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Für den offenen Wettbewerb
Konkurrenz ist für die öffentliche Hand gesetzlich vorgeschrieben. Dies bedeutet mehr Wettbewerbsverfahren als früher. Doch sollte Quantität nicht gegen Qualität ausgespielt werden. Neu ist, dass die Verfahren stärker formalisiert sind. Aus rechtlicher Sicht gilt der Wettbewerb nicht als Lernprozess, sondern als Vergabeverfahren mit klar deklarierten, nicht veränderbaren Parametern und Beurteilungskriterien.
Der offene, einstufige Wettbewerb scheint heute nicht die Regel zu sein. In den letzten Jahren waren nur 30% bis 50% der vom SIA begutachteten Wettbewerbe offen und ein grosser Teil davon zweistufig. Hauptgrund für die Bevorzugung selektiver Verfahren ist die Angst vor der grossen Teilnehmerzahl. Die Invasion ausländischer Anbieter ist ausgeblieben. Neu bewegen sich die inländischen Anbieter mehr, wobei das Interesse Prestigeaufgaben vorbehalten vorwiegend regional bleibt. An den wenigen offenen Verfahren sind in Regionen, die mehrheitlich selektive Wettbewerbe veranstalten, die Teilnehmerzahlen entsprechend höher. Ein Problem, das sich von selbst regeln würde, wenn die Verfahren in allen Regionen mehrheitlich offen durchgeführt würden.
Für selektive Verfahren werden oft wirtschaftliche Argumente angeführt, wobei der Wettbewerb mit Anforderungen befrachtet wird, die für die Beurteilung eines Projektes nicht massgebend sind. Wirtschaftspolitisch sinnvoller wäre es, weiterhin Konzepte statt immer detaillierter ausgearbeitete Projekte anzufordern und einstufige statt mehrstufige Verfahren durchzuführen. Die vertiefte Ausarbeitung eines Projekts ist nicht Gegenstand des Wettbewerbs, sondern des Folgeauftrags. Wettbewerbe sind nicht nur Vergabeverfahren, sondern auch Akquisition.
Selektive Verfahren setzen eine Präqualifikation voraus und geben immer Anlass zu Unzufriedenheit und Ärger. Seitens der Teilnehmer werden sie als Verhinderung des Marktzugangs empfunden. Präqualifikation rechtfertigt sich nur dann, wenn komplexe Aufgaben spezifisches Wissen oder Kostengarantien verlangen. Bei normalen Architekturaufgaben ist sie willkürlich, (auch bewährte Fachleute können unbefriedigende Lösungen vorschlagen), kostspielig (auch Referenzen müssen durch die Jury bewertet werden) und rekursanfällig. Im Gegensatz zur projektbezogenen Selektion dem Wettbewerb selber findet die Selektion mittels Referenzen kaum Akzeptanz bei den Architekten.
Normale Projektaufgaben, was die Mehrheit der Wettbewerbsaufgaben sind, lassen sich am zweckmässigsten und kostengünstigsten in einstufigen Verfahren beurteilen. Mehrstufigkeit ist nur begründbar, wenn die Aufgabe dies verlangt. Offene Verfahren vermeiden Privilegierungen wie Diskriminierungen. Sie fördern den Nachwuchs, ohne erfahrene Fachleute, die zufällig keine Referenzen für die gestellte Aufgabe vorweisen können, zu benachteiligen.
Im Sinne der Marktwirtschaft und der internationalen Abkommen wäre die Öffnung des Markts und nicht die Einschränkung der Anbieter zu fördern.
Regina Gonthier Vizepräsidentin der SIA-Kommission für Architektu- und Ingenieurwettbewerbe führt mit Alain Gonthier ein Architekturbüro in Bern