Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/1615

Pankreaskarzinom
Das Pankreaskarzinom – der Bauchspeicheldrüsenkrebs - ist ein hochaggressiver Tumor, der in der westlichen Welt die vierthäufigste Tumortodesursache darstellt, da er oft erst sehr spät entdeckt wird. Fast immer handelt es sich um Karzinome, die vom Pankreasgang ausgehen und sich zu 70% im Pankreaskopf befinden. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen und das Haupterkrankungsalter liegt zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr, wobei die Häufigkeit seit Jahren zunimmt.
Bei 20% der Erkrankten kann eine primär kurative Operation und eine daran anschliessende „adjuvante“ Chemotherapie durchgeführt werden. Weitere 20% der Fälle sind lokal fortgeschritten, sodass man eine neoadjuvante Chemotherapie – also vor der möglichen Operation – durchführen kann, um die Tumorlast zu reduzieren. Bei 60% der Patienten besteht eine palliative Situation, in der der Tumor über die Organgrenzen hinaus gewachsen ist und sich auf Nachbarorgane ausgedehnt hat, sodass eine symptomatische, sowie lebensverlängernde Therapie im Vordergrund steht.
Als Risikofaktoren sind Rauchen, Alkohol, Übergewicht und Genveränderungen bekannt. Alle diese Punkte können auch Entzündungsschübe auslösen und zu einer chronischen Pankreatitis führen, die mit einem bis zu 7-fach erhöhten Tumorrisiko einhergeht. Bei 1% der Diabetiker mit der Erstdiagnose vor dem 50. Lebensjahr findet sich nach 3 Jahren ein Pankreaskarzinom.
Es wird diskutiert, dass möglicherweise in 10% der Fälle eine familiäre Komponente vorliegt, wobei sich aber bei 80% dieser Patienten keine genetische Veränderung findet. Bei einem erstgradig Verwandten mit einem Karzinom, ist das Risiko gut 4-fach erhöht und bei zwei erstgradig Verwandten schon 6.5-fach.
Im Rahmen einer erblichen, chronischen Pankreatitis sind Genveränderungen bekannt – PRSS1, SPINK1 und CFTR – die das Karzinomrisiko 26-87-fach erhöhen. Auch im Rahmen eines Lynch-Syndroms, bei dem familiär gehäuft Kolonkarzinome aufgrund eines Gendefektes der DNA-Reparaturgene – MLH1, MSH2, MSH6 uns PMS2 – auftreten, kann ein 9-11-fach erhöhtes Pankreaskarzinomrisiko bestehen.
Insgesamt gibt es keine eindeutigen Empfehlungen bezüglich eines endosonographischen Vorsorgeprogrammes für das Pankreaskarzinom, sodass das Risiko jeweils individuell beurteilt werden muss. Grundsätzlich kann aber zu einer Alkohol- und definitiven Nikotinkarenz, sowie einer Gewichtsreduktion geraten werden.
Sollte es aufgrund des Tumorgeschehens zu einer Obstruktion der Gallenwege mit Ausbildung einer Gelbsucht kommen, haben wir schon in dem Kapitel Einfache und komplexe Stenteinlage die verschiedenen Optionen beschrieben. Eine weitere Komplikation des Pankreaskarzinoms ist eine palliative Tumorinfiltration mit Magenausgangs- oder Dünndarmstenose, die rezidivierendes Erbrechen verursacht.
In dieser palliativen Situation konnte bisher entweder ein Stent in den Bereich der Tumorstenose gelegt oder eine chirurgische Anastomose zwischen Magen und nicht befallenem Dünndarm geschaffen werden – chirurgische Gastroenterostomie. Nachteil des Stents ist die häufig wiederkehrende Stenose aufgrund einer erneuten Tumorinfiltration. Die chirurgisch angelegte Anastomose stellt die wesentlich invasivere Technik dar, sodass aktuell der Duodenalstent in den Leitlinien empfohlen wird.
Wir können als neue, minimal-invasive Technik eine Kombination aus diesen beiden Verfahren anbieten - die endosonographisch-gesteuerte Gastroenterostomie an. Sie kombiniert die jeweiligen Vorteile beider Techniken, indem es ein endoskopisches Verfahren ist und keine invasive Chirurgie stattfindet. Es wird ein Stent zwischen Magen und gesundem Dünndarm gelegt, sodass in diesem Bereich keine Tumorinfiltration stattfinden und die Nahrung problemlos passieren kann. Der Stent kann problemlos langfristig verbleiben, bei Bedarf aber auch gewechselt werden. Da es sich um ein schonendes Verfahren handelt, ist nur ein stationärer Aufenthalt von wenigen Tagen notwendig.
Mittlerweile gibt es auch erste, vergleichende Studiendaten, die zeigen, dass die EUS-geführte Anastomose besser funktioniert als ein klassischer Duodenalstent. Da dieses Verfahren nur in vereinzelten Kliniken der Schweiz angeboten wird, können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren und wir werden Ihnen die verschiedenen Optionen in unserer Sprechstunde aufzeigen. Grundsätzlich wird jeder Patient mit einem Pankreaskarzinom in einem interdisziplinären Tumorboard besprochen, um die bestmögliche Therapie festzulegen.