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Der Beginn der modernen Geschichtsschreibung in Südafrika wird auf den 6. April 1652 festgelegt, als der Niederländer Jan van Riebeeck im Auftrag der Niederländischen Ostindien-Kompanie am Kap der guten Hoffnung eine Versorgungsstation errichtete. 1814 wurde die Kolonie am Kap von den Briten definitiv annektierten und 1833 die Sklaverei verboten. Damals verliessen viele Buren die Kolonie. Die Sklaverei war eine der wirtschaftlichen Grundlagen der burischen Landwirtschaft. Die Buren waren unzufrieden mit der Einführung des britischen Rechtssystems und der englischen Amtssprache. Zwischen 1830 und 1850 wanderten die Buren aus der Kapkolonie nach Norden aus. Diese Emigrationswelle wird auch als der Grosse Treck bezeichnet. Nach Kämpfen mit den Zulu siedelten sie nördlich der Kapkolonie im alten Grenzgebiet zwischen die Sotho- und Tswanavölkern. Der Oranje-Freistaat, das Gebiet zwischen den Flüssen Oranje und Vaal, entstand im Jahre 1842. Die Briten erkannten am 17. Februar 1854 im Vertrag von Bloemfontein die staatliche Unabhängigkeit des Gebietes an.
Die ersten Marken erschienen am 1. Januar 1868. Entworfen wurden sie von H. Sybouts und im einfarbigen Buchdruck von Thomas De la Rue & Co. in London auf gewöhnliches, weisses Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Die erste Ausgabe enthielt die Werte Een (1) penny, braun (Zeitungstarif); Zes (6) Pence, rosa (Inlandbrief pro ½ Unze) und Een (1) Shilling, gelb (Einschreibebrief). Durch die langjährige Verwendung gibt es verschiedene Auflagen mit veränderten Farbtönen. 1878 erschienen die Ergänzungswerte zu 4d (ultramarin, neuer Tarif Inlandbriefe) und 5s (grün, Diamantensendungen), um die durch die Anpassung der Tarife notwendigen Aufdruckprovisorien von 1877 abzulösen. 1881 trat ein Mangel an 1d-Marken auf, da sich die Lieferung aus London infolge des Ersten Burenkriegs (1880–1881) verzögerte. 5s Marken wurden mit 1d provisorisch überdruckt. 1882 wurde eine weitere Reduktion des Inlandtarifs (½d für Zeitungen, 3d für Briefe) beschlossen, die wiederum mit Aufdrucken (½d auf 5s, 3d auf 4d) erledigt wurde. 1883 erschienen drei Ergänzungswerte zu ½d, rötlichbraun; 2d, violett und 3d, ultramarin. 1888 (2d auf 3d), 1890 (1d auf 4d) und 1891 (1d auf 3d) wurden Markenmangel mit Aufdruckprovisorien begegnet.
1892 wurde ein neuer Tarif für den einfachen Auslandbrief eingeführt, der sich nach den Vorgaben des Weltpostvereins richtete, obwohl der Oranje Freistaat erst 1997 Mitglied wurde. Da keine 2½d-Marken zur Verfügung standen, wurden 3d Marken überdruckt. Im September 1894 erschien nach 26 Jahren die 1d Marke in einer neuen Farbgebung (lila), ähnlich der bestehenden 2d. 1896 gingen die ½d Marken aus. Sie wurden durch Aufdruckprovisorien ½d und Halve Penny auf 3d hergestellt. 1887 erfolgte ein Überdruck-Nachdruck von 2½d auf 3d. 1897 erschienen Neuauflagen mit geänderten Farben (½d, geld,; 1s, rotbraun). Diese 1s Marke war die letzte Marke, die durch den Freistaat herausgegeben wurde.
Im Laufe des Zweiten Burenkrieg (1899-1902) wurde die Hauptstadt Bloemfontain am 13. März 1900 durch die Briten unter Lord Roberts besetzt. Die bisherigen Marken des Freistaates wurden durch die Briten mit den Aufdrucken V.R.I. (Victoria Regina Imperatrix) und den Werten in d oder s überdruckt, um die burischen Werte in Worten auch für Briten verständlich zu machen. Von den 6d (rosa) waren immer noch Marken vorhande, so dass diese und die neu bestellten Marken mit geänderter Farbgebung (blau) gleichzeitg überdruckt und den Verkehr gesetzt wurden. Die niederen Werte waren bald aufgebraucht, so dass Marken von Kap der guten Hoffnung mit dem Überdruck Orange River Colony eingesetzt wurden. 1902 wurde die 6d Marke infolge des Thronwechsels in Grossbritannien mit E.R.I. (Edward Rex Imperator) überdruckt.
Nach dem Frieden von Vereeniging vom 31. Mai 1902 wurde der besetzte Oranje-Freistaat, zusammen mit Transvaal, als Kronkolonien in das Britische Empire eingegliedert. Die Markenausgabe der Orange River Colony, die im März 1903erschien, in den neun Werten von ½d bis 5s entsprachen den bisher im Freistaat verwendeten Wertstufen.
Die Briten stimmten in dem Vertrag aber auch diskriminierenden Regelungen zu, die die Bürgerrechte der nicht-weissen Einwohner Transvaals und des Oranje-Freistaats einschränkten.
Lesen sie » hier mehr über die Postgeschichte und die Briefmarken des Oranje Freistaates (in englisch)
Am 31. Mai 1910 wurde aus den vier Kolonien Natal, Transvaal, Oranje-Freistaat und der Kapkolonie die Südafrikanische Union gegründet. Die Marken der vier ehemaligen Kolonien blieben bis am 1. September 1913 gültig und konnten jeweils auch in den anderen Provinzen verwendet werden. In kleineren Postämtern wurden sie sogar bis 1914 verwendet, da es mit der Verteilung der ersten allgemeinen Ausgabe der Südafrikanischen Union haperte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte die weisse Bevölkerungsminderheit unter der politischen Führung der National Party ihre Macht festigen und die Apartheidsstrukturen autoritär ausbauen. Auf Drängen der afrikanischen und asiatischen Mitgliedsstaaten musste Südafrika 1961 das British Commonwealth verlassen und wurde erst 1994, nach dem Ende der Apartheid, wieder aufgenommen. Mit dem Republic of South Africa Constitution Act wurde 1961 die bisherige Südafrikanische Union offiziell in Republik Südafrika umbenannt.