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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

2. Vortrag.
7.
Wo aber ist das Licht selbst? „Es war das wahre Licht, welches erleuchtet jeden Menschen, der in diese Welt kommt“. Wenn jeden Menschen, der kommt, dann auch den Johannes. Er selbst also erleuchtete den, von welchem er gezeigt werden wollte. Eure Liebe verstehe. Er kam nämlich zu den matten Geistern, zu den kranken Herzen, zu dem geschwächten Auge der Seele1. Dazu war er gekommen. Und wie konnte die Seele sehen, was auf vollkommene Weise ist? So, wie es häufig vorkommt, daß man an einem [S. 24] beleuchteten Körper die aufgegangene Sonne erkennt, die wir mit den Augen nicht wahrnehmen können. Denn auch die, welche kranke Augen haben, sind fähig, eine von der Sonne beleuchtete und bestrahlte Wand zu sehen, oder einen Berg oder Baum oder etwas Derartiges sind sie zu sehen fähig; und in einem anderen beleuchteten Körper zeigt sich ihnen als aufgegangen die Sonne, für deren Anblick sie noch keine geeignete Sehkraft haben. So also waren alle jene, zu denen Christus gekommen war, noch nicht ganz fähig, ihn zu sehen; er bestrahlte den Johannes, und durch ihn, der bekannte, daß er bestrahlt und erleuchtet sei, selbst aber nicht bestrahle und erleuchte, wurde jener erkannt, welcher erleuchtet, wurde jener erkannt, welcher erhellt, wurde jener erkannt, welcher erfüllt. Und wer ist dies? „Der jeden Menschen erleuchtet“, sagt er, „der in diese Welt kommt“. Denn hätte er sich von dort nicht entfernt, so hätte er die Beleuchtung nicht nötig; aber darum bedarf er hier der Erleuchtung, weil er von dort sich entfernt hat, wo der Mensch immer erleuchtet sein konnte.
1: Ad aciem animae lippientis.