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Gründungsdatum: Juni 1937
Fläche: 30.000 Hektar
Ökosystem: Atlantischer Regenwald
Relief: Bergig, mit steilen Felswänden, mit Höhen zwischen 700 und 2.791 Metern
Aktivitäten: Wanderungen, Klettern, Rappel, Birdwatching, photographisches Trekking und Umwelterziehung.
Orte: Bundesstaat Rio de Janeiro – Munizipien Engenheiro Passos, Itatiaia und Resende
Bundesstaat Minas Gerais, Bocaina de Minas und Itamonte.
Dies ist der erste Nationalpark Brasiliens. Er wurde in einer Gebirgsregion geschaffen, welche den höchsten Berg der Serra da Mantiqueira einbegreift, den Pico das Agulhas Negras – der Fünfte unter den höchsten Gipfeln des Landes – an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Rio de Janeiro, Minas Gerais und São Paulo.
Dieses Gebiet war schon immer ein Mittelpunkt der Forschung, zahlreiche brasilianische und auch ausländische Naturwissenschaftler haben es besucht, darunter auch Auguste de Saint-Hillaire im Jahr 1822. Heute wird der Park besonders von Adepten des Klettersports, aber auch von Naturliebhabern aller Art besucht.
Es wird berichtet, dass sich am Anfang des 20. Jahrhunderts eine Gruppe von Siedlern im Auftrag der Regierung dort niederliess, um den Boden zu bearbeiten, der einst dem Visconde von Mauá, Irineu Evangelista de Souza, gehört hatte – aber wegen verschiedener Probleme jener Zeit ging das Projekt nicht voran. Deshalb verwandelte man 1927 das gesamte Gebiet in eine “Estação Biológica“ (Bilogisches Reservat), welches dem Botanischen Garten in Rio de Janeiro unterstellt war. 1937 unterzeichnete der damalige brasilianische Präsident Getúlio Vargas einen offiziellen Erlass, der dasselbe Gebiet zum Nationalpark erklärte – mit einer Fläche von 12.000 Hektar. Ab 1982 wurde dann diese Fläche auf 30.000 Hektar erweitert.
Der Park ist in zwei unterschiedliche Zonen unterteilt: der Atlantische Regenwald mit zahlreichen, Jahrhunderte alten Bäumen, der den ebenen Teil bedeckt, und ein gebirgiges Relief mit Berggipfeln und Felswänden, auf seinem höher gelegenen Teil. Die Gipfel reichen von 700 bis zu 2.791 Metern – hier entspringen die höchst gelegenen Quellen des Landes, die zahlreiche Wasserfälle und Natur-Pools auf ihrem Weg ins Tal bilden. Ein wunderbares Gebiet für lange Wanderungen inmitten einer Natur von einzigartiger Schönheit.
Im höher gelegenen Teil sind die dunklen, spitz in den Himmel ragenden Felsnadeln eine stetige Herausforderung für Kletterer und Abenteurer. Ein unvergessenes Beispiel gab die Prinzessin Isabel, die sich entschloss, inspiriert von dem grossartigen Szenario, als erste Frau den Pico das Agulhas Negras zu ersteigen.
Der Park ist in verschiedenen Höhen bedeckt von einer Vegetation, die einem primitiven Ökosystem entstammt. Seine Flora ist charakteristisch und teilweise einzigartig, besonders auf dem so genannten “Planalto de Itatiaia“, wo sich eine expressive Anzahl von endemischen Pflanzen findet. Man hat 163 Arten registriert, davon existieren 94 exklusiv auf dem höchsten Teil dieser Hochebene. Die Wissenschaftler unterscheiden drei dominierende vegetative Formen im Park:
In der Südregion – auf Höhen zwischen 600 bis 1.800m – vorherrschend Atlantischer Regenwald an den Hängen. Bemerkenswert die Baumriesen: Quaresmeira (Tibouchina granulosa), Fedegoso (Cassia occidentalis), Imbaúba (Cecropia peltata), Jequitibá (Cariniana legalis oder Cariniana estrellensis), Cedro (Zedern) und der Jacarandá-caviúna (Dalbergia nigra).
“Campos de Altitude“ – ab 1.600 Meter – sie entwickeln sich in den unebensten Zonen der Hochebene, wo die ambientalen Bedingungen eine Entwicklung von Bäumen verhindern und sich stattdessen eine buschartige Vegetation entwickelt, dazwischen die Herbaceae und Briophyten, wie zum Beispiel die Moose. Eine Vegetation, die auch Bambus, Bromelien und Orchideen hervorbringt.
