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Rishi Sunak wird neuer Premier Grossbritanniens. Der ehemalige Goldman-Sachs-Analyst ist somit der erste nicht-weisse Premierminister Grossbritanniens. Mit seinen 42 Jahren ist er auch der Jüngste seit mehr als 200 Jahren.
Ich habe als Kellner in dem indischen Restaurant am Ende der Strasse gearbeitet.
Sunak wurde 1980 in Southampton an der englischen Südküste als Sohn indischstämmiger Eltern geboren. Er wuchs in einer Mittelklasse-Familie auf, sein Vater war Hausarzt und seine Mutter Apothekerin. Sunak habe deren Arbeitsethos geerbt, wie er selbst sagt.
«Ich habe als Kellner in dem indischen Restaurant am Ende der Strasse gearbeitet», sagte er während des Wahlkampfs. Er hat beschrieben, wie seine Eltern gespart haben, um ihn auf das Winchester College zu schicken, eines der vornehmsten und teuersten Internate Grossbritanniens. Dort mischte er sich unter die Elite.
Nach der Highschool studierte Sunak Politik, Philosophie und Wirtschaft an der Universität Oxford – der bevorzugte Abschluss für künftige Premierminister – und erwarb dann einen Master of Business Administration (MBA) an der Stanford University in den USA.
Nach seiner Rückkehr nach Grossbritannien wurde Sunak 2015 in Richmond – einem sicheren Tory-Sitz – in Nordenglands Grafschaft Yorkshire ins Parlament gewählt. Beim Brexit-Referendum 2016 sprach er sich für den Austritt aus der Europäischen Union aus – ein riskanter Karriereschritt, da er der Politik der konservativen Regierung zuwiderlief.
Brexit als Karriereschub
Als Grossbritannien dem Brexit unerwartet zustimmte, nahm Sunaks Karriere Fahrt auf. Er bekleidete mehrere untergeordnete Ministerposten, bevor er, kurz vor Ausbruch der Pandemie, zu Johnsons Schatzkanzler ernannt wurde.
Als Politiker, der instinktiv auf niedrige Steuern und einen kleinen Staat setzt, gab er dennoch Milliarden an Regierungsgelder aus, um Menschen und Unternehmen während der Pandemie über Wasser zu halten. Das machte ihn zum beliebtesten Mitglied der Regierung – ein Status, den er mit raffinierten Botschaften in den sozialen Medien aufpolierte.
Zu reich, um die Probleme einfacher Menschen zu verstehen?
Doch Sunak hatte im Laufe der Jahre auch seine Schwächen. Zuerst wurde seine Restaurant-Kampagne während der Corona-Pandemie kritisiert, dann wurde sein Reichtum angeprangert: Sunaks Familie sei aufgrund ihres enormen Reichtums und ihrer Vergangenheit im Silicon Valley nicht in der Lage, die Probleme der einfachen Menschen zu verstehen, sagen Kritiker.
«Corona-Party» beim Ex-Premier
Was Sunaks Bild weiter trübt: Zusammen mit Johnson und Dutzenden anderen wurde er von der Polizei zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er im Jahr 2020 an einer Party im Büro des Premierministers teilgenommen hatte, die gegen die Vorschriften zum Schutz vor dem Coronavirus verstiess. Sunak sagte, er habe versehentlich und nur kurz daran teilgenommen.
Heftig kritisiert wurde Sunak auch, als er Johnsons Regierung verliess, weil diese in einem Ethik-Skandal versank. Sein Rücktritt und jener von Gesundheitsminister Sajid Javid Anfang Juli lösten eine Kaskade von 50 weiteren Rücktritten aus, wodurch Johnson gezwungen war, sein Amt niederzulegen.
In seiner ersten Wahlkampagne stellte er sich als Kandidat für erwachsene Entscheidungen und finanzpolitische Redlichkeit dar, kritisierte die Pläne von Truss, die Steuern zu senken und die Kreditaufnahme zu erhöhen und versprach, die Inflation unter Kontrolle zu bringen.
Ich würde lieber verlieren, weil ich für die Dinge gekämpft habe, von denen ich leidenschaftlich überzeugt bin, dass sie für unser Land richtig sind, und weil ich meinen Werten treu geblieben bin, als mit einem falschen Versprechen zu gewinnen.
Er wolle das Land mit «Integrität und Professionalität» durch die Krise führen, schrieb Sunak noch bevor er wusste, dass er Premier wird. Ob ihm das gelingen wird, wird sich bald zeigen.