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Kultur
Ihr Leiden war das Leben
"Eine niederschmetternde Nachricht ist soeben eingetroffen. Unsere edle Kaiserin Elisabeth, aus deren Händen die Welt nur Gutes empfing, ist an den Ufern des Genfer Sees, wohin sie gekommen war, um Heilung für ihre Leiden zu finden, von einem Elenden ermordet worden", schrieb die Neue Freie Presse am 11. September 1898, "Die Kaiserin ermordet!" und stiftete damit unfreiwillig ein Bonmot, das man in der Literaturwissenschaft am ehesten als Katachrese bezeichnen könnte. Denn tatsächlich wurde sie von "ihrem Leiden" erlöst, denn ihr Leiden war das Leben. Freilich war sie noch zu jung, aber dennoch bereit zu sterben, denn sie war des Lebens und dem Gefängnis des Hofzeremoniells schon lange überdrüssig. An ihrer Ehe litt sie ebenso wie an ihrer Krone und am meisten setzte ihr natürlich auch der Verlust ihres Sohnes und ihrer ersten Tochter zu. Sie flüchtete Zeit ihres Lebens, reiste quer über den Kontinent, nur um die Freiheit zu suchen, die sie längst verloren hatte.
"Sisi, Sklavin ihrer Haare"
Dabei hatte alles gar nicht so schlecht angefangen. Schließlich hätte der Kaiser ursprünglich ihre ältere Schwester Helene "Nene" heiraten sollen und nicht sie, das "hässliche Entlein". Nene wurde dann ins ferne Neapel verheiratet, mit Franz II, König von Neapel. Ein Schicksal, das besser zu Sisi gepasst hätte? Ihre Schönheit wurde jedenfalls nicht nur im ganzen Reich gerühmt, sondern auch über dessen Grenzen hinaus, das betonen auch die beiden Herausgeber dieser Graphic Novel über die unsterbliche Kaiserin. Als "Sklavin ihrer Haare" habe sie sich selbst bezeichnet, und tatsächlich betrieb man für deren Pflege einen ziemlichen Aufwand. Das Kopfwaschen gestaltete sich zu einer Staatsaffäre und außer einiger Eierdotter wurden auch 20 Flaschen vom besten Franzbranntwein verwendet. "Sisi erkennt, dass ihr Machtinstrument nicht ihre Krone, sondern ihre Schönheit ist."
Sisi, Matrosin zur See
Auf ihrer Schulter trug sie einen blauen Anker, der sie zur Matrosin der sieben Weltmeer machte. Über den Tod ihres männlichen Erstgeborenen soll sie - in einer ersten Reaktion - gesagt haben: "Wie beneide ich Rudolf um den Tod, den ich Tag und Nacht ersehne." Das war 1889. Neun Jahre später sollte auch ihr größter Wunsch in Erfüllung gehen. Christian Qualtinger zeigt die Schlüsselmomente im Leben der österreichischen Kaiserin in Bildern, stimmungsvoll koloriert und in Szene gesetzt von Reinhard Trinkler. Illustrationen nach bekannten Gemälden und alten Fotografien der Kaiserin.