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Himalaya 1935/36
 d,.jVon Marcel Kurz.
Mit 4 Bildern.yn paul Montandon> ) Die französische Karakoram-Expedition 1 ).
Seit einigen Jahren schon beabsichtigten der Club Alpin Français ( CAF ) und dessen Groupe de Haute Montagne ( GHM ), eine national-französische Expedition in den Himalaya zu organisieren, und arbeiteten zusammen in dieser Richtung. Glückliche und gesunde Mitarbeit, in welcher Jean Escarra und Henry de Ségogne in bester Weise von sämtlichen Mitgliedern des Organisationskomitees unterstützt wurden. Die Mannschalt war seit langem bereit. Sie hatte Zeit genug gehabt, sich in den Alpen und sogar im Kaukasus zu trainieren. Dagegen blieb noch zu entscheiden, in welcher Richtung man vorgehen wolle. Zwei Lösungen kamen besonders in Betracht: entweder eine Probeexpedition nach Sikkim oder Garhwal unternehmen und Gipfel von 6—7000 m Höhe erklimmen, um sich in jeder Beziehung zu akklimatisieren — oder aber gleich von Anfang an einen grossen Angriff auf einen der 8000-m-Riesen wagen, auf die Gefahr hin, unverrichteter Dinge heimkehren zu müssen. Der Optimismus Hess keine Niederlage zu, und so entschloss man sich ohne Zögern zu der zweiten Lösung, welche auch dem Abenteuergeist der jungen Mannschaft am besten entsprach. Dieser Entscheid war offenbar ein Irrtum. Andere hatten allerdings Erfahrungen gemacht, die man ausnützen konnte, aber die Franzosen waren bisher nie im Himalaya gewesen, und es fehlte ihnen jene Anpassung an die obersten Höhen, welche alle besitzen müssen, die auf 8000 m und höher vordringen wollen. Durch eine nationale Sammlung und einen offiziellen Beitrag der Regierung finanziert, sollte die Unternehmung dazu helfen, den Nimbus Frankreichs zu heben. Dazu eignete sich nur einer der höchsten Gipfel. Hierbei war die Auswahl keine sehr grosse. Der Everest musste den Engländern, der Nanga Parbat den Deutschen vorbehalten bleiben. Anfänglich schwankte man unschlüssig zwischen Makalu, 8470 m, und Hidden Peak, 8068 m. Ersterer, noch gänzlich unerforscht, wäre ein höchst interessantes Ziel, jedoch eine grosse Unbekannte mit all ihrem Risiko gewesen. Schliesslich blieb man beim Hidden Peak, welcher 1929 von der italienischen Expedition topographiert und 1934 von der Dyhrenfurths versucht worden war. Die französische Unternehmung wurde damit eine rein sportliche: ihr Ziel war die Eroberung des Hidden Peak.
Henry de Ségogne wurde zum Expeditionsleiter ernannt, eine bestmögliche Wahl. Was die Teilnehmer anbetrifft, so wurde alle Sorgfalt angewendet: Man stellte alle As der jungen Generation zusammen, welche sechs Monate abwesend sein konnten. Es waren fünf Jeans dabei: Arlaud, Carle, Charignon, Deudon und Leininger. Dr. Arlaud, der Arzt, hatte die Verpflegung zu besorgen 2 ). Marcel Ichac, der bekannte Kinematograph und x ) Literatur: Allgemeiner Expeditionsbericht von Henry de Ségogne in « La Montagne », Januar 1937; über den Angriff selbst « Alpinisme » ( GHM ), Dezember 1936; Offizielles Buch: L' Expédition française à l' Himalaya, 1936. Edité par le Comité d' organisation. Paris 1937.
Die beste Karte dieser Region ist diejenige des offiziellen Buches des Herzogs von Spoleto ( 1937 ).
2 ) Als methodisch geschulter Geist schrieb Arlaud eine strenge Lebensweise vor und eine « wissenschaftlich genügende Ernährung ». Zum Beweis die Tischkarte: 2 Wurst- Die Alpen — 1937 — Les Alpes.36 einer der besten alpinen Photographen der Gegenwart, sollte einen dokumentären Film drehen. Der Geologe Louis Neltner war der Expeditionstopograph. Pierre Allain und Jacques Azémar endlich vervollständigten die Karawane, letzterer als Generalsekretär. Total 10 Franzosen.
In Srinagar wartete ihrer der Captain Streatfield, welcher den Transport leiten sollte. 35 Tiger waren von Darjiling eingetroffen unter dem Kommando ihres Sirdar-Dol-metschers Jigmay Tsering, Sohn des Tenchedar. Die Provisionskisten kamen direkt von Paris. Sie mussten ausgepackt und in kleinere, besser verteilte Lasten zusammengestellt werden. Dies hätte ruhig in Paris gemacht werden sollen, denn nichts ist unangenehmer als das Umpacken im Fieber der Abreise.
Trotz unfreundlichem Wetter und vielem Schnee, der den Zoji La für Tragtiere noch unzugänglich machte, verliess die Vorhut Srinagar am 17. April. Die Karawane wurde in fünf Abteilungen aufgelöst mit je 100 Kulis. Es gab 512 Lasten zu tragen, wovon 1300 kg Nahrungsmittel für die Tiger allein. Am 29. April befand sich die ganze Truppe in Dras vereinigt. Sie setzte ihre Reise nach Askole fort, wo sie am 17. Mai anlangte.Von Skardu weg erhöhte sich die Trägerzahl auf 680!
Am 26. Mai endlich wurde das. Basislager am Nordwestfuss des Goldenen Thrones erreicht, dort wo die Südostbucht des Baltorogletschers sich verengt und « Herzog der Abruzzen-Gletscher » genannt wird. Dieses Lager bestand 35 Tage. Neben den Tigern blieben 20 Baltis als Träger in Dienst, während alle übrigen verabschiedet wurden.
Vielleicht erinnert sich der geneigte Leser, dass 1934 die Expedition Dyhrenfurth das Haupt des Queen Mary Peak, 7422 m1 ), erreicht hatte, aber nicht weiter gelangte, und dass von diesem Strebepfeiler die Distanz bis zum Hidden Peak noch enorm ist. Dieser Zugangsweg erschien entschieden zu lang, und es musste ein direkterer gesucht werden. Auch der von Roch und Erti ( Dyhrenfurth-Expedition ) versuchte Sporn wurde beiseite gelassen. Die Wahl fiel schliesslich auf den Südhang des Punktes 7069 ( der Spoletokarte ), welcher von den Franzosen als « Hidden-Süd » bezeichnet wurde. Dieser Hang ist von felsigen Rippen durchzogen, die sich 2—300 m unter dem Punkt 7069 vereinigen. Letzterer bildet eine kleine Pyramide und hebt sich vom gewaltigen Hidden Peak nur wenig ab.
