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Zahnmedizin
1889–1912 Gustav Preiswerk (1866–1946)
Die Ausbildung in Zahnheilkunde beruhte auf privater Initiative. Nachdem die Verordnung über die eidgenössischen Prüfungen der Medizinalpersonen vom 19. März 1888 in Kraft trat, stellte Gustav Preiswerk ein Gesuch um eine Dozentur für Zahnheilkunde, die wurde aber von der Medizinischen Fakultät abgewiesen. Immerhin wurde ihm ein Lektorat angeboten. So erteilte er als Lektor ab 1889 einen systematischen Unterricht in einer von ihm geleiteten Poliklinik. Seine wissenschaftlichen Publikationen beschäftigten sich mit der vergleichenden Anatomie der Zähne, der Zahnschmelzstruktur bei Säugetieren, der Korrosionsanatomie der pneumatischen Gesichtshöhlen, der Anatomie der Wurzelkanäle der Zähne, der Pulpaamputation und der lokal- und allgemeinen Anästhesie. Wichtig waren sein "Lehrbuch und Atlas der Zahnheilkunde mit Einschluss der Mundkrankheiten" sowie das "Lehrbuch und Atlas der Zahnärztlichen Technik", in dem auch die Materialien des Zahnersatzes und die zahntechnische Metallurgie behandelt wurden. Parallel zu seinen vorbildlichen Aktivitäten in der Patientenversorgung, der Wissenschaft und der Lehre, gelangte er als Standespolitiker an die "oberen Behörden", um die Bewilligung der finanziellen Mittel zum Ausbau des zahnärztlichen Unterrichts zu erreichen. Die Behörden lehnten den Antrag ab. Enttäuscht gab der Gesuchsteller die Lehr- und Forschungstätigkeit auf und musste seine Poliklinik, die sich von 1903 an sehr gut entwickelt hatte, im Jahr 1910 schliessen.
In der Folge eröffnete der Arzt und Zahnarzt Ernst Eltner, der sich um die zahnärztliche Betreuung der Schulkinder bemühte und sich für die Schaffung der Schulzahnklinik einsetzte, an der oberen Rheingasse auf seine Kosten ein rein privates Institut für den Unterricht der Studierenden der Zahnheilkunde.
1912–1921 Paul Preiswerk (1879–1921)
Der jüngere Bruder von Gustav Preiswerk, der ebenfalls Arzt und Zahnarzt war, habilitierte sich 1912 als erster Privatdozent der Zahnheilkunde an der medizinischen Fakultät in Basel und übernahm den Unterricht in Zahnheilkunde. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der zahnärztlichen Chirurgie und veröffentlichte im Jahre 1914 das "Lehrbuch und Atlas der zahnärztlichen stomatologischen Chirurgie", das erste deutschsprachige Lehrbuch über dieses Fachgebiet, das ihm einen überregionalen Ruf verschaffte.
1924–1945 Ernst Hockenjos (1872–1949)
Ein Studentenausschuss der Medizinischen Fakultät gelangte 1918 an die Behörden mit der Bitte, ein zahnärztliches Institut zu gründen. Dieses wurde 1924 am Petersplatz 14 eröffnet. Ernst Hockenjos wurde erster Vorsteher der Chirurgisch-Zahnärztlichen Abteilung und Direktor der Volkszahnklinik. Er hatte in Basel und München Medizin studiert und nach mehrjähriger Assistentenzeit eine Privatpraxis in Villmergen eröffnet. 1907/1908 absolvierte er ein zahnärztliches Studium in Zürich und unternahm Studienreisen in die USA und nach Deutschland. 1916 war er in Kriegslazaretten in Berlin und Düsseldorf in der Kieferchirurgie tätig. Als nach dem frühen Tod von Paul Preiswerk 1921 der zahnärztliche Unterricht in Frage gestellt war, errichtete er gemeinsam mit einem Dr. Spreng eine Volkszahnklinik und ein kleines Institut mit fünf Operationsstühlen, an denen bis zu 19 Studenten pro Semester unterrichtet werden konnten. Hockenjos organisierte auch die Behandlung der Kieferbrüche und sonstigen Kiefererkrankungen im Bürgerspital sowie im Gefängnis und in der Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt. Als Major war er von 1922 bis 1935 Inspektor des zahnärztlichen Dienstes in der Armee. Sein Nachfolger wurde Karl Kallenberger (1912–1961), der als Professor für Kieferchirurgie bis zu seinem Tod amtete.
