Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03418.jsonl.gz/750

Mit Vortragstiteln wie «Die Bedeutung der Kreativität beim Brückenentwurf» (Dresden 2006), «Brücken sind mehr als Überbrückungen» (Zürich 1989) und «The Art of Bridge Design» (2000) zeigte der Brückenbauer Christian Menn auf, dass sich Form und Funktion ergänzen sollten. Seine Brückenentwürfe standen unter diesem Motto.
Geboren 1927 besuchte Menn das kantonale Gymnasium in Chur und studierte anschliessend Bauingenieurwesen an der ETH Zürich. Nach seinem Diplom 1950 war er als Assistent an der ETH tätig und promovierte 1956. Bereits 1957 gründete er ein eigenes Ingenieurbüro in Chur, ab 1964 zusätzlich in Zürich, und baute über den Kanton Graubünden hinaus Bogenbrücken im Stile des Brückenbauers Robert Maillart (1872-1940). Zudem wurde er als Baustatiker konsultiert. Brücken waren zwar der Hauptbestandteil seiner Arbeit, vereinzelt entwickelt er auch andere Bauwerke wie eine Tankstelle in Flims.
Mit neuen technischen Entwicklungen löste Menn sich von der Rundbogenbrücke und entwarf Spannbetonholkastenbrücken, die im Freivorbau errichtet werden. Mit Emch+Berger aus Bern gewann er den Wettbewerb zum Felsenauviadukt im Bern, eine 1116 Meter lange Autobahnbrücke über der Aare mit Spannweiten bis zu 156 Metern.
Von 1971-1992 war er Professor für Baustatik und Konstruktion an der ETH. Daneben amtete er von 1976-1991 als Präsident der Normkommission SIA 162 für «Betonbauten». Neben seiner Professur und nach seiner Emeritierung war er als Experte und beratender Ingenieur im In- und Ausland tätig. Er beeinflusste mit seinen Entwürfen, seinen Urteilen in diversen Wettbewerben den Brückenbau. 1980 die Ganterbrücke beim Simplon, 1998 die Sunnibergbrücke bei Klosters-Serneus und 2005 die Leonard P. Zakim Bunker Hill Bridge in Bosten sind nur einige der vielen Bauwerke Menns genannt. Seine Schrägseilbrücken wurden mehrfach prämiert.
Der Schweizer Bauingenieur Jürg Conzett wird im Nachruf 2018 zitiert (Bridge and Engineering, August 2018, S. 16): «Christian Menn was a fighter, an original thinker and an exciting professor. But most importantly, he was a cultivated engineer, integrating his works into the surrounding landscape».
Der Nachlass von Christian Menn ist 2019 dem Hochschularchiv der ETH Zürich übergeben worden. Er beinhaltet zu einem grossen Teil Unterlagen aus der Zeit des Ingenieurbüros. Aus dieser Zeit entstand der Hauptbestandteil der vorhandenen Pläne. Ab seiner Zeit als Professor sind Unterlagen zu eigenen Projekten und als Experte vorhanden. Vorträge, Urkunden, Gutachten und teilweise Unterrichtsunterlagen runden den Bestand ab. Die Metadaten sind in der Archivdatenbank des Hochschularchivs einsehbar.