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Der Luchs
er Luchs
Urs Breitenmoser ( Text ) Bern, und U. Iff ( Zeichnungen ) Bern
Verwandtschaft, Körpermerkmale und Erkennungszeichen
Der Luchs ( Lynx lynx ) ist ein Landraubtier aus der Familie der Katzen. Seine nächsten Verwandten sind der Rotluchs ( Lynx rufus ), der nur in Amerika vorkommt, und der Karakal ( Caracal caracal ), der Steppen- und Wüstengebiete Asiens und Afrikas bewohnt. Bei uns lebt als Vertreter der Katzen neben dem Luchs nur die Wildkatze. Mit einer Schulterhöhe von 55 bis 70 Zentimetern und einer Kopf-Rumpf-Länge von 80 bis 105 Zentimetern ist der Luchs sehr hochbeinig, offensichtlich eine Anpassung an schneereiche Lebensräume.
Das Gewicht liegt etwa zwischen 15 und 30 kg; das Durchschnittsgewicht erwachsener Männchen in den Karpaten ( woher auch die bei uns ausgesetzten Tiere kamen ) beträgt 25,7 kg. Ein ausgewachsener männlicher Luchs, der 1981 im unteren Simmental von einem Auto überfahren wurde, wog 20,5 kg. Charakteristisch ist der kurze, nur etwa 20 Zentimeter lange Stummelschwanz mit seiner schwarzen Spitze, die bis 4 Zentimeter langen Haarbüschel ( Pinsel ) auf den Ohren und das runde Gesicht mit ausgeprägtem Backenbart.
Die Färbung und Fleckung des Felles ist sehr variabel. Sie reicht von hellgrau-bräunlich und ungefleckt bis braunrot mit deutlichen dunklen Flecken. Im allgemeinen nimmt von Norden nach Süden und von Osten nach Westen das Gewicht ab und die Farbintensität zu. Der Spaniens ist leichter als ein Luchs aus den Karpaten oder aus Russland, aber dunkler gefärbt und deutlicher gefleckt.
27 Seit über zehn Jahren ist der Luchs wieder in der Schweiz heimisch und breitet sich langsam aus. Unsere Erfahrungen mit dieser grossen Katze sind noch gering, wir sind auf Literatur aus anderen Ländern angewiesen, deren Verhältnisse den unseren nicht immer ganz entsprechen, oder auf alte Überlieferungen, die häufig wirkliche Beobachtungen mit ( Jägerlatein ) unlösbar verweben. Entsprechend unklar sind oft die Vorstellungen, die über den Luchs herrschen. Je nach Standpunkt, den man einnimmt, wird er verharmlost oder verteufelt. Tatsächlich ist der Luchs kein niedliches Kätzchen, sondern ein starkes, hochspe-zialisiertes Raubtier; er dringt aber andererseits auch nicht in Ställe ein, um dort den Tieren aus purer Mordlust die Köpfe abzubeissen.
Für den Luchs sind die Augen und die Ohren die wichtigsten Sinnesorgane. Besonders die Hörschärfe und die Schall-Lokalisation übertreffen die des Menschen bei weitem. Der Geruchssinn hingegen ist im Vergleich zu anderen Raubtieren eher schlecht; ein Luchs vermag zum Beispiel nicht, wie ein Hund, mit der Nase einer Fährte zu folgen.
Das Gebiss des Luchses ist reduziert auf 28 Zähne.
Die Zahnformel lautet: s|e|v|b|.
Der Fang ist kurz und kräftig, mit langen Eckzähnen. Neben dem Fang sind die mit scharfen Krallen bewehrten Pranken ein wichtiges Instrument zum Reissen der Beute.
