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Zwei unserer Mitarbeiter waren vom extremen Sturm in La Chaux-de-Fonds (CdF) im Juli besonders betroffen: Fabian Umbricht war zu diesem Zeitpunkt Schicht-Prognostiker und ist als Windmodellierer, Bergführer und Gleitschirmpilot in mehrfacher Hinsicht ein Windexperte. Paul Froidevaux, Fachexperte in unserem Wind & Eis Team, lebt in CdF und hat den Sturm und seine unmittelbaren Folgen aus nächster Nähe erlebt.
Entsprechend mussten die beiden den Sturm im Detail analysieren und haben ihre Resultate an unserer “Meteotest Academy” präsentiert. Eine Zusammenfassung ihrer Findings:
- Es handelte sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um einen aus einer Superzelle resultierenden Downburst und nicht um einen Tornado. In diesem Artikel von MeteoSchweiz wird erklärt, was ein Downburst ist.
- Die meteorologischen Bedingungen waren zwar explosiv, aber ein solches Extremereignis als Resultat nicht zwingend. Dieses war auf die unglückliche Kombination mehrerer Prozesse zurückzuführen, die zu einer extremen und plötzlichen Intensivierung der Mikrophänomene am Fuss der Superzelle geführt haben. Der resultierende extreme Downburst hat anschliessend im langgestreckten Hochtal zwischen Le Locle und CdF ein Ventil gefunden.
- Der Sturm hätte deshalb auch kaum antizipiert und die Bevölkerung gewarnt werden können. Erst mit ersten Schäden im angrenzenden Frankreich offenbarte sich das mögliche Ausmass.
- Die Böenspitze war mit 217 km/h mehr als 60% höher als die während 42 Jahre zweithöchste dort gemessene Böenspitze beim Sturm Lothar (134 km/h). Die Böenspitze muss von MeteoSchweiz noch bestätigt werden, aber ihre Intensität passt mit den beobachteten Schäden überein.
- Gemäss Extremwertanalyse auf Basis der bisherigen Messreihe in CdF hat ein Sturm dieser Stärke eine Wiederkehrperiode von 8’000 Jahren*. Es war also kein Jahrhundert- oder Jahrtausend- sondern ein Myriadensturm.
* Diese Extremwertanalyse ist aus mehreren Gründen zu relativieren:
- Wie das Vertrauensintervall zwischen den roten Linien zeigt, reicht eine 42-jährige Messreihe nicht aus, um eine Wiederkehrperiode von mehreren tausend Jahren genau zu schätzen.
- Wir vergleichen hier unterschiedliche Phänomene: Die extremen Ereignisse (schwarze Punkte) entsprechen Windböen, die hauptsächlich aus grossskaligen Phänomenen wie Sturmtiefs stammen (z.B. Lothar oder Vivian). Diese sind hier vermischt mit wenigen, kleinskaligen Gewitterböen. Die beiden Phänomene haben je ihre eigene Extremwertverteilung.
- Es war Zufall, dass mitten im 8 km2 grossen Gebiet des höchsten Schadens eine SwissMetNet-Station stand. Ein solcher Sturm bewirkt in der Regel bei der nächsten offiziellen Wetterstation einen viel tieferen Ausschlag.
- Die Böenspitze kann noch offiziell korrigiert werden durch MeteoSchweiz.