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(2019) W.A MOZART UND SEINE ZEITGENOSSEN - PLAMENA NIKITASSOVA & A. ZYLBERAJCH
Das späte 18. Jahrhundert hatte einen nahezu unstillbaren Bedarf an Kammermusik. Bedingt durch die sozialen Umwälzungen dieses Zeitalters, die den Übergang von der feudalistischen zur bürgerlichen Gesellschaft markieren, war das Musizieren in geselligen Kreisen nicht länger das Privileg einer adligen Minderheit, sondern drang immer mehr in die Welt der bürgerlichen Salons vor. Die großen Musikverlage in London, Paris, Amsterdam, Leipzig und Wien erkannten hier rasch eine Marktlücke und veröffentlichten eine schier unüberschaubare Menge an Drucken, zum Teil in erstaunlich großen Auflagen. Zugleich bedeutete der Verkauf von ungedruckter Kammermusik für die Komponisten weiterhin ein einträgliches Zubrot, denn viele zahlungskräftige Dilettanten waren darauf erpicht, sich ein ganz eigenes, erlesenes Repertoire zusammenzustellen. Kaum ein Komponist ließ sich diese lukrative Einnahmequelle entgehen; die Anfänger im Metier fanden hier eine probate Methode, sich einen Namen zu machen, und etablierte Meister konnten sich, wenn sie es geschickt anstellten, auf diesem Weg ein finanzielles Polster schaffen, das dann die Veröffentlichung riskanterer Projekte ermöglichte.
Der Stil der Kammermusik war in besonderem Maße von den Vorlieben des teils aus versierten Amateuren, teils aus professionellen Virtuosen bestehenden Publikums bestimmt. Vor allem erwartete man Eingängigkeit, schöne Melodien und Esprit – nicht aber komplexe motivische Arbeit und andere schwer verdauliche Inhalte. Das Zurschaustellen spieltechnischer Kunstgriffe und instrumentaler Virtuosität war durchaus erwünscht, sofern der Tonfall der galanten Konversation hierdurch nicht beeinträchtigt wurde. Das künstlerische Ideal lag in jener schwer zu beschreibenden Melange, die sich gleichermaßen aus Charme und Eleganz, aus geistreicher Pointiertheit und geselligem Austausch zusammensetzte und die, nach dem Zeugnis Leopold Mozarts, schwerer gelang, „als alle die den meisten unverständliche künstliche harmonische Progressionen und schwer auszuführende Melodyen“. Während die Gattung der Sinfonie unter den Händen der Wiener Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven die Sphäre der Unterhaltungsmusik verließ und sich anschickte, komplexe philosophische Konzepte umzusetzen – und damit zum „anerkannt Höchsten der Instrumentalmusik“ (G. Schilling, Enzyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, 1838) avancierte –, bildete die Kammermusik die Inhalte der bürgerlichen Gesprächs- und Salonkultur ab und brach die stilistischen und ästhetischen Errungenschaften der Sinfonik auf eine leichter goutierbare Ebene herunter.
Kaum ein Komponist hat sich der Kammermusik mit so viel Hingabe und Geschick angenommen wie Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Sonaten in der bürgerlichen Musikkultur des später 18. und frühen 19. Jahrhunderts zum Inbegriff des Schönen in der Musik aufstiegen. Die Werke vieler seiner Zeitgenossen hingegen fielen schon bald dem Vergessen anheim und warten zum großen Teil bis heute auf die ihnen angemessene Würdigung. Die vorliegende CD unternimmt den Versuch, Mozarts Kammermusik wieder in ihren zeitgenössischen Kontext einzubetten. Fast gänzlich vergessene Figuren treten an die Seite des großen Meisters und verdeutlichen uns mit ihren Werken, dass der Weg zur Klassik ein vielschichtiger und faszinierender Prozess war.
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Plamena Nikitassova
Plamena Nikitassova erhielt ihren ersten Geigenunterricht von ihrer Mutter. Mit sechzehn Jahren studierte sie Violine bei M. Karafilova Piguet an der Genfer Musikhochschule und bei Prof. M. Frischenschlager an der Musikhochschule Wien. Ihr Lehr- und Solistendiplom erhielt sie 1999 in Genf mit Auszeichnung und widmete sich danach einer Konzerttätigkeit in der Welt des romantischen Repertoires.
1999 wurde sie mit dem begehrten Preis der „Leenhards Stiftung“ in Lausanne ausgezeichnet.
