Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03616.jsonl.gz/689

Ein kurzer Abriss hilft die Ertragszahlen sowie die heutige Ausgangslage verstehen.
Angaben über den Zustand der Baselbieter Wälder im 19. Jahrhundert finden sich in den Berichten der Experten des Schiedsgerichtes, das nach der Kantonstrennung von 1833 über die Verteilung der Staatswaldungen des alten Kantons Basel zu entscheiden hatte. Weitere Berichte stammen aus dem Jahre 1898.
Die Wälder sahen im 19. Jahrhundert ganz anders aus: Die Hänge waren von Nieder- und Mittelwald bedeckt. Um innert kürzester Zeit möglichst viel Brennholz, Holzkohle und Eichenrinde zu gewinnen, wurden Areale kahl geschlagen. Um Zeit zu sparen (Jahrzehnte!), bis sich wieder ein Baum entwickelte, und um sich mehrere Arbeitsstunden zu sparen beim Ausgraben der Wurzelstöcke, liess man die Stöcke v. a. in den Hängen stehen, um diese auch zu stabilisieren. Aus den Stockausschlägen wuchsen rasch kleine Bäume. Um sich neben Brennholz auch wertvolles Bauholz zu sichern, liess man einzelne Bäume (Eichen) stehen und liess sie gedeihen. Der daraus entstehende Mittelwald zeigte zwei klar differenzierte Schichten: Die Hauschicht aus Unterholz (Hagenbuche, Esche, Hasel, evtl. Linde) bestand aus Stockausschläge, die in regelmässigen Abständen von 15 - 25 Jahren vollständig gehauen wurde. Darüber bildete sich eine geschlossene Oberschicht aus alten Bäumen, die aus Samen keimten und später selbst Samen spendeten. Auf der Hochfläche standen schon früh Nadelholzpflanzungen, mit denen die ehemaligen, locker bestockten Weiden zu geschlossenem Wald verbunden werden sollten. Im Jahre 1910 betrug der Holzvorrat auf dem Berg beachtliche 380 sv/ha (ca. 80% Nadelholz), an den Mittelwäldern 150 vs/ha. Das waldbauliche Ziel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestand deshalb darin, vom Stockausschlagsbetrieb mit Kahlschlag auf den Hochwaldbetrieb umzustellen. Die Tabelle "Anpflanzungen..." illustriert den Verlauf. In den Krisenjahren und während des Krieges wurde der Wald übernutzt - deshalb war er so schön sauber (!). Man hatte auch kaum Geld für Anpflanzungen. Die Dürrejahre 1947/49 und der Borkenkäfer zwangen zur Nutzung von 9000 m3 Nadelholz. Es entstanden grössere Kahlflächen und verlichtet, windwurfgefährdete Baumhölzer, die rasch aufgeforstet wurden.
In den Jahren 1900 bis 2000 wuchs der Vorrat kontinuierlich von ca. 230 sv auf über 300 sv. Der Holzertrag konnte von 1400 m3 auf über 2000 m3 gesteigert werden, der Stammholzanteil gar von 19% auf knapp 60%.