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Ein klares therapeutisches Konzept f? die h?figsten Hauterkrankungen. Mit praktischen Tabellen zu Differenzialdiagnose und Therapie.
20 Skabies (S. 121-122)
O. Brandt, D. Abeck
Epidemiologie
Die Skabies (Synonym: Krätze) ist eine weltweit auftretende Infektionskrankheit, deren Vorkommen auch in Deutschland seit mehreren Jahren wieder häufiger beobachtet wird. Geschlecht, Alter, Rassenzugehærigkeit und sozioökonomischer Status sind dabei bedeutungslos. Die Übertragung der Milben erfolgt meist durch engen Körperkontakt. Deshalb besteht für Kinder, und hier insbesondere Kleinkinder, ein höheres Infektionsrisiko als für Erwachsene und für Mütter von Säuglingen ein hæheres Risiko als für deren Väter. Auch für Personen, die unter sehr beengten räumlichen Verhältnissen leben und für Patienten, deren Immunsystem gestært ist, besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr.
Pathogenese
Die durch eine Milbeninfektion verursachten Hautveränderungen wie auch der Juckreiz sind Ausdruck einer allergischen Reaktion (Typ IV nach Coombs und Gell) des Wirtes auf in Speichel und Kot enthaltene Milbenantigene. Diese tritt erst nach erfolgter Sensibilisierung des Wirtes auf, was in der Regel 2-6 Wochen dauert. Bei einer Zweitinfektion kommt es dann bereits wenige Stunden nach der Exposition zur Manifestation des quälenden Juckreizes. Eine Übertragung der Milben auf andere Personen ist aber bereits vor Entwicklung der Hautveränderungen bzw. vor Auftreten des Juckreizes möglich.
Erreger
Verursacher der Skabies-Krankheit ist die Skabiesmilbe Sarcoptes scabiei variatio hominis, die der Ordnung Acari, Unterordnung Acaridida angehört. Die ausgewachsene weibliche Milbe hat einen halbkugeligen Körperbau von 0,3 bis 0,4 mm Länge und ist mit dem bloßen Auge gerade noch zu erkennen. Das männliche Tier ist nur etwa halb so groß. Wie alle Spinnentiere besitzen auch Milben vier Beinpaare, mit der Besonderheit, daß die beiden hinteren je ein langes Haar aufweisen.
Nach der Begattung stirbt die männliche Milbe, während das Weibchen sich an der Kærperoberfläche des Wirtes eine geeignete Stelle sucht, an der es sich mit Hilfe seiner kräftigen Mandibel in die Hornschicht eingräbt. In den unteren Schichten des Stratum corneum dringt sie täglich um etwa 0,5 bis 5 mm vorwärts. In den so entstandenen Gang legt die Milbe zwei bis drei Eier pro Tag ab. Drei bis sieben Tage später schlüpfen die sechsbeinigen Larven und entwickeln sich über ein Nymphenstadium zu geschlechtsreifen, achtbeinigen Männchen bzw. Weibchen. Weibliche Milben können bis zu zwei Monate alt werden.
Durchschnittlich 10-15 Milben lassen sich bei einer infizierten Person nachweisen, wobei bei Säuglingen, immunsupprimierten Patienten und bei der sog. Scabies norwegica deutlich höhere Milbenzahlen vorkommen. Ein Befall des Menschen mit Tiermilben (meist von Hunden stammend) ist zwar möglich, aufgrund der hohen Wirtsspezifität ist deren Vermehrung auf der menschlichen Haut jedoch ausgeschlossen. Infektionen mit wirtsfremden Milbenarten stellen somit selbstlimitierende Erkrankungen dar.