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2022: Schweizer Bauernverband feiert 125. Geburtstag
Vor 125 Jahren befanden sich viele Bauernfamilien in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Um ihre Interessen besser zu vertreten, wurde 1897 der Schweizer Bauernverband als Dachorganisation der einheimischen Landwirtschaft gegründet. Dieser feiert das Jubiläum unter anderem mit einer Weltrekordrösti im Herbst auf dem Bundesplatz. Die Kartoffeln dafür wachsen im Verlauf des Sommers in allen Kantonen heran.
Herzlichen Dank an alle Sponsoren!
Agrisano
Aargauische Kantonalbank
Agro-Marketing Suisse
Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter
BauernZeitung
Credit Suisse
emmental versicherung
Feldschlösschen
fenaco
Hypothekarbank Lenzburg
Kanton Thurgau
kartoffel.ch
RICOTER
Schweizer Hagel
Schweizer Zucker
Stiftung für eine nachhaltige Ernährung durch die
Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten
Patronat der Gemeinden Brugg/Windisch
Unter dem Patronat der Stadt Brugg und der Gemeinde Windisch darf der Campussaal für die KOL kostenlos benutzt werden.
Dieses Jahr feiert der Schweizer Bauernverband (SBV) sein 125-jähriges Bestehen. Die Gründung erfolgte in einer Zeit wirtschaftlicher Umwälzungen. Ende des 19. Jahrhunderts litten die einheimischen Bauernfamilien wegen zu tiefen Einkommen verbreitet unter bitterer Armut. Eine Ursache war die zunehmende Konkurrenz durch Importe, nachdem Eisenbahn und Dampfschiffe den Transport vereinfachten. Um die Kräfte und Interessenvertretung zu bündeln, endete eine von eidgenössischen Parlamentariern in Bern einberufene Versammlung am 7. Juni 1897 mit der Gründung des SBV. Als ersten Sekretär wählte man den Agronomen und Landwirtschaftslehrer Ernst Laur. Nachdem sich dessen Büro zuerst in Bern befand, verschob er 1901 – auf Wunsch seiner Frau Sophie – den Sitz zurück in die Heimat nach Brugg.
Zentrale Aufgabe: Dienstleistungen für die Bauern
Als eine der ersten Massnahmen führte Ernst Laur im Jahr 1900 Buchhaltungserhebungen bei den Bauernbetrieben ein, um die wirtschaftliche Lage auf objektiver Basis zu ermitteln. 1908 startete die «Preisberichtstelle» ihre Arbeit. Heute ist es Agristat, welche statistischen Daten zur Land- und Ernährungswirtschaft aufbereitet. 1912 wurde mit der Einführung des Zivilgesetzbuches der «Ertragswert» als Grösse für die Übernahme von landwirtschaftlichen Liegenschaften eingeführt. Dessen Festlegung führte zu Streitigkeiten, weshalb der SBV 1914 das «Schätzungsamt» in Betrieb nahm. Dieses ist zusammen mit der Buchhaltungsabteilung unter der Bezeichnung Agriexpert bis heute eine der zentralen Dienstleistungen des Verbands. 1973 begann der Bauernverband mit der Versicherungsberatung ein neues Tätigkeitsfeld. 1992 nahm die Krankenkasse Agrisano den Betrieb auf und 1995 war er mit dem Start seiner Internetagentur agri.ch ein Pionier in diesem Bereich.
Interessenvertretung für die einheimischen Bauernfamilien
Der Schweizer Bauernverband besteht heute aus vier Departementen und verschiedenen Dienstleistungsbereichen (Agrisano Unternehmungen, Agriexpert, Agristat, Agrimpuls, Agriprof und Agriquali). 25 kantonale Bauernverbände und 58 Fachverbände sowie andere Landwirtschaftsorganisationen gehören ihm an. Als Dachorganisation der Schweizer Landwirtschaft setzte er sich in all diesen Jahren für angemessene Produzentenpreise und damit vergleichbare Einkommen, geeignete politische Rahmenbedingungen, eine faire Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen und generell für die Interessen der einheimischen Bauernfamilien ein.
Weltrekord-Rösti zum Jubiläum
Der Bauernverband führt zu seinem Jubiläum verschiedene Aktivitäten mit seinen Mitgliedorganisationen, den Mitarbeitenden und der Schweizer Bevölkerung durch. Am 19. September kocht er anlässlich der «Sichlete» auf dem Bundesplatz eine Weltrekord-Rösti. Die Kartoffeln dafür wachsen im Verlauf des Sommers in allen Kantonen heran und werden für den Koch- und Genussevent nach Bern gebracht.
Landwirtschaft im Umbruch
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war die Schweiz schlecht vorbereitet: zu wenig Produktion im eigenen Land, die Zufuhren unterbrochen, die Arbeitskräfte und Pferde wurden von der Armee eingezogen. Diese Engpässe in der Lebensmittelversorgung führten im zweiten Weltkrieg zur bekannten Anbauschlacht, bei der jeder Quadratmeter Land zur Lebensmittelproduktion genutzt wurde. Nach den Entbehrungen im Krieg lautete das Motto «produzieren so viel Land und Tiere hergeben». Maschinen vereinfachten das Arbeiten, neue Sorten steigerten den Ertrag, Pflanzenschutzmittel hielten Krankheiten und Schädlinge in Schach. 50 Jahre nach dem Krieg setzte in der Gesellschaft ein Umdenken ein. Statt maximale Mengen waren immer stärker eine umweltschonende und tierfreundliche Lebensmittelproduktion gefragt. Diese Herausforderung besteht bis heute: Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aus der Nähe, mit möglichst wenig negativem Einfluss auf die Umwelt und einem optimierten Ressourcenverbrauch. Die letzten knapp 30 Jahre waren für die Landwirtschaft in der Folge eine Zeit der weiteren Transformation. Diese Entwicklung geht weiter.
Geschichte des Schweizer Bauernverbandes
Geschichte 2010 bis heute
Zusammenfassung
Nach dem Ende der Milchkontingentierung per 30. April 2009 wird die Gründung der Branchenorganisation Milch (BOM) 2010 notfallmässig vom SBV selbst in die Hand genommen. Am 1. Januar 2010 wird BOM in die Selbstständigkeit entlassen. Die Probleme auf dem Milchmarkt können aber auch in den Folgejahren nicht gelöst werden. Intern kam es im Herbst 2012 zu einer Stabübergabe: Der langjährige Präsident, Hansjörg Walter übergab das Präsidium an den Rheintaler Markus Ritter. 2012 und 2013 standen im Zeichen des politischen Prozesses um die AP 2014-17, welcher sich bis zum Ergreifen des Referendums ausweitete. Aus Sicht des Schweinemarktes verlief 2013 erfreulich.
