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Die Enge, die Weite / 2013
Zur Ausstellung KONSTRUKTIVE WEITE von Rita Ernst im Museum Chasa Jaura im Sommer 2013
Zum Aufsetzen des Fußes braucht man nur eine kleine Stelle,
man muss aber freien Raum vor den Füßen haben,
dann erst kommt man voran.
Chuang-tzu (ca. 365-286 v. Chr.)
Man hält die Provinz – im Vergleich mit städtischen Zentren – oft für eng, rückständig und vergangenheitsfixiert. Dies ist eine oberflächliche, die Realitäten meist verfälschende Wahrnehmung. Gerade in Zonen, wo politische Grenzen verlaufen, wo verschiedene Sprachen und Kulturen einander begegnen, wo unterschiedliche Konfessionen und Traditionen aufeinander stoßen, ist der kulturhistorische Ertrag meist überraschender und origineller, als wir es vermuten. Grenzregionen sind osmotische Gebilde, durchlässig und geprägt von der Neugierde, wie und wo den Nachbarn und Grenzgängern vorteilhaft etwas abzugewinnen und abzuluchsen wäre. Die Tourismusbranche verspricht sich allerdings mehr davon, die Gegebenheiten zu idyllisieren. So lesen wir etwa über die Region, die uns hier interessiert: „Das idyllische Val Müstair ist eine eigene kleine Welt jenseits des Ofenpasses. Mit seinen sattgrünen Wiesen und gepflegten Dörfern bietet es einen Kontrast zur wilden Natur des nahen Nationalparks.“ Das wollen wir gewiss nicht gänzlich bestreiten. Nur scheint es mir nicht das Spezifische solcher Orte zu treffen. Und deshalb fragen wir hier auch nicht so sehr nach dem äußeren Anschein von Bergen und Wiesen und von Dörfern und Gärten, sondern welche Formen das Universelle, also das, was alle Menschen in ihrem Leben treibt, bewegt und bestimmt, im Münstertal angenommen hat.
Mindestens zwei Orte haben in diesem Tal den Vorzug gehabt, in den Zugwind universeller Strömungen zu geraten und von diesen geprägt zu werden. Man sagt zwar: „Der Geist weht, wo er will.“ Aber es kommt vor, dass er an bestimmten Orten Zeugnisse seines Wehens hinterlässt, während an anderen die Geschichte wieder alles Entstandene und einst Bewirkte abträgt, einebnet und in den Naturzustand zurückführt. Ob nun Karl der Große gegen Ende des 8. Jahrhunderts der Gründer von Kirche und Kloster St. Johann in Müstair war oder nicht – es gibt für diese kaiserliche Stiftung archäologische Evidenz ebenso wie eine eindrückliche Legendentradition –: dass hier etwas in diesem Tal gewachsen ist, das Seinesgleichen im weiten Umkreis sucht, wird jedem heutigen Besucher der Klosteranlage schnell klar. Als ich als Benediktinerschüler zum ersten Mal in der Mittelapsis der Klosterkirche die tanzende Salome aus spätromanischer Zeit entdeckte, spürte ich: Hier hat ein Künstler in einem liturgischen Raum sein gewagtestes Stück abgeliefert; hier hat jemand seine kühnsten Visionen in den Dienst seines Auftrags gestellt. An keinem europäischen Hof des frühen 13. Jahrhunderts wurde vermutlich frecher und mutiger gemalt als hier, davon war und bin ich überzeugt. Und als ich später einmal die Gelegenheit bekam, an der Westwand den Engel zu entdecken, der am Ende der Tage den Himmel einrollt, wenn über Heilige und Sünder das Weltgericht einbricht nach dem Wort der Offenbarung: „Der Himmel verschwand wie eine Buchrolle, die man zusammenrollt, und alle Berge und Inseln wurden von ihrer Stelle gerückt“- da war ich mir sicher: Nirgends auf der Welt war so eindrücklich wie in diesen karolingischen Malereien zu erleben, wie sich die Menschen damals das Ende der Zeiten vorgestellt haben. Wenn spätere Eingriffe ins Bildprogramm auch vieles an dieser imposanten Darstellung der Endzeit unwiederbringlich zerstört haben, solange der wehende Mantel des vom Himmel in die Welt stürmenden Erlösers noch sichtbar ist, bleibt uns auch der kühne Schwung der Vorstellungskraft und der Erwartungen von damals noch ahnbar. Mich bestärkt das Bild noch heute in der Hoffnung, dass es irgendwo und irgendwann so etwas wie einen Mantelzipfel von ausgleichender Gerechtigkeit geben wird.
