Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/2051

Die Geschichte der Segelyacht TIMANFAYA ist eine längere Odyssee.
Der in England 1982 gebaute Rumpf (Kasko), wurde über Jahre nicht angerührt. Erst 1989 interessierte sich ein Grieche für den 67-Fuss Aluminiumrumpf. Nach einem Gutachten durch einen Schiffsarchitekten wurden die ersten Ausbaupläne erstellt. Der Grieche nahm sein neues Boot, bzw. den rohen Rumpf, genannt „Exctasy“ mit nach Hause, wo es bis 1994 in der Kalamaki-Marina bei Athen am Mittelmeer ein immer noch unangetastetes, wenn auch unruhiges, Dasein frönte.
Im Dezember 1994 vernahm Christian Schär vom Verkauf des Rumpfes und entschloss sich sofort nach der ersten Besichtigung zum Kauf. Dies war allerdings alles andere als eine einfache Sache und Christian Schär lernte bald die Redegewandtheit und eher etwas unfeine Geschäftsmethoden des Schiffsmaklers kennen.
Als erste Aktion wurde die in der Zwischenzeit von Christian Schär umgetaufte die Segelyacht TIMANFAYA an einen günstigeren Platz transportiert. Der Name war für Christian Schär schon lange bevor er ein Schiff in Aussicht hatte klar. Timanfaya war ein ehemaliges Dorf auf Lanzarote, welches im 18. Jahrhundert bei einem Vulkanausbruch zerstört wurde. Heute ist ein Naturschutzpark im Vulkangebiet auf Lanzarote danach benannt.
Wieder zurück in der Schweiz begannen unverzüglich die Planung zum Ausbau der TIMANFAYA. Der Schiffsarchiteckt, selber auch Grieche, änderte die bereits bestehenden Pläne der Segelyacht nach den Bedürfnissen von Christian Schär. Nach über zwei Jahren Projektierung und Vorbereitung wurde im Mai 1997 mit dem Ausbau der Segelyacht am Mittelmeer in Griechenland begonnen.
Im Mai 1997 startete in Vari am Mittelmeer bei Athen die erste Ausbauphase. Einbau des Motors und der Steueranlage. Einbau der Luken und Fenster. Änderungen bzw. erstellen des Arbeitscockpits.
Leider folgte eine böse Überraschung, der Kiel der TIMANFAYA war verrottet. Also musste der gesamte alte Kiel abgeschnitten werden und ein komplett neuer Kiel zusammen geschweisst werden. Mit der Motorsäge wurde der gesamte Bleiballast (rund 14 Tonnen) in einzelne Stücke geschnitten und anschliessend in flüssiger Form in kleinen Mengen wieder in den neuen Kiel gegossen.
Da es nun schon Herbst war und durch die Geschichte des Kiels einiges an Rückstand auf Fahrplan zustande gekommen war, galt es nun im Winter 1997/98 die verlorene Zeit soweit möglich aufzuholen.
Im Frühling 1998 wurde der provisorische Innenausbau erstellt, sowie die Segel in Hongkong bestellt. Auf Deck wurden nun die Winschen etc. provisorisch montiert. Mittlerweile wurde aus England der Mast (zwei Teile a je ca. 13 Meter), Grossbaum und Spibäume ans Mittelmeer geliefert. Nun war die Segelyacht soweit bereit, um den Transport in die Kalamaki-Marina zu organisieren. Am 27.5.1998 wurde TIMANFAYA auf einen Tieflader verladen um ihre Reise ans Wasser beim Mittelmeer anzutreten.
Zum Glück übernahm der Gastgeber die gesamte Organisation des Transports, galt es doch entsprechende Bewilligenden einzuholen. Es war sogar nötig den Strom von einzelnen Quartieren abzuschalten, da diverse Stromleitungen angehoben werden mussten, damit die Segelyacht TIMANFAYA genügend Platz hatte um sich im Schneckentempo in Richtung Marina ans Mittelmeer zu bewegen.
Aus England kamen nun für rund 14-Tage zwei Spezialisten des Mastherstellers und riggten den Mast auf. Nun galt es, alles weitere vorzubereiten, damit die TIMANFAYA so bald wie möglich gewassert werden konnte. Am 19.6.1998 um 9:00 Uhr war es endlich soweit. Die Segelyacht TIMANFAYA wurde im Mittelmeer eingewassert!
Nun kamen die bangen Momente, ist alles dicht? Ja mit Ausnahme eines Seeventila, welches wir jedoch dichten konnten, schwamm die Segelyacht TIMANFAYA wie erwartet. Es galt nun die restlichen Vorbereitungen zu erledigen und die erste Probefahrt unter Motor zu absolvieren.
Und schon kam unsere erste Crew in Athen an, um uns beim Überführungs-Segeltörn durch das Mittelmeer nach Südfrankreich zu helfen. Da die Segel aus Hongkong leider etwas Verspätung hatten, verzögerte sich das Auslaufen in Athen noch um einzelne Tage. Nachdem jedoch die Zollformalitäten für die Segel erledigt waren, galt es den Gastgebern in Athen Abschied zu nehmen.
