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richtiger von einem Erschüttern der Brustwand als von einem Stoße zu sprechen; das Herz erschüttert die Brustwandung dadurch, daß sich die Erschütterung, die es selbst erfährt, wenn es bei der Zusammenziehung plötzlich in einen steinharten Körper verwandelt wird, aus die anliegende Brustwandung fortpflanzt. Man hat den Herzstoß auch durch den Reaktionsstoß, den jeder bewegliche Körper, aus dem eine Flüssigkeit in einer Richtung ausströmt, in entgegengesetzter Richtung erfährt, zu erklären gesucht.
Legt man in der Herzgegend das Ohr [* 1] auf die Brustwandung, so vernimmt man zwei schnell aufeinander folgende Töne, die Herztöne. Der erste derselben ist dumpf und hält so lange an, wie die Systole der Kammern währt; der andre, dem ersten schnell folgende ist höher, von kürzerer Dauer und erscheint nach Ablauf [* 2] der Kammersystole gleichsam wie ein Nachschlag des ersten Tons. Die Ansichten über die Ursachen des ersten Tons sind auch heute noch ziemlich geteilt. Einige lassen ihn aus den Schwingungen der gespannten Atrioventrikularklappen hervorgehen, andre erklären ihn für ein Muskelgeräusch, wieder andre geben ihm einen gemischten Charakter. Der zweite Ton rührt von dem plötzlichen Verschluß der halbmondförmigen Klappen her und wird nach Zerstörung dieser klappen nicht mehr beobachtet. Die Herztöne sind von außerordentlicher Wichtigkeit für die Erkennung der Herzkrankheiten.
Die Eigenschaft des Herzens, sich unter dem Einfluß gewisser Reize zu kontrahieren, nennen wir seine Reizbarkeit oder Erregbarkeit. Das Wesen der Reizbarkeit ist uns unbekannt, aber wir kennen eine Anzahl von Einwirkungen, unter denen sie bald vermehrt, bald vermindert, bald völlig aufgehoben ist. Die ausgeschnittene Muskulatur von frisch getöteten Kaltblütern bewahrt noch längere Zeit die Fähigkeit, auf Reize in Thätigkeit zu geraten; auch das ausgeschnittene Herz fährt noch geraume Zeit zu schlagen fort.
Das Pulsieren des Herzens ist also eine automatische Thätigkeit. Am ausgeschnittenen Herzen des Kaltblüters konnte man nun feststellen, daß es nur innerhalb enger Temperaturgrenzen die Fähigkeit bewahrt, automatisch zu schlagen, und daß die Herzthätigkeit sistiert, sobald diese Grenzen [* 3] nach oben oder nach unten überschritten werden. Kühlt man ein Herz ab, so beginnt es langsamer zu pulsieren, bis es bei ca. 0° vollständig zu schlagen aufhört, nachdem die Kontraktionen vorher einen ungemein trägen Charakter angenommen haben. Erwärmt man es dann, so tritt Wiederbelebung auf und das um so energischer, je höher die Temperatur gebracht wird. Zwischen 30 und 40° wird ein Maximum von Leistungsfähigkeit erreicht; steigert man die Wärme [* 4] noch weiter, so sinkt die Schlagzahl so bedeutend, daß schon wenige Grade über 40° dauernder Herzstillstand erzielt wird.
Weiter sind eine Anzahl chemischer Einflüsse auf die Herzarbeit bekannt. Ein mit Blut benetztes ausgeschnittenes Herz des Kaltblüters stellt weit später seine Kontraktionen ein als ein der Einwirkung des Bluts ganz entzogenes. Bei der Speisung des Herzens mit bloßem Blutwasser (Serum) treten eigentümliche gruppenartige Pulsationen auf, die durch Pausen voneinander getrennt sind. Eine Lösung von Blutasche vermag ein zur Ruhe gekommenes Herz zu neuen Kontraktionen zu veranlassen.
