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Inhaltsstoffe Teil 2
Biliäre Ausscheidung von Arzneistoffen über den Stuhl
Die Galle - Bilis - wird in der Leber gebildet
Die Galle ( lat. bilis) ist eine Flüssigkeit, die in der Leber gebildet wird. Sie besteht zu 75 Prozent aus Wasser und enthält außerdem Gallensäure und Phospholipide, die bei der Verdauung der Nahrungsfette
eine wichtige Rolle spielen. Mit der Galle werden verschiedene körpereigene und körperfremde Substanzen, die in der Leber aus dem Blut gefiltert und in die Galle aufgenommen werden, ausgeschieden. Dazu gehören unter anderem der Gallenfarbstoff, Hormone wie Steroide oder Insulin, Cholesterol und Medikamente. Die Galle wird in der Gallenblase gesammelt und gelangt über den Gallengang in den Dünndarm.
Es werden bevorzugt große Moleküle ausgeschieden
Über die Galle werden vor allem grosse Arzneistoffmoleküle ausgeschieden. Der Arzneistoff wird dabei entweder unverändert oder nach seiner Verstoffwechselung in der Leber über die Galle in den Dünndarm abgegeben. Besonders Antibiotika wie z.B. Tetrazycline, Sulfonamide und Chloramphenicol unterliegen in hohem Mass der biliären Ausscheidung. Sie sind teilweise sogar noch bakteriostatisch wirksam, während sie schon dem Ausscheidungsprozess unterliegen und in die Galle übergehen.
Über den Darm aufgenommene Substanzen gelangen mit dem Blut in die Leber
Die Leber ist ein sehr stark durchblutetes Organ, in dem die meisten Umwandlungen von Substanzen stattfinden. Die Substanzen werden vorher über die Darmschleimhaut resorbiert (in das Blut aufgenommen) und über das Pfortaderblut der Leber zugeführt (vgl. Blutkreislauf: Pfortader). Da die Leber sehr gut durchblutet ist, verfügt sie über ein grosses Blutvolumen. Sie enthält in den Gefässen und zahlreichen kleinsten Hohlräumen, den Sinusoiden, etwa 500 ml Blut. Hierdurch wird die Strömungsfläche stark vergrössert. Dadurch verlangsamt sich der Blutstrom, wodurch ein intensiver Stoffaustausch zwischen Blut und Leberzellen (Hepatozyten) ermöglicht wird. Noch weiter unterstützt und erleichtert wird dieser Stoffaustausch durch den speziellen Aufbau der Innenwand (Endothel) in den Hohlräumen. Durch die grosse Durchlöcherung des Endothels wird es sogar grossen Molekülen möglich, schnell die Blutbahn zu verlassen. Lipophile bzw. fettlösliche Stoffe werden dabei bevorzugt in die Leberzelle aufgenommen.
Der Arzneistoff wird in die Leberzellen aufgenommen
Ist der Arzneistoff aus dem Blut in die Leberzellen übergegangen, wird er dort mit zahlreichen Enzymen konfrontiert. Er unterliegt einer Biotransformation. Je nachdem, welche chemische Struktur das Arzneimittel hat, kann es dabei verschiedenen Reaktionen unterliegen. Sein chemischer Aufbau wird verändert und so seine Wirksamkeit entweder zerstört oder erst hergestellt. Dies ist bei den sogenannten "Prodrugs" der Fall, die in inaktiver Form in den Körper gelangen und durch Umwandlung erst in ihre eigentliche Wirkform überführt werden. Auch seine Eigenschaften hinsichtlich der Löslichkeit werden beeinflusst, so dass aus einem lipophilen Wirkstoff ein hydrophiler, wasserlöslicher, entsteht. In dieser Form wird er dann eher über die Niere als über die Leber ausgeschieden (vgl. renale Ausscheidung), sofern seine Molekülgrösse dies zulässt und nicht ein bestimmtes Ausmass überschreitet.
Es findet ein chemischer Umbau statt
Ein Grossteil der Arzneistoffe wird in den Hepatozyten (Leberzellen) durch bestimmte Enzyme, den Glucurontransferasen, an die Glucuronsäure gebunden. Durch diese eingegangene Bindung entstehen Produkte mit erhöhter Wasserlöslichkeit, wodurch der Übergang in die Gallenflüssigkeit begünstigt begünstigt wird. Je nach Grösse der Bindungsprodukte, sie dürfen nicht zu gross sein, gelangt ein Teil aber auch wieder in die Blutbahn zurück. Sie werden dann in der Niere glomerulär filtriert und ohne Rückresorption direkt mit dem Urin ausgeschieden. Eine Rückresorption erfolgt nicht wegen der durch die Glucuronsäure erlangten hohen Wasserlöslichkeit.