Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03424.jsonl.gz/2605

Muniba Mazari: Pakistans «Eiserne Lady»
Aus Unglück neue Möglichkeiten schaffen
In diesem Beitrag geht es um Muniba Mazari, eine Frau, die seit 2007 auf den Rollstuhl angewiesen ist. Sie erzählte in einem TED Talk ihre Geschichte über den Autounfall in ihrem Heimatland Pakistan, der ihr Leben veränderte. Sie erzählte offen über diese Erfahrung, und dass von all ihren Verletzungen die Querschnittlähmung die verheerendste war.
Erstes Kapitel: Der Unfall, der ihr Leben veränderte
Zu Beginn des Vortrags schilderte Muniba Einzelheiten ihres Unfalls, der ihr Leben und ihre Persönlichkeit komplett veränderte. Sie erlitt mehrere schwere Verletzungen, darunter drei komplett zerstörte Rückenwirbel.
Die Fahrt zum Spital war eine weitere Tragödie. Weil kein Krankenwagen verfügbar war, musste Muniba trotz ihrer schweren Verletzungen auf dem Rücksitz eines Jeeps zum Spital transportiert werden. Unglücklicherweise konnte das Spital keine Erste Hilfe leisten, daher musste sie in ein anderes gefahren werden. Im zweiten Spital schickte man sie erneut weg, weil dort die für die Operation notwendige Ausstattung nicht vorhanden war. Die Ärzte waren auch der Meinung, dass ihre Überlebenschancen niedrig waren, deshalb hatte Muniba für sie nur geringe Priorität.
Daraufhin fuhren sie zum dritten Spital in Karachi, wo Muniba zum Glück aufgenommen wurde. Sie erhielt dort drei grössere und zwei kleinere Operationen, in denen die Ärzte ihren Arm und ihre Wirbelsäule mit viel Metall zusammenflickten. Aus diesem Grund bekam sie den Spitznamen «Pakistans Eiserne Lady», und ziemlich genau so fühlt sie sich heute auch.
Zweites Kapitel : Was sie wieder aufmunterte
Als Muniba erfuhr, dass sie nie wieder laufen oder Kinder haben kann, liess sie zunächst alle Hoffnung fahren. Sie erläuterte, wie sie dann aber bald ihre Einstellung gegenüber der Situation veränderte. Muniba hatte einen Bachelor-Abschluss in Kunst und widmete sich der Malerei. Als eines der ersten Dinge gestaltete sie die weissen Wände ihres Spitalzimmers fröhlicher.
Muniba bekräftigte, dass es die beste Entscheidung ihres Lebens war, mit einer deformierten Hand im Spital ein Gemälde anzufertigen, und so ihr trübes Dasein farblich aufzuheitern.
Nach zweieinhalb Monaten im Spital zog Muniba nach Islamabad, wo sie weiterhin ans Bett gefesselt war. Sie nutzte das Elend, das ihr widerfahren war, um ihre künstlerische Natur zu erkunden. Sie glaubt, dass es die Kunst war, die sie während der insgesamt zweieinhalb Jahre, die sie ans Bett gefesselt war, am Leben hielt.
Drittes Kapitel: Der Rollstuhl, der ihr Bewusstsein veränderte
Muniba sprach über den Moment, als sie zum ersten Mal im Rollstuhl sass, und wie sie sich dadurch wie eine komplett andere Person fühlte.
Sie erinnerte sich daran, wie sie sich, im Rollstuhl sitzend, im Spiegel betrachtete. Sie sagte sich, dass es sinnlos wäre, auf ein Wunder oder eine Stammzellenbehandlung zu warten, die sie sich nicht leisten konnte. Anstatt heulend in der Zimmerecke zu sitzen, entschied Muniba, sich selbst so zu akzeptieren, wie sie war, und zwar je schneller, desto besser.
Viertes Kapitel: Die herzzerreissende Kampagne
Muniba begann, eine erfolgreiche Karriere als Redakteurin und Künstlerin aufzubauen, doch sie fühlte sich nicht erfüllt. Sie wollte etwas Bedeutsames für die Menschen in Pakistan zu tun.
Eines Tages sah sie zufällig eine Impfkampagne gegen Polio, welche ein Kind im Rollstuhl zeigte, das jämmerlich aussah und auf Mitgefühl angewiesen war. Muniba empfand diese Darstellung von Menschen mit Behinderungen in den Medien als erschütternd und entschied, etwas dagegen zu tun.
Seither setzt sich Muniba leidenschaftlich für Menschen im Rollstuhl ein. Sie kämpft dagegen an, dass Menschen mit Behinderungen zum Symbol für Elend oder Mitleid gemacht werden. Sie engagiert sich in Kampagnen, um die Vorstellung der Menschen vom Leben im Rollstuhl zu ändern. Muniba zeigte ihnen, dass es immer noch möglich ist, der Welt mit einem Lächeln zu begegnen und sich selbst zu lieben, sogar im Rollstuhl. Sie fügte hinzu:
«Wir sind Menschen; wir atmen, wir haben eine Seele, wir sind lebendig, wir fühlen. Wir brauchen eure Anteilnahme nicht, wir brauchen euer Mitgefühl nicht. Lasst uns leben!»
Fünftes Kapitel: Motivation durch Anerkennung
Als Pakistans erstes Model im Rollstuhl führte Muniba eine Modelkampagne für die renommierte Friseurmarke Toni & Guy durch. Sie ist auch Markenbeauftragte für die Kosmetikfirma The Body Shop Pakistan.
2015 wurde Muniba als eine von Pond‘s 100 Miracle Women im Rahmen der Pond‘s Miracle Journey-Initiative ausgewählt, die starke pakistanische Frauen ins Rampenlicht rückt. In dieser Anerkennung fand Muniba weitere Motivation, für den Abbau von Barrieren für Rollstuhlfahrer in ihrem Heimatland zu kämpfen.
Muniba arbeitet heute als Motivationsrednerin und Aktivistin. In ihrem TED Talk verwendete sie das Wort «Rollstuhl» häufig, weil sie darin Mut und Kraft findet. Muniba sprach auch über einige Probleme, mit denen sie als Rollstuhlfahrerin konfrontiert ist, doch sie lässt sich davon nicht entmutigen. Sie glaubt, dass ihr erst der Rollstuhl die Möglichkeit gab zu entdecken, wozu sie eigentlich fähig ist, ohne es je gewusst zu haben. Sie sagte:
«Dieser Rollstuhl ist nicht meine Schwäche. Dieser Rollstuhl ist kein Elend. Er ist meine Stärke.»
Was haltet Ihr von Munibas Geschichte und ihrer Einstellung zum Leben im Rollstuhl? Was sind Eure Strategien, um aus Widrigkeiten neue Möglichkeiten zu schaffen?
[Übersetzung des originalen englischen Beitrags]