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Die Nordostpassage ist die Lebenslinie des russischen Nordens. Ein Grossteil des Ost-West-Warenverkehrs Russlands führt entlang der arktischen Küste. Trotz des insgesamt schwindenden Meereises müssen im Winter Eisbrecher diese Lebenslinie offenhalten. Die Arktika, Russlands Flaggschiff der Atomeisbrecherflotte, wurde für diesen Zweck gebaut und konnte nun beweisen, dass die Notwendigkeit von starken Eisbrechern durchaus gegeben ist.
Der Atomeisbrecher lieferte am Neujahrstag erfolgreich zwei Frachtschiffe in Pevek ab, gemeinsam mit dem konventionellen Eisbrecher Kapitan Dranitsyn. Ein drittes Schiff, welches zu Beginn (am 18. Dezember 2021) am Rande der Karasee Teil des Konvois war, musste in der Nähe der Neusibirischen Inseln die Gruppe verlassen. Gründe dafür wurden nicht genannt. Die Arktika ist jedoch nach der erfolgreichen Abgabe der beiden übrigen Schiffe Yuri Arshenevsky und Engineer Trubin unterwegs, um die Polar King, ein weiteres Frachtschiff, aus der Region um die Inseln nach Pevek zu begleiten. «Wir sind zufrieden mit den Resultaten der Durchquerung nach Osten», erklärt Mustafa Kashka, der Generaldirektor von Atomflot, der Betreiberfirma. «Die Eskortierung des Konvois war eine gute Erfahrung für den Betrieb des universell einsetzbaren Atomeisbrechers. Das Schiff hat die Erwartungen in die Designcharakteristika seiner Eisbrecherfähigkeiten bestätigt.»
Die Arktika, die im vergangenen Herbst ihre Jungfernfahrt absolviert hatte, ist gegenwärtig der stärkste Eisbrecher der Welt und wird mit einem Atomreaktor RITM-200 der neuesten Generation angetrieben. Dieser liefert rund 60 MW Leistung, womit das Schiff über zwei Meter dickes Packeis mühelos brechen kann. Dies war nun auch nach Angaben von Rosatom und Atomflot auch notwendig, denn die Eisbedingungen im Bereich zwischen der Karasee und der Beringstrasse sind gegenwärtig eine grosse Herausforderung. Seit November sind Fahrten durch die Region nur noch mit Eisbrecherunterstützung möglich und mehr als 20 Schiffe waren zu Beginn im Eis eingeschlossen. Nur dank dem Einsatz von mehreren starken Eisbrechern, darunter die beiden Atomeisbrecher Taimyr und Vaygach konnten die Schiffe aus ihrer misslichen Lage befreit werden.
Den Einsatz im November hatte die Arktika noch verpasst, das Schiff war für Einsätze im westlichen Teil der Nordostpassage eingeteilt worden, um den Antrieb nochmals zu testen. Denn der Eisbrecher hatte seit seiner Jungfernfahrt mit Antriebsproblemen zu kämpfen. Vor der Jungfernfahrt fiel einer der drei Antriebe aus und der Eisbrecher konnte nicht mehr seine volle Kraft einsetzen. Trotzdem erreichte das Schiff am 3. Oktober den Nordpol. Danach verbrachte die Arktika den Winter 20/21 in Murmansk. Eine weitere längere Reparatur wurde im September fällig. Nun hat aber der Eisbrecher die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt und das Operationshauptquartier plant bereits den nächsten Konvoi für sein Flaggschiff.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal