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Die vorliegende religionssoziologische Studie befasst sich mit einem unter dem Begriff Tantra erscheinenden Angebot an Kursen, Gruppen und spezifischen Publikationen, wie sie unter Kategorien wie Spirituelles, Sexualität, Sinn- und Selbstfindung eingeordnet werden. Einer Skizzierung der ursprünglichen Einbettung des Begriffs in hinduistischen und buddhistischen Lehren sowie weiteren, darunter subsummierten Lehren folgt eine Diskussion des hiermit thematisierten Spannungs-felds von Religion und Sexualität im westlichen Kontext. Der Hauptteil der Arbeit beruht auf der Auswertung qualitativer Interviews mit fünf Anbietenden von Tantra-Gruppen in der Schweiz. Die Interviews wurden nach folgenden sechs Punkten ausgewertet: 1) eigene Biografie und ‘Tantra’, 2) vermittelte Inhalte und Arbeitsmethoden bzw. 3) ‘religiös’ konnotierte Inhalte und Ziele, 4) Rezeption/Ver-mittlung ursprünglicher tantrischer Traditionen durch die Anbietenden; 5) Profil und Motivationslage von Teilnehmenden, 6) die westlich-moderne Gesellschaft und ihre Defizite. Individuelle Motivationen, sich mit ‚tantrischem‘ Gedankengut theoretisch und insbesondere auch praktisch auseinanderzusetzen, implizieren die Frage nach dem gesellschaftlichen ‚Boden‘ für die Entwicklung einer, wenn auch limitierten, westlich-tantrischen Bewegung.
Die Arbeit leistet einen Beitrag zum Verständnis von individuellen und sozialen Hin-tergründen, welche zur Attraktivität von sexuell konnotierter ‘Spiritualität‘ – unter gleichzeitiger Distanzierung von (christlich geprägter) ‚Religion’ – beitragen. Sie lie-fert ferner ein Beispiel von Transfer und Re-Interpretation vormals traditions-gebundener Konzepte über kulturelle Grenzen hinweg.