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Der Verein L200 stellt dem Quartier einen günstigen und zentralen Raum zur Verfügung, der offen, vielfältig und gesellig ist. Das Motto des L200 ist deshalb «Auch dein Raum».
Im Folgenden schlagen wir einige Werte vor, die die zukünftige Entwicklung des L200 leiten sollen. Beispielsweise sollen viele verschiedene Nutzungsarten möglich sein, ohne dass eine Gruppe die Identität des L200 vereinnahmt. Ausserdem soll das L200 selbstverwaltet sein und faire und transparente Preise anbieten. Es ist wichtig, dass sich alle Mitglieder über diese Werte einig sind.
Um diese Werte zu bewahren, können anschliessend konkrete Nutzungsbestimmungen einschliesslich Regeln und Einschränkungen kollektiv definiert werden. Aufgrund unserer Erfahrungen im ersten Betriebsjahr machen wir bereits Gebrauch von provisorischen Bestimmungen, die aber für den Moment lediglich als Empfehlungen zu verstehen sind. Mögliche Zuwiderhandlungen sollen deshalb in einem vom Vorstand festzulegenden Verfahren von der Gemeinschaft diskutiert werden. Allfällige Beschlüsse sollen an der GV mitgeteilt und erklärt werden.
1. Kleinteiligkeit
Das Gründungsziel des L200 war es, kleine Akteure im Quartier zu unterstützen. Das heisst nicht, dass grössere Gruppen den Raum nicht benutzen dürfen; ihre Nutzung sollte aber beschränkt bleiben und die gemeinsame Identität nicht dominieren.
Beispiele für Regeln
Um bei Nutzungsanfragen beurteilen zu können, ob sie unserem Schwerpunkt bei kleinen Akteuren nicht zuwiderlaufen, braucht es eine grobe Definition von «klein» und «gross». Für den Moment sehen wir folgende Merkmale als typisch für «Grösse» an:
- Nationale oder internationale Reichweite
- Kommerzielles Wirtschaften
- Mehr als 20 Angestellte
- Politische Partei
Noch zu definierende, spezifische Regeln könnten den Zugang solcher grossen Akteure zum L200 beschränken, z. B. in Form von Obergrenzen für Nutzungszeit und Arbeitsplätze oder eines Verbots für die Nutzung der Schaufenster.
2. Vielfalt
Das L200 möchte ein inklusiver Raum sein. Das bedeutet, dass vielfältige Nutzungen ermöglicht und begrüsst werden sollen. Dafür wird es nötig sein, für die Aktivitäten bestimmter Organisationen und für bestimmte Nutzungsarten Auflagen zu formulieren.
Beispiele für Regeln
Um die Vielfalt im L200 zu erhalten, sollten allgemeine Obergrenzen für verschiedene Nutzungsarten erwogen werden, z. B.:
- 5 Co-worker pro Organisation
- 400 Stunden/Monat Co-working pro Organisation
- 3 Monate Nutzung eines eigenen Schaufensters pro Organisation
- 10 Arbeitstreffen und 6 öffentliche Anlässe pro Monat pro Organisation
- 4 geschlossene oder eintritts- pflichtige Anlässe pro Monat
- 2 Konzerte pro Monat
- 2 Filmvorführungen pro Monat
- 3 regelmässige Anlässe pro Woche bzw. 7 pro Monat
- 1 kommerzieller Anlass (z. B. durchgeführt von einem grossen Unternehmen) pro Monat, 6 pro Jahr
- …
Diese Zahlen sind Vorschläge, die erst im Verlauf der Zeit mit der Zustimmung der GV zu Regeln werden sollen. Die genauen Zahlen sind Gegenstand kollektiver Verhandlungen.
3. Offenheit
Solange die Regel der Vielfalt beachtet wird - kein L200-Mitglied soll den Raum und seine Identität für sich vereinnahmen -, gibt es prinzipiell keine strengen Regeln für den Inhalt von Aktivitäten im L200. Nur Ausgrenzung, Rassismus, Sexismus, Ausbeutung und Hetze werden unter keinen Umständen geduldet.
Beschwerden, die andere Punkte wie Stil, Aufmachung oder den Lärmpegel von Aktivitäten betreffen, werden von Fall zu Fall vom Vorstand diskutiert. Dieser soll ausserdem einen klaren Prozess zur Konfliktlösung entwerfen und der GV vorlegen.
Beispiele für Regeln
Bisher ist die einzige Regel in diesem Bereich das Verbot von Werbung für das politische System, etwa in Form von Wahlplakaten oder Abstimmungsparolen. Genauere Bestimmungen können gemacht werden, sobald weitere ihrem Wesen nach ausgrenzende Aktivitäten vorgeschlagen werden.
