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In einer nahen Zukunft ist es Sitte, Menschen kraft der fortschrittlichen Genetik künstlich verändert zu zeugen. Vincent (Mason Gamble) jedoch wurde natürlich geboren - seine Eltern, Marie (Jayne Brook) und Antonio Freeman (Elias Koteas), wollten das Schicksal in Gottes Hände legen. Und so bescheinigt der Output eines Computers nach Vincents Geburt ihm viele, mit hoher Wahrscheinlichkeit eintretenden Krankheiten und eine äusserst tiefe Lebenserwartung. In dieser Gesellschaftsschicht der natürlich gezeugten "In-Validen", muss er sich nun mit einem tieferen Status begnügen, da sie den genetisch veränderten Übermenschen, den "Validen", erfahrungsmässig nicht gewachsen sind. Um dann Vincent Gesellschaft zu leisten, entscheiden sich die Eltern ihm ein Brüderchen zu schenken - diesmal aber gezeugt durch das übliche Verfahren. So wird eine befriedigende Konfiguration zusammen mit dem Mann im weissen Kittel (Blair Underwood) gezeichnet und später der genetisch veränderte Anton (Vincent Nielson) geboren.
Schon bald merkt Vincent (Chad Christ), dass irgendwas nicht stimmt an ihm. Anton wächst schneller und gewinnt jedes Mal ihre selbsternannte Mutprobe, wo beide versuchen, so weit wie möglich ins Meer hinaus zu schwimmen, bis jemand feige aufgibt. Wenigstens bleibt ihm seine Leidenschaft Astronomie und der Traum, irgendwann mal zu den Sternen zu fliegen, bestehen. Auf einmal kommt es, dass beim traditionellen Schwimmen hinaus ins Meer, Vincent plötzlich weiter hinausschwimmt und seinen Bruder (William Lee Scott) vor dem Ertrinken rettet - von da an tankt er Zuversicht. Vaters verständnisvolle Erklärung, dass Vincent ein Raumschiff höchstens reinigen werde, überhört er gewissentlich und vergräbt sich noch tiefer in seinen Büchern über die Astronautik.
An einem Tag packt Vincent (Ethan Hawk), seines Schicksals überdrüssig, schweigsam seine Koffer und findet sich irgendwann in der Herrlichkeit der renommierten Raumfahrtakademie für angehende Astronauten Gattaca wieder - im "Übergwändli" mit Schaufel und Besen. Der freundliche, alte Caesar (Ernest Borgnine) versteht Vincents Hirngespinste nicht, denn für "De-Gene-Erate"-Menschen wie sie sei es eine anständige Arbeit, das Putzen bei Gattaca. Nicht für Vincent: Schon bald werde der alte Caesar ihn durch die blitzeblanken Glasscheiben auf der anderen Seite sehen, schon bald gleite er als Navigator zum Mond Titan.
Er erfährt von einem Spezialisten namens German (Tony Shalhoub), der sorgfältig präparierte "In-Valide" durch ausgewählte Identitätsgeber wieder gesellschaftsfähig macht. Dieser Identitätsgeber, der ehemalige Sportler Jerome Eugene Morrow (Jude Law), ist ein durch einen Unfall nun im Rollstuhl sitzender Übermensch - ein verhinderter "Valider". So nimmt Vincent Jeromes Identität ein und bezieht von ihm Blut, Urin, Hautschuppen und Haare, damit die strengen Überwachungsmassnahmen in Gattaca überlistet werden können. Das Bewerbungsgespräch beim Hausarzt Dr. Lamar (Xander Berkeley) wird erstaunlich schnell bestanden - er lässt den hervorragenden Lebenslauf, ein Beutel mit Jeromes Urin, den Vincent heimlich am Körper festgebunden trägt, ins Inspektionsgefäss pullern.
