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Hintergrund:
Theophyllin ist eines der Medikamente für die Behandlung von Patienten mit COPD. Um eine relevante Bronchodilatation zu erreichen muss das Medikament allerdings relativ hoch dosiert werden und der Nachteil einer hohen Dosierung sind Nebenwirkungen. Theophyllin hat, wie man früher sagte, ein schmales therapeutisches Fenster.
Aus präklinischen Studien ist bekannt, dass Theophylin in niedriger Dosierung und geringen Plasmakonzentrationen den antiinflammatorischen Effekt von Steroiden potenziert. Es gibt auch Hinweise aus kleinen klinischen Studien für diese Potenzierung des antiinflammatorischen Effekts. Wenn sich dieses Konzept auch in grösseren klinischen Studien als valide erweist, dann könnte mit einer niedrigen Dosis Theophyllin die Exazerbationsrate gesenkt werden und möglicherweise auch Steroide eingespart werden.
In dieser Studie wird untersucht ob sich mit einer niedrigen Dosis Theophyllin, zusätzlich zu inhalativen Steroiden, das Risiko für Exazerbationen einer COPD verringern lässt.
Einschlusskriterien:
- Patienten älter als 40 Jahre mit diagnostizierter COPD (FEV1/FVC < 0.7)
- Mehr als 10 pack-years Nikotinkonsum
- Behandelt mit inhalativen Steroiden und zwei oder mehr Exazerbationen (behandelt mit oralen Steroiden oder Antibiotika oder beidem) im abgelaufenen Jahr vor Einschluss in die Studie
Ausschlusskriterien:
- Schwere oder instabile koronare Herzkrankheit
Studiendesign und Methode:
Randomisiert (stratifiziert), doppelt verblindet, multizentrisch
Studienort:
United Kingdom
Interventionen:
- Die Behandlungsdauer betrug 52 Wochen
- Gruppe 1: Theophyllin 200mg; Patienten mit einem idealen Körpergewicht < 60kg erhielten eine Tablette täglich; Teilnehmer mit einem idealen Körpergewicht > 60kg erhielten 2 Tabletten täglich
- Gruppe 2: diese Patienten erhielten Plazebo
Outcome:
Primärer Outcome
- Anzahl an Exazerbationen der COPD, die eine Therapie mit oralen Steroiden oder Antibiotika oder beiden Medikamenten notwendig machte
Sekundäre Outcomes
- Anzahl ungeplanter Spitaleinweisungen wegen der COPD
- Anzahl ungeplanter Spitaleinweisungen aus anderen Gründen
- Lebensqualität und eine Reihe anderer Parameter
Resultat:
- Insgesamt wurden 1’578 Teilnehmer randomisiert (791 in die Theophyllin-Gruppe und 787 in die Plazebo-Gruppe).
- Das mittlere Alter betrug 68 Jahre, knapp mehr als die Hälfte waren Männer, ein Drittel rauchte immer noch; 80% wurden mit einer Tripeltherapie behandelt (inhalative Steroide, langwirksame β-Agonisten und langwirksame muskarinische Rezeptor-Antagonisten).
- Der Mittelwert für FEV1 lag bei 51%, 14% hatten eine schwere COPD und 9% eine milde COPD.
- Die mittlere Anzahl akuter Exazerbation im Jahr vor Einschluss in die Studie lag bei 3.6.
- Primärer Outcome: Während der 52 Wochen betrug die mittlere Anzahl Exazerbationen in der mit Theophyllin behandelten Gruppe 2.23 und in der Plazebo-Gruppe 2.24. Dieser Unterschied ist weder relevant noch signifikant.
- Sekundäre Outcomes: Die Anzahl schwerer COPD Exazerbationen mit notwendiger Hospitalisation war in der mit Theophyllin behandelten Gruppe tiefer als in der Plazebo-Gruppe; 0.17 versus 0.24 (statistisch signifikant). Eine plausible Erklärung für diesen Unterschied ist nicht einfach. Bei den anderen sekundären Outcomes konnte ebenfalls kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden.
- Auch in einer Analyse der Daten von jenen Patienten, die Theophyllin regelmässig einnahmen war kein relevanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen beobachtbar.
- Auch in Subgruppenanalysen, zum Beispiel unterschiedliche GOLD-Stadien, konnten keine relevanten Unterschiede beobachtet werden.
- Die Rate unerwünschter Effekte war in beiden Gruppen etwa gleich hoch.
Kommentar:
- Theophyllin in niedriger Dosis – zusätzlich zu inhalativen Steroiden – reduziert die Wahrscheinlichkeit einer akuten Exazerbation der COPD nicht.
Literatur:
Devereux G et al. Effect of Theophylline as Adjunct to Inhaled Corticosteroids on Exacerbations in Patients With COPD. A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2018; 320: 1548-1559.