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Ghirza liegt am Zusammenfluss des Wadi Zemzem mit dem Wadi Ghirza am Rande der libyschen Wüste. Durch diese Region verlief zurzeit des Kaisers Septimius Severus die äusserste Grenze des Römischen Reiches. Um sie zu kontrollieren und auch zu sichern, waren der Grenzlinie entlang befestigte Siedlungen gebaut worden, deren Bewohner – die „limitanei“ – Wehrbauern – das Land bewirtschafteten, und welchen auch die Verteidigung der Grenze oblag. Nahe bei Ghirza befindet sich eine solche Wehranlage mit 40 Wohnhäusern und 5 grösseren Gehöften, zu welcher auch zwei Nekropolen mit aussergewöhnlichen Grabbauten gehören.
Auch wenn der Grenzverlauf hier am Rande der Wüste nicht mit einem durchgehenden Wall gekennzeichnet bzw. befestigt war, wird er in Inschriften dennoch als Limes Tripolitanus bezeichnet. Die Gehöfte und Wohnhäuser dieser Aussenposten waren aus groben Steinen und Lehm errichtet. Aufgrund von Inschriften weiss man, dass die Bauern hier Datteln und Oliven angebaut haben, in regenreichen Jahren auch Getreide. Anscheinend spielte auch die Viehhaltung eine wichtige Rolle: eine Inschrift erwähnt ein Tieropfer von 30 Ziegen und 51 Stieren. Fundstücke lassen auf eine römisch-berberische Mischkultur schliessen, allgemein werden diese Anlagen ins dritte Jahrhundert datiert. Die Menschen, die diese Siedlungen gründeten und auch bewirtschafteten, lebten unter härtesten Bedingungen. Der Boden war karg und es gab wenig Wasser. Die Wohnhäuser waren weniger stabil gebaut worden als die Gräber, und es liegt die Vermutung nahe, dass das „ewige“ Leben als wichtiger angesehen wurde als das zeitlich begrenzte. Die antiken Wohnbauten sind ziemlich verfallen. Die italienischen Ausgräber haben bei ihren Restaurierungsarbeiten nur vereinzelt eine Mauer wieder hochgezogen, die Grabbauten in den Nekropolen dagegen wurden mit viel Sorgfalt wieder restauriert. Die beiden Nekropolen von Ghirza liegen etwa 3 km voneinander entfernt.
Insgesamt besteht die Nordnekropole aus sieben Gräbern. Alle diese Gräber wurden als tempelartige Grabbauten angelegt. Die Grabkammern sind im Boden vertieft, darüber befindet sich eine Plattform mit einem durch Arkaden verbundenen Säulenumgang. Stilistisch wurden hier lokale Bildhauerelemente mit den Stilen der Zeit kombiniert. Das Grab A ist das grösste der Gräber, es ist auch am besten erhalten. Beim Grab B ist der umlaufende Fries mit floralen und ornamentalen Mustern sehr gut erhalten, beim Grab C ist der Relieffries am oberen Abschluss mit Szenen aus der Landwirtschaft und aus dem täglichen Leben dekoriert. Durch Inschriften sind sowohl die Namen der Stifter der Gräber wie auch diejenigen der hier bestatteten Personen belegt: Kinder stifteten die Grabbauten für ihre Eltern.