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Es mag sich für manchen befremdend anhören, wenn man von einer Boutique oder von „The Advisory Boutique“ innerhalb einer Grossbank wie der Credit Suisse spricht, aber genau in diesem Ansatz liegt die Zukunft der Grossbanken.
Was macht eine Boutique denn aus? Eine Boutique ist im Normalfall klein, hat ein unabhängiges Management, bietet hoch spezialisierte und kompetente Anlageberatung, die Interessen der Investoren und der Manager sind die gleichen, das Management ist sehr Performance-orientiert, und die Boutique ist im Besitz des Managements.
Die Boutiquen erfreuen sich grosser Beliebtheit bei den vermögenden Kunden, da diese sich nur mit dem besten Service, den der Markt bietet, zufrieden geben.
Der beste Service, den der Markt bietet, kann natürlich unterschiedlich verstanden werden, aber für die meisten Kunden dieser Boutiquen ist es die Fähigkeit des Managements, langfristig beständige Out-Performance (Überrendite) zum Markt zu erzielen. Dazu kommt der Vorteil der Übereinstimmung der Interessen zwischen Management und Kunden.
Die Boutiquen erzielen die Out-Performance dadurch, dass das Management aus erfahrenen Portfolio-Managern zusammengestellt ist, die einen starken Performanceausweis mitbringen.
Erfahrene Manager werden durch die Freiheiten, die eine Selbstständigkeit mitbringt, von Boutiquen angezogen. Weiter wird durch die Beteiligung des Teams an der Boutique die Fluktuation reduziert und somit auch der Braindrain (das Abwandern der Manager) vermindert. Bei Grossbanken streben die Manager nach Beförderung und wichtigeren Aufgaben, oder sie streben eben an, zu einer Boutique zu gehen oder selbst eine zu gründen.
Ein weiterer zentraler Bestandteil des Erfolgs einer Boutique ist die Tatsache, dass das Management äusserst motiviert ist, starke Leistungen für den Kunden zu erbringen, da sonst die Gefahr besteht, dass diese abspringen. Dies hätte für das Management ernsthafte Konsequenzen, ja es würde das Boutique-Geschäftsmodell und die Existenz der Boutique gefährden.
Um den Erfolg der Boutique zu gewährleisten, muss das Management unternehmerisch denken und handeln. Die Boutiquen haben einen starken Fokus auf Kundenbeziehungen, weil sie noch stärker als eine Grossbank – und aufgrund der kleineren Kundenbasis – davon abhängig sind. Die gesuchte Nähe zwischen Management und Kunden erhöht die Kundenzufriedenheit und verstärkt das Kundenerlebnis.
Die internationale „Too Big to Fail“-Debatte wird den Trend hin zu Boutiquen weiter vorantreiben. Was man schon lange sieht, ist, dass die Multi-Boutiquen (mehrere Boutiquen unter einem Dach) sich bei Fondsgesellschaften und Kunden grosser und stark wachsender Beliebtheit erfreuen.
Der innovative Boutiquen-Ansatz wird bei den Grossbanken aber noch nicht umgesetzt, trotz dem grossen Potenzial. Der hier vorgestellte Ansatz „The Advisory Boutique“ soll Vorteile und Attraktivität einer Boutique innerhalb einer Grossbank aufzeigen.
Man muss sich „The Advisory Boutique“ als eine Division innerhalb einer Grossbank vorstellen, welche die „Asset Management Boutiquen“ und die „Consulting Boutiquen“ als zwei Einheiten unter einem Dach vereint.
Im Fall der Credit Suisse würde „The Advisory Boutique“ als dritte Division zu den bestehenden CS-Divisionen „Private Banking & Wealth Management“ und „Investment Banking“ hinzukommen.
Die Aufgaben der „Asset Management Boutiquen“ wäre die Verwaltung von Vermögen, jene der „Consulting Boutiquen“ die Beratung von Kunden bezüglich Auswahl der am besten für sie geeigneten „Asset Management Boutiquen“ oder anderer Dienstleister.
Ein wesentlicher Bestandteil dieses Strategievorschlages ist, dass die Einheiten der „Advisory Boutique“ als unabhängige Boutiquen innerhalb der Grossbank tätig sind, jedoch mit der Stärke, dem Einfluss und der Reichweite einer Grossbank.
Das Management einer Grossbank wie der CS wird sich sagen, dass es dem Kunden bereits Spezialisten und Fonds anbietet, die genau das machen, was „The Advisory Boutique“-Division verspricht.
Dem ist aber nicht so, denn die Leistungen und Services sind ebenso verschieden, wie sich das Geschäftsmodell einer Grossbank von einer Boutique unterscheidet.
„The Advisory Boutique“ vereint die Vorteile der Boutiquen (Out-Performance, keine Interessenkonflikte, Kontinuität des Top-Managements, Kundennähe, Unternehmertum) in sich und setzt sie innerhalb einer Grossbank als eigenständige Division um.
Um „The Advisory Boutique“ innerhalb einer Grossbank umzusetzen, braucht es strukturelle Veränderungen, und genau diese Veränderungen tragen dazu bei, das Geschäftsmodell innovativ für die Zukunft zu erneuern und vorzubereiten.
Wie jede Strategie birgt auch „The Advisory Boutique“ Risiken, die aber durch Strukturen und Prozesse massgeblich eingedämmt werden können.
Man kann eine parallele Strategie innerhalb der Grossbank fahren, dann nennt man das Diversifikation der Risiken. Die existierende Struktur der Grossbank wird durch „The Advisory Boutique“-Strategie gestärkt, weil der Wettbewerb innerhalb der Institution sich positiv auf Leistung und Kundenzufriedenheit auswirken wird.
Der Erfolg der Fondsgesellschaften mit dem Multi-Boutique-Ansatz kann auf eine Grossbank übertragen werden – und dies erst noch mit viel mehr strategischen Erfolgsopportunitäten verbinden.
Die Boutiquen sind beliebt bei den Ultra-Reichen. Diese Tatsache sollte die Grossbanken, die in diesem Kundensegment das grösste Wachstumspotenzial sehen, aufhorchen lassen.
„The Advisory Boutique“ kann für die Credit Suisse von Hans-Ulrich Meister und Robert Shafir Verpflichtung und Vision zugleich sein.
Das Undenkbare muss denkbar gemacht werden.
Wie schon der Philosoph Demokrit (460 – 370 v.Chr.) gesagt hat: „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“