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Die Biographie des Glaskörpers
Die "Goldmann Lecture", gehalten am 100. Jubiläum der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2007
Der Glaskörper ist ein seltsames Gebilde. Funktionell ist er ein Hohlraum, dessen Aufgabe es ist, ein Hohlraum zu bleiben. Aber dennoch ist der Glaskörper keine eigentliche Körperhöhle. Er ist vielmehr ein eigenständiges Gewebe, das, obwohl zu über 99% aus Flüssigkeit bestehend, dank seinem geringfügigen Anteil an Festsubstanzen die Eigenschaften eines Körpers erhält.
Die Körperlichkeit des Gewebes wirkt zum einen als Barriere, die im Normalfall die Invasion von fremden Zellen verhindert und in pathologischen Fällen deren Ausbreitung auf anatomisch determinierte Bahnen beschränkt. Zum andern wirkt das Gewebe als Überträger mechanischer Kräfte, die sich im Normalfall gleichmässig über die ganze Netzhautinnenfläche verteilen, in pathologischen Fällen jedoch lokalisiert die Netzhaut angreifen.
Das Glaskörpergewebe spielt somit sowohl eine passive Rolle (als Inhibitor bei Aggressionen aus der Umgebung), als auch eine aktive Rolle (indem es selbst zum Aggressor wird). Bei der Erfüllung dieser Rollen haben die Entwicklungsstadien des Gewebes im Laufe des Lebens einen grossen Einfluss, und dies ist der Grund, sich mit ihnen hier zu befassen.
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