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Das Altersprioritätsprinzip
Das Altersprioritätsprinzip findet dann Anwendung, wenn mehrere beschränkten dingliche Rechten und Vormerkungen in das Grundbuch eingetragen werden und miteinander kollidieren. Ein solcher Fall könnte dann vorliegen, wenn Sie zwei verschiedenen Personen ein Wohnrecht (eine sogenannte Personaldienstbarkeit und damit ein beschränktes dingliches Recht) für eine identische Wohnung einräumen. In diesem Fall legt das Altersprioritätsprinzip fest, dass das früher entstandene Recht Vorrang haben soll. Dementsprechend kann das letztere Wohnrecht mittels Wohnrechtsvertrag nicht ohne Weiteres ins Grundbuch eingetragen werden und entsprechend auch keine Rechtswirkung entfalten.
Das Publizitätsprinzip
Das Publizitätsprinzip ist einer der wichtigsten Grundsätze des materiellen Grundbuchrechts. Er besagt, dass (sofern ein berechtigtes Interesse besteht) Grundbucheinsicht zu gewähren ist. Außerdem ergibt sich daraus, dass sich jedermann auf die Richtigkeit des Grundbuchs verlassen darf. Letzteres hat beispielsweise zur Folge, dass Sie rechtmäßig Eigentum an einem Grundstück erwerben können, selbst wenn der Grundstücksverkäufer zu Unrecht als Eigentümer des Grundstücks im Grundbuch eingetragen war. Dieser sogenannte gutgläubige Erwerb ist möglich, da das Vertrauen auf den Grundbuchinhalt stets geschützt sein soll. Selbstverständlich ist der gutgläubige Erwerb aber nur möglich, sofern Sie keine Kenntnis von der Unrichtigkeit des Grundbuchinhalts hatten.
Das Kausalitätsprinzip
Das Kausalitätsprinzip ist gesetzlich in ZGB 974 Abs. 2 geregelt und besagt, dass ein sachenrechtliches Verfügungsgeschäft (z.B. die Grundbuchanmeldung zur Eigentumsübertragung) nur wirksam sein kann, wenn ihm ein wirksames die Verpflichtungsgeschäft (die vertragliche Verpflichtung des Grundstückseigentümers sein Eigentum an einen anderen zu übertragen) zugrunde liegt. Das bedeutet: Möchten Sie Ihr Grundstück verkaufen, müssen Sie mit dem Käufer einen wirksamen und formgerechten Kaufvertrag abschließen. Andernfalls kann keine wirksame Eintragung des Käufers als neuer Eigentümer in das Grundbuch erfolgen.
Das Spezialitätsprinzip
Das Spezialitätsprinzip wird gelegentlich auch Bestimmtheitsgrundsatz genannt und besagt, dass dingliche Rechte nur an bestimmten Sachen bestehen können. Das bedeutet, dass es nur möglich ist, über genau individualisierte Gegenstände zu verfügen. Hierzu ein Beispiel: Besitzen Sie eine Liegenschaft mit drei Immobilien und möchten das Eigentum an einer Immobilie übertragen, muss die Immobilie für das Übertragungsverfahren genau benannt sein. Es reicht also nicht aus, festzulegen, dass das Eigentum an „irgendeiner der drei“ Immobilien übertragen wird. Vielmehr muss die Immobilie genau benannt sein (Immobilie A, B, oder C).
Das Akzessionsprinzip
Das Akzessionsprinzip legt fest, dass sich das Eigentum an Grund und Boden auf sämtliche damit verbundene Gegenstände erstrecken soll. Das bedeutet: Werden auf einem Grundstück Gebäude errichtet oder befinden sich dort Quellen oder Pflanzen, gehen diese automatisch in das Eigentum des Grundeigentümers über. Dieses Prinzip kann nur ausnahmsweise (z.B. durch die Einräumung eines Baurechts) durchbrochen werden.
Der Grundsatz der Typengebundenheit und Typenfixierung
Das materielle Grundbuchrecht als Teil des Sachenrechts legt fest, welche Rechte an Immobilien begründet werden können (Typengebundenheit). Es kennt neben dem Eigentum auch die beschränkten dinglichen Rechte (Dienstbarkeit, Grund- und Personaldienstbarkeiten) sowie Pfandrecht (vgl. ZGB 958 ff.). Nur diese Rechte können in das Grundbuch eingetragen werden. Außerdem legt es fest, wie genau die eintragungsfähigen Rechte an einem Grundstück ausgestaltet sein sollen (Typenfixierung).
Sonstige Regelungen des materiellen Grundbuchrechts
Neben den oben genannten Grundsätzen legt das materielle Recht außerdem fest, welche Rechtsbehelfe existieren und wie sie ausgestaltet sind. Zu den grundbuchrechtlichen Rechtsbehelfen zählen insbesondere:
- Grundbuchbeschwerde
- Grundbuchberichtigungsklage
- Berichtigung unrichtiger Einträge
- Erleichterte Löschung