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Sexting ist ein Phänomen, das vor rund zehn Jahren aufgekommen ist. Die Bezeichnung basiert auf einem Kofferwort, einer Verschmelzung der Begriffe «Sex» und «Texting» (im englischsprachigen Raum für das Versenden von privaten Nachrichten verwendet). Sexting bezeichnet das digitale und private Versenden von selbst produziertem erotischem Bild- oder Videomaterial an eine vertraute Person (Ouytsel, Walrave, Ponnet & Temple, 2018). Solange die erotischen Inhalte innerhalb der Dyade bleiben, ist Sexting meist unproblematisch. Kritischer wird es, wenn das im Vertrauen versendete Material an weitere Kreise gestreut wird. Dann können Inhalte, die von Minderjährigen erstellt wurden, als Kinderpornografie taxiert werden. Zudem kann die Verbreitung der Bilder für die darauf abgebildete Person zu einer psychischen Belastung werden. 12% der Jugendlichen in der Schweiz haben bereits mindestens einmal erotisches Bildmaterial von sich selbst verschickt (Suter et al., 2018b). Dabei gibt es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern, jedoch grosse Unterschiede über das Alter hinweg. Sind es bei den 12- bis 13-Jährigen 2%, die damit schon Erfahrungen gesammelt haben, steigt die Zahl bei den 14- bis 15-Jährigen auf 5% an. Bei den 16- bis 17-Jährigen sind es 14% und in der Altersgruppe der 17- bis 18-Jährigen 23%. Im Rahmen von Sexting entstandenes Bild- oder Videomaterial kann, wenn es in falsche Hände gerät, zur Steilvorlage für eine Cyberbullying-Attacke werden.
Durch Sexting entstandenes Bild- und Videomaterial kann zu einer Steilvorlage für eine Cyberbullying-Attacke werden. Jugendliche mit Migrationshintergrund und mit einem formal niedrigeren Bildungsniveau sind in der Schweiz häufiger mit Cyberbullying konfrontiert.
Bezüglich Cyberbullying oder -mobbing gibt rund ein Viertel der Jugendlichen in der Schweiz an, bereits einmal im Internet «fertig gemacht» worden zu sein, und 16% haben schon erlebt, dass online Falsches oder Beleidigendes über sie verbreitet wurde (Suter et al., 2018a). In der HBSC-Studie sind es 1,8% der 11- bis 15-Jährigen, die angaben, online zwei bis drei Mal im Monat oder häufiger gemobbt worden zu sein (HBSC, 2019). Jugendliche mit Migrationshintergrund (2,2%) machen häufiger negative Erfahrungen als jene mit Schweizer Wurzeln (1,1%). Ebenso sind Jugendliche mit einem niedrigeren Bildungsniveau (Realschule) häufiger betroffen als jene mit höherer Bildung (Gymnasium) (Waller et al., 2016). 30% der Adoleszenten wurden online schon von einer fremden Person mit unerwünschten sexuellen Absichten angesprochen, ein Phänomen, das unter Cybergrooming bekannt ist und in den letzten Jahren häufiger auftritt.
Von den 9-Jährigen sind bereits 26% mit mindestens einem Risiko wie z. B. Cybermobbing oder sexuelle Darstellungen in Kontakt gekommen. Bei den 15- bis 16-Jährigen sind es gar 94%. Das am häufigsten verbreitete Risiko sind problematische nutzergenerierte Inhalte. 29% der 9- bis 16-Jährigen sind dabei schon auf blutige oder gewalthaltige Bilder gestossen. 28% sind mit Hassnachrichten, die bestimmte Gruppen oder Personen diskriminieren, in Kontakt gekommen (Hermida, 2019). Die oben beschriebenen Risiken sind unter Jugendlichen zwar bekannt, allerdings sind andere Aspekte wie Zeitverschwendung oder Enttäuschungen, die durch Missverständnisse in der Kommunikation entstehen, von grösserer Relevanz für den Alltag (Heeg et al., 2018).