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Lange bevor der Begriff der Begabungsförderung in aller Munde war, forderte Maria Montessori anfangs des 20. Jahrhunderts ein Schulsystem, das den Begabungen aller Kinder gerecht würde. Mit einem einheitlich nivellierenden Frontalunterricht, der weder auf Schwächen noch auf Stärken einzelner SchülerInnen einzugehen vermag, sah sie keine Möglichkeit, diesem Anspruch gerecht zu werden.
Einzig in der Abschaffung eines vorgegebenen Lehrplanes und in der totalen Individualisierung des Lernprozesses sah sie eine Chance, dem einzelnen Kind die ihm zustehenden optimalen Entwicklungsbedingungen zu verschaffen.
So wie sich Kinder in unterschiedlichem Alter aufrichten, zu Wort melden oder "trocken" werden, so sollten sie sich auch die Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens, aber auch die Fähigkeiten in den musischen Bereichen dann aneignen dürfen, wenn sie dazu bereit waren. Kein Kind sollte unter Druck lernen müssen, weil es langsamer vorankam als andere; aber auch kein Kind sollte in seinem Lerneifer ausgebremst werden und sich langweilen müssen, nur weil es schneller vorankam als andere. An diesem Grundsatz hat sich bis heute nichts geändert. An unserer Schule arbeitet jedes Kind in seinem ureigenen Tempo an den Inhalten seiner aktuellen Entwicklungsstufe und findet sich spontan mit denjenigen Kindern zusammen, die seine Interessen teilen und mit seinem Tempo Schritt zu halten vermögen, seien sie älter, gleich alt oder jünger.
So mag es weiter nicht mehr verwundern, wenn in unseren Klassen neben durchschnittlich begabten Kindern auch Kinder mit diagnostizierter Hochbegabung, sowie entwicklungsverzögerte Kinder in friedlicher Koexistenz lernen und spielen. Der jahrgangsdurchmischten Klasse wird in unserem Schulsystem also besondere Bedeutung beigemessen.
Viele Erkenntnisse der heutigen, gezielten Begabungsforschung, aber auch die daraus abgeleiteten Forderungen und die entsprechenden Bestrebungen in der jüngeren Begabungsförderung, fussen sie nun auf Renzullis "Schulischem Enrichment Modell" (SEM) auf Csikszentmihalyis Flow-Erlebnis, auf Gardners "multiplen Intelligenzen", oder auf der „Bloomschen Taxonomie“, wurden von Maria Montessori vorweggenommen und sehen sich heute - rund 100 Jahre später durchwegs bestätigt.