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Für Teeliebhaber gehört die Tasse Tee am Morgen zum richtigen Start in den Tag einfach dazu. Viele Europäer greifen zur frühen Stunde vorzugsweise zu Schwarz- oder Grünteesorten, welche viel Koffein besitzen. Dadurch macht der morgendliche Tee wach und stellt einen adäquaten Ersatz für die von den meisten eher bevorzugte Tasse Kaffee dar. Besonders der aus Japan stammende Sencha, die weltweit beliebteste Grünteesorte, steht bei vielen Teetrinkern – auch hierzulande – hoch im Kurs. In erster Linie dürfte die besondere Form der Herstellung des Grüntees, welche ihm einen einzigartigen Geschmack verleiht, ursächlich für seine Beliebtheit sein. Das Wort Sencha besteht im Übrigen aus den zwei japanischen Silben „Sen“ und „Cha“, welche „Dampf“ und „Tee“ bedeuten. Erstere verrät sogar schon etwas über die Herstellung des beliebten Teegetränks.
Herkunft und Ursprung von Sencha-Tee
Japan ist bereits seit etwa 800 n. Chr. eine Teenation. Das ursprünglich aus China stammende Getränk wurde in dieser Zeit von buddhistischen Mönchen auf die Insel der Samurais gebracht. Die Kultivierung von Grüntee konnte in den kommenden Jahren in Japan vorangetrieben werden und so entwickelte sich dieser zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Der Konsum von grünem Tee war zu der Zeit allerdings der Adelsschicht vorbehalten. In den kommenden Jahrhunderten entwickelte sich in Japan eine regelrechte Teekultur. So wurden Teemeister ausgebildet, Teezeremonien abgehalten und die traditionelle Teeherstellung von einer Generation zur nächsten weitergegeben.
Von der ersten Kultivierung des „klassischen“ grünen Tees bis zum Sencha dauerte es allerdings noch fast 1.000 Jahre. Die geografisch isolierte Lage des Landes sowie innenpolitische Umstände, welche den Austausch mit dem Ausland verhinderten, sorgten dafür, dass sich die Teekultur auf der Insel unabhängig vom asiatischen Festland entwickelte. Nachdem die Isolation vor rund 400 Jahren langsam aufgebrochen wurde, brachten chinesische Mönche erneut ihr Wissen um die Teeherstellung in die japanische Kultur ein. [1]
Sencha-Tee: Herstellung und was ihn so besonders macht
Bis ins 17. Jahrhundert war es in Japan üblich, Teeblätter zu zermahlen und das Pulver mit Wasser aufzugießen. Angetrieben von dem Wissen rund um die Teeherstellung, welches die Mönche aus China mitbrachten, erfand der Teebauer Nagatani Soen 1738 ein neues und schonenderes Verfahren, welches bis heute bei der Herstellung von Sencha Anwendung findet.
Nach der Ernte werden die Teeblätter für ca. 30 Sekunden mit Dampf bearbeitet statt wie bisher geröstet, um die Oxidation zu unterbinden. Anschließend findet die Trocknung der Blätter unter heißer Luft statt. Geschmacklich unterscheidet sich Sencha damit deutlich von Tees, welche geröstet wurden. Ihm fehlt das klassische Röstaroma vieler chinesischer Teesorten und er besitzt einen leicht grasigen Geschmack.
Für Sencha werden die Teeblätter außerdem nicht mehr zermahlen, sondern als Ganzes gerollt und aufgegossen. Dies wirkt sich einerseits positiv auf den Geschmack, aber auch auf die Inhaltsstoffe aus. Des Weiteren werden viele Teesorten auf den Äckern beschattet, wohingegen Sencha unter direkter Sonneneinstrahlung angebaut wird. Durch diese Form des Anbaus wird der Grüntee deutlich herber und besitzt einen kräftigeren Geschmack als andere Teesorten. [2]
Die Zubereitung von Sencha
Sencha ist eine der Teesorten, bei der die Zubereitung besonders wichtig ist. Jeder kennt das Problem: Hat man den Teebeutel zu lange im Wasser gelassen, verändert sich der Geschmack des Aufgussgetränks. Dies gilt vor allem für verschiedenste Sorten Grüntee, allen voran aber für Sencha. Die Herstellerangaben zur Ziehzeit für reinen Sencha belaufen sich in der Regel auf ein bis zwei Minuten. Diese sollten eingehalten werden, ansonsten wird der Tee sehr bitter.
Außerdem werden für die Zubereitung von einem Liter Sencha ca. 15 bis 20 Gramm der Grünteeblätter benötigt. Wer seinen Tee gerne etwas milder trinkt, kann aber auch weniger verwenden. Die ideale Wassertemperatur für Sencha liegt bei 60 bis 80 Grad Celsius. Auch hier kann der Geschmack durch die Temperatur verändert werden. Desto herber der Tee sein sollte, umso heißer muss das Wasser sein.
