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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

28. Vortrag.
4.
Wir haben dargelegt, was wir unter den Brüdern zu verstehen haben; hören wir nun, was sie gesagt haben. „Mach Dich weg von hier und geh nach Judäa, damit auch Deine Jünger Deine Werke sehen, die Du tust.“ Die Werke des Herrn waren den Jüngern nicht verborgen, aber jenen blieben sie verborgen. Denn die [S. 468] Brüder, d. i. die Blutsfreunde, konnten Christus zwar zum Blutsverwandten haben, aber an ihn zu glauben weigerten sie sich gerade wegen ihrer Verwandtschaft. Das steht im Evangelium, denn nicht wir wagen es zu vermuten, ihr habt es eben gehört. Sie fügen bei und mahnen ihn: „Denn niemand tut etwas im verborgenen, er sucht selbst bekannt zu werden; wenn Du das tust, so offenbare Dich selbst der Welt“. Und gleich darauf heißt es: „Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn“. Warum glaubten sie nicht an ihn? Weil sie menschliche Ehre suchten. Denn auch darin, daß die Brüder ihm Mahnungen zu geben scheinen, sorgen sie für seine Ehre. Du tust Wunderbares, mach Dich bekannt, d. h. zeige Dich allen, damit Du von allen gelobt werden kannst. Es sprach das Fleisch zum Fleische, aber das Fleisch ohne Gott zum Fleische mit Gott. Denn es sprach die Klugheit des Fleisches zum Worte, welches Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat1.
1: Joh. 1, 14.