Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03225.jsonl.gz/912

Seifensieder/in
Seifensieder[1] üben ein Handwerk aus, welches sich erst im Mittelalter als Vollberuf entwickelte. Bis dahin dienten Pflanzenextrakte, Holzasche und natürlicher Soda aus fauligem Urin als Waschmittel. Zur Reinigung des Körpers bediente man sich diversen Ölen, dem Bimsstein sowie den Schlamm- Dampf- und Schwitzbädern. Die Gallier und Germanen gehörten unter die Ersten, die sich mit Seife zu waschen pflegten.
mehr lesen
Zur Seifenherstellung wurden Fette oder Öle eingesetzt, die entweder tierischen (Talg von Schafen, Rindern, Ziegen und das Fett von Pferden, Schweinen, Fisch und Robben) oder pflanzlichen (Olivenöl, Palm-, Kokos-, Sesam-,Rüb-, Hanf- und Leinöl) Ursprungs waren. Die besagten Öle und Fette wurden in einem gefüllten Siedekessel solange in der Lauge gekocht, bis ein gallertartiger Seifenleim entstehen konnte. Dieser wurde des Weiteren mittels Kochsalz unter stundenlangem Umrühren von der Unterlauge getrennt und in dafür vorgesehene Formen bis zur Erstarrung aufbewahrt, um daraufhin die entsprechenden Zuschnitte (Tafel oder Riegel) vorzunehmen. Das Herstellungsverfahren variierte allerdings von Seifenart zu Seifenart. Feinseifen beispielsweise erhielten im Gegensatz zu Schmier- und Natronseifen elegantere Formen und weitere Zusätze in Form von Farbstoffen sowie Parfums und Bimsstein.
Obgleich die Seifensieder aufgrund des reichlichen Angebotes an Talg und der leichter absetzbaren Talglichter zumeist auch als Kerzenzieher tätig waren, konnten sie ihrem Handwerk lediglich zu einem Nischendasein verhelfen. Im Zuge der Frühindustrialisierung und mit der Entwicklung der überwiegend chemisch basierenden fabrikindustriellen Produktion erhielt die maschinelle Massenproduktion von Seifen und Kerzen weitgehend Einzug im Handwerk des Seifensieders und des Kerzenziehers. So lassen sich in der heutigen Zeit lediglich im Versandhandel vereinzelt Produkte ausfindig machen, deren gesamter Herstellungsprozess in Handarbeit erfolgt ist.
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet.
Artikel als PDF
Literatur
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 215-217.
Reith Reinhold: Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 118-120.
Ähnliche Berufe