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Die Geschichte unserer Genossenschaft ZMP
Der landwirtschaftliche Strukturwandel prägt die Geschichte der ZMP. Im Jahr 1907 wurde die ZMP unter dem Namen Milchverband Luzern (MVL) gegründet. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg der MVL, wiederum zum Zweck der Selbsthilfe, in die Milchverarbeitung ein. Seine Produktionsbetriebe gehörten zu den modernsten und innovativsten der Schweiz.
1993 wandelte der Verband die bisher als Spartengesellschaften geführten Bereiche (Käsereien/Molkereien) in Aktiengesellschaften um und gründete die Emmi AG. 1998 erfolgte die operative Trennung zwischen Milchverband (MVL) und Emmi. 1999 ändert der MVL seinen Namen in Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP. Im Hinblick auf die Aufhebung der staatlichen Milchkontingentierung bündelten wir das Milchangebot in unserem Gebiet und reorganisierten uns auf den 1. Mai 2006 zur Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP mit Direktmitgliedschaft der Milchbauern und Milchbäuerinnen im Gebiet ZMP.
Mehr Details zur Geschichte der ZMP sowie zur Milch- und Landwirtschaft finden Sie unten.
1900
1910
1920
1930
1940
1950
1960
1970
1980
1990
2000
2005
2010
2015
2020
1900 - 1909: Jahre der Entstehung
Genossenschaften werden gegründet
Aus der Geschichte ist bekannt, dass als Folge des veränderten wirtschaftlichen und politischen Umfelds die ersten Gründungen von strukturierten bäuerlichen Selbsthilfeorganisationen bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgten. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgte eine zweite grosse Welle von Gründungen, meistens in der Form von Genossenschaften oder Genossenschaftsverbänden.
Genossenschaften schliessen sich zusammen
Da die Schweizer Bauern die Vorteile des gemeinsamen Verarbeitens und Verkaufens von Milch bereits früh erkannten, bildeten sich im 19. Jahrhundert viele kleine Verbände. Währenddessen organisierten sich die Milchhändler bereits in grösseren Genossenschaften. Die Bauern waren somit den Abnehmern ausgeliefert und hatten kein Mitspracherecht beim Milchpreis. Sie beschlossen, sich zu wehren. So schlossen sich am 9. Februar 1907 in Luzern insgesamt 62 kleinere Genossenschaften und Gesellschaften zu einem grösseren Verband zusammen. Der Zentralschweizerische Milchverband MVL wurde geboren (Filmausschnitt: Gründung MVL 1907).
1910 - 1919: Milchrationierung im Ersten Weltkrieg
Schweiz erlebt erste Milchschwemme
Einige Jahre vor Ausbruch des ersten Weltkrieges erlebt die Schweiz die erste Milchschwemme. 1918/19 kam die Kehrtwende: als Folge des zwangsweisen Anbaus von mehr Getreide und Kartoffeln erlebte die Milchproduktion einen gewaltigen Rückgang. Dieser führte zur Rationierung der Milch und zur vorübergehenden Teuerung.
Butterzentrale Luzern und Schweizerische Käseunion werden gegründet
Da die Milchproduktion während des ersten Weltkrieges rückläufig ist, übertragen die politischen Behörden den Milchverbänden die Versorgung des Landes mit Milch und Butter. Um dem Auftrag der gerechten Verteilung der rationierten Milchprodukte zu erfüllen, gründet der MVL (zusammen mit dem Milchkäuferverband) die Butterzentrale Luzern. Ausserdem wird in diesen Kriegsjahren von den Milchproduzenten, Käsehändlern und dem Bund die Schweizerische Käseunion gegründet.
Hotel Oberland wird erworben
Zur Unterbringung aller Mitarbeiter/-innen erwirbt der MVL im Herbst 1917 das ehemalige Hotel Oberland an der Sempacher-/Habsburgerstrasse in Luzern. Ab 1993 teilen sich MVL und Emmi diesen Geschäftssitz. Aus Platzgründen verlegt die ZMP 2004 ihren Geschäftssitz an die Friedentalstrasse. Emmi bleibt noch 10 weitere Jahre an der Habsburgerstrasse bis sie an die Landenbergstrasse, an ihren neuen Hauptsitz, zieht. Die Liegenschaft Habsburgerstrasse 12 ist heute noch im Besitz der ZMP.
