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Der Kunde ist gut 80 Jahre alt, wohnt seit Jahrzehnten in der gleichen Zürcher Landgemeinde, ist seit Urzeiten Retailkunde bei der Credit Suisse Schweiz.
Diese Woche wollte er bei seiner CS-Filiale, wo er seinen Ansprechpartner hat, 10’000 Franken in bar abheben. Der Schaltermitarbeiter der Grossbank machte eine ernste Miene und fragte, wozu.
Der Kunde meinte, es sei für seine Familie, die müsse Rechnungen zahlen, falls er dies dereinst nicht mehr könne. Da meinte der CS-Mitarbeiter, er würde ihm die 10’000 Franken nicht aushändigen.
Nicht weil das Konto dann leer wäre: Dort lagen deutlich mehr. Sondern, weil der CS-Banker, wie dieser ausführte, einen möglichen „Betrugsversuch“ nicht ausschliessen könne.
Was genau er damit meinte, führte der Schalterangestellte nicht aus, sondern empfahl dem Kunden nur, die 10’000 Franken elektronisch zu überweisen. Die CS würde diesen Auftrag gerne ausführen.
Der Kunde zog darauf unverrichteter Dinge ab – ohne die 10’000 Franken im Sack, die er nutzen wollte, um später am Postschalter das Geld den gewünschten Empfängern zuzustellen. Old Fashion halt.
Die Weigerung der CS, dem Eigentümer sein Geld in bar auszuhändigen, ist ein Novum. Die Bank verweigerte dem Kunden faktisch den Zugriff auf dessen Vermögen.
Eine Sprecherin der CS begründete dies gestern in einer schriftlichen Stellungnahme wie folgt:
„Schaltermitarbeitende werden intern laufend sensibilisiert, um im Interesse unserer Kunden potenzielle Betrugsversuche rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern.“
„In Fällen, bei denen ein Betrugsfall nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, können zum Schutz des Kunden Transaktionen abgelehnt werden.“
„Wir empfehlen unseren Kunden, grössere Beträge wenn immer möglich elektronisch zu überweisen.“
Für die CS, die eine Bilanzsumme von gegen 1’000 Milliarden hat und auf Derivaten sitzt in Höhe eines Vielfachen dieses Betrags gehören 10’000 Franken demnach in die Kategorie „grössere Beträge“.
Noch bemerkenswerter ist die Aussage, wonach solche Cash-Begrenzungen im Interesse der Kunden erfolgten. Diese gelte es zu schützen, wenn „ein Betrugsfall nicht gänzlich ausgeschlossen“ werden könne.
Die CS hat ihre Schaltermitarbeiter demnach instruiert, schon beim leisesten Verdacht einen Riegel zu schieben und kein Bargeld auszuzahlen – oder höchstens ganz wenig.
Dabei genügt es zu sagen, es könnte ein Betrug versucht werden. Mehr nicht.
Was genau das Problem im vorliegenden Fall mit dem gewünschten Cash-Bezug zugunsten von Familienangehörigen sein soll, brauchte der CS-Mitarbeiter jedenfalls nicht weiter zu erläutern.
Daraus folgt: Die Bank sieht irgendein Problem, sagt dann nichts Konkretes, sondern sie verweigert einem bestens bekannten Kleinkunden einfach den Zugang zu seinem seit Jahren bei der Bank angelegten Geld.
Das Erschreckendste: Die Bank findet das absolut nichts Besonderes. Tutto perfetto, ist doch nur zu unser aller Bestem.