Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03589.jsonl.gz/1157

Argentinien wurde am vergangenen Sonntag nach einer hoch spannenden Partie gegen Frankreich (4:2 n. P.) nach 1978 und 1986 zum dritten Mal Fussball-Weltmeister. Im Penaltyschiessen wurde vor allem ein Mann zum Helden einer ganzen Nation: Emiliano Martinez.
Der Goalie von Aston Villa sorgte kurz vor Ende der Verlängerung mit einem sensationellen Reflex gegen Randal Kolo Muani überhaupt erst dafür, dass die Partie ins Elfmeterschiessen ging. Ansonsten wäre alles womöglich ganz anders gekommen.
Denn die Parade gegen den französischen Stürmer war erst der siebte Schuss, den Martinez im Verlauf des Turniers abwehrte. Seine Quote von lediglich knapp 47 Prozent abgewehrter Schüsse ist für einen Torhüter des Turniers eher tief. Doch in den entscheidenden Momenten war er für sein Team da.
Vor allem wegen seiner Paraden im Penaltyschiessen im Viertelfinal gegen die Niederlande und im Final gegen Frankreich wird er mit dem Goldenen Handschuh ausgezeichnet worden sein.
Martinez zeigte bereits letztes Jahr an der Copa América beim Shootout gegen Kolumbien, dass er mit allen Wassern gewaschen ist. Mit dem im Fussball nicht unüblichen «Trash-Talk» brachte er die kolumbianischen Schützen aus dem Konzept. Er parierte drei Penaltys und sorgte so für den Final-Einzug seines Teams.
Auch bei der WM zeigte Martinez gleich, dass er ein absoluter Penaltykiller ist. Im Viertelfinal gegen die Niederlande hielt er sowohl den Penalty von Virgil van Dijk als auch den von Steven Berghuis.
Im Final gegen die Franzosen trieb Martinez seine Psychospielchen dann auf die Spitze, wie Fussballpsychologe Geir Jordet zeigt. So sagt dieser, dass Martinez bereits zu Beginn versucht habe, in die Psyche der Gegenspieler einzudringen. Dem gegnerischen Goalie Hugo Lloris und dem ersten Schützen Kylian Mbappé reichte er die Hand. Dies verleite das Gegenüber dazu, unvorsichtig zu werden, und mache es anfälliger für spätere Angriffe. «Das ist Teil seiner Strategie», schreibt Jordet.
Argentina is world champion after a penalty shootout master class. At the core of their performance is goalkeeper Emi Martinez' mind games.— Geir Jordet (@GeirJordet) December 19, 2022
Martinez dominated the French penalty takers, forcing two misses.
Here’s a step-by-step description of his tricks in the final. Thread. 1/ pic.twitter.com/iujg2Sk1U0
Gegen Mbappé hatte Martinez damit jedoch auch bei dessen insgesamt dritten Penalty keinen Erfolg. Der Flügelstürmer von Paris-Saint-Germain verwandelte alle seine Elfmeter sicher.
Beim zweiten und dritten französischen Schützen zeigten Martinez' Methoden dann aber ihre Wirkung. Bei Kingsley Coman pochte der Goalie darauf, dass der Schiedsrichter die Position des Balls noch einmal kontrolliert, obwohl diese korrekt war. Der Franzose liess sich vom 1,95 Meter grossen Keeper aus der Ruhe bringen und scheiterte an ihm. Der Jubel beim Keeper, der sonst in der Premier League spielt, war für einen Goalie untypisch gross. Auch das sei eine seiner Taktiken, meint Jordet. So würden Untersuchungen zeigen, dass intensive Jubelgesten die Mitspieler positiv und Gegenspieler negativ beeinflussen würden, weil sie Überlegenheit und Dominanz ausstrahlten.
With Coman, Martinez is pushing a little bit harder, forcing the referee to politely intervene.— Geir Jordet (@GeirJordet) December 19, 2022
Again, he gets the referee to check ball placement, and elicits a compliant response.
Now, Martinez knows he commands the penalty area & he can fully get to work. 5/ pic.twitter.com/HNMECNeiXk
Vor dem Penalty von Aurélien Tchouaméni ging Martinez dann noch einen Schritt weiter. Der Goalie nahm sich den Ball und nahm sich lange Zeit. Dann warf er den Ball weg, was eigentlich eine Gelbe Karte hätte nach sich ziehen müssen. Der junge Mittelfeldspieler von Real Madrid musste den Ball dann erst holen und setzte seinen Schuss aus elf Metern dann neben das Tor. So war Argentinien nun deutlich im Vorteil.
Vor dem vierten und letzten Schützen der Franzosen, Kolo Muani, hatte auch der Unparteiische genug von Martinez' ständigen Provokationen und verwarnte ihn. Der Spieler von Eintracht Frankfurt verwandelte daraufhin seinen Penalty auch souverän. Doch weil Gonzalo Montiel ebenfalls die Ruhe bewahrte, war es für die Franzosen bereits zu spät.
Die Psychospielchen von Emiliano Martinez scheinen also definitiv Wirkung zu tragen. Somit ist davon auszugehen, dass er auch bei zukünftigen Duellen vom Punkt wieder zu seiner Taktik greifen wird.
Auch am 29. Spieltag blieb Bayer Leverkusen ungeschlagen. Gegen Werder Bremen feierte die «Werkself» einen 5:0-Sieg und holte sich den Meistertitel. Dabei war von Nervosität nichts zu spüren, Leverkusen war vollkommen ruhig und spielte wieder einmal eine dominante Partie.