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400 Jahre Bürgi Logarithmen-Veröffentlichung
Als Erfinder der während drei Jahrhunderten die Wissenschaft und Technik prägenden Methode
der Logarithmenrechnung gelten unabhängig voneinander der schottische Baron und Mathematiker John Napier (1550-1617) sowie das mathematisch-technische Universalgenie der Renaissance Jost Bürgi (1552-1632). Dabei wird übersehen, dass der Schweizer Bürgi seine Erfindung mindestens ein Jahrzehnt vorher schon Johannes Kepler zur Verfügung gestellt hatte. Spätestens im Jahre 1596 verfügte Jost Bürgi
über seine Logarithmentafel, die er "Aritmetische und Geometrische Progress-Tabuln" nannte. Ihr erster und grösster Nutzer war Johannes Kepler, mit dem Bürgi acht Jahre lang am Kaiserhof Rudolfs II. in Prag zusammenarbeitete und der
sich darüber ärgerte, dass sein Freund sie damsls nicht veröffentlichte und auch ihm Stillschweigen gebot. Der schottische Baron John Napier veröffentlichte seine Version 1614 gleich bei der Fertigstellung. Erst 1620 inmitten der kritischen Jahre Prags zu Beginn des Dreissigjährigen Krieges gab Bürgi seine Tafeln in Druck, jedoch nur mit handschriftlichen Hinweisen über ihre Verwendung. Zu ihrer Erstellung benötigte er dank seiner genialen Idee nicht länger als ein Jahr - Napier hingegen beschäftigte sich volle zwei Jahrzehnte und ausschliesslich damit. Schon alleine diese kleine Gegenüberstellung zeigt, welches mathematisch-technische Universalgenie Jost
Bürgi war und weshalb er von seinen Zeitgenossen mit Archimedess und Euklid in einem Atemzug genannt wurde.
Obwohl Jost Bürgi weitaus mehr Mathematik-Innovationen zu verdanken sind und darüber hinaus gleichzeitig astronomische und gedätische sowie mathematische Instrumentekonstruierte, eigene Sonne-, Mond-, Stern- und Planeten-Beobachtungen durchführte sowie unübertroffen genaue Uhren und Himmelsgloben schuf, ist Napier heute weitaus berühmter. Zurückzuführen ist diese extreme Verzerrung der historischen Realität weitgehend auf Tycho Brahe, der mit seinen Erben die beiden bedeutendsten Kepler-Publikationen "Astronomia Nova" (1609) und "Tabula Rudolphinae" (1627) zensurierte und dessen damalige Publikationshoheit seither die Wissenschafts-Geschichtsschreibung verfälscht. Zu Bürgis 400-Jahre-Logarithmen-Jubiläum des Druckes erscheinen 2020 mehrere Beiträge (der erste im Anhang).
Am 4. Experten-Workshop des Jost-Bürgi-Symposiums 2021 in Lichtensteig berichten mit höchster Kompetenz über Jost Bürgis Erfindung der Potenzreihenrechnung (Informatik-Prof. Klaus Trümper, Universität Dallas/USA), der Konzeption seiner fehlerresistenten Tabellierung (ETH-Mathematik-Professor Jörg Waldvogel) und der Nutzung im heutigen Schulunterricht Prof. Kathleen Clark (Florida State University/USA). Einen weiteren Beitrag an diesem Workshop zur didaktischen Nutzung von Bürgis Vermächtnis steuert ebenfalls Roman Oberholzer bei.
Die erste Veröffentlichung zu diesem JUBILÄUM erschien am 6. Februar 2020 in der Schweizer Vermessungs- und Landinformations-Zeitschrift Geomatik (siehe Anhang).