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Clearwater Picket Tag 4 und 5Am vierten Tag musste Jeff den Van zurückgeben, was bedeutete, dass wir ihn in aller Herrgottsfrühe dort trafen, um ihm sein Auto wieder auszuhändigen. Anschliessend holten wir Tory zum Frühstück ab. Auf dem Weg dorthin zeigte uns Jeff, wo Lisa ihr Appartment hatte. Von dort aus ist sie in eine Wohnung am Strand gezogen, was eine Verbesserung bedeutete. Nicht viel später ist sie allerdings wiederum in eine nicht so teure Gegend umgezogen. Wir fragten uns, ob es dafür einen speziellen Grund gab.....
Wir frühstückten bei Lenny's, ein Lokal, dass auch Scientologen bevorzugt aufsuchen. Dann ging es ab zum LMT, wo ich die Zeit nutzen konnte, um den ersten Teil meines Tagebuchs zu schreiben.
Die gerichtliche Verfügung gegen den LMT enthielt nicht nur Restriktionen gegen die Kritiker, sondern sie ordnete auch gegenüber den Scientologen an, jegliche Art der Belästigung der Kritiker zu unterlassen. An diesem Morgen diskutierte man darüber, und Twils, ein Rechtsanwalt, vertrat die Ansicht, dass auch die Überwachungskamera, die jeden filmte, der sich der Tür des LMT näherte, eine derartige Belästigung darstellte. Worauf Bob mit "Ich hole die Leiter" reagierte. :-)
Um eine gerichtliche Beschwerde gegen die Kamera einzureichen war es notwendig zu dokumentieren, dass die in der Box versteckte Kamera tatsächlich auf die Tür des LMT gerichtet war. Ohweih, als die Scientologen merkten, was dort geschah, gerieten sie ausser sich. Gleich nachdem die LMTler den Ort des Geschehens verlassen hatten, wurde ein von Scientology "angemieteter" Polizist abgestellt, um die Kamera zu bewachen. Paul Kellerhals kam heraus und lungerte vor dem Gebäude herum. Dann kam ein junger Mann mit einer Leiter, angeblich, um die Kameralinsen zu reinigen. Wow, es war derjenige, den ich im letzten Jahr in RPF-Kleidung durch Clearwater marschieren sah. Er schien auch mich wiederzuerkennen, und ich rief ihm zu, wie froh ich wäre, ihn gesund wiederzusehen. Ich wollte ihm keine Probleme bereiten (P.K. war die ganze Zeit dabei) und so unterliess ich weiter Versuche, mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Rod Keller war ebenfalls auf der Strasse erschienen und machte ein paar Fotos von der "Reinigunsaktion". P.K. ging dicht an ihm vorbei, kehrte um und ging direkt auf Rod zu, während er mit ausgestrecktem Finger schrie: "ten feet! ten feet! ten feet". Was für eine absurde Handlung. Ein Polizist, von dem ich nicht weiss, ob er gerade Dienst hatte oder ebenfalls von Scientology "angemietet" war, kam herbei und wollte uns erzählen, dass wir gerade das grosse geschlossene Tor in dem Gebäude blockierten. Ich fragte ihn, wie das denn möglich sei, dass zwei Fussgänger auf dem Bürgersteig eine LKW-Einfahrt blockieren, worauf er fragte, wem das Gebäude gehöre. Ein flüssiger Dialog, nicht wahr? Wir zuckten mit den Schultern, und er forderte unsere Personalien. Meine Tasche war im LMT, und so hatte ich nichts dabei, um mich auszuweisen, aber scheinbar war das dann auch egal, denn er hielt nur Rod's Daten fest.
Später plante man ein gemeinsames Abendessen im Clearwater Beach Hotel, für das ich mich nicht so recht gerüstet fühlte. Also rief Heather für uns ein Taxi, das uns zum Hotel zurückbringen sollte, von wo aus Duncan uns dann zum Dinner fahren würde.
