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Rüebli, Popcorn und Champagner soll man bereithalten, um die Oscar-Nacht gut zu überstehen, war zu lesen. Nun: Tee tut's auch. Alleine trinken macht keinen Spass und Alkohol braucht es wirklich nicht, um DAS Showbizz-Spektakel des Jahres lustig zu finden. Zu schade, wenn die zahlreichen schlagzeilenträchtigen Sinn- und Unsinn-Sätze aus Hollywood einen Streuverlust hätten.
Die Nacht mit Oscar ist eine amüsante. Das heisst, vor allem die Rote-Teppich-Show davor: «Ich bin gespannt, wie sie aussehen werden, ich bin sicher, sie werden super aussehen!», sagt Ex-Germany's-next-Topmodel-Gewinnerin Sara Nuru zu Beginn der Pre-Show auf ProSieben. Eine Aussage, die sogleich getoppt wird von Red-Carpet-Host Steven Gätjen: «Der Teppich ist rot und voll und alle kreischen.» Danke, Steven, für diese Info.
Vielleicht hätte er auch die Oscar-Nominierte Maggie Gyllenhall auf die Lärmkurve (Starlet-Star-George Clooney) auf dem roten Teppich hinweisen sollen: Sie unterbrach das Interview mitten im Satz, als ein besonders heftiges George-Clooney-Kreischgewitter losbrach: «Somebody really important must have been arrived.» Leider gab's für ihre Leistung in «Crazy heart» später keinen Oscar, deshalb kriegt sie von mir wenigstens einen Sympathie-Award für dieses Statement.
Der Zicken-Award geht an die amerikanische Moderatorin und Schauspielerin Sherri Shepherd. Vor ihr stehen George Clooney und ... Moment ... Elisabetta Canalis. Gut, dass man den Namen der aktuellen Clooney-Gespielin nicht gerade auf Anhieb auf der Zunge trägt, ist verständlich. Aber dass man sie gleich ganz vergisst und komplett ignoriert? Sherri feuert ihre Fragen und Charme-Attacken mit voller Inbrunst Richtung Clooney.
George, Gentleman, versucht, nach ein paar Minuten seine Elisabetta ins Licht zu rücken. Worauf Sherri zu Elisabetta, die doppelt so gross und doppelt so dünn ist: «You don't mind if I'm just interested in George, do you?» Jetzt, Elisabetta, gib ihr Saures! Dein Auftritt! Stille. Lächeln. Sherri zu George: «She doesn't mind!» George: «You're wrong. She doesn't speak english. If she did, she would have scratched your eyes out.» Elisabetta schnurrt weiter wie ein zufriedenes Kätzchen, während Sherri gackert. Hollywood, wie wir's mögen!
Mein Tee ist ausgetrunken. Ich sitze auf dem Trockenen. Bevor ich mich aufmachen kann, um Flüssignahrung zu holen, läuft Moderator Steven Gätjen zur Höchstform auf. Man muss ihm wirklich ein Kränzchen winden! Er hat sich oscar-verdächtig vorbereitet: Hält für alle die richtigen Fragen bereit und für Sandra Bullock - die später unter Tränen ihren ersten Oscar als beste Hauptdarstellerin entgegen nimmt - sogar ein persönliches Geschenk!
Gummibärchen, die er ihr verschwörerisch zusteckt, die aber sofort in den grossen Händen ihres Ehemannes Jesse James verschwinden. «He knows me!», entschuldigt sich Sandra. Sie, Gummibärchen kauend auf den Oscar wartend, wäre ihm wohl etwas unangenehm gewesen. Und sowieso: Von Fremden nimmt man keine Süssigkeiten entgegen! Und vor allem nicht von SOLCHEN Fremden: «Sandra mag Gummis. ‹Gummibärchen› muss ich natürlich sagen.»
Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir. Dabei könnte man sogar noch anfügen: «Und Sandra mags deftig.» Sie gestand nämlich, dass sie gleich nach der Show einen Burger und Fritten essen müsse, weil sie so hungrig sei. Ihr Magen derweil ein eigenes Kreischkonzert veranstaltete. Essen! Gute Idee! IHR Kleid muss noch sitzen, meine Pyjama-Hose nicht.
Und bevor ich also aufsteh, um mir definitiv was aus dem Kühlschrank zu holen für die weitere Oscar-Nacht, wird das Programm sowieso unterbrochen. «Die Oscar-Verleihung 2010 wird Ihnen präsentiert von der Partnervermittlung für Akademiker und Singles mit Niveau.» Moment! Ich stelle mir eben diese Zielgruppe vor, die versucht, sich dank der niveauvollen Interviews («Was für ein Kleid tragen Sie? Wer wird gewinnen? Danke!») zu bilden (hier wird Geschichte geschrieben!) und bei Ausrutschern Richtung Stil-Hölle vom versöhnlichen Gedanken getröstet wird, dass unter den Millionen Zuschauern sicher auch noch ein anderer akademischer Single mit Niveau-Siegel sitzt.
Und deshalb meldet man sich gleich bei dieser Vermittlung und 2011 wird die Oscar-Verleihung dann von einem Windelhersteller «für Eltern mit Niveau» präsentiert.
Jetzt brauch ich doch ein Glas Champagner.
Song: Madonna «Hollywood».