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Bischof Morerod lässt das Verschwinden von Dokumenten untersuchen
Im Fall des inzwischen suspendierten Pfarrers der Freiburger Kathedrale weist der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, den Vorwurf zurück, er habe relevante Informationen zu den Anschuldigungen wegen sexuellen Fehlverhaltens des Pfarrers verheimlicht. In einer am 9. Februar veröffentlichten Medienmitteilung informiert das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg nun darüber, dass eine interne Untersuchung zum Nichtweitergeben von Informationen, zum Mangel an Urteilsvermögen und zum Verschwinden von Dokumenten eröffnet worden sei. Die Mitteilung erwähnt auch die zwei schon zuvor bekannten Verfahren: Die polizeiliche Untersuchung der Anschuldigungen gegen den Pfarrer aufgrund der Unterlagen, die der Bischof im November 2019 und später der Polizei übergeben habe; und die vom Bischof beim Genfer Anwalt Maurice Harari als externem und neutralem Ermittler in Auftrag gegebene Voruntersuchung zu möglichen Verstössen gegen das kanonische Recht durch den betroffenen Pfarrer und weitere Personen. Somit seien in dieser Sache zurzeit drei Untersuchungen am Laufen. Statt vorschnelle Urteile zu fällen, wolle Bischof Morerod die Gerechtigkeit walten lassen und Entscheidungen erst treffen, wenn die Ergebnisse dieser Untersuchungen vorlägen. Bis dahin werde er sich zu diesem Thema nicht mehr äussern, heisst es in der Medienmitteilung des Bistums.
Der Zürcher «Tages-Anzeiger» und die «Rundschau» von Schweizer Fernsehen SRF hatten Morerod am 5. Februar vorgeworfen, bereits seit 2011 im Besitz eines Dossiers über einen sexuellen Übergriff durch den Pfarrer im Jahr 1998 gewesen zu sein, den Vorwurf aber nicht aufgeklärt und stattdessen den betroffenen Priester mit neuen Ämtern beauftragt zu haben. Morerod dagegen sagte in verschiedenen Medien, er habe das «Dossier» erst im Dezember 2019 erstmals gesehen, und dieses habe lediglich das Protokoll einer Schlichtungssitzung aus dem Jahr 2001 enthalten, aus dem der Sachverhalt des Vorfalls im Jahr 1998 nicht hervorgegangen sei. Die Medienmitteilung des Bistums vom 9. Februar zitiert den Bischof mit den Worten: «In Kenntnis solcher Tatsachen wäre die Ernennung eines Pfarrers nicht nur falsch, sondern auch dumm.» Im Fokus der jetzt angekündigten internen Untersuchung des Bistums dürfte stehen, welchen Inhalt das Dossier zum Fall des Priesters hatte oder hat und ob sich darin auch ein Brief des mutmasslichen Opfers an den Bischof befindet oder befunden hat. Von einem solchen Brief an den Vorgänger von Bischof Morerod hatte der heute 39-jährige Mann gesprochen, der in «Tages-Anzeiger» und «Rundschau» mit dem Vorwurf zitiert wurde, 1998 als 17-jähriger Ministrant vom Pfarrer missbraucht worden zu sein.
kh/kath.ch