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Der letzte Dalai Lama?
Regie: Mickey Lemle
Mitw.: Der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso, George W. Bush, Philip Glass, Rinchen Khando Choegyal, Tenzin Choegyal, Thupten Chokdhen, Pico Iyer, Eve Ekman u.a.
Im Juli 2015 wurde der amtierende 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, 80 Jahre alt. Der US-amerikanische Filmemacher Mickey Lemle, der vor 25 Jahren mit «Compassion in Exile: The Life of the 14th Dalai Lama» das erste grosse Porträt über ihn gedreht hatte, filmte die Feierlichkeiten in New York und im indischen Dharamsala. Mit Archivmaterialien und den Erinnerungen von Zeitzeugen rekapituliert der Film die Entwicklung von der Besetzung Tibets 1950 durch die chinesische Armee bis zur Flucht des Dalai Lama ins indische Exil im Jahr 1959. Seither hat sich die Lage dramatisch verschlimmert. Seit 2009 gab es 144 Selbstverbrennungen vor allem junger Tibeter aus Protest gegen die chinesische Unterdrückung. Für den amerikanischen Schriftsteller Daniel Goleman ist der Dalai Lama eine höchst moderne Figur: «Er ist der Erste, der die meiste Zeit seines Lebens ausserhalb Tibets gelebt hat und seine uralte Kultur mit der modernen Welt zusammenbringt.» Dieser Perspektive ist auch der Film verpflichtet. Im Gespräch mit Wissenschaftlerinnen oder amerikanischen Schulkindern porträtiert Lemle einen heiteren, mitunter auch selbstironischen Dalai Lama, schafft es aber trotzdem, dessen facettenreiche Weltanschauung zu vermitteln: von traditionellen spirituellen Weisheiten, neuen Erkenntnissen der Hirnforschung, Gedanken über die Gemeinsamkeit der Religionen und der Mitmenschlichkeit als glücksstiftende Grundhaltung. Zu Wort kommen auch Tenzins Geschwister und Mitarbeiter, katholische Geistliche, Philip Glass, der die Musik zum Film beisteuert, aber auch George W. Bush, der ihn als erster Präsident der USA offiziell empfangen und auch porträtiert hat. Und es geht um die politischen Implikationen der Nachfolge: Seit 2007 bestimmt ein chinesisches Gesetz, dass China an der Findung und Ausbildung jedes höheren Lama beteiligt sein muss. Im November 2014 erklärte Tenzin schmunzelnd, dass er nicht wiedergeboren und es keinen 15. Dalai Lama geben werde. «Das grösste Plus des Films ist und bleibt der Protagonist, dessen Gratwanderung zwischen Ernst und Heiterkeit beschwingt und dessen Philosophie des Mitgefühls und des inneren Gleichgewichts sich nicht von der Hand weisen lässt.» Film-Dienst