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Aktuelle Forschung in Kürze:
Besuchshunde auf dem Uni-Campus oder gibt es Alternativen?
Hintergrund
In den letzten Jahrzehnten hat das Stressniveau sowie Depressionen und andere psychische Störungen bei Studierenden zugenommen, was auch Studien aufzeigen. Besonders in der der Prüfungszeit sind die Studierenden gestresst und leiden unter Ängsten.
In den USA haben viele Hochschulen und Universitäten Programme entwickelt, bei denen Therapiehunde auf dem Campus eingesetzt werden, um Studierenden bei der Bewältigung von Stress und Ängsten zu helfen. Diese Interaktionen können nur ganz kurz bis einige Minuten dauern. Studien konnten aufzeigen, dass es schon bei kurzen Interventionen bei Studierenden zu einer Stressreduktion und einer Verbesserung der Stimmung kam. Teilweise wirkte sich die Intervention auch auf physiologischen Stressparameter wie den Blutdruck aus.
Manche Menschen haben jedoch aufgrund Zeitmangels, fehlender Möglichkeiten oder Allergien gegen Hunde keinen Zugang zu einem lebenden Hund. Daher wird die Alternative eines Roboterhundes zur Reduktion von Stress und Einsamkeit ins Feld geführt. Der Effekt von Roboterhunden wurde bisher erst in Alters- und Pflegeheimen untersucht, jedoch noch nie bei Studierenden. In der vorliegenden Studie untersuchten die Autor*innen, ob ein Roboterhund ähnliche Effekte wie ein lebendiger Hund auf Studierende hat.
Methode
An der Studie nahmen 165 College-Studierende (108 Frauen, 55 Männer, 1 divers, 1 keine Antwort) während der Prüfungsphase teil. Neben der Therapiehunde- und der Roboterhundebedingung gab es noch eine weitere Bedingung, in welcher die Teilnehmenden ein Hundevideo schauten. Die Teilnehmenden wurden einzeln in einen separaten Raum gebracht, wo sie für eine Minute einer von den drei Bedingungen ausgesetzt wurden. In der Therapiehundebedingung waren 53 Personen; 57 Personen trafen auf den Roboterhund und 55 Personen sahen das Hundevideo. Vor und nach der Intervention wurde die momentane Angst und die Stimmung gemessen. Wenn die Teilnehmenden einen niedrigen Angstwert angaben, wurden diese Daten von der Analyse ausgeschlossen, um einen Bodeneffekt zu vermeiden.
Resultate und Diskussion
Die Angst der Teilnehmenden verringerte sich von vor zu nach der Intervention in allen drei Bedingungen. Die Reduktion war in der Therapiehundebedingung am stärksten. Die Interventionen hatten aber keine signifikanten Effekte auf die Stimmung der Teilnehmenden.
Die Studie zeigt auf, dass bereits eine kurze Intervention von einer Minute die Angst von Studierenden in der Prüfungsphase lindern kann. Es zeigt sich aber auch, dass nicht unbedingt Therapiehunde nötig sind und dass auch Roboterhunde oder ein Hundevideo Angst bei Studierenden reduziert. Fraglich ist, wie viele Studierende ausserhalb einer Studie mit einem Roboterhund interagieren würden und wie lange oder wie oft eine solche Interaktion interessant ist.
Schnell wechselnde Klient*innen oder ein stark bevölkerter Campus können Stress für einen Therapiehund bedeuten. Daher ist es wichtig, dass wie in dieser Studie auch alternative Stressreduktionsmöglichkeiten zu tiergestützten Interventionen geprüft werden. Um die Kosten-Nutzen-Abwägungen noch besser einschätzen zu können, sollten zukünftige Untersuchungen auch erheben, wie lang der Effekt der Intervention anhält.
Quelle
Haefelin, N., Lange, N., Sweigert, B., Yonto, M., & Rivardo, M. G. (2020). Anxiety reduction in college students after brief interaction with a therapy dog or animatronic dog. North American Journal of Psychology, 22(3), 411–426.
Video des Roboterhundes
Sie fragen sich, wie dieser Roboterhund in der Studie funktioniert und sich bewegt? Hier finden Sie ein Video, in welchem der Hund erklärt wird.