Das Taxi kam nicht, und die Zeit wurde knapp. Schliesslich war Jeff so nett, uns zum Hotel zurückzubringen. Eine Frau in meinem Alter braucht so ihre Zeit, um ihre Fassade für ein feines Essen anständig zu restaurieren :-)))), aber an diesem Abend brach ich den Weltrekord. Ich wollte nicht schuld daran sein, dass Duncan ein Teil des Dinners verpasst. Fast rechtzeitig erreichten wir dann auch das CW Beach Hotel, und es wurde ein netter Abend.
Am nächsten Morgen holte Jeff die verbliebenen Kritiker vom Hotel ab, und wir hatten wieder ein nettes Frühstück bei Lenny's, diesmal mit Twils und Duncan. Weiter ging es zum LMT.
Dies war der Todestag von Lisa, und Rod hatte wie ich beschlossen, bis zu diesem Tag in CW zu bleiben. Beim LMT angekommen, suchten wir uns also Picket-Schilder, die an Lisa erinnerten, und machten uns auf zum Fort Harrison.
Für zwei Stunden hielten wir dort Mahnwache. Die Vans stoppten in dieser Zeit direkt vor dem Haupteingang des FH, um ihre Passagiere ein- und aussteigen zu lassen. Wir riefen ihnen zu "Denkt an Lisa McPherson. Sie starb vor fünf Jahren im Fort Harrison" und "wer wird der nächste sein? Steigt aus. Jetzt." oder "Weihnachten steht vor der Tür. Besucht Eure Familie" Viele, viele haben uns gehört, was ihre Reaktionen zeigten.
An diesem Tag sahen wir keine Polizei. Die Reaktion der Vorbeifahrenden war fast ebenso gross wie am Wochenende. Viele hupten und winkten. Eine Familie kam über die Strasse gelaufen, und die Mutter fragte uns nach Scientology. Sie erzählte uns, dass ihre kleine Tochter immer zu ihr sage, diese Leute würden wie Roboter durch die Strassen laufen, und das würde sie ängstigen. Daher hatte die Mutter sich entschlossen, mehr über Scientology zu erfahren. Das kleine Mädchen stellte sehr intelligente Fragen, die Rod ausführlich beantwortet.
Diese Familie wird niemals in die Fänge der Organisation geraten. Und dank der vielen Menschen überall in der Welt, die trotz der Drohungen der Scientology Organisation den Mut haben, aufzustehen und die Wahrheit zu sagen, wächst die Zahl dieser Familien täglich. Harte Zeiten, DM......
Der Nachmittag, den wir an einem recht kalten, aber wunderschönen Strand südlich von Clearwater verbrachten, wurde durch einen atemberaubenden Sonnenuntergang gekrönt. (Ich frage mich, wie viele Scientologen in CW den Strand noch nicht zu sehen bekommen haben....)
Jeff brachte uns vom LMT zurück zum Hotel, nicht ohne einen Abstecher zu Hacienda Gardens zu machen. Das ist eine ziemliche grosse Appartment- Anlage im Besitz von Scientology. Ringsherum hat man in diesem Jahre Bäume gepflanzt, die im Laufe der nächsten Jahre jeden Blick auf die Gebäude verhindern werden. Auf der Rückseite des Komplexes ist ein Gebäude, das wahrscheinlich als RPF dient. Augenzeugen berichteten, dass dieses Haus nur im Laufschritt betreten und verlassen wird. Ausserdem wird Essen in das Gebäude hineingebracht, was ungewöhnlich ist, denn alle Scientologen essen in der Kantine des Clearwater Bank Buildings - mit Ausnahme derjenigen, die sich im RPF befinden.
Nach einem netten Abendessen mit Jeff ging es ans Kofferpacken, und am nächsten Tag haben auch die restlichen eingeflogenen Kritiker Clearwater verlassen.
Wir kommen wieder. So lange, wie es notwendig ist. So lange, bis der Missbrauch aufhört. So lange, bis Freiheit auch das Recht aller Scientologen ist.
Liebe Grüsse
Andrea