Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/2479

Ich teile die neuere Zeitgeschichte politphilosophisch in fünf Epochen ein: Renaissance (15. u. 16. Jh.), Neuzeit (17. Jh.), Moderne/Liberalismus (18. Jh.), Moderne/Sozialismus (19. Jh.), Moderne/Existentialismus (20. Jh.). Kulturhistorisch könnte man aber auch von einer Spätmoderne seit der Zeit der sogenannten Belle Epoque sprechen (auch: Fin de Siècle, meist etwa: 1884-1914, also leicht erweitert auch etwa zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg [1870-1871] und dem Ersten Weltkrieg [1914-1918]). In jener Zeit fing in besseren und künstlerischen Kreisen das an, was wir heute als unsere Zeit bezeichnen. Ich nenne diese Zeit von der Belle Epoque bis heute (und darüber hinaus) auch die Zeit der Freizeitvergnügen und der Weltkatastrophen (von der Weltwirtschaftskrise über die Weltkriege bis zur ökoproblematik und auch allgemein einer globalen Auffassung von Weltpolitik - natürlich ist dies eigentlich auch eine Zeit für Weltphilosophie). Wir gehen in unserer Zeitbetrachtung meist entweder gar nicht so weit zurück, oder dann viel weiter bis in die Zeiten der Aufklärung und der Renaissance, tatsächlich aber eben ist die Belle Epoque die entscheidende Wendezeit bezüglich der Ausgestaltung der heutigen Kultur. Ich habe in meinen Büchern schon öfter von der Spätmoderne gesprochen, im Gegensatz zum Begriff einer heutigen Postmoderne (eine solche sehe ich in einer späteren Zeit; auch sehe ich die Postmoderne nicht so negativ wie die früheren und heutigen Poststrukturalisten und sogenannten Postmodernisten, sondern ich sehe gute und schwierige Entwicklungen, die aber insgesamt und letztlich in einem positiven Licht gedeutet werden können - eine neue Zeit ergibt sich immer in der Synthese mit der alten]). Das entscheidende Kriterium ist für mich der Begriff der Mode, welcher prägend ist für die gesamte Moderne. Diese entspricht der Zeit der sich ständig und immer rascher wechselnden Modi des (Da-) Seins, und diese Zeit ist heute eher auf ihrer Spitze angelangt, als dass sie bereits abgebrochen wäre (obwohl die Postmoderne auch bereits erkennbar ist, etwa im Aufkommen der ökoproblematik und der damit verbundenen Relativierung des Relativismus [der Übergang von der Hochmoderne zur Postmoderne wird fliessend sein]). Wir stecken natürlich noch mitten in der Moderne drin - oder eben in der späteren Moderne (wobei diese Zeit noch recht lange dauern kann - eine Alternativbezeichnung zum Begriff der Spätmoderne, wäre der Begriff von einer Hochmoderne: die Moderne wird erst dann überwunden sein, wenn die Zeit der Moden vorbei ist und neue Gewissheiten herrschen). Mit der Bestimmung unserer eigenen Zeit haben wir heute einige Probleme, daher hier der Versuch einer Zeitbestimmung. [Still unter Konstruktion.]
Fast alles, was uns heute Vergnügen bereitet, begann in der Belle Epoque - so auch viele weitere Markenzeichen unserer heutigen Kultur.
Kunst.
-> 1887 Schallplatte (von Emil Berliner).
-> 1895 Filmvorführung (durch die Gebrüder Lumière).
Sport.
-> 1889 Football League First Division (heute: Premier League, erste Saison - erster Fussballverein 1857 in Sheffield).
-> 1896 Erste Olympische Spiele der Neuzeit.
-> 1877 Wimbledon Championships (erst ab 1968 mit Profispielern).
-> 1903 Tour de France.
Verkehr.
-> 1885 Automobil (von Carl Benz - Personenkraftwagen mit Verbrennungsmotor).
-> 1903 Flugzeug (Gebrüder Wright - Motorflugzeug).
Energie/Industrie.
-> 1881-1886 Elektrifizierung New Yorks (durch Thomas Alva Edison).
-> 1913 Fliessband (von Henry Ford - Massenproduktion).
Wissenschaft (Physik).
1900 Quantelung der Energie (durch Max Planck [Quantentheorie]).
1905 (Spezielle) Relativitätstheorie (von Albert Einstein).
Haushaltgeräte.
-> 1869 Staubsauger.
-> 1886 Geschirrspüler.
-> 1890 Haartrockner (Patent erst 1911).
-> 1909 Elektrische Waschmaschine.
Politik.
-> 1883/1884 Soziale Gesetzgebung (von Otto von Bismarck: Krankenversicherung und Unfallversicherung).
-> 1893 Frauenwahlrecht (in Neuseeland - in anderen Ländern später).
Die frühen Wissenschaftler und Wissenschaftsphilosophen der Neuzeit waren noch stark dem königlichen Adel verpflichtet. So lebte etwa Descartes am Hof der schwedischen Königin Christina. Voltaire kritisierte Leibniz für seine altadlige Einstellung und seinen Begriff von der besten aller möglichen Welten, welche immer gegeben sei (was bedeutet, dass Veränderung nicht gefragt ist - jedenfalls nicht übermässige Veränderung), während Voltaire selber noch am Hof vom preussischen König Friedrich II. lebte, der zu seiner Zeit als aufgeklärter Herrscher galt. Erinnert sei auch an die für die frühe Wissenschaft so bedeutende Royal Society in England. Die Zeit der Aufklärung verbinden wir mit dem Aufbruch der bürgerlichen Gesellschaft, welche sich von den alten Adelsstrukturen löste und eine freiheitliche Politik- und Gesellschaftsstruktur anstrebte. Dies kann man als Beginn der Moderne bezeichnen (zumindest die politischen Strukturen für die moderne Zeit wurden in jener Phase der Weltgeschichte eingeleitet).
Das 20. Jahrhundert und seine Jahrzehnte.
