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Stiftung Kinderspital Kantha Bopha, Dr. med. Beat Richner
Kambodscha/Zürich, November 2017 – Völlig überraschend kündigte der Zürcher Kinderarzt und Musiker Dr. Beat Richner «Beatocello» im Jahr 1991 an, dass er bald sein «Lädeli», wie er die Praxis am Zürichberg nannte, an seinen Kollegen Dr. Fredi Löhrer übergeben und nach Kambodscha ziehen werde, um dort das Kinderspital Kantha Bopha in der Hauptstadt Phnom Penh wiederaufzubauen. Der König von Kambodscha habe ihn darum gebeten. Allerdings stehe kein Geld zur Verfügung. Das Land sei nach Vietnam-Krieg und Terrorherrschaft der Roten Khmer ruiniert. Die Menschen mausarm.
Dr. Richner kannte das Kinderspital gut, er hatte dort 1974 als junger Arzt eine Mission des Schweizerischen Roten Kreuzes geleitet, bis zum Tag, wo die Roten Khmer die Herrschaft übernahmen und die ganze Elite des Landes, auch die meisten Ärzte von Kantha Bopha, in Lager und Foltergefängnisse einsperrten und umbrachten. Ausländer wie Dr. Richner mussten das Land fluchtartig verlassen. Jetzt wolle er helfen, altes Unrecht wiedergutzumachen, erklärte Dr. Beat Richner, bevor er abreiste.
Die Geschichte von diesem Schweizer Kinderarzt, der bereit ist, sein angenehmes Leben am Zürichsee aufzugeben, um in einem der ärmsten Länder der Welt unter schwierigsten Bedingungen ein zerstörtes Kinderspital wiederaufzubauen, hat die Schweizer Bevölkerung derart berührt, dass Dr. Richner dank der Grosszügigkeit von Schweizer Klein- und Grossspendern innerhalb von 25 Jahren fünf modern eingerichtete Kinderspitäler bauen konnte, mit Maternité, Chirurgie, Hörsälen, 2300 Betten und 2400 kambodschanischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 2002 wurde Dr. Beat Richner zum ersten Schweizer des Jahres gewählt.
Täglich besuchen 2500 bis 3500 Mütter und Väter mit kranken Kindern die Spitäler in Phnom Penh und Siem Reap. 350 bis 550 schwerkranke Kinder werden täglich hospitalisiert. Die Spitäler von Dr. Richner behandeln rund drei Viertel aller kranken Kinder in Kambodscha. Eine ganze Generation von Kambodschanern verdankt ihre Gesundheit den Kantha-Bopha-Spitälern.
Hinter diesen eindrücklichen Zahlen steht der Kampf eines unerschütterlichen Optimisten und genialen Kinderarztes, der an seine Mission glaubt. Und speditiv vorwärtsmachte: Das erste Spital wurde schon ein Jahr nach dem ersten Spendenaufruf in der «Schweizer Illustrierten» eröffnet, heute vor 25 Jahren!
Rund um die Uhr stand seither dieser ungewöhnliche Swiss Doctor im Dienste der Kinder von Kambodscha. Mit seinem Cello gab er in der Schweiz jährlich mehrere Konzerte, um über die Spitäler zu informieren und Geld zu sammeln. In Reden und Büchern vertrat er vehement seine Idee von einer korrekten Medizin, auf die auch die Menschen in armen Ländern ein Recht haben.
Er legte sich unerschrocken mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Pharmaindustrie an, weil in armen Ländern Antibiotika verkauft und empfohlen wurden, die bei uns nicht mehr verwendet werden. Heute vergisst man gerne, dass er dafür von andern Hilfswerken und Hilfsfunktionären verschiedenster Organisationen und Regierungen stets kritisiert wurde, er betreibe «Rolls-Royce-Medizin».
Doch Dr. Richner bekam Recht: Gerade schwere Krankheiten wie Tuberkulose und andere, die bei uns kaum mehr auftreten, können nur mit modernsten Geräten korrekt diagnostiziert werden. Und ein herzkrankes Kind hat auch in Kambodscha das Recht auf eine Operation. Heute wird Dr. Richner von Experten aus der ganzen Welt als Pionier anerkannt: Seine Spitäler sind international zum Modell geworden für eine korrekte, effiziente, korruptionsfreie medizinische Hilfe in der Dritten Welt.
