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Symbolik
"Alles
ist ja nur symbolisch zu nehmen, und überall steckt noch etwas anderes
dahinter."
J.W. Goethe
Analoges,
symbolisches Denkvermögen ist die Voraussetzung, damit die Bedeutung eines
Symboles erfasst werden kann. Dieses vertikale Denken sucht nach Verbindungen,
welche ähnlich dem ursprünglichen Begriff sind, aber ganz anderen
Kategorien und Bewusstseinsstufen angehören können. Es wird nach Verwandtschaften
im übertragenen Sinn gesucht. Die Zusammenhänge in diesem Denken sind
akausal.
Ein vertikales System führt uns auch in andere Wirklichkeitsebenen, welche auch mit Bewusstseinsstufen benannt werden können. Jede Wirklichkeitsebene hat ihre eigene Sprache, ihre eigenen Glaubenssätze und ihr eigenes Wertesystem. Wenn uns jemand etwas aus einer anderen Ebene mitteilen möchte, können die Begriffe daraus nur als Symbole verwendet werden und müssen gedeutet (umschrieben) werden.
In unseren Träumen können wir dies immerfort erleben. Symbole aus unseren Träumen können sowohl tieferen wie auch höheren Ebenen entstammen. Je nach Ebene muss das Symbol aber anders gedeutet werden. Wir müssen also zuerst versuchen, die Ebene zu bestimmen, woraus dieses Symbol stammt. Als Beispiel nehme ich einen Bär, von welchem jemand geträumt hat. Aus der Situation des Träumers kommen wir z.B. zum Schluss, dass der Bär für eine archaische, triebhafte starke physische Kraft steht (bärenstark). Ausgehend von der mentalen Ebene mit einem Ich-behafteten Bewusstsein, worin wir uns zumeist befinden, haben wir es mit einer niedereren Ebene zu tun. Der Bär könnte aber auch für einen starken inneren Führer stehen, welcher uns kraftvoll den Weg zeigt. Dies deutet auf eine höhere, das Ich übersteigende Ebene hin.
Es ist also grundsätzlich wichtig, wenn wir ein Symbol deuten, in welcher Ebene es gedeutet werden muss. Die gültige Ebene muss zusammen mit der Person bestimmt werden, für welche das Symbol gedeutet wird. Dies gilt für alle Symbolsysteme; ob für einen astrologischen Faktor, ob für eine Tarotkarte oder ein Symbol aus einem Traum.
Eindimensionale Weltsicht
In unserem Alltag herrscht das horizontale, rationale Denken vor, welches von kausalen Wirkzusammenhängen ausgeht. In diesem Denken sind die Eigenschaften eines Gegenstandes allein aus seinen Einzelteilen erklärbar; die Summe kann nie mehr geben als die simple Addition der Einzelteile. Es bleibt alles auf der einen Ebene. Das Geheimniss des Lebens wird in immer noch kleineren Grundbestandteilen gesucht. Die Maximen der Zeitepoche der Aufklärung beherrschen immer noch das Leben und Denken vom Grossteil der Bevölkerung in der westlichen Welt. In diesem Weltbild hat es alles symbolische schwer, ob es der Religion, einem Traum oder auch einem System wie der Astrologie entstammt. Es wird schlicht als nicht wirklich abgetan, was für diese Personen auch stimmt, da ihnen dazu die Sprache und das Bewusstsein fehlt.
Spätestens wenn in der materiellen Ebene mehr vom gleichen nicht mehr besser ist (Geld), könnte das ein Grund sein, dass jemand aus dieser eindimensionalen Welt reif ist für Einsichten anderer Ebenen. Wenn nicht, sucht er sich halt einen anderen Therapeuten...
Synchronizität
In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf den Begriff der Synchronizität eingehen, wie in C.G. Jung eingeführt hat. Der Titel seiner ursprünglichen Abhandlung alleine präzisiert den Begriff recht gut: "Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge". Damit ist deutlich ausgedrückt, dass das Phänomen Synchronizität nie zur Beweisführung eines Wirkzusammenhanges herangezogen werden kann. Es ist für mich eine Erscheinung der vertikalen Denkweise, dass gleichzeitig mit einem Ereignis auf einer (oder mehreren) anderen Ebene Phänomene auftauchen, welche auf analogem, vertikalem Denken beruhend miteinander verwandt sind. Es ist in dem Sinne eine phänomenologische Betrachtung, welche nie bewiesen werden kann. Diesen Status hat aber auch die Beobachtung von Newton, dass die Äpfel vom Baum immer auf die Erde fallen (das war der Anstoss für seine Gravitationstheorie). Der Begriff Synchronizität wird gerade in Kreisen der Astrologie oft überstrapaziert und fast schon als unbedingter, verursachender Zusammenhang dargestellt.
