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Von den 1870er-Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg reisten viele Agronomen und Landwirte aus der Schweiz nach Nordamerika. Die nordamerikanische Landwirtschaft galt seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Inbegriff von Modernität und technisch-industriellem Fortschritt und diese Symbolik lotste nicht nur Industrielle und Sozialreformer, sondern auch viele Bauern und Agronomen über den Atlantik, um sich von den agrarischen Verhältnissen in der Neuen Welt ein eigenes Bild zu machen. Diese „Atlantic Crossings“ (Daniel T. Rodgers) führten Reisende aus der Schweiz auf Farmen, an Universitäten und in Fabriken, sie besuchten Ausstellungen, wissenschaftliche Kongresse, Forschungsanstalten, landwirtschaftliche Organisationen und ausgewanderte Landsleute. Viele von ihnen produzierten im Zuge ihrer Reisetätigkeit Quellen, sei es in Form von Briefen, Büchern, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln oder in Form von Vorträgen, Reiseberichten, Fotos oder Filmen.
Das Archiv für Agrargeschichte (AfA) hat dieses ausgesprochen vielfältige, in Archiven, Bibliotheken, bei Verbänden und Privaten aufbewahrte Quellenmaterial ausfindig gemacht, verzeichnet und erschlossen. Dieses Quellenmaterial bildet die Grundlage des Forschungsprojektes „Agrarische Erkundungsreisen. Schweizer Bauern und Agronomen in Nordamerika, 1870-1950“. Obwohl Reiseberichte eigentlich zu einer traditionell wichtigen Quellengattung der historischen Forschung gezählt werden und als „Protokolle von Kontrasterfahrungen“ (Michael Maurer) vielseitige Einblicke in die „Erfahrung der Fremde“ (Peter Brenner) und transkulturelle Aneignungspraktiken erlauben, sind Reisen und der damit verbundene transnationale Wissensaustausch im Bereich der Landwirtschaft und der agronomischen Wissenschaften in der bisherigen historischen Forschung noch kaum zum Thema gemacht worden. Dieses Forschungsprojekt nähert sich den Reisen von Schweizer Bauern und Agronomen nach Nordamerika aus der Perspektive einer transnationalen Wissensgeschichte. Es untersucht die mit der Reisetätigkeit verbundene transatlantische Wissenszirkulation und die Bedeutung von „entangled knowledges“ für agrarwissenschaftliche Richtungswechsel und den Wandel agrarischer Praktiken.