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Maßstab 1:4.500.000.
Die Provinzen werden nach ihren unterstrichenen Hauptstädten genannt, ältere Bezeichnungen sind mit Haarschrift beigefügt.
Eisenbahnen Dampfer Untersseische Telegraphen.
Zum Artikel »Italien«.
Maßstab 1:2500000.
Die Provinzhauptstädte sind unterstrichen.
Zum Artikel »Italien«.
Maßstab = 1:2.500.000.
Die Provinzhauptstädte sind unterstrichen.
Zum Artikel »Italien«.
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die Breite der eigentlichen Halbinsel von W. nach O. 350-230 km, die der beiden südlichen Landzungen 51-105 km, während im N. die Breite des zum Königreich I. gehörigen Gebiets 780 km ausmacht. Man zählt zu I. auch mehrere in den genannten Meeren liegende Inseln. Es sind, außer Sizilien, das durchaus im Zusammenhang mit dem Festland zu betrachten ist, Sardinien und Corsica; zu den kleinern gehören: Elba und die übrigen Inseln des Toscanischen Archipels, die Gruppe der pontinischen und der neapolitanischen Inseln, die Liparen, Ägaten, Malta und die Tremiten. Mit den Inseln (aber ohne Malta und Corsica) beträgt der Flächenraum 296,323 qkm (5381 QM.), ohne dieselben 242,490 qkm (4403 QM.).
Die Küstenlänge Italiens wird auf 3300 km veranschlagt. Die Küstenumrisse Italiens zeigen sehr verschiedenen Charakter und sind weit weniger günstig gestaltet als die der östlichen, günstiger jedoch als die der westlichen Mittelmeerhalbinsel Europas. Die Küsten des Ligurischen Meers von der Var- bis zur Magramündung sind durchaus steil, große Meerestiefen drängen sich ans Ufer heran, über beide Schenkel dieses Golfs aber, die Riviera di Ponente wie die Riviera di Levante, die in der Spitze bei Genua zusammentreffen, ist aller Zauber der Natur ausgegossen, beide sind reich an herrlichen Häfen, wie die der Golfe von La Spezia und Rapallo, von Genua, Savona und Porto Maurizio. Von der Magramündung bis zum Kap Circello folgt ein ursprünglich in ähnlicher Weise geradlinig, buchten- und hafenlos verlaufendes Küstenstück wie das entsprechende der Ostküste von Rimini bis Kap Santa Maria di Leuca, wo sich nur der eine, aber treffliche Hafen von Brindisi findet, und nur der Vorsprung von Ancona, an welchem ein durch Kunst leicht zu verbessernder Naturhafen lag, wie die landfest gewordene Insel des Monte Gargano unterbrechen etwas die geradlinige Küste, an die zwar der Apennin nahe herantritt, ohne daß aber eine eigentliche Steilküste entstände. Die Küste Mittelitaliens ist von der Natur für Seeverkehr sehr schlecht ausgestattet, und wir begreifen somit, daß Rom sich sehr spät und erst, als es sich zum Herrn günstigerer Küsten gemacht hatte, zur Seemacht entwickelte. Nur hat die westliche Flachküste dadurch größere Mannigfaltigkeit erhalten, daß hier größere Flüsse, namentlich Tiber und Arno, münden und ihr Delta vorgeschoben haben, während gleichzeitig der Küste naheliegende Felseninseln, Kap Piombino, Monte Argentario, Kap Circello und Gaeta, durch die von der Küstenströmung mitgeführten Sinkstoffe landfest geworden sind. Dadurch ist eine Reihe flacher Golfe entstanden, während gleichzeitig die Anlage künstlicher Häfen (Ostia, die Häfen des Claudius und Trajan, Civitavecchia, Livorno) in dem angeschwemmten Land nicht schwer war. Reicher ausgestattet ist die Küste vom Kap Circello an. Dort dringen drei Golfe tiefer in das Land ein, von Gaeta, Neapel und Salerno, der mittlere der von der Natur in jeder Hinsicht am reichsten begabte, der sich zwischen Kap Miseno und Punta della Campanella 30 km breit, 13 km tief öffnet, noch geschützt durch die vorliegenden Inseln Ischia und Capri, reich an Häfen, denen die Erzeugnisse der reichen Ebene von Kampanien zuströmen. So mußte sich hier dichte Bevölkerung und ein großes Handelszentrum entwickeln, erst Cumä, dann in römischer Zeit und wieder seit dem Ende des Mittelalters Neapel. Die geringere Veranlagung des Golfs von Salerno prägt sich deutlich darin aus, daß die Städte, die hier nacheinander geblüht haben, Pästum, Salerno und Amalfi, an die Bedeutung jener nicht heranreichen. Die Küste Kalabriens vom Golf von Policastro bis zur Cratimündung im Golf von Tarent ist sowohl am Tyrrhenischen als am Ionischen Meer, außer am Golf von Sant' Eufemia, durchaus Steilküste und ohne Häfen, aber reich an schönen Szenerien. Den griechischen Städten dieser Küste, deren Bedeutung wesentlich auf dem Ackerbau beruhte, genügten kleine Einbuchtungen und der schmale sandige Strand der Küste für den Seeverkehr. Seit ihrer Zerstörung haben jedoch die ungeregelten Wasserläufe einen Fieberkordon rings um Kalabrien erzeugt, und sarazenische Seeräuber haben die Bewohner auf die Höhen zurückgescheucht, so daß die Küsten dieser Halbinsel verödeten und dieselbe vom Verkehr mit der übrigen Welt abgesperrt wurde und in der Kultur zurückblieb. Nur an der Meerenge von Messina finden wir daher eine namhafte Küstenstadt, Reggio, welche von der Lage an dieser wichtigen, nur 2-3 km breiten Wasserstraße Vorteil zog. Erst jetzt erwacht hier durch die Eisenbahn wieder neues Leben und zieht dieser Magnet die Bevölkerung aus ihren Felsennestern wieder herab an die Küste.
Die Küsten der Insel Sizilien sind fast durchaus steil, an der Ostseite reich an kleinen Buchten und Häfen, daher hier die blühenden Griechenstädte, die bedeutendsten von allen Messina und Syrakus. Auch die Nordseite ist noch reich gegliedert und besitzt den ehemals trefflichen Hafen von Palermo, welcher der Stadt den Namen gegeben hat; nachdem er im Mittelalter unbrauchbar geworden, ist durch einen künstlichen Molo ein neuer geschaffen worden. Die Afrika zugekehrte Küste ist ohne alle Häfen, unter großen Kosten wird ein solcher in Porto Empedocle, dem Hafen von Girgenti, geschaffen.
Am günstigsten ist die Küste Süditaliens gebildet am viereckigen Golf von Tarent, der mit 130 km breiter Öffnung zwischen Kap Nao und Santa Maria di Leuca in den Rumpf der Halbinsel eindringt, zwei kleinern Halbinselgliedern, Apulien und Kalabrien, Ursprung gebend. Seine Ufer sind nur an der Nordwestseite flach, von Sümpfen und Dünen begleitet und jetzt zum Teil von Malaria heimgesucht; aber dennoch ist der Golf von Tarent als das Organ zu bezeichnen, das, jetzt durch zwei Eisenbahnen mit der Ost- und Westküste verbunden und neuem Leben erschlossen, wie im Altertum, wo hier Tarent, Metapont, Heraklea, Sybaris, Thurii und Croton blühten, I. mit dem Orient verbinden wird. Tarent hat noch immer einen der besten Häfen Italiens. Durch die 75 km breite Meerenge von Otranto treten wir in das Adriatische Meer ein, dessen Küste bis Rimini bereits geschildert ist. Von Rimini bis zur Mündung des Isonzo haben wir wieder eine durch die Anschwemmungen der zahlreichen dort mündenden Flüsse beständig vorrückende, flache, sumpfige Küste vor uns, die auf weite Strecken von Lagunen begleitet ist, welche durch Dünen (lidi) vom Meer geschieden, durch Öffnungen in denselben (porti) damit verbunden sind und dann treffliche Häfen, wie bei Venedig und Chioggia, bilden.
Bodengestaltung.
Faßt man die orographischen Verhältnisse der Halbinsel ins Auge, so treten zunächst die Alpen bedeutsam hervor, die, I. im NW. und N. von Frankreich und dem übrigen Festland Europas scheidend, als ein ungeheurer Gebirgswall sich von Nizza im W. bis Triest im O. bogenförmig herumziehen und auch einen Teil Piemonts, der Lombardei und des Venezianischen bedecken. Gerade an der italienischen Seite tritt der einseitige Steilabfall der Alpen deutlich, am
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deutlichsten in Piemont hervor, und man erkennt, daß die Alpen geographisch zu Frankreich und Deutschland gehören. Von dort aus sind sie leicht, von I. aus sehr schwer zu ersteigen, und dies erklärt auch, daß die Alpen bis an den Rand der Ebene von Leuten andern Ursprungs u. andrer Sprache bewohnt sind, daß die deutsche Sprache erst in den letzten Jahrhunderten, das Französische in den piemontesischen Bergen erst in diesem Jahrhundert zurückgedrängt wird. Die Ligurischen Alpen vom Col di Tenda bis zum Paß von Altare nordwestlich von Savona sind in jeder Hinsicht als Bindeglied zwischen Alpen und Apenninen anzusehen.
Die nun folgenden Apenninen (s. d.) bestimmen zumeist die Gestalt der Halbinsel; sie ziehen sich zuerst in südöstlicher Richtung bis ins Toscanische, soweit die größere Breite Norditaliens reicht. Zwischen ihnen und den Alpen breitet sich die große Ebene der Lombardei aus, welche in ihrer ganzen Ausdehnung von W. nach O. vom Po mit seinen Nebenflüssen aus den Alpen und Apenninen bewässert wird. Die Lombardei, von der Halbinsel durch die Apenninen getrennt, hat nichts mit der Charakteristik des eigentlichen italischen Bodens, des Halbinsellandes, gemein und ist auch häufig längere Zeit hindurch politisch und historisch davon getrennt gewesen. Vom Pothal wendet sich der Längenzug der Apenninen mehr gegen SO. in der Hauptrichtung der ganzen Halbinsel und wird zu ihrem zentralen Gebirgssystem. Von hier an nimmt die Zahl der Gebirgsketten zu, welche die ganze Mitte der Längenerstreckung Italiens mit Berglandschaften füllen, die nach S. immer mehr den schroffen, wilden Apenninencharakter annehmen. Während sie im Knie der Wendung, im Toscanischen, wo zugleich der breiteste Saum für die östlichen Abfälle bleibt, kaum zu 1600 m aufsteigen, beträgt weiter gegen S. ihre mittlere Höhe etwa 1800 m, und einzelne Gipfel (Monte Corno, Monte Majella) ragen 2500 bis nahezu 3000 m empor. Es beginnt mit diesem Wechsel der Normalrichtung das mehr einförmige, dichte, feste, vorherrschende Kalksteingebirge, dessen Gleichartigkeit auch die des landschaftlichen Charakters bedingt und sich mit den mannigfaltigen Abstufungen der Höhenzüge und mit seinen wechselnden pittoresken, eigentümlich zerrissenen und zerspaltenen Formen bis zum Süden der Halbinsel deutlich verfolgen läßt. Der hohe zentrale Apenninenzug, der ganz I. dammartig der Länge nach durchzieht, dacht sich nach beiden Meeren hin in mehr oder weniger breiten Hügellandschaften ab. Nach O. ist die Abdachung steiler, wilder, nach W. hin sanfter und thalreichere Uferlandschaften darstellend. Wenn demnach der hohe Apennin zwischen Ost- und Westitalien eine starke natürliche Scheide bildete, in Bezug sowohl auf die Verbreitung der Völkerstämme und die Kultur als auf Politik, so mußte der Westseite, sobald eine Wechselwirkung eintrat, naturgemäß die Herrschaft über die Ostseite zufallen, zumal auch die Westseite dem äußern Verkehr günstiger gestaltet war, während die hafenlose Ostseite noch überdies die des Hinterlandes entbehrende Steilküste von Dalmatien als Gegengestade hatte. In der That haben sich auch alle bedeutenden Städte und Mittelpunkte mittelitalischer Herrschaften (Etrurien, Rom, das süditalische Normannenreich etc.) auf der Westseite der Apenninen emporgearbeitet, keine auf der Ostseite. Den ganzen Süden der Halbinsel füllen die Neapolitanischen Apenninen. Sie bilden die sehr wilde Gebirgslandschaft der Abruzzen (s. d.), die aber in keinerlei Zusammenhang mit dem Vorgebirge Gargano stehen. Die Hauptwasserscheide zieht sich mehr nach W. und tritt am Golf von Policastro ans Tyrrhenische Meer, während sich östlich die Ebene von Apulien und eine flache, trockne, weiter nach SO. der Wasserläufe auf dem porösen Kalkstein ganz entbehrende Kalkplatte anlegt, welche auch die Apulische Halbinsel bildet. Die Apenninen enden eigentlich im Monte Pollino an der Wurzel der Kalabrischen Halbinsel, welche, aus altkristallinischem Gestein bestehend, nur noch Reste von Apenninkalk aufweist, der dafür in Sizilien wieder bedeutungsvoll hervortritt, so daß man von einer Fortsetzung der Apenninen bis nach Sizilien sprechen kann. Während außer in Apulien der Ostseite der Halbinsel die Form der Ebene ganz fehlt, besitzt die Westseite die fruchtbare Kampanische Ebene, welche in wenig unterbrochenem Zusammenhang mit den Pontinischen Sümpfen und der Ebene am untern Tiber steht. Eine lange, dem Kamm der Apenninen parallele Reihe von Vulkanen charakterisiert ferner die Westseite der Halbinsel, der Vesuv ist der südlichste u. einzig jetzt thätige; die Ostseite hat nur den erloschenen Vultur aufzuweisen.
