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Das Wichtigste in Kürze
- Das Herz kann nicht brechen, doch es kann erkranken.
- Emotionaler Stress schädigt den Herzmuskel.
- Frauen sind häufiger vom Broken-Heart-Syndrom betroffen als Männer.
Die Formulierung, dass jemand an gebrochenem Herzen starb, klingt nach Groschenroman und Filmschnulze. Doch tatsächlich ist es möglich, an grossem Kummer zu sterben.
Dahinter steckt das sogenannte Broken-Heart-Syndrom, auch als Tako-Tsubo-Syndrom bekannt. Die Medizin nennt das Phänomen transiente linksventrikuläre apikale Ballonierung.
Broken-Heart-Syndrom: Wenn Stress auf den Herzmuskel schlägt
Bei einer starken emotionalen Belastung schüttet der Körper grosse Mengen der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Dies kann der Tod eines geliebten Menschen sein, eine Trennung oder ein anderer bedeutender Verlust.
Die Stresshormone belasten dann den Herzmuskel und können zu Herzrhythmusstörungen oder sogar einem Herzinfarkt führen.
Wie dies genau abläuft, konnte die Medizin bislang nicht klären. Allerdings ist deutlich, dass Frauen nach den Wechseljahren besonders häufig vom Broken-Heart-Syndrom betroffen sind.
Dies liegt daran, dass das weibliche Hormon Östrogen das Herz normalerweise vor Adrenalin schützt. Da dieses Hormon nach den Wechseljahren kaum noch vom Körper gebildet wird, entfällt diese Schutzfunktion.
Atemnot und Engegefühle
Die Symptome des Broken-Heart-Syndroms ähneln denen eines Herzinfarkts. Betroffene verspüren ein Engegefühl und Schmerzen in der Brust und leiden unter Atemnot.
Japanische Forscher beobachteten, dass sich die Beschwerden in der linken Herzkammer konzentrieren. Hier kam es zu einer krampfartigen Verengung der Herzkranzgefässe.
Die Form erinnerte die Mediziner an die Japan verbreiteten Tintenfischfallen, die einem Krug mit kurzem Hals gleichen. Diese werden Tako-Tsubo genannt und nach ihnen erhielt das neue Krankheitsbild den Namen Tako-Tsubo-Syndrom.
Nachdem es erstmals in Japan definiert wurde, wurde es auch in Europa und Amerika häufiger beobachtet.
Bei Symptomen sofort zum Arzt
Auf keinen Fall sollten Betroffene die Beschwerden ignorieren oder sie als psychologisches «Herzweh» bagatellisieren. Wird das Broken-Heart-Syndrom nicht behandelt, kann es die gleichen schweren Folgen haben wie ein Herzinfarkt.
Erzählt der Patient beispielsweise, dass er kürzlich einen geliebten Menschen durch Tod oder Trennung verloren hat, liegt der Verdacht auf Taku-Tsubo nahe. Bei einer Ultraschalluntersuchung des Herzens wird dann beobachtet, ob sich die linke Herzkammer ungewöhnlich aufbläht.
Die Behandlung des Broken-Heart-Syndroms
Der Mediziner wird nach der Diagnose Medikamente zur Behandlung der Herzbeschwerden verordnen. In der Regel werden Betroffene einige Tage im Krankenhaus stationär beobachtet.
Die Gabe von Betablockern reduziert die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Wird die Erkrankung frühzeitig korrekt erkannt und behandelt, kann sie vollständig geheilt werden.
Allerdings ist deutlich, dass eine gewisse genetische Veranlagung zum Broken-Heart-Syndrom besteht. Sei es, dass der Körper generell überempfindlich auf Adrenalin reagiert oder dass nach den Wechseljahren das schützende Östrogen endgültig wegfällt.
Wer einmal diese Beschwerden bei sich erlebt hat, muss mit einem erneuten Auftreten rechnen.
Vorbeugung kaum möglich
Gegen einen schweren Schicksalsschlag wie den Tod eines geliebten Menschen kann sich niemand wappnen. In sehr seltenen Fällen kann auch übergrosse Freude enorme Mengen Adrenalin freisetzen und den Herzmuskel überfordern.
Wurde einmal das Taku-Tsubo-Syndrom diagnostiziert und behandelt, sollten Betroffene ihre genetische Prädisposition im Kopf behalten. Tritt noch einmal eine schwere emotionale Belastung auf, die zu Herzschmerzen führt, lässt sich die Diagnose dann weit einfacher stellen.