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In der Schweiz existieren zwei Jagdsysteme: Die Revier- und die Patentjagd. Diese sind nach Kantonen aufgeteilt.
Während bei der Patentjagd jede Bürgerin und jeder Bürger, der über einen anerkannten Fachausweis verfügt, das Jagdrecht im gesamten Kanton ausüben kann, verpachtet im Revierjagdsystem der Staat die Jagdreviere an Jägdpächterinnen und Jagdpächter, die in lokal beschränkten Gebieten (Revieren von 500 bis 1'500 ha) das Jagdrecht selber wahrnehmen oder es an Dritte abtreten.
Beide Systeme verfügen über Vor- und Nachteile. Für die Qualität einer Jagdorganisation ist aber nicht das System entscheidend, sondern Engagement, Wissen und Können der Jägerinnen und Jäger sowie eine sorgfältige Jagdplanung auf der Basis sorgfältiger Beobachtung und wildbiologischer Erkenntnisse.
Die folgenden Jagdarten sind in der Schweiz bzw. im Kanton Bern gebräuchlich:
- Die Pirschjagd. Sie gilt als die höchste und schwierigste Form der Jagdausübung. Der Jäger versucht sich aufgrund seiner Erfahrung, seiner Kenntnisse und durch die Deutung von Pirschzeichen (Wildfährten u.a.) an seine Beute heranzupirschen.
- Die Ansitzjagd. Der Jäger sucht sich einen geeigneten Ansitzplatz bei einem Wildeinstand und wartet manchmal Stunden, nicht selten vergeblich - auf das Erscheinen des Wildes.Die Hochjagd (Gämse, Steinbock, Hirsch) oder auch die Wildsaujagd im September beruhen auf einer dieser beiden Jagdformen (Pirsch oder Ansitz).
- Die laute Jagd. Treiber versuchen mit laut jagenden Hunden, d.h. Hunden, die beim Aufspüren von Wild ein typisches Bellen ("Lauten") von sich geben, den Jägern das Wild zuzutreiben. Die Jagdform wird bei der Reh- oder Niederjagd angewendet. Hunde sollen das Wild keinesfalls hetzen sondern nur "aufmachen". Gruppenjagd mit maximal 5 Jägern während einer beschränkten Zeit im Jahr.
- Die Treibjagd. Ähnlich wie die laute Jagd aber in grossen Gesellschaften mit mehr Treibern, Jägern und Hunden. Evt. auch ohne Hunde, nur mit Treiberketten in verschiedenen Formationen. Wird in den Patentkantonen (z.B. Bern) nur noch ausnahmsweise ausgeübt, als sogenannte "Hubertus- oder Vereinsjagd" auf Fuchs und evt. Wildschwein, nach Abschluss der Niederjagd im November.
- Die Baujagd. Sie bedient sich spezieller "Bodenhunde", die Fuchs, Dachs oder Marder aus ihren Bauten "sprengen".
- Die Beizjagd mit gezähmten Greifvögeln. Eine uralte und traditionsreiche Jagd, die heute nur von sehr wenigen Jägern ausgeübt wird.
Die Jagdzeiten sind gesetzlich geregelt. Sie berücksichtigen vor allem die natürlichen Kreisläufe, d.h.gejagt wird z.B. nicht, wenn das Wild seinen Nachwuchs aufzieht. Für jedes Wild gelten spezifische Jagdzeiten und -vorschriften. Über die Zahl der zur Erlegung freigegebenen Tiere entscheiden nicht die Jägerinn und der Jäger, sondern Kommissionen, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Land- und Forstwirtschaft, des Naturschutzes und der Jagd zusammensetzen. Sie bestimmen aufgrund der alljährlich erhobenen Wildbestände die Anzahl der zu erlegenden Tiere. Die Jagd unterliegt deshalb dem Einfluss verschiedener Interessengruppen. Forst- und Landwirtschaft etwa befürworten eher den grosszügigen Abschuss von Schalenwild (Hirsch, Reh, Gämse), weil sie Schäden an Forst- und Agrarkulturen geltend machen. Der Naturschutz und vor allem die Jägerschaft selber sind eher zurückhaltend bei den Abschussforderungen.
