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NICOLAS STURM & DAS KLINGEN ENSEMBLE
Um den guten, alten Konjunktiv kommen wir auch hier mal wieder nicht herum. Also, was wäre wohl passiert, wenn… wenn dieser deutsche, mit ganz viel Blur, Pulp und Oasis sozialisierte Brit-Pop-Jünger damals tatsächlich ans Liverpool Institute For Performing Arts gegangen wäre? Das harte Bewerbungsverfahren für die renommierte Hochschule, die ein gewisser Sir Paul McCartney 1996 ins Leben rief, hatte er ja erfolgreich überstanden. „Mein Plan war“, erinnert sich NICOLAS STURM „dort zu studieren, in England zu bleiben und vielleicht merkt ja keiner, dass ich Deutscher bin?“ Doch Gespräche mit Studierenden und mit sich selbst nährten denn doch erhebliche Zweifel am Plan. Und so blieb der Jünger lieber daheim und studierte Englisch. Gut so, denn womöglich wäre dieses Album sonst nie entstanden, auf dem NICOLAS STURM jetzt diese deutschen Zeilen singt, die immer wieder hängen bleiben, und dann einfach mal so anglo-amerikanische Referenzen von Bob Dylan bis Buddy Holly dazwischen schiebt, als wäre es das Natürlichste von dieser Welt. Zu entdecken ist hier jedenfalls ein 30-jähriger Sänger und Songschreiber, der mit Selbstmitleid aus dem Zettelkasten nicht viel anfangen kann und aufkeimende Melancholie gerne mal mit ziemlich temporeicher Musik torpediert. Der diesen „Idealist“ vielleicht gerade deshalb so emphatisch besingen kann, weil er selbst doch eher als Realist unterwegs ist. Der das Leben manchem „Schiffbruch“ zum Trotz nicht wesentlich melodramatischer nimmt als es meistens gerade ist, auch wenn sie ihm manchmal eine Straße durchs Herz und ein Hochhaus ins Hirn bauen wollen.