Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03241.jsonl.gz/91

Mehr als nur Stierläufe: Besuch im mittelalterlichen Pamplona
Mit dem Namen Pamplona verbinden die meisten Menschen vor allem ein Ereignis: die traditionellen Stierläufe, die die nordspanische Stadt jedes Jahr im Juli in den Ausnahmezustand versetzen. Eine Woche lang geht es in Pamplona während der Sanfermines-Feste hoch her, wenn traditionell gekleidete Männer und Frauen die Stiere tagtäglich durch die Stadt treiben.
Wer Pamplona jedoch ausserhalb der Festwoche besucht, erlebt einen Ort, der mit der ausgelassenen Feier-Hochburg Pamplona kaum etwas gemeinsam hat. Den Besucher erwartet eine grüne, lebenswerte Stadt mit einer faszinierenden mittelalterlichen Altstadt und einer beeindruckenden Festungsanlage, mit hervorragenden Museen und dem Besten der traditionellen baskischen Küche.
Pamplona liegt am navarrischen Zweig des Jakobswegs, und während der Sommermonate wird die Stadt von Pilgern aus aller Welt besucht, die die mittelalterliche Altstadt traditionell durch das Frankentor betreten. Mehrere Pilgerherbergen zeugen von der Bedeutung der Stadt als Zwischenstation auf dem Jakobsweg.
Vom Feldlager zur Königsstadt
Pamplona ist die Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft Navarra, einer baskischen Region, in der die baskische Sprache offizielle Amtssprache ist. In Pamplona selbst wird vor allem Spanisch gesprochen, aber auch die historische Volkssprache Baskisch ist vielerorts noch weit verbreitet und begegnet dem Besucher immer wieder. Gegründet wurde die Stadt bereits im Jahr 74 v. Chr. vom römischen Feldherren Pompeius unter dem Namen Pompeiopolis. Aus diesem ursprünglichen Namen entwickelte sich mit der Zeit der heutige Stadtname Pamplona.
Bei seiner Gründung diente Pamplona Pompeius als Feldlager für seine Truppen, entwickelte sich jedoch mit der Zeit zu einer stark befestigten Stadt, die ab dem 6. Jahrhundert Bischofssitz und ab 905 Hauptstadt des baskischen Königreiches Navarra war. Das Königreich Navarra bestand 700 Jahre lang als unabhängiger Staat, bis die Region schliesslich im 16. Jahrhundert von Spanien und Frankreich erobert wurde. Seit dieser Aufspaltung des Königreichs gehört Pamplona zu Spanien, zunächst als Teil des autonomen Königreichs Ober-Navarra und heute als Hauptstadt der autonomen Region Navarra. Das heutige Navarra umfasst den südlichen Teil des einstigen Königreichs Navarra.
Unterwegs im mittelalterlichen Pamplona
Pamplona war lange Zeit eine stark befestigte Stadt, und der Verlauf der alten Stadtmauern prägt das Stadtbild bis heute. Im Inneren der mittelalterlichen Altstadt winden sich enge Gassen entlang von dichtgedrängten mehrstöckigen Wohnhäusern. Mehrere erhaltene Wehranlagen zeugen ebenso wie fünf Kilometer der historischen Stadtmauern von der Bedeutung, die die Verteidigungsanlagen einst für die viel umkämpfte Stadt hatten. Auf den alten Stadtmauern können Besucher auf Spaziergängen viele von Pamplonas Sehenswürdigkeiten entdecken, darunter das Frankentor, eines von sechs erhaltenen Stadttoren. Durch das Frankentor betreten die Pilger auf dem Jakobsweg traditionell die Stadt.
In der Altstadt von Pamplona zeugen unzählige Prachtbauten von der einstigen Bedeutung als königliche Hauptstadt. Neben dem barocken Rathaus aus dem 18. Jahrhundert ist vor allem die Kathedrale Santa María einen Besuch wert. Das Kirchengebäude mit gotischer Fassade ist die am vollständigsten erhaltene Kathedrale in Spanien; das Gebäude selbst wurde bereits Ende des 14. Jahrhunderts errichtet. Vor allem der Kreuzgang der Kathedrale gilt als Meisterwerk der gotischen Kirchenbaukunst.
In der historischen Altstadt ist auch die Plaza de Toros zu finden, die Stierkampfarena von Pamplona. Der Stierkampf hat in Pamplona eine lange Tradition, und so ist es nicht verwunderlich, dass die Stierkampfarena zu den grössten weltweit zählt. Nicht nur während der Sanfermines-Feste finden hier regelmässig Kämpfe statt. Die heutige Arena wurde im Jahr 1922 eingeweiht und löste die alte Stierkampfarena von 1852 ab, die bei einem Brand zerstört worden war.
Im Südwesten der Stadt kann die Zitadelle von Pamplona besichtigt werden, die zu den bedeutendsten erhaltenen Wehranlagen in Europa zählt. Die fünfeckige Anlage gilt als Meisterwerk der spanischen Militärarchitektur. Sie wird heute auch als kultureller Veranstaltungsort und für Ausstellungen genutzt. Wer noch mehr über die mittelalterlichen Verteidigungsanlagen erfahren möchte, sollte einen Besuch im Festungsmuseum nicht verpassen. Das Museum in der Festung San Bartolomé beschreibt die Entwicklung der Stadtmauern im Laufe der Jahrhunderte und die Strategien, die zur Verteidigung der Stadt angewandt wurden.
Die Sanfermines-Feste von Pamplona
Jedes Jahr im Juli befindet sich ganz Pamplona für acht Tage im Ausnahmezustand, wenn anlässlich der Sanfermines-Feste die traditionellen Stierläufe und Stierkämpfe stattfinden. Vor allem die Stierläufe ziehen regelmässig Besucher aus aller Welt an, die das wilde Spektakel als Zuschauer oder gar als Teilnehmer verfolgen. Dabei werden die Stiere jeden Morgen durch die Innenstadt bis zur Stierkampfarena getrieben, wo anschliessend mehrmals täglich die Stierkämpfe stattfinden.
Sowohl die Kämpfe selbst als auch die Stierläufe sind nicht nur unter Tierschützern stark umstritten. Bei den Stierläufen von Pamplona hat es in der Vergangenheit immer wieder schwere Unfälle und auch Todesfälle gegeben. Dennoch macht für viele Teilnehmer gerade diese Gefahr den Reiz der Stierläufe aus. Der Brauch der Stierhatz hat seinen Ursprung in den historischen Patronatsfesten, zu deren Anlass auch Viehmärkte abgehalten wurden. Das Vieh wurde traditionell jeden Morgen zu diesen Märkten getrieben. Weltbekannt wurden die Stierläufe von Pamplona vor allem durch Ernest Hemingway, der sie in seinem Roman „Fiesta“ beschrieb. Vor der Stierkampfarena ist dem Schriftsteller heute ein Denkmal gewidmet.
Oberstes Bild: Sanfermines-Umzüge am Rathaus von Pamplona (© Yiorsito / Wikimedia / CC)