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07.10.2020 // Allgemeine News
«Wie weiter mit den Empfehlungen für Community Masken?»
Schweizerische Normen-Vereinigung eröffnete einen Round Table
Seit der Einführung der Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsbetrieben sieht man sie immer mehr: bunte Stoffmasken. Sie sollen die Verbreitung des Corona-Virus reduzieren, indem sie die Ausscheidung von Tröpfchen minimieren. Stoffmasken gibt es beinahe überall zu kaufen und handwerklich versierte Menschen nähen sogar ihre eigenen Masken. Unklar bleibt jedoch, wie gut diese Masken die Trägerin oder den Träger sowie die Menschen in ihrer Umgebung schützen.
Die Verwendung von Gesichtsmasken soll die Übertragung von Covid-19 durch asymptomatische oder präsymptomatische Personen verhindern; insbesondere in geschlossenen Räumen und wenn die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können.
Nach kontroverser Berichterstattung über die ungenügende Schutzwirkung der etablierten chirurgischen Gesichtsmasken und der Atemschutzmasken sowie der teils schlechten Filtrationseffizienz von kommerziell erhältlichen Community Masken, herrscht weiterhin Unsicherheit in der Maskenfrage.
Die Swiss National COVID-19 Science Task Force hat in einem Rekommandation Paper erste Empfehlungen zu den minimalen Anforderungen an Community Masken definiert. Auch die europäische Normenorganisation CEN hat mit einem sogenannten Workshop Agreement (CWA), ein normatives Dokument mit limitiertem Konsens, erste minimale Anforderungen und Testmethoden für Community Masken definiert.
Grundsätzlich ist der Begriff «Community Maske» nicht geschützt. Folglich kann jeder Produkte unter dem Schlagwort «Community Maske» vermarkten, unabhängig davon wie gut diese die Trägerin oder den Träger und deren Umfeld vor Tröpfchen und Aerosolen schützt. Während es für die chirurgischen Gesichtsmasken und die Atemschutzmasken unter der Medizinprodukteverordnung resp. Verordnung über die Sicherheit von persönlichen Schutzausrüstungen harmonisierte Normen gibt, die klare Anforderungen an die Leistung dieser beiden Maskentypen festlegen, fehlen solche für die Community Masken. Wo keine gesetzliche Regulierung vorhanden ist, können Normen, als freiwillig anwendbare technische Regelungen, diese Lücke schliessen. Normen schaffen für alle Marktteilnehmenden die gleichen Voraussetzungen.
Nach Gesprächen mit diversen Anspruchsgruppen hat sich herausgestellt, dass die Erarbeitung und Veröffentlichung eines einheitlich normativen Dokuments für Hersteller, Prüfer und Anwender von Community Masken in der Schweiz begrüsst wird. Um möglichst bald einen Konsens zwischen den verschiedenen Stakeholdern bezüglich den minimalen Anforderungen an Community Masken zu erlangen, hat die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV) am 24.09.2020 einen Round Table einberufen.
Während einer Stunde haben verschiedene Expertinnen und Experten ihre Forschungsarbeiten und Erfahrungen mit Community Masken mit den Zuhörerinnen und Zuhörern geteilt.
