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Templer in Basel?
Herr F. / 09.Dezember 2004:
Wie ich gehört habe, kommt der Name Rittergasse von dem Tempelritterorden, was ich sehr interessant finde. Der Orden hätte in Basel ein Haus und eine geheime Kirche gehabt. Können Sie mir mehr zu dem Tempelritterorden sagen?
Antwort von altbasel.ch:
Ich fürchte Sie sind einer "Ente" der gegenwärtigen Templermode aufgesessen. Der Name Rittergasse stammt vom Orden der Deutschritter. Diese hatten ihre Wurzeln in einer pflegenden Bruderschaft die um 1190 während des dritten Kreuzzuges entstanden war. Sie standen im Heiligen Land während der Kreuzzüge in steter Rivalität mit den mächtigeren Orden der Johanniter.
Um Ihren Durst nach Wissen über den derzeit auf Leinwand und Bildschirm präsenten Orden etwas zu stillen, will ich Ihnen gerne weitergeben was mir vorliegt - auch wenn es mit dem alten Basel nicht das Geringste zu tun hat. Bevor man ihn zum König von Jerusalem krönte war Balduin von Le Bourg Graf von Edessa. Von ihm wurde gesagt, dass seine Knie wegen des vielen Betens Schwielen hatten. 1118 trat, gemeinsam mit neun Gefährten, Hugo von Paynens vor den König des Kreuzfahrerreichs.
Die Brüder des Ordens sollten als Mönche und Ritter gleichermassen die christlichen Pilger im Heiligen Land schützen. Hugo von Paynens schwebte wohl noch ein anderes Ideal vor als er den Orden ins Leben rief. Es war wohl schon früh seine Absicht, den Orden zu einem autonom handelnden Arm der Kirche zu machen, der lediglich dem Wort des Papstes und des Grossmeisters unterstand, auch wenn die Templer später oft genug nach eigenem Gusto handelten.
Balduin II. überliess ihnen als Sitz einen Teil des königlichen Palastes, von dem man damals annahm dass an seiner Stelle einst der Tempel Salomons gestanden habe. Der Palastteil von dem man dies vermutete war die heute bekannte Al-Aksa-Moschee. Diese Tempellegende wirkte derart stark dass sie Pate für den späteren Namens des Ordens stand, der auf deutsch vollständig lautete "die armen Kampfgenossen von Christus und des Tempels Salomons".
Das Siegel des Ordens zeigte zwei Ritter die auf einem Pferd sassen; Symbol für Brüderlichkeit und Armut. Das Ideal der Armut und der Keuschheit verbot den Ordensbrüdern jegliches Besitztum. Ihre Bekleidung war der Ordenstracht der Zisterzienser nachempfunden. Auf ihrem weiten weissen Mantel trugen die Templer ein grosses rotes Kreuz. Ihre Ordensregel verfasste 1128 niemand geringerer als Bernhard von Clairvaux, der im Basler Münster im Jahr 1146 den zweiten Kreuzzug predigte.
Es war wohl der Unterstützung durch den später heilig gesprochenen Bernhard zu verdanken, dass der Orden auf einer Synode in Troyes offizielle Eestätigung erfuhr. Er duldete ausschliesslich arme Brüder in seinen Reihen. Dies brachte der Eintritt in den Orden für jeden Ritter automatisch mit sich, sofern er ererbten Besitz mitbrachte. Diesen trat der nämlich dem Orden ab, womit er seine Armut empfing. Wirklich arme Schlucker aus der Gosse fand man aber im Orden kaum.
Eine vorausblickende und wohlkalkulierte Politik machte den Orden vermögend. Schenkungen mehrten den Besitz, Zinsen flossen und die Templer verschoben das Geld betuchter Adeliger ins Heilige Land, wobei sie es gewiss verstanden auch auf ihre Kosten zu kommen. Klingende Münze musste auch vorhanden sein, denn der Orden stellte nicht nur Krieger für das Heilige Land, sondern musste die Truppen auch bewaffnen und versorgen. Das ging ins gute Tuch.
Im Heiligen Land verfolgte der Orden eine eigene Linie, und diese war nicht immer jene des gerade regierenden christlichen Herrschers. Die Templer sahen sich allenfalls dem fernen Papst verpflichtet, was sie nicht daran hinderte andere Kreise zu unterstützen, wenn es ihnen richtig erschien. Zunehmend kam es zu Reibereien, etwa mit dem mächtigen Ordensrivalen der Johanniter. Nach dem Ende des Kreuzfahrerstaats 1291 verliess der Orden das Heilige Land.
Das neue Machtzentrum wurde auf Zypern errichtet, von wo aus sie ihre Verbindungen nach Frankreich pflegten. Mit diversen Machenschaften und selbstbewussten Auftreten waen die Templer König Philipp IV. von Frankreich ein steter Dorn im Gesäss. Rivalen und Neider schossen in gefährlichem Masse aus dem Boden. Der König selbst hatte immer wieder in die Geldtruhe des Ordens gegriffen und war wegen vieler Kredite bei ihnen hoch verschuldet.
Philipp IV. nutzte wohl seinen Einfluss auf Papst Clemens V. Mit dessen Unterstützung entledigte er sich des Ordens. Am 13.Oktober 1307 wurden wichtige Führer des Ordens und zahlreiche seiner Ritter auf Geheiss des Königs festgenommen. Dem folgten Prozesse mit Anklagen abstrusester Natur und Geständnissen die unter Folter erpresst wurden. Damit schuf man die Voraussetzungen für eine drakonische Bestrafung. 1312 wurde der Orden der Templer für aufgelöst erklärt.
Ein päpstliches Konzil bestätigte die Auflösung. Das Vermögen des Ordens ging partiell an den alten Rivalen die Johanniter über. Viele ehemalige Besitzungen rissen sich auch Adlige unter den Nagel, die es verstanden die Gunst der Stunde zu nutzen. Jacques de Molay, Grossmeister des Ordens, wurde am 11.März 1314 öffentlich verbrannt, womit es vielen seiner Ritter folgte. Eine Gedenktafel am Pont Neuf erinnert an den Ort seiner Hinrichtung auf der Pariser Île de la Cité.
Querverweis:
>> Der Orden der Johanniter
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