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Schweiz steht nicht vor einer Migrationskrise
Die Situation sei in Griechenland, Kroatien oder Österreich, wo man von einer Krise sprechen könne, viel besorgniserregender, sagte Piguet in einem am Samstag veröffentlichten Interview von «Le Temps».
Sollte die Zahl der Asylsuchenden weiter steigen, «ist es immer noch möglich, die Standards anzupassen, aber die Lebensbedingungen in den Asylstrukturen sind bereits sehr spartanisch», bemerkte der Migrationsexperte.
Der Bundesrat hat am Freitag einen subsidiären Einsatz der Armee beschlossen, die dem Staatssekretariat für Migration (SEM) zusätzliche Unterkunftsplätze und Militärpersonal zur Verfügung stellen wird, um den Zustrom von Asylsuchenden zu bewältigen. Das SEM geht davon aus, dass es mittelfristig 3000 zusätzliche Betten benötigt.
«Regelrechte Schlepperindustrie»
Piguet erklärt den Zustrom mit der Zunahme von Kriegen, Gewalt und humanitären Krisen, insbesondere in der Ukraine, in Syrien, in Afghanistan und im Iran. Dazu komme die Globalisierung, die den Effekt habe, dass die verschiedenen Teile der Welt näher zusammenrückten.
«Heute kann man von viel weiter weg als in den 1960er Jahren um Schutz in Europa bitten, selbst wenn man dabei sein Leben riskiert», stellte Piguet fest. Neben den verbesserten Transportverbindungen habe sich «eine regelrechte Schlepperindustrie» entwickelt. Allerdings flüchteten 72 Prozent der Menschen von ihrem Land in ein jeweils angrenzendes Gebiet.
Der Bundesrat schätzt, dass die Zahl der Menschen aus der Ukraine in der Schweiz bis Ende des Jahres auf 75'000 und die Zahl der Asylsuchenden auf 24'000 ansteigen wird.