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Hispaniola-Leguan - Cyclura ricordii
Haiti-Riesenfrosch - Hyla vasta
© 2001 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Die Insel Hispaniola ist mit einer Fläche von rund 75 200 Quadratkilometern die zweitgrösste Karibikinsel nach Kuba mit 110 900 Quadratkilometern. Politisch ist Hispaniola zweigeteilt: Die östlichen zwei Drittel (48 400 km2) nimmt die Dominikanische Republik ein, das westliche Drittel (26 800 km2) ist Hoheitsgebiet der Republik Haiti, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken.
Als Menschen indianischer Abstammung vor rund 6000 Jahren erstmals die karibischen Inseln erreichten und zu besiedeln begannen, beherbergten insbesondere die Grossen Antillen (Kuba, Hispaniola, Jamaika und Puerto Rico) eine ausserordentliche Vielfalt endemischer also weltweit nur hier heimischer Wildtiere, darunter riesenhafte Nager und bodenlebende Faultiere nebst diversen Vögeln, Reptilien und Amphibien. Sechzig Jahrhunderte der menschlichen Einflussnahme haben viele dieser Tierarten unwiederbringlich aussterben lassen und zahlreiche weitere an den Rand der Ausrottung geführt. Zu letzteren gehören auf Hispaniola eine der grössten Echsen unseres Planeten, der Hispaniola-Leguan (Cyclura ricordii), und einer der weltweit grössten Laubfrösche, der Haiti-Riesenfrosch (Hyla vasta). Von ihnen soll auf diesen Seiten berichtet werden.
Der Hispaniola-Leguan
Innerhalb der ungefähr 550 Arten umfassenden Leguanfamilie (Iguanidae) gehört der Hispaniola-Leguan zur aus acht Arten bestehenden Gattung der Wirtelschwanzleguane (Cyclura), deren Heimat der nördliche Bereich der Westindischen Inseln ist.
Der Hispaniola-Leguan ist einer der grössten und kräftigsten Wirtelschwanzleguane: Die Männchen können eine Kopfrumpflänge von etwa 50 Zentimetern, eine Gesamtlänge von ungefähr 120 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu 9 Kilogramm erreichen. Die Weibchen sind etwas kleiner und leichter: Sie weisen eine Kopfrumpflänge von bis zu 43 Zentimetern und ein Gewicht von maximal 5,5 Kilogramm auf.
Auf seiner Heimatinsel kommt der Hispaniola-Leguan nur in einer südlich-zentral gelegenen Region vor. Dort findet man ihn einerseits in der Talsohle des Neiba-Tals («Valle de Neiba»), welches der Grenze zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik entlang verläuft, und andererseits im Küstentiefland der Barahona-Halbinsel («Peninsula de Barahona»). Zwischen diesen beiden Gebieten befindet sich ein bis auf 2000 Meter aufragendes Berggebiet, welches in Haiti «Massif de la Selle» und in der Dominikanischen Republik «Sierra de Bahoruco» heisst. Es bildet eine natürliche Barriere zwischen den beiden Echsenpopulationen und verhindert, dass ein genetischer Austausch stattfindet.
Die Region, die der Hispaniola-Leguan bewohnt, gehört zu den trockensten Landstrichen Hispaniolas. Im allgemeinen werden weniger als 600 Millimeter Niederschlag im Jahr verzeichnet. Das Klima ist überdies stark saisonal geprägt: Regen fällt praktisch nur in den Monaten Mai/Juni einerseits und September/Oktober andererseits.
Innerhalb der genannten Region hält sich der Hispaniola-Leguan fast ausnahmslos in lichten Dornbuschgebieten auf. Er ist wie alle seine Vettern nur am Tag rege, und wie jene bewegt er sich die meiste Zeit am Boden umher, obschon er im Bedarfsfall ganz geschickt zu klettern vermag. Nachts ruht die grosse Echse in einem sicheren Unterschlupf. Obschon sie mitunter hohle Baumstämme oder Felshöhlungen benützt, scheint ihr hierfür eine selbst gegrabene Erdhöhle am besten zu behagen. Seinen Bau verwendet jedes Individuum während langer Zeit, manchmal gar lebenslänglich.