Im Jahr 1939 übernahm der aus Bern stammende Oskar Müller die Leitung des Instituts. Sein Lehrauftrag umfasste die theoretische Zahnheilkunde und die Histologie der pathologischen Zahngewebe. Während drei Jahrzehnten setzte er sich für die wissenschaftliche Zahnheilkunde ein.
1957–1992 Benedikt Maeglin (1920–1992)
Das zahnärztliche Institut war kein Universitätsinstitut, sondern eine vom Staat errichtete Unterrichtsanstalt für die wissenschaftliche und praktische Ausbildung von Zahnärzten und Zahnärztinnen. Erst im Universitätsgesetz von 1937 wurde festgehalten, dass das Institut der Medizinischen Fakultät "angeschlossen" sei, dass es Sitz und Stimme in der medizinischen Fakultät habe und dass die Professoren und die Privatdozenten der Zahnheilkunde Universitätslehrer seien. Benedikt Maeglin wurde 1957 der erste Ausserordentliche Professor für Zahnmedizin. Unter seiner Leitung wurde 1958 die weltweit bekannte Trinkwasser-Fluoridierung der Stadt Basel eingeführt, die aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse 2001 vom Grossen Rat wieder aufgehoben wurde. Nach der vollständigen Integration des zahnärztlichen Instituts in die Universität 1985, wurde 1989 Maeglin als erster Zahnmediziner zum Dekan der medizinischen Fakultät gewählt. Eines von Maeglins Hauptwerken war die "Checkliste Notfallsituationen in der zahnärztlichen Praxis" von 1992.
1991–2018 Thomas Lambrecht (geb. 1950)
Medizin und Zahnmedizin studierte er bis 1979 in Liège (Belgien) und Mainz, wo er 1977 zum Dr. med. dent. und 1980 zum Dr. med. promovierte. Sein Studium hatte er zum Teil als Werkstudent beim Zweiten Deutschen Fernsehen in der Nachrichtenredaktion „heute“ finanziert. Anschliessend war er Assistent in der Mainzer Universitätsklinik für Zahnärztliche Chirurgie und dann Medizinalassistent an den Städtischen Kliniken in Wiesbaden. Die wichtigsten Jahre der Weiterbildung verbrachte er in Kiel an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Christian-Albrechts-Universität bis 1991, wo er sich 1988 habilitierte. Von der Arbeitsgemeinschaft Kieferchirurgie wurde ihm der Jahrespreis 1987 und 1988 zuerkannt und von der Universität Kiel 1989 der Deutsche Hochschulforschungspreis.
1991 erfolgte die Wahl zum Ordinarius für Zahnmedizin in Basel. Das Ordinariat wurde ihm nicht leicht gemacht. Wiederholt wurde diskutiert die Zahnklinik in Basel zu schliessen oder sie in die Fachhochschule abzuschieben. Seinem engagierten Widerstand und durch Mobilisierung vieler Freunde der Zahnmedizin in Basel ist es zu danken, dass eine innovative Lösung gefunden wurde: Die Universitätskliniken für Zahnmedizin fusionierten 2016 mit den öffentlichen Zahnkliniken (Schulzahnklinik, Volkszahnklinik) zum universitären Zentrum für Zahnmedizin Basel und erhalten ein neues Gebäude. Diese Entwicklung ist die Krönung seiner Amtszeit. Um dieses Zieles willen hat er dreimal eine Berufung an die Universität Kopenhagen ausgeschlagen. 2004 ernannte ihn die Universität Hongkong zum „Honorary Professor“. Er war Präsident von nationalen und internationalen Fachgesellschaften, die ihn auch zum Ehrenmitglied ernannten. Seine klinischen Forschungsschwerpunkte lagen auf den Gebieten der zahnärztlichen Chirurgie inklusive Implantatchirurgie und der operativen Behandlung von zahnbedingten Kieferhöhlenerkrankungen. Besonders erfolgreich war seine Forschung auf dem Gebiet der zahnärztlichen Radiologie, wo er das erste Verfahren zur Herstellung von dreidimensionalen individuellen Patientenmodellen mit Hilfe von CT-, MRI- und DVT-Daten entwickelte. Sein Interesse in der Grundlagenforschung galt der Darstellung von menschlichen Osteoklasten in der Zellkultur. Seit 1991 operiert er regelmäßig unterprivilegierte Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten in Entwicklungsländern.
Nach der Emeritierung tätig als Schiffsarzt auf einem Donaudampfer.