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Wächst die Schweiz vor allem in die Breite?
- Introduction Executive summary | Positions of economiesuisse
- Chapter 1 Ausgangslage
- Chapter 2 Rückblick auf die letzten Dekaden der Wirtschaftsentwicklung der Schweiz
- Chapter 3 Wie vergleicht man die Wirtschaftsleistung von Ländern?
- Chapter 4 Die Fakten: Wächst die Schweiz vor allem in die Breite?
Rückblick auf die letzten Dekaden der Wirtschaftsentwicklung der Schweiz
Mit wenigen Rückschlägen ist die Schweizer Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten stetig gewachsen. Das eindeutig schwächste Jahrzehnt waren dabei die 1990er-Jahre, wie in Abbildung 1 leicht ersichtlich ist. Die schwache Entwicklung hatte sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Gründe. Gegen Ende des stürmischen Wachstums der 1980er-Jahre stieg die Inflationsrate stark an. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) reagierte, indem sie die Zinsen erhöhte und die Geldmenge für heutige Verhältnisse drastisch reduzierte. In der Folge platzte zu Beginn der 1990er-Jahre die Immobilienblase. Das brachte etliche Banken in Schieflage, weil sie Abschreibungen auf ihrem Immobilienportfolio tätigen mussten. Insgesamt schrieben die Banken bis 1996 etwa 60 Milliarden Franken ab. Dann gesellte sich ein weiterer belastender Faktor hinzu: Am 6. Dezember 1992 lehnte das Schweizer Stimmvolk den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ab. Die erhoffte Belebung des relativ abgeschotteten Binnenmarkts blieb aus. In der Folge konnten zwar gewisse wirtschaftspolitische Reformen etwa im Wettbewerbs- oder Binnenmarktrecht umgesetzt werden. Allerdings blieben diese Reformen im Vergleich zum EWR-Beitritt Stückwerk. Das Abseitsstehen vom europäischen Binnenmarkt schaffte wirtschaftspolitische Unsicherheit und machte den Wirtschaftsstandort Schweiz weniger attraktiv für in- und ausländische Unternehmen. Die Netto-Direktinvestitionen sanken stark ins Negative. Das Wachstum wurde zudem durch eine restriktive Fiskalpolitik belastet, die erforderlich war, um das hohe Defizit der öffentlichen Hand zu reduzieren.
Unterschiede zur Zuwanderung der 1990er-Jahre
In Bezug auf die Zuwanderung können die 1990er-Jahre nicht mit dem heutigen Regime verglichen werden. Während die Personenfreizügigkeit zwischen den EU-Mitgliedstaaten damals zunehmend gelebt wurde, steuerte die Schweiz die Zuwanderung nach wie vor über eine Kontingentierung. Obwohl sie auch in den 1990er-Jahren insgesamt ein Zuwanderungsland blieb, veränderte sich die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung stark. So verliessen sehr viel mehr Spanier und vor allem Italiener die Schweiz, als aus diesen Ländern zuwanderten. Demgegenüber stieg die Zuwanderung aus den Ländern Ex-Jugoslawiens infolge des Krieges stark an. Schliesslich wurden die Bilateralen I im Jahr 2000 vom Schweizervolk gutgeheissen und auf den 1. Juni 2002 in Kraft gesetzt. Der Marktzugang verbesserte sich deutlich, und seither wird nur noch die Zuwanderung von Arbeitskräften aus Drittstaaten mit Kontingenten geregelt, im Verhältnis zur EU gilt die Personenfreizügigkeit. Der Regimewechsel übte gerade auf das Qualifikationsniveau der zugewanderten Personen einen grossen und positiven Einfluss aus: Während die Mehrheit der zugewanderten Personen aus den EU-/Efta-Staaten bis 2002 keinen oder einen Sekundarschule-II-Abschluss aufwiesen, verfügt die Mehrheit in der neueren Zeit über einen Tertiärabschluss.
Mit der Jahrtausendwende kehrte das Wachstum zurück
Seit 2000 wächst die Schweizer Volkswirtschaft, allerdings mit Rückschlägen. Gleich zu Beginn traf die Dotcom-Krise die Weltwirtschaft und liess auch die Schweiz nicht unberührt. Im Zuge der Finanzmarktkrise 2008/09 brach das BIP geradezu ein. 2011 sorgte die Euro-Krise für eine starke Aufwertung des Frankens, 2015 hob die SNB die Wechselkursuntergrenze zum Euro auf und der Franken erstarkte rapide. 2020/21 folgte die Corona-Krise und 2022 marschierte Russland in der Ukraine ein. Krisen wurden von der Ausnahme zur Regel und trafen die Schweizer Volkswirtschaft in kurzen Abständen. Doch diese Krisen wurden mit Ausnahme der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze zum Euro 2015 nicht durch die Schweizer Politik ausgelöst, sondern trafen die Schweiz, das europäische Ausland oder gar die gesamte Weltwirtschaft mehr oder weniger gleich stark.
Dieser kurze Abriss zeigt: Die Schweizer Wirtschaftspolitik der 1990er-Jahre unterscheidet sich stark von derjenigen der nachfolgenden Jahrzehnte. Gerade die Zuwanderungspolitik erfuhr mit der Einführung der Personenfreizügigkeit mit der EU eine drastische Veränderung. Um die Frage zu beantworten, ob die Schweiz vor allem in die Breite oder stark auch qualitativ wächst, sollten die 1990er-Jahre daher nicht berücksichtigt werden. Wir beschränken die Analyse deshalb zweckmässiger auf den Zeitraum ab dem Jahr 2000.