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BCG-ImpfungInhaltsverzeichnis
- Grundlagen
- Indikationen
- Kontraindikationen
- Durchführung der Impfung
- Tuberkulinprobe vor und nach Impfung
- Komplikationen
Autor: Dr. med. Martin Stocker
Version: 06/03
Seit Jahren ist die Tuberkuloseinzidenz in der Schweiz abnehmend. Im Jahre 2000 betrug die Gesamtinzidenz noch 8.7 pro 100'000 Einwohnern. Diese tiefe Inzidenz in der Schweiz und in anderen industrialisierten Staaten steht im Gegensatz zur globalen Zunahme der Tuberkuloseerkrankungen. Kontinente und Länder mit hoher Tuberkuloseinzidenz sind Afrika, Asien, Südamerika, Osteuropa und Portugal.
Die Bacillus-Calmette-Guérin-Impfung (BCG) besteht aus einem lebenden, attenuierten Stamm von Mycobacterium bovis. Die Impfung bietet nur einen beschränkten Schutz gegen die Tuberkulose. Bei Kleinkindern wird mit der Impfung das Risiko einer schweren Krankheitsform (disseminierte Verläufe wie Miliartuberkulose und tuberkulöse Meningitis) um 60-90% reduziert, hingegen nimmt die Wirksamkeit mit dem Alter ab (ca 50% bei Schulkindern), sodass eine tuberkulöse Infektion oder die Entwicklung einer Lungentuberkulose nur beschränkt verhindert werden kann.
Die positive Reaktion auf den Tuberkulintest kann die Diagnose einer Tuberkuloseinfektion erschweren, welche andererseits gut erkannt und behandelt werden kann. Der Verzicht auf die BCG-Impfung in mehreren Ländern Europas führte nicht zu einer Zunahme der Tuberkulosefälle.
Wegen des erhöhten Erkrankungsrisikos von Säuglingen ist die BCG-Impfung in Ländern mit erhöhtem Tuberkuloseinfektionsrisiko (definitionsgemäss > 0.1%) gerechtfertigt. Hingegen ist die Imfpung in der Schweiz mit einer Inzidenz < 10/100'000 Einwohnern nicht indiziert.
Indiziert ist die Impfung für Neugeborene und Kinder < 1 Jahr, deren Eltern aus Ländern mit hoher Tuberkuloseprävalenz (Afrika, Asien, Südamerika, Osteuropa, Portugal) stammen, und die möglicherweise in diese Länder zurückkehren.
Bei Kindern > 1 Jahr und Erwachsenen ist die BCG-Impfung in keinem Fall mehr indiziert, da die disseminierten Tuberkuloseformen mit zunehmendem Alter seltener werden. BCG-Auffrischimpfungen haben keinen erwiesenen Nutzen und sollen nicht durchgeführt werden.
Kontraindiziert ist die Impfung bei Defekt der zellvermittelten Immunität, zum Beispiel bei bekannter HIV-Infektion oder auch bei Kontakt des Kindes mit HIV-positiven Personen (zB Kinder von HIV-positiven Müttern). Bei schweren Dermatosen ist ebenfalls von einer BCG-Impfung abzusehen.
Es sind keine Interaktionen zwischen der BCG- und anderen gleichzeitig verabreichten Impfungen bekannt.
Anlässlich der Kinderarztuntersuchung wird entschieden, ob eine BCG-Impfung indiziert ist. Die Zustimmung der Eltern wird beim Arztgespräch eingeholt.
Die Injektion muss streng intrakutan am hinteren Rand der Deltoidregion links erfolgen, damit die regionalen Lymphknoten axillär sind. Da der aktuell in der Schweiz erhältliche Mérieux-Impfstoff mehr BCG-Mykobakterien enthält (8-32 Millionen/ml) als der früher verwendete Berna-Impfstoff, soll neu nur noch eine verminderte Dosis von 0.05ml (0.4-1.6 Millionen attenuierte BCG-Bakterien) verwendet werden. Da die Impfung streng intrakutan erfolgen muss, darf diese nur vom Arzt durchgeführt werden. Die Intracutaninjektion muss zuvor geübt worden sein! Unterassistenten dürfen nur unter Aufsicht impfen. Da der Kontakt mit Desinfektionsmitteln die Wirksamkeit der Impfung herabsetzen kann, muss die Impfstelle nach der Desinfektion trocken sein.
|BCG-Impfstoff Mérieux||0.05 ml streng intrakutan||hinterer Rand Deltoidregion links|
Bei im Kinderspital hospitalisierten Kindern wird die Impfung kurz vor Austritt nach Einholen des Elterneinverständnisses durchgeführt. Die Impfung wird im Impfausweis eingetragen.
Bei Kindern < 1 Jahr wird vor der BCG-Impfung kein Tuberkulintest durchgeführt. Es besteht keine Korrelation zwischen dem BCG-Impfschutz und dem Resultat des Tuberkulintests, sodass ein Mantouxtest zur Kontrolle des Impferfolges sinnlos ist.
Eine nässende Wunde während 2-4 Wochen nach der Impfung ist normal. Lokale Komplikationen in Form einer persistierenden oder ausgedehnten Ulzeration oder in Form von Lympknotenschwellungen können vorkommen. Sehr selten ist eine disseminierte BCG-Infektion oder eine Osteomyelitis.
Die nässende Wunde wird mittels eines trockenen Verbandes abgedeckt. Bei Abszessen kann eine chirurgische Intervention notwendig sein. Bei einer disseminierten Infektion oder einer Osteomyelitis ist eine antituberkulöse Therapie indiziert. Die Konsultation eines Spezialisten wird in diesen Situationen empfohlen.
Quellen:
- Desgrandchamps D et al. Neue BCG-Richtlinien für die Schweiz. Paediatrica 2003;14(2):19
- Schweiz. Kommission für Impffragen, Lungenliga Schweiz, BAG. Die BCG-Impfung. Paediatrica 2003;14(2):20-22