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Früher lief «Der Dieb von Bagdad» von 1940 oft im Fernsehen. Heute ist es einer der Filme, die langsam in Vergessenheit geraten. Was schade ist. Denn der Kampf eines jungen Diebes und eines verstossenen Prinzen gegen den bösen Grosswesir ist eine perfekte Mischung aus Kitsch, Action und Fantasie. An die sollte man sich erinnern.
Das Fantasy-Epos stammt aus einer anderen Zeit. In San Bernardino öffnete der erste McDonald’s seine Pforten, die Nylons eroberten die Beine der amerikanischen Frauen und Sikorski flog den ersten Helikopter mit Heckrotor. Vielleicht gibt es deshalb so viele Flugszenen in dem Film. Auf einem fliegenden Pferd, einem Teppich und auf den Schultern des riesigen Flaschengeistes. Damals eine Herausforderung für die Tricktechnik von Hollywood.
50 Jahre in Hollywood, aber nicht berühmt
Wenn jemand heute über «Der Dieb von Bagdad» spricht, dann meistens über die Spezialeffekte. Klar, die sind auch 2014 noch der Rede wert. Aber die Schauspieler werden dabei vergessen. Allen voran der afro-amerikanische Schauspieler Rex Ingram. Er spielte den Flaschengeist. Ein fieser Geselle, ein grosses Monster mit Zopf. Tief und furchteinflössend: die Stimme. Für die war Ingram bekannt. Der war zufällig beim Film gelandet. Nach seinem Medizinstudium 1919 sprach ihn ein Casting-Agent an. Aus einer Laune heraus sagte Ingram zu und landete im ersten Tarzan-Spielfilm. Als Eingeborener. Es war der Beginn einer 50-jährigen Karriere in Hollywood und am Broadway. Berühmt wurde er nicht. Afro-amerikanische Filmstars gab es zu Ingrams Zeiten nicht. Schwarze waren festgelegt auf Nebenrollen, wie Bedienstete, wilde Krieger und komische Nummern.
Die Rolle des jungen Exoten
Anders als Ingram war der indischstämmige Sabu ein Star. Ein Kinderstar. Sabu spielte die Hauptrolle in «Der Dieb von Bagdad».
Heute kennen den Schauspieler nur noch Filmhistoriker oder Fernsehzuschauer über 50. 1924 kam Sabu zur Welt. Wie viele Kinderstars, hatte er eine kurze Karriere. Sie begann mit 13 und endete als er 18 wurde, auch wenn er bis in die 1960er-Jahre Filme drehte.
Zwischen 1940 und 1942 machte Sabu die drei Abenteuer-Filme, mit denen er sich in die Hollywood-Geschichtsbücher einschrieb. Das waren neben «Der Dieb von Bagdad», die Klassiker «Das Dschungelbuch» und «Arabische Nächte». Die Titel lassen es erahnen: Sabu spielte immer die gleiche Rolle des jugendlichen Exoten, der in gefährliche Abenteuer in einem fremden Land verwickelt wird. Eine andere Rolle hätte er damals als Inder wohl auch nicht bekommen.
Sabu ist einer der Gründe, warum «Der Dieb von Bagdad» heute noch funktioniert. Seine Energie und Leinwandpräsenz wirken 2014 genauso wie 1940. Das trifft auch auf Rex Ingrams Darstellung als Flaschengeist zu. Diese phantastische Figur hat bisher noch keinen würdigen Nachfolger gefunden. Was erstaunlich ist, bei all den wunderbaren Wesen, die Filme wie «Maleficent» oder «Herr der Ringe» bevölkern. Die Frage ist, wann gab es überhaupt in den letzten Jahren einen überzeugenden Flaschengeist in einem Hollywood-Blockbuster? Hoffentlich wird es nie einen Nachfolger geben und Ingrams Flaschengeist einmalig bleiben. Das wäre schön, in dieser Filmwelt der Remakes und Fortsetzungen.