1900-er. Im Jahr 1900 erwarb ein belgischer Kaufmann namens Oedenkoven einen kleinen Berg beim schweizerischen Ascona im Tessin und lancierte darauf die kooperative vegetarische Kolonie Monte Verità. Diese alternative Kolonie, welcher sich viele Anarchisten, Aussteiger und Künstler anschlossen, wurde zum Inbegriff der Sinnsuche in der Belle-Epoque-Zeit (und steht in einem direkten Verhältnis zur Romantik im 18./19. und zur Reformbewegung im 19. Jahrhundert sowie dem Woodstockkonzert und der Hippie- und Flowerpowerbewegung in den späteren 1960-er Jahren [die Idee von einem alternativen Lebensstil soll in den USA von deutschen Einwanderern inspiriert gewesen sein (bekannt ist etwa Alexander Aberle alias Eden Ahbez mit seinem Song "Nature Boy" [1947]; bedeutend waren zuvor auch Philosophen wie Henry David Thoreau oder Afrikan Spir)]). Viele grosse Namen fanden sich auf dem Monte Verità ein, darunter etwa Hesse, Jung, Klee, Steiner oder Weber. Bekannt wurden auch der naturalistische Sozialreformer Diefenbach und die Gebrüder Gräser. Die gesellschaftlichen Veränderungen und Herausforderungen der Belle-Epoque-Zeit spielten sich erst in einer gehobeneren und künstlerischen Szene ab - die Masse bekam davon noch nicht allzu viel mit (und sie lehnte solches auch grösstenteils ab). Bedeutend war ein neuer Bezug zur Natur und eine freiere Einstellung zum Leben. Das Lichtspieltheater (Kino) wurde in diesem Jahrzehnt geboren (nach der ersten Vorführung ihres Kinematographen durch die französischen Gebrüder Lumière 1895). Die Olympischen Spiele der Neuzeit etablierten sich (nach ihrer Begründung 1896). Ebenfalls aus dem vorangegangenen Jahrzehnt stammte die grosse Operndiva Sarah Bernhardt. übertroffen in der Berühmtheit wurde sie in diesem Jahrzehnt und im neuen Jahrhundert vom italienischen Tenor Enrico Caruso. Thomas Mann schrieb seinen grossen Roman "Buddenbrooks - Verfall einer Familie" (1901). Die Kunst der Zeit wurde Avantgarde genannt. Sie war geleitet von der Idee des Fortschritts und von der radikalen Kritik an politischen Verhältnissen und vorherrschenden ästhetischen Normen. Pablo Picasso und Georges Braque gelten in der Malerei als Begründer des Kubismus, welcher verschiedene Ansichten in einem Bild vereint und damit die klare Perspektive auflöst (in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten der Impressionismus und der Expressionismus die ersten spätmodernen Stile der Malerei). Das grosse technische Ereignis war der erste Motorflug der Gebrüder Wright am 17. Dezember 1903 - durch Orville Wright, welcher meinte, es sei das erste Mal in der Geschichte gewesen, dass «eine Maschine mit einem Menschen sich selbst durch ihre eigene Kraft in freiem Flug in die Luft erhoben hatte, in waagrechter Bahn vorwärts geflogen und schliesslich gelandet war, ohne zum Wrack zu werden» (eine Begründung für die letztlich immer noch etwas umstrittene Frage nach dem tatsächlich ersten Motorflug). Der Mensch war damit drauf und dran - in wissenschaftlich-technischer Sicht - den Himmel zu erobern. Während die ersten Flugzeuge am Beginn des 20. Jahrhunderts bloss kleine Hüpfer machten, kamen sich die Linienflugzeuge gegen Ende des Jahrhunderts schon allzu oft gegenseitig in die Quere, so dass eine aufwändige Luftüberwachung notwendig wurde. Auch das Automobil entwickelte sich tüchtig weiter: der Deutsche Ingenieur Carl Benz hatte 1885 das erste Automobil vorgestellt und liess es ab 1894 auch in Serie herstellen, der Ford T wurde aber (ab 1908) in den USA zum ersten wirklich massentechnisch hergestellten Automobil (und damit zum ersten Automobil für die Leute - die allgemeine, individuelle [Bewegungs-] Freiheit auf Rädern war geboren und wurde sehr bedeutend für das gesamte 20. Jahrhundert [Motto: freie Fahrt für freie Bürger! (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club ADAC, 1974)]). Ebenfalls in diesem Jahrzehnt wurde die elektrische Waschmaschine erfunden. Freiheit und Sauberkeit sind sicher zwei der bedeutendsten Schlagworte des 20. Jahrhunderts.
1910-er. Im Kulturbereich spricht man von der Abstrakten Kunst - etwa beim berühmten Bild "Das Schwarze Quadrat auf weissem Grund" von Kasimir Malewitsch (1915). Gemeint ist hier die Abstraktion von jeglicher anderen Aussage und die Konzentration auf eine reine (unfarbige) Form. Andere Begründer der abstrakten Malerei waren etwa Kandinsky, Mondrian oder Delaunay. Weitere Kunstrichtung der Zeit sind der Futurismus (mit Bezug zum Faschismus) und der Dadaismus (eine Richtung, welche das konservative Bürgertum durch Absurditäten zum Denken bringen wollte, mehr aber nicht: eine politische Aussage hat der Dadaismus nicht). Das bekannteste Gemälde des Jahrhunderts ist aber vermutlich "Skrik" (dt. Der Schrei) von Edvard Munch (verschiedene Motive, die zwischen 1893 und 1910 erschienen sind) - der moderne Mensch in der Bedrängnis seiner Zeit. ähnlich beklemmende und bedrückende Zeichen kamen von Franz Kafka, welcher seinen Roman "Der Process" zwischen 1914 und 1915 schrieb (publiziert 1925). Die Malerei ist jedoch noch der bedeutendste und innovativste Kunstbereich. Im Industriebereich ist das Fliessband das Thema der Zeit (1913 bei Ford - beim Bau des ersten Automobils für die Masse, dem Ford T [Produktionsbeginn 1908]). Die Moderne hat definitiv auch in der Wirtschaft ihren Ausdruck und ihr Symbol gefunden (wie Chaplin in seinem berühmten Film in den 1930-er Jahren zeigte). Unvergessen ist die Titanic-Katastrophe, welche am 15. April 1912 stattfand (ein Jahr nach dem berühmten Rennen um den Südpol zwischen Amundsen und Scott 1911) - ein erster offenkundiger Einbruch in den Determinismus der Wissenschaft und den Gigantismus der Technik (solche sollte es in diesem Jahrhundert mehrere geben). In Russland wurde 1916 der Bau der Transsibirischen Eisenbahn abgeschlossen - und damit der längsten Eisenbahnstrecke der Welt (Baubeginn: 1891). Im Politikbereich ist natürlich der Erste Weltkrieg das Hauptthema. Die Bündnisverhältnisse führten zu einem unausweichlichen Grosskrieg. So ist die Belle Epoque quasi zwischen zwei grossen Kriegen eingeklemmt: dem Deutsch-Französischen Krieg (1870-1871) und dem Ersten Weltkrieg (1914-1918). Am Ende desselben stand die Russische Revolution 1917, welche den realexistierenden Kommunismus wie den Anti-Kommunismus - und natürlich auch der Völkerbund, welcher vom US-Präsidenten Woodrow Wilson gegründet wurde (125 Jahre nach der Völkerbundidee von Immanuel Kant [1795]). Während des Ersten Weltkriegs bildeten die beiden Schweizer Städte Zürich und Bern aufgrund der deutschen Emmigranten die Zentren der europäischen Intellektuellen. In den USA kamen die Pulp-Magazine auf, eine Aufwertung der sogenannten Schund- und Trivialliteratur bzw. des früheren Groschenromans (Genres: Abenteuer, Fantasy, Horror, Krimi, Liebe/Erotik, Science Fiction, Sport, Western: alles Themen die heute nicht nur etabliert sind, sondern sogar zu den wichtigsten Themen der Kunst und Literatur gehören) - eine der bekanntesten Pulp-Figuren ist Tarzan (auch etwa Conan der Barbar entstammt diesem Literaturzweig [in den 1930-er Jahren]). Der Tanzstil des Jahrhunderts ist der Foxtrott, welcher aus den USA stammt. Ebenso das erste Kreuzworträtsel in der Zeitung New York World. "The Birth of a Nation" (dt. Die Geburt einer Nation, 1915) ist der erste kommerziell erfolgreiche Film der Stummfilmzeit. Die Musik ist noch fest in der Hand der Klassischen Musik - in den USA machte sich der Dixieland-Jazz auf, die moderne Musik zu revolutionieren (stilbildend waren die Original Dixieland Jass Band und die New Orleans Rhythm Kings).
