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Sie betreiben einen Twitter-Account, der durch Fotos von wilden Katzen bekannt geworden ist. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Ich kümmerte mich um eine kranke Katze, die sich in meinem Garten herumtrieb. Es stellte sich dann heraus, dass ich mich bereits um fünf Katzen kümmerte: Sie versteckte später vier Katzenbabies in meinem alten Wohnwagen. Ich wollte dokumentieren, wie eine verwilderte Katze – sie heisst Ma – ihre Jungen grosszieht. Und anscheinend braucht es dazu über 40 000 Fotos. Inzwischen leben mit Zuzüglern neun Katzen hier, der «Tribe of Ma».
Wie lebt es sich so abgelegen in einer Hütte in Irland?
Wie im wilden, nassen Westen. Es ist eine selbstgebaute Hütte, unbehandeltes Holz. Hat alles, was ich brauche. Wichtiger ist mir das Grundstück. Er grenzt auf drei Seiten an Wald und Wiesen, für die Katzen und mich ist das ein Traum. Es würde mir schwerfallen, hier wegzumüssen.
Wie wird man Katzenmensch?
Ich bin in einer Familie aufgewachsen, der immer auch Hunde und Katzen angehörten. Die Katzen waren für mich mit ein Grund, nach Irland zu ziehen. In Deutschland habe ich zuletzt mitten in Hamburg gewohnt, das ist kein guter Platz für freilaufende Katzen. Die, die jetzt hier sind, haben mich gefunden.
Kollegen von Ihnen haben mal geschrieben, Sie würden von Katzen als Geisel gehalten.
Das war eine Smartphone-Website, für die ich gearbeitet habe. Damals hatte ich nur zwei Katzen, beides Pflegefälle. Die wussten darüber hinaus sehr gut, wie man mich manipuliert.
Sie arbeiten gerade an einem Buch. Worum geht es darin?
Als ich anfing, Fotos von den wilden Katzen auf Twitter zu teilen, war ich nicht auf den Erfolg vorbereitet. Und ich möchte ihre Geschichte in einem Format erzählen, das nicht vom Twitter-Telegrammstil diktiert ist.
Manche meinen, das Internet sei das Beste, was Katzen passieren konnte.
Katzen sind das Beste, was dem Internet passieren konnte, oder?
Was mögen Sie besonders an den Tieren?
Katzen verstehen uns Menschen, sie haben Empathie, sind unglaublich leicht erziehbar, lernwillig und clever – und sie setzen all diese Eigenschaften unglaublich erfolgreich gegen uns ein. Was könnte man daran nicht mögen?
Sie haben Ihre Arbeit verloren, wie kommen Sie durch?
Als ich meine Jobs verlor, schrieb ich Twitter-Freunden, dass ich meine Onlinepräsenz einschränken müsse. Sie haben vorgeschlagen, eine Crowdfunding-Kampagne für den Unterhalt der Katzen zu starten. Der enorme Erfolg der Spendenaufrufe hat meinem Zynismus grossen Schaden zugefügt. Es ist eine phantastische Erfahrung.
Sie leben im Einklang mit der Natur. Ist die Kommunikationstechnik dabei von Vorteil?
Die ersten zwei Jahre hier hatte ich kein Problem, ohne Strom zu leben. Ich bin recht spät zum Internet gekommen. Und ja, es hilft dann doch. Ich hatte eine Weile die Möglichkeit, von hier aus zu arbeiten. Jetzt kann ich damit meine Fotos verbreiten.
Offenbar gibt es ein weltweites Bedürfnis nach Katzenfotos im Netz.
Ich war nie ein Fan gestellter Fotos von geföhnten Kuscheltigern. Aber ich habe gelernt, dass man mit Katzenfotos eine Menge über Katzen und Menschen erzählen kann.
Was ist für Sie momentan das Interessanteste im Internet?
Die Entwicklung der angeblich «alternativen» russischen Medien. Ich nehme an, das sind Nachwehen meines Soziologiestudiums.