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Zuerst möchte ich mit dem folgenden Zitat beginnen, das meiner Meinung nach die Komplexität des Fremdspracherwerbs gut einleitet: „Neben der Muttersprache eine Fremdsprache zu beherrschen, bedeutet nicht einfach seine Gedanken in zwei unterschiedlichen Sprachen auszudrücken. Zweisprachigkeit führt vielmehr zur Ausdifferenzierung des Denkens, Fühlens und Handelns: Sie beeinflusst die gesamte Persönlichkeit.“ (Huneke/Steinig 2013: 13) Anderssprachige Erfahrungen ermöglichen ein „vielschichtigere[s] Erleben von [der] Welt“ (Huneke/Steinig 2013: 13). Laut diesem Zitat soll das Erlernen einer zweiten Sprache die ganze Denkweise eines Menschen beeinflussen. Wer hätte das gedacht?
Wenn der Spracherwerb eine solche Auswirkung erreichen kann, dann kann man davon ausgehen, dass die Faktoren, die den Lernprozess beeinflussen, Schlüsselelemente für das Erlernen sind, von denen man Kenntnis nehmen sollte, um seine Fortschritte zu maximieren. Deshalb lade ich euch dazu ein, euch ein paar Minuten Zeit zu nehmen, bevor ihr diesen Artikel weiter lest, euch die folgende Frage zu stellen: „Welche Faktoren können das Erlernen einer Fremdsprache wie Deutsch beeinflussen?“ Ihr könnt dann eure Ergebnisse mit denen in dem Artikel vergleichen und mir eure Anmerkungen und Kommentare unten schreiben. Auf die Plätze, fertig, los! Die Debatte ist offen! 😉
In der Tat gibt es viele interne und externe Faktoren, die die Geschwindigkeit und Qualität des Spracherwerbs der vier Grundfertigkeiten — das Lesen und das Verstehen, sowie das Schreiben und das Sprechen beeinflussen können. Die sogenannten „internen Faktoren“ sind Faktoren, die von dem Individuum selbst abhängen. Sie können kognitiver, sozialer und affektiver Natur sein (z.B. Alter, Muttersprache, sozio-ökonomischer Status), während „externe Faktoren“ der Umwelt und dem Kontext (z. B. sprachlich, historisch-politisch und geografisch) entsprechen, in dem sich dieses Individuum entwickelt. Sobald wir uns dieser Faktoren bewusst sind, wird es möglich, Methode und Übungen, je nach den Bedürfnissen und der Lerngeschwindigkeit der Lernenden gezielter einzusetzen. In diesem Artikel werde ich mich mit den internen Faktoren befassen, weil es schon genug Material dafür gibt. Externe Faktoren könnten vielleicht das Thema eines zukünftigen Artikels sein; vor allem, wenn dieser euch gefällt! Wer weiss? 😉
ANMERKUNG! In diesem Artikel gehe ich davon aus, dass es sich um Menschen handelt, die weder neurologische noch spezifische Spracherwerbsstörungen haben.
Zusammengefasst sind interne Faktoren Faktoren, die intrinsisch mit den Lernenden verbunden sind. Kognitive, soziale und affektive Faktoren sind für das Sprachenlernen von zentraler Bedeutung, da sie den Lernerfolg direkt beeinflussen (Huneke/Steinig 2013: 13) und können zu persönlichkeitsverändernder Entwicklung führen. Dieser Artikel ist daher in vier Teile gegliedert, von denen jeder einem internen Schlüsselfaktor für das Erlernen einer Fremdsprache entspricht, nämlich:
- Das Alter
- Die sprachliche Situation und die muttersprachliche Sozialisation
- Die Motivation und die Einstellung zu Fremdsprachen und die Begabung für Fremdsprachen
- Lernstile, Lerntypen und Lernstrategien
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- Alter
Nach der Leitgedanke der „Critical-Age-Hypothese“ Lennebergs (1996) (auch wenn seine Erklärung dafür als falsch erwiesen wurde) ist man auf das folgende Zitat vom Buch Deutsch als Fremdsprache gekommen: „Wer nach der Pubertät mit einer Fremdsprache beginnt, erreicht meist nicht die Kompetenz eines Muttersprachlers“ (Huneke/Steinig 2013: 14) besonders im Hinblick auf die Aussprache. In der Tat, wenn Lernende eine Fremdsprache akzentfrei beherrschen wollen, scheint also die Faustregel „Je früher, desto besser!“ zu sein, da die kritische Altersphase für die Lernfähigkeit der Aussprache wie ein „Muttersprachler“ bei circa sechs Jahren liegt, danach wird es zunehmend schwerer (Huneke/Steinig 2013: 14). Nehmen wir ein Beispiel.
