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Schilddrüsenkrebs gehört mit knapp 800 Neuerkrankungen pro Jahr in der Schweiz zu den eher seltenen Karzinomen. Es trifft häufig auch jüngere Menschen, dabei gehäuft Frauen. Beim Schilddrüsenkarzinom sind im Allgemeinen die Heilungschancen sehr gut.
Die normalerweise rund 20 Gramm leichte, schmetterlingsförmige Schilddrüse liegt im vorderen Halsbereich etwas unter dem Kehlkopf und schmiegt sich mit ihren beiden Lappen an die Seiten der Luftröhre an. Die Drüse bildet und speichert die wichtigen Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Diese Hormone regulieren den Stoffwechsel, aber auch Wachstum und kognitive Fähigkeiten.
Zusätzlich produzieren bestimmte Zellen der Schilddrüse, die C-Zellen, das Hormon Kalzitonin. Dieses ist bei der Kalzium Regulation des Körpers beteiligt, hat hier aber nur eine untergeordnete Bedeutung.
Schilddrüsenkrebs kann von verschiedenen Zellen der Schilddrüse ausgehen und die Krebszellen können unterschiedlich differenziert sein, was Einfluss auf ihr Wachstumsverhalten hat. Danach richtet sich die Einteilung von Schilddrüsenkrebs, die wiederum bestimmt, welche Therapien sinnvoll sind und mit welchem Verlauf der Krankheit zu rechnen ist:
Diese beiden häufigsten Formen von Schilddrüsenkrebs sind meistens sehr gut behandelbar.
Warum Schilddrüsenkrebs entsteht, hat die Forschung noch nicht ganz herausfinden können. Fest steht, dass die Bestrahlung an Kopf-/Halsbereich, sowie ionisierende Strahlung Risikofaktoren für das papilläre Schilddrüsenkarzinom darstellen und dass hier auch eine familiäre Komponente besteht. Die meisten papillären Schilddrüsenkarzinom treten jedoch spontan auf.
Zudem besteht ein Zusammenhang zwischen familiärer Belastung und dem medullären Schilddrüsenkarzinom. Allerdings trifft das nur auf fünf Prozent der an dieser Schilddrüsenkrebsform Erkrankten zu. Sie können ein so genanntes MEN-Syndrom II aufweisen. Das ist ein Defekt auf dem Chromosom 11, der in Verbindung steht mit der Bereitschaft an manchen Hormondrüsen Tumoren zu bilden. Wird in einer Familie ein medulläres Schilddrüsenkarzinom diagnostiziert, sollten sich Verwandte deshalb auf diesen Gen-Defekt vorsorglich untersuchen lassen.
Der wichtigste Risikofaktor für das Schilddrüsenkarzinom ist ionisierende Strahlung, wie sie etwa bei einer Atomkraftwerk-Katastrophe freigesetzt wird. Unbestritten steigt die Zahl von Schilddrüsenkrebs bei Kindern, die nach einem Reaktorunfall Strahlung ausgesetzt waren. Auch medizinische Strahlentherapie kann Zellen der Drüse zu Krebsentwicklung anregen, wenn dabei die Schilddrüse durch die Strahlung mitbetroffen war.
Anfangs, wenn der Tumor noch klein ist, kommt es kaum zu Anzeichen. Mit dem Wachsen können Symptome auftreten, die sich durch die Lage der Drüse an Luft- und Speiseröhre erklären. Denn der Krebs kann bei Wachstum Druck auf diese Organe verursachen. Selten kommt es auch zu Druck oder Infiltration bedingte Schädigung der Stimmbandnerven. Die häufigsten Symptome sind demnach:
Leider sind diese Beschwerden aber sehr unspezifisch und können auch bei einer gutartigen Schilddrüsenvergrösserung auftreten.
Jedes dieser Symptome sollten Sie von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abklären lassen. Nach ausführlicher Anamnese, wobei auch nachgefragt wird, ob in Ihrer Familie bereits schon einmal Schilddrüsenkrebs aufgetreten ist, werden wir Sie zuerst manuell untersuchen, also die Schilddrüse und die Halslymphknoten abtasten.
Um den Verdacht aufzulösen oder im Gegenteil zu bestätigen und weitere Details über den vorliegenden Schilddrüsenkrebs zu erfahren, eignen sich mehrere Untersuchungsmethoden:
Sollte sich im Bluttest der Verdacht auf eine Überfunktion der Schilddrüse ergeben, kann zur weiteren Abklärung eine Szintigraphie eingesetzt werden. Letztere kann Aufschluss darüber geben, ob Areale in der Schilddrüse bestehen, die sich verselbstständigt haben und nicht mehr auf die Signale des Hirns hören. Bei Gesunden sorgt das Hirn über Hormonausschüttung (TSH) dafür, dass die Schilddrüsenhormonproduktion dem Bedarf des Körpers entspricht.
