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Massive psychische Probleme sind unter den Informatik-Spezialisten von Bangalore weit verbreitet. Die Verwirklichung des "indischen Traums" hat offenbar einen hohen Preis.
Mindestens 36 Prozent der indischen Informatik-Spezialisten setzen sich ernsthaften psychischen Gefahren aus. Und ein volles Zehntel der indischen InformatikerInnen berichtet von psychischen Erkrankungen. Dies geht aus einer Untersuchung hervor, die das 'National Institute for Mental Health and Neurosciences' (NIMHANS) im Dezember 2007 durchführte und über die die grosse indische Zeitschrift 'India Today' im April ausführlich berichtete.
IT-SpezialistInnen sind damit extrem gefährdet. Das NIMHANS geht davon aus, dass nur etwa 0,5 Prozent der "normalen" indischen Bevölkerung an psychischen Krankheiten leiden.
Informatik-Ingenieure verdienen zwar schon mit 20 bis 30 Jahren für indische Verhältnisse extrem gut und bezahlen beispielsweise monatliche Hypothekarzinsen in der Höhe des Jahresgehalts eines Staatsangestellten. Andererseits sagen 28 Prozent der IT-Leute, sie fühlten sich konstant unter Druck, 22 Prozent fühlen sich unfähig, alltägliche Freizeitvergnügungen zu geniesen und 20 Prozent sagen, sie seien andauernd kribbelig und mies gelaunt. Und jeder zwanzigste, also volle fünf Prozent der indischen InformatikerInnen, sagten, sie hätte Selbstmordgedanken.
Zeitunterschied und Reisestress zerstören Familien- und Sexualleben
Eines der Hauptprobleme der angestellten der indischen Dienstleistungsindustrie sind die Zeitunterschiede zu den Kunden in Europa und den USA. Mitternächtliche Konferenztelefone und Nachtschichten stören nicht nur das Familienleben, sondern machen auch eine normale Freizeitgestaltung unmöglich.
Zudem haben viele InformatikerInnen Probleme, potentielle PartnerInnen kennenzulernen, weil sie laufend zwischen den Kontinenten herumreisen und auch innerhalb Indiens von einer Stadt zur anderen verschoben werden. 'India Today' berichtet von einer auf hochqualifizierte Fachleute spezialisierten Partnervermittlungsagentur in Bangalore. Anders als in Indien oft noch üblich, vermittelt sie Menschen nicht innerhalb von Kasten oder Glaubensbekenntnissen, sondern versucht ähnliche Interessensgebiete zu identifizieren.
Ausserdem scheinen Paare aus der riesigen indischen Outsourcing-Industrie überdurchschnittlich oft Probleme mit dem Sexualleben zu haben. Jedes dritte Paar, das wegen unerfüllten Kinderwünschen das 'Bangalore Assisted Conception Centre' aufsucht, kommt aus der IT-Industrie, weiss 'India Today'.
Konzerne stellen Psychologen und Psychiater an
Die Probleme der Angestellten beschäftigen nun auch die IT- und Outsourcing-Konzerne, berichtet das Magazin. So führt Oracle Anti-Stress-Workshops durch während andere Grossfirmen telefonische Hilfe anbieten und Psychiater beschäftigen.
Das grosse berufliche Engagement der gut ausgebildeten SpezialistInnen in Indien, von dem Manager von IT-Firmen hierzulande gerne und mit leicht drohendem Unterton schwärmen, hat offenbar seinen Preis. (Christoph Hugenschmidt)