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«Schweizer Bauer»: Wie haben Sie von der Disqualifikation von Cartoon erfahren?
Chantal Juillard: Ich war am Donnerstag, 6. Februar, als Vize-Präsidentin des SFV auch zur ausserordentlichen Vorstandssitzung eingeladen. Als ich in Balsthal eintraf, wurde mir vom Präsidenten mitgeteilt, dass ich nicht an der Diskussion und an der Wahl teilnehmen könne, und er hat mich vor die Tür geschickt. Dies, obwohl ich in der Funktion der Vize-Präsidentin zur Sitzung gekommen war und zumindest bei der Wahl auch ein Stimmrecht gehabt hätte. Dort habe ich dann über eine Stunde gewartet. Als ich wieder ins Sitzungszimmer gehen konnte, erfuhr ich, dass sich der Vorstand für den Rückzug von Cartoon aus dem Stationstest entschieden hat. Anschliessend hat der Präsident zum Apéro eingeladen, als ob es etwas zu feiern gegeben hätte. Ich empfand das als sehr respektlos. Zudem wurde uns der Rückzug von Cartoon danach schriftlich per Mail noch einmal mitgeteilt.
Was sagen Sie über diesen Entscheid?
Für uns ist es inakzeptabel, dass Cartoon jetzt mitten im Stationstest disqualifiziert wird. Hätte man ihn in Glovelier nicht selektiert, dann wäre das für uns eine Sache gewesen, und wir hätten das, ohne zu reklamieren, akzeptiert. Aber, dass er erst jetzt disqualifiziert wird, damit sind wir nicht einverstanden. Cartoon hat die Zulassung zum Test in Glovelier bestanden. Die Zuchtkommisssion, die unter anderem dazu da ist, in Grenzfällen zu entscheiden, wie es jetzt mit Cartoon der Fall war, hatte beschlossen, der Hengst könne nach Avenches VD gehen. Der Verband hätte sich hinter den Entscheid seiner beiden Funktionäre stellen müssen.
Konnten Sie noch mit dem Präsidenten sprechen?
Ja, mein Mann und ich haben nach dem Entschluss um ein Gespräch gebeten, diesmal in der Funktion als Pferdebesitzer. Das Gespräch war katastrophal. Laut dem Präsidenten sind wir selber schuld, weil wir mit Cartoon nie nach Glovelier hätten gehen dürfen.
Zum Fall Cartoon du Padoc
Der Junghengst Cartoon du Padoc gewann am 11. Januar in Glovelier die Hengstselektion. Am 20. Januar begann er gemeinsam mit den 16 anderen Hengstanwärtern den 40-tägigen Stationstest am Nationalgestüt in Avenches VD.
Unter anderem aufgrund des tiefen Zuchtwertes von 101 hatten die Verantwortlichen für weisse Abzeichen, Albrecht Dreier und Dominique Odiet, in Glovelier jedoch zugunsten des Hengstes entschieden. ats
Was sagen Sie dazu?
Wir hatten das Gefühl, dass er beeinflusst wird und nicht weiss, von was er spricht. Er wusste nicht einmal den Namen von Cartoon.
Wie sind die Reaktionen der Mitzüchter?
Letzten Samstag wurde die Entscheidung in den Jurassier Medien bekannt. Wir haben extrem viele Rückmeldungen auf den Artikel erhalten, sei es über die sozialen Medien, per Telefon, durch Briefe oder durch spontane Besuche auf unserem Betrieb. Wir erfahren vor allem aus der Deutschschweiz eine grosse Unterstützung und schätzen das sehr.
Wie sehen Sie die Zukunft des SFV?
Nicht gut. Die Erfahrungen haben gezeigt und zeigen es gerade jetzt wieder, dass man nicht zusammen vorwärtskommt. Im Moment ist die Zuchtwelt zerstritten. Ich habe grosse Angst um die Rasse.
Weisungen für weisse Abzeichen
Gestützt auf den Artikel 8., Abs. 4, des Körreglements beschliesst die Delegiertenversammlung:
1) Die weissen Abzeichen werden gemäss folgender Regelung beurteilt:
- Die weissen Abzeichen am Kopf dürfen die Augenbogenlinie nicht überschreiten; Hengste mit Birkenauge werden nicht zugelassen.
- Weisse Abzeichen an den Gliedmassen werden bis unter die Falte des Vorderknies/Sprunggelenks akzeptiert; in Fällen, bei denen diese Limite überschritten wird, werden die Anwärter wegen übermässiger weisser Abzeichen nicht zugelassen.
- Wenn die weissen Abzeichen an den Gliedmassen die Falte des Vorderknies/Sprunggelenks erreichen, wird der Zuchtwert (ZW) einbezogen. Wenn er unter oder gleich 120 ist, kann das Pferd zugelassen werden. Wenn hingegen der ZW 120 übersteigt, wird der Anwärter wegen übermässiger weisser Abzeichen ausgeschlossen. Die im Geburtsjahr des Pferdes gerechneten ZW sind massgebend, sowohl bei 3-jährigen als auch bei 4-jährigen Pferden. Hengstanwärter mit ZW über 120, die aber phänotypisch konform zu den vorliegenden Weisungen sind, können zugelassen werden.
- Weisse Abzeichen auf dem Körper werden nur zugelassen, wenn sie nicht genetisch bedingt sind und dies von einer vom SFV bestimmten spezialisierten Institution bestätigt worden ist.
2) Die Weisungen wurden am 17. April 2015 in Riedholz von den Delegierten genehmigt und treten ab sofort in Kraft.
3) Die vorliegenden Weisungen ersetzen und annullieren das «Reglement für die weissen Abzeichen von 2012 bis 2015» und das «Reglement für die weissen Abzeichen ab 2016». ats
Wie sieht es mit Ihrer Funktion als Vize-Präsidentin aus, wollen Sie unter diesen Umständen noch bleiben?
Meine Leidenschaft ist das Freibergerpferd, ich engagiere mich sehr dafür, sei es im Vorstand oder zuhause mit der ganzen Familie. Wenn ich jetzt gehe, dann wird es für die Rasse auch nicht besser, ausserdem ist es wirklich nicht an mir zu gehen.
Können Sie keinen Rekurs einlegen?
Cartoon wurde über vier Tage nicht trainiert, die Pferde dürfen nicht länger als vier Tage vom Training fernbleiben, dann werden sie disqualifiziert. Er wird also den Stationstest sowieso nicht mehr absolvieren können. Wir denken ausserdem, dass ein Rekurs nichts mehr bringen wird. Die Familie hat genug von diesem Theater und will zur Ruhe kommen. Es ist schade für das Pferd, für unsere Familie, für den Verband, aber das Leben geht weiter.
Was geschieht jetzt mit Cartoon?
Er war jetzt eine Woche, ohne weiter am Stationstest teilnehmen zu können, in Avenches und wurde gestern Freitag, 14.Februar, von uns nach Hause geholt. Wir konnten mit der Geschäftsführerin des SFV, Marie Pfammatter, einen Kompromiss bezüglich der Kosten finden. Der Präsident will nichts mehr mit dem Fall zu tun haben und verweigert jede Diskussion mit uns.
Wird Cartoon du Padoc jetzt kastriert?
Für den Moment nicht. Es hat Interessenten, die Cartoon ganz (Anmerkung der Redaktion: als Hengst) kaufen möchten.