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«Können Sie mal schnell das Impfbüchlein meiner Tochter anschauen, wenn ich es einscanne und Ihnen schicke? Ich möchte gerne wissen, ob meine Tochter gegen alle Zeckenarten geimpft ist. Gestern habe ich gelesen, dass es jetzt sogar tropische Riesenzecken bei uns in der Schweiz und in Deutschland geben soll, die gefährlich sind». Corinne Sutter ist sich am santé24-Telefon ziemlich sicher, dass ihre Tochter optimal geimpft ist und deshalb keine weiteren Massnahmen gegen Zeckenstiche notwendig sind, ausser vielleicht gegen die neue Zeckenart?!
Gibt es eine Impfung gegen alle Zeckenarten?
Nein, es gibt überhaupt keine generelle Impfung gegen Zecken, sondern bisher nur eine Impfung gegen eine der Krankheiten, die durch einen Zeckenstich übertragen werden kann. Da es keine generelle Impfung gegen Zecken bzw. gegen einen Zeckenstich gibt, ist es für alle wichtig, in Wald und Unterholz möglichst abschliessende Kleidung zu tragen, Zeckenschutzmittel zu benützen, nach Outdooraktivitäten den Körper nach festsitzenden Zecken abzusuchen und diese möglichst schnell zu entfernen. Dies macht man am besten mit einer Zeckenpinzette oder Zeckenkarte, indem man die Zecke nahe an der Haut packt, gerade herauszieht und vernichtet. Die Stichstelle sollte man desinfizieren und fotografieren, damit man weiss, wo der Stich gewesen ist und ob er sich im Verlauf verändert. Erwachsene sind übrigens genauso gefährdet wie Kinder. Die saugenden Zecken werden jedoch bei Erwachsenen eher an der unteren Körperhälfte gefundenen, während sie bei Kindern auch am Oberkörper oder sogar am Kopf stecken können.
Gegen welche durch Zecken übertragbare Krankheit kann man sich impfen lassen?
Es gibt eine Impfung gegen die Frühsommermeningoenzephalitis oder FSME. Das ist eine Virus-Erkrankung, die über infizierte Zecken durch einen Zeckenstich auf den Menschen übertragen werden kann. Die Impfung ist praktisch in der ganzen Schweiz, in Deutschland und Österreich empfohlen, weil es dort unterhalb 2000 Metern überall FSME-infizierte Zecken gibt. Da das Virus hauptsächlich die Hirnhäute und das Hirn angreift, kann die Infektion nach einigen Tagen neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel, Konzentrations- und Gangstörungen und Gesichtslähmungen hervorrufen. Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht, man kann nur Symptome lindern.
Gibt es auch durch Zecken übertragbare Krankheiten, gegen die man sich nicht impfen lassen kann?
Ja, es gibt mehrere andere Erkrankungen, die von Zecken übertragen werden können und gegen die man sich bisher leider nicht impfen lassen kann. Die häufigste davon ist die Borreliose, die in den ersten Tagen nach dem Stich die sogenannte Wanderröte an der Haut hervorrufen kann. Um die Stichstelle oder auch an einer anderen, unbeteiligten Körperstelle tritt plötzlich eine rote kreisrunde Stelle auf, meist mit einer etwas helleren Mitte, die sich ausbreitet oder auch wandert. Daneben gibt es bei uns noch eine andere, aber sehr viel seltenere Krankheit, die sogenannte Ehrlichiose, die durch einen Zeckenstich übertragen werden kann, jedoch hauptsächlich bei Waldarbeitern oder Förstern auftritt, die viel mit Wildtieren zu tun haben.
Wie kann man eine durch einen Zeckenbiss übertragene Borreliose/Wanderröte behandeln?
Da die Borreliose durch Bakterien, eben Borrelien, verursacht wird, kann man sie in dieser frühen Phase der Wanderröte relativ gut mit Antibiotika behandeln. Übersieht man diesen Zeitpunkt, kann die Borreliose später unterschiedlichste Symptome wie Rückenschmerzen, Lähmungen, Bewusstseinstrübungen oder auch Herzentzündungen verursachen. Gelenkschwellungen- oder schmerzen, vor allem an den Knien können Monate bis Jahre nach einer Borrelieninfektion auftreten. In den späteren Stadien ist die Antibiotikatherapie deutlich weniger bis gar nicht wirksam.
Kann die tropische Riesenzecke auch Krankheiten übertragen?
Die tropische Riesenzecke, eine neu eingeschleppte Zeckenart, kann im Prinzip das sogenannte Krim-Kongo-Virus übertragen, was aber in der Schweiz bisher noch nie vorgekommen ist. Dagegen gibt es auch keine Impfung.
Corinne Sutter weiss nach der santé24-Beratung, dass ihre Tochter zwar durch die FSME- Impfung optimal gegen die Frühsommermeningoenzephalitis geschützt ist, sich aber weiterhin gegen Zecken schützen sollte. Corinne Sutter selber braucht eine FSME-Auffrischimpfung, da ihre letzte mehr als zehn Jahre zurückliegt, wie sie durch die Kontrolle ihres eigenen Impfbüchleins erfährt. Insgesamt ist sie froh, dass ihr jetzt klar geworden ist, dass es gar keine generelle Impfung gegen Zecken gibt, wie sie das vor der Beratung eigentlich geglaubt hat und dass sie nun auch die Symptome der Wanderröte und deren Therapie kennt.
Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Chefärztin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.