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Macht es ökologisch Sinn, Fairtrade-Blumen aus Ostafrika und Lateinamerika anzubieten?
Ja, das macht Sinn. Es ist wichtig, zu wissen, dass gerade Rosen aus Europa in den Wintermonaten – und damit auch am Valentinstag – nur aus beheizten und beleuchteten Gewächshäusern erhältlich sind. Der ökologische Fussabdruck ist damit fünfeinhalbmal höher, wenn Rosen in Europa in Treibhäusern ohne Nutzung von nachhaltiger Energie angebaut werden, weil dieser Anbau aufgrund der Beheizung und Beleuchtung in den Wintermonaten sehr viel Energie braucht. Hingegen ist das Klima in Ostafrika und Lateinamerika ganzjährig ideal, denn hier braucht es weder Beheizung noch Beleuchtung.
Wäre es nicht nachhaltiger, die Arbeiter vor Ort auf Produkte umzuschulen, für die eine lokale Nachfrage besteht?
Solange es eine Nachfrage nach Rosen aus Ostafrika und Lateinamerika gibt, haben wir das Anliegen, dass die Arbeiterinnen auf diesen Farmen gute Arbeitsbedingungen haben und von Prämienprojekten profitieren können. Die stark schwankende Nachfrage nach Schnittblumen aus Ostafrika und Lateinamerika während der Pandemie und auch jetzt wieder durch den Krieg, die Inflation und die drohende Rezession hat aber bereits dazu geführt, dass einige Farmen auf Diversifizierung setzen und zum Beispiel auch Gemüse für den lokalen Markt anbauen. Wir unterstützen die Farmen dabei, weil es sie resilienter für Krisen macht.
Die meisten Blumen aus Ostafrika und Lateinamerika kommen per Flugzeug. Gibt es Alternativen?
Viele Blumen aus Ostafrika wurden nicht per Flugfracht, sondern mit Passagierflugzeugen transportiert. Dieser Transportweg fiel in der Pandemie grösstenteils weg, weil die Touristinnen und Touristen wegblieben. Das führte zu grossen Verlusten bei den Blumenfarmen. Seither testet die Branche intensiv die Möglichkeit von Schiffsfracht für den Transport von Schnittblumen. Daskönnte eine Einsparung von 95 Prozent CO2 beim Transport bedeuten. Praktisch alle Importeure von Schnittblumen aus Ostafrika und Lateinamerika sind an solchen Pilotprojekten beteiligt. Sobald diese Art des Transports kein finanzielles Risiko mehr für die Importeure darstellt, beispielsweise wegen grossen Verderbs beim Transport, steht dem Durchbruch der Schiffsfracht bei Schnittblumen nichts mehr im Wege.
Melanie Dürr ist Global Product Manager Fairtrade flowers bei Fairtrade Max Havelaar.
Wie sieht es bei den Mitarbeitenden von Fairtrade Max Havelaar aus? Um vor Ort einen Eindruck zu gewinnen, sind sie auf Flüge angewiesen.
Wir arbeiten eng mit den Farmen vor Ort und reisen deshalb auch nach Kenia, wenn es sinnvoll ist. Aber für Mitarbeitende, die das nicht zwingend müssen, oder für Businesspartner, die einfach mal eine Farm sehen möchten, haben wir ein neues Pilotprojekt, welches eine virtuelle Blumenfarmtour ermöglicht. Aktuell ist die Blumenfarm «Wildfire» am Lake Naivasha zu sehen. Bald werden weitere Farmen online sein.
Welchen Impact hat die Umstellung auf Fairtrade für die lokalen Blumenfarmerinnen und -farmer?
In Ostafrika und in Lateinamerika sind Millionen von Menschen vom Rosenanbau direkt oder indirekt abhängig. Aktuell profitieren 73'000 Arbeiterinnen und Arbeiter von den guten Arbeitsbedingungen auf Fairtrade-Blumenfarmen. Allein in Kenia sind über zwei Millionen Menschen vom Blumenanbau direkt oder indirekt abhängig. Auf Fairtrade-zertifizierten Blumenfarmen profitieren die Angestellten von geregelten Arbeitsverhältnissen – beispielsweise von einem fixen Arbeitsvertrag oder von der Regelung der Überzeiten –, besserem Gesundheitsschutz und von zusätzlichen Prämien. Diese werden direkt an die Arbeiterinnen und Arbeiter bezahlt und diese entscheiden demokratisch, wie sie sie investieren möchten.
In welche Projekte wird investiert?
In Ostafrika werden die Prämien meist in die Bildung der Kinder der Arbeiterinnen und Arbeiter oder in Weiterbildung investiert – sie sind deshalb zentral für bessere Zukunftsaussichten. Auch werden sie oft für die Verbesserung der medizinischen Versorgung aufgewendet. Vor einigen Jahren haben zum Beispiel einige Farmen ihr Prämiengeld gemeinsam in ein Geburtenspital in derRegion Naivasha investiert. Ausserdem wurde eine Neonatologie eingerichtet, die es vorher nicht gab.
Wie beliebt ist die Arbeit auf Fairtrade-Plantagen?
Die aktuelle politische Situation in Äthiopien zeigt, wie wichtig es ist, gute und faire Strukturen im Land zu haben: Aktuell stehen Lehrer und Lehrerinnen vor den Toren von Fairtrade-Blumenfarmen und möchten dort arbeiten, weil die politischen Turbulenzen und die aktuell sehr hohe Inflation von 39 Prozent dazu führen, dass die Blumenarbeiterinnen auf Fairtrade-zertifizierten Blumenfarmen meist bessere Arbeitsbedingungen haben und besser verdienen als sie.
Wie wird die Arbeit von Fairtrade Max Havelaar finanziert?
Die Arbeit in der Schweiz finanziert Fairtrade Max Havelaar durch Lizenzgebühren. Diese bezahlen die Lizenznehmer abhängig von ihrem Umsatz oder Absatzvolumen von Fairtrade-Produkten.