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Im ersten postoperativen Jahr verlieren die Patienten, die einen Magenbypass erhalten haben, 60–85 % ihres Übergewichtes, während Patienten mit einem Magenschlauch 55–80 % und Patienten mit einem Magenband 45–55 % verlieren. (2,3)
Leider kommt es ein bis anderthalb Jahre nach der Operation bei 20 % der Patienten zu einer erneuten Gewichtszunahme. Eine Gewichtszunahme von bis zu 10 % des verlorenen Gewichtes (bei einem Gewichtsverlust von vierzig Kilogramm sind das zum Beispiel vier Kilogramm) ist absolut normal. In ca. 15–20 % der Fälle kann die Gewichtszunahme je nach durchgeführter Operation allerdings auch höher sein. Nur sehr selten erreichen die Patienten wieder ihr Ausgangsgewicht aus der Zeit vor der Operation.
Die Ursache der unerwünschten postoperativen Gewichtszunahme kann eine operationstechnische Ursache sein:
- Vorliegen einer gastrogastrischen Fistel (neue Verbindung des Magenpouches zum Restmagen), (Magenbypass)
- Dilatation (Erweiterung) des Magenpouches oder eine mögliche Dilatation der gastrojejunalen Anastomose (Verbindung Magen zu Dünndarm), (Magenbypass)
- Erweiterung des Magenschlauches (Gastric Sleeve)
Diese Ursachen können chirurgisch behandelt werden.
Die Ursache kann allerdings auch eine falsche Umsetzung der empfohlenen Ernährung sein:
- Die Patienten ernähren sich nicht wie empfohlen proteinreich und ballaststoffreich, sondern trinken täglich weiterhin mehrere Liter Süssgetränke und ernähren sich von hochkalorischen Süssspeisen.
- Es kann sich eine neue spezifische Essstörung abzeichnen, wie z. B. die Binge-Eating-Störung (Essattacken), das Night-Eating-Syndrom (nächtliche Essattacken) oder auch eine unspezifische Essstörung wie emotionales Essen oder Sweet-Eating (Süss-Essen).
Bei neu aufgeflammten Essstörungen kann eine Verhaltenstherapie eingeleitet werden oder auch ein medikamentöser Therapieversuch, z. B. mit Saxenda, durchgeführt werden.
Saxenda (Liraglutide) führt über Mechanismen, die eine Verminderung des Hungergefühls und der Energieaufnahme umfassen, zu einer Abnahme des Körpergewichts und der Körperfettmasse.
Jedoch darf der Patient nicht vergessen, dass zur Gewichtsreduktion, neben der Verhaltenstherapie und/oder der medikamentösen Unterstützung, auch die Anpassung der Ernährung an eine proteinreiche, ballaststoffreiche Kost und die Steigerung der sportlichen Aktivität weiterhin dringend notwendig sind.
Falls Ihr Gewicht trotz der oben beschriebenen Massnahmen weiter ansteigt oder erneut Begleiterkrankungen der Adipositas aufgetreten sind, kann auch eine weitere chirurgische Therapie diskutiert werden.
Hier stehen uns verschiedene Massnahmen zur Verfügung:
Magenbypass
Nach sorgfältiger Analyse Ihrer Ernährungsgewohnheiten besteht die Möglichkeit, ein verstellbares Magenband um den Magenpouch zu platzieren. Diese Massnahme verhindert, dass Sie grosse Essensportionen aufnehmen können.
Falls Sie eine sehr weite Verbindung (Anastomose) zwischen Magen und Dünndarm haben, die eine schnelle und unkontrollierte Nahrungsaufnahme ermöglicht, dann kann auch eine operative Verengung der Anastomose hilfreich sein.
Eine andere Möglichkeit, den Gewichtsanstieg zu stoppen oder eine erneute Gewichtsreduktion herbeizuführen, ist eine Veränderung der Längen der verschiedenen Dünndarmschenkel.
Dadurch kann die Malabsorption verstärkt werden, was bedeutet, dass weniger Energieträger (Zucker, Fette) ins Blut aufgenommen werden.
Diese Methode kann sehr effektiv sein, erfordert aber auch ein hohes Mass an Kooperationsbereitschaft von Seiten des Patienten. Regelmässige Vitaminkontrollen, eine ausreichende Eiweisszufuhr, sowie eine stabile psychische und soziale Situation sind erforderlich, um negative Folgen und Komplikationen wie Mangelernährung zu verhindern.
Magenschlauch (Gastric Sleeve)
Der Magenschlauch kann bei ungenügender Gewichtreduktion oder bei starkem Wiederanstieg des Gewichtes in einen Magenbypass umgewandelt werden.
Hier stehen unterschiedliche Magenbypass-Operationstechniken zur Verfügung.
Eine erneute Verengung des Magenschlauches sollte nur bei sehr starker Erweiterung des Magenschlauches in Erwägung gezogen werden.
Es ist wichtig für Sie zu wissen, dass zwei bis fünf Jahre nach einer Operation ein moderater Wiederanstieg Ihres Gewichtes absolut normal ist. Dies können Sie oftmals verhindern, indem Sie Ihren Ernährungs- und Lebensstil nachhaltig verändern. Häufig erfordert dies eine lebenslange medizinische Betreuung und Unterstützung. Sollte trotz dieser Massnahmen das Gewicht weiter ansteigen, kann eine medikamentöse Unterstützung oder eine Re-Operation sinnvoll sein – vor allem dann, wenn wieder Begleiterkrankungen der Adipositas auftreten. Die Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die eine lebenslange Betreuung und Therapie benötigt. Auch eine erneute Operation darf nicht in jedem Fall als Therapieversagen bewertet werden.