Es war wohl das erste Mal, dass man im Himalaya eine so lange, felsige Anstiegslinie auswählte, und dies charakterisiert die französische Technik, welche in der Regel den Fels dem Eise vorzieht. Die Tiger waren davon wenig erbaut, denn solche Klettereien sind ihnen nicht geläufig. Es wurden denn auch alle die zahlreichen schwierigen Stellen mit Hunderten von Seilmeter versehen, was im Himalaya ebenfalls neu war. Die Expedition verfügte ferner über eine Winde aus Duraluminium, welche sie oben in den Felsen anzubringen beabsichtigte, um die Lasten emporzuhissen. Aber nach mehreren Versuchen Scheiben, 1 ½ Sardine, 2 Biskotten, 50 g Käse oder 1 Löffel Konfekt. Es ist dies nicht viel für Männer, die morgens 20 km zurücklegen, und man muss unwillkürlich zum Vergleich an alle die Eier denken, welche Shipton und seine Leute täglich verschlangen. Es sind dies offenbar zwei Extreme, zwischen denen man die richtige Mitte herauszufinden hat. Die französische Kost scheint der Richtigkeit näher zu stehen wie auch der vernünftigen Massigkeit der Eingeborenen.
wurde auf dieses System verzichtet. Dagegen spielte die drahtlose Télégraphie sehr gut und leistete grosse Dienste.
Nachdem ein erstes Lager auf dem Gletscher des Herzogs der Abruzzen am Fuss des « Hidden-Süd » aufgeschlagen worden, erfolgte der Angriff am 30. Mai. Die Zeltlager wurden in den Felsen des Hanges immer höher verlegt, und zwar ohne Unterbruch bis zum 21. Juni, an welchem Tage der Monsun drei Wochen vorzeitig einsetzte. Bisher hatte sich alles in normaler Weise abgespielt und das Wetter war günstig geblieben, zwei Stürme ausgenommen.
Vom höchsten Lager aus wurde die Erkundung bis ca. 6800 m vorgestossen, d.h. bis zu den oberen Felsen, wo die verschiedenen Rippen zusammenlaufen. Am 29. Juni befahl Ségogne trotz heftigem Protest der Eif-rigsten den Rückzug. Tiefer Neuschnee gefährdete den Abstieg sehr, und zwei Sherpas wurden durch eine Lawine 700 m tief zum Gletscher hinabgerissen, kamen aber wie durch ein Wunder mit einigen Quetschwunden davon.
Am 2. Juli war die ganze Gesellschaft wieder im Basislager versammelt. Man kann den weisen Entschluss des Expeditionsleiters nur gutheissen. Dagegen ist es eher erstaunlich, dass er den Baltoro verliess, ohne etwas anderes zu unternehmen. Der Monsun ist in jenem Gebiet viel weniger heftig als z.B. in Sikkim, und es bleiben im Karakoram eine Menge interessanter Fragen zu lösen, z.B. die wichtige Überschreitung des Conwaysattels und die effektive Verbindung zwischen Baltoro und Siachen.
Zusammenfassung: Diese erste französische Expedition wurde in grosszügiger Weise vorbereitet und geleitet. Sie blieb bis zum Fusse des geplanten Berges vom Glücke begünstigt. Der Fortschritt wurde schliesslich durch den Monsun aufgehalten im Moment, als die Schwierigkeiten abzunehmen schienen. Im Gegensatz zur Nanda Devi-Expedition wurde hier eine auffallende Reklame gemacht und eine grosse Summe Geld ohne jedes Ergebnis verbraucht. Die gemachte Erfahrung war allerdings eine notwendige, doch konnte sie leichter und näher gewonnen werden.
P. S. Ein Bild vom Hidden Peak findet man in « Die Alpen » 1933 neben Seite 409. « Hidden-Süd », 7069 m, ist der Ausläufer 5 cm rechts vom Hidden Peak. Ein zweites Bild im Jahrgang 1935 neben Seite 89.
Die Eroberung der Nanda Devi, 7820 m x ).
Hier haben wir endlich einen wirklichen, unbestrittenen Erfolg, einen sehr grossen Sieg, der sogar die Besteigung des Kämet 1931 in den Schatten stellt. Währenddem letztere Schritt vor Schritt im Lauf der Jahre vor sich ging, gelang die der Nanda Devi beim ersten wirklichen Anlauf, trotz Schwierigkeiten aller Art. In unserer letzten Studie haben wir gesehen, dass die Nanda Devi und ihr « Sanktuarium » 1934 zum erstenmal durch Shipton und Tilman erforscht wurden — und wiel Die beiden Freunde beabsichtigten wohl im " folgenden Jahre wiederzukommen, um ihre Erkundung gründlich auszunützen. Aber das Geschick hatte es anders bestimmt. 1935 waren sie mit ihren KameSiehe den Bericht von H. W. Tilman in: Himalayan Journal, 1937, 21—37; Alpine Journal, 1937, 13—26; Mountaineering Journal, 1937, 70—76. Siehe auch Alpine Journal, 1936, 311/312 ( vorläufiger technischer Bericht von T. Graham Brown, mit einer schönen Aufnahme ), sowie das Expeditionsbuch von Tilman ( Cambridge University Press ).
Nanda Devi ist weiblich: Nanda war die Tochter des Gottes Himalwat, und Devi heisst Göttin.
raden im Chomolungma-Massiv, und als Shipton 1936 nach dem Everest abreiste, wurde Tilman für die hohen Regionen als unfähig erklärt I Doch Tilman versteht den Spass: an Stelle des Everest wird er sich anderswohin wenden. Gerade in jener Zeit war eine amerikanische Expedition in Vorbereitung, an der vier Engländer teilnehmen sollten. Man dachte zunächst an den Kangchendzönga. In dieser Absicht verreiste Tilman im April 1936 nach dem Sikkim, um den Transport zu organisieren. Aber in Kalkutta vernahm er, dass aus unbekannten Gründen die nötige Erlaubnis verweigert sei. Ohne Zweifel waren schon zu viele grosse Expeditionen unterwegs, und niemals wurden die Tiger von Darjiling derart in Anspruch genommen: 165 am Everest, 30 im Karakoram mit den Franzosen und 20 mit Pallis am Zemugletscher; im ganzen 215 Tiger.
Tilman war sehr enttäuscht, weder zum Kantsch noch zum Everest reisen zu dürfen. Er sollte im Gegenteil sehr glücklich sein. Das Geschick ersparte ihm sowohl die Abfuhr am Everest als eventuell ein Verhängnis am Kantsch. Dagegen wartete seiner ein voller Erfolg an der Nanda Devil Tilman war also dazu bestimmt, die grosse Göttin des Garhwal in ihrem Heim zu erreichen. Er wurde bald die Seele der ganzen Unternehmung.
