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Bewegung in Österreich
[* 9] von vornherein klar und deutlich die Wege vorgezeichnet waren, so auch der Bronzewarenindustrie: sie
hatte sich an die Formen der italienischen Früh- und deutschen Renaissance des 16. Jahrh. zu halten. Auch hier suchten zunächst
das Kaiserhaus, Staat und Stadt durch reichliche und umfangreiche Bestellungen dem jungen Handwerk unter
die Arme zu greifen. An ihnen hat sich eine große Anzahl Künstler und Handwerker gebildet. Die Wiener Bronzewarenindustrie
erzeugt im wesentlichen kleinere Gebrauchsgeräte aller Art, vorwiegend Schreibgarnituren, Leuchter, Kassetten etc. Ein Haupterzeugnis
der WienerIndustrie sind Kronleuchter, deren vortreffliche Konstruktion, Gestaltung, verständige Ornamentation, überhaupt
richtige Durchbildung schnell allgemeine Anerkennung und weiteste Verbreitung gefunden und sich gesichert
haben.
Der mit dem Österreichischen Museum verbundenen chemisch-technischen Versuchsanstalt ist es gelungen, eine Anzahl Verfahren
zu erfinden, welche die alten kostspieligen Prozesse der farbigen Metalldekoration auf ungleich billigerm Weg herzustellen
ermöglichen. Namentlich Arbeiten mit nachgeahmten Tauschierungen bilden heute einen Hauptexportartikel der WienerIndustrie.
Gleiche Sorgfalt wandte man dem Email, namentlich dem gemalten und sogen. Venezianer, zu; ferner ward das kalte Email, welches
sich besonders für die unechten Schmucksachen
[* 10] eignet, aber auch für zahlreiche andre Gegenstände seiner Billigkeit und
einfachen Herstellung wegen brauchbar ist, wieder in ausgedehnter Weise zur Anwendung gebracht. Die bedeutendsten Fabriken
sind in Wien
[* 11] Dziedzinski u. Hanusch, Hollenbach, Klein u. Kellermann.
Deutschland
[* 12] begann erst spät mit einigen schwachen Versuchen in der Bronzewarenindustrie, welche kaum über die Grenze ihres
Entstehungsorts hinaus bekannt wurden. Das deutsche Publikum nahm mit den seiner Zeit enthusiastisch begrüßten Eisengußwaren
der Harzer und andrer Hütten
[* 13] vorlieb, begnügte sich dann mit angeblich bronzierten Zinkgüssen und stand
den Bronzewaren anfangs ziemlich fremd gegenüber. Ein eigentliches Verständnis für den Wert der Bronzewaren hat sich eben
erst in den obern KlassenBahn gebrochen, was in dem für die frühern deutschen Verhältnisse und gegen die Zinkgüsse relativ
hohen Preis echter Bronzewaren seine Ursache hat.
Fördernd für die Hebung
[* 14] der deutschen Bronzewarenindustrie wirkt dagegen der Umstand, daß die Kleingeräte etc.
der französischen Fabrikanten durchaus nicht dem deutschen Geschmack entsprechen. Vollends ablehnend verhielt man sich gegen
die französischen Bronzen, als sich in Deutschland durch die Anknüpfung und Wiederaufnahme der Formen der deutschen Renaissance
ein eigner Stil zu entwickeln begann. Die Leistungen auf diesem Gebiet in Deutschland sind um so mehr anzuerkennen,
als es sich hier um eine ganz neue Industrie handelt, die, aller Tradition bar, unter äußerst schwierigen Verhältnissen
eine Stellung hat erkämpfen müssen.
Die Bronzewarenindustrie hat die Wandlungen der gesamten kunstgewerblichen Entwickelung durchgemacht. Anfangs
fast ausschließlich der Renaissance zugeneigt, hat sie jetzt auch die Formen des Barock- und Rokokostils adoptiert. Während
die Pariser Bronzewaren, namentlich die Modewaren, in Form und raffinierter Durchbildung sich ebensowohl in Silber herstellen
lassen, hat man sich in Deutschland wesentlich auf die breiten Formen der alten Bronzen beschränkt.
