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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VI.
12.
Empedokles glaubte, so sagt Simon, daß alle Teile des Feuers, die sichtbaren und die unsichtbaren, „Gefühl und einen Anteil Verstand“1 haben. Die gezeugte Welt kommt vom ungezeugten Feuer. Ihr Werden begann auf folgende Weise: Die Erzeugte nahm die ersten sechs Wurzeln des Zeugungsprinzips vom Prinzip jenes Feuers. Die Wurzeln sind durch Verbindungen aus dem Feuer entstanden; diese Wurzeln nennt er Nus und Epinoia, Phone und Onoma, Logismos und Enthymesis2. In diesen sechs Wurzeln ist die gesamte [S. 148] unendliche Kraft vereinigt als Möglichkeit (Potenz), nicht als Wirkung (Aktualität). Diese unendliche Kraft nennt er den, der steht, gestanden ist, stehen wird. Wenn dieser, der in den sechs Wurzeln sich befindet, ausgeprägt sein wird, so wird er im Wesen, in der Kraft, in der Größe und Vollendung ein und dasselbe wie die unerzeugte und unendliche Kraft sein, in nichts hinter der unerzeugten, unvergleichlichen, unendlichen Kraft zurückstehend. Wenn er aber nur als Potenz in den sechs Wurzeln bleibt und nicht ausgeprägt wird, so verschwindet er und geht zugrunde, so wie die grammatische oder geometrische Befähigung in der Menschenseele. Wenn nämlich die Fähigkeit zur Kunst geworden ist, wird sie zum Licht der existierenden Dinge; wenn nicht, wird sie zur Unfähigkeit und zur Finsternis und stirbt mit dem Tode des Menschen, als wenn sie nicht existiert hätte.
1: Fr. 110, 10 D.
2: Verstand und Vorstellung, Laut und Name, Urteil und Erwägung.