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Schwergewicht der Exilliteraturvon Katja Zellweger Einer, der mit Sprache karikierte: Das Schweizerische Literaturarchiv ehrt den bedeutenden, zu Unrecht wenig bekannten deutschen Exil-Literaten mit Schweizer Wurzeln, Ulrich Becher, mit einer Online-Soirée.
Veranstaltungsdaten
Beim einen dampft wortwörtlich die Kacke im Hirn, einem zweiten mit preussischem Schnurrbart ausgestatteten Herr der Elite trohnt eine Teetasse anstelle eines militärischen Helms auf dem Kopf: Das karikaturistische Gemälde «Die drei Säulen der Gesellschaft» des Malers George Grosz von 1926 zeigt einen unbändig kritischen, beissenden Humor. Ein schwarzer Humor mit Schlagseite ins Groteske ist auch in den Zeilen seines einzigen Meisterschülers, dem Autor Ulrich Becher, zu finden. In den «New Yorker Novellen» – einer Sammlung aus Erzählungen über entwurzelte Ausgewanderte – finden sich Wortkreationen wie die «Hitlerei», «zu Hakenkreuze kriechen» oder vom dritten Reich, das «ausbricht» wie eine Epidemie.
Entartet, Flucht, «Moby-Dick»
Schon der erste Roman des 1910 geborenen, deutsch-schweizerisch-jüdischen Bechers wurde als «entartet» klassifiziert, was Bechers Flucht über die Schweiz nach Brasilien, New York und schliesslich eine widerwillige aber provisorisch-dauerhafte Niederlassung in Basel bedingte. Der grosse Erfolg blieb aus, was Becher dazu veranlasste, sich lapidar als «Moby-Dick» zu bezeichnen, «ein weisser Walfisch, der auftaucht und wieder verschwindet». Doch Becher ist ein Schwergewicht der Exilliteratur. Das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) widmet ihm, dessen Nachlass in Teilen in Bern liegt, die Online-Soirée «Moby-Dick im Exil. Eine Hommage an Ulrich Becher». Nachlasskurator Moritz Wagner spricht dabei mit Bechers Sohn, dem Autor Martin Roda Becher, und mit der Autorin Eva Menasse, die Bechers Neuausgaben mit einem Vorwort versehen hat. Auch wird gelesen, ebenfalls werden Szenen aus dem Filmporträt Dieter Bachmanns von 1970 gezeigt.
Malerlehrer und Freund Grosz
Dank einer Grafikausstellung 1992 in der heutigen Nationalbibliothek kam der Kontakt zu Bechers Sohn zustande und das SLA konnte einen Teilnachlass kaufen. Darin befinden sich nebst Manuskripten und Werkfassungen etwa seines Hauptwerks «Murmeljagd» auch viele Zeichnungen, Karikaturen und Grafiken sowie Briefwechsel, unter anderem mit seinem ihm freundschaftlich verbundenen Lehrer George Grosz.