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Diese Woche kam Master Tian Li Yang aus Europa zurück. Er gab Seminare in Belgien, Frankreich und Deutschland. Vor seiner Ankunft wurde unsere Wǔguǎn noch zünftig auf Hochglanz (wenn man das so nennen kann...) gereinigt...
Er ist halt schon eine Respektsperson und wird an unserer Schule schon fast wie ein König behandelt. Wenn er zum Beispiel auf seinem „Thron“ in seinem nur für ihn, seine Familie und Gäste zugänglichen Raum sitzt und Tee wünscht, muss entweder seine Frau, oder einer der Schüler ihm die Tasse mit frischem Tee servieren. Als am letzten Mittwoch die Kinder vom Sommercamp die Form vorführen mussten, wurde ihm von der Jiào Liān und Nils, dem Meisterschüler, der „Thron“ (ein mächtiger Sessel aus Holz mit Schnitzereien) aus seinem Aufenthaltsraum in die grosse Halle getragen. Königlich sass er da, mit dem Fächer in der Hand, und beobachtete mit prüfenden Blicken und ernster Miene die Darbietungen.
Generell herrschen an den Schulen in China recht hierarchische Strukturen und ein Shīfu gilt als hohe Respektsperson, die eigentlich gar nichts mehr selber machen muss – ausser zu unterrichten. Der Respekt beginnt schon beim Begrüssen: Wir Schüler sprechen ihn mit Guǎn Zhǎng (Guǎn=Kungfu Schule – Zhang=Chef, soviel wie Schulleiter) an, während ihn unsere Jiào Liān und der Meisterschüler mit Shīfu (Meister) ansprechen. Also grüssen wir den Meister mit „Guǎn Zhǎng hǎo“ während ihn die Jiào Liān und der Shī Xiōng (älterer Bruder, Meisterschüler) mit „Shīfu hǎo“ grüssen; wobei niemand böse wird, wenn wir Wái Guórén (Ausländer) auch mal falsch grüssen; vor allem unser Guǎn Zhǎng, der viel in Europa gereist ist.
Beim Antrittsverlesen sprechen wir jeweils im Chor, aus voller Kehle, diesen Satz:
„Ké kŭ xŭn liàn
Lì zhì chéng cái
Dé yì shuāng xiū
Hóng yáng wŭ dāng“
was so viel heisst wie:
„Wir geloben gut zu trainieren
ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu sein,
Tugend und Geschicklichkeit zu entwickeln
und die Wudang-Tradition zu verbreiten“
Nach dem Training stehen wir erneut in Reih und Glied (schön der Grösse nach...) und sprechen dann im Chor die folgenden Sätze:
„Jiào Liān xīn kŭ“
(Lehrerin, wir haben hart gearbeitet)
und/oder:
„Guǎn Zhǎng xīn kŭ“
(Meister, wir haben hart gearbeitet)
Noch was betreffend Strammstehen:
Als die Kinder kürzlich nicht ordentlich stramm gestanden sind, mussten sie zur Strafe fast eine halbe Stunde gerade an der Wand stehen, ohne auch nur mit den Wimpern zu zucken.
Na, geht doch...!
Für uns Europäer sind diese Strukturen eher fremd, hier in China jedoch funktioniert es so und manchmal denke ich sogar, dass unserer Jugend ein bisschen Disziplin gar nicht so sehr schaden würde.
Ach ja, da war doch noch....
...das liebe Tierchen, das uns kürzlich nachts begegnete. Wie sich herausstellte, wäre ein Biss von ihr unter Umständen tödlich. Nils, unser Meisterschüler, konnte das Tierchen jedoch einfangen und hinter unserem Haus wieder in die Freiheit entlassen. Uuufff…. !