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Bettie (Catherine Deneuve), in ihren besten Jahren, führt ein kleines Restaurant in der Bretagne. Die stressige Arbeit, die Verantwortung gegenüber Angestellten, Gästen und ihrer Mutter ermüden die Witwe. Weil sie keine Zigaretten mehr hat, steigt Bettie eines Tages einfach in ihr Auto und fährt los. Doch die Suche nach Zigaretten zieht sich hin, und so kommt es, dass Bettie sich immer weiter entfernt. Ans Zurückkehren denkt sie gar nicht erst. Ein alter Bretone dreht ihr schliesslich eine Zigarette, die Bettie genüsslich rauchen kann.
Anstatt die Heimreise anzutreten, fährt sie weiter und trifft in einem ländlichen Club auf ein paar ältere Frauen, die sie sofort in ein Gespräch verwickeln. Es wird getrunken, gelacht und getanzt. Schliesslich wacht Bettie im Bett mit einem viel jüngeren Mann auf. Sie setzt ihre Reise fort, bis sich ihre Tochter Muriel (Camille), mit der sie seit Jahren ein schlechtes Verhältnis hat, meldet. Sie will einen Job in Belgien annehmen und bittet ihre Mutter, sich um ihren Sohn Charly (Nemo Schiffman) zu kümmern. Bettie soll den Jungen zum Grossvater chauffieren. Sie willigt ein...
Emanuelle Bercot hat die Rolle der Bettie in Elle s'en va für die Ikone Catherine Deneuve geschrieben. Das heitere Roadmovie mit viel Frenchness ist eine Geschichte über das Älterwerden und Mutterliebe im Allgemeinen. Bercot erzählt den Film mittels dreier Generationen, einer Ladung Humor und eben auch ein wenig Kitsch.
Es ist nicht nur Bettie, die im Zentrum der Geschichte steht, sondern auch Deneuve. Die Kamera umgarnt die immer noch attraktive Schauspielerin und macht deutlich, dass Bercot eine Diva vor der Linse hat. Weniger divenhaft ist Betties Lebenssituation, welche sie dazu verleitet, eine längere Zigarettenpause einzunehmen. Von da an führt Elle s'en va schnurstracks geradeaus und folgt den Leitplanken des Roadmovie-Genres - was an und für sich nicht schlecht ist.
Catherine Deneuve überzeugt in der für sie konzipierten Geschichte. Dazu passen die Modelvergangenheit Betties und natürlich ihr damaliger Titel als Miss Bretagne. Elle s'en va dreht sich aber weniger um die Wandlung ihrer Person, sondern um das Zusammentreffen der Generationen und den Umgang mit der Familie. Sobald Enkel Charly (Nemo Schiffman) aufkreuzt, wird der Familientouch gestärkt und der Film erhält neuen Auftrieb. Die Dialoge zwischen den fremden Personen sind erheiternd, wenn auch total überdreht.
Bercot nimmt sich alle Freiheiten, mischt Klischees mit neuen Ideen und vergisst dabei nicht, dass Deneuve stets im Mittelpunkt stehen muss. Betties Sinn nach Harmonie macht sie als Charakter in vielen Szenen zu weich und eindimensional. Ihre Reise durch die herrliche Bretagne, die kleinen Dörfer und ihre eigene Vergangenheit machen Elle s'en va trotzdem zu einem netten Zeitvertrieb.
Fazit: Emanuelle Bercot zeigt in Elle s'en va eine Catherine Deneuve in den besten Jahren, ein wenig eindimensional gezeichnet, aber immer noch genug interessant, um vor der Kamera zu glänzen. Das französische Roadmovie enthält viel Humor, eine wunderbare Kulisse, aber einen ziemlich vorhersehbaren Plot.
Christian Wolf [woc]
Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.