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27. November 2010: Auf der Auslaufrunde kracht Tony Jordan in Pascal Grosjean und überfährt ihn. Für den Westschweizer endet der Unfall tödlich. Kurz zuvor durfte der 39-Jährige noch über den Sieg jubeln.
Wie nah Freud und Leid sind, beweist der tragische Unfall von Pascal Grosjean (nicht verwandt mit Formel-1-Fahrer Roman Grosjean). Nach zwölf Runden überquert der Westschweizer beim Superbike-Rennen in Dubai als Erster die Ziellinie. Auf der Auslaufrunde drosselt der 39-Jährige sein Tempo, um den Sieg standesgemäss zu feiern. Zum grossen Unglück bemerkt der Drittplatzierte Tony Jordan die Tempo-Reduzierung aber nicht und kollidiert 300 Meter hinter der Ziellinie mit geschätzten 200 Stundenkilometern mit Grosjean.
Der zweitplatzierte Jason Burnside beschreibt die dramatischen Szenen folgendermassen: «Wir passierten gerade die Ziellinie und nickten uns Gratulationen zu, waren Seite an Seite. Als wir uns mit den Händen abklatschten, wurde er plötzlich abgeschossen.»
Die Strecken-Ärzte sind sofort zur Stelle und kümmern sich um die beiden Fahrer. Der aus Saint-Oyens im Kanton Waadt stammende Motorradpilot wird mit einem Helikopter in ein Spital gebracht. Dort kann man nur noch Grosjeans Tod feststellen. Der talentierte Yamaha-Pilot hatte in den letzten Jahren mehrere Meisterschaften der Superbike-Serie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gewonnen.
Von einem «Riesenverlust» spricht Carissa Crowley, Marketing-Managerin des Rennteam «Gros Gros», für das Grosjean fuhr. Crowley weiter: «Er war so interessiert in die Motorbike-Szene der VAE und hatte grosse Träume.»
So wollte er im Winter populäre Fahrer aus Europa mitfahren lassen, um dem lokalen Motorsport Schub zu geben. Grosjean hatte in der Stadt eine Rennfahrschule eröffnet und trainierte andere Töffpiloten aus der Region. Schon seine Eltern hatten Benzin im Blut. Sein Vater war Direktor des Schweizer Motorradverbands, seine Mutter fuhr selbst Töffrennen.
Hamish Brown, der Chef der Dubai Rennbahn, kondoliert im Namen der Rennleitung: «Wir sind tief getroffen vom Verlust und Hinscheiden von Pascal Grosjean und möchten unsere Trauer für die Familie und seine Freunde zum Ausdruck bringen.»
Unfallverursacher Jordan wird ebenfalls schwer verletzt und schwebt lange in Lebensgefahr. Der Brite wird später auf der gleichen Intensivstation behandelt, wo man Grosjean hinverlegt hat. Rennchef Brown spricht auch über das zweite Unfallopfer: «Unsere Gedanken und Gebete sind bei Tony und seiner Familie. Wir wünschen ihm alles Gute und hoffen auf rasche Besserung seines kritischen Zustands.»
Die Gebete werden leider nicht erhört. Tony Jordan stirbt nach fast zwei Jahren im Koma im Oktober 2012 ebenfalls an den Folgen der Unfallverletzung.
Der Automobilclub der Vereinigten Arabischen Emirate leitet wegen des Unfalls eine Untersuchung ein. Im April 2010 war bereits der belgische Rennfahrer Christophe Hissette auf der Strecke in Dubai getötet worden, als der Wagen des 29-Jährigen nach einem Crash in die Mauer in Flammen aufging. Gemäss den Ermittlungen traf die Veranstalter keine Schuld, es sei schlicht ein tragischer Unfall gewesen.