Käsehandelorganisation reguliert die Preise
Der Käsehandel versucht, ähnlich wie die Milchhändler, eine Monopolstellung zu schaffen und die Preise zu drücken. Also gründen die Milchproduzenten eine Käsehandelorganisation, die spätere Emmental AG.
1920 - 1929: Vom Milchmangel zur Milchschwemme
Milchproduktion steigt wieder landesweit
Die Sorge um die genügende Versorgung der Bevölkerung mit Milch während des Krieges und den ersten Nachkriegsjahren schlug im Jahr 1922 plötzlich ins Gegenteil um (Milchschwemme mit starken Absatzschwierigkeiten). Dazu trug Verschiedenes bei, wie die vermehrte Milchproduktion in anderen Ländern, Zollerhöhungen und Importbeschränkungen. Dazu kam, dass die Landwirte mit dem Wegfall des Anbauzwangs für Getreide und Kartoffeln rasch wieder zu der einseitigen Milchwirtschaft der Vorkriegszeit umschwenkten. Der Einsatz der beinahe sämtlich verfügbaren finanziellen Mittel der Milchverbände und die Reserven der Schweizerischen Käseunion reichen nicht aus, um die Verluste zu decken. Einzig durch eine besondere Hilfsaktion des Bundes können garantierte Preise ermöglicht werden.
MVL investiert in Butterzentrale und Käsereien
In die zweite Hälfte der Zwanzigerjahre fällt der Ankauf der Käserei Neuhüsern-Emmen und der Käsehandlung Muther & Cie. AG. In der selben Zeit schenkt der MVL besondere Aufmerksamkeit der Erweiterung der Butterzentrale. Mit besserer Technik und modernen Maschinen soll die Qualität des Schweizer "Ankens" auf die Stufe des nordischen Tafelbutters gehoben werden.
1930 - 1939: Krisenjahre mit hohen Preisstützungen
Milchkontingentierung wird erstmals eingeführt
Der Milchpreis sinkt von 33 auf 19 Rappen. 1933 bis 1936 führt der Staat erstmals eine Art Milchkontingentierung ein, um die steigende Milchmenge und die fallenden Milchpreise wieder in den Griff zu bekommen. Die Unterstützung der Milchverbände ist in dieser Zeit unerlässlich. Die Genossenschaften aus den anderen Zentralschweizer Kantonen treten dem Milchverband Luzern (MVL) bei.
Milchqualität zunehmend im Fokus von Bund und Milchverbänden
1886 kam vom Bundesrat erstmals die Weisung, die Milchqualität zu fördern. Der Einsatz von ersten Inspektoren erfolgte und 1911 entstand eine milchwirtschaftliche Station in Sursee.
1931 kam die Verordnung des Bundes über Käserei- und Stallinspektionen. So konnte die Milchqualität mehr oder weniger überwacht werden. Erst in den 70er-Jahren wird eine national einheitliche Qualitätskontrolle eingeführt, primär auch mit der Gründung des Milchwirtschaftlichen Kontroll- und Beratungsdienstes (MKBD).
Für die Milchqualitäts-Kurse wurden eigens Informationsfilme gedreht (siehe Filmausschnitt).
1940 - 1949: Schweiz erlebt eine erneute Knappheit
Plan Wahlen: Selbstversorgung der Schweiz soll gesichert werden
Auch im Zweiten Weltkrieg befehlen die Behörden den Mehranbau von Kartoffeln und Getreide anstelle der Milchproduktion. Bis dahin hat die Schweiz fast die Hälfte aller Lebensmittel importiert. Mit der "Anbauschlacht" (Plan Wahlen) will sie eine Lebensmittelknappheit bei Importausfällen verhindern. Von dieser Regelung sind nicht nur die Milchverbände betroffen, sondern auch Privatpersonen. Alle sind gezwungen, auf jeglichem verfügbaren Land bis in grosse Höhen Kartoffeln, Getreide und Gemüse anzubauen (unten Filmausschnitt zur "Anbauschlacht").
Milchregulierstelle und Produktionsbetriebe werden ausgebaut
Die Milchverbände sind erneut verantwortlich, das Land mit Milch und Milchprodukten zu versorgen. Dafür kauft der MVL 1944 eine alte Sennhütte in Hasli-Emmen und baut diese zur Milchregulierstelle um. 1945 wird der Käsereibetrieb Neuhüsern-Emmen zu einem Produktionsbetrieb ausgebaut, der Weichkäse und Quark herstellt. Der Betrieb verzeichnet seinen ersten Käseexport, welcher über die Jahre stetig erhöht wird.
Marke «Emmi» wird geboren
1947 taucht erstmals Emmi als Markenname auf einem Weichkäse des MVL-Betriebs Neuhüsern Emmen auf.
1950 - 1959: Der Aufschwung nach dem Krieg
Plandwirtschaft und Steigerung der Milchproduktion
Mit dem Kalten Krieg im Nacken und den beiden Weltkriegen in Erinnerung fordert der Bund die Landwirte auf, möglichst viel zu produzieren. Vorschriften und Gesetzte wie in einer Planwirtschaft beherrschen den Alltag, dafür erhalten die Milchproduzenten einen staatlich garantierten Milchpreis.
Im Jahr 1954 startet der MVL die Jogurtproduktion im Betrieb Neuhüsern Emmen.
1960 - 1969: Ein neues Konsumverhalten
Konsumverhalten verändert sich
In den sechziger und siebziger Jahren vollzieht sich - durch den zunehmenden Wohlstand - ein rascher Wandel des Konsumverhaltens. Der Konsum der Rohmilch geht drastisch zurück und ein reiches Angebot an ausländischen Produkten weckt gesteigerte Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten. Im Jahre 1960 nimmt der MVL die neue Milchpulverfabrik Dagmersellen in Betrieb. Der Trend zu pasteurisierter Milch setzt ein und die Verkaufszahlen von Jogurt und Rahm steigen.
1964 exportiert der MVL Jogurts erstmals auch nach Deutschland. Zwischen 1966 und 1968 verlegt der Verband die Jogurtproduktion in den neuen Milchhof Emmen.
Industrialisierung findet Einzug in die Schweizer Landwirtschaft
Die Melkmaschine setzte sich in der Schweiz bereits 1955 durch, der eigentliche Boom erfolgt aber erst in den 60er und 70er Jahren. Dies bedeutet eine grosse Arbeitserleichterung im Stall. Die Mechanisierung in der Milchproduktion birgt aber auch Gefahren: Der Kampf um die Qualität der Milch soll eine Daueraufgabe der Verbände, so auch des MVL, werden.
1970 - 1979: Milchschwemme, Butterberg und Käseüberschuss
Milchkontingentierung* wird eingeführt
Wegen der unaufhörlich steigenden Milchmenge schränkt der Bund 1970 zum zweiten Mal die Basismilchmenge ein. Auch die Verbände rufen zu einer massvollen Produktion der Milch auf, werden aber ignoriert. Ab 1977 gilt eine dringliche Regelung des Bundes zur Milchkontingentierung. Am 1. Mai 1979 wird sie für die nächsten 30 Jahre endgültig Wirklichkeit. Die Milchverbände werden vom Bund verpflichtet, die Kontingentierung bei ihren Mitgliedern sicherzustellen.
*Die Milchkontingentierung wurde vom Bund eingeführt, um die unkontrolliert steigende Milchmenge und damit auch die Milchpreise in den Griff zu bekommen. Milchkontingente sind Lieferrechte, die den Produzenten zugeteilt werden und entsprechend genutzt werden können (Milchproduktion und Handel der Milchkontingente).
