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Abschnitt 5: Dialektischer Ansatz: Thesen, Positionen und Fragen
These 2: Integration der NIT in die Schulfächer
Bewirkt die Informatik einen Wandel der traditionellen Fächer?
Eine Sorge der Forscher und der Lehrer gilt der Rolle der Informatik als "Darstellungssprache" auf so sensiblen Gebieten wie dem Mathematikunterricht oder dem naturwissenschaftlichen Unterricht. Wie wird die Schule sich an diese Verdoppelung der Bezugsysteme anpassen? Mehrere Forscher haben uns ihre Sorge hinsichtlich der Berücksichtigung der durch die Informatik herbeigeführten Änderungen in den Unterrichtsfächern mitgeteilt.
Die durch die Informatik hervorgerufenen sozialen und kulturellen Änderungen wirken sich auf den Lehrauftrag der Primarschule aus. Die neuen Qualitäten, die vom Bürger der Zukunft erwartet werden, können allgemein beschrieben werden als die Fähigkeit, sich an schnelle Veränderungen anzupassen, Informationen zu finden usw. Die Entwicklung der Gesellschaft färbt auch auf die Entwicklung des Wissens ab. Die Automatisierung bestimmter Tätigkeiten, die Gegenstand des traditionellen Unterrichts sind, führt zu Polemiken der Art "Muss das schriftliche Rechnen noch gelehrt werden, obwohl die Schüler über Taschenrechner verfügen?". Anstelle von einem Verzicht auf Wissen ziehen wir es vor, von einem Wandel des Wissens zu reden. Im angeführten Beispiel geht es nicht darum, das schriftliche Rechnen einfach beiseite zu schieben, sondern es mehr auf das Verständnis des Dezimalsystems auszurichten und die Prüfung der Ergebnisse zu betonen. Es scheint uns angebracht, in die Primarlehrerausbildung eine Wissensaktualisierung zu integrieren, denn es vergehen rund zwanzig Jahre zwischen dem Zeitpunkt, an dem die zukünftigen Lehrer die Primarschule verlassen, und dem Moment, an dem sie ihre Tätigkeit aufnehmen. Viele Lehrer neigen aber dazu, die Erfahrungen ihrer eigenen Schulzeit zu übernehmen. Deshalb schlagen wir vor, dass die Wissensaktualisierung (unter der Einwirkung der Informatik oder unter anderen Einflüssen) in die Ausbildung der Lehrer aufgenommen wird. Nach unserer Auffassung sollte diese Aktualisierung durch die Fachdidaktiken übernommen werden.
- Viele Forscher glauben, dass der Unterricht ein Abbild der wissenschaftlichen Forschung sein müsse. Da letztere durch die Informatikkultur tiefgehend beeinflusst wird, sei es vernünftig, den Schülern beizubringen, Wissen nach denselben Modellen zu denken und darzustellen. Andere glauben, dass der Erfolg der Integration der Informatik in die Schulfächer unter anderem davon abhängt, ob diese Integration innerhalb der Schule oder ausserhalb derselben - in der beruflichen Praxis - realisiert wird. Es liege an der Wissenschaft, die Verwendung des Computers zu steuern, und nicht am Lehrer, Nutzungsformen zu entwerfen, die unter Umständen einen künstlichen Charakter aufweisen. Dies lässt sich schon an der Mathematik und der Physik nachvollziehen. So ist in einer Physikübung noch ein simulierter analoger Chronometer nötig, um dem Schüler verständlich zu machen, wie die Zeitmessung unter realen Bedingungen durchgeführt wird. Aber anstelle einer geringen Zahl von Messungen wie in den herkömmlichen Übungen lassen sich mit dem Computer weit mehr Messungen realisieren. So fördert man einen statistischen Zugang zu den Phänomenen. Aufgrund ihrer Expansion in ausserschulischen Praktiken haben die computergestützten Versuche in der Bildung Zukunft. Darum stellen sie keine oder nur wenige Integrationsprobleme.
- Andere Forscher sind der Ansicht, dass man besonders auf die Entsprechung der pädagogischen Absicht eines Programms mit seiner Verwendung in der Klasse achten sollte. Zu wenige Lehrer sind es gewöhnt, in ihren Unterrichtsfächern die Verstehensprozesse von den Automatisierungsprozessen zu unterscheiden. Um letztere zu festigen, kann sich ein Drillprogramm durchaus als geeignet erweisen, doch für den Erwerb von Lösungsstrategien ist es ohne Interesse. Eine gelungene Integration der Unterrichtsprogramme in die Schulfächer bedingt eine genaue Analyse der Unterrichtsszenarien.
Des weiteren schafft die Informatik neue spezifische Kenntnisse wie das Verständnis der Speichersysteme (Verzeichnisse, Dateien), die Nutzung von Netzwerken und Programmen, die Programmierung usw. Wir stellen fest, dass die meisten Studenten, die ihr Studium der Erziehungswissenschaften beginnen, über keine EDV-Grundkenntnisse verfügen. Darum schlagen wir vor, dass, solange diese Lücke vorhanden ist, die EDV-Kultur der in Ausbildung befindlichen Lehrer entsprechend angepasst wird. Es scheint zudem, dass die Evolution des interaktiven Fernsehens Kurse in Medienanalyse binnen kurzem unumgänglich machen wird.
PNR33 - NFP33 - 9 NOV 1996
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