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Gemeinsames Sorgerecht ist ab jetzt üblich
Bisher wurde die elterliche Sorge im Falle einer Scheidung für gewöhnlich einem der beiden Elternteile zugewiesen, bei unverheirateten Paaren erhielt in der Regel die Mutter das alleinige Sorgerecht. Ein gemeinsames Sorgerecht war bisher nur mit der Genehmigung beider Elternteile möglich. Der Bundesrat entscheidet sich nun, das gemeinsame Sorgerecht als Regelfall festzulegen.
Das gemeinsame Sorgerecht wird jetzt zum Normalfall.
«Das geltende Recht missachtet die Gleichstellung von Mann und Frau», schreibt der Bund heute in einer Medienmitteilung und bezieht sich auf das elterliche Sorgerecht, das aktuell deutlich öfters Müttern zugesprochen wird. Im Januar schob Justizministerin Simonetta Sommaruga eine Gesetzesänderung für das gemeinsame Sorgerecht auf, um zusätzliche unterhaltsrechtliche Revisionen einzubinden. Männerorganisationen protestierten vehement gegen die Zurückhaltung Sommarugas. Sie würde damit zwei separate Fragen vermischen und die Gleichstellung beider Elternteile nur verzögern.
Künftig sollen im Normalfall dank einer Revision im Zivilgesetz beide Elternteile das gemeinsame Sorgerecht erhalten. Im Vordergrund solle dabei aber immer noch das Kindeswohl stehen. Das Sorgerecht wird also entzogen, wenn das Wohlsein des Kindes von einem der Elternteile gefährdet wird, sei es durch Unerfahrenheit, Krankheit oder Gewalttätigkeit. «Es wird bei der Sorgerechtsfrage hoffentlich viel weniger Machtspiele geben», äussert sich Markus Theunert, Präsident des Dachverbandes für Männer- und Väterorganisationen maenner.ch gegenüber des Tages Anzeigers zum Thema.
Die gemeinsame Sorge bedeutet, dass wichtige Entscheidungen, wie zum Beispiel ein Aufenthaltsortswechsel, zusammen getroffen werden. Dies betrifft jedoch gesetzlich kleinere Entscheide, wie Bekleidung oder Freizeitbeschäftigung des Kindes nicht.