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Nürnberg – Besuch in Frankens alter Kaiserstadt
In der Mitte Europas zählte Nürnberg jahrhundertelang zu den grössten und wichtigsten Städten des Römischen Reichs. Die Stadt an der Pegnitz beherbergte Kaiser und Könige; Konrad III. und Friedrich Barbarossa bauten hier einst die Nürnberger Kaiserburg, die bis heute eine der bedeutendsten Festungsanlagen in Europa ist.
Die grösste Stadt in Franken hat aber auch düstere Zeiten gesehen. Die deutschen Nationalsozialisten wählten die Stadt zum Schauplatz ihrer Propagandaveranstaltungen, und die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs machten die historische Altstadt beinahe dem Erdboden gleich.
Dennoch konnten die mittelalterlichen Stadtstrukturen in Nürnberg aufrechterhalten werden und erinnern heute wieder an die vergangenen Glanzzeiten. Historische Patrizierhäuser und gotische Kirchen wechseln sich in Nürnberg mit belebten Geschäftsstrassen ab, und über allem thront heute wie vor tausend Jahren die mittelalterliche Nürnberger Burg.
Alte Kaiserstadt in der Mitte Europas
Wenngleich die genauen Ursprünge der Stadt Nürnberg nicht bekannt sind, können im heutigen Stadtgebiet schon um das Jahr 1000 n. Chr. wichtige Siedlungszentren nachgewiesen werden. Nürnberg war bereits früh ein kaiserlicher Stützpunkt und diente allen Königen und Kaisern des Heiligen Römischen Reichs zumindest zeitweise als Aufenthaltsort. Dazu zählte auch König Konrad III., der ab 1140 die Nürnberger Kaiserburg bauen liess.
Als Handwerkszentrum und zentraler Handelsplatz in der Mitte Europas gelangte Nürnberg im 15. und 16. Jahrhundert zu grossem Reichtum. Nürnberg zählte in dieser Zeit zu den grössten Städten im Reich. Die Auswirkungen des Dreissigjährigen Kriegs schwächten die städtische Wirtschaft jedoch und beendeten Nürnbergs Blütezeit. Ende des 18. Jahrhunderts war die Stadt schliesslich hoch verschuldet, und in der Bevölkerung wuchs der Unmut gegen die herrschenden Patrizierfamilien. Wenig später wurde Nürnberg von Frankreich besetzt und schliesslich an das Königreich Bayern abgetreten.
Im 19. Jahrhundert war Nürnberg vom wirtschaftlichen Aufschwung geprägt. Die erste deutsche Eisenbahnverbindung wurde 1835 in Nürnberg eingeweiht, und die Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum der Spielwaren- und Modellbauindustrie. Der Wirtschaftsstandort Nürnberg wurde später auch von den Nationalsozialisten immer wieder für Propagandaveranstaltungen missbraucht. Die berüchtigten Nürnberger Rassegesetze wurden 1935 vom Reichstag in Kraft gesetzt.
Moderne Stadt mit mittelalterlicher Gliederung
Die wirtschaftliche Bedeutung bescherte Nürnberg im Zweiten Weltkrieg verheerende Zerstörungen. Der historische Stadtkern, bis dahin einer der am besten erhaltenen Deutschlands, wurde fast völlig dem Erdboden gleichgemacht. Aus diesem Grund ist Nürnberg heute eine recht junge Stadt. Im Gegensatz zu anderen Städten wurde in Nürnberg jedoch die mittelalterliche Struktur der Altstadt bewusst bewahrt, sodass die Stadtplätze heute einen anschaulichen Eindruck davon bieten, wie das mittelalterliche Nürnberg einmal ausgesehen hat.
Die Nürnberger Innenstadt wird von der Pegnitz in zwei Hälften geteilt und von der mittelalterlichen Stadtmauer umschlossen. Etwa vier der ursprünglich fünf Kilometer Stadtmauern sind noch erhalten, wenn auch nicht als geschlossenes Bauwerk. Im Burgviertel, einst das Viertel der Handwerker, wurden einige typische Kaufmannshäuser erhalten und andere nachgebaut. Dazu zählen neben den Sandsteinhäusern in der Füll auch die traditionellen Fachwerkhäuser in der Weissgerbergasse und in den Krämergassen.
Besuch auf der alten Kaiserburg
Nürnbergs Wahrzeichen ist die Nürnberger Burg, die einst als Kaiserburg unzählige europäische Herrscher beherbergte. Die Burg zählt geschichtlich und architektonisch zu den bedeutendsten Festungsanlagen in Europa. In Auftrag gegeben wurde sie 1140 von Konrad III. bereits als zweite Nürnberger Burg. Der genaue Bauzeitpunkt der ersten Festungsanlage ist nicht bekannt; sie wurde aber vermutlich schon vor dem Jahr 1000 errichtet.
Mehrere Jahrhunderte dauerte der Bau des Nürnberger Rathauses an, der im 14. Jahrhundert begonnen und erst Mitte des 16. Jahrhunderts abgeschlossen wurde. Das alte Rathausgebäude umfasst nicht nur die im Keller befindlichen Lochgefängnisse, sondern auch ein umfangreiches Saalgemälde von Albrecht Dürer. Bereits vor dem Rathaus wurden die beiden gotischen Kirchen St. Lorenz und St. Sebald errichtet. In der Kirche St. Sebald kann das Sebaldusgrab von Peter Vischer besichtigt werden; die Kirche St. Lorenz umfasst zahlreiche Kunstschätze.
Zentraler Punkt der Nürnberger Altstadt ist der Hauptmarkt mit dem Schönen Brunnen. Die rund 5.000 m² grosse Fläche beherbergt an Werktagen den Wochenmarkt und wird auch für Grossveranstaltungen wie den berühmten Christkindlesmarkt genutzt. Von besonderer Bedeutung sind in Nürnberg ausserdem das Wohnhaus Albrecht Dürers und die Nürnberger Felsengänge, ein weitverzweigtes Labyrinth, das die Nürnberger Altstadt mit teils mehrstöckigen Kelleranlagen unterläuft. Die Felsengänge wurden lange Zeit als Bierlager genutzt.
Christkindlesmarkt und mehr: Nürnberg erleben
Nürnberg dient nicht nur als Tor zur nahegelegenen Fränkischen Schweiz, sondern bietet auch im Stadtgebiet Gelegenheit zum Ausspannen und Erholen. Neben dem Rechenberg-Park östlich des Burgbergs zählt vor allem der Nürnberger Tiergarten zu den lohnenswerten Ausflugszielen der Umgebung. Mit einer Fläche von fast 70 ha zählt der Landschaftszoo zu den grössten Zoologischen Gärten in Europa. Besondere Attraktion des Tiergartens ist das Delfinarium, in dem täglich Vorführungen abgehalten werden.
Nürnbergs jährliches Top-Event ist ohne Zweifel der Christkindlesmarkt im Dezember, der zu den bekanntesten und traditionsreichsten Weihnachtsmärkten der Welt zählt. Mit rund zwei Millionen jährlichen Besuchern ist er ausserdem einer der grössten Märkte in Deutschland. Auch örtliche Spezialitäten wie das Nürnberger Lebkuchen oder die traditionelle Nürnberger Rostbratwurst können auf dem Christkindlesmarkt genossen werden.
Oberstes Bild: Heilig-Geist-Spital über der Pegnitz (© Keichwa / Wikimedia / CC)