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Der deutsche Autokonzern Volkswagen hat nach Reuters-Informationen in Brasilien in den 1980er Jahren die eigenen Mitarbeiter und Gewerkschafter bespitzelt und die gesammelten Daten an die Militärdiktatur weitergegeben.
Überreicht wurden sensible Informationen über bevorstehende Lohnforderungen sowie Mitschriften von Gesprächen und Namen von Teilnehmern an Gewerkschaftsveranstaltungen, wie aus neu entdeckten Dokumenten hervorgeht, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte.
Auch der damalige Gewerkschaftsführer Luiz Inacio Lula da Silva, der später Präsident Brasiliens wurde, war Opfer der Bespitzelung.
Die Dokumente wurden kürzlich von der Nationalen Wahrheitskommission entdeckt, die im Auftrag von Präsidentin Dilma Rousseff Regierungsarchive durchforstet, um den Machtmissbrauch während der Zeit der Militärdiktatur in den Jahren 1964 bis 1985 zu untersuchen. Die Unterlagen zeigten mit aussergewöhnlicher Klarheit, wie Unterneh
VW versprach, allen Hinweisen nachzugehen und betont, das Unternehmen sehe sich als Vorbild bei der Aufarbeitung seiner Geschichte. Kein anderer grosser Konzern mit Niederlassungen in Brasilien habe sich bislang öffentlich zu solchen Untersuchungen verpflichtet, sagen auch Wissenschaftler
Die nun entdeckten Unterlagen weisen darauf hin, dass Volkswagen eigene Sicherheitsleute auf Gewerkschaftsversammlungen ansetzte. Der Konzern aus Wolfsburg, der seit 1953 in Brasilien aktiv ist, gab ausführliche Mitschriften von mehr als einem Dutzend Gewerkschaftstreffen im Raum Sao Paulo an die Militärs weiter.
Dabei wurden auch Pläne für Streiks sowie Forderungen nach Gehaltserhöhungen und besseren Arbeitsbedingungen weitergereicht. In einigen Fällen wurden die Namen von Arbeitern notiert, die an den Versammlungen teilnahmen. Auch die Marken und Nummernschilder ihrer Autos wurden festgehalten.
Die Spitzel gaben den Inhalt von Flugblättern weiter und die Namen jener, die sie vor den Werkstoren verteilten. Auch dass einige Mitarbeiter beim Marihuana-Rauchen erwischt wurden, wurde notiert.
Die bei Ausspähungen gewonnenen Informationen nutzten die Militärs, um Gewerkschafter zu beobachten und zu verunsichern. Ziel war, die Arbeiterschaft in Zaum zu halten. Die Diktatur setzte auf niedrige Löhne, um die Wirtschaft zu fördern - und betrachtete Streiks als kommunistische Bedrohung. Unzählige Unternehmen wurden damals zur Zusammenarbeit mit dem Militär gezwungen.
Welche Folgen die Enthüllungen für die Firmen haben, ist noch unklar. Die Unternehmen könnten mit Zivilklagen oder Reparationsforderungen konfrontiert sein, wenn ihnen Menschenrechtsverstösse nachgewiesen würden, meinen Staatsanwälte.
Andere Experten bezweifeln jedoch, dass die Beweise für Gerichtsverfahren ausreichen. Der wahre Wert der Untersuchung liege in der umfassenden Darstellung des Machtmissbrauchs in Brasiliens Vergangenheit und der Lehre, dass sich solch ein düsteres Kapitel nicht wiederholen dürfe. (wst/sda/Reuters)