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Die Lee Familie gilt als die einflussreichste Familie Singapurs. Der asiatische Stadtstaat Singapur ist nur 728 Quadratkilometer gross und damit fünfundfünfzigmal kleiner als die Schweiz. Trotzdem gehört Singapur zu den grössten Exportnationen und Wirtschaften Asiens. Singapur ist eines der reichsten Länder der Welt. Zurzeit ist Singapur neben Hongkong und Shanghai der wichtigste Finanzplatz Asiens. Singapur gilt als eine der grössten Steueroasen der Welt und belegte 2020 den fünften Platz auf dem Schattenfinanzindex. Bis vor wenigen Jahren gab es noch ein Bankgeheimnis in Singapur, das inzwischen eingeschränkt wurde. Nach Angaben einer Offshore-Internetberatungsseite wird rund 5 Prozent des gesamten privaten Vermögens der Welt von Banken in Singapur verwaltet.
Die Stadt Singapur wurde 1819 vom britischen Kolonialverwalter Thomas Stamford Raffles gegründet, der auch die erste Verfassung entwarf. Er war 1812 den Freimaurern beigetreten (Quelle). Die Stadt wurde zu einem wichtigen Handelsstützpunkt der Briten und war ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine britische Kronkolonie. 1965 wurde Singapur unabhängig von Grossbritannien, aber gehört seither zu den Commonwealth-Staaten, die politisch eng mit Grossbritannien verbunden sind.
Lee Kuan Yew
Lee Kuan Yew (1923-2015) wurde 1959 der erste Premierminister des Landes. Er hatte das Amt bis 1990 inne und war anschliessend noch bis 2011 in der Politik aktiv. Unter seiner Führung wurde aus einem Entwicklungsland eines der weit entwickeltesten Länder Asiens. Er hatte in England studiert und seine Muttersprache war Englisch. (Quelle) Er war ein Unterstützer und Befürworter des Vietnamkrieges auf der Seite der Amerikaner. 1967 stammten 15 Prozent des Einkommens Singapurs aus US-Militärbeschaffungen für den Vietnamkrieg. Schon vor dem Vietnamkrieg machten die Militärstützpunkte der Briten 20 Prozent des Einkommens Singapurs aus und stellten viele Arbeitsplätze sicher. (Quelle) So betrachtet war der Kalte Krieg sehr wichtig für die Wirtschaft des Landes, was auch erklären könnte, warum Lee Kuan Yew ein starker Befürworter der militärischen Interventionen der USA in Asien war.
Lee Kuan Yew hatte viel Kontakt zur britischen Elite, die vor ihm über Singapur geherrscht hatte. Er wurde ein Freund der britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Die Freundschaft hielt sein Leben lang. (Quelle)
Lee Kuan Yew traf als langjähriger Premierminister viele Staatschefs, darunter mehrere US-Präsidenten. Auch nachdem er ab 1990 nicht mehr Premierminister war, traf er weiterhin Staatschefs. Er war Teil eines Freundeskreises, zu dem der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt sowie die US-Politiker Henry Kissinger und George Shultz gehörten (Quelle: 1:07:50 bis 1:08:12).
Lee Kuan Yew traf 1971 David Rockefeller, der einer der wichtigsten Akteure der US-amerikanischen Elite war (Quelle). Lee traf den langjährigen Papst Johannes Paul II. (Quelle). Er traf Mitglieder der britischen Königsfamilien (Fotos: 1, 2, 3, 4, 5). Er traf noch weitere Königsfamilien. Er erhielt Orden von den Königsfamilien von Grossbritannien, Japan, Brunei und Johor (Quelle).
Lee Kuan Yew war im internationalen Beirat von JPMorgan (grösste Bank der USA). Er war zur selben Zeit im internationalen Beirat wie Ratan Tata, André Desmarais, Mustafa Koç, Tony Blair, Henry Kissinger, Riley Bechtel und Martin Feldstein (Quelle). So gut wie alle internationalen Grossbanken haben sich in der Steueroase Singapur niedergelassen (Quelle). Lee war im internationalen Beirat des französischen Grosskonzerns Total (Quelle: 1 und 2). Total ist einer der weltweit grössten Öl- und Gaskonzerne und eines der grössten Unternehmen Frankreichs.
