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Spuren bis ins frühe Mittelalter
Graf Hunfried von Istrien wusste sehr wohl, warum er sein Gelübde - für das Geschenk der kostbaren Kreuzreliquie ein Kloster zu gründen - etwa im Jahre 820 gerade in Schänis einlöste. Es galt, die Nordwestgrenze des Bistums Chur zu sichern. Diese Grenze verlief während Jahrhunderten bei der Letz in Maseltrangen. Das untere Gaster gehörte zum Bistum Konstanz. Schon früher hatten Reichenauer Mönche das Kloster Benken gegründet. 744 schenkte die führende alemannische Familie des Landolt und der Beate grosse Teile von Uznach dem Kloster St. Gallen. Andererseits gehörte das Land Glarus zum Kloster Säckingen, und Kaltbrunn wiederum wurde um 950 nach Einsiedeln zinspflichtig.
Im Spannungsfeld so vieler Herren verloren die seit etwa 550 ansässigen und ehemals freien alemannischen Bauern ihre Unabhängigkeit. Dafür konnte die schon von den Römern unterworfene keltische Urbevölkerung (Helvetier und Raeter) etwas freier atmen. Bis zirka 900 entstand die grosse Schicht von sogenannten Eigenleuten der Klöster. Unserer Vorfahren waren aber nie derart unterjocht wie römische Sklaven. Sie durften sehr wohl Häuser, Vieh und Landgüter besitzen. Einschränkungen bestanden bei der Freizügigkeit, der Ehefreiheit und wegen der Pflicht zu allerlei Frondiensten und Abgaben.
Einzelne Geschlechter gewannen in der folgenden Zeit auf Kosten der Klöster bedeutend mehr Macht. In unserer Gegend waren es die Grafen von Toggenburg, von Rapperswil und vor allem von Habsburg, welche die ausgestorbenen Lenzburger und Kyburger beerben konnten. Um nun zwischen den mächtigen Grafen und den Klöstern nicht aufgerieben zu werden, mussten sich die Bauern enger zusammenschliessen, um ihre noch verbliebenen Rechte zu verteidigen, denn im Erfinden neuer Abgaben waren die Behörden schon damals recht eifrig. Oft ging es darum, neue Frondienste abzuwehren. Gemeinsam gelang dies besser, als einem einzelnen Untertan.
Bald nach 1150 sind bei uns die Ortsgemeinden entstanden. Im Güterverzeichnis des Klosters Schänis von 1178 erscheinen auch Dorf und Ruvi. Auch die Klöster mussten sich gegen die Grafen wehren und liessen sich bei günstigen Gelegenheiten ihren Grundbesitz und die Abgaben bestätigen. Die Grafen hatten vor allem Interesse an der Gerichtsbarkeit, denn die Bussen waren eine gute Einnahmequelle. Die Klöster bezogen nach wie vor ihren Zehnten.
In keiner dieser wenigen, ganz alten Schriften ist von einer Selbstverwaltung der Ortsgemeinden die Rede, weil die lokalen Probleme notgedrungen stets von den schreibunkundigen Bauern selber gemeistert wurden. Was kümmerte es die Äbtissin in Schänis, wenn das Wuhr des Nässi- oder Rufibaches schadhaft wurde, oder der Alpweg abrutschte? Solche Dinge mussten die Rufner ohne Subventionen selber erledigen. Wir dürfen sicher sein, dass gerade das Problem der beiden Wildbäche viel Mühe bereitete.
Eine besondere Quelle der Unzufriedenheit war der sogenannte Fall (Erbschaftssteuer). Bei einem Todesfall wurde das beste Haupt Vieh oder das beste Gewand des Verstorbenen eingezogen. Wegen der vielen verschiedenen Herrschaften in unserer Gegend wurde zwangsläufig oft in andere Hoheitsgebiete geheiratet, wenn nicht lauter Verwandten-Ehen entstehen sollten. Bei einem Todesfall wollte natürlich keine Herrschaft auf den Fall verzichten. Die ungefreute Folge war, dass die Hinterlassenen teils bis ins 17. Jahrhundert zwei Fälle abzuliefern hatten. Vielleicht ist dies die Bedeutung des Namens für das uralte Rufner Geschlecht Zweifel (zwei Fall). Bereits im Habsburger Urbar erscheinen Häsine (Hässig) und 1301 wohnte Hug Tremp auf dem Strick sowie Ulrich Zwivel in Rufi. Auch die später weggezogenen Geschlechter Förstler und Rüttiner waren schon sehr früh in Dorf und Rufi sesshaft.
