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Oft erleben Konzeptstudien nie einen Serienlauf. Dieser originelle Porsche 914/6 erlitt 1970 ein solches Schicksal obwohl die Prospekte für ihn schon gedruckt waren…
Analysieren Sie die Designelemente eines Jensen GT, Lotus Europa, Ferrari 250 «Breadvan» und Porsche 914 und interpretieren Sie, wie diese Elemente in einem neuen Gesamtwerk verschmelzen könnten. Nutzen Sie den einzigartigen Porsche 914/6, der 1970 von Albrecht Graf von Goertz entworfen wurde, als Referenz.
Bevor Goertz seine Karriere im Automobildesign beginnt, absolviert er eine Ausbildung bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Später setzt er seine Ausbildung bei der Privatbank Helbert Wagg & Company in London fort. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und den begrenzten Perspektiven in Nazi-Deutschland beschließt er 1935 in die USA zu emigrieren. Dort arbeitet er in einer Flugzeugfabrik, wäscht Autos und nutzt seine Designfähigkeiten bei der Gestaltung von Hot Rods aus. Sein erster eigener Entwurf, das Coupé mit dem Namen Paragon, wird 1939 auf der Weltausstellung in San Francisco präsentiert.
1940 wird Goertz in die Armee einberufen. Nach dem Krieg lernt er den berühmten Industriedesigner Raymond Loewy kennen, der für das Shell-Logo, den Studebaker Avanti und Stromlinien-Lokomotiven verantwortlich ist. Loewy wird auf Goertzs Talent aufmerksam, als er dessen Paragon und die Hot Rods sieht, die Goertz in einer gemieteten Garage in Los Angeles aufpoliert hat. Loewy verschafft ihm eine Position bei Studebaker.
Es ist faszinierend zu sehen, wie seine Karriere sich entwickelt hat und wie er von einer Zusammenarbeit mit BMW zum Entwurf des legendären 507 gekommen ist. Es scheint, dass Goertz eine beeindruckende Vielfalt an Produkten entworfen hat, von Fahrrädern und Kameras bis hin zu Möbeln.
Die Begegnung mit Max Hoffman, dem Importeur für BMW in Amerika, scheint für Goertz eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Hoffmann ermutigte ihn, Kontakt mit BMW aufzunehmen, und diese Verbindung führte zur Entstehung des 507, einem Fahrzeug, das bis heute als sein Meisterwerk gilt.
Interessant ist auch, dass Goertz inoffiziell für Porsche gearbeitet hat und dass diese Verbindung möglicherweise zur Entstehung des 914 geführt hat, einem etwas ungewöhnlichen Modell, das eine Kombination aus Porsche und Volkswagen war.
Der VW-Porsche 914 konnte bei seinem Erscheinen im Jahr 1969 keinen großen Erfolg verzeichnen. Besonders der 914/6, der als „Volks-Porsche“ bekannt war, verkaufte sich vergleichsweise gut. Das Fahrzeug, das von Karmann produziert wurde, sollte sowohl den Porsche 912 als auch den Karmann Ghia ersetzen.
Der Zweisitzer mit Targa-Dach bot Platz für einen Vierzylinder-VW-Motor oder einen Sechszylinder-Porsche-Motor und hatte ein kantiges Design, das nicht bei allen Porsche-Fans auf Begeisterung stieß – insbesondere nicht in grellen Farben wie Sonnenblumen Gelb, Ravenna Grün oder Olympic Blau.
Interessanterweise erhielt Goertz auf Einladung von Ferdinand Alexander Porsche im Jahr 1970 einen 914, um eine Neuinterpretation des Fahrzeugs zu wagen. Es handelte sich nicht um ein herkömmliches Serienauto, sondern um den 914/6 R, der 1970 den sechsten Platz im Gesamtklassement bei den 24 Stunden von Le Mans erreichte.
Es scheint, dass dieses Projekt eine spannende Zusammenarbeit zwischen Goertz und Porsche war, bei der er die Möglichkeit hatte, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und das Potenzial des 914 weiter auszuschöpfen.
Es ist bedauerlich zu hören, dass Goertz nicht genug Zeit hatte, um sein Projekt des umgestalteten 914 weiterzuführen. Seine Skizzen und das Modell, zusammen mit dem Fahrzeug selbst, wurden an den Karosseriebauer Eurostyle in Turin geschickt, mit dem Auftrag, das Modell gemäß Goertz‘ Entwürfen umzubauen. Das Ergebnis auf der Turiner Messe war zweifellos ein Blickfang – der Serienentwurf, der zuvor wie ein Kit-Car aussah, hatte sich in ein deutlich exotischeres und substanzierteres Modell verwandelt. Es nahm Anleihen am legendären Ferrari Breadvan im Heckbereich und hatte eine sehr scharf gezeichnete Frontpartie.
Es scheint, dass Porsche zunächst eine Serienfertigung in Erwägung zog, da sogar Verkaufsbroschüren gedruckt wurden. Doch aus unbekannten Gründen wurde das Projekt genauso schnell gestoppt, wie es zuvor gestartet wurde. Somit blieb der gezeigte Prototyp in grün-gelber Lackierung ein Einzelstück. Goertz vermachte das Fahrzeug 1990 dem Deutschen Automobil Museum auf Schloss Langenburg bei Heilbronn, wo es noch heute bewundert werden kann.
Es ist schade, dass die Geheimnisse rund um diese interessante Kreation der Porsche Modellgeschichte mit dem Tod von Goertz im Jahr 2006 im Alter von 92 Jahren verloren gegangen sind. Dieses Projekt bleibt ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte von Porsche und zeigt die kreative Zusammenarbeit zwischen Designern und Automobilherstellern.
Photos: Rémi Dargegen for Classic Driver © 2018