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1233 wurde der innerstädtische Freiraum als Garten des Stifts St. Peter erstmals erwähnt. Auch seine Bepflanzung mit Linden, Eichen und Ulmen, die ein dichtes Baumdach bildeten, ist festgehalten. Im 14. Jahrhundert liess man den Platz zur öffentlichen Anlage erklären, auf der militärische Übungen, Spiele und Wettkämpfe abgehalten wurden und wo sich die Bevölkerung gerne versammelte. Um diesen baumbestandenen Lustplatz entstanden schliesslich verschiedene öffentliche Gebäude, und er wurde immer weiter ausgestaltet. Im 18. und 19. Jahrhundert veränderte sich mit dem Gesicht der Stadt auch die Funktion des baumbestandenen Platzes. Er entwickelte sich zusehends zum repräsentativen Parkraum für die neu gebauten Stadtpalais in seiner Umgebung.
1536 beschlagnahmte König Heinrich VIII. den Hyde Park von den Mönchen der Westminster Abbey, um ihn als Jagdpark zu nutzen. Bereits hundert Jahre später wurde der Park für das Volk zugänglich gemacht: Mit gestalterischen Massnahmen, unter anderem einem künstlichen See und Spazierwegen, wurde er in einen repräsentativen öffentlichen Grünraum umgewandelt, der als beliebter Treffpunkt der Bevölkerung viele Freiraumfunktionen abdeckte. Ein Gesamtplan entstand allerdings erst im 19. Jahrhundert, als der Park längst zur grünen Lunge Londons geworden war. Seine heutige Gestalt geht auf Decimus Burton zurück, der grosszügige Grasflächen, Bäume, verschiedene Monumente und Bauten organisierte. Bis heute wurde der Park stetig ergänzt, so auch durch einen Gedenkbrunnen für Prinzessin Diana von Kathryn Gustafson.
Mit einer Fläche von 417 Hektaren gehört der Englische Garten in München zu den grössten innerstädtischen Parkanlagen weltweit. Aufgrund seiner Geschichte steht er am Anfang der Entwicklung von städtischen Parks als öffentliche Räume für die Bürger: 1789 verfügte Kurfürst Carl Theodor, in den Isar-Auen einen Militärgarten anzulegen, der jedoch im Revolutionsjahr hinfällig wurde. Stattdessen wurde das Vorhaben abgewandelt in einen Park für das Volk in Stadtnähe. Die Gestaltung wurde dem Hofgärtner Friedrich Ludwig von Sckell übertragen. Nach englischem Vorbild schuf er einen landschaftlichen Raum mit Wasser, Bäumen, Wiesen und verschiedenen Wahrzeichen, der allen Ständen der Gesellschaft für Bewegung und Erholung sowie als Ort der Begegnung dienen sollte. Noch heute bildet der Englische Garten die grüne Lunge Münchens.
Im New York des 19. Jahrhunderts gab es kaum Freizeit- und Erholungsräume. Der Landschaftsarchitekt A. J. Dowing schlug vor, einen öffentlichen Park nach englischem Vorbild zu planen und einen Wettbewerb zu veranstalten. Gewinner waren Frederik Law Olmsted und Calvert Vaux, die für das damals noch am Stadtrand gelegene Gelände einen multifunktionalen landschaftlichen Freiraum entwarfen. Sie erkannten die künftige Entwicklung und schufen auf der inzwischen von der Stadt umschlossenen Parzelle eine funktionierende grüne Lunge mit Wäldern, Wiesen, Wasserflächen und einem ausgeklügelten Wegsystem, die weite Ausblicke, Ruhezonen, Orte für Bewegung, Begegnung und Belehrung bietet. Heute verzeichnet der Park an manchen Tagen 500 000 Besucher und ist Schauplatz bedeutender kultureller und politischer Ereignisse.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Paris zu einer Grossbaustelle: Die Sanierung der mittelalterlichen Stadt unter Baron Haussmann sah die Anlage von breiten, mit Bäumen gefassten Boulevards, Plätzen und grosszügigen Stadtparks vor. Unter der Leitung von Jean-Charles Alphand wurde auf dem Areal eines ehemaligen Steinbruchs und einer Müllhalde der Parc des Buttes-Chaumont angelegt. Mit grossem technischem Aufwand wurde der negativ konnotierte Ort in ein viel beachtetes, begehbares Landschaftsbild samt malerischen Felsen, einem See, Brücken, Kleinbauten und Spazierwegen umgewandelt. Durch den Park führte auch eine Eisenbahn. Die landschaftliche Attraktion des Parc des Buttes-Chaumont wertete in der Folge die umliegenden Stadtquartiere auf.