Auch die architektonische Konzeption und die disziplinierte, straffe Organisation des Spitalpersonals beeindrucken immer wieder Politiker, Ärzte, Experten und andere Besucher aus der ganzen Welt. Die Spitalpflege ist in Richners Spitälern für die immer noch sehr arme Bevölkerung kostenlos, das Personal wird – nach kambodschanischen Massstäben – korrekt entlöhnt, auch das Putzpersonal. Die Kantha Bopha Spitäler sind heute als Universitätsspitäler auch Ausbildungsstätte der jungen Ärzte. Eine enge, langjährige Zusammenarbeit mit dem Universitätskinderspital Zürich und dessen Direktion und Chefärzten garantiert für die hohe Qualität.
Nach langen Jahren der Abhängigkeit von Spenden aus der Schweizer Bevölkerung haben sich in den letzten Jahren auch die Eidgenossenschaft und die kambodschanische Regierung finanziell engagiert, Dr. Richner wurde in Kambodscha zum Berater des Gesundheitsministeriums im Range eines Staatssekretärs ernannt. Regierung und König haben zugesagt, dass sich der Staat Kambodscha längerfristig noch stärker finanziell engagieren will.
Doch vorläufig könnte das Werk von Dr. Richner ohne die grosszügigen Spenden aus der Schweiz nicht weitergeführt werden. Deshalb danken wir allen Spenderinnen und Spendern für ihre Grosszügigkeit und Treue, in der Hoffnung, weiter auf sie zählen zu dürfen. Jeder Spendenfranken kommt zu 100 % den kranken Kindern zugute. Dafür garantiert auch der Stiftungsrat der Kantha Bopha Hospitals unter dem Präsidium des Zürcher Rechtsanwalts Dr. René Schwarzenbach.
Zur Feier des 25jährigen Bestehens der Kinderspitäler von Dr. Beat Richner wird am Samstag, den 25. November um 12.15 Uhr im Zürcher Grossmünster eine Feier mit Information und musikalischer Begleitung stattfinden. Sie sind alle herzlich dazu eingeladen. In Kambodscha wird ebenfalls eine Feier stattfinden, mit König Norodom Sihamoni, der Königin Mutter Monineath und der gesamten Belegschaft der Spitäler, Vertretern der Schweizer und der kambodschanischen Regierung sowie einer Delegation des Stiftungsrates.
Leider finden die Feiern ohne Dr. Beat Richner statt, der vor wenigen Monaten schwer erkrankt ist und zur Pflege in die Schweiz zurückkommen musste. Der Ausfall von Dr. Richner als Leiter der Spitäler war für die Kambodschaner und die Schweizer Spender ein grosser Schock. Dr. Richner leidet an einer seltenen und unheilbaren Gehirnerkrankung mit zunehmendem Funktions- und Gedächtnisverlust. Ein tragisches und trauriges Schicksal für diesen ausserordentlichen Menschen. Ein kleiner Trost ist die Feststellung seiner Ärzte und seiner Familie, dass er selbst nicht leidet, keine Schmerzen hat, gut umsorgt wird, regelmässigen Besuch von Familie und Freunden bekommt und offenbar seinen Humor nicht verloren hat.
Dr. Beat Richner ist nicht ersetzbar. Er hat selbst schon früh an eine Nachfolgeregelung gedacht und die Verantwortung für die Spitäler an seinen Stellvertreter Dr. Peter Studer und das von ihm ausgebildete kambodschanische Ärzteteam sowie den langjährigen Verwalter, Personal- und Laborchef Dr. Denis Laurent übergeben, die für eine reibungslose Weiterführung der Spitäler sorgen.
Wenn man bedenkt, dass schon im ersten Jahr allseits Skeptiker auftauchten, die die Nachhaltigkeit von Dr. Beat Richners Wirken bezweifelten, ist eine 25-Jahr-Feier der richtige Moment, Rückschau zu halten und darüber zu staunen, dass diesem originellen Kinderarzt und Musicclown aus Zürich etwas gelungen ist, das nur wenige für möglich hielten. Man kann Beat Richner nur danke sagen. Und schweigen. •
PC 80-60699.1, IBAN CH98 0900 00008006 0699 1
Quelle: www.beat-richner.ch
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