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Zwei Familienbetriebe prägten und prägen das Transportwesen der Stadt Basel: Keller und Settelen. Gemeinsam oder als Konkurrenten überstanden sie mit innovativen Lösungen Krisen in unterschiedlichen Sparten. Ein summarischer Blick in die Vergangenheit.
Der Beginn der beiden Firmen könnte unterschiedlicher nicht sein. Julius Settelen (1857–1907) übernahm 1883 zuerst das Rösslitram. 1892 kaufte er gemeinsam mit seinem Bruder Ernst (1862–1928) die 1853 gegründete «Basler Droschkenanstalt» mit vielfältigem Wagenpark und 17 Standplatz-Konzessionen für 280000 Franken. Dazu schrieb Jean Keller (1866-1944) in seinen Memoiren: Bereits im Vorjahr sei dieser Betrieb seinem Vater Rudolf Keller zu diesem Preis angeboten worden. Gegenüber seinen drei Söhnen meinte der greise Vater: «… die Droschkenanstalt [sei] hinter dem Spital verlocht und die Gebäulichkeiten von geringem Wert, so dass sich der genannte Preis kaum rechtfertigen liesse». Für Settelen war dies wohl ein Glücksfall.
Schon eine Generation früher bewies die Familie Keller, dass auch ein kleiner Droschkenhalter in Basel eine Chance hatte. Rudolf Keller (1822–1900) kam 1846 mit zwei Pferden und Geschirr von Thayngen (SH) nach Basel und offerierte die Bespannung von Fuhrwerken, u. a. für die Beiwagen der Post zur Überbrückung der Eisenbahnlücke zwischen Haltingen und Basel. Als 1855 die grossherzoglichen Staatsbahnen Basel erreichten, gründete er die «Droschken & Fuhrhalterei Rudolf Keller» und erwarb mit seinem Bruder Heinrich vier Droschkenkonzessionen.
Schon bald waren Keller und Settelen nicht nur bei den Droschken Konkurrenten sondern auch in anderen Tätigkeitsfeldern. Beide unterhielten Hotelomnibusse, u. a. für das Hotel «Les Trois Rois»; beide betrieben im Auftrag des Polizeidepartementes die Lohnhof-Droschke, den Gefangenenwagen für den Transport vom Gefängnis Lohnhof zum Gericht an der Bäumleingasse; und beide waren Pioniere bei den motorisierten Basler Krankenwagen.
Droschken: Branchenleader bis zum Ende
Die beiden Droschkenanstalten besassen schon bald die Mehrheit der Standplatzkonzessionen und entwickelten sich zu den «Platzhirschen» auf dem Platz Basel. Bald nach der Einführung des Telefons (1881) liessen sie zudem Standplatztelefone einrichten, welche das Bestellwesen revolutionierten. Dazu mussten sie Standleitungen von der PTT mieten. Diese waren zwar teuer, brachten aber einen grossen Wettbewerbsvorteil. Um sich von anderen Droschkenhaltern abzugrenzen, beantragten sie zudem eine geschützte, farbliche «Auszeichnung» ihrer Fahrzeuge. 1893 wurden Settelen «blaue Wagenkasten und gelbe Speichen» und Keller «Wagenkasten und Speichen in hellblau» bewilligt.
Der Druck, der von den sich konkurrierenden Droschkenanstalten Keller und Settelen ausging, führte dazu, dass der bedeutende Droschkenhalter Karl Gerspach in Konkurs ging und Jakob Gerspach sich aus dem Droschkengeschäft zurückzog. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg verschwand der letzte «kleine» Droschkenhalter. 1914 hielten Keller und Settelen die verbliebenen 63 «Gespanndroschken»-Konzessionen. Diese Vormachtstellung verdankten sie nicht nur der schieren Grösse. Es war vielmehr ihre Strategie, die Mehrheit ihrer Standplätze in der Stadt und nicht bei den Bahnhöfen – wie ihre Konkurrenten – zu konzentrierten. Damit gelang es ihnen, einen festen Kundenstamm, v. a. auch für die rentableren Luxusfuhrwerke, aufzubauen.
Mit dem Aufkommen des Automobils nach 1900 war der Niedergang der Droschken abzusehen. Gemeinsam gelang den beiden Branchenleadern die Lancierung der «Motordroschke».