Im 19. Jahrhundert wuchs Hamburg in der Fläche und war Schauplatz bedeutender kultureller und politischer Ereignisse. Viele Grünflächen innerhalb der Stadt wurden verdichtet. Daher beschlossen der Senat und die Bürger, als Ausgleich einen öffentlichen Park zu bauen. Fritz Schumacher setzte den Plan um und schuf einen funktionalen Volkspark mit vielfältigem Nutzungsprogramm: Der Hamburger Stadtpark vereint landschaftliche Bereiche und architektonisch strukturierte Parkräume, die von grossen Achsen geprägt sind. Waldstücke, Wiesen, aufwendige Ziergärten, Sportflächen, Planschbecken, ein See und Freilichtbühnen bilden eine abwechslungsreiche Freizeitlandschaft. Mit seiner funktionalistischen Orientierung markiert der Park den Beginn der Volksparkbewegung.
Angesichts der wachsenden Umweltprobleme und im Zuge der Ökobewegung veränderte sich das Konzept des Stadtparks in den 1980er-Jahren: Der Irchelpark wurde als naturnaher Raum für die Umgebung der Universitätsneubauten und als Erholungsgebiet für die umliegenden Quartiere gebaut. Der weitläufige Park umfasst verschiedene funktionale Aussenräume und Erschliessungszonen der Gebäude, aber auch einen deutlich davon abgesetzten Erholungspark mit See, Wiesenflächen, Bachläufen, Aussichtspunkten, Feuerstellen und einer Finnenbahn. Insbesondere der See und die Wiesenflächen stehen ganz im Zeichen der Naturgartenbewegung, die der Natur eigenen Gestaltungsraum zuspricht. Aufgeschüttete Hügelzüge schützen vor den immissionsreichen Strassen, beleben die Topografie und schaffen differenzierte Landschaftsräume.
Der etwa 200 Hektar grosse, vielfältige Park ist mit seiner Ästhetik und seinen Funktionen die Neuinterpretation einer Industriebrache. Der Landschaftsarchitekt Peter Latz entwickelte das Gelände um ein stillgelegtes Hüttenwerk mit der Idee, den Charakter des Ortes zu nutzen, die industriellen Strukturen visuell und funktional in die Parklandschaft zu integrieren und verschiedene Nutzungen zu ermöglichen. So entstand in der Bunkeranlage ein Klettergarten, im Gasometer ein Übungsbecken für Taucher, und die Kraftzentrale wurde zum Kulturzentrum ausgebaut. Auch die besondere Flora und Fauna, die sich auf der Brache gebildet hatte, wurde in die Gestaltung einbezogen. Während tagsüber die massive Zechenlandschaft dominiert, erstrahlt der Park nachts in farbigem Licht.
Lange Zeit wurden zuerst die Gebäude und dann die Umgebung geplant. Dies hat sich gewandelt: Parks entstehen vor den Architekturen und bilden das Zentrum von Stadtstrukturen. Insbesondere in der Agglomeration nutzt die Stadtentwicklung die Integrationswirkung von Grünräumen. So auch in Schlieren bei Zürich, wo die zwei Areale der Leimfabrik Geistlich und der Färberei Schlieren zusammengelegt und in das multifunktionale neue Stadtquartier amRietpark transformiert wurden. Im Herzen dieser Entwicklung liegt der 30 000 Quadratmeter grosse Rietpark, der nicht nur die beiden Areale verbindet, sondern auch ein gemeinsames Identifikationsangebot schafft, indem er die Spuren der industriellen Vergangenheit aufnimmt und sie in die Stadt der Gegenwart integriert.
Die Stadt des Mittelalters und der Renaissance zeigte kaum Notwendigkeit für grossräumige Stadtparks. Öffentliches Grün beschränkte sich auf baumbestandene Plätze, auf denen sich die Bürger verlustierten. Der Lindenhof in Zürich, der Petersplatz in Basel oder die Münsterterrasse in Bern zeugen heute noch davon. Ausgedehnte kommunale Freiflächen – sogenannte Volkswiesen oder Allmenden – lagen meist ausserhalb der Stadtmauern, wurden aber im Laufe der Zeit von der Stadt umschlossen.
