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Prämisse 1:
Wir sind für unsere Wahrnehmung und ihre Interpretation zu 100% selbst verantwortlich. Das, was wir als unsere 'Welt' bezeichnen, ist die Summe der von uns gedeuteten Wahrnehmungen.
Schlüsse aus Prämisse 1:
Schluss 1.1. Wir basteln uns unsere Welt selbst, in jedem Augenblick, mit jeder Wahrnehmung und jeder Deutung.
Schluss 1.2. Wir haben es in der Hand, die Verarbeitung unserer Wahrnehmung jederzeit und in geradezu gewaltigem Ausmass zu ändern. Ein einziger eigener Entschluss kann unsere Welt auf den Kopf stellen.
Prämisse 2:
Es ist bislang den Menschen nicht gelungen, eine Position jenseits dieser subjektiven Wahrnehmungen einzunehmen oder eine Entität1) 'dingfest' und wissenschaftlich zugänglich zu machen, die eine solche Position innehat und absolute, von einem wahrnehmenden Bewusstsein losgelöste Aussagen über die Welt machen könnte.
Schlüsse aus den Prämissen 1 und 2:
Schluss 2.1. Der Streit um die absolute Wahrheit ist damit gegenstandslos. 'Wahrheit' mutiert zu 'Richtigkeit', 'Regelkonformität' und hat Bedeutung nur innerhalb von Modellen, Systemen, Theorien, Spielen, die alle ihrerseits auf subjektiven, relativen, mehr oder weniger willkürlichen Prämissen, Axiomen, Annahmen, Setzungen beruhen.
Schluss 2.2. Damit schrumpft auch der von der Aufklärung im Kampf gegen den Absolutheitsanspruch der Kirche konstruierte Gegensatz zwischen 'Wissen' und 'Glauben' zu einem blossen Unterschied in der Plausibilität der Annahmen, in der Überzeugungskraft des 'Für-Wahrscheinlich-Haltens'. Metaphern wie 'gesichertes Wissen' täuschen eine absolute Gültigkeit vor, die es zumindest vorläufig nicht gibt. Popper hielt die Falsifizierbarkeit einer Aussage sogar für die differentia specifica einer wissenschaftlichen Aussage im Gegensatz zu einer Aussage mit Absolutheitsanspruch. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung verleitet sowohl das einfache Volk wie Teile der Wissenschaftsgemeinde, zu vergessen, dass bislang jede wissenschaftliche Aussage irgendwann falsifiziert wurde. Die Prognose, dass dies auch bei den heute gerade als richtig bzw. 'gültig' und naiverweise als 'gesichertes Wissen' bezeichneten wissenschaftlichen Annahmen der Fall sein dürfte, scheint mir nicht allzu gewagt.
Schluss 2.3. Dissens zwischen Wahrnehmenden bezüglich ihrer Wahrnehmungsinterpretation ist der Normalfall, hundertprozentiger Konsens meist eine Täuschung oder ein Anzeichen von Oberflächlichkeit.
Schluss 2.4. Der Versuch eines wahrnehmenden Subjekts, die von ihm eigenverantwortlich und subjektiv wahrgenommene und gedeutete Welt direkt im Aussen zu verbessern, ist meist nicht nachhaltig. Änderungen im Innern des Subjekts, also bei der eigenen Wahrnehmung und deren Deutung, haben hingegen in der Regel nachhaltige Wirkung. Diese kann in Sekundenschnelle revolutionär, gigantisch, im wahrsten Sinne des Wortes 'weltbewegend', die eigene Welt bewegend sein.
Prämisse 3
Rationale Analyse dient der Feststellung und Deutung von Unterschieden zwischen dem Wahrnehmenden und dem Wahrgenommenen.
