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Als Marco (35) im August 2019 vom Pneulader stürzt und mit Schmerzen im Brustraum und Atembeschwerden vom Hausarzt untersucht wird, wusste er noch nicht, dass dies der Anfang einer grundlegenden Lebensveränderung sein wird. Heute bezeichnet er den Unfall als Glücksfall – und erzählt uns seine Erfolgsgeschichte.
Marco: Die Rippenprellung war eine schmerzhafte Verletzung, die nach vier Wochen verheilt war. Schmerzhafter war jedoch die Tatsache, dass auf dem Röntgenbild aufgrund des vielen Fetts nichts zu sehen war. Mein Hausarzt hat mich mit der Wahrheit konfrontiert: «So wie Sie jetzt leben, gebe ich Ihnen noch zehn Jahre.» Mein Entschluss stand fest: Ich gehe gegen mein Übergewicht an!
Noch in der gleichen Woche wurde ich einem Spezialisten in Wil zugewiesen «Ich hätte nie gedacht, dass jemand, der so viel wiegt, so gute Werte hat», meinte der auf Adipositas spezialisierte Arzt, als er mich untersuchte. Ich hätte ein Riesenglück, dass ich bei meiner Arbeit als «Mörtelhersteller» täglich vier bis fünf Tonnen schleppte und mich viel bewege, quasi Arbeit und Fitnesstraining in einem betreibe. In der Schule wurde ich gehänselt und habe mich geschämt, in die Badi zu gehen. Ebenso empfand ich es als belastend, mit rund 200 Kilogramm bei einer Körpergrösse von 1,93 Meter, jemanden kennenzulernen. Ich probierte zuvor mehrere Diäten aus, aber es endete immer mit dem bekannten Jo-Jo-Effekt. Nach einem Jahr professioneller Ernährungsberatung und konsequenter Ernährungsumstellung hatte ich zwölf Kilogramm weniger auf den Rippen und das Okay von der Krankenkasse für eine Übergewichtsoperation.
Im Ostschweizer Adipositaszentrum fühlte ich mich von Anfang an gut aufgehoben. Dr. Patrick Folie hatte mein vollstes Vertrauen. Seit längerem hatte ich eine Bauchwandhernie. Ich verdrängte sie bis zu dem Zeitpunkt, als ich mich aktiv mit meinem Übergewicht auseinandersetzte. «Aufgrund des Darminhalts in der äusserst voluminösen Hernie ist für Sie eine Magenbypass-Operation gefährlich», erklärte mir Dr. Patrick Folie in der Sprechstunde. Als Erstes sollte eine Schlauchmagen-Operation erfolgen, bei der das Fassungsvermögen des Magens verkleinert wird. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ein Grossteil des Übergewichts verloren sei, würde er die Hernie operieren und ein plastischer Chirurg die Bauchdecke straffen.
Am 18. November 2021 war es endlich so weit. Es erfolgte der erste Teil des geplanten Vorhabens: die Magenschlauch-Operation. Ich war überhaupt nicht nervös, sondern freute mich sehr. Schmerzen hatte ich nie. Ich habe viel gelacht mit den Pflegefachpersonen und die Betreuung war «1a». Während des Spitalaufenthalts und zwei Wochen danach durfte ich nur püriertes Essen zu mir nehmen. Ein Glück, dass ich einen gelernten Diätkoch kenne. Er hat mir feines Essen zubereitet und es püriert. An meinen ersten Schinken-Käse-Toast nach der Operation kann ich mich noch gut erinnern und auch daran, dass ich bereits nach der Hälfte satt war. Meine Kilos purzelten. In meinem ganzen Umfeld waren alle sehr beeindruckt von meiner Motivation und dem Erfolg.
Einige Monate nach der ersten Operation wog ich gut 75 Kilogramm weniger, die Haut am Bauch war schlaffer und die grosse Bauchwandhernie konnte operiert werden. Da mich Dr. Patrick Folie bereits das erste Mal operiert und die Nachkontrollen durchgeführt hatte, operierte er mir am 24. März 2023 die Hernie. Die Operation war so geplant, dass während der gleichen OP Dr. Stefan Winsauer, Leitender Arzt der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, meine Bauchdecke straffte. Das war für mich perfekt: Einerseits hatte ich so zwei Operationen während einer Narkose und andererseits konnte die Bauchstraffung, die sowieso nach Versorgung der Bauchwandhernie nötig war, vorgenommen werden. Auf die 4,5-stündigen Operation folgte ein fünftägiger stationärer Aufenthalt. Eine kleine Wunde erinnert mich heute noch an den Eingriff.
Was hat sich für mich verändert? Ich nehme täglich Vitamin D3 und ein Multivitamin-Präparat. Ebenso erhalte ich alle drei Monate eine Spritze mit B12. Ansonsten mache ich heute alles, was ich vor ein paar Jahren schon gemacht habe. Aber im Vergleich zu früher mit Leichtigkeit und Lebensfreude. Es macht einen Riesenunterschied, mit 75 Kilogramm weniger tonnenweise Mörtel herumzutragen und sich beim Auf- und Abbau auf engen Bühnen besser bewegen zu können. Ich esse sitzend, kaue bewusst und geniesse das Essen. Ich fühle mich rundum fitter und mein Blutdruck hat sich verbessert.
Für einen Magenbypass wird der Magen proximal in zwei Teile geteilt. So entsteht ein kleinerer oberer Teil, der sogenannte «Pouch», der vom restlichen Magen abgetrennt wird. Die Rekonstruktion erfolgt in Roux-Y-Technik. Über eine Fusspunktanastomose gelangen die vom Restmagen/ Duodenum kommenden Verdauungssäfte an den vom Pouch kommenden, nahrungsführenden Teil. So werden ca. 200 cm Dünndarm ausgeschaltet. Es findet auf dieser Strecke keine Verdauung mehr statt. Die Wirkung kommt über ein komplexes Zusammenspiel von Restriktion, endohumoralen Effekten, Veränderungen des Mikrobioms bis hin zu Verhaltensveränderungen zustande.
Das Prinzip des laparoskopischen Schlauchmagens, auch Sleeve genannt, ist eine Methode, bei der das Magenvolumen verringert wird. Bei diesem Eingriff wird durch die Entfernung von rund drei Viertel des Magens ein Schlauch gebildet, der ein reduziertes Fassungsvermögen hat. Im Gegensatz zum Magenbypass wird beim Schlauchmagen die Magen-Darm-Passage nicht verändert. Die Wirkung beruht auf einem kleineren Fassungsvermögen, es spielen jedoch auch endohumorale Faktoren eine Rolle, die beispielsweise ein reduziertes Hungergefühl zur Folge haben.