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Als Frank Herzog an der Hochschule in Coburg zum ersten Mal Kerstin Hofmann sah, konnte er noch nicht wissen, dass diese Frau sein Leben auf den Kopf stellen würde. Herzog liess sich zum Ingenieur ausbilden, sein Traumberuf seit je. In jungen Jahren schraubte er an seinem Töffli, bis es statt 25 km/h illegale 100 km/h schnell war. Als ihn die Polizei erwischte, musste er drei Wochen lang Krankenwagen waschen. Doch das tat seiner Passion keinen Abbruch. Ohne das Wissen der Eltern meldete er sich beim deutschen Industriekonzern Siemens, wo er eine dreijährige Lehre absolvierte. Später holte er das Abitur nach und schrieb sich in Coburg an der Hochschule für angewandte Technik ein.
Christoph G. Schmutz
Die Dreiecksbeziehung
Bereits früh begeisterte sich der Tüftler für den Werkstoff Metall. Die Situation, als er sich dann auch noch für die Kommilitonin Hofmann zu interessieren begann, beschreibt sein heutiger Arbeitgeber, der US-Industriekonzern General Electric (GE), in einem Blog-Eintrag als Dreiecksbeziehung.
Neben dem Studium arbeitete Herzog auf dem Bau und kellnerte in Restaurants. Als Herzog und Hofmann ein Paar geworden waren, bot sie ihm an, statt Bier zu zapfen, lieber in der Firma ihrer Eltern einen Job anzunehmen. Herzog heuerte schliesslich bei ihrem Onkel an. Dieser betrieb eine Firma für Prototypen und besass eine für damalige Verhältnisse äusserst innovative Maschine. Sie arbeitete nach dem Schichtbauverfahren und belichtete Schicht für Schicht mit einem ultravioletten Strahl flüssigem Kunstharz.
Herzog war von der Maschine fasziniert und fragte sich, ob ein ähnliches Verfahren nicht auch für Metall möglich wäre. 1997 begann Herzog mit der Entwicklung des ersten 3-D-Druckers für Metall im Rahmen einer bezahlten Ferienarbeit. Daraus wurde eine Seminararbeit und 1999 die Diplomarbeit. Noch als Student reichte er das erste Patent ein.
Doch es gab ein Problem: Wohl gelang es Herzog, Bauteile herzustellen. Doch sie waren porös und damit unbrauchbar. Der Zufall wollte es, dass auch Kerstin für ihre Diplomarbeit einen Laser gekauft hatte. Mit einem Festkörper-Laser der neusten Generation wollte sie Metall abtragen. Als Herzog sich beklagte, dass er mit seinem CO2-Laser in einer Sackgasse sei, bot sie ihm an, ihren Laser auszuprobieren. Er tat das, und es klappte.
Die auch additive Fertigung genannte Technologie hat es in sich: Ein Laser schmilzt dabei die Struktur des gewünschten Bauteils Schicht für Schicht in Metallpulver hinein und erlaubt so völlig neue Bauweisen, dank denen man leichtere und komplexere Werkstücke als früher herstellen kann.
Onkel und Vater Hofmann stellten dem jungen Paar 2 Mio. € zur Verfügung, damit sie den Prototyp weiterentwickeln und kommerzialisieren konnten. Die beiden mussten allerdings schnell auf eigenen Beinen stehen, weil die Investoren ihr Geld wieder für das eigene Geschäft benötigten. Der 45-jährige Herzog und Kerstin Hofmann, sie sind heute verheiratet und haben drei Kinder, gründeten 2000 die Firma Concept Laser. Im ersten Geschäftsjahr verkauften sie vier Maschinen zu je etwa 0,5 Mio. €. Das reichte zum Überleben. Zu den ersten Käufern gehörte neben Onkel und Vater auch der deutsche Autokonzern Daimler.
Heiligabend beim Drucker
Das Unternehmen ist im bayrischen Lichtenfels zwischen Coburg und Bamberg zu Hause und beschäftigt über 200 Mitarbeiter. Pioniere unter den Kunden, die vor allem aus den Bereichen Luftfahrt, Medizinal- und Dentaltechnologie sowie Automobil und Schmuck kommen, ermöglichten den rasanten Aufstieg. Die Firma wuchs jährlich um 35 bis 40%, der Erlös stieg von 18 Mio. € auf über 100 Mio. €. Schnell stellte sich die Frage, ob die Gründer das Wachstum alleine bewältigen können. Als Zweifel daran aufkamen, begann man einen Käufer für das hochprofitable Unternehmen zu suchen. Herzog, seine Frau und die übrigen an der Firma beteiligten Verwandten beschlossen, 2016 vorerst 75% der Stimmrechte für 549 Mio. € an GE zu verkaufen.
Herzog trägt beim Gespräch in München eine Apple Watch und erzählt begeistert von seinem ersten Marathon in Berlin. Er sagt, dass für ihn die Familie stets an erster Stelle gestanden sei. Gleichzeitig berichtet er aber auch davon, wie er Nächte und auch Heiligabend neben dem Drucker verbrachte, um Funktionsstörungen zu beheben. Er sieht im 3-D-Druck noch viel Potenzial, allerdings gibt es noch Hausaufgaben etwa im Bereich der Zuverlässigkeit zu erledigen. Bei GE will Herzog den 3-D-Druck im industriellen Massstab entwickeln. Vielleicht hat ja seine Frau auch dazu eine zündende Idee.