Der zweite Ort, an dem mir im Münstertal etwas – hier nun schwergewichtig Diesseitiges – an Weltzusammenhängen in die Nase steigt, ist die Chasa Jaura in Valchava. Heimatmuseen haben den Ruf, in endlosen Wiederholungen Gegenstände aus der Lebens- und Arbeitswelt vergangener Zeiten uns vor Augen zu führen. Nun, solche Dinge findet man gewiss auch in diesem interessanten Haus aus dem 17. Jahrhundert, das heute als Talmuseum den Besuchern Einblick in die Lebensformen, die „Materialbeherrschung“, ja den Gestaltungs- und den Spieltrieb früherer Generationen gibt. Wir finden die schöne Stube, die schwarze Küche, die Hammerschmiede, die Alpkäserei, höchst überraschende Lagerräume, eine Dachtenne, alle bestückt mit exemplarischen Gegenständen – gottlob nicht zu voll gepfropft, sondern geschickt ausgewählt und platziert. Wer also die Materialkultur früherer Jahrhunderte sucht, wird hier fündig. Doch seit Inge Blaschke als Gestalterin und Kuratorin des Hauses wirkt – und das sind inzwischen 25 Jahre –, hat eine Neubestimmung des traditionell orientierten Heimatmuseums stattgefunden. Sie zeigt in jedem Sommer – im Kontrast zu den Museumsbeständen – eine Ausstellung moderner Kunst. Sie sucht sich dabei Künstlerinnen und Künstler aus, welche auf einen Dialog, eine Konfrontation, eine Wahrnehmungserweiterung sich einzulassen bereit sind, indem sie ihre Kunstobjekte – Bilder, Skulpturen, Installationen – mit den traditionellen Räumlichkeiten und Gegenständen des Hauses verbinden. Dieses Konzept funktioniert erstaunlich gut, sorgt bei den Besuchern des Hauses für unerwartete Einblicke und Erfahrungen, die von der Verwunderung bis zum Schock, von der Betroffenheit durch seltsame Entsprechungen bis zum befreienden Lachen über freche Provokationen reichen. Das jeweilige Ausstellungsprogramm des Hauses wird angereichert mit Musik- und Theaterabenden, mit Lesungen, Buchvernissagen und Diskussionsrunden. Man darf also erwarten, dass Inge Blaschke von Sommer zu Sommer das Haus wieder so zurichtet, dass für Nachdenklichkeit wie für Heiterkeit, für die Erfahrung des Schönen wie des Skurrilen durch diesen Dialog zwischen alt und neu gesorgt ist. Manchmal kommen die gestaltenden Künstler aus dem fernen Ausland und tragen klingende Namen der internationalen Kunstszene. Gelegentlich gibt sie auch einem einheimischen Künstler des bündnerischen Alpenraums die Gelegenheit, das Museum mit seinen neuesten Werken während einer Saison zu „bespielen“. So sah man vor zwei Jahren hier eine Ausstellung, wo die farbig kräftig aufgetragenen und robusten Bilder des Zernezer Künstlers Jacques Guidon bewiesen, wie farbige Kühnheit der schwarz-grauen Realität von Steinmauern und dunklem Holz die Stirne zu bieten vermag.
Für den Sommer 2013 hat Inge Blaschke die Künstlerin Rita Ernst eingeladen, die Räume, Wände, Nischen, Gänge, Treppen und Verstecke der Chasa Jaura durch ihre Bilder auszuloten. Man könnte auch sagen: die Gegebenheiten heimzusuchen und aufzulichten. Rita Ernst ist eine sogenannte „konstruktive“ Künstlerin, die seit vielen Jahren mit Farben und Formen Balancespiele des Sehglücks erfolgreich erprobt. Die Künstler, die sich der sogenannten „konkreten Kunst“ widmen und sich jede Gegenständlichkeit und figurale Feststellbarkeit versagen, haben meistens ein Grundanliegen. Sie wollen mit ihren Linien und Quadraten, mit ihren Kreisen und Rhomben in Licht- und Schattenfeldern unsere Augen in die Sehschule schicken. Was auf den ersten Blick manchmal als rein dekoratives Formenspiel erscheint, als ornamentale Fingerübung oder als virtuose Kombinatorik von Licht- und Schatteneffekten, entpuppt sich bei näherem Hinsehen dann doch als ein hartes Ringen des Künstlerauges um optimale Gewichtungen, um ein hintergründiges Kräftemessen, um eine Flächen- und Raumgestaltung höherer Ordnung. Ich gestehe ganz offen, dass ich mit konkreter Kunst dann gewisse Mühe habe, ja dass an ihr meine Neugier schnell ermüdet, wenn sie sich nur als algebraisches oder geometrisches Spielmotiv entpuppt, wenn alles historisch Konkrete sich in die vollkommene Abstraktion zurückgezogen hat, wenn die Bilder gleichsam ihrer Geschichte beraubt wurden, mir nichts mehr erzählen und nur noch die Illustration eines ideal-mathematischen Maßes oder Verhältnisses sind. Bestaunen kann man solche „l’Art pour l’Art“-Spiele freilich immer noch. Ob man nichtige Beliebigkeiten des Zufallspiels oder die wirkungsstarken Versuche, die Welt zum „Design“ zurückzustufen aber auch wirklich lieben kann?
