Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03484.jsonl.gz/3009

Tipps gegen Schmerzen beim Stillen
Wie lange sollte das Baby gestillt werden?
Das ist eine sehr persönliche und fast schon philosophische Ansicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Stillzeit von vier bis sechs Monaten. Aus medizinischer Sicht gibt es jedoch kein Limit. Wenn eine Mutter sich für das Abstillen entscheidet, kann eine Mahlzeit, je nach Alter des Kindes, durch einen Schoppen oder einen Brei ersetzt werden. Die Milchmenge richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Je mehr das Kind angesetzt wird, desto mehr Milch wird produziert. Je seltener das Kind saugt, desto weniger wird Milch produziert.
Wie sollten Frauen bei einer Brustentzündung reagieren?
Eine Brustentzündung ist eine ernsthafte Erkrankung. Neben meist hohem Fieber treten grippeartige Symptome auf. Die Frauen haben Schmerzen beim Stillen, es können sich punktuell schmerzhafte, rote und verhärtete Stellen an der Brust bilden. Eine beginnende Brustentzündung sollte so rasch als möglich durch eine Fachperson, Hebamme, Still- oder Mütterberaterin oder Ärztin, Arzt behandelt werden. So besteht die Chance die beginnende Entzündung in den Griff zu bekommen. Über die Behandlungsmethoden herrscht keine Einigkeit unter den Experten. Viele Ärzte verschreiben schnell Antibiotika, wir Hebammen sind eher zurückhaltend in der Abgabe und versuchen durch Wickel, häufigeres Stillen oder Abpumpen, Bettruhe und regelmässige Hausbesuche die Entzündung abklingen zu lassen. Es ist wichtig, dass die Frauen von jeglicher Hausarbeit befreit sind. Haushaltshilfe - und Spitexorganisationen sind Stellen, die in solchen Situationen Hilfe anbieten. Oft kümmert sich aber auch ein Familienmitglied um die Mutter. Während der ganzen Stillzeit ist es möglich eine Brustentzündung zu bekommen. Viele Frauen haben diese Erfahrung leider schon gemacht. Meistens ist eine Brustentzündung jedoch kein Grund zum Abstillen.
Wenn Frauen aber absolut nicht stillen möchten. Müssen sie dann ein schlechtes Gewissen haben?
Nein.
Warum nicht?
Es gibt Situationen, in denen es für die Frau, ihr Umfeld und schliesslich auch für ihr Kind besser sein kann, wenn sie nicht stillt. Dies sind ganz persönliche und individuelle Gründe und sie sollten absolut respektiert werden.
Lucia Mikeler Knaack schloss vor 30 Jahren ihre Ausbildung zur Hebamme ab und arbeitet seit 1989 frei praktizierend im Raum Basel. 1990 gründete sie mit Kolleginnen zusammen das erste Geburtshaus der Schweiz. Sie betreut Frauen in der Schwangerschaft, unter der Geburt zuhause oder als Beleghebamme in einem Privatspital und begleitet Familien in der sensiblen Zeit des Wochenbetts. Berufsbegleitend studiert sie an der Fachhochschule Nordwestschweiz Gesundheitsförderung und Prävention. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Lucia Mikeler Knaack ist SP-Politikerin.
Mehr über Lucia Mikeler Knaack erfahren Sie unter www.lucia-mikeler.ch
Interview: Natascha Mahle