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Zum Artikel: March-Anzeiger vom 24. November 2016 (PDF)
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in der katholischen Kirche, Lachen
Camerata Schweiz und Pavel Yeletzkiy (Klavier) unter der Leitung von Giovanni Bria und Graziella Contratto.
Werke von Franz Liszt und Joachim Raff
Letzte Woche verliessen 31 Anträge für ein neues Projekt das Raff-Hauptquartier….
Wie Raffs Biografie eindrücklich zeigt, waren die ersten Jahre für einen angehenden Komponisten mit vielen Entbehrungen verbunden. Weil die Aufführung und der Druck der eigenen Werke nur wenig Geld einbrachten, mussten Teilzeit-Jobs angenommen werden, die ein Leben am Existenzminimum ermöglichten. Raff hielt sich mit zahlreichen Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Eine Sparte, in der er sich als gut gebildeter junger Herr schon früh betätigte, war das Schreiben von Korrespondenzen und Rezensionen für Zeitschriften. Ein wenig diplomatischer Artikel in der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ in seiner Kölner Zeit führte zum Beispiel dazu, dass ihm von seinen Arbeitgebern, Eck & Lefebvre, nahe gelegt wurde, den Dienst zu quittieren – was er wegen anhaltenden Spannungen mit seinen Vorgesetzten nur zu gerne annahm. Insgesamt sind uns zum jetzigen Zeitpunkt mehr als zehn Zeitschriften bekannt, für die Raff, zum Teil über Jahre hinweg, geschrieben hat. Die Suche nach den Artikeln gestaltet sich allerdings nicht immer leicht, da viele von ihnen unter einem Kürzel oder gar nicht signiert publiziert wurden (eine Ausnahme ist Franz Brendels „Neue Zeitschrift für Musik“, in der Raff mit seinem bürgerlichen Namen unterzeichnete). Nicht zuletzt dank seinen Briefwechseln sind wir jedoch über einige Kürzel und Pseudonyme unterrichtet. Hans von Bülow schreibt ihm beispielsweise in den 1850er-Jahren, dass ihm sein altes Kürzel „mf“ (für mezzoforte?) besser gefalle als sein neues „R.“. Dank der Biografie von Helene Raff wissen wir auch, dass ihr Vater für Richard Dehms Zeitschrift „Caecilia“, die Schott veröffentlichte, Texte verfasste. Bisher war jedoch unbekannt, welches Kürzel oder Pseudonym er in dieser Zeitschrift verwendete. Der von uns zum ersten Mal systematisch erschlossene Briefwechsel mit Schott löste diese Unklarheit nun auf: In seinem Brief an den Verleger vom 29.12.1846 erwähnt Raff die beiliegende Kritik eines „Lachner-Quartetts“ aus seiner Feder. Diese konnten wir im Band des Jahrgangs 1847 identifizieren: Es handelt sich um das Klavierquartett op. 10 von Vincenz Lachner, das in Karlsruhe ein Preisausschreiben gewonnen hatte. In dieser zehn Seiten langen Rezension geht Raff zunächst allgemein auf das Phänomen des Preisausschreibens ein (nur nebenbei erwähnt eine Institution, der Raff später Vieles zu verdanken hat: Seine erste Symphonie „An das Vaterland“ gewann 1861 ein Wiener Preisausschreiben), ehe er das Werk ziemlich ausführlich unter Abdruck einiger Passagen rezensiert. Unterzeichnet ist sein Text mit:
Es ist wenig überraschend, dass sich der altphilologisch gebildete Raff ein griechisches Pseudonym auswählt, das zudem auf die idealistische Ästhetik verweist, in deren Tradition er sich zum Beispiel in seiner „Wagnerfrage“ stellt (es bedeutet „Liebhaber des Schönen“). Das so ermittelte Pseudonym half dabei, weitere Texte Raffs ausfindig zu machen, die zu späterem Zeitpunkt in derselben Zeitschrift erschienen sind: einen Artikel über einen „Stapel“ an Klavierwerken, die ihm Schott zugeschickt habe, und eine Rezension der ersten Klaviersonate von Maurice Levy (über beide soll zu gegebenem Zeitpunkt berichtet werden). Leider ging die „Caecilia“ bereits 1848 ein und konnte Raff nicht länger ein Forum für seine schriftstellerischen Fähigkeiten bieten. Doch für diese ergaben sich anderswo später Gelegenheiten genug.