2019
Der Bund plant die AP 2022+. Darin sind umwälzende Änderungen beim Direktzahlungssystem vorgesehen. Der Aktionsplan Pflanzenschutz und andere Umweltanliegen sollen darin fest geschrieben werden, nicht aber die vom Volk 2017 beschlossene Ernährungssicherheit auf der Basis einer nachhaltigen einheimischen Produktion.
2018
Der Bundesrat will die Agrarpolitik umpflügen. Mit der AP 22+ will er einen Betriebsbeitrag einführen, den ÖLN verschärfen, das Bodenrecht lockern und die Bäuerinnen stärken. Administrative Vereinfachung ist eines der erklärten Ziele des Bundesrats. Auf den ersten Blick ist ihm dies bei der Präsentation der Vernehmlassung für die Agrarpolitik ab 2022 (AP 22+) vom Mittwoch nur beschränkt gelungen. Der erläuternde Bericht umfasst nicht weniger als 160 Seiten und ist ein hartes Stück Arbeit, wenn man ihn in kurzer Zeit erfassen und erklären will. Der Versuch sei trotzdem gewagt. Das Wichtigste gleich zum Voraus: Der angepeilte Zahlungsrahmen für die Jahre von 2022 bis 2025 bleibt praktisch unverändert. Er wurde mit 13,915 Milliarden Franken gegenüber dem aktuellen sogar noch leicht erhöht. Das neue Paket schliesst nahtlos an die AP 14-17 an, die auch für die AP 18-21 mit wenigen Korrekturen fortgeführt wurde. Daraus zu schliessen, dass nun alles beim Alten bleibt, wäre aber falsch. Der Strauss an geplanten Änderungen ist bunt. Der Bundesrat verfolge den Grundsatz «Mehr Verantwortung, Vertrauen, Vereinfachung», heisst es in der Mitteilung des Bundesrats. Konkreter sind es gemäss Landesregierung die folgenden drei Punkte, die man vertieft verfolge:
• Im Bereich Markt soll die Wertschöpfung durch eine noch konsequentere Marktausrichtung erhöht werden.
• Im Bereich Betrieb steht die Stärkung des Unternehmertums und der betrieblichen Efzienz bei gleichzeitiger Erhaltung von vielfältigen bäuerlichen Betriebsstrukturen im Fokus.
• Im Bereich Umwelt sollen die Belastungen der Landwirtschaft und der Ressourcenverbrauch sinken, um so «Mehrwert für die Gesellschaft zu schaﬀen», wie Schneider-Amman sagte.
Was heisst das nun konkret? Im Einzelnen sind es die folgenden Massnahmen, mit denen der Bundesrat die Zielerreichung in der AP 22+ anstrebt:
Verdoppelung der Siloverzichtszulage: Damit will man die wertschöpfungsstarke Produktion von Rohmilchkäse fördern. Neu soll sie 6 Rp. betragen, während die Verkäsungszulage um 3 auf 12 Rp.
reduziert werden soll, da sie «zu Fehlanreizen zur Produktion von billigem Viertelfettkäse für den Export führt», wie es im Ergänzungsbericht heisst.
Schaffung einer Plattform für Agrarexporte: Ziel ist eine Verbesserung des Marktzutritts und ein Abbau von technischen Handelshemnissen insbesondere beim Export in Märkte ausserhalb der EU.
Die Aktivitäten der Plattform könnten auf Grundlage des bestehenden Absatzförderungs-Artikels unterstützt werden.
Stärkung des Unternehmertums: Fortführung der Anstrengungen zur administrativen Vereinfachung. Ein Punkt, der dem Agrarminister sehr am Herzen zu liegen scheint, erwähnte der Bundesrat Johann Schneider-Amman ihn doch gleich mehrmals.
Neuaufteilung des Versorgungssicherheitsbeitrags: Mit dieser Massnahme will der Bundesrat laut dem Agrarminister näher an die Verfassung, ohne aber damit eine erneute regionale Umverteilung zu bewirken.
Investitionsbeihilfen für innovative Technologien: Einer der Punkte, mit denen man innovatives unternehmerisches Verhalten belohnen will.
Modernisierung des Bodenrechts: Mit dem erleichterten Einstieg von Quereinsteigern (s. Kasten) will man die Wettbewerbsfähigkeit und den Innovationsgeist stärken. Weitere Reduktion von Umweltbelastungen: Vereinfachung und damit bessere Zielerreichung bei den Biodiversitätsbeiträgen.
Zusammenlegung von LQB und Vernetzungsbeiträgen: Die Beiträge mit regionalspezifscher Ausrichtung sollen zusammengeführt und durch einen neuen Beitrag für standortangepasste Landwirtschaft zusammengefasst werden.
Weiterentwicklung des ÖLN: Dazu gehört unter anderem ein Massnahmenpaket, mit dem man die Ablehnung der TrinkwasserInitiative bewirken will.
Stärkung der Position der Ehegatten: Mit diesen Massnahmen erfüllt der Bundesrat seit Langem hängige Forderungen des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands. Quelle BauernZeitung. Die „Gesamtschau der Agrarpolitik“ des Bundesrates mit dem Abbau des Grenzschutzes konnte 2018 mit der Hilfe des Parlamentes zurückgewiesen werden.
2017
Anfang 2017 musste der SBV eine schwierige Entscheidung treffen: Bleibt er bei seiner eigenen Initiative für Ernährungssicherheit oder zieht er sie zurück zugunsten des vom eidgenössischen Parlaments ausgearbeiteten Gegenvorschlags? In einem demokratischen Prozess entschied sich der SBV für die zweite Variante. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigte sich in der Volksabstimmung vom 24. September 2017. Fast 79 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sagten Ja zur Verankerung der Ernährungssicherheit in der Verfassung und den neuen Artikel 104a in der Verfassung. Das ist ein Rekordergebnis das alle mit Stolz erfüllt. Leider erfolgte auf diesen Höhepunkt ein Tiefpunkt. Anfang November stellte Bundesrat Johann Schneider-Amman die Gesamtschau zur mittelfristigen Entwicklung der Schweizer Agrarpolitik vor. Im Papier geht der Bundesrat in allen vorgestellten Szenarien von einem Abbau des Grenzschutzes für landwirtschaftliche Produkte aus. Dies im Gegensatz zur Schweizer Wirtschaft, für die Marktzutritt aktuell kein prioritäres Ziel auf dem internationalen Parkett ist. Eine Umfrage unter Bauern zeigt, dass sich die Bauernfamilien nach Stabilität und weniger Administration sehnen. Ein wichtiger Eckpunkt die die Agrarpolitik bleibt, dass die Abgeltung für vereinbarte Leistungen verlässlich bleiben. Nichtsdestotrotz musste der SBV auch 2017 Spärpläne der Regierung auf dem Buckel der Landwirtschaft abwehren. Zudem wurde 2018 die Volksinitiative „Für sauberes Trinkwasser“ eingereicht. Sie will allen Schweizer Landwirtschaftsbetrieben, welche Pflanzenschutzmittel einsetzen oder ihre Tiere nicht vom hofeigenen Futter ernähren, die Direktzahlungen streichen. Der SBV wird alles daran setzen, die Bevölkerung über die enormen und unerwünschten Folgen dieser Initiative aufzuklären.
