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Im rumänischen Märchen «Die Katze» merkte die Kaiserin, dass sie schwanger war, als sie einen goldenen Apfel ass, der von einem Baum der Mutter Gottes gestohlen worden war. Diese verfluchte das Mädchen, das die Kaiserin gebären würde: Es sollte so schön wie die Sonne sein, aber im siebzehnten Jahr in eine Katze verwandelt werden und so lange Katze bleiben, bis ein Kaisersohn dieser Schwanz und Kopf abschlage. Dann könne sie mitsamt ihrem Gesinde wieder Mensch werden. Mit ihrer grossen psychologischen Erfahrung und Menschenkenntnis geht MARIE-LOUISE VON FRANZ jedem Motiv der reichen Erzählung nach und macht klar, welch schwierigsten Gefahren der Held ausgesetzt ist und welche Aufgaben er zu erfüllen hat, bis die Katze endlich erlöst ist. Diese, als Schatten der Jungfrau Maria interpretiert, wird als wunderschönes Mädchen zu einem auch die Körperlichkeit einschliessenden, umfassenden Symbol eines Frauseins und einer Weiblichkeit, die eine echte und gefühlvolle Beziehung zwischen Mann und Frau möglich macht. Eine Entwicklung, die im Mittelalter mit der höfischen Liebe begann, dann aber steckenblieb, wird vom Märchen weitergeführt und steht heute als neue Aufgabe für beide Geschlechter vor uns.