Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03564.jsonl.gz/2688

Ursprung des Chasselas
Über den Ursprung des Chasselas gab es immer grosse Kontroversen. Manche sehen seinen Ursprung im Dorf Chasselas im Saône-Tal, andere nennen Fontainebleau, Thomery in der Nähe von Paris, Moissac im Département Tarn oder auch Burgund oder Pouilly-sous-Charlieu. Die meisten dieser Behauptungen sind reine Fantasie; die Einführung des Chasselas in diesen Regionen ist nämlich viel jüngeren Datums als an den Ufern des Genfer Sees, in der Schweiz.
Es wurden verschiedene Hypothesen über den Ursprung des Chasselas aufgestellt, zum Beispiel wurden die Wurzeln des Chasselas in der Oase Fayoum in Niederägypten verortet, wo es eine Rebsorte gibt, die dem Chasselas ähnlich ist. Heute sind sich die Ampelographen einig, sich die Theorie von Berget zu eigen zu machen, der 1932 schreibt: "Bis zur sehr unwahrscheinlichen kategorischen Entdeckung glauben wir, dass wir uns bezüglich des Ursprungs des Chasselas wie bei den meisten der berühmtesten und am meisten verbreiteten Rebsorten an diese Vermutung halten müssen, die durch die Texte der ältesten Ampelonomen bestärkt wird: dass sie aus dem Land stammen, wo ihr Anbau gleichzeitig am verbreitetsten und am ältesten ist. Nun, unter diesem Gesichtspunkt besteht kein Zweifel daran, dass die Chasselas-Traube eine Schweizer Traube par excellence ist. Wie Pinot Noir und Gamay aus dem Burgund und Cabernet und Sémillon aus dem Weinbaugebiet Bordeaux sind. Falls der Ursprung des Chasselas in Ägypten liegen sollte, so hätte er sich vom Genfer See aus in Europa ausgebreitet.
Die Bezeichnungen des Chasselas und sein Aufschwung
Früher trug das, was wir heute als Chasselas bezeichnen, andere Namen. Im Kanton Waadt unterschieden sich diese Namen abhängig vom Klon. So baute man Fendant roux, Fendant vert, Giclet, Blanchette oder aber Rodzasse an. Die Bekanntheit des Waadtländer Weins nahm zu und er erlebte seine Sternstunden; er wurde überall in die Schweiz und nach Europa exportiert, er rief Begehrlichkeiten hervor und im XVIII. Jahrhundert wurde der Fendant eigentlich überall in der Umgebung des Waadtlandes angepflanzt, wobei er unterschiedliche Namen annahm: Luzannois, Vivisier oder Valet Blanc in der Franche-Comté, sowie im Jura; Gutedel oder Krachgutedel im Elsass und in Deutschland im Markgräflerland; Lozanner im Herzogtum Württemberg. Um das XVIII. Jahrhundert herum war es nämlich üblich, einem neuen Setzling in einem Weinberg den Namen des Weinbergs zu geben, aus dem er stammte.
So wurde der Fendant in Annecy und in Chambéry als Crépy oder Ripaille bezeichnet; in der Champagne, als Basiraube wegen Bar sur Aube; usw. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass als die Spalierweine des Königs im Schloss Fontainebleau (um 1730) und die von Thomery (um 1750) nahe Paris kreiert wurden, die Fendant-Setzlinge und -Schösslinge in Chasselas nahe Mâcon entnommen wurden, und somit den Namen dieser Gemeinde annahmen. Die Trauben dieses Spalierobstes erlebten einen riesigen Handelserfolg in Paris, dann in ganz Frankreich, wo sich der Anbau des Chasselas als Tafeltraube ausbreitet. So wird die Chasselas-Traube in Frankreich zur Tafeltraube schlechthin.
In der Schweiz
Im 19. Jahrhundert wurde der Fendant-Chasselas im Kanton Waadt wie bisher weiterhin kultiviert und gekeltert.
Das Valais, damals noch ein kleiner Weinbau-Kanton, trug gegen 1850 zur Entwicklung seines Weinbergs in den Weinbaugebieten bei. Die Einwohner des Valais führten den Fendant großflächig ein und dessen Entwicklung orientierte sich wesentlich zu einem Rebsortenwein, der unter der einzigen Bezeichnung « Fendant » verkauft wurde. Diese Bezeichnung wurde im Valais so üblich, dass das Valais sich diese Bezeichnung aneignete und ihn als Appellation Valaisanne schützen ließ.
Der Kanton Waadt hat hingegeben immer die Landscholle herausgestellt und nicht die Rebsorte. Nur auf wenigen Etiketten wurde angegeben, ob es sich um Fendant oder Chasselas handelt. Die Einwohner von Waadt verkauften Dézaley, Calamin, Vinzel, Morges oder, mit mehr Präzision, Clos des Abbesses, Clos des Moines, usw.
Verschiedene Arten von Chasselas