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«Ich habe den Vater meiner Freundin mit einer anderen gesehen …»
Liebe Emma,
vor einiger Zeit war ich mit einer Freundin im Kino. Es waren nur wenig Leute im kleinen Stadtkinosaal (Corona). Beim Herausgehen erkannte ich den Vater einer anderen Freundin. Mit grossem Schrecken bemerkte ich, dass an seiner Seite nicht wie erwartet die Mutter, sondern eine andere, einiges jünger aussehende Frau war.
Der Zufall wollte es, dass die beiden genau vor uns zur Tür herausgingen. Der Vater sah mich, wir begrüssten uns knapp (die ganze Situation fühlte sich sehr komisch an) und gingen mit einem «Schöne Obe» in unterschiedliche Richtungen davon.
Ich habe es meiner Freundin bis heute nicht gesagt, dies waren die Gründe, die ich mir eingeredet habe:
1. Vielleicht war es sein Gottenkind oder irgendetwas in der Art – ich möchte nicht voreilig urteilen.
2. Im Land wo er herkommt (Italien) ist es normal, dass man Affären hat (ja ich weiss, man soll nicht schubladisieren - aber: ich habe meine Gründe, so zu denken), die Mutter vermutet es eventuell und es ist okay für sie, möchte es aber auf keinen Fall in der Familie thematisieren (Familie heilig und so).
3. Ich möchte nicht verantwortlich sein für Unstimmigkeiten in dieser Familie, da sie nebst Corona noch von anderen Sorgen geplagt werden.
4. Was, wenn dies das erste und letzte Treffen mit dieser Frau war und er sozusagen gemerkt hat, dass es ein Fehler war und es nie, nie mehr macht?
Januar: Geburtstag der besagten Freundin. Ich bin gemütlich am Bierchen trinken und dann kommen die Eltern in den Garten. Schon bei der Begrüssung merke ich, dass es dem Vater unangenehm ist, mich zu sehen - er kann mir kaum in die Augen sehen, geht den ganzen Abend auf Distanz.
Irgendwie habe ich jetzt plötzlich das Gefühl, dass der Eisberg grösser ist, als ich dachte und vor allem, dass er in der Zwischenzeit nicht geschmolzen ist.
Soll ich es meiner Freundin sagen und wenn ja, wie? Wäre es sinnvoll, den Partner meiner Freundin zuerst darüber zu informieren und ihn entscheiden zu lassen, ob und wie kommuniziert wird?
Zudem kann es ja trotz allem noch immer sein, dass alles anders ausgesehen hat, als es effektiv war - dann bin ich diejenige, die schlechte Vibes in die Familie mischt, was ich auf keinen Fall möchte, da ich alle sehr, sehr gerne mag.
Danke vielmals im Voraus für deine Unterstützung und alles Liebe,
Reni
Liebe Reni,
Ohälätz, das ist ein harter Brocken! Da bist du sehr unfreiwillig in eine tatsächlich sehr doofe Situation reingeraten. Und ehrlich gesagt, würde es mir genau gleich gehen wie dir. Ich würde mir auch viele Gedanken machen und wüsste auf Anhieb absolut nicht, was das Richtige wäre.
Und selbst aus der Ferne finde ich es enorm schwierig, hier eine Einschätzung abzugeben. Einer meiner ersten Gedanken aber war: Warum sprichst du den Vater nicht direkt an? Du sagst, dass du die ganze Familie kennst und magst. Da könnte doch eine Konfrontation drin liegen, oder?
Du könntest dem Vater sagen, dass die Begegnung ein ungutes Gefühl in dir geweckt hat und dass du das Gefühl hattest, dass es ihm am Geburtstag deiner Freundin auch so gegangen ist und dass du das ungute Gefühl gerne aus dem Weg räumen würdest. Das finde ich ehrlich und nicht beschuldigend.
Denn wie du sagst, es kann sein, dass hinter der jungen Frau an seiner Seite nichts Verbotenes steht. Und wenn schon, dann sag ihm, dass du als Zeugin in eine Situation geraten bist, in der du dich ungut fühlst und nicht weisst, wie du dich deiner Freundin gegenüber verhalten sollst.
Dann hör dir an, was er zu sagen hat. Vielleicht findet ihr zusammen eine Lösung.
Der andere Gedanke, der mir gekommen ist: Wenn du besagte Freundin wärst, was würdest du wollen, wenn sie deinen Vater mit einer anderen Frau gesehen hat und ein ungutes Gefühl hatte? Würdest du es wissen wollen?
Ich kann dir hier leider nicht sagen, was die richtige und beste Lösung ist, bei der du niemanden verletzt. Aus diesem Grund will ich heute umso mehr die Community miteinbeziehen und bin sehr gespannt, was dir die Userinnen und User raten.
So oder so, ich wünsche dir sehr, dass sich dieses Dilemma bald auflöst und du deiner Freundin wieder mit gutem Gefühl begegnen kannst.
Alles Liebe.
Deine
Und was würdest du Reni raten?
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Sexpannen, Liebeskummer und verrückte Dates: Niemand erzählt in der Schweiz so authentisch und unverblümt wie Emma Amour. Seit Januar 2018 lässt die Zürcherin die watson-User an ihrem Leben teilhaben. Wenn sie eine Auszeit nimmt, springt ihre beste Freundin Cleo ein.
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Umfang: 160 Seiten, 8 Illustrationen
Format: 13,5 x 21
Buchpreis
CHF 18.00 (CH)
EUR 18.00 (D)
EUR 19,00 (A)
Emma Amour ist ...
… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
bild: watson
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