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Der Einnahmenüberschuss der vorliegenden Zeitschrift ite und des Kapuziner-Missions-Kalenders, die Spenden der Leserinnen und Leser (seit 1999 neu auch in Form der Weihnachtsspende), die Erträge aus dem Kauf der Kondolenz-Karten: Diese Posten ergeben jedes Jahr Einnahmen von über einer Millionen Franken.
Einfacher Lebensstil
Was die Schweizer Kapuziner am Ende eines Jahres übrig haben, kommt zum grossen Teil in die Solidaritäts-Kasse. Denn sie sammeln kein Vermögen. Und „kapitalisieren“ entspricht nicht dem franziskanischen Ideal. Zum Lebensstil der Brüder steht in den Satzungen des Ordens steht: „Ein Mindestmass an Notwendigem und nicht das Höchstmass an Erlaubtem“. Zwar geben die meisten der real existierenden Kapuziner kaum heldenhafte Vorbilder der Konsum-Askese ab. Im Allgemeinen begnügen sie sich jedoch mit einem verhältnismässig einfachen Lebensstil. Dazu kommt, dass das Gemeinschaftsleben um einiges billiger ist als beispielsweise das Dasein als Single. Eine einfache Rechnung: Würden die zehn Brüder eines durchschnittlichen Klosters allein leben, hätten sie wohl zehn Fernseher (samt Konzession), zehn Kühlschränke, zehn Staubsauger und vielleicht auch zehn Autos usw. Dank gemeinsamem Wohnen reduziert sich die Zahl dieser und vieler anderer Gegenstände auf ein bis zwei.
Die Überschüsse der Jahresrechnung und die eingenommenen Gelder für Messen („Mess-Stipendien“) machen jeweils eine Summe von einer halben bis einer ganzen Millionen aus. Weitere Einnahmen des Missions- und Entwicklungswerks der Schweizer Kapuziner – ein kleines bis mittelgrosses Hilfswerk! – kommen aus den Antonius-Kassen der Klöster und von Legaten. Dieser Posten schwankt naturgemäss recht stark (1999: zehn Legate mit einer Gesamtsumme von 400 000 Franken). Nicht vergessen seien die Einnahmen des Anastasius-Hartmann-Fonds für Indien.
z.B. Tansania
Was geschieht mit diesem Geld? Um nicht mit Zahlenfriedhöfen zu langweilen, müssen einige Beispiele genügen. Etwa 600 000 Franken gehen an den Ausgleichsfonds des weltweiten Kapuzinerordens in Rom (Animator ist Bruder Linus Fäh aus Benken SG). Ein Drittel davon ist für die Hilfe in Osteuropa bestimmt, vor allem zur Ausbildung des grossen Ordensnachwuchses.
Schwerpunktland der Hilfe, die direkt von Luzern aus, dem Sitz der Schweizer Kapuziner geleistet wird, ist Tansania, wo bekanntlich seit 1921 Schweizer Brüder tätig sind. Die rasch wachsende Provinz des Ordens ist dort nach wie vor auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen (ein Bruder beispielsweise, der als Krankenpflege in einem Spital arbeitet, verdient nicht einmal das Existenzminimum). Sie erhält von der „Mutterprovinz“ rund 400 000 Franken. Auch Diözesen, in denen Schweizer Kapuziner in Tansania und anderswo wirken, bekommen jährliche Beiträge (Mahenge z.B. rund 180 000 Franken). Das Spital von Ifakara wird mit 36 000 Franken unterstützt. In weitere Projekte des Landes, das zu den ärmsten der Welt gehört, fliessen 350 000.
Zu viele Gesuche
Diese Zahlen beziehen sich auf 1999. Jene der andern Jahren unterscheiden sich zum Teil beträchtlich. Trotzdem geben sie einen realistischen Einblick in die weltweite Solidarität des Ordens. Es sei noch vermerkt, dass die Bedürftigen im eigenen Land nicht vergessen werden (auf sie entfallen fast 20 Prozent der Aufwendungen); und dass die administrativen Aufwendungen sehr gering sind. Auch wenn die Hilfe, die von der Schweiz aus vom Orden geleistet wird, ansehnlich ist: Es müsste noch viel mehr getan werden. Wenn der Provinzial von seinen Besuchen in den Einsatzgebieten der Brüder zurück kommt, bringt er meistens Projekt-Anfragen nach Hause, die das vielfache der vorhandenen Mittel ausmachten.
Walter Ludin