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Premières solitudes
Sie binden ihre Sneakers, setzen ihre Kopfhörer auf und gehen, schweben fast vor der Kamera in Richtung eines Möglichen, das im Bild nicht sichtbar ist. Nach dieser luftigen Eröffnungssequenz landen sie in einem Gymnasium in Ivry, für ein ganz anderes Spiel, eine andere «Pause», weil sie keine Kinder mehr sind. Hier geht es darum, den schwierigen Übergang ins Erwachsenenalter zu verhandeln, mit der Angst vor der Zukunft im Bauch. Claire Simon hat sie während den Übergangsphasen ihrer Schulzeit gefilmt, in der Familie, die sie ausgewählt haben, um sich warm zu halten, weil ihre eigenen so kaputt, getrennt und mitunter so zerrissen sind. Premières solitudes ist ein Einführungsfilm in die Sprache, die siebzehnjährige Jugendliche sprechen, die lernen, sich anzusehen, sich zuzuhören, sich mit ihren komplizierten Geschichten auseinanderzusetzen. Die Filmemacherin hat ihnen nur ein paar Schlagwörter gegeben und dann die Dialoge eingefangen, die in diesem improvisierten Forum entstanden sind. So ist es ihr gelungen, eine geschützte Raumzeit zu schaffen, ein vergängliches Zusammensein, bei dem jeder seine Last ablädt und seinen Wunsch äussert, sich davon freizumachen.
Emmanuel Chicon