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Aktuelle Studie COVID-19 und angeborene Herzfehler
Als im März 2020 die erste Welle von COVID-19 Erkrankungen in Europa erfolgte, war die Verunsicherung gross. Es handelte sich um eine neue Krankheit mit teilweise schweren und tödlichen Verläufen; wirksame Medikamente waren nicht vorhanden, und eine Impfung lag noch in weiter Ferne. Bereits die ersten Studien aus China deuteten darauf hin, dass es sich bei COVID-19 um mehr als eine reine Lungenkrankheit handelte; auch wurde schnell klar, dass vor allem ältere Menschen sowie Menschen mit chronischen Grunderkrankungen einen schwereren Verlauf zeigen als jüngere Menschen oder solche ohne Vorerkrankungen.
Im Gegensatz zu älteren Menschen mit erworbenen Herzkrankheiten (insbesondere koronare Herzkrankheit) sind Patientinnen mit angeborenen Herzfehlern eher jünger und haben weniger häufig Begleitkrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Cholesterinstoffwechselstörungen. Trotzdem war unklar, ob Patientinnen und Patienten mit angeborenen Herzfehlern ein erhöhtes Risiko haben, eine schwere Komplikation einer Corona-Infektion zu erleiden.
Bereits im März 2020 wurde in der Schweiz ein ‘Live-COVID-19-Tracker’ erstellt. Wir schickten alle uns bekannten Fälle mit einer nachgewiesenen Corona-Infektion anonymisiert an die Schaltstelle ans Inselspital (unter der Leitung von Prof. Markus Schwerzmann und Dr. Francisco Javier Ruperti-Repilado). Berichtet wurde über das Alter der Patientinnen und Patienten, über das Gewicht, über den angeborenen Herzfehler und die früheren Operationen sowie über Nebenerkrankungen. Berichtet wurde auch über den Verlauf der COVID-19 Erkrankung: lief sie mild ab oder ist eine Hospitalisation erfolgt, oder war eine künstliche Beatmung notwendig, oder endete die Krankheit am Ende sogar tödlich. Wir nutzten unsere guten Beziehungen und konnten insgesamt 25 Zentren in unser Europäisches Netzwerk einschliessen.
Zwischen März 2020 und Juni 2020 (erste Welle) konnten wir so 105 Patienten mit angeborenen Herzfehlern und einer nachgewiesenen Corona-Infektion in unseren Tracker aufnehmen. Die Resultate publizierten wir in einem renommierten kardiologischen Journal (Heart). Es ist die erste Outcome-Studie bei angeborenen Herzfehlern mit COVID-19 überhaupt.
Die Patienten waren im Schnitt 38 Jahre alt. 58% davon waren Frauen. Von den 105 Patienten hatten 13 einen schweren Verlauf mit Hospitalisation; 5 davon sind verstorben. Von den 5 Todesfällen war bei 4 Patienten COVID-19 die direkte Todesursache, eine Patientin verstarb mit, aber nicht an einer Corona-Infektion. 4 von den 5 verstorbenen Patienten hatten 2 oder mehr Nebenerkrankungen und 2 Patienten hatten einen unkorrigierten zyanotischen Herzfehler (Eisenmenger).
Risikofaktoren für einen schweren Verlauf waren das Alter (je älter desto grösser das Risiko für einen schweren Verlauf), der Body-Mass-Index BMI (je höher desto grösser das Risiko für einen schweren Verlauf) und die Nebenerkrankungen beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck, chronischen Lungen- und Nierenkrankheiten (je mehr Nebenerkrankungen desto höher das Risiko für einen schweren Verlauf). Das grösste Risiko hatten Patientinnen und Patienten mit einem zyanotischen Herzfehler (z.B. Eisenmenger) und Lungenhochdruck.
Die Studie zeigte aber auch, dass ein Herzfehler per se (abgesehen von zyanotischen Herzfehlern) kein Risikofaktor ist für einen schweren Verlauf. Sogar Patientinnen und Patienten mit komplexen Herzfehlern (z.B. mit Fontan-Operation oder mit einer Vorhofsumkehr) zeigten nicht häufiger schwere Verläufe als Patienten mit einfacheren Herzfehlern. Die Resultate müssen durch grössere Studien noch bestätigt werden. In Kürze wird eine weltweite Studie mit insgesamt über 1000 Patienten mit angeborenen Herzfehlern publiziert. Nach Veröffentlichung dieser Studie werden wir darüber ebenfalls berichten.