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GB fordert Werbeverbot für Tabak und hochprozentigen Alkohol
Archiv: 28. Januar 2004
Motion von Patrick Graf, GB-Fraktion im Grossrat
Der Regierungsrat wird beauftragt, auf kantonaler Ebene für die Suchtmittel Tabakwaren und Alkoholika mit über 15% Alkoholgehalt ein Werbeverbot auf öffentlichem und privatem Grund, in und an öffentlichen Gebäuden und an öffentlichen Anlässen zu erlassen.
Begründung:
Tabak:
- In der Schweiz raucht rund ein Drittel der Bevölkerung mehr oder weniger regelmässig. Auch in der Schweiz werden die RaucherInnen immer jünger und zahlreicher, insbesondere bei den Frauen. Dies zeigt sich auch darin, dass sich in der Schweiz die Sterblichkeit durch Lungenkrebs bei Frauen seit 1970 verdreifacht hat!
- In der Schweiz sterben jährlich 8000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Damit ist der Tabakkonsum die eindeutig wichtigste Ursache für vorzeitige Sterblichkeit. Rund jedeR zweite RaucherIn stirbt an den gesundheitlichen Folgen des Rauchens, und auch Passivraucher werden belästigt und ihre Gesundheit geschädigt.
- Dank den Enthüllungen um die Machenschaften der Tabakindustrie Mitte der 90er-Jahre müssen heute die Konzerne endlich dazu stehen, dass Zigaretten äusserst schädliche Produkte sind ‐ im Besonderen auch für Passivrauchende.
- Je früher und jünger eine Person mit Rauchen anfängt, desto schwieriger wird es für sie, davon los zu kommen.
- Die Zigarettenwerbung zielt trotz gegenteiligen Beteuerungen der Tabakindustrie immer noch auch auf Neukunden und Jugendliche, da sich das Gegenteil im konkreten Fall kaum nachweisen lässt.
Alkohol:
- Alkohol ist die in der Schweiz mit Abstand am meisten konsumierte psychoaktive Substanz von Jugendlichen und Erwachsenen.
- Eine Schülerbefragung ergab, dass 8% der 15jährigen weiblichen und 27% der 15jährigen männlichen Jugendlichen jede Woche mindestens einmal Alkohol konsumieren. Die Zahl der berichteten Räusche unter Jugendlichen ist in den letzten 15 Jahren angestiegen.
- In der Schweiz sterben jährlich 2500 bis 3500 Personen durch alkoholbedingte Krankheiten oder Unfälle. Rund jeder 5. Strassenverkehrsunfall mit Todesfolge ist alkoholbedingt, das sind jedes Jahr rund 100 Todesfälle.
- 8.5% aller verlorenen Lebensjahre (Tod vor dem siebzigsten Lebensjahr) sind alkoholbedingt.
Kosten:
- Die Kosten der gesundheitlichen Folgen des Tabak- und Alkoholkonsums haben ihren direkten Einfluss auf die Höhe der Krankenversicherungsprämien und die Spitalbudgets des Kantons. Zusätzliche Kosten fallen auch im Sozialbereich an.
- Der Suchtmittelkonsum bringt volkswirtschaftliche Einbussen infolge verminderter Leistungsbereitschaft und -fähigkeit, Arbeitsunfähigkeit und vorzeitiger Todesfälle. Diese Kosten infolge Alkoholkonsum belaufen sich in der Schweiz auf jährlich 3 Milliarden Franken (oder 8 Millionen Franken/Tag).
- Nichts desto trotz gibt die Zigarettenindustrie z. B. in der Schweiz jährlich über 100 Millionen Franken für die Werbung aus. Der dadurch vermittelte Lebensstil prägt in weitem Masse auch das Bild, das sich die Jugendlichen von (uns) Erwachsenen machen.
Das Bundesgericht hat das rigorose Werbeverbot des Kantons Genf gutgeheissen und hiermit wegweisend Gesundheit und Suchtprävention über die Wirtschaftsfreiheit gestellt! Das Gesetz ist im Kanton Genf seit Oktober 2000 in Kraft. In den Kantonen Zürich, Waadt, Graubünden und Appenzell Ausserrhoden wurden ähnliche Vorstösse schon überwiesen, in weiteren Kan-tonen sind Vorstösse hängig.
Einerseits sind Eltern, Schulen, Vereine, öffentliche Hand etc. mit aufwändiger Präventions- und Aufklärungsarbeit sowie als Vorbilder gefordert, Jugendliche von diesen Suchtmitteln abzuhalten. Andererseits verführen gleichzeitig deren Hersteller und Vertreiber mit allerorts präsenter, immer raffinierterer Plakat- und Kinowerbung etc. die Jugendlichen zum Einstieg.