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Wasser, das nur als Rinnsal aus dem Hahnen fliesst: Dies soll für die Bewohner der höher gelegenen Häuser von Courtepin und Kleinbösingen bald der Vergangenheit angehören. Gestern hat der Trinkwasserverbund Bibera (TWB) das neue Reservoir Tschenets eingeweiht. Auf einem Hügel oberhalb von Courtepin erstellte der TWB in den vergangenen knapp anderthalb Jahren für 8,4 Millionen Franken zwei Wasserkammern mit insgesamt 4500 Kubikmetern Fassungsvermögen.
Das neue Reservoir soll fünf kleinere Standorte ersetzen, welche rund 37 Meter tiefer liegen. «Gerade in Richtung Courtaman genügte der Wasserdruck in den Leitungen nicht mehr, speziell für die Brandbekämpfung», erklärte Bauleiter Philip Messerli.
Heikle Umstellung
Die neue Anlage ist von aussen unscheinbar. Ein Eingangsportal aus Beton führt–ähnlich wie bei einer Zivilschutzanlage–ins unterirdische Reservoir. Im mittleren Raum fallen mehrere dicke Wasserleitungen auf. Sie führen von den beiden Reservoirkammern nach Freiburg sowie nach Courtepin und Cordast. Die Wasserkammern sind links und rechts des zentralen Schieberraums angeordnet. Während in der einen Kammer das Wasser bereits bläulich schimmerte, war die andere noch leer und für die Besucher zugänglich. «Zwei Kammern machen die Versorgung zuverlässiger, weil so bei Unterhaltsarbeiten in der einen Kammer die zweite weiter genutzt werden kann», erklärte Ingenieur André Sciboz.
«Der kritischste Moment während der Bauphase war derjenige, als wir das alte Reservoir von Courtepin ausser Betrieb nahmen und die erste Kammer des neuen Reservoirs möglichst zeitgleich in Betrieb nehmen sollten», sagte Philip Messerli. Diese Umstellung musste innerhalb von 90 Minuten reibungslos über die Bühne gehen, um die Einwohner von Courtepin nicht vom Trinkwasser abzuschneiden. Doch es klappte. «Jetzt bin ich entspannt», meinte der Bauleiter schmunzelnd.
Intensive Verhandlungen
Ausgangspunkt des neuen Reservoirs war eine Analyse von 2003. Deren Befund: Sechs kleinere Reservoirs in den Gemeinden des Trinkwasserverbundes waren veraltet und sanierungsbedürftig. Bei vielen war der Wasserdruck für die Brandbekämpfung zu klein. Zudem, so Philip Messerli, vereinfacht ein zentrales, grösseres Reservoir den Unterhalt. Trotz dieser Erkenntnis brauchte es ganze 13 Jahre bis zur Verwirklichung des Projekts. «Wir mussten die Gemeinden überzeugen, und wir mussten Verhandlungen mit den betroffenen Landbesitzern führen», erklärt Bernhard Hostettler. Das brauche halt Zeit. Umso mehr freut sich der Präsident des Trinkwasserverbundes nun über die Einweihung–nicht zuletzt, weil die geplanten Kosten von 8,4 Millionen Franken wohl eingehalten werden.
Die Ansprüche an die Hygiene und die Sicherheit der Trinkwasserversorgung würden stetig steigen, so Hostettler. Für ihn ist deshalb klar: «Die Zukunft unserer Trinkwasserversorgung liegt in der Regionalisierung, nicht in der Gemeinde.»
«Die Zukunft der Wasserversorgung liegt in der Regionalisierung, nicht in der Gemeinde.»
Bernhard Hostettler
Präsident Trinkwasserverbund Bibera
Erweiterung: Gemeinden sind blockiert
D er Trinkwasserverbund Bibera (TWB) kann seine Erweiterung nicht so verwirklichen, wie sich dies die Verantwortlichen gewünscht hatten. Das gab Präsident Bernhard Hostettler an der Delegiertenversammlung des Trinkwasserverbundes bekannt, welche am Mittwoch in Jeuss stattfand. Dies, obschon mit Courlevon, Greng, Münchenwiler, Salvenach, Lurtigen und Clavaleyres zahlreiche Gemeinden Interesse an einem Beitritt hätten. Weil sich die Gemeinden Ried und Gurwolf aber definitiv gegen eine Beteiligung am TWB entschieden haben, ist die Erweiterung aufgrund der geografischen Lage der interessierten Gemeinden blockiert. Noch nicht vom Tisch ist ein Beitritt der Gemeinde Cressier. «Sie muss sich nun definitiv entscheiden, ob sie sich dem Verbund anschliessen will», sagt Hostettler.
Die Rechnung 2015 des TWB Bibera schliesst bei einem Aufwand von rund 383 000 Franken mit einem Reingewinn von ungefähr 10 000 Franken. Der Bau des Trinkwasserreservoirs Tschenets zieht die Erstellung mehrerer neuer Leitungen nach sich. Bereits abgeschlossen ist die erste Etappe vom Reservoir bis zum Dorfeingang von Cordast, wo die Leitung mit den bisherigen Dorfleitungen verbunden wurde. Für die zweite Etappe zwischen Gurmels und Monterschu wurden die Arbeiten vergeben. Sie sollen in diesem Jahr ausgeführt werden. 2017 schliesslich will der Trinkwasserverbund die dritte Etappe zwischen Monterschu und Cordast in Angriff nehmen. sos
Zahlen und Fakten
Zusammenschluss aus acht Gemeinden
2008 schlossen sich die Gemeinden Courtepin, Büchslen, Gempenach, Gurmels, Jeuss, Kleinbösingen, Ulmiz und Wallenried zum Trinkwasserverbund Bibera zusammen. Bereits damals war der Einbezug Cressiers geplant, dieser scheiterte aber am Nein der Gemeinde. Das neue Trinkwasserreservoir steht am kommenden Samstag von 10 bis 16 Uhr der Bevölkerung zur Besichtigung offen.sos