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Bis auf den EHC Kloten haben alle National-League-Vereine mindestens vier Ausländer für die kommende Saison verpflichtet. Wer sind die neuen Spieler und was dürfen die Fans von ihnen erwarten? Eine Übersicht.
Nach den Rücktritten von Paolo Duca und Mark Bastl brauchte Ambri-Piotta wieder einen erfahrenen Spieler für die Offensive. Diesen haben sie in Jeff Taffe gefunden. Der 36-jährige Center kommt in seiner Karriere auf 180 Spiele in der NHL, 114 Spiele in der KHL und noch eine Saison in der schwedischen Liga. Den grössten Teil seiner Karriere verbrachte er aber in der AHL.
Der Erstrundendraft von 2000 überzeugte in seiner letzten Saison bei Slovan Bratislava mit 43 Punkten aus 58 Spielen. Tempomässig wird er im Herbst seiner Karriere kaum mit den Besten der National League mithalten können. Mit seinen Gardemassen (191 cm, 96 kg) dürfte er aber eine gewisse Härte in das Spiel der Leventiner bringen.
Jeff Taffe nimmt einen seiner Teamkollegen gleich mit. Verteidiger Nick Plastino stösst ebenfalls von Slovan Bratislava zu Ambri. Der Italo-Kanadier spielt für das italienische Nationalteam und gilt als Offensivverteidiger. Er verfügt über ein komplettes Spiel und ist Powerplay-Spezialist. Der 31-Jährige hat ein besonderes Merkmal: In den Playoffs läuft er jeweils zur Höchstform auf. Bleibt für die Ambri-Fans zu hoffen, dass es diese Saison überhaupt dazu kommt.
Der SCB ging ein gewisses Risiko ein, als sie Mason Raymond verpflichteten. Der Kanadier hat im Herbst 2016 seinen Vertrag mit den Anaheim Ducks aufgelöst, weil seine Frau schwer erkrankte. Bis zur Verpflichtung hat er ausser am Spengler Cup 2016 nicht mehr regelmässig gespielt. Weil er aber am Turnier in der Altjahreswoche überzeugte, machten die Mutzen dem Flügel dennoch ein Angebot.
Das Risiko von SCB-Sportchef Alex Chatelain dürfte sich ausbezahlen. In der Olympiavorbereitung mit dem Team Canada zeigt er bereits sein Können. Mit Raymond erhalten die Berner einen schnellen, talentierten Flügel. Zu seinen besten NHL-Zeiten skorte er zwischen 40 und 50 Punkte pro Saison. Seine läuferischen Fähigkeiten dürften auf dem grösseren Eisfeld gut zur Geltung kommen. Jetzt muss der 31-Jährige sich nur noch im SCB-internen Fünfkampf der Ausländer durchsetzen.
Mit Mika Pyörälä kommt ein weiterer Star zum Meister. Der 36-Jährige war vergangene Saison drittbester Skorer der finnischen Liga, wurde als wertvollster Spieler (MVP) ausgezeichnet und gewann mit dem finnischen Team schon vier Medaillen an Weltmeisterschaften.
Pyörälä ist ein smarter Zweiwegstürmer und kann sowohl als Center, wie auch als linker Flügel eingesetzt werden. In der Vergangenheit wurde er oft als «Checker» eingesetzt. Mit der Zeit hat er sich aber auch zum Skorer weiterentwickelt. Der Finne kann also so ziemlich alles: Punkte erzielen, verteidigen und auch den einen oder anderen Check auspacken. Interessantes Detail am Rande: Pyöräläs Schwager ist Nashville-Torhüter Pekka Rinne.
Biel ist eines von zwei Teams ohne ausländischen Neuzuzug. Wie letzte Saison bilden Robbie Earl, Jacob Micflikier, Marc-Antoine Pouliot und Toni Rajala das Ausländerquartett der Seeländer.
Das Davoser Experiment mit Defensivverteidiger Daniel Rahimi ist beendet. Der Schwede wird durch einen Landsmann ersetzt, der spielerisch das komplette Gegenteil verkörpert. Magnus Nygren soll das Offensivspiel des HCD aus der Defensive heraus beleben. Vergangene Saison war er der Verteidiger mit den zweitmeisten Punkten in der schwedischen Liga.
