Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03389.jsonl.gz/975

Trotz dem in der aristotel. Ethik angelegten und im kanon. Recht verankerten Zinsverbot (Wucher) gab es bereits in der Antike wie auch im MA Geschäftsleute und Bankiers (z.B. Ks. Vespasians Vater bei den Helvetiern), die Geld wechselten und gegen Pfand oder Zins verliehen. Ab dem 12. Jh. begannen ital. Geschäftsleute, den zu den Messen fahrenden Kaufleuten im grösseren Umfang Geld zur Verfügung zu stellen, das bei Messeende zurückzuzahlen war. Diese reisenden Kaufleute und Geldverleiher entwickelten sich im SpätMA zu sesshaften Bankiers, die dank neuer Geschäftstechniken (Wechselbriefe, doppelte Buchführung) Fernhandel- und Wechselgeschäft systemat. miteinander kombinierten und auch viele Fürstenhäuser mit erhebl. Summen finanzierten.
Das Bankenwesen in der Schweiz entwickelte sich mit der zunehmenden Geldwirtschaft in den aufblühenden Städten des SpätMA, zunächst beherrscht von Lombarden, Kawertschen und Juden. Vom ausgehenden 14. Jh. an verzichteten die Stadtrepubliken jedoch nach und nach auf deren Dienste. Einige Städte - wie etwa Luzern 1383 und Zürich 1419 - richteten, meist auf befristete Zeit, amtl. Wechselstuben ein, die sog. Stadtwechsel. Andere wiederum begnügten sich mit der Einrichtung einer dem Seckelamt angeschlossenen Verwaltungsstelle. Die vom Rat ernannten amtl. Wechsler (Goldschmiede, Münzmeister) kontrollierten das umlaufende Geld, wechselten versch. Währungen und vergaben Kredite. Der Gewinn ging zu gleichen Teilen an Stadt und Wechsler.
Im 15. Jh. zeichnete sich in der Schweiz wie im übrigen Europa eine Tendenz zur Kommunalisierung der B. ab. Eine wachsende Verflechtung zwischen den Städten in der Schweiz und in benachbarten Regionen förderte das wechselseitige Darlehens- und Anleihengeschäft. Das Kapitalangebot nahm insgesamt zu, umso mehr, als es die Bürger zu Wohlstand gebracht hatten (Kapitalmarkt). Gleichzeitig vollzog sich ein entscheidender struktureller Umbruch beim Bodenkredit (Grundpfandrecht). Die bis anhin "ewige" grundpfandgesicherte Rente wurde ablösbar und damit einem langfristigen Darlehen vergleichbar. Dadurch näherten sich die hohen Zinsen (33-43%) der kurz- und mittelfristigen Kredite bei Juden oder Lombarden und die tiefen Zinssätze (bereits 1380 meist bei 8%) der langfristigen Hypothekardarlehen allmähl. einander an. Das Kleinkreditgeschäft gegen Pfand büsste für die Bankiers an Attraktivität ein, blieb aber aufgrund seiner gesellschaftl. und wirtschaftl. Bedeutung ein lokales oder regionales Betätigungsfeld der Stadtwechsel und Seckelämter.
Der internat. Zahlungsverkehr (z.B. der Apostol. Kammern in Rom bzw. Avignon) blieb den ital. Privatbankiers, insbes. aus Florenz oder Lucca, vorbehalten. Diese hatten im 14. Jh. die Messestadt Genf, die 1420-64 eine Blütezeit erlebte, in ihr europ. Netz eingeflochten. Einige ital. Häuser, namentl. die de Medici, unterhielten 1431-38, während des Basler Konzils, Niederlassungen in Basel. Die Auflösung des Konzils und der Aufstieg von Lyon zum neuen Messezentrum bewog sie, zuerst Basel und später auch Genf aufzugeben. Dies beeinträchtigte jedoch die Entwicklung der lokal und regional tätigen Bankhäuser in den vielen Schweizer Städten nicht, ebenso wenig das internat. Geschäft der Basler und St. Galler Kaufleute, die für den Umlauf ihrer Wechsel über ein eigenes, gut ausgebautes Netz verfügten.
