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|Die Seele und ihr Mechanismus, Seite 73 ff. (engl.)|

Ereignissen im Kopf und Dingen, die ausserhalb existierten, bestand keine
sichere Brücke, auf der man den Übergang machen konnte, der allein garantieren
könnte, dass die Vorstellungen im Kopf auf die Gegenstände im äusseren Bereich
zutreffen. Auf beiden Seiten dieses Abgrunds haben sich die Armeen von
Philosophen aufgestellt: Auf der Seite des Ich's haben sich die Idealisten
vergeblich bemüht sich auszustrecken, um die Realität zu erreichen, von der sie
voraussetzten, dass sie sich ausserhalb ihres Erfassens befände. Und auf der
anderen Seite bemühen sich die Materialisten, das Ich zu ignorieren oder es als
ein Phantom oder Epiphänomen, einen Hauch oder Nebel zu betrachten, der aus der
physischen Welt selbst hervorgeht. Einige, die Dualisten genannt werden, nahmen
die Wirklichkeit sowohl des Psychischen als auch des Physischen als erwiesen an,
räumten jedoch jedem seinen Platz ein, und es gelang ihnen niemals, eine
hinreichende Antwort auf die Frage zu finden, wie der Denkaspekt zu einem so
andersartigen Objekt aus sich herausgeht oder wie er selbst das Objekt sein und
doch erkannt werden könnte.» (Ames, E. S.: Religion, S. 127-128)

Einige Definitionen hinsichtlich der Seele mögen hier am Platz sein. Sie sind aus einer ungeheuren Anzahl gesammelt worden. Es ist bemerkenswert, dass in Definition und Auslegung eine sehr bemerkenswerte Übereinstimmung besteht. Webster definiert die Seele in höchst interessanten Begriffen und, vom Standpunkt der östlichen Weisheit, mit grosser Genauigkeit.
«Eine Wesenheit, die als die Essenz, Substanz oder antreibende Ursache des individuellen Lebens verstanden wird, besonders des Lebens, das sich in psychischen Tätigkeiten manifestiert; das Mittel individueller Existenz, seinem Wesen nach vom Körper unterschieden, und gewöhnlich im Dasein als trennbar angesehen.»
Wenn man [74] die verschiedenen Auslegungen über das Wesen der Seele erforscht, treten drei Gesichtspunkte in Erscheinung, und diese sind für uns gut in Websters Lexikon zusammengefasst worden:
«Erstens ist die Seele als eine Wesenheit oder ein Subjekt behandelt worden, das besonders in willenmässigen Tätigkeiten des Denkens des Menschen in Erscheinung tritt. Sie ist der Gegenstand der Erfahrung, über die der Körper meditiert, sie ist nicht der Denkaspekt, sondern dasjenige, das denkt und will.
Zweitens wird die Seele mit dem Denkaspekt oder mit bewusster Erfahrung identifiziert; dies ist der gewöhnliche Sinn des Wortes in der Psychologie und die allgemeine Konzeption der Idealisten.
Drittens wird die Seele als eine Funktion oder Summe der Gehirnfunktionen betrachtet; auf diese Weise lehrte Pierre J. G. Cabanis (1757-1808), dass das Gehirn Gedanken so sekretiert, wie der Magen Nahrung verdaut.»
Webster fügt die folgende Bemerkung hinzu, die in ihrer Anwendung der gegenwärtigen Tendenz des Weltdenkens entspricht:
«Einige Auffassungen, wie diejenigen von Fechner, dass die Seele der ganze einheitliche spirituelle Prozess in Verbindung mit dem ganzen einheitlichen Körperprozess ist, scheinen halbwegs zwischen der idealistischen und der materialistischen Ansicht zu stehen.» (Websters Dictionary, Ausgabe von 1923)
Vielleicht bietet der «edle Mittelweg», den die Buddhisten betonen, für die zukünftige Generation schliesslich doch ein Mittel, diesen extremen Stellungnahmen zu entkommen.
Die Ägypter waren der Ansicht, dass die Seele ein göttlicher Strahl sei, der durch eine eigenartige, einer Flüssigkeit ähnelnden [75] Verbindung wirkt, während die Juden sie als das vitale Prinzip ansahen. Die Hindus lehren, dass die menschliche Seele ein Teil eines unveränderlichen Prinzips, der Weltseele, der Anima Mundi, des alles durchdringenden Äthers (Akasha) des Raumes ist. Dieser Äther ist einfach der Leiter gewisser Energietypen und dient als verbindender Mittler zwischen wesentlichem Geist und greifbarer Materie.
