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Ernst beschliesst, ruhig, regelmässig und conzentriert zu essen und darauf zu achten, wann Ernst genug hat. Ernst isst zur Vorspeise einige Manzanilla Oliven, zur Hautspeise Reis und Kalbsleber und 1 Scheibe Bauernbrot und zum Dessert Gruyère d’Étivaz (le roi des préalpes vaudoises) und 1 Saturn-Pfirsich. Zum ersten Mal hat Ernst normal gegessen. Und doch: Ernst spürt, dass Ernst noch weit entfernt ist, von dem, was Ernst erreichen will. Auf alle Fälle ist alles viel mühsamer, als es Ernst Ernst vorgestellt hat. Aber Ernst wird von Ernsts Entschluss nicht abweichen.
Recall 1: Ernst wird Ernst weiterhin controllieren und alles, was Ernsts Essen betrifft, aufzeichnen – gewissenhaft, methodisch und lauter.
Recall 2: Ernst darf Ernst nicht mehr gehen lassen. Ein Boot, das nicht angebunden ist, treibt mit dem Strom.
Recall 3: Das Ziel von Ernsts Wellness Journal besteht darin, Ernst Ernsts üble Essgewohnheit vor Ernsts Augen zu führen, damit Ernst Ernst besinnt und allmählich davon loskommt. Das ist ja auch der Grund, weshalb Ernst Ernst zurückgezogen hat, denn
Ernst dachte, Ernst könnte Ernsts Geist keinen grösseren Gefallen tun, als wenn Ernst ihm ermöglichte, fern von jeder anderen Betätigung sich selbst zu hegen und zu pflegen und in Ernst zu stiller Ruhe zu kommen. Ernst hoffte, dass Ernst das in Ernsts Refugium leichter werden würde als früher, weil doch anzunehmen war, Ernst sei mit der Zeit vorsichtiger und reifer geworden. Ernst findet aber, gerade das Gegenteil sei eingetreten, zumal das Nichtstun ja immer eine Zersplitterung des Denkens erzeugt. Ernsts Geist benimmt sich wie ein durchgegangenes Pferd; er arbeitet sich hundertmal mehr für sich selbst ab, als er sich früher in fremdem Dienst mühte; und er fördert ununterbrochen phantastische Hirngespinste und Missgeburten zutage, alle ohne Sinn und Zusammenhang. Damit Ernst Ernst diese kindischen und merkwürdigen Erzeugnisse in Ruhe ansehen kann, wird Ernst ernsts wellness journal gewissenhaft weiterführen und die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich Ernsts Geist allmählich selber schämt, wenn er sieht, was er da angestellt hat.[1]
[1] Dernierement que je me retiray chez moy, deliberé autant que je pourroy, ne me mesler d’autre chose, que de passer en repos, et à part, ce peu qui me reste de vie : il me sembloit ne pouvoir faire plus grande faveur à mon esprit, que de le laisser en pleine oysiveté, s’entretenir soy-mesmes, et s’arrester et rasseoir en soy : Ce que j’esperois qu’il peust meshuy faire plus aysément, devenu avec le temps, plus poisant, et plus meur : Mais je trouve, variam semper dant otia mentem, qu’au rebours faisant le cheval eschappé, il se donne cent fois plus de carriere à soy-mesmes, qu’il ne prenoit pour autruy : et m’enfante tant de chimeres et monstres fantasques les uns sur les autres, sans ordre, et sans propos, que pour en contempler à mon ayse l’ineptie et l’estrangeté, j’ay commencé de les mettre en rolle : esperant avec le temps, luy en faire honte à luy mesmes.
Michel de Montaigne, Essais, I/VIII, De l’oisiveté, Über den Müssiggang, übersetzt von Arthur Franz. (Variam semper dant otia mentem: Müssiggang erzeugt immer eine Zersplitterung des Denkens. ¦ Lukan, Pharsalia, IV, 704)