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Alle Welt spricht heute von Chronographen. Damit beginnt jene begriffliche Verwirrung, welche nach Auffassung von Konfuzius «die Welt in Unordnung bringt». Korrekt aus dem Griechischen übersetzt meint Chronograph nämlich nichts anderes als Zeitschreiber. Bei den heute ungemein beliebten und verbreiteten Armbanduhren mit unabhängig vom Uhrwerk anhalt- und nullstellbaren Zeigern handelt es sich jedoch um Chronoskope.
Armbanduhr ist ein Chronoskop
Einen echten Chronographen, also einen Tintenschreiber, hatte der französische Uhrmacher Nicolas-Mathieu Rieussec 1821 erfunden. Am 1. September 1821 stoppte er damit auf dem Champ de Mars die Zeiten von vier Pferderennen. Der Apparat arbeitete so vorzüglich, dass er sich für künftige Rennen empfahl. Mehr noch: Unter Bezugnahme auf den Abschlussbericht von Antoine-Louis Breguet und Gaspard de Prony, Ingenieur, Mathematiker und Mitglied des Längengrad-Ausschusses, erkannte die Königliche Akademie der Wissenschaften den sogenannten Sekunden-Chronographen am 15. Oktober 1821 an.
Sie würdigte damit eine Erfindung, welche «die Dauer mehrerer aufeinander folgender Ereignisse anzeigt, ohne dass der Beobachter sich von seiner Beobachtung abwenden muss, um den Blick auf ein Zifferblatt zu werfen oder sich auf den Ton eines Zeitsignals oder der Schwingung einer Unruh zu konzentrieren … Ein Chronograph mit solchen Eigenschaften ist ohne Zweifel eine grosse Hilfe für Physiker, Ingenieure und alle anderen, die sich mit der Messung zeitlich ablaufender Ereignisse beschäftigen».
Nach einigem Hin und Her konnte Rieussec am 9. März 1822 ein Fünfjahrespatent entgegennehmen. Es bezog sich auf «einen Zeitmesser oder Wegzähler, genannt Sekunden-Chronograph, der die Dauer mehrerer aufeinander folgender Ereignisse anzeigt, ohne die Aufmerksamkeit des Beobachters abzulenken».
Der Stopper verfügte über ein rotierendes Zifferblatt mit 60-Sekunden-Skala. Folglich drehte dieses sich einmal pro Minute um seine Achse. Per Fingerdruck markierte eine Schreibspitze den emaillierten Ring mit Farbpunkten. Die Achillesferse: Jede Messreihe zog eine Reinigung nach sich. Infolge der Unruhfrequenz stoppte Rieussecs Gerät auf die Fünftelsekunde genau. Ein digitaler, durch ein kleines Fenster ablesbarer Totalisator erfasste zudem Messintervalle bis 10 Minuten. Das rechteckige Pfeiler-Uhrwerk mit den Dimensionen 112 x 85 x 58 mm hatte der Meister mit einer Zylinderhemmung ausgestattet und in einem Holzetui untergebracht.
Seit elf Jahren auch mit Uhren
So weit die Geschichte des echten Chronographen oder Zeitschreibers. So alt wie er ist das Haus Montblanc noch nicht. Aber auf eine 100-jährige Geschichte kann die Schreibgeräte-Manufaktur dennoch zurückblicken. 1908 wurde der Vertrag zur Gründung der Simplo Filler Pen Co. mit Firmensitz in Hamburg unterzeichnet. Seit elf Jahren befasst sich das Unternehmen im Besitz der Richemont-Gruppe auch mit der Fertigstellung von Uhren.
Der runde Geburtstag ist Anlass genug für ein exklusives Chronoskop, das Rieussecs Chronographenidee zumindest im Hinblick auf die rotierenden Zifferblätter aufgreift. Für die Konstruktion und Herstellung des 13¾-linigen Handaufzugswerks (Durchmesser 31, Höhe 7,60 mm) mit der Bezeichnung MB R100 zeichnet die Schwester Manufacture Horlogère Val Fleurier in Buttes verantwortlich. Besucher der modernst ausgestatteten Werkstätten konnten bisher allerdings nur da und dort den kryptischen, für Insider aber doch hinreichend verräterischen Schriftzug «Rieussec» entdecken.
Uhrwerk mit Prädikat «exklusiv»
Technisch handelt es sich beim Rieussec des Jahres 2008 um eine absolut zeitgemässe Konstruktion mit klassischer Schaltradsteuerung der zeitschreibenden Funktionen Start, Stopp und Nullstellung (siehe auch Seite 55).
Der neue Montblanc-Star, der Nicolas Rieussec Monopusher Chronograph, ist vorerst nur in limitierter Edition mit einem Gehäusedurchmesser von 43 mm erhältlich. 25 Exemplare wird es in Platin, 75 in Weiss-, 75 in Gelb- sowie 125 in Rotgold geben. Ob und wann Montblanc auch an Stahl denkt, wird erst die Zukunft zeigen.