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Prävention
Problematisches Spielverhalten hat ernsthafte psychologische,
soziale und ökonomische Konsequenzen. Verglichen mit anderen
Formen der Abhängigkeit ist das Spielproblem im Moment eher
unbekannt und wird von den Medien wenig thematisiert, vor allem
weil es verglichen mit anderen Abhängigkeiten wenig offensichtliche
Anzeichen oder Symptome gibt. Folglich ist es wichtig, die Spieler
und deren Umgebung auf Signale und Risiken exzessiven Spielverhaltens
aufmerksam zu machen und die Bevölkerung breit zu informieren.
Die Schweizerische Gesundheitsbefragung schätzt, dass 29%
der Bevölkerung regelmässig spielen (einmal pro Woche);
davon macht exzessives Spielen 12,7% aus: Problemspielen 9,3% und
pathologische Spielen 3, 4%.
- Kinder & Jugendliche
- Erwachsene
- Senioren
Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer Gesellschaft auf,
wo Spielmöglichkeiten allgegenwärtig und leicht zugänglich
sind. Sie scheinen vermehrt Probleme mit Videospielen (Computer,
Konsolen), Internet und Glücksspielen zu haben. Obwohl man
zuerst dachte, Probleme mit Glücksspielen betreffe nur Erwachsene,
zeigen neuere Studien, dass auch Jugendliche ähnliche Probleme
aufweisen. Trotz einem gesetzlichen Zugangsverbot zu verschiedenen
Spielformen für Minderjährige scheint es, dass sie durch
die Probleme genauso betroffen sind.
Die zunehmende Internetnutzung der Jugendlichen (Chats, Surfen)
wirft neue Fragen für die Gesundheitsverantwortlichen auf.
Einige Forscher sprechen von "Internetabhängigkeit"
im Zuge einer unkontrollierten Internetnutzung, einer Erhöhung
der Nutzung und wegen der Unfähigkeit aufzuhören, auch
wenn diese Aktivität zu einer Vernachlässigung der Familie,
der Freunde, der Arbeit oder schulischer Verpflichtungen führt.
Die Gefahr der Internetnutzung liegt in ihrer freien Zugänglichkeit
und der multiplen Möglichkeiten, die sie bietet. Der Zugang
von zu Hause aus ist leicht. ... Man ist nicht mehr verpflichtet,
das Haus zu verlassen und andere Personen zu treffen.
Andererseits bietet Internet oft eine andere Realität und
erlaubt eine Anonymität, die psychologisch wünschenswert
sein kann.
Videospiele (an einer Konsole oder am Computer, alleine oder im
Netz) sind heute sehr beliebt und eine Mehrheit der Jungen spielen
solche Spiele, ohne dass dadurch ein spezifisches Problem entstehen
würde. Videospiele können auch die Lesefähigkeit
und positive Erfahrungen fördern. Das Verhalten kann eine Aktivität
wie jede andere sein, aber eine exzessive Nutzung kann einer normalen
Entwicklung und dem emotionalen Zustand der Jugendlichen abträglich
sein und kann zu einem Realitätsverlust führen. Die negativen
Konsequenzen des Videospiels betreffen Individuen, die auf eine
exzessive Art und Weise spielen. Für Individuen mit einem moderaten
Spielverhalten bleiben die schädlichen Effekte zweitrangig,
sind zeitlich begrenzt und können sich spontan durch eine Verminderung
des Spielens lösen (Wenn du daran interessiert bist, ob du
exzessiv spielst oder nicht, zögere nicht, den Spieltest auszufüllen).
Obwohl die Probleme der Jugendlichen in der Bevölkerung,
unter den Eltern und den Jungen wenig bekannt sind, können
die damit verbundenen Konsequenzen schwerwiegend sein. Der Unterbruch
einer normalen Beziehung mit der Familie und Freunden ist eine häufige
Konsequenz eines problematischen Spielverhaltens. Auswirkungen auf
die mentale Gesundheit oder sogar schulische oder finanzielle Schwierigkeiten
müssen berücksichtigt werden. Zudem belegt die Forschung
eine Verbindung zwischen Spielproblemen und Substanzkonsum (nach
Cardinaux & Imhoff 2005).
Senioren
Eine kürzlich veröffentlichte epidemiologische Studie
(Rihs, 2005) zeigt, dass 46% der regelmässigen Spieler älter
als 55 Jahre sind, was 615'905 Personen in der Schweiz entspricht.
Diese Altersgruppe scheint anfälliger für ein häufiges
Spielverhalten zu sein. Die Alberta Alcohol and Drug Abuse Commission
(2000) zeigt, dass viele Leute nach ihrer Pensionierung anfangen
zu spielen. Studien unterstreichen, dass Spielen die Langeweile
und die Einsamkeit bei älteren Menschen vertreibt; als Folge
der Pensionierung vermindern sich ihre Aktivitäten und sie
verlieren sukzessive auch ihre Freunde, Nachbarn, Brüder, Schwestern
oder Ehepartner, was ihre Gewohnheiten modifiziert; diese Verluste
akkumulieren sich je älter die Person wird und haben soziale
und psychologische Auswirkungen.
Sehr schnell finden sich ältere Leute in einer Situation,
wo sie jede Woche spielen und wo sie Spielen als einen zunehmend
wichtigen Teil ihres Lebens betrachten. Ältere Menschen, die
regelmässig spielen, geben an, dass sie es tun um sich zu entspannen,
Spass zu haben, um auszugehen, Zeit zu verbringen und weil sie sich
langweilen (McNeilly & Burke, 2000). Auch andere Studien weisen
auf die besondere Vulnerabilität älterer Menschen hin;
nach McNeilly & Burke (2001) etabliert sich ein pathologisches
Spielverhalten viel schneller bei älteren Menschen als bei
jungen Erwachsenen. Gerstein et al. (1999) erwähnen, dass die
eingesetzten Summen mit dem Alter ansteigen. Mendez et al. (2000)
heben hervor, dass das Vorhandensein von kognitiven Defiziten wie
einer fortgeschrittenen Demenz einen wichtigen Risikofaktor darstellen
(exzessive Teilnahme an Lotterien).
Problemspielen bei älteren Leuten ist ein wichtiges Problemfeld.
Hat es sich einmal etabliert, ist das Bedürfnis nach Hilfe
gross. Ein kleiner monetärer Verlust kann wichtige finanzielle
und rechtliche Auswirkungen haben. Selbst wenn eine Person nicht
arm ist, ist das Einkommen trotzdem fix, limitiert und sie kann
nicht arbeiten um die durch das Spielen entstandenen Verluste zu
ersetzen. Die Verarmung ist nicht die einzige Konsequenz eines pathologischen
Spielverhaltens: Isolation und der körperliche und psychische
Verfall dürfen nicht unterschätzt werden (Minore, 2005).