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Bäume sind nicht nur angenehm für das Auge. Bäume sind Lebewesen wie wir, und haben sich in ihrer Entwicklung ein reiches Wissen angeeignet. So gibt es Bäume, die 10.000 Jahre alt sind. Diese Bäume leben noch! Sie haben also die letzten 10.000 Jahre miterlebt und Strategien des Überlebens und Alterns entwickelt, die uns als Menschen "alt" aussehen lassen. Wir Menschen leben maximal 120 Jahre.
In der Biologie unterscheidet man zwischen klonalen und nicht-klonalen Bäumen. Damit ist gemeint, ob das Erbgut geklont weitergegeben wird, oder sich durch die Bestäubung und Samenbildung ein neuer Baum mit neuem Erbgut entwickelt hat.
Bei den klonalen Bäumen sticht "Pando" heraus. Pando ist eine amerikanische Zitterpappel-Kolonie, die 47.000 Stämme besitzt. Sie wird auf mindestens 80.000 Jahre geschätzt. Pando ist in den USA beheimatet.
Mit "Old Tjikko" wird eine gemeine Fichte in Schweden bezeichnet. Sie ist mit stolzen 9.550 Jahren der älteste, alleinstehende klonale Baum weltweit.
Aus der Familie der Silberbaumgewäche kommt "Lomatia tasmanica". Diese Pflanze, die einzigartig von ihrem Genet ist, wird auf 43.000 Jahre geschätzt und ist in Australien beheimatet.
Zu den nicht-klonalen Bäumen gehören vor allem Bäume in den USA:
"Methuselah" ist eine Kiefer mit 4.723 Jahren. Sie galt lange als der älteste nicht-klonale Baum weltweit. Sie wurde aber 2013 von einer noch älteren Kiefer abgelöst: Diese soll 5.062 Jahre alt sein. Ihr Standort wird allerdings geheim gehalten, um sie zu schützen. So weit ist es schon gekommen. Wir müssen einen über 5.000 Jahre alten Baum vor den Menschen schützen, damit dieser ein solches Lebewesen nicht umbringt.
"Prometheus" ist ebenfalls eine langlebige Kiefer. Ihr Standort ist in den USA. Mit 4.862 Jahren ist sie älter, als ihr Gefährte "Methuselah". Jedoch wurde sie 1964, im Zuge des Alterbestimmungsprozesses umgebracht. Sie wurde gefällt.
Bäume können uns mehr über unser Überleben mitteilen, als wir annehmen. Bäume haben nämlich viel mehr Erfahrung, was ihre Überlebens-Strategien anbelangt. Auch ist davon auszugehen, dass wenn sich die Menschheit ausrottet, die Bäume überleben werden.
Steht man einem solchen Baum gegenüber, wie "Methuselah", was würden Sie ihn fragen? Er hat so viele Zeiten erlebt. Er war schon zum Zeitpunkt des Pyramidenbaus in Ägypten über 2.000 Jahre alt. Er hat das Römische Imperium genauso überstanden, wie die Eroberung Amerikas durch Kolumbus. Der Erste und Zweite Weltkrieg, das war für ihn nicht mehr als ein Wimpernschlag. Seine Gefährten um ihn herum wurden geboren und starben. Viele Tiere besiedelten ihn bereits.
Meine persönliche Frage würde lauten: "Was ist es, der Sinn des Lebens, was glaubst du?" Nach 5.000 Jahren am Buckel kann darauf die Antwort vielleicht eine komplett unerwartete sein. Vielleicht sagt der Baum, er weiss es nicht. Vielleicht sagt er auch, der Sinn des Lebens ist Kooperation. Ich hätte nie überlebt ohne meine Bakterien in den Wurzeln und ohne die Kommunikation mit anderen Bäumen. Vielleicht sagt der Baum aber auch etwas ganz Anderes. Das Problem ist, wir verstehen es nicht. Wir haben noch keine gemeinsame Sprache entwickelt, sodass der Baum uns seine Weisheit mitteilen könnte. So bleibt nur raten, ahnen, vermuten, spüren.
Beim Anblick dieser Bäume raubt es einem den Atem. Ihre Aura ist speziell. Ihre Ästhetik und Schönheit etwas Einzigartiges. In ihrer Gegenwart sind wir Menschen nicht mehr, als ein Hauch. Das Menschenleben vergeht für sie, wie im Flug. Wie lange werden sie noch leben? Welche Bäume haben wir noch gar nicht entdeckt? Bäume, die vielleicht noch älter sind?
Wir haben diesbezüglich wenig Ahnung, denn das Messen des Alters ist schwierig. Es ist davon auszugehen, dass es noch viele weitere Bäume dieses Alters gibt. Diese Bäume sind unter uns, nur wir wissen es nicht. Geben wir Ihnen einen besonderen Platz und schützen sie.
Bildquelle: danfador / pixabay.com