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Zweisprachige Erziehung
Die zweisprachige Erziehung oder das Aufwachsen mit zwei Sprachen stellt aus verschiedenen Gründen eine besondere Chance für Kinder dar. Kinder beherrschen dann nicht nur zwei Sprachen, sondern auch ihre Gehirnentwicklung nimmt einen anderen Verlauf als die bei Kindern, die mit einer Sprache gross werden. Allerdings sollte die zweite Sprache von einem «Muttersprachler» vermittelt werden.
Was heisst eigentlich «Muttersprache»?
Die Muttersprache ist die Sprache, die das Kind in der frühen Kindheit ohne formalen Unterricht als erstes lernt. Diese prägt sich das Kind so tief ein, dass es die Muttersprache(n) weitgehend automatisiert beherrscht. Sie wird von den wichtigsten Bezugspersonen durch Nachahmung erlernt. Bei diesem Prozess schleifen sich grammatische Regeln und Vokabular so sicher im kindlichen Bewusstsein ein, dass, auch wenn es später andere Sprachen sprechen lernen soll, diese nicht mehr in der gleichen Weise beherrscht wie die Muttersprache.
Wenn Eltern selbst unterschiedliche Muttersprachen haben und jeder Elternteil in der eigenen Sprache mit dem Kind spricht, werden beide Sprachen als Muttersprache angesehen. Im Laufe der kindlichen Entwicklung werden Regeln und Gesetzmässigkeiten beider Sprachen erkannt und sicher angewendet.
Soll euer Kind zweisprachig aufwachsen, so ist es am sinnvollsten, wenn beide Eltern mit dem Kind ausschliesslich in ihrer jeweiligen Muttersprache sprechen. Versucht etwa die englisch sprechende Mutter zuhause vorwiegend Deutsch zu sprechen, das sie aber schlecht beherrscht, besteht eher die Gefahr, ein negatives Sprachvorbild zu sein und damit die Sprachentwicklung zu beeinträchtigen.
Willst du dein Kind zweisprachig erziehen, ist es besser, ihm weitere Kommunikationspartner (Grosseltern, Freunde, Kinder, Lehrer) nahe zu bringen.
Zweisprachige Erziehung und ihre Chancen
Werden mit dem Kind von Anfang an zwei oder mehrere Sprachen gesprochen, werden Kinder diese zuverlässig sprechen lernen. Die Entwicklung des Sprachgefühls wird später beim Erlernen weiterer Fremdsprachen hilfreich sein. Darüber hinaus zeigen neurologische Studien, dass die Kommunikationszentren im Gehirn effektiver funktionieren, wenn zwei oder mehrere Sprachen im Alltag regelmässig genutzt werden. Die Eltern sollten allerdings die Fremdsprache wirklich gut beherrschen. Ist es nicht die Muttersprache, sollte sie wenigstens so beherrscht werden als wäre sie es. Mit Schul- oder Ferienkenntnissen einer Fremdsprache funktioniert die zweisprachige Erziehung auf keinen Fall, sondern richtet mehr Schaden als Nutzen an.
Ansonsten gelten die gleichen Empfehlungen wie für einsprachiges sprechen lernen: viel miteinander erzählen, erklären, singen und spielen. Möglicherweise stellt das Kind Fragen, wenn es bemerkt, dass es manchmal anders spricht als andere, besonders wenn eine der beiden Sprachen noch nicht richtig "sitzt". Vielleicht will es die "andere Sprache" eine Zeitlang gar nicht mehr sprechen. Das ist eine normale Entwicklung. Die Fragen des Kindes sollten natürlich altersgemäss verständlich beantwortet werden. Und es sollte auch kein Zwang zum Sprechen einer Sprache ausgeübt werden. Normalerweise verlieren sich solche Schwierigkeiten aber wieder und die meisten Kinder sind irgendwann wieder neugierig auf die andere Sprache und Kultur.
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