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Nach kurzer Verschnaufpause schreckt ein portugiesisches Konglomerat Espírito Santo Financial Group die Finanzmärkte auf. Die verflochtene Holdingstruktur hat auch Ableger in der Schweiz.
Die einflussreiche Familie Espírito Santo besitzt über Ihre Holdingstrukturen ein breitgefächertes Portfolio. Die Espírito Santo International ist direkt und indirekt Teilhaberin verschiedener Unternehmen. Die Unternehmen sind in verschiedenen Branchen tätig unter anderem auch die Immobilien-, Versicherungs- und Bankenbranche.
Durch eine Fusion der portugiesischen Telecom mit der brasilianischen Mobilgesellschaft Oi wurden Kapitalrückzahlungen in der Höhe von 897 Millionen Euro vom Holdingkonstrukt notwendig. Nach Angaben des «Wall Street Journals» erbat der betroffene Teil um Aufschiebung der Frist. Bisher konnten die Verbindlichkeiten von nicht bedient werden. Sie gelten somit als ausgefallen.
Undurchsichtige Strukturen und Fehler
Die portugiesische Zentralbank entdeckte bei der Bilanzprüfung der Espírito Santo Unstimmigkeiten in den Büchern. Daraufhin wurde ein externer Audit der gesamten Holdingstruktur verordnet. Die Espírito Santo ist indirekt an der Holding «Espírito Santo Financial Group» beteiligt. Diesie hält wiederum einen Anteil von 25,1 Prozent an der Banco Espírito Santo (BES), die auch die Bücher der Espírito Santo prüft. Die BES-Bank verfügt auch über einen Ableger in Zürich.
Die ESI hat hohe Hebel eingesetzt und Gesellschaften der Holding genutzt, um sich einfach zu refinanzieren. Zudem hat, nach Angaben des «Wall Street Journals», die Espírito Santo ihre Beteiligung massiv überbewertet. Die Beteiligungen wurden mit bis zu 1,55 Milliarden Euro in den Büchern geführt. Der Marktwert war jedoch nur 365 Million.
Haftungsgarantie und mögliche Ausfälle in Angola
Der Espírito Santo Financial Group stellte für Espírito Santo Haftungsgarantien auf den Verbindlichkeiten aus. Daraufhin wurden die ESI-Schuldscheine durch Banco Espírito Santo und Espírito Santo Financial Group an private und institutionelle Anleger verkauft. Dies führte auch zu einer weiteren Verflechtung der verschiedenen Teile der Holding.
Die Banco Espírito Santo verfügt, nach Angaben der portugiesischen Zentralbank, über ein Eigenkapital von 6,5 Milliarden Euro. Die Quote liegt somit bei 10,5 Prozent und ist deutlich über den von Basel III geforderten sieben Prozent. Doch könnten stark ausfallgefährdete Beteiligungen in Angola und eine hohe Ausfallquote bei den Inländischen Krediten die Situation verschlechtern. Gemäss Berichten «esquerda» wisse die Bank nicht wohin Krediten im Wert von 5,7 Milliarden Dollar des angolanischen Banco-Espírito-Santo-Ablegers geflossen sind.
Situation unklar
Die Banco Espírito Santo beziffert ihre Forderungen gegenüber der Holdingstruktur von 1,18 Milliarden Euro. Ein Ausfall kann von der Bank aufgefangen werden. Die Bank würde danach nur noch eine Kernkapitalquote von neun Prozent aufweisen und müsste sich auf Anlegerklagen vorbereiten.
Der Analyst Daniel Hartmann von der Bantleon Bank schätzt die Ausstrahlugnseffekte in andere Euroländer als gering ein. Eine staatliche Intervention würde jedoch die bisherigen Vorschritte in der Haushaltskonsolidierung gefährden. Gestern Stufte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonitätsbewertung des Banco Espirito Santo erneut ab auf B-. Es bleibt offen ob der portugiesischen Zentralbank eine Entflechtung bis zur weiteren Prüfung der EZB im Herbst gelingt.