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Es war Anfang vergangenen Jahres, als sich Hillary Clinton zum Abendessen mit einem bekannten Ehepaar aus der New Yorker Gesellschaft traf: John und Christy Mack. Er ist der CEO der Investmentbank Morgan Stanley. Die drei verstanden sich ausgesprochen gut. «Man ist ja meistens voreingenommen gegenüber Leuten, die man nur aus den Medien kennt», sagte Christy Mack später in einem Interview mit dem US-Wirtschaftsmagazin «Fortune». «Wir waren aber extrem beeindruckt von Clintons Fähigkeit, eine Verbindung zu jedem Einzelnen herzustellen. Sie kann unglaublich gut zuhören», schwärmte Mack.
John Mack schwärmt für Hillary
Der Abend zahlte sich für Hillary Clinton aus. John Mack ist zu einem der prominentesten Unterstützer der Demokratin im Kampf um die Präsidentschaftswahl im November 2008 geworden. Und das, obwohl er einer der unwahrscheinlichsten Kandidaten für diese Rolle ist. Denn die Bankenchefs und Fondsmanager an der Wall Street gelten traditionell als Unterstützer der republikanischen Partei.
Denn während die Republikaner tendenziell eher für ein niedriges Steuerniveau und freien Handel stehen, setzt sich die demokratische Partei zum Beispiel dafür ein, Hedge-Fonds und private Beteiligungsgesellschaften stärker zu besteuern. Auch will sie Unternehmen finanziell belasten, die Arbeitsplätze aus den USA ins günstigere Ausland verlagern.
Schon seit ein paar Jahren weicht trotzdem die eiserne Allianz zwischen Wall Street und Republikanern mehr und mehr auf. Im laufenden Präsidentschaftswahlkampf, der nach einer Schätzung der Bundeswahlbehörde FEC insgesamt 1 Mrd Dollar kosten wird und damit der teuerste Wahlkampf aller Zeiten wäre, gilt dies mehr denn je. Der demokratische Kandidat Barack Obama erhielt laut FEC schon im 1. Quartal dieses Jahres 497 209 Dollar von Angestellten der Wall-Street-Banken.
Sogar die als besonders konservativ geltenden Private-Equity-Manager in der Stadt spendeten in den letzten Jahren immer mehr für die Demokraten. Im Kampf um das Weisse Haus in den Jahren 2000 und 2004 gingen jeweils mehr Spenden der Firmenkäufer an sie als an die Republikaner. Zum Jahresbeginn gingen laut einer Übersicht von Thomson Financial rund 85000 Dollar an Obama und knapp 50000 Dollar an Clinton.
Politische Ziele ausschlaggebend
In den vergangenen drei Monaten versiegte diese Geldquelle für die Demokraten aber zum Teil. Schuld ist eine Gesetzesinitiative, die der demokratisch dominierte Kongress im Juni 2007 anstrengte. Demnach sollen private Beteiligungsgesellschaften wie Blackstone, das Ende Juni an die Börse ging, weit stärker besteuert werden. Bisher zahlen die Häuser lediglich den Satz für Kapitalgewinne, 15%. Künftig sollen sie laut der Pläne 35% zahlen, den Satz für Unternehmensgewinne.
Im Präsidentschaftswahlkampf darf eine Privatperson laut US-Recht maximal 2300 Dollar Unterstützung an einen Kandidaten zahlen. Unternehmen und Gewerkschaften dürfen zwar keine Spenden abgeben, damit die Politiker nicht als von den Firmen abhängig gelten. Dennoch kritisieren Wählervereinigungen seit Jahrzehnten, dass genau dies in der Praxis doch der Fall ist. Denn häufig veranstalten Unternehmenschefs für ihre Lieblingskandidaten Spenden-Dinner, bei denen die Teilnehmer zwischen 100 und 1000 Dollar zahlen, um die Politiker zu treffen. Geld, das direkt in die Kassen von Clinton, Edwards und Co. fliesst.
Ein wichtiger Grund für den allgemeinen Stimmungsumschwung unter den Wirtschaftsbossen zugunsten der Demokraten ist die Unzufriedenheit mit dem Irak-Krieg. Ein anderer das krankende Gesundheitssystem. Die Kosten, die Firmen für Behandlungen ihrer Mitarbeiter schultern müssen, steigen stetig.
«Die amerikanischen Firmen wissen nicht mehr, wie sie dieses Problem in den Griff bekommen sollen», sagt Clinton. Sie hat die Gesundheitsreform zu einem ihrer wichtigsten Wahlkampfthemen gemacht – und damit auch John Mack und seine Frau überzeugen können.
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Die Top-Kandidaten: Das Programm, das Geld und die Förderer
Barack Obama: Der demokratische Kandidat aus dem US-Bundesstaat Illinois ist derzeit mit einer 58 Mio Dollar grossen Wahlkampfkasse der erfolgreichste Spendensammler. Das liegt daran, dass Obama nicht nur grosse Einzelspenden sammelt, sondern zum Beispiel auch T-Shirts, Baseballkappen oder Anstecker an Fans verkauft und dies als Spenden verbucht. Der 45-Jährige ist der derzeit einzige afro-amerikanische Senator im US-Senat. Er setzt sich gegen den Irak-Krieg ein, kämpft gegen freie Zugänglichkeit von Waffen und will das Gesundheitssystem reformieren. Zu Obamas Anhängern gehören Hollywood-Stars wie George Clooney und Eddie Murphy und Unternehmer wie der Musikproduzent David Geffen und Jeffrey Katzenberg, der Chef des Animationsfilmstudios Dreamworks. Ausserdem hat er den Milliardär Paul Tudor Jones II für sich gewinnen können. Dieser veranstaltete im Mai ein Spenden-Dinner für Obama im schicken New Yorker Vorort Greenwich.
