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Urs Lehmann, der Zufalls-Weltmeister oder doch nicht?!
An seinen Saisonresultaten gemessen, war Urs Lehmann ein Aussenseiter. Dennoch gelang ihm 1993 der Ausnahmensieg – er wurde Abfahrtsweltmeister in Morioka. Seit über zehn Jahren ist Urs Lehmann Präsident des Schweizerischen Skiverbandes Swiss-Ski.
Bis zu seinem 16. Lebensjahr fuhr Urs Lehmann vornehmlich die technischen Disziplinen, doch dann lockte ihn das Tempo und Risiko auf den Abfahrtstrecken. Endgültig in die Öffentlichkeit trat er an der Junioren-Weltmeisterschaft 1987 in Hemsedal, als er sich die Goldmedaille in der Abfahrt holte; dort schlug er unter anderem den späteren Olympiasieger Tommy Moe.
Nichtsdestotrotz gestaltete sich der Einstieg in den Weltcup als schwierig. Nachdem er in der Saison 1987/88 sein Debüt gegeben hatte und 1988/89 ohne Punkte blieb, konnte er am 27. Januar 1990 in der Abfahrt von Val-d’Isère mit dem 15. Rang endlich seine ersten Punkte sammeln. Das war aber zu wenig, um den Schweizer Trainerstab zu befriedigen, und so wurde er im Sommer 1990 in den Europacup versetzt.
Vom Aussenseiter zum Weltmeister
Bis zur Saison 1991/92 konnte Urs Lehmann keine weiteren Weltcuppunkte sammeln; im Europacup konnte er zwei Abfahrten gewinnen und belegte in der Gesamtwertung den zweiten Rang. Am 12. Januar 1992 fuhr Lehmann im Super-G von Garmisch mit dem siebten Platz endlich das erste Mal in die Top Ten. In die Saison 1992/93 startete er zwar mit einem vierten und siebten Rang in den Abfahrten in Gröden sehr gut, jedoch zeichneten das Saisonresultat auch Rangnummern wie 41 und 51. So erfüllte er zwar die Selektionskriterien für die Weltmeisterschaft 1993 in Morioka ohne Probleme, war jedoch für das Abfahrtsrennen nicht gesetzt. Doch Urs Lehmann hatte in den vergangenen Jahren begonnen, nach seinen Stärken zu suchen. Und eine hatte er bestimmt: auf Flachstücken zu gleiten. Und er wusste, dass diese Fähigkeit ihm auf der Piste in Morioka – wegen ihrer flachen Eigenart – zugute kommen würde. Dies zeigte Urs Lehmann mit beeindruckenden Leistungen im Training, was die Trainer veranlasste, ihn ohne Qualifikationsdruck für das Rennen zu setzen. Eine Entscheidung, die sich auszahlen sollte. Denn am 11. Februar 1993 gelingt die Sensation: Urs Lehmann holt sich vor dem Norweger Atle Skårdal und dem Amerikaner AJ Kitt Gold in der Abfahrt und wird Weltmeister!
Lehmann war der erste Abfahrtsweltmeister, welcher – mit der Nummer 20 gestartet – nicht aus den besten 15 stammte. Glück oder Können? Gemessen an seinen Saisonresultaten war er klar ein Aussenseiter, und zum einen warfen ihm viele vor, die Piste sei mit ihren Gleitpassagen so stark auf ihn zugeschnitten gewesen, dass der Ausnahmesieg vorprogrammiert war. Zum anderen hatte sich Urs Lehmann über Jahre auf diese Piste vorbereitet: Mit seinem Ausrüster Salomon hatte er lange zusammengearbeitet, um den perfekten Ski zu modellieren, und schon Jahre zuvor befand er sich in Japan, um diese Skier zu testen. So war Urs Lehmann denn auch kein Zufallssieger dieser Weltmeisterschaft, sondern ein Favorit der seine Erwartungsrolle erfüllt hat.