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THE WORLD IS NOT ENOUGH war Pierce Brosnans drittes Abenteuer als James Bond. Dass er nach dem kurzen Zwischenspiel mit Timothy Dalton einen hervorragenden 007 abgeben würde, hatte er in GOLDENEYE unter Beweis gestellt. Publikum und Kritik nahmen Brosnan als neuen Agenten im Geheimdienst ihrer Majestät mit offenen Armen an und auch wenn das der Film nach TOMORROW NEVER DIES unter der Regie von Michael Apted (GORILLAS IN THE MIST) ganz unterhaltsam war, so fehlte es an einem richtig starken Bösewicht (Robert Carlyle war das nur bedingt, Sophie Marceau schon eher…) und einem nicht immer sattelfesten Drehbuch. Der Lokalitäten wurden es immer mehr und der Effekte auch, was schliesslich im fürchterlichen DIE ANOTHER DAY Desaster enden sollte, gleichzeitig Brosnans letzter Bond-Film (er befürchtete, dass sich Bond in eine falsche Richtung bewegte…). Doch zurück zu THE WORLD IS NOT ENOUGH, in dem es Bond unter anderem mit der zwielichtigen Elektra zu tun bekommt (fein gespielt von Marceau), sich mit der «bauchfreien» Atomphysikerin Dr. Christmas Jones (Denise Richards) zusammen tut um die Welt zu retten und gegen den schmerzfreien Renard (Carlyle) um Leben und Tod kämpft. Judi Dench als M hat dieses Mal mehr zu tun als nur hinter dem grossen Pult zu sitzen, während Q seinen letzten Auftritt hat und zumindest kurzzeitig durch R (John Cleese) ersetzt wurde.
Wieder mit dabei war auch David Arnold, der hier nach seinem gelungenen Einstand mit TOMORROW NEVER DIES abermals zu Ehren kam. Weitere drei Mal durfte er nach WORLD IS NOT ENOUGH noch ran ehe er den eher mauen Thomas Newman Bond-Scores Platz machen musste. Der Ritterschlag aber erlebte er mit THE WORLD IS NOT ENOUGH, zu dem er gar den Titelsong beisteuern durfte und was für einen leckeren hat er geschrieben. Gesungen wurde dieser von der damals total angesagten Band Garbage, die sich irgendwie um 180 Grad verdrehen musste um diesen melodischen, traditionellen Bond-Song zu performen, aber schlecht haben sie das nicht gemacht. «The World is Not Enough» ist richtig deftig «bondig» mit der charakteristischen «twangy» E-Gitarre und den pfeffrigen Bläsersätzen – wie man sich das eben wünscht. Für einmal bot sich Arnold damit beste Gelegenheit um den Song auch in den Score einzuarbeiten, etwas was danach leider immer seltener geworden ist und dabei doch so wichtig wäre.
Diese Elemente zusammen mit dem Liebesthema («Elektra’s Theme», ein Mehr an Emotion und Dramaturgie wurde absichtlich in die Hände von Michael Apted gelegt, der mehr «Frau» in einen Bondfilm integrieren sollte), pfiffigen Einarbeitungen des unvergleichlichen Monty Norman Themas und David Arnolds sicherer Hand in Sachen double-o-seven ergeben einen kurzweiligen Bond-Score, wenn auch die zeitgemässen Elektro-/Technopopeinschübe in den vielen Actionsequenzen zeitweilen arg vordergründig rüberkommen. Aber das war nicht zu Letzt ein Wunsch der Produzenten, die diesen Mix seit TOMORROW NEVER DIES und dem Track „Backseat Driver“ bevorzugten, sich aber musikalisch nicht wieder mit einem Eric Serra Experiment wie bei GOLDENEYE in den Sand setzen wollten – bisher übrigens eine der wenigen 007 Filmmusiken, nach der kaum ein Hahn in Sachen erweiterter Neuauflage kräht. Willkommener ist diese neue CD (auch gegenüber der vor gut einem Jahr erschienenen DIE ANOTHER DAY) und vielleicht klappt’s ja auch noch mit einer längeren TOMORROW (die Chapter III von 1997 enthielt ein 11 Minuten Interview mit Arnold).
Für Michael Apted arbeitet Arnold ab diesem Bond-Abenteuer bei drei weiteren Filmen: ENOUGH (2002), AMAZING GRACE (2006), CHRONICLES OF NARNIA: THE VOYAGE OF THE DOWN TREADER (2010). Der Regisseur war interessanterweise bei John Barrys letztem Score, ENIGMA, tätig und Arnold verbindet, das wissen wir, doch einiges mit dem grossen britischen Filmkomponist – nicht zuletzt ist das auch in den James Bond Musiken Arnolds bestens zu vernehmen. Oder wie Barry einst zu Arnold sagte: „Play the theme. Play the theme. Play the theme!“
Die 1999er WORLD IS NOT ENOUGH Disc präsentierte 73 Minuten Musik, wobei 5 davon auf einen Song fielen, der keine Scorefunktion hatte. Somit also, inklusive der beiden Songs (Titelsong und Liebesthema) waren es rund 68 Minuten. Die La-La Land Scheibe schafft es auf stolze 98 Minuten (inklusive eines source music Jazztracks, wir kriegen satte 35 Minuten mehr Musik. Dazu gibt es eine kleine Bonusabteilung, die mit zwei kleinen Kuriositäten schliessen: Die beiden Songs mit David Arnold im Gesang – nicht ungewohnt für ihn, gab Arnold doch eine Zeit in Bars und Pubs Standards zum Besten.
Phil, 6.1.2018
THE WORLD IS NOT ENOUGH
David Arnold
La-La Land Records
CD 1: 74 Min. / 28 Tracks
CD 2: 67 Min. / 18 Tracks
Limitiert auf 5000 Stück