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Im Juli 1822 wurde Gregor Mendel im damals zu Österreich gehörenden Heinzendorf (heute: Vrazné, Tschechien) geboren. Seine Eltern tauften ihn auf den Namen Johann. Der kleine Mendel wuchs auf einem kleinen Bauernhof auf und war schon früh von der Natur fasziniert. Der eigenwillige Dorfpfarrer von Heinzendorf lehrte seine Schüler nicht nur in der Religion, sondern brachte ihnen auch das Pfropfen und Okulieren von Obstbäumen bei. Als intelligenter Schüler besuchte er dann das Gymnasium, wobei er als Bauernsohn auf finanzielle Unterstützung angewiesen war. Mit dem Eintritt als Novize in die Augustinerabtei des Klosters St. Thomas in Alt Brünn (heute: Brno) befreite er sich dann von diesen Geldsorgen und erhielt den Namen Gregor. Zu dieser Zeit war das Kloster ein kulturelles Zentrum, das die akademische Laufbahn von Gregor Mendel förderte. Ausserdem belieferte das Kloster lokale Bierbrauereien mit Getreide. Diese hatten grosses Interesse an den Eigenschaften des Korns und hofften, die Erkenntnisse von Mendel auf die Getreidezucht zu übertragen.
„Seine Leistung bestand vor allem darin, dass er aus unzähligen Einzelbeobachtungen die Bedeutung der Zahlenverhältnisse erkannt und die richtigen Schlüsse gezogen hat.“
Paul Schmid-Hempel, Evolutionsbiologe an der ETH-Zürich
1856 begann Mendel unterschiedliche Erbsensorten zu kreuzen und die Ergebnisse exakt zu dokumentieren. Dafür waren die Gartenerbsen besonders gut geeignet, da sie Selbstbestäuber sind, schnell wachsen und gut unterscheidbar sind. Er untersuchte dabei über 10‘000 Pflanzen. Vor 150 Jahren wagte er den Schritt an die Öffentlichkeit und präsentierte seine verblüffenden Ergebnisse, die erst viel später in ihrer ganzen Bedeutung erkannt wurden. Die Begriffe Gen, Genetik und Chromosom existierten zu dieser Zeit ja noch nicht. Die drei Mendelschen Regeln bilden heute die Basis der Vererbungslehre. Seine erste Erkenntnis beschrieb Mendel als «Uniformitätsregel». Sie galt nur für die erste Nachkommensgeneration. Obwohl beispielsweise ein Elternteil seiner Erbsen rot und der andere weiss blühte, blühten alle Nachkommen rot. In der zweiten Nachkommensgeneration tauchten die weissen Blüten wieder auf. Mendel fand hier im Durchschnitt auf eine weisse Blüte drei rote Blüten. Das Verhältnis von drei zu eins beschrieb er als die «Spaltungsregel». Mendel folgerte daraus, dass in den Pollen und Eizellen der Blüten jeweils eine Erbinformation vorhanden sein musste. Diese wurde unverändert an die Nachkommensgeneration weitergegeben. Heutzutage verwenden wir dafür den Begriff des Gens. Weiter unterschied Mendel zwischen dominanten und rezessiven Merkmalen. In dem obigen Beispiel setzte sich die dominante rote gegenüber der rezessiven weissen Farbe durch.
In weiteren Experimenten untersuchte Mendel zwei Eigenschaften: die Farbe und die Form der Samen. In der ersten Nachkommensgeneration waren alle Samen gelb und rund wie die Elterngeneration. In der zweiten spalteten sich die Samen in neun gelbe und runde Samen, drei grüne und runde, drei gelbe und runzlige und eine grüne und runzlige auf. Aus dem Verhältnis 9:3:3:1 zog Mendel das Fazit, dass die einzelnen Merkmale unabhängig voneinander weitergegeben werden. Dies hielt er als «Unabhängigkeitsregel» fest.
Von Kritikern abschätzig als Erbsenzähler bezeichnet
Erst um 1900 bestätigten weitere europäische Forscher Mendels Theorien. Dass Mendel erst um die Jahrhundertwende Akzeptanz erreichte, lag nach dem Evolutionsbiologen an der ETH-Zürich, Paul Schmid-Hempel, daran, dass „die Zeit noch nicht reif für Mendels Vererbungslehre war“. Die zu dieser Zeit führenden Wissenschaftler hatten eine komplett andere Vorstellung der Vererbung. Zudem formulierte Mendel nur die festgestellten Regeln, verfügte jedoch über kein geeignetes Modell, um daraus eine umfassende Theorie zu entwickeln. Dies schmälert seine Arbeit aber nicht. „Seine Leistung bestand vor allem darin, dass er aus unzähligen Einzelbeobachtungen die Bedeutung der Zahlenverhältnisse erkannt und die richtigen Schlüsse gezogen hat“, erklärt Paul Schmid-Hempel. Weiter war Mitte des Jahrhunderts Darwins Theorie von der Entstehung der Arten im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Später wurden die beiden Theorien zu einer erweiterten Evolutionstheorie vereinigt. Gregor Mendel gilt heutzutage als einer der bedeutendsten Forscher des 19. Jahrhunderts, und viele Biologen sehen in ihm den «Vater der Genetik».