Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03319.jsonl.gz/2324

Der heute 65-jährige Schweizer hat am Dienstag zum Beginn des Prozesses die Vorwürfe zurückgewiesen. «Ich habe für Microsoft geschuftet wie verrückt und viel Umsatz gemacht», sagte er. Er sei absolut unschuldig.
Er war bis zu seiner Entlassung 2012 bei Microsoft Schweiz verantwortlich für den Verkauf von Software-Lizenzen an öffentliche Schulen. Er verkaufte Gemeinden, Städten und Kantonen indirekt die Programm-Lizenzen, die dann vom Kindergarten über Volksschulen bis hin zu den Gymnasien verwendet wurden.
Dabei soll der ehemalige Verkaufsleiter über ein Geflecht von durch ihn kontrollierten Firmen dafür gesorgt haben, dass ein Teil der Einnahmen in seinen eigenen Taschen landete. Insgesamt geht es um mehr als vier Millionen Franken.
Microsoft verkaufte seine Software-Lizenzen nicht direkt an die Bildungseinrichtungen. Stattdessen gab es ein mehrstufiges Vertriebssystem mit sogenannten Resellern. Dabei handelt es sich um private Firmen, die nicht zum Microsoft-Konzern gehören.
Er soll im Hintergrund abkassiert haben
Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit kannte der Beschuldigte das Vertriebssystem und seine Finessen so gut wie kaum ein anderer. Dieses Wissen soll er laut Anklageschrift ausgenutzt haben, um verdeckt ein Netzwerk von Firmen aufzuziehen, über die ein wesentlicher Teil des Geschäfts in diesem Bereich abgewickelt wurde.
Mithilfe von Strohmännern soll der Beschuldigte so an den Softwareverkäufen kräftig mitverdient haben, obwohl ihm dies laut seinem Arbeitsvertrag nicht erlaubt gewesen wäre. Auch die Frau des Beschuldigten soll in das Konstrukt eingebunden gewesen sein, indem sie - offiziell für eine der beteiligten Firmen - administrative Arbeiten ausführte. Darüber hinaus sollen über diese Firma Spesen abgerechnet worden sein, bei denen es sich offensichtlich um private Ausgaben handelte.
Microsoft macht 4 Millionen Schaden geltend
Bis ihm sein Arbeitgeber 2012 auf die Schliche kam und ihn entliess, sollen die beteiligten Firmen Einnahmen von rund 4 Millionen Franken erzielt haben. Dies entspricht auch dem Schaden, den Microsoft in dem Verfahren geltend macht.
Es gibt keine Hinweise darauf, dass durch das Vorgehen die Schulen in Form von überhöhten Preisen oder anderweitig finanziell geschädigt wurden.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten gewerbsmässigen Betrug vor. Zudem soll er im Zusammenhang mit Spesenbelegen Urkundenfälschung begangen haben. Einen konkreten Strafantrag hat die Staatsanwaltschaft noch nicht gestellt.
Urteil nach Verhandlungstag noch hängig
Zusammen mit 65-jährigen Hauptbeschuldigten steht ein 52-jähriger Schweizer vor Gericht, der als Geschäftsführer einer involvierten Firma tätig war.
Der Hauptbeschuldigte wurde im Frühjahr 2013 für fast ein Jahr in Untersuchungshaft genommen. Erst jetzt, rund zehn Jahre später, hat die Gerichtsverhandlung begonnen. Die vergangenen zehn Jahre seien für ihn nicht einfach gewesen, sagte der frühere Verkaufsleiter. Er wolle diesen Prozess nun zu einem positiven Abschluss bringen. Erst dann gehe für ihn das Leben richtig weiter.
Aufgrund des Umfangs und der Komplexität des Falles hat das Gericht insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt. Wann das Urteil bekanntgegeben wird, stand nach dem ersten Verhandlungstag am Dienstag noch nicht fest.
(sda)