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Jeder, der Sprachen liebt, findet in der Arbeit bei einem Übersetzungsdienstleiter seinen Platz. Da täglich verschiedene Arten von Texten vorkommen und dann in unterschiedlichen Sprachkombinationen übersetzt werden, ist es ein richtiger Ort um sein Interesse für Sprachen am Arbeitsplatz weiterzuentwickeln und Nuancen der Sprachen zu beobachten.
Oft übersetzen wir intuitiv, im Wissen um die Bedeutung unserer Übersetzung für die Zielleserschaft. Doch jede Übersetzerin und jeder Übersetzer weiss, dass häufig das was am einfachsten erscheint, weil es uns in der Ausgangssprache völlig klar ist, in der Übersetzung eine Herausforderung darstellen kann. Es sind so eine Art „unübersetzbare Wörter“.
Einige dieser Wörter wollen wir uns heute ansehen.
In der Meinung vieler Linguisten stammt das schwierigste Wort zum Übersetzen aus dem Kongo. Es handelt sich um ilunga, den Begriff, der eine Person bezeichnet, die eine Beleidigung zum ersten Mal verzeihen, zum zweiten Mal dulden, zum dritten Mal aber nicht mehr tolerieren kann.
Sehr populär ist ebenfalls der japanische Begriff tsundoku, der eine uns allen allzu gut bekannte Situation bezeichnet, wenn man viele Bücher oder ein anderes Lesematerial zwar sehr liebevoll kauft, um dieses aber ohne zu lesen, beiseite zu legen und zu Hause zu stapeln.
Wie kann man solche Wörter in anderen Sprachen richtig wiedergeben?
Der „einfachste Weg“, nach dem in diesem Artikel bereits vorgegangen wurde, ist die Situation oder die Umstände zu umschreiben und auf etwas Bekanntes in der Zielsprache zu fokussieren.
So kann man auch yuanfen wiedergeben: es ist ein wichtiges und sehr populäres Wort in China, das eine buddhistische Abstammung hat. Dieser Begriff wird im alltäglichen Leben, insbesondere im Kontext von Liebesbeziehungen benutzt. Es bedeutet die schicksalshafte Begegnung zweier Menschen, indem sich ihre Wege immer wieder kreuzen. Er widerspiegelt die Überzeugung, dass diese Leute füreinander bestimmt sind. Eine glückliche Fügung könnte ein Vorschlag für das Deutsche sein.
Eine andere Möglichkeit ist das Wort direkt zu übernehmen und es dann beispielsweise mit einem Adjektiv zu präzisieren. So funktioniert das Wort Wasabi mit dem Zusatz „japanischer Meerrettich“ im Polnischen als chrzan japoński wasabi.
Nicht immer muss die/der ÜbersetzerIn in gleicher grammatischer Kategorie bleiben. Ein gutes Beispiel dafür ist russische pochemuchka, ein Substantiv, das eine Person bezeichnet, die allzu viele Fragen stellt. Dieser Begriff lässt sich aber leicht mit einem Adjektiv inquisitive oder zusätzlich mit dem Adverb „besonders neugierig“ wiedergeben.
Zusätzlich ist die deutsche Sprache flexibel genug, um Komposita zu bilden. Somit sind uns allen bekannte Zusammensetzungen entstanden wie: Verschlimmbessern, Schadenfreude, die auch direkt im englischen Sprachraum übernommen wurde oder Torschlusspanik.
Oft weisen diese unübersetzbaren Wörter auf etwas skurrile Situationen hin:
Beispielsweise das schottische Substantiv tartle - er beschreibt die Situation, wenn eine Person jemandem eine andere Person vorstellen möchte, indem aber Moment, peinlicherweise, ihren Namen vergisst. Pardon my tartle!
Viele unübersetzbare Wörter beziehen sich auf Empfindungen. So sprechen Franzosen über dépaysement, ein Gefühl das spürbar ist, wenn man nicht in seiner Heimat lebt, und fühlt, als ob man zum jetzigen Ort gar nicht gehöre und sich nicht orientieren könne. Also eine Art Fremdsein.
Italiener hingegen geben mit dem Verb commuovere den Zustand einer starken emotionalen Empfindung wieder, die zu Tränen rührt.
Manche Wörter sind auch mit Geselligkeit verbunden:
So funktioniert im Polnischen das Wort poprawiny als eine Bezeichnung für eine traditionelle Nachfeier, die am nächsten Tag nach der Hochzeitfeier stattfindet. Man „verbessert“/ (Verb: poprawiać) die Freude, die man ein Tag davor hatte.
Oder das spanische Wort sombremsa, das die Zeit nach einem gemeinsamen Essen bezeichnet, in der man zusammen am Tisch sitzen bleibt und in angenehmer Atmosphäre die Unterhaltungen fortsetzt.
Ist es nicht spannend wie viele Wörter es gibt, die zwar etwas bezeichnen was uns gut vertraut ist, wofür es in unserem Muttersprachen keinen Ausdruck dafür gibt?
Allein sich dies bewusst zu machen, bereichert uns und öffnet uns für andere Kulturen. Etwa wie beim fyllekäk (Schwedisch: Fastfood, das man nach einer Party, oft mitten in der Nacht auf dem Heimweg isst…)
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