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DMZ – POLITIK / MM ¦ AA ¦
Nächste Woche trifft sich das «Intergovernmental Negotiating Committee» (INC) in Uruguay, um ein internationales rechtsverbindliches Instrument gegen die Plastikverschmutzung zu entwickeln. Wissenschaftler befürchten, dass bei den Verhandlungen die Vielfalt und Komplexität der in Kunststoffen enthaltenen Chemikalien übersehen wird. Dies würde die Wirksamkeit des Abkommens stark beeinträchtigen, so eine neue Studie, die in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift «Environmental Science & Technology Letters» veröffentlicht wurde.
Kunststoffe sind komplexe Materialien. In einer kürzlich durchgeführten Studie wurden mehr als 10'000 chemische Substanzen identifiziert, die bei der Kunststoffherstellung verwendet werden können, was dazu führt, dass Kunststoffe eine Vielzahl von chemischen Substanzen enthalten können. Auch wenn viele dieser Chemikalien dieselbe Funktion erfüllen, hat ein Mangel an Koordination zwischen den Herstellern dazu geführt, dass Kunststoffe verschiedener Hersteller für dieselben Anwendungen oft unterschiedliche chemische Zusammensetzungen aufweisen.
Diese Vielfalt und Komplexität der Kunststoffformulierungen bringt verschiedene negative Auswirkungen und Herausforderungen mit sich. So haben Wissenschaftler und verschiedene Organisationen zunehmend ihre Besorgnis über die negativen Auswirkungen vieler in Kunststoffen enthaltener Chemikalien auf die Gesundheit von Menschen und Ökosystemen geäussert, die während der Lebensdauer des Produkts aus diesem herausgelöst werden können.
Chemische Vielfalt als Problem zur Lösung der Plastikverschmutzung
Ebenso wichtig, aber oft übersehen: Die Vielfalt der Chemikalien in Kunststoffen kann die aktuellen und die geplanten technologischen Lösungen zur Bekämpfung der Kunststoffverschmutzung vor zahlreiche Herausforderungen stellen. «Die enorme Vielfalt der Chemikalien in verschiedenen Kunststoffprodukten macht die unterschiedlichen Abfallströme inkompatibel. Diese Inkompatibilität kann die Qualität von Recycling-Produkten erheblich beeinträchtigen, was zu «Downcycling» und zu giftigen Abfällen führt, die zusätzliche Sicherheitsmassnahmen erfordern», so Empa-Wissenschaftler Zhanyun Wang, einer der Autoren der Studie.
Antonia Praetorius, Assistenzprofessorin an der Universität Amsterdam und Mitautorin der Studie, ergänzt: «Eine vorgeschlagene Lösung, um dem durch Einwegplastik verursachten Plastikmüll entgegenzuwirken, ist die verstärkte Verwendung von haltbareren Kunststoffen, um etwa eine mehrfache Wiederverwendung von Plastikbehältern für Lebensmittel zum Mitnehmen zu ermöglichen. Je komplexer die chemische Zusammensetzung dieser langlebigen Kunststoffe ist, desto schwieriger ist es, ihre Unversehrtheit und Sicherheit über ihre längere Produktlebensdauer zu gewährleisten.»
Vorsichtig optimistisch
Dennoch gibt es auch Grund für Optimismus, um globale Lösungen für die Plastikverschmutzung voranzutreiben. Die Autoren empfehlen politischen Entscheidungsträgern und Wirtschaftsführern, die einmalige Gelegenheit zu nutzen, die sich durch die Verhandlungen über das Kunststoffabkommen bietet, um die Kräfte zu bündeln und Kunststoffe neu zu gestalten. Durch die Festlegung einer Liste sicherer chemischer Zusatzstoffe, die bestimmte Schlüsselfunktionen erfüllen, können einfachere und standardisierte Kunststoffformulierungen erreicht werden. Insbesondere geben die Forschenden konkrete Empfehlungen, wie Mechanismen zur Verringerung der Vielfalt und Komplexität von Chemikalien in der Kunststoffproduktion im Vertrag aufgenommen werden können. Dies würde nicht nur den schrittweisen Verzicht auf gefährliche Chemikalien in der Kunststoffproduktion ermöglichen, sondern auch den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe.
Herausgeber
Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt
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