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Wie ist Gott?
Das ist die vielleicht älteste Frage überhaupt: Wie ist Gott? Die Geschichte der Menschheit ist nicht selten eine Suche nach der Antwort auf diese Frage – mit allen Irrungen und Wirrungen, mit allen Höhenflügen und Tiefschlägen. Die Vergangenheit sollte uns gerade in Bezug auf diese Frage bescheiden machen. Gibt es im Alten Testament vielleicht gerade deshalb das Verbot, sich von Gott ein Bild zu machen? Es stimmt ja ohnehin nie, ist bestenfalls ein jämmerlicher Abklatsch und häufig ein unsäglicher Anlass für Streit und Besserwisserei.
Deshalb ist es oft besser, sicher aber viel schöner, von Gott in Geschichten zu sprechen. Sie ermöglichen uns einen offeneren, freundlicheren Blick auf Gott im Sinne von: So könnte Gott sein. Zum Beispiel so wie der Vater in der folgenden Geschichte (Quelle unbekannt):
Der kleine Junge lag in einem Spital, wo er operiert werden sollte. Sein Vater hatte ihn ins Krankenhaus gebracht und versuchte, dem Kleinen Mut zu machen. „Vater“, sagte der Junge, „ich habe gar keine Angst, wenn du bei mir bleibst.“ Da sagte der Vater: „Gut, ich bleibe bei dir.“ Der Arzt erlaubte es und so setzte sich der Vater neben sein Kind, das nun auf dem Operationstisch lag. Als der Junge betäubt werden sollte, schaute er nochmals hoch: „Vater, bist du da?“ „Ich bin da“, antwortete dieser. Dann begann die Narkose zu wirken.
„Nun können sie gehen“, meinte der Arzt, als der Kleine eingeschlummert war und die Operation beginnen sollte. „Herr Doktor“, antwortete der Vater, „ich habe meinem Jungen versprochen, bei ihm zu bleiben, und so möchte ich auch bleiben.“ „Gut“, meinte der Arzt, „dann bleiben sie.“
Als der Junge später aus der Narkose erwachte, hielt der Vater seine Hand. Da lächelte der Junge und fragte ganz leise: „Vater, bist du da?“ Und er schlief wieder ein. Er wusste: Mein Vater bleibt bei mir.
Pfr. Harald Ratheiser