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Aloëhanf.
(Agavehanf, fr. chanvre d'aloës, engl. Aloe-hemp). Dies Fasermaterial wird gewonnen aus den Blättern einiger in Mittelamerika, Westindien, Südamerika und Ostindien heimischen Arten der Agave, besonders von Agave americana. Letztere Pflanze ist auch bei uns bekannt, da sie vielfach in Gewächshäusern gezogen wird. Ihre Gestalt besteht aus einem Satz bretartiger, mannshoher, graugrüner, mit Stacheln besetzter Blätter, einer riesigen Aloë vergleichbar läßt sich auch im gewöhnlichen Leben als Aloë bezeichnen mit dem Beisatz hundertjährig, weil sie bei uns nur höchst selten einmal ihren prächtigen Blütenschaft treibt. Im südlichen Europa, namentlich Portugal, Südspanien, Sicilien, auch in Algier, ist die Agave so gut wie heimisch geworden; sie dient dort aber hauptsächlich zu Einzäumungen von Grundstücken, welche das Vieh wirksam abhalten; auch die Verwendung zu Tauwerk (aus algierischer Faser) scheint bei den Franzosen neuerdings in Gang zu kommen. In Amerika erhält man Agavepflanzungen zunächst zur Gewinnung des Saftes, welcher nach bald eintretender Gährung ein berauschendes Getränk liefert, das unter dem Namen Pulque von den niedern Volksklassen allgemein konsumiert wird.
Der Saft kann erst erhalten werden, wenn der Blütenschaft, etwa 10 Jahre nach der Pflanzung, anfängt aus der Mitte der Blätterkrone aufzusteigen, man schneidet ihn so tief aus, daß eine Höhlung entsteht, welche man einige Zeit hindurch täglich ausschöpfen kann. Die Agave kommt durch diese Behandlung zum Absterben, nutzt aber noch weiter durch die Fasern, die sich in Unzahl parallel laufend durch die Länge der Blätter ziehen. Um sie frei zu machen, werden die Blätter zwischen Walzen gequetscht, die fleischigen Teile herausgewaschen, die Fasern getrocknet und gekämmt.
Der so gewonnene Stoff heißt in Mexico Pita, in Yucatan Sisal, in Nordamerika Tampico temp, in England flexian fibre oder fl. grass. Auf Cuba und in Brasilien wächst eine der mexikanischen Agave verwandte Art, A. cubensis, die in derselben doppelten Weise, anf (Anmerkung des Editors: richtig: als) Getränk und Faserstoff, benutzt werden soll. Der A. ist gelblichweiß, glänzend, von besonderer Festigkeit und geringem spezifischem Gewicht; er dient besonders zu Schiffstauen, welche viel stärker und elastischer als hänfene sind und nicht geteert zu werden brauchen. In der nordamerkanischen (Anmerkung des Editors: richtig: nordamerikanischen) Marine sind dergleichen Taue sehr allgemein in Gebrauch; auch auf belgischen Schiffen sind sie eingeführt und aus Belgien gelieferte Breitseile sind jetzt auch in westphälischen Kohlen- und Bergwerken statt der Drahtseile in Gebrauch gekommen und gut befunden. Man fertigt aus den Fasern außerdem Packtücher, Kaffeesäcke, Teppiche, feinere und gefärbte Seilerwaren u. s. w., künstlich gekräuselt dient er als Polstermaterial. - Der Hanf ist zollfrei, das Garn daraus, sowie die Gewebe werden wie Leinen nach Tarif Nr. 22 a, b, d u. e 2 verzollt.