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Der Franke Sigisbert kam im Umfeld der iroschottischen Wandermönche rheinaufwärts und errichtete in der unbewohnten Gegend der Desertina eine Einsiedelei. Der einheimische Rätier Placidus unterstützte ihn. Daraus entstand um das Jahr 700 das Kloster Disentis. Der gewaltsame Tod von Placidus wurde als Martyrium verstanden. Das Fest der Disentiser Gründungsheiligen Placidus und Sigisbert ist der 11. Juli. Es wird am vorausgehenden Sonntag gefeiert.
Das Kloster wurde mehrmals zerstört, jedoch nie aufgehoben. Im Jahr 940 überfielen Sarazenen das Kloster, 1799 steckten französische Truppen Kloster und Dorf in Brand. 1846 erlitt das Kloster durch Brandstiftung grossen Schaden.
Als Hüterin des Lukmanierpasses erlebte das Kloster Disentis unter den Kaisern Otto I. und Friedrich I. Barbarossa grossen Aufschwung. Im Spätmittelalter wirkten die Fürstäbte entscheidend bei der Gründung des “Grauen Bundes” und des späteren Kantons Graubünden mit.
Ende des 17. Jahrhunderts entstand die heutige barocke Klosteranlage. Seit 1880 führt das Kloster ein Gymnasium mit Internat.
Das Bündner Oberland machte im 20. Jahrhundert eine rasante Entwicklung durch: von der bergbäuerlichen Selbstversorgung zur Tourismusregion. Das Kloster der Gegenwart mit Internatsgymnasium und Seelsorgeleistungen ist ein geistiges und geistliches Zentrum. Die Benediktinergemeinschaft sieht sich mit der Bevölkerung der Cadi, der ehemaligen Klosterherrschaft «Casa Dei», und der Surselva eng verbunden.
Seit dem Jubiläumsjahr 2014 hat sich das Kloster stark nach aussen geöffnet. Es betreibt ein eigenes Café-Restaurant und bietet Übernachtungsmöglichkeiten für Männer und Frauen.
Disentis ist mit der Nähe zu wichtigen Alpenpässen seit jeher ein Ort, wo verschiedene Kulturen und Sprachen aufeinandertreffen. Dem Kloster Disentis ist es seit Jahrhunderten immer wieder gelungen, mit diesem Potenzial an Konflikten umzugehen und auch einen Beitrag zu einer konstruktiven Konfliktlösung zu liefern.
Das Kloster Disentis engagiert sich hauptsächlich in zwei Tätigkeitsbereichen. Das christlich-humanistisch orientierte Gymnasium & Internat Kloster Disentis (GKD) zielt auf die Zusammenführung von regionalen und internationalen Bildungsbedürfnissen. Das Klausur- und Kulturzentrum (KKD) Kloster Disentis ist Ort von Einkehr, Reflexion und Gemeinschaftsbefähigung.
“Das Kloster Disentis kennen zu dürfen ist für mich und für die Vertiefung meines geistlichen Lebens eine grosse Bereicherung. Es ist mein Herzensanliegen, in eine immer tiefer liebende Beziehung zu unserem Herrn Jesus Christus treten zu dürfen.
Gerne gehe ich in das Marienheiligtum, um zu beten. Ob alleine oder in der Gemeinschaft - mit leeren Händen wird man nie von dort weggehen müssen. Die Muttergottes beschenkt jede und jeden mit Kraft, Geborgenheit und Liebe. So wie es eben eine liebende Mutter tut.
Im Gespräch und Austausch mit den Mitbrüdern des Klosters über Freuden und persönliche Anliegen zeigt sich eine stetige Bereitschaft, füreinander zu beten. Alle Begegnungen im Kloster erfüllen mich immer sehr mit Freude.
Hat man diesen schönen Ort erstmals für sich entdeckt, wird es nicht bei einem einzelnen Besuch bleiben...”
CONDRAU, Gion 1996: Disentis/Mustér - Geschichte und Gegenwart. Disentis/Chur: Condrau SA.
KLOSTER-DISENTIS.CH: Benediktinerkloster Disentis: http://kloster-disentis.ch/ora/geschichte [14.11.2016].
STUDER, Walter 2013: Byzantinische Monumentalmalerei des 8. Jahrhunderts aus dem Kloster Disentis. In: Helvetia archaeologica 173/174, S. 2-29.
Bilder
Foto Nr. 1: Kloster_Disentis_(C)_Yves Bossard 001, Kirchentürme und links Klosterfassade
Foto Nr. 2: St.Placi 1_(C)_Gian-Andrea Huonder, Prozession an St. Placi (Klostergründungsfest – jährlich anfangs Juli)