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Als Malala in Pakistan aufwuchs, wünschte sie sich einen magischen Stift, mit dem sie ihre Träume verwirklichen könnte. Doch als sie älter wurde, änderte sich die Welt um sie und damit änderten sich auch ihre Wünsche. Das Recht, in die Schule zu gehen, wurde ihr verwehrt, nur weil sie ein Mädchen war. – Martina Meienberg hat das aussergewöhnliche Bilderbuch in einem Medientipp für die Zeitschrift Akzente (4/2019, S. 34) vorgestellt.
In Gullivers Reisen* wird an einer Akademie eine Debatte darüber geführt, wie man die Sprache verbessern könnte. Ein Professor schlägt vor, «die Rede zu verkürzen, indem man alle vielsilbigen Wörter so zurechtstutzt, dass nur noch eine Silbe übrig bleibt». Ferner könne man alle Verben und Partizipien künftig weglassen, «weil alle vorstellbaren Dinge der Wirklichkeit ja ohnehin nur Substantiva seien». Der Satiriker Jonathan Swift hat sich also vor dreihundert Jahren schon Gedanken über «Einfache Sprache» gemacht.
Dinge statt Worte
Ein anderes Projekt ging noch einen Schritt weiter und bezweckte gleich sämtliche Wörter abzuschaffen: Da es sich bei Wörtern lediglich um «Namen für die Dinge» handle, könne man stattdessen ja einfach die Dinge mit sich tragen, die man benötigt, «um Sachen auszudrücken, über die man sich jeweils unterhalten wolle.»
Nun können wir vielleicht ohne Wörter, aber bestimmt nicht ohne Begriffe auskommen. Beispiele für Kommunikation jenseits der artikulierten oder geschriebenen Wortsprache stellt Andrea Weller-Essers in einem kleinen Band aus dem Duden Verlag vor.
*Jonathan Swift. Gullivers Reisen. Aus dem Englischen übersetzt von Christa Schuenke. Nachwort von Dieter Mehl. Zürich: Manesse, 2017.
«Wir alle sind Fiktion, aber das glauben wir nicht, weil wir uns mitten in ihr befinden wie in einem Fortsetzungsroman», meint Doris Dörrie in ihrer wunderbaren Einladung zum Schreiben. Ja, denn das Leben schreibt keine Geschichten, die machen wir in unseren Köpfen. Deshalb ist Schreiben (und Lesen) gelegentlich sogar mehr als Leben.
Daniel Ammann stellt Leben, schreiben, atmen (Diogenes, 2019) in der Akzente-Ausgabe 1/2020 (S. 34) in einem Medientipp vor.
Die eigene Geschichte, auch die eigene Familie, ist Annie Ernaux’ literarisches Thema. Anhand der Auseinandersetzung mit dem Vater nach dessen Tod und in der Beschreibung ihrer eigenen Herkunft aus einem kleinen Ort in der Normandie erzählt Ernaux nüchtern, aber schonungslos von ihrer «Klassenflucht» aus einer Arbeiterfamilie hin zu einer bürgerlichen Existenz.
In ihrem Roman Der Platz (Suhrkamp 2019) versucht die Autorin nach diesem «Verrat», wie sie es selbst bezeichnet, über das Schreiben, über die Sprache sich wieder ihrem Vater anzunähern, zu erklären, wie sie zur sozialen Überläuferin ins Bürgertum geworden ist.
Erik Altorfer, Mitarbeiter des Schreibzentrums und Hörspielregisseur, hat Annie Ernaux’ autobiografischen Roman in einem Medientipp für Akzente (4/2019, S. 35) vorgestellt und nun für den Hessischen Rundfunk als Hörspiel bearbeitet und inszeniert.
«Keine Stimme kann dafür geeigneter sein als die der Schauspielerin Stephanie Eidt, die im Hörspiel von Erik Altorfer (…) die alleinige Sprecherin ist. Empfindlich tastet und denkt sich diese Stimme durch den Text, das Ringen um die adäquate, nämlich haargenaue, unverblümte Wendung lässt sie sich ebenso anmerken wie die eigene Verwicklung. Einen sachlichen Blick auf den eigenen Vater zu werfen, was kann es Persönlicheres geben.» (Judith v. Sternburg in der Frankfurter Rundschau)
Das Hörbuch erscheint Ende Juli 2020 im Audio Verlag.
An den 42. Solothurner Literaturtagen wird erstmals der Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis verliehen. Das Schreibzentrum war – indirekt – mit Daniel Ammann ebenfalls in der Jury vertreten. Über 80 Titel aus 55 Verlagen wurden für den Preis eingereicht.
