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Wer kennt nicht die berühmte Radtour Quiristan-Koramant-Grawa? Alle drei Jahre säumen Tausende die Strassen und feuern ihre Helden an. Daneben stehen Buden mit Trdelnik (eine Art Baumkuchen), Bierschanken, Fähnchen- und Souvenirverkäufer preisen ihre Ware an, Hellseher und Kartenleser verheissen Glück, Loqwurzbäcker (Loqwurz ist eine tradi- tionelle Süßigkeit aus dieser Gegend, die an grosse Berliner erinnert) verlocken mit ihrem Gebäck und natürlich stehen die Schirmmüt- zenanbieter im Mittelpunkt, die an den Renntagen gute Geschäfte tätigen, da fast alle Männer die Vorbeifahrt der führenden Radfahrer mit einem Mützenwurf feiern. Wie lange es dieses Rennen gibt? Niemand weiss es genau, aber man liegt nicht ganz falsch, wenn man es mit dem Zeitpunkt der Erfindung des Fahrrads gleichsetzt. Wer waren die Entdecker des Fahrrads eigentlich?
Das erste zweirädrige Transportmittel wurde im Jahre 1817 von Karl Freiherr von Drais aus Karlsruhe erfuden als Alternative zum Reitpferd. Es wurde Draisine oder Laufrad genannt. Es war aus Holz gebaut bis auf die Eisenbefestigungen, die Eisenreifen an den Rädern und den Ledersattel. Um damit zu fahren, musste man sich mit den Füßen vom Boden abstoßen. Es war nicht optimal, aber ein grosser Fortschritt vor allem, wenn man bedenkt, dass es in diesen Jahren wegen des Ausbruchs des Vulkans Tambora im April 1815 Missernten gab, sodass viele Pferde mangels Futter geschlachtet werden mussten.
Eine wichtige Innovation brachte 1861 der Franzose Pierre Michaux. Er gilt als Erfinder des Pedalantriebes, in dem er an der Achse eines vergrößerten Vorderrades einer Draisine einen Kurbelantrieb mit Pedalen montierte. Er nannte sein Fahrzeug "vélocipède" (Schnellfuss) und er begann in der Fabrik Michaux & Lallement in Paris mit großem Erfolg die Massenproduktion der Vélocipèdes.
Die Michaudine hatte einen bedeutenden Nachteil: Die Effizienz des Tretens eines festen Getriebes war sehr klein und konnte nur durch massives Vergrößern des Vorder- rades erhöht werden. Das Hochrad ist um 1870 entstanden, mit Speichenrädern nun ganz aus Metall und schmalen Vollgummireifen anstelle von Stahlfelgen. Jedoch hatte das Hochrad neue gravierende Nachteile, nämlich die Instabilität des hohen Schwerpunkts und die Gefahr eines möglichen Sturzes aus grosser Höhe. Trotzdem wurden zwischen 1870 und 1892 etwa 200'000 Hochräder hergestellt.
Aber es war klar, dass das Hochrad eine Sackgasse darstellte, und es nur eine Frage der Zeit war, bis ein "safety bicycle" entwickelt wurde. Im Jahr 1885 brachte der Engländer J. K. Starley das erste kommerziell erfolgreiche Sicherheitsfahrrad auf den Markt, das er Rover II nannte. Er löste die Pro- bleme des Hochrades, indem er wieder zwei gleich grosse kleinere Räder (wie bei der Draisine) einführte und eine Tretkurbel zwischen Vorder- und Hinterrad anbrachte, die mit einem ins Schnelle übersetzenden Kettenantrieb mit dem Hinterrad ver- bunden war. Später wurde das Sitzrohr hinzugefügt, wodurch der doppelte Dreiecks-Diamantrahmen des modernen Fahrrads entstand. Starley benannte später sein gesamtes Unternehmen in Rover um, das sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem bekannten Hersteller von Rover-Autos entwickelte.
Im Jahre 1888 stellte der Schotte J. B. Dunlop den ersten praktischen Luftreifen vor, der bald universell wurde. In der Folge kamen weitere Ele- mente, wie eine Lampe, Schutzbleche, eine Klingel, ein Gepäckträger hinzu, was zu Beginn des 20. Jahr- hunderts zur Standardausrüstung von Fahrrädern gehörte. Der hintere Freilauf wurde entwickelt, der es dem Fahrer ermöglichte, im Leerlauf zu fahren. Diese Verfeinerung führte zur Erfindung der Rück- trittbremse in den 1890er Jahren.
1896 patentierte Sir Frank Bowden eine effizi- entere Art der Kabelbremsung, die im Laufe der Zeit die vorhandenen Druckbremsen am Reifen ersetzte.
Der Rover hatte fast alle Merkmale des heutigen Fahrrads und gerade mit ihm begann im 20. Jahrhundert ein beispiel- loser Siegeszug dieses Transportmittels.
Mit all den lustigen Irrungen, die diesen Weg begleiteten und schließlich zu den Velos von heute führten.