2016
Der Ständerat beschloss, einen Gegenentwurf zur Ernährungssicherheits-Initiative vorzulegen. Er anerkannte damit, dass die bestehende Verfassung nicht genügt, um das Kuturland zu schützen und die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit nachhaltig produzierten Lebensmitteln langfristig sicherzustellen. Im Jahre 2016 führte die Landwirtschaft eine eigene Berufsmeisterschaft in Bern durch. 44 junge Berufsleute traten zum Wettbewerb an und kämpften um den Titel als Schweizer Meister in den Kategorien Landwirt, Winzer und Weintechnologe.
2015
Ende November folgten mehr als 10 000 Bäuerinnen und Bauern dem Aufruf des SBV und forderten vom Parlament und Bundesrat, die bestellten Leistungen einzuhalten und die Versprechen, die in Bezug auf die Agrarpolitik 2014-17 gemacht worden waren, auch einzuhalten. Der Auslöser für diese Kundgebung war das von der Regierung angekündigte Sparprogramm beim Zahlungsrahmen 2018 – 2021. Mit einem beeindruckenden Glockengeläut auf dem Bundesplatz in Bern haben die Bäuerinnen und Bauern den Bundesrat gemahnt, seine mehrfach gemachten Versprechungen einzuhalten und die mit der in Bezug auf die Agrarpolitik 2014-17 bestellten Leistungen auch zu bezahlen. 2015 war auch ein historisches Jahr, weil erst zum dritten Mal seit 1848 ein aktiver Winzer und Bauer zum Bundesrat gewählt wurde.
2014
2014 startete die AP 2014-17. Sie beinhaltet eine Erweiterung des Direktzahlungssystems und eine Änderung des Landwirtschaftsgesetzes, um auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können. Nach nur zwei Monaten war es im Februar soweit und die Unterschriftensammlung zur Ernährungssicherheits- Initiative startete. Bereits am 8. Juli konnte der SBV fast 150 000 Unterschriften der Bundeskanzlei übergeben. Ende Oktober beschloss der Bundesrat, einen direkten Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheits-Initiative ausarbeiten zu lassen. Ende 2014 konnte der SBV völlig ungerechtfertigte Sparmassnahmen auf Kosten der Landwirtschaft im eidgenössischen Parlament zurückweisen.
2013
Ab Frühling erholten sich die Schweinepreise und sie konnten sich bis zum Jahresende auf einem beachtlichen Durchschnittspreis von Fr. 4.50 je kg Schlachtgewicht ab Hof halten, rund 1 Franken mehr als der Durchschnittspreis 2012 betrug. Auch für das übrige Schlachtvieh lösen die die Bauern im Jahresschnitt bessere Preise als im Vorjahr. Einzig das Zucht- und Nutzvieh verharrte auf einem tiefen Niveau. Zu Jahresbeginn traten der Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), Peter Gfeller und der SMP-Direktor Albert Rösti zurück wegen den andauernden Problemen im Milchmarkt. Kurt Nüesch wurde darauf als neuer Direktor bestimmt und Hanspeter Kern wurde am 30. Mai von den SMP-Delegierten zum neuen SMP-Präsidenten gewählt. 2013 war dann das Jahr, wo sich auf dem Milchmarkt der Wandel von der Milchschwemme zum Milchmangel vollzog. Ab April erhöhte die BOM den Richtpreis für A-Milch auf 66 Rp. pro Kilo Milch und der zweiten Jahreshälfte stieg der Richtpreis 69 Rp. Zur Enttäuschung der Produzenten stieg der Milchpreis bis zum Jahressende nicht weiter an, erst auf den 1. Januar 2014 wurde der Richtpreis um 2 Rappen auf 71 Rp. erhöht. Im Sommer bezahlte Emmi wegen Milchmangel eine Sonderprämie von 10 Rp. für jedes zusätzliche Kilo Sommermilch. Der SBV-Vorstand prüfte, gegen die neue AP 2014-17 das Referendum zu ergreifen. Der SBV ergriff das Referendum schliesslich nicht, dafür das Bäuerliche Zentrum Schweiz, der Westschweizer Winzer Willy Cretegny und die Westschweizer Bauerngewerkschaft Uniterre. Es gelang ihnen jedoch nicht, genügend Unterschriften innerhalb der gesetzlichen Frist bis zum 13. Juli zu sammeln. Die AP 2014-17 tritt plangemäss auf den 1. Januar 2014 in Kraft. Zentrale Elemente sind die Abschaffung der Tierbeiträge und die Ausrichtung von Versorgungsicherheits-, Kulturlandschafts-, Biodiversitäts-, Produktionssystems-, Ressourceneffizenz- und Übergangs- sowie Landschaftsqualitätsbeiträge. An der Delegiertenversammlung vom 20. November beschlossen die SBV-Delegierten, eine eidgenössische Initiative „Für Ernährungsicherheit“ zu lancieren.
2012
Im Mai 2012 fiel der mittlere Industriemilch-Preis auf 55,5 Rp. pro Kilo Milch laut der Marktbeobachtung des Bundesamtes für Landwirtschaft. Damit wurde ein neuer, unrühmlicher Tiefstpreis erreicht. Der Franken-Euro-Kurs bereitet nach wie vor Probleme, indem zwar die Exportmenge beim Käse gesteigert werden konnte, die Durchschnittspreise im Export jedoch stetig sanken. Der starke Schweizer Franken kurbelt den Einkaufstourismus an, was den Absatz von Milchprodukten im Inland bremst. Ab März erholten sich die Schweinepreise von ein halbes Jahr andauernden Tiefstpreis von Fr. 3.10 je kg Schlachtgewicht ab Stall. Auch 2012 gelang es der BOM leider nicht, die Milchmenge in den Griff zu bekommen, wenigstens stieg der Milchpreis per Ende Ende Jahr beschloss der SMP wieder der BOM beizutreten, weil ihm drei Vorstandssitze in der BOM zugesichert wurden. Am 21. November wurde Markus Ritter zum Nachfolger von Hansjörg Walter als Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) gewählt. Der abtretende Hansjörg Walter, SBV-Präsident von 2000 bis 2012, wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt.
