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In der Schweiz verkehren heute im Gegensatz zu Deutschland oder Frankreich kaum Fernbusse auf nationalen Verbindungen, während der grenzüberschreitende Fernbusverkehr hingegen seit einigen Jahren floriert. Stellvertretend dafür sind die bekannten grün gefärbten Busse, die im Auftrag des deutschen Unternehmens Flixbus auch in die Schweiz verkehren. Demgegenüber ist der grenzüberschreitende Personenverkehr per Bahn nur innerhalb von Unternehmenskooperationen möglich. Das bedeutet, dass grenzüberschreitende Personenverkehrsleistungen weder durch ausländische Unternehmen noch durch die SBB selbständig (also alleine) angeboten werden können.
Vor diesem Hintergrund hat der Bundesrat am 18. Oktober 2017 nun entschieden, dass einerseits Fernbusse auch innerhalb der Schweiz liberalisiert werden sollen und dass andererseits eine Öffnung des grenzüberschreitenden Personenverkehrs mit der Bahn im Rahmen des Landverkehrsaufkommens mit der EU geprüft wird.
Hintergrund dieses Entscheids ist die Beantwortung eines Postulats zum grenzüberschreitenden Personenverkehr Bahn / Bus durch den Bundesrat, für welches das Kompetenzzentrum Mobilität in enger Zusammenarbeit mit dem Berliner Forschungs- und Beratungsbüro KCW im Auftrag des Bundesamtes für Verkehr BAV verschiedene Fragen beantwortet hat. Konkret wurden in der Grundlagenstudie die heutige Situation im internationalen Fernbusverkehr und Schienenpersonenverkehr sowie die Wettbewerbssituation zwischen den beiden Verkehrsmitteln analysiert und Einschätzungen zu zukünftigen Entwicklungen vorgenommen. Zusätzlich wurde auch der Binnenverkehr der Schweiz genauer betrachtet und die möglichen Auswirkungen einer Liberalisierung des Fernbusmarktes abgeschätzt.
Die Studie hat unter anderem gezeigt, dass sich die Fahrgastzahlen im grenzüberschreitenden Schienenpersonenverkehr aus der bzw. in die Schweiz infolge der Liberalisierung des internationalen Fernbusverkehrs in den letzten Jahren kaum verändert hat. Dies, weil das Verkehrsmittel Fernbus teilweise andere Kundensegmente anspricht als die Bahn, neben gewissen Vorteilen (z. B. ein tiefer Preis) auch Nachteile aufweist (z. B. häufig längere Reisezeit und weniger Komfort) sowie alleine aufgrund der Gefässgrösse deutlich weniger Kapazitäten anbieten kann.
Grenzüberschreitende Angebote im Bahnverkehr werden durch verschiedene Hindernisse (regulatorisch, technisch, infrastrukturell, marktseitig etc.) eingeschränkt. Die Studie zeigt, dass daher die Liberalisierung zwischen Ländern der EU alleine nur zu geringfügigen Änderungen im Angebot geführt hat. Punktuell sind jedoch neue und verbesserten Angebote für die Kunden entstanden.
In Bezug auf den Binnenverkehr mit Fernbussen kommt die Studie zum Schluss, dass die Effekte einer Marktöffnung anders sein dürften als beispielsweise in Deutschland oder Frankreich. Dies, da der bestehende öffentliche Verkehr in der Schweiz schon heute einen sehr hohen Erschliessungsgrad aufweist, über eher wenige typische Fernbuslinien (Freizeitlinien über 300 km) verfügt und vom Bundesrat eine Integration in das offene ÖV-System (u.a. mit Anerkennung der ÖV-Fahrkarten) angedacht ist. Trotzdem verfügt auch die Schweiz über ein gewisses Potenzial an eigenwirtschaftlichen nationalen Fernbuslinien.
Die bundesrätlichen Entscheide haben zu einem grossen Medienecho geführt. Es wird spannend sein, wie die Pläne dereinst konkret umgesetzt werden und welche Auswirkungen dies auf die Akteure und insbesondere auch auf die Fahrgäste von Bus und Bahn haben wird.