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Der Unterbuchhalter Arnolph Archilochos, 45, raucht nicht, isst kein Fleisch, hatte noch nie etwas mit einer Frau und trinkt nur Milch beziehungsweise sonntags Perrier. Er arbeitet für die Firma von Petit-Paysan in der Geburtstszangenabteilung. Er ist etwas Eigen und lebt ein bisschen weltfremd.
Die Reihenfolge seiner sittlichen Weltordnung:
- der Staatspräsident,
- der Bischof der Altneupresbyteraner der vorletzten Christen
- der Industrielle Petit-Paysan
- der Künstler Passap
- der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, Bob Forster-Monroe
- der Rechtsanwalt Maître Dutour
- Hercule Wagner, dem Rector magnificus der örtlichen Universität
- Sein Bruder Bibi Archilochos, der ihm sein Geld aus der Tasche zieht
Seit neun Monaten kehrt er regelmässig bei bei „Chez Auguste“ , das von Georgette und ihrem Mann Auguste geführt zum Essen ein. Georgette ist entrüstet, dass Arnolph Archilochos sich von seinem Bruder und dessen Bande so ausnützen lässt und meint, er müsse endlich eine Frau haben, damit das aufhört. Sie überredet ihn zu einer Heiratsanzeige im „Le Soir“.Sie einigen sich auf den Text: „Grieche sucht Griechin!“, Tatsächlich meldet sich eine Dame, mit der Arnolph Archilochos sich für den nächsten Sonntag in einem Stammlokal verabredet. Sie heisst Chloé Saloniki, ist knapp über dreissig und märchenhaft schön. Er weiss vor lauter Verlegenheit nicht, wie er sich verhalten soll. Aber sie nimmt ihm die Scheu.
Er geht mit ihr in das alkoholfreie Restaurant gegenüber dem Weltgesundheitsamt. Unterwegs wundert er sich, weil ihn plötzlich alle grüssen, die ihnen begegnen; zwar nicht nur gewöhnliche Herren, sondern auch der Staatspräsident, Bischof Moser, der Industrielle Petit-Paysan, Botschafter Bob Forster-Monroe, Rechtsanwalt Maître Dutour und Rektor Hercule Wagner. Es ist Liebe auf den ersten Blick; sie beschliessen zu heiraten und die Flitterwochen in Griechenland zu verbringen: Chloé erzählt ihm, ihre Eltern seien aus Kreta eingewandert und in einem bitterkalten Winter erfroren. Das Archäologen-Ehepaar Gilbert und Elizabeth Weeman habe sie aus dem Elendsviertel geholt, bei sich aufgenommen und in die Schule geschickt. Inzwischen mache sie sich als Dienstmädchen für ihre Wohltäter nützlich. Als Arnolph Archilochos sie nach Hause bringt, küsst sie ihn zum Abschied vor dem Gartentor des Rokokoschlösschens, in dem sie wohnt. Beglückt geht Arnolph Archilochos zurück in seine kleine Wohnung.
Am Montag in der Fabrik wird er zum Buchhalter gerufen.Er befürchtet seine Entlassung, wird aber befördert. Doch es geht weiter, nun muss er zum Oberbuchhalter, dann weiter zum Vizedirektor bis hin zum obesersten Chef Petit-Paysan. Jetzt wird er zum Direktor des Bereichs Atomkanonen und der Geburtszangen ernannt. Petit-Paysan glaubt, das passe gut zusammen, denn mit den einen Geräten werden die Menschen aus der Welt geschafft und mit den anderen hineingebracht. Doch der Direktor weiss eigentlich gar nicht, wer Arnolph Archilochos ist. Er nennt ihn mit jedem Satz anders:
- Herr Anaximander: war ein vorsokratischer griechischer Philosoph
- Herr Agesilaos: Volksversammler oder Volksführer. Als Beiname des Hades und des Plutos beschreibt er den Glaube, dass alle Menschen sich im Tode im Totenreich versammeln
- Herr Aristipp: war ein griechischer Philosoph und jüngerer Zeitgenosse des Sokrates
- Herr Artaxerxes: war Sohn und Nachfolger Xerxes, bis zu seinem Tod im Dezember 424 v. Chr. persischer Großkönig
- Herr Agamemnon: war nach der griechischen Mythologie König von Mykene, Vater der Iphigenie, der Elektra, des Orestes und der Chrysothemis. Als Oberbefehlshaber der Griechen führte er die griechischen Fürsten gegen Troja.
