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Mit dem Perkussionsschloss wurde das moderne Zeitalter der Waffen eingeläutet. Was bisher noch immer zu wenig Beachtung fand, war der gezogene Lauf. Was lag also näher, nach der gewaltigen Verbesserung der Zündung den Lauf zu verbessern? Diese Entwicklung musste zwangsweise zum Hinterlader führen. Allerdings lag dazwischen eine grössere Entwicklungszeit, viele Versuche, die Kugel in einem spiralförmig gezogenen Lauf wesentlich genauer abzufeuern, schlugen fehl.
Eine grosse
Präzision erreichte das System des Ambosses, System Thouvenin. In der Mitte des
Laufes war im Boden ein Stahlstift montiert, die Ladung wurde darum herum
plaziert. Dann wurde die Kugel eingeführt und mit dem Ladestock auf dem
Amboss solange gehämmert, bis diese die Züge im Lauf ausfüllte. Für das
sportliche Schiessen konnte diese Prozedur angewandt werden, für den Krieg
unterlag der Schütze vielfach dem Gegner wegen der langen Ladezeit, welche
dieses System erforderte.
Bei uns in der Schweiz wurde nach dem Touvenin- System, also einem
Expansionsgeschoss- System 1848 ein hochpräziser Feldstutzer für die
Scharfschützen eingeführt. Der Lauf dieser Waffe war aussen achtkantig und
innen mit 8 Zügen versehen. Sein Kaliber betrug 12,5
mm. Zum Laden brauchte der Schütze einen hölzernen Hammer um das
Geschoss stauchen zu können. Ein kompliziertes Klappvisier «das Schweizer
Visier» mit Quadranten-Einteilung ermöglichte eine präzise Treffsicherheit
bis 800 m Distanz. Das Perkussionsschloss war mit einem Stecher versehen.
Die Erkenntnisse aus dieser Waffe wurden rasch ausgewertet und ein noch
besserer Feldstutzer 1851 eingeführt. Sein Kaliber war nochmals auf 10,4 mm
verkleinert worden. Das neue Kettenschloss brachte eine weitere Verbesserung.
An der Visierung wurde eine Skala angebracht. Der Krieger konnte mit der
mitgeführten Kugelzange jederzeit seine Geschosse selber herstellen aus dem
im Fourgon mitgeführten Rohblei. Diese Waffe darf als die vollkommenste
Vorderladerbüchse aller Zeiten bezeichnet werden, ein Feind konnte selbst auf
1000 m noch mit hoher Präzision unschädlich gemacht werden!
In der Schweizer Ordonnanz blieb der
Stutzer bis 1867. In der gleichen Zeit wurde zwangsweise auch das bisherige Jägergewehr
verbessert und auch dafür das neue Geschoss von 10,4 mm eingeführt. Ein
Dreikant- Stichbajonett verbesserte die Ausrüstung für den Nahkampf. Erst
etwas später, 1859, wurde
dann auch das Infanteriegewehr Ordonnanz 1842 verbessert und ebenfalls mit dem
Kaliber 10,4 mm ausgerüstet. Damit war die Schweizer Armee in Europa mit den
besten Handfeuerwaffen ausgerüstet und ein einheitliches Kaliber wurde
angewendet.
Der Amerikaner J.M. Milbane (später umbenannt Milbank) erfand 1860 das
erste brauchbare Hinterladesystem. Das Patent wurde durch Prof. Jakob Amsler
(1823 - 1912) erworben und in seiner Schaffhauser Werkstatt noch beträchtlich
verbessert. Das Klappschloss mit einem Schliesskeil versehen wurde als «Transformations-System
Milbank-Amsler» als Umbausatz für die bisherigen Vorderlader angewendet. Mit
der Ordonnanz 1867 - 1869 wurden alle drei bestehenden Waffen, der
Feldstutzer, das Jägergewehr und das Infanteriegewehr auf dieses System
umgebaut. Der Umbau beanspruchte jedoch geraume Zeit.
Aus Gründen der akuten Kriegsgefahr kaufte die Schweiz 1866 15'000 Stück
«Paebodygewehre» samt Munition. Diese Waffe war 1862 durch Henry 0. Paebody
in Boston patentiert worden. Es war ein einfaches System mit Fallblock, das
Verschlussstück war um eine hinten liegende Achse drehbar, fiel beim Öffnen
mit seinem vorderen Teil, der den Stossboden bildete, nach unten und gab die
Lauföffnung frei. Auf seiner Oberseite war eine Lademulde angebracht, die das
Hineinschieben der Patrone in den Lauf erleichterte. Die Patrone wurde am Rand
angeschlagen, wie bei
Milbank-Amsler und hatte auch das gleiche Kaliber 10,4mm.
