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Bücherskorpion – Alternative gegen Varroa?
Seit der Biologe Torben Schiffer seine Examensarbeit über den Bücherskorpion (Chelifer cancroides) verfasst hat, ist dieser in aller Imker Munde. Eine realistische Alternative zu den ungeliebten Varroaiziden oder imkerliches Wunschdenken?
Über den heimlichen Gesellen verfasste Torben Schiffer nicht nur eine Arbeit, welche er auszugsweise im Internet veröffentlichte, sondern auch einen Videofilm. Seine Nachforschungen führten ihn auch auf die Forschungsberichte von Dr. Max Beier, der schon 1951 ausführlich über den Bücherskorpion berichtet hatte. In Meyers enzyklopädischem Lexikon in fünf Bänden kann unter «Bücherskorpion» Folgendes nachgelesen werden: «Etwa 2,5–4,5 mm grosser, bräunlicher, durch den Menschen nahezu weltweit verschleppter Afterskorpion; lebt vorwiegend in menschlichen Behausungen auf Bücherregalen, in Herbarien, Wäscheschränken und Betten, seltener im Freien unter der Baumrinde, in Vogelnestern und in Bienenstöcken; ernährt sich hauptsächlich von Staubläusen, greift auch Bettwanzen an. Hauptnahrung in Bienenstöcken sind Wachsmottenlarven, Rindenläuse, Bienenläuse. Der Bücherskorpion ist das bekannteste Beispiel für Phoresie: Das heisst, er klammert sich an den Beinen fliegender Insekten fest und kann so weit verbreitet werden.»
Hungrig auf Milben, was Max Beier bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts beschrieb, dokumentierte Torben Schiffer nun mit Bildern: Auch Varroamilben gehören zur Nahrung des Bücherskorpions. Im Bienenstock soll der Bücherskorpion sogar Milben von den Bienen ablesen. Beide Biologen bestätigen, dass der Bücherskorpion in Bienenbehausungen lebte und dies wahrscheinlich schon seit Urbeginn des Bienendaseins. Vermutlich wurde er dann aber mit der Einführung der Bienenbeuten mit glatten Oberflächen seiner Rückzugsmöglichkeiten beraubt und mit dem Einsatz von Ameisensäure gegen die Varroa ganz aus den Bienenvölkern eliminiert. Mit seinen acht Beinen gehört der Bücherskorpion zu den Spinnentieren, genauso wie die Milbe. Da er meist in der Dunkelheit lebt, sind seine Augen nur wenig ausgebildet. Seine Beute nimmt er dank Sinneshaaren über Geruch und Bewegung wahr. Mit den Fangarmen vermag er die Beute zu packen. Mit seinen Mundwerkzeugen beisst er das Opfer an, injiziert eine Verdauungsflüssigkeit und saugt das verdünnte Milbeninnere als Nahrung aus. Selbst während des Aussaugens seiner Beute, kann eine andere vorbeilaufende Milbe mit der freien Fangschere gepackt werden, und mit dem Giftzahn der Milbe Gift injiziert werden, damit diese neue Beute ihm nicht entfliehen kann. Dies ist im Video von Torben Schiffer ausgezeichnet dokumentiert. Versteckte Lebensweise, Rückzugsgebiete des Bücherskorpions sind die Spalten in der Bienenbeute, die nicht mit Propolis verschlossen wurden. Im Bienenkorb war das ideal, auch die hohlen Waldbäume sicherten ihm im Bienenstock eine Bleibe. Heute, in unseren sterilen Magazinen, müssten zuerst wieder Lebensräume geschaffen werden, um den Bücherskorpion anzusiedeln. Die Weibchen der Bücherskorpione legen nur eine beschränkte Anzahl Eier (bis zu 20 Stück), die sie in einem Paket am Bauch mittragen und sie dort auch noch ernähren, bis sie sich darnach durch drei Häutungen in einem gut getarnten Gespinst selbstständig weiter entwickeln. Die Entwicklung einer neuen Bücherskorpion-Generation dauert bis zur Geschlechtsreife 10–24 Monate und seine Lebensdauer kann bis zu vier Jahren gehen. Biologe Torben Schiffer ist selber Imker und vermochte die herangezüchteten Bücherskorpione in seinen Bienenstöcken anzusiedeln. Pro Bienenstock werden etwa 100 Bücherskorpione benötigt, um die Varroa in Schach zu halten und damit auf die herkömmliche Art mit Ameisensäure verzichten zu können. Im Gegensatz zur Ameisensäure vermag der Bücherskorpion den Milben allerdings in den verdeckelten Zellen nichts anzuhaben. Ameisensäure und Bücherskorpion lassen sich auch nicht synergistisch gegen die Varroa einsetzen, bedeutet der Einsatz der Ameisensäure doch den sicheren Tod des Bücherskorpions. Auf Heuböden sind Bücherskorpione heute noch auffindbar. Man benötigt 100 Stück für ein Volk!