Nygren verfügt über einen krachenden Schuss, gutes Passspiel und einen überdurchschnittlichen Hockey-IQ. In der Defensive ist er solide, wenn auch nicht immer fehlerfrei. Der 26-Jährige ist auf und neben dem Eis ein Leader und soll in Davos auch Beat Forster vergessen machen.
«Ich setze mir selber viel Druck auf, indem ich jeden Abend skoren möchte», sagt Broc Little über sich selber. Der 29-jährige US-Flügel gilt als Tormaschine. Letzte Saison skorte er in 52 Spielen für Linköping 53 Punkte (19 Tore, 34 Asissts). Dies, obwohl er zwischenzeitlich eine Durststrecke von 15 Spielen ohne Torerfolg verzeichnen musste.
Little ist mit 175 Zentimetern eher klein gewachsen und mit 77 Kilogramm Körpergewicht auf der leichteren Seite. Dafür verfügt er über viel Speed und gute Hände. Damit dürfte er perfekt ins Spiel von Davos passen. In den ersten Testspielen mit dem HCD kam der 29-Jährige an der Seite von Enzo Corvi und Marc Wieser zum Einsatz und skorte bereits mehrfach.
Der Schwede ist das Pendant zu HCD-Neuzugang Magnus Nygren, vermutlich ist er sogar noch ein wenig besser. Der Offensivverteidiger steigerte seine Punkteausbeute in den letzten Jahren kontinuierlich. Vergangene Saison war er in der Skorerwertung der beste Verteidiger der schwedischen Liga. Deshalb wurde er auch zum Verteidiger des Jahres ausgezeichnet.
Tömmernes überzeugt im Powerplay und in der Spielauslösung durch eine herausragende Übersicht. Die meisten seiner Punkte erzielt er durch Assists (letzte Saison 47 Punkte, 38 Assists). Gleichzeitig vernachlässigt er aber auch seine defensiven Pflichten nicht. Genf-Sportchef Chris McSorley ist angetan von seinem Neuzugang: «Für mich ist er einer der besten Verteidiger in Europa.»
Nach der Fribourger Goalie-Posse um Reto Berra, soll der Kanadier Barry Brust bei Gottéron die Pucks aus dem Tor halten. Der 34-Jährige ist gross gewachsen, erfahren und spielte zuletzt in der KHL bei Slovan Bratislava. Brust deckt mit seiner Grösse viel ab und bleibt oft lange stehen. Er ist zudem sehr gut am Stock und kann hervorragende Pässe spielen. Gleichzeitig ist er aber auch hitzköpfig und bekannt dafür, öfter mal die Nerven zu verlieren.
Mit dem Verteidiger Jonas Holos hat Fribourg-Sporchef Christian Dubé einen Marathonmann geholt. Der 29-Jährige, der bei der vergangenen Weltmeisterschaft Norwegen als Captain anführte, kriegt immer viel Eiszeit. Er brachte es sogar fertig, in seinem allerersten NHL-Einsatz 2010 für Colorado das Spiel als Akteur mit der meisten Einsatzzeit zu beenden.
Auch an der WM in Köln und Paris stand er meistens mehr als 25 Minuten pro Spiel auf dem Eis. Holos ist ein Allrounder in der Verteidigung. Er ist nicht sehr gross, aber dennoch physisch stark. Zu seinen Stärken gehört das Skating und das Spielverständnis.
Slater ist in der National League kein neues Gesicht. Die beiden letzten Jahre verbrachte der US-Center in Genf, die letzte Spielzeit gar als Captain. In Fribourg hofft man, dass der 34-Jährige seine langjährige Erfahrung erfolgreich einbringen kann. Für die Drachen bleibt zu hoffen, dass Slater den Trend seiner nachlassenden Punkteausbeute wieder umkehren kann.
Wie schon letzte Saison setzt der EHC Kloten auch in der neuen Spielzeit auf eher unbekannte Ausländer. Mit den Verpflichtungen von Drew Shore und Bobby Sanguinetti bewies Sportchef Pascal Müller letztes Jahr ein feines Näschen. Die Fans erhoffen sich dieses Jahr einen ähnlichen Erfolg.
Niclas Andersen ist ein defensiver Verteidiger mit viel Erfahrung. Er hat bereits in Schweden, der KHL und der AHL gespielt. In die NHL reichte es dem 29-Jährigen aber nicht. Viele Punkte dürfen die Fans in Kloten vom Schweden nicht erwarten, dafür aber geblockte Schüsse, Checks und solide erste Pässe.
