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«Mona mittendrin – bei den Paraplegikern (2/4)» beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 28. März 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Mona mittendrin – bei den Paraplegikern (2/4)» (Fernsehen SRF) vom gleichen Tag.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«Ein Mann im Rollstuhl schildert seine Geschichte: <Der Stecker wäre dreimal gezogen worden, ich habe mich geweigert. Beim vierten Mal bin ich wieder zu mir gekommen.>
Der Vorfall scheint sich im Inselspital zugetragen zu haben. Den Worten ist zu entnehmen, dass der Mann nicht bei Bewusstsein war bei <der Stecker wäre dreimal gezogen worden>. <Ich habe mich geweigert> ist daher so zu interpretieren, dass er weiter atmete, also nicht starb, als der Stecker gezogen wurde. - Weshalb er im Kontext ‘Stecker ziehen’ den Konjunktiv verwendet, ist mir nicht klar, ich spreche nicht Berndeutsch.
Die nachfolgende Passage beseitigt jede Unklarheit, dass von medizinischer Seite dreimal versucht wurde, lebenserhaltende Geräte abzustellen. Abgesehen davon, dass in einer Sendung des Typs ‘Globi bei den Indianern’ eine solche Aussage nicht unkommentiert gemacht werden darf, widerspricht diese Passage der Realität diametral.
Der Normalfall ist, dass der nach einem Unfall eingelieferte Paraplegiker für sich nur eine Lösung sieht: Suizid. - Dank der Schweizer Paraplegiker-Stiftung haben die meisten Leute eine recht konkrete Vorstellung von ihren Aussichten. In der ersten Phase kämpfen die Physiotherapeutinnen primär um den Lebenswillen der Betroffenen, Physiotherapie steht im Hintergrund. Psychotherapeuten kann man zu diesem Zeitpunkt nicht gebrauchen, geht es doch nicht darum, dem Betroffenen ein X für ein U vorzumachen. - Im Gegenteil. Eine Abwärtsspirale muss verhindert werden. Also worst case Szenario als reale Möglichkeit darstellen, damit nicht Hammer auf Hammer folgt.
Wir verfolgen hier in der Schweiz eine andere Strategie als unsere Nachbarländer. Erinnern Sie sich an den Fall Samuel Koch (‘Wetten dass’). Da wurden in der Presse die kitschigsten religiösen Erwartungen kolportiert. Wenige Tage nach Samuel Kochs Eintreffen veröffentlichte Nottwil ein Communiqué (sicher mit seinem Einverständnis): Die Lähmungen waren definitiv. - Über Nottwil äussert sich Samuel Koch ausschliesslich positiv.
Die Paraplegiker-Zentren in der Schweiz unternehmen alles, um den Lebenswillen der Patienten zu stärken. Und dann kommt eine ‘Globi bei den Indianern’ Sendung und stellt unwidersprochen fest, in der Schweiz müssten Patienten froh sein, nicht umgebracht zu werden. - Es ist nicht zu fassen.
Abschliessend gestatte ich mir anzumerken, dass ich die Instrumentalisierung von Para- und Tetraplegikern im Kontext ‘Globi bei den Indianern’ geschmacklost findet.
‘Mona mittendrin bei den Wetterschmöckern in Schächental’, oder ‘Monat mittendring bei den Talerschwingern in Trogen’ das geht, aber nicht’„Mona mittendrin bei den Paraplegikern’. Das ist ein Frage des Respekts.»
«Die Antwort lässt tatsächlich Interpretationsspielraum. Es handelt sich bei der beanstandeten Aussage um eine subjektive Aussage des Patienten, der das Wechseln des Beatmungsschlauches in seinem Zustand, im Koma, wahrgenommen und als «’Stecker ziehen’ empfunden hat.
Aus diesem Gefühl heraus hat er geantwortet. Er glaubte in diesem Moment zu sterben, konnte das damals aber nicht wiedergeben. Dies tut er Mona gegenüber in seiner subjektiven Aussage nun kund. Er beantwortet ihre Zusammenfassung (dass sie die Maschinen abstellen wollten) wieder aus seiner subjektiven Sicht mit einem Ja.
