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Die Krabbentaucher, der häufigste Seevogel entlang der Küsten von Grönland und Spitzbergen, zeigten keinen Gewichtsverlust oder Fortpflanzungsprobleme in den untersuchten drei Sommerkolonien, trotz höherer Temperaturen, welche die Nahrungsquellen verändert haben. Zu diesem überraschenden Resultat kommt eine wissenschaftliche Studie, die letzte Woche in der Fachzeitschrift «Marine Ecology Progress» veröffentlicht wurde.
Krabbentaucher sind kleine, etwa 20-25 cm grosse Seevögel, die in grossen Kolonien in den steilen, felsigen Hängen an den Küsten Grönlands, Spitzbergens und anderen arktischen Inseln nisten. Etwas 40 – 80 Millionen dieser Vögel steuern jedes Jahr ihre Nistplätze in den Gebieten an. Sie ernähren sich in erster Linie von Ruderfusskrebsen der Gattung Calanus, also Plankton. Forscher nahmen bisher an, dass die Populationen von Krabbentaucher in den letzten Jahren zurückgegangen sein könnten aufgrund des Klimawandels. Doch wie hat dieser kleine Überlebenskünstler das Gegenteil erzielt? «Überraschenderweise haben es die Vögel verstanden, die Erwärmung der Oberflächengewässer der Grönlandsee durch eine Änderung ihrer Nahrung und des Zeitaufwandes für die Nahrungssuche auszugleichen», erklärt David Grémillet der Leiter der Studie, in einem Bericht des in Paris beheimateten Zentrums für Funktionelle und Evolutionäre Ökologie. «Sie fliegen weiter und länger, um in Gebieten auf Nahrungssuche zu gehen, die besser geeignet sind.»
Trotzdem warnen die Wissenschaftler, dass die Anpassungsfähigkeit von Krabbentauchern schon bald an ihre Grenzen stossen könnte, wenn sich die Gewässer weiter so stark erwärmen. Die Forscher untersuchen nun, wie weit der Klimawandel sich auf das Überleben der Krabbentaucher im Winter auswirkt. «Es scheint, dass Krabbentaucher das Limit ihrer physiologischen und Verhaltensanpassungen erreicht haben», schreibt er weiter. «Eine weitere Erwärmung könnte ihren Niedergang bedeuten und weiter auch eine schwere Störung der marinen Ökosysteme in der Arktis.»
Die Studie ist ein Teil eines grösser werdende Forschungsfelds, welches untersucht, wie Seevögel auf die steigenden Wassertemperaturen und die veränderten Nahrungsbedingungen reagieren. Da Seevögel wie Krabbentaucher sich oft von Organismen ernähren, die am Anfang des Nahrungsnetzes stehen, können sie als Zeiger für den Zustand des Ökosystems dienen. «Aufgrund ihrer Spezialisierung bezüglich Nahrung und ihrem grossen Appetit, sind Krabbentaucher ideale Indikatoren, um den Einfluss des Klimawandels auf diese Region zu untersuchen», schreiben die Wissenschaftler weiter.
«Krabbentaucher ernähren sich beinahe ausschliesslich von kleinem Zooplankton, welches sie während ihrer Tauchgänge fangen», erklärt auch Ann Harding, Meeresvogelspezialistin an der Alaska Pacific University. «Die Elterntiere tragen danach die gefangenen Krebse in einem Kehlsack, er bis zu 15'000 der Krebse aufnehmen kann, zurück zu ihren Jungtieren.» Die Vögel jagen in den arktischen Gewässern, die verschiedene Arten von Ruderfusskrebsen enthalten, unter anderem die sehr fettreiche Art Calanus hyperboreus, die in den sehr kalten Gewässern im hohen Norden vorkommt. Aber Krabbentaucher jagen auch die kleineren, weniger energiereichen Calanus finmarchicus in den gemässigten Gewässern, schreiben die Wissenschaftler weiter.
Während drei Sommer zwischen 2005 und 2007 untersuchten die Forscher drei Kolonien von Krabbentauchern auf jeder Seite der Grönlandsee, mit einer Temperaturdifferenz von 12°C von der kältesten zu der wärmsten Stelle. Dies erlaubte den Forschern den jetzigen Zustand der Krabbentaucher mit den zukünftigen Aussichten in einem wärmeren Ozean zu vergleichen. «Die wärmste Stelle auf Spitzbergen, repräsentiert die Bedingungen des späten 21. Jahrhunderts an der kältesten Stell in Ostgrönland», erklären die Wissenschaftler. «Solche Temperaturunterschiede führen zu grossen Veränderungen in Sachen Häufigkeit und durchschnittliche Grösse bei Zooplankton und reduziert daher die Nahrungsqualität.» Die Studie zeigte, dass Krabbentaucher vor der kälteren Küste Ostgrönlands mehr von den fettreichen Ruderfusskrebsen fanden als ihre Verwandten auf Spitzbergen mit seinem wärmeren Oberflächenwasser. Aber die Vögel an beiden Orten blieben in ihren Gebieten und machten alles, was nötig war, um genügend Nahrung zu finden und ihre Jungen zu füttern. «Gegenteilig zu unserer Hypothese reagierten die Vögel auf die grosse Bandbreite an Oberflächenwassertemperaturen durch eine grössere Anpassung ihre Futtersuchverhaltens, so dass ihre individuelle Fitness-Stufe nicht beeinträchtigt wurde. Sie frassen mehr der weniger fettreichen Krebse und hatten auch kleinerer Distanzen für ihre Futtersuche zurückzulegen als die Vögel in Ostgrönland», schreiben Grémillet und seine Kollegen.
Quelle: www.alaskadispatch.com
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