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Schamvoll erinnere ich mich an mein Kinderzimmer zurück, das mit David H.-Postern zugekleistert war. David H. im Schaumbad, mit einer roten Rose zwischen den Zähnen. Wie unappetitlich. Seit damals haben sich meine Idole verändert, heute bin ich eine Bewunderin von Prinzessin Rania von Jordanien. Weil sie sich als arabische Frau für Frauenrechte und Bildung einsetzt, weil sie intelligent ist, weil sie sich furchtlos mit den Mächtigen anlegt, und – ich gebe es zu – weil sie schön ist. Da werde ich natürlich besonders hellhörig, wenn meine Flughafen-Gspändli von Ranias Besuch in der VIP-Lounge berichten. Die Prinzessin hätte sich ein Süppchen gewünscht, doch dieses war bereits ausgegangen. Weil meine Kollegin sich nicht getraute, der Prinzessin dies zu beichten, nahm mein Kollege die Sache in die Hand. «Your majesty», sprach er sie an, «the soup has ended.»
Ich finde diesen Satz einfach grossartig. «The soup has ended». Das klingt so gewichtig und bedeutungsvoll. Es ist kein banales «die Suppe ist uns leider ausgegangen», es klingt, als wäre es ein bedeutendes Ereignis, ein grosser Moment der Weltgeschichte. Was würde ich dafür geben, mit meinem Idol so einen prinzessinenwürdigen Satz gewechselt zu haben! Die Tochter eines palästinensischen Arztes hat es mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen. Sie ist eben eine Frau, die ganz genau weiss, wo sie ihre Prioritäten setzten muss. Wenn Prinzessinnen so sind wie Rania, will ich auch Prinzessin werden, wenn ich gross bin.
Erschienen im „Stadtanzeiger“, 19.03.2013