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Erfassung von Prozessqualitäten im Unterricht
Projektbeschrieb
Im Auftrag der Bildungsdirektion des Kantons Zürich wurde ein Instrument zur Erfassung von Prozessqualitäten im Unterricht entwickelt. Grundlegend war ein Bottom-up-Ansatz. Ausgegangen wurde von den Beobachtungs- und Relevanzstrukturen der Lehrenden und den Eigenheiten von Unterrichtssituationen, um durch geeignete Methoden und Verfahren die professionelle Kompetenz zur Steigerung von Unterrichtsqualität zur Geltung zu bringen. Das Instrument soll dem täglichen Unterrichtsmanagement, der Selbstbeurteilung und der professionell-kollegialen Diskussion dienen. Operatives Kernelement unseres Konzeptes war ein strukturiertes Unterrichtsjournal, in dem die Lehrenden die Ereignisse des täglichen Unterrichtsgeschehens dokumentierten. Die Struktur des Journals bestand aus der Vorgabe von typischen Handlungsabläufen (Scripts) einerseits und der Frage nach kritischen Ereignissen andererseits. Kritische Ereignisse sind solche, die die Regelmässigkeiten und Ordnungen der typischen Handlungsabläufe durchbrechen und somit die professionelle Kompetenz der Lehrenden prägnant herausfordern.
Die Entwicklung des Unterrichtsjournals erfolgte mit den Mitteln der soziologischen Ethnografie, insbesondere der ethnografischen Semantik. Die ethnografische Semantik ermittelt jene Kategorien und Typisierungen, mit denen die Beobachteten selber die Ereignisse und Ereignisverläufe beschreiben, in die sie involviert sind.
In einer ersten Entwicklungsphase wurden Unterrichtsstunden dreier ausgewählter Schulen besucht, ethnografisch beobachtet und dokumentiert. Während und nach den Feldbesuchen wurden ethnografische Interviews mit den jeweiligen Lehrpersonen geführt. Die Interviews wurden transkribiert und einer Analyse gemäss der ethnografischen Semantik unterzogen. Auf den erarbeiteten Grundlagen wurde ein erster Prototyp des Unterrichtsjournals erstellt, in drei Schulen erprobt und den Erfahrungen gemäss modifiziert. Anschliessend erfolgte ein umfangreicher und begleiteter Probelauf in acht Schulen. Das fertige Instrument soll in die Ausbildung für Zürcher Lehrpersonen integriert und später umfassend im Kanton Zürich eingesetzt werden.