Self Driving” Funktion in den USA. Dort funktioniert es mittlerweile recht gut. Also auch in mehr Situationen als in Europa. Wie etwa Kreisverkehr, Ampeln, Abbiegen an einer Verzweigung, überholen, usw. Vermutlich will Tesla den Behörden in den USA zuerst zeigen, dass es funktioniert, bevor es in weiteren Ländern ausgerollt wird.
Im Oktober 2020 wurde in den USA zuerst nur für einen kleinen Kreis von Kunden die “Full Self Driving Beta” freigeschaltet. In dieser unfertigen Vorabversion waren Funktionen wie automatisches Fahren innerorts inklusive Kreisverkehr und das automatische Abbiegen enthalten. Im November 2022 wurde die FSD Beta dann allen Kunden in Nordamerika zugänglich gemacht.
Die Zulassung als autonomes Fahrzeug steht aber noch immer aus. Deshalb ist nach wie vor die Überwachung durch einen Menschen zu jedem Zeitpunkt während der Fahrt erforderlich.
Der Fortschritt der FSD Beta war enorm. Auch anspruchsvolle Situationen im Innenstadtverkehr meisterte der Autopilot teilweise perfekt. Aber eben nur teilweise.
In manchen Situationen wiederum versagte die FSD Beta komplett und ohne Eingriff durch den Fahrer wäre es zu einem Unfall gekommen. Ein paar interessante Einblicke dazu im folgenden Video:
Einmal komplett neu: FSD Version 12
Im März 2024 wurde dann mit der FSD Version 12.3 ein weiterer gigantischer Fortschritt erzielt. Der Programmcode wurde mit dieser Version komplett überarbeitet.
Die Version 12 der Tesla FSD-Software führt das ein, was CEO Elon Musk als “durchgängiges neuronales Netz” bezeichnet. Der größte Unterschied zu früheren FSD-Versionen besteht darin, dass die Steuerung des Fahrzeugs nun von neuronalen Netzen und nicht mehr von Programmierern übernommen wird.
300’000 Zeilen C++ Programmcode wurden durch 3000 Zeilen KI Code für neurale Netze ersetzt.
Wie gut das mittlerweile funktioniert, zeigt das folgende Video mit einer 85-minütigen Fahrt, in der der Fahrer nicht ein einziges Mal eingreifen muss:
Aber auch hier findet man natürlich Videos mit zahlreichen Problemen, wenn man lange genug danach sucht:
Es ist schwierig zu sagen, ob FSD 12.3 der große Wurf ist oder ob es sich einmal mehr vor allem um Marketing handelt.
Teslas Strategie zum autonomen Fahren im Vergleich zu anderen Herstellern
Aus strategischer Sicht unterscheidet sich Teslas Strategie in drei wesentlichen Punkten erheblich von der anderer Hersteller von Elektrofahrzeugen/FSD-Entwicklern.
Strategie 1: Computer Vision vs. LiDar
Bei der LiDAR-Technologie handelt es sich definitionsgemäss um einen Bereich der 3D-Bildgebung, der Laserscan-Technologie nutzt, um große Entfernungen zu erfassen und Hindernisse in einem 360-Grad-Winkel zu identifizieren. Wegen des hohen Entwicklungs- und Installationsaufwands ist die Technologie bei der Objekterkennung bis zu einer Entfernung von 500 Metern äußerst präzise.
Per Definition ist Computer Vision ein Bereich der künstlichen Intelligenz, der Computer darin trainiert, die visuelle Welt zu verstehen. Dabei handelt es sich im Grunde um eine Rückentwicklung des menschlichen Sehens.
Vor- und Nachteile von LiDAR und Computer Vision
Jeder, der sich auf LIDAR verlässt, ist dem Untergang geweiht. – Elon Musk
Tatsächlich verwenden fast alle anderen FSD-Entwickler, Uber, Waymo, Ford, GM Cruise und Toyota, die LIDAR Technologie, mit Ausnahme von Tesla, das eine sehr ablehnende Haltung gegen LIDAR hat. LiDAR ist eine wirklich sichere und technologiegetriebene Lösung zur Lokalisierung von Hindernissen und zur Identifizierung von Straßensituationen. Allerdings ist es mit hohen Kosten und einer geringen Anpassungsfähigkeit an sich bewegende Objekte verbunden.
Aus regulatorischer Sicht ist LiDAR überzeugender, da die Technologie eine 360-Grad-Sicht ermöglicht und mehrere Unternehmen die Technologie bereits getestet haben.
Aus finanzieller Sicht erfordert LiDAR weniger Straßentests, da der Algorithmus nicht über Millionen von Kilometern trainiert werden muss.
