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Da ich aber immer noch die Raben photografieren wollte, stand ich eines Tages wieder auf dem Balkon, um es von dort zu versuchen. Doch seltsamer Weise liess sich keiner von ihnen sehen oder hören. Also nahm ich meine Kamera und ging auf den Hügel hinter dem Haus; denn dort hielten sich die Raben auch sehr oft auf. Ich ging durch die Wiese und die Weide bis an den Waldrand, aber nirgendwo war ein Rabe zu sehen oder zu hören. Als ich mich dann auf den Rückweg machte, sah ich weit über meinem Haus einen Greifvogel kreisen und da war mir klar, warum sich die Raben nicht sehen liessen. Es schien der Milan zu sein, der ja die Raben angegriffen hatte. Und da Raben ziemlich intelligent und lernfähig sind, setzten sie sich ganz sicher nicht freiwillig weiteren Angriffen aus, die sie sehr wahrscheinlich im schlimmsten Fall nicht überleben würden. Somit waren dann die Raben-Photos wohl vorerst gestorben. Und dabei hätte ich gerne einige gemacht; denn diese hätte man auch sehr gut bearbeiten können. Den Greifvogel über dem Haus beachtete ich nicht weiter, da er zu hoch war, um genau zu erkennen, ob es wirklich der Milan war. Ich ging also etwas enttäuscht zurück und verbrachte den Abend vor dem Rechner. Am nächsten Morgen wurde ich durch ein Geräusch geweckt, das sich anhörte, als würde jemand mit etwas metallischem an das Glas eines Fensters klopfen. Ich war sehr verwundert darüber; denn meine Fenster befanden sich alle im 2. Stock, so dass es eigentlich unmöglich war, dass dort jemand klopfen konnte. Es sei denn, er wäre über eine Leiter auf den Balkon gestiegen. Aber genau aus dieser Richtung kam das Klopfen und so ging ich ins Wohnzimmer, um nachzusehen. Zu meiner grössten Überraschung sah ich vor der Balkontür den Milan am Boden sitzen. Ich ging auf die Tür zu, um sie zu öffnen und rechnete damit, dass der Milan dann wegfliegen würde, aber er blieb still sitzen. Also öffnete ich die Tür und ging in die Hocke, um den Milan besser sehen zu können und er sah mich einfach nur an. Ich hatte noch nie gehört, dass ein wildlebender Greifvogel ein so seltsames Verhalten zeigt. Gut, man konnte Milane und andere Greifvögel für die Jagd abrichten, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie selbst dann ein solches Verhalten zeigten. Ich streckte sehr vorschichtig eine Hand nach dem Milan und rechnete damit, dass er danach hacken würde, aber nichts geschah. Der Milan sass einfach da und sah mir nur sehr aufmerksam zu. Also versuchte ich vorsichtig dem Milan über den Kopf zu streicheln und auch dies lies er zu. Er streckte sich sogar, als wollte er damit sagen, dass es ihm gefiel. Das war also nun wirklich ein sehr seltsamer Milan. Da ich aber einen Termin hatte, konnte ich mich leider nicht weiter mit dem Milan beschäftigen und so streckte ich ihm meine Hand so entgegen, dass er sich darauf setzen konnte, was er auch tat. Ich hob ihn dann über die Balkonbrüstung, damit er von meiner Hand aus wegfliegen konnte, aber er blieb wie angewachsen auf der Hand sitzen. Es half nicht einmal, dass ich versuchte ihn mit der anderen Hand vorschichtig wegzustossen. Da hatte ich nun den Milan auf meiner Hand sitzen und musste eigentlich weg. Ich versuchte es nochmals, ihn vorsichtig zum Wegfliegen zu drängen, aber er wollte einfach nicht. Also musste ich mit ihm durch die Wohnung laufen, um zum Natel auf dem Schreibtisch zu kommen. Das Einzige, was der Milan dabei tat, war, sich sehr genau umzuschauen. Ich nahm das Natel, sagte kurz den Termin ab und verschob ihn auf einen späteren Zeitpunkt. Und der Milan sass immer noch auf meiner Hand. Ich ging wieder zurück zum Balkon und dabei entdeckte der Milan dann ein Bild meiner Ex-Verlobten, was er vorher nicht sehen konnte. Ich ging mit dem Milan weiter auf den Balkon, aber er wandte seinen Blick nicht mehr von dem Photo ab. Selbst als ich mich so drehte, dass ich ihm den Blick verstellte, versuchte er den Blick auf dem Photo zu