- Herr Anaxagoras: war ein Vorsokratiker aus Klazomenai in Kleinasien
Er lässt sich sein erstes Direktorengehalt auszahlen und will für Chloé, die er am Abend wieder sehen wird, Schifffahrtskarten nach Griechenland kaufen. Aber erst, als er sich pieckfein ausstaffiert, bedient ihn der Angestellte des Reisebüros ordentlich und verkauft ihm die Tickets.
Anschliesst geht er zu Bischof Moser um ihn zu bitten, am nächsten Tag die Hochzeit zu zelebrieren. Die angebotenen Zigarren und der Alkohol lehnt er konsequent ab. Er ist enttäuscht, dass eines seiner Ideale raucht und trinkt. Er muss sich bereit erklären, am nächsten Treffen des Weltkirchenrates zur Wahl zu stehen, erst dann erklärt der Bischof sich bereit, die Trauung vorzunehmen.
Er reserviert für sich und Chloé Zimmer im Ritz und besucht, weil er noch Zeit hat, die Ausstellung seines Lieblingskünstlers Passap. Dieser ist ein abstrakter Künstler, der sich auf das Malen von Ellipsen, Parabeln und viereckiger Dreiecke spezialisiert hat. Plötzlich stutzt Arnolph Archilochos und starrt ein Bild in Kobaltblau und Ocker an: zwei Ellipsen und eine Parabel. Darin erkennt er das Bildinis seiner Verlobten. Aufgeregt läuft er aus der Galerie und will zu Passap. Der Gallerist Nadelör folgt ihm, weil er den Verdacht hat, dass Archilochos ein Gemälde direkt vom Künstler kaufen will.
Passap fordert Arnolph Archilochos auf, sich auszuziehen und er muss dem Künstler nackt Modell stehen für den griechischen Kriegsgott Ares. Er erhält dafür eine Drahtskulptur, ebenfalls ein Abbild von Chloé. Arnolph Archilochos kommt um eine halbe Stunde zu spät zu dem Rokokoschlösschen, wo er mit Chloé verabredet ist. Als niemand auf das Klingeln öffnet, geht Arnolph Archilochos ins Gebäude – und findet dort Maître Dutour vor, der bereits auf ihn wartet. Das Anwesen sei ein Geschenk des Besitzers, der ungenannt bleiben wolle, an Arnolph Archilochos, erklärt der Rechtsanwalt. Die Heiratspapiere hat er ebenfalls vorbereitet.
Papiersterne weisen ihm den Weg über Treppen, Korridore und durch zahlreiche Zimmer. Endlich steht er vor einem Himmelbett, in dem Chloé schläft. bereits über seine Karriere, seine bevorstehende Ernennung zum Kirchenrat und das geschenkte Anwesen Bescheid. Gerade als sie ihm die Arme um den Hals legt und ihn zu sich aufs Bett ziehen will, taucht der Galerist Nadelör auf, der beim Warten vor Passaps Tür im eiskalten Treppenhaus fast erfror und nun Cognac verlangt.
Arnolph Archilochos geht in den Keller und trifft auf seinen betrunken Bruder Bibi und dessen Söhne.
Der nächste Morgen ist der Hochzeitstag. Alle bediensteten behaupten, sie seien die Angestellten von Madame Chloé. Zur Hochzeitsfeier sind 200 Gäste eingeladen. Der Staatspräsident, Petit-Paysan, Maître Dutour, Hercule Wagner; alles, was Rang und Namen hat, nimmt an der von Bischof Moser geleiteten Trauungszeremonie in der Heloisenkapelle teil.
Plötzlich begreift Arnolph Archilochos was vor sich geht: Die haben alle mit Chloé geschlafen! „Ich habe eine Kurtisane geheiratet!“, schreit er und rennt aus der Kirche. Er geht zurück in sein Mietshaus und will sich das Leben nehmen. In diesem Augenblick kommt der Anarchist Fahrcks. Er überredet ihn, sich nicht zu töten, sondern einen aktiven Beitrag zum Sturz der bestehenden Gesellschaftsordnung zu leisten. Nach geneuaen Anweisungen soll er sich in das Palais des Staatspräsidenten schleichen und dem Schlafenden eine Handgranate ins Bett werfen.
Aber das Schlafzimmer des Staatspräsidenten ist leer. Arnolph Archilochos sucht in dem Riesengebäude – und findet den Staatspräsiden in einem anderen Stockwerk. Er freut sich über den Besucher und lädt ihn zu Hähnchen und Champagner ein. Obwohl Arnolph Archilochos Vegetarier ist und keinen Alkohol trinkt, greift er zu, denn er hat keine Ideale mehr.
