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lic. phil. Martina Klemm – Abstract Forschungsprojekt
Das Fremde im dramatischen Werk August von Kotzebues
Mein Dissertationsprojekt ist dem „Fremden“ in den Schauspielen des August von Kotzebue auf der Spur. Das Problemfeld der interkulturellen Beziehungen hat in den letzten 20 Jahren verschiedenste geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen beschäftigt, wobei Fremdheit nicht als Attribut eines Objektes verstanden wird, sondern als eine Beziehungsform. Das Fremde ist ein Konstrukt symbolischer und diskursiver Vorgänge. Auch die germanistische Literaturwissenschaft hat sich des Phänomens des Fremden in der Literatur angenommen, wobei neben einem eher ‚anwendungsorientierten’ Forschungszweig auch eine mehr diskurs- und kulturgeschichtliche Ausrichtung besteht, zu der sich auch der Gesuchsteller zählt. Das geplante Projekt zum Fremden im dramatischen Werk August von Kotzebues reiht sich in diese Forschungsrichtung ein, wendet sich aber mit dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert einer bislang wenig bearbeiteten Epoche zu.
August von Kotzebue ist trotz seiner einstigen Popularität wenig bearbeitet. Seine über 200 Schauspiele werden oft als trivial abgetan, wobei übersehen wird, dass gerade seine Popularität ihn zu einem Gradmesser der Stimmungslage der Deutschen für die Zeit zwischen der Französischen Revolution und dem Wiener Kongress macht. Das geplante Projekt strebt einerseits eine Typologie des Fremden im dramatischen Werk Kotzebues an: Welche Typen von Fremden gibt es („Inder“, „Indianer“, „Neger“, „Türken“...) und welche literarische Funktion haben die Fremden? Andererseits soll durch einen diachronen Vergleich die Darstellung des Fremden im Verlauf von drei Jahrzehnten untersucht werden. Wie verändert sich die Darstellung und warum? Methodisch soll von den Texten ausgegangen werden. Durch close reading, Motivanalysen und Untersuchung der Sprechweise der Figuren soll eine Typologie des Fremden erstellt werden, die dann in einem zweiten Schritt mit dem zeitgenössischen Diskurs und bisherigen Forschungsergebnissen in Beziehung gesetzt werden. Arbeitsgrundlage ist die Gesamtausgabe „Theater“ von 1840/41, die vollständigste Ausgabe Kotzebuescher Stücke.
Die geplante Arbeit schliesst eine Lücke, sowohl in der Fremdheits-, als auch in der Kotzebueforschung und kann als Ausgangspunkt für weitere Arbeiten dienen. Aktuelle Relevanz erhält sie durch die Charakterisierung von Fremdheitsbildern als diskursbestimmt und wandelbar, was uns für die Fremdheitsbilder unserer Zeit sensibilisieren sollte.