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Bei Diskussionen im Klassenzimmer stellt meist die Lehrperson die Fragen – den Schülerinnen und Schülern bleibt das Beantworten der gestellten Fragen. Wie lässt sich dieses Muster durchbrechen, so dass Schülerinnen und Schüler ins Argumentieren geraten, Hypothesen aufstellen oder Prognosen wagen? Zwei Forscher stellen im "Journal of the Learning Sciences" eine fast "pfannenfertige" und wirksame Vorgehensweise dar, die für den Unterricht übernommen werden kann und deshalb hier vorgestellt werden soll.
Soviel vorweg: Ohne Argumentation und Evaluation wäre die Konstruktion verlässlichen Wissens undenkbar. Es liegt daher nahe, dass die Fähigkeit von Schülerinnen und Schülern, ihre Aussagen (etwa über Phänomene der belebten und unbelebten Natur) auf der Basis von Evidenz zu begründen, als Ziel allgemeiner Bildung betrachtet wird. "Das Argumentieren birgt ausserdem das Potential, dass Schülerinnen und Schüler von falschen Vorstellungen abrücken, weil sie beide Seiten eines Problems beleuchten und damit ihre eigenen Vorstellungen mit alternativen Erklärungen vergleichen müssen", schreiben die Lehr- und Lernforscherin Christine Chin und ihr Fachkollege Jonathan Osborne in der vorliegenden Studie.
Ausgangslage für die hier vorgestellte Studie war die Tatsache, dass Schülerinnen und Schüler laut zahlreichen Studien grosse Mühe bekunden, begründete Argumente zu liefern und in einen gemeinsamen Denkprozess einzusteigen. Die Frage, die sich Christine Chin und Jonathan Osborne stellten, war deshalb, ob Schülerinnen und Schüler zuerst üben müssen, die richtigen Fragen zu stellen, bevor sie die Kunst des Argumentierens erlernen können.
Fragen zu stellen, hat sich in anderen Zusammenhängen als äusserst wirksame Lernhilfe erwiesen: Das Leseverständnis beispielsweise nimmt stark zu, aber auch bei der Planung von Projekten hat sich eine „Frage-Gerüst“ als sehr wirksam erwiesen.
Kaum untersucht blieb jedoch bislang die Frage, inwiefern Fragen das Argumentieren fördern. Der von Christine Chin und Jonathan Osborne entwickelte Unterricht ist deshalb interessant, denn es zeigte sich in der Studie: Ein vorgegebenes Fragegerüst, kombiniert mit einem „Argumentations-Tool“ kann zu qualitativ hochstehenden Diskussionen führen.
Die Newsticker-Redaktion hat den von Chin und Osborne entwickelten Unterricht in einem PDF zusammengefasst, damit Lehrperson daraus Ideen für ihren eigenen Unterricht gewinnen können. Obwohl die Methode am Beispiel eines naturwissenschaftlichen Themas bei 12- bis 14-Jährigen getestet wurde, eignet sie sich auch für den Einsatz in anderen Fächern und Altersstufen mit den entsprechenden Anpassungen.
Die Unterrichtsform kurz vorgestellt: PDF
Quelle:
Christine Chin and Jonathan Osborne (2010): Supporting Argumentation through Students’ Questions: Case Studies in Science Classrooms. Journal of the Learning Sciences. 19:2m 230-284
26. Juni 2012
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