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Aus dem Spanischen
von Klaus Laabs und Joachim Meinert
Claassen Verlag München
414 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
ISBN 3-546-00221-0
sFr 37.- , Euro (D) 20.95, Euro (A) 21.60
Der Autor: José Carlos Somoza, geboren in Havanna auf Kuba, lebt seit vielen Jahren in Spanien. Dort hat er sich mit Theaterstücken und Romanen einen Namen gemacht, die alle mit wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden. Das Rätsel des Philosophen ist der erste Roman des Autors in deutscher Übersetzung.
Das Lösen von Rätseln war in der Antike eine beliebte Form der Unterhaltung, die, besonders bei Gelegenheit eines Symposions, dazu dienen sollte, die Geladenen in ein anregendes Gespräch zu verwickeln. Sich einer Denkaufgabe zu widmen, konnte für die Gäste zu einer leidenschaftlichen Aufgabe werden, die sie für Stunden gefangen nahm. Einem passionierten Rätselrater, der sich solche Aufgaben allerdings nicht zur Unterhaltung, sondern professionell stellt, begegnet man in Somozas Roman. Es handelt sich bei erstem Augenschein um einen Kriminalroman, der sich in Athen, zu Lebzeiten Platons abspielt. Herakles Pontor, der Rätselrater, dessen Beruf man in heutiger Zeit Detektiv nennen würde, hat durchaus Merkzeichen wie alle grossen Detektive der Literatur- oder Filmgeschichte: er trägt zwar keinen Trenchcoat und raucht auch keine Zigarre, aber er muss sich, um besser denken zu können, grosse Mengen frischer Feigen zufügen, die er auf der Agora ersteht. Im Nu ist der Leser in die Lebensart der Athener des vierten vorchristlichen Jahrhunderts versetzt: er streift durch die schmalen Gassen der Hafenstadt am Piräus, auf der Suche nach der Hetäre Jasintra, schwitzt mit den Ringkämpfern im gymnásion, ist Zuschauer einer geheimen dramatischen Theateraufführung in einem Athener Privathaus, hat die Ehre, dem berühmten Philosphen Platon “ipsissimo“ in seiner Akademie zu begegnen, ja sogar an einem Gastmahl der Akademie mit dazugehörigem philosophischen Disput teilzunehmen, wird in Riten religiöser Mysterienkulte eingeweiht.
Während sich nun der Leser in den Ablauf der Kriminalgeschichte vertieft, wird er schrittweise in eine zweite Ebene verwickelt, eine zweite Geschichte, die in den Fussnoten des Buches zu lesen ist. Die zweite Ebene gewinnt nur langsam an Bedeutung, gipfelt aber in einem Knotenpunkt, wo die beiden Ebenen ineinander übergreifen.
Der Roman ist brillant konstruiert und
bietet vielschichtige Unterhaltung. Weit mehr als eine spannende und
intelligente Kriminalgeschichte ist er auch Philosophielektion im
Literaturgewand. Keine trockene Abhandlung über Philosophie, sondern in
Romangeschichte und Romanfiguren umgesetzte Philosophie.
Kurz: eine anspruchsvolle und höchst vergnügliche Lektüre. Schade nur, dass in der deutschen Übersetzung an einigen wenigen Stellen sprachlich unpassende Ausdrücke gewählt wurden. Schade auch, dass der Titel in der deutschen Ausgabe nicht näher beim spanischen Original liegt. Der Roman erschien im Jahr 2000 unter dem Titel „La caverna de las ideas“ im Verlag Alfaguana, Grupo Santillana de Ediciones, S.A., in Madrid.
Susanne Cho