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20 Jahre lang war die Raumsonde unterwegs, jetzt hat «Cassini» seine Mission beendet und ist planmässig auf den Planeten Saturn abgestürzt. Die Sonde sendete ihre letzten Signale am frühen Nachmittag (MESZ) an das Nasa-Kontrollzentrum. Die US-Raumfahrtbehörde twitterte, Cassini sei nun Teil des Planeten, den es erforscht hatte.
Ein riesiger Gasplanet, umgeben von sieben grossen Ringen und mindestens 62 Monden – diese fremde Welt weit draussen im Sonnensystem war 13 Jahre lang Heimat der Saturnsonde «Cassini».
Am 14. September 2017 brachen die letzten Stunden der Mission an, die zu den erfolgreichsten der Raumfahrtgeschichte zählt. «Cassinis» letztes Flugmanöver begann laut NASA am Freitag um 10.37 Uhr Schweizer Zeit. Gegen 13.54 Uhr erwartete die amerikanische Raumfahrtbehörde via Radiowellen das letzte Signal von «Cassini» von rund 1500 Kilometern über den Wolken des Saturn, bevor die Sonde wie ein Meteor auseinander brechen würde.
Der Grund für «Cassinis» Ende ist Treibstoffmangel, denn nach fast 20 Jahren im All gehen der NASA-Sonde die Antriebsreserven aus. Im Oktober 1997 gestartet, erreichte «Cassini» mit der europäischen Landesonde «Huygens» huckepack Anfang Juli 2004 den Saturn. «Cassini/Huygens» hatte auch Schweizer Technik an Bord, beispielsweise wurde der Abkopplungsmechanismus, der die beiden trennte, von der Schweizer Firma Contraves Space gebaut.
• Die Sonde wiegt 12'600 Kilogramm, sie ist rund sieben Meter lang.
• 1997 startete «Cassini» Richtung Saturn, 2004 kam sie in dessen Umlaufbahn an.
• 27 Länder sind an der Mission beteiligt.
• 8 Milliarden Kilometer hat die Sonde ungefähr zurückgelegt und dabei 294 Mal den Saturn umrundet.
• 2,5 Millionen Befehle hat «Cassini» ausgeführt.
• 635 Gigabytes an wissenschaftlichen Daten hat die Sonde gesammelt und 453'048 Fotos gemacht.
• Daraus sind bislang 3984 wissenschaftliche Artikel entstanden.
• 2 Ozeane hat «Cassini» entdeckt.
• Bau und Betrieb der Sonde kosteten mehr als 3 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro).
Seit 2004 zog «Cassini» seine Bahnen durch das faszinierende Saturnsystem, entdeckte neue Ringe und Monde und enthüllte viele Geheimnisse des zweitgrössten Planeten im Sonnensystem.
Ein erster Paukenschlag der überaus erfolgreichen Planetenmission war im Januar 2005 die Landung von «Huygens» auf dem grössten Saturnmond Titan. Die Messdaten der nach dem niederländischen Astronomen Christian Huygens (1629 bis 1695) benannten und einer fliegenden Untertasse ähnelnden Landesonde offenbarten eine eisige Landschaft auf Titan mit riesigen Seen aus Methan in der Nähe der Pole.
In den Folgejahren erforschte die «Cassini»-Sonde, die den Namen des französischen Astronomen Giovanni Domenico Cassini (1625 bis 1712) trägt, nach und nach die geheimnisvolle Welt des Saturn. Dabei lieferte sie nicht nur beeindruckende Bilder der Saturnringe, sondern präsentierte den Wissenschaftlern auch völlig unerwartete Forschungsergebnisse: Zu «Cassinis» spektakulärsten Entdeckungen zählt der Nachweis eines unterirdischen flüssigen Ozeans auf dem kleinen Saturnmond Enceladus.
Die Existenz flüssigen Wassers nährte die Vermutung, dass Enceladus oder auch Titan günstige Bedingungen für das Entstehen von Leben bieten könnten. Laut dem Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) gaben diese Entdeckungen von «Cassini» auch den Ausschlag für das nun erfolgte spektakuläre Ende der Mission – also den kontrollierten Absturz der Sonde in die Saturnatmosphäre, den die NASA «Grand Finale» nennt.
