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Mit der Fliessbandarbeit veränderte sich der Alltag in der Fabrik grundlegend: Sie war unvorstellbar hoch getaktet, unendlich monoton und so für einen Mann wie den «Tramp» – Chaplins berühmtester Figur mit Stock und Melone – nicht stemmbar. Ganz das Steh-Auf-Männchen der älteren Filme lässt er sich aber nicht beirren und versucht seine Person irgendwie mit den Maschinen in Einklang zu bringen. Dieser Vorsatz eröffnet Chaplin unendlichen Raum für seine pantomimische Slapstick-Komik: Ob am Fliessband oder in der Frühstückspause, der Tramp schlittert von einer grotesken Situation in die nächste, bis er schliesslich im wahrsten Sinne des Wortes von der Maschine gefressen und wieder ausgespuckt wird. So verliert er bald seine Arbeit in der Fabrik und macht sich auf, seinen Platz in dieser neuen Welt irgendwo zu finden.
«Modern Times» ist auf mehreren Ebenen eine Rebellion Chaplins gegen den unaufhaltbaren Wandel der Zeit: Es ist Chaplins Kritik am modernen Grosskapitalismus, in dessen Fabrikalltag Figuren wie der Tramp ihrer Individualität beraubt werden und so ihren Platz verlieren. Folgerichtig ist es der letzte Auftritt Chaplins mit Stock und Melone. Gleichzeitig widersetzte sich Chaplin auch auf der filmtechnischen Ebene den Zeichen der Zeit: Knapp eine Dekade nach der Etablierung des Tonfilms bleibt seine Figur stumm. Kunstvoll wird der Ton zwar an anderer Stelle eingesetzt, anderen Figuren ist auch das Sprechen nicht verwehrt, doch bleibt der Tramp so, wie er berühmt wurde: Ein wunderbarer und liebenswerter Pantomime – bis auf die allerletzte Sequenz, als Chaplins Stimme auf überraschende Art und Weise schliesslich doch noch ihren allerersten Filmauftritt bekommt.
«Charlie passt nicht in die moderne Zeit. Der erste Abschnitt des Films zeigt seinen Versuch, sich an das System anzupassen, was notwendig ins Fiasko führt. (...) Charlie steht außerhalb jeder bürgerlichen oder kapitalistischen Ordnung. Er ist die Verkörperung völliger Freiheit und zwar in dem doppelten Sinne, dass er sowohl frei ist von jedem Zwang und jeder Ordnung, als auch frei von jedem Besitz und jeder Sicherheit. Charlie ist der fröhliche Anarch, er ist frei in einem Ausmaß, dass er für die Ordnung zur Bedrohung wird.» (Siegfried König, http://www.filmzentrale.com/rezis/modernezeitensk.htm)