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Nancy Wilson war eine der grössten Jazzsängerinnen. Punkt.
Das steht nur scheinbar im Widerspruch dazu, wie sie sich selbst gesehen hat. Mag sein, dass mit dem zwielichtigen Image des Jazz gehadert hat. Sicher ist, dass die Selbstcharakterisierung als «Songstylistin» ihre Arbeit als Sängerin gut beschreibt.
Am 13. Dezember 2018 ist die dreifache Grammygewinnerin nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren gestorben.
Drei Alben für eine einsame Insel
Allein ihre Produktionen aus den 1960er-Jahren sichern ihr einen Platz im Jazzolymp. Um nicht in endlose Aufzählungen auszuarten, seien drei Platten herausgepickt, die man ohne zu zögern auf die berühmte einsame Insel mitnehmen könnte:
- «Nancy Wilson/Cannonball Adderley» von 1961
- «Today, Tomorrow, Forever» von 1964
- «Welcome To My Love» von 1967.
Wie messerscharf Nancy Wilson die Songzeilen phrasierte, zeigte sie im Zwiegespräch mit den Adderley-Brüdern exemplarisch in «Save Your Love For Me», Link öffnet in einem neuen Fenster.
Welche Tiefe sie in eine Ballade legen konnte, führt sie etwa in «The Good Life», Link öffnet in einem neuen Fenster vor, einem Titel von «Today, Tomorrow, Forever». Und wie souverän und cool sie einen Popsong neu erfinden konnte, beweist sie in «Ode To Billy Joe», Link öffnet in einem neuen Fenster im Arrangement von Oliver Nelson.
Als Sängerin verfügte sie neben ihrer charakteristischen dunklen Stimme über eine glasklare Diktion. Ihre Linien verzierte sie oft mit einem neckischen kleinen Vibrato.
Dazu wählte Nancy Wilson ihre Mitmusiker und ihr Repertoire gerade in den 1960er-Jahren mit grosser Sorgfalt aus. Cannonball Adderley oder Oliver Nelson sind stilbildende Jazzgrössen mit einem eigenen Sound. Neben solchen Ikonen vermochte sie zu bestehen.
Wilsons wichtigste Auszeichnung
Schon früh verlegte sie sich nicht einfach auf die Auswahl von Liedern aus dem sogenannten Great American Song Book, die Jazzstandards. Wilson wählte gezielt auch Pop- und Soulnummern aus, mit denen sie dann auch etwas anzufangen wusste.
Wenn es dafür einen Beleg brauchte, so wäre ihre Produktion «R.S.V.P. (Rare Songs, Very Personal)» zu nennen, für die sie – einmal mehr in ihrer langen Karriere – 2005 einen Grammy für das beste Jazz-Vocal-Album bekam.
Im selben Jahr erhielt sie eine Ehrentafel auf dem International Civil Rights Walk of Fame in Ehrung ihrer Verdienste für das Civil Rights Movement. «Das bedeutet mir mehr als alles andere, was ich je bekommen habe», bedankte sich Nancy Wilson dafür.
Das zeigt, wie wichtig ihr politisches Engagement für die Rechte der Schwarzen in den Vereinigten Staaten von Amerika war.