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In der Schweiz erkranken jährlich 650 Frauen an Eierstockkrebs, 950 an Gebärmutterkörperkrebs und 250 an Gebärmutterhalskrebs. Dr. Dimitri Sarlos, Leiter des Brustkrebszentrums und Gynäkologischen Krebszentrums am Kantonsspital Aarau, erklärt, was Frauen darüber wissen müssen.
Je nach Tumortyp können Symptome auftreten oder eben auch nicht. Gerade der Eierstockkrebs macht leider erst dann Symptome, wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist. Der Gebärmutterkörperkrebs kann sich schon früh mit einer Blutung nach der Menopause zeigen und der Gebärmutterkrebs nach dem Geschlechtsverkehr beispielsweise zu Kontaktblutungen führen. Beschwerden treten meist erst dann auf, wenn der Krebs schon fortgeschritten ist. Eierstockkrebs kann zu unspezifischen Bauchschmerzen, Völlegefühl, leichter Übelkeit oder einer Zunahme des Bauchumfangs durch Wassereinlagerungen führen. Blutungen nach der Menopause können ein Zeichen für Gebärmutterkörperkrebs und Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr ein Hinweis auf Gebärmutterhalskrebs sein.
Für alle drei Tumorarten braucht es eine gynäkologische Untersuchung, wie sie anlässlich der Jahreskontrolle durchgeführt wird. Mit einem Vaginal-Ultraschall lässt sich feststellen, ob die Gebärmutterschleimhaut verdickt ist, die Eierstöcke vergrössert sind, ein Tumor am Eierstock oder Wasser im Bauch vorhanden ist.
Mit Hilfe eines Computertomogramms kann die Ausdehnung des Tumors beurteilt werden. Für die definitive Diagnose von Gebärmutterhalskrebs ist eine Gewebeprobe notwendig. Um Gebärmutterkörperkrebs zu diagnostizieren, benötigt es eine Auskratzung der Schleimhaut.
Eierstocktumore untersucht man in einer laparoskopisch durchgeführten Bauchspiegelung. Während der Operation wird das entnommene Gewebe sofort im Labor untersucht.
Sie sollten sich an einem zertifizierten Zentrum für gynäkologische Tumore behandeln lassen. Diese Zentren verfügen über viel Erfahrung und über ein Tumorboard, das sich aus mehreren Spezialistinnen und Spezialisten zusammensetzt. Sie bieten Behandlungen, die den neusten Erkenntnissen der Wissenschaft entsprechen. Es macht einen grossen Unterschied, ob ein Operateur dreissigmal im Jahr einen Tumor am Eierstock operiert oder nur einmal. Studien belegen eine höhere Überlebensrate für Patientinnen, die sich an einem zertifizierten Zentrum für gynäkologische Tumore behandeln lassen.
Neben der Erfahrung sind es die moderne Infrastruktur, das interdisziplinär zusammengesetzte Ärzteteam, das speziell ausgebildete Pflegepersonal und die Betreuung durch Fachpersonen im Bereich der Psychoonkologie.
Es stehen verschiedene Optionen zur Verfügung: die operative Entfernung, die Chemo- oder Immuntherapie oder die Bestrahlung. Welche Behandlung wir empfehlen, hängt von der Art des Tumors und von seiner Ausdehnung ab. Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto weniger Therapien sind notwendig. Im frühen Stadium reicht oft die operative Entfernung. Ist der Krebs fortgeschritten, braucht es meist eine Kombination der Therapien. An unserem Zentrum macht das Ärzte- und Pflegeteam der Patientin immer einen Behandlungsvorschlag, der den aktuellen nationalen und internationalen Empfehlungen entspricht. Wir erklären alle Vor- und Nachteile einer Therapie und geben der Patientin eine gute Entscheidungsgrundlage. Letztlich liegt der Therapieentscheid aber immer bei ihr. Ist sie mit der Behandlung einverstanden, erzielen wir die besten Resultate. Aufgezwungene Therapien bringen Unzufriedenheit auf allen Seiten.
Die Art des Tumors und seine Ausdehnung sind entscheidend: Je früher der Krebs entdeckt wird, desto eher ist er heilbar. Heute kann Gebärmutterkörperkrebs zu einem hohen Prozentsatz geheilt werden. Gebärmutterhalskrebs ist ein mittelaggressiver Tumor, und die Heilungschancen sind etwas niedriger. Eierstockkrebs wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Zudem neigt dieser dazu, wieder zurückzukommen. Deshalb sind die Heilungschancen hier tiefer.
Sie sollten sich auf keinen Fall schämen, sich gynäkologisch untersuchen zu lassen. Das schafft Klarheit und beruhigt. Wenn etwas Auffälliges gefunden wird, sind alle Betroffenen froh, früh gehandelt zu haben.
Susanna Steimer Miller