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Kugelaquarien in Schweizer Wohnzimmern
Am Beispiel der Goldfischkugel lassen sich die Grundsätze der artgemässen Tierpflege gut erklären.
Goldfischkugeln sind erneut ein Thema geworden: Von einem englischen Hersteller werden seit einiger Zeit sehr schöne, kugelförmige Aquarien angeboten. Sie können somit auch in die Verkaufsregale von Schweizer Zoofachgeschäften gelangen. Pikantes Detail dabei ist, dass diese Kugelaquarien starke Assoziationen zu Goldfischkugeln erwecken. Deswegen und aufgrund der unterschiedlichen Grössen vermuten manche Leute, dass die Fische in diesen Behältern leiden müssen.
Die Goldfischkugel ist zu einem Symbol für den Tierschutz geworden. Sehr eindrücklich werden damit alle Aspekte einer ungenügenden Fischhaltung verdeutlicht. Dementsprechend emotional fallen die Diskussionen aus, wenn es darum geht runde Aquarien zu taxieren.
Was ist eine Goldfischkugel?
Eine Goldfischkugel ist ein kugelartiges Zimmeraquarium, in dem früher Aquarienfische gehalten wurden. Es handelt sich dabei um ein nach oben offenes, rundes Glasgefäss. Die geringe Grösse, von einem Durchmesser von 20-30 Zentimeter, bot gerade nur für etwa 10 l Wasser Platz. Die Fische wurden darin ohne technische Unterstützung und Einrichtung untergebracht. Das heisst, es fehlten Filter, Heizung ebenso wie Pflanzen, die in einem normalen Aquarium zur Verfügung stehen.
Da eine vernünftige Haltung von Fischen in Goldfischkugeln nicht möglich ist, wurden relativ widerstandsfähige Fische darin gehalten. Dazu zählten beispielsweise siamesische Kampffische oder Goldfische. Letztere waren die Namensgeber für die unsäglichen Todeskammern, in denen das Leben unzählig trauriger Fische ein schnelles Ende fand.
Langsamer Wertewandel?
Die Fischpflege hat sich im Laufe der Zeit verändert. Das Goldfischglas war in Europa im 19. Jahrhundert ein weit verbreiteter Zimmerschmuck. Doch bereits schon in einer historischen Veröffentlichung aus dem Jahre 1905 ist nachzulesen: Das primitivste Aquarium ist das Goldfischglas, welches aber, wie hier gleich bemerkt werden soll, durchaus nicht empfohlen werden kann. Die Form ist ungeeignet, da es zu klein ist. Die Tiere können sich nur schlecht darin bewegen.
Dem Wertewandel ist wohl nichts entgegenzusetzen. Die Werbung transportiert allerdings heute noch mittels Goldfischkugeln ihre Werbebotschaften. Aus diesem Grunde lancierte der Deutsche Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) im Jahre 2004 eine Medienmitteilung. Darin appellierte er an die Adresse der Kreativen, zukünftig keine Goldfischkugeln mehr als Motiv in der Werbung zu verwenden.
Kein Plädoyer für die Kugel
Die deutsche Gesetzgebung sieht als Mindestanforderung für die dauerhafte Pflege von Fischen das 54 Liter Aquarium vor. Das Kugelaquarium erfüllt dieses Kriterium beinahe. Wie steht es aber nun mit der Rundung! Sehen die Fische nach draussen alles verzerrt oder ist das eine Legende?
Bei solchen Fragen ist es nicht verwunderlich, dass während einer Diskussion schnell einmal ein Dutzend emotionale Reaktionen zustande kommen können, die sich gegen das Kugelaquarium aussprechen. Dem gegenüber stehen die gesicherten Informationen, welche im Jahre 1998 von der Deutschen Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz in einem Merkblatt festgehalten wurden.
Zitat aus dem Merkblatt: Fische, die in Goldfischkugeln gehalten werden, leiden, bedingt durch die fehlende Möglichkeit sich zu orientieren oder sich zurückzuziehen, an Stresszuständen. Darüber hinaus können sich durch den fehlenden Filter und die geringe Grösse der Kugeln keine stabilen Wasserwerte einstellen, was zu erheblichen Beeinträchtigungen des Gesundheitszustandes, unter Umständen bis zum Tod, führt. Durch die kleine Wasseroberfläche ist nur ein unzureichender Austausch mit Luftsauerstoff möglich. Miniaturaquarien, Säulenaquarien und so genannte «Lebende Gemälde» bieten den Fischen ebenfalls wegen fehlender räumlicher Tiefe des Aquariums keine ausreichende Bewegungsmöglichkeit. Ausserdem können keine stabilen Wasserwerte erreicht werden.
Tierschutz und Gesetz
Die Haltung von Fischen in Goldfischgläsern ist in Deutschland und Österreich sowie auch in der Schweiz gesetzlich verboten. Das heisst, nach den Bestimmungen sind die Tiergehege so einzurichten, dass die Tiere, je nach ihren arteigenen Bedürfnissen, sich fortbewegen, fressen und trinken, sich verstecken und ruhen sowie ihr Komfortverhalten ausüben können. In Goldfischkugeln ist dies offensichtlich nicht möglich.
In der Schweiz fehlen genaue Vorschriften. In Deutschland sind als Mindestvolumen für ein Aquarium zur dauerhaften Haltung ausgewachsener Fische 54 Liter vorgeschrieben – was einer Aquariengrösse von 60 x 30 x 30 cm entspricht. Das geräumigste der angebotenen Kugelaquarien enthält immerhin rund 85 % dieses Volumens und ist somit um einiges grösser als die häufig gekauften Nanoaquarien.
Das Kugelaquarium
Die hier vorgestellten Kugelaquarien haben einen biologischen Filter. Ein Regelheizer und eine Leuchte fehlen auch nicht. Die ausreichende Versorgung mit Sauerstoff ist ebenfalls gewährleistet. Bei entsprechender Handhabung dürfte es daher möglich sein, eine stabile Wasserqualität zu erreichen.
Können in Kugelaquarien nun Pflanzen und Tiere gepflegt werden? Ja, in den Kugelaquarien von 45 cm Durchmesser (Fassungsvermögen 45 l) können problemlos Pflanzen gepflegt werden. Dies gilt auch für entsprechende Garnelenarten und andere kleinwüchsige Wirbellose. Fische, die nicht länger als 1 cm werden, könnten vermutlich ebenfalls, eher schlecht als recht, darin untergebracht werden – wenn dies das Gesetz nicht ganz klar verbieten würde. Dem gegenüber steht die Meinung, dass Tiere eigentlich NIEMALS in Käfige gehören. Dem Standpunkt kann nur eines entgegengesetzt werden: Ein geräumiges Aquarium ist dann kein Käfig, wenn den darin lebenden Tieren ein kompletter Lebensraum zur Verfügung steht.