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Solche Manöver sind nötig, damit die Sonde «BepiColombo» ihre Geschwindigkeit stark drosseln und ins Innere des Sonnensystems gelangen kann. Auf ihrer sieben Jahre dauernden und neun Milliarden Kilometer langen Reise wird sie dank solcher Brems-Manöver schrittweise auf Merkurs Bahn gelenkt. Während ihres ersten Merkur-Besuchs am frühen Samstagmorgen (01:34 Uhr MESZ) wird sie sich dem Planeten auf 200 Kilometer nähern.
Mit astronomischer Genauigkeit sei das Manöver berechnet worden, sagte Peter Wurz von der Universität Bern, der massgeblich an der Mission mitwirkt, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Aber wenn wir uns nur um wenige Kilometer verrechnen, ist die Mission mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren.» Grundsätzliche Besorgnis verspüre er aber nicht.
Ein Planet der Extreme
So flog «BepiColombo» ähnliche Brems-Manöver bereits im April vergangenen Jahres, als sich die Sonde für einen Vorbeiflug bis auf weniger als 12'700 Kilometer der Erde näherte sowie bei zwei Vorbeiflügen an der Venus im Oktober 2020 sowie August 2021. Damals näherte sich die Raumsonde dem Planeten bis auf 10'631 und 550 Kilometer.
Der Merkur ist ein Planet der Extreme: Am Tag werden mehr als 400 Grad erreicht, in der Nacht herrscht Kälte bis etwa minus 180 Grad. Diesen Bedingungen müssen die zwei Orbiter und deren Instrumente der gemeinsamen Mission der europäischen Weltraumorganisation Esa und der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa standhalten.
Um die Geheimnisse des Merkurs zu lüften, soll der «Mercury Planetary Orbiter» (MPO) der Esa die steinige und von Kratern übersäte Oberfläche und die innere Zusammensetzung von Merkur untersuchen. Der «Mercury Magnetospheric Orbiter» (MMO) der Jaxa wird die Magnetosphäre des Merkurs erforschen.
Zwei Berner Instrumente an Bord
Eines der Instrumente mit an Bord des Esa-Orbiters ist ein Massenspektrometer namens «Strofio», dessen Projektleiter der Astrophysiker Peter Wurz ist. Das Instrument soll die hauchdünne Atmosphäre des Merkur analysieren.
Ein weiteres Instrument, ein Laser-Höhenmesser namens «Bela» (BepiColombo Laser Altimeter), soll ein 3D-Abbild der Merkur-Oberfläche erstellen soll. Konzipiert und gebaut wurde das Instrument unter Leitung von Nicolas Thomas, ebenfalls tätig an der Universität Bern.
Einige Schnappschüsse möglich
Ein paar Schnappschüsse des Merkurs während des Vorbeiflugs dürfe man sich erhoffen, sagte Wurz. Und vielleicht würde auch ein Plasmaspektrometer, das den Sonnenwind erfasse, eingesetzt werden. Aber: «Die Priorität liegt ganz klar auf dem Gelingen des Brems-Manövers.»
Die Berner Instrumente müssen sich ohnehin noch gedulden: Bis die Raumsonde ihre Zielumlaufbahn erreicht, bleiben sie im Inneren von «BepiColombo» versteckt.
Die im Oktober 2018 gestartete Mission ist die erste europäische zum Merkur, dem sonnennächsten Planeten. Namensgeber ist der Italiener Giuseppe «Bepi» Colombo (1920-1984). Er hatte Grundlagen für eine Flugbahn zum Merkur berechnet.