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Häufigkeit
Zwangserkrankung (Obsessive-compulsive disorder, OCD) ist eine relativ seltene, aber schwere psychiatrische Erkrankung mit einer geschätzten Häufigkeit von 1.0-2.3 % bei Erwachsenen. Durchschnittsalter des Krankheitsbeginns ist 20 Jahre. Es können erste Symptome auch im Alter unter 10 Jahren auftreten. OCD wird oft nicht oder erst nach Jahren erkannt und behandelt. Ursache der OCD sind angeborene Gendefekte im Erbgut. Soziale Isolation, Erfahrungen von körperlicher Misshandlung und negativen Emotionalität sowie Stress sind Risikofaktoren für das Auslösen der OCD. Etwa 60-90 % der Patientinnen und Patienten mit einer Zwangsstörung haben auch eine komorbide Störung (Angst-, Panikstörung und Depression, somatoforme Störungen sowie psychotische Störungen und bipolare Störungen).
Diagnose
Eine Diagnose von OCD erfordert das Vorhandensein von Obsessionen und/oder Zwängen. Obsessionen sind definiert als wiederkehrende, andauernde und aufdringliche Gedanken, Bilder, repetitive Verhaltensweisen oder Handlungen. Die oder der Betroffene fühlt sich gezwungen, Gedanken zu denken oder Handlungen durchzuführen, um Angst zu reduzieren. Die Obsessionen oder Zwänge sind zeitaufwändig und verursachen erhebliche Beeinträchtigung im sozialen oder beruflichen Funktionieren.
Nach DSM-5: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung ist OCD wie folgt definiert:
A. Entweder Zwangsgedanken, Zwangshandlungen oder Beides:
Zwangsgedanken, wie durch (1) und (2) definiert:
1. Wiederkehrende und anhaltende Gedanken, Impulse oder Vorstellungen, die zeitweise während der Störung als aufdringlich und ungewollt empfunden werden und die ausgeprägte Angst und grosses Unbehagen hervorrufen.
2. Die Person versucht diese Gedanken, Impulse oder Vorstellungen zu ignorieren oder zu unterdrücken oder sie mit Hilfe anderer Gedanken oder Tätigkeit zu neutralisieren (z. B. durch die Ausführung einer Zwangshandlung).
Zwangshandlungen wie durch (1) und (2) definiert:
1. wiederholte beobachtbare Verhaltensweisen (z. B. Händewaschen, Ordnen, Kontrollieren) oder mentale Handlungen (z. B. Beten, Zählen, Wörter lautlos wiederholen), zu denen sich die Person als Reaktion auf einen Zwangsgedanken oder aufgrund von streng zu befolgenden Regeln gezwungen fühlt.
2. die Verhaltensweisen oder die mentalen Handlungen dienen dazu, Angst oder Unwohlsein zu verhindern oder zu reduzieren oder gefürchteten Ereignissen oder Situationen vorzubeugen; diese Verhaltensweisen oder mentalen Handlungen stehen jedoch in keinem realistischen Bezug zu dem, was sie zu neutralisieren oder zu verhindern versuchen, oder sie sind deutlich übertrieben.
B. Die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen sind zeitaufwändig (sie beanspruchen z. B. mehr als 1 Stunde pro Tag) oder verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
C. Die Symptome der Zwangsstörungen sind nicht Folge der physiologischen Wirkung einer Substanz (z.B. Alkohol, medikamentöse Wirkstoffe) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors.
D. Die Symptome werden nicht besser durch das Vorliegen einer anderen psychischen Störung erklärt: z. B. exzessive Sorgen wie bei der «Generalisierten Angststörung»; ständige Beschäftigung mit dem äusserlichen Erscheinungsbild wie bei der «Körperdysmorphen Störung»; Schwierigkeiten Dinge wegzuwerfen oder sich von diesen zu trennen wie beim «Pathologischen Horten»; Haareausreissen wie bei der «Trichotillomanie»; Hautzupfen, wie bei der «Dermatillomanie»; Stereotypien wie bei der «Stereotypen Bewegungsstörung»; ritualisiertes Essverhalten wie bei «Essstörungen»; starkes Beschäftigtsein mit Substanzen oder Spielen wie bei den «Störungen im Zusammenhang mit Psychotropen Substanzen und Suchtstörungen»; starkes Beschäftigtsein mit der Angst vor einer schweren Krankheit, wie bei [Illness Anxiety Disorder]; sexuelle Impulse oder Phantasien wie bei der «Paraphilie»; Impulsdurchbrüche wie beim «Störenden Sozialverhalten, andere Spezifizierte Störung der Impulskontrolle und des Sozialverhaltens»; Grübeln über Schuld wie beim Vorliegen einer «Major Depression»; Gedankeneingebung oder Wahn wie bei «Schizophrenie-Spektrums- oder andere Psychotische Störung» oder stereotyp wiederholte Verhaltensmuster wie bei der «Autismus-Spektrum-Störung»).
Psychologische Behandlung
Behandlung für OCD: hauptsächlich kognitive Verhaltenstherapie (KVT). KVT ist gleichwertig oder der Pharmakotherapie überlegen.
Medikamentöse Behandlung
Serotonin Wiederaufnahme hemmende Antidepressiva (SSRIs) werden in erster Linie empfohlen. Serotonin- und Noradrenalin Wiederaufnahme hemmende Antidepressiva (SNRIs), Clomipramin und andere Antidepressiva werden erst in zweiter und dritter Linie der Behandlungen empfohlen. Die SSRIs Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin sind Medikamente der Erstlinie. Zweitlinie Medikamente sind Citalopram, Clomipramin, Mirtazapin, Venlafaxin ER.
Mehr Informationen finden Sie auf unserer Webseite unter ► Psychopharmakotherapie der Zwangsstörung
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