Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03360.jsonl.gz/1142

Die Spitze des Eisbergs
Das Bundesamt für Justiz (BJ) verzeichnete für das Jahr 2019 insgesamt 71 Anträge in Bezug auf elterliche Entführungen aus der Schweiz.
Diese Zahlt steht jedoch EINZIG für Anträge, die an Länder gestellt wurden, die das Haager Übereinkommen ratifiziert haben.
Hier geht’s zur Statistik des BJ
Das Übereinkommen sieht vor, dass Kinder, die widerrechtlich von einem Elternteil ins Ausland gebracht wurden, auf Forderung des Landes, in dem sie ihren gewöhnlichen Wohnsitz haben, dorthin zurückgebracht werden müssen.
Das Haager Übereinkommen wurde von 84 Ländern ratifiziert, darunter Deutschland, Brasilien, Frankreich, Australien, Bulgarien, Chile, ...
Das bedeutet also: Wenn ein Elternteil sein(e) Kind(er) in ein anderes Land, z. B. nach Algerien, Nigeria, Indonesien oder Madagaskar mitnimmt, werden diese elterlichen Entführungen nicht öffentlich, denn:
- keine einzige Bundesbehörde ist mit der Aufgabe betraut, Daten über Kindesentführungen oder andere Formen von Verschwinden von Minderjährigen zusammenzustellen.
- es werden von den zurückgebliebenen Eltern, den «Opfern», keine Verfahren eröffnet. Manchmal liegt das daran, dass sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen, manchmal daran, dass sie nichts von den entsprechenden Möglichkeiten wissen oder nicht genügend Vertrauen in die schweizerischen Rechtsmittel haben und deshalb bezweifeln, dass ein Verfahren in dem Land, in dem sich ihr Kind aufhält, Auswirkungen haben könnte.
- Strafverfahren wegen Kindesentführung werden auf kantonaler Ebene abgewickelt.
Wir müssen uns bewusst darüber sein, dass hinter jeder elterlichen Kindesentführung eine grosse Familientragödie steht.
Stellen Sie sich vor, dass der Vater oder die Mutter Ihres Kindes plötzlich mit diesem verschwindet... Im Moment begleiten wir drei Väter, die diese Tragödie durchmachen.
Wir stehen solchen Eltern zur Seite. Missing Children existiert, um sie bei diesem Hindernislauf zu begleiten, insbesondere, wenn es sich um elterliche Entführungen in Länder handelt, die nicht Teil des Haager Übereinkommens sind.
Im Moment setzt sich Missing Children auch dafür ein, bei den 26 kantonalen Polizeikorps und beim Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) Daten einzuholen. Da der politische Wille fehlt, offizielle Statistiken zu erstellen, hoffen wir, wenigstens einen Teil der Daten zu erhalten und sie unter Studien & Statistiken zu veröffentlichen.
Wir danken Ihnen, dass Sie unser Anliegen teilen.