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selbständige Tragödien national-römischen Inhalts, sogen. Fabulae praetextae, zu schaffen, und dieser Versuch fand auch Nacheiferung, doch überwog durchaus die Nachbildung griechischer Tragödien. Die bedeutendsten Vertreter der republikanischen Tragödie sind Quintus Ennius (239-170), M. Pacuvius (220-130) u. L. Accius (Attius, 170 bis um 104). Von ihren zahlreichen, noch lange nach ihrem Tod aufgeführten Stücken sind nur Bruchstücke erhalten, welche als Eigentümlichkeit dieser Tragiker bisweilen in Schwulst oder Trivialität ausartende Gravität in der Haltung der Charaktere wie in Gedanken und Sprache [* 2] erkennen lassen.
Aus der Kaiserzeit besitzen wir in den durchaus rhetorischen, schwerlich für die Bühne bestimmten Stücken des Seneca (s. d.) die einzigen uns erhaltenen Tragödien der römischen Litteratur. Von den übrigen Tragödienschreibern des 1. Jahrh. n. Chr., in welchem das dramatische Dichten überhaupt immer mehr erlosch, ist uns wenig mehr als die bloßen Namen bekannt. Auch die Komödie bewegte sich anfangs in der von Livius eingeschlagenen Bahn mehr oder minder freier Nachahmung griechischer Stücke und zwar vorzugsweise der sogen. neuern Komödie. Seinen Höhepunkt erreichte dieses nach griechischen Mustern geschriebene Lustspiel, die sogen. Comoedia palliata, durch T. Maccius Plautus (gest. 184) und P. Terentius (gest. 159 v. Chr.), von denen wir die einzigen vollständigen Komödien der römischen Litteratur besitzen.
Ungefähr gleichzeitig mit dem letztern kam die Comoedia togata auf, die in den Formen der griechischen Komödie nationale Stoffe behandelte, und der sich nunmehr die besten Kräfte zuwandten. Als ihr Hauptmeister galt den Alten L. Afranius (um 150 v. Chr.). Im Anfang des 1. Jahrh. v. Chr. machten L. Pomponius und Novius den erfolgreichen Versuch, das alte echt italische Volksspiel der Atellane (s. d.) einer kunstgerechten Behandlung zu unterwerfen, wie dies seit der Mitte desselben Jahrhunderts mit dem gleichfalls altnationalen Mimus (s. Mimen) durch Decimus Laberius und Publilius Syrus geschah. Während in der Kaiserzeit die Comoedia palliata und Comoedia togata allmählich von der Bühne verschwanden, bestanden die Atellane und der Mimus noch lange fort, freilich vorwiegend als Belustigung der untern Volksklassen; die Unterhaltung der höhern Stände bildete der stumme, ballettartige Pantomimus.
Den Anfang des römischen Kunstepos bezeichnen ebenfalls Livius Andronicus und Gajus Nävius, von denen jener die Odyssee zum Schulgebrauch übersetzte, dieser den ersten Punischen Krieg beschrieb, beide in dem rohen einheimischen saturnischen Versmaß. Der eigentliche Schöpfer des römischen Epos ist jedoch Quintus Ennius, der mit seinem Hauptwerk, den Roms Geschichte von der Gründung bis auf seine Zeit behandelnden »Annales«, den griechischen Hexameter einbürgerte.
Auf der von Ennius eingeschlagenen Bahn der Verherrlichung nationaler Thaten bewegte sich das römische Epos fast ausschließlich bis in die Zeit des Cicero. In dieser fing man an, mit Vorliebe mythische Stoffe der Griechen episch zu behandeln, besonders in Anlehnung an die alexandrinischen Dichter. Eine Probe dieser Richtung besitzen mir noch in Catulls Epyllion von der Hochzeit des Peleus und der Thetis, überhaupt der einzigen vollständig erhaltenen epischen Dichtung der republikanischen Zeit. Im Augusteischen Zeitalter finden sich beide Gattungen, das historische und heroische Epos, durch eine Reihe von Dichtern vertreten.
