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Blutdruckmessung: Wann sind die Werte gut?
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Eine Blutdruckmessung liefert wertvolle Informationen über die Herz-/Kreislauffunktion. Die Untersuchung ist so einfach, dass man sie auch zu Hause selber durchführen kann. Allerdings sollte man sich mit den Werten auskennen.
Ich sehe Frau M. vor mir. Sie klagt über Atemnot unter Belastung, hat vielleicht ein paar Kilo zu viel und misst seit einem erhöhten Blutdruck vor Jahren den Blutdruck mit ihrem Gerät selbst. Der Wert sei immer gut bei ihren Messungen, meint sie, und ich frage: «Was ist gut?» – «Ja, eben gut, nicht zu hoch, nie über 100.» Ich antworte: «Das ist tief.» Frau M. entgegnet: «Also den unteren Wert, meine ich,» worauf ich erwidere: «Das wäre hoch!»
Ich habe ein Durcheinander verursacht, aber das ist vielleicht auch gut so. Ich frage gerne nach den Blutdruckwerten bei Heimmessungen, denn sie erzählen viel. Wie oft wird gemessen, welche Werte werden gemessen und welche Bedeutung haben diese für mein Gegenüber. Ich kenne Patienten, die messen selbst, kennen die Norm, erklären die Ausreisser und sorgen sich um zunehmend schlechtere Werte. Das sind die Paradepatienten, die mich nur noch selten brauchen. Es gibt aber auch einige, die messen zwar die Werte, aber das Gefühl für normal und abnormal ist vage, löst keine Handlungen aus. Die Alarmglocke ist zwar vorhanden (Blutdruckmessung), aber der Klöppel bimmelt nicht. Dann die Verwirrung mit unten und oben, welcher ist schlecht, nur der obere oder nur der untere, odergleich beide, aber welcher ist der Schlimmere?
Wenn ich nach dem Blutdruck frage und der Patient erklärt, der obere sei so um 140 bis 150, der unterenicht über 90, dann beruhigt mich diese Präzisierung. Obwohl dies keine Norm- oder Topwerte sind, hat mein Gegenüber die Zahlen im Kopf, kann die oberen und unteren Werte unterscheiden und hält offensichtlich einen Teil der Verantwortung in den eigenen Händen. Immerhin versuchen wir mit einer guten Blutdruckkontrolle die Gefahr eines Hirnschlages, die Entwicklung von Herzinfarkten und Herzmuskelschwäche, die Entstehung der Arteriosklerose im ganzen Körper und eine zunehmende Nierenschädigung zu verhindern.
Jede Blutdruckmessung bringt zwei Werte zu Tage, den oberen (systolischen) und den unteren (diastolischen) Blutdruck. Die Blutadern sind Verteilrohre zu den Organen, die je nach Phase der Herzaktivität innert eines Herzzyklus (eine Sekunde bei 60 Schlägen/Minute) einen Spitzendruck (systolisch) und einen Basisdruck (diastolisch) erzeugen. Durch die Blutdruckmanschette können von aussen um den Arm Druckwerte aufgebaut werden, die dem Spitzendruck entsprechen. Dadurch fliesst kein Blut mehr in der Arterie, und mit dem Stethoskop ist kein Geräusch mehr hörbar. Lässt man den Druck etwas abfallen, so hört man ein Strömungsgeräusch, das den systolischen Druckwert widerspiegelt. Bei weiterem Ablassen des Druckwertes fällt der Manschettendruck unter den Basisdruck, und der turbulente Fluss in der Arterie normalisiert sich, die Geräusche verschwinden. Dies entspricht dem diastolischen Blutdruckwert (Abbildung 1). Die Genauigkeit dieser Messung ist nicht zu vergleichen mit einer Stoppuhr oder einem Metermass. Deshalb werden mehrere Messwerte jeweils gemittelt, um exaktere Resultate zu erhalten.