I. ist geognostisch weniger durchforscht als die meisten übrigen Länder Europas, teilweise sogar vernachlässigt. Insbesondere gilt dies von mehreren Teilen des Südens. Verhältnismäßig am besten bekannt ist wohl die große Po-Ebene mit ihrer alpinen Umwallung. In der Ebene herrschen Alluvionen jeder Art vor, an ihrem nördlichen und westlichen Rand, beim Übergang in das Hügelland, spielen die als Erdmoränen der Gletscher der Eiszeit hier abgelagerten Geröllmassen eine große Rolle, aus denen z. B. die Hügellandschaften südlich vom Gardasee und südlich von Ivrea bestehen. Die isoliert aus der Ebene aufsteigenden Monti Berici, südlich Vicenza, und die Euganeen, südwestlich Padua, sind vulkanischen Ursprungs. Die Alpen bestehen auf italienischem Gebiet östlich vom Langensee in den Vorhöhen aus tertiären und Kreidebildungen, vorzugsweise Kalken und Sandsteinen, im höhern Gebirge aus triassischen und jurassischen Kalken und Dolomiten. Vom Langensee an reichen altkristallinische Gesteine, Gneis, Granit, Schiefer bis an die Ebene heran, aus ihnen bestehen auch noch überwiegend die Ligurischen Alpen. Die Apenninen bestehen bis zum Golf von Tarent und Kalabrien vorwiegend aus Kalksteinschichten der Jura- und Kreideformation, welchen in langer, schmaler Zone an der Ostseite vom Bergland von Montserrat, das vom Po umflossen wird, bis zum Golf von Tarent jüngere Tertiärschichten auflagern. Diese bilden mehr die niedern Gehänge, jene die höhern Gebirge, den Hintergrund jeder italienischen Landschaft, nicht als schroffe Felswände, auch nicht als fortlaufender Wall, aber doch mit kühnen Formen der Gipfel und häufiger stufenweiser Unterbrechung der Abhänge, zuweilen mit jähen Felsabstürzen, im Schmuck ihrer Eichen- und Kastanienwälder reich an malerischen Ansichten. Keinem andern Kalkgebirge der Erde ist eine solche Mischung des Erhabenen und Lieblichen eigen. Wesentlich trägt dazu bei die den Kalkgebirgen des Mittelmeergebiets eigentümliche Terra rossa, eine Art roter Thon, ein Verwitterungsrückstand des Kalksteins, auf welchem die Rebe, der Ölbaum, die Kastanie trefflich gedeihen. Es herrscht so im geographischen Bau der Halbinsel außerordentliche Einheit. Der Ligurische Apennin und selbst der Etruskische in seinen nördlichen Teilen besteht aus tertiären, eocänen Kalk- u. Sandsteinschichten von außerordentlicher Mächtigkeit, häufig aber, namentlich in einem 600 qkm großen Gebiet westlich von Genua, durchbrochen von ungeheuern Serpentinmassen. Im
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Etruskischen Apennin sind das charakteristische Gestein die sogen. Scherbenthone, welche der Kreide-, vielleicht auch der Eocänformation angehören und als Erzeugnisse kolossaler Schlammeruptionen aufgefaßt werden. Auch in den römischen und neapolitanischen Apenninen, obwohl sie wilder, zerrissener und höher sind, herrschen die charakteristischen Kalksteine des ganzen Systems bis zum Monte Pollino. Diesem Teil der Apenninen sind zahlreiche ausgefüllte und abgeflossene Seebecken eigentümlich, die sich ursprünglich zwischen seinen Wölbungen gesammelt hatten, jetzt aber fruchtbare Hochebenen bilden. Ein Querschnitt durch das Gebirge, wie ihn neuerdings der Bau der Eisenbahn im Pescarathal aufwärts bis Aquila gegeben hat, zeigt uns zunächst von der Küste bis zur Hochebene von Sulmona aus lockern Tertiärschichten bestehende Küstenterrassen, von da eocäne und Kreidekalke; die Basis des Gran Sasso-Stockes besteht aus dem untern Jura angehörigen roten Ammonitenkalken. Von besonderm Interesse sind aber die Subapenninen, namentlich wegen ihrer vulkanischen und damit zusammenhängenden sonstigen Erscheinungen. Die sedimentären, namentlich tertiären, Gesteine überwiegen auch hier, aber neben in Toscana noch häufig auftretenden ältern Eruptivgesteinen begleitet die Apenninen hier vom südlichen Toscana bis an den Golf von Neapel eine Reihe von Vulkanen, deren nördlichster der Trachytkegel des Monte Amiata ist, von wo sich die Reihe über die Kraterseen und die Vulkane der Gegend von Viterbo, über das in verschiedenen Epochen vulkanischer Thätigkeit entstandene Albanergebirge und die Rocca Monfina in Kampanien bis zu dem noch einzig thätigen Vesuv fortsetzt. Vielleicht kreuzt sich diese Reihe hier mit einer andern, durch die Pontinischen Inseln, Ischia u. weiter auswärts den Lago d'Ansanto und den Vultur bezeichneten. Vulkanische Tuffe, von der Rocca Monfina, wohl auch von den Kratern der Phlegräischen Felder und dem Vesuv ausgeworfen, bilden überwiegend die Ebene von Kampanien, die römische Campagna und die Gegend von Viterbo. In welchen Beziehungen aber die Borsäure-Lagoni Toscanas im Quellgebiet der Cecina und Merse zu den vulkanischen Erscheinungen stehen, ist noch dunkel. Der Kalabrische Apennin besteht ganz aus Granit, Gneis und kristallinischen Schiefern mit nur sehr geringen Resten von Apenninkalk, aber rings umlagert von jungtertiären Schichten, so daß die ältern Gesteine nur an wenigen Punkten an das Meer reichen. Dieselben kristallinischen Gesteine bilden auch die Nordostecke von Sizilien, während im Nebradischen Gebirge, der Madonie und fast an der ganzen Nordküste wiederum Apenninkalk vorherrscht. Dagegen besteht das Innere und der Süden der Insel aus tertiären Kalksteinen, Mergeln, Thonen und vor allem Gipsen, den Trägern der so wichtigen Schwefellager. Im SO. sowie im Ätna liegen vulkanische Gesteine vor. Sardinien besteht überwiegend aus altkristallinischem Gestein wie die Schwesterinsel Corsica, aber auch paläozoische Schiefer, Kreidekalke und vulkanisches Gestein nehmen bedeutenden Anteil am Aufbau der Insel. Wir gewinnen die Anschauung, daß I. wesentlich jüngerer Entstehung ist und erst in der Tertiärzeit seine eigentümliche Gestalt erlangt hat.
Gewässer.
Auch in hydrographischer Hinsicht zeigt Oberitalien einen wesentlichen Unterschied gegen die eigentliche Halbinsel und die Inseln. Nur im kontinentalen I. und zwar in den Alpen mit ihren Schnee- und Gletschermassen, ihren Seen und ihren auch im Sommer noch reichlichen Regen findet sich die zur Speisung von Flüssen hinreichende Wassermenge. Auf der eigentlichen Halbinsel drängen sich die Regen um die Winterszeit zusammen, und die Schneemassen, welche die Apenninen von 1500 m an, selbst noch die Sila und die Madonie Siziliens sechs Monate lang bedecken, vermögen die Flüsse im heißen Sommer kaum mehr zu nähren. Nur in den italienischen Niederlanden finden wir daher das ganze Jahr wasserreiche Flüsse, sonst ist der Wasserstand derselben im Sommer ein sehr niedriger, je weiter nach S., um so mehr; ja, die meisten Flüsse führen im S. nur im Winter und oft auch nur nach heftigen Regen Wasser, sie sind Torrenten oder Fiumaren. Auf der Halbinsel selbst sind die zum Tyrrhenischen Meer gehenden Flüsse die wasserreichern, aber nur der Tiber und in geringerm Maß der Arno und Garigliano sind schiffbar. Noch unbedeutender sind der Volturno, der Sele, Ombrone, Serchio und Magra. Selbst die größten der ins Adriatische und Ionische Meer mündenden Flüsse, der Crati und Bradano in den Golf von Tarent, der Ofanto, Pescara, Metauro, sind nur Küstenflüsse. Das Gleiche gilt vom Simeto, Platani und Salso Siziliens. Dagegen ist der Po trotz seiner geringen Lauflänge einer der verhältnismäßig wasserreichsten Flüsse Europas und in hohem Grad schiffbar, welche Eigenschaft nur durch die Flachheit seiner zahlreichen Mündungsarme (s. Po) beeinträchtigt wird. Auch die Etsch, obwohl weit reißender, ist im Unterlauf schiffbar, ebenso Ticino, Adda, Mincio, Oglio und einige andre Alpenzuflüsse des Po, während die von den Apenninen kommenden, außer dem Tanaro, sowie die Alpenflüsse des Venezianischen, Brenta, Piave, Tagliamento, die Natur der süditalienischen Torrenten haben. Es beruht dies wesentlich darauf, daß ihnen so herrliche Sammelbecken wie Langensee, Comer-, Iseo- und Gardasee fehlen. Die Seen der Halbinsel sind entweder flache Wasserbedeckungen von Mulden im Gebirge, wie der Trasimenische, oder Kraterseen, wie der von Bracciano, oder aber Strandlagunen, wie die von Salpi oder Comacchio.
Klima.
