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Abt OCist von Waldsassen 1690–1710
Neumarkt – Amberg – Fürstenfeld
Albert Hausner wird am 4. August 1647 in Neumarkt in der Oberpfalz als Sohn des Baders Johannes Hausner und seiner Ehefrau Anna Maria geboren und auf den Namen Wolfgang getauft. Er kann das Jesuitengymnasium in Amberg besuchen und tritt mit 18 Jahren in das Zisterzienserkloster Fürstenfeld ein. Er leistet dort im Oktober 1665 Profess und nimmt den Klosternamen Albert an. Dem regierenden Abt Martin Dallmayr in Fürstenfeld ist nach dem Dreissigjährigen Krieg eine Konsolidierung der Klostergemeinschaft geglückt. Sie zählt jetzt 30 Konventualen, nämlich 29 Patres und 1 Laienbruder. Wie der Abt haben die meisten dieser Patres an den von Jesuiten geleiteten Schulen in Ingolstadt oder Dillingen studiert. Viele sind vor ihrem Eintritt in Fürstenfeld Studenten des Jesuitengymnasiums München. Fünf dieser Patres sind schon seit 1661, fünf Jahre vor der Rückgabe der aufgehobenen Oberpfälzer Klöster an die Orden, in Waldsassen und Seligenporten bei Neumarkt tätig. Die aufbauende Tätigkeit der Fürstenfelder Zisterzienser in der Oberpfalz und ihre guten Beziehungen zu den Jesuiten sind offenbar entscheidend für die Wahl des Klosters durch den jungen Hausner. Abt Martin ermöglicht ihm nach der Profess ein vierjähriges Studium der Theologie. Im Oktober 1668 verlängert er es um ein Jahr für das Studium der Philosophie und Mathematik in Ingolstadt.[1] 1674 wird er zum Priester geweiht.[2] Mehr ist über die Jahre in Fürstenfeld nicht bekannt.
Pfarrvikar in Waldsassen
1676 entsendet Abt Martin den 29-jährigen Pater Albert Hausner nach Waldsassen. Dort leitet Pater Nivard Christoph[3] als Superior die noch kleine Gemeinschaft von acht Fürstenfelder Konventualen. Von ihnen dürften Hausner und der gleichzeitig mit ihm in Fürstenfeld eingetretene Alexander Bogner[4] die einzigen in der Oberpfalz beheimateten Patres sein. Hausner nimmt in Waldsassen das Amt des Pfarrvikars wahr. Er ist auch Volksprediger in Amberg, Weiden, Neumarkt und Eger und als Pfarrvikar von Waldsassen zudem Präses der Rosenkranzbruderschaft.[5] 1681 lässt Abt Martin Dallmayr den Neubau der Klosterflügel unter der Leitung von Pater Nivard Christoph beginnen. Pater Albert Hauser ist an diesem grossen Bauvorhaben, dem sich 1685 auch die Grundsteinlegung der neuen Kirche anschliesst, offenbar nicht beteiligt. 1688 sind die Konventflügel im Rohbau fertig. 1689 stirbt der ausführende Baumeister Georg Dientzenhofer. 1690 stirbt auch Abt Martin Dallmayr nach 50 Jahren Regierung in Fürstenfeld. Als neuen Abt wählen die wahlberechtigten Mönche, zu denen auch Albert Hausner zählt, den 45-jährigen Balduin Helm. Der neue Fürstenfelder Abt kennt Waldsassen und seine aufmüpfigen Untertanen wenig und will das weit entfernte Kloster in die Unabhängigkeit führen.[6] Schon am Tag nach seiner Wahl erwirkt er eine Audienz beim Kurfürsten und begibt sich mit Pater Albert Hausner und dem Prior Casimir Cramer nach München, um für Waldsassen einen eigenen Abt wählen zu lassen. Kurfürst Max II. Emanuel erteilt die Bewilligung.
Abt in Waldsassen
Am 20. Juni 1690 wählen die Fürstenfelder Zisterzienser Albert Hausner als neuen Abt von Waldsassen. Hier zählt der Konvent inzwischen zwölf Konventualen, die alle in Fürstenfeld die Profess abgelegt haben. Nach der Wahl kehren drei nach Fürstenfeld zurück, darunter auch der 1661–1690 als Superior wirkende Nivard Christoph. Anstelle dieser Patres kommen fünf noch in Fürstenfeld verbliebene Novizen, alles gebürtige Oberpfälzer, noch 1690 nach Waldsassen. Der neue Abt kann damit mit acht Patres und fünf Fratres beginnen.[7] Seine Weihe erfolgt 1691 in der Abtei Kaisheim.
