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Entdeckung
Trotz, dass das ECS ein relevantes biologisches System im menschlichen Körper ist, kam es erst 1992 zur Entdeckung. Der israelische Chemiker Raphael Mechoulam entdeckte das ECS durch seine Versuche, Cannabinoide des Cannabis zu isolieren. Die Entdeckung der Cannabinoide in der Pflanze führte zur Erkenntnis, dass wir ein System haben, worauf die Cannabinoide eine Wirkung ausüben. Durch seine Isolierung von THC (Δ9-Tetrahydrocannabinol) entdeckte Mechoulam das endogene Cannabinoid Anandamid.
Die Forschung zeigte, dass der Mensch eigene Cannabinoide (Endocannabinoide) produziert, die auf das körpereigene System wirken. Dadurch auch die Erkenntnis von exogenen Cannabinoiden. Dazu zählen THC und CBD, die als extern zugeführte Substanzen eine Wirkung auf das ECS erzeugen.
Definition
Das ECS hat den Namen von den chemischen Verbindungen erhalten, die auf das System wirken. Das sind die Cannabinoide. Dabei steht das „Endo-“ für „Endogen“. Als endogen bezeichnet man alles, was innerhalb des Körpers passiert. Endocannabinoide sind dadurch Cannabinoide, die innerhalb des Körpers produziert werden, wie z.B. das Anandamid.
Das Endocannabinoid-System befindet sich im ganzen Körper verteilt und besteht aus Rezeptoren, wo Cannabinoide andocken. Rezeptoren allgemein sind große Proteine, die durch ein Andocken verschiedener Verbindungen eine Signalübertragung ermöglichen. Diese Signale werden weiter in physikalische Reaktionen im Körper umgesetzt.
Daher kommt das „Endo“, im Sinne von „körpereigen“.
Die exogenen Cannabinoide sind dann die Verbindungen, die nicht körpereigen sind und „extern“ zugeführt werden. Dazu zählen die rund 80 nachgewiesenen Cannabinoide der Cannabispflanze. Diese sind strukturell sehr ähnlich mit den endogenen Cannabinoiden und üben eine Wirkung auf das ECS aus.
Funktion
Das ECS ist ein System, das sowohl physiologisch als auch neurologisch wirkt. Es sorgt dafür, dass eine Homöostase (sprich Gleichgewicht) im gesamten Körper hergestellt und bewahrt wird. Das erklärt z.B., warum wir Endocannabinoid-Rezeptoren vermehrt im Gehirn, in den peripheren Organen, Drüsen und Immunzellen finden. Mehr im Detail dazu unter „Wirkungsweise“.
Das Endocannabinoid-System repräsentiert ein körpereigenes Regulationssystem, das neben seiner Funktion im zentralen Nervensystem (ZNS) auch Einfluss auf das Immunsystem ausübt. Sie ist ebenso an der Apoptose (programmierter Zelltod) beteiligt. Sie spielt daher eine insgesamt wichtige Rolle im Genesungsprozess der Zellen.
Auch nicht nur der Mensch hat ein ECS. Unter anderem Säugetiere haben es, deren Systeme sich über den Verlauf der Evolution über 600 Millionen Jahre entwickelten.
Dadurch lässt sich ableiten, dass das ECS eine wichtige Funktion im gesamten Wohlbefinden darstellt. Sie spielt womöglich eine wichtige Rolle in der Ausgeglichenheit zwischen Geist und Körper. Ohne das ECS würden andere Systeme, die mit dem ECS in Verbindung stehen, aus dem Gleichgewicht geraten. Die Funktionalität des ECS ist unerlässlich für ein gesundes und glückliches Leben.
Im Vergleich zum Fortpflanzungssystem, dem Nerven- oder Kreislaufsystem, ist das ECS ein junges Forschungsgebiet und bedarf weiterer Untersuchung.
Wirkungsweise
Das ECS besteht aus zwei gegenwärtig bekannten Rezeptoren, nämlich CB1 und CB2. Vermutlich gäbe es noch wesentlich mehr, die aber noch nicht identifiziert wurden.
- – CB1-Rezeptoren sind hauptsächlich auf Neuronen (Nervenzellen) vorhanden. Die größte Anhäufung der CB1-Rezeptoren befindet sich im Gehirn.
- – CB2-Rezeptoren werden insbesondere auf Zellen des Immunsystems lokalisiert. Diese wurden auf B-Zellen, NK-Zellen, Monozyten und an weiteren Zellen des Immunsystems nachgewiesen.
Die Endocannabinoide Anandamid und 2-AG (2-Arachidonylglycerol) sind volle Agonisten an beiden Rezeptoren. Das heisst, dass beide einen Signalfluss vom ECS an den Proteinen auslösen. Pflanzliche Cannabinoide (Phytocannabinoide) haben einen Effekt auf unseren Körper, weil das ECS aufgrund der Ähnlichkeit zu den Endocannabinoiden die Stoffe „lesen“ kann.
THC ist ein Phytocannabinoid und wirkt als Agonist teilweise an beiden Rezeptoren.
Und wie wirkt CBD auf das ECS?
CBD ist ebenso ein Phytocannabinoid und hat einen Einfluss auf das ECS. CBD hat womöglich viele psychologische und physiologische Einflüsse auf Körper und Organe, die weit über das ECS hinausgehen. Bei Interesse, hier ist eine Auflistung der Wirkungen von CBD.
Untersuchungen zeigen, dass CBD keine direkte Wirkung auf die Rezeptoren ausübt, sondern dafür sorgt, dass das Endocannabinoid 2-AG vermehrt ausgeschüttet wird. Das 2-AG sorgt u.a. für Schmerzlinderung und die Stärkung der Nervenzellen und Knochen. CBD verlangsamt auch die natürliche Zersetzung vom Endocannabinoid Anandamid. Diese ist ebenso für Schmerzlinderung und für Wundheilung zuständig. Strukturell ist das Anandamid dem THC sehr ähnlich, da sie an dieselben Rezeptoren andocken, aber ca. 10x schwächer.
Dadurch kann man festhalten, dass CBD das ECS in ihrer natürlichen Funktion unterstützt. Ganz im Gegensatz zu THC, das in der Lage ist anzudocken und selbst Effekte zu erzeugen. Das ist wohl eines der Hauptgründe, warum man von CBD nicht „High“ wird.
Es konnte festgestellt werden, dass zugeführte Cannabinoide über einen längeren Zeitraum wirken im Vergleich zu körpereigenen Endocannabinoide. Dadurch ist CBD eine mögliche Lösung das ECS phasenweise zu stärken.
Segen
Tierexperimente haben vielversprechende Ergebnisse geliefert bezüglich der Behandlung von Nervenkrankheiten und Magen-Darm. Hoffnungen bestehen, dass durch CB1– oder CB2-Agonisten neue Heilmethoden entstehen können. Gezielte Eingriffe ins ECS sind durch exogene Cannabinoide (wie z.B. CBD) möglich. Die Herausforderung besteht hier allerdings in der engen Zusammenarbeit von Immunforschung, Neurologie und Pharmakologie.