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Prof. Häusermann, welche Möglichkeiten gibt es, den Schweregrad einer Psoriasis einzuordnen?
Hierfür gibt es verschiedene Kriterien: Zum einen die objektiv messbaren, die vom Arzt unter anderem mit dem sogenannten PASI-Score erhoben werden, und zum anderen die subjektiven Parameter, die über den Dermatologischen Lebensqualitäts-Index (DLQI) durch den Patienten selbst bestimmt werden. Wenn bei einem oder beiden Scores die Kriterien erfüllt sind, dann sprechen wir von einer mittelschweren bis schweren Psoriasis. Mit anderen Worten gesagt: Sind zehn oder mehr Prozent der Körperoberfläche von Schuppenflechte betroffen – das ist das Zehnfache der Handfläche des Betroffenen – ist dies objektiv mit einer schweren Psoriasis vereinbar.
An welchen Körperteilen tritt die Schuppenflechte zumeist auf?
Die Streckseiten der Arme und Beine wie etwa die Ellenbogen oder Knie sind meistens betroffen. Weitere Stellen sind der behaarte Kopfbereich, der Rumpf oder die Unterschenkel. Die Psoriasis im Genitalbereich und jene an den Händen, Nägeln und Füssen wird häufig als sehr belastend erlebt. Leiden die Patienten unter Psoriasis an den Nägeln, kann dies ein Indikator dafür sein, dass ebenso die Gelenke befallen sind. Wie machen sich die Gelenkbeschwerden bemerkbar? Gelenkbeschwerden treten etwa bei einem Drittel der Patienten mit Haut-Psoriasis auf. Sie äussern sich mit schmerzhaften Schwellungen an Gelenken und Sehnenansätzen. Diese Beschwerden zeigen sich vor allem am Morgen. Alle Gelenke und deren Sehnenansätze können betroffen sein, insbesondere an Händen oder Füssen oder jene der Wirbelsäule oder des Beckengürtels.
Wie hat sich die Therapie in den vergangenen zehn bis 15 Jahren verändert?
Blicken wir zurück, so hat man früher milde und schwere Formen der Schuppenflechte zyklisch vor allem mit Cremes, Lichttherapien und sogenannten konventionellen Systemtherapeutika, also chemischen Präparaten in Tabletten- oder in Spritzenform, behandelt. Diese Therapien zeigen allerdings gegenüber den modernen Biologika im Durchschnitt eine geringere Wirksamkeit, eine tiefere Akzeptanz und ein höheres Toxizitätsprofil. Die ersten Biologika sind vor rund 15 Jahren auf den Markt gekommen. Sie erweisen sich als zunehmend hochwirksam für den Haut- und Gelenksbefall. Die neuesten Klassen wie zum Beispiel die IL-17 Inhibitoren sind sehr wirksam: In klinischen Studien führten sie bei bis zu 50 Prozent der Probanden zu einer normalen Haut.
«Biologika sind moderne Arzneistoffe mit hoher Wirksamkeit.»
Wie wirken Biologika?
Biologika sind moderne Arzneistoffe, deren technologische Entwicklung und Fertigung sehr aufwändig ist. Die grossen Eiweissmoleküle greifen ganz gezielt in die heute gut bekannten Vorgänge der Entstehung und Unterhaltung der Psoriasis und Psoriasisarthritis ein. Biologika werden je nach Präparat und Substanzklasse einmal pro Woche bis einmal alle drei Monate direkt unter die Haut gespritzt.
Welchen Effekt haben Biologika, sowohl für die Haut als auch für die Gelenke?
Viele Studiendaten, aber auch die langjährige klinische Erfahrung bestätigen die hohe Wirksamkeit der Biologika bei insgesamt sehr hoher Verträglichkeit und hervorragender Sicherheit. Die Vielfältigkeit der heute verfügbaren Substanzen führt glücklicherweise dazu, dass man heute nahezu alle Betroffenen, seien es Kinder oder schwerkranke Patienten, gezielt behandeln kann.
Gibt es eine Chance, im Laufe der Jahre auf die Therapie verzichten zu können?
Es besteht heute eine berechtigte Hoffnung, dass durch den frühen Einsatz der neueren Biologika einzelne Patienten oder Patientengruppen so stark profitieren können, dass eine lebenslange Therapie allenfalls nicht zwingend notwendig ist. Dass unabhängig von dieser Zukunftshoffnung der korrekte und frühzeitige Einsatz von Biologika gerechtfertigt ist, zeigt folgendes Fallbeispiel: Eine 47-jährige Patientin mit langjähriger Psoriasis konnte über Jahre weder mit Cremen noch mit Lichttherapien oder herkömmlichen Tabletten- und Spritzenkuren befriedigend behandelt werden. Sie zeigte über viele Jahre einen schwerwiegenden, kaum beeinflussbaren Verlauf und ein Hautbefall von etwa 75 Prozent. Das bei dieser Patientin eingesetzte Biologikum führte innert weniger Wochen zu einer vollständigen Abheilung und zu einer bis heute anhaltenden normalen Haut.
Im Interview
Prof. Peter Häusermann,
Leitender Arzt
Dermatologie
Universitätsspital Basel