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Balanceakt zwischen Rendite und Risiko
Ich darf Anfang 2020 in Rente gehen und plane, das PK-Kapital zu einem Teil in Rente zu beziehen und den restlichen Teil von rund 250’000 Franken auszahlen zu lassen. Wie soll ich dieses Kapital am besten anlegen? Das Geld brauche ich sicher 10 Jahre nicht. Meine Bankgeschäfte waren bisher und sind wohl auch in Zukunft eher konservativer, sicherer Art. M.E.
Gemäss Ihren Schilderungen lassen Sie den Grossteil Ihres Pensionskassenkapitals in der Sicherheit Ihres Vorsorgeinstituts und beziehen daraus eine Rente. Das Geld, das Sie als Kapital beziehen, macht nur etwas mehr als ein Viertel des gesamten PK-Kapitals aus.
Durch die Pensionskassenrente und die AHV-Rente können Sie Ihren Lebensstandard nach der Pensionierung weitergehend finanzieren. Das gibt Ihnen für die Anlage des restlichen Gelds, das Sie als Kapital beziehen, deutlich mehr Handlungsspielraum, zumal Sie schreiben, dass Sie dieses Geld in den nächsten 10 Jahren sicher nicht brauchen, auch noch separat über Kapital aus der Säule 3a verfügen und einen Anlagehorizont von wenigstens 10 Jahren aufweisen.
Das wäre an sich eine gute Voraussetzung für eine Anlage in Aktien, die eines Anlagehorizonts von wenigstens 8 bis 10 Jahren bedürfen und deutlich höhere Renditechancen als etwa Obligationen aufweisen. Sie könnten beispielsweise Aktien mit einer hohen Dividendenrendite wie Swisscom, Nestlé, Swiss Life, Zurich oder Swiss Re erwerben und jeweils eine jährliche Dividendenrendite von rund 3 bis 5 Prozent erwarten. Das brächte Ihnen zur Rente ein schönes Zusatzeinkommen. Dieses müssten Sie allerdings ebenso wie Ihre Renten versteuern.
Der Nachteil dieser Strategie liegt im Risiko. Mit Aktien müssen Sie mit starken Kursschwankungen rechnen. Im schlimmsten Fall sitzen Sie nach 10 Jahren auf Buchverlusten. Darum sollten Sie sich vor einer Anlage fragen, wie Sie mit möglichen Buchverlusten umgehen könnten.
Etwas abfedern könnten Sie dieses reale Risiko, indem Sie Anlagefonds nutzen, die einerseits im Aktiensegment eine breite Diversifikation bieten und anderseits auch andere Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien und Rohstoffe gewichten. Je nach Ihrem persönlichen Risikoprofil könnten Sie den Aktienanteil stärker oder nur schwächer gewichten.
Nun schreiben Sie mir auch, dass Sie bisher eine konservative Strategie vorgezogen haben und damit Wert auf sichere Anlagen legen. Unter diesen Umständen frage ich mich, ob für Sie Aktien wirklich infrage kommen. Wenn Sie Wert auf sehr hohe Sicherheit legen, müssten Sie vor allem auf Frankenanleihen von sehr sicheren Schuldnern oder entsprechende Fonds mit solchen Anleihen setzen.
Das Problem dabei: Damit verdienen Sie derzeit kein Geld. Sehr sichere Anleihen der Schweizerischen Eidgenossenschaft weisen nach wie vor eine Negativrendite aus. Sie verlieren damit faktisch Geld – erst recht, wenn Sie auch noch die Gebühren berücksichtigen.
Natürlich können Sie auch Anleihen von etwas weniger guten Schuldnern oder Fremdwährungsanleihen nutzen. Doch damit fahren Sie bereits wieder ein etwas höheres Risiko.
Sie müssen sich gut überlegen, wie viel Rendite Sie auf Ihrem Vorsorgekapital erwirtschaften möchten. Vor allem aber sollten Sie sich fragen, wie viel Risiken Sie wirklich tragen können und wollen. Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, können Sie die verschiedenen Anlageklassen stärker oder schwächer gewichten.
In jedem Fall wichtig ist, dass Sie kein Klumpenrisiko eingehen, sondern eine breite Diversifikation sicherstellen und eine Strategie wählen, die auf Ihre persönlichen Bedürfnisse und Ihre Risikofähigkeit abgestimmt ist.