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Crazy Brave – A memoir
Joy Harjo
New York: Norton; 2012
Joy Harjo, née en 1951 en Oklahoma, est une écrivaine, professeure et poétesse, d’origine Muscogee/Creek. Elle a enseigné dans plusieurs universités. Ses contributions majeures lui ont valu de nombreuses distinctions. Elle s’est engagée toute sa vie pour les Premières Nations dont elle fait partie, en prenant aussi une dimension politique.
Ce livre relate sa vie d’enfant et de jeune femme. Personnalités amérindiennes, ses parents se séparent tôt et sa mère épouse un Blanc autoritaire. Harjo a la chance d’entrer à l’Institute of American Indian Arts de Santa Fé, puis étudie aux Alma Mater du Nouveau Mexique et de l’Iowa. Elle a un enfant à 18 ans, un second plus tard, de pères différents, et les élève en «single mother» tout en menant une vie d’étudiante très active. Vie marquée aussi par les «parties», l’alcool, la drogue, la violence masculine et la précarité. Mais elle s’en sort, obtient des aides, fait des études fructueuses.
Harjo offre un récit très fort. Au-delà de l’attachante description de la jeunesse étudiante dans les années 1960 aux USA, particulièrement dans un milieu «native», on sent chez l’auteure une force hors norme: de grande résilience d’abord, d’empathie, d’appartenance – avec une touche de légèreté.
Les pages se tournent avec plaisir, marquées par la composante poétique qui s’affirme à mesure qu’on avance. Elle parle à plusieurs reprises de «the Knowing», sorte de «savoir», de lumière qui infuse en elle, depuis ses racines, dans des moments importants. D’autres épisodes sont nettement plus terre-à-terre ... et édifiants. Quand, lors du dernier contrôle médical de sa première grossesse, on lui demande si elle souhaite être stérilisée en disant que le postpartum est le meilleur moment pour le faire, elle refuse, «sauvée» par sa maîtrise de l’anglais. D’autres ont été stérilisées à leur insu.
Je recommande vivement ce livre, traduit en français en 2020 sous le même titre.
Dr méd. Jean Martin,
membre de la rédaction
jean.martin[at]saez.ch
Heilung deuten. Religionshybride Deutungen im alternativmedizinischen Kontext
Paula Stähler
Bielefeld: transcript; 2021
Was ist eigentlich Heilung? «Bloss» das erfolgreiche Ergebnis einer medizinischen Therapie? Für die Heilpraktikerin Katja ist Heilung «eine Balance von Körper, Geist und Seele». Ihr alternativmedizinisches Angebot richtet sich an Menschen, die nicht nur körperlich therapiert werden wollen, sondern auch herausfinden wollen, welchen Sinn ihr Leben hat.
Für ihre Dissertation Heilung deuten hat die Theologin Paula Stähler mit Heilpraktikerinnen wie Katja gesprochen, mit Personen, die Reiki praktizieren, homöopathische Mittel verabreichen oder mit Hilfe energetischer Felder Heilung herbeiführen wollen. Die Autorin hat in Interviews und mit Hilfe von teilnehmenden Beobachtungen herausgefunden, dass sich medizinische und religiöse Deutungsangebote überlagern, wenn die alternativmedizinisch Praktizierenden zum Beispiel vorschlagen, krankmachende Energieknoten zu lösen, indem der Kehlkopf massiert wird.
Paula Stähler gibt einen umfassenden Überblick darüber, dass im alternativmedizinischen Bereich nicht nur Globuli verabreicht, sondern auch Sinnkonstruktionen und Lebensorientierung vermittelt werden. Ihre Ergebnisse sind für die Theologie und Religionswissenschaften relevant, weil alternativmedizinische Angebote mit ihren religionsähnlichen Deutungen immer attraktiver werden. Doch auch für Medizinerinnen und Mediziner lohnt sich die Lektüre der Dissertation. Denn das Projekt verdeutlicht, dass sich ein wachsender Teil der Patientinnen und Patienten mehr wünscht als rein körperliche Diagnosen und Therapien – und deshalb mit den unterschiedlichsten körperlichen Leiden wissenschaftlich nicht fundierte Angebote wahrnimmt.