Schlüsse aus Prämisse 3
Schluss 3.1. Erforderlich für diesen Prozess ist eine zumindest als solche wahrgenommene Trennung, eine geistige, emotionale oder physische Distanz zwischen Wahrnehmendem und Wahrgenommenem
Schluss 3.2. Erforderlich ist weiter eine Geste der Zuwendung zum Wahrgenommenen. Die Distanz kann nicht beliebig gross, aber auch nicht beliebig klein sein. Die Distanz-Palette ist dabei individuell verschieden, aber immer so gross, dass Zuwendung möglich ist, ohne dass Wahrnehmender und Wahrgenommenes identisch, ununterscheidbar werden, in sich hineinfallen, da sonst das Erfordernis der Distanz nicht mehr gegeben ist.
Schluss 3.3. Wird auf dem Wege der Zuwendung die Distanz zwischen Wahrnehmendem und Wahrgenommenem aufgehoben, die Subjekt-Objekt-Spaltung mithin überwunden, ist zwar Verschmelzung erreicht, rationale Analyse aber nicht mehr möglich. Hier zeigt sich die Inkompatibilität von Ratio und Liebe (siehe Prämissen 5 und 6).
Prämisse 4
Jede Wahrnehmung ist ein kommunikativer Akt. Jeder kommunikative Akt ist Wahrnehmung. Die Unterscheidung der Begriffe 'Wahrnehmung' und 'Kommunikation' ist obsolet. Alles innen oder aussen Wahrgenommene ist für den Wahrnehmenden 'Seiendes', also 'Entität'. Damit unterscheidet sich die Kategorie dessen, was eine bewusste Entität als 'Seiendes' oder eben als 'Entität' wahrnimmt von Wahrnehmendem zu Wahrnehmendem.
Schlüsse aus Prämisse 4:
Schluss 4.1. Alles Wahrgenommene ist für den Wahrnehmenden Entität und Kommunikationspartner, völlig unabhängig davon, ob es sich um einen Menschen, ein Tier, eine Pflanze, ein anorganisches Ding, einen Klang, einen Duft, einen Gedanken etc. handelt.
Schluss 4.2. Wahrnehmung – im Sinne von Prämisse 4 als kommunikativer Akt verstanden – ist reziprok, wechselseitig, ist Dialog oder 'Polylog' 2) .
Schluss 4.3. Es gilt, die Kommunikationsmittel, - formen, - möglichkeiten, die 'Sprachen' alles Wahrgenommenen auszuloten, wenn die Wahrnehmung erfolgreich, kreativ sein soll und zu einer Win-win-Situation für alle beteiligten Entitäten werden soll. Dabei fällt der menschlichen Verbalsprache eine völlig marginale Rolle zu.
Prämisse 5
Ziel, Sinn und Witz des für die rationale Analyse zur Deutung der Unterschiede notwendigen Getrenntseins ist dessen Überwindung durch den Wahrnehmenden. Dies gelingt durch die Relativierung und Austricksung der 'Schöpfungsparameter' oder, falls dieser Begriff zu theologisch sein sollte, der 'Urknallparameter'. Gemeint ist damit die der 'Tages-Struktur' unseres Bewusstseins entsprechende Bindung an die vier Vorstellungen 'Ich', 'Zeit', 'Raum', 'Verknüpfungen' (zwischen dem wahrnehmenden Subjekt und dem Wahrgenommenen bzw. zwischen den verschiedenen wahrgenommenen Entitäten).
Schlüsse aus 5:
Schluss 5.1. Mit dieser These kehrt die Vorstellung von Sinnhaftigkeit der Existenz zurück.
Schluss 5.2. Die These ist eine deutliche Absage an das Gejammer der Existenzphilosophen, das schon mit Blaise Pascal im 17. Jahrhundert begann, bevor es dieses Etikett gab.
Schluss 5.3. Die These dreht die Vorstellung des 'Hineingeworfenseins' in eine unwirtliche Welt (Sartre) und des tristen 'Seins zum Tode hin' (Heidegger) in eine motivierende Sicht der nur vorübergehenden Getrenntheit der Entitäten, die eine Form von Erkenntnis ermöglicht, die in der Einheit, im 'Paradies', im Zustand vor der 'Schöpfung' oder dem 'Urknall' nicht gegeben war.
