Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03529.jsonl.gz/2448

Was sind die besten Aktien in der schlimmsten aller Zeiten? So viele Leser haben dem «Wall Street Journal» per E-Mail ihre Befürchtungen vor einer erneuten Grossen Depression mitgeteilt, dass ich herausfinden wollte, welche Unternehmen und Sparten sich nach dem Crash von 1929 am besten entwickelt haben. Nach dem Absturz des S & P-500-Index im vergangenen Jahr um 39% und weiteren 8,5% in diesem Jahr kann es nicht schaden zu wissen, was damals die Gewinner von den Verlierern unterschied.
Die gute Nachricht: Einige Aktien und Branchen performten wirklich viel besser als der Durchschnitt. Die schlechte: Selbst die besten Papiere hatten drei furchtbare Jahre hintereinander. Mithilfe des Center for Research in Security Prices (CRSP) an der Universität von Chicago suchte ich nach einer Antwort auf die folgende Frage: Wenn man am 1. Januar 1930, nachdem Aktien bereits ein Drittel ihres Werts verloren hatten, eingestiegen wäre, wo hätte man den besten Gewinn erzielt?
Die Antwort: Während der Jahre 1930, 1931 und 1932 nirgendwo. Selbst Benjamin Graham, der grosse Value-Investor, verlor in diesen drei Jahren 60%. Laut CRSP gab es von 1930 bis 1932 nur eine Branche mit positiven Ergebnissen: Das Holz verarbeitende Gewerbe. Die beiden Aktien in diesem kleinen Sektor, Diamond Watch und Mengel, erzielten in der Dreijahresperiode einen kumulierten Gewinn von 40%. Diamond stellte Streichhölzer her, Mengel Verpackungsmaterial für Seife und Tabak. Um eine grosse Branche mit positiven Ergebnissen zu finden, musste das CRSP die Messperiode bis ins vierte Jahr, 1933, ziehen. Der Markt hatte sich zu dieser Zeit halbwegs von seinen Verlusten erholt und stieg um 54%. Doch selbst dann konnten nur 13 von 120 Sektoren zwischen 1930 und 1933 Gewinne verbuchen.
Annualisierte Gewinne bis 7,5%
Am besten schnitten jene ab, die mit den schlechten Angewohnheiten der Menschen ihr Geld verdienten: Hersteller von Zigaretten, Zigarren, Zucker, Süsswaren, Fetten und Ölen wiesen annualisierte Gewinne zwischen 1,6 und 7,5% aus. Diese Erträge waren besser, als sie aussehen, da sich in jener Zeit die Kaufkraft der Firmen um 6% pro Jahr verbesserte. Es scheint also, als lohnte sich ein Investment in das Vergnügen, das sich Menschen selbst in harten Zeiten leisten konnten: Süsses, blauer Dunst und Frittiertes. Barrie Wigmore, Ex-Investmentbanker bei Goldman Sachs und Autor des Buchs «The Crash and its Aftermath» über die Börse in Zeiten der Grossen Depression, sagt: «Wir befinden uns aktuell im Niemandsland. Wir sollten uns lieber auf die heute verfügbaren Fakten konzentrieren statt auf Vergleiche mit der Grossen Depression.» Verbraucher und Unternehmen würden gezwungen werden, ihre Verschuldung massiv zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund sieht Wigmore drei Investmentchancen.
Grosse Marken mit überschaubarer Verschuldung sind sein erster Tipp. Amazon, Google, Nike und United Parcel Service zum Beispiel. Aber nur, wenn diese Titel mindestens so günstig sind wie im letzten Herbst.
Bier, Limonade und Chips
Zweitens sollte man Aktien jener Unternehmen bevorzugen, die die Konsumenten bei der Befriedigung preisgünstiger Laster bedienen. Tabakfirmen sollten allerdings gemieden werden, da dort das Risiko teurer Prozesse sowie meist ein hoher Verschuldungsgrad existiere. Auch Brauereien und Destillerien schleppen oft zu viele Schulden mit sich herum. Firmen wie die Warenhauskette Costco Wholesale aber könnten das Richtige sein. Dort können Konsumenten kistenweise Snacks und Süssigkeiten kaufen. Auch PepsiCo als grosser Hersteller von Limonade und Maischips ist interessant.
Und was ist, wenn Sie wie ich das meiste Geld in Indexfonds gesteckt haben? Wigmore hat seine Investitionen auf mittelfristige Unternehmensanleihen mit guter Bonität gestreut. Sie bieten noch immer attraktive Renditen gegenüber Staatsanleihen. Selbst ohne das Abrutschen in eine neue Depression sollten sich gute Unternehmensanleihen für den Anleger rechnen.