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Mein theurer Freund!
Verzeihe mir, wenn ich dich vor unserm Wiedersehen, auf welches ich mich von Herzen freue, mit ein Paar Zeilen belästige.
Ich höre, daß gegen die Wahl Häberlin's zum definitiven Vicepräsidenten des Ständerathes gearbeitet werde. Es ist mir dieß nicht ganz unwahrscheinlich, namentlich auch weil ich annehme, man wolle durch die Wahl Eitel's zu fraglicher Stelle eine Art von Demonstration machen.
Hinwieder vernehme ich, daß du während der ersten Woche der | Session des Ständerathes von Bern abwesend zu sein gedenkest.
Ich finde nur, es wäre sowohl für unsere Partei als für Häberlin persönlich im höchsten Grade fatal, wenn er bei der Vicepräsidentenwahl durchfallen würde, & darum möchte ich dich sehr ersuchen, wenn Du es irgend einrichten kannst, noch während der ersten Tage der Session in Bern bleiben oder auf dieselben wieder nach Bern zurückkehren zu wollen.
Es kömmt hinzu, daß in den ersten Tagen die Anträge der ständeräthlichen Commission für den Geschäftsbericht des Bundesrathes, welche sich auf das Eisenbahnwesen beziehen & welche sich vom Standpuncte des Rechtes & der politischen Moral aus gleich sehr kennzeichnen, zur Ver| handlung kommen werden & daß es gewiß im höchsten Grade wünschbar ist, daß alle diejenigen Mitglieder des Ständerathes bei dieser Verhandlung gegenwärtig seien, deren Spiritus nicht in ein kleinliches & ungerechtes Rupfen an den Eisenbahnen zusammen geschrumpft ist.
Ich konnte nicht anders, als diese Zeilen an dich richten & indem ich alles Weitere auf mündliche Unterredung verschiebe, verbleibe ich in alter Freundschaft.
Dein
A Escher
Zürich
1 Juli 1862.