halten. Also ging ich ins Wohnzimmer zurück zu dem Photo und hockte mich davor, da es sich auf einem sehr niedrigen Tischchen befand. Sofort hüpfte der Milan von meiner Hand und setzte sich vor das Photo und sah es sich sehr genau an. Dabei drehte er einige Male den Kopf, um es aus verschiedenen Winkeln zu betrachten und es hatte irgendwie den Anschein, als würde er meine Ex-Verlobte kennen. Plötzlich ergriff der Milan mit dem Schnabel den Ring, der vor dem Bild lag, drehte den Kopf zu mir und streckte sich, als wollte er mir den Ring geben. Ich hielt eine Hand so neben ihn, dass er mir den Ring hineinlegen konnte. Ich nahm den Ring, drehte ihn wieder so, dass die eingravierte Schrift auf der Innenseite richtig herum stand und legte ihn wieder vor das Photo. Kaum lag der Ring wieder an seinem Platz, griff der Milan wieder danach und legte ihn mir in die Hand. Dieses Spiel ging drei-, viermal so und dann hielt ich den Ring einfach in der Hand. Der Milan sah mich dann einfach nur an und dann sah es so aus, als würde plötzlich eine Träne aus einem seiner Augen rollen. Ich beugte mich so weit herunter, dass ich auf Augenhöhe mit dem Milan war und merkte, dass es tatsächlich eine Träne war. Als ich den Milan so nah vor den Augen hatte, stupste er mir mit dem Schnabel leicht vor die Nase. Ich sah an dem Milan vorbei auf das Photo meiner Ex-Verlobten und es sah so aus, als würde sie weinen. So etwas hatte ich bei einem Photo noch nie zuvor beobachtet. Es war, als wäre es plötzlich lebendig. Ich schüttelte den Kopf und sah dann auf den Ring in meiner Hand. Dabei kam mir dann eine Idee. Offensichtlich wollte der Milan den Ring ja nicht vor dem Bild liegen haben und so legte ich ihn einfach vor den Milan, stand auf und ging ein schwarzes Band und eine Schere holen. Inzwischen hatte der Milan den Ring wieder im Schnabel und sich so gedreht, dass er nun mit der Vorderseite zu mir vor dem Photo sass. Ich hielt ihm meine Hand entgegen und er legte den Ring wieder hinein. Dann nahm ich den Ring und dann das schwarze Band, welches ich dem Milan vorschichtig um den Hals legte, um die richtige Länge für ein Halsband zu ermitteln. Der Milan lies dies alles mit sich geschehen und statt nach mir zu hacken, sah er mir bei der ganzen Sache sehr genau zu. Als ich fertig war und dem Milan den Ring wie ein Halsband umgebunden hatte, schob er das Band mit dem Schnabel so geschickt unter die Federn, dass nur noch der Ring zu sehen war. Dann lief er zum Balkon und sah zur Brüstung nach oben. Mir war sofort klar, dass er dort hoch wollte und so hob ich ihn auf die Brüstung, von der aus er dann wegflog. Doch schon nach ein paar Runden über die Felder und Wiesen kam er zurück und setzte sich wieder auf die Brüstung. Da ich nun nicht wusste, was ich mit dem Milan weiter machen sollte, ging ich wieder in die Wohnung, lies die Balkontür jedoch offen. Gegen Abend ging ich dann wieder ins Wohnzimmer, um die Balkontür auf Kipp zu stellen und sah, dass der Milan schon wieder oder immer noch auf der Balkonbrüstung sahs. Als ich die Tür umstellte, sah er mich nur an und schloss kurz die Augen, was wie ein Zwinkern aussah. Dann drehte er sich um und flog in Richtung Wald über die Wiese davon. Doch am nächsten Morgen stand er schon wieder auf dem Balkon und weckte mich durch sein Klopfen an der Scheibe. Ich nahm ihn auf die Hand, streichelte ihm über den Kopf und den Rücken und setzte ihn dann wieder auf die Brüstung, so dass er jeder Zeit wieder von dort wegfliegen konnte. Schliesslich war er ja ein Wildtier. Als ich an diesem Abend die Balkontür wieder umstellen wollte, sass der Milan nicht auf der Brüstung, sondern vor der offenen Tür, was mich etwas wunderte; denn er hätte jederzeit in die Wohnung kommen können. Ich streckte meine Hand nach ihm aus, um ihn wieder auf die Brüstung zu setzen, aber statt auf die Hand zu steigen, lief er an mir vorbei ins Wohnzimmer und setzte sich vor das Photo meiner Ex-Verlobten. Inzwischen wunderte mich bei diesem