Wenn man die Treppe hochrennt, steigt der Blutdruck deutlich an, im Idealfall nur der obere (systolische) Blutdruck; wenn man tief schläft, fällt er. Um also eine korrekte Blutdruckmessung durchzuführen, muss die Verbindung zum Zeitpunkt und den Umständen bestehen. Zu Hause, im Sitzen, in aller Ruhe oder auf dem Notfall bei starken Schmerzen: Jede Situation hat einen passenden Blutdruck. Für die meisten Situationen kennen wir auch Normwerte. Der Gebräuchlichste ist der Blutdruckwert in der Praxis beim Arzt nach einer kurzen Ruhephase von 5 bis 10 Minuten im Sitzen gemessen. Eine gute Beurteilung erlaubt die 24-h-Blutdruckmessung, die einen Mittelwert über die Wach- und Schlafphase ermittelt und zusammen mit den Heimblutdruckmessungen die stärkste Wertigkeit zur Diagnosesicherung aufweist und den Therapieerfolg am sichersten erkennen lässt (Normwerte siehe Abbildung 2).
|Messumgebung||Systolischer Blutdruck||Diastolischer Blutdruck|
|Praxis/Spital||140||90|
|Heimmessung||130 – 135||85|
|24-Stunden-Blutdruckmessung

– tagsüber
– nachts
– Mittelwert

85
70
80
|Kategorie||Systolischer Blutdruck||Diastolischer Blutdruck|
|Optimal||< 120||< 80|
|Normal||< 130||< 85|
|High-Normal||130 – 139||85 – 89|
|Grad 1 (milde Hypertonie)||140 – 159||90 – 99|
|– Subgruppe grenzwertig||140 – 149||90 – 94|
|Grad 2 (moderate Hypertonie)||160 – 179||100 – 109|
|Grad 3 (schwere Hypertonie)||≥ 180||≥ 110|
|Isolierte systolische Hypertonie (ISH)||≥ 140||< 90|
|– Subgruppe grenzwertig||140 – 149||< 90|
Hastet eine Medizinperson auf Sie zu, steigt natürlich der Blutdruck an, Ihr Alarmsystem wurde aktiviert: Das wird unter dem Begriff «Weisskitteleffekt» zusammengefasst. Kehrt nun aber Ruhe ein, der Blutdruck wird in entspannter Atmosphäre gemessen und ist zu hoch, handelt es sich um eine so genannte arterielle Hypertonie. Sofern bei erhöhten Messresultaten in der Praxis die Heim- oder 24-h-Blutdruckmessungen normal waren, gehört der Patient zu einer Gruppe mit einem erhöhten Gefährdungspotenzial und intensiverem Überwachungsbedarf, aber wahrscheinlich noch nicht zu den wirklichen «Hypertonikern». Man spricht dann auch von der «Weisskittelhypertonie» oder der «isolierten Praxishypertonie». Das Umgekehrte kann auch der Fall sein, dass in der Praxis Normwerte gemessen werden und zu Hause oder mittels 24-h-Blutdruckmessung erhöhte Werte vorkommen. Hier spricht man von «maskierter Hypertonie».
Den Blutdruckanstieg unter Belastung in Normwerteund krankhafte Werte sicher einzuordnen, fällt hingegen sehr schwer – die Wertigkeit ist umstritten. Die Normwerte zeigen eine Grenzzone auf, darüber wird die Hypertonie in verschiedene Schweregrade eingeteilt (Abbildung 3). Beim Überschreiten dieser Grenze nehmen die Häufigkeit und das Ausmass der Schädigung durch den Blutdruck kontinuierlich zu. Damit kann auch gesagt werden, dass jede Korrektur eines immens hohen Blutdruckwertes bereits eine Verbesserung darstellt – auch wenn das Ziel einer Normalisierung noch nicht erreicht wurde. In Abhängigkeit von Vorerkrankungen und weiteren Risikofaktoren sind Blutdruckwerte aber auch individuell zu bewerten. Bei sonst Gesunden richtet der gleich hohe Blutdruck beispielsweise weniger Schaden an, als wenn bereits Niere, Herz, Hirn- oder Beinarterien erkrankt sind, der Patient unter einem Diabetes mellitus leidet oder dem Rauchen frönt. Entsprechend werden sowohl die Massnahmen als auch die Zielwerte an das individuelle Risikoprofil angepasst, um kurzfristig und langfristig eine möglichst geringe Schädigung des Patienten in Kauf zu nehmen.