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Erbrechen beim Hund – ein häufiges, aber nicht immer harmloses Symptom
Welche Symptome werden häufig mit Erbrechen verwechselt?
Obwohl das Erbrechen unverwechselbar scheint, ist es gelegentlich auf den ersten Blick nicht möglich, es von anderen, ähnliche Symptomen zu unterscheiden.
Ähnliche Symptome wären: Husten und Zurückströmen von Nahrung (Regurgitation). Auch die klinischen Symptome einer Magendrehung können das Erbrechen immitieren.
Das Zurückströmen ist das wichtigste Symptom, welches mit Erbrechen verwechselt werden kann. Über Husten wurde in einer früheren Ausgabe dieser Zeitschrift ausführlich berichtet. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Symptomen ist sehr wichtig, da beide auf komplett unterschiedliche Krankheiten hinweisen.
Regurgitation
Zurückströmen ist ein passiver Prozess, d. h. Futter und / oder Flüssigkeit wird aus der Speiseröhre (Oesophagus) von alleine in die Maulhöhle oder Nasenhöhlen zurück geleitet. Dies findet ohne eine aktive Kontraktion der Bauchmuskulatur statt, was auch der wichtigste Unterschied zwischen Regurgitation und Erbrechen ausmacht: Der Auswurf wird nicht durch die pumpenden Bauchwandbewegungen begleitet. Ein weiterer Unterschied ist das Fehlen der Übelkeitsphase vor der Regurgitation: Der Auswurf ist häufig überraschend schnell und einfach. Die Annahme, dass es sich um Erbrechen handeln muss, wenn Futter oder Flüssigkeit erst Stunden später ausgeworfen wird, ist falsch. Obwohl die Regurgitation meistens unmittelbar nach der Futteraufnahme stattfindet, kann die Nahrung dennoch mehrere Stunden in der erweiterten Speiseröhre bleiben, bevor sie ausgeworfen wird. Das Futter kann unverdaut oder teilweise angedaut zurückströmen, häufig in einer Schleim-Speichel-Hülle eingepackt.
Ursachen für Regurgitation
Regurgitation weist beim Hund auf eine Speiseröhrenerkrankung hin. Dabei kann es sich um eine funktionelle Störung oder um einen mechanischen Verschluss handeln. Die Speiseröhrenentzündung stellt eine eigene Gruppe dar und wird später besprochen.
1. Funktionelle Störungen: wenn die Speiseröhre nicht richtig funktioniert
Die häufigste Ursache für Regurgitation beim Hund ist ein Megaoesophagus. Dieser Begriff beschreibt eine Lähmung und Erweiterung der Speiseröhre, die zu einer Störung des Futtertransportes zwischen Rachen und Magen führt. Die Speiseröhre ist eine Art Schlauch, die hauptsächlich aus Muskeln besteht. Ein Teil dieser Muskulatur ist glatt (nicht willentlich kontrollierbar), ein anderer Teil besteht aus gestreifter Muskulatur (willentlich kontrollierbar). Das Verhältnis von glatter zu gestreifter Muskulatur ist übrigens tierartlich unterschiedlich. Nach der Futteraufnahme durch die Maulhöhle und dem Abschlucken des Bissens via Rachen werden in der Speiseröhre spontane Wellen ausgelöst, die wie ein Förderband den Bissen rasch in den Magen transportieren. Im Falle eines Megaoesophagus ist diese Funktion gestört, wodurch Futter und Flüssigkeit in der Speiseröhre stecken bleiben. Es gibt Hunde, bei denen feste Nahrung mehr Mühe bereitet als Flüssigkeit, und umgekehrt.
Der Megaoesophagus ist aber eingentlich keine Erkrankung, sondern viel mehr ein Symptom. Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, die sich mit einem Megaoesphagus präsentieren können. Muskelschwächende Erkrankungen (Myasthenie, sog. Muskelschwäche, oder Muskelentzündungen) oder einige Hormonstörungen können einen Megaoesophagus auslösen. Da an einer einwandfreien Funktion der Speiseröhre auch Nerven beteiligt sind, können auch Erkrankungen der Nerven (Neuropathien) zu einem Megaoesophagus führen.