Autorin/Autor: Martin Körner / AL
Einer der ehem. Stadtwechsel, der in Dokumenten des 15. Jh. erw. Basler Stadtwechsel, wurde 1504 zur Staatsbank. Er war im 16. und 17. Jh. die bedeutendste öffentl. B. der Schweiz. Die Geschäftsform - man inspirierte sich am Stadtwechsel von Strassburg - entsprach der einer einfachen Kommanditgesellschaft mit Kapitalbeteiligung des bzw. der Wechsler (als Erste werden Andreas Bischoff und Heinrich David genannt) und der Obrigkeit, sowie alljährl. parität. Gewinnausschüttung. Die Wechsler gehörten der Zunft der Hausgenossen an und waren in den ersten Jahrzehnten meist auch Münzmeister. Mehrmals wurde der Basler Stadtwechsel vertragl. neu definiert, insbes. im Zusammenhang mit der Erweiterung seiner Kompetenzen beim schrittweisen Wandel zu einer Universalbank. Sein Hauptgeschäft bestand im Geldwechsel. Als eigentl. Zentralbank besass er das Monopol, neues Geld in Umlauf zu setzen, schlechte Münzen zum Einschmelzen aus dem Verkehr zu ziehen sowie Gold- und Silberbarren zu kaufen und zu verkaufen. Dieses Grundgeschäft wurde ergänzt durch die gesamte Dienstleistungspalette, die eine frühneuzeitl. B. zu bieten hatte. Als Depositenbank kam ihm die Staatsgarantie zugute. Der Stadtwechsel vergab Darlehen an Kaufleute, Spediteure, Handwerker, Adlige, Kirchen und Klöster, Städte in der Schweiz und in Deutschland. Anfängl. wurden die Kredite gegen Pfand gewährt, ab 1533 auch gegen Bürgschaften, Obligationen, Hypotheken und Wechsel, mit individuell festgesetzten Laufzeiten. Zudem tätigte der Basler Stadtwechsel Überweisungen im Auftrag der öffentl. Hand, von Kaufleuten und Handwerkern. Fällige Zahlungen wurden hier beglichen. 1574 kam die Vermögensverwaltung hinzu, 1608 die Verwaltung der Konkursmassen in Basel.
Als Vermittler öffentl. Anleihen wirkte der Basler Stadtwechsel weit über den Raum Basel hinaus. Von Anfang an und bis ins 17. Jh. hinein emittierte er Anleihen für zahlreiche Städte, den niederen Landadel, die Markgf. von Baden, die Hzg. von Savoyen, Württemberg und Orléans-Longueville, für die franz. Könige - von Franz I. bis Heinrich IV. - und über die vorderösterr. Ensisheimer Regierung für den Kaiser. Dem einzigen Emissionsinstitut im Gebiet der Schweiz flossen aus einem Umkreis von mind. 150 km Anlagevermögen von Privaten und Klöstern zu. Seine zur Zeichnung aufgelegten Anleihen waren vorgefertigte Schuldverschreibungen, auf denen der Bankier einzig den Namen des Zeichners, die Summe sowie den Zinssatz und das Verfalldatum einzutragen hatte. Die Anleihen konnten gezeichnet werden, bis der Gesamtbetrag erreicht war. Die Jahreszinsen wurden den Kunden ausbezahlt, die Anleihen bei Fälligkeit abgelöst. Mit derartigen Neuerungen, die jenen der als grand parti bezeichneten Bankiers des Messe- und Finanzplatzes Lyon (1555) um Jahre vorausgingen, überwand der Basler Stadtwechsel die im 15. Jh. von den Italienern eingeführte, komplizierte Ausgabetechnik. Kapitaltransfers wurden mittels Wechseln oder Schuldbriefen über ein internat. Netz von Händlern und Privatbankiers aus Basel, St. Gallen und Genf getätigt. Zukunftsweisend war überdies, dass der Stadtwechsel auch ausserhalb der Messezeiten fällige Wechsel diskontierte und einlöste. Die blühende Basler Staatsbank erzielte Gewinne, die bis zu 12% des regulären Staatshaushalts ausmachten. 1567 diente sie als Vorbild bei der Gründung einer Genfer Staatsbank, die mangels Erfolgs allerdings bereits 1581 liquidiert wurde.
