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Eine umfassende Wohlfahrtsmessung muss auch Informationen über benachteiligte Gruppen und deren Situation enthalten. Gemäss Präambel der Bundesverfassung misst sich die Stärke eines Volkes am Wohl der Schwachen. Der Indikator «Armutsquote» gibt an, wie hoch der Anteil der Bevölkerung ist, deren Einkommen unter einer finanziell definierten Armutsgrenze liegt. Zudem enthält der Indikator Informationen über die sozio-ökonomische Struktur der armen Personen bzw. Haushalte.
Wie in der Armutsforschung üblich, werden verschiedene Konzepte zur Bestimmung von Armut verwendet. Das absolute Armutskonzept («Armut») basiert auf einer Armutsgrenze in Höhe des sozialen Existenzminimums. Es wird ergänzt durch das international gängige relative Armutskonzept («Armutsgefährdung»). Um auch nicht monetäre Aspekte der Armut erfassen zu können, wird weiter ein ebenfalls europäisch definierter Indikator zur Messung der materiellen Entbehrung verwendet. Eine besondere Beachtung kommt zudem der Armut von erwerbstätigen Personen zu, da die Ausübung einer Erwerbstätigkeit als Mittel zur Reduktion des Armutsrisikos gilt.
Eine umfassende Wohlfahrtsmessung muss auch Informationen über benachteiligte Gruppen und deren Situation enthalten. Gemäss Präambel der Bundesverfassung misst sich die Stärke eines Volkes am Wohl der Schwachen. Der Indikator «Armutsquote» gibt an, wie hoch der Anteil der Bevölkerung ist, deren Einkommen unter einer finanziell definierten Armutsgrenze liegt. Zudem enthält der Indikator Informationen über die sozio-ökonomische Struktur der armen Personen bzw. Haushalte.
Stand 16. November 2018
Die wichtigsten Ergebnisse
In der Schweiz waren 2016 rund 615‘000 Personen von Einkommensarmut betroffen, davon rund 140‘000 Erwerbstätige. Die Armutsquote betrug damit 7,5% (±0,6). Weiter waren 1,2 Millionen Personen armutsgefährdet und rund 435‘000 Personen von materieller Entbehrung betroffen. Die durchschnittliche Armutsgrenze betrug für eine Einzelperson 2247 Franken pro Monat und für zwei Erwachsene mit zwei Kindern 3981 Franken. Die entsprechenden Armutsgefährdungsgrenzen betrugen 2483 Franken resp. 5214 Franken.
Zwischen den Jahren 2007 und 2013 ging die Armutsquote der Gesamtbevölkerung von 9,3% auf 5,9% zurück. Seit 2014 zeigt sie wieder eine steigende Tendenz, die allerdings statistisch nicht signifikant ausfällt. Dasselbe gilt für die Armutsquote der Erwerbstätigen. Da methodische Änderungen vorgenommen wurden, sind die Werte ab 2014 nicht mehr direkt mit den Vorjahren vergleichbar.
Kontext
Seit 2007 sind die verfügbaren Einkommen in allen Einkommensgruppen gestiegen. Der Arbeitsmarkt und die Wirtschaftslage waren bis auf einen kurzen Einbruch 2009 stabil und entwickelten sich positiv.
Zu den besonders von Armut betroffenen sozialen Gruppen zählen Personen in Einelternhaushalten mit minderjährigen Kindern, Personen mit geringer Bildung, alleinlebende Erwachsene, Personen ausländischer Nationalität sowie Personen in Haushalten ohne Erwerbstätige. Personen ab 65 Jahren sind zwar ebenfalls öfter einkommensarm, da sie jedoch für ihre laufenden Ausgaben häufiger auf Vermögen zurückgreifen, darf dies nur mit Vorsicht interpretiert werden. Personen in Haushalten mit mehreren Erwerbstätigen weisen generell die tiefsten Armutsquoten auf. Armut bei Erwerbstätigen lässt sich vor allem im Hinblick auf die (längerfristige) Unsicherheit der Erwerbssituation beschreiben: Die Armutsbetroffenheit ist grösser, sofern Arbeitsbedingungen und -formen eindeutig oder tendenziell unsicher sind (z.B. Erwerbsunterbrüche, kleines Unternehmen, Solo-Selbstständigkeit).
Nach dem relativen Armutsgefährdungskonzept waren 2016 zusätzlich auch Kinder und kinderreiche Haushalte überdurchschnittlich gefährdet, nicht jedoch alleinlebende Erwachsene unter 65 Jahren. Bei der materiellen Entbehrung sind wiederum Alleinerziehende, Einzelpersonen unter 65 Jahren, Personen mit geringer Bildung, Personen in Haushalten ohne Arbeitsmarktaktivität, Ausländer/innen sowie Kinder besonders betroffen. Personen ab 65 Jahren weisen sogar eine deutlich geringere materielle Entbehrung auf als die übrigen Altersgruppen.
