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Kinder als Konsumenten
Wer Kinder hat, weiss: Viele zusätzliche Ausgaben erwarten einen. Kaum auf die Welt gekommen, einen halben Meter lang und ein paar Kilo schwer, kaufen wir für Kinder häufig ein ganzes Zimmer voller Sachen. Nicht viel später und Kinder regen Erwachsene zum Konsum an, wenn sie z. B. vor der Kasse die Süssigkeiten hübsch präsentiert sehen. Spätestens beim Erhalt von Taschengeld werden Kinder zu Konsumenten, die häufig relativ frei Kaufentscheidungen treffen.
Taschengeld in der Schweiz
Credit Suisse (2017) untersuchte in der Taschengeld-Studie die Finanzerziehung in der Schweiz. Wenig überraschend zeigte die Studie auf, dass es sich beim Taschengeld in der Regel um kleinere Beiträge handelt. So erhält ein 10-jähriges Kind im Durchschnitt CHF 14, während ein 12-jähriges Kind bereits CHF 23 im Monat erhält. Die meisten Kinder dürfen laut der Studie frei über ihr Taschengeld verfügen.
Beim Eintritt in die Primarschule beginnt oft eine verstärkte Auseinandersetzung von Kinder mit Geld. Die meisten Eltern erachten es als sinnvoll, mit ihren Kindern über Geld zu besprechen, sobald diese das Einmaleins lernen.
Siebenjährige tätigen bereits kleinere Einkäufe, und die Mehrheit der Eltern gibt an, dass ihre Kinder ab acht Jahren frei über das Taschengeld verfügen können (Credit Suisse, 2017).
Besorgungen erledigen
Nebst der Verantwortung über das Taschengeld lassen Eltern ihre Kinder teilweise kleinere Besorgungen erledigen. Trauen wir Kindern zu wenig Finanzkompetenzen zu? Oder zu viel? Gunnar Mau und Kollegen (2016) gingen in einer Studie der Frage nach, wie Kinder Kaufentscheidungen treffen.
Experiment virtueller Einkauf
Die Forscher liessen 170 Kinder im Alter zwischen acht und zehn Jahren einen virtuellen Lebensmitteleinkauf in einem simulierten Supermarkt tätigen. Die Anweisungen waren klar: Kaufe die vorgegebenen sechs Produkte auf der Einkaufsliste, nimm jeweils das günstigste Produkt, und bleibe im Budget. Die überraschenden Ergebnisse:
- Ca. 30 Prozent aller Kinder kauften nur die sechs verlangten Produkte ein – während satte 70 Prozent der Kinder min. ein Produkt einkauften, das nicht auf der Liste stand.
- Fast die Hälfte aller Kinder kaufte nicht alle verlangten sechs Produkte ein.
- Weniger als 10 Prozent aller Kinder gelang es, für jedes Produkt die günstigste Variante zu kaufen. 20 Prozent aller Kinder gelang es für keines der Produkte, das günstigste zu kaufen.
Kinder verhalten sich oft anders, als sie von sich selber erwarten. Kinder werden durch Verpackungen, Marken und einen Überfluss an Stimuli abgelenkt. Je mehr Produkte die Kinder im Supermarkt sahen, desto eher verlief ihr Einkauf ungeplant und sie kauften zusätzliche Produkte.
Weniger überraschend ist, dass Kinder mit mehr Einkaufserfahrung zu weniger Spontankäufen neigten. Kann es sein, dass wir hier gewisse Parallelen zum Einkaufsverhalten von Erwachsenen entdecken?
Fazit
Als Eltern muss man sich bewusst sein, dass der Erwerb von Finanzkompetenzen ein Prozess ist. Selbst mit einer guten Vorbereitung und klaren Anweisungen sind Kinder oft von Eindrücken überflutet und treffen nicht die besten Entscheidungen. Nichtsdestotrotz: Als Übungsfeld eignen sich kleinere Einkäufe und Besorgungen allemal.
Weiterführende Informationen und Quellen:
Mau, G., Schuhen, M., Steinmann, S., & Schramm-Klein, H. (2016). How children make purchase decisions: behaviour of the cued processors. Young Consumers, 17(2), 111-126.
Credit Suisse (2017). Die Schweizer Taschengeld-Studie. Wie Kinder den Umgang mit Geld lernen. Zugriff am 04.12.2018. Verfügbar unter https://www.credit-suisse.com/media/assets/corporate/docs/about-us/responsibility/taschengeld-studie.pdf