Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03301.jsonl.gz/697

2018 wurden in der Schweiz - hauptsächlich im Mittelland - auf 18'600 Hektaren 1,3 Millionen Tonnen Zuckerrüben geerntet und zu 194'000 Tonnen Zucker verarbeitet. Für ein Kilogramm Zucker, das ungefähr den Tagesbedarf von neun Leuten deckt, werden acht Zuckerrüben benötigt - eine Rübe pro Kopf sozusagen.
4611 Landwirtschaftsbetriebe bauten im Jahr 2018 Zuckerrüben an, pro Betrieb sind das durchschnittlich 4 Hektaren. Der Anbau konzentriert sich auf Regionen im Mittelland. Die grösste Anbaufläche liegt im Kanton Waadt, gefolgt von den Kantonen Bern, Zürich und Thurgau.
Von 500 auf 21'000 Hektaren
Der Zuckerrübenanbau nahm im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich zu. Die Zuckerrübenfläche um das Jahr 1900 wird auf rund 500 Hektaren geschätzt. Damals wurden Zuckerrüben überwiegend im Berner Seeland angebaut und in der Zuckerfabrik Aarberg (BE) verarbeitet. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war der Anbau noch bescheiden, danach expandierte er. Ein Aufschwung fand im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der Zuckerfabrik Frauenfeld (TG) 1963 statt.
Der Höchststand der Zuckerrübenfläche wurde 2014 mit rund 21'000 Hektaren erreicht. Seither ist die Fläche rückläufig. Ein wichtiger Grund für den Rückgang ist der Preisdruck im In- und Ausland aufgrund von Änderungen der Agrarpolitik. Stark zugenommen hat auch die Zuckerproduktion. Ab 1900 stieg diese an und erreichte 2014 den Höchstwert von 1,9 Millionen Tonnen Rüben.
EU hob Quote auf
Die einheimische Zuckerproduktion verzeichnet aber einen dramatischen Preiszerfall, wie die Publikation des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigt. 1990 hatte der garantierte Basispreis für Zuckerrüben mit 16 Prozent Zuckergehalt 14.50 Franken pro 100 Kilogramm betragen; zuzüglich staatlicher Zuschläge und abzüglich der Nebenkosten kamen Bauern auf einen Herstellungspreis von 15 Franken. 2018 betrug der garantierte Basispreis nurmehr 4.30 Franken und der effektive Herstellungspreis 8.20 Franken.
Der Grund liegt in der 2017 durchgeführten Reform der EU-Zuckerrübenpolitik, an welche die Schweiz durch das Bilaterale Abkommen II (landwirtschaftliche Verarbeitungsprodukte) gebunden ist. Nachdem die EU die Quoten für Zuckerrüben abgeschafft hat, stieg die Anbaufläche in den EU-Staaten um 16 Prozent innert zweier Jahre. Der Preis sank - auch in der Schweiz, welche aufgrund des Abkommens den Zuckerpreis an den Marktpreis in der EU anpasst.
In der Schweiz gibt es zwei Zuckerfabriken, diese befinden sich in Aarberg und in Frauenfeld. Gemäss der Betreiberin, der Schweizer Zucker AG, verarbeiteten die beiden Zuckerfabriken im Jahr 2018 rund 1,3 Millionen Tonnen inländische Rüben zu 194'000 Tonnen Zucker. Der durchschnittliche Zuckergehalt der Rüben betrug 17,3%. Um die Auslastung der Zuckerfabriken zu gewährleisten, wurden 2018 zusätzlich 146'000 Tonnen Zuckerrüben, vorwiegend aus Deutschland, importiert und zu Zucker verarbeitet.
Einzelkulturbeitrag als Stützung
Da der Zucker zu den Grundversorgungsgütern zählt, wird seine Produktion hierzulande staatlich gefördert. Seit 2008 unterstützt der Bund nicht mehr die Zuckerverarbeitung, sondern den Zuckerrübenanbau. 2019 betrug der staatliche Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben 2100 Franken pro Hektar. Der Bund unterstützt den Anbau also summa summarum mit knapp 40 Millionen Franken im Jahr.
Gesund ist raffinierter Zucker bekanntlich nicht, und vielleicht gibt es ihn darum noch kaum in Bioqualität. 2018 bauten 41 Landwirtschaftsbetriebe 72 Hektaren Zuckerrüben biologisch an, das ist nur 0,4 Prozent der gesamten Zuckerrüben-Anbaufläche.
Selbstversorgungsgrad bis auf 72% gestiegen
Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (2014–2018) betrug der jährliche Produktionswert der Zuckerrüben inklusive Flächenbeiträge rund 122 Millionen Franken. Dies entsprach rund 2,9% des Produktionswerts der gesamten Pflanzenproduktion in der Schweiz. 2018 fiel die Ernte aufgrund der Trockenheit kleiner aus , sodass der Produktionswert der Zuckerrüben weniger als 104 Millionen Franken ausmachte.
Im letzten Jahrhundert wurde Zucker gehandelt, um die Bevölkerung zu versorgen. 1911 betrug der Selbstversorgungsgrad lediglich 3%. In jenem Jahr wurden 82'200 Tonnen Zucker importiert. In den Jahren 1931 bis 1935 betrug der Zuckerverbrauch rund 39,9 kg pro Person und Jahr. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs brach er auf 12,1 kg ein. Mit der Einschränkung des Zuckerverbrauchs betrug der Selbstversorgungsgrad noch etwa 20%.
Nach dem Krieg pendelte sich der Zuckerverbrauch wieder auf einem hohen Niveau um die 40 kg pro Person und Jahr ein. Mit der zunehmenden Zuckerrübenproduktion stieg auch der Selbstversorgungsgrad bis auf 72% im Jahr 2017. Der Zuckerverbrauch ist seit langem stabil (G4). 2017 betrug dieser 39 kg pro Jahr beziehungsweise 110 g pro Person und Tag
Zuckerherstellung
Zur Zuckerherstellung werden die Wurzeln der Pflanze, die die Form einer Rübe haben, verwendet. Die Rüben werden in der Zuckerfabrik zuerst gewaschen und dann in Schnitzel geschnitten. Mit heissem Wasser wird den Schnitzeln der Zucker entzogen. Der ausgepresste Saft wird gereinigt und eingedickt. In Kristallisatoren wird dem Saft unter Vakuum weiter Wasser entzogen und der Zucker kristallisiert. Aus rund 8 Rüben entsteht so ein Kilogramm Kristallzucker.