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In der Aargauer Zeitung erschienen anfangs März Berichte, die sich mit der Aufnahme von CO2 durch Bäume beschäftigten.Mit dem Argument, dass die Bäume des Waldes durch die Aufnahme von CO2 wesentlich zur Verbesserung der Luftqualität beitragen, um Abgeltung dieser Leistung durch die Gemeinden. Als Biologe äussert sich Jürg Keller kritisch zu den angeregten Subventionen.
Holz ist eine CO2-Falle. Bäume bilden Holz mit Licht und dem Kohlendioxid der Luft. Solange das Holz als Möbel oder Chalet Holz bleiben kann, bleibt das CO2 darin gefangen. Beim Verbrennen wird es aber wieder freigesetzt.
Bäume wächsen in einer Kurve: einem langsamen Jugendstadium folgt eine stürmisches Mittelalter und eine Abflachung im Altersstadium. Das Alter von Bäumen ist artenabhängig: Bei Buchen liegt es etwa bei 100, bei Eichen bei 200 Jahren. Nach Erreichen dieses Alters produziert der Baum nur noch wenig Holz. Bäume dann länger stehen zu lassen, ist für Vögel und Insekten wünschbar, verbessert aber die CO2-Bilanz kaum mehr.
Ein Waldbau, der diesen Tatsachen Genüge leistet, muss also genügend Bäume in der mittleren Phase halten, Jungbäume in die Startphase bringen, und nur die ausgewachsenen Bäume ernten. Dies wird idealerweise mit dem Plenterwald erreicht. Alle Wachstumsphasen kleinräumig zusammen, ausgewachsene Bäume werden einzeln geerntet. Diese Methode hat die Zukunft für sich: Der Wald bleibt geschlossen und kann die zunehmende Sommerhitze und die ebenfalls zunehmenden Winterstürme besser abfangen.
Die Kosten für diesen Waldbau sind scheinbar hoch, weil sie sanftere Eingriffe verlangen. Anderseits sind die nötigen Maschinen viel billiger, die Pflegekosten können also netto durchaus geringer ausfallen. Zudem kann man das Baumsortiment kurzfristig der Klimaerwärmung anpassen.
Die Förster - unterstützt durch die Walbesitzer - bevorzugen aber den Plantagenbau. Dieser zielt auf eine grossflächige Ernte gleichaltriger (nach Möglichkeit auch gleichartiger) Bäume. Der Vorteil liegt in der maschinellen Pflegearbeit. Der Stolz jedes Waldbetriebes besteht in seinem schweren Gerät, seine Verhaltenskonstante aber im Jammern über den tiefen Holzpreis. Dass zwischen Defizit und schwerem Gerät ein Zusammenhang besteht, wird sei Jahrzehnten ausgeblendet. Mit teuren Maschinen wird munter ins unausweichliche Defizit gefahren.
Dem Klima nützt das Stehenlassen alter Bäume nichts. Wer die CO2-Bilanz verbessern will, muss für ein Gleichgewicht von anwachsenden Jungbäumen, Stämmen im besten Alter und erntereifen Altbäumen sorgen.
Wie bei der Waldinitiative sichtbar wurde: Der Forst möchte mehr Geld für die Finanzierung seiner Unbelehrbarkeit.
Jürg Keller, Rheinfelden