Mit der Würdigung gerade der alten deutschen, speziell Nürnberger, Bronzen und ihrer Benutzung wurde
zugleich dem zu engen Anschließen an
die italienischen Arbeiten vorgebeugt. So hat im Gegensatz zur französischen Bronzewarenindustrie
die deutsche den umgekehrten Gang
[* 15] der Entwickelung genommen. Nur fehlt ihr noch zu reicherer Ausbildung die Förderung der Staatsregierungen,
um mit Frankreich erfolgreicher wetteifern zu können. Die Bronzewarenfabriken verteilen sich ziemlich
ungleichmäßig in Deutschland.
Der bedeutendste Betrieb findet in Berlin statt; namentlich werden hier Beleuchtungskörper und kleines Gebrauchsgerät gefertigt.
Hervorragende Fabriken sind: Aktiengesellschaft für Bronzewarenindustrie, vormals Spinn u. Sohn;
Dagegen ist München
[* 17] auf diesem Gebiet zurückgeblieben, obgleich von einzelnen
Künstlern (nicht Fabrikanten) Hervorragendes geleistet wird. Sehr bedeutend ist die Fabrik von A. Stotz
in Stuttgart, deren Arbeiten zu den hervorragendsten in Deutschland zählen (s. Tafel,
[* 8]
Fig. 3, 9, 11). Die Fabrik liefert bereits
Luxuswaren, wie Uhren,
[* 18] Ofenschirme u. a., in vorzüglicher Durchbildung, zum Teil mit Verwendung andrer
Materialien. Das in Deutschland verarbeitete Material ist eine durch reichlichen Zinn- und Zinkgehalt ausgezeichnete
weiche, daher billiger zu bearbeitende Bronze, welche dem Messing nahesteht, bekannt unter der Bezeichnung cuivre poli.
Neben der Gußware hat sich neuerlich die Herstellung gestanzter Arbeiten ziemlich ausgedehnt, indem verzierte Gebrauchsgeräte,
als Theekessel, Kaffeemaschinen etc., auch Ziergeräte, wie Schüsseln, in großen Mengen und reichen Mustern
produziert werden, hauptsächlich in Berlin durch Th. Guiremand. Während sich die Nachfrage nach Bronzewaren in Deutschland
selbst langsam steigert, hat sich die Industrie bereits ein nicht unbedeutendes Exportgebiet erobert, namentlich Amerika
[* 19] und
Rußland.
Gegenüber den großen Anstrengungen, überhaupt erst festen Fuß zu fassen, sind natürlich auf Neuerungen
in Bezug auf Färbung, Schmuck etc. der Bronzewaren ausgehende Versuche nur wenig angestellt worden. Der verstorbene GeheimeKommerzienrat Ravené in Berlin ließ aus Japan
[* 20] zwei Emailarbeiter kommen, welche die Lehrmeister der neu zu schulenden Arbeiter
wurden. Man beschränkte sich auf die Herstellung von Grubenschmelz (émail champlevé) auf Bronze; die Exzipienten
(Bronzeteile zur Aufnahme desSchmelzes) werden gegossen und dadurch eine relativ billige Ware erzielt. In England hat sich der
allgemeine Umschwung auf dem kunstgewerblichen Gebiet auch auf die Bronzewaren erstreckt, ohne daß dadurch eine wesentliche
Steigerung der Produktion und Nachfrage eingetreten wäre.
Man zieht es hier vor, alte Arbeiten in Gebrauch zu nehmen, namentlich französische Bronzen im StileLudwigs
XVI. Italien
[* 21] zeichnet sich vor allem durch die massenhafte Reproduktion antiker Bronzen, sowohl Figuren als Geräte, aus. Dabei
kommt es mehr darauf an, den Charakter des »Alten« zu erzielen, als die Stücke künstlerisch durchzubilden; es werden die
meist ganz roh gegossenen Bronzewaren künstlich patiniert oder sogar gefärbt, so daß von Feinheiten
der Form wenig zu sehen ist. In den letzten Jahren wendet man sich auch eifrig der Reproduktion guter Renaissancebronzen zu,
nicht immer in der Absicht, sie wirklich als Nachbildungen an den Mann zu bringen; namentlich blüht diese
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Industrie in Venedig,
[* 23] während Neapel
[* 24] und Rom
[* 25] moderne Antiken liefern. Durch die Stockungen der Pariser Bronzewarenindustrie während
des Kriegs 1870/71 nahmen die belgischen Fabriken einen nicht unbedeutenden Aufschwung. Die neugegründete Compagnie des bronzes
in Brüssel
[* 26] blühte schnell empor und wußte Paris
[* 27] erfolgreich Konkurrenz zu machen. Durch zu starke Anwendung maschineller
Hilfsmittel, namentlich der Stanze, und die dadurch bedingte Verschlechterung der Arbeiten ist jedoch die belgische Industrie
schnell wieder herabgekommen.
