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Multikulturell
Brig hat es im Lauf der Zeit geschafft, eine beeindruckend multikulturelle Gesellschaft aufzubauen, indem es sich offen gegenüber Auswärtigen zeigte und diese erfolgreich integrierte. Nicht selten wurden eingewanderte Familien zu eigentlichen Stützen der Briger Gesellschaft. Heute ist die Ausländerquote mit 14.2 % nicht annähernd so hoch wie während der Tunnelbauzeit (1900: 34.9 %) oder kurz nach dem Beitritt des Landes Wallis zur Eidgenossenschaft (1816: 25.7 %). Die Toleranz der Briger zeigte sich aber auch gegenüber Minderheiten, wie dies die Protestanten oder die internierten Soldaten aus Frankreich, Belgien, Polen und Italien während der beiden Weltkriege zweifellos waren.
Wie Franco Arnold in seinem Beitrag zum Jubiläumsbuch «800 Jahre Brig» schreibt, ist keine andere Ortschaft im Oberwallis ausser Zermatt in den vergangenen 150 Jahren derart rasant wie Brig gewachsen (seit 1850 um das Siebzehnfache!). Diese Entwicklung verdankt die Stadt nebst ihrer Lage auch der Offenheit seiner Bevölkerung gegenüber Neuankömmlingen. Diese wurden sogar in die Politik integriert: So sass zwischen 1902 und 1906 mit Hermann Häussler, dem Oberingenieur der Simplon-Baugesellschaft, ein zugezogener Protestant im Briger Stadtrat, was damals von vielen als geradezu ungeheuerlich empfunden wurde. Der konservative Walliser Bote aus Visp rümpfte darob die Nase («Jetzt sollen die Protestanten noch kommen und uns Wallisern das Evangelium der Toleranz predigen»), während der Briger Anzeiger zur glücklichen Wahl gratulierte und die Basler Nachrichten die «Toleranz des kleinen Städtchens Brig» lobten. Ingenieur Häussler war es, der im Rhonesand ein Gaswerk realisierte, welches Brig bis 1955 über ein städtisches Leitungsnetz mit Energie versorgte. Und wie Franco Arnold schreibt: «Vom Import von Know-how und Arbeitskraft hat man profitiert, ohne sich dadurch allzu sehr bedroht zu fühlen. Ohne Zutun der Migranten wäre Brig heute nicht das, was es ist. Stumme Zeitzeugen bestätigen es, oder man stelle sich Brig ohne die Prachtbauten Stockalpers, ohne prägende Architektur des 19. Jahrhunderts im Zentrum Brig und ohne Jahrhundertbau am Simplon vor – unmöglich.»