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Viele Menschen reagieren auf den Begriff «Cannabis» skeptisch. Das hat doch mit Drogen zu tun … Tatsächlich zählt Cannabis, auch Hanf genannt, zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt und wird neben seiner Funktion als wichtiger nachwachsender Rohstoff für die Textil- und Bauindustrie auch als Rausch- und Arzneimittel verwendet.
Die Hanfpflanze dürfte ursprünglich aus Zentralasien stammen. Heute ist Hanf, auch durch menschliches Dazutun, fast weltweit in den gemässigten bis tropischen Zonen sowohl kultiviert als auch verwildert zu finden. Die Pflanze mit ihren fingerförmig gegliederten Einzelblättern wächst innerhalb eines Jahres vom Sprössling zur blühenden Pflanze heran und erreicht je nach Art eine Grösse von 60 Zentimetern bis zirka respektable acht Metern.
Bereits in der Antike war die Herstellung von Kleidern aus Hanf bekannt, für die Schifffahrt benutzte man Hanf für die Taue und Segel, und schliesslich spielte er eine grosse Rolle bei der Herstellung von Papier. Und natürlich für Haschisch und Marihuana, was Cannabis ziemlich in Verruf und ihm den Ruf als Hippiedroge einbrachte.
Hanf als Droge: Marihuana und Haschisch
Marihuana, auch als Gras oder Weed bezeichnet, besteht aus den Blüten und Blättern der weiblichen Hanfpflanze Cannabis Sativa L, deren Teile getrocknet, zerrieben und zerkleinert werden.
Haschisch, auch bekannt als Hasch, Shit oder Piece, entsteht aus dem Harz, das aus Pflanzenteilen der weiblichen Hanfpflanze gewonnen wird. Sowohl Marihuana als auch Haschisch enthalten Tetrahydrocannabinol (THC), das für die berauschende, das heisst psychoaktive Wirkung verantwortlich ist. Es beeinflusst das Zentralnervensystem und kann zu Bewusstseinsveränderungen führen. Beide gelten wegen ihres THC-Gehalts als Droge, fallen unter das Betäubungsmittelgesetz und sind in der Schweiz verboten. Cannabis ist laut Weltdrogenbericht 2017 mit 183 Millionen Menschen, die es konsumierten, die weltweit meistgerauchte illegale Droge.
Man geht davon aus, dass in der Schweiz mehr als ein Drittel der Personen ab 15 Jahren schon Erfahrung mit Cannabis gehabt haben. 3,1 Personen der Bevölkerung geben einen aktuellen Gebrauch an, was hochgerechnet etwa 230 000 Personen sein dürften, die aktuell Cannabis konsumieren.
Cannabis als Arzneimittel – bis 1950
Die ältesten Aufzeichnungen für die medizinische Nutzung von Cannabis gehen auf ein etwa 4700 Jahre altes chinesisches Lehrbuch zurück, der älteste Marihuanafund datiert auf die Zeit um 700 v. Chr. In einer indischen Schrift finden sich Aufzeichnungen von Anwendungen für medizinische Zwecke bei Epilepsie und Schmerzen. Marihuana und Haschisch wurden in vielen Kulturen in der traditionellen Medizin verwendet, aber auch als Genuss- und Rauschmittel geraucht.
Seit dem ersten Kreuzzug im 11. Jahrhundert ist Cannabis auch in der europäischen Volksmedizin bekannt und wurde in vielen Klöstern rege verwendet. Es wurde bei rheumatischen und bronchialen Erkrankungen und auch als Opiumersatz verschrieben.
Im 19. Jahrhundert wurde Cannabis in Übersee und in Europa für oder gegen fast alles eingesetzt: Migräne, Neuralgie, Krämpfe, Schlafstörungen, allgemeine Schmerzen etc. Cannabispräparate machten in den Vereinigten Staaten bis etwa 1900 rund die Hälfte aller verkauften Medikamente aus. In Europa waren zwischen 1850 und 1950 über 100 verschiedene Cannabismedikamente erhältlich. Wegen Dosierungsschwierigkeiten, paradoxen Wirkungen und der Entwicklung synthetischer Medikamente – 1898 kam das Aspirin auf den Markt – nahmen die Verschreibungen kontinuierlich ab. In den 1930er-Jahren setzte in den USA eine rassistisch gefärbte Propaganda ein, Verbrechen wurden oft mit Marihuana in Verbindung gebracht, Cannabisprodukte galten mehr und mehr als Droge der Schwarzen und mexikanischen Immigranten. Schliesslich wurden sie in vielen Ländern verboten – in der Schweiz im Jahre 1951.
