Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/133449

<h2>SubmittedText<h2><p>In einer europaweit durchgeführten Untersuchung im Sommer 2013 wurde menschlicher Urin auf das Herbizid Glyphosat und das Abbauprodukt Aminomethylphosphonsäure (Ampa) untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass das giftige Herbizid europaweit und bei einem nach Ländern variierenden prozentualen Anteil im menschlichen Urin nachgewiesen werden kann. Auch in Proben aus der Schweiz waren Spuren von Glyphosat nachweisbar. </p><p>Fragen an den Bundesrat:</p><p>1. Wurden seit der Zulassung von Glyphosat neben den Studien aus dem Zulassungsprozess alle neueren industrieunabhängigen Studien für eine Gesundheitsbeurteilung von Glyphosat auf den Menschen einbezogen? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?</p><p>2. Ist dem Bundesrat bekannt, ob Glyphosat während der Schwangerschaft die Blut-Plazenta-Schranke überwinden kann? Wurden entsprechende unabhängige Studien für den Zulassungsprozess einbezogen?</p><p>3. Neuere Studien zeigen, dass die Kombination des Wirkstoffes Glyphosat mit gewissen chemischen Beistoffen toxischer wirken kann als der Wirkstoff Glyphosat allein. Wurden im Zulassungsprozess neben dem Wirkstoff Glyphosat auch weitere Zusatzstoffe (Beistoffe, Safener und Synergisten) auf die Gesundheitswirkung untersucht? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?</p><p>4. Die obenerwähnte europaweite Untersuchung hat im menschlichen Urin verschiedener europäischer Länder auch das Abbauprodukt Ampa nachgewiesen. Wurde die Gesundheitswirkung von Ampa für den Zulassungsentscheid betreffend Glyphosat berücksichtigt? Wenn ja, anhand welcher Studien? Wenn nein, warum nicht?</p><p>5. Wird über die verkaufte Menge und die genauen Inhalte der in den Pestiziden eingesetzten Synergisten, Safener und Beistoffe eine Statistik geführt? Wenn ja, ist diese Statistik öffentlich einsehbar? Wenn nein, warum nicht?</p><p>6. Werden die Gesundheitswirkungen der Synergisten, Safener und Beistoffe im Zulassungsprozess beurteilt?</p><p>7. Die obenerwähnte Untersuchung ist nicht repräsentativ bezüglich der Frage der Glyphosatbelastung bei der Schweizer Bevölkerung. Kann sich der Bundesrat vorstellen, anhand einer flächendeckenden Untersuchung das Vorkommen von Glyphosat, dessen Abbauprodukt Ampa sowie weiteren in der Schweiz häufig eingesetzten Pestiziden im Urin und im Körper der Schweizer Bevölkerung untersuchen zu lassen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. In den letzten Jahren wurden zahlreiche unabhängige Studien über Glyphosat durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bewertet, so z. B. auch die Publikationen von Professor Séralini Ende 2012. Da in den letzten zehn Jahren zum Thema Glyphosat über 1000 Studien veröffentlicht wurden, können nicht alle Publikationen vollumfänglich geprüft werden. In der EU wurde im Rahmen der Überprüfung von Glyphosat jedoch eine grosse Zahl von Publikationen geprüft, und die Beurteilung dient als Basis für die Bewertung in der Schweiz.</p><p>2. Gewebestudien zeigen tatsächlich, dass Glyphosat, wie viele chemische Substanzen, die Plazenta durchdringen kann. Allerdings zeigen mehrere Tierversuche keine negativen Effekte auf die Entwicklung und die Fertilität, die darauf zurückgeführt werden könnten.</p><p>3./6. Neben dem Wirkstoff Glyphosat werden auch alle Pflanzenschutzmittelprodukte (inklusive aller Inhaltsstoffe in der Zusammensetzung, die auf den Markt gebracht wird) auf ihre akute Toxizität geprüft. Einzelne Produkte wurden aufgrund augenreizender Wirkung mit entsprechenden Sicherheitsmassnahmen versehen. Bei den übrigen in der Schweiz bewilligten Produkten zeigten diese Studien keine gesundheitsgefährdenden Resultate.</p><p>4. Das Abbauprodukt Ampa wurde im Zulassungsprozess überprüft und ist von geringer Toxizität. Es wurden Studien zur akuten und Kurzzeittoxizität sowie Studien über die Auswirkung von Glyphosat auf ungeborene Tiere (Entwicklungstoxizitätsstudien) beurteilt.</p><p>5. Bis dato führt das Bundesamt für Landwirtschaft eine Statistik über die in Form von Pflanzenschutzmitteln verkauften Mengen an Wirkstoffen. Diese Daten sind vorbehältlich der Bestimmungen zum Geschäftsgeheimnis einsehbar. Die Statistik deckt die Safener, Synergisten und Beistoffe nicht ab. Zu beachten ist, dass diese Stoffe auch in anderen Produkten wie Bioziden verwendet werden können.</p><p>7. Im Rahmen seiner Strategie Gesundheit 2020 evaluiert der Bundesrat die Möglichkeit, ein nationales Biomonitoringprogramm in der Schweiz einzuführen. In einem solchen Programm sollen gesundheitsschädliche Substanzen sowie essenzielle Nährstoffe in menschlichen Proben untersucht werden, um die chemische Belastung der Bevölkerung zu bestimmen. Die Auswahl der Substanzen soll in einer späteren Phase erfolgen und wird auf verschiedenen Faktoren basieren, u. a. den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Pestizide wie Glyphosat und sein Metabolit Ampa sind mögliche Kandidaten.</p><p>Grundsätzlich gehört Glyphosat zu den international bestuntersuchten Stoffen. Das BAG sowie internationale Gremien der WHO und der EU sind sich einig, dass bei vorschriftsgemässer Anwendung von Glyphosat nach heutigem Wissensstand ein vernachlässigbar geringes Gesundheitsrisiko für den Menschen besteht. Neue Studien haben bisher keinen Anlass gegeben, an dieser Schlussfolgerung zu zweifeln.</p>  Antwort des Bundesrates.