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Ernst Otto (Carl), * 25.11.1884 Veltheim, † 7.5.1967 Aarau
Nachruf im Aargauer Tagblatt 10. 5. 1967, leicht abgeändert.
Ein gar herzlieber Gesell, Herr, s‘ ist ewig schade. (Lenau)
Am vergangenen wundervollen Maisonntag hat nach kurzer, schwerer Krankheit Otto Ernst nach einem langen, glücklichen Leben Abschied von dieser Welt nehmen müssen, er, der am Auffahrtstag noch an Freundesseite die sonnigen Höhen des bernischen Seelandes durchwanderte.
Otto Ernst wurde am 25. November 1884 in Veltheim AG geboren und begab sich nach Absolvierung von Primar- und Bezirksschule in die Lithographenlehre bei der Firma Trüb + Co. in Aarau, der er zeitlebens seine Treue bewahrte.
Im Jahre 1910 liess er sich für einen Studienaufenthalt in Paris beurlauben, wo er in der Grande Chaumière den Unterricht des bedeutenden Professors Eugène Grasset, eines geborenen Waadtländers, besuchte.
Otto Ernst beim Malen des unten abgebildeten Gemäldes im Aargauer Jura am 25. 11. 1964, seinem 80. Geburtstag.
1912 schloss sich ein Studienaufenthalt in Florenz an. Nachdem er, bereichert durch seine Studien, in seine Heimat und in seine Firma zurückgekehrt war.
Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass Otto Ernst auch in seiner Tätigkeit als Grafiker bei Trüb + Co. in Aarau ein überaus reiches und qualitativ hervorragendes Werk hinterlassen hat. Seine Plakate werden zur Zeit an Auktionen zum Teil zu höheren Preisen gehandelt als die Ölgemälde.
Einige Plakate aus verschiedenen Schaffensperioden
Er pflegte nun seinen eigenen tonigen Malstil und brachte Werke der Landschafts- und der Blumenmalerei hervor, die von so vielen Wänden Freude verstrahlen. Es existieren auch meisterhafte Zeichnungen aus seiner Hand, denn er wandte sich nicht nur der Farbe zu, sondern schaffte sich über die Zeichnungen ein solides Fundament für seine farbigen Werke.
Schwere Schicksalsschläge waren dem Verstorbenen nicht erspart. 1946 verlor er den einzigen Sohn, damals 22-jährig, und 1952 musste er von seiner ihn umsorgenden Gattin Abschied nehmen. Sein angeborener Frohmut, mit dem er immer seinen grossen Freundeskreis zu beglücken verstand, half ihm über diese schweren Erschütterungen hinweg.
Von Jugend auf ein nimmermüder, begeisterter Wanderer kannte er sich in seiner engeren Heimat, vorab dem Jura, aber auch in den Bergen, gut aus. Er darf als der Maler des Juras angesprochen werden, dessen Stimmung er überzeugend auf die Leinwand zu bannen verstand. Wer mit ihm wandern durfte, erlebte die Landschaft mit seinem Künstlerempfinden, das allem das Schöne und auch Typische abzugewinnen wusste.
Nicht häufig, aber doch immer wieder drängte es den Verstorbenen ferienhalber in die weite Welt hinaus, und er brachte von seinen Fernzielen stets eine Mappe voll von Zeichnungen mit, Zeugen seines grossen zeichnerischen Könnens. Nicht selten wurde er bei diesen Reisen von einem seiner Malerfreunde begleitet. Bekannt ist beispielsweise seine Exkursion nach Italien (Castel Gandolfo), die er zusammen mit Max Burgmeier 1935 unternahm.
Seinen Freunden war er ein treuer Weggenosse von lauterem Charakter, der lebendigen Anteil an ihrem Leben nahm und dank seines ansteckenden Frohmuts nie eine schlechte Laune aufkommen liess.
Köstlich waren seine Schilderungen längst vergangener Zeiten, die er dank seines erstaunlich guten Gedächtnisses plastisch zum Besten zu geben verstand. Er war auch, das sei heute verraten, ein Mann der offenen Hand. Seine Angehörigen und Freunde vermissen den Abberufenen, dessen Charakterkopf zum Glück von seinem Freund Eduard Spörri in einer meisterhaften Plastik festgehalten ist. Sein Tod ist der einzige Kummer, den er seinen Freunden bereitet hat.