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Weshalb wird HCV selten sexuell übertragen
Eine Publikation in der Dezembernummer des J. Virol aus Madrid zeigt, dass ein sexualkontakt als sog. "Bottleneck" fungiert und verhindert, dass viele HCV-Viren übertragen werden. Dies dürfte zur Folge haben, dass das Immunsystem mit der Exposition so gut klar kommt.
Wir haben schon vermehrt darüber berichtet, dass die sexuelle Übertragung von HCV eine Rarität darstellt (vgl. Bericht vom 1.4.05). Wenn, dann kommt es vor allem vor bei der Übertragung durch Analverkehr und/oder während der akuten HCV-Infektion.
Vor ca. einem Jahr haben wir auch über ein interessantes Phänomen der cellulären Immunantwort bei nicht-infizierten Partnern von Patienten mit akuter HCV-Infektion berichtet (Bericht). Daraus kann abgeleitet werden, dass das HCV-Virus zwar während einem Sexualkontakt auf den Partner übertreten kann, dort aber keine Infektion auszulösen vermag.
Eine neue Untersuchung aus Madrid gibt eine mögliche Erklärung, weshalb es nach sexueller Exposition so selten zu einer chronischen Infektion kommt (Quer, 2005).
In dieser Arbeit wurde das HCV-Virus eines 28-jähriger Patient mit chronischer HCV Infektion über einen Zeitraum von 8 Jahren untersucht. Seine 26-jährige Partnerin hatte Im August 98 eine aktue HCV-Infektion. Die Frau hatte kurz zuvor eine Spirale entfernen lassen, ein Eingriff, nach dem es offenbar noch einige Tage zu Blutungen kam. Da sie zuvor regelmässig Blut gespendet hatte, konnte eine Serokonversion dokumentiert werden. In der nebenstehenden Abbildung ist der Verlauf der ALT (dickere Linie) und der HCV-RNA gezeigt. Die Frau hatte offenbar die Virusinfektion innert 8 Wochen überwunden. Sie blieb weiterhin virusfrei.
Nun haben die Autoren die Virussequenzen des Patienten über die 8 Jahre untersucht und mit denjenigen der Frau (Pfeil) verglichen. Dabei zeigte sich zunächst einmal, dass es sich um das gleiche Virus handelt. Doch die Vielfalt der Virussequenzen bei der Partnerin war verglichen mit dem chronisch infizierten Partner sehr klein. Offenbar war auch die Mutationsrate über die Zeit gemessen bei der Partnerin viel geringer als beim Mann.
Die Autoren fanden, dass bei der Partnerin nur ein einziges Virus aus der vielfalt der beim Partner vorhandenen Virenstämme (sog. Quasispecies) vorhanden war. Sie gehen davon aus, dass der sexuelle Übertragungsweg als "Flaschenhals" fungiert. Es werden kaum je, oder dann nur ganz wenige einzelne Viren übertragen. Offenbar wird das Immunsystem durch diese "singuläre" Infektion mit nur einem Virus nicht überlastet und kann sich in vielen Fällen so gut wehren, dass die Infektion überhaupt nicht zustande kommt (s. oben, zelluläre Immunantwort ohne Serokonversion), oder es kommt, wie in diesem Fall zur vorübergehenden Virämie, welche dann überwunden wird.