Die Entstehung öffentlicher Stadtparks basiert zum einen auf solch kommunalen Freiflächen und zum anderen auf der schrittweisen Öffnung privater Gärten im 18. Jahrhundert: Fürstliche und königliche Parks, die ihren Besitzern als private Jagd- und Erholungsgebiete dienten, wurden teilweise öffentlich zugänglich gemacht. So waren die Tuilerien in Paris, der Hyde Park in London oder der Prater in Wien an bestimmten Wochentagen für das Volk geöffnet.
Der Stadtpark als neue Bauaufgabe
Die Industrialisierung brachte ein rasches Stadtwachstum, und die alten Befestigungen erübrigten sich. An ihrer Stelle entstanden begrünte Promenaden und Grüngürtel, wie die Wallpromenade in Leipzig oder der Türkenschanzpark in Wien zeigen. Das Sternschema der Stadt verwandelte sich in ein Ringschema, in dem öffentliche Grünflächen und Alleen als markante Gliederungselemente in Erscheinung traten.
Zudem wurden in den Grossstädten mit teilweise prekären Lebensbedingungen Kompensationsräume eingefordert. Im 19. Jahrhundert flossen öffentliche Parks bereits in die Planung ein und etablierten sich schliesslich als neue Bauaufgabe. In den Grossstädten der USA und Europas entstanden sogenannte grüne Lungen, die vielfältige Bedürfnisse und Funktionen abdeckten: Die Parks von Liverpool und London, der Central Park in New York, die Parks von Paris, der Tiergarten in Berlin und andere mehr luden ihre Bürger ein, darin zu flanieren, die Natur zu geniessen und sich aktiv und passiv zu erholen.
Bis 1900 lieferte der landschaftliche Stil das ästhetische Grundmuster. Immer mehr entstanden jedoch Volksgärten im gemischten Stil, die eine Überlagerung von begehbaren Landschaftsbildern und verschiedenen Funktionen und Nutzungsansprüchen beinhalteten und einen Stilwandel einleiteten. Unter dem Einfluss von Werkbund und Moderne sowie im Rahmen der politischen und gesellschaftlichen Reformen wurde der Stadtpark zeitgemäss und zweckmässig gestaltet.
Anfang des 20. Jahrhunderts war aus dem repräsentativen Bürgergarten ein vielseitig nutzbarer und funktional gegliederter Volkspark geworden. Beispiele dafür sind der Hamburger Volkspark oder die Zürcher Josefswiese. Jede Stadt, die etwas auf sich hielt, liess für ihre Bewohner einen Volkspark errichten, sodass man in der Folge von einer Volksparkbewegung sprach.
Grünräume als Bestandteil der modernen Stadtentwicklung
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann sich der Gegensatz von Stadt und Land aufzulösen, und neue Bedürfnisse wurden an den Stadtpark herangetragen. Städte waren nicht mehr in erster Linie räumlich begrenzt, sondern funktional vernetzt. In diesem Kontext entwickelten sich Parks immer mehr zu multifunktionalen, dynamischen Freizeitlandschaften, die demokratisch organisiert und ökologisch vertretbar sein sollten.
In den 1970er-Jahren versuchte die Naturgartenbewegung, Natur in Form ökologischer Zusammenhänge – als Biotope – in den Stadtkörper zu integrieren und Pflanzen sowie Tieren einen Gestaltungsraum zuzugestehen. Doch unberührte Natur liess sich im urbanen Umfeld nur schlecht realisieren.
In den 1990er-Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass Parks nicht nur ökologische, sondern auch attraktive kulturelle Räume sind, die es gestalterisch zu bearbeiten gilt. Nach der Stilllegung zahlreicher Industrien in Ballungsräumen fielen grosse Areale brach, die nicht nur neu genutzt, sondern teilweise ökologisch saniert werden mussten. Parks waren das ideale Konzept: Der Parc de la Villette in Paris machte den Anfang einer Reihe von künstlerisch ausgelegten, multifunktionalen Freizeitlandschaften im urbanen Kontext, die ein verändertes Parkverständnis anzeigen.
Vielerorts entstanden Parks, die als Gebietsumnutzungen eine aktive Rolle in der Stadtentwicklung beanspruchten und eine neue Naturgestaltung einforderten, wie die Beispiele von Zürich-West, Zürich-Nord oder die Glattalstadt und der Limmattalraum exemplarisch aufzeigen.