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Freiwilligen ist es wichtig, dass sich ihre eigene Motivation mit den Werten deckt, die in der Organisation definiert und realisiert werden. Die SGG finanzierte die Studie von Stefan Güntert zum Thema «Wertekongruenz als Erfolgsfaktor für nachhaltige Freiwilligkeit? eine Analyse der Bedeutungsfacetten und Wirkmechanismen». Der Autor doziert im Institut für Nonprofit- und Public Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz.
Freiwillige wollen durch ihr unbezahltes Engagement ihre Wertvorstellungen zum Ausdruck bringen. Sie empfinden ihr Engagement dann als zufriedenstellend und nachhaltig, wenn sich ihre Motive mit den Werten decken, die die Organisation nach innen und aussen definiert und realisiert. Freiwillige fordern den «person-environment fit». Das Forschungsprojekt von Stefan Güntert widmete sich der Kongruenz bzw. Diskrepanz zwischen den Wertvorstellungen der Freiwilligen auf der einen und den Werten der Organisation auf der anderen Seite. Er untersuchte die Wertekongruenz bei fast 600 Freiwilligen von Kolping Schweiz, von der Dargebotenen Hand, vom Diakoniewerk Neumünster und von der Pfadibewegung Schweiz. Mit einer breiten Befragung wurde der Einfluss der Wertekongruenz auf die Zufriedenheit, die Verbundenheit und die Fortsetzungsintention Freiwilliger untersucht.
Arbeitstätigkeiten, die direkten Kontakt zu den Personen erlauben, denen die Arbeit zugutekommen soll, erfüllen dieses Merkmal guter Arbeit in der Regel leichter als Tätigkeiten, bei denen die eigene Leistung eher indirekt zum Wohle anderen Menschen beiträgt. In diesen Fällen kommt der Wertekongruenz zwischen Freiwilligen und der Organisation besondere Bedeutung zu. Erkennen Freiwillige, dass ihre Wertvorstellungen von der Organisation, für die sie tätig sind, geteilt werden, kann sich diese Wertekongruenz positiv in der erlebten Bedeutsamkeit der eigenen Tätigkeit spiegeln. Untersucht wurden nicht x-beliebige Werte, sondern die Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und Beziehung. Diese drei Grundbedürfnisse können in verschiedenen Lebenskontexten entweder befriedigt oder frustriert werden.
Die Resultate der vier Organisationen fallen unterschiedlich aus, was stark damit zusammenhängt, dass die meisten Freiwilligen bei Kolping, Dargebotene Hand und Diakoniewerk im Rentenalter sind, während die Pfadfinder*innen ein Durchschnittsalter von 25 Jahren aufweisen. Die eigenen Motivationen und die Werte der Organisationen decken sich bei 65% der Befragten voll und ganz, bei weiteren 20% zumindest weitgehend. Manche Werte sind bei den Freiwilligen aller vier Organisationen identisch: Stabilität, Effizienz, Bescheidenheit, Solidarität mit Schwächeren, Mitbestimmung, Offenheit für Veränderungen sowie Zusammenhalt untereinander. Spezifische Werte kommen in den einzelnen Organisationen hinzu: bei Kolping die Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt, bei der Dargebotenen Hand Empathie und Mitgefühl. Die meisten Werte werden von den Organisationen und den Freiwilligen gleich hoch eingestuft. Erst wenn man die unterschiedlichen Perspektiven aus der Nähe betrachtet, zeigen sich kleine Unterschiede. So gewichten die Organisationen Dargebotene Hand und Diakonie Neumünster den Werte Image mit 4,5 von 5 Punkten, während die Freiwilligen diesem Wert lediglich 4 Punkte beimessen. Bei den Pfadfindern gewichtet die Organisation sämtliche Werte höher als die Freiwilligen, mit Ausnahme vom Image, das den Freiwilligen wichtiger erscheint als der Organisation. Auch bei den Werten bezüglich Lebens-Standard decken sich die Perspektiven der Organisationen und der Freiwilligen weitegehend. Menschliche Beziehungen und die Hilfe an Bedürftigen werden bei allen Organisationen und Freiwilligen sehr hoch eingestuft, während Reichtum und finanzieller Erfolg bei allen weniger wichtig sind.
Bezüglich Übereinstimmung der eigenen Motivation und den Organisationszielen zeigt die Studie neben vielen Übereinstimmungen auch einige signifikante Unterschiede zwischen den Organisationen auf. Kolping-Mitglieder, die erleben, dass es der Organisation wichtiger als ihnen selbst ist, sich im Glauben weiterzuentwickeln und für eine bessere Gesellschaft zu arbeiten, erfahren in deutlich geringerem Masse Wertekongruenz. Und wenn Pfadfinder wahrnehmen, dass es für die Organisation wichtiger als für sie selbst ist, für eine bessere Welt zu arbeiten, geht dies mit geringerer Wertekongruenz einher. Insgesamt zeigt das Forschungsprojekt auf, dass die diskrepante Beurteilung, was die Bedeutsamkeit von Werten betrifft, nicht durchgängig mit einem geringeren Ausmass an erlebter Wertekongruenz einherzugehen braucht. Lediglich bei Wertvorstellungen wie Autonomie und Offenheit ist den Freiwilligen eine hohe Wertekongruenz wichtig. Lebensziele und Werte zwischen Freiwilligen und Organisationen müssen sich nicht zwingend decken. Aber der Wunsch, in der Freiwilligenarbeit als Individuen wahrgenommen zu werden, gemeinsam etwas Besonderes zu erleben und Dinge verändern zu können, muss in Organisationen bestehen, wenn eine langfristige und nachhaltige Freiwilligenarbeit erreicht werden soll.