Beim Gehen werden die Krallen in Hautta-schen zurückgezogen, so dass sie beim Pfo-tenabdruck im Schnee oder in weicher Erde nicht abzeichnen. Das runde Trittsiegel sieht aus wie der auf etwa 7 Zentimeter Länge vergrösserte Abdruck einer Katzenpfote ( Abb. S. 30 ). Im Schnee kann die Spur jedoch bedeutend grösser wirken ( bis etwa 10 cm Durchmesser ), denn Luchse haben stark behaarte Tatzen, die im tiefen Schnee ein allzu starkes Einsinken verhindern. Der Hinterfuss wird normalerweise in das Siegel des Vorderfusses gestellt, beim langsamen Gehen oder beim Schleichen sind aber sämtliche Abdrücke zu sehen. Die Schrittlänge beträgt beim normalen Gang etwa 80 Zentimeter, steigert sich aber beim Trab und Galopp auf 130 bis 150 Zentimeter, im Sprung schafft ein Luchs auch problemlos 7 Meter.
Verbreitung und Lebensraum Der Luchs war ursprünglich in ganz Europa, in der nördlichen Hälfte Asiens und in der Neuen Welt in Kanada und im Süden Alaskas heimisch. Südlich von Kanada wird er vom Rotluchs abgelöst. In West- und Mitteleuropa ist die grosse Katze ausgerottet worden. Restbestände konnten sich nur in Spanien, in Südosteuropa, in Skandinavien und in den Karpaten halten.
Die geographische Verbreitung des Luchses liefert bereits einen ersten Hinweis auf seinen Lebensraum: Er ist ein typischer Bewohner des Waldes. Er besiedelt die Laubmischwälder der gemässigten Zone so gut wie die lockeren Fichtenbestände der Taiga, geht aber weder im Süden noch im Norden wesentlich über die Waldgrenze hinaus. Das heisst aber keines- wegs, dass der Luchs ausschliesslich im geschlossenen Hochwald anzutreffen wäre. Er bevorzugt möglichst abwechslungsreiche Gebiete, in denen er ja auch ein vielfältigeres Nahrungsangebot findet als in eintönig strukturierten Einständen.
Die Tatsache, dass der Luchs heute in Europa hauptsächlich im Gebirge vorkommt, bedeutet nicht, dass er ein Gebirgstier ist; aus dem stark besiedelten und weitgehend entwaldeten Flachland war er nur viel leichter zu verdrängen. In der Schweiz wurden seit der Wiedereinbürgerung am meisten Beobachtungen ( rund 40% ) zwischen 1000 und 1300 Meter Höhe gemacht, ein Drittel aller Beobachtungen liegt immerhin unter 1000 Meter; oberhalb 1800 Meter ( Waldgrenze ) ist der Luchs nur noch selten anzutreffen.
Ausrottung, Wiedereinbürgerung und bisherige Ausbreitung in der Schweiz Um das Jahr 1700 war der Luchs aus dem schweizerischen Mittelland bereits verschwunden. Ziemlich rasch wurde er dann auch aus dem Jura und aus den Voralpen verdrängt. Nur im westlichen Teil unserer Alpen konnte er sich noch etwa bis 1850 halten. Später erfolgten noch einzelne Beobachtungen im Wallis und in Graubünden, aber von einem eigentlichen Bestand kann man bereits nicht mehr sprechen. Der letzte Luchs wurde im Jahr 1894 auf dem Weisshornpass ( VS ) erlegt.
Raubtiere wurden vom Menschen immer schon stark verfolgt. Bär, Wolf und Luchs sind vollständig, der Fischotter beinahe ausgerottet worden. Die kleineren Raubtiere, die häufiger sind und auch eine grössere Nachwuchslei-stung haben, konnten sich trotz intensiver Bejagung halten. Das Aufkommen von leistungsfähigen Feuerwaffen im 18. und ^.Jahrhun-dert besiegelte aber nicht nur das Schicksal des Raubwildes, auch Steinbock, Hirsch und Reh verschwanden, die Gemse war sehr selten. Durch die Vernichtung des Schalenwildes mussten sich die Raubtiere vermehrt an Haustiere halten, was ihre Bejagung wiederum verstärkte - und auch begünstigte.
