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Klimawandel und Flüchtlinge – die Zusammenhänge
Die Folgen des Klimawandels führen in vielen Teilen der Erde nachweislich zu einer Zunahme von Dürren, Stürmen und anderen Extremwetterereignissen, bei denen Menschen nicht nur ihr Zuhause, sondern oft auch ihre kleinbäuerliche Existenz verlieren. So führt der steigende Meeresspiegel in Küsten- und Flussdeltaregionen dazu, dass diese immer häufiger überschwemmt werden und das salzhaltige Meerwasser Ackerflächen zerstört. Schäden an Ökosystemen und der Rückgang der Biodiversität führen oftmals zu degradierten Böden, was wiederum Ernteausfälle zur Folge haben kann. Es lassen sich vier klimatische Szenarien unterscheiden, welche Migration und Flucht verursachen. Sie sind regional sehr unterschiedlich ausgeprägt: 1) hydro-meteorologische Katastrophen wie Überschwemmungen und Dürren; 2) Umweltdegradierung bzw. langanhaltende Katastrophen; 3) Landverluste durch steigenden Meeresspiegel; 4) Konflikte aufgrund von Ressourcenknappheit.
Ärmere Länder verfügen meist über geringe Anpassungskapazitäten und weniger finanzielle Mittel für Planung, Technologie und Bewältigung der Folgen von Naturkatastrophen und Klimawandel. Beide treffen die Bevölkerung solcher Länder deshalb besonders hart. Armut und der Verlust ihrer Existenzgrundlage sowie mangelnde Perspektiven können Menschen zu Klimaflüchtlingen machen. In der Hoffnung auf ein besseres Leben flüchten viele in Städte oder in Nachbarländer. Durchschnittlich ca. 20 Millionen Menschen pro Jahr werden weltweit aufgrund von klimabedingten Katastrophen innerhalb ihrer Länder vertrieben.
Rechtliche Aspekte und weitere Überlegungen
Gemäss der Genfer Flüchtlingskonvention gibt es allerdings keine Klimaflüchtlinge. Denn als Flüchtlinge gelten nach Völkerrecht «nur» Menschen, die aus Gründen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt und bedroht werden und sich darum auf die Flucht begeben. Wer wegen der Zerstörung der Umwelt oder des Klimawandels flieht, gilt derzeit nicht als Flüchtling. Dennoch führen Naturkatastrophen oder die Zerstörung von Lebensgrundlagen durch den Klimawandel zu Fluchtbewegungen über Ländergrenzen hinweg. Daher ist dieser Aspekt im Migrationspakt der UNO explizit berücksichtigt.
Die Gründe für eine Flucht und Migration sind in der Regel äusserst komplex. Der Klimawandel kann nicht unabhängig von anderen Ursachen von Flüchtlingsbewegungen betrachtet werden. Zu Flucht oder gewaltsamen Konflikten kommt es meistens dann, wenn Umweltzerstörungen durch Extremereignisse mit anderen Konfliktauslösern wie ethnischen Konflikten, schwachen staatlichen Strukturen und geringem ökonomischem Entwicklungsstand zusammentreffen. Klimawandel sollte daher eher als ein «Risikoverstärker» verstanden werden, nicht als eindeutige Ursache von Flüchtlingsbewegungen.