4. Gegenseitiger Respekt
Das L200 kann nur langfristig erhalten bleiben, wenn der Raum von verschiedenen Mitgliedern gleichzeitig genutzt wird. Dieses Miteinander führt zwangsläufig zu kleineren Störungen, die die Mitglieder im Allgemeinen erwarten und tolerieren sollten. Gleichzeitig wollen wir offene Aussprache ermutigen, sobald persönliche Grenzen überschritten werden. Missverständnisse und schwelende Konflikte sollten vermieden werden.
Ebenso wichtig ist es, sich beim Zusammentreffen mit anderen Mitgliedern oder deren Gästen zurückhaltend und respektvoll zu verhalten. Auch kleine Gesten können je nach Situation als aufdringlich empfunden werden. Bei Meinungsverschiedenheiten dürfen die Mitglieder, die den Raum gerade einnehmen (z. B. Co-worker oder die Gastgeberinnen von Anlässen), Personen ausschliessen, deren Verhalten sie als unangemessen empfinden. Solche Fälle sollten ausserdem dem Vorstand gemeldet werden.
Beispiele für Regeln
Es ist schwierig, respektloses Verhalten durch allgemeine Regeln zu verhindern. Im Moment ermutigt der Vorstand die Mitglieder des L200, Personen, deren Verhalten während ihrer Co-working-Zeiten oder bei Anlässen sie als respektlos empfinden, selbst auszuschliessen. Besondere Massnahmen können bei wiederholtem Fehlverhalten getroffen werden.
5. Selbstverwaltung
Das L200 ist ein kollektives Projekt, das auf den Prinzipien der Selbstverwaltung, Partizipation und Selbsthilfe basiert. Auch wenn sich unter besonderen Umständen Arbeit, Verantwortung oder Macht bei wenigen Personen anhäufen, sollten stets Anstrengungen unternommen werden, Aufgaben so breit wie möglich zu verteilen und die Teilhabe so vieler Personen zu ermöglichen, wie es ein reibungsloser Betrieb erlaubt.
Beispiele für Regeln
Bisher hat die Selbstverwaltung des L200 intuitiv funktioniert. In Zukunft sollten die benötigten Gruppen (Nutzende, Co-worker, …) und Prozesse (Anlässe, Anwesenheit, Kommunikation, ...) genauer definiert werden, damit die gemeinsame Nutzung auch langfristig funktioniert.
6. Faire und transparente Preise
Das L200 ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Preisrichtlinien kostenbasiert sind. Das bedeutet, dass die finanziellen Beiträge für verschiedene Nutzungsarten so angelegt sind, dass sie die laufenden Kosten decken.
Hinweis: Der Hauptkostenpunkt ist dabei bislang die sehr hohe Miete von monatlich 3330 CHF.
Die Preise für die Nutzung des Raums (z. B. Co-working, Anlässe, Schaufenster, Geräte) einschliesslich Paketangeboten gelten für alle Mitglieder und können nicht verhandelt werden. Ausnahmen erhöhen den Verwaltungsaufwand und sind oftmals unfair, weil sie einzelnen Personen zu viel Macht zugestehen oder sie in eine schwierige Lage bringen.
Alle Verträge, Paketangebote und wirtschaftlichen Vorgänge werden den Mitgliedern offengelegt.
Beispiele für Regeln
Die aktuelle Preisliste wurde während unserer ersten 17 Monate nur geringfügig angepasst. Es scheint also, dass sie einen guten Kompromiss zwischen günstigen Preisen und wirtschaftlichem Betrieb darstellt.
Die Preisliste basiert auf einigen wichtigen Konzepten wie denen der «Spaceholder» (Personen, die den Preis für die erwartete Nutzung des L200 jährlich im Voraus zahlen, um mehr Planungssicherheit zu ermöglichen) oder dem «Solidaritätspreis» für Anlässe, der es Gruppen mit geringen finanziellen Mitteln erlaubt, den normalerweise stündlichen Preis für Anlässe mit bis zu 4 Stunden zu zahlen.
Ausserdem bestehen Sonderangebote für Personen, die freiwillig im L200 mitarbeiten. Die Rahmenbedingungen hierfür müssen zukünftig genauer bestimmt und ausgewiesen werden.
Offene Diskussion
Langfristiges Ziel ist es, dass gewisse Dienstleistungen entlöhnt werden können. Dieses Ziel wird kontinuierlich weiterentwickelt.