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Die Arbeiten von Teresa Margolles wirken auf den ersten Blick unauffällig, doch die Geschichten, von denen sie erzählen, kreisen auf erschütternd direkte Weise um Tod, Gewalt und soziale Ausgrenzung. Im Zentrum ihrer Kunst steht die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers und die Erinnerung an die oft namenlosen Opfer von Femiziden und von Drogenkämpfen in Lateinamerika.
Teresa Margolles besuchte in ihrer Geburtsstadt Culiácan eine Kunstschule, studierte Kommunikationswissenschaften in Mexiko-Stadt und machte anschliessend eine Ausbildung zur gerichtsmedizinischen Assistentin. Als Künstlerin wurde sie international bekannt, als sie einen tot geborenen Fötus – in Mexiko als Organmüll klassifiziert – in einem Betongrab beerdigte und ausstellte (Entierro, 1999). Bis heute verwendet Margolles für ihre Arbeiten meist Material, das mit Körpern – tot oder lebendig – in Berührung gekommen ist. Im New Yorker MoMA P.S.1 liess sie 2002 Leichenwaschwasser aus der Staatlichen Forensik in Mexiko-Stadt per Vaporisator verdampfen. An der Venedig Biennale 2009 hängte sie mit dem Blut ermordeter Frauen getränkte Tücher in den Mexikanischen Pavillon, in der Berliner DAAD-Galerie flieste sie die Wände mit Kacheln aus dem Lehm vom Grund des Rio Grande, in dem zahllose Menschen auf ihrer Flucht in die USA ertranken. Auch die Arbeiten Carretilleras sobre el Puente Internacional Simón Bolivar (2017) und Estorbo (2019) – beide in der Sammlung der Mobiliar – thematisieren Migration. Sie zeigen junge venezolanische Lastenkuriere und Trägerinnen auf der Grenzbrücke Simón Bolivar, welche die kolumbianische Stadt Cúcuta und St. Antonio in Venezuela verbindet. Während das Gruppenbild eine Performance von «Carretilleras» dokumentiert, die sich weigerten, als Prostituierte zu arbeiten und stattdessen in das von Männern dominierte Kuriergeschäft einstiegen, ist Estorbo Teil einer 90-teiligen Installation über die kräftezehrende Arbeit der Träger. Margolles porträtierte die jungen Männer beim Ausziehen ihrer verschwitzten T-Shirts, sodass man ihr Gesicht nicht erkennen kann, und goss die Shirts in rohe Betonkuben, die sie vor den lebensgroßen Porträtfotos ihrer Träger im Raum verteilte.
Mit dem schonungslosen Realismus ihrer reduzierten Arbeiten ist Teresa Margolles neben Kunstschaffenden wie Santiago Sierra, Francis Alÿs und Mona Hatoum eine der wichtigsten Vertreterinnen des kontrovers diskutierten politischen Minimalismus.
Teresa Margolles, 1963 in Culiacán (MEX) geboren, lebt und arbeitet in Mexiko-Stadt.
Tätigkeitsbereiche: Skulptur, Installation, Video, Fotografie, Performance