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Facebook wird einmal mehr mit einer unangenehmen Enthüllung konfrontiert. Der US-Konzern hielt einen Bericht zurück, wonach der meistgesehene Link im ersten Quartal 2021 zu einer Falschmeldung über die Corona-Impfung führte. Laut «New York Times» wurde der Bericht über die meistverbreiteten Inhalte auf der Online-Plattform von leitenden Angestellten zurückgehalten. Sie befürchteten, er könne «ein schlechtes Licht auf das Unternehmen werfen».
Der meistgesehene Link führte demnach zu einem Artikel der Zeitung «Chicago Tribune», der einen nicht belegten Zusammenhang zwischen dem Tod eines US-Arztes und der Corona-Impfung herstellte. Dies berichtete die NYT unter Berufung auf interne E-Mails von Facebook-Angestellten, die der Zeitung vorliegen. Die Falschmeldung wurde von fast 54 Millionen Facebook-Nutzerinnen und -Nutzern in den USA gelesen.
Viele Kommentare unter dem Artikel stellten Fragen zur Sicherheit der Impfstoffe. Monate später hiess es im Bericht des Gerichtsmediziners, es gebe nicht genügend Beweise, um zu sagen, ob der Impfstoff zum Tod des Arztes beigetragen habe. Diese Richtigstellung sahen auf Facebook weit weniger Menschen.
Laut NYT stammten sechs der Top-20-Beiträge von öffentlichen Facebook-Seiten, die regelmässig Anti-Impf-Inhalte posten.
Dass ausgerechnet eine Falschbehauptung zur Covid-Impfung der meistgesehene Inhalt auf Facebook ist, war der US-Firma offenbar unangenehm. Facebook und anderen sozialen Medien wurde während der Corona-Pandemie wiederholt vorgeworfen, zu wenig gegen die Verbreitung von Fake News im Zusammenhang mit Corona zu unternehmen.
Vergangene Woche veröffentlichte Facebook dann doch noch einen Transparenz-Bericht mit dem Titel «Meistgesehene Inhalte: Was die Menschen auf Facebook sehen» und lobte sich selbst als «die transparenteste Plattform im Internet». Dieser Report beinhaltete aber nur die Daten aus dem zweiten Quartal 2021 für die USA. Die Ergebnisse aus dem ersten Quartal liess man unter den Tisch fallen.
Der meistgesehene Post von April bis Juni mit 80,6 Millionen Views war demnach ein virales Rätsel («Die ersten drei Wörter, die du siehst, sind deine Realität»). Laut Bericht wurden auch Links zu YouTube, Amazon, UNICEF und Twitter besonders oft angesehen.
Facebook schreibt, weniger als 13 Prozent der Inhaltsaufrufe entfielen auf Beiträge mit Links. 57 Prozent der Inhalte, die die User sehen, stammten von Freunden und Familien und nur ein kleiner Teil des News Feeds bestehe aus Nachrichten. Diese stammten primär von Mainstream-Medien.
Das Unternehmen will den Bericht über die meistgesehenen Inhalte künftig vierteljährlich aktualisieren.
(oli)