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Sind diese Gläser halbvoll oder halbleer? Das ist eine Frage der Betrachtung. Das gleiche positive oder negative Denken hilft einem auch bei Finanzanlagen.
Ein Leser hat vor sieben Jahren bei der Pensionierung einen Teil seiner Kapitalauszahlung in diverse Anlagefonds investiert. Anfangs machte er schöne Gewinne, aber verpasste den Ausstieg und verlor viel Geld, wie er mir schreibt. Nachdem nun die Kurse wieder angezogen haben, befindet er sich wieder ungefähr bei null und will von mir wissen: «Wäre es geschickt, jetzt einen Teil der Fonds zu verkaufen, um das anfangs investierte Kapital auf ein sicheres Konto zu übertragen?» Da ich regelmässig Fragen dieser Art bekomme, erlaube ich mir, hier meine Antwort zu publizieren.
«Sehr geehrter Herr Soundso, Ihre Anfrage habe ich erhalten. Besten Dank. Sie unterstellen mir, dass ich die Zukunft der Finanzmärkte voraussagen kann. Ich weiss nicht, wie es an der Börse weitergeht. Generell vertrete ich die Meinung, dass man sich mit Finanzanlagen wohl fühlen muss. Wenn man bei krachenden Börsen schlaflose Nächte hat, sollte man von Aktienanlagen die Hände lassen. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Aktienfonds verkaufen oder behalten wollen, machen Sie am besten halbe-halbe. Das heisst, Sie verkaufen die Hälfte der Fondsanteile. Und wenn die Kurse steigen, sagen Sie sich: Gott sei Dank habe ich nicht alle Fonds verkauft. Sollten die Kurse wieder sinken, sagen Sie sich: Gott sei Dank habe ich einen Teil der Fonds verkauft. Es ist wie mit dem halb vollen und dem halb leeren Glas. Viel Erfolg. Freundliche Grüsse» und so weiter.
Habe ich das schon mal geschrieben? Gut möglich: Gewisse Sachen kann man nicht oft genug wiederholen.
Erschienen in der BZ am 20. Novembe 2012