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Vielleicht erinnern Sie sich bei Ihrer nächsten Rückreise aus einem südeuropäischen Land oder dem Tessin an diesen Artikel und achten auf jedes verräterische Mückensummen im Zugabteil oder im Innern des Autos. Denn die eigentlich flugfaule Asiatische Tigermücke Aedes Albopictus, die südlich der Alpen in grossen Zahlen vorkommt, reist womöglich als blinder Passagier mit.
Im Gegensatz zu heimischen Stechmückenarten ist die Tigermücke eine potentielle Krankheitsüberträgerin für tropische Krankheitserreger wie das Dengue-, Chikungya- oder das Zikavirus. Sie sticht nicht wie die heimischen Stechmücken nachts, sondern auch tagsüber und ihre Stiche sind zudem schmerzhafter. Das hohe Belästigungspotential und das Risiko als Krankheitsüberträgerin machen die Tigermücke zu einer unangenehmen Zeitgenossin, die bekämpft werden muss.
Die Tigermücke nutzt die Verkehrswege zu ihrer Verbreitung und wurde im Kanton Basel-Landschaft erstmals im Jahr 2015 nachgewiesen. In der Stadt Basel wurden letztes Jahr im Rahmen eines kantonalen Monitorings mehrere Tigermücken und deren Eier gefunden. In der oberen Rheinebene herrscht ein für die Tigermücke günstiges, mildes Klima. Dies und der grosse Verkehrsfluss in der Region führte dazu, dass sich in den Städten Colmar, Freiburg und Strasbourg teilweise grosse Populationen bildeten. Die hohe Zahl an Tigermücken führte zu einer massiven Belästigung der Bevölkerung. Letztes Jahr wurden auf einem Lörracher Familiengartengelände, fünf Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, hohe Tigermückenbestände von der deutschen „Gesellschaft zur Förderung der Stechmückenbekämpfung (GFS)“ nachgewiesen.
Jede kleinere Wasseransammlung ist eine potentielle Brutstätte für die Tigermücke. Bevorzugt werden beispielsweise Regentonnen oder Abflussdolen. In Teichen und Flüssen sind Tigermückeneier selten. Ein Tigermücken-Weibchen klebt im Verlauf ihres einmonatigen Lebens hunderte Eier knapp über die Wasseroberfläche. Die Eier sind mehrere Monate trockenresistent und können den Winter überdauern. Die beste Bekämpfung besteht in der Vermeidung von offenen Wasseransammlungen, indem man Regentonnen abdeckt, ungenutzte Behälter umdreht und das Wasser im Planschbecken regelmässig wechselt. Nicht vermeidbare Wasseransammlungen (z.B. Abflussdolen) können mit ökologisch unbedenklichen Larviziden mindestens alle 14 Tage behandelt werden. Auf der kantonalen Neobiota-Website ist ein Merkblatt mit weiterführenden Informationen zur Bekämpfung der Tigermücke sowie deren Identifikationsmerkmalen abrufbar.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Tigermücke auch den Kanton Basel-Landschaft belästigt. Die Erfahrungen aus dem Tessin und den betroffenen Städten im oberen Rheintal zeigen, dass die Tigermücke gut bekämpft werden kann, wenn früh genug eingegriffen wird. Das trinationale Projekt „TIGER“ ist dabei ein erster Anfang. Für die lokale Bekämpfung braucht es jedoch die Hilfe der Bevölkerung und der Gemeinden. Bei einer Zunahme von Tigermückenbeständen ist es äusserst wichtig, dass lokale Populationen schnell bekämpft werden und sich nicht weiter ausbreiten. Wird zu spät reagiert, steigen die Kosten der Bekämpfung und die Risiken einer Krankheitsübertragung nimmt zu. Ein kantonales Konzept zur Bekämpfung der Tigermücke ist aktuell in Erarbeitung.
Es wurde eine regionale Meldestelle für Tigermücken-Funde eingerichtet: das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH). Im Kanton Basel-Landschaft wurden bisher, im Zuge des Tigermücken-Monitorings des Bundes, auf zwei Autobahn Raststätten Tigermückeneier-Fallen (Ovitraps) aufgebaut. Im Rahmen des neu gestarteten grenzübergreifenden Projekts „TIGER“ werden im Kanton Basel-Landschaft zusätzliche Fallen an verschiedenen Standorten betrieben. Das Projekt „TIGER“ umfasst weitere Massnahmen und läuft bis ins Jahr 2021. Weitere Informationen zum laufenden Projekt „TIGER“ finden Sie auf der kantonalen Neobiota Website.