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Freitag, 27 Nov. 2020 - 20:00 Uhr
Atelier 013, PROGR (Eingang PROGR West)
Eintritt frei: Kollekte, inkl. Apéro im Anschluss an das Konzert.
PAIN(t)© ist ein Ausdruck des individuellen künstlerischen Schmerzes und wie er in unmittelbarer Verbindung mit der Gesellschaft steht; dies wird mittels eines interdisziplinären, multimedialen Balletwerks in einem einzigen musikalischen Satz dargestellt. Das Werk basiert auf den Klängen einer unsichtbaren Flötenspielerin, die sechs verschiedene Flöten spielt, einer Tänzerin und einem Komponisten, der Live-Elektronik spielt, und wird in einem intimen, eher kleinem Raum für ein kleines Publikum inszeniert.
PAIN(t) ist ein aus vier Interpret/Innen bestehendes gemeinsames Performance-Projekt, wo jede/r gleichzeitig die Rolle eines Komponisten und eines Improvisators übernimmt.
Die Performance beinhaltet vorkomponierte und vorher aufgenommene Teile im Elektronikteil, die aus der Klangmanipulation der Liveimprovisation und dem Rezitieren der verschiedenen Texte durch die verschiedenen Interpret/innen resultieren.
Beeinflusst von Sivan Cohens Stück “Write A Work in Progress“ (ein Werk für Stimme(n), eine Flötistin und elektronisch verarbeitete Flötenstücke (Live-Elektronik) ©Alle Rechte vorbehalten an Sivan Cohen), traten Avital Cohen zusammen mit ihren Kolleg/Innen Jasmin Kiranoglu, Turkar Gasimzada, und Richard Schmutz eine künstlerische Reise/Recherche an. Im Rahmen dieser Reise leisteten die Künstler/Innen einen Beitrag zum Projekt, indem sie spezifische, individuell-persönliche Schmerzerlebnisse erschlossen, die sie dazu inspirierten, breite und abstrakte Konzepte zu konkrete künstlerische Ideen umzuwandeln. Das Projekt ist bestrebt aufzuzeigen, wie sich diese einzigartigen Energien kollektiv manifestieren sowie die Beziehungen zu beobachten, die aufgrund der Aufführung mit dem Publikum aufgebaut werden.
Innerhalb von allen künstlerischen und philosophischen Bedeutungsschichten und Botschaften entsteht in PAIN(t) ein gemeinsamer, konzeptioneller Ansatz, was zwangsläufig zu der Frage führte, die die Künstler zu beantworten versuchten, während sie an ihren Rollen arbeiteten: Wie empfindet man oder setzt man sich mit Dingen auseinander, die verhüllt oder versteckt sind? Auf verschiedenster Weise erforscht PAIN(t) das Verstecken, Verbergen, Bedecken von Dingen angesichts der nackten Wahrheit oder irgendeiner anderen Art von Existenz, während man Sachen darstellt, die von oberflächlichen Erscheinungen und Assoziationen abgekoppelt sind.
Jede/r dieser Künstler/Innen hat während seines/ihres täglichen künstlerischen und professionellen Lebens Unrecht und Schmerz erfahren, lange vor dem Auftreten der Covid-19-Pandemie, und dies auf unterschiedliche Weise und aus verschiedenen Blickwinkeln:
Einige dieser Fragen sind aufgrund des Schocks und des Frusts aufgekommen, nachdem bekannt wurde, dass eine so schöne und Menschen nicht ausgrenzende Stadt wie Bern indirekt, möglicherweise ohne jegliche Absicht und unbewusst Gurlitt (Cornelius) einen Freipass als Kunstmäzen in das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft erteilt. Gurlitt (Cornelius) hat sein Berufsleben mit einer fehlenden Transparenz ausgelebt und hat das Vermächtnis seines Vaters (Hildebrand) Gurlitt geheim gehalten, der als Freund und Kunsthändler Hitlers bekannt war. Die ethische Frage bezüglich des moralischen Aspekts, solche Geschenke von jemanden anzunehmen, der jede Menge Blut an seinen Händen kleben hat, bleibt in erster Linie unbeantwortet. Die ermordeten Holocaustopfer können nicht für sich selbst sprechen. Sie wurden von Faschisten von der Erdoberfläche entfernt. Gleichzeitig war es Gurlitts letzter Wunsch vor seinem Tod, die Sammlung dem Kunstmuseum in Bern zu hinterlassen, was respektiert wurde, und sein Name wurde in Riesenbuchstaben auf den Innenwänden des Berner Kunstmuseums verewigt.
Breath
In Verbindung mit PAIN(t) erforscht das Stück “Breath” ebenfalls die Unsichtbarkeit einer Artistin, die Sachen verbirgt und aufdeckt, im Zusammenspiel von Klang und Raum, Text und Subtext, Licht und Dunkelheit. Es ist ein musikalisches Pendant zu Samuel Becketts kürzestes Theaterstück mit demselben Titel. Es ist eine Oper in drei kurzen Akten für eine Flötenspielerin mit Live-Video, basierend auf einer audiovisuellen Atemsprache, die von der Flötistin Avital Cohen entwickelt worden ist.
Licht als ein essentielles Element des Stücks wird in Becketts Text sowie in Gasim-zadas Musik besonderer Beachtung geschenkt. Ein Beispiel von vielen in diesem Zusammenhang wäre die Tatsache, dass Beckett detaillierte Angaben für die Beleuchtung seines Theaterstücks gemacht hatte. Gasimzada macht sich diese zu eigen und wendet diese spezifischen Angaben auf die Dynamik an, auf die Amplitudenhöhen der Klänge.
Becketts lehrreicher Text zum Theaterstück, der ursprünglich nie in den Theateraufführungen rezitiert wird, kann man hier gelegentlich hören, je nach dem Musikmaterial, das das Stück in bestimmten Augenblicken begleitet.
Mit freundlicher Unterstützung von: