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„Die Fakten sind eindeutig, die Datenmenge ist erdrückend: Weil dem Menschenrecht auf Familienplanung in Entwicklungsländern noch immer keine Geltung verschafft wurde, haben 222 Millionen Frauen, die dies möchten, keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Als Folge sterben jährlich zehntausende Frauen und Kinder, es gibt Millionen ungewollte Schwangerschaften und die wirtschaftliche Entwicklung armer Länder stagniert.
Wie kommt es, dass sich Caritas dazu versteigt, Massnahmen, welche von der UNO als „zu den wirksamsten und kosteneffektivsten gehörend“ klassiert, als „Symptombekämpfung“ abzutun?
Bekanntlich ist Caritas ein katholisches Hilfswerk. Den westlichen Spendern gegenüber tritt die Organisation zwar bewusst weltoffen und modern auf. Vor Ort arbeitet sie jedoch weitgehend mit Partnern aus fundamentalistisch-katholischen Kreisen zusammen. Diese Kreise werden durch die Spendengelder künstlich gestärkt, wodurch der Einfluss progressiverer Kräfte in diesen Ländern massiv behindert wird. Bei Themen wie Empfängnisverhütung und Abtreibung muss Caritas den Vorgaben des Vatikans folgen.
Nach Ecopop liegt es auf der Hand, dass sich die Verbesserung der Gesundheitsvorsorge und der Berufsbildungschancen, Überwindung der Armut, Senkung der Geburtenrate und Zugang zu Verhütungsmitteln GEGENSEITIG BEDINGEN. Alle Faktoren sind wichtig und stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Da heute die Familienplanung viel zu wenig berücksichtigt wird, sollen 10% der Mittel zweckgebunden werden, womit immer noch 90% für die anderen Faktoren zur Verfügung stehen.
In Europa und Nordamerika war der Zugang zu Verhütungsmitteln die Hauptvoraussetzung für die markante Senkung der Geburtenrate und die gleichzeitige Stärkung der Gesundheit von Frauen und ihrer Stellung in der Gesellschaft. Vor dem „Pillenknick“ verbrachten Frauen 70% ihres Erwachsenenlebens mit der Betreuung zahlreicher Kinder; heute, mit weniger Kindern, sind es noch 14% (Lee, Ronald 2003:“The Demographic Transition: Three Centuries of Fundamental Change“,Journal of Economic Perspectives. 17 (4): 167-190). Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass sich der Zugang zu empfängnisverhütenden Mitteln in anderen Teilen der Welt nicht anders auswirken soll.“ (Aus: Cornelia Keller: Caritas im Argumentationsnotstand, Ecopop Bulletin Nr. 66, Oktober 2013).