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Der Tibialis- oder Schienbeinnerv ist einer der beiden Hauptverzweigungen des Ischiasnerven, steuert einige Muskeln des Ober- und Unterschenkels und leitet die sensible Impulse vom der Haut es Unterschenkels zum tiefen Rückenmark. Ist der Tibialisnerv gelähmt, so bereitet das Gehen Schwierigkeiten und der betroffene Mensch kann sich nicht mehr auf die Zehen stellen, da die Zehenbeuger ausgefallen sind. Eine elektrische Stimulation des Tibialisnerven ermöglicht eine effektive Behandlung von verschiedenen Störungen der Blasenfunktion. Bei der Stimulation wird der Nerve einige Zentimeter oberhalb des Innenknöchels über eine Nadel- oder Elektrode gereizt. Die Stimulation ist nicht schmerzhaft, die Patientin oder der Patient sitzt entspannt in einem Sessel und bemerkt lediglich ein Kribbeln oder eine milde Streckbewegung im Fuss. Die Stimulation bewirkt eine Aktivierung von sensiblen, ins Rückenmark aufsteigenden Nervenbahnen im Tibialisnerven, die nach ihrem Eintritt ins Rückenmark mit Nervenbahnen zur Blase kommunizieren und deren Funktion beeinflussen können.
Dieser auch Neuromodulation genannte Vorgang kann zum Beispiel eine überaktive Blase beruhigen und eine gewisse Normalisierung der Blasenfunktion ermöglichen. Eine einzelne Stimulationssitzung dauert 30 Minuten und kann ambulant durchgeführt werden. Ein Behandlungszyklus beinhaltet 12 Stimulationen, zunächst im wöchentlichen und später auch in grösserem Abstand. Schon seit vielen Jahren wird die Stimulation des Tibialisnerven zur Behandlung der überaktiven Blase und der Dranginkontinenz erfolgreich eingesetzt. In mehreren Studien wurden Erfolgsraten zwischen 60% und 80% ermittelt, wobei sich der Erfolg der Behandlung als ein Rückgang der Entleerungsfrequenz am Tage und in der Nacht sowie der Häufigkeit eines unfreiwilligen Harnverlustes bemerkbar machte. Auch für Patienten mit einer interstitiellen Zystitis konnte der Nachweis erbracht werden, dass durch eine Stimulation des Tibialisnerven eine gewisse Symptomlinderung möglich ist.