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Eine tägliche Sonnenexposition von 1 bis 2 Stunden geht im Vergleich zu 30 Minuten oder weniger mit einem 7,4-fach gesenkten Risiko für pädiatrische Multiple Sklerose (MS) einher.
Der Frühling kommt und wir freuen uns auf mehr Sonne und längere Tage. Zwei passende Studien, die kürzlich anlässlich des virtuellen Kongresses des ACTRIMS (Americas Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis) vom 25.–27. Feburar 2021 präsentiert wurden, finden Sie hier zusammengefasst.
Wenig Sonnenlicht, Exposition gegenüber ultraviolettem Licht und Vitamin D sind bekannte modifizierbare Risikofaktoren für MS bei Erwachsenen. Etwa 5 % der MS‑Erkrankten sind unter 18 Jahren alt. Für diese Population ist die Evidenzlage deutlich dünner.
Die erste Studie zum Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und der Entwicklung pädiatrischer MS untersuchte 332 MS-Patienten zwischen 4 und 22 Jahren aus 16 MS‑Zentren in verschiedenen Regionen der USA. Die Kontrollgruppe bestand aus 534 alters- und geschlechtsgematchten Teilnehmern ohne MS. Nach Korrektur für Faktoren wie Alter, Geschlecht, Jahreszeit zur Geburt, Hautfarbe, mütterliches Bildungsniveau, Rauchen, Übergewicht und EBV-Infektion hatten Kinder, die häufiger der Sonne ausgesetzt waren, ein wesentlich geringeres Risiko, an pädiatrischer MS zu erkranken.
"Um die MS-Inzidenz zu senken, sollten Eltern dazu angehalten werden, ihre Kinder wenigstens 30 Minuten pro Tag draußen in der Sonne verbringen zu lassen" ...führt Erstautor Prince Sebastian, von der Australian National University, Canberra, aus. "Dies ist insbesondere wichtig für Kinder mit einer positiven Familienanamnese für MS."
Der Einsatz von Sonnenschutz schien das Risiko nicht zu beeinträchtigen. "Man kann adäquaten Sonnenschutz verwenden und dennoch in die Vorzüge der Sonnenexposition hinsichtlich des MS-Risikos kommen." Die Forscher hatten erwartet, dass eine stärkere Anwendung von Sonnenschutz die effektive Sonnenexposition limitieren und damit das MS-Risiko erhöhen würde. Aber ein solcher Effekt war nicht evident, wahrscheinlich weil Personen, die Sonnenschutz benutzen, ohnehin mehr Sonne abbekommen.
In der 'EnvIMS'-Studie aus 20181 etwa (n = 6.279) ging die niedrigste Sonnenexposition mit einem um fast 50 % erhöhten Risiko gegenüber denjenigen mit der höchsten Sonnenexposition einher. Im Gegensatz zur aktuellen Studie war hier allerdings ein Effekt von Sonnenschutz evident.
Eine Limitation der aktuellen Studie besteht darin, dass nur die selbstberichtete Zeit an der Sonne über den letzten Sommer hinweg erfasst wurde und beispielsweise Daten zur Supplementierung mit Vitamin D fehlten.2 Dennoch tragen beide Studien zu einer wachsenden Evidenzlage bei, die nahelegt, dass Sonnenexposition im Hinblick auf MS vorteilhaft ist.
Zu diesem Thema wurden anlässlich des Kongresses auch neue Daten für erwachsene MS-Patienten präsentiert. Aus früheren Untersuchungen ist eine Bedeutung einer Vitamin D-Defizienz für die Entwicklung von MS, aber auch für die Krankheitsaktivität und -progression, bekannt. Kognitive Beeinträchtigung und insbesondere verlangsamte Informationsverarbeitung sind ebenfalls eine häufige Komplikation einer MS. Auch hierzu gibt es Hinweise für die Rolle einer Hypovitaminose.
In einer aktuell vorgestellten Studie aus Italien (n = 80) korrelierten erniedrigte Vitamin D‑Spiegel (< 30 ng/ml) signifikant mit verschlechterter Kognition und den im SDMT (Symbol Digit Modalities Test) erreichten Punktzahlen.
Dies passt zu den Ergebnissen der im vergangenen Jahr veröffentlichten 'BENEFIT'-Studie, die 278 MS-Patienten länger gefolgt war. Hier war ein um 20 ng/ml höherer mittlerer Vitamin-D-Spiegel in den ersten 2 Jahren der Studie mit einer um 65 % geringeren Wahrscheinlichkeit einer schlechten Leistung im PASAT (Paced Auditory Serial Addition Test) nach 11 Jahren verbunden.
Die Erstautorin der italienischen Arbeit, Dr. Eleonora Virgilio, vom MS-Zentrum der Universität des Östlichen Piemont, sagt: "Die möglichen Auswirkungen von Vitamin D auf sowohl Kognition als auch auf frühe Behinderung bei neu diagnostizierten MS‑Patienten sollten weiter untersucht werden, denn diese Assoziation könnte einen Marker für zukünftige Behinderung darstellen, was für die Notwendigkeit einer unverzüglichen Supplementierung spräche."3 Über einen Nachbeobachtungszeitraum von zwei Jahren berichteten die Forscher auch über eine signifikante Korrelation zwischen den Serum-Vitamin-D-Spiegeln zum Zeitpunkt der Diagnose und der frühen Behinderung (gemessen am MSSS).
Referenzen: