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Für die innere Absteckung eines Tunnels wird ein Absteckungstheodolit verwendet. Dieser Theodolit, der nun als 3D-Modell vorliegt, wurde für die Absteckung des Lötschbergtunnels verwendet.
Vom 25. August bis 8. September 1906 – im gleichen Jahr, in dem der Simplontunnel eröffnet wurde 1 – führte Th. Mathys die Triangulation des Lötschbergtunnels durch. Der Konkordatsgeometer und Adjunkt des Kantonsgeometers in Bern beschränkte sich wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit darauf, mit einer einfachen Triangulation die vorgegebenen Endpunkte des Tunnels miteinander in Beziehung zu setzen.2
Den für die innere Absteckung des Tunnels erforderlichen Absteckungstheodolit bestellte Mathys bei der Firma Kern & Co. in Aarau. Aus dem Auftragsbuch der Firma geht hervor, dass es sich um einen Theodoliten ohne Teilkreise, mit 35facher Vergrösserung und einem dreiteiligen, apochromatischen Objektiv handelte. Der Theodolit mit der Fabrikationsnummer 18642 besitzt drei Libellen – zwei senkrecht zueinander angeordnete Alhidadenlibellen und eine Reiterlibelle von Zwicky auf der Horizontalachse. Ausgeliefert wurde der Absteckungstheodolit im Januar 1907 zu einem Preis 1081.50 Schweizer Franken zuzüglich rund 120 Schweizer Franken für einen Lederkoffer und eine Transportkiste.
Die innere Absteckung der geraden Tunnelachse, für die dieser Theodolit bestellt worden war, wurde jedoch nicht mehr von Th. Mathys ausgeführt. Nach dessen überraschendem Tod im Herbst 1907 übernahm Fritz Bäschlin die Vermessungsarbeiten.3 Bäschlin war damals als Vermessungsingenieur bei der Eidgenössischen Landestopographie tätig. 1909 wurde er als Nachfolger des 1908 verstorbenen Max Rosenmund, der unter anderem den Simplontunnel vermessen hatte, zum Professor für Vermessungskunde und Geodäsie am Polytechnikum ernannt. Auf diesem Weg gelangte der Absteckungstheodolit Nr. 18642 vermutlich an das damalige Geodätische Institut des Polytechnikums. E. Berchtold, der ab 1921 Assistent bei Prof. Bäschlin war, beschreibt in einem Artikel, dass die Instrumente am Geodätischen Institut eine wichtige Rolle spielten und gut gepflegt wurden. Der Lötschbergtheodolit galt als besonders «sorgsam behütet», dennoch durfte er ihn 1921 reinigen, ölen und neu justieren, was für ihn offenbar ein besonderes Erlebnis war.4
Der Bau des Lötschbergtunnels wurde von zwei grossen Unglücken überschattet. Im Februar 1908 zerstörte eine Lawine das Hotel in Goppenstein, in dem zahlreiche Ingenieure untergebracht waren. 12 Personen starben. Im Juli desselben Jahres starben 25 italienische Mineure infolge eines Gerölleinbruchs. Die Bauarbeiten wurden daraufhin für 6 Monate unterbrochen. Der Durchschlag des Tunnels erfolgte am 31. März 1911 nach leicht veränderter Linienführung, eröffnet wurde der Lötschberg am 19. Juni 1913. Die 14.6 km lange Strecke war von Anfang an durchgehend elektrifiziert.5
3D – Digitalisierung
Objektauswahl
Wie schon bei der Zielmarke für den Simplon fiel uns die Entscheidung für dieses Objekt leicht: Von diesem Instrument wissen wir, dass es bei den Absteckungsarbeiten für den Lötschbergtunnel verwendet wurde. Als materieller Zeuge erzählt der Theodolit von diesem historischen Ereignis. Das Auftragsbuch der Firma Kern sowie mehrere Artikel zum Bau des Lötschbergtunnels erlauben eine gute Einordnung des Objekts.
Photogrammetrie und Digitalisierung
Wie bereits von den anderen Vermessungsinstrumenten bekannt, mussten auch bei diesem Theodoliten die Gläser, Linsen und Spiegel sowie die animierten Strukturen manuell ergänzt bzw. komplett manuell erstellt werden. Die aufgesetzte Reiterlibelle, die sogenannte Zwicky-Libelle, wurde separat photogrammetrisch erfasst.
Abschluss der Serie zur 3D-Digitalisierung
Heute ist der zwanzigste und letzte Artikel erschienen. Seit dem 17.05.2023 haben wir jeden Mittwoch ein 3D-digitalisiertes Objekt näher beschrieben. Zugleich haben wir auch festgehalten, wieso wir dieses Objekt für die 3D-Digitalisierung ausgewählt haben und in welchem Kontext wir das 3D-Modell nutzen oder nutzen möchten, beispielsweise für Führungen. Auch ein paar technische Hinweise zur Digitalisierung haben wir jeweils beschrieben, etwa wenn aufgrund von Reflexionen besonders viel manuell modelliert werden musste. Für diesen Teil haben wir uns auf die Angaben von Thomas Erdin aus der Firma ikonaut gestützt, der für uns die Digitalisate erstellt hat.
Für uns war dieses Projekt ein Versuch herauszufinden, ob und wie wir die 3D-Digitalisierung für die Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel nutzen können. Insgesamt ziehen wir eine positive Bilanz. Gerade die Animationen bieten für die Vermittlung der Instrumente einen grossen Mehrwert. Als nächstes überlegen wir, ob 3D-digitalisierte Objekte aus unserer Sammlung auch für die Forschung und Lehre von Interesse sein könnten. Hierfür starten wir ein Nachfolgeprojekt. Zusammen mit Prof. Norbert Hungerbühler aus dem Departement Mathematik der ETH Zürich und ikonaut digitalisieren wir mathematische Modelle in 3D. Es handelt sich dabei um Gipsmodelle, die im 19. Jh. von den Verlagshandlungen Martin Schilling und Ludwig Brill erstellt wurden6. Ziel des Projektes ist es, mittels des 3D-Modells die historischen Modelle zu vermessen und mit einem computergenerierten Modell zu vergleichen.
Hier geht’s nochmals zu allen Blogposts zu den 3D-Modellen: https://etheritage.ethz.ch/category/bestaende/3d-modell/
Und hier zu den Modellen auf Sketchfab: https://sketchfab.com/ethlibrary