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Es gehört zu den tragischen Schicksalen, dass jemand dafür berühmt wird, wie er gestorben ist. So ähnlich ist es vor wenigen Tagen dem schottischen Mountainbiker Robert Wardell ergangen. Ein Nachruf auf einen Menschen, den die meisten erst nach seinen Tod kennenlernten.
Mit 36 Jahren nimmt Robert Wardell zum ersten Mal an Mountainbike-Weltmeisterschaften teil – die Marathon Titelkämpfe 2021 auf Elba beendet er als 55. – nach einem Defekt, während er am Aufholen war. Wichtiger für den Schotten, er hat zum ersten Mal in seinem Leben einen Profi-Vertrag. Zweimal schon habe er diesen Traum aufgegeben, schreibt er in seinem Instagram Feed. Zweimal sei er als Amateur ins Renngeschehen zurückgekehrt.
Fahrräder standen im Mittelpunkt von Wardells Leben. Er arbeitete als Coach, für den schottischen Verband und für die UCI. Für die grosse internationale Rennfahrerkarriere reichte es nicht. Dafür war er vielseitig, fuhr Strassenrennen, nahm an internationalen Radquers teil, startete an Mountainbike-Rennen von Enduro bis Marathon. Auf dem BMX flog er in Freestyle Parks und zumindest auf die Resi-Matte landete er einen Backflip mit dem Mountainbike. Geschmeidig auch sein Instagram Clip, in welchem er mit dem Retro-Rennvelo zum flächendeckend tätowierten Coiffeur fährt und sich von diesem einen Undercut verpassen lässt.
Ende August 2022 startet Wardell an den schottischen Cross-Country-Meisterschaften. Ein Plattfuss wirft ihn zurück, er schafft den Anschluss an die Spitze wieder. Wieder verliert er Luft, wieder kämpft er sich nach vorne. Und selbst ein drittes Loch im Reifen überwindet er und wird schottischer Meister. Der heroisch erkämpfte Titel bringt ihm tags darauf eine Einladung ins Studio der BBC ein. «Das Rennen war ein ziemliches Desaster», fasst er dort seinen grössten Erfolg zusammen.
Ein kurzes Leben voller Spass
Ein Profi-Vertrag, ein Titel, die Medien interessieren sich für ihn: Rab Wardell ist, wo er immer sein wollte. Am nächsten Morgen ist er tot. Ein Herzinfarkt im Schlaf. Seine Partnerin, die britische Bahnsprint-Olympiasiegerin Katie Archibald erzählt der BBC, wie sie versucht hat, ihn zu reanimieren. Auch die Rettungssanitäter, die nur Minuten später dazu kommen, können nichts mehr ausrichten. Robert «Rab» Wardell stirbt mit 37 Jahren.
Um jemanden zu trauern, den man nicht gekannt hat, wäre verlogen. Aber dazu beizutragen, dass die Erinnerung an Rab Wardell lebt, hilft den Hinterbliebenen, sich weniger allein zu fühlen. So wie es guttut, wenn an der Beerdigung einer geliebten Person richtig viele Menschen auftauchen, um dieser die Ehre zu erweisen. Und alles, was sich über den Schotten an Informationen finden lässt, zeigt: Sein Leben war viel zu kurz, aber es war prall gefüllt mit Dingen, die ihm Freude machten.