Bei den „konstruktiven“ Bildern von Rita Ernst kommt zu Könnerschaft und Artistenglück im Formenspiel etwas Wesentliches hinzu, das auch sogleich spürbar wird und mich unmittelbar ergreift: Ihre Sehnsucht nach konkreter Landschaft und Kultur, ihr Hang zu historisch gewachsener Architektur und deren unterschiedlichen Formensprachen, ihre Liebe zu unverwechselbaren Bauten des Nordens und des Südens, ihre Neugierde und Faszination für Errungenschaften der christlichen oder der islamischen Kultur. Man kann dies am Besten an den Bildern illustrieren, welche die Künstlerin für ihre Ausstellung in der Chasa Jaura ausgesucht hat. Rita Ernst betreibt eine Kunst, die ihre Inspirationsquellen nicht verleugnet. Es ist vielmehr eine Klärung, die als Arbeitsprozess und Auseinandersetzung mit einer Gegebenheit die Bilder entstehen lässt. Das kann ein Gebäude sein oder auch nur ein Fußboden, ein Fensterrahmen oder die Balkenstruktur einer Zimmerdecke. Besonders angetan ist sie von architektonischen Bauplänen, von Säulenanordnungen und Arkadenreihen. Wir wissen, dass Rita Ernst eine Art Doppelleben führt: eines in ihrem Atelier in Zürich, ein zweites im sizilianischen Trapani. Auch reist sie gern durch europäische Städte und südlich-mediterrane Kulturlandschaften. Doch Rita Ernst reist mit einem besonderen Wahrnehmungsblick für das, was dem touristisch Reisenden meist vollkommen unsichtbar bleibt. Sie entdeckt Hintergrundstrukturen, Konstruktionsprinzipien, Baupläne bedeutender Kirchen und Moscheen, die dann eine Art Grundraster sind für das, was sie mit ihren Bildern erst sichtbar machen wird. Darum stimmt der Titel ihrer Ausstellung in der Chasa Jaura auch so genau: „KONSTRUKTIVE WEITE“ – das ist es wirklich! Der Blick der Rita Ernst greift weit aus und um sich, bevor die „Konstruktion“, die Bildbautätigkeit bei ihr einsetzt.
Wer jetzt die Chasa Jaura betritt, wird schon im Eingang mit einem Bild konfrontiert, das zu Rita Ernst’s „Progetto Siciliano“ gehört. Darin spielen Kirchen und Kathedralen, Paläste und Paradiesgärten ebenso eine Rolle wie Einrichtungsgegenstände von Villen und Adelshäusern. Das Wechselspiel von Licht und Schatten durch die sizilianischen Tages- und Nachtstunden findet seine Spiegelungen darin ebenso wie der Goldgrund byzantinischer Mosaiken oder das Farbenspektrum illustrierter Stundenbücher des späten Mittelalters. Viel Emotionen sind in diesen südlichen „Konstruktionen“ von Rita Ernst verarbeitet. Man müsste eigentlich sagen: ausgelebt und nachfühlbar gemacht. Wir werden ziemlich heftig europäisch „herumgewirbelt“ beim Gang durch die Chasa Jaura. Im großen Saal etwa gehen die Impulse vom Kloster Sankt Johann in Müstair aus, aber auch vom Aachner Dom, sodass uns Karl der Große dort doppelt listig winkt und grüßt. Stüva, Gänge, Treppen, Obergeschoss und Estrich: Überall erreicht uns ein anderes europäisch-mediterranes Signal und zwingt uns zum Rätseln, zum Suchen, oder auch nur zum Staunen und Genießen. Im Schlafzimmer des oberen Stocks befällt uns im Anblick der Bilder eine sich ausbreitende Ruhe, eine sich nach Innen wendende Sehnsucht, ein geradezu „nirwanisches“ sich Tasten durch eine Traumlandschaft. Im Estrich werden wir kräftig wieder geweckt und ins bunte Leben zurück geschickt. In der Käserei nimmt uns die Künstlerin sogar bis nach Tunis mit. In orientalischer Lichtqualität und Ornamentik blicken uns die Gerätschaften zur Käseherstellung auf einmal an, als habe die Chasa Jaura ihnen endlich den feiertäglichen Ruhetag beschert. Und die vielleicht erstaunlichste Erfahrung dieser Begegnung von Heimatmuseum und visionärem Blick in andere Räume, Zeiten und Kulturen dürfte sein, dass an den Mauern und Türen des alten Hauses diese Bilder von Rita Ernst wie magische Fenster wirken, die uns mitten aus der Enge eines alten Bauernhauses in ganz ferne Weltteile locken, die uns etwas versprechen, was man die Sehnsucht nach dem Märchenhaften und Mysteriösen, nach dem Lichten und Leichten nennen möchte. Oder aber: Die Sehnsucht nach dem, was uns eben nicht das reale Leben bietet, sondern worauf nur die Kunst unser Verlangen und Begehren auszurichten vermag.
Hier liegt für mich die Kernerfahrung dieser Begegnung von Heimatmuseum mit der Kunst von Rita Ernst: Ein Heimatmuseum treibt von seinem Wesen und Ziel her Erinnerungskultur, muss dies auch tun, um der Schnelllebigkeit und Vergesslichkeit unseres Alltags ein bisschen heimzuleuchten! Die Bilder von Rita Ernst dagegen befördern „Visionskultur“, sind meditative Einübungen in etwas, das nicht vorbei ist, sondern das es täglich neu zu entdecken gilt. Allem voran die Schönheit, die das Leben uns zu bieten hätte, wenn wir nur richtig zu sehen vermöchten. Wir lernen, diese Schönheit zu entdecken durch den Nahblick und den Fernblick. Gerade das Reisen weckt unseren Hunger nach Schönheit in nachhaltiger Weise. Seit die Bilder der Rita Ernst im Museum der Chasa Jaura hängen, muss man den Museumsbesuch im Münstertal als eine Reise ansehen mit unerwartet sich bietenden Ein- und Ausblicken in den Reichtum, den die Welt unseren Sinnen und unserem Geist in immer neuen Formen als Lebenschance bietet. Wir brauchen beide: die Geschichte und unsere Imaginationskraft, um die Zukunft zu bewältigen. Und schon gar brauchen wir Realität und Vision, um in diesem Leben irgendwann doch noch unser Glück zu finden. Es gibt Bilder von Rita Ernst, die Glück und Schicksalsdankbarkeit ausstrahlen. Vielleicht sehe ich sie gerade darum so gern.
Neulich hatte ich einen seltsamen Traum. Ich besuchte die Chasa Jaura und die Ausstellung von Rita Ernst mit einem chinesischen Mann. Er war kleinwüchsig, musste sich bei den Türdurchgängen nirgends bücken, trug über weißem Hemd und Hose einen weiten schwarzen Mantel, hatte einen wundersam gepflegten Bart im Gesicht und das Haupthaar zu einem Knoten gebunden. Er sah so aus, wie ich es von Tuschzeichnungen alter chinesischer Philosophen und Weisheitslehrer kenne. Während unseres Streifzugs durch die Gänge und Museumsräume sprach er kein Wort, sondern lächelte nur freundlich und nickte den Bildern von Rita Ernst irgendwie verehrungsvoll zu, tat dies aber auch dem Webstuhl gegenüber, der Kinderwiege, den Milchbehältern in der Käserei, so als wolle er dem, was er hier begegnet, seine Sympathie und Zustimmung bezeugen. Als wir das Haus verlassen hatten, sagte er mir auf der Freitreppe der Chasa Jaura in akzentfreiem Deutsch: „Groß ist die Nützlichkeit des Unbrauchbaren“, lächelte und verschwand.
Iso Camartin *24. März 1944 in Chur, lebt als Schriftsteller und Publizist in Zürich, Disentis und New Jersey, USA
Per metter giò il pè basta üna pitschna plazza,
i’s sto però avair ün lö liber davant ils peis per lura pudair ir inavant.
Chuang-tzu (ca. 365-286 a.Cr.)
I’s craja, cha in congual culs centers da cità, la provinza saja suvent stretta o dafatta restretta e drizzada oura vers il passà.
Quista vista es superficiala. Quai es üna percepziun chi falsifichescha suvent la realtà. Surtuot in regiuns da cunfins politics ingio chi s’inscuntran differentas linguas e culturas, ingio chi’s cumbüttan diversas confessiuns e tradiziuns, es la producziun e la racolta cultur-istorica surprendentamaing plü richa ed originala co quai chi’s suppuona.
