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In einem Bericht des Westschweizer Fernsehens RTS ist der Interimsabt von Saint-Maurice VS des sexuellen Missbrauchs bezichtigt worden. Der Griechisch- und Lateinlehrer am Gymnasium wird «bis zur Klärung der Fakten» keinen Unterricht mehr erteilen.
«Wir nehmen diese Enthüllungen ernst und empfinden Empathie für die Opfer», sagte der Vorsteher der Walliser Dienststelle für Unterrichtswesen, Jean-Philippe Lonfat, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Soweit er wisse, seien die dem Kirchenmann vorgeworfenen Taten nicht mit dem Kollegium verbunden, sagte Lonfat weiter. Laut RTS soll der Interimsabt einen Novizen missbraucht haben.
Der Entscheid, den Mann vom Unterricht zu suspendieren, sei den Lehrern und Schülern am Montagmorgen mitgeteilt worden. Das Gymnasium-Kollegium von Saint-Maurice befindet sich seit der Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen dem Staat und der Abtei im September 2021 in öffentlicher Hand.
«Wir werden rasch die möglichen Auswirkungen der Enthüllungen von RTS auf die 2021 zwischen dem Staat und der Abtei unterzeichnete Vereinbarung analysieren, die die Beziehungen zwischen den beiden Institutionen regelt», erklärte Lonfat weiter.
Früher bestand der Grossteil des Lehrerpersonals des Kollegiums aus Geistlichen. Heute gibt es von den 100 Lehrern, die an der Schule arbeiten, nur noch drei unterrichtende Kanoniker. Unter ihnen sind der derzeitige Rektor und der beschuldigte Interimsabt.
Der Mann übernahm die Leitung der Abtei St. Maurice im September, nachdem Abt Jean Scarcella in den Ausstand getreten war. Scarcella wird in der Missbrauchsaffäre der katholischen Kirche angeschuldigt. Gegen ihn ermittelt der apostolische Sonderermittler Joseph Bonnemain. Die Abtei Saint-Maurice untersteht nicht der Diözese Sitten, sondern direkt dem Vatikan.
Laut einem am Sonntagabend veröffentlichten Bericht der RTS-Sendung «Mise au Point» sollen neun Priester in Fälle von sexuellem Missbrauch innerhalb der Abtei Saint-Maurice verwickelt sein. Die meisten der in der Sendung behandelten Fälle ereigneten sich in den Jahren 1995 bis 2005.
Die Journalisten stützten sich auf Gerichtsdokumente sowie auf Zeugenaussagen von Opfern und Interviews mit ehemaligen Angestellten der Institution. (sda)
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