Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03200.jsonl.gz/2419

| Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)

1. Buch
Inhalt
Augustinus verbreitet sich zunächst über die Aufgabe seines gesamten Traktates, die vor allem in der Auffindung der Lehre der Heiligen Schrift und sodann in der Art der Darlegung der erkannten Lehre bestehen soll, und teilt den Stoff des ersten Buches in die Lehre von den Sachen und von den Zeichen. Die Sachen selbst sind entweder zum Genusse oder zum Gebrauche bestimmt. Zum Genusse sind jene bestimmt, die man um ihrer selbst willen lieben soll, zum Gebrauche jene, die den Gebrauchenden und Genießenden zur Erlangung der zum Genusse bestimmten Dinge verhelfen sollen (1—4). Zum Genusse nun ist der dreieinige Gott bestimmt, der zwar unergründlich in seinem Wesen, aber gleichwohl das höchste Gut ist, die unveränderliche Weisheit, die vor aller veränderlichen den Vorzug verdient (5—9). Zur Erkenntnis und zum Genuß Gottes muß der Mensch eine reine Seele haben; diese wurde gereinigt durch die Menschwerdung der unveränderlichen Weisheit (10—13). Der Glaube an diese Weisheit gründet sich auf Christi Auferstehung und Himmelfahrt; er lebt fort in seiner Kirche, die er als seinen Leib durch Prüfungen reinigt, deren Glieder er durch die der Kirche übertragene Schlüsselgewalt von Sünden befreit (14—17). Nach dem Tode gibt es eine Auferstehung der Guten und der Bösen (18—19). Die Vorbedingung für eine glorreiche Auferstehung ist die Beobachtung der Liebe Gottes und des Nächsten. Die Selbstliebe ist selbstverständlich; es kann sich jedoch der Mensch in verkehrter Weise selbst lieben, und in diesem Falle wird er von seinem Leibe bestraft. Aber er haßt gleichwohl seinen Leib nicht, selbst wenn er ihn züchtigt, weil die Liebe zum Leibe eine höhere Liebe nicht ausschließt (20—24). Gott und den Nächsten zu lieben mußte dem Menschen positiv geboten werden. Dieses positive Gebot der Liebe ist in der rechten Ordnung zu bewahren, und wir haben zu wünschen, daß auch unsere Nächsten, die Mitmenschen und die Engel, Gott lieben (25—30). — Gott genießt uns nicht, sondern gebraucht uns zu seinen Zwecken; der Weg zu Gott ist Christus (31—34). Das sind die hauptsächlichsten Sachen, die den Inhalt der Heiligen Schrift bilden. Da die Liebe Ziel und Fülle des Gesetzes ist, erscheint selbst eine falsche Schriftauslegung, soferne sie die Liebe fördert, nicht als verkehrt; sie soll jedoch verbessert werden. Die Liebe selbst bleibt immer (35—38). Ein mit Glaube, Hoffnung und Liebe ausgerüsteter Mensch braucht keine Schrift; er ist indessen der beste Leser der Schrift (39 und 40).