Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03392.jsonl.gz/1368

Blu-ray-Review: The night is dark and full of terrors
Westeros versinkt im Krieg: Nach dem Tod von König Robert Baratheon sitzt sein grausamer Sohn Joffrey (Jack Gleeson) auf dem Eisernen Thron, doch mehrere Parteien wollen ihn stürzen. Beide Brüder des verstorbenen Königs beanspruchen die Krone der Sieben Königreiche für sich. Doch während sich die jungen Ritter um den charismatischen König Renly (Gethin Anthony) scharen, hat sich sein Bruder Stannis (Steven Dillane) mit Melisandre (Carice Van Houten) verbündet, einer roten Priesterin des Gottes R'hllor, die dunkle Kräfte besitzt.
Robb Stark (Richard Madden), der sich zum König des Nordens ernannt hat, will Rache und bekämpft die Lannisters, wo er nur kann. Derweil versucht Arya Stark (Maisie Williams), die nur knapp den Fängen der Lannisters entkommen konnte, sich in Richtung Norden zu ihrem Bruder Jon Snow (Kit Harington) durchzuschlagen. Dieser ist jedoch längst jenseits der Mauer, wo die Männer der Nachtwache versuchen, die Wildlinge aufzuhalten, die sich um ihren eigenen König scharen.
Während der clevere Tyrion Lannister (Peter Dinklage) als Hand von König Joffrey versucht, den Angriff der Königsrivalen abzuwehren, schlägt sich Danerys Targaryen (Emilia Clarke) auf dem Kontinent Essos mit dem kleinen Rest ihres Khalasars durch die Rote Wüste und gelangt in die Stadt Qarth. Die Dreizehn, ein Rat von Kaufleuten, gewährt ihr zwar Unterschlupf, doch haben sie viel mehr Interesse an Danys Drachen als daran, ihr bei ihrer Rückkehr nach Westeros zu helfen...
Vielen hochgelobten TV-Serien sagt man in der zweiten Staffel einen deutlichen Qualitäts-Einbruch nach. Game of Thrones kann man diesen Vorwurf nur unter Vorbehalt machen. Tatsächlich funktioniert nicht alles in diesem zweiten Jahr; gerade Buchleser hätten es wohl gerne gesehen, wenn man etwas näher bei A Clash of Kings, dem zweiten Roman in George R. R. Martins zugrundeliegendem Fantasyepos, geblieben wäre. Das ist allerdings Kritik auf hohem Niveau, denn GoT bleibt weiterhin eines der Paradebeispiele dafür, wie man anspruchsvolle Fantasy erfolgreich auf den TV-Bildschirm bringen kann.
Einfach war die Aufgabe der Macher um Dan Weis und David Benioff nicht, immerhin hatte man am Ende der ersten Staffel den vermeintlichen Protagonisten verloren, und zu den zahlreichen Figuren und Handlungsorten kommen nun eine ganze Reihe neuer Gesichter und Settings hinzu. In beiden Bereichen hat man auch dieses Mal ein goldenes Händchen bewiesen: Gedreht wurde neben Nordirland im kroatischen Dubrovnik sowie in Island, und zu der bisherigen hochkarätigen Darstellerriege kommen angesehene Darsteller wie Stephen Dillane, Carice van Houten, Natalie Dormer oder Liam Cunningham hinzu.
Obwohl immer wieder zwischen äusserst komplexen Storylines gewechselt wird und unzählige Figuren und Schauplätze balanciert werden müssen, bleibt die Handlung nachvollziehbar und die Spannung ist fast immer konstant. Längen gibt es jedoch bei den Szenen um Daenerys, bei denen man klar zu wenig Story auf zu viele Episoden verteilt hat, um den jungen weiblichen Star der Serie nicht zu lange offscreen zu lassen. Dass das Misslingen dieser Storyline nichts damit zu tun hat, dass man sich zu sehr von der Buchvorlage entfernt hat, beweisen die Szenen mit der grossartigen jungen Maisie Williams (Arya Stark) und dem arrivierten Charles Dance (Tywin Lannister): Deren Zusammentreffen wurden komplett für die Serie erfunden, gehören aber zu den kleinen Highlights jeder Folge.
Peter Dinklage bleibt seinem Ruf als heimlicher Star der Serie treu und stellt Tyrion Lannister mit Witz, emotionaler Tiefe und viel politischem Geschick dar. Positiv fällt auch Alfie Allen (der Bruder von Sängerin Lily Allen) auf, der als Theon Greyjoy zwar eine der unsympathischsten Figuren darstellt, der aber seine schauspielerischen Fähigkeiten und die differenzierte Figurencharakterisierung der Serie zeigen kann.
Eindeutiger Höhepunkt der Staffel ist natürlich die Schlacht bei Blackwater, welcher die ganze neunte Folge gewidmet ist; geschrieben von George R. R. Martin und unter der Regie von Neil Marshall (The Descent, Centurion) bietet sie endlich die bisher etwas vermisste Action. Mit dem gezeigten Realismus, der Brutalität sowie durch die grossartige Ausstattung und die tollen Effekte baut GoT die komplexe Fantasywelt weiter aus und macht Lust auf mehr.
Die Blu-ray-Box bietet wie erwartet grossartige Bild- und Tonqualität. Zu fast jeder Folge gibt es mindestens einen informativen Audiokommentar, zudem sind Dragon Eggs mit Deleted Scenes, historische Hintergründe sowie Infos zu Figuren, Strategien, Religionen und den Dreharbeiten abrufbar.
Petra Schrackmann [pps]
Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).
Ich kenne die Bücher ja nicht, deshalb tappe ich was GoT angeht immer etwas im Dunkeln. In der zweiten Season hab ich mir ein Feuerwerk erhofft und dann enttäuscht festgestellt, dass hier weiter aufgetürmt wird. Die Enttäuschung war von kurzer Dauer, denn GoT ist einfach sauspannend und sehr gut gemacht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie Serie jetzt erst so richtig los geht....und darauf freue mich wie ein kleine Kind.
jo dann wäre doch ein Director's Cut für die DVD-Releases ein möglicher Weg, da hat man keine Sendezeit Beschränkung. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass sie nicht mehr Produzieren können/wollen, doch wenn dieser Trend so weitergeht, macht sich die Serie eher einen Bärendienst... denn in manchen Storylines wurde verhältnissmässig sehr wenig erzählt. Snow hat z.B. kaum mehr gemacht als etwas durch die Eiswüste zu bummeln und fertig. Die Drachenmutter kam auch nur einen kleinen Schritt weiter, während andere nebenbei viele Schlachten gewonnen haben. Von dem her hoffe ich, dass sie sich da mehr Zeit nehmen.
Die Episodenzahl wird auch für weitere Seasons bei 10 bleiben, weil es laut den Machern der Serie schlicht nicht möglich sei, in einem Jahr mehr Folgen zu schreiben und zu drehen. Die Folgen werden aber zunehmend länger. Das "zu viele Storylines, zu wenig Zeit" fällt übrigens in der (noch sehr jungen) 3. Staffel erst recht ins Gewicht.