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Wasserversorgung
Frisches Wasser ist unverzichtbar
Es ist die Pflicht des Halters, seinen Kaninchen genügend Wasser in bester Qualität bereitzustellen. Eine mangelhafte Wasserversorgung beeinträchtigt die Gesundheit, die Futteraufnahme und die Leistung.
Beim Wasser ist die Hygiene so zentral wie bei keiner anderen Ernährungskomponente der Kaninchen. Doch leider wird sie oft nicht genügend berücksichtigt, obwohl die Langohren mehr als doppelt so viel Wasser trinken wie sie Futter aufnehmen. Zwar nehmen die Tiere im Sommer einen grossen Teil Flüssigkeit bereits über Grünfutter zu sich. Trotzdem gilt es, die Wasserversorgung ständig und genau zu überwachen. Mehr als 60 Prozent des Körpers eines ausgewachsenen Kaninchens bestehen aus Wasser. Allein um die Stoffwechselvorgänge aufrechtzuerhalten und die Substanzen im ganzen Körper zu transportieren, braucht das Tier eine wasserhaltige Flüssigkeit in Form von Blut.
Die ideale Temperatur für Kaninchen ist laut der Wissenschaft 21 Grad Celsius. Sie wird als «Komfort-Zone» bezeichnet. Sobald die Aussentemperatur höher oder tiefer liegt, braucht der Organismus Energie, um die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Übrigens beträgt diese 39,5 Grad Celsius und schwankt nur innerhalb von 0,2 bis 0,3 Grad.
Mit hohen Sommertemperaturen haben vor allem die südlich gelegenen «Kaninchen-Länder» wie Italien, Spanien, Mexiko und Ägypten zu kämpfen, in denen die Tiere Extrembelastungen ausgesetzt sind. Über verschiedenste Futterzusätze wird versucht, den Stress der Tiere zu mindern, um das bei solchen klimatischen Verhältnissen reduzierte Wachstum und Wohlbefinden der Jungtiere zu kompensieren. In der Schweiz gibt es nur wenige Hitzetage, die mit den Zuständen in diesen Ländern vergleichbar sind.
Wie viel Wasser ein Kaninchen braucht, hängt von Gewicht und Umständen ab
Der Wasserbedarf ist nicht allein von der Temperatur abhängig, sondern auch vom Gewicht und Wachstumsstadium der Tiere. Bei einer in Leistung stehenden Zibbe spielt die Höhe der Milchproduktion eine entscheidende Rolle. Während die einen Züchter von einem Bedarf ausgehen, der das 2 bis 2,5-Fache der Futteraufnahme beträgt, gehen andere von einem Bedarf von 50 bis 150 Millilitern Wasser pro Kilogramm Gewicht aus.
Wasser wird als Lösungs- und Transportmittel eingesetzt; zudem reguliert es den Zelldruck und die Körpertemperatur. Das heisst: Alle chemischen Vorgänge verlaufen in wässeriger Form. Das Durstempfinden entsteht über Veränderungen des osmotischen Druckes (Zelldruck). Es besteht dann ein Wassermangel. Dieser Regelmechanismus nimmt aber mit dem Alter des Tieres ab.
Die abgegebene Menge des Urins eines Kaninchens ist abhängig von der aufgenommenen Wassermenge und der Art der Futterkomponenten. Während Trockenfutter, Pellets und Kombifutter nur wenig Wasser enthalten, weist Grünfutter einen Gehalt von etwa 15 Prozent Wasser auf. Eine zu geringe gebildete Harnmenge hat einen Konzentrationsanstieg zur Folge mit einem erhöhten Risiko für die Bildung von Harnsteinen. Auch ist bekannt, dass eine bakterielle Besiedlung der Harnwege wahrscheinlicher wird.
Eine ungenügende Wasseraufnahme erhöht die Anfälligkeit gegenüber vielen Erregern, weil diese über ausgetrocknete Schleimhäute besser eintreten können. Selbst Verdauungsbeschwerden in Form von Durchfall und Verstopfung sowie Magenschleimhautentzündungen können auf mangelnde Wasseraufnahme zurückgeführt werden.
