Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03336.jsonl.gz/2782

Im Norden Europas sitzen die Viel- und Dünntrinker. Finnen zum Beispiel haben in Europa den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch, mögen aber vor allem schwach geröstete Sorten. Eine etwas dunklere Röstung schätzt man wiederum in Mitteleuropa, beispielsweise in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Richtig stark („fully roasted“) darf es dagegen im Süden sein. Franzosen, Spanier und Italiener mögen die dunkle Röstung, trinken dafür aber weniger Kaffee als die Skandinavier.
Überhaupt Italien: Das Land ist die Kaffee-Nation schlechthin, und der Espresso ist ein Heiligtum. Wer in Italien einfach nur „Caffè“ bestellt, bekommt einen Espresso. Espresso in Italien genießt man den ganzen Tag über als schnelle Pause – am besten an der Theke einer der unzähligen Espressobars, in nur 30 Sekunden heruntergestürzt. Denn so ein richtiger Espresso besteht schließlich aus nur zwei bis drei Schluck. Wer eine größere Ladung Koffein benötigt, ordert den „Caffè Doppio“, einen doppelten Espresso. Am besten von Lavazza.
Cappuccino wiederum, oft „Cappuccio“ genannt, wird in der italienischen Kaffeekultur traditionell nur zum Frühstück bestellt, am besten mit einem Stück süßen Gebäcks wie einem Cornetto (einer Art Croissant). Die im Cappuccino enthaltene Milch wird morgens als Teil der Mahlzeit verstanden, später am Tag aber von den meisten als zu gehaltvoll empfunden. Mittags, abends oder auch spätabends greift der traditionsbewusste Italiener stattdessen wieder lieber zum Espresso. Insgesamt braucht ein durchschnittlicher Italiener 5,6 Kilo Kaffeebohnen im Jahr, um seinen Kaffeedurst zu stillen.
Auch die Deutschen haben eine intensive Beziehung zum Kaffee. Eine so ausgeprägte Kaffeekultur wie in Italien besteht allerdings nicht. Immerhin die Zeiten von Frau Sommer und ihrem „Mühe allein genügt nicht“-Kaffee vorbei. In Deutschland trinkt jeder seinen Kaffee, wie er ihn mag – egal zu welcher Uhrzeit, egal wie stark, egal mit wie viel Milch, Zucker oder auch schwarz. Gebrüht im Kaffeevollautomaten oder in der schnittigen Espressomaschine. 6,7 Kilo Kaffee verbraucht ein Deutscher rein rechnerisch übers Jahr: Das sind gut 160 Liter im Jahr oder etwa vier Tassen am Tag.
Darüber hinaus begeistern sich die Deutschen für Kaffee in Einzelportionen, seit 2001 die erste Pad-Maschine auf den Markt kam. Unzählige Haushalte und Büros sind seitdem auf Espressomaschinen umgestiegen, die mithilfe von Pads oder Kapseln Kaffee für jeden Geschmack aufbrühen können; immer frisch zubereitet.
Auch die Briten erfreuen sich einer langjährigen Kaffeetradition: Schon Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden dort die ersten Kaffeehäuser – in denen es allerdings auch Tee gab. Tee war zunächst sehr teuer und blieb damit nur reicheren Bürgern vorbehalten. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die hohen Steuern gesenkt, und auch Mittelschicht und Arbeiterklasse konnten sich Tee leisten. Noch immer schätzt man in Großbritannien den Tee mehr als den Kaffee und hält die Tradition des Nachmittagstees („tea time“) hoch. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass seit jeher auch die Mitglieder des Königshauses dem Tee sehr zugeneigt waren.
Doch offenbar ist auch Großbritannien ein Wandel in Sicht. Die Londoner Zeitung „Evening Standard“ zitierte am 28. Juni 2012 eine Studie, nach der 45 Prozent der Briten dem Kaffee einen höheren sozialen Status als dem Tee zuschreiben. 70 Prozent aus der Gruppe der Besserverdiener verkündeten demnach auch, sie würden von beiden Getränken den Kaffee bevorzugen. Aber Luft nach oben gibt es immer noch: In Großbritannien verbraucht jeder Einwohner durchschnittlich 2,3 Kilo Kaffee jährlich, das ist etwas mehr als ein Drittel des deutschen Pro-Kopf-Bedarfs.