Verband entwickelt sich weiter
In dieser wechselhaften Zeit entwickelt sich der MVL stetig weiter. Er fasst mit seinen Produkten Fuss in Saudi-Arabien, Hongkong und Singapur. Der MVL exportiert lang haltbare patentierte Fruchtjogurt und Dosenmilch. Ausserdem wird 1976 in der ehemaligen Weichkäserei Neuhüsern die Produktion von Mozzarella aufgenommen.
Filmausschnitt aus der zur damaligen Zeit hochmodernen Butterzentrale Luzern.
1980 - 1989: Förderung des internationalen Handels
Kampf um den Platz im Kühlregal beginnt
Bilaterale Abkommen und der Abbau von Zolltarifen führen zu mehr Handel mit der EU und erhöhtem Konkurrenzverhalten. Neue Produkte müssen entwickelt und vermarktet werden. Das Auge kauft mit, und Werbung wird wichtiger als je zuvor (siehe hierzu Filmausschnitt unten).
Käseüberschüsse werden günstig exportiert
Trotz der Milchkontingentierung produziert die Schweiz immer noch einen deutlichen Überschuss an Käse. Durch die Planwirtschaft ist der Bund verpflichtet, via Käseunion die überschüssigen Produkte den Produzenten abzukaufen und viel zu günstig ins Ausland zu exportieren. Um bei der ausländischen Konkurrenz preislich mithalten zu können, muss die Schweiz die Käseexporte quersubventionieren.
Emmi-Jogurt wird in grossem Stil exportiert
In den Jahren 1980/81 exportiert der MVL (Milchhof Emmen) über 30 Millionen Becher Emmi-Jogurt ins Ausland. Eine Spezialität, sechs Monate haltbarer Jogurt in Aluminium-Bechern, findet den Weg nach Saudi Arabien und Ostasien.
1990 - 1999: Von der Planwirtschaft zur freien Marktwirtschaft
Planwirtschaft steht in der Kritik
Das System der Planwirtschaft, welches die Schweiz seit Ende des Zweiten Weltkrieges verfolgt, gerät immer mehr aus den Fugen. In jeglichem Produktionsschritt wird genau definiert, wer wie viel verdient und für wie viel Geld das Endprodukt verkauft wird. Die Schweizer Bauern und Bäuerinnen sind praktisch Staatsangestellte, und die bürokratischen Aufwände sind in der Zwischenzeit enorm. Daher herrschen grosse Unruhe in der Milchwirtschaft. Der Bundesrat kürzt das Budget für die Käse und die Butterverwertung und setzt die 1995 beschlossene Milchpreissenkung um.
1993 gründet der MVL die Emmi AG
Im Hinblick auf die künftige Agrarpolitik und die Marktentwicklungen entscheidet der MVL, alle seine Produktionsbetriebe in selbständige Aktiengesellschaften umzuwandeln. So gründet der MVL 1993 die Emmi AG. 1996 fasst der MVL die kommerziellen Beteiligungen im Wert von 20.6 Mio. Franken in der Emmi AG zusammen und wird damit zur Holdinggesellschaft (siehe hierzu Filmausschnitt unten).
1999 reorganisiert der Verband seine Geschäftsstelle mit zusätzlichen personellen Ressourcen und gibt sich den neuen Namen Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP. Die Bezeichnung MVL (Milchverband Luzern) stammte noch aus der Gründungszeit und war nicht mehr organisationskonform.
Agrarpolitik 2002 wird ausgearbeitet und 1999 umgesetzt
Mit der Einführung der Agrarpolitik 2002 verabschiedet der Bund am 1. Januar 1999 die Planwirtschaft. Der Bereich der neuen Agrarpolitik, welcher die Milch betrifft, tritt am 1. Mai 1999 in Kraft. Im selben Jahr noch fällt die Milchpreisgarantie weg. Die Milchbauern müssen die Preise mit den Milchverarbeitern von nun an selbst aushandeln. Der Bund entscheidet auch, die im Ersten Weltkrieg ins Leben gerufene Schweizerische Käseunion und die in den 30er Jahren gegründete schweizerische Zentralstelle für Butterversorgung aufzulösen. Die beiden staatlichen Organisationen hatten sich in planwirtschaftlicher Manier um den Käse- und Butterabsatz gekümmert.