Unter den übriggebliebenen Darjiling-Tigern fand er nicht ohne Schwierigkeiten sechs Sherpa-Träger, wovon zwei oder drei Neulinge, die zunächst trainiert werden mussten. In dieser Absicht versuchte er den Zemu Gap und kehrte hierauf nach Darjiling zurück. Ein erster Amerikaner ( W. F. Loomis ) langte in Bombay an und reiste am 21. Mai mit Tilman nach Ranikhet ( Garhwal ). Um Zeit zu gewinnen, musste zunächst die berühmte Rishischlucht erkundet und dort Lebensmittel abgelegt werden. Das anglo-amerikanische Duo verliess Ranikhet am 29. Mai ( « mit zwei Sherpas, 10 kg Käse und einem Wachstuch » ) und begab sich über den Kuaripass nach Joshimath. Dank dem Telegraphen und den guten, 1934 von Tilman angeknüpften Verbindungen warteten ihrer dort 15 Bhotias von Mana, welche 15 Lasten Proviant für die Kulis zusammengestellt hatten. Schon am nächstfolgenden Tage konnte die Karawane nach der gefürchteten Rishischlucht losgehen 1 ). Der Monsun hatte drei Wochen zu früh begonnen, aber das Wetter blieb verhältnismässig angenehm. Am 16. Juni hatten sie längs des linken Ufers mehr als die Hälfte der Schlucht hinter sich und gelangten zum Plattenschuss, wo man gezwungen war, die Lasten emporzuhissen. Tilman wurde von einem Stein getroffen, fiel und brach eine Rippe. Merkwürdiger Zwischenfall gerade dann, als alles gut zu gehen schien I Man verstaute den Proviant in einem Versteck und kehrte vorsichtig um, dem Verletzten nach Möglichkeit beistehend. Am 25. Juni war Ranikhet wieder erreicht.
In der Zwischenzeit waren von Europa aus alle ( eigentlich für den Kantsch bestimmten ) Gepäckstücke angelangt. Ein guter Teil davon musste ausgeschaltet und auf den Masstab der Nanda Devi reduziert werden.
Im netten Forsthause zu Ranikhet versammelte sich schliesslich anfangs Juli die sogenannte anglo-amerikanische Expedition. Sie bestand aus vier Engländern und vier Amerikanern: zum englischen Quartett gehörten T. Graham Brown, der bekannte fünfzigjährige Bergsteiger; der Geologe N. E. Odcll ( 44jährig ), der 1924 lange am Everest oberhalb 8000 m verweilt hatte; Tilman und Peter Lloyd, welcher als der beste Kletterer der jungen englischen Generation gilt. Die Amerikaner hatten zwei As: Adams Carter und Arthur B. Emmons, Bestürmer des Minya Gongkar, 7590 m, im Oktober 1932. Leider hatte letzterer dabei die Fusse erfroren und konnte nun kaum sehr hoch gelangen. W. F. Loomis und Charles Houston endlich vervollständigten das amerikanische Quartett.
Merkwürdigerweise hatte diese improvisierte Mannschaft keinen offiziellen Chef, aber Graham Brown, der älteste von ihnen, Hess sich bestimmen, deren moralische Leitung zu übernehmen, während Tilman der technischen oblag. Tilman war übrigens der einzige unter ihnen, der den Himalaya kannte, und die Nanda Dewi bleibt sein Berg.
Am 10. Juli verliess die Expedition Ranikhet mit zwei Lastwagen, sechs Sherpas, 1200 kg Gepäck und fuhr bis zum Endpunkt der Strasse nach Baijnath. Dort fand sie 37 vorgesandte Dotials ( Träger aus Doti in der Nähe der westlichen Nepalgrenze ). Man verbrachte die Nacht im reizenden Bungalow von Gwaldam. Ausgesprochener Monsun und Regen begleiteten die Gesellschaft über den Kuaripass bis nach Joshimath. 10 Bhotias aus Mana verstärkten hier die Truppe. Am 21. Juli Abreise nach dem Rishi. Tilman verliess sich sehr auf die gute Hilfe der Dotials, Berufsträger, die sich 1934 als den Bhotias überlegen gezeigt hatten. Aber diesmal war es nicht der Fall: heftige Reibereien entstanden, und die Dotials klappten schliesslich zusammen, denn der Übergang über den Rhamani, nördlicher Zufluss zum Rishi, nahm ihnen allen Mut; sie wurden abgelöhnt und heimgeschickt.
Es blieben also im ganzen noch 23 Männer zurück, um 56 Lasten zu 30 kg zu tragen. Das Wetter war scheusslich und die Situation wirklich keine rosige. Tilman hatte den Eindruck, in ein Wespennest geraten zu sein. Da der Transport dazu zwang, jeden Marsch zweimal zu machen, musste die Schlucht zehn Tage erfordern. Diese Märsche und Gegenmärsche über äusserst steile, grasige Hänge, mit Gebüsch und Felsen, 30 kg auf dem Rücken, waren eine sehr fragliche Vorbereitung. Glücklicherweise herrschte gerade während dieser zehn Tage trotz Monsun herrliches Wetter.
Am 2. August langte endlich die ganze Gesellschaft mit dem grössten Teil des Gepäcks im « Sanktuarium » an, schlug das Lager eine Meile unter dem « Südgletscher » auf, stieg am folgenden Tage, nach Querung des Flusses unweit seiner Quelle, über die Gletschermulde des rechten Ufers empor und lagerte in ca. 4700 m Höhe.
Alle Manamänner gingen Wacholdersträucher holen, um die in der Rishischlucht verlorene Kerosine zu ersetzen. Die übrigen richteten das Basislager am Südfuss des Berges ein. Am 7. August war alles zur Stelle, und die Bhotias wurden für ihre grosse, so gut durchgehauene Mühe reichlich bezahlt und entlassen. Die Basis lag in annähernd 5335 m Höhe, wenig unter dem « Hahnenkamm », in welchem der grosse südliche, dreieckige Vorbau endigt. Letzterer stösst zwischen zwei Gletschern ziemlich tief vor und scheint aus Geröll und leichten Felsen zu bestehen. Der ganze Berg ist aus sedimentären, fast waagrechten Schichten gebildet, welche auf den Nord- und Südwesthängen sehr gut sichtbar sind. Gemäss dem 1934 ausgemittelten Plane entstand das Lager I auf 5850 m. Höher oben verengt sich der Vorbau und die Felsen sind so brüchig, dass man vom Grat abweichen und sich der Ostflanke zuwenden muss.
Am 12. August gingen Odell und Tilman rekognoszieren. In 6100 m Höhe zwangen Neuschnee und überwächteter Grat zum Anseilen. Auf einem 7 m langen und 2 m breiten Band, 6220 m hoch, richteten sie das zweite Lager ein, ungefähr an der Stelle, bis zu welcher 1934 der Vorstoss gelangt war. Aber der Monsun blies wiederum heftig und hielt die Truppe mehrere Tage im Lager I zurück, wo der Komfort ein sehr geringer war. Es gab fast keinen Tee und kein Salz mehr, und der Mut sank. Jeden Tag schneite es, die Leute magerten ab, und die meisten Sherpas wurden kampfunfähig. Keiner von ihnen vermochte höher als Lager II zu steigen, und der ganze Transport musste den Sahibs selber zufallen, die übrigens seit langem gewohnt waren, jeden Tag 25—30 kg zu schleppen.
Am 14. August bezogen Graham Brown und Houston das Lager II und richteten sodann das dritte auf einer Art Schneeschulter, 6460 m, ein, zu der man über einen schmalen, 45° geneigten Grat gelangt war. Dieses Lager III nahm am 18. Odell und Tilman auf. Höher oben ist der Schneerücken breit, bloss noch 30° geneigt und bietet bis 6700 m keine Schwierigkeiten. Dann nimmt die Neigung wieder bis 45° zu, und es zeigen sich einige verschneite Felsen. Doch während 48 Stunden hielt ein neuer Sturm jedermann in den Zelten zurück. Solche gezwungene Untätigkeit in kleinem Räume ist wie immer für Körper und Geist ungesund. Dreimal vereitelten die von Südosten heranbrausenden, 12—48 Stunden dauernden Stürme den Angriff.