Zu den großen Vorzügen Italiens gehört auch sein herrliches, außerordentlich mildes Klima, das es dem Wall der Alpen, dem überall wirksamen Einfluß des Meers und der günstigen südlichen Exposition ganzer Landschaften verdankt. Doch ist auch hier ein bedeutender Unterschied zwischen dem kontinentalen und dem peninsularen I. bemerkbar; jenes hat auffallend kontinentales, dieses überwiegend maritimes Klima. Es lassen sich drei Regionen unterscheiden: das Pogebiet, Mittelitalien und Süditalien, zu welchem die ligurische Küste zu rechnen ist. Im Pogebiet wechseln kalte Winter mit heißen Sommern; trotz einer mittlern Jahrestemperatur von 13° C. kommen Temperaturen von -17° C. vor, und der Winter ist, wenn auch kürzer, so doch meist kälter als im Rheinthal zwischen Koblenz und Bonn. Nur ein schmaler Saum unmittelbar am Fuß der Alpen und an den lombardischen Seen macht eine Ausnahme. Dem entsprechend ist die Vegetation in der Lombardei durchaus mitteleuropäisch, nur solche Pflanzen des Südens können hier angebaut werden, welchen, wie dem Reis, die Sommerwärme gerade lange genug anhält; nur an den Seen kehren zahlreiche Formen der Mediterranflora und auch der Ölbaum wieder. In Mittelitalien ist die tyrrhenische Abdachung vor der adriatischen bevorzugt durch höhere Wintertemperatur, was sich namentlich darin ausprägt, daß am ganzen Küstensaum Dattelpalmen bis auf kurze
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Unterbrechung, in Toscana auch Agrumen bei einigem Schutz fortkommen. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 14,5° C., aber noch in Rom sind -5,9° C. beobachtet worden, und Schnee ist jeden Winter ein- bis zweimal zu erwarten, wenn er auch nicht liegen bleibt. Auch hier überwiegt noch der mitteleuropäische Charakter der Flora, nur in der Küstenzone sind immergrüne mediterrane Bäume und Sträucher häufig, und dem Ölbaum sind bedeutende Flächen gewidmet. Erst in Süditalien und der durch die Apenninen gebildeten klimatischen Oase von Ligurien herrscht volle Mediterranflora, und der Nordländer findet das I., welches er schon am Fuß der Alpen suchte. Erst hier, vom Monte Gargano und Terracina an, werden Agrumen im großen gebaut und sind Dattelpalmen häufig; erst von hier an sind die mitteleuropäischen Holzgewächse auf die Höhen der Berge zurückgedrängt und finden sich in Fülle die Opuntien und Agaven und die Vertreter der Mediterranflora, die immergrünen Eichen, die Karuben, Pistacia lentiscus, der Erdbeerbaum, die Phyllyreen, Lorbeer, Myrte, Oleander und jene große Zahl südlicher aromatischer Halbsträucher und Zwiebelgewächse, finden sich die winterlich grünen, mit buntem Blütenschmuck überdeckten Matten des Südens, welche an die Stelle der Wiesen des Nordens treten. Die mittlere Jahrestemperatur dieses Gebiets beträgt 17° C., steigt aber in Sizilien bis auf 18,5° C.; der Winter ist sehr mild, 10-11° C., so daß keine Unterbrechung in der Vegetation eintritt und nur die Berge längere Zeit von Schnee bedeckt sind. Hier erhebt sich die immergrüne Zone, die in Mittelitalien 500 m nicht erreicht, bis auf 800 m, erst dann beginnt meist mit Edelkastanien der Gürtel der laubabwerfenden Bäume; die Region von 1000-2000 m ist der Buche und der Kiefer eigen, aber nur auf den höchsten Höhen der Abruzzen u. Corsicas findet sich alpine Vegetation. Eine Schattenseite Italiens ist die weite Verbreitung der Malaria (s. d.), die hervorgerufen wird durch stagnierende Süßwasser und große Hitze; sie herrscht daher nur vom Juli bis September, macht aber ganze Landschaften, wie die Maremmen von Toscana und die römische Campagna, unbewohnbar. Nur sechs Provinzen sind überhaupt frei von Malaria. In der kühlern Jahreszeit, die hier zugleich die Regenzeit ist, indem sich diese von N. nach S. immer mehr von drei Jahreszeiten, Herbst, Winter, Frühling, auf den Winter konzentriert, wo also die Gewässer fließen, schwindet die Malaria (vgl. Graf Torelli, Carta della malaria dell' Italia, Flor. 1882). Auch der heiße, trockne Sciroccowind, der von der Sahara her weht, ist lästig und zuweilen der Vegetation schädlich.
Areal und Bevölkerung.
Das Königreich I. umfaßt nach Strelbitskys Berechnung einen Flächenraum von 288,540 qkm (5240,4 QM.) mit (1881) 28,459,628 Einw., deren Zahl sich in den 20 Jahren 1861-81 um 3,442,827 und jährlich durchschnittlich um 0,86 Proz. vermehrt hat. Offiziell wird der Flächeninhalt auf 296,323 qkm (5381,5 QM.) angegeben, während eine neuere planimetrische Messung nur 286,588 qkm (5204,7 QM.) ergab. Die Bevölkerung wurde Ende 1885 auf 29,7 Mill. Seelen berechnet. Als einzige auswärtige Besitzung gehört ein Landstrich an der Westküste des Roten Meers zu I. Er reicht von der Assabbai im S. bis Massaua (s. d.) im N. Das Gebiet an der Assabbai zählte 1881 auf 632 qkm (11,5 QM.) 1300 Einw. I. zerfällt in 16 Landschaften (compartimenti), welche in 69 Provinzen eingeteilt sind; vgl. nachfolgende Übersicht:
Übersicht der Provinzen Italiens.
|Provinzen und Landschaften||QKilometer||QMeilen||Einwohner 31. Dez. 1881|
|Alessandria||4937||89,7||729710|
|Cuneo||7491||136,0||635400|
|Novara||6614||120,1||675926|
|Turin||10452||189,8||1029214|
|Piemont:||29494||535,6||3070250|
|Genua||4194||76,2||760122|
|Porto Maurizio||1213||22,0||132251|
|Ligurien:||5407||98,2||892373|
|Bergamo||2828||51,3||390775|
|Brescia||4779||86,8||471568|
|Como||2796||50,8||515050|
|Cremona||1778||32,3||302138|
|Mailand||3143||57,1||1114991|
|Mantua||2359||42,8||295728|
|Pavia||3399||61,8||469831|
|Sondrio||3123||56,7||120534|
|Lombardei:||24205||439,6||3680615|
|Belluno||3347||60,8||174140|
|Padua||2063||37,5||397762|
|Rovigo||1665||30,2||217700|
|Treviso||2467||44,8||375704|
|Udine||6619||120,2||501745|
|Venedig||1898||34,4||356708|
|Verona||3181||57,8||394065|
|Vicenza||2785||50,6||396349|
|Venetien:||24025||436,3||2814173|
|Bologna||3593||65,3||457474|
|Ferrara||2627||47,7||230807|
|Forli||1989||36,1||251110|
|Modena||2573||46,7||279254|
|Parma||3310||60,1||267306|
|Piacenza||2355||42,8||226717|
|Ravenna||2134||38,8||225764|
|Reggio||2169||39,4||244959|
|Emilia:||20750||376,9||2183391|
|Perugia (Umbrien)||9474||172,1||572060|
|Ancona||2041||37,4||267338|
|Ascoli Piceno||1995||36,1||209185|
|Macerata||2777||50,4||239713|
|Pesaro-Urbino||3023||54,8||223043|
|Marken:||9836||178,7||939279|
|Arezzo||3297||59,9||238744|
|Florenz||5799||105,3||790776|
|Grosseto||4586||83,3||114295|
|Livorno||343||6,2||121612|
|Lucca||1410||25,6||284484|
|Massa-Carrara||1678||30,5||169469|
|Pisa||3123||56,7||283563|
|Siena||3826||69,5||205926|
|Toscana:||24062||437,0||2208869|
|Rom||12170||221,0||903472|
|Aquila||6625||120,3||353027|
|Campobasso||4416||80,2||365434|
|Chieti||3092||56,2||343948|
|Teramo||2875||52,2||254806|
|Abruzzen und Molise:||17008||308,9||1317215|
|Avellino||3034||55,1||392619|
|Benevent||2168||39,4||238425|
|Caserta||5412||98,3||714131|
|Neapel||871||15,8||1001245|
|Salerno||5071||92,1||550157|
|Kampanien:||16556||300,7||2896577|
|Bari||5926||107,6||679499|
|Foggia||6693||121,6||356267|
|Lecce||7891||143,3||553298|
|Apulien:||20510||372,5||1589064|
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|Provinzen und Landschaften||QKilometer||QMeilen||Einwohner 31. Dez. 1881|
|Potenza (Basilicata)||10354||188,1||524504|
|Catanzaro||5174||94,0||433975|
|Cosenza||6698||121,6||451185|
|Reggio di Calabria||3177||57,7||372723|
|Kalabrien:||15049||273,3||1257883|
|Caltanissetta||3289||59,8||266379|
|Catania||4984||90,5||563457|
|Girgenti||3019||54,8||312487|
|Messina||3227||58,6||460924|
|Palermo||5142||93,4||699151|
|Syrakus||3729||67,7||341526|
|Trapani||2408||43,7||283977|
|Sizilien:||25798||468,5||2927901|
|Cagliari||13683||248,5||420635|
|Sassari||10159||184,5||261367|
|Sardinien:||23842||433,0||682002|
|Königreich Italien:||288540||5240,4||28459628|
Bevölkerungsverhältnisse.
I. ist im ganzen dicht bevölkert, indem 99 Bewohner auf das Quadratkilometer kommen; doch zeigen die Landschaften und noch mehr die einzelnen Provinzen, in welche jene zerfallen, große Differenzen hinsichtlich ihrer relativen Bevölkerung. Die Extreme bilden die Landschaft Kampanien mit 175 und die Insel Sardinien mit 29, unter den Provinzen einerseits Neapel mit 1149, anderseits Sassari mit 26 und Grosseto mit 25 Einw. auf 1 qkm. Sehr dicht bevölkert sind auch die Landschaften Ligurien und Lombardei. Im ganzen wird I. hinsichtlich der Dichtigkeit seiner Bevölkerung unter den europäischen Staaten nur von Belgien, den Niederlanden und Großbritannien mit Irland übertroffen.
Nach der letzten Erhebung zählt I. 8259 Gemeinden mit 6,240,874 bewohnten Häusern und 4,469,500 Familien so daß je 100 Familien 72 Häuser bewohnen und 455 Individuen zählen. Die Gemeinden sind häufig von großem Umfang, da sie in der Regel mehrere Orte (frazioni), im ganzen 26,006, umfassen und außer den in zusammenhängenden Wohnplätzen (centri) befindlichen Personen auch die in getrennten Vorwerken und Häusern wohnenden in sich schließen. In manchen Gegenden Italiens, wie in Sizilien, gibt es fast gar keine kleinern Ortschaften, Dörfer im deutschen Sinn, sondern nur städtische Orte von mehreren Tausend Einwohnern. Von der Gesamtbevölkerung leben 20,684,255 oder 72,7 Proz. in zusammenhängenden Wohnplätzen beisammen und 7,775,373 oder 27,3 Proz. auf dem Land zerstreut. Die bevölkertsten Orte waren nach der Zählung von 1881: Neapel mit 463,172, Mailand mit 295,543, Rom mit 273,268, Turin mit 230,183, Palermo mit 205,712, Genua mit 138,081, Florenz mit 134,992, Venedig mit 129,445, Bologna mit 103,998 Einw.
Nach dem Geschlecht wurden 1881: 14,265,383 Männer und 14,194,245 Weiber gezählt, so daß sich ein geringer Männerüberschuß (auf 1000 Männer 995 Weiber) ergibt. Dieser Überschuß steigert sich am höchsten in der Provinz Rom (auf 1000 Männer nur 862 Weiber). Die Bevölkerungsbewegung ergibt folgende Durchschnittsresultate: auf 1000 Bewohner kommen 37 Geburten und 30 Sterbefälle; auf 1000 Geburten 72 uneheliche und 27 Totgeborne. Die Bevölkerung Italiens erleidet alljährlich durch Auswanderung einen nicht unbeträchtlichen Verlust, welcher in den letzten zwei Dezennien nur selten hinter der Ziffer von 100,00 pro Jahr zurückgeblieben ist, 1883 aber das Maximum von 169,101 erreicht und 1885: 157,193 betragen hat. Die größte Zahl von Auswanderern kommt aus Venetien, Piemont und der Lombardei. Für die Mehrzahl der Auswanderer waren europäische Länder das Reiseziel (Frankreich, Österreich, Schweiz, Deutschland u. a.). Unter den außereuropäischen Ländern dagegen übten die La Plata-Staaten (Argentina, Uruguay und Paraguay) sowie Brasilien die größte Anziehungskraft aus. Jährlich gehen 20-30,000 (1885 sogar 50,000) Italiener dahin. Im J. 1881 wurde die Zahl der im Ausland lebenden Italiener mit 1,032,392 Personen ermittelt. In europäischen Staaten leben hiervon 380,352 (Frankreich 240,733, Österreich-Ungarn 44,601, Schweiz 41,645), in Amerika 579,335 (Argentina 254,388, Brasilien 82,196, Uruguay 40,000, Vereinigte Staaten 170,000), in den Küstengebieten Afrikas 62,203 Personen.
