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Dubioser Deal um Super-Diamanten
Ein vorbestrafter Innerschweizer machte diese Woche mit einem dubiosen Handel von sich reden: Er soll in Genf einem Russen einen Diamanten im Wert von über 30 Mio. Schweizer Franken verkauft haben.
Ein vorbestrafter Innerschweizer machte diese Woche mit einem dubiosen Handel von sich reden: Er soll in Genf einem Russen einen Diamanten im Wert von über 30 Mio. Schweizer Franken verkauft haben.
Von Andreas Seeholzer
Innerschweiz. – Am Dienstag soll er von einem Innerschweizer in Genf an einen russischen Oligarchen verkauft worden sein: ein echter Diamant, 102,6 Karat, über 30 Mio. Schweizer Franken wert. «33 Mio. Franken war der asking-price, verkauft habe ich für etwas weniger, aber immer noch für mehr als 30 Mio. Franken», sagte der Innerschweizer am Telefon in Südafrika. Auf seine undurchsichtige Vergangenheit angesprochen, blieb er cool: «Das ist alles Vergangenheit, verjährt, die Strafe habe ich längst abgesessen.» Der aus dem «Bote»-Einzugsgebiet stammende 41-jährige Mann geriet vor rund zehn Jahren mit dem Schweizer Gesetz in Konflikt, heute lebt er in Südafrika.
Bereits 1997 wanderte er mit seiner Frau nach Südafrika aus, wo er eine Firma für Grosswildjägerei gründete – doch dies nur zum Schein. Für angebliche Jagdlizenzen, Bewilligungen, Depots und Käse-Exporte sprudelte ihm das Geld nur so zu. Später wiederholte er das krumme Spiel mit einer Safari-Unternehmung in Simbabwe. Mit dem ergaunerten Geld tätigte er Einladungen für Freunde nach Südafrika, zog mit Kollegen durch Edelbordelle, fuhr teure Autos und mietete Luxusappartements. Auch als er 1999 in die Schweiz zurückkehrte, blieb er sich treu, 2004 kam es in der Schweiz zur Anklage.
Am 20. Oktober 2004 hiess es in der Gerichtsberichterstattung des «Boten der Urschweiz»: «Ein Anwalt und Bankpräsident aus Innerschwyz ist einem Betrüger zuerst auf den Leim gegangen und dann selber abgerutscht.» Die Untersuchung des Falls dauerte Monate, die Akten füllten sechs Kartonschachteln, die Anklageschrift 77 Steiten (siehe Box). Als Hochstapler und Betrüger hauptangeklagt war damals jener Mann, der am Dienstag in Genf mit dem Diamantenverkauf den Deal seines Lebens abgeschlossen haben soll.
Geld für Diamanten
Die Richter sprachen den Hochstapler und Betrüger im November 2004 des mehrfachen Betrugs, der Veruntreuung, der mehrfachen Urkundenfälschung, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Anstiftung zu falschem Zeugnis, der Fälschung eines Ausweises, der arglistigen Vermögensschädigung, des unlauteren Wettbewerbs und des mehrfachen Militärdienstversäumnisses schuldig. Das Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Gefängnis. Ausserdem wurde ein Betrag von 250 000 Franken beschlagnahmt. Damit konnten die Geschädigten aber nur minimal entschädigt werden, die gesamte Deliktsumme betrug damals 1,9 Mio. Franken. Am Mittwoch sagte der damals Verurteilte – nun Diamanten-Händler – am Telefon, dass er seine Strafe schon längst abgesessen habe, «ich habe meine Schuld ausgelöffelt», und die Vergangenheit sei nun verjährt. Dennoch gab er mit den Worten «ich bin doch nicht dumm» unumwunden zu, von den illegalen Innerschweizer Geschäften noch Geld auf der Seite gehabt zu haben. Mit diesem Geld habe er mittlerweile neue Unternehmen gegründet: unter anderen eine Firma für den Handel mit Edelsteinen mit dem Namen Okapi Congo Mining Pty Ltd.
«Ich hatte einfach Glück»
Am vergangenen Dienstag dann eine E-Mail von der Adresse «<email-pii>»: «Ein 41-jähriger Vitznauer mit Wohnsitz in Kapstadt/ Südafrika hat heute Dienstag in Genf einen 102,6 Karat grossen Diamanten aus Südafrika an einen der reichsten russischen Oligarchen für 33 Millionen Franken verkauft. Der Privat-Deal ging in einer Genfer Privatbank innerhalb zweier Stunden über die Bühne. Der makellose, weisse und brillantgeschliffene Diamant ist eine absolute Seltenheit.» Die Meldung bezieht sich auf die Nachrichtenagentur Reuters. Interessant: Weder kann die Firma «tipoffnews» im Internet ausfindig gemacht werden, noch reagiert sie auf die Anfrage, woher die Information stammt. Interessant auch, dass auf dem Portal von Reuters die Meldung vom Verkauf eines Diamanten in Genf nicht zu finden ist.
