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Johannes Kepler, 27. Dezember 1571, Weil-der-Stadt, 48°45’N, 8°53’E, 14.30 Lokalzeit
Horoskop
Wir finden als erste nennenswerte Auslösung im 3.Lebensjahr die Überquerung des Mondes in 12 als Herrscher von 2 (und 3). Der Knabe erkrankt an den Blattern, hat von da an ein Augenleiden, das ihn ständig begleiten wird (Kurzsichtigkeit); gleichzeitig machte sich die Mutter auf, um nach überstandener Pesterkrankung (!) ihrem Gatten ins Kriegs- und Wanderleben zu folgen, nachdem die Kinder den Grosseltern überantwortet worden waren. Nach zwei Jahren kehren die Eltern wieder zurück. Der Vater ist getrieben von ständiger Unruhe (in J.K.’s Radix: Neptun am Aszendent, Neptun Spiegelpunkt Mars, Mars Quadrat Uranus, Uranus als Herrscher von 10 bei Sonne) und tritt, sobald er in Leonberg ein Haus erstanden hat, wohin die Familie 1576 zieht, wieder in Söldnerdienste, wo er knapp dem Galgen entrinnt.
Interessant ist die Auslösung von Merkur-Uranus im unteren Rhythmus: Keplers Mutter führt ihn an einem Abend auf einen Hügel, von dem aus sie den grossen Kometen des Jahres 1577 sehen können!
Wie Mars über Neptun ausgelöst wird, stirbt sein Vater (1590). Von da an scheint diese Mars-Neptun-Konstellation Kepler zu begleiten wie ein Schatten: ständige Ortswechsel, Flucht und Verbannung werden immer wieder in seinem Leben erscheinen. 1600 zum Beispiel musste er Graz verlassen („endgültige Verbannung“), wo er seit 1594 als Professor für Mathematik an der Landschaftsschule gewirkt hatte. Mitsamt seiner Frau Barbara flieht er nach Prag (sie hatten 1597 geheiratet). Wie im unteren Rhythmus Mars in 5 überquert wird (1602), kommt seine erste Tochter zur Welt.
1604 erscheint „Astronomiae Pars Optica“ (Der optische Teil der Astronomie), bei der Überquerung der Venus resp. bei der Hauptauslösung von Merkur-Uranus im unteren Rhythmus, porträtierend die Bereiche des siebten und achten Hauses, wo das Optische als Bilderforschung und Insbildsetzung vorliegt. Durch Kepler erfährt dieser optische Bereich eine enorme Erweiterung.
|Uranus steht als Herrscher von 10 in 7, Jupiter als Herrscher von 7 in 11, bei Pluto.Zwischen der Sonne- und Uranus-Überquerung, also an der Spitze des achten Hauses, wütet in Prag die Pest, vor der er wiederum fliehen muss. Wie er 36 Jahre alt ist, findet eine Doppelauslösung statt, Uranus wird im oberen Rhythmus überquert, Saturn im unteren. Die Bedingungen sind erschwert (Saturn in 6), vor allem bezüglich der Verankerung (immer um den Phasenwechsel herum wird Neptun mitausgelöst, am AC als konkrete Auflösung des Reviers).|
1612 (Hauptauslösung des Saturn in 6) stirbt Rudolf II., bei dem Kepler Hofmathematiker ist.
Ein Jahr zuvor stirbt seine Frau. Wiederum wird er zur Übersiedlung gezwungen, diesmal nach Linz. Kurz vor dem 42.Geburtstag heiratet er zum zweiten Mal (im unteren Rhythmus Hauptauslösung von Pluto und Jupiter als Herrscher von 6 und 7).
Mit 48 Jahren, bei der zweiten Doppelüberquerung von Saturn und Uranus, kurz vor der Überquerung der Sonne als Herrscherin von 4 in 8 (!), befindet sich der Hexenprozess gegen seine Mutter auf dem Höhepunkt! Er steht ihr mehrmals bei, bis sie 1621 nach 14 Monaten Gefängnis freigesprochen wird.
Zuvor, bei der Überquerung von Merkur-Uranus, erscheint „Epitomes Astronomiae Copernicanae“ (Grundriss der kopernikanischen Astronomie). Das Werk wird vom Vatikan verboten.

1626 wird Linz von Bauern belagert. Kepler sieht sich unter dem Druck der Gegenreformation gezwungen, die Stadt zu verlassen. Es folgen zwei unruhige Wanderjahre, entsprechend der Überquerung von Mars (1626) und der Mitauslösung von Neptun (1628) als Phase der Raumlosigkeit – zum letzten Mal jedoch. Danach lässt er sich mit Hilfe Wallensteins, dem berühmten Feldherrn und Staatsmann, für die letzten beiden Jahre seines Lebens in Schlesien nieder, vereinsamt, gleichsam abgekoppelt. Er stirbt 1630.
Kepler betrieb auch Astrologie – sie war damals als Wissenschaft genauso akzeptiert wie die Astronomie, die beiden Wissensgebiete waren noch nicht voneinander getrennt worden.
1608 stellte Kepler für Wallenstein das Horoskop. Er schrieb unter anderem:
„Solchergestalt mag ich von diesem Herrn in Wahrheit schreiben, dass er ein wachendes, aufgemuntertes, emsiges, unruhiges Gemüt habe, allerhand Neuerungen begierig, dem gemeines menschliches Wesen und Händel nicht gefallen, sondern der nach neuen, unversuchten, oder doch seltsamen Mitteln trachtet, doch viel mehr in Gedanken habe, als er äusserlich sehen und spüren lasse. Denn Saturnus am Aufgange machet (...) alles argwöhnisch oder verdächtig, was Gott oder die Menschen handeln, als wenn es lauter Betrug und viel ein anderes dahinter wäre, denn man vorgibt.
|Keplers Sphärenklänge|
Jahre später, nach einer Revision des Wallensteinschen Horoskopes (Kepler berechnet nach einem neuen Modus), bemerkt er:
„Der Geborene und andere, mit welchen er es zu tun hat, tun viel und fangen viel aus freier Willkür an, was sie wohl auch hätten unterlassen können und wozu sie vom Himmel nicht gezwungen wären. Dadurch aber befördern oder verhindern sie natürliche Zufälle, sodass sie ihre himmlische Zeit, Mass und Particularität nicht erreichen...“
„Die Philosophia und also auch die wahre Astrologia ist ein Zeugnis Gottes und also ein heilig und gar nicht ein leichtfertig Ding. Das will ich für meinen Teil nicht verunehren.“
(Quelle: rororo-Bildmonographien)
Mehr Angaben, v.a. zu seinen Arbeiten und
Erkenntnissen:
http://www.sternwelten.com/hor-kepler.shtml
Copyright 1992/2002 Christian Frei