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Die Ukraine betreibt seit geraumer Zeit biologische Forschungslabore. Doch die wenigsten haben die Bewilligung, mit Mikroorganismen der höchsten Sicherheitsstufe zu arbeiten. Diese haben höchstens das Äquivalent der internationalen Biosicherheitsstufe BSL-3. Die Erreger in diesen Laboren können bei einer Übertragung schwere oder potentiell tödliche Krankheiten hervorrufen.
Die Ukraine besitzt kein Labor, welche an Mikroben der Sicherheitsstufe BSL-4 forschen. Labore mit der höchsten Sicherheitsstufe arbeiten mit Erregern, die häufig tödlich sind und gegen die es keine Behandlung oder Impfung gibt.
Die Ukraine arbeitete gemeinsam mit den USA daran, Ausbrüche von gefährlichen Infektionskrankheiten weltweit zu verhindern. Sicherheitsrelevante Krankheitserreger und Toxine werden in den ukrainischen Laboratorien gesichert und zu Impfstoffentwicklung verwendet. Eine Forschungskooperation zwischen den beiden Ländern besteht schon länger. Seit 2005 besteht ein Abkommen zwischen den USA und der Ukraine, biologische Risiken und die Verbreitung von Fachwissen, welches für die Entwicklung von Biowaffen verwendet werden könne, zu verhindern.
Die US-Behörde betonte bereits im Jahr 2020, dass die Zusammenarbeit mit der Ukraine der friedlichen Impfstoffforschung diene und der Reduzierung von biologischen Risiken beitragen soll. Die US-Botschaft reagierte damals auf Gegenteilige russische Anschuldigungen und bezeichnete dies als Desinformation. Auch die ukrainischen Behörden gaben im März 2022 ein Statement zu den anhaltenden russischen Vorwürfen zur Produktion von Biowaffen.
Im März 2022 bestätigte die US-Staatssekretärin Victoria Nuland die Existenz der Forschungslabore in der Ukraine während eines Hearings im US-Senat (Foto). Sie äusserte Bedenken, sollten die ukrainischen Forschungsergebnisse in die Hände der Russen fallen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) riet der Ukraine, hochgefährliche Krankheitserreger in deren Laboren zu vernichten. Sollten diese Biosicherheitslabore von der russischen Armee zerstört werden, bestünde die Gefahr einer unkontrollierten Verbreitung von Krankheitserregern. Die Virologin Isabella Eckerle hält es hingegen für eher unwahrscheinlich, dass zerbombte Labore ein Risiko zur Ausbreitung von hochgefährlichen Krankheitserregern darstellen. Sie sieht die grössere Gefahr bei zerstörten Infrastrukturen, welche dann die hygienischen Bedingungen für die Menschen in der Ukraine beeinträchtigen.
Auch Deutschland kooperierte bereits für einige Forschungsprojekte mit der Ukraine. Doch auch hierbei handelte es sich um keine «Tätigkeit zu Arbeiten in den Biowaffenlaboren», wie das Sharepic behauptet. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) falsifizierte derartige Anschuldigungen bereits. Cornelia Silaghi, die Leiterin einer deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit des Friedlich-Loeffler-Instituts (FLI), bezeichnete gegenüber Science die Anschuldigungen bezüglich Biowaffenforschungen als «Müll». In ihrem Forschungsprojekt ginge es um Fledermausparasiten in der Ukraine, um darauffolgend die von den Parasiten ausgehenden gesundheitlichen Risiken identifizieren zu können.
Die Schweiz bemüht sich, das Abkommen mit der UNO, welche jegliche biologischen Waffen verbietet, zu stärken und weiterzuentwickeln. Aufgrund der enormen Fortschritte in der Biotechnologie steht die UN-Konvention vor Herausforderungen. Die Schaffung von Transparenz spielt dabei eine Rolle sowie der Austausch zwischen Experten der Vertragsstaaten. Die Schweiz besitzt mit dem Labor Spiez ein biologisches Forschungslabor der Sicherheitsstufe BSL-4, welches im Jahr 2014 in Betrieb ging.