Wenn der Hispaniola-Leguan am frühen Morgen seine Höhle verlässt, legt er sich zunächst eine oder zwei Stunden lang an die Sonne, um seine Körpertemperatur anzuheben. Wie alle Reptilien ist er ein wechselwarmes Tier, das heisst seine Körpertemperatur hängt weitgehend von der Umgebungstemperatur ab. Durch das morgendliche Sonnenbad erhöht er seine während der Nacht abgesunkene Körpertemperatur auf rund 40° Celsius, wodurch erst die volle Funktion seiner Körperorgane gewährleistet ist. Anschliessend begibt er sich auf die Nahrungssuche. Er ernährt sich überwiegend von pflanzlichen Stoffen, insbesondere den Blättern, Blüten, Früchten und Stängeln eines breiten Spektrums unterschiedlichster Pflanzenarten. Gelegentlich schnappt er aber auch nach Kleintieren wie Insekten und Krabben, die ihm über den Weg laufen, und selbst Aas verschmäht er nicht, wenn er solchem begegnet.
Territoriale Echsen
Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Hispaniola-Leguane besetzen klar begrenzte individuelle Territorien, aus denen sie alle gleichgeschlechtlichen Artgenossen nach Möglichkeit fernhalten. Besonders die Männchen, deren Territorien gewöhnlich mit denen mehrerer Weibchen überlappen, sind eifrig darauf bedacht, jeden eindringenden Rivalen sogleich von ihrem Grundstück zu verjagen.
Das Fortpflanzungsgeschehen ist stark saisonal geprägt. Die Paarungen finden jeweils im Frühling, in den Monaten April und Mai, statt. Die Weibchen legen einen guten Monat später, während der frühsommerlichen Regenzeit (Mai/Juni), ihre Eier ab. Jedes von ihnen gräbt dazu an einer sorgfältig ausgewählten Stelle innerhalb seines Territoriums eine etwa 40 Zentimeter tiefe Röhre in den Boden und erweitert diese am Ende zu einer Kammer, in der es selbst Platz hat. Dort legt es in der Folge seine Eier ab. Je grösser und älter ein Weibchen ist, desto umfangreicher ist in der Regel sein Gelege; die Eizahl schwankt zwischen 2 und 18. Nach der Eiablage verlässt das Weibchen seine Nesthöhle und verschliesst sorgfältig den Eingang, ohne die Eikammer aufzufüllen.
Die Temperatur in der Eikammer bleibt während der ganzen, rund 100 Tage dauernden Entwicklungszeit der Keimlinge bemerkenswert konstant bei 30 bis 31° Celsius. Das Schlüpfen der jungen Leguane aus den Eiern fällt mit der herbstlichen Regenzeit (September/Oktober) zusammen. Dann ist der Tisch für den Nachwuchs reichlich gedeckt. Die Jungen weisen beim Schlüpfen eine Kopfrumpflänge von etwa 9 Zentimetern und ein Gewicht um 30 Gramm auf. Sie benötigen gewöhnlich mehrere Tage, um sich gemeinschaftlich aus ihrer Geburtskammer freizugraben. Sobald sie die Oberfläche erreicht haben, verteilen sie sich in alle Richtungen und führen von Anfang an ein einzelgängerisches, selbstständiges Leben.
Über die Lebensdauer der Hispaniola-Leguane in freier Wildbahn ist nichts bekannt. Von anderen Wirtelschwanzleguanen wissen wir jedoch, dass sie ohne weiteres dreissig bis vierzig Jahre alt werden können. Einige Fachleute sind sogar der Ansicht, dass bei diesen urtümlichen Echsen ein Alter von achtzig und mehr Jahren durchaus möglich sind.
Der Haiti-Riesenfrosch
Der Haiti-Riesenfrosch ist ein Mitglied der rund 640 Arten umfassenden Laubfroschfamilie (Hylidae). Mit einer Kopfrumpflänge von bis zu 14 Zentimetern sind die Weibchen deutlich grösser als die Männchen, welche maximal 11 Zentimeter messen. Lange Zeit galt der Haiti-Riesenfrosch als der grösste Laubfrosch der Erde. Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass der in Nordaustralien und Neuguinea heimische Weisslippen-Laubfrosch (Litoria infrafrenata) mitunter eine Länge von über 15 Zentimetern erreicht.
