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HPV – in jedem Lebensalter impfen?
Der Gebärmutterhals-Krebs bei Frauen (Zervix-Karzinom) wird durch das humane Papillomavirus (HPV) verursacht. Aus diesem Grund wird die HPV-Impfung in der Schweiz seit 2007 für junge Frauen und Mädchen empfohlen und wurde auch ins kantonale Impfprogramm des Kantons St. Gallen übernommen. Neu können sich seit dem 01.Juli 2016 auch junge Männer und Knaben durch den schulärztlichen Dienst oder die am Impfprogramm teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte impfen lassen.
Bisher wird angenommen, dass die Impfung nur schützt, wenn noch keine Infektion mit dem humanen Papillomavirus stattgefunden hat, sodass die Impfung bislang nur jungen Frauen und Männern vor dem ersten sexuellen Kontakt resp. bis zum Erreichen des 26. Lebensjahres empfohlen wird.
Ein 7-Jahres-Follow-up einer grossen Phase 3-Studie der VIVIANE Studiengruppe, welche sich mit der Wirksamkeit, Sicherheit des HPV-Impfstoffes befasste, konnte nun die Wirksamkeit der Impfung auch für ältere Frauen beweisen.
Methodik der Studie
Es handelt sich um eine multizentrische, doppelt-verblindete, randomisierte Phase 3-Studie, welche mehr als 5000 Frauen ab einem Alter von 26 Jahren einschloss um die Wirksamkeit des HPV-Impfstoffes auch bei älteren Frauen zu prüfen. Dabei wurden auch Frauen eingeschlossen, welche bereits eine HPV-Infektion in der Vorgeschichte aufwiesen (15% der Teilnehmerinnen). Die Frauen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die Hälfte die Impfung nach dem Schema 0,1 und 6 Monate erhielt, während die andere Hälfte jeweils nur eine Placebo-Injektion empfing.
Resultate
Insgesamt erhielten 2877 Frauen über 26 Jahren die HPV-Impfung, 2870 Frauen erhielten die Placebo-Impfung. Als kombinierter primärer Endpunkt wurde eine 6-Monate persistierende HPV-Infektion bzw. das Auftreten einer cervicalen intraepitheliaren Neoplasie (CIN1 und höher) gewählt. Nach 84 Monaten konnte in der Gruppe der geimpften Frauen bis zu einem Alter von 45 Jahren ein signifikant selteneres Auftreten von persistierenden Infektionen und/oder cervicaler intraepithelialer Neoplasie nachgewiesen werden. Auch zeigte sich eine Impfwirkung betreffend dem Auftreten von HPV 16/18-bedingten weiteren zytologischen Veränderungen (z.B. low-grade squamösen intreepitheliaren Läsionen) und auch eine signifikante Kreuzprotektion bezüglich den nicht im Impfstoff vorhandenen Virustypen HPV 31 und 45.
Fazit
Auch bei Frauen über 25 Jahren bietet die HPV 16/18-Impfung einen Schutz gegen Infektionen und das Auftreten von zytologischen Abnormalitäten durch die HPV-Virustypen 16 und 18 sowie gegen die Entstehung von cervicalen intraepithelialen Neoplasien (CIN1+) unabhängig vom HPV-Typ.
Unser Fazit
Die vorliegende Studie liefert interessante Daten, dass, entgegengesetzt der bisherigen Annahme, nicht nur junge Frauen vor Beginn der sexuellen Aktivität, sondern auch erwachsene Frauen von der Impfung profitieren, selbst wenn Sie bereits mit HPV infiziert wurden. Wir wissen jedoch auch aus anderen Studien, dass die Inzidenz neuerworbener HPV-Infektionen in der Gesamtpopulation mit dem Alter abnehmend ist und daher aus diesem Grund die Kosteneffektivität der Impfung im Vergleich zu den bislang laufenden Impfprogrammen bei Adoleszenten reduziert sein dürfte. Es bleibt also abzuwarten, ob weitere Studien die vorliegenden Ergebnisse bestätigen können und ob in Zukunft eine Ausweitung der Impfprogramme auch auf Frauen jenseits den 26. Lebensjahres diskutiert werden sollten.
Die Studie wurde mit dem bi-valenten Impfstoff der Firma GSK durchgeführt. Es wird vermutet, dass dieser Impfstoff das zelluläre Immunsystem etwas stärker stimuliert. Daher müsste noch gezeigt werden, dass die hier dargestellten Wirkungen auch mit dem bei uns meistens verwendeten quadrivalenten Impfstoff reproduziert werden können.
Für die Beobachtung, wonach die Impfung auch nach einer bereits erfolgten Infektion noch eine Wirkung haben kann, gibt es auch andere Fallberichte: Es wurde schon in Einzelfällen gezeigt, dass die durch die Impfung stimulierte zelluläre Immunantwort sogar HPV-assoziierte Condylome heilen kann(Silling 2014).