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Pater Gregor Girard 1765-1850
Unter den Schweizer Pädagogen der Zeit nach 1800 nimmt Pater Gregor Girard eine führende Stellung ein. Der Ausbau der Volksschule, das Wissen um die Fruchtbarkeit der Bildung der unteren Schichten, der muttersprachliche Unterricht, methodisches wechselreiches Schulhandeln (mutueller Unterricht), der erste Geographieunterricht als örtliche Orientierung, die Mädchenbildung, die Lehrerbildung, die Auseinandersetzung zwischen kirchlichen und staatlichen Erziehungsansprüchen, zwischen Religionsunterricht und weltlicher Bildung, zwischen Aufklärung und Religiosität und die Auseinandersetzung mit Pestalozzi in Yverdon sind nur einige biographische Elemente dieses engagierten und selbstlosen Mönches.
Schon in der ersten Biographie von Ernest Naville, die in seinem Todesjahr erschienen ist, wird davon gesprochen, dass er 1804 die Schule mit den ärmsten Kindern der Stadt und der Umgebung übernommen und aufgebaut hat und dass sie in kürzester Zeit explosiv von 40 auf 400 Schüler und Schülerinnen, mit 27 Klassen und 5 Lehrern anwuchs (Daguet in Nouveau Dictionnaire Buisson 1911; siehe auch die Biographie von Eugen Egger von 1948). In einer der kürzlich erschienen Schrift zeigt Haselbach (2007), dass Girard eine geistige Brücke zwischen zwei Gesellschaftssystemen in der Schweiz durch seine Pädagogik fürs Volk miterrichtet hat, und – interessant im Zusammenhang mit der heutigen Diskussion über HarmoS – schon damals “zum ersten Mal erfolgreich ein zentralstaatliches Schulprojekt für die Schweiz ausgearbeitet und für kurze Zeit realisiert hat” (S. 182). Girard ist eine Persönlichkeit voller Widersprüche, die aber über die Idee der Volkserziehung und den Entwurf der Volksschule ein aufregendes pädagogisches Lebenskonzept, das bis heute Ausstrahlung besitzt, realisierte. Alle wichtigen Themen schulischer Erziehung und Bildung sind bei ihm angesprochen, und das macht ihn zu einer Quelle reicher pädagogischer Forschung.
Prof. Fritz Oser
Für einen ersten Übersichtsartikel siehe: Dictionnaire historique de la Suisse de Eugen Egger.
Egger, E. (1948). P. Gregor Girard. Ein Schweizerischer Volksschulpädagoge 1765-1850. Luzern: Rex Verlag [Volltext ansehen]
Haselbach, P. (2007). Erziehung zur Menschenwürde. Das pädagogische Denken und Handeln bei Gregor Girard (1765-1850). Fribourg: Academic Press.
Naville, E. (1850). Notice biographique sur le Père Girard de Fribourg. Genève: F. Romboz et Comp.