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Die Nutzbarmachung der Wasserkraft, um Arbeiten, die eintönig und Kräfte raubend sind, durch eine Maschine ausführen zu lassen, ist ein alter Traum der Menschheit. Bereits die alten Römer kannten Wasserräder als Antrieb für Mühlen. In dem um 1245 entstandenen Skizzenbuch des pikardischen Hüttenmeisters Villard de Honnecourt ist eine primitive Säge abgebildet, die durch ein Wasserrad angetrieben wird.
Im Habsburger Urbar sind im 14. Jahrhundert Sägen, Mühlen in unserem Gebiet bezeugt. 1541 sind drei Sägemühlen in der Gemeinde Bäretswil schriftlich aufgeführt, eine davon in Bettswil.
Diese im Nebenbetrieb erbauten Bauernsägen hatten meist so prekäre Verhältnisse, dass ein Vollbetrieb nur bei anhaltendem Regen gewährleistet war. Des halb nannte man sie «Wolkenbruchsägen». Der Betreiber und seine Angehörigen waren bei grossem Arbeitsanfall gezwungen, Tag und Nacht zu arbeiten. Eine Produktionssteigerung drängte sich auf. In der Stockrüti, wo noch eine Gattersäge stand, wurde 1932 als Reserve für wasserarme Zeiten oder zur Leistungssteigerung ein Elektromotor eingebaut.
Gleichzeitig mit der Produktionssteigerung wurde die Rohholzanlieferung knapper. Teurer Einkauf und fallende Verkaufspreise eröffneten den Preiszerfall für Holzprodukte und führten zu einer Minderung der Rendite. Sank der Ertrag musste dement sprechend mehr Schnittholz produziert werden, um die gleiche Rendite zu erhalten. In der gleichen Zeit, in der ein alter, von einem Wasserrad angetriebener Einfachgatter ein einziges Brett absägt, zerlegt in einem elektrisch angetriebenen, modernen Sägewerk eine halbautomatisch arbeitende Vollgatter säge zehn Stämme zu Balken und Brettern.
Vollgattersäge, Baujahr 1980
Antrieb Elektromotor, Leistung 100 kW (136 PS)
Moderne Nutzfahrzeuge verbessern die Transportbedingungen zu Gunsten der Grossbetriebe.
Langholzzug SCANIA, Gesamtgewicht 40 t
Baujahr 2000, Leistung 530 PS
Bauernsägen in ihrer ursprünglichen Art mit Holzgatter werden nicht mehr benützt und zerfallen. Die Erhaltung einer vergangenen Handwerkkultur ist in Frage gestellt. So sind heute im Kanton Zürich die noch mit Wasser angetriebenen Sägen an den Fingern abzuzählen. In Bassersdorf, Winterthur-Hegi und Hinteregg wurden drei alte Sägen mit Wasserradantrieb als Demonstrationsobjekte für Schulen, dank finanzieller Hilfe von Denkmalpflege, Heimatschutz sowie Fronarbeit freiwilliger Helfer, mit beträchtlichem Aufwand wieder funktionstüchtig gemacht.
Aber die einzige Sägerei mit Wasserrad, die bis Ende der 1970er Jahre im Zürcher Oberland noch im Betrieb stand, ist die Sägerei der Sägerfamilie Egli in der Stockrüti ob Bäretswil. Natürlich war auch sie nicht mehr rentabel und anfangs der 1980er Jahre musste sie einem Neubau weichen. Dass die alten Maschinen mit ihren Antrieben nicht untergingen, sondern weiterbestehen, ist beachtlich.
Literatur
1 - Alfred Casserini, Jörg Albrecht: Sagi Stockrüti. VEHI, Verein zur Erhaltung alter Handwerks- und Industrieanlagen 2015, Teil 2, Geschichte der mechanischen Sägereien