Wenn man das Beispiel des Alters beim L2-Erwerb von Immigranten betrachtet: Nicht die Länge des Aufenthaltes im Land der Zielsprache ist entscheidend, sondern das Alter zum Zeitpunkt der Einreise (vgl. Huneke/Steinig 2013: 14; nach Fthenakis u.a. 1985: 38f.). Wenn die Kinder vor der Pubertät (bis ca. 15 Jahren) einwandern, können sie es bei ausreichender Kommunikation mit Einheimischen schaffen, die L2 akzentfrei zu erwerben und weitgehend ein muttersprachliches Niveau in Bezug auf die Morphologie und Syntax zu erreichen. Im Vergleich zu Immigranten im Erwachsenenalter, die öfter daran scheitern, nicht nur den Akzent, sondern auch die gesamte Sprachstruktur zu erwerben, was unsere vorgenannte Faustregel bestätigt. Kurz und gut spielt das Alter für den Erwerb der Aussprache und Grammatik eine wichtige Rolle aber wieso? Die Erklärung liegt darin, dass „[b]ei Lernern, die eine L2 als junge Erwachsene erwerben, werden L1 und L2 in der so. Broca-Region, die für die Prozessierung der Aussprache und Grammatik zuständig ist, getrennt verortet, während bei zweisprachig aufwachsenden Menschen beide Sprachen in einem gemeinsamen Bereich angelegt sind.“ (vgl. Huneke/Steinig 2013: 15; nach Kim/Relkin/Lee/Hirsch 1997).
Einfach erklärt: Die Erklärung liegt darin, dass die Datenspeicherung von Aussprache und Grammatik im Gehirn (beziehungsweise in der Broca-Region), in beiden Fällen anders stattfindet. Während im ersten Fall (vor der Pubertät) beide Sprachen getrennt verortet sind, sind sie in einem gemeinsamen Bereich angelegt im zweiten Fall (im Erwachsenenalter).
Der Altersfaktor beeinflusst nicht „von selbst“ das Sprachenlernen, deshalb spricht man lieber von unterschiedlichen altersbedingten Faktoren, die im Zusammenhang mit dem Bildungsniveau der Lernenden und dem Lernkontext stehen (vgl. Singleton 2003).
Zusammenfassend ist bei der vollständigen Immersion (z. B. im Fall von Migranten, die im ganzen Schulunterricht in der Fremdsprache kommunizieren müssen) der Altersfaktor am wichtigsten. Im Gegenteil wenn man den Fall von Lernenden nimmt, die im Schulunterricht nur ein paar Stunden pro Woche für das Fremdsprachenlernen haben, dann ist die Faustregel umgekehrt „Je später Lerner mit einer Fremdsprache beginnen, desto effektiver [ist der Spracherwerb]“ (Huneke/Steinig 2013: 17). In der Tat haben die Lernenden in der Pubertät besser entwickelte kognitive Kompetenzen, die es ihnen ermöglichen, verarbeitende Lernstrategien für die L2 einzusetzen.
- Die sprachliche Situation und die muttersprachliche Sozialisation
Die Variable „Alter“ steht in Zusammenhang mit anderen Variablen wie der Entwicklungsstand in der Erstsprache, der von dem sozio-ökonomischer und sozio-kultureller Status beeinflusst ist. Dazu spielt die Ähnlichkeit der Muttersprache mit der Fremdsprache eine wichtige Rolle. Wenn sowohl die Muttersprache als auch die Zielsprache romanische Sprachen sind, da wird es einfacher als für jemanden, der eine Fremdsprache lernt, die ein ganz anderes Alphabet, andere Laute und eine verschiedene Sprachstruktur hat, wie Chinesisch oder Russisch.
Zum Beispiel Kinder, die „aus mittleren bis höheren sozialen Schichten kommen, haben in der Regel keine grösseren Probleme mit einem früheren Fremdsprachenbeginn.“ (Huneke/Steinig 2013: 17). Wenn beispielsweise englischsprachige kanadische Schüler, die aus mindestens mittleren sozialen Schichten kommen, in allen Fächern auf Französisch unterrichtet werden, aber zu Hause ihr Englisch weiterentwickeln, überfordert es sie nicht und es führt zu keinen kognitiven Defiziten.