Laut einem Urteil von 1356 bestanden die Ortsgemeinden damals sicher. Rüttiberg musste seine Weiderechte auf der Gastermatt verteidigen, die von Bauern aus Schänis und Winkeln angezweifelt wurden. Deshalb kamen "die erbern Lüte ab Rüti gemeinlich" ans Gericht "ze Schennis an den Bul und offneten mit fürsprechen, si hetten in Gastermatt teil und gemeind und steg und weg, als vil und als ver*, als die von Schennis und die von Wenkhelen und die us dem rieth, und baten, ob si das jahren oder lougneten." *(Atzungsrechte, so weit und so intensiv).
Das Gericht gab den Rüttibergnern recht, und diese wünschten ein schriftliches Urteil, um künftigen Streitigkeiten vorzubeugen. Dieses Gerichtsurteil ist das älteste Zeugnis für die Existenz der Ortsgemeinden im Gaster.
Die Bevölkerung hatte viel zu leiden, als nach der Schlacht bei Näfels (1388) die Glarner das Gaster und die Grafschaft Uznach plünderten. Durch die vielen Kriege waren die Habsburger stets knapp bei Kasse. Deshalb verpfändeten sie 1405 die Gebiete Sargans und Gaster an die Toggenburger Grafen. Als aber 1436 der letzte Toggenburger starb, entstand um sein Erbe eine heillose Verwirrung und der "Alte Zürichkrieg". Nachher gehörten Uznach und das Gaster den beiden Ständen Schwyz und Glarus. Dabei blieb es dann fast 350 Jahre lang. Die Bewohner durften aber nie derart ausgequetscht werden wie etwa in Werdenberg, denn sie hatten sich die Mithilfe gegen Zürich nur für gute Verträge abkaufen lassen. Auch stellten sie den sogenannten Untervogt, den Landschreiber und den Weibel immer aus den eigenen Reihen. Darunter waren auch mehrmals Rufner.
Seit etwa 1450 fanden zufolge grösserer Bevölkerung in unserer Gegen viele Allmeind-Teilungen statt. Auf Betreiben der sich benachteiligt fühlenden Rufner wurde 1482 die gemeinsame Alp Steinegg zwischen Rufi und Maseltrangen geteilt. Die Allmeind im Tal blieb aber noch lange in Gemeinbesitz. Es ist erstaunlich, dass sich viele Namen von Örtlichkeiten seit damals kaum geändert haben. 1447 ging es um ein Wegrecht. Dieser Brief beginnt: "Wir ganze gemeind von Ruffy, ab Rüthy, von Wonhusen, ab dem Strick bekenen und toun kund ..." (ab Rüthy = Ortsgemeinde Rüttiberg). 1535 wird in einer Urkunde vom Gleiter geschrieben.
Bis etwa 1525 hatte die Einwohnerzahl in Rufi soweit zugenommen, dass ein eigener Pfarrer für die St. Leonhardkapelle angestellt wurde. Dieser junge Geistliche neigte aber der Reformation zu, und von Rufi aus erfolgte der Bildersturm im Gaster. Nach den Kappeler Kriegen musste die Bevölkerung auf Diktat von Schwyz zum alten Glauben zurückkehren. Rufi hatte nun offensichtlich von einem eigenen Pfarrer die Nase voll und unterhielt fortan zusammen mit Dorf und Rüttiberg nur noch die Kapelle.
Altes Kapeli in Rufi
Zu dieser Zeit war auch bei uns der Tauschhandel grösstenteils vorbei. Man bezahlte nun mit Geld, auch die Abgaben an das Kloster Schänis. Inflation gab es schon damals, aber noch keinen Lebenskostenindex. Weil aber für die Abgaben ein fixer Geldbetrag abgesprochen worden war, zahlten die Eigenleute dem Kloster bald mit stark entwertetem Geld. Daher konnten sich in den folgenden Jahrzehnten auch recht viele Rufner mit einem einmaligen, grossen Geldbetrag vom Kloster loskaufen.
Bereits im 18. Jahrhundert fand die Teilung der Alpen und Wälder des Wengitales statt, und zwar unter die bisher nutzungsberechtigten Gasterländer Gemeinden. Rufi verkaufte seinen Waldanteil der Ortsgemeinde Benken.
