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Die Hototkaninchen sind die einzige «Frauenrasse» von den 44 anerkannten Rassen in der Schweiz. Sie wurden nämlich erstmals 1912 von Eugénie Bernard in Nordfrankreich an einer Ausstellung präsentiert. Durch Selektion aus schwach gezeichneten französischen Scheckenkaninchen hat die Züchterin diese spezielle Rasse entwickelt. Der Name der Rasse ist vom Wohnort der Urheberin, «Hotot-en-Auge», herkommend. Im Jahre 1922 wurde sie in Frankreich als Rasse anerkannt. Von dort aus gelangten die Hototkaninchen 1927 in die Schweiz, wo sie sich rasch verbreiteten.
Die glänzende Deckfarbe ist weiss bis elfenbeinweiss und am sichtbaren Körper in gleichmässigem Farbton vorhanden. Lediglich ein vier bis sechs Millimeter breiter Ring um die Augen ist intensiv schwarz gefärbt. Dieser schmale dunkle Augenring ist die eigentliche Grundfarbe des Kaninchens. Die weisse Farbe entsteht durch Kombination der zusammengeflossenen Punkt- und Plattenscheckung. Die Hotot sind spalterbig, ihre Jungtiere sind meist standardgerecht gezeichnet.
Ein kräftiges Fell
Das Fell ist dicht und griffig. Es besteht aus viel Unterwolle und reichlich Deck- und Grannenhaaren. Dies ergibt eine kräftige, derbe Haarstruktur. Die Grannenhaare sind gerade und besonders kräftig. Sie überragen die 29 bis 32 Millimeter langen Deckhaare nur wenig. Spärliche, lange oder weiche Grannenhaare gelten als Schönheitsfehler. Ein leicht schwarz durchsetzter Ohrenrand, farbige Stichelhaare oder ein schmaler, unscharfer oder gezackter Augenring gelten ebenfalls als Schönheitsfehler. Ein stark schwarz durchsetzter Ohrenrand, eine farbige Kralle, ein farbiges Büschel (grösser als fünf Millimeter) oder ein unvollständiger oder breiter Augenring (mehr als zehn Millimeter) gelten als Ausschlussfehler.
«Wir müssen uns schnell anpassen können»
Roland Lüthi, Präsident vom Schweizer Hotot-Züchterklub, im Interview
Roland Lüthi ist Präsident vom Schweizerischen Hotot Club. Der 42-Jährige arbeitet beruflich als Polizist und wünscht sich mehr Neumitglieder für seinen Züchterklub.
Herr Lüthi, vor was haben Sie am meisten Respekt?
Die Mitgliederzahlen sinken unweigerlich. Trotzdem bin ich stolz auf Hotot Schweiz. Der Tieraustausch der Spitzentiere funktioniert und der ganze Klub zieht an einem Strang. Da ist es mir auch immer ein Anliegen, dass unsere Klubkollegen aus der Westschweiz gut integriert werden. Die heutige rasante Zeit bedingt, dass wir uns schnell anpassen und für kurzfristige Entscheide bereit und mutig sein müssen. Da lebe ich nach dem Motto, welches mir in der Offiziersschule mitgegeben wurde: Lieber eine gute Lösung zurzeit, als eine perfekte Lösung zu spät.
Was sind Ihre Wünsche und Ziele?
Ich wünsche mir, dass wir den Mitgliederschwund in Grenzen halten. Dass wir, wie es bis anhin super funktioniert hat, Neumitglieder kameradschaftlich aufnehmen und ihnen top Zuchttiere zur Verfügung stellen.
Und was erwarten Sie von den Züchtern?
Dass man offen und transparent alles anspricht und nach gemeinsamen Lösungen sucht. Ausstellungstechnisch würde ich mir wünschen, dass an der Klubschau auch die zweite und dritte Garde, die sogenannten Reservetiere, ausgestellt würden. Dies wird von einigen Züchtern bereits getan.
Was bedeutet Ihnen das Züchten?
Die Kaninchenzucht ist für mich ein Ausgleich zum Berufsalltag. Das Ganze wurde mir die letzten Jahre durch meinen Vater Paul ermöglicht. Ohne ihn wäre eine Zucht in diesem Umfang nicht möglich. Sobald seine Kräfte schwinden sollten, kann ich mir gut vorstellen am Wohnort oder in der Nähe eine Scheune zu mieten und die Zucht selber zu bewirtschaften.
