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Mission Kwasizabantu
Gründer und Leiter der Mission Kwasizabantu ist der deutschstämmige Südafrikaner Erlo Stegen, geb. 1935. Der lutherisch erzogene Stegen wirkte nach einer Bibelschulausbildung ab 1954 als reisender Evangelist in der südafrikanischen Provinz Natal (heute Kwazulu/Natal). Zentral in seiner Verkündigung waren für Stegen die Busse und die Heiligung, das Ablassen von der Sünde und das Ringen um Reinheit.
1966/1967 ereignete sich durch die Wirksamkeit Stegens unter zulustämmigen Südafrikanern am Ort Maphumulo eine Erweckung, die bald weitere Kreise zog. 1971 verlegte Stegen das Zentrum seiner Wirksamkeit und damit der Erweckung ins benachbarte Kwasizabantu. Innerhalb ihres evangelikalen Umfeldes war die Erweckung in Kwasizabantu von Beginn weg umstritten, weil Stegen zwischen antipfingstlerischer und pfingstlerischer Theologie einen Mittelweg beschritt: Einerseits wehrte er Phänomenen wie Zungenrede und Prophetien nicht, andererseits lehnte er deren pfingstlerische Deutung als notwendige, zur Bekehrung hinzutretende Geistestaufe ab. Zudem stützte sich Stegen auf Prophetien, die er über eine Mitarbeiterin in Trance von Gott empfangen haben will.
Als Verteidiger Erlo Stegens und seiner Mission tat sich insbesondere der lutherische Pastor Kurt E. Koch hervor. Durch Vortragsreisen Stegens entstanden auch in Deutschland und in der Schweiz Kwasizabantu-Gemeinden, die allerdings nur ein langsames Wachstum zeigten.
Aus der Mission Kwasizabantu sind zwei nominell unabhängige Werke hervorgegangen: die Domino-Servite-Schulen, Privatschulen auf christlicher Basis in Südafrika, Deutschland und der Schweiz, und die Vereinigung Christians for Truth cft, später Christianity for Today, welche für den Erhalt christlicher Werte in der Gesellschaft kämpfte. Beide Vereinigungen standen auch Menschen offen, die nicht zur Mission Kwasizabantu gehören.
Im Jahr 2019 haben sich verschiedene europäische Zweige von der Mission KwaSizabantu getrennt. Ursachen waren u.a. Vorwürfe der Veruntreuung von Spendengeldern und die Umgangs- und Führungskultur des Leitungsteams in Südafrika. Die Schweizer Sektion von KwaSizabantu hat sich als Evangelische Gemeinde Hof Oberkirch formiert, siehe den Lexikoneintrag Evangelische Gemeinde Hof Oberkirch.
Die Trennung betraf auch die Domino Servite Schule Hof Oberkirch, die nun unter dem Namen Christliche Schule Linth auftritt, und die Organisation Christianity for Today cft. Beide haben mit der Mission KwaSizabantu heute nichts mehr zu tun.
Lehrmässig steht in der Mission Kwasizabantu nach wie vor das Bemühen um Busse und ein Leben in der Heiligung im Mittelpunkt. Dazu sollen dienen
1) eine intensive seelsorgerliche Betreuung der Mitglieder,
2) der sog. «Standard», ein ungeschriebenes Regelwerk rechten Verhaltens, das für Mitglieder als verpflichtend gilt und Kleidervorschriften und insbesondere Regeln für Eheanbahnung und Verlobungszeit umfasst, und
3) der Brauch der «Trennung von der Sünde und dem Sünder», welcher beinhaltet, dass die Gemeinschaft mit Menschen, die sich dem Standard nicht verpflichten wollen, abgebrochen wird.
Im Laufe der 90er Jahre ist die Mission Kwasizabantu zunehmend ins Schussfeld der Kritik geraten. Insbesondere ehemalige Mitstreiter von Erlo Stegen haben gravierende Vorwürfe erhoben: So soll das Werk unter Bruch des Seelsorgegeheimnisses mit dem südafrikanischen Geheimdienst zusammengearbeitet haben.
Zu Kritik Anlass gaben auch die mit dem Brauch der «Trennung» verbundene sektenartige Abschottung von anderen christlichen Gemeinschaften, die Eheanbahnungsvorschriften, die in ihrer Strenge ein gegenseitiges Kennenlernen des Brautpaares beinahe verunmöglichen würden, die Berichte von rigiden Strafpraktiken und Stegens an spiritistische Gepflogenheiten erinnernde Offenbarungspraktiken.
Weltweit: ca. 40 000 Anhänger
Schweiz: einzelne Anhänger