Generell gilt der Grundsatz einer nachhaltigen Hegejagd, d.h. einer Jagd auf der Basis gesicherter und gesunder Wildbestände.
Abgeschöpft wird dabei alljährlich nur ein Teil der natürlichen Vermehrung (Reproduktionsrate). Zusammen mit den Fallwildverlusten - z.B. durch Mähtod oder Verkehrsopfer usw. - bleiben die Wildbestände so auf ungefähr gleichbleibender Höhe. Grössere Schwankungen in den Beständen ergeben sich z.B. bei harten Wintern, Seuchen oder unter der Einwirkung von Beutegreifern (Luchs, Wolf). Die Jagdplanung wird (alljährlich) an solche Verluste angepasst. Bei der Festlegung der Anzahl der zu erlegenden Tiere ist der gleichmässige Eingriff in alle Alterstufen und Geschlechter von grosser Bedeutung. Die natürlichen Geschlechter- und Altersverhältnisse müssen möglichst gewahrt bleiben. Ein Blick auf die sogenannte Alterspyramide zeigt die Bestandesanteile von Alt- und Jungtieren getrennt nach Geschlechtern. Nur ein ausgewogenes Verhältnis garantiert einen gesunden Wildbestand und wird deshalb bei der Jagdplanung berücksichtigt. Der gezielte und wildbiologisch vertretbare jagdliche Eingriff erfolgt zum überwiegenden Teil in der Jugendklasse, d.h. bei jenen Tieren, die in grösserer Zahl vorhanden sind, die aber gleichzeitig durch natürliche Abgänge ohnehin die grössten Verluste erleiden.
Die Liste der jagdbaren Arten unterscheidet sich von Kanton zu Kanton. Neben Wildarten die in der ganzen Schweiz geschützt sind, unterstehen andere Arten kantonalem oder regionalem Schutz. Jagdbar sind ausnahmslos Arten, deren Bestand gesichert ist. Ihre Bejagung ist streng und individuell geregelt. Bei der Festlegung der Jagdziele werden zusätzliche Faktoren wie die Jagdzeit, Geschlecht, Alter usw. berücksichtigt.
Bejagt werden z.T. auch geschützte Tiere oder Wild in Jagdbanngebieten, wenn die Bestandesregulierung dies erfordert. Besonderen Schutz geniessen die führenden Tiere (Muttertiere). Über die Jagdziele entscheiden nicht die Jägerinnen und Jäger, sondern die zuständigen Behörden.
Jagdbare Tierarten im Kt. Bern: Siehe Anhang 1 der Jagdverordnung (JaV)
Das stolze Hirschgeweih zählt sicher zu den bekanntesten Jagdtrophäen. Es gibt aber eine ganze Reihe weiterer, z.T. wenig bekannter "Erinnerungsstücke".
Das Aufhängen von Jagdtrophäen dient selten der Angeberei, es entstammt vielmehr einer uralten Traditon, die dem erlegten Tier eine besondere Form des Respektes entgegenbringt. Jägerinnen und Jäger hängen oft weniger an den Trophäen selber als an den - oft unglaublichen - Geschichten, die mit ihnen verbunden sind.
Auch wenn heute viele Jägerinnen und Jäger keinen unmittelbaren Wert auf Jagdtrophäen legen, freut man sich doch über einen besonders "braven" Bock mit schönem Gehörn.
In Trophäenschauen und Museen lassen sich die faszinierende Vielfalt von Geweihformen studieren.
Ein paar Beispiele anderer Trophäen: Federn (Enten, Eichelhäher, Krähen, Elstern), Zähne ("Grandeln" von Hirschen, "Waffen" von Wildschweinen), Felle, Schädel, Präparate.
Zum jagdlichen Brauchtum zählen die "Pflege der Waidmannssprache", die "Waidgerechtigkeit", d.h. die Einhaltung ethischer Jagdgrundsätze, die "jagdgrüne" Kleidung, das Jagdhornblasen, die Pflege alter Traditionen wie etwa jene der Bruchzeichen (z.B. der "letzte Bissen"), die geselligen Aserfeuer, das Erzählen von wahren oder fast wahren Geschichten, der gutmütige Spott.