«Hotot sind eine faszinierende Rasse. Eine Tupfenschecke, welche nur noch einen Augenring aufweist, ist sehr speziell und bereitet mir nach wie vor sehr viel Freude», sagt Roland Lüthi, der Präsident vom schweizerischen Hotot Club. Der 42-Jährige aus Benzenschwil AG züchtet seit 1990 Kaninchen. «Zusammen mit meinem Vater besuchte ich eine Ausstellung zwecks Kaufs eines Rammlers für seine Mastkaninchen.» Sie kauften einen Blauwienerrammler und zwei Zibben. So startete vorerst nur der Junior mit Rassekaninchen, während Vater Paul weiter Mastkaninchen pflegte. Unter den Mastkaninchen waren bereits Hotot, die dem jungen Lüthi je länger je mehr gefielen. «So züchtete und stellte ich zwei oder drei Jahre später ebenfalls Hotot aus.» Die meisten Grundtiere stammten vom eben erst verstorbenen Ehrenmitglied Ernst Marending aus Madiswil BE. «Die Hotot häuften sich und so mussten die Blauwiener weichen», sagt Lüthi. Seither züchten Vater und Sohn gemeinsam mit viel Leidenschaft Hototkaninchen.
Hotot gelten als sehr fruchtbare und frohwüchsige Rasse. Das Mindestgewicht beträgt 3,5 Kilo und das Höchstgewicht 4,5 Kilo. Das Idealgewicht liegt zwischen 3,8 und 4,3 Kilo. Die Vorderläufe sind gerade, mittellang und kräftig. Dies ergibt die verlangte gute Haltung, wobei der schön geformte, kräftige Körperbau so richtig zur Geltung kommt. Kaninchen sind für Lüthis nach wie vor auch Nutztiere. «Wir schlachten und veredeln die Tiere selber. Dies kann so sehr schonend vollzogen werden», erzählt Lüthi. Alle ihre Schlachtkaninchen würden von Kollegen sehr gerne abgenommen. Bezüglich der Fellverwertung werde von Zeit zu Zeit eine Serie dem Gerber in der Nähe gebracht. Aber der grosse Teil lande in der Kadaversammelstelle.
Nach Angabe von Lüthi ist der Zuchtstand gegenwärtig sehr hoch. «Der Körperbau ist sehr gefestigt. Es schadet allerdings nicht, die zweite Position im Auge zu behalten.» Die Fellstruktur sei in den letzten Jahren verbessert worden. «Ein Augenmerk gilt hier der Felllänge, wo die Obergrenze erreicht oder teilweise bereits überschritten ist.»
Mehr Realitätsbezug erwünscht
Hotot Schweiz ist ein kleiner, aber feiner Klub. «Wir sprechen grundsätzlich alle vom selben und wollen unsere Rasse züchten», sagt Lüthi. «Ich hoffe, dass Hotot Schweiz in naher Zukunft auch über eine Website verfügt. In dieser Hinsicht sind wir noch etwas veraltet, aber wir arbeiten daran», erklärt der Präsident schmunzelnd.
«Wenn die Tierschützer uns das Leben weiterhin erschweren, wird es schwierig, als Verein überhaupt noch Ausstellungen durchführen zu können», sagt er. «Leider wird die Realität zur Tierzucht und zum Fleischkonsum in der Landwirtschaft verzerrt.» Dem Schweizer Produzenten würden massenweise Auflagen gemacht, der Konsument beziehe aber ohne zu zögern das billige Produkt aus dem Ausland. «Zum Jahresende wird dem Tierschutz ein Betrag überwiesen und das Gewissen ist beruhigt. Leider funktioniert unsere Gesellschaft mittlerweile so.»
Was aber nicht bedeute, dass der Tierschutz eine schlechte Sache sei – im Gegenteil. Jene, die sich nicht an die Vorschriften halten, sollten dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Er wünscht sich aber etwas mehr Realitätsbezug. «Ich habe oft das Gefühl, dass uns Vorschriften zwar von Personen gemacht werden, welche in der Theorie Fachpersonen sind. Aber es sind nicht diejenigen, welche sich täglich mit Tieren auseinandersetzen.»