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Visionäre Sammlung Vol. 17: Harry Fränkel
Im Rahmen der Ausstellungsreihe «Visionäre Sammlung» zeigt Haus Konstruktiv anlässlich des 100. Geburtstags von Harry Fränkel (1911 in Dortmund–1970 in Bochum) eine Auswahl aus dessen druck-grafischen Œuvre. Alle ausgestellten 52 Werke gehören zu einem umfangreichen Konvolut, das durch die grosszügige Schenkung von Renate Thiemann 2008 in die Sammlung des Haus Konstruktiv aufgenommen werden konnte. Ausgehend vom figurativen Expressionismus entwickelte Fränkel ein überraschend vielseitiges Werk, das neben abstrakt-expressionistischen Arbeiten auch stark farbig angelegte Komposi-tionen aus rein geometrischen Formen umfasst.
Harry Fränkel wird am 15. November 1911 in Dortmund als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Von 1928 bis 1931 geht er auf die Dortmunder Kunstgewerbeschule, lässt sich zum technischen Zeichner ausbilden und möchte dann im Anschluss auf die Kunstakademie in Düsseldorf wechseln. Doch der 30. Januar 1933 ändert alles: Nach der sogenannten «Machtübernahme» durch die Nationalsozialisten beginnt für Fränkel eine folgenschwere Zeit. Als «Halbjude», wie es die Nationalsozialisten in ihren Hetzreden formulieren, bekommt er kaum noch Arbeit und schlägt sich, so erinnert er sich später, «von Dachkammer zu Dachkammer» durch. Im Oktober 1944 kommt Fränkel in ein Arbeitslager bei Kassel, das im Mai 1945 durch die Amerikaner befreit wird. Sein Vater aber wird von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet.
Harry Fränkel kehrt nach Dortmund zurück, gibt seinen bürgerlichen Beruf als technischer Zeichner auf und arbeitet fortan als Pressezeichner. Vor allem aber beginnt er wieder, künstlerisch zu arbeiten. 1953 ist er dabei, als sich die «Künstlergruppe Niederrhein 53» zusammenschliesst (später Gruppe 53), die anfangs die abstrakte und gegenstandsfreie Bild- und Formgestaltung als Ziel ihres Wirkens sieht. Am 28. April 1970 stirbt Harry Fränkel an den Folgen seiner Krebserkrankung.
Im Zentrum der Ausstellung stehen vor allem Holzschnitte und Serigrafien aus der Nachkriegszeit bis in die späten 1960er Jahre. Fränkel arbeitete zwar auch in Öl und fertigte Collagen, doch bevorzugte er die – für seine vitalen und aussdrucksstarken Bildfindungen bestens geeignete – Technik des Holzschnitts.
Sein überraschend vielseitiges Werk umfasst neben abstrakt-expressionistischen Arbeiten mit kräftigen schwarzen Linien und weissen Flächen auch stark farbig angelegte Kompositionen aus rein geometrischen Formen. Mit die-ser Reduktion der formalen Bildmittel bahnte sich Fränkel seinen Weg von der gegenstandsbezogenen Darstellung zur Formensprache des Konstruktivismus und bis hin zu einer an die Op Art erinnernden Gestaltungsweise.