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Zum Gedenken an Martin Schwarze
Am 14. März 2023 verstarb Martin Schwarze, einer der Pioniere der Schweizer Landschaftsplanung, im Alter von 83 Jahren. Sein letztes Lebensjahr war nach einem Hirnschlag bestimmt durch zunehmenden Verzicht – den Kampf gegen eine schwere Krankheit konnte er nicht gewinnen.
Martin Schwarze wurde am 2. September 1939 in Berlin geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Quetzen und Lahde, kleinen Orten in Nordrhein-Westfalen. Zum altsprachlichen Gymnasium musste er täglich in die grössere Stadt Minden fahren. Doch schliesslich zog es ihn wieder nach Berlin, um hier zu studieren. „Einer meiner Grossväter war Bildhauer, der andere Landwirt, meine Mutter lehrte mich Pflanzen zu lieben, so kam für mich nur ein Studium infrage, das Natur und Kultur verbindet“, erzählte er in einem Interview. So studierte er – nach einer 2-jährigen Landschaftsgärtnerlehre – Landschaftsplanung an der Technischen Universität Berlin.
Schon während des Studiums begeisterten ihn die Werke des berühmten preussischen Gartenkünstlers, Städtebauers und Gestalters der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft, Peter Joseph Lenné – sie prägten früh sein weitsichtiges Denken und grossräumiges Planen. Nach 2-jähriger Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin und kurzer Anstellung in einem Londoner Planungsbüro kam Martin Schwarze 1969 in die Schweiz. Er absolvierte am Institut für Orts-, Regional- und Landesplanung an der Eidg. Technischen Hochschule Zürich ein Nachdiplomstudium in Raumplanung. In Zürich blieb er auch und fand seine erste Stelle 1971 im bekannten Planungsbüro Carl Fingerhuth.
Wohl kaum konnte er zu diesem Zeitpunkt wissen, dass er bis zu seiner Pensionierung 2017 in diesem Büro – später unter den Namen Fingerhuth und Partner, Reinhardt + Hesse + Schwarze, Hesse + Schwarze + Partner und heute Planar AG – bleiben würde. Er avancierte bald zum Partner und prägte mit seiner Kompetenz über Jahre die Entwicklung dieses Büros.
Eine der ersten Arbeiten von Martin Schwarze im Büro Fingerhuth war die Erholungs- und Landschaftsschutzplanung am Thurgauischen Bodensee- und Rheinufer. Im Rahmen dieser Arbeit entwickelte er eine Methode zur Bewertung der Landschaft nach Erholungstypen, auch als „Methode Fingerhuth“ bekannt. In der Folge bearbeitete er Projekte in über zehn Deutschschweizer Kantonen: kantonale, regionale und lokale Landschaftsplanungen, Landschaftsentwicklungs- und Freiraumkonzepte, Erholungs- und Schutzplanungen. Aufgrund seiner Kompetenz war er beratend in vielen Arbeitsgruppen und Kommissionen des Bundes, von Kantonen, Gemeinden oder Schutzorganisationen tätig sowie an Forschungsarbeiten, Wegleitungen und Broschüren als Planungshilfen für die Praxis beteiligt. An der HTL Brugg-Windisch unterrichtete er während mehreren Jahren das Fach Landschaftsplanung im Rahmen des Nachdiplomstudiums in Raumplanung.
Eine starke Beziehung hatte Martin Schwarze – neben den Kantonen Zürich und Basel – zum Kanton Zug. Hier lag ein Schwerpunkt vieler Untersuchungen und Planungen. Eine besondere Stellung nimmt dabei die Gemeinde Cham mit dem Lorzeraum ein. Aus der Bearbeitung der Landschaftsplanung im Rahmen der Ortsplanungsrevision 1988-1990 ergab sich eine beinahe 30-jährige Verbindung zu Cham. Martin Schwarze initiierte zusammen mit einer engagierten Gruppe die Erarbeitung eines Landschaftsentwicklungskonzeptes, das von dem Trägerverein „Lebensraum Landschaft Cham“ als Daueraufgabe sukzessive umgesetzt wird. Bis 2017 hat er dieses Projekt begleitet. Als Dank und Anerkennung für seinen grossen Einsatz pflanzte die Gemeinde ihm zu Ehren im Lorzepark eine Eiche, die Martin-Schwarze-Eiche.
