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Die interkulturelle Gesellschaft, in der wir bereits leben, möchten Al-Qasar in ihrem neuen Album abbilden. Die Band bildete sich um den Musiker Thomas Attar Bellier, der immer wieder in fluiden Formen mit Freund*innen zusammengearbeitet hat, bis sich dann eine feste Konstellation, Al-Qasar, daraus ergab. Die Mitglieder bringen verschiedene musikalische Hintergründe mit. Ein wichtiger Bestandteil sind traditionelle Elemente aus dem maghrebinischen Teil Nordafrikas. Im Gegensatz zum ersten Album "Miraj" tauchen auf "Who are we?" zahlreiche Featurings auf.
Darunter sind einerseits die Musiker Lee Ranaldo und Jello Biafra, beides amerikanische Rockmusiker, die ihre strengsten Zeiten bereits hinter sich haben. Ihr Beitrag sind leicht psychedelische E-Gitarren Klänge, welche sich bekanntlich gut mit der arabischen Tonleiter vermischen lassen. Jello Biafra kann Mensch im Track "Ya Malak" auch sprechen hören, es ist der einzige Textteil im Album, der Englisch und nicht Arabisch gesprochen ist. Diesem Teil ist auch der Titel "Who are we?" entnommen, der eigentlich aus einem arabischen Gedicht stammt. In diesem Kontext lässt sich Jello Biafra die Chance nicht entgehen, mittels der Fragen, who are we und who are they, die globale White Supremacy anzuklagen.
Das Album kann als ein Aufruf, zur Begegnung auf Augenhöhe verstanden werden
Dies zeigt auch das Album-Cover, zwei Menschen, die sich anschauen und zusammen einen Spiegel halten.
Auf der anderen Seite der spannenden Featurings stehen alles Personen, die ein virtuoses musikalisches Wissen mitbringen. Beispielsweise die Sängerin Hend Elrawy, die den traditionellen Gesängen nomadischer Kulturen in Ägypten gern sehr nahe bleibt. Für sie ist der Gesang in der Muttersprache, mit gewisser kultureller Treue, ein Zeichen dafür, nicht mit dem Mainstream mitzugehen.
Mehdi Haddab ist der sogenannte Jimi Hendrix der E-Saz, einer Art elektronsichen Laute. Der Musiker lebt heute in Paris und bespielt im Lied Barbès Barbès die gleichnamigen Stadtviertel, wo auch die Band Al-Qasar zuhause ist. Mit der Sängerin Alsarah kann sich zum Glück noch eine feministische FINTA-Stimme mehr auf dem Album manifestieren. Der Text, den sie im Track Hobek Thawrak singt, erzählt von einer Revolution in ihrem Heimatland, verschachtelt in arabische Liebeslyrik.
Das Album ist bemerkenswert konsequent in einer Hinsicht; die real-utopische Vorstellung der Interkulturalität wird auf der einen Seite musikalisch geschickt umgesetzt und erhält andrerseits, mittels Texte und Titel, auch inhaltliches Gewicht. Es werden verschiedene Perspektiven auf Augenhöhe gezeigt, wie es das Cover verspricht.
Playlist:
Al-Qasar, Hend Elrawy – Mal Wa Jamal
Al-Qasar – Benzine
Al-Qasar, Mehdi Haddab – Barbès Barbès
Al-Qasar – Sham System
Al-Qasar, Alsarah – Hobek Thawrat
Al-Qasar, Jello Biafra – Ya Malak
Al-Qasar, Lee Ranaldo – Awal
Al-Qasar – Selma
Al-Qasar, Lee Ranaldo – Awtar Al Sharq