Die äusserst beschränkten Erwerbsmöglichkeiten verlockten damals auch junge Rufner, sich als Söldner anwerben zu lassen. Die meisten von ihnen kamen nie wieder in die Heimat zurück.
1800 verkauften die Genossen ihren Teil der Alp Steinegg, vermutlich an Private, denn dieser Anteil war 1861 im Besitz der Familie Grob von Rufi.
Mit dem Einmarsch der Franzosen (1798) endete die Abhängigkeit von Glarus und Schwyz sowie von den Klöstern. Die Freude an der neuen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurde aber stark gedämpft durch militärische Wirren und Einquartierungen. Grosse Not brachte auch die laufend stärkere Versumpfung der Linthebene, welche durch masslose Holzerei im Glarnerland ausgelöst worden war. Dazu kamen noch harte politische Auseinandersetzungen. Dem Kanton Linth mit seinen Distrikten war nur ein kurzes Leben beschieden. Am neuen Kanton St. Gallen hatten vorerst weder die Landschaft Uznach noch das Gaster grosse Freude. Die bewohner fühlten sich stärker mit Schwyz und Glarus verbunden. Auch an die damals neu geschaffenen politischen Gemeinden mussten sich die Leute zuerst gewöhnen.
Das nun vor fast 1000 Jahren gegründete - und vom süddeutschen Adel getragenen - Kloster schänis passte als adeliges Damenstift jetzt sehr schlecht in die demokratische Landschaft und wurde auf Beschluss von St. Gallen ebenso aufgehoben wie das ruhmreiche Kloster des Gallus und Othmar.
In dieser sehr bewegten Zeit wurden auch viele gute Projekte beschlossen. Kurz vor 1810 begann in Rufi der Schulunterricht der Kinder.
Als erstes gesamteidgenössisches Werk konnte nach dem Beschluss der Tagsatzung Johann Conrad Escher von Zürich mit teilweise bis 200 Arbeitern aus unserer Gegen die Linth in den Walensee ableiten und anschliessend den Linthkanal bis zum Zürichsee bauen. Die Ebene wurde aber erst während und nach dem 2. Weltkrieg melioriert und richtig fruchtbar gemacht.
Historisch gewachsen
Dass in einem so kleinen Bauerndorf wie Rufi gleich zwei Ortsgemeinden in einem friedlichen Nebeneinander durch Jahrhunderte bestehen und wachsen konnten, ist nicht nur für den Geschichtsfreund interessant, sondern widerspiegelt den uralten Sinn der hiesigen Bewohner, ihre Obliegenheiten trotz aller Widerwärtigkeiten, Unterdrückung und Zwängen eigenständig und freiheitlich zu regeln. Wohl ist das bereits erwähnte Atzungsrecht der "Genossen ab Rüti", datiert "an dem nechsten mitwuchen vor sant Urbanestag, do nach gottes geburte warend drüzehenhundert und fünfzig und darnach in dem sechsten jahr" das älteste Dokument über die Vorläufer unserer Ortsgemeinden in der Region. Mit Sicherheit aber dürften diese losen Genossenbünde noch viel weiter zurückreichen. Die einfache Landbevölkerung, die zwar Pflichten, aber wenig Rechte kannte, war auf diese Art "versichert" gegen Brand- und Naturkatastrophen, gleichzeitig wurde dabei auch ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt.
Blick vom Benkner Büchel
Auf verschiedenen alten Dokumenten und Copien wird der permanente Existenzkampf der Rüttibergner im Mittelalter ersichtlich, so unter anderem in einem Teilungsbrief der Allmende mit Maseltrangen (1482), Wegrechte am Rüttiberg (1497), Weidgang und Grenzbereinigung mit Maseltrangen, einer Quittung vom Zehnten-Loskauf vom Stift Schänis anno 1806 usw.
Napoleon brachte die Wende
Die heutige Organisationsform der Ortsgemeinden mit Bürgerversammlung, Verwaltungsrat und Geschäftsprüfungskommission besteht seit der Kantonsgründung 1803. Gleichen Ursprung haben auch unsere politischen Gemeinden, wobei Schänis als Besonderheit gleich fünf Ortsgemeinden (Schänis, Dorf, Rufi, Rüttiberg und Maseltrangen) in seinen Gemarken hat.
