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Forderungen der Tierschützer sind oft realitätsfremd
Winterkurs des Freiburgischen Alpwirtschaftlichen Vereins
Der tierkonforme Umbau von Alphütten und die Wasserversorgung auf Sömmerungsweiden waren die Themen des gestrigen Winterkurses des Freiburgischen Alpwirtschaftlichen Vereins (FAV) in Plasselb.
Von JOSEF JUNGO
Präsident Robert Schuwey erinnerte in seinem Grusswort an die besonderen Verhältnisse im Hitzesommer 2003. Der Wassermangel führte auf mehreren Alpen zu grossen Problemen, führte er aus. Dank Unterstützung der Armee konnten 15 Alpen mit Wasser versorgt werden. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Sommer veranlassten den Vorstand, die Wasserversorgung und den Unterhalt der Quellfassungen für den Winterkurs zu thematisieren, berichtete der Präsident.
Als zweites Thema wurde der Umbau von Alphütten beziehungsweise die Einrichtung von Laufställen behandelt. Auf den rund 1400 Alpen im Kanton, welche im Durchschnitt nur 14,8 ha umfassen (schweizerisches Mittel 56 ha), sind noch viele strukturelle Probleme zu lösen.
Investitionen müssen
gut geplant sein
In den Berichten des FAV von 1996 bis 2002 wurde der Zustand von 488 Alphütten beurteilt. Wie Jean-Paul Eggenschwiler vom Meliorationsamt ausführte, wurden 83 Prozent derselben als gut bis sehr gut beurteilt, 11 Prozent als mittelmässig und 6 Prozent als schlecht bzw. als Ruinen angetroffen. Da die Beiträge von Kanton und Bund immer knapper werden, sollen rationelle, örtliche Lösungen gesucht werden, gemeinschaftliche Anlagen seien in jedem Fall zu bevorzugen.
Für kleine Objekte können Beiträge aus dem Bodenverbesserungs- oder Landwirtschaftsfonds in Frage kommen. Für grössere Vorhaben (wie z.B. die Alpkäserei Gantrischli im Muscherntal) oder andere gemeinschaftliche Bauten können Beiträge von Bund und Kanton geltend gemacht werden. Für die Wiederinstandstellung der Schindelbedachung können zudem auch Beiträge beim schweizerischen Landschaftsfonds (Kulturgüterschutz) beantragt werden. In solchen Fällen werden für juristische Personen 27 Prozent und für natürliche Personen 40,5 Prozent der Kosten übernommen. Den Besitzern mit Bauvorhaben an einer Alphütte der Kategorie A, B und C empfahl Eggenschwiler, dem Bau- und Raumplanungsamt ein Vorgesuch einzureichen. Dieses Gesuch muss vom Gemeinderat, vom Oberamt und von der Kulturgüterkommission begutachtet sein.
Praktische Beispiele vorgestellt
Christian Burger, Pierrafortscha, informierte über die Einrichtung eines Boxenlaufstalles für Mutterkühe und Kälber in der Alphütte Bursters Schwyberg. Der Präsident der Alpgenossenschaft Wünnewil, Markus Perler, berichtete über die Einrichtung eines Laufstalles für Rinder auf dem Oberen Euschels. Für die Sömmerung von Mutterkühen und Kälbern wurde auf der Alp Unterer Euschels ein Boxenlaufstall eingerichtet. Dieses Aufstallungssystem erleichtere die Arbeit und die Tiere seien ruhiger, wurde betont.
In der Diskussion kamen unterschiedliche Erfahrungen mit Laufställen zum Ausdruck. «Soll es im Stall ruhig sein, muss derselbe verdunkelt werden können», brachte ein Landwirt aus St. Silvester seine Erfahrungen ein. «Es kommt doch nicht von ungefähr, dass unsere Vorfahren in den Ställen nur kleine Fenster einbauten.» Er bezeichnete viele Forderungen der Tierschützer als praxisfremd. «Die Tiere sind weniger dumm als einzelne Tierschützer . . .», meinte er.
Wasser ist lebensnotwendig
und wertvoll
Die ganze Problematik der Wasserversorgung auf den Alpen, die Anforderungen an die Qualität des Trinkwassers sowie die Techniken, die es gibt, Wasservorkommen zu finden, stellten Heribert Rappo vom Meliorationsamt und Pierre Ferrari vom Büro für Geologie Anatra SA dar. Der tägliche Wasserbedarf pro Einwohner beträgt 80 bis 160 Liter, pro Grossvieheinheit sind es 80 Liter. Mit dem Wasser werde nicht haushälterisch umgegangen, denn der Verbrauch betrage 162 Liter pro Person und Tag.
Die FAV-Tätigkeiten 2004
Die Alpinspektionen finden am 8./9. Juli in der Region Schwyberg statt. Der Ausflug führt am 22. Juli ins Aostatal. Die Generalversammlung des FAV findet am 30. April in Albeuve statt. Gesuche an den FAV für Unterhaltsarbeiten an Alphütten und Weiden müssen vor dem 1. Mai an das Sekretariat Freiburgischer Alpwirtschaftlicher Verein, Route de Chantemerle 41, Postfach 1542, Granges-Paccot, 1701 Freiburg gerichtet werden.