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um 1220 Locarno, kurz vor 1291 Como, von Locarno. Sohn des Guido, Rektors von Biasca. Cousin des Matteo ( -> 25). Als Feldhauptmann im Dienste Mailands spielte O. bei den Kämpfen in Norditalien im 13. Jh. eine entscheidende Rolle und trug massgeblich zum Scheitern der kaiserl. Politik in dieser Region bei, begünstigte aber die Machtübernahme der Visconti in Mailand. Zwischen 1242 und 1286 besass er im Namen des Mailänder Domkapitels das Rektorat von Biasca und des Bleniotals. Zuerst war er Parteigänger der Welfen, doch 1239, als die kaiserl. Truppen in die Ambrosian. Täler eindrangen und ihn vorübergehend seines Lehens beraubten, wurde er zum erbitterten Gegner von Ks. Friedrich II. Im gleichen Jahr setzte er sich an die Spitze der Locarneser Adligen, befreite Locarno von Como und vom Kaiser und wurde Podestà generale der Pieve, die er von einem Statthalter regieren liess. 1242 leitete er mit Heinrich von Sax die Belagerung Bellinzonas und nahm die Stadt ein, die danach von den Siegern im Namen Mailands verwaltet wurde. Nach dem Fall von Bellinzona kehrten auch die Ambrosian. Täler zu den O. zurück, welche die Ämter als Kastvögte und Rektoren von Biasca sowie des Bleniotals wieder übernahmen. Hingegen verloren sie 1249 nach dem Frieden zwischen Como und Mailand faktisch die Herrschaft über Locarno und Bellinzona. 1245 schlug O. an der Spitze eines Mailänder Truppenkontingents den Angriff von Ks. Friedrich II. in Gorgonzola zurück und nahm dessen Sohn Enzio gefangen. Diese Siege bildeten den Höhepunkt seiner militär. Karriere. Beim Tod Ks. Friedrichs II. 1250 lief er zu den Mailänder Gibellinen über und wurde einer ihrer Anführer.
O. wurde nun auch in anderen Regionen aktiv: 1255 unterstützte er mit seinen Cousins Guido und Matteo die Bündner Adligen in den Kämpfen gegen den mit dem Abt von Disentis verbündeten Bf. von Chur, Heinrich von Montfort. Der Friedensvertrag von 1261 zwischen den O. und dem Abt von Disentis beendete diese Fehden. 1258-61 beteiligte er sich am Feldzug von Peter II. von Savoyen gegen den Bf. von Sitten, Heinrich von Raron. 1256 blieb er während den Unruhen in Mailand zwischen Welfen und Gibellinen treuer Vasall des Mailänder Ebf. Ottone Visconti. Deshalb musste er 1259 zusammen mit dem Prälaten ins Exil. O. kommandierte das Heer, das 1263 im Namen des neuen Podestà Corrado da Venosta in Como eindrang, wurde aber zusammen mit seinem Neffen Guidoto gefangen genommen und in Mailand während zwölf Jahren in einen Käfig gesperrt. 1276 kam er aufgrund eines Gefangenenaustauschs zwischen Welfen und Gibellinen frei und kehrte in seine Burg in Biasca zurück. Sofort verbündete er sich wieder mit dem Erzbischof und bereitete dessen Gegenangriff vor. Ein Jahr später stand er erneut gegen die da Torre aus Como im Feld, diesmal mit Erfolg: 1277 wurden die Welfen in der Schlacht von Desio vernichtend geschlagen, und die Visconti kamen nach Mailand zurück. Damit übernahmen die Gibellinen auch die Herrschaft über Como und Locarno. O. erhielt das Generalkapitanat mit dem Titel eines capitano generale del comune e del popolo und wurde als rechte Hand des Erzbischofs mit wichtigen Aufgaben in der Mailänder Innen- und Aussenpolitik betraut. Doch vermutlich war seine Stellung nach Niederlagen in versch. Gefechten geschwächt, und nach anderthalb Jahren verlor er sein Amt wieder. Vorübergehend ging er nach Como und verbündete sich mit den Rusca. Als diese sich mit den Visconti überwarfen, kehrte O. in den Dienst des Ebf. von Mailand zurück und zettelte Ende 1284 einen Krieg gegen die Rusca an, um Locarno, Bellinzona und Lugano zurückzuerobern. Der anfängl. Erfolg war von kurzer Dauer. Nach dem Abkommen zwischen den Rusca und den Visconti 1286 musste der mittlerweile gealterte O. die Städte wieder aufgeben und schied damit aus der Politik aus.
Literatur
– Meyer, Blenio, 135, 201-209, 211-218
– K. Meyer, Die Capitanei von Locarno im MA, 1916, 107, 153, 163-201, 354 f.
– H. Schulthess, Die von O. von Locarno und Zürich, 1941, 24-30
– G. Wielich, Das Locarnese im Altertum und MA, 1970, 365-367, 370-376
– G. Vismara et al., Ticino medievale, 1990, 170-179
Autorin/Autor: Daniela Pauli Falconi / CN