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Die Geschichte der sonderbaren Kuppelhäuser in Florida
Sie liegen wie ein Skelett mitten im Meer bei Marco Island im US-Bundesstaat Florida: die verwaisten «Dome Houses». In den 70er Jahren komplett autark erbaut, residierte in den Kuppelhäusern einst der Ölunternehmer Bob Lee.
Quelle: Andy Morffew wikimedia CC BY 2.0
Die «Dome Houses» im Jahr 2016: Zu diesem Zeitpunkt wurde das durch mehrere Hurrikans gescholtene Haus bereits aufgegeben. Zwei der ursprünglich sechs Kuppeln sollten im September 2017 in Folge des Hurrikans «Irma» einstürzen.
Durch ihr ungewöhnliches Aussehen werden die kuppelartigen Gebilde gerne als Ufos oder Iglus bezeichnet. Die «Dome Houses» könnten aber genauso gut direkt aus einem Science-Fiction-Film stammen, denn sie stehen mittlerweile rund 90 Meter von der Küste entfernt komplett im Wasser.
Das war aber nicht immer so, denn gebaut worden sind sie ursprünglich an Land. Cape Romano, respektive ihr Standort wird regelmässig von heftigen Stürmen und sogar Hurrikans heimgesucht, und so wird hier immerzu Sand vom Strand abgetragen, während der Meeresspiegel stetig angestiegen ist. Die Kuppeln scheinen damit immer weiter ins Meer hinauszuwandern. Ihre Baugeschichte ist deshalb leider eine etwas traurige: Heute ist von ihnen nicht mehr viel übrig.
Sie befinden sich in einem desolaten Zustand, nur ihr «Skelett» zeugt von ihrer einstigen Form. Auf den noch stehenden Strukturen haben sich Vögel eingenistet. Besuch erhalten die Kuppeln praktisch nur noch von Touristen, die eine Bootstour durch die Inselgruppe Ten Thousand Islands an der Südwestküste Floridas machen.
Autarke Kuppel-Häuser mit Solarmodulen
Gebaut wurden die «Dome Houses» vom inzwischen verstorbenen Ölunternehmer Bob Lee. In den Jahren 1978 und 1979 vermass er Land auf der Inselgruppe Ten Thousand Islands, um dort einst ein Ferienhaus für sich und seine Familie zu errichten. Später setzte er seine Pläne in die Realität um und liess die Kuppelhäuser auf Morgan Island beim Cape Romano, direkt hinter der südwestlichen Spitze von Marco Island bauen. Das ungewöhnliche Design sah sechs miteinander verbundene Kuppeln vor, die auf Stelzen standen.
Aussergewöhnlich war damals auch, dass Lee die «Dome Houses» autark konzipiert hatte. Dies mit Hilfe von Solarmodulen, die sie mit Strom versorgten sowie einer grossen Zisterne unter der Hauptkuppel, in der durch vorgefasste Rinnen auf den Kuppeldächern Regenwasser gesammelt wurde, das aufbereitet als Trinkwasser oder zum Duschen diente. Die runde Form war auch kein Zufall: Sie sollte einen besseren Schutz vor den dort häufig vorkommenden Hurrikans bieten, was sich später teilweise auch bewahrheitete.
Quelle: Obsession911, wikimedia CC BY-SA 3.0
Dieses Bild zeigt die Kuppelhäuser am Cape Romano im Jahr 2004, als das Wasser erstmals die Stelzen erreichte.
Kuppeln hielten Hurrikan Andrew stand
1982 war das Ferienhaus fertiggestellt und verfügte über je drei Schlaf- und Badezimmer. Grosse Fensterfronten ermöglichten ein grosszügiges Panorama auf das Meer, das damals noch weit entfernt war, wie Aufnahmen aus der Zeit zeigen. Nachdem die Familie Lee kurzzeitig in den Kuppeln gewohnt hatte, verkaufte sie das Anwesen 1984 für schätzungsweise 1,5 Millionen Dollar. Weil aber der neue Eigentümer in finanzielle Schwierigkeiten geriet, kaufte die Familie das Haus drei Jahre später wieder zurück.
Bis in die frühen 90er-Jahre nutzten die Lees das Gebäude dann als Hauptwohnsitz. Zumindest, bis 1992 der Hurrikan «Andrew» in Florida wütete und zuletzt auch auf die Kuppelhäuser traf. Dabei zeigte sich zwar erstmals, dass das runde Design tatsächlich gegen die heftigen Stürme gefeit war. Nur leider traf dies nicht auf die Fenster zu, die der Naturgewalt im Gegensatz zu den Aussenwänden nicht standhalten konnten. Sie brachen und in der Folge wurden die Innenräume komplett verwüstet.
