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Oberst i Gst David Accola, Stv Kdt Gst Schule, vermochte wiederum mit spannenden Erläuterungen über das Thema die 26 interessierten Mitglieder in seinen Bann zu ziehen.
Kriege führen könnte man meinen sei eine reine Männersache, aber weit gefehlt. Homer beschrieb in seiner Ilias erstmals das kriegerische Wirken von Frauen. Bereits vor dem trojanischen Krieg sollen die Amazonen – jenen bisweilen mystisch verklärten Kriegerinnen – beritten und barbusig, ansonsten aber mit männergleichem Kampfstil gegen den trojanischen König Priamos ins Feld gezogen sein.
Johanna von Orléans ist wohl die bekannteste "Amazone" des Spätmittelalters.
Fazit: Frauen können und wollen "Ihren Mann" stehen!
Katharina Sturzenegger, Appenzellerin (1854-1929)
Nach einer strengen und harten Kindheit, hat sie 1872 die Aufnahmeprüfung ans Lehrerinnenseminar in Bern bestanden. Bis 1881 unterrichtete sie an verschiedenen
Schulen, bis zum Unfall mit einem Pferdefuhrwerk. Anschliessend konnte sie die Lehrtätigkeit nicht mehr ausüben, da sie gehbehindert war.
1884 wurde ihr die Poststelle Wolfhalden anvertraut. Hier setzte sie sich unter anderem für mehr Briefträger in ihrem Gebiet, besseres Gehalt für Familienväter oder eine Pensionierung für Postbeamte ein. Einer ihrer wichtigsten Kunden war Henry Dunant. Während ihrem Aufenthalt in Wolfhalden begann ihre journalistische Tätigkeit. Sie beteiligte sich an einem schwedischen Preisausschreiben zum Thema "Praktische Vorschläge für Frieden und Abrüstung". Für diese Arbeit erhielt sie den 7. Preis. Von da an setzte sie sich für die Friedensbewegung ein.
Wegen ihrer angeschlagenen Gesundheit musste sie wieder ins Spital nach Heiden, wo sie Henry Dunant erneut traf. Er steckte sie mit der Idee des Roten Kreuzes – Freunde und Feinde helfen sich gegenseitig – an.
1896 erschien ihre "Kurzgefasste Schweizergeschichte" für die sie viel Lob aber auch schelte einstecken musste. Darin gab sie auf den letzten Seiten der Genfer Konvention, dem Rot-Kreuz-Gründer Henry Dunant sowie der zukünftigen humanitären Aufgaben der Schweiz Raum. Sie forderte ein internationales Schiedsgericht, wie das bereits Henry Dunant getan hatte.
1904 begann der russisch-japanische Krieg und Henry Dunant suchte jemanden, um den Japanern vor Ort die Grundsätze des Roten Kreuzes näher zu bringen. Katharina
Sturzenegger übernahm dies. Nach 4 Jahren kehrte sie wieder zurück in die Schweiz. 1912 und nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs ging sie nach Serbien und pflegte
Verwundete im Sinne des Roten Kreuzes. Zudem war sie als Kriegsberichterstatterin tätig, unter anderen auch für die NZZ.
Zwischen ihren Einsätzen in Serbien verfasste sie eine "Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestande des Internationalen Roten Kreuzes und der Genfer Konvention". Integriert war eine Biographie über Henry Dunant. Somit war sie seine erste Biographin. 1929 starb sie und wurde in der Nähe von Henry Dunants Grab auf dem Zürcher Friedhof Sihlfeld begraben. Die Kosten für ihre Bestattung wurden vom jugoslawischen Staat übernommen.
Else Züblin - Spiller, Winterthur (1881-1948)
Auch sie verbrachte eine strenge Kindheit und musste bereits als junges Mädchen zur Haushaltskasse beisteuern.
Sie verfasste bereits als junge Journalistin sozialpolitische geprägte Texte in der NZZ. 1911 wurde sie, als erste Frau, Redakteurin einer politischen Zeitung. Zudem leitete sie den Pressedienst der Heilsarmee. Der Alkoholismus war in dieser Zeit weit verbreitet. Durch den Ersten Weltkrieg und das Einrücken in den Dienst entzogen sich die Männer der Kontrolle der Frauen und der Griff zur Flasche war naheliegend.
Else Spiller fusionierte verschiedenen Gruppierungen zum "Verband gemeinnütziger Vereine für alkoholfreie Verpflegung der Truppe". Als Präsidentin wurde sie im Berner Bundeshaus vorstellig. Hier wurde sie dem Oberfeldarzt zugewiesen. Dieser praktizierte vor seiner Dienstzeit am Ufer des Zürichsees und war den dort tätigen Weinbauern äusserst positiv zugeneigt. "Alkoholfrei" war für ihn ein Reizwort und postwendend erteilte er Elses Vorhaben eine Abfuhr.
Also gründete sie kurzum den "Schweizer Verband Soldatenwohl", welcher zu einer Erfolgsgeschichte wurde und bis zum heutigen Tag andauert. Hier fand sie Zugang zu den höchsten Armeeführern resp. deren Frauen. Eine der wichtigsten Beziehungen verband sie mit Frau Oberst von Sprecher, welche ihr eine treue und von der Sache überzeugte Fürsprecherin wurde. So konnte Else auch auf die Ressourcen der Armee zurückgreifen. Eine ihrer Bemühungen war die Soldatenwäscherei in Lausanne, welche heute in Münsingen betrieben wird. Für Else Spiller stand immer die Sicherstellung einer gesunden Verpflegung der Wehrmänner im Vordergrund und so entstanden während des Ersten Weltkrieges 1000 Soldatenstuben. In diesen Lokalen wurden diverse Kuchen und Getränke, aber kein Alkohol zum Konsum angeboten.
