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Jonathan Ive ist der Mann, welcher als Designer bei Apple eine Ideenschmiede betreibt, aus der immer wieder neue, gleichsam radikale als auch innovative Entwürfe hervorquellen. Er erschuf den iMac und den iPod, er setzte branchenübergreifende Designtrends. Mit seiner Arbeit verlieh er dem Mac nicht nur sein heutiges Gesicht, sondern auch eine Prise Menschlichkeit.
Die Keynotes des Apple-CEO Steven Jobs sind legendär, gelten geradezu als magische Augenblicke. Seine wohl bedeutendste Ansprache hielt Apples Gründer am 6. Mai 1998. Seine Zuhörer bekamen etwas zu sehen, das aussah, wie ein lächelndes, überdimensioniertes, grünlich schimmerndes Bonbon. «Das kann er nicht ernst meinen», ging wohl den meisten Anwesenden durch den Kopf. Denn was Jobs voller Stolz der Öffentlichkeit präsentierte, war nichts weiter als ein Computer. Ein Macintosh. Klein, leise, rund, und bunt, so sah er aus. Der iMac. Der erste Computer mit einem Lächeln im Gesicht.
Er verkaufte sich millionenfach, der iMac, und nicht weil er anders funktionierte wie die üblichen, Tower-förmigen, plärrenden beigen PC-Kisten, sondern weil er Gefühle anprach. Er war für Menschen geschaffen, er wirkte vertraut, sympathisch.
Mit dem iMac rückte auch sein Schöpfer ins Rampenlicht. Jener Mann, der dem iMac sein Gesicht, seine Form, seine Identität und Persönlichkeit verlieh, Apples Stardesigner Jonathan Ive.
Jugendjahre
Jonathan Ive erblickte 1967 im Norden der englischen Hauptstadt London das Licht der Welt. In seiner frühen Jugendzeit, mit 13 oder 14 Jahren, entdeckte er sein Interesse für das Aussehen, die Formen und Materialien von Dingen und Objekten. Ihm war schon damals klar, dass er einen kreativen Beruf wählen würde, er wollte «etwas mit dem Zeichenstift in der Hand machen». Später entschied sich Ive, an der polytechnischen Universität in Newcastle Produktdesign zu studieren. Das Studium dauerte vier Jahre. Nach seinem Abschluss im Jahre 1989 schloss er sich einem kleinen, renommierten Designerstudio in London an: Tangerine. Jonathan Ive beschäftigte sich mit dem Design von Waschbecken, Badewannen und Toiletten, später auch von technischen Geräten wie Fernsehern oder Mikrowellen.
Auf dem Weg nach Cupertino
Als er ein Jahr lang für Tangerine als Designer gearbeitet hatte, bekam Jonathan Ive erstmals eine Anfrage aus der Apple-Zentrale in Cupertino. Er begann in beratender Tätigkeit für die Firma mit dem Apfel-Logo zu arbeiten. Dabei wurde er erstmals in seinem Leben mit dem Macintosh konfrontiert. Während seiner gesamten Ausbildung musste Ive an gewöhnlichen PCs arbeiten, mit denen er nie zurechtkam. «Ich war überrascht, um wie viel besser der Macintosh war als alles, was ich zuvor kennen gelernt hatte». Der damals erst 25-jährige Ive wurde immer neugieriger auf das Unternehmen, welches hinter dem Mac steckte, und liess sich 1992 von Apple anwerben. Nachdem er drei Jahre für Tangerine gearbeitet hatte, zog Jonathan Ive nun nach San Francisco in die Vereinigten Staaten.
Aufstieg bei Apple
Sein Start bei Apple verlief harzig, alles andere als wunschgemäss. Jonathan Ive bekam nur wenig Handlungsspielraum, es wurde ihm nicht ermöglicht, den Produkten seinen Stempel aufzudrücken. Schon immer interessierte sich Ive für die Frage, wie sich die Form eines Objektes mit seiner Funktion am besten vereinen liesse. Doch bei Apple schrieben die Ingenieure nicht nur die Funktion, sondern auch die Grundzüge des Designs ihrer Produkte vor. Um diesen Missstand zu beheben, baute Ive ein Team aus handverlesenen Designern um sich auf, bei Apple entstand eine eigene Designabteilung - bis heute ein Novum unter Computerherstellern.
