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Marcel
Beyer
Mit dem Erscheinen seines zweiten Romans Flughunde (1995) erlangte der heute in Dresden lebende Autor Marcel Beyer (*1965) internationale Bekanntheit. Die beklemmende Geschichte des fanatischen Tontechnikers Hermann Karnau, der während des ‚Dritten Reichs’ das ganze Spektrum der menschlichen Stimme in einer “Karte aller Stimmfärbungen” verzeichnen möchte und vor grausamen Menschenversuchen nicht zurückschreckt, gehört wohl zu den meistbeachteten Romanen der Nachwendezeit.
Auch Beyers spätere Romane Spione (2000) und Kaltenburg (2008) verfolgen literarische Neuperspektivierungen deutscher Geschichte und befassen sich mit den Nachwirkungen der NS-Zeit. In seinen formal ambitionierten Erinnerungstexten spürt Beyer den Leerstellen der Geschichte und dem Verhältnis von Erinnerung und Sprache nach. Deutsche und europäische Erinnerungsorte stehen ebenso im Zentrum seiner von Paul Celan und Friederike Mayröcker beeinflussten Lyrik.
Zuletzt erschien mit Putins Briefkasten (2012) ein Band mit Recherchen, in denen Beyer mit luzider Beobachtungsgabe von persönlichen, literarischen und örtlichen Erkundungen und Eindrücken berichtet. Für sein lyrisches und erzählerisches Werk wurde Marcel Beyer mit renommierten Auszeichnungen bedacht, etwa dem Uwe-Johnson-Preis, dem Erich-Fried-Preis und Joseph-Breitbach-Preis. Gegenwärtig weilt er als Gast im Atelier des Aargauer Literaturhauses Lenzburg.