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Riget : Episoden 7 + 8
Lars von Trier, Morten Anfred, Dänemark, 1997o
Chefarzt Moesgaard nähert sich dem Nervenzusammbruch und gibt die administrative Leitung des Spitals an Helmer ab. Dieser führt die Morgenrapporte ab absurdum und beschliesst, den aufsässigen jüngeren Kollegen, der den verschwundenen Bericht zu seinem Kunstfehler aufspürt, mit einem Voodoo-Gift zum Zombie zu verwandeln. Frau Drusse kehrt als Unfallopfer ins Spital zurück und findet allmählich heraus, was es mit den Riget-Geistern auf sich hat, während sich Judith an die Pflege ihres monströs wachsenden Babys verausgabt und die nächtlichen Wetten der unteren Chargen auf den Krankenwagen-Geisterfahrer eskalieren.
Bis in die 1990er Jahren wurden Fernsehserien fast ausschliesslich als Aneinanderreihung in sich geschlossener Episoden erzählt. Verpasste man eine Folge, spielte das keine Rolle, hatte eine Serie Erfolg, liess sie sich beliebig verlängern. Der Preis dieser Rezeptur war, dass komplexe Erzählungen kaum möglich waren und Serien als filmische Groschenromane galten. Mit der Mystery-Serie Twin Peaks brach David Lynch 1990 - nicht ganz als Erster - mit der eiserenen Genre-Regel und entspann eine fortlaufende Thriller-Handlung, die sich romanhaft über dreissig Episoden bzw. 25 Stunden zog. Lars von Trier folgte Lynch 1994 auf dem Fuss mit seiner neunstündigen Spitalserie Riget/The Kingdom, deren zweiter Teil 1997 herauskam. Dabei ging von Trier noch einen Schritt weiter und legte die fortlaufende Erzählung auch als wilden Mix von schwarzer Komödie, Okkult-Thriller und Horrorfilm an. Die zweite Staffel ist so fesselnd und komisch wie die erste. Zudem verdeutlicht sie, worum es von Trier wirklich ging. Riget ist nicht nur eine Generalabrechnung mit dem Berufsstand der Ärzte, die im Reichsspital von Kopenhagen ein vermeintlich hochmodernes und streng rationales, de facto aber hemmungslos selbstherrliches und irrwitzig stümperhaftes Regime führen, sondern auch eine grelle Gesellschaftssatire, in der jeder und jede sein Fett abkriegt: mit boshaftem Witz ersonnen, konsequent trashig inszeniert, doch im Kern durchaus wahrhaftig.Andreas Furler