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Bericht über Pater Stefan Kissling, verfasst von seinem Bruder Jules Kissling:
Mein Bruder, Pater Stefan, wurde am 17. Juni 1933 als 4. Kind von 8 Geschwistern geboren. Seine Mutter war die Anna; im Buch von Silvia Walter aus dem Haus von Otto Walter, wird sie als einfaches sehr frommes Kindermädchen erwähnt. In diesem Hause, bei Neubau, lernte sie dann ihre Mann Julius Kissling kennen. Er war als Gärtner beschäftigt, weil er sein Berufsziel, Missionar zu werden, aufgab.
Dafür wurde später Stefan Priester bei den Missionaren der Heiligen Familie. Am Tag von Peter und Paul wurde er in Solothurn geweiht.
Zu diesem Anlass wurde er 2019 nach 60 Jahren vom Papst nach Rom eingeladen, wo sich alle Jubilare zu einem gemeinsamen Fest einfinden sollten. Fast genau auf den Tag seiner Abreise in den verdienten Urlaub wurde das alles aus «Zeitgründen» abgesagt. Die Zeit ging aber trotzdem schnell vorüber. Seine kaputten Zähne und die angeschlagene Gesundheit der 58 Jahre Missionsarbeit in Madagaskar profitieren von diesen freien Wochen, denn die medizinische Versorgung in Madagaskar ist mit der unsrigen nicht zu vergleichen.
Seit 1988 wird Stefan unterstützt von unserem Sohn Meinrad. Als erfahrener Baufachmann arbeitet er immer wieder während mehreren Monaten im Jahr ohne Lohn in seinem ganzen Gebiet. Dieser 100 Kilometer breite Streifen am Meer mit Fischerdörfern entspricht der Grösse des Kantons Bern und benötigt viel Pflege der Schulen, Kirchgebäuden sowie Trinkwasser-Brunnen.
Meinrad lebte bereits 1988 bis 1991 in der Gegend und kennt sich daher sehr gut dort aus. Transporte für Mensch und Material sind mit schlechten Wegen und vielen Hindernissen verbunden, zudem auch gefährlich. Die Fahrzeuge müssen robust sein, wie die Menschen auch, und das Baumaterial wird, wo immer möglich, selber hergestellt. Sand hat es genug, aber das Holz ist rar. Die Löhne sind tief und die Menschen leben sehr einfach, sie kommen mit sehr wenig Geld aus, weil es keine Zölle, Gebühren und Steuern gibt. Aber es gibt auch kaum Arbeit gegen Lohn. Diese Beschreibung betrifft nicht das ganze Land, aber grosse Gebiete. Vergessen wir nicht, Madagaskar ist grösser als England und es hat ein ganz anderes Klima.
Beim letzten Urlaub von Stefan waren wir im Neuwiesenhof und haben der Kirchgemeinde bestens gedankt für die grosszügige Hilfe, das möchten wir hiermit gerne wiederholen. Es ist uns sehr daran gelegen, dass wir nicht alles einfach auf die Kirchgemeinde abwälzen wollen. Es bestehen einige private Organisationen, die mithelfen die Not zu lindern. Aber die Gesellschaft der Heiligen Familie kann da kaum mehr für alles aufkommen, sie ist fast nur noch für die eigenen passiven (pensionierten) Senioren zuständig. Stefan ist mit 86 Jahren der letzte aktive Missionar der Heiligen Familie.
Noch zur Information zu Meinrads Aktivitäten: Er hat für sein Engagement in Madagaskar einen eigenen Verein namens «Befandefa» gegründet (siehe auch www.printandweb.ch/befandefa/), er berichtet dort über sein Wirken. «Befandefa» ist der Wohnort von P. Stefan, er hat dort sein eigenes Haus mit Garten. Die Kirchgemeinde Winterthur unterstützte «Befandefa» in den Jahren 2017, 2018 und 2019 mit je 5'000 Franken.
Im November 2019, Jules Kissling