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1. Etappe, Schöftland – Schöftland, 107.8 km
Im strömenden Regen hat die erste Etappe des Junioren-Etappenrennens GP Rüebliland stattgefunden, drei Runden zu 36 km in und um Schöftland mit der Steigung zur Reitnauer Höhe als Bergpreis. Nach diversen taktischen Geplänkeln entwickelte sich die entscheidende Spitzengruppe in der Schlussrunde im Aufstieg zum Bergpreis. Die fünf Fahrer konnten aber nie mehr als zehn Sekunden auf eine erste grössere Verfolgergruppen herausfahren, was auf gute Harmonie in der Führungsarbeit deutet. Letztlich reichte der geringe Vorsprung auf das sich gegen Ende des Rennens zunehmend aufsplittende Feld. Der Sprint entscheid schiesslich zugunsten des Franzosen Renard.
2. Etappe und Einzelzeitfahren, Möhlin, 83.2 km/9,6 km
«Die Stürze in der morgendlichen Halbetappe haben einige meiner härtesten Konkurrenten auf dem Gesamtsieg eliminiert. Es erscheint mir nicht unrealistisch, dass ich morgen auch den Gesamtsieg erreichen kann», fasste Thomas Pidcock das Geschehen am Ende des zweiten Tages des GP Rüebliland zusammen.
Drei Etappen waren gefahren. Mit seinem Sieg im Einzelzeitfahren konnte der Brite den bisherigen Leader, den Franzosen Alexis Renard, entthronen. Auf der topographisch zwar fast flachen, mit vielen Richtungsänderungen aber fahrtechnisch anspruchsvollen 9,6-km-Runde nahm der Brite dem fünftplatzierten Franzosen 19 Sekunden ab. Bester Schweizer wurde Mauro Schmid als Neunter. Scott Quincey reichte als zweitbester Schweizer Rang 19., um sich im Zwischenklassement an die Spitze aller 42 Schweizer Teilnehmer zu schieben. Dass die 19 Sekunden für die neue Gesamtführung reichten, hat einen simplen Grund : Pidcock liess sich auf den ersten beiden Etappen nicht distanzieren.
Hinter Auftaktsieger Renard wurde er am Freitag in Schöftland im Sprint Zweiter. Auf der Halbetappe in Möhlin, die am Morgen vor dem Zeitfahren ausgetragen wurde, erreichte der Radquer-Juniorenweltmeister ebenfalls im Sprint den dritten Rang hinter Sieger Davide Ferrari und dem Russen Ivan Smirnov. Dass es überhaupt zu Zeitrückständen kam, war einzig auf Bonussekunden für die drei Erstplatzierten zurückzuführen.
Bevor sich die Junioren dem Kampf gegen die Uhr stellen konnten, standen drei Runden zu 27,75 km im Fricktal auf dem Rennprogramm, mit der Schupfarter Höhe als Haupthindernis. Es entwickelte sich ein überaus hektischer und ereignisreicher Rennverlauf, der in drei grösseren Stürzen mündete, die teilweise auf Unachtsamkeit und Nervosität zurückzuführen waren.
Betroffen war auch Valère Thiébaud, der bereits von einem früheren Sturz auf der Bahn über Schmerzen in der linken Schulter klagte. Er konnte das Rennen aber fortsetzen. Auf den letzten drei Kilometern spannten sich die Italiener vom Team Lombardia vors Feld, hielten das Tempo hoch und brachten so ihren Leader Davide Ferrari in eine gute Ausgangslage fürs Finale. «Unser Trainer Giovanni Riva hat uns heute vorgegeben, einen Sprintentscheid herbeizuführen», verriet Sieger Ferrari die Taktik. Es habe wunderbar geklappt. Ferrari weiter: «Schon im letzten Jahr konnte ich die zweite Etappe gewinnen.»
4. Etappe, Wohlen – Wohlen, 119.4 km
Es war ein würdiger Abschluss des 41. Grand Prix Rüebliland. Auf der breiten Hauptstrasse in Wohlen schoss das Peloton bei Sonnenschein mit grossem Tempo dem Ziel entgegen. Die letzte Fluchtgruppe war drei Kilometer vor dem Ziel wieder gestellt worden und die Mannschaften Russlands, Norwegens, Frankreichs und Italiens versuchten ihre Sprinter in die beste Position zu bringen. Damit endete auch das letzte Teilstück der Vieretappenfahrt so, wie die anderen beiden: mit einem Sprint. Es siegte der Norweger Søren Waerenskjold vor dem Russen Ivan Smirnov und dem Dänen Anton Wacker. Bester Schweizer wurde der erst 16-jährige Ostschweizer Jonathan Bögli als Achter. Den Gesamtsieg holt sich Radquer- Juniorenweltmeister Thomas Pidcock aus England, der das Ziel für einmal nur als Zwölfter erreichte .
