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Der Taufrosch im Hochgebirge.
Von
Dr. Hermann Fischer, Ehrenmitglied der Sektion Zofingen.
Eigentlich und vielleicht ursprünglich ausnahmslos ist der Taufrosch ein Bewohner der Ebene. Durch allmähliche Anpassung an die Witterungs- und Klimaverhältnisse in den Alpen ist er aber im Laufe der Zeiten auch zu einem Bewohner des Hochgebirges bis zu einer beträchtlichen Höhe hinauf geworden. Wie lange das her ist, kann wohl niemand sagen, denn aus alten Zeiten hat man keine Nachrichten von seinem Vorkommen in höhern Regionen. Wer weiß, ob nicht die Verfolgungen, denen er in der Ebene in immer größerem Maße ausgesetzt war, weil der Genuß der Hinterschenkel als Delikatesse während der Frühlingszeit immer größere Dimensionen annahm und in vielen Gegenden fast ein vielbegehrtes Volks-genußmittel geworden ist, die Hauptursache bildeten, daß er sich in die hohen Gebirge zurückgezogen hat, wo er noch ungestört leben kann. Wenn man einerseits in Betracht zieht, daß durch diese Verfolgungen, in unserem Lande wenigstens, eine Menge Laichplätze innert einer verhältnismäßig kurzen Reihe von Jahren infolge des intensiven und rücksichtslosen Sammeins der Froschschenkel eingegangen sind und daß da, wo solche noch existieren, diese Verfolgungen während der Laichzeit noch ungestört ihren Fortgang nehmen, so daß die Existenz dieses Proletariers unter den Lurchen in der Ebene immer mehr erschwert wird, und wenn man anderseits in den Alpen bis zu einer beträchtlichen Höhe an günstigen Stellen im Sommer verhältnismäßig viele erwachsene, zum Teil außergewöhnlich große Individuen dieser Lurchart antrifft, so erhält man unwillkürlich den Eindruck, daß sich der Taufrosch hierher zurückgezogen hat, um vor den Verfolgungen der Menschen vorläufig noch sicher zu sein, daß das Hochgebirge für ihn wie auch noch für viele andere Tierarten ein Rückzugsgebiet ist.
Wie der Taufrosch im Hochgebirge lebt, resp. wie er sich den dortigen Verliältnissen angepaßt hat, die gegenüber denen der Ebene so verschieden sind, darüber sind die Meinungen, namentlich bei den altern Zoologen, meistens nicht abgeklärt und vielfach irrig.
Brehm schreibt in seinem „ Tierleben ": „ In der Ebene hält sich der Taufrosch nur während der Paarungszeit und in den Wintermonaten im Wasser auf,, im Hochgebirge dagegen vertritt er gewissermaßen den Teichfrosch, indem er das Wasser nach einem im ersten Jugendzustande unternommenen Ausfluge kaum mehr ver-läßt.Dies ist aber eine falsche Annahme, wie aus den folgenden Tatsachen und Beobachtungen hervorgeht.
Nachdem ich während vieler Jahre Taufrösche in meinem großen Terrarium von 45 Quadratmetern Bodenfläche, in welchem sich mehrere Weiherchen befanden, gehalten, beobachtet und alljährlich auch gezüchtet hatte, und nachdem ich auch im Freien bei den mir wohlbekannten Laichplätzen vergleichende Kontrollbeobachtungen angestellt hatte, war ich zur Überzeugung gekommen, daß die Entwicklungsperiode von der Geburt des Laiches an bis zur vollendeten Metamorphose, wo die aus den Kaulquappen entstandenen jungen Fröschchen das Wasser verlassen, auch bei verschiedenen Temperatur- und Witterungsverhälftiissen in annähernd der gleichen Zeit vor sich geht, die in verschiedenen Jahren nur um wenige Tage verschieden ist. Mit seltenen Ausnahmen dauerte die Entwicklungsperiode von der Geburt des Laiches an bis zur fertigen Metamorphose, bis zum „ Exodus " der jungen Fröschchen aus dem Wasser, im Terrarium sowohl als auch im Freien 87—90 Tage.
