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München, Leopoldstrasse 27, 20.3.1961
Lieber Herr Bienek,
01 eben sah ich die neue Nummer von B+B mit den drei Gedichten: Es drängt mich, Ihnen meinen Dank auszusprechen, 1. für die Veränderung meiner Biographie und 2. für die Veränderung bezw. Verbesserung des ersten der drei Gedichte.
02 1. Im biographischen Anhang haben Sie mich vom Stellvertretenden Protektor zum Protektor erhoben (, welches Amt damals wie heute von Professor Snell bekleidet wird); ausserdem haben Sie meine Amtszeit, die von 1955 bis 1957 dauerte, bis 1959 verlängert. Ihre Grosszügigkeit würde schlechterdings vollkommen, wenn es Ihnen gelänge, die Nachzahlung der entsprechenden Gehaltsdifferenz zu erwirken.
03 2. Was aber die Verbesserung meines Gedichts "Das Ohr des Dionysios" angeht, kann ich mich kaum fassen vor Rührung: Es ist Ihnen gelungen, aus einer dürftigen Skizze, einem Ansatz zu einem Gedicht, ein Kunstwerk zu machen. Besonders feinsinnig und einfühlend finde ich, dass Sie sich nicht mit der Glättung rhythmischer Härten begnügt, sondern auch die charakterlich fragwürdige Person des Tyrannen Dionysios von Syrakus (406-367 v. Chr.) – mein Gedicht bezieht sich auf eine Episode aus seinem Leben – durch den Gott Dionysos ersetzt haben. Ich bitte Sie lediglich, falls Ihre Bescheidenheit das nicht verbietet, in der nächsten Nummer Ihrer Zeitschrift meine stümperhafte Fassung doch noch abzudrucken: damit der Leser sieht, was ein genialer Redakteur aus einem Pfuschwerk machen kann.
In bewundernd dankbarer Herzlichkeit
Ihr
Kuno Raeber