Am Samstag, 23. Mai 2020 ist es endlich so weit: die Preisverleihung beginnt um 15:00 Uhr auf www.literatur-online.ch mit Susanne Kunz und Jurypräsidentin Christine Lötscher.Gepostet von Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis am Freitag, 15. Mai 2020
Auf der Shortlist stehen drei Bilderbücher, ein Jugendbuch und eine Graphic Novel. Die fünf Werke haben die Jury durch ihre Ausdrucksstärke in Text und Bild überzeugt. Im Rahmen der Solothurner Literaturtage werden die Nominierten am 23. Mai 2020 um 15:00 Uhr vorgestellt und das Siegerbuch bekannt gegeben. Der mit 10’000 Franken dotierte Hauptpreis wird online verliehen.
Der von Christian Wymann zusammengestellte Sammelband zur Schreibdidaktik beinhaltet 50 konkrete Unterrichtsvorschläge für Dozierende zum wissenschaftlichen Schreiben. Thematisiert werden u. a. der Schreibprozess, Fragestellungen, Lesen, Gliedern, Argumentieren oder Feedback.
Die Beiträge sind rund fünf Seiten kurz. Viele Ideen, wie etwa «11 Punkte zur Stilüberprüfung», sind eins zu eins umsetzbar. Leider adressiert der Band einige zentrale Herausforderungen des wissenschaftlichen Schreibens kaum. So fehlen etwa Anregungen zum materialgestützten Schreiben. Das wissenschaftliche Formulieren sowie das Recherchieren sind untervertreten. Bei manchen Übungen ist der Lerngewinn für Studierende im Verhältnis zur eingesetzten Zeit fraglich. Obwohl das Buch einige Klippen des wissenschaftlichen Schreibens umschifft, ist es in der Praxis gut einsetzbar. Die vielfältigen Workshopideen helfen Dozierenden, die wissenschaftliche Schreibkompetenz der Studierenden anwendungsbezogen zu fördern.
Alex Rickert, Akzente 1 (2020), S. 35.
Wymann, Christian, Hrsg. Praxishandbuch Schreibdidaktik: Übungen zur Vermittlung wissenschaftlicher Schreibkompetenzen. Opladen: Budrich, 2019. 316 Seiten.
Wer weiss, wie lange es noch Bibliotheken gibt. Vielleicht verschwinden sie schon bald mit den Büchern im virtuellen Raum. Oder es gibt sie überhaupt nur noch als Reminiszenz in Büchern und Filmen. – In seinem Medientipp in «Akzente» 1/2020 hat sich Daniel Ammann ein paar kuriose Bibliotheken vorgenommen und die Bücher gelesen, in denen sie ihr verwunschenes Dasein fristen.
Wie schreibt man die Lebensgeschichte der Eltern, wenn man wenig über sie weiss? – In seinem Online-Medientipp in Akzente 1/2020 zeichnet Erik Altorfer nach, wie die Autorin Natascha Wodin in ihren autobiografischen Romanen Sie kam aus Mariupol (2017) und Irgendwo in diesem Dunkel (2018) der Vergangenheit ihrer Eltern, sowjetischen Zwangsarbeitern im Deutschen Reich, nachspürt.
«Wie lispelt man auf Deutsch?», fragt sich Daniel Ammann in seinem Essay über die kleinen und grösseren Tücken des Übersetzens. Was hat der Fuchs im «Kleinen Prinzen» geschluckt, dass er plötzlich wie ein Akademiker spricht? Und warum wird die Handlung von «Brave New World» von London nach Berlin und später wieder zurück nach London verlegt? Übersetzerinnen und Übersetzer müssen ständig Entscheide fällen – und manchmal liegen sie halt falsch.
Fast zehn Jahre hat sich Ursula Poznanski Zeit gelassen. Aber nun liegt sie vor, die Fortsetzung ihres fulminanten Jugendbuch-Thrillers Erebos.
Auch in der Geschichte sind inzwischen zehn Jahre vergangen. Ihr Protagonist Nick Dunmore, der damals als Schüler in den Bann des Computerspiels «Erebos» geriet, studiert inzwischen Fotografie. Als das heimtückische Game sich unvermittelt zurückmeldet und Nicks Smartphone und Computer hackt, ist alles wieder wie früher – nur dass Nick sich diesmal von Beginn weg sträubt, die gnadenlosen Bedingungen einfach hinzunehmen. Aber «Erebos» ist noch raffinierter geworden und überwacht die Spielerinnen und Spieler auf Schritt und Tritt. – Daniel Ammann hat den 500 Seiten starken Roman für Buch & Maus besprochen.