Immer wieder werden Untersuchungen mit der Fragestellung durchgeführt, welche Tränken bevorzugt werden. Erst vor Kurzem bestätigte eine weitere Studie, dass Offentränken (über Futtergeschirr) im Vergleich zu Nippeltränken bevorzugt werden. Schon länger liegt eine Beobachtung bei Zwergkaninchen zurück, die dasselbe Ergebnis aufzeigt. Die beliebten Zwergkaninchen als Wohnungstiere nehmen deutlich mehr und schneller Wasser über offene Gefässe zu sich, als wenn sie über Nippel trinken. Bei dieser Untersuchung zeigte sich auch, dass der Kot der Kaninchen, denen die Wasserversorgung über Nippeltränken sichergestellt wurde, unerwünscht trocken ist. Hingegen führt Heu zu einer hohen Wasseraufnahme und damit auch zu einer hohen Urinausscheidung. Die Forscher erklären, dass derart verdünnter Urin den Harnsteinen vorbeugen könnte.
Neben der unnatürlichen Trinkhaltung der Tiere bei Nippeltränken sind diese auch schlecht zu pflegen. Die Metallröhrchen sind schwierig zu reinigen; häufig werden sie auch undicht und tropfen vielleicht noch ins Trockenfutter.
Das Wichtigste sind saubere Geschirre für Futter und Wasser
Die Qualität der essenziellen Nährstoffkomponente Wasser wird bestimmt durch mikrobielle, chemische und physikalische Faktoren. So ist Wasser der Entwicklungsort für viele verschiedene Mikroorganismen. Ist deren Anzahl hoch, so besteht höchste Gefahr für die Gesundheit der Tiere. Beispiele dafür sind vor allem fäkale Bakterien.
Grundwasser hat einen pH-Wert, der über 7 liegt. Ein zu hoher pH-Wert kann aber physiologische Störungen verursachen und dazu gehören beispielsweise Verdauungsprobleme. Durch eine bewusst angestrebte pH-Wert-Absenkung werden ungünstige Bedingungen für Bakterien wie Salmonellen und Coli-Bakterien geschaffen. Ein reduzierter pH-Wert im oberen Magen-Darm-Trakt erhöht zudem die Verdaulichkeit der Nährstoffe und Mineralien; eine gesunde Darmflora wird im Aufbau ebenfalls stimuliert.
Viele Kaninchenzüchter wissen um diese Zusammenhänge und säuern das Tränkewasser mit Essig an. Nichts geht aber über saubere Futtergeschirre. Vor allem im Sommer sollte das abgestandene Wasser täglich ersetzt werden. Nur so gibt man den Wärme und Feuchtigkeit liebenden Keimen im Wasser keine Chance. Bleiben gar Futterreste im Napf übrig, erhöht sich das Risiko beträchtlich. Deshalb empfiehlt sich, die Geschirre für Futter und Wasser getrennt in den Stall zu stellen, damit kein Futter ins Wasser und umgekehrt gelangen kann. Nur so verhindert man eine unkontrollierte Keimvermehrung.
Hat das Wasser eine Temperatur von über 25 Grad Celsius, wird die Aufnahme ebenfalls eingeschränkt; häufiges Wechseln ist auch aus diesem Grund sehr empfehlenswert.
|Wie viel Wasser braucht mein Langohr|
|Kaninchentyp||Gewicht||Geschätzter Wasserverbrauch

|Tragende Zibbe||4.5 kg||0.35 Liter/Tag|
|Säugende Zibbe||8.5 kg (4.5 kg Gewicht der Zibbe plus 8 Jungtiere mit je 0.5 kg Gewicht)
||1.02 Liter/Tag|
|Jungtier (Intensivhaltung)
||1 kg||0.3 Liter/Tag|
|Jungtier (Intensivhaltung)||2.3 kg||0.64 Liter/Tag|