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Die spätma. Wallfahrtskirche in der Gem. Büren an der Aare BE gehörte zur Diözese Konstanz. Um 1470 ersetzte ein aufwendiger Neubau die 1302 erw., einfache Marienkapelle, wahrscheinlich weil die Maria von O. zuvor Wunder vollbracht und sich eine Wallfahrt grösseren Ausmasses entwickelt hatte. Es handelte sich um ein sog. sanctuaires à répit, ein Auferweckungsheiligtum, wie es auch in der Westschweiz verbreitet war, z.B. in Lausanne, Genf, Châtillens, Neuenburg und Tours (heute Gem. Montagny FR). In O. wurden tot geborene Kinder durch Erwärmung gerade lange genug zum Leben "erweckt", um sie taufen zu können. Die Wiederkehr des Atems wurde mit einer Feder vor dem Mund der erwärmten Kinder festgestellt. Dies entsprang nicht heidn. Aberglauben, wie die Reformatoren kritisierten, sondern dem Glauben an die Wirksamkeit der Sakramente und an die Notwendigkeit der Taufe für das Seelenheil. Wie in O. waren die meisten sanctuaire à répit Maria geweiht, da man von ihr als Mutter Verständnis für die Sorge um das Heil der toten Kinder erwartete. Gemäss dem Konstanzer Bf. Otto von Sonnenberg wurden insgesamt mehr als 2'000 Kinder nach O. gebracht. Er leitete 1485 eine Untersuchung gegen O. ein, die aber vom bern. Rat verhindert wurde. Dieser förderte den Wallfahrtsort, setzte 1482 einen Vogt über die Kapelle ein, zog 1495 das Patronatsrecht vom Benediktinerkloster Erlach an sich und stiftete bis 1518 vier Kaplaneien. Nach der Reformation wurde das Marienheiligtum abgeschafft, 1530-32 in Etappen die Kirche abgebrochen und 1534 die Wallfahrt mit Gewalt unterdrückt. 1992-97 brachten Ausgrabungen eine grosszügige Wallfahrtsanlage mit erhöhter Kirche und Kaplanenhaus sowie rund 250 Kinderskelette in der Grösse von 15 bis 47 cm zutage.
Literatur
– Berns grosse Zeit, hg. von E.J. Beer et al., 1999, 380-391
Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp