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«Seit anderthalb Jahren esse ich überhaupt keine tierischen Produkte mehr. Vor der Umstellung dachte ich, wer so lebt, hat einen Megastress beim Einkaufen, beim Kochen, muss viel Geld für die Produkte ausgeben. Stimmt alles nicht. Am Anfang las ich die Inhaltsangaben auf den Packungen, ich hatte auch ein Büchlein dabei, in dem ich nachschauen konnte, welche E-Nummer tierische Stoffe enthält. Inzwischen ist das Einkaufen Routine. Es ist ein Klischee, dass Veganer nur Rüebli knabbern und Körnli picken.
Zum Frühstück hatte ich Cornflakes, eine Banane, einen Apfel, dazu Sojamilch. Mittags gab es heute ein Sandwich aus Vollkornbrot, Salatblättern, gebratenem Tofu, Mayonnaise ohne Ei und etwas Senf. Dazu Fruchtsaft und Wasser. Ich esse entweder in der Bibliothek oder in der Gemeinschaftsküche des Studentenwohnheims, wo ich wohne. Das Mittagessen bereite ich mir am Morgen zu. 90 Prozent der Produkte, die ich brauche, finde ich in der Migros oder im Coop. Manchmal denke ich: Jetzt will ich Luxus. Dann gehe ich in ein Reformhaus und kaufe Nuggets oder Schnitzel aus Getreide. Meine Freunde sind grösstenteils Veganer oder Vegetarier. Wenn ich bei Nichtveganern eingeladen bin, sage ich vorher Bescheid. Kein Problem. Ich gehe nicht in die Küche kontrollieren, ob sie auch wirklich ohne tierische Produkte kochen. Das finde ich unhöflich.»