Referentinnen und Referenten des Round Tables:
- Peter Wick, Head Particles-Biology Interactions EMPA
- Jean-Pierre Haug, COO TESTEX
- Dr. Ernest Weingartner, Institut für Sensorik und Elektronik der Fachhochschule Nordwestschweiz
- Thomas Gude, Wissenschaftliche Leitung, alle Bereiche Lebensmittelchemie und Non Food der SQTS
- Nina Bachmann, Leiterin Technologie und Umwelt / Interim Executive Director, Swiss textiles
- Lea Leibundgut, Programme Manger Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV)
Zusammenfassung des Round Tables
Die EMPA, als Mitglied der nationalen COVID-19 Science Task Force, berichtete von ihrer Forschung an den Prüfmethoden für Community Masken und den daraus abgeleiteten Empfehlungen (Recommendations for minimal specifications for the community masks for Swiss manufacturers) für Community Masken. Da die EMPA kein Prüf- sondern ein Forschungsinstitut ist, arbeitet sie mit dem Prüf- und Zertifizierungsunternehmen TESTEX zusammen. Von Seiten TESTEX wurde eine Zusammenstellung der verschiedenen Anforderungen an die Leistungen von Community Masken, chirurgischen Gesichtsmasken und Atemschutzmasken präsentiert. Ein grosses Anliegen von TESTEX ist es, dass bei künftigen Empfehlungen oder Normen der Anwendungszweck sowie die Umgebung, in der die Community Masken zur Anwendung kommen, mit einfliessen soll.
Das Forschungsinstitut EMPA sowie das Prüfunternehmen TESTEX stellen aktuell einen Zielkonflikt zwischen Filterleistung und Atemwiderstand fest, was wiederum einen direkten Einfluss auf den Tragekomfort der Maske hat. Je höher der Atemwiderstand desto unangenehmer empfinden die Anwenderinnen und Anwender das Atmen durch die Maske. Hier gilt es einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Schutz zu finden. Grundsätzlich soll das Rad nicht neu erfunden, sondern die Lücke zwischen medizinsicher Maske und Atemschutzmaske gem. PSA-Verordnung gefüllt werden. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach den Spritzschutzanforderungen an die Community Masken.
Die Forschungsresultate der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zeigten eine grosse Variabilität in der Filtrationseffizienz zwischen den verschiedenen kommerziell erhältlichen Community Masken. Auch der Einfluss des Waschens auf die Filtrationseffizienz wurde diskutiert, jedoch sei hier noch mehr Forschung notwendig.
Der Input von SQTS unterstrich die Notwendigkeit eines pragmatischen und auch kostengünstigen Ansatzes beim Testen sowie die Vergleichbarkeit der angewendeten Testmethoden. Der Branchenverband der Schweizer Textilhersteller Swiss Textile wünschte sich Anforderungen, die auch international anerkannt werden, eine hohe Schutzwirkung und gegebenenfalls ein Label, um minderwertige Masken von guten unterscheiden zu können.
Im Folgenden wird die SNV über die weiteren geplanten Schritte der europäischen Normenorganisation CEN in Bezug auf das CEN Workshop Agreement (CWA) 17553 Community face coverings - Guide to minimum requirements, methods of testing and use informieren. Zudem werden die nächsten Schritte zur Erarbeitung einer nationalen Norm erläutert und diskutiert. Auf europäischer Ebene ist geplant den CWA im europäischen Normenkomitee CEN/TC 248 Textiles and textile products weiterzuentwickeln. Jedoch mit der klaren Begrenzung auf textile Gesichtsmasken. Ziel der SNV und ihrer Stakeholder ist es, möglichst bald eine nationale Regel (normatives Dokument) zu erarbeiten, welche Hersteller, Prüfinstitute und auch Anwender als Guideline nutzen können.
Bestimmen Sie bei der Ausgestaltung der Schweizer Regel mit!
Die SNV lädt alle interessierten Anspruchsgruppen dazu ein, sich bei der Ausarbeitung der geplanten Schweizer Regel in einem offenen, konsensbasierten Prozess zu beteiligen. Am 22. Oktober 2020 fand bereits das Kick-off Meeting mit allen Interessenten statt. Am kommenden Donnerstag, 29. Oktober 2020 wird der Anwendungsbereich (Scope) der Schweizer Regel festgelegt.
Melden Sie sich, wenn Sie an einer aktiven Partizipation interessiert sind und kontaktieren Sie unseren Ansprechpartner.
Hier finden Sie die Präsentationen der Expertinnen und Experten:
Die Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer und die dazugehörigen Antworten sind hier zu finden:
Die erwähnten Links und weiterführende Informationen finden Sie hier: