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Soziale Ängstlichkeit geht mit stärkerer Empathie einher Die Emotionen anderer zu verstehen und auch selbst nacherleben zu können, hilft beim Aufbau tiefer sozialer Beziehungen. Personen mit ausgeprägten sozialen Ängsten jedoch klagen häufig darüber, wenige und nur oberflächliche Freundschaften zu haben. An mangelndem Empathievermögen scheint das allerdings nicht zu liegen, wie eine Studie der Psychologinnen Karen Auyeung und Lynn Alden von der University of British Columbia demonstriert.
Die Teilnehmer sahen Videos, in denen Menschen von einer Situation erzählten, in der sie sich von ihren Freunden sozial ausgeschlossen gefühlt hatten.
Anschliessend sollten sie die Intensität verschiedener Emotionen bei den Erzählern einschätzen. Manche Probanden hatten zudem die Gelegenheit, den Personen einen Ratschlag zu geben, wie diese mit der Situation umgehen sollten.
Wer sozial ängstlicher war oder an einer sozialen Phobie litt, erwies sich als treffsicherer im Erkennen der fremden Gefühle. Diese Teilnehmer formulierten aber seltener Ratschläge für die Personen, die sich ausgeschlossen fühlten – und wenn doch, lief es meistens nicht darauf hinaus, dass diese sich ihren Freuden gegenüber öffnen oder sich mit ihnen versöhnen sollten.
Obwohl sie also die Gefühle anderer recht genau wahrnähmen, gelinge es Menschen mit sozialen Ängsten offenbar schlechter, diese Feinfühligkeit in passende Handlungen umzusetzen, schreiben Auyeung und Alden. Die Ergebnisse könnten dennoch beispielsweise in der Therapie von sozialer Phobie genutzt werden. Die Betroffenen geben häufig an, unsicher zu sein, ob sie überhaupt dazu in der Lage sind, richtig auf andere zu reagieren. Ihnen könnte man daher vermitteln, dass sie sich zumindest auf ihre soziale Antennen verlassen können, und lediglich die Umsetzung der daraus folgenden sozialen Interaktion trainieren.
Auszug aus dem Magazin «Gehirn und Geist» 07/2020