Schon geraume Zeit vorher waren verschiedene Versuche gescheitert ein Repetiergewehr zu entwickeln. Die Konstruktion von Tyler und Henry aus Edinbourg (1860 entstanden) hatte seine Bewährung im Amerikanischen Bürgerkrieg bewiesen. Der Schaffhauser Friedrich Vetterli 1822 - 1882, Direktor der Waffenfabrik Neuhausen, griff das System auf und baute den von Henry entwickelten Drehverschluss in das von ihm selber entwickelte Gewehr ein. Das Magazin für 12 Patronen wurde als Röhre in den Vorderschaft verlegt. 2 Modelle wurden zum Wettbewerb vorgelegt und 1868 bestellte die Eidgenossenschaft 80'000 Repetiergewehre eines dieser Modelle. Auch dieses Gewehr verschoss die 10,4 mm Patrone und erreichte eine Schussweite bis zu 1600 m.
Es folgten in kurzer Zeit weitere Entwicklungen der gleichen Grundwaffe, der Repetier-Stutzer mit einem Stecher versehen, dann der Karabiner Ordonnanz 1871 - 1894 mit 7 Patronen im Magazin, sowie weitere kleinere Anpassungen.
Mit der Einführung der Repetierwaffen wurde der Verbrauch an Munition
stark erhöht, dies brachte für den Soldaten grosse Lasten. Da die Patrone
noch mit Schwarzpulver geladen war, haftete ihr ein weiterer Nachteil an: Die
Anfangsgeschwindigkeit war mit ca. 400 m/sek immer noch langsam. Eine relativ
stark gekrümmte Flugbahn war die Folge. Die Treffsicherheit auf Ziele, deren
Distanz nicht ganz genau eingestellt werden konnten, war deshalb zu wenig
genau. Also musste ein rasanteres Treibmittel gefunden werden: das
rauchschwache neue Pulver des Chemikers Schenker, nachmaliger Direktor der
Pulverfabrik.
Der Direktor der Eidgenössischen Waffenfabrik Oberst Schmid erfasste die
Forderung im rechten Moment und reüssierte schliesslich mit dem Rubingewehr
1889 und dem Kaliber 7,5 mm in den Truppenversuchen der Schiessschule Walenstatt. Im Juni 1889 wurde die Einführung des «Schweiz. Repetiergewehrs,
Modell 89» beschlossen. Der Gradzugverschluss erlaubte eine Schussleistung
bis zu 25 Schüssen pro
Minute, auch die Schussbahn war erheblich verbessert worden, denn die
Anfangsgeschwindigkeit betrug bereits 600 m/sek und im Kastenmagazin unter dem
Verschluss konnten 12 Patronen geladen werden. 212'000 solche Waffen wurden
bis 1896 hergestellt.
Die nächste Verbesserung betraf wiederum den Verschluss, da dieser
wegen der grossen Länge manchmal Klemmer verursachte. Diese Nachteile konnten
im Gewehr 1889/96 verbessert werden. Doch das «Langgewehr» blieb natürlich
ein langes Gewehr und war deshalb für die Kavallerie nicht geeignet. Die Lösung
dieses Problems war im Ordonnanz-Karabiner 1893 von der SIG Neuhausen zu
finden. Der kurze Mannlicher-Verschluss erlaubte trotz der kurzen Waffe den
Lauf für das Weisspulver genügend lang zu halten. Offenbar bereitete die
Technik des Verschlusses vielen Wehrmännern Mühe, denn oft brachte der Eine
oder Andere seinen Verschluss im Taschentuch eingewickelt zur Inspektion, weil
er diesen nicht mehr zusammensetzen konnte!!
Eine Gewehrkommission war 1907 eingesetzt worden, um weitere
Verbesserungen oder Neukonstruktionen vorzuschlagen. Aus diesen Vorschlägen
resultierte u.a. eine neue Patrone, die Gewehrpatrone 11, wie wir sie heute
kennen. Die vorhandenen Gewehre und Karabiner wurden teilweise umgebaut, eine
grosse Aktion begann 1910 und wurde dann bei Kriegsbeginn 1914 stark
beschleunigt. Inzwischen war aber auch die Fabrikation neuer Waffen, der
Karabiner 11 und das Langgewehr 11, angelaufen. Diese hochpräzisen Waffen,
nun alle mit 6 - Schussmagazin, wurden bei den Schützen rasch beliebt.