Am 24. August wurde endlich das Lager IV in 6620 m Höhe auf dem Schneerücken unterhalb der verschneiten Felsen gebaut. Fünf Sahibs bezogen es mit Vorrat für 15 Tage. Am folgenden Morgen um 9 Uhr zogen Odell, Houston, Tilman, Lloyd und Loomis an zwei Seilen aus, um ein oberes Lager so hoch wie möglich zu errichten. Graham Brown und Carter blieben im dritten, Emmons im Basislager. Sechs Stunden lang mussten die fünf Männer einförmige Schneehänge und hernach ein jähes Couloir ersteigen. Diese 45—50° steilen, ununterbrochenen Hänge hatten immerhin den Vorteil, schnell in die Höhe zu fördern. Schräg nach rechts haltend, hoffte man, auf einer Felsrippe einen günstigen Lagerplatz zu finden, was aber nicht eintraf. Noch höher musste man steigen, und zwar bis zu einer Art Felskopf, der sich auch nicht eignete. Es war nun 16 Uhr. Man stand höher als der Gipfel des Trisul, 7120 m, aber die Sonne brannte und der Schnee wurde weich. Die zwei Seilschaften hatten nur ein Zelt für fünf Mann, drei mussten daher absteigen. Loomis, Lloyd und Tilman legten ihre Lasten ab und gingen zurück. Odell und Houston fanden etwa 50 m weiter oben eine halbwegs günstige Stelle, hatten aber grosse Mühe, das Zelt aufzurichten ( Lager V, 7200 m ).
Am folgenden Tage waren alle übrigen im Lager IV vereinigt, Emmons ausgenommen, der unten topographierte. Als sie am 27. August aufbrechen wollten, hörten sie Odell rufen, dass Houston verunglückt sei. Lloyd und Tilman, sodann Graham Brown und Carter eilten möglichst schnell zu Hilfe und vernahmen mit Erleichterung, dass Houston bloss unter einer Verdauungsstörung leide. Man hatte « ill » mit « killed » verwechselt! Am Tage vorher waren Houston und Odell ohne grosse Schwierigkeiten ziemlich hoch gelangt. Ersterer sah sich nun gezwungen, unter Pflege Browns abzusteigen, Odell und Tilman aber stiegen wiederum zum Lager V, um den Kampf fortzusetzen.
Am 28. August begnügten sich die zwei damit, ihr Zelt in ca. 7300 m auf ein besseres Schneeband zu tragen. Von da unternahmen sie am 29. um 6 Uhr den letzten Angriff. Odell kannte den Weg und kam schnell voran über einen schönen Quarzitfelsgrat, der eine hübsche Kletterei bot. Darauf folgte ein Dom, über den sie um 8 Uhr emporstiegen, und sodann eine Schneestufe, wo sie mühsam bis zum Knie einsanken. Die Sonne brannte unversöhnlich, das Gehen war äusserst mühsam und langsam. Sie begannen am Erfolg zu zweifeln. Erst um 13 Uhr gelangten sie zum Fuss der letzten Felswand und erlaubten sich hier einige Ruhe. Ein schwieriger Sporn, ein kurzes, aber steiles Schneecouloir, dann betraten sie eine Art Quergang, welcher schräg gegen den nun sichtbaren, ganz nahen Gipfel hinzieht. Im Moment, als sie diesen Korridor betreten wollten, brach dessen ganzer Schneebelag als Lawine in das Couloir ab, in dem sie emporgestiegen waren. Doch über eine Felsrippe stiegen sie heil zum Gipfel auf.
An diesem 29. August 1936, um 15 Uhr, standen Odell und Tilman auf der Nanda Devi, 7820 m hoch, auf dem höchsten Berge des Britischen Reiches. Schöner Sieg für zwei Männer, die man für die obersten Höhen als untauglich erklärt hatte und deren einer über 44 Jahre alt war. Beide konnten sich in der Sonne ausstrecken und ihren Triumph geniessen. Die Temperatur ( —6° ) war angenehm, die Luft ohne Wind. Ein seltenes Glück! Den Gipfel bildet eine weite, fast ebene Kuppe, 150 m lang und 20—30 m breit. Die Aussicht war leider von einer enormen Wolkenschicht verdeckt. Im Norden gewahrten die zwei durch eine Öffnung die braunen Ebenen von Tibet, bestrahlt von der Nachmittagssonne.
Nach einem zu schnellen Aufenthalt von 45 Minuten, während denen Tilman wohl seines Freundes Shipton gedachte, musste der Abstieg angetreten werden. Zwei Stunden später waren sie wieder in ihrem Biwak.
Der folgende Tag wurde im Lager IV zugebracht. Graham Brown war mit Houston zur Basis abgestiegen. Es war noch genug Proviant da, um einer zweiten Karawane zu erlauben, den Gipfel zu besteigen. Leider hatten Loomis und Carter Frostschäden an den Füssen, und Lloyd war also ohne Begleiter. Er hat wohl sehr bedauert, sich nicht den zwei Siegern angeschlossen zu haben I Am 31. August standen Tilman und Odell wieder im Basislager, vor 21 Tagen hatten sie es verlassen. Nach all den mühsamen Transporten und Gegen-märschen muss man ihre Widerstandskraft bewundern. Die Rückkehr wurde durch den Tod Kitars beschattet, welcher der Dysenterie zum Opfer fiel. Man begrub ihn in der Nähe des Basislagers, und seine Mitbürger errichteten ihm daselbst ein Denkmal aus Stein. Emmons hatte seine Zeit nicht unnütz zugebracht. Er hatte die genaue Topographie des « Südostgletschers » vervollständigt und einen Vorstoss gemacht bis zu 500 Fuss vom Col, den Longstaff und die Brocherel 1905 von der Gegenseite her erreicht hatten. Dieser Pass ist ca. 5850 m hoch und öffnet sich am Fuss des Südgrates des östlichen Nanda Devi-Gipfels 1 ). Wir sagten, dass ihm Shipton und Tilman im September 1934 den Maiktolipass, 5640 m, vorgezogen hatten, um das « Sanktuarium » zu verlassen. Aber diesmal legte der unersättliche Tilman Wert darauf, diesen neuen Ausgang zu versuchen. Es blieben in Wirklichkeit bloss 500 Fuss unbetretene Wand übrig zwischen dem Versuch Emmons und der Longstaff-Route.
Am 24. September, währenddem die übrige Mannschaft der Rishischlucht zuschritt, gingen Tilman und Houston trotz mittelmässigem Schneewetter nach dem Col, in Begleit von Pasang Kikuli, ihrem besten Sherpa, bezogen in 5340 m Höhe ein Biwak und stiegen am folgenden Tage schon um 5 Uhr auf. Der Angriff bis zum Fuss der eigentlichen Wand war ziemlich leicht. Dann musste eine vereiste Felsrippe erklommen und hernach ein lawinengefährlicher Schneehang gequert werden, um schliesslich einen Schneegrat zu gewinnen, der sie direkt zur Passhöhe brachte. Es war 11 Uhr morgens; sie hatten also vom Lager sechs Stunden schnellen Marsches gebraucht.
