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Im Bericht «Deadly Delivery: The Maternal Health Care Crisis in the USA» vom 12. März 2010 fordert Amnesty International von den USA Massnahmen gegen eine Krise, die täglich zwei bis drei Frauen in diesem Land das Leben kostet: Nämlich Komplikationen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt.
Insgesamt leiden in den USA jährlich 1,7 Millionen Frauen, ein Drittel aller Schwangeren, an Schwangerschaftskomplikationen. Im Bericht zeigt Amnesty International auf, dass die Zahl von Schwangerschaftskomplikationen, die tödlich enden können, rasant ansteigt – seit 1998 ist sie um 25 Prozent gestiegen.
Das Phänomen betrifft vor allem Frauen, die Minderheiten angehören; Frauen, die in Armut leben; indigene Frauen sowie Migrantinnen und andere, die schlecht oder gar nicht englisch sprechen.
«Der offenkundig wenig methodische Umgang der USA mit Fragen der Müttergesundheit ist umso skandalöser und unwürdiger, als die USA punkto medizinischem Fortschritt eine hervorragender Leistungsbilanz ausweisen», stellt Larry Cox, der Direktor der US-amerikanischen Amnesty-Sektion, fest. «Müttergesundheit, die diesen Namen verdient, darf aber nicht als Luxusprogramm betrachtet werden, das denen vorbehalten bleibt, die zu den besten Kliniken und den qualifiziertesten Ärztinnen und Ärzten Zugang haben. Im reichsten Land der Welt sollten Frauen nicht an Komplikationen und Notfällen sterben, die vermeidbar wären.»
Steigende Tendenz
Punkto Risiko der Frauen, im Laufe des Lebens an Komplikationen im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Mutterschaft und Niederkunft zu sterben, figurieren die USA heute weltweit an 41. Stelle, hinter fast allen Industrieländern. Es ist der Regierung nicht gelungen, die seit 20 Jahren steigende Tendenz umzukehren, obwohl sie sich dazu wiederholt verpflichtet hat.
«Wenn die Mütter in diesem Land sterben, dann nicht weil die USA unfähig wären, angemessene Gesundheitsdienstleistungen zur Verfügung zu stellen, sondern weil es am politischen Willen fehlt, allen Frauen Zugang zu diesen Leistungen zu verschaffen», erläutert Larry Cox.
Gesundheitsreform genügt nicht
Die Analyse von Amnesty International zeigt ferner auf, dass die aktuelle Gesundheitsreform der Müttergesundheitskrise nicht Rechnung trägt.
«Die Reform bezieht sich in erster Linie auf die Deckung der Krankheitskosten und die Kostenreduktion im Gesundheitswesen. Selbst die optimistischsten Voraussagen gehen davon aus, dass auch nach der aktuellen Reform Millionen von Menschen vom Zugang zu erschwinglichen Gesundheitsdienstleistungen ausgeschlossen sein werden», sagte Rachel Ward, eine der Autorinnen des Berichts.
«Die Reform geht ausserdem weder die Diskriminierung an, die Amnesty in ihrem Bericht thematisiert, noch die Systemfehler, noch die fehlende Verpflichtung der Regierung, Rechenschaft abzulegen.»
Angesichts der zahlreichen Systemfehler, die der Bericht kritisiert, ist rasches und umfassendes Handeln auf nationaler Ebene angesagt:
- Obwohl die USA das weltweit höchste Gesundheitsbudget haben und jährlich nicht weniger als 62 Milliarden Euro in Spitalkosten für Schwangerschaftsversorgung und Geburt fliessen, mehr als in alle anderen Arten von Spitalpflege, ist der Weg zur allgemeinen Gesundheitsversorgung allenthalben mit Hindernisse gepflastert.
- Mehr als 13 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 44 Jahre), das ist eine von fünf Frauen, haben keinerlei Krankenversicherung. Etwas weniger als ein Drittel aller Frauen in den USA (32 Prozenten) gehören Minderheiten an, ihr Anteil an den nicht versicherten Frauen ist aber mehr als die Hälfte (51 Prozent).
- Eine von vier US-Amerikanerinnen erhält keine angemessene vorgeburtliche Pflege ab dem ersten Drittel der Schwangerschaft. Bei Afro-Amerikanerinnen und indigenen Frauen erhöht sich dieser Anteil auf eine von drei Frauen.
- Die komplizierten Verwaltungsverfahren, die erforderlich sind, um in den Genuss von Medicaid zu kommen – einem Programm, das einkommensschwachen Menschen zu einer Krankenkasse verhelfen soll – verzögern den Zugang zu vorgeburtlicher Pflege für Schwangere, die von staatlichen Leistungen profitieren möchten, ganz erheblich.
- Der Mangel an qualifiziertem Gesundheitspersonal verhindert eine rasche medizinische Versorgung, namentlich auf dem Land und in benachteiligten Stadtteilen. Im Jahr 2008 lebten 64 Millionen Menschen in Gebieten ohne hinreichende Basisgesundheitsversorgung (wozu auch die Versorgung von Schwangeren gehört).
- Viele Frauen können nicht mitentscheiden, wenn es um ihre eigene Gesundheit geht oder um die Risiken einer künstlich ausgelösten Geburt oder eines Kaiserschnitts. In den USA werden rund ein Drittel der Geburten per Kaiserschnitt durchgeführt – zweimal mehr als die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt.
- Die Zahl der Todesfälle aufgrund von Schwangerschaftskomplikationen und Mutterschaft wird weit unterschätzt, da die USA über keine taugliches Datenerhebungsprogramm dazu verfügen.
Amnesty International fordert zudem die amerikanischen Behörden auf, die bestehenden nationalen Antidiskriminierungsgesetze rigoros in die Tat umzusetzen und auf Bundesebene die Finanzierung von qualifizierten Pflegezentren bis ins Jahr 2011 verstärken, damit mehr Frauen von erschwinglichen Gesundheitsdienstleistungen profitieren können.
Der Bericht zu Müttersterblichkeit in den USA ist Teil der weltweiten Kampagne «Für ein Leben in Würde» von Amnesty International. Ziel dieser Kampagne ist es, Menschenrechtsverletzungen zu stoppen, die die Menschen in die Armut treiben und darin festhalten.
Der vollständige Bericht «Deadly Delivery: The Maternal Health Care Crisis in the USA» ist online verfügbar unter: www.amnestyusa.org.