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25-2012 Toskana
30.09.2012 - 04.10.2012
Felix V. Derungs, beendet mit dieser fünftägigen Reise in die Toskana seine Arbeit als Reisechef der GMS. Dabei stehen die nachfolgenden Themen im Fokus:
- Die Herrschaft Napoleons I. in Italien, zwischen der Französischen Revolution und dem Wiener Kongress. Napoleon auf Elba
- Die Toskanischen Stadtrepubliken und die Auseinandersetzungen zwischen Siena und Florenz mit der Schlacht bei Monteaperti 1260
- Enea Piccolomini, Humanist, Jurist, Poet, Lebemann; sein widersprüchliches Wirken, von 1458 – 1464 Papst Pius II., Erbauer der „Idealen Stadt“ an seinem Geburtsort Corsignano (heute Pienza)
- Montepulciano, die Perle der Renaissance und der Weinbau in der Toskana
- Der 2. WK in Italien 1943 – 1945 und im Besonderen die Zeit zwischen 1943 und Sommer 1944 im Gebiet zwischen Val d’Orcia und Val di Chiana (Lago Trasimeno – Montepulciano – Montichiello – La Foce – Chianchiano – Chiusi) angelehnt an Iris Origo’s Buch „Toskanisches Tagebuch 1943/44“
- Angriff der 91. US Div (5. US Armee) auf den Futapass und den Giogopass im September 1944.
Sonntag
Fahrt über Chiasso, Mailand, Parma, La Specia, Piombino auf die Insel Elba. Auf der Fahrt: Einführung in die Reise und Orientierung über Napoleon I in Italien. Kleines Mittagessen in einer Autobahnraststätte. Abendessen und Stadtbummel nach Zimmerbezug fakultativ. Übernachtung in Portoferraio
Montag
Spaziergang zum Hafen von Portoferraio und auf dem Weg mit Napoleon vom Hafen zum Rathaus und zur Stadtresidenz im Pallazina dei Mulini. Anschliessend Inselrundfahrt zur Landresidenz in San Martino. Mittagessen im Hotel Portoferraio. Rückfahrt mit der Fähre nach Piombino und mit dem Bus nach Siena. Abendessen und Übernachtung in Siena nahe des historischen Stadtzentrums
Dienstag
Vormittag: Stadtbesichtigung in Siena mit Schwergewicht Piazza del Campo, Palazzo Pubblico und Dom (Pinakothek mit den Bildern aus dem Leben von Enea Piccolomini). Anschliessend Fahrt nach Castelnuovo – Beradegna. Mittagessen in lokalem Restaurant. Anschliessend Orientierung im Gelände über die Schlacht bei Monteaperti vom 4. September 1260 zwischen den fiorentinischen Guelfen und den sienesischen Ghibellinen. Rückfahrt nach Siena. Stadtbummel und Abendessen (fak.). Übernachtung in Siena
Mittwoch
Vormittag: Fahrt entlang der Frankenstrasse ins Val d’Orcia. Orientierung über die Offensive der Alliierten 1943 – 1945 von der Landung der 7. US Armee unter Gen Patton und der 8. Britischen Armee unter FM Montgomery am 10./11. Juli 1943 in Sizilien, bis zum deutschen Zusammenbruch am Po. Besuch von La Foce, dem Landgut von Iris Origo der Autorin des Tagebuchs „Kriegsjahre im Val d’Orca“. Weiterfahrt nach Pienza. Besichtigung der Geburtsstadt von Enea Silvio Piccolomini. Nach dem Mittagessen Fahrt nach Montepulciano. Besichtigung der „Perle der Renaissance“ und Besuch eines Weingutes mit Degustation. Rückfahrt nach Siena. Abendessen in lokalem Restaurant. Übernachtung in Siena
Donnerstag
Fahrt über Florenz auf den Futapass. Orientierung im Gelände über die Kämpfe am Futapass (Gotenlinie) zwischen dem 13. und 21. September 1944 und Besichtigung des grössten deutschen Soldatenfriedhofs im südlichen Europa. Weiterfahrt über Bologna, Mailand, Chiasso nach Zürich
Reiseleitung
Ulrich Pfister’s Reisebericht
(Toskana als PDF zum downloaden)
Was bietet die Toskana an militärhistorischen Ereignissen? Das Programm der Reise, die im Oktober nach sechs Jahren zum zweiten Mal stattfand, spannte sich von einer Schlacht im frühen Mittelalter bis zum Kampf am Futapass fast am Ende des Zweiten Weltkriegs. Wäre da nicht noch Napoleons achtmonatiger Aufenthalt auf Elba, es gäbe wenig her. Doch die 18 Reiseteilnehmer, die sich zur langen Busfahrt in Zürich einfanden, wussten, dass die Toskana noch viel mehr zu bieten hat, an Geschichte, Kultur und Sinnenfreuden aller Art.
Die Busfahrt durch den Gotthard gab Anlass zu einer Einlage der besonderen Art. Richard Heierli gab uns von der Strasse aus einen spannenden, kenntnisreichen Anschauungsunterricht über das Neat-Projekt. Dass italienische Autobahnrestaurants zwei Ein- und Ausgänge haben, sorgte nach dem Mittagessen für eine kleinere Verwirrung, was Roland Bühler – zuverlässig wie immer – nicht daran hinderte, uns so rechtzeitig nach Piombino zu fahren, dass wir mit der früheren Fähre nach Elba übersetzen konnten. Was Napoleon I. als Kaiser vorübergehend nur noch von Elba in den wenigen Monaten seiner Verbannung hier leistete, ist frappant: Er stattete nicht nur seine vier Aufenthaltsorte aus, sondern organisierte sein kleines Reich, liess Strassen bauen, förderte den Weinbau und die Seidenherstellung, reformierte die Salzgewinnung und führte die Müllabfuhr ein. Daneben empfing er Gäste aus der ganzen Welt und bereitete seine Flucht vor. Nach der Besichtigung des Städtchens Porteferraio führt eine Rundfahrt durch die gebirgige Insel zur Sommerresidenz San Martino, die, anders als die Villa in der Stadt, mit ihrer standesgemässen Ausstattung besichtigt werden konnte. Am Nachmittag ging es mit Fähre und Bus weiter nach Siena.