In der Nordregion – auf Höhen zwischen 1.500 und 2.000 Metern – an den Hängen und den Tälern der Flüsse Capivari, Aiuruoca, Grande und Preto – unterscheidet sich dieses Gebiet von dem südlichen Teil durch die Präsenz von Araukarien (Araucaria) und anderen Nadelbäumen. Hier trifft man auch auf Epiphyten (Aufsitzerpflanzen), Liquenes (Lichen – Flechten), Samambaias (Farne), Musgos (Moose) und Cactos (Kakteen).
Die Tierwelt des Parks ist etwas ganz Besonderes. Viele endemische Arten – so wie bei den Pflanzen. Die repräsentativste Gruppe bilden die Insekten. Man schätzt, dass es zirka 5.000 Spezies in der Itatiaia-Gegend gibt (zirka 90 davon kommen nur in gewisser Höhe des Parks vor). Die Parkebene ist reich an Säugetieren, denn der dichte Wald gibt ihnen Deckung – hier sind heimisch: Caxinguelês (Sciurus aestuans), Pacas (Cuniculus paca), Macacos (Affen), Preguiças (Faultiere) und Quatis (Nasenbären). Die Vielfalt der Vogelarten beeindruckt. Besonders die Vielzahl der Kolibris zieht sofort die Blicke der Besucher auf sich. Daneben entdeckt man Tucanos, Pombas-amargosas (Zenaida auriculata), Gaviões (Adler) und Maritacas (Pionus maximiliani).
Trotz aller Aggressionen, die sie in ihrer Umwelt erlitten, gibt es Spezies, die sich ins Innere des Parks geflüchtet haben, besonders auf die “Campos de Altitude“ – unter ihnen: Tatu-canatra (Priodontes maximus – Gürteltier), Tamanduá-bandeira (Myrmecophaga tridactyla – Grosser Ameisenbär) und Gavião-real (Harpia). Die Fauna der Amphibien ist besonders interessant und artenreich. Im Park sind 64 Frosch-, Kröten- und Laubfroscharten registriert, 24 davon verteilt auf die Täler der Hochebenenvegetation. Unter den vielen Arten ist besonders bemerkenswert: der Sapo-flamenguinho (Melanophryniscus moreirae) – mit schwarzem Rücken und rotem Bauch (die Farben des schwarz-roten Flamengo-Clubs).
Im Gebiet des “Planalto“ (der Hochebene) ist der Winter hart – die Temperatur kann bis auf –15°C fallen, dann vereisen die Bäche und kleineren Seen – gelegentlich fällt auch Schnee, wie zum Beispiel im Jahr 1985. In diesem Jahr zog Itatiaia einen Besucherstrom an, Menschen, die ein solches Phänomen wie diesen Schnee im Südosten Brasiliens, unbedingt erleben wollten. Der Monat Januar ist der wärmste Monat des Jahres, mit einer Durchschnittstemperatur von 13°C, und der Juli ist der kälteste Monat, mit einem mittleren Wert von 8°C – in den höheren Regionen werden häufig Temperaturen unter Null gemessen. Die regenreichste Zeit fällt auf den Monat Januar, ausserdem regnet es häufig zwischen Oktober und April.
Das Besucher-Zentrum
Es enthält auch ein Museum und befindet sich im unteren Abschnitt des Parks. Hier kann man eine grosse Sammlung von wissenschaftlichem Wert mit Beispielen der Fauna, Flora und der Geologie ansehen – zum grössten Teil Typisches aus dieser Region. Das Museum verfügt ausserdem über eine technisch-wissenschaftliche Bibliothek.
Cachoeira Poranga
In der Tupi-Indianersprache bedeutet “poranga“ Schönheit – und das gibt dem Besucher bereits einen Hinweis auf das besondere Spektakel dieses Wasserfalls. Er hat 10 Meter Höhe und stürzt in einen Natur-Pool von zirka 30 Metern Durchmesser. Wunderbar zum Baden!
Lago Azul
Der Blaue See ist eine Verbreiterung des Rio Campo Belo – der beste Platz für ein sicheres Bad im Fluss. Man entdeckt rundherum auch Grillplätze, die benutzt werden können, wenn man das Picknick bei der Parkadministratioin vorher anmeldet. Prima Wahl!
