Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03109.jsonl.gz/2836

“Wir versuchen in unserem Zoo die Tiere zu vergesellschaften und ihnen so ihren Beruf zurückzugeben”, erklärte Zoo-Direktor Alex Rübel am Mittwoch vor den Medien. Die Tiere sollen ihre natürliche Verhaltensweise – für Rübel ihren Beruf – auch im Zoo beibehalten und nicht verkümmern lassen.
Dabei geht es um das Sozialverhalten, die Futterbeschaffung und die Feindabwehr, wie Rübel erklärte. “Das Leben braucht eine gewisse Spannung. Und das ist mit gemeinsamen Anlagen, wie beispielsweise unserem Bullenstall, möglich.”
Im Bullenstall leben momentan die Elefantenbullen Maxi und Thai und eine fünfköpfige Gruppe von Hirschziegenantilopen-Männchen. “Das ist auch für die Elefanten interessant.”
Zuerst habe es schon etwas Bewährungszeit gebraucht, und es habe auch Auseinandersetzungen zwischen den Tierarten gegeben, sagte Rübel. Die Antilopen bewohnen im Aussenbereich des Kaeng Krachan Elefantenpark einen eigenen Stall mit einem elefantensicheren Vorhof. Dorthin können sie sich zurückziehen, wenn ihnen die Dickhäuter zu nahe kommen.
Neben dieser Gruppe, die nur aus Männchen besteht, gibt es im Zoo Zürich eine gemischte Gruppe. Diese teilt sich die Anlage mit Nilgauantilopen, Burma-Leierhirschen, Weissnackenkranichen und Streifengänsen und wird so vergesellschaftet.
Die Gruppe der Hirschziegenantilopen hat zwischen Ende Juni und Mitte Juli Zuwachs erhalten. Jedes der sieben Weibchen hat ein Junges geboren, wovon eines allerdings nicht überlebt hat. “Die Weibchen werden zwei Mal pro Jahr praktisch gleichzeitig gedeckt”, erklärte Rübel. Deshalb bekommen sie nach einer Tragzeit von sechs Monaten auch ihre Jungen gemeinsam.
In diesem Sommer waren es vier junge Männchen und ein Weibchen, die sich zu den zwei Böcken und sieben Weibchen der Herde gesellt haben. Bei einem Jungtier war die Geschlechterbestimmung bisher nicht möglich: “Es war bis jetzt zu schnell und konnte nicht eingefangen werden”, sagte Rübel.
Nach rund zwei bis drei Jahren kommen die Männchen dann ebenfalls zur Bock-Gruppe bei den Elefanten oder werden an andere Zoos weitergegeben. Inzucht soll verhindert werden.
Die Hirschziegenantilopen, die auch Sasin genannt werden, leben auf dem indischen Subkontinent. Vor allem durch den hohen Jagddruck verminderte sich ihr Bestand bis in die 1960er Jahre auf etwa 8000 Tiere. Dank strenger Schutzmassnahmen ist ihre Zahl inzwischen wieder auf circa 50’000 Tiere angestiegen.
Die bis zu 80 km/h schnellen Tiere bewohnen Halbwüsten, Grasländer und Trockenwälder. “Die Männchen haben Hörner und keine Geweihe”, sagte Rübel. Der Unterschied: Geweihe werden jährlich abgeworfen, Hörner bleiben dran.
Die Weibchen zeichnen sich durch ihre hellbraune Farbe aus, die älteren Böcke hingegen entwickeln ein fast schwarzes Fell. “Interessanterweise färben sich die Tiere unserer Bock-Gruppe ohne Weibchen langsam wieder zurück nach hellbraun.”
(SDA)