Mit wenigen Staaten Europas teilt I. den großen Vorzug, daß es auch eine nationale Einheit bildet, daß es, wenn auch von zahlreichen einzelnen Fremden längere oder kürzere Zeit bewohnt, fast nur Italiener innerhalb seiner politischen Grenzen umfaßt und diese sich auch fast ganz mit dem Gebiet des italienischen Volkstums decken. Von allen Idiomen, welche von der lateinischen Sprache ausgingen, steht das Italienische der Muttersprache, deren Wiege es einnimmt, am nächsten. Die italienische Sprache hat den Charakter der Weichheit, und die Gesetze des Wohllautes bilden die ersten Grundpfeiler ihres grammatischen Gebäudes. Daher stehen die logischen Begriffe gewissermaßen der musikalischen Harmonie untergeordnet zur Seite. Die Sprache ist ein gleichsam erweichtes, gemildertes Latein, dessen Wortschatz kaum durch einige fremde Wörter bereichert ist. Sie herrscht in der ganzen Halbinsel südlich von den Alpen, in einem Teil der südlichen Schweiz und Tirols, in Triest, Görz und in den Küstenstädten Istriens und Dalmatiens. Im Venezianischen, wo noch heute in einigen Dörfern der sogen. 13 Gemeinden, wie der 7 Gemeinden nördlich von Verona und Vicenza, deutsch gesprochen wird, ist das Italienische erst mit dem Ausgang des Mittelalters die herrschende Sprache geworden. Auch südlich vom Monte Rosa sitzen noch Deutsche (in ganz I. zusammen ca. 25,000), wie in den Bergen Piemonts Franzosen (140,000). In den an Görz grenzenden Distrikten Friauls wohnen 30,000 Slowenen. In Apulien, Kalabrien und auf Sizilien finden sich schon seit dem 15. Jahrh. Albanesen und Arnauten (55,000), in den erstern beiden Landschaften sowie in Venedig auch Griechen (20,000) und in der Stadt Alghero und Umgebung auf der Insel Sardinien Katalonier (7000). Das Italienische zerfällt in viele Dialekte, die im gewöhnlichen Verkehr selbst von den Gebildeten gesprochen werden und so voneinander abweichen, daß es schwer hält, sich durch dieselben zu verständigen (vgl. Italienische Sprache).
Religion.
Beinahe die Gesamtheit der Bewohner des Königreichs I. (99,70 Proz.) bekennt sich zur katholischen Religion. Protestanten gibt es nur etwa 62,000, darunter 22,000 Waldenser, welche im Kreis Pinerolo wohnen und die gottesdienstlichen Gebräuche der reformierten Kirche befolgen; Juden 38,000. Nach den Bestimmungen des Fundamentalstatuts vom 4. März 1848 ist die römisch-katholische Religion die Staatsreligion, und sind die andern Kulte den Gesetzen gemäß nur toleriert. Die letztern genießen
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übrigens freie, öffentliche Religionsübung; auch begründet die Konfession keinen Unterschied in der Ausübung der bürgerlichen und politischen Rechte. Die Prärogativen des zu Rom residierenden Papstes als des geistlichen Oberhauptes der katholischen Kirche sind durch das Gesetz vom 13. Mai 1871 neu geregelt, auf welchem Gesetz auch das Verhältnis der Kirche zum Staat beruht. Danach ist die Person des Papstes heilig und unverletzlich; die italienische Regierung erweist dem Papste die souveränen Ehren und garantiert ihm eine jährliche Dotation von 3,225,000 Lire sowie den steuerfreien Genuß der Paläste Vatikan und Lateran und der Villa von Castel Gandolfo, welche Örtlichkeiten der Jurisdiktion des Staats nicht unterworfen und ebenso mit Immunitätsrechten ausgestattet sind wie jene Räume, die vom Papst nur zeitweilig bewohnt werden, oder in welchen ein Konklave oder ein Konzil abgehalten wird. Der Papst ist in der Ausübung seiner geistlichen Funktionen vollkommen frei; ebenso ist der freie Verkehr des heiligen Stuhls mit dem Episkopat und der ganzen katholischen Welt garantiert. Die Gesandten des Papstes und die der fremden Mächte bei ihm genießen alle völkerrechtlichen Privilegien. Der Kirche kommt die freie Ernennung zu allen geistlichen Ämtern und Pfründen zu. Das königliche Exequatur und das königliche Placet sind abgeschafft. Im Königreich I. bestehen 47 Erzbistümer, 217 Bistümer und 11 Abteien mit bischöflicher Jurisdiktion; die Zahl der katholischen Weltgeistlichen beträgt gegen 100,000. Die Klöster sind durch das königliche Dekret vom 7. Juli 1866 aufgehoben worden, mit Ausnahme einiger wenigen für Krankenpflege und Unterricht. Den Mitgliedern der aufgelösten Klöster wurden vom Staat Jahrespensionen angewiesen, wofür die Klostergüter dem Staatsvermögen einverleibt worden sind. Die Bettelorden und Frauenklöster sind auf den Aussterbeetat gesetzt. Die Jesuiten sind gesetzlich unterdrückt und ihre Güter für Staatseigentum erklärt worden.
Bildung und Unterricht.
Das Unterrichtswesen ist im allgemeinen durch das Gesetz vom 13. Nov. 1859 (bekannt unter dem Namen »legge Casati«) geregelt und die Unterrichtsverwaltung durch die Dekrete vom 22. Sept. und 21. Nov. 1867 organisiert, wonach in jeder der 69 Provinzen ein Schulrat, bestehend aus dem Präfekten als Vorsitzenden, dem Studienaufseher und sechs Räten, zusammengesetzt ist, als dessen Repräsentanten die Delegaten in den Bezirken und die Schulinspektoren in den Kreisen fungieren. Der Stand der Volksbildung ist bis jetzt kein befriedigender, da nach der Volkszählung von 1881 unter der Gesamtbevölkerung von 28,459,628 Seelen 19,141,157 Analphabeten (67,3 Proz.) und, wenn man die Kinder unter sechs Jahren abrechnet, noch immer 15,040,784 Analphabeten (61,9 Proz.) ermittelt wurden. In den einzelnen Landesteilen ist die Zahl der Analphabeten sehr verschieden. Die günstigsten Bildungsverhältnisse finden sich in den nördlichen Landschaften (Piemont 32,3, Lombardei 37, Ligurien 44,5, Venetien 54,1 Proz. Analphabeten von den über sechs Jahre alten Personen), während die Zahl der Analphabeten zunimmt, je weiter man dem Süden zuschreitet (ehemaliges Königreich Neapel 79,5, Sardinien 79,8, Sizilien 81,2 Proz.). Die Zahl der öffentlichen Volksschulen betrug 1883: 42,390 mit 1,017,402 männlichen und 856,321 weiblichen Schülern. Hierzu kommen noch 8870 Privatschulen mit 352,402 Schülern, dann 10,618 Abend- und Sonntagsschulen für Erwachsene mit 398,487 Schülern. Der Besuch der Elementarschulen ist obligatorisch, der Unterricht findet unentgeltlich statt (die Sorge für die Schulen liegt den Gemeinden ob) und zerfällt in einen niedern und einen höhern mit je zwei Jahrgängen. Zur Erziehung und zum Unterricht der Töchter der gebildeten Stände sind die höhern Töchterschulen bestimmt, von welchen die erste 1861 in Mailand vom Munizipium errichtet wurde, während gegenwärtig schon 77 mit 3579 Schülerinnen bestehen. Zur Heranbildung der Volksschullehrer dienen die Normalschulen und zwar 124, davon 69 Staatsanstalten mit 9416 Eleven. Der klassische Sekundärunterricht umfaßt die Gymnasien (734) als die untere Stufe mit fünf Jahrgängen und die Lyceen (341) als die obere Stufe mit drei Klassen, zusammen mit 58,784 Schülern, der realistische Sekundärunterricht die technischen Schulen (423, davon 70 königliche) mit 25,876 Schülern, dann die technischen Institute (66) mit 7358 Schülern.
Für den höhern Unterricht bestehen vor allem 17 königliche Universitäten, 11 vollständige mit den 4 Fakultäten, die theologische ausgeschlossen, die philosophische geteilt, in Bologna, Catania, Genua, Messina, Neapel, Padua, Palermo, Pavia, Pisa, Rom und Turin, 3 mit nur 3 Fakultäten (keine philologisch-philosophische) in Cagliari, Modena und Parma, 3 mit 2 Fakultäten (Jurisprudenz und Medizin) in Macerata, Sassari und Siena. Alle 17 Universitäten zählten 1883-84: 1274 Lehrkräfte und 13,104 Hörer. Die älteste Universität ist die in Bologna aus dem Jahr 1119; die am stärksten frequentierten sind die Universitäten von Neapel mit 3641, Turin mit 2086 und Rom mit 1058 Studierenden. Die ganzen Universitätsverhältnisse wurden im Oktober 1875 neu geregelt. Als Hochschulen sind weiter anzusehen: die 4 freien Universitäten in Ferrara und Perugia (mit je 3 Fakultäten), Camerino und Urbino (mit 2 Fakultäten) mit zusammen 230 Studenten, das königliche höhere Studieninstitut in Florenz (mit 3 Sektionen für Philosophie und Philologie, Medizin und Chirurgie, Naturwissenschaften), die wissenschaftlich litterarische Akademie in Mailand (einer Fakultät für Philosophie und Litteratur entsprechend), das königliche höhere technische Institut in Mailand, die königlichen Ingenieurschulen in Turin, Neapel, Padua, Bologna, Rom, Palermo und Pavia, das königliche Industriemuseum in Turin. Endlich besteht eine große Zahl von Fach- und Speziallehranstalten, wovon besonders zu erwähnen wären: das Collegio romano (auch Gregorianische Universität genannt), die Schule für Sozialwissenschaften in Florenz, die städtische höhere Kunstgewerbeschule zu Mailand, die höhere Handelsschule zu Venedig, die höhere nautische Schule zu Genua, die königlichen Ackerbauschulen in Mailand und Portici, die höhere Schwefelbergbauschule zu Palermo, das Musikinstitut zu Florenz und die Militärschulen (s. unten).
Als Hilfsanstalten für den Unterricht bestehen ca. 500 Bibliotheken, darunter die bedeutendsten die vatikanische Bibliothek in Rom (220,000 Bände, 25,600 Manuskripte), die aus den Bibliotheken der aufgehobenen Klöster gebildete Biblioteca Vittorio Emanuele in Rom (500,000 Bände, 5000 Manuskripte), die Nationalbibliothek in Florenz (300,000 Bände, 14,000 Manuskripte), die Markusbibliothek in Venedig (260,000 Bände, 8000 Manuskripte), die Nationalbibliothek in Neapel (260,000 Bände, 10,000 Manuskripte), die Ambrosianische Bibliothek in Mailand (160,000 Bände, 15,000 Manuskripte), die Universitätsbibliothek in Bologna (150,000 Bände, 6000
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Manuskripte) u. a. Sehr zahlreich sind in I. die wissenschaftlichen Gesellschaften (Akademien), deren jede Stadt eine oder auch mehrere besitzt. Zeitungen erschienen 1856 in I. nur 331, eine Zahl, die 1880 auf 1454 angewachsen war. Von letztern waren 560 politische, 262 litterarische und artistische, 219 fachwissenschaftliche, 185 landwirtschaftliche und gewerbliche, 78 kirchliche, 89 humoristische und illustrierte und 61 pädagogische Blätter. Täglich erschienen 149 (1883: 159) Zeitungen. Auf Rom kommen 200, Mailand 140, Neapel 120, Turin 94, Florenz 79 Blätter. Wie I. von jeher das klassische Land der Kunst gewesen ist, so ist es auch noch heute, obwohl sich seit Jahrhunderten alle Museen der Welt aus I. bereichert haben, reich an Kunstschätzen, und jede nur irgendwie ansehnliche Stadt besitzt ein Museum für Gemälde, Skulpturen und Antiquitäten. Die bedeutendsten finden sich in Rom (vatikanische und kapitolinische Sammlungen, lateranisches Museum, Galleria Borghese, Doria, Colonna, Corsini etc.), Florenz (Uffizien, Pitti, Akademie, Bargello), Neapel (Nationalmuseum), Venedig (Akademie, Dogenpalast), Mailand (Brera), Turin, Bologna, Genua, Verona, Parma, Perugia, Siena, Palermo etc.