Als ich nun am 2. September 1886 am südlichen Abhang des einen Gotthard-gipfels, Monte Prosa, in einer Höhe von 2500 Metern U. M., in den grünen Weideplätzen und darüber einige erwachsene wohlgenährte Taufrösche fand, in einer Gegend, wo nirgends in der Nähe Wasser zu finden war, kam ich erstmals zur Einsicht, daß B r e h m s Ansicht eine irrige sei. Bald darauf, am gleichen Tage, erblickte ich in einer auf der südlichen Seite gelegenen Ausbuchtung des 2200 Meter ü. M. gelegenen Sellasees, an Stellen, wo das Wasser nur wenige Zentimeter tief und von der Sonne durchwärmt war, ein Gewimmel von 40—50 Millimeter langen Larven unseres Frosches, die sich in der Metamorphose befanden, dabei solche, bei denen die Verwandlung beinahe beendigt war, und schließlich auf dem Lande sogar kleine, eben fertige Fröschchen, die das Wasser schon verlassen hatten. Die Metamorphose war hier zu dieser ungewöhnlichen Jahreszeit in vollem Gange. Erwachsene Frösche fanden sich keine im Wasser oder in dessen Nähe.
Wenn nun meine in der Ebene gemachten Beobachtungen über die Entwicklungsperiode auch für diesen hochgelegenen Laichplatz, also für das Laichen im Hochgebirge, gültig waren, so mußte derSellasee vor 87—90 Tagen, also etwa vom 4. bis 7. Juni, erstmals eisfreie Stellen bekommen haben, in denen die im Schlamme des Grundes oder an Stellen, wo die Kälte nicht eindringen konnte, in der Nähe des Sees überwinterten, erwachsenen, zeugungsfähigen Frösche sich einfinden und laichen konnten. In der Ebene geschieht dies fast immer im März, oft schon im Februar, nämlich sobald sich in den Weihern und Gewässern eisfreie Stellen zeigen. Meine zwei Reisegefährten waren damals nicht wenig erstaunt, als ich ihnen mitteilte, daß ich aus dem, was wir da an wimmelnder Froschbrut sahen, ableiten könne, unter welchem Datum der See aufgetaut sie; es sei dies um den 10. Juni geschehen. Ich ließ also einige Tage Spielraum.
Für mich war es durch diese Beobachtung vom 2. September am Sellasee zur Gewißheit geworden, daß sich die Entwicklung des Taufrosches vom Laiche bis zur Metamorphose in diesen Höhen ganz gleich und in der nämlichen Zeitperiode abwickle wie in der Ebene; nur beginnt wegen der dort herrschenden Temperatur- und Klimaverhältnisse das Laichen viel später, und die ganze Entwicklungsperiode ist gegen den Sommer hin verschoben. Nach dem Laichen aber verlassen die Alten auch dort das Wasser und die Laichplätze und halten sich bis zum Winteranfange auf dem Lande auf, fern vom Wasser. Wie in der Ebene, kehren dann die erwachsenen Taufrösche kurz vor Beginn des Winters im Gebirge zu den Laichplätzen zurück, wo sie an geschützten Stellen überwintern. Da der Frühling dort erst spät eintritt, findet das Laichen viel später statt als in der Ebene. Da der Winter aber früher beginnt als in der Ebene, so gestaltet sich ihr Sommerleben viel kürzer, und weil man in diesen Höhen den Taufrosch während des Laichens, das erst im Juni, oft auch erst im Juli vor sich geht, im Wasser antrifft, so nahm Brehm an, er halte sich den ganzen Sommer über im Wasser auf. Das Vorkommen erwachsener Frösche im September am Monte Prosa sowie das Fehlen derselben um die gleiche Zeit in dem mehrere Kilometer entfernten, tiefer gelegenen Sellasee zeigte aber, daß er auch im Hochgebirge die kurze Zeit, die ihm nach dem Laichen bis zum Wintereintritt verbleibt, ausnützt, um, weit vom Wasser entfernt, an sonnigen Halden einer sehr ergiebigen Insektenjagd obzuliegen.
Ich hatte also meine Behauptung, der Sellasee habe etwa am 4.7. Juni die ersten eisfreien Stellen gezeigt, daraus abgeleitet, daß ich annahm, die Entwicklungsperiode daure dort ebenfalls 87—90 Tage, wie ich in der Ebene unter den verschiedensten günstigen und ungünstigen Witterungsverhältnissen konstatiert hatte. Auch im Terrarium, unter ganz andern Verhältnissen als im Freien, ging alljährlich die Entwicklungsperiode bis zur Metamorphose in der gleichen Zeit vor sich wie im Freien, und in den vielen Jahren, wo ich diese Verhältnisse beobachtete, zeigten sich nur Unterschiede von wenigen, etwa drei Tagen.
