Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03650.jsonl.gz/1583

Gesellschaft Pro Vindonissa
Die Gesellschaft Pro Vindonissa widmet sich der Erforschung und Vermittlung von Vindonissa.
Das antike Vindonissa − heute auf dem Gebiet von Windisch, Brugg, Gebenstorf und Hausen gelegen − hat seinen Ursprung in einer wohl gleichnamigen keltischen Siedlung, welche den strategisch wichtigen Punkt am Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat kontrollierte. Während des Alpenfeldzuges des Kaisers Augustus im Jahre 15 v. Chr. errichteten Legionäre auf dem Plateau über dem "Wassertor der Schweiz" einen Militärposten, der später unter Kaiser Tiberius (14−37 n. Chr.) zu einem Legionslager ausgebaut wurde. Das etwa 20 ha grosse Lager wurde von der 13. Legion zunächst in Holz und Lehm erbaut und von der nachfolgenden 21. Legion schrittweise in Stein um- und ausgebaut. Als letzte Besatzung bezeugt ist die 11. Legion, die auf Befehl Kaiser Trajans im Jahr 101 n. Chr. den Truppenstandort im friedlichen Hinterland aufgab, um an die Kriegsschauplätze an der unteren Donau vorzurücken. Ausserhalb des Legionslagers entwickelte sich im Laufe der Zeit eine rund 40 ha grosse Zivilsiedlung.
Noch heute kann man die Spuren der Römer in Vindonissa bewundern: So zum Beispiel das mächtige West- und Nordtor des Legionslagers, die einzige noch funktionierende römische Wasserleitung nördlich der Alpen und die malerische Ruine des Amphitheaters.
Durch das Westtor des Legionslagers (porta principalis dextra) führten die Fernstrassen aus Gallien, Italien und Germanien ins Lager. Daher war es, verglichen mit den anderen Lagertoren, architektonisch aufwendig gestaltet. Zwei achteckige, rund 20 Meter hohe Türme flankierten den Durchgang. Links und rechts des Hauptdurchgangs für Wagen gab es einen schmalen Durchgang für Fussgänger. Das Westtor wurde 1919 ausgegraben und konserviert. Seine Grundmauern sind heute noch sichtbar.
Im Legionärspfad und frei zugänglich.
Das Nordtor (porta decumana) liegt am nördlichen Rand des Windischer Plateaus, das hier steil zur Aare abfällt. Der Ort bot in römischer Zeit einen weiten Blick nach Norden zur Klus der Aare, die hier den Jura durchschneidet und eine Verbindung zum Rhein öffnet. Durch das Nordtor gelangten die Legionäre zum Schutthügel, der Müllhalde des Legionslagers. Das Nordtor wurde zwischen 1905 und 1907 ausgegraben und anschliessend konserviert. Es wurde vermutlich erst in den 70er-Jahren des ersten Jahrhunderts n. Chr. in Stein erbaut und ersetzte einen älteren Holzbau. Erhalten geblieben ist das massive Mauerwerk des Fundaments. In den heute noch sichtbaren Hohlräumen standen ursprünglich Pfosten, die einen hölzernen Oberbau trugen. Beim Nordtor ist zudem ein Blick in den Untergrund, auf eine hier immer noch im Boden erhaltene Abwasserleitung, möglich.
Im Legionärspfad und frei zugänglich.
Durch das Südtor (porta praetoria) verliess eine der beiden Hauptstrassen, die via praetoria, das Lager. Heute werden die Dimensionen des Tores durch eine Metallkonstruktion so wiedergegeben, wie sie wohl zur Zeit der 21. und der 11. Legion bestanden. In einem gläsernen Schutzbau ist ein konservierter Ausschnitt der via praetoria zu sehen. Zwischen Strasse und Tor zeigt die 2009 eröffnete Archäologiestätte eine Ausstellung zu verschiedenen Aspekten der römischen Armee. Das Tor wurde 1921/22 und dann wieder zwischen 2003 und 2006 ausgegraben und wissenschaftlich untersucht.
Im Legionärspfad und frei zugänglich.
Der sogenannte Büelturm am nordöstlichen Abhang des Windischer Plateaus wurde bereits 1910 entdeckt, anschliessend ausgegraben und 1911 restauriert. Heute noch zu sehen ist das rechteckige Kellergeschoss eines Baus, der von einem gemauerten Kanal gequert wird. Mit diesem Kanal wurden einst die Abwässer aus dem nordöstlichen Areal des Legionslagers nach aussen abgeleitet.
Frei zugänglich.
Das Bad (balneum) unmittelbar östlich ausserhalb des Legionslagers gehört zu einem grösseren Bau, der im späten ersten Jahrhundert n. Chr. errichtet wurde. Es war öffentlich und stand Einheimischen und Reisenden gegen Bezahlung offen. Das Bad ist unterteilt in einen Kaltraum mit Kaltwasserwanne, einen lauwarmen Raum und einen Schwitzraum. Es hat, wie bei römischen Bädern üblich, eine Fussbodenheizung. Besonders sehenswert sind die farbigen Wandmalereien. Die Überreste des Bades wurden 1967 bei einer Notgrabung entdeckt, als der Friedhof von Windisch vergrössert werden sollte, anschliessend bis 1971 ausgegraben und dann unter einem Schutzbau konserviert.
Zutritt im Legionärspfad.
