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Biographie

Marcel Farine, am 25. Februar 1924 in Moutier (Schweiz) geboren, stammt aus einer Familie, die zuerst lange Jahre schwerer Armut kannte.
"Von meinem Vater habe ich", sagt er, "den Köhlerglauben und die Fähigkeit zur Selbstlosigkeit im Unglück. Meine Mutter, gebürtig aus Italien, vererbte mir eine gewisse Sensibilität und die Liebe zum Leben."
Mit einundzwanzig engagiert er sich, neben seinen beruflichen Tätigkeiten in der schweizerischen Postverwaltung, aktiv auf politischer und religiöser Ebene; so setzt er sich in der Christlichen Arbeiterjugend und der Gewerkschaftsbewegung von Bern ein. Auf dem Bahnhofplatz dieser Stadt nimmt er Kontakt auf mit den jungen Leuten zwischen 16 und 18 Jahren, den "Welschen", wie sie genannt wurden. Sie waren aus der französischen Schweiz gekommen, um deutsch zu lernen und als Hausmädchen oder Laufburschen in Metzgereien, Bäckereien und anderen Geschäften zu arbeiten. Ein Klub wird ins Leben gerufen, um ihnen müssige Abende und schlechte Begegnungen zu ersparen, aber auch um ihre Freizeit froh und aufbauend zu gestalten und ihnen für einen späteren Beruf behilflich zu sein.
1949 nimmt er seine Arbeit beim Weltpostverein auf, wo er die drei nächsten Jahrzehnte verbringt, bevor er diese Organisation verlässt, um sich ausschliesslich der Emmaus-Bewegung zu widmen. Im gleichen Jahr schliesst er mit Theres den Bund der Ehe, aus dem acht Kinder entspringen, und ein kleiner Afrikaner, Sohn eines Aussätzigen, den er auf einer Piste während einer Reise in Kamerun angetroffen hat, gesellt sich als Patensohn dazu.
In der eisigen Kälte von Februar 1956 und im Anschluss an einen Vortrag von Abbé Pierre entsteht die Emmaus-Bewegung in einem unscheinbaren Berner Keller, von wo aus die "Kundschafter" ausschwärmen, um den Bedürftigen in der Altstadt und anderswo Hilfe zu bringen. Marcel Farine ist einer der Organisatoren und so übernimmt er die Präsidentschaft der Gruppe "Freunde von Emmaus" in der Bundesstadt. Er wird dann auch bald eine Leitfigur von Emmaus in seinem Land, da er 1958 die Mitglieder der verschiedenen Emmaus-Gruppen und Gemeinschaften nach Genf einlädt, um mit ihnen Emmaus Schweiz zu gründen, an deren Spitze er während 32 Jahre stehen wird.
Doch denkt er, dass man die Grenzen überschreiten muss, um die noch akutere Not in der Dritten Welt zu lindern. So findet man ihn schon bald in der Leitung der Aussätzigenhilfe Emmaus Schweiz, die er mit Kameraden von Emmaus Bern auf die Beine stellt.
Unter der Schirmherrschaft von Emmaus Schweiz organisiert er eine Kampagne für Tausende von hungernden Kindern in dreizehn Staaten. Er schickt Freiwillige in mehrere Länder und beschäftigt sich mit Projekten für Behinderte, Blinde, Opfer von Erdbeben, usw. Er berät junge Afrikaner in der Schweiz und erreicht, dass sie Ausbildungsstipendien erhalten, aber vergisst gleichzeitig nie die Menschen in seiner Heimat, die in schwieriger Situation leben, für die er zusammen mit einem Freund aus der Industrie Kinderlager für notleidende Familien in den Bergen durchführt. Dies sind einige seiner Initiativen.
Die Begegnungen mit Raoul Follereau, dem "Apostel der Aussätzigen", und mit Abbé Pierre legt den Grundstein für die endgültige soziale Ausrichtung des Lebens von Marcel Farine und dient dazu, die grundsätzlichen Ziele seines Einsatzes zu präzisieren. Auf Ersuchen dieser beiden sozial engagierten Persönlichkeiten unserer Epoche wird er Gründungspräsident der Internationalen Vereinigung der Leprahilfswerke (1966) und von Emmaus International (1969).
1980 arbeitet er mit Freunden, die er in Indien trifft, ein Programm für die Hilfsbedürftigen aller Art aus, das heute unter dem Namen " Emmaus-Gemeinschaftsfonds (ECOMWEL)" in diesem Land registriert ist.
"Das Glück erntet man nur, wenn man sich selbst verschenkt", behauptet Marcel Farine, der 50 Jahre lang in seiner unmittelbaren Umgebung bis hin zu den entlegensten Winkeln dieser Welt Behinderte, Leprakranke und Unglückliche besucht, Versammlungen leitet, Artikel schreibt, Interviews gibt, und in den Emmaus- Mitteilungsblättern einen Appell nach dem andern an die Bevölkerung richtet, um die nötigen finanziellen Mittel für die Hilfsaktionen zu finden, er, der seine Dienste immer unentgeltlich zur Verfügung stellt. Er geht diesen Weg zusammen mit vielen gutgesinnten Freunden, um dank unzähligen Spenderinnen und Spendern, durch Emmaus Schweiz, die Aussätzigenhilfe, ECOMWEL, sowie andere Institutionen, Hunderte von Projekten für Millionen von Männern, Frauen und Kindern in 75 Ländern zu realisieren, nach einem Entwicklungs-Konzept, das ihre eigene Verantwortung miteinbezieht, damit sie sich schlussendlich selber retten.
"Es gab Augenblicke, in denen mich das Elend in Aufruhr versetzte und ich den Zorn in mir aufsteigen fühlte, aber auch solche, in denen ich eine grosse Freude spürte, wenn ich so vielen Männern und Frauen begegnen durfte, die ihr Leben ganz in den Dienst der Kleinen und Bedürftigen stellten", sagt Marcel Farine noch.
Nachdem er 1990 sein Amt als Präsident von Emmaus Schweiz und der Aussätzigenhilfe verlassen hat, widmete er sich noch mehr den Jugendlichen und versucht, ihnen mittels Vorträgen, den Weg der Liebe und der Barmherzigkeit vorzuzeichnen, indem er ihnen seine Erfahrungen mitteilte. Auf diese Weise begegnete er etwa zehntausend von ihnen in Schulen, Gymnasien, Pfarrgemeinden usw., in Italien, Frankreich und der Schweiz. Schliesslich, von 1995 an, verfasst er Artikel und Bücher, um die Botschaft der wahren Werte weiterzugeben.
Das beachtliche
soziale Ausmass des Lebens von Marcel Farine, das sich besonders auf
die Rettung der Minderbemittelten und auf die Verbreitung des Evangeliums
konzentrierte, konnte nur dank der aktiven Mithilfe seiner Gattin
Theres - die selber für ihre Familie und zahlreiche Kinderhilfsprojekte
hier und in der Dritten Welt immer noch engagiert ist - ausgeführt
werden.