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| Basilius von Cäsarea († 379) - Ausgewählte Briefe

II. (Mauriner-Ausgabe Nr. 2)
5.
[Forts. v. [S. 16] ] Zu allererst muß man aber darauf bedacht sein, von der Gabe der Sprache nicht unklug Gebrauch zu machen, sondern fragen ohne Händelsucht, antworten ohne Ehrsucht, nicht unterbrechen den Redenden, wenn er etwas Nützliches sagt, nicht vorlaut seine Weisheit anbringen wollen, Maß halten im Reden und Hören, lernen, ohne sich zu genieren, lehren ohne Neid. Und hat man von einem andern etwas gelernt, so soll man es nicht verheimlichen gleich schlechten Weibern, die Bastarde unterschieben, sondern in edler Gesinnung den Vater der Lehre laut nennen. Der Ton der Stimme sei mittelstark, so daß er nicht zu leise dem Gehör entgehe, noch zu stark dem Ohr lästig falle. Auch muß man es sich zuvor überlegen, was man reden will, erst dann mit der Rede herausrücken. Bei Besuchen sei man gesprächig, lieb im Umgang; man suche nicht im Witzemachen die Unterhaltung, übe Sanftmut bei einer wohlmeinenden Vermahnung. Überall, auch wenn man tadeln muß, halte man den rauhen Ton fern! Denn erst muß man sich selbst in Demut herablassen, dann wirst du dem willkommen sein, der der Heilung bedarf. Oft kommen wir auch mit der Art des Tadels ans Ziel, die der Prophet wählte, der nicht seinerseits über den sündigen David das Verdammungsurteil fällte, sondern eine andere (schuldige) Person unterstellte und nun ihn selbst zum Richter seiner eigenen Missetat werden ließ. So konnte David, nachdem er sich selbst das Urteil gesprochen hatte, dem nicht mehr zürnen, der ihn zurechtwies.