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Wahrnehmung:
Was heisst das genau?
Wir reden von Sinneseindrücken, die laufend aufgenommen und zu Informationen umgewandelt werden.
Die Verarbeitung von Sinneseindrücken läuft organisiert ab. Sie umfasst eine ganze Reihe von Prozessen und Faktoren.
Beispiel: die typische Situation beim Familien-Frühstück. Mein Wunsch: Ich will ein Glas Milch trinken. Dabei herrscht der reinste Reiz-Wirrwarr. Weil ich alles Mögliche sehe, alles Mögliche höre, alles Mögliche spüre.
Deshalb wollen wir uns den Prozess im Detail vergegenwärtigen.
Aufnahme: Ich sehe das Brot und die Butter und die Kaffeekanne und die Teller und die Milchflasche und die Familienmitglieder und den Hund und die Blumen in der Vase und den Herd ... Und ich höre das Radio und die Gespräche und das Schmatzen des Hundes am Futtertrog und das Tropfen des Wasserhahns ... Und ich spüre die Sonne auf meinem Rücken und den Teppich unter meinen Füssen und die Zeitung in meiner Hand ...
Selektion: Ich vernachlässige alle anderen Gegenstände auf dem Frühstückstisch, fasse die Milchflasche ins Auge und lege die Zeitung weg.
Filterung: Das alte Sideboard in der Ecke sehe ich nicht. Und das Ticken der Uhr höre ich nicht. Und die Kleider an meinem Körper spüre ich nicht.
Hilfreich für die Prozesse sind Kontraste.
Visuell (über das Sehen).
Es ist einfacher, schwarz von weiss zu unterscheiden als unterschiedliche Grautöne wahrzunehmen.
Auditiv (über das Hören).
Es ist einfacher, ganz hohe oder ganz tiefe Töne (Frequenz) (Tonhöhe) voneinander zu unterscheiden. Oder geringe oder grosse Lautstärke (Tonintensität).
Taktil (über das Berühren, Greifen, Umfassen).
Im taktilen Bereich spielt die Widerstandsveränderung eine Rolle.
Eine maximale Widerstandsveränderung lässt sich besser erkennen als eine minimale Widerstandsveränderung.
Beispiel: Ich will einen Apfel „bearbeiten“.
Variante A: Ich will den Apfel durchschneiden. Und zwar auf einem Schneidebrett.
Dazu ergreife ich ein Messer und führe es durch die Luft zur Haut des Apfels. Sobald das Messer auf die Aussenhaut des Apfels stösst, spüre ich eine Widerstandsveränderung. Durchschneide ich den Apfel vollständig, trifft das Messer auf das Schneidebrett, ist die Widerstandsveränderung am grössten bzw. maximal.
Variante B: Ich will den Apfel schälen. Dazu ergreife ich einen Schäler und führe ihn durch die Luft. Treffe ich auf die Aussenhaut des Apfels, spüre ich ebenfalls eine Widerstandsveränderung. Nun beginne ich mit dem Schälen. Doch egal wie lange ich mich damit beschäftige, die Widerstandsveränderung bleibt stets gleich gross.
Was die Wahrnehmung anbelangt, unterscheidet sich die Arbeit mit dem Messer und die Arbeit mit dem Schäler grundlegend:
- Das Durchtrennen des Apfels nehme ich durch die (maximale) Widerstandsveränderung wahr – sobald das Messer auf das Schneidebrett trifft.
- Beim Schälen fehlt diese Widerstandsveränderung – ich nehme rein visuell wahr, ob ich genügend lange geschält habe.
Wahrnehmung ist immer relativ.
Ein Beispiel: Sie sitzen in einem Bahnwagen – und auf dem Nebengleis stehen weitere Bahnwagen. Der Bezug zwischen diesen Bahnwagen ändert sich, wenn sie sich plötzlich in Bewegung setzen – und bei Ihnen Verwirrung entsteht. Weil Ihnen nicht klar ist, ob sich Ihr Zug bewegt oder der Zug nebenan. Die Verwirrung legt sich erst, wenn Sie einen Blick auf etwas werfen können, von dem Sie wissen, dass es sich nicht bewegen kann. Zum Beispiel das Bahnhofsgebäude.
