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Der Sachverwalter der ehemaligen Swissair (SAir Group) klagt gegen die Revisions-Gesellschaft KPMG. Er fordert 45 Mio. Franken zurück.
Die Zahlung ist umstritten, weil sie nur eine Woche vor dem Grounding erfolgt war.
Im Fall der Liquidation des ehemaligen Schweizer National Carriers Swissair (SAir Group) hat Sachwalter Karl Wüthrich eine erste Klage eingereicht. Sie richtet sich gegen die Revisionsgesellschaft KPMG. Wüthrich will 45 Mio. Franken zurück, die die SAirGroup kurz vor ihrem Grounding noch ausbezahlt hatte.
Ein gütliche Einigung mit der KPMG ist offenbar nicht zustande gekommen.
Die Klage richtet sich sowohl gegen die KPMG England als auch die KPMG Schweiz. KPMG-Sprecher Stephan Mathys bestätigte entsprechende Meldungen der "SonntagsZeitung" und der "NZZ am Sonntag".
Hätte Grounding mit dem Geld verschoben werden können?
Es handle sich dabei um eine Zivilklage am Handelsgericht und nicht um eine Verantwortlichkeitsklage, erklärte Mathys.
Brisant ist diese Zahlung auch deshalb, weil möglicherweise mit derselben Summe das Grounding zumindest am 2. Oktober 2001 hätte vermieden oder aufgeschoben werden können.
Ende September bezahlt, Anfang Oktober gegroundet
Für Beratungsleistungen im Grounding-Jahr 2001 wurden von der Swissair insgesamt 115 Mio. Franken bezogen. Im Gegensatz zu anderen Gläubigern hat die Swissair der KMPG alle Rechnungen bezahlt.
Für Beratungen erhielt sie 51 und für die Revision 26 Mio. Franken ausbezahlt. Umstritten sind aber Zahlungen Ende September 2001 von 17 Mio. (Dienstag, 25. September) und von 28 Mio. Fr. (Donnerstag, 27. September) an KMPG.
Am Dienstag darauf, am 2. Oktober, erfolgt dann bekanntlich das Grounding aufgrund der effektiv eingetretenen Illiquidität, als am Nachmittag in England die ersten Swissair-Flugzeuge festgehalten wurden.
Mit der Klage versucht der Swissair-Liquidator jene Honorare, die kurz vor der Nachlass-Stundung noch beglichen wurden, wieder der Liquidationsmasse zuzuführen.
"Nicht routinemässige Geldabflüsse"
Der KPMG wird vorgeworfen, sie habe als Revisionsfirma im vollen Wissen um die bevorstehende Zahlungsunfähigkeit der SAirGroup auf die Begleichung ihrer offenen Rechnungen gedrängt. Im Untersuchungsbericht von Ernst & Young ist die Rede von "nicht routinemässigen Geldabflüssen in wesentlicher Höhe" in den Tagen unmittelbar vor dem Grounding.
Aus welchen Gründen die Finanzchefin der SAirGroup, Jacqualyn Fouse, die Zahlungen an die KPMG freigab, habe nicht geklärt werden können, heisst es im Bericht von Ernst & Young weiter. Dieser Betrag hätte aber "mit hoher Wahrscheinlichkeit" ausgereicht, um zumindest am 2. Oktober 2001 das Swissair-Grounding zu verhindern.
Dieses ungeordnete Grounding Anfang Oktober hatte in der Schweiz enorme Werte vernichtet und dem Land einen riesigen Imageschaden beschert. So hatten die Grossbank UBS und die Swissair bezüglich der Liquiditätslage der Fluggesellschaft am Grounding-Tag entgegengesetzte Positionen.
Eine weitere Zahlung von Donnerstag, 27. September, könnte ebenfalls noch von Swissair-Sachwalter Wüthrich angefochten werden: Die 10 Mio. Franken, die Swissair an die Crossair – die heutige Swiss – überwies. André Dosé, bis vor kurzem Swiss-Chef, sass damals in der Geschäftsleitung von Swissair.
swissinfo und Agenturen
Fakten
24.4.2001: KPMG beginnt mit Revisions- und Beratertätigkeit für Swissair.
25.9.2001: KPMG erhält 17 Mio. Fr.
27.9.2001: KPMG erhält 28 Mio. Fr.
2.10.2001: Swissair groundet am Nachmittag.
Weitere Zahlung vom 27.9.2001: 10 Mio. Fr. an Crossair.
In Kürze
Swissair-Sachwalter Karl Wüthrich verlangt mit einer Klage 45 Mio. Franken Honorargelder von der Beratungs- und Revisionsfirma KPMG zurück.
Die Überweisungen wurden derart kurzfristig vor dem Grounding gemacht, dass der Verdacht aufkommt, KPMG habe als Revisor von Swissair um die bevorstehende Zahlungsunfähigkeit gewusst.
Möglicherweise hätte mit derselben Summe das Grounding zumindest abgeschoben werden können.
Das ungeordnete Grounding vom 2. Oktober 2001 hat der Schweiz enorme Werte vernichtet und einen riesigen Imageschaden zugefügt.