Regiuns da cunfin sun cumplexs territorials osmotics; cuort dit: lös da passagi. I laschan tras, i sun buollats da buonder pels vaschins. Ed influenzats da la vöglia suna, da gnir a savair co chi’s pudess gnir a bröch e s’abinar culs vaschins e culs pendularis per gurbir avantags dad els.
Il turissem s’imprometta blerant daplü da simlas regiuns, sco p. ex. la Val Müstair. El idealisescha la situaziun da tala. Uschè pudaina leger da la V.M.: “La Val Müstair es idillica, ün pitschen muond dapersai, da tschella vart dal Pass dal Fuorn. Cun sia pradaria züjusa e culs cumüns bain sögnats fa’la contrast cun la natüra sulvadia dal Parc Naziunal be daspera.” Da quist nu vulain nus dubitar. Ma la propaganda turistica nu tocca però l’esser spezific da simils lös. A nus nun interessa l’aspet visibel da quista cuntrada cun sia pradaria, cun seis cumüns e culs giardins, ma blerant ans dumandaina che muond intern, universal, che orma ch’ella ha dschendrà sün quist terratsch, che chi preoccupescha sia olieud, che chi scuorra e passa in quist chantunet dal vast muond.
A tuottavia sun duos lös da quista vallada stats preferits dal curraint universal. Quel tils ha miss sü ün buol special. I’s disch bainschi: “Il spiert boffa ingio via ch’el voul!” Ma qua o là interlascha’l ünsanua perdüttas marcantas da seis s-chüf, intant cha utrò l’ir dal temp allontanescha o nivellescha quai chi d’eira creschü e vaiva agi in quel lö e chi vaiva – a seis temp – gnü dafatta grond effet. Quai es lura sco ün retuorn al stadi natüral. Scha Carl il Grond es a la fin dal 8avel tschientiner propa stat o brich il fundatur da la baselgia e da la clostra San Jon a Müstair, quai nun es cumprovà stringentamaing. In mincha cas daja ün’evidenza archeologica per quista fundaziun ed üna tradiziun legendaria impreschiunanta. Sainza dubi es quia capità alch fat istoric cultural uschè important chi cumpetta sainz’oter cun monumaints cultural-istorics internaziunals. Da quist po s’atschertar mincha visitadur da l’implant o cumplex da San Jon a Müstair. Cur cha eu sco scolar benedictin n’ha scuvert per la prüma jada ill’ apsis d’immez da la baselgia da la clostra la Salomè da l’epoca medievala-tardiva chi sota, n’haja pertschvü, cha quia vaiva ün artist ris-chà da bod profanar quist lö liturgic. Ün artist inconvenziunal vaiva quia realisà in möd visiunari sia incumbenza d’artist. Ninglur, gnanca a las cuorts europeicas dal 13avel tschientiner tampriv nu vaiva ün artist s’azardà da pitturar da maniera uschà temeraria, scha na dafatta sfruntada. Cur ch’eu n’ha scuvert plü tard in occasiun d’üna visita a San Jon sül mür dal vest quel anguel, chi al di dal güdizi, plaja aint il tschêl sco ün pon e cuerna uschè ils sonchs e’ls pechaders, uschè sco chỉ sta scrit illa palantada: “Il tschêl es spari sco in üna rolla da la thora, chỉ vain rodlada aint e chỉ uschè fa svanir tuot las muntognas e las islas”, schi n’haja chapi cleramaing, cha ninglur sül muond i nu saja gnü preschantà visualmaing uschè impreschiunan-tamaing sco quia cun quistas pitturas carolingicas la percepziun da l’uman da la fin dal muond. Scha plü tard id es gnü surelavurà e – faquint eir tschaffutrà – bler vi dal program illustrativ da quist imposant müral (da möd cha la qualità artistica primara ha pati), schi’s lascha tuottüna – malgrà ils defets güsta manzunats – presümer la forza da l’imaginaziun da l’uman da quella jada. Il mantel splajà dal spendrader chi vain cun veemenza giò da tschêl ans lascha imaginar cun che ardur e cun che fervenza cha quists umans spettaivan sia vgnüda. Quist purtret am fa amo hoz spranza, chi detta ünsanua ed ünsacura alch simil sco quel toc dal mantel chi imprometta üna güstia per tuots eguala.
