Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03593.jsonl.gz/1366

Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes veröffentlicht jährlich eine Liste mit den bestverdienenden Sportlerinnen und Sportlern. Wobei die geschlechtergerechte Formulierung für die aktuellste Übersicht hinfällig ist: 2017 findet sich unter den 100 bestverdienenden Athleten keine einzige Frau. Zwischen 2010 und 2017 waren es jeweils maximal drei Frauen, die es in die Top-100 geschafft hatten.
Die Zahlen am oberen und unteren Ende der Forbes-Liste steigen seit Jahren konstant an, eine Listung wird entsprechend schwieriger. Einst reichten dafür 1.5 Millionen US-Dollar an jährlichem Gehalt, mittlerweile beläuft sich dieser Betrag auf 22.9 Millionen. Dabei werden auch zusätzliche Verdienste, etwa durch Marketing-Deals, berücksichtigt. Die sind zwar rückläufig, aber immer noch beachtlich wie das Beispiel Lionel Messi (Platz 2) verdeutlicht: Der Fussballer verdiente neben dem Spielfeld 27 Millionen – nebst 84 Millionen an Lohn und Preisgeldern.
Es sind unter anderem diese zusätzlichen Einkünfte, die Serena Williams nächstes Jahr wieder auf die Liste bringen dürften. Die Tennisspielerin war 2016 die einzige Athletin in den Top-100, machte allerdings letztes Jahr Babypause und bestritt keine Turniere. Trotzdem verdiente sie 2017 18.1 Millionen US-Dollar dank Sponsoring-Verträgen mit Brands wie Nike und Gatorade. Weltweit strichen letztes Jahr nur 16 Athleten mehr mit Werbe-Deals und Co. ein als Williams.
Jene weiblichen Sportstars, die es in den letzten Jahren in die Forbes-Liste schafften, gehörten alle zur selben Gilde wie Williams. Kein Zufall: Tennis zählt zu den lukrativsten Disziplinen für Sportlerinnen. Die Grand-Slams, die vier höchstdotierten Turniere im Tennisspielplan, führten 2007 den gleichen Lohn für Frauen und Männer ein. Das ist wohl unter anderem Verdienst von Billie Jean King, die in den 70er-Jahren – als Antwort auf die Lohnungleichheit – die Women's Tennis Association gründete. Als King das Wimbledon-Turnier 1968 zum dritten Mal gewann, erhielt sie ein Preisgeld von 750 Pfund. Rod Laver, der sich bei den Herren durchsetzte, nahm 2000 Pfund nach Hause.
Von Salären und vor allem von einer Lohngleichheit wie im Tennis können Fussballspielerinnen indes nur träumen. Spielerinnen bei Lyon – der französische Fussballclub bezahlt weibliche Kicker gemäss The Guardian weltweit am besten – erhalten jährlich 145’000 Pfund, englische Premier-League-Spieler dagegen 2.64 Millionen. Satte 18 mal mehr.
Die Einkommensschere im Sportbereich wird verschiedentlich begründet. Manche sehen den Ursprung in der Kulturgeschichte, sportliche Betätigung war lange reine Männersache. Andere wiederum führen die Lohnungleichheit auf die mediale Aufmerksamkeit zurück, denn Frauensport erhält wesentlich weniger davon, ist daher weniger populär und somit für Sponsoren weniger lukrativ. Verschiedene Player, auch Fussballclubs, sehen einen Grund im geringen Frauenanteil in Führungspositionen. In den Vorständen von 28 internationalen Sportverbänden beläuft sich der Anteil Frauen beispielsweise auf 18%.
Doch es regt sich Widerstand. Die Stimme, die schon Billie Jean King anno dazumals erhoben hat, wird wieder lauter. Im März 2017 beispielsweise drohte das amerikanische Frauen-Eishockeyteam nicht an Weltmeisterschaften teilzunehmen, wenn sie keine besseren Konditionen erhalten würden. Mit Erfolg. Und letztes Jahr hat der norwegische Fussballverband eine revolutionäre Regelung verabschiedet: Die Frauen- und Männernationalmannschaft haben künftig dasselbe Lohnbudget.