Vergleich mit subjektiven Daten
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Internationaler Vergleich

Armutsgefährdungsquote
|Quote der materiellen Entbehrung

in %
|Schweiz||14,7||5,3|
|Italien||20,6||20,6|
|Frankreich||13,6||11,0|
|Deutschland||16,5||9,7|
|Österreich||14,1||8,4|
|USA||--||--|
|EU (28 Länder)||17,3||15,7|
|OECD - Total||--||--|
Tabellen
Methodologie
Die in SILC 2016 erhobenen Einkommensdaten beziehen sich auf das Jahr 2015. Um den finanziellen Vorteilen bei selbst genutztem Wohneigentum oder Mietobjekten, deren Mietzinsen unter dem marktüblichen Preis liegen, Rechnung zu tragen, wird bei der Armutsgefährdungsquote zum Bruttoeinkommen der betreffenden Haushalte ein Betrag addiert, der dem Nutzungswert des Objekts abzüglich der effektiven Wohnkosten entspricht («fiktive Miete»). Da die fiktive Miete noch nicht von allen Ländern berechnet wird, basiert der internationale Vergleich auf einem verfügbaren Äquivalenzeinkommen ohne fiktive Miete. Beim absoluten Armutskonzept wird generell das Haushaltseinkommen ohne fiktive Miete verwendet, da die Wohnkosten bereits in der Armutsgrenze berücksichtigt sind.
Definitionen
Definition des Indikators
Finanzielle Armut wird hier nach zwei geläufigen Ansätzen definiert: dem absoluten und dem relativen Ansatz.
Die Armutsquote basiert auf einer «absoluten» Schwelle: Als arm gelten demnach Personen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um die für ein gesellschaftlich integriertes Leben notwendigen Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Dieser Definitionsansatz bezieht sich somit auf das soziale Existenzminimum. Damit bildet die Armutsquote eine Grundlage für die Evaluation der Sozialpolitik. Die Armutsgrenze setzt sich zusammen aus einem Pauschalbetrag für den Lebensunterhalt, den individuellen Wohnkosten sowie monatlich 100 Franken pro Person ab 16 Jahren für weitere Auslagen.
Die Armutsgefährdungsquote basiert auf einer «relativen» Schwelle: Als armutsgefährdet gelten Personen mit einem verfügbaren Äquivalenzeinkommen, das deutlich unter dem üblichen Einkommensniveau in dem betreffenden Land liegt. Armut wird somit als eine Form der Ungleichheit betrachtet. Vereinbarungsgemäss setzt die Europäische Union die Armutsgefährdungsgrenze bei 60 Prozent (OECD: 50 Prozent) des Medians des verfügbaren Äquivalenzeinkommens an.
Materielle Entbehrung ist definiert als der Nichtbesitz von Gebrauchsgütern bzw. das Fehlen elementarer Lebensgrundlagen aufgrund mangelnder finanzieller Ressourcen. Von materieller Entbehrung wird gesprochen, wenn mindestens drei von neun Elementen aus den nachfolgend geschilderten Kategorien aus finanziellen Gründen fehlen. Wenn vier Elemente fehlen, spricht man von erheblicher materieller Entbehrung. Diese europaweit koordinierten neun Kategorien von Entbehrungen betreffen folgende Bereiche:
Finanzielle Schwierigkeiten:
• nicht in der Lage sein, unerwartete Ausgaben in der Höhe jenes Betrages zu tätigen, der 1/12 der Armutsgefährdungsschwelle (bei 60%) für Einpersonenhaushalte entspricht (in der Schweiz: 2500 Franken innerhalb eines Monats),
• nicht in der Lage sein, eine Woche Ferien pro Jahr weg von zuhause zu finanzieren,
• Zahlungsrückstände,
• nicht in der Lage sein, sich jeden zweiten Tag eine fleisch- oder fischhaltige Mahlzeit (oder vegetarische Entsprechung) zu leisten,
• nicht in der Lage sein, die Wohnung ausreichend zu heizen.
Nichtbesitz von langlebigen Gebrauchsgütern:
• keinen Zugang zu einer Waschmaschine,
• Nicht-Besitz eines Farbfernsehers, eines Telefons oder eines Autos.
Diese Fragen werden nur einem Haushaltsmitglied gestellt; die Antworten werden für sämtliche Haushaltsmitglieder übernommen.
Erwerbstätige sind hier definiert als Personen ab 18 Jahren, die im Vorjahr der Erhebung während mehr als der Hälfte der Monate einer selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit nachgingen (häufigster Erwerbsstatus).
Publikationen
Links