Ist der Bluttest (TSH-Wert) unauffällig, entscheidet die Ultraschalluntersuchung, ob eine Punktion des krebsverdächtigen Knotens sinnvoll ist. Dabei entnehmen wir mit einer feinen Nadel Zellen aus dem Knoten, die anschliessend sorgfältig unter dem Mikroskop untersucht werden. In den meisten Fällen schenkt die Schilddrüsen-Punktion Gewissheit.
Ist das Ergebnis positiv, handelt es sich um ein Schilddrüsenkarzinom, ist es negativ, handelt es sich um einen gutartigen Knoten und es kann eine Ultraschallkontrolle geplant werden. Manchmal kann aber auch durch eine Feinnadelpunktion keine Diagnose gestellt werden. Vor allem bei follikulären Neubildungen lässt sich damit nicht entscheiden, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt. In diesem Zweifelsfall empfehlen wir den Knoten zu entfernen. Bei der nachfolgenden Prüfung des gesamten Knotens (Histologie) lässt sich Bösartigkeit von Gutartigkeit sicher unterscheiden.
Haben die Untersuchungen und Tests ergeben, dass tatsächlich ein Schilddrüsenkarzinom mit hoher Wahrscheinlichkeit vorliegt, werden die Ergebnisse an unserem interdisziplinären Tumorboard besprochen. Hier wird das Ausmass der Operation festgelegt. Liegt dann die definitive Histologie vor, entscheidet das Board ebenfalls über die weiteren therapeutischen Schritte.
Spezielle Präventionsmassnahmen, die dabei helfen, eine Krebserkrankung der Schilddrüse zu vermeiden, gibt es nicht. Auch zur Vorbeugung von gutartigen Knoten gibt es keine speziellen Verhaltensweisen ausser dem Nikotinverzicht. In der Schweiz ist die Iodversorgung über das Speisesalz gewährleistet. Dies verhindert ein Iodmangel-bedingtes Wachstum der Schilddrüse.
Nutzen Sie beim kleinsten Verdacht die Möglichkeit, einen entstehenden Tumor so früh wie nur möglich zu erkennen. Ultraschall und/oder Tastuntersuchung liefern erste Verdachtsmomente. Mit einem einfachen Bluttest lässt sich überprüfen, wie die Schilddrüse arbeitet.
Falls in Ihrer Familie bereits Schilddrüsenkrebs aufgetreten ist: Lassen Sie bitte testen, ob es sich um ein medulläres Schilddrüsenkarzinom handelt und ob die entsprechende Genveränderung vorliegt. Bestätigt sich dieser Verdacht, sollte sich die gesamte Familie auf diesen Gendefekt untersuchen lassen.
Und wichtig für alle, die als Kind oder Jugendlicher eine Bestrahlung durchführen mussten: Lassen Sie bitte Ihre Schilddrüse regelmässig untersuchen, ob sie sich verändert hat.
Ausschlaggebend ist, in welchem Stadium der Schilddrüsenkrebs entdeckt wurde und um welche Form es sich dabei handelt.
Jede körperliche Erkrankung kann auch mit psychischen Belastungen verbunden sein. Diese kann sich unter anderem in Sorgen, Anspannung, Gedankenkreisen oder Schlafstörungen zeigen und den Behandlungsverlauf erschweren. Falls Sie oder Ihre Angehörigen den Wunsch nach psychiatrisch-psychologischer Beratung und Unterstützung haben, stehen Ihnen unsere Fachleute im USZ gerne zur Verfügung.
Bei Verdacht auf Schilddrüsenkrebs aufgrund der Feinnadelpunktion steht zuerst die Operation an. Ob nur die Hälfte- oder die gesamte Schilddrüse entfernt werden muss, hängt von Faktoren wie der Grösse des Befundes und von Hinweisen auf besonders aggressives Wachstum in der Feinnadelpunktion ab. Zudem kann es notwendig sein, dass im Ultraschall festgestellte auffällige Lymphknoten am Hals ebenfalls punktiert und mitentfernt werden müssen. In einigen Fällen sind neben der Operation keine weiteren Massnahmen notwendig und es beginnt die Nachsorge mit sonographischen und laborchemischen Kontrollen. Für Schilddrüsenkarzinome mit einem erhöhten Risiko kann eine Radioiodgabe nach der Operation notwendig sein.
Insgesamt zeichnet sich bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs ab, dass sie individuell geplant und durchgeführt wird. Ist der Tumor kleiner als ein Zentimeter (Mikrokarzinom), kann in manchen Fällen der Tumor erst mal nicht behandelt, aber engmaschig beobachtet werden, etwa mit Ultraschall.