Ob meine Annahmen richtig seien, wollten wir, meine Reisegefährten und ich, dadurch feststellen, daß wir nach unserer Rückkehr ins Gotthardhospiz den Gastwirt Lombardi interpellierten. Dieser teilte uns auf unser Befragen mit, daß der Sellasee vom 10. bis 15. Juni eisfrei geworden sei. In der von mir berechneten Zeit vom 4. bis 7. Juni hatte das idyllisch gelegene Seelein also jedenfalls schon eisfreie Stellen, wo die Taufrösche laichen konnten, so daß sich meine auf Beobachtungen in der Ebene gestützte Berechnung als richtig herausstellte.
Eine viele Jahre später an dieses Seelein unternommene Exkursion bestätigte die damals beobachteten Verhältnisse. Es war im Jahr 1899.
Einer meiner Freunde bei den Gotthardtruppen, der meine Liebhaberei für die Lurche kannte, sandte mir am 2. Juni dieses Jahres von Andermatt, aus einer Höhe von etwa 1500 Meter ü. M., junge Taufroschlarven und zugleich die Meldung, daß der Sellasee noch hart zugefroren und überschneit sei. Die alpinen Seen tauten also in diesem Jahre sehr spät auf. Bei Andermatt waren die Gewässer erst anfangs Mai aufgetaut, und die von dort am 2. Juni erhaltenen Kaulquappen waren noch weit von der Metamorphose entfernt. Bei ihrer Ankunft maßen sie erst etwa 25 Millimeter und wurden nun in einen Weiher im Freien versetzt, wo sie sich Ende Juli und anfangs August zu Fröschchen entwickelten.
Am 11. Juli 1899 erhielt ich von dem gleichen Herrn die Meldung, daß der Sellasee immer noch nicht offen sei. In den Bergen liege noch sehr viel Schnee, und das Wetter sei sehr ungünstig.
Am 15. Juli dieses Jahres unternahm dann unsere Sektion des Schweizer Alpenclubs einen Ausflug nach dem Lucendrogipfel des Gotthard und dem dazu gehörigen Seelein, an dem ich teilnahm. Wir übernachteten im Gotthardhospiz, und mein erstes war, daß ich den Wirt Lombardi fragte, wie es mit dem Lucendrosee und dem Sellasee stehe. Die Antwort lautete, daß letzterer seit einigen Tagen offen sei, in ersterem aber in der Mitte noch eine große Eistafel schwimme. Die vier beim Hospiz befindlichen Seelein waren schon etwas länger aufgetaut. In diesen werden Forellen gezüchtet, was wahrscheinlich die Ursache ist, daß sich darin keine Frösche zum Laichen einfinden.
Die Nachricht vom Sellasee bewog mich, folgenden Tags zu diesem hübschen Seelein zu pilgern, um meine Beobachtungen von früher zu bestätigen, wonach ich jetzt frischen Taufroschlaich finden mußte. Morgens 7 Uhr kam ich bei schönem Sonnenschein bei dem malerisch gelegenen Seelein an, in welchem ein dunkelge-färbter großer Fels eine kleine Insel bildet, welche ich nach dem Dialekt der in der Nähe wohnenden Bevölkerung „ Isola nera " nannte. Nach kurzem Suchen fand ich in einer stillen Bucht ziemlich viel etwa 3—4 Tage alten Laich. Einige der runden Eier hatten schon einen kleinen Auswuchs bekommen. Die alten Frösche waren schon vom Wasser weggezogen. Von dem Laich nahm ich einen Klumpen als Beleg für meine Sammlung mit. Er befindet sich heute im Zofinger Museum. Wohl selten ist in so später Jahreszeit frischer Laich von Rana fusca gefunden worden.
