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Noreens Eltern sind beide an Aids gestorben – zuerst der Vater, dann die Mutter. Ihr Vater war als Wanderarbeiter auf die grosse Teeplantage gekommen und lernte dort ihre noch junge Mutter kennen. Das Paar lebte auf dem Hof und als Noreen geboren wurde. Noreen wuchs die ersten Jahre bei Ihrer Tante Charmaine auf, denn auf den Plantagen sind nur Säuglinge erlaubt, Kinder müssen spätestens im Alter von einem Jahr weggegeben werden. Als ihre Mutter dann krank wurde, kam sie zurück ins Dorf und zu Noreen. Die Kleine musste ihrem qualvollen Sterben zusehen.
Charmaine besitzt gerade mal die Hütte, in der sie mit Noreen und zwei weiteren Aidswaisen lebt. Für die Betreuung der Kinder erhält sie vom Staat einen kleinen Zustupf – zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Sie ist selbst spindeldürr und hustet.
Ihre HIV-Medikamente muss die siebenjährige Noreen täglich nehmen. Die Pillen sind gross für das kleingewachsene, schwächliche Mädchen und oft fehlt das Essen, das sie vor der Einnahme der Tabletten eigentlich im Magen haben sollte. Noreen ist ein zurückhaltendes, schüchternes Mädchen. Sie geht gerne zur Schule und ist stolz auf ihre Schuluniform und den bunten Schirm, den sie vor kurzem geschenkt bekommen hat und der sie nun trocken hält auf ihrem langen Schulweg. Sie weiss nichts über die Krankheit, die sie hat. Und über den Tod ihrer Mutter wird nicht gesprochen. Plötzlich war sie weg – und Noreen sich selber überlassen.