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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Siebtes Buch
32. Nachwort. Wie der Vater und der Sohn wechselseitig ein Gott und doch nicht ein einziger sind.
Zwei Götter mag immerhin lehren, wer den einen ohne den anderen zu lehren vermag; oder einen einzelnen [S. 374] Gott mag verkünden, wer abzustreiten vermag, daß der eine dem anderen vermöge der Kraft des Wesens und des Geheimnisses der Zeugung und der Geburt nicht inne-sein könne. Verschiedenes Wesen mag auch derjenige den beiden zusprechen, der nichts von der Lehre weiß, daß Vater und Sohn eines sind. Mögen nun die Irrlehrer das Selbstzeugnis des Sohnes in den Evangelien zunichte machen: „Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir”,1 um entweder zwei Götter oder nur einen vereinzelten zu lehren!
Es sind keine Bezeichnungen für (zwei verschiedene) Wesen in der Eigentümlichkeit des einen Wesens vorhanden; und die Wahrheit des Gottes aus Gott führt weder zu zwei Göttern hin, noch läßt die Geburt Gottes nur einen vereinzelten Gott zu, noch geht deren Eins-sein verloren, die einander inne sind. Sie sind aber wechselseitig ineinander, da der eine aus dem einen stammt, weil weder der eine dem einen durch die Zeugung etwas anderes gab, als was sein eigen ist, noch auch der eine von dem einen durch die Geburt etwas anderes erhielt, als was dem einen zu eigen war. Ob nun der Glaube der Apostel den Vater verkündet ― so verkündet er den einen Gott; ob er den Sohn bekennt ― so bekennt er den einen Gott, weil in beiden das gleiche und nicht-unterschiedene Wesen Gottes ist, und weil „einer” jeden bezeichnet, da ja der Vater Gott und auch der Sohn Gott ist, und beiden nur ein Wesensname zukommt. Denn daß Gott aus Gott oder Gott in Gott ist, das macht weder zwei Götter aus, da der eine, der aus dem Einen stammt, in der Einheit des Wesens und des Namens bleibt; das entartet aber auch nicht zu einem vereinzelten Gott, da „einer und einer” in dieser Bezeichnung nicht ein vereinzelter ist.
1: Joh. 10, 38.