1920-er. Roaring Twenties werden die 1920-er Jahre genannt - die wilden Zwanziger (in Deutschland gilt der Zeitabschnitt zwischen 1924 und 1929 auch als Goldene Zwanziger). Die Wirkung des Friedens nach dem Ersten Weltkrieg war schlicht euphorisch aufgenommen worden. Nie zuvor hatte die Welt einen solch brutalen Krieg gesehen, und nie zuvor war ein Friedensschluss bedeutender und grösser. Es war, als ob man der Hölle eines allgemeinen Krieges noch einmal entronnen war. Man war noch einmal davongekommen und wusste eigentlich gar nicht wie - aber egal: es war vorbei. Schwarzweissfilmkomiker wie Buster Keaton, Harold Lloyd oder Charles Chaplin gehörten ebenso zu diesen wilden Zwanzigern wie der Filmfrauenschwarm Rudolph Valentino oder die Varietétänzerin Josephine Baker, welche gleichsam als Sinnbild davon gilt. Sie war die Königin der Revue, die tropische Sirene. Paris war das Kulturzentrum dieser Zeit, und in Paris waren es wiederum Adressen wie Moulin Rouge oder Folies Bergère. Auf der Filmleinwand erschienen auch allerlei gruslige Sachen wie Das Cabinet des Dr. Caligari, Nosferatu - Eine Symphonie des Graunes, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Faust - Eine deutsche Volkssage, Das Phantom der Oper, Der Glückner von Notre Dame oder Die Büchse der Pandora (Dracula erst 1931, ebenso Frankenstein [erster Film allerdings bereits 1910]). Bertolt Brecht meinte einmal: Der Krieg ist aus, fürchtet den Frieden (ob er wohl u.a. dies damit gemeint hat? - die Menschen wollen Unterhaltung, und sie wollen v.a. auch spannende Unterhaltung aller Arten und Weisen). Der Science-Fiction-Film Metropolis (1927) von Fritz Lang gilt als der vermutlich grösste Film der Stummfilmära, nun aber kam der Tonfilm auf (als erster Tonfilm gilt "The Jazz Singer", 1927). In der Musik entstanden aus dem Dixieland-Jazz die Bigbands mit ersten grossen weissen Bandleadern wie Jelly Roll Morton, Paul Whiteman oder Ben Bernie. Der grösste war zu jener Zeit aber vermutlich King Oliver. Da ging die Post doch etwas anders ab, als bei dem, was man in den USA Entertainment und in Deutschland Schlager nennt; wenngleich auch in diesem Bereich Bigbands für reichlich Stimmung sorgten. Die Musik jener Zeit weist teils ein Tempo auf, welches man lange danach nicht mehr gehört hat. Gleichzeitig kam in den USA auch die Country-Musik auf - mit ihren ersten Grössen wie dem jodelnden (engl. yodeling) Jimmie Rodgers ("Waiting for a Train", 1928) oder der Carter Family ("Wildwood Flower", 1928); im Film traten die ersten Singing Cowboys auf (das Jodeln hatten offenbar US-Touristen aus der Schweiz mitgebracht - so entstanden auch verschiedene Country-Songs mit Schweiz-Bezug - der meistgespielteste ist vermutlich "I Miss My Swiss" [beste und/oder lustigste Version von Yodeling Slim Clark (1949)]). Der Tanzstil des Jahrhunderts ist der Charleston. George Gershwin war - neben etwa Ravel und Stravinsky - einer der letzten ganz berühmten Komponisten der Klassischen Musik. Der eigentliche Kunstbegriff der Zeit ist Art déco, eine Art Modernisierung des verschnörkelten, früheren Jugendstils. In Deutschland dagegen kam der rustikale Bauhaus-Stil auf, welcher der reinen Funktionalität diente (begründet 1919). Nach der Titanic-Katastrophe im vorherigen Jahrzehnt erstrahlte die Atlantiküberquerung von New York nach Paris von Charles Lindbergh (1927) in der Luftfahrt so hell wie kaum ein technisches Ereignis in jener Zeit (auch wenn der erste Flug von Amerika nach Europa schon 1919 gelungen war). Die bedeutendste technische Neuerung war aber vermutlich jene des Radios (erste Sender in den USA und Europa ab 1919). Der New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 machte - mit den Ausläufern der Weltwirtschaftskrise im Verlauf der 1930-er Jahre - den Roaring Twenties ein abruptes Ende. Der Wirtschaftsboom basierte v.a. in den USA, deren Wirtschaftseinfluss sich bis nach Europa erstreckte, auf einer erheblichen Spekulationsblase.
1930-er. Dies ist das Jahrhundert des Faschismus (und des Beginns des Zweiten Weltkriegs). An der Grenze zwischen alten Königtümern und neuer Volkssouveränität, zwischen kommunistischer Internationale und faschistischem Nationalismus kamen in ganz Europa im Zuge früherer bzw. erster nichtadliger Alleinherrscher (Savonarola, Cromwell, Robespierre, Napoleon) Diktatoren auf. Der Kommunismus hatte im Osten Europas den Anfang dieser politischen Aufwühlung gemacht (mit der Russischen Revolution 1917), der reaktionäre Faschismus zog nun im Westen nach. In nie dagewesener Strenge, die letztlich in den Zweiten Weltkrieg führte, sollten die wilden Zwanziger und deren Weltwirtschaftskrise überwunden werden. In Italien (Mussolini, seit 1919) und Russland (Stalin, seit 1924) regierten solche Diktatoren bereits - in Deutschland gesellte sich Hitler (ab 1933), in Spanien Franco (ab 1939) zu ihnen. Der Faschismus (inkl. kommunistischem Faschismus) umfasste somit am Beginn des Zweiten Weltkriegs fast ganz Europa, jedenfalls die grössten und bedeutendsten Nationen Europas (ausser Grossbritannien und Frankreich [die Länder der parlamentarischen Monarchie und der demokratischen Bürgerrevolution]). Schwierig, in einer solchen Zeit von Kunst als Kultur zu sprechen, aber es gab sie - vorwiegend in den USA, welche sich zum neuen Kulturzentrum emporhievten. Im Sport war 1930 die Einführung der Fussball-Weltmeisterschaft zu feiern, aber fernab Europas, im südamerikanischen Uruguay (diese hatten den Fussball von britischen Einwanderern gelernt und etablierten sich bei den vorangegangenen Olympischen Spielen als stärkstes Team jener Zeit). Erst die zweite Austragung fand 1934 in Europa statt: ausgerechnet im faschistischen Italien, und Mussolini nutzte diesen Anlass ebenso zu propagandistischen Zielen wie Hitler zwei Jahre später die Olympischen Spiele von 1936. Dass Sport mit Politik nichts zu tun haben soll, ist ein guter Grundsatz - in jenen Jahren aber scheinbar nicht mehr umzusetzen. Im Kino waren epische Farbfilme zu sehen von bis dahin nicht gekannter Grösse, so etwa "Gone With the Wind" (dt. Vom Winde verweht, 1939). Der Zauberer von Oz (1939) führte in eine zauberhafte Phantasiewelt, ebenso der erste grosse Disney-Zeichentrickfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937). Charles Chaplin führte in seinem Film "Modern Times" (1936) in eine dystopische Welt der totalen Industrialisierung. Der Film hat mit Ton und Farbe einen neuen Kulturstatus erreicht... und die besten Filme kamen nun fast ausschliesslich aus Hollywood (USA). Die Europäer konnten - trotz Grössen wie etwa Heinz Rühmann und Hans Moser in Deutschland - filmtechnisch nicht mehr mithalten. Während in Europa die politischen Diktatoren das Zepter Übernahmen, taten dies in den USA die Superhelden - allen voran Superman (1938), welche die berühmteste Figur der Comic-Hefte wurde, und Batman, der gar keine eigentlichen Superkräfte besitzt - weitere frühere, ebenfalls noch recht menschlich anmutende Superhelden waren Flash Gordon (1934) oder Buck Rogers (1928 - bekannt aus den Pulp-Magazinen). Die eigentlich auslösende Figur der Superheldengeschichten war wohl The Shadow (1930), welcher in Radio-Krimis auftrat. Musikalisch beherrschten die Bigbands die Szene, noch vor der grossen, eigentlich grossen Swing-Zeit im folgenden Jahrzehnt. Duke Ellington, Glenn Miller und Benny Goodman stiegen zu den grössten Namen in der bisherigen modernen Musik auf; auch Louis Armstrong, die vermutlich grösste Jazz-Legende aller Zeit, führte seine eigene Bigband, war zuerst aber als Musiker in solchen unterwegs. Aldous Huxley schrieb den dystopischen Roman "Brave New World" (1932), Salvador Dali begründete mit Bildern wie "La persistencia de la memoria" (dt. Die Beständigkeit der Erinnerung, 1931) die Kunstrichtung des Surrealismus - was noch einmal zeigte, wie weit voraus die Malerei in den vergangenen Jahrzehnten der gesamten Kunst eigentlich war - und... das Monopoly-Spiel (1935) sollte für sehr lange Zeit das bekannteste Brettspiel werden (eigentlich erfunden 1904 als "The Landlord's Game" von Elizabeth Magie).