Beide Richtungen vereinigte in seiner »Aeneis« Vergilius Maro (70-19 v. Chr.),
der den Höhepunkt des römischen Epos bezeichnet und von unberechenbarem Einfluß auf die Poesie der Folgezeit gewesen ist. Aus dem 1. Jahrh. n. Chr. besitzen wir von historischen Epen hauptsächlich die »Pharsalia« des Lucanus und die »Punica« des Silius Italicus, während die heroische Gattung die »Argonautica« des Valerius Flaccus und die »Thebaïs« und »Achilleïs« des Statius vertreten. Die weltlichen historischen Epen, die aus den folgenden Jahrhunderten noch vorhanden sind, von Porfirius Optatianus (4. Jahrh.), Claudianus, Merobaudes, Sidonius Apollinaris (5. Jahrh.), Priscianus, Corippus und Venantius Fortunatus (6. Jahrh.), haben durchaus panegyrische Haltung und dienen der Verherrlichung der Kaiser oder einflußreicher Männer. Von diesen ist Claudianus der bedeutendste Dichter und zugleich neben Dracontius (Ende des 5. Jahrh.) einer der letzten Bearbeiter mythologischer Stoffe.
Die dem nüchternen römischen Sinn besonders zusagende didaktische Dichtung fand bei den Römern früh und zu allen Zeiten Pflege. Unter den Kunstdichtern verfaßte schon Ennius, dann der Tragiker Accius u. a. mancherlei Didaktisches. Doch wurde die Form des griechischen Epos erst gegen Ende der Republik herrschend, wo Lucretius sein philosophisches Lehrgedicht »De natura rerum« verfaßte, die einzige aus republikanischer Zeit vollständig erhaltene Dichtung dieser Art. Von Ciceros Übersetzung der »Phaenomena« des Aratos ist nur ein Teil auf uns gekommen.
Auch auf diesem Gebiet erreichte Vergil das Höchste mit seinen »Georgica«, welche selbst alle griechischen Dichtungen dieser Art weit hinter sich zurücklassen. Neben ihm ist von den zahlreichen didaktischen Dichtern der Augusteischen Zeit, welche sich vorzugsweise den Alexandrinern anschlossen, der bedeutendste Ovid, der sich jedoch nur in den »Metamorphosen« und den »Halieutica« des epischen Maßes, in seinen übrigen Gedichten, wie besonders »Ars amandi« und »Fasti«, der elegischen Form bediente.
Aus dieser und den folgenden Zeiten des 1. Jahrh. n. Chr. besitzen wir noch das Jagdgedicht des Gratius zum Teil, von dem sogen. Manilius eine größere Dichtung astronomischen Inhalts, von Germanicus (dem Adoptivsohn des Tiberius) eine Bearbeitung der »Phaenomena« des Aratos, von Columella ein Gedicht über Gartenbau, von dem angeblichen Lucilius ein Gedicht über den Ätna [* 3] und seine vulkanischen Erscheinungen;
aus dem 3. Jahrh. die versifizierte Arzneimittellehre des Serenus Sammonicus und das Jagdgedicht des Nemesianus;
aus dem 4. Jahrh. außer vielem Didaktischen in den Werken des Ausonius, wie der »Mosella«, von Palladius ein Gedicht über den Landbau und von Avienus Bearbeitungen des Aratos und der Erdbeschreibung des Dionysios sowie eine in Iamben verfaßte Küstenbeschreibung;
aus dem 5. Jahrh. außer Gedichten Claudians von Namatianus die Beschreibung seiner Heimreise in elegischem Maß;
aus dem 6. Jahrh. Priscians Bearbeitung des Dionysios u. a. Aus dem 4. Jahrh. stammt die Spruchsammlung des sogen. Cato.
Ist in den meisten der genannten Dichtungen die metrische Form nur äußerliche Zuthat, so fehlt jeder poetische Gehalt in den für Schulzwecke verfaßten Lehrgedichten der Grammatiker, wie in des Terentianus Maurus »Lehrbuch der Metrik« (3. Jahrh.) und den Gedichten Unbekannter über rhetorische Figuren (»De figuris vel schematibus«) und über Maße und Gewichte (»De ponderibus et mensuris«) u. a.
