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Liebe, Job, Familie - Was macht junge Menschen in der Schweiz wirklich glücklich?
Standpunkt: Christina Werder, Zentralsekretärin Gleichstellungspolitik des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes
Das eidgenössische Parlament hat im Herbst 2009 beschlossen, dass die Kosten von ausserfamiliärer Kinderbetreuung bis zum Betrag von 10’000 Franken vom steuerbaren Einkommen abziehbar sein sollen. Die Kantone sollen ebenfalls Abzüge vorsehen, sollen aber über den Betrag frei entscheiden. Unter dem Deckmantel der Gleichheit für alle Familien hat die SVP nun eine «Familieninitiative» initiiert, die verlangt, dass die entsprechenden Abzüge auch Familien gewährt werden, die ihre Kinder selbst hüten. Diese Initiative will erneut das traditionelle Familienbild fördern: Ein Elternteil kümmert sich vollzeitig um die Kinder. Im allzu holzschnittartigen Zuschnitt verweigert sie zu sagen, wer - fast ausnahmslos - dieser Teil ist: die Mutter. Seit Jahrzehnten kämpfen die Frauen für ihre ökonomische Autonomie. Die Hindernisse sind zahlreich. Die Lohnunterschiede sind bedeutend: 2008 hat eine Frau im Mittel 19,8 % weniger verdient als ein Mann. Die prekärsten Jobs werden von Frauen besetzt., die oft weniger ausgebildet sind als die Männer. 23 % der Frauen verfügen über keine postobligatorische Ausbildung, gegenüber nur 13 % bei den Männern. 60 % der Frauen arbeiten Teilzeit; bei den Männern sind es nur 12 %. Die grossen Lohnunterschiede zeigen, warum für die Kinderbetreuung die Frauen und nicht die Männer zu Hause bleiben, um die Kinder zu betreuen. Dazu kommt noch der Einfluss des traditionellen Familienbildes und der soziale Druck, der auf Frauen ausgeübt wird, die ihre Kinder hüten lassen. Die SVP-Initiative will nichtexistierende Kosten abziehen. Wie soll man Fremdbetreuungskosten abziehen, wenn es keine Fremdbetreuung gibt? Die traditionelle Familie, mit einem einzelnen Einkommen, wird nicht diskriminiert; sie zahlt weniger Steuern als ein Paar mit zwei Einkommen (bei gleicher Kinderzahl und gleichem Einkommen).