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Die nächste Generation des HTTP soll Performance-Probleme von Websites und Netzwerken lindern - mit der Zeit.
"HTTP/2 ist fertig." Dies schreibt Mark Nottingham, der Vorsitzende der HTTP-Arbeitsgruppe des IETF
. Damit soll HTTP/2 noch den letzten Feinschliff erhalten, bevor das Protokoll den Status eines offiziellen Standards erhält und veröffentlicht wird
Das "Hyper Text Transfer Protocol" ist ein Protokoll zur Übertragung von Daten in Netzwerken. Im Web ist es die Standardsprache für die Kommunikation zwischen Browsern und Servern, wenn Webseiten aufgerufen werden. Die erste Version 0.9 wurde 1991 veröffentlicht. Die aktuelle Version 1.1 stammt aus dem Jahr 1999.
Nottingham hat vor einigen Tagen eine sehr gute Zusammenfassung darüber veröffentlicht, was HTTP/2 bringen soll
. Insgesamt kann man sagen, dass damit die Ladezeiten von Webseiten verringert und Netzwerke entlastet werden können. Dies gilt insbesondere auch fürs mobile Surfen und mobile Netzwerke. Möglich wird dies durch verschiedene neue Features. Unter anderem sollte ein Browser mit HTTP/2 mit weniger Verbindungen auskommen, um eine Webseite aufzurufen, da nun mehrere Nachrichten in einer einzelnen Verbindung gleichzeitig hin- und herlaufen können (Multiplexing). Dies sollte es auch verhindern, dass eine verzögerte Antwort des Servers auf eine Anfrage alle anderen Anfragen blockiert. Zudem wird die Menge der zusätzlichen Standarddaten, die mit jeder Anfrage verschickt werden, reduziert.
HTTP/2 wurde laut Nottingham so konzipiert, dass es ohne Probleme im exisitierenden Web benutzt werden kann. Bestehende Libraries für HTTP 1.x könnten beispielsweise upgedated werden, so dass sie auch HTTP/2 unterstützen, ohne dass Code geändert werden müsse. Die neuen Features seien als Zusatzmöglichkeiten gedacht, die Entwickler nutzen können, aber nicht müssen.
HTTP/2 ist aber, wie Nottingham betont, kein magischer "Feenstaub", der nun über das Web gesprenkelt werden kann, so dass es auf einen Schlag schneller wird. Unter anderem gebe es noch viele "Boxen" im Internet, zum Beispiel Firewalls und Proxies, die nur für HTTP 1.x eingerichtet sind, was zu Interoperabilitäts- und Sicherheitsproblemen führen kann, wenn sie mit HTTP/2 angesprochen werden. Ein weiteres Hemmnis könnte zudem die Akzeptanz bei Entwicklern sein. Bei HTTP/2-Code wird beispielsweise das Debugging, die Suche nach Fehlern, vorerst schwieriger sein als beim aktuellen Ptrotokoll, wie Nottingham einräumt.
Verschlüsselung quasi obligatorisch
Eine weitere Hemmschwelle könnte die Verschlüsselung der Websites sein, die mit HTTP/2 quasi obligatorisch wird. Die Entwickler von Chrome und Firefox haben angekündigt, dass die beiden Browser HTTP/2 nur für Seiten unterstützen werden, die gleichzeitig auch verschlüsselt übertragen werden. Sie verwenden HTTP/2 also als "Rüebli", um störrischen Siteentwicklern und -Betreibern die Verschlüsselung schmackhafter zu machen, was wiederum das Web insgesamt sicherer machen soll. Das sei eigentlich auch sinnvoll, meint Nottingham. Das neue Protokoll bringeLeistungseinsparungen, welche die zusätzlche Leistung, die durch Verschlüsselung verbraucht wird, kompensieren könne. Dies sollte die Akzeptanz bei Sitebetreibern erhöhen, da die Sites trotz Verschlüsselung keine Geschwindigkeitseinbussen erleiden.
Insgesamt dürften die Hemmschwellen aber dazu führen, dass sich HTTP/2 nur langsam ausbreitet. Wahrscheinlich wird das neue HTTP noch Jahre oder Jahrzehnte mit dem alten HTTP koexistieren. Und in einigen Jahren wird wohl auch schon HTTP/3 hinzukommen und die Situation noch etwas weiter komplizieren. (hjm)