Die Faktoren, welche die ursprüngliche Begabung eines Volkes umzuwandeln und seinen Nationalcharakter zu beeinflussen im stande sind, das Klima, die gesamte Naturumgebung, die historischen Geschicke, mußten in I. besonders wirksam sein. In so mildem Klima, an der Hand einer Natur, welche alle Bedürfnisse reichlich befriedigte, ohne allzu harte, abstumpfende, die Elastizität des Geistes wie des Körpers brechende Arbeit, mußte sich jene Empfänglichkeit, jene Beweglichkeit entwickeln, welche den Italiener charakterisiert. Weich und geschmeidig, zarter organisiert, wie sein Körper, ist auch sein Geist; rasch auflodernd in Leidenschaft, zu guter wie böser That leicht hingerissen, fehlt es ihm aber nicht selten an Zähigkeit und Tiefe. Mäßig und nüchtern, wie es dem Klima entspricht, ist der einzelne bedürfnislos und vermag sich leicht dem Gefühl der Unabhängigkeit hinzugeben. Wenn auch diese Bedürfnislosigkeit in Nahrung, Kleidung und Obdach leicht zu einem Hemmschuh der Kulturentwickelung werden kann, wie dies in Süditalien schwer zu leugnen ist, so ermöglicht sie doch anderseits ungestörte Hingabe an ideale Bestrebungen, Pflege des Wohlthätigkeitssinnes, der Wissenschaften, der Künste. Namentlich Sinn für die Kunst, Sinn und Pflege des Schönen, in welcher Form immer, ist einer der hervorstechendsten Charakterzüge des Italieners. Nicht nur in den Städten, selbst in der Anlage und Umzäunung der Felder, in der Bauart des einfachen Bauernhauses prägt sich dies aus. Und die Natur unterstützt ihn dabei, sie gibt ihm die schöne Form, das trefflichste Material an die Hand.
Bodenkultur.
Durch die klimatischen wie die Bewässerungsverhältnisse und das Relief des Landes wird auch die Bodenkultur bestimmt. Dieselbe unterscheidet sich in ihrem Betrieb wie in Bezug auf ihre Erzeugnisse sehr wesentlich von derjenigen Mitteleuropas und steht in Oberitalien auf der denkbar höchsten Stufe der Entwickelung, in Süditalien dagegen ist sie häufig noch sehr primitiv. Das Charakteristische daran ist das Überwiegen der Baumkultur, die Anwendung künstlicher Bewässerung, der Anbau von 2 oder 3 Früchten zu gleicher Zeit, namentlich im S., sowie die Erzielung mehrerer Ernten hintereinander in demselben Jahr. Dort kann man den Boden mit Gerste bestellt sehen, dazwischen Weinreben und über diesen Ölbäume, insofern bei der intensiven Sonnenglut leichte Beschattung wünschenswert ist und diese drei Früchte zu ganz verschiedener Zeit reifen. Die Baumkultur spielt eine so große Rolle, daß 1877 ein Fünftel der Gesamtausfuhr auf ihre Früchte kam. Diese Baumkulturen, die namentlich auch häufig in Terrassen an den Berghängen emporsteigen, erstrecken sich besonders auf Oliven, Feigen, Pfirsiche, Aprikosen, Mandeln, Maulbeeren, Johannisbrot und den Weinstock, zu denen dann an der Riviera und den bewässertern ^[richtig: bewässerten] Ebenen und Thälern Süditaliens die sehr wichtige Kultur der Limonen, Orangen, Mandarinen und japanischen Mispeln sowie auf trocknem, selbst felsigem Boden die als Nährpflanze außerordentlich wichtige Opuntie hinzukommen, während unsre mitteleuropäischen Obstarten nach S. hin immer mehr in höhere Gegenden zurückweichen. Viele Gegenden erhalten durch diese Fruchtbäume einen waldartigen Anblick. Eine sehr große Rolle spielen auch Gemüse, Erbsen, Artischocken, Blumenkohl, Salat u. dgl., welche im S. im Winter fast besser gedeihen als im Sommer, während die massenhaft angebauten Tomaten und Kukurbitaceen jeder Art auf den Sommer beschränkt sind. Kartoffeln werden nur in Oberitalien im großen gebaut, weiter nach S. sind sie in vielen Gegenden fast unbekannt und werden durch Opuntien ersetzt. Von Cerealien baut man besonders Weizen, Mais (mehr in Ober- und Mittelitalien), Gerste (sehr wichtig im S.) und Reis im Pogebiet. Die intensivste Bodenkultur herrscht im Pogebiet, in Toscana, Kampanien, der Conca d'Oro von Palermo und ähnlichen Gegenden, die durchaus gartenartig angebaut sind, wo kein Stückchen Land unbenutzt bleibt und unter beständiger Bewässerung auf dem fruchtbaren Schwemmland höchster Ertrag erzielt wird. Die Kostspieligkeit der Bewässerungsanlagen hat aber den Grund und Boden meist in der Form großer Güter in den Besitz reicher Adligen und Städter gebracht, welche dieselben in vielen kleinen Parzellen so hoch verpachten, daß der Pachter bei harter Arbeit kaum das Leben fristet und die Masse der Bevölkerung in diesem Garten Europas im Elend schmachtet. Im Gegensatz zu diesen Gegenden stehen aber die Hügellandschaften des innern Sizilien, auf denen nur Weizen mit Ausschluß aller Bäume in primitiver Weise gebaut wird, und die nach der Ernte im Sommer und Herbst der Steppe gleichen, noch mehr aber die nur als Winterweide brauchbaren, im Sommer von Malaria heimgesuchten Ebenen Apuliens, die Pontinischen Sümpfe, die Campagna von Rom und die Maremmen.
Die Landwirtschaft ist die Haupterwerbsquelle der Bevölkerung, und bei der allgemeinen Fruchtbarkeit des Bodens sind selbst in Sardinien und Sizilien die unangebauten Flächen geringer, als man gewöhnlich annimmt. Das produktive Land beträgt 87 Proz. des Gesamtareals, unproduktiv sind nur die genannten Sumpfgegenden und die höhern Gebirge. Aber auch in erstern sind schon allenthalben Austrocknungsarbeiten vorgenommen, wie neuerdings in der römischen Campagna, wie überhaupt in den letzten zwei Jahrzehnten derartige kulturtechnische Arbeiten, in denen die Italiener Meister sind, mit größerer Energie in Angriff genommen worden sind.
Vom Gesamtareal entfallen auf Acker- und Gartenland 36,9 Proz., auf Weinland 6,3, auf Wiesen und Weiden 25, auf Olivenhaine 3 und auf Waldungen 15,7 Proz. Der Ackerbau liefert alle Getreidearten, Reis in großer Menge zur Ausfuhr (bis 800,000 metr. Ztr.),
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Weizen und Mais dagegen trotz ansehnlicher Produktion nicht hinreichend, so daß jährlich bedeutende Quantitäten von diesen Früchten importiert werden müssen (durchschnittlich 2 Mill. metr. Ztr. Weizen und 1,4 Mill. metr. Ztr. Mais). Die Produktion an Cerealien beziffert sich im Jahresdurchschnitt an Weizen mit 50,9, Mais 31,3, Roggen und Gerste 6,4, Hafer 6,7, Reis 11,3, ferner an Hülsenfrüchten 5,6 Mill. hl und an Kartoffeln 7 Mill. metr. Ztr. Der Weizenbau findet in allen Provinzen Italiens statt, am stärksten in den neapolitanischen, in Sizilien und der Lombardei, wo er den Konsum übersteigt. Für Mais und Reis ist das Pogebiet bei weitem am wichtigsten, ebenso für Kartoffeln. Von Industriepflanzen werden Hanf (960,000 metr. Ztr.) in den mittelitalienischen Provinzen östlich von den Apenninen, Flachs (235,000 metr. Ztr.) besonders in der Lombardei, Baumwolle (180,000 metr. Ztr.) in Süditalien und Tabak (45,000 metr. Ztr.) auf den Inseln und in einigen kontinentalen Provinzen gebaut. Die Kultur der südlichen Fruchtbäume spielt in I. eine größere Rolle als selbst in den übrigen Mittelmeerländern. Südlich vom 40. Breitengrad sind Orangen u. Limonen, deren Anbau in Sizilien und Kalabrien sich beständig ausdehnt, die wichtigsten, von da bis zum 44. Breitengrad ist der Ölbaum, der weiter südlich aber durchaus nicht fehlt, der charakteristische Baum, doch fängt man erst jetzt an, das Öl rationell zu behandeln und dadurch höhere Preise zu erzielen. Die Jahresproduktion an Olivenöl beläuft sich auf 3 Mill. hl, wovon sehr viel zur Ausfuhr kommt; die Agrumenernte beträgt 2600 Mill. Stück Früchte. Über ganz I. ausgedehnt ist der Weinbau, der aber auch erst in wenigen Gegenden, namentlich in Sizilien, so rationell betrieben wird, daß von den jährlich gewonnenen 22-28 Mill. hl Wein ein beträchtliches Quantum zur Ausfuhr gelangen kann. An Waldungen ist I. nicht so arm, wie man nach dem Pogebiet schließen möchte; die Apenninen sind noch reich an Wäldern von Edelkastanien, welche bei der Ernährung der Bevölkerung ins Gewicht fallen (496,000 Hektar Bepflanzung, Jahresertrag 5,8 Mill. metr. Ztr. Früchte), an Eichen, Buchen, Tannen und Kiefern; der niedrige, wild und kultiviert vorkommende Sumachbaum liefert große Mengen von Gerbstoff, auch geben die edlen Fruchtbäume wertvolles Tischlerholz. Die Korkeiche liefert ihre Rinde, die herrliche Pinie, namentlich in dem Wald von Ravenna, ihre Nüsse, die Zwergpalme Siziliens Fasern zu Flechtwerk jeder Art, die Esche in den südlichen Provinzen den im Sommer ausquellenden verdickten Saft, die Manna. Sehr reich an Wald ist namentlich auch die Insel Sardinien. Man rechnet 4,6 Mill. Hektar Wälder, die aber in ihrem Bestand wenig geschätzt werden, da von Forstwirtschaft in I. kaum die Rede sein kann. Auch an Wild sind die Wälder sehr arm, da die Jagd frei ist, was namentlich auch den Sing- und Zugvögeln Mitteleuropas verhängnisvoll wird, die zu Millionen beim Durchzug geschossen und gefangen werden.
Viehzucht und Fischerei.
