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North Carolina ist das Tor zum traditionellen Süden der USA, die Kulisse für viele beliebte Fernseh- und Filmproduktionen von «Der letzte Mohikaner» über «Dirty Dancing» bis zu «Dawson’s Creek» und ein echter Geheimtipp für Liebhaber endlos langer Sandstrände, weitläufiger Dünenlandschaften und malerischer Dörfer. Die US-Bundesstaaten North- und South Carolina gehörten zu den ältesten Kolonien Grossbritanniens in Nordamerika. Der britische König Karl II. gründete im Jahre 1663 die nach seinem Vater Karl I. benannte Besitzung Carolina. Da sich der Norden und der Süden jedoch recht unterschiedlich entwickelten, wurde die Kolonie im Jahre 1729 in eigenständige Provinzen geteilt. Während South Carolina durch Filme wie «Fackeln im Sturm» und «Der Patriot» den meisten ein Begriff ist, gehört North Carolina noch immer zu den echten Geheimtipps in den USA, obwohl auch hier einige grosse Serien und Filme gedreht wurden.
Den US-Serien- und -Filmstars auf der Spur
«Welcome to Wilmywood», so begrüsst uns Spiel Stevenberg, unser Tourguide durch Wilmington, einer kleiner Hafenstadt im Südosten North Carolinas. Er wirkt auf den ersten Blick wie ein leicht verschrobener Regisseur, daher passt sein Alias perfekt zu ihm. Seit sieben Jahren macht er regelmässig Hollywoodtouren durch seine Heimatstadt Wilmington und führt Movie-Fans zu den Drehorten bekannter Filme und quotenstarker Serien. Die Filmindustrie, die Mitte der 80er Jahre nach Wilmington kam, stellt heute einen wichtigen Faktor für den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt dar. Wilmington ist inzwischen nach Hollywood und New York das drittgrösste Zentrum der US-amerikanischen Filmindustrie. Und so findet man hier die Drehorte von David Lynchs Film «Blue Velvet», der TV-Serie «Matlock», «Iron Man III» mit Robert Downey Jr. oder «We are the Millers» mit Jennifer Anniston.
Dass Filmfans jedoch auch von weither extra in die Stadt am Cape Fear River pilgern, ist vor allem der Serie «Dawson’s Creek» zu verdanken. Die Geschichte handelt von Dawson Leery, einem 15-jährigen Filmfreak, und seinen Problemen mit dem Erwachsenwerden. Seine beste Freundin ist die gleichaltrige Josephine «Joey» Potter, gespielt von der noch blutjungen Katie Holmes, die er seit frühester Kindheit kennt und mit ihr aufgewachsen ist wie Bruder und Schwester. Die Probleme beginnen, als Joey sich hoffnungslos in Dawson verliebt. Schon die erste Staffel begeisterte 6,6 Millionen Zuschauer, per Episode. Die Cape Fear Memorial Bridge Wilmington wurde fast zu so etwas wie dem Symbol der Serie. Aber auch das Water Street Restaurant, der Riverfront Park, die University of North Carolina Wilmington oder «Hell’s Kitchen» waren Filmlocations. Der «Dawson’s Creek»-Hipe hat inzwischen zwar etwas nachgelassen, die letzte Staffel lief 2003, doch längst folgten andere Serien wie «One Tree Hill», die die Stadt in Atem hält. Spiel Stevenberg kennt sie alle und hat zu jeder eine kleine Anekdote bereit. Auf der Hollywoodtour kommt man zudem an kleinen Restaurants und Bars vorbei, und nicht selten sieht man dort den einen oder anderen Filmstar sitzen. Robert Downey Jr. soll beispielsweise häufiger in der Stadt zu sehen sein und Spiel Stevenberg kennt natürlich auch sein Stammlokal.
