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Wer die Welt verändern will, muss bei der Kindererziehung anfangen. Auch wenn es um Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geht.
«Denn wenn wir älter sind, ist es viel schwieriger, Dinge zu verlernen, die wir gelernt haben», sagt die Bestsellerautorin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie gegenüber dem US-amerikanischen Radiosender NPR.
15 Vorschläge für junge Frau
Adichie definiert Feminismus als soziale, politische und ökonomische Gleichheit der Geschlechter. In diesem Sinne soll ihre Freundin ihre neugeborene Tochter erziehen. Sie macht ihr dazu in ihrem Brief, der jetzt als Buch – «Liebe Ijeawele» – erschienen ist, 15 Vorschläge.
Ihre Freundin soll ihre Tochter lehren, Geschlechterrollen zu hinterfragen. «Weil du ein Mädchen bist» ist nie ein Grund für irgendetwas, schreibt sie zum Beispiel.
Oder Kindererziehung und Hausarbeit sind nicht nur Frauensache. Blaue Kleidung für Buben, rosa für Mädchen ist Blödsinn. Spielzeug nach Geschlechtern sortiert ebenfalls.
Ratschläge, die jeden betreffen
Wissen wir das nicht schon längst? Ist es so einfach, die Kinder von der Zwangsjacke der Geschlechterrollen zu befreien, damit sie ihr volles Potential entfalten können, wie Adichie schreibt?
Ja und nein. Adichies Brief an ihre nigerianische Freundin zu lesen, bedeutet von der eigenen Situation und seiner näheren Umgebung zu abstrahieren. Einige der Ratschläge mögen anders klingen in der Kultur, in der die 39-jährige Autorin aufgewachsen ist, bevor sie mit 19 in den USA studierte. Und doch haben viele der Ratschläge auch mit uns zu tun.
Zum Beispiel Ratschlag Nummer 8: Sorge dafür, dass deine Tochter es nicht darauf anlegt, zu gefallen. «Zu gefallen heisst, sich zu verbiegen und sympathisch zu sein. Wir sollten sie aber lehren, sich selbst zu sein», sagt Chimamanda Ngozi Adichie.
Zu selbstbewussten und selbstbestimmten Frauen erziehen
Chimamanda Ngozi Adichies Vorschläge zielen darauf ab, das Selbstbewusstsein und die Selbstbestimmung der Tochter ihrer Freundin zu stärken, damit sie Ungerechtigkeit erkennen und ablehnen kann. Etwa, warum Mädchen darauf konditioniert werden, unbedingt heiraten zu wollen, aber Buben nicht.
Auch hier wieder die Frage: Ist das der Stand des Feminismus 2017? Aber Adichie fragt auch: Warum werden mächtige Frauen härter beurteilt als mächtige Männer? Der Massstab, der an Frauen und Männer angelegt wird, ist nicht derselbe. Und damit sind Adichies Ratschläge, wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden, noch nicht vom Tisch.
Zu Adichies Werk
Chimamanda Ngozi Adichie ist eine feministische nigerianische Schriftstellerin. Ihr Kampf um Geschlechtergerechtigkeit fliesst in ihr literarisches Werk ein. Ihr Buch «Americanah» wurde im «Literaturclub» besprochen. «Liebe Ijeawele», der Brief an ihre Freundin, ist im Fischer Verlag erschienen.
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