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Seit dem 16. und 17. Jh. interessieren sich viele Gelehrte aus den Städten für die vielfältigen Lebensformen auf der Welt. Als Auslöser dafür gilt die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahre 1492. Viele Gelehrte stellten mit präparierten Tieren und getrockneten Pflanzen Naturalienkabinette zusammen. Diese waren im 18. Jh. sehr verbreitet und bestanden typischerweise aus wissenschaftlich geordneten Gegenständen der Natur. Sie dienten dem Studium der Naturgeschichte, sollten aber auch zum Staunen verleiten.
Ein grosses und weithin bekanntes Naturalienkabinett in Basel hatte der erfolgreiche Basler Stadtarzt Felix Platter (1536–1614) aufgebaut. In seinem Haus beherbergte er naturwissenschaftliche Kollektionen aller Art, viele Kunstgegenstände und Musikinstrumente. Darunter befanden sich 500 Porträts berühmter Männer, 200 Zeichnungen von Säugetieren und einige Originale aus dem Nachlass des Zürcher Naturforschers und Naturaliensammlers Conrad Gesner (1516-1565). Platters Sammlung umfasste zudem 350 Abbildungen von Seefischen und 150 Abbildungen von Flussfischen, Mineralien, Versteinerungen, Schnecken- und Muschelschalen, Insekten, Münzen und Antiquitäten. Er besass ein Herbarium mit 18 Bänden und kultivierte in seinem Garten seltene und exotische Pflanzen.
Felix Platters Sammlung enthielt auch die Schwarzmündige Bänderschnecke (Cepaea nemoralis), die als ältester Beleg eines Tieres in einer wissenschaftlichen Sammlung gilt. Der Grossteil des Kabinetts war in einem grossen Schrank mit 60 Schubladen untergebracht. Zudem zog er Seidenraupen auf und züchtete Tauben. Sein Haus mit der Kunst- und Naturaliensammlung war eine Sehenswürdigkeit und wurde von vielen Reisenden besucht. Nach seinem Tod wechselte seine Sammlung häufig den Besitzer; manches ging verloren. Heute findet man einen Teil seiner Sammlung im Naturhistorischen Museum Basel. Sein Herbar befindet sich an der Universität Bern.
Ein weiteres bekanntes Naturalienkabinett stammt von Hieronymus d’Annone (1697-1770) (auch d’Annoni genannt), einem reformierten Theologen und Dichter von Kirchenliedern, der im 18. Jh. als Pfarrer in Waldenburg und Muttenz tätig war. Er besass über 700 Versteinerungen, Muscheln und Mineralien, von denen viele als Kupferstiche in Daniel Bruckners «Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel» abgebildet sind. Im Jahr 1760 notierte der ungarische Graf Joseph Teleki, der auf der Durchreise die Sammlung in Muttenz ansehen wollte: «Auch Herr Pfarrer Annoni besitzt eine schöne Sammlung von Versteinerungen, wie es heisst, wir bekamen sie aber nicht zu sehen, denn er sagte er bedaure […] aber an einem Sonntag zeige er sie niemandem» .
Nach und nach sammelten nicht nur die Gelehrten Naturalien, sondern auch wohlhabende Bürger. Im 19. Jh. galt das Sammeln von Naturgegenständen als symbolische Eroberung, als Aneignung der Natur und als Zusammentragen von Wissen der Welt. Es brach ein Sammelfieber aus, da auch die Bürger zunehmend Freude am Besonderen und Auserlesenen entwickelten. So besassen zum Beispiel Andreas Bischoff-Ehinger (1812–1875) und Friedrich Riggenbach-Stehlin (1821–1904), zwei Bankiers aus Basel, umfangreiche Insektensammlungen, die sie dem Naturhistorischen Museum in Basel vererbten.
Im 19. Jh. wurden die meisten Naturalienkabinette in Naturkundemuseen integriert. Das Naturhistorische Museum Basel entstand bereits 1821 als Sammlung und zog 1849 in ein neues Haus in der Augustinergasse. Der langjährige Leiter Prof. Peter Merian (1795–1883) vergrösserte die Sammlung stetig. Neben fossilen Haifischzähnen, Blasen- und Nierensteinen von Felix Platter stammen viele Objekte aus dem Amerbach’schen Kunst- und Curiositätencabinett, welches die Stadt Basel 1661 erworben hatte. Von 1968 bis 1972 wurden zur Lagerung der Objekte neue, unterirdische Kulturgüterschutzräume gebaut. Bald darauf entstanden lehrreiche und interaktive Ausstellungen.
Heute beherbergt und betreut das Museum rund 10 Dauerausstellungen. Die verschiedenen Sammlungen mit rund 7,7 Millionen Objekten decken die Themenbereiche Zoologie, Entomologie, Mineralogie, Anthropologie, Osteologie und Paläontologie ab. Das Museum versteht es als Auftrag, die naturwissenschaftliche Sammlung zu erweitern, zu bewahren, zu erforschen, zu dokumentieren und zu vermitteln.
In der Region Basel gibt es noch weitere Sammlungen mit Naturobjekten. Das Kantonsmuseum in Liestal eröffnete im Jahr 2014 die Dauerausstellung «Wildes Baselbiet. Tieren und Pflanzen auf der Spur». Das Museum ist bald nach der Kantonstrennung aus einem um 1836 begründeten «Naturalien-Cabinet» entstanden und beherbergt eine Sammlung von über 2 Millionen Natur- und Kulturobjekten aus dem gesamten Kanton. Noch immer existieren auch private Sammlungen.
Das Herbar der Basler Botanischen Gesellschaft ist mit über 300 000 Belegen eine der grössten Pflanzensammlungen der Schweiz. Es wird vollständig digitalisiert und über das Internet zugänglich gemacht.
DK / AH