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Jurançon
Die rote Rebsorte Jurançon wird in Südfrankreich und in kleinen Mengen auch in Uruguay angebaut. Sie erbringt helle Rotweine von mittlerem Alkoholgehalt und einem Hauch Veilchenaroma. Lange Zeit war sie im gleichnamigen Weinanbaugebiet die gängigste Traube für schlichte Tafelweine. Heute dient Jurançon hauptsächlich als Verschnittpartner.
Herkunft der Weinsorte Jurançon
Die verschiedenen Namen der Rebsorte Jurançon sorgen für Verwirrung. Während Spanier den Namen Fola Belcha bevorzugen, ist sie in Uruguay unter der Bezeichnung Vidiella bekannt. In Frankreich hängen ihr Winzer und Weinliebhaber gerne einmal ein Farbadjektiv an den Namen an. Mit Jurançon Noir oder Rouge unterscheiden sie die Traube von der weissen Sorte Jurançon Blanc. Denn trotz der Namensähnlichkeit besteht zwischen beiden Sorten keine Verwandtschaftsbeziehung. Naheliegend ist auch die Vermutung, sie sei die Hauptrebsorte des gleichnamigen Weinbaugebiets im Südwesten Frankreichs. Doch im Jurançon befindet sich nicht einmal eine mit der roten Sorte bestockte Rebfläche.
Dennoch könnte sie aus der unmittelbaren Umgebung stammen. Denn das erste schriftliche Zeugnis der Kultivierung stammt aus dem Jahr 1839 und wurde im südwestfranzösischen Département Lot-et-Garonne verfasst. Mit grosser Wahrscheinlichkeit entstand die Weinsorte Jurançon im Südwesten und wurde als autochthone Traube schon lange vor dem 19. Jahrhundert kultiviert. Unlängst ergründeten DNA-Analysen die Abstammung der Rebsorte. Ihnen zufolge ging sie aus einer unbeabsichtigten Kreuzung der Sorten Folle Blanche und Malbec hervor. Auf sie lassen sich wiederum mehrere Neuzüchtungen zurückführen. Zusammen mit anderen Kreuzungspartnern brachte sie unter anderem die Traubensorten Ganson, Chenanson und Segalin hervor.
Wein aus Jurançon
Charakteristisch für einen Jurançon-Wein ist die hellrote Farbe. Geschmacklich weist er ein dezent blumiges Aroma auf, das an Veilchen erinnert. Der Alkoholgehalt ist gemässigt.
Die Weinsorte kann jung getrunken werden. Da sie früh die Trinkreife erreicht und über wenig Lagerpotenzial verfügt, sollte sie nicht lange aufbewahrt werden. Allerdings bauen ihn die Kellermeister selten sortenrein aus, sondern verschneiden sie mit anderen Traubenarten. Neben Rotweincuvées entstehen dabei häufig Rosés.
Anbau der Rebsorte Jurançon
Zu den äusserlichen Merkmalen der Rebsorte gehören weisswollig behaarte Triebspitzen sowie gelbfarbene junge Blätter. Die vollständig ausgebildeten Blätter sind von mittlerer Grösse, weisen fünf Lappen auf und sind tief gebuchtet. Die Zähne umranden in enger Reihe die Blattränder und verfügen über eine abgerundete Form. Von anderen Sorten lässt sich Jurançon auch anhand der leicht kegelförmigen Trauben unterscheiden. In hoher Dichte hängen an ihr mittelgrosse dunkelblaue Beeren.
Die Rebsorte reift 20 Tage nach dem Gutedel. Hinsichtlich des Reifezeitpunkts bewegt sie sich demnach im Mittelfeld. Als günstig für die Herstellung eines Weins aus Jurançon erweist sich die gute Ertragsrate der Reben. Allerdings ist die Sorte anfällig für Botrytis.
Herkunftsgebiete des Jurançon-Weins
Einst war Jurançon eine der häufigsten Sorten im Südwesten Frankreichs. 12'000 Hektar Rebfläche waren Ende der 1950er-Jahre mit ihr bestockt. Der Bestand schrumpfte bis zu den 2000er-Jahren stark. Heute sind nur noch wenige Hundert Hektar mit ihr bepflanzt, und die Prognosen stehen schlecht. Zu gross ist die Konkurrenz mit anderen roten Sorten, sodass der Bestand in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich weiter zurückgehen wird. Im französischen Südwesten ist Wein aus Jurançon Bestandteil der Appellationen Vins d’Estaing und Vins d’Entraygues et du Fel.
Das gleiche Schicksal ereilte die Rebsorte Jurançon auch im zweitgrössten Anbaugebiet in Uruguay. Hier führte sie der katalanische Siedler und Weinpionier Francisco Vidiella ein, der 1874 in Colón bei Montevideo eine Kellerei gründete. Aus diesem Grund hat sich in Uruguay die Bezeichnung Vidiella eingebürgert. Jurançon brachte den Uruguayern einst hohe Erträge ein, doch längst ist diese Blütezeit vorbei. Verschwindend gering ist heute der Anteil der Sorte an der uruguayischen Weinproduktion.
Wer in den Genuss eines seltenen Tropfens kommen möchte, sollte einmal einen Jurançon-Wein probieren. Diese und andere Weinsorten aus Frankreich und Südamerika finden Sie im Mondovino-Online-Shop ebenso wie in den Coop-Verkaufsstellen.