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Rudel auftraten, ist man aber abgefahren. Heute existieren im Kanton wohl keine solche mehr.
Ausserdem sind die grösseren Jagdtiere von heute der Dachs (Meles taxus), der Fuchs (Canis vulpes) und der Hase (Lepus timidus). Letzterer bildet das Hauptjagdwild, für dessen Erhaltung der Jäger am meisten besorgt ist und dem zu Liebe dem Fuchs und dem Dachs mehr als nötig und oft auf unwaidmännische Art (wie durch Giftlegen) zugesetzt wird. Diese beiden Tiere verschwinden in Folge dessen in unseren Wäldern mehr und mehr. Dafür stellen sich die viel gefährlicheren verwilderten Hauskatzen (Felis domestica) ein.
Die Wildkatze (Felis catus) war Anfangs der 1880er Jahre im Rheinfelder Revier in einer ziemlichen Kolonie vertreten, und es wurden dort alljährlich Exemplare erlegt. An der schweizerischen Landesausstellung in Zürich 1883 war eine Gruppe von sechs ausgestopften Wildkatzen ausgestellt, die alle aus diesem Reviere stammten, und in Zofingen befinden sich zwei Exemplare von dort. Das eine davon, ein trächtiges Weibchen, wurde im Jahr 1883 erlegt und es ist wahrscheinlich, dass mit diesem die dortige Wildkatzenkolonie ihren Abschluss fand.
Von andern Säugetieren sind noch die Marder, Iltisse und Wiesel zu erwähnen. Der Edelmarder (Mustela martes) haust noch in den grossen Waldungen, der Hausmarder (Mustela foina), sowie der Iltis (Putorius foetidus) in der Nähe menschlicher Wohnungen. Ihnen allen wird sowohl wegen ihren Räubereien, als auch wegen ihres kostbaren Pelzwerkes scharf nachgestellt, so dass sie nicht zu den häufigen Erscheinungen gerechnet werden können. Am häufigsten wird noch der Iltis erlegt. Auch das grosse Wiesel (Putorius ermineus), ein energischer Mäusejäger, wird gefangen und erlegt, da es auch etwa in Baumgärten Vogelnester ausraubt. Das kleine Wiesel (Putorius vulgaris) ist selten und daher weniger bekannt. Wo es häufiger ist, hat es vom Volke wegen seines dünnen, langgezogenen Leibes und seiner Schlankheit den Namen «Därmli» bekommen.
Eine Gruppe der zierlichsten Waldtiere bilden das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), das den Beobachter mit seinem muntern Wesen und seinen Kletterkünsten erfreut, dann der Siebensschläfer (Myoxus glis), ein Nachttier, das oft auf Rechnung des Eichhörnchens sündigt, indem es in der Nacht Aepfelbäume plündert, von den Aepfeln aber nur die Kerne frisst. Die zerfressenen Aepfel, die man Morgens unter den Bäumen findet, werden meistens den Eichhörnchen aufs Kerbholz geschrieben. Das dritte Mitglied dieser Gruppe ist das niedliche Haselmäuschen (Muscardinus avellanarius), das häufig in Gefangenschaft gehalten wird, wo es aber selten lange am Leben bleibt. Der Igel (Erinaceus europaeus) ist leider beim Landvolk ein Objekt des Aberglaubens und beim fahrenden Volk eine begehrte Delikatesse; er wird aus beiden Ursachen gesucht und getötet und ist leider schon ziemlich selten geworden.
Dem Fischotter (Lutra vulgaris), der um die Mitte des 19. Jahrhunderts häufiger auftrat und an den Flüssen, namentlich an der Aare, dem Fischbestand schadete, ist so energisch der Krieg erklärt worden, dass er gegenwärtig eine Seltenheit geworden ist. In den letzten Dezennien wurden von den Gebrüder Baur in Aarburg 63 Stück gefangen.
