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Der Klammergriff der weltweit grössten Banken auf den Devisenmarkt mit einem täglichen Volumen von 5,3 Billionen Dollar ist unter Beschuss. Nachdem die Schweizerische Nationalbank im Januar ihren Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben und damit weltweit für Erstaunen gesorgt hatte, versuchten einige Banken, Transaktionen zu widerrufen, um ihre Verluste zu begrenzen.
Händler von Bank of America, Barclays und Goldman Sachs hätten Kunden in der Absicht kontaktiert, nachträgliche Änderungen an einigen Geschäften vorzunehmen, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Versuche, Deals nachträglich neu zu verhandeln, geben Wettbewerbern - darunter elektronische Handelsplattformen und etablierte Börsenplätze - im Ringen um Marktanteile an Devisengeschäften ein Argument an die Hand.
Ringen um Marktanteile
Von Chicago bis Stockholm wird ein Verkaufsargument vorgetragen: Macht das Geschäft lieber mit uns als mit Händlern, die nachträglich Geschäfte stornieren oder abändern. «Es gibt eigentlich keinen Zwischenhändler» sagt Kevin McPartland, Analyst beim Beratungshaus Greenwich Associates. «Der Devisenhandel läuft weiter OTC-basiert, überwiegend werden die Geschäfte nach wie vor im direkten Kontakt geschlossen. Ich vermute, dass es deshalb zu diesen Nachverhandlungen gekommen ist.»
Der Kauf und Verkauf von Devisen erfolgt in der Regel direkt zwischen Bank und Kunden. Der ausserbörsliche Devisenhandel ist weitgehend unreguliert. Banken haben erhebliche Spielräume im Betreiben dieses Geschäfts. Händler mit viel Geschäft bieten ihren Kunden unterschiedliche Preise, in Abhängigkeit der Kundenbeziehung. Auch sind Preisanpassungen üblich, in Abhängigkeit der Kreditqualität des Kunden und dessen Vertrautheit mit den Marktgepflogenheiten. Und, wie einige Firmen nach der SNB-Entscheidung am 15. Januar entdeckten, können Banken Transaktionen nach ihrer Durchführung nachverhandeln.
Weniger Interessenkonflikte
Ein Teil des Devisenhandels findet auf Plattformen Dritter statt. Diese werden von elektronischen Handelssystemen, etablierten Börsen sowie von Brokern betrieben, die zwischen Händlern vermitteln. Der Beobachter Aite Group LLC schätzt, dass Thomson Reuters rund 30 Prozent des elektronischen Devisenhandels auf sich vereint; CME Group und EBS - letztere im Besitz von ICAP - jeweils rund zehn Prozent. Bei den Handelsplattformen Dritter sollten weniger Interessenkonflikte auftreten. In der Regel veröffentlichen sie ein Handbuch, dessen Vorgaben für alle Marktteilnehmer verbindlich sind.
CME hebt hervor, dass dort abgewickelte Geschäfte nach der Durchführung nicht nachverhandelt werden können. Der Marktbetreiber aus Chicago hatte selbst am 15. Januar mit Turbulenzen zu kämpfen und unterbrach zeitweise den Handel, als der Franken zum Euro um bis zu 41 Prozent in die Höhe schnellte. «Sicherheit, Transparenz und Gewissheit waren gewährleistet» sagte Sean Tully, leitender Manager bei CME. Der Marktbetreiber wies keine Geschäfte ab. Der Handel war lediglich ausgesetzt, bis die Liquidität wieder hergestellt war, sagte Tully. Die Gesellschaft hat seither ihre Regeln für den Handel während aussergewöhnlicher Ereignisse geändert.
Banken nehmen Börsen ernst
Nicht ohne Grund nehmen die Banken die Börsen ernst. Nach der Finanzkrise 2008 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der G-20 bei ihrem Treffen in Pittsburgh, der ausserbörsliche Derivatehandel solle wo immer möglich an Börsenplätze oder elektronische Handelplattformen verlagert werden. Zentrale Gegenparteien für die Abwicklung wurden als eine Möglichkeit erachtet, die Risiken im Nachgang der Krise zu verringern. Damals hatten Geschäfte zwischen Banken nahezu einen Zusammenbruch des Finanzsystems herbeigeführt. Zentrale Gegenparteien führen Käufer und Verkäufer zusammen ohne selbst am Handel beteiligt zu sein.
«Der 15. Januar hat das Interesse an zentralen Gegenparteien zur Abwicklung im Devisengeschäft steigen lassen», sagte Magnus Billing, Senior Vice President bei Nasdaq OMX in Stockholm. «Sie suchen jemanden, der zwischen Kunden und Broker agiert und das Risiko herausnimmt.» Sprecher von Bank of America, Barclays und Goldman Sachs lehnten es ab, sich zu Gesprächen mit ihren Kunden zu äussern.
(bloomberg/dbe/moh)