Die geografische Abgrenzung zwischen den Bürgern von Rufi und Rüttiberg bildete seit altersher die in zahlreichen Dokumenten immer wieder erwähnte "Steinzaungasse" (Rütteligasse) am Fusse des Rüttibergs, früher der eigentliche "Zubringer" für die "Heimetli" Baumgarten, Loch, Taflet, Mutzach, Schöpfbühl, Ebnet, Glausiberg, Steinacker, Greberberg, Galliberg, Hüsliberg, Bachtler, Zaugerli und Zimmerwiesli.
Das Bürgerregister geht bis zum Geburtsjahr 1765 zurück. Als älteste Rüttibergner Geschlechter sind darin aufgeführt: Giger, Hug, Jud (zum Teil als Doppelbürger mit Maseltrangen), Kaufmann, Zweifel und Schön. 1991 zählt die Ortsgemeinde Rüttiberg rund 800 Bürgerinnen und Bürger in aller Welt, die sich zusammen mit einigen eingebürgerten Zuzügern praktisch ausschliesslich aus diesen sechs Familien zusammensetzen. Am meisten verbreitet ist heute das Geschlecht Kaufmann, gefolgt von Zweifel, Hug und Giger. Ausgestorben ist der Rüttibergner Stamm der Familien Hässig, Kölbli, Pfiffner und Tremp.
Rüttibergner Asylanten um 1850
Verschiedene öffentliche Aufgaben, die im Laufe der Zeit von politischen Gemeinden übernommen wurden, waren früher Sache der Ortsgemeinden. Die wohl schwerste Bürde hatte man in einer Zeit ohne jegliche Sozialversicherung und Altersvorsorge mit der Armenunterstützung zu tragen. Nicht verwunderlich, dass heute alle unsere Ortsgemeinde Bürger in aller Welt - vor allem Amerika - haben, denen vor gut hundert Jahren die Überfahrt nach Amerika bezahlt wurde, um in einer Zeit der Arbeitslosigkeit einige hungrige Mäuler loszuwerden.
Einige Dutzend, meist junge Rüttibergner, erhielten wie zum Beispiel 1867 Georg Kaufmann, von der Ortsgemeinde einen Vorschuss (in diesem Falle Fr. 250.--) für die Überfahrt nach New York. Die Auswanderer mussten sich jeweils vertraglich verpflichten, mindestens zehn Jahren auf den Genossenbezug zu verzichten. Oft mussten dies auch für ein oder zwei Jahre die nächsten Angehörigen!
Streuernte 1929 in der Gastermatt
Besitzesverhältnisse
Gemäss den ersten vorhandenen Vermögensverzeichnissen (1839) gehörten der Zimmerwieswald, das Brändentobel im Umfang von 2.5 Jucharten, die Gastermatt- und Rufirietlandung als Streuwiesen, "Heuteile" im Zimmerwieswald von immerhin einer Jucharte und ein Allmeindli schon um 1800 der Ortsgemeinde Rüttiberg. Je nach Vermögenslage wurden Parzellen dazu-, zum Teil aber auch wieder weiterverkauft. Ein Beispiel ist die Alp Zaugern und Bachtler, die von den Genossen auf Rüttiberg am 20. Heumonat 1783 von Ratsherr Fridolin Jud von Maseltrangen erworben, noch vor 1839 wieder verkauft und erst 1909 wieder ergantet wurde. Weitere Kaufverträge wurden wie folgt abgeschlossen:
|Vord. Hurdacker||Kauf am 3.2.1874 von Alois Zweifel|
|Abrächboden||Kauf am 2.8.1904 von Kaspar Dürst|
|Alpen Unterbätruns, Bachtler, Zaugern und Häusliberg (Hälfte)||Ergantet von Verlassenschaft Christian Giger sel. am 23.12.1909|
|Hälfte Häusliberg||Kauf von Johann Boos am 2.1.1911|
|Pfand Bränden||Kauf am 3.4.1917 von Peter Britt, Fuhrhalter, Rufi zum Preis von Fr. 2000.--|
|Schniderhofwiese in Rufi||Kauf am 6.11.1917 von Peter Britt, Fuhrhalter in Rufi zum Preis von Fr. 7800.--|
|Gräberwald||Kauf am 18.2.1919 von Witwe Grob-Knobel, Schänis, für Fr. 6000.--|
|Lagerplatz Rütteli||Kauf 1919 von Johann Boos ab Liegenschaft Bitzi, Rufi|
Kohlebergwerk in der Bränden 1939
Aufrichte am Hüslibergstall 1924
Im Jahre 1922 wurde der neu gegründeten Wasserkorporation Rufi-Rüttiberg das Recht für verschiedene Quellfassungen im Zimmerwieswald zu günstigen Bedingungen erteilt. Interessant sind auch die Verträge für die Kohlenausbeutung in der "Bränden" von 1834 und 1942.
