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Ein Brüderchen für
Owen

Von A. Rose
In vielen Familien mit einem Corgi dürfte es zu einer heiklen Situation kommen, wenn es sich herausstellt, dass die geliebte und aristokratische Hundenase bald Konkurrenz von einem stupsnasigen menschlichen Brüderchen oder Schwesterchen kriegt. So eine Situation haben wir frühzeitig erkannt und unseres Erachtens erfolgreich gemeistert. Nicht zuletzt war es aber auch der Verdienst des Corgis, dass es zur allgemeinen Bereicherung und Zufriedenheit aller Familienmitglieder kam.
Owen Caradoc Meredith war während fast 18 Monaten ein "Einzelkind". Seine Welpenzeit verbrachte er unter der Obhut seines hingebungsvollen Herrchens und Frauchens. Mit seinem Wesen, seiner Klugheit und Lebhaftigkeit bereitete er nicht nur seinen Besitzern Freude, Owen wurde auch von den Nachbarn bewundert. Sein Talent eine Chukka Polo zu spielen, indem er mit einem Gummiknochen im Maul einen Gummiball präzise traf und geschickt durch das Zimmer trieb, erstaunte und amüsierte jeden Besucher. Sein Gehorsam gegenüber seinem Herrchen, jedoch - um ehrlich zu sein - nicht gegenüber seinem Frauchen; seine Kühnheit es gleichzeitig mit zwei Border Terriern aufzunehmen; seine Verfolgungsjagden auf Schäferhunde, Dandie Dinmonts, Katzen, Hasen und sogar Igel löste verschiedene Reaktionen aus, je nachdem wo die Sympathie des Betrachters lag.
Unsere Befürchtungen galten deshalb dem möglichen psychologischen Schock für Owen bei der Einführung eines neuen Homo Sapiens in den Familienkreis. Nach gründlicher Diskussion wurde beschlossen, dass die Gefühle des Corgis möglichst geschont werden sollten, und schliesslich wurde ein Plan ausgeheckt und später ausgeführt.
Während sein Frauchen in der Klinik war, nahm Owen an den täglichen Telefongesprächen teil und erhielt Worte des Lobes und der Wertschätzung. Später erkannten wir, dass das nicht eine besonders gute Idee war, denn der arme Hund rannte jedes Mal unverzüglich nach oben zum Schlafzimmer im Glauben, er würde dort sein Frauchen finden. Er verbrachte jeweils den ganzen Tag und die halbe Nacht auf der Treppe in der Überzeugung, dass sein Frauchen oben sein musste und schliesslich herunter kommen, oder dass sie unten war und schliesslich nach oben kommen würde. Sogar seine Mahlzeiten verschlang er schnell, immer mit einem Auge auf die Treppe.
Die Kinderschwester, die mit dem neuen Baby ins Hause kommen sollte, hatte Verständnis für Owen und war einverstanden, dass das Baby als ihr exklusives Eigentum vorgestellt wurde, während die Wiedervereinigung von Hund und Frauchen ungestört vor sich gehen sollte. Ausserdem sollte, während mindestens vier Wochen, jede laute und demonstrative Bewunderung des Babys nur stattfinden, wenn Owen für den Spaziergang ausser Haus war. Das funktionierte reibungslos. Schwierigkeiten gab es nur, wenn Besucher sich gurrend über das Baby beugten und gleichzeitig zu Owen sagten "Geh runter" oder sogar "Habt ihr keine Angst, dass der Hund aus Eifersucht das Baby beissen könnte?" Die Antwort darauf ist logischerweise, dass wenn du mit ihm schimpfst, wenn er dir sein Brüderchen zeigen will, ja dann könnte er vielleicht beissen... aber nicht das Baby! Solche Leute glauben offenbar, dass wir den Corgi dem Baby vorziehen würden... ("Es ist ja nur ein Hund".)
Corgi-Kuss
Tatsächlich haben wir festgestellt, dass sich die Sorgfalt, die wir wenige Wochen lang walten liessen, in hohem Masse lohnte. Mit fünf Monaten hält das Baby vertrauensvoll sein Händchen zu Owen, damit er es jeden Morgen lecken kann, und akzeptiert begeistert glucksend die Bälle, Kekse und Knochen, die er ihm anbietet. Beim Füttern und Windeln wechseln ist Owen immer mit dabei und versucht nie, aufs Bett zu springen, was er andere Male ungestraft getan hat. Er spielt Polo mit Ball und Knochen oder liegt ruhig beim Kaminfeuer und er rennt immer als Erster nach oben und wieder nach unten, wenn es Zeit ist das Baby zu füttern oder die Windeln zu wechseln.
Wir sind überzeugt, dass viel zu viele Leute ihren Hund infolge von Eifersuchtsproblemen aufgeben, für die sie selbst die Schuld tragen. Owen verlangt nachdrücklich Aufmerksamkeit und Anerkennung von allen, die das Baby bewundern und liebkosen und wir sorgen dafür, dass er nicht zu kurz kommt. In der Spielstunde mit dem Baby zwischen 17 und 18 Uhr beschäftigen wir uns auch ausgiebig mit dem Corgi. Er weiss, dass sein Platz in der Familie gesichert ist und ihm vom neuen Mitglied nicht streitig gemacht wird und so wurde seine naturgemässe Eifersucht nie zu einer schmerzlichen oder gefährlichen Angelegenheit. Wir hoffen und glauben, dass es nie dazu kommt.
Aus The Welsh Corgi League Handbook 1947
Übersetzung ANo