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15.07.2016 - Judith Stamm
15.07.2016
Judith Stamm
Surfen...
Meine allererste Trouvaille im Internet: die „Rumford-Suppe“ und deren Erfinder Benjamin Thompson (1753 – 1814).
Wenn das heisse Wetter sich schon am frühen Morgen ankündigt, lüfte ich zuerst einmal die Wohnung richtig durch. Und ziehe dann möglichst alle Storen herunter. Das ist zwar schade. Aber die Erfahrung lehrt, dass einmal eingenistete heisse Luft den ganzen Tag beeinträchtigt.
Und was eignet sich besser zum Surfen als eine kühle, stille Wohnung? Surfen nicht auf Wasserwellen natürlich, Surfen im Internet!
Ich erinnere mich noch gut an meine allererste Trouvaille, die ich im Internet machte. Es handelte sich um die „Rumford-Suppe“. Ich hatte gelesen, dass die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) im 19. Jahrhundert an einer Jahresversammlung darüber beraten hatte, ob in den Gefängnissen die Rumford-Suppe ausgeschenkt werden solle? Aber was war die Rumford-Suppe? Niemand konnte mir das sagen.
Also suchte ich im Internet. Und wurde fündig. Von der Suppe selbst hiess es in Wikipedia: „Rumfordsuppe ist eine preisgünstige, nahrhafte Suppe auf der Grundlage von Graupen und getrockneten Erbsen. Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, erfand sie 1795 für die Soldaten der Armee seines Dienstherrn, des bayrischen Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz, und für die festgenommenen Bettler und Arbeitslosen in seinem Militärischen Arbeitshaus in der Münchener Au, um diese sparsam, aber dennoch nahrhaft zu versorgen. Sie wurde in der Folgezeit in zahlreichen Suppenküchen an Bedürftige ausgeteilt“. Natürlich war auch ein Bild der Suppe vorhanden.
So weit so gut. Es war einleuchtend, dass diese Suppe auch auf der Traktandenliste der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft Platz gefunden hatte, da sich die SGG seit ihrer Gründung 1810 auch immer wieder mit dem Gefängniswesen in der Schweiz befasste.
Was mich aber weiter umtrieb, war der Name des Erfinders. „Thompson“ tönte für meine Ohren nicht bayrisch, ebensowenig wie „Rumford“. Also weitersurfen! Ich wurde belohnt.
Thompson wurde 1753 in den USA im kleinen Ort Wobum in der Nähe von Boston geboren. 1772 heiratete er in Rumford Sarah Walker, eine 13 Jahre ältere, reiche Witwe. Wegen Irrungen und Wirrungen im Zusammenhang mit dem Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg verliess er 1775 seine Familie, er hatte eine Tochter. Er verfolgte eine erfolgreiche militärische Karriere, die ihn nach England, wieder zurück nach Amerika, und 1783 wieder nach England führte. Er wollte dann nach Wien reisen, um in den Dienst des römisch-deutschen Kaisers Joseph II. zu treten. Unterwegs wurde ein Neffe des bayerischen Kurfürsten Karl auf ihn aufmerksam. Und der Kurfürst bot ihm an, in seine Dienste zu treten. Da Thompson bei genauem Abwägen der Weg über Wien doch nicht so aussichtsreich erschien, sagte er zu. Er nahm seinen Abschied in England und wurde von König Georg III. noch zum Ritter geschlagen. In München wurde er zum Adjutanten und Kammerherrn ernannt und 1788 mit der Reorganisation der Armee beauftragt, die sich in einem desolaten Zustand befunden habe. Insbesondere die gewöhnlichen Soldaten seien schlecht bezahlt, schlecht ernährt und schlecht gekleidet gewesen. Ich denke, genau solche „Armeen“ sind auch heute, in all den Konfliktgebieten weltweit, anzutreffen. Nichts Neues unter der Sonne!
„Über die Armut und das Elend der einfachen Soldaten wurde Thompson zum Sozialreformer“, heisst es weiter in Wikipedia. Er liess Armenhäuser, Schulen für Soldatenkinder, Arbeitshäuser und Manufakturen errichten. Er erfand den „Rumford-Herd“, einen energiesparenden Küchenherd, der nur halb so viel Brennstoff verbrauchte wie die üblichen, offenen Herde! Und zur Speisung der Armen erfand er die „Rumford-Suppe“, als billiges, aber nahrhaftes Eintopfgericht, das europaweit Verbreitung fand.
Er schuf in München übrigens auch den Englischen Garten! 1790 wurde er als „Graf von Rumford“ in den Reichsgrafenstand erhoben. Seine Laufbahn verlief weiterhin atemberaubend, er war u.a. auch im Gebiet der Wärmelehre wissenschaftlich tätig. Er entwickelte Geräte zur Ewärmung von Lebensmitteln und entdeckte zufällig das Niedertemperaturgaren, „da eine Hammelschulter, welche über Nacht in einem Trockenkasten für Kartoffeln liegen geblieben war, einen perfekten Gargrad erreicht hatte“, berichtet Wikipedia. Ich denke, so lange ist es ja nicht her, seit diese Methode auch in unseren Küchen wieder Eingang gefunden hat! Denkt da jemand an einen Reichsgrafen von Rumford?
Dieser erlebte weitere spannende Jahre mit vielfältigen Erfolgen und Ehrungen und verstarb 1814 nach einem plötzlichen Fieberanfall in Auteuil bei Paris. Aufgrund seines Vermächtnisses wurde 1816 an der Harvard-University der Rumford-Lehrstuhl für angewandte Physik und Mathematik eingerichtet!
Natürlich hätte mich noch interessiert, ob die „Rumford-Suppe“ auch heute noch angeboten wird, sicher in verfeinerter Form? Aber Surfen, auch im Internet, ist anstrengend! Mein Trost: die nächsten heissen Tage kommen bestimmt!
Fotos: Wikipedia
Links zu bereits erschienenen Beiträgen „Sommerwelten“:
– Schmetterlinge im Bauch (Brigitte Poltera)