Dagegen blüht der Guß der einfachen Messingwaren (dinanderies), welche vielfach in geeigneter Herrichtung als alte Arbeiten
verkauft werden. In Rußland befindet sich die Bronzewarenfabrikation fast durchweg in den Händen von Franzosen;
nur einige russische Häuser konkurrieren durch Arbeiten in russischem Stil, reich mit Email geschmückte Luxus- oder Kultusgeräte,
aber auch durch figürliche Arbeiten (kleine Genrefiguren und -Gruppen), erfolgreich mit erstern. Glänzende Leistungen hat
dagegen Nordamerika
[* 28] in Bronzewaren aufzuweisen. Die Werkstatt von Tiffany in New York übertrifft in Nachahmung japanischer
Bronzen selbst die Franzosen.
Vgl. »Rapports du jury internat. de l'exposition universelle de 1878«; Servant,
Les bronzes d'art, etc. (Par. 1880).
fein gepulverte Metalle und Metalllegierungen, werden aus Blattmetall dargestellt, indem man dasselbe
mit einer Kratzbürste durch ein Eisendrahtsieb reibt und in einer Reibmaschine unter Zusatz von Öl weiter
behandelt. Man benutzte zu Bronzefarben ursprünglich nur die Schawine oder den Schabig, den Abfall von der Bereitung des Blattmetalles;
bei dem gesteigerten Bedarf reicht dies Material aber nicht mehr aus, und man schlägt jetzt Metalle lediglich zum Zweck der
Darstellung von Bronzefarben, zum Teil auch mit Hilfe von Maschinen.
Die verschiedenen Nüancen der Bronzefarben entstehen durch Erhitzen des Pulvers, wobei sich die bekannten Anlauffarben bilden. Das Metall
der Bronzefarben besteht für helle Nüancen aus 83 Kupfer
[* 30] und 17 Zink, für rote aus 94-90 Kupfer und 6-10 Zink. Man erzielt auf die angegebene
Weise alle Farben bis auf Hellblau. Um diese Lücke auszufüllen, färbt man weiße Zinnbronze mit Anilinblau
oder behandelt eine Bronzefarbe aus einer Legierung von 100 Teilen Zinn, 3 Teilen arsenfreiem Antimon und 0,166 Teilen Kupfer
mit Schwefelwasserstoff, bis sie gelb geworden ist, wäscht gut aus und erhitzt sie ungefettet im Ölbad, bis sie
blau geworden ist.
Dorf im preuß. Regierungsbezirk Kassel,
[* 35] südlich bei Fulda,
[* 36] mit 240 Einw., bekannt geworden durch die sogen.
Schlacht von Bronzell. Als 1850 bei dem kurhessischen Verfassungsstreit bayrische Exekutionstruppen in Hessen
[* 37] einrückten, schien
Preußen
[* 38] diesen bewaffneten Widerstand entgegensetzen zu wollen und ließ Truppen unter GeneralGröben einrücken,
welche Kassel besetzten und sich Fulda näherten. Die gegenseitigen Vortruppen stießen 8. Nov. bei Bronzell aufeinander und wechselten
einige Schüsse, wobei ein Trompeterpferd (der vielgenannte »Schimmel
[* 39] von Bronzell«) als einziges Opfer gefallen sein soll.
(franz. bronzer), Gegenständen aus Metall, Holz,
[* 40] Gips
[* 41] etc. das Ansehen von Bronze oder
nichtmetallischen Gegenständen ein metallisches Ansehen geben, auch die blanke Oberfläche von Metallen mit einem dünnen,
farbigen, verschönernden Überzug versehen, der das Anlaufen und Rosten verhindern soll. Sehr allgemein verwendet man hierzu
die Bronzefarben (s. d.), welche man auf einen halb getrockneten,
nur noch wenig klebenden Ölanstrich streut und mit einem weichen Leinwandbausch einreibt oder direkt mit Leinölfirnis anmacht
und dann mit dem Pinsel gleich einer Farbe aufstreicht.
