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Heute Freitag beginnt die Rugby-WM in Japan – nach den Olympischen Spielen und der Fussball-WM der drittgrösste Sportanlass der Welt. Dazu ein kleines ABC dieses in der Schweiz wenig bekannten Sports.
All Blacks – Neuseelands Nationalteam wird wegen seines schwarzen Outfits «All Blacks» genannt. Neuseeland ist die erfolgreichste Rugby-Nation der Welt. Von 585 Länderspielen hat der dreifache Weltmeister 452 gewonnen.
Ball – Rugby wird mit einem elliptischen Ball gespielt, der rund 30 cm lang ist, einen Umfang von 58 bis 62 cm hat und 410 bis 460 Gramm wiegt. Er ist ein wenig grösser als der im American Football verwendete Ball.
Cup – Die Rugby-WM wird seit 1987 alle vier Jahre durchgeführt. Der Pokal heisst Webb Ellis Cup. Webb Ellis soll 1823 in einem Fussballspiel den Ball in die Hand genommen haben und damit losgerannt sein. Er gilt deshalb als «Erfinder» des Rugby.
Drop Goal – Ein Drop Goal gibt drei Punkte. Dazu muss ein Spieler den Ball mit einem «Drop Kick» – der Ball muss auf dem Boden aufspringen, bevor er gekickt wird – oberhalb der Querlatte und zwischen den Torpfosten hindurch kicken.
England – England wird als Mutterland des Rugbys angesehen, wo 1845 an der Internatsschule der Stadt Rugby die ersten Regeln niedergeschrieben wurden. 2003 gewann England als bislang einziges Team von der Nord-Halbkugel die WM.
Folau – Australien ist wie Südafrika zweifacher Weltmeister und verlor dazu zweimal im Final. Die «Wallabies» müssen aber auf ihren besten Spieler, Israel Folau, verzichten. Der 30-Jährige wurde im Mai wegen verschiedener homophober Tweets ausgeschlossen.
Gewicht – 1995 wog ein WM-Teilnehmer im Durchschnitt 95 kg, 20 Jahre später 104 kg. Besondere Bedeutung hat das Gewicht der Spieler im «Scrum» (siehe Buchstabe S): Dort treffen jeweils rund 900 kg Masse aufeinander.
Haka – Der Haka ist ein Tanz der Maori, der Ureinwohner Neuseelands, der meist als Herausforderung zum Kampf verstanden wird. Er wird bei jedem Länderspiel von Neuseelands Team nach dem Abspielen der Nationalhymnen aufgeführt.
Irland – Wie in einigen anderen Teamsportarten – aber im Gegensatz zum Fussball – besteht das irische Rugby-Nationalteam aus Spielern der Republik Irland und Nordirlands. Um das Problem der Nationalhymne zu lösen, wurde 1995 «Ireland’s Call» als Rugby-Nationalhymne komponiert.
Jonah – Jonah Lomu ist mit 15 Tries (siehe Buchstabe T) gemeinsam mit dem Südafrikaner Bryan Habana WM-Rekordhalter. Der Neuseeländer war der erste Weltstar des Rugby. Er nahm wegen eines Nierenleidens nur an zwei WM teil (1995 und 1999) und starb 2015 im Alter von nur 40 Jahren.
Kick – Mit der Hand darf der Ball nur nach hinten weitergegeben werden. Nur mit dem Fuss sind Raumgewinne, ohne zu laufen, möglich. Mit dem «Kick» lässt sich auch Punkten – entweder mittels Drop Kick, Zusatzpunkt oder Penaltykick.
Lineout – Verlässt ein Ball über die Seitenlinie das Spielfeld, gibt es ein Lineout. Dabei wirft ein Spieler den Ball zwischen die einen Meter auseinander aufgereihten Angriffsspieler der beiden Teams.
