Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03162.jsonl.gz/444

Fünf Erstpaar-Verteidiger sind einer zu viel
Das erste Kapitel im Jahr 2016 war einer der heute rar geworden eins-zu-eins Trades. Kurz vor Ablauf der Trade Deadline im Januar 2006 gaben die Predators Verteidigerhoffnung Seth Jones ab und erhielten dafür den Nummer 1 Center der Columbus Blue Jackets, Ryan Johansen. Als ehemaliger vierter Pick im Draft wurde auch Jones das Potential als 'Franchise-Verteidiger' attestiert, doch blieb seine Entwicklung bis dahin leicht hinter den Erwartungen zurück. Und da die Predators neben Josi und Jones mit Captain Shea Weber, Mathias Ekholm und Ryan Ellis noch über drei weitere legitime Erstpaarverteidiger verfügten, war Jones angesichts der Stärke der Predators auf dieser Position als Drittpaar-Verteidiger schon fast eine Verschwendung. Dies nicht zuletzt angesichts der Schwäche des Teams auf der Center-Position, welche durch Johansen verstärkt wurde. Wohl war dieser Trade überraschend, aber keineswegs so schockierend wie derjenige der im Juni 2016 nach Saisonende folgen sollte.
Weber-für-Subban Blockbuster
Dann nämlich, also ziemlich genau vor drei Jahren erschütterten die Predators die Eishockeywelt mit dem Wegtausch ihres 30-jährigen Captains und mehrfachen Allstars Shea Weber und erhielten dafür den 27-jährigen P.K. Subban, seines Zeichens ebenfalls dreifacher Allstar, Gewinner der Norris Trophy (für den besten Verteidiger) im Jahr 2013 und Gesicht der altehrwürdigen Franchise der Montreal Canadiens. Überraschend war nicht nur der Trade an und für sich, sondern vielmehr dass die Preds nicht einen weiteren Center akquirierten. Diese Position war, ist und blieb (bis zur Verpflichtung von Matt Duchene diesen Sommer) die Schwachstelle der Mannschaft. Denn nun verfügten die Predators weiterhin über vier legitime Erstpaarverteidiger, nämlich Josi, Subban, Ekholm und Ellis, allesamt zwischen fünf- und siebenundzwanzig Jahre alt und damit in ihrer Blütezeit. Der Hauptgründe für diesen Trade waren dreierlei: erstens entspricht Subban besser dem Typ des modernen, mobilen (Offensiv-) Verteidigers, zweitens ist er drei Jahre jünger als Weber und drittens war die verbleibende Vertragslaufzeit im Falle von Subban vier Jahre kürzer als bei Weber dessen Vertrag bis zu dessen 41. Lebensjahr läuft (und in den nächsten Jahren für die Canadiens ziemlich sicher zu einer Bürde werden wird). Mit dem Wegtausch von Weber war der Weg geebnet für dessen vormaligen Verteidigungspartner Josi welcher prompt im Jahr darauf zum Captain gemacht wurde. Notabene als erst zweiter Schweizer in der NHL überhaupt nach Mark Streit.
Subban muss Platz machen...
Genau drei Jahre später wird dann das nächste Kapitel geschrieben. Die Predators tauschten nämlich P.K. Subban, nur drei Jahre nach dessen Akquisition, an die New Jersey Devils und erhielten dafür den Drittlinienverteidiger Steve Santini, Prospect Jeremy Davies sowie zwei Zweitrundendraftpicks. Wohl ist diese Ausbeute eher mager, aber die Motivation hinter dem Wegtausch von Subban ist primär in dem Loswerden von Salär (Salary Dump) zu sehen, läuft doch Subbans Vertrag noch weiter bis 2020 zu einem jährlichen Salär von $9 Millionen, womit Subban letztes Jahr der bestbezahlte Pred (und drittteuerste Verteidiger überhaupt) war. Ausserdem fiel Subban's Leistung im Vergleich zu den Vorjahren deutlich ab und er kämpfte mit Verletzungsproblemen. Dazu kam, dass mit Dante Fabbro, dem 17. Pick im 2016 Draft, ein weiterer sehr talentierter Verteidiger nächste Saison zurecht auf mehr Eiszeit hofft. Subban's stolzes Salär ist insbesondere im Vergleich zu Roman Josis Siebenjahresvertrag bemerkenswert, welcher Ende der nächsten Saison ausläuft. Mit einem jährlichen Salär von nur $4 Millionen war dies einer besten Verträge überhaupt aus Klubsicht; über die Vertragslaufzeit sparten die Predators gut und gerne $20 Millionen. Die Erwartung ist, dass die Predators den freigewordenen Platz von $13m (nach dem die Salärobergrenze weniger stark als erwartet auf $81.5m erhöht worden ist) primär in zwei Spieler reinvestieren werden: in die Verpflichtung von Erstliniencenter Matt Duchene welcher vor ein paar Wochen einen Vertrag über 7 Jahre und insgesamt $56m unterzeichnet hat sowie in die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Captain Roman Josi.
..für Josis neuen Vertrag
Damit wären wir beim vierten und wahrscheinlich letzten Kapitel dieser Geschichte, welches wohl in den nächsten Wochen geschrieben werden wird. Der vor ein paar Wochen unterzeichnete Vertrag von Erik Karlsson bei den San Jose Sharks ist dafür die perfekte Referenz. Der mit 29 Jahren fast genau gleich alte Verteidiger wie Roman Josi hat den momentan bestdotierten Vertrag aller NHL-Verteidiger, unterschrieben nach Ende der abgelaufenen Saison. Mit einer Laufzeit von 8 Jahren und einem Salär von $11.5m verdient der Schwede bis 2028 insgesamt $92m, oder insgesamt rund $4m als sein Vorgänger als bestbezahlter Verteidiger, Drew Doughty. Darauf folgt ebenerwähnter P.K. Subban mit einem jährlichen Gehalt von $9m gefolgt von Oliver Ekman-Larsson mit $8.25m sowie John Carlson und Brent Burns mit je $8m.
Als Captain in der Blütezeit seiner Karriere und mit statistischen Top-10 Verteidiger Eckwerten über die letzten Handvoll Saisons dürfte Josi bald auch wie ein solcher bezahlt werden. Ich wage jedoch zu bezweifeln dass er so massiv einkassieren wird wie Karlsson. Dafür sprechen würde dass Josi in den letzten Saisons ähnlich gut gespielt hat wie der Schwede und auch weniger oft verletzt war bzw. nicht wie Karlsson mit (chronischen) Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte. Dagegen sprechen würde Karlssons besseres Renommée als sechsfacher Allstar und zweifacher Norris Trophy-Gewinner sowie meine Erwartung dass Roman Josi einen gernigen 'Hometown Discount' akzeptieren würde. Entsprechend denke ich dass Josi in den nächsten Wochen einen 8-Jahres Vertrag über insgesamt $70m unterschreiben wird, entsprechend einem jährlichen Vertragswert von $8.75m. Wohl könnte Josi auf dem freien Markt noch ein bisschen mehr verdienen, aber ein solcher Vertrag würde es der Mannschaft eher erlauben weiter kompetitiv zu bleiben - im Gegensatz etwa zu den Sharks (obwohl es ihnen gelang Timo Meier für 'nur' $6m pro Jahr über die nächsten vier Saisons an sich zu binden) oder den Kings für welche die Verträge mit Karlsson bzw. Doughty längerfristig zu einer Hypothek werden dürften. Die Flitterwochen dürfte Roman Josi so oder so geniessen nach seiner Hochzeit anfang letzter Woche.