Von da hoffte Tilman dem Kamm bis zum Traillspass folgen zu können, welcher die Gletscher von Lwanl und Pindari vereinigt. Aber dieser KammSiehe das Bild gegenüber Seite 8 im Januarheft 1936 von « Die Alpen ». Der Pass liegt ganz am linken Rande. ist sehr lang, konnte nicht leicht sein und steckte gänzlich im Nebel. Man musste also den Plan aufgeben. Das Trio stieg nun gegen Martoli ab und kehrte am 12. September nach Ranikhet zurück, sieben Tage vor den übrigen.
Das Wenigste, das sich über diese Expedition sagen lässt, ist das, dass sie keineswegs banal war und den übrigen wenig gleicht. Improvisiert, anspruchslos, ohne eigentliches Haupt noch Publizität, abgereist mit dem Kantsch als Ziel, auf der Nanda Devi gelandet, in vollem Monsun, ohne künstlichen Sauerstoff noch Steigeisen noch Haken, mit nur einem von acht des Himalaya Kundigen... 1 Vielleicht ist der Triumph der Expedition gerade der seltenen Bescheidenheit der Teilnehmer zuzuschreiben. Niemand hatte ihn mehr verdient als Tilman. Aber der offizielle Bericht an die Presse, welcher den Sieg verkündete, verschwieg jeden persönlichen NamenI Die Mannschaft hatte den Berg besiegt, der Korpsgeist hiess allen persönlichen Ehrgeiz schweigen...
Der höchste auf Erden erstiegene Gipfel ist nun also nicht mehr der Kämet, 7755 m, sondern die Nanda Devi, 7820 m. Es scheint, dass die Natur diese langsame Progression, ohne plötzliches Fortschreiten, dem Menschen vorschreibt, um ihm die Geduld beizubringen. Wir stehen nun den 8000 m sehr nahe. Wird man von der Nanda Devi direkt zum Nanga Parbat übergehen? Letzterer scheint allerdings nach dem Everest der technisch leichteste Achttausender zu sein. Es bleibt nun noch der Ostgipfel der Nanda Devi, 7430 m, zu ersteigen. Dies ist jedenfalls möglich, wenn man vom Col Longstaff ausgeht und den Südgrat verfolgt. Ferner die Überschreitung beider Gipfel mit Abstieg auf dem Weg der ersten Besteiger.
Topographie des Massivs.
Man weiss und wir haben es mehrmals wiederholt, wie andere mit uns, dass Blatt 53 N ( Badrinath ) im Masstab V4 Zoll ( 1: 253,440 ) eines der schlechtesten im Himalaya ist. Es betrifft gerade jenen Teil des Garhwal, der für uns am wichtigsten ist, unter anderen das Nanda Devi-Massiv und das von Gangotri. Diese Karte ist in den letzten Jahren so oft kritisiert worden, dass die Indian Survey sich entschlossen hat, eine Aufnahme im ½ Zoll ( 1: 126,720 ) vorzunehmen. Diese ganz neue Aufnahme wurde 1935 dem Major Osmaston übertragen. Für das Nanda Devi-Massiv bediente man sich des photogrammetrischen Verfahrens. Als bester Kenner der Region wurde Eric Shipton beauftragt, Osmaston beizustehen, ihm die günstigsten Standpunkte anzugeben und selber bei der Topographie mitzuwirken.
Nach seinem ergebnislosen Versuch am Everest begab er sich im August 1936 mit sechs Sherpas in den Garhwal und stellte sich zur Verfügung Os-mastons, welcher ihm den Watts-Leica-Phototheodoliten der Royal Geographical Society anvertraute, dessen er sich bereits im Vorjahr bedient hatte * ). Er verliess Ranikhet am 27. August, langte am 3. September in Joshimath an und reiste drei Tage später nach dem Rishi ab. Vielleicht nährte er im stillen die Hoffnung, Tilman rechtzeitig einzuholen, um noch am Angriff auf die Nanda Devi teilzunehmen. Am nächsten Abend sass er träumend vor seinem Zelt beim Eingang des Rishi, als Peter Lloyd plötzlich aus der Schlucht erschien und ihm die grosse Nachricht vom Siege Tilmans und Odells mitteilte. Man kann sich die Aufregung in der Seele des armen Shipton vorstellen. Als guter Engländer liess er aber nichts merken und hielt den Stoss mit Würde aus. Er schrieb selber: « Meiner Meinung nach ist die Erklimmung der Nanda Devi vielleicht der grösste Erfolg, der bisher im Himalaya gelang; sicherlich ist es der erste wirklich schwierige Riese, der besiegt wurde. » Er wird sich damit getröstet haben, dass gerade Tilman einer der zwei Sieger war. Dieser wenigstens hat die Früchte ihrer gemeinschaftlichen Mühen geerntet...
Seinen Weg fortsetzend, erschien Shipton der Durchgang durch die Rishischlucht nun fast leicht. Eine Spur mit zahlreichen Steinmännern war sogar sichtbar. Bei seiner Ankunft im « Sanktuarium » begrüsste er die Sonne und den eingetretenen Herbst. Während Osmaston den « Nordgletscher » aufnahm, bestieg Shipton am 23. September den Peak 21 772'( 6636 m ) an der Wasserscheide zwischen dem Rishi und dem Milamgletscher. Jener überragt diesen Gletscher, aber die Nebel verdeckten zum grossen Teil die Aussicht. Es scheint, dass man die im Süden und Norden offenen Pässe benützen könne, um vom Rishi nach Milam zu gelangen.
Hierauf erforschte er den Changabanggletscher. Die ganze Changabang-kette besteht aus einem sehr hellen Granit, der riesenhafte Wände bildet. Shipton erreichte einen Pass, von dem aus der Changabang selber, 6863 m, aussieht wie die Aiguille de Triolet vom Col Dolent, mit noch glatteren Platten. Von einer anderen Seite aus ähnelt er der Aiguille du Dru vom Nant Blanc aus gesehen.
In der Zwischenzeit hatte Osmaston seine Aufnahme beendet und betrat nun die südliche Hälfte des « Sanktuarium ». Shipton verliess ihn hier und stieg durch die Rishischlucht bis nach Dibrugheta hinab, also noch tiefer als der Zusammenfluss des Rhamani. Dann begab er sich in der Richtung des Dunagiri, 7065 m, in der Hoffnung, dass ihm dessen Besteigung über den Südwestgrat gelinge, welche im Mai 1933 von Oliver und Campbell versucht worden war. Am 8. Oktober, nach einem sehr kalten Biwak in ca. 6300 m Höhe, machte er sich vor Sonnenaufgang mit einem einzigen Sherpa auf und musste nun den grössten Teil des Tages auf jenem Grate Stufen hacken. Trotz unablässiger Arbeit langte die Zeit nicht, und 300 m unter dem Gipfel musste er umkehren. Es blieb nur noch ein feiner, fast ebener Schneegrat übrig, und dieser Weg scheint entschieden der beste zu sein x ).
