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Die Zielsetzung des Schattdorfer Ringers inmitten der Nationalmannschaft war klar. Nicolas Christen gegenüber dem „Urner Wochenblatt“ im Vorfeld der Ausmarchungen: „Minimalziel bildet die siegreiche Gestaltung eines Kampfes, das Maximalziel die Klassierung in den Top-Ten“. Beide Maximen erreichte der Urner. Mehr noch: Christen fightete um die Bronzemedaille, verlor das Duell aber gegen den Ungaren Zoltan Levai, um sich auf dem hervorragenden 5. Schlussrang zu etablieren.
von Ruedi Ammann
Wenig Respekt vor Vize-Europameister
Nicolas Christen war mit Nationaltrainer Andriy Maltsev und Damian Dietsche, Ringerstaffel Kriessern, nach Polen gereist. Das Aushängeschild der Ringerriege Schattdorf startete in der Gewichtsklasse bis 71 kg im griechisch-römischen Stil. Die Auslosung der Gegner meinte es gut mit den Westeuropäern, waren sie doch mit wenigen Ausnahmen unter sich – die stärker einzuschätzenden Osteuropäer blieben bis zu den Finalkämpfen unter sich.
Christen fightete im ersten Kampf gegen den Schweden Daniel Soini. Keiner der beiden Ringer konnte sich einen klaren Vorteil erkämpfen, doch nach sechs Minuten hatte der Skandinavier mit 4:2 Punkten die Nase vorn. Im Nachhinein war dieses Resultat das beste gegen den nachmaligen Vize-Europameister, denn dieser hatte auf dem Weg in den Final gegen den Slowaken mit 12:3 Punkten (Letzterer hatte im ersten Kampf einen Bulgaren ausgepunktet) und gegen einen Vertreter aus Ungarn mit 6:2 Punkten gewonnen. Durch die Finalteilnahme des Schweden durfte Nicolas Christen wieder in das Kampfgeschehen eingreifen. Und wie er dies tat! Der Slowake Jusuf Ahmeti startete gegen den Schweizer zwar wie die Feuerwehr. Er setzte den Schattdorfer unter Druck und zog nach Punkten in Führung. Der Urner liess sich aber nicht beeindrucken. Er blies zur imposanten Aufholjagd. Noch vor Ablauf der ersten Kampfhälfte stand dessen Sieg nach technischer Überlegenheit (15:6 Punkte) fest. Dieser Erfolg bedeutete die Qualifikation für den Kampf um die Bronzemedaille. Gegner war der mehrfache Medaillengewinner an Europa- und Weltmeisterschaften bei den Kadetten und Junioren, Zoltan Levai aus Ungarn. Dieser Greco-Spezialist zeigte von Beginn weg eine solide Kampfführung, welcher sich Nicolas Christen nach gut eineinhalb Minuten mit einer Schulterniederlage geschlagen geben musste.
Christen mit Schweizer Topergebnis – und Zukunftspläne
In Anbetracht dessen, dass Nicolas Christen seit diesem Jahr auf den griechisch-römischen Stil setzt und er im ersten Jahr als Aktiver steht, darf der 5. Rang an den U23-Europameisterschaften in Polen als sehr grosser Erfolg gewertet werden. Er bedeutet für den Schweizer Ringersport in diesem Jahr bislang das eigentliche Topergebnis.
Nicolas Christen wird in den kommenden Monaten zahlreiche Trainingswochen im In- und Ausland absolvieren, um technisch und taktisch den Anschluss an die internationale Spitze weiter optimieren zu können. Nächstes Ziel bildet die Qualifikation im Hinblick auf die Weltmeisterschaften anfangs September in Las Vegas (USA) sowie die Zusage bezüglich Spitzensportler-RS-Teilnahme im Herbst 2015.
Rangliste U23 Greco bis 71 kg (nach Nationalitäten)
1. Moldawien
2. Schweden
3. Ungarn und Russland
5. Nicolas Christen (Schweiz) und Weissrussland.
Insgesamt starteten 20 Landesvertreter
Damian Dietsche, RS Kriessern, startete in der Gewichtsklasse bis 75 kg. Den ersten Kampf gegen den Ukrainer Vitalii Kucherenko verlor der Ostschweizer, trotz Vorteilen in den letzten Kampfminuten, mit 4:6. Weil der Osteuropäer seinen nächsten Kampf gegen den Schweden verlor, war die EM für Damian Dietsche vorzeitig gelaufen.