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Ein Skandal erschüttert die Stadt
Kurz nach der abschlägigen Antwort des Stadtrates wurde die Familie Salis das Haus dann doch noch los, allerdings auf eine wenig erfreuliche Art. Hieronimus Salis sorgte nämlich für eine unrühmliche Episode in der Geschichte seiner Familie und des Churer Bürgerrates.
Geboren um 1850, begab er sich nach seiner Schulausbildung nach Napoli und Buenos Aires, wo er sich als Kaufmann versuchte. Nach seiner Rückkehr nach Chur arbeitete er vorerst als Gehilfe bei der Standeskasse und nahm um 1880 eine Teilzeitanstellung als Aktuar und Rechnungsführer des Bürgerrats an.
Bereits von Anfang an begann er, Einnahmen nicht zu verbuchen und Rechnungen zu verbuchen, die er nicht bezahlt hatte. Vier Jahre lang unterschlug er regelmässig ansehnliche Summen, ohne dass seine Vorgesetzten etwas davon merkten. Wegen Missverständnissen innerhalb der bürgerlichen Verwaltung fühlte sich ab 1882 niemand für die Kontrolle des Kassiers und Aktuars verantwortlich. Man beschloss zwar bald einmal, die Rechnungen kontrollieren zu lassen, doch bis zur Ernennung der Revisoren verstrich viel wertvolle Zeit. Bis zum März 1884 flossen so rund 31'800 Franken aus dem bürgerlichen Armenfonds, dem Schulfonds und der Gemeindegüterkasse in die Taschen von Hieronimus Salis. Zum Vergleich: sein Jahreslohn als Teilzeitangestellter beim Bürgerrat betrug 1'600 Franken.Als sich die Rechnungsprüfer zu Beginn des Jahres 1884 endlich organisiert hatten und Gefahr drohte, schrieb Salis dem Bürgermeister Jacob Risch einen Brief, in dem er mitteilte, er müsse sich in Antwerpen für eine ihm angebotene Arbeitsstelle vorstellen. Vor dem Verhöramt sagte Risch im Juli 1884 aus: "Obschon der Name Antwerpen etwas verdächtig schien, so war doch vorderhand kein Verdacht motiviert, indem die Salis'sche Familie auf eingezogene Erkundigungen mitteilte, Salis sei nur für wenige Tage verreist, er habe nur wenige Hemden mitgenommen." Er kam tatsächlich nicht zurück, sondern reiste direkt nach Südamerika.
Zuhause in Chur begann sich das Räderwerk der Justiz zu drehen. Nachdem man die Sache aufgedeckt hatte, übergab das Kreisgericht den Fall dem Kantonsgericht, welches zweimal unter Androhung einer Kontumazverhandlung Hieronimus Salis aufforderte, sich zu melden. Er stellte sich nicht und wurde am 12. November 1885 in Abwesenheit zu "sechs Jahren Zuchthaus und lebenslänglichem Verlust der bürgerlichen Ehren" sowie zur Zahlung des "ungedeckten Schadens" verurteilt.