Unter den zahlreichen Arbeiten im Kanton Zürich kann man jene in den Planungsregionen Furttal und Weinland hervorheben. Die Region Weinland betreute er von 1992 bis zu seiner Pensionierung 2017 im Rahmen der Richtplanung, in vielen Einzelprojekten und Teilkonzepten, wie dem Erholungskonzept Thur, bis hin zur Umsetzung von Einzelmassnahmen. Als Dank organisierte die Planungsgruppe Weinland 2019 einen Helikopterflug für ihn und das Planungsteam, dessen Route über Landschaften und Orte des Schweizer Mittellandes führte, in denen Martin Schwarze gearbeitet hatte. So konnte er zum ersten Mal sein langjähriges Wirken von oben betrachten. Beispiele für Projekte in Basel zwischen 1999 und 2011 sind die Arbeiten am Freiraumkonzept der Stadt oder am Landschaftspark Wiese.
Von den vielfältigen Publikationen seien nur zwei genannt, der Bericht des Nationalen Forschungsprogramms „Stadt und Verkehr“ (NFP 25) zum Thema „Grünraum in der Stadt – Erhalten, Gestalten und Nutzen“, den Martin Schwarze zusammen mit Hans-Peter Rüdisüli 1992 verfass hat, sowie die im Auftrag des Bundes mit einer Begleitgruppe 1984 erarbeitete Broschüre „Landschaft und natürliche Lebensgrundlagen, Anregungen für die Ortsplanung“.
Spricht man mit Kolleginnen und Kollegen, Auftraggeberinnen und Auftraggebern, so heben alle neben seiner fachlichen Kompetenz die offene und kollegiale Zusammenarbeit hervor – was auch den eigenen Erfahrungen des Schreibenden bei gemeinsamen Arbeiten entspricht. Martin Schwarze konnte seine Meinung mir Vehemenz vertreten, aber immer mit Diplomatie, Stil und leisen Tönen.
Martin Schwarze war auch kulturell vielseitig interessiert. Er beschäftigte sich mit Musik, Theater, Literatur, bildender Kunst, Geschichte und besuchte regelmässig kulturelle Veranstaltungen der grossen Zürcher Häuser wie dem Kunsthaus oder der Tonhalle, aber auch der kleinen wie dem Sogar Theater oder dem Theater Rigiblick. Und er war ein Bewegungsmensch, Wandern war eine seiner grossen Leidenschaften, er durchwanderte die ganze Schweiz. Er unternahm mit seinen beiden engsten Freunden aber auch Reisen in andere europäische Länder und Länder anderer Erdteile, wobei ihn die Kulturen und Kulturlandschaften Afrikas besonders interessierten. Erst seine Erkrankung setzte allem ein jähes Ende.
Seine letzte Ruhestätte bestimmte Martin Schwarze selbst. Er fand sie auf dem Zugerberg, mit Aussicht auf den Zuger- und den Vierwaldstättersee, einer Landschaft, zu der er eine starke emotionalen Beziehung hatte. Neben einer Eiche wurde er eins mit der Natur.
Sein Grab können wir nicht sehen, wohl aber die Resultate seines Wirkens in der Landschaft. Seine Pläne und Schriften hat Martin Schwarze dem Archiv für Schweizer Landschaftsarchitektur ASLA in Rapperswil übergeben, wo sie für die Zukunft gesichert bleiben.
Bernd Schubert
Foto: Andi Gantenbein 2016