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| Basilius von Cäsarea († 379) - Homilien über das Hexaemeron (Homiliae in Hexaemeron)

Sechste Homilie
4.
„Und sie sollen sein zu Zeichen und zu Zeiten und zu Tagen und zu Jahren1.” Für das menschliche Leben notwendig sind die Anzeichen, die die(se) Lichter geben. Selbst wenn man auch nicht übermäßig viel auf diese Zeichen gibt, wird man doch die Beobachtungen einer langen Erfahrung brauchbar finden. Man kann eben doch viel lernen bezüglich des Regens, der Trockenheit, der Luftströmungen, der einzelnen wie der allgemeinen, der stürmischen wie der sanften. Eines von den Anzeichen, das wir der Sonne danken, hat uns auch der Herr mitgeteilt, wenn er sagte: „Es wird Sturm eintreten; denn der Himmel ist trüb und rot2.” Wenn nämlich die Sonne durch den Nebel aufsteigt, dann verdunkeln sich ihre Strahlen, und die Sonne sieht sich an glutrot wie (feurige) Kohle und blutrot; die Dicke der Luft verursacht diesen Eindruck auf unser Auge. Wird nun die so verdichtete und kompakte Luft vom Sonnenstrahl nicht geteilt, und strömen ihr noch die Ausdünstungen der Erde zu, so kann sie sich offenbar nicht halten, sondern führt wegen der Übersättigung an Feuchtigkeit für die Gegenden, wo sie sich zusammenballt, ein Gewitter herbei. Ebenso haben wir auch Zeichen von wassergesättigter Luft oder Anzeichen von Sturm, wenn sich rings um den Mond eine Dunsthülle zieht, und wenn um die Sonne sich die sogenannten Höfe bilden. Auch die sogenannten Nebensonnen, wenn sie zugleich mit dem Laufe der Sonne sich drehen, deuten auf gewisse Ereignisse in der Luft hin. Und die regenbogenfarbigen Ruten, die in gerader Richtung in den Wolken erscheinen, zeigen ebenfalls Regen oder ungewöhnlichen Sturm oder überhaupt starken Witterungsumschlag an. Auch im zu- oder abnehmenden Monde haben die Meteorologen viele derartige Anzeichen beobachtet, wie [S. 96] wenn die Luft um die Erde naturnotwendig mit den Mondphasen sich änderte. Ist nämlich der Mond um den dritten Tag klar und rein, so zeigt er „beständig heiter” an; erscheint er aber an seinen Hörnern dick und rot, so droht er mit starkem Regen oder mit heftigem Südsturm. Wer kennt nicht den Vorteil solcher Wetterankündigung für das Leben? Der Seemann, der die von den Winden drohenden Gefahren voraussieht, kann sein Schiff im Hafen zurückhalten. Der Wanderer, der aus dem trüben Himmel einen Witterungsumschlag zu befürchten hat, kann von vorneherein die Nachteile verhüten. Die Landleute, die sich an das Säen und Pflanzen machen wollen, finden in jenen Zeichen die für ihre Arbeiten günstige Zeit. Ja, daß bei der Zerstörung der Welt an Sonne, Mond und Sternen Zeichen sichtbar werden, hat der Herr vorausgesagt: „Die Sonne wird sich in Blut verwandeln, und der Mond wird seinen Schein nicht mehr geben3.” Das sind die Zeichen des Weltendes.
1: Gen 1,14
2: Mt 16,3
3: vgl. Joel 2,1 und Mt 24,29. Basilius ist hier offenbar eine Verwechslung unterlaufen