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Das neue Jahr begann im Süden mit ergiebigen Schneefällen und einem deutlichen Anstieg der Lawinengefahr. Am Sonntag gingen dort einzelne spontane Lawinen nieder. Die Lawinengefahr nahm im Süden in der Folge nur langsam ab, da es sehr kalt war und immer wieder etwas Schnee gab. Im Norden lag zeitweise eine zähe Hochnebeldecke. Am meisten Sonne gab es in den inneralpinen Gebieten. Die Lawinengefahr nahm auch dort nur langsam ab, hier war aber schwacher Altschnee im Spiel. Besonders im Unterwallis wurden einige grosse Lawinenabgänge im Altschnee beobachtet. Sonst war vor allem Triebschnee die Hauptgefahr.
Im Süden war es stark bewölkt und vom Neujahrsmorgen bis Montagmorgen, 4. Januar fielen im Tessin und im Simplongebiet 40 bis 60 cm, lokal bis 80 cm Schnee oberhalb von rund 1400 m (Abbildung 2). Im Tessin war der Neuschnee am Sonntag mit einem Anstieg der Schneefallgrenze (Abbildung 1) unterhalb von rund 1400 m feucht, sonst fiel sehr leichter und luftiger Schnee.
Im Norden war es oft bewölkt mit zeitweise ein paar Schneeflocken. In den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens gab es die meisten Sonnenstunden.
Der Wind, vorerst aus Süd, später aus Nord wehte meist schwach bis mässig, im Süden in der Höhe sowie am Nördlichen Alpenkamm zeitweise mässig bis stark. Er verfrachtete im Süden in der Höhe den Neuschnee, im Norden stellenweise den noch lockeren, oberflächennahen Schnee.
Von Montag- bis Mittwochnachmittag war es im Süden meist bewölkt und mit Unterbrechungen fiel immer wieder etwas Schnee. Im Tessin sowie vom Simplongebiet bis ins Binntal fielen oberhalb von rund 1000 m weitere 15 bis 30 cm, am übrigen Alpensüdhang wenige Zentimeter Schnee. Im Norden war es oft hochnebelartig bewölkt. In der Höhe und in den inneralpinen Gebieten war es am Dienstag verbreitet sonnig mit Wolkenfeldern, am Mittwoch vor allem im Unterwallis. Am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie in Nord- und Mittelbünden fielen 5 bis 10 cm Schnee bis in die Täler. Am Donnerstag war es, ausser im Jura, meist sonnig. Der Wind wehte schwach bis mässig und drehte am Mittwoch von Süd auf Nord, womit es noch etwas kälter wurde (Abbildung 1). Am Donnerstag drehte der Wind im Tagesverlauf auf Südwest.
An der Schneeoberfläche bildete sich besonders in den Nebelrandlagen des Nordens Oberflächenreif. Ausser im Süden war der oberflächennahe Schnee durch die anhaltende Kälte zudem teils kantig aufgebaut.
Im Süden ging die Hauptgefahr vom Neuschnee aus. Mit den intensiven Niederschlägen von Samstagnachmittag bis Sonntagmittag und der leichten Erwärmung gingen in diesem Zeitraum einzelne spontane Lawinen ab. Zudem waren in den Hauptniederschlagsgebieten des Tessins Lawinen auch in mittleren Lagen leicht auslösbar. Oberhalb der Waldgrenze entstanden teils grosse Triebschneeansammlungen. Im Verlauf der Berichtswoche setzten und verfestigten sich die Neu- und Triebschneeschichten zunehmend. Da immer wieder Schnee fiel, nahm die Lawinengefahr aber nur langsam ab. Tiefer in der Schneedecke liegende Schichten waren im schneereichen Süden allgemein gut verfestigt und bodennahe Schwachschichten vielerorts mächtig überdeckt.
Am Alpennordhang lag für die Jahreszeit relativ wenig Schnee. Die dünne Schneedecke war verbreitet vom Wind geprägt oder an windgeschützten Stellen komplett aufbauend umgewandelt. Am Alpennordhang und im Jura waren nur noch vereinzelte Gefahrenstellen vorhanden und die Gefahr ging vor allem vom Triebschnee aus, am Alpennordhang an hochgelegenen Nordhängen stellenweise auch vom schwachen Altschnee. Die Lawinenaktivität war gering und die Lawinengefahr nahm im Verlauf der Woche deutlich ab.