2011
In der Neujahrsmedienkonferenz zeigte der SBV auf, dass es Kraftakte braucht, damit die Landwirtschaft den wachsenden Bedarf an Nahrung in Zukunft abdeckt. Fruchtbare landwirtschaftliche Böden müssen geschützt werden, fordert der SBV. Der starke Franken und der imme schwächer werdende Euro haben – neben der Schweizer Wirtschaft – auch fatale Folgen für den Export von Schweizer Nahrungsmitteln. Die zunehmende Euroschwäche droht den Schweizer Käseexport in den Abgrund zu reissen. Die ungelösten Probleme auf dem Milchmarkt finden im Jahr 2011 keine Lösung. Das Mehrstufenmodell der Branchenorganisation Milch (BOM) mit A-, B- und C-Milch sollte zum Tragen kommen, aber die Probleme auf dem Milchmarkt häufen sich an statt dass es eine Lösung gibt. Wachsende Butterlager, sinkende Milchpreise, sinkender Käseexport und fehlende Mengenregelung harren einer Lösung. Die von der BOM beschlossene Milch-Richtpreiskürzung um vier Rappen per 1. Oktober führte zum Austritt der Schweizer Milchproduzenten (SMP) aus der BOM.
2010
Die BOM startet mit Markus Zemp als neuem Präsidenten und Daniel Gerber als neuem Geschäftsführer. Die BOM schafft es, eine funktionierende Mengenregelung mit Preissegmentierung durchzusetzen. Der SBV kämpft entschieden gegen das FHAL mit der EU. Die Milchpreise sinken weiter, zu Teil sogar unter die Grenz von 60 Rappen je kg Milch. Der SBV setzt sich erfolgreich dafür ein, dass es trotz ausgeschöpften Krediten beim Schoggigesetz eine Lösung gibt. Dank einem Zusatzkredit des Bundes von 15 Mio Franken und Branchenbeiträgen von über 20 Mio Franken können Importe im aktiven Veredlungsverkehr insbesondere bei Milch und Getreide verhindert werden. Dank der intensiven Lobbyarbeit gelang es dem SBV, im Parlament die Kürzung der Verkäsungszulage um 3 auf 12 Rappen je kg verkäste Milch zu verhindern. Zudem muss man im Landwirtschaftsbudget 2012 bis 2013 nicht wie vom Bundesrat vorgesehen 130 Mio Fr. sparen. Die Motion Aebi will den Milchmarkt wieder ins Lot bringen, und der Nationalrat stimmt ihr zu. Der Viehexport kommt beinahe zum Erliegen. Es werden nur noch rund 350 Stück Rindvieh werden exportiert statt wie in den Vorjahren zwischen 5000 und 6000 Stück jährlich. Der Grund ist der tiefe Eurokurs und der Stopp der Stück-Exportbeiträge durch Bund. Ende Jahr steigen die Milchpreise leicht an.
Geschichte 2000 - 2009
Zusammenfassung
Die neue Agrarpolitik unter dem Begriff AP 2002 erhöht den wirtschaftlichen Druck zu Strukturanpassungen in der Landwirtschaft. Dieser Druck wird noch verstärkt durch das Inkrafttreten der bilateralen Verträge mit der Europäischen Union (EU), welche den gegenseitigen Marktzutritt erleichtern. Die härter gewordene nationale und internationale Konkurrenz führt zu einer Stagnation, in vielen Betrieben gar zu einem massiven Zerfall der landwirtschaftlichen Einkommen. In neuen Verhandlungen im Rahmen des GATT/WTO sollen nebst rein ökonomischen vermehrt auch ökologische und soziale Anliegen berücksichtigt und daraus abgeleitete Massnahmen für alle Mitgliedsländer verbindlich festgeschrieben werden. In intensiven Verhandlungen arbeiten die Interessierten auf eine kluge Ausgestaltung der Agrarpolitik 2007 hin. Der Rückzug des Bundes aus den Agrarmärkten und insbesondere Aufhebung der Milchkontingentierung sowie die Liberalisierung des Milchmarktes verursacht heftige Unruhe unter den Bauern. 2003 geht der bauerneigene Milchkonzern Swiss Dairy Food Konkurs. Die Unruhen unter den Bauern kommen in einer geordneten Gross-Kundgebung vom dem Bundeshaus mit 10 000 Bäuerinnen und Bauern zum Ausdruck (2005) und gipfeln in einem ungeordneten Milchstreik (2008). Ein von der Verwaltung geplantes Freihandelsabkommen mit den USA wird abgebrochen, dafür werden gegen den Widerstand der Bauern Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU aufgenommen.
2009
Die Wirtschaftskrise bremst den Käseabsatz, in der Folge sinken die Milchpreise bis zu 20 Rp. je kg Milch. Per 30. April endet die Milchkontingentierung. Der SBV nimmt das Zepter in die Hand. Der SBV-Präsident Hansjörg Walter wird ad interim Präsident der durch den SBV gegründeten Branchenorganisation Milch (BOM) und die Geschäftsführung wird ad interim beim SBV, bei Martin Rufer, angesiedelt. Dem SBV-Direktor Jacques Bourgeois gelingt es, dass der Nationalrat seine Parlamentarische Initiative „Ernährungssouveränität“ annimmt. Erste Modellrechungen zeigen, dass ein Freihandelsabkommen mit der EU – wie auch ein WTO-Abschluss - für die Schweizer Bauern enorme Einkommensverluste zur Folge hätten. Der SBV interveniert zudem gegen die neue Agrarpolitik des Bundes – Weiterentwicklung der Direktzahlungen (WDZ) – weil dies eine weitere Extensivierung der Schweizer Landwirtschaft bedeuten würde.
