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Eine in der antiken Stadt Lachisch, 44 km südwestlich von Jerusalem gefundene 3.500 Jahre alte beschriftete Tonscherbe gibt neue Aufschlüsse über die Verbreitung der Alphabetschrift. Die vier Zentimeter lange und dreieinhalb Zentimeter breite Scherbe deute auf eine wesentlich frühere Verbreitung des Alphabets in der Region als bisher angenommen, berichtet die Tageszeitung „Haaretz“ (Donnerstag). Veröffentlicht wurden die Untersuchungsergebnisse der 2018 bei österreichischen Ausgrabungen an der zentralisraelischen Stätte gefundenen Keramik am Donnerstag in der Fachzeitschrift „Antiquity“.
Bei der mit schwarzer Tinte beschriebenen Scherbe handelt es sich vermutlich um ein Fragment einer zypriotischen Keramikschale. Mittels der C14-Methode datierten die Forscher des Österreichischen Archäologischen Instituts der Akademie der Wissenschaften den Fund auf das Jahr 1450 vor Christus. Es handelt sich damit um den bisher ältesten sicher datierten Beleg für alphabetische Schrift in der südlichen Levante.
Die Forschung geht davon aus, dass die Ursprünge unseres Alphabets auf das 19. vorchristliche Jahrhundert zurückgeht, als kanaanitische Migrantenarbeiter und Sklaven im Sinai ägyptische Hieroglyphen in Schriftzeichen übertrugen. Ausgehend von früheren Funden aus dem 14. und 13. Vorchristlichen Jahrhundert war man bisher davon ausgegangen, dass sich die Schrift erst mit der ägyptischen Herrschaft zu dieser Zeit in der südlichen Levante verbreitete. Die Scherbe aus Lachisch zeige jedoch, dass die Schrift deutlich früher und unabhängig von Ägypten in die Region gekommen sei.
Entziffern konnten die Forscher den kurzen und unvollständigen Text auf der Scherbe bislang nicht. Der Fund bringe die Forschung jedoch dazu, „die Entstehung und Verbreitung des frühen Alphabets im Nahen Osten neu zu überdenken“, so Grabungsleiter Felix Höflmayer laut Bericht.
KNA/akr/cha