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Es wird wohl kaum einen Menschen geben, der so sehr
aller Wissbegierde bar ist, dass wenn ihm Schriften der Vorwelt zu Haenden kommen,
die sich vorzueglich auf seine Herkunft beziehen, er dieselben nicht mit voller
Aufmerksamkeit lesen und darueber mit tiefer Befriedigung nachdenken wuerde. So
angenehm also solche Schriften fuer uns sind, so werden sie es auch fuer unsere
Nachkommen sein, wenn sie von uns, ihren Voreltern, etwas Schriftliches vorfinden.
Um unseren Nachkommen hierin ein Genuege zu leisten, so ist hier eine kurze geschichtliche
uebersicht der Gruendung und des Bestehens unsere Kolonie aufgesetzt.
Im Jahre 1831 wurde der erste Schritt zur Ansiedlung der Kolonie Konteniusfeld gemacht; am 24. Maerz wurde die Steppe zugemessen und der passendste Platz zur Anlegung der Kolonie aufgesucht, darauf die Feuerstellen geordnet und abgezeichnet, durchs Los verteilt und zur Fruehlingsaussaat geschritten. Im Sommer wurde dann auch der Haeuserbau in Angriff genommen. Die Kolonie grenzt im Norden an die Steppe der Kronsbauern des russischen Dorfes Tschernigowka, wo der kleine Steppenfluss Behemtschukrak die eigentliche Grenze bildet. Im Westen grenzt sie an die beiden Kolonien Waldheim und Gandenfeld, im Sueden an den Tschumakenweg, der von Bachmut in die Krim fuehrt. Der flache Steppenfluss Kuruschan zieht sich ziemlich mitten durch den Plan, an dessen suedlicher Seite die Kolonie erbaut ist. Auf jeder Seite der Gasse wohnen 15 Wirte (1855: 30 Wirtschaften, 47 Anwohnerfamilien, insgesamt 229 Maenner, 219 Frauen; 1857: 30 Wirtschaften, 133 Maenner, auf 1950 Desj. und 11 landlose Familien, 47 Maenner.), jede Feuerstelle ist 36 Faden breit. Dieser fast immer trockene Fluss Kuruschan richtet bei vorkommenden Platzregen haeufig Schaden in den Gemuesegaerten an. In der Naehe des Behamtschukrak befindet sich eine Grube von weisser Erde, welche von den umwohnenden Russen und Deutschen zum Stukkaturen der Haeuser benuetzt wird. Diese Erde ist auch ein vorzuegliches Material zur Bereitung der Luftziegel, aus welchen alle Wohngebaeude in Konteniusfeld aufgefuehrt sind.
Die ganze Steppe ist flach und mit fruchtbarer etwas salpeterhaltiger Schwarzerde, auf weiss und rotlehmiger Unterlage, bedeckt. Das Grundwasser liegt ziemlich tief, weshalb das Land schnell austrocknet. Im Jahre 1846 hat die Dorfsgemeinde mit der Gehoelzplantage den Anfang gemacht. Am 1. Januar 1848 waren in der Plantage auf Standorten befindlich 2121 Wald- und 1575 Maulbeerbaeume.
Der Gebietsaelteste Johann Klassen gab der Kolonie zum Andenken an den um die Kolonien so sehr verdienten, verstorbenen Oberrichter des Kontors fuer auslaendische Ansiedler in Jekaterinoslaw Wirklichen Staatsrats von Kontenius den Namen Konteniusfeld.
Als Abkoemmlinge von frueheren Einwanderern der Molotschnaer Mennonitenkolonien bekamen die Ansiedler keinen Kronsvorschuss, sondern mussten sich mit dem in anderen Kolonien seit ihrer Verheiratung durch Tagloehner- und andere Arbeit erworbenen Vermoegen ansiedeln. Die im Jahre 1835 aus Luftziegeln erbaute, 8 Faden lange und 4 Faden breite Schule wird im Winter von 85 Kindern besucht. Im Jahre 1843 wurden anstatt der frueheren Graeben zum Schutz der Hoefe und Gaerten Zaeune errichtet. In diesem Jahr soll ein Getreidevorratsmagazin aus gebrannten Ziegeln mit hollaendischer Pfannenbedachung gebaut werden.
Die Erderschuetterung am 11. Februar 1838 hat das Wasser in den Brunnen bis zu der salpeterhaltigen Erdschicht gehoben, wodurch es fuer Menschen ungeniessbar geworden und fuers Vieh in warmen Sommertagen namentlich fuer die Pferde, ungesund ist.
Im Jahre 1844 raffte eine Viehseuche fast alles Vieh hinweg, doch sind schon wieder 292 Stueck Rindvieh vorhanden.
In den Obstgaerten befinden sich:
Obstbaeume auf Standorten 6657 Stueck
Wilde Birnbaeume . . . 442 Stueck
Maulbeerbaeume in Hecken 22 923 Stueck
In Baumschulen:
Veredelt Obstbaeume 390 Stueck
Unveredelte 5566 Stueck
Gehoelzbaeume 2720 Stueck
Maulbeerbaeume . 14 422 Stueck
In Summa: 53 120 Stueck
Die Kolonie ist folgende Besuche von Kaiserlichen Regierungsbeamten gewuerdigt worden:
1831 vom Herrn Oberrichter Fadejew aus Jekaterinoslaw.
1837 vom Herrn General von Insow.
1842, 1843 und 1845 von Herrn Wirklichen Staatsrat von Hahn aus Odessa.
Durch die Gruendung der Stadt Berdjansk und den Aufschwung des Getreidehandels kam auch in dieser Kolonie die Landwirtschaft bedeutend
empor.
Schulz Andreas Voth
Beisitzer Johann Thiessen, Abraham Duck
Schullehrer Isaak Penner
Konteniusfeld, den 24. April 1848.
Quelle: Odessaer Zeitung. 42. Jahrgang, 1904, Nr. 225