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David Hume (1711-1776) sagte: „Wenn […] viele gleichförmige Beispiele auftreten und demselben Gegenstand immer dasselbe Ereignis folgt, dann beginnen wir den Begriff von Ursache und Verknüpfung zu bilden. Wir empfinden nun ein neues Gefühl […]; und dieses Gefühl ist das Urbild jener Vorstellung [von notwendiger Verknüpfung], das wir suchen. […] Hat er mehrere derartige Fälle beobachtet, erklärt er sie für verknüpft. Was hat sich so geändert, dass diese neue Vorstellung der Verknüpfung entstand? Nichts, außer dass er nun diese Ereignisse als in seiner Einbildungskraft verknüpft empfindet und ohne weiteres das Dasein des einen aus dem Auftreten des anderen vorhersagen kann.”.
Er legte zwar in wohlwollender Auslegung seiner Denkversuche den Grundstein für die Philosophie von Karl Popper. David Hume ist aber streng genommen grundsätzlich und ein Stück weit besonders aus heutiger Sicht eher, soweit seine Kausalitätsversuche gehen, höherem Unsinn zuzurechnen.
Denn bei all seinen Versuchen, andere in Ursachenwirkungsvermutungen kleinzureden, formuliert Hume erstmal frech und vor den Augen aller selbst eine Ursachenvermutung (“wenn”, … “dann”), die allem weiteren, das er ausführt, zugrundegelegt wird. Und so ist nachvollziehbar, dass er relativ heftiger Kritik Tor umd Tür öffnet, wenn auch die Kritikpunkte eher subtil und nicht ganz so trivial nachvollziehbar zu sein scheinen. Siehe nun Referenzen [1] und [2]; die nachfolgenden Ausführungen zitieren diese beiden Papers bzw. bauen auf diesen auf.
Folgt Hume seiner eigenen Logik, kann er die Ursache für unsere Ursachenvermutung selbst nicht verstehen, da (auch) ihm jegliches eigentliche Verständnis für Ursache und Wirkung abgehen muss. Diesem Mangel an eigener Einsicht und seiner darauf aufgebauten Vermutung des Mangels an solcher Einsicht bei anderen widmet er aber umfangreiches Schrifttum.
Hume sagt, dass unsere Vorstellung der Ursachen (kausal) daher kommt, dass wir wiederholt den Zusammenhang zwischen einer vermuteten Ursache und einer vermuteten ursachenspezifischen Wirkung beobachten. Wenn aber wiederholtes Betrachten keine Kausalität begründet, kann das wiederholte Betrachten von wiederholten Betrachtern, die nachher Ursachen vermuten, auch nicht in irgendeiner glaubhaften Weise eine besonders brauchbare Ursache für das Vermuten von Ursachen liefern. Damit steht Hume auf einem sehr dünneisigen Konstrukt: wenn wir die Idee, dass (falsche) kausale Vorstellungen durch sensible Eindrücke entstehen, über Bord werfen, ist nicht mehr viel von Hume übrig. Somit sind seine Ausführungen streng logisch gesehen so löchrig, dass sie aus streng argumentativer Sicht zu verwerfen wären.
Dabei würde auch Hume sich wegducken, wenn man ihm von vorne bei Taglicht mit einem Wurfkörper ins Gesicht zielen würde! Daher sind seine Kausalitätsversuche vor allem auch nicht intuitiv. Zwar belegt das ihre Falschheit nicht, aber es stört beim Versuch, derart weitgreifende Behauptungen wie die seinen in einen Erfahrungshorizont einzuordnen.