Aus strategischer Sicht bietet die interne LiDAR-Technologie zukünftige Möglichkeiten für Lizenzeinnahmen und Partnerschaften. — Für andere Unternehmen ist es absolut sinnvoll, die LiDAR-Technologie einzuführen.
Tesla hat jedoch vor allem aus Kostengründen einen Anreiz, auf LiDAR zu verzichten. Elon brachte das Argument vor, dass „man keine Lasertechnik braucht, um den Straßenzustand zu erkennen, man braucht nur seine Augen“.
LiDAR oder Computer Vision? Wird einer von beiden verlieren? Können beide gewinnen? Die Antwort ist bisher nicht klar, aber es ist eine Frage, mit der sich Regulierungsbehörden oder Käufer von Elektrofahrzeugen intensiv befassen werden. Durch die Ermittlung von Kennzahlen wie „Kilometer pro Unfall“, „Anzahl regionale Unfälle“, „Anzahl Tote/Verletzungen“, usw, versucht man die Qualität der Systeme einzuschätzen.
Strategie 2: Stadt für Stadt vs. Land für Land
Die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Produkte/Dienstleistungen einführen, ist sehr unterschiedlich. Waymo/Uber freut sich darauf, in einer Stadt nach der anderen Robo-Taxis einzuführen. Tesla freut sich darauf, auf Länderbasis neue FSD-Funktionen in seinen Tesla-Elektrofahrzeugen einzuführen.
Die Entscheidungen werden technisch gesehen aber nicht von diesen Unternehmen, sondern von den Regulierungsbehörden getroffen.
Um erfolgreich Genehmigungen für die kommerzielle Nutzung dieser Technologien zu beantragen, müssen Unternehmen sie mit ihren Forschungsergebnissen überzeugen, typischerweise mit einem datengesteuerten Ansatz, und erklären, warum FSD den Lebensstandard erhöhen und die Zahl der Unfälle verringern wird.
Regulierungsbehörden streben nicht nach einer Genauigkeit von 90 % (Sicherheitsmaßnahmen), nicht nach 95 %, nicht nach 99 %, sondern nach 99,999 %.
Elon Musk auf der China AI Conference im Jahr 2019
Vor- und Nachteile der Einführung nach Stadt oder Land
Während sich alle anderen für die Einführung auf Stadtebene entschieden, entschied sich Tesla für die Einführung auf Landesebene.
Während Waymo Staaten wie Kalifornien und North Carolina überzeugt, versucht Tesla, gleichzeitig die USA, Deutschland und China von Genehmigungen zu überzeugen. Wenn man den Ansatz von Waymo als einen Pitch vor staatlichen Regulierungsbehörden beschreiben würden, ähnelt der Ansatz von Tesla der Arbeit an einer Längengradstudie mit Bundesregulierungsbehörden.
Diese Strategie ermöglicht es Tesla, die Erwartungen verschiedener Regionen zu verstehen und sich einen Zeitvorsprung zu verschaffen, da sie Vorteile als Erster auf dem Markt nutzen können.
Tesla führte seine FSD-Beta im Oktober 2020 in den Vereinigten Staaten und im Dezember 2020 in Kanada ein. Es ist weit verbreitet, dass dieser Fortschritt von Teslas Konkurrenten in so kurzer Zeit wahrscheinlich nicht erreicht/reproduziert werden wird.
Strategie 3: Investieren vs. Integrieren
Die Ausrichtung von Anreizen ist ein großes Thema der Strategie. Vielleicht arbeiten alle diese FSD-Entwickler an ähnlichen Aufgaben, entwickeln ähnliche Technologien und vermarkten sie an ähnliche Kundengruppen. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Akteuren, die in FSD INVESTIEREN. Allerdings gibt es nicht viele Unternehmen, die FSD in ihr Kerngeschäft integrieren können.
Waymo ist beispielsweise eine Tochtergesellschaft von Google, die eine Robotaxi-Plattform entwickelt. Andere Geschäftsbereiche von Google (Alphabet) haben keinen Anreiz, Waymo bei technologischen Schwierigkeiten zu helfen. Für Waymo könnte es sogar schwierig sein, Geld zu sammeln bzw. Talente zu gewinnen, da das Unternehmen mit anderen Segmenten von Google wie Stadia und Google Suite konkurriert.
Zum Beispiel “Argo AI” von General Motors. GM nutzte seine Fertigungskompetenz bei der Entwicklung von Robotertaxis mit FSD, ohne die Absicht zu haben, FSD-Funktionen in seine Fahrzeuge einzuführen.