Er wird Vorsteher einer Abtei mit einer jährlichen Ertragskraft der Klosterherrschaft von durchschnittlich 18 000 Gulden. Gemäss dem durch kurfürstliche Kommissare aufstellten Inventar sind 12 000 Gulden Bargeld und eine Schuldenlast von 33 000 Gulden vorhanden.[8] Er übernimmt von seinen Vorgängern auch eine seit 1681 laufende Baustelle, bei der die drei neuen Klosterflügel schon weitgehend fertig sind. Sie bieten Platz für 50 Mönche, angesichts des noch kleinen Konvents eine sehr optimistische Zukunftsprognose. Diese wird aber schon während der Regierung von Abt Albert bestätigt. 1710 zählt der Konvent 27 Patres, acht Fratres und sechs Laienbrüder. Die meisten der Neueintretenden stammen aus der Oberpfalz oder aus dem nahen Böhmen.
Bau der Klosterkirche[9]
Für den Neubau der Klosterkirche sind 1690 im Chorbereich schon die Fundamente gemäss der Planung von Georg Dientzenhofer erstellt. Seit 1689 wird die alte Kirche zugunsten der neuen und entsprechend dem Bauverlauf von Ost nach West abgebrochen. Mit dem Amtsantritt des neuen Abtes treten beim Bau nicht nur personelle Änderungen auf, auch die Neubauplanung wird grundlegend überarbeitet. Offensichtlich ist der vorher im Zusammenhang mit dem Kirchenneubau nie erwähnte Albert Hausner nun wichtiger Mitplaner und vielleicht auch verantwortlich für die Änderung des Langhauses von einer Wandpfeilerhalle zu einer Basilika. Zusammen mit dem Baumeister Bernhard Schiesser, dem Stuckateur Giovanni Battista Carlone und dem Freskanten Johann Jakob Stevens von Steinfels baut er bis 1698 das eindrucksvolle Kirchenbauwerk mit der Doppelturmfront. Diese prägende Fassade ist ursprünglich nicht geplant und damit mit Sicherheit eine Vorgabe des Abtes. Bis zur Einweihung von 1704 ist die Stiftskirche auch mit der wichtigsten Ausstattung versehen. Obwohl Abt Albert dank seiner glücklichen Wahl der ausführenden Meister und mit seinen Planungsvorgaben der eigentliche Erbauer ist, wird er heute im Zusammenhang mit dem Neubau nur als Schuldenmacher beschrieben.[10]
Spanischer Erbfolgekrieg und juristischer Kampf um Reichsunmittelbarkeit
Im Spanischen Erbfolgekrieg kämpft der bayrische Kurfürst Max II. Emanuel[11] an der Seite der Franzosen gegen die kaiserlichen Alliierten. In den Kriegsjahren 1703 und 1704 muss das Kloster vor allem unglaublich hohe Zahlungen an kaiserliche Truppen liefern und deren Einquartierung erdulden.[12] 1704 flieht der Kurfürst ins französische Exil und verfällt 1706-1714 der Reichsacht. Kaiserliche Truppen besetzen das Land. Abt Albert hat bis zu diesem Zeitpunkt die Herrschaft Kurbayerns über die Oberpfalz und über deren Klöster bedingungslos akzeptiert. Noch 1696 lässt er in seiner neuen Stiftskirche am Jochbogen vor der Vierung ein dominierendes kurbayerisches Wappenschild anbringen und setzt das kleinere Klosterwappen bescheiden nach hinten über die Orgelempore. Erst während des für die kaiserlichen Alliierten günstigen Kriegsverlaufs ändert er unter dem Einfluss der kaiserlichen Partei und des Kaisers Joseph I. seine Meinung. Er glaubt jetzt, mit Hilfe des Wiener Hofs die alte Reichsunmittelbarkeit Waldsassens wieder zu gewinnen. 