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Gott soll mein Papa sein? Was soll man denn mit einem Vater anfangen, der weder zu sehen noch anzufassen ist? Gott als mein Vater - wie soll das aussehen? Was ist, wenn ich das gar nicht erlebe? Wenn es einen regelrechten Bruch gibt zwischen dem, was ich im Teenietreff und im Gottesdienst höre, und dem, was sich dann bei mir in meinen Gedanken, Handlungen und Beziehungen ereignet?
Kriegt Gott was mit?
Kapiert Gott eigentlich, was bei mir los ist? Bemerkt er, wie sich meine Eltern auseinanderleben? Sieht er meine Angst, daß meine Familie zerbricht? Sieht er, daß meine Eltern nur mit sich selbst beschäftigt sind und am Ende noch ihren Müll bei mir abladen? Merkt er, daß mein Vater eigentlich gar nicht mehr viel zu Hause und fast nur noch mit seinem Job und diversen Hobbys beschäftigt ist? Und wenn er dann mal mit mir spricht, merkt man doch nur, daß er ganz woanders ist und blöde Ratschläge gibt, die man vorher schon gewußt hat.
Sieht Gott, daß ich mich eigentlich total oft allein fühle und unverstanden, obwohl ich eigentlich viele Freunde habe? Sieht er, daß ich mich oft frage, wozu ich hier auf der Erde gelandet bin und daß von meiner Anwesenheit sowieso niemand sonderlich erbaut ist? Merkt er eigentlich, wie unausstehlich ich mich manchmal selbst finde? Merkt er, was hinter meiner tollen Fassade steckt?
Was in echten Vätern steckt
So ein Bruch zwischen den vielen Dingen, die man über Gott hört, und den wenigen Situationen, in denen man ihn tatsächlich erlebt, ist keine ungewöhnliche Sache. Daß man Gott nicht erlebt, kann verschiedene Ursachen haben.
Wie wir Gott erleben, hängt nicht nur davon ab, was wir über ihn hören. Vielmehr entwickeln sich unsere Gottesvorstellungen und auch die Vorstellungen über uns selbst aus den Erfahrungen, die wir in Beziehungen machen. Vor allem natürlich in unserer Familie. Ist beispielsweise ein Vater seinem Kind gegenüber zurückhaltend und gleichgültig, so schreibt es Gott oft die gleichen Eigenschaften zu. Es kann wahrscheinlich nur schwer glauben, daß Gott sich für seine Bedürfnisse interessiert. Demgegenüber hat es ein Kind, das erlebt, daß sein Vater ihm gegenüber großes Interesse zeigt, weniger Schwierigkeiten, sich sicher zu sein, daß auch Gott an ihm Interesse hat. Es wird dem Kind leichter fallen zu verstehen, wie liebevoll und helfend Gott mit ihm in schwierigen Situationen umgeht.
Nicht nur Daddy
Gott hat also die Rolle des Vaters geschaffen und benutzt sie als ein Bild für seine Zuwendung, seine Zärtlichkeit, seine Fürsorge, seine Fähigkeit, mitzuleiden, uns zu ermutigen, ein Rückhalt in Schwierigkeiten oder ein guter Ratgeber zu sein. Er ist aber auch unser Erzieher. Er macht uns auf falsche Richtungen und Fehler aufmerksam, zeigt die Konsequenzen für unser Fehlverhalten und holt uns, wenn's sein muß, auch mal drastisch von der schiefen Bahn. Und er zeigt auch, nach welchen Regeln und Maßstäben wir gut leben können.
Gleichzeitig vereinigt er in seinem Wesen auch typisch mütterliche Eigenschaften: Gott tröstet uns wie eine Mutter ihr Kind tröstet. Er würde uns nie vergessen, wie auch eine Mutter nie ihr Kind vergessen würde.
Gott schreit vor Schmerz
Gott tut das Herz weh, wenn er uns sieht, wie wir äußerlich alle so satt tun und es doch nicht wirklich sind. Gott will nicht, daß wir uns abrackern, daß wir z.B. immer die neuesten Klamotten und Musik haben müssen, nur um hip und von anderen geliebt zu sein. Er will nicht, daß du dich ängstlich versteckst und allein und einsam leidest. Es macht ihm etwas aus, wenn du dich billig anderen Jungs hinterherwirfst oder mit ihnen schläfst, nur um wenigstens ein bißchen das Gefühl zu haben, geliebt zu sein. Gott will auch nicht, daß du dich betrinkst und bekiffst, um mal für eine Weile alles zu vergessen. Er leidet mit dir, während du dich selbst weghungerst, um irgendwie äußerlich akzeptabel zu sein. Gott dreht sich das Herz im Magen um! Gott schreit vor Schmerz, wie es ein Vater oder eine Mutter tut, wenn er seine Kinder leiden sieht. Er würde nichts lieber tun, als dir das zu geben, was dich wirklich satt macht.
Komm zurück!