1940-er. Zum letzten Mal meldete sich die Philosophie als eine tragende Stütze der Kultur, die von der intellektuellen Welt und von der gesamten Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen wurde. Es war das Jahrzehnt des französischen Existentialismus. Jean-Paul Sartre ("L'Être et le néant", 1943; "Huis clos", 1944), Albert Camus ("L'étranger", 1942) und Simone de Beauvoir ("Le Deuxième Sexe", 1949), die damit, wenn auch neben Sartre, zur neuen Ikone der Frauenbewegung aufstieg, waren die grossen Figuren dieser Philosophie, in welcher es um die Existenz und das Kunstwerk ging. Sie waren ebenso Philosophen wie auch belletristische Schriftsteller - diese Nähe zur Kunst war wohl ausschlaggebend dafür, dass der Existentialismus eine so grosse Wirkung in der intellektuellen Welt erreichte. Schriftsteller und Künstler wurden fast allgemein als Existentialisten gesehen. Sartre galt im mittleren 20. Jahrhundert als die Verkörperung des Intellektuellen schlechthin, und als Erster überhaupt nahm er so richtig bemerkbar die Rolle eines Public Philosophers und Intellectuals auf und ein. Dass die neue Stimme Europas aus Frankreich kam, war angesichts der Ereignisse im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) einerseits erstaunlich, andererseits auch wiederum nicht. In einer äusserst phantasievollen Weise versuchte Antoine de Saint-Exupéry mit seinem Roman "Le Petit Prince" (1943) die schreckliche Kriegswirklichkeit zu bewältigen - man kann das Wesentliche nur mit dem Herzen sehen: eine Botschaft an die Kultur der Zukunft mitten aus dem grossen Krieg und seinen Trümmern heraus. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde - obwohl der Völkerbund zuvor gescheitert war mit ähnlich grossen Hoffnungen - die United Nations Organization UNO gegründet. Die Literatur war noch einmal wichtiger als die Musik. Das Potenzial, welches der Swing in sich barg, der mit Glenn Miller (zeitweise in der Army Air Force Band), Artie Shaw, Jimmy und Tommy Dorsey und anderen die US-Amerikaner bei Kriegslaune hielt, war noch nicht recht erkennbar, obwohl seine Reichweite bis nach Grossbritannien (Jack Hylton) und sogar bis nach Berlin (Teddy Stauffer) reichte. Daneben waren die 1940-er Jahre aber auch das Jahrzehnt des Films, mit grossen Meisterwerken wie "Citizan Kane" (1941), welche manche noch heute als den besten Film der Filmgeschichte bezeichnen, oder "Casablanca" (1942) - nicht zuletzt auch mit dem grossen Nachkriegs-Weihnachtsfilm "It's a Wonderful Life" (dt. Ist das Leben nicht schön?, 1946). Walt Disney spielte auf mit Fantasia und Pinocchio, Charles Chaplin verulkte den grossen Diktator und Alfred Hitchcock drehte einige seiner besten Filme (anfangs des Jahrzehnts noch schwarzweiss, gegen Ende des Jahrzehnts in Farbe). Der US-Sender CBS führte 1943 das Farbfernsehen ein, obwohl sich dieses auch in den USA erst in den 1960-er Jahren endgültig durchsetzte. Die Medien orientierten sich nach dem Zweiten Weltkrieg v.a. in Deutschland komplett neu. Der journalistische Stil wurde kritischer und aggressiver - typisch dafür etwa das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (1947). Für Aufsehen sorgten auch die Kinsey-Reporte über das Sexualverhalten (Sexual Behavior in the Human Male, 1948; Sexual Behavior in the Human Female, 1953). Das grosse folgende Wirtschaftswunder fing nach dem Zweiten Weltkrieg autotechnisch vorerst einmal klein an: mit dem VW Käfer in Deutschland und dem Citroën 2CV (Deux chevaux) in Frankreich - in Italien war der Kleinwagen für die grosse Masse bereits in den 1930-ern Kult (Fiat Topolino, 1936; ebenso gab es jedoch bereits Vorläufer des VW Käfers). Dort feierte dafür die Vespa ihren Einstand - der städtische Kulttöff bis heute. Gegen Ende des Jahrzehnts war v.a. eines klar: die Zukunft war angebrochen, denn erneut in einen Weltkrieg abgleiten, wie dies nach dem Ersten Weltkrieg und der grossen Weltwirtschaftskrise der Fall war, wollte niemand. Was würde sie bringen? Vermutlich kann man in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von den goldenen Generationen in der westlichen Welt sprechen.
1950-er. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob sich das kulturelle Interesse von Europa nach Amerika. In Europa bzw. in Frankreich spielte das Absurde Theater auf mit Samuel Beckett, Eugène Ionesco und Arthur Adamov, in welchem sich der Existentialismus - nebst allem anderen - quasi selber in Frage stellte. Der Zweite Weltkrieg hatte nicht nur körperliche, sondern auch seelische Wunden hinterlassen. Dies kommt etwa zum Ausdruck bei Becketts "Fin de partie" (dt. Endspiel, 1956). An welchen Sinn und welche Werte sollte man nach so einem Ereignis überhaupt noch glauben und denken, wenn man über den reinen Wiederaufbau und die reine Freude darüber, dass es vorbei war, einmal hinausdachte? Stand nicht der Mensch selber als Mensch auf dem Spiel? Es war immerhin das bis dahin schwerst verdauliche Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Deutschland geriet in eine Kulturkrise bzw. kulturelle Identitätskrise, wodurch sich auf dem Boden der Erfolge, welche zuvor Brecht mit seinem epischen Theater erreicht hatte, die Schweizer Autoren Frisch und Dürrenmatt an die Spitze der deutschsprachigen Theaterszene zu setzen vermochten: der Frisch, dessen Grosseltern aus Süddeutschland und Österreich stammten, wurde zum Gewissen der Deutschen (obwohl er sich politisch eigentlich eher für die Schweiz interessierte), Dürrenmatt orientierte sich aus einer regional empfundenen schweizerisch kleinbürgerlichen Enge heraus sogar in die Richtung eines eigentlichen Welttheaters. Trotz ihrer literarischen Grösse - einmalig im Schweizer Kulturbetrieb - blieb beiden der eigentlich verdiente Literaturnobelpreis versagt. In den USA entstand in der Musik auf dem Boden des Swings der Rock'n'Roll mit Bill Haley, Buddy Holly und Elvis Presley (nebst weiteren wie etwa Jerry Lee Lewis oder Carl Perkins). Dieser verband weisse und schwarze Elemente (Country/Blues) zu einem neuen Sound, der zum Inbegriff einer wachsenden Jugendkultur wurde - im schwarzen Rock'n'Roll ragten Namen wie Chuck Berry, Bo Diddley oder Fats Domino heraus. Die Musikikone Elvis Presley und die beiden Filmlegenden James Dean ("Rebel Without a Cause", dt. ...denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) und Marlon Brando ("On the Waterfront", dt. Die Faust im Nacken, 1954) wurden zu den Identifikationsfiguren dieser ersten grossen Jugendkultur und damit auch zu den ersten grossen Megastars der westlichen Kultur (die erste weibliche Filmikone war natürlich Marilyn Monroe). Die Halbstarken, welche diese Kultur begründeten, entstammten der Jugend der Arbeiterklasse, die mit einem ganz neuen Selbstvertrauen und Anspruch aufkam, um (wenigstens) die kulturelle Welt für sich zu erobern. Eigentlich wollten sie ganz einfach auch etwas haben, etwas sein und etwas gelten. Es war die Zeit der Jukebox, des Transistorradios, des Autokinos - natürlich mit den zeittypischen breiten US-Strassenkreuzern (in den USA Land Yacht genannt) - des Flipperautomaten (noch rein mechanisch, elektronisch erst Ende der 1970-er Jahre), der Haartolle und des Pettycoats sowie der Blue Jeans und des Coca Colas (wenngleich deren Erfindung auf die 1920-er und 1880-er Jahre zurückgehen). Oder anders gesagt: das ist das Bild der früheren US-Jugend, welches wir bis heute stilikonisch haben. Weltpolitisch deutete der Koreakrieg bereits zu Beginn der 1950-er Jahre (1950-1953) den Weg in den Kalten Krieg, in welcher sich die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs in zwei weltpolitische Lager aufspalteten. Das erste Treffen von Adenauer und De Gaulle bedeutete 1958 den Beginn einer deutsch-französischen Freundschaft, aus welcher schliesslich die Europäische Union (1992) herauswuchs.
