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Junge englische Adlige unternahmen im 18. Jahrhundert oftmals eine mehrmonatige Reise zu den verschiedenen europäischen Höfen. Diese Reise wurde „The Grand Tour“ genannt und markierte den Übergang vom Jugendlichen zum Mann von Welt. Dabei erweiterten die Reisenden nicht nur ihren kulturellen Horizont, sondern kosteten auch alle möglichen Freiheiten fern des Elternhauses aus.
Meist überquerten die jungen Touristen den Ärmelkanal nach Paris, wo sie mehrere Monate verbrachten, bevor sie über die Alpen oder über den Seeweg nach Italien reisten, um Rom und Venedig zu besuchen. Die Tour führte sie weiter nach Deutschland, Holland oder in den Balkan, und einige Abenteurer bereisten sogar Spanien, Portugal, Griechenland oder die Türkei.
Unser Konzert zeichnet die Reise eines imaginären „Grand Tourist“ in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach. Frankreich und Italien als Hauptziele dieser Reise waren damals auch musikalisch die wichtigsten Zentren. Die beiden Nationalstile mit ihren Übervätern Corelli und Lully wurden in ausschweifenden Debatten diskutiert und kritisiert. Unsere Reise geht weiter nach Deutschland, zu Komponisten des „vermischten Geschmacks“: Eine gute fleissige Deutsche Arbeit, Italiänische Galanterie und Französisches Feuer thun dabey das beste (J. A. Scheibe). Anschliessend begeben wir uns nach Polen, wo die Musik in ihrer wahren barbarischen Schönheit (G. Ph. Telemann) erklingt. Und natürlich dürfen auch auf unserer Reise die gefährlichen Damen nicht fehlen…
Dominique Tinguely