2000 - 2004: Krise in der Schweizer Milchwirtschaft
Käsereien müssen ihren Betrieb aufgeben
Von den Nachwehen der Agrarpolitik 2002 und der damit verbundenen Auflösung der Schweizer Käseunion sind insbesondere die ehemaligen "Unionssorten" Emmentaler, Gruyère und Sbrinz stark betroffen. Die Auflösung der Käseunion hat dazu geführt, dass die Exportsubventionen für Käse massiv gesenkt wurden und der hohe Produktionsüberschuss vom Bund nicht mehr abgenommen wird.
Die Überkapazitäten beim Käse führen zwangsweise zu einer Strukturbereinigung bei den Käsereien. Allein in der Zentralschweiz werden 27 Sbrinz- und 23 Emmentaler-Käsereien geschlossen. Die ZMP war sich dieser Problematik schon vor der Jahrtausendwende bewusst und gründetet die Sortenorganisation Sbrinz Käse GmbH. Parallel entstehen im Schweizer Käsemarkt auch weitere Sortenorganisationen, wie zum Beispiel Emmentaler Switzerland, Interprofession Le Gruyère und andere.
Bilaterale Verträge treten in Kraft
Die ganze Situation verschärft sich noch weiter, als ab dem 1. Juni 2002 die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU in Kraft gesetzt werden. Mit diesem Schritt wird der Käsemarkt zwischen der EU und der Schweiz 2007 liberalisiert. Zudem fallen die Einkommen der Milchproduzenten im Jahr 2002 auf ein katastrophales Niveau. Nur noch Selbsthilfemassnahmen der Milchproduzenten und zusätzlich finanzielle Mittel des Bundes verhindern ein Zusammenbruch der Schweizer Milchwirtschaft.
Grounding Swiss Diary Food AG
Wie gross die Krise in der Schweizer Milchwirtschaft wirklich ist, manifestiert sich im Zusammenbruch des grössten Molkereiunternehmens der Schweiz, der Swiss Dairy Food AG (SDF). Mit der Übernahme des Käsegeschäftes und des Molkereimilchbereichs der SDF avanciert Emmi mit einem Schlag zum grössten Molkereiunternehmen der Schweiz. Bereits im Jahr 1999 hatte Emmi das Käsezentrum von Coop in Kirchberg übernommen. Mit den beiden Übernahmen festigt Emmi ihre Marktposition im Schweizer Käsemarkt.
Anfang Dezember 2004 geht Emmi an die Börse. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für den Ausbau des Unternehmens gegeben.
Geschäftsstelle zieht an die Friedentalstrasse um
Jahrzehnte war der Sitz des MVL respektive der ZMP an der Habsburgerstrasse 12 in Luzern. Zunehmend braucht Emmi mehr Büroraum, der ZMP fehlt jedoch die notwendige Infrastruktur, insbesondere Sitzungszimmer und Parkplätze. Am 16. Februar 2004 findet der Umzug an den neuen Geschäftssitz ZMP an die Friedentalstrasse 43 statt.
2005 - 2009: Die Zeit ums 100-Jahr-Jubiläum sind geprägt von Krisen
Reorganisierte ZMP tritt vorzeitig aus der Milchkontingentierung aus
In der Agrarpolitik 2007 wurde beschlossen, die staatliche Milchkontingentierung im 2009 aufzuheben. Der Bund räumte den Verbänden die Möglichkeit ein, ab 2006 vorzeitig aus der Milchkontingentierung auszusteigen, sofern sie entsprechende Strukturen wie zum Beispiel die einer Produzentenorganisation schaffen.
