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- Familie: Aeshnidae – Edellibellen
- Gattung: Boyeria – Geisterlibellen
- Art: Boyeria irene (Fonscolombe, 1838)
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- DE: Westliche Geisterlibelle, Geisterlibelle
- FR: Aeschne paisible
- IT: Aeshna pacifica, Dragone spettro
- EN: Western Spectre, Dusk Hawker
Wissenswertes
Boyeria irene ist eine unauffällige Edellibelle, die auf Felsen und Baumstämmen bestens getarnt ist. Sie verhält sich heimlich und ist teilweise während der Dämmerung aktiv. Diese Eigenschaften haben den deutschen Gattungsnamen eingebracht. Sie taucht auf und verschwindet wieder „wie ein Geist“.
MerkmaleGesamtlänge: 63-71 mm
Körper pastellfarbig gemustert. Grundfarbe hell bläulich, grünlich oder bräunlich-grau mit grossen aber schwach kontrastierenden dunklen Flecken. Segmente S9-S10 stärker gefärbt, bilden ein bläuliches oder grünliches "Schlusslicht". Abdomen-Musterung erinnert an militärische Tarnfarben, kann am sitzenden Exemplar aber auch als mosaikartig beschrieben werden, im Flug wirkt sie aber eher als weisslich-graue Bänderung. Augen grünlich. Männchen und Weibchen sind sich ähnlich.
Männchen
Schlusslicht stärker ausgeprägt als beim Weibchen. Flügelspitzen dunkel getönt.
Weibchen
Flügelspitzen nur selten dunkel getönt. Es existieren zwei Formen von Weibchen, die bei uns etwa gleich häufig sind: Forma typica mit langen, und Forma brachycerca mit kurzen Hinterleibsanhängen. Der Unterschied ist bereits an Exuvien zu erkennen.
Jungtiere
Grundfarbe und damit auch Schlusslicht unter Umständen gelblich, rosarot oder grau. Augen grau oder gelblich braun.
Belegfoto
M: Ganze Libelle von oben, S9-S10 gut sichtbar. Ganze Flügel mit Spitzen aufnehmen.
W: Ganze Libelle von oben, S9-S10 und Hinterleibsanhänge gut sichtbar.
Verbreitung
Die Art ist im westlichen Mittelmeerraum endemisch. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in Frankreich und Spanien. Die umliegenden Länder weisen meist nur kleinere und isolierte Populationen auf. Die sehr ähnliche Boyeria cretensis kommt nur auf Kreta vor. Auf dem Festland wird Boyeria irene im östlichen Mittelmeerraum durch die Schattenlibelle (Caliaeschna microstigma) abgelöst.
Die Schweizer Populationen befinden sich am Rand ihres Verbreitungsgebiets. Bei uns ist Boyeria irene hauptsächlich von drei Seen in der Zentralschweiz bekannt: Vierwaldstätter-, Zuger- und Ägerisee. Erst kürzlich ist sie auch am Bodensee aufgetaucht. Sie wird zwischen 200 und 800 m angetroffen.
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Anfang Juli bis Anfang August.
Flugzeit: Mitte August bis Anfang September, spärlich schon im Juli und bis in den Oktober.
Lebensraum
Während Boyeria irene in ihrem Hauptverbreitungsgebiet eine typische Fliessgewässerlibelle ist, wird sie in der Schweiz ausschliesslich an Alpenrandseen gefunden. Diese weisen meist steinige, überhängende und von Bäumen beschattete Ufer auf. Auch künstlich gestaltete Ufergelände mit Blockwurf oder Quaimauern und Parkbäumen werden als Lebensraum angenommen.
Lebensweise Imagines
Die Reifungszeit verbringt die Art in der weiteren Umgebung des Entwicklungsgewässers in lichten Wäldern und parkartigen Landschaften, höher oben auch auf mit Felsen durchsetzten Bergwiesen und in lockeren Hangwäldern. Auch ausgereifte Tiere können hier jagen.
