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Luzia Raemy war das jüngste der acht Kinder des Bernhard und der Serafine Raemy und kam am 27. November 1911 im Telmoos in Plaffeien zur Welt. Ihr ganzes Leben verbrachte sie am selben Ort. Nach der obligatorischen Schulzeit stand sie zu Hause den Eltern zu Diensten. Nachdem die Familie ihren Vater verloren hatte und alle Geschwister nach und nach ausgeflogen, bzw. ins Kloster eingetreten waren, blieben die Schwestern Viktorine und Luzia zu Hause, um sich ihrer Mutter anzunehmen und sie zu pflegen. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1949 war es ihnen dann nicht mehr beschieden, eine eigene Familie zu gründen und so teilten sie denn auch fortan ihr gemeinsames Leben.
Wie viele andere Leute des Sensebezirks war Luzia lange Jahre als Fabrikarbeiterin tätig. Mit dem Arbeiterbus fuhr sie täglich nach Bern in die Melassen- und Konfitürenfabrik Véron. Später wechselte sie in die Schokoladenfabrik Villars in Freiburg. Zusammen mit Viktorine, der gelernten Damenschneiderin, bedienten sie eine treue Kundschaft. Auch diese Aktivität, die sie teils als Nebenverdienst, dann sogar ganzzeitlich betrieben hatte behielten sie jahrelang bei, was ihnen ein bescheidenes Einkommen sicherte. Luzia nahm dann noch einmal eine Fabrikarbeit an, in der Hemdenfabrik Rudin im Bühl.
Sie war stets aktiv und gesellig, lachte gern und wusste muntere Anekdoten zu erzählen. Sie unterhielt einen regen Kontakt mit allen ihren Verwandten und Bekannten. So berichtete sie immer mit Stolz und Genauigkeit, auf welchem Teil der Erde jeder von ihren Grossneffen gerade war und wie es ihm dort ging. Ihre Gesundheit verursachte ihr fast andauernd Schwierigkeiten, unzählige Nächte durchwachte sie, erduldete kürzere und längere Krankheiten, in den letzten Jahren auch schwerere Gebrechen und Unfälle.
Nur dank der aufopfernden Umsorgung ihrer Nachbarinnen, insbesondere von Christine Zurkinden und Lucie Ellena, welche ihr jahrelang den Haushalt besorgten und das Essen zubereiteten, war es möglich, dass sie zu Hause blieb. Sie, die sich immer gewehrt hatte, ihr Heim zu verlassen, musste aber im Sommer 1999 ins Spital. Die notwendigen Kräfte kehrten nicht mehr zurück und sie fand Aufnahme im Altersheim Bachmatte und anschliessend im Pflegeheim Tafers, wo sie ihre letzten Monate verbrachte, zufrieden und geborgen, in geduldiger Gelassenheit und Dankbarkeit. Sie starb am 3. Januar 2000. Der Herr schenke ihr die ewige Ruhe.