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- Südafrika steht vor einer der wichtigsten politischen Entscheidungen seit der Überwindung des rassistischen Apartheid-Regimes vor gut 20 Jahren.
- Die Regierungspartei African National Congress (ANC) wählt am Sonntag ihren neuen Vorsitzenden, der dann auch Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2019 sein wird.
Nach den von Korruptionsvorwürfen überschatteten Jahren unter Präsident Jacob Zuma müssen sich die Delegierten entscheiden zwischen Vetternwirtschaft oder Neuanfang. Es gibt zwei klare Favoriten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Familie Zuma oder Neuanfang?
Auf der einen Seite steht Nkosazana Dlamini-Zuma, die leutselige frühere Ehefrau von Staatschef Jacob Zuma, die zuvor Chefin der Kommission der Afrikanischen Union war. Zuma möchte mit aller Macht erreichen, dass seine Ex-Frau Nkosazana ihm nachfolgt. Er hofft, so einen ihm drohenden Korruptionsprozess verhindern zu können.
Auf der anderen Seite steht der eher distanzierte und als wirtschaftsfreundlich geltende Vizepräsidenten Cyril Ramaphosa. Der 65-Jährige ist ein wohlhabender Geschäftsmann und ehemaliger Gewerkschaftschef. Er kann auf die Unterstützung der Gewerkschaften und liberale Parteimitglieder rechnen.
Harter Machtkampf
Das Rennen um die Nachfolge ist so knapp, dass es auf ein paar Dutzend oder hundert Stimmen ankommen könnte. Nach vorbereitenden Abstimmungen in den Provinzen galt Ramaphosa mit knappem Vorsprung als Favorit für den Parteivorsitz.
Die Wahl um Zumas Nachfolge wird zur Zerreissprobe für den ANC, sagt SRF-Korrespondentin Cristina Karrer in Südafrika: «Im ANC findet zurzeit der härteste Machtkampf statt seit der Gründung der Partei. Beide Favoriten, Nkosazana Dlamini-Zuma und Cyril Ramaphosa, wollen gewinnen, koste es, was es wolle.»
Beliebtheit des ANC sinkt
Zuma stand zehn Jahre an der Spitze der Partei des 2013 verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela. Im vergangenen Jahr verlor die Partei bei Wahlen die Macht im Rathaus der grössten südafrikanischen Stadt Johannesburg und der Hauptstadt Pretoria. Der ANC ist seit dem Ende des Apartheid-Regimes 1994 in Südafrika ununterbrochen an der Macht. Die Beliebtheit der Partei hat aber unter Zuma stark gelitten.
Der Parteitag soll noch bis Dienstag dauern. Die Wahl der Parteiführung steht am Sonntag auf dem Plan.