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Nala wird uns Ende Januar vorgestellt, weil die Besitzerin nach einer Ferienabwesenheit eine Veränderung am linken Auge festgestellt hat.
Insbesondere das linke Auge von Nala erscheint verändert: Die gelbe Iris ist gerötet und enthält mehr Gefässe als üblich. Das Kammerwasser scheint insbesondere im unteren Bereich des Auges etwas trübe, auf der Innenseite der Hornhaut haben sich kleine Ablagerungen gebildet. Die normalerweise komplett durchsichtige und dadurch schwarz erscheinende Linse ist weisslich verfärbt und nicht mehr durchsichtig, entsprechend ist die dahinter liegende Netzhaut nicht mehr einsehbar. Der Augendruck ist normal und der Sehsinn der Katze scheint nicht beeinträchtigt. Das rechte Auge weist in geringerem Ausmass ähnliche Veränderungen auf.
Nala leidet einerseits an einer Uveitis (Entzündung der
Regenbogenhaut resp. der Iris) und einem Katarakt (grauer Star der
Linse), was den Verdacht aufkommen lässt, dass die Veränderungen durch
eine Infektion mit dem einzelligen Parasiten Encephalitozoon Cuniculi
verursacht werden. Alternativ kämen auch sonstige Ursachen für eine Uveitis (z.B. Viralinfekt oderToxoplasmose) und ein folgender (oder unabhängiger primärer) Katarakt in Frage.
Zur weiteren Abklärung und Therapie wird Nala an die Ophthalmologie des Tierspitals Bern überwiesen. Ein Blutuntersuch bestätigt, dass die Ursache für das Augenproblem ein Infekt mit Encephalitozoon ist. Dieser einzellige Parasit ist beim Kaninchen seit langer Zeit ein bekanntes Problem; in den letzten Jahren konnten mehrere Studien zeigen, dass der Erreger auch bei der Katze ein Krankheitsbild bewirken kann.
Nala erhält während mehreren Wochen ein Medikament, welches die Parasiten abtötet. Da dies die Bildung des Grauen Stars in den Augen aber nicht unterbindet und zu erwarten ist, dass die Katze entsprechend erblinden wird, wird beidseits eine Kataraktchirurgie (sogenannte Phaeko-Emulsifikation) durchgeführt. Hierbei entfernt die Ophthalmologin den veränderten Linseninhalt chirurgisch; das anschliessend geplante Einsetzen einer Kunstlinse ist jedoch nicht möglich, da die Linsenkapsel während der OP einreisst. Trotzdem verheilen die Augen gut.
Encephalitoon Cuniculi ist ein seit langer Zeit bekannter einzelliger Parasit beim Kaninchen. Bei diesen Tieren bewirkt es insbesondere neurologische Störungen (Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsstörung), aber auch Schäden an den Nieren, Leber und anderen Organen. In den letzten Jahren zeigte die Forschung, dass der Erreger auch bei Hauskatzen und anderen Säugern (Hunde, Füchse, Affen) vorkommen kann und für die Bildung einer Uveitis (Entzündung der Regenbogenhaut/Iris) und Kataraktbildung (Grauer Star) verantwortlich ist. Auch der Mensch kann mit dem Erreger infiziert werden. Unbehandelt ist das Augenlicht der betroffenen Katze in Gefahr. Behandelt wird der Erreger mit einem Antiparasitikum (Fenbendazol) und der Entfernung der betroffenen Linse im Auge.
Bei der Phaekoemulsifikation wird unter Vollnarkose eine Kanüle in die Augenlinse eingeführt. Mittels Ultraschall wird der Inhalt der Linse zertrümmert und gleichzeitig abgesaugt, so dass nur noch die Linsenkapsel übrig bleibt. Anschliessend wird eine Kunstlinse in die Linsenkapsel eingesetzt, damit das Auge wieder scharf sieht. Beim Tier ist, gegenüber dem Mensch, ein Einreissen der Kapsel eine relativ häufige Komplikation der Prozedur. Entsprechend kann keine Kunstlinse eingesetzt werden. Ein Video der Operation findet sich z.B. hier. (...wir übernehmen keine Verantwortung für den Soundtrack des Videos... :) )
© Dr. med. vet. P. Müller / Lyssbachvet