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«‹Gebt mir eine Pause›, denke ich.» So umschrieb eine Journalistin ihre Reaktion auf die «total kitschige» Geschichte einer «Liebe auf den ersten Blick». Liesse sich der Gedanke überprüfen, ich würde wetten, dass er anders lautete, nämlich «give me a break». Das kann man entgegnen, wenn die andere Person etwas Unglaubwürdiges oder Nervenaufreibendes von sich gibt. Deutsche Entsprechungen wären etwa «komm mir nicht mit sowas» oder «lass mich in Ruhe damit». Nur von einer Übersetzungsmaschine würde ich «gib mir eine Pause» erwarten und mich auch nicht wundern, sollte sie eine der vielen Spezialbedeutungen von «break» vorziehen. Da gäbe es etwa den Servicedurchbruch beim Tennis oder eine ununterbrochene Spielphase beim Billard.
Statt der komplizierten Umschreibungen bietet es sich bei diesen Sportarten an, auch im Deutschen von «Break» zu reden. Während im Englischen Sportbanausen meinen könnten, es gehe um eine Ruhepause, besteht bei uns diese Gefahr kaum. Jedenfalls so lange nicht, als Pausen bei uns noch Pausen heissen und nicht «Break». Die englische Bezeichnung soll mit den – hier sportlichen – Dingen verbunden bleiben, mit denen sie zu uns gekommen ist.
Einkauf mit «Button» oder «Hi»
Auch bei anderen Importen ist es oft sinnvoll, den Namen zu übernehmen. Zum Beispiel beim Scanner, mit dem man Einkäufe erfassen kann. Aber warum bloss wird man bei einem Grossverteiler angewiesen, zu diesem Zweck den «Button» zu betätigen? «Knopf» hätte ja auf dem Bildschirmchen noch besser Platz. Apps sind, inklusive Namen, etwas Praktisches. Beim andern Grossverteiler kann man damit verfolgen, wie die Hauslieferung naht. Allerdings begrüsst einen der Fahrer auf dem Bildschirm mit «Hi» – enorm platzsparend, aber da wäre auch Raum genug für den sehr passenden und althergebrachten Fährmannsruf «Hallo».
Zur Lieferung gehörten neulich auch Brownies, die mir eingedeutscht kaum munden würden – zumal es «Brownies à la française» waren. Meine Zunge hätte es nicht bemerkt, aber sie amüsierte mein Ohr beim Versuch, den Importnamen auszusprechen. Dem Betätigen des Scanners wiederum haben die Italiener eine Bezeichnung angedeihen lassen, die keinerlei Ausspracheprobleme bietet: «la scansione». Derlei Aneignungen mit leichter Hand sind doch viel geniessbarer als die hierzulande grassierende Übernahme schier beliebiger englischer Wörter ohne erkennbaren Mehrwert.
«Song» zum letzten Gefecht
So musste ich beim Bericht über eine Kundgebung zum 1. Mai lesen, am Ende sei ein «Song» erklungen: die «Internationale». Da wird das proletarische Kampflied gleich wie ein x-beliebiges Produkt des Musikkapitalismus bezeichnet! Der Refrain «Auf zum letzten Gefecht» müsste einmal beim Eurovision Song Contest erklingen. Als der noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hiess, gefiel er mir besser, samt den Chansons – aber das mag eine Alterserscheinung sein.
Manchmal ist es wohl einfach Bequemlichkeit, wenn ein englisches Alltagswort nicht übersetzt wird. So war im Interview mit einer amerikanischen Historikerin zu lesen, manche Russinnen hätten Soldaten per (abgehörtes) Telefon aufgefordert, sie sollten «Shops plündern». Und aus den Läden «einen neuen Laptop» nach Hause bringen – als Billigbeschaffung abscheulich, als Billigübersetzung schier unvermeidlich. In einem andern Interview kamen die «amerikanischen Natives» vor, also die Ureinwohner. Nur könnten sich mit dem generischen Maskulinum im Deutschen die Ureinwohnerinnen übergangen fühlen, und die wörtliche sowie geschlechtsneutrale Übersetzung «Eingeborene» gilt heutzutage als geringschätzig. So leisten Korrektheiten aller Art der Denkfaulheit beim «Übersetzen» Vorschub. Daher: Gebt mir eine Pause – im englischen, aber auch im deutschen Sinn, bis mich die Anglizismen das nächste Mal zum Schreiben reizen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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