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Welches Motiv lässt mich diesen Text verfassen?
Viele hochkomplexe Texte scheinen beweisen zu wollen, dass der Mensch, der ihn geschrieben hat, denken kann. Aber das wissen wir ja seit Descartes. Macht es Sinn zu schreiben, weil wir etwas wissen? Dem wäre entgegenzuhalten, dass wir seit der Antike wissen, dass wir nichts wissen.
Das Schreiben von Texten stellt hin und wieder schlicht ein Beschäftigungsprogramm für unseren Geist dar. Ein unterbeschäftigter Geist kann uns in den Wahnsinn treiben, wenn wir ihm keine adäquate Aufgabe stellen und entsprechende Leitplanken setzen. Vernachlässigt begibt er sich in diese selbst bemitleidende Haltung eines Menschen, der nicht die Aufmerksamkeit erhält, die ihm vermeintlich zusteht. Er verhält sich dann wie ein trotziges kleines Kind, das quengelt und schreit.
Angenommen, wir überlassen das Denken und Schreiben einer Künstlichen Intelligenz, einem KI-Programm wie ChatGPT.
Nicht auszudenken, auf welche Abwege unser Geist geraten kann, wenn die neue Technologie ihm diese Arbeit gänzlich abnehmen würde. Ich schlage vor, solchen Hilfsmitteln nur dann Beachtung zu schenken, wenn der Schreibauftrag ausschliesslich fremdauferlegt wurde, unsinnig und damit pure Zeitverschwendung ist oder überaus trivialen Verwertungszwecken dienen soll. Der Lockruf dieser Technologie ist vermutlich betörend, wenn unser Geist zu träge ist, um den Anforderungen zu genügen. Nur, in solchen Fällen könnte ein bisschen geistiges Training eigentlich nicht schaden. Das wäre Motiv genug. Wer schon einmal über längere Zeit liegen bleiben musste, hat Bekanntschaft mit Muskelschwund und der Abhängigkeit von Krücken gemacht.
Welchen Wert könnte ein «Like» oder ein lobender Kommentar für mein EGO einnehmen, wenn ich genau wüsste, dass die Lorbeeren nicht mir gebühren? Würde dies nicht zwingend in die Abwärtsspirale der Selbstmissachtung und dadurch zu Selbstwertverlust führen? Und was, wenn ich Kritik und Häme ernten würde in Folge eines Artefakts, welches die KI stellvertretend ausgespuckt hat? Würde ich dann nicht dem Drang erliegen zu erwidern: «Das war ich nicht!»?
Jede Reaktion auf einen durch KI produzierten Text wäre im Umkehrfall reine Zeitverschwendung. KI steht für «Kein Interesse» an deiner Meinung oder Sichtweise.
Welches Motiv ist für mich so bedeutsam, dass ich dem Programm niemals gestatten werde, an meiner Stelle zu schreiben?
Wie soll Künstliche Intelligenz einen Text schreiben, der unverkennbar von mir stammt, wenn ich noch nicht einmal selbst genau weiss, wer ich eigentlich bin? Wer kennt mich gut genug, um den Betrug zu erkennen?
Ich bediene mich beim Schreiben meines eigenen Algorithmus: Dieser orientiert sich an meinem subjektiven, oftmals unbewussten Wissen, welches genährt wird durch all meine vergangenen Erfahrungen und mein angelerntes Wissen. Ein Text wie dieser entsteht aus einer wachsamen Leere. Aus der Stille steigen die Worte in mein Bewusstsein und diktieren mir die Geschichte. Hat das nicht Ähnlichkeit mit der Suchmaschine eines Programms? Die Unterschiede zu erkennen, dürfte uns wohl in nächster Zukunft beschäftigen und herausfordern. Folgender Unterschied ist für mich von besonderer Bedeutung:
Die Worte, die aus mir herausfliessen sind ein echtes Beziehungsangebot für alle Leser:innen.