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Datum: 05. September 2017
Referent: Dr. Günter Gerlach
Hans-Peter Bönzli begrüsst uns nach der Sommerpause herzlich. Er verteilt die Auszeichnungen. Herr Daniel Erni weilt als Gast unter uns.
Unser heutige Referent Dr. Gerlach ist Hauptkonservator des Botanischen Gartens Nymphenburg in München. Seine Publikationsliste ist „Ellenlang“. 2015 erschien im „Orchideenjournal“ der Bericht zu Coryanthes bergoldii oder die lange Suche nach einer verschollenen Art.Seinen ersten Vortrag hielt er bei uns vor mehr als 20 Jahren, damals noch als Student an der Uni Heidelberg. Er bereiste Bolivien in den Jahren 2000 und 2001, immer zur Regenzeit. Seine Reisebegleiter waren Luis R. Moreno Suarez, der sich auf Palmen spezialisierte und Dr. Carlos Vasquez. Sein Gebiet sind die Orchideen und Kakteen.
Bolivien ist dreimal so gross wie Deutschland. Die Ballungszentren sind La Paz und Sta.Cruz. Hauptmerkmal ist das Altiplano, eine Hochebene in den Anden und der Titicacasee. Obwohl Bolivien komplett in der tropischen Breite liegt, variieren die klimatischen Bedingungen sehr. Vom Tropenklima in der Tiefebene bis zum Polarklima in den Anden.
Zu Beginn des Vortrags zeigt er uns Bilder der Jesuitenmissionen der Chiquitania, dem Jesuitenstaat von 1696-1790 im Grenzgebiet von Bolivien und Brasilien. Die Chiquitania hat ihren Namen von den Ureinwohnern dieses Gebietes. Die Missionen sind heute Legenden und Weltkulturerbe. Es sind keine Ruinen, sondern Dörfer voller Leben.
San Javier mit wunderschöner Architektur und reichen Schnitzereien ist in den Farben gelb-braun und schwarz gehalten. In San José, auf dem Marktplatz neben der Kirche, wächst Aristolochia lindneri, die nach Pferdepisse stinkt. Die Kirche San Miguel besticht durch ihren gemauerten Glockenturm.
Die Reise geht weiter. Die Strassen sind staubig und nicht asphaltiert. Dafür wachsen an den Strassenrändern viele Wüstenpflanzen wie Cienfuegosia, ein Malvengewächs. Grosse Mengen an Schmetterlingen flattern um die Reisenden. Mitten auf der Strasse eine beachtliche Klapperschlange, die sich aufwärmt.
Cyrtopodien, die es lieber trocken haben, wachsen aber auch im Sumpf, wie ein Bild von Cyrtopodium fowliei zeigt. Im Amboro Nationalpark wächst Phragmipedium vittatum. Der Frauenschuh liebt nasse Füsse, aber keine Staunässe. In den Voranden liegt „la Siberia“, ein Berg von 2500 m ü.M., meistens von Wolken umhüllt. Der kühle Wald ist die Heimat von Cyrtochilum tucumanense und Epidendrum secundum.
Auf der Hochebene treffen wir auf eine karge, lebensfeindliche Landschaft mit einer massiven UV-Einstrahlung. Wir sehen Erdorchideen wie Habenarien und Liparis. Reichenbach hat die Orchideengattung Aa beschrieben. Damit setzte er sich in allen Verzeichnissen an die erste Stelle.
Die bolivianischen Yungas mit steilen unzugänglichen Wänden und Gipfel, sind wohl die spektakulärste Landschaft Boliviens. Eine reiche Vegetaion erklimmt die Seiten der Flusstäler. Auf Grund der geografischen Verhältnisse sind die Verkehrswege gefährlich. Es herrscht Linksverkehr und anhalten ist verboten. Aber unsere Reisegruppe traf genau dort auf fantastische Orchideenstandorte. Auf 1800 m ü.M. fanden sie Phragmipedium caudatum, Habenaria corydophora und Koellensteinia boliviensis.
In dieser Gegend werden auch Kokapflanzen angebaut. Tiahuanaco ist eine Ruinenstätte nahe beim Titicacasee. Das Sonnentor mit dem Hochrelief einer Gottheit ist noch gut erhalten. Wir danken Herrn Dr. Gerlach herzlich für diesen interessanten Abend.
Mitteilungen:
Im Oktober gibt es Umtopfen mit Dora Gerhard. Wer Pflanzen zum Tauschen oder zu verkaufen hat, kann sie mitbringen. Kleiner Markt.
Bericht: Brigitta Schöni