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Bram Stokers «Dracula» (1897) ist der Roman des 20. Jahrhunderts. Keiner wurde so oft verfilmt, parodiert und persifliert. Und er lebt auch im 21. Jahrhundert noch weiter – unter anderem im Fernsehen. Dieses Medium wirkte bereits in den 70er-Jahren prägend – mit Dan Curtis’ Fernsehfilm.
Der junge Anwalt Jonathan Harker wird von seinem Vorgesetzten nach Transsilvanien geschickt. Dort soll er dem Grafen Dracula diverse Liegenschaften schmackhaft machen. Und tatsächlich interessiert sich der Graf sehr für Carfax – noch mehr aber wohl für Lucy, die Freundin von Harkers Verlobter Mina, und für Harker selber, den er flugs in einen Vampir verwandelt. In England wird Lucy schon bald Opfer einer seltsamen Krankheit – Arthur Holmwood, Lucys Verlobter, hofft auf Doktor Van Helsing, einen alten Freund der Familie…
Als Dan Curtis, Schöpfer der sehr erfolgreichen Fernsehserie «Dark Shadows», in Jugoslawien und England Bram Stokers Dracula verfilmte, war der Graf zwar sehr bekannt, doch alle bisherigen Filme hatten zumindest teilweise nur wenig zu tun mit Stokers Roman. Curtis beauftragte den Science-Fiction-Schriftsteller Richard Matheson («I Am Legend», «Duel»), Stokers Roman für seinen Fernsehfilm fit zu machen. Dabei orientierte er sich zumindest streckenweise stärker am Originalroman – ob aber der ursprüngliche Titel «Bram Stoker’s Dracula» hier gerechtfertigt ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Ganz klar ist aber, dass der Film den Dracula-Mythos umgeprägt hat – und zwar in die Richtung einer romantischen Geschichte. Francis Ford Coppola und James V. Hart liessen sich von der Geschichte des Vampirs auf der Suche nach seiner reinkarnierten Frau für ihren eigenen Film – ebenfalls «Bram Stoker’s Dracula» genannt – beeinflussen. Und mindestens so wichtig: in Dan Curtis’ Fernsehfilm wurde zum ersten Mal ein Link zwischen der fiktiven Figur Dracula und dem historischen Vlad Tepes (Draculea) hergestellt. So nahm das Fernsehen noch lange vor dem Kino die Forschungsresultate von McNally und Florescu und ihrem Bestseller «In Search of Dracula» (1972) auf – und dies bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung des Buches!
Wie wohl auch heute war das Fernsehen schon damals dem Kino voraus. Interessant ist auch, dass Minas Name hier mit kurzem, offenen i ausgesprochen wird – die Kurzform von Wilhelmina lautet tatsächlich eigentlich Minna, und Stoker selbst hielt sich in seinen Notizen anfangs an diese quasi-offizielle Form des Namens. Wie im Hammer-Dracula und Argentos Dracula hat hier Jonathan Harker nur einen vergleichsweise kurzen Auftritt. Trotzdem ist dies sicherlich zweifellos eine der besseren Stoker-Verfilmungen. Neben ungarischen Sprachfetzen sind denn auch einige slawische Wörter zu hören – das Rumänische (die Sprache des historischen Vlad Tepes/Draculea) hatte dann aber wohl erst einige Jahre später bei John Badham seinen ersten Auftritt.
«Dracula». UK 1974. Regie: Dan Curtis. Mit Jack Palance, Simon Ward, Nigel Davenport, Penelope Horner, Murray Brown, Fiona Lewis u.a. DVD bereits erschienen.
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