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Ausgehend vom zeitlichen Auftreten der Symptome sowie vom Verlauf werden die allgemeinen psychotraumatischen Belastungssyndrome als akut, subakut, chronisch oder verzögert bezeichnet.
Die folgenden Diagnosen und Syndrome sind bei Folter- und Kriegsopfern teilweise, im Vollbild oder in Überschneidungen am häufigsten vorzufinden.
Spezifische Traumafolgestörungen
- Akute Belastungsreaktion
- Posttraumatische Belastungsstörung
- Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
Unspezifische Traumafolgestörungen
- Anpassungsstörung wie z.B. abnorme Trauerreaktion
- Affektive Störungen und Depression
- Angststörungen
- Suchtmittel- und Medikamentenabhängigkeit
- Somatoforme Schmerzstörung
Bei traumatisierten Migrantinnen und Migranten wird häufig eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert. Die PTBS weist eine hohe Komorbidität vor allem mit Angststörungen und Depressionen auf, wobei die differentialdiagnostische Abgrenzung schwierig ist. Gleichzeitig ist die Gefahr einer sekundären Suchtmittel- und Medikamentenabhängigkeit bei PTBS relativ hoch. Die Beschwerdebilder stehen oft in Verbindung mit chronischen Schmerzsyndromen, welche teils körperliche, teils psychosomatische Ursachen haben .
Oft wirken sich Traumata stark im zwischenmenschlichen Bereich aus: Betroffene sind häufig misstrauisch, ziehen sich zurück, ertragen keinen Lärm oder keinen Druck, reagieren oft gereizt, impulsiv oder fühlen sich schlecht behandelt. Entsprechend sind es nicht selten Probleme im Familienleben oder bei der Arbeit, welche Anlass für eine Behandlungsaufnahme sind.
Für das Verständnis und die Beurteilung (diagnostisch und therapeutisch) von kriegs- und foltertraumatisierten Menschen ist es zentral, der sozialen und gesellschaftspolitischen Dimension Rechnung zu tragen sowie die langfristige Perspektive und die chronischen Verläufe der Folterfolgen mit zu berücksichtigen. Das weit verbreitete Konzept der PTBS gibt in dieser Hinsicht die Lebens- und Leidensrealitäten von Folter- und Kriegsüberlebenden nur unzureichend wieder. Diese Defizite führten zur Entwicklung von umfassenderen Konzepten wie z.B. Disorder of Extreme Stress (Bessel van der Kolk, 1996) oder komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS, Judith Herman, 1993).