Il seguond lö in Val Müstair ingio chi i s’inscuntra alch chi da pais a quista vallada, però alch da quist muond terrester, alch chi s-chaffischa e promova relaziuns sur cunfins oura, alch chi va a cour, es la Chasa Jaura a Valchava. Museums da la patria han la dubiusa reputaziun d’intermediar adüna inavant, a l’infinit bod, la cugnuschentscha da la stretta patria a man d’ogets da la vita dals babuns: urdegns, mulbain, custüms e.u.i.
Simils objects as chatta s’inclegia eir in quista interessanta e fascinanta chà dal 17avel tschientiner. Als visitadurs dal museum spordschan quels ün’invista i’l far e demanar dals vegls. I documenteschan l’indschegn da quels, ed i manifesteschan lur plaschair da’s divertir e da giovar e lur schmaina da fuormar e decorar cun sen estetic lur dachà e lur urdegns da lavur.
Quia chattaina la stüva, la chadafö naira da fulia, la favgia cun la fuschina a martè, la teja d’alp ingio chi gniva fat il chaschöl, deposits surprendents, ün palantschin. Tuot quists locals sun furnits adequata-maing cun urdegns exemplarics tschernüts cun savüda. I sun implü eir bain plazzats. E quai chỉ’s sto predschar specialmaing: i nu sun surchargiats. Quel chi va in tschercha da cumprovas da la cultura da plü bod nu sarà dischillus.
Ma daspö cha Inge Blaschke es manadra da la chasa e tilla guondagia cun zuond bun man – ella fa quai daspö 25 ons – s’ha il museum da la patria d’üna jà dat amo üna nouva incumbenza. El ha tschüf üna nouva identità. Sco contrast al fundus tradiziunal d’un museum inscenescha la zuond activa ed innovativa curatura Inge Blaschke mincha stà ün’exposiziun d’art moderna. Ella va mincha jada in tschercha d’artists chi sun parderts da’s confruntar cun quist lö, da promover il dialog tanter il passà e’l temp modern. Quista confruntaziun speciala serva ad amplifichar ed approfuondir la percepziun dal muond in general. Ils exponats da quists artists: Purtrets, sculpturas ed installaziuns plazzats aine in quista veglia chasa sun ‘giasts’ chi inrichischan seis ambiaint.
Quist concept funcziuna surprendentamaing zuond bain. El pissera cha’ls visitadurs hajan invistas ed experienzas inaspettadas, surpraisas e dafatta schocs. Quistas experienzas s’extendan da perplexità causa lur singulara situaziun fin pro’l rier deliberant in vista a provocaziuns ris-cha-das, scha na dafatta impertinentas. Il program respectiv da las exposiziuns vain amplifichà cun sairadas da musica o teater, cun prelecziuns, vernissaschas da cudeschs e circuls da discussiun.
I’s spetta mincha stà, cha Inge Blaschke drizza aint la chà da möd, cha quella spordscha impuls per meditar, ma eir leidezza, lapro eir il dialog tanter giuven e vegl illa confruntaziun cun quai chi vain classifichà sco bel, ma eir cul scurril. Taljadas vegnan ils artists chi expuonan dafatta our da l’ester. Id han per part gronds noms illa scena d’art e sun cuntschaints dafatta internaziunalmaing. Da las jadas spordscha il Museum Chasa Jaura ospitalità eir ad artists indigens. Quels pon muossar là lur lavur actuala durant üna stà intera, sco per exaimpel l’artist Jacques Guidon da Zernez. Cun sias ouvras da fermas culurs es el stat bun da far frunt als vegls mürs ed al lain imbrüni da tschientiners.
