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Praxis
Das Gesetz verbietet den Verkauf von Bier und Wein an Personen unter 16 Jahren und von Spirituosen an Personen unter 18 Jahren (im Kanton Tessin werden alle alkoholischen Getränke nur an Personen ab 18 Jahren verkauft).
Hauptzweck der Testkäufe ist die Prävention. Sie sollen das Verkaufspersonal auf das Verbot der Abgabe von alkoholischen Getränken an Jugendliche unter 16 respektive 18 Jahren aufmerksam zu machen. In Ermangelung einer gesetzlichen Grundlage können die Ergebnisse dieser Käufe nicht als Beweismittel in Strafverfahren verwendet werden oder zur Verhängung einer Geldstrafe führen. Ihnen können jedoch Verwaltungsmassnahmen wie die Rücknahme des Wirtepatents folgen. Testkäufe werden sowohl von privaten Institutionen als auch von den Behörden durchgeführt.
Die Eidgenössische Zollverwaltung veröffentlicht jährlich einen Bericht über die Praxis der Alkoholtestkäufe in der Schweiz.
Ergebnisse 2020
2020 wurden 6040 Testkäufe realisiert. Die Anzahl Testkäufe von Institutionen wurde aufgrund der Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie deutlich reduziert. Dieser Rückgang wurde durch Testkäufe zweier privaten Organisationen fast gänzlich kompensiert. Es ist daher gut möglich, dass wir unter normalen Umständen eine Rekordanzahl an Testkäufen realisiert hätten.
Im vergangenen Jahr wurden etwa 30 Prozent aller alkoholischen Getränke an Personen verkauft, die das gesetzlich festgelegte Mindestalter noch nicht erreicht hatten.
Dies bedeutet eine starke Zunahme der illegalen Verkäufe im Vergleich zu einem markanten Rückgang vom Jahr 2018 mit 28,3 Prozent auf 20,3 Prozent im Jahr 2019. Diese Zunahme steht sicherlich im Zusammenhang mit der Pandemie, insofern das Tragen von Schutzmasken das Einschätzen des Alters der Personen für das Verkaufspersonal erschwert.
Die Ergebnisse variieren je nach Verkaufsstelle
Wie in den vergangenen Jahren gab es Unterschiede bezüglich den Verkaufsraten je nach Art der Verkaufsstelle, in der Alkohol abgegeben wurde.
2020 wurden Ladenketten am meisten getestet (vier von zehn Testkäufen), gefolgt von Restaurants und Kaffees (fast ein Testkauf von fünf), anderen Etablissements (mehr als ein Fall von fünf) und Tankstellen (etwas mehr als ein Testkauf von sechs).
Die wenig getestete Kategorie von Bars und Partys/Events schloss am schlechtesten ab mit 41 Prozent die illegalen Verkäufe auf Partys und anderen Events wie Demonstrationen und 43 Prozent in Bars. Diese Resultate sind viel höher als in anderen Verkaufsstellen wie etwa Ladenketten (29 Prozent).
…und nach Anzahl der Käufer
Darüber hinaus zeigt die Analyse der Ergebnisse zum einen, dass der Anteil der illegalen Verkäufe umso höher ist, je älter die Testkäufer sind. Auf der anderen Seite zeigt sich aber auch eine interessante Entwicklung: Gruppen haben leichteren Zugang zu Alkohol als einzelne Käufer. So wurde beispielsweise einem jungen Testkäufer oder einer jungen Testkäuferin in 27 Prozent aller Fälle Alkohol verkauft, wenn er/sie alleine war, jedoch in 37 Prozent aller Fälle, wenn er/sie mit einer Gruppe von gleichgeschlechtlichen Kameraden/Kameradinnen zusammen einkaufte. Diese Zahl nähert sich der 40-Prozentmarke für gemischte Gruppen junger Menschen.
Leitfaden
Das Handbuch für Testkäufe dient als Standardwerk für die ganze Schweiz und enthält zahlreiche praktische Anleitungen. So verwenden Kantone, Gemeinden und NGOs die gleiche Basis für ihre Testkäufe und können die erhobenen Daten schweizweit vergleichen. Das Handbuch enthält die Konzepte und Grundlagen, die von den Organisationen im Präventionsbereich, den kantonalen Instanzen und dem Blauen Kreuz entwickelt wurden und sich bewährt haben.
Web-Plattform für die Erfassung der Daten
Die Plattform www.tkdb.ch basiert auf einem Modell des Blauen Kreuzes. Sie sorgt für eine koordinierte und einheitliche Erfassung der Daten in der ganzen Schweiz.
Mithilfe der Plattform können Fragebögen erarbeitet und Rubriken nach Zielgruppe ausgewählt werden. Die Plattform lässt sich auch für Testkäufe anderer Produkte wie Zigaretten oder Spiele nutzen. Die Daten sind in geschützten Bereichen abgelegt, sodass deren Sicherheit gewährleistet ist.
Dokumente