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Dem Bankrat gehörten im Verlauf der letzten 150 Jahre 171 Persönlichkeiten an. Einige von ihnen waren auch landesweit bekannt. Manche übten die Funktion nur kurz aus, andere über Jahrzehnte. Die zwischen 1870 und Anfang 2020 als Bankrat tätigen Personen stammten aus dem ganzen Kanton: Ein Drittel der Bankräte und -rätinnen wohnte in der Stadt Zürich (59 Personen); Winterthur ist über die Jahre mit 20 Personen ebenfalls stattlich vertreten gewesen. Den Rest stellten die anderen Gemeinden des Kantons. So wie die geografische Herkunft vielfältig war, so gehörten die Bankrätinnen und -räte auch verschiedensten Berufsgruppen an. Ein statistischer Schwerpunkt liegt bei Unternehmern und Juristen. Ebenfalls recht häufig waren Lehrer, Beamte oder Wirtschaftsfachpersonen Teil des Bankrates. Nur vereinzelt waren Journalisten, Gastwirte, Pfarrer oder Ärzte in diesem Gremium vertreten.
Vielfalt im Bankrat
Die ausführlichen Protokolle des Bankrates zeigen manchmal leidenschaftlich geführte Diskussionen zu richtungsweisenden Entscheiden auf. Schliesslich herrschte im nach Parteienproporz zusammengesetzten Gremium seit den Anfängen eine grosse Vielfalt.
Die Bankräte waren seit Beginn von ihrer geografischen und beruflichen Herkunft her so vielfältig wie der Kanton selbst.
Liberale und Konservative …
Der Bankrat spiegelt(e) auch die politische Realität des Kantons wider, da er bis heute gemäss der Parteienstärken im Kantonsrat zusammengesetzt ist und damit alle politischen Strömungen repräsentiert. Der Bankrat ist aber kein politisches Gremium. Er nimmt die oberste Leitung der Bank wahr und ist zuständig für die Oberaufsicht über die Geschäftsführung. Das Präsidium der Bank wiederum setzt sich aus drei Personen des Bankrates zusammen.
Eine bekannte Persönlichkeit im ausgehenden 19. Jahrhundert war Conrad Escher (vom Glas, wirtschaftlich nicht mit Alfred Escher verbunden), der von 1878 bis 1908 Bankrat der Zürcher Kantonalbank war. Er vertrat liberales Gedankengut. Dies zeigte sich deutlich, als die Frage der Zinshöhe für Hypothekarkredite kontrovers diskutiert wurde. Escher setzte sich vehement dafür ein, dass Geld zu Marktpreisen zu verleihen sei, da «die Bank an Prinzipien festhalten müsse, sie könne nicht wohlfeiler ausleihen als entlehnen». Ein weiterer Vertreter des Freisinns war Max Brunner (1935–1962 im Bankrat), der unter anderem als erster Sekretär des Hauseigentümerverbands Zürich amtete. Er wandte sich beispielsweise gegen eine alternative Gewinnverteilung der Bank, die von linker Seite angeregt worden war und meinte ganz grundsätzlich: «Ich würde es am liebsten sehen, wenn man die Kantonalbank von allem politischen Einfluss gänzlich befreien würde. Der Staat soll für sich sehen und die Bank für sich.»
Der Nationalrat der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (heute: SVP), Heinrich Brändli (1951–1967 im Bankrat), galt als typischer Bauernpolitiker; er leitete zahlreiche landwirtschaftliche Vereine und Organisationen. Als Wädenswiler interessierte er sich auch für die Lage der dortigen Bankfiliale. Als in den 1950er Jahren die Bank dort in einen Neubau investierte, äusserte Brändli sein Bedauern, dass er von den zuständigen Bankorganen nicht besser informiert worden sei. Er sah sich durchaus als Vertreter der Gemeinde Wädenswil im Bankrat – nicht zuletzt, weil er dort Gemeindepräsident war.
… und eher links Politisierende
Seit den 1920er Jahren gehörten dem Bankrat bekannte Anhänger der sozialdemokratischen Partei an, so beispielsweise Bernhard Kaufmann, der als Redaktor des «Volksrechts» amtete und auch Teil des Oltner Aktionskomitees war, das den Landesgeneralstreik 1918 organisierte. Im Bankrat (1920–1940) stand er dem Personal Red und Antwort, als es darum ging, einen Lohnabbau, den die Kollegen des Bankrates beschlossen hatten, zu begründen. Hingegen gab er im Kantonsrat vereinzelt seine Stimme gegen Anträge des Bankrates ab, wenn die sozialdemokratische Fraktion dies von ihm verlangte. So stimmte er 1924 im Kantonsrat gegen die bankrätliche Eingabe, die einen höheren Betrag in den Baureservefonds (für den Neu- und Umbau des Hauptbankgebäudes) sowie einen anderen Verteilungsschlüssel für die Gewinne der Bank vorsah.
Der Winterthurer Mathematik-Professor und Nationalrat Adolf Gasser war Präsident der Arbeiterunion und von 1926 bis 1943 im Bankrat. Er setzte sich insbesondere für den gemeinnützigen Wohnungsbau ein. Gasser warb zudem 1938 dafür, dass weibliche Angestellte der Zürcher Kantonalbank bessere Bedingungen erhalten sollten – unter anderem sollte es möglich werden, ihnen höhere Saläre zu geben. Sein Anliegen fand jedoch keine Mehrheit im Bankrat.
Konstruktive Diskussionen
Eine weitere, über die Kantonsgrenzen hinaus bekannte Persönlichkeit mit sozialen Anliegen war der Rüschlikoner Gottlieb Duttweiler, der 1925 die Migros und später die politische Partei «Landesring der Unabhängigen» gründete. Duttweiler amtete von 1943 bis 1949 als Bankrat; seine zahlreichen und weitgehenden Anregungen von 1944 wurden in einer eigenen Bankratskommission diskutiert. Er forderte unter anderem eine Politik des billigen Geldes, welche die Bank verfolgen solle – jedoch erfolglos.
Für Diskussionsstoff im Bankrat war also gesorgt. Ein konstruktiver Austausch scheint immer möglich gewesen zu sein – gemäss Protokollen herrschte jederzeit ein äusserst höflicher Ton, trotz unterschiedlicher politischer und weltanschaulicher Auffassungen. Jedenfalls gedachte ein abtretender Bankrat 1963 «der angenehmen Zusammenarbeit mit der Bank und der netten Kameradschaft im Schosse des Rates».
Das Anforderungsprofil für eine Bankrätin oder einen Bankrat hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma forderte diesbezüglich, dass der Bankrat ausreichend Fachkenntnisse und Erfahrungen im Bankbereich vorweisen muss, insbesondere in den beiden Gebieten Prüfung und Risiko. 2013 beschloss deshalb der Zürcher Kantonsrat einstimmig, dass die Finma inskünftig jede Kandidatur für den Bankrat prüft, bevor sie dem Kantonsrat zur Wahl vorgeschlagen wird.
Titelbild: Der Bankrat von 1923.