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Fibonacci als Mathematiker
Mit Fibonaccis Liber abaci, dem "Buch der Rechenkunst", erschien
in der westlichen Welt die erste umfassende Darstellung des neuen
Rechensystems, basierend auf der indisch-arabischen Zahlenschreibung. Die
Bezüge zu Al-Khwarizmi und Abu Kamil sind unverkennbar, daneben rezipiert
Fibonacci jedoch auch antike Klassiker wie Euklid oder Ptolemaios.
Unter den zahlreichen Rechenbeispielen befindet sich die berühmte Kaninchenaufgabe, aus der die sog. Fibonacci-Folge (1,1,2,3,5,8,13, 21 ...) hervorgeht: Die Folge wurde aber erst im Jahr 1877 von dem französischen Mathematiker Edouard Lucas nach Fibonacci benannt. Ein Grossteil des Buches Liber abaci beschäftigt sich schliesslich mit praktischen Problemen aus dem Alltag des Kaufmanns.
Die neue Rechenmethode hatte anfänglich einen schweren Stand. Noch im ausgehenden 13. Jahrhundert war in mehreren italienischen Städten die Verwendung der neuen Zahlen gesetzlich verboten. Man sprach allgemein vom Kampf der "Abakisten", die Rechenverfahren mit dem Abakus und römischen Zahlen verwendeten, gegen die "Algoristen", die Anhänger des schriftlichen Rechnens mit indisch-arabischen Ziffern und der Stellenwertschreibweise. Letztere verzichteten gänzlich auf den Gebrauch des Abakus. Auch die Kaufleute widersetzten sich anfänglich dem Algorithmus. Die Ausbreitung der Geldwirtschaft, des bargeldlosen Verkehrs durch die Ausstellung von Wechseln und Schecks, des Bankwesens und der Zinsberechnung erzwangen jedoch ganz pragmatisch die neue Rechenmethode, die sich zwischen 1400 und 1700 in Europa allmählich durchsetzte.
Fibonacci verfasste noch weitere Werke: Erhalten sind die Practica geometriae (1220), der Kaiser Friedrich II. gewidmete Liber quadratorum (1225), in dem man seine wichtigsten Resultate über Zahlentheorie findet, sowie die kleineren Schriften Flos und Epistola ad Magistrum Theodorum. Fibonaccis Ruhm verschaffte ihm auch einen Platz am Hofe Kaiser Friedrichs II. Um das Jahr 1225 veranstaltete der Kaiser in Pisa einen Rechenwettstreit, bei dem Fibonacci souverän brillierte.
Das Werk Fibonaccis markiert nach heutiger Auffassung die Wiedergeburt der abendländischen Mathematik. Allerdings war dies nicht immer so. Erst der Neubeginn der Erforschung der Mathematikgeschichte im beginnenden 19. Jahrhundert in Italien führte zu einer Wiederentdeckung von Fibonacci und damit zur Anerkennung seiner grossen Bedeutung in der Geschichte der Mathematik. Zu den Wiederentdeckern zählen Pietro Cossali, Giambattista Guglielmini, Baldassarre Boncompagni und Guglielmo Libri. Ihre Werke finden in der Ausstellung den ihnen gebührenden Platz. Ein weiteres Thema der Ausstellung ist der Goldene Schnitt, den man sowohl in der Fibonacci-Folge als auch in der Natur entdecken kann. Viele Künstler, Maler, Bildhauer, Architekten und Musiker haben den goldenen Schnitt als Konstruktionsprinzip verwendet. Plastisches Beispiel in der Ausstellung ist der "Fibonacci-Kreis", ein Werk des Künstlers Michael Kaufmann.

Die Installation "Ovus philosophicus" (1989/92)
des italienischen Künstlers Mario Merz in der grossen Halle des
Hauptbahnhofs Zürich ist ein Beispiel einer zeitgenössischen
Anwendung der Fibonacci-Zahlen.
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