Die Viehzucht steht in I. sehr tief, nur Ziegen gedeihen allenthalben; rationelle Rindviehzucht ist auf einzelne Gegenden der mittlern Po-Ebene beschränkt, wo auch die Käsegewinnung (Parmesankäse) von großer Bedeutung ist. Schafzucht wird allenthalben getrieben, bringt aber nur jährlich 10 Mill. kg mittelmäßige Wolle. Die Geflügelzucht liefert namentlich große Mengen von Eiern für den Export (für 37 Mill. Lire). Der Viehstand betrug nach der Erhebung vom Jahr 1881: 4,783,232 Rinder, 8,596,408 Schafe, 2,016,307 Ziegen, 674,246 Maultiere und Esel und 1,163,916 Schweine. Hierzu kommen (nach der Zählung vom Jahr 1876) 657,544 Pferde. Von nicht geringer Wichtigkeit ist die Seefischerei, welche ca. 14,000 Schiffe und Boote von 50,000 Ton. beschäftigt, sowie die Korallenfischerei, welcher 1884: 549 Schiffe mit 4276 T. Gehalt dienten. Die dabei beschäftigte Mannschaft belief sich auf ca. 40,000. Die Fischerei erstreckt sich bis an die französische und afrikanische Küste. Am bedeutendsten ist die Thunfischerei (näheres s. Fischerei, S. 311). Von großer Bedeutung ist auch die Lagunenfischerei, namentlich in den Lagunen von Comacchio. Die Korallenfischerei wird hauptsächlich von den Häfen von Torre del Greco und Mazzara aus an der sizilischen Küste betrieben. Aus der Verarbeitung der zur Ausfuhr gelangenden Korallen erwächst dem Land ein Gewinn von jährlich 25-60 Mill. Lire. Zur Schwammfischerei liefen 1884: 66 Schiffe mit 1167 T., hauptsächlich von Trapani nach der tunesischen Küste, aus.
Bergbau.
Schon daraus, daß I. ein Land jüngerer Entstehung ist, läßt sich auf eine gewisse Armut an Mineralschätzen, wie dieselbe in der That vorhanden ist, schließen. Nur wo der Boden aus älterm geschichteten, kristallinischen oder eruptiven Gestein besteht, in den Alpen, dem Ligurischen Apennin, dem Toscanischen Subapennin wie auf Elba und Sardinien, finden sich wertvolle Mineralien, zu denen noch im Tertiär Siziliens Schwefel u. Steinsalz kommen. Bedeutungsvoll für die Verwertung der Bergbauprodukte sowie für die Entwickelung der Industrie ist das fast gänzliche Fehlen von Stein- und Braunkohlen (1884 wurden nur 230,000 Ton. Braunkohle, größtenteils in Toscana, gefördert). Die Bergwerke sind vielfach in den Händen fremder, besonders englischer, Gesellschaften. Die Goldbergwerke von Piemont und die Silberbergwerke auf der Insel Sardinien (Iglesias) sind von mäßiger Bedeutung, ebenso die Quecksilberminen im südlichen Toscana und in der Provinz Belluno. Bedeutender ist die Gewinnung von Blei- und Zinkerzen auf Sardinien (Iglesias), erstere auch in der Lombardei und Toscana. Die Erze werden größtenteils exportiert; an Metall werden nur 10,000 T. Blei und Glätte produziert. Alt und höchst bedeutungsvoll ist der die trefflichsten Erze liefernde Eisenbergbau auf Elba und in den Provinzen Bergamo, Brescia, welcher ebenfalls hauptsächlich für den Export arbeitet. An Roheisen wurden 1884 nur 120,129 T. gewonnen, da es der einheimischen Verhüttung und Eisenindustrie, die wenig Fortschritte macht, an Brennmaterial fehlt. Ebenfalls von den Etruskern her datiert der Kupferbergbau in Toscana, welcher jährlich ca. 250,000 metr. Ztr. Erz und 4000 metr. Ztr. metallisches Kupfer liefert. Das wichtigste Objekt des italienischen Bergbaues ist der Schwefel, welcher auf der Insel Sizilien in sehr mächtigen Lagern auftritt, und dessen noch sehr primitive Gewinnung in 300 Gruben vielen Arbeitskräften einen allerdings dürftigen Erwerb bietet. Außer Sizilien, wo er insbesondere in den Provinzen Girgenti und Caltanissetta vorkommt, gibt es noch Schwefelminen in den Provinzen Forli, Pesaro-Urbino, Avellino und Rom. Die Schwefelproduktion betrug 1880 im ganzen 359,540 T., wovon 312,862 auf Sizilien entfallen und der größte Teil (1880: 287,149 T.) exportiert wird. Die Gewinnung von Steinsalz, an dem das innere Sizilien und Kalabrien sehr reich sind, ist unbedeutend (1880: 16,000 T.), da der Transport zu teuer ist und die Salinen an der Küste Siziliens,
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Sardiniens und Elbas wie der Provinzen Rom und Bari weit billigeres Salz (320,000 T. jährlich) liefern. Erwähnenswert ist noch die Asphaltgewinnung in Süditalien (jährlich gegen 340,000 metr. Ztr.).
Industrie.
Die Industrie Italiens gehört zwar nicht zu denen ersten Ranges in Europa, doch ist sie in einzelnen Zweigen immerhin bedeutend genug und hat in neuerer Zeit, besonders in den nördlichen Provinzen, einen lebhaften Aufschwung genommen. Die Thatsache, daß innerhalb der letzten Dezennien der Konsum von Mineralkohlen von 500,000 auf 3 Mill. Ton. angewachsen ist, zeugt von der fortschreitenden industriellen Thätigkeit des Königreichs. Von den einzelnen Industriezweigen beschäftigt der Maschinenbau, obwohl er mit seiner Produktion den inländischen Bedarf nicht deckt, 65 größere Etablissements, besonders bei Turin und Mailand. Die Wagenfabrikation ist in Mailand von großer Bedeutung. Hinsichtlich des Schiffbaues nimmt I. unter den Seestaaten einen hervorragenden Platz ein, am ansehnlichsten ist er in Ligurien. Musikalische Instrumente werden in allen Hauptstädten produziert; das Land ist durch die Verfertigung der Streichinstrumente von Cremona rühmlichst bekannt, und Darmsaiten werden nirgends so gut bereitet wie in den Abruzzen. In der Eisenindustrie steht die Lombardei obenan; die Hauptsitze hierfür sind namentlich die Provinz Brescia (für Messer und andre Stahlwaren, Waffen etc.), die Provinzen Como und Mailand. Raffiniertes Eisen verschiedener Art, Stahl und Eisenwaren müssen jedoch im Wert von 70 Mill. Lire jährlich importiert werden. Die Fabrikation von Gold- und Silberwaren, ein alter Zweig italienischen Gewerbfleißes, steht in Rom, Mailand, Neapel, Genua, Venedig und Catania in großer Blüte. I. besitzt ferner großen Reichtum an Marmor, der hier in den schönsten und mannigfaltigsten Farben und Zeichnungen gebrochen und bearbeitet wird. Das Hauptland ist in dieser Beziehung Toscana, insbesondere das Gebiet von Massa und Carrara und der Distrikt von Serravezza in der Provinz Lucca. Durch die Alabasterbrüche und die Herstellung von Alabasterwaren zeichnet sich der Bezirk Volterra in der Provinz Pisa aus, und einer Weltberühmtheit erfreut sich die Erzeugung von Kameen und Mosaiken in Rom, Neapel und Florenz sowie die von Korallenwaren in denselben Städten, dann in Livorno und Genua. Die Industrie in Thonwaren wird in I. von jeher mit dem besten Erfolg betrieben und arbeitet in verschiedenen Artikeln auch für die Ausfuhr. Die Arbeiten werden in der geschmackvollsten Weise, Terrakotten, Majolika und Fayence insbesondere in bewundernswerten Formen an vielen Orten hergestellt. Die Glasindustrie vermag den einheimischen Bedarf bei weitem nicht zu decken; eigentümlich für Venedig und die Insel Murano ist die Fabrikation von Glasperlen, Glaspasten, Glasmosaiken, die allein 2500 Arbeiter beschäftigt und nach allen Weltteilen exportiert. Auf dem Gebiet der chemischen Industrie sind hervorzuheben: die Gewinnung von Borsäure aus den Lagoni Toscanas (20,000 metr. Ztr.), von Weinstein- und Zitronensäure, wovon jährlich große Mengen ausgeführt werden, die Seifenfabrikation und die Erzeugung von Wachskerzchen, welch letztere einen ansehnlichen Exportartikel bilden. Die Papierindustrie blüht in Piemont, der Lombardei und Kampanien (210 Fabriken), die Strohhutfabrikation in Florenz und Umgebung, die Woll- und Filzhutfabrikation, welche sich in den letzten Jahren sehr entwickelt hat, in Oberitalien, die Lederindustrie liefert jährlich Produkte im Wert von 100 Mill. Lire.
Der wichtigste Industriezweig ist die Seidenindustrie, insbesondere die Erzeugung von Rohseide, welche am stärksten in der Lombardei, in Venetien und Piemont vertreten ist und bei einer Zahl von ca. 5500 Filanden jährlich ca. 2,3 (1883: 3,2) Mill. kg Rohseide liefert. Gegen 2 Mill. Spindeln sind bei der Seidenspinnerei, namentlich in der Provinz Como, thätig, wo auch die Seidenweberei (in ganz. I. 12,000 gewerbsmäßig betriebene Webstühle) ihren Hauptsitz hat. Auch Schafwollspinnerei und Weberei ordinärer Ware (300,000 Spindeln, 8500 Webstühle) wird in Oberitalien (Piemont und Venetien) betrieben, ebenso Baumwollindustrie (1,130,000 Spindeln und 30,000 größtenteils mechanische Webstühle, hauptsächlich in Piemont und der Lombardei), welche aber beide trotz ansehnlicher Entwickelung noch sehr starke Einfuhr nötig machen. Die Industrie in Flachs und Hanf beschäftigt nur 59,000 Spindeln und 73,400 Handstühle, letztere größtenteils bei der Hausindustrie; sie ist indes nicht so konkurrenzfähig wie die übrigen Textilindustrien. Von den Industrien in Nahrungsmitteln fallen nur die Erzeugung von Makkaroni in der Umgebung von Neapel und Genua, die Wurstbereitung (Salami und Mortadella) und die Likörfabrikation auch für die Ausfuhr ins Gewicht. Die Zuckerraffinerie beginnt in den letzten Jahren an Boden zu gewinnen. In ganz I. sind 26,7 Proz. der erwerbsfähigen Bevölkerung bei der Industrie beschäftigt.
Handel und Verkehr.
Der Handel Italiens, durch die höchst günstige Lage des Landes, durch die langgestreckten Küsten und die vielen guten Häfen wie durch die sich stetig mehrenden Alpenstraßen wesentlich gefördert, ist ein sehr lebhafter und umfaßt in der Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr zusammengenommen einen Wert von mehr als 2½ Milliarden Lire, wozu noch der sehr beträchtliche Wert des innern Verkehrs kommt. Der interne Handel ist in allen größern Orten (Mailand, Turin, Florenz, Bologna etc.) von Bedeutung. Der auswärtige Handel wird, wie in Frankreich, in den General- und Spezialhandel (letzterer die Einfuhr für den Verbrauch und die Ausfuhr einheimischer Waren umfassend) unterschieden, und der auswärtige Spezialhandel belief sich in den unten bezeichneten Jahren auf nachstehende Werte (in Millionen Lire):
|Jahr||Einfuhr||Ausfuhr|
|1865||965,2||558,3|
|1870||895,7||756,3|
|1875||1215,3||1033,7|
|1880||1225,6||1132,3|
|1881||1332,0||1192,3|
|1882||1345,4||1155,9|
|1883||1380,3||1199,9|
|1884||1343,8||1096,4|
|1885||1575,2||1134,3|
In dem Umfang und Werte der Handelsbewegung gibt sich eine außerordentliche Steigerung kund, wenn dieselbe auch im letzten Dezennium mehr in der Einfuhr als in der Ausfuhr zu Tage tritt. Wenn man die einzelnen Warenklassen ins Auge faßt, so ergibt sich, daß bei der Einfuhr des Jahrs 1885 die Metalle und Metallwaren (mit Einschluß der Münzen) im Wert von 282,2 Mill. Lire obenan stehen; nach ihnen folgt die Einfuhr von Cerealien und ähnlichen vegetabilischen Produkten im Wert von 202,7, Baumwolle und Baumwollfabrikaten mit 176,5, Kolonialwaren und Tabak mit 126,1, Tieren und tierischen Produkten mit 116, Kohle, Steinen, Erden und Glas mit 104,2, Wolle und Wollfabrikaten mit 103,5 Mill. Lire etc. Bei der Ausfuhr Italiens im J. 1885 steht
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Seide mit 277 Mill. Lire an der Spitze, hiernach folgen Metalle, Erze und Münzen mit 215,7, Tiere und tierische Produkte mit 126,3, Wein und Öl mit 113,5, Reis, andre Cerealien und Südfrüchte mit 111,3 Mill. Lire etc. Die wichtigsten Verkehrsländer für den auswärtigen Spezialhandel Italiens sind: Frankreich, Großbritannien und Irland, Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich. Rücksichtlich der Transportwege ist in der Einfuhr der Seehandel (mit 67¾ Proz.), in der Ausfuhr dagegen der Landhandel (51½ Proz.) von größerer Wichtigkeit; das Übergewicht des letztern in der Ausfuhr ist hauptsächlich auf die Eröffnung der Alpenbahnen zurückzuführen.
