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«Schönä, Tschouni!», raunten die acht-, neunjährigen Buben, wenn ihre Kameradin, das einzige Mädchen im Team, wieder einem gegnerischen Stürmer den Ball zwischen den Füssen weggespitzelt hatte. Cool, aber voller Anerkennung sagten sie es: «Schönä, Tschouni!» Haben schon ganz den Fussballerjargon drauf, die kleinen Kerlchen. Und sie hält mit, dribbelt den Knaben um die Ohren: Joni. So heisst die kleine Kickerin, die ich letzten Sonntag an einem Grümpelturnier kennengelernt habe. Und natürlich fiel mir sogleich Joni Mitchell ein, die kanadische Sängerin, deren Lied «River» zu meinen allerliebsten zählt. Aber ich verklemmte mir eine Bemerkung. Denn wer kennt heute noch Joni Mitchell? Dass die Kleine Joni hiess, hatte bestimmt einen ganz anderen Grund. Und überhaupt sage ich lieber nichts mehr zu Namen, die sich Eltern für ihre Kinder ausgedacht haben, denn ich habe mich letzthin furchtbar blamiert.
Joni dribbelte den Buben um die Ohren.
Und das ging so: Eine Bekannte hatte ihr eben geborenes Töchterchen Ella getauft. Nun erzählte sie mir, wie sehr sie sich darüber ärgere, dass alle meinten, sie und ihr Mann seien bestimmt wegen des Hits von Rihanna auf die Idee gekommen, das Kind Ella zu nennen: «Under my Umbrella, -ella, -ella …» Die Rihanna findet sie nämlich doof. «Die Leute haben halt keine Ahnung mehr von Musik!», bluffte ich; mir sei schon klar, dass sie ihre Tochter wegen des 80er-Jahre-Hits «Ella elle l’a» der Französin France Gall so benamst habe. Sie schaute mich nur fassungslos an. «France Gall? Hilfe, neiiin!» Sie habe ihre Tochter denk nach der grössten Sängerin aller Zeiten benannt. «Nach … äähm, Aretha Franklin?», fragte ich und schaute blöd aus der Wäsche … «Aber wie kommt ihr denn auf Ella?» — «Nein, Mann! Nach Ella Fitzgerald», rief sie aus. Ich war beschämt, zeigte mir innerlich die gelbe Karte — «Da hättest doch drauf kommen müssen, Affe!» — und brummelte, nachdem ich mich einigermassen gesammelt hatte: «Aber klar doch, die grosse Ella! Fitzgerald!» Dass ich noch anzuführen versuchte, auch France Galls Lied sei eine Reverenz an die grosse Fitzgerald gewesen, war nur eine Verschlimmbesserung. Nichts zu retten, ich stand als Banause da.
Hätte ich unsere Tochter nach meiner Lieblingssängerin benannt, hiesse sie Amy oder Emily. Denn meine Lieblingssängerinnen sind deren zwei, Amy Ray und Emily Saliers, zusammen bekannt als The Indigo Girls. Aber erstens klängen beide Namen hierzulande ein bisschen albern, und zweitens reden bei der Namensgebung immer zwei mit, und meine Frau fand ja auch die Idee nicht so super, dem Hans den Zweitnamen Elvis zu geben. Jedenfalls heisst unsere Anna Luna weder Amy noch Emily, und vermutlich ist das gut so.
Und Joni? Spielte unerschrocken, wie ich noch nie ein Mädchen habe Fussball spielen sehen. Sie wurde völlig verdient zur besten Spielerin des Turniers gewählt. «Schönä, Tschouni!», applaudierten die Kameraden ein bisschen eifersüchtig und ein bisschen stolz, als sie den Preis entgegennahm. «Joni — ein schöner Name», sagte ich hernach zu ihren Eltern und verschwieg, dass mir dabei unweigerlich die kanadische Sängerin einfällt. Doch die Eltern, unisono: «Heute kennt die ja niemand mehr. Aber weisst du, wir haben sie nach Joni Mitchell getauft.»
Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.
Die
Hausmann-Hörkolumne
, gelesen von Bänz Friedli (MP3)
Autor: Bänz Friedli
Fotograf: Bänz Friedli