Im Gegenteil werden anderssprachiger immigrierter Kinder aus Arbeiterfamilien, die meist in Familien mit geringem Bildungsniveau aufwachsen, mit zweisprachigen und einsprachigen Kindern vermischt. Ihre Erstsprache wird daher nicht ausreichend entwickelt, was erklärt teilweise warum sie oft grosse schulische Probleme haben. Noch ein Grund dafür ist, dass ihre Erstsprache meist als gesprochene Sprache und/oder in dialektaler Form in der Familie gesprochen wird. Es ist deswegen keine sichere Grundlage für den Aufbau einer Zweitsprache wie Deutsch, das sich an der Standardsprache und an Schriftlichkeit orientiert (Huneke/Steinig 2013: 18). Es lässt sich daher vermuten, dass das Leistungsniveau von Kindern in den Zweitsprachen durch ihre Leistung in der Muttersprache beeinflusst werden kann (Huneke/Steinig 2013: 19).
Diese zwei Prozessen gehören zu den zwei verschiedenen Hauptmethoden für die Erziehung zur Zweisprachigkeit im Schulsystem. Man nennt sie Immersion und Submersion.
- „Immersion“ steht für den L2-Erwerb von einsprachigen Kindern.
Die Lernenden kommen mit denselben Voraussetzungen und sollten ihre L2 Fertigkeiten im Rahmen der Lektion verbessern. e.g. die englischsprachigen Kinder wurden Biologie auf Französisch so beigebracht, dass sie ihren Wortschatz und ihre Grammatik verbessern konnten. Darum ist das Umfeld nicht unbedingt auf Muttersprachlerniveau und diese Methode führt zu keinem Verlust der L1.
- „Submersion“ steht für eine undifferenzierte Vermischen von zweisprachigen und einsprachigen Kindern.
Diese Methode wird hingegen ziemlich kritisiert, weil sie nicht strukturiert ist, sondern lässt die Lernenden in ein Umfeld ein, in dem sie mit Muttersprachlern kommunizieren müssen, z.B. Kinder eingewanderter Familien die in die Schule gehen und im Rahmen normaler Klassen die Sprache lernen müssen, was oft zu sprachliche Defizite in der L1 und der L2 führt.
- Die Motivation und die Einstellung zu Fremdsprachen und die Begabung für Fremdsprachen
„Wer mit Freude lernt und unbedingt ein Lernziel erreichen möchte, hat gute Chancen, es zu schaffen“ (Huneke/Steinig 2013: 19). Selbstverständlich kann sich die Motivation durch die Erwerbssituation positiv oder negativ verändert werden. Zum Beispiel können die Lust das Land zu bereisen, die Kultur kennenzulernen und den Kontakt mit Autochthonen zu knüpfen positive Einflüsse auf die Motivation ausüben. Im Gegenteil können persönliche Aversionen gegenüber einer Lehrperson oder negative soziale Einstellungen, Vorurteilen und Ausgrenzungen gegenüber der Sprache und den autochthonen Sprechern, die Motivation negativ beeinflussen. Neben den Effekten, die die Motivation positiv oder negativ beeinflussen können, muss auch zwischen zwei Motivationstypen unterschieden werden:
- Die instrumentelle Motivation geht um schulische Erfolg (z.B. eine gute Zensur zu bekommen) oder die berufliche Karriere (z.B. einen Arbeitsplatz zu bekommen).
- Die integrative Motivation geht um die Identifikation mit der zielsprachlichen Gesellschaft. Interessiert man sich für die fremde Kultur? Fühlt man sich mit ihren Menschen verbunden oder versteht man, wie sie denken und funktionieren? Dazu spielt bei der integrativen Motivation die Einschätzung der Sprachgemeinschaft eine wichtige Rolle.
Zusammenfassend ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, den Motivationsfaktor zu quantifizieren, da sich die Motivation während des Lernprozesses verändert. Aus diesem Grund wird er oft als „Einflussfaktor“ bezeichnet, der mit anderen Faktoren korreliert oder abhängig ist.