Am 11. und 12. Oktober querte er nicht ohne Mühe den Baginipass, 6125 m, welcher viel schwieriger und umständlicher ist, als es Longstaffs Beschreibung vermuten lässt. Es scheint, dass der wenig charakteristische Pass nicht an der gleichen Stelle überschritten wurde, überdies in umgekehrter Richtung. Das kleine Dorf Dunagiri, welches dem Gipfel seinen Namen übertrug, muss nach den Schauern des finsteren Rishi ein angenehmes Capua sein. Shipton und seine Sherpas verbrachten dort einen genussvollen Tag in grossartiger, herbstlicher Umgebung. Auch er ist überzeugt, dass für den Garhwal der Herbst die beste Jahreszeit sei.
Hierauf wurde der Dunagirigletscher besichtigt, welcher keinen Zugang zum Gipfel bietet. Dieser wird auch Tolmai Pahar ( Gipfel von Tolma ) genannt. In Joshimath begegnete Shipton den Schweizern Arnold Heim und August Gansser und brachte zwei Tage mit ihnen zu. Dank dreier schönen Wochen konnte Osmaston die ganze Aufnahme der Nanda Devi beenden und sein Assistent die des Rishi. Shipton bereiste hierauf das Rontital ( von Longstaff x ) Er ist rechts auf dem Bilde gegenüber Seite 232 von « Die Alpen » 1936 zum Teil sichtbar.
Die Alpen — 1937 — Les Alpes.37 Rinti genannt ), einen der wildesten Teile des Garhwal, wo es von Fasanen wimmelt, die bis über die Gletscher hinauf fliegen. Nach zahlreichen Stationen mit dem Phototheodoliten ging er über einen Pass, parallel mit Longstaffs Rinti Saddle, 5180 m, aber weiter östlich und näher am Trisul gelegen. Es ist ein leichter Übergang, der in das Nandagini führt. Shipton kehrte nun über den Wanpass nach Gwaldam zurück und beendigte damit einen neunmonatigen Feldzug im Himalaya. Wenn er auch an der Besteigung der Nanda Devi nicht teilnehmen konnte, so hat er doch die Genugtuung, zu deren genauer Topographie in bedeutendem Masse beigetragen zu haben 1 ).
Die deutsche Sikkim-Expedition * ).
Die Unternehmungen im Himalaya werden immer häufiger. Es ist nun notwendig, sich lange zum voraus anzumelden, um sicher zu sein, die gewünschte Bewilligung zu erhalten. Aus diesem Grunde konnte 1936 wegen Mangel an Trägern ( sie waren sämtlich für Everest und Karakoram verpflichtet ) keine grosse deutsche Expedition stattfinden. Der neue Angriff auf den Nanga Parbat wurde daher auf 1937 verschoben. In der Zwischenzeit wollte die « Deutsche Himalaya-Stiftung » nicht untätig bleiben und sandte einen kleinen Erkundungstrupp nach Sikkim. Paul Bauer wurde selbstverständlich Leiter. Die Teilnehmer waren Karl Wien, Günther Hepp ( Arzt ) und Adolf Göttner; letztere zwei zum erstenmal im Himalaya. Die Expedition beabsichtigte, einige Trabanten des Kantsch zu besteigen und die stereophotogrammetrische Aufnahme des Zemugletschers zu erweitern.
Die kleine Truppe landete am 6. August in Kalkutta und begab sich direkt nach Gangtok, Hauptstadt des Sikkim. Nur Bauer ging nach Darjiling, um ein halbes Dutzend Tiger anzuwerben und die letzten Anordnungen zu treffen. Von Gangtok bis Lachen wurde der Transport bei starkem Regen mittelst Ponies ausgeführt. Lachen ist in dieser Jahreszeit fast verlassen, seine Einwohner sind auf den Alpweiden. So erheischte es grosse Geduld, um die nötigen Kulis zu versammeln. Am 16. August, acht Tage nach der Abreise von Gangtok, bezog Bauer sein früheres Basislager auf 4500 m Höhe, in der Moränenmulde am Nordufer des Zemugletschers. Sämtliche Lachenleute wurden zurückgeschickt. Während der Abwesenheit der Sahibs sollte das Camp unter der Aufsicht des Kochs Mam Bahadur bleiben, dem würdigen Nachfolger Tenchedars.
Dem Lager gradüber erhebt sich jenseits des Gletschers der Siniolchu, 6891 m, welchen wir unsern Lesern nicht vorzustellen brauchen. Dieser Berg, einzig in der Welt, wurde durch Sellas Teleobjektiv verherrlicht und von Freshfield als Schönster aller Schönen bezeichnet. Er galt als der Prototyp der Unerreichbarkeit, und niemand hätte auch nur daran gedacht, ihn anzugreifen — niemand ausser den Münchenern, die er seit 1929 lockte.
In den Bergen noch mehr als anderswo muss man sich nicht auf das Äussere verlassen, muss auf alle vorgefassten Meinungen verzichten und bloss auf sichere Tatsachen gründen. Wenn wir die von Karl Wien aufgenommene Karte des Zemugletschers 1 ) betrachten, scheint der Nordwestgrat des Siniolchu für unseren Alpenbegriff fast leicht zu sein. Allerdings ist die Äquidistanz ( 50 m ) zu gross im Vergleich zum Masstab, die Gratbreite jedenfalls übertrieben und die Zeichnung nicht imstande, alle Einzelheiten solch feiner Architektur wiederzugeben. Aber niemand besser als Wien, welcher die stereophotogrammetrischen Platten im Autograph verglichen hatte, konnte die Aussichten des kühnen Angreifers beurteilen, welcher selbstverständlich er selber werden sollte.
Nach einer ersten Kundfahrt im August sah sich die Gesellschaft gezwungen, den Angriff auf bessere Tage zu verschieben. Um keine Zeit zu verlieren, wurde das Zumtugletschersystem südöstlich des Siniolchu erforscht. Bauer wurde'besonders durch die Siniolchunadel angezogen — ein aussergewöhnlicher Granitobelisk —, begnügte sich jedoch damit, dessen 2000 m hohe, glatte Steilwände platonisch zu bewundern. Der Monsun erlaubte keinen eigentlichen Angriff. Da diese Region gänzlich unbekannt war, suchte Wien Namen für jene neuen Gletscher und die nahen Gipfel. Es überrascht uns, in diesem Gebiet des Sikkim nepalische Bezeichnungen eingeführt zu sehen, nur aus dem Grunde, weil die mitgenommenen Kulis aus Nepal stammten. Dies könnte etwas weit führen, und es wäre an der Zeit, striktere Vorschriften für die Nomenklatur festzulegen. Trotzdem ziehen wir diese Originalnamen den banalen Benennungen, wie « Crevasse Peak » oder « Peak 36 Glacier » vor.
Anfangs September, als das Wetter keine Anstalten zur Besserung zu versprechen schien, begaben sich Bauer und seine Genossen nach ihrer Basis und dann weiter gegen Norden in der Hoffnung, bessere Zustände vorzufinden. Vergebliche Hoffnung! Nachdem sie in 6000 m Höhe auf dem Nepal Gap-Gletscher biwakiert hatten, erreichten sie am 7. September die tiefste Einsattelung zwischen den Zwillingen ( Twins ) und dem Sugarloaf. Der von dort gegen den Peak 7005 hinaufziehende Grat war in einer Weise verschneit und der Schnee so verräterisch, dass sie verzichten mussten.
