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Kopten,
[* 2] ein Volksstamm in
Ägypten,
[* 3] die christlichen Nachkommen der alten Ägypter. Während sie in Unterägypten
vor der
Zeit der mohammedanischen
Eroberung nicht unvermischt geblieben sind, haben sie sich in
Mittel- und Oberägypten, ihrem Hauptverbreitungsbezirk,
ziemlich rein erhalten, wiewohl es scheint, daß schon in den
Adern der alten Ägypter, wie wir aus Abbildungen
ersehen, besonders in den niedern
Klassen, Negerblut rollte. Sie zeigen in ihrer Körperbeschaffenheit noch den altägyptischen
Typus: eine breite, meist niedrige
Stirn, schwarzes, leicht gekräuseltes
Haar,
[* 4] eine meist gerade, scharf geschnittene
Nase,
[* 5] dazu
Augen, welche von länglichem
Schnitt, aber groß und immer von merkwürdig strahlendem
Schwarz sind.
Die Hautfarbe wechselt von Gelblich bis
Braun (s. Tafel
»Afrikanische
Völker«,
[* 6] Fig. 6 u. 7). Auch der
Name der
Kopten wird am
¶
mehr
besten vom griechischen Aigyptos abgeleitet, was am deutlichsten wird, wenn man die arabische Bezeichnung der
Kopten, nämlich
Ghubt oder Ghibt, daneben hält. Ein weiteres Zeugnis für die Abstammung der
Kopten von den alten Ägyptern ist ihre Sprache,
[* 8] die auf das engste mit dem Altägyptischen verwandt ist (s. Koptische Sprache). Zur Zeit der arabischen
Eroberung war das Koptische Landessprache, während daneben bei den höhern Ständen das Griechische in Gebrauch war; seitdem
ist ersteres allmählich aus dem Volksleben verschwunden, indem mit den Arabern auch die arabische Sprache herrschend wurde.
Indes war es noch zwei Jahrhunderte nach der Eroberung unter den Eingebornen fast im alleinigen Gebrauch und im 10. Jahrh. noch vorherrschend. Der arabische Geschichtschreiber Makrisi berichtet sogar noch aus dem Anfang des 15. Jahrh., daß in Oberägypten Frauen und Kinder fast nur koptisch redeten. Mit dem Überwuchern des Arabischen verschwand diese uralte Sprache, und heute hat sie als Volkssprache gänzlich aufgehört und fristet nur noch als Kirchensprache ein kümmerliches Dasein.
Außer der Sprache erinnern noch manche Sitten der an die alten Ägypter, so die Beschneidung, welche sie keineswegs von den
verhaßten Mohammedanern angenommen haben. Die
Kopten, früher die Hauptbevölkerung des Landes bildend, sind jetzt wenig zahlreich
(etwa 500,000); in Unterägypten gibt es nur vereinzelte Gemeinden, deren stärkste (10,000 Seelen) in
Kairo
[* 9] sich findet. Westlich vom Nildelta sind sie in den Klöstern an den Natronseen ansässig. In Mittelägypten, namentlich
im Fayûm, sind sie zahlreicher. Zwischen Nil und Rotem Meer liegen die uralten
Koptenklöster des heil. Antonius und des heil.
Paulus. - Die Geschichte der
Kopten seit der arabischen Invasion besteht aus einer fast ununterbrochenen Reihe
von Bedrückungen, Ungerechtigkeiten und Verfolgungen und ist auf vielen Seiten mit Blut geschrieben.
Erst seit Anfang des 19. Jahrh. genießen sie Duldung. Durch die jahrhundertelange Bedrückung
wurden auch Charakter und Sinnesart, Bildung und Erziehung dieses Volkes bedingt. Sie sind von finsterer
Gemütsart, mißtrauisch und verschlossen, habsüchtig und geldgierig im höchsten Grad, falsch und heuchlerisch, je nach
den Umständen entweder kriechend und unterwürfig oder trotzig, hart und herrisch. Die Erziehung und Bildung, welche die
Kopten besitzen,
erhalten die Knaben in den Gemeindeschulen, in denen Auswendiglernen der Bibel,
[* 10] der liturgischen Gebete
und Rechnen betrieben wird; die Mädchen erhalten keinerlei Ausbildung.
