Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03353.jsonl.gz/2838

Gemäss diesem Barometer verdienen rund 5,5 Millionen Kleinbauern ihr tägliches Brot mit der Bewirtschaftung von durchschnittlich eintausend eigenen Kakaobäumen. Das Einkommen von weiteren 14 Millionen landwirtschaftlichen Arbeitern ist unmittelbar von der Kakaoproduktion abhängig. Diese beschränkt sich weitgehend auf Westafrika: allein die Hauptproduktionsländer Elfenbeinküste und Ghana liefern zwei Drittel des Kakaos weltweit. Weiterverarbeitet und konsumiert wird die Frucht hingegen hauptsächlich in Europa und Nordamerika; die Schweiz ist bekanntlich Spitzenreiterin im Verbrauch pro Kopf.
Der Anbau des edlen Gewächses ist jedoch mit Schwierigkeiten verbunden. Der Kakao-Barometer 2012 weist darauf hin, dass die grosse Mehrheit der Kakao-Bauern in den wichtigsten Anbaugebieten in Westafrika weiterhin deutlich unter dem Existenzminimum leben. „Viele von ihnen müssten sogar zehnmal mehr verdienen, um die Armutsgrenze von 2 Dollar pro Tag und Person überhaupt zu erreichen“, schreibt die Erklärung von Bern.
Die schlechten Lebensbedingungen der Kleinproduzenten ergeben sich vielfach aus ihrer direkten Abhängigkeit vom Weltmarkt. Die starken Preisschwankungen des Kakaos führen viele Bauern ins Elend. Aufgrund der Überproduktion Ende der 90er Jahre sind die Preise in den letzten Jahren stark gesunken. Die daraus resultierende Armut der Kleinbauern fördert wiederum ausbeuterische Kinderarbeit auf den Plantagen (Videobeitrag von 3sat).
Viele der Kakaobauern müssten zehnmal mehr verdienen, um die Armutsgrenze von 2 Dollar pro Tag und Person überhaupt zu erreichen.
Erklärung von Bern
Dennoch gibt es Hoffnung. In den letzten Jahren wurden offenbar so viele Initiativen zur Verbesserung der Situation gestartet wie nie zuvor. Kaum eine Regierung oder ein Lebensmittelunternehmen sei nicht in mindestens ein oder zwei Fair-Trade-Programme involviert, so der Kakao-Bericht. Werden die Pläne der Zertifizierungsorganisationen und einer Reihe von Unternehmen tatsächlich umgesetzt, könnte die Menge an nachhaltig produziertem Kakao in Zukunft stark ansteigen und bis 2020 die Hälfte der Weltproduktion ausmachen.
Entscheidend ist dabei aber, dass nebst der notwendigen Steigerung der Löhne und der Produktivität auch eine Verbesserung der lokalen Transportinfrastrukturen, Weiterbildungsprogramme für die Bauern und die Förderung eines diversifizierten und umweltschonenden Anbaus stattfinden. So könnte die heute stark dezimierte Biodiversität der Kakaogebiete erneuert werden und die hundertprozentige Abhängigkeit der Bauern vom Kakao eingeschränkt werden. Sie würden weniger unter den volatilen Marktpreisen leiden. Auch soziale Bedingungen wie die schlechten Arbeitsbedingungen, das sehr tiefe Bildungsniveau und die Kinderarbeit müssen aktiv bekämpft werden.
Viele Akteure haben erkannt, dass bald gehandelt werden muss; auch weil die Kakaobauern verarmen, überaltern und ihre Anzahl abnimmt. Jungen Leuten verspricht die Kakaoproduktion nichts als Armut, sodass sie sich gar nicht erst darauf einlassen. Um der steigenden Kakaonachfrage gewachsen zu sein, müssen die Bedingungen der Arbeiter verbessert werden. Nur umfassende, ganzheitliche Initiativen können den vielen Schwierigkeiten gerecht werden.
Die Schweizer sind nicht nur Weltmeister im Schoggiessen sondern auch im Fair-Trade-Anbau. Gemäss Erklärung von Bern verfügt der Anbieter Claro fair trade landesweit über das grösste Angebot an Schokolade aus biologischer Fair-Trade-Produktion. Das Unternehmen verwendet für seine Schokolade Max Havelaar zertifizierten Kakao aus Bolivien und sogar auch Max Havelaar zertifizierten Bio Vollrohrzucker. Andere grosse Firmen, z.B. Lindt, nutzen hingegen nach wie vor keinen zertifizierten Kakao für ihre Produktion.