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gastwirt, hier herrscht Redefreiheit und du kannst hier nicht bestimmen, wer wann oder was sagt. Du brauchst dich auch nicht für ein Kollektiv zu schämen. Und bitte nicht beginnen, die Welt in die "die trauern" und die "die sich Gedanken machen und daher automatisch kein Mitgefühl empfinden" aufteilen.
Berlusconi steht für mich als Aushängeschild eines mangelnden Willen, ein vernüntigtes Staatswesen zu platzieren. Er ist für mich der personifizierte "Rückzug ins Private" ohne Verantwortung für die gesamte Gesellschaft zu übernehmen. Das passiert auch auf den italienischen Strassen, an den privaten Stränden oder in vielen Wirtschaftsbereichen. Ohne die Fähigkeit der Selbstreflexion an dieser Stelle in großen Teilen der Bevölkerung wird sich daran aber nichts ändern.
Mal ein Auszug aus einem Bericht von SPON zur Katastrophe.
Angesichts dieser verheerenden Bilanz regt sich jetzt scharfe Kritik seitens Architekten und Bauwissenschaftlern. Ihr Vorwurf: Die hohe Zahl der Opfer wäre vermeidbar gewesen, wäre in der Region erdbebensicher gebaut worden.
In der Vergangenheit wurden die Abruzzen wiederholt von starken Erdbeben heimgesucht. L'Aquila wurde im Jahr 1703 weitgehend zerstört, 1915 gab es bei einem Beben in der Region 30.000 Todesopfer. Zuletzt wurden L'Aquila und benachbarte Provinzen am 11. Mai 1984 von einem Erdbeben der Stärke 5,2 heimgesucht. Drei Menschen kamen damals ums Leben, 27.000 wurden obdachlos. Rund 150 Kirchen und andere historische Baudenkmäler wurden damals schwer beschädigt.
Der Bürgermeister von L'Aquila, Massimo Cialente, sagte, bei dem jüngsten Beben am Montag seien vor allem moderne Wohnblocks zerstört worden.
Hat L'Aquila also aus den Katastrophen der Vergangenheit keine ausreichenden Lehren gezogen?
"Ein solches Erdbeben hätte in Kalifornien nicht ein einziges Menschenleben gekostet", sagte Franco Barberi, Chef der italienischen Kommission für Naturgefahren, dem Sender RAI. Auf die Frage, ob die hohe Opferzahl in L'Aquila und Umgebung der Erdbebenstärke entspreche und somit als "normal" anzusehen sei, sagte Barberi: "Normal ist so etwas nur in einem Land wie dem unseren, mit Häusern in schlecht ausgeführter und zusammengepfuschter Bauweise."
"Es ist ein Skandal", sagte Michele Calvi, Bauwissenschaftler an der Universität Parma, der Zeitung "Corriere della Sera". In dem besonders erdbebengefährdeten Gebiet Mittelitaliens müssten nun bis zu 80.000 Gebäude, darunter 22.000 Schulgebäude, durch zusätzliche Baumaßnahmen gesichert werden. "Wenn wir nicht endlich in den Ausbau der Sicherheit investieren, werden wir auch weiterhin Tote zu beklagen haben."
Viele Medien berichten übereinstimmend, bei den meisten der in L'Aquila zerstörten Häuser habe es sich um neuere Gebäude aus den siebziger und achtziger Jahre gehandelt, die in Zeiten des Baubooms entstanden seien und nicht einmal den elementarsten statischen Anforderungen genügten. Mehrstöckige Gebäude seien zum Teil ohne Stahlträgerverstärkung oder nur mit solchen aus minderwertigem Material errichtet worden. Gleiches gelte für den Mörtel, dem häufig eine viel zu große Menge Sand beigemischt worden sei.
"Die Bauten entsprechen nicht den Vorschriften, das ist ein altes Problem", sagte der Seismologe Francesco Stoppa dem Magazin "Inviato Speziale". "Das ist der wirkliche Schwachpunkt Italiens: Das Erdbeben als Zeichen der ungeheuren Macht der Natur dringt gar nicht in unser Bewusstsein. Eine umfassende Instandhaltung der Bausubstanz hätte möglicherweise Schlimmeres verhüten können. Die jetzige Situation hat ihre Ursache nicht so sehr in der Stärke des Bebens, sondern in der mangelnden Stabilität der Gebäude."