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Ich verwende die Wortschöpfung "diasynchron" - in meinem Projekt - für eine komplementäre Exegese (Auslegung) der Geschichte. Auf historische Erzählungen (Geschichten auch in Form von interpretierbaren Dokumenten) bezogen, kann ich untersuchen, wie bestimmte Geschichten synchron in der gleichen Zeit von verschiedenen Autoren erzählt werden (zb wie die vier Evangelisten das Leben von Jesus erzählen) oder diachron wie sich die Geschichte im Laufe der Zeit verändert (zb wie die Evangelien zu verschiedenen Zeiten gedeutet werde).
PS: Das Leben Jesu ist wie der Krieg von Troja oder die terroristische Aktivität von Willhelm Tell - eine offensichtlich als Geschichte in der Geschichte erzählte Geschichte. Ich finde solche Geschichten exemplarisch für Geschichte überhaupt.
Die Art, wie die wohl immer wahre Geschichte erzählt wird, sagt viel mehr über den Erzähler als über das Erzählte. Ein schlagendes Beispiel ist etwa der Ausdruck "Weltkrieg", den ein paar Nationen führten, die damals natürlich noch nicht wussten, dass sie die Welt sind.
H. Arendt schreibt, dass die Neuzeit mit der Entdeckung von Kolumbus, der Reformation, und dem Teleskop angefangen habe. Die Entdeckung von Kolumbus besteht darin, dass die Erde also Einheit, sozusagen als "Welt" gesehen wurde, die in Beschlag genommen werden kann, was das in den sogenannten Weltkriegen versucht wurde.