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Über die Ursachen der globalen Erwärmung – von der Emission der Treibhausgase wie CO2 bis zum Methan – besteht weitgehend Einigkeit. Welche politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Klimawandel aber mit sich bringt, wird unterschiedlich erforscht: Während Naturwissenschaftler die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf das Ökosystem abzuschätzen versuchen, beschäftigt Ökonomen, welche Kosten der Klimawandel verursacht.
Ökonomische Klimamodelle
Um die Kosten des Klimawandels zu berechnen, benutzen Wirtschaftswissenschaftler ökonomische Klimamodelle. Diese koppeln ein volkswirtschaftliches Modell mit einem Klimamodell und versuchen, mit Hilfe von Simulationen die Kosten zu ermitteln. Nach Ansicht von Thomas Lontzek, Postdoktorand am Institut für Betriebswirtschaftslehre, haben die bisher verwendeten Modelle jedoch eine signifikante Schwachstelle: Sie setzen voraus, dass die Akteure die Folgen ihres Handelns exakt kennen und gleichzeitig die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesellschaft über Jahrhunderte hinaus vorhersehbar sind. «In diesen Modellierungen werden die Unsicherheiten der wirtschaftlichen und klimatischen Entwicklung nicht berücksichtigt», erklärt Lontzek.
Regenschirm mitnehmen: ja oder nein?
Welcher Art die Unsicherheiten sind, erklärt der Ökonom anhand eines Beispiels: Wenn «MeteoSchweiz» prognostiziert, dass es mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit regnen wird, nehmen Sie dann einen Schirm mit, wenn Sie aus dem Haus gehen? Die Entscheidung hängt davon ab, ob Sie, um auf gar keinen Fall nass zu werden, in Kauf nehmen, den ganzen Tag den Schirm vergeblich herumzutragen – oder ob Sie lieber das Risiko eingehen, nass zu werden.» Kurz: Verschiedene Akteure handeln unterschiedlich. Anders als im genannten Beispiel wird beim Klimawandel das Risiko zudem durch das Handeln des Akteurs selbst beeinflusst.
Unsicherheiten mitberücksichtigen
Thomas Lontzek will solche Unsicherheiten in seinen Modellierungen mitberücksichtigen. Weil dazu Expertenwissen aus verschiedenen Disziplinen nötig ist, arbeitet er in seinem durch den Forschungskredit unterstützten Projekt eng mit Wirtschaftsmathematikern, Informatikern und Klimaforschern zusammen. Als Grundlage seines Modells dient ihm ein sogenanntes «Integrated Assessment Model» (IAM), das Lontzek und seine Kollegen nun durch ein stochastisches Modell ergänzen, das Risiken auf der Basis von Wahrscheinlichkeitsrechnung und statistischer Häufigkeitsverteilung berechnet.
Kippelemente
Einen speziellen Fokus legt Lontzek bei seinen Modellierungen auf Risiken, die von so genannten Kippelementen des Klimas ausgehen. Als Kippelemente bezeichnen Klimaforscher besonders sensible Regionen oder Phänomene im globalen Klimasystem, die an einem bestimmten Punkt umkippen können und dadurch einen unabsehbaren und unumkehrbaren Klimawandel auslösen. Ein Beispiel ist «El Niño»: Strömungen im äquatorialen Pazifik, die nicht zyklisch auftreten und das Wettergeschehen massiv beeinflussen.
«Unser Ziel ist, das erste komplett stochastische ökonomische Klimamodell zu entwickeln», erklärt Thomas Lontzek. Mit diesem Modell hofft er Erkenntnisse zu gewinnen, welche Entscheidungsträgern helfen, Klimarisiken besser einzuschätzen.
Forschungskredit
Mit Beiträgen aus dem Forschungskreditfördert die Universität Zürich Nachwuchskräfte durch die Finanzierung eines Forschungsprojekts von hervorragender wissenschaftlicher Qualität. Gefördert werden Angehörige der Universität Zürich, die am Anfang ihrer akademischen Karriere stehen und ein Dissertations-, Postdoc- oder Habilitationsprojekt an der Universität Zürich durchführen möchten. Der Forschungskredit unterstützt die Forschungsprojekte namentlich mit Salärbeiträgen. Zusätzlich beantragt werden können Beiträge an Sachmittel, die für die Durchführung des Projekts notwendig sind.
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