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Ökonomie der Brüderlichkeit
«Entweder man wird sich bequemen, mit seinem Denken den Anforderungen der Wirklichkeit sich zu fügen, oder man wird vom Unglücke nichts gelernt haben, sondern das herbeigeführte durch weiter entstehendes ins Unbegrenzte vermehren.»
(Rudolf Steiner, Februar 1919)
«Ich halte es für Selbstvernichtung, wenn jemand sagt: Wir haben Ideen, die sich verwirklichen lassen, aber ich glaube nicht daran. Diese Frage halte ich nicht für eine Wirklichkeitsfrage, sondern nur die: Was tun wir, damit eine wirklichkeitsgemäße Idee sich so schnell als möglich verwirkliche?»
(Rudolf Steiner, April 1919)
Zwei Vorträge von Peter Selg und Marc Desaules über die Zivilisationsbedeutung der sozialen Dreigliederung in 1917, 1919 und in der Gegenwart.
Ökonomie der Brüderlichkeit
Im Umgang mit Kaufen, Leihen, Schenken
Eine Ökonomie kann als brüderlich bezeichnet werden, wenn an jeder Stelle in dem ihr zugrundeliegenden Finanzkreislauf fortwährende Ausgewogenheit herrscht, das heisst: wenn beim Austauschen von Werten keiner ohne Zuspruch der Anderen sich bevorzugt, sich in eine Vormachtstellung bringt, andere zu seinem Vorteil arbeiten lässt. Das Hypomochlion, die Zunge an der Waage, an der diese Ausgewogenheit gesucht und gestaltet werden kann, ist da, wo in einem assoziativen Vorgang der jeweils richtige Preis ermittelt wird. Angesichts der drei im Finanzkreislauf auftretenden Geldarten können wir demnach sagen:
«Der richtige Preis» enthält nicht weniger, aber auch nicht mehr an Kaufgeld,als die produzierenden Arbeiter und die beteiligten Händler für sich und für die zu ihnen gehörenden Nichterwerbstätigen (Kinder, Studierende, Kranke, Arbeitslose, Alte etc.) anteilmässig an Lebensbedarf benötigen, bis ein gleiches Produkt neu hergestellt und zum Verkauf bereitgestellt ist.
«Der richtige Preis» enthält nicht weniger, aber auch nicht mehr an Leihgeld,als durch die Anwendung von Produktionsmitteln (Saatgut, Werkzeug, Maschinen, Liegenschaften etc.) an Mehrwert erzeugt und befristet dem Kapitalaustausch für die Erneuerung und Weiterentwicklung der Produktionsmittel zugeführt werden soll.
«Der richtige Preis» enthält nicht weniger, aber auch nicht mehr an Schenkgeld,als aus dem befristeten Kapitalaustausch herausgenommen und den im produktionsunabhängigen, freien Kulturund Geistes leben tätigen Arbeitern (Lehrer, Ärzte, Künstler, Priester etc.) à fonds perdu für ihren Lebensunterhalt zur Verfügung gestellt werden soll, damit sie eine fruchtbare geistige Entwicklung der Menschheit fördern und entfalten können.
Die Tagung wendet sich an alle – Finanzverantwortliche, Angestellte, Fachleute, Laien, Konsumenten, Eigentümer, Schuldner und Gläubiger –, die angesichts der Weltwirtschaftslage die Frage nach konkreten Möglichkeiten für eine Veränderung ihres Finanzverhaltens bewegt und die dafür ethischpraktische Ideen suchen.
EINE GEMEINSCHAFTLICHE FINANZTAGUNG VON:
Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz — L’Aubier Montezillon — Die Christengemeinschaft Schweiz — confoedera-Förderverein Zürich — CoOpera Sammelstiftung Ittigen — Freie Gemeinschaftsbank Basel — Gemeingut Boden Schweiz — IG Soziale Dreigliederung GWÖ — Konsumentenverein Basel und Umgebung — NWO-Stiftung Belcampo — Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum — Stiftung Edith Maryon Basel — Stiftung TRIGON Arlesheim
MITWIRKENDE:
Jean-Marc Decressonnière, Geschäftsleitungsmitglied der Freien Gemeinschaftsbank, Marc Desaules, Vorstand Anthroposophische Gesellschaft Schweiz, Gerald Häfner, Leiter der Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum, Fionn Meier, Student der Wirtschaftswissenschaften, Cristóbal Ortín, Priester Christengemeinschaft Zürich, Ursula Ostermai, Sprachgestaltung, Schauspiel, Sprachtherapie, Niklaus Schär, Stiftungsrat CoOpera Sammelstiftung, u.a.
VORTREFFEN:
Freitag, 17. November 2017
14.00 Uhr Studienarbeit am Nationalökonomischen Kurs von Rudolf Steiner GA 340. Keine Anmeldung erforderlich.
PROGRAMMÜBERSICHT:
Freitag, 17. November 2017
17.00 Uhr Eröffnung und Einführung zum Tagungsthema
20.00 Uhr Zwei Vorträge:
Das Entstehungsmoment des Nationalökonomischen Kurses und seine Bedeutung (Marc Desaules)
Ökonomie als Übungsfeld einer neuen Brüderlichkeit (Gerald Häfner)
Samstag, 18. November 2017
9.00 Uhr Drei Vorträge: Kaufen, Leihen und Schenken brüderlich gestalten
(Jean-Marc Decressonnière, Marc Desaules, Cristóbal Ortín)
Referate und Werkstätten zum Tagungsthema (Informationen und Anmeldung bei Tagungsbegin am Infotisch.)
Darstellung konkreter Projekte (Sonett GmbH, Remei AG, Chancen eG, u.a.) und künstlerische Kurse: Eurythmie, Sprachgestaltung, Betrachtungsübungen, etc. (Informationen und Anmeldung bei Tagungsbegin am Infotisch.)
19.30 Uhr Eurythmie-Aufführung: «Das Rätsel des Judas – Verrat & Gewissen»
Else-Klink-Ensemble Stuttgart, Künstlerische Leitung: Benedikt Zweifel
Sonntag, 19. November 2017
9.00 Uhr Tagungsarbeit Referate, Überschau und Ausblick im Plenum
12.30 Uhr Ende der Tagung