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Mudejarismo und maurisches Revival in Europa
Transkultureller Austausch zwischen Muslimen, Christen und Juden in der Architektur des Mittelalters und der Neuzeit
Die zwischen 711 und 1492 in al-Andalus entstandenen Bauten spanisch-islamischer Architektur prägten bereits vor dem Untergang von al-Andalus, als Muslime, Christen und Juden auf der Iberischen Halbinsel noch koexistierten, die Bautätigkeit christlicher und jüdischer Auftraggeber. Ausgeführt von islamischen Handwerkern übernahm die sog. Mudéjar-Architektur islamische Vorgaben um einen spezifisch spanischen Baustil zu schaffen. Eine ähnliche Faszination für die Kunst und Kultur von al-Andalus brachte ab dem 17. Jh., als spanisch-islamische Bau- und Dekorformen zur Modeerscheinung europäischer Architektur und Interieurkunst wurden, unzählige neo-maurische Repliken hervor. Während aber im Mudéjar der direkte Kontakt mit den teilweise gleichzeitig entstehenden islamischen Bauten ungebrochen war, haben wir es im zweiten Fall mit der Rezeption inzwischen historischer Bauformen zu tun. Und so drängt sich einerseits die Frage auf, weshalb man in den von den christlichen Königreichen des Nordens zurückeroberten Gebieten der Iberischen Halbinsel weiterhin islamisch baute und andererseits weshalb es zu einem Revival spanisch-islamischer Architektur im neuzeitlichen Europa kam? Wurden die islamischen Vorgaben aus rein ästhetischen Gründen aufgegriffen oder sollte mit bzw. durch sie auch Inhaltliches transportiert werden?
Der Fokus der Untersuchung gilt dabei vier Themenschwerpunkten: 1. den architektonischen Grundlagen aus islamischer Zeit, 2. den Transfermechanismen, 3. den christlichen sowie jüdischen Übernahmen des Mittelalters (Mudéjar) und der Neuzeit (17.Jh.-19.Jh.) sowie 4. dem Phänomen des transkulturellen Austausches auf der Iberischen Halbinsel und den Problemen, die sich bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit grenzübergreifenden Prozessen ergeben.
Inwiefern hat sich das Bild von al-Andalus und dessen architektonischen Erbes über die Jahrhunderte verändert? Welches war die künstlerische Motivation, welches die sozio-politischen Gründe für Übernahmen aus einem anderen Kulturkreis. Und wie sahen diese islamischen Repliken schliesslich aus? Mit dem Projekt soll auf die Vielschichtigkeit transkultureller Austausche im mittelalterlichen und neuzeitlichen Europa hingewiesen, die Problematik allzu enger fachlicher Grenzen innerhalb eines im Wandel begriffenen Weltbildes kritisch hinterfragt und eine mögliche Neupositionierung der islamischen Kunstgeschichte diskutiert werden. Durch die Miteinbeziehung islamwissenschaftlicher Methoden und Fragestellungen soll zudem eine über die Kunstgeschichte hinausgehende Sichtweise eröffnet werden, die dem Projekt eine zusätzliche Dimension verleiht.