1960-er. Diese begannen mit dem weltpolitischen Knaller des Baus der Berliner Mauer in Ostdeutschland (begonnen am 13. August 1961), welcher den eigentlichen bzw. verschärften Kalten Krieg zwischen Ost und West bzw. die Zeit des Eisernen Vorhangs auslöste, und waren danach geprägt von der Musik und der Jugendkultur, welche ins Zentrum des kulturellen Interesses gelangte. In den früheren 1960-er Jahren kam die Surf- und Beat-Musik auf. Die drei grossen Bands der Zeit lagen in ihren Erstveröffentlichungen innerhalb eines Jahres recht eng beieinander - alles spricht von der 1968-er Generation, doch die entscheidenden Jahre für die neue Musik waren ein paar Jahre früher: The Beach Boys starteten ihre Plattenkarriere am 4. Juni 1962 mit "Surfin' Safari", The Beatles veröffentlichten ihre erste Single "Love Me Do" am 5. Oktober 1962, die Rolling Stones brachten ihren ersten Titel "Come On" - eine Coverversion von einem Chuck-Berry-Song - am 7. Juni 1963 heraus. Frühe Wurzeln des Surf-Sounds gehen zurück auf Dick Dale & The Del-Tones, The Shadows, The Ventures, Freddy Cannon und Buddy Holly (etwa in seinem vielleicht berühmtesten Song "Peggy Sue" [1957] - u.a.). Die Bezeichnung vom Beat geht zurück auf US-Autoren der sogenannten Beat-Generation in den 1950-er Jahren (Kerouac, Ginsberg, Burroughs). Vom Surf und Beat entwickelte sich die zeitgemässe Musik weiter zu Flowerpower und Rock, mit dem Höhepunkt beim Woodstock-Konzert am 15.-17. August 1969 (welches politisch in den USA mit dem Vietnamkriegprotest zusammenhing; der Vietnamkrieg und die Ermordung Kennedys waren die politischen Themen des Jahrzehnts). Ein paar Beispiele davon, wie gut die Musik in der Woodstock- und After-Woodstock-Zeit wirklich war (was man erst merkt, wenn man - nebst den üblichen Flowerpower-Hits - ein bisschen tiefer in die Musik jener Zeit eintaucht): Ten Years After - Spoonful (1967), The Moody Blues - Nights in White Satin (1967), Traffic - You Can All Join In (1968), Cream - Crossroads (1969), Free - Songs of Yesterday (1969), Jethro Tull - Nothing Is Easy (1969), Canned Heat - My Time Ain't Long (1970), Humble Pie - Rollin' Stone (1971), Led Zeppelin - Stairway to Heaven (1971), Mountain - Nantucket Sleighride (1971). Manche sagen, dass die moderne Musik nie so gut und eindrücklich war wie in jener Zeit (nebst vielleicht den besten Jazzkompositionen - diese Musik war wohl so gut, dass der entsprechende Boom nur ein paar wenige Jahre dauern konnte). Natürlich kann man diese Musik nicht preisen, ohne den Blueseinfluss - in der weissen Musik zuvor etwa durch The Rolling Stones, Spencer Davis Group und John Mayall & the Blues Breakers - und den Namen von Jimi Hendrix zu nennen (und - leider auch - eine gewisse Drogenaffinität [welche die gesamte neuere Musik durchzieht (die tiefen Gefühle, welche dadurch ausgelöst werden können, legen dies scheinbar nahe)]). Fast alle späteren Musikrichtungen im 20. Jahrhundert haben ihre Wurzeln im Sound der späteren 1960-er Jahre - speziell der Hardrock ging aus dieser Zeit hervor (erste Welle: Deep Purple 1968, Led Zeppelin 1969, Black Sabbath 1970, aber auch der europäische Pop mit ABBA [im folgenden Jahrzehnt - diese schwedische Supergruppe ist über die schottische Gruppe Middle of the Road ziemlich direkt aus dem Flowerpowersound gewachsen]). Die Musik überholte in diesem Jahrzehnt die Literatur in den USA eindeutig - und wurde somit neben dem Film zum bedeutendsten und einflussreichsten Kulturbereich überhaupt. Ebenfalls in bester Erinnerung aus jenem Jahrzehnt bleiben uns die wohl kultigsten TV-Serien aller Zeiten (Star Trek in Amerika und The Avengers in Europa [Mit Schirm, Charme und Melone], oder auch The Flintstones oder The Munsters). Die Science Fiction erlebte ihre erste Hochblüte, auch mit dem Film "2001: A Space Odyssey" von Stanley Kubrick, welcher als einer der besten Filme aller Zeiten gilt. In der Mode erinnert der Minirock besonders an diese Zeit, doch dies war nur ein Teil einer farbigeren und schrilleren Mode der Popkultur. Bereits in diesem Jahrhundert gab es keine einheitliche Jugendszene mehr, sondern eine diversifizierte - so gab es neben Surf, Beat, Pop, Flowerpower, Rock und Hardrock auch etwa die Subkultur der Mods, aus welcher verschiedene spätere Jugendkulturen wie etwa jene der Skinheads- und Hooligans- (in den 1970-er Jahren) oder der New-Wave- und Gothic-Szene (in den 1980-er Jahren) hervorgingen.