Pythagoras, der seinerzeit soviel tat, um die östliche und westliche Philosophie miteinander zu verbinden, gab dieselbe Lehre. In China lehrte Laotse, dass die spirituelle Seele mit der halb-materiellen vitalen Seele vereint ist und dass sie gemeinsam den physischen Körper beleben. Die Griechen ihrerseits waren der Ansicht, dass die Seele (mit all den mentalen Fähigkeiten) vom Körper trennbar sei, während die Römer die Seele als Dreiheit ansahen, - eine spirituelle Seele, eine intellektuelle Seele oder Denkaspekt und einen vitalen Körper. Viele, wie z.B. Theophrastus, sahen sie als «das wahre Prinzip der Leidenschaft» an und «Die Stoiker brachten eine neue Bezeichnung des belebenden Prinzips oder die Theorie der vitalen Prozesse in Umlauf, nämlich Pneuma (Lebenshauch). ...
Mit der Einführung des Pneumas begann jene Dreiteilung der menschlichen Persönlichkeit in Körper, Seele und Geist, die in den Spekulationen der Theologen eine prominente Rolle gespielt hat. Die Konzeption der Seele oder Psyche ... wurde in zwei Begriffe differenziert ... nämlich einerseits in die vitale Kraft der Physiologen und andererseits den Geist oder die immaterielle Seele des Menschen.» (Hollander, B.: In Search of the Soul (Auf der Suche nach der Seele), Band I, S. 53-54)
Die Stoiker [76] betonten daher eine Lehre, die der orientalischen Philosophie gänzlich entspricht. Sie überbrückten daher die Kluft zwischen den beiden Hemisphären.
Plato erklärte das Dogma der Seele folgendermassen:
«Er glaubte, die Seele habe drei Teile. Einen, ersten unsterblichen oder rationalen Teil, der von Gott kommt; einen zweiten, einen sterblichen, tierischen oder empfindungsfähigen Teil, den Sitz des Verlangens und der Gefühlserregung, der zum Körper gehört; und einen dritten, der zwischen diesen beiden liegt und ihre Wechselbeziehung ermöglicht - Wille oder Geist - durch den Vernunft das Verlangen besiegt. Pflanzen besitzen den niedrigsten Teil, Tiere die beiden niedrigeren; der rationale Teil jedoch ist ausschliesslich menschlich.
Diese rationale Seele betrachtete er ihrem Wesen nach als immateriell und metaphysisch, er erklärte, dass sie nicht von den Sinnen wahrgenommen werden und nur durch den Intellekt begriffen werden könne. Die Vereinigung mit dem sterblichen, materiellen und physischen Körper sei nur ein unbedeutendes Ereignis ihrer langen Laufbahn. ... Plato machte also einen grundlegenden Unterschied zwischen Seele und Körper.» (Hollander, B.: a. a. O., S. 35)
Aristoteles betrachtete die Seele als die Summe der vitalen Prinzipien und war der Ansicht, dass sie sich ebenso zum Körper verhielte wie die Vision zum Auge. Die Seele war für ihn das wahre Sein im Körper, und Plotin stimmte mit ihm überein. Er betrachtete die Seele als die lebendige Gefühlswahrnehmung des Körpers, die zu einem höheren Grad des Seins gehört als Materie. Tertullian teilte die Seele in zwei Teile ein, in ein vitales und ein rationelles Prinzip, und Gregorius ebenfalls. Die meisten orientalischen Richtungen betrachten die Seele als das Ich, das Individuum, und [77] die christliche Mystik befasst sich mit der Verbreitung der Lehre des Paulus, dass jedem Menschenwesen eine latente Kraft innewohnt, die er «Christus in Euch» nennt und die es durch ihre Gegenwart jedem Menschen ermöglicht, den Zustand des Christus zu erreichen. Ein genauer Vergleich der christlichen und orientalischen Lehre führt zu der Schlussfolgerung, dass die Begriffe: Selbst, Seele, Christus, denselben Zustand des Seins oder Bewusstseins in sich schliessen und die subjektive Realität in jedem Menschen andeuten.
