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Louis Dürr
Von Walter Marti.
Louis Dürr lebt heute als Kunstmaler in Bern. Am 27. Juni 1896 erblickte er als Kaufmannssohn in Burgdorf das Licht der Welt. Er besuchte das Progymnasium seiner Vaterstadt, und mit besonderer Freude widmete er sich der Zeichungskunst. Der Unterricht war bei Papa Stauffer besonders auf das rein Zeichnerische abgestimmt. Freilich wurde gerade dadurch der Formensinn frühzeitig geweckt. Louis musste auf den Wunsch seiner Eltern Photograph werden; denn sie befürchteten, ihr Sohn würde sich als Maler so wenig durchsetzen wie ein Verwandter, der den Künstlerberuf ergriffen hatte und am grossen Mythenstock tödlich abgestürzt war. Da nun aber der junge Lehrling seine Fähigkeiten nicht mit technischen und beruflichen Fingerfertigkeiten niederringen konnte, malte und zeichnete er sehr viel in den freien Stunden, und mit grosser Freude besuchte er endlich die Kunstgewerbeschule in Basel.
Mancher Künstler kennt Hunger- und Entbehrungsjahre. Sie aber stellen ihn bedeutsam auf die Probe. Die Liebe zur Kunst dringt bei wahrhaft begabten Temperamenten durch, die seelische und geistige Kraft reift und schafft Charaktere, und durch die Kämpfe sammeln sich Kräfte, die später einmal zu voller Entfaltung kommen müssen. Nur der Dornenweg schafft Künstler und bringt später innern und äussern Erfolg. Oft aber zu spät.
1921 wurde Louis Dürr Schüler der weltbekannten Julien-Akademie in Paris. Trotz der grossen fremden Einflüsse bildete sich hier Dürr schon zum schweizerisch-nationalen Maler aus. Die Frühwerke aus der Studienzeit in Paris zeigen deutlich das bewusste Ringen nach einer eigenen Darstellungskraft. 1922 befindet sich Dürr in der Kunststadt München, um sich weiter ausbilden zu lassen. Glück oder Unglück: Dürr erkrankte in München, und deshalb musste er in das Gebirge übersiedeln. Die Krankheit brachte Heimweh, Liebe zu den Bergen. Diese Zeit wurde bestimmend für Dürrs späteres Schaffen. Hier fand er sein ureigenes Gebiet, die Voralpen mit den saftigen Weiden, die eis- und schneebedeckten Berge mit den schroffen Gegensätzen, Berge und Täler, Höhen und Tiefen, blaue und lichte, sonndurchwebte Hintergründe, Wolken, Schatten- und Sonnenwelten.
Seine Winterlandschaften zeigen eine flockige Weichheit und zarten Schimmer der Farbtöne. Und breite Seelandschaften in silberklarer Beleuchtung lassen die scharf umrissenen Silhouetten der weitausholenden Bergzüge plastisch erleben. Eine wahrhaft kraftvolle, naturwahre Ursprünglichkeit klingt wie Musik aus den Werken Dürrs.
Nun gehört Louis Dürr seit vielen Jahren wieder uns Schweizern. Er schafft für uns, indem er Berglandschaften ( Berner Oberland, Bündnerland, Tessin ) in seiner Art auf die Leinwand zaubert. Man darf wohl sagen, dass er sich von allen Vorbildern loszulösen versucht und persönlich arbeitet und gestaltet und dabei den Weg geht, der ihm vorgeschrieben ist. Sentimentalitäten haften seinen Werken nicht mehr an. Seine Pinselführung und Farbengestaltung wurden kräftig, schweizerisch.
Eine Eigenart Dürrs besteht unzweifelhaft darin: Die Monumental-wirkung erzielt er auch im kleinen und kleinsten Format. Die natürliche Ursprünglichkeit unserer Bergriesen, die Erhabenheit des Unendlichen und Grossen in unserer kleinen Welt werden mit einer oft geologisch geführten Pinseltechnik plastisch geformt und innerlich beseelt. Die dekorative Gestaltung wirkt nie aufdringlich in Dürrs Schaffen. Mit besonderer Liebe und Sorgfalt gestaltet der Maler Seelandschaften, Tiefentäler und kleine Ausschnitte im Gebirge. Mit Achtung vor dem naturgegebenen Objekte baut Dürr seine Gemälde auf, die im Sinne Hodlers nach linearer Umgrenzung streben. Aus starkem Rhythmus heraus gestaltet er auch seine Blei- und Kohlenzeichnungen mit grosszügigen Licht- und Schattenkontrasten.
Dürr gewinnt heute an Boden. Die Liebe zur Kunst, das Ringen um die Wahrheit und Vertiefung sind aus seinen Bildern unverkennbar. Aus ihnen spricht Sehnsucht und Hoffen!