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Tag 3 & 4 (05.–06. März): Auf der Dahabije – Assuan bis Abu Hor
« Mit der Morgenkühle vor Sonnenaufgang aufgewacht, als die ersten Strahlen das Gebälk des Kiosken vergolden, aufgestanden. Grünau trefflicher Küchenmeister: Chokolade, Hafermus u. Eier zum Frühstück, da noch der rechte Wind fehlt, hinauf auf di[e] Insel und gemeinsame Besichtigung. »
–– Hermann Thiersch, Eintrag vom 5. März 1900
Ägypten stand seit 1892 unter britischer Besatzung. Unter deren Anleitung wurde auch das erste Staudammprojekt bei Assuan initiiert – unweit des Kiosken von Philae –, um die jährliche unberechenbare Flut des Nils zu regulieren. Kam es in manchen Jahren wegen der ausbleibenden Flut zu Dürren, schwemmten in anderen Jahren die über die Ufer tretenden Wasser alles mit sich weg und gefährdeten Infrastruktur und Ernte. Um die lukrative Baumwollproduktion, die unter britischer Besatzung die traditionelle Getreideproduktion weitestgehend ersetzt hatte, nicht zu gefährden, sollte die jährliche Flut reguliert werden.
Thiersch erlebt die beginnenden gewaltigen Bauarbeiten am ersten Staudamm bei Assuan, welcher zwischen 1898 und 1902 errichtet wurde. Am 18. April 1900 kommentiert er in seinem Tagebuch die Konsequenzen des Baus und die damit einhergehenden Verluste von kulturellem Erbe: «Es ist der Staudamm, der Philae und andre Tempel oberhalb zu Fall bringen wird» (Hermann Thiersch, Eintrag vom 18. April 1900). Der Tempel von Philae wurde als Teil aufwendiger Rettungsarbeiten in den nächsten Jahren auf die höhere Nachbarinsel Agilkia verlegt.
Zwischen 1964 und 1970 folgte dann die Erbauung des zweiten, weitaus immenseren Staudamms, dessen Stausee sich heute über eine Länge von fast 600 Kilometer erstreckt, wodurch er bis über Wadi Halfa hinausreicht. Dieser sollte die Bewässerung der ägyptischen Landwirtschaft, aber auch die Versorgung Ägyptens mit Trinkwasser sicherstellen, nachdem die ägyptische Bevölkerung über Jahrtausende von der jährlich schwankenden sommerlichen Nilflut abgehangen hatte.