Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03428.jsonl.gz/493

Dank ihrer vom Festland isolierten Lage konnte sich auf der Insel Madagaskar eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickeln. So sind 90% aller Tier- und Pflanzenarten, die auf Madagaskar leben, nur hier zu finden und nirgendwo sonst auf der Erde. Bei Tieren und Pflanzen, die örtlich begrenzt auftreten, spricht man auch von endemischen Arten. Sehr viele endemische Arten finden sich z. B. auch in Australien.
Ein grosser Teil der Pflanzenwelt auf Madagaskar ist endemisch
Madagaskar ist die Heimat von mehr als 12.000 Pflanzenarten, und 70 bis 80% davon sind endemisch! Auf Madagaskar gibt es so viele verschiedene Pflanzen, dass auf einer Fläche von zehn mal zehn Metern über 100 verschiedene Pflanzenarten wachsen.
Einer der bekanntesten Bäume auf Madagaskar ist der Baobab-Baum (auch Affenbrotbaum genannt). Baobabs kommen vor allem in den trockeneren Teilen von Madagaskar vor, aber auch auf dem afrikanischen Festland. Ihre Besonderheit ist, dass sie grosse Mengen von Wasser in ihren bauchigen Stämmen speichern können. In der Trockenzeit verliert der Baum seine Blätter und lebt von den Wasserreserven im Inneren.
Eine auf Madagaskar endemische Pflanze ist Ravenala. Ravenala wird auch „Baum der Reisenden“ genannt und ist das Nationalemblem Madagaskars. Die Ravenala-Pflanze kann eine Grösse von bis zu 15 Metern erreichen, und ihre Laubblätter werden bis zu drei Meter lang. Der Name „Baum der Reisenden“ kommt daher, dass sich am Blattansatz der Pflanze Regenwasser sammeln kann. Wenn man diesen Blattansatz ansticht, erhält man bis zu einem Liter Wasser daraus. Dieses Wasser kann von durstigen Reisenden getrunken werden –daher die Namensgebung.
Die wohl bekannteste endemische Tiergruppe auf Madagaskar sind die Lemuren, früher auch „Halbaffen“ genannt. Die meisten Lemuren leben auf Bäumen und sind Pflanzen- oder Allesfresser. Lemuren sind nachtaktive Tiere, was durch ihre charakteristischen grossen Augen deutlich wird.
Ausserdem gibt es zwei Lappentaucher-Arten, die nur auf Madagaskar heimisch sind oder waren. Weltweit gibt es zwar 22 verschiedene Lappentaucher, zu denen beispielsweise auch der bei uns bekannte Haubentaucher gehört. Der Madagaskar-Zwergtaucher ist jedoch, wie der Name bereits sagt, auf Madagaskar endemisch und wird als gefährdet eingestuft. Die zweite madagassische Lappentaucherart war der Delacour-Zwergtaucher, der seit Ende des 20. Jahrhunderts ausgestorben ist.
Die Isolation vom Festland hat auch dazu geführt, dass ganze Tier- und Pflanzengruppen, die es auf dem afrikanischen Kontinent gibt, nicht auf Madagaskar vorkommen. So finden sich auf Madagaskar zum Beispiel keine Raubtiere wie Löwen oder Leoparden. Die einzigen Raubtiere, die es auf Madagaskar leben, sind acht Arten von miteinander verwandten „Madagassischen Raubtieren“. Ausserdem gibt es auf Madagaskar auch keine Affen oder Giftschlangen.
Warum wird der Regenwald von Madagaskar abgeholzt?
Madagaskar war vor dem Eintreffen der ersten Siedler fast komplett bewaldet, und Tiere und Pflanzen konnten sich dort ungestört entwickeln. Nachdem die ersten Siedler auf Madagaskar angekommen waren, wuchs die Bevölkerungszahl kontinuierlich an. Mit dem Anstieg der Bevölkerung stieg auch die Nachfrage an Nahrungsmitteln. Um den Nahrungsbedarf zu decken, mussten die Bauern intensiv Landwirtschaft betreiben. Auch heute wird auf Madagaskar Reis angebaut und Viehzucht betrieben.
Landwirtschaft ist jedoch nur möglich, wenn ausreichend landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung stehen. Da die Landschaft auf Madagaskar hauptsächlich durch Regenwald geprägt war, begannen die Madagassen schon früh damit, den Regenwald abzuholzen oder durch Brandrodung zu vernichten. Bei einer Brandrodung werden Waldbereiche kontrolliert in Brand gesetzt – eine einfache und kostengünstige Methode, um Raum für die Landwirtschaft zu gewinnen. Doch nicht nur die Beschaffung von Nahrungsmitteln, sondern auch die Nutzung von Holzkohle zum Kochen, die erhöhte Nachfrage an Kaffeebohnen, die Verwendung von Holz als Baumaterial und der Wunsch nach Wohlstand fördert die Abholzung des Regenwaldes.
Allein in den Jahren 1950 bis 2000 wurden 40% des Regenwaldes auf Madagaskar abgeholzt. Um die Abholzung des Regenwaldes zu stoppen, wurden bereits auf internationaler Ebene Naturschutzstrategien zum Erhalt des Regenwaldes ins Leben gerufen. Leider funktionieren diese Projekte nur begrenzt und der Regenwald wird weiter abgeholzt. Man schätzt, dass heute nur noch 15% des ursprünglichen Regenwaldes übrig sind. Manche Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass bis zum Jahre 2025 der grösste Teil des Regenwaldes, welcher nicht unter Naturschutz steht, abgeholzt sein wird.
Unter diesen Voraussetzungen ist es also besonders wichtig, dass Naturschutzprojekte gegründet und durchgesetzt werden, damit die Artenvielfalt auf Madagaskar erhalten werden kann.