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Erzbischof Nicolas Antiba bittet uns um Unterstützung, damit er seinen Angestellten im melkitischen griechisch-katholischen Patriarchat in Damaskus weiterhin jeden Monat die Löhne zahlen kann. Als Generalvikar des Patriarchatsbistums ist er verantwortlich für die 40 im Patriarchat und an der Kathedrale tätigen Frauen und Männer. Die Lebenssituation in Syrien elf Jahre nach Kriegsbeginn ist katastrophal.
Die Angestellten des Patriachats in Damaskus unterstützen
Die Kurie in Damaskus besteht aus dem Patriarchen, aus zwei Bischöfen, dem Pfarrvikar, dem Ökonom und dem Sekretär. Zusammen mit pensionierten Priestern und Angestellten der Kathedrale wohnen 22 Personen im weitläufigen Patriarchatsgebäude. Die Angestellten arbeiten im Sekretariat, in der Buchhaltung, der Küche, der Wäscherei, im Hausdienst, als Chauffeure, als Portiers, als Nachtwächter oder als Sakristane. 27 sind verheiratet. 13 sind nicht verheiratet, leben aber bei ihren Familien, um sie zu unterstützen.
Wir haben Erzbischof Nicolas Antiba darum gebeten, uns vier seiner Angestellten vorzustellen. Er schreibt: «Die Idee, vier ausgewählte Mitarbeitende, zwei Frauen und zwei Männer, ihren Leserinnen und Leser vorzustellen finde ich sehr gut.
Reine
Reine ist alleinstehend, geboren in Sayednaya, lebt in Damaskus und wohnt bei ihrer Mutter, einer 62-jährigen Witwe, die bei guter Gesundheit ist. Die Mutter bezieht keine Rente und so unterstützen ihre Kinder sie nach ihren Möglichkeiten. Die Familie musste, um Arbeit zu finden, ihr Heimatdorf verlassen, und hat sich in Damaskus in der Nähe des Patriarchats niedergelassen.
Nach Abschluss der Sekundarschule ist Reine seit sechs Jahren die Sekretärin des Generalvikars und arbeitet auch als Archivarin. Ihre Aufgabe besteht darin, alle Tauf- und Heiratsurkunden, die von den Pfarreimitgliedern beantragt werden, vorzulegen und auszufüllen. Das Patriarchat hat ein elektronisches System für die Tauf- und Heiratsregister eingeführt. Auf diese Weise konnten die Register aller unserer Pfarreien in der Diözese vereinheitlicht werden.
Reine ist auch für die Korrespondenz zwischen dem Büro des Patriarchen und den Priestern der Diözese sowie mit den Regierungsstellen zuständig.
Salimeh
Salimeh ist mit Maher Gierges verheiratet und hat zwei Töchter, Mariana (19) und Rose (16). Die Ältere ist in der Abschlussklasse des Gymnasiums und hofft, mit einem guten Zeugnis an der Universität zugelassen zu werden. Die zweite besucht die Brevet-Klasse. Salimeh ist seit drei Jahren angestellt. Sie wurde in Chaqra (Hauran) geboren und wohnt in einem Vorort von Damaskus. Sie muss jeden Tag die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen, um zur Arbeit zu gelangen. Salimeh ist eine von mehreren Frauen, die den Haushalt im Patriarchat führen, hilft beim Kochen für die Gemeinschaft und beim Geschirrspülen. Manchmal sind 15 bis 20 Personen zum Mittag- und Abendessen anwesend: Seminaristen, Priester, der Bischof sowie der Patriarch.
Ihr Mann Maher, der bei einem Kaufmann arbeitete, wurde wegen der Schliessung des Geschäfts während des Krieges entlassen. Er hat im Moment keine Arbeit, und Salimeh bringt das Geld nach Hause. Ich selbst versuche, ihnen nach meinen Möglichkeiten zu helfen.
