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Als die Berner Gas gaben
Die Berner sind für ihre Gemütlichkeit bekannt, nicht für ihr Tempo. In Sachen Gasnutzung waren sie jedoch die Schnellsten im Land. Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sie schweizweit neue Standards.
Am Anfang der Berner Gasgeschichte steht die Stadtbeleuchtung von Bern. Die öffentliche Beleuchtung der Gassen und Strassen wurde erstmals Mitte des 18. Jahrhunderts ein Thema. Vorerst geschah dies auf freiwilliger Basis und mittels Öllampen. Obwohl in dieser Zeit immer mehr Städte im Ausland bereits auf die hellere und stabilere Gasbeleuchtung wechselten, blieb es in Bern und in der ganzen Schweiz vorderhand beim schummrigen Licht von Öllampen in den Strassen. Grund dafür waren in erster Linie die hohen Initial- und Betriebskosten für den Wechsel auf Gas. Die Polizei der Stadt Bern machte sich aber für die Beleuchtung mittels Gaslampen stark und versuchte, den Gemeinderat von seiner negativen Haltung abzubringen. Schliesslich kam 1841 ein Kompromiss zustande. Eine private Gasgesellschaft schloss mit der Stadt einen Vertrag ab und hatte das Recht, die Berner Strassen während 20 Jahren mit Gaslaternen zu beleuchten.
Im Marzili-Quartier wurde noch im gleichen Jahr mit dem Bau einer Gasfabrik begonnen. Dort wurde aus einheimischer, nach Anschluss Berns ans Eisenbahnnetz in den 1860er-Jahren auch mit importierter Kohle Gas produziert. Gleichzeitig mussten die entsprechenden Leitungen verlegt werden. Das störte viele Bernerinnen und Berner, es kam zu einer Flut von Beschwerden. Hauptkritikpunkt: Der Verkehr werde gestört. Und das, obwohl die Arbeiter der Gasgesellschaft strenge Auflagen einzuhalten hatten. Innerhalb von fünf Tagen musste gegraben, die Leitungen verlegt und die Baustelle wieder geschlossen werden. Trotz aller Widerstände kam am 25. April 1843 zur leuchtenden Premiere. Das «Intelligenzblatt für die Stadt Bern» schrieb zwei Tage später euphorisch: «Die Laternen in den Arkaden der Kramgasse und der Marktgasse brannten zum erstenmal, und liessen durch die Helligkeit ihres Lichts gegen dasjenige der neben ihnen brennenden düstern Öllampen am besten die Vortheile dieser neuen Beleuchtungsart der auf- und abströmenden neugierigen Menschenmassen erkennen.»
Plötzlich musste man auch nachts grüssen
Das helle Licht wurde bald auch in privaten Häusern installiert. Die Abonnenten bezahlte die Dauer der Beleuchtung. Wer beispielsweise vom Anbrechen der Dunkelheit bis 21 Uhr Gaslicht bezog, musste 1844 rund 52 Franken pro Jahr bezahlen. Das entspricht heute etwa einer Summe von 450 Franken. Vor allem Restaurants und Geschäfte profitierten von dieser Entwicklung. Es gab aber nach wie vor einige Gegner des Gaslichts. Plötzlich musste man sich in Berns Lauben auch nachts grüssen, was nicht alle Zeitgenossen schätzten. Bis zu seiner vollständigen Ablösung durch die elektrische Stadtbeleuchtung 1926 erstrahlten Berns Gassen und Lauben im hellen Schein des Gaslichts und läuteten damit ein neues Beleuchtungszeitalter ein. Nach Bern gründeten weitere Schweizer Städte Gaswerke und konnten dabei von den Erfahrungen der Berner profitieren. Für einmal hatten die gemächlichen Berner Vollgas gegeben und waren der ganzen Schweiz voraus.
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