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Schweizer Astrologin Elizabeth Teissier wird 70
Sie modelte für Chanel, spielte in Filmen, hat Präsident Mitterand beraten und ist die einzige "Sterndeuterin" mit Doktortitel: Die Astrologin Elizabeth Teissier, die am Sonntag ihren 70. Geburtstag feiert.
Sie wohnt in Paris und Genf, feiert aber in Berlin. An ihren Geburtstagen reise sie immer an einen Ort, wo die Sterne gerade mit ihrem Geburts-Sternbild harmonierten, so die Schweizerin.
Fürs neue Jahr hat sie sich unter anderem vorgenommen, mehr zu lesen. Denn - anders als man ihr immer vorwirft - betont sie: "Ich weiss, dass ich nichts weiss".
Ihre ausführliche Jahresprognose, die sie jeweils im Spätherbst publiziert, will sie einstellen. Sie habe es satt, immer ihre Sommerferien dafür zu opfern.
Es dürfte noch einen anderen Grund haben: Obwohl sie selber ihre Trefferquote mit 82 Prozent angibt, wird sie von Gegnern immer wieder für Fehlprognosen mit Häme überschüttet.
Vorgehalten wird ihr beispielsweise, dass sie 1988 ein Aids-Heilmittel versprach und damit in Kranken falsche Hoffnungen weckte.
Die "Affäre Teissier"
Auch mit ihrer Ansicht, die Anfälligkeit für Krebs und Aids lasse sich aus den Sternen lesen, hat sie viele verärgert. Ausser in Interviews hat Teissier diese These 2001 in ihrer Doktorarbeit im Fach Soziologie aufgestellt.
Dass das 900-seitige Werk von der Sorbonne mit der zweitbesten Note "très honorable" ausgezeichnet wurde, empörte die Intelligenzia. 370 Akademiker, darunter vier Nobelpreisträger, protestierten.
Da die Astrologin jahrelang Präsident Mitterand astrologisch beraten hatte, wurde auch gemunkelt, es sei politisch Druck auf die Sorbonne ausgeübt worden.
Wissenschaftlichen Kriterien halte ihre Arbeit nicht stand, wies ihr der Physiker Henri Broch nach. Er warf ihr insbesondere Schreibfehler wie "Schyzophrenie" vor. "Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter", konterte sie lapidar.
Waschechte Schweizerin
Die Astrologie wurde ihr in die Wiege gelegt: Germaine Elizabeth Hanselmann wurde 1938 am Tag der Heiligen drei Könige geboren, die ja bekanntlich auch Sterndeuter waren. Anders als immer wieder behauptet, sei sie als Tochter eines Schweizers eine waschechte Eidgenossin, betont Teissier.
Geboren wurde sie in Algier, zur Schule ging sie unter anderem in Bern, studiert hat sie an der Sorbonne Medizin und Sprachen. Nachdem sie kurze Zeit unterrichtet hatte, wurde sie als Mannequin entdeckt.
1966 bis 1975 spielte Teissier unter anderem neben Jean-Paul Belmondo in Spielfilmen von Regisseuren wie Sydney Pollack. Einer ihrer Filme soll ein Soft-Porno gewesen sein, wie ihr Gegner immer wieder gern vorwarfen. Modeln und Filmen sei halt für sie "eine Art Spiel gewesen", sagt sie heute rückblickend.
Statistische Methode
Nach eigenen Aussagen brachte sie Federico Fellini auf die Astrologie, und sie liess sich vom renommierten Henri J. Gouchon unterrichten. Als methodisches Vorbild nennt sie Michel Gauquelin (1928-1991), der den umstrittenen "Mars-Effekt" entdeckte: eine Konstellation, die angeblich bei allen Spitzensportlern identisch ist.
1975 wurde Elizabeth Teissier die weltweit erste TV-Astrologin. Bis 1980 betreute sie Horoskop-Shows auf dem französischen Sender Antenne 2, danach machte sie die ARD-"Astro-Show" auch hierzulande berühmt.
swissinfo und Irene Widmer, sda
Elizabeth Teissier
Sie wurde am 6. Januar 1938 als Germaine Elizabeth Hanselmann in Algier geboren.
Nach ihrem Schulabschluss begann Teissier ein Medizinstudium an der Pariser Sorbonne, wechselte jedoch bereits nach einem Jahr in die philosophische Fakultät und studierte Literatur und französische Philologie.
In den 1960er-Jahren arbeitete sie als Mannequin, unter anderem für Coco Chanel und begann gleichzeitig eine Filmkarriere.
Von 1966 bis 1975 wirkte sie in fünfzehn Filmen mit, vornehmlich in französischer Sprache. Filmpartner waren Marcello Mastroianni, Burt Lancaster und Jean-Paul Belmondo.
In den 1970er-Jahren begann sie, sich intensiv mit Astrologie zu beschäftigen und gelangte durch zahlreiche TV-Sendungen, Bücher und als Beraterin Prominenter zu weltweiter Popularität.
Nach eigenen Aussagen beriet sie unter anderem François Mitterrand und den spanischen König Juan Carlos.
In den 1980er-Jahren war sie im deutschen Fernsehen sehr präsent und moderierte von 1980 bis 1983 zusammen mit Horst Buchholz in der ARD die "Astro-Show".
2001 erhielt Elizabeth Teissier trotz Protestes einiger Gelehrter ihren Doktortitel in Soziologie an der Pariser Sorbonne.
Teissier lebt heute in Paris.
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