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In einer Ausgabe des «Tagesanzeigers» während des kürzlichen CSI5*-W Zürich bedauerte Rolf Gfeller das Fehlen von Publikumslieblingen unter den Pferden – und erwähnt gleichzeitig den Schimmel Clooney von Martin Fuchs als Kandidaten.
Beides, das Fehlen an Publikumslieblingen und die Tatsache, dass Clooney ein Schimmel ist, verdienen eine erweiterte Betrachtung. Das eine, das Fehlen von grossen Pferdenamen, schwächt die Stellung des Pferdesports im internationalen Sportgeschehen – das zweite ist ein Hinweis, dass es ein Schimmel wahrscheinlich leichter hat, ins Empfinden des grossen Publikums einzudringen. Grosse Pferde gab es schon immer. Vor dem Ersten Weltkrieg schwärmte man von der Stute Amazone des französischen Leutnant De Meslon und vom Hochspringer Conspirateur von Captain Crousse. In den Zwischenkriegsjahren sprach man von Crispa und Nasello, Tora und Baccarat – die Ersteren aus Italien – die beiden anderen aus Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg staunte man zuerst über Arete des mexikanischen Olympiasiegers Humberto Mariles. Dann faszinierten Winklers Halla und Thiedemanns Meteor. Weiter The Rock und Posillipo der Brüder D’Inzeo und Foxhunter und Flanagan in englischem Besitz. Nicht zu vergessen die Vollblüter der Amerikaner: Ksar d’Esprit, Sinjon, Nautical, Untouchable, Tomboy, San Lucas und Snowbound.
Von Deister bis Walzerkönig
Auch in den 70er- und frühen 80er-Jahren erlebte man mit Deister, Jessica, Abdullah, Flambeau C, Gladstone, Jet Run, Calypso und I Love You Publikumslieblinge unter den Pferden. Aber die eindrucksvollste Ansammlung grosser Pferde gab es von Mitte der 80er- bis anfangs der 90er-Jahre: drei absolute Superstars und zwei, die nahe daran waren: Milton, Jappeloup, Big Ben als die grossen drei, dazu Gem Twist und Walzerkönig.
Der 1975 geborene, eher kleine Rappe Jappeloup wurde 1987 Europameister, 1988 Olympiasieger und war dreimal beim Weltcupfinal auf dem Podest. Bei der WM 1986 in Aachen gewann Jappeloup die Qualifikation, aber Pierre Durand war im Pferdewechselfinal überfordert. Der drei Jahre jüngere Schimmel Milton gewann 1990 und 1991 den Weltcupfinal (1989 und 1993 wurde er Zweiter). 1989 wurde John Whitaker mit ihm Europameister und 1990 WM-Zweiter. Für die Olympischen Spiele von 1988 wurde Milton nicht freigegeben. Big Ben, 1976 geboren, gewann mit Ian Millar ebenfalls zweimal den Weltcupfinal (1988 und 1989) und wurde 1986 Zweiter. Der Schimmel Gem Twist wurde von Greg Best bei den Weltmeisterschaften 1990 in Stockholm zum Sieg in der Qualifikation geritten. Best wurde im Pferdewechselfinal aber nur Vierter. Aber Gem Twist galt als bestes Pferd des Finals. Davor hatte es 1988 in Seoul für die beiden die olympische Silbermedaille gegeben. Walzerkönig von Franke Sloothaak war je einmal Dritter bei der EM 1991 und beim Weltcupfinal 1990.
Von Calvaro bis Nino des Buissonnets
Diese Ansammlung von Superpferden war in jenen Jahren, 1986 bis 1993, ein Geschenk und half, das Interesse des grossen Sportpublikums am Pferdesport hochzuhalten. Seither gab es immer wieder überragende Pferde: nicht zuletzt Calvaro und Tinka‘s Boy in Schweizer Besitz. Weiter Ratina, For Pleasure, E. T. und Rodrigo Pessoas Baloubet du Rouet, der sechsmal hintereinander beim Weltcupfinal auf dem Podest stand, davon dreimal als Sieger. Aber heute sind die grossen Namen rarer geworden – einer der wenigen: Olympiasieger Nino des Buissonnets wurde kürzlich vom aktiven Sport verabschiedet. Vielleicht hat dies auch damit zu tun, dass die Namen so lang und nichtssagend geworden sind (siehe «PferdeWoche» vom 30. November).
Native Dancer
Unter den grossen fünf der erwähnten goldenen Jahre 1986 bis 1993 sind zwei Schimmel: Milton und Gem Twist. Und der vielleicht imposanteste Superstar der Jahre danach war ein weiterer Schimmel: Calvaro. In diesem Zusammenhang ist es interessant, an den amerikanischen Vollblüter Native Dancer zu erinnern. Auch er war ein Schimmel. Der 1950 geborene Sohn des Preak-ness-Siegers Polynesian war das erste Pferd, das in den USA dank dem aufkommenden Fernsehen landesweit bekannt und berühmt wurde. Am 31. Mai 1954 war der vierjährige Native Dancer, «Grey Ghost» genannt, das Titelbild des «Time Magazine». Native Dancer verblüffte durch seine Finishqualitäten. Wenn der Schimmel auf der Zielgeraden an allen vorbei an die Spitze galoppierte, wurde auf der Rennbahn wie vor dem Fernsehschirm gejubelt. Als Zweijähriger gewann Native Dancer alle neun Rennen. Als Dreijähriger wurde er nur einmal (im Kentucky Derby) besiegt, gewann aber das Preakness und das Belmont Stakes. Als Vierjähriger siegte er nochmals in allen drei Rennen, bevor er wegen einer Hufverletzung aus dem Sport genommen wurde. In der Zucht war der Schimmel weiter erfolgreich: als Vererber von Siegern wie von Vererbern. Native Dancer, Milton, Gem Twist, Calvaro – vier Schimmel. Freuen wir uns auf den Schimmel Clooney!
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 6/2017)
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