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| Gregor v. Nyssa (†394) - Große Katechese (Oratio catechetica magna)

Kapitel 15. Warum erlöste uns Gott nicht durch einen bloßen Willensakt?
1.
Aber, wirft man ein, es wäre doch für Gott möglich gewesen, der Menschheit zu helfen und dabei selbst leidlos zu bleiben! Denn wenn er durch sein bloßes Denken das Universum schaffen und schon durch eine Bewegung seines Willens das Nicht-Seiende ins Dasein rufen [S. 35] konnte, warum wollte er nicht auch den Menschen durch eine souveräne und göttliche Verfügung der Gewalt des Feindes entreißen und in den ursprünglichen Zustand zurückführen, sobald es ihm beliebte? Warum machte er vielmehr große Umwege, indem er eine körperliche Natur annimmt, durch eine Geburt ins Leben eintritt, folgerichtig auch jedes Alter durchläuft, dann den Tod kostet und so durch seine Auferstehung zum Ziele gelangt, gerade als ob es ihm nicht freigestanden wäre, auf der Höhe der göttlichen Herrlichkeit zu verbleiben und unter Vermeidung aller Umwege durch eine göttliche Anordnung den Menschen zu erretten? ― Solchen Einwänden müssen wir nun die Wahrheit entgegenstellen, damit der Glaube aller, welche die Vernunftgemäßheit unseres Geheimnisses prüfen wollen, kein Hindernis findet. In erster Linie wollen wir, was wir teilweise bereits oben untersucht haben, in Erwägung ziehen, nämlich was im Gegensatz zur Tugend steht.