Elian
Elian ist mit Reem Naddour verheiratet. Die beiden haben die vierjährige Tochter Chantal. Ursprünglich aus dem Bezirk Tartus stammend, verliess er die Gegend, um Arbeit zu finden. Er lebt mit seiner kleinen Familie in Damaskus unweit des Patriarchats in einem Haus, das dem Patriarchat gehört. Er ist der Fahrer des Patriarchs und des Generalvikars. Elian arbeitet zudem bis Mitternacht als Nachtwächter im Patriarchat und in der Kathedrale. Ausserdem empfängt er an den Nachmittagen die Gäste und bietet ihnen Kaffee an. Gleichzeitig ist er da, um dem Haushaltsdienst bei den Einkäufen auf dem Markt zu helfen. Er arbeitet seit 23 Jahren im Patriarchat. Nachdem er seinen Militärdienst beendet hatte, wurde Elian zunächst Rezeptionist und später Hausmeister am Institut für religiöse Bildung.
Ihab
Ihab ist mit Rosine Karam verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder, Ghanem (10) und Salma (8). Er wurde in Khabab (Hauran) geboren und lebt in einem Vorort von Damaskus. Seit sechs Jahren ist er Sekretär des Ökonomen des Patriarchats. Dieser hatte ihn nämlich als junges Gemeindemitglied in der Kathedrale kennengelernt. Er arbeitet auch als Buchhalter und hilft beim Unterhalt des Hauses, indem er Elektroreparaturen macht sowie sich um die Telefonie und das Internet kümmert. Sein Studium in Kommunikationswissenschaften hilft ihm bei der Arbeit. Ihab koordiniert auch die patriarchalen Angelegenheiten mit den Banken und den Regierungsämtern.
Die Menschen in Syrien leiden unter den europäischen und US-amerikanischen Sanktionen.
Der Wechselkurs des syrischen Pfunds ist weiter im Sinkflug und die Rohstoffpreise steigen stetig. Die humanitären Organisationen vor Ort sind nicht mehr in der Lage, Lebensmittelpakete zu liefern. Einige Artikel des täglichen Bedarfs sind aufgrund der Schwankungen des syrischen Pfunds nicht mehr erhältlich, von Gas, Heizöl und Strom ganz zu schweigen. In mehreren Stadtvierteln, in denen auch die meisten unserer Gemeindemitglieder wohnen, gibt es nur während zwei Stunden am Tag Strom. Für das Heizöl hat die Regierung ein elektronisches Kartensystem eingeführt, das den Kauf nur an einem vom System festgesetzten Datum ermöglicht. Die Energiepreise steigen stetig. Gott bewahre uns vor dem nächsten Winter!
Ich muss gestehen, dass unsere Angestellten schlecht bezahlt werden. Ihr Gehalt liegt zwischen 30 und 50 US-Dollar pro Monat. Leider ist das Patriarchat nicht in der Lage, diese Summe zu erhöhen, da Mieten und andere Einnahmen fehlen. Wir beten, dass die Menschen nicht krank werden, damit sie keinen Arzt brauchen oder ins Spital müssen! Eine Familie müsste mindestens 150 US-Dollar im Monat verdienen, um «normal» leben zu können. Wer kann so viel verdienen?
Es gibt nur während
zwei Stunden am Tag
Strom.
Es fällt mir schwer, über die Sicherheitslage in der Region rund um Damaskus zu sprechen, da die israelische Luftwaffe immer wieder die Stadt bombardiert und Menschen tötet. Erneut leben wir in einer Atmosphäre der Angst. Das Leben wird immer schwieriger und treibt die Menschen, insbesondere die Christinnen und Christen, in die Flucht. Wir haben mehrere Todesfälle unter jenen zu beklagen, die auf kleinen Booten über das Meer geflohen sind. Ich gestehe, dass wir während der Sommersaison viele Hochzeiten hatten, aber es waren Paare, die aus dem Ausland gekommen sind, um zu heiraten und dann wieder abgereist sind. Das heisst, die Zahl der Taufen ist zurückgegangen!
Soweit diese Zeilen, die unsere katastrophale Situation beschreiben, in der Hoffnung, dass Ihre Spenderinnen und unsere Wohltäter uns während dieser Krise, die nun schon elf Jahre andauert, helfen können.
Nochmals vielen Dank für Ihr Interesse, uns zu helfen, wann immer wir uns an Sie wenden. Vielen Dank an alle Mitglieder Ihres Vereins und an die Wohltäter. Bleiben wir im Gebet verbunden!»
Erzbischof Nicolas Antiba, Damaskus