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Billy Idol wurde in der Punk-Ära gross, war Zeitgenosse der Sex Pistols und The Clash. Ein Bild von einem Mann mit blondem Haar, Lederklamotten, Ketten und Nieten. „Generation X“ hiess seine Band damals; mit “Ready Steady Go” und “King Rocker” verbuchten sie Erfolge, wurden wegen ihrer Pop-Attitüde von der Punk-Presse belächelt und lösten sich schliesslich 1981 auf.
Was nun? Billy Idol behielt seinen Look und machte solo weiter. Der neu gegründete Sender MTV war massgeblich an Idols Aufstieg beteiligt – der Sänger war jung, wild und gutaussehend, und seine Videos für “White Wedding” und “Dancing With Myself” verhalfen ihm zum Durchbruch. Die Studioalben “Billy Idol” (1982), “Rebel Yell” (1983) und “Whiplash Smile” (1986) enthielten Songs, die heute als Klassiker gelten. In den 80er Jahren kam man an Billy Idol nicht vorbei – kein Radiosender, der nicht einen seiner Songs spielte. Dann wurde es ruhiger um ihn; nach “Cyberpunk” (1993) dauerte es ganze 12 Jahre bis er sein nächstes Album aufnahm.
Nach dieser langen Pause scheint sich Billy Idol im neuen Millennium wieder aufgefangen zu haben, nicht zuletzt dank der Versöhnung mit seinem langjährigen Gitarristen Steve Stevens. Im Herbst 2014 wird er das Album “Kings & Queens of the Underground” sowie seine Autobiografie veröffentlichen; schon jetzt tourt er um die Welt.
Die Nachfrage nach Billy Idols einzigem Konzert in der Schweiz war so gross, dass das Z7 den Anlass kurzerhand in ein Open Air umwandelte. Eine gute Idee: es herrschte angenehme Festivalstimmung an diesem warmen Sommerabend in Pratteln.
Gloria Volt aus Winterthur bildeten mit einer soliden Rockshow den Auftakt. Dann betrat Idols Band die Bühne, Erik Eldenius legte auf dem Schlagzeug los, Billy Idol rannte unter Publikumsjubel nach vorne und mit “Postcards From The Past” war der prächtige Start gegeben. Dass der Sänger bald seinen 60. Geburtstag feiert, merkte man ihm nicht an – immer noch die blonden Haare, das Leder, die Ketten, immer noch ein Bündel Energie.
“Dancing With Myself” und “Flesh For Fantasy” lieferten gleich zu Beginn die ersten Höhepunkte; mit “Love And Glory” und “One Breath Away”, zwei Liedern neueren Datums, wurde es wieder gemächlicher. “Love And Glory” war durchzogen vom typischen U2 Gitarrensound – ein ungewöhnlicher, interessanter Richtungswechsel für einen Billy Idol Song.
Idol griff während des Konzerts bis in die Generation X-Zeit zurück, spielte “King Rocker” und “Love Like Fire”, beide herrlich direkt und schnörkellos. “L.A. Woman” taufte er in “Swiss Woman” um, “Sweet Sixteen” wurde zur entspannten Akustiknummer. Gerade in den ruhigeren Stücken zeigte sich, dass Idol eine Punkstimme besitzt, geschaffen fürs Schreien, für laute Momente, nicht aber für Balladen – bei “Eyes Without A Face” waren einige falsche Töne zu hören. Dass er nicht der weltbeste Sänger ist, stört allerdings wenig; in den Rock- und Punk-Songs bleibt seine Ausdruckskraft ungeschlagen.
Sympathisch, dass sich Idol nicht zu schade war, seine Band in den Vordergrund zu stellen, allen voran den Gitarristen Steve Stevens. Dieser zeigte sein Können in rasanten Flamenco-Soli.
Zum Abschluss des Konzerts gleich drei Kracher: das fulminante “Rebel Yell”, ein halbakustisch dargebotenes “White Wedding” und das fantastische “Mony Mony”, bei dem das Publikum endgültig aus dem Häuschen geriet.
“A sophisticated but wild Swiss audience!”, war denn auch das Fazit des Sängers, bevor er die Bühne verliess. Der alte Punk-Rocker bewies, dass satter Sound aus den guten alten Zeiten auch im neuen Jahrtausend nichts an Aktualität verloren hat.
Setlist:
Postcards From The Past
Cradle Of Love
Dancing With Myself
Flesh For Fantasy
Love And Glory
One Breath Away
Ready Steady Go
Sweet Sixteen
Whiskey And Pills
Eyes Without A Face
L.A. Woman
Guitar Solo
King Rocker
Love Like Fire
Blue Highway
Rebel Yell
White Wedding
Mony Mony
[Quelle: setlist.fm]
Text + Bilder: Anna Wirz