Der Seeschiffahrt stand Anfang 1886 eine Handelsmarine von 7336 Schiffen mit 953,419 Ton. Tragfähigkeit zu Gebote, darunter 225 Dampfschiffe mit 124,600 T. Das Personal der Handelsmarine mit Einschluß des Schiffbaues und der Fischerei belief sich auf 192,046 Mann. Die Seeschiffahrtsbewegung in den italienischen Häfen zu Handelszwecken ergab 1884: 104,369 eingelaufene Schiffe mit 16,717,679 T. und 103,987 ausgelaufene Schiffe mit 16,666,031 T. Die durch die Seeschiffahrt vermittelte Warenbewegung betrug 10,319,902 T. Auf die internationale Schiffahrt kamen zusammen 30,986 ein- und ausgelaufene Schiffe mit 10,4 Mill. T. Hinsichtlich der Flaggen prävalierte hierunter die englische mit 4,4, hierauf folgte die italienische mit 2,8 und die französische Flagge mit 1,7 Mill. T. Auf die Küstenschiffahrt kamen zusammen 177,370 ein- und ausgelaufene Schiffe mit 22,9 Mill. T., wobei die italienische Flagge (mit 16,6 Mill. T.) überwog. Die italienische Seemacht hat vortreffliche Traditionen für sich, und italienische Matrosen sind sehr gesucht. Auch hat die Natur das Land mit Materialien zum Schiffahrtsgewerbe reich ausgestattet. Schiffbauholz ist in den Wäldern der Alpen und Apenninen sowie auf Sardinien vorhanden, ebenso Eisen, Kupfer, Hanf, Pech und Teer. Dies alles zusammengenommen sichert dem Land einen hervorragenden Platz unter den seefahrenden Nationen. I. besitzt aber auch eine große Zahl trefflicher, nur teilweise durch Kunst verbesserter Häfen, von welchen die zwölf wichtigsten (mit Angabe des Tonnengehalts der 1884 in denselben ein- und ausgelaufenen Schiffe) folgende sind: Genua (4,823,585), Neapel (3,312,808), Livorno (2,495,436), Messina (2,246,850), Palermo (2,236,994), Venedig (1,515,568), Catania (1,353,393), Brindisi (1,035,752), Bari (859,207), Ancona (699,879), Savona (695,799), Cagliari (585,960). Die hervorragendste Schiffahrtsunternehmung Italiens ist die vereinigte Dampfschiffahrtsgesellschaft Navigazione Generale Italiana (früher Florio-Rubattino, s. d.).
Von Eisenbahnen fand das Königreich I. mehrere getrennte Stücke vor, die seitdem vereinigt und ausgebaut worden sind. Von 26 km im J. 1840, in welchem in I. die erste Eisenbahn (Neapel-Castellammare) dem Betrieb übergeben wurde, hat sich die Länge dieses Verkehrswegs schon Ende 1850 auf 590, Ende 1860 auf 2204, Ende 1869 auf 5587 km gesteigert und betrug zu Ende 1884: 9916 km außer den noch im Bau befindlichen und konzessionierten Bahnen. Nach dem Gesetz vom Jahr 1879, welches den Ausbau der Eisenbahnen bezweckt, sollen noch im ganzen 6020 km Eisenbahnen gebaut werden. Von dem Gesamtbahnnetz kamen 1884 auf Staatsbahnen 6257, auf Privatbahnen 3659 km. Doch hat der Staat seine Bahnen in den letzten Jahren in drei großen Netzen, dem adriatischen, dem mittelländischen und dem sizilischen, an Betriebsgesellschaften verpachtet. Die Brutto-Einnahmen der Eisenbahnen betrugen 1884 insgesamt 210,745,931 Lire, wovon auf die anderwärts mehr untergeordnete Personenbeförderung 79,750,429 Lire entfielen. Das Landstraßennetz, das namentlich im S. bis 1860 sehr mangelhaft war, hat sich von 85,959 km im J. 1863 auf 115,000 km im J. 1880 vermehrt. Auch das Post- und Telegraphenwesen hat einen erfreulichen Aufschwung genommen, indem dem erstern im J. 1885 eine Zahl von 4588 Postanstalten, dem letztern eine solche von 3073 Telegraphenämtern und 28,438 km Linien zur Verfügung stand und der Verkehr der Briefpost 254,1 Mill. Stück, derjenige des Telegraphen 7,344,422 Depeschen (1868 erst 2,320,280) erreichte. Doch steht die Lebhaftigkeit des Post- und Telegraphenverkehrs in I. gegen andre Staaten noch weit zurück, da 1885 auf einen Einwohner nur 8,6 Briefe (in Großbritannien 43,6, in der Schweiz 31,6) und auf 1000 Bewohner 250 Depeschen (in Großbritannien 1086) kamen.
Die Zahl der Banken, Kreditinstitute etc. betrug Anfang 1883 in ganz I. 348 mit einem Nominalkapital von 806,5 Mill. und einem eingezahlten Kapital von 740,5 Mill. Lire. Hierunter befinden sich sechs Emissionsbanken mit 315,35 Mill. Lire eingezahltem Kapital (obenan die Nationalbank von I. zu Rom mit 200 Mill. Lire Kapital), 115 eigentliche Kreditbanken mit 346,5 Mill., 206 Volksbanken mit 47 Mill. und 21 Bodenkreditbanken mit 31,6 Mill. Lire eingezahltem Kapital. Die Idee des Sparkassenwesens fand in I. einen guten Boden. Von 19 im J. 1830 bestehenden haben sich dieselben namentlich seit 1860 und im S., wo sie noch nicht existierten, bis 1882 auf 357 vermehrt, welche zusammen 1,037,139 Einleger und 743,9 Mill. Lire Einlagen zählten. Die Regierung hat sich nur das allgemeine Oberaufsichtsrecht gesichert, im übrigen haben sich diese Institute lediglich unter kommunalen Einflüssen entwickelt. Auch Fabrik-, Schul- und neuerdings Postsparkassen sind eingerichtet worden; von letztern gab es 1882 schon 3488 mit 591,238 Einlegern und 82,4 Mill. Lire Einlagen.
Hinsichtlich des Münzwesens hat I. mit Frankreich, Belgien und der Schweiz 23. Dez. 1865 einen Münzvertrag (die sogen. lateinische Konvention) abgeschlossen, welchem späterhin auch Spanien, Rumänien und Griechenland beigetreten sind, und wonach diese Staaten eine Vereinigung in Betreff des Gewichts, des Gehalts, der Form und des Kurses ihrer Gold- und Silbermünzsorten bilden. Auch hinsichtlich der Maße und Gewichte gilt in I. das französische System (Gesetz vom 28. Juli 1861).
Wohlthätigkeitsanstalten.
Eine wichtige Rolle im sozialen Leben Italiens spielen die öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalten. I. war von jeher das eigentliche Land der frommen Werke (opere pie), welche sich daselbst in zahllosen Formen mit allen erdenklichen Zwecken ausgebildet und fast unglaubliche Summen für diese aufgebracht haben. Die öffentliche Wohlthätigkeit ist Gemeinde-, bez. Provinzialsache. Der Staat unterhält auf seine Kosten Institute für Findlinge und Geisteskranke bloß in denjenigen Provinzen, welche für diesen bestimmten Zweck keine Institute besitzen. Die Einrichtungen und Institute für öffentliche Wohlthätigkeit werden durch eine Wohlthätigkeitskommission in jeder Gemeinde verwaltet, welche von dem Gemeinderat ernannt wird. Nach der letzten
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Erhebung vom J. 1878 gab es im Königreich 17,870 solcher Institute. Das ganze Vermögen der Wohlthätigkeitsanstalten belief sich auf 1626 Mill. Lire, das Gesamterträgnis auf 91 Mill. Lire, wovon nach Abzug der Patrimoniallasten, der Steuern und Abgaben und der Verwaltungskosten 47 Mill. Lire zu Unterstützungszwecken verfügbar bleiben. Von diesem Unterstützungsbetrag kommen, wenn man nach dem Zweck der Anstalten unterscheidet, auf Almoseninstitute 11,5, auf Spitalanstalten 16,2, auf Kreditanstalten 1,6, auf Erziehungsanstalten 12,3, auf Anstalten mit verschiedenen Zwecken 5,5 Mill. Lire. Die Zahl der unterstützten Personen beträgt im Jahresdurchschnitt 6,305,278, so daß fast schon auf je vier Bewohner des Königreichs eine Person kommt, welche die Wohlthätigkeitsinstitute in irgend einer Richtung in Anspruch nimmt.
Staatsverfassung.
Die italienische Verfassung beruht auf dem Fundamentalstatut vom 4. März 1848, d. h. auf der vom König Karl Albert dem Königreich Sardinien verliehenen Konstitution. Die Regierungsform ist hiernach die repräsentativ-monarchische. Der König ist Inhaber der Staatsgewalt, doch kann er das Recht der Gesetzgebung nur im Verein mit dem Nationalparlament ausüben. Der Thron vererbt sich nach dem Salischen Gesetz im Mannesstamm des königlichen Hauses von Savoyen. Der König bekennt sich mit seinem Haus zur römisch-katholischen Kirche. Er wird mit dem vollendeten 18. Lebensjahr großjährig und legt bei seinem Regierungsantritt in Gegenwart beider Kammern einen Eid auf die Verfassung ab. Sein Titel ist nach dem Gesetz vom 17. März 1861: »von Gottes Gnaden und durch den Willen der Nation König von I.« Er verleiht die fünf Ritterorden (s. unten) und übt verfassungsmäßig die Hoheitsrechte aus. Er führt den Befehl über die Land- und Seemacht; er erklärt Krieg, schließt Friedens-, Allianz-, Handels- und sonstige Verträge, von denen nur jene, welche eine Belastung der Finanzen oder eine Veränderung des Gebiets in sich schließen, zu ihrer Wirksamkeit der Zustimmung der Kammern bedürfen. Der König ernennt zu allen Staatsämtern, sanktioniert und verkündigt die Gesetze, welche sowie die Regierungsakte von den verantwortlichen Ministern gegengezeichnet sein müssen, und erläßt die zur Ausführung der Gesetze notwendigen Dekrete und Reglements. Die Justiz wird in seinem Namen gehandhabt, ihm allein kommt die Begnadigung und Strafmilderung zu. Sämtliche Staatsbürger ohne Unterschied des Standes sind nach den Bestimmungen des Fundamentalstatuts gleich vor dem Gesetz. Die individuelle Freiheit ist garantiert; die Wohnung ist unverletzlich; die Presse ist frei; das Recht der Versammlung ist anerkannt. Jeder Bürger hat das Recht der Petition an die Kammern. Die Volksvertretung des Königreichs I. besteht aus zwei Kammern, dem Senat und der Deputiertenkammer. Der Senat besteht aus den königlichen Prinzen und aus Mitgliedern, welche vom König auf Lebenszeit aus gewissen Kategorien von Staatsbürgern (Inhabern bestimmter Ämter und Würden, um das Vaterland verdienten Männern und Personen, welche jährlich 3000 Lire direkte Steuern zahlen) im Alter von mindestens 40 Jahren ernannt werden. Die Zweite Kammer heißt die Deputiertenkammer und begreift 508 Mitglieder, welche in 135 Wahlkreisen (in jedem Kreis 2-5 Abgeordnete) im Weg des Listenskrutiniums auf die Dauer von fünf Jahren direkt berufen werden. Wähler sind alle Italiener, welche die bürgerlichen und politischen Rechte genießen, das 21. Lebensjahr vollendet haben, lesen und schreiben können und 20 Lire direkte Steuern zahlen oder vermöge bestimmter persönlicher Stellung oder Qualifikation wahlberechtigt sind. Wählbar als Deputierte sind alle Wähler, welche das 30. Lebensjahr zurückgelegt haben. Nicht wählbar sind Seelsorgegeistliche, Staatsbeamte (mit Ausnahme der Minister, Generalsekretäre, höhern Offiziere, Hochschulprofessoren, aber auch diese nur in der Zahl von höchstens 40), Sindaci, Provinzialdeputierte und Personen, die von subventionierten Gesellschaften Gehalt oder Vergütung beziehen. Der König ruft die Kammern jedes Jahr zusammen; die Sitzungen sind öffentlich. Das Präsidium des Senats wird vom König, das der Deputiertenkammer von dieser gewählt. Die letztere besitzt das Recht der Ministeranklage, in welchem Fall der Senat als Gerichtshof fungiert. Die Provinzen besitzen Selbstverwaltung, deren Ausübung dem von den Gemeindewählern auf fünf Jahre gewählten Provinzialrat und der von diesem berufenen Provinzialdeputation übertragen ist. Die Gemeindeorgane sind der auf fünf Jahre gewählte Gemeinderat, die aus der Mitte des Gemeinderats gewählte Munizipalgiunta und der Sindaco, der Chef der Gemeindeverwaltung.