Im Anfang
stand das Wort. Damit beginnt "das Buch", die Bibel. Was ist ein Wort;
was ist Sprache? Wenn wir es genauer betrachten, stecken wir hier schon mitten
in der Symbolik. In unserem Alltag sind wir uns wenig bewusst, dass in dem Sinne
jedes Wort eigentlich ein Symbol ist, welches wir in seiner Bedeutung interpretieren.
Jacques Derrida sagt, dass ein Wort an und für sich keine Bedeutung hat; erst im Kontext kann eine Bedeutung zustande kommen. Mit Kontext ist hier nebst der Sprache und der Kultur gemeint, mit welchen anderen Wörtern dieses Wort im Zusammenhang steht.
Für das
Verständnis eines Wortes kann es als in einer Dreierbeziehung stehend betrachtet
werden: Der Sprechende, der Zuhörer und allgemein die Idee, welche mit
diesem Wort vermittelt werden möchte. (Der Sprechende kann mit der Schreibende,
der Hörende mit dem Lesenden ersetzt werden). Schon das Wort "möchte"
sagt aus, das diese Vermittlung nicht zwingend erfolgreich sein muss. Jeder
Begriff hat einen mehr oder weniger grossen Bedeutungsraum, in welchem er interpretiert
werden kann. Dieser wird durch objektive und subjektive Bedingungen abgesteckt.
Objektive Bedingungen könnte definiert werden als das, was eine Mehrheit von Beobachtern aus einem gleichen Kulturraum beschreiben würden, wenn sie einen bestimmten Begriff definieren. Das setzt in diesem Bereich auch ein ähnliches Empfinden voraus. Es entspricht der empirischen Erkenntnis, welche letztendlich nicht bewiesen werden kann, über deren Befund aber ein akzeptierter Konsens besteht.
Subjektive Bedingungen sind nur für das Individuum nachvollziehbar und stammen aus dem persönlichen Empfinden. Es tritt aus dem Inneren hervor und ist grösstenteils geprägt durch vergangene Erlebnisse und Erfahrungen.
In der jüdischen
Tradition wird jedem Laut eines Wortes bereits eine Bedeutung zugemessen; weshalb
wichtige Worte in ihre Einzellaute zerlegt werden und daraus versucht wird,
weitere Bedeutungen dieses Wortes zu ergründen. Das setzt voraus, dass
dieses Wort auch in der ursprünglichen Sprache geschrieben steht bzw. ausgesprochen
wird. Wird ein Wort in eine andere Sprache übersetzt, befinden wir uns
auch in einem anderen kulturellen Kontext; die Lautbedeutung wird nicht mehr
dieselbe sein und müsste dementsprechend auch angepasst werden. In dem
Sinne finde ich es auch fragwürdig, wenn Teile der Kabbala aus der jüdischen
Tradition mit anderen Systemen und Sprachen vermischt werden. Die Kabbala ist
eng mit der hebräischen Sprache verknüpft, in welcher die schriftliche
Thora (entspricht etwa dem christlichen alten Testament) ca. im 6 Jh. v. Ch.
verfasst wurde.
Auch in östlichen Traditionen werden Lauten eine besondere Bedeutung beigemessen wie z.B. beim "Om". Dies scheint zuerst im Widerspruch zur Aussage zu stehen, dass ein Wort für sich alleine keine Bedeutung hat. Soweit mein Verständnis reicht, ist es auch nicht der Laut an und für sich, welcher diese Bedeutung hat, sondern es geht um die Beziehung zwischen dem Laut, dem Mensch und einer göttlichen Ordnung. Der Laut bringt erst im Körper eines Menschen etwas zum erklingen, welches im helfen kann, sich spirituellen Dimensionen zu nähern oder sich mit ihnen zu verbinden.
Begriffe
der Aussenwelt
Nehmen wir als Beispiel das Wort "Haus". Als objektiv kann beschrieben werden: Ein Gebäude, in welchem Menschen wohnen können; oder ein Gebäude, in welchem Gegenstände aufbewahrt werden; oder ein Firmengebäude, in welchem gearbeitet wird usw. Hier muss also schon das Umfeld definiert sein, in welchem Zusammenhang das Wort "Haus" verwendet wird, damit ein Zuhörer sich etwa das unter Haus vorstellt, was der Sprechende eigentlich auch meinte.
