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Marco Odermatt ist als erster Schweizer seit Carlo Janka 2010 in Vancouver Riesenslalom-Olympiasieger! Der 24-jährige Nidwaldner gewinnt in Yanqing in seiner Paradedisziplin mit 19 Hundertsteln Vorsprung vor dem Slowenen Zan Kranjec.
Odermatt führte in seinem ersten olympischen Riesenslalom trotz eines zeitraubenden Fehlers bereits nach dem ersten Lauf, welcher bei schwierigen Verhältnissen und im dichten Schneetreiben stattfand. Sein Vorsprung betrug allerdings nur vier Hundertstel auf den Österreicher Stefan Brennsteiner. Mit Weltmeister Mathieu Faivre, dem Norweger Henrik Kristoffersen und Faivres französischem Landsmann Thibaut Favorit lagen drei weitere Fahrer innerhalb von nur zwei Zehnteln hinter dem Schweizer.
Kompletter Set-up-Wechsel
Odermatt entschloss sich trotz der Führung, im Hinblick auf die Entscheidung das Set-up beim Material vollständig zu wechseln. Der Plan des Nidwaldners ging perfekt auf. Während Brennsteiner im bei weiterhin schwierigen Bedingungen durchgeführten Finaldurchgang wie schon 2018 auf dem Weg zu einer Medaille ausschied, behauptete sich Odermatt an der Spitze vor Kranjec.
Der Slowene war am Morgen mit 0,78 Sekunden Rückstand nur Achter gewesen. Doch im zweiten Lauf, der aufgrund von notwendigen Pistenarbeiten mit 75 Minuten Verspätung begonnen hatte, gelang Kranjec ein Traumlauf. Der drittklassierte Riesenslalom-Weltmeister Mathieu Faivre aus Frankreich büsste bereist mehr als 1,3 Sekunden auf Odermatt ein.
Mit dem Bündner Gino Caviezel, der mit 1,85 Sekunden Rückstand Siebter wurde, klassierte sich ein zweiter Schweizer in den ersten zehn. Die zwei Westschweizer Justin Murisier und Loïc Meillard waren hingegen bereits im dichten Schneetreiben des ersten Laufs ausgeschieden.
Drittes Gold nach Feuz und Gut-Behrami
Odermatt holte in China für die Schweizer Alpinen die bereits dritte Goldmedaille nach Beat Feuz in der Abfahrt und Lara Gut-Behrami im Super-G. Dazu gab es in der letzten Woche Bronzemedaillen durch Gut-Behrami (Riesenslalom), Wendy Holdener (Slalom) und Michelle Gisin (Super-G).
Aufgrund seiner Weltcup-Resultate in diesem Winter – von fünf Riesenslaloms gewann er deren vier und wurde er einmal Zweiter – war Odermatt hoch favorisiert. Doch an den Winterspielen in Peking lief es ihm in seinen ersten zwei Rennen nicht wie erhofft. Nach Rang 7 in der Abfahrt schied der Olympia-Debütant im Super-G auf Medaillenkurs aus. An der WM in Cortina vor einem Jahr war er ohne Medaille geblieben.
Fünfter Schweizer Riesenslalom-Olympiasieger
Odermatt ist der fünfte Schweizer Olympiasieger im Riesenslalom. Zuletzt gewann 2010 in Vancouver Carlo Janka in dieser Disziplin. Ebenfalls Olympia-Gold im Riesenslalom gab es für Roger Staub (1960 in Squaw Valley), Heini Hemmi (1976 in Innsbruck) und Max Julen (1984 in Sarajevo).
Reaktionen: «Ich habe im zweiten Lauf nochmals alles riskiert»
Marco Odermatt (Riesenslalom-Olympiasieger): «Vor ein paar Tagen ist auch schon geschrieben worden, ich könne nicht mit dem Druck umgehen. Das ist immer ein bisschen Ansichtssache. Es ist immer auf Messers Schneide. Ich habe im zweiten Lauf nochmals alles riskiert. Wieder ein Fehler wie im Super-G, dann stehe ich nicht auf dem Podest und hätte es wohl wieder geheissen, ich hätte die Nerven nicht. Aber auf diesem Niveau muss man riskieren. Wenn ich Vierter geworden wäre, dann hätte ich mich definitiv mehr geärgert.
Es ist unglaublich, dass mir alles so aufging. Ich wusste seit Beginn der Spiele, dass hier etwas möglich ist, obwohl wir bei der Materialabstimmung etwas Mühe bekundeten. Das Set-up habe ich übrigens auch vor dem zweiten Riesenslalom-Lauf nochmals komplett geändert. Ich nahm einen anderen Ski und auch eine andere Bindung. Das braucht doch etwas Mut, wenn man an Olympia nach dem ersten Lauf in Führung liegt. Ich bin stolz, in die Fussstapfen von Carlo Janka treten zu können. Stolz bin ich auch, weil es immer so viel braucht, bis man mit einer Goldmedaille dasteht. Es braucht die Trainer, den Servicemann, die Skifirma, Sponsoren und natürlich auch die Familie. Es ist unglaublich, wie stark ein Athlet in allem unterstützt wird.»
Carlo Janka (2010 in Vancouver letzter Schweizer Riesenslalom-Olympiasieger): «Ich habe das Rennen natürlich verfolgt. Herzliche Gratulation an Marco. Er ist ein cooler Nachfolger. Es war die gleiche Ausgangslage (wie bei Janka, der 2010 ebenfalls nach dem ersten Lauf schon führte – Red.), er fuhr das aber souverän heim, da gibt es nichts auszusetzen. Er ist der logische Sieger.»