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Wir beginnen das Jahr 2021 mit der Hoffnung, dass die Covid-19-Impfstoffe einen Weg aus der Misere bieten werden, für die die Pandemie in Bezug auf die menschliche Gesundheit und die Volkswirtschaften, in denen wir agieren, gesorgt hat.
Wie aber schon in den letzten Monaten völlig klar war, hält der Weg zu einer Erholung wohl zahlreiche Hindernisse bereit. Im Dezember 2020 begann sich eine mutierte Form des Virus mit einer höheren Ansteckungsrate in grossen Teilen Grossbritanniens auszubreiten, was erneut Social-Distancing-Massnahmen und eine Störung der Geschäftstätigkeit zur Folge hatte.
Auch in anderen Ländern gibt es mutierte Formen des Virus, und wir erwarten, dass dort strengere Social Distancing Regeln eingeführt werden. Deshalb beginnen wir das Jahr 2021 mit einer hohen Unsicherheit im Hinblick darauf, wie viele weitere Hindernisse sich uns auf dem Weg stellen werden. Wie bereits 2020 ist es wahrscheinlich, dass Gold als wichtige Absicherung gegen diese Unsicherheiten dienen wird.
Gleichzeitig durchleben wir aber bereits seit mehr als einem Dreivierteljahr den Schock einer globalen Pandemie und Institutionen haben Versuche unternommen, die wirtschaftlichen Folgen der Situation abzumildern. Es ist zur umfangreichsten finanz- und geldpolitischen Reaktion auf eine Wirtschaftskrise aller Zeiten gekommen.
Wir denken, dass die Ausweitung der Konjunkturmassnahmen noch lange nicht vorbei ist. Da die Zentralbanken und Regierungen sich darauf verlegen, akkommodierend zu bleiben, steigt das Potenzial für einen Anstieg der Inflation in den kommenden Jahren.
Modellierte Szenarien
Ausserdem könnten die Vereinigten Staaten nun wahrscheinlich die kühnsten Konjunkturmassnahmen ergreifen, da die Demokraten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses haben und daher in der Lage sind, die Regierung Biden zu unterstützen. Das dürfte die Aussichten auf eine Abschwächung der US-Wirtschaft erhöhen.
Mithilfe des WisdomTree Goldmodells lassen sich eine Reihe von Szenarien entwickelt, wo der Goldpreis im Jahr 2021 landen könnte. Das Modell zeigt, dass die Goldpreise durch (Richtung in Klammern) getrieben werden:
- Veränderungen im US-Dollar Baskets (-)
- Inflation des Verbraucherpreisindex (CPI) (+)
- Veränderungen der nominalen Renditen 10-jähriger US-Treasuries (-)
- Anlegerstimmung (gemessen an der spekulativen Positionierung am Terminmarkt) (+)
Das Szenario der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit scheint am wahrscheinlichsten, und wir weichen bei mehreren «wirtschaftlichen» Faktoren vom Konsens ab, da anzunehmen ist, dass die Mitte Dezember durchgeführte Umfrage unter Ökonomen grösstenteils eine geradlinige Erholung mit nur wenigen Unebenheiten auf dem Weg einpreist.
Eine Einschätzung höherer Konjunkturmassnahmen – einschliesslich des Potenzials zur Steuerung der Zinsstrukturkurve – wird wahrscheinlich zu niedrigeren Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen führen als vom Konsens erwartet (1,00 Prozent gegenüber 1,23 Prozent)
Die Inflation könnte im 2. Quartal 2021 einen Höchststand von etwa 2,8 Prozent erreichen, da die Massnahmen der US-Notenbank eine stärkere wirtschaftliche Nachfrage erzeugen, während das Angebot aufgrund von COVID-bedingten Lieferkettenproblemen eingeschränkt bleibt. Dies steht im Vergleich zu einer Konsenserwartung von 2,6 Prozent im 2. Quartal 2021.
Eine lockerere Geldpolitik könnte auch den Dollar weiter schwächen, wobei der US-Dollar-Korb im 4. Quartal 2021 bei 86,5 liegt, verglichen mit einer Konsenserwartung von 89,5 im 4. Quartal 2021.
Wenn die Zentralbank weiter mit neuen geldpolitischen Instrumenten experimentiert und wir eine Abschwächung des US-Dollars sehen, steigt die Stimmung der Anleger gegenüber Gold und die Positionierung in Gold-Futures steigt auf 350k Netto-Long. Je weiter die negativen Realrenditen gehen, desto attraktiver wird Gold.
In diesem Szenario könnte Gold auf 2340 Dollar je Unze steigen, was einem Aufwärtspotenzial von fast 24 Prozent gegenüber dem Stand von Dezember 2020 entspräche. Zum Vergleich: Wird eine einheitliche Wirtschaftsprognose modelliert (und die Stimmung der Anleger gegenüber Gold auf dem heutigen Niveau halten), würde der Goldpreis auf 2130 Dollar je Unze steigen, was bereits ein Allzeithoch für das Metall wäre.