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Sollen Führungskräfte kooperieren? Oder sollten Sie besser grundsätzlich misstrauisch sein? Sollen Führungskräfte proaktiv "mit dem Säbel rasseln"? Oder gehört es zum Führungsjob, bedingungslos Vertrauen zu spenden?
Aus dem bekannten "Gefangenendilemma" lassen sich aufschlussreiche Prinzipien ableiten. Doch schön der Reihe nach...
Zwei Täter, die zusammen eine schwere Straftat begangen haben, werden verhaftet und getrennt verhört. Da es keine Tatzeugen gibt, kann nur das Geständnis wenigstens eines Täters zur Verurteilung beider Täter führen. Gesteht nur ein Täter, geht er aufgrund einer...
... Kronzeugenregelung frei aus dem Verfahren heraus, während seinen Komplizen die volle Härte des Gesetzes trifft (10 Jahre Gefängnis).
Gestehen beide Täter, erhalten sie 8 Jahre Gefängnis wegen mildernder Umstände.
Gesteht keiner, werden beide nur wegen illegalen Waffenbesitzes zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Die Auszahlungen, also das „Ergebnis“ des Spiels für jeden Spieler bzw. Gefangenen, werden in negativen Gefängnisjahren bemessen.
Dabei erkennt man, dass sich die Spieler sehr gut stellen, wenn beide die Tat leugnen. Wegen der Kronzeugenregelung haben jedoch beide einen Anreiz, die Tat zu gestehen.
Ein Geständnis ist sogar unabhängig vom Verhalten des anderen für jeden der beiden Gefangenen vorteilhaft. Dies führt zu dem insgesamt gesehen schlechtesten Ergebnis (16 Jahre Gefängnis).
Optimales Verhalten = Tit for Tat
Der Politikwissenschaftler und Mathematiker Robert Axelrod hat iterierte Computersimulationen zu diesem Gefangenendilemma entwickelt. Bei solchen iterierten Spielen entfällt das Moment der Unkenntnis über das Verhalten des anderen. In den Simulationen zeigt sich, dass das einfachste und erfolgreichste aller Programme „Tit for Tat“ war.
Dieses sieht so aus, dass der Spieler zuerst auf Kooperation setzt und danach jeweils das tut, was der andere Spieler beim Zug zuvor getan hat: Kooperieren oder defektieren (= nicht kooperieren).
Axelrod schlägt vier Imperative als richtungsweisend für ein optimales Entscheidungsverhalten vor:
1. Sei nicht neidisch auf den Erfolg des anderen!
2. Defektiere nicht als Erster!
3. Erwidere sowohl Kooperation als auch Defektion!
4. Sei nicht zu raffiniert!
Imperativ 1 - Sei nicht zu neidisch!
Um Imperativ eins zu verstehen, ist es sinnvoll, sich die Abgrenzung zu Nullsummenspielen zu verdeutlichen. Während etwa Schach ein Nullsummenspiel ist, bei dem der eine verliert, wenn der andere gewinnt, lässt sich das für das Leben nicht behaupten. Beide Seiten können gut oder schlecht abschneiden. Menschen neigen dazu, einen Vergleichsmassstab anzulegen, in diesem Fall den Erfolg des anderen im Vergleich zum eigenen Erfolg – und damit begründen sie ein Konkurrenzverhältnis.
Dieser Vergleich mithilfe eines externen Massstabes führt zu Neid. Der Versuch, diesen Neid durch die Korrektur des Vorteils des anderen zu begegnen, lässt sich im Gefangenendilemma nur durch Defektion erzielen. Da Defektion aber nur zu weiterer Defektion führt, wirkt Neid selbstzerstörerisch.
Die Strategie Tit for Tat ist nicht dadurch erfolgreich, dass einer den anderen besiegt, sondern durch die Herbeiführung einer Situation, die es beiden ermöglicht, gut abzuschneiden.
Dementsprechend muss man in einer Situation, die nicht als Nullsummenwelt konzipiert ist, nicht besser als ein anderer sein, um gut abzuschneiden: „Es macht nichts, wenn jeder so gut wie Sie oder gar ein wenig besser ist, solange Sie selbst gut abschneiden!“
Imperativ 2 - Defektiere nicht als Erster!
Imperativ zwei verweist auf den Vorteil der Nachhaltigkeit. Wenn es auch kurzfristig vielversprechender erscheinen mag, nicht zu kooperieren, wird langfristig genau das Gegenteil erreicht und sogar die Umgebung zerstört, die man für den eigenen Erfolg benötigt.
Solange der andere kooperiert, sollte man also auch kooperieren. Was aber nun, wenn der andere nicht kooperiert? Soll man dann auch „die andere Wange hinhalten?“ Diese Frage beantwortet Imperativ drei.
Imperativ 3 - Erwidere Kooperation und Defektion!
Man riskiert, ausgebeutet zu werden, wenn man nicht Defektion auf Defektion folgen lässt, andererseits riskiert man aber auch eine Eskalation, wenn man eine Defektion der anderen Seite mit mehr als einer eigenen Defektion beantwortet.
Es zeigt sich, dass es besser ist, auf eine Provokation schnell zu antworten. Je länger Defektionen ungestraft geduldet werden, umso wahrscheinlicher zieht die andere Partei den Schluss, dass sich diese auszahlen könnte und umso schwieriger wird es, dieses Muster wieder aufzubrechen.
Provozierbarkeit ist nicht ungefährlich, da Vergeltung zu einer endlosen Folge wechselseitiger Defektion eskalieren könnte. Axelrod rät daher zu gemässigter Provozierbarkeit. Die Stabilität der Kooperation wird demnach gestärkt, wenn die Reaktion etwas geringer ausfällt, als die Provokation.
Imperativ 4 - Sei nicht zu rafiniert!
In Nullsummenspielen wie Schach ist es äusserst wirksam, seinen Gegner strategisch zu verunsichern. Anders sieht es bei Verteilungsspielen ohne Sieger und Besiegte aus.
Dort ist es wichtig, dem andern die eigene Intention durch eine einfache Verhaltensstrategie kenntlich zu machen. Ist das eigene Verhalten jedoch zu komplex, wird es für den anderen undurchschaubar und führt zu chaotisch-eskalierenden Zuständen, welche im Endresultat eine sinnvolle Kooperation verhindern.
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