Wie der Hispaniola-Leguan kommt der Haiti-Riesenfrosch ausschliesslich auf der Insel Hispaniola vor. Er ist aber beträchtlich weiter verbreitet als jener: Innerhalb der Republik Haiti ist er in verschiedenen Berggebieten heimisch; zu nennen sind das «Massif de la Hotte», die «Montagnes Noires», der südliche Bereich des «Massif de la Selle» und das «Massif du Nord». Innerhalb der Dominikanischen Republik stammen die meisten Beobachtungen aus dem zentral gelegenen Gebirgszug «Cordillera Central», doch kommt die Art stellenweise auch im Süden und ganz im Osten des Lands vor. Man kann den Haiti-Riesenfrosch von Meereshöhe bis in Höhen von etwa 1700 Metern ü.M. antreffen. Sein bevorzugter Lebensraum sind feuchte Laubwälder, insbesondere Galeriewälder entlang von Bächen und Flüssen.
Als erwachsenes Tier ernährt sich der Haiti-Riesenfrosch ausschliesslich von tierlichen Stoffen: Er überfällt vor allem Heuschrecken, Käfer, Spinnen, Schmetterlingsraupen und andere wirbellose Kleintiere. Mitunter fallen ihm aber auch kleinere Wirbeltiere, darunter Frösche, Echsen und Nagetiere, zum Opfer.
Lautstarke Männchen
Zu sehen bekommt man den Haiti-Riesenfrosch trotz seiner beachtlichen Körpergrösse kaum je, denn er ist ein strikt nachtaktiver Baumbewohner. Den Tag verschläft er bewegungslos an einen Ast oder an ein grosses Blatt geheftet und ist dann in seinem marmorierten «Tarnanzug» schwer zu entdecken. Unüberhörbar ist jedoch das sonore, fünfnotige Quaken der Männchen, das sie in der Nacht immer wieder lautstark äussern und mit dem sie versuchen, paarungsbereite Weibchen anzulocken.
Der Laich, den die Haiti-Riesenfroschweibchen im fliessenden Wasser sorgfältig an ein geeignetes Felsstück kleben, besteht aus einer grossen Zahl überraschend kleiner Eier (Durchmesser etwa 2,5 Millimeter). Die winzigen Kaulquappen, welche nach einer gut einwöchigen Entwicklungszeit aus den Eiern schlüpfen, saugen sich mit Hilfe ihrer «Labialscheibe» eines im Mundbereich befindlichen Haftorgans sofort an einem Felsstück fest, um nicht von der Strömung fortgespült zu werden. Sie ernähren sich in den folgenden Wochen hauptsächlich von Algen, welche an den Felsen in ihrem Geburtsgewässer wachsen. Dann, wenn sie eine Länge von etwa 1,3 Zentimetern erreicht haben, erfolgt die mehrtägige Metamorphose, in deren Verlauf sie sich zu kleinen Fröschen umwandeln. Sobald nur noch ein kleiner Schwanzstummel an die ehemalige Kaulquappe erinnert, verlassen sie das Wasser, erklettern einen Baum und führen fortan ein Leben als Kleintierjäger im Geäst und Blattwerk der Bäume.
Über die Lebensdauer der Haiti-Riesenfrösche in freier Wildbahn ist nichts bekannt. In Menschenobhut haben einzelne Individuen ein Alter von sieben Jahren erreicht.
Eine ungewisse Zukunft
Über die derzeitige Bestandssituation sowohl des Hispaniola-Leguans als auch des Haiti-Riesenfroschs lässt sich nur mutmassen, denn es wurden seit längerer Zeit keine wissenschaftlichen Erhebungen mehr durchgeführt.
Einigermassen bekannt ist einzig der Bestand des Hispaniola-Leguans in der Dominikanischen Republik. Man schätzt, dass zwischen 2000 und 4000 erwachsene Individuen auf einer Gesamtfläche von knapp 100 Quadratkilometern vorkommen. Der Bestand ist in den vergangenen zwanzig Jahren beträchtlich geschwunden erstens zufolge Lebensraumverlusts (durch Ausdehnung der landwirtschaftlichen Anbaufläche, Holzkohleproduktion, Überweidung sowie Gewinnung von Brenn- und Bauholz), zweitens zufolge Bejagung (durch den Menschen ebenso wie durch die von ihm eingeführten Katzen, Hunde und Mungos). Erfreulicherweise kommt ein Teil des dominikanischen Leguanbestands innerhalb der Grenzen des neu ausgewiesenen Lago-Enriquillo-Nationalparks vor und geniesst dort einen verhältnismässig guten Schutz.