Wenn du mitten in unlösbaren Problemen steckst, will Gott dein Vater sein und sich um dich kümmern. Und wenn du schon lange vor Gott weggelaufen bist, weil er für dich der letzte war, von dem du etwas erhofft hast, komm zurück. Er wartet schon lange und sehnsüchtig auf dich. Er überschüttet dich nicht mit Vorwürfen. Nein. Er sieht dein Herz mit allem, was dich belastet. Er sieht alles, was dir fehlt, und daß du nichts hast, was du ihm bringen könntest. Das ist die denkbar beste Voraussetzung, um zu ihm zu kommen. Denn bei Gott dreht sich die Welt anders herum. Er sagt, die Armen seien reich. Je weniger du an guten Erfahrungen mit deinen Eltern hast, je weniger Liebe und Geborgenheit, je weniger Anerkennung und Aufmerksamkeit, je weniger Ermutigung und Unterstützung du in deinen Händen hältst, desto mehr kann er sie füllen. Und als der vollkommene Vater wird er es auf eine ungeahnte Art und Weise tun.
Gott, der dich gemacht hat, der jeden deiner Gedanken kennt, will, daß du mit ihm ins Gespräch kommst. Keine Einbahnstraßenbeziehung - du wirst lernen, seine Stimme zu hören. Wie er dir zuflüstert, daß er dich liebt, daß er sich über dich freut, daß er dir gerne vergibt, daß er dir viel Gutes tun will, daß er dich beschützt, daß er dir hilft ... Er will, daß die Wahrheiten über sein Wesen als Vater für dich im Alltag Wirklichkeit werden. Sie sollen den langen Weg vom Kopf zum Herz schaffen.
Dann zeig dich, himmlischer Daddy!
Da Gott kein langweiliger Vater ist, wird er sicherlich auf sehr viele verschiedene Weisen zu dir reden, je nachdem, auf welcher Frequenz du besonders gut hören kannst:
// Schau dich doch mal um, wo du positive Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern erlebst, und mach dir klar: So ist Gott zu dir.
// Was gibt es Gutes in der Beziehung zu deinem Vater oder deiner Mutter? Danke Gott dafür, und sage das doch einfach mal deinen Eltern.
// Erzähle Gott auch, wo du Schwierigkeiten hast. Bitte ihn, dir zu zeigen, welchen Platz und welche Rolle er dort einnehmen möchte. Vielleicht zeigt er es dir in einer sehr bildhaften Art und Weise. Vielleicht gibt er dir einen guten Gedanken. Erwarte auf jeden Fall, daß Gott zu dir redet. Gib nicht gleich auf, wenn's nicht klappt.
// Gott sorgt auch durch andere Menschen für dich, die deine geistlichen Mütter oder Väter sein können. Kommst du mit einer Sache nicht zurecht, gehe zu jemandem, zu dem du Vertrauen hast und sprich mit ihm oder ihr. (Gibt es in deiner Umgebung niemanden, kannst du auch an die »Help«-Mannschaft von teensmag schreiben, die dir gerne weiterhilft.)
// Gehe im Wald, am Meer oder sonstwo in der Natur spazieren und sieh dich um, wie Gott alles geschaffen hat, mit ungeheuer viel Sinn für Kleinigkeiten. Solltest du ihm da unwichtig sein?
// Lies in der Bibel nach, wo Gott als Vater beschrieben wird, stelle dir dies bildlich vor. Stell dir auch vor, wie Gott dich als sein Kind behandelt.
// Frage andere Christen, ob und wie sie Gott als Vater erfahren haben.
Lebenslänglich
Gott als Vater zu erleben, ist möglich, aber nicht wie ein Instantgetränk - schnell gemacht und heruntergeschluckt. Er will dir in der Begegnung mit ihm tiefgreifende Veränderungen schenken. Das erfordert Zeit. Aber freu dich drauf: Du kannst Gott dein ganzes Leben lang immer mehr und tiefer als Vater erleben.
Gott, dein Vater ...
... sorgt für dich. (Matthäus 7,11)
... ist dein Freund und Ratgeber. (Jesaja 9,5; 2. Korinther 6,17b+18; Psalm 68,6-7; Römer 8,15)
... tröstet dich. (2. Korinther 1,3; Jesaja 66,13)
... paßt auf dich auf. (Psalm 91,1-3)
... nimmt Anteil an deinem Leben und fühlt mit dir. (Matthäus 9,35-38; Klagelieder 3,22-23)
... sorgt für dich. (Matthäus 14,20; Psalm 23,15)
... vergibt und macht etwas Gutes aus deinem Gemurckse. (Psalm 103,8,12-13; Johannes 8,1-11)
... macht dich stark. (Jesaja 41,10; Epheser 3,1)
... ist gut zu dir. (Psalm 25,8; Psalm 34,9; Römer 2,4)
... ist dir nah. (Psalm 34,19; Psalm 145,18; Jakobus 4,8)
Text_Christine Kaul hat schon viel mit ihrem Papa erlebt
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