Von den kleinen Säugetieren, den kleinen Nagern und Insektenfressern, sind die Rattmäuse und Hausmäuse, sowie die in Wald und Feld oft in grossen Mengen auftretenden Feld- und Wühlmäuse, der Maulwurf und die Spitzmäuse dem Landmann nur zu gut bekannte Erscheinungen. Von der Wühlmaus (Arviocola amphibius) und dem biedern, vom Landwirt immer noch verkannten Maulwurf (Talpa europœa) treten oft weisse Varietäten auf, ebenso isabellgelbe Maulwürfe mit orangegelben Rüsseln. Diese geben den Mausern Anlass zu Aberglauben.
Dies Volk der Kleinen, das zum grossen Teil unterirdisch lebt, kann sich noch am besten erhalten und tritt oft in solchen Mengen auf, dass man sich seiner mit Gewaltmitteln erwehren muss.
Noch sind zu erwähnen die Fledermäuse. Die häufigsten sind die Ohrenfledermaus (Plecotus anritus) und die gemeine Fledermaus (Vespertilio murinus), welche unbetretene, dunkle Räume alter Gebäude bewohnen; dann die grosse und die kleine Hufeisennase (Rhinolophus ferrum eguinum und hippacrepis), die in Gesellschaft in Höhlen im Walde und an ähnlichen Orten leben. Im Wiggerthale ist die sonst ziemlich seltene Mopsfledermaus (Synotus barbastellus) häufig.
Die Vögel stellen zur aargauischen Fauna ein viel grösseres Kontingent, sowohl in Bezug auf die Anzahl der Arten, als auch namentlich auf die Individuenzahl. Von den etwa 358-360 bis jetzt in der Schweiz beobachteten Vogelarten gehören nicht weniger als 233 der aargauischen Fauna an. Davon nisten aber nur etwa 170 Arten bei uns. (Franz Xaver Bronner gibt im Jahr 1844 178 Arten als im Kanton Aargau wild vorkommend an).
Die Singvögel und kleinern Vögel überhaupt geniessen beim Publikum grosse Sympathie, und die Sitte des Fütterns der Vögel im Winter hat zu Stadt und Land Platz gegriffen und viel zur Erhaltung und Vermehrung des fröhlichen Völkleins beigetragen.
Von der grossen Ordnung der Sperlingsvögel seien nur einige der seltenern und interressantern erwähnt. Der Zaunammer (Emberiza cirlus) ist in den letzten Jahren etwas häufiger aufgetreten, als früher. Rohrammern (Schœntcola schœniclus) bewohnen häufig die Sumpfgegenden und treten im Herbst in ¶
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ziemlich grossen Flügen auf. Die Bergfinken (Fringilla montifringilla) erscheinen in neuerer Zeit fast alle Winter in unseren Gegenden, in strengen Wintern oft in mächtigen nach Tausenden zählenden Scharen. Der Kirschkernbeisser (Coccothraustes vulgaris) ist in unsern Wäldern in den letzten 2 Dezennien einheimisch geworden und nistet regelmässig.
Die Heidelerche (Lululla arborea) ist viel seltener geworden, als sie früher war. Der rotflüglige Mauerläufer (Tichodroma muraria) war nach alten Nachrichten noch anfangs des 19. Jahrhunderts bei uns ein in Schlössern und alten Mauern nistender Vogel. Gegenwärtig ist er nur noch ein Bewohner der Alpen, kommt aber im Winter noch oft in die Ebene hinunter. Der Berglaubvogel (Phyllopneuste Bonelli) wurde in früheren Werken als im Aargau vorkommend nicht erwähnt.
Gegenwärtig ist er in unsern Wäldern keine seltene Erscheinung. Die Rohrsänger bilden in den Schächen der Aare an verschiedenen Stellen grössere Kolonien; an heimlichen, verborgenen Stellen kann man herrliche Konzerte derselben hören, ebensolche in den dichten Buschhalden unserer Wälder von den Grasmücken und in den Gipfeln der alten Tannen am Waldsaum von den Drosseln und Meisen. Blaukelchen (Cyanecula leucocyanea) treten im Zuge in einzelnen Thälern häufig auf.
