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US-Präsident Trump hat signalisiert, er sei kurz vor einer Entscheidung über den kommenden Vorsitz der Fed. Auf seiner Liste finden sich fünf Kandidaten. Luke Bartholomew, Investment Stratege bei Aberdeen, kommentiert die Optionen.
20.10.2017, 15:43 Uhr
Redaktion: sif
Eine Option ist die erneute Berufung von Amtsinhaberin Janet Yellen. Dies würde wohl eine Fortführung der aktuellen geldpolitischen Haltung bedeuten mit einem graduellen, flachen Anhebungszyklus sowie dem Zurückfahren der Bilanz in Einklang mit den bereits publizierten Plänen der Fed. Die Wiederernennung der amtierenden Spitze der Notenbank hat sich als gängige Praxis etabliert. US-Präsident Trump hat darauf hingewiesen, dass er dafür offen sei, Yellen im Amt zu belassen. Er ist aber auch unberechenbar. Und Yellen hat die Reformen nach der Finanzkrise, welche Trump wieder aufheben will, vehement verteidigt. In solchem Widerspruch zum Präsidenten zu stehen, könnte ihre Chancen mindern, meint Luke Bartholomew, Investment Stratege bei Aberdeen Standard Investments.
Die anderen vier Optionen: Gary Cohn, Kevin Warsh, Jerome Powell und John Taylor Gary Cohn ist als Kandidat zuletzt etwas in Ungnade gefallen. Dem Investmentbanker und Direktor des amerikanischen National Economic Council fehlt die formelle ökonomische Ausbildung, aber er würde eine hervorragende finanzielle Expertise mitbringen. Seine Chancen scheinen aber geschwunden zu sein, nachdem er Trumps Reaktion auf die Charlottesville-Proteste kritisiert hat.
Kevin Warsh ist ein ehemalige Fed Gouverneur und nicht unwesentlich der Schwiegersohn eines guten Freunds des US-Präsidenten. Warsh hat sich eine Reputation als Falke erarbeitet und befürwortet eine dramatische Schrumpfung der derzeitigen Notenbankbilanz. Kürzlich gab es signifikanten Wiederstand einiger Ökonomen gegen seine vorgeschlagene Kandidatur. Sie werfen ihm vor, seine Ansichten zum Quantitative Easing, zur Geldpolitik und dem Zustand der nationalen Wirtschaftslage seien weitgehend falsch.
Jerome Powell ist ebenfalls ein ehemaliger Gouverneur der Fed mit dem Ruf, ein Anhänger der politischen Mitte zu sein, und einem etwas stärkeren Fokus auf der Deregulierung der Finanzmärkte.
John Taylor ist ein namhafter Volkswirt. Er ist für die sogenannte Taylor-Regel bekannt, die den Zentralbanken weltweit dabei hilft, ihre Politik festzulegen. Dennoch erscheint er sehr seinen eigenen Regeln verpflichtet und dürfte nicht über die für den Vorsitz der Fed notwendige Flexibilität des Denkens und Handelns verfügen.
Lediglich eine Fortsetzung des Status quo Es gibt vielleicht Gründe, die für einen neuen Kandidaten sprechen, der einen Wechsel in der Führung einleiten könnte, um die Wirtschaft in Erwartung höheren Wachstums und steigender Inflation zu schocken. Aber alle genannten Kandidaten würden weitestgehend eine Fortsetzung des Status quo oder einen Wechsel hin zu schnelleren Zinsschritten repräsentieren. Wenn Trump Yellen unbedingt ersetzen will, dann wäre wahrscheinlich Powell der zweitbeste Kandidat, da er für geldpolitische Erfahrung und nicht für Veränderungen stehen würde, welche die Ausrichtung der Fed beschädigen könnten.
Es gibt in der Art und Weise, wie Yellen die Fed geführt hat, einiges, das bewundert werden kann. Zuletzt hat sie mit Gelassenheit den Prozess der Zurückführung des Quantitative Easing gestartet, von dem viele gedacht hatten, dass er zu einem Desaster werden würde. Unterdessen hat sie eine solide wirtschaftliche Erholung begleitet. Es wurde dabei ein großes Bündel an ökonomischen Krankheiten vor ihrer Tür abgeladen. Die meisten davon ungerechtfertigt. Dennoch sind ihre Kritiker laut, und dies könnte das Aus für sie bedeuten, in einer Welt, in der die lauteste Stimme das Gehör des Präsidenten findet.
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