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Kirchenbesuch in Willisau
von Gaia Ischi
Samstag, 9 Uhr. Ich betrete die katholische St. Peter und Paul Kirche in Willisau, Luzern, gemeinsam mit meiner Familie und weiteren 20-30 Personen. Es ist eine schöne Kirche; gross, schlicht in weiss gehalten mit schwarzen Betonungen hier und da, vergoldete Engel und weisse Heiligenstatuen schmücken die Wände.
Wir bekreuzigen uns mit geweihtem Wasser, welches im Eingang in einem massiven, fast schon brunnenartigen Becken bereitsteht. Wir sind hier, weil es das Jahresgedächtnis meiner Grosseltern ist. Gleichzeitig findet auch noch eine Beerdigung statt, die Trauerfamilie und -gemeinde sitzen in den vorderen Reihen, wir setzen uns etwas weiter hinten hin.
Der Gottesdienst beginnt. Der Priester, der Sakristan, ein Katechet und zwei Jungen, die ihm helfen (Ministranten), treten durch eine Türe seitlich des Altars in die Kirche ein. Der Priester trägt ein violettes liturgisches Gewand und die Ministranten das obligate weisse Gewand. Die Orgel und ein kleines Blasorchester spielen ein Lied, das ich nicht kenne, und wir erheben uns. Der Priester begrüsst uns kurz und erklärt, weshalb wir hier sind, er erwähnt die Namen der Verstorbenen, an welche wir heute denken und welche wir in unsere Gebete einschliessen werden. Ein Schaf auf der Weide nebenan blökt.
Nach dem Einzug (von Priester, Sakristan und Ministranten), der Begrüssung und einem Kyrie erzählt uns eine Enkelin der kürzlich Verstorbenen von ihren Erinnerungen an ihre Grossmutter, der Priester liest den vorbereiteten Text über die Verstorbene vor und bittet Gott, auf sie aufzupassen. Er spricht von wahrer Liebe, dass sie alles überdauere und rein sei von allem Bösen. Er spricht von der Unendlichkeit, unendlichem Leben und dem Paradies.
Danach sprechen wir ein Gebet und singen ein Lied, welches speziell für die Beerdigung ausgesucht wurde. Der Text dazu wurde vor langer Zeit von Bruder Klaus (Niklaus von der Flüe, 1417–1487) geschrieben, einem politisch einflussreichen Einsiedler, der als Schutzpatron der Schweiz gilt. Eine Kollekte wird gesammelt, welche an eine bestimmte Organisation gehen soll, im Andenken an die Verstorbene.
Danach trägt der Katechet einen Text aus dem Neuen Testament vor, es geht um Jesus und seine Jünger, denen er seine Liebe für alle Menschen erklärt und ihnen aufträgt, diese weiterzutragen. Wir singen ein weiteres Lied, alle zusammen. Der Priester verkündet das Evangelium und die Anwesenden bekreuzigen sich stehend auf Stirn, Mund und Herz. Er singt das Glaubensbekenntnis und danach antworten wir auf die Fürbitten «Christus, erhöre uns.»
Anschliessend folgt die Gabenbereitung, der Priester trinkt vom Wein und isst eine Hostie, wir antworten mit einem Pater Noster Gebet. Wir, die wir die Erstkommunion schon erhalten haben, erheben uns und nehmen eine Hostie entgegen, die Hände dabei wie eine Schale vorgehalten. Der Priester ruft uns dazu auf, uns gegenseitig Zeichen des Friedens zu geben, was bedeutet, dass wir mit den umgebenden Leuten Händeschütteln und Frieden verkünden.
Wir werden abermals dazu aufgerufen, zu lieben, und wir werden gesegnet, bevor die Messe zu Ende ist und die Trauergemeinschaft auszieht und in Richtung Friedhof geht, begleitet von Weihrauch und weiteren Messbesuchern. Auch ich und meine Familie verlassen die Kirche und steuern den Friedhof an, nur wenige Strassen entfernt von der St. Peter und Paul Kirche.
Reflexion
Als ich die St. Peter und Paul Kirche betrat, stellte sich bei mir sofort ein Gefühl der inneren Ruhe ein, so empfinde ich das bei den meisten Kirchenbesuchen. Auch wenn ich nicht gläubig bin, fühle ich immer eine Akzeptanz gegenüber meiner Lebenslage. In einem Gottesdienst wird man eine Stunde seinen Gedanken und Gefühlen überlassen, man muss ihnen gegenübertreten, in einer Form oder der anderen. Meine Gedankengänge schweiften oft ab, häufig landete ich dabei in der Vergangenheit.
Wir gehen einmal pro Jahr in die Kirche, um dem Tod unserer Grosseltern zu gedenken. Auch wenn das ein trauriger Anlass ist, finde ich es jedes Mal schön, so an sie zu denken. Ich glaube nicht an die christliche Vorstellung des Jenseits, dennoch empfinde ich es als tröstend, dass meine Grosseltern daran geglaubt haben. Ich mag es, so an unsere gemeinsamen Erinnerungen zu denken. Deswegen hat der Kirchenbesuch für mich persönlich auch weniger mit meinem Glauben an Gott, sondern mehr mit meiner Liebe zu meinen Grosseltern zu tun.
Ich versuche oft, mich von dem Katholizismus in meiner Familie etwas abzugrenzen. Ich vermute, dass das damit zu tun hat, dass ich mich selbst nicht damit identifizieren möchte und nicht daran glauben kann. Nichtsdestotrotz empfinde ich es als sehr tröstend, jährlich einen Gottesdienst zu besuchen und an meine Grosseltern zu denken, auch weil ich weiss, wie viel es ihnen bedeuten würde.
Da ich nicht oft in die Kirche gehe, wusste ich nicht, wann aufstehen, wann absitzen, was sagen, wie singen, und das führte zu einer unangenehmen Verunsicherung meinerseits. Ich war zum Glück nicht alleine in dieser Situation, meine Geschwister wussten nicht viel mehr als ich. Trotzdem wäre es wahrscheinlich sehr viel vorteilhafter gewesen, über den Ablauf eines Gottesdienstes besser Bescheid zu wissen.
Mir ist auch wieder aufgefallen, wie wenig ich eigentlich über die katholische Kirche weiss. Das habe ich in letzter Zeit häufiger bemerkt, besonders im Austausch mit reformierten Schulkameraden. Mir war nicht wirklich bewusst, wie unterschiedlich die katholische und die reformierte Kirche sind. Es war für mich immer selbstverständlich, dass man im Christentum die Hostie als Symbol Christus einnimmt, dass viele Kirchen Bilder haben und üppig verziert sind und dass Priester nicht heiraten. Anscheinend stimmt das aber nur für die katholische Kirche.
Zusammenfassend möchte ich anmerken, dass mir der Besuch der St. Peter und Paul Kirche in Willisau als schönes Erlebnis in Erinnerung bleibt. Es war alles in allem ein sehr angenehmer Besuch, der Gottesdienst war sehr schön und respektvoll gestaltet. Besonders die Worte des Priesters über Liebe und Unendlichkeit haben mich sehr berührt. Der Besuch des Gottesdienstes hat mich zum Denken angeregt und mir etwas mit auf den Heimweg gegeben.