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Jede zweite Ehe wird in der Schweiz geschieden . Die meisten scheidungswilligen Paare wollen sich vor dem Gerichtstermin über alle wichtigen Punkte einigen. So etwa über die Scheidungsalimente, die der Partner oder die Partnerin mit dem höheren Einkommen – in der Regel der Mann – dem Ex-Ehegatten zu entrichten hat. Entsprechend häufig sind diesbezügliche Anfragen beim Beobachter-Beratungszentrum.
Roland F., 43, beispielsweise, seit 15 Jahren verheiratet, möchte wissen, wie lange er seiner Frau Claudia, 37, Alimente zu zahlen habe und wie hoch der Betrag sein müsse. Seine Frau arbeitet halbtags und verdient monatlich 3400 Franken, er bringt es auf 7300 Franken. So einfach die Frage, so komplex die Antwort. Denn das Gesetz kennt keine Prozentsätze, Tabellen oder festen Grenzen für nachehelichen Unterhalt. Holzschnittartige Lösungen würden den individuellen Verhältnissen der Eheleute auch selten gerecht.
1. Anspruch und Dauer abklären
Zuerst muss festgestellt werden, ob die Ehefrau Frauenalimente zugut hat. Darauf hat sie nur Anspruch, wenn es ihr nicht zumutbar ist, für ihren Unterhalt und eine angemessene Altersvorsorge selbst aufzukommen. Das ist etwa der Fall, wenn sie Kinder zu betreuen hat, ihre Gesundheit angeschlagen ist oder sie schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat – sei es wegen des Alters oder fehlender Weiterbildung während einer langjährigen Ehe.
Claudia F. hat sich seit der Geburt der Tochter Sara vorwiegend um das Kind und den Haushalt gekümmert. Seit Sara zur Schule geht, arbeitet die Mutter wieder halbtags. Die heute zehnjährige Sara wird nach der Scheidung hauptsächlich von Claudia F. betreut werden.
Laut der bisherigen Praxis des Bundesgerichts orientierten sich die Juristen an der 10/16-Regel. Danach war es dem hauptbetreuenden Elternteil zumutbar, halbtags zu arbeiten, wenn das jüngste Kind zwischen sieben und zehn Jahre alt ist. Eine Vollzeitstelle galt erst als zumutbar, wenn das jüngste Kind 16 Jahre alt ist. Im September 2018 hat das Bundesgericht diese Faustregel verschärft. Neu gilt das Schulstufenmodell : Dabei gilt eine Teilzeitstelle von 50 Prozent ab Eintritt ins Schulalter, von 80 Prozent ab Eintritt in die Sekundarstufe und eine Vollzeitstelle ab dem 16. Geburtstag des jüngsten Kindes als zumutbar.
Claudia F. wäre somit erst verpflichtet, ihre Erwerbstätigkeit auf 80 Prozent auszubauen, wenn Tochter Sara mit ungefähr zwölf Jahren in die Sekundarstufe kommt. Roland F. verlangt dies aber nicht. Ihm ist die persönliche Betreuung der Mutter wichtig. Deshalb will er seiner Ehefrau vorschlagen, dass sie erst ab dem 16. Geburtstag ihres Kindes ihre Teilzeitstelle aufstockt. Da die Ehefrau mit ihrem Einkommen von 3400 Franken den Unterhalt für sich und die Tochter nicht bestreiten kann, hat sie vom Ehemann Alimente zugut. In einem zweiten Schritt wird berechnet, wie hoch diese sind.
Üblich ist die sogenannte Bedarfsberechnung: Beide Ehegatten listen ihre Lebenskosten auf. Dazu gehört bei Claudia auch ein Posten für den Vorsorgeaufbau. Sie wird schliesslich erst in sechs Jahren selber angemessene Beiträge an die AHV und die Pensionskasse leisten können.
Für eine saubere Bedarfsberechnung empfiehlt sich die Beratung durch eine externe Fachperson. Kritisch sind insbesondere die Posten «Steuern» und «nachehelicher Vorsorgeaufbau». Die Höhe dieser Posten sind nur mit speziellen Berechnungsprogrammen exakt zu bestimmen.
