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Konstruktion von Sprache und Sprachwissen. Eine empirische Studie zur Schriftsprachaneinung sprachstarker und sprachschwacher Kinder [Dissertation Pascale Schaller]
Das Projekt untersucht, worin sich sprachstarke und sprachschwache Kinder in ihrer Schriftsprachkompetenz unterscheiden. Dafür wird die Schriftsprachkompetenz auf der Schreibprozessebene, auf der Ebene der Kindertexte sowie auf der Ebene des metasprachlichen Wissens in den Blick genommen.
In einem ersten Schritt wird für alle ausgewählten Schreibprozess-, Textprodukt- und Sprachwissensvariablen nach einem Zusammenhang mit der globalen Sprachkompetenz und mit dem Lernalter der Kinder gefragt. Die globale Sprachkompetenz ist die unabhängige Variable, anhand derer die Kinder in eine Gruppe sprachstarker und eine Gruppe sprachschwacher Kinder eingeteilt werden. Gemessen wird die globale Sprachkompetenz anhand eines standardisierten C-Tests. Die untersuchten 115 Kinder verteilen sich auf die 4. und die 6. Grundschulklasse (Harmos 6 und Harmos 8).
In einem zweiten Schritt wird dem Sprachwissen der Kinder nachgegangen. Dabei wird unterschieden zwischen implizitem, explizitem und expliziertem Sprachwissen. Von Interesse ist für die empirischen Auswertungen, in welchem Verhältnis die verschiedenen Sprachwissenstypen bei den sprachstarken und bei den sprachschwachen Kindern zueinander stehen und auf welche Art von Sprachwissen die Kinder beim Schreiben zurückgreifen.
Methodisch macht sich die Studie Möglichkeiten der computergestützten Schreibprozesserhebung (Keystroke Logging) zu Nutze. Ebenfalls zurückgegriffen wird auf standardisierte Verfahren für die Sprachstandsmessung sowie auf Fragebogen für die Kinder und ihre Eltern. Die erhobenen Daten werden zu grossen Teilen quantitativ ausgewertet. Zusätzlich wird ein Gesprächskorpus einer qualitativen Analyse unterzogen, das aus Gesprächen mit einzelnen Kindern über das Schreiben, über sprachliche Normvorstellungen und über sprachliches Wissen besteht.
Mit ihrem Fokus auf die globale Sprachfähigkeit erweitert die Studie bestehende Untersuchungen der Schriftsprachaneignungsforschung, die sich oftmals eines Vergleichs verschiedener Altersgruppen annehmen und den Erwerb der Schreibfähigkeit (pseudo-)longitudinal untersuchen. Die Erweiterung der Perspektive nimmt die interindividuelle Variation der Kinder innerhalb einer Altersgruppe ernst und setzt das Alter, das häufig als der zentrale Motor der Schriftsprachentwicklung betrachtet wird, in Relation zu anderen Einflussgrössen.