Verwaltung.
Was die Staatsverwaltung betrifft, so wird die vollziehende Gewalt vom König durch die verantwortlichen Minister ausgeübt, welche im Ministerrat zusammentreten. Neben diesem besteht ein Staatsrat, welcher konsultative Befugnisse besitzt und über Kompetenzkonflikte zwischen Administrativbehörden und Gerichten sowie über Streitigkeiten zwischen dem Staat und seinen Gläubigern entscheidet. Derselbe besteht aus einem Präsidenten, drei Sektionspräsidenten, 24 Staatsräten und dem Dienstpersonal und wird auf Vorschlag des Ministerrats vom König ernannt. Die oberste Staatsverwaltung ist unter folgende neun Ministerien, mit dem Sitz in Rom, verteilt: 1) das Ministerium für die auswärtigen Angelegenheiten (mit dem Rat für diplomatische Streitsachen); 2) das Ministerium des Innern (mit dem Obersanitätsrat); 3) das Ministerium für Gnade, Justiz und Kultus; 4) das Ministerium der Finanzen und des Schatzes; 5) das Kriegsministerium (ihm sind die Komitees für den Generalstab, die Linienwaffen, die königlichen Karabiniere, für Artillerie und Genie, für das Militärsanitätswesen und das oberste Kriegs- und Marinetribunal unterstellt); 6) das Marineministerium (mit dem Obermarinerat); 7) das Ministerium des öffentlichen Unterrichts (mit dem Oberunterrichtsrat); 8) das Ministerium der öffentlichen Arbeiten (mit dem obern Rat für die öffentlichen Arbeiten und dem Eisenbahnrat); 9) das Ministerium für Ackerbau, Industrie und Handel (mit dem Bergrat und der statistischen Zentralgiunta). Eine selbständige Stellung besitzt der Rechnungshof des Königreichs.
Für die Verwaltung zerfällt I. in Provinzen (s. S. 57), Kreise (circondari, in Venetien und Mantua Distrikte genannt), Bezirke (mandamenti, diese bloß für die Rechtspflege) und Gemeinden. Jeder Provinz steht ein Präfekt vor. Derselbe vertritt die vollziehende Gewalt und hat zu seiner Unterstützung den Präfekturrat an der Seite, welcher aus einer Anzahl von Räten, Sekretären und subalternen Beamten besteht. In jedem Kreis ist eine Unterpräfektur errichtet, deren Vorstand, der Unterpräfekt, unter Leitung des Präfekten die Verwaltungsgeschäfte des Kreises besorgt. Es gibt in ganz I. 69 Präfekturen,
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137 Unterpräfekturen und 78 Distriktskommissariate. Unter den Präfekten und Unterpräfekten (Distriktskommissaren) fungieren die Gemeindevorsteher (Sindaci, s. oben) als Regierungsbeamte. Die Sicherheitspolizei wird von den Präfekten, Unterpräfekten (oder Distriktskommissaren) mit beigegebenen Inspektoren und Delegaten, in zwölf großen Städten von Quästoren (mit Inspektoren) geleitet. In jeder Provinz bestehen ein Sanitätsrat, ein Schulrat, eine Postdirektion, eine Finanzintendanz und ein Bauamt; für größere Gebiete sind 9 Telegraphendirektionen, 34 Forstdepartements und 8 Bergämter eingesetzt. Was die Überwachung der Provinzen und Gemeinden durch den Staat betrifft, so haben die Präfekten die Protokolle und Beschlüsse der Gemeinde- und Provinzialräte zu prüfen, auch liegt der Provinzialvertretung die Oberaufsicht über das Budget der Gemeinden u. dgl. ob. Gegen Entscheidungen beider ist Rekurs möglich. Der König kann die Gemeinde- und Provinzialräte auflösen, in dringenden Fällen sogar der höchste Provinzialbeamte. Binnen drei Monaten nach der Auflösung muß jedoch eine Neuwahl angeordnet werden. Bei Auflösung des Provinzialrats tritt der Präfekt und der Präfekturrat ein, bei Auflösung des Gemeinderats ein königlicher Kommissar.
Die Rechtspflege wird in I. gehandhabt von 5 Kassationshöfen (in Rom, Turin, Florenz, Neapel und Palermo), dann 24 Appellhöfen, 92 Assisenhöfen, 161 Zivil- und Korrektionstribunalen, 1804 Präturen, 28 Handelstribunalen, ferner von Vermittlern (conciliatori) in jeder Gemeinde und von Militärgerichten.
Finanzen.
Der Staatshaushalt des Königreichs I. leidet seit dem Bestand des neuen Staats an einem bedeutenden Defizit sowie an einer Überlastung mit Schulden, und es ist erst heute gelungen, die mißlichste Frage der italienischen Verwaltung, die Herstellung des Gleichgewichts zwischen den Einnahmen und Ausgaben, in dauernd befriedigender Weise zu lösen. Es sind nicht bloß die Kosten der Kriege und die Schuldenlast der ehemaligen italienischen Staaten, mit denen das junge Königreich vom Tag seiner Entstehung an zu rechnen hatte; es ist auch nicht allein die Erhaltung der unentbehrlichen Militärmacht, was die italienische Staatsbilanz zu einer so passiven gestaltete: vielleicht die wichtigste Ursache hiervon liegt in dem verhältnismäßigen Mangel an volkswirtschaftlichen Produktivkräften und an augenblicklicher Fähigkeit, die reichen, aber namentlich im Süden noch völlig unentwickelten Hilfsquellen des Landes in hinreichendem Maß nutzbar zu machen und so die nach der Lage der Dinge unausweichliche Ausgabenlast entsprechend zu decken. Die Regierung ist wohl bestrebt, durch Hebung der Bodenkultur, der Verkehrswege etc. die Produktions- und Steuerkraft des Landes zu heben; doch erfordert dies erhöhten Aufwand und zeitigt seine Früchte erst spät. In den 20 Jahren einheitlicher Administration ist das Defizit allerdings geschwunden (1866 betrug es 721,4 Mill. Lire), doch war dies nur durch hochgespannte Inanspruchnahme der Steuerkraft zu erreichen. Eine sehr anerkennenswerte staatsfinanzielle Maßregel war die im J. 1883 durchgeführte Aufhebung des Zwangskurses des Papiergeldes und die Rückkehr zur Metallwährung. Das Staatsbudget für das mit Ende Juni endende Finanzjahr 1886/87 präliminiert die Einnahmen und Ausgaben folgendermaßen:
|a) Ordentliche Einnahmen||Lire|
|1) Renten von den Staatsaktiven||18681378|
|2) Grund- und Gebäudesteuer||183217840|
|3) Einkommensteuer||208347876|
|4) Abgaben für Vermögensübertragung und Rechtsgeschäfte||187388000|
|5) Zölle||232600000|
|6) Konsumsteuern (Oktroi)||81577245|
|7) Tabak||188300000|
|8) Salz||58500000|
|9) Lotto||76500000|
|10) Andre Konsumsteuern||33950000|
|11) Post und Telegraph||56168925|
|12) Staatseisenbahnen||58000000|
|13) Andre öffentliche Anstalten||19357900|
|14) Rückzahlungen||22661556|
|15) Verschiedene Einnahmen||7402200|
|16) Durchlaufende Einnahmen||92759678|
|:||1525412598|
|b) Außerordentliche Einnahmen||193614541|
|Gesamteinnahmen:||1719027139|
Dem gegenüber sind die Ausgaben mit 1,700,229,160 Lire beziffert, so daß der Überschuß 18,797,979 Lire beträgt. Die Staatsausgaben verteilen sich auf das Ordinarium mit 1,423,916,040 Lire und auf das Extraordinarium mit 276,313,120 Lire. Auf die einzelnen Posten verteilen sich die ordentlichen Ausgaben wie folgt:
|Lire|
|1) Ministerium des Schatzes (Staatsschuld, Pensionen, Zivilliste, Parlament, Domänen)||721013900|
|2) Finanzministerium (Verwaltungs- und Erhebungskosten)||182699112|
|3) Justiz und Kultus||33665052|
|4) Ministerium des Äußern||7807242|
|5) Öffentlicher Unterricht||34736882|
|6) Ministerium des Innern||60737184|
|7) Ministerium der öffentlichen Arbeiten||78529878|
|8) Kriegsministerium||220106618|
|9) Marine||71315660|
|10) Ackerbau und Handel||13304512|
|Zusammen:||1423916040|
Der wirkliche Erfolg des Staatshaushalts war übrigens gegenüber den Präliminarien in den letzten Jahren noch günstiger. Neue Anleihen erscheinen sonach unter normalen Verhältnissen für die Zukunft ausgeschlossen. Außerdem beliefen sich die Ausgaben der Gemeinden, die teilweise durch eine Verbrauchssteuer und durch Zuschläge zu Staatssteuern gedeckt werden, 1884 auf 526 Mill. Lire.
Die italienische Staatsschuld hat allerdings im Verhältnis zu den Produktivkräften des Landes eine außerordentliche Höhe erreicht. Sie erforderte 1885/86 einen Zinsenaufwand von 534,304,418 Lire, wovon auf die konsolidierte Schuld und zwar zu 5 Proz. 441,9, zu 3 Proz. 6,4 Mill. Lire kamen. Auf Amortisation wurden in diesem Jahr 1,120,112 Lire verwendet. Wenn man obigen Zinsenbetrag kapitalisiert, so ergibt sich ein Nominalkapital der italienischen Staatsschuld von ungefähr 10,250 Mill. Lire. Nimmt man noch auf die andern öffentlichen Schulden Rücksicht, so kommen an Gemeindeschulden im J. 1881: 724,1, an Schulden der Provinzen 102,2 Mill. Lire hinzu.
Heerwesen und Marine.
Das Wehrgesetz vom 29. Juni 1882 bildet die Grundlage für das heutige Heerwesen in I. Nach der Einigung Italiens regelte das Wehrgesetz vom 30. Sept. 1873 die Kriegsformation des Heers und das Gesetz vom 15. Nov. 1873 die Territorialeinteilung. Durch Gesetz vom 7. Juni 1875 wurde sodann die allgemeine Wehrpflicht eingeführt und durch Gesetz vom 26. Juli 1876 Bestimmung über die Ergänzung des Heers getroffen. Dieses Gesetz machte eine