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Gemeinderatsprotokoll: Automobil-Wettfahrt Paris – Wien
Die Transkription lautet:
Die Vehikel, welche
morgens früh 4 Uhr von Belfort abgelassen werden,
passieren die Schweiz im Promenadentempo, d. h. 30 km
Geschwindigkeit auf offenem Felde und 12 km in den
Ortschaften. In St. Gallen werden sie bald nach Mittag
eintreffen, und es ist ihnen folgende Route vorgeschrie-
ben, welche durch Polizeimänner mit blauer Armbinde
als Erkennungszeichen überwacht wird. Rosenbergstraße
bis zur Reitbahn, St. Leonhardstraße bis zum Broderbrunnen,
sodann Oberer-Graben und Unterer-Graben, Tor- und Ror-
schacherstraße. Das Publikum wird durch geeignete Publi-
kationen gewarnt und orientiert.
Die Wettfahrer waren verpflichtet, die Schweiz im Promenadentempo, also bei 30 km/h auf offenem Felde sowie bei 12 km/h innerhalb von Dörfern und Städten, zu durchqueren, in Österreich hingegen galt keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Polizisten mit blauer Armbinde (dieses Abzeichen wurde für die ganze Rennstrecke Paris – Wien vereinbart) hatten nicht nur die Aufgabe, die Automobile auf die vorgeschriebene Fahrtrichtung zu verweisen, sondern auch die Fahrbahn freizuhalten.
Der erste Fahrer fuhr um ca. 13.30 Uhr in der Stadt ein; sein Vorsprung nützte ihm jedoch wenig, er wurde – weil er die Strecke Wil – St.Gallen in zu hohem Tempo und zu kurzer Zeit passiert hatte – zu fast 45 Minuten Zwangspause verdonnert, ehe er die Fahrt fortsetzen durfte. Zwischen ihm und den «Nachzüglern» der Wettfahrt bestanden beträchtliche Unterschiede: Um 20.30 Uhr wurde die Kontrollstelle aufgehoben, zu jenem Zeitpunkt hatten aber erst 93 Fahrzeuge die Stadt hinter sich gelassen. Einige passierten St.Gallen noch spät in der Nacht und zum Teil ohne ausreichende Beleuchtung. Die letzten Fahrer fuhren noch gegen 6 Uhr des folgenden Tages durch St.Gallen.
Zahlreiche St.Gallerinnen und St.Galler nutzten deshalb die Möglichkeit, mit dem Nachtschnellzug, der die Stadt nach Mitternacht durchquerte, nach Bregenz zu fahren, um dort die Automobile nochmals zu sehen.