Am 9. September, anlässlich ihres Versuches am Tent Peak, 7363 m, scheinen Wien und Göttner mehr oder weniger direkt den Grenzgrat südwestlich des Nepal Peak erreicht zu haben, und zwar über sehr steile Schneehänge. In 7000 m Höhe wurden sie vom Sturm überrascht und sahen sich gezwungen, in einer natürlichen Eishöhle zu übernachten. Der Nepal Peak hat mehrere Gipfel, welche überwächteten Schneewellen gleichen. Er ist auf dieser Sikkim-seite viel weniger imposant als z.B. von Pangpema aus, wo die Flucht seines mächtigen Westsporns ihm ein sehr schneidiges Aussehen verleiht. Wien spricht mit Verachtung von diesem Gipfel wie von einer einfachen Schulter. Schlechteste Verhältnisse verboten den Übergang zum Tent Peak. Sogar bei schönem Wetter muss dieser Übergang lang und schwierig sein. Die Karawane scheint nicht weiter als bis zum Nordgipfel, 7180 m, höchste Erhebung des Nepal Peak, vorgestossen zu haben. Der im Mai 1930 von Erwin Schneider allein im Nebel bestiegene Gipfel entspricht wahrscheinlich dem Peak 7145 oder 7163.
Mitte September wurde das Wetter noch schlechter. Ein starker Schneefall und grosse Regengüsse hielten die Gesellschaft im Basislager zurück. Sogar die Tiger waren deprimiert und vier derselben wurden vorläufig entlassen. Die Verhältnisse wurden hernach bessere, und man konnte endlich ernstlich an den Siniolchu denken, trotz dem vielen Schnee, der den ganzen Berg bis zum Gletscher hinunter einhüllte. Die Angriffslinie war seit langem festgestellt. Die erste Schwierigkeit musste darin bestehen, den 6185 m hohen Sattel zwischen dem Siniolchu selber und seinem Nordwestvorbau, dem Kleinen Siniolchu, zu gewinnen.
Am 19. September endlich war der Himmel wolkenlos, und gegen Mittag machte sich die aus 4 Sahibs und 2 Tigern bestehende Partie schwer beladen auf den Weg. In der Winterlandschaft kam sie nur mühsam vorwärts. Der Schnee war so tief, dass drei Tage nicht zu viel waren, um bei 5700 m auf den Siniolchugletscher zu gelangen, der den ganzen Nordhang des Berges einnimmt. Von diesem Lager III sandten sie die zwei Tiger zurück und erreichten den 6185 m-Sattel in mühsamer Waterei. Dann arbeiteten sie sich über den Grat in die Höhe, welcher Grat schwieriger ist, als es die Wiensche Karte erwarten lässt. Auf der Passanramseite ist er sehr steil und auf der von Zemu stark überwachtet. Eine unangenehme Nacht wurde in 6400 m Höhe bei —8° C. in zwei Zdarsky-Zeltsäcken zugebracht. Um sie herum war der ganze Sikkim vom Nebel eingehüllt, und es regnete wohl dort unten, währenddem über ihnen der Himmel sternenklar war.
Am 23. September verliessen sie bei wolkenlosem Wetter das Biwak um 6 Uhr früh. Man musste vorerst den stark überwächteten Vorgipfel, 6470 m, überschreiten und dann in den tiefsten Sattel zwischen ihm und dem höchsten Gipfel absteigen. Hier, um 8 Uhr, musste die Karawane sich teilen, denn eine Seilschaft von vier Mann kommt zu langsam vorwärts, um auf eine solche Spitze zu gelangen. Der Himmel lachte und leichte Südbrise blies. Der Schnee war im allgemeinen günstig, besser als man es erhoffen durfte, er wurde aber durch die Sonnenhitze bald erweicht. Bauer und Hepp blieben zurück, bereit, beim ersten Signal einzuspringen und wenn nötig mit dem Biwak vorzustossen. Wien und Göttner gingen dem Grat nach über einen Aufschwung von 60—70 m und gelangten gegen Mittag zum Fuss des Gipfels. Hier bildet der Grat eine letzte Schulter, die an den Gipfel selber lehnt, welcher sich in einer sehr steilen ( 60° ) und exponierten Wand ca. 150 m in die Höhe schwingt. Um 13 Uhr 45, kaum ihren Augen trauend, standen die zwei Freunde auf der obersten Wächte des « schönsten Berges der Welt ». Sie bewunderten die Rundsicht, aber besonders die Einzelheiten dieser erstaunlichen Architektur. Trotz allen pessimistischen Voraussagungen, mitten im vollen Monsun und dank grossem, aber voll verdientem Glück hatten sie gesiegt. In dem grossartigen Panorama musste ihnen eines auffallen ( falls sie dazu Zeit hatten ), nämlich die bedeutende Distanz, welche den Gipfel des Kantsch vom Ostsporn ( höchster, 1931 erreichter Punkt ) trennt. Dieser Grat wird ohne Zweifel noch manche Überraschung bieten.
Nach einem viel zu kurzen Aufenthalte begann der Abstieg, in der Furcht, die Sonne erweiche die oberste, sehr steile und misslicher gewordene Schneewand noch mehr. Einmal auf der Schulter, atmeten sie auf: sie fühlten sich gerettet und konnten nun ihren Erfolg voll gemessen. Vor 18 Uhr waren sie im Biwak, wo ihre zwei Freunde ihrer warteten, und verbrachten dort eine zweite Nacht. Am 25. war jedermann zurück im Basislager.
Wien beschäftigte sich nun mit Topographie, während seine drei Begleiter den Simvu angingen. Dieser ist mehr als ein Berg: er ist ein ganzes Massiv, dessen Kulminationspunkt, 6825 m, stark gegen Süden vortritt und noch nicht genau topographiert ist. Bauer wählte vernünftigerweise den leichtesten der zwei Nordgipfel: den Punkt 6545, welchen er als « Trapez » bezeichnet, weil er zusammen mit seinem Nachbarn, Punkt 6550, einem Dache gleicht. Der Punkt 6550 war von Marco Palli s vier Monate vorher versucht worden. Die Höhe dieser zwei Punkte ist übrigens veränderlich und von deren Schneedecke abhängig. Bis zum Sattel 5660 folgte Bauer nahezu dem gleichen Weg wie Pallis und biwakierte in der Nähe dieses Sattels.
Am 1. Oktober machten sich Hepp und Göttner um 6 Uhr auf den Weg in tiefem, mühsamem Schnee. Normalerweise wäre die Besteigung kaum schwierig, aber die damaligen Umstände gestalteten sie sehr anstrengend und sogar gefährlich. Es scheint, dass sie erleichtert worden wäre, wenn man bis zum Fuss des Gipfels Ski benützt hätte. Der Gipfel 6545 wurde über eine sehr steile Wand und einen kurzen Grat erreicht.
Bei sehr schönem Wetter machten Bauer und seine Begleiter am 4. Oktober eine fromme Pilgerfahrt zum Grabe Schallers, welcher inmitten der Gletscher des Kantsch in 5700 m Höhe auf einer einsamen Felsinsel ruht.