Vom Jahr 1886 an richtete ich mein Augenmerk auf vielen Wanderungen im Gebirge mit Vorliebe auf das Vorkommen des Taufrosches und seine biologischen Verhältnisse im Hochgebirge. Schon 1883 war ich durch eine Beobachtung auf die Anwesenheit dieses Lurches in bedeutenden Höhen aufmerksam geworden. Am 12. August jenes Jahres fand ich am Hüfigletscher bei einer durch das Schwinden des Gletschers bloßgelegten Gletschermühle in einer Höhe von 19Ö0 Meter ü. M., fern vom Wasser, einen erwachsenen Taufrosch.
Weitere Belege für die geschilderten Verhältnisse sind folgende:
Am 23. Juli 1893 fand ich einige gelbe fleckenlose Exemplare im Alpenrosengebüsch über der Trübseealp in einer Höhe von 1900 Metern, weit weg von jeder Wasseransammlung.
Am 24. Juni 1894 traf ich am Hoch s toll en bei 2000 Meter ü. M. Taufrösche an, die schon verlaicht hatten und von den Laichplätzen weggezogen waren.
Am 30. August 1894 entdeckte ich im Unteraarboden bei 1860—1870 Meter Meereshöhe eine Menge Taufrösche weit weg vom Wasser.
Es ist schon behauptet worden, daß im Hochgebirge Taufroschlarven überwintern. Nach meinen Beobachtungen ist das nicht der Fall. Auch sprechen Vernunftgründe dagegen. Die Entwicklungsperioden wickeln sich nach meinen Beobachtungen dort oben in der gleichen Zeit ab wie in der Ebene, oder doch nur ganz wenige Tage länger, so daß die Metamorphose vor sich geht, lange bevor die rauhe Jahreszeit beginnt. Im September, in etwas niedrigem Lagen auch schon im August, traf ich stets Larven in der Metamorphose, meistens in wenig tiefen Gewässern, die im Winter bis auf den Grund zufrieren, wo also solch zarte Wesen dann nicht existieren könnten. Auch habe ich im Frühlinge noch nie Taufroschlarven gesehen oder nachweisen können.
In Metamorphose aber sah ich Larven am Simplon bei 2000 Meter Meeres -höhe am 7. September 1889 in einer kleinen Pfütze.
Bei Vais in Graubünden fand ich solche bei 1248 Meter Meereshöhe am 21. August 1890. Eine Kolonie von Geologen bestieg von Vais aus an diesem Tage unter Führung von Professor Albert Heim den Frunthorngrat. Heim, der meine Bestrebungen immer freundlich unterstützte und wußte, daß ich dem Taufrosch im Hochgebirge besondere Aufmerksamkeit schenkte, ersuchte die Teilnehmer an der Exkursion, mir beim Aufspüren behilflich zu sein.
In den sogenannten Heubergen über Vais und an den Abhängen des Frunt-horngrates wurden bei diesem Anlasse viele Taufrösche, zumeist von ganz bedeutender Größe, gefunden.
Taufroschlarven in der Metamorphose sah ich auch bei der oben schon erwähnten Exkursion vom 30. August 1894 im* Unteraarboden bei 1860—1870 Meter Meereshöhe, auch hier stets in kleinen Wasseransammlungen, die im Winter bis auf den Grund zufrieren mußten.
In Seen, wo das Wasser nicht bis auf den Grund zufriert, und in niedern Lagen geht die Metamorphose naturgemäß früher vor sich als in hohen Lagen, je nach dem Zeitpunkt, in dem im Frühling der Laich produziert worden ist.
Im Fählensee, am untern Ende des Fählentales im Kanton Appenzell bei 1440 Meter Meereshöhe, waren nach einer Mitteilung meines Freundes Albert Heim am 20. September 1900 noch „ Roßköpfe " mit kleinen Hinterbeinen vorhanden, also in der Metamorphose befindliche.
