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Ein Observatorium auf über 3100 Metern
Der Gornergrat ist ein beliebtes Touristenziel in Zermatt. Mit seinem 360 Grad Panorama und dem Blick auf über 20 Viertausender lockt er jährlich tausende von Menschen an. Neben dem Alpenpanorama gewährt der Gornergrat auch einen spektakulären Blick in die Tiefen des Universums. Jahrzentelang wurde hier Forschung auf höchstem Niveau betrieben.
Historischer Hintergrund
Die Attraktivität des Observatorium Gornergrat ist unter anderem unmittelbar auf die einfache Erreichbarkeit mit der Gornergrat Bahn zurückzuführen. Die Bahn wurde bereits im Sommer 1898 als erste elektrische Zahnradbahn der Schweiz in Betrieb genommen. Als der Touristenstrom stark anstieg, entschied die Gemeinde Zermatt sich dazu, das Kulmhotel Gornergrat zu erbauen. Schnell wurden auch Astronomen auf den ausgezeichneten Standort auf über 3’100 Metern aufmerksam. Die saubere, trockene Luft und die günstige südliche Lage in den Alpen machen den Standort zu einem der besten Standorte für astronomische Beobachtungen in ganz Europa.
Internationale Forschung von 1966 bis 2010
Ende der 1960er-Jahre wurden zwei astronomische Observatorien in den Türmen des Kulmhotel Gornergrat installiert. Bis 1973 wurde der Nordturm durch das astronomische Institut der Universität Oxford (Prof. D.E. Blackwell) zur Sonnenbeobachtung betrieben. Von 1975 bis 2005 wurde das Observatorium, mit seiner 7.5 m grossen Kuppel, an das Consiglio Nazionale delle Ricerche Italiano untervermietet. Dieses betrieb mit Erfolg das 1.5 m Cassegrain Infrarotteleskop TIRGO (Telescopio Infrarosso del Gornergrat). Die Südkuppel wurde zuerst vom Centre National Français de la Recherche Scientifique CNRS und dem Observatoire de Genève (Profs. J. Lequeux und M. Golay) verwendet. 1974/75 wurde eine Kuppel von 7.5 m durch das Institut National d’Astronomie et de Géophysique (jetzt INSU), das Observatoire de Lyon und das Observatoire de Genève installiert. Sie diente dem Betrieb eines 1-m-MARLY-Teleskops.
Von 1984 bis 2010 wurde das Observatorium an das Physikalische Institut der Universität zu Köln untervermietet. Während dieser Zeit fanden mit Hilfe des 3m KOSMA-Radioteleskop Forschungsarbeiten im Submilimeterbereich statt. TIRGO wurde 2005 im Rahmen der Renovation des Kulm Hotels demontiert und KOSMA wurde 2010 nach Yangbajing/Lhassa (Tibet) versetzt.
Zwischenzeitlich wurde das Observatorium von einem Amateur-Astronomen verwendet und stand einem breiten Publikum offen. Seit 2008 stellte sich die Frage, wie der noch immer exzellente Standort weiterhin für Beobachtungen genutzt werden kann. Die HFSJG (Internationale Stiftung Hochalpine Forschungsstationen Jungfraujoch und Gornergrat) und die Burgergemeinde Zermatt riefen zusammen mit den Universitäten Bern und Genf ein pädagogisches Projekt auf nationaler Ebene ins Leben.
Ein pädagogisches Teleskop für die Schweiz
Das Stellarium Gornergrat bietet Jugendlichen, Schülerinnen und Schülern und Studierenden einen einmaligen Einblick in die Welt der astronomischen Forschung. Dabei stehen ihnen massgeschneiderte Aktivitäten zur Verfügung, welche sie zum wissenschaftlichen Arbeiten animieren soll. Zentraler Bestandteil des Projekts ist das pädagogische Portal des Stellarium Gornergrat. Über das Webportal können Aktivitäten ausgesucht, zugehörige Dokumente heruntergeladen und Bilder des Teleskops angefordert werden. Die Aktivitäten fordern dazu auf, Bilder mit dem Teleskop zu machen, und diese dann mit den gestellten Aufgaben auszuwerten. Wenn Bilder des Teleskops angefordert werden, führt es diese bei günstiger Witterung automatisch aus und stellt die Bilder bis zum Abend des nächsten Tages zum Download bereit.
Astronomische Beobachtungen mit einer Schulklasse durchzuführen ist ein extrem aufwändiger und nur schwer realisierbarer Prozess. Verfügbarkeit von Beobachtungsgeräten, Personal, Transport an geeigneten Standort, und absolute Wetterabhängigkeit -und das alles bei Nacht- machen dieses Vorhaben zur reinsten Gratwanderung, die selten mit Erfolg belohnt wird. Mit dem Stellarium Gornergrat schrumpft dieser Aufwand auf ein Minimum. Astronomische Beobachtungen sind so während des regulären Unterrichts per Knopfdruck möglich.
Schlüsselfertige pädagogische Aktivitäten
Das Herzstück des Stellarium Gornergrat bilden die pädagogischen Aktivitäten. Diese wurden in Zusammenarbeit mit Physiklehrern entwickelt und so konzipiert, dass sie in die Lehrpläne des Physik- oder des Sensibilisierungsunterrichts für Naturwissenschaften an Schulen passen. Es werden Aktivitäten auf unterschiedlichen Levels, abhängig von Alter und Verständnisebene der Schülerinnen und Schüler, angeboten. Jede Aktivität bildet ein in sich geschlossenes Beobachtungsprogramm und beinhaltet Datenaufnahme und Datenanalyse.
Die Aktivitäten sind auf dem pädagogischen Portal zu finden.