Denn die Alternative, die Raumsonde mit den letzten Treibstoffreserven auf eine mehr oder weniger stabile Umlaufbahn um den Saturn zu bringen, berge ein entscheidendes Risiko, teilte das MPS jüngst mit: «Durch kleine Störungen könnte die Sonde im Laufe der Zeit vom Kurs abkommen, auf einen der Monde stürzen und diesen kontaminieren.»
Nach NASA-Angaben sei es nämlich durchaus denkbar, dass irdische Mikroben an Bord von «Cassini» die lange Reise durchs Weltall überlebt hätten. Der Sturzflug in den Gasplaneten biete somit die sicherste Möglichkeit einer «umweltschonenden» Entsorgung der Sonde, erklärte das MPS, an dem unter anderem ein Teilchendetektor von «Cassini» entwickelt wurde.
Vor dem Start von «Cassini» 1997 hatten Kritiker auf die Gefahr einer ganz anderen Kontamination hingewiesen – nicht durch Mikroben, sondern durch die mit radioaktivem Plutonium betriebenen Batterien an Bord der Sonde. Gegner der Mission befürchteten damals ein Unglück beim Start oder ein Verglühen von «Cassini» in der Erdatmosphäre bei einem späteren dichten Vorbeiflug der Sonde an unserem Planeten.
Doch die Mission verlief planmässig, und schon bald trat der Streit um das Plutonium hinter die wissenschaftlichen Ziele des «Cassini/Huygens»-Projekts zurück. Nach fast zwei Jahrzehnten hiess es nun am Freitag «Goodbye, Cassini».
(sda/afp)
Die Raumsonde «Cassini» war rund 20 Jahre lang unterwegs, um den Saturn und seine Monde zu erkunden.
Oktober 1997 - Die etwa 3,2 Milliarden US-Dollar teure amerikanisch-europäische Mission «Cassini-Huygens» startet zum zweitgrössten Planeten des Sonnensystems.
Juli 2004 - «Cassini-Huygens» erreicht die Umlaufbahn des Saturn und liefert spektakuläre Bilder. Erste von einer Reihe neuer Monde des Planeten werden entdeckt.
Januar 2005 - Die Sonde «Huygens» der Europäischen Weltraumorganisation ESA landet nach der Trennung vom Mutterschiff auf dem grössten Saturnmond Titan und erforscht die Atmosphäre und Oberfläche des Trabanten.
Juli 2005 - «Cassini» findet auf dem kleinen Saturnmond Enceladus Anzeichen für aktive Eisvulkane. Das Raumfahrzeug entdeckt über dem Südpol eine riesige Wolke von Wasserdampf, der anscheinend aus verdunstendem Eis entsteht.
März 2006 - Die Sonde stösst überraschend auf Wasservorräte auf Enceladus, die wie Geysire explodieren.
März 2008 - «Cassini» fliegt in nur 50 Kilometern an Enceladus vorbei und sendet spektakuläre Bilder von noch unerforschten Bereichen des Eismondes zur Erde.
März 2008 - US-Wissenschaftler haben nach einer Mitteilung der NASA Hinweise auf einen unterirdischen Ozean auf Titan gefunden. Sie werteten Radaraufnahmen aus, die «Cassini» bei Vorbeiflügen zwischen Oktober 2005 und Mai 2007 gemacht hatte.
Dezember 2009 - Die Hinweise verdichten sich, dass es auf Titan mit Flüssigkeit gefüllte Seen gibt. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt schliessen dies aus Spiegelungen, die sie entdeckt haben.
Dezember 2010 - Aufnahmen von der Oberfläche des Titan geben neue Hinweise auf Eisvulkane.
September 2015 - Unter dem Eispanzer von Enceladus schwappt ein globaler Ozean, schliessen Forscher aus Beobachtungen der Raumsonde.
April 2017 - «Cassini» absolviert erfolgreich ein erstes von 22 geplanten Manövern durch die Lücke zwischen Saturn und seinen Ringen – eine völlig unerforschte Zone.
Er ist «nur» rund 100 Lichtjahre von der Erde entfernt – in kosmischen Massstäben ist das gleich um die Ecke. Und TOI-700 d, wie der neuentdeckte Erdzwilling heisst, umkreist seine Sonne in der habitablen Zone. Das bedeutet, dass auf diesem Exoplaneten ein mildes, lebensfreundliches Klima herrschen könnte.
Gefunden hat den gut erdgrossen Planeten das TESS-Weltraumteleskop (Transiting Exoplanet Survey Satellite) der NASA. Es sucht seit April 2018 nach lebensfreundlichen Exoplaneten, die …