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Pasang Lhamu
Pasang Lhamu
Pasang Lhamu ist die erste Nepalesin, welche das Dach der Welt erklommen hat. Am 22.4.1993 hat sie es nach vier Versuchen geschafft. Sie ist Mutter von drei Kindern und hat den Gipfel zusammen mit Sonam Tsering, ebenfalls einer Angehörigen der Ethnie der Sherpas, gemeistert. Der weitere Verlauf ist ebenso tragisch, wie banal.
Der Morgen des 22. April war klar und ruhig. Die meteorologischen Bedingungen waren gut, bis die 5 Sherpas den Gipfel auf 8848 m erreichten. Beim Abstieg verschlechterten sich die Bedingungen und gegen 16 Uhr kam ein Sturm auf.
Pasang und Sonam waren erschöpft, haben sich in den Schnee gesetzt und ihre letzten Tropfen Tee geteilt … und sind nicht mehr ins Basislager zurückgekehrt. Erst 19 Tage später hat eine Gruppe von Sherpas die Leiche von Pasang Lhamu auf dem südlichen Gipfel des Everest aufgefunden und sie ins Basislager gebracht. Von Sonam fehlt jede Spur, ausser ihrem Rucksack und ihrer Handschuhe, welche man in der Nähe von Pasang gefunden hat.
Pasang hat vom König von Nepal posthum die höchsten Auszeichnungen erhalten. Eine Briefmarke mit ihrem Bild wurde herausgegeben, eine Statue in Bodanath errichtet und ihr Mann hat die Stiftung Pasang Lhamu Mountaineering Foundation ins Leben gerufen.
Mehr als eine persönliche Herausforderung hat sie angetrieben; ihr Engagement für die nepalesischen Frauen. Pasang Lhamu steht, mit ihrem Tod und Ihrem Sieg, für die Entschlossenheit eines ganzen Volkes für seine Zukunft.
Jede Gesellschaft braucht ihre Märtyrer, deren Hauptrolle es ist, Zeugen zu sein. Pasang war Zeugin; sie hat in einem politisch-emblematischen Glaubensakt erklärt: Dieses Mal und trotz aller Schwierigkeiten, mit welchen ich konfrontiert werde, will ich im Namen aller Nepalesinnen den Gipfel Samarmatha besteigen und dafür gegebenenfalls mein Leben geben. Es ist nicht nur ein einfacher Wunsch; es ist für mich eine Pflicht, um den Ruf und das Ansehen meines Landes zu würdigen.
Ich habe drei Kinder (7,9 und 13jährig im Jahre 1993), aber ich habe mich vollauf der Sache der Frauen meines Landes verschrieben, welche so mutig wie unsere Männer sind, aber infolge Mangels von Aufmunterung und Motivation die Möglichkeit nicht haben, Erfolg zu erleben.
*Jeanmi Asselin, Vertical, August 1993