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Willy Boesiger
Willy Boesiger kam 1904 in Langenthal zur Welt. Er bildete sich zum Bauzeichner aus und wurde später Architekt. Seine Lehr- und Wanderjahre führten ihn nach Paris, wo er Ende der zwanziger Jahre im Atelier von Le Corbusier arbeitete. Nebenbei entwarf er für den Neubau die Schreinerei seines Vaters in Langenthal, der Bösiger AG – ein Geschäftshaus im Stile Le Corbusiers mit Werkstatt, Büro, Verkaufsräumen und Wohnung. In den dreissiger Jahren zog Willy Boesiger (der die französische Schreibweise seines Namens angenommen hatte) nach Zürich und verkehrte dort in den Kreisen von Kunstschaffendenn, Literaten und Intellektuellen.
1935 erwarb er ein Gebäude am Limmatquai, in dem er nach dem Vorbild von Pariser Literatencafés das «Café Select» als erstes Boulevard-Café Zürichs einrichtete. Das Select wurde rasch zum Treffpunkt der Avantgarde in der Stadt. Im selben Gebäude plante und verwirklichte er mit der Künstlerin Anna Indermaur auch Zürichs erstes Studiokino, das Nord-Süd. Für das Café Select, wo auch Rudolf Lehni Junior oft verkehrte, entwarf er 1935 auch den Klapptisch. Dieser wurde Teil der Lehni- Kollektion. Bereits ab 1929 begann Boesiger das «Oeuvre complète» von Le Corbusier herauszugeben. Das 1965 abgeschlossene, achtbändige Werk ist eine Schlüsselpublikation der internationalen Moderne geworden. Für seine editorischen Leistungen verlieh die ETH Zürich Boesiger 1980 einen Ehrendoktor. Er starb 1990 in Zollikon.