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Aber bis heute erhalten Menschen, die vor solchen Konflikten ohne spezielle Rolle darin fliehen müssen, in der Schweiz nur eine vorläufige Aufnahme. Und diese erhalten sie auch nicht innerhalb von drei Tagen, sondern erst nach einem langen Prozess, in dem sie ihre oft schreckliche Geschichte von einer Reise voller Gewalt und Übergriffen, vom Verlust von geliebten Menschen und einem Stück von sich selbst erzählen müssen, weil es kaum eine Möglichkeit gibt, legal in die Schweiz zu gelangen. Am Ende dieses langwierigen Weges steht ein Ausweis F, der es einem erst nach drei Jahren erlaubt, seine Angehörigen nachkommen zu lassen, sofern man denn über ein ausreichendes Einkommen verfügt, um für sie zu sorgen. Seien wir uns bewusst, wie schwierig es ist, eine Sprache zu lernen und sich in einen ausländischen Arbeitsmarkt zu integrieren, wenn man schlecht schläft, wenig isst, weil man von Ängsten darüber geplagt wird, was mit den Angehörigen passieren könnte, die im Herkunftsland zurückgeblieben sind.
Für mich als Rechtsvertreterin von Asylsuchenden ist diese Geschichte mit S und F oder dem Liftschlüssel tatsächlich schwierig zu akzeptieren. Die unterschiedliche Behandlung ist brutal für diejenigen, die vor anderen Konflikten als jenem in der Ukraine geflohen sind; aber auch für diejenigen, zu denen auch ich gehöre, die betroffen sind durch die Tatsache, dass jemand gezwungen wird seine Heimat wegen Bomben verlassen zu müssen, und die nicht unterscheiden, ob es sich beim Konflikt um einen Krieg mit einem externen Aggressor oder um einem Bürgerkrieg handelt, ob es sich bei den Betroffenen um Menschen aus unserem oder aus einem anderen Kulturkreis handelt.
Diese unterschiedliche Behandlung führt unweigerlich zu Spannungen unter den Geflüchteten und zu Unbehagen unter den Rechtsvertreter:innen dieser Menschen.