In der Republik Haiti dürfte der Hispaniola-Leguan unter denselben Schadfaktoren noch stärker gelitten haben als in der Dominikanischen Republik, denn wegen der miserablen Wirtschaftslage des Lands leben über 75 Prozent der Haitianer von der Hand in den Mund. und deshalb ist der Druck auf die natürlichen Ressourcen beträchtlich grösser ist als in der touristisch gut erschlossenen Dominikanischen Republik. Tatsächlich schätzen die Fachleute die Situation des Hispaniola-Leguans in Haiti als äusserst kritisch ein.
Obschon der Haiti-Riesenfrosch eine weitere Verbreitung aufweist als der Hispaniola-Leguan und kaum unter der Bejagung durch den Menschen und die von ihm eingeschleppten Raubsäuger leidet, scheint auch seine Zukunft düster auszusehen. Die Republik Haiti ist in der jüngeren Vergangenheit weitgehend entwaldet worden, so dass dem grossen Laubfrosch heute nur noch sehr wenig geeigneter Lebensraum zur Verfügung steht. Leider schreitet die Waldvernichtung in diesem Teil Hispaniolas ungebremst fort, so dass voraussichtlich schon in wenigen Jahren überhaupt kein naturnaher Wald mehr übrig sein wird und demzufolge auch keine Haiti-Riesenfrösche.
Die Situation des Haiti-Riesenfroschs in der Dominikanischen Republik ist zwar deutlich besser, denn er existiert in mehreren Naturreservaten und Nationalparks mit teilweise reicher Walddecke. Allerdings wurden in jüngerer Zeit auch hier immer weniger Exemplare dieser imposanten Froschart festgestellt. Es wurde in Fachkreisen schon die Befürchtung geäussert, dass der Haiti-Riesenfrosch möglicherweise denselben unerklärlichen Bestandsrückgang erleidet wie so viele andere Amphibien auf unserem Planeten.
Legenden
Der Hispaniola-Leguan (Cyclura ridordii) ist ein stattlicher Vertreter der rund 550 Arten umfassenden Leguanfamilie (Iguanidae): Die Männchen, welche etwas grösser sind als die Weibchen, können eine Kopfrumpflänge von etwa 50 Zentimetern, eine Gesamtlänge von ungefähr 120 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu 9 Kilogramm erreichen. Mit ihrer faltigen Haut, dem stacheligen Rückenkamm und den krallenbewehrten Füssen hat die kräftige Echse ein sehr urtümliches, beinahe «prähistorisches» Aussehen.
Beheimatet ist der Hispaniola-Leguan in einer sehr niederschlagsarmen Region im mittleren Süden der Grossen Antilleninsel Hispaniola. Dort ernährt er sich als erwachsenes Tier überwiegend von Blättern, Blüten, Früchten und anderen pflanzlichen Stoffen, während die agileren Jungtiere des öfteren auch Krabben, Heuschrecken und andere wirbellose Kleintiere erjagen.
Mit einer Körperlänge von bis zu 14 Zentimetern (Weibchen) bzw. 11 Zentimetern (Männchen) gehört der Haiti-Riesenfrosch (Hyla vasta) zu den Giganten der weltweit etwa 640 Mitglieder zählenden Laubfroschfamilie (Hylidae). Wie alle seine Vettern verfügt er über grosse Haftscheiben an seinen Fingern und Zehen, die es ihm erlauben, sich auf jedem Untergrund - selbst an nassen Blättern und in Menschenobhut an senkrechten Glasscheiben - trittsicher fortzubewegen.
Der Haiti-Riesenfrosch ist in verschiedenen Berggebieten der Insel Hispaniola heimisch. Dort hält er sich vorzugsweise in feuchten Laubwäldern entlang von Bächen und Flüssen auf und führt ein Leben als nächtlicher Kleintierjäger im Geäst und Blattwerk der Bäume.
Der Hispaniola-Leguan ist im Gegensatz zum Haiti-Riesenfrosch nur am Tag rege. Am frühen Morgen legt er sich jeweils für eine oder zwei Stunden an die Sonne, denn wie alle Reptilien ist er ein wechselwarmes Geschöpf, das zuerst seinen über Nacht abkühlten Körper auf eine günstige Betriebstemperatur erwärmen muss, bevor er sich anderen Aktivitäten widmen kann.
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