Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03542.jsonl.gz/681

Klimakrise
Letzte Aktualisierung: 18.01.2020
Unabhängiger Journalismus kostet. Die Republik ist werbefrei und wird finanziert von ihren Leserinnen. Trotzdem können Sie diesen Beitrag lesen.
Wenn Sie weiterhin unabhängigen Journalismus wie diesen lesen wollen, handeln Sie jetzt: Kommen Sie an Bord!
Die Klimawandel ist eine Realität – und dass er zu einem grossen Teil menschengemacht ist, ist unbestritten. Der Weltklimarat IPCC stellt in einem Bericht fest: «Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist klar und die jüngsten anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen sind die höchsten in der Geschichte. Die jüngsten Klimaänderungen hatten weitverbreitete Folgen für natürliche Systeme und solche des Menschen.»
Das Weltklima ist einem dauernden, natürlichen Wandel unterworfen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Treibhauseffekt: Die von der Erdoberfläche reflektierte Wärmestrahlung der Sonne wird in der Atmosphäre durch Treibhausgase aufgenommen, statt dass sie ins Weltall entweicht. Dies führt zu einer Erwärmung des Planeten. Der Mensch verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt, indem er zum Beispiel durch das Verbrennen fossiler Energieträger zusätzlich Treibhausgase in die Atmosphäre entlässt.
Als Hauptverursacher der globalen Klimaveränderung gilt Kohlendioxid. Die jährlichen weltweiten CO2-Emissionen haben sich von 1960 bis 2017 auf rund 36,6 Gigatonnen vervierfacht. Laut Internationaler Energieagentur gingen davon 2016 rund 42 Prozent auf das Konto der Strom- und der Wärmeproduktion.
Kumuliert entfallen auf die EU und die USA rund 40 Prozent aller seit 1960 entstandenen Emissionen – obwohl ihr Anteil an der Weltbevölkerung in diesem Zeitraum nur zwischen 10 und 20 Prozent ausmachte. Von den total seit der industriellen Revolution angefallenen 1,58 Billionen Tonnen CO2 sind die USA für ein Viertel und China für ein Achtel verantwortlich.
Das legendäre Hockeyschläger-Diagramm zeigt, wie die CO2-Konzentration in den letzten 500’000 Jahren schwankte und seit der Industrialisierung stark zugenommen hat. Ein Vergleich mit der globalen Durchschnittstemperatur seit 1900 belegt einen direkten Zusammenhang mit der globalen Erwärmung und weist die Richtung, welche die Temperaturkurve in Zukunft nehmen wird: nach oben.
Auf den ersten Blick gehört die Schweiz zum internationalen Durchschnitt: mit Treibhausgasemissionen im Inland von 5,6 Tonnen pro Kopf (davon 4,5 Tonnen CO2). Laut dem Treibhausgasinventar des Bundesamts für Umwelt sind die Emissionen seit 1990 um 12 Prozent gesunken. Werden allerdings die durch Importe verursachten «grauen Emissionen» hinzugerechnet, liegt die Schweiz mit ihrem «Treibhausgasfussabdruck» von 14 Tonnen pro Kopf im Jahr 2015 deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 6 Tonnen.
Die Schweiz ist vom Klimawandel überdurchschnittlich stark betroffen. Die Durchschnittstemperatur hat hierzulande seit 1864 mit 2 Grad Celsius doppelt so stark zugenommen wie im globalen Durchschnitt.
Im Jahr 2018 veröffentlichte Meteo Schweiz zusammen mit der ETH Zürich die Ergebnisse der Studie «CH2018 – Klimaszenarien für die Schweiz», in der aus den globalen Klimamodellen mithilfe statistischer Methoden konkrete mögliche Folgen für die Schweiz bis ins Jahr 2085 abgeleitet wurden. Findet kein wirksamer Klimaschutz statt, drohen Folgen: trockenere Sommer, schneearme Winter, mehr Hitzetage und heftige Niederschläge.
Den grössten Beitrag zu den CO2-Emissionen in der Schweiz hat mit rund 32 Prozent der Verkehr (ohne Flugverkehr). Die Sektoren Gebäude und Industrie verursachen je rund ein Viertel. Während sich beim Verkehr erst seit kurzem eine sinkende Tendenz abzeichnet, konnten die Emissionen in den Sektoren Gebäude und Industrie um 26 Prozent beziehungsweise 18 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Beim Verkehr sind die Personenwagen mit 75 Prozent der CO2-Emissionen Spitzenreiter.
Das Dossier bündelt die wichtigsten Fakten zum Klimawandel und zu seinen Auswirkungen – weltweit und in der Schweiz. Der Schwerpunkt liegt auf der Präsentation von Daten aus Primärquellen und in der Zusammenstellung von ausgewählten Beiträgen der Republik. Alle Quellen und Originaldaten sowie die Methoden ihrer Aufbereitung sind hier dokumentiert.
«Wir fokussieren beim Klimaschutz oft zu sehr auf Details»Muss man unbedingt Veganer werden, um das Klima zu retten? Und wie schlimm ist eigentlich Netflix? Antworten auf die Fragen, die nach dem Klimagame der Republik aufgekommen sind.
Von Simon Schmid, 14.01.2020
Herr Knutti, sind wir noch zu retten?Bevor in Madrid der Weltklimagipfel beginnt, im Parlament das CO₂-Gesetz verhandelt wird und das Klima kollabiert: ein Treffen mit ETH-Klimaforscher Reto Knutti, um ein paar grundsätzliche Fragen zu klären.
Von Daniel Ryser (Text) und Yves Bachmann (Bilder), 23.11.2019