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UNSPOKEN VIKING CODE
ca. 8. – 12. Jh.
Erstaunlicherweise hat der zeitgenössische „Corporate Raider“ (Finanzpirat, Finanzplünderer, Finanzhai) einiges gemeinsam mit den Wikingern auf Raubzug.
Der Eine ist ein Finanz-Investor, wie zum Beispiel Carl Icahn, der eine Mehrheitsbeteiligung an einem meist börsenquotierten, unterbewerteten Unternehmen erwirbt, um es anschliessend entweder mit Gewinn weiter zu veräussern, es in einzelne Teile zu zerschlagen oder die unprofitablen Unternehmensbereiche abzustossen. Alternativ zu einer vollen Übernahme reicht der Erwerb einer Minderheitsbeteiligung in gewissen Fällen, um enormen Druck auf das oberste Management auszuüben.
Die Anderen suchten weiche Ziele wie entlegene Klöster (mit unbewaffneten Bewohnern), landwirtschaftliche Güter, ungesicherte Handelsorte, die reiche Beute versprachen. Eine Flottille von Wikinger Langschiffen, ein Hybrid-Kriegsschiff, das unter Segel fuhr, aber auch durch zahlreiche Ruderer schnell fortbewegt werden konnte, tauchte plötzlich am Horizont auf. Sie konnte bei guter Sicht auf eine Distanz von ca. 20km ausgemacht werden und es brauchte bei günstigen Bedingungen wenig mehr als eine Stunde bis zum Zielort. Zu wenig Zeit, um eine wirksame Verteidigung zu organisieren und zudem ermöglichte der flache Schiffboden ein direktes Anlanden am Strand. Auch Flüsse wie der Rhein, die Mosel, Seine, oder die Wolga konnten bei guten Windverhältnissen befahren werden. Der schiere Anblick von Wikinger Langschiffen liess das Blut in den Adern der späteren Opfer gefrieren…und der Angriff erfolgte überfallmässig und erbarmungslos. Diebstahl wurde in den Heimatländern geächtet, aber erfolgreiche Raubzüge waren Ehrensache und versprachen Reichtum und sozialen Aufstieg.
Die einzigen Schriften stammen von schreibkundigen Priestern von Klöstern, die oft Opfer solcher Überfälle waren. Dass daraus die Mär (Fake News) eines Glaubenskrieges zwischen Christen und Heiden heraufbeschworen wurde, ist nachvollziehbar. Tatsache ist aber, dass die Einführung des Christentums zuerst in Dänemark und dann in Skandinavien im 10. und 11. Jh. erfolgte, wobei die Wikinger daneben eine Zeitlang weiterhin ihre Gottheiten Odin und Thor verehrten.
Es ist auch nicht so, dass alle Wikinger Krieger und Beutejäger waren, sondern viele kümmerten sich um die Bestellung des Landes, waren erstklassige Handwerker und gewiefte Händler, die Beutegut und Waren wie Speckstein, Felle, Honig, Bernstein, Eisenerz aus Nordschweden, Holz etc. im Tausch gegen Edelmetalle wie Silber, Seide, Brokat, Gewürze, Helme und Rüstungen über gut funktionierende Fernhandelsrouten in Europa und Vorderasien anboten. Im Fernhandel war Silber nach Gewicht die Währung und die Wikinger verwendeten tragbare, genial zusammenklappbare Waagen (und Gewichte) nach arabischem Vorbild, mit denen das Gewicht exakt bestimmt werden konnte. Die grosse Anzahl arabischer Münzen, die nach Skandinavien gelangte, deutet klar darauf hin, dass auch ein reger Sklavenhandel bestand.