2008
Im Januar 2008 ist die Schweiz Partnerland an der Internationalen Grünen Woche in Berlin (IGWB). Der Auftritt mit Folklore und den beiden Kindern Heidi und Geissen-Peter weckte viel Sympathie für die Schweiz und Schweizer Landwirtschaftsprodukte. Ein europäischer Milchstreik von oppositionellen Milchbauern, Ende Juni/Anfang Juni, weitet sich auch in der Schweiz sehr rasch aus. Auf dem Höhepunkt und vor einem absehbaren grossflächigen Milchstreik realisieren die Milchbauern in Verhandlungen einen Preisaufschlag von 6 Rappen je kg Industriemilch ab dem 1. Juli. Leider wirkt sich die Banken- und Wirtschaftskrise ab Oktober wieder negativ auf den Käseabsatz aus. Dadurch kommt der Milchpreise bis zum Jahresende erneut unter Druck. Am 1. Juli tritt die revidierte Tierschutzverordnung in Kraft. Durch die Intervention des SBV gelang es, kostentreibende Verschärfungen zu verhindern. Im Herbst starten die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommens im Agrar- und Nahrungsmittelbereich (FHAL) mit der EU. Dies verursacht Unruhe unter den Bäuerinnen und Bauern.
2007
Im Frühjahr wütet der Feuerbrand in den Obstanlagen. Viele befallene Obstanlagen und Hochstämme müssen gerodet werden. Der Nationalrat erhöht – wie schon vorher der Ständerat - den Zahlungsrahmen für AP 2011 um 150 Mio Franken, zudem werden die Verkäsungs- und Siloverbotszulagen weiter finanziert und nicht wie es der Bundesrat beabsichtigte sistiert. Diese Verbesserungen passieren auch die Schlussabstimmungen in den National- und Ständeräten. Damit konnte der SBV die AP 2011 entscheidend zu Gunsten der Landwirtschaft verbessern. Die Milchpreise steigen infolge guter Nachfrage bis zu 6 Rappen je kg Milch. Auch die zweite Welle der Plakatkampagne "Gut, gibt’s die Schweizer Bauern." mit dem Formel-1-Rennfahrer Michael Schumacher, Stéphane Lambiel und weiteren Personen des öffentlichen Lebens findet national und international enorme Beachtung. Bei der Revision der Tierschutzverordnungen rückt das Parlament auf Intervention des SBV von den Maximalforderungen ab. Gemeinsam mit AGRIDEA schaltet der SBV zudem die elektronische Beratungsplattform www.agrigate.ch auf.
2006
Die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen mit der USA werden abgebrochen. Dafür kommt die Idee eines Freihandelsabkommens im Agrar- und Nahrungsmittelbereich (FHAL) mit der EU auf. Bei der AP 2011 erhöht der Ständerat den Kredit um 150 Mio Franken. Die erste Welle der neuausgerichteten Basiskampagne „Gut gibt’s die Schweizer Bauern“ mit Köbi Kuhn, Michelle Hunziker, Herbert Bolliger von der Migros und Hansueli Loosli von Coop findet national und international enorme Beachtung in den Medien. Der Milchpreis sinkt 1,6 bis 4 Rp. je kg Milch. Die bäuerliche Krankenkasse Agrisano erwirbt das frühere Postgebäude in Brugg als Bürogebäude, da die Büros des SBV und der „SBV Treuhand & Schätzung“ aus allen Nähten platzen. Die Reform der Landwirtschaftlichen Grundausbildung startet. Die WTO-Verhandlungen der Doha-Runde werden unterbrochen.
2005
Ein fünfjähriges Gentech-Moratorium wird vom Schweizer Volk angenommen. Dem SBV gelingt es, im Parlament den Weiterbestand die Treibstoffsteuer-Rückerstattung für Fahrzeuge der Landwirtschaft zu erhalten. Im Sommer findet ein WTO-Protestmarsch durch die Schweiz statt. Schweizer Bäuerinnen und Bauern begleiten Norwegische Bauern auf ihrem letzten Stück Weg von Oslo nach Genf, vor die Tore des Gatt-Gebäudes. Vom 21. bis 23. August richten Unwetter riesige Schäden in der Schweiz an. Am 17. November findet auf dem Bundesplatz eine Kundgebung mit 10 000 Bäuerinnen und Bauern statt. Die Botschaft lautet: "Heute die Bauern, morgen Du". Abgeschlossen wird die Kundgebung mit einem Warnläuten mit rund 8000 Kuhglocken.
2004
Der SBV schafft das erste nationale Leitbild für Bäuerinnen und Bauern. Das Herkunftslabel Suisse Garantie ist erstmals an den Verkaufspunkten sichtbar. Nach der BSE-Krise werden die regulären Viehexporte in die EU, vor allem nach Italien, wieder aufgenommen. Ausserdem wird im Bereich der Berufsbildung die Organisation der Arbeitswelten Landwirtschaft (OdA) durch den SBV gegründet.
2003
Eine lang andauernde Trockenheit – bereits das Frühjahr war extrem trocken – verursacht enorme Ernteausfälle. Der SBV organisiert eine Solidaritätsaktion: Das Militär transportiert rund 5000 Tonnen Futter vom wenig betroffenen Voralpengebiet ins Mittelland und in den Jura, wo besonders grosse Ernteausfälle zu verzeichnen sind. Mit einem Beitrag von 1,5 Rp. je kg Milch gelingt es, den Milchmarkt nach dem Zusammenbruch von Swiss Dariy Food zu stabilisieren. Bei der AP 2007 erreicht der SBV bedeutende Verbesserungen im Parlament. Für den Ausstieg aus der Milchkontingentierung wird eine Task Force Milch gegründet. Die laufende Doha-Runde verlangt viel Engagement von Seiten des SBV.
2002
Der Schweizerische Bauernverband übernimmt vom aufgelösten Schweizerischen Landwirtschaftlichen Verein die Verantwortung für die landwirtschaftliche Berufsbildung und bestellt dazu eine eigene Bildungskommission. Jacques Bourgeois, Avry-sur-Matran FR, wird neuer Direktor des SBV und Vorsteher des Schweizerischen Bauernsekretariates.
2001
Der Schweizerische Bauernverband intensiviert die Verhandlungen mit Grossverteilern um den Absatz von einheimischen Landwirtschaftsprodukten zu angemessenen Preisen zu sichern und zu fördern. Die Dienstleistungsabteilungen Treuhand und Schätzungen und Agroimpuls erhalten das ISO Zertifikat 9001:2000 und bauen Ihre Leistungen zu Gunsten ihrer Kunden aus.
2000
Der Schweizerische Bauernverband gründet aus einem Teil des Erlöses aus dem Verkauf seines Internetproviders agri.ch ag die "Stiftung für eine nachhaltige Ernährung durch die schweizerische Landwirtschaft" und beteiligt sich am Aufbau von AgriGate, einer neutralen Markt- und Internetplattform für die Agrarwirtschaft. Hansjörg Walter, Wängi TG, wird zum neuen Verbandspräsidenten gewählt.
