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Die Frage muss erlaubt sein: Warum wollen Gamer eigentlich Realfilm-Umsetzungen von Spielen sehen? Wollten sie das nicht, gäbe es jedenfalls die zwischen 2002 bis 2016 produzierten, in der Hauptsache von Paul W. S. Anderson realisierten und - um es mal vorsichtig auszudrücken - eher kontrovers aufgenommenen sechs "Resident Evil"-Filme nicht. So oder so hätte ein weiterer Anderson-Ableger wohl kaum noch jemanden hinter dem Ofen vorgeholt. Nach der Ankündigung des Reboots mit Johannes Roberts als Autor und Regisseur kam in der Fan-Gemeinde aber schon im Vorfeld etwas Hoffnung auf, zumal der Trailer an die vergleichsweise glanzvolle "Silent Hill"-Verfilmung von 2006 statt an die Anderson-Spektakel denken liess. Roberts wurde 2017 mit dem Unterwasser-Reisser "47 Meters Down" bekannt, mit dem er bewies, dass er mit minimalen Mitteln solide Genrespannung erzeugen kann. Und ganz ehrlich: Schon allein das wäre nach den unzähligen mehr oder minder schmerzvollen Erfahrungen der Vergangenheit (muss man hier wirklich noch Namen nennen?) als Erfolg zu werten.
Aus dem Haifischbecken nach Stephen-King-City
Die Frage nach dem Warum ist damit aber noch nicht geklärt. Vielleicht sollte man die Frage anders stellen: Was müsste man denn tun, um mit einer Verfilmung einer legendären Reihe wie "Resident Evil" Gnade in den Augen der Fangemeinde zu finden? Mit dieser Frage hat sich offenbar auch Roberts herumgeplagt. "Ich wollte die Gefühle reproduzieren, die ich hatte, als ich das Spiel als Schüler zum ersten Mal gespielt habe", erklärte er kurz vor Release in einem Interview. Die Perspektive ist also die eines Fans, und am Anfang stand die Entscheidung, eine Auswahl der ikonischsten Momente aus den ersten beiden Teilen auszuwählen. Als Capcom an diesem Punkt der Produktion mit dem Remake des zweiten Teils um die Ecke kam, habe er gedacht: "Ja, genau! Das ist es!"
Statt auf Action wollte Roberts mehr auf Atmosphäre und Grusel setzen und eine "Stephen-King-Style-Version von Racoon City" erschaffen, wie er selbst sagt. Da Stephen King bekanntlich keine Filme dreht, sondern Bücher schreibt, wird schon hier der eher literarische Zugang zum Stoff deutlich. Gerade in den ersten 40 Minuten des Films gelingt es auch sehr gut, eine Atmosphäre der latenten Bedrohung zu erschaffen, das nächtliche Racoon City bietet ebenso wie die Schauplätze Spencer-Villa und Polizeirevier einige Schauwerte und schöne Déjà-vus für Fans der Vorlage. Dem kommt zugute, dass Kaya Scodelario als Claire Redfield durchaus in der Lage ist, ihre Rolle mit Leben zu füllen.
Wenn dann etwas später schliesslich doch wieder die Fetzen fliegen und Tanklastzüge explodieren, merkt man auch, dass die Entscheidung für mehr Atmosphäre als Action auch ökonomische Gründe hatte. Alles andere hätte vermutlich das Budget gesprengt. Immerhin: Anders als es der Trailer vermuten lässt, sind die Effekte insgesamt ganz ordentlich, und der Verleih hat nicht den Fehler gemacht, alles Sehenswerte in die Vorschau zu packen, sodass man beim Kinobesuch noch auf das eine oder andere Highlight gespannt sein darf. Man sollte allerdings nicht erwarten, tatsächlich sämtliche Höhepunkte der Spiele wiederzufinden. Roberts' Auswahl ist mindestens diskutabel, aber es ist ja auch der halbe Spass einer solchen Realfilm-Umsetzung, sich über Bekanntes zu freuen, um sich hinterher über echte oder vermeintliche Versäumnisse die Köpfe heiss zu diskutieren.