Weiter hat man den Einfluß derjenigen Salze, welche die Hauptmasse der Asche des Blutserums bilden, festgestellt und gefunden, daß Kochsalz das Herz in eine Art Scheintod versetzt, in welchem Zustand es für mechanische, thermische und elektrische Reize noch empfänglich ist, daß aber kohlensaures Natron befähigt ist, das durch Kochsalz beruhigte Herz wieder zu beleben. Die Arbeit des Herzens erfolgt dabei mit einer geradezu bewundernswerten Regelmäßigkeit, und man kann sicher darauf rechnen, durch eine genau neutralisierte Kochsalzlösung das Herz zum Stillstand zu bringen und durch Zufügen genau abgemessener kleiner Mengen Alkali Pulsreihen von bestimmter Größe zu erhalten, deren Umfang man fast mit mathematischer Gewißheit vorherzusagen vermag.
Die günstigsten Wirkungen zeigen sich bei Anwendung einer 0,6proz. Kochsalzlösung, die in 500 ccm einen Tropfen Natronlauge enthält. Natürlich kommt das Herz schließlich zur Ruhe, denn es vermag ja nicht auf Kosten der Salzlösung zu arbeiten, sondern seine Arbeit ist eine Funktion der Spannkräfte, die im Herzmuskel aufgespeichert liegen. Sind diese Spannkräfte verzehrt, so hört die Herzarbeit vollständig auf. Die Spannkräfte in der Muskelsubstanz speisen das Herz in vollkommen derselben Weise wie die Kohle die Dampfmaschine, [* 5] und die Leistung des Herzens entspricht ganz ebenso dem Umfang der Speisung, wie dieses bei dem Dampfmotor der Fall ist. Pepton scheint befähigt zu sein, dem Herzen neue Spannkräfte zuzuführen.
Die Erscheinung, daß das ausgeschnittene Herz rhythmisch pulsiert, setzt eine Einrichtung voraus, welche den Wechsel der Erschlaffung und der Kontraktion der Herzmuskulatur beherrscht und welche eine geordnete Thätigkeit der Muskelsubstanz bewirkt. Nach unsern jetzigen Anschauungen muß a priori angenommen werden, daß ein derartiger Regulator [* 6] der Herzarbeit aus Nervenganglien und Nervenfasern besteht. Thatsächlich sind auch im Herzen aller Tiere diese Nervenelemente nachgewiesen, und man hat die Ganglien als interkardiale Nervenzentren für die Herzregulierung angesehen.
Wenn man nunmehr eine vollständig genügende Erklärung für die rhythmische Thätigkeit des Herzmuskels zu besitzen glaubte, so konnte das nur so lange geschehen, bis die überraschende Beobachtung bekannt wurde, daß das Ausschneiden der Ganglienhaufen nur Veränderungen in der rhythmischen Thätigkeit, aber keineswegs ein Erlöschen dieser Thätigkeit bewirkt, und daß selbst ausgeschnittene Herzstücke, welche weder Ganglien noch Nervenfasern besitzen, noch rhythmische Thätigkeit zu äußern im stande sind. Da sich weiter ergeben hat, daß der weitaus größte Teil der Herzkammer des Frosches überhaupt frei von Ganglien und Nerven [* 7] ist, so bleibt zur Erklärung der rhythmischen Pulsation des Herzens nur die Annahme übrig, daß die Muskelfasern des Herzens selbst Funktionen ausüben, welche sonst nur nervösen Gebilden eigen sind.
Die in den Gefäßen wird veranlaßt durch Druckdifferenzen; das Blut fließt fortwährend von der Stelle des höchsten Druckes (Kammern zur Zeit der Systole) nach der Stelle des niedersten Druckes (Kammern zur Zeit der Diastole). Es ist ersichtlich, daß bei sonst gleichen Verhältnissen die Stromgeschwindigkeit mit der Spannungsdifferenz wächst und fällt. Daß die Spannung im Arteriensystem sehr viel höher ist als im Venensystem, ergibt sich schon aus der prallen Füllung der Arterien gegenüber der Schlaffheit der Venen; dann aber kann man sich davon überzeugen, daß der Blutstrahl, der aus einer geöffneten Arterie [* 8] hervorspritzt, oft mehrere Fuß hoch, während der aus einer Vene nur sehr unbedeutend ist. Der Blutdruck ist indessen auch absolut meßbar, und es ist durch solche Messungen ermittelt, daß die ¶