Will man den Bücherskorpion im Bienenstock ansiedeln, so braucht es Abänderungen an den Beuten. Der Boden muss geschlossen sein und mit Rindenmulch ausgelegt werden. Somit muss das Flugloch verlegt werden. (Siehe unter Imkerpraxis: “Neuentwicklungen”). Rindenritzen waren auch im Bienenvolk in der Baumhöhle sein urtümlicher Wohnsitz. In der Demeterimkerei wird heute die Innenwand der Brutbeute mit einer Matte aus Stroh isoliert, sowie ein Strohschied eingefügt. Hier findet dann der Bücherskorpion beste Bedingungen zur Vermehrung.
Auf Heuböden wird man ihrer am besten fündig, da wo das Heu in kleinen Bruchstückchen und im Faserstaub liegt, unter Spinnweben und in Bodenfugen, an senkrechten Balkenfronten und in den Winkeln der hinaufführenden Holztreppen. In erdnahen Stallgebieten ist er nicht zu finden, eher in drei Meter Höhe, weil es unterhalb noch zu feucht ist.
Man kann sie auch züchten, indem man Mulch und Rindenstücke in ein geschlossenes Kästchen gibt, welches mit winzigen Lochöffnungen versehen ist. Gefüttert wird mit flugunfähigen Fruchtfliegen, erhältlich in Tierhandlungen.
Zum Einfangen des Bücherskorpion braucht man eine helle Stirnlampe, ein verschliessbares Gefäss, eine weisse Papierkarte und einen feinen Tusch-Pinsel.
Den Bücherscorpion kann man nur dann im Bienenstock ansiedeln, wenn man die Varroabehandlung mit den organischen Säuren (Milch-Oxal-und Ameisensäure) weg lässt, ferner alle sonstigen Gifte, denn die tun ihn gleich wieder mit vernichten!
Die Luftfeuchtigkeit darf nicht mehr als 50% im Stock enthalten. Um das zu erreichen, muss die Beute isoliert werden. Der Beutenboden sollte geschlossen sein und mit Rindentorf und Häcksel ausgelegt werden. Laut Thorben Schiffer ist auch der Deckel diffusionsoffen und isolierend anzupassen. Meine Version: statt der Klarsichtfolie ist ein Propolistuch im Winter zur Abdeckung zu empfehlen, weil die Feuchtigkeit dann keinen Niederschlag erzeugen kann, sie diffundiert sogmässig sogar bis nach draussen, wenn das Tuch die Beute überlappt. Eine weitere Möglichkeit ist, Zeitung zur Feuchtigkeitsaufnahme auf das Tuch aufzulegen und bei einer Kontrolle auszuwechseln. Mit diesen Massnahmen kann man einen diffusionsoffenen Deckel umgehen.
Ich habe eine Beute für ein Leben mit dem Bücherskorpion gerecht umgerüstet und dem Bienenvolk 30 Stück zugegeben. Im Jahr darauf waren alle wieder ausgewandert. Es muss umgekehrt funktionieren. Erst wenn sich der Bücherskorpion selbst wieder im Bienenvolk einnistet, stimmt das ganze Milieu im Stock. So ist es Prof. Dr. Jürgen Tautz bei einem Versuch in lebender Baumhöhle mit einem Bienenvolk ergangen. Bei der Kontrolle des selben entdeckten sie auch gleich einen Bücherskorpion, der sich da selbst eingefunden hatte. Die riechen nämlich wo es für sie Nahrung gibt und nisten sich in den Rindenspalten ein.
Quellenangabe:
1. www.beenature-project.com: www.youtube.com/watch?v=qkdrRuWmbm4