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Walensee
(Kt. Glarus und St. Gallen). 423 m. Der Walensee ist der östlichste unter den nordalpinen Randseen der Schweiz. Der Name bedeutet See der Walen oder Wälschen (= Rätoromanen). In Urkunden des 9. Jahrhunderts lacus rivanus geheissen, nach Riva = «Ufer, Stad, Landungsplatz», dem damaligen Namen für die Siedelung am obern Ende des Sees (vergl. den Art. Walenstadt).
Lage und Dimensionen. Der Walensee erfüllt den westl. Abschnitt des merkwürdigen Thales, das bei Sargans vom Rheinthal abzweigt und sich bei Weesen mit dem Linth-Zürichseethal vereinigt. Sein N.-Ufer wird durch die Churfirstenkette, sein S.-Ufer durch die Abdachungen der Schild-Mürtschenstockkette und der Magereu-Spitzmeilenkette gebildet. Seine Länge beträgt 15,6 km, seine grösste Breite 2 km. Mit einer Oberfläche von 23,27 km2, wovon etwa 4/5 dem Kanton St. Gallen und 1/5 dem Kanton Glarus angehören, nimmt er unter den Schweizerseen hinsichtlich der Grösse den 13. Rang ein. Die Meereshöhe seines Wasserspiegels ist 423 m, diejenige seines tiefsten Punktes 272 m, so dass seine grösste Tiefe 151 m misst. Alle andern alpinen Randseen der Schweiz, ausgenommen der Zürichsee, übertreffen ihn an Tiefe. Seine mittlere Tiefe wird auf 103 m, sein Volumen auf 2,49 km3 berechnet.
Ufer. Die beiden Seeufer bieten einen auffällig verschiedenen Anblick dar. Im N. steigt die Churfirstenkette mit schroffen Wänden direkt aus den Fluten empor; sie ist auf der ganzen Länge zwischen Weesen und Walenstadt nirgends durch einen Thaleinschnitt unterbrochen und umgürtet so wie eine zusammenhängende gewaltige Mauer die ganze N.-Seite des Sees (siehe die Ansicht beim Artikel: Thurgruppe). Ein flacher Ufersaum ist höchstens an den wenigen Stellen vorhanden, wo kleine Bachschuttkegel sich in den See hinaus gebaut haben; fast überall sonst bespült der See direkt die kahlen grauen Jura- und Kreidekalkwände.
Auch das S.-Ufer entbehrt eines flachen Strandes fast ganz, ja an manchen Stellen treten uns auch hier steile Felsufer entgegen, so am O.-Ende des Sees beim Bommerstein, in der Umgebung von Murg und namentlich im W. zwischen Mühlehorn und der Linthmündung, wo unter der Terrasse von Filzbach bis 200 m hohe Wände zum See abstürzen. Im allgemeinen jedoch ist hier die Gesamtböschung viel sanfter als auf der N.-Seite. Als eine unregelmässige Folge von felsigen, bewaldeten Steilborden und welligen, meist von Wiesen und Weiden bedeckten und bis hoch hinauf mit Siedelungen überstreuten Terrassen steigt das Gehänge allmählig zu den Gipfeln der Schildgruppe, des Murgthals und der Magereukette empor.
Das Seebecken. Der Walensee ist ein typischer Thalsee, und sein Becken stellt einen schmalen, langgestreckten untergetauchten Thaltrog dar. Sein Boden bildet im mittlern Teil des Sees eine fast vollkommene Ebene von 6,5 km Länge und 1,3 km Breite, zu der die beiden Thalwände mit der selben Steilheit, die sie über dem Wasser zeigen, absteigen, so dass häufig, besonders auf der N.-Seite, in einer Entfernung von 100 m vom Ufer auch schon eine Seetiefe von 100 m gemessen wird. An den beiden Seeenden dagegen, wo die Geschiebeaufschüttungen der Linth und der Seez die Ufer bilden, weisen die Wