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Um einen nachhaltigen Entwicklungsansatz zu etablieren, muss sich der Strassenbausektor derzeit noch zahlreichen Herausforderungen stellen. Unter anderem im Bereich der Materialherstellungsverfahren existieren jedoch bereits Techniken, die einen wesentlichen Beitrag leisten können.
4. Juni 2020
Amandine Ziegelmeyer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kompetenzbereich Verkehrsinfrastruktur, BFH
Nicolas Bueche, Professor für Verkehrsinfrastruktur, Leiter Kompetenzbereichs Verkehrsinfrastruktur, BFH
Asphaltmischgüter sind die am häufigsten verwendeten Materialien für den Bau und die Instandhaltung von Strassen. Sie werden durch Mischen eines Kohlewasserstoff-Bindemittels (Bitumen) und mineralischer Gesteinskörnungen bei Temperaturen von im Allgemeinen zwischen 150°C und 180°C hergestellt. Beim Rückbau alter Beläge fällt Ausbauasphalt / Reclaimed Asphalt Pavement (RAP) an. Werden diese wiederverwertet, um neue Asphaltmischungen herzustellen, ermöglicht dies bereits heute, die natürlichen Ressourcen an Bitumen und Zuschlagstoffen zu schonen. Gleichzeitig wird dadurch die Menge der auf Deponien entsorgten Materialien begrenzt. Darüber hinaus ermöglicht die Herstellung von Asphaltmischgut mit so genannten Niedertemperatur-Technologien, die Herstellungstemperatur um etwa 30°C zu senken. Dadurch reduziert sich der Energieverbrauch um etwa 20 bis 30 Prozent, ebenso die Emissionen, und zusätzlich verbessern sich die Arbeitsbedingungen in den Mischanlagen und auf den Baustellen.
Es besteht jedoch noch Potenzial, diese Techniken weiterzuentwickeln und zu optimieren. Beispielsweise gibt es immer noch etwa 58.000 Tonnen RAP pro Jahr, die nicht wiederverwendet und direkt auf Deponien entsorgt werden. Eine Erhöhung des RAP-Anteils bei der Herstellung neuer Asphaltmischgüter würde es ermöglichen, diesen Überschuss an Sekundärrohstoff zu verwerten. Heute liegt die Zugabe von RAP bei Projekten mit engagierten Bauherren, die sich des Problems bewusst sind, im Durchschnitt bei 30 bis 35 Prozent. Dieser Anteil variiert jedoch erheblich, je nach Anwendungsbereich des Asphaltmischguts. Darüber hinaus wäre nach mehreren in jüngster Zeit durchgeführten Forschungsprojekten die Kombination der Wiederverwendung von Recycling mit Niedertemperatur-Technologien vorteilhaft für die Leistung der auf diese Weise produzierten Materialien, während gleichzeitig die Umweltauswirkungen weiter eingeschränkt würden.
Ein geschlossener Werkstoffkreislauf ist also von wesentlicher Bedeutung. In diesem Kontext wurde im April 2018 die kollaborative Plattform Kies für Generationen (KFG) ins Leben gerufen, die mehrere Akteure der Branche zusammenführt. Darunter der Fachverband für Kies- und Betonwerke im Kanton Zürich FKB, der Branchenverband arv Baustoffrecycling Schweiz sowie Bau- und Materialtransportunternehmen. Hauptziel dieser Plattform ist es, zusammen mit den verschiedenen Akteuren das Recycling von Materialien aus dem Rückbau in der Herstellung neuer Materialien – und damit einen geschlossenen Werkstoffkreislauf – zu fördern.
Anfang 2020 beauftragte die Plattform KFG, unterstützt und finanziert von acht kantonalen Verwaltungen, den Kompetenzbereich Verkehrsinfrastruktur der BFH, eine Best-Practice-Guideline zu erstellen. Thema und Ziel der Guideline ist es, der Recyclinganteil von Asphaltmischgut und die Implementierung von Niedertemperaturasphalt zu optimieren und Bauherren, Asphalthersteller, Bauunternehmen und Ingenieurbüros bei der Entwicklung und Umsetzung dieser Techniken zu unterstützen und zu fördern. Die Guideline wird voraussichtlich ab Anfang 2021 abgegeben.