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Warum sollen junge Menschen und alte Menschen überhaupt miteinander Kontakt haben?
Joel schreibt:
Ich werde Grossvater sein und werde meinen Grosskindern von meiner Kindheit und der Zeit in der ich gelebt habe erzählen.
Charlottes Antwort:
Lieber Joel
Was kannst Du dann Deinen Enkeln wohl erzählen. In fünfzig Jahren wird sich die Welt sehr verändert haben. Vielleicht warst Du bei einer Reise ins All dabei, oder Du hast Amerika mit einem Auto, das von einem Computer gesteuert wird durchquert. So vieles scheint in den nächsten Jahren möglich zu werden. Bestimmt wirst du viel zu erzählen haben, und deine Enkel werden vieles genau so bestaunen, wie ich die Geschichten meiner Grosseltern bestaunt habe. Ihre Zukunft wird einem Fantasy-Film vielleicht ähnlicher sehen, als wir uns das heute in den kühnsten Träumen vorstellen können. Der Bogen, der das Leben meiner Grosseltern mit dem Deiner Enkel verbindet spannt sich so über weit mehr als hundert Jahre.
Ich versuche, mir in Erinnerung zu rufen, wie ich die Zeit erlebt habe, als ich siebzehn war. Das war vor sechzig Jahren. 1956 gab es in Ungarn eine Revolution, die blutig niedergeschlagen wurde. Danach kamen in kurzer Zeit 14000 Flüchtlinge in die Schweiz. Das war ganz ähnlich, wie heute und unser Land hat das damals geschafft. Zwölf Jahre später geschah etwas Ähnliches in der Tschechoslowakei. Europa war noch geteilt und der «Eiserne Vorhang» blieb fast undurchlässig. In Vietnam fand der Indochinakrieg statt, und als die USA eingriff, gingen viele von uns Jungen auf die Strasse. Ich kann mich gut erinnern, wie wir aufbegehrt haben und gegen die Generation unserer Eltern und Lehrer protestierten. Hitzige Diskussionen über die zweigeteilte Welt haben stattgefunden. Und wir gingen alle heimlich ins Kino, als der erste Film von Elvis Presley gezeigt wurde. Heimlich, weil unsere Eltern daran bestimmt keine Freude gehabt hätten. Ich glaube wirklich nicht, dass die Welt besser war als heute – und die Jungen von damals sowieso nicht.
Wenn ich heute zurückblicke, bin ich dankbar dafür, dass ich in einer interessanten Zeit gelebt habe. Ich habe erlebt, wie der erste Mensch auf dem Mond gelandet ist. Ich konnte Dank meinem Beruf viele Länder bereisen. Mit sechzig habe ich gelernt, einen PC zu gebrauchen und ich geniesse heute die vielen neuen Möglichkeiten, die wir durch das Internet haben. Ich freue mich darüber, dass ich mit meinen Verwandten und Freunden in der ganzen Welt «skypen» kann. Ich glaube sogar, dass Jung und Alt sich heute besser verstehen, als früher.
Ich wünsche Dir, dass Du Dich einmal an eine schöne Jungend erinnern darfst, und dass du Deinen Enkeln spannende Geschichten erzählen kannst.
Liebe Grüsse Charlotte
Wie stellen sich SchülerInnen ihr Leben mit 70 Jahren vor? Lesen Sie hier alle Dialoge zwischen SchülerInnen und SeniorInnen. Zwei Klassen aus der Oberstufenschule Progymatte haben Texte geschrieben, die ältere «und» AutorInnen beantworten.