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Das vorliegende Buch ist nach den Cahiers d'archéologie jurassienne 7 und 8 der dritte Band welcher dem Fundplatz Alle, Noir Bois gewidmet ist. Die Fundstelle wurde von 1990 bis 1993 auf einer Gesamtfläche von 2,46 ha im Rahmen des Autobahnbaus A 16 ausgegraben. Die sedimentologischen (Kap. 3 und 4), mikromorphologischen (Kap. 5) und archäologischen (Kap. 9 und 10) Untersuchungen betreffen vorholozänzeitlichen Schichten in einem kontinentalen Periglazialumfeld.
Alle, Noir Bois befindet sich nord-östlich der Juraketten im Tafeljura auf einer mittleren Höhe von 450 m. Die Fundstelle liegt am Rand eines kleinen Schwemmtales der Allaine, sowie am Fusse des Nordhanges eines wenig ausgeprägten Sattels. Das Kalkgesteinsubstrat ist nicht nur gespalten, sondern infolge von Karstphänomenen (Dolinen) auch ausgewaschen, welche einerseits zu Einfilterungen und Senkungen, anderseits zu Sedimentfallen führten (Kap. 2). Die Beschreibung der aktuellen Klimabedingungen ermöglicht einen Vergleich mit denjenigen der einstigen Kaltphasen zu untermauern.
Neun stratigraphische Einheiten können in der Schichtabfolge unterschieden werden (Kap. 3), wovon sechs (E9 bis E4) der pleistozänen Abfolge angehören und genauer betrachtet werden. Sie wurden mittels Stratigraphie-, Korngrössen- (Kap. 4.2), Geochemie-, Mikromorphologie- (Kap. 5) und Mineralogieanalysen (Kap. 6) bestimmt. Ihre zeitliche Einordnung erfolgte entweder durch absolute Daten (Kap. 7), oder durch eine auf Umweltdaten basierende Relativchronologie (Kap. 8), oder mit Hilfe von Literaturvergleichen.
Die Einheit E9 unterteilt sich in zwei Fazies: einerseits, der untere Teil, welcher durch vermutlich während einer voreemzeitlichen Kaltphase, vielleicht im Laufe der sogenannten Haupteiszeit, abgelagerten Kalkflusskiesel gebildet wird; andererseits, der obere Teil, aus Flussverwitterungsgestein ohne Loesskomponente, mit starken Bodenbildungsspuren. Die Mikromorphologie bestätigt den mehrphasigen Aspekt dieses Paläobodens, welcher sich während einer langen Zeit weiterentwickelt hat und mehrere wärmere Phasen einschliesst.
Die Einheit E8 besteht aus verwitterte Schwemmsande, abgelagert durch Geriesel im Laufe einer Kaltphase (Beginn des Eems). Ihr Alter und Verwitterungszustand werden durch die Untersuchung der verschiedenen Eisenausbildungen bestätigt. Die Mikromorphologie konnte zwei Bodenbildungsphasen nachweisen, welche sich in einem wärmeren Umfeld, nach einer Kaltzeit sowie der Ablagerung der Artefakte des älteren Moustérien, abgespielt haben.
Die Einheit E7 beinhaltet drei Sedimenttypen: - E7c findet sich nur unterhalb der Fundstelle und entspricht einer Umlagerung von mehreren älteren Schichten. Dies wird durch die Granulometrie, welche Restindizien von Bodenbildung sowie Hinweise für Bodenfliessen (Zersetzung des Interglazialkomplexes) erbringt, bestätigt. - E7b besteht aus sandigen Rieselablagerungen mit Frosteinflüssen, gekennzeichnet durch eiförmigen Einschlüssen von Lössilten, abgelagert durch Bodenfliessen. Es handelt sich um spärlich ausgebildete Böden, welche sich parallel zu feinen Sedimentanschwemmungen auf umgelagerten und ziemlich verwitterten Lössen bildeten. Dank zwei Thermolumineszenzdaten kann die Basis dieses Niveaus ins mittlere Hauptglazial datiert werden. In Richtung Schichtoberfläche, lässt sich eine vertikale Korngrössenklassifizierung feststellen: es handelt sich um einen Übergang von Schwemm- zu Windablagerungen. Der obere Sedimentteil enthält Silices des jüngeren Moustérien-horizontes. Die Thermolumineszenz ergab in einem gerätelosen Abschnitt ebenfalls eine Datierung ins mittlere Hauptglazial. - E7a entspricht einem überdeckten humushaltigen Horizont (erhöhter Humusgehalt im Vergleich zu den anderen Schichten), mit Agregaten, welche Bodenbildungsaktivitäten anzeigen. Es handelt sich um einen Interstadialboden, gebunden durch die Vegetation und in einer Spätphase frostrissig geworden. Dieser Horizont wird mit dem Denekamp-Interstadial in Korrelation gebracht.
Zwei Fazien von Lössen wurden in E6 nachgewiesen: - die eine, hangaufwärts in einer Karstmulde, ist karbonathaltig; sie enthält gut erhaltene Molluskenschalen, welche durch 14C ins obere Pleniglazial datiert wurden. Ihre Untersuchung ermöglicht es sie vor dem letzten Eiszeitmaximum zu situieren, in einem kälteren und kontinentaleren Klima als heute; - hangabwärts findet sich die andere, karbonatlose Fazies, einschliesslich zwei obere Backenzähne eines Wollhaarnashornes (lebte in einer kalten und trockenen Steppenlandschaft). Diese wenig verwitterten Lösse datieren mittels Thermolumineszenz in den Beginn des oberen Hauptglaziales.
