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Den Einheimischen als „Tor zur Unterwelt“ bekannt, ist «Batagaika» der größte Tauwettereinbruch auf dem Planeten. Einst nur eine Schlucht an einem in den 1960er Jahren abgeholzten Abhang, hat sich die Narbe Jahr für Jahr vergrößert, da der Permafrost auftaut und das Schmelzwasser das Sediment abträgt. Heute ist «Batagaika» mehr als 1.000 Meter breit und verkörpert die Verwundbarkeit des Permafrosts in der Arktis, wo die Temperaturen in den letzten 30 Jahren doppelt so schnell gestiegen sind wie im globalen Durchschnitt.
Der Batagaika-Krater in der ostsibirischen Republik Sacha tauchte in den 1960er Jahren auf, nachdem in dem Gebiet Wald für den Strassenbau gerodet wurden war. Derzeit ist er mit einer Länge von etwa einem Kilometer und einer Tiefe von 100 Metern der größte Megabrocken der Welt. Er wächst weiter in Größe und Tiefe, während der Klimawandel die Permafrostschicht der sich schnell aufheizenden Region schmilzt. Die Struktur ist nach der unweit fließenden Batagaika benannt, einem Zufluss der Jana.
Der Durchmesser von «Batagaika» schiebt sich nun mit etwa 12 bis 14 Metern pro Jahr nach außen, zitierte das Wissenschaftsmagazin Science den Permafrost-Forscher der Universität Potsdam, Frank Guenther. Vor 2016 sei der Permafrost mit 10 Metern pro Jahr vorgerückt, sagte er.
Während sich der Krater ausdehnt, entdecken Wissenschaftler und Archäologen gut erhaltene Überreste von Tieren und Pflanzen, die seit der Eiszeit ausgestorben sind. Im Jahr 2018 wurde im «Batagaika» Megaslump die vollständig erhaltene Eismumie eines Fohlens der ausgestorbenen Wildpferdart Equus caballus lenensis gefunden. Wissenschaftler der Universität in Jakutsk schätzten das Alter auf 30.000 bis 40.000 Jahre. Die Stätte bietet auch Einblick in Klimadaten aus 200.000 Jahren.
Kseniia Ashastina, eine Paläobotanikerin am Max-Planck-Institut für die Wissenschaft der Menschheitsgeschichte, sagte der Zeitschrift Science, dass lokale indigene Gruppen den Krater fürchten: „Er frisst ihr Land, verschlingt die Bäume und ihre heiligen Orte“.
Die Stadt Werchowjansk, 75 Kilometer von «Batagaika» entfernt und einer der kältesten bewohnten Orte der Erde, erlebte im Juni Temperaturen von 38 Grad Celsius, die höchste jemals in der Arktis gemessene Temperatur.
Da die Temperaturen weiter steigen, werden nach Ansicht von Wissenschaftlern durch den Klimawandel verursachte Prozesse wie der sich immer weiter ausdehnende Krater von «Batagaika» noch intensiver werden.
Heiner Kubny, PolarJournal