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Diplomarbeit ‚Haus der Musik‘, Professur Adam Caruso, 2015
Die architektonische Gestalt ist angelehnt an die von Bernd und Hilla Becher aufgenommenen Strukturen. Eine weitere Referenz sind Gerüste, die immer einem Haus untergeordnet sind und nur temporär Anwendung finden. Eine zentrale Fragestellung ist, inwiefern ein Gerüst permanent werden kann und ob eine Trennung überhaupt Sinn macht. Konkret: Sind Gerüste Architektur?
Inmitten dem Tramdepot und dem Bahnhofsgebäude angesiedelt, soll mein Vorschlag zwischen den grösseren industriellen Bauwerken und dem feiner gegliederten Wohnquartier vermitteln. Eine grosse Halle verbindet die beiden Eingänge. Auf der einen Seite davon befindet sich der Saal, ihm gegenüber die Bar. Sie ist städtebaulich prominent gesetzt und funktioniert unabhängig, ist jedoch dem Foyer bei Anlässen zuschaltbar. Leicht herausgeschoben zeigt der Aufgang das Zusammentreffen vom inneren mit dem äusseren Raster.
Die innere Tragstruktur besteht aus Walzprofilen, welche eine freie Anordnung der Räume zulässt. Darum befindet sich eine selbsttragende Pfosten-Riegel-Fassade aus schlanken Metallprofilen. Den zwei Hauptfassaden vorgelagert ist eine Balkonschicht, welche als Gerüst unabhängig steht. Der französische Balkon ermöglicht es den Nutzern für eine Pause hinauszutreten oder den Proberaum zu erweitern. Zudem dient er als sekundäre Erschliessung und Fluchtweg und schützt mithilfe von Markisen in der äussersten Schicht vor Sonne.
Es lässt sich eine Analogie zum Apparat feststellen: Ein Gerät, das aus mehreren Teilen gebildet ist und zugleich die nötigen Hilfsmittel für eine Tötigkeit zur Verfügung stellt (lat. apparare: ap- „zu, hin“ und parare „vorbereiten, einrichten, rüsten“). So ist das Haus der Musik auch ausgebildet: Als Instrument, als Werkstatt, frei bespielbar.
Unterschiedliche Farben markieren verschiedene Zonen: Individuelle Proberäume, darum fliessender Erschliessungsbereich und punktuell Arbeitsorte. Die Räume folgen dem Prinzip des „Haus im Haus“ und sind akustisch entkoppelt. Eingekleidet und umgeben von Schränken und Vitrinen können sie nicht nur Instrumente und andere dem Üben wichtige Utensilien aufnehmen, sie bilden auch ein begehbares Archiv der Musikgeschichte.