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Keine Helden im Krieg
“Flags of our Fathers” and “Letters from Iwo Jima” von Clint Eastwood
Mit “Flags of our Fathers” und “Letters from Iwo Jima” hat Clint Eastwood das Genre des Antikriegsfilms revolutioniert. Die beiden Filme erzählen von der Schlacht um die japanische Insel Iwo Jima, einmal aus der Perspektive der Amerikaner und einmal aus jener der Japaner. Die beiden Meisterwerke sind ab sofort zusammen in einer Collector’s Edition erhältlich, die sich zudem durch erstklassiges Bonusmaterial auszeichnet.
Von Lukas Hunziker.
Es ist schon beinahe unheimlich, mit welcher Regelmässigkeit Clint Eastwood auch in seinen späten Siebzigern noch Meisterwerke produziert. “Mystic River” und “Million Dollar Baby” räumten bei den letzten Oscarverleihungen ab und mit seinem Doppelschlag “Flags of our Fathers” und “Letters from Iwo Jima” übertraf sich Eastwood nochmals selbst – wenn auch ohne Oscarbelohnung. Dafür waren die Filme dann vielleicht doch zu kritisch.
Flags of our Fathers – Dekonstruktion des Heldentums
Der erste Film, der auf dem gleichnamigen Buch von James Bradley beruht, erzählt die wahre Geschichte von sechs Soldaten, die auf einem der berühmtesten Fotos des zweiten Weltkrieges die Amerikanische Flagge auf dem Gipfel des Berges auf Iwo Jiima hissen. Drei dieser Soldaten begaben sich, nachdem das Foto in fast jeder Zeitung der USA gedruckt worden war, in ihre Heimat zurück um dort als gefeierte Helden auf Tournee zu gehen, um dabei Geld für den Krieg zu sammeln. Pikantes Detail: das Foto zeigt lediglich das Hissen der Ersatzflagge, nachdem die erste Flagge zu Propagandazwecken wieder heruntergenommen worden war.
Ira Hayes, einer der drei Soldaten, ist indianischer Abstammung und kann nicht verstehen, warum er, der von allen abfällig Häuptling genannt wird, für das unspektakuläre Aufstellen einer Flagge zum Helden erkoren wurde. Wie er wird auch der Zuschauer immer skeptischer gegenüber der Idee des Heldentums und der Regierung, welche über die drei “falschen” Helden der Bevölkerung das Geld für den Krieg aus der Tasche zieht. Die Kritik an Amerikanischer Kriegsromantik ist offensichtlich, doch schafft es der Film leider nicht, die Idee des Heldentums ganz zu verwerfen und definiert sie lediglich um. Dies ist jedoch nur ein kleiner Wehmutstropfen, der den Film kaum seiner Eindrücklichkeit berauben kann.
Letters from Iwo Jima – Warten auf das Ende
Sind in “Flags of our Fathers” die Japaner die unsichtbaren Feinde, so sind es in “Letters of Iwo Jima” die Amerikaner. Der Film entstand aus einem kleineren Budget heraus als der erste und das wohl nicht zuletzt, weil er Amerika als Feind zeigt und komplett in japanischer Sprache und mit japanischen Schauspielern gedreht wurde. Der Film erzählt die Geschichte mehrerer japanischer Soldaten, darunter der noble General Tadamichi Kuribayashi und der einfache Soldat Saigo. Die Japaner wissen, dass ihre Chancen, den Angriff der Amerikaner zu überleben, gering sind und dass sie von ihrer Heimat keine Verstärkung erhalten werden. Viele sind überzeugt, dass sie auf den Tod warten, und bringen dies in zahlreichen Briefen, die sie nach Hause schreiben, zum Ausdruck.
“Letters from Iwo Jima” ist einfacher gestrickt als “Flags of our Fathers” und legt grossen Wert auf die Darstellung seiner Figuren. Obwohl auch hier die Botschaft vereinfacht gesagt lautet, dass es keine Helden des Krieges sondern nur Helden der Menschlichkeit gibt, vermag “Letters from Iwo Jima” seinen Zwilling zu übertrumpfen – vielleicht gerade, weil der Zuschauer weiss, dass das Ende schrecklich und unausweichlich sein wird. Ganz ohne Pathos kam Eastwood auch beim zweiten Teil nicht aus, doch stört dies im nichtamerikanischen Kontext deutlich weniger.
Krieg kann nur Tragödie sein
Mit Patriotismus hat der Pathos aber in beiden Fällen wenig zu tun. Im Gegenteil, beide Filme zeigen in eindrücklichster Weise den Schrecken und die Absurdität des Krieges. Obwohl beide Filme reich an schockierenden Schlachtszenen sind, vermögen vor allem kleine Szenen den Zuschauer leer schlucken zu lassen. So fällt bei der Überfahrt nach Iwo Jima einer der amerikanischen Soldaten von Bord, was seine Kameraden erst mit Witzen kommentierten, bis sie merken, dass keines der Schiffe anhalten wird, um ihn an Bord zu holen und er damit zum Ertrinken verdammt ist. Nicht die abgesprengten Gliedmassen erschüttern, sondern die Einzelschicksale zahlloser junger Männer. Krieg ist ein Kampf ums Überleben und Helden sind nicht jene, die jemanden töten, sondern jemanden vor dem Tod retten. Dies mag nichts Neues sein. Aber kaum ein Film zeigt es so eindrücklich wie “Flags of our Fathers” und “Letters from Iwo Jima”.
Ausstattung
Zu “Letters from Iwo Jima” ist ein ‘Making of’ auf der Film-DVD enthalten, zu “Flags of our Fathers” und dem Projekt allgemein gibt es in der Collector’s Edition eine Bonus-DVD. Diese enthält rund eineinhalb Stunden Zusatzmaterial, aufgeteilt in Dokumentationen von je 15 bis 30 Minuten. Eine Dokumentation widmet sich der Buchvorlage, eine den sechs Flaggenhissern, eine längere den Dreharbeiten und eine separate den Special Effects. Weder die geschichtlichen Hintergründe noch die Blicke hinter die Kamera kommen zu kurz, und auch Regisseur und Darsteller kommentieren fleissig und interessant. Mehr kann man eigentlich gar nicht wollen.
Seit dem 25. Juni 2007 im Handel.
Originaltitel: Flags of our Fathers / Letters from Iwo Jima (USA 2006)
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Ryan Phillippe, Jesse Bradford, Adam Beach, Jamie Bell, Paul Walker / Ken Watanabe, Kazunari Ninomya, Shido Nakamura
Genre: Antikriegsfilm
Dauer: 126 / 135 Minuten
Bildformat: 2.40:1
Sprachen: Englisch/Japanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Making of “Letters from Iwo Jiima, 7 Dokumentationen zu “Flags of our Fathers”, Trailer
Vertrieb: Warner Home Entertainment