Cannabis als Arzneimittel – heute
Laut BAG ist Cannabis als Betäubungsmittel klassifiziert und daher als Medikament noch immer verboten. Es enthält rund 400 chemische Verbindungen, der wichtigste Wirkstoff von Cannabis ist das psychoaktive THC. Andere Wirkstoffe wie das Cannabidiol (CBD) unterstehen nicht dem Betäubungsmittelgesetz, da sie keine vergleichbare psychoaktive Wirkung haben. Noch ist der Wirkmechanismus von THC nicht vollständig geklärt, doch ist bekannt, dass es schmerzmildernd, muskelentspannend, appetitsteigernd und entzündungshemmend wirkt, zudem erweitert es die Bronchien und hilft bei allergischen Reaktionen.
Laut BAG dürfen in der Schweiz THC-haltige Medikamente nicht verschrieben werden. Einzige Ausnahme ist das rezeptpflichtige Medikament Satifex, das als Mundspray erhältlich ist und bei Patienten mit multipler Sklerose (MS) eingesetzt wird.
Möchte ein Arzt einem Patienten für eine medizinische Behandlung ein Cannabisprodukt verschreiben, muss er eine Sonderbewilligung beim Bundesamt für Gesundheit einreichen, das bestimmte formelle und inhaltliche Voraussetzungen erfüllen muss. Das BAG hält sich streng an die Vorgehen und beurteilt die Gesuche entsprechend.
Krankheiten, bei denen Cannabis helfen kann
2004 wurde in der Schweiz eine Studie durchgeführt (mutiplesclerosisjournal.com), um die Schmerzlinderung bei MS-Patienten zu erforschen. Wie die Resultate der Studie ergaben – übrigens die erste in der Schweiz und eine der wenigen weltweit –, veränderte sich die objektive gemessene Spastizität nicht, die subjektive jedoch schon: Die Patienten fühlten sich besser und konnten nachts besser schlafen. Rund 8000 Personen in der Schweiz sind von MS betroffen. Ausserdem wird Cannabis – immer unter Einhaltung der bundesbehördlichen Vorschriften – eingesetzt bei Lähmungen, Tumoren, Epilepsie, Nervenerkrankung, HIV, bei entzündungsbedingten Schmerzen als Alternative zu Schmerzmittel und Opiaten, bei Appetitlosigkeit, etwa bei HIV oder Krebs, bei Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapien, ALS, Alzheimer, Asthma, Migräne, Morbus-Crohn, Rheuma, Reizdarm, Parkinson etc.
Ärzte verschreiben vermehrt Cannabis
Die Anzahl der Mediziner, die Cannabis verschreiben, steigt langsam, doch sind sie noch eine Minderheit. Die Zurückhaltung in der öffentlichen Meinung und in der Politik ist spürbar. Droge und Medikament müssen jedoch klar getrennt werden, und Missbrauch wird befürchtet. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass ein von steten Schmerzen geplagter Patient nicht den Rausch sucht, sondern Linderung von seinen Beschwerden.
Nicht zu vergessen ist, dass Cannabis kein Heilmittel ist und es lediglich die Schmerzen lindern kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die Reaktion der Patienten auf THC nicht vorhersehbar ist. Trotzdem weisen bisher durchgeführte Studien auf ein arzneiliches Potenzial von medizinischem Cannabis bei gewissen Krankheiten hin, weshalb intensiv geforscht wird.
Veronika Stäheli
Verbot von Cannabis
In der Schweiz ist der Konsum von Cannabis mit einem THC-Gehalt von mindestens einem Prozent grundsätzlich verboten. Seit 2013 wird sein Konsum durch eine erwachsene Person mit einer Busse von 100 Franken bestraft. Der Besitz von bis zu 10 Gramm Cannabis für den eigenen Konsum dagegen ist nicht strafbar (gilt nicht für Minderjährige). Zum Rauchen bestimmte Cannabisblüten mit einem hohen Anteil an CBD und weniger als einem Prozent THC können legal verkauft und erworben werden. (Quelle: Bundesamt für Gesundheit BAG)
Der Anbau von Cannabis mit einem THC-Gehalt bis zu einem Prozent ist in der Schweiz seit 2011 zulässig.
In den meisten Ländern ist der Besitz, Handel und Konsum von Cannabisprodukten wie Haschisch, Marihuana oder Haschöl verboten. Als erstes Land der Welt hat Uruguay 2013 eine vollständige Legalisierung von Cannabis beschlossen, seit 2018 auch Kanada. 10 Staaten der USA haben Cannabis ebenfalls ganz oder teilweise legalisiert.