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Fin de chantier: Tessiner Wohnungspalast
Der Tessiner Architekt Martino Pedrozzi baute in Pregassona bei Lugano ein stark auf sich selbst bezogenen «palazzo d’appartamenti» mit sechs Mieteinheiten.
Pregassona liegt an einem Hang nordöstlich von Lugano — es ist ein einstmals kleines Dorf, das heute mit der Stadt verwachsen ist und 2004 eingemeindet wurde. Charmante Altbauten aus Naturstein und polygonale Gegenwartsarchitekturen stehen sich hier gegenüber. Die frühere Identität des Ortes ist in diesem stark zersiedelten und heterogenen Raum kaum mehr zu erkennen. Dieser Situation begegnete der Tessiner Architekt Martino Pedrozzi auf dem Grundstück seiner Eltern mit einem stark auf sich selbst bezogenen «palazzo d’appartamenti» mit sechs Mieteinheiten.
Die Setzung des Baukörpers geht der Topografie aus dem Weg: Er steht als markantes Volumen frei auf einer Ebene, die durch eine Abböschung entstand. Doch die Böschung steigt nah am Haus empor, und die knappe Distanz rechtfertigt es nicht, dass sich die Wohnungsgrundrisse der Obergeschosse im Erdgeschoss unverändert wiederholen. Zumal der Aussenraum zur Böschung, der dem Erdgeschoss Licht spenden sollte, mit einem Metallgitter überdeckt ist.
Über dieses Metallgitter gelangt man auf das freigespielte Zwischengeschoss. Hier treten die statischen Grundelemente des Palastes aus Ortbeton auf: Die äusseren Stützen fassen den Raum, den die aussteifenden Kerne für Aufzug und Trep- penhaus durchstossen. Die Freifläche erschliesst die Wohnungen, ist aber auch Parkplatz und Aus-senraum. Zusammen mit einer minimalen Dachterrasse soll diese Freifläche die knappen privaten Aussenräume kompensieren.
In den Geschossen arbeitete der Architekt konsequent an einem nahezu spiegelsymmetrischen Grundriss zweier Wohnungen. Der Plan ist ein geometrisches Spiel von Figur und Grund: Zwei «volle» Kammern nehmen zwei kleine Zimmer, die Erschliessungskerne und die Bäder auf. Entlang der abgerundeten Wände dieser Kammern fliessen das Wohnzimmer und die grosse Küche ineinander und bilden einen einzigen «leeren» Hauptraum. Als geometrisches Spiel wirkt der Plan zwar anmutig und rein, doch die Zimmer sind für eine passende Möblierung zu klein geraten und die Küche im Verhältnis dazu zu ausladend.
Das Spiel von Figur und Grund und die Struktur des «Wohnungspalasts» sind an der Fassade ablesbar: Sie zeigt allseitig das Betontragwerk, hinter das die Vollverglasung der Haupträume zurückspringt, während sich vor den Kammern grau verputzte Füllflächen und eigenwillig geformte Fenster mit Iroko-Holzrahmen abwechseln.
Palazzo d’Appartamenti, 2010Via Ligaino 20, Pregassona TI
> Architektur: Studio d’architettura Martino Pedrozzi, Mendrisio
> Baustatik: Riccardo Fovini, Quartino
> Bauleitung: Roberto La Rocca, Minusio
> Kosten (BKP 1–9): CHF 2,24 Mio.