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Der Mordfall Jesus
„Es muss nicht unbedingt ein ‘Narr’ sein, wie der Philosoph Paul Deussen 1913 kühn behauptete, wer an der Geschichtlichkeit der Person Jesu zweifelt. Solche ‘Narren’ waren immerhin Napoleon und Friedrich der Grosse. Auch beim jungen Goethe finden sich Sätze starken Zweifels. Der erste Theologe, der Jesus aus der Geschichte strich, war Bruno Bauer (1809 bis 1882), der daraufhin seine Lehrbefugnis verlor und einen Gemüseladen eröffnete“, schreibt Rudolf Augstein 1999 im Spiegel.
Und wie wird der Fall Jesus im Jahr 2018 beurteilt? Gab es wirklich diesen Mord auf Golgatha? Die „Akte Jesus“ wurde vor 2000 Jahren geschlossen, doch noch immer streiten sich bibelkritische Exegeten und Theologen über Jesu Existenz. Wie würde heute ein Gerichtsprozess über den „Mordfall Jesus“ ausgehen? Wie würde die Anklage bei einem Strafprozess lauten? Könnte ein Ermittlungsverfahren überhaupt abgeschlossen oder müsste das Verfahren mangels Beweisen eingestellt werden? Wie würde das Gutachten eines Sachverständigen aussehen, zum Beispiel eines Historikers? Würde es im „Mordfall Jesus“ auf einen Indizienprozess hinauslaufen?
Ich möchte den Mordfall Jesus in einem fiktiven Gerichtsverfahren neu aufrollen, in dem viele Beteiligte zu Wort kommen. Urkundenfälschungen, Falschaussagen, falsche Gutachten, Rechtsbeugung, Vorteilsannahme und Bestechlichkeit sind Gründe genug, um eine Wiederaufnahme des Gerichtsverfahrens zu fordern. Nach 2000 Jahren öffne ich die Ermittlungsakten wieder und lasse den Tod des jüdischen Wanderpredigers untersuchen. Bei der Beweisaufnahme soll in einem ersten Schritt geklärt werden, ob es den Mordfall Jesus in Jerusalem überhaupt gab. Wenn der Beweis für einen Mord nicht beigebracht werden kann, soll geklärt werden, warum das Christentum trotzdem entstand.
DER MORDFALL JESUS