Es ist richtig, dass diese Antwort Interpretationsspielraum lässt und nicht schlüssig beantwortet wurde. Dafür haben wir Verständnis. Es wurde aber nicht darüber geurteilt, ob die Behandlung richtig oder falsch war. Aus unserer Sicht hat explizit kein Vorwurf gegenüber den behandelnden Ärzten und der Behandlung stattgefunden. Der Patient hat die Situation so dargestellt, wie er sie persönlich erlebt hat.
Die Sendung wurde zudem von den Verantwortlichen des Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil vor der Ausstrahlung abgenommen und auf inhaltliche Fehler, Unterlassungen oder Fehlinterpretationen überprüft. Von ihrer Seite her kam kein Einwand, daher durften wir davon ausgehen, dass auch für das Publikum klar ist, dass es die subjektive Sicht des Patienten in einer Ausnahmesituation ist. Dies auch weil klar ist, dass der Patient zwei Wochen im Koma lag und zuerst gar nicht wusste, was passiert ist.
Mona mittendrin ist kein Fachmagazin sondern bildet eine Momentaufnahme ab. Alle beteiligten Patienten in dieser Folge haben subjektiv geantwortet und ihre Meinung kundgetan. Falls konkrete Vorwürfe oder Anschuldigungen aufgetaucht wären, hätten wir der Gegenseite die Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Dies war unserer Meinung nach auch im Fall dieses Patienten nicht gegeben.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Im «Sendungsporträt» der Sendung «Mona mittendrin» steht:
„Das Leben ist eine Blackbox – häufig hat man keinen Einblick in den Alltag der anderen. Eine Kiste steht auch am Anfang jeder Folge von ‘Mona mittendrin’. Mona findet darin jeweils Dinge, die sie dort gebrauchen kann, wo es für sie hingeht – wohin, weiss sie erst, wenn sie den Hinweisen folgt.
(...) Spontan, direkt und echt – das ist die fünfteilige Serie ‘Mona mittendrin’. Ohne Berührungsängste lernt Mona Vetsch Süchtige kennen und hilft in der Gassenküche. Oder packt an auf der grössten Baustelle der Schweiz – als einzige Frau unter Männern. Mona begegnet den Menschen auf Augenhöhe, nimmt Teil an ihrem Alltag und erhält so Einblick in das wahre Leben der anderen.“[2]
Die Sendung führt die Journalistin Mona Vetsch direkt in Arbeitsverhältnisse, Milieus und Grenzsituationen in der Schweiz und zeigt ein Stück reale Welt. Ich bin deshalb nicht mit Ihnen einverstanden, dass man diese Sendung mit «Globi bei den Indianern» vergleichen kann. Die Globi-Geschichten sind Fiction. Sie sind von A-Z erfunden, auch wenn sie natürlich die Kunstfigur Globi, die halb Vogel, halb Mensch ist, an Schauplätze führen, die es tatsächlich gibt. Mona Vetsch hingegen stösst nicht auf frei erfundene Episoden, sondern auf die Wirklichkeit. Und zur Wirklichkeit gehören auch Patienten, die durch Unfälle querschnittgelähmt wurden. Ich finde überhaupt nicht, dass in dieser Sendung Para- und Tetraplegiker instrumentalisiert werden. Im Gegenteil: Die Geschichte erzählt von der Hingabe der Fachleute im Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil, vom Willen und der Zuversicht der Patientinnen und Patienten und vom Zusammenhalt von Familien und Paaren. Es ist eine menschliche, eine anrührende Geschichte.
Umgekehrt haben Sie mit der Kritik an der Szene, in der vom dreimal herausgezogenen Stecker die Rede war, Recht. Mona Vetsch fragt nach, an die Freundin des Patienten gewendet: «Das habe ich jetzt richtig verstanden: Sie wollten die Maschine abstellen, dass er stirbt?» Die Freundin und der Patient bejahen. Hier wird das Publikum in der Tat manipuliert, indem es im Glauben gelassen wird, die Ärzte und das Pflegepersonal hätten den Patienten aufgegeben, und nur wegen seines Widerstandes lebe er noch. Hier hätte im Off eine kurze Erklärung folgen müssen, die erläutert, was wirklich passiert war. Da dies nicht erfolgt ist, war die Sendung an dieser Stelle nicht sachgerecht. Ich kann daher Ihre Beanstandung unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann
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