Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/218293

<h2>SubmittedText<h2><p>Wenn Futtermittel dort angebaut werden, wo auch Nahrungsmittel angebaut werden könnten, steht die Ernährung von Tieren in Konkurrenz zu jener von Menschen. Dies ist besonders problematisch, wenn Nahrungsmittel direkt als Futtermittel genutzt werden. Agroscope und die Berner Fachhochschule HAFL haben zwei Messgrössen entwickelt/getestet, um diese Feed-Food-Competition (FFC) in der Milchproduktion zu bestimmen. Um die FFC zu reduzieren schlagen sie vor, den Kraftfuttereinsatz anzupassen, Nebenprodukte der Nahrungsmittel-Verarbeitung zu verfüttern, weniger ackerfähige Flächen für den Anbau von Futtermitteln zu nutzen sowie die Effizienz von Betrieben zu steigern. Die Ergebnisse der Studie können jedoch auf tierische Produkte im Allgemein übertragen werden.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie zeigt sich die Problematik der FFC in der Schweiz und wo ist sie besonders ausgeprägt?</p><p>2. Welchen Einfluss hat eine Erhöhung bzw. Reduktion der FFC auf die Ernährungs- und Versorgungssicherheit und auf die Umwelt (Biodiversität, Klima, etc.)?</p><p>3. Welche agrarpolitischen Instrumente führen heute zu einer Intensivierung der Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz? Wann werden allfällige Fehlanreize behoben?</p><p>4. Welche agrarpolitischen Instrumente führen heute zu einer Verringerung der Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz? Wann werden solche Anreize verstärkt und welche neuen Anreize eingeführt?</p><p>5. Wie plant der Bundesrat, die entwickelten Indikatoren "Nahrungsmittelkonkurrenz" und "Flächenkonkurrenz" anzuwenden?</p><p>6. Die von Agroscope und HAFL entwickelten Indikatoren beziehen sich auf die Milchproduktion. Plant der Bundesrat, den Forschungsauftrag an Agroscope und die HAFL mit dem Fokus Fleischproduktion bei Geflügel, Schweinen und Rindern weiterzuführen? Wenn ja, wann? Wenn nein, warum nicht?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. In der vom Interpellanten erwähnten Studie von Agroscope und der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL wird zwischen zwei Indikatoren unterschieden: (i) "Nahrungsmittelkonkurrenz" (Welchen Beitrag in Form von Milch und Fleisch leistet die Milchproduktion zur Protein- und Energieversorgung des Menschen im Vergleich zu den eingesetzten Futtermitteln?) und (ii) "Flächenkonkurrenz" (Welchen Beitrag zur Protein- und Energieversorgung des Menschen könnte ein direkter Anbau von Ackerkulturen auf den für die Milchproduktion eingesetzten Fläche im Vergleich zur Milchproduktion leisten?). Die Nahrungsmittelkonkurrenz war bei allen untersuchten Betrieben kleiner als 1; das bedeutet, dass sie netto mehr Protein und Energie für die menschliche Ernährung produzieren, als in den Futtermitteln enthalten ist. Die Indikatorwerte für die Nahrungsmittelkonkurrenz korrelieren stark mit dem Kraftfuttereinsatz pro produzierte Einheit. Von den insgesamt 1.5 Mio. Tonnen Kraftfutter, welche in der Schweiz zum Einsatz gelangen, werden 24 Prozent für die Produktion von Milch und 6 Prozent für die Produktion von Rindfleisch eingesetzt. Betriebe, welche im hohen Masse Kraftfutter verfüttert, weisen hohe Nahrungsmittelkonkurrenz auf. Bei der Flächenkonkurrenz zeigte sich, dass in den meisten Fällen ein Anbau von direkt für den Menschen verwertbaren Ackerprodukten mehr zur menschlichen Ernährung beitragen würde als die Milchproduktion auf den betreffenden Flächen.</p><p>2. Betriebe mit wenig Kraftfuttereinsatz resp. Betriebe, welche Nebenprodukte aus der Lebensmittelproduktion einsetzen, weisen tendenziell einen niedrigen Nahrungsmittelkonkurrenz-Indikator auf. In Bezug auf die Indikatorwerte der Flächenkonkurrenz ist die Fläche und Qualität der ackerfähigen Böden eines Betriebes entscheidend. Die in der Studie untersuchten Betriebe in der Bergzone weisen niedrige Indikatorwerte und somit eine geringe Konkurrenz auf. Durch eine Verringerung der Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz kann die Ressourceneffizienz verbessert und die Ernährungssicherheit erhöht werden. Eine Umstellung der ackerfähigen Flächen auf eine protein- oder energieoptimierende Fruchtfolge hat jedoch weitreichende Konsequenzen und bedarf weiterer Untersuchungen.</p><p>3. und 4. Im Direktzahlungssystem fördert der Bund die Futtermittelproduktion gegenüber anderen Produktionen grundsätzlich gleich. Von Versorgungssicherheitsbeiträgen profitieren jedoch der Ackerbau und die Dauerkulturen relativ betrachtet stärker als das Grünland. Wie der Bundesrat in seiner Antwort auf Ip. 20.3304 festgehalten hat, sollen die Versorgungssicherheitsbeiträge künftig basierend auf einer Evaluation noch zielgerichteter eingesetzt werden. Mit Produktionssystembeiträgen für eine "graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion GMF" setzt der Bund Anreize für einen reduzierten Kraftfuttereinsatz. Eine Reduktion der Futtermittelproduktion auf der inländischen Ackerfläche ohne Änderung der Konsumgewohnheiten bei Fleisch würde die Futtermittel- oder Fleischimporte erhöhen. Dadurch würde die Flächen- und Nahrungsmittelkonkurrenz nur verlagert und nicht vermindert.</p><p>Mit der Einführung der AP22+ ist vorgesehen, die standortangepasste Produktion mit verschiedenen Massnahmen im Rahmen der Produktionssystembeiträge (z.B. reduzierte Proteinzufuhr, effizienter Stickstoffeinsatz) und des ÖLN (z.B. regional strengere Anforderungen) stärker zu fördern. Bei den Versorgungssicherheitsbeiträgen ist geplant, Ackerbau und Dauerkulturen im Vergleich zu Grünland nochmals stärker zu stützen. Nicht zuletzt soll gemäss Gewässerschutzgesetzgebung die maximale Hofdüngermenge pro Hektar reduziert werden.</p><p>5 und 6. Die Forschung von Agroscope und HAFL wurde im Rahmen einer Ausschreibung eines privaten Konsortiums zum Thema Indikatoren für die Nachhaltigkeit bei der Milchproduktion durchgeführt. Eine direkte Anwendung der in der Studie entwickelten Indikatoren ist zurzeit nicht geplant. Das Bundesamt für Landwirtschaft beauftragt Agroscope jedoch, die Forschung zur standortangepassten Landwirtschaft im kommenden Arbeitsprogramm zu intensivieren. Dabei sollen auch Aspekte einer Reduktion der Feed-Food-Competition vertieft werden.</p>  Antwort des Bundesrates.