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Um ihren Bedarf an Salz zu decken, war die Schweiz während Jahrhunderten von Importen abhängig. Seit dem 19. Jh. ist sie autark, auch wenn die Ausbeutung einer ersten Salzquelle in Bex auf das 16. Jh. zurückgeht. Nachdem die salzhaltigen, im Bergbau erschlossenen Quellen immer geringere Salzkonzentrationen lieferten, erkannte Jean de Charpentier 1823 das neue Salzgewinnungspotenzial in den salzführenden Gesteinsschichten. In den Rheinsalinen, wo Steinsalz im Untergrund lagert, kamen andere Verfahren der Salzgewinnung zur Anwendung. Bei der sog. Laugentechnik wird die Salzschicht angebohrt, Wasser in die Tiefe gepumpt und das Salz gelöst, diese Salzlösung, die Sole, an die Oberfläche gepumpt und in der Saline eingedampft.
Das Salzvorkommen in der Region Bex ist das erste, das im Gebiet der heutigen Schweiz entdeckt und ausgebeutet wurde. Im 15. Jh. ist zwar eine salzhaltige Quelle erwähnt, aber erst nach der Entdeckung der salzführenden Quelle 1554 in Panex im bern. Gouvernement Aigle begann deren Nutzung. 1582 wurde in Roche (VD) eine Salzsiederei gebaut. Nachdem sie zuerst an bern. Patrizier, dann an fremde Herren, namentlich die Zobel in Augsburg, verpachtet war, kam die Saline 1685 unter staatl. Regie und wurde zu Beginn des 18. Jh. einem Generaldirektor anvertraut; der berühmteste war Albrecht von Haller. Für die Holztrift nach Roche wurde 1695 in Joux-Verte eine Klus errichtet. Um den geringen Salzgehalt der natürl. Sole zu erhöhen, musste diese ab Ende des 16. Jh. vor dem Sieden durch Verdunstung in Gradierwerken angereichert werden. Ab 1684 wurde mit Hilfe von Stollen nach neuen salzhaltigen Quellen gesucht. In Le Bévieux, Les Dévens (beide Gem. Bex) und Aigle entstanden neue S.; Le Bévieux war noch zu Beginn des 21. Jh. in Betrieb.
1798 gingen die S. an die Helvet. Republik, 1803 an den Kt. Waadt über. 1865 wollte der Kanton - trotz neuer, ergiebigerer Salzgewinnungstechniken wie dem Überschwemmen des im Bergwerk abgebauten salzhaltigen Gesteins mit Wasser zur Gewinnung der Sole vor Ort - in Anbetracht der ausländ. und schweiz. Konkurrenz die Minen schliessen. Die Ortsbürger von Bex wehrten sich, gründeten eine Aktiengesellschaft und erhielten 1867 eine Konzession für fünfzig Jahre. 1917-2001 hielt der Kt. Waadt die Hälfte des Aktienkapitals der Société vaudoise des mines et salines de Bex. Seit 2002 ist die Saline de Bex in Privatbesitz, hat aber die Auflage, die Regalgebühren für den Staat zu erheben. Die um 1860 einsetzende Extraktion des Salzes aus dem salzführenden Gestein, z.B. in grossen Höhlungen, und die Salzherstellung durch Thermokompression ab 1877 steigerten die Produktion; zu Beginn des 21. Jh. wurden jährlich rund 35'000 t Salz gewonnen. Energielieferanten zur Wärmeerzeugung waren Holz, Steinkohle und ab 1943 ein Elektrizitätswerk. Die Sole wurde vom Hôtel des Salines in Bex (1871-1976) und vom Thermalbad Lavey verwendet sowie bis 2004 von der Firma Syngenta in Monthey. Am Ende des 18. Jh. beschäftigte das Salzbergwerk rund 15 Arbeiter, zwischen 1803 und 1860, als die Salzgewinnung zahlreiche Bergleute benötigte, waren es durchschnittlich 360, 2009 rund 50. Die S. von Bex, die schon ab Mitte des 18. Jh. zu einem Ausflugsziel wurden, verzeichneten zu Beginn des 21. Jh. ca. 65'000 Eintritte pro Jahr; besichtigt werden kann ein Teil der Stollen von insgesamt 50 km Länge.
Autorin/Autor: Redaktion / AHB
Nach einer Vielzahl erfolgloser Bohrungen ab 1820 stiess Carl Christian Friedrich Glenck am 30.5.1836 beim Rothaus in Muttenz in der Tiefe von 135 m auf eine 6 m mächtige Steinsalzschicht. Auf die mögl. Salzvorkommen in der Rheinebene östlich von Basel hatte bereits 1821 der Geologieprofessor Peter Merian hingewiesen. 1837 wurde auf benachbartem Pratteler Boden unter dem Namen Schweizerhalle die erste Saline eröffnet und deren Produktion kontinuierlich ausgebaut. 1844 richtete in ihrer Nähe die chem. Fabrik Schweizerhall ihren ersten Betrieb ein. Weitere S. nahmen im aarg. Fricktal die Förderung von Sole auf: 1843 in Kaiseraugst (Produktion bis 1847 und wieder 1865-1909) sowie 1844 in Rheinfelden, wo zudem an der Grenze zum gleichnamigen Ortsteil von Möhlin auch die Saline Riburg 1848 ihren Betrieb aufnahm. Die Salzfunde am Rhein beendeten die Abhängigkeit der Schweiz von Salzimporten und boten den noch jungen Kt. Basel-Landschaft und Aargau die wirtschaftl. Basis für ihre Staatsfinanzen.
Um der ausländ. Konkurrenz zu begegnen und den durch kant. Salzregale regulierten inneren Markt aufzuteilen, entstand 1864 eine Vereinbarung der vier Rheinsalinen, aus der 1878 ein Syndikat hervorging. 1874 fusionierten die drei Aargauer S. zur Schweiz. Rhein-Salinen AG. 1909 erfolgte schliesslich deren Zusammenschluss mit der Schweizerhalle AG zur Vereinigten Schweiz. Rheinsalinen AG mit Sitz in Pratteln, die seither im Besitz der Kantone (ausser Waadt) sind. Durch ein 1975 in Kraft getretenes Konkordat wurden die bisher durch die kant. Salzregale bestimmten Salzpreise vereinheitlicht. Zu Beginn des 21. Jh. wurden von ca. 150 Mitarbeitenden jährlich 400'000-500'000 t Salz gefördert. Die Salzförderung spielte für die Entstehung der Chemischen Industrie im Raum Basel sowie für die Badekultur in Rheinfelden und in anderen Solbädern der Schweiz eine bedeutende Rolle.
Autorin/Autor: Ruedi Brassel-Moser