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ihrer konvexen Schale an Zweige von Steinkorallen anheftet;
O. arborea Chem. [* 2] (O. parasitica Gm., Baumauster, Stockauster), traubenförmig an Wurzeln und im Wasser stehenden Stämmen der Mangle- und andrer tropischer Bäume, sehr wohlschmeckend;
O. cristata
Lam. (Hahnenka
mmauster),
im
Mittelmeer;
O. adriatica Lam. (Pfahlauster von Venedig), [* 3] sehr wohlschmeckend;
O. virginiana, O. canadensis und O. borealis Lam., an den nordamerikanischen Küsten;
O. Hippopus Lam. (Pferdefuß), groß, dick, weniger wohlschmeckend, im Kanal, [* 4] und O. edulis L. (gemeine Auster).
Diese wichtigste Art findet sich weitverbreitet an den europäischen
Küsten, kolonienweise
angesiedelt auf den sogen. Austernbänken, welche besonders auf wenig schla
mmigem
Boden und in Tiefen bis
zu 40
m und mehr vorko
mmen. Löst man durch einen zwischen die
Schalen und längs der glatten Deckelfläche eingeschobenen
Spatel den
Schließmuskel, so klafft das Gehäuse, und man sieht das
Tier wie in einer
Schüssel liegen. Die Abbildung zeigt
letzteres nach
Entfernung des rechten Mantelblattes; a ist die
Schale, b das
Schloß mit tiefer dreieckiger
Höhle für das Schloßband, c die linke Mantelhälfte, d die vier Mundlappen zu beiden Seiten des
Mundes,
e der Afterdarm,
f die
Leber, g das
Herz, h der
Schließmuskel, l der Eingeweidesack; k die vier Kiemenblätter.
Die Auster gehört zu den wenigen zwitterigen Muscheln; [* 5] in der Zwitterdrüse liegen die Blindsäckchen, welche die Eier [* 6] oder Samenfäden erzeugen, durcheinander, und ein und dasselbe Säckchen kann halb männlich, halb weiblich sein. Gewöhnlich scheint jedoch ein und dasselbe Individuum in der Brutperiode zuerst Eier, später ausschließlich Samenfäden zu liefern, so daß trotz des anatomisch möglichen Hermaphroditismus fast stets die Geschlechter getrennt sind.
Darum werden auch in den Austernbänken die Eier der einen Hälfte der Muscheln von dem Samen [* 7] der übrigen befruchtet werden. Völlig sichergestellt sind diese Verhältnisse übrigens bisher noch nicht. Eine erwachsene Auster trägt über 1 Mill. Eier. Die Laichzeit dauert vom Juni bis in den September. Die Eier gelangen hierbei aus der Geschlechtsdrüse nicht etwa ins Meer, sondern verbleiben in der Auster selbst und überziehen ihren »Bart« als eine schleimig-körnige Masse.
Die jungen, aus den
Eiern ausgeschlüpften
Larven sehen den Erwachsenen herzlich wenig ähnlich, besitzen noch zwei gleiche
Klappen und schwi
mmen mittels eines mit
Wimpern besetzten, vor dem
Mund gelegenen
Organs, des sogen.
Segels,
das sie auch zwischen die
Klappen zurückziehen können, munter umher. Sie sind alsdann noch nicht 0,2
mm groß, vermögen
sich selbständig zu ernähren und steigen zunächst zur Oberfläche des
Meers empor, um sich nach kurzem Umherschwärmen
auf den
Grund sinken zu lassen.
Nun beginnt nach Verlust des
Segels, für das kein neues Bewegungsorgan eintritt, die
Periode des
Stilllebens.
Meist werden sie sich
in der
Nähe der Alten ankitten (s.
oben) und so die
Bank vergrößern helfen; geraten sie jedoch auf
ungünstiges
Terrain, auf welchem sie von
Sand oder Schla
mm zugedeckt oder von
Pflanzen überwuchert werden,
so gehen sie unrettbar zu
Grunde. Als
Nahrung dienen mikroskopische
Pflanzen und
Tiere sowie in
Zersetzung befindliche organische
Körper, welche ihnen das eingesogene
Wasser zuführt.
