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Im Handelskrieg zwischen China und die USA jagt eine Eskalation die nächste. Nachdem Donald Trump Zölle auf chinesische Produkte verhängt hat, konterte das Reich der Mitte mit einer Gegenmassnahme auf US-Produkte. "Die Unsicherheit über einen möglichen Handelskrieg hat die Stimmung bei Investoren gedämpft. Die meisten börsennotierten chinesischen und asiatischen Unternehmen weisen ohnehin nur einen sehr geringen Anteil an US-Exporten aus", erklärt Jian Shi Cortesi, Portfoliomanagerin für asiatische Aktienstrategien bei GAM.
Die Zölle und das Risiko des Handelskrieges könnten sich jedoch auf bestimmte Industrien wie Kommunikationssysteme und Elektronik auswirken, erklärt die Expertin. "In unserer Anlagestrategie bevorzugen wir asiatische Unternehmen, die von der steigenden Binnennachfrage sowie der regionalen Nachfrage in Asien angetrieben werden. Dazu zählen das Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen, Technologie und der breite Konsumsektor. Diese sind nicht direkt von Zöllen und Handelskriegen betroffen", sagt Jian Shi Cortesi. Auf der anderen Seite bestünden Risiken für US-Unternehmen mit hohem Umsatzanteil in China, falls das Land als Vergeltungsmassnahme US-Geschäftsinteressen angreifen würde.
USA hält kein Ass in der Hand
Insgesamt scheinen die Spannungen zwischen den USA und China etwas nachzulassen, beobachtet Hans Ulrich Jost, Portfoliomanager für europäische Value-Aktien bei GAM. Dennoch sollten Anleger weitere Massnahmen und Gegenmassnahmen in den kommenden Wochen und Monaten nicht ausschliessen. "Es bleibt schwer vorstellbar, wie die USA von Einfuhrzöllen und deren Folgen profitieren können, da die Trump-Administration keines der möglichen Asse in der Hand hält", sagt Jost. In den vergangenen 40 Jahren hätten die Verantwortlichen es versäumt, in eine vernünftige oder nachhaltige Infrastruktur zu investieren.
"Die US-Stahlproduktionsanlagen sind ineffizient, veraltet und nicht in der Lage, mit erstklassigen Stahlherstellern aus Übersee zu konkurrieren – trotz eines Einfuhrzolls von 25 Prozent", gibt Jost zu Bedenken. Unter dieser Prämisse müssten die grossen US-Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, des Automobilbaus und der Schwerindustrie deutlich höhere Beschaffungskosten in Kauf nehmen, nur um eine relative geringe Zahl an Arbeitsplätzen in den USA schaffen. Dies wiederum würde den europäischen Stahlunternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten bieten. Der führende niederländische Hersteller konzentriert sich beispielsweise in erster Linie auf Hochleistungsstahl, den die US-Konkurrenz nicht herstellen kann. "Ausserdem gilt es zu bedenken, dass jegliche Vergeltungsmassnahmen seitens Chinas wahrscheinlich die Erhebung weitaus höherer Prämien für in China hergestellte elektronische Bauteile, von denen die USA in hohem Masse abhängig sind, zur Folge haben werden. Ein Handelskrieg ist ein Kampf, der Chancen schaffen könnte – aber nicht so, wie es die Trump-Administration beabsichtigt", fasst Jost zusammen.
Negativ für Globalisierung, positiv für US-Rohstoffmarkt
Die protektionistische Politik von Präsident Trump wird sich unweigerlich negativ auf die Globalisierung auswirken, zeigt sich Christian Gerlach, Portfoliomanager für Rohstoffe bei GAM überzeugt. Für die amerikanischen Rohstoffmärkte jedoch dürfte sie laut Gerlauch zweifellos positiv sein. "Die merkantilistische Ideologie von „America First“ wird die Preise innerhalb der USA in die Höhe treiben. Gleichzeitig wird die Bewertung des US-Dollars an den Devisenmärkten aber nach unten korrigiert. Da Rohstoffe die beste Absicherung gegen Inflation sind, werden sie von dieser Dynamik stark profitieren", erklärt Gerlach. So würden in diesem neuen „Kriegszustand“ Rohstoffengpässe nicht mehr „natürlich“ auftreten: ein Abbau der Rohstoffbestände würde laut Gerlach effektiv durch eine Kombination von Zollmauern und Währungsabwertungen herbeigeführt, was letztlich zu einer deutlichen Verschiebung der Angebots-/Nachfragedynamik führen würde.