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Farbenblindheit (Achromatopsie): Ursache, Seheindruck
Die sogenannte Farbenblindheit, auch Achromatopsie oder Achromasie, ist eine Farbsinnes-Störung, bei der die betroffene Person keine Farben wahrnehmen kann. Farbenblindheit darf nicht mit der verbreiteten Rot-Grün-Schwäche verwechselt werden.
Es gibt zwei Arten von Farbenblindheit, die sich hinsichtlich der Ursache unterscheiden:
- die okulare Farbenblindheit (okular = Auge)
- die cerebrale Farbenblindheit (cerebral = Gehirn)
Die okularen Farbenblindheit basiert auf fehlenden oder nicht funktionierenden Sinneszellen auf der Netzhaut im Auge. Sie ist in der Regel angeboren.
Die cerebrale Farbenblindheit hat ihre Ursache in einer neurologischen Störung: die Sinnesinformationen werden nicht korrekt an das Gehirn weitergeleitet. Die Ursache ist meistens nicht angeboren, sondern tritt vorwiegend nach Unfällen oder Schlaganfällen auf.
Genau genommen ist das Auge wie jedes Sinnesorgan ein "vorgelagerter" Teil des Gehirns, dass Informationen aus der Umwelt mithilfe von Sinneszellen in elektrische Impulse umwandelt, die auf Nervenbahnen ins Gehirn geleitet werden. Wenn diese Nervenbahnen unterbrochen sind, funktioniert die Wahrnehmung nicht korrekt.
Ursache der okularen Farbenblindheit
Normalerweise befinden sich auf der Netzhaut im menschlichen Auge vier Arten von Sinneszellen:
- die Stäbchen für das Hell-Dunkel-Sehen (Kontraste)
- die Zapfen für das Farben-Sehen.
Bei Menschen mit einer Farbenblindheit fehlen alle Zapfen, das heißt man kann keine Farben sehen.
Unscharfer Seheindruck
Farbenblinde Menschen können nicht scharf sehen. Der Grund ist einfach: Der Ort des schärfsten Sehens ist die Fovea. In dieser Region auf der Netzhaut sind die Zapfen normalerweise besonders dicht gedrängt und es gibt verhältnismäßig wenig Stäbchen. Wenn die Zapfen für die Farben nun fehlen, bleiben kaum genügend Sinneszellen übrig, um ein scharfes visuelle Bild zu erzeugen.
Unterschied zur Rot-Grün-Schwäche
Im Gegensatz dazu sind bei einer Rotgrün-Schwäche im Prinzip alle Zapfen vorhanden, nur in geringerer Anzahl. Daher gibt es bei der Rot-Grün-Schwäche auch sehr differenzierte Abstufungen, je nachdem, wie viele bzw. welche Zapfen auf der Netzhaut funktionieren.
- Protanomalie : Rotschwäche
- Protanopie : Rotblindheit
- Deuteranomalie : Grünschwäche
- Deuteranopie : Grünblindheit
- Tritanopie : Blaublindheit
- Tritanomalie : Blauschwäche
Wenn die beide Zapfenarten Rot und Grün ausfallen, spricht man auch von Blauzapfenmonochromasie (monochrom = einfarbig).
Menschen mit Tritanopie haben daher nur zwei statt drei verschiedene Zapfentypen. Betroffen sind etwa 0,002 % der Männer und 0,001 % der Frauen.
Menschen mit Tritanopie sind in ihrer Sehstärke kaum beeinträchtigt, da die Netzhaut ohnehin nur circa 8 % Blau-Zapfen enthält, wohingegen Rot- und Grün-Zapfen zu je circa 46 % in der Netzhaut vorhanden sind.
Kann eine Brille die Farbenblindheit korrigieren?
Nein. Eine (Sehstärken-) Brille korrigiert in aller Regel optische Brechungsfehler. Es gibt jedoch inzwischen Brillenmodelle, die die Farbkontraste verstärken können. Solche Brille sind bei Rot-Grün-Schwäche hilfreich, zum Beispiel im Straßenverkehr. Allerdings gibt es für Farbenblinde, die keine entsprechenden Photorezeptoren besitzen, keine Sehhilfe - wenn keine Farbinformationen gefiltert werden oder im Gehirn ankommen, dann kann man auch keine Farben sehen.
Daher sind auch nicht die neuen Rot-Grün-Brillen, mit denen man eine Rot-Grün-Sehschwäche zumindest temporär abmildern kann, nicht geeignet.
Gleichwohl gibt es ermutigende Forschungen, um mit Hilfe einer Gentherapie das Farbensehen wieder zu ermöglichen. Allerdings sind das bislang noch ausschließlich klinische Studien.
Siehe auch
- Achromatopsie.de
- Universitätsklinikum Tübingen: Erste Gentherapie der kompletten Farbenblindheit auf klinische Sicherheit erprobt
- Wie erklärt man einem Blinden Farben?
- Farbenblindheit bei Sehtestbilder
- Rot-Grün-Farbtafeln (künstlerisch von Martin Mißfeldt)