Autorin/Autor: Martin Körner / AL
Stärker noch als im 16. Jh. verlief die Entwicklung der B. in der Schweiz im 17. und 18. Jh. anders als im übrigen Europa. Der Kapitalmarkt funktionierte nicht wie in den grossen Königreichen, in denen die anhaltende Staatsverschuldung das Bankgewerbe begünstigte. Chronische Überschuldung des öffentl. Haushalts kannten die eidg. Stadtrepubliken (Luzern bereits von Beginn des 16. Jh. an) und ihre Verbündeten nicht mehr. Genf, das dank der Chambre des blés, einer Art von halbstaatl. Finanz- und Kreditinstitut, seine Finanzen aufzubessern vermochte, erreichte erst Mitte des 17. Jh. einen vergleichbaren Stand.
Zudem führten fremde Dienste, Protoindustrialisierung und Handel zu enormen Anhäufungen von privaten und öffentl. Geldern, die der Binnenmarkt nicht zu absorbieren vermochte und die somit ins Ausland abflossen. Die Anlagetätigkeit im Ausland verlangsamte sich während des Dreissigjährigen Kriegs, legte aber nach 1648 stark zu. Mehr und mehr, v.a. ab dem 18. Jh., übernahmen Handelsbankiers dieses Geschäft. In Genf waren es die d'Aubert, Boissier, Fatio, Lullin, Mallet, Rigot, Rilliet, De la Rue, Sellon und Thellusson, in St. Gallen die Högger, Schlumpf, Zili und Zollikofer, in Zürich die Meyer, Escher, von Muralt und Orelli, in Bern die Malacrida, Marcuard, Müller, Hunziker und Gruner, in Basel die Battier, Burckhardt, Heusler, Leissler, Merian, Mitz, Ochs und Sarasin, in Neuenburg die de Pury, de Rougemont, Perregaux und Cartier und in Lausanne die Grand, Silvestre, Panchaud und Delessert. Bereits um 1700 verlegten sich einige unter ihnen ausschliessl. auf das Bankgeschäft, das sie allein oder mit ein bis zwei Partnern betrieben. Sie unterhielten in den wichtigsten europ. Städten familiäre, freundschaftl. und geschäftl. Beziehungen und hatten Zugang zu den Regierungen, was ihnen ermöglichte, am internat. Zahlungsverkehr teilzuhaben und öffentl. Gelder aus der Schweiz im Ausland zu platzieren, vorzugsweise in Staatsobligationen in Österreich, Deutschland, Savoyen, Frankreich, Dänemark, den Niederlanden, Schweden, England und den Vereinigten Staaten. Die Bankiers boten ihrer Privatkundschaft äusserst vielfältige Anlagemöglichkeiten, z.B. Investitionen in Renten oder in halbstaatl. Industrie-, Handels-, Schiffbau-Unternehmen und B. Gegen Ende des 18. Jh. waren etwa vierzig Schweizer Privatbankiers in Frankreich tätig, unter ihnen der Waadtländer Isaac Panchaud, Initiant und Verwaltungsrat der Caisse d'escompte (1776-93), Jean-Frédéric Perregaux, Mitbegr. und erster Präs. der 1800 gegr. Banque de France, sowie Benjamin Delessert, deren Direktor. Vergleichbare Karrieren machten die Brüder Ochs als Bankiers des österr. Hofs in Wien und Pierre-Isaac Thellusson, Direktor der Bank of England in London.
In der Schweiz teilten die Staatsbanken das Schicksal des 1744-46 liquidierten Basler Stadtwechsels: Sie verloren zusehends an Bedeutung und mussten sich mit dem lokalen Kleinkreditgeschäft, insbes. mit Pfandkrediten, begnügen. Hier bestand nach wie vor Bedarf, was zu Neugründungen von staatl. B. führte. 1752 wurde in St. Gallen die Obrigkeitliche Leinwatcassa eröffnet, die den um 1700 in eine Strukturkrise geratenen Tuchfabrikanten kurz- und mittelfristige Kredite gegen Hinterlegung von Leinenballen gewährte. 1788 folgte ein vergleichbares Institut für den Baumwollsektor, die Mousseline- und Baumwolltuchcassa; 1800 fusionierten beide Kassen. In Zürich kam es 1755 auf Initiative von Privatbankiers zur Gründung der vorerst staatl. Bank Leu, deren Aufgabe darin bestand, die Kaufkraft aufzufangen, die man als zu stark und inflationär wirkend erachtete. Mit der Ausgabe von Kassenscheinen, mittels deren die Bank Leu das Kapital im Ausland anlegen sollte, hoffte man den Zinszerfall und die Preiserhöhung auf Gütern des tägl. Bedarfs stoppen zu können.