Elses Wirken fand uneingeschränkte Anerkennung. Insbesondere bei den Truppen, deren Wohlergehen ihr und all den aktiven Damen im Verband Soldatenwohl eine
Herzensangelegenheit war. Geblieben sind die ersten beiden Buchstaben: SV – heute der grösste Kantinenbetreiber der Schweiz mit rund 8500 Mitarbeitenden. Eine Erfolgsgeschichte!
Viktoria (Maria) Savs, Bad Reichenhall (1899-1979)
Sie fand als "Heldenmädchen von den Drei Zinnen" Aufnahme in der militärischen Historiographie. Möglicherweise in Ermangelung einer höheren Bildung, vielleicht aber auch
nur aufgrund ihrer beschränkten Urteilsfähigkeit verkannte sie die Instrumentalisierung ihrer Person als "Vorzeigegermanin" während der nationalsozialistischen Zeit.
Die Eltern haben sich getrennt und zwei der drei Mädchen gehen mit dem Vater zunächst nach Arco und später nach Meran. Sie kleidet sich knabenhaft, Hosen und ein burschikoser Haarschnitt verleihen ihr das Aussehen eines vom Vater so sehr gewünschten Jungen. 1914 zieht der Vater in den Krieg, Vickrl bleibt in Meran. Sie will sich mit 15 beim Armeekommando "verdingen". Dies aber schlägt fehl. Ein Jahr später ist alles anders. Nachdem Italien in den Krieg eingetreten ist, benötigt Österreich jede Unterstützung. Sie will zum Vater an die Front. Als Saumpferdführer geht ihr Wunsch in Erfüllung. Später wird sie zum Schanzarbeiter. Aus der Viktoria wird Viktor. Sie leistet Dienst auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden.
1917 erfüllt sich Viktorias Traum. Sie wird Offiziersordonnanz im Bataillon ihres Vaters auf dem Hochplateau der Drei Zinnen. Hier war sie am legendären Unternehmen Sextenstein – Angriff durch Schneetunnels auf italienische Stellungen – und massgeblich an der Festnahme von 20 Italienern beteiligt. Sie wird mit der Bronzenen Tapferkeitsmedaille dekoriert. Begründung: "hat ohne Befehl im schwersten feindlichen Artilleriefeuer Ordonnanzdienste besorgt und am 21./22. April 1917 Gefangene eskortiert". Im gleichen Jahr muss ihr der Unterschenkel amputiert werden. Österreich feiert das Heldenmädchen der Drei Zinnen und verleiht ihr weitere Orden.
1933 trat sie der NSDAP bei, wohl in der Hoffnung die ihr zustehende Anerkennung wieder zu erlangen. Damit geriet sie in die Fänge der braunen Propaganda und letztlich wissen wir heute nicht, welche Teile ihrer Geschichte hinzu gedichtet wurden. Diese Umstände machen es heute besonders spannend, die Wahrheit zu ergründen.
Ebenso gut hätten wir das Wirken von Tausenden anderer Frauen aufblenden können – jede, damals vom Krieg in irgendwelcher Form betroffenen Mutter, Ehefrau, Tochter oder Schwester würde ihre eigene und vielfach doch ähnliche Geschichte zu erzählen wissen.
Die Integration der Frauen in den militärischen Streitkräften ist heute eine Selbstverständlichkeit. Dabei haben die Amazonen der Neuzeit längst den Schritt von der
Krankenpflegerin zur Frontsoldatin gemacht.
Unser aller Dank gilt Oberst i Gst Accola der uns kompetent und engagiert durch den Abend führte, welchen wir angeregt und in angenehmen Rahmen ausklingen liessen.
Quellen:
Weber, Karin, Kurzreferat über Catharina Sturzenegger, in Widmer, Markus, Balkan 1915 und heute, Auf den Spuren der Appenzellerin Catharina Sturzenegger, Reisedokumentation 23-2015, GMS Reisen.
Zürst, Ernst, Katharina Sturzenegger, Posthalterin von Wolfhalden, Rotkreuz-Delegierte in Serbien, Ein kurzgefasster Bericht mit ihren eigenen Bildern, Dunant Museum Wolfhalden, 2014.
Stüssi-Lauterburg, Jürg et Gysler-Schöni R., Helvetias Töchter, Frauen in der Schweizer Militärgeschichte 1291-1939 (vergriffen) zu Else Züblin-Spiller.
Spiller, Else, Tagebuch 1916-1918, Zuerst die Soldatenfstuben, dann die Fürsorge, Neu gedruckte Ausgabe, Bibliothek am Guisanplatz.
Gerbert Frank, Die Kriege der Viktoria Savs, Von der Frontsoldatin 1917 zu Hitlers Gehilfin, K&S Verlag, Wien, 2015.
Anmerkung:
Oberst i Gst David Accola amtet als Präsident des "VEREIN STELVIO-UMBRAIL 1914/18". Im Museum des Vereins - im wunderschönen Val Müstair - hat es viele
interessante Bilder, Dokumente, einen Film sowie ein Relief (www.stelvio-umbrail.ch . Der Verein ist bestrebt, die heute noch auffindbaren Spuren des Ersten Weltkrieges in
der Region der höchsten Alpenpässe zu sichern, zu dokumentieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Überzeugen Sie sich selbst vor Ort oder besuchen Sie die oben erwähnte Internetseite auf der Sie auch die Möglichkeit haben mit dem Verein in Kontakt zu treten um zum Beispiel einen Betrag zu spenden.