Der Brite hatte am Vortag das Einzelzeitfahren in Möhlin gewonnen und so einen Umsturz im Zwischenklassement des GP Rüebliland herbeigeführt. Mit seinem Sieg im Kampf gegen die Uhr holte sich der Junioren-Radquer-Weltmeister auch das Leadertrikot vom Franzosen Alexis Renard, der die Auftaktetappe im Regen von Schöftland gewonnen hatte. Die Halbetappe in Möhlin war eine Beudet des Italieners Davide Ferrari geworden. Damit stand nach drei Tagen, vier Etappen, 320 km und 3522 Höhenmeter Pidcock als Sieger des 41. GP Rüebliland fest.
Die 42 Schweizer im Peloton konnten keine Glanzpunkte setzen. Entsprechend fiel die Bilanz von Thomas Scheurer aus, dem sportlichen Leiter der Schweizer Nationalmannschaft: Mit Scott Quincey als Achter stelle man zwar den besten Schweizer in den Top Ten. «Das ist okay. Aber es wäre auch ein Top-5-Resultat dringelegen, wenn die Jury nach dem Massensturz des Feldes auf der Halbetappe am Samstag in Möhlin keine Barrage verhängt hätte. Aber so ist der Sport. Manchmal hat man Glück, manchmal Pech.» Die Barrage verhinderte, dass sich der durch den Sturz gebildete zweite Teil des Pelotons im Windschatten der Teamfahrzeuge wieder zur Führungsgruppe aufschliessen konnte.
Ueli Schumacher, der neue OK-Präsident, war sehr zufrieden mit dem Ausgang des Nachwuchsrennens : «Wenn man mit Thomas Pidcock einen Weltmeister als Gesamtsieger präsentieren kann, ist das selbstredend für das Niveau. Wir haben einen sportlich überaus attraktiven GP Rüebliland gesehen. Auch die UCI-Kommissäre waren sehr zufrieden.» Allerdings seien die Leistungsunterschiede enorm gross gewesen. «Am ersten Tag haben 18 Fahrer aufgegeben.» Unübersichtlich findet der OK-Präsident die Fülle von Schweizer Teams. Er findet: «Da braucht es künftig mehr Struktur. Wir haben zu viele Regionalmannschaften. Lieber weniger, aber dafür mit höherem Leistungsniveau.» Organisatorisch sei der nächstjährige Grand Prix auf guten Wegen: «Möhlin wird wieder den Samstag machen. Mit Widnau im Fricktal sind wir in Verhandlungen.»
Die Etappen und deren Sieger/Leader :
Freitag, 1. September, 15 Uhr, Schöftland – Schöftland, 107.8 km, Zielankunft 17:30 Uhr.
Sieger/Leader: Alexis Renard (Fr), bester Schweizer und Bergpreis-Leader: Nils Brun (Spiez)
Samstag, 2. September, 9.45 Uhr, Halbetappe Möhlin - Möhlin, 83.2 km, Zielankunft 11.40 Uhr. 16 Uhr,
Sieger: Davide Ferrari (It), Leader: Alexis Renard (Fr), bester Schweizer: Nils Brun (Spiez).
Der Grand Prix Rüebliland ist das einzige internationale Junioren-Etappenrennen für Strassenradfahrer in der Deutschschweiz.
Vom Radweltverbandes UCI wurde das Nachwuchsrennen in der höchsten Kategorie (MJ2.1) eingestuft und gilt als bestbesetztes Junioren-Etappenrennen in Europa. Mit gutem Grund : Immer anfangs September findet der GP Rüebliland kurz vor den Weltmeisterschaften statt. Zahlreiche Nationalteams aus ganz Europa und Übersee nutzen das Einladungsrennen zur WMGeneralprobe.
Das Fahrerfeld umfasst in der Regel 25 Mannschaften zu je sechs Fahrer. Zur gezielten Nachwuchsförderung in der Schweiz werden ausserdem Kantonal- und Regionalmannschaften zugelassen. Gefahren wird während vier Etappen innerhalb von drei Tagen vorwiegend auf den Strassen des Kantons Aargau, der auch als «Rüebliland» bezeichnet wird. Das erste Mal durchgeführt wurde der GP Rüebliland 1977 auf Initiative von Radsportbegeisterten.
Um das Rennen finanziell besser abzusichern, wurde die IG GP Rüebliland gegründet. Einige frühere und heutige Spitzenfahrer haben das anspruchsvolle Etappenrennen mit Erfolg absolviert und so den Grundstein für eine erfolgreiche Profikarriere gelegt : Laurent Jalabert, Davide Rebellin, Damiano Cunego, die Gebrüder Schleck, Adriano Basso, Patrik Sinkewitz, Thor Hushovd, Roman Kreuziger, Zdenek Stybar, Bob Jungels. Aus Schweizer Sicht herausragend waren die Teilnahmen von Fabian Cancellara, Niki Rütimann, Beat und Markus Zberg, Laurent Dufaux, Oskar Camenzind und Silvan Dillier, die später auch als Berufsfahrer den Durchbruch geschafft haben.
Das Rennen wird grösstenteils ehrenamtlich getragen und organisiert.
www.gp-ruebliland.ch