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Wer erinnert sich nicht an die grösste Oscar-Panne überhaupt, die sich bei der diesjährigen Verleihung ereignet? Eine etwas „abgelenkte“ Faye Dunaway verlas den Gewinner der Kategorie „Bester Film“: „sch’LALALAND!“. Warren Beatty war sich nicht so ganz sicher ob das denn stimmen würde (er zeigte den Inhalt des zuvor an ihn ausgehändigten Umschlags verdutzt seiner Präsentationspartnerin – ohne zu wissen, dass es das falsche Couvert war), aber längst war die halbe Belegschaft von LALALAND auf der Bühne, Jubel, Trubel. Irgendwann wurde die Dankesrede unterbrochen und einer der Produzenten sowie Beatty korrigierten den Riesenbock. Der tatsächliche Gewinner wurde ausgerufen: MOONLIGHT. Huch… durchaus eine Überraschung in all der Verwirrung.
Mit dieser Vorgeschichte alleine, müsste ein Release wie MOONLIGHT doch eigentlich einschlagen wie eine Bombe. Wie auch immer, Barry Jenkins Film bleibt ein kleines Projekt. Erzählt wird über mehrere Jahre die Geschichte von Chiron, der in einem der grössten Problemviertel Miamis aufwächst. In dem Dealer Juan findet er einen Vaterersatz, Chirons leibliche Mutter ist drogenabhängig und kaum fähig ihre Rolle wirklich zu übernehmen. Der Film macht einen Sprung in die späteren Jugendjahre Chirons und dann einen weiteren, der ihn als jungen Erwachsenen zeigt. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.
Besonders beeindruckend empfand ich den ersten Akt mit Mahershala Ali, der für die Rolle des Juan einen Oscar als bester Nebendarsteller errang. Seine Beziehung zum kleinen Chiron (damals Little genannt) und das Auffangnetz, das er und seine Lebenspartnerin ihm bietet, sind unaufdringlich, still und zum Glück nicht übermoralisierend. Das, die feinen Darstellerleistungen und die zurückhaltende Art und Weise Chirons Leben zu zeigen, zieht sich durch den ganzen Film und macht aus MOONLIGHT ein richtiges, kleines Meisterstück.
1.5 Millionen kostete der Film, dem gegenüber stehen weltweite Einnahmen von 55 Mio. und 27 Mio.$ an den US-Kassen. Da kann man durchaus von einem Riesenerfolg sprechen und so hat sich Barry Jenkins Einsatz und ein frühes Treffen mit Brad Pitt, der mithalf zum nötigen Geld zu kommen, gelohnt, dieses Projekt gegen einige Widerstände auf die Leinwand zu bringen.
Die Musik
Eine besondere Erwähnung geht an Nicholas Britell gelungene Filmmusik, ja, in der Tat ein richtiger Score für einen Film, den man locker auch mit Hip-Hop hätte füllen können. Aber der junge Komponist (A TALE OF LOVE AND DARKNESS, FREE STATE OF JONES) wusste in den ersten beiden Akten mit kleinem Ensemble und Klangexperimenten den richtigen Umgang zu finden und MOONLIGHT das zu geben, was der Streifen benötigte hie und da benötigte. Die dazu gehörende CD widerspiegelt das leider nicht, ist sie doch durchmischt mit anderen Stücken (u.a. Mozart) und Songs.
MOONLIGHT Regie: Barry Jenkins Darsteller: Mahershala Ali, Trevante Rhodes, André Holland, Ashton Sanders, Jharrek Jerome u.a. Musik: Nicholas Britell Verleih: Ascot Elite (zum Trailer) Veröffentlichung: 23.8.2017