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* Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten in der Gegenwart und der Zukunft. Rudolf Steiner, 1919.
Erhältlich beim Rudolf Steiner Verlag.
Soziale Dreigliederung
Rudolf Steiner beschrieb das soziale Leben als bestehend aus drei Gliedern. Er war nicht der erste, der eine solche Dreigliederung beobachtete. Vor ihm hatten auch schon Plato, Montesquieu und Comte die Gesellschaft in drei Gebiete unterteilt. Auch findet man in früheren Zeiten die Anschauung, dass der Mensch aus Körper, Seele und Geist bestehe. Rudolf Steiner war jedoch der erste, der die Einsicht formulierte, dass heute die drei Glieder (Geistesleben, Rechtsleben, Wirtschaftsleben) sich selbständig, ihren je eigenen Prinzipien gemäß, zu entfalten haben. Diese drei Prinzipien wurden schon während der Französischen Revolution vorausgenommen: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
Die drei Glieder des sozialen Lebens unterscheiden sich auch in ihrem Wirkungsbereich. Das freie Geistesleben ist in der Freiheit des einzelnen Menschen verankert, das auf dem Prinzip der Gleichheit beruhende Rechtsleben national, und das auf dem Prinzip der Brüderlichkeit basierende Wirtschaftsleben umfasst die ganze Erde. Können diese drei Gebiete sich selbständig, ihrem Wesen gemäß entfalten, so können sie sich gegenseitig ergänzen und zusammen ein artikuliertes, anstatt ein monolithisches Ganzes bilden.
In den hundert Jahren, seit Rudolf Steiner sein Buch "Die Kernpunkte der soziale Frage"* geschrieben hat, hat seine Analyse nichts an Bedeutung verloren. Die Menschheit steht auch heute noch vor der sozialen Frage, die sich zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts herausgebildet hatte. Die zugrundeliegende Dynamik ist jedoch nicht mehr ganz dieselbe. Wege sollen gesucht werden, unter Freigebung von Geistesleben und Wirtschaftsleben, ein eigenständiges Rechtsleben zu schaffen. Ein wichtiger Schlüssel hierzu ist heute unser Verständnis und unser Umgang mit Geld, welches Rudolf Steiner als eine Form der Buchhaltung beschrieb.