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Maria Benedikta Muff wurde 1844 im Alter von 35 Jahren zur Äbtissin gewählt. Sie sollte die letzte Rathauser Äbtissin sein. Es war eine kurze, aber bewegte Zeit, die sie als Äbtissin erlebte.
Bald nach ihrem Amtsantritt traten 1844/1845 die Freischarenzüge von liberal-radikalen Aufständischen gegen die konservative Luzerner Regierung auf. Vom Kloster aus seien Schiessereien zu hören und Truppen zu sehen gewesen. Während des 25 Tage dauernden Sonderbundskrieges von 1847 zwischen liberal-radikalen und konservativen Kantonen lag das Kloster im Aufmarschgebiet der Truppen der liberalen Kantone.
Die Schwestern brachten wertvolle Gegenstände in Sicherheit oder versteckten sie. So seien auch die 67 Glasgemälde, die den Kreuzgang zierten, im Keller verborgen beziehungsweise im Garten vergraben worden. Schliesslich flohen die Schwestern vor den herannahenden Truppen ins Kloster St. Lazarus im Kanton Uri, wo sie sechs Tage Unterschlupf fanden, bevor sie wieder nach Rathausen zurückkehren konnten.
Klosteraufhebung und Verkauf der Glasgemälde
Nur vier Jahre nach dem Amtsantritt von Maria Benedikta Muff wurde das Kloster Rathausen 1848 zusammen mit dem Kloster St. Urban als Folge des Sonderbundskrieges durch den nun liberal dominierten Grossen Rat von Luzern aufgehoben. Das Kloster wurde enteignet und kam in Staatsbesitz. Die Schwestern mussten Rathausen verlassen.
Die liberalen Siegerkantone forderten Reparationszahlungen von den katholisch-konservativen Verliererkantonen, was die Kriegskosten des Kantons Luzern weiter in die Höhe trieb. So sollte auch das Vermögen der Klöster einen Beitrag an die Kriegskosten leisten, indem Klosterinventar verkauft wurde. Die Nonnen waren noch anwesend, als Rathausen nach Verkaufbarem abgesucht wurde.
Die 67 wertvollen Glasgemälde hatten den Krieg zwar unbeschadet in ihrem Versteck überstanden. Dennoch wurden auch sie nach Kriegsende verkauft.
Die Glasgemälde im Kreuzgang
Der Kreuzgang war bis 1853 mit 67 farbenfrohen Glasgemälden bestückt, die aus der biblischen Geschichte erzählen. Der Zyklus begann mit der Darstellung von Adam und Eva und endete mit dem Jüngsten Gericht, wobei der Grossteil das Leben Jesu darstellte. Die zwischen 1591 und 1623 von verschiedenen Künstlern, vor allem vom Luzerner Glasmaler Franz Fallenter, geschaffenen Renaissance-Glasmalereien waren alle gestiftet worden. Die Stifter wurden am unteren Bildrand verewigt.
Die drei nachgebildeten Glasgemälde stellen das Verbot des Genusses der Früchte vom Baum der Erkenntnis, die Auferstehung Christi und die Bekehrung des Zachäus dar. Auf der Zachäus-Scheibe ist der gesamte Rathauser Konvent zu sehen.
Die Nachbildungen wurden 2016 durch die Luzernische Glasmalerei Christoph Stooss erstellt und vom Privaten Kulturclub Luzern finanziert. Zwei der Originale befinden sich heute im Landesmuseum Zürich (Baum der Erkenntnis, Auferstehung), eines im Historischen Museum Luzern (Bekehrung des Zachäus).
Das Kloster existiert weiter
Trotz des Widerstandes der Klosterfrauen und aus der Bevölkerung mussten die Nonnen das Klostergebäude verlassen und konnten selbst mit zahlreichen Gesuchen keine Rückkehr nach Rathausen erwirken. Nach mehreren Zwischenstationen und ungewissen Jahren liessen sie sich schliesslich 1902 in einem ehemaligen Jagdschloss in Thyrnau (Bayern) nieder, wo das Kloster als Zisterzienserinnenabtei Rathausen-Thyrnau bis heute weiter besteht. Zu ihrem ehemaligen Kloster in Rathausen bewahren die Zisterzienserinnen in Thyrnau bis heute eine besondere Verbindung.
> Der private Kulturclub Luzern ermöglichte verdankenswerterweise die Nachbildung der Glasgemälde in Rathausen. Sehen Sie hier Szenen der Entstehung in der Luzernischen Glasmalerei Christoph Stooss.
Archiv Kloster Thyrnau.
Archiv Kloster Thyrnau.
Archiv Kloster Thyrnau.