Im Wallis und in Graubünden ging die Hauptgefahr vom schwachen Altschnee und teils auch vom Triebschnee aus. Vor allem an Schattenhängen oberhalb von 2200 m brachen Lawinen nach wie vor in aufbauend umgewandelten, schwachen Schichten im mittleren und unteren Teil der Schneedecke an. Dies am häufigsten zu Beginn dieser Berichtsperiode im Unterwallis, vereinzelt aber auch im Oberwallis und in Graubünden (Abbildungen 4 bis 6, Bildstrecke).
Auch wenn die Auslösebereitschaft von Lawinen im Altschnee im Verlauf der Berichtswoche abgenommen hat und die Lawinengefahr inzwischen mässig ist (Stufe 2), ist eine defensive Routenwahl weiterhin empfohlen. Lawinen, die im Altschnee anbrechen, können nach wie vor gefährlich gross werden.
Am 2. Januar wurden am Six du Doe (Saillon, VS) vormittags mehrere spontane Lawinen beobachtet. Es stellte sich die Frage nach dem Auslöser. Ganz in der Nähe, in Saxon (VS) wurde am 2. Januar ein sehr schwaches Erdbeben mit der Magnitude von 0.3 registriert (Abbildung 7).
Aber könnte ein so schwaches Erdbeben eine Lawine auslösen?
Gemäss Angaben des Schweizerischen Erdbebendienstes (pers. Komm.) könnten die Schwingungen eines Erdbebens bis zu zehnfach verstärkt werden, was jedoch von vielen verschiedenen Faktoren abhängt (Frequenz, lokale Topographie, Untergrund usw.). Mit den Daten des SLF-Lawinentestgeländes Valle de la Sionne (Arbaz, VS) wurde eine Studie über den Zusammenhang von Erdbeben und Lawinen (C. Perez, PhD, 2014) durchgeführt. Im Fall eines Bebens der Magnitude 3.4 konnte aus diesen Messdaten ein Zusammenhang hergestellt werden (mit instabiler Schneedecke), im Fall eines Bebens der Magnitude 2 jedoch nicht (mit stabiler Schneedecke). Der Einfluss des Schneedeckenaufbaus wurde aufgezeigt. Eine weitere Studie von Podolskiy et al. (2010) über historische, erdbebeninduzierte Lawinen beschreibt das schwächste Ereignis, welches zu einem Lawinenabgang führte, mit einer Magnitude von 1.9.
Das Beben von Saxon war vermutlich viel zu schwach, um eine Lawine auszulösen. Sicher sagen kann man aber, dass die Schneedecke sehr instabil und störanfällig war und sich der Bruch in der weiträumig vorhandenen, schwachen Altschneeschicht ausbreiten konnte. In dieser Region wurden nicht nur in den Tagen um den Jahreswechsel, sondern auch schon am 16.12.2020 ähnliche Lawinen beobachtet (Tête Noire, Leytron, VS, vgl. Wochenbericht).
Auf 2000 m lag am 7. Januar am Alpensüdhang mit 1 bis 2 m überdurchschnittlich viel Schnee für die Jahreszeit. In den direkt angrenzenden Gebieten und im Engadin waren die Schneehöhen durchschnittlich (vgl. Schneehöhe auf 2000 m). Weiter nördlich sowie im Wallis und in Graubünden waren die Schneehöhen mit 20 bis 80 cm auf 2000 m verbreitet unterdurchschnittlich. Im Unterwallis und gebietsweise am westlichen Alpennordhang waren sie stark unterdurchschnittlich (vgl. Karte der Schneehöhen im Vergleich zum langjährigen Mittel). Im Jura lag auf 1200 m 30 bis 40 cm Schnee.
In tiefen Lagen lag beidseits der Alpen teils eine dünne Schneedecke. Über den ganzen Dezember und bis Anfang Januar gesehen kommt das nicht allzu häufig vor, allerdings war dies zuletzt erst im Winter 2017/2018 der Fall.
Vom 01. bis 07. Januar 2021 wurden drei Lawinenunfälle mit jeweils einer erfassten Person gemeldet. Glücklicherweise kam dabei niemand zu Schaden. Am Ende der Vorwoche, am 31.12.2020 ereignete sich jedoch im Berner Jura ein tödlicher Lawinenunfall. Tödliche Lawinenunfälle im Schweizer Jura sind selten. In der SLF-Unfalldatenbank waren bis anhin drei tödliche Lawinenunfälle verzeichnet: 1941 zwei Unfälle im Waadtländer Jura sowie 1991 ein Unfall nördlich vom Chasseral.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.