Eva Mell, Managing Editor der Schweizerischen Ärztezeitung
eva.mell[at]emh.ch
Projekt Lightspeed. Der Weg zum BioNTech-Impfstoff – und zu einer Medizin von morgen
Joe Miller mit Özlem Türeci und Uğur Şahin
Hamburg: Rowohlt;
2021
Der erstaunliche Name Projekt Lightspeed für ein medizinisches Projekt, das die Bekämpfung einer Pandemie zum Ziel hat, erklärt sich leicht: es gelte, «so rasch voranzuschreiten, wie es die Gesetze der Physik erlauben». In diesem sehr spannend geschriebenen Buch über die Genese eines mRNA-Impfstoffs geht es von der ersten bis zur letzten Seite um ein Rennen gegen die Zeit: in der Auswahl einer geeigneten mRNA-Plattform, im Dialog mit den Behörden, bei der Beschaffung von Material oder in der Auswertung der Daten nach den vorgeschriebenen Testphasen.
Die Grundlage grosser Erfahrung mit mRNA-basierten Arzneimitteln für Krebspatientinnen und -patienten bildet den Hintergrund des Projektes, aber es sind indes Tugenden wie Voraussicht, Beharrlichkeit, Vertrauen, Überzeugungskraft und nicht zuletzt viel Risikokapital, die den Erfolg bringen.
Natürlich ist es auch die Geschichte eines zunächst unbekannten deutschen Start-up-Unternehmens, das mit seiner 43 000 Teilnehmende umfassenden Phase-III-Studie zu einer der grössten jemals durchgeführten Studien am Menschen wurde.
Dem Buch ist eine zeitnahe zweite Auflage zu wünschen, in der unvollständig gebliebene Sätze im Text ergänzt werden und das leider katastrophal editierte Literaturverzeichnis gründlich überarbeitet wird; trotzdem: eine unbedingte Leseempfehlung!
Prof. Dr. Mathias Seifert,
Hochschule Fresenius
mathias.seifert[at]hs-fresenius.de
Eine Geschichte der Welt in 100 Mikroorganismen
Florian Freistetter, Helmut Jungwirth
München: Carl Hanser; 2021
Curvularia protuberata, Halomonas titanicae, Nosema bombycis. Dies sind bloss drei Protagonisten, welche nicht nur in diesem Buch, sondern in irgendeiner Form auch in unserem Alltag eine Rolle spielen. Der Astronom Florian Freistetter und der Biologe Helmut Jungwirth nehmen die Leserinnen und Leser in ihrem kürzlich erschienenen Buch mit auf eine Weltreise unters Mikroskop.
Dabei legen die beiden Wissenschaftler den Fokus jedoch nicht auf Mikroorganismen, die Krankheiten verursachen. Vielmehr erklären die beiden anhand 100 locker flockig geschriebener Porträts ausgewählter Mikroorganismen, wie stark das Leben auf unserem Planeten nicht bloss von Viren und Bakterien, sondern auch von Algen, Pilzen und Archaeen beeinflusst wird und wie sehr diese kleinen Wesen die Geschichte der Welt mitprägten und mitprägen – von der Architektur, Kunst und Religion bis hin zum Wintersport. Denn: Auch beim Einsatz von Schneekanonen kommen solche Winzlinge zum Einsatz. Die dem Wasser beigemischten Pseudomonas syringae dienen als Kristallisationskeime, damit auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt Schnee erzeugt werden kann.
Die Lektüre dieses Buches löste bei mir Gefühle aus, die ich als Kind beim Spielen mit meinem Chemiekasten verspürte: Neugier, Faszination und Ehrfurcht gegenüber den kleinen Dingen, dank denen Grosses entsteht.
Matthias Scholer,
Chefredaktor SÄZ
matthias.scholer[at]emh.ch
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