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Julia
oder Oberhalbsteinder Rhein (Kt. Graubünden, Bez. Albula). Linksseitiger Zufluss zur Albula, in die er bei Tiefenkastel mündet. Bildet sich aus der Vereinigung des Julierbaches und Septimerbaches, die vom Julierpass bezw. Septimerpass herabkommen und 1 km oberhalb Stalla (1798 m) zusammenmünden. Der Julierbach entspringt etwas oberhalb der Veduta an der Julierstrasse, erhält 1 km weiter unten in 2159 m von rechts den 6 km langen Bach des Val d'Agnelli, später neben einer Reihe von anderen Nebenadern auch noch den Abfluss des Lago di Gravasalvas und hat bis zu seiner Vereinigung mit dem Septimerbach eine Lauflänge von 5,5 km. Dieser bildet sich 1 km n. unter der Septimerpasshöhe in 2130 m aus den von der Forcellina und der Fuorcla di Lunghino herabkommenden Bächen und durchfliesst die beiden Thalstufen Pian Canfèr und La Cavreccia, deren letztere zahlreiche Hütten trägt.
Nach der Vereinigung ihrer beiden Quellarme entwässert die
Julia von
Stalla bis
Tiefenkastel das Stufenthal des
Oberhalbstein
(s. diesen Art.), dessen bedeutendere einzelne Thalböden - zum Teil einstige Seebecken -
von S. nach
N. die von
Stalla,
Marmels,
Mühlen,
Roffna und
Savognin sind. Der letztgenannte ist zugleich der grösste und bildet eine breite
Mulde mit zahlreichen Siedelungen, während auf den übrigen nur je ein einziges Dorf steht. Die
Julia hat sich
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mehr
in diese Thalböden nicht tief eingeschnitten und durchfliesst sie in beinahe gerader Linie, so dass hier keine grossen Korrektionsarbeiten nötig gewesen sind. Die Ufer werden von der Erosion nur wenig angegriffen, wie auch grosse Kiesbänke fehlen. Die Strömung ist überall stark genug, um die Geschiebe thalauswärts zu transportieren, aber nicht so stark, um das Flussbett zu verbreitern oder zu vertiefen. So halten sich Erosion und Akkumulation nahezu das Gleichgewicht.
Anders verhält sich die
Julia in den die einzelnen Thalböden miteinander verbindenden engen und steilen Klusen. Hier schäumt
sie in Schnellen und kleinen Wasserfällen durch, vertieft rasch ihr Bett und verursacht häufige Erdrutschungen
längs ihrer Ufer. Dies ist besonders in der untersten Schlucht von Salux bis Tiefenkastel der Fall, wo der aus Bündnerschiefern
und von Gipsadern durchzogener Rauchwacke bestehende Boden der Erosion und Verwitterung nur wenig Widerstand entgegensetzt.
Diese von hohen Felswänden begleitete Schlucht ist sehr malerisch und sehenswert. Die Strasse geht hoch
über dem rechten Ufer des Flusses bald durch Wald bald längs der Felsen hin. Unterhalb der Brücke von Tiefenkastel mündet
die
Julia in 839 m von links in die Albula. Während der letzten 4,5 km ihrer Lauflänge fällt sie um 260 m Höhe oder um
6%. In der Schlucht unterhalb Roffna ist das Gefäll mit 12% noch einmal so gross, während es für den
gesamten Flusslauf im Mittel 4% beträgt.
Der Fluss treibt blos einige Mühlen, während im Uebrigen seine Wasserkraft noch völlig unbenutzt ist. Als in der geologischen
Vergangenheit die Schynschlucht noch nicht vorhanden war, floss die
Julia hoch über dem jetzigen Thalboden
von Tiefenkastel in der Richtung Parpan-Chur-Luziensteig nach N., parallel einem damaligen Westrhein, der vom Avers herkam und
über das Schams, Domleschg, den Kunkelspass und das Taminathal dem Walen- und Zürichsee zustrebte. Dann bildete ein mit starker
Erosionskraft arbeitender rechtsseitiger Zufluss dieses Westrhein die Schynschlucht und lenkte damit
den Oberlauf des Ostrhein (
Julia) zu jenem ab. Seither ist das Thal der Lenzerheide und von Parpan ein totes Thal geblieben.
Näheres darüber vergl. beim Art. Graubünden
(Abschnitt Gewässer und
Thäler).
Die
Julia hat nur wenig Nebenflüsse. Von rechts erhält sie nur den dem Errgletscher entspringenden und
bei Tinzen mündenden Wildbach des Val d'Err, sowie einige keine Wasserläufe aus dem w. Abschnitt der Gruppe des Piz d'Err,
von denen einer bei Marmels und zwei andere unterhalb Sur münden, nachdem sie die Hochterrasse von Flix durchflossen haben.
Etwas zahlreicher sind die Nebenadern auf der linken Thalseite: nahe Stalla münden der Bach der Valletta,
bei Mühlen der aus den beiden Quellarmen des Val Bercla und Val Gronda sich bildende Wildbach des Val da Faller, nahe Savognin
die die Wasser des Val Curtins und Val Schmorras sammelnde Ava da Nandro und endlich unterhalb Reams der Bach des Val
Adont.
Das Einzugsgebiet der
Julia umfasst 325 km2, von denen 2% tiefer als 1200 m, 61% zwischen 1200 und 2400 m und 37% über 2400 m
Höhe liegen. 30% dieser Fläche bestehen aus Fels- und Schuttboden, 13% sind mit Wald bestanden, und 1,7% entfallen auf Eis
und Firn. Gletscher finden sich nur am Piz d'Err und Piz Platta. Das Einzugsgebiet zählt 45 Seen, die aber
so klein sind, dass alle zusammen nur 0,1% der ganzen Fläche umfassen. Nennenswert sind davon blos die auf der Terrasse
von Scalotta w. über Marmels liegenden Lajets und der Lago di Gravasalvas s. der Veduta am Julierpass.