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Es ist eine dieser Flaschen, die gerne mal unbenutzt in deiner Hausbar herumstehen. Hier ein paar Tipps und Rezepte, damit du dieses feine Getränk endlich mal verwendest!
Vielleicht hat ein Gast sie mal mitgebracht. Oder es ist ein Erbstück eines längst vergessenen WG-Mitbewohners. Oder dein Partner oder deine Partnerin hat sie mal gekauft, weil ihr nach den Frankreich-Ferien auch mal selbst Crêpes Suzette kochen wolltet.
Jedenfalls steht sie nun da, diese Flasche Grand Marnier, hinten in der Hausbar. Und du bekommst eine leise Vermutung, dass man damit bestimmt den einen oder anderen feinen Drink zubereiten könnte. Und vielleicht auch noch das eine oder andere Rezept.
Keine Sorge! Denn hier ist Onkel watson mit weisem Rat zur Stelle!
Okay, zuerst mal etwas Grundwissen:
Was genau ist Grand Marnier?
Grand Marnier ist ein Markenname für Liqueure der Familie Triple Sec und Curaçao. Er wird aus den Schalen der karibischen Bitterorange Citrus Bigaradia hergestellt.
Mmh. Schon mal gut.Bild: wikicommons
Am bekanntesten ist der auf Cognac basierende Cordon Rouge, dessen Flaschen mit einem roten Band verziert sind und der einen Alkoholgehalt von 40 Volumenprozent hat.
Seit wann gibt's das und woher kommt es?
Die Ursprünge von Grand Marnier liegen fast zwei Jahrhunderte zurück, als Jean Baptiste Lapostolle anno 1827 in Neauphle-le-Château, einer kleinen Stadt ausserhalb von Paris, eine Destillerie für Fruchtliköre errichtete.
Destillerie Lapostolle Mitte des 19. Jahrhunderts.Bild: grandmarnier.com
1876 heiratete Julia, die Enkelin von Jean Baptiste Lapostolle, den Weinhändler Louis-Alexandre Marnier. Letzterer war es, der ein paar Jahre später die kühne Idee hatte, den Cognac aus der Destillerie seiner Ehefrau mit einer seltenen Sorte von Orangen aus der Karibik zu kombinieren. Bis heute ist die Rezeptur unverändert geblieben.
Grand? Weshalb denn «gross»?
Als Louis-Alexandre sein Rezept entwickelte, nannte er es zunächst Curaçao Marnier. César Ritz, der bekannte Schweizer Hotelier und enger Freund Louis-Alexandres, war es, der den heute bekannten Markennamen kreierte. Damals war es in Paris Mode, dass alles «petit» sein sollte. Ritz hielt dagegen: «‹Grand Marnier› – ein grosser Name für einen grossen Liqueur!»
Kumpels: Louis-Alexandre ...
Bild: wikicommons
... und César.
Bild: wikicommons
Die ikonische Flaschenform mit Wachsiegel und Band (anfänglich gelb, bald darauf – und bis heute unverändert – rot) gibt es seit 1892 und ist ein Kabinettstück des Art Nouveau, der Kunstbewegung der Belle Epoque Frankreichs von 1880 bis 1914).
Seit jeher unverändert: antike Grand-Marnier-Flaschen.Bild: wikicommons
So, jetzt aber wollen wir Cocktail-Rezepte!
Etliche klassische Cocktails verlangen nach einer nicht näher definierten Sorte Triple Sec. Wird im Rezept aber spezifisch nach Grand Marnier verlangt, ist dies meist für die «edlere» Variante des Drinks. Zum Beispiel nimmt man Grand Marnier für eine Margarita, heisst diese Version Cadillac Margarita. Hier kommen ein paar Drinks-Klassiker, um deine Buddel Grand Marnier nach und nach leerzutrinken! Etwa ...
Grand Tonic
Grand Marnier Orangenliqueur mit Tonic und etwas Orangenzeste. Genial.
Bild: grandmarnier.com
5 cl Grand Marnier
Tonic Water
Orangenzeste
Longdrink-Glas mit Eiswürfeln füllen. 4–6 cl Grand Marnier beigeben. Mit vorgekühltem Tonic Water auffüllen, vorsichtig rühren. Mit etwas Orangenzeste garnieren.
Cadillac Margarita
Die Edel-Variante der klassischen Margarita: mit Tequila Reposado und Grand Marnier. Mmh.
Bild: Grand Marnier
5 cl Tequila Reposado
2 cl Grand Marnier (plus 1 TL obendrauf)
1,5 cl frischer Limettensaft
Salz
1 Limettenschnitz
Salz auf einen kleinen flachen Teller geben. Den Rand eines eisgekühlten Margarita-Glases am Limettenfruchtfleisch entlangführen und dann in das Salz tupfen, sodass ein feiner Salzrand entsteht.
Die restlichen Zutaten in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben, energisch schütteln und in das Glas abseihen. 1 TL Grand Marnier zusätzlich obendrauf träufeln.
B-52
Ein Klassiker aus der bunten Ära der Achtzigerjahre-Cocktails.
Bild: Shutterstock
2 cl Kahlua
2 cl Bailey's Irish Cream
2 cl Grand Marnier
Kahlua in ein Likörglas einschenken. Danach den Baileys vorsichtig über einen Löffelrücken geben. Mit dem Grand Marnier ebenso verfahren. Das Ergebnis sollte ein bunter Drink sein, bei dem die drei Zutaten in klaren, erkennbaren Schichten zu sehen sind.
