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| Armenische Väter - Beschreibung des Lebens und Sterbens des hl. Lehrers Mesrop

12. Erfindung einer Schrift für die Iberer.
Als dann wieder eine Zeit inzwischen vorübergegangen war, befaßte sich der Liebling Christi auch mit der Sorge um die fremdvölkischen Gegenden. Er gewann eine geordnete Buchstabenschrift der iberischen Sprache gemäß der ihm vom Herrn gewordenen Gnade. Er schrieb, stellte zusammen und ordnete nach Regeln und nahm mit sich einige der besseren aus seinen Schülern, brach auf und stieg in die Gegend der Iberer hinab1 . Die Reise führte ihn vor den König, dessen Name Bakur war, und zum Bischof des Landes, Moses. Und der König und sein Heer mit allen Gegenden zeigten ihm gemäß den Gesetzen Gottes die größte Ergebenheit.
Und als er ihnen seine Kunst vorgelegt hatte, sprach er ihnen mit Aufmunterung zu. Alle stimmten ihm auch zu, das Erwünschte zu vollenden2 . Und da sich ein Mann, ein Dolmetscher der iberischen Sprache fand, der Tschaghah hieß, ein schriftkundiger und wahrheitsgläubiger Mann, gab infolgedessen der König der Iberer Befehl, aus den verschiedenen Gauen und aus der niederen Bevölkerung der Provinzen seiner Herrschaft jeweils Knaben zu sammeln und sie dem Lehrer zu übergeben. Dieser nahm sie in Empfang und warf sie in den Schmelzofen der Lehre. Und mit der Glut geistiger Liebe schied er den Schmutz und Rost und das Verderbnis der Dämonen und des eitlen [Götzen]dienstes so sehr aus von ihren vaterländischen [Sitten] und brachte sie so in Vergessenheit, daß man sagen konnte: „Ich habe mein Volk vergessen und das Haus meines Vaters" [Ps. 45, 11].
Und diese nun, welche so aus den vereinzelten und geteilten Sprachgebieten gesammelt waren, wurden durch die eine Sprache des Gotteswortes zu einem Volke vereinigt und zu Anbetern des einen Gottes gemacht. Unter diesen war auch ich Unwürdiger, erhoben auf die Stufe des Bischofsamtes. Der erste unter diesen3 war Samuel mit Namen, ein heiliger und frommer Mann, zum Bischof bestellt, über das königliche Haus. Als er jedoch an allen Orten Iberiens das Werk des Gottesdienstes eingerichtet hatte4 , schied er von ihnen und kehrte in das Land der Armenier zurück. Als er Sahak, dem Katholikos der Armenier, begegnet war, erzählte er ihm von dem Glück des Gewordenen, indem er zugleich Gott und dem großen Namen Christus die Ehre gab.
1: Armenisch Wirkh, das in der späteren Zeit nach der Verehrung des hl. Georg, seines Patrons, auch als Georgier bezeichnete Volk, südlich vom Kaukasus, nördlich von Armenien. Es hieß [russ.] auch Grusinier.
2: Welte: „Sofort brachte er seine Kunst in Anwendung, lehrte und ermahnte und unternahm er das Wünschenswerte für alle zustande zu bringen.
3: Tschamtschean und mit ihm Welte [S.22] zu: Stufe des Bischofsamtes: unter andern Bischöfen des iberischen Landes, wovon der erste, Samuel, c.s.v. zum Bischof des Hofes bestellt wurde.
4: Das ist nicht von der ersten Einführung des christlichen Gottesdienstes, sondern wohl nur von der Einführung der Liturgie in der Landessprache zu verstehen.