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Rolf Grossenbacher, wie wurde der Bevölkerung in Gorkha und Umgebung konkret geholfen?
Es musste sichergestellt werden, dass die medizinische Hilfe vor Ort weiter funktioniert, die Leute ein Dach über dem Kopf haben und verschüttete Strassen und Wege freigelegt werden. Deshalb hat die Humanitäre Hilfe des Bundes nach dem Erdbeben entschieden, das Spital in Gorkha durch die Entsendung eines Ärzteteams und von Medikamenten zu unterstützen. An die Bevölkerung der entlegenen ländlichen Gebiete wurden Plastikblachen, Seile, Küchenutensilien, Liegematten, Kanister und Werkzeuge verteilt, damit ein möglichst grosser Teil der Bevölkerung wieder eine Unterkunft hat und die Haushalte weiter funktionieren können.
Wie wurde die notleidende Bevölkerung erreicht, viele Strassen und Wege waren verschüttet?
Wir haben versucht, die Hilfsgüter möglichst nahe an die vom Erdbeben am schwersten betroffenen Regionen heranzuführen. Zu diesem Zweck haben wir im Dorf Soti Khola ein Zwischenlager eingerichtet, von dem aus ein Teil des Materials mit Helikoptern in die nordwestlichen und nordöstlichen Täler transportiert werden konnte. Dadurch gelang es uns relativ schnelle auch entlegene Ortschaften wie Samdo und das Tsum Valley zu erreichen. Ein anderer Teil der Hilfsgüter wurde von den Familien, die Fussmärsche von zwei bis drei Tagen auf sich nahmen, in Soti Khola direkt abgeholt. Ein letzter Teil der Hilfsgüter wurde schliesslich andern Hilfswerken zur Verteilung überlassen.
Wie viele Familien hat das humanitäre Team unterstützen können?
Insgesamt haben wir in den ersten drei Wochen nach dem Erdbeben 9‘000 Plastikblachen an etwa 8000 Familien abgeben können. Die Plastikblachen dienen zur Errichtung von provisorischen Unterkünften. Auch in den entlegenen Tälern wurden Tausende von Häusern durch das Erdbeben völlig zerstört. Wieder über eine Behausung zu verfügen, ist angesichts des Mitte Juni beginnenden Monsuns von grosser Bedeutung, nicht nur für die Familien, die ihre Häuser verloren haben, sondern auch für das Vieh und das Saatgut. Für die Sicherstellung der Nahrungsmittelsicherheit ist es sehr wichtig, dass das Saatgut kurz vor Beginn der Aussaat keinen Schaden nimmt. Mit dem effektiven Wiederaufbau der Häuser wird aber erst nach dem Ende der Regenzeit im September begonnen werden können.
Setzen sich die Schweizer SKH-Experten auch für die Räumung und Ausbesserung von Strassen und Wegen ein?
Ja. Wir haben ein „Cash for Work“ Projekt finanziert, um den Weg von Leprak nach Tatopani wieder benutzbar zu machen. Das heisst, wir haben die Bewohner des Tales dafür bezahlt, dass sie den verschütteten Weg freigelegt haben. Wir werden uns zudem an der Wiederherstellung der Nord-West Route, der Strasse und Wege von Dharapani nach Samdo und Jagat, und am Bau einer neuen Wegverbindung von Soti Khola nach Jagat beteiligen. Es ist geplant, die neue Strasse nicht dem Fluss entlang im Talboden zu führen, sondern durch die Hügel, direkt von Ort zu Ort.
Wieso?
Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass die Strasse wieder von Hangrutschen und Bergstürzen verschüttet wird. Die Wiedereröffnung der Verkehrswege nach Jagat ist für den Wiederaufbau ausserordentlich wichtig. Gegenwärtig kann der Ort nur per Helikopter oder über einen grossen Umweg über die nördlichen, hochgelegenen Bergtäler erreicht werden.
Was sollte gemacht werden, um eine weitere Katastrophe ähnlichen Ausmasses in Nepal zu verhindern?
Es muss viel in vorbeugende Massnahmen investiert werden, um die erneute Zerstörung oder Beschädigung von Hunderttausenden von Häusern zu verhindern. Die Schweiz wird deshalb einen Beitrag zur Förderung des erdbebensicheren Bauens leisten. Bei diesem Projekt können wir auf dem Wissen und den Konzepten aufbauen, die die DEZA in andern Erdbebengebieten erfolgreich eingesetzt haben. Wir haben den nepalesischen Behörden bereits das Konzept präsentiert, das wir in Pakistan erfolgreich angewendet hatten. Wir sind zudem bereit, Nepal mit unserer Expertise im Bereich der beruflichen Ausbildung zu unterstützen. Das heisst konkret, dass die Schweiz, die Lehrgänge nepalesischer Maurer und Zimmerleute mit der Vermittlung von Techniken im Bereich des erdbebensicheren Bauens ergänzen könnte.