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Das Versprechen – Zusammenfassung Friedrich Dürrenmatt lebt vom 5. Januar 1921 bis zum 14. Dezember 1990. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt er in Bern, Basel und Neuchâtel, wo er auch stirbt.
Als Dürrenmatts Roman »Das Versprechen« erscheint, sind die Entbehrungen der Kriegszeit schon fast vergessen; in Deutschland hat die Phase des »Wirtschaftswunders« eingesetzt.
1958, im Erscheinungsjahr des Romans, ist Dürrenmatt bereits ein bekannter und erfolgreicher Autor von Kriminalromanen und Theaterstücke
Wirtschaftswunder und Restauration
Als Dürrenmatts Roman erscheint, sind erst 13 Jahre seit dem Ende des 2. Weltkrieges vergangen. Man hat sich gerade im Frieden eingerichtet und ist dabei, die Zeit des Nationalsozialismus zu vergessen bzw. zu verdrängen. Und schon stehen die Menschen wieder an der Schwelle zu einem nächsten, noch größeren und dann wahrscheinlich auch letzten Krieg, denn die einstige Anti-Hitler-Koalition ist längst zerfallen. Die USA und die Sowjetunion stehen sich im .Kalten Krieg“ als Führungsmächte von zwei militärischen und zugleich politischen und ideologischen Blöcken in Europa am „Eisernen Vorhang“ hochgerüstet gegenüber. Mitte der 50er Jahre beläuft sich das Arsenal an Atomwaffen auf rund 50.000 Stück; die Menschheit ist längst in der Lage, sich selbst und alles Leben auf der Welt mehrfach auszulöschen. Die Blockade Berlins (1948/1949), der Koreakrieg (1950-1953) und die Suez-Krise (1956) waren deutliche Zeichen der Blockkonfrontation, deren steinernes Symbol die Mauer in Berlin werden sollte (13. August 1961). In Deutschland sind die Trümmer des Krieges nahezu weggeräumt, das sogenannte Wirtschaftswunder der ,sozialen Marktwirtschaft“ hat eingesetzt, die Westintegration der Bundesrepublik ist abgeschlossen, denn die BRD ist mittlerweile Mitglied des Europarats und durch die Parison Verträge (1954) auch Mitglied der Westeuropäischen Union und er NATO. Im Jahre 1958, dem Erscheinungsjahr von Das Versprechen, ist die Wiederbewaffnung beschlossen und die Bundeswehr bereits gegründet (1956). Politisch ist das Klima dieser „Restanrationsjahre“ durch die konservativen Regierungen aus CDU und CSU bestimmt, die 1957 unter Konrad Adenauer einen Wahlsieg erringen, bei dem sie 50,2 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigen können. Der zentrale Wahlslogan heißt (bezeichnenderweise): „Keine Experimente!“
Die Menschen in Deutschland sehen- trotz der weltpolitisch angespannten Lage- eher optimistisch in die Zukunft, wenn auch die atomare Bedrohung durchaus Angste hervorruft. Die Einkommen lassen den ersten bescheidenen Wohlstand zu, man sieht vermehrt Autos auf den Straßen (1953 hat der Bestand an PKW und Motorrädern den von 1939 bereits überschritten, bei Volkswägen laufen täglich rund 1.500 „Käfer“ vom Fließband).
„Um 1950 begann eine neue Zeit. (…) Die Wirklichkeit bekam wieder Glanz. Sonntag und Alltag waren wieder zu unterscheiden. Es gab wieder eine Spur von Luxus, wieder etwas, woraul sich Ehrgeiz und Träume projizieren ließen.“
Die ersten weiteren Reisen werden geplant. Ein Land vieler Träume sind die USA, das ,Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, das in Deutschland nicht nur durch seine Soldaten, sondern auch durch seine Musik (Elvis Presley), seine Hollywood-Filme und seinen Lebensstil präsent ist.
Das „Modell Schweiz“
Was für die noch junge Bundesrepublik und ihren wirtschaftlichen Aufschwung gilt, gilt erst recht für die schweizerische Heimat Dürrenmatts. Die Schweiz, vom Krieg und seinen Folgen kaum berührt, vollzieht die Entwicklung zur Prosperität und zum Modernen rascher als etwa Deutschland: Ein Bauboom erfasst nach dem Krieg das Land, eine Motorisierungswelle ergreift seine Bürger, die Konjunktur zieht an. Jan Knopf schreibt über die Entwicklung der Schweiz nach dem Krieg:
„In der unzerstörten Schweiz wurde schneller offenbar, was in den anderen westeuropäischen Ländern, voran der Bundesrepublik, noch lange kaschiert wurde: dass der Umbau des kleinen, landwirtschaftlichen Landes in einen modernen Industriestaat nicht nur Aufbau, sondern vor allem auch Zerstörung einer menschlichen, überschaubaren, natürlichen aber auch besonders schönen Landschaft zugunsten einer abgezirkelten, scheinbar sauberen, planen Industriewelt war.“
Derwachsende Wohlstand in der Schweiz, die Motorisierungswelle, der aufkommende Konsum und der sich abzeichnende Gegensatz zwischen ländlichdörflicher Gemeinschaft und städtischem Leben sind nicht die Hauptthemen des Romans Das Versprechen, spielen aber dennoch in ihn hinein. Die Bedeutung der Motorisierung und des Autos wird schon alleine dadurch hervorgehoben, dass der Mörder zunächst mit dem Fahrrad, dann aber mit dem Wagen unterwegs ist und ein zentraler Schauplatz eine Tankstelle ist. Im 24. Kapitel des Romans wird der sonntägliche Ausflugsverkehr mit Kraftfahrzeugen geschildert:
„Alles war in monströser, sinnloser Unruhe, die ganze Ostschweiz schien in Bewegung geraten zu sein; irgendwo gab es ein Autorennen, dazu eine Menge Wagen aus der Westschweiz; man fuhr familienweise her, ganze Sippschaften rollten heran (…).“
Dr. H. kutschiert den Erzähler in seinem Opel Kapitän von Chur nach Zürich, der Mörder Schrott fährt einen Buick, einen amerikanischen Wagen. Der neue Wohlstand äußert sich im Verzehr von Genussmitteln. Dr. H. leistet sich teure Zigarren, trinkt Wein und Whisky und ist ein Liebhaber guten Essens in Restaurants. Die Schichten von Plakaten auf der Wand des Hauses, bei der Matthäis Tankstelle liegt, künden von den Konsumartikeln der damaligen Zeit: Tabak, Soft-Drinks, Kaugummi, Lindt-Schokolade (8). Städtisches Leben und dörfliche Gemeinschaft stehen sich gegenüber, wenn die Kom- missare nach Mägendorf kommen. Die Bewohner des Dorfes sind gegenüber den Polizisten aus der Stadt misstrauisch, ablehnend. gar feindselig eingestellt. Aber die Idylle des Dorflebens ist nur ei- ne scheinbare, trügerische. Der Mörder kommt zwar aus der Stadt aber sein Wagen trägt ihn ins Dorf. Die heile Welt der Dorfgemeinschaft, wenn es sie denn je gegeben hat, wird von der Modernisierung eingeholt.
Quelle: Königs Erläuterungen: Das Versprechen