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Impuls zum Fest
Erlöst handeln
Bereits 40 v. Chr. wird die Geburt eines Kindes besungen, das die Welt erlösen wird. Der römische Dichter Vergil zeichnet in seinen Bucolica die Vision eines Kindes, welches das eiserne Zeitalter voller Krieg und Elend beenden und der ganzen Welt ein goldenes Zeitalter bringen wird.
Augustinus und Laktanz haben später Vergils Verse als Prophezeiung der Geburt Jesu gedeutet. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Vergil die Sehnsucht vieler Römer nach Erlösung aus dem schon viele Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg zum Ausdruck brachte. Diese Sehnsucht verbildlichten die Römer Ende des 1. Jahrhunderts vor Christus variationsreich. Eines der beliebtesten Motive war ein göttliches Kind mit Flügeln, das zusammen mit einem Füllhorrn und einer Weltkugel auf Monumenten und Münzen abgebildet wurde.
Nur wenige Jahrzehnte später sahen einige Juden im römisch besetzten Palästina in dem Prediger Jesus ihren Erlöser von der römischen Herrschaft. Erst nachdem sie die ernüchternde Erfahrung gemacht hatten, dass Jesus gestorben war, ohne seinen Jüngern eine weltliche Befreiung gebracht zu haben, erst da begannen seine Anhänger ihn als Erlöser von Sünde und Tod zu begreifen.
Diese Hoffnung auf Jesus als den Erlöser vom Tod stellten Christen bereits in der Antike bildlich dar. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Syrakuser Sarkophag der Adelphia und des Valerius aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Unter den vielen Szenen aus der Bibel, welche diesen Sarkophag zieren, befindet sich oben rechts auch eine der frühesten Darstellungen der Geburt Jesu: Das Kind in der Krippe, umgeben von Ochse und Esel, Maria und Josef und den drei Sterndeutern aus dem Morgenland.
Und heute? Nach welchen Erlöserfiguren sehnen wir uns? Nicht selten ertappe ich mich dabei, wie ich meine Hoffnung in einflussreiche Personen unserer Zeit setze. Sie sollen die Schere zwischen Arm und Reich, den Klimawandel, die Chancenungleichheit oder die Kriege dieser Welt beenden.
Aber dann denke ich an das Kind in der Krippe, das in uns geboren werden will, wie es der Mystiker Angelus Silesius ausdrückt.
Mit Blick auf das Kind: Wir brauchen keinen neuen Erlöser. Wir sind bereits erlöst! Jetzt ist es an uns, diese Welt von dem Leid zu erlösen, das wir ihr trotz der Frohen Botschaft immer wieder zufügen. Wir können das aus der Kraft der Erlösung heraus. Aus der Kraft dieses kleinen Kindes.
Text: Miriam Bastian
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Die Historikerin Miriam Bastian doktoriert derzeit an der Universität Zürich im Fachbereich Alte Geschichte.