Sehr stark leiden sie durch den Frost. Ihre Feinde sind ferner die Fische, [* 8] Krebse, Seesterne [* 9] und Schnecken. [* 10] Erst nach mehreren Jahren erreichen sie die nach Standort und Rasse sehr verschiedene volle Größe. Die vielen größern oder kleinern, dick- oder dünnschaligen, mehr oder weniger blätterigen Sorten sind nichts als durch lokale Einflüsse entstandene Varietäten einer und derselben Art. Die Austern sollen 10-12 Jahre alt werden, aber schon in 3-4 Jahren sind sie marktfähig.
Die Austern finden sich reichlich an den englischen und französischen Küsten und an der norwegischen Küste bis 65° nördl. Br. Die etwa 50 schleswigschen Austernbänke [* 11] (s. das Kärtchen) liegen an den Abhängen der tiefern Rinnthäler des Wattenmeers in 1½-9 m Tiefe und sind meist schmale Streifen von 100 m Breite [* 12] und 1000 m Länge. Der Grund besteht aus Sand, kleinen Steinen und Muschelschalen. Einzelne Austern finden sich in einigen Stromrinnen des ostfriesischen Wattenmeers, viele leben auf den Fisch ergründen der südlichen Nordsee; das Befischen dieser Bänke ist aber schwierig, weil dieselben meist über 30 m tief liegen.
Auch sind diese Austern nicht so wohlschmeckend wie die der schleswigschen Bänke, werden aber viel größer; in England und Frankreich dienen sie hauptsächlich zu Pasteten und Saucen, in Deutschland [* 13] werden viele auch frisch gegessen. An der jütischen Küste gehen die um Skagen herum bis ins Kattegat. Im Limfjord fehlten sie früher, seitdem aber 1825 das Land im W. von der See durchbrochen worden ist, haben sie sich hier von selbst angesiedelt und bilden jetzt schon einen bedeutenden Handelsartikel. Im Belt fehlen gegenwärtig Austern, haben aber, wie eine fossile Austernbank beweist, östlich von Kiel [* 14] gelebt und sind erst, nachdem das Ostseewasser für sie auf die Dauer zu salzarm geworden, eingegangen.
Erwachsene Austern leben allerdings auch in Wasser von nur 1,7 Proz. Salzgehalt längere Zeit, die Larven haben jedoch mindestens 3 Proz. nötig. Außerdem ist der Mangel an Ebbe und Flut einer reichlichen Ernährung hinderlich. Auch an der Westküste von Frankreich, im Mittelmeer, im Adriatischen und im Schwarzen Meer finden sich Austern; die reichsten Austernbänke aber hat Nordamerika [* 15] (besonders die Chesapeakebai, Massachusetts und Virginia); 20 Meilen nördlich von der Mündung des Hudson werden noch Austern gewonnen. Die australischen Bänke liegen vorzugsweise in Neusüdwales und Tasmania.
Der Fang der Austern ist sehr einfach; wo die Bänke
[* 1] ^[Abb.: Auster, nach Entfernung des rechten Mantelblattes.] ¶
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bei der Ebbe trocken liegen, gewinnt man sie mit der Hand,
[* 17] sonst mit dem Austernrechen, welcher mit einem Beutel
[* 18] zur Ausnahme
der Austern versehen ist, oder mit dem Scharrnetz, dessen schwerer eisener Rahmen mit einer gezahnten Kante am Boden hinschleppt.
Daß sie schon vor Jahrtausenden ein wichtiges Nahrungsmittel
[* 19] der Küstenvölker gewesen sind, beweisen
die sogen. Küchenabfälle, welche in ungeheuern Anhäufungen längs der Ostküste Jütlands an den dänischem Inseln sich finden.
In Italien
[* 20] legte der Prokonsul Sergius Orata etwa ein Jahrhundert vor Christo die ersten Austernbassins in der Bai von Bajä an;
Plinius beschreibt die Mästung in dem Lukrinischen Teich; Eduard III. verbot 1375, Austernbrut zu jeder
andern Zeit zu sa
mmeln und zu versetzen als im Mai.
