Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03411.jsonl.gz/1102

Können Roboter lieben?
Caleb (Domhnall Gleeson) arbeitet als Web-Programmierer bei einem Internetkonzern. Als er einen hausinternen Wettbewerb gewinnt, darf er seinen steinreichen Chef Nathan Bateman (Oscar Isaac) auf dessen abgelegenem Wohnsitz in den Bergen besuchen. Der Eremit mit Hipster-Bart baut dort inmitten wilder Natur Roboter, die aussehen wie Supermodels. Seine jüngste Kreatur heisst Ava (Alicia Vikander). Caleb soll den Grad ihrer künstlichen Intelligenz beurteilen: Wenn er mit ihr kommunizieren kann, ohne dass er merkt, dass er mit einem Roboter spricht, hat Ava den Test bestanden.
So entspinnt sich in Nathans klaustrophobischer Hightech-Villa eine Dreiecksgeschichte zwischen Schöpfer, Kreatur und Assistent; zunächst angetrieben von Neugierde, dann Misstrauen und schliesslich Begehren. Caleb verliebt sich in Ava und will mit ihr durchbrennen. Aber Ava hat anderes im Sinn.
«Ex Machina» ist das Regiedebüt von Alex Garland, dem Autor von «The Beach», «28 Days Later» und «Sunshine». Es ist ein eleganter Science-Fiction-Thriller, ein klug konstruiertes Psychospiel zwischen drei Einsamen, das aber etwas mühsam in Gang kommt. Das liegt daran, dass die eigentlich simple Geschichte aufgeblasen wirkt. Als Füllmaterial zwischen den besten Szenen, den Begegnungen von Ava und Caleb, dienen zu viele erklärende Dialoge. Nathan nimmt sogar die Deutung seiner Figur vorweg, indem er sich mal als Gott, mal als Prometheus bezeichnet. Wie schon in der griechischen Sage ist auch «Ex Machina» eine Parabel auf die menschliche Hybris. Nur sind bei Garland die Götter überflüssig. Nathan erschafft unsere evolutionären Nachfolger lieber selbst. Seine Roboter sind intelligent, schön, unsterblich, unberechenbar. Und weiblich.
Insofern ist der Film auch eine Männerfantasie. Nathan erschafft Frauen nach seinen Vorstellungen. Er stattet sie aus mit Verstand und Sexualität – so seien sie einzigartig, erklärt er. Ausserdem machen sie mehr Spass. Die entscheidende Frage ist, wie schon in «Blade Runner», ob ein künstlicher Mensch Gefühle haben kann. Denn erst ein liebender Roboter wäre dem Menschen ebenbürtig. Aber das, was Nathan geschaffen hat, ist uns einen Schritt voraus.