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Rudolf Serkin war ein aus Österreich-Ungarn stammender Pianist jüdischer Herkunft. Er bezog 1932 zusammen mit dem Geiger Adolf Busch ein Doppelhaus in Riehen. 1939 emigrierte er mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten, wo der 1951 das Marlboro Music Festival mitbegründete.
Sohn des Mardko Serkin (Sänger, später Geschäftsmann) und der Auguste, geborene Schargel. Heirat 1935 mit Irene Busch (Geigerin). Zwei Söhne und fünf Töchter.
Serkin wurde am 28. März 1903 im böhmischen Eger (heute Cheb, Tschechien) geboren. Sein Vater war Sänger und wirkte als Kantor in der dortigen Synagoge. Serkins Mutter stammte aus Wien. Dort liess sich Rudolf Serkin zum Pianisten ausbilden und trat bereits in jungen Jahren als Solist auf. Daneben nahm er Kompositionsunterricht, unter anderem bei Arnold Schönberg.
1920 lernte Serkin Adolf Busch kennen, der musikalisch und persönlich zu seiner wichtigsten Bezugsperson wurde. Er folgte Busch nach Berlin und trat mit ihm regelmässig im Duo sowie später im Trio auf. 1922 zog Serkin mit der Familie Busch nach Darmstadt und 1927 nach Basel, wo er bereits 1923 erstmals aufgetreten war. Er galt damals offiziell als Angestellter von Busch, woran auch die Gültigkeit seiner Aufenthaltsbewilligung geknüpft war.
1932 bezogen Serkin und Busch ein neu errichtetes Doppelhaus am Schnitterweg 50 in Riehen. 1935 heiratete Serkin Buschs achtzehnjährige Tochter Irene. In dieser Zeit traten die beiden international renommierten Musiker wiederholt mit dem Männerchor Riehen auf, das erste Mal am 22. April 1934 in einem Wohltätigkeitskonzert zugunsten der Taubstummenanstalt in der Dorfkirche. Der Männerchor verlieh Serkin und Busch im Gegenzug die Ehrenmitgliedschaft.
Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde Serkin ab 1933 in Deutschland angefeindet und schliesslich mit einem Auftrittsverbot belegt. Adolf Busch mied in der Folge aus Solidarität Deutschland ebenfalls. 1937 erwarb Serkin das Bürgerrecht von Riehen und damit die Schweizer Staatsbürgerschaft.
Wegen der Bedrohung durch das nationalsozialistische Deutschland emigrierte Serkin 1939 mit seiner Familie in die USA. Er liess sich wie Adolf Busch in Guildford im Bundesstaat Vermont nieder und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Serkin trat weiterhin als Konzertpianist auf, unterrichtete am Curtis Institute of Music in Philadelphia und war von 1968 bis 1977 dessen Direktor. 1951 gründete er zusammen mit Adolf Busch das Marlboro Music Festival, das er nach dessen Tod auch leitete. Serkin erhielt die beiden wichtigsten zivilen Auszeichnungen der USA: 1963 die Presidential Medal of Freedom und 1988 die National Medal of Arts. Zudem wurde er von mehreren amerikanischen Hochschulen mit dem Ehrendoktortitel ausgezeichnet.
Nach seiner Niederlassung in den USA unternahm Serkin regemässig Konzerttourneen durch Europa. Er und Busch hielten sich dabei auch längere Zeit in Riehen auf. 1949 meldeten sich die beiden sogar wieder offiziell in Riehen an und gaben das Neue Wettsteinhaus ihres gemeinsamen Freundes Jean Jacques Lüscher als Wohnadresse an. Serkin trat auch nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach mit dem Männerchor Riehen auf, zuletzt am 6. Juni 1970 anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums des Chors. 1985 schrieb er in einem Brief an den Riehener Gemeindepräsidenten: «Für uns waren die Riehener Jahre die glücklichsten unseres Lebens, ein Bürger der Riehener Gemeinde sein zu dürfen macht uns stolz und dankbar.» Im gleichen Jahr trat er zum letzten Mal in Basel auf.
Serkin starb am 8. Mai 1991 in seinem Wohnort Guildford. Im gleichen Jahr widmete das Spielzeug- und Dorfmuseum ihm und Adolf Busch eine Gedenkausstellung. 2013 und 2015 befassten sich auch zwei Ausstellungen im Kunst Raum Riehen mit diesen beiden eng mit Riehen verbundenen Musikern.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 1.1.2023
Ehinger, Hans: Adolf Busch. Kleines Porträt eines grossen Musikers. In: Jahrbuch z’Rieche 1964. S. 514.
Jaquet, Nicolas: Männer, werdet Sänger. Aus der Geschichte des Männerchors Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1991. S. 70–82.
Scheerer, Franz: Mit Rudolf Serkin unterwegs. In: Jahrbuch z’Rieche 1991. S. 64–69.
Schibli, Sigfried: Der Pianist Rudolf Serkin und seine Riehener Jahre. In: Jahrbuch z’Rieche 1991. S. 57–63.
Seiler, Lukrezia: «Riehen war ihm sehr lieb». Zum 100. Geburtstag von Adolf Busch. Zum Gedenken an Rudolf Serkin. In: Jahrbuch z’Rieche 1991. S. 54–56.
Ballmer, Christoph: Rudolf Serkin. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/026938/2011-04-(19.02.2022).
Hörner, Stephan: Serkin, Rudolf. In: Neue Deutsche Biographie 24 (2010). Online-Verion. URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117466964.html#ndbcontent (19.02.2022)
Lehmann, Stephen und Marion Faber: Adolf Serkin. A Life. Oxford 2003.
Schibli, Sigfried: Musikstadt Basel. Das Basler Musikleben im 20. Jahrhundert. Basel 1999. S. 165f.