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…….schreibt der Philosoph Hans Blumenberg (1920 – 1996), der viel zu sagen hat, aber leider manchmal nicht ganz einfach zu verstehen ist, wenn man nicht gewohnt ist, philosophische Texte zu lesen. Dann hilft oft langsames und mehrfaches Lesen. So wird sich auch der Sinn des untenstehenden Zitats erschliessen:
„Die eigentümliche Realität des Trostes steht in Zusammenhang damit, dass die Befindlichkeit, auf die er sich bezieht – der Schmerz, das Leid -, ihrer Natur nach nicht mitteilbar ist. Die Empfindungsausdrücke, die wir für diese Zustände haben, sind derart subjektiver Natur, dass niemand davon ausgehen kann, er könne einem anderen einen Eindruck davon vermitteln, in welchem Zustand des Schmerzes oder des Leidens er sich selbst befindet. Aber diese Unmöglichkeit der Objektivierung bedeutet auch, dass jeder den Empfindungsausdruck des anderen tolerieren muss. Zwar sagt man zu dem Trauernden: Ich weiss, wie einem zumute ist…., und zu einem, der einen physischen Schmerz kaum ertragen kann: Dasselbe hatte ich auch, oder Ich kenne das – aber alle an diesem Ritual Beteiligten sind sich darin einig, dass diese Aussagen nicht beim Wort genommen werden dürfen. Dass man nie wissen kann, was es bedeutet, wenn einer zu verstehen gibt, er leide Schmerz, reserviert diesem Ausdruck eine Toleranzgrenze. Sie verbietet, das Mass des Leides zu vergleichen oder geringzuschätzen. Respekt ist hier das erste, was geboten ist und worin sich die Schutzfunktion der Subjektivität der Empindungsausdrücke bezeugt.
Schon der Schmerz macht, so paradox es klingt, verwundbar. Verwundbar gegenüber dem möglichen Versuch der anderen, seinem Ausdruck zu misstrauen, die Wahl der Schutzfunktion als Flucht unter ihren Schutz umzudeuten. Jede Form von Psychologismus erhöht die Verwundbarkeit dessen, der das Schutzbedürfnis der Subjektivität des Schmerzausdrucks in Anspruch nimmt.“
Zitat aus:
Hans Blumenberg, Beschreibung des Menschen, Suhrkamp TB 2014, Seiten 628/629
Kommentar & Ergänzung:
Selber Schmerzen haben bedeutet, darüber Gewissheit haben. Von Schmerzen anderer hören, bedeutet Ungewissheit. Wir können nicht sicher sein, wie ein anderer Mensch seine Schmerzen empfindet. Der Ausdruck von Schmerz ist idividuell unterschiedlich und kulturell mitgeprägt.
Das macht es nötig, dass wir bei der Interpretation von Schmerzen anderer zurückhaltend und Vorsichtig sind. Das jedenfalls legt uns Blumenberg nahe, wenn ich ihn richtig verstehe. Solche Intepretationen werden leicht übergriffig. Blumenberg schreibt von „Psychologismus“.
Eine gut verständliche Einführung in das nicht leicht verständliche Werk von Hans Blumenberg hat Franz Josef Wetz im Junius Verlag veröffentlicht.
Zum „Phänomen Schmerz“ habe ich einen Beitrag in der Zeitschrift Reflexe veröffentlicht (hier).