1707 und 1708 hält er sich deswegen in Wien auf und leitet den Prozess am kaiserlichen Hofgericht ein. Schnell wird er aber mit der politischen Realität konfrontiert. Joseph I., der noch 1706 dem Abt zum Prozess geraten hat, übergibt die Oberpfalz 1708 an den pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm. Diesem neuen Landesherrn, der die geplante Unabhängigkeit Waldsassens sofort bekämpft, muss Abt Albert jetzt bis zur Klärung der rechtlichen Lage die Anerkennung leisten. Unter dem Einfluss der Schönbornpartei in Mainz und Wien,[13] die noch 1710 einen sicheren Sieg der Abtei in Aussicht stellt, beschliesst Abt und Konvent eine weitere Verfolgung des Rechtweges. Erst der nachfolgende Abt erlebt das Ende des aussichtlosen und kostspieligen Kampfes, der 1714 mit der Wiedereinsetzung des bayrischen Kurfürsten in die alten Rechte endgültig und ohne Gerichtsentscheid zu Gunsten Bayerns entschieden ist. Die Kosten des Prozesses sind nicht bekannt, ebensowenig wie die Finanzlage der Abtei. Dass diese am Ende der Regierungszeit von Abt Albert nicht so desolat sein kann, wie dies gerne dargestellt wird, zeigt das devote Geschenk von 80 000 Gulden, das der nachfolgende Abt Anselm 1715 an den zurückgekehrten Kurfürsten Max II. Emanuel überreichen kann.
Tod und Begräbnis
Schon 1708 erleidet Abt Albert in Wien einen ersten Schlaganfall. Die aufreibenden Verhandlungen und die bei ihm schon bald einsetzenden Zweifel über den Sinn des Rechtsweges nagen an der Gesundheit. Am 30. Oktober 1710 stirbt er mit 63 Jahren in Waldsassen. Er wird als erster Abt in der neuen Gruft unter seiner Kirche begraben.
Der lateinische Text auf seiner Grabtafel nimmt auch Bezug auf sein persönliches Wappen.
«Non Piscis Hic Mutus, sed Eloquentia Multus et vere Magnus» (kein stummer Fisch, sondern von weitläufiger Redegewandtheit und von wahrer Grösse).
Wappen
Das persönliche Wappen von Abt Albert Hausner ist im Herzschild des Klosterwappens über der Orgelempore zu sehen. Es ist kein «sprechendes» Wappen, wie dies die meisten bürgerlichen Äbte jeweils nach ihrer Wahl kreieren. Das Wappen des Abtes scheint einer familiären Überlieferung zu entsprechen. In Siebmachers Wappenbuch der bürgerlichen Wappen 5-8 ist es für Simon Hausner (Haussner) in Ingolstadt wie folgt beschrieben: In Rot ein silberner Wellenschrägbalken, darin ein Hausenfisch (Stör). Im Herzschild über der Empore von Waldsassen ist das Rot allerdings einem Grün gewichen.
Pius Bieri 2018
|Literatur

Binhack, Franz: Geschichte des Cisterzienserstiftes Waldsassen von der Wiederherstellung des Klosters (1661) bis zum Tode des Abtes Alexander (1756) nach den Manuskripten von P. Dionysius Hueber. Regensburg und Amberg 1888.
|Klemenz, Birgitta: Das Zisterzienserkloster Fürstenfeld zur Zeit von Abt Martin Dallmayr 1640–1690. Weissenhorn 1997.|
|Mai, Paul und Hausberger Karl (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Band 38. Regensburg 2004, mit den Beiträgen:

Stephan Acht: Zur Geschichte des Klosters und der Äbte von Waldsassen.
Bettina Kraus: Der Klosterneubau von Waldsassen (1681–1704), Untersuchungen zur Baufinanzierung.
Schrott, Georg: Die Leichenpredigt für den Waldsassener Bauprälaten Albert Hausner – Einführung und Text.
|Web

Hausner, Albert, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 8.6.2018,
URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Hausner,_Albert
Anmerkungen:
[1] Immatrikuliert ist er in Ingolstadt nur 1668 für das Studium der Philosophie und Mathematik, zusammen mit dem gleichzeitig in Fürstenfeld eingetretenen Fr. Hugo Grueber. Aus den Aufzeichnungen des Abtes geht aber hervor, dass er insgesamt fünf Jahre studiert hat. Er wird als Theologus absolutus bezeichnet, muss also vier Jahre Theologie studiert haben. Wo er dieses Studium absolviert, wird nirgends vermerkt. Ein gleichzeitiges Studium mit dem späteren Abt Balduin Helm, der seine theologischen Studien 1666–1668 in Ingolstadt abschliesst, wäre eigentlich einer Notiz würdig.
