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Die Entwicklung der Futtermittelimporte seit 1990 lässt auf den ersten Blick aufhorchen. Nach konstanten Importen von rund 300’000 Tonnen Kraftfutter jährlich Anfang der Neunzigerjahre haben sich die Importe zwischen 1999 und 2002 mehr als verdoppelt. Der Sekretär der Schweizerischen Vereinigung zum Schutz der kleinen und mittleren Bauern (VKMB) reagierte besorgt. Er schrieb, diese Entwicklung könne eine neue Phase von Fleischüberschüssen einläuten. Zudem findet er, die Zunahme der Futtermittelimporte stehe im Widerspruch zu den Nachhaltigkeitszielen der Agrarpolitik.
Der Direktor des Verbands Schweizerischer Futtermittelfabrikanten ist anderer Meinung. Er sagt, die Fleischproduktion bestimme, wieviel Kraftfutter importiert werde, nicht umgekehrt. Diese Meinung stützt auch Robert Jörin, Dozent für Agrarökonomie an der ETH Zürich: „Lieber mehr Futtermittelimporte statt intensivere Grünlandbewirtschaftung“, findet er.
Ein Blick auf den Kraftfutterverbrauch in den letzten dreissig Jahren relativiert die kurzfristige Entwicklung seit 1990 etwas. Bis Anfang der Neunzigerjahre gingen nicht nur die Futtermittelimporte zurück, auch der Kraftfutterverbrauch insgesamt ging zurück. Einerseits brauchten die Bauern weniger Kraftfutter, weil die Tiere das Futter immer effizienter in Fleisch umsetzen. Andererseits reduzierten sie Ende der Achtzigerjahre die Fleischproduktion. Wurden auf dem Höhepunkt im Jahr 1986 in der Schweiz ganze 350’000 Tonnen Schweine- und Rindfleisch produziert, waren es auf dem Tiefpunkt im Jahr 2000 noch rund 270’000 Tonnen. Eine Tonne weniger Fleisch spart 2,5 Tonnen Kraftfutter. Im Jahr 2002 ist die Fleischproduktion erstmals wieder leicht angestiegen.
In den nächsten Jahren dürften Futtermittelimporte ein Thema bleiben. Um die Ausfälle wegen dem heissen, trockenen Sommer 2003 zu kompensieren, braucht es rund 200’000 Tonnen zusätzliche Importe.