Taxis: 87 Jahre im Gleichschritt
Am 21. Oktober 1906 erkundigten sich Settelen und Keller gemeinsam schriftlich beim Polizeidepartement, ob dieses grundsätzlich bereit wäre, ihnen Konzessionen für die Aufstellung von Motordroschken zu erteilen. Bereits am 22. November 1906 sicherte der Vorsteher des Polizeidepartements den Anfragenden zu, dass sie als erste Konzessionäre berücksichtigt würden. Am 24. Juni 1908 reichten Settelen und Keller getrennte Konzessions-Gesuche für je zwei Autos mit Beginn auf den August und je einem weiteren auf den Spätsommer ein. Postwendend erhielten sie Konzessionen für Standplätze auf dem Centralbahnplatz. Am 1. August 1908 warteten die ersten vier Taxis von Basel auf Kundschaft. Im Gleichschritt und ohne sich gegenseitig gross weh zu tun, erhöhten Settelen und Keller die Konzessionen auf vorerst je acht im Jahre 1911.
Die Basler Taxi-Geschichte ist turbulent. Keller und Settelen durchlebten Hochs und Tiefs. Ihre Taxis «überlebten» beide Weltkriege. Sie waren massgeblich an der Einführung des Kleintaxis «Veyeli» (1952) und der Einrichtung der ersten Taxi-Bestell-Zentrale der Schweiz (1955) beteiligt. 87 Jahre lang prägten sie die Basler Taxi-Szene, bis sich Settelen 1995 aus diesem Geschäftszweig zurückzog.
Möbeltransport: Mit einer Genossenschaft gegen die Konkurrenz
Auch beim Möbeltransport gehörten Keller und Settelen vor rund einem Jahrhundert zu den grossen Zügelfirmen und waren in erster Linie Konkurrenten. Krisen aber meisterten sie gemeinsam.
Als in Folge der Wirtschaftskrise in den 1930er-Jahren die Baupreise einbrachen, entstanden unzählige Siedlungen und Wohnblöcke. Durch diese Angebotserweiterung verdoppelte sich die Zahl der Wohnungswechsel im Zeitraum von 1925 bis 1935. Mit dem Fortschreiten der Krise drängten zunehmend unterbeschäftigte Gewerbler und Arbeitslose, die über irgendwelche Transportmittel verfügten, mit Dumpingpreisen auf den Markt. Dies führte bei den vier Umzugsprofis der Stadt – Gerspach, F. Henschen, Keller und Settelen –, die sich zuvor knallhart bekämpft hatten, zu einem massiven Umsatzeinbruch. Sie setzten sich an einen Tisch und gründeten 1937 als gemeinsame Abwehrmassnahme die Genossenschaft «Möbeltransportverband Basel». Dieser offerierte neuen Mietern ein ausgezeichnetes Angebot: Sie erhielten 50 % Rabatt auf die Umzugsspesen, wenn sie eine der vier Umzugsprofis beauftragten. Mit einer Inseratekampagne sollte die Genossenschaft dem Basler Publikum vorgestellt werden. Die bürgerliche Presse und der «Baslerstab» verweigerten jedoch kommentarlos die Annahme der Inserate. Um gleichwohl das Publikumsinteresse zu wecken, wurde ein acht Meter langer, eisenbereifter Bahnmöbelwagen zum Werbeträger umgestaltet. Vier starke Rosse zogen diesen mindestens einmal wöchentlich einen Nachmittag lang unüberhörbar und unübersehbar durch die Stadt.
Die gemeinsame Abwehrmassnahme hatte durchaus Erfolg. 1938 stieg das Auftragsvolumen der vier Umzugsprofis wieder markant. Wann ihre Genossenschaft die Tätigkeit einstellte, ist nicht dokumentiert. Möglicherweise geschah dies in direkter Folge der Generalmobilmachung im September 1939. Im Handelsregister wurde sie erst am 27. Dezember 1950 gelöscht.
Dies ganz im Unterschied zu Keller und Settelen: In beiden Firmen gibt heute noch die Gründerfamilie den Takt an – bei Keller (seit 1998 «Keller Swiss Group») in der fünften, bei Settelen (seit 1946 «Settelen AG») in der vierten Generation.