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In seinem zweiten Roman «Asphalt» setzt Beat Hüppin die Geschichte der Familie Dobler fort, die in seinem ersten «Talwasser» nach dem Bau der Staumauer im Wägital auswandern musste.
Wir schreiben das Jahr 1975. Seit ein paar Jahren bewirtschaftet Xaver junior Dobler mit seiner Frau Therese den Doblerhof in der Linthebene.Den Hof,der sein Vater Xaver vor 50 Jahren aufgebaut hatte, als die Familie nach dem Bau der Staumauer im Wägital wegziehen musste. Wie in vielen Familien prägen Generationenkonflikte den Familienalltag: Da ist die älteste Tochter Rosmarie, blitzgescheit, die sich im Kollegium in Nuolen mit den Patres anlegt,plötzlich aus ethischen Gründen kein Fleischessen will und Spritzmittel vom Hof verbannen will. Oder Sohn Rolf, der sich überlauter Rockmusik verschrieben hat und liebend gerne mit dem Motorrad in der Gegend herumbraust. Und die Jüngste, Heidi, die lieber mit Jungs rummacht, als Latein zu büffeln.
Der Sorgen nicht genug, als plötzlich ein Mann im grauen Anzug auftaucht, sich als Landolt vorstellt.
Auszug aus dem Buch
Als Landolt Pläne und Papiere hervorholte und auszubreiten begann, wusste Xaver junior sofort, worum es sich handelte. […] Als sich Therese auch an den Tisch gesetzt hatte, begann Landolt: «Nun, sie haben sicher schon von dem geplanten Autobahnabzweiger gehört, der am Dorf Tuggen vorbei durch die Linthebene führen soll. […] Gleich zu Beginn: Keine Angst, Sie werden natürlich voll entschädigt. Das versteht sich. Wir sind dazu da, Lösungen zu finden.» Ein Déjà-vu-Erlebnis Landolt zeigt ihnen auf dem Plan die geplante Linienführung. Therese entsetzt sich: «Aber, die rote Linie führt über das Wohnhaus und mitten durch den Gaden hindurch. Das kann nicht sein, Sie haben sich geirrt.» «Leider nicht. Das ist eben die möglichst gerade Linie, von der ich gesprochen habe […].» Landolt rechnet den Doblers vor,wie sie entschädigt würden. «Ich verstehe», sagte Xaver. Was ist nun, wenn ich mit dem Geschäft nicht einverstanden bin? Wenn ich zu den Behörden gehe und verlange, dass die Streckenführung angepasst wird?» Landolt meinte schulterzuckend: «Die Streckenführung wird kaum mehr angepasst, da haben Sie schlechte Karten. […] Und wenn Sie nicht unterschreiben wollen, wird man Sie am Ende enteignen müssen. Die Bedingungen für sie wären aber klar schlechter […].» Nicht nur für Xaver junior und seine Frau sind diese Nachrichten ein Schock, für Grossdädi, Xaver senior, ein Déjà-vu.Schon damals im Wägital wurde die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen gestellt.Und jetzt wieder.Grossdädi will versuchen zu kämpfen, anders als damals im Wägital. Nur, Unterstützung finden die Doblers kaum. Weder von der Gemeinde und vom Bezirk noch von Grossdädis altem Freund,der ihm damals das Land für den Doblerhof vermittelt hatte. Einzig eine Gruppe meist junger Leute um Tochter Rosmarie wehren sich – aus Naturschutzgründen – gegen die Autobahn.
Fortsetzung, aber kein Fortsetzungsroman
Der Wangner Beat Hüppin, Latein- und Deutschlehrer an der Kantonsschule Ausserschwyz, führt im Roman die fiktive Familiensaga der Doblers aus seinem Erstling «Talwasser» fort. Aber kein Fortsetzungsroman: Auch wer «Talwasser nicht gelesen hat, wird «Asphalt» verstehen. Es ist eine Geschichte über Heimat, Zuhause und Familie in einer Zeit des Wandels.
Höfner Volksblatt (Hans-Ruedi Rüegsegger)
Autor
Höfner Volksblatt & March Anzeiger
Kategorie
- Literatur
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/jx6Dhm