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Seit mehr als 15 Mio. Jahren passen sich Bienen den Klimaveränderungen auf der Erde erfolgreich an. Sie sind darum bemüht, mit dem Ökosystem im Gleichgewicht zu leben. Ihr grösster Feind – und gleichzeitig auch Freund – ist der Mensch, der das Gleichgewicht in der Natur stört, indem er nur an den kurzfristigen Nutzen denkt. Der Einsatz von Pestiziden und anderen Chemikalien schwächt das Immunsystem der Bestäuber, so dass bei ihnen verschiedene Krankheiten auftreten oder dass sie von Parasiten befallen werden (wie beispielsweise durch die Varroamilbe). Das Sterben von Bienen und anderen Insekten ist ein globales Problem, das durch das Engagement jedes Einzelnen erfolgreicher kontrolliert werden könnte. Bemerkenswert ist, dass weltweit jeder dritte Löffel Nahrung von einer erfolgreichen Bestäubung abhängig ist. Ebenso wichtig ist sie auch für Pflanzen, die zur Produktion von Biokraftstoff benutzt werden, oder zur Herstellung von Fasern, Medikamenten, Viehfutter, Baumaterial und anderem. Viele Arbeitsplätze werden durch das Verschwinden dieser kleinen, fleissigen Arbeiterinnen bedroht. Die Bienen wollen keinen Lohn, streiken nicht und arbeiten unermüdlich. Das Einzige, was sie brauchen, ist die Erhaltung des Raums, in dem sie leben und wirken. Zum Glück gibt es Imker und Imkerinnen, die sich um die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) kümmern. Allerdings bildet diese nur einen Bienenstamm (weltweit gibt es rund 20’000 Arten). Ohne Imker und Imkerinnen würde die Honigbiene zu den bedrohten Arten gehören. In der EU ist der Bienenbestand bereits um 25% zurückgegangen, in den USA gar um 40%. In der Schweiz gibt es rund 17’500 Imkerinnen und Imker mit insgesamt rund 165’000 Bienenstöcken. Jeder Imker und jede Imkerin betreut im Schnitt zehn Bienenvölker.
Jedes Jahr zwischen März und Juni kommt es zur natürlichen Vermehrung der Bienenvölker: Die Königin zieht mit der einen Hälfte ihres Volks den Bienenstock auf. Die andere Hälfte bleibt im Stock und zieht eine neue Königin auf. Der Teil, der den Stock verlassen hat, besteht aus mehreren zehntausend Bienen, die sich einen neuen Platz suchen. Vor der Auswahl ihres neuen Heims halten sich die Bienen noch zwei bis drei Tage in der Nähe des alten Stocks auf. Während dieser Zeit suchen die Kundschafterinnen einen neuen Ort, wo das Volk einziehen kann.
Was ist zu tun, wenn sich das Bienenvolk ausgerechnet in Ihrem Garten oder in der Nähe Ihrer Wohnung niederlassen will?
Erschrecken Sie nicht! Bienen sind friedliche Arbeiterinnen, solange man sie nicht ärgert. Sie sind uns ähnlich, nicht wahr? Während des Umzugs sind sie nicht reizbar und schwerfällig, weil sie Nahrungsreserven für zwei bis drei Tage mit sich führen. Mit wedelnden Händen werden Sie sie nicht verscheuchen. Vermeiden Sie aber intensiv duftende Parfums, Alkohol, Seife und dunkle Kleider. Suchen Sie sich Hilfe! Im Kanton Zürich können Sie sich unter der Nummer 118 an die Feuerwehr wenden. Ihr Einsatz ist kostenlos. Die Feuerwehr wird das Volk entfernen und abklären, welche Imkerin oder welcher Imker die Bienen übernehmen will.
Im Kanton Aargau können Sie sich an einen der aufgeführten Imker wenden, zu finden im Internet unter www.bienen-ag.ch. Der Bienenzüchter nimmt einen Schutzanzug mit, aber auch eine hölzerne Kiste, in der er das Bienenvolk fangen und wegbringen kann. Wenn das nicht möglich ist, z.B., wenn keine genügend lange Leiter vorhanden ist, wenden Sie sich an die Feuerwehr Ihrer Region. Erkundigen Sie sich vorher über die Kosten dieser Dienstleistung, damit sie keine unangenehme Überraschung erleben!
Helfen Sie dabei mit, die Artenvielfalt zu erhalten, indem sie im Garten und auf dem Balkon Blumen pflanzen. Legen sie sich ein «BeeHome»-Insektenhotel zu oder gestalten sie selbst eines – manchmal genügt ein löchriger Baumstamm. Domestizierte Bienen lieben am meisten Löwenzahn, Raps, Akazie, Haselnuss, Linden, Immergrün und Feldblumen. Hängen Sie das Insektenhotel senkrecht, weit oben und gegen Süden ausgerichtet auf. Damit keine Krankheiten von einer Generation auf die nächste übertragen werden, empfiehlt es sich, jedes Jahr ein neues Insektenhotel aufzustellen.
Die Vereinten Nationen riefen im Jahr 2017 den 20. Mai zum «Weltbienentag» aus (dies ist der Geburtstag von Anton Janša, slowenischer Pionier der Imkerei und Hofimkermeister von Kaiserin Maria Theresia). Die Schweizerischen Bienenzüchtvereine sind im Dachverband «apisuisse» vereint. Am 5. Juni 2019 wurde im Schweizerischen Parlament die Gruppe «Die Bienen» gegründet, der 60 Parlamentarier und Parlamentarierinnen angehören. Dank deren Hilfe können Bienenzüchter und -züchterinnen ihre Interessen sowie die Interessen ihrer «Schützlinge» besser einbringen. Wer sich mit der Bienenzucht beschäftigen möchte, kann einen Imkergrundkurs des Bundesamtes für Landwirtschaft besuchen. Der Grundkurs dauert 18 Halbtage, verteilt auf zwei Jahre. Abhängig davon, ob die Teilnehmenden ein eidgenössisches Diplom wünschen oder nicht, kostet der Kurs zwischen 950 und 1250 Franken.
Der Wissenschaftler Albert Einstein sagte: «Wenn die Bienen verschwinden, dann verschwinden innerhalb von vier Jahren auch die Menschen»
Zur weiteren Information empfehlen wir den mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm «More than Honey / Bitterer Honig» des renommierten Schweizer Regisseurs Markus Imhoof aus dem Jahr 2012.
Text: Iris Smokvina
Übersetzung ins Deutsche: Sandra Grizelj
Quelle: Libra