In den vergangenen Jahrzehnten haben Naturschutz und Jägerschaft die Schalenwildbe-stände neu aufgebaut ( z.B. mit den spektakulären Wiedereinbürgerungen des Steinbocks ), heute sind sie in der Schweiz höher als je zuvor. Wegen der in gewissen Gebieten beträchtlichen Wildschäden am Wald verlangten die Forstleute eine Reduktion des Schalenwildes. Als eine Möglichkeit, auf den Rehbestand Einfluss zu nehmen, sah man die Wiederansiedlung eines natürlichen Regulators. Dies war aber nicht der einzige Grund, der zur Aussetzung des Luchses in der Schweiz führte; man hatte auch den Wunsch, ein faszinierendes Tier, das noch vor hundert Jahren bei uns heimisch war, wieder in unser Land zurückzubringen.
Schädel eines erwachsenen europäischen Luchses.
Massstab ca. 1:2 1967 ermächtigte der Bundesrat das Eidgenössische Oberforstinspektorat, mit der Einwilligung der zuständigen Kantonsregierung den Luchs in der Schweiz versuchsweise wieder anzusiedeln. Von 1971 bis 1976 wurden in den Kantonen Obwalden ( zwei Paare ), Neuenburg ( zwei Paare ) und Waadt ( zwei Männchen ) zehn Luchse ausgesetzt, die als Wildfänge aus den slowakischen Karpaten kamen. Neben diesen Aussetzungen mit behördli-chem Segen liessen Private ohne Erlaubnis Luchse frei, so 1972 ein Pärchen im Nationalpark und zwei Paare im Pilatusgebiet.
In den mehr als zehn Jahren, die seit der ersten Freilassung in Obwalden vergangen sind, haben die Luchse einen beträchtlichen Teil des zentralen und westlichen Alpen- und Voralpengebietes besiedelt. Sehr rasch erfolgte die Ausbreitung in den zusammenhängenden Gebirgszügen, die sich von Luzern bis Thun erstrecken, und im Lauf der letzten Jahre sind die Luchse ins Simmental und bis in die Kantone Freiburg und Waadt vorgestossen. Im Oberhasli spürt man die Anwesenheit der grossen Katze seit 1974, und seither gibt sie in dieser Talschaft immer wieder zu reden, vor allem wegen der Verluste an Schafen. Bereits hat auch mindestens ein Luchs den Grimselpass ins Wallis überquert.
Aus dem Wallis liegen verschiedene nicht ganz abgeklärte Luchsbeobachtungen vor. Die allfällige Herkunft der Tiere ist unbekannt, man hat schon weitere heimliche Freilassun-gen vermutet. Eine solche Möglichkeit kann sicherlich nicht ganz ausgeschlossen werden; man darf aber nicht vergessen, dass bei dem grossen Wandervermögen eines Luchses ein Exemplar auch einmal an einem Ort auftauchen kann, der uns weit weg von jedem geschlossenen Vorkommen erscheint.
Bedeutend zaghafter vollzieht sich die Ausbreitung nach Osten. Der Vierwaldstättersee bildet für Landtiere ein unüberwindbares Hindernis, und die stark besiedelten Täler, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen, hemmen Wanderbewegungen. Im Kanton Nidwaiden waren und sind Luchsbeobachtungen selten, und im Kanton Uri werden erst seit nunmehr zwei Jahren regelmässig Luchse gesehen oder gespürt.
Auch die im Neuenburger Jura ausgesetzten Luchse haben sich vermehrt und ausgebreitet. Man merkt sie regelmässig im Waadtländer Jura und seit kurzem auch im Kanton Genf. Aus dem bernischen Jura liegen nur wenige und nicht immer ganz sichere Meldungen vor. Ob das Auftreten eines erstaunlich wenig scheuen Luchses im Aargauer Jura 1980 ebenfalls mit den Aussetzungen in Neuenburg zusammenhängt, ist nicht bekannt, aber eher zu bezweifeln. Die Situation des Luchses im Engadin ist ziemlich undurchsichtig. Zwar werden nach wie vor Beobachtungen gemacht, Vergleich der Trittsiegel von Luchs, Fuchs und Hund Luchs Fuchs Hund aber eine Jungenaufzucht - die Voraussetzung für eine Ausbreitung - hat bisher offenbar nicht stattgefunden.