Autorin/Autor: Martin Körner / AL
Während in Luzern die erste Privatbank, die Falcini Jünger & Cie., erst 1798 ihren Betrieb aufnahm, hatte in Bern mit der Gründung der Dienstenzinscassa bereits 1787 das Zeitalter der Spar- und Leihkassen eingesetzt. Genf folgte 1789, Basel 1792 und Zürich 1805. Bis 1840 entstanden 132 Sparkassen, zuerst in den Städten, ab 1815 auch auf dem Land, davon 106 in den industrialisierten Gebieten der Kt. Aargau, Bern, Zürich, Appenzell Ausserrhoden und Waadt. Die Depression der 1840er Jahre nahm dieser Gründungswelle vorübergehend den Schwung.
Der Wandel des Binnen- und Aussenhandels, der in einigen Kt. während der Regeneration eingesetzt hatte, kurbelte die Nachfrage nach Zahlungsmitteln und Geschäftskrediten an, was zu einer Geldverknappung führte. Liberale und radikale Industrielle wie Kaufleute setzten sich in ihren Kt. für die Gründung zentraler Diskontbanken ein. So entstanden erste Kantonalbanken, 1834 jene von Bern, 1837 die Bank in Zürich sowie die Bank in St. Gallen, 1844/45 die Bank in Basel und 1845 die Kantonalbank der Waadt. Der wirtschaftl. Zusammenschluss des Landes 1848 dämpfte deren Erfolg. Ende 1850 waren in der Schweiz neben etlichen, meist alteingesessenen Privatbanken die Bank Leu, fünf Kantonal-, drei Hypothekar-, zwölf Lokalbanken und 150 Sparkassen tätig.
Autorin/Autor: Martin Körner / AL
Mit dem Aufkommen der Grossbanken in der 2. Hälfte des 19. Jh. nahm das Schweizer Bankensystem seine moderne Gestalt an. Der Crédit Mobilier in Frankreich diente als Vorbild für die neu gegr. Geschäftsbanken, die zur Finanzierung des Eisenbahnbaus und der wachsenden Grossindustrie auf einheim. Anleger ausgerichtet waren (Finanzierungsgesellschaften). Als Erste wurde in Genf 1853 die Banque Générale Suisse gegründet (1869 liquidiert). 1856 folgte die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) in Zürich, 1862 die Bank in Winterthur (die 1912 mit der Toggenburger Bank zur Schweizerischen Bankgesellschaft fusionierte) und die Basler Handelsbank, 1863 die Eidgenössische Bank und 1869 die Schweizerische Volksbank (SVB) in Bern und schliessl. 1872 der Basler Bankverein, aus dem nach mehreren Fusionen 1898 der Schweizerische Bankverein (SBV) hervorging.
Die 1860er Jahre wurden zudem von einer zweiten Gründungswelle von Kantonalbanken geprägt. Gegen Ende des Jahrzehnts begann die demokrat. Bewegung, welche den Kapitalmarkt von der Bevormundung durch das Grosskapital zu befreien trachtete, diese Entwicklung zu begünstigen. Wichtigster Erfolg dieser Kampagne war 1870 die Gründung der Zürcher Kantonalbank, die sehr rasch zu einer der stärksten B. in der Schweiz heranwuchs. 1860-80 entstanden zudem zahlreiche lokale Kreditinstitute, die nach dem Motto "Volksbank gegen Herrenbank" auf die Bedürfnisse des Handwerks und des Mittelstands überhaupt zugeschnitten waren.
