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Der erste gesprochene Satz durch ein Telefon lautete: «Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.» Das war 1861, und damit begann die Geschichte der Telefonie. Der Deutsche Johann Philipp Reis schaffte es erstmals, eine funktionierende elektrische Fernsprechverbindung aufzubauen. Diese noch nicht perfektionierte Errungenschaft entwickelte der Brite Alexander Graham Bell weiter. 1876 reichte Bell das Patent für sein Telefon ein und gilt damit als Erfinder des Telefons.
Das Telefon nur für Pfarrer und die Polizei
Gegen Ende der 1870er Jahre berichten Schweizer Medien vermehrt über das Telefon. So wuchs dessen Akzeptanz im Land. Man anerkannte, dass es sich beim Telefon nicht bloss um eine Spielerei handelt, sondern um die Möglichkeit, mündlich über weite Distanzen zu kommunizieren. Im Dezember 1877 fanden dann die ersten offiziellen Telefonieversuche zwischen Bern, Thun und Interlaken statt. Bereits vier Jahre später trat der Bund aktiv beim Bau und Betrieb von öffentlichen Telefonstationen- und netzen auf. Daraufhin gab es auch die ersten öffentlichen Stadtnetze in Basel und Bern, wo auch die ersten Telefonzentralen eröffnet wurden. Zu dieser Zeit bediente die Telefonzentrale in Bern rund 200 Abonnenten. Die Abonnenten riefen in der Telefonzentrale an, und die Telefonistinnen «stöpselten» die drahtigen Schnüre in ein freies Loch. Aufgrund der hohen Preise des Telefons blieb es in der Schweiz aber lange nur einer sehr beschränkten Benutzergruppe vorbehalten. Dazu gehörten insbesondere öffentliche Einrichtungen wie Poststellen, Telegrafenbüros, Bahnhöfe, Gemeinden, Polizei und Feuerwehr. Aber auch der Pfarrer, Restaurants oder Hotels finden sich bereits früh in den Telefonbüchern.
Telefonieren war Handarbeit
Der eigentliche Siegeszug des Telefons fand jedoch erst Mitte der 1930er Jahre statt. Dann erst begann sich das Telefon auch in der einfachen Bevölkerung durchzusetzen, denn jeder wollte einen Telefonanschluss haben. 1896 war das Telefon bereits in allen Kantonen eingeführt. Und damit beginnt auch die Geschichte der ersten Telefonistinnen in der Schweiz. In der 1927 eröffneten Zentralbatterie-Station in Thun standen 14 Arbeitsplätze zur Verfügung, von wo aus die Telefonistinnen die Verbindungen zu den gewünschten Teilnehmern herstellten – damals noch manuell.
Die Abonnenten wählten die Nummer der nächsten Telefonzentrale, wo die Telefonistin die Anrufe entgegennahm und die gewünschte Verbindung an ihrem Pult herstellte. Nur, wenn die Telefonistin die Verbindung korrekt herstellte, konnte das eigentliche Telefongespräch stattfinden. War ein Anruf beendet, leuchtete ein Lämpchen auf. So wusste sie, dass die Verbindung zu trennen ist, damit die Leitung von einem neuen Kunden besetzt werden konnte. Zur Begrüssung eines Abonnenten durften die Telefonistinnen nur vorgefertigte Floskeln wie «Schnelldienst!», «Fernamt!» oder den Namen ihrer Zentrale verwenden. Das Wort «Hallo» war untersagt.
Das PTT-Archiv unterhält ein Oral History Projekt, Link öffnet in einem neuen Fenster, das Zeitzeugen und Zeitzeuginnen zu Wort kommen lässt. Eine davon ist die vor einem Jahr verstorbene, 104-jährige Nelly Iseli-Dällenbach. Sie absolvierte 1930 bis 1931 eine Lehre als Telefonistin in Thun. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges war sie dort als Telefonistin tätig. «Zehn Paar Schnüre hatte man an einem Platz. Wenn keine Schnüre mehr zur Verfügung standen, waren keine weiteren Telefonate mehr möglich, Link öffnet in einem neuen Fenster», erzählt sie. Der Beruf der Telefonistin war hauptsächlich Frauen vorbehalten. Sie wurden unter anderem deshalb eingesetzt, weil sich die höheren Frauenstimmen angenehmer übertragen liessen und die Damen kostengünstigere Arbeitskräfte waren als die Männer.
Plötzlich brauchte es Telefonnummern
36 Jahre nach Inbetriebnahme der ersten Telefonzentrale ging 1917 die erste halbautomatische Telefonzentrale in Zürich-Hottingen in Betrieb. Die Automatisierung der Telefonanlagen vereinfachte das Telefonieren wesentlich. So konnten mehr Abonnenten schneller bedient werden. Als das Telefon 1880 in Zürich eingeführt wurde, gab es allerdings noch keine Telefonnummern. Die rund 98 Abonnenten waren bekannt und konnten ohne Telefonnummer verbunden werden. Mit der Automatisierung und der Menge an Abonnenten führte man dann fünfstellige Telefonnummern ein. Die Hauptaufgabe der Telefonistinnen war es nun, den Abonnenten zu erklären und zu zeigen, wie man selbstständig telefoniert.
Innert kurzer Zeit starb die Berufsgattung der Telefonistin aus
Obwohl sich der ganze Telefonie-Prozess technisch vereinfachte, hatte die Automatisierung für die Telefonistinnen einschneidende Folgen. Denn zwischen 1921 und 1959 wurde das schweizerische Telefonnetz automatisiert. Und so verschwand diese Berufsgattung in kurzer Zeit. Im Jahr 1959 wurde das Schweizer Telefonnetz dann zum ersten vollautomatisierten Netz der Welt mit rund einer Million Abonnenten. Dieser Prozess macht es notwendig, für den direkten Kontakt zu den Telefonistinnen besondere Kurznummern zu schaffen. Besonders wichtig wurde bei Auskünften oder Hilfeleistungen die Nummer 11 (später 111), der Auskunftsdienst.
26 Jahre später, 1985, waren in der Schweiz bereits 2000 Kilometer Glasfasern verlegt. So konnten 7680 Telefongespräche oder acht Fernsehprogramme gleichzeitig übermittelt werden. Heute verfügen von den insgesamt 2222 Gemeinden in der Schweiz 1015 Gemeinden über einen Glasfaseranschluss, 247 Gemeinden befinden sich im Ausbau und bei weiteren 960 ist der Ausbau geplant.
Quelle: PTT-Archiv / Swisscom