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Der Erzähler schwebt mit einer dicken Frau und einem Piloten im Ballon über das Land der Eidgenossen und landet da und dort in verschiedenen Kantonen. Er erzählt vom schweizerischen Familienleben, von den Gasthäusern, von Originalen und Streckenwärtern, Skitouristen und Liebespaaren.
Vorwort
Eine heiter-beschwingte, auch besinnliche Ballonfahrt übers Alpenland; mit Rast in dreizehn Kantonen von Appenzell bis Zürich.
Autorentext
Urs Widmer, geboren 1938 in Basel, studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte in Basel, Montpellier und Paris. Danach arbeitete er als Verlagslektor im Walter Verlag, Olten, und im Suhrkamp Verlag, Frankfurt. 1968 wurde er mit seinem Erstling, der Erzählung Alois, selbst zum Autor. In Frankfurt rief er 1969 zusammen mit anderen Lektoren den Verlag der Autoren ins Leben. Für sein umfangreiches Werk wurde er u.a. mit dem Heimito-von-Doderer-Literaturpreis (1998) sowie dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2007) ausgezeichnet. Urs Widmer starb 2014 in Zürich.
Leseprobe
Die dicke Frau, der Pilot und ich gehen durch die riesengroße Halle des Flughafens von Frankfurt. Die dicke Frau geht in der Mitte, der Pilot und ich haben je einen Arm um sie gelegt. Ich spüre den Wulst, den ihr Bauch über dem Gürtel macht. Ich freue mich, daß wir endlich beisammen sind. Monatelang habe ich an die beiden gedacht, an unsern Aufbruch, an unsre Reise zu dritt. Wir tragen unsre Ausrüstungen auf dem Rücken: die dicke Frau einen Sportbüdel, aus dem ein Schmetterlingsnetz ragt, der Pilot einen Armeetornister und eine Angelrute, ich einen alten Skirucksack, an den ich eine Feldflasche mit Sirup und Himbeerschnaps drin gebunden habe. Die dicke Frau trägt einen Koffer mit verblaßten Hoteletiketten, die noch von ihrer Mutter stammen. Das waren noch Zeiten, denke ich. Wir singen. Die dicke Frau macht einige Stepschritte durch die Flughafenhalle, wie am Broadway. Wir schlagen dazu den Rhythmus auf unsern Oberschenkeln. Passagiere mit Turbanen und Fotoapparaten bleiben stehen und sehen ihr zu. Sie wirft die Beine in die Höhe wie beim Cancan, immer schneller, und als sie zum Abschluß den Rock für eine Sekunde nach hinten hochwirft, applaudieren die Leute frenetisch. Ich küsse die dicke Frau. Lachend gehen wir weiter. Auch der Pilot küßt die dicke Frau. Er ist per Autostop von Manchester gekommen, die dicke Frau von Berlin, und wir haben uns im Restaurant Hellas getroffen. Wir wollen zusammenbleiben, mindestens ein Jahr lang. Wir wollen eine Reise wie noch nie machen. jetzt fahren wir mit einer Rolltreppe ein Stockwerk höher. Ich trage den Koffer der dicken Frau. Wir gehen durch lange Korridore mit vollklimatisierter Luft, über Rolltrottoirs, durch Türen mit Lichtschranken. ...