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Gebot 10:
Das Feuer des Wissens reinigt
Die zehnte Lehre beschäftigt sich mit der Anwendung des Wissens. Es gibt zwei Arten des Wissens: spekulatives und operatives Wissen. Beide bilden die zwei Flügel des Wissens. Sie ergänzen einander und ermöglichen dem Schüler, in die Bereiche des Lichts einzugehen. Wissen ist erhebend. Es zeigt uns, welche Dinge in uns wünschenswert und welche unerwünscht sind. Wissen hilft uns zu erkennen, was Unwissenheit ist. Ebenso unterstützt es uns dabei, die dunklen Bereiche in unserer Persönlichkeit zu erkennen.
Wenn wir wissen, dass sich unter dem Bettlaken ein Insekt versteckt, werden wir uns sogleich darum bemühen, es zu entfernen. Ahnen wir jedoch nichts von dem Insekt, können wir im Schlaf von ihm gestochen werden. Über den Stich können wir uns nicht beschweren, denn es ist die Natur des Insekts zu stechen. Unsere Aufgabe ist es, das Insekt zu bemerken und es zu beseitigen. Genauso kann jede Persönlichkeit mit der Hilfe des Lichts, welches zum Wissen gehört, ihre unerwünschten Eigenschaften entdecken und sich Praktiken aneignen, um sie zu beseitigen. Das Verfahren zur Beseitigung, das die Lehrer vorschlagen, ist ganz anders als alle Methoden, die ein weltlicher Mensch kennt. Beispielsweise wünschen sich die weltlichen Menschen Frieden und keinen Krieg. Sie möchten gesund sein und nicht von Krankheit befallen werden. Doch dadurch, dass sie etwas nicht wollen, wird das Unerwünschte noch nicht beseitigt. Wenn wir in Frieden leben wollen, müssen wir unsere innere Einstellung ändern, die von Habgier, Konkurrenzkampf, Aggression und dem Willen zur Macht geprägt ist. Solange diese Eigenschaften in den Menschen vorhanden sind, wird es auch kleinere oder größere Kriege geben. Genauso müssen wir uns einen Lebensrhythmus in Bezug auf Ernährung, Arbeit und Schlaf aneignen, wenn wir gesund bleiben und nicht krank werden wollen. Es gibt einen Essens-, Arbeits- und Schlafrhythmus, den wir uns angewöhnen sollten.
Alle wünschen sich Frieden, Gesundheit und Wohlstand. Allein das Wünschen bringt uns nicht das, was wir wollen. Es gibt Techniken, die wir uns aneignen müssen, so dass wir in der Lage sind zu erhalten, was empfangen werden soll. Das operative Wissen ermöglicht uns, die richtige Beziehung zum eigenen Körper und Denken aufzubauen sowie ein Zusammenwirken zwischen dem Selbst und der Persönlichkeit zu erreichen. Wer dieses Zusammenwirken erarbeitet hat, wird als Yogî betrachtet. Er beherrscht seine Persönlichkeit und tut, was getan werden muss. Yoga vermittelt operatives Wissen. Es ermöglicht ein freundliches Zusammenspiel innerhalb der eigenen Person. Operatives Wissen erstreckt sich bis zur Vermittlung des Wissens, wie wir zu den fünf Elementen der Natur und zu den drei Naturreichen unterhalb des Menschenreichs richtige Beziehungen herstellen können. Außerdem erfahren wir, wie wir die Mitwirkung des Mineral-, Pflanzen- und Tierreichs sowie der fünf Elemente erhalten. Das operative Wissen reicht aber noch weiter: Es zeigt uns, wie wir die Zusammenarbeit der sieben planetarischen Prinzipien und der zwölf Sonnenzeichen gewinnen können. Darüber hinaus hilft es uns, die Mitarbeit der zehn Richtungsenergien Osten, Westen, Norden, Süden, Nordosten, Südosten, Südwesten, Nordwesten, oben und unten zu erringen. Durch operatives Wissen gewinnen wir auch die Zusammenarbeit der Überseele bzw. der Universalseele. Der Bereich des operativen Wissens ist unermesslich groß.
Operatives Wissen
Operatives Wissen erfordert regelmäßige Übung des gegebenen Verfahrens. Das Wissen kommt als Information zum Schüler, und wenn er es in sich selbst umsetzt, wandelt es sich in verfügbares Wissen um. Es ist nichts, über das man spekuliert, sondern es ist für die praktische Anwendung gedacht. Haben wir nur durch Information Wissen gesammelt, dann sind wir dadurch noch nicht zu Wissenden geworden. Ein Beispiel: Wenn wir gelesen haben, wie eine Mango schmeckt, vermittelt uns dieses Wissen nicht den Geschmack der Mango. Erst wenn wir eine Mango gegessen haben, wissen wir, wie sie schmeckt, weil wir sie erlebt haben. In unserer Zeit sammeln viele Leute viele Informationen, und sie reden darüber, ohne diese Informationen selbst erfahren zu haben. Sie sind wie Papageien.