Doch nicht nur die «Dome Houses» trugen Folgen davon, sondern auch die Insel. Diese veränderte durch die zahlreichen Stürme nach und nach ihre Topographie, da immer mehr vom Strand weggewaschen wurde – das Meer rückte immer näher. Zwei andere Häuser auf derselben Insel versanken so noch vor dem Ferienhaus der Lees bereits im Wasser. Das gleiche Schicksal sollte auch dem Kuppelhaus drohen. Trotzdem liess die Familie das Haus nach «Andrew» noch einmal renovieren. Schlussendlich wurde es 1992 aber doch aufgegeben.
Quelle: Kristian Maples
Diese Aufnahme zeigt das Kuppelhaus, als es noch komplett bewohnbar auf dem Trockenen stand.
Quelle: Kristian Maples
Bob Lee konzipierte das Ferienhaus so, dass es sich selbst versorgen konnte. Dies mittels Solarmodulen und einem System zur Aufbereitung von Regenwasser.
Kran sollte Haus an Land hieven
Im Jahr 2004 erreichte der Wasserpegel erstmals die Stelzen des Hauses. Ein Jahr später verkaufte Bob Lee sein Anwesen dann an John Tosto, der es wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzen wollte. Gemäss diversen Berichten soll Lee ihm schon früh dazu geraten haben, eine Art Mauer um das Haus zu errichten um es vor der Erosion zu schützen. Doch Tosto folgte diesem Rat nicht und plante stattdessen, die Bauten mit einem Kran auf ein höher gelegenes Stück Land auf der Insel auf Betonpfeiler zu setzen.
Aus diesen ambitionierten Plänen wurde schlussendlich aber nichts, denn wenige Monate nach dem Kauf zog 2005 der Hurrikan «Wilma» auf, der die Küstenlinie am Standort derart unterspülte, dass das Fundament der Kuppelhäuser stark destabilisiert wurde. Tosto verfolgte seine Pläne danach zwar unbeirrt weiter, sah sich dann aber mit den Behörden konfrontiert, die die nötigen Genehmigungen für das Vorhaben aufgrund von Umweltschutz und Sicherheitsbedenken nicht erteilen wollten.
Im Jahr 2007 versetzte das «Collier County Code Enforcement Board» Tostos Projekt den Todesstoss: Die Behörde ordnete an, dass er das Gebäude innerhalb von zwei Jahren abreissen müsse, da es nicht sicher sei. Tosto hatte zwar ein Gutachten vorgelegt, aus dem hervorging, dass das Haus zu diesem Zeitpunkt noch repariert werden konnte. Die Behörden stimmten aber dennoch dagegen, weil er in der Vergangenheit keine Massnahmen zur Sicherung des Hauses ergriffen hatte.
Zwei Jahre später wurde Tosto dann sogar mit einer Geldstrafe von 187‘000 Dollar belegt, weil er das Haus nicht wie vorgeschrieben rückbauen liess. Bis dahin hatte er bereits 500'000 Dollar in das Projekt investiert. Zu diesem Zeitpunkt standen die Grundpfeiler der «Dome Houses» zudem bereits dauerhaft unter Wasser. Schlussendlich fand der Abriss aber nie statt.
Quelle: Kristian Maples
Bob Lee liess in den Kuppeln grosse Fensterfronten einbauen. Diese Aufnahme zeigt heute eindrücklich auf, dass das Meer vor über 30 Jahren noch in weiter Ferne lag.
Quelle: Kristian Maples
Die zerstörten Innenräume, nachdem der Hurrikan «Andrew» über das Haus hinwegfegt war.
«House Domes» sollten zu Riff werden
Im Jahr 2013 entdeckte man, dass der Teil des Hauses, der nun bereits rund 1,8 Meter unter Wasser stand, zu einem Riff geworden war, dass von zahlreichen Tieren bewohnt wurde. Vor diesem Hintergrund wurde 2015 eine Bewegung ins Leben gerufen, die forderte, die inzwischen völlig verwahrlosten Kuppeln tiefer ins Meer zu verschieben, damit sie als Unterwasserriff als Teil der Geschichte Floridas bewahrt werden konnten. Leider scheiterte das Vorhaben aber an der Finanzierung.
Im September 2017 traf dann erneut ein Hurrikan auf die Strukturen, der zwei der ursprünglich sechs Kuppeln zum Einsturz brachte. Deshalb stehen heute nur noch vier im Meer. 2018 fand der Fall der «Dome Houses» dann endgültig ein Ende: Die «Collier County Code Enforcement Division» schloss den Fall der Kuppeln und übergab diese in den Eigentum des Staates Florida.
Seither hat sich an den «Dome Houses» nichts mehr getan. Das einstige Ferienhaus ist damit nun eine Art Mahnmal für die Folgen des Klimawandels geworden.
Quelle: Haydn Blackey flickr CC BY-SA 2.0
Eine Aufnahme vom August 2017, rund einen Monat vor dem Hurrikan «Irma», bei dem zwei der Kuppeln einstürzen sollten.