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Als Hirnschlag bezeichnet man den plötzlichen Unterbruch der Durchblutung in einem bestimmten Hirnabschnitt. In 85% der Fälle handelt es sich um einen ischämischen Schlaganfallt also um eine arterielle, zerebrale Durchblutungsstörung. In ca. 10% handelt es sich um einen hämorrhagischen Schlaganfall, das heisst um einen Schlaganfall infolge einer intrazerebralen Blutung.
Akut einsetzende neurologische Ausfälle sind die Folgen. Eine Apoplexie tritt in der Schweiz jährlich bei etwa 250-300/100 000 Personen auf und zählt wie in anderen westlichen Industrieländern zu den häufigsten Todesursachen, neben Herzinfarkt und Krebskrankheiten.
Wo die Durchblutungsstörung zum Absterben von Nervenzellen führt, entsteht eine Narbe und zurück bleibt ein Funktionsverlust der betroffenen Hirnregion.
Das menschliche Gehirn ist äusserst sauerstoffbedürftig. Ein Fünftel des gesamten vom Herz geförderten Blutes wird dem Hirn zugeführt. Wenn die Blutzufuhr unterbrochen ist, kommt es nach wenigen Sekunden zu Bewusstseinsverlust und nach drei bis fünf Minuten zu irreversiblen (nicht mehr reparablen) Schädigungen. Ein völliger Unterbruch der Zirkulation während zehn Minuten bedeutet Hirntod.
Der Ausfall der Blutzirkulation in einem bestimmten Hirnabschnitt kommt auf zwei unterschiedliche Arten zustande:
Im Versorgungsbereich der verstopften oder gerissenen Arterie wird das Nervengewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, stirbt ab und wird in seiner Konsistenz „matschig“ – es entsteht ein so genannter Erweichungsherd (Abbildung). Das untergehende Zentrum heisst Infarktzone, darum herum besteht ein Übergangsbereich von geschädigtem Gewebe, das funktionell ausgefallen ist und im weiteren Verlauf zugrunde geht, aber sich auch erholen kann – die so genannte Penumbra („Halbschatten“, Abbildung). Das Ausmass der Hirnschädigung und die in der Folge entstehenden Symptome hängen ab vom Ort und von der Grösse des verschlossenen Blutgefässes. Ausschlaggebend ist zudem die Schnelligkeit, mit der ein Fortschreiten von Schäden am Nervengewebe aufgehalten wird.
Viele Betroffene haben Monate oder Wochen vor einem Hirnschlag leichtere und vorübergehende neurologische Ausfälle, zum Beispiel flüchtige Lähmungen eines Arms, einen herabhängenden Mundwinkel, Einschränkungen des Gesichtsfelds oder Wortfindungsstörungen. Solche Ereignisse werden oft morgens nach dem Aufwachen beobachtet. Gelegentlich dauern die Symptome nur sehr kurz, manchmal bleiben sie Stunden oder Tage. Umgangssprachlich ist dann die Rede von einem „Schlägli“ oder von einer „Streifung“. Der Fachausdruck für derartige Episoden von maximal einer Stunde lautet TIA, transitorische, ischämische Attacke. Eine TIA ist ein Notfall und muss sofort abgeklärt werden, denn es handelt sich um ein Warnsignal eines bevorstehenden Hirnschlags. 20% der Schlaganfälle kündigen sich durch eine TIA an. Dieser kann schon in den nächsten 24 Stunden eintreten, er droht nicht nur in unbestimmter Zukunft.
Abhängig vom Ausmass der Hirnschädigung bilden sich viele der Krankheitszeichen nach einiger Zeit und bei konsequenter Therapie zurück. Eine vollständige Genesung ist jedoch nur nach „leichtem“ Hirnschlag, bei 1/3 der Patienten zu erwarten, wenn kleinere Gefässe verschlossen waren und intakt gebliebene Nervenzellen und Hirnareale die verloren gegangenen Funktionen zu ersetzen vermögen.
Zudem erleiden ca. 15% der Schlaganfallpatienten innerhalb eines Jahres einen zweiten Schlaganfall.
In der akuten Phase handelt es sich überwiegend um Lungenentzündung und Funktionsausfall innerer Organe, unter anderem der Blase (Inkontinenz) und des Darms.
Später im Verlauf: Restlähmungen an Armen, Beinen oder im Gesicht; sprachliche Defizite wie Wortfindungsstörungen, Wortsalat, unrichtiges Bezeichnen von Gegenständen (Paraphasie); psychische Veränderungen bis zur Demenz, besonders nach wiederholten oder ausgedehnten Schlaganfällen; bleibende Funktionsstörung von Sinnesorganen (Gleichgewichtsorgan, Ohren, Geruchssinn, Augen).
Bei einem Hirnschlag muss notfallmässig der Arzt oder Rettungsdienst alarmiert werden (Notruf 144). Die umgehende Einweisung in eine spezialisierte Klinik („Stroke Unit“) ermöglicht sofortige Intensivbehandlung. Diese hat zum Ziel, den Schaden am Gehirn einzugrenzen und damit die Überlebenschance zu verbessern und invalidisierende Ausfälle möglichst zu verhindern.
Bis der Arzt oder die Ambulanz eintrifft:
Das Zeitfenster für ein erfolgreiches Wiederherstellen der Blutzirkulation ist nur drei bis viereinhalb Stunden lang („Time is Brain“). In dieser Zeit müssen der Transport in eine geeignete Klinik mit einer sogenannten „Stroke Unit“ und die aufwändigen Abklärungen stattgefunden haben. CT (Computer-Tomographie) und MRT (Magnetresonanz-Tomographie) werden eingesetzt, um einen Gefässverschluss von einer Blutung zu unterscheiden, den Krankheitsherd zu lokalisieren und die Grösse des betroffenen Hirnteils zu erkennen.
Der Therapiebeginn muss innerhalb des genannten Zeitfensters erfolgen, je früher desto besser die Prognose. Behandlungsziel ist es, möglichst viel von der Penumbra (Übergangsbereich, „Halbschatten“) vital zu erhalten.
Unmittelbar an die Akutphase schliessen sich Massnahmen zum Wiedererlangen verlorener Fähigkeiten an. Dazu ist auch die Mithilfe von Angehörigen wünschenswert. Physiotherapie und Ergotherapie rehabilitieren durch repetitives Üben die Motorik, das Steh- und Gehvermögen sowie die Körperwahrnehmung. Das Zurückgewinnen von Sprachverständnis und Sprechvermögen ist Aufgabe der Logopädie.
Dem Hirnschlag vorbeugen heisst: