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Magengeschwüre
Unter dem Begriff Magengeschwüre werden alle entzündlichen und ulzerativen Veränderungen der Magenschleimhaut zusammengefasst.
An der Entstehung von Magengeschwüren ist die Magensäure beteiligt. In der Natur fressen Pferde ungefähr 16 Stunden am Tag. Auf dieses Fressverhalten ist der relativ kleine Pferdemagen ausgerichtet und produziert im Gegensatz zum Menschen kontinuierlich Magensäure. Bleibt der Magen zu lange leer, oder wird aufgrund der Fütterung vermehrt Magensäure gebildet, kann dies zu Entzündungen und Geschwüren führen. Magengeschwüre sind schmerzhaft und führen zu Kolik, Leistungsschwäche, Appetitlosigkeit, Abmagerung.
Alles im Überblick - Magenspiegelung
- Eingriff: ca. 30 Minuten
- Sedation
- Stationärer Spitalaufenthalt (1 Nacht): Vorstellung am Vorabend, über Nacht fasten, Untersuchung und Anfüttern am Folgetag
- Nach 4 Wochen Therapie: Nachkontrolle
- Je nach Befund gewohnte oder reduzierte Bewegung
- sehr gute Prognose
Wissenswertes zu Magengeschwüre
Magenschleimhautläsionen werden unter dem Begriff Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS) zusammengefasst, wobei zwischen dem Equine Squamous Gastric Disease (ESGD, Geschwüre der drüsenlosen Schleimhaut) und Equine Glandular Gastric Disease (EGGD Magengeschwüre der Drüsenschleimhaut) unterschieden wird.
Der Pferdemagen besteht aus zwei unterschiedlichen Schleimhäuten. Einerseits gibt es die drüsenlose Schleimhaut, die den Teil des Magens auskleidet der als ‘Speicher’ dient und die sehr empfindlich auf Säure ist. Andererseits gibt es die Drüsenschleimhaut, die für die Produktion von Verdauungsenzymen verantwortlich ist.
Magenschleimhautläsionen werden unter dem Begriff Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS) zusammengefasst, wobei zwischen dem Equine Squamous Gastric Disease (ESGD, Geschwüre der drüsenlosen Schleimhaut) und Equine Glandular Gastric Disease (EGGD Magengeschwüre der Drüsenschleimhaut) unterschieden wird.
EGGD ist eine Erkrankung der Drüsenschleimhaut. Hier werden die Veränderungen in gering bis hochgradig eingestuft und genau beschrieben. Eine offizielle Graduierung gibt es bei der EGGD noch nicht, weil die Ursachen bzw. Auslöser der Veränderungen der Drüsenschleimhaut noch nicht ausreichend erforscht sind.
Grundsätzlich können Pferde jeder Altersgruppe betroffen sein. Die Häufigkeit wird beim Rennpferd mit bis zu 90 % und beim Fohlen mit bis zu 50 % angegeben. Zu den Risikofaktoren zählen
- Stress (Turnier, Training, Transport)
- Futtermanagement (lange Hungerphasen, kraftfutterbetonte Fütterung, zu wenig Raufutter)
- andere Erkrankungen (z.B. orthopädische Erkrankungen)
- soziale Stressoren (Stallwechsel, Rangordnungskämpfe, Boxenhaltung)
- Langzeitbehandlung mit Kortikosteroiden oder nicht steroidalen Antiphlogistika z.B Phenylbutazon, Flunixin)
Wird aufgrund der klinischen Symptome der Verdacht des Vorliegens von Magengeschwüren ausgesprochen, sollte die Diagnose nach Möglichkeit mittels einer Gastroskopie (Magenspiegelung mit einem Endoskop) abgesichert werden.
Ihr Pferd wird von einer Tierärztin oder einem Tierarzt mit Spezialgebiet Pferdemedizin untersucht und sämtliche Untersuchungen und Behandlungen werden mit der zuständigen Oberärztin besprochen. Für Spezialuntersuchungen werden bei Bedarf weitere Spezialisten anderer Fachgebiete beigezogen. Studierende der Veterinärmedizin stehen im Rahmen ihrer Klinikrotationen den Tierärztinnen und Tierärzten unterstützend zur Seite, sind jedoch nie alleine für Ihr Pferd verantwortlich.
Fasten
Für die Untersuchung muss das Pferd vorgängig mindestens 12 Stunden gefastet werden, da der Magen zwingend leer sein muss da er sonst nicht eingesehen werden kann. Bei vielen Pferden ist es notwendig, dafür einen Maulkorb anzulegen um die Aufnahme von Einstreu zu verhindern. Zugang zu Wasser sollte immer möglich sein – die meisten Pferde trinken mit dem Maulkorb kaum aus der Selbsttränke, daher sollte zusätzlich ein Wassereimer zur Verfügung gestellt werden.
Die Pferde können zuhause gefastet werden oder am Vorabend ins Tierspital zum Fasten gebracht werden. Aus Erfahrung ist es am sinnvollsten das Pferd am Tierspital zu fasten, da bei uns die Wasseraufnahme überwacht werden kann und das Fressen von Einstreu sicher verhindert werden kann. Sollte sich bei der Gastroskopie nach dem Fasten zu Hause Einstreu im Magen befinden, kann die Gastroskopie nicht durchgeführt werden und das Pferd muss erneut gefastet werden.