1970-er. Die Jugendkultur fand in den 1970-ern weitere Diversifizierungen, etwa im Punk, Heavy Metal oder HipHop - plattenmässig erst in den 1980-er Jahren bekannt geworden - sowie auch im (Roots) Reggae*. Alle diese Diversifizierungen hingen weiterhin eng mit den musikalischen Richtungen zusammen. Die Rockmusik wurde nun nebst dem Hardrock (in einer zweiten Phase mit Bands wie Uriah Heep, Nazareth, Judas Priest) v.a. auch zum Progressive Rock (oder auch: Art Rock) - bezeichnet ist damit eine Spielart der Rockmusik, welche etwa Bands wie King Crimson, ELP (Emerson, Lake & Palmer) oder Pink Floyd beinhaltet, aber auch etwa Yes oder Genesis. Diese Musik ist sehr instrumentell und sehr experimentell - sie steht auch für die Kombination von Rockmusik mit Synthesizern. Die 1970-er Jahre sind sehr schwer zu fassen. Politisch waren sie geprägt von der Anti-Atomkraft-Bewegung (und deren Ablehnung auf konservativer Seite - die Studie "The Limits To Growth" vom Club of Rome machte 1972 zum ersten Mal die Ökoproblematik zum weltbewegenden Thema), im Sport beherrschten kühle Superstars wie Björn Borg, Ingemar Stenmark oder Eddy Merckx die Szene, welche Vorgänger der späteren Sportmaschinen waren (die aber auch etwas im Schatten der schwarzen Sportstars Pelé und Muhammad Ali standen, die noch eine Nummer grösser waren und showmässig auf und neben dem Platz einiges mehr hergaben), bei der Schach-WM 1972 trugen Fischer und Spassky den Kalten Krieg auf dem Schachbrett aus, und die Musik bewegte sich irgendwo zwischen ABBA und AC/DC, in einer Kultur, in welcher ein Musical wie "Jesus Christ Superstar" (1970) ebenso möglich war wie die Jesus-Verulkung "The Life of Brian" (1979) von der britischen Komikergruppe Monty Pythons. Es war die grosse Hitparadenzeit, in welcher der Kassettenrecorder zum fast schon heiligen Aufnahmegerät (von Hitparadensongs und Radiomusik) wurde. In der Philosophie gilt die ChomskyFoucault-TV-Debatte 1971 über die menschliche Natur - wow!, im niederländischen Fernsehen! - grossspurig als Jahrhundertdebatte, in einer Philosophie, für welche sich (ausser ein paar Universitätsprofessoren, Autodidakten, Spezialisten und Niederländer) schon längst niemand mehr interessierte. Chomsky? Foucault? 1976 machte Bryan Magee seine erste philosophische Sendung im BBC-Fernsehen mit Isaiah Berlin, über das Thema "Why Philosophy Matters" (gefolgt von der ersten TV-Philosophie-Serie 1978 ["Men of Ideas"]). Irgendwie schief dreinblickende Oberinspektoren und Privatdetektive wie Derrick (in Deutschland) oder Columbo (in den USA) zeigten, dass die Langeweile und einschläfernde Gestalten nicht länger uninteressant sein müssen für ein Massenpublikum. Was hatten denn die in dieser Zeit verloren? Niemand konnte es wissen, und sie selbst vielleicht am Wenigsten. Vielleicht inspizierten sie eine Zeit, aus der niemand mehr so richtig schlau wurde. Was waren sie aber nun wirklich diese 1970-er Jahre? Es war meine (frühere und mittlere) Jugendzeit (5-15 Jahre), aber ich kann selber nicht einmal sagen, was das nun genau war. Eine von wenigen Antworten lieferte die New-Wave-Gruppe Yazoo 1982 mit ihrer Single "Goodbye Seventies", in welcher von (notorischem) Trendsetting und Fashion Wars die Rede ist (das ist Hochmoderne pur - typisch dafür auch der Poplook [siehe: ABBA, Boney M., Luv] oder der Glam Rock [siehe: Gary Glitter, David Bowie, Freddie Mercury], alles auch Erscheinungen der 1970-er Jahre, und alles auch immer mehr auf Kommerzialität ausgerichtet, notabene [hier liefert uns die Musik sogar selber schon die Erklärung der Zeit, die sonst nirgends gegeben ist]). Eine der wichtigsten kulturellen Impulse jener Zeit kam von der analogen Spielewelt, mit einer Art von Spielen, wie man sie bis dahin kaum kannte: das Pen&Paper-Rollenspiel Dungeons & Dragons brachte 1974 eine bis dahin nicht gekannte Dynamik in die Fantasywelt. Dies galt damals noch als Subkultur, war aber im Aufkommen der Fantasy mindestens so wichtig wie Tolkien (The Lord of the Rings bzw. Der Herr der Ringe, 1954/55) oder Star Wars (1977 - die Geburtsstunde von Science Fantasy: die Kombination von Science Fiction und Fantasy [die als solche noch lange nicht so bedeutend war, wie sie heute ist (gemeint ist damit die aktuelle, an das Mittelalter und die Antike anschliessende Fantasy)]).
* Hier ein paar Beispiele, wie gut auch diese Musik war, auch wenn sie eher popartig ist - geprägt durch den britischen Pop vom Early Reggae (es findet sich hier beides, Early und Roots Reggae): Bob Marley - I Know a Place ([Original] 2001 - posthum [der Song stammt sicher auch aus den 1970-er Jahren]), The Abyssinians - Declaration of Rights (1971 - Version von Johnny Clarke), The Pioneers - The World Needs Love (1972), The Ethiopians - The Word Is Love (1973), Burning Spear - The Youth (1976), Johnny Clarke - Freedom Blues (1976 - Original von Little Richard), Horace Andy - Problems (1977). Die besten Songs sind hier vermutlich nicht die härtesten, sondern die feinsten (und man braucht kein Marihuana zu rauchen, um diese Musik gut zu finden, notabene).
1980-er. Was tut eine Jugend, die nicht mehr weiss, was Sache ist? Sie tanzt sich die Seele aus dem Leib - und daher kam nun die Musik, bei welcher es nur noch um das Tanzen ging. Sie nannte sich in den USA Electro Funk oder Acid House, in Europa Italo Disco - aus diesem entstand der Eurodance und in den 1990-er Jahren die europäische Techno- und Trancemusik (ein Stück, welches dies alles verbindet, ist: Koto - Visitors [1985 - Alien Mix (1989)]). Ansonsten oder überhaupt waren die Gruppen des Italo Discos, der aus Italien, Spanien und anderen Ferienländern kam - die Jugend ging mittlerweilen längst selber auf Reisen - dermassen auf die Discos ausgerichtet, dass sie heute niemand mehr kennt, weil sie im Radio gar nicht gespielt werden (Bands wie Scotch, Radiorama, Martinelli, Fake oder Mirage [u.v.a.]). Kaufen konnte man die entsprechenden Maxi-Singles meist bloss in Spezialläden. Selbst die letzten verbliebenen Rockbands machten jetzt Tanz-Maxi-Singles, welche ebenfalls in den Discos gespielt wurden, so etwa U2 oder Simple Minds (klassisch: die 12-Inch-Original-Vinyl-Maxi-Single "Don't You (Forget About Me)" von Simple Minds [1985] - U2 hat sogar einen Hit namens Discothèque [allerdings aus dem Jahr 1997]). U2 war - zusammen mit Nirvana in den frühen 1990-er Jahren - die Rockband, welche alle nachfolgende Rockmusik beeinflusste (v.a. mit dem Album "The Joshua Tree" [1987]). Diese Beeinflussung ist so bedeutend, dass man in der Hälfte der späteren Rockmusik U2 und in der anderen Hälfte Nirvana heraushören kann. Doch die Rockmusik stand nicht mehr im Zentrum des Mainstreams - diese Rolle übernahm nebst der ewigwährenden Popmusik v.a. der vielschichtige New Wave, mit hervorragenden Künstlern auch wie etwa Iggy Pop oder Lou Reed (bedeutend auch für die Anfänge des Italo Discos [Savage, Gazebo, R. Bais]). Typisch für das Jahrzehnt waren auch Bands mit sehr eigenwilligem Pop-Rock-Sound und leicht abgedrehten bis lyrischen Texten wie Big Country, Saga, Spliff (diese Bands gehörten zu jener Zeit auch zu meinen persönlichen Lieblingsbands). Die Superstars der Musik kamen in diesem Jahrhundert jedoch vom schwarzen R&B: Michael Jackson und Whitney Houston. Da die Filme der 1980-er - trotz etwa Spielbergs Unterhaltungsklassikern E.T. und Indiana Jones - keine allzu grossen Wellen warfen, war die Musik in den 1980-er Jahren der nunmehr klar bedeutendste Kultur-, Kunst- und Unterhaltungsbereich geworden. Die Musik war vermutlich nicht besser denn je, aber präsenter denn je. Der Musiksender MTV popularisierte ab 1981 die Musikvideos. Neben den Discos spielten die Spielsalons eine bedeutende Rolle. Das Spiel auf den Videospielautomaten wird Arcade genannt - von Space Invaders (1978) über Donkey Kong (1981) bis Super Mario Bros. (1985). Manche hatten auch schon eine Spielkonsole zuhause wie den Commodore 64. Der erste sogenannte Personal Computer von IBM kam 1981 auf den Markt und eröffnete damit das Jahrzehnt der Heimcomputer. Die Jugendkultur verlagerte sich von da an langsam aber sicher von der Musik auf den PC. Noch wusste anfangs niemand so genau, was man mit diesem Ding denn eigentlich genau anstellen sollte, aber es schien klar, dass dieses Ding in Zukunft sehr wichtig und bedeutend werden würde. Damit hatte die Jugend wieder eine einheitliche Grundausrichtung, was sich mit dem Internet in den 1990-er und mit dem Smartphone in den 2000-er Jahren noch verstärkte. Labtop und Compact Disc CD - u.a. mit sogenannten Share-Ware-Games - sind weitere technische Errungenschaften dieses Jahrzehnts. Während in der Politik die grünen Parteien aufkamen, hatte ein Teil der Jugend genug von den spezifischen Jugendkulturen, wendete sich dem Überseriösen zu, nannte sich Yuppie - als Gegenkonzeption zum Hippie und den (Grün-) Alternativen dieser Zeit - und schaute TV-Serien wie Dallas oder Denver-Clan, in welchen wirtschaftliche Fieslinge und Bösewichte bewundert werden konnten. Andere wiederum wendeten sich dem Heavy Metal zu und tauchten ab in eine überdüstere Fantasywelt. Heavy Metal, HipHop, Dancehall (-Reggae) und (Techno-) Trance zeigten je eine Verschärfung der Musik an (in Richtung: härter, schneller, lauter), welche im nächsten Jahrzehnt noch zunehmen sollte.
1990-er. Zwischen 1989 und 1991 entwickelte Tim Berners-Lee am CERN in Genf das World Wide Web. Es ist wohl keine Frage, was diese 1990-er Jahre am Meisten bestimmt hat (auch wenn das europäische Web dem amerikanischen anfangs noch etwas hinterherlief). In exakt derselben Zeit fiel die Berliner Mauer, wonach auch der gesamte sowjetische Kommunismus zerfiel - eine unglaubliche politische Wendung, mit welcher in diesem Tempo ebenfalls niemand gerechnet hatte. Die Welt war gewissermassen vollkommen erschüttert - dies mitten in einer grösseren Friedenszeit (jedenfalls was Weltkriege angeht [und daran wurden Krieg und Frieden mittlerweilen gemessen]). Zu den wichtigsten Dingen in diesem Jahrzehnt gehörte die Websuche, mit Suchmaschinen und -katalogen wie AltaVista, Google oder Yahoo (in Webbrowsern wie Netscape Communicator und Internet Explorer). Die neuen Zauberwörter der Kommunikation hiessen Chat und (E)Mail (und alles wurde noch ein bisschen amerikanischer). Webuser entwickelten private Homepages, welche teils durch Webrings verbunden waren (etwa bei der Plattform GeoCities). Amazon wurde 1994 zu einem weltumspannenden Markt für Bücher und andere Dinge, Ebay startete 1995 seinen Privatmarkt. Aufgrund des rasch wachsenden Internetbusiness war die Rede von einer (webbasierten) New Economy (was zur sogenannten Dotcom-Blase 2000 führte). Die Videospiele wurden graphisch besser und strategisch interessanter - es ging nicht mehr nur um das Bewegen von lustigen Hüpfmännchen und das Abschiessen von herumschwirrenden Weltrauminsekten. Mit dem Spiel StarCraft (1998) nahm der E-Sport in Südkorea neue Dimensionen an (im Jahr 2000 fanden in Seoul die ersten World Cyber Games statt). Im richtigen Sport dominierten in den 1980-er bis 2000-er Jahren übermächtige Seriensieger wie Indurain und Armstrong im Radsport (Tour de France), Schumacher im Automobilrennsport (Formel 1), Sampras und Federer im Tennis (Wimbledon). Die Tour de France 1998 wurde jedoch zur Tour de Farce - mit dem grössten Dopingskandal, welche es bis dahin im Spitzensport gegeben hatte (von 189 Startenden konnten nur 96 Fahrer klassiert werden - teils wurden Fahrer und Betreuer aus dem Rennen heraus von der Polizei verhaftet und abgeführt). Dass Erfolg und Geld im Spitzensport eine immer bedeutendere Rolle spielen, zeigte sich auch bei der Einführung der UEFA Champions League (1992/93), welche im Fussball den alten Europapokal der Meister ersetzte. Im Mainstream der Musik, in welcher die DVD die alte Vinyl-Schallplatte ersetzte, installierten sich die Boygroups wie Take That oder Backstreet Boys, welche fast ähnliche Begeisterungsstürme auslösten wie einst die Beatles. Noch bedeutender und typischer war jedoch die Entwicklung der Techno-, Trance- und Goa-Musik in Europa - zu einer Art frühen Technohymne wurde "The Age of Love" von der gleichnamigen Gruppe (New Age Mix, 1991). Diese Musik wurde quasi zur Musik der europäischen Integration. Die Disco der 1980-er Jahre verlagerte sich bei der Loveparade zu einer Riesenparty auf die Strasse (1989-2010, exkl. 2004, 2005, 2009). Die Filme wurden einerseits zwar immer pompöser, andererseits aber ging ihnen auch ein bisschen der frühere Charme ab: dessen ungeachtet feierten Filme wie Forrest Gump (1994), Titanic (1997) oder Matrix (1999) riesige Erfolge. So machte der Film gleichzeitig Fortschritte und auch wiederum nicht. Die bedeutendsten TV-Serien waren Baywatch, Friends und The Simpsons - das Gewöhnliche und die Überspitzung des Gewöhnlichen zum absurdesten Klamauk. The Simpsons ist die vermutlich beste und kultigste TV-Serie - sie läuft, seit 1989, heute immer noch. Auf einer ähnlich anhaltenden Erfolgswelle reitet auch die Serie von SpongeBob Schwammkopf (seit 1999). Solch tolle klamaukige Trickserien hatte man seit den Flintstones nicht mehr gesehen. Und dann waren da auch noch ein Karten- und ein Brettspiel, welche einen neuen Boom im analogen Spielebereich auslösten: Magic - The Gathering (1993) und Die Siedler von Catan (kurz: Catan, 1995). An diesem Spiel orientierten sich die folgenden Eurogames, welche (als einer der wenigsten Bereiche der Wirtschaft und der Kultur, notabene) die US-amerikanische Spieleindustrie für ein paar Jahre überflügelte. Und dann kam die grosse Millenniumsfeier - und damit der Eintritt vom Jahrhundert des Sohnes in jenes des Geistes - doch allzu viel mehr als ein weltumspannendes Feuerwerk liess man sich dazu nicht einfallen.
Das 21. Jahrhundert und seine Jahrzehnte.