Zuletzt überzieht man sie leicht mit Goldfirnis. Neuen Bronzegußwaren gibt man einen matten bräunlichen
Ton durch anhaltendes Bürsten mit einer Lösung von 4 Teilen Salmiak und 1 Teil Sauerkleesalz in 210 Teilen Essig. Man bürstet,
bis die bearbeitete Stelle trocken ist, und wiederholt das Verfahren einigemal in einem recht warmenZimmer. Man kann die Bronzen
auch in einem Zimmer aufstellen, in welchem sich aus schwacher, in Schalen gegossener Schwefelleberlösung
Schwefelwasserstoff entwickelt; es bildet sich dann eine zarte braune Schicht aus Schwefelkupfer. Legt man Kupfer kurze Zeit
in sehr schwache Schwefelleberlösung und bürstet es nach dem Spülen, so wird es grauschwarz. Sehr gebräuchlich ist die
Erzeugung eines braunen, sanft
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glänzenden Überzugs von Kupferoxydul, welcher sich besser hält und schöner aussieht als die rote Metallfarbe. Man erhält
denselben durch Überziehen des ganz reinen, polierten Kupfers mit einem Brei aus Kolkothar und Wasser, Trocknen, Rotglühen
und Abwischen, oder man überstreicht das Kupfer mit einem Brei aus 1 Teil feinen Hornraspelspänen, 4 Teilen
Grünspan, 4 Teilen Kolkothar und etwas Essig, erhitzt über direktem Feuer bis zur Schwärzung, wäscht ab und trocknet.
Zum Bronzieren von Medaillen kocht man 2 Teile Grünspan und 1 Teil Salmiak mit Essig, bis sich kein Schaum mehr bildet, verdünnt mit
Wasser, bis die Lösung nur noch schwach metallisch schmeckt, gießt sie vom Bodensatz ab und schüttet
sie siedend auf die Medaillen, welche auf hölzernem Rost in einer Schale so gelagert sind, daß die Flüssigkeit sie überall
bespült. Man kocht sogleich weiter und achtet genau auf das Eintreten des gewünschten Farbentons. Dann bringt man die Medaillen
schnell in viel Wasser, spült sie sorgfältig ab, trocknet sie gut und bürstet sie mit einer weichen
Bürste.
Man stellt das Gefäß
[* 45] mit der siedenden Mischung in eine Polsterung von Haaren, um sie recht gleichmäßig
warm zu erhalten, und taucht dann die sorgsam gereinigten Metalle ein. Eisen wird stahlblau, Zink bronzefarben; auch Kupfer färbt
sich sehr schön, nur nicht goldgelb. Nimmt man zu der Lösung statt des Bleizuckers ein gleiches GewichtKupfervitriol, so wird
Messing schön rot, dann grün, zuletzt prachtvoll braun mit grünem und rotem Irisschimmer. Dieser
Überzug ist sehr haltbar.
Schwarz färbt man Zink, indem man 100 g
Antimonchlorid in 1 kg Weingeist löst, 50 g Salzsäure zusetzt, den Zink damit bestreicht, schnell trocknet, abermals bestreicht,
an einem warmen Ort möglichst schnell trocknet und mit Leinölfirnis abreibt. Ein sehr fest haftender schwarzer Überzug
entsteht auf Zink, wenn man diesen blank scheuert und einige Augenblicke in eine Lösung von 4 Teilen schwefelsaurem
Nickeloxydulammoniak in 40 Teilen Wasser und 1 Teil Schwefelsäure taucht, dann spült und trocknet.
Durch Behandeln mit der Kratzbürste wird der schwarz gefärbte Zink bronzefarben. Silber wird häufig dunkelgrau gefärbt (oxydiertes
Silber), indem man die polierten Stücke in eine sehr verdünnte, mit etwas Salmiakgeist vermischte Schwefelleberlösung
oder in sehr verdünntes Schwefelammonium legt, dann spült, trocknet und vorsichtig schleift. Gußeisen soll täuschend ähnlich
das Ansehen von Bronze erhalten, wenn man es, sorgfältig gereinigt, mit einem sehr zarten Überzug von Pflanzenöl versieht
und dann in einem Ofen so stark erhitzt, daß nicht gefettetes Gußeisen blau anläuft.
