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Der Puls steigt, die Minuten und Sekunden werden gezählt bis es endlich 4 Uhr schlägt. «Morgestraich, vorwärts, Marsch!» Wenn in Basel am Fasnachtsmontag die Lichter ausgehen, Piccolo- und Trommelklänge ertönen, ist endlich wieder Fasnacht. Was steckt hinter dem Glockenschlag um 4 Uhr? Dass in Basel so früh am Morgen musiziert wird, war nämlich nicht immer so.
Das Trommeln war nämlich gemäss eines Verbots von 1773 erst ab 7 Uhr und später ab 6 Uhr erlaubt. Erst mit dem ungesetzlichen Morgestraich, organisiert von Metzger Bell, setzte sich 60 Jahre später die heutige Zeit – 4 Uhr morgens – als Auftakt der Fasnacht durch.
«Bellsche Spiessgesellen»
Vor allem während der Spannungen zwischen Stadt und Land litt die Basler Fasnacht unter Einschränkungen. Völlig egal war das dem Basler Metzger und Gastwirt Samuel Bell. Er scharrte eine Gefolgschaft von Tambouren um sich. Später war die Gruppe als «Bellsche Spiessgesellen» bekannt.
Sie führten gegen 16 Uhr am selben Tag einen Umzug durch. Beteiligt waren gemäss Polizeibericht 100 bis 150 Personen. Verbote liefen ins Leere, und so liess man die Fasnächtler gewähren.
Eigentlich war der Morgestraich ein militärisches Trommelsignal, mit dem die Truppen zusammengerufen wurden. Wegen der «Fasnachts-Belustigungen» nannten die Verordnungen Anfang des 19. Jahrhunderts den Begriff Morgestraich in Verbindung mit der Fasnacht.
Die Metzgersche Tradition eines frühen Umzuges begann aber erst am 27. Februar 1833.
(Video: Youtube/SRF Archiv)
Tambouren und Säbelträger
Sanuel Bells früher Morgestraich begann bereits um 3 Uhr morgens. Die Jugend ist damals trommelnd durch die Gassen gezogen. Im Jahr darauf konnte der Morgestraich zum ersten mal mit formeller Erlaubnis der Obrigkeit um 4 Uhr durchgeführt werden. Damals aber schritten Tambourengruppen begleitet von Platzmachern mit Säbeln in den Händen durch die Nacht. Um sie herum neckten Pierrots und Blätzlibajasse das Publikum. Für Licht sorgten zu dieser Zeit Pechfackeln.
1845 dann sorgte ein polizeiliches Verbot für das Verschwinden der feuergefährlichen Fackeln. Die Zeit der Laternen war gekommen. Anfänglich trugen die Fasnächtler vor allem Stab- und Rückenlaternen, erst später gab es die grossen Laternen, die dem Morgestraich heute seinen besonderen Charakter verleihen.
Die schönsten Bilder vom Morgestraich 2018:
Morgestraich hoch zwei
Nicht immer fand der Morgestraich nur am Fasnachtsmontag statt. In den Jahren von 1900 bis 1902 wurde nämlich ein zweiter Morgestraich auf den Mittwoch gelegt. Diese «Kuriosität» wurde danach aber wieder abgeschafft.
Nicht nur heute, sondern auch früher wurden die Menschenmassen und das damit verbundene Gedränge zunehmend ein Problem. Vor allem, wenn zwei verfeindete Züge bei wenig Platz aufeinander stiessen, konnte es ab und an schon hässlich werden.
In den 1870er Jahren sei ein Fasnachtszug von einem anderen auf der Rheinbrücke gar so dreist abgedrängt worden, dass die Laterne in den Fluss fiel.
Nach dem Unterbruch während des zweiten Weltkriegs fand der erste Morgestraich wieder am 11. März 1946 statt. Dieser war derart gut besucht, dass für die Cliquen am Marktplatz kein Durchkommen mehr war. So musste so mancher Tambour mit der Trommel über dem Kopf durch die Zuschauermenge balancieren.
Auch heute ist der Morgestraich eine riesige Veranstaltung mit tausenden von Zuschauern.
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