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KLASSIK.COM
Dr. Jürgen Schaarwächter
Robert Radeckes Kammermusik steht der zahlreicher Zeitgenossen in nichts nach – zumal wenn sie so feinfühlig und hochengagiert geboten wird wie hier.
Wer als Komponist in der Mitte des 19. Jahrhunderts seine Ausbildung in Leipzig absolvierte, konnte sich kaum dem Dunstkreis Mendelssohns, Schumanns, Moscheles‘ oder Julius Rietz‘ entziehen; so auch der aus Schlesien stammende Robert Radecke (1830–1911), der zwar seinen ersten Unterricht bei seinem Vater, einem Kantor erhalten hatte, der aber von den ‚üblichen Verdächtigen‘ am Leipziger Konservatorium unterwiesen wurde. Als bester Organist seines Jahrgangs durfte er 1850 Schumann dessen BACH-Fugen op. 60 vorspielen. So überrascht auch der Titel der ‚Drei Fantasiestücke‘ op. 7 für Violoncello und Klavier nicht, die 1853, nur drei Jahre nach Schumanns ‚Fünf Stücken im Volkston‘ im Druck erschienen. Die Stücke, melodisch und harmonisch attraktiv und der Leipziger Tradition offenkundig verpflichtet, sind ‚dankbares Futter‘ und eine willkommene Alternative zu dem üblicheren Repertoire der Zeit. Jonas Kreienbühl und Andrea Wiesli erweisen sich als engagierte, überzeugte und überzeugende Anwälte der Musik, mit hohem Stil- und Formgefühl. Der leichte Zugriff im letzten Satz ist genauso erfolgreich wie der kantable Tonfall im Mittelsatz, beides in unübertriebenem Understatement. Kreienbühl setzt nicht zu viel Vibrato oder Portamento ein und trifft so gerade den rechten Ton, während Wiesli dem Flügel wohltuend warme Klänge entlockt.
Radeckes Klaviertrios As-Dur und h-Moll entstanden bis 1851 bzw. 1853/1855/1868, erlebten ihre Drucklegung aber erst 1864 resp. 1868 unter den Opuszahlen 30 bzw. 33; das zweite Trio ist Anton Rubinstein gewidmet, das erste bekamen Schumann wie auch Franz Liszt zu Gehör, beide waren gebührend beeindruckt. Die musikalische Tiefe und Qualität der Kompositionen fügen dem nicht gerade weitbekannten Klaviertriorepertoire des zweiten Drittels des 19. Jahrhunderts attraktive Beiträge hinzu. Ein paar kleinere Formalismen in der Textur des späteren Trios beeinträchtigen seinen musikalischen Wert kaum, zumal in derart hingebungsvollen Darbietungen wie hier durch das Trio Fontane (neben Kreienbühl und Wiesli der Geigerin Noëlle Grüebler. Das Trio, 2002 an der Zürcher Musikhochschule gegründet und von jeher ein Anwalt auch wenig bekannter (auch schweizerischer) Musik, ist in Radeckes Idiom hörbar zu Hause und bietet engagierte, tiefgründige Interpretationen. Die Energie springt unmittelbar über, dem Gespür für Kantilene wird an passender Stelle aber auch immer der rechte Platz eingeräumt. Sehr schön ausgespielt wird auch das dynamische Spektrum der Musik, bis in das differenzierteste Pianissimo bleiben die Texturen aber von größter Klarheit.
Der Schweizerische Rundfunk SRF bietet brillante, gut strukturierte und atmosphärisch dichte Aufnahmetechnik (das Zürcher DRS-Studio ist der perfekte Aufnahmeort), das Booklet informiert umfassend über den Komponisten, von dem nur vier Kammermusikwerke zu Lebzeiten im Druck erschienen (neben den drei hier vorgelegten noch Vier Stücke für Violine und Klavier op. 1).