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Evolener
Herde Evolener Rinder
Evolener Rind mit dem arttypischen Stirnflecken
Evolener Rind: Verbreitung
Evolener
Quelle:
- Albert Jerjen und Moritz Schwery: Eringer Rind. In: Traditionelle Nutztiere und Kulturpflanzen im Oberwallis. NGO, Rotten Verlag, Visp, 2001
Ursprung und Geschichte
Das Evolener Rind ist eine alte und widerstandsfähige Gebirgsrasse aus dem Wallis, die gemäss Untersuchungen des Tierarztes und Zoologen Prof. Dr. Hans Heinrich Sambraus von der Universität München schon die Römer in der Gegend von Evolene angesiedelt haben sollen (Sambraus, 1996). In einem Bericht des Walliser Staatsrates vom Jahre 1859 wird die Evolener Rasse erstmals explizit erwähnt. Debatten über Kühe im Wallis waren zu dieser Zeit heftig und emotionsgeladen. Die zahlreichen Informationen über den Ursprung der Rasse widersprechen sich daher ziemlich oft.
Die Evolener Rasse wurde vor 1885 noch mit der Eringer Rasse gleichgestellt. Die Evolenerzüchter konnten sich aber mit dem 1885 festgelegten Rassenstandard für die Eringer Tiere und der damit eingeleiteten Selektion auf Einfarbigkeit nicht einverstanden erklären. So trennten sich die Wege der beiden Rassen und die Evolener verkamen immer mehr zu einer Randerscheinung, denn sie genossen keinerlei Zuchtförderung. Wenn heute diese Kuhrasse nicht vollständig aus den Walliser Alpen verschwunden ist, so ist dies einigen Züchtern zu verdanken, die, besorgt über den drohenden Verlust einer alten Walliser Rasse, hartnäckig an ihren Tieren festhielten und sich nicht zur Umstellung zwingen liessen.
VS, 23. 2. 12
Rassenbestand
Typ und Fundament
Der Körper der Tiere der Evolener Rasse sollte harmonisch gebaut sein, mit einer gut entwickelten Brustpartie, einer guten Flankentiefe und einer mittleren bis guten Bemuskelung, insbesondere des Halses, der Schulter, des Rückens und des Stotzens. Der Kopf ist kurz und behornt, die Stirn breit und stark. Die Evolener Tiere sind rot, schwarz oder kastanienbraun mit weissen unregelmässigen Abzeichen auf Stirn, Fesseln und Sprunggelenken und einem weissen Bauch. Einzelne weisse Flecken in der Becken- oder Schultergegend sind erwünscht (Pro Specie Rara, 1999).
Stiere mit einer Widerristhöhe von weniger als 115 cm oder mehr als 134 cm und Kühe mit einer Widerristhöhe von weniger als 105 cm oder mehr als 130 cm werden nicht ins Herde-buch aufgenommen.
Die Gliedmassen sind feingliedrig, aber trotzdem widerstandsfähig und kräftig, die Sprunggelenke trocken und die Klauen sehr hart. Der Gang ist lebhaft und sehr trittsicher.
Sonstiges
Das Euter ist sehr gut aufgehängt, ausgeglichen, drüsig und von mittlerer Grösse. Die Zitzen sind regelmässig verteilt und von mittlerer Länge und Dicke.
Standard für Widerristhöhe und Lebendgewicht der Evolener Rasse (Pro Specie Rara)

Stiere

Kühe
|Widerristhöhe||120-130 cm||115-125 cm|
|Lebendgewicht||500-700 kg||400-500 kg|
Zuchtziel
Oberstes Ziel ist die Erhaltung der Evolener Rasse in ihrem ursprünglichen Gebiet, dem Wallis. Dieses Ziel soll mit einer traditionellen Haltung in kleinen Beständen erreicht werden. Den Sommer sollen die Tiere wenn möglich auf einer Alp verbringen.
Ein besonderes Augenmerk wird neben dem Rassenstandard auf die Reinzucht gerichtet. Deshalb kommen Kreuzungen mit anderen Rassen nicht in Frage. Diese würden zwar eine Verbesserung der Produktivität der Rasse zur Folge haben, aber gleichzeitig dem primären Ziel der Rassenerhaltung entgegenwirken. Die genetische Breite soll durch den Einsatz möglichst vieler Stiere gehalten oder verbessert werden.
