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Maria – Superstar der Antike?
Maria, Mutter Jesu, ist nicht die unbekannte Jüdin, die in der Kleinstadt Nazareth lebt. Sie ist eine ptolemäische Prinzessin, die einzige Tochter der ägyptischen Königin Kleopatra VII. und des römischen Triumvirn Marcus Antonius. Durch ihre Heirat mit Juba II. ist sie auch Königin von Numidien und Mauretanien. Sie ist der Superstar der Antike. Ihr Name: Kleopatra Selene.
Das Johannesevangelium erwähnt die Mutter Jesu nur bei der Hochzeit zu Kana, ohne sie beim Namen zu nennen. Interessant ist die distanzierte Haltung, die Jesus in den überlieferten Szenen zu seiner Mutter einnimmt.
Nach der Niederlage von Marcus Antonius und Kleopatra VII. in der Schlacht von Actium gegen Octavian und dem Einmarsch des Siegers in Ägypten werden Kleopatra Selene und ihre beiden Brüder Alexander Helios und Ptolemaios Philadelphos von Octavian verschont und nach Rom mitgenommen. Beim Triumphzug wird Kleopatra Selene als Siegestrophäe vorgeführt. Anschliessend kommen Kleopatra Selene und ihre Geschwister in die Obhut von Octavians Schwester Octavia, die sie in ihrem Haus aufzieht.
Das Bild, das die Evangelien von Jesu Mutter zeichnen, ist von der Absicht der Verkündigung Jesu Christi geprägt. Maria tritt nur an wenigen Stellen und eher am Rande auf, in den meisten neutestamentlichen Schriften wird sie überhaupt nicht erwähnt.
Das Bild, das die Menschen in den römischen Provinzen und in Rom von Kleopatra Selene haben, unterscheidet sich wesentlich von den Evangelien. Marcus Antonius erhebt Kleopatra Selene im Jahr 34 v. Chr. zur Königin von Libyen und Kyrene.
Zwischen 25 und 20 v. Chr. wird Kleopatra Selene von Kaiser Augustus dem zum König von Numidien und Mauretanien erhobenen Juba II. zur Gemahlin gegeben. Ein Sohn von Kleopatra Selene und Juba II. erhält den Namen Ptolemaeus; eine athenische Inschrift erwähnt eine nicht namentlich genannte „Tochter des Königs Juba“.
Das Königspaar regiert in Numidien, bis die politische Situation zu unbehaglich wird und das Paar nach Mauretanien umzieht.
Um 1 n. Chr. hält sich Juba II. im Osten auf. Dort vermählt er sich mit Glaphyra, der Tochter von König Archelaos von Kappadokien.
Vermutlich wird diese Eheverbindung geschieden, als Juba II. um 4 n. Chr. nach Mauretanien zurückkehrt. Nach seiner Trennung von Glaphyra nimmt er die Ehebeziehung zu Kleopatra Selene vermutlich wieder auf, die während Jubas Aufenthalt im Osten als Regentin von Mauretanien fungiert und dabei eigene Münzen herausgibt.
Bezieht sich das Altrömische Glaubensbekenntnis der Jungfrauengeburt auf diese Zeit?
Im Jahr 6 n. Chr. kommt es zu einem Aufstand der maurischen Stämme gegen König Juba II. Der Aufstand kann erst mit Hilfe römischer Truppen niedergeschlagen werden.
Die Flucht nach Ägypten ist ein Ereignis aus der Kindheit Jesu, beschrieben im Matthäusevangelium.
Die Flucht ist eine der Sieben Schmerzen Mariens, derer im katholischen liturgischen Kalender gedacht wird.
Ist Kleopatra Selene identisch mit Maria, der Mutter Jesu? Das Todesjahr von Kleopatra Selene ist nicht überliefert. Ein Münzfund von 1907 in Marokko lässt den Schluss zu, dass ihr Todesjahr zwischen 11 und 18 n. Chr. zu datieren ist.
Kleopatra erhält ihren Beinamen Selene („Mond“). Der Mond ist das Gestirn der Isis, als deren Inkarnation sich ihre Mutter Kleopatra VII. betrachtet. Selene ist das Pendant zum Beinamen Helios („Sonne“), den Kleopatra Selenes Bruder Alexander führt.
Die Mondsichelmadonna bezeichnet in der christlichen Ikonografie ein Marienbildnis, das durch die Perikope der apokalyptischen Frau in der Offenbarung des Johannes geprägt ist. Die Mutter Gottes steht auf der Mondsichel, meist hält sie das Jesuskind in ihren Armen. Religionsgeschichtlich wird das Bild von der apokalyptischen Frau auf den Isis-Astralkult der Antike zurückgeführt, es erfährt aber durch das Geburtsmotiv eine apokalyptische Umdeutung.
Kleopatra Selene erreicht die Herzen der Menschen in den römischen Provinzen. Als sie stirbt, wahrscheinlich 18 n. Chr., wird ihr Sohn Ptolemaeus zum Hoffnungsträger der geknechteten Völker.