Die ersten Kirchenväter waren in bezug auf die Seele stark von griechischen Ideen beeinflusst, und ihre Lehre wurde später von Gnostizismus und Manichäismus gefärbt. Sie betrachteten die Seele als Licht und den Körper als Dunkelheit; das Licht muss den Körper erleuchten und schliesslich vom Körper befreit werden. Der heilige Gregorius betonte im vierten Jahrhundert die Dreiheit von Körper, Seele und Geist ebenso wie Paulus. Er fasste in seiner Lehre die Gesichtspunkte der besten Denker seines Zeitalters zusammen und lehrte - (um Hollander zu zitieren):
«... Die Seele hat keine Teile, Gregorius unterschied jedoch nährende, empfindungsfähige und rationale Fähigkeiten, die dem Körper, der Seele und dem Geist entsprechen. Die rationale Natur ist nicht gleichmässig in allen Teilen des Körpers vorhanden. Die höhere Natur gebraucht die niedere als ihr Werkzeug. In der Materie wohnt die vitale Kraft; in der vitalen wohnt empfindungsfähige Kraft, und die Empfindungskraft ist mit der rationalen Kraft vereinigt. Die empfindungsfähige Seele ist somit ein Mittler, reiner als Fleisch und gröber als die rationale Seele. Die Seele, die auf diese Weise mit dem Körper vereinigt ist, ist die wahre Quelle [78] aller Tätigkeiten.» (Hollander, B.: a. a. O., S. 88)
Vom fünften Jahrhundert an bis zum siebzehnten Jahrhundert haben wir die Ideen von verschiedenen Richtungen; die Scholastiker, die arabischen Philosophen, die Kabbalisten, auch die Philosophen des Mittelalters und jene bemerkenswerte Gruppe von Menschen, welche Reformation und Renaissance herbeiführten. Sie besprachen die verschiedenen Theorien, welche die Seele erklärten, aber es wurden nicht viele Fortschritte gemacht, denn alles bewegte sich allmählich in der Richtung des Erscheinens der modernen Wissenschaft, der Gründung der modernen Medizin und der Offenbarungen des Zeitalters der Elektrizität. Allmählich nahmen der Formaspekt der Natur und die Gesetze, die natürliche Phänomene beherrschen, die Aufmerksamkeit in Anspruch, bis Spekulationen hinsichtlich der Seele und ihres Wesens immer mehr den Theologen zugewiesen wurden.
Im 17. Jahrhundert schrieb Stahl ausführlich über den Gegenstand der Seele und fasste einen grossen Teil der Lehre, die in seinem Zeitalter herrschte, zusammen. Dies ist als die Theorie des Animismus bezeichnet worden. Es ist das Dogma, dass die Seele das vitale Prinzip und für alle organische Entwicklung verantwortlich ist. Wir sprechen vom Animismus der wenig entwickelten Rassen, welche die Naturkräfte personifizierten und anbeteten, wir erkennen, dass der Animismus, den Stahl umriss, in den späteren Zyklen unseres eigenen Zeitalters stets vorhanden gewesen ist; wir studieren die Lehre der modernen Wissenschaftler über Kraft, über Energie, über [79] das Atom, und wir finden, dass wir einer Welt von Energien gegenüberstehen, die nicht verleugnet werden kann. Wir leben in einem Universum, das von Kräften beseelt wird. Geschwindigkeit, Tätigkeit, Vitalität, Transport, Tonübertragung, elektrische Energie und viele solcher Ausdrücke sind die heutigen Schlagworte: Wir reden und denken in Begriffen von Kraft.
Stahl fasste die Lehre folgendermassen zusammen:
«Der Körper ist für die Seele gemacht worden; die Seele ist nicht für den Körper gemacht worden, noch ist sie sein Produkt. ... Die Quelle aller vitalen Bewegung ist die Seele, welche die Maschine des Körpers aufbaut und sie einige Zeit gegen äussere Einflüsse aufrechterhält. ... Die unmittelbare Ursache des Todes ist nicht Krankheit, sondern die direkte Tätigkeit der Seele, welche die körperliche Maschine verlässt, entweder weil sie durch irgendeinen ernstlichen Schaden nicht mehr betriebsfähig ist, oder weil sie nicht mehr mit ihr zu arbeiten wünscht.» (Hollander, B.: a. a. O., S. 169)
Berkeleys Definition der Seele ist interessant, denn er definiert sie als ein einfaches tätiges Sein, das uns durch Erfahrung offenbart wird.
Die moderne materialistische Psychologie, welche die Seele als das Produkt von Gehirntätigkeit betrachtet, ist vielleicht nicht gänzlich falsch, befasst sich jedoch mit einer untergeordneten Demonstration der vitalen Seele.
Müller-Freienfels sagt:
«Zum mindesten müssten wir dann auch in der Physis nicht einen atomistischen Mechanismus sehen, sondern eine ganzheitliche Lebenskraft hineindenken, womit freilich der "Leib" aufhört, bloss Materie zu sein, sondern eben als "beseelt" gedacht wird.»
Er fährt fort und sagt weiter:
«Und hier [80] nun zeichnet sich eine Möglichkeit ab, dem Begriff der Seele beizukommen! Erinnern wir uns, wie der Mensch dazu kam, diesen Begriff zu bilden! Nicht um das "Bewusstsein" zu erklären (denn die "Seele" kann ohne
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|Last updated Saturday, February 14, 1998 © 1998 Netnews Association. All rights reserved.|