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Zwischen Stuttgart und Nürnberg erstreckt sich im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs das weitläufige Land rund um Schloss Tempelhof. Die Häuseransammlung beherbergt rund 150 Menschen, die zusammen als Lebensgemeinschaft ein nachhaltiges und selbstbestimmtes Leben anstreben. Verstreut wohnen Familien und Einzelpersonen in den Häusern und Bauwagen. Bald schon sollen knapp 30 Personen ein neues Zuhause in einem Earthship finden.
Für den Bau des 155-Quadratmeter-Hauses reiste sogar Earthship – Erfinder Michael Reynolds an. Der Baupionier entwickelte in den 70er-Jahren Häuser, welche nur durch passive solare Wärmegewinne und deren Speicherung in der Baumasse geheizt werden. Die Hauskonstruktion ermöglicht eine natürliche Luftzirkulation, ohne aufwändige Kühlsysteme. Bioarchitekt Reynolds konzipiert Earthships weitgehend aus natürlichen und recycelten Baustoffen. Hinsichtlich Wärme, elektrischer Energie, Wasser und Abwasser kommen sie völlig autark aus.
Besonderes Merkmal ist die Verwendung von Zivilisationsabfällen als Baumaterial. So sind die geschlossenen Nord-, Ost- und Westwände fast immer aus gebrauchten Autoreifen aufgebaut. Diese werden mit Erde gefüllt und mit kräftigen Hammerschlägen verdichtet. Mit diesen `Steinen` stapeln die Arbeiter vom Tempelhof aus 900 Stück eine meterdicke Rückwand, welche durch ihre meist mehrere Tonnen schwere Masse als thermischer Speicher funktioniert. Die sonnenzugewandte Südfassade ist dagegen fast vollständig verglast, sodass die hier entstehenden solaren Wärmegewinne in den massiven Bauteilen über Tage und Wochen gespeichert werden. Eine klassische Heizung wird daher nicht benötigt.
Zur Selbstversorgung mit Wasser wird auf der Dachfläche Regenwasser gesammelt und in Zisternen gespeichert. Durch ein ausgeklügeltes Verbrauchssystem kann jeder Tropfen Wasser bis zu vier Mal verwendet werden. Selbst in ariden Gebieten mit geringen jährlichen Niederschlagsmengen können die Earthships versorgt werden. Das gesammelte Wasser wird gefiltert und dient als Trink- oder Spülwasser. Anschliessend wird es zu Pflanzenbeeten geleitet, die sich im Haus befinden. Die Pflanzenerde säubert das Wasser, worauf es wiederum als Toilettenspülung benutzt und schließlich über eine Klärgrube in ein neben dem Haus befindliches Pflanzbeet geleitet wird , wo letzte Verunreinigungen durch die Pflanzen herausgefiltert werden.
Die künftigen Bewohner des Earthships im Tempelhof müssen vorerst zwar auf die eigene Wasserversorgung verzichten, doch wollen sie die Behörden mit Messergebnissen überzeugen. Denn Regenwasser trinken und Abwasser reinigen ist in Deutschland verboten, die Ämter reden mit. Mit dem Bau wollen die Bewohner des Tempelhofes die Earthships in Europa etablieren. Vorerst gibt es europaweit kaum welche zu begutachten, noch stehen die meisten in den U.S.A. Das wird sich wohl ändern!
Weitere Informationen:Earthship Biotecture