Dazu spielt die Einstellung gegenüber einer Fremdsprache eine wichtige Rolle für deren Erwerb. In der Tat hängen die positiven und negativen (Vor-)Urteile gegenüber der Erwerbssituation (wie die Beziehung mit einer Lehrperson) und den Sprechern und Sprecherinnen der autochthonen Sprachgemeinschaft mit dem Entwicklungsstadium des Spracherwerbs zusammen. Die Lernenden können kann einen von zwei Hauptverhaltensweisen gegenüber der Zielsprachengesellschaft annehmen:
- „Akkulturation“: damit sich die Lernenden integrieren können, müssen sie versuchen, sich an die anderen anzupassen; sie sollen die „soziale[n] und psychologische[n] Distanzen verringern und seine Rolle und Identität in einer anderen Gesellschaft finden“ (Huneke/Steinig 2013: 20). Tatsächlich spielen die kulturspezifischen Unterschiede neben der eigenen Persönlichkeit und der sozialen Schicht der Lernenden eine wichtige Rolle. Zum Beispiel kann die Lehrperson als Autoritätsperson betrachtet werden, sodass sich die Lernenden zurückhalten, weil sie vielleicht in ihrem Land gegen eine Autoritätsfigur nichts sagen dürfen.
- „Akkomodation“: wenn Gesprächsteilnehmende versuchen einen gemeinsamen Sprachstil zu finden, was die Kommunikation ermöglicht, auch wenn der Sprachstil von sozialen und kulturellen Hierarchien noch abhängt.
Zum Abschluss dieses Kapitels möchte ich noch zwei Worte über die „Begabungspotenzial für den Spracherwerb“ hinzufügen. Wir hören oft, dass man entweder für Sprachen begabt ist oder nicht, aber woher kommt diese Behauptung? Der Modern Language Aptitude Test (MLAT) von Carroll/Sapon (1955)(, der bis heute, in überarbeiteter Form, im Einsatz ist.) wurde konzipiert, um schulischen Erfolg im Fremdsprachenunterricht zu prognostizieren. Dieser Test basiert „auf der Annahme, dass die fremdsprachliche Lernfähigkeit auf vier voneinander unabhängigen Fähigkeiten“ (vgl. Huneke/Steinig 2013: 22; nach Carroll/Sapon 1955) beruht:
- einzelne Phoneme zu identifizieren und sie Graphemen zuzuordnen
- Funktionen von Wörtern im Satz zu erkennen
- neue Wörter rasch und effizient zu memorieren
- Regularitäten in sprachlichem Input zu entdecken
Demnach gibt es zwei Typen von Lerneignung, die Erfolg im Fremdsprachenerwerb ermöglichen:
- Der „Gedächtnistyp“: wenn jemand kurzfristig Wörter und Wortverbindungen speichern und kontrollieren kann.
- Der „Analysetyp“: wenn jemand syntaktische Regularitäten analysieren kann und ist deswegen an der Grammatik orientiert.
In zwei Wörtern: Ja die Kenntnis von diesen verschiedenen Faktoren und Kategorien kann bei der Entwicklung persönlicher Lernstrategien und der Maximierung des Fortschritts sicher helfen. Nichtsdestoweniger sollte der Faktor „Begabung“ mit Vorsicht behandelt werden, da er oft als statisches Konzept betrachtet wird. Vielmehr sollte es als dynamisches Konzept betrachtet werden, da es sich im Laufe des Lebens in Abhängigkeit von anderen Faktoren entwickeln kann.
- Lernstile, Lernertypen und Lernstrategien
Keine Panik! Wichtig ist dabei, den folgenden Satz im Auge zu behalten: Nicht nur ein Weg kann zum Erfolg führen!
Jeder Lerner soll seinen Lernstil finden, der seiner Persönlichkeit entspricht und der deswegen für ihn am effektivsten ist, sonst können Frustration, Desinteresse und Verunsicherung die Folgen sein. Die Besinnung eines Lernenden über seine eigene Fähigkeiten und seinen Lerntyp bezüglich seines Fremdsprachenerwerbs ermöglicht es ihm, seine eigene „Lernstrategie“ zu finden. Leider haben Schüler und Schülerinnen meist nicht die Möglichkeit eine eigene Lernstrategie zu entwickeln, die zu ihrem Lernstil passt. Nach meiner Erfahrung haben viele Fremdsprachenunterrichte folgenden Ablauf: Zuerst stellt die Lehrperson mithilfe eines Lehrbuchs den Lehrstoff vor. Darauf machen die Lernenden Übungen zum Lehrstoff, die anschliessend zusammen mit der Lehrperson korrigiert werden.
Um die besten und effizientesten Lernstrategien zu finden, soll man auf seinen Lernstil achten, aber was ist genau ein „Lernstil“? „Man unterscheidet visuelle, auditive und motorische bzw. haptische Lernstile, die bestimmten Lernertypen zugeordnet werden können.“ (vgl. Huneke/Steinig 2013: 24; nach Ehrman 1996: 59-63). Auch wenn manche Lernende Präferenzen haben, gehören sie meistens zu Mischtypen.