2000-er. Nach dem PC in den 1980-er und dem Internet in den 1990-er Jahren wartete die Kommunikationstechnik auch in den 2000-er Jahren mit einer grossartigen Neuerung auf: dem Smartphone. Handtelefone gab es zwar schon vorher: vom Boom der Smartphones spricht man aber erst seit der Lancierung des iPhones im Jahr 2007. Das Smartphone wurde zum neuen Kommunikations- und Spielgerät der Jugend und der Gesellschaft überhaupt. Spätestens seit der Lancierung des Internets ist eine gewisse Verschmelzung von Jugend- und Erwachsenenkultur festzustellen (die von der Jugend ausgeht). Die Erwachsenen versuchen mit der Jugend mitzuhalten und auch trendy zu sein (und sich mit den neuen Dingen, welche die Jugend bewegen, auszukennen [dies ist teils schon alleine deshalb notwendig, damit die Eltern überhaupt noch einigermassen wissen, was ihre Kinder tun und treiben]). Mit den Smartphones kamen auch die Mobile-Apps, im Internet wurden die Social-Media-Plattformen entwickelt: Facebook (2004), Twitter (2006), Instagram (2010); ebenfalls von grosser Bedeutung sind die Streaming-Dienste: Netflix (1997 - für Filme), Spotify (2006 - für Musik). Youtube eröffnete seine Videoplattform (2005). Wikipedia begründete die Internetenzyklopädie (2001). Besonders in der Informations- und Kommunikations- sowie in der Verkehrs- und Transporttechnologie war die technische Entwicklung im 20. Jahrhundert berauschend (und natürlich zog dies immer neue Dinge nach sich). Mit der TV-Sendung "Big Brother" erhielt das Reality-TV-Format eine ganz neue Dimension (1999 in den Niederlanden, 2000 in Deutschland; 2002 startete das britische Dschungelcamp mit Reality-TV-Erfahrungen der grenzwertigen Art, in Deutschland ab 2004). Dagegen war im Web von Virtual Reality die Rede. Was dies dereinst bedeuten könnte zeigte die Virtual-World-Plattform von Second Life (ab 2003). Die Jugendbewegung der Zeit bezeichnete sich als Hipster, wobei dieser Terminus nicht so ganz eindeutig definiert ist. Vielleicht heisst es etwa: irgendwie ein bisschen speziell sein, aber doch irgendwie auch dazu gehören (eine reine Subkultur wie frühere Jugendbewegungen ist dies jedenfalls nicht). Musikalisch steht HipHop und Gangster Rap sowie (Contemporary) R&B im Vordergrund - relativ wenig Neues also eigentlich (neu war dabei, dass v.a. die Gangster Rapper immer deutlicher mit Luxus protzten). Fantasy und Science Fiction sind ebenfalls stark im Trend, mit Filmen wie "Lord of the Rings" (Trilogie, 2001-2003) oder "Avatar" (2009). Das Videospiel "League of Legends" (2009) erlangte grosse Bedeutung für den E-Sport; sehr kultig ist auch etwa "World of Warcraft" (2004). Beides sind Multiplayer-Online-Spiele. Politisch wurde China als neue Weltmacht wahrgenommen. Barack Obama wurde 2009 glanzvoll zum US-Präsident gewählt und war für viele eine grosse (letztlich - in einem schwierigen weltpolitischen Umfeld - wohl nicht ganz eingelöste) Hoffnung für die Weltpolitik (Regierungszeit: 2009-2017). WikiLeaks (2006) war eine Internet-Veröffentlichungsplattform mit politischer Bedeutung. Die Sportwelt kennt in diesem Jahrzehnt drei grosse Namen: Roger Federer und Lance Armstrong - der allerdings später des Dopings überführt wird - sowie die Klitschko-Brüder.
2010-er. "I phone therefore I am", sagt der transhumanistische und singularistische Youtube-Philosoph Jason Silva. Mit seinem Youtube-Kanal Shots of Awe zelebriert er (seit 2013) seine ganz eigene Art und Form von Philosophie. Der Boom des Smartphones ist ungebrochen - eine adäquate Neuerung hat es im Kommunikationsbereich in diesem Jahrzehnt nicht mehr gegeben. In der Weltpolitik spricht Henry Kissinger in seinem Buch "Weltordnung" (2014) von einer Situation einer untergegangenen Weltordnung, während eine neue sich noch nicht etabliert habe. Der Wechsel von Obama auf Trump (ab 2017) zeigte, wie gross die Differenzen in der heutigen Politik geworden sind. Trump löste eine Diskussion um Fake News, Filterblasen und Verschwörungstheorien aus. Ein Jahr zuvor sprach sich eine knappe Mehrheit der Briten für einen Brexit (2016) aus - beide Ereignisse, Trumpwahl und Brexit, werden einem verschärften Rechtspopulismus zugeschrieben. In der zunehmenden Links-/Rechtspolarisierung bilden die Grünen den Gegenpol. Die Klimadiskussion tritt in den politischen Vordergrund. Die 16-jährige Umweltaktivistin Greta Thunberg sagte den Politikern, dass heute die Kinder zum Rechten schauen müssten. Die Politik erreicht die Jugendkultur und scheint für diese wichtiger zu werden denn je - die Politisierung der Jugend könnte im Zuge der aktuellen Debatten und der neuen Möglichkeiten und Realitäten im Internet durchaus eine neue Erfahrung der Jugend werden. Das Weltwirtschaftsforum WEF drehte sich 2018 um die Chancen und Risiken der Industrie 4.0 (umfassende Digitalisierung der industriellen Produktion). Selbstfahrende Automobile werden getestet. Die Einkaufszentren werden mit Selbstbedienungskassen ausgestattet. Im Sport sticht der Fussball immer noch mehr heraus und in ihm das Triumvirat Cristiano Ronaldo, Messi und Neymar. Ausgerechnet an Weltmeisterschaften blieben die Megastars jedoch immer relativ blass. Der E-Sport wird immer wichtiger - das Videospiel Fortnite (2017) schlägt alle bisherigen Spielerekorde. Das Spiel "Pokémon Go" (2016) verlagert das Spielfeld nach draussen - das Prinzip wird Augmented Reality (erweiterte Realität) genannt. Auch die Nutzung von Social-Media-Plattformen hat weiter zugenommen. Die Social-Media-Stars werden Influencer genannt. Auf Instagram geht es um mehrere Millionen Follower, auf Youtube sogar um mehrere Millionen Dollar. Internet-Challenges fordern die Webuser heraus. Der Bitcoin könnte mehr als nur eine Internetwährung werden. Manche sehen in ihm die Rettung des Kapitalismus, andere bloss das digitale Gesicht desselben. Am Himmel zieht die Drohnen- und Quadrocopterangst auf - 2015 hat eine abstürzende TV-Aufzeichnungsdrohne mitten in einem Skirennen fast den österreichischen Seriensieger Marcel Hirscher getroffen. Gross im Trend sind immer pompösere Superheldenfilme, die alle bisherigen Actionfilme in den Schatten stellen. In die Fantasy zieht aber auch eine düstere und kühle bis kalte Stilart ein, welche aus dem nordischen Film zu kommen scheint, welcher in den letzten zwei Jahrzehnten grosse Erfolge mit Kriminalfilmen hatte, siehe: "The Hunger Games" (2012), "Game of Thrones" (2011-2019, TV-Serie - diese in den USA produzierte, aber grösstenteils in Grossbritannien gedrehte Serie feiert einen der unerklärlichsten Erfolge der TV-Geschichte; oder hat das etwa sogar etwas mit dem Wiedererwachen der Monarchie zu tun?).
2020-er. Schon wieder steht ein neues Jahrzehnt vor der Türe. Die Zeit rast an uns vorbei wie eine Autobahn. Carpe diem.