Eine Zentralbank, letztes noch fehlendes Element im schweiz. Bankensystem, erhielt 1905 eine gesetzl. Grundlage und wurde 1907 als Schweizerische Nationalbank (SNB) gegründet. Im Lauf des 20. Jh. ergänzten zwei neue Banktypen das inländ. System: Finanzgesellschaften und Auslandsbanken. Erstere entstanden ab den 1890er Jahren auf Initiative der Grossbanken, meist zur Finanzierung der Elektrizitätswirtschaft im In- und Ausland. Ausländ. B. liessen sich in der 2. Hälfte des 19. Jh. nur zögernd in der Schweiz nieder: 1872 eröffnete die Banque de Paris et des Pays Bas eine Niederlassung, 1872 der Crédit lyonnais. In den 1920er Jahren folgten die Lloyds Bank, die Barclays Bank und die American Express Bank. Die grosse Masse der ausländ. B. liess sich jedoch erst nach 1945 in der Schweiz nieder.
Die Bankenstatistik unterscheidet versch. Typen von B., von der Grossbank bis zu den Raiffeisenkassen. Die Kategorien sind nicht gemäss funktionalen Kriterien gebildet, da sich Schweizer B. durch grosse Flexibilität und eine Tendenz zur Universalbank auszeichnen. So gewähren beispielsweise sämtl. B. Hypothekardarlehen, allerdings in unterschiedl. Umfang. 1950 machte diese Sparte ledigl. 6% der Aktiven bei den Grossbanken aus, gegenüber 70% bei den Sparkassen und 59% bei den Kantonalbanken; 1995 betrugen die jeweiligen Anteile 24%, 71% und 60%. Auf den Anteil am Hypothekarmarkt bezogen, überboten die Grossbanken 1995 mit 39% sowohl die Kantonalbanken (36%) als auch die Sparkassen (20%). Seit Beginn des 20. Jh. sind die Gross- und die Kantonalbanken die beiden stärksten Bankengruppen in der Schweiz. Fielen 1880 noch 60% der Bilanzsumme aller B. auf die anderen Bankinstitute, so betrug deren Anteil 1913 nur mehr 35% und verringerte sich bis 1990 auf 32%.
Autorin/Autor: Youssef Cassis / AL
Die Gründung der SNB löste eine erste Konzentrationswelle aus, da mit der Einführung des Banknoten-Monopols viele regionale Notenbanken überflüssig wurden. Insgesamt verringerte sich die Zahl der B. im Zeitraum 1908-20 von 458 auf 371. Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre traf v.a. die Grossbanken, hauptsächl. infolge ihrer regen Auslandstätigkeit. Ihre Bilanzsumme ging 1930-35 um die Hälfte zurück. Die Banque d'Escompte Suisse in Genf brach 1934 zusammen, und alle Grossbanken - mit Ausnahme der beiden grössten, des SBV und der SKA - mussten sich reorganisieren und ihr Aktienkapital herabsetzen. Die SVB, die in den 1920er Jahren zu rasch expandiert hatte, konnte nur mit Hilfe des Bundes gerettet werden. Insbes. dank der Staatsgarantie kamen die Kantonalbanken glimpflich davon und avancierten bald wieder zur stärksten Bankengruppe in der Schweiz. 1929-35 stieg ihr Anteil an der Bilanzsumme aller B. von 36% auf 40%, während derjenige der Grossbanken von 41% auf 21% fiel. Wie im übrigen Europa führte die Bankenkrise auch in der Schweiz zu verstärkter staatl. Regelung. Das Bankengesetz von 1934 sah allerdings recht moderate Eingriffe des Bundes vor. Es enthält allg. Grundsätze über die Bewilligung zur Geschäftstätigkeit, über die Organisation und die Geschäftsführung (namentl. betr. Liquidität und das Verhältnis von Eigen- zu Fremdmitteln) sowie über die Buchprüfung, die fortan unabh. Treuhandgesellschaften zu übertragen war. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Kunden führte das Bankengesetz das Bankgeheimnis ein. Zudem sah es ein Aufsichtsorgan über das gesamte Bankensystem vor, die Eidg. Bankenkomm. (EBK), die sich aus sieben bis neun vom Bundesrat gewählten Mitgliedern zusammensetzte.
