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Carola Jäggi
1982 trat Emil Maurer altershalber zurück, sein Nachfolger als Ordinarius für Kunstgeschichte der Neuzeit wurde 1983 der österreichische Renaissance- und Barockspezialist Rudolf Preimesberger (* 1936) – nach dem Deutschen Helmut Brinker erst der zweite Nichtschweizer unter den Professoren des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich.[172] Ein Jahr vor Maurer, im Frühjahr 1981, war auch Assistenzprofessor Richard Zürcher in den Ruhestand getreten, wofür im Sommer 1982 ebenfalls Ersatz beantragt wurde, allerdings nicht als Assistenzprofessur, sondern als Extraordinariat.[173]
Gewählt wurde Franz Zelger (* 1941; Abb. 34), der 1969 in Zürich sein Studium mit einer Dissertation über den Historienmaler Ernst Stückelberg abgeschlossen hatte, als frisch Promovierter Mitarbeiter an der Stiftung Oskar Reinhart in Winterthur wurde und 1975 ebendort zum Konservator aufstieg.[174] Zelger trat sein Amt als «Extraordinarius für Bildende Kunst» zum Sommersemester 1983 an.[175] Innerhalb der bis dahin am Seminar üblichen Systematik fällt diese Denomination deutlich aus dem Rahmen: Während es bei den drei Ordinariaten die Grossepochen Mittelalter, Neuzeit und Moderne sind, die als Gliederungsparameter dienten und bis heute dienen, waren es bei den 1971 und 1978 installierten Extraordinariaten ausgesprochene Spezialgebiete, die zur Einrichtung geführt hatten und später eigene Teilfächer werden sollten (s. oben). Bildende Kunst hingegen gehört bei allen Professuren am kunsthistorischen Institut der Universität Zürich zum zentralen Lehrgebiet, mit Ausnahme allenfalls der traditionell auf architekturhistorische Themen fokussierten Professur für Kunstgeschichte des Mittelalters und Archäologie der frühchristlichen, hoch- und spätmittelalterlichen Zeit. Bei der Benennung des Extraordinariats für Bildende Kunst und seiner Besetzung durch den erfahrenen Museumsmann Zelger scheint insbesondere die Kunst des 19. Jahrhunderts im Blick gewesen zu sein, für die Reinle und Maurer bereits 1968 ein eigenes Extraordinariat angedacht hatten,[176] aber nie in die Tat umsetzen konnten. Tatsächlich verblieb das 19. Jahrhundert bei der damals aktuellen Besetzung des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Neuzeit und jenem für moderne und zeitgenössische Kunst in seinem schon von Maurer und Reinle beklagten Mauerblümchenstatus. Hinzu kam, dass die Moderne mit Stanislaus von Moos einen vor allem an Architekturthemen interessierten Vertreter hatte, so dass sich auch daraus ein Bedürfnis nach Verstärkung im Bereich der bildenden Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts ergeben haben mag.
1990 wurde Zelger zum Ordinarius ad personam befördert, mit gleichem Lehrgebiet wie zuvor, wobei mit der Umformulierung der Denomination in «Geschichte der Bildenden Kunst» zumindest sprachlich «eine Annäherung an die übrigen Lehrstuhl-Bezeichnungen des Kunstgeschichtlichen Seminars» bewirkt werden sollte.[177] Zelger betreute damals nicht weniger als 18 Lizentiand:innen und 21 Doktorand:innen, an seinen Vorlesungen nahmen bis zu 350 Studierende und Hörer:innen teil, in seinen Proseminaren sassen 80, an den Seminaren jeweils 40–80 Studierende; die Gesamtzahl derer, die damals – 1990 – Kunstgeschichte im Hauptfach studierten, lag bei ca. 420 – für Fakultät und Seminarleitung ein weiteres Argument für die Wünschbarkeit, ja Notwendigkeit der Aufwertung der Zürcher’schen Assistenzprofessur zu einem Extraordinariat bzw. der mit einer weiteren Anhebung des Lehrdeputats einhergehenden Beförderung von Zelger zum Ordinarius.[178]