[2] 1671 gemäss Brigitta Klemenz (Quelle: Pirmin Lindner in der Zisterzienser-Chronik 1905). In der Leichenpredigt 1710 wird allerdings mehrfach 36 Jahre Priestertum oder 1674 genannt.
[3] Pater Nivard Christoph (1627/28–1693) aus Bruck bei Fürstenfeld, 1647 Profess in Fürstenfeld, Studium in Dillingen und Ingolstadt, 1661-1690 Superior in Waldsassen.
[4] Pater Alexander Bogner wird in den Konventlisten als aus Bernau stammend geführt. Wahrscheinlich ist damit Bärnau südlich von Tirschenreuth gemeint. Bogner stirbt 1686 in Waldsassen. Mehr ist von ihm nicht bekannt.
[5] Die Erzbruderschaft des hl. Rosenkranzes wird 1656 von Egerer Dominikanern auch in Waldsassen eingeführt. Von den Zisterziensern und auch den Kurfürsten von Bayern gefördert, stellt die Bruderschaft einen wichtigen Grundstein der allmählich zunehmenden Akzeptanz der Zisterzienser durch die Bevölkerung dar. Albert Hauser ist auch als Abt mit der Bruderschaft verbunden, was er mit dem Bau der 15 Rosenkranzstationen von Waldsassen nach Kappl und mit dem Deckenfresken-Zyklus in der neuen Stiftskirche zeigt.
[6] Noch 1689 rebellieren die Untertanen gegen die obligatorischen Fuhrleistungen, den sogenannten Scharwerken, die nur wenig entschädigt werden und nun durch den Klosterneubau ausgelöst werden. 20 Jahre nach der Wiedererrichtung des Klosters und 65 Jahre nach der Rekatholisierung sind die Aversionen gegen die «fremde Herrschaft» noch nicht abgebaut.
[7] Die in der Literatur erwähnten Patres sind: 1. Eugen Dallmayr 54, 2. Candidus Claner 54, 3. Leonhard Haas 48, 4. Arnold Seemiller 44, 5. Robert Bernard 39, 6. Stanislaus Baldauf 37, 7. Gerard Engelbrecht 35.
Ein weiterer, der 1694 in Waldsassen verstorbene Pater Stephan Hueber ~54, 1690 Subprior in Waldsassen, wird in der Literatur als Konventuale von Fürstenfeld betrachtet, obwohl er nicht zurückkehrt.
[8] Diesen Aufstellungen ist aber nicht zu trauen, denn die kurbayrischen Klosterverantwortlichen legen angesichts des riesigen Finanzhungers ihrer Kurfürsten nie alle Karten auf den Tisch.
[10] «In Abt Hausners Amtszeit wurde die Durchsetzung von teuren Veränderungen im Bauprogramm und einer sowohl kostspieligen als auch qualitätsvollen Ausstattung der Kirche über die Vereinbarkeit mit der wirtschaftlichen Situation der Abtei gestellt. Die sichtbare Darstellung der wiedergewonnenen Position Waldsassens als Abtei stand nun stärker im Vordergrund. Sie drückt sich in der Formulierung eines anspruchsvollen Bauprogramms aus.» Beurteilung von Bettina Kraus (2004, Lit.). Dies, obwohl die Autorin zugibt, dass die Quellenlage kein abschliessendes Urteil über die Wirtschaftsführung unter Abt Hausner erlaubt.
[11] Maximilian II. Emanuel von Bayern (1662–1726), Kurfürst 1679–1706 und 1714–1726, Generalstatthalter der Spanischen Niederlande 1691–1701, in französischem Exil 1704–1715 und unter Reichsacht 1706–1714. Zu ihm siehe die Biografie von Ludwig Hüttl «Der blaue Kurfürst» (München 1976) und die Biografie des gleichen Autors in der NDB (Online-Fassung, 1990).
