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Etwa 220'000 Gletscher zählt die Erde, aber nur einige 100 von ihnen werden regelmässig vor Ort vermessen. Darum hat es bisher nur mehr oder wenig genaue Schätzungen über das globale Ausmass des Gletscherschwunds gegeben.
Nun liegt eine neue Studie vor, an der die ETH Zürich mitwirkte. Auch diese Studie liefert keine genaue Messung, aber einen deutlich verbesserten Schätzwert. Die Forschenden haben dafür unzählige Satellitenbilder herangezogen, die in den letzten 20 Jahren aufgenommen worden sind, und sie haben Daten für jeden einzelnen Gletscher ausgewertet.
Gletscher verschwinden immer schneller
Das Ergebnis beunruhigt: Weltweit schmelzen die Gletscher heute im Schnitt um fast einen Drittel schneller als noch vor 20 Jahren. Regional gibt es grosse Unterschiede: In Neuseeland zum Beispiel hat sich der Gletscherschwund im selben Zeitraum versiebenfacht. Immer rapider schmelzen die Gletscher auch in Alaska und Kanada.
In Skandinavien hingegen verlangsamte sich die Gletscherschmelze leicht. Und zwar, weil dort die Temperaturen vergleichsweise tief waren und es viel Niederschlag gab, der die Gletscher mit viel Schnee versorgte.
Schmelzendes Eis erhöht Meeresspiegel
Dies sei auf natürliche Schwankungen des Klimas zurückzuführen, die es trotz der Erderwärmung gebe, schreiben die Forschenden. Insgesamt aber sei der Trend eindeutig: Wegen der stetig steigenden Temperaturen würden die Gletscher immer schneller schmelzen – so, wie es auch in den Alpen zu beobachten ist.
Eine Folge davon: Der Meeresspiegel steigt immer rascher an, wenn auch die Gletscher nur einen Teil dazu beitragen. Den Rest steuern die schmelzenden Eispanzer auf Grönland und der Antarktis bei, die separat gerechnet werden. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich das Meerwasser ausdehnt, weil es immer wärmer wird.
Die Folgen sind gravierend: Etwa 200 Millionen Menschen leben in Küstengebieten, die bis Ende des Jahrhunderts wohl regelmässig überflutet werden. Sogar eine Milliarde Menschen könnten dann unter Wassermangel oder Nahrungsunsicherheit leiden, weil die Gletscher verschwunden sind, die heute noch Flüsse, Grundwasser, Brunnen und Äcker im Sommer mit Wasser versorgen. In Teilen Südamerikas und Indiens ist dies bereits heute ein Problem.