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Mein Freund trink täglich Alkohol
Guten Tag
Leider weiss ich nicht genau wie ich anfangen soll zu schreiben. Mein Freund, mit dem ich knapp ein Jahr zusammen bin, trink täglich Alkohol. Am Anfang unserer Beziehung habe ich das tägliche trinken nicht als schlimm empfunden. (vielleicht weil wir uns nicht jeden Tag gesehen haben)
Mittlerweile ist dies für mich so ein Problem, dass ich mich mit ihm gar nicht mehr treffen möchte, wenn er schon getrunken hat.
Ich habe mit ihm schon mehrmals ein Gespräch gesucht. Es dauerte sehr lange bis er sich überhaupt eingestanden hat, dass er ein Alkoholproblem hat.
Als ich ihn kennengelernt habe, waren das pro Tag 7 bis 8 Bierbüchsen.
Als ich ihm nach einem Streit wegen Alkohol mit der Trennung gedroht habe, wollte er von sich aus die Menge von 8 auf 4 reduzieren. Dies ist ihm leider nicht gelungen.
Zudem kam es oft vor, dass er von mir wollte, seine Familie anzulügen. Er sagte, falls mich jemand wegen der Menge frage, solle ich mit 2 Bierbüchsen antworten. Was ich natürlich nicht tat.
Nach einer Weile kam er mit dem Vorschlag, dass er nach Silvester unter der Woche kein Alkohol mehr konsumieren wird. Dies hat natürlich auch nicht geklappt.
Ich weiss überhaupt nicht, wie ich mit diesem Problem umgehen soll. Ich habe auch schon probiert mit seiner Familie zu sprechen. Sein Bruder meinte, ich solle ihm dies gar nicht erzählen, da er seinen Bruder so akzeptiert wie er ist.
Seine Mutter hat sein Problem nicht ernst genommen. So wie ich mitbekommen habe, hat sein Vater schon seit seiner Kindheit ebenso ein Alkoholproblem. Und laut seinen Aussagen wollte er nie wie sein Vater sein. (Ist er nun bereits)
Ich habe auch versucht mit seinen Freunden, die ich kenne, über sein Problem zu sprechen. Leider wurde ich auch von ihnen nicht genug ernst genommen. Sie haben nur gesagt, ja sie wissen, dass er ein Alkoholproblem hat.
Da er auch psychisch nicht stabil ist, muss er jeden Tag Antidepressiva nehmen. Er ist nicht mehr bei einem Psychiater in Behandlung.
Zudem wird der jeden Tag vergesslicher.
Ich mache mir grosse Sorgen um ihn und weiss nicht wie ich mich verhalten soll.
Guten Tag
vielen Dank für ihre Frage hier bei alcorisk. So wie sie die Situation schildern, haben sie gute Gründe sich Sorgen um ihren Freund zu machen. Dies aus verschiedenen Gründen. Ich möchte hier mit den Medikamenten beginnen; Psychopharmaka – aber grundsätzlich gilt das für alle Medikamente – und Alkohol zu „mischen“ ist immer eine äusserst schlechte Idee. Die Gefahr der (ungewollten) Wechselwirkungen ist einfach zu gross und macht es in seinem Fall wohl auch nicht möglich seine psychischen Probleme richtig anzugehen. Zudem helfen Medikamente allein meist nicht, es braucht eine Begleitung/Therapie durch Fachpersonen.
Sein Konsum ist von einem „normalen Konsum“ weit entfernt und mit täglich 3.5 – 4 Liter Bier hat er definitiv ein Alkoholproblem. Das scheint ja auch sein Umfeld zu wissen, doch entweder interessiert es sie nicht oder sie verharmlosen es. Schade, aber so bekommt er von dieser Seite natürlich auch nicht den (meist notwendigen) Druck etwas zu verändern, sondern seine Sucht wird als gegeben hingenommen. Ob das noch etwas mit „Akzeptanz“ zu tun hat, bezweifle ich, das klingt oder doch eher nach Resignation und ihn „seinem Schicksal“ überlassen.
Schön, dass sie sich da für ihren Freund einsetzen und versucht haben auch sein Umfeld zur Mithilfe zu bewegen, leider ohne Erfolg. Ich finde es auch sehr gut, dass sie nicht für ihn lügen und seinen Konsum „schön reden“, wenn er nicht zu seinem Konsum stehen will/kann ist das eine Sache, aber sie müssen dieses Theater sicherlich nicht mitspielen. Dass er es leider nicht geschafft hat seinen Konsum deutlich zu reduzieren ist für mich auch ein Zeichen, dass er externe Unterstützung benötigt. Das dies kein leichter Schritt für ihn ist kann ich verstehen, aber das ändert nichts daran, dass er sich selber wohl kaum mehr aus seiner Sucht befreien kann.
Ich mache ihnen Mut sich als nächsten Schritt – nachdem sie sich hier gemeldet haben – bei einer Fachstelle zu melden. Wir beraten auch die Angehörigen und ich erlebe es immer wieder, dass dieser Schritt der Angehörigen, sich Unterstützung zu holen, auch positive Veränderungen bei den Betroffenen auslöst. Auf sein Umfeld würde ich da aber vorerst nicht bauen, vielleicht werden sie in einer späteren Phase eine Stütze für ihn.
Liebe Grüsse
Mike