Juli 1998 Rohbau-Überführungstörn nach Südfrankreich.
Nachdem die Segel angeschlagen waren und entsprechende Vorräte verstaut wurden, konnten wir am 1. Juli 1998 in See stechen. In der ersten Bucht wurde provisorisch der Name TIMANFAYA auf das Heck gepinselt. Wir segelten südlich um den Peleponnes, weiter durch die südliche Adria entlang der Südseite von Italien. Ja und da kamen wir das erste Mal in einen Sturm, wir konnten unseren Kurs nicht mehr halten und mussten vor dem Sturm ablaufen. Im noch leeren Rumpf der Segelyacht TIMANFAYA wurde es recht ungemütlich und laut. Es waren die ersten bangen Minuten. Hält alles? Sind die Schweissnähte, insbesondere am Kiel in Ordnung? Ja es hielt alles, ausser einigen kleinen Kratzern am Grossbaum nach einer Patenthalse, überstand die Segelyacht TIMANFAYA den ersten Sturm auf dem Überführungs-Segeltörn im Mittelmeer unbeschadet.
Wie geplant kam die Segelyacht TIMANFAYA am 11. Juli 1898 in Siracusa auf Sizilen an.Von dort ging es wenn auch mit etwas wenig Wind und zeitweise dichtem Seenebel weiter auf dem Überführungs-Segeltörn via Sardinien nach Südfrankreich.
Hier auf dem grossen Werftgelände in Port-St-Louis (südlich von Arles im Rohnedelta am Mittelmeer) war die erste Reise unserer TIMANFAYA leider schon wieder zu Ende. Die Segel wurden abgeschlagen und für längere Zeit verstaut. Als nächstes galt es TIMANFAYA wieder aus dem Wasser zu holen.
August 1998
Nach einer wohlverdienten kurzen Pause, galt es nun alle provisorisch montierten Decksbeschläge, Winschen und Luken wieder zu demontieren, damit das Äussere der Segelyacht TIMANFAYA grundiert und gestrichen werden konnte. In den folgenden Monaten wurde das Heck abgeändert, und mit dem Innenausbau begonnen.
Frühling 1999
Aussen ist TIMANFAYA nun nahezu fertig. Die Decksbeschläge, Luken und Winschen sind nun wieder montiert. Auch der Innenausbau ist weit vorangeschritten, die Eignerkabine im Bug ist fertig, so dass das Leben an Bord wieder möglich wurde.
Bis Winter 2000/2001
Vom Bug in Richtung Heck wird nun der Innenausbau vorangetrieben. Viele kleine Details werden nun ausgeführt und das Innenleben von TIMANFAYA nimmt langsam Gestalt an. Doch es gibt noch einiges zu tun.
Februar 2001
Nun ist TIMANFAYA soweit, dass man auf das Frühjahr 2001 mit den ersten Segeltörns zu planen beginnen kann. Doch noch immer liegt einiges an Arbeit vor uns. Das bereits Erreichte gibt uns nun die Kraft auch noch den Rest in Angriff zu nehmen.
31. Mai 2001
Stapellauf der fertig gebauten Segelyacht „SY/ TIMANFAYA“ in Port-St-Louis am Mittelmeer! Jungfernfahrt und erste Segeltörns mit Gästen.
1. Januar 2018
Die Segelyacht TIMANFAYA wird übernommen von Andrea Brönnimann und Boris Kulpe. Sie bleibt weiterhin beim SSC und wird eingesetzt für Segelreisen und Meilentörns.
2019 war die TIMANFAYA vom Mai bis Mitte Juli im Mittelmeer unterwegs und ist dann von Marseille über Gibraltar durch die Biskaya nach London und weiter nach Hamburg gesegelt. Von dort ist sie dann in ihr Winterlager nach Peenemünde überführt worden.
1. Januar 2019
Im Mai 2019 ist die TIMANFAYA wieder in Peenemünde gestartet und ist dann über Kiel und die Schwedische Ostseeküste durch die Schären nach Stockholm gesegelt. Von dort ging es weiter durch die Åland-Inseln nach Helsinki. Nach einer kurzen Pause segelte die TIMANFAYA weiter nach Tallinn, Riga, Gotland und Kopenhagen. Von dort ging die Reise über Bergen nach Bodø und weiter durch die Lofoten nach Tromsø. In Tromsø hatte sie dann ihren nördlichsten Punkt erreicht. Von dort ging es wieder zurück über Bergen, Göteborg und Kiel zurück nach Peenemünde
28. Oktober 2019
Derzeit befindet sich die TIMANFAYA wieder im Winterlager in Peenemünde. Dort wird sie für die Saison 2020 vorbereitet. Es stehen einige Arbeiten an. Das Unterwasserschiff bekommt neues Antifouling, Die Wellenanlage bekommt u.a. neue Lager, die beiden Vorsegel wollen unbedingt mal zu Segelmacher und auch sonst hat es noch einige kleine Reparaturen.