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Die Liegenschaft an der Wendolinsgasse in Möhlin stellte die Architekten von Bäumlin+John vor einige Herausforderungen: Nordseitig wird die Parzelle von einer Kantonsstrasse (‹Landstrasse›) umkurvt; im Südwesten grenzt sie an eine historisch bedeutsame Kapelle aus dem Jahr 1688, die im Verbund mit den umliegenden Bauern- und Wirtshäusern das Ortsbild prägt. Die Nähe zur Kapelle erforderte eine Kubatur, die entsprechend Mass hält. Man entschied sich deshalb für zwei 3-geschossige Mehrfamilienhäuser mit reduzierten Volumen. So behält die Kapelle ihre Prominenz, die beiden Neubauten fügen sich respektvoll dazu.
Aufgrund der Lärmsituation entlang der Landstrasse orientierten die Architekten die beiden Gebäude in Richtung der Kapelle. Alle zwölf Wohnungen haben ihre Hauptwohnseite also im Südwesten, die Treppenhäuser sind rückseitig (Landstrasse) untergebracht. Leicht versetzt zueinander angeordnet, bieten die beiden Häuser eine interessante Aussenraumsituation mit Spielflächen, Begegnungszonen und geschwungenen Wegen. Der Zwischenraum der Häuser wurde als Gasse ausgebildet: Er öffnet sich leicht konisch zur lärmabgewandten Seite und dient als Erschliessungsweg zu den Hauseingängen.
Weil von der Kantonsstrasse her keine direkte Zufahrt in die Einstellhalle möglich war, erfolgt diese nun via Wendolinsgasse. Über eine Rampe gelangen die Fahrzeuge in die im Untergeschoss gelegene Einstellhalle, welche die beiden Häuser miteinander verbindet. Von dort führen zwei Lifte zu den Wohnungen. In den Häusern sind jeweils vier 3,5-Zimmer-Wohnungen und zwei 2,5-Zimmer-Wohnungen (Dachgeschoss) untergebracht. Alle verfügen über einen überdeckten Aussenraum. Aufgrund des nach Süden abfallenden Geländes liegen die Wohnungen an leicht erhöhter Lage, teilweise mit Blick auf das nahe Landwirtschaftsgebiet und den Sonnenberg.
Die leichte Hanglage birgt aber auch Risiken: Weil die Erdgeschosse unterhalb der Landstrasse liegen, drohen bei starkem oder anhaltendem Regen Hochwasserschäden durch Oberflächenabfluss. «Dieses Risiko zeigte sich auf der ‹Gefährdungskarte Oberflächenabfluss› des Bundes», erklärt Philipp Waldmeier vom Büro Bäumlin+John. «Wir liessen deshalb entlang der Landstrasse eine Schutzmauer erstellen. Damit haben wir das Risiko gut im Griff.»
Bei der Gestaltung der Häuser orientierte man sich an den regionaltypischen Bauernhäusern: Beide Objekte wurden mit einem Satteldach aus Ziegel und mit Lukarnen ausgestattet, die Fensterumrandungen farblich hervorgehoben. Rückseitig prägt eine vertikal lamellierte Holzfassade im Eingangsbereich der Häuser das Erscheinungsbild. Passend zum Konzept der Bauernhäuser wurde zudem die Einfahrt zur Einstellhalle als Schopf ausgebildet. Der kleine Nebenbau ist – analog zu den Eingangsbereichen – mit vertikalen Holzlamellen verkleidet und enthält ostseitig einen Velocontainer. Damit steht er sinnbildlich für die ganze Überbauung, die das Traditionelle und das Moderne clever zusammenbringt.
Auftraggeber: JKB Immobilien AG
Baujahr: 2020