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Alternative Gesellschaftsentwürfe
Yoga als universale Wissenschaft der Wirklichkeit befasst sich nicht nur mit den körperlichen, psychischen und spirituellen Ebenen des einzelnen Menschen, sondern auch mit der Organisation von Gemeinschaften auf sozialer Ebene. Insbesondere das Gesellschaftssystem des Varnashrama wird in zahlreichen Texten der indischen Weisheitslehre beschrieben. Wie können wir Gesellschaftsentwürfe aus der Sicht des Yogas verstehen? Voraussetzung ist schon Mal die Einsicht, dass die Gesellschaftsform in der wir heute mehrheitlich leben lediglich eine Option ist, neben vielen anderen. Dies ist nicht einfach zu bewerkstelligen, ist doch die Überzeugung, dass unsere moderne Industriegesellschaft den Gipfel der Evolution darstellt, und alle anderen Gesellschaftsentwürfe bestenfalls zurückgebliebene Formen sind, allgegenwärtig.
Vieles spricht natürlich für diese Auslegung: Noch nie hat es in der Geschichte der Menschheit eine so mächtige und scheinbar erfolgreiche Gesellschaftsform gegeben, sei es im Bereich der Wissenschaft, der Medizin, der Technik oder der Kriegsführung. Ganz besonders schwer fallen dürfte eine solche Relativierung den Bewohnerinnen und Bewohnern eines kapitalistischen Vorzeigelandes wie die Schweiz. Aber auch hier gibt es Menschen, die unsere Gesellschaftsform radikal ablehnen. Eine grosse Minderheit würde vielleicht nicht so weit gehen, sich aber trotzdem eine andere Schweiz wünschen, eine sozialere, ökologischere und gerechtere Schweiz.
Nachfolgend werden einige Gesellschaftsentwürfe vorgestellt: Zwei spirituell ausgerichtete Gesellschaftsformen (Indien zurzeit der Gupta Dynastie und das heutige Bhutan), zwei Naturvölker (die Ureinwohner der Andamanen und die Semai aus Malaya), ein als Protest gegen schreiende soziale Ungerechtigkeiten entstandenes Modell (der Anarchosyndikalismus während dem spanischen Bürgerkrieg) und eine alternative Lebensform innerhalb des Wohlstandslandes Dänemark (Christiania in Kopenhagen).