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Aktualisiert: 10. Juli
Vor dem Bau der Morgentalstrasse hiess das Gebiet hinter der Frohalp «Im Möösli» oder einfach nur «Möösli». Auf dem «geometrischen Plan» von 1788 heisst es sogar: «Im Müsle». Das Gebiet lag zwischen Waldflächen und wurde wohl nur extensiv landwirtschaftlich genutzt, an der Hügelkante ist auf dem Plan 1788 noch ein Rebberg eingezeichnet.
Wie im Blog zur Morgentalstrasse beschrieben, wurde die steile Bergverbindung vom Morgental her in den 1920er Jahren begonnen und in den 1930er Jahren bis zum heutigen Kehrplatz ausgebaut. Die so ausgebaute Morgentalstrasse ermöglichte die Überbauung des Geländes, teils an der Strasse selber, teils an den heutigen Strässchen «Hegenmatt» und «Im Hummel». Letztere erfolgten allerdings erst in den späten 1940er Jahren. Gut sichtbar ist die neue Überbauung auf mehreren Luftaufnahmen um 1950. Die schönste finde ich die von Hans Gemmerli, die im Baugeschichtlichen Archiv aufbewahrt wird. Sehr schön ist auch eine von Fotograf Werner Friedli (in der ETH-Bibliothek)*.
Hegenmatt und Hummel. Ca. 1950. Luftaufnahme Hans Gemmerli.
Baugeschichtliches Archiv Zürich.
Die beiden Strassennamen sind erklärungsbedürftig, vor allem fragt man sich, ob es hier viel Hummeln gegeben haben soll? Im Tagblatt konnte man einst lesen: «In der Strassennamendatenbank steht die folgende Erläuterung für die Strassenbenennung im Hummel: Flurname ‹Humbel› (1795) aus Hohenbüel wie Humberg aus Hohenberg. ‹Bühl› oder ‹Büel› bezeichnet einen länglichen, oft mit Reben besetzten Hügel. Strassenbenennungen nach Flurnamen sind sehr häufig. Die Ableitung Hummel aus ‹Humbel› als Abkürzung für Hohenbüel ist im Schweizerischen Idiotikon, Wörterbuch der Schweizerdeutschen Sprache, Band 2, Spalte 976, belegt.»
Wie kam die Siedlung Hegenmatt/Im Hummel zustande? Das Geschäftsmodell für die Überbauung des Mööslis war folgende: Die Bau- und Siedlungsgenossenschaft «Schwyzerhüsli», domiziliert zunächst an der Waffenplatzstrasse, sicherte sich das Land und plante die Überbauung; sie suchte und beauftragte den Architekten, und sie verkaufte nach Fertigstellung, ev. auch schon ab Plan, die Häuschen an Interessenten. Im Einzelfall konnte sie auch noch als Bank funktionieren, indem sie für den Kauf Hypotheken vergab, die die Käufer dann nach ihren finanziellen Möglichkeiten abzahlten. Architekt war übrigens Friedrich Herrmann (1905-1986), der später an der Frohalpstrasse wohnte, und heute auf dem Friedhof Manegg ruht. Er war erfolgreicher Architekt im Raume Zürich und erstellte unter anderem auch öffentliche Bauten, insbesondere Altersheime.
Die Häuschenreihen der ursprünglichen Bebauung Hegenmatt/Hummel sind heute noch weitgehend intakt. Da aber jedes Häuschen seinen eigenen Besitzer hat, sind schon recht unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten. Insbesondere konnten einige Häuschen auch mit einem zusätzlichen Stockwerk vergrössert werden – ein Prozess, der auch jetzt wieder in Gang gekommen ist. Das hat aktuell mit den übergeordneten Planfestlegungen zu tun, die auch bisher freigebliebene Flächen oder bisher unternutzte Flächen mit grösseren Gebäudekomplexen zur Überbauung freigibt. So wurden schon in den 1970er Jahren in einzelnen Gärten von Villen, die an der Frohalpstrasse stehen, neue Mehrfamilienhäuser aufgestellt – auch diese Bewegung findet heute eine Fortsetzung. Als Beispiel das Mehrfamilienhaus Hegenmatt 25.
