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Ben Bernankes Vermächtnis in einem Chart
Heute Freitag ist Ben Bernankes letzter Arbeitstag als Chef des Federal Reserve System. Nach acht Jahren Amtszeit wird er den Vorsitz der mächtigsten Notenbank der Welt an seine Nachfolgerin Janet Yellen übergeben.
Am Mittwoch, sozusagen als letzte Amtshandlung Bernankes, hat der Fed-Offenmarktausschuss wie erwartet eine weitere Drosselung des laufenden Quantitative-Easing-Programms beschlossen (hier mehr Details dazu).
Was ist Bernankes Vermächtnis? Eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage, wie die Historie dereinst über den 14. Fed-Chairman richten wird, habe ich in diesem Leitartikel in der FuW verfasst. Doch für die Zwecke dieses Blogbeitrags wählen wir den radikalen Weg. Das bleibendste Vermächtnis Ben Bernankes ist dieser Chart:
Der Chart stammt aus einer Präsentation des amerikanischen Bond-Fondsmanagers Jeffrey Gundlach (hier der Link zu einem Interview, das mein New Yorker Kollege Christoph Gisiger kürzlich mit ihm geführt hat). Er zeigt die Kursleistung des amerikanischen Aktienmarktes, gemessen am S&P-500-Index, seit dem Tiefpunkt im März 2009.
Die verschiedenen Farben markieren die Zeitperioden, während derer unkonventionelle («quantitative») geldpolitische Lockerungsprogramme der US-Notenbank in Kraft waren.
- Der rote Abschnitt von März 2009 bis April 2010 zeigt das erste Quantitative-Easing-Programm. Während dieser Zeit hat der US-Aktienmarkt um 47 Prozent zugelegt.
- Der grüne Abschnitt von Oktober 2010 bis Juni 2011 zeigt das zweite Quantitative-Easing-Programm. Kursleistung des Index: +10 Prozent.
- Der violette Abschnitt von September 2011 bis Juni 2012 zeigt die «Operation Twist», während der das Fed Anleihen mit langer Laufzeit kaufte und Anleihen mit kurzer Laufzeit verkaufte. Während dieser Zeit legte der US-Aktienmarkt um 16 Prozent zu.
- Im hellblauen Abschnitt wurde die Operation Twist verlängert und ging dann nahtlos ins dritte Quantitative-Easing-Programm über. Der Aktienmarkt: +5 Prozent.
- Die Abschnitte in Orange, Dunkelblau und Rot im rechten Bereich der Grafik schliesslich zeigen den Zeitraum des dritten Quantitative-Easing-Programms, das bis heute läuft. Die Investoren liebten es und sandten den S&P-500-Index um weitere 27 Prozent in die Höhe.
Während der vergangenen fünf Jahre gab es genau zwei Phasen, in denen die US-Notenbank nicht über unkonventionelle Massnahmen Liquidität in die Finanzmärkte pumpte. Diese beiden Phasen sind im Chart grau eingefärbt und dauerten von April 2010 bis Oktober 2010 respektive von Juni 2011 bis September 2011. Und siehe da: Während dieser Zeit sackte der US-Aktienmarkt jeweils sofort ab.
Imponierend, nicht wahr?
So gesehen ist die Feststellung wohl nicht übertrieben, dass Bernanke als einer der brillantesten und effektivsten Finanzmarktmanipulatoren aller Zeiten in die Geschichte eingeht.
Sogar die allseits erwartete Drosselung des dritten QE-Programms, die seit Ende Dezember läuft, hat an den Weltfinanzmärkten in den letzten Wochen zu heftigen Erschütterungen geführt. Besonders einzelne Schwellenländer wie die Türkei sind unter die Räder geraten. Hier ein sehr lesenswertes Interview mit dem Ökonomieprofessor Joseph Stiglitz zum Thema: Er sagt, es werde in diversen Ländern wieder zu Kapitalverkehrskontrollen kommen. Und hier ein Interview mit dem Zuger Hedge-Fund-Manager Felix Zulauf über die weiteren Perspektiven an den Börsen.
William McChesney Martin, der von 1951 bis 1970 als Vorsitzender des Fed amtierte, prägte einst den folgenden Satz: «The job of the Fed is to take away the punch bowl just as the party gets going.»
Unter Bernanke hat das Fed ziemlich genau das Gegenteil gemacht: Statt den Alkohol vom Tisch zu räumen, bevor die Party überbordet, hat das Fed die Investoren zu Süchtigen gemacht.
Und hier noch ein Link in eigener Sache für alle, die sich für Football interessieren: Zuschauerrekorde, Werbemilliarden und Chicken Wings – Kuriose Fakten zum bevorstehenden Super-Bowl-Spektakel in New York.
Und noch ein Link in eigener Sache: In der Eurozone nimmt die Gefahr einer Deflation zu, warnt der US-Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen in diesem Interview, das ich vor wenigen Tagen mit ihm führen konnte.