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Oben: Feldertrag der Strafkolonie Montlingen, ca. 1918-1921.
Situationsbericht aus dem Rheintal.
Die günstige Witterung des Spätherbstes und des Vorwinters hat die letzten Herbstarbeiten bedeutend gefördert. Die letzten Ackerfrüchte, die Runkelrüben und Süssräben, konnten überall rechtzeitig, d.h. vor Beginn stärkerer Fröste, eingebracht werden. Mit Ende Oktober wurde der Weidegang fast allgemein beendigt. Nur vereinzelt sah man in der ersten Novemberwoche noch weidende Herden. Noch selten wurde der Rasen so scharf abgeätzt, wie im vergangenen Herbst.
Jetzt beschäftigen sich die Rheintaler Bauern, soweit es die Witterung und die Stallarbeiten erlauben, hauptsächlich mit der Bodenbearbeitung und mit der Oeffnung der Entwässerungsgraben. Es ist in den letzten Wochen, namentlich im obern Teil des Rheintales, ziemlich viel Wiesland umgekehrt worden. Die schwierige Beschaffung von genügend Kartoffeln für den eigenen Bedarf einerseits und die hohen Preise für das verkaufbare Quantum anderseits, bilden den besten Ansporn zur Ausdehnung der Kartoffelkultur. Ueberdüngte und deshalb stark verunkrautete Wiesen sollten noch in stärkerem Masse der Kartoffelkultur dienstbar gemacht werden; sie liefern, vorausgesetzt dass der Boden trocken genug ist, bei geringem Düngeraufwand grosse Erträge. Auffallend ist dagegen die geringe Zahl, sowie der geringe Umfang der mit Wintergetreide bestellten Aecker. Wir möchten bei den hohen Körner- und Strohpreisen dem Korn- und dem Winterroggen ein grösseres Anbaugebiet wünschen. Voraussichtlich wird im nächsten Frühjahre der Maisanbau ausgedehnt, umso mehr als sich diese Körnerfrucht, wie kein anderes Gewächs, zum Anbau im Gemisch mit Gemüsepflanzen eignet. Da alles vorrätige Gemüse schlank aufgekauft wurde, denkt man naturgemäss auch an den vermehrten Anbau der Kohl- und Rübengewächse und der Bohnen, welche die leichte Beschattung durch den Mais gut ertragen. Trotzdem wenigstens ein Teil des Heues in den frühern Lagen in tadelloser Qualität eingebracht werden konnte, sind die Klagen über geringe Milchergiebigkeit allgemein. Es fehlt hier, wie überall, an den geeigneten, eiweissreichen Kraftfuttermitteln. Dass man bei knappen Milcherträgen mit den festgesetzten Höchstpreisen nicht übermässig zufrieden ist, ist nicht erstaunlich; denn Preis und Produktionskosten stehen oft nicht im richtigen Verhältnis.
Mehr Glück hatte man mit dem Viehabsatz; nicht nur wurden für bessere Ware gute Preise bezahlt, sondern es konnten auch diejenigen Tiere, die nicht befriedigten, wohl noch selten zu so günstigen Bedingungen abgesetzt werden.
Häftlinge der Strafkolonie Montlingen beladen einen Wagen mit Garben, ca. 1918-1921:
Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, W 248/82 (St.Galler Bauer, 3. Jahrgang, Heft 49, 09.12.1916, S. 820-821) sowie ZOF 003/1.19 und ZOF 003/1.21 (Bilder)