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Thomas Müller kriegt sein Fett weg von San Marino. Bild: STEFANO RELLANDINI/REUTERS
San Marino verspottet Deutschland: «Ihr tragt immer noch weisse Socken in Sandalen»
Thomas Müller fand das WM-Qualifikationsspiel in San Marino sinnlos. Nun revanchieren sich die Gastgeber mit einem spöttischen Brief auf Facebook an dem deutschen Nationalspieler.
San Marino rechnet mit Thomas Müller ab. Alan Gasperoni, der Pressesprecher des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) des Landes, hat auf Facebook einen offenen Brief an den Nationalspieler veröffentlicht. Darin reagiert Gasperoni auf die Kritik, die der Angreifer vom FC Bayern nach dem 8:0-Sieg im WM-Qualifikationsspiel gegen den Fussball-Zwerg geäussert hatte.
«Mit professionellem Fussball hatte das nichts zu tun», hatte Müller unter anderem gesagt und ergänzt: «Bei solchen Spielen und Verhältnissen auf solch schmierigem Platz ist man einer Gefahr ausgesetzt, die vielleicht nicht nötig ist.»
Gasperoni hat nun gleich zehn Punkte gefunden, die beschreiben, warum das Spiel aus seiner Sicht durchaus nötig war. Der ganze Brief im Wortlaut:
Liebster Thomas Müller,
du hast recht. Spiele, wie das vom Freitagabend bringen wirklich nichts. Dir. Dir, lieber Thomas, bringt es ausserdem nichts, quasi ohne Bezahlung nach San Marino zu kommen an einem Wochenende, an dem du, ohne Bundesliga, mit deiner Frau auf dem Sofa in deiner Luxusvilla hättest bleiben können. Oder vielleicht hättest du an einer Veranstaltung deiner Sponsoren teilnehmen und mehrere Millionen Euro einwerben können. Ich versteh dich, aber ich verspreche dir, zehn gute Gründe zu liefern, warum ich denke, dass das Spiel San Marino – Deutschland sehr nützlich war und vielleicht denkst du noch mal drüber nach und sagst mir, wie du das siehst ...
Es lief nicht wie gewünscht für den eigentlichen Starstürmer. Bild: STEFANO RELLANDINI/REUTERS
- 1. Das Spiel war nützlich, weil es gezeigt hat, dass du nicht mal gegen so dürftige Teams wie das unsere ein Tor schiessen kannst. Und jetzt sag nicht, dass du nicht total angepisst warst, als Simoncini verhindert hat, dass du zum Torschützen wurdest.
- 2. Das Spiel war nützlich, weil es deinen Managern (lass es auch Beckenbauer und Rummenigge wissen) gezeigt hat, dass der Fussball nicht ihnen gehört, sondern all denen, die ihn lieben, ob ihr wollt oder nicht – darunter sind auch wir.
- 3. Es war nützlich, weil es Hunderten Journalisten aus ganz Europa gezeigt hat, dass es noch Jungs gibt, die ihren Träumen folgen und nicht euren Anweisungen.
- 4. Es war nützlich, weil es gezeigt hat, dass ihr Deutschen euch nie ändern werdet und dass die Geschichte euch nicht gelehrt hat, dass Überheblichkeit nicht immer die Garantie für den Erfolg ist.
- 5. Es war nützlich, weil es 200 Jungs aus San Marino, die das Spiel verfolgt haben, geholfen hat, zu verstehen, warum ihre Trainer sie immer auffordern, ihr Bestes zu geben. Möglicherweise werden eines Tages all die Opfer, die sie gebracht haben, nicht entlohnt, indem sie gegen den Weltmeister spielen.
- 6. Es war nützlich, weil es deinem Verband genutzt hat (und auch unserem), um mit den Bildrechten Geld zu verdienen, das, davon abgesehen, dass es dir die Unannehmlichkeit entlohnt, dazu genutzt werden kann, Anlagen zu bauen für die Jugend aus deinem Land, für Fussballschulen und sicherere Stadien
. Unser Verband, da verrate ich dir ein Geheimnis, wird einen neuen Fussballplatz in einem kleinen verlassenen Dorf bauen, das Acquaviva heisst. Du hättest den Platz mit sechs Monatsgehältern bauen können, wir machen das mit den Rechten an 90 Minuten Spiel. Nicht schlecht, oder?
- 7. Es war nützlich, weil es einem Land, so gross wie ein Bereich deines Stadions in München, geholfen hat, aus gutem Grund in den Nachrichten zu sein, denn ein Fussballspiel ist immer ein guter Grund.
- 8. Es hat deinem Freund Gnabry genutzt, um für die Nationalelf aufzulaufen und drei Tore zu schiessen. Jetzt kann er Werder nach einer Vertragserneuerung fragen und das Doppelte von dem verlangen, was er bis jetzt verdient hat.
- 9. Es war nützlich, weil es einigen ein wenig Traurigen aus San Marino geholfen hat, sich daran zu erinnern, dass sie eine echte Nationalmannschaft haben. Passiert sicherlich auch euch, die ihr fast perfekt seid, dass sich einer meldet, wenn ihr verliert, und anfängt zu nerven, oder?
- 10. Es hat mir gezeigt, dass ihr, auch wenn ihr die schönsten Adidas-Trikots tragt, trotzdem noch die seid, die drunter weisse Socken in Sandalen tragen.
In Liebe, dein Alan.
Bundestrainer Joachim Löw hat bereits auf den Brief reagiert und gibt Müller Rückendeckung: «Natürlich sind unsere Spieler normalerweise ganz anderes gewöhnt, erstens von der Kulisse und zweitens von Gegnern, die auf höchstem Niveau agieren», sagte Löw: «Von daher waren sie auch chancenlos und Thomas Müller hat recht, dass es nicht ein professioneller Gegner war, der grosse Gegenwehr leisten kann.» Dennoch sei die Mannschaft «schon mit dem nötigen Respekt in das Spiel gegangen». (aev)
(bearbeitet von watson)
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