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Gabriela Montero spielt Tschaikowsky
Es ist ein Ohrwurm, ein Paradepferd für titanische Pianisten und fingerflinke Tastenvirtuosinnen, und es ist sozusagen zum Inbegriff der Gattung Klavierkonzert überhaupt geworden - Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert, sein erstes. Alle andern Klavierkonzerte scheinen in seinem Schatten zu stehen, zumindest wenn es um die Beliebtheit beim Publikum geht. Wobei das nicht immer so war: Tschaikowskys Freund Nikolaj Rubinstein, seinerseits ein gefeierter Pianist, fand das Konzert armselig und erachtete es gar als unspielbar. Tschaikowsky war niedergeschlagen, wie er seiner Mäzenin schrieb: «Mein Konzert sei wertlos, die Passagen seien so bruchstückhaft, unzusammenhängend und armselig komponiert, dass es nicht einmal mit Verbesserungen getan sei. Die Komposition selbst sei schlecht, trivial, vulgär.» Dieses Verdikt hatte prekäre Folgen: Niemand in Russland wollte Tschaikowskys erstes Klavierkonzert zur Uraufführung bringen, sodass es erst einmal in die USA emigrieren musste, wo es schliesslich in Boston am 25. Oktober 1875 unter des Komponisten Leitung erstmals erklang. Das Publikum war hingerissen. Natürlich ärgerte sich Rubinstein über diesen Erfolg und über sein Fehlurteil- und tat das einzig Richtige: Er lernte das Werk ebenfalls und trug es 1878 in Paris vor. Von dort aus trat es seinen unvergleichlichen Siegeszug rund um die Welt an; es wurde zu dem am häufigsten eingespielten Klavierkonzert und wird darin bis heute von keinem anderen übertroffen.