Das heisst: Die Wahrnehmung von Veränderungen kann nur eingeordnet werden, wenn ein Bezug vorhanden ist.
Zusammenspiel der Sinne – im Wechsel, miteinander und nacheinander.
Sie sitzen im Zimmer und lesen (visuell). Im Hintergrund läuft der Fernseher. Ein Werbeblock beginnt – und Sie hören, dass der Fernseher lauter wird (auditiv).
Sie wenden sich dem Fernseher zu, weil Sie gelernt haben, dass Sie das, was Sie hören, auch sehen können (Verbindung auditiv – visuell). Sie betätigen den Lautstärkeregler, weil Sie gelernt haben, dass Sie das, was Sie sehen, auch berühren können (Verbindung visuell – taktil).
Jetzt können Sie weiterlesen (visuell).
Speicherung – Einordnung und Verknüpfung mit Erfahrung.
Beispiel: eine Melone. Ihre Erfahrung sagt Ihnen, dass sich eine Melone „hart“ anfühlt. Entsprechend überrascht sind Sie, falls sich eine Melone „weich“ anfasst – weil sie entgegen Ihrer Erwartung faul ist.
Das heisst: Sie verknüpfen eine bereits gemachte Erfahrung mit einer weiteren Erfahrung.
Verarbeitungskapazität.
Wenn Sie im Stress sind, ist Ihre Verarbeitungskapazität genau die gleiche wie sonst. Aber die Organisation der Verarbeitung kann sich negativ verändern – sie kann zerfallen.
Beispiel: Sie müssen „schnell“ einen Koffer packen – weil Sie mit den Reisevorbereitungen in Verzug sind und unbedingt einen bestimmten Zug erwischen müssen. Deshalb bringen Sie weniger in Ihrem Koffer unter, als wenn Sie sich schön Zeit nehmen und genau überlegen können, wie Sie alle Gegenstände optimal packen.
Weitere Prozesse.
Die oben beschriebenen visuellen, auditiven und taktilen Wahrnehmungsprozesse sind wichtige Voraussetzungen für die weiteren kognitiven, emotionalen und sozialen Prozesse:
Zum Beispiel:
- Hypothesen bilden
- Schlussfolgerungen ziehen
- Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden
- sich auf etwas freuen können
- Erwartungen aufbauen
- mit Frustrationen konstruktiv umgehen
- Wut erleben und in Grenzen halten
- Toleranz üben
Zu guter Letzt ergibt sich daraus ein immer grösseres Verständnis für die Wirklichkeit – und ein Umgang mit dem Alltag, der mehr und mehr angemessen ist. Mit allem, was dazu gehört: zur Schule gehen, einen Beruf ausüben, einkaufen und kochen, einen Ausflug unternehmen etc.
Wahrnehmung hat viele Aspekte.
Klicken Sie die Gruppe an, der Sie angehören – und Sie erfahren mehr.
Altersbetreuung
Arzt
Dienste (Schulpsychologische Dienste, Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienste, Heilpädagogische Dienste)
Eltern
Erwachsener
Erzieher
Gönner
Jugendlicher
Kind
Lehrperson (Lehrer, Kindergärtner, Heilpädagogen)
Mütterberatung
Pflegepersonen
Psychiater
Schulbehörde
Sozialpädagoge
Student
Therapeut (Logopäde, Psychomotoriktherapeut, Physiotherapeut, Ergotherapeut, Psychologe, Musiktherapeut)
Therapeut.
Wie nehmen Sie als Therapeutin oder Therapeut (Logopädie, Psychomotoriktherapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Musiktherapie, Psychologie) eine Wahrnehmungsproblematik wahr? Was können Sie konkret tun?
Altersbetreuung.
Pflegepersonen.
Eltern.
Erzieher.
Sozialpädagoge.
Erwachsener.
Schulbehörde.
Gönner.
Jugendlicher.
Student.
Mütterberatung.
Spitex.
Psychiater.
Lehrperson.
Dienste.
Wie nehmen Sie als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter eines Dienstes (Schulpsychologischer Dienst, Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst, Heilpädagogischer Dienst) eine Wahrnehmungsproblematik wahr? Was können Sie konkret tun?