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| Dr. Karl Fr. Schnitzer, Einleitung. In: Origenes über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft. Wiederherstellungsversuch von Dr. Karl Fr. Schnitzer, Professor an der Kantonsschule in Aarau. Stuttgart, Verlag Imle und Kraus, 1835.

Einleitung
24.
Das Werk περι Αρχων, das fortan bei allen Händeln, die den Origenes berührten, vor andern genannt wurde, gelangte in den nächsten drei Jahrhunderten noch dreimal zu einer größern Wichtigkeit, in der Geschichte dogmatischer Streitigkeiten. Dieß geschah in den arianischen Streitigkeiten, dann während [S. 43] der pelagianischen, und endlich in der Wuth des Kaisers Justinian gegen die neuen Origenisten, zum Theil auch πρωτοκτισται genannt, so daß die drei Ideen, welche in dem Werke, als dogmatischem Versuch, besonders hervortreten: vom Verhältniß des Vaters und Sohns, von der Willensfreiheit, und von der Präexistenz der Seelen, nach einander in die Geschichte eingriffen.
Hauptquelle für die frühere Geschichte des Buches ist Photius Biblioth. und die Briefsammlung des Hieronymus. Die Briefe selbst aber sind in den verschiedenen Ausgaben von Erasmus, Vallars, und Martianay verschieden geordnet, daher wir sie meistens nach den Ueberschriften citiren.
Der erste Angriff um das Jahr 290. kam von Seiten des Bischofs Methodius von Tyrus, in drei kleinern Schriften: περι αναστασεως, περι των γρνητων, περι αυτεξουσιου (letztere, nach Neander dem Maximus zugehörig), von denen Phot. cod. 234. 35. 36. Auszüge liefert, worin die hieher gehörigen Lehren des Werkes π. Α., wiewohl ohne Benennung derselben bekämpft werden, aber so schwach, daß man, besonders in den letztern Stücken, oft nicht weiß, will Meth. den Orig. nachahmen oder widerlegen. So ist wohl auch zu verstehen, was Euseb. bei H. apol. In Ruf. 1. von M. sagt: qui haec et haec de Originis locutus est dogmatibus. Sokrates (hist. eccl. 6. 13.) läßt ihn später widerrufen, woran uns wenig gelegen ist.
In Alexandria suchte der Bischof Peter durch Schriften, auf welche Justinian sich beruft, die Verketzerung des Orig. und seiner Werke wieder aufzuregen; dieser fand aber einen beredten Vertheidiger an Pierius, Vorsteher der Katechetenschule, welcher der zweite Origenes genannt wurde. Auch von ihm hat nur Phot. Cod. 119. Auszüge. Bis zum arianischen Streite blieb nun, was Origenes Namen trug, in Ruhe. Der Presbyter Pamphilus kaufte von allen Schriften des Origenes Exemplare, schrieb mehrere selbst ab, und stiftete diese Sammlung nebst andern in die Kirche zu Cäsarea. Marcellus von [S. 44] Ancyra (v. Asterium) griff zuerst in den Arianern den Origenes an; gegen ihn schrieb (336) Eusebius, welcher viele Stellen aus Marcellus, darunter auch kleinere Auszüge aus π. Αρχων in seiner Schrift anführt, die noch vorhanden ist. Im Verein mit Pamphilus schrieb Eusebius die Apologie des Origenes in 6 Büchern, von denen ein Theil des sechsten in einer lateinischen Uebersetzung von Rufin noch vorhanden ist. Sie enthält meistens Belege aus π. Α. I., zur Vertheidigung der rufinisch-origenischen Trinitätslehre gegen die neun Anklagen von Seiten der Orthodoxen; und nach diesem entstellten Bruchstücke zu urtheilen, wäre das 6. Buch der Apologie eigentlich eine Rechtfertigung der Bücher π. Αρχων gewesen. Allein Hieron. am Ende des Briefes an Pamm. und Ocean. erklärt, daß das 6. Buch der Apologie nicht nur von Rufin verfälscht, sondern schon im griechischen Text vom Anfang an eusebianisch, dann nicenisch nnd kurz das Flickwerk eines Späteren sey: indem er ausdrücklich behauptet, daß Pamphilus gar nie etwas Eigenes geschrieben habe. Indessen verweist Euseb. in der KG. öfter auf jene Apologie, und es läßt sich leicht denken, daß er seinem Freunde zu Lieb ihre beiden Namen als Verfasser genannt habe. Beide angeblichen Verfasser waren Arianer und erzählen, daß nicht nur die Werke des Origenes, sondern selbst die Leser derselben von der Gegenparthei verfolgt und verketzert werden, vor andern die, welche er mit Muse und Nachdenken ausgearbeitet und namentlich das π. Α. Der Abt Pachomius habe bei seinem Sterben seine Mönche hoch und theuer beschworen, diese Schriften nicht zu lesen.