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Auch die Medien in der Schweiz haben umfänglich über den Tod von Papst Johannes Paul II. und die Wahl seines Nachfolgers Papst Benedikt XVI. berichtet.Dieser Inhalt wurde am 25. April 2005 - 08:45 publiziert
Für den Berner Medienprofessor Roger Blum spiegelte die Berichterstattung über den Tod von Johnnes Paul II. dessen Status als "Popstar-Papst".
Gegenüber swissinfo erklärte Blum, dass die weltweite Dauerberichterstattung beim Tod bekannter Persönlichkeiten heute alltäglich sei. Die Schweizer Medien hätten den Tod von Johannes Paul II. und die Wahl seines Nachfolgers Papst Benedikt XVI. so ausgiebig begleitet, weil das öffentliche Interesse gross war.
Es gebe aber landesweit regionale Unterschiede im Stil der Berichterstattung, die den religiösen Gepflogenheiten zuzuschreiben seien, so Blum weiter.
swissinfo: Wurde in der Schweiz über die Ereignisse rund um den Papst zu ausgiebig berichtet?
Roger Blum: Es wurde viel berichtet, das ist logisch in der Schweiz, wo viele katholisch sind, fast die Hälfte der Bevölkerung.
Aber ich denke, es war nicht viel anders als in anderen Ländern. In unseren Nachbarländern Italien und Deutschland, aber auch in den USA, in Asien, aber auch in Ländern, in denen kaum Katholiken leben, war das Ganze ein Medienereignis.
Der Papst war eine international anerkannte Persönlichkeit; für viele Leute eine moralische Instanz, insbesondere nach dem Irak.Krieg, gegen den er sich mehrmals pointiert ausgesprochen hatte. Deshalb berichteten die Medien sehr ausführlich.
swissinfo: Gab es in der Schweiz regionale Unterschiede?
R.B.: Vielleicht waren die Zeitungen in Zürich oder Basel etwas kritischer als solche in katholischen Gegenden wie dem Tessin, in Solothurn, der Zentralschweiz oder Freiburg. Es ist normal, dass in protestantischen Regionen kritischere Artikel erschienen.
swissinfo: Würden Sie sagen, dass eine solche Dauerberichterstattung ein Zeichen unserer modernen Zeit ist?
R.B.: Ja, aber das hängt von der Persönlichkeit ab. Ein Papst, der immer in Rom ist, mit dem man wenig Kontakt hat, ist etwas ganz anderes als ein Papst wie Johannes Paul II., der die ganze Welt bereiste, immer bei den Leuten und eine Art Popstar war.
Auch der Tod von Diana, Prinzessin von Wales, wurde weltweit übertragen, weil sie in der Öffentlichkeit sehr präsent war und von vielen geliebt wurde. So war es auch bei diesem Papst, der zwar konservativ war, aber sehr modern bei seiner Nutzung der Medien.
swissinfo: Bedeutete der Tod von Prinzessin Diana ein Signal für die Art und Weise, wie über solche Ereignisse berichtet wird?
R.B.: Vielleicht, aber das zeigt sich immer, wenn viele Leute sehr traurig sind und Tausende eine Beerdigung verfolgen... die Medien berichten heutzutage darüber. Es hängt davon ab, wie gross das Interesse in der Bevölkerung ist.
swissinfo: Sie finden also nicht, dass sich die Berichterstattung über diese Art Ereignisse im Verlauf der Jahre verändert hat?
R.B.: Doch, sie hat sich verändert, aber auch die Interpretation des Amts des Papstes oder der Rolle einer Prinzessin oder eines Königs hat sich verändert. Wer haben heute öffentliche Päpste und Prinzessinnen, das gab es vorher nicht.
swissinfo: Und die Medien selber sind natürlich heute anders. Nachrichten rund um die Uhr, Internet, viele neue Möglichkeiten der Berichterstattung
R.B.: Dass es Nachrichtensender wie CNN und Al Jazeera gibt, heisst, dass über mehr Ereignisse mehr berichtet wird. Sie können nicht 24 Stunden pro Tag senden ohne Ereignisse, die sie wichtig finden.
Eine weitere Entwicklung der modernen Gesellschaft ist, dass die Medien dazu tendieren, politische Ereignisse als wichtiger zu erachten als sie wirklich sind. Es ist, als ob ein Teil der Medien den anderen anzöge.
Als der frühere palästinensische Präsident Yasser Arafat starb, befanden sich einige Medien bereits im palästinensischem Gebiet. So dachten alle anderen, dass sie für die Beerdigung und die Wahl des neuen Präsidenten ebenfalls hinreisen mussten.
swissinfo: Glauben Sie, dass solch massive Berichterstattung in Zukunft weitergeht, oder könnte sie den Leuten auch verleiden?
R.B.: Ich denke, das wird so weitergehen. Aber es hängt immer davon ab, ob es um eine Persönlichkeit mit hohem Nachrichtenwert geht.
Der frühere Papst hatte einen hohen Nachrichtenwert, und auch der neue Papst wird ihn haben, wenn er den Kontakt mit den Menschen aufrecht erhält und andere Länder bereist. Aber wenn er in seinem Büro in Rom bleibt, denke ich, dass sein Nachrichtenwert tiefer sein wird.
swissinfo-Interview: Isobel Leybold-Johnson
(Übertragen aus dem Englischen von Charlotte Egger)
In Kürze
Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger wurde am 19. April 2005 zum neuen Papst gewählt und entschied sich für den Namen Benedikt XVI.
Er war zuvor Kurienkardinal und ein enger Vertrauter seines Vorgängers, Papst Johannes Paul II., der am 2. April starb.
Ratzinger wurde am zweiten Tag des Konklave gewählt, dem geheimen Treffen der 115 Kardinäle aus 52 Ländern, unter ihnen Kardinal Schwery aus der Schweiz.
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