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Eigentlich war die legendäre amerikanische Vivian Maier gar keine gelernte Fotografin, sondern ein Kindermädchen. Doch sie fand Gefallen an der Fotografie, kaufte eine Rolleiflex-Kamera und wurde zur Strassenfotografin.
Ihre Bilder wurden weltberühmt und werden bis 19. Mai 2024 im Haus der Fotografie in Olten ausgestellt. 140 Bilder aus insgesamt vier Jahrzehnten. Immer wenn die schüchterne Fotografin an einem Spiegel oder einem Schaufenster in New York vorbei ging, zückte sie ihre Kamera und machte ein Selbstbildnis.
Selbstportrait in der Spiegelung eines Schaufensters.
Vivian Maier wurde am 1. Februar 1926 in New York City geboren. Über ihre frühen Jahre ist wenig bekannt, aber es wird angenommen, dass sie einen Teil ihrer Jugend mit ihrer französischen Mutter in Frankreich verbrachte.
Ein Kiosk in Chicago
Maier kehrte 1951 in die USA zurück und begann in New York als Kindermädchen zu arbeiten. Gleichzeitig widmete sie sich intensiv der Fotografie. Mit einer Rolleiflex-Kamera dokumentierte sie das städtische Leben, machte Porträts von Menschen auf der Straße, stimmungsvolle Straßenszenen und Alltagssituationen.
Zigarre im Mund, Einkäufe unterm Arm, ein Grinsen im Gesicht. Ein Typischer Schnappschuss von Maier
Eine Familie, bei der sie wohnte, stellte ihr einen Baderaum zur Verfügung, in dem sie ein Labor installierte. Sie entwickelte ihre Filme selber. Isabelle Bitterli, Leiterin des Hauses der Fotografie und Kuratorin der Ausstellung, ist sehr beeindruckt über die Lebensgeschichte der Künstlerin: «Vivian Maier hat enorm viele Sachen gesammelt. Zeitungen und all ihre Filme», erzählt sie Seniorweb.
Chicago
Als Maier keinen Platz mehr hatte, mietete sie Lagerräume, die sie schliesslich nicht mehr bezahlen konnte. Die Lagerräume wurden aufgelöst. Der ganze Inhalt wurde an ein Aktionshaus gegeben, das alles weiter verkaufte. Zufällig habe der Nachbar John Maloov von der Aktion erfahren und habe für 300 Dollar eine Kiste Bilder gekauft. Die Galeristin Anne Morin war begeistert von den Bildern und organisierte Ausstellungen.
Audrey Hepburn an der Premiere “My Fair Lady” im RKO Palace Theater Chicago, Oktober 1964
Schlussendlich fand man in den Kisten 120’000 Fotos und 2500 unentwickelte Filme. Isabelle Bitterli: «Vivian Maier lebte da noch. Doch sie war sehr vereinsamt und hat mit niemandem geredet, ausser mit solchen, die französisch sprachen. So hat sie nie erfahren, dass man nach ihr sucht. Man hat sie nicht gefunden. 2009 ist sie auf dem Eis ausgerutscht und ist nach einer Kopfverletzung im Spital gestorben – John Maloov hat sie schliesslich auf Grund der Todesanzeige gefunden.
Kirk Douglas bei der Premiere des Films «Spartacus» Chicago, Oktober 1960
Isabelle Bitterli: «Das ist eine sehr tragische Geschichte. Sie hat nie erfahren, dass ihr Werk ein so grosser Bekanntheitsgrad erreicht hat.» Und wie hat sie Prominente fotografiert? Bitterli: «Sie hat Salvator Dali fotografiert, gab sich als französische Fotojournalistin aus. Sie hatte einen Ausweis, trug einen Hut und die Kamera um den Hals. Immer wenn etwas passierte, ging sie auch hin und mischte sich unter die Gruppe der Fotografen.»
Chicago 1975. In den1970er-Jahren begann Maier mit der Farbfotografie
Maiers Arbeiten zeigen das städtische Leben und die Menschen in Chicago und New York, aber auch in anderen Ortschaften, die sie auf ihren zahlreichen Reisen durchkreuzte. Organisiert und gestaltet wurde die Ausstellung von Anne Morin von DiChroma Photography auf der Grundlage von Fotos aus dem Archiv der Maloof Collection sowie der Howard Greenberg Gallery in New York.
Chicago, 1965
Vivian Maiers Fotografien waren enorm vielseitig und bieten einen einzigartigen Einblick in das städtische Leben und die sozialen Strukturen ihrer Zeit. «Es stellt sich die Frage: Wer war diese Frau, die ein Leben lang unterwegs war, an unzähligen Orten wohnte, sich niemals festlegen und festsetzen wollte und kaum jemanden an ihrer Leidenschaft teilhaben liess?
Chicago, Dezember, 1954
Dieser Frage geht diese Ausstellung nach, beleuchtet die Person Vivian Maier, die der Fotowelt eine unglaubliche Fülle an verblüffendem Material überlassen hat, und stellt sie für einmal in den Vordergrund», sagt Isabelle Bitterli, Leiterin Haus der Fotografie.
Fotos in der Ausstellung: Josef Ritler