In einem Konstruktionsauftrag wurde für eine neue Waffe ein Einheitstyp gefordert: -einfache Handhabung, -auch für die Kavallerie verwendbar (maximal 1110 mm Gesamtlänge). Etwas längerer Lauf, um die Anfangsgeschwindigkeit zu erhöhen, musste auch noch erfüllt werden. Der Konstrukteur unter der Leitung des initiativen Obersten Furrer baute auf dem bisherigen Verschluss auf, der durch die Kombination von Gradzug und Zylinderverschluss kürzer wurde. Die Verschlusswarzen wurden ganz an das Patronenlager verlegt, was die Verriegelung optimierte. Die Visierlinie konnte verlängert werden und das Blockkorn wurde eingeführt. Der Tragriemen wurde seitlich angebracht, wie sich das für einen Karabiner geziemt. Dies musste wohl oder übel auch von der Infanterie genehmigt werden. Das aufsteckbare Bajonett für den Nahkampf ergänzte die Vollkommenheit der Waffe.
Die Chronik der Waffen wäre unvollständig, wenn nicht auch der vielen
Varianten der reinen Sportwaffen gedacht würde. Indessen deren detaillierte
Entwicklung in diesem Rahmen zu erzählen, bräuchte mehr als ein zusätzliches
Buch. Es bleibt deshalb ein Streifschuss mit der Feststellung, dass in der
Schweiz einige namhafte Künstler wie Grünig, Tanner und Hämmerli,
Sportwaffen, also Stutzer und Standardgewehre, entwickelten, welche alle
unsere Ordonnanzpatrone 11 verschiessen konnten. Der wesentliche Unterschied
lag einmal bei der noch grösseren Präzision des Laufes (grössere Wanddicke,
andere Form der Züge) und natürlich an den Schikanen der präziseren
Visierung und Kolbenform etc. Der Ausgleich im Vergleichswettkampf wird mit
den Schiessvorschriften erreicht, indem mit den Freien Waffen kniend
geschossen werden muss.
Mit dem Karabiner 31 war zwar die Präzision und Wirksamkeit auf einem
sehr hohen Stand angekommen, doch noch immer fehlte das Selbstladegewehr. Wir
werfen deshalb einen Blick auf die Entwicklung der Pistolen in diesem
Zeitraum. Wir begegnen hier der Parabellumpistole Modell 1900 der deutschen
Waffenfabrik mit dem Kaliber 7,6 mm. Der Verschluss mit einem Kniehebel und
beweglichem Lauf wurde durch den Rückstoss betätigt. Das Prinzip des
Selbstladens auf ein Gewehr zu übertragen gelang jedoch damals noch nicht.
Erst mit dem
Sturmgewehr 57, dem schwarzen Gewehr, konnte in der Schweizer Ordonnanz eine
Selbstladewaffe eingeführt werden. Das Sturmgewehr 57 bot erstmals nebst dem
automatischen Nachladen beim Einzelschuss die Möglichkeit des Mitraillierens.
Zur Anwendung kam weiterhin die GP 11 Patrone, welche im Stgw 57 eine
Anfangsgeschwindigkeit von 750 m/sek erreichte. Die Kraft des Rückstosses wurde
verwendet um den Verschluss zu öffnen, die Hülse auszuwerfen und
nachzuladen, ein grosser Teil des Rückstosses musste nicht mehr vom Schützen
aufgenommen werden. Das Magazin für 24 Patronen eröffnete im sportlichen
Schiessen eine Menge weiterer Wettkampfmöglichkeiten. Die Einführung dieser
Waffe und deren Abgabe an jeden Wehrmann legt Zeugnis ab vom Vertrauen unseres
Staates in seine Bürger. Es liegt an uns, dieses Vertrauen auch weiterhin zu
rechtfertigen.
Die
allerneuste Entwicklung: Aus den Gegebenheiten der NATO wurde für unsere Verhältnisse
das Sturmgewehr 90 geschaffen und mit einer neuen Patrone des Kalibers 5,6 mm
ausgestattet (NATO- Kaliber). Dank der hochgezüchteten Gewehrpatrone 90 konnte
mit einem kürzeren Lauf eine höhere Präzision erreicht werden. Das Prinzip
des Gasdruckladers erlaubte einen kleinen Verschluss zu konstruieren, welcher
mit Drehzylinder
verriegelt wird. Die neue Ordonnanzwaffe wurde sehr schnell auch zu einer
beliebten Sportwaffe. Doch Technik und Erfindergeist
werden die Zeit auch hier nicht stehen lassen, wir können gespannt sein, was
in einer folgenden Stufe angeboten werden kann.