Das Evolener Rind ist ein robustes, alptüchtiges, milchbetontes, kleinrahmiges Zweinutzungstier mit einem feinen, aber kräftigen Körperbau und einer im Verhältnis zur Körpergrösse guten Milchleistung. Insbesondere werden folgende Qualitäten angestrebt: Widerstandskraft, Geländegängigkeit, Alptüchtigkeit, Gesundheit, frei von Erbfehlern, Langlebigkeit, gute Milchleistung (2500-3500 kg) mit guter Melkbarkeit, mittlere Fleischleistung mit guter Schlachtausbeute und leichte Geburten (Pro Specie Rara, 1999).
VS, 23. 2. 12
Verbreitung und Haltung
Seit Anfang der neunziger Jahre – kurz vor dem drohenden Aussterben – nimmt die Anzahl Tiere der Evolener Rasse wieder leicht zu. Diese Zunahme an reinrassigen Tieren ist vor allem im Oberwallis zu beobachten. Zudem zeigen auch vermehrt Züchter ausserhalb des Wallis Interesse an der Evolener Rasse. Über die genaue Anzahl Tiere gibt es keine offiziellen Angaben. Schätzungsweise dürfte es sich um knapp 200 Tiere handeln, wovon ca. 150 auf knapp 40 Betrieben im Wallis gehalten werden.
Reine Evolenerbestände sind selten anzutreffen. Die meisten Evolener Kühe und Rinder findet man als Einzeltiere oder in kleinen Gruppen in Ställen von Braunvieh-, Fleckvieh- oder Eringerzüchtern.
VS, 23. 2. 12
Zukunftsaussichten
Evolenerviehzuchtgenossenschaft
Am 5. Februar 1995 schlossen sich die Züchter aus dem Oberwallis mit der Unterstützung der Stiftung Pro Specie Rara und der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich zur Evolenerviehzuchtgenossenschaft EVZ zusammen und begannen mit der Führung eines Herdebuches für die Evolener Rasse. 1997 wurde die Genossenschaft im Züchterverband für gefährdete Nutztierrassen Pro Specie Rara aufgenommen. Dieser Zuchtverband, welcher neben den Evolenern auch das rätische Grauvieh sowie diverse Kleinviehrassen betreut, wurde am 22. Juni 1998 vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) als offizielle Zuchtorganisation anerkannt. Die Evolener kommen somit in den Genuss der Zuchtförderungsmassnahmen des Bundes und der Kantone.
Heute zählt die Genossenschaft 37 aktive und 8 passive Mitglieder. Der Herdebuchbestand liegt bei 130 weiblichen und 13 männlichen Zuchttieren. 5 Zuchtstiere werden im Natursprung und 8 über die künstliche Besamung eingesetzt.
Aussichten
Die Evolenerzüchter sind auf dem besten Weg, ein Stück Walliser Kulturgut, welches vom Aussterben bedroht war, zu erhalten. Aufgrund des sehr kleinen Bestandes verfügt die Rasse aber nur über eine schmale Zuchtbasis, was die Zuchtarbeit vor gewisse Probleme stellt. Daher wird in nächster Zukunft in erster Linie der Erhalt der Rasse im Vordergrund stehen und das Erzielen eines Zuchtfortschrittes durch geeignete Selektionsmethoden nur bedingt möglich sein.
Die Evolener als genügsame und für das Berggebiet bestens geeignete Rasse verdienen auch weiterhin einen Platz unter den zahlreichen Rindviehrassen in unserem Land, auch wenn sie bezüglich Fleisch- und Milchleistung nicht zu den Hochleistungstieren zählen. Zu viele Nutztierrassen gingen in den letzten Jahrzehnten verloren. Daher verdienen die Züchter dieser im Wallis verwurzelten Rasse die nötige Unterstützung, um kommende Hürden und Schwierigkeiten meistern zu können.
Film: Evolenerinnen suchen Bauer