Die Delegierten ZMP entscheiden den vorzeitigen Ausstieg. Der Genossenschaftsverband, in dem die 278 Käserei- und Milchgenossenschaften bis anhin Mitglied waren, reorganisiert sich zur Genossenschaft mit Direktmitgliedschaft der Milchbauern/-bäuerinnen. Mit dieser Reorganisation wurde auch ein hoher Organisationsgrad angestrebt, der sehr gut erreicht wird (4'200 Mitglieder oder 93 % der in der Zentralschweiz ansässigen Milchproduzenten).
Der Entscheid beinhaltet auch den vorzeitigen Ausstieg per 1. Mai 2006 aus der Milchkontingentierung. Ab diesem Datum kauft die ZMP die Milch ihrer Mitglieder ein, nimmt den Milchtransport (Logistik) wahr und verkauft die Milch an die verarbeitenden Unternehmen in der Zentralschweiz. Der Start im Milchgeschäft ist gelungen: 2006 kann die ZMP ihren Milchlieferanten den zweithöchsten Milchpreis der Schweiz ausbezahlen.
ZMP Invest AG wird gegründet
In den Statuten ZMP ist seit 1999 festgehalten, dass die ZMP die Mehrheit am Aktienkapital der Emmi AG hält. Im Jahr 2006 gründet die ZMP ihre 100-prozentige Tochterfirma, die ZMP Invest AG, und überträgt ihr die Beteilung an der Emmi AG. Das Ziel ist, dass allfällige weitere Beteiligungen künftig durch die ZMP Invest AG eingegangen werden, und nicht mehr durch die Genossenschaft selbst.
Milchpreise erleben kurz eine Trendwende, fallen danach auf Rekordtiefe
Wie die ZMP wagen 2006 auch die meisten anderen Milchverbände den vorzeitigen Ausstieg aus der Milchkontingentierung. Bezüglich Organisationsgrad haben sie jedoch weniger Erfolg. Die Anzahl der Organisationen verdreifacht sich. Alle nutzen beinahe "ungebremst" das Instrument der Mehrmengen, welches der Bund im Rahmen des vorzeitigen Ausstiegs ermöglicht. Anfangs ist die Entwicklung am Schweizer Milchmarkt grundsätzlich noch positiv, der Käseexport kann sogar gesteigert werden. Ab 2007 gibt es eine Trendwende. Die Mehrmengen führen zu einem deutlichen Überangebot an Milch, was einen enormen Druck auf die Milchpreise ausübt. Hinzu kommen noch Absatzeinbrüche beim Käseexport. Die Milchbauern und -bäuerinnen rufen Milchstreiks aus.
Aufhebung der Milchkontingentierung fällt ungünstig
2009 brechen die Preise auch auf den internationalen Märkten deutlich ein, auch aufgrund der Weltwirtschaftskrise. Wegen der prekären Mengensituation einigt sich die Schweizer Milchbranche, fünf Prozent der Schweizer Milchmenge zu Weltmarktpreisen abzuräumen. Bauerndemonstrationen in ganz Europa und auch in der Schweiz sowie die Uneinigkeit unter den Akteuren in der Schweizer Milchwirtschaft prägen das Bild. Diese Krise verunsichert die Milchproduzenten zutiefst. Mit der Gründung einer Branchenorganisation Milch kehrt etwas Ruhe auf dem Schweizer Milchmarkt ein.
Personelle Veränderungen prägen das Jahr 2009
Die Unzufriedenheit der Mitglieder ZMP mit den Führungsgremien der Genossenschaft manifestiert sich auch an der Delegiertenversammlung. Die Delegierten fordern an ihrer ausserordentlichen Versammlung im Februar 2009 "Köpfe" auf der strategischen und operativen Ebene. An der ordentlichen Delegiertenversammlung wird fast die Hälfte der Vorstandsmitglieder neu gewählt. Auch personelle Abgänge in der Geschäftsleitung sind die Folge.
Die Wende kommt mit der Neuausrichtung der Strategie ZMP, mit einer verstärkten Konzentration auf das "eigene" Unternehmen Emmi und der Reorganisation der Geschäftsstelle. Auf strategischer Ebene wird das Projekt "Fit für die Zukunft" angestossen.
