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Januar 2024
Vierwaldstättersee – DS Helvetia
Nahezu auf allen grösseren Schweizer Seen standen Dampfschiffe mit dem Namen Helvetia in Fahrt. Die «Helvetia» in Luzern kam im Sommer 1870 als erster Neubau für die Vereinigte Dampfschifffahrts-Gesellschaft des Vierwaldstättersees (VDGV) in Betrieb.
Der Glattdeck-Dampfer Helvetia liegt, im Bauzustand von 1870-1878, an der heutigen Landungsbrücke 7. Der Steuerstand befindet sich noch im Heck.
(Archiv Robert Knöpfel)
Als Glattdecker war sie gegenüber den zwei Jahre später erbauten «Germania» und «Italia» im Nachteil. Diese beiden Raddampfer boten mit ihren Salonaufbauten den Passagieren Schutz vor Wind und Regen. Zudem war das mit einem Zeltdach geschützte Oberdeck auf diesen Schiffen eine weitere Attraktion. Um den Nachteil bei der «Helvetia» etwas auszugleichen, wurde sie 1884 zu einem Halbsalondampfer umgebaut.
Die «Helvetia» präsentiert sich, nach dem Umbau zum Halbsalon-Dampfer, stolz dem Fotografen.
(Archiv SGV)
Rund zehn Jahr später machte die Maschinenanlage Sorgen. Die Kurbelwelle brach zweimal innert kurzer Zeit und 1899 stellte der Maschinist während einer Fahrt nach Flüelen einen Riss in der Oberplatte des Maschinenstuhls fest. Zwar blieb das Schiff nach einer Reparatur im Dienst, jedoch stellte die Verwaltung fest, dass der Zustand der Maschine im Allgemeinen kein Vertrauen einflösste. Nach rund 57’500 Betriebsstunden und 990’000 gefahrenen Kilometern wurde der Ersatz der oszillierenden Dampfmaschine beschlossen.
Die Dampfer Italia (links) und Helvetia (mit Schlagseite) am Bahnhofquai in Luzern.
(Ansichtskarte abgestempelt am 3. Oktober 1923)
Da eine schrägliegende Maschine nicht eingebaut werden konnte und Sulzer keine oszillierende Anlage bauen wollte, erhielt Escher Wyss den Bauauftrag. Vorerst wurden die aus dem Jahre 1884 stammenden Kessel weiter verwendet. Diese ersetzte man 1908 und danach erbrachte die neue Maschine eine deutlich wirtschaftlichere Leistung.
So dürfte die neue Maschine der «Helvetia» ausgesehen haben. Es könnte sich aber auch um diejenige der «Aigle» vom Lac Léman handeln.
(Archiv DZ)
1924 bewältigte die Flotte das Verkehrsaufkommen auf dem Vierwaldstättersee nur Dank dem Umstand, dass im Hochsommer das Wetter schlecht war. Die «Helvetia», sie stand bis zum Ersten Weltkrieg im Einsatz, musste wieder in Dienst gestellt werden. Zuvor war aber eine umfassende Renovation nötig. Damit die Passagiere wieder das Oberdeck betreten konnten, musste die Stabilität verbessert werden.
Nach dem Umbau wurde das Dampfschiff Helvetia in der Werft gekrängt.
(Archiv DZ)
Die Schale wurde verlängert und mittschiffs verbreitert. Die Tragfähigkeit erhöhte sich dadurch von 500 auf 650 Personen. Der Dampfer stand danach im regelmässigen Fahrdienst. Ab 1950 diente das Schiff nur noch als Notreserve. Die jährlichen Fahrleistungen gingen von bis 40’000 Kilometer auf 280 Kilometer pro Jahr zurück.
Vollbesetzt trifft das Dampfschiff Helvetia im Sommer 1958 als Supplementskurs von Stansstad kommend in Luzern ein.
(Foto Paul Graber)
Bis zu seiner Ausserdienstnahme legte die «Helvetia» 2’160’229 Kilometer zurück. 1961 wurde sie für eine Saison als provisorisches Stationshaus in Flüelen verankert. Eine Privatperson aus Nidwalden kaufte am 1. Februar 1963 das ausrangierte Schiff.
Mit der Probefahrt am 5. Juni 1959 legte die «Helvetia» ihre letzte Fahrleistung zurück. Diese Aufnahme entstand am 27. Mai 1959, also ein paar Tage vor der letzten Fahrt.
(Foto Karl Diego Wyrsch)
Quellenangabe:
Die Geschichte der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee; Jürg Meister und Josef Gwerder, 2022
Diverse Ausgaben der Dampferzeitung