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In den letzten sechs Wochen sind laut Thomson Financial zehnmal so viele Börsengänge (IPO) zurückgestellt worden wie im ganzen 4. Quartal 2006. Insgesamt wurden 82 Börsengänge – 67 in den USA und 15 in Europa – aus Angst der Unternehmen vor turbulenten Märkten verschoben. Im letzten Quartal 2006 hingegen hatten nur zwei Kandidaten in Europa und sechs in den USA zurückgezogen.
«Infolge der Kreditkrise Ende Juli waren die Märkte grösstenteils stillgelegt, bis die Fed die Zinssätze senkte und die Banken Mitte September ihre Ergebnisse für das 2. Quartal bekannt gaben», sagt Ken Brown, Managing Director und Kochef Eigenkapitalmärkte bei Lehman Brothers. «Als die Märkte sich wieder öffneten, gab es eigentlich einen Überhang an IPO-Transaktionen. Weitere hohe Abschreibungen bei den Banken, die Entlassung etlicher Manager und kürzlich bekannt gegebene Verluste jenseits der Investmentbanken haben jedoch zu Bedenken geführt, dass die Finanzmärkte einem ausgedehnten systemischen Risiko ausgesetzt sein könnten, was das Vertrauen erschüttert hat.»
Das Volumen der zurückgestellten Börsengänge in Europa erreichte dieses Quartal fast 2,7 Mrd Dollar. Die meisten dieser IPO waren an der London Stock Exchange (LSE) oder dem Alternative Investment Market (AIM) vorgesehen. Die britische Restaurantkette Gaucho gab vor kurzem die Zurückstellung ihres 140 Mio Dollar schweren Börsengangs am AIM bekannt. Am selben Tag sagte das Investmentunternehmen New Russian Generation sein Listing an der LSE in Höhe von 534 Mio Dollar ab.
Das deutsche Klimaschutzunternehmen Ecolutions, das an der Frankfurter Börse 64 Mio Dollar einsammeln wollte, verschob ebenso den IPO. «Anleger werden bis Ende dieses Jahres dazu nicht bereit sein», meint Brown. «Deshalb wird es dieses Jahr nur noch ein paar Börsengänge geben, und diese wiederum könnten gezwungen sein, einen signifikanten Abschlag einzuräumen.»