Geschichte 1990 - 1999
Zusammenfassung
Die Landwirtschaft sieht sich gleichzeitig vielen neuen Herausforderungen gegenüber. Die Gesellschaft verlangt einen besseren Schutz der Umwelt und gleichzeitig mehr Markt im Bereich der landwirtschaftlichen Produkte. Die internationale Staatengemeinschaft - unter der Führung der USA und anderer Agrarexportländer - strebt einen möglichst weitgehenden Abbau der Agrarstützung und einen möglichst freien Handel mit Agrarprodukten an. Auf den Märkten für Nahrungsmittel werden die Sättigungstendenzen immer deutlicher sichtbar. Die Konsumentinnen werden durch die europaweit auftretende Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) verunsichert. Die Gesellschaft vollzieht einen grossen Schritt von der Konsumations- in die Kommunikationsgesellschaft. Mit der Annahme der GATT/WTO-Verträge, einer neuen Verfassung und einem neuen Landwirtschaftsgesetz durch das Schweizer Volk erhalten die politischen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft neue Dimensionen.
1998
Der Schweizerische Bauernverband gründet die agri.ch ag, um seine Internet-Dienstleistungen möglichst effizient zu erbringen und lanciert die nationale Basiskampagne "Gut gibt's die Schweizer Bauern"
1997
Landwirtschaftliche Organisationen bilden die Agro-Marketing Suisse (AMS), welcher die Interessen der schweizerischen Landwirtschaft im kommunikativen Bereich wahren und namentlich Öffentlichkeitsarbeit, Verkaufsförderung, Basiswerbung für Produkte der schweizerischen Landwirtschaft sowie Marktforschung der beteiligten Organisationen aufeinander abstimmen soll. Der Schweizerische Bauernverband begeht sein 100-jähriges Bestehen mit der Standortbestimmung "Bauern an der Jahrtausendwende", er übernimmt anstelle des aufgelösten Schweizerischen Viehproduzentenverbandes die Interessenvertretung der Viehproduzenten und beschliesst den Aufbau des Qualitätsmanagements Schweizerfleisch.
1996
Die neuen GATT/WTO Verträge treten in Kraft. Damit verpflichtet sich die Schweiz alle ihre Aussenhandelsinstrumente in Tarife umzuwandeln und innerhalb von sechs Jahren die interne Agrarstützung um 20 % und die Exportstützung um 36 % abzubauen. Unter der Führung ihres Dachverbandes machen die Schweizer Bauern ein weiteres Mal mit einer eindrücklichen Grosskundgebung auf dem Bundesplatz in Bern auf ihre sehr schwierige wirtschaftliche Lage aufmerksam.
1995
Der Schweizerische Bauernverband steigt mit dem Internet Server www.agri.ch in das Zeitalter der weltweiten Kommunikation ein und bietet den Bäuerinnen und Bauern, sowie allen Interessierten eine Marketing- und Informationsplattform an. Die Delegiertenversammlung des Verbandes genehmigt neue Statuten, welche seine Organe schlanker, beweglicher und schlagkräftiger machen.
1994
Vom Schweizerischen Bauernverband, dem Zentralverband schweizerischer Milchproduzenten und anderen führenden Bauernverbänden wird die BauernZeitung geschaffen. Sie ersetzt das Zentralblatt schweizerischer Milchproduzenten, die Brugg-Informationen, den Landwirt und die Innerschweizer Bauernzeitung. Später gesellen sich weitere Titel dazu.
1993
Mit dem landesweiten Brunch auf Bauernhöfen versuchen die Bauernfamilien, die Bevölkerung verstärkt auf Ihre Leistungen für die Gemeinschaft sowie ihre natürlichen Produkte aufmerksam zu machen.
1992
Marcel Sandoz, Lavigny VD, wird neuer Präsident
1991
Um der landwirtschaftlichen Bevölkerung angepasste Versicherungslösungen bieten zu können und der laufenden Kostensteigerung entgegenzuwirken gründet der Schweizerische Bauernverband die Krankenkasse Agrisano.
1990
Zusammen mit europäischen Partnerorganisationen führt der Schweizerische Bauernverband eine Internationale Manifestation vor dem GATT-Sekretariat in Genf durch, um die Ansprüche der Landwirtschaft an die auszuhandelnden Verträge auszudrücken.
Geschichte 1980 - 1989
Zusammenfassung
Neben der rationellen, kostengünstigen Produktion von Nahrungsmitteln treten andere Aufgaben der Landwirtschaft stärker in den Vordergrund. Dazu zählen insbesondere die Pflege der Kulturlandschaft, die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und eines ökologischen Gleichgewichtes, sowie der Beitrag zur dezentralen Besiedlung des Landes. Diese multifunktionalen Aufgaben erlangen zwar bei der Aushandlung der Uruguay-Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) noch wenig konkrete Beachtung, werden jedoch in der hiesigen agrarpolitischen Diskussion verstärkt eingebracht.
1988
Jean Savary, Sâles FR, wird neuer Präsident
1987
Melchior Ehrler, Ibach SZ, wird neuer Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes und Vorsteher des Schweizerischen Bauernsekretariates.
1982
Der Bundesrat erfüllt die vom Verband seit Jahren vehement geforderten Verbesserungen bei der Berechnung des Paritätslohnanspruchs: Bessere Bewertung der Frauenarbeit, Reduktion der Arbeitstage-Norm.
Geschichte 1970 - 1979
Zusammenfassung
Dank der weiter fortschreitenden Rationalisierung und dem laufend erzielten technischen Fortschritt sowie trotz den eingeleiteten Gegenmassnahmen steigt die landwirtschaftliche, vorallem die viehwirtschaftliche Produktion teils bis zur Marktsättigung an. Die 1977 eingeführte Milchkontingentierung zeigt, wie schwierig bei unterschiedlichen Verhältnissen von Betrieb zu Betrieb und von Region zu Region eine möglichst allen Betrieben gerecht werdende Massnahme durchzuführen ist und wie nicht vermeidbare Härten das solidarische Denken innerhalb des Bauernstandes strapazieren können.
1976
Die auf Anfang Jahr in Kraft gesetzten neuen Statuten sollen zur vermehrten Mitsprache der bäuerlichen Praxis beitragen. Für die Dachorganisation stellt sich immer mehr die Aufgabe, verschiedene Auffassungen sachlich gegeneinander abzuwägen und in den Verbandsorganen zu versuchen aus einer unbefriedigenden Situation das Beste zu machen. Peter Gerber, Frienisberg BE, wird neuer Präsident.