Bild: Streik von Milchproduzenten aus der ganzen Schweiz an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung ZMP vom Februar 2009.
2010 - 2014: Der Wettbewerb geht weiter
Milchbranche wird stark gefordert
Die erst kürzlich ins Leben gerufene Branchenorganisation (BO) Milch hat einen neuen Anlauf zur Stabilisierung des Milchmarkts genommen. Ab 1. Januar 2011 gilt die Segmentierung in A-, B- und C-Milch gemäss Produktportefeuille des jeweiligen Verarbeiters, die Vertragspflicht zwischen Produzentenorganisation oder Direktlieferanten und Verarbeitern sowie eine höhere Transparenz am Milchmarkt.
Die Milchbranche ist 2011 insgesamt sehr gefordert, die BO Milch kann ihre beschlossenen Massnahmen nur teilweise umsetzen. Im selben Jahr tritt der Dachverband SMP (Schweizer Milchproduzenten) aus der BO Milch aus, weil er mit dem Branchenverband nicht zufrieden ist.
Milchpreise sinken auf historischen Tiefstand und erholen sich wieder
Aufgrund der prekären Situation am Milchmarkt fordern 2012 Milchproduzentengruppierungen politische Massnahmen zur Stabilisierung des Milchmarktes. Auch die Käsepreise für Emmentaler AOP und somit die Milchpreise für Emmentaler Käsereimilch sind auf sehr tiefem Niveau. Die Segmentierung der BO Milch beginnt jedoch Wirkung zu zeigen, und es folgt eine Trendwende an den Milchmärkten. 2014 steigt die Milchproduktion im In- und Ausland auf Rekordhöhe an, gefördert durch die optimalen Witterungsbedingungen, gute Absatzbedingungen und den relativ hohen Milchpreisen.
Reorganisation ZMP (Fit für die Zukunft)
Im Reorganisationsprozess ZMP wird 2011 die Anzahl Delegierte fast halbiert, Wahlkreisleitungen in den 10 Wahlkreisen installiert und ein Regionalausschuss als neues Organ ZMP eingesetzt, da alle bisherigen Arbeitsgruppen und Ausschüsse (ausser Ausschuss Personelles) aufgehoben werden. Neu besteht der Vorstand aus 7 statt 16 Mitgliedern.
Ausserdem kann die ZMP das Projekt Rückvergütung Emmi Erfolg umsetzen, womit die Mitglieder 2011 erstmals direkt vom Erfolg der Emmi (Dividendenausschüttung) profitieren können.
ZMP erhält NPO-Label
2009 ist die ZMP ISO-9001:2008 zertifiziert worden. Im September 2013 wird die ZMP mit dem NPO-Label für Management Excellence ausgezeichnet. Damit ist sie die erste milchwirtschaftliche Organisation in der Schweiz, welche mit dem NPO-Label zertifiziert ist.
Bild: Auszeichnung Mitglieder ZMP für einwandfreie Milchqualität an der Delegiertenversammlung.
2015 - 2019: Der Nachhaltigkeitstrend erreicht die Milchbranche
EU hebt Milchquote auf
Die EU hebt am 1. April 2015 die Milchquote (Milchkontingentierung) auf, worauf viele Länder ihre Milchmenge stark ausdehnen. Russlands Einfuhrverbot für Lebensmittel aus der EU (Embargo) und die sinkende Nachfrage nach Milchprodukten in Asien verschärfen die Problematik. Das Mengenüberangebot führt zu erneut rekordtiefen Milchpreisen in Europa und weltweit.
Klimawandel und Nachhaltigkeit im Fokus
Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sind sich zunehmend einig, dass der Klimawandel ein globales Problem ist. 2015 vereinbaren Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in Paris neue Ziele für die Bekämpfung des Klimawandels (Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und einen Anstieg von weniger als 1,5 °C anzustreben). Auch die Schweiz unterschreibt das Pariser Abkommen.
