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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch IV.
28.
....1 nachdem er Schreibtinte2 genommen hat, fordert er den Befragenden auf, aufzuschreiben, was er von den Dämonen....... allein. Dann faltet er das Blatt, gibt es einem Knaben und läßt es verbrennen, damit der Rauch den Brief zu den Dämonen forttrage. Hat der Knabe den Befehl vollführt, reißt der Zauberer zuerst ein Blatt in gleiche Teile, tut, als ob er mit hebräischen Buchstaben einige Dämonennamen darauf schreibe, dann opfert er ein Rauchwerk ägyptischer Zauberer, das sogenannte Kyphi, nimmt diese (Stücke Papier) und bringt sie an das Rauchwerk. Was aber der Fragende geschrieben hatte, hat er auf den Kohlen verbrannt. Dann scheint (der Knabe) in Ekstase zu geraten, fällt in einen Winkel, stößt ein lautes, wirres, allen unverständliches Geschrei aus......und [S. 65] wenn die Anwesenden unter Anrufung des Phren oder eines anderen Dämons eintreten und dabei stehen, legt er den Knaben auf eine Matratze3, spricht längere Zeit über ihn, teils auf griechisch, teils wie auf hebräisch die bei den Magiern üblichen Beschwörungen. Der andere aber beginnt zu fragen. Auch gießt er drinnen in eine Schale voll Wasser Kupfervitriol und löst den Stoff auf. Damit befeuchtet er das Blatt mit der schon erloschenen Schrift und zwingt die verborgenen geheimen Buchstaben, wieder ans Licht zu kommen, aus dem er erfährt, was der Fragende aufschrieb. Auch kann, wenn einer etwas mit Kupfervitriol geschrieben hat und es dem Rauch von zerstoßenen Galläpfeln aussetzt, die verborgene Schrift sichtbar werden. Ebenso werden, wenn einer mit Milch schreibt, dann verbranntes Papier zerreibt, es darüber streut und an die mit Milch geschriebenen Buchstaben reibt, diese sichtbar. Auch Harn, Fischlake, Saft von Wolfsmilch und die Feige hat dieselbe Wirkung. Nachdem aber er so die Frage erfahren hat4, sieht er voraus, auf welche Weise er sie beantworten soll. Er heißt die Anwesenden hineingehen, Lorbeerzweige in der Hand schwenken und dabei schreien und den Dämon Phren anrufen. Denn diesem ziemt diese Anrufung, und es ist billig, von den Dämonen zu erbitten, was sie sich selber nicht geben wollen, weil sie den Verstand verloren haben5. Das unanständige Schreien und der Lärm hindert, dem zu folgen, was der Zauberer im geheimen zu tun gedenkt. Darüber soll jetzt gesprochen werden. Es ist dichtes Dunkel; denn er sagt, sterbliche Natur sei nicht imstande, Göttliches zu sehen, es reiche ja aus, mit ihm zu verkehren. Er beugt den Knaben vornüber, legt ihm an jedes Ohr je eines jener Blättchen, die schon mit hebräischen Buchstaben, angeblich mit Götternamen, beschrieben sind, und sagt, das weitere [S. 66] werde ihm (der Dämon) ins Ohr raunen. Gerade diese Prozedur ist notwendig, weil er dadurch an die Ohren des Knaben ein Instrument bringt, um ihm alles nach Belieben suggerieren zu können. Erst verursacht er einen Schall, dann schlägt er die Pauke dazu, hernach sagt er dem Knaben durch das Instrument, was er sagen soll; auch den vermutlichen Ausgang der Angelegenheit. Dann müssen die Anwesenden schweigen, und er befiehlt ihm, anzugeben, was er von den Dämonen gehört hat. Das an die Ohren gelegte Instrument aber ist ein Naturprodukt, die Luftröhre der langhalsigen Kraniche, Störche oder Schwäne; wenn nichts solches zu haben ist, so gibt es noch andere künstliche Instrumente, eine Art kleiner eherner Pfeifen, zehn an Zahl, die ineinandergehen, in ein enges Schalloch münden, durch die man leicht ins Ohr alles Beliebige sagen kann. Der Knabe hört es nun und verkündet es voll Furcht befehlsgemäß als Wort der Dämonen; oder wenn einer feuchtes Leder um einen Stab legt, es trocknen läßt, zusammenzieht und zusammennäht, dann den Stab herauszieht und das Leder wie ein Pfeifchen bearbeitet, so tut es denselben Dienst. Wenn solches nicht zu haben ist, nimmt der Zauberer eine Buchrolle, zieht sie auseinander, dehnt sie zu beliebiger Länge aus und so erreicht er dasselbe Resultat. Wenn er im vorhinein weiß, wer da ist, um zu fragen, ist er besser auf alles präpariert. Wenn er auch noch die Frage vorher erfahren hat, schreibt er sie mit dem Zauberstoff und gilt für einen noch tüchtigeren Meister, weil er orientiert erscheint, da er die Frage genau aufgeschrieben hat. Wenn er aber nichts weiß, so verlegt er sich aufs Raten und sagt etwas, das eine doppelte und vielfache Deutung zuläßt, damit die Weissagung, die in sich unbestimmt ist, auf vieles zutreffen und am Ende bei allem, was geschieht, als Vorausverkündigung auf das Geschehene gelten kann. Auch füllt er ein Becken mit Wasser, legt das Blatt hinein, als wäre es unbeschrieben, und wirft Kupfervitriol mit hinein. Denn so kommt das beschriebene Blatt mit der Antwort herauf. Der Knabe hat oft fürchterliche Erscheinungen. Der Zauberer schlägt ihn und erschreckt ihn natürlich dadurch. Wenn er Weihrauch ins Feuer [S. 67] wirft, so macht er es so: Er bedeckt einen Klumpen von sogenanntem Steinsalz ringsum mit etruskischem Wachs, schneidet einen Weihrauchklumpen entzwei, legt ein Salzkorn hinein, fügt ihn dann wieder zusammen, legt beides auf glühende Kohlen und läßt es stehen. Wenn es nun zusammengebrannt ist, springen die Salze auf und bilden eine Erscheinung wie ein ungewöhnliches Schaustück. Er erzeugt blutige Flammen, indem er indisches Schwarz in den Weihrauch legt, wie wir gesehen haben. Eine blutige Flüssigkeit bringt er hervor, wenn er Wachs6 mit Anchusa7 vermischt und, wie ich sagte, das Wachs in den Weihrauch legt. Die Kohlen aber bewegt er dadurch, daß er zerkleinerten Alaun darunterlegt. Wenn sich dieser löst und eine Art Blasen wirft, bewegen sich die Kohlen.
1: Nach einer größeren Lücke beginnt die Abhandlung über die Zauberer.
2: Ganschinietz.
3: Cruice, Ganschinietz.
4: Der Zauberer nimmt von der Frage, bevor er den Zettel verbrennt, Kenntnis, sei es in eigener Person, sei es durch einen Gehilfen (in einem Nebenraum. Ganschinietz). Hippolyts Darstellung ist unklar.
5: Im Griech. ein Wortspiel. Phren ist der Name des Dämons und bedeutet Verstand.
6: Unter Wachs ist hier wahrscheinlich auch indisches Schwarz zu verstehen (Ganschinietz).
7: Eine zur Bereitung roten Farbstoffs verwendete, nicht mehr feststellbare Pflanze.