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Die 63-jährige Sinnapu Anthonia Vaas glaubte, ihr Kampf sei zu Ende: Dank hartnäckigem Einsatz willigte die Marine Ende April 2017 ein, der Tamilin ihr Land zurückzugeben. Doch ihr Glück war von kurzer Dauer: Die Marine hat das besetzte Land trotzdem bis heute nicht zurückgegeben.
„Unser Kampf hat sich gelohnt!“, sagte Sinnapu Anthonia Ende April. Nach einem 38 Tage andauernden Protest, währenddessen sie mit Mitstreiterinnen vor dem Haupteingang des Marinecamps in Mullikulam campierte, versprach die Marine Ende April, den Frauen ihr Land zurückzugeben. Die Frauen wurden bitter enttäuscht: Sie haben ihr Land bis heute nicht zurückbekommen.
Das Dorf Mullikulam in der Nähe von Mannar ist die Heimat von Sinnapu Anthonia Vaas. Doch das Leben der dreifachen Mutter ist von Vertreibungen geprägt: Sie und ihre Kinder wurden während dem sri-lankischen Bürgerkrieg 1990 das erste Mal vom Militär vertrieben. Nach langen Jahren in Indien und später als intern Vertriebene in der Region Mannar konnten sie in ihr Dorf zurückkehren und erhielten von der katholischen Kirche die Bewilligung, 2.4 Hektaren Land für Reisanbau zu nutzen. Von 2002 bis 2007 verbrachte die Familie glückliche Jahre auf diesem Land, nur 500 Meter vom Meer entfernt, sodass sie sowohl von der Fischerei wie auch vom Reisanbau leben konnten.
Intern Vertriebene schliessen sich zusammen
Doch das Glück war nicht von Dauer: Am 1. September des Jahres 2007 erfuhr Sinnapu Anthonia Vaas, dass die Marine komme würde. „Ich schloss mich mit meiner Familie in der Kirche ein, voller Angst“, erinnert sie sich. Während Tagen war das Dorf abgeriegelt, ohne Verbindung zur Aussenwelt, und das Essen streng rationiert. „Am siebten Tag schliesslich wurden die Bewohner aufgefordert, ihr Land kurzfristig zu verlassen. Man versprach uns, dass wir bald zurückkehren könnten“, erzählt die Aktivistin. So floh sie zusammen mit ihrer Familie auf die Insel Mannar, wo sie während vier Jahren in einer temporären Hütte im Garten einer Privatperson wohnten.
„2012 beschlossen wir gemeinsam mit anderen ehemaligen Dorfbewohnern von Mullikulam, in unsere Heimat zurückzukehren“, sagt Sinnapu Anthonia Vaas. Sie protestierten zuerst neben dem Marine Camp unter freiem Himmel und bauten sich dort kleine Hütten. Später verschafften sie sich wieder Zugang zur Kirche und zur Schule. Obwohl sie wieder hinausgeworfen wurden, erreichte man, dass die Schule wieder geöffnet und sie die Kirche einmal pro Woche besuchen durften. Danach blieb es längere Zeit ruhig um Mullikulam. Die Marine hat es geschafft, die Proteste mit Informanten zu unterwandern. Angespornt von anderen Protesten in Sri Lanka und enttäuscht von den Männern, begannen die Frauen des Dorfes erneut, ihr Land zurückzufordern. Am 23. März 2017 installierten sich die Frauen vor dem Haupteingang des Marinecamps. „Wir bleiben hier, bis wir unser Land zurückbekommen“, sagten sie zu den Soldaten der Marine. Mit ihrem Einsatz weckten sie sogar das Interesse von Politikern und Regierungsvertretern, anderen Aktivistinnen, Medienleuten, Kirchenvertretern sowie internationalen Organisationen. Ende April erhielten sie schliesslich die gute Nachricht, dass die Marine den Dorfbewohnern einen Teil ihres Landes zurückgibt. Das Versprechen der Marine wurde aber bis heute nicht eingehalten und Anthonia kann immer noch nicht auf ihr Land zurück.
«Dabei wäre ein Erfolg so wichtig, damit sich auch andere Betroffene in ihren Protesten bestärkt fühlen», sagt Yves Bowie, GfbV-Kampagnenleiter zu Sri Lanka, der die Aktivistin vor und während den Protesten mehrmals besucht hat und für die Einwohner von Mullikulam und andere Betroffene einen Workshop zu Landrechten organisierte. Allerdings warten in Sri Lanka noch unzählige Menschen darauf, ihr Land zurückzubekommen – und werden genau wie Sinnapu Anthonia Vaas in ihrem Kampf bitter enttäuscht.