Bäckman ist ein offensiver Verteidiger und damit das Gegenstück zu Niclas Andersen. Die letzten drei Jahre verbrachte der 24-jährige Schwede in der AHL – eine Chance auf einen NHL-Einsatz bekam er aber nie. Bäckman verfügt über einen guten Schuss und eine ebenso gute Übersicht um Pässe zu verteilen.
Ausgebildet wurde der Verteidiger in Schweden von Linköping. Über sich selber sagt er: «Ich mag es, ins offensive Spiel, in Konter integriert zu sein.» Gleichzeitig möge er aber auch das defensive Spiel sehr. Seine Schwächen sind eher physischer Natur. Obwohl er mit 188 Zentimetern Körpergrösse nicht gerade klein gewachsen ist, gehört das Körperspiel nicht zu seinen Stärken.
Wie wertvoll Tommi Santala für den EHC Kloten ist, zeigt die Statistik. Obwohl er die Zürcher Unterländer in der letzten Spielzeit nach 29 Partien in Richtung KHL verliess, beendete er die Saison mit 31 Punkte als viertbester Klotener Skorer.
Nun ist der Finne zurück an seiner alten Wirkungsstätte. Beim EHC Kloten erhofft man sich ein letztes Hurra des 38-Jährigen. Er soll machen, was er im Dress des EHC bislang immer gemacht hat: Tore schiessen und Tore vorbereiten.
watson-Eismeister Klaus Zaugg beschreibt den neuen Finnen der Tigers als «Hilfsausländer». Tatsächlich ist Erkinjuntti kein Sniper, dafür aber ein smarter Vorbereiter. In der letzten Saison in Lahti kam der Flügel bloss auf neun Tore. Gleichzeitig spielte er aber 32 Torvorlagen (in 46 Spielen). Der 31-Jährige ist nicht gross, dafür flink und mit guten Händen versehen. An der Seite von Eero Elo oder Aaron Gagnon könnte das gut gehen.
Gagnon kennt die Schweiz bereits von einem kurzen Gastspiel in diesem Frühling. Kurz vor den Playoffs wechselte der 31-Jährige nach Bern und verstärkte den SCB. Gagnon verfügt über gute Skorerqualitäten, konnte diese aber zuletzt nicht mehr unter Beweis stellen. Der Kanadier kann sowohl als Center, wie auch als Flügel spielen und verfügt über eine gute Übersicht und viel Geduld. Gagnon gilt als sehr fair. In seiner bisherigen Karriere kassierte er nur wenige Strafen. In der kanadischen Juniorenliga wurde er gar mal als fairster Spieler des Jahres ausgezeichnet.
Lausanne setzt wie Biel auf bewährte Kräfte. Jonas Junland, Nicklas Danielsson, Dustin Jeffrey und Harri Pesonen bilden das Ausländer-Quartett der Waadtländer.
Nach einer Saison bei Kloten schliesst sich Bobby Sanguinetti nun dem HC Lugano an. In seinen besten Momenten mahnt der Offensivverteidiger ein wenig an Roman Josi. Dank seinen Skating-Qualitäten und dem guten Puck-Handling kann er die Scheibe in der eigenen Zone aufnehmen und tief ins gegnerische Drittel tragen. In Kloten überzeugte Sanguinetti zudem auch mit seinem Defensivspiel, das vorher oft noch als Schwachpunkt in seinem Spiel gesehen wurde.
Der 29-Jährige soll den Bianconeri also vor allem in der Offensive helfen. Trainer Greg Ireland sagt: «Bestimmt wird er auch bei unserem Überzahlspiel eine tragende Rolle haben.»
Traumhafte Skorerwerte dürfen die Lugano-Fans von ihrem neuen Center nicht erwarten. Jani Lajunen ist Zweiweg-Center, seine grosse Stärke ist das Defensivspiel. Der Finne sagt über sich selbst: «Offensiv bin ich nicht so produktiv. Ich versuche die Räume für die anderen Spieler zu schaffen.» Dennoch erzielte er in den vergangenen vier Jahren immer mindestens 20 Punkte pro Saison.
Der 27-Jährige ist ein Arbeiter, der sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt. Er weiss, wie es ist, erfolgreich zu sein. In den letzten drei Jahren gewann er in Schweden, respektive Finnland immer den Meistertitel. In Lugano hofft man, dass sich diese Winner-Mentalität auch auf den Rest der Mannschaft überträgt.