Piscina Natural do Maromba
In 1.100 Metern Höhe befindet sich dieser Natur-Pool, geformt von einem ruhigen Fluss. Wenn man sich traut, kann man hier ein Bad im eiskalten Wasser geniessen.
Cachoeira Véu da Noiva
Am Ende eines rustikalen Wanderpfades von 400 Metern kommt der Corrego Maromba in Sicht, der abrupt in eine Schlucht stürzt und so einen herrlichen Wasserfall von 40 Metern Höhe formt – fein wie ein Brautschleier – daher der Name – ein Postkartenmotiv des Parks.
Drei Bergspitzen
Sie liegen am Ende eines 6 Kilometer langen Trails durch den Atlantischen Regenwald, in 1.662 Meter Höhe. Dem Besucher eröffnen sie eine herrliche Aussicht auf das Tal des Paraíba-Flusses und die Ausläufer der Serra da Mantiqueira. Die Wanderung lohnt sich besonders wegen eines herrlich erfrischenden Bades im Wasserfall des Rio Bonito. Es empfiehlt sich die Begleitung eines lokalen Guides!
Mirante do Ultimo Adeus
Dieser Aussichtspunkt befindet sich in 2 Kilometer Entfernung vom Parkeingang in 780 Metern Höhe – mit asphaltierter Zufahrt. Von dort geniesst man eine herrliche Aussicht auf den Wald rund um den Rio Campo Belo. Dieser Fluss, der den Distrikt von Itatiaia mit Wasser versorgt, hat kristallklares Wasser.
Pico das Agulhas Negras
Der fünfthöchste Berg Brasiliens befindet sich in der höchstgelegenen Region des Parks – er ist 2.791 Meter hoch. Eine Zufahrtsstrasse bis zum “Planalto“ endet in einer Höhe von 2.400 Metern. Ab der Raststätte “Abrigo Rebouças“ muss man zirka dreieinhalb Stunden zu Fuss wandern, bis man den Gipfel erreicht – der Pfad ist eine Mischung aus ebenen Teilstücken und ein bisschen Kletterei, zu der man in einigen Abschnitten auch Seile zur Absicherung braucht. Ein lokaler erfahrener Guide ist Pflicht!
Maciço das Prateleiras
Dieses Plateau, gebildet von immensen Felsblöcken in 2.548 Metern Höhe, ist in der Regel von Wolken umgeben. Von der Raststätte “Abrigo Rebouças“ aus wandert man zirka einundeinhalb Stunde bis zur Basis. Um den Gipfel zu erreichen, muss man schon ein bisschen Kletterfahrung mitbringen, um die zahlreichen engen Passagen zwischen den Felsen zu überwinden. Aber wenn Sie sich daran wagen wollen, sollten Sie ein Sicherungsseil mitbringen, um einen tiefen Einschnitt zwischen den Felsen – den berühmten “Katzensprung“ – sicher zu überwinden. Der Lohn für die Mühe ist ein unvergleichlich erhabener Panoramablick – inklusive aufs Tal des Rio Paraíba und die Serra da Bocaina. Die Begleitung eines Guides ist unerlässlich, besonders, wenn Sie vorhaben sollten, zum Gipfel zu gelangen.
- Es empfiehlt sich die Begleitung eines spezialisierten Führers – und benutzen Sie stets die markierten Wanderwege!
- Im Fall von Nebel halten Sie an und warten Sie auf eine bessere Sicht!
- Um Gipfel zu erklimmen, empfiehlt sich eine Bekleidung mit langer Hose, sowie langärmeligem Hemd, um Schrammen auf der Haut durch Kontakt mit der Felswand zu vermeiden!
- Tragen Sie Wanderstiefel oder komfortable, rutschfeste Turnschuhe!
- Gegen die starke Sonneneinstrahlung der Berge brauchen Sie einen Hut oder eine Schirmmütze – ausserdem Sonnencreme mit Schutzfilter!
- Auf längeren Wanderungen verbraucht Ihr Körper viel Wasser – nehmen Sie deshalb stets eine Flasche mit Wasser im Rucksack mit!
- Auch ein Lunch darf nicht fehlen – Früchte und Müsliriegel sind eine gute Option!
- Werfen Sie keine Zigarettenkippen auf den Boden – das Risiko eines Waldbrandes ist gross!
- Albern Sie nicht herum und machen Sie so wenig Lärm wie möglich, um die Tiere nicht zu erschrecken!
- Denken Sie daran: Der Park steht als Gesamtheit unter Naturschutz, deshalb nehmen Sie all Ihren Abfall wieder mit!