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Als Eisenbahnfan tut es mir tief im Herzen weh, dass hier einst Züge fuhren. Stolze Dampfloks pufften durch die Ebenen und meisterten tapfer die anspruchsvolle Andentopographie, hinter ihnen Passagierwagen, Vieh und andere Fracht.
Die Geschichte der Caldas-Bahn (Ferrocarril de Caldas auf Wikipedia) ist geprägt von grossen Plänen, finanziellen Rückschlägen und logistischen Herausforderungen. 1927 verband die Bahn Manizales mit dem Rio Cauca (Puerto Caldas) und war mitverantwortlich für den Aufschwung im Kaffeeanbau und -export. Sie löste Maulesel und Ochsenkarren ab, die davor den Transport der Ernte bis zum Dampfschiff sichergestellt hatten.
1915 bis 1929 wurden 167 Kilometer Bahnstrecke und zehn Tunnel gebaut, Höhendifferenzen von über 1200 Metern überwunden. 1922 kam mit einer Materialseilbahn über 75 Kilometer von Manizales nach Mariquita eine zweite Möglichkeit dazu, den Kaffee schnell zu einem Wasserweg und Richtung Atlantik zu bringen.
Die Strasse, von der Politik stark gefördert, wurde in den folgenden Jahrzehnten zur grössten Konkurrenz der Bahn. Der Bahnbetrieb wurde dadurch immer unrentabler. 1959 wurde der Personenverkehr aufgegeben, in der 70er Jahren auch der Güterverkehr.
In vielen Orten der Region stehen heute noch die grossen und kleinen Bahnhofsgebäude. Teilweise sind darin Bibliotheken und andere öffentliche Einrichtungen untergebracht. In Manizales ist der alte Bahnhof ein riesiger Prachtbau aus den 1920er Jahren, der von einer Universität genutzt wird. Alte Eisenbahnwagen dienen als Studierzimmer.
Auf einer Exkursion auf den Spuren der Eisenbahn besuchten wir diese Woche einen Sektor, wo alte Eisenbahnstrecken und -tunnels teilweise noch für den Verkehr genutzt werden, teilweise fast ganz zugewachsen sind. Der alte Bahnhof dort sei schon dreimal verkauft worden, aber zurzeit wohne da niemand, erklärten uns Anwohner. Interessante Information, wenn man bedenkt, dass der Bahnhof dem Staat gehört, ein geschütztes Denkmal ist und Tücher zum Trocknen hinter dem Gebäude hängen.
Die kolumbianische Eisenbahnidee ist zum Glück nie ganz gestorben. Wenige Strecken blieben erhalten, neue Strecken sind geplant. Auch Materialseilbahnen werden wieder zum Thema. Es wäre aus Sicht der Umwelt und der Bevölkerung mehr als wünschenswert, wenn die Anden vom intensiven Strassenverkehr wieder entlastet werden würden.