Über die Erzeugung der Antikbronze s. Patina. Bronzieren des Eisens, s. Brunieren. Holzgegenstände überstreicht
man dreimal mit einer starken Farbe aus Kreide
[* 47] und Leimwasser, schleift nach dem Trocknen mit Schachtelhalm oder Glaspapier, stäubt
ab, gibt einen Anstrich mit Leimwasser, nach dem Trocknen desselben einen zweiten mit stärkerm Leimwasser und trägt, solange
dieser noch naß ist, Bronzepulver mit einem Haarpinsel auf. Vorteilhaft färbt man den letzten Leimanstrich mit wenig Ocker,
Chromgelb oder Bleiweiß,
[* 48] welch letzteres einen schwachen Zusatz von Ruß erhalten muß; hervorragende Stellen kann man nach
dem Bronzieren mit einem Polierstahl bearbeiten.
Man streicht das Holz auch 2-3mal mit einer grünen, mit Leinölfirnis abgeriebenen Farbe, setzt einen
sehr dünnen Ölfirnis darüber und reibt mit der Fingerspitze eine geringe MengeMetallgold auf den hervorragendsten Erhöhungen
ein. Gips bestreicht man wiederholt mit Leinölfirnis und pudert dann die Bronzefarbe auf. Besser eignet sich ein Anstrich mit
Eisen- und Kupferseife, die mit Leinölfirnis und Wachs zusammengeschmolzen wurde. Die Masse wird aus den
erhitzten Gips aufgetragen, worauf man diesen nach einigen Tagen mit einem Leinwandläppchen abreibt und an den hervorragenden
Teilen mit etwas Musivgold versieht. Auch mit sogen. Eisenschwarz (fein verteiltem Antimon) kann man Gips bronzieren. Statt der Ölfarbe
benutzt man auf Holz, Steingut, Porzellan etc. vorteilhaft einen Anstrich mit Wasserglaslösung, muß aber
Porzellan und Steingut nach dem Aufpudern des Bronzepulvers schwach erwärmen.
2) Henry, engl. Dichter und Schriftsteller, geb. 1706 zu Rantavan
in der irischen GrafschaftCavan, war eine Zeitlang Schüler von Thom. Sheridan, studierte dann im TrinityCollege zu Dublin
[* 59] die
Rechte und ging 1723 nach London,
[* 60] um sich im Temple zur praktischen Laufbahn vorzubereiten. Seine Verheiratung
stürzte ihn in Sorgen und Entbehrungen, da seine juristische Praxis in Irland, wohin er zurückkehrte, wenig einbrachte. Brooke ging
daher wieder nach London, wo ein früher von ihm veröffentlichtes Jugendgedicht: »Universal beauty« (1735),
welche 1761 auf
die LondonerBühnen kam; während der irischen Rebellion
entstanden seine »Farmer's letters«
(1745),
Briefe an das irische Volk, für welche ihn der Graf von Chesterfield zum Barrackmaster ernannte. 1750 veröffentlichte
er eine Sammlung »Fairy tales«, 1762 eine geharnischte
Verteidigungsschrift für seine Landsleute: »The trial of the Roman catholics«. Sein gefeiertstes Werk aber war der Roman »The
fool of quality« (zuerst 1760, 5 Bde.; neue Ausg.
von Kingsley, Lond. 1859, 2 Bde.).
Trotz allen Fleißes (Brooke hatte außerdem noch 15 dramatische Stücke aller Art, ein religiöses Gedicht:
»Redemption«, 1772, einen zweiten Roman: »Juliet Grenville«, 1774, u. a. verfaßt) ward der äußere Druckin Brookes Verhältnissen
am Abend seines Lebens täglich schwerer, und sein Geist erlag endlich dem Kampf. Er starb, dem Wahnsinn nahe, 1783 in seiner
Heimat. Brookes Schriften (Lond. 1778, 4 Bde.;
neuere Ausg. von Brookes Tochter Charlotte, 1792) atmen eine freie, tüchtige, durchaus patriotische Gesinnung, begleitet von
einem guten Talent der Darstellung.
