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Ziele des Forschungsprojekts
Am Beispiel unzuverlässig erzählter Romane der Nachkriegszeit (bis etwa 1969) sollen im ersten Schritt verschiedene Varianten dieses Verfahrens identifiziert und systematisch erfasst werden. Die zu beantwortenden Fragen liegen hier vorwiegend auf der intratextuellen Ebene. Mit dem zweiten Schritt erfolgt die literaturhistorische Einordnung der untersuchten Romane und damit zugleich der verschiedenen Funktionen, die das Verfahren narrativer Unzuverlässigkeit haben kann. Auf dieser inter- und kontextuellen Ebene werden Fragen nach literarischer Traditionsbildung (z. B. nach den Beziehungen der Nachkriegs- zur Vorkriegsliteratur oder zur internationalen Literatur) ebenso beantwortet wie danach, wie sich allgemeine und spezielle literarische Vorstellungen verschiedener literarischer Milieus der Nachkriegszeit auf die Faktur der Romane ausgewirkt haben (in der DDR, aber auch der Gruppe 47). Schließlich werden die bis dahin gewonnenen Ergebnisse in eine methodologische Reflexion über das Zusammenspiel von Erzähl- und Interpretationstheorie mit dem Ziel überführt, allgemeine Erkenntnisse über die Geltung und Haltbarkeit von interpretativen Bedeutungszuschreibungen an literarische Werke zu gewinnen.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Das Projekt arbeitet in einem überschaubaren Zeitraum ein bestimmtes Korpus von deutschsprachigen Romanen auf. Damit leistet es einen Beitrag zur Rekonstruktion eines literaturgeschichtlichen Abschnitts. Darüber hinaus ist beabsichtigt, für die literaturwissenschaftliche Arbeit zentrale Hintergrundannahmen an konkreten Beispielen zu prüfen. Auf die Ergebnisse beider Projektteile kann künftige Forschung zurückgreifen.