Wie Google hat General Motors “Argo AI” ein Budget für die Entwicklung seiner Betriebsstrategie zugewiesen. Auch wenn GM einen stärkeren Fokus als Google auf Waymo legt, betrachten sie “Argo AI” derzeit als Kostenfaktor statt als Kerngeschäft, was das Wachstum von “Argo AI” wahrscheinlich bremsen wird.
Tesla will mit Fokus auf Integration FSD in seine Automodelle integrieren. Es handelt sich um eine Differenzierung der wirtschaftlichen Interessenangleichung, da das Unternehmen den Übergang von der Erhebung eines Einheitspreises für FSD-Add-ons zu einem abonnementbasierten Preismodell vollzogen hat. Es zeigt sich, dass Tesla davon ausgeht, dass FSD in Zukunft zu einem weiteren Mainstream organischer wiederkehrender Umsätze und seiner Hardware-Verkäufe werden wird. Dadurch kann Tesla die FSD-Komponente nahtlos in sein Kerngeschäft integrieren.
Soll man FSD jetzt kaufen oder doch lieber noch warten?
Viele sind der Meinung, dass die FSD Funktion für autonomes Fahren ohne Beaufsichtigung durch den Fahrer in Europa noch viele Jahre nicht zugelassen wird.
In Europa sind die Behörden viel strenger. Zum Beispiel funktioniert der automatische Spurwechsel auf Autobahnen in den USA vollautomatisch und ohne Zutun des Fahrers, sobald sich das Fahrzeug für einen Spurwechsel entscheidet.
Außerdem muss man in Europa nach wie vor kurz auf den Blinker tippen, um einen Spurwechsel auszulösen und danach kurz am Lenkrad wackeln. Der Spurwechsel passiert anschließend immerhin automatisch.
Aber bereits daran erkennt man, dass ein höherer Grad an Automatisierung in Europa noch vor großen rechtlichen Hürden steht. In Europa ist die Autonomie, also das selbstständige Treffen von Entscheidungen durch das Fahrzeug heute nicht erlaubt.
Es könnte durchaus sein, dass sich auch in Europa bald wieder bezüglich FSD etwas tut. Mehr dazu in diesem Podcast von Tesla Welt:
Im März 2024 zeichnet sich ein weiterer Fortschritt ab. Der bisher über Jahre verwendete Begriff “FSD Beta” wurde in “FSD Supervised” geändert. Tesla will damit vermutlich ausdrücken, dass es sich nicht mehr um Software in einem frühen Entwicklungsstadium handelt, sondern die Marktreife bald erreicht sein könnte.
Allerdings verdeutlicht der Begriff “Supervised” auch, dass der Autopilot noch stets überwacht werden muss. Im Zusammenhang mit einigen tödlichen Unfällen haben Teslafahrer in der Vergangenheit immer wieder zu sehr auf das System vertraut und es auch unbeaufsichtigt selbst fahren lassen.
FSD kann teuer sein
Ein wichtiger Aspekt beim Kauf von FSD ist natürlich der Preis. Die FSD Option wird mit zunehmendem Funktionsumfang immer teurer. Elon Musk hat das auch so kommuniziert und in der Vergangenheit hat man trotz einigen kurzen Phasen, als es noch Rabatte gegeben hat, gesehen, dass der Preis für FSD immer weiter steigt.
Hier eine kleine Historie von FSD Preissteigerungen:
- Ab Oktober 2016 wurde FSD zu einem Spezialpreis von 3000 USD beim Kauf mit einem Neuwagen angeboten. Wer die Software später dazu kaufen wollte, musste 4000 USD bezahlen. Wohlgemerkt: die Software hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei zusätzlichen Nutzen. Es war gewissermaßen eine Investition in die Zukunft.
- Ab Ende Juni 2018 erhöhte Tesla den Preis für FSD Bestellungen auf 5000 USD.
- Im Mai 2019 wurde der Preis auf 6000 USD erhöht.
- Ab Juli 2020 hat Tesla den Preis auf 7500 USD und kurz danach sogar auf 8000 USD erhöht.
In den USA ist mit der Veröffentlichung der FSD Beta im Oktober 2020 der Preis sogar auf 10’000 USD und im September 2022 auf 15’000 USD gestiegen.
Es wurde angekündigt, dass in jedem Land eine Woche nach Veröffentlichung der FSD Beta ebenfalls die Kosten auf diesen Preis angehoben werden.
Da FSD ab und zu auch als “Sonderangebot” erhältlich war, kann man natürlich darauf spekulieren, dass es noch einmal günstiger zu haben sein wird. Solche Aktionen dienten aber jeweils dazu, die Umsätze gegen Quartalsende zu steigern und waren meisten nur für einen kurzen Zeitraum erhältlich. Ob es das in Zukunft nochmals geben wird, ist ungewiss und Tesla hat aktuell so viel Geld auf der hohen Kante, dass sie diesen Quartalsende-Boost vermutlich nicht mehr benötigen. Auf FSD Rabatte zu hoffen, dürfte also kaum funktionieren.