Themen- und Zeitenwechsel. Die Stadtführerin, eine leidenschaftliche Sieneserin, zeigte nicht nur mit ansteckender Begeisterung die bekannten Sehenswürdigkeiten Sienas, sondern vermittelte ebenso eindringlich die das letzte Jahrtausend überdauernde Rivalität der beiden stolzen Städte Florenz und Siena. Zehn zu Null hätten sie damals gesiegt, im Jahr 1260, und auf diesen einmaligen Erfolg sind sie heute noch stolz. Bei Montaperti, südlich der Stadt, fand diese denkwürdige Schlacht statt. In dieser malerischen Landschaft sollen 10’000 Florentiner und 600 Sieneser ihr Leben verloren haben. Vom blutrot gefärbten Flüsschen Arbia schreibt gar Dante in der „Divina Commedia“. Noch heute wird der Muttergottes, die von den Sienesern vor dem drohenden Einfall der Florentiner um Hilfe angefleht wurde, nach jedem Palio die Danksagung der Sieger dargebracht.
Die Geschichte lebt. Das lässt sich in dieser grossartigen mittelalterlichen Kulturlandschaft ganz allgemein sagen. Am schönsten vielleicht in Pienza, der vom gelehrten Humanisten Enea Silvio Piccolomini, dem späteren Papst Pius II., geplanten und gebauten „idealen Stadt“. Sie ist klein, aber die wichtigen Bauten der weltlichen und geistlichen Macht gruppieren sich in seltener Ausgewogenheit rund um den zentralen Platz. Die Trattoria La Buca delle Fate steigerte noch den harmonischen Eindruck, sie hätte für das Mittagessen wohl die meisten Punkte der ganzen Reise gewonnen. Weiter ging es nach Montepulciano, der „Perle der Renaissance“, wie es in der Dokumentation hiess. Nach dem Tempel San Biago als Vorposten spazierten wir bequem von oben nach unten durch die malerische Stadt. Das touristische Angebot präsentiert sich wie eh und je, aber man spürt da und dort Spuren der Krise. Montepulciano ist auch die Stadt der berühmten noblen Weine. Und einer der Besitzer eines Weingutes ist unser Reisleiter Felix Derungs. Keine Frage, dass er uns hier das Highlight unserer Reise präsentiert; die Degustation der Canneto- Produkte, draussen auf der Wiese mit Blick in die Landschaft, endlich einmal bei schönem Wetter.
Den Übergang zum Thema des letzten Tages, dem Zweiten Weltkrieg, hatten wir bereits vorher eingeleitet. Auf der Fahrt nach Pienza machten wir im Val d’Orcia einen Abstecher zum Landgut La Foce, das einem Grossgrundbesitzer adliger Herkunft gehörte und heute touristisch betrieben wird. Die Gutsherrin Iris Origo, eine gebürtige Britin, schrieb ab 1943 das Toskanische Tagebuch, in dem sie schilderte, wie sie auf ihrem Gut das wechselnde Kriegsgeschehen erlebte. Unser Reiseleiter las während der Busfahrt Stellen aus diesem eindrücklichen authentischen Buch vor, das heute leider nicht mehr erhältlich ist. Mitten in der friedlich gestimmten Landschaft die Erinnerung an die düstere Zeit, als die Alliierten sich von Süden her gegen den erbitterten Widerstand der Deutschen durch Italien hinauf kämpften. Die letzten Kämpfe lieferten sie sich an der Gotenlinie auf dem Apennin. Die Rückfahrt über die alte Passstrasse bot Gelegenheit, im Gelände am Futapass im Detail die langwierige Operation der amerikanischen 91. Inf Div nachzuvollziehen, auch wenn Italien alle Spuren getilgt hat. Nebel und Regen brachte die Reisegruppe in eine dem Kriegsgeschehen adäquate Stimmung. Der Besuch des deutschen Militärfriedhofs auf dem Pass liess den toskanischen Herbst trübe ausklingen, bevor sich bei einem guten Mittagessen die Munterkeit wieder einstellte und die lange Rückreise erlaubte, die vielen Erlebnisse unterschiedlichster Art Revue passieren zu lassen.
Für Felix Derungs war es vielleicht doch noch nicht die letzte Reise als Reiseleiter, aber jedenfalls die letzte in seiner Zeit als Reisechef der GMS. Dass ihm die Toskana ans Herz gewachsen ist, wussten wir, schon bevor wir „sein“ Weingut besuchten. Wie seine detaillierte Dokumentation und die mündlichen Informationen während der Reise bewiesen, hat er sich eingehend mit allen Facetten der Geschichte befasst und uns einen fundierten Überblick über die grösseren Zusammenhänge – in Italien wurde ja immer auch Weltgeschichte geschrieben – vermittelt. Die Reisegruppe dankt Felix Derungs aber auch für die stets zuverlässige Organisation und sein Geschick, in der Reisegesellschaft eine kultivierte Atmosphäre zu schaffen – so kultiviert wie das Land, wo die Zitronen blühen.
Text: Ulrich Pfister (Zürich)