John McCain: Der 70-jährige Republikaner ist ein Vietnam-Veteran und sass dort in Kriegsgefangenschaft. Die politischen Ansichten des Senators aus dem Bundesstaat Arizona sind vergleichsweise konservativ, er setzte sich etwa für eine häufigere Anwendung der Todesstrafe und mehr Gefängnisse ein. Gleichzeitig gilt er als Freund der US-Unternehmer. So stimmte McCain etwa im Jahr 2005 im Senat gegen die dort diskutierten Pläne, Unternehmen stärker zu besteuern, wenn diese Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Auf seinem Spendenkonto hat er derzeit 24 Mio Dollar. Unter seinen Geldgebern sind der Chef der New Yorker Börse (Nyse), John Thain, und der Vorstandsvorsitzende des Logistikkonzerns FedEx, Fred Smith. Dieser erklärte in einem Interview mit dem Magazin «Fortune», er unterstütze McCain deshalb, weil dieser die Abhängigkeit der USA vom Öl reduzieren wolle und für den freien Handel amerikanischer Unternehmen mit anderen Staaten plädiere.
Hillary Rodham Clinton: Die 59-jährige Demokratin ist derzeit Senatorin für den Bundesstaat New York. Für ihren Wahlkampf hat sie laut Statistik der Bundesbehörde Federal Election Commisson (FEC) im 1. Halbjahr 2007 – erst seit dem 1. Januar werden die Einnahmen offiziell erfasst – schon 53 Mio Dollar gesammelt. Aus dem Finanzsektor erhielt die Ehefrau des Ex-Präsidenten Bill Clinton schon im 1. Quartal 4,4 Mio Dollar, von der Hightech-Branche 1,6 Mio Dollar. Zu ihren Unterstützern gehören neben Morgan-Stanley-Chef John Mack auch die Chefs des Getränkekonzerns Anheuser-Busch sowie der Technologieunternehmen Sun Microsystems und Palm. Trotz der Unterstützung gibt Clinton sich den Unternehmen gegenüber bei öffentlichen Auftritten kritisch. Bei einer Rede im Juni forderte sie höhere Unternehmenssteuern: «Schluss mit der Wohlfahrt für Konzerne! Genug mit Steuererleichterungen für Firmen, die Jobs ins Ausland verlagern!»
John Edwards: Der 54-jährige Demokrat zog 2004 schon einmal in den Präsidentschaftswahlkampf. Damals bewarb er sich um das Amt als Vizepräsident. Im Gegensatz zu seinen innerparteilichen Konkurrenten Clinton und Obama gilt er als populistischer – und kommt somit schlechter als diese bei Firmenchefs an. Er setzt sich unter anderem dafür ein, die unter der Bush-Regierung durchgesetzten Steuersenkungen rückgängig zu machen. Edwards hat bislang 23 Mio Dollar gesammelt. Zu seinen wenigen Unterstützern aus dem Unternehmenssektor gehören Starbucks-Gründer Howard Schultz und der Chef der Supermarktkette Costco, James Sinegal. Seine grösste Spendergruppe sind aber Juristen. Das kommt daher, dass auch Edwards gelernter Jurist ist. Vor seiner politischen Karriere arbeitete er als Prozessanwalt. Später wurde er Berater bei der Investmentgruppe Fortress, deren Chef Wesley Edens ebenfalls zu den bekannten Spendern Edwards gehört.
Mitt Romney: Erst vergleichsweise spät begann der 61-Jährige seine politische Karriere. Davor machte er sich einen Namen als Unternehmensberater. Er arbeitete bei der Boston Consulting Group, wurde dann Vorstandschef der Konkurrenzfirma Bain. Er war auch einer der Gründer der Schwesterfirma Bain Capital, die Firmen von der Börse kauft und diese auf Rendite trimmt. Im Jahr 2002 trat der Republikaner zur Gouverneurswahl im Ostküstenstaat Massachusetts an und gewann. Romney setzt sich gegen Abtreibungsrechte und homosexuelle Lebenspartnerschaften ein, ist für die Todesstrafe und für das sogenannte Three-Strikes-Gesetz. Demnach müssen Richter in den Bundesstaaten, in denen dieses Recht gilt, Straftäter nach drei Verbrechen ins Gefängnis schicken. Zu Romneys Unterstützern gehören die Ebay-Vorstandsvorsitzende Meg Whitman und der Chef der Hotelkette Marriott, Bill Marriott. Insgesamt hat er bereits 35 Mio Dollar gesammelt.
Rudolph Giuliani: Leider gibt es in einem Monat höchstens 31 Abende – und damit nur 31 Spenden-Dinner, an denen ein Präsidentschaftskandidat Geld für seinen Wahlkampf sammeln kann. Der Republikaner Rudy Giuliani hat aber einen Weg gefunden, noch mehr Geld zusammenzubekommen. Er lässt seine Anhänger auch Spenden-Mittagessen für sich organisieren. Allein im Monat März besuchte er insgesamt 36 solcher Veranstaltungen. Der ehemalige New Yorker Bürgermeister hat auf diese Weise bereits 33 Mio Dollar zusammengetragen. Zu seinen prominentesten Unterstützern gehören der texanische Ölmilliardär T. Boone Pickens, der vor kurzem ankündigte, den grössten Windpark der Welt bauen zu wollen, und der Investor Carl Icahn, der im vergangenen Jahr versuchte, den Medienkonzern Time Warner zu zerschlagen. Giuliani ist liberal gegenüber den Themen Abtreibung, Rechte für Homosexuelle und illegale Immigration eingestellt und erhält dafür regelmässig Kritik aus der republikanischen Partei.