Leider wurden bei einem Wohnhausbrand 1965 ein grosser Teil der alten Protokollbücher und etliche Dokumente ein Raub der Flammen, so dass eine chronologische Erfassung der Rüttibergner Ortsgeschichte vor 1900 kaum mehr möglich ist.
Land- und Alpwirtschaft
Als eine der letzten Ortsgemeinden kennt Rüttiberg noch die seit Jahrhunderten betriebene Allmeind-Weidenutzung. Vor und nach der Alpung wird das Jungvieh einige Wochen in der Gastermatt gehalten. Die übrige Nutzung mit Heu- und Streuteilen (Gastermatt), sowie verpachtetem Boden (Hurdacker) erfolgt nach einem speziellen Bewirtschaftungs- und Nutzungsreglement. Nicht mehr gefragt sind seit langem die in den Kriegsjahren noch sehr geschätzten und von allen Familien zur Selbstversorgung benötigten Pflanzteile im Hurdacker.
Die Alp untere Brätuns/Trüebsiten
Die Bewirtschaftung der Alpen im Hüsliberg/Zaugerli und der unteren Bätruns ergab wenig grundlegende Veränderungen seit 1910. Eine gewisse Erleichterung brachte die Bergstrassen-Erschliessung; 1965 mit der ersten Etappe Rütteli-Obermatt, anschliessend Obermatt-Geissegg und schliesslich führte die Ortsgemeinde Rüttiberg das Werk fort mit dem Teilstück Geissegg-Zimmerwiesli. Nachdem die Ortsgemeinde Rufi die Strasse 1978 bis zur unteren Bogmen weiterzog, konnte ab 1980 auch der Zimmerwieswald erschlossen werden.
Gegenwärtig werden auf den Alpen der Ortsgemeinde Rüttiberg pro Sommer rund 110 Rinder gesömmert. 1951 wurde der Stall auf "Trübsiten" von einer Lawine zerstört, seither ist man glücklicherweise vor grösseren Schäden verschont geblieben. Im Jahre 1975 wurde das Wohnhaus im Hüsliberg renoviert und wird seither vermietet. Für den Viehachter konnte im oberen Hausteil eine eigene Wohnung eingerichtet werden.
Von der Holzgant zur Forstgemeinschaft
Meist betrieben die Ortsgemeinden, denen in der Gemeinde Schänis mehr als zwei Drittel der gesamten Waldfläche gehörten, früher die Holzerei und die spärliche Waldpflege in eigener Regie unter Leitung eines Bannwartes oder Werkmeisters, so auch im Rüttiberg bis in die Fünfziger Jahre. Kleinere Holzteile wurden auf eine Gant gebracht. Während etwa 25 Jahren wurde dann der gesamte Hiebsatz von rund 300 Kubikmetern vergantet. An diesen Holzganten im "Freihof" und in der Sonne ging es dazumal oft turbulent zu und her. Kleinere Teile mussten bar bezahlt und für das auf Nachmass vergantete Holz ein Bürge gestellt werden. Am 4. Juli 1966 hielt der Verwaltungsrat Rüttiberg die letzte Holzgant ab. Der Bau der Bergstrasse und die 1971 gegründete Forstgemeinschaft setzten dieser jahrzehntelang gepflegten Holzerromantik am Rüttiberg ein Ende.
Zur Forstgemeinschaft schlossen sich die vier Ortsgemeinden Dorf, Rufi, Rüttiberg und Maseltrangen zusammen, um in gemeinsamer Selbsthilfe die Pflege der Waldungen und eine zeitgemässe, rationelle Holzerei sicherzustellen. Diese aus einer Gruppe von drei bis vier Arbeitern bestehende Forstgruppe hat sich in den ersten 20 Jahren nicht nur im Wald, sondern auch im Waldstrassenbau unter Leitung des Revierförsters bestens bewährt. Ohne diese Selbsthilfe wäre die Bewirtschaftung des Ortsgemeindewaldes und vor allem die rasche Aufbereitung von Sturm- und Schadholz, wie sie gerade im letzten Jahrzehnt öfter vorkam, kaum mehr möglich.