Als er sich mitten in der Nacht vom Staatspräsidenten verabschiedet und zu seinem Rokokoschlösschen geht, stellt er fest, dass sich dort Bibi mit seiner Familie und seinen Freunden breit gemacht hat. Während Arnolph Archilochos seinem Bruder früher sein letztes Geld gab, als er selbst kaum etwas besass, wird er jetzt zornig und wirft das Gesindel brutal heraus.
Damit endet die Prosakomödie „Grieche sucht Griechin“ von Friedrich Dürrenmatt.
Es folgt das Ende für Leihbibliotheken. (Seite 142)
Nachdem er in der Stadt überall vergeblich nach Chloé gesucht hat, reist Arnolph Archilochos auf der „Julia“ nach Griechenland und gräbt auf dem Peloponnes nach Altertümern. Dabei stösst er auf etwas, was er zunächst für eine Statue der Liebesgöttin hält. Aber es ist Chloé, die ihm nachgereist war und sich im lockeren Sand eingrub.
In die Heimat zurück kann das Paar zunächst nicht, denn Fahrcks hat den Staatspräsidenten gestürzt. Aber es dauert nicht lang, da führt der im Staatspalais residierende Anarchist die bürgerliche Gesellschaftsordnung wieder ein.
Arnolph Archilochos und Chloé eröffnen in ihrem Rokokoschlösschen eine Pension.
Bibi hat sich nach dem Hinauswurf durch seinen Bruder geläutert und betreibt jetzt mit seiner Familie eine Kleingärtnerei.
Über den Autor
1921 5. Januar: Geboren in Konolfingen (Kanton Bern) als Pfarrerssohn.
1941 Maturitätsprüfung. Beginn des Literatur-Studiums in Bern.
Erste schriftstellerische Versuche, FD malt und zeichnet zugleich.
1942/46 Studium in Zürich und Bern; beschäftigt sich in dieser Zeit mit F. Kafka und Philosophie; Kant und Kierkegaard.
1946 Dürrenmatt bricht das Studium ab, beschliesst, Schriftsteller zu werden.
Heirat mit der Schauspielerin Lotti Geissler. Übersiedlung nach Basel.
1947 Die Uraufführung des ersten Stücks, Es steht geschrieben, am Schauspielhaus Zürich endet mit einem Theaterskandal und bringt ihm die Anerkennung und Freundschaft von Max Frisch.
Geburt des Sohns Peter.
1948/49 Umzug nach Ligerz am Bielersee. FD verbrennt das unfertige Stück Der Turmbau zu Babel und schreibt in wenigen Wochen Romulus der Grosse.
Geburt der Tochter Barbara.
1951/52 Geburt der Tochter Ruth.
Die Kriminalromane, die FD für die Zeitschrift „Der Schweizerische Beobachter“ schreibt (Der Richter und sein Henker, Der Verdacht)
und die Hörspiele, die er für den deutschen Rundfunk schreibt (u.a. Stranitzky und der Nationalheld, Das Unternehmen der Wega, Abendstunde im Spätherbst, Die Panne), sind in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre FDs wichtigste Einnahmequelle.
1952 Umzug nach Neuchâtel ins eigene Haus am chemin du Pertuis-du-Sault, heute Centre Dürrenmatt.
Die Uraufführung der Komödie Die Ehe des Herrn Mississippi an den Kammerspielen München bringt den Durchbruch in Deutschland. Im Zusammenhang mit der Umarbeitung des Turmbau-Stoffs zu Ein Engel kommt nach Babylon (Uraufführung 1953) entsteht die erste der Turmbau-Zeichnungen.
1956 Uraufführung Der Besuch der alten Dame am Schauspielhaus Zürich. Das Stück begründet FDs Weltruhm: Peter Brook inszeniert es am Broadway in New York (1958), Giorgio Strehler in Mailand (1960).
1957/58 Filmerzählung und Drehbuch zu Es geschah am helllichten Tag, nach Realisierung des Films erweitert zum Roman Das Versprechen.
1959 Uraufführung Frank der Fünfte: Oper einer Privatbank. Arbeit an Justiz als Filmstoff. Die Arbeit bleibt Fragment.
1962 Uraufführung Die Physiker. FD wird zum meistgespielten Autor auf deutschen Bühnen.
1963 Der Misserfolg der Komödie Herkules und der Stall des Augias regt FD zu Serien von Kritiker-Karikaturen an, die über längere Zeit ein humoristisches Lieblingsmotiv bleiben.
1966 Uraufführung Der Meteor. Im Zusammenhang mit einer Bearbeitung von Frank der Fünfte entsteht das Bild „ Letzte Generalversammlung der Eidgenössischen Bankanstalt“.
