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Männliche Südliche Seeelefanten sind äußerst wählerisch, wenn es um ihre Nahrung geht, wobei jedes Tier offenbar seine eigene Leibspeise hat.
Eine neue Studie eines internationalen Forschungsteams unter der Leitung der University of New South Wales (UNSW) in Sydney, Australien, hat ergeben, dass männliche Südliche Seeelefanten ausgeprägte kulinarische Vorlieben haben. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Marine Ecology Progress Series bieten die Forschenden erstmals Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten erwachsener männlicher Südlicher Seeelefanten, die im Vergleich zu den Weibchen bisher sehr selten untersucht wurden.
«Sie könnten das gesamte Buffet für sich beanspruchen und doch frisst jeder männliche Südliche Seeelefant viel von der gleichen Nahrung, die nur einen Bruchteil des Angebots ausmacht», sagt Andrea Cormack, Doktorandin an der UNSW und Erstautorin der Studie, in einer Pressemitteilung der Universität. «Sie sind also extrem wählerische Esser, von denen jeder seine eigene Lieblingsspeise hat, sei es Fisch, Tintenfisch, Krustentiere oder Oktopus.»
Diese detaillierten Informationen über die Ernährungspräferenzen der Robben gewannen die Forschenden aus den Schnurrhaaren von 31 männlichen Seeelefanten, die stabile Isotope der Nahrung enthalten, die sie zuvor aufgenommen haben. Von jedem Tier analysierte das Team das längste Schnurrhaar, wobei das Sammeln der Proben von diesen gewaltigen, bis zu vier Tonnen schweren Kolossen nur nach einer leichten Betäubung möglich war.
Jede der analysierten Schnurrhaarproben enthielt bis zu einem Jahr an Daten über die kulinarischen Vorlieben der einzelnen Bullen. Die Ergebnisse zeigen, dass fast alle männlichen Südlichen Seeelefanten Spezialisten sind, die über einen längeren Zeitraum hinweg — insbesondere in den Monaten vor der kräftezehrenden Brutzeit — immer wieder die gleiche Nahrung zu sich nehmen. Nur einer der Seeelefanten war offenbar nicht wählerisch und ernährte sich von vielen verschiedenen Beutetieren.
«Diese Tiere sind monatelang im Wasser auf Nahrungssuche und fasten dann während der Brutzeit zwei bis drei Monate lang an Land, so dass es schwierig ist, durch Untersuchungsmethoden wie Magenanalysen viele Informationen über ihre Ernährung zu sammeln», so Cormack. «Aber durch die Analyse von Hartgewebe, das eine inaktive chemische Aufzeichnung dessen enthält, was sie gegessen haben, können wir beginnen, die Informationen über ihre Ernährungsgewohnheiten zusammenzusetzen.»
Auffallend war, dass die Körpergröße der Seeelefanten stark mit der Größe der Beutetiere korrelierte. Die schwersten Bullen bevorzugten große Beutetiere, die weiter oben in der Nahrungskette stehen. Insbesondere vor der Brutzeit spezialisierten sie sich auf energiereiche Nahrung wie beispielsweise große Kalmare.
Die Größe war jedoch nicht ausschlaggebend für die Spezialisierung, denn auch kleinere Robben wiesen bereits im frühen Erwachsenenalter extreme Nahrungspräferenzen auf, dann allerdings auf kleinere Beute weiter unten in der Nahrungskette. «Sie waren unabhängig von ihrer Größe durchweg wählerisch, was die Art ihrer Nahrung anging», erklärt Cormack. «Für diese Tiere, die während der Brutzeit bis zu 50 Prozent ihres Körpergewichts verlieren können, wenn sie an Land fasten, könnte die Wahl ihrer Nahrung sehr wichtig sein.»
Auch wenn die genauen Gründe für die selektive Nahrungsaufnahme noch unklar sind, gehören zu den möglichen Faktoren die Größe des Mauls, die die ideale Beutegröße und die Fresstechnik bestimmt, sowie die Schwankungen des saisonalen und jährlichen Nahrungsangebots.
Die Forschenden vermuten, dass die Spezialisierung die Konkurrenz während der Nahrungssuche verringert und die Erfolgsquote erhöht, wobei manche Tiere eher eine minderwertige Beute wählen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen und Energie zu sparen. So können sie dennoch die erforderliche Größe erreichen, um mit anderen Männchen um die Fortpflanzungsrechte zu konkurrieren. Langfristige Studien und weitere Forschung sind nötig, um die genauen Ursachen der Spezialisierung und ihre Auswirkungen auf den Bruterfolg zu entschlüsseln.
Trotz der Erholung der Populationen der Südlichen Seeelefanten warnen die Forschenden vor den drohenden Gefahren des Klimawandels. Klimabedingte Verschiebungen im Südlichen Ozean, die sich auf die Verfügbarkeit von Krill auswirken, und neu auftretende Krankheitserreger, wie die aktuell grassierende Vogelgrippe, stellen eine Gefahr für die bevorzugten Nahrungsquellen der Robben dar.
«Die westliche Antarktische Halbinsel, auf der diese unglaublichen Tiere leben, ist eines der Gebiete, die am stärksten von der Erwärmung der Ozeane betroffen sind», sagt Professor Tracey Rogers, Meeresökologin an der UNSW Science und Senior-Autorin der Studie. «Die Eisklippen sind fast vollständig verschwunden, und die Zeiträume, in denen sich neues Eis bildet, werden immer kürzer, was das gesamte Ökosystem verändert. Dies könnte problematisch sein, da der Klimawandel die Verfügbarkeit von Nahrungsressourcen im gesamten Südlichen Ozean beeinträchtigt, weshalb wir mehr Forschung benötigen.»
Julia Hager, PolarJournal
Link zur Studie: Cormack A, Slavich E, Negrete J, Bornemann H, Daneri GA, Rogers TL (2023) Extreme dietary specialisation in adult male southern elephant seals: determining variation between individual trophic diets. Mar Ecol Prog Ser 725:185-199. https://doi.org/10.3354/meps14472