Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03218.jsonl.gz/592

| Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe

Erstes Buch. Briefe aus den Jahren 590—591.
XXIV. (47.) An die Bischöfe Virgilius von Arles und Theodor von Marseille in Gallien.
Inhalt
XXIV.
Gesammtausgabe 47.
An die Bischöfe Virgilius von Arles und Theodor von Marseille in Gallien.
Inhalt: Die Juden sollen nicht mit Zwang getauft werden.
Würde mir auch nicht die Rücksicht auf Zeit und Personen eine passende Gelegenheit bieten, an Ew. Brüderlichkeit [S. 80] zu schreiben und die pflichtmäßige Begrüßung zu erwidern, so hätte es sich doch so gefügt, daß ich zugleich abstatten kann, was der brüderlichen und nachbarlichen Liebe geziemt, und dabei auch nicht die mir vorgetragene Klage Einiger zu verschweigen brauche, die sich auf die Art und Weise bezieht, wie wir Die Seelen der Irrenden auf den Weg bringen sollen. Sehr viele Männer, allerdings jübi-schen Glaubens, die sich hier zu Lande aufhalten, aber auch in verschiedenen Geschäften in die Gegend von Marseille reisen, haben zu Unsrer Kunde gebracht, daß viele in jener Gegend befindliche Juden mehr durch Gewalt als durch die Predigt zur Taufquelle geführt worden seien. Gerne glaube ich, daß die Absicht hiebei lobenswürdig sei und von der Liebe zu unserm Herrn herkomme. Aber wenn diese Absicht nicht von dem entsprechenden, in der hl. Schrift angegebenen Erfolg1 begleitet ist, so fürchte ich, daß damit entweder kein verdienstliches Werk geschehe, oder daß gerade für die Seelen, die wir retten wollen, ein Schaden daraus entstehe, was Gott verhüten wolle! Denn wer nicht durch die Lieblichkeit des göttlichen Wortes gezogen, sondern aus Zwang zur Taufquelle gekommen ist, der kehrt wieder zum frühern Irrthum zurück und stirbt dann gerade aus dem Grunde eines schlimmen Todes, aus welchem man ihn für wiedergeboren gehalten hatte. Möge also Eure Brüderlichkeit solche Leute durch öfteres Predigen zu gewinnen suchen, so daß ihnen die Freundlichkeit des Predigers ein Verlangen einflöße, ihr bisheriges Leben aufzugeben. So wird Eure Absicht wohl erreicht, und die Seele des Bekehrten kehrt nicht zu Dem zurück, was sie ausgespieen. Die Predigt muß bei ihnen, einerseits die Dornen des Irrthums verbrennen, anderseits ihrer Verfinsterung Licht geben. So wird Ew. Brüderlichkeit für so oftmalige Ermahnung Lohn empfangen und Jene [S. 81] werden dadurch, so weit Gott es ihnen zu Theil werden läßt, zur Wiedergeburt eines neuen Lebens geführt werden.
1: Gregor denkt an die geistige Wiedergeburt nach Jo. 3, 5.