Mit Werken von Johannes Brahms, Joachim Raff, Henryk Wieniawski und Maurice Ravel.
In diesen ersten noch sommerlich-heissen Herbsttagen nimmt die Joachim Raff Gesellschaft eine Generalüberholung ihrer Website in Angriff, die mit neuem Leben gefüllt werden soll. Neben den bereits etablierten Themenbereichen wollen wir häufiger – mal ernsthaft, mal wie aus dem Nähkästchen – über Raffs Leben und Wirken berichten.
Im Laufe der nächsten Monate stehen mehrere Projekte der Joachim Raff Gesellschaft an, die darauf abzielen, Raffs Texte, Briefe und Werke besser zugänglich zu machen und seinen Geburtsort Lachen mit der Erinnerung an seinen berühmtesten Sohn zu durchdringen. Den Fortschritten und Ergebnissen dieser aufregenden und gewinnbringenden Arbeit ist die Kategorie „Raffiniertes Lachen“ gewidmet.
In der neuen Kategorie der „Trouvaillen“ wollen wir über kleinere und grösses Entdeckungen bei der Arbeit mit „Raffiana“ berichten. Die von uns bearbeiteten Briefe von und an Raff, die neu aufgefundenen Aufsätze des Komponisten, Artikel und Rezensionen über ihn und seine Werke ermöglichen uns, ein immer deutlicheres Profil des Lachners zu zeichnen.
Franz Liszt prägte in seinem höchst aufschlussreichen, aber auch ebenso unterhaltsamen Briefwechsel mit Raff den Begriff des „Herumraffens“, da der sich verletzt fühlende Raff gerne durch Ausfälligkeiten und die unverhüllte, oft verletzende Aussprache seiner „Wahrheit“ reagierte. In der Kategorie „Herumraffereien“ sollen gelegentlich solche Anfälle des Komponisten, die man im Neudeutschen wohl als „rant“ bezeichnen würde, dokumentiert werden.
Res Marty, Präsident der Joachim Raff Gesellschaft
Beide Werke werden in Lachen, dem Geburtsort von Joachim Raff, erstmals aufgeführt. Dies darf wiederum als ein sehr bedeutendes musikalisches und kulturelles Ereignis für Lachen, den Kanton Schwyz und auch gesamtschweizerisch gewertet werden. Die Camerata Schweiz ist ein schweizerisches Spitzenorchester.
Res Marty, Präsident der Joachim Raff Gesellschaft
Der in Lachen geborene und aufgewachsene Joachim Raff komponierte seine 6. Sinfonie (von insgesamt 11 Sinfonien) im Jahre 1873 in seiner produktionsreichsten Phase in Wiesbaden. Raff war in dieser Zeit bereits selbständiger Komponist und konnte von seinen sehr erfolgreichen Kompositionen und Dirigaten leben. Er war inzwischen weltberühmt, seine früheren Werke, besonders seine dritte, die Waldsinfonie und die fünfte, die Lenoren Sinfonie wurden in ganz Europa und Übersee gefeiert. So war er ziemlich unter Druck, wieder ein erfolgreiches Werk zu schaffen.
Die 6. Sinfonie ist betitelt mit: ‚Gelebt: Gestrebt, Gelitten, Gestritten, – Gestorben, – Umworben‘. Dieses Ideal wurde auch zum Lebensmotto von Raff. Er war überzeugt, dass sein Ruf erst nach seinem Tode völlig zum Durchbruch komme und er während seiner Lebenszeit nicht verstanden werde. Bekanntermassen kam es dann genau umgekehrt. Im ersten Satz zeigt Raff die ernste, vielleicht auch traurige Seite des Strebens nach Anerkennung, Verständnis und Erfolg. Im zweiten Satz versucht er dies mit Humor und Witz zu verarbeiten. Im dritten Satz hört man eine eigentliche Totenklage für den verstorbenen und auch vergessenen Künstler und der letzte Satz löst die Spannung auf, indem die Nachwelt entdeckt, dass die Werke des Künstlers doch hörenswert und bedeutungsvoll sind.
