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Gepostet 16.01.2016, Myriam Arnold
Berufseinsteiger unter den Physik-Lehrpersonen lassen sich oft bei der Notengebung beeinflussen vom Geschlecht des Schülers. Dies zeigt eine neue ETH-Studie.
Mareike (15) und ihre Klassenkameraden haben letzte Woche eine Physik-Prüfung geschrieben. Obwohl der Test der Sekundarschülerin die genau gleichen Antworten vorweist wie derjenige von Thomas, erhält Mareike eine deutlich schlechtere Note. Ein Versehen? Nein, denn gemäss Untersuchungen von Sarah Hofer, Wissenschaftlerin in der Gruppe von ETH-Professorin Elsbeth Stern, kommen solche Ungerechtigkeiten regelmässig vor in deutschsprachigen Schulzimmern.
In einem Online-Test bat die Forscherin 780 Sekundarlehrerinnen und -lehrer des Fachs Physik aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, eine Prüfungsantwort zu benoten. Den Probanden wurden dieselbe Frage zum Thema klassische Mechanik und dieselbe nur teils korrekte Antwort vorgelegt. Dabei variierte die Test-Einleitung: Die eine Hälfte ging davon aus, die Antwort einer Schülerin zu benoten, die andere Hälfte die Antwort eines Schülers. Über den Zweck der Studie liess die Wissenschaftlerin die Teilnehmenden im Unwissen.
Das Ergebnis präsentiert sich folgendermassen: Lehrerinnen und Lehrer mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung lassen sich bei der Benotung vom Geschlecht der Schüler nicht beeinflussen. Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz und Österreich, die weniger als zehn Jahre unterrichten, geben Mädchen signifikant schlechtere Noten als Knaben. Die Benachteiligung mache im Schnitt in der Schweiz 0.7 Noten und in Österreich 0.9 Noten aus
Ein uneinheitliches Bild zeigt sich in Deutschland: Die (männlichen) Sekundarlehrer, die weniger als zehn Jahren unterrichten, benoten die Schülerinnen und Schüler gleich, die Lehrerinnen verhalten sich jedoch gleich wie ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz und aus Österreich. Die Forscherin kann sich diesen Umstand nicht erklären.
„Lehrer mit wenig Berufserfahrung lassen sich bei der Benotung womöglich mehr vom Stereotypen leiten, Frauen seien schlechter in Physik als Männer“, sagt Sarah Hofer zu den ETH-News. Auf diesen Schluss weisen auch frühere Untersuchungen hin.
Wer für seine Leistung nicht (richtig) belohnt wird, verliert früher oder später die Motivation. Diesen Umstand müsse in der gegenwärtig in allen drei Ländern vorangetriebenen MINT-Förderung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) für Mädchen unbedingt beachtet werden.