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Für den Mathematiker ist der Goldene Schnitt ein Verhältnis zweier Distanzen: Ein Punkt teilt eine Strecke dann im Goldenen Schnitt, wenn dabei der längere Teil zum kürzeren im selben Verhältnis steht wie die gesamte Strecke zum längeren. Es geht sogar noch trockener: Der Goldene Schnitt Φ (Phi) ist das Ergebnis einer Teilung der längeren durch die kürzere Strecke und beträgt rund 1,618.
Der Künstler dagegen erkennt in diesem ganz besonderen Verhältnis gestalterische Perfektion – nicht umsonst nannte man den Goldenen Schnitt auf Lateinisch proportio divina, die göttliche Proportion. Wir finden sie, wo immer Menschen Bedeutendes geschaffen haben: im Parthenon-Tempel in Athen (Säulen- im Vergleich zur Gesamthöhe: im Goldenen Schnitt), im Gemälde «Das Abendmahl» von Leonardo da Vinci (Jesus‘ offen auf dem Tisch liegende Hand: im Goldenen Schnitt), selbst in den Dimensionen unserer Kreditkarten (Breite und Höhe: im Goldenen Schnitt).
Über alle Zeiten hinweg: Diese rätselhafte Verhältniszahl 1,618 empfinden wir Menschen als ganz besonders ausgewogen und harmonisch. Vielleicht weil die Natur selbst diesem Verhältnis immer wieder folgt: in der Fibonacci-Folge, mit der Leonardo da Pisa im Jahr 1202 nachweisen wollte, wie sich Kaninchen im Lauf der Zeit vermehren, im spiralförmigen Aufbau von Tannzapfen oder Sonnenblumen, ja selbst in der Höhe der Wellenbewegungen, die heftigen Kursausschlägen an der Börse folgen.
Das Buch der Natur ist in der Sprache der Mathematik geschrieben,
schrieb Galileo Galilei anno 1623. Falls dem so ist, müsste der Titel dieses Buches lauten: «Der Goldene Schnitt».