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Der glottale Plosiv
Eigentlich ist das Thema ausgelutscht. Einige wenige Zeitungen und Universitäten sind zu dieser Schreibweise übergegangen. Man mag den Genderstern bekloppt finden und als Hype bezeichnen. Ein Hype, der – wie alle Hypes – bald einmal verblasst.
Andere sehen darin einen Durchbruch zur Geschlechtergleichheit. Oder umgekehrt: Eine nicht-gegenderte Sprache sei eine Diskriminierung der Frau, heisst es. Und eine Diskriminierung der Transmenschen sowieso.
Auch „Sehr geehrte Damen und Herren“ soll verboten werden. So postuliert es die Universität Wien. Die Verordnung war von Professor*innen ausgearbeitet worden. Briefe beginnen dann so: „Sehr geehrter Mensch“. Oder: „Sehr geehrte Sie“.
Wie auch immer. In der geschriebenen Sprache kann man das alles toll finden. Mit dem Binnen-I, dem Stern und sonstigen sprachlichen Kapriolen kann man der Forderung nach Gendergerechtigkeit Nachdruck verleihen.
Aber: Die Sprache ist eben nicht nur geschriebene Sprache, sondern vor allem: gesprochene, mündliche Sprache.
Wie nun soll der Kampf für Geschlechtergleichheit in der gesprochenen Sprache zum Durchbruch gelangen? Da wird’s schon heikel.
Die Universität Wien sieht sich da mit einem Vorschlag als Vorreiterin. Das Heil liegt im „stimmlosen glottalen Plosiv“, auch „Glottisschlag“ genannt. Noch nie gehört?
Es handelt sich, so beschreibt es Wikipedia, um einen „glottal gebildeten Verschlusslaut ..., der durch die plötzliche, stimmlose Lösung eines Verschlusses der Stimmlippen gebildet wird. Andere Bezeichnungen sind Knacklaut, Stimmritzenverschlusslaut“.
Es soll jetzt also in der Sprache knacken. Im Klartext: man muss innerhalb des Wortes eine kurze Pause einlegen: einen Knack denken. Vor dieser halbsekündigen Pause soll man die Stimme leicht heben.
„Die Professor (knack!) innen und die Student (knack!) innen.“ Dass der Sprechfluss dann gestottert wirkt, nimmt man in Kauf. Lieber Stottern als eine ungerechte Gesellschaft.
Schnellsprecher, wie Fussballreporter oder entfesselte Politiker, werden mit dem Stimmritzenverschlusslaut ihre Mühe haben. Aber die sind ja lernfähig.
Uns scheint der glottale Plosiv etwas allzu kompliziert. Wir wagen die Prognose, sehr verehrte Leser(knack!)innen, dass sich das nicht durchsetzen wird. Wir haben eine bessere, viel einfachere Lösung. Ganz simpel: Man spricht das Wort „Stern“ inmitten des Wortes aus.
Das geht dann so. Hier ein Ausschnitt aus einer „Tagesschau“.
„Guten Abend, sehr verehrte Zuschauer-Stern-innen. Zehntausende Iraker-Stern-innen sind heute erneut auf die Strasse gegangen. Die Demonstrant-Stern-innen fordern einen verstärkten Kampf gegen die korrupten Machthaber-Stern-innen.
Das ist die Lösung. Einfach zu handhaben. Kein Gestotter.
Übrigens: Das Plädoyer der Gender-Adepten für den „Stern“ hat seine Tücken. Der „Stern“ besitzt im Deutschen (im Gegensatz zu den lateinischen Sprachen) den männlichen Artikel. Aber es gibt doch sicher auch weibliche Sterne.
Deshalb: Die nächste Forderung der Stern-Trolle ist schon in Vorbereitung: Abschaffung aller Artikel.
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