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So hart wie Krupp-Stahl – im Aufstieg wie im Fall
Am 20. November vor 210 Jahren wird im deutschen Ruhrgebiet eine Firma gegründet, deren Waren bald weltweit begehrt wie gefürchtet sein werden. Die Krupp-Werke machen damals auch die Schweiz wehrhaft.
Mitteleuropa ist im Jahr 1811 fest in der Hand von Napoleon Bonaparte. Sowohl die «Helvetische Republik», die Genf, das Wallis und Gebiete im Nordwesten an Frankreich verloren hat, als auch Deutschland. In beiden Ländern ist der Handel mit England verboten, seit Napoleon die Kontinentalsperre verhängt hat.
Doch damals beherrschen nur die Engländer die Herstellung von Guss-Stahl – auch wenn ihr Monopol Anfang des 19. Jahrhunderts vom Schweizer Johann Conrad Fischer in Schaffhausen gebrochen wird. In einem ländlichen Städtchen namens Essen will es ihm ein Deutscher gleichtun.
Also wird heute vor 210 Jahren, am 20. November 1811, die Firma Friedrich Krupp zur Verfertigung des Englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikationen gegründet. Das Unternehmen wird es in der Industrialisierung zu Weltruhm bringen, und auch die Schweiz wird einer ihrer vielen Kunden. Es ist die Geburtsstunde des Krupp-Imperiums.
Am Anfang fast gescheitert
Friedrich Carl Krupp stammt aus einer alteingesessenen Essener Kaufmannsfamilie, die aus den Niederlanden eingewandert war. Seine verwitwete Grossmutter macht ihn mit 20 Jahren zum Betriebsleiter und überträgt ihm vorübergehend die Leitung einer Eisen-Hütte, die sie acht Jahre zuvor nach einem Bankrott gekauft hatte.
Als Grossmutter Amalie Krupp 1810 stirbt, erbt Friedrich und gründet ein Jahr darauf im Alter von 24 Jahren besagte Werkstatt nördlich der Essener Stadtmauer. Der Standort ist jedoch nicht ideal und es soll bis 1815 dauern, bis Krupp ein erstes Probestück aus Gruss-Stahl herstellen kann. 1818 legt er westlich von Essen den Grundstein für eine Guss-Stahl-Fabrik.
Ab 1820 produziert Krupp vor allem Schneid-Werkzeuge, Sägen und Klingen, doch schon 1826 stirbt Friedrich mit nur 39 Jahren. Seine Frau Therese Krupp übernimmt den inzwischen verschuldeten Betrieb. Der 14 Jahre alte Sohn Alfred wirft die Schule hin und durchläuft dann sämtliche Stationen in der Firma.
Einstieg ins Geschäft mit den Waffen
Es sind zwei Faktoren, die Krupp aus der Krise holen: Die umsichtige Geschäftsführung von Witwe Therese und der Boom, den der Bau der Eisenbahnen auslöst. Ab 1830 können die Essener Walzen aus Guss-Stahl liefern, die für die Herstellung von Schienen gebraucht werden. Es geht aufwärts: 1836 beschäftigt die Firma 60 Menschen.
Alfred Krupp zeichnet sich zum einen durch seine soziale Fürsorge aus, die er seinen Arbeitern in Form von einer Krankenversicherung oder Wohnraum angedeihen lässt, und zum anderen bereist er Europa und bildet sich fort. Er beginnt, aus Lust an der Freude Waffen zu schmieden. 1843 produziert er den ersten handgefertigten Gewehrlauf. 1847 folgt die Guss-Stahl-Kanone.
Doch diese interessiert damals niemanden, und so verdient Krupp im folgenden Jahrzehnt sein Geld vor allem mit der Produktion von Radreifen, in die Veloschläuche hineinpassen. Erst 1860 steigt er durch den Verkauf von 312 stählernen Sechspfünder-Vorderladern an Preussen endgültig zum Waffenhersteller auf.
«Ständiger Lieferant der schweizerischen Artillerie»
Seine Produkte bewähren sich in Preussens Kriegen gegen Dänemark (1864), Österreich-Ungarn (1866) und gegen Frankreich (1870 bis 1871) – und Krupp entwickelt sich zum grössten Industrieunternehmen Europas. Als Alfred 1887 mit 75 Jahren an einem Herzinfarkt stirbt, arbeiten 20'000 Menschen für Krupp.
Sein Sohn Friedrich Alfred Krupp ist 33, als er das Zepter übernimmt. Er modernisiert und expandiert, verdoppelt den Umsatz und erhöht den Anteil der Rüstungsgüter, übernimmt Maschinenfabriken und eine Werft, investiert aber auch in die Wohlfahrt der Angestellten. Seit 1876 zählt auch die Schweiz zu den «ständigen» Krupp-Kunden.
Als Friedrich Albert 1902 stirbt, wird die Firma wie von ihm in seinem Testament vorgesehen in eine AG umgewandelt, deren grösster Anteilseigner seine Tochter Bertha ist. Das Unternehmen zählt damals 45'000 Angestellte. Acht Jahre später sind es bereits 67'000 und 81'000, kurz bevor 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht.
Nach dem Krieg ist vor dem Krieg
Nachdem das Deutsche Reich diesen verliert, sinkt die Zahl der Mitarbeiter von 200'000 im Jahr 1918 auf 25'000 im Jahr 1926. Krupp versucht, seine Produktion durch den Bau von Baggern und Lastwagen umzustellen, doch nach der Machtergreifung der Nazis 1933 kommt Krupp wieder aus den Miesen heraus. 1938 arbeiten schon wieder 120'000 Menschen in der sogenannten Waffenschmiede des Deutschen Reiches.
Ab 1939 übernehmen die Nationalsozialisten mehr und mehr die Führung der Firma, die bald ins Visier der Alliierten gerät. In der Folge wird die Produktion zersplittert, und auch Zwangsarbeiter müssen für Krupp schuften. Was nicht von Bomben zerstört wird, demontieren nach dem verlorenen Krieg die alliierten Sieger.
Mit dem Bau von Eisenbahnen und LKW entwickelt sich Krupp in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Mischkonzern. 1992 verschmilzt Krupp mit der Hoesch AG und 1999 mit Thyssen, die beide ebenfalls aus der Stahl- und Kohle-Branche kommen. Die Thyssenkrupp AG beschäftigt heute weltweit gut 103'000 Personen.
Der Konzernsitz wird übrigens sieben Jahre nach der Fusion zurückverlegt – von Düsseldorf nach Essen, wo vor 210 Jahren alles begann.