Es folgte nun eine neue Schlechtwetterperiode, welche bis zum 9. Oktober dauerte. Bauer und Göttner überschritten den Hidden Col, 5800 m, und bestiegen drei oder vier leichte Gipfel in der Nähe des Podon La. Sie gingen hernach nach dem Lhonak, wo herrliches Wetter herrschte, stiegen nach Langpo ab und kamen über die alte Handelsstrasse des The La und des Tumrachen Chu in das Zemutal zurück. Am 15. Oktober hoben sie die Basis auf und begaben sich nach Lachen, sehr in Sorge um den abwesenden Karl Wien.
Dieser war im Interesse seiner Topographie mit zwei Tigern und zwei Kulis aus Lachen in das Passanramtal hinübergestiegen. Dieses Tal war bereits 1931 durch Allwein und Pircher ( Bauersche Expedition ) erforscht worden. Unglücklicherweise glitt beim Abstieg vom Simvusattel ( Südseite ) der Kuli, welcher den Phototheodoliten trug, aus und Hess seine Last fahren. Sie fiel über eine Felswand und wurde nun unbenutzbar. Wien sandte das Instrument mit zwei Trägern über den Simvusattel zur Basis zurück. Stetsfort von schlechtem Wetter verfolgt, bedurfte er fünf Tage, um bis zum Zusammenfluss des Passan-ram und des Talung Chu zu gelangen, so überwaldet ist das Tal und schwierig zu begehen. Die zwei folgenden Meilen ( 3,2 km ) verlangten zwei Tage Gegenmärsche, und fast tot vor Hunger langte die Karawane endlich in Pingting ( oder Pinting ) an, wo sie endlich einen Pfad fand, um nach Mangen ( Tista ) abzusteigen und Bauer zu beruhigen.
Am 19. Oktober war die ganze Expedition wieder zurück in Gangtok und konnte nun nach Europa zurückkehren, stolz auf die erzielten Erfolge.
Andere Sikkim-Expeditionen 1936.
Fassen wir noch drei kleinere Unternehmungen zusammen, welche Sikkim 1936 besuchten:
I. Die schottische Marco Pallis-Expedition zum Zemugletscher wurde nicht vom Wetter begünstigt. Während drei Wochen scheint sie an einem einzigen Tage wirklich schönes Wetter erfahren zu haben. Das Basislager wurde Ende April bei 4700 m in der Moränenmulde im Norden des Zemugletschers, ca. 5 km östlich des Green Lake, aufgeschlagen.
Am 1. Mai erstiegen Pallis und J. K. Cooke den kleinen, 5920 m hohen Berg am Südufer des Hiddengletschers. Sie tauften ihn « Crevasse Peak ». Hierauf machten sie einen Versuch zur Ersteigung des Simvu-Nordostgipfels ( 6550 m nach Wien ), welcher früher einmal von Kellas versucht worden war. Die Karawane stieg direkt hinauf zum Sattel 5660, der sich 1,8 km westlich des Simvusattels öffnet. Dann verfolgte sie den Schneerücken südwärts. Am 17. Mai wurde ihr Vorstoss bei 6200 m unterbrochen durch eine Querspalte, welche den Grat durchschnitt. Ein Gewitter und ein leichtes Erdbeben bewegten sie, den Rückzug anzutreten 1 ).
II. Anfangs Juni erschienen in Lhonak J. K. Cooke, Spencer Chapman, welche den Simvu mit Pallis versucht hatten, und J. B. Harrison, dem wir 1934 im Nun Kun begegneten, in der Absicht, die Besteigung des von Freshfield The Pyramid, 7132 m, genannten Berges zu versuchen. Es ist dies sicherlich im oberen Zirkus des Chansongletschers der anziehendste Gipfel. Ich habe ihn in meiner Studie mit zwei Worten erwähnt.
Statt einfach das Podontal und das rechte, südliche Gletscherufer zu ersteigen, von wo man eine lehrreiche Aussicht geniesst, beging das Trio den Irrtum, den Berg anzugreifen, ohne vorher dessen verwundbare Stelle herauszufinden. Ohne Schlachtplan verlor es seine Zeit, und es gelang ihm nur mit grosser Mühe, eine unwichtige Erhöhung des Nordostgrates zu gewinnen, ca. 6800 m hoch, die Sphynx getauft wurde.
Glücklicher fiel die Besteigung des Fluted Peak, 6060 m, aus 2 ), eine sehr elegante Miniaturspitze, welche ebenfalls von Freshfield getauft worden ist und ihren Namen den Rillen ihrer Schneewände verdankt. Man weiss, dass die Vettern Osmaston diesen Gipfel im Oktober 1932 angegriffen haben, aber wegen einer unbezwingbaren Wächte 200 Fuss unter der Spitze umgekehrt sind.
Die Umstände müssen im Juni 1936 bessere gewesen sein, denn es gelang dem Trio, in einer halben Stunde den sehr schmalen und brüchigen Endgrat zu erzwingen. Das genaue Datum dieses Erfolges wird nicht angegeben. Die Aussicht war gänzlich verdeckt, was zu bedauern ist, denn diese Spitze muss ein erstklassiges Belvedere für den ganzen Lhonak sein 3 ).
III. Das Abenteuer des Captain Boustead 4 ) schien mir stets etwas zweifelhaft, und der berühmte Tilman glaubt ebenfalls nicht daran. Um seine Tiger zu trainieren, machte Tilman im Mai 1936 eine Erkundung am Zemu Gap ( 5875 m nach Wien ). Am 10. Mai überschritt er den Guichak La, 5008 m, und gelangte auf den Talunggletscher. Statt über diesen hinabzusteigen bis zu seinem Zusammenstoss mit dem Tongshyong ( wäre es nicht eher Tong-sha-yong ?), entdeckte er einen leichten Durchgang, welcher ihn direkt vom Fuss des Guichak La zum Fuss des Zemu Gap führte. Dieser namenlose Talung-Tongshyong-Pass könnte leicht auf Ski überschritten werden, obwohl der Abstieg vom Guichak La für diesen Sport viel zu steil ist. Er bildet einen breiten Sattel, welcher sich höchstens 400 m oberhalb der zwei Gletscher, die er verbindet, öffnet.
Im Gegensatz zu meiner Karte ( basiert auf Blatt 78 A ) ist der Tributar, der vom Zemu Gap herabkommt, senkrecht zum Tongshyonggletscher. Er bildet mehrere Abbruche und ist von bedeutender Schwierigkeit. So schwierig, dass es Tilman nicht gelang, den Sattel zu erreichen. Eine einzige Karawane war von dieser Seite her bis zur Scharte gelangt: die von Tombasi im April 1925. Aber Tilman scheint diese Expedition nicht zu kennen. Was Boustead anbelangt, so entspricht seine Beschreibung sicherlich nicht dem Zemu Gap. Er weiss selber nicht, wo er gewesen ist.
Im Rückweg benutzte Tilman die Gelegenheit, um den Tongshyong-gletscher bis zum Zusammenfluss mit dem Talunggletscher und sodann den ganzen Talung Chu bis zur Tista zu verfolgen. Wie Allwein und Pircher 1931 und Wien 1936 fand auch er das Talungtal furchtbar überwaldet und schwierig zu begehen. Gleichwohl gelang der Abstieg in der Zeit von fünf Tagen. Am 19. Mai landeten Tilman und seine vier Tiger im Tale der Tista x ).