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Die Tierschutzorganisation NetAP wirft den Behörden vor, zu wenig gegen Überpopulationen von Katzen auf Bauernhöfen zu tun. Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sagt, jede eingegangene Meldung werde individuell geprüft.
«Wir werden dann tätig, wenn uns potenziell tierschutzrechtlich problematische Fälle von Bauernhofkatzen gemeldet werden», antwortet Angélique Rime, Kommunikationsverantwortliche beim Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, schriftlich auf die Frage nach Kontrollen.
Nur die Haltung von Nutztieren sei aber Bestandteil des Programms für offizielle Kontrollen auf Landwirtschaftsbetrieben. Es gebe keine gesetzlichen Beschränkungen für die Anzahl der Katzen, die eine Privatperson halten dürfe.
Halter in der Pflicht
Gemäss Tierschutzverordnung liege es in der Verantwortung der Tierhalterin oder des Tierhalters, «zumutbare Massnahmen zu treffen, um zu verhindern, dass sich die Tiere übermässig vermehren». Ebenso müssten er oder sie durch Pflege der Tiere Krankheiten und Verletzungen vorbeugen. Im Artikel 5 der Verordnung heisst es: «Die Tierhalterin oder der Tierhalter ist dafür verantwortlich, dass kranke oder verletzte Tiere unverzüglich ihrem Zustand entsprechend untergebracht, gepflegt und behandelt oder getötet werden.»
Jedoch verpflichte das Gesetz den Tierhalter nicht, sein Tier zu kastrieren oder zu sterilisieren, und es verbiete auch nicht, dass sich Katzen auf natürliche Weise vermehren, solange die Population nicht exponentiell wächst. «Wenn die Behörde selbst feststellt, dass diese beiden Gesetzesartikel nicht eingehalten werden, kann sie Massnahmen verfügen, die in jedem Fall verhältnismässig sein müssen.»
28 Meldungen
Auf der Webseite des Amts gibt es ein spezielles Formular, mit dem Tierschutzverstösse gemeldet werden können. 2021 sind bisher 28 Meldungen eingegangen, in denen es um problematische Situationen im Zusammenhang mit Katzen, insbesondere um Bauernhofkatzen, Zuchtkatzen, streunende Katzen und um nicht artgerechte Haltung durch Privatpersonen ging. 2020 waren es 34 Anzeigen und das Jahr zuvor 24 Anzeigen.
«Jede Situation wird vom Amt analysiert und überprüft», hält die Kommunikationsverantwortliche fest. Manchmal stelle das Amt Ungereimtheiten zwischen der bemängelten Situation und den bei der Meldung beschriebenen Fakten fest. Sie sagt:
Jeder Fall wird einzeln beurteilt und behandelt, daraus ergibt sich ein situationsspezifisches Verfahren mit mehr oder weniger schwerwiegenden Konsequenzen.
Die Tierschutzorganisation NetAP kritisiert, dass sie keine Hinweise darüber hat, ob das Amt nach ihren Anzeigen gehandelt hat. Vereinspräsidentin Esther Geisser weiss von einem Fall, bei dem sich die Situation in den letzten Jahren trotz Anzeigen nicht verbessert hat. Sie wünschte sich eine engere Zusammenarbeit mit den Tierschutzorganisationen. Das Amt sagt dazu, dass Personen, die einen Verstoss melden, keine Parteirechte hätten. Das heisst, sie werden nicht darüber informiert, wie es nach ihrer Meldung weitergeht.
Mehr in Landkantonen
Die Präsidentin der Tierschutzorganisation NetAP sagt, dass das Katzenelend im Kanton Freiburg besonders gross sei. «Zwar können die Probleme mit Katzen nicht vollständig mit den landwirtschaftlichen Betrieben in Verbindung gebracht werden, aber es stimmt, dass Freiburg als ländlicher Kanton vielleicht stärker betroffen ist als die städtischen Kantone», sagt die Medienverantwortliche des Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen dazu.
Doch seien Probleme mit Katzen nicht nur auf landwirtschaftlichen Betrieben, sondern auch in Städten anzutreffen. «Menschen, die fremde Katzen füttern, ziehen oft andere, möglicherweise streunende Katzen an und schaffen so einen Anziehungspunkt für diese Tiere», sagt Angélique Rime.
Das Amt hat eine Vereinbarung mit dem Freiburger Tierschutzverein. Es beteiligt sich finanziell an den Kosten der Kastrations- und Sterilisierungskampagne des Vereins. Dieser behandelt rund 800 Katzen pro Jahr. «Solche Aktionen, die von privaten Tierschutzvereinen organisiert werden, sind sehr hilfreich, um die Verbreitung von streunenden Katzen einzudämmen», hält das Amt fest.