Endlich in der Höhle des Löwens angelangt, unterscheiden sich Vincents Leistungen erstaunlicherweise kaum von den der vermeintlichen Elite. Mit einer Mitarbeiterin aus der selben Abteilung, der schönen Irene (Uma Thurman), macht er fein Bekanntschaft, aber entwickelt sie sich vorerst zu einer distanzierten Beziehung, da seine unglaublichen Qualitäten und leichte Unruhe in ihr Argwohn erregen. Knapp vor der Stunde des Triumphes wird plötzlich ein ungeliebter Projektleiter, der sowohl das bald beginnende Raumfahrtunternehmen, wie auch Vincents Scheinidentität gefährdet, erschlagen aufgefunden. Daraufhin lässt der unermüdliche Detective Hugo (Alan Arkin) den Tatort verriegeln und jedes erdenkliche Partikelchen durch einen mit Staubsaugern bewaffneten Schwarm von Kriminalbeamten einsaugen, bis die Spurenauswertung eine unscheinbare Wimper eines "In-Validen" zum Vorschein bringt. Nun werden von einem leitenden Detective (Loren Dean) tiefere Ermittlungen veranlasst, die aber Gattacas Direktor Josef (Gore Vidal) heftig missfallen. Dieser junge, scharfsinnige Detective glaubt die Täuschung bald zu durchschauen.
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A: Na, was meint das fachmännische Argusauge zu diesem Thesenfilm?
B: Im allgemeinen nett. Nur die Geschichte scheint mir ein bisschen "an den Haaren" herbei gezogen.
A: Wahrscheinlich Teil des Konzeptes: Es gleiten Gesäss und Haupt der geschniegelten Modell-Menschen steif wie auf einer imaginären Linie durch das Bild und summen Elektrofahrzeuge mit blauen Lichtern durch die Gegenden und fiepen sonstige Einrichtigungen - als habe die feingeistige Designerelite Kreativpause eingelegt oder einem geistreich mit ihren jovialen Kollegen der Werbebranche eine lukrative Retrofuturismus-Welle daherfabuliert. Zudem siezen sich die Menschen. Seltsam.
B: Ein Mahnfingerfilm - ich glaube das Fremdwort heisst "Dystopie". Also da wo Geschichten heftige Abneigung, Ekel erzeugen und vor irreversiblen Konzequenzen ermahnen.
A: Mmh, sind denn, wie der Film zeigt, solch tiefgreifende Manipulationen möglich, wo man sich im "Süpermarché der Genetikkonzerne" erwünschte Merkmale eines Nachkommens so exakt auswählen kann? Ist ein solches Verfahren überhaupt wahrscheinlich?
B: Eine Auswahl von Körpermerkmalen ist praktisch nicht möglich, da, und das ist oft der Fall, gewisse Körpermerkmale durch viele Gene produziert werden (zB. Grösse, Gewicht, Form, Verhalten, Intelligenz). Ausserdem kann auch die Umwelt und die Interaktion mit dieser (zB. bei Grösse: Nahrungsvorkommen) zu einem Merkmal führen. Das heisst: Da eben viele Merkmale durch viele Gene bestimmt werden, ist es relativ unwahrscheinlich, sie gezielt manipulieren zu können. Wobei: Falls ein Merkmal nur von einem Gen bestimmt wird, wäre es dann vielleicht möglich, dies gezielt zu manipulieren (wie der Film zeigt). Bis auf weiteres ist man heute nicht in der Lage, gezielte Veränderungen eines bestimmten Gens vorzunehmen - vielleicht bald, vielleicht gar nie, da alles noch viel komplexer ist als angenommen.
A: Also, das Heranzüchten eines "Übermenschen" ist eher unwahrscheinlich?
