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100 Jahre Zürcher Bankpersonalverband
Vom dunklen Anzug, Stehkragen, steifem Hut, mächtigem Schnauzbart, ausgeprägtem Standesbewusstsein und Individualismus vor 100 Jahren bis zu den Herausforderungen der Digitalisierung Heute.
Im Interview spricht Roger Bartholdi, der Präsident des Zürcher Bankpersonalverbandes über die Anfänge des Zürcher Personalverbandes für die Bankangestellten und die Herausforderungen der Zukunft.
Ein kurzer Rückblick
Das Bild des Bankangestellten des 19. Jahrhundertwende: Dunkler Anzug, Stehkragen, steifer Hut, mächtiger Schnauzbart, ausgeprägtes Standesbewusstsein und Individualist durch und durch. Es focht ihn wenig an, dass die ersten Arbeiterorganisationen in den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts erfolgten. „Klassenkampf“ war den Bankangestellten ein verpöntes Wort. Sie zählten sich zum gehobenen Mittelstand und standen mit dem Prinzipal der meist kleinen und mittleren Betriebe in engem Kontakt. Ihr Anstellungsverhältnis beruhte auf einer mündlichen Abmachung; individuelle, schriftlich festgelegte Arbeitsverträge soll es praktisch nicht gegeben haben. Der Rest wurde der Tüchtigkeit des Angestellten und dem wohl- oder Nichtwohlwollen des Arbeitgebers überlassen.
Die Entstehung der Grossbanken und die damit zusammenhängende strukturelle Änderung im Personalbestand brachten das Podest des typischen Bankangestellten erstmals ins Wanken. Der zweite, entscheidende Grund einer Gesinnungswandlung im Bankpersonal lag in der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage während des ersten Weltkrieges. Der Lebenskostenindex stieg von 1043,64 Punkten im Juni 1914 auf 1455,92 im Juni 1916 und errichte 1917 den Stand von 1845,67 Punkten. Teuerungszulagen wurden nicht ausgerichtet, und die Willkür der Unternehmer trieb groteske Blüten. Nach Angaben aus jener Zeit erlitt das Bankpersonal mit 30-40 % unter allen Arbeitnehmern die stärkste Reallohneinbusse. Die Banken wollten allerdings „nur“ eine Verschlechterung von 10-20 % gelten lassen.
Daraufhin erwachte das schweizerische Bankpersonal und es entstanden die ersten Zusammenschlüsse und Gründungen. Am 17. August 2017 war es in Zürich der Fall.
An der Delegiertenversammlung vom 7. April 1918 wurde der Schweizerische Bankpersonalverband aus der Taufe gehoben. Die erste Delegiertenversammlung befasst sich auch mit dem brennenden Problem der Lohnfrage. Es wurde eine Liste über die Existenzminima aufgestellt und ein Mindestgehalt von monatlich Fr. 200.– gefordert.
Interview mit Roger Bartholdi, dem Präsidenten des Zürcher Bankpersonalverbande
Wofür steht der Bankpersonalverband? Was macht er?
Bartholdi: Der Bankpersonalverband ist der Verband der Bankangestellten und der Mitarbeitenden im Finanzwesen. Wir vertreten und fördern die sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen der Bankangestellten in der Schweiz. Wir stehen in einem fortwährenden Dialog mit unseren Sozialpartnern. Ein Kernstück unserer Arbeit ist die Vereinbarung über Anstellungsbedingungen für die Bankangestellten (Gesamtarbeitsvertrag für die Bankangestellten).
Der Zürcher Bankpersonalverband feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Was war der Anlass, für die Gründung des Verbandes?
Aufgrund der Überlieferungen waren es vor allem zwei Gründe, einerseits die strukturellen Veränderungen beim Personalbestand und anderseits, der entscheidende Grund, die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Nach Angaben aus jener Zeit erlitt das Bankpersonal mit 30-40% unter allen Arbeitnehmern die stärkste Reallohneinbusse. Die Initialversammlung fand am 17. August 1917 mit über 400 anwesenden Personen statt.
Was waren die Herausforderung früher?
Am Anfang ging es vor allem um die Entlöhnung und die Akzeptanz des Verbandes. So beschloss der Bankpersonalverband Zürich am 31. August 1918 u.a. einen Mindestlohn ab dem 20. Altersjahr von CHF 225.- zu fordern. Die entscheidende Generalversammlung vom 29. September 1918 beschloss mit über 700 Stimmen, am Montag, den 30. September in den Streik zu treten und die Arbeit so lange nicht wiederaufzunehmen, bis folgende Forderungen erfüllt waren:
1. Anerkennung des Bankpersonalverbandes Zürich durch die Leitungen sämtlicher Banken.
2. Genehmigung der vom Vorstand des Bankpersonalverbandes Zürich mit der Zürcher Kantonalbank vereinbarten Lohnvorlage.
3. Verzicht der Bankdirektion auf jegliche Massregelungen.
Am 1. Oktober 1918 kurz vor 17 Uhr haben dann die Banken unterzeichnet.
Wo sehen Sie die Herausforderung für Bankangestellte heute?
In den letzten Jahren waren es vor allem der Stellenabbau, Outsourcing und Offshoring von Arbeitsplätzen. Das Paradoxe an der Situation ist, dass es zahlreiche offene Stellen hat, jedoch die „Transformation“ von einer Stelle zu einer anderen oft nicht funktioniert. Deshalb werden ständige Aus- und Weiterbildungen zum Alltag gehören, aber auch neue Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen. In der Regel ist das Personal bereit, neue Aufgaben zu übernehmen, man muss seitens Arbeitgeberin jedoch auch die Chance dazu bekommen.
Warum sollten Bankangestellte Mitglied werden?
Die SBPV-Mitgliedschaft ist sinnvoll, weil der SBPV sich für einen zukunftsfähigen Finanzplatz mit sicheren Arbeitsplätzen und fairen Anstellungsbedingungen einsetzt. Nur ein starker Verband mit zahlreichen Mitgliedern kann viel erreichen und bewegen. Der ständige Kostendruck in der Bankbranche, verbunden mit Massenentlassungen, Outsourcing und Offshoring sowie Arbeitsplatzverlegungen betrifft uns alle.
Der SBPV ist der Sozialpartner der Banken und er setzt sich mit aller Kraft ein, damit die Umstrukturierung in den Banken nicht auf dem Buckel der Angestellten stattfindet. Der SBPV verhandelt mit dem Arbeitgeber Banken auf Branchenebene, aber auch mit den einzelnen Bankinstituten, wenn die Mitglieder oder deren Vertretung ihn dazu beauftragen.
Vor „wenigen“ Jahren war der Mindestlohn noch bei CHF 44’200.-, dieser konnte kontinuierlich auf nun CHF 56‘000.- bzw. CHF 52‘000.- (ohne eidg. Fähigkeitszeugnis) erhöht werden.
Bei einer Mitgliedschaft mit einer Jahresgebühr von CHF 150.- profitieren die Mitglieder von zahlreichen weiteren Vorteilen, wie Unterstützung bei Weiterbildung, attraktive Versicherungen und diverse Rabatten sowie Dienstleistungen. Deshalb empfehle ich eine Mitgliedschaft beim SBPV.