Per la stà 2013 ha Inge Blaschke invidà a l’artista Rita Ernst da sondar cun seis purtrets l’ambiaint da la Chasa Jaura: ils locals, las s-chalas, las nischas, las fanestras sfuondradas, ils piertans e’ls zops. I’s pudess eir dir, cha Rita Ernst chi’d es üna uschè nomnada artista ‘constructiva’, revelescha cun si’art la realità e la cundiziun da quist lö e tilla palesescha. La radiaziun da si’art dà directamaing glüm a quist ambiaint. L’art da Rita Ernst da balantschar cun fuormas e culurs spordscha daspö blers ons ün giodimaint pel spectatur da si’ouvra chi sta suot l’insaina da l’art concreta. Quist’art as desdisch dal figürativ chi’s lascha congualar cun l’object. Cun sias lingias, cun seis rombus, cun seis circuls e quadrats, cun seis spazis iglüminats e sumbrivaints voul quist’art scolar il verer da l’uman. Quai chi a prüma vista para dad esser ün gö da fuormas decorativas, ün exercizi per la dainta o üna cumbinaziun d’effects da glüm e sumbriva, as muossa – a verer plü manüdamaing – sco üna düra luotta da l’immaint, ün cumbat zoppà da l’artist per ragiundscher üna fuormaziun optimala dal spazi, üna disposiziun superiura da tal. Eu dun sainz’oter pro ch’eu n’ha fadia da pertschaiver l’art concreta, in quel cas ch’ella as revelescha be sco ün motiv geometric o algebraïc per as giovantar. Quist’expressiun da l’art concreta am stüfchainta ter svelt. Quetant surtuot, sch’ella schneja la concretisaziun istorica e s’adà a l’abstracziun banala, cur cha als purtrets i vegn alienada lur substanza, cur chi nu’m quintan ün’istorgia, cur chi nu’m dischan plü nöglia e sun dimena be plü l’illustraziun d’üna masüra matematica ideala o da proporziuns e relaziuns. Malgrà quists defets e dal cuntegn da “l’Art pour l’art” es quist möd d’expressiun amo adüna preschaint. La dumonda es, schi’s po o schi’s dess appredschar simlas casualitats banalas e las prouvas expressivas da redüer la vista dal muond al “design” da noss dis?
Ils purtrets da Rita Ernst rinserran a pêr ed a pass cun la cognuschen-tscha e la maestria dal manster eir – s’inclegia – l’essenzial, la quint-essenza d’üna ouvra d’art. Quai es in quist cas dalunga evidaint: Sia brama d’ün paesagi e d’üna cultura concreta, sia inclinaziun ad üna architectura chi s’ha sviluppada cun l’istorgia cun sias fuormas specificas, d’ün’architectura inconfuondibla chi chüsa il nord o il süd.
Eir seis interess e sia fascinaziun per las prestaziuns culturalas dal cristianissem e da l’islam es evidaint. Cumprovar quetant as lascha sainza dubi cun la tscherna d’exponats cha l’artista ha fat per la Chasa Jaura. L’art da Rita Ernst nu schneja las funtanas da sia inspiraziun.
La lavur da l’artista as drizza seguond las premissas per till’expuoner. Quellas pon esser: Un stabilimaint o magari eir be ün fuond o apunta ün ‘stiern’ jauer, il rom d’üna fanestra o las curajas da lain dal tschêlsura d’üna stüva. Culuonnadas ed arcadas till’interessan particularmaing. Nus ans eschan consciaints, cha Rita Ernst maina duos vitas: Una in seis atelier a Turich, tschella a Trapani in Sicilia. Eir fa’la gugent e suvent visita a citats europeicas ed a paesagis culturals mediterrans. Ma Rita Ernst nu viagia be pel muond aint. Ella pertschaiva cun seis sguard blerant quai chi pels turists es suvent cumplettamaing invisibel. Ella scuvrischa per exaimpel prinzips da construcziun, plans da fabrica da baselgias e moscheas, chi servan lura sco raster fundamental per quai chi dvainta lura visibel in sias ouvras. Pervi da quai tuorna a perfecziun il titel da sia exposiziun illa Chasa Jaura “Konstruktive Weite”. Da quai nun esa ingün dubi! Il sguard da Rita Ernst va aint illa vastezza, aint il spazi avant co ch’el as retira per gnir fixà.
Quel chi va uossa aint illa Chasa Jaura, vain confruntà fingià dadaint porta cun ün purtret chi fa part dal “Progetto Siciliano” da Rita Ernst. In quel giovan baselgias e catedralas üna rolla importanta, ma eir palazis e giardins ‘paradisics’ sco eir mobiliar ed oter mulbain da villas e da chasas da patriziers. Il gö alternativ tanter glüm e sumbriva durant ils dis e las nots sicilianas spordscha ils reflexs pels purtrets, ma eir il fuond dad or dals mosaïcs bizantins, sco eir il spectrum da culurs dals cudeschs d’uras dal temp d’immez tardiv contribuischan lur part a l’ouvra. In quistas “construcziuns“ meridiunalas sun intretschadas bleras emoziuns. Insè as stuvessa dir: vivüdas e preschantadas e missas uschè bain in evidenza per cha’l spectatur tillas possa eir el resentir. Strada fond tras l’exposiziun illa Chasa Jaura rivaina in ün trabügl da curraints europeics. Aint illa sala gronda gnin nus a badair impuls da la clostra San Jon da Müstair, sco eir dal dom dad Aachen, tant cha nus inscuntrain duos jadas a Carl il Grond.
