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Einfluss der Dividende auf Strukturierte Produkte
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Dieter Haas
Die Dividende des Basiswertes spielt bei der Konstruktion vieler Zertifikate eine wichtige Rolle. Die erwartete Höhe der Dividenden hat entscheidenden Einfluss auf die Qualität und das Preisverhalten der Strukturierten Produkte.
Dividendenpunkte-Index auf den SMI
Als Basiswert für standardisierte Produkte dient der von der SIX Swiss Exchange ins Leben gerufene Dividendenpunkte-Index. Der SMIDP, berechnet ab dem 22. Dezember 2008, wird jeweils per Montag nach dem dritten Freitag im Dezember auf null Punkte zurückgesetzt. Bei der Berechnung werden ordentliche Dividenden vollumfänglich berücksichtigt. Dasselbe gilt für Kapitalrückzahlungen durch Herabsetzung des Nennwertes der Aktien, die anstelle einer ordentlichen Bardividende erfolgen beziehungsweise Bestandteil der ordentlichen Ausschüttung sind. Nicht als Dividenden gelten Ausschüttungen (wie zum Beispiel Spezialdividenden, Jubiläumsboni), welche abweichend von der regulären Dividendenpolitik ausbezahlt werden beziehungsweise von der Gesellschaft als nicht-reguläre Dividende deklariert werden. Aktiendividenden fallen ebenfalls nicht in die Kategorie ordentlicher Dividendenzahlungen. Auch die Ausschüttung von Aktien einer anderen Unternehmung zählt nicht als ordentliche Dividendenzahlung.
Übliches Vorgehen in der Praxis
In der Praxis sichert ein Emittent sein Dividendenrisiko, falls er das überhaupt tut, allerdings nicht mit Dividendenindexpunkte-Indizes ab, sondern mithilfe der an der Eurex kotierten Dividendenfutures oder bilateraler Dividendenswaps. Im letztgenannten Fall erhält der Käufer im Tausch für die Zahlung eines festen Betrags die tatsächlichen Ausschüttungen, die in einem festgelegten Zeitraum auf einer Aktie oder einen Aktienindex entrichtet werden. Er gewinnt, wenn die effektive Ausschüttung höher ist als erwartet. Der Verkäufer weicht der Unsicherheit des Dividendenstroms aus und bekommt für den Swap-Verkauf einen fixen Betrag. Während der SMI Dividenden Futures oder SMI Dividendenswaps die künftig, erwartete Entwicklung aufzeigen, dokumentiert der SMI Dividendenpunkte Index die effektiv im Jahresverlauf aufsummierten Werte. Er dient dem Future als Basiswert. Wie die Grafik illustriert, fallen praktisch alle Ausschüttungen der SMI-Titel in den Zeitraum Ende Februar bis Anfang Mai. Wegen der mit der Absicherung verbundenen Zusatzkosten, die einen negativen Einfluss auf die Preisbildung haben, verzichten die Emittenten häufig auf diesen Schutz. Sie schätzen dafür die künftig erwarteten Dividenden eher konservativ und ziehen normalerweise lediglich 70 bis 80% in ihre Berechnung mit ein. Überschätzt der Anbieter den Dividendenstrom, profitiert der Investor. Liegen die effektiven Dividenden über denjenigen im Zeitpunkt der Emission angenommenen, geht hingegen die Differenz zulasten der Käufer des Anlageproduktes.
Vor- und Nachteile hoher Ausschüttung
Je höher die erwartete Dividendenrendite der entsprechenden Aktie oder des Aktienindex eingeschätzt wird, desto günstiger wird die Option. Der Anbieter hat mehr Kapital zur Verfügung für die Konstruktion des Strukturierten Produktes. Zusätzlich verbessert eine längere Laufzeit die Qualität von Bonusrenditen, Risikopuffern oder ermöglicht grössere Hebel bei Outperformance-Zertifikaten. Durch die Ausdehnung der Zeitspanne fallen in der Regel mehr Dividendentermine an und die Dividendensumme steigt. Unternehmen, die hohe Ausschüttungen bieten, finden sich vor allem in reifen Marktsegmenten, deren Wachstumschancen eher begrenzt sind. Den grösseren Chancen in der Konstruktion stehen daher oft geringere Kurspotenziale gegenüber.
Auswirkungen von Dividendenänderungen
Änderungen der Dividendenerwartungen beeinflussen die Preisbildung. Eine höhere Ausschüttung verbilligt eine Kaufoption. Sie hätte einen negativen Effekt auf bestehende Bonus- oder Outperformance-Zertifikate, da es jetzt aufgrund des höheren Dividendenabschlags möglich wäre, bei sonst gleichen Bedingungen bessere Konditionen zu zimmern und umgekehrt. Eine isolierte Betrachtung ist allerdings trügerisch. So führen in der Regel Eintrübungen der Geschäftsaussichten zu sinkenden Dividendenerwartungen und fallenden Kursen. Der letzte Effekt wiegt meist schwerer als der eher träge reagierende Rückgang künftiger Ausschüttungen. Anleger sollten bei ihren Entscheidungen immer Dividendenerwartungen mitberücksichtigen. Dabei geht es letztlich um die alles entscheidende Frage, ob eine Direktanlage inklusive Dividenden während der Laufzeit des Strukturierten Produkts ertragreicher sein wird als die Totalrendite des Derivates. Von der Beantwortung hängt die Entscheidung des geeigneten Instruments ab.
Auf steigende Dividendenerwartungen setzen
Die 2008 an der Eurex eingeführten Dividenden-Futures dienen nicht nur zur Absicherung von Derivaten. Es besteht auch die Möglichkeit, über das Tableau der SIX Structured Products Dividendenerwartungen auf den Dow Jones Euro Stoxx 50 Dividend Future Dezember 2014 direkt zu handeln. Infrage kommen die Tracker-Zertifikate DIVAE, DIVGO, GODIV und PERLD oder der einzige Long Mini-Future EFGJL. Wer im Sommer 2009 mit steigenden Ausschüttungen des europäischen Leitindex bis zum Verfall des Futures im Dezember 2014 gerechnet hat, lag mit dieser Annahme goldrichtig. Die aktuellen Kurse des Tracker-Zertifikates DIVAE und des Mini-Futures EFGJL notieren gegenwärtig über ihrem Startkurs von EUR 84.87 resp. EUR 51.00. Jad Comair, Gründer und CIO des französischen Investmenthauses Melanion Capital, das sich auf Anlagestrategien mit Dividenden-Futures spezialisiert hat, hofft, dass im laufenden Jahr die ersten Tendenzen für einen Aufschwung sichtbar werden und im Anschluss daran eine Rallye am Dividenden-Futures-Markt einsetzen wird. Er hält Dividenden-Futures generell für eine der interessantesten Anlagen. Nach seiner Auffassung sieht der Markt, der für die nächsten zehn Jahre mit stetig rückläufigen Dividenden beim Euro Stoxx 50 rechnet, zu schwarz. Für Optimisten bietet ein Engagement in die Anlageklasse via Eurex somit eine günstige Gelegenheit, um in das erhoffte Wachstum der Zukunft zu investieren.