Sedation
Um eine Gastroskopie durchführen zu können ist eine Sedation unumgänglich, um dem Pferd die Untersuchung zu erleichtern und die Sicherheit der Tierärzte und Pfleger zu gewährleisten. Nach der Magenspiegelung wird das Pferd in eine Box gebracht, wo es in Ruhe aufwachen kann.
Untersuchung
Bei der Gastroskopie wird mit einem Endoskop, welches durch den Nasengang und die Speiseröhre in den Magen vorgeschoben wird, direkt das Innere des Magens untersucht.
Andere Erkrankungen, die über eine Gastroskopie festgestellt werden können:
Zu solchen Erkrankungen gehören z.B. Tumorerkrankungen des Magens, wobei das Plattenepithelkarzinom die häufigste Form von Tumoren im Pferdemagen darstellt. Auch können Magenentleerungsstörungen und schließlich chronisch-entzündliche Erkrankungen des Dünndarms mittels einer Magenspiegelung diagnostiziert werden. Außerdem können Magendasseln (Gasterophiluslarven), meist ein Zufallsbefund, nachgewiesen werden.
Da an der Entstehung und Heilung von Magengeschwüren viele Faktoren beteiligt sind, ist neben einer medikamentösen Therapie die Optimierung der Haltungs-, Fütterungs- und Trainingsbedingungen des Pferdes sehr wichtig. Um Magengeschwüren vorzubeugen, sollten Faktoren, die an der Entstehung beteiligt sind vermieden werden.
Medikamentöse Therapie
Der folgende Abschnitt dient nur als Übersicht, die Therapie Ihres Pferdes wird speziell abgestimmt und nach der Diagnose mit Ihnen besprochen.
Zur Behandlung der drüsenlosen Magengeschwüre werden Arzneimittel verabreicht, welche die Ausschüttung der Magensäure in den Magen verhindern (Protonenpumpenhemmer, Omeprazol). Das Medikament muss morgens 30-60 Minuten vor der Fütterung auf leeren Magen ins Maul verabreicht werden.
Sind die Magengeschwüre in der Drüsenschleimhaut lokalisiert, kann zusätzlich ein synthetisches Derivat von Prostaglandin empfohlen werden (Misoprostol). Das Medikament ist in Tablettenform erhältlich und wird zweimal täglich über das Futter oder aufgelöst in einer Spritze direkt ins Maul verabreicht. In manchen Fällen wird weiter noch ein Medikament zum Schutz der Schleimhaut verabreicht (Sucralfat).
Abhängig vom Schweregrad der Magengeschwüre verläuft die Therapie in der Regel über vier Wochen. Anschließend wird eine Kontroll-Gastroskopie empfohlen, um sicher zu stellen das die Magengeschwüre vollständig abgeheilt sind.
Fütterung
Eine ausgewogene Fütterung spielt bei der Behandlung und Prophylaxe von Magengeschwüren eine wichtige Rolle. Das langsame Fressen von Raufutter führt zum intensiveren Einspeicheln und so zur Abpufferung der Schleimhaut-schädigenden Magensäure durch im Speichel enthaltenes Bikarbonat. Bieten Sie Ihrem Pferd mehrmals täglich qualitativ gutes Heu an. Stroh und frisches, sauberes Wasser sollten dem Pferd immer zur freien Verfügung stehen.
Während der medikamentösen Behandlung sollte auf Kraftfutter verzichtet werden. Ist die Therapie abgeschlossen, sollte die Fütterung von Kraftfutter auf ein Minimum reduziert werden. Um die Speichelproduktion und somit die Neutralisierung der Magensäure zu optimieren, sollte das Kraftfutter erst nach dem Raufutter verabreicht werden.
Sollte der Patient dennoch einen höheren Kalorienbedarf haben, empfehlen wir pflanzliche Öle als Energiequelle zu zufüttern. Einem 500 kg schweren Pferd können täglich 250 – 400 ml Speiseöl (Maiskeim-, Raps- oder Sonnenblumenöl) verabreicht werden. Zu Beginn sollten täglich nur ca. 30 – 50 ml Speiseöl zugefüttert werden und die Menge dann langsam gesteigert werden. Die Maximalmenge sollte dem Energiebedarf des Pferdes und der Verträglichkeit des Öls angepasst werden.
Je nach Energiebedarf können zusätzlich getreidefreies Mash, eingeweichte nicht melassierte Rübenschnitzel oder Reiskleie zugefüttert werden. Alternativ kann ein kommerziell erhältliches Futter für Pferde mit Magengeschwüren verfüttert werden. Zudem sollte der Patient ausreichend mit Spurenelementen und Vitaminen versorgt werden.
Haltung und Bewegung
Eine stressarme, artgerechte Haltung und regelmässige Bewegung sind wichtig. Ideal ist die Haltung in einer Boxe mit Auslauf oder in einer Gruppe im Freilaufstall. Regelmässiger Weidegang ist empfehlenswert. Faktoren, welche bei einem Pferd zu psychischem Stress führen, sind individuell unterschiedlich und müssen sorgfältig analysiert und wenn möglich vermieden werden. Während der medikamentösen Therapie sollte exzessives Training vermieden werden. Leichte Bewegung und Weidegang sind erlaubt.
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