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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

61. Vortrag
1.
[Forts. v. [S. 820] ] Dieses Kapitel des Evangeliums, Brüder, ist uns durch die heutige Lesung so zur Erklärung vorgelegt, daß wir nunmehr auch über den Verräter des Herrn, der durch das eingetunkte und ihm gereichte Brot ganz deutlich zu erkennen gegeben wird, etwas sagen müssen.Davon zwar, daß Jesus, indem er bereits auf ihn hinwies, im Geiste betrübt wurde, habe ich in der vorigen Rede gehandelt, aber vielleicht hat, was ich dort nicht erwähnt habe, auch dies der Herr durch seine Betrübnis anzudeuten sich gewürdigt, man müsse nämlich die falschen Brüder und das Unkraut auf dem Acker des Herrn bis zur Ernte so unter dem Weizen dulden1, daß, wenn einiges davon noch vor der Ernte wegen einer dringenden Ursache auszusondern ist, dies nicht ohne Betrübnis der Kirche geschehen könne. Diese in der Zukunft durch die Schismatiker und Häretiker eintretende Betrübnis seiner Heiligen hat der Herr, sie gewissermaßen vorausverkündend, in sich selbst dargestellt, da er, als Judas, der Bösewicht, im Begriffe stand, wegzugehen und die Vermischung mit dem Getreide, worin er lange geduldet worden war, durch eine offenkundige Trennung aufzugeben, betrübt wurde, nicht im Fleische, sondern im Geiste. Denn die ihm dem Geiste nach angehören, werden bei solch ärgerlichen Vorgängen nicht aus Verkehrtheit, sondern aus Liebe beunruhigt, es möchte vielleicht bei der Absonderung von Unkraut zugleich auch vom Weizen etwas ausgerissen werden.
1: Matth. 13, 29 f.