Doch auch wenn klar ist, dass es sich um ein Wohnhaus handelt, macht sich jeder wieder aufgrund eigener, innerer Bilder eine andere Vorstellung, wie genau ein Wohnhaus aussieht. Diese inneren Bilder sind die subjektiven Bedingungen, welche bei jedem von uns aufsteigen, wenn wir ein Wort hören.
Natürlich gibt es Worte und Begriffe, die eindeutiger sind und viel weniger Interpretationsspielraum zulassen wie das Beispiel vom Haus. Im Bereich der exakten Wissenschaften lassen sich viele solcher Begriffe finden. Diese sind aber nur eindeutig, solange sie in einem genau definierten Umfeld verwendet werden. Solange wir z.B. das Atommodell mit den klassischen Elementen wie Elektronen, Protonen und Neutronen beschreiben, bewegen wir uns in einem Definitionsraum, wo diese Begriffe (für Eingeweihte) eine klare Bedeutung haben. Werden aber die Teile dieses Modells weiter differenziert (Teilchenphysik), wird es immer schwieriger, dies objektiv zu beschreiben. Hier gelangte die Physik zur Erkenntnis, dass der Beobachter auf das beobachtete Ereignis nicht neutral ist und das Ergebnis beeinflusst. Es bleibt aber objektiv, wenn die Rolle vom Beobachter auch mit beschrieben wird; wenn also nachvollziehbar bleibt, wie das Ergebnis zustande gekommen ist. Wenn wir von der Physik über die Chemie schliesslich zur Biologie gelangen, kommen wir in Bereiche, welche immer weniger reduktionistisch sind und immer mehr subjektive (individuelle) Ausprägungen haben. Gerade in den menschlichen Bereichen gibt es unzählige Wörter, welche nicht auf eine einzige Interpretation reduziert werden können.
Denken Sie nur an die Aussage: "Mir geht es gut" . Wir glauben nur all zu oft, dass eine Aussage nur eine bestimmte Bedeutung zulässt. Unser Bewusstseinshorizont begrenzt schliesslich, welche Interpretationsmöglichkeiten wir überhaupt erwägen können. Jürgen Habermas ist in seiner Theorie des kommunikativen Handelns zum Schluss gelangt, dass wir nur in dem Rahmen handeln können, in welchem wir auch etwas beschreiben können. Und bevor wir etwas beschreiben können, müssen wir es ja denken können.
Wenn der Kontext
aussagt, dass der Sprechende von einem Haus geträumt hat, wird es für
uns nochmals vielschichtiger, was mit Haus wirklich gemeint ist. Hier werden
die objektiven Bedeutungen des Begriffs "Hauses" aus unseren physischen
Welt nicht viel beitragen können, was das Wort Haus in diesem Zusammenhang
wirklich bedeuten soll. Es gibt zwar auch Erfahrungswerte, was ein Haus in einem
Traum bedeuten kann. Dazu können Traumlexikas herangezogen werden. Diese
allgemeine Bedeutung eines Traumsysmbols hat aber nie den Wert, welches eine
objektive Bedeutung eines Begriffes aus der äusseren, stofflichen Welt
haben kann. Wenn die Bedeutung des Hauses in einem Traum ergründet werden
möchte, müssen wir dies mit dem Träumer im Dialog erkunden. Hier
befinden wir uns in der subjektiven Welt, kein zweiter kann an dieselbe Stelle
im Inneren eines anderen treten und dort dessen Eindrücke aufnehmen.
Wie weit eine zweite Person die Bedeutung eines Traumsymboles erfassen kann, hängt wesentlich von zwei Faktoren ab.
Zu einem vom Bewusstseinsstand des Zuhörers. Auf jeder Bewusstseinsstufe gibt es Erfahrungen und Erlebnisse, welche mit darunter liegenden Stufen nicht erfasst und nachvollzogen werden können. Es fehlt dann auch die Sprache für solche Geschehnisse. Der Zuhörer muss also mindestens denselben Bewusstseinsstand wie der Träumer haben.
Zum zweiten hängt es von der Sprachdifferenzierung vom Träumer ab, welche stark von dessen Bewusstseinsstand geprägt ist. Nur wer eine Sprache entwickelt für sein Innenleben, kann sich darüber anderen mitteilen. Ein Differenzierung dieser persönlichen Sprache ist schlussendlich notwendig, um auch im inneren eine weitere Entwicklung vollziehen zu können. Ken Wilber sagt aus, dass wir uns innerlich nur soweit differenzieren können, wie wir auch eine differenzierte Sprache für unsere Innenwelt entwickeln.