Bei der Einheit E5 handelt es sich um eine Hangschicht gebildet durch Frostkriechstrukturen von Geröll in einem Lössediment. Eine Fazies von E5 beinhaltet Kieselelemente welche auf eisen- und manganreiche Kalkablagerungen folgen. Hangabwärts verwandelt sich diese Einheit in ein Lössniveau; dieses Sediment wurde während oder unmittelbar nach dem oberen Hauptglazial abgelagert. Diese Formation ermöglicht Beobachtungen von Froststrukturen im Schichtzusammenhang (Kap. 3.5).
Die Einheit E4 besteht aus verwitterten Lössumlagerungen. Das Sediment ist im oberen Teil biologisch gestört mit einem starken Anteil an Schwemmlehmen (Horizont Bt). Sie enthält magdalénienzeitliche Silexschlagplätze.
Moustérien und Magdalenien Besiedlungen
Vier moustérienzeitliche Gerätschaften konnten auf dem Fundplatz Alle, Noir Bois unterschieden werden (Kap. 9), wovon zwei geschichtet sind: ein Niveau aus dem älteren Moustérien (in der Einheit E8) welches in die Eemzeit fällt und jüngeres Moustérienniveau (in der Einheit E7) welches der mittleren Haupteiszeit zuweisbar ist. Die anderen Serien stammen aus umgelagerten Zusammenhängen: es handelt sich um ein Moustérienniveau in der Einheit E5 und um verstreute Artefakte, aufgesammelt in umgelagerten Sedimenten des Spätglazials und des Holozäns (Niveau E4, E3 und E2). Die beiden ersten Ensembles bilden Freilandplätze deren räumliche Fundverteilung durch Sedimentbewegungen gestört worden ist.
Die Artefakte wurden im wesentlichen aus lokalem Silex geschlagen (Fazies von Pré Monsieur), ein schwacher Anteil von allochtonen Stücken (vorwiegend Werkzeuge), sowohl aus Silex, wie auch aus Vogesengesteinen, wie sie auch auf anderen Fundplätzen der Region gefunden wurden.
Die technologische Untersuchung der Funde aus dem oberen Niveau ermöglicht Parallelen mit anderen regionalen Gesteinsinventaren herzustellen, wie etwa jenes der benachbarten Stelle von Alle, Pré Monsieur (Cahier d'archéologie jurassienne 9). Eine nicht vollumfängliche Levalloismethode wurde ergänzt durch eine Klingenproduktion basierend auf prismenförmigen Nuklei; die spezifischen Module wurden vom Platz weggebracht. Das untere Niveau weist eine spezifische Arbeitskette auf (System mit aufeinanderfolgenden Abschlagflächen), welche zur Herstellung von nicht standartisierten Kortexabschlägen führen. Die Abschlagproduktion erfolgt offensichtlich nicht mit verschiedenen Zielsetzungen.
Die Gesamtheit der Funde kann ins Moustérien eingeordnet werden; die schwache Anzahl von Werkzeuge erlaubt es jedoch nicht eine Annäherung mit einer von F. Bordes definierten Gruppe zu postulieren. Die Autoren schlagen in diesem Zusammenhang vor die Bezeichnung "Charentien" für den regionalen geographischen Rahmen fallen zu lassen. Die eingeschlagene Forschungsrichtung stützt sich eher auf die grundsätzliche Funktion der untersuchten Plätze, sowie auf ihre Eingliederung in die ökonomische Gebietsverwaltung.
Die Studie des Magdaleniengeräteinventares (Kap. 10) der Einheit E4, sowie seiner räumlichen Verteilung ermöglicht festzustellen, dass die Benützungsphase von kurzer Dauer ist. Kein Knochenartefakt wurde gefunden. Trotz dem Vorhandensein von ausgelesenen und auf die Fundstelle gebrachten Kieselsteinen konnte keine Feuerstelle nachgewiesen werden. 1600 Gesteinstücke verteilen sich um drei Schlagplätze in einem Raum von 30 m2. Ein Platz prodzierte Klingen aus lokalem Silex, welche grösstenteils weggebracht wurden; die anderen zwei Plätze verwendeten kleine Kernstücke von der 15 km nord-östlich gelegenen Lagerstätte Bendorf (Departement Haut-Rhin, F), zur Herstellung von Lamellen und einigen Werkzeugen.
Die verlassenen Werkzeuge weisen auf die Wiederinstandsetzung von Wurfgeschossen: Rückenmesserchen, Stichel (Flächen-, Winkel-, Quer-, sowie auf Brüchen). Die Silexverwertung in Alle (60 % der Artefakte) ist zweckmässig und nicht das Ziel der Niederlassung. Dieser Platz ist ein Jagdruhestätte von kurzer Dauer, vermutlich für eine kleine Gruppe von Individuen. Wenn die schwache Anzahl von Werkzeugen (25) als repräsentatif akzeptiert wird, kann die Gerätschaft ins mittlere oder jüngere Magdalenien gesetzt werden (zwischen 14 und 12,6 Kj).
Übersetzung: Ludwig Eschenlohr