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Calhoun
(spr. käluhn), John Caldwell, nordamerikan. Staatsmann, geb. im Distrikt Abbeville in Südcarolina, von irischen Eltern abstammend, bezog in seinem 20. Jahr das Yale College, um sich dem Studium der Rechte zu widmen, absolvierte dasselbe auf der Rechtsschule zu Litchfield in Connecticut, ward 1807 Advokat in Abbeville und erwarb sich als solcher bald eine ausgedehnte Praxis. 1807 wurde er als gewandter Redner in die Legislatur von Südcarolina und 1811 in den Kongreß gewählt, wo er die Kriegserklärung gegen England durchsetzen half und als Führer der Kriegspartei Vorsitzender des Ausschusses für die auswärtigen Angelegenheiten wurde.
Nach Beendigung des Kriegs trat er im Kongreß gegen die Einführung der Zettelbanken und für die Nationalbank auf und nahm regen Anteil an der Tariffrage wie an allen innern Angelegenheiten. Der Tarif von 1816, der die südlichen Staaten und namentlich das Interesse Südcarolinas begünstigte, war ganz sein Werk. 1817 vom Präsidenten Monroe zum Kriegsminister ernannt, ersparte er durch Tilgung von 37 Mill. Doll. Schulden und Reduktion der Armeeausgaben dem Schatz jährlich 1,300,000 Doll. Nach Ablauf [* 3] der zweiten Präsidentschaft Monroes (1824) erhielt er das Amt eines Vizepräsidenten und verwaltete dasselbe unter den Präsidenten Adams und Jackson mit Würde und Festigkeit. [* 4] Als aber die Nord- und Weststaaten 1828 ein neues Tarifgesetz mit hohen Schutzzöllen durchsetzten, welches den Interessen der nur Rohstoffe liefernden, freihändlerisch gesinnten Südstaaten widerstritt, und der Präsident Jackson gegen dasselbe sein ¶
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Veto nicht einlegte, reiste
Calhoun nach Südcarolina und veranlaßte jene berüchtigten Nullifikationsbeschlüsse, wonach jeder
Staat der Union berechtigt sein sollte, Akte der Bundesregierung für ungültig zu erklären, welche auf Mißbrauch der ihr von
den angeblich souveränen Einzelstaaten delegierten Gewalt beruhten. Im Februar 1829 wurde in der Gesetzgebung von Südcarolina
dieser Grundsatz der Nullifikation anerkannt, Virginia, Georgia und Alabama schlossen sich an, und der Bürgerkrieg
sowie Auflösung der Union schienen unvermeidlich.
Der Präsident Jackson erließ jedoch eine energische Proklamation gegen die Nullifikation und sendete Truppen nach Südcarolina,
bewog aber zugleich durch Milderung des Tarifs die vier Staaten zur Nachgiebigkeit.
Calhoun legte sein Amt als
Vizepräsident nieder, wurde jedoch bald darauf wieder in den Senat gewählt und blieb fortan, ohne einer Partei anzugehören,
der eifrigste Verteidiger der Interessen der Südstaaten und der Sklaverei. 1838 hielt er seine berühmte Rede über den Abolitionismus,
gegen welchen er mehrere gehässige Gesetze durchsetzte. 1841 vom Präsidenten Tyler zum Staatssekretär
ernannt, bewirkte er, um das Gebiet der Sklavenstaaten auszudehnen und ihnen dadurch ihr Übergewicht in der Union zu sichern,
die Annexion von Texas und half im Interesse der Südstaaten den Krieg gegen Mexiko
[* 6] schüren. 1845 führte er den Vorsitz in der
zu Memphis von den Sklavenstaaten abgehaltenen Konvention, in welcher der Süden seine Nullifikationsdoktrin
wiederholte.
Als nach dem Krieg mit Mexiko zwischen den Nord- und Südstaaten ein Streit entstand wegen der Organisierung des gewonnenen
Landes, forderte
Calhoun, obwohl durch Krankheit gebrochen, im Senat für den Süden geradezu die Trennung von der Union. Eine zweite,
weit drohendere Rede arbeitete er schriftlich aus und ließ sie verlesen. Während dieser Kämpfe starb
er in Washington.
[* 7] Er war ein staatsmännische Genie, in seinem Privatleben ein fleckenloser Charakter; aber er schleuderte
durch die Doktrin von der Berechtigung, bez. Notwendigkeit der Sezession eine Brandfackel in die Union, welche den Bürgerkrieg
entzündet hat. Seine Werke, enthaltend die Reden und andre öffentliche Arbeiten sowie die »Disquisition on government«, wurden
herausgegeben von Craillé (New York 1856, 6 Bde.).
Vgl. v. Holst, John
Calhoun. Calhoun (Bost. 1882).