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Amputation: Behandlung und Therapie
Die Abtrennung eines Körperteils ist, sofern sie nicht traumatisch - also durch einen Unfall - erfolgte, eine extreme Behandlungsform. Die Nachbehandlung einer Amputation erstreckt sich in erster Linie über drei Bereiche: die Prothesenversorgung, medikamentöse Therapie und Physiotherapie. Aber auch alternative Behandlungsformen wie Akupunktur oder die Spiegeltherapie werden mit Erfolg eingesetzt.
Die häufigste Amputationsursache stellen Durchblutungsstörungen dar. Vorher wird in der Regel versucht, die Durchblutung durch Medikamente anzuregen oder arterielle Engstellen operativ zu überbrücken. Sind Tumore im Spiel, kann das Gewebe bestrahlt oder eine Chemotherapie versucht werden. Hatten diese alternativen Therapien vor der Entscheidung zur Amputation nicht die erwünschte Wirkung erzielt, muss das betroffene Gewebe zwecks Erhaltung des Restkörpers abgetrennt werden.
Die Versorgung mit einer Prothese
Nach einer Amputation steht, sobald die Wundheilung abgeschlossen ist, die Versorgung mit einer Prothese im Mittelpunkt. Die Prothese soll den fehlenden Körperteil funktionell oder kosmetisch ersetzen. Auch der Umgang mit der Prothese beziehungsweise mit dem Körperteilverlust wird beim bereits erwähnten Bewegungstraining geschult.
Nicht selten kommt es bei einer Prothese zu Stumpfschmerzen, die in der Regel von einem schlecht sitzenden Schaft oder von extremen Temperaturen verursacht werden. Diese Beschwerden können durch eine Prothesenanpassung, entsprechende Stumpfpflege und andere Massnahmen wie Salben oder Wechselbäder gelindert werden.
Medikamente: Betäubung durch Schmerzmittel
Die medikamentöse Therapie zielt hier vor allem darauf ab, die so genannten Phantomschmerzen - Schmerzen, die der Betroffene an der Stelle des amputierten Körperteils verspürt - zu bekämpfen. Hierbei ist eine schnelle Behandlung notwendig, da der Körper ansonsten ein Schmerzgedächtnis aufbaut und sich schon nach einem Jahr ohne Behandlung die Schmerzen nur schwer lindern lassen.
Gängige Medikamente zur Bekämpfung von Phantomschmerzen sind herkömmliche Schmerzmittel. Bei schweren Fällen werden Opiate und Morphine eingesetzt, oft kombiniert mit anderen Mitteln. Je nach Dauer und Schwere kann der Betroffene dauerhaft Medikamente erhalten. Dies sollte jedoch am besten in Zusammenarbeit mit einer Schmerzambulanz erfolgen.
Auch eine intravenös durchgeführte Therapie steht zur Option. Bei der so genannten Neuraltherapie werden die von Phantomschmerzen betroffenen Körperteile mit Spritzen örtlich betäubt, so dass die Erregungsübertragung an das Gehirn unterdrückt wird.
Physiotherapie nach der Amputation
Insbesondere bei amputierten Gliedmassen empfiehlt sich ein Bewegungstraining, um den durch die Amputation veränderten Körper auf die neue Situation einzustellen. Diese Krankengymnastik soll Sorge dafür tragen, dass der restliche Körper gesund und funktionell erhalten bleibt. Bei Amputationen der unteren Extremitäten etwa wird eine Gangschulung durchführt, in der ein korrektes Gangbild mit der Prothese trainiert werden soll.
Auch bei Phantomschmerzen haben sich physikalische Therapien bewährt. Massagen und Bäder können sich zum Beispiel lindernd auswirken. Ausserdem kann eine Elektrostimulation (TENS) am Stumpf die Schmerzleitung hemmen und so die Schmerzen verringern. Auch die blosse Erwärmung des Stumpfes - etwa durch Mikrowellen, Rotlicht oder Wärmeflaschen - wird von amputierten Menschen zur Behandlung von Phantomschmerzen genutzt.
Alternative Therapieformen
Die Spiegeltherapie wird häufig auch bei Phantomschmerzen eingesetzt. Hierbei soll durch einen aufgestellten Spiegel das Vorhandensein des amputierten Körperteils simuliert werden. Durch die Spiegelung des gesunden Gliedmasses werden die optischen Reize vom Gehirn so interpretiert, dass der Körper unversehrt wäre. Daraus resultiert, dass das Gehirn auf die fehlenden Signale des amputierten Körperteils nicht mehr mit Phantomschmerzen reagiert.
Um die Phantomschmerzen zu behandeln, kann ebenfalls Akupunktur in Frage kommen. Durch die entspannende Wirkung der Nadeln, die vor allem im Stumpfbereich eingesetzt werden, können sich die Phantomschmerzen kurz-, aber auch langfristig reduzieren.
Text: Thomas Mitterhuber - 08/2012
Fotos: pixelio.de, DAK-Gesundheit