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Z MAGAZIN: CHINAS ZUKUNFTLABOR
IN SCHANGHAI ERFINDET SICH CHINA TAG FÜR TAG NEU. SEIT DEN NEUNZIGER JAHREN HERRSCHT EINE GOLDGRÄBERSTIMMUNG, WELCHE DIE METROPOLE ZUM HERZSCHRITTMACHER DES MODERNEN CHINA MACHT. EIN AUGENSCHEIN IN DEN TRENDQUARTIEREN HUANGPU UND XUHUI.
Text MARTINA STRUL Fotos SEBASTIAN REMME / REX / DUKAS, MARTINA STRUL, PD
Der Expo-Slogan «Better City, Better Life» versprach 2010 eine bessere Stadt. Inzwischen ist der Traum von einer höheren Lebensqualität in Schanghai Wirklichkeit geworden. Im Zuge der Weltausstellung hat sich Chinas Vorzeigemetropole auf Hochglanz poliert und durch den massiven Ausbau des Metronetzes wurde das Verkehrschaos merklich entschärft.
Die ausgelassene Goldgräberstimmung, die seit den neunziger Jahren das Wachstum der Finanzmetropole vorantreibt, hält an und weckt Erinnerungen an den kometenhaften Aufschwung Schanghais während der Kolonialzeit. Damals wurde das Fundament für das moderne China und zugleich der Grundstein für die heutigen Trendviertel der Stadt gelegt. Nach der Niederlage im ersten Opiumkrieg 1842 wurde die Regierung der Qing-Dynastie zum Handel mit dem Ausland gezwungen. Kolonialherren aus aller Welt liessen sich kurz darauf am Ufer des Huangpu nieder. Eingangs des 20. Jahrhunderts wandelte Schanghai sich von einer unscheinbaren Fischerstadt zu einer Metropole des Orients. Der Handel mit Tee, Seide und Opium verhalf der Hafenstadt bis Ende der dreissiger Jahre zu einem Wohlstand, der spätestens mit der Machtübernahme durch die Kommunistische Partei 1949 in sich zusammenbrach.
Heutzutage erlebt das koloniale Erbe der Stadt eine Renaissance. Das einst von Briten und Amerikanern besiedelte Gebiet am Bund sowie die ehemalige Französische Konzession weiter westlich zählen derzeit zu den hippsten Gegenden der Stadt. Hier verschmelzen chinesischer Alltag und abendländisches Savoir-vivre zu einem Lebensstil, der dem europäischen sehr ähnlich ist. Die Vorstellung eines guten Lebens besteht im heutigen Schanghai darin, die kapitalistischen Freuden des Alltags hemmungslos zu geniessen. Die hohe Dichte an gemütlichen Cafés, schmucken Boutiquen, rustikalen Weinbars und Vintage-Shops in den Trend-Quartieren Huangpu und Xuhui zeigt, wie stark der ausländische Einfluss ist. Ob dieser historisch bedingte Austausch zwischen Ost und West die Stadt auch in Zukunft mitgestalten wird, ist allerdings ungewiss – noch immer scheint der rasche Wandel Schanghais einzige Konstante zu sein.
Hier geht’s zur gedruckten Version und zu den einzelnen Reisetipps: STADTDESTILLAT SCHANGHAI; Z Magazin, NZZ am Sonntag, Juni 2015
Details:
Martina Strul
23. Juli 2015
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Huangpu
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