Nach ihrer Begegnung mit dem Organisten Michael Radulescu (Wien) und dem Geiger Jaap Schröder (Amsterdam) wandte sich Nikitassova der Alten Musik zu und nahm ein Studium der Renaissance- und Barockvioline bei Chiara Banchini an der Schola Cantorum Basiliensis auf, das sie 2005 abschloss.
Konzerte und Aufnahmen führen sie seitdem zu den Bühnen und Podien der wichtigsten Metropolen Europas.
Als Duo-Partnerin konzertiert sie zusammen mit dem Organisten und Cembalisten Jörg-Andreas Bötticher und der französischen Cembalistin und Pianistin Aline Zylberajch. Ihre CD-Einspielungen mit „Violinsonaten von C. Zuccari“, Panclassics 2012 (Diapason Découverte), „Violinsonaten von Gaspard Fritz 1747“, Panclassics 2014, sowie „Violinsonaten von L. v. Beethoven, M. Ravel, C. Debussy“, Gallus Media 2014, fanden höchstes Lob bei Publikum und Presse.
2017 erschien „The Violin’s Delight - a garden of pleasure”, Claves (5 Diapason), mit virtuosem Violinrepertoire aus dem 17. Jahrhundert, worin sich Ihr besonderes Interesse an der heutzutage viel zu wenig praktizierten historischen Spielart der Geige (die so genante „tiefe Haltung“ des Instruments, das an der Brust angesetzt wird) spiegelt. Dabei wird eine Vielzahl von neuen Facetten der Klang- und Ausdruckspalette ermöglicht, die durch den „Untergriff“ des Bogens (Daumen auf der Bogenhaarfläche) ausführlich unterstützt und zur Geltung gebracht wird.
Als Konzertmeisterin musizierte Plamena Nikitassova von 2013 bis 2017 mit dem Orchester der „J.S. Bach Stiftung“, St. Gallen unter der Leitung von R. Lutz, mit dem sie über fünfzig Kantaten von J. S. Bach aufnahm. Ab 2018 wird sie als Leiterin mit diversen Ensembles in Frankreich und Deutschland auftreten. Sie ist auch als Gastkonzertmeisterin des Freiburger Barockorchesters zu hören.
Dank langjähriger Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Stylen und Epochen, ist die führende Geigerin sowohl mit historischer Aufführungspraxis, als auch mit modernem Repertoire zuhause.
Die Schwerpunkte des Repertoires der Geigerin Plamena Nikitassova liegen bei Werken des Frühbarocks bis zur modernen Musik.
www.nikitassova.com
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Aline Zylberajch
Als Absolventin des Conservatoire National Supérieur de Musique Paris und des New England Conservatory of Music Boston begann Aline Zylberajch ihre Karriere als Cembalistin.
Sie hat sich an frühen CD-Einspielungen vieler Ensembles beteiligt wie z.B. La Chapelle Royale, Les Musiciens du Louvre und Le Parlement de Musique, mit denen sie zahlreiche Opern und Oratorien aufgeführt hat. Diese Konzerte stärkten ihre Vorliebe für Vokalmusik, die sich in ihrer Interpretation von für Tasteninstrumente geschriebenen Werken wiederspiegelt. Später führte sie ihr Interesse für die Musik aus dem ausgehenden 18. Jh. natürlich zu einer aktiven Beschäftigung mit dem Spiel der frühen Klaviers und der unglaublichen Vielfalt von Tasteninstrumenten, die in jener Zeit gebaut wurden. Diese Epoche, die sich auch durch die zunehmende Beliebtheit von Werken für obligates Tasteninstrument kennzeichnet, eröffnete ein ganz neues Forschungsgebiet im Bereich der Kammermusik, einer weiteren Leidenschaft Aline Zylberajchs.
Sie wohnt in Straßburg, reist aber sehr viel, um Rezitale gleichermaßen auf dem Cembalo und dem Hammerflügel zu geben, und um in Meisterkursen (in Australien, Österreich, der Tschechischen Republik, Deutschland, Japan, Mexiko, Nordamerika, Polen un Spanien) als Dozentin tätig zu sein. Sie unterrichtet Pädagogik am Cembalo an der Pädagogikabteilung des Conservatoire National Supérieur de Musique Paris. Ihre Einspielungen erfreuen sich großen Lobes von Classica, Gramophone, Early Music Review etc, und wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet, wie „Diapason d’Or“, Répertoire, „Choc du Monde de la Musique“, usw.