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Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Veranstaltung fand in der Hauptstadt Rio de Janeiro des gleichnamigen Bundesstaates der “2. Congresso Nacional do Samba“ (2. Nationalkongress des Samba) statt, der am 2. Dezember, dem Nationaltag des Samba, ausgeklungen war.
Die Diskussionen haben Sambistas, Studenten und Akademiker versammelt, die sich mit Themen auseinandersetzen wie zum Beispiel: Was ist Samba und was nicht – die verschiedenen Arten ihn zu präsentieren – oder der kommerzielle Charakter des Samba innerhalb des Karnevals.
Manoel Dionísio, den man als “Mestre Dionísio“ kennt, wirkt seit fünfzig Jahren in der Welt des Samba – er ist einer von denen, die die Kommerzialisierung dieses Rhythmus kritisieren, besonders bei den offiziellen Paraden, durch die der Samba “eingegipst“ wird – so nennt er es. “Ich bin ein ewiger Nostalgiker, aber ich bin nicht gegen die Moderne. Jedoch modernisieren sie dermaßen, dass man heute einen Samba für den Karneval des Jahres kreiert und singt, den im nächsten Jahr schon keiner mehr kennt. Heutzutage wird der Samba nur noch kommerzialisiert – eingehämmert während der Zeit, die eine Parade zur Verfügung hat, und die das Fernsehen erlaubt. Dieses Finanz-Modell tötet den richtigen Samba langsam ab, aber die tun so, als ob sie es nicht bemerken“, empört sich Dionísio, der seit 53 Jahren Mitglied der Sambaschule “Acadêmicos do Sagueiro“ ist, verantwortlich für die Ausbildung verschiedener Generationen von “Mestre-salas“ und “Porta-bandeiras“.
Der Karneval von São Paulo wurde bei diesem Treffen von dem Sambista Gilson Nunes Vitório repräsentiert, Mitglied der Sambaschule “Leandro de Itaquera“ – man kennt ihn besser als “Gilson Negão“. “Unser Zusammentreffen ist eine wertvolle Erfahrung. Wir haben die Geschichte seit des ersten Kongresses begleitet – diese zweite Veranstaltung ist eine Revision der “Carta des Samba“, vereint mit neuen Visionen und Projekten, sowie wichtigen Thesen von Seiten der Jugend – und darüber müssen wir diskutieren, um die Ergebnisse der Allgemeinheit weiterzugeben“, kommentiert Gilson Negão.
er Kongress wurde von der Staatlichen Universität von Rio de Janeiro (UNIRIO) promoviert und wird ein Dokument mit den Ergebnissen des Treffens verfassen. “Wir werden ein Dokument zusammenstellen, in dem alle Teilnehmer des Kongresses aufgeführt sind, in dem die Diskussion rund um die “Carta do Samba“ dem ersten volkspolitischen Dokument des Samba und des Karnevals, dargestellt wird. Der Text dieser “Carta“ ist eine Anleitung zum Entwickeln eines Samba, seine Erhaltung und seine Leitlinien“, erklärt der Koordinator des Treffens, Professor Jair Martins de Miranda, vom Zentrum für Humane und Soziale Wissenschaften.
Obwohl sie vor fünfzig Jahren verfasst wurde, ist die “Carta do Samba“ immer noch aktuell, sie enthält Aspekte, die heute noch diskutiert werden, wie man in der Einleitung des Forschers und Folkloristen Edison Carneiro feststellen kann, der das Dokument 1962 verfasst hat, als der “Nationaltag des Samba“ eingerichtet wurde, der bis heute gefeiert wird. “Diese Carta, im Auftrag aller Beteiligten verfasst, repräsentiert unsere Anstrengung zur Koordination praktischer Massnahmen in einfacher Ausführung zur Erhaltung der traditionellen Charakteristika des Samba, ohne ihm jedoch die Spontaneität und Perspektive zum Fortschritt nehmen zu wollen“.
Edison Carneiro wurde 1912 geboren und war einer der bedeutendsten Intellektuellen, die sich damit auseinander setzten, das Wissen der brasilianischen Kultur zu systematisieren – er verlieh dem Folklore-Museum seinen Namen, das sich neben dem Museum der Republik befindet.
Der Kongress wird ebenfalls das “Portal do Carnaval“ (Karnevals-Portal) einrichten, eine Site im Internet mit dem Ziel, Nachrichten, Diskussionen und Arbeitsmöglichkeiten für diejenigen zu veröffentlichen, die im Karneval tätig sind – die jedoch erst in den Monaten vor dem Fest unter Vertrag genommen werden. Die Initiative wird von der UNIRIO strukturiert, mit Finanzierung des “Serviço Brasileiro de Apoio às Micro e Pequenas Empresas (Sebrae)“, der “Financiadora de Estudos e Projetos (Finep)“ und des “Ministério da Ciência, Tecnologia e Inovação“.
“Das Karnevals-Portal beabsichtigt, eine Bank für Arbeitsplätze und Möglichkeiten zu produzieren, durch die eine Mitarbeit derer aufgewertet wird, die sich im Karneval engagieren – und zwar über die vier Tage des Festes hinaus. Wir stehen vor weiteren grossen Events, wie die Fussball-WM (2014) und die Olympiade (2016), deshalb braucht die Stadt (Rio) zunehmend mehr spezialisierte Personen“, erklärt Jair Miranda.