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Lavinia Raccanello ist eine italienische Künstlerin und Aktivistin, die mittlerweile in Glasgow (Schottland) lebt. Ihre Arbeit konzentriert sich auf das Verhältnis zwischen Menschen, Gesellschaft und sozialer Gerechtigkeit, wobei das Hauptaugenmerk auf der Kraft dialektischer und partizipatorischer Praktiken liegt. Ausserdem beschäftigt sie sich mit dem Konflikt zwischen Staatsgewalt und persönlicher Autonomie und Verantwortung.
Während ihres Gastaufenthalts im Arc Lavinia arbeitet an einem Projekt über die anarcho-pazifistische Tradition der Schweiz und dabei erforscht das Leben des Schweizer Holzschnittkünstlers Alexandre Mairet (1880–1947). Am Ende dieses ehrgeizigen Projekts entsteht eine «experimentelle» Publikation, die dem Austausch und interdisziplinären Studien im Bereich der Kunst dient: ein Kunstbuch mit Bildungs- und Informationsanspruch, in das andere Disziplinen mit einfliessen.
Der im Kanton Waadt geborene Mairet studierte an der Schule für schöne Künste und Industriedesign in Genf. Während des Ersten Weltkriegs zog es ihn zur Antikriegsbewegung unter der Führerschaft des französischen Schriftstellers Romain Rolland, der sich zum damaligen Zeitpunkt im Exil in Genf befand. Mairet stand unter dem Einfluss von Frans Masereel und schuf mehr als vierzig Holzschnitte für Louis Bertoni, den Gründer von Le Réveil Anarchiste in Genf. Diese Holzschnitte waren Angriffe auf die Arbeitslosigkeit, den Kapitalismus, Religion, Recht und Krieg und stellten Barrikaden und Demonstrationen dar.
Ausgehend von Frank Poppers Idee von Gravur als «privilegierter Ausdrucksmethode in Zeiten von Spannung und Aufruhr», die eine «aussergewöhnliche Ausweitung des Einflusses eines Werks und die Demokratisierung der Kunst» ermöglicht, erforscht Lavinia, wie der Holzschnitt im zwanzigsten Jahrhundert zu einem Sinnbild für Freiheitskämpfe wurde.
2017 arbeitet Lavinia für ihre Residenz mit dem Archiv des CIRA (Centre International de Recherches sur l’Anarchisme) in Lausanne und dem Centro Studi Libertari / Archivio Giuseppe Pinelli in Mailand zusammen. Geprägt von Bertoni und seinen öffentlichen Reden und seiner Zeitung sowie von den Büchern und Menschen, denen sie während ihrer Zeit in den Archiven begegnet ist, arbeitet sie an einem neuen Projekt, das von der Rolle der internationalen anarchistischen Bewegung während der Republik, des Bürgerkriegs und des Franco-Regimes in Spanien inspiriert ist. In ihrem Werk Anarchistes befasst sich Lavinia insbesondere mit den Geschichten von Anarchisten aus Italien und der Schweiz, die während dieser Zeit nach Spanien gereist sind. Besondere Aufmerksamkeit gilt den italienischen, schweizerischen und spanischen Frauen, die damals nicht nur für ein liberales und egalitäres System kämpften, sondern sich auch von der patriarchalischen Gesellschaft emanzipierten.