Mandela – 1995 durfte Südafrika nach dem Ende der Apartheid erstmals an einer Rugby-WM teilnehmen. Unter den Augen des eben erst gewählten Staatspräsidenten Nelson Mandela gewann Südafrika den Final gegen Neuseeland sensationell in der Verlängerung. Der Sieg des fast ausschliesslich aus weissen Spielern bestehenden Teams und die Feier mit dem schwarzen Mandela hatten eine enorme politische Bedeutung.
Neuling – 2019 hat es am Turnier keinen einzigen WM-Neuling. Nur gerade 25 Nationen haben an den bisherigen acht WM teilgenommen. 11 der 20 Teams in Japan waren an jeder WM dabei.
Olympia – Rugby war an den Olympischen Spielen 1900, 1908, 1920 und 1924 mit 15 Spielern pro Team dabei. 2016 kehrte Rugby mit sieben Spielern an Olympia zurück. Fidschi holte sich bei der Premiere in Rio de Janeiro den ersten Olympiasieg seiner Sportgeschichte.
Pumas – Die «Pumas» aus Argentinien sind nach Frankreich das erfolgreichste Team aus der nicht-englischsprachigen Welt mit zwei Halbfinal-Qualifikationen 2007 und 2015.
Qualifikation – Von den 20 WM-Teilnehmern sicherten sich zwölf die Qualifikation schon vor vier Jahren dank ihrer Top-3-Klassierung in einer der vier Vorrunden-Gruppen bei der WM 2015. Für Europa blieb noch ein Platz offen, den sich Russland sicherte.
Ruck – Ein Ruck entsteht, wenn der Ball am Boden liegt und mindestens je ein Spieler der beiden Teams um den Ball stehen. Im Ruck darf der Ball nicht mit den Händen, sondern nur mit den Füssen berührt werden.
Scrum – Zu einem Scrum kommt es nach einer kleineren Regelwidrigkeit. Dabei verhaken sich die acht Angriffsspieler in einer genau vorgegebenen Formation ineinander. Der Ball wird zwischen den beiden Teams eingeworfen. Durch Zurückdrängen des Gegners oder Zurückrollen des Balls mit den Füssen soll der Ball in die eigenen Reihen gebracht werden.
Try – Ein Try ist mit fünf Punkten die beste Methode zu skoren. Dazu muss der Ball hinter der Torlinie auf den Boden gelegt werden. Nach einem Try gibt es noch einen Zusatzpunkt für einen erfolgreichen Kick. Wenn ein Team in einem Spiel vier oder mehr Tries erzielt, erhält es in der Rangliste einen Bonuspunkt.
Umpire – Die Schiedsrichter an der Rugby-WM tragen Mikrofone, sodass die Zuschauer hören, was sie mit den Spielern sprechen. Und sie erklären die Entscheide jeweils für die Zuschauer.
Values – In England wurde Rugby einmal so formuliert: Es ist ein Sport für Hooligans, der von Gentlemen gespielt wird. Werte (Values) sind im Rugby bis heute sehr wichtig. Simulieren ist verpönt, Verletzte werden zum Teil auf dem Feld gepflegt, während um sie herum gespielt wird und Schiedsrichter-Entscheide werden kaum je in Frage gestellt.
Wales – Wales gewann 2019 die Six-Nations-Meisterschaft mit einem Grand Slam (5 Siege in 5 Spielen) und stand im August erstmals an der Spitze der Weltrangliste. Die Mini-Nation mit gerade mal 3,1 Millionen Einwohnern stand 1987 und 2011 im Halbfinal.
XV de France – In Frankreich ist Rugby vor allem im Südwesten äusserst populär. Die «XV de France» – oder auch «Les Bleus» – standen 1987, 1999 und 2011 im WM-Final, konnten aber noch nie gewinnen.
Yokohama – Wie bei der ersten Fussball-WM 2002 ist auch bei der ersten Rugby-WM in Asien das Stadion in Yokohama mit seinen 75‘000 Plätzen der Austragungsort des Finals.
Zürich – In der Schweiz wird Rugby vor allem am Genfersee und von englisch sprechenden «Expats» gespielt. Aus der Deutschschweiz ist einzig GC in der NLA vertreten. International spielt die Schweiz keine bedeutende Rolle.