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Der Alleskönner
Von Andreas Scheiner. Aktualisiert am 14.03.2012
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Trailer
Bill Nighy scheut das Rampenlicht; ihm ist bereits die Zimmerbeleuchtung zu viel: Wie wir uns in der Berliner Hotelsuite treffen, wo er Interviews zu seinem neuen Film «The Best Exotic Marigold Hotel» gibt, knipst Nighy jede Lampe aus. «Es ist lächerlich», entschuldigt sich der 62-Jährige, «aber ich vertrage diese Helligkeit nicht.» Nachdem er die letzte Lichtquelle eliminiert hat, ists so dunkel, dass der Interviewer seine Fragen fast nicht mehr lesen kann.
Nighy trägt natürlich feinen Zwirn. Laut «The Independent» tragen wenige Menschen ihren Anzug so gut wie er, und man kann sich den Horror des distinguierten Briten vorstellen, als er seinen ersten Blockbuster, «Pirates of the Caribbean 2», drehte: «Die steckten mich in ein Computer-Pyjama, auf dem ganz viele weisse Bläschen klebten», erinnert sich Nighy, «dann zeigten sie mir das Bild eines Seeungeheuers und sagten ‹Action›.» Er verspürte den Drang, «ins erste Taxi zu steigen und zum Flughafen zu fahren.» Stattdessen habe er sich das Gehalt durch den Kopf gehen lassen.
Der Part als Krakenkreatur an der Seite von Johnny Depp hat sich nicht nur wegen des Geldes gelohnt. Lange Jahre hatte Nighy um Jobs betteln müssen; heute werden ihm ein Dutzend Drehbücher pro Monat zugeschickt. «Ich habe im Provinztheater angefangen – sprich: nicht in London», blickt Nighy auf die schwierigen Anfänge seiner Karriere zurück. Über Sprechrollen im Radio und Auftritten in TV-Produktionen kam er Mitte der Neunzigerjahre zum Kino: «In England bekam man damals keine Hauptrolle in einem Kinofilm, ausser man hatte bereits einmal die Hauptrolle in einem Kinofilm.» Doch als alle erdenklichen Schauspieler die Musik-Komödie «Still Crazy» (1998) ablehnten, war die Reihe an Bill Nighy.
Seit er in «Love Actually» (2003) einen alten Rockstar spielte, dem mit einem grässlichen Christmas-Hit das Comeback gelingt, hat ihn Hollywood auf dem Radar. In «The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy» gab er 2005 den Planetenbaumeister Slartibartfass, und er war Friedrich Olbricht in «Valkyrie» (2008). Im Unterschied zu berühmten Landsleuten wie Colin Firth («The King’s Speech») ist Nighy aber nicht auf die Rolle des ewigen Briten abonniert: «Ich habe einen Zombie, einen Vampir und einen Tintenfisch gespielt, demnächst darf ich als humpelnder Halbgott ran, und bald werde ich einen Riesen verkörpern – aber eigentlich», so Nighy nüchtern, «spiele ich am liebsten Menschen.»
Wunderbar menschlich ist seine Figur in «The Best Exotic Marigold Hotel». Das sympathische Feelgood-Movie erzählt von britischen Rentnern (neben Nighy unter anderem Judi Dench und Tom Wilkinson), die beschliessen, den Lebensabend in Indien zu verbringen. «In England werden ältere Leute mittlerweile nicht nur schlecht behandelt, sie müssen auch noch dafür bezahlen», frotzelt Nighy: «Uns alte Briten nach Indien auszulagern, ist also gar keine so schlechte Idee.» Im Dunkeln glaubt man, ein Lächeln auszumachen: «Vielleicht sollte ich in Rente gehen.»
The Best Exotic Marigold Hotel
|Regie:||John Madden|
|Produktion:||UK 2011; 124 min.|
|Genre:||Comedy, Drama|
|Erstaufführung:||15.03.2012|
|Darsteller:||Maggie Smith, Bill Nighy, Judi Dench, Tom Wilkinson, Dev Patel|
Netter, aber etwas inhaltsloser Artikel. Ich wäre dafür, dass auch der Film kurz vorgestellt wird. Ein Satz genügt meiner Meinung nach nicht, um ihn zu charakterisieren. Ausserdem hat Nighy noch andere sehr gute Filme gedreht, die eine Erwähnung wert gewesen wären, nur dass die nicht alle aus Hollywood stammen.