Die Sinfonie in d-Moll beginnt mit einem Allegro non troppo, wechselt im zweiten Satz zu einem Vivace um im dritten Satz zu einem Larghetto zu gehen. Mit dem vierten Satz endet die Sinfonie mit einem Allegro con spirito.
Die Sinfonie ist traditionell als viersätziges Werk aufgebaut. Der langsame Satz kommt bei Raff an dritter Stelle. Vor allem auch im ersten Satz zeigt Raff seine hervorragende Kompositions- und Instrumentaltechnik. Er kombiniert die Instrumente immer wieder neu und bringt damit viel Farbe in die Musik. Interessant ist das schnelle und unterhaltsame Finale des ersten Satzes. Interessant und melodiös ist der zweite Satz. Er erinnert an Mendelssohns Sommernachtstraum. Der Trauermarsch, als dritter Teil ist gemessen, eher langsam und im Fugenteil hört man Raffs bekannte Stärke als Kontrapunktiker. Und im vierten Satz zeigt er sich wieder als hervorragender Instrumentator und nochmals als gewieften Kontrapunktiker, der souverän und virtuos seine Musik erleben lässt. Interessant sind auch noch die verschiedenen Tonartwechsel von Dur zu Moll und wieder zurück innerhalb der einzelnen Sätze.
Das Werk wurde am 21. Oktober 1874 durch die königliche Hofkapelle unter Leitung von Wilhelm Taubert in Berlin uraufgeführt. 14 Tage später nochmals in Berlin, aber unter Leitung von Bernhard Bilse. Bereits am 16. November des gleichen Jahres dirigierte Joachim Raff persönlich die Sinfonie in Weimar im berühmten Hoftheater anlässlich eines Konzertes mit Werken ausschliesslich von ihm selbst.
Ein Jahr früher wurde Raff zeitgleich mit Richard Wagner und Franz Liszt Ehrenmitglied der New Yorker Sinfoniker. Er wurde in dieser Zeit auch sonst mit Ehrungen überhäuft, z.B. wurde er 1872 von der Akademie des Realo Istituto Musicale Florenz ebenfalls zum Ehrenmitglied erkoren, und gleichermassen auch vom Tonkünstlerverein Dresden. Raff wurde in dieser Zeit auch als Gründungsdirektor einer Musikhochschule in Wiesbaden gehandelt. Die Idee zerschlug sich, aber Raff wurde nur drei Jahre später Hochschuldirektor in Frankfurt a.M.
Giovanni Bria führt diese Sinfonie erstmals in Lachen auf. Das darf als ein besonderes musikalisches Ereignis für den Geburtsort von Joachim Raff bezeichnet werden.
Ungefähr in der gleichen Zeit wie die Sinfonie Nr. 6 wurde auch Raffs Cellokonzert, das er dem damals berühmten Cellisten Friedrich Grützemacher widmete, geschaffen und 1874 in Dresden unter Leitung von Julius Rietz aufgeführt. Bekanntlich wurde dieses Werk im Oktober 2012 in Lachen mit dem inzwischen berühmten jungen, damals 18 jährigen Cellisten Christoph Croisé aufgeführt. Auch damals leitete Giovanni Bria dieses denkwürdige Konzert in Lachen.
Es gibt übrigens zwei CD-Einspielungen: Bei Marco Polo/Naxos mit der Slovakischen Staats Philharmonie unter Leitung von Urs Schneider und bei TUDOR (7108) mit den Bamberger Symphoniker unter Hans Stadlmair (2003).
Geschätzte Mitglieder der Joachim Raff Gesellschaft
den Mitgliederbrief von Oktober 2015 mit Hinweis auf das Sinfoniekonzert vom Samstag, 24. Oktober 2015 in Lachen können Sie hier als PDF herunterladen. Wir freuen uns, Sie am Konzert begrüssen zu dürfen!