Man kann in der Schweiz im Augenblick von zwei ( etablierten ) Luchspopulationen sprechen. Die eine erstreckt sich vom Kanton Uri über das Berner Oberland bis in die Voralpen der Kantone Freiburg und Waadt; die andere liegt zur Hauptsache im Neuenburger und Waadtländer Jura.
Lebensweise Luchse leben einzelgängerisch. Ausserhalb der Ranzzeit meiden sich erwachsene Tiere, was zwangsläufig zu einer Art Territorialverhalten führt. Wie streng solche Wohnräume eingehalten werden, wie weit sie sich allenfalls überlappen können und ob sie gegen Artgenossen verteidigt werden, ist noch nicht bekannt. Solange eine Population in Bewegung ist ( bei regelmässigen Wanderungen oder Ausbreitung ), ändern sich die räumlichen Strukturen ohnehin immer wieder. Die Grösse des Gebietes, das ein Luchs bewohnt, hängt stark vom Lebensraum und vom Nahrungsangebot ab. Sie kann zwischen 5 und 10 Quadratkilometer ( Urwald von Belowesh, UdSSR ) bis 300 Quadratkilometer ( Schweden ) betragen. In den Karpaten, dem den Alpen am nächsten gelegenen und wohl auch ähnlichsten Luchs-Gebiet, wird das Jagdrevier eines Luchses mit 20 bis 27 Quadratkilometer angegeben.
Luchse halten sich gerne an vertraute Pässe und Wechsel ( zum Beispiel Hügelkämme, Pfade oder sogar Forststrassen ). Das Netz der Wechsel wird mit Harn und Kot markiert, was vor allem während der Fortpflanzungszeit zur Kontaktaufnahme mit Geschlechtspartnern und allfälligen Rivalen von Bedeutung ist.
Die Ranzfindet in den Monaten Februar und März statt. Das Paarungsgeschrei des Kuders ( männlicher Luchs ) wird als ein durchdringendes Geheul beschrieben, das in ein Murren übergeht. Nach einer Tragzeit von zehn Wochen wirft die Luchsin meistens zwei Junge. Als grosse Seltenheit darf ein Wurf von vier Jungluchsen gelten, wie er 1974 im Kanton Nidwaiden beobachtet werden konnte.
Die jungen Luchse kommen gut versteckt in einer kleinen Höhle, einer Felsnische, unter einem umgestürzten Baum zur Welt. Sie werden fast ein halbes Jahr lang gesäugt, erhalten aber schon lange vor Ende der Säugezeit auch Fleisch. Das Dauergebiss entwickelt sich im Laufe des ersten Lebensjahres. Am spätesten wachsen die für die Jagd so wichtigen Eck- zahne. Man nimmt an, dass wegen dieser langsamen Gebissentwicklung ein Luchs den ersten Winter seines Lebens nicht überleben könnte, ohne von seiner Mutter mit Nahrung versorgt zu werden. Die Jungen begleiten die Luchsin auf der Jagd und erwerben dabei die notwendige Erfahrung, die das angeborene Jagdverhalten ergänzen muss. Die ( Luchsfa-milie ) bleibt mindestens bis zur nächsten Ranzzeit, möglicherweise auch noch länger, zusammen. Bei Guttannen wurden noch am 19. März drei Luchse beobachtet, die gemeinsam an einem Gemskitz frassen. Die grösste der drei Katzen - offenbar die Mutter - hatte die Gemse zuvor allein gerissen, die beiden Jungen waren erst nach der Jagd dazugekommen.