Einem Papagei kann man ein kurzes Gedicht beibringen, das vom Göttlichen handelt. Der Papagei wiederholt das Gedicht, ohne zu wissen, was er wiederholt. Genauso gibt es in der ganzen Welt viele Redner, die laut über Informationen reden, die sie gelesen oder gehört haben, ohne persönliche Erfahrungen damit gemacht zu haben. Informationen werden nicht zum Wissen, solange sie nicht angewendet und verwirklicht wurden.
Ein weiteres Beispiel: Wenn wir den Satz lesen ’sei gut zu allen‘, dann ist dies eine Information. Können wir schon im nächsten Augenblick gut zu allen sein? Information ist kein Wissen. Die Information muss durch tägliche praktische Anwendung gelebt werden. Wir müssen uns den Anweisungen der Lehren fügen, sie jahrelang anwenden, uns den damit verbundenen Herausforderungen stellen und erfolgreich daraus hervorgehen. Dann haben wir die betreffende Lehre verwirklicht. Wenn wir Informationen durch Erzählen und Lesen sammeln, können sie noch keine Grundlage für das Lehren sein, sondern bestenfalls einen Vortrag abgeben. Vortragsredner unterscheiden sich von Lehrern. Wer die folgenden vier Schritte durchläuft, ist ein Lehrer:
1. Er bekommt Informationen, die zum operativen Wissen gehören.
2. Er unterzieht sich der entsprechenden praktischen Anwendung.
3. Er lebt das entsprechende Wissen.
4. Er unterrichtet jene, die nach solchem Wissen suchen.
Durch einen solchen Lehrer spricht die Erfahrung, denn er gibt nicht nur wieder, was bereits geschrieben wurde. Mit der Frische seiner Erfahrung präsentiert er alles ganz neu. Deshalb ist sein Unterricht magnetisch und erfüllend.
Spekulatives Wissen
Zusammenfassend kann man sagen: Alles Wissen, das Instruktionen gibt, muss praktisch angewendet und erfahren werden. Es ist operatives Wissen, das eine Hilfe im täglichen Leben darstellt. Die zweite Kategorie ist das spekulative Wissen. Es informiert über die Entstehung des Kosmos, die kosmischen Intelligenzen, die Bildung des Kosmos, die Gesetze der Alternierung, Pulsierung, Periodizität, die Gesetze von Licht und Dunkelheit, die Gesetze der Strahlung, Schwingung und Materialisierung, die Gesetze in Zusammenhang mit der Bildung der zentralen Sonne, der Sonnensystemgruppen, der Bildung der planetarischen Körper, der Aufgaben der Kometen usw. usw. Schon durch seine unermessliche Weite löst dieses Wissen den Schüler aus seiner örtlichen Begrenzung.
Jeder Mensch denkt an seine eigene Person und Aktivität, die ihm ganz großartig erscheinen. Egal wie großartig die Aktivität einer Person ist – verglichen mit der Aktivität des Kosmos ist sie belanglos. Wenn er den Kosmos und die Arbeit, die im Kosmos, auf der solaren und planetarischen Ebene geschieht, kennt, wird seine eigene Arbeit im Vergleich zu ihnen sehr klein und verliert jegliche Bedeutung. Im Zusammenhang mit der kosmischen Aktivität werden sogar große Werke großer Herrscher und mächtiger Königreiche bedeutungslos. Dies hilft dem Schüler, sich nicht aufzublähen und nicht in der Verblendung seiner Arbeit zu leben. Sie stellt nicht einmal ein winziges Teilchen des Ganzen dar. Die Schriften sagen, dass unser Planet Erde im Vergleich zum ganzen Kosmos die Größe eines Senfkorns hat. Stellen wir uns nun vor, welche Bedeutung eine Person auf diesem senfkorngroßen Planeten hat. Spekulatives Wissen hilft jedem Menschen, sich vom Ego und vom Stolz der Persönlichkeit zu befreien. Im kosmischen Zusammenhang ist er ein Niemand, und seine Aktivität ist belanglos. Wenn wir uns mit Astronomie beschäftigen, spüren wir bereits die Nutzlosigkeit unseres Tuns. Spekulatives Wissen bewahrt uns davor, unsere Aktivität hinauszuposaunen, denn sie ist bedeutungslos. Wie sehr kümmert uns die Aktivität einer Fliege, einer Mücke und ähnlicher kleiner Lebewesen? Achten wir überhaupt auf sie? Aber für die Fliegen, Mücken und andere Insekten ist ihre Tätigkeit sehr groß. Spekulatives Wissen hilft uns, aus allen Illusionen herauszukommen und zur Wahrheit zu gelangen. Ist dies für uns, die kleinen Menschen auf der Erde, nicht wirklich wichtig?
Das operative Wissen hilft uns, als Seele zu leben. Durch das spekulative Wissen wird es uns möglich, demütig zu sein und am großen Plan mitzuwirken. Aus diesem Grund gibt der Herr diese Anweisung.
… wird fortgesetzt