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Eigentlich hätte Manchester United am Mittwochabend seinen ersten Titel mit Ole Gunnar Solskjaer feiern wollen. Doch es kam anders als erwartet. Aussenseiter Villarreal setzte sich u.a. dank «Impfluencer» Gerard Moreno und Europa-League-Spezialist Unai Emery durch.
2004 wechselte Diego Forlán, der sich in seiner Zeit bei Manchester United nie richtig durchsetzen konnte, zu Villarreal, wo er in drei Saisons 106 Spiele absolvierte und 54 Mal traf. Nach dem Wechsel hätte Villarreal gerne ein Freundschaftsspiel gegen die «Red Devils» absolviert, doch diese lehnten ab. Der Präsident des frisch gebackenen Europa-League-Siegers sagte daraufhin: «Keine Sorge, die kommen schon – und zwar umsonst.»
Im Jahr darauf trafen sie in der Champions-League-Gruppenphase aufeinander. Das Finale vom Mittwoch war das fünfte Spiel zwischen den beiden Klubs. Die vorherigen vier endeten mit 0:0. Nun gewann Villarreal im Elfmeterschiessen und verhinderte den ersten Titel von Ole-Gunnar Solskjaer als Trainer bei Manchester United.
Gerard Moreno, der Torgarant von Villarreal, war kürzlich in der Fernsehsendung des spanischen Komikers David Broncano zu Gast. Dabei sprachen sie natürlich auch über das bevorstehende Europa-League-Finale und der Moderator hatte einen Vorschlag, wie Moreno im Falle eines Tors jubeln könnte. Broncano schlug dem 29-Jährigen vor, eine Impfung zu simulieren, um für diese zu werben. Der Stürmer versprach ihm, dass er dies tun wird, falls er trifft.
Im Spiel gegen Manchester United erzielte der Spanier dann das 1:0 und tatsächlich jubelte Gerard
ModernoMoreno, indem er andeutete, sich etwas zu spritzen. Broncano hatte noch eine Idee für einen weiteren Jubel, doch leider blieb es bei diesem einen Tor von Moreno.
Die Spannung war riesengross – zum zweiten Mal wurde ein Europa-League-Endspiel im Penaltyschiessen entschieden. Ein Spieler nach dem anderen traf. Alle Zuschauer haben sich wohl gedacht: «Irgendwann muss doch einer verschiessen.» Doch alle 20 Feldspieler fanden mit ihrem Schuss vom Elfmeterpunkt das Ziel. Auch Villarreals Torhüter Gerónimo Rulli war erfolgreich.
21 Penaltys wurden versenkt bis David de Gea an seinem argentinischen Konterpart scheiterte – mehr als in jedem anderen Spiel eines europäischen Wettbewerbs.
Der Torhüter von Manchester United wurde am Ende zur tragischen Figur des Abends. David de Gea gelang es nicht, einen einzigen der elf Elfmeter von Villarreal zu halten und musste daher selbst zum entscheidenden Penalty antreten. Der Ausgang ist bekannt, Gerónimo Rulli hielt den 22. Elfmeter des Abends und machte Villarreal damit zum Europa-League-Sieger.
Für den spanischen Torhüter geht damit eine Negativserie weiter. Seit April 2016 konnte er keinen Penalty halten. Die letzten 40 gegnerischen Versuche vom Punkt fanden ihr Ziel, wenn de Gea im Tor stand. Die Chance, dass so viele Strafstösse am Stück gegen einen durchschnittlichen Torhüter im Netz landen, liegt bei 0,04 Prozent.
Die Europa League (UEL) wird seit der Saison 2009/10 als Nachfolgewettbewerb des UEFA Cups ausgetragen. Es gab bisher zwölf Titelträger und viermal hiess der Trainer des erfolgreichen Teams Unai Emery. Der Spanier gewann den Wettbewerb zwischen 2014 und 2016 mit Sevilla dreimal in Folge. Mit Villarreal holte er nun seinen vierten Titel in der
UEFA Europa Unai-Emery-League.
Eric Bailly versuchte im Spiel gegen Villarreal mal eine neue Methode des Verteidigens. Bei einer abgefälschten Flanke wollte er den Ball per Fallrückzieher aus dem eigenen Strafraum befördern. Dies gelang ihm wohl nicht so wie geplant. Immerhin entstand aus der folgenden Chance für Carlos Bacca kein Tor.
Marcus Rashford zeigte im gestrigen Spiel nicht seine beste Leistung. Für einige unbelehrbare Nutzer:innen in den sozialen Medien Grund genug, den englischen Nationalspieler rassistisch zu beleidigen. Der Flügel von Manchester United äusserte sich auf Twitter und schrieb, dass er mindestens 70 solcher Nachrichten erhalten habe. Eine sei von einem Lehrer, was Rashford besonders wütend macht, da dieser ein Vorbild für Kinder sein sollte.
Der 23-Jährige nutzt seine Plattform des Öfteren, um auf Rassismus aufmerksam zu machen. Gleichzeitig setzt er sich dafür ein, dass es in englischen Schulen kostenlose Mahlzeiten für Kinder gibt, damit auch arme Kinder genug zu essen bekommen.
Villarreal konnte mit dem Europa-League-Titel den allerersten Titel der Vereinsgeschichte feiern und damit auch eine spanische Serie fortsetzen. In den letzten 20 Jahren verlor nämlich kein einziger Klub aus Spanien ein europäisches Finale gegen ein nicht-spanisches Team. Es war das 16. Finale in UEFA Cup, Europa League und Champions League, aus dem das spanische Team als Sieger hervorging.
Besonders die Engländer scheinen den Südeuropäern zu liegen. Die zehn letzten Finalspiele in einem europäischen Wettbewerb zwischen Teams aus den beiden Ländern konnten die Spanier für sich entscheiden. Dabei werden die Supercup-Spiele zwischen Atlético Madrid und Chelsea (4:1) sowie Real Madrid und Manchester United (2:1) mitgezählt.
Die letzten beiden spanischen Finalniederlagen gegen nicht-spanische Teams stammen aus der Saison 2000/01. Damals gewann Bayern München die Champions-League gegen den FC Valencia im Penaltyschiessen und Liverpool entschied das UEFA-Cup-Finale gegen Deportivo Alavés durch ein Golden Goal für sich.
Die Stadt Villarreal (valencianisch: Vila-real) ist die einwohnermässig kleinste Stadt, die je einen europäischen Titel gewonnen hat. Mit 50'893 Einwohnern unterbietet sie den vorherigen Rekordhalter aus Belgien. KV Mechelen gewann den Europapokal der Pokalsieger im Jahr 1988. Mechelen hat heute rund 86'000 Einwohner.