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Im «Kassensturz»-Test wurden bei E-Zigaretten verschiedene Giftstoffe festgestellt. Sie sind zwar im Vergleich zur normalen Zigarette meist in viel kleineren Mengen vorhanden, aber sie sind da. «Kassensturz» wollte von Michael Arand, Toxikologe an der Universität Zürich, wissen, was diese Stoffe genau bewirken. Hier seine Ausführungen:
Formaldehyd
Formaldehyd ist ein weit verbreiteter, stark reizender Schadstoff, der unter anderem aufgrund seiner stark denaturierenden Eigenschaften zur Gewebekonservierung, etwa bei anatomischen Präparaten, Verwendung findet.
Im Tierversuch hat sich die Substanz in höheren Konzentrationen als krebserregend erwiesen und epidemiologische Studien zeigen, dass Formaldehyd in hoher Konzentration über längere Zeit auch beim Menschen Tumoren hervorrufen kann. Die maximal zulässige Raumluftkonzentration am Arbeitsplatz beträgt derzeit 0.37 Milligramm pro Kubikmeter.
Acetaldehyd
Acetaldehyd ähnelt dem Formaldehyd, ist aber chemisch etwas weniger reaktiv. Seine krebserregende Wirkung beim Tier ist nachgewiesen, beim Mensch ist sie umstritten. Acetaldehyd ist ein wichtiger Ausgangstoff in der chemischen Industrie. Im menschlichen Organismus ist Acetaldehyd das erste unmittelbare Abbauprodukt des Ethanols, so dass pro Glas alkoholischen Getränks im eigenen Körper circa 10 - 20 Gramm Acetaldehyd gebildet werden. Allerdings erfolgt die Verstoffwechselung so rasch, dass nur minimale Mengen der eigentlich sehr schlecht verträglichen Substanz im Körper zirkulieren.
Anders ist dies bei vielen Südostasiaten, die unter einem genetischen Defekt leiden. Diese können den Acetaldehyd nicht ausreichend rasch zur Essigsäure oxidieren und leiden bereits nach Genuss geringer Alkoholmengen an einer Acetaldehyd-Vergiftung.
Die Raumluftkonzentration für Acetaldehyd am Arbeitsplatz ist auf 90 Milligramm pro Kubikmeter begrenzt.
Acrolein
Acrolein ist eine hochgiftige Flüssigkeit. Im 1. Weltkrieg wurde sie als Kampfgas eingesetzt. Es entsteht in geringen Mengen beim starken Erhitzen von Fett (z.B. beim Frittieren) aus dem darin enthaltenen Glycerin. Eine besonders gefürchtete Schadwirkung ist die Entstehung des toxischen Lungenödems, einer potentiell tödlich verlaufenden entzündlich bedingten Flüssigkeitsansammlung in den Lungenbläschen, die die Sauerstoffaufnahme aus der Atemluft behindert.
Nicht in allen Ländern sind Grenzwerte definiert. In der Schweiz liegt die maximal erlaubte Raumluftkonzentration am Arbeitsplatz bei 250 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Crotonaldehyd
Crotonaldehyd ist dem Acrolein nahe verwandt, kommt aber weniger verbreitet vor. Grundsätzlich ist eine ähnliche, wenn auch etwas schwächere Wirkung anzunehmen.
In der Schweiz liegt die maximal erlaubte Raumluftkonzentration am Arbeitsplatz bei 1 Milligramm pro Kubikmeter.
Aceton
Aceton ist eine aromatisch riechende, wenig giftige Flüssigkeit. In der Vergangenheit wurde es im Konsumbereich beispielsweise häufig als Hauptkomponente von Nagellackentferner eingesetzt. Beim Einatmen grösserer Mengen kann es die Bronchien reizen.
In der Schweiz liegt die maximal erlaubte Raumluftkonzentration am Arbeitsplatz bei 1,2 Gramm pro Kubikmeter.
Die zwei Trägerstoffe für den E-Dampf:
Glycerin:
Glycerin ist eine viskose, mit Wasser leicht mischbare Flüssigkeit. Die Substanz ist chemischer Grundbaustein tierischer und pflanzlicher Fette und gilt als weitgehend ungiftig. Seine Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt gilt auch in grösseren Mengen als unbedenklich. Die Substanz ist unter dem Namen E422 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen.
Allerdings haben Tierversuche gezeigt, dass bei Einatmung grösserer Mengen über längere Zeit Veränderungen des Gewebes am Kehlkopfdeckel auftreten können, deren Krankheitswert allerdings schwer einzuordnen ist. Aufgrund dieses Befundes wurde die maximal am Arbeitsplatz erlaubte Raumluftkonzentration auf 50 Milligramm pro Kubikmeter festgelegt.
Propylenglycol:
Propylenglykol ist dem Glycerin sehr ähnlich. Auch diese Substanz wird als Lebensmittelzusatzstoff unter dem Namen E1520 verwendet.
Auch hier ist die Aufnahme über die Atemwege mit örtlichen Wirkungen verbunden, die möglicherweise ernsthafte Schädigungen nach sich ziehen können. Im Tierversuch hat sich in hohen Konzentrationen eine deutliche Veränderung der Nasenschleimhaut, speziell der Becherzellen, gezeigt. Eine Regelung der Arbeitsplatzluftkonzentration wurde aufgrund der noch ungenügenden Datenlage bisher nicht vorgenommen.