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Schon seit Hunderten von Jahren treiben Geisterschiffe über die Weltmeere. Dieser Spuk existiert auch heute noch und stellt die Menschheit oft vor unlösbare Rätsel.
Die japanische Küstenwache hat in den letzten Monaten rund elf mit Leichen beladene Boote aus dem Meer gezogen (wir berichteten). Die Überreste von insgesamt 25 Menschen wurden darauf gefunden, zwei Leichen fehlte der Kopf. Die meisten Experten vertreten die Meinung, dass es sich bei den Leichen um abtrünnige Nordkoreaner handelt. Eine weitere Theorie schliesst darauf, dass es sich um Fischerboote handelte, die in Schwierigkeiten geraten sind.
Am 7. November 1872 brach die «Mary Celeste» zur Fahrt auf, die bis heute als eines der grössten Rätsel der Seefahrtsgeschichte gilt. Zehn Personen rund um Kapitän Benjamin Spooner Briggs waren auf dem Seeweg von New York nach Genua. Knapp einen Monat später stiess ein Handelsschiff mitten auf dem Atlantik auf die verlassene «Mary Celeste». Das Schiff befand sich auf Kurs und war seetüchtig, schien aber absichtlich verlassen worden zu sein. Frisches Wasser und Essen für sechs Monate wurden gefunden, von der Besatzung fehlte aber jede Spur. Später wechselte die «Mary Celeste» in zwölf Jahren 17 Mal den Besitzer. Im Jahr 1884 wurde das Unglücksschiff bei einem missglückten Versicherungsbetrug vor Haiti versenkt.
Alle 50 Jahre spukt die «Lady Lovibond», die bereits am 13. Februar 1748 sank, vor der britischen Küste. Ihrem Untergang, den niemand überlebte, ging ein tragisches Ereignis voraus: Obwohl Seemänner früher glaubten, dass Frauen an Bord Unglück bringen, nahm Kapitän Simon Reed seine frisch geheiratete Braut mit aufs Schiff. Weil auch Crewmitglied John Rivers in sie verliebt war, ermordete er seinen Kapitän und steuerte die «Lady Lovibond» ins Verderben. Erstmals ist das Schiff im Jahr 1798 am Jahrestag des Dramas am Unglücksort wieder aufgetaucht. Ein Kapitän berichtete damals, dass er beinahe mit einem Segelschiff kollidiert sei, das wie aus dem Nichts erschien. Zuletzt wurde die «Lady Lovibond» am 13. Februar 1948 gesichtet. 1998 wurde nichts dokumentiert. 2048 könnte sich der Spuk fortsetzen.
«Alle Offiziere sind tot, auch der Kapitän. Wahrscheinlich sind alle tot. Ich sterbe.» Diesen SOS-Notruf sendete die «Ourang Medan» am 27. Juni 1927 ab. Am nächsten Tag wagten sich Männer der «Silver Star» auf das Dampfschiff. Sie fanden nur noch Leichen. Plötzlich brach im Laderaum ein Feuer aus und zwang die Rettungscrew zur Flucht. Kurz darauf explodierte das Geisterschiff, brannte aus und versank. Zehn Tage später berichtete der einzig Überlebende, der von der «Ourang Medan» fliehen konnte, von einer geheimen Ladung, die sie in China an Bord genommen hatten. Danach seien alle krank geworden. Man geht davon aus, dass es sich um Zyankali handelte. Doch niemand fand heraus, wohin das mysteriöse Schiff unterwegs war.
Die «Baychimo» wurde 1931 zum Geisterschiff. Der Frachter blieb im Oktober an der kanadischen Küste im Eis stecken. Die Crew konnte sich an Land retten, wo sie ein Lager zum Überwintern bauten. Nach einem schweren Schneesturm am 24. November war das Schiff plötzlich verschwunden. Gesunken war es nicht, denn es wurde mehrmals gesichtet und konnte sogar betreten, aber nicht abgeschleppt werden. Jahrzehntelang, zuletzt 1969, soll es immer wieder gesichtet worden sein. Eine Suchaktion im Jahr 2006 endete jedoch erfolglos.
Das Handelsschiff «Carroll A. Deering» brach am 2. Dezember 1920 zu seiner letzten Fahrt in Rio, Brasilien, auf und wurde erst am 31. Januar 1921 auf einer Sandbank vor Cape Hatteras bei North Carolina (USA) wiederentdeckt - 600 Kilometer von seinem ursprünglichen Kurs entfernt. Auf dem Herd stand noch gekochtes Essen, aber ausser den Schiffskatzen war niemand an Bord. Auch die Navigationsinstrumente, Rettungsboote und persönlichen Gegenstände der Crew waren verschwunden. Was war passiert? Gab es eine Meuterei oder wurde die Besatzung von Piraten entführt? Der Fall konnte nie geklärt werden, elf Leute blieben spurlos verschwunden.
Die wohl bekannteste Legende ist die des «fliegenden Holländers». Sie handelt von einem Kapitän, der dazu verdammt wurde, mit seinem Geisterschiff für immer über die Weltmeere zu segeln. Ohne jemals an Land anzulegen oder die Erlösung im Tod finden zu dürfen. Einige Erzählungen geben dem Verfluchten einen Namen. Davy Jones heisst er beispielsweise in den «Fluch der Karibik»-Filmen. Die Herkunft der Sage vom fliegenden Holländer ist nicht bekannt. Eine der bekanntesten Gestaltungen ist Richard Wagners gleichnamige Oper. Aber gab es ihn wirklich? Sein Schiff soll unzählige Male gesichtet worden sein. Es erscheint in der Luft schwebend oder taucht plötzlich aus den Tiefen des Meeres auf und kündet grosses Unglück an.