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20. November, 18:00-19:15 Uhr, Druckereihalle
Der Kapitalismus brauchte von Beginn an eine außerökonomische ideelle Triebfeder. Seine Ausbreitung hat der Soziologe Max Weber in seiner Studie Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus auf eine Wahlverwandtschaft religiöser Ethik und der dazugehörigen Berufsauffassung und Lebensführung zurückgeführt. Die Perspektive wurde ein Jahrhundert später von Luc Boltanski und Ève Chiapello wieder aufgegriffen. Im digitalen Zeitalter ist nun – so die Hauptthese des Vortrages – ein neuer, polytheistischer Geist des Kapitalismus entstanden, der im Silicon Valley geboren wurde. Dieser Geist ist ein transnationales Phänomen, das die digitale Transformation von Wirtschaft und Lebensführung antreibt und sich lokal auswirkt.
Der digitale Geist beruht auf einer Ethik der Solution, die die Welt zu verbessern vorgibt und eine metrische Lebensführung untermauert.
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Oliver Nachtwey
Oliver Nachtwey ist Professor an der Universität Basel und forscht zum Wandel der Arbeit und der gesellschaftlichen Modernisierung und ihrem Einfluss auf die Sozialstruktur. Ferner beschäftigt er sich mit dem Wandel politischer Repräsentation, Protesten und sozialen Bewegungen. In seiner jüngeren Forschung fokussiert er insbesondere auf die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung. Für sein Buch „Die Abstiegsgesellschaft. Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne“ erhielt Professor Nachtwey mehrere Preise. Seine Bücher und Aufsätze werden in zahlreiche Sprachen übersetzt.