Der vom ausgehenden 19. Jh. bis in die 1960er Jahre relativ gleichförmig verlaufene Konzentrationsprozess auf dem schweiz. Bankenplatz beschleunigte sich im letzten Drittel des 20. Jh. Besonders die Grossbanken bauten ihr Schweizer Filialnetz aus: Die Zahl der Niederlassungen und Agenturen stieg 1946-75 von 184 auf 688, bei den Kantonalbanken im gleichen Zeitraum von 1'031 auf 1'252. Auch die Zahl der B. insgesamt stieg an (1960 319, 1970 584, 1990 625). Diese Zunahme erklärt sich v.a. durch das Aufkommen von spezialisierten Instituten, z.B. im Wertpapierhandel, in der Vermögensverwaltung oder im Leasing-Geschäft, sowie durch neue Sitze und Filialen ausländ. beherrschter B. (1970 88, 1985 120, 1995 155). Sowohl die Grossbanken als auch die ausländ. Institute haben ihre Marktpositionen ausgebaut, hauptsächl. in den seit 1970 am stärksten expandierenden ausserbilanzl. Geschäftsbereichen (Zahlungsverkehr, Devisen- und Edelmetallhandel, Emissionen, Portfolio-Management, Unternehmensberatung und v.a. Treuhandgeschäfte). Als Folge des grossen Bankensterbens, das in den 1990er Jahren die lokalen und regionalen Institute und die Sparkassen traf (1990-97 Reduktion der Regionalbanken von 204 auf 95, 1994 Gründung einer Regionalbanken-Holding), übernahmen die Grossbanken auch als Hypothekarbanken und Sparkassen die Führungsrolle, was nicht ohne gesellschaftl. Auswirkungen geblieben ist. Im Zuge der Globalisierung wählten die schweiz. Grossbanken 1997 unterschiedl. Strategien: Die aus der SKA hervorgegangene Credit Suisse Group schloss sich mit den Winterthur Versicherungen zu einem global führenden Allfinanz-Konzern zusammen, während die SBG/UBS und der SBV zur UBS, der weltweit zweitgrössten B., fusionierten und sich auf bankenspezif. Kerngeschäfte konzentrierten.
Autorin/Autor: Youssef Cassis / AL
Die internat. Finanzgeschäfte der schweiz. Bankinstitute und die Bedeutung der Schweiz als internat. Finanzplatz haben in hohem Masse zum Aufschwung des Bankensektors im 20. Jh. beigetragen. Auch wenn die Schweiz bereits zuvor ein wichtiges Kapitalexportland war, so blieb ihre Rolle bis 1914 doch eher bescheiden. Sie konnte allerdings ihre Position während des 1. Weltkriegs stärken. Alle Kriegsparteien wandten sich an die neutrale Schweiz, und der Schweizer Franken diente vermehrt als Fluchtwährung.
Die Angaben über ausländ. Guthaben in der Schweiz sind lückenhaft. 1929 schätzte die SNB sie auf 1-1,3 Mrd. Fr., was 5-7% aller in der Schweiz vorhandenen Einlagen entsprach und allein bei den Grossbanken, wo die Gelder meist platziert wurden, 13-17% ausmachte. Genaue Schätzungen für die Zeit des Zweiten Weltkriegs sind noch nicht möglich. Die Schweiz als quasi einziger freier Goldmarkt hatte für die internat. Finanzbeziehungen eine Schlüsselfunktion inne. Sie kam insbes. dem Dt. Reich mit Goldkäufen der SNB entgegen. Dabei handelte es sich v.a. um Raubgold aus den Zentralbanken der annektierten Staaten. Schätzungen zufolge wurde für rund 1,5 Mrd. Fr. Gold gekauft und in Schweizer Franken eingetauscht, was Deutschland ermöglichte, sich in neutralen Staaten mit strateg. wichtigem Material einzudecken.