Von C.G.Jung stammt die Aussage, dass im Alltag der Lärm des Tagesbewusstseins zu stark ist, damit wir auch unter Tags die Botschaften vom Traumbewusstsein wahrnehmen können. Jedes Vorkommnis im Alltag kann auch auf einer symbolischen Ebene gedeutet werden. Wir können also die Mittel und Techniken der Traumdeutung ebenso auf Alltagssituationen anwenden. Natürlich hat nicht jede Begebenheit aus dem Alltag eine für uns wesentliche Bedeutung. Ich denke, dass wir bemerken, wenn uns etwas besonderes und aussergewöhnliches im Alltag widerfährt. Solche Situationen bergen meist viel Stoff, welcher uns erst in einer symbolischen Deutung des Geschehens erschlossen werden.
Jeder Begriff,
ob aus der Traumsphäre oder aus der realen Welt, hat gleichzeitig mehrere
Bedeutungsebenen. Bei den Traumsymbolen scheint dies naheliegender zu sein,
trifft aber im wesentlichen auch auf Aussagen der Tageswelt zu. Diese Dimensionen
stehen in einem analogen Verhältnis zu diesen Begriffen. Es geht um die
verwandte Deutung im übertragenen Sinne. Die Verwandtschaft zum ursprünglichen
Begriff ist stark subjektiv geprägt und die analogen Deutungsebenen müssen
im individuellen Kontext gesucht werden.
Wenn wir wieder vom Beispiel "Haus" ausgehen, wäre eine analoge Deutungskette aus der Traumdeutung: Zuhause, Heim, Rückzug, Geborgenheit, Ursprung, eigener Körper. (In vertikalen Denken wären verwandte Wörter zu Haus: Gebäude, Hütte, Wohnhaus, Domizil.) Um aus der analogen Deutungskette den relevanten Begriff zu finden, welcher für die gedeutete Situation zutreffend ist, müssen wir wie in der Traumdeutung das Umfeld der Person näher erkunden, welche die zu analysierende Situation erlebt hat.
Ein kurzes, selber erlebtes Beispiel sei hier angeführt: Eines morgens fuhr ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof. Auf der in dieser Zeit wenig befahrenen Hauptstrasse fuhr ich auf dem Radstreifen und war in der Frühe sicher noch etwas verträumt. Es war Dunkel kurz vor der Morgendämmerung. Plötzlich realisierte ich, dass auf dem Radstreifen rückwärts ein Lieferwagen direkt auf mich zufuhr! Ich konnte buchstäblich im letzten Augenblick ausweichen. An diesem Tag stand aber auch eine wichtige Entscheidung an, welche für meine materielle Existenz der nächsten Jahre erhebliche Konsequenzen hatte. Auch dort ging es darum, dass es höchste Zeit war, einen anderen Weg einzuschlagen.
Wer sich mit Traumdeutung beschäftigt, hat sicher schon öfters bemerkt, dass ein Traum mehrere Deutungsebenen haben kann. Es kann vorerst eine unmittelbare sein, welche mit Tagesresten in Verbindung gebracht werden kann. Vielleicht erst später geht uns die weitere, zeitlosere Ebene auf, welche auf ein grundlegenderes Lebensthema von uns verweist.
Bewusstseinsstufen und Symbolverständnis
Es gibt verschiedene Modelle, wie Bewusstseinsstufen benannt und eingeteilt werden können. Ich möchte mich hier auf die vier grundlegenden Stufen (magisch, mythisch, mental, integral) nach Jean Gebser beschränken, wobei letztere drei in der westlichen Gesellschaft heute vorherrschen und wie sich darin im Individuum das Symbolverständnis widerspiegelt.
Der Mensch
erlebt sich hier nicht als Individuum; er fühlt sich als Stammeszugehöriger
und lebt die für ihn vorgesehene Rolle.
Auf dieser Stufe findet noch keine Differenzierung zwischen einem Symbol und der eigentlichen Sache statt. Wenn ein Baum z.B. die Ahnen symbolisiert, sterben auch die Ahnen, wenn dieser Baum gefällt wird. Auf dieser Stufe stehen auch die Voodoo-Rituale.
Charakteristika: Schlafbewusstsein, Instinkt, Trieb, Gefühl, Götzen, Idole, Ritual
Das Leben
wird hier grundsätzlich einer höheren Ordnung unterstellt und deren
Regeln werden befolgt. Das Individuum beginnt hier erst aufzukeimen.