Lee Kuan Yew besuchte den Economic Club von New York und hielt dort eine Rede (Quelle). Der Club lädt erlesene Gäste zum Essen ein, um über Wirtschaft und Politik zu diskutieren. Bemerkenswerte Mitglieder wären Rockefeller, Botín, Roosevelt, Agnelli und Bush.
Pressefreiheit existiert nicht in Singapur. Alle Medien werden vom Staat gelenkt. Online-Nachrichtenportale werden überwacht und benötigen eine Lizenz vom Staat. Kritische Blogger und Journalisten werden mit Verleumdungsklagen oder Vorwürfen wie „Störung der öffentlichen Ordnung“ zum Schweigen gebracht. Lee Kuan Yew ging persönlich gegen kritische Journalisten vor. Auf der Rangliste der Länder nach Pressefreiheit liegt Singapur derzeit auf Platz 158 von 180.
Lee Kuan Yew war bis 1990 Premierminister. Ab da war Goh Chok Tong Premierminister und Lee war in dessen Kabinett. Tong gehörte genau wie Lee zur People’s Action Party, die bereits seit 1959 die Regierungspartei ist. Lee war massgeblich an der Gründung und der Etablierung der Partei beteiligt gewesen. Tong war noch bis 2004 Premierminister. Seither ist Lee Hsien Loong Premierminister. Er ist ein Sohn des ersten Premiers Lee Kuan Yew.
Lee Hsien Loong
Der derzeitige Premierminister Lee Hsien Loong (*1952) studierte in England und den USA. Er war auch Finanzminister und leitete sechs Jahre lang die singapurische Zentralbank. Er ist derzeit Vorsitzender des singapurischen Staatsfonds GIC. Die GIC ist einer der grössten Staatsfonds der Welt und verwaltet ein geschätztes Vermögen von 800 Milliarden US-Dollar (Stand: April 2022). Die GIC war 1981 von der singapurischen Regierung gegründet worden und wird bis heute von ihr kontrolliert.
In der Gründungszeit wurde die GIC von der Rothschild Bank beraten. Vertreter der Rothschild Bank trafen den damaligen Premierminister Lee Kuan Yew (Quelle). Goh Keng Swee, der ehemalige stellvertretende Premierminister von Singapur, leitete die singapurische Niederlassung der Rothschild Bank. Er leitete auch fünf Jahre lang die singapurische Zentralbank. (Quelle)
Lee Hsien Loong ist mit Ho Ching verheiratet. Sie studierte in den USA. Sie war von 2004 bis 2021 CEO der Temasek Holdings, ebenfalls einer der weltweit grössten Staatsfonds. Temasek verwaltet ein Vermögen von fast 500 Milliarden US-Dollar (Stand: September 2022). Somit verwaltete das Ehepaar zusammen über eine Billion US-Dollar. Temasek wird von der Regierung kontrolliert, die den Staatsfonds 1974 gegründet hatte.
Temasek ist mit einem Anteil von 29 Prozent Hauptaktionär der DBS Bank. Sie ist die grösste singapurische Bank und war 1968 von der Regierung gegründet worden. Wenn man die chinesischen und japanischen Grossbanken beiseitelässt, dann wäre die DBS Bank eine der grössten asiatischen Banken. Temasek kontrolliert noch weitere grosse Unternehmen in Singapur.
Bis vor wenigen Jahren investierte Temasek stark in China und war der grösste ausländische Investor chinesischer Banken. Temasek war mit 8 bis 10 Prozent Grossaktionär der ICBC, der Bank of China und der China Construction Bank, drei der vier grössten chinesischen Banken. Temasek war bis 2021 mit 16 Prozent Grossaktionär des chinesischen Grosskonzerns Alibaba.
