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Wetterprobleme und «Verkehrsstau»
Von starken Schneefällen geprägte Herbstsaison an den Bergen Nepals Die vergangene Nachmonsun-saison an den 8000ern Nepals und des angrenzenden Tibet war von heftigem Schneefall und starken Winden geprägt. Dennoch gelang, gemäss eigenen Aussagen, einem nepalesischen Sherpa die schnellste Besteigung des Everest über die Normalroute auf der Südseite.
Erfolgreich waren auch zahlreiche Bergsteiger am Cho Oyu und an der Ama Dablam. Zwei kleinen japanischen Teams und dem altgedienten britischen Alpinisten Doug Scott zusammen mit seinem Gefährten Roger Mear gelangen Erstbesteigungen von Sechstausendern. Keinen Erfolg konnte dagegen eine russische Mannschaft verzeichnen, die vom Lhotse Shar aus den noch unbestiegenen Lhotse-Mittelgipfel erreichen wollte. In Anbetracht der grossen Zahl von Bergsteigern, die in diesem Herbst an den Bergen Nepals unterwegs waren, war die Todesrate relativ niedrig: insgesamt verloren fünf Alpinisten ihr Leben, vier davon an Achttausendern.
Schnellste Besteigung des Everest?
Am Lhotse war die einzige Expedition - eine Gruppe von Tibetern - erfolgreich, am Everest nur zwei von neun Teams. Insgesamt waren nur fünf der 21 Expeditionen, die sich in der diesjährigen Nachmonsunsaison an den Achttausendern in Nepal ( ohne Tibet ) aufhielten, erfolgreich. Daraus ergibt sich eine in den Jahren zuvor unerreichte hohe Misserfolgsrate von 84es ist zwar üblich, dass die Nachmonsunexpeditionen seltener von Erfolg gekrönt sind als jene im Vormonsun, aber die Zahl der Misserfolge ist gewöhnlich nicht so hoch.
Anders waren die Bedingungen auf der Normalroute auf der tibetischen Seite am Cho Oyu: Von den 22 Expeditionen, die hier unterwegs waren, erreichten nicht weniger als 61 Personen aus 19 Teams den Gipfel - damit haben inzwischen 907 Bergsteigerinnen und Bergsteiger auf dem 8201 Meter hohen Berg gestanden, 99 mehr als auf dem Everest, der von 808 Personen 1052 mal bestiegen worden ist. Auf der Nord- und der Südseite der Himalaya-Kette - vergleichbar mit den Bedingungen in den Alpen - herrschen unter Umständen ganz unterschiedliche Wetterverhältnisse, die den Besteigungserfolg auf der Nordseite deutlich verbessern können. So war es auf der Nordseite des Cho Oyu im Nachmonsun im allgemeinen sehr schön, während der heftige Sommermonsun auf der Südseite von weitern Neuschneefällen im September und Oktober gefolgt war.
30 Bewilligungen für die attraktive Ama Dablam!
Viel Betrieb am Cho Oyu - und « Stau » an der Ama Dablam: Die nepalesischen Behörden hatten bereits vor Beginn der Saison 16 Bewilligungen für den formschönen und technisch nicht allzu schwierigen Sechstausender Ama Dablam vergeben. Sie verteilten dann aber im Lauf der Saison weitere Bewilligungen und Messen damit die Zahl der Expeditionen, die an diesem Berg unterwegs waren, auf sage und schreibe 30 Teams ( mit 201 Bergsteigern ) anwachsen! Damit waren Probleme und Staus programmiert: Auf dem Südwestgrat, der an verschiedenen Stellen schmal ist, mussten einige Bergsteiger Schlange stehen oder längere Wartezeiten in Kauf nehmen, um andere Alpinisten passieren zu lassen. Die Route wurde von den ersten Expeditionen von zuunterst bis zuoberst mit Fixseilen ausgerüstet, worüber sich einige Bergsteiger beklagten: Am Berg sei ein wahres Wirrwarr von « dicken, dünnen, kurzen, langen, alten und neuen » Seilen anzutreffen, an einer Stelle stosse man auf nicht weniger als neun Fixseile!
Verschiedene Expeditionsleiter beschwerten sich nach der Rückkehr nach Kathmandu bei den Behörden über die Situation an der Ama Dablam und verlangten für die Zukunft eine Beschränkung der Besteigungs-bewilligungen. Ob sich dadurch jedoch in der Praxis tatsächlich etwas ändern wird, sei dahingestellt.
