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Wer rollte den Stein weg?
Liebe Christkatholikinnen
und Christkatholiken
Wann ist Ihnen das letzte Mal ein Stein vom Herzen gefallen? Diese Redewendung gibt es schon seit dem 15. Jahrhundert. Sie beschreibt die Beklemmung, die man in unangenehmen Situationen in der Brustgegend verspüren kann und die verschwindet, wenn sich das Problem löst.
Dann verspüren wir eine grosse Erleichterung in unserem Herzen, in unserer Seele, in unseren Gefühlen. Eine grosse Anspannung, der Druck oder die Angst sind weg. Wir sehen oder erfahren eine Wende. Die Last ist weg.
Wir alle kennen solche Situationen und Phasen aus unserer eigenen Lebensgeschichte.
Das gilt auch besonders für die Zeit der Corona Pandemie Covid 19.
- Wie geht es unseren Angehörigen im Spital oder im Altersheim? Sie brauchen uns; aber wir dürfen sie nur eingeschränkt besuchen.
- Wie geht es wirtschaftlich mit meiner Arbeit und meinem Betrieb weiter?
- Komme ich mit dem Kurzarbeitsgeld über die Runden?
- Kann ich die Prüfungen schaffen ohne Präsenzunterricht?
- Wer rollt uns den Stein weg?
Von einem solchen Stein redet auch die Bibel an Ostern in der Auferstehungsgeschichte beim Evangelisten Markus. Dort heisst es:
«Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und sahen, dass der Stein bereits weggewälzt war.»
Was bedeutet es in Zeiten von Corona vom leeren Grab, von der Auferstehung der Toten zu reden?
Als die 3 Frauen das Höhlengrab betraten, sahen sie eine weisse Gestalt, die sprach: Erschreckt Euch nicht. Ihr sucht Jesus. Aber er ist auferstanden, er ist nicht mehr hier. Geht hinaus und sagt es seinen Jüngern und Petrus.
Die drei Frauen hatten anfänglich Angst. Aber dann begriffen sie: Wir finden das Leben nicht bei den Toten.
Der Stein vor dem Grab ist weggewälzt. Er hat sich nicht in Luft aufgelöst, aber er ist zur Seite geschoben. Und er gibt den Weg frei! Das bedeutet doch, dass die Steine dieser Welt ins Rollen kommen. Unser Leben ist offen für Überraschungen, für Unerwartetes, für Neues und vielleicht gerade dann, wenn wir es gar nicht erwarten.
Wir wünschen Ihnen ähnliche Erfahrungen, wie den 3 Frauen am Grab.
Was sagt uns Ostern?
Ostern sagt uns: Das Leben geht weiter. Gott gibt uns Hoffnung und Zuversicht. Erleben wir, wie die Kraft des Auferstandenen Erstarrtes sprengt, so wie im Frühling die Natur zu neuem Leben erwacht.
Ostern möchte uns ermutigen zu vertrauen und daran zu glauben, dass alles gut wird, dass wir es zusammen schaffen.
Ostern ist Licht und schenkt uns die Gewissheit, dass sich Türen immer wieder öffnen, auch gerade im Dunkel unserer Zeit.
Manuela Petraglio-Bürgi
Bischof Harald Rein