Da Hume nun Ursachenwirkungsbeziehungen als natürlichen Glauben abtut, da Hume dann die Annahmen über Ursachenwirkungsbeziehungen den direkten Beobachtungen unterordnet bzw, hinten anstellt, um dann diese Art Schlussfolgerungen von der eigentlichen Philosophie abzugrenzen, betreibt er (logischerweise und direkt als Folge seiner Ausführungen) auch keine Philosophie mehr, wenn er uns weismachen will, dass angenommene Ursachenwirkungsbeziehungen die (kausale) Folge wirren oder anderweitig irregeleiteten Denkens sei. Wenn Hume aber nur aus seinem Tagebuch der eigenen wirren Ideen vorlesen will (was er, gegeben seine eigene Logik, dann täte), hätte er uns vorher warnen dürfen. Hume schreibt sich somit als philsophischer Weltbeobachter mit tauglichen Schlussfolgerungen streng logisch gesehen selbst aus seinem eigenen Skript. Er tut das auch aus ganz praktischer Sicht, wie wir gleich sehen werden – aber die arge Abseitspositon ist bereits seiner verschränkten “Logik” inhärent.
Hume nimmt an, dass sinnliche Eindrücke der umgebenden Welt – Schmerzen, Freuden, Farben, Geräusche und Töne – Ausgangspunkt, und weitergehende Annahmen über die Welt wie auch Ursachenvermutungen nurmehr im Kopfe selbstgemachte Dinge sind, und dass aber die Annahme effektiver Ursachen-Wirkungsbeziehungen nicht zulässig sei: so beobachte man eine Flamme, und, die davon ausgehende Wärme. Ohne weiteres Aufheben ginge man darauf bei der Flamme von der Ursache und bei der Wärme von der Wirkung aus, ohne dass dies korrekt oder zulässig sei.
Zwischen den Sinnen der Wahrnehmung und den nachfolgenden mentalen Verarbeitungsschritten ist die Trennung nicht klar oder eindeutig. Hier liegt die klassische Philosophie aus moderner Sicht möglicherweise etwas daneben. Vielmehr verfügen wir Menschen über höchst integrierte Wahrnehmungsprozesse. Ein Sinneseindruck führt direkt zur wahrgenommenen Realität, deren erworbener Umfang massiv durch vorbestehendes Wissen mitbeeinflusst ist. Wer mehr weiss, sieht mehr. Unsere Wahrnehmung hat so die Möglichkeit, sehr direkt und unmittelbar zu sein. Gleichzeitig gelangen wir ohne weitere direkte Sinneseindrücke dann über das uns eigene Erstellen neuer Gedanken und Zusammenhänge gegenüber unserem vorbekannten Wissen und unseren Erfahrungen teils recht zwanglos, ggf. nur nach Reflektion, zu neuen Fragen, Annahmen, Aspekten oder Vermutungen, deren Realitätsbezug wir dann von uns ausgehend suchend in der echten Welt überprüfen können, was unser Verständnis der Umwelt sehr viel umfangreicher erweitert als das blosse Hinsehen. Sinneseindrücke werden also erstens gleich in einen Zusammenhang eingeordnet und unter Umständen begrifflich festgemacht, worauf sie sofort weiteren Gedankenvorgängen unterworfen werden. Ob diese Gedankenvorgänge rational, künstlerisch, religiös, sozial, oder sonstwie verbunden sind, ist damit nicht gesagt.
Bedingtes eigenes Erfahrungswissen und kombiniert dazu anderes, nicht auf eigenen Erfahrungen beruhendes Wissen können aber somit genauso verwendet werden, um Kausalität zu begründen und sie als Übungshypothese in die Welt zu setzen bzw. bereits um damit weitere Vorhaben zu begründen, wie es ureigene Beobachtungen tun können. Somit dürfte bereits ex ante und aus dem Lehnstuhl heraus argumentiert Hume daneben liegen, der die Kausalität lediglich als Fehlannahme beruhend auf eigenen Beobachtungen vermutet (was aber ja, wie oben bereits ausgeführt, logisch gesehen ein untauglicher Versuch ist). Hume könnte dann recht gegeben werden, würden wir ein uns innewohnendes und kausalitätsmitbegründendes Verständnis der Dinge zugrundelegen – aber da er dies selbst in Abrede stellt, hat er Hume mit Hume aus der Stube der Philosophie gefegt.
