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Die vom damaligen NFL-Quaterback der 49er, Colin Kaepernick, initiierte Geste „Take a knee“ im Jahr 2016 ist 2020 auf den Strassen der USA omnipräsent. Die Geschichte von Colin Kaepernick ist bemerkenswert.
Aufgewachsen als Adoptivkind eines weissen Ehepaars, wuchs er in einer von Weissen geprägten, wohlhabenden Umgebung auf. Lilian Thuram, französischer ex-Fussballspieler aus dem Weltmeisterteams von 1998, beschreibt die Situation von Colin anhand seiner eigenen Erlebnisse sehr gut. «Plötzlich erfährst du, dass du schwarz bist». Und das ist Colin tagtäglich widerfahren, wenn er zum Beispiel mit seinen weissen Eltern in einem Hotel gemeinsam ankam und die Leute an der Rezeption ihn fragten, was er denn da wolle.
Colin Kaepernick war übrigens einer der spielerisch komplettesten Quaterbacks in der NFL, aber ein fürchterlich schlechter Kommunikator. Seine Auftritte nach den Spielen vor den Sportjournalisten führten regelmässig zu einem Debakel. Er bewies bis dahin kein Flair im Umgang mit den Medien und wirkte sehr arrogant. Umso erstaunlicher war es, als er sich dazu entschloss, seine Geste publik zu machen. Eine Geste übrigens, die sehr wohl überlegt und vorbereitet war – und grosse Wellen auslöste. Er fand danach in der NFL kein Engagement mehr als Quaterback, wurde aber von Nike als Markenbotschafter engagiert. Die Geste, die 2016 alle empörte und President D. Trump zur Aussage hinriss, er sei ein „Hurensohn“ und gehöre gefeuert, findet vier Jahre später Nachahmung von amerikanischen Senatoren, Polizeichefs und anderen Persönlichkeiten – als Demutbezeichnis vor dem fast endlosen Rassismus in den USA.
23. Juni 2020