In naher Beziehung zu der didaktischen Dichtung ¶
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sieht die Satire, die einzige poetische Gattung, welche die Römer [* 5] selbständig und unabhängig von den Griechen zur Ausbildung gebracht haben. Ursprünglich bedeutete satura, wie erwähnt, eine aus Musik, Tanz und Gesang gemischte dramatische Ausführung. Ennius scheint zuerst den Namen zur Bezeichnung einer Gedichtsammlung von verschiedenartigem Inhalt und Versmaß verwendet zu haben. Solcher Art waren auch die Satiren des Gajus Lucilius (gest. 103 v. Chr.); jedoch erhielt durch ihn die Gattung eine bestimmte und für die Folgezeit maßgebende Richtung, durch die sie im wesentlichen zu dem wurde, was wir darunter verstehen, indem er die verschiedenartigsten Erscheinungen des damaligen Lebens zum Gegenstand einer bald humoristischen, bald schonungslos rügenden Besprechung machte.
Eine dem verfeinerten Zeitgeschmack entsprechende Erneuerung und Fortbildung fand die Lucilische Satire in der Augusteischen Zeit durch die Sermonen und Episteln des Horaz, der sich auf den ausschließlichen Gebrauch des Hexameters beschränkte und nur das soziale und litterarische Leben in den Kreis [* 6] seiner überwiegend humoristischen Besprechung zog. Seine Nachfolger waren im 1. Jahrh. n. Chr. Persius und Juvenalis, die teils infolge ihrer Individualität, teils veranlaßt durch die allgemeine Sittenverderbnis den zur Satire herausfordernden Kontrast zwischen Ideal und Wirklichkeit mit Bitterkeit und Schärfe behandelten. Eine eigentümliche Abart war die sogen. Menippeische Satire des in der letzten Zeit der Republik lebenden Polyhistors Varro, welcher nach dem Vorgang des Cynikers Menippos von Gadara ernste Gegenstände in humoristischem Ton und in einer aus Prosa und Poesie gemachten Form behandelte.
Die Fabel kam als besondere Dichtungsart erst zur Zeit des Tiberius und Claudius durch Phädrus zur Ausbildung. Außer ihm besitzen wir noch von Avianus aus dem 4. Jahrh. n. Chr. eine Fabelsammlung. - Die alexandrinische Idyllendichtung wurde in die römische Litteratur im Anfang des Augusteischen Zeitalters durch den jungen Vergil eingeführt, der in seinen »Eklogen« jedoch hinter seinem Vorbild Theokrit ebenso zurückblieb wie hinter ihm Calpurnius Siculus (um 55 n. Chr.) und hinter diesem dessen Nachahmer Nemesianus (Ende des 3. Jahrh.). Die unter dem Namen Idylle vereinigten Dichtungen des Ausonius und Claudian verdienen diese Bezeichnung nur in beschränktem Maß.
Von den Kunstformen der Lyrik fand die leichteste, das Epigramm, schon früh auf römischem Boden Pflege und wurde seit Ennius bis in die spätesten Zeiten für mannigfache Zwecke, als Aufschrift, Gelegenheits- und Sinngedicht, teils auch als kleine erotische Elegie, verwendet. Hauptmeister in dieser Gattung ist Martialis (2. Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr.). Die in großer Anzahl vorhandenen vereinzelten Erzeugnisse der römischen Epigrammenlitteratur sind in neuerer Zeit unter dem Namen der lateinischen Anthologie gesammelt worden.
Der Einführung und Entwickelung der übrigen lyrischen Gattungen stand lange Zeit der vorwiegend dem Handeln zugewandte Charakter der Römer entgegen. Erst am Ende der Republik gewann durch den Einfluß der alexandrinischen Dichter besonders die Elegie in Rom [* 7] Boden, und in dieser Gattung übertrafen die Schüler bald ihre Lehrer durch Wahrheit und Wärme [* 8] der Empfindung wie durch Kunstvollendung. Der erste eigentliche römische Lyriker ist Catullus (geb. 87 v. Chr.), der sich in den verschiedensten lyrischen Formen mit Erfolg versuchte.