Hegenmatt 25. Foto SB (30.9.2021)
Die Siedlungsausdehnung ging auch noch den Hügel hinunter gegen die Sihl weiter. Vor allem der Morgentalstrasse entlang. Zuunterst, gleich beim Kehrplatz, entstand schon in den 1950er Jahren ein modernistisches Gebäude, das als «Atelierhaus» eines Fotografen errichtet wurde. Architekt war der Zürcher Willy Boesinger, Baujahr 1957 (Morgentalstrasse 115).
Atelierhaus in Zürich-Wollishofen. Morgentalstr. 115. Baujahr 1957.
Architekt Willy Boesinger.
Fotos: wohl René Groebli. In: Werk Juli 1957, S. 237.
Im Juli-Heft 1957 der Architekturzeitung «Werk», die dem «Einfamilienhaus als städtebauliches Problem» gewidmet war, stellte Architekt Willy Boesinger sein neuestes Werk vor: eine Seite, mit wenig Text, und mit zwei Fotos, die entweder von Boesinger selber, oder vom Bauherrn, dem Fotografen René Groebli, aufgenommen wurden. Boesinger schreibt: «Das Haus des Photographen René Groebli liegt unmittelbar an der Grenze einer Grünzone und in unmittelbarer Nähe von ausgedehnten Waldungen. Ruhe und Unverbaubarkeit führten zur Wahl dieses Bauplatzes. Obschon der Ort beinahe abgelegen ist, misst die Entfernung bis zum Stadtkern kaum mehr als zehn Autominuten.» Im kleineren Bild sieht man noch die ländliche Umgebung des am Ende der Morgentalstrasse erbauten, alleinstehenden Hauses: eine Armee wohlgeordneter Heugarben im Sommer!!
Jüngeren Datums ist ein Neubau im Hummel selbst, der eine vorher freigelassene Fläche neu nutzt: das Doppeleinfamilienhaus Im Hummel 32. Dazu schrieb die Architekturfirma LeutwylerPartnerArchitekten: «Am Rande einer kantonalen Freihaltezone im Zürcher Siedlungsgebiet Wollishofen entsteht ein Doppel-Einfamilienhaus auf einer freien Parzelle. Zur angrenzenden Waldzone musste ein definierter Abstand eingehalten werden, ansonsten konnte der zweigeschossige Baukörper skulptural frei geformt werden.» Für die Nachbarn und die Passanten auffällig ist vor allem die «Zedernholzlattung», die die Fassade verkleidet. Aus meiner Sicht ist es ein sehr gelungenes Gebäude geworden, moderne pavillonartige Architektur.
Im Hummel 32. Foto SB (30.9.2021)
Strapazierte Bauordnung
Weniger sicher bin ich mir bei der neuesten architektonischen Innovation im Quartier. An Stelle des Doppeleinfamilienhauses Morgentalstr. 77/79 (in Nummer 77 hatte Apotheker Ludwig Deutsch gewohnt, das wissen die geschätzten Blogleser:innen natürlich) ist ein ziemlich massiges Mehrfamilienhaus entstanden, das in der Immobilienwerbung als «zeitloses und sehr schönes Gebäude» gepriesen wird. Das mag sein, de gustibus non est disputandum. Aber das Gebäude ist einfach ohne Massstab, im Kontext der bisherigen Überbauung ist es zu massig bzw. zu gross geraten. Wo vorher zwei Familien lebten, entstehen nun über 14 Mietwohnungen und eine Tiefgarage mit 11 Einstellplätzen. Es sind 2.5- und 3.5 Zimmer-Wohnungen und ein Attikageschoss mit zwei Wohnungen mit grosszügigen Terrassen. Nochmals, die Jäger Zäh Architekten haben ein durchdachtes Konzept erarbeitet, und das Ganze ist nicht unästhetisch, aber gleichwohl zeigt es sich an diesem Beispiel, dass die übergeordneten baupolizeilichen Vorgaben zu grosse Ausnutzung erlauben und zu wenig Rücksicht nehmen auf den bisherigen Charakter des Quartiers.
(SB)
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*Werner Friedli, im Tiefflug aufgenommen