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Alois Grichting - Walliser Bote 10. und 14. August 2010
Grosser Schubert erklang im viersätzigen Klaviertrio B-Dur, D 898, in dem neben Pianistin Rodrigues und Cellist Hoogeveen Violinist Liviu Prunaru auftrat, der dichte Instrumentalklang dieses Werkes faszinierte.
Im langsamen "träumerischen" zweiten Satz, im musikantischen Scherzo und im tänzerischen, auf das Schubert-Lied "Skolie" anspielende und volksmusiknahe Rondo zeigten alle drei Solisten hervorragendes Zusammenspiel, souveräne Tempi, spannungsreiche Ausformung der Übergänge, kurz: Faszination der Musik!
Anstelle des Chefdirigenten Alexander Dmitriev wurde das einen Hauch St. Petersburger Musikkultur vermittelnde Orchester sowohl im Konzert-Rondo "Krakowiak" als auch in den beiden Klavierkonzerten von Frédéric Chopin durch Pianistin Eliane Rodrigues nach altem Vorbild vom Klavierstuhl aus dirigiert. Sie, eine agile, schlanke Person, tat dies mit erstaunlicher Kraft und Fantasie. Sie verstand es, das Orchester herauszufordern, ihm auch selbstständige Arbeit zu überlassen und es dann in Einleitungen, Zwischenteilen und Tutti-Einsätzen, seine ganze Klangmöglichkeit und Klangmacht entfalten zu lassen. Es ist wirklich eine Errungenschaft, dass Saas-Fee ein so qualifiziertes Orchester beherbergen darf.
Dieser Chopin à la Rodrigues - Frau Eliane spielte in einem eigentlichen Kraftakt auch die beiden Klavierkonzerte Opus 21, f-Moll und Opus 11, e-Moll - war gekennzeichnet durch grosse motorische Kraft, durch stupende Klaviertechnik der in ihrem roten Kleid als wahres Energiebündel wirkenden Solistin.
Frau Rodrigues zeigte ihre Fähigkeit zu intensiver musikalischer Gestaltung dann vor allem auch in den verhalteneren Sätzen, im f-Moll-Klavierkonzert etwa im verträumten Mittelteil, in dem offenbar als Huldigung an eine von Chopin verehrte Sängerin ein liedartiges Thema durch perlende Läufe variiert wird. Auch der als langsames Larghetto mit der Überschrift "Romanze" gestaltete zweite Satz des e-Moll-Klavierkonzertes beeindruckte. Diese Werkteile, aber auch eine lyrische, durch die Standing Ovation des Publikums erzwungene Zugabe zeigten, dass Frau Rodrigues in den vergangenen fünf Jahren, in denen sie in der Weiten Welt, aber nicht mehr in Saas-Fee zu hören war, an künstlerischer und musikalischer Tiefe gewonnen hat.