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Die Nenzen in Russland
Die Nenzen sind ein indigenes Volk mit immer noch einigen zehntausend Angehörigen. Sie leben in verschiedenen Teilen Nordsibiriens, am meisten in den Russischen Kreisen der Nenzen, der Jamal-Nenzen und der Taimyr.
In der Region Yamal, beim nördlichen Polarkreis mit dem Hauptort Salechard, leben ganzjährige vollnomadische Rentierhirten. Daneben sind sie Fischer und Jäger. Sie haben erfolgreich ihre traditionelle Lebensweise und Sprache beibehalten können. Im Winter halten sie sich in der südlichen Taiga auf und im Sommer ziehen sie durch die Tundra bis an die Küste des Polarmeeres. Die Nomaden leben in grossen Familienverbänden und die traditionelle Kultur ist sehr wichtig. Epische Lieder und Erzählungen sind ein fester Bestandteil eines Tagesablaufes. Die Nenzen können so die Geschichte ihrer Herkunft an die nächste Generation weitergeben. Die meisten Rentierhirten glauben und praktizieren immer noch den Schamanismus. Die Christianisierung hat in den abgelegenen Regionen Sibiriens zwar stattgefunden, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Es hat sich somit an gewissen Orten eine Art Mischreligion entwickelt.
Dass das Rentier für die Nenzen von zentraler Bedeutung ist, zeigt sich überall. Die Männer sind für die Rentiere zuständig, sie lassen die Tiere frei laufen, müssen diese jedoch auch wieder zusammentreiben. Der Verkauf von Rentieren und deren Fleisch ist die einzige Einnahmequelle der Nomaden. Auch die Frauen haben eine wichtige Aufgabe. Sie können die Hauterzeugnisse der Rentiere so verarbeiten, dass sie aus verschiedenen Lederschichten ein Tipi bauen können. Des Weiteren sind sie für die Kleidung der ganzen Familie verantwortlich. Das bedeutet auch hier die vielfältige Verarbeitung der Rentier-Felle für Kleider, Schuhe und Accessoires und das Weben verschiedener Stoffe.
Der Wandel und der wirtschaftliche Fortschritt macht in den abgelegensten Regionen Sibiriens nicht Halt. Die Kinder werden per Hubschrauber abgeholt und gehen für mehrere Monate ins Internat. Dem gegenüber stehen nicht alle nur negativ. Denn die Zukunft der Rentiernomaden sieht nicht rosig aus, somit haben wenigstens die Kinder mit einer guten Schulbildung eine Perspektive. Die Region von Yamal verfügt über ein reiches Öl- und Gasvorkommen. So muss wichtiges Weideland der Rentiere den grossen Rohstoff-Förderkonzernen weichen, auch die Wanderrouten der Nomaden werden durchtrennt. Ebenso stellt der Klimawandel ein grosses Problem dar. Die Sommermonate und der Winter sind zu warm. Alt bewährte Nomaden-Routen können nicht mehr gefolgt werden. Auf den Wanderungen wird es immer schwieriger die Flüsse zu überqueren auch gefrieren sie später im Jahr. Da der Permafrost auftaut, entstehen Seen, wo früher keine waren.
Ein Aufenthalt bei den Nenzen erbringt den Rentiernomaden ein kleines Nebeneinkommen. Der tiefe Einblick in das harte aber faszinierende Leben der Hirten ist beeindruckend und einmalig bewegend.