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Um in Kalifornien eine Wohnung zu finden, muss man sich schnell entscheiden können, sich in den richtigen Wohnvierteln umschauen und sollte sich nicht zu sehr von den zum Teil seltsamen Anforderungen an den Mieter in Inseraten verunsichern lassen.
Infolge der Immobilienkrise ist hier in der Region ein auffallend grosser Teil der Häuser zum Verkauf ausgeschildert. So wird auch unser "Cottage" verkauft, das wir die letzten acht Monate gemietet hatten, und wir befinden uns somit wieder auf Wohnungssuche.
Wir sind darüber nicht unglücklich, denn für den bevorstehenden Winter wäre es schön, eine Wohnung mit isolierten Wänden, doppelt verglasten Fenstern und evtl. einem Gasofen zu haben. Obwohl die Temperaturen hier selten unter 10 ˚C sinken, kann es im Winter empfindlich kalt werden.
In welchem Viertel?
Als erstes stellt sich natürlich die Frage, in welchem Viertel man wohnen möchte und was man sich überhaupt leisten kann. Aufgrund der vielen führenden Hochtechnologie-Firmen und der hohen Löhne dieses Sektors sind die Mieten in der Region im Allgemeinen sehr hoch. Allerdings sind die einzelnen Wohnviertel hier scharf voneinander getrennt, und auch die Preise der Häuser und Mietwohnungen unterscheiden sich erheblich.
Einige der Viertel gehören zu den teuersten Wohnlagen in ganz Amerika. Mit Glück kann man jedoch auch hier zu vernünftigen Preisen wohnen, wenn man beispielsweise ein ausgebautes Gartenhäuschen findet, das zu einem grösseren Anliegen gehört, aber einzeln vermietet wird. So kann man von der schönen Wohnlage inmitten grosser Parkanlagen mit altem Baumbestand profitieren.
Andere Viertel sollte man aufgrund hoher Kriminalitätsraten meiden. Wo in vornehmeren Vierteln sehr darauf geachtet wird, wem das Haus oder die Wohnung vermietet wird und häufig die Sozialversicherungsnummer, die Führerscheinnummer, Referenzen durch den Arbeitgeber oder letzten Vermieter und eine Gebühr für einen Credit-Check bei der Bank verlangt wird, so hat uns in einem weniger angesehenen Viertel der Vermieter direkt gesagt: "Uns interessiert die Vergangenheit hier nicht so, uns interessiert die Zukunft."
Wem das noch zu missverständlich war, für den kam es im nächsten Satz noch deutlicher: "Wir werden nicht überprüfen, ob ihr eine kriminelle Vergangenheit oder Schulden habt." Dies führte nicht gerade dazu, dass man sich in dem Viertel, das ohnehin nicht den besten Ruf hat, sicherer fühlt.
Der passende Mieter gesucht
Zu überlegen ist auch, ob man sich ein Haus mit anderen Mitbewohnern teilen will. Dadurch kann man sich erlauben, in eine hübschere Umgebung zu ziehen und lernt eventuell nette Leute kennen. Viele der ausgeschriebenen Wohngemeinschaften machten uns jedoch stutzig. Die Vermieter oder WGs scheinen ziemlich genaue Vorstellungen vom passenden Mieter oder Mitbewohner zu haben.
Ob jemand in eine Wohngemeinschaft passt, wird nicht wie bei uns üblich an einem gemeinsamen Treffen und Gespräch herausgefunden, sondern die "Anforderungen" werden direkt in die Inserate aufgenommen. Diese Anforderungen betreffen nicht nur das Alter, sondern reichen von Beruf, über Hobbys bis hin zu Trinkgewohnheiten.
Ebenfalls erstaunten uns die Extreme der Vorstellungen: Einige Wohngemeinschaften verbieten strikt das Trinken von Alkohol, das Veranstalten von Partys oder das Einladen von Freunden über Nacht, andere preisen "social drinking" oder "very 4/20 friendly house" bereits im Inserat an.
Hier stellte ich fest, dass auch der Wohnungsmarkt, insbesondere auf der verbreiteten Inseraten-Webseite "Craigslist.com", sein eigenes Vokabular hat, mit dem man sich erstmal vertraut machen muss. Den Ausdruck "4/20 friendly" musste ich beispielsweise googlen. Der Begriff bezieht sich auf den Genuss von Cannabis und entstand an einer kalifornischen High School, da sich die Teenager nach der Schule um 4:20 Uhr trafen, um Marihuana zu rauchen.
Eine WG zu finden, bei der sich ein gemeinsames Leben inkl. Feiern entwickeln kann, ohne dass man sich zu regelmässigen Trinkfesten verpflichten muss, scheint schwierig zu sein.
Umzug schon morgen?
Zudem ist die Wohnungssuche hier etwas für Spontane: Die Wohnungen werden meistens erst ausgeschrieben, wenn sie schon frei stehen und können dann auch sofort bezogen werden. Der Umzug wird auch dadurch erleichtert, dass die allermeisten Wohnungen Schrankzimmer aufweisen, sodass man sich also das Schleppen schwerer Schränke sparen kann.
Sollte es in der Wohngemeinschaft also trotz passender Berufsgruppe nicht klappen, kann man wenigstens schnell und einfach wieder umziehen.
Layla Lang, San Francisco Bay, swissinfo.ch
Fünfte Schweiz
Immer häufiger reisen auch junge Leute für längere Zeit ins Ausland, sei das zum Studieren, Forschen, für ein Stage oder zum Arbeiten.
Zu ihnen gehört auch Layla Lang, die von März bis August 2010 für swissinfo.ch über ihre Erlebnisse und Erfahrungen aus Kalifornien berichtet.
Biographie
Layla Lang ist 28 Jahre alt.
Sie hat an der ETH Zürich Biologie studiert. Ihre Diplomarbeit führte sie am Max-Planck-Insitut für Marine Mikrobiologie in Bremen, Deutschland durch.
Anschliessend lebte sie drei Jahre in München, wo sie als Projekt-Koordinatorin in der klinischen Forschung arbeitete.
Im Dezember 2009 zog Layla Lang mit ihrem Mann, der in Stanford eine Postdoktoranden-Stelle besetzt, an die Bucht von San Francisco in Kalifornien.
Sie arbeitet als klinischer Monitor und betreut klinische Studien in der Region Kalifornien.
Zusätzlich befasst sie sich mit Malerei und wissenschaftlicher Illustration (www.laylakaenel.com).
Zu ihren Hobbys zählen längere Fahrrad- und Trekking-Touren in der Natur.