Die Plymouthkirche ist bekannt als Bühne von WardBeechers Wirken, Talmages Tabernakel soll die größte protestantische Kirche
in Amerika sein, die Dreifaltigkeitskirche hat einen 84 m hohen gotischen Turm und
[* 71] die katholische Kathedrale
gemalte Fenster. Auch in seinen öffentlichen Gebäuden steht Brooklyn weit hinter New York zurück trotz seiner enormen CityHall
[* 72] mit ionischem Portikus, seiner Gerichtshalle mit korinthischer Säulenhalle und seiner zwei ungeheuern Gefängnisse, von denen
das eine einem mittelalterlichen Schloß gleicht.
Erwähnung verdienen noch das städtische Waisenhaus und das Marinehospital. Die Bevölkerung
[* 73] (1850: 96,850 Einw.) betrug
1880: 566,667 Seelen, einschließlich von 78,814 Iren und 55,339 Deutschen. Brooklyn ist eine der Wohnstädte von New York, ist aber
gleichzeitig eine wichtige Fabrik- und Handelsstadt. Seine 5201 gewerblichen Anstalten beschäftigten 1880: 47,587 Arbeiter.
Besonders wichtig sind seine Zuckersiedereien, Gießereien und Maschinenbauwerkstätten, Seilerbahnen,
Bleiweißfabriken, Brauereien, Kornmühlen und Tabaksfabriken, und in der That gibt es kaum einen Geschäftszweig, der nicht
vertreten wäre.
(spr. bruks),CharlesShirley, engl. Dichter und Romanschriftsteller, geb. 1815, studierte
Rechtswissenschaft, überließ sich dann aber, seiner Neigung folgend, der schönen Litteratur und Journalistik. Seine
ersten Erfolge errang er im Drama, besonders mit den Lustspielen: »Our new governess« und »Honours
and tricks« sowie mit dem Schauspiel »The Creole«, Stücke, die am Haymarket-, Lyceum- und Olympic-Theater zu London oft in Szene
gingen. Dann versuchte er sich im Roman und machte auch hier Glück durch gefällige Schreibweise und vor
allem durch vortreffliche Behandlung des Umgangstons.
Seine mehrfach aufgelegten Werke dieser Gattung sind: »AspenCourt« (1854; deutsch, Leipz. 1857);
»The Gordian knot« (1859);
»The silver chord« (1861; deutsch, Leipz. 1862);
»Sooner or later« (1868).
Brooks war längere Zeit Parlamentsberichterstatter des »Morning Chronicle«
und bereiste auch im Auftrag dieses Blattes Rußland, Syrien und Ägypten,
[* 74] um über die sozialen Zustände
der untern Volksklassen Bericht zu erstatten. Eine Frucht dieser Reisen ist auch das Buch »The Russians of the South« (1856).
Außerdem hat er für die »Illustrated LondonNews« und den »Punch« geschrieben und war seit 1870 Herausgeber des letztern; eine
Auswahl seiner darin abgedruckten Gedichte erschien unter dem Titel: »Wit and humour, from Punch« (neue Ausg. 1883). Brooks starb in
London. Noch sind von ihm ein Band
[* 75] »Amusing poetry« (neue Ausg. 1874)
und der nachgelassene Roman »The Naggletons and MissViolet and her offers« (1875) zu erwähnen.
HansAdolf, dän. geistlicher Dichter, geb. 1694 zu Randrup
im StiftRibe, wurde 1722 daselbst Pfarrer, bekleidete später mehrere andre Pfarrstellen, bis er 1741 zum
Bischof in Ribe ernannt wurde, wo er 1764 starb. Brorsons geistliche Gesänge erschienen 1739 unter dem Titel: »Troens rare Klenodie«,
eine neue Sammlung: »Svanesang«, 1764. Seit der Zeit sind sie oft aufgelegt
worden (beste Ausgabe von Arland, Kopenh. 1867). Brorson, der zweite unter den vier großen Kirchengesangdichtern
Dänemarks (Kingo, Brorson, Grundtvig und Ingemann), ist von der pietistischen Richtung seiner Zeit nicht wenig beeinflußt worden,
allein der Grundton seiner Lieder ist doch echt national. Das Weiche, Milde, Herzliche bildet ihren Grundton.
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