1974
Die zunehmende Kompliziertheit der agrarpolitischen Fragen, aber auch die vermehrt sichtbaren Unterschiede zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben verlangen eine Überprüfung der Verbandsorganisation. Eine Spezialkommission wird mit der Ausarbeitung neuer Statuten beauftragt.
1972
Aus Anlass des 75-jährigen Bestehens des Verbandes beschliesst die Delegiertenversammlung die Errichtung einer Vorsorgestiftung für die schweizerische Landwirtschaft, welche die Bauernfamilien kostengünstig und neutral in allen Versicherungsfragen berät und ein angepasstes Versicherungskonzept erstellt.
Geschichte 1960 - 1969
Zusammenfassung
Die Preise für landwirtschaftliche Produktionsmittel steigen wesentlich schneller als die Erlöse für Erzeugnisse. Viele Betriebe versuchen, ihre wirtschaftliche Lage durch Mehrproduktion zu verbessern. Dies zwingt den Bund, zu einschränkenden Massnahmen, vorerst bei der Milch, und zum Erlass von neuen Gesetzen, welche sich auf die Milchwirtschaft, auf Familienzulagen, auf Kostenbeiträge an Rindviehhalter im Berggebiet, auf Investitionshilfen und Verbesserung der viehwirtschaftlichen Produktion, auf die Brotgetreideordnung, die Zuckerwirtschaft und den Rebbau beziehen.
1968
Zwecks besserer Abstimmung der Produktion auf die Absatzverhältnisse und Verstärkung des Einflusses der Produzenten auf das Marktgeschehen wird die Koordinationsstelle Schweine geschaffen.
1965
Die Maul- und Klauenseuche fordert auf ihrem Höhepunkt die Notschlachtung von über 11'000 Stück Grossvieh.
1961
Die Genossenschaftliche Landmaschinenkommission (UMA) nimmt die Arbeit auf. Joachim Weber, Schwyz wird neuer Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes. Mit einer Demonstration auf dem Bundesplatz machen rund 40'000 Bäuerinnen und Bauern auf die schwierige Lage der Landwirtschaft aufmerksam.
1960
Die Schweiz tritt der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) bei.
Geschichte 1950 - 1959
Zusammenfassung
Die landwirtschaftlichen Betriebe setzen auf Rationalisierung und Mechanisierung. Die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten nimmt stark ab. Gleichzeitig steigt die Produktion spürbar an.
1959
Rege Diskussionen über Zielsetzung und Mittel der schweizerischen Agrarpolitik veranlassen den Verband zu einer grundsätzlichen Standortbestimmung. Daraus werden agrarpolitische Richtlinien abgeleitet und unter dem Titel "Grundsätzliche Fragen der schweizerischen Agrarpolitik" veröffentlicht.
1958
René Juri, Ambri TI, wird neuer Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes und Vorsteher des Schweizerischen Bauernsekretariates
1951
Der Verband setzt sich ein für das Bundesgesetz über die Förderung der Landwirtschaft und die Erhaltung des Bauernstandes, dem das Volk seine Zustimmung erteilt und das 1952 in Kraft tritt.
Geschichte 1940 - 1949
Zusammenfassung
Der Bauernstand vollbringt eine ausserordentliche Leistung zur Volksernährung und für das Durchhalten während des zweiten Weltkrieges. Der Verband und alle anderen landwirtschaftlichen Organisationen unterstützen mit Rat und Tat, insbesondere bei der Bereitstellung von genügend Arbeitskräften und der Organisation des Arbeitsdienstes. Er setzt sich dafür ein, dass sich der Preiszusammenbruch, wie nach dem ersten Weltkrieg, nicht wiederholt.
1949
Rudolf Reichling, Stäfa ZH wird neuer Präsident, Ernst Jaggi, Gossliwil SO, wird neuer Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes und Vorsteher des Schweizerischen Bauernsekretariates.
1948
Verband und Sekretariat können das mit Spenden von Bauern, landwirtschaftlichen Vereinigungen und Freunden zum 50-Jahr Jubiläum des Verbandes finanzierte neue Bürogebäude an der Laurstrasse in Brugg beziehen.
1947
Um dem spürbar werdenden Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften entgegen zu wirken, wird eine Vermittlungsstelle für landwirtschaftliche Arbeitskräfte und Praktikanten ins Leben gerufen. Diese rekrutiert landwirtschaftliche Arbeitskräfte vorerst hauptsächlich in Italien, später in Spanien, Portugal und Jugoslawien und vermittelt Praktikanten und Praktikumsstellen.
1941
Für die Bereitstellung von verbesserten Grundlagen über die landwirtschaftliche Produktion und den Verbrauch, die Entwicklung von Preisen von Produktionsmitteln und Erzeugnissen, sowie weiteren Bereichen der Landwirtschaft wird eine statistische Abteilung gebildet.
Geschichte 1930 - 1939
Zusammenfassung
Die erste Hälfte des Dezeniums ist geprägt durch die weltweite Wirtschaftskrise. Es braucht Anstrengungen um die Folgen der durchschnittlichen Preiseinbussen von rund 30 % bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu mildern. Bauernverband und Sekretariat setzen sich ein für staatliche Stützungsmassnahmen. Diese reichen von vereinzelten Zollerhöhungen, mengenmässigen Einfuhrbeschränkungen, Regulierungen der viehwirtschaftlichen Produktion, Kredithilfe, bis zu rechtlichen Schutzmassnahmen. Der Leitende Ausschuss sagt dazu im Jahresbericht: "Es ist nicht leicht, in den Jahren einer so schweren Wirtschaftskrise die Bauernsame zu führen. Wenn es ständig abwärts geht, so sind für den einzelnen Landwirt die Bedeutung und der Erfolg der Organisationen schwerer zu erkennen, als wenn in normalen Zeiten neu aufgebaut und die Lage des Landwirts verbessert werden kann. Aber unsere Aufgabe ist heute noch wichtiger, als sie es in besseren Zeiten war. Damals kämpften wir für die Besserstellung, heute aber verteidigen wir die Existenz der Bauernsame."
1939
Das Fachgruppenkomitee Landwirtschaft baut im Rahmen der Landesausstellung eine vielbeachtete thematische Schau über die schweizerische Landwirtschaft auf. Oskar Howald, Thörigen BE, in Zürich aufgewachsen, wird Direktor und Vorsteher des Schweizerischen Bauernsekretariates.
1938 - 1939
Milchkontingentierung, angeordnet durch den Bund.
1935 - 1939
Der Bund ordnet eine einzelbetriebliche Schweinekontingentierung an.
