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Mir stiegen ebenfalls Tränen in die Augen. Ich litt mit meiner Tochter. Ich schämte mich für sie. Und ich konnte auch den Kummer des anderen Mädchens fühlen. «Was ist, Mama?», wollte meine Tochter wissen, die natürlich merkte, wie mit genommen ich war. «Bist du mir böse?» War ich das? «Ich finde nicht gut, dass du gelacht hast», sagte ich. «Aber es ist gut, dass du jetzt verstehst, wie es deiner Freundin ging.»
Und dann erzählte ich meiner Tochter von einer Spezialeigenschaft unseres Gehirns, die mich seit je fasziniert. Von dieser Fähigkeit, empathisch mitzuerleben, also tatsächlich zu empfinden, was einem anderen Menschen gerade widerfährt. «Lägen wir beide jetzt in einer Maschine, mit der man in unseren Kopf sehen kann, dann würden bei uns im Gehirn die gleichen Punkte leuchten», sagte ich. «Läge ich mit Nina jetzt in so einer Gehirndurchleuchtungsmaschine, wäre das auch so», schlussfolgerte Fanny. Weil sie den Kummer ihrer Freundin auch fühlen würde – so als wäre es ihr eigener. «Krass!», fasste meine Tochter zusammen. Und so sehr mir dieses Wort manchmal missfällt, so passend fand ich es diesmal.