Die Austernpflege ist also jedenfalls sehr alt und scheint nie ganz außer Gebrauch geko
mmen zu sein. Der klassische Ort für
sie ist gegenwärtig Whitstable, wo eine Gilde, die schon seit 600-700 Jahren bestehen soll, etwa 10,000
Hektar Meeresboden bewirtschaftet. Man bezieht die von natürlichen Bänken u. legt sie auf die wohlvorbereiteten Austerngründe,
um sie wohlschmeckender zu machen. Die berühmten kleinschaligen »Natives« werden im Sommer als junge, 2,5-4 cm große Austern hauptsächlich
von den natürlichen Bänken im Themsebusen geholt.
Das Fischen der Marktaustern dauert gewöhnlich vom August bis Mai. Junge Brut, welche sich oft gedrängt
an alte Schalen od. dgl. ansetzt, wird im zweiten Lebensjahr
abgelöst und an derselben Stelle wieder ins Meer geworfen, so daß sich nun jedes Tier vollko
mmen frei ausbilden kann. Die
Austernparke in Ostende,
[* 21] etwa 2 m tiefe Teiche, stehen durch Schleusen mit dem Meer in Verbindung. Die Wände
sind mit Mauerwerk oder Holz
[* 22] bekleidet, der Boden ist mit Brettern bedeckt, und jede Anlage hat ein Klärbassin, in welchem das
Wasser seine Schlammteile absetzen muß.
Die Reservoirs bei Husum [* 23] sind ebenso eingerichtet wie die Ostender Marennes an der Mündung der Seudre und noch mehr das gegenüberliegende La Tremblade liefern aus ihren Teichen (Claires) die vorzüglichsten französischen Austern. Die einzelnen Teiche sind 2-3000 qm groß, das Wasser steht in ihnen 0,3-0,5 m hoch. Man bringt die besonders an den Küsten der Bretagne gefischten jungen Austern im Herbst in die Claires, in welchen sie die größte Vollkommenheit nicht vor 3-4 Jahren erreichen. Eigentümlich ist die grüne Färbung, welche die in den Claires annehmen, und die ihren Sitz im Mantel, den Kiemen, dem Darm [* 24] und der Leber hat, indessen auf den Geschmack keinen Einfluß ausübt, obwohl die grünen Austern besonders geschätzt sind. Im J. 1876 waren in den Mästungsteichen etwa 80 Mill. Austern.
Bei der künstlichen Austernzucht handelt es sich darum, der jungen Brut, von welcher sonst der größte Teil zu Grunde geht, geeignete Vorrichtungen darzubieten, auf welchen sie sich anheften und vor störenden Einwirkungen geschützt werden kann. In dem kleinen Salzwassersee Lago di Fusaro bei Neapel [* 25] hat man Faschinen an Tauen zwischen Pfählen aufgehängt u. auch stets einen reichen Ansatz von jungen Austern erzielt, welchen die auf Steinhügel im See gelegten Mutteraustern liefern.
Dieselbe Methode wurde 1858 mit großartigen Mitteln bei St.-Brieux an der Nordküste der Bretagne, wo in frühern Zeiten lebhafter Austernfang bestanden hatte, zur Ausführung gebracht. Nach sechs Monaten waren die Faschinen und die leeren Muschelschalen, mit welchen man den Boden bedeckt hatte, in wunderbarer Fülle mit Austern besetzt. Indessen schon 1869 hatte dieser Segen durch Versandung der Bucht ein Ende genommen, und ähnlich ist es an manchen andern Orten, an denen gleichfalls die natürlichen Bedingungen zur Aufzucht nicht gegeben sind, ergangen. Indem man sich aber mehr an die letztern hielt, setzte man noch einer andern Methode aus flachen, bei starker Ebbe trocknen Gründen Ziegel, Steine, Faschinen und Bretter mit Muschelschalen etc. aus, um die schwärmende Brut aufzufangen, welche das Wasser
[* 11] ^[Abb.: Kärtchen der Austernbänke bei Schleswig.] [* 26] ¶