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Sollen sich Frauen mit Kinderwunsch gegen COVID-19 impfen lassen?
Macht die Covid-19-Impfung unfruchtbar? Sollen sich Schwangere impfen lassen? Zu diesen Fragen und zum aktuellen Stand der Forschung in diesem Zusammenhang nimmt Alexandra Kohl Schwartz, Leiterin der Abteilung für Reproduktionsmedizin am LUKS, Stellung.
26. Mai 2021Lesezeit: 4 Minuten
Im Internet und in sozialen Medien wird immer wieder diskutiert: Kann die Impfung unfruchtbar machen und wird zu den Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit geforscht?
Aus Studien gibt es keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff zu einem Verlust der Fruchtbarkeit führen kann. Zwar wurde die Fruchtbarkeit in den klinischen Studien des Impfstoffs an Menschen nicht speziell untersucht, in den diesbezüglich durchgeführten Tierstudien gab es keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Auch unter den Studienteilnehmenden der Impfstudien sowie den Millionen Personen, die den Impfstoff seit seiner Zulassung erhalten haben, ist keine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit beschrieben. Eine solche gilt daher wissenschaftlich als ausgesprochen unwahrscheinlich (Zulassungsstudien Pfizer/BioNTech und Moderna; 1, 2).
Was raten Sie den Frauen nun?
Wir empfehlen Frauen mit Kinderwunsch, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen oder bei Unsicherheit den Kinderwunsch bis nach der Pandemie zu verschieben. Auch die Fachgesellschaften für reproduktive Gesundheit empfehlen, den Impfstoff für schwangere Personen und Frauen mit Kinderwunsch zur Verfügung zu stellen. Frauen mit Vorerkrankungen, die ein höheres Risiko für Covid-19 und/oder Schwangerschaftskomplikationen mit sich bringen, sollten erwägen, die Impfung vor dem Empfängnisversuch durchzuführen. Das Gleiche gilt für Frauen, bei denen das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion hoch ist. Denn durch einen schweren Covid-Krankheitsverlauf können die Schwangerschaft und das ungeborene Kind negativ beeinflusst werden. Eine internationale Studie mit 11'432 Teilnehmerinnen konnte zeigen, dass Frauen mit einer Covid-19 Erkrankung in der Schwangerschaft gegenüber Frauen ohne Covid-19 eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für den Tod der Mutter (dreifaches Risiko), für die Notwendigkeit einer Aufnahme auf der Intensivstation (18-faches Risiko) oder für eine Frühgeburt (1 ½ faches Risiko). Die Wahrscheinlichkeit einer Einweisung des Babys auf die Neugeborenen-Intensivstation war Müttern mit COVID-19 fünffach höher als bei solchen ohne Covid-19 (3).
Wann soll die Covid-19-Impfung durchgeführt werden?
Am Luzerner Kantonsspital richten wir uns nach den Empfehlungen der europäischen und der amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ASRM), da die Analyse der geimpften Frauen bei letzterer am weitesten fortgeschritten ist. Die amerikanische Gesellschaft empfiehlt (4) mit einer Kinderwunschbehandlung frühestens zwei Wochen nach Anwendung der 2. Impfdosis zu beginnen, um genügend Zeit für die Ausbildung einer Immunität zu haben. Nach zwei Wochen ist abhängig vom Impfstoff von einer Schutzwirkung von rund 94 Prozent auszugehen (5).
Frauen mit Kinderwunsch können sich vor einer Schwangerschaft impfen lassen.Alexandra Kohl Schwartz, Leiterin Abteilung für Reproduktionsmedizin am LUKS.
Arbeiten die Impfhersteller mit Lebendviren?
Die meisten der ursprünglich veröffentlichten COVID-19-Impfstoffe verwenden so genannte mRNA oder DNA, die kein Risiko für eine COVID-19-Infektion bergen. Sie verwenden eine Vielzahl unterschiedlicher Technologien, darunter Adenovirus-Vektoren, in Lipid-Nanopartikeln verkapselte Boten-RNA und inaktiviertes SARS-CoV-2-Virus (6). Kein Impfstoff wurde mit abgeschwächten Lebendviren hergestellt (wie etwa bei Impfstoffen gegen Röteln, Rubeola, Varizellen oder Mumps), die in der Schwangerschaft kontraindiziert (nicht erlaubt) sind.
Wann sollen sich Schwangere impfen lassen und unter welchen Umständen?
Die Impfung kann auch bei schwangeren Frauen in Betracht gezogen werden. Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) schreibt in ihrer Information zur COVID-19 Impfung vom 14.4.2021 (7): «Nachdem das BAG anfänglich schwangere Frauen von der SARS-CoV-2 Impfung ausgeschlossen hat, und dann ausschliesslich Schwangere mit höchstem Risiko zugelassen hat, wird neu seit 14.4.2021 einem erweiterten Kreis von Schwangeren die Möglichkeit gegeben, sich im 2. oder 3. Trimester gegen COVID-19 impfen zu lassen. Bisher sind in den USA fast 100'000 schwangere Frauen mit den mRNA Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 geimpft worden, ohne dass es Hinweise auf unerwartete Nebenwirkungen auf Mutter und Kind gab.» Das Bundesamt für Gesundheit macht zudem diverse Auflagen für die Impfung von Schwangeren, etwa zu Frauen mit Vorerkrankungen, zur zwingenden Aufklärung durch eine Fachperson, zur Impfverordnung oder der Nachbetreuung sowie der Meldepflicht bei Nebenwirkungen.
Referenzen:
(1) Comirnaty: EPAR – Product Information (pdf) (last updated 17/05/2021) available though the EMA information on Comirnaty – product information section. Abgerufen am 26.5.2021. (englisch)
(2) COVID-19 Vaccine Moderna: Product Information (pdf) (last updated 17/05/2021)available though the EMA information on COVID-19 Vaccine Moderna– product information section. Abgerufen am 26.5.2021. (englisch)
(3) Allotey J. et al. Clinical manifestations, risk factors, and maternal and perinatal outcomes of coronavirus disease 2019 in pregnancy: living systematic review and meta-analysis. BMJ. 2020 Sep 1;370:m3320. doi: 10.1136/bmj.m3320.
(4) ASMR, Covid Task Force Update 13, 22.2.2021 (asrm.org, abgerufen am 26.5.2021)
(5) Polack FP et al. Safety and Efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine. N Engl J Med. 2020 Dec 31;383(27):2603-2615. doi: 10.1056/NEJMoa2034577. Epub 2020 Dec 10.
(6) Covid-19 Real-Time Learning Network: Vaccines and Immunity (abgerufen am 26.5.2021)
(7) SGGG, Coronavirusinfektion COVID-19 und Schwangerschaft, News vom 20.April 2021. (sggg.ch, abgerufen am 26.5.2021)