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Twitter Tech-Trends II: Darüber twittern europäische Hochschulen
Über welche zukunftsweisenden Technologien twitterten Schweizer Hochschulen 2019? Darüber haben wir Mitte Februar berichtet. Hier folgt nun der Vergleich mit Hochschulen in sieben europäischen Vergleichsländern. Wie positionieren sich Schweizer Hochschulen im internationalen Vergleich?
Weltweit nutzen Hochschulen Twitter, um über Themen zu twittern, die für sie eine strategische Bedeutung haben. Es sind Tweets zu zukunftsweisenden Technologien, Tweets zu Themen, mit denen sie sich ins Gespräch bringen und mit denen sie den Kontakt zu ihren Dialoggruppen suchen. Die SATW hat die offiziellen Twitterkanäle europäischer Hochschulen untersucht. Analysiert wurde, über welche der 37 im Technology Outlook 2019 beschriebenen Technologien getwittert wurde und wie häufig. Hier werden die Ergebnisse für die Schweiz und sieben ausgewählte europäische Vergleichsländer präsentiert.
Verschiedene Themenfelder, unterschiedliche Schwerpunkte
Werden diese 37 Technologien zu den Themenbereichen zusammengefügt, wie sie im Technology Outlook 2019 gruppiert sind – also zu «Digitale Welt», «Energie und Umwelt», «Fertigungsprozesse und Materialien» sowie «Life Sciences» –, ergibt sich folgendes Bild:
Über die acht verglichenen Länder wird deutlich: IT-bezogene Themen werden am häufigsten diskutiert, gefolgt von «Energie und Umwelt». Die Themenbereiche «Fertigungsprozesse und Materialien» sowie «Life Sciences» fallen dagegen deutlich ab. Dass die Life Sciences nur einen sehr geringen Anteil ausmachen, ist mitunter eine Folge der Suchbegriffe, die sich an Technologien orientieren und nicht an allgemeinen Begriffen der Biologie und Pharmazie. Die Grafik macht ausserdem deutlich, dass grob zwei Länderprofile unterschieden werden können:
Hochschulen in der Schweiz, Frankreich, Italien und Österreich verfügen über einen hohen Anteil an IT-bezogenen Tweets und nur einen geringen Anteil zu den Themenfeldern «Energie und Umwelt» und «Fertigungsprozesse und Materialien».
In den Niederlanden und Schweden twittern die Hochschulen wesentlich weniger zur digitalen Welt, dafür vermehrt über «Energie und Umwelt» sowie zu «Fertigungsprozesse und Materialien».
Die Hochschulen in Grossbritannien bilden eine Ausnahme. Deren Werte liegen zwischen den beiden Profilen. Auch Deutschland passt in keines der beiden Profile: Der Anteil Tweets dortiger Hochschulen zur digitalen Welt, aber auch derjenige zu «Energie und Umwelt» ist sehr hoch; dafür wird in Deutschland relativ wenig über «Fertigungsprozesse und Materialien» und «Life Sciences» getwittert.
Europäische Überflieger und lokale Platzhirsche
Für den internationalen Vergleich haben wir die Präsenz von Technologien mit zwei Indikatoren gemessen. Der eine Indikator misst die Verbreitung in den acht Ländern. Dafür wurde gezählt, in wie vielen der acht untersuchten Länder eine Technologie unter den fünf meistgenannten rangiert. Der andere misst, wie intensiv eine Technologie in den acht Länder diskutiert wird; dafür wurde das arithmetische Mittel vom Anteilswert der acht Länder berechnet. Wird mit diesen beiden Grössen eine Grafik mit den beiden Indikatoren als Achsen geplottet, ergibt sich ein interessantes Bild:
Die Darstellung erlaubt es, zwei Gruppen zu unterscheiden: Die europäischen Überflieger und die lokalen Platzhirsche. Europäische Überflieger – das sind jene Technologien, die über alle Länder hinweg überdurchschnittlich oft erwähnt werden und in der Mehrzahl der Länder unter den Top fünf rangieren: Big Data, Blockchain, Machine Learning, Drohnen und Photovoltaik. Am anderen Ende der Skala befinden sich die lokalen Platzhirsche, also Technologien, die nur in einzelnen Ländern intensiv diskutiert werden: E-Mobilität und automatisierte Fahrzeuge, Smart Cities, additive Fertigung, Photonik und Smart Home. Dazwischen liegt einzig Augmented Reality.
Schweizer Hochschulen – auf der Höhe der Zeit oder bloss Mitläufer?
Diese Darstellung erlaubt auch für die Schweiz eine interessante Schlussfolgerung, da sich die fünf meistdiskutierten Themen hierzulande alle im Quadranten oben rechts befinden. Dies lässt sich auf zwei Arten interpretieren: Die Schweizer Hochschulen twittern über jene Themen, die gesamteuropäisch am meisten Aufmerksamkeit auf sich vereinen. Das heisst, dass die Schweizer Hochschulen thematisch auf der Höhe des kommunikativen Diskurses sind. Die Grafik lässt sich aber auch anders interpretieren: Die Schweizer Hochschulen setzen auf Twitter kaum eigene Akzente. So oder so ist die Schweiz in Bezug auf die an den Hochschulen diskutierten Themen das europäischste unter den acht verglichenen Ländern. Sind die Schweizer Hochschulen also Spitzenreiter oder bloss Mitläufer? Was glauben Sie? Um diese Frage schlüssig zu beantworten, müssten wohl noch weitere Datenquellen analysiert werden.
Auskunft
Stefan Scheidegger, Projektleiter Früherkennung, Tel. +41 44 226 40 23, stefan.scheidegger(at)satw.ch