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Abschätzen des Marktrisikos von Strukturierten Produkten mit dem Value at Risk
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Andreas Kropf
Die volatilen Märkte machen es Investoren nicht leicht, geeignete Produkte für eine Anlage auszuwählen. Die Abschätzung des Marktrisikos und der damit verbundenen potenziellen Verluste erfolgt eher intuitiv. Mit dem Value at Risk existiert eine weit verbreitete Methode, das Marktrisiko eines Finanzproduktes zu bewerten.
Begriffserklärung
Value at Risk (VaR) ist die in der Finanzbranche am weitesten verbreitete Methode zur Abschätzung des Marktrisikos einer Investition. Der VaR gibt eine Antwort auf die Frage: «Wenn ich Geld verliere, wie viel kann ich dann maximal verlieren?» Der VaR macht eine Aussage dazu, indem zum Beispiel angegeben wird, dass man bei einer bestimmten Investition während einer Haltedauer von 10 Tagen mit der Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent, nicht mehr als einen bestimmen Betrag verliert.
Um den VaR zu berechnen, untersucht man systematisch die Auswirkungen von Änderungen der zugrunde liegenden Risikofaktoren wie Volatilität, Zinsen und Preis des Basiswerts auf den Wert eines bestimmten Produkts oder eines Portfolios. Die daraus gewonnen Daten erlauben einen Rückschluss auf die Höhe eines möglichen Verlusts sowie dessen Eintrittswahrscheinlichkeit.
Resultat der Bestimmung des VaR ist eine Zahl. Es ist üblich, diese Zahl als Prozentwert anzugeben, da so eine sofortige Anwendung auf den Wert der Investition ermöglicht wird. So gibt zum Beispiel ein VaR von 13 Prozent für ein beliebiges Strukturiertes Produkt Auskunft darüber, dass bei einer Investition von CHF 10‘000 der maximale Verlust auf diesem Produkt nicht mehr als CHF 1‘300 betragen sollte. Selbstverständlich kann der effektive Verlust auch geringer sein, beziehungsweise gar kein Verlust auftreten. Üblicherweise wird der VaR zusammen mit einer Halteperiode und einem so genannten Konfidenzintervall angegeben. Die Halteperiode gibt Auskunft darüber, innerhalb welches Zeitraums das Ergebnis der Berechnung gültig ist. Das Konfidenzintervall trifft eine Aussage über die Signifikanz des errechneten VaR Wertes. Ein Konfidenzintervall von 99 Prozent bedeutet, dass in 99 von 100 Fällen der errechnete VaR Wert dem tatsächlichen Wert entspricht.
Berechnungsmethoden
Die Berechnung des VaR kann analytisch oder durch Simulation erfolgen. Die analytischen Verfahren haben den Vorteil, dass sie eine besonders schnelle und einfache Risikoabschätzung ermöglichen. Dieser Vorteil ist vor allem bei grossen Portfolios nicht zu unterschätzen. Für die Abschätzung des VaR von Strukturierten Produkten führt dieser Ansatz allerdings zu fehlerhaften Ergebnissen.
Die Berechung des VaR durch Simulation geschieht entweder durch die so genannte «Monte-Carlo-Simulation» oder durch historische Simulation. Das Kernstück der Monte-Carlo-Simulation besteht darin, mit Hilfe von Computern eine Vielzahl verschiedener Szenarien zu entwickeln, diese anschliessend zu bewerten und aus den Ergebnissen die Verteilung der Verluste zu bestimmen. Diese Methode kann unter bestimmten Umständen sehr rechenintensiv sein. Im Gegensatz zum analytischen Verfahren muss man sich bei der Erstellung von Szenarien aber nicht auf die Normalverteilung beschränken, da bei Monte-Carlo-Simulationen die Verteilung frei wählbar ist.
Bei der Bestimmung des VaR durch historische Simulation werden für die Berechnung historische Zeitreihen verwendet. Die effektiven Daten der historischen Zeitreihen stellen bereits die unterschiedlichen Szenarien dar, die im Gegensatz zur Monte-Carlo-Simulation daher nicht erst erzeugt werden müssen. Bei der Verwendung von historischen Daten für die Berechnung des VaR müssen keine Annahmen über die Verteilung der Preise oder die Korrelation unterschiedlicher Basiswerte getroffen werden. Mit dieser Methode werden also im Gegensatz zu allen anderen Berechnungsverfahren keinerlei Modellannahmen getroffen.
Value at Risk und Strukturierte Produkte
Das Marktrisiko von Strukturierten Produkten wird entweder durch historische Simulation oder durch die Monte-Carlo-Simulation bestimmt. Dabei wird der VaR durch zwei Komponenten beeinflusst: Der Basiswert eines Strukturierten Produktes ist den Marktschwankungen unterworfen. Bei steigender Volatilität der Märkte und damit auch der Basiswerte steigt das Marktrisiko eines Strukturierten Produktes an.
Die zweite Komponente ist spezifisch für strukturierte Produkte und hängt davon ab, in welchem Bereich der Auszahlungskurve sich der momentane Preis des Basiswertes befindet. Ein Beispiel: Bei einem Reverse Convertible ist der VaR geringer für alle Preise des Basiswerts, die grösser als der Strike sind. Bewegt sich der Preis unterhalb des Strikes, so steigt das Marktrisiko. Der VaR ist dann identisch mit dem VaR des Basiswertes.
Es gilt also zu verstehen, dass sich der VaR eines Strukturierten Produktes während seines Lebenszyklus verändern kann.
SVSP Risikokennzahl / Risk Rating
Um die Transparenz für gelistete Strukturierte Produkte in der Schweiz zu erhöhen, führt der SVSP den historischen VaR als Risikokennzahl ein. Der historische VaR ist die bevorzugte Methode zur Berechnung des VaR der einzelnen Strukturierten Produkte. Eine unabhängige Risikokommission des Verbandes überwacht die Qualität der Kennzahlberechnung.
Die Berechnung der Risikokennzahl erfolgt täglich nach Börsenschluss und die Resultate sind am nächsten Tag vor Börseneröffnung sowohl auf www.payoff.ch als auch auf der Website des Verbandes (www.svsp-verband.ch/riskrating_de) verfügbar.
Die Daten zur Berechnung der Risikokennzahl werden von Derivative Partners Research AG gesammelt, gepflegt und aufbereitet. Die Berechnung des VaR erfolgt durch den Calculation Agent Riskmetrics Group.
Um die Einordnung des VaR zu erleichtern, werden die Strukturierten Produkte in Abhängigkeit von der Höhe des VaR in eine von sechs Risikoklassen eingeordnet. Diese Risikoklassen ergeben das SVSP Risk Rating für jedes einzelne gelistete Strukturierte Produkt in der Schweiz, wobei zur Erhöhung der Verständlichkeit Vergleichswerte definiert wurden.