Klima und Nachhaltigkeit in der Milchproduktion sind ab 2016 präsente Themen auch in der Schweizer Milchwirtschaft. Die grossen internationalen Milchverarbeiter setzen immer stärker auf eine Differenzierung über die Art und Weise, wie Milch produziert wird. Zusammen mit der Diskussion über die Trockenheit steht 2018 die Schweizer Landwirtschaft erneut im Fokus der Politik und Öffentlichkeit. Initiativen wie «Fairfood», «Ernährungssouveränität» und «Hornkuh-Initiative» stehen im Mittelpunkt. 2019 kommen weitere Nachhaltigkeitsanliegen in der Landwirtschaft dazu, wie in der geplanten Agrarpolitik (AP) 2022+, diverse Volksinitiativen und Klimadiskussionen. Auf den 1. September 2019 wird zudem der neue Branchenstandard für Schweizer Milch – «swissmilk green» – eingeführt. Mit der Einführung des neuen Branchenstandards für nachhaltige Schweizer Milch können die Milchpreise erhöht werden. Diese klare Differenzierungsstrategie in der Milchproduktion hilft dabei, das höhere Schweizer Preisniveau gegenüber dem Ausland mittel- bis langfristig zu verteidigen.
ZMP knackt den Rekord beim Milcheinkauf
2017 hat die ZMP mit einem Milcheinkauf von total 409 Mio. Kilogramm Milch erstmals die 400-Mio.-Grenze überschritten. Ein Jahr später knackt die ZMP erneut den Rekord im Milcheinkauf mit 427 Mio. Kilogramm Milch.
ZMP Invest AG hält und baut diverse Beteiligungen aus
Zwecks Absatz- und Standortsicherung hält die ZMP Invest AG neben der Beteiligung Emmi weitere Beteiligungen an milchverarbeitenden Unternehmen. Der Anteil am Aktienkapital Neue Napfmilch AG wird 2016 ausgebaut. In die Hochdorf Holding AG wird aufgrund einer Aktienkapitalerhöhung ebenfalls investiert. Seit 2019 ist die ZMP auch an der LATI SA beteiligt.
2020 - 2022: Die Welt steht vor enormen Herausforderungen
Nachhaltigkeit wird in der Strategie der ZMP verankert
Konsumentinnen und Konsumenten sowie Geschäftspartner erwarten auch von der ZMP zunehmend ein stärkeres Engagement in den Themen Ökologie, schonender Umgang mit den Ressourcen und Nachhaltigkeit insgesamt, um die Klimaziele zu erreichen. 2020 integriert der Vorstand das Thema «Nachhaltigkeit» in die Strategie ZMP.
Die ZMP Invest AG wird reorganisiert
Mit dem Einstieg in die Milchvermarktung (Einkauf/Logistik/Milchverkauf) 2006 hatte die Genossenschaft eine Tochterfirma gegründet, deren Aktienkapital zu 100 % im Besitz der ZMP ist. Ihre Beteiligungen, insbesondere Emmi AG, hatte die Genossenschaft dieser Tochterfirma, der ZMP Invest AG, übertragen.
2020 wird die ZMP Invest AG reorganisiert. Der Verwaltungsrat besteht neu aus 5 Mitgliedern (neben den drei bisherigen Vorstandsmitgliedern nehmen neu 2 zusätzliche externe Personen Einsitz im Verwaltungsrat). Damit ist das Gremium breiter und professioneller abgestützt. Zudem wird die strategische und operative Ebene der Aktiengesellschaft klar getrennt. Der Geschäftsführer ZMP nimmt die Geschäftsführung im Mandat wahr und ist nicht mehr im Verwaltungsrat vertreten.
Agrarpolitik 2022+ wird vom Parlament sistiert
Im Sinne der ZMP wird 2020 die Agrarpolitik 2022+ vorerst sistiert.
Die ZMP erhält einen neuen Präsidenten
Thomas Oehen (links im Bild), seit 2012 Präsident ZMP, tritt auf die Delegiertenversammlung 2021 zurück. Als Nachfolger wird Thomas Grüter gewählt.