Echte Kausalzusammenhänge beruhen nun üblicherweise auf Mechanismen, denen eine sachliche, inhaltliche, mechanische oder anderweitig unausweichliche Wiederholbarkeit und Gesetzmässigkeit innewohnt. Diese Gesetzmässigkeiten lassen sich beforschen und verstehen, Kausalitäten und Teilkausalitäten sind mitsamt einschränkenden Hinweisen sehr gut formulierbar. So gut, dass sich ganze Kulturen darauf verlassen können. Dass Korrelationsbeobachtungen nur Annahmen über Kausalzusammenhänge vermuten lassen, und dass zur Untersuchung kausaler Zusammenhänge Experimente nötig sind, dass aber auch aus komplexeren Korrelationsanalysen wie etwa den Taguchi-Arrays heute sehr wohl recht gute Teilkausalitäten mit vergleichsweise wenig Mess- oder Beobachtungsaufwand herausgeholt werden können, ist eine industrie- und existenzbegründende Realität. Der Erfolg von Sanitäranlagen und Kühlketten baut auf kausalen Zusammenhängen mikrobiologischer Fragen auf. Der Erfolg von Flugzeugen, Zügen, Autos, Fahrrädern und Pferdekutschen baut auf kausalen Zusammenhängen physikalischer Fragen auf. Die Liste der von uns heute recht gut verstandenen Kausalzusammenhänge ist nicht ohne Irrtümer oder Fehler, aber sie ist sehr lange und extrem erfolgreich.
Ob Hume aber damals ein taugliches Konstrukt erfand, das ihm (und uns) die eigentliche Ursache der Ursachenwirkungsprobleme näherbringt, wie wir sie heute betrachten, bleibt bis heute eher etwas obskur. Vielmehr ist sein Tun und Wirken aus damaliger Sicht als ein Gegenüber der Theologie, als Gegenüber von Wunderbehauptungen und Glauben zu sehen. Hier stellen seine Ansichten wehrhafte Versuche einer Kritik dar.
Hume war (und ist) als Atheist keineswegs gegen dieselben technischen Fehler in der Argumentationsführung gefeit, die er (wie andere Atheisten) Gläubigen üblicherweise vorwerfen. Nur sitzt Hume eleganterweise bereits zu Beginn seiner Kausalitätsüberlegungen exakt dem Denkfehler auf, den er anschliessend als Vorwurf anderen anhängen möchte. Zum Thema genereller (weniger auf Atheisten und Gläubige bezogen) Probleme in der Argumentation zwischen Annahmen oder Glauben und Wissen aber ist in der Zwischenzeit besseres geschrieben worden.
[Bibtex]
@article{rogers1991, jstor_articletype = {research-article}, title = {{Hume on Necessary Causal Connections}}, author = {Rogers, Katherin A.}, journal = {Philosophy}, jstor_issuetitle = {}, volume = {66}, number = {258}, jstor_formatteddate = {Oct., 1991}, pages = {pp. 517-521}, url = {http://www.jstor.org/stable/3751224}, ISSN = {00318191}, abstract = {}, language = {English}, year = {1991}, publisher = {Cambridge University Press on behalf of Royal Institute of Philosophy}, copyright = {Copyright © 1991 Royal Institute of Philosophy}, }
[Bibtex]
@InProceedings{fowler1998, author = {Fowler,Thomas B.}, title = {{The Formality of Reality: Xavier Zubiri's Critique of Hume's Analysis of Causality}}, booktitle = {Twentieth World Congress of Philosophy Boston, Massachusetts U.S.A., 10-15 August 1998}, year = {1998}, volume = {{Comparative Philosophy}}, url={http://www.bu.edu/wcp/Papers/Comp/CompFow1.htm} }