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Der Konsens ist klar: Die Welt ist im Grunde ein Konstrukt. Menschliches Wissen ist zunächst einmal Interpretation. Es gibt keine perspektiven-unabhängigen Tatsachen. Jeder Akt der Wahrnehmung und Erkenntnis ist kontingent, vermittelt, orts- und kontextgebunden, vollkommen durchdrungen von Theorie. Die menschliche Sprache verfügt über keine Grundlage in einer von ihr unabhängigen Wirklichkeit Bedeutung wird erst vom Geist hervorgebracht, sie wohnt nicht irgendeinem Objekt in einer Welt jeneseits des Geistes inne, denn es ist unmöglich mit dieser Welt in Kontakt zu treten, ohne dass diese Begegnung durch und durch von der Beschaffenheit des Geistes geprägt ist. Es herrscht eine tiefgreifende und grundlegende Unsicherheit, denn am Ende ist das, was als Wissen und Erleben gilt, blosse Projektion.
So wurden die von Kopernikus initiierte kosmologische Entfremdung des modernen Bewusstseins und die von Descartes initiierte ontologische Entfremdung vervollständigt durch die von Kant initiierte erkenntnistheoretische Entfremdung; ein dreifaches Gefängnis moderner Entfremdung.
Richard Tarnas. Das Wissen des Abendlandes. Albatros: Düsseldorf 2006. (525)