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Hitzeminderung: Zürich, eine Schwammstadt?
Für weniger Hitze will man in der Stadt Zürich mehr Regenwasser zurückhalten, damit dieses über das Stadtgrün verdunstet werden kann. Das Prinzip dahinter nennt sich «Schwammstadt». In Zürich-West läuft zurzeit ein Pilotprojekt.
Quelle: Tiefbau- und Entsorgungsdepartement Zürich
Die Giessereistrasse nach dem Umbau für das Pilotprojekt «Schwammstadt».
Durch die Auswirkungen der Klimaerhitzung werden sich die Hitzetage künftig verdoppeln und die Zahl der Tropennächte deutlich ansteigen. Besonders davon betroffen sind Menschen in Städten, da sich dicht bebaute Gebiete tendenziell stärker erhitzen und auch in den Nachtstunden überwärmt sind.
Mit der im Mai 2020 vorgestellten «Fachplanung Hitzeminderung» will der Zürcher Stadtrat Planenden und Bauenden konkrete Empfehlungen für klimagerechtes Bauen in der Stadt liefern. Bereits im Juli startete das Tiefbauamt im Rahmen dessen ein erstes Pilotprojekt mit gefärbten Strassenbelägen an der Roggenstrasse im Kreis 5. Während einem Jahr soll dort untersucht werden, wie sich die unterschiedlich gefärbten Beläge auf die Oberflächentemperatur auswirken.
Schwammstadt: Zurückhaltung von Wasser
Nun folgt ein zweites Pilotprojekt: Das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement (TED) versucht Elemente der sogenannten «Schwammstadt» umzusetzen. Das Prinzip davon wurde ursprünglich erdacht, um Überflutungen zu minimieren. So sollten sintflutartige Regenfälle in der Stadt wie in einem Schwamm zurückgehalten und nur langsam wieder an die Gewässer und ins Grundwasser zurückgeleitet werden.
Diese Grundidee soll nun zur Minderung der Klimaerhitzung in Zürich adaptiert werden, wie das Departement am Donnerstag mitteilte. In ersten Pilotversuchen gehe es dabei vor allem um das Zusammenspiel zwischen Regenwasser, dessen Verdunstung über das Stadtgrün sowie die gleichzeitige Verbesserung der Lebensbedingungen für hitzemindernde Bäume an der Strasse. Mit den Versuchen möchte man Erkenntnisse über die Wirksamkeit und Umsetzbarkeit im Strassenraum gewinnen.
Quelle: Stadt Zürich
Im Sommer wird der Schlammsammler geschlossen und der Randstein geöffnet.
Quelle: Stadt Zürich
Für die Regenwasserbewirtschaft braucht es unter anderem durchlässige Randsteine.
Pilotprojekt an der Giessereistrasse
Im Rahmen des Projekts wurde ein Abschnitt der Giessereistrasse nach den Prinzipien der Schwammstadt umgebaut. Konkret brauchte es dafür ein System zur Regenwasserbewirtschaftung, welches sich aus Strassen-Gefällen, dem Strassenbelag, durchlässigen Randsteinen sowie verschliessbaren Schlammsammlern zusammensetzt. Daneben brauchte es auch einen Sicker- und Verdunstungsbereich in Form von grösseren Baumgruben und Vegetationsbereichen sowie wasserspeicherndem Baumsubstrat.
Durch die Konstruktion fliesst das Regenwasser nur noch während der Wintermonate, in denen Streusalz zum Einsatz kommt, in die Kanalisation. In der übrigen Zeit wird das Regenwasser in den Vegetationsbereich umgeleitet, wo es langsamer abfliesst und über die Bäume verdunsten kann. Die Bauarbeiten bei der Giessereistrasse konnten am Donnerstag mit der Pflanzung von neun zusätzlichen Bäumen abgeschlossen werden.
Weitere Elemente sollen ab 2023 folgen
Das nun folgende wissenschaftliche Monitoring der Massnahmen wird über die nächsten vier Jahre durch die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erfolgen. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 680‘000 Franken. Voraussichtlich ab 2023 sollen zudem an der Scheuchzerstrasse, zwischen Milchbuck- und Riedtlistrasse, ebenfalls Elemente nach dem Schwammstadt-Prinzip umgesetzt werden.
Neben baulichen Massnahmen möchte das Tiefbau- und Entsorgunsdepartement künftig auch erreichen, dass mehr Regenwasser von den Dächern ins Erdreich statt in die Kanalisation geleitet wird. In diesem Zusammenhang sehe die totalrevidierte Verordnung über die Gebühr zur Abwasserbewirtschaftung finanzielle Anreize vor. Die Verordnung befindet sich zurzeit in der zuständigen Gemeinderatskommission zur Beratung. (mgt/pb)