Vogel nichts mehr und so lies ich ihn dort sitzen. Ich schloss die Tür an diesem Abend ganz; denn es schaute nach einem hefigen Gewitter aus; dann streichelte ich zum Abschied noch den Milan und ging zu Bett. In der Nacht wurde ich plötzlich von einem lauten Knall geweckt und sprang sofort aus dem Bett, um nach dem Milan im Wohnzimmer zu sehen, aber dieser sass immer noch vor dem Photo und schien nichts mitbekommen zu haben; denn er rührte sich nicht. Erst dachte ich, dass er etwas umgeworfen hätte, stellte dann aber fest, dass der Knall von einem Fensterladen in der Wohnung unter mir kam, der nicht richtig in der Halterung befestigt war und durch einen Windstoss vor die Wand geschlagen wurde. Also war das erwartete Gewitter schon da, zumindest der entsprechende heftige Wind dazu. Das Gewitter und der Regen blieben jedoch aus und den Rest der Nacht blieb es ruhig. Am folgenden Morgen war ich dann wohl vor dem Milan wach; denn es ertönte kein Klopfen an der Balkontür. Ich ging ins Wohnzimmer und der Milan sass nach wie vor vor dem Photo und schien noch zu schlafen. Also lies ich ihn dort sitzen und ging in die Küche, um mir meinen Kaffee zu kochen. Durch die dabei verursachten Geräusche, die dem Milan ja vollkommen unbekannt waren, wurde er schliesslich wach und er klopfte, diese Mal von Innen, an die Scheibe der Balkontür. Ich ging also ins Wohnzimmer, nahm den Milan auf meine Hand, öffnete die Balkontür und als ich an der Brüstung stand, flog der Milan zum ersten Mal von meiner Hand aus weg. Durch die heftigen Winde in der Nacht hatte es sich abgekühlt und daher lies ich die Balkontür wieder offen, damit es auch in der Wohnung etwas kühler werden konnte. Da ich aber Einkaufen musste, stellte ich die Tür wieder auf Kipp und als ich dann zurück kam, sass auch schon wieder der Milan auf der Balkonbrüstung. Ich öffnete die Tür wieder ganz, aber der Milan blieb auf der Brüstung sitzen und schaute mich nur an. Ich ging an der Rechner und suchte nach einem Tierarzt in der Nähe; denn irgendetwas schien mit diesem Milan nicht wirklich in Ordnung zu sein. Nach kurzer Suche hatte ich einen Tierarzt ausfindig gemacht und rief dort an. Ich schilderte kurz den Grund des Telefons und man verwies mich darauf an die Vogelwarte. Also rief ich dort an und man meinte, ich sollte mit dem Vogel so schnell wie möglich kommen. Nun, das war kein Problem; denn der Milan sass noch immer auf der Balkonbrüstung. Also nahm ich ihn auf meine Hand und ging mit ihm zum Auto. Ich setzte ihn auf den Beifahrersitz und es ging zur Vogelwarte. Dort wurde ich schon erwartet und es war auch schon alles für eine Untersuchung vorbereitet. Der Milan lies die ganze Untersuchung mit Vermessung der Flügel, wiegen und Blutabnahme ohne "Widerworte" über sich ergehen, als wäre es vollkommen normal. Am Ende sollte er dann noch einen Vogelring bekommen, doch dagegen wehrte er sich und so verblieb ich mit dem Arzt, dass wir auf den Ring verzichteten, da er ja sowieso schon den Ring von mir am Hals trug. Abschliessend sagte mir der Arzt dann noch, dass es sich bei diesem Milan um ein noch recht junges Weibchen handeln würde, welches gerade erst die Geschlechtsreife erreicht hätte, also etwa ein Jahr alt war. Und das es besonders fein gezeichnet wäre, also im Gegensatz zu anderen Rotmilanen eine feinere Abgrenzung der unterschiedliche Gefiederfarben hätte. Das Auffallendste seien jedoch die Augen, die nicht wie üblich leicht gelblich waren, sondern eine Mischung aus blau, grau und grün waren. Ich hätte also einen ungewöhnlichen Rotmilan. Es folgten noch einige Eintragungen zur Registrierung und da tauchte dann auch die Frage nach einem Namen auf. Ohne lange zu überlegen, nannte ich das Milanweibchen "Patricia". Als auch die Formalitäten erledigt waren, fuhr ich mit Patricia wieder nach Hause. Nun hatte der Milan also auch einen Namen und das sogar offiziell mit einem Eintrag im Register. In den nächsten Wochen kam es öfters dazu, dass Patricia über Nacht in der Wohnung blieb und inzwischen hatte ich ihr sogar so etwas wie eine Leiter anfertigen lassen, damit ich sie nicht immer über die Balkonbrüstung heben musste. Wenn sie nach Draussen wollte oder aber herein wollte, klopfte sie einfach mit dem Schnabel an die Tür, wenn diese geschlossen war. Wenn die Tür offen war, konnte sie sich frei bewegen, wie es ihr gefiel.