1968/69 Kodirektion mit Werner Düggelin an den Basler Theatern. Dramen-Bearbeitungen nach Shakespeare und Strindberg.
1969 Nach Konflikten und einem Herzinfarkt verlässt Dürrenmatt das Basler Theater. Während eines Kuraufenthalts in Vulpera beginnt er mit der Arbeit am Projekt Stoffe – Zur Geschichte meiner Schriftstellerei. FD wird Mitherausgeber des neu begründeten Sonntags-Journals und engagiert sich vermehrt publizistisch in politischen Debatten.
1973 Die Komödie Der Mitmacher fällt bei der Uraufführung durch. Die Analyse des Misserfolgs in einem langen Nachwort im Mitmacher-Komplex wird zum Beginn einer erneuten intensiven Phase der Prosaarbeit.
1974/75 Reise nach Israel auf Einladung der israelischen Regierung. Aus einem Vortrag über Judentum und Christentum entsteht der grosse Essay Zusammenhänge.
1975 Zweiter Herzinfarkt, Beginn der Arbeit am Stück Die Frist (Uraufführung 1977). Zyklus von Tusche-Lavis zu Zeugung, Geburt und Tod des Minotaurus, Atlas-Zeichnungen.
1980 Werkausgabe in 29 Bänden erscheint in enger Zusammenarbeit mit dem Autor. Neufassung der meisten Stücke. Wechsel vom Arche Verlag zum Diogenes Verlag.
1983 Tod von Frau Lotti. Uraufführung der Komödie Achterloo.
1984 Die Regisseurin und Schauspielerin Charlotte Kerr dreht mit und über FD den Film Portrait eines Planeten. Heirat.
1985 Vollendung des Kriminalromans Justiz.
1986 Novelle Der Auftrag oder Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter.
1989 FD vermacht seinen literarischen Nachlass der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Roman Durcheinandertal erscheint.
1990 Der zweite Band der Stoffe IV-IX (Turmbau), erscheint, an dem FD während der ganzen achtziger Jahre arbeitete. Mit der Rede Die Schweiz – ein Gefängnis (für Václav Havel) provoziert er ein letztes Mal die Schweiz.
14. 12.90 Tod Dürrenmatts in Neuchâtel.
2000 Eröffnung des Centre Dürrenmatt in Dürrenmatts einstigem Wohnhaus in Neuchâtel.
Diskussion zum Thema
Gräfin 1: Sie hat das Buch nicht vertieft studiert, da sie im Studium viel zu tun hat. Doch sie bemerkt staunend, wie zügig sie durch dieses Buch kam und wie es sie amüsierte. Doch am Anfang: Was will Dürrenmatt mir sagen, fragte sie sich oft. Es ist ja Dürrenmatt, da muss was dahinter stecken. Es ist eine Phantasiegeschichte, und zudem gut erzählt, aber sehr schräg. Sie hat einfach etwas anderes, ernsteres erwartet. Nun fand sie die Geschichte aber witzig. Die Szene in der Kirche ist doch zum kreischen komisch! Auch das Happyend am Schluss fand sie stimmig. Während der ganzen Lektüre fragte sie sich, ob Dürrenmatt wohl extra die lautphonetische Ähnlichkeit von Archilochos mit A***loch gewählt hat?
Sehr speziell, künstlich war die ganze Geschichte und erinnerte sie entfernt an Aldous Huxley „Schöne neue Welt“.
Gräfin 3: Ihr kam das Buch vor wie ein Drehbuch zu einem Film. Sie hat sie Geschichte gesehen, nicht gelesen. (Natürlich im übertragenen Sinn gemeint.) Alles war wie ein Bild, so überzerrt, ein Klamauk. Es war für sie immer mehr als nur eine Prosakomödie. Dürrenmatt führte uns so herum, das enttäuschte sie manchmal etwas. Es war von allem zu viel für ihren Geschmack. Alles immer in Extremis. Es hat so nichts Feines mehr in diesem Humor. Lustig war im Besonderen aber die Szene mit dem Künstle, als A.A. nackt posieren musste. F.D. geht überall gleich von 0 auf 100. Er schreibt sich bei gewissen Szenen in einen Rausch. Sie stellte sich unter diesem Buch etwas anderes vor. Sie hatte es bereits einmal gelesen, konnte sich aber nicht mehr daran erinnern. Es ist kein typischer Dürrenmatt. Es war lustig, aber halt wirklich nur eine Farce.