Erfolg am Drohmo Einen feinen Erfolg konnte einmal mehr der britische Bergsteiger Doug Scott zusammen mit seinem Teamge-fährten Roger Mear verbuchen: Den zwei hervorragenden Kletterern gelang die Erstbesteigung des Drohmo ( 6855 m ) in Ostnepal. Doug Scott bezeichnete die Fels- und Eiskletterei als seine schwierigste Unternehmung seit der Begehung des Shivling-Ost-pfeilers im Jahr 1981. Abgesehen von Scott und Mear gelangen nur noch zwei kleinen japanischen Teams weitere Erstbesteigungen, und zwar am Cross Peak ( oder Tapie Shikhar, 6341 m ) sowie am Changla ( ca. 6150 m ). Eine Neutour gab es am Kangtega, ausserdem erfolglose Versuche auf In der Nachmonsunsaison 1998 kam es immer wieder zu heftigen Schneefällen ( Tengi oberhalb von Manang, 3650 m, Annapurna-Gebiet ).
neuen Routen an der Nordwestflanke des Manaslu, am Nordwestgrat der Annapurna IV sowie am Gyachung Kang ( 7952 m ), einem wunderschönen Berg zwischen Cho Oyu und Everest. Dass es nicht einfach ist, in abgelegenen Gebieten Nepals Berge richtig zu identifizieren, musste ein spanisches Team erfahren, das an den Bhrikuti ( 6364 m, im Norden von Zentralnepal ) wollte: Die Einheimischen zeigten auf verschiedene Gipfel, als die Spanier nach dem Bhrikuti fragten - und das Kartenmaterial über diese Gegend ist voller Fehler. So bestiegen die Spanier einen Berg, von dem sie sich nun fragen, ob es tatsächlich der Bhrikuti oder ein anderer, zuvor unbestiegener Gipfel ist... Andere Länder, andere Sitten! Christine Kopp, Unterseen1 1 Der Beitrag basiert auf einem Bericht von Elizabeth Hawley, Kathmandu.
Die elegante Silhouette des Manaslu von Sa ma aus; an diesem Berg verloren in der Nachmonsunsaison 1998 zwei Menschen ihr Leben.
i Alpinismus, Berg- u.a. Sportarten i Alpinismo e altri sport di montagna i Alpinisme et autres sports de montagne e a a Text: Robert Jasper, Waldshut ( D ). " " .1 Bilder: Thomas Ulrich, Unterseen
Grenzen verschieben!
« Wenn du über fünfzig senkrechte Eissäulen geklettert bist, wird es langsam langweilig! » So bin ich denn auch immer auf der Suche nach « dem Neuen », nach einer Steigerung des zuletzt erlebten Abenteuers!
Zunächst betrachtete ich das Eisfallklettern als ideales Training für meine Solobegehungen an den schwierigsten Nordwänden der Alpen. Ein extremer Eisfall ist klettertechnisch gesehen viel anspruchsvoller als die Eiger-Nordwand oder die meisten Routen am Mount Everest. Wagst du im Eisfallklettern den absoluten Grenzgang, musst du dich und deine Kräfte bei jedem Schritt und jedem Zug schon sehr gut einzuschätzen wissen. Eisfallklettern ist somit die bestmögliche Vorbereitung für extreme Unternehmungen in den Bergen der Welt.
In den letzten Jahren ist beim Eisfallklettern jedoch der « Mittel-zum-Zweck-Aspekt » für mich immer mehr in den Hintergrund getreten, und es hat den Charakter einer eigenen neuen Disziplin des Bergsteigens angenommnen. Das moderne Eis- und Mixed-Klettern zog mich somit immer stärker in seinen Bann! Es ist die ideale Kombination von Freiklettern mit seinen Hauptelementen Kraft, Technik und Bewegungsgefühl und dem Ernst des alpinen Bergsteigens.
« Trait de Lune » ( M 8 Eine neue Dimension !?
Mit der Erstbegehung von « Trait de Lune » ( vgl. ALPEN 2/98, S. 16 ff. ) ging für mich ein grosser Traum in Erfüllung. « Trait de Lune » brachte eine Steigerung aller bisher von mir gekletterten Schwierigkeiten, das Eindringen in eine neue Dimension! Nie zuvor hatte ich solch ein Fels- und Eisgebilde für kletterbar erachtet, geschweige denn gewagt, mich daran zu versuchen.
Neue Dimensionen sind jedoch dazu da, dass man durch sie sehr viel lernt, reift, und sie dann vielleicht ein weiteres Mal überschreiten kann, um wieder neuen Träumen nachzugehen. Die Steigerung zu « Trait de Lune » war aber nur möglich, wenn ich bewusst das Sturzrisiko einkalkulierte. Das hatte ich zuvor noch nie getan, weil ein Sturz im Eis sehr schnell lebensgefährliche Folgen haben
1 Über Robert Jasper ( Jg. 1968 ) gibt es ein Video ( 53 Min, VHS, DM49.90 + Versandkosten ): Eis mit Stil zeigt Jaspers Werdegang als Eiskletterer mil Landschaftsaufnahmen und Action-Szenen vor allem aus der Schweiz und dem Montblanc-Gebiet. Zu beziehen über Tel./Fax ( D ) 0033/3-89 07 30 70