Hier sind kleine Tipps oder Tricks, die euch je nach Lernstil helfen können, die beste Lernstrategie zu erzielen.
- Für die visuelle Orientierung funktionieren besonders gut Bilder, Schemata und Farben.
- Für die auditive Orientierung bekommt man bessere Leistungen mit gesprochenem Input, wie wenn eine Lehrperson spricht oder durch Hören von Radio oder TV.
- Bei der haptischen Orientierung soll der ganze Körper in das Lerngeschehen eingebracht werden, wie bei Rollenspielen.
Als hauptsächlich visuellorientierte Lernerin kann ich bestätigen, dass wenn ich Abschnitte mit einem Leuchtstift markiere, kann ich mich besser auf die wichtigsten Informationen fokussieren, wie z.B. in einem Text. Ich habe auch festgestellt, dass eine auditive Beteiligung gut funktioniert, wenn ich mich selbst aufnehme (indem ich meine Notizen lese) und mich danach mit dem Lesen meiner Notizen wieder anhöre. Die haptische Orientierung benutzte ich, wenn ich mich auf eine mündliche Präsentation vorbereite. Ich übe immer stehend vor meinem Spiegel (als wäre es eine Theateraufführung 😉 ), vor jemandem oder ich nehme mich auf Video auf. Im Nachhinein kann ich mir meine Leistung ansehen und wirklich gezielt die Aspekte anpacken, die nicht gut funktioniert haben oder einfach die Kommentare von meinen Zuhörern berücksichtigen.
Zusätzlich zu den verschiedenen Lernstilen sollte man seine Wahrnehmungstyp berücksichtigen. Tatsächlich gibt es zwei Wahrnehmungstypen, die sich darauf beziehen, dass sich Lernende auf Einheiten unterschiedlicher Grössen fokussieren:
- Für die feldabhängige Wahrnehmung ist das Schlüsselwort „Einheiten“. Zum Beispiel würde jemand aus dieser Kategorie sich an das Erfassen oder die Äusserung des Textes fokussieren. In Bezug auf die Kommunikation möchte er so bald wie möglich in sozialen Kontexten frei kommunizieren, auch wenn er viele Fehler macht.
- Im Gegenteil ist bei der feldunabhängigen Wahrnehmung das Schlüsselwort „Einzelheiten“. Jemand, der zu dieser Kategorie gehört, wurde sich an das Erkennen einzelner Elemente des Textes fokussieren. In Bezug auf die Kommunikation möchte er genau wissen, was er lernt. In Interaktionen ist er unsicher und probiert seine Sätze stumm im Kopf zu bauen, bevor er sie laut ausspricht, weil er Fehler vermeiden möchte.
Sozio-ökonomische und kulturspezifische Unterschiede und Persönlichkeitsmerkmale können Einfluss auf die Wahrnehmungstypen haben, wie das folgende Zitat zeigt: (für sein Verständnis, sollte man zwischen DaF-Lerner und DaZ-Lerner unterscheiden)
DaF-Lerner: Deutsch als Fremdsprache (d.h. nicht unbedingt als Zweitsprache)
DaZ-Lerner: Deutsch als Zweitsprache (die zweite Sprache, die man nach seiner Muttersprache lernt)
„DaF-Lerner aus einem mittleren bis gehobenen sozialen Milieu scheinen stärker dem feldunabhängigen Typus zu entsprechen und haben dementsprechend einen eher analytischen Zugang zur Fremdsprache, während DaZ-Lerner aus dem Milieu der Arbeitsmigration wohl eher feldabhängig wahrnehmen und gestaltorientiert lernen“ (vgl. Huneke/Steinig 2013: 26; nach Steinig 1993, S. 309-316)
Um diesen Abschnitt abzuschliessen, führe ich noch die Definition von „Lernstrategien“ an:
„Unter Lernstrategien versteht man das Verhalten von Lernern, die ihren Fremdsprachenerwerb reflektieren und so zu steuern versuchen, dass sie – im Wissen um ihre Fähigkeiten und ihren Lernertyp – erfolgreich sind“ (vgl. Huneke/Steinig 2013: 27; nach Vandermeeren 2011)
Am wichtigsten scheint daher das Bedenken über sein eigenes Lernen zu sein. Ich möchte hinzufügen, dass sich aus dieser Vorgehensweise eine zweite ergibt, nämlich das Ausprobieren von unterschiedlichen Arbeitstechniken, bis man eine oder mehrere findet, die ihm zusagen. Weil wir oft Sprachen im Klassenzimmer lernen und uns auf eine Prüfung vorbereiten, halte ich es für wichtig, die eigene Arbeitsweisen an die Anforderungen anzupassen, die an uns gestellt werden (z.B. ob es sich um eine mündliche oder schriftliche Bewertung handelt). Zusätzlich zu den von mir im Zusammenhang mit meiner persönlichen Erfahrung vorgestellten Arbeitsweisen könnte man die sehr weit verbreitete Technik der Zusammenfassung (mittels bsp. Schlüsselwörter) hinzufügen.