In Diamanten-Händlerkreisen ist der Innerschweizer ein unbeschriebenes Blatt. Ein Deal von über 30 Mio. Franken wird ihm von einem Insider jedoch nicht zugetraut: Ein Rohstoffhändler, der den in Südafrika lebenden Innerschweizer kennt, sagt: «33 Mio. Schweizer Franken sind für den Mann, der meist krumme Dinge dreht und auch schon im Gefängnis sass, einfach zu viel.»
Der vorbestrafte Innerschweizer sieht dies anders: «Ich hatte einfach Glück», sagte er am Telefon. Er befasse sich seit 2005 mit Edelsteinen, «ich habe leider auch solche aus Plastik gekauft und oft Lehrgeld bezahlen müssen.» Vor zwei Jahren habe er im Kongo den Rohdiamanten von einem Schwarzen gekauft, «in Lubumbashi, an der Grenze zu Simbabwe. Als ich den Stein zum ersten Mal sah, habe ich nicht gewusst, wie viel wert er ist.» Er hatte für 20 Dollar eine Lizenz zum Kaufen von Steinen erworben, «das kann jeder so machen», und durfte damit offiziell Steine kaufen. Den Stein habe er als Rohdiamant gekauft und später in Israel schleifen lassen. Zertifiziert wurde der Diamant angeblich durch das Gemologica Institute of America. In einem «Diamand Garding Report» wird der Stein mit 102,6 Karat, Farbe «D», und mit Flawless (engl. für makellos, einwandfrei) beschrieben.
Gewinn soll in die Schweiz fliessen
Bereits im vergangenen Jahr wollte der Innerschweizer laut eigener Angaben den Diamanten in der Schweiz verkaufen. «Ich war letztes Jahr zwei bis drei Monate in der Schweiz, habe aber keinen Käufer gefunden.» Er habe den Stein wieder ins Schliessfach seiner Bank in Genf gelegt und sei zurück nach Kapstadt gefahren. In Kapstadt führt er laut Internet die Firmen «Swiss Laser Clinics Pty Ltd», «Cape Pharmaceuticals Pty Ltd», «Swiss Chocolatier Pty Ltd» und die «Okapi Congo Mining Pty Ltd».
«In diesem Jahr erhielt ich für den Diamanten eine Anfrage aus Russland», sagt der Mann am Telefon. Anwälte seien eingeschaltet und Verträge ausgearbeitet worden. Schliesslich soll der Stein in Genf unter die Lupe von zwei Gemmologen des russischen Oligarchen gekommen sein. Veranschlagter Preis sei 33 Mio. Schweizer Franken gewesen, die Hände gewechselt habe der Diamant für etwas mehr als 30 Mio. Franken. Den Gewinn von rund 15 Mio. Franken fasst der Diamantenhändler als «Geschäft meines Lebens» zusammen. Gebraucht habe er dafür viel Glück und dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen sei.
Investieren will er in seine alte Heimat: «Noch bleibe ich in Südafrika, für meine Pension möchte ich allerdings eine Liegenschaft in Merlischachen, Küssnacht, Weggis oder Vitznau erwerben.» Spätestens dann sollte der vorbestrafte Innerschweizer zweifellos zu beweisen haben, wie er zu seinem Geld gekommen ist.
2004 hiess es im «Boten»: Angefangen hat die Sache im Herbst 2002 mit der Vermittlung einer Wohnung. Der aus Südafrika zurückgekehrte, geständige Hochstapler und Betrüger W. hatte dem Rechtsanwalt den Erwerb einer Eigentumswohnung am Vierwaldstättersee schmackhaft gemacht: Sie stehe zur Versteigerung. Der Anwalt fühlte sich angesprochen und stieg ein. Er überliess W. 100 000 Franken als «Sicherheitsdepot». Und zwar nicht eigenes Geld, sondern gemäss Anklageschrift Gelder vom Seniorensparkonto eines Mündels. Der Anwalt war im Auftrag seiner Wohngemeinde als Beistand eines betagten Mannes eingesetzt worden, der aus einem Immobilienverkauf ein kleines Vermögen besass. Die fragliche Wohnung ist schliesslich vom Anwalt für sein Mündel ersteigert worden. Der Zuschlagspreis betrug 465 000 Franken, von der Anzahlung aber war keine Spur mehr zu sehen. Dafür hielt W. eine neue «Offerte» bereit. Er sei daran, die Wohnung des ehemaligen TV-Stars Mäni Weber in Weggis zu verwerten. Der Anwalt stieg auch auf dieses vermeintliche Geschäft ein und überwies aus dem Geld seines Mündels in zwei Tranchen nochmals 200 000 Franken. Und, als ob das nicht genug gewesen wäre, hat der Anwalt auch noch mit 100 000 Franken aus eigenen Mitteln nachgedoppelt. (red)