Mimosa
Dieser altehrwürdige Brunch-Cocktail soll 1926 von Frank Meier, Barchef des Pariser Hôtel Ritz (da haben wir's ja wieder!), erfunden worden sein.
Bild: shutterstock
Frisch gepresster Orangensaft
Champagner
1 EL Grand Marnier pro Glas
Orangensaft und Champagner im Verhältnis 50/50 in ein Champagner-Flute geben. 1 EL Grand Marnier beigeben.
Yellow Daisy
Einer der gaaaanz alten Cocktails, dessen Entstehungsgeschichte bis in den Wilden Westen der USA zurückgeht. Heute nur wenigen bekannt, verdient dieser Verwandter des Dry Martini ein Comeback.
Bild: noseychef.com
4 cl Gin
4 cl trockener Vermouth
2 cl Grand Marnier
1 Schuss (0,5 cl) Absinthe
Zitronenzeste
Alle Zutaten in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben und energisch schütteln. In ein eisgekühltes Cocktailglas abseihen und mit einem Lemon Twist garnieren.
Le Grand Louis
Hier ein neuerer Cocktail, der aber ebenfalls eine Abwandlung des Martini darstellt. Einfach den Gin mit Grand Marnier ersetzen. Mmh. Und erst noch eine Anspielung auf den Erfinder!
Bild: liquor.com
6 cl Grand Marnier
2 cl trockener Vermouth
1 Schuss Orange Bitters
Zitronenzeste
Rosmarinzweig
Grand Marnier, Vermouth und Bitters in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben und vorsichtig umrühren. In ein eisgekühltes Cocktailglas abseihen. Die Zitronenzeste darüber ausdrücken und mit dem Rosmarinzweig garnieren.
Grand Sidecar
Und wieder ein Cocktail-Klassiker, der im Pariser Hotel Ritz entstanden sein soll. Immer dieser César Ritz, hä?
Bild: shutterstock
5 cl Cognac
3 cl Grand Marnier
2 cl frisch gepresster Zitronensaft
Orangenzeste
Alle Zutaten in einen mit Eiswürfeln gefüllten Cocktailshaker geben und energisch schütteln. In das vorgekühlte Cocktailglas abseihen und mit einer Orangenzeste garnieren.
Grand Old Fashioned
So und hier noch eine Abwandlung des Ur-Cocktails Old Fashioned: Statt Zuckerwürfel und Wasser nimmt man gleich etwas Grand Marnier!
Bild: grand marnier
3 cl Grand Marnier
3 cl Bourbon
2-3 Schuss Angostura Bitters
Orangenzeste
In einem Whiskyglas Grand Marnier und Angostura mit einem Löffel verrühren. Danach mit Eiswürfeln auffüllen, den Bourbon beigeben und vorsichtig umrühren. Mit einer Orangenzeste garnieren.
Okay, könnten wir noch das Rezept für Crêpe Suzette haben, bitte?
Mais bien sûr!
Bild: Shutterstock
Bitte sehr! Hier das Rezept für 4 Personen:
Zutaten:
- 4 Eier
- 3,5 dl Milch
- 100 g Mehl
- 1 MS Salz
- 2 Orangen
- 1 Zitrone
- 60 g Butter (plus etwas mehr zum Braten)
- 50 g Honig
- 1 dl Grand Marnier
Bild: wikicommons
Zubereitung:
- Crêpe-Teig: Von einer Orange etwas Schale abreiben. Diese mit den Eiern, der Milch, dem Mehl und ein klein wenig Salz mit dem Schwingbesen gut verrühren, ca. 20 Min. ruhen lassen.
- Orangensauce: Von einer Orange und der Zitrone je eine ca. 5 cm lange, dünne Schale abschälen und in feine Streifen schneiden. Zusammen mit der Butter und dem Honig in einer weiten Bratpfanne erwärmen. Von beiden Orangen und der Zitrone Saft auspressen und zusammen mit ca. 1/3 des Grand Marniers dazugiessen, ca. 8 Min. köcheln.
- Crêpes: Etwas Bratbutter in einer beschichteten Bratpfanne auf mittlere Hitze heiss werden lassen. Teig portionsweise in die Pfanne geben, sodass der ganze Pfannenboden gleichmässig dünn mit Teig überzogen ist. Crêpe hellbraun backen. Mit der Bratschaufel oder in der Luft wenden. Zweite Seite kurz fertig backen. Crêpes zu einem Viertel falten. Crêpes in die heisse Sauce geben und Pfanne dabei leicht schwenken. Restlichen Grand Marnier dazugiessen, ca. 1 Min. flambieren. Sofort servieren.
Übrigens:
Zur Erfindung dieses klassischen Rezepts
gibt es diverse Thesen. Eine der populärsten schreibt es Auguste Escoffier
zu, ab 1884 Küchenchef des Grand Hotels von César Ritz
in Monte-Carlo, wo Grand Marnier erstmals popularisiert worden war. Nach dieser Hypothese habe Escoffier das Gericht erstmals für den als Lebemann bekannten Prinzen von Wales und späteren König von England, Edward VII.
, zubereitet und es nach dem prominenten Gast taufen wollen. Der Prinz aber winkte geschmeichelt ab; stattdessen sollten die Crêpes den Namen seiner schönen Begleiterin an jenem Abend tragen – Suzette Reichenberg
, der Schauspielerin der Comédie-Française.
Andere Quellen bestreiten aber Escoffiers Urheberschaft an dieser Erfindung.
Suzette von der Crêpe – das ist sie:
Bild: wikicommons
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