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Millionen Tiere werden geschlachtet, aber nicht gegessen. Was tun dagegen?
Nur ein paar Daten, die für einen Schwindel sorgen, den sonst nur ein hastig hinuntergestürztes Glas Schnaps bewirkt:
— Von jedem Tier, das für den Verzehr geschlachtet wird, landet als Fleisch- oder Wurstprodukt nur knapp mehr als die Hälfte bei uns Karnivoren. Etwas weniger als die Hälfte wird exportiert, an Haustiere verfüttert, findet in der Chemie- und Düngemittelindustrie Verwendung oder wird als «Biokraftstoff» dafür verwendet, grüne Automobile anzutreiben.
— Als «tierische Nebenprodukte» gelten dabei 42 Prozent des Schlachtgewichts: Borsten, Fett, Knochen, Magen- und Darminhalte, aber auch Innereien. Die Industrie bedient sich dieser «Nebenprodukte» als Basis für so unterschiedliche Erzeugnisse wie Seifen, Waschmittel, Kosmetika, Arzneimittel, Druckertinte, Gummi oder organischen Dünger.
— Zu Fleischknochenmehl verarbeitete Schlachtabfälle werden als «klimaneutrale» Alternative zu fossilem Heizöl und Treibstoff verwendet.
— Der Anteil der Innereien, die in die Resteverwertung eingeschleust werden, steigt ständig. Während noch in den Achtzigerjahren mehr als 1,4 Kilo Innereien pro Person verzehrt wurden, sind es heute nur noch 150 Gramm. Innereien galten als Arme-Leute-Essen. Seit die Quartiermetzger durch die Fleischtheke der Supermärkte ersetzt werden, ist das billige Fleisch nur noch schwierig zu bekommen.
— Obwohl der Fleischkonsum insgesamt sinkt, müssen daher mehr Tiere gezüchtet und geschlachtet werden, damit wir – statt mit Innereien oder minderen Fleischteilen – mit den sogenannten Edelteilen, die etwa 30 bis 40 Prozent des Schlachtgewichts ausmachen, versorgt werden können.
— Von den Fleischprodukten, die beim Konsumenten ankommen, werden 6 Prozent weggeworfen. Hochgerechnet vom Durchschnittsfleischkonsum von 82 Kilogramm/Jahr ergeben diese 6 Prozent ein Gewicht von 4,9 Kilo – pro Person. Gemäss der Studie «Fleischkonsum: Abfall und Verschwendung», welche die (den Grünen nahestehende) Heinrich-Böll- Stiftung publiziert hat, ergibt das für die Bundesrepublik Deutschland die unfassbare Menge von 45 Millionen Hühnern, 4,1 Millionen Schweinen und 230 000 Rindern, die dem Schicksal der Mästung und Tötung hätten entkommen können, ohne dass ein einziger Bewohner Deutschlands auf seinen Burger oder Braten hätte verzichten müssen.
Die Lektüre dieser Studie ist höchst empfehlenswert. Nicht dass es etwas Neues wäre, dass die industrielle Züchtung, Mästung und Tötung von Tieren ihre Schattenseiten hat. Was aber schwindlig macht, ist die Dimension des Zynismus und der moralischen Verwerflichkeit, wovon dieser Industriesektor begleitet wird. Man muss nicht darüber sprechen, dass einem angesichts dieser Fakten der Appetit vergeht. Man muss darüber nachdenken, wie man diese Art von Umgang mit Tieren bekämpft.
Die moralische Ächtung der Massentierzucht ist längst nicht da, wo sie hingehört. Die Branche operiert im Dunklen, obwohl viele engagierte, empörte Kolleginnen und Kollegen sie auszuleuchten versuchten und versuchen. Viele Kunden kaufen ihr Fleisch im Bewusstsein, dass die Produktion unter fragwürdigen Bedingungen erfolgt, lassen sich aber von den niedrigen Preisen den kritischen Verstand abkaufen. Leider wahr: Ein paar Fernsehfilme und Zeitungsartikel tun den Produzenten angeführter Missstände nicht weh. Sie werden erst agieren, wenn ihre Produkte sukzessive boykottiert werden.
Soll heissen: Fleisch dort kaufen, wo man weiss, dass die Schlachttiere ein würdiges Leben hatten. Weniger Fleisch essen. Viel weniger Fleisch essen. Dem Tier, das für unseren Genuss gestorben ist, den Respekt erweisen, es ganz aufzuessen.