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Eine Kneipe und ein Commers unterscheiden sich nur in einem Punkt: in der Sprache. Während einer Kneipe wird Hochdeutsch, an einem Commers Schweizerdeutsch gesprochen.
Bei einer Kneipe (Commers ist nun im Begriff Kneipe eingeschlossen, da der Unterschied geklärt ist) wird eine hufeisenförmige Tischordnung erstellt. Oben sitzt der Präsident (X), zu seiner Rechten sitzen die Burschen mit dem Aktuar (XXX); der Quästor (XX) steht am oberen Ende des Burschentisches (Burschensalon genannt) als dessen Leiter. Zu des Präsidenten linker Hand sitzen die Fuxen (zusammen mit Philistern und Spefuxen); am deren oberem Tischende steht ein Bursch, der Vorsteher des Fuxentisches (oder Fuxenstalles), auch Fuxmajor (FM) genannt. Er hat dafür zu sorgen, dass die ruppigen und lauten Fuxen still sind und sich an der Kneipe beteiligen können. Er fungiert nicht nur als „Fuxenbändiger“ sondern auch als deren Interessenvertreter gegenüber den anderen Parteien, sprich Burschensalon und Präsident.
Ist die Kneipe vom X (Präsidium) eröffnent, so werden den einzelnen Parteien „verba“, also Wortmeldungen erteilt, die sie möglichst zu ihrem Vorteil und zum Nachteil des „gegnerischen“ Tisches ausnützen sollten. So beginnen zahlreiche Wortgefechte, die sich aber dennoch an eine strenge Abfolge halten.
Also besondere Einlagen können die Fuxen auch einmal einen Bierschmöker oder eine Produktion halten. Produktionen versuchen auf amüsierende Art und Weise ein mehr oder weniger ernstes Thema in gereimter Form zu präsentieren. Beim Bierschmöker wird den Mitkneipanden erklärt, was sie eigentlich trinken, und wieso; es ist eine Lobpreisung des Bieres.
Bei den meisten Produktionen wird auch versucht, den multimedialen Ansprüchen der modernen Aktivitas gerecht zu werden und die gereimte Herrlichkeit nicht nur auditiv, sondern auch visuell wiederzugeben… (wie nebenstehend durch eine kleine meditative Einlage). Dies kann durchaus zu ganz professionell wirkenden schauspielerischen Glanzleistungen führen. Wahrscheinlich liegt es an den Gesangskünsten, dass Herr Pereira noch nicht nachfragte – wegen eines Engagements im Opernhaus.
An Kneipen und Commersen gibt es noch Zusatzelemente, welche das Klima erheblich auflockern können. So z.B. den Einzeltisch. Gedacht ist er für Induster die der Couleur die sie tragen nicht würdig erscheinen – zumindest an diesem Abend. Beliebte Opfer für Einzeltische sind Präsidenten oder Fuxen.
Der Einzeltisch wartet mit ein paar juristisch interessanten Zusatzelementen auf. So verliert eine Person am Einzeltisch praktisch aller Bierrechte und Privilegien – eine Art Reichsacht also! Dieser Induster darf sogar von Fuxen und Spefuxen in die Kanne geworfen werden und tut sich gut daran, gleich im Lokal zu übernachten; nach Hause kommt er käumlich…
Sollte wieder erwarten die Leistung des Fuxenstalles hervorragend und die des Burschensalons abscheulich sein, so kommt es zur Fuxenrepublik (ob dies an den bestehenden, schlechten Zuständen etwas ändert sei mal dahingestellt – man vergleiche die Dem. Rep. Kongo…). Also, die Fuxen bekommen also die Rechte der Burschen und nehmen die wichtigen Ämter in Besitz. Sollte sich ein Bursch besonders für die Fuxen engagiert haben, so bestehen gute Chancen für ihn, in eine einflussreiche Position zu kommen.
Die restlichen Burschen müssen am Fuxentisch Platz nehmen, während sich die ehemaligen Fuxen im Burschensalon ihres neu gewonnenen Einflusses erfreuen – indem sie regelrechte Strafaktionen gegen oppositionelle, unliebsame oder subversive Burschen einleiten; meist mit ihrem Daumen. Dies hat durchaus einen grossen Einfluss auf die jeweilige Stimmung – und so manche Kneipe glitt unter der Führung der Fuxen in die niveaumässig eher tieferen Regionen ab.
Als wäre das nicht alles schon schlimm genug gibt es manchmal auch Zwei- oder Mehrfarbenkneipen. Dabei werden andere Verbindungen ebenfalls an eine Kneipe eingeladen. Dies ist unter befreundeten Verbindungen relativ üblich – mehr Stimmung, mehr Leute, mehr Bier.
Es kommt auch schon mal vor, dass man eine Verbindung aus anderen Regionen der Schweiz einlädt, zum Beispiel aus Bern oder Frauenfeld. Dabei lernt man – in äusserst ungezwungener Atmosphäre – Leute aus allen Landesteilen kennen. Vorzüglicherweise bedient man sich dabei natürlich Verbindungen aus der Deutschschweiz – eine Kneipe in Italienisch wäre wohl nicht so das Wahre.