Für Fahrzeuge mit der erweiterten Autopilot Option “verbesserte Autopilot-Funktionalität”, auch “Enhanced Autopilot” (EAP) genannt, ist der Aufpreis für FSD etwas günstiger.
Ist ein einmal gekauftes FSD Paket auf ein neues Fahrzeug übertragbar?
Früher ließ sich FSD nicht auf ein neu gekauftes Fahrzeug transferieren. Zwischen Juli 2023 und September 2023 war ein Transfer von FSD auf ein neu gekauftes Fahrzeug aber möglich. Vermutlich wollte Tesla damit den Absatz der Neuwagenverkäufe ankurbeln.
Außerdem wird FSD bei einem Privatverkauf des Fahrzeuges immer mitverkauft. Wenn ein Auto aber an Tesla verkauft wird, verliert das Fahrzeug die FSD Funktion. Ein weiterer Aspekt, den man beim Kauf von FSD bedenken sollte, ist das Abo.
Das FSD Abo kostet in den USA 200 Dollar pro Monat. Je nach geplanter Einsatzdauer, zum Beispiel für einen Urlaub, kann es sich lohnen, FSD nur zu abonnieren und nicht zu kaufen. Leider ist das Abo in Europa aber nach wie vor noch nicht erhältlich.
Wie kann ich Tesla FSD kaufen?
Im Konfigurator auf Tesla.com kann bei der Fahrzeugbestellung der Haken der Option “Volles Potenzial für autonomes Fahren” aktiviert werden. Bei bereits ausgelieferten Fahrzeugen wird die Option im Tesla Mobiltelefon App unter “Upgrades” als “Autonomes Fahren” angezeigt.
Mittels der im Tesla.com Benutzerkonto hinterlegten Kreditkarte kann die Option auch gleich in der App gekauft werden. Nach wenigen Stunden ist die Option im Auto dann aktiv (wird durch eine Meldung auf dem Bildschirm angezeigt).
Mein Fazit zum Tesla FSD
Für mich als Technikbegeisterter ist FSD natürlich ein Muss. Ich habe es bereits Anfang 2019 gekauft, als es vorübergehen mal wieder günstiger angeboten wurde. Teslas Neuwagenverkäufe waren damals stark eingebrochen und sie nutzten jede Möglichkeit aus, um Umsatz zu generieren.
Im November 2020 wurde mein Model S dann auf den “FSD Computer” aufgerüstet. Zugegeben, wirklich viel bringen diese FSD Funktionen im Alltag in Europa noch nicht wirklich. Dafür sind sie einfach auch noch zu stark begrenzt. Den automatischen Spurwechsel möchte ich nicht missen, aber den hätte ich auch mit dem günstigeren “Enhanced Autopilot” (EAP) bekommen.
Da ich aber nicht plane, mein Fahrzeug in den nächsten Jahren zu verkaufen, denke ich, dass es die richtige Entscheidung war. Hätte ich ein Leasingfahrzeug, hätte ich FSD vermutlich nie gekauft, da es sich definitiv nicht lohnt, wenn man den Wagen ohnehin nach wenigen Jahren wieder ersetzt.
Wer das Auto weniger als 3 Jahre behalten möchte, dem rate ich dringend vom Kauf von FSD ab.
Kurzum, wer das Fahrzeug lange behält, technisch begeistert ist und in die Zukunft investiert, kann sich FSD heute vermutlich zu einem günstigeren Preis kaufen als in Zukunft. Es bleibt aber noch ein gewisses Restrisiko, dass man das Auto dann schlussendlich doch nicht so lange hat (z.B. ein Unfall mit Totalschaden).
Außerdem besteht das Risiko, dass es doch in Zukunft bei neueren Teslas irgendwelche Hardwareanpassungen gibt, die das autonome Fahren in einem zig Jahre alten Auto nicht in der gleichen Form möglich machen, wie in einem neueren Modell. Das ist sogar sehr wahrscheinlich. Wer weiß zum Beispiel, ob der “FSD Computer” (HW3) wirklich in der Praxis ausreichen wird?
Es ist und bleibt ein großes finanzielles Risiko jetzt FSD zu kaufen und es erst irgendwann in der Zukunft für Level 5 in einem alten Auto nutzen zu wollen. Ich gehe davon aus, dass mit meinem Model S von 2017 ohne weitere Hardwareumbauten maximal Level 4 möglich sein wird.
Link zur offiziellen Autopilot Webseite von Tesla.
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