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Psychoanalyse, flüchtige Moderne und die Aufgabe des Selbst
AbstractDer Beitrag geht der These nach, dass die veränderten Lebensbedingungen in der Spätmoderne bestimmte bislang bewährte Prädikate des personalen Selbst, wie Kohärenz oder Kontinuität, fraglich werden lassen. Gestützt auf die Kritik der Subjektphilosophie und die Kritik des Individuozentrismus der «westlichen» Psychologie des Selbst werden zunächst jene Positionen beleuchtet, die eine Auflösung des einheitlichen Selbst postulieren. Es wird argumentiert, dass diese Positionen in ihren Interpretationen der spätmodernen Lebensverhältnisse unnötig weit gehen. In der Folge werden daher Vorschläge der intersubjektiven Psychoanalyse vergleichend daraufhin gelesen, inwiefern sie das geeignete begriffliche Instrumentarium aufweisen, um das Selbst im Sinne einer reflexiven Moderne als sozial konstituiert, differenzoffen und intern vielfältig zu begreifen, ohne den Standard des selbstbestimmten (kritischen) Subjekts gänzlich aufzugeben. Zuletzt wird angedeutet, wo die spezifischen Stärken psychoanalytischer Konzeptualisierungen des aus Intersubjektivität emergierenden, «transitorischen» Selbst liegen (könnten): in der Funktion als «Biografiegenerator», in der entwicklungspsychologischen Perspektive, im Pendeln zwischen Theorie und Behandlungssituation sowie in der Bereitschaft zur Relativierung des psychoanalytischen Wissens.
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