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In die Ausarbeitung der Initiative "Für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst", über die in der Schweiz im Jahr 2001 abgestimmt wurde, flossen die Erfahrungen der zivilen Friedensdienste in anderen Ländern massgeblich ein. Was ist aus diesen Anstrengungen geworden? Die Österreichischen Friedensdienste (ÖFD) konnten letztes Jahr sozusagen 10 Jahre Aktivdienst feiern.
In seinem Jahresbericht 2003 zieht der ÖFD die Bilanz der Entsendungen von Friedensdienstleistenden in den letzten 10 Jahren und hält Rückschau. Der ÖFD wurde an der «1. Österreichischen Versammlung für Gewaltfreiheit, soziale Verteidigung und aktive Friedenspolitik» im Oktober 1990 in Graz gegründet. Im September 1993 kamen die ersten sechs Friedensdienstleistenden im Flüchtlingslager Postojna in Slowenien und in Pakrac (Kroatien) zum Einsatz. Dies war ein qualitativ neuer Schritt in der Österreichischen Friedensarbeit. Seither reisten 115 Friedensdienstleistende für ihren Einsatz in das Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Die traditionellen Beziehungen Österreichs zu dieser Region und die in den 90er Jahren äusserst blutig ausgetragenen Zerfallsprozesse des jugoslawischen Staates legten ein besonderes Engagement der Österreichischen Friedensbewegten in Südosteuropa nahe.
Begegnung in Pakrac
Die Wege der GSoA und des ÖFD kreuzten sich im kroatischen Städtchen Pakrac, um das serbische und kroatische Verbände erbittert gekämpft hatten. Kaum ein Haus war mehr ganz, die serbische BevÖlkerung auf der Flucht und die sozialen Beziehungen zerrissen. Der neu entstandene Staat Kroatien kümmerte sich kaum um die Randregion, denn er war damit beschäftigt, die Kontrolle mÖglichst vieler Gebiete Bosniens an sich zu reissen.
Unter der Ägide des schweizerischen Service Civil International organisierte die GSoA einen Einsatz von Schweizer Freiwilligen in Pakrac. Gemeinsam mit den Friedensdienstleistenden des ÖFD halfen die Freiwilligen der verbliebenen BevÖlkerung, das tägliche Leben zu meistern und das soziale Netz des Städtchens wieder zu knüpfen: Beschädigte Häuser wurden repariert, Freizeitaktivitäten für Jugendliche organisiert und viel zugehÖrt, wenn die Menschen von ihren Kriegserfahrungen redeten.
IdealistInnen oder Profis?
Während die Organisation dieser Einsätze die Kräfte einer an politischen Kampagnen orientierten Gruppierung wie der GSoA überstieg, spezialisierte sich der ÖFD auf diese Art der Friedensarbeit. Bis 1999 nahm die Zahl der Friedensdienstleistenden und der Projekte des ÖFD zu, denn der Krieg und seine Folgen sorgten für einen grossen Bedarf. War die Arbeit des ÖFD pionierhaft, so musste er doch ständig um die bescheidenen Mittel für die Koordination und Administration der Projekte kämpfen. Die Gelder kamen vom Staat und von kirchlichen Organisationen. Während das Österreichische Heer keine Mühe hatte, seine ins Ausland entsandten Truppen zu finanzieren, wurden die Friedenseinsätze sehr kurz gehalten. Dabei machte die Nachfrage nach Friedensdienstleistenden für die Projekte im Balkan eine Professionalisierung des ÖFD immer dringender. Der ÖFD machte dieselben Erfahrungen wie die GSoA bei der Ausarbeitung der Initiative für einen Zivilen Friedensdienst: Friedensarbeit ist kein Sonntagspaziergang, Friedensarbeit braucht Ausbildung, Standards und professionelle Projektbetreuung. Und das kostet. Rasch findet man sich im Dilemma, dass sich zwar viele junge Leute für einen Einsatz interessieren, dass ihnen aber die nÖtigen Kenntnisse und Erfahrungen fehlen.
Balkan braucht weiterhin Friedensarbeit
Doch solange sich der Staat den Friedensdienst nichts kosten lassen will, wird es wohl so bleiben, dass vor allem sehr junge Menschen sich zu einem einmaligen Einsatz bereit erklären und dass der Friedensdienst entsprechend niederschwellig und wenig wirksam bleibt. Dies wollte die GSoA mit ihrer 1998 lancierten Volksinitiative für einen freiwilligen Zivilen Friedensdienst in der Schweiz ändern, doch das Anliegen wurde vom Volk zusammen mit der zweiten Armeeabschaffungsinitiative im Jahr 2001 verworfen.
Der ÖFD lässt sich von der schwierigen Situation jedoch nicht entmutigen. Zur Zeit sind fünf Friedensdienstleistende in drei Städten auf dem Balkan im Einsatz. Auf die oft gehÖrte Frage, ob denn nach dem Friedensschluss von Dayton und dem Sturz Milosevics diese Einsätze noch nÖtig seien, antworten die VertreterInnen des ÖFD selbstbewusst, solange Österreichische Truppen und eine Zivilverwaltung der Uno auf dem Balkan stationiert seien, dürfte sich die Frage nach der Notwendigkeit von Friedensarbeit gar nicht stellen.