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Am 2. Juni haben sich in Lausanne über 120 Frauen* getroffen und beschlossen, alles dafür zu tun, um einen Frauen*streik am 14. Juni 2019 erfolgreich durchzuführen. Auch im Tessin hat sich bereits ein kantonales Streikkomitee gebildet. Nun gibt es auch in der Deutschschweiz zur Zeit verschiedene Austauschtreffen und Diskussionsanlässe zu einem möglichen Streik in 2019.
Hier in der frau*m versuchen wir auf dem Laufenden zu bleiben und sind froh, wenn Ihr aus euren Netzwerken berichtet.
Heute am 10. Juni 2018 jährt sich die Frauenhungerdemonstration Zürich zum 100. Mal!
Über 1000 Frauen zogen heute vor 100 Jahren unter dem Motto „Was wir wollen!“ in Zürich vom Volkshaus zum Rathaus und machten auf die Hungersnot und die miserable Lage der Arbeiter*innen aufmerksam. Sie forderten, dass eine Delegation der Frauen vom Kantonsrat empfangen werden solle – er weigerte sich. So machten die Frauen die Treppe vor dem Rathaus kurzerhand zur Tribüne und verschafften ihren Forderungen in dieser Form Gehör. Sogar die Schweizer Illustrierten Zeitung berichtete vom denkwürdigen Protest der Frauen.
Die geschickte Organisatorin dieses Protestes war Rosa Bloch-Bollag. Bereits in den Vorjahren hatte sie in Zürich Marktdemonstrationen oder „Marktkrawalle“ gegen die Teuerung und die Nahrungsmittelknappheit in Folge des Ersten Weltkriegs angeleitet. Am 10. Juni 1918 richteten sich die Frauen direkt an den Kantonsrat. In einem Memoriam forderten sie unter anderem: „Sofortige Beschlagnahmung aller Lebens- und Bedarfsartikel, Enteignung und Verteilung derselben unter Kontrolle der Arbeiterschaft nach Massgabe des Bedarfs, nicht des Besitzes“ sowie „die Übernahme des Milchpreisaufschlages durch den Kanton“ und die „Festsetzung eines Existenzminimums“.
Der Frauendemonstration am 10. Juni folgte eine Solidaritätskundgebung am 14. Juni 1918: Rund 15’000 Menschen, insbesondere Arbeiterinnen und Arbeiter, versammelten sich auf dem Münsterplatz und unterstützten die Frauen in ihren Forderungen. Am 17. Juni 1918 schliesslich kam es zum „Frauentag des Kantonsrates“. Rosa Bloch-Bollag, Marie Härri und Anges Robmann brachten eine Volkspetition vor – ein politisches Instrument, das bei der Revision der Kantonsverfassung über 50 Jahre zuvor eingeführt wurde und nun zum ersten Mal genutzt wurde: von Frauen! In der Vorkämpferin vom 1. Juli 1918 heisst es dazu: „Die Frauen haben im Kantonsrat gesprochen, gesprochen von der alle Vorstellungen überschreitenden Not des Volkes. Vor dem grossen, nachhaltigen Eindruck ihrer Reden verstummte das fade Witzeln der Zyniker und der Spott der Verächter der politischer Frauenrechte. Das ist ein Erfolg und wir beglückwünschen die unerschrockenen Rednerinnen wie unsere initiativen Frauenorganisationen dazu.“
Die Frauenhungerdemonstration heute vor 100 Jahren war mehr als ein Protest gegen den Hunger der Bevölkerung und die vorherrschende Wirtschaftspolitik. Es war auch eine Einforderung von Frauenrechten. Ein historischer Tag!
Wir stellen uns vor, es gäbe Festreden und Musik. Eine Tribüne, vor der sich Frauen drängen, um zu hören, was die eine auf der Bühne gerade sagt und um selbst vor der Menge zu sprechen.
Wir stellen uns vor, dass diesem Anlass mit Selbstverständlichkeit gedacht wird.
Wir stellen uns vor: Der 10. Juni – jedes Jahr eine Frauenfest in Zürich – der 10. Juni – jedes Kind, das im Kanton Zürich zur Schule geht, kennt das Datum auswendig.
Wir stellen uns vor: gerade in diesem Jahr 2018 – zum 100jährigen – da ist die ganze Stadt ein Fest!
Sie waren da, sie sind da, sie bleiben da!
Frauen* gestern, heute, morgen, auf der Strasse, in Gassen, in Büros, Mietskasernen, auf Social Media, in Einfamilienhäusern, in Industriebetrieben, Kleingewerben, in Kirchen, Tempeln und Klöstern, in TV & Print, auf Bauernhöfen, in Verwaltungsräten und Familien, auf Bühnen und in Hinterzimmern laut & leise, alleine und in Banden kämpfen gegen Unrecht, erheben ihre Stimmen, schaffen sich Raum und stellen Forderungen.
Tausend Freudesgrüssen an euch an diesem denkwürdigen Tag! Leitet weiter, erzählt davon, erinnert daran, klärt auf über die Geschichte der Frauen.
Für die frau*m, das Büro für Öffentliche Angelegenheiten
Wenn eine* mehr zu diesen Ereignissen lesen möchte, der* seien empfohlen:
Frei, Annette: Die roten Patriarchen. Arbeiterbewegung und Frauenemanzipation in der Schweiz um 1900, Zürich 1987
Die frau*m freut sich auf die nächsten Jahre, auf die weiteren Netze und Kreise, Freundinnen*Banden und Begegnungen, auf rauschende Feste und stille Freuden, listige Töne und findige Vertraute, auf alte Bekannte und neue Gesichter – die frau*m gehört Euch – sagt es weiter, ladet ein, fraumt mit!
>>> offen für alle Interessierten, bitte anmelden <<<
Liebe Frauen
Ab September trifft sich im Frau*m immer am ersten Montag im Monat von 19h-21.30 eine Gruppe von Frauen, die zusammen das Seminar X ‚Die Angst‘ von Jacques Lacan lesen wollen. Der französische Psychoanalytiker Lacan war mit seinen unkonventionellen Ansichten über das Geschlechterverhältnis ein wichtiger Impulsgeber für die Feministische Theorie der 70er und 80er Jahre. Der Wunsch nach einer Lacan-Lesegruppe entstand im Anschluss an das diesjährigen VPOD-Seminar, indem wir uns mit psychoanalytischen Zugängen zur Mutter-Tochter-Beziehung beschäftigt haben.
Die Gruppe ist offen für alle Frauen. Wir werden jeweils für jeden Abend ein Kapitel aus dem Seminar X ‚Die Angst‘ vorbereiten und am Abend gemeinsam diskutieren.
Wir freuen uns über alle Neuzusteigerinnen!
Herzlich grüssen
Tove und die Frauen vom VPOD-Seminar