Gräfin 6: Auch sie hat das Buch schnell gelesen. Es gefiel ihr ausgezeichnet, da es sehr kurzweilig war. Alle Charaktere waren in ihren Augen schräg drauf. Das gibt zusammen ein stimmiges Bild und setzt den Rahmen für die Geschichte. Die Story ist gut gegliedert, hat eine gute Struktur. Sie ist trotz ihrer 55 Jahre immer noch aktuell. Die Kleider sagen aus, wer man ist.
Friedrich Dürrenmatt schrieb eine Posse. Ob er selber alles immer ganz ernst meinte? Sie erwartete zwar etwas gehaltvolleres, literarisches, doch es war nur leichte Kost. Es wird nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben, hat aber immerhin Spass gemacht zu lesen.
Gräfin 5: Das Buch war sehr schnell gelesen. Gespickt mit witzigen Zitaten, voller Humor brachte sie die Geschichte immer wieder zum Lachen. Oft kam es ihr vor, als hätte sie ein Drehbuch für einen „Dick und Doof-Film“ vor sich. Sie hatte das Gefühl, dass Dürrenmatt sich in einen Rausch schrieb. Aufgefallen ist ihr, dass Archilochos erst gewalttätig wurde, als er Alkohol und Fleisch zu sich genommen hatte. Sie vermutet hinter vielem, was im Buch vorkam, einen tieferen Sinn, der nur mit dem Zeitgeschehen von damals zu verstehen ist. Im Gegensatz zu Gräfin 6 hat sie das Gefühl, dass der Roman nicht mehr wirklich aktuell ist, sondern eine Posse darstellt, die ihre Zeit widerspiegelt. Die abstrusen Szenen müsse im Film mit Heinz Rühmann wunderbar anzuschauen sein. As Beispiel sei erwähnt, wie der erfrorene Gallerist in das Rokokoschlösschen kommt und langsam auftaut. Ganz lustig war auch das englische Ehepaar, welche Chloé laut ihren Angaben bei sich aufgenommen hat. Archilochos will sie bei diesen wohltätigen Leuten bedanken, sie verstehen ihn aber schlicht einfach nicht und geben nur immer ein well well oder yes yes von sich. Ob sie wohl nicht zugeben wollen, dass sie nicht dieselbe Sprache sprechen?
Die Sprache, die Dürrenmatt braucht, ist mit Helvetismen gespickt. Vor allem gefiel ihr der Ausdruck „direktemang“ (/S. 110) Auch die absolut fabelhafte Idee mit den zwei (resp. drei) verschiedenen Enden ist super. Das Ende für Leihbibliotheken! Ha! Ein Schluss also fürs einfache Volk, dass sich keine Bücher leisten kann. Gebt ihnen Brot und Spiele, dann sind sie zufrieden? Ode was steckt dahinter?
Gräfin 4: Sie las das Buch 2x, denn vorher hat sie sich noch nie mit Dürrenmatt befasst. Sie hat das Buch auch extra deswegen vorgeschlagen um einen weiteren grossen Schweizer Autor gemeinsam zu lesen. Der doppelte Schluss gefiel ihr sehr. Sie wurde aber sonst nicht wirklich schlau aus der Geschichte. Obwohl es sehr amüsant war und sich locker lesen liess. Der Unterbuchhalter dauerte sie etwas, wie er naiv und unwissend, ja verschlafen durch die Gegend ging und alles auf sich bezog. Er war weltfremd. Sie bedauert, dass sie nicht mehr zwischen den Zeilen lesen konnte, aber die Story gefiel ihr dennoch gut. Sie ist gespannt darauf, den Film einmal zu sehen.
Zitate
Gräfin 1: (S. 60) „Es ist Zeit, dass wir unsere westliche Welt radikal verwirklichen.“
Gräfin 4: (S. 72) „Man hat tausend Dinge und Dingelchen zu tun und kommt zu nichts Rechtem.“
Gräfin 6: (S:76) „Eine anständige Mode und Christentum schliessen einander keineswegs aus.“
Gräfin 5: (S. 127) „Es gibt zwei Möglichkeiten dieser Welt gegenüber…Man geht an ihr zu Grunde oder ändert sie.“
Gräfin 3: (S. 153) „Du vermochtest mich nicht zu lieben ohne die Wahrheit, und nur die Liebe ist stärker denn sie, die uns zu vernichten drohte. Die Liebe deiner Blindheit musste zerstört werden um der Liebe willen, die sieht und die allein zählt.“
4. Zum Weiterlesen
„Die Physiker“
„Der Verdacht“
„Der Besuch der alten Dame“