Seit 1. Januar 2017 kann der nacheheliche Vorsorgeaufbau anstatt in den Scheidungsalimenten beim PK-Splitting berücksichtigt werden. Neu ist es nämlich möglich, dem kinderbetreuenden Ehegatten mehr als die Hälfte der Austrittsleistung zuzusprechen. Der Unterhaltsanspruch für Frau und Kind kann gedeckt werden, wenn das Gesamteinkommen höher ist als die Lebenskosten aller Familienmitglieder. Der Überschuss heisst im Fachjargon auch Freibetrag. Die Frau und das Kind erhalten nun vom Ehemann die Differenz zwischen ihren eigenen Einkünften und ihrem Grundbedarf sowie zusätzlich bis zu zwei Drittel des Überschusses.
Der Gesamtbetrag, den der Mann zahlen muss, ist in Kinder- und Frauenalimente aufzuteilen. Nicht immer reichen wie bei den Eheleuten F. die bisherigen Einkünfte aus, um zwei Haushalte zu finanzieren. Wo die Lebenskosten höher sind als das Gesamteinkommen, wird von Mangel- bzw. Mankofällen gesprochen. Der Ehemann ist verpflichtet, von seinem Einkommen nur abzugeben, was über seinem Existenzminimum liegt. Laut Bundesgericht ist das sein Grundbedarf ohne Steuern. Die Ehefrau - und je nach dem auch das Kind - können daher nicht mit genügenden Alimenten rechnen. Dann bleiben lediglich zwei Möglichkeiten: Entweder muss die Ehefrau die Erwerbsarbeit ausdehnen oder Fürsorgeleistungen beziehen.
2. Basis für faire Vereinbarung
In einem dritten Schritt muss die Dauer der Unterhaltspflicht festgelegt werden. Den meisten Ehefrauen ist es zumutbar, wieder selbst für ihren Unterhalt aufzukommen, wenn die Kinderbetreuung wegfällt. Es sei denn, die Frau wäre schon zu alt oder hätte schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Bei Claudia F. ist das nicht der Fall: Sie hat eine kaufmännische Ausbildung, und ihr Chef möchte ihr Pensum lieber heute als morgen erhöhen. Somit steht in etwa sechs Jahren, wenn Tochter Sara 16 ist, einer Verdoppelung des Arbeitspensums nichts im Weg. Claudia F. wird mit einem Einkommen von rund 6800 Franken rechnen können. Das reicht aus, um ihren Unterhalt zu decken und die eigene Altersvorsorge auszubauen. Roland F. muss also damit rechnen, dass er während sechs Jahren rund 2502 Franken Alimente für Frau und Kind zusammen pro Monat bezahlen muss. Danach hat er nur noch Kinderalimente und -zulagen zu entrichten. Wie hoch die Kinderalimente ab dem 16. Geburtstag von Tochter Sara ausfallen, ist im Scheidungsurteil bis mindestens zum 18. Geburtstag festzulegen, besser noch bis zur Ende der Ausbildung. Mehr Details finden Sie im Merkblatt «Kinderalimente» (exklusiv für Guider-Mitglieder).
Dank diesen Zahlen ist Roland F. nun gerüstet, um mit seiner Ehefrau eine faire Scheidungsvereinbarung auszuarbeiten.
3. Unterhalt berechnen
Klicken Sie auf das Bild unten, um das ganze Berechnungsbeispiel einer Scheidungsalimente als PDF zu sehen (Download, 66 kb).
Mehr zu Scheidungsalimente bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters
Nach einer Scheidung stellt sich häufig die Frage nach der Höhe der Alimente für den Ex-Ehegatten und die Kinder. Guider zeigt seinen Mitgliedern mit verschiedenen Merkblättern, wie sie den Unterhalt regeln, die Abmachungen wieder ändern können und was zu tun ist, wenn Beiträge des Unterhaltspflichtigen nicht bezahlt werden.