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«Ein Autor kann nicht übers Feld hüpfen und warten, bis ihn die Muse küsst.»
von M. Leuenberger
Autorenlesung mit Sunil Mann
Trotz der momentan schwierigen Situation rund um die Covid -19 Pandemie konnten wir die traditionellen Autorenlesungen für die Schülerinnen und Schüler der 2. Kurse durchführen.
Der Autor, Sunil Mann, besuchte die Klassen am Freitag, 12. März 2021 und es war ein Erlebnis und auch ein Genuss endlich wieder einmal jemanden von aussen an unserer Schule willkommen zu heissen. Als Vorbereitung haben einige Klassen den Jugendroman «Totsch» gelesen, die anderen werden dies als Nachbereitung tun.
Zu Beginn der Lesung stellte sich der Autor seinem Publikum vor.
Als Sohn indischer Eltern ist er in Spiez aufgewachsen und hat am Gymnasium in Interlaken die Matura gemacht. Sunil Mann war immer vom Wunsch getrieben ein Autor zu sein, auf dem Weg dahin hat er seine Studien in Germanistik und Psychologie erfolgreich abgebrochen, sich Grundkenntnisse für das Gastgewerbe an der Hotelfachschule Belvoirpark erworben um dann während 20 Jahren als Flugbegleiter bei Swiss International Airlines zu arbeiten. In dieser Zeit hat er immer auch geschrieben.
Sein Werk umfasst drei Kinderbücher, einen Jugendroman sowie sieben Romane um den indischstämmigen Privatdetektiv Vijay Kumar. «Das Gebot», sein achter Kriminalroman erscheint in Kürze. Daneben schreibt er Kurzgeschichten und Kurzkrimis für Magazine und Anthologien.
Seinen Jugendroman «Totsch» hat er im Auftrag des Verlags «da bux» geschrieben. Der Auftrag lautete, ein Buch für Jugendliche zu schreiben, das knapp, klar und in einer einfachen Sprache daherkommt. Es handelt von einem Jugendlichen, der Ärger mit der Lehrmeisterin, mit fiesen Typen und mit sich selber hat. Er muss mit seiner Homosexualität umgehen und hat ständig das Gefühl ein «Totsch» zu sein, weil er anders reagiert und sich verhält als er eigentlich möchte. Der Ort der Handlung ist die Agglomeration, ein Ort mit alten, heruntergekommenen Fabrikgebäuden und einer gewissen Anonymität.
Auf die Frage der Schüler, warum denn das Buch «Totsch» heisse, antwortete der Autor, er habe ein Schimpfwort gesucht, das der Stimmung dieses Jugendlichen entspreche und gleichzeitig nicht zu abwertend sei. Im Zuge seiner Lesungen hat er aber festgestellt, dass das Wort «Totsch» nicht in allen Regionen gleich gebräuchlich ist.
Sunil Mann las die ersten drei Kapitel aus «Totsch» vor, damit die Zuhörer an der Art, wie er liest, die Stimmung im Buch verstehen können.
Die Schülerinnen und Schüler stellten viele Fragen zum Buch, aber auch zum Alltag eines Autors.
Zum Beispiel folgende Fragen:
- «Warum haben Sie ein Buch zum Thema «Homosexualität» geschrieben?
- «Weil dazu auf dem Markt kaum etwas zu finden ist, dieses Thema aber 10% der Bevölkerung betrifft.
- «Wie sind Sie auf den Namen «Olaf», so heisst die Hauptperson, gekommen?»
- «Ich habe einen Namen gesucht, der für mich zur Hauptperson passt und auch nicht zu verbreitet ist.»
- «Wie sieht der Alltag eines Autors aus?»
- « Ich setze mich am Morgen an den Schreibtisch und arbeite, als ob ich in einem Büro arbeiten würde, denn ein Autor kann nicht übers Feld hüpfen und warten, bis ihn die Muse küsst.»
Dazwischen las der Autor eine Passage aus seinem Krimi «Fangschuss», damit die Zuhörenden auch einen Einblick in die Erwachsenenliteratur bekamen.
Die Rückmeldungen der Jugendlichen auf die Lesungen waren sehr positiv. Sie schätzten es, dass Sunil Mann ihnen aus «Totsch» vorlas, sie konnten die Stimmung im Buch so besser erfassen und die Geschichte dadurch besser verstehen. Eine Schülerin fand sogar, dass sich einzelne Passagen, die sie vorher kritisiert habe, geklärt hätten, so dass sie diese jetzt besser nachvollziehen könne.
Seine offene und sympathische Art auf ihre Fragen einzugehen, fanden sie toll.
Er gab Einblicke in sein Leben als Autor, erklärte, dass das Einkommen manchmal knapp und die Lesungen eine wichtige Einnahmequelle seien. Auch dass er an einem verkauften Buch nur Fr. 1.20 verdient, erstaunte.
Am Schluss der Lesung gab es noch die Möglichkeit ein Autogramm zu bekommen, eine Gelegenheit, die viele Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrpersonen gerne nutzten.