In den Niederlanden ist der Kaffeeverbrauch ähnlich hoch wie in Deutschland: Gut sechs Kilo trinkt der durchschnittliche Niederländer pro Jahr. Dementsprechend viel Kaffee wird über den Tag getrunken: Morgens für den guten Start, vormittags zur „koffietijd“ („Kaffeezeit“), die zwischen 10 und 11 Uhr angesiedelt ist, tagsüber für den nötigen Schwung und als soziales Schmiermittel bei der Arbeit. Auch abends nach dem Essen genießen die Niederländer oft noch einen Filterkaffee.
Zwischendurch darf es gern auch ein Milchkaffee oder Latte Macchiato sein. In den Niederlanden heißt er „koffie verkeerd“, also „Kaffee verkehrt“ – und beschreibt damit einfach nur, was darin ist: statt Kaffee mit einem Schuss Milch gibt es Milch mit einem Schuss Kaffee. Das Ganze wird in einem eher kleinen Glas serviert, nicht zu vergleichen mit den großen Schalen des Café au lait in Frankreich.
Wie kein anderes Land ist Frankreich für sein Savoir vivre, seine Lebenskunst, bekannt. Und dazu gehört selbstredend die Kaffeekultur. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 5,6 Kilogramm liegen die Franzosen im Ländervergleich im Mittelfeld. Einen Großteil ihres Kaffees konsumieren sie zu Hause – per Kaffeemaschine oder der sogenannten French Press („Pressstempelkanne“). Sie ist eine französische Erfindung aus dem 19. Jahrhundert.
Aber auch Kaffee-Bars sind beliebt und haben eine lange Tradition. Zum Frühstück wird dort traditionell nur eine Kleinigkeit gegessen – oft ein Croissant oder ein Toast mit etwas Konfitüre. Dazu genießt man Café au lait. Er besteht zur einen Hälfte aus starkem Filterkaffee oder einem doppelten Espresso, zur anderen aus heißer, oft leicht aufgeschäumter Milch. Im Idealfall werden Milch und Kaffee gleichzeitig eingegossen: in eine dickwandige Schale, den „Bol“.
Im weiteren Verlauf des Tages mögen die Franzosen ihren Kaffee vor allem als Espresso („petit noir“) oder einfach schwarz als Café noir, auch mal mit Wasser verlängert als „Lungo“. Nach dem Abendessen bestellt man sich zum Café noir gern einen Cognac. Oder ordert eine Spezialität wie Café Granite, einen starken und süßen Kaffee mit Mokkalikör.
Amerikaner lieben Kaffee. In Restaurants und Bagel-Shops gibt es den „free refill“ von Filterkaffee, bis der Gast dankend abwinkt. Die Metropolen der USA haben weltweit die größte Dichte an Coffee-Houses, wo man sich mit Caffè Latte, Iced Coffee, Cappuccino und Kaffees in verschiedensten Geschmacksrichtungen versorgen kann.
Dennoch liegen die USA mit einem jährlichen pro Kopf-Verbrauch von gut vier Kilogramm unter dem europäischen Durchschnitt. Vielleicht liegt es daran, dass 40 Prozent der Amerikaner gar nicht mehr frühstücken?
Vielleicht ist es aber auch eine Hinwendung zu Klasse statt Masse. Es gibt immer mehr Cafés, die ihre Kunden mit hochwertigen Kaffeemischungen verwöhnen. Darüber hinaus haben die Amerikaner den vorportionierten Kaffee für sich entdeckt. Der Verkauf von Maschinen für Kapseln und Pads ist in den vergangenen Jahren extrem gestiegen: die Neu-Entdeckung des Kaffees unter Lifestyle-Aspekten.
Wie und wo auch immer er genossen wird, eines ist überall gleich: Lavazza-Kaffee bringt weltweit Menschen an einen Tisch und miteinander ins Gespräch …