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Mit X-Men: Days of Future Past (2014) kommt bereits der siebte Streifen der X-Men-Franchise in die Kinos. Die Filmmusik hierzu komponierte John Ottman, der nach X-Men-Filmmusiken aus den Federn von Michael Kamen, John Powell, Harry Gregson-Williams, Henry Jackman und Marco Beltrami der erste Komponist ist, der sich in diesem Superhelden-Kosmos zu einem zweiten Stelldichein einfindet (alle anderen Komponisten betreuten bisher lediglich je eine Kinoproduktion). Aufgrund dieses steten Komponisten-Sesselrückens war denn auch bis dato keine filmmusikalische Konsistenz auszumachen – ausser man ist der Meinung, dass die aktuellen Superhelden-Scores grundsätzlich alle gleich klingen –, was bedauerlich ist und was nun mit Ottmans zweitem X-Men-Einsatz etwas korrigiert hätte werden können. Das ist insofern der Fall, als dass Ottman sein X-Men-Titelthema mehrmals einbringt, was auch willkommen ist, doch abgesehen davon ist auch die Filmmusik zu X-Men: Days of Future Past eine weitgehend anonyme Superhelden-Action-Musik geworden, die an das Overkill-Highlight aus Powells Feder (X-Men: The Last Stand (2006)) nicht herankommt und die an einer unvorsichtigen Albumpräsentation sowie enttäuschend ausgeprägten Inception-Imitationen krankt.
Zuerst zur Albumpräsentation: Wie viele andere aktuelle Action-Filmmusiken so ist auch das Filmmusikalbum zu X-Men: Days of Future Past mit einer Laufzeit von satten 76 Minuten zu lang geraten. Dieses Problem kann häufig schnell behoben werden, indem man einfach die Highlights programmiert. Hier ist das jedoch schwieriger, da gelungene Momente in längere Tracks eingebettet und von wenig interessantem Underscore umrahmt sind. Um die bestmögliche Suite zusammenzustellen, müsste man also eigentlich auch noch einen Audio-Editor zur Hilfe nehmen.
Hinzu kommt, dass Ottman bei der CD-Produktion ein Fehler unterlaufen ist (den jedoch wohl kaum jemand bemerkt hätte). So schrieb Ottman auf Facebook, dass er „untröstlich und verärgert“ sei, da er feststellen musste, dass er die Tracks 16 bis 19 auf dem Album falsch beschriftet und in der falschen Reihenfolge platziert habe. Die Tracks müssten wie folgt betitelt sein:
16. Do What You Were Made For (statt „The Attack Begins“)
17. I Have Faith in You/Goodbyes (statt „Join Me“)
18. Join Me (statt „Do What You Were Made For“)
19. The Battle Begins (statt „I Have Faith in You – Goodbyes“)
Sind die Tracks dann umbenannt, muss man sie wieder in die Reihenfolge auf der CD bringen (die ja dann anders ist, weil die Tracks andere Namen haben). Sprich, 19 wird zu 16, 18 zu 17, 16 zu 18 und 17 zu 19. Dann sollte es stimmen. Auch wenn es sich bei diesen vier Stücken um den vergnüglicheren Teil des Albums handelt, macht diese Neuanordnung der Tracks keinen riesigen Unterschied. Aber der Ordnung halber kann diese Korrektur im mp3-Player natürlich vorgenommen werden. Nur befürchte ich, dass bei so manchem Hörer das Interesse an der Musik früher abreisst, als dass er diese Korrektur vornehmen wird.
Zur Musik: Hier wird vom Hörer eine ordentliche Portion Geduld erwartet. Den ersten zwei Dritteln des Albums fehlt Pfeffer und Biss zugleich. Viele Musikminuten dümpeln wenig aufregend vor sich hin. Die spannendsten Momente sind die dramatischeren Sequenzen der Tracks I Found Them (die zweite Hälfte), He Lost Everything und All Those Voices (das erste Drittel). Hope (Xavier’s Theme) scheint unverhohlen von Time aus Inception (2010) abgekupfert worden zu sein, was in diesem Ausmasse etwas irritiert. Hat man diese ersten zwei Drittel mal durch und gelangt zu Time’s Up (Film Version), folgt quasi das Vergnügen nach der Arbeit. Während den Stücken 15 bis 20 entfesselt Ottman endlich die musikalischen Kräfte, die man während den vorausgegangenen Minuten immer mal wieder erwartet hätte. Weniger präsente Elektronik, mehr Orchester und dazu rhythmische bzw. Requiem-esque Chorpassagen resultieren in unterhaltsamen knapp 20 Minuten Musik. Dabei bietet Ottmans Score jedoch nichts völlig Neues und irgendwie hätte man sich noch ein/zwei kraftvolle Hauptthema-Statements gewünscht (die Gelegenheit schien sich hierzu nicht ergeben zu haben). Nur zu hoffen, dass die Hörer ausreichend Ausdauer haben, bis sie bei diesen sechs Stücken angelangt sind. Ähnlich verhielt es sich bereits bei Ottmans letzter Arbeit, Non-Stopp (2013), bei der der spassige Musikteil erst nach vielen anonymen Musikminuten Einzug hielt.
Fazit: Die Filmmusik zu X-Men: Days of Future Past (2014) erfindet das Genre nicht neu und Ottman verweilt in seiner Comfort-Zone. Wenn man sich die Stücke 4, 15, 16, 17, 18, 19 und 20 programmiert, ergibt sich jedoch eine recht unterhaltsame, wenn auch stets vertraut klingende Suite für Fans des Films und des Komponisten. Der Rest ist jedoch über weiteste Strecken allzu blass und rein atmosphärisch.