Seit 2020 ist Temasek einer der Hauptaktionäre des US-amerikanischen Finanzkonzerns BlackRock, der grösste Vermögensverwalter der Welt. Der US-Amerikaner Laurence Fink, Gründer und Chef von BlackRock, gehört zum internationalen Beratungsgremium der singapurischen Zentralbank. (Stand: 12.10.2022)
Mitglieder aus der Führung von Temasek arbeiteten auch für Banken aus der westlichen Welt, wie Goldman Sachs, Credit Suisse, UBS, Citigroup, Bank of America, BNP Paribas, Morgan Stanley, Warburg Pincus und Alex Brown & Sons.
Der führende indische Wirtschaftsboss Ratan Tata war im internationalen Beirat von Temasek und der singapurischen Zentralbank (Quelle). Marcus Wallenberg aus der schwedischen Bankiersfamilie Wallenberg war im Vorstand von Temasek (Quelle).
Premierminister Lee Hsien Loong galt 2017 als der bestbezahlte Regierungschef der Welt. Sein Jahresgehalt liegt bei mehr als einer Million US-Dollar. (Quelle)
Lee Hsien Loong besuchte die Sun Valley Konferenz, eine jährlich stattfindende Medienkonferenz in den USA (Quelle). Zu den Teilnehmern gehören führende US-amerikanische Milliardäre und Manager, die sich vor allem auf den Bereich digitale Medien und Internet konzentrieren. Mehr dazu im Beitrag zur Sun Valley Konferenz.
Lee Hsien Loong gehört zum Weltwirtschaftsforum (WEF) (Quelle).
Lee Hsien Loong gilt wie sein Vater schon als einer der wichtigsten Verbündeten der USA im ostasiatischen Raum. Singapur hat einen Verteidigungspakt mit den USA (Quelle). Lee Hsien Loong traf viele Staatschefs. Er traf Mitglieder der Königsfamilien folgender Länder:
- Grossbritannien (Fotos: 1, 2, 3, 4)
- Spanien (Quelle)
- Niederlande (Fotos: 1 und 2)
- Liechtenstein (Quelle)
- Saudi-Arabien (Fotos: 1 und 2)
- Abu Dhabi (Foto)
- Katar (Foto)
- Kuwait (Quelle)
- Brunei (Foto)
- Kambodscha (Quelle)
Weitere bemerkenswerte Familienmitglieder
Lee Hsien Yang (*1957) ist der Bruder von Premierminister Lee Hsien Loong. Er studierte ebenfalls in England und den USA. Er war neun Jahre lang im Verwaltungsrat der ANZ (Australia and New Zealand Banking Group) (Quelle). Die ANZ ist eine der vier führenden australischen Grossbanken. Lee Hsien Yang war Direktor der Singapore Exchange (die singapurische Börse). Er war elf Jahre lang CEO von Singapore Telecommunications (Singtel). Der Telekommunikationskonzern ist eines der grössten singapurischen Unternehmen. Lee war im Verwaltungsrat des britischen Industrie- und Rüstungskonzerns Rolls-Royce. (Quelle) Sein Cousin Edmund Lee leitet die singapurische Abteilung der US-amerikanischen Grossbank JPMorgan (Quelle). Edmunds Vater Freddy Lee (starb 2012), der Bruder des ersten Premierministers Lee Kuan Yew, war als Börsenmakler tätig. Er verbrachte regelmässig Zeit mit seinen Enkelkindern, von denen drei in den USA leben (Quelle).
Lee Chin Koon (1903-1997), der Vater des ersten Premierministers Lee Kuan Yew, arbeitete für den britisch-niederländischen Öl- und Gaskonzern Shell, eines der grössten Unternehmen der Welt. (Shell ist mit den Familien Samuel, Nassau und Loudon verbunden). Lee Chin Koon war ein Vertrauter von Oei Tiong Ham und arbeitete für eines seiner Unternehmen. (Quelle) Der chinesisch-indonesische Unternehmer Oei gehörte zu den reichsten Männern Südostasiens und war ein erfolgreicher Opiumhändler.
Anmerkung: Ich geh aktiv gegen Urheberrechtsverletzungen vor.