Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03164.jsonl.gz/1096

„Wenn ich an das Spital der Zukunft denke, sehe ich eine Menge Leute, die in einem Raum voller Bildschirmen und Telefonen sitzen“, sagt Toby Cosgrove, der Chef der Cleveland Clinic, einer großen amerikanische Krankenhausgruppe. In solch einer Vision würde ein Spital einem Flugverkehrskontrollturm ähneln, von dem aus medizinische Teams Patienten nah und fern in einem Standard überwachen, der bis vor kurzem nur in einer Intensiv-Station möglich war. Die Institution selbst würde nur Notfälle behandeln und über die dafür nötigen Geräte verfügen. Ein Spitalaufenthalt wäre nur noch nötig bei Krankheiten für die es das Fachwissen eines Spezialisten-Teams erfordert.
Gesundheitsdienstleister wie die Cleveland Clinic, betreiben eine Fernintensivstation (ICU). Sie haben die Art und Weise wie Krankenhäuser heute arbeiten sollten, neu überdacht.
Ihre Patienten sind in der ganzen Region verstreut, in Kliniken, die keine Spezialisten für die Nachtschicht haben. An einer Wand voller piepsender Bildschirme verfolgen sie die Vitaldaten.
Sie können jeden Patienten über eine Kamera am Fuß des Bettes vergrößern. „Das sind PVCs [vorzeitige ventrikuläre Kontraktionen]; Nicht gut! „, sagt Jim Goldstein, ein Herztechniker, der auf eine Grafik des Herzschlags eines Patienten zeigt. Die PVCs werden immer schlimmer, warnt ein blinkendes Licht. Es ist Zeit, eine Krankenschwester vor Ort zu benachrichtigen.
Gestern…
Spitäler wurden bereits mehrmals neu erfunden. Während des Mittelalters wurden sie von religiösen Institutionen geführt und boten kaum mehr als Schutz und Palliativpflege für die Armen und einen Platz zum Sterben.
Nach dem Aufkommen der modernen Medizin im Zeitalter der Aufklärung, entwickelten sich ehrgeizige Institutionen wie Westminster und Guy in London zu komplexen Organisationen, die Pflege, Behandlung, Forschung und Bildung kombinierten. Unter Florence Nightingale und ihren Nachfolgern wurde die Pflege professionalisiert.
Heute…
…gehen Patienten in Spitäler, in denen Spezialisten mit Hilfe von Medizin-Technikern und teuren Maschinen ihre Krankheit diagnostizieren. Es werden chirurgische Eingriffe und Interventionen wie Chemotherapie, Dialysen etc. vorgenommen. Patienten werden medizinisch überwacht und gepflegt.
Aber mit High-Speed-Internet, Remote-Monitoring-Technologie und Big Data wird sich alles verändern. Bereits in naher Zukunft könnte ein großer Teil dieser Aktivitäten – und fast die gesamte Überwachung und Pflege – ausgelagert werden. Unterschiedliche Institutionen wie Primärbetreuungs-Gruppen und Gesundheitsorganisationen könnten diese Aufgaben übernehmen.
Technologie-Unternehmen spielen bereits heute eine grosse Rolle bei der Gesundheitsversorgung. Smartphones werden vielseitig genutzt und der Patient übernimmt immer mehr die Kontrolle über Diagnose und Behandlung. Weitsichtige Spitäler bereiten sich auf diese Veränderungen vor, um weiterhin ein Rolle im Zentrum des Gesundheitswesen-Ökosystems zuspielen.
Morgen…
Der Wandel im Gesundheitswesen in den kommenden Jahrzehnten wird so umfangreich sein, wie es die Spitäler noch nie betroffen hat. Eine Gesundheitsreform ist immer schwierig, wie uns ein Blick auf Großbritanniens leidenden National Health Service, Frankreichs nahezu bankrottes Gesundheits-System – oder die endlosen Kämpfe in Amerika über die Zukunft von Obamacare klar machen. Eine schnell alternde Bevölkerung und die steigenden Kosten für neue Behandlungen werden den Übergang weiter komplizieren. Die Notwendigkeit der Veränderung drückt.
Um sich vorzstellen zu können, wie Spitäler nach Überwindung der verschiedenen Hindernissen sein könnten, bedarf es eines kompletten Umdenkens bezüglich Pflege, der Rolle des Patienten und der eines guten Arztes.
Zuerst stellt sich die Frage, wo und wie soll ein Spital sein? „Ein Spital kann auch zu Hause sein“, sagt Lord Ara Darzi, Chirurg und Professor am Imperial College London, einer Universität über die Lehre der Spitäler.
So wie Online-Banking das Leben für der Verbraucher bequemer gemacht hat und Mitarbeiter für komplexe Abfragen entlastet hat, könnte Online-Gesundheitsversorgung bedeuten, dass weniger Menschen in Spitäler kommen, um gepflegt zu werden. Im vergangenen Jahr war die Hälfte der Beratungen von Kaisers Permanente, einer integrierten, amerikanischen Gesundheitsfirma, die viele Spitäler betreibt, virtuell. Medizinische Fachleute, kommunizierten mit Patienten per Telefon, E-Mail oder Videokonferenz. Dabei sei die Hauptbeschränkung heute, sagt Kari Gali, eine pädiatrische Krankenpflegerin der Cleveland-Klinik, dass man nicht in die Ohren der Kinder schauen oder ihre Brust abhören kann.
Da anspruchsvolle Diagnostik, einschließlich Blutuntersuchungen und virtuelle Bildgebung, aus der Ferne verfügbar sind, können mehr Patienten Krankenhausqualitätspflege erhalten, ohne ihr Zuhause zu verlassen.
Gupta Strategen, eine niederländische Forschungsfirma, rechnet damit, dass rund 45% der Pflege die jetzt in niederländischen Krankenhäusern erfolgt, zu Hause geschehen kann. Nur das Auslagern von Dialyse und Chemotherapien ist noch nicht gelöst, aber auf gutem Weg.
Durch eine bessere Fernüberwachung könnten einige chronisch Kranke, zukünftig zu Hause überwacht werden. Sie müssten nur ins Spital kommen, wenn sich ihr Zustand verschlechtert. Dadurch wird nicht nur Geld gespart sondern auch die Qualität verbessert. Die Patienten können bequem in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und sind dadurch auch weniger Infektionsrisiken ausgesetzt.