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Nach der Weigerung der EU-Kommission, nach dem Ausscheiden Grossbritanniens aus der EU britische Firmen bei der Entwicklung des Public Regulated Service (PRS) des europäischen Satellitennavigationssystems zu berücksichtigen, gibt Grossbritannien die Beteiligung an den militärisch nutzbaren Teilen des Galileo-Systems auf. Premierministerin Theresa May kündigte den Schritt Ende November 2018 am G-20-Treffen in Buenos Aires an. Der PRS gehört zum militärisch nutzbaren Teil von Galileo und soll den Sicherheits- und Streitkräften der EU-Staaten zur Verfügung stehen, wenn Galileo voraussichtlich im Jahr 2020 erstmals eigene Navigationssignale aussendet. Laut May will London anstelle von Galileo nun auf ein eigenes Satellitennavigationssystem setzen, das in Zusammenarbeit mit Australien, Neuseeland und möglicherweise Kanada entwickelt werden soll. Die Kosten dafür werden auf 3 bis 5 Milliarden Pfund geschätzt, wobei ein Teil der Mehrausgaben durch die Umleitung von Geldern gedeckt werden kann, die für Galileo veranschlagt waren.
Die Entwicklung eines dritten westlichen satellitengestützten Navigationssystems, neben Galileo und dem amerikanischen Global Positioning System (GPS), wird von vielen Experten als überflüssig angesehen. Für die erfolgreiche britische Raumfahrtindustrie wäre die Eigenentwicklung nur ein dürftiger Ersatz für die Beteiligung am Projekt Galileo, das allein bisher 10 Milliarden Euro an Investitionen ausgelöst hat. Bleibt es beim Brexit und den jetzt bezogenen Positionen, droht der Galileo-Disput zum Mahnmal zu werden, dass die Verhandlungen über die zukünftige Kooperation zwischen London und der EU auch hässlich werden und dem sicherheitspolitischen Bündnis schaden könnten. Als die EU-Kommission vergangenen Frühling entschied, dass britische Firmen nur noch eingeschränkt am Galileo-Projekt beteiligt würden, äusserten sich britische Politiker entrüstet. Als erste Retourkutsche gewährte die Regierung einen 100-Millionen-Kredit für Vorabklärungen über die Entwicklung des eigenen Systems. Der von May angekündigte Schritt zeigt, dass es London mit dem zunächst als Drohung empfundenen Schritt ernst ist.
Die EU versucht, den Streit mit dem Hinweis herunterzuspielen, die britischen Streitkräfte könnten auch nach 2020 die Galileo-Signale nutzen, von den Einschränkungen seien lediglich der PRS und dessen Chiffrier-Software betroffen. Die EU begründet die Massnahme unter anderem unter Berufung auf die «Souveränität» des Staatenbundes. NZZ, Montag, 3. Dezember 2018, S. 5