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Ein ausführliches, vielschichtiges Porträt über den Gründer der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte zeichnete der renommierte Kunsthistoriker und Direktor des Berner Kunstmuseums Matthias Frehner im Frühjahr 2014. Auszug:
… «Aufschlüsse über den Charakter einer Kunstsammlung vermittelt nicht nur deren Zusammensetzung, sondern auch die sie verantwortende Sammlerpersönlichkeit. Über die Privatperson Bruno Stefanini ist indes kaum etwas bekannt, denn er liebt nichts weniger als öffentliche Auftritte. Nicht auf bereits bekannte Quellen, sondern auf das Interview, das der Sammler dem Verfasser dieser Einführung am 13. Juni 2013 gewährt hat, stützt sich die folgende Darstellung. Bruno Stefanini wurde am 5. August 1924 als Sohn von Giuseppe und Elisabeth Stefanini in Winterthur geboren, wo er zusammen mit seinem Bruder Aldo aufwuchs. Der Vater war aus dem lombardischen Bergamo eingewandert und vorerst als Rohrleger tätig gewesen. Später führte er als Wirt das legendäre Arbeitergasthaus Salmen an der Marktgasse, das »vorzügliche italienische Küche und Weine zu mässigen Preisen« anbot. Erste Anregungen, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, gab es im Elternhaus durch die Mutter, die Antiquitäten sammelte und ihren Sohn Bruno auf Stöbertouren durch die Winterthurer Antiquitätenläden und Brockenhäuser mitnahm.
Als Gymnasiast war Bruno Stefanini ein leidenschaftlicher Leser, der sich umfassende Kenntnisse über die Klassiker der Weltliteratur aneignete. Wichtig war ihm auch der Zeichenunterricht. Das Studium der Naturwissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich fiel in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, während dessen Stefanini auch mehrere Jahre lang, zuletzt als Hauptmann der Infanterie, Wehrdienst leistete. In der wirtschaftlichen Boomzeit der Fünfziger- und Sechzigerjahre betätigte sich Stefanini, der sein Studium abgebrochen hatte, um rasch ins Geschäft einsteigen zu können, in der Immobilienbranche. Sein Credo als Geschäftsmann war, nie etwas zu verkaufen, sondern umgekehrt die Rendite seiner Häuser zur immer weiteren Vergrösserung des Immobilienportfolios einzusetzen. Durch diese Strategie wurde er zu einem der grössten privaten Liegenschaftsbesitzer der Schweiz. Seine »Brotfirmen«, wie Stefanini dieses Engagement bezeichnet, haben es ihm überhaupt ermöglicht, auf privater Basis eine Sammlung in derartiger Grösse aufzubauen.
Und als »Brotfirmen« versteht er seine diversen Immobilienunternehmen heute noch. Derzeit arbeiten in ihnen rund vierzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und stellen so die finanzielle Zukunft der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte sicher. Bruno Stefanini ist das Paradebeispiel eines Selfmademans. Sein Prinzip gründet darauf, alle Fäden permanent selbst in der Hand zu halten und von niemandem abhängig zu sein. Dazu gehört der gänzliche Verzicht auf Sonntagsruhe, Ferienerholung und Krankheitsabwesenheiten. Von diesen Grundsätzen ist Stefanini auch in seinem neunten Lebensjahrzehnt nie abgewichen. Allerdings lebt, wer solche Ziele zugleich von seiner Umgebung bedingungslos einfordert, einsam. Einzig seine lebenslange Mitarbeiterin Dora Bösiger hat sich diesem Diktat mit unterzogen. Heute ist sie seine engste Vertraute im Geschäft und in der Stiftung. Dafür hat sie, wie Bruno Stefanini heute schmunzelnd kommentiert, seit 1955 nur wenige Wochen Urlaub genommen. Nachdem er in den frühen Fünfzigerjahren einen ersten kleinen Robert Zünd erworben hatte, wurde der Ankauf von Kunstwerken und historischen Objekten bald mit derselben Bedingungslosigkeit betrieben wie der Ausbau und Unterhalt des Immobilienimperiums. Dies tat er zunächst als Privatsammler und dann von 1980 an in nochmals intensivierter Form als Präsident der von ihm gegründeten Stiftung.» …