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Zu den übrigen Abbildungen ist nichts zu bemerken, da auf S. 40 unter «Eigentümlichkeit der Darstellungsweise» schon alles Nähere gesagt wurde. Dagegen möchte ich es nicht unterlassen, auf die wunderbar naturgetreue Nachbildung der Löwenkörper hinzuweisen. Der Todesschmerz der sterbenden Tiere ist mit einfachen Mitteln zu gewaltigem Ausdruck gebracht; die «Stilisierung» erstreckt sich nur auf die Mähne und das Schweifbüschel.
Perser.
Durch die stammverwandten Phöniker wurde die chaldäische Kultur und Kunst auch nach Westen verbreitet, ohne jedoch im Wettbewerb mit der ägyptischen und der frühhellenischen einen maßgebenden Einfluß zu erlangen. Dagegen wurde sie bestimmend für die stammfremden Völker im Osten, die Indogermanen des iranischen Hochlandes, von denen zuerst die Meder, dann die Perser zur Vorherrschaft gelangten.
Kultur der Meder. Aus den Berichten der alten Schriftsteller über die Meder - unzweifelhafte Denkmale ihrer Thätigkeit sind nicht vorhanden - kann ich nur entnehmen, daß ihre Kultur vollständig im Banne der chaldäischen war; sie im Bauwesen wie in sonstigen Kunstdingen einfach ihre westlichen Nachbarn nachahmten, oder - was noch zutreffender sein dürfte - Werkmeister und Künstler von ihnen bezogen.
Die Pracht der medischen Hauptstadt Ekbatana wird von den griechischen Schriftstellern als außerordentlich gerühmt; gerade diese Erzählungen weisen jedoch auf chaldäische Vorbilder hin.
Die Perser. Die Perser sind wie wohl begreiflich auch in der Kultur von den Chaldäern so lange abhängig gewesen, als sie es in politischer Hinsicht waren. Der Sieg des Königs Cyrus über die Meder (559 v. Chr.) machte die Perser zu Herren Mittelasiens, und in der Folgezeit geriet auch ganz Vorderasien, ja selbst Aegypten unter ihre Oberhoheit. Drei selbständige, hochentwickelte Kulturgebiete umfaßte ihr Reich: das chaldäische, ägyptische und das hellenische der vorderasiatischen Küste. Damit war der Entwicklungsgang der persischen Kultur und Kunst mit einer gewissen Naturnotwendigkeit bestimmt.
^[Abb.: Fig. 46. Sterbender Löwe.
Flachbild aus Kujundschik. London, Brit. Museum. (Nach Photographie von Mansell.)] ¶
Herodots Schilderung der alten Perser erinnert in manchen Zügen an jene, welche Tacitus von den Germanen giebt. Jene erscheinen nach den Berichten als ein gesund-kräftiges Volk von einfachen Sitten und natürlicher Wohlanständigkeit; stolz, ehrenhaft und treu, der Lüge abhold und daher auch ohne Handelsgeist; nur der Landwirtschaft ergeben, somit auch jagdlustig und kriegerisch.
Dieses Volk wurde nun Herr der Länder, in welchen eine hohe verfeinerte Kultur mit ihren Licht- und Schattenseiten, Reichtum und üppiger Lebensgenuß herrschten. Wie die ersten Germanenstämme, welche das Römerreich überfluteten, zunächst durch die Kultur nur sittlich verdorben wurden, ohne diese weiter bilden zu können, was erst später dem germanischen Geist gelang, so erging es auch den Persern. Die alte chaldäische Kultur unterjochte vorerst das politisch siegreiche Volk, das viel von seiner Eigenart verlor. Immerhin blieb der persische Geist stark genug, um nicht ganz in den chaldäischen aufzugehen, sondern auch andere Kultureinflüsse aufzunehmen und zu verarbeiten.
Die Kunst. Für die persische Kunst ergab sich daher folgendes: Die urpersische Eigenart tritt ganz in den Hintergrund;
aus der chaldäischen, ägyptischen und hellenischen Kunstübung wird eine Auswahl getroffen und durch Verbindung verschiedener Grundzüge ein neuer Mischstil - man nennt dies «eklektisch» - geschaffen. Am wenigsten beeinflußt durch das Fremde erhielt sich nur die persische Dichtkunst.
Es ist daher gar nicht wunderbar, daß die ältesten persischen Denkmale schon eine gewisse Vollendung zeigen. Von der alten Königsstadt Pasargadae - unweit des jetzigen Murghab - sind noch einige Reste erhalten; namentlich das sogenannte Grab des Cyrus. Es ist aus geglättetem Marmor in sieben Absätzen aufgebaut und trägt oben ein Giebelhaus, in welchem der König bestattet war. Man wird unschwer erkennen, daß der Stufenbau auf chaldäischem Vorbild beruht, während das Giebelhaus, sowie die Behandlung des Steins schon hellenischen (vorderasiatischen) Stil aufweist. Unter den Trümmern des Königspalastes fand man ferner einen Pfeiler mit einem Flachbildwerk, welches laut der Keilinschrift den König Cyrus darstellt. Die Gestalt zeigt ägyptischen Kopfschmuck und die chaldäischen Flügel (s. Fig. 50).
Dareios (521-485 v. Chr.) verlegte seinen Sitz nach der Stadt, welche die Griechen Persepolis nannten, und errichtete hier - sowie in Susa - großartige Prachtbauten.
^[Abb.: Fig. 47. Verwundete Löwin.
Flachbild aus Kujundschik. London, Brit. Museum. (Nach Photographie von Mansell)] ¶