Geld ist für den Kanadier anscheinend zweitranging. Als Kevin Klein bei den ZSC Lions den Vertrag unterschrieb, verzichtete er trotz laufendem Vertrag auf ein weiteres Jahr bei den New York Rangers. Obwohl er in der US-Metropole 2,9 Millionen Dollar im Jahr verdiente.
Der 32-Jährige Verteidiger wird als Allrounder beschrieben. An den Skorerpunkten dürfte man ihn laut ZSC-Sportchef Sven Leuenberger allerdings nicht messen. Klein sei dafür ein mannschaftsdienlicher Spieler, der «hart spielen und auch mal dreinschlagen kann». Er bereichert die breite Verteidigung der Lions zudem um zehn Jahre NHL-Erfahrung.
Die Schweizer Torhüter dürften sich nicht gefreut haben, als die ZSC Lions Anfang August die Verpflichtung Frederik Petterssons bekannt gaben. Der Schuss des Schweden, der zwischen 2013 und 2016 für den HC Lugano spielte, ist noch ligaweit bekannt und gefürchtet. In seinen letzten beiden Jahren bei Lugano war der Flügel jeweils der beste Torschütze der Liga.
Die Lions haben mit dem Zuzug des Schweden einen Schritt in die richtige Richtung gemacht: Vergangene Saison fehlte es den Zürchern an einem Skorer, an einem Spieler der den direkten Abschluss sucht. Zwar steht Pettersson nicht mehr der kongeniale Linus Klasen zur Seite, aber auch mit Robert Nilsson oder Drew Shore als Center dürfte der 30-Jährige harmonieren.
Auch Drew Shore kennt man in der National League schon bestens. Der Amerikaner war in der letzten Saison bei Kloten einer der Leistungsträger. Nach einer sehr guten Regular Season (48 Punkte in 50 Spielen) verliess er die Schweiz in Richtung Vancouver. Dort konnte er sich in 14 Spielen aber nicht für ein weiterführendes Engagement aufdrängen.
Stattdessen kehrt er in den Kanton Zürich zurück. Bei den ZSC Lions erhofft man sich vom Stürmer vor allem eine Verstärkung im Überzahlspiel. Der Amerikaner ist Rechtsschütze und verfügt über einen guten Schuss, hat aber auch Spielmacher Qualitäten. 15 seiner 48 Punkte sammelte er vergangene Saison im Powerplay. Auch neben dem Eis erhofft man sich von Shore einiges: «Er ist ein Teamplayer, der sich um die Mitspieler kümmert, auch bei Dingen, die nichts mit Eishockey zu tun hätten», sagt Sven Leuenberger.
Der Schwede ist sicherlich einer der Königstransfers in diesem Sommer. Angeblich zog Stalberg das Engagement in Zug einem Einjahresvertrag in Ottawa vor. Der Flügel ist ein sehr schneller Skater, das grössere Schweizer Eis dürfte ihm also entgegen kommen.
In der NHL wurde Stalberg oft in der dritten oder vierten Linie eingesetzt und war oft mit Defensivaufgaben beschäftigt. Deshalb ist seine Punkteausbeute aus der vergangenen Saison eher mager (92 Spiele, 11 Tore, 7 Assists). Dafür verfügt er über gute Puckbesitz-Statistiken. In Zug erhofft man sich, dass er seine Skorerqualitäten wiederfindet. Trainer Harold Kreis lobt den guten Schuss des 31-Jährigen. Im Training lässt Kreis Stalberg meist an der Seite von Garrett Roe und Fabian Schnyder auflaufen.
Mit nur 173 Zentimetern Körpergrösse gehört Garret Roe zu den kleineren Spielern in der National League. Dafür bringt der Center Tempo mit, was dem EVZ vergangene Saison mit Immonen und Holden auf dieser Position etwas gefehlt hat. Der Siebtrundendraft von 2008 spielte nie in der NHL, sondern kämpfte sich via College-Liga und AHL über Österreich und Deutschland nach Schweden und schliesslich in die Schweiz.
Im College spielte er für die St.Cloud State University und hat dort die meisten Assists in der Geschichte der Schule gesammelt. Seine Stärke liegt also vor allem in seiner grossartigen Übersicht. EVZ-Sportchef Reto Kläy sagt über den Amerikaner, er verfüge über «Intensität, grosse Energie, sehr gute Skills und eine Übersicht, mit der er viele Tore schiessen und vorbereiten kann».