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Epicurus
(Epikuros), griech.
Philosoph, geb. 341
v. Chr. zu
Athen
[* 2] oder
Samos, empfing den ersten philos. Unterricht beim
Platoniker Pamphilus, hörte später den Demokriteer Nausiphanes und wurde ganz für die
Philosophie Demokrits
gewonnen, sodaß er sich eine Zeit lang selbst Demokriteer nannte. Später legte er auf seine
Abweichungen von Demokrit stärkeres
Gewicht und betrachtete sich selbst als den
Urheber der wahren
Philosophie. Er trat als
Lehrer erst in Mitylene und Lampsacus
auf; 306 eröffnete er seine Schule in einem
Garten
[* 3] zu
Athen, der seiner Schule verblieb, die man daher
auch als «den
Garten» des
Epicurus bezeichnete. Er starb um 270 in
Athen. Seine zahlreichen
Schriften waren zum
Teil mit einer gewissen
Nachlässigkeit abgefaßt; nicht unbedeutende Reste davon sind erhalten (hg. von H.
Usener, «Epicurea», Lpz.
1887; über einen neuen Fund vgl. denselben im «Rheinischen
Museum», Bd. XLVII).
Epicurus'
Philosophie gliedert sich wie die stoische deutlich in
Logik, Physik und Ethik, auch fällt ebenfalls bei ihm das Schwergewicht
auf die Ethik. Seine
Logik, von ihm Kanonik genannt, stellt den
«Kanon» oder die Norm der Erkenntnis fest;
sie bildet eigentlich nur die Einleitung in die Physik. Das Hauptkriterium (Fundament der wahren
¶
mehr
Erkenntnis) ist die Wahrnehmung, sie ist weder zu widerlegen durch andere Wahrnehmungen (denn keine streitet mit der andern), noch durch die Vernunft, die selbst ganz und gar von der Wahrnehmung abhängt. Auch die Phantasmen der Wahnsinnigen sowie die Träume sind, als evidente Wahrnehmungen, nicht bloß unleugbar wirklich, sondern eben darum auch wahr. Ein zweites Kriterium ist die prolepsis, die mit dem Wort verbundene, aus der Erinnerung vieler gleichartiger Wahrnehmungen entstandene Vorstellung (nicht zu verwechseln mit der stoischen prolepsis oder ennoia).
Kriterien sind außerdem die Gefühle (pathe), nämlich für das praktische Verhalten. Alle Möglichkeit des Irrtums hingegen beruht allein auf der Meinung (doxa) oder Annahme (hypolepsis), die, über die gegebene Wahrnehmung hinausgehend, teils auf ein künftig Wahrzunehmendes (prosmenon), teils auf überhaupt nicht Wahrnehmbares (adelon) sich erstreckt. Eine solche ist wahr im ersten Falle, wenn die spätere Wahrnehmung für sie zeugt (epimartyresis), im zweiten, wenn wenigstens keine Wahrnehmung gegen sie zeugt (uk antimartyresis).
Nur so gewinnt
Epicurus die Gewißheit von der Existenz der Atome und des Leeren. Da aber diese Erkenntnis doch über das Gebiet des
Wahrnehmbaren hinausgeht, so muß
Epicurus gegen die sensualistische Tendenz seiner Erkenntnislehre, dem theoretischen Denken einige
Zugeständnisse machen. Die Physik des
Epicurus beruht auf der Voraussetzung des Atomismus. Abweichend von Demokrit
nimmt
Epicurus eine grundlose Abweichung der Atome von dem ursprünglich senkrechten Fall als Anstoß zur Weltbildung an. Die Teleologie,
vollends die Annahme einer göttlichen Leitung des Weltlaufs, bekämpft er ebenso wie Demokrit, desgleichen hält er die Annahme
unendlich vieler Welten fest.
Die wirkliche Größe der Sonne
[* 5] und der Gestirne unterscheidet sich nach ihm nicht von der scheinbaren.
Die Seele ist ein feiner luftähnlicher Stoff; mit dem Tode zerstreut sie sich und alle Empfindung hört auf. Die Wahrnehmung
kommt (wie bei Demokrit) durch Ausflüsse und Bilder zu stande. Die Freiheit der Willkür behauptet
Epicurus und schließt daher
die sonst alles beherrschende Notwendigkeit von den Willensakten aus. Die Götter existieren als Körper, aus den feinsten
Atomen gebildet und in den leeren Räumen zwischen den Welten wohnend.
Diese ganze Physik dient, wie auch
Epicurus ausdrücklich erklärt, nur der gehörigen Sicherung seiner naturalistischen
Ethik und ist nicht aus selbständigem naturwissenschaftlichem Interesse hervorgegangen. Die Ethik des
Epicurus stützt sich, obwohl ohne principielle Klarheit, auf das Princip der Lust. Doch ist darum nicht jede sich darbietende Lust
zu erstreben, sondern zu berechnen, bei welcher Handlung im ganzen ein Überschuß von Lust (oder ein Minus von Schmerz) sich
ergiebt.
Daher empfiehlt
Epicurus Genügsamkeit, Vermeidung kostspieliger, üppiger Genüsse, zur Bewahrung
der Gesundheit und Genußfähigkeit. Daher gehört zum angenehmen Leben auch, daß man vernünftig, anständig und gerecht
lebe, wie umgekehrt mit diesen Tugenden die Annehmlichkeit von selbst folgt. Bisweilen erscheint an Stelle der Lust auch die
bloße Schmerzlosigkeit und Unerschütterlichkeit als Ziel. Die seelische Lust ist von der körperlichen
durchaus abhängig und geht aus ihr hervor, doch hat sie insofern den Vorzug, als sie völlig in unserer Gewalt ist. Daß
diese Moral auf einen ziemlich folgerechten Egoismus hinausläuft, ist klar; das
hindert nicht, daß auf die Freundschaft großer
Wert gelegt wird, denn diese selbst wird wesentlich auf den Nutzen für den, der sie genießt, gegründet,
obwohl daneben, etwas inkonsequent, auch ein uneigennütziges Wohlwollen eingeräumt wird. Die Epikureische Ethik hängt
sichtlich mit der Cyrenaischen, aber auch mit der Demokritischen zusammen.
Im ganzen kam der Epikureismus mit seinem groben Dogmatismus, seiner im ganzen kaum wissenschaftlich zu nennenden
Haltung und moralischen Laxheit der Zeitstimmung entgegen und gewann beträchtlichen Einfluß besonders in der röm.
Welt des Augusteischen Zeitalters. Die Schule des
Epicurus zeigt im allgemeinen wenig Selbständigkeit, hervorzuheben
ist nur die Ausbildung einer bestimmten Seite der Logik durch Zeno (s. d.) von Sidon und seine Schüler, wie Demetrius den Lakonier.
Hervorragend ist die dichterische Darstellung der Epikureischen Philosophie in dem Lehrgedichte des Lucretius. Auch Diogenes
Laertius hing der Epikureischen Richtung an, später ist sie so gut wie erloschen. -
Vgl. Zeller, Philosophie der Griechen, Bd. 3, Abteil. 1 (3. Aufl., Lpz. 1880);
Giźycki, Über das Leben und die Moralphilosophie des
Epicurus (Halle
[* 6] 1879);
Kreibig,
Epicurus
(Wien
[* 7] 1886).