Vom gleichen Beobachter erhielt ich im Jahre 1903 die Mitteilung, daß er am 7. August auf der S an ti s alp bei 1000—1400 Meter auf der Alpweide, auf einer Fläche von 2 Kilometer Länge und zirka 500 Meter Breite, den Boden mit kleinen, 1—2 Zentimeter langen Fröschchen so bedeckt angetroffen habe, daß man wenigstens ein Stück auf einen Quadratdezimeter rechnen mußte. Im Grase und auf den Wegen in diesen Landstreifen mußten Tausende zertreten werden. Im nahen Walde sah man keine. Das war ein „ Exodus ", wie man es in der Ebene bei den Laichplätzen im Juli oder anfangs August oft zu sehen bekommt und in frühern Zeiten, wo noch mehr solche Laichplä!ze existierten, noch öfter zu sehen bekam. Weitere Mitteilungen von Albert Heim lauten: „ Anfangs Juli 1906 fanden sich im Blausee bei Mele fatal gegen die Frutt Kaulquappen von 21/«—3 Zentimeter Länge, die noch keine Extremitäten zeigten, und am 3. August des gleichen Jahres war beim Seealpsee am Säntis bei 1139 Meter großartiger ,Exodus'junger Fröschchen. "
Man hat eine eigene Alpenvarietät oder gar eine Art des Taufrosches aufstellen wollen, die sich durch Größe und Färbung auszeichnen solite. Eine solche läßt sich nicht rechtfertigen. Alle die vielen Exemplare, die ich auf meinen Exkursionen in den Alpen fand, zeichneten sich zwar meistens dadurch aus, daß sie auf dem Rücken keine Flecken aufwiesen und am Bauche eine eigentümliche Marmorierung und daß viele eine außergewöhnliche Größe zeigten. Die Größe will aber nichts anderes bedeuten, als daß dort, wo so große Frösche vorkommen, keine Froschschenkel genossen und die Tiere deshalb älter werden als in der Ebene, wo sie meistens schon im ersten Jahr ihrer Fortpflanzungsfähigkeit, welche im vierten oder fünften Altersjahre eintritt, oder dann in einem der nächsten Jahre abgeschlachtet werden. Einem Frosch aber, wie ich am 6. August 1890 einen bei Serneus in Graubünden fand, von 9 Zentimeter Länge und 6,5 Zentimeter größter Breite, in der Ruhe gemessen, mußte ein Alter von mindestens 12 Jahren zugeschrieben werden.
Was die Färbung anbelangt, so findet sich das Fehlen der Rückenflecken, das in den Alpen die nicht ausnahmslose Regel bildet, bei den Individuen der Ebene gleichfalls, obschon hier seltener. Von acht Fröschen, die ich im Frühling 1894 spontan einem Weiher bei Brittnau entnahm, gehörten zwei der fleckenlosen Varietät an.
Auch beim Wasserfrosch ( Rana esculenta ) findet sich diese Fleckenlosigkeit, die übrigens nicht beständig ist, indem sich bei fleckenlosen Exemplaren, wenn sie in andere Verhältnisse und namentlich an dunklere Orte gebracht werden, nach und nach Flecken bilden. Es scheint deshalb, daß die Fleckenlosigkeit eine Folge intensiver Sonnenbestrahlung ( Insolation ) sei, womit das Vorwiegen derselben in den Alpen auch erklärt wird.
Resümierend kann also über „ den Taufrosch im Hochgebirge " gesagt werden:
Im Hochgebirge wie in der Ebene kehrt dieser Lurch nach der Metamorphose in seiner Jugend erst im geschlechtsreif en Alter, nach 4—5 Jahren, wieder zum Laichplatz zurück. Denn auf den Laichplätzen beobachtet man keine jungen, noch nicht ausgewachsenen ( geschlechtsreifen ) Frösche.
Im Hochgebirge wie in der Ebene überwintert der erwachsene Taufrosch bei den Laichplätzen, entweder an vor der Kälte geschützten Stellen oder im Grunde der Gewässer, indem er durch Hautatmung den geringen Bedarf an Luft und Sauerstoff aufnimmt, und laicht dort, sobald eisfreie Stellen entstehen, was je nach den Verhältnissen im Mai oder Juni oder auch erst Juli stattfinden kann.
Diese Entwicklungsperiode dauert im Hochgebirge annähernd gleich lang wie in der Ebene.
Nach dem Laichen verläßt der Taufrosch im Gebirge geradeso wie in der Ebene das Wasser und lebt und ernährt sich auf dem Lande, oft sehr weit vom Laichorte entfernt, bis zum beginnenden Winter, wo er sich wieder zum Laichplatze begibt, um dort zu überwintern.
Es gibt keine besondere Art des Taufrosches im Hochgebirge, sondern sein dortiges Leben ist nichts anderes als eine Anpassung an die örtlichen Temperatur-und Klimaverhältnisse.