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Bevor ich mich vor mehr als einer Dekade auf meine persönliche Wachstumsreise begab, war mein Geist weit entfernt von dem ruhigen und friedlichen Ort, an dem er sich heute meist befindet. Übermäßiges Nachdenken und Grübeln, durchsetzt mit Ängsten, waren mein Standard.
Ich investierte Zeit in mein geistiges, körperliches und seelisches Wohlbefinden. Und mich fragend, „Was will ich und was ist wichtig für mich?“, investierte ich für mich und engagierte einen Coach. Ich veränderte mich und meine Art und Weise, die Welt und mich zu sehen. Einen großen Teil davon verdanke ich dem Wissen, das ich auf dem Gebiet der Neurowissenschaften erworben habe.
Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass das Wissen über das Gehirn, das unter anderem alle unsere kognitiven Fähigkeiten beherbergt, unsere geistige Gesundheit fördern könnte. Wenn wir unser Wissen über die Funktionsweise unseres Gehirns erweitern, könnte es sein, dass wir das eine oder andere anders interpretieren und uns damit weiterentwickeln.
Den geschäftigen Verstand zur Ruhe bringen.
Welche Bereiche des Gehirns lassen diese selbstkritischen Gedanken entstehen, die uns so viele Probleme bereiten? Und wie können wir damit beginnen, diese Gehirnbereiche so zu beeinflussen, dass unsere Gedanken zur Ruhe kommen?
Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass ein beschäftigter Geist problematisch ist. Zunächst einmal weist unser Gehirn negative Verzerrungen auf, die unsere Gedanken eher pessimistisch als optimistisch stimmen. Dies ist evolutionär zu erklären, ermöglicht es uns doch, Gefahren zu erkennen, um zu überleben. Wir neigen also nicht nur eher zu negativen Gedanken, sondern sind auch eher auf die negativen Dinge fixiert, die uns widerfahren, als auf die positiven. Das hat offensichtliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.
Auf der anderen Seite gelten Flow-Zustände, d. h. längere Phasen der Konzentration auf eine bestimmte Aufgabe, als gesundheitsfördernd. Einer der Gründe dafür ist der Verlust des selbstbezogenen Denkens, während wir uns auf etwas konzentrieren. Denke zum Beispiel daran, wie gut es sich anfühlt, wenn du dich in dein Lieblingshobby, ein Projekt bei der Arbeit oder eine andere Tätigkeit vertiefst. Deine Alltagssorgen sind weg, du bist „entspannt“ – und gleichzeitig tust du etwas, was dir nützt.
Doch wie oft kritisieren wir uns selbst, machen uns Sorgen über die Zukunft, bedauern die Vergangenheit, denken zu viel über Situationen nach, die sich nicht mehr ändern lassen und erinnern uns immer wieder daran, was wir alles vermasselt haben.
Zu verstehen, woher diese kritischen Selbstgespräche kommen, ist der erste Schritt, um zu lernen, wie wir unseren Geist beruhigen können.
Default Mode Network (dt. Ruhezustandsnetzwerk)
Das Konzept des Default-Mode-Netzwerks kam auf, als Wissenschaftler begannen, die Gehirnmuster zu beobachten, während die Probanden untätig waren. Man sollte doch annehmen, dass die Gehirnaktivität nachlässt, wenn der Mensch nichts tut.
Das ist aber nicht der Fall.
Stattdessen fanden die Wissenschaftler einen starken Anstieg der Aktivität in Bereichen, wie dem Frontallappen, dem Gyrus angularis und dem hinteren Cingulum. Die kollektiven Muster dieser Bereiche sind im Ruhezustand viel höher, als wenn die Teilnehmer mit Aufgaben beschäftigt waren.
Denken
Wenn wir fokussiert sind, dann schwirren die Gedanken nicht herum. Gerade wenn wir nicht arbeiten, ist es wahrscheinlicher, dass unser Geist aktiv Gedanken über die Vergangenheit, die Zukunft oder unsere aktuelle Situation hervorzaubert.
Tatsächlich zeigen Studien, dass bei Personen mit ADHS – einer Aufmerksamkeitsstörung, die auf der Überaktivität des Gehirns beruht – die Aktivität des Standardmodus-Netzwerks erhöht ist, während sie mit Aufgaben beschäftigt sind. Mehr Aktivität = mehr Gedanken, die potenziell ablenken, bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass diese Person sich nicht auf die Gegenwart und damit die gestellte Aufgabe konzentrieren kann.
Es könnte also durchaus so sein, dass unser Standardmodus-Netzwerk dazu beiträgt, die automatischen und selbstkritischen Gedanken zu erzeugen, die uns Probleme und negative Gefühle bereiten. Wenn wir also lernen, diesen Bereich zu zähmen und seine Aktivität zu verringern, haben wir eine Chance, unseren Geist zu beruhigen.
Glücklicherweise können wir das tatsächlich.
Eine Übung zur Beruhigung des Geistes
An dieser Stelle möchte ich dich bitten, dich einen Moment zurückzulehnen, die Augen zu schließen und dir folgende Frage stellen:
„Woran werde ich als nächstes denken?“
Und warte auf die Antwort(en).
Wichtig ist, dass du deine Aufmerksamkeit wirklich auf das Warten auf die Antwort richtest.
Vielleicht beobachtest du, dass kaum Gedanken auftauchen.
Wenn wir uns intensiv auf etwas konzentrieren, hört unser Gehirn auf, „überflüssige“ Gedanken zu produzieren. In dem Moment, in dem wir unsere Aufmerksamkeit wieder von der Antwort abwenden, könnten wieder „viele“ Gedanken auftauchen.
Es geht also darum, präsent zu werden. Wir konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt.
Was hilft zudem? Meditation ist nichts anderes als die Praxis, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Interessanterweise hat sich gezeigt, dass Meditation an sich die Aktivität des Standardmodus-Netzwerks verringert.
Es hat sich auch gezeigt, dass Meditation die Symptome von Angst bei Betroffenen reduziert. Angst ist nichts anderes als die Beschäftigung mit der Zukunft. Frage jeden, der darunter leidet, ob er sich mit einer bestimmten Aufgabe oder der Gegenwart beschäftigt, während er unter Angst leidet. Oder wie mein Mentor Gunther Schmidt sagt:
Wer Angst hat, hat Zukunft!
Wenn wir uns aktiv dafür entscheiden, uns von unseren „schlechten“ Gedanken zu lösen und uns auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren, verringern wir die Aktivität im Standarad-Netzwerk. Mit Übung und Training lösen sich damit diese „nichtgewollten“ Denkgewohnheiten auf.
Ich kann nicht sagen, wann ich das letzte Mal länger in ängstliche Gedanken versunken war. Ich erlaube mir das nicht. Taucht einer auf, richte ich meine Aufmerksamkeit wieder auf die Gegenwart und konzentriere mich auf das Hier und Jetzt.
Wer mich kennt, weiss über meine Standard-Antwort auf die Frage, wie es mir geht:
„Ich lasse es mir gut gehen.“
Das Fazit dieses Artikels ist es, die Tatsache zu beleuchten, dass unsere kritischen Gedanken einen Ursprung haben und dass du durch Übung, insbesondere auch durch Meditation, beginnen kannst, deinen Geist zu beruhigen.
Wenn ich das kann, dann kannst du das auch.