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Seine musikalische Laufbahn begann er als Orchestermusiker in Barmen und Elberfeld (heute Wuppertal). Danach wurde er jüngster Militär-Kapellmeister der k.u.k. Armee. In Wien spielte er in der Kapelle seines Vaters, und über verschiedene Stationen in der Monarchie arbeitete er sich vor bis zum Nachfolger seines Vaters. Diese Karriere führte ihn nach Pola, Triest, Budapest und von 1899 bis 1902 nach Wien.
Wien wurde zu seiner Wahlheimat, und dank einigen großen Erfolgen konnte er bald ausschließlich von seinem kompositorischen Schaffen leben und verschrieb sich dabei ganz der Operette. Schon mit seinen beiden Erstlingswerken Wiener Frauen und Der Rastelbinder galt er als der kommende Mann der Operette. Mit dem Welterfolg der Lustigen Witwe (1905) setzte er sich endgültig an die Spitze der damaligen Operettenkomponisten. Bald schlossen sich in den nächsten Jahren weitere Erfolgsstücke an: Der Graf von Luxemburg, Zigeunerliebe und Eva.
Als in den 1920er Jahren dann die bis dahin „alte“ Operette in der Publikumsgunst zunehmend der Revue weichen musste (auch hier probierte sich Lehár mit einer Revuefassung der Lustigen Witwe mit Fritzi Massary), verabschiedete sich auch Lehár von dieser heiteren Kunstform. Seit Paganini verzichtete er auf das bisher übliche Happy-End und setzte auf opernhaftes Sentiment und Pathos. Die Tenorpartien dieser letzten Operetten, wie Das Land des Lächelns oder Der Zarewitsch schrieb er großteils für Richard Tauber. Seine letzte Operette Giuditta, die er als „musikalische Komödie“ bezeichnete, wurde dann tatsächlich auch 1934 in der Wiener Staatsoper uraufgeführt. Das „Hohe Haus“ versprach sich mit dieser von Lehár lange ersehnten Aufführung auch eine finanzielle Gesundung.
Privat war er sehr eng mit Giacomo Puccini befreundet und ließ sich auch durch dessen Opern inspirieren (wie umgekehrt auch Puccini von Lehár zu seiner Operette Die Schwalbe angeregt wurde, die allerdings kein Erfolg war). Lehár komponierte selbst vier Opern („Rodrigo“ sowie „Kukuschka“ oder „Tatjana“ zu Beginn seiner Laufbahn, später „Die Gelbe Jacke“ und „Garbonciás“, eine Umarbeitung der „Zigeunerliebe“, als letztes Bühnenwerk). Neben Operetten schrieb er noch zwei symphonische Dichtungen, zwei Violinkonzerte, Filmmusik, Lieder, Tänze und Märsche. Todesanzeige Im Lauf der Jahre zu beträchtlichem Wohlstand gekommen, erwarb Lehár im Jahr 1931 das Schikaneder-Schlössl in Wien-Nußdorf, das bereits Emanuel Schikaneder besessen hatte.
Seine Villa in Bad Ischl, in der er im Sommer gern komponierte, vermachte er der Stadt mit der Auflage, daraus ein Lehár-Museum zu bilden. Aus dem Komponistenanteil für Aufführungen seiner Werke in Österreich sollte ein Lehár-Fonds gebildet und die Einkünfte desselben zur Unterstützung unverschuldet in Not geratener alter Menschen verwendet werden. Jedoch sollten keine jungen Talente mit Hilfe dieses Fonds gefördert werden, da, so schrieb Lehár, wahres Talent sich von selbst durchringe und er nicht wünsche, dass dadurch Kunstdilettantismus großgezogen werde.