Ein Zeichen unserer Zeit - die fortschreitenden Waldschäden - müssen leider auch in den Waldungen der Ortsgemeinde Rüttiberg festgestellt werden, wobei Föhnstürme und trockene Sommer viel, aber nicht entscheidend für diese Verschlechterung beigetragen haben dürften.
Leistungen für die Öffentlichkeit
Nicht erst seit der Abschaffung des Bürgernutzens 1981, sondern schon seit Jahrzehnten wurden Veranstaltungen, Institutionen und Vereine sozialer, kultureller, gemeinnütziger und sportlicher Art unterstützt. So war ein freiwilliger Beitrag von Fr. 70'000.-- im Jahre 1969 mitentscheidend, dass in Rufi ein Kindergarten realisiert werden konnte. Pro Jahr zählen rund 20 Vereine und Institutionen auf die finanzielle Unterstützung durch die Ortsgemeinde Rüttiberg, allen voran der Krankenpflegeverein Schänis, dem ein Jahresbeitrag von rund Fr. 3000.-- gewährt wird.
Der Ortsverwaltungsrat ist sich bewusst, nebst der Bewahrung und Betreuung des von ihren Ahnen gar oft hart erkämpften Erbes, auch das Verbindende zum übrigen, grösseren Teil der Bevölkerung zu pflegen. Damit auch die Ortsgemeinden mit ihrer grossen Tradition in der zukünftigen Gesellschaft behaupten können.
Die Ortsgemeinde Rüttiberg in Zahlen
Gemäss Ortsbürgerregister zählt die Ortsgemeinde Rüttiberg insgesamt rund 800 Bürgerinnen und Bürger, verteilt in der ganzen Schweiz, vereinzelt auch in den USA, Argentinien, Kanada, Frankreich, Italien, Deutschland usw. Rund ein Zehntel ist noch in der Gemeinde Schänis wohnhaft (ca. 50 - 55 Stimmberechtigte).
Grundbesitz
Allmeind und Streuwiesen Gastermatt 10,75 Hektaren
Hurdackerwiese (früher Pflanzteile) 3,76 Hektaren
Voralp Hüsliberg/Zaugerli (ohne Wald) 16,44 Hektaren
Waldungen
Bränden, Greberwald und Zimmerwieswald 66,65 Hektaren
Alp untere Bätruns/Trübsiten 79,36 Hektaren
Gebäude
Gastermattstall, Wohnhaus/Älplerwohung Hüsliberg
Alpställe im Hüsliberg, Zaugerli, Trüebsiten, Vorder-Bätruns
Waldhütte im Zimmerwieswald
Steuerwert dieser Sachgüter am 31.12.90 Fr. 319'000.--
Gesamtvermögen am 31.12.90 Fr. 950'883.60.
Alpung
In eigener Regie; Anstellung eines Alphirten, der auf den Alpen Hüsliber/Zaugerli (6 Wochen) und Bätruns rund 110 Tiere betreut.
Hurdackerwiesen
Verpachtung in drei Teilen
Gastermatt
Allmeind-Früh- und Herbstatzung, ca. 70 Rinder; Zuteilung von rund 30 Heu- und Streuteilen
Forstwirtschaft
Waldpflege und Holzerei durch die Forstgemeinschaft der vier Ortsgemeinden Dorf, Rufi, Rüttiberg und Maseltrangen
Bisherige Präsidenten
1803 - 1830 Johann Giger, geb. 1766
1830 - 1835 Johann Leonhard Alois Giger, geb. 1799
1835 - 1870 Marx Anton Giger, geb. 1804
1870 - 1880 Wilhelm Giger, geb. 1846
1880 - 1903 Dominik Hässig, geb. 1828
1903 - 1921 Beda Kaufmann geb. 1878
1921 - 1948 Wilhelm Giger, geb. 1883
1848 - 1976 Wilhelm Giger, geb. 1910
1976 - Wilhelm Giger, geb. 1946

Herausgeber:

© Ortsgemeinde Rüttiberg 1991