Die Geschichte des legendären Piraten Blackbeard
Mit den USA verbindet man gerne Cowboygeschichten. Ein jeder kennt Winnetou und Old Shutterhand, doch die wenigsten wissen, dass auch Piraten hier ihr Unwesen getrieben haben. Und das vor allem vor der Küste North Carolinas. Mit der Filmreihe «Fluch der Karibik» hat das Genre des Piratenfilms weltweit wieder Hochkonjunktur erlangt. Und im vierten Teil, «Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten», spielen der berüchtigte und gefürchtete Pirat Blackbeard und sein Schiff, die «Queen Anne’s Revenge», eine wichtige Rolle. Der echte Blackbeard erwarb sich zwischen 1716 und 1717 bei wiederholten Beutezügen auf Schiffe und Küstenregionen der Westindischen Inseln und der atlantischen Küste von Nordamerika wegen seiner angeblichen Grausamkeit einen finsteren Ruf. Viele Legenden haben Blackbeard romantisiert und er wurde zum Thema von Romanen, Spielfilmen und Berichten. Sein Schiff wurde 1996 nahe dem Küstenstädtchen Beaufort wiederentdeckt und wird seitdem von Archäologen ausgegraben. Erst letztes Jahr wurde der Anker von Blackbeards berüchtigter «Queen Anne’s Revenge» aus dem Atlantik geborgen. Das 1400 Kilogramm schwere Stück ist mit weiteren Fundstücken aus der Piratenzeit (unter anderem dem Schwert des Freibeuters) im Maritime Museum Beaufort zu bestaunen. Zudem gibt das Museum einen Einblick in das Leben auf dem Schiff des schwarzbärtigen Piraten.
Rund um die Stadt ranken sich einige Geistergeschichten. Im «Hammock House», dem ältesten Haus der Stadt, hatte nicht nur Blackbeard sein Hauptquartier, sondern hier spuken auch seine Opfer und gefallene Soldaten.
Voller skurriler und gruseliger Geschichten steckt auch der alte Friedhof, der Old Burying Ground, etwa über den Kapitän, der unter der Kanone seines Schiffes «Snapdragon» begraben liegt, den englischen Soldaten, der nur stehend beerdigt werden wollte, um seiner Majestät der Königin auch noch im Tode Ehre zu erweisen, das Mädchen, das in einem vollen Fass Rum bestattet wurde, oder die erfrorene Besatzung des Schoners «Crissie Wright». Die schaurige Vergangenheit von Beaufort können Besucher bei einem geführten «Ghost Walk» erkunden, welcher gerade wenn es dunkel wird besonders schaurig wird.
Strandidylle und Wildpferde
Beaufort ist mit 13’000 Einwohnern die grösste Stadt des Low Country mit einem Tiefseewasserhafen. Trotzdem wirkt sie mit ihren klassischen Südstaatenvillen und den typischen Schaukelstühlen auf den hölzernen Verandas wie ein kleines verschlafenes Küstenstädtchen. Die Crystal Coast und die Outer Banks locken mit menschenleeren Stränden und Dünen auf der Atlantikseite, mit Küstenwäldern und feuchten Marschen an der Pamlico Sound zugewandten Westseite. Eine Reihe von Leuchttürmen auf den vorgelagerten Inseln sind heute vielbesuchte Ausflugsziele, früher sollten sie Schiffsunglücke verhindern, von denen es in vergangenen Zeiten viele gab. Rund 1000 Schiffswracks sind allein vor den Outer Banks lokalisiert worden.
Die Outer Banks sind nur im Norden von Devil Hills über eine Brücke mit dem Festland verbunden, doch es gibt einige Fährverbindungen zur knapp 56 Meilen langen Inselgruppe der Cape Lookout National Seashore. Hier kann man einen ruhigen Tag mit dem Beobachten von Vögeln, Angeln, Wandern, Fahrradfahren verbringen. Die meisten der Inseln sind unbesiedelt, verfügen weder über Strassen noch Hotels, dafür kann man an jener Stelle stehen, an der sich die Gebrüder Wright zum ersten Mal in die Lüfte erhoben. Auf der Insel Shackleford gibt es zudem noch wilde Pferde (Bank Ponies). Es sind die Nachfahren der spanischen Mustangs, die vor mehr als 400 Jahren hier Schiffbrüche überlebten. Und beim Anblick der durch das seichte Wasser galoppierenden Pferdeherden kommt man sich vor wie in einem der schönsten Naturfilme – kein Wunder, dass so viele Regisseure sich North Carolina als Filmlocation aussuchen.