2. Verschluss oder Verstopfung der Speiseröhre (mechanische Obstruktion)
Hier gibt es zwei Hauptursachen: Eine angeborene Erkrankung (die so genannte Gefässringanomalie) und ein erworbener Verschluss der Speiseröhre durch einen Fremdkörper (oesophagealer Fremdkörper). Seltener können auch Neoplasien (Krebs) oder Speiseröhrenverengung (Striktur) ähnliche Beschwerden auslösen. Neoplasien können die Speiseröhre selber befallen oder irgendwo im Brustraum auftreten und von aussen auf die Speiseröhre drücken.
Eine Gefässringanomalie (Verengung der Speiseröhre durch einen Gefässring) ist eine seltene Erkrankung bestimmter Hunderassen (z. B. Deuscher Schäferhund, Englische Bulldogge). Die ersten Beschwerden treten in der Regel beim Welpen während der Umstellungsphase von flüssiger auf feste Nahrung auf. Da die Verengung nur einen bestimmten Durchmesser an Bissen durchlässt, bleiben die grösseren Stücke stecken und erweitern mit der Zeit den vorderen Teil der Speiseröhre ballonartig. Die betroffenen Welpen sind bei gierigem Appetit unterernährt und kleinwüchsig. Das aufgenommene Futter wird mit zeitlicher Verspätung meistens komplett ausgeworfen. Als Symptom kann häufig eine ballonartige Erweiterung des Brusteinganges festestellt werden, welche sich mit der Atmung rhythmisch hebt und senkt. Ohne einen chirurgischen Eingriff (Durchtrennung des Gefässringes) sind diese Patienten verloren.
Oesophageale Fremdkörper sind häufige Gründe für einen notfallmässigen Besuch beim Tierarzt. Dabei sind Vertreter gewisser Rassen wie Cairn Terrier oder West Highland White Terrier wegen ihres gierigen Fressverhaltens und wegen anderer rassespezifischer Faktoren auffallend oft betroffen. Meistens geht es hier um Kauknochen aus Büffelhaut, Schweinsohren oder Knorpel. Ebenfalls häufig sehen wir Fischerhaken in der Speiseröhre. Die Symptome sind immer akut und beinhalten: leeres Schlucken, Speichelfluss, Würgen, Auswurf von Speichel und Schleim, Hecheln, Unruhe und Schmerzäusserungen. Glücklicherweise ist bei raschem Aufsuchen eines Tierarztes die Diagnosestellung einfach (Röntgenbild) und die Therapie schnell (Endoskopie). Bei längerem Verweilen des Fremdkörpers in der Speiseröhre kann dies zum Durchbrechen der Wand mit schwerer Brustfellentzündung führen.
Die Magendrehung ist eine lebensbedrohliche Erkrankung der grossen Hunderassen. Die Deutsche Dogge, der Deutsche Schäfer und der Irische Setter gehören zu den am häufigsten betroffenen Rassen.
Bei dieser Erkrankung kommt es zur spontanen Drehung des Magens in der Bauchhöhle um die eigene Achse (Volvulus). Dabei wird sowohl der Magenausgang (Pylorus) wie auch der Mageneingang (Kardia) abgeschnürt. Dies verunmöglicht den freien Abgang des Mageninhaltes und der entstandenen Gase und führt zur enormen Dehnung (Dilatation) des Magens. Ohne rasche chirurgische Reposition (d. h. den Magen wieder in die richtige Lage bringen) sterben die betroffenen Tiere innerhalb der nächsten 6–12 Stunden.
Die typischen klinischen Symptome treten meist nach Futteraufnahme auf: Unruhe, geblähter Bauch (wie eine Trommel), erfolgslose Versuche zu erbrechen (Übelkeit und Würgen vorhanden, aber kein Auswurf), teilweise starker Speichelfluss.
Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin
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Autor:
Dr. med. vet. Kamil Tomsa
Diplomate European College of Veterinary Internal Medicine
Kleintierklinik Rigiplatz
Hünenbergerstrasse 4/6
6330 Cham
www.kleintierklinikrigiplatz.ch