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In ihrem Beitrag weisen die Autoren an einem konkreten Beispiel der Universität Bielefeld einen Zugang zum Feld der Hochschullehre aus, der es zum Ziel hat, der Komplexität des vielschichtigen Konstrukt „Hochschullehre“ gerecht zu werden. Die Komplexität ergibt sich aus der Berücksichtigung von Prozessfaktoren (Lernen als Indikator für die Wirksamkeit von Lehre) sowie Kontextfaktoren (organisationale und personale Bedingungen) und verlangt deshalb ein multiperspektivisches Forschungsdesign sowie multimethodische Analyseinstrumente.
In einer ersten theoretischen Auseinandersetzung werden vier Gegenstandsbereiche der Hochschulforschung präzisiert: Die Autoren konstatieren, dass die (1) Qualität des Lehrens und Lernens vor allem an einem normativen Verständnis „guter Lehre“ resp. von „gutem Lernen“ ausgerichtet ist und, dass das Verhältnis von (2) Lehren und Lernen nicht in einfachen Kausalzusammenhängen abgebildet werden kann. Außerdem gilt es zu berücksichtigen, dass Lehrende und Lernende auf (3) den organisationalen Kontext reagieren und Lehrende von diesem in ihrer (4) Professionalisierung abhängig sind. − Um den beschriebenen Zusammenhängen forschungstechnisch begegnen zu können, ist die Methodentriangulation sinnvoll. Diese kann zur Fokussierung von Schnittstellen in den Daten und ihrer Verzahnung dienen, und so ein Wechselspiel zwischen „empirischen Beobachtungen und (theoretischen) Erklärungen im Forschungsverlauf“ (S. 86) ermöglichen kann.
Als nächstes konkretisieren die Autoren ihre Vorstellungen zu einem multiperspektivischen und multimethodischen Forschungsdesign am Beispiel des Projekts „Fellowship für Innovationen in der Hochschullehre“: Die Vorarbeit dazu leisteten sie mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse der Projektanträge für Innovationsprojekte. Sie ist Grundlage für eine induktive Instrumentenentwicklung für die weiteren geplanten separaten Teilerhebungen zu folgenden drei Beobachtungsfokussen innovativer Lehre:
1) Lehrende: Mit einer qualitativ inhaltsanalytischen Interviewstudie war das Ziel verbunden, „Einblicke in die Motivationen, Innovationsverständnisse und Handlungsprobleme bei der Realisierung innovativer Lehre sowie ihre organisationale Einbettung“ (S. 87/88) zu erhalten.
2) Lernende: Die quantitative Befragung der Studierenden war mit dem Ziel verbunden, „Effekte innovativer Lehre auf das Lernen der Studierenden aufzuzeigen“ (S. 90).
3) Vernetzung: Unter der Vorannahme, dass Innovationsprozesse als soziale Prozesse betrachtet werden, wurde eine soziale Netzwerkanalyse vorgenommen. Ihr Ziel war die Analyse der „Bedeutung der Netzwerkbildung mit gleichgesinnten Peers innerhalb und außerhalb des eigenen Hochschulkontextes“ (S. 88). Der Fokus lag dabei auf der „Kommunikation und Beziehungsstrukturen der Lehrenden in ihrer Funktion als Innovationspromotoren/-innen“ (S. 93).
Nach diesen separaten Erhebungen und Analysen nutzten die Autoren die Erkenntnisse i.S. einer Ergebnistriangulation dazu, „um Fragen an die jeweils andere Teilstudie zu formulieren und ihnen ggf. durch Sonderanalysen noch einmal gezielt nachzugehen“ (S. 95).
Im Anschluss an dieses konkrete Forschungsbeispiel weisen die Autoren auf die Relevanz einer möglichst evidenzbasierten Steuerung pädagogischer Praxis hin: Beobachtungen des professionellen Handelns und Erkenntnisse aus dem Feld sind gerade wegen ihrer situativen Merkmale fruchtbarer als normative pädagogische Zielvorstellungen.
Zum Schluss möchte ich noch eine kurze kritische Würdigung anfügen: Die Forderung nach einer Evidenzbasierung von Lehrprofessionalisierung leuchtet mir als wissenschaftliche Mitarbeiterin des CEDAR-Teams, aber auch als Lehrende an der Universität St.Gallen ein und entspricht meinem persönlichen Forschungsverständnis Meines Erachtens tangiert diese Auseinandersetzung vor allem die Diskussion eines Transferproblems von Forschung in die Praxis; besonders im Fall „Gestaltung innovativer Lehre“. Hierzu hätte ich eine genauere Darstellung des Forschungsprojekts als hilfreich empfunden, speziell eine explizitere Ausweisung des Innovationsbegriff: Welche Art von Innovationen wurden in den Projekten angesprochen und wer hat definiert, dass diese „innovativ“ sind (Stichwort: normative Setzung).
Weiterführend hätte mich als Leserin im Kontext der klaren Abschlussforderung noch eine kritische Würdigung des beispielhaften Innovationsprojekts interessiert: Mit welchen Herausforderungen bzw. Stolpersteinen muss man bei einem solchen Forschungsdesign und dieser Art der Erkenntnisgewinnung rechnen?