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Die globale Verbreitung des Englischen als Katalysator neuer Machtdynamiken in mehrsprachigen Organisationen
Dissertationsprojekt von Claudine Gaibrois
Die mit der Globalisierung einhergehende Verbreitung des Englischen in der internationalen Geschäftswelt hat in der Organisationsforschung ein neues Interesse an Sprache geweckt. Bis jetzt haben jedoch die Konsequenzen dieser „Englishization“, wie Dor (2004)* den Prozess passend bezeichnet, auf der Ebene der Machtbeziehungen in Organisationen nur geringe Aufmerksamkeit erhalten. Es wurden wenig empirische Studien durchgeführt; und auf der theoretischen Ebene fehlt es an differenzierten Konzepten zur Analyse dieser politischen Dimensionen.
Dieses Dissertationsprojekt hat daher zum Ziel, die politischen Aspekte des zunehmenden Gebrauchs des Englischen in der internationalen Geschäftswelt auf der Ebene von Organisationen vertieft zu untersuchen. Die globale Verbreitung des Englischen wird hierbei als Katalysator für die Entstehung und den Wandel von Machtdynamiken in Unternehmen mit Angestellten unterschiedlicher sprachlicher Herkunft betrachtet.
In einer diskursanalytischen Perspektive wurde in zwei mehrsprachigen Unternehmen in der Schweiz eine empirische Studie durchgeführt. In beiden Firmen beschrieben Angestellte mit unterschiedlichem Hintergrund bezüglich Sprache, Alter, Gender, hierarchischem Status etc. in halb-strukturierten Interviews ihren Sprachgebrauch im Alltag. Die Interviews werden auf der Basis der Machtkonzepte des französischen Diskursanalysten Michel Foucault und der auf seinen Werken basierenden Foucaultschen Diskursanalyse analysiert.
Die Analyse von Machtaspekten in Diskursen über den Sprachgebrauch in mehrsprachigen Organisationen fokussiert auf die Entstehung neuer und den Wandel bestehender Machtbeziehungen, die auf die Konsequenzen der „Englishization“ zurückgehen; auf die Regeln für den Ein- und Ausschluss, die Diskurse über den Sprachgebrauch produzieren und auf den Zusammenhang zwischen bestehenden Machtbeziehungen in Organisationen und Diskursen über den Sprachgebrauch.
Claudine Gaibrois stiess 2008 zum Team des Forschungsinstituts für Organisationspsychologie - als Doktorandin und als Projektmitarbeiterin im Forschungsprojekt “Sprachlandschaften. Sprachenvielfalt in Unternehmen in der Schweiz” von OPSY-Leiter Prof. Chris Steyaert. Dieses wurde im Rahmen des Forschungsprogramms „Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz“ des Nationalfonds durchgeführt.
Sie verfügt über einen lic.phil.-Abschluss in Politikwissenschaften, Geschichte und Deutscher Literatur der Universität Zürich und über einen Master of Advanced Studies (MAS) in Interkultureller Kommunikation der Universität Luzern. Daneben hat sie langjährige und breitgefächerte praktische Erfahrung im Radio- und Printjournalismus erworben, teilweise in einer Führungsposition. Claudine Gaibrois ist zudem als Moderatorin öffentlicher Anlässe und Podiumsdiskussionen tätig.
* Dor, D. (2004). From Englishization to imposed multilingualism: Globalization, the internet, and the political economy of the linguistic code. Public Culture, 16(1): 97-118.