Die geringen Kenntnisse genügen, um die als Schreiber, Rechnungsführer, Steuerbeamte anzustellen; sonst sind sie Kaufleute, Handwerker oder Gewerbtreibende, Fälscher von Antiquitäten, und nur wenige widmen sich dem Gelehrtenstand, um hin und wieder eine unbedeutende Schrift in koptischer Sprache abzufassen. In den meisten Klöstern existieren große koptische Bibliotheken, allein die Manuskripte haben weniger durch ihren Inhalt (biblischer und kirchlicher Art) als durch ihr Alter Wert.
Die koptische Kirche hat sich aus den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart unverändert erhalten. Charakteristisch für sie
sind die Verewigung des Althergebrachten, ein stumpfes, geistloses Sichgehenlassen in den altgewohnten
Formen der Lehre
[* 11] und des Kultus und eine tiefe sittliche Verkommenheit. Dabei nimmt diese Kirche eine sektiererische Sonderstellung
ein und zeichnet sich durch Feindseligkeit gegen andre christliche Gemeinschaften aus. Das Christentum der
Kopten ist jenes der
Monophysiten oder Eutychianer, jener Sekte, welche
im 5. Jahrh. entstand.
Nur ein kleiner Teil der
Kopten ist mit der römischen oder griechischen Kirche uniert, während die Masse als jakobitische
Kopten eine
selbständige Stellung einnimmt. Das oberste Haupt der Kirche ist der Patriarch, der in Alexandria residiert, den Titel Mutran
el Iskandrijeh (Metropolit von Alexandria) führt und als Nachkomme des Evangelisten Markus angesehen wird.
Mit letzterm beginnen die
Kopten auch die Zählung ihrer Patriarchen bis zu dem 1870 ernannten Patriarchen Markos, welcher der 112. in der
Reihe ist.
Der Patriarch wird durch das Los unter neun Mönchen des Antoniusklosters bestimmt. Der nächste im Rang ist der Abuna von Abessinien, der in Gondar residiert und vom koptischen Patriarchen ernannt wird. Es folgen dann zwölf Bischöfe, die gleichfalls aus den Mönchen gewählt werden. Über die innern Zustände der koptischen Kirche genaue Nachrichten zu erhalten, ist bei dem verschlossenen Wesen des Volkes nicht leicht. Die Kirchen sind meist schmutzig, in vernachlässigtem Zustand und wenig auf Teilnahme der Gemeinde am Gottesdienst berechnet, bei welchem der Priester die Hauptrolle spielt.
An der Feier des Abendmahls beteiligt sich die ganze Gemeinde, es findet häufig statt und hat mehr die Form der Liebesmahle;
Brot
[* 12] und Wein werden gemischt mit einem Löffel verabreicht. Die Priester werden als rohe, ungebildete und
der Trunksucht ergebene Leute geschildert, unter deren Herrschaft dem Volk alles lebendige Christentum abhanden gekommen ist,
so daß jetzt strenge Fasten und verschiedene abergläubische Gebräuche, das Tragen von Amuletten, welche die Kirche weiht,
Opfer und ein sehr ausgebildeter Marienkultus den Hauptinhalt des kirchlichen Lebens ausmachen. Versuche, die
Kopten zu einer andern christlichen Kirche hinüberzuziehen, scheiterten bisher und haben auch bei dem sektiererischen Dünkel
des Volkes wenig Aussicht auf Erfolg.
Vgl. Makrizi, Geschichte der
Kopten (hrsg. und übersetzt von Wüstenfeld, Götting. 1845);
Butler, The ancient churches of Egypt (Oxf. 1885, 2 Bde.);
weitere Litteratur bei Ägypten, S. 223 u. 230.