Schluss 5.4. Jede bewusste Entität hat die anstrengende, aber auch faszinierende und ungemein machtvolle Aufgabe, Ziel, Sinn und Witz seines eigenen Soseins zu erkennen, zu deuten und seine eigene Weltwahrnehmung so zu gestalten, dass er sein Ziel der Überwindung des Getrenntseins auf seinem ganz persönlichen Weg erreicht.
Schluss 5.5. Auf dem Weg zum Ziel erkennt jede bewusste Entität früher oder später, dass es sich bei der Grundstruktur, die sich dem Wahrnehmenden zeigt, nur um – allerdings für das Erlebnis nötige – Hilfsparameter handelt. Er entdeckt und relativiert 'sich' als von den anderen Entitäten getrenntes, als 'Ich' wahrgenommenes Subjekt, er entdeckt und relativiert den durch den Abstand von den unzähligen wahrnehmbaren 'Objekten' notwendigen Raum und die durch den Prozess der Wahrnehmung notwendige Zeit und entdeckt und relativiert die vielen verschiedenen Arten von Bezügen, Relationen, Verknüpfungen zwischen 'sich' und dem Wahrgenommenen bzw. zwischen den wahrgenommenen inneren und äusseren 'Objekten'.
Prämisse 6
Werkzeug der Überwindung des Abstands zwischen den Entitäten, der Trennung, der Subjekt-Objekt-Spaltung ist die Liebe.
Schlüsse aus Prämisse 6:
Schluss 6.1. Früher oder später – nach Erkenntnis der Relativität des Hilfsparameters 'Zeit' spielt der Zeitpunkt nur noch eine untergeordnete Rolle – erkennt jede wahrnehmende Entität Möglichkeiten der Verschmelzung, der Überwindung der Trennung zwischen Subjekt und Objekten bzw. zwischen den Objekten durch die Liebe. Dabei erfährt die bewusste Entität die unterschiedliche Nachhaltigkeit der Liebesformen 'Libido'3) (kurzfristig), 'Eros'4) (mittelfristig), 'Philia'5) (langfristig) und 'Agape'6) (zeitlos nachhaltig).
Schluss 6.2. Bei der Anwendung des Trennungsüberwindungs-Werkzeugs 'Liebe' erfährt die verschmelzungswillige Entität die Relativierung der Parameter Ich, Zeit, Raum und Verknüpfungen: Das Ich löst sich zumindest kurzfristig sogar bei der einfachsten Liebesform, der Libido im Orgasmus auf, Zeit und Raum werden nur noch marginal wahrgenommen und die im rationalen Zustand häufigste Verknüpfungsform der Kausalität, allenfalls der Finalität, weicht verschmelzenden Verknüpfungsformen. Je nach Liebesform sind diese Relativierungserlebnisse von unterschiedlicher Dauer und Nachhaltigkeit.
Schluss 6.3. Beim Versuch der Subjekt-Objekt-Spaltungsüberwindung erfährt die bewusste Entität aber auch die Inkompatibilität von 'rationaler Analyse' und 'Liebe'. Nüchterne Ratio kann Liebe letztlich weder begründen noch erklären, auch wenn sie es seit tausenden von Jahren immer wieder versucht. Ratio kann zwar - heute mithilfe moderner Datenverarbeitungstechnik - versuchen, begründbar 'passende' Entitäten zusammenzuführen, allerdings ohne Garantie, dass sich daraus mehr als ein Deal ergibt, bei dem beide Seiten profitieren. Für die Liebe müssen die Entitäten selbst sorgen bzw. sie sich ereignen lassen.
Fussnoten
2) 'Polylog' verwende ich in einem weiteren Sinne als der österreichische Philosoph Franz Martin Wimmer. Ich will damit nur verdeutlichen, dass die Zahl der am Austausch Beteiligten nicht auf zwei beschränkt ist, wie das beim 'Dialog' häufig der Fall ist (obwohl dies von der altgriechischen Präposition 'dia' keineswegs vorgegeben ist)
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