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«Jetzt sind auch schwarze Socken erlaubt» – Heute lesen, was morgen im EA steht.
Der Einsiedler Anzeiger hat sich mit dem ehemaligen Polizisten Sepp Wehrli zu Hause in Unteriberg über seine Profikarriere und seine Arbeit beim Schweizer Radrennen unterhalten.
René Hensler
Wie kamen Sie zum Radsport?
Ich hatte früh Freude am Velo fahren. In jungen Jahren war ich mit meinen Kollegen immer auf dem Fahrrad anzutreffen. Dank eines Ferienjobs konnte ich genügend Geld verdienen und mir ein Velo kaufen. Das war ein ganz normales mit Schutzblech, Licht und fünf Gängen. Und irgendwie bin ich dann in die Rennszene reingerutscht und habe zuerst Bergrennen absolviert. Mit der Zeit kamen noch die Strassenrennen hinzu.
Welchen Beruf haben Sie ursprünglich erlernt?
Bei der «Häny Pumpenfabrik» in Meilen absolvierte ich die Lehre zum Mechaniker. Wir waren einige Einsiedler, welche täglich mit einem von der Firma zur Verfügung gestellten Bus dorthin zur Arbeit fuhren.
Ab wann wussten Sie, dass Sie Profirennfahrer werden wollten?
Mit meinen Resultaten an den verschiedenen Rennen habe ich die Qualifikation zum Elitefahrer erreicht. Im Jahr 1978 erhielt ich ein Angebot, bei der Tour de Suisse mitzufahren. Mein damaliger Chef ermöglichte mir diese Teilnahme und änderte meine Kündigungsfrist. Im Winter musste ich einfach die Frist wieder nachholen und arbeitete so die Zeit vor dem Rennen nach.
Wie fanden Sie ihr erstes Team?
Ich wurde vom Team «Willora» angefragt, weil sie unbedingt noch einen Fahrer brauchten. Das Team fand also mich und nicht ich sie.
Mit welchen bekannten Fahrern sind Sie Rennen gefahren?
Das waren Beat Breu, Gottfried «Godi» Schmutz und der «andere» Einsiedler Sepp Fuchs.
Jetzt fuhren zwei Sepp im gleichen Team. Wie hielten ihre Teamkollegen sie auseinander?
Wir hatten einen welschen Sportchef. Dieser nannte den Fuchs immer Sepp und den Wehrli Josef, französisch ausgesprochen. Und dann kam mit der Zeit die Abkürzung «Josi.»
Welches waren ihre grössten Erfolge?
Ich gewann 1981 das Bergrennen von Visp nach Grächen. International war mein grösster Erfolg der 3. Platz am Giro d’Italia im Ankunftsort Meda im Jahr 1979.
Ab wann wussten Sie, dass Sie aufhören und zur Kantonspolizei Schwyz gehen?
An der Spanien Rundfahrt 1983 hatte ich einen Sturz mit schweren Kopfverletzungen. Wir hatten dannzumal keine Velohelme auf, unser Schutz waren ausschliesslich die Radfahrer-Käppi.
Was war genau mit der Geschichte mit dem Blick-Reporter und Ihrem Eignungstest bei der Polizei?
Ja, die stimmt! Ich war mit meinem Team am Rennen Paris-Roubaix und hätte am nächsten Tag an den Test müssen. Der damalige Leiter des Teams verbot mir dies aber. So flüchtete ich am frühen Morgen aus der Unterkunft und Hanspeter Hildebrand fuhr mich in die Schweiz. Nach dem Test buchte ich einen Flug von Zürich nach Paris. Dieser Flug kostete da rund 300 Franken. Am nächsten Tag konnte ich dann in Paris starten wie geplant.
Wie kamen Sie als Funktionär zur Tour des Suisse?
Sepp Vögeli, Chef der Tour de Suisse von 1967 bis 1991, engagierte mich als Chauffeur des Rennleiters. Die damalige Rennjury hatte untereinander einige Schwierigkeiten. Nach den Rennen war mein Job eigentlich erledigt. Ich half dann aber jeweils bei der Auswertung mit. Früher wurden die Klassemente noch im Kopf berechnet. Meine Arbeit schien zu gefallen und so «rutschte» ich in die Rennleitung.
Wie entwickelten sich Ihre Aufgaben beziehungsweise Funktionen?
Ich besuchte diverse Ausbildungskurse im Schiedsrichterwesen des Radrennsportes. Früher war vieles viel hektischer, konnten wir doch nicht auf die Hilfe von Computern zählen. Heute ist alles drum herum mit der Liveübertragung natürlich viel grösser.
Was ist Ihre Aufgabe als Bereichsleiter Rennen?
Ich bin direkt dem Tourdirektor unterstellt. Alles was mit dem Rennen zu tun hat, unterliegt meiner Verantwortung. Das heisst vom Startschuss bis zum Ziel. Ich erstelle mit meinem Team die Ranglisten, schreibe Zeitbonifikationen gut und gebe die Sieger aller Klassemente wie auch der Bergpreise bekannt.
Wann beginnen jeweils die Arbeiten für die Tour de Suisse?
Meine ersten Vorarbeiten beginnen im November. Da stelle ich die Töfffahrer und Chauffeure für mein Team ein. Während dem Rennen fahre ich gleich dem Feld, vor dem Besenwagen, nach. Früher waren am Anfang oft schwere Stürze zu verzeichnen. Nach rund einer Stunde fahre ich aber direkt ans Ziel. Meine Rennkommissare beobachten dann das Rennen und rapportieren mir nach der Zieleinfahrt direkt.
Wie gehen Sie mit dem leidigen Thema «Doping» im Radrennsport um?
Im Grundsatz habe ich nichts damit zu tun. Die Tests werden von der Antidopingkontrolle durchgeführt. Allenfalls stelle ich Personal zur Begleitung der Fahrer zum Test ab. Bei einem positiven Befund wird der betroffene Fahrer aus dem Rennen genommen und ich streiche ihn aus der Rangliste.
Am Giro d’Italia wurden immer wieder Fahrer infolge positivem Coronatest vom Rennen ausgeschlossen. Wie sehen die Massnahmen an der Tour de Suisse aus?
Am Giro wurden die positiv getesteten Fahrer aufgrund der teaminternen Regelungen aus dem Rennen genommen. Allgemein ist es so, dass die Teams ihre eigene «Bubble» schaffen. Bei uns wird es so sein, alle Offiziellen, die mit den Fahrern näher in Kontakt treten, werden Masken tragen.
Welche lustige Geschichte blieb Ihnen bei den vergangenen Rennen in bester Erinnerung?
Früher war die Bekleidung wie folgt reglementiert: Der Fahrer trägt ein Trikot mit Ärmeln, eine schwarze Hose und weisse Socken. An einem Morgen tauchte Lance Armstrong nun mit schwarzen Socken auf. Und seit diesem Tag sind auch schwarze Socken erlaubt.
Auf was freuen Sie sich bei der diesjährigen Tour de Suisse am meisten?
Dass Einsiedeln erster Etappenort ist und das vordere Viadukt endlich wieder befahren werden kann.