Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03388.jsonl.gz/1200

Brasilien ist stolz auf seine paralympischen Athleten und Athletinnen. Die haben in Tokio so viele Goldmedaillen wie noch nie errungen, sind mit dem Medaillenstand von Rio-2016 gleich gezogen und haben nebenbei noch Weltrekorde gebrochen. Geschafft haben sie es aber auch in die Herzen des brasilianischen Puplikums.
Insgesamt 72 Medaillen haben die brasilianischen Sportler bei den paralympischen Sommerspielen in Tokio erzielt. Genauso viele waren es auch bei der Ausgabe 2016 in Rio de Janeiro, die mit dem bisherigen Medaillenrekord endete. Damals sind allerdings fast doppelt so viele Athleten an den Start gegangen wie in Tokio, weil Brasilien das Gastgeberland war.
Beim Ländervergleich liegt Brasilien mit 22 mal Gold, 20 mal Silber und 30 mal Bronze auf dem siebten Platz. Mit den 22 Goldmedaillen haben sie zu dem den bisherigen Rekord Brasiliens von London 2012 gebrochen. Es gab Medaillen beim Schwimmen, in der Leichtathletik, beim Tischtennis, beim Fechten, Reiten, Judo, Rudern, Boccia, Taekwondo, Kanu, Torball, Marathon und beim Fünfer-Fußball.
Die Teilnahme in Tokio war für die Brasilianer aber auch wegen der hohen Zahl an Neulingen etwas Besonderes. Von den 234 brasilianischen Athleten und Athletinnen waren 86 zum ersten Mal bei paralympischen Spielen dabei.
Einige von ihnen haben dabei gleich für erstaunliche Leistungen gesorgt, wie der erst 20-jährige Nathan Torquato, der die erste Goldmedaille Brasiliens im Taekwondo errungen hat. Überhaupt haben alle drei Athleten Brasiliens, die in Tokio beim Taekwondo angetreten sind, das Siegerpodium erobert. Débora Menezes holte Silber und Silvana Fernandes Bronze.
Der 21-Jährige Paralympics-Neuling Gabriel Bandeira ist gleich viermal auf das Siegerpodium gestiegen. In verschiedenen Schwimmdisziplinen holte er einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Gleich dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze erschwamm sich Carol Santiago. Auch für die 36-Jährige waren es die ersten Paralympics.
Ein erfahrener Para-Athlet ist hingegen Daniel Dias. Der hat in Tokio seine Sammlung von 24 Medaillen mit drei weiteren vergrößert. Jetzt will er sich aber aus dem paralympischen Sport zurückziehen, um sich mehr um seine drei Kinder kümmern zu können, wie er verkündet hat.
Ein brasilianisches Doppelpodium gab es mit Thalita Simplício und Jerusa Geber beim 200-Meter-Sprint T11. Beinahe sah es nach Gold für Thalita Simplício aus, die augenscheinlich gleichzeitig mit der Chinesin Cuiqing Liu über die Ziellinie gelaufen ist. Die japanischen Uhren haben dann aber einen Unterschied von einer tausendstel Sekunde ausgemacht und Thalita landete auf dem zweiten Platz.
Fernando Rufino sorgte hingegen gleich für zwei Sekunden Vorsprung. Beim 200 Meter-Kanu der Klasse VL2 hängte er seine Mitstreiter souverän ab und erruderte Gold. Gold gab es auch für den schnellsten Para-Läufer der Welt, Petrúcio Ferreira. Der hat beim 100-Meter-Sprint dazu noch den Weltrekord gebrochen.
Einen ganz besonderen Rekord gibt es beim Fünfer-Fußball für Menschen mit Sehschwäche. Fünfmal ist dieser bisher ausgetragen worden. Alle fünfmal haben die Brasilianer gewonnen. Damit nicht genug, haben die Südamerikaner bisher kein einziges der bei den Paralympics ausgetragenen Fünfer-Fußballspiele verloren.
Die großen Erfolge der paralympischen Sportler kommen zu einem Zeitpunkt, an dem in Brasilien Menschen mit Behinderungen um Rückschritte fürchten. Unter anderem wurde vom Bildungsministerium angekündigt, dass es künftig kein Recht mehr auf einen integrierten Schulunterricht geben wird.
Kinder mit Behinderungen sollen stattdessen wieder in speziellen Einrichtungen unterrichtet werden. Offiziell heißt es, dort könnten sie besser gefördert werden. Eltern, Verbände und Organisationen sprechen hingegen von einem Abschieben und einer Ausgrenzung.