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Vivienne zählt das Geld während eines Spargruppen-Treffens in Sambia.
Text: Angeline Munzara, Globale Sektorleiterin für Lebensunterhalt, World Vision International
Meine Mutter hat uns mit einem mageren Gehalt grossgezogen und es war für sie sehr schwierig, zusätzliche Mittel zurückzulegen. Niemand hat ihr die Kunst des Sparens beigebracht, weder als Einzelperson noch in einer Gruppe. Infolgedessen wurde ich unzählige Male von der Schule verwiesen, weil ich das Schulgeld nicht pünktlich bezahlt hatte. Wegen der verspäteten Zahlung der Schulgebühren hätte ich beinahe mein Abitur nicht bestanden, das für meine Zulassung zur Universität entscheidend war. Auch heute gibt es noch viele Mütter (wie übrigens auch meine eigene verstorbene Mutter), die aufgrund mangelnder finanzieller Bildung Schwierigkeiten haben, ihre Finanzen zu verwalten. Meine Mutter hatte keinen Zugang zu Bankkrediten, und sie hatte auch niemanden, der ihr Geld leihen konnte. Sie lernte nie die Methode der Spargruppen kennen in denen eine freiwillige Gruppe von Menschen, vor allem Frauen, gemeinsam auf sichere und bequeme Weise sparen kann.
Weltweit sind 56 % der Erwachsenen ohne Bankverbindung – 980 Millionen davon Frauen –, finanziell ausgeschlossen und haben keinen Zugang zu Bankdienstleistungen. Das bedeutet, dass sie kein Geld auf die Seite legen können, um die Grundbedürfnisse ihrer Kinder wie Nahrung, Gesundheitsversorgung und Bildung zu sichern. Etwa 1,2 Milliarden Kinder weltweit sind davon betroffen. Diese Situation führt oft zu einem erhöhten Risiko von Gewalt gegen die Kinder, Kinderarbeit und Kinderheirat.
World Visions Ansatz für Spargruppen: Wer eine Mutter stärkt, stärkt einen ganzen Haushalt
Das Modell von World Vision für Spargruppen heisst «Savings for Transformation» (S4T). Im Rahmen von S4T-Gruppen gründen Männer und Frauen in gefährdeten Gemeinden ihre eigenen Gruppen, die gemeinsam kleine Beträge sparen und sich gegenseitig Geld leihen, wenn ein Bedarf entsteht. Das kann beispielsweise bei Krankheit eines Familienmitglieds, bei der Ausbildung der Kinder oder bei Einkommenseinbussen aufgrund von Dürreperioden sein. Von den mehr als 1,6 Millionen Spargruppenmitgliedern, die World Vision mobilisiert hat, sind 79 % der Mitglieder – über 1,3 Millionen – Frauen. Das trägt entscheidend zur wirtschaftlichen Stärkung der Frauen bei.
Die Leitung der World Vision-Arbeit zu S4T in den letzten fünf Jahren hat mir auch die Möglichkeit gegeben, die Kunst des Sparens als Mutter zu erlernen. Ich nutzte die Gelegenheit, meine Arbeitserfahrungen mit anderen Müttern am Arbeitsplatz und in meinem Freundeskreis zu teilen. So entstanden 10 Gruppen mit über 1'000 Müttern, die über einen Zeitraum von 12 Monaten sparen. Wir scherzen immer, dass die Januar-Krankheit (Anmerkung: Wenn Anfang Jahr die Kasse leer ist) nun der Vergangenheit angehört. Wir sind jetzt in der Lage, ein Budget aufzustellen, neue Schuluniformen zu kaufen und die Schulgebühren für unsere Kinder pünktlich zu bezahlen.
Durch meine Arbeit bei World Vision habe ich auch gesehen, wie die Spargruppen das Selbstvertrauen der Frauen gestärkt und ihre Kinder inspiriert hat. Die Spargruppe hat sie in die Lage versetzt, die Grundbedürfnisse ihrer Kinder zu erfüllen.
Spargruppen sind erfolgreich! Einige Beispiele:
Wir gehen jetzt noch einen Schritt weiter. Die Mitglieder der S4T-Gruppen – überwiegend Frauen in ländlichen Gebieten – erhalten durch die Finanzkompetenzschulung des Modells Vision Fund das nötige Coaching und Training, um ihre Kredite optimal nutzen zu können.
Kinder profitieren
In die Aus- und Weiterbildung von Frauen und Müttern im ländlichen Globalen Süden wird leider noch viel zu wenig investiert. Und das, obwohl sie sich oftmals neben der Erziehung der Kinder und dem Haushalt auch um die finanziellen Angelegenheiten der Familie kümmern. Nicht nur zu ihrem eigenen Nutzen, sondern insbesondere auch zum Nutzen ihrer Kinder.
Es wird oft gesagt: «Wenn man eine Frau stärkt, stärkt man die ganze Familie». Das liegt daran, dass Geld und Vermögenswerte in den Händen von Frauen häufiger für Medikamente und die Ausbildung der Kinder ausgegeben werden. Ein praktischer Weg, Frauen zu stärken, ist das Gender Inclusive Financial Literacy Training für Paare. Es zielt darauf ab, den Zugang zu finanziellen Kenntnissen zu fördern und Frauen bei Entscheidungen über die Verwendung von Geld zu beteiligen.
Gemeinsam mit den Menschen vor Ort schaffen wir Lebensgrundlagen. Beispielsweise durch Spargruppen. Helfen Sie mit, die Not im Globalen Süden zu lindern!