Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03276.jsonl.gz/1975

Die vollständige Auszählung der Stimmen in einigen Bundesstaaten ist zwar pendent, jedoch ist bereits klar, dass Joe Biden am Ende gut 300 Stimmen der Wahlleute erreichen wird.
Mit gut 4 Millionen Wähler mehr als Donald Trump erreicht Joe Biden auch ein klares, aber nicht ergebnisbestimmendes Volksmehr. Die US-Wahl ist somit faktisch entschieden und Joe Biden wird sein Amt am 20. Januar, 2021 offiziell antreten. Es ist traditionell so, dass der gewählte US-Präsident seine Wahl verkündet, bevor die Resultate auf der Ebene der Bundestaaten in einigen Wochen definitiv bestätigt werden.
Es bestünde auch die Tradition, dass der Verlierer die Niederlage eingesteht und dem Sieger öffentlich gratuliert. Das kann man aber von Donald Trump nicht, oder noch nicht erwarten. Donald Trumps Anwälte haben bisher mindestens 11 Klagen eingereicht. Man kann zu jeder Klage weitere Details zur Frage ermitteln, wie viele Wählerstimmen von der Klage überhaupt betroffen wären, falls die Staatsanwälte auf die Klage eingehen sollten. Die Konklusion ist, dass selbst wenn Trump alle Klagen gewinnen sollte, wofür nichts spricht, sich dann nichts am inzwischen deutlichen Sieg von Joe Biden ändern würde.
Es geht Donald Trump auch gar nicht mehr um die Wahl selbst. Das absurde und faktenleere juristische Nachspiel soll Trumps Lüge einer durch Betrug verlorenen Wahl verschleiern. Trump hofft damit den Mythos einer nur durch Betrug erlittenen Niederlage aufzubauen. Auf diese Weise könnte Trump auch während der Amtszeit von Joe Biden seinen Einfluss auf die US-Politik und die Republikanische Partei festigen. Den moralischen Sieg, den Donald Trump durch sein starkes abschneiden bei der Wahl geschafft hat, will er offenbar auf diese Weise in eine Machtposition aus der Opposition umwandeln. Dass die Republikaner mit dem Stil Trumps nicht einverstanden sind, aber dennoch zögern sich geschlossen gegen das undemokratische Vorgehen des Verlierers der Wahl zu stellen, zeigt in welcher Machtposition Trump weiterhin steht.
Weit wichtiger als die Frage des Ausgangs der wenig relevanten Rechtsklagen Trumps, ist die Frage wie in Georgia die Stichwahl von zwei Senatoren am 5. Januar ausgehen wird. Gewinnen beide Kandidaten der Demokratischen Partei die Stichwahl, dann könnte im Senat eine Sitzverteilung von 50 zu 50 resultieren. In diesem Fall wird aber die Vizepräsidentin Kamala Harris die Pattsituation durch Stichentscheid auflösen können. Diese unerwartete Wende könnte die Handlungsfähigkeit der Biden Exekutive also nochmals wesentlich erweitern. Am Ende könnte als faktisches Ergebnis die "blauen Welle" doch noch zustande kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Wahl der Senatoren in Georgia so ausgeht, ist gegenwärtig aber eher gering. Das aktuelle Verhalten Donald Trumps und der zwei kandidierenden republikanischen Senatoren könnte bei unentschlossenen Wählern aber Einfluss haben.
Wir haben im Gegensatz zur Vorgehensweise im Februar auf eine deutliche Reduktion unserer Aktienquote bisher verzichtet. Der klare Sieg Bidens befeuert Erwartung eines US-Hilfsprogramms.
Die heutige Nachricht eines in der Testphase wirksamen Impfstoffs steigert den Optimismus an dem Märkten ausserordentlich und lässt die angespannte Pandemie Situation in den USA und Europa etwas in den Hintergrund treten.
Die heute veröffentlichte Studie zur Wirksamkeit in der dritten und entscheidenden Testphase des Impfstoffs der von Pfizer und BioNTech entwickelt wird, hat die Aktienmärkte hochschnellen lassen. Die ermutigenden Ergebnisse könnten den Beginn einer globalen Impfinitiative markieren. Die Aktienmärkte eröffnen die Woche mit deutlichen Gewinnen in Europa. In der Schweiz steigt der SMI allerdings nur etwa 1% weil die defensiven Schwergewichte heute weniger gefragt sind und weil für Roche in der Diagnostik mit dem möglichen Impfstoff die Umsätze mit den Corona Tests wegfallen könnten. Der zyklischere deutsche DAX Index gewinnt etwa 5.8%. Die US-Börsen steigen heute durch die massive Erholung der bisherigen zyklischen Verlierer aus der Corona Krise um etwa 4.5%.