Der iMac: Ein Computer mit Herz
Eine wirkliche Veränderung setzte erst mit der Rückkehr von Steven Paul Jobs 1997 zu Apple ein. Jobs hatte noch eine Rechnung offen, er wollte den Beweis erbringen, dass er das Rezept zur Heilung Apples kenne. Unter seiner Führung nahm eine Gruppe aus loyalen und begabten Apple-Angestellten die Arbeit an einem neuen Computer für Privatanwender auf. Jobs begeisterte seine Mitarbeiter für die Idee, alle alten Zöpfe abzuschneiden und den Computer von Grund auf neu zu gestalten. Jonathan Ive zeichnete sich verantwortlich für das Design, dabei ignorierte er sämtliche traditionellen Konzepte des Computerdesigns. Sein Ziel war es, ein möglichst einfaches und einheitliches Design zu entwickeln, auf jedes noch so kleine Detail wurde Wert gelegt, sei es nun das Aussehen des Stromkabels oder des Verpackungsmaterials. Die Benutzung des iMacs sollte zu einem speziellen Erlebnis werden, der Computer war als Technologie gedacht, die man lieb haben kann. Jonathan Ive arbeitete mit transparenten und bunten Kunststoffen, welche dem iMac ein - zu Apple-Deutsch - transluzentes Kleid verliehen.
Vor der Präsentation des iMacs auf der Sommer-MacWorld 1998 in New York lief auf der Grossleinwand ein Werbespot ab. «An alle, die anders denken», lautete die Botschaft , «Die Querdenker, die Visionäre, die Idealisten, die Rebellen». Zu sehen waren berühmte Persönlichkeiten, Einstein, Ghandi, Picasso, und viele weitere, nur einen Mann hat Apple vergessen: Jonathan Ive. Er war auch so einer, er verkörperte genau jenes Denken, «Think Different» hiess sein Motto, nach dem er lebte und handelte. Er erfindet, er forscht, er formt, er erschafft, er heilt, er inspiriert. «Denn die, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind die, die es tun». Think Different! Es funktioniert, Jonathan und sein Kind, der iMac, sind der beste Beweis dafür. «Event Marketing», um den Effekt mit Sculleys Worten auszudrücken, genau das war es.
Apple und Jonathan Ive: Eine Erfolgsgeschichte
In den folgenden Jahren verfeinerte Ive das Design des perfekten Computers immer weiter. Mit der Aqua-Oberfläche aus Mac OS X führte Apple den durch den iMac eingeführten Designtrend softwareseitig fort, sodass ein maximaler Wiedererkennungseffekt entstand. Hardware und Software stammen aus einem Guss. In ihrem aufwändig beleuchteten Studio im Apple Hauptquartier tüftelt die Mannschaft um Jonathan Ive laufend an neuen, noch besseren, noch zeitloseren Designs. Gemeinsam haben sie einen Ideenpark, eine Spielwiese für Erwachsene erschaffen, in dem sie mit neuen Materialien und Formen experimentieren - 70 Stunden die Woche. Aus der Designabteilung schöpft Apple seine innovative Kraft, Ive setzt genau das um, wovon Jobs seit Jahrzehnten träumt.
Bis heute konnte Jonathan Ive als Designer bei Apple unzählbar viele Ausrufezeichen setzen. Vor dem iMac arbeitete er am Newton und am 20th Anniversary Mac, später am iBook, dem «iMac to go», am Power Mac G4 Cube, am iPod, am Power Mac G5, am Mac mini und an vielen weiteren Produkten. Die Früchte seiner Arbeit werden gerne bestaunt, bewundert und kopiert, und bleiben trotzdem unerreicht.
Seine Entwürfe wurden durch zahlreiche Auszeichnungen gewürdigt. Jonathan Ive erhielt die Medaille der «Royal Society of Arts», den Gold Award der «British Design and Art Direction», wurde gekürt zum «Designer of the Year» und gewählt als einer der «Besten und Klügsten der Gegenwart».
Die Auszeichnungen haben nichts an der Bescheidenheit des Jonathan Ive verändert. Er steht nicht häufig im Rampenlicht, sondern zieht sich lieber zurück in seine Traumfabrik, in seine Welt, in die Welt der Farben und Formen, in der er auch in Zukunft aus Träumen Realität machen wird.