Nach 1960 wurde die Schweiz zu einem der weltweit führenden Finanzplätze, der - vor dem Aufstieg Tokios in den 1980er Jahren - hinter London und New York an dritter Stelle lag (Börsen). 1947-71 versechsfachte sich die Bilanzsumme aller B. Bei den Grossbanken erhöhte sie sich gar auf das Achtfache, was auf das wachsende Gewicht der Auslandsgeschäfte zurückzuführen ist. 1962 beliefen sich die Forderungen der Schweizer B. im Ausland auf 9,4 Mrd. Fr., was 15,8% (bei den Grossbanken 29,1%) der Aktiven entsprach; 1972 waren es 86,5 Mrd. Fr. oder 38,6% (bei den Grossbanken 41,3%) der Aktiven. Die Verbindlichkeiten der Schweizer B. im Ausland beliefen sich 1962 auf 10,8 Mrd. Fr. oder 17,2% (bei den Grossbanken 24,9%) der Passiven; 1972 machten sie 71,7 Mrd. Fr. oder 32% (bei den Grossbanken 59,4%) der Passiven insgesamt aus.
Trotz starkem internat. Engagement verfügten die Schweizer B. bis in die 1960er Jahre im Ausland nur über ein schwach ausgebautes Netz von Niederlassungen. 1914 waren es ledigl. drei oder vier (darunter die Londoner Agentur des SBV und die beiden Filialen der SKA in Argentinien), wohingegen die brit. B. weltweit um die 1'300 Agenturen, die franz. und dt. B. insgesamt 500 Agenturen führten. 1939 eröffneten die SKA und der SBV je eine Niederlassung in New York, womit sie den intensiveren Finanzbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA Rechnung trugen. Dennoch zählte man 1943 nur sechs Auslandssitze. Um die Präsenz der schweiz. B. im Ausland zu verstärken, kamen andere Mittel wie Vertretungen oder Schweizer Beteiligungen an ausländ. B. zum Tragen. Die Wende vollzog sich auch hier in den 1960er Jahren. Seither nimmt die Schweiz uneingeschränkt an der Globalisierung der Finanzmärkte teil. Die Zahl der Niederlassungen von Schweizer B. im Ausland stieg von elf (1965) über 41 (1975) und 81 (1985) auf 105 (1995).
Autorin/Autor: Youssef Cassis / AL
Abgesehen von der Rolle der B. als Arbeitgeberinnen (1880 9'320 Beschäftigte, 1910 23'510, 1930 45'140, 1960 66'480, 1995 109'205) ist noch wenig über ihren Beitrag zum Wirtschaftswachstum und über die Beziehungen zwischen den B. und dem Industriesektor in der Schweiz bekannt. Es gilt als allg. anerkannt, dass der Kontokorrentkredit gut auf die Bedürfnisse von Handel und Industrie zugeschnitten ist. Inwieweit die Industrie auf derartige Konten zur Finanzierung ihrer Investitionen zurückgegriffen hat, ist allerdings schwer abschätzbar. Gleiches gilt für kurzfristige Darlehen, die häufig ungedeckt waren. Der Warenwechseldiskont, der im Zahlungsverkehr Mitte des 19. Jh. noch eine wichtige Rolle gespielt hatte, verlor nach 1918 stark an Bedeutung. Fest steht, dass die Selbstfinanzierung in der Schweiz wie anderswo ein wesentl. Faktor bei der Finanzierung der wachsenden Industrie war. Die Geschäftsbanken übernahmen im Auftrag und auf Rechnung der Industriegesellschaft das Emissionsgeschäft, das die Umwandlung von Privatunternehmen in Aktiengesellschaft, Kapitalerhöhungen und Umstrukturierungen defizitärer Betriebe mit einschloss. Die engen Beziehungen zwischen B. und Industrie zeigen sich auch an den Verflechtungen in den Verwaltungsräten: In der Zwischenkriegszeit bestanden die Verwaltungsräte der SKA und des SBV zu je einem Drittel aus Vertretern von Grossunternehmen, und in den 1960er Jahren hielten Letztere gar zwei Drittel der Sitze. Über die erleichterten Finanzierungsmöglichkeiten, mit denen die B. den kleineren und mittleren Betrieben entgegenkommen, ist wenig bekannt. Anzunehmen ist, dass sich die Diversifizierung des schweiz. Bankensystems, das sich eher nach Region und Kundentyp als nach Geschäftsbereich ausrichtete, auch hier positiv ausgewirkt hat. Während die Grossbanken hauptsächl. mit grossen Industrieunternehmen Geschäfte tätigen, decken Kantonal-, Lokalbanken und Sparkassen in erster Linie die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen ab.
Autorin/Autor: Youssef Cassis / AL