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In einer Welt, die sich ständig verändert, ist auch die Art und Weise, wie wir unsere Nahrung produzieren und konsumieren, im Wandel mit inbegriffen. Eine revolutionäre Idee, die in diesem Kontext aufkommt, ist die Postletale Landwirtschaft von Stefan Mann. Doch was genau steckt hinter diesem Konzept? Wir haben uns das 2022 erschienene Buch «Postletale Landwirtschaft — Zur anstehenden Reform unseres Agrarsystems» von Autor und Wissenschaftler Stefan Mann genauer angeschaut.
Was ist die Postletale Landwirtschaft überhaupt?
Die postletale Landwirtschaft ist ein Konzept, das sich mit zukünftigen Veränderungen in der Landwirtschaft und der Ernährungsindustrie befasst.
Der Begriff «postletal» setzt sich aus «post» (nach) und «letale» (tödlich) zusammen und bezieht sich auf die Idee, dass die Landwirtschaft in Zukunft nicht mehr auf der Tötung von Tieren basieren sollte. Es handelt sich um einen Ansatz, der darauf abzielt, die Tierhaltung und die Schlachtung von Tieren für Lebensmittel zu reduzieren oder zu eliminieren.
In der postletalen Landwirtschaft sollen alternative Methoden und Technologien entwickelt werden, um menschliche Ernährungsbedürfnisse zu erfüllen, ohne auf Tierprodukte angewiesen zu sein.
Um was für Methoden könnte es sich handeln?
Pflanzliche Alternativprodukte:
Pflanzliche Alternativprodukte werden als eine der Schlüsselkomponenten der postletalen Landwirtschaft betrachtet. Diese Produkte sind darauf ausgerichtet, traditionelle tierische Lebensmittel wie Fleisch, Milch und Eier zu ersetzen. Dies wird als Möglichkeit gesehen, die Akzeptanz von pflanzlichen Alternativprodukten zu erhöhen und somit die Tierrechtsbewegung in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und so Veränderungen zu bewirken.
Laborfleisch:
Die Kultivierung von Fleisch aus tierischen Zellen in Laboren, ohne dass Tiere getötet werden müssen, rückt ebenfalls in den Fokus. Jedoch ist die gesellschaftliche Akzeptanz momentan gering und wird oft skeptisch betrachtet. Stefan Mann argumentiert, dass es wichtig ist, sich allmählich an die Idee der industriellen Fleischproduktion zu gewöhnen, ähnlich wie sich die Menschen an industriell gefertigte Produkte aus der Ernährungsindustrie gewöhnt haben. Der Autor ist sich aber bewusst, dass dies in den kommenden Jahrzehnten auf Widerstand von Interessenvertretern aus der Fleischindustrie stossen wird. Es wird jedoch betont, dass die schrittweise Gewöhnung an diese Ideen und der Verzicht auf traditionelle Tierprodukte wichtige Schritte in Richtung einer postletalen Landwirtschaft sein könnten, die auf ethischen und umweltfreundlichen Ernährungspraktiken basiert.
Nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken:
Wichtig ist dabei die Förderung von umweltfreundlicheren landwirtschaftlichen Methoden, die weniger Ressourcen und Land benötigen und weniger negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Dazu gehören z.B.
- Wenn die Tierhaltung in der Landwirtschaft reduziert wird, ist die Bewahrung von Grasland äusserst wichtig, da es eine Rolle im Ökosystem spielt.
- Es werden alternative Lösungen gesucht, bei denen tierische Produkte und Düngemittel durch pflanzliche und kompostbasierte Alternativen ersetzt werden. Dies könnte dazu beitragen, die Ressourcennutzung in der Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten.
- Die postletale Landwirtschaft beinhaltet die Idee einer landwirtschaftlichen Praxis, die keine Tiere mehr für Lebensmittelzwecke nutzt. Dies könnte als nachhaltige Praxis angesehen werden, da sie das Tierwohl fördert und die Umweltauswirkungen der Tierhaltung reduziert.
Ethik und Tierwohl:
Stefan Mann zielt in seinem Konzept darauf ab, Tiere nicht mehr oder extrem reduziert für Landwirtschaftlichezwecke zu nutzen. Stattdessen soll eine Landwirtschaft entwickelt werden, in der Tiere ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können, bis zu ihrem natürlichen Tod.
Auch die Haltung von Insekten wie Bienen wird in der postletalen Landwirtschaft überdacht. Bienen werden traditionell für die Honigproduktion gehalten, was als eine Form der Tiernutzung gilt. Im Kontext der postletalen Landwirtschaft könnte die Frage aufkommen, ob diese Art der Tierhaltung ethisch vertretbar ist oder ob sie überarbeitet werden sollte.
Die Idee ist, die Rolle der Bienen in der Landwirtschaft zu überdenken und zu betonen, wie sie als Bestäuber im Ökosystem dienen. Bienen sind für die Bestäubung von Pflanzen und damit für die Produktion von Lebensmitteln unerlässlich. In diesem Sinne könnten Bienen in einer postletalen Landwirtschaft von Honigproduzenten zu Bestäubern umfunktioniert werden, um ihre natürliche Funktion im Ökosystem zu betonen.
Für eine Veränderung muss die Gesellschaft mitspielen
Die zunehmende Sensibilität für Umweltfragen führt bereits heute dazu, dass die Gesellschaft nach umweltfreundlicheren Nahrungsmittelproduktionsmethoden sucht. Die postletale Landwirtschaft könnte Teil eines grösseren gesellschaftlichen Wandels sein, bei dem die Akzeptanz von Tierproduktkonsum abnimmt und ethischere, umweltfreundlichere Ernährungspraktiken gefördert werden.
Unser Fazit:
Insgesamt können wir festhalten, dass die postletale Landwirtschaft einen Paradigmenwechsel in der landwirtschaftlichen Praxis darstellt, der ethische Überlegungen, Umweltaspekte und innovative Ansätze zur Nahrungsproduktion kombiniert. Die Zukunft dieser Idee hängt von gesellschaftlichen Entwicklungen, politischen Entscheidungen und dem Grad der Akzeptanz ab. Es ist wichtig zu beachten, dass dies ein diskutierter Ansatz ist und nicht eine verbreitete Praxis repräsentiert. Es handelt sich nur um einen kleinen Ausschnitt des Buches «Postletale Landwirtschaft — Zur anstehenden Reform unseres Agrarsystems» des Schweizer Wissenschaftlers Stefan Mann, welches wir euch sehr empfehlen können.