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|NEWS - Meldungen|
26.11.2001 USA
USA: Biotechfirma ACT publiziert verwerfliche Experimente mit geklonten menschlichen Embryonen
Die Firma Advanced Cell Technology (ACT), die immer wieder durch Tabubrüche auf sich aufmerksam macht, hat in der neuesten Ausgabe des Journal of Regenerative Medicine Ergebnisse von Klonexperimenten am Menschen veröffentlicht. Solche Versuche hatte sie schon im Juli 2001 angekündigt. Sie unterzogen 19 Eizellen, die von Freiwilligen gespendet wurden, einem Zellkerntransfer. Dazu wurden Hautzellen von Erwachsenen und Kumuluszellen verwendet. Nur mit letzteren liessen sich Embryonen rekonstruieren, die sich bis zum sechszelligen Stadium entwickeln liessen.
Ethisch völlig unakzeptable Versuche
Wie andernorts bereits berichtet, lässt ACT ihre Klonexperimente "grosszügig" von einer als unabhängig bezeichneten Ethikkommission (Ethics Advisory Board) begleiten. Diese Kommission und deren Mitglieder wurde von ACT selber eingesetzt. Von Unabhängigkeit kann also keine Rede sein. Zudem gehört ihr der Präsident und CEO der Firma ACT, Dr. Michael D. West dem Ethics Advisory Board an. Die Ethikkommission beschränkt sich auf die Überwachung der geklonten Embryonen, die nicht zu reproduktiven Zwecken verwendet und nicht über 14 Tagen hinaus entwickelt werden dürfen. Dazu gewährleistet sie noch den Informed Consent der freiwilligen Spenderinnen und Spendern von Eizellen bzw. adulten Zellen. Die zentrale Frage, ob menschliches Leben auf diese Weise gezeugt und instrumentalisiert werden darf, stellt sich diese Ethikkommission offenbar gar nicht. Wie andere Forschungsexperimente an menschlichen Embryonen sind auch die beschriebenen Klon- und Parthogeneseversuche ethisch absolut unakzeptabel und verwerflich. Die Erzeugung menschlicher Wesen ohne Sexualität ist strikte abzulehnen und die Tötung von Embryonen zwecks Heilversuchen, (die im Übrigen immer noch hypothetisch sind), nicht zu rechtfertigen.
Trotz dürftiger Ergebnisse - vollmundige Ankündigung
In ihrer Pressemitteilung verkündet ACT vollmundig ihre Publikation liefere den ersten Beweis, dass "umprogrammierte" menschliche Zellen Gewebe für Transplantationen liefern könne. Zunächst ist beim gegenwärtigen Stand der Stammzellforschung für die Produktion von Stammzelllinien eine Entwicklung der Embryonen bis ins Blastozyststadium (ca. 4-5 Tage, ca. 100 Zellen) notwendig. Die Versuche mit Hautzellen scheiterten, während die Kumuluszellen naturgemäss nur von weiblichen Patienten stammen können. Um wirklich von "therapeutischem" Klonen reden zu können, müsste der Nachweis für die Produktion von Stammzellinien und der Erzeugung von differenzierten Zellen erbracht werden.
Angesichts dieser grundlegenden offenen Fragen ist es schon erstaunlich, dass die Publikation ausgerechnet in die Zeitschrift 'Journal of Regenerative Medicine' Eingang gefunden hat. Die Experimente der Publikation bewegen sich ausschliesslich auf dem Niveau der Embryonenforschung und haben mit regenerativer Medizin noch überhaupt nichts zu tun. Für ACT ist es natürlich eine willkommene Reklame für Investoren und Aktionäre. Zwar ist es möglich und sogar sehr wahrscheinlich, dass ACT intern viel weiter gegangen ist, als dies die Publikation nahelegt, doch wird sich die Firma hüten, weitere Details bekanntzugeben, bevor ihre Patentanträge angenommen sind.
05.12.2001 USA
>(Nach BBC) Einer der Berater der Editoren des Journals of Regenerative Medicine ist nach Erscheinen der Publikation über die ersten geklonten Embryonen der Firma ACT zurückgetreten. Diese Publikation sei ihm sehr peinlich und habe ihn sehr verdrossen, erklärte John Gearhart, ein bekannter Embryonenforscher an der John Hopkins Universität in den USA. Es fehlten wichtige Daten in der Publikation des Journals of Regenerative Medicine. Seiner Ansicht nach sei das Experiment ein Fehlschlag gewesen, der nicht hätte publiziert werden dürfen. Gearhart wollte herausfinden, was im Vorfeld dieser Publikation geschah, besonders welche Experten die ACT-Publikation überprüft haben. Dies sei ihm wichtig, da auch Wissenschaftler der Firma ACT zur den Beratern der Herausgeber zählen. Da der Herausgeber dazu nicht Stellung nehmen wollte, entschied Gearhart von seiner Beraterfunktion zurückzutreten.
ACT versuchte unterdessen die Publikation zu verteidigen und wies auf fortgeschrittene Forschungsergebnisse bei Affen hin. Demnach hätten sich in jenen Fälllen Embryonen entwickelt, denen Stammzellen entnommen worden sein. Daraus hätten sich Neuronen gebildet.
Weitere Informationen über ACT:
E-Mail von Dr. Michael D. West <email-pii>)
Pressemeldung vom 25. Nov. 2001: Advanced Cell Technology Reports Publication of Results of Human Somatic Cell Nuclear Transfer and Parthenogenesis.
Cibelli J.B., Kiessling A.A., Cunniff K., Richards C., Lanza R.P., West M.D., Somatic Cell Nuclear Transfer in Humans: Pronuclear and Early Embryonic Development: The Journal of Regenerative Medicine 2 (2001) 25-31. (Online im Volltext als PDF-Datei abrufbar 4.3 MB)
BBC News vom 3. Dez. 2001: Embryo clone leads to fall-out
Dossier Bioethik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) (sehr empfehlenswert!)
Schwägerl Christian, Der Tag wird kommen: FAZ 29. Nov. (2001) 55. [Wie geht es im Inneren einer Klonschmiede zu? Ein Gespräch mit Ronald M. Green, Leiter der Ethikkommission von ACT, der Firma, die den ersten menschlichen Embryo klonte].
Müller Joachim, Biobasteln mit Joystick: FAZ 27. Nov. (2001) 45.