Sie ziehen über das ganze Gelände zerstreut dem Erdboden nahe und fliegen bei der Herbstjagd vor dem suchenden Hunde in Kartoffel- und Krautäckern, sowie in Stoppelfeldern auf. Der Seidenschwanz (Bombycilla garrula) kommt in langjährigen Zwischenräumen im Winter aus dem N. in unsere Gegenden. Eine solche Invasion fand im Jahre 1806 statt, wo ein milder Winter grosse Scharen in den Aargau und andre Kantone lockte. Seither geschah das wiederholt, das letztemal im Winter 1903/04. Im Jahr 1810 erhielt Prof. Schinz in Zürich einen Rosenstaar (Pastor roseus) vom Hallwilersee als grosse Seltenheit.
Die Haubenlerche (Galerita cristata) war in der ersten Hälfte des 19. Jahrh. im Aargau sehr selten. Franz Xaver Bronner schrieb 1844: «Sie soll in den Feldern von Möhlin vorkommen». Gegenwärtig erscheint sie oft in Feldern in einzelnen Gegenden, sogar in Ortschaften in kleinen Flügen und hat bei Aarau in den Anlagen des Kantonsspitals auch gebrütet. Die Blauracke (Coracias garrula) nistete früher nicht selten im Jura, und kommt jetzt noch zur Seltenheit vor. Wo sich aber dieser auffallend und schön gefärbte Vogel zeigt, wird er regelmässig weggeschossen.
In Bezug auf die Raubvögel wird seitens der Jäger dafür gesorgt, dass sie nicht überhand nehmen. Vielleicht wird ihnen nur allzu sehr zugesetzt, denn für den Naturfreund ist es ein schönes, leider immer selteneres Schauspiel, einen oder einige dieser majestätischen Flieger über der Gegend kreisen oder den Bussard ohne Flügelschlag aus einem Gehölz in breiten Kreisen in die Höhe sich schrauben zu sehen. Dass die Bussarde und Nachtraubvögel, die besten Mäusevertilger, ebenso der Vernichtung preisgegeben sind, wie die den Singvögeln gefährlichen Räuber, ist nicht zu entschuldigen.
Eine Kolonie von Schleiereulen (Strix flammea), die seit Menschengedenken in den alten Mauern und Türmen der Festung Aarburg hauste, ist durch Gift vernichtet worden, das in neuerer Zeit vielfach gelegt wird, um Raubtiere zu töten, wobei auch eine Menge anderer Tiere heimtückischer Weise getötet werden. Im Jura nistete der stolze Fischadler (Pandion haliaetus) noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrh. nahe des Zusammenflusses von Aare, Reuss und Limmat mit dem Rhein und wurde alle Jahre gesehen.
Jetzt beobachtet man ihn dort nur noch sehr ausnahmsweise, und wenn sich irgendwo ein Paar ansiedeln will, ist seines Bleibens nicht. Meistens sieht man die erlegten Vögel in der Werkstätte irgend eines Präparators. Ebenso sind der Kolkrabe (Corvus corax) und der Uhu (Bubo maximus) im aargauischen Jura zu den vergangenen Dingen zu rechnen. Eine sehr seltene Erscheinung in unserem Kanton ist der Seeadler (Haliäetus albicilla). In den letzten Jahren wurden zwei dieser grossen Adler ganz nahe der Aargauer Grenze in der Nähe des Klosters Fahr erlegt, einer am bei Engstringen und einer Ende Oktober 1908 nicht weit von dieser Stelle. Zu erwähnen ist noch, dass im Jahre 1805 bei Wohlen ein Steinadler (Aquila fulva) erlegt worden ist.
Auerwild und Haselhuhn (Tetrao urogallus und Tetrao ¶