1935
Eine Besserung der Wirtschaftslage bahnt sich an. Dr. Ferdinand Porchet, Vucherens VD, wird neuer Präsident (vorerst bis 1937 ad interim) .
1933 - 1936
Milchkontingentierung, organisiert durch den Zentralverband schweizerischer Milchproduzenten.
1930
Franz Moser-Schär, Hitzkirch LU, wird neuer Präsident.
Geschichte 1920 - 1929
Zusammenfassung
Der Übergang von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft erfordert vor allem Anstrengungen gegen die Notlage vieler Betriebe, welche durch die teils katastrophalen Preissenkungen entstanden ist. Vorstösse zur Einführung von Preisstützungsmassnahmen zu Gunsten der Milchproduzenten, Viehzüchter und Weinbauern, Einfluss auf die verfassungsmässige Verankerung der Brotgetreideordnung und der Förderung des Obst- und Kartoffelbaus sowie auf die Revision des Bundesgesetzes betreffend die Förderung der Landwirtschaft durch den Bund stehen im Vordergrund.
1930
Franz Moser-Schär, Hitzkirch LU, wird neuer Präsident.
1929
Errichtung einer Zentralstelle für bäuerliche Heimarbeit und ländliche Wohlfahrtspflege, Lehr- und Musterwerkstätte für Handweberei und Gründung des Schweizer Heimatwerkes. Später werden diese Bereiche verselbständigt und als Heimatwerk weiter betrieben.
1927
Durchführung von Schlachtviehmärkten in verschiedenen Landesteilen um das Schlachtviehangebot sichtbar zu machen und die Entscheidungen des Bundes über die Vieh- und Fleischeinfuhr sowie die Fleischversorgung des Landes zu erleichtern.
1924
Errichtung einer Abteilung für Kreditfragen zur Überschuldungsbekämpfung.
1923
Einrichtung eines Bauern-Hilfsfonds, sowie eines Schlachtviehverwertungsfonds.
1922
Gründung der Stiftung "Trieur" zur Prüfung landwirtschaflticher Geräte und Maschinen, sowie Veranstaltung von Kursen und Demonstrationen für eine verbesserte Arbeitstechnik.
1921
Bildung einer schweizerischen Bürgschaftsgenossenschaft.
Geschichte 1910 - 1919
Zusammenfassung
Der Kriegsausbruch fordert vermehrten Anbau von Kulturen, welche für den Menschen unmittelbar nutzbare Nährstoffe liefern. Die Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse steigen auf das zweieinhalbfache an.
1919
Die zunehmende Verwendung von Landmaschinen und landwirtschaftlichen Geräten erfordert Beratungsleistungen, die vorerst vom landwirtschaftlichen Bauamt, später von eigenständigen Instituten übernommen werden.
1916
Zur Förderung der rationellen Erstellung landwirtschaftlicher Bauten, vor allem durch technische und wirtschaftliche Beratung der Landwirte wird ein landwirtschaftliches Bauamt gegründet. Dank der regen Nachfrage nach den entsprechenden Dienstleistungen werden in späteren Jahren verschiedene Filialen eröffnet.
1914
Auskunftsstelle für Kranken- und Unfallversicherung, vorerst um die Einführung der freiwilligen Unfallversicherung vorzubereiten, später zur Beratung der Landwirte in Versicherungsfragen.
1913
Gründung des Schätzungsamtes um gegen die steigenden Bodenpreise und die damit verbundene Verschuldung der Landwirtschaft anzukämpfen und auf die Schätzung landwirtschaftlicher Liegenschaften einzuwirken, welche durch das Erb- und Hypothekarrecht im damals neuen Schweiz. Zivilgesetzbuch zusätzliche Bedeutung erlangt hat. 1919 wird, in der Absicht, den Liegenschaftsverkehr in gesunde Bahnen zu lenken, eine Gütervermittlungsstelle angegliedert, 1955 aber wieder aufgehoben.
1911
Herausgabe der "Schweizerischen Marktzeitung", sowie der "Revue suisse des marchés agricoles".
Geschichte 1897 - 1909
Zusammenfassung
Die ersten Jahre sind geprägt durch das Bemühen um einen festeren Zusammenschluss der Bauern aus den verschiedenen Landesteilen, sowie vom Kampf um Gleichberechtigung der Landwirtschaft mit anderen Wirtschaftsgruppen. Der Verband setzt sich ein für einen neuen Zolltarif, für ein neues Lebensmittelgesetz und für die Vereinheitlichung des Zivilrechts um damit die erkannten Ursachen der Misere zu bekämpfen.
1908
Gründung der Preisberichtstelle, die milchwirtschaftliche Erhebungen durchführt, sowie über Preise und Marktlage von Ackerprodukten, Wein, Obst, Schlacht- und Nutzvieh, Eier, Honig und Holz Bericht erstattet.
1901
Herausgabe eines vorerst vierseitigen, monatlichen Blattes, ohne Inserate, welche es den Berufsangehörigen ermöglichen soll, sich über die Bestrebungen des Verbandes zuverlässig zu informieren. Daraus entwickelt sich später die BauernZeitung.
1900
Aufnahme von Erhebungen über die Rentabilität der landwirtschaftlichen Betriebe auf der Basis von exakt geführten Buchhaltungen von Landwirten aus verschiedenen Landesteilen.
1898
Aufbau einer Fachbibliothek für Mitarbeiter und interessierte Öffentlichkeit, welche heute rund 80'000 Titel umfasst.
1897
Der Schweizerischen Bauernverband wird gegründet, in einer Zeit starker wirtschaftlicher Umwälzungen. Industrie und Handel sind daran, die Krise der 1880-er Jahre zu überwinden, die Ertragslage der Bauern ist völlig unbefriedigend. Als Ursache sehen die Einen die durch Dampfschiff- und Eisenbahnbau erstarkte internationale Konkurrenz. Andere beklagen die starke Verschuldung der Bauern und fehlende Kreditmöglichkeiten, empfinden das Steuersystem als ungerecht, oder geben der mangelnden Bildung der Bauern die Schuld, wodurch sie den Anforderungen einer modernen Wirtschaft nicht gewachsen seien. Viele erkennen, dass nur ein einheitlicheres Auftreten die Landwirtschaft aus der Krise führen kann. So gedeiht eine von eidg. Parlamentariern nach Bern einberufene Versammlung der Delegierten aller Vereinigungen am 7. Juni 1897 zur Gründungsversammlung des Schweizerischen Bauernverbandes. Johann Jenny, Worblaufen BE, wird zum ersten Präsidenten gewählt. Ernst Laur, Basel, wird erster Bauernsekretär.