Und wieder einmal stand eine Sommerliche Schlossromantik an, zu der ich in diesem Jahr alleine ging. Allerdings hatte ich, im Gegensatz zu all den Jahren davor dieses Mal die Kamera dabei. Gut, ich hatte immer eine dabei, aber bisher war es nur eine digitale Kompaktkamera. Patricia hatte ich seit dem Mittag nicht mehr gesehen und daher vermutete ich sie auf der Jagd und hoffte, dass sie es mir nicht Übel nehmen würde, dass sie diese Nacht im Freien verbringen musste; denn es sah, wie eigentlich an allen bisherigen Sommerliche Schlossromantiken, nicht so aus, dass es einen unvorhergesehenen Wetterumschwung geben würde. Ich fuhr also nach Lenzburg, um den Abend und die Nacht dort zu verbringen. Und es kündete sich ein schöner Sonnenuntergang an; denn es bildeten sich am sonst wolkenlosen Himmel über dem westlichen Jura ganz langsam kleine Federwolken. Kurz nachdem ich meinen Eintritt gezahlt hatte, ging ich mir etwas zu Essen holen und setzte mich damit in den Schlossgarten, um den Sonnenuntergang nicht zu verpassen. Es stellte sich heraus, dass diese Entscheidung goldrichtig war; denn gerade als ich fertig war, begann die rote Sonne hinter den Höhenzügen des Jura zu verschwinden und dabei die Wolken in ein unheimlich schönes rotes Licht zu tauchen. Ich wechselte schnell die Objektive an der Kamera und stellte mich an die Schlossmauer, um einen freien Blick zum Jura zu haben. Ich schoss also mehrere Photos und gerade als die Sonne mit ihrem unteren Rand den Jura zu berühren schien, flog mir in einiger Entfernung ein recht grosser Vogel ins Bild. Im ersten Moment ärgerte es mich, aber zum Glück war er schnell genug wieder aus dem Blickwinkel der Kamera verschwunden, dass ich noch ein Photo machen konnte. Es war nämlich nicht nur so, als würde die Sonne mit dem unteren Rand den Jura berühren, sondern mit dem oberen noch die Wolken; sie stand also genau zwischen den Wolken und den Bergen. Ich machte dann bis zum völligen Verschwinden im Abstand von vielleicht einer halben bis Minute eine ganze Reihe von Photos, so wie ich es schon einmal bei einem Mondaufgang gemacht hatte. Erst als die Sonne ganz verschwunden war und auch die Wolken nicht mehr von ihr rot illuminiert wurden, brach ich die Serie ab, wechselte die Speicherkarte und wandte mich wieder der Schlossromantik, bzw. deren Besuchern zu. Doch gerade in dem Moment, als ich mich von der Mauer umdrehen wollte, landete ein Vogel auf der Mauer. Doch es war nicht irgendein Vogel, sondern zu meinem allergrössten Erstaunen war es Patricia. Natürlich stand ich nicht allein an der Mauer und sah mir den Sonnenuntergang an, sondern es standen dort auch noch einige andere Leute, die doch etwas erschraken, als Patricia auf der Mauer landete. Schliesslich war sie ja keine kleine Amsel oder Taube, sondern ein 1'350 Gramm schwerer und 38 cm (ohne Schwanz; mit sogar 72 cm) grosser Vogel mit immerhin 1.68 m Flügelspannweite. Erst jetzt merkte ich, dass der Vogel, der mir durch das Bild geflogen war, auch nicht irgendein Vogel war, sondern Patricia und nun ärgerte es mich eigentlich mehr, dass sie es nicht schon früher getan hatte. Es hätte sicher einige sehr schöne Photos von ihr vor der roten Sonne und den roten Wolken gegeben. Aber es brachte mich auch auf eine Idee. Sollte sich das Wetter in den nächsten Tagen noch halten, dann wollte ich mit Patricia auf die Ruinen der Frohburg und Burg Stein fahren.
