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Entstehungsgeschichte der Postschiffroute: Die Anfänge von Hurtigruten
Als der Schifffahrtspionier Richard With im Jahr 1893 die erste Postschifffahrt entlang der norwegischen Küste unternahm, war er sich vielleicht nicht darüber im Klaren, dass dies das Leben der Bewohner dieser Region für immer verändern sollte.
Alles Begann mit Fisch
Unsere Geschichte beginnt im späten 19. Jahrhundert mit den reichen Fischgründen entlang der Nordküste Norwegens. Hier wurden große Mengen an Hering, Heilbutt und Kabeljau gefangen, die nach Südnorwegen transportiert werden mussten, um die ständig wachsende Nachfrage in Südeuropa zu decken.
Die 1.250 Seemeilen lange Strecke von Bergen nach Kirkenes war jedoch von gefährlichen Riffen, kleinen Inseln und engen Buchten gesäumt. Nördlich von Trondheim gab es nur 28 Leuchttürme. Außerdem existierten nur zwei Seekarten für dieses Gebiet, was das Fahren bei Nacht zu einem riskanten Unterfangen machte.
Darüber hinaus war der Schiffsverkehr mit Dampfern und Einmastern ausgesprochen unzuverlässig und erfolgte nur sporadisch, sodass man sich nur langsam und mühsam fortbewegen konnte. Allein der Versand eines Briefes von Trondheim nach Hammerfest dauerte damals etwa drei Wochen; im Winter konnten es sogar bis zu fünf Monate sein.
Die norwegische Regierung strebte eine Lösung dieses Problems an. Im Jahr 1891 wurden Schifffahrtsunternehmen aufgefordert, Vorschläge für den Betrieb einer staatlich genehmigten Route zwischen Trondheim und Tromsø oder Hammerfest einzureichen, die auch nachts befahrbar sein sollte. Es wurde kein einziger Vorschlag eingereicht.
Im darauffolgenden Jahr unternahm die Regierung einen erneuten Versuch, doch die beiden wichtigsten Schifffahrtsgesellschaften der damaligen Zeit zeigten keinerlei Interesse. Aber wo andere sich scheuten, nahm ein Mann die Herausforderung an: Kapitän Richard With.
Der Vater der Postschiffroute
Kapitän Richard Bernhard With wurde 1846 in Stokmarknes als Sohn eines Handelsschiffkapitäns geboren. Schon sein Vater hatte sich als Berater der Stadt Tromsø bei der Anschaffung ihres ersten Handelsschiffs einen Namen gemacht. Der junge Richard sollte in die Fußstapfen seines Vaters treten, jedoch in weitaus größerem Rahmen.
Als junger Mann arbeitete Richard With als Steuermann auf Handelsschiffen. Später wurde er in Risøyhamn sesshaft, heiratete und übernahm die dortige Handelsniederlassung, um von der boomenden Heringsfischerei zu profitieren. Während dieser Zeit erkannte er schnell den wachsenden Bedarf für einen Ausbau des Schiffsverkehrs in der Region.
Im Herbst 1880 begann With mit einem neuen Projekt, um Kapital für die Gründung einer Dampfschifffahrtsgesellschaft zu beschaffen. Im November 1881 war es so weit und seine neu gegründete Reederei nahm den Betrieb auf – mit einem einzigen Schiff und ihm als Kapitän. Innerhalb von drei Jahren war er in der Lage, zwei weitere Schiffe zu erwerben und damit Handelsrouten zwischen Bergen und den Lofoten zu etablieren.
Der Weg ist vorgezeichnet
Zusammen mit Anders Holte, einem erfahrenen einheimischen Seemann, machte er sich daran, die norwegische Küste zu kartieren. Ihre Bemühungen ermöglichten die genaue Erfassung nautischer Informationen und die Entwicklung eines Systems, das die sichere Navigation entlang der Küste erst möglich machte.
Der gewiefte Geschäftsmann With heuerte erfahrene Kapitäne an, die das von Holte entwickelte System nutzen konnten, um die Küstengewässer bei nächtlicher Dunkelheit zu befahren und so bei jeder Fahrt wertvolle Zeit zu sparen, während seine Konkurrenten schliefen.
Diese Informationen verhalfen Kapitän With im Jahr 1892 zum entscheidenden Vorsprung bei der Ausschreibung einer neuen staatlichen Postschifflinie. Dies war die Geburtsstunde der „hurtigruten“ (norwegisch für „die schnelle Route“).
Die schnelle und zuverlässige Verbindung half den lokalen Fischern und ermöglichte es Unternehmen aus der Region, ihre Fänge in den Süden zu verschiffen und weltweit zu exportieren. Diese revolutionäre Neuerung ermöglichte die Entwicklung anderer Industrien und sorgte im ganzen Land für mehr Wohlstand.
Es dauerte nicht lange, bis die schnelle und zuverlässige wöchentliche Verbindung zu einer täglichen wurde. Außerdem wurde die Strecke im Süden bis nach Bergen und an der russischen Grenze bis nach Kirkenes verlängert. Mit jedem weiteren Meilenstein wurden neue Schiffe in die Flotte aufgenommen und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.
With ging als Schiffskapitän in Pension und war bis 1909 Geschäftsführer des Unternehmens. Er genoss landesweit ein hohes Ansehen und erhielt den königlich norwegischen Orden des heiligen Olav als Ritter 1. Klasse – „eine Auszeichnung für besondere Verdienste um Norwegen und die Menschheit“.
Es erfüllt uns mit Stolz, den Pioniergeist unseres Gründers bis heute fortzusetzen. Sein Vermächtnis dauert immer noch an – mit derselben Leidenschaft und derselben Hingabe wie damals.