Sencha-Tee und Koffein
Während die meisten Menschen hierzulande am Morgen eine Tasse frisch aufgebrühten Kaffee bevorzugen, wird in Japan überwiegend Sencha getrunken. Und das, obwohl das Land sogar eine ausgeprägte Kaffeekultur besitzt und mehr von der Röstbohne importiert als Italien.[3] Für die Beliebtheit des Sencha-Tees gibt es aber auch einen Grund: Sencha steht Kaffee in puncto Koffein in nichts nach und besitzt hiervon knapp 43 mg pro Tasse. Damit eignet sich der grüne Tee perfekt, um morgens wach zu werden. [4]
Gleichzeitig ist Sencha aber auch deutlich bekömmlicher als Kaffee. Grund hierfür ist die im Sencha enthaltene Aminosäure L-Teanin. Diese macht das Koffein verträglicher, weshalb Sencha vor allem für Menschen mit Magenproblemen eine Alternative zum Kaffee darstellt. Sencha ist deutlich magenschonender und greift die Magenschleimhäute nicht so stark an wie herkömmlicher Filterkaffee.
Sencha: Die Nährwerte
Das Nähstoffprofil grüner Tees wie Sencha ist sehr positiv zu bewerten. Auf der Hand liegt natürlich, dass Sencha als ungesüßter Tee keine Kalorien besitzt und daher deutlich gesünder ist als etwa Softdrinks. Ferner verfügt er aber auch über einige Vitamine und Mineralien, die hervorgehoben werden können. So liegt der Gehalt an Vitamin C mit 250 mg pro 100 g deutlich höher als bei vielen anderen Tees. Dadurch hat der Grüntee eine positive Wirkung auf das Immunsystem. Aber auch Vitamin A sowie einige B-Vitamine sind in relativ großen Mengen enthalten.[5] Des Weiteren ist ein hoher Gehalt an Eisen (38 mg auf 100 g Teeblätter) charakteristisch für grünen Tee im Allgemeinen, welcher damit vor allem für Vegetarier eine gute Eisenquelle darstellt.[6]
Sencha und Antioxidantien
In der Vergangenheit wurden grünem Tee immer wieder positive gesundheitliche Wirkungen zugesprochen. Dies gilt für Sencha ebenso wie für Matcha oder Gyokuro. Seit einigen Jahrzehnten haben sich Wissenschaftler daher vermehrt bemüht, herauszufinden, wie gesund grüner Tee tatsächlich ist. Im Zentrum der Forschung standen hier überwiegend die Vorbeugung von Krankheiten und die Wirkung auf den Blutkreislauf.
Durch zahlreiche wissenschaftliche Studien konnte so gezeigt werden, dass grüner Tee hohe Mengen an Antioxidantien besitzt. Antioxidantien wirken auf verschiedenste Weise im Körper. So helfen sie nicht nur Alterungsprozesse zu verlangsamen[7], sondern auch Herz-Kreislauf-Krankheiten[8] vorzubeugen und freie Radikale einzufangen. Durch Letzteres unterstützen sie den Körper dabei, ungesundes Zellwachstum zu verhindern und können auf diese Weise vor Krebs schützen.[9] Aber auch wenn in der Alternativmedizin teilweise heute noch behauptet wird, man könne mit grünem Tee Krebs sogar heilen, so muss man an dieser Stelle festhalten, dass diese Aussage wissenschaftlich nicht haltbar ist.
Zumindest aber für die vorbeugende Wirkung gegen Krebs aufgrund der im Sencha enthaltenen Antioxidantien spricht nach der bisherigen Studienlage jedoch einiges. Den genauen Wirkungsmechanismus im menschlichen Körper versucht die Wissenschaft allerdings weiterhin zu entschlüsseln. Anzunehmen ist, dass Catechine beziehungsweise EGCG an den Prozessen maßgeblich beteiligt sind. Die vorhandenen wissenschaftlichen Studien beziehen sich allerdings allesamt auf Grüntee an sich. Für Pulver, die als Nahrungsergänzung vertrieben werden, konnten derartige Nachweise nicht erbracht werden.
Wirkung und Geschmack machen Sencha so beliebt
Es gibt einige Gründe, warum viele Teetrinker Sencha anderen Sorten Grüntee vorziehen. Für die meisten dürften es einfach der Geschmack sowie der Koffeingehalt sein, welche den Tee zu einer leckeren und bekömmlicheren Alternative zu Kaffee machen. Aber auch die gesundheitlichen Aspekte aufgrund der enthaltenen Nährstoffe und Antioxidantien werden viele Teetrinker überzeugen. Wer noch keinen Sencha getrunken hat, dem sei ans Herz gelegt, dies nachzuholen. Geschmacklich setzt sich der Tee aufgrund seiner Herstellung auf jeden Fall von vielen anderen Teesorten ab und ist eine Kostprobe wert.
[9] Katiyar SK, Mukhtar H. Tea (1997): „Antioxidants in cancer chemoprevention.“ J Cell Biochem Suppl 1997;27:59-67.