Auf dieser Stufe kann ein übertragener Zusammenhang zwischen einem Geschehen oder einem Symbol und eigener Erfahrung hergestellt werden. Es ist keine unmittelbare Verbundenheit mehr wie in der magischen Ebene. Symbole können hier Angst verursachen, wenn sie als bedrohend empfunden werden oder wenn es sich um eine innerhalb der Ordnung nicht anerkanntes Symbolsystem handelt.
Charakteristika: Traumbewusstsein, Imagination, Empfinden, Götter (Polytheismus), Mysterien, Symbol
Der Mensch
erlebt sich hier als selbständig handelnd. Er orientiert sich an kollektiven,
ethisch- moralischen Regeln.
Hier herrscht das mentale, rationale Denken vor. Die symbolische Welt hat es schwer auf dieser Stufe. Sie kann als funktionierendes System empirisch anerkannt werden, kann aber oft nur schwerlich ins Leben integriert werden. Die Äusserungsformen der magischen und auch der mythischen Ebene werden durch den Verstand meist abgewertet.
Charakteristika: Wachbewusstsein, Abstraktion, Reflexion, Gott (Monotheismus), Dogma, Zeremonie, Methode, Psychoanalyse
Der Mensch
erlebt sich hier als Teil des göttlichen Universums und als Individuum
auf der Erde. Er folgt seinen inneren ethischen Regeln, welche sein Wohl und
das der Umwelt berücksichtigen.
Die Symbolik kann gleichwertig neben Rationalem bestehen. Unabhängiger Umgang mit Symbolsystemen.
Charakteristika: Integrales /transzendentes Bewusstsein, schauend, Meditation, gegenwartsbezogen, göttliche Existenz, Integration
Symbolsysteme
Mit Symbolen
wird in sehr vielen Bereichen gearbeitet. Als eigentliche Symbolsysteme möchte
ich geschlossene Methoden wie die Astrologie, Chirologie, Tarot, Numerologie
etc. bezeichnen, in welchen die Anzahl und die Art, wie mit den Symbolen umgegangen
wird, in Regeln festgelegt ist.
Die Traumdeutung z.B. ist in dem Sinne ein offenes System, die Symbole sind nicht durch eine Auswahl im voraus begrenzt. Die Traumdeutung wird sowohl in vielen psychologisch orientierten Systemen angewandt wie auch die Traumdeutung viele Systeme und Methoden im Umgang mit Symbolen beinhaltet. Viele dieser Methoden können auch befruchtend auf dem Gebiet der geschlossenen Symbolsysteme angewandt werden oder diese ergänzen (Ausdrucksmalen, Psychodrama, aktive Imaginationen etc.).
Die geschlossenen
Systeme sind unterschiedlich komplex aufgebaut und haben auch ihre spezifische
Charakteristik, für welche Bereiche sie geeignet sind. Deshalb kann nicht
ein System ein anderes ersetzen bzw. es kann nicht darum gehen, ob z.B. Astrologie
oder Chirologie "besser" sind.
Viele dieser Systeme haben einen technischen Teil, welcher intellektuell erlernt werden kann. In der Astrologie sind dies die astronomischen Bezüge; in der Chirologie ist es die genaue Beobachtung der Merkmale der Hand etc.
Der wesentliche Teil dieser Lehren liegt aber in der Symbolsprache, welche wir erlernen müssen und dazu müssen wir uns das vertikale Denken aneignen. Diese dauert seine Zeit und verläuft oft sehr zyklisch. Einher geht die Erkenntnis von der Individualität des Menschen und auch unterschiedlicher Bewusstseinsstufen. Dieses lernen dauert das Leben lange und man kann nie genug früh damit beginnen. Erst wenn wir die Grundlagen "verdaut" haben, was etliche Jahre dauert, sind wir fähig, die Symbolsprache auch dem gegenüber gerecht anzuwenden.
Wer sich in einem dieser Symbolsysteme vertieft hat, kann weiter folgende rascher erlernen, da er das verbindende erkennen kann.
So wie wir damit uns immer besser kennen lernen können, lernen wir auch über das Menschsein an sich und dass auch wir immer Teil einer höheren Ordnung sind.
Literatur
"Das
Atman Projekt" von Ken Wilber; Junfermann 1980
"Das Wahre, Schöne, Gute" von Ken Wilber; Krüger 1999
"Der Mensch und seine Symbole" von C.G. Jung, Walter 1968
"Naturerklärung und Psyche" von C.G. Jung, Rascher 1952
"Das senkrechte Weltbild" von Rüdiger Dahlke u. Nicolas Klein, Hugendubel 1986
"Ursprung und Gegenwart" von Jean Gebser, aus der Gesamtausgabe von Novalis 1986
© Rolf Baltensperger 10/2001