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Am 6. April 1895 wurde Wilde vom Polizeigericht in der Bow Street in London wegen Verstoßes gegen Artikel 11 des Strafgerichtergänzungsgesetzes von 1885 wegen homosexueller Beziehungen angeklagt. Am 25. Mai wurde Wilde schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit im Zuchthaus zu Reading verurteilt, wo er diese Abrechnung schrieb.
»›De profundis‹, das letzte Prosawerk Wildes, das neben der 1898 entstandenen ›Ballade vom Zuchthaus zu Reading‹ zu den bedeutendsten literarischen Äußerungen des Autors und den packendsten Dokumenten menschlichen Leidens und menschlicher Selbstüberwindung gehört, entstand während Wildes Gefängnishaft. Die außerordentliche ethische und künstlerische Leistung, die dieser an Lord Alfred Douglas gerichtete Brief darstellt, wird deutlich, wenn man sich das Ausmaß der Katastrophe vergegenwärtigt, die den vom Schicksal und von der Gesellschaft Verwöhnten durch seine Verurteilung wegen homosexueller Beziehungen plötzlich zum entrechteten, verachteten Paria machte, ein Absturz, der den moralischen Ruin auch einer weniger sensiblen Natur hätte herbeiführen können. In stilistischer Hinsicht lässt die Schrift nichts von der Eleganz der Diktion vermissen, die an Wildes Dramen entzückt; geblieben ist auch die Lust an der virtuosen Zuspitzung paradoxer Aphorismen.«
»Ist England eine Kulturnation, weil es Geister wie Oscar Wilde hervorbringen konnte? Weil es einen Geist wie Oscar Wilde um seiner sexuellen Neigungen willen in der Tretmühle zerstört hat, ist's, solange das Niveau des lieben Demos den Maßstab gibt, ein Barbarenland, dem man höchstens die technischen Errungenschaften einer Watercloset-Kultur zubilligen mag.«Karl Kraus
»Der Name Oscar Wildes wird durch ›De profundis‹ zu einem Zaubermittel und phantastischen Leuchtfeuer, bei welchem die Erniedrigten und Beleidigten Zuflucht finden und neue Hoffnung schöpfen können.«John Cowper Powys
»›De profundis‹ und ›Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading‹ gehören zu den bedeutendsten literarischen Äußerungen des Autors und den packendsten Dokumenten menschlichen Leidens.«Kindlers Neues Literatur Lexikon