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In «La Peau de l’Espace» kehrt Yasmine Hugonnet zum Solo zurück, um sich einer neuen Form der Recherche zu widmen: dem Körper in Relation zum Raum. Diese im Tanz bekannte Propriozeption, auch den sechsten Sinn genannt, nutzt Yasmine Hugonnet, um die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum, Gesten und Posen zu lenken. Sie begleitet ihre Bewegungen mit ihrer Stimme und nennt dies «anatomische Fiktionen». Dennoch erzählt sie keine Geschichten, sondern lädt das Publikum ein, an ihren Gedanken und treibenden Kräften für die Choreographie teilzunehmen und selbst eine Art Empathie zu erleben. Wie in den meisten ihrer Stücke geht es in «La Peau de l’Espace» ausserdem um die körperliche Präsenz und in diesem Solo speziell um die Frage, wo die Form im Tanz beginnt und wo sie endet. Die Premiere fand im November 2021 im Théâtre de Vidy in Lausanne statt. Das Stück wird nicht nur in Theatern gezeigt, sondern auch in Museen, beispielsweise im Lausanner Museumsquartier Plateforme 10.
Yasmine Hugonnet wurde 1979 in Montreux geboren und lebt in Lausanne und Paris. Im Alter zwischen drei und sechs Jahren wuchs sie in Mali auf. Zurück in der Schweiz nahm sie Ballettstunden und ging als Jugendliche nach Paris, um am Conservatoire National Supérieur zeitgenössischen Tanz zu studieren. Sie interessierte sich für Contact Improvisation, Butoh und Komposition. Im Rahmen des Masterprogramms für Choreografie «Dance Unlimited» in den Niederlanden (2003–2004) forschte sie zum Begriff der Präsenz. Im Jahr 2009 gründete sie ihre Gruppe Arts Mouvementés und kreierte mehrere Soli, darunter auch «Le Récital des Postures», das im Rahmen der Schweizer Tanzpreise 2017 in der Kategorie «Aktuelles Tanzschaffen» ausgezeichnet wurde. Seit 2018 werden ihre Werke vom Théâtre Vidy-Lausanne koproduziert. Yasmine Hugonnet / Arts mouvementés erhält aktuell einen Dreijahresvertrag von der Stadt Lausanne und dem Kanton Waadt.
In «La Peau de l’Espace» entfaltet sich eine Interpretin, die mit Spannung, Resonanz, Intuition und packender Einfallskraft spielt. Yasmine Hugonnet lädt uns ein, darüber nachzudenken, wie unser Sinn des Seins in unserem Erfahren von Schwerkraft und Propriozeption verankert ist, dies trotz einer kulturellen Hierarchie der Sinne, in der das Visuelle bevorzugt wird. Die intensive Konzentration der Handlungen und die Sorgfalt und Qualität der Interpretin sind stark und fordern das Publikum dazu auf, sich auf die Bilder, Erinnerungen und Emotionen einzulassen. Yasmine Hugonnet spielt äusserst präzise und kontrolliert mit der Stimme, dem Körper und dem Raum und hebt dabei diejenigen Räume hervor, die zwischen dem Virtuellen, dem Möglichen, dem Vorhergesehenen und dem Aktualisierten liegen.