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Heutzutage dominieren vor allem monotheistische Religionen die Welt. Das Christentum, das Judentum und der Islam sind davon die Weitverbreitetsten. Diese Religionen zeichnen sich damit aus, dass sie alle einen allumfassenden Gott anbeten und anerkennen. Doch die alten, vergessenen Religionen kehren langsam wieder zurück.
Als Heidentum werden geschichtlich und aus christlicher Sicht alle nicht-monotheistischen Religionen bezeichnet. Dabei ist jedoch in erster Linie das germanische, keltische, slawische, baltische und indianische Heidentum gemeint. Dazu gehört unter anderem aber auch die griechische Mythologie und die römische Religion. Aus wissenschaftlicher Sicht können aber auch Religionen mit monotheistischen Charakterzügen dazugehören.
Früher wurde der Begriff «Heide» vor allem vom Christentum als abwertender Begriff für Ungläubige verwendet. Parallel dazu existiert in der jüdischen Tradition der abgrenzende, aber nicht abwertende, Begriff «goi», mit der Bedeutung Ausländer oder Nichtjude. Die islamische Tradition hat den vergleichbaren Begriff «Kāfir», was soviel wie Ungläubiger oder Gottesleugner bedeutet und definitiv abwertend gemeint ist.
Neuheidentum im Anstieg
Durch die Missionierungen und die Christianisierung des Christentums gingen die heidnischen Glauben unter. Natürlich starben diese nicht gänzlich aus, sondern wurden im Geheimen weiter ausgeübt, bis sie in den 1970er eine Art «Wiederbelebung» erlebten und nicht mehr von den Weltreligionen ausgegrenzt wurden.
Aufgrund alter Traditionen stand die Bezeichnung «Heide» eher in einem negativen Licht. Demgegenüber existiert das Neuheidentum, einer eher modernen Bewegung, welches im späten 20. Jahrhundert enorm Zulauf bekam. Trotz der grossen Vielfalt von verschiedenen Religionen bezeichnen sich die Anhänger des Neuheidentums oft einheitlich als Heiden, um so ihre gemeinsame Gruppenidentität gegenüber den Weltreligionen zu zeigen.
Innerhalb der neuheidnischen Bewegung existieren eine grosse Menge von unterschiedlichen Glauben über das Göttliche. Am Häufigsten ist aber der Pantheismus anzutreffen, indem die Welt (Natur) und das Göttliche gleichgestellt werden. Es wird vermutet, dass zurzeit Wicca (die Religion der Hexen), die grösste neuheidnische Glaubensrichtung ist. Die genaue Anzahl von Anhängern ist schwer zu ermitteln, jedoch gehen die Schätzungen von mehreren Millionen weltweit aus.
Ursprünge des Neuheidentums
Die Wurzeln des Neuheidentums reichen bis in die Renaissance zurück, als antike Religionen und Mythologien wiederentdeckt wurden. Später, zur Zeit der französischen Revolution, wurden ebenfalls einzelne Versuche unternommen, vom Heidentum inspirierte Religionskulte zu erschaffen. Dann, im späten 19. Jahrhundert, griffen viele Dichter auf die Geschichten der griechischen und römischen Mythologien zurück, was der neuheidnischen Bewegung noch mehr Schub brachte.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die obengenannte Wicca Religion gegründet. Doch innerhalb des Neuheidentums gab es nicht nur harmlose Bewegungen, denn im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts kam die völkische Bewegung im Deutschen Reich auf, die antisemitistische und rassistische Motive besass und sich vom Christentum abwandte. Die Anhänger dieser nationalistischen Bewegung strebten eine «arteigene» Religion an. Diese Bewegung starb nach dem zweiten Weltkrieg aus.
Zum Schluss eine Zusammenfassung von Selbstaussagen und Zielen des Neuheidentums. Diese werden von vielen, aber nicht allen, Gruppen innerhalb der Bewegung geteilt.
- Eine möglichst naturnahe Lebensweise in einer hoch technisierten Zivilisation.
- Schutz von Umwelt und Mitlebewesen.
- Besondere Bedeutung des weiblichen Geschlechts und Prinzips.
- Individualisiertes Erleben von Gläubigkeit und eine Vielfalt von gleichberechtigter Kulte.
- Eine Betonung auf personelle Freiheit und dezentrale Organisationsformen.
- Wertschätzung von Kunst und Kreativität.
- Kritik an monotheistischen, dogmatischen und hierarchischen Religionen (zum Beispiel das Christentum).