Jagdweise und Nahrung Der Luchs ist ein Pirschjäger. Sichtet oder hört er auf seinen Streifzügen ein Beutetier, schleicht er sich vorsichtig näher. Er nutzt Deckungen aus, drückt sich, lauert und schleicht weiter, bis er so nahe ist, dass er das Tier mit einem einzigen Sprung oder mit einigen Sätzen erreichen kann. Er reisst es mit den Krallen seiner Vorderpranken zu Boden und versucht dann, den Tötungsbiss am Hals 31 Freilandauf nahmen mit zahmem Luchs.
anzubringen. Häufig wird das angesprungene Tier schon durch den Schock wehrlos oder selten sogar durch Herzversagen getötet; manchmal aber zeugen die Spuren am Riss-platz von einem heftigen Kampf. Der Luchs beisst sein Opfer entweder in den Nacken, wobei vor allem bei kleineren Beutetieren die Halswirbel zertrümmert werden, oder in die Kehle, was zum Ersticken oder Verbluten führt.
Bei 150 Rehen, die im Berner Oberland und in der Innerschweiz als vom Luchs gerissen identifiziert wurden, konnte bisher weder eine zahlenmässige Bevorzugung von weiblichen noch von jungen Tieren festgestellt werden. Allerdings sagen Alter und Geschlecht nichts über die Gesundheit und schon gar nichts über Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen aus; die letzten Eigenschaften dürften als Schutz gegen einen Überraschungsangriff bedeutend wichtiger sein als Körperstärke. Offenbar müssen sich nicht nur wir Menschen, sondern auch die Rehe wieder an die Anwesenheit eines übergeordneten Beutegreifers gewöhnen.
Die Erfolgsaussichten des Luchses sinken rasch, wenn er seine Beute nicht im ersten Ansprung erreicht. Wie alle Katzenartigen hat er ein verhältnismässig kleines Herz, das ihm trotz grosser Kraft, Gewandtheit und gewaltigem Sprungvermögen eine längere Verfolgungsjagd nicht gestattet. Er lässt deshalb schon nach einer kurzen Verfolgungsstrecke von einem verfehlten Tier ab. Wildtiere müssen mit ihrer Kraft haushälterisch umgehen, egal ob Pflanzenfresser oder Raubtier. In Schweden hat man zum Beispiel festgestellt, dass einzelgängerische Luchse häufiger Jagd auf Hasen machen als Luchsinnen mit Jungen. Die Muttertiere jedoch sind bei ihren Hasen-jagden prozentual bedeutend erfolgreicher; sie, die mehrere hungrige Mäuler zu stopfen haben, dürfen eben keine Kraft verschwenden und verfolgen Hasen nur, wenn die Erfolgsaussichten sehr gut sind. Einzelluchse hingegen dürfen sich erlauben, einen Hasen auch einmal
Aus dem heutigen Verbreitungsgebiet der Population liegen 195 Beobachtungen zur Nahrung des Luchses vor. Fol- gende Beutetiere wurden bisher festgestellt: Rehe ( 150 ), Gemsen ( 34 ), Hasen ( 8 ), Birkwild ( 1 ) und Mäuse ( 2 ). Natürlich ist die Auffinde-wahrscheinlichkeit von gerissenem Schalenwild viel grösser als die von kleineren Beutetieren; die genannten Zahlen entsprechen deshalb sicher nicht dem wahren Anteil der betreffenden Tierarten am Nahrungsspek-trum. Trotzdem dürften Rehe bei uns die wichtigste Beute des Luchses sein. Sowohl von der Grösse als auch von der Verfügbarkeit her sind sie für den Luchs die ( rentabelsten ) Beutetiere. Die Literatur gibt uns zum Teil sehr unterschiedliche Angaben über das Beutespek-trum des Luchses. Häufig betreffen die Untersuchungen nur die Zusammensetzung der Winternahrung, die man anhand der Spuren im Schnee ermitteln kann.
Eine Untersuchung von 88 Luchsmägen in der Tschechoslowakei ergab einen Anteil von 64% Schalenwild. Der Rest verteilte sich auf Nager ( 20% ), Vögel ( 5% ), Rauhfusshühner ( 4,6% ), Insekten ( 4% ) und andere Raubtiere ( 2,4% ). Bei allen Nahrungsanalysen zeigt sich, dass sich der Luchs vor allem nach dem Angebot richtet: Wo viele Hasen oder Kaninchen vorhanden sind, bilden sie seine Hauptbeute, in einem guten Rehgebiet hält er sich vermehrt an diese.