Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03129.jsonl.gz/1091

Hinterlässt eine Person bei ihrem Tod keine letztwillige Verfügung, gelangt die gesetzliche Erbfolge zur Anwendung. Gemäss der gesetzlichen Erbfolge sind an ihrem Nachlass in erster Linie der überlebende Ehegatte und die Nachkommen berechtigt (erste Parentel). Fehlt es in der ersten Parentel an Erben, gelangt der Nachlass unter Umständen an die Erben des elterlichen (zweite Parentel) oder grosselterlichen Stammes (dritte Parentel).
Ist ein Testament oder ein Erbvertrag nötig?
Die Erbfolge ist in den Artikeln 457 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches geregelt. In zahlreichen Bestimmungen skizziert der Gesetzgeber ein System, dass auf die «Standardfamilie» des beginnenden 20. Jahrhunderts passt. Es gibt auch heute noch familiäre Konstellationen, für welche die Standardlösung des ZGB angemessen ist. Jedoch hat die Anzahl der Fälle zugenommen, bei welchen die gesetzliche Erbfolge keine befriedigenden Ergebnisse liefert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die familiären Verhältnisse sind deutlich komplexer als vor 100 Jahren. Überdies leben die älteren und die jüngeren Generationen nicht mehr im gleichen Haushalt, was unter anderem auf eine um mehr als 30 Jahre erhöhte Lebenserwartung zurückzuführen ist. Aus diesen Gründen entschliessen sich heute sowohl ältere als auch jüngere Menschen relativ häufig, die gesetzliche Erbfolge mit einer letztwilligen Verfügung zu ergänzen oder zu präzisieren.
Wie kann ich den überlebenden Ehegatten maximal begünstigen?
Es gibt verschiedene Umstände, welche die Errichtung eines Testaments oder den Abschluss eines Erbvertrages sinnvoll erscheinen lässt. In der Praxis geht es bei verheirateten Paaren in der Regel darum, den überlebenden Ehegatten für den Fall des eigenen Vorversterbens so weit als möglich zu begünstigen. In der Praxis passiert dies meist durch einen Erbverzicht der Nachkommen, allenfalls verbundenen mit einer Nacherbeinsetzung, oder durch den Abschluss eines Erbvertrages mit Meistbegünstigung.
Wann macht die Einsetzung eines Willensvollsteckers Sinn?
Mit dem Tod des Erblassers erwerben die gesetzlichen und die eingesetzten Erben die Erbschaft als Ganzes. Sie bilden eine Erbengemeinschaft. Diese Erbengemeinschaft kann über die Nachlassgegenstände jedoch nur verfügen, wenn alle Erben mitwirken. Wenn sich die Erben nicht einig sind, führt dies zu einer Pattsituation. Der Erblasser kann dem Verlust der Handlungsfähigkeit der Erbengemeinschaft vorbeugen, indem er einen oder mehrere Willensvollstrecker einsetzt. Der Willensvollstrecker hat den Willen des Erblassers zu vertreten. Er hat die Erbschaft zu verwalten, die Schulden des Erblassers zu bezahlen, die Vermächtnisse auszurichten und die Teilung nach den vom Erblasser getroffenen Anordnungen oder nach Vorschrift des Gesetzes auszuführen (Art. 518 ZGB). Die Einsetzung eines Willensvollstreckers macht also vor allem dann Sinn, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass es zwischen den Erben bei der Verwaltung oder Teilung des Nachlasses zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann.
Was ist bei der Erbteilung zu beachten?
Die Erbengemeinschaft ist als Rechtsform ein eher schwerfälliges Gebilde. Aus diesem Grund ist es in der Regel ratsam, die Verhältnisse zu entflechten und die Erbengemeinschaft aufzulösen. Die Auflösung der Erbengemeinschaft erfolgt im Rahmen eines Erbteilungsvertrages, deren Inhalt die Erben grundsätzlich frei festlegen können. Wenn Grundstücke in den Nachlass fallen oder wenn die Verhältnisse aus anderen Gründen eher komplex erscheinen, müssen bei der Ausgestaltung des Erbteilungsvertrages gewisse Fragen geregelt werden. Eine professionelle Beratung ist in solchen Fällen zu empfehlen.
Welche Auswirkungen hat eine ausländische Staatsangehörigkeit?
Der Nachlass einer Person mit letztem Wohnsitz in der Schweiz untersteht grundsätzlich dem schweizerischen Recht (Art. 90 Abs. 1 IPRG). Es gilt das Wohnsitzprinzip. Bei Personen, welche eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen, ist darauf zu achten, dass es nicht zu einer Nachlassspaltung kommt. Im Anwendungsbereit der EU-Erbrechtsverordnung kommt dies beispielsweise regelmässig vor. Eine professionelle Beratung ist auch in solchen Fällen sinnvoll.
Unsere Dienstleistungen
In unserer Kanzlei in Zug beraten Sie gerne, wenn Sie Ihre erbrechtlichen Verhältnisse analysieren und gegebenenfalls ein Testament errichten oder einen Ehe- resp. Erbvertrag abschliessen möchten. Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch gerne zur Verfügung, wenn Sie die Vollstreckung Ihres Willens oder die Erbteilung in professionelle Hände legen möchten oder wenn Sie in anderer Weise Unterstützung in erbrechtlichen Angelegenheiten benötigen. Kontaktieren Sie uns unverbindlich und vereinbaren Sie einen Beratungstermin.