Sie fliegt gerne bis in die Abenddämmerung, Hauptaktivitätszeit ist aber der späte Nachmittag. Bei den Patrouilleflügen verhält sich das Männchen eher heimlich und meidet selbst stark beschattete Stellen nicht.
Die Paarung dauert nur ca. 25 min, was für eine Edellibelle sehr kurz ist. Das Weibchen legt die Eier alleine ab und tut dies ebenfalls sehr heimlich. Die Eier werden in sandiges oder steiniges Substrat, in Moose oder Holz abgelegt. Dabei sucht das Weibchen oft auch unterspülte Uferstellen aus und verschwindet dort zur Eiablage ganz in der Höhlung.
Der Schlupf erfolgt nachts meist unweit der Uferlinie. Die Exuvien sind dabei an regengeschützten Stellen wie Bootshäusern oder Strassengalerien das ganze Jahr über einfacher zu finden als die Imagines.
Lebensweise Larven
Den ersten Winter verbringt die Art im Eistadium. Im darauffolgenden Frühling, wenn die Uferbereiche durch Schmelzwasser überflutet sind, schlüpfen die Larven. Einen zweiten und ev. dritten Winter verbringen die Larven ohne Entwicklungsstillstand im Wasser. In den Schweizer Alpenrandseen halten sich die Larven meist in 10-20 cm Tiefe unter Schottersteinen auf. Der Schlupf findet nachts statt. Exuvien sind unter anderem an Blocksteinen, Uferbefestigungen, Molen, Bootshäusern oder unter Uferstrassen zu finden.
Gefährdung und Schutz
Boyeria irene ist in Europa als verletzlich (VU) eingestuft, in der Schweiz gilt sie aufgrund ihres lokalen Vorkommens und dem Erlöschen der Tessiner Population sogar als stark gefährdet (EN) und hat höchste nationale Priorität.
Sie leidet bei uns durch Nährstoffzufuhr in die Entwicklungsgewässer und harte Uferverbauungen ohne geeignete Eiablagestellen. Auch Wellenschlag durch Schiffsbetrieb kann für eierlegende Weibchen verheerend sein. Zudem brauchen die Larven am Gewässergrund geeignete Tagesverstecke, damit sie sich vor Fischen in Sicherheit bringen können. Diese finden sie vor allem unter Steinen, sandiges Substrat ist ungeeignet.
Die Entwicklungsorte von Boyeria irene sind nirgends speziell geschützt, unterliegen aber dem generellen Uferschutz. Pflegekonzepte zu ihrer Förderung existieren nicht. Die Art sollte bei uferbaulichen Massnahmen in ihrem Verbreitungsgebiet unbedingt berücksichtigt werden. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen im Schiffsverkehr sind sinnvoll.
- Rote Liste: EN - Stark gefährdet
- Nationale Priorität: 1 - Sehr hohe Priorität
- NHV: Geschützt
Ähnliche Arten
Boyeria irene ist sehr charakteristisch gefärbt und kaum mit anderen Arten zu verwechseln. Zudem hebt sie sich auf Grund ihres typischen Flugverhaltens deutlich von anderen Arten ab. In ihrem Lebensraum sind auch selten andere Edellibellen vorhanden. Allenfalls kann sie mit der häufigeren Aeshna cyanea verwechselt werden, welche ebenfalls an schattigen Stellen fliegt, wo Farben teils schlecht erkennbar sind.
Aeshna cyanea – Blaugrüne Mosaikjungfer
Viel intensiver gefärbt. Stets mit zwei sehr breiten, ovalen Antehumeralstreifen.
M: Abdomen schwarz, oberseits mit grünen Flecken von S1-S7. Flecken auf Abdomenseite und Oberseits von S8-S10 blau (kann ebenfalls wie helles Schlusslicht aussehen). Wirkt insgesamt im Flug stets bunt, nicht grau gebändert.
W: Abdomen braun mit grünen Flecken.