Nördlich der Lagerhauptstrasse (via principalis) stand um die Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. ein rund 1100 Quadratmeter grosses Haus, das wohl ein ranghoher Offizier mit seiner Familie bewohnte. Besonders spektakulär ist seine Küche: Aus Ziegelplatten war ein grosser Herd aufgebaut, an dem man – stehend – nach mediterraner Art aufwendige Speisen zubereitete. Dies ist ungewöhnlich, da die Kochstellen in römischer Zeit nördlich der Alpen in der Regel bodeneben angelegt waren. Die Offiziersküche wurde 2003 entdeckt, anschliessend ausgegraben und im Kellergeschoss eines Wohnhauses konserviert. Archäobiologische Untersuchungen haben nachgewiesen, dass hier Delikatessen wie Mittelmeermakrelen, Austern, Singvögel und Wild zubereitet wurden.
Zutritt im Legionärspfad.
Da man Grundwasser auf dem Hochplateau von Windisch erst in grosser Tiefe findet, wurde das Trinkwasser für das römische Legionslager rund 2400 Meter südlich beim heutigen Dorf Hausen gefasst und in einer gemauerten Freispiegelleitung (aquaeductus oder rivus) an die Südfront des Lagers geführt. Von dort aus wurde das Wasser dann vermutlich in hölzernen und bleiernen Druckwasserleitungen weiter verteilt. Ein Teilstück der gemauerten Freispiegelleitung, das 1966 ausgegraben wurde, ist heute im Keller des Altersheims Windisch zu sehen. Wasser, das oberhalb dieses sichtbaren Leitungsabschnittes abgezapft wird, speist bis heute den Springbrunnen im Park von Königsfelden. Ähnlich wie die Fontana di Trevi in Rom besitzt Windisch damit bis heute einen Brunnen, der immer noch mit «römischem» Wasser funktioniert.
Zutritt im Legionärspfad, Springbrunnen im Park von Königsfelden frei zugänglich.
Ein Netz von Abwasserkanälen entwässerte das Lager. Grosse gemauerte Abwasserkanäle (cloaca) leiteten das Wasser der Lagerfront entlang gegen Norden ab. Ein Teilstück eines grossenSammelkanals ist heute noch begehbar. Der Kanal wurde 1907 entdeckt und wird in Anlehnung an die grosseAbwasserleitung in Rom als cloacamaxima bezeichnet. 2009 wurde er erneut ausgegraben und anschliessend konserviert.
Zutritt im Legionärspfad.
Ein erstes Amphitheater (amphitheatrum) wurde in Vindonissa zwischen 14 und 37 n. Chr. errichtet und war ganz aus Holz. Um 50 n. Chr. brannte es nieder und wurde neu aufgebaut, nun mit einem Steinfundament und hölzernen Tribünen. Die heute noch sichtbaren Mauern gehören zu dieser zweiten Phase. Auch wenn sich das Amphitheater von Vindonissa immer als Senke im Gelände abzeichnete und die Bezeichnung "Berlisgruob" auf seine antike Funktion hinwies, ging es vorübergehend vergessen. Erst im 16. Jahrhundert wurde die wahre Bedeutung der Ruine wiedererkannt. Die ersten archäologischen Ausgrabungen führte 1897/98 der 22-jährige Student Otto Hauser durch, es waren zugleich die ersten grossflächigen Ausgrabungen in Vindonissa überhaupt. Seit 1898 befindet sich das Amphitheater im Besitz der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
Im Legionärspfad und frei zugänglich.
Westlich vor dem Legionslager des ersten Jahrhunderts n. Chr. erstreckte sich eine zivile Siedlung (canabae legionis), die wirtschaftlich aufs Engste mit dem Truppenlager verknüpft war. Beidseits der Fernstrassen nach Augusta Raurica (Augst) und Aventicum (Avenches) wohnten und arbeiteten hier vorwiegend Händler und Handwerker. Grossflächige Ausgrabungen 2006 bis 2009 brachten mehrere Töpferöfen zum Vorschein. Drei gut erhaltene Brennöfen wurden vor Ort konserviert und können in der Tiefgarage des Campus-Areals besichtigt werden.
Campus-Bauten FHNW, Treppenhaus der Tiefgarage, Eingang Steinackerstrasse.
An einer Stelle im Legionslager, wo Legionärsunterkünfte vermutet werden, sind im Rahmen des Legionärspfads Teile von zwei Mannschaftsbaracken (contubernia) originalgetreu nachgebaut worden. Ein einzelnes contubernium besteht aus zwei Räumen, in ihm waren acht Legionäre untergebracht. Eine Mannschaftsbaracke bestand in der Regel aus zwei mal acht contubernia, im Kopfbau waren die Zenturionen untergebracht.
Zutritt im Legionärspfad.
Rund 1600 Meter westlich des Legionslagers aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. liegen die Reste eines spätantiken Kleinkastells aus dem vierten Jahrhundert, dessen Mauern stellenweise meterhoch erhalten sind und bis heute weiter genutzt werden. Ein Teil der Anlage beherbergt die Jugendherberge Brugg. Reste des antiken Mauerwerks sind an mehreren Stellen sichtbar.
Ortsteil Altenburg westlich von Brugg.
Die Gesellschaft Pro Vindonissa widmet sich der Erforschung und Vermittlung von Vindonissa.