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Bild
Titel:
Das Land Appenzell der Innern- u. Aussern-Rooden
Thema: Land
Datum: --.--.1740
Masse: 20,7 x 36,7 cm
Standort: Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden
Urheber/-in: Walser, Gabriel
Beschreibung:
Kupferdruck, koloriert, Quermassstab ca. 1:120'000
Titelkartusche oben links: "Das Land Appenzell der Innern u. Aussern-Rooden, mit allem Fleis gezeichnet von Gabriel Walser, V.D.M."
Massstableiste und Legende unten rechts
Die Karte stammt aus Walsers Appenzeller Chronik aus dem Jahre 1740 und stellt die beiden Halbkantone Appenzells dar, wobei der südlich gelegene Alpstein am oberen, der Bodensee am unteren Kartenrand abgebildet wird (Karte gesüdet). Die Flüsse verlaufen daher buchstäblich auf der Karte abwärts, dazwischen sind Hügel und Waldgebiete nur schematisch mit einigen Tannen dargestellt. Die Gemeinden sind namentlich erwähnt, bis auf die Gemeinde Lutzenberg, die über keine Kirche verfügte, und die Gemeinde Stein, die erst 1749 kurz nach Fertigstellung der Karte als untere Rhode Hundwil zur Eigenständigkeit gelangte. Die Legende verweist auf sämtliche Kirchen und deklariert diese als entweder reformiert oder katholisch und erwähnt weiter Kapellen, Klöster und ehemalige Burgen. Das Appenzellerland als künftige Kurlandschaft kündigt sich mit dem Eintrag des Bades Schönenbühl in Wolfhalden und des Trogener Bades an der Goldach an. Letzteres wurde im 20. Jahrhundert grosszügig ausgebaut und - nach Unterbrüchen - bis zur Jahrtausendwende als "Trogener Strandbad" genutzt. Minuziös sind sämtliche Holzbrücken über fliessende Gewässer eingezeichnet, nicht aber die hin- bzw. weiterführenden Strassen. Ebenso finden sich sowohl für die Rebanpflanzungen im appenzellischen Vorderland entsprechende Symboleinträge als auch für Orte, "da vorzeiten Schlachten geschehen".
Interessant ist die Massstableiste, die im Gegensatz zu den trigonometrisch berechneten Dufourkarten der 1830er Jahre Marschzeiten als Distanzmessung angibt. Demnach belaufen sich die Masse des Kantons Appenzell Ausserrhoden in Ost-West-Richtung auf 10 ½ Stunden, jene in Nord-Süd-Richtung auf 6-7 Stunden. Hierbei weist Walser aber auf die besonders unwegsame Topographie des Alpsteins hin: "An einigen Orten ist das Land schmal, an andern breiter; sonderlich sind die Alpen von weitläufigem Bezirk, so dass wer sie durchwandern will, nicht nur ein, sondern mehrere Tage nötig hat".
Geschichte:
Die Herstellung von Gebirgskarten und die Anfänge des eigentlichen Alpinismus im 19. Jahrhundert sind eng miteinander verknüpft. Die Besteigung hoher Gipfel setzte reichlich Geld für Ausrüstung und genügend Zeit voraus, was in den Anfängen des "professionellen" Bergsteigens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur einer kleinen betuchten Schar vorbehalten war. Einzelne Quellen belegen allerdings schon viel frühere Begehungen wie beispielsweise jene auf den Fuji in Japan (663) oder den Aufstieg Petrarcas auf den Mont Ventoux im Jahre 1336, und auch Ötzi fand vor rund 5000 Jahren den Weg auf einen Gletscher im Hochgebirge. Das systematische Besteigen von Berggipfeln und das Abwandern von ganzen Bergzügen aus Selbstzweck und nicht für die Jagd setzte allerdings erst im 18. und dann vor allem im 19. Jahrhundert ein. Dies war die Domäne der meist bürgerlichen, städtischen Oberschicht. Dazu gehörten Lehrer, Staatsbeamte, Ingenieure, Ärzte und Geistliche. Letztere tauschten nicht selten gerne den streng geordneten klerikalen Alltag mit den Freiheiten der wilden Gebirgswelt und fanden so ihre Interessen in der botanischen und naturkundlichen Vielfalt der Berge. Meist verfügten sie auch über genügend Zeit.
Gabriel Walser, 1695-1776, Pfarrerssohn und später selbst ref. Pfarrer in Speicher und Berneck, stieg ebenfalls weniger aus spirituellen oder mystischen Gründen, um Gott näher zu kommen, ins Hochgebirge, sondern Neugierde und Forscherdrang trieben ihn dazu. Als begeisterter Kartenzeichner stieg er in die Berge, "um die Lage der Örter, und die Seen und den Lauf der Flüsse recht aufzuspüren". Zum Band Atlas novus Reipublicae Helvetiae, der 1769-1770 bei Orell Füssli herauskam, lieferte Gabriel Walser die meisten Kantonskarten. Heutige Kartographen bemängeln z.T. Walsers Innovationskraft in einigen Karten der Sammlung und kritisieren vor allem die ungenügende Darstellung von Eis und Gletscher.
Literatur:
Walser, Gabriel: Appenzeller Chronik. St. Gallen: Ruprecht Weniger, 1740, S. 128
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