[12] Binhack (1888, nach Manuskripten von P. Dionysius Hueber) beschreibt das Winterquartier der Truppen des kaiserlichen Generalfeldmarschalls Limburg-Styram in Waldsassen, das dem Kloster 300 000 Gulden kostet.
[13] Der Reichsvizekanzler Friedrich Carl von Schönborn ist Vorsitzender des Reichshofrates in Wien, der aus 35 Mitglieder besteht. Sein Onkel ist Kurfürst und Fürstbischof vom Mainz und Bamberg. Sein Bruder ist Fürstbischof in Würzburg. Auch Friedrich Carl ist später Fürstbischof in Würzburg und Bamberg. Alle Schönborns sind als Fürstbischöfe vehemente Gegner jeder Unabhängigkeitsbestrebung von Abteien in ihrem Würzburger oder Bamberger Einflussgebiet. Ihre Unterstützung Waldsassens ist deshalb, wie auch diejenige des Wiener Hofs, in erster Linie ein machiavellischer Schachzug im Kampf gegen die befürchtete Vormacht Bayerns.
Das persönliche Wappen von Abt Albert Hausner ist im Herzschild des Klosterwappens über der Orgelempore zu sehen. Es ist kein «sprechendes» Wappen, wie dies die meisten bürgerlichen Äbte jeweils nach ihrer Wahl kreieren. Das Wappen des Abtes scheint einer familiären Überlieferung zu entsprechen. In Siebmachers Wappenbuch der bürgerlichen Wappen 5-8 ist es für Simon Hausner (Haussner) in Ingolstadt wie folgt beschrieben: In Rot ein silberner Wellenschrägbalken, darin ein Hausenfisch (Stör). Im Herzschild über der Empore von Waldsassen ist das Rot allerdings einem Grün gewichen. Foto: Bieri 2019.
|Albert Hausner (1647–1710), Abt OCist 1690–1710 in Waldsassen|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|4. Augsut 1647||Neumarkt i. d. Oberpfalz Bayern D||Kurfürstentum Bayern|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Zisterzienserabtei Waldsassen||1690–1710|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|30. Oktober 1710||Waldsassen||Kurfürstentum Bayern|
|Kurzbiografie|
|Albert Hausner ist 1690–1710 erster Abt Waldsassens nach der 1669 erfolgten Wiederherstellung. Er ist Erbauer der neuen Stiftskirche, die schon zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges fertig ist und 1704 eingeweiht wird. Sie ist sein wichtigstes Werk. Seine erst 1706 begonnenen Bemühungen um die erneute Reichsunmittelbarkeit der Abtei sind nicht von Erfolg gekrönt. Er lässt sich bei diesem Unterfangen etwas leichtgläubig von der kaiserlichen Siegerpartei manipulieren. Positiv ist hingegen die Bilanz seiner Arbeit im Kloster und im Stiftsland. Er ist als Seelsorger, Volksprediger und Vorsteher geschätzt. In seiner Amtszeit wächst der Konvent um 29 Mitglieder.|
|PDF (nur Text)||Bildlegende|

Das Porträt
G. B. Ferradini[1] malt um 1727/28 das Gemälde des Abtes Benedikt im Alter von 77 Jahren. Das Gemälde ist weniger künstlerisch,[2] als vielmehr dank seiner Bildaussage und Zeichensprache ausserordentlich wertvoll. Es ist eine eigentliche Leistungsschau des Lebenswerkes von Abt Benedikt.
Der Abt ist mit dem schwarz-weissen Ordenshabit bekleidet und trägt als Kopfbedeckung das Biret, das im Zisterzienserorden den Äbten vorbehalten ist. Als Zeichen der Abtswürde trägt er zudem das 1685 angeschaffte kostbare, mit Chysolythen besetzte Pektorale. In der rechten Hand hält er das Brevier. In seinem Gesicht sind die Spuren des Alters feststellbar. Er wirkt hagerer als im fünf Jahre älteren Epitaph.
