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Der stetige Fortschritt der technischen Hilfsmittel ermöglichte immer feinere Auswertungen der erhobenen Daten und erweiterte die Fähigkeit, eine immer grössere Datenmenge zu bewältigen. 1993 wurde die lokale Herdebuchführung in den Genossenschaften fakultativ, da das Herdebuch zentral und national für die gesamte Rasse Braunvieh in Zug geführt wurde.
Zur Förderung der Rasse unterstützte der Verband den Embryotransfer innerhalb der Gezielten Paarung sowie die Erste Schweizer Original Braunvieh-Ausstellung SOBA (1989). Auch bei der Gründung der Schweizerischen Braunvieh-Jungzüchtervereinigung 1992 half der Verband unterstützend mit.
Im selben Jahr, nach einer Kürzung der Bundesbeiträge, wurden die Kontrollintervalle bei der Milchwägung von 30 auf 34 Tage verlängert. Dies ermöglichte eine teilweise entsprechende Kostenreduktion.
Um die Attraktivität einer Mitgliedschaft zu verbessern, wurde 1996 das Konzept «Herdebuch à la carte» eingeführt. Dabei wurden verschiedene Varianten einer Mitgliedschaft angeboten.
Schweizer Kuh mit internationalem Ruf
Folge 10/12. Dieses Jahr feiert Braunvieh Schweiz sein 125. Verbandsjubiläum. Eine gute Gelegenheit, in den Archiven zu stöbern und einen Blick in die Geschichtsbücher zu werfen. In den nächsten zwölf Monaten werden wir Beiträge jeder Dekade von der Gründung bis heute publizieren und einen Blick in die Zukunft werfen.
Lineare Beschreibung und Einstufung
Die Exterieurbeurteilung und die Aufnahme der Tiere ins Herdebuch lag lange Zeit unter der Zuständigkeit der Kantone. Mit der traditionellen Punktierung war eine sinnvolle Zuchtwertschätzung nicht möglich. So drängte sich die flächendeckende Lineare Beschreibung LBE als vom Gesetzgeber anerkannte Leistungsprüfung auf.
Erste Schritte erfolgten 1992, als die Nachzuchtbesichtigung an die Rassenverbände ging. Im September 1992 übernahm der Schweizer Braunviehzuchtverband (SBZV) die Beschreibung der etwa 4'000 Töchter von KB-Stieren sowie die Sonderbeurteilung für Kühe in Gezielter Paarung.
Mehr als "gut" und "schlecht"
Mit der Linearen Beschreibung entfiel eine Bewertung des Exterieurs in gut oder schlecht. Die einzelnen Merkmale wurden nun mit Ziffern zwischen 1 und 9 beschrieben (morphologische Extreme). Nach der Beschreibung erfolgte die Einstufung in den Positionen Format, Fundament, Euter und Zitzen (im 100er System) und schliesslich eine Klassierung in verschiedene Qualitätsklassen nach internationalen Normen. Mit den erhobenen Daten konnten für die einzelnen Merkmale Zuchtwerte errechnet werden, die auf den Abstammungsausweisen in der bewährten Form des Balkendiagramms dargestellt wurden.
1994 wurde auch die internationale Zusammenarbeit bezüglich Linearer Beschreibung und Einstufung intensiviert und es wurden Voraussetzungen für die internationale Vergleichbarkeit der Exterieurmerkmale diskutiert. An der Europakonferenz in Mayrhofen 1995 wurde auch festgelegt, dass ein kleines Team von Experten die beste Garantie für eine einheitliche Lineare Beschreibung gewährleiste.
Die Einführung der flächendeckende LBE begann im Herbst 1995 mit dem Kanton Thurgau. Anfang 1996 folgten die Kantone Graubünden, St. Gallen, Neuenburg, Waadt und Genf. Auf Drängen der Züchter erfolgte die Umstellung rascher als geplant und just zum 100-jährigen Jubiläum hatten praktisch alle Kantone auf die neue Beurteilungsmethode umgestellt.
Neue Dienstleistungen
Das Dienstleistungsangebot des SBZV wurde laufend erweitert und an die Bedürfnisse der Züchterinnen und Züchter angepasst. 1987 wurde die Möglichkeit eingeführt, Ausstellungskataloge im Verbandshaus drucken zu lassen.
1991 wurde die Zellzahlbestimmung der Milchproben eingeführt. Eine wichtige Massnahme zur Überwachung der Milchqualität, die heute von allen Züchtern genutzt wird. Ein Jahr später wurde mit dem Angebot der Harnstoffbestimmung in der Milcheine erste wichtige Dienstleistung für die Kontrolle der Fütterung eingeführt.
Ebenfalls ab 1991 erfolgte unter der Regie des damaligen wissenschaftlichen Adjunkts, Dr. Lucas Casanova, die Zuchtwertschätzung neu mit dem BLUP-Tiermodell. Dabei wurden Eigenleistungen, Ahnen- und Nachkommenleistungen in den ersten vier Laktationen berücksichtigt und laufende Laktationen auf Standardabschlüsse hochgerechnet. Zuchtwerte für Milch kg, Fett kg und % sowie Eiweiss kg und % wurden schliesslich ausgewiesen.
Auch in der Kommunikation erfolgte 1996 der Startschuss ins digitale Zeitalter. Ende 1996 ging der SBZV mit einer eigenen Website im Hinblick auf die grossen Feierlichkeiten online: «Schweizer Braunvieh geht auf Surf-Reise» titelte die mittlerweile zum 4-farbigen Kundenmagazin umgebauten Herdebuch-Mitteilungen.
100 Jahr-Jubiläum
Vor allem das Frühjahr 1997 stand ganz im Zeichen des Jubiläums des Schweizer Braunviehzuchtverbandes. Nachdem in den 1990er-Jahren diverse kantonale und nationale Eliteschauen entstanden, war die Nationalschau «BRUNA 97» in Zug der Höhepunkt zum 100-Jahr-Jubiläum der Braunviehzuchtverbands. Dazu wurde gleichzeitig in Luzern die Weltkonferenz der Braunviehzüchter durchgeführt. Im Herbst des gleichen Jahres fand an der OLMA in St. Gallen eine Sonderschau zum Braunvieh mit dem Titel «Lottis Welt» statt.
Nicht nur auf Rosen gebettet
Der Zeitabschnitt zwischen 1985 und 1996 zeigte aber auch seine Schattenseiten. Sie hatten entscheidende Folgen bei der Zucht, der Auswahl der Stieren und der Selektion der Stierenmütter.
1985 trat der Erbfehler Spinnengliedrigkeit auf. Vier Jahre später mussten auch Massnahmen für die Bekämpfung des neu erkannten Erbfehlers SMA (spinale Muskelatrophie) ergriffen werden. Schliesslich, weitere fünf Jahre später (1995) zwang der Erbfehler SDM (spinale Dysmyelinisierung) zum Überdenken der Bekämpfungsstrategie.
Ausserdem führte die Strukturbereinigung in der Landwirtschaft dazu, dass die Anzahl Herdebuchmitglieder (Anfang 70er noch bei 30'000) und Braunviehtiere (Höchststand bei rund 260'000 HB-Tieren) ab Anfang 90er Jahre bis heute rückläufig war. Dafür wurden die Betriebe im Durchschnitt grösser, hatten so mehr Tiere im Bestand und produzieren heute jährlich mehr als doppelt so viel Milch wie früher.