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Löffel, Messer und Gabel – Zur Geschichte des Essbestecks
- Donnerstag, 20. Dezember 2012, 11:40 Uhr
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Erste Ausstrahlung:
- Donnerstag, 20. Dezember 2012, 11:40 Uhr, Radio SRF 1
Vieles von dem, was wir heute als ungehobelt und grobschlächtig empfinden, war lange Zeit die Norm und zwar nicht nur beim einfachen Volk, sondern auch in besseren Kreisen.
Die meistverwendeten Essutensilien waren während Jahrhunderten die Hände. Suppen und Breie hat man entweder direkt aus einer gemeinsamen Schüssel gelöffelt (die Löffel waren meist aus Holz und wurden oft gemeinsam benutzt) oder aus flachen Schalen getrunken bzw. geschlürft. Erst im 16. Jahrhundert bürgerte sich der allgemeine Gebrauch des Löffels ein. Und in den Häusern der Wohlhabenden breitete sich im gleichen Zeitraum die Gepflogenheit aus, Messer aufzulegen (vorher brachte jeder Gast sein eigenes mit). Das Messer diente nicht nur zum Schneiden, sondern auch zum Aufspiessen von Speisen (ursprünglich waren die Messer vorne nicht abgerundet).
Von den Essgeräten am wenigsten lang im Gebrauch ist die Gabel. Zwar wurde sie in ihrer zweizinkigen Form schon lange zum Vorlegen des Fleisches verwendet, aber als individuelles Essinstrument war sie vor dem 16. Jahrhundert nirgendwo im Gebrauch. Von Venedig herkommend, breitete sie sich in Italien und im restlichen Europa nur sehr langsam aus. Selbst am Hof Ludwigs XIV., von wo aus sich die damaligen Trends und Moden ausbreiteten, gab es kaum jemand, der die Gabel als Essinstrument benutzte. Der Sonnenkönig jedenfalls nicht. Er ass mit den Fingern. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts begann man das Besteck so zu verwenden, wie wir es heute kennen zunächst ausschliesslich in den gehobenen Gesellschaftsschichten und nur sehr zögernd bei den einfachen Leuten.
Die Ausbreitung verfeinerter Tischmanieren verlief über all die Jahrhunderte hinweg nach demselben Muster. Immer waren es die gesellschaftlichen Eliten, die definierten, was sich bei Tisch ziemt und was nicht. Nur mit grosser zeitlicher Verzögerung sickerten die neuen Verhaltensregeln in die unteren Schichten durch. Die Differenz im Verhalten bei Tisch zwischen den Leuten von Stand und den einfachen Bauern war unüberwindbar gross. Es galt und gilt somit nicht nur der Ausspruch: „Man ist, was man isst. Sondern auch: „Man ist, wie man isst.