Er steht in der üblichen Form eines Kniestückes an einem mit Kleingegenständen und Urkunden bedeckten Tisch. Der kleine Löwe im Vordergrund kann als Hund gedeutet werden und gibt dem seitlich hinter dem Abt hervorschauenden Reh einen Sinn, die Erzählung ist noch heute am Nordturm der Kirche ablesbar. Die Urkunden mit kaiserlichem und päpstlichem Siegel weisen auf seinen Kampf um die Reichsunmittelbarkeit hin. Der ausgestopfte Vogel könnte auf die Kunst- und Wunderkammer bei der Bibliothek hindeuten. Ein Regal mit Foliobänden, hinter dem Abt sichtbar, weist auf seine Neuorganisation des Archivs hin.
Eine geraffte Vorhangdraperie mit dem Wappen des Abtes öffnet sich zu Landschaftsdarstellungen, die ausschliesslich dem Lebenswerk des Abtes gewidmet sind. In der Öffnung links ist das Schloss Ebersberg zu sehen, das Benedikt Knittel 1698 erwirbt und nach einem Brand 1720–1724 neu aufbaut. Im rechten Landschaftsausschnitt des Gemäldes ist das neue Kloster Schöntal unter dem Kreuzberg mit dem Rundbau der Heiliggrabkapelle zu sehen.
Die lateinische Beschriftung, übersetzt von Johannes Brümmer, lautet
Anmerkungen:
[1] G. B. Ferradini ist Mitarbeiter des Freskanten Luca Antonio Colomba, der 1724–1727 in der Klosterkirche arbeitet. Seine Lebensdaten sind unbekannt. Sein Vorname wird in Schöntal als Giovanni Battista geschrieben, der Mitarbeiter Colombas in Ludwigsburg und Schöntal nennt sich aber Giacomo Bartolomeo Ferradini. Er ist bis 1753 in Württemberg nachweisbar.
[2] Vergleiche mit den gleichzeitigen Porträts von Jacob Carl Stauder, der Äbte Stephan Jung von Salem (1722) oder Abt Rupert Ness von Ottobeuren (1723) in dieser Webseite.
|Das Epitaph

Sein Epitaph, dass er schon 1722 in Auftrag gegeben hat, ist im nördlichen Seitenschiff seiner Kirche beim Gitter zum Querschiffbereich zu sehen. Das Sandsteingrabmal ist, offensichtlich bewusst, nicht barock gestaltet. Es lehnt sich stilistisch und in der Grösse an die in der Kirche vorhandenen alten Abtsepitaphe an, etwa an dasjenige des legendären ersten Abtes Herwick.[3] Nur im prunkvollen Pontifikal-Ornat, in dem sich Abt Benedikt darstellen lässt, in den sehr feinen, realistisch ausgeführten plastischen Details und in der doppelten Diagonalbetonung mit Abtsstab und Wappen unterscheidet sich das Epitaph von den einfacheren Vorbildern. Zu seinen Füssen ist das «grosse Klosterwappen» zu sehen, das erst unter Abt Benedikt in ein dreispaltiges und geteiltes Schild verwandelt wird. Er fügt zu dem vorher zweispaltigen Schild nun den Eber für Ebersberg und das fünfspeichige Rad für Aschhausen oder Berlichingen bei. Da auf dem Grabmal die Farben fehlen, könnte das Rad in Unkenntnis der Unabhängigkeitsbemühungen von Abt Benedikt und böswillig auch für Kurmainz gehalten werden.[4] Sein persönliches Wappen ist diagonal entgegengesetzt am Kopf als Gegenstück zur kräftigen Akanthus-Krümme zu sehen.

Anmerkungen:
[3] Das Memorial-Epitaph steht in der Kirchenvorhalle, zusammen mit denjenigen von Wolfram von Bebenburg, Papst Alexander III. und Kaiser Friedrich Barbarossa. Während das Bebenburger-Epitaph von 1414 stammt, werden die anderen erst 1714 in Auftrag gegeben.
[4] Berlichingen führt in Schwarz ein fünfspeichiges silbernes Rad. Aschhausen führt in Rot das gleiche Rad. Das entsprechende Schöntaler Rad ist rot und liegt in Gold. Kurmainz führt hingegen in Rot ein sechsspeiches silbernes Rad. Zum Klosterwappen und seiner Entwicklung siehe die Ausführungen im Werkbeschreib «Schöntal» in dieser Webseite.

Bildinformationen: Fotografien CC-NC-BY Pius Bieri 2018