Zum Schluss lässt sich die Komplexität der internen Faktoren gut mit dem folgenden Zitat aus dem Buch Deutsch als Fremdsprache zusammenfassen:
„Lerner finden unterschiedliche Zugänge zu einer Zweit- oder Fremdsprache. Ihr Lernerfolg wird durch kognitive, soziale und affektive Faktoren beeinflusst. Dabei spielen auch Reifungsvorgänge eine Rolle, denn Kinder, Jugendliche und Erwachsene erwerben Fremdsprachen anders. Der Erwerb von Aussprache, Grammatik und Wortschatz wird von diesen Faktoren in unterschiedlicher Weise beeinflusst.
Die sprachliche Sozialisation in der Erstsprache und der Bildungsstand sind entscheidend für die Frage, welches fremdsprachliche Niveau Lerner erreichen können […]Lernen aus bildungsfernen Familien mit Migrationshintergrund, die im Land der Zielsprache vorwiegend ungesteuert Deutsch als Zweitsprache erwerben, haben häufig Probleme im Schriftlichen, während sich DaF-Lerner, die in der Regel aus einem gehobenen sozialen Milieu stammen und Deutsch meist als zweite Fremdsprache nach Englisch an einer weiterführenden Schule erlernen, am schriftsprachlichen Standard orientieren.
Für den Lernprozess sind noch zahlreiche weitere Faktoren wichtig. Bei der Erörterung von Motivation, Einstellung und Begabung sowie von Lernstilen und Lernstrategien wurde deutlich, dass die Forschungsergebnisse dazu noch recht widersprüchlich sind, man aber dennoch versuchen sollte, diese Faktoren im Unterricht zu berücksichtigen, um den individuellen Präferenzen von Lernern gerecht zu werden.“ (Huneke/Steinig 2013: 29)
Hinterlass mir gern einen Kommentar, wenn du Fragen oder weiteres Interesse hast!
Bis bald,
Deine Mélissa
Inhaltsverzeichnis zum Interne Faktoren, die das Erlernen des Deutschen als Fremdsprache beeinflussen.
Huneke, Hans-Werner und Steinig, Wolfgang (2013): Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. 6., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag.
Lenneberg, Eric H. (1996): Biologische Grundlagen der Sprache. Frankfurt/M. (amerik. Original 1967)
Fthenakis, Wassilios E. u.a. (1985): Bilingual-bikulturelle Entwicklung des Kindes. Ein Handbuch für Psychologen, Pädagogen und Linguisten. München.
Kim, Karl H. S.; Relkin, Norman R.; Lee, Kyoung-Min; Hirsch, Joy (1997): Distinct Cortical Areas Associated with Native and Second Languages. In: Nature 388, S. 171-174.
Singleton, David (2003): Critical period or general age factors. In: García Mayo, María del Pilar; García Lecumberri, María Luisa (Hgg.): Age and the acquisition of English as a foreign language. Clevedon u. a., S. 3-22.
Carroll, John B.; Sapon, Stanley M. (1955): Modern Language Aptitude Test. New York.
Steinig, Wolfgang (1993): Partnerschaftliches Lernen im Fremd- und Zweitsprachenunterricht. In: Boteram, Norbert (Hg.): Interkulturelles Verstehen und Handeln, Pfaffenweiler, S. 305-323.
Vandermeeren, Sonja (2011): Sprachlernstrategien oder Wie DaZ- und DaF-Lerner ihre Deutschkenntnisse verbessern. In: Elmentaler, Michael; Hoinkes, Ulrich (Hgg.): Gute Sprache, schlechte Sprache. Sprachnormen und regionale Vielfalt im Wandel. Frankfurt/M. u.a.
Ehrman, Madeline E. (1996): Understanding Second Language Learning Difficulties. Thousand Oaks u.a.
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