Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03302.jsonl.gz/1446

Im Jahr 2021 ging der renommierte Booker Preis an den Südafrikanischen Autor Damon Galgut für den Roman „Das Versprechen“. Es ist die Geschichte einer weissen Familie über mehrere Jahrzehnte. Die Mutter hat vor ihrem Tod das Versprechen gegeben, dass die schwarze Haushälterin ein Haus geschenkt bekommen soll. Aber einlösen will es dann niemand, auch nicht, nachdem das Land der Apartheid eine Demokratie geworden ist.
Amor ist die jüngste Tochter der weissen Famlie Swart, die mitten in den 80-er Jahren eine riesige Farm nahe Pretoria besitzt. Als Einzige will sie sich an das Versprechen der verstorbenen Mutter halten. Die Jahre vergehen, Südafrika wird ein freies Land. Erst stirbt der Vater, dann ihre älteste Schwester. Immer wieder bringt Amor das Versprechen zur Sprache, ohne Erfolg.
Damon Galgut schreibt von Weissen, die ihre Privilegien nicht aufgeben wollen, die festhängen an einer längst vergangenen Zeit, wie die Swarts ihren Platz in einem sich verändernden Land suchen. Aus den unterschiedlichen Perspektiven der Hauptfiguren erzählt der Autor diese Familiengeschichte, schaut auch in die Köpfe vieler Nebenfiguren, verhält sich wie eine Kamera im Film. Als Leser*in ist man aber nie verloren, man versteht sowohl den Plot wie auch den bitteren gesellschaftlichen Kommentar.
Nachdem auch ihr Bruder stirbt, ist Amor die Letzte der Familie Swart. Sie geht nochmal auf die Haushälterin Salomé zu, 30 Jahre, nachdem das Versprechen abgegeben wurde. «Beide Frauen wissen, dass sie sich nie wiedersehen werden. Aber warum ist das wichtig? Sie stehen sich nahe und doch auch nicht. Sie sind verbunden und doch auch nicht. Eine der seltsamen, simplen Fusionen, die dieses Land zusammenhalten. Manchmal nur so eben.»
Monika Steiner