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Grab- und Friedhofskapelle
Zwischen dem steil abfallenden Limmatbord und den Bahngeleisen steht in einer kleinen Parkanlage die Ludwigskapelle. Park und Kapelle vermitteln den Eindruck, als befänden sie sich im Dornröschenschlaf. Die Anfänge des Kirchleins sind mit der Industrialisierung Turgis verbunden. Diese beginnt in der ersten Hälfte des 19. Jh. mit der Errichtung einer Baumwollspinnerei an der Limmat. Weitere Industriebetriebe entstanden und immer mehr Menschen liessen sich im untersten Limmattal nieder. 1884 löste sich Turgi von Gebenstorf und wurde eine selbständige Gemeinde.
1894 starb der Fabrikbesitzer Louis (Ludwig) Kappeler-Bebié. Seine Tochter Mathilde erbaute für ihren Vater eine Grabkapelle. Im folgenden Jahr starb auch Mathilde. Sie fand ihre letzte Ruhstätte nicht in der Kapelle, sondern an der Aussenwand des Chors. Der Schöpfer des eindrücklichen Grabmals mit einem Engel aus weissem Marmor ist kein geringerer als Richard Kissling, der Autor des 1895 eingeweihten Telldenkmals in Altdorf. Insgesamt ruhen auf dem Friedhof hinter der Kapelle elf Angehörige der miteinander verwandten Industriellenfamilien Bebié, Kappeler, Zai und Landolt.
Hut des Grossbürgers
1897 gelangte die Ludwigskapelle als Geschenk an den Piusverein und später an den Schweizerischen Katholischen Volksverein. Seit 1934 gehört das Gotteshaus der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi. Nach der Schaffung eines Vikariats Turgi innerhalb der Pfarrei Gebenstorf 1925 fand in der Kapelle jeden Sonntag eine Messe statt. Als das Kirchlein die stetig wachsende Zahl der Gläubigen nicht mehr aufzunehmen vermochte, verlegte man die Gottesdienste ins Schulhaus. Seit 1959 verfügen die Katholiken von Turgi über eine moderne Pfarrkirche. Heute findet im Sommer in der Ludwigskapelle einmal im Monat ein ökumenisches Abendgebet statt.
Als Architekt der Grabkapelle wird Aloys Otto Dorer aus Baden vermutet, der zahlreiche Neubauten für die Turgemer Oberschicht und 1888 auch die katholische Kirche von Gebenstorf erstellte. Im Inneren der Kapelle überraschen die imposanten Wölbungungen und die schönen Dekorationsmalereien. Der Altar trägt ein Ölbild des Christusknaben unter einem reich geschnitzten neugotischen Baldachin. Im Bild der Fensterrosette über dem Portal hält der Erzengel Gabriel das Wappen der Industriellenfamilie Kappeler. Ob Dorer mit dem Blechdach auf dem Glockenträger tatsächlich auf die Hutmode der damaligen Grossbürger anspielte, wie dies behauptet wird, sei dahingestellt. (lh)
Spiritueller Impuls
Wenn wir vom Christkind reden, denken wir meist an das Bébé in der Krippe. Hier zeigt das Altarbild einen Jesus-Knaben, das Christkind mit Sternen umstrahlt, unter einem architektonischen Sternenhimmel.
Sternensohn: Simon Bar Kochba,† 135, Aufständischer gegen Rom und Messias-Anwärter, hatte den Beinamen „Bar Kochba“ – Sohn des Sterns. Gemäss der Verheissung des Bileam (Numeri 24,17): „Ein Stern geht auf in Jakob“.
Viel Streit gab es unter den Religionen / Konfessionen, wer richtig glaubt. Ein Blick in den Sternenhimmel zeigt: Das Göttliche übersteigt uns. Wir sind klein, auch wenn wir gross tun. Werden wir aber wieder wie die Kinder – staunend, vertrauensvoll, lernfähig – dann leuchtet uns ein Lichtlein: Mein Leben steht unter einem guten Stern. Nicht wer glaubt richtig, ist wichtig, sondern wer lebt recht. Dann wölbt sich Gottes Firmament über allen Menschen guten Willens. Dann werden auch wir (die wir aus Sternenstaub) Sternenkinder.
Dr. Thomas Markus Meier
Standort
Hinter dem Haus Wildenstichstrasse 1 (Kindergarten).
Mit der Bahn von Brugg oder Baden bis Turgi. Ab Bahnhof Richtung Osten via Vogelsangstrasse bis Wildenstichstrasse, dann links über die Passerelle zum Kindergarten. Distanz: 400 m.
Mit dem Bus 1 von Baden bis Haltestelle „Turgi Wil“, dann Richtung Osten und die Wildenstichstrasse hinab bis zum Kindergarten. Von der Haltestelle bis zur Kapelle sind ist gut 700 m.
Öffnungszeiten
Nicht zugänglich.
Kontakt
Katholisches Pfarramt, Wiesenweg 1, 5300 Turgi, T 056 223 13 63, kath_pfa_tu@@bluewin.ch
, www.turgi.ch