B: Ich sag es mal so: Die Gesellschaft wird sich sicher wehren, Menschen nach ihren Vorstellungen jemals heran zu züchten, wohingegen in der genetischen Behandlung von Krankheiten schon heute Erfolge zu verzeichnen sind (in gewissen Fällen). Klar muss man ethisch Grenzen setzen (die Diskussion ist im Gange, erste Gesetze wurden erlassen), aber auch dem enormen Potenzial eine Chance geben und dem Wohle des Menschen dienen - insofern es vernünftige Bedingungen erfüllt. Man kann sich sicher nie genügend Gedanken machen!
A: Wie auch die Debatte über gentechnisch veränderte Nahrung, zum Beispiel über Mais, bewies (Mais im Bundeshuus).
B: Was wäre das Kino ohne Popcorn?
A: Fatal, das wäre. Unabhängig davon, ob gentechnisch verändert oder nicht. Der Mais.
B: Es dürfen sich, wie ich schon vorsichtig andeutete, keine nachteiligen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt ergeben.
A: Gut. Nun aber Schnitt und weiter zur schauspielerischen Umsetzung.
B: Ein nettes Schauspiel der agierenden Protagonisten, allen voran Ethan Hawk und Jude Law - man merkt es ihnen an, dass sie ein gutes Team waren. Das Schauspiel der schönen Uma Thurman wirkt angestrengt, unabhängig ihrer blass darzustellenden Filmfigur. Und - Vincents Vater (Elias Koteas) war doch später dieser griechische Captain aus The Thin Red Line, nicht?
A: Ja, der mit dem Hundeblick. Zudem hat "Monk" (Tony Shalhoub) auch eine kleine Rolle! Lustig fand ich den Arzt Dr. Lamar (Xander Berkeley - ständig seriös-gefasst und nie einer "tief-sinnigen" Andeutung zu schade. Dem altehrwürdigen Putzmeister Caesar (Ernest Borgnine) huschten da auch ein paar prächtige Worte über die Lippen, als Vincent (Ethan Hawk) im "Übergwändli" staunend das Gattaca-Gebäude beäugt: "What about You, Your Majesty? Are You dreaming of space? Come here! Start by cleaning this space right here."
B: Mmh. Auch hübsch anzusehen ist die Filmlocation, das Gattaca-Gebäude.
A: Das ist das "Marin County Civic Center" (San Rafael, California). Wurde vom berühmten Architekten Frank Lloyd Wright um 1952 erbaut.
B: Musik in meinen Ohren, er der das Meisterwerk "Guggenheim-Museum" (New York) konzipierte! Apropos Musik: Meine Ohren empfanden das Streichkonzert im Film als eine seltsame Mischung aus weinerlichen und harmonisch-hoffnungsvollen Elementen - manchmal aber knapp an der Einnickgrenze positioniert.
A: Naja. Michael Nymans Soundtrack gibt der Geschichte, zwar wenig innovativ, den nötigen Schliff und ist seine Handschrift erkenntlich.
B: Nyman? Das ist es - manchmal sind gewisse Züge aus dem Film The Piano hörbar.
A: So so. Nun gut, insgesamt glauben sie den Film weiter zu empfehlen?
B: Meiner pragmatischen Meinung nach wird die kostbare Zeit mit Sicht dieses inhaltlich, wie formal ausgereiften Filmes nützlich eingesetzt.
A: Oha. Da haben wir wieder was gelernt. Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und auf Wiedersehen.
B: PSsst: Der Filmtitel "Gattaca" wurde mit den Initialen der vier organischen Basen komponiert (A für Adenin, T für Thymin, G für Guanin, C für Cytosin) - ob er wohl einen tieferen Sinn hat...
Gattaca hat mir auch sehr gut gefallen. Braucht er anfangs ein wenig lange um in die Gänge zu kommen, ist er dafür gegen Ende unangenehm spannend. Interessante und intelligente Ideen, Denkanstösse und vielerlei zweideutige Wahrheiten, die man erst bei genauerem Hinhören bzw. Hinsehen bemerkt. Aus meiner Sicht immer noch Niccols mit Abstand bester Film. Da wird auch The Host nichts daran ändern ;)