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Mein Name ist Lisa Albiez.
Ich reite seit ich sechs Jahre alt bin. Mit meiner älteren Schwester ritt ich durch den Wald. Später fuhr ich zusammen mit meiner besten Freundin mit dem Fahrrad zum Reitstall im übernächsten Dorf. Wenn man sonnstags den Stall machte, gabs eine Gratisreitstunde. Der Reitlehrer war ein ehemaliger Kavallerieoffizier. Ich erinnere mich, dass er schon morgens um acht eine Rotweinfahne hatte. Gelernt habe ich bei ihm, stets kräftig am Zügel zu riegeln und gleichzeitig viel mit den Sporen zu stochern. Und ich weiss noch, wie stolz ich jeweils war, wenn ich gegen Ende der Stunde den Kopf des Pferdes “runtergeknüttelt” hatte. Als Teenager dann verbrachte ich viel Zeit in sogenannten “Sportställen”, benutzte selber fleissig den Schlaufzügel und empfand ihn als grosse Erleichterung. Mein Auge, das zuvor nur diese stocksteifen Schulpferde zu sehen bekommen hatte, gewöhnte sich schnell an den Anblick aufgerollter und über die Schulter gehender Pferde und ich lernte, sie als schön zu empfinden.
Aber dann geriet ein Buch übers Dressurreiten in meine Hände und ich las darin, dass es nicht gut sei, wenn die Nase des Pferdes hinter der Senkrechten steht. Es war wie ein Erwachen. Ich begann kritisch zu werden. Und ich begann auszuprobieren. Das gleiche Buch habe ich vermutlich etwa zehnmal durchgearbeitet. Und ich kaufte mir noch ein Buch und noch eines. Meine Lehrmeister waren nun keine besoffenen Reitlehrer mehr sondern die Pferde selbst unterrichteten mich. Der viel zu dicke Freiberger des Nachbauern, der alte Nonius des Fuhrhalters am anderen Ende des Dorfes, ein ausrangierter Traber, ein sauer gewordenes Springpferd. Anhand ihrer Reaktion lernte ich, ob ich es richtig mache oder falsch. Weiter unterstützten mich Rückmeldungen von Beobachtern, Spiegel und Videoaufnahmen. Bis zum heutigen Tag. Ob ich eine gute Reiterin bin? Ich bin sicher, es gibt bessere. Ob ich eine gute Reitlehrerin bin? Die Beste. Denn ich lehre meinen Schülern nicht auf mich zu hören; ich lehre ihnen, die Reaktionen ihres Pferdes zu reflektieren und darauf einzugehen. Wer das verstanden hat, wird nie mehr vom richtigen Weg abkommen.
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079 701 03 25