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13. September 2018
Jugendzeit am Dorfplatz
Ursula Zellweger und Hanni Egli erzählten den 14 Zuhörerinnen wie es zu ihrer Jugendzeit am Dorfplatz ausgesehen, gerochen und getönt hat. Stehen jetzt mit Ausnahme der Metzgerei nur noch öffentliche Gebäude und Wohnhäuser am Platz, wimmelte es früher von Kleingewerbe. Hinter der Kirche war der "Ochsen", am Platz die "Harmonie" mit Bäckerei. Es gab den Schuhmacher Hörler, den Bazar Eugster, den Schneider Bruderer mit Spezereiladen, den Gärtner Graf, den "Gmüesler Lutz", der nebenher Särge machte und die Kaffeestube Kürsteiner. Auch im "Hirschen" konnte man einkehren.
Ein wichtiges Gebäude war das Waschhaus wo heute der Parkplatz der Gemeinde ist. Eine Korporation sorgte dafür, dass jedermann dort waschen konnte. Draussen gab es einen zweiteiligen Brunnen. Der grosse Teil diente als Tränke für Scheusses Kühe. Im zweiten, kleineren Teil konnte Wäsche gespült werden und die Kinder durften abends die Füsse waschen. War man für einen Waschtag eingeschrieben, musste der Mann am Morgen den Waschhafen einfeuern. Die Mutter und meist eine Helferin rubbelten die Wäsche und beförderten sie in die wasserbetriebene Schwinge.
Ursulas Vater musste aus dem Ausland heimkehren, da die Eltern kurz nacheinander starben. Da er erst nichts vom Geschäft verstand, heiratete er die Angestellte der Eltern. Der "Chäshans" betrieb eine Kaffeerösterei und verkaufte Käse, Butter und Spezereien. Rohe Kaffeebohnen lieferte die Usego. Emmentalerlaibe brachte die Bahn. Sie wurden mit einem Wagen bis vors Haus gebracht und in den Keller gerollt. Der Appenzellerkäse kam von Preisigs aus Teufen auf dem Töff oder mit einem halben Billett per Postauto. Eisstangen vom "Hirschen" hielten die verderblichen Lebensmittel kühl. Die Stube lag gleich neben dem Laden. Musste der Vater in den Keller, konnte die Mutter durch einen Spion überwachen, dass die Kunden sich nicht selbst bedienten. Ursulas Mitschüler wunderten sich, dass am Laden "Usego" stand. Sie meinten es müsse doch "Inego" heissen.
Hannis Vater war Bauer, der Grossvater Mesmer. Das Abstauben der Kirchenbänke jeden Samstag war Hannis Aufgabe. Aus der Arrestzelle in der Remise der Leichenwagen waren zuweilen fürchterliche Flüche zu hören. Als einmal die Kirchenuhr aufgezogen werden musste, nahm der Grossvater die Enkelin mit. Gross war ihr Erstaunen, als er nach getaner Arbeit das Treppengeländer hinunterrutschte. Weil der Vater im Aktivdienst war, musste das kleine Mädchen mithelfen, die Kühe aus dem Stall zum Brunnen zur Tränke zu führen. Gab es eine Beerdigung, war es ihre Aufgabe, die Grabkreuze mit den Namen der Verstorbenen beim Maler Hutterli abzuholen. Sie hielt sie immer nah am Körper um nicht Auskunft geben zu müssen, wer gestorben sei. Sie musste auch den Blumenschmuck vom Leichenwagen auf den Friedhof tragen, damit das Grab nach dem Gottesdienst fertig geschmückt war.
Die Wirtin der "Harmonie" war eine strenge Frau. Als die Dorfplatzkinder sich auf der Treppe versammelten und das schöne Lied sangen: "Do bini ggange zu Zuckerbeckers Anne, do het si grad e Schnörrli gmacht, do bini wider ggange." jagte sie sie davon, ihr Mann aber gab jedem Kind einen Nussgipfel. Eine Wiederholung führte leider nicht zum erhofften Erfolg.
Bericht: Hanni Brogle | Fotos: Silvia Fritz