Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03358.jsonl.gz/602

Jean Tinguely
Translation No 1 - pour un triangle
Variation
1958
Material/Technik: Schwarze Metallplatte mit Metalldrähten, Elektromotor
Masse (HxBxT): Durchmesser 22,5 cm
Inventarnummer: 11119
Werkverzeichnis: Bischofberger 1101
Creditline: Museum Tinguely, Basel, Schenkung Michael und Joyce Morris, London
In der Ausstellung Jean Tinguely Meta-mécaniques in der Galerie Samlaren in Stockholm präsentiert Tinguely vom 8. bis 22. Oktober 1955 einige polychrome Reliefs, zwei «Méta-Herbin»-Skulpturen und eine kinetische Skulptur mit dem Titel Sculpture virtuelle, 2500 tours/min. Dies ist die erste Spur einer losen Serie von Werken, die 1960 beziehungsweise 1964 in der Auflage der «Constantes indéterminées» für die Edition MAT von Daniel Spoerri endet.
1955 hatte Jean Tinguely den aus Nizza stammenden Künstler Yves Klein kennengelernt, als dessen Gemälde Expression de l’Univers de la Couleur Mine Orange von der Jury des Salon des Réalités Nouvelles in Paris abgelehnt wurde. Die beiden Künstler verband sofort eine enge Freundschaft, und sie führten intensive Gespräche über ihre Kunst. Yves Klein und Jean Tinguely interessierten sich beide für eine Kunst, deren physische Gestalt sich zunehmend entmaterialisieren sollte. Für Yves Klein war Kunst vor allem ein spirituelles Phänomen, das auf äussere Vergegenständlichung künftig nicht mehr angewiesen sein sollte. Offenbar war die Erzeugung virtueller Volumina für beide sehr wichtig. Vor dem Hintergrund der Künstlerfreundschaft zwischen Jean Tinguely und Yves Klein und ihrem lebhaften Austausch muss auch die Entstehung der ersten «Constante indéterminée» gesehen werden.
Die Arbeit am Concert pour sept peintures setzt Tinguely mit der zwischen 1958 und 1959 entstandenen Serie der «Variations» fort. Diese Reihe kleiner Wandskulpturen, die man allerdings in den meisten Fällen ebensogut auf einen Tisch oder Sockel stellen kann, funktioniert grundsätzlich immer nach demselben Prinzip. Auf die Achse eines Elektromotors werden Drähte geschraubt, die durch die Rotation wahlweise aneinander oder an weitere, an der Skulptur fixierte Drähte schlagen und dadurch ein unregelmässiges, aber intensives Geklimper erzeugen. An den Spitzen der rotierenden Drähte sind kleine Elemente befestigt (Kreis, Dreieck, Spirale), die, analog zu den «Constantes indéterminées», in ihrer Rotation virtuelle Linien vor die Grundplatte ziehen. Durch die von unten her die Rotation irritierenden Drähte allerdings wird die Entstehung regelmässiger Formen verhindert. «Die virtuellen Kreise verformen sich ständig zu völlig deformierten Ellipsen und Lissajous’schen Figuren ähnlichen Gebilden.»