Ich streckte Patricia meine Hand entgegen, auf die sie sich auch sofort setzte. Und schon kamen die Leute aus der unmittelbaren Umgebung, die Patricia zuvor erschreckt hatte und bestaunten uns. Natürlich gab es auch eine Menge Fragen, die alle beantworten werden musste, aber das war eigentlich auch nicht anders zu erwarten. Wem flog schon einfach so ein Rotmilan zu und setzte sich ohne zu zögern auf die Hand? Natürlich wollten einige Leute auch Photos machen, doch als Patricia das merkte, schüttelte sie sich heftig und mir war sofort klar, dass sie keine Photos wollte. Also musste ich das zum Bedauern leider ablehnen. Doch wie immer gab es dann doch jemanden, der es unbemerkt versuchen wollte. Allerdings bekam Patricia es mit und ich konnte sie gerade noch mit dem Daumen so auf der Hand halten, dass sie nicht auf den Photografen zufliegen konnte. Und genau in dem Moment drückte der Photograf ab. Ich hob Patricia schnell über die Mauer, so dass sie darüber nach unten weggleiten konnte, um nicht noch einmal heimlich photografiert zu werden. Dann schnappte ich mir den Photografen und machte ihm deutlich, dass er das Photo sofort in meinem Beisein zu löschen hätte. Er faselte irgendetwas von wegen, dass er das nicht könne, doch ich hatte gesehen, dass er eine kompakte Digitalkamera hatte und es somit ohne Weiteres möglich war. Er wollte sich dann umdrehen und weggehen, doch inzwischen hatten es auch einige umstehende Besucher mitbekommen und stellten sich ihm in den Weg. Trotzdem machte er keine Anstalten das Photo zu löschen und so zog ich meine Natel aus der Tasche und tippte für jeden sichtbar die Nummer der Polizei ein. Dies genügte und ich durfte zusehen, wie das Photo, welches sowieso vollkommen unscharf war, gelöscht wurde. Danach drehte der Photograph sich um und ging murrend zum Ausgang und verschwand. Natürlich fragten die Gäste, die sich dem Photographen zuvor in den Weg gestellten hatten, was das mit dem Photo auf sich hatte und so bedeutete ich ihnen einen Moment zu warten. Ich stiess einen kurzen sehr hohen Pfiff aus und es dauerte nicht einmal eine Minute, da kam Patricia angeflogen. Im ersten Moment erschraken die Leute natürlich auch wieder, aber als Patricia dann auf meiner Hand landete, brachten sie im ersten Moment vor Staunen keinen Ton mehr heraus. Ich sagte dann nur, dass jetzt jemand mal versuchen sollte, ein Photo von uns zu machen. Selbstverständlich wurden sofort mehrere Kameras gezogen, doch als Patricia das sah, schüttelte sie sich so heftig, dass sie sich kaum auf meiner Hand halten konnte. Ich brauchte nichts weiter zu sagen und die Kameras verschwanden sofort wieder in den Taschen. Dann erzählte ich nur kurz, dass eben jener Photograph es heimlich versucht hatte, was Patricia nicht verborgen geblieben war und sie mir fast von der Hand geflogen wäre, um den Photographen anzugreifen. Und ich wollte nicht wissen, wie man aussah, wenn man die Krallen eines Greifvogels von Patricia's Grösse durchs Gesicht oder über die Schultern gezogen bekam, bzw. sich der Vogel versuchte sich festzukrallen. Ganz abgesehen davon, dass sich der Vogel dabei selber auch verletzen könnte. Und das sollte Patricia auf keinen Fall passieren, solange ich es verhindern konnte. Nach dem Gespräch mit den anderen Gästen ging ich mit Patricia wieder an die Mauer und wollte eigentlich, dass sie wieder fliegt und sich irgendwo auf dem Schloss auf das Dach oder in einen der Bäume setzte, aber sie lies sich nicht dazu bewegen. Also probierte ich etwas Neues aus und versuchte sie mir auf die Schulter zu setzen; denn auf die Dauer würden sicher auch ihre 1'350 Gramm auf der Hand zu schwer. Erstaunlicherweise klappte es sehr gut und Patricia sass den Rest des Abends auf meiner Schulter. Allerdings war es etwas ungewohnt mit ihr auf der Schulter, aber selbst das Photografieren klappte dennoch sehr gut. Natürlich versuchte man immer wieder uns zu photografieren, aber es schien sich dann doch wohl herumgesprochen zu haben; denn jedes Mal schüttelte sich Patricia und die Kamera verschwand aus ihrem Blickfeld. So wurde der Abend dann doch noch sehr interessant und ich ging als einer der letzten Gäste vom Schloss.
PhoenixAter 27.06.2011