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Im Nachlass eines Dürrenäscher Bürgers hat sich ein auffallendes gedrucktes Schriftstück erhalten, das dem Verfasser zuvor nicht bekannt war. Es handelt sich um eine Erinnerungsurkunde für die Schweizer Soldaten, die zur Zeit der Ersten Weltkrieges zum Schutze unseres Landes Militärdienst leisteten. Auf der Titelleiste heisst es etwas poetisch: «Zu den Waffen. Historisches Diplom der Mobilisation. Zum ehrenden Andenken sowie als Erinnerungsblatt für die Familie des an der Verteidigung des Vaterlandes beteiligten ....». Es folgt der Name des Soldaten mit Dienstgrad und militärischer Einteilung. Empfänger der Urkunde war in unserem Fall Wachtmeister C(arl) Friedrich Steiner, Angehöriger des Landsturm-Bataillons IV/4. Aus den Dürrenäscher Quellen wissen wir, dass 1868 Friedrichs Geburtsjahr war. Bei Kriegsausbruch war er also 46-jährig.
Datiert ist das Schriftstück auf den 1. August 1914. Das war der Tag, an dem die tags zuvor vom Bundesrat beschlossene Generalmobilmachung der Schweizer Armee auf den 3. August im Land bekannt gemacht wurde. Gedruckt und den Soldaten abgegeben wurde das Erinnerungsblatt nach Kriegsschluss im Jahr 1919. Da die Armee rund 250'000 Mann zählte, muss es sich um eine grosse Auflage gehandelt haben. Es ist jedenfalls anzunehmen, dass jeder beteiligte Soldat die Urkunde erhielt. Der Verfasser hat allerdings bei seinem Vater, der den Grenzschutz mitgemacht hatte und sonst Erinnerungsstücke aufbewahrte, nie ein Exemplar gesehen. Es scheint überhaupt, dass sich nicht massenhaft Diplome erhalten haben. Wie viele sich noch in Privatbesitz befinden, ist natürlich nicht bekannt. Wenn man sich im Internet umschaut, stösst man auf je ein Exemplar in den Staatsarchiven Basel-Stadt und Luzern und auf zwei Stück, die der Redaktion des «Willisauer Boten» zur Verfügung gestellt wurden. Da und dort wird gelegentlich ein Diplom auktionsweise angeboten (Startpreis um 60-70 Fr.).
Schauen wir die Urkunde noch genauer an! Neben der Titelleiste sind die beiden höchsten Befehlshaber der Kriegszeit porträtiert, rechts General Ulrich Willle, links Generalstabschef Theophil Sprecher von Bernegg. Den Platz darunter nimmt eine Darstellung der einrückenden Soldaten ein: Abschied von der Familie, Marsch zum Sammelplatz. In der Mitte des unteren Teils steht ein Soldat, Gewehr bei Fuss. Ihn umrahmt eine Ellipse, belegt mit allen Schweizer Kantonswappen und gehalten von zwei Schweizerfahnen. Zuunterst prangt ein Schweizerwappen mit Spruchbändern: Einer für Alle, Alle für Einen.
Die ganze Darstellung im untern Teil ist flankiert von zwei beschrifteten Tafeln. Der «Aufruf an das Schweizervolk» links beginnt mit «Getreue, liebe Eidgenossen! An unseren Grenzen tobt der Krieg. Wir haben unsere Armee zu den Waffen gerufen; am 1.August, dem Jahrestag der Gründung der schweizerischen Eidgenossenschaft, trug der Telegraph das Aufgebot in die entlegensten Dörfer und Weiler des Landes....» Die Tafel rechts enthält den von General Wille unterzeichneten «Armeebefehl».Der oberste Kommandant legt darin besonderen Wert auf die Moral der Soldaten: «Nicht die vollkommenen Waffen oder die numerische Überlegenheit oder die Anordnungen der obersten Leitung sichern an erster Sterlle den kriegerischen Erfolg, sondern der Geist, den die Armee beseelt.» – Den verbliebenen Platz unter den beiden Tafeln haben Sprecher (links) und Wille mit ihrem handschriftlichen Namenszug versehen.
Die farbige Lithographie wurde von einem V. Rasmussen entworfen und erschien im Verlag der Gebrüder Foetisch in Lausanne.
Wir freuen uns, dass dank dem hier vorgestellten Exemplar aus Dürrenäsch nun auch im Staatsarchiv in Aarau ein Original begutachtet werden kann (Leihgaben der Historischen Vereinigung Wynental).