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Roger Federer, Rafael Nadal, Naomi Osaka, Serena Williams - derzeit alle «Missing in Action»! Zu Beginn der kurzen spielfreien Phase stellt sich die Frage: Was bringt das nächste Jahr für die alternden Topstars sowie die mental bedrückte Naomi Osaka?
Roger Federer
Im März bei seinem letzten Comeback sagte Roger Federer, er habe das Gefühl, die Geschichte sei noch nicht zu Ende erzählt. Seither bestritt Federer nur 13 Einzel, wurde ein drittes Mal am Knie operiert und im August 40. Den nächsten Comeback-Versuch plant Federer für nächsten Sommer - wenn es die Gesundheit zulässt.
Im Magazin «Interview by Ringier» wünschte sich Roger Federer zuletzt, «dass ich den Moment für das Karrierenende selber wählen kann. Ich bin sicher, ich werde merken, wenn dieser Augenblick gekommen ist.»
Es ist gewiss damit zu rechnen, dass Roger Federer im Tennis präsent bleiben wird. Im besten Fall mit einer Abschieds-Tournee, sicher aber als Gesicht der von ihm lancierten Deluxe-Exhibition, dem Laver Cup. Wildcards für Turniere wird Federer so lange erhalten, wie er es ohne Rollator auf den Platz schafft.
Aber es ist nicht unbedingt damit zu rechnen, dass Federer noch um Turniersiege mitspielen wird. Federers grösstes Handicap im Titelrennen gegen Novak Djokovic und Rafael Nadal (alle 20 Grand-Slam-Titel aktuell): Anders als Nadal auf Sand oder Djokovic auf Hartplatz gibt es keine Unterlage mehr, in der Federer der Konkurrenz am Start einen Schritt voraus ist.
Rafael Nadal
Rafael Nadal (35) ist fünf Jahre jünger als Federer und deutlich näher am Comeback. Letzte Woche äusserte sich Nadal zu seinen Comeback-Plänen, nachdem er im Sommer seine Saison wegen einer Verletzung des linken Fusses abbrach. Nadal will im Dezember in Abu Dhabi wieder spielen: «Es gibt gute Tage und weniger gute Tage. Aber meistens fühle ich mich gut. Ich fühle mich so gut, dass ich mir schon wieder hohe Ziele setzen kann.»
Wenn Nadal gesund bleibt, kann er durchaus noch einen bis drei Grand-Slam-Titel holen - und dafür sorgen, dass Novak Djokovic in dieser Statistik nicht auf und davon zieht. Aber gesund zu bleiben, war für Nadal nie einfach. Seit seinem Debüt verpasste er 11 Major-Turniere. In Paris bleibt Nadal der Topfavorit, bis ihn dort jemand schlägt, wenn der Spanier in Vollbesitz der Kräfte ist.
Serena Williams
Wie Federer feierte Serena Williams im Spätsommer ihren 40. Geburtstag und humpelte zuletzt in Wimbledon ab dem Centre Court. Seit fast fünf Jahren (seit dem Australian Open 2017) befindet sich Williams auf der Jagd nach dem 24. Major-Titel, mit dem sie Margaret Courts Rekord egalisieren würde.
Aber Serena lässt sich nicht in die Karten blicken: Traut sie sich noch einen weiteren Grand-Slam-Titel zu? Oder konzentriert sie sich auf ihre anderen Geschäftsfelder und Aufgaben, die da sind: Mutter, Unternehmerin, Hausfrau, Fashion-Kennerin.
Der vierjährigen Tochter Alexis Olympia gehört im Leben von Serena Williams die absolute Priorität. Dennoch kann Williams seit Olympias Geburt auf eine stabile Präsenz im Tennis-Circuit zurückblicken. An 13 von 15 Major-Turnieren war sie dabei. Ob sie auch im Januar in Melbourne an den Start gehen wird, hängt primär an den Einreisebeschränkungen für sie und ihre Tochter ab.
Denn wegen Margaret Courts Rekord muss sie sich keine Gedanken machen. Die Australierin holte ihre 24 Titel von 1960 bis 1973 und den grössten Teil davon vor Beginn der Profi-Ära (ab 1968), als die Besten zu den Grand-Slam-Turnieren erst zugelassen wurden. Serena Williams ist im Tennis-Zirkus als erfolgreichster Athlet aller Zeiten (Männer UND Frauen) akzeptiert, seit sie Steffi Graf überflügelt hat. Die GOAT-Frage wie bei den Männern (Djokovic, Federer oder Nadal?) stellt sich bei den Frauen nicht mehr.
Naomi Osaka
Naomi Osaka ist erst 24, dennoch wartet auch auf sie eine problematische Rückkehr auf die Courts. Immerhin kam zuletzt von Osakas Instagram-Account eine gute Nachricht: Sie befindet sich im Training und ist bereit für eine Rückkehr nach einem Jahr voller Tumulte. Zuletzt ward Osaka am US Open, wo sie beim Ausscheiden in der 3. Runde einem mentalen Zusammenbruch nahe stand, auf einem Tennisplatz gesehen. Im Oktober schied die Japanerin aus den Top-10 aus, denen sie während 140 Wochen, viele davon als Nummer 1, angehört hatte.
2021 begann für Naomi Osaka mit dem Turniersieg am Australian Open perfekt. Aber spätestens in Roland-Garros, als sie sich weigerte, an Pressekonferenzen teilzunehmen und schliesslich aus freien Stücken aus dem Turnier ausstieg, wurde klar, dass ihre Tenniskarriere aus dem Ruder zu laufen droht. Es folgten Instagram-Postings aus exotischsten Gegenden mit dem Tenor: Sie habe das wahre Leben gefunden. Nur übernimmt im Leben von Tennis-Champions in der Regel der Tennissport die zentrale Rolle.
Osaka hatte schon vorher überrascht, beispielsweise Anfang 2019, als sie erstmals zur Nummer 1 aufstieg, dann aber Coach Sasha Bajin entliess, der sie von Platz 72 auf 1 geführt hatte. Ihrem Portemonnaie schadeten die Kapriolen auf und neben dem Platz übrigens noch nicht: Gemäss «Yahoo» verdiente Naomi Osaka im Geschäftsjahr 2020/21 rund 55,2 Millionen Dollar und damit 20 Millionen mehr als Serena Williams und zehnmal mehr als die dritte Grossverdienerin im Sport, die amerikanische Turnerin Simone Biles.