Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03518.jsonl.gz/812

Tafel 21 Hotel Waldhaus
Vom Schulunterricht zum Gastrounternehmen
Canols mauserte sich durch den gestauten See 1882 zu einem beliebten Ausflugsziel, nicht nur für Menschen aus den Nachbarorten wie Churwalden und Parpan, sondern für Tagesausflügler aus Chur. Lehrer nutzten durch den Boom die Chance, unternehmerisch tätig zu werden, im Gastgewerbe. Da war Joachim Cantieni mit dem Hotel Kurhaus 1882, Jakob Thalparpan als Pächter des Insel-Chalets 1883, Josef Bergamin mit dem Hotel Scalottas und 1912 folgte der Kantonsschullehrer Josef Blaesi mit dem Parkhotel. Die moderne Handschrift von Otto Manz ist heute noch dem heutigen Hotel Waldhaus abzulesen.
1905 erbaute der Churer Stadtschullehrer Eduard Cadisch auf einer Anhöhe über dem Maiensässweiler Canols die Pension Waldheim. Es war ein stattlicher viergeschossiger Bau im Heimatstil mit einer Fachwerkkonstruktion im Dachgeschoss und beidseitigem Zwerchdachgiebel. Ein dreistöckiger überdachter Balkon zierte die Südseite. Der grosszügige quadratische Natursteinsockel mit hölzerner Brüstung diente den Gästen als Terrasse.
Seit der Stauung des Sees im Jahr 1882 war der Raum Canols zu einem beliebten Ausflugsziel von Hotelgästen aus Churwalden und Parpan sowie Tagesausflüglern aus Chur geworden. Das 1883 eröffnete Insel-Chalet in der Rothornbucht bot kulinarische Abwechslung und verfügte auch über einige Zimmer. Da Eduard Caflisch zusammen mit seiner Frau acht Sommer lang die Churer Ferienkolonie in Canols leitete, konnte er die Entwicklung des Fremdenverkehrs auf der Lenzerheide gut mitverfolgen. Die zunehmende Anzahl Erholungssuchender und die Beliebtheit des Heidsees liessen ihn zur Überzeugung gelangen, dass neben dem Insel-Chalet noch eine zweite Pension im Raum Canols wirtschaftlich betrieben werden konnte. Das Gastgewerbe bot einem damaligen Lehrer, der nur im Winterhalbjahr und zu einem bescheidenen Lohn angestellt war, die Möglichkeit eines zweiten wirtschaftlichen Standbeins. Andere Lehrerkollegen hatten diese Gelegenheit bereits ergriffen.
Um 1910 liess Eduard Cadisch auf der sonnigen Süd- und Westseite Veranden anbauen. Bald darauf verkaufte er jedoch das Hotel, „cun bi profit“ (mit schönem Profit),wie seinem Nachruf zu entnehmen war. Daraufhin erbaute er in der Nachbarschaft ein Privathaus und erwarb weiteren Grundbesitz. 1917 zog er sich aus dem Lehrerberuf zurück, um sich ganz der Landwirtschaft zu widmen, die in diesen Jahren von hohen Viehpreisen profitierte.
Daniel Oswald, ehemaliger Pächter des Hotels Bernina in St. Moritz, übernahm das Hotel. 1929 erhielt er trotz des damaligen Hotelbauverbots die Bewilligung zur Errichtung eines westlichen Anbaus. Die Planungsarbeiten übertrug er dem bekannten Churer Architekt Otto Manz, der 1909 das Schulhaus Davos-Dorf geplant hatte und 1930 den Auftrag erhielt, das Sanatorium Arosa zum Grand Hotel Tschuggen umzubauen. Gemäss einem ersten Vorentwurf war in Canols ein Fachwerkbau vorgesehen, der stilistisch zum Hauptgebäude gepasst hätte. Wahrscheinlich aus Budgetgründen wurde jedoch ein fünfgeschossiger Anbau mit Flachdach realisiert.
Otto Manz, ein jahrelanger Verfechter des dekorativen Heimatstils, wandte sich 1930 mit dem Annexbau in Valbella und dem Umbau des Grand Hotel Tschuggen in Arosa definitiv der Moderne zu. Wie Marcel Just in „Spuren der Moderne in Lenzerheide und Valbella“ schreibt, verstand er es, „dem Baukörper in Valbella auf den Schauseiten eine skulpturale Form mit dem einfachen Eingriff der eingezogenen Balkone an zwei Ecken der Südseite zu verpassen.“ Ein eingeschossiger Mittelbau verband die beiden Trakte miteinander. Mit der Erweiterung ging auch eine Namensänderung einher. Aus der Pension Waldheim wurde das Hotel Waldhaus am See.
Später gelangte das Hotel in den Besitz von Oscar Zulian. In seinen Inseraten war jeweils eine schöne Zeichnung des Hotels zu sehen. Daneben sonnte sich ein Rabe mit Sonnenbrille, der mit übereinander geschlagenen Beinen in einem Liegestuhl sass.
Nach dem Tod von Oscar Zulian im Jahr 1986 erwarb die Familie Valentin Blaesi das Hotel. 1990 wurde der ältere Ostflügel bis zum Erdgeschoss abgerissen. Der eingeschossige Mittelbau wurde aufgestockt, während der jüngere Westflügel bestehen blieb und geschickt in den Neubau integriert wurde. Die zwei Giebeldächer erinnern an die beiden früheren Gebäudeflügel. An der nicht symmetrisch gestalteten Südfassade ist die Formensprache von Otto Manz noch deutlich zu erkennen. Der westliche Gebäudeflügel hat die eingezogenen Eckbalkone und den hervortretenden Mittelteil beibehalten. Die fast durchgehenden drei Balkonreihen mit massiven Holzgeländern, die im Sommer mit roten Blumen prächtig geschmückt sind, verleihen dem Gebäude ein einheitliches Aussehen. Die auffällig hellgrüne Fassadenfarbe bettet das Hotel einerseits in die alpine Umgebung ein, hebt es andererseits aber auch von den umliegenden dunkelgrünen Tannen ab. 2018 erwarb Familie Thomas Blaesi das Hotel.