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Texte
Es war einfach so: Der Osterhase verschlief Ostern. Er liess sich weder von seiner Frau
Osterhase noch von seinen anderen Helfern wecken. So waren die Eier zwar bemalt und
die Schokolade verpackt gewesen, aber er selbst verbrachte Ostern im Traumland.
Als er dann am Dienstag nach Ostern erwachte, musste er feststellen, dass Ostern ohne
ihn stattgefunden hatte.
Völlig ausser sich, packte er seinen schweren Rucksack voller farbiger Eier und Schokolade
und hüpfte auf die Erde, in der Hoffnung, Ostern könnte noch gerettet werden.
Gelandet und gestrandet in der Romanshornerstrasse wollte er sich sofort an seine
Arbeit machen und die Eier verstecken, da entdeckte er durchs Küchenfenster etwas
Seltsames: Auf der Ablage neben dem Herd standen in Reih und Glied vier lächelnde Schoggi-Osterhasen und daneben ein Pack farbige Bio-Eier.
Konnte es sein, dass sich ein anderer Hase seinen Job gekrallt hatte?
Geschwind hüpfte er zum nächsten Haus und sah auch dort Unheilvolles: einen kleinen goldig eingepackten Schoko-Hasen neben einem karamellisierten Schokohäschen. Er konnte es nicht fassen!
Beim dritten Haus entdeckte er einen Schokoladenhasen mit der Aufschrift „Migros“. Der Osterhase wollte natürlich sofort wissen, wer der Osterhase mit diesem unbekannten Namen war, der ihm seine Aufgabe strittig machte.
Er hüpfte aufgeregt durch die Gegend und auf einmal stand er vor einem weissen unförmigen Gebäude, auf dem er die orangen Buchstaben sehen konnte.
War es möglich, dass ein irdischer Osterhase sich eine ganze Osterhasenfabrik gebaut hatte, während er in seinem Hasenbau zusammen mit seiner Frau alle Eier einzeln bemalte und die Schokolade liebevoll in glänzendes Papier einwickelte?
Ohne zu zögern raste er in die seltsame Fabrik und da sah er es: Die Regale voller abgepackter, glänzender und lachender Schokoladenosterhasen. Er sah die braunen Pralinen, die weissen kleinen Hasen, die dunklen Hasen mit grossen Ohren, die Nuss-Hasen und die farbigen Eier im Sonderangebot.
Und da realisierte er: Keiner brauchte ihn und keiner hatte ihn vermisst.
Sein Job war wegrationalisiert worden, ersetzt durch einen Grosshersteller. Und selbst für ihn, der er doch seine Arbeit ohne Lohn und Verdienst gemacht hatte, hatte man jemand günstigeren gefunden.
Traurig verliess er die Migros, da sah er neben dem Eingang das Plakat von Kellogs mit der Aufschrift „Weck den Tiger in dir.“ Da kam dem Hasen ein Gedanke: Wenn er als Osterhase nicht mehr gebraucht wurde, dann konnte er auch etwas anderes sein. Wie ein Tiger. Ein Auto. Oder Pipilotti Rist.
Oder Zirkusdirektor, sowie die Knies. Er könnte dann auf dem Rücken eines Pferdes durch die Manege reiten und würde von allen bejubelt werden.
Oder sollte er gleich den Beruf des Weihnachtsmannes übernehmen? Dann konnte er in rotem Umhang seine farbigen Eier anstelle von Nüssen an Weihnachten verteilen.
Er war Mitten in seinen Gedanken an seine neue Zukunft, da stürzte ein Mädchen auf ihn.
Sie umarmte ihn lachend und fragte ihn, wo er denn gewesen war.
Und da bemerkte er: Trotz Schoggi aus der Migros, Ostern brauchte ihn.
Da hüpfte er noch einmal in den Einkaufsladen, kaufte sich einen M-Budget Wecker, damit er nächstes Jahr
Ostern auf keinen Fall verschlafen würde.