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Kopie der Zeitung "Mennonitische Rundschau" Nr. 40 vom 1. Oktober 1884, Seite 1. (gotisch) von Elena Klassen.
Asien.
Einem Privatschreiben von H.J. aus der Ansiedlung bei Aulieata entnehmen wir Einiges, sicher auch unsern Lesern Interessantes. In Betreff der Bewässerung heißt es un dem Briefe:
Aulieata, Nikolaipol, 20. Juli 1884. Durch den Abfall des Landes nach zwei Seiten ist es möglich , das Wasser aufs Land zu bringen, und der Orek (Canal) erhält Ufer von 30 Fuß und noch höher, dem Augenschein nach wird das Wasser hinaufgeleitet. An der Flußseite wird ein Damm von den manchmal auch steinigtem Grunde gemacht, während die Bergseite ausgehöhlt wird. Das Wasser ist nicht immer gleich hoch im Flusse, denn es richtet sich nach der Hitze, wie der Schnee auf dem Gebirge schmiltzt. Es kommt vor, daß die Unterseite wegen Ueberfüllung fortreißt, so ist es dieses Jahr, nachdem wir bei acht Tage von der Wohnstelle ein Mann täglich mit 3 bis 4 Fuhrwerken geschafft und den Damm verbessert und vergrößert, doch noch fünfmal bis jetzt vorgekommen, daß der Orek durchgerissen ist und jedesmal alle Mannschaft mit 3 bis 4 Fuhrwerken zu thun hatten. Die Oreke auf dem Lande, die das Wasser vertheilen, werden Ausläufer genannt, und müssen von Unreinigkeit und Gras gereinigt werden. Bei den Kirgisen geschieht dies nach den Rechten des Landes durch Antreibung der Mannschaft mit Stöcken zu Pferd. Bei uns, wo Glaube und Liebe regiert (?? – Edr. (Editor – E.K.)), ist es unglaublich schwer, mit der Sache fertig zu werden, was ich als Vorsteher im dritten Jahr reichlich erfahren. Denn was soll man sagen zu Jemand, der allein auf einer Wirthschaft ist, dazu kleine Kinder und eine schwächliche Frau und kein Geld hat, einen Kirgisen anzunehmen. Die richtige Antwort wäre: „Vorwärts, du brauchst gerade so gut Wasser wie ein anderer“, doch bis jetzt haben wirs noch so gehen lassen, wer kommen kann, der kommt, wer nicht, blieb aus und ich führe Rechnung davon. Wie leicht zu errathen, ist manchmal das Dorf ziemlich klein, wenn geschrieben wird, es solle ein Mann von der Stelle. So ists auch schwer, das Wasser zu theilen, denn der Hinderste (der letzte – E.K.) wird oft warm (verärgert? – E.K.), bis er das Wasser bekommt, und der Vorderste wird oftmals unrecht beschuldigt. Schwer ist es, das Land zu bewässern, denn es kostet viel Zeit und man verkältet sich oft. Für einen Mann zu bewässern kann nicht viel mehr wie 6 Desetin gesäet werden, womit er dann eine Woche zu thun hat und eine Woche muß er seine Füße ausheilen. Zudem hat er Kartoffeln zu wässern und zu hacken, Heugras wässern und mähen, gemeinschaftliche Arbeiten und dergleichen Dinge ohne Ende. Doch ist es ganz anders, wenn man Geld hat, Kirgisen anzunehmen; sie bewässern die Desetin zu 1 Rubel 50 Kop. fünfmal, nur daß sie gern betrügen und nicht lang genug das Wasser rüberlassen, muß man auch noch oft auf den Beinen sein, um nachzusehen, denn sie sind es gewohnt, von den reichen Kirgisen geschlagen zu werden, wenn sie ihre Sache schlecht machen. Nun sind sie aber inne geworden, daß wir sie nicht schlagen und sie machen die Sache schlecht. Aber woher das Geld, die Kirgisen zu bezahlen? Noch ist gar nicht so viel gesäet, daß man es übrig hat, denn auf mehr als ca. 4 bis 8 Desetin auf den Wirth ist nicht zu rechnen. Sollte man endlich etwas übrig haben, so ist das Getreide so billig, daß nichts zu machen ist; jetzt preist der Weizen 3 Rubel 50 Kop., Roggen 2 Rubel 50 Kop., Gerste 1 Rubel 60 Kop. per Bottman.
Der Unterzeichnete erhielt und beförderte die folgenden Gaben, die zur Unterstützung solcher Mennoniten einliefen, die von Asien nach Amerika auswandern wollen.
Durch G.Gäde, Hillsboro, K.,
der M. Brdrgem., bei
Gnadenau $ 34.45
-/-/- *** 1.00
Total $ 34.45 (ein Fehler? – 35.45 – E.K.)
J.F.Harms, Canada, Marion Co., Kansas