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| Athanasius (295-373) - Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii)

22. Kapitel.
[S. 712] Fürs erste nun müssen wir einsehen, daß die Dämonen1 nicht so geschaffen sind, weshalb sie Dämonen heißen; denn Gott hat nichts Schlechtes gemacht; vielmehr sind auch sie gut gewesen; aber sie stürzten aus dem Reiche der himmlischen Weisheit, trieben sich auf der Erde herum und täuschten die Hellenen durch ihre Erscheinungen, auf uns Christen aber sind sie neidisch und setzen alles in Bewegung, da sie uns auf unserem Weg zum Himmel hindern wollen, damit wir nicht dahin gelangen, woher sie selbst herabgestürzt sind. Daher ist eifriges Gebet und Askese nötig, damit man, wenn man durch den Heiligen Geist die Gabe der Unterscheidung der Geister erhalten hat, ihre Art erkenne; damit man wisse, welche von ihnen weniger böse sind, welche schlechter, mit welcher Aufgabe sich jeder von ihnen besonders eifrig beschäftigt, wie jeder von ihnen verscheucht und vertrieben werden kann. Denn vielfach sind ihre Listen und ihre lauernden Bewegungen. Der selige Apostel und seine Nachfolger wußten all dieses, wenn sie sagen: "Wir kennen ihre Gedanken sehr gut".2 Wir aber müssen einander durch die Versuchungen, die wir von den Dämonen erduldet haben, aufrichten. Ich, der ich zum Teil die Probe mit ihnen gemacht habe, rede deshalb wie zu meinen Kindern.
1: Vgl. Herzog-Hack a.a.O. Bd. 4 S. 408 ff. BZ Generalregister S. 91.
2: 2Kor 2,11.