Auf der von ihm gebrochenen Bahn weiterschreitend, brachten in der Augusteischen Zeit Propertius, Tibullus und Ovid die Elegie zur höchsten Blüte, [* 9] während Horaz die Formen der iambischen Poesie und der äolischen Lyrik ausbildete. Seitdem war die Gewandtheit in der Handhabung der verschiedenen lyrischen Formen außerordentlich verbreitet und wurde von zahlreichen berufenen und unberufenen Dichtern bis in späte Zeiten geübt. Besonders glänzende Vertreter dieser Formbeherrschung sind Statius im 1. Jahrh. n. Chr. und Ausonius im 4. Jahrh. Eine hervorragende Leistung unter den vielen inhaltlich unbedeutenden der spätern Lyrik ist das »Pervigilium Veneris« (»Nachtfeier der Venus«) aus dem 2. oder 3. Jahrh.
Die Prosalitteratur.
Auf dem Gebiet der Prosa haben wir schon aus früher Zeit Kunde von mancherlei Aufzeichnungen: sakralrechtlichen Formularen, Handels- und Bundesverträgen, von den Pontifices geführten Jahrbüchern (»Annales Pontificum« oder »Annales maximi«),
in welche außer den jährlichen Magistraten die verschiedenartigsten Vorfälle des Jahrs nach dem Datum in nüchterner Form eingetragen wurden, Familienchroniken u. a. Besonders bedauernswert ist der Verlust des Landrechts der zwölf Tafeln aus den Jahren 451-450 v. Chr., welches nicht bloß in politischer und juristischer Beziehung, sondern auch litterarhistorisch von großer Bedeutung war als das älteste römische Schriftwerk, welches den Namen eines Buches verdient. Eine wirkliche römische Prosalitteratur entwickelte sich erst verhältnismäßig spät. Der Begründer der schriftmäßigen Prosa ist M. Porcius Cato (234-149), der zuerst die lateinische Sprache für eine vielseitige schriftstellerische Thätigkeit verwendete.
Im wesentlichen Unterschied von der Poesie ging die Geschichtschreibung bei den Römern von den höhern Ständen aus und blieb bis zum 1. Jahrh. v. Chr. ausschließlich in den Händen derselben. Ihre ersten Anfänge fallen in die Endzeit des zweiten Punischen Kriegs, wo Q. Fabius Pictor die lange Reihe der Annalisten eröffnete, so genannt, weil sie sich in ihren Darstellungen der römischen Geschichte, deren ganzen Verlauf sie bis auf ihre Zeit zu schildern pflegten, der Annalenform bedienten.
Wie Fabius, so schrieben auch seine nächsten Nachfolger griechisch bis Cato, der in seinen »Origines« nicht nur zuerst das Lateinische zum Darstellungsmittel machte, sondern auch den Gegenstand zu einer Geschichte Italiens [* 10] erweiterte. Bis in Ciceros Zeit fand diese annalistische Behandlung der römischen Geschichte ununterbrochen Vertreter (s. Annalen). Gemeinsam war allen die Ausbeutung ihrer Vorgänger und das Bestreben, die Ereignisse in ein für Rom möglichst günstiges Licht [* 11] zu stellen, anfangs durch Verschweigen des Ungünstigen, später auch durch Übertreibungen; ebenso allgemein war der sich immer steigernde Hang zu rhetorischer Ausschmückung, und dieser rhetorische Charakter ist eine Haupteigentümlichkeit der römischen Geschichtschreibung geblieben.
Von dieser ganzen annalistischen Litteratur sind nur dürftige Bruchstücke erhalten. Die Reihe der noch vorhandenen Geschichtschreiber eröffnet Gajus Julius Cäsar, dessen »Commentarii de bello gallico« und »de bello civili« zu den besten Erzeugnissen der römischen Prosa gehören. Sein Zeitgenosse war Cornelius Nepos, der Freund des Cicero, Atticus und Catullus, von dessen zahlreichen Schriften wir noch kurze Biographien meist griechischer Feldherren besitzen. Von Gajus Sallustius Crispus (87-36), dem ersten kunstgerechten Historiker der Römer, haben wir die ¶