Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03152.jsonl.gz/1297

Für die Schiffsleute auf Kauffahrteischiffen gilt die Bestimmung des Strafgesetzbuches (§ 298), wonach ein Schiffsmann,
der mit der Heuer entläuft oder sich verborgen hält, um sich dem übernommenen Dienst zu entziehen, mit Gefängnis bis zu
einem Jahr bestraft wird, gleichviel, ob das Vergehen im Inland oder im Ausland begangen worden ist. Aber
auch in solchen Fällen, in denen ein strafbarer Eigennutz des Schiffsmannes nicht vorliegt, wird das Entlaufen eines solchen,
auch wenn er nicht mit der Heuer entweicht oder sich verborgen hält, nach der deutschen Seemannsordnung (§ 81 ff.) auf Antrag
mit Strafe belegt. Zwischen den verschiedenen Seestaaten bestehen wegen Auslieferung desertierender Schiffsleute
besondere Kartellverträge.
Unter Desertion versteht man auch die bösliche Trennung des einen Ehegatten von dem andern ohne hinreichenden Grund, indem er von
ihm eigenmächtig in der Absicht, die Ehe nicht fortzusetzen, wegzieht. Auch die hartnäckige Verweigerung der ehelichen Pflichten
wird als Desertion (quasi desertio) aufgefaßt. Da in beiden Fällen der Zweck der Ehe dadurch vereitelt wird,
so ist in protestantischen Ländern die Desertion ein Ehescheidungsgrund, sowohl, wenn der Aufenthalt des Verlassenden (desertor,
der Mann, desertrix, die Frau) bekannt ist, als auch, wenn ihn der andre Teil nicht weiß.
Wenn der verlassene Ehegatte wegen der Desertion auf Ehescheidung klagt (Desertionsklage), so wird im ersten Fall
der Verlassende unter Androhung einer Strafe (Zwangsmittel), die meist in Gefängnis besteht, zur Rückkehr oder zur Pflichterfüllung
aufgefordert, worauf erst bei fortgesetzter Verweigerung die Trennung erfolgt. Im zweiten Fall begründet eine längere Abwesenheit,
die nach verschiedenen Eheordnungen bald auf die Zeit von einem halben Jahr, bald von 2, 4, 7 Jahren bestimmt
ist, nebst dem Mangel an Nachrichten die Vermutung der Desertion. Gegen den Abwesenden erfolgt dann ein öffentliches Aufgebot (s. d.).
Dieses gerichtliche Verfahren heißt der Desertionsprozeß.