Stüva, piertans, s-chalas, plan sura e palantschin: Dapertuot rivaina pro ün segn o signal chi’ns oblaja d’ingiavinar, da tscherchar, d’eruir alch messadi o chi spordscha eir be divertimaint e’ns surprenda. Aint illa chombra dal plan sura gnina tschüfs d’ün grond silenzi chi flada our dals purtrets, d’ün quaid desideri, d’ün palpar “nirwanic” tras ün paesagi dal sömmi. I’l palantschin tuornaina darcheu aint illa realtà variada. Illa chascharia ans maina l’artista dafatta fin a Tunis. Id es sco scha’ls urdegns per far chaschöl resortissan our d’üna glüschur orientala e’s mettessan quaidamaing a far la posa davo avair fat lur serv, decennis o tschientiners a l’inlunga. E l’experienza la plü surprendenta es bain l’inscunter tanter museum da la patria e’l sguard visiunari in oters spazis, in oters temps, in otras culturas. I’s pudess imaginar, cha’ls purtrets da Rita Ernst vi dals mürs e vi da las portas da la veglia chasa fan l’effet da fanestras magicas, chi dan liber il sguard our da la strettezza da quista veglia chà paurila e til drizzan il vast muond chi’ns imprometta d’accumplir nos desideri per la parabla e pel misteri, nossa brama da glüm e da leivezza. Pussibel esa eir cha quist’art voul satisfar noss giavüschs e nos giavüschamaint per quai cha la vita reala nu’ns po spordscher, dimpersai be l’art.
Per mai es quist l’experienza fundamentala da l’inscunter d’ün museum da la patria cun l’art da Rita Ernst. Ün museum da la patria es destinà da conservar la cultura dal temp passà. Seis böt es quel d’algordar a l’uman a sias ragischs. El sto far quai per frenar ün zich las tendenzas dal temp odiern chi’d es be prescha e spuizi e negligescha ed invlida dafatta las valurs dal passà. Ils purtrets da Rita Ernst percunter promovan la “Cultura da la visiun”, i sun exercizis meditativs, id intimeschan da ponderar, da sögnar alch chi nun es passager, ma chi sto gnir scuvert adüna darcheu, da di in di, da mantegner surtuot la bellezza cha la vita ans spordschess, scha nus be füssan buns da verer e lura eir da guardar ed observar. Nus imprendain in general a scuvrir la bellezza a man dal sguard damanaivel e’l sguard in lontananza.
Impustüt il viagiar svaglia cun persistenza nossa cuaida per la bellezza. Daspö cha’ls purtrets da Rita Ernst as rechattan i’l Museum Chasa Jaura, as poja resguardar la visita in Val Müstair sco üna pussibiltà inaspettada da gnir ad invistas e prospectivas illa richezza cha’l muond offra a noss sens ed a nos spiert in varias fuormas chi inrichischan nos esser e nossa vita. Quai es üna schanza! Nur dovrain amenduos: L’istorgia e nossa forza d’imaginaziun per mustriar l’avegnir. E surtuot il sen per la realtà accumpagnà e cumplettà dal sen visiunari per gurbir tuottüna ünsacura furtüna in nossa vita. I dà purtrets da Rita Ernst, chi radieschan furtüna ed ingrazchamaint per nos destin. Quai sarà la chaschun perche ch’eu tils tegn adachar.
Ultimamaing n’haja gnü ün singular sömmi. Eu d’eira in Chasa Jaura ch’eu visitaiva insembel cun ün Chinais l’exposiziun da Rita Ernst. El d’eira pitschen, quai laiva dir, ch’el nu manglaiva mai as sgobar per ir aint dals üschs dals locals. Suot seis mantelun nair vaiva’l aint üna chamischa alba, e sias chotschas d’eiran medemmamaing albas. El vaiva üna barba zuond bain cultivada. E cun seis chavels vaiva’l fat ün cop. El guardaiva oura sco ün sün quels disegns ch’eu cugnuschaiva cun sü filosofs e sabis chinais. Durant nos gir tras ils locals dal museum nun ha’l flippi. El be surriaiva e faiva tscherts inclins da perfetta reverenza davant ils purtrets da Rita Ernst. El faiva quai però eir davant il talèr, davant la chüna, davant ils recipiaints da la chascharia, sco per attestar simpatia ed approvaziun. Cur cha nus vaivan bandunà la chasa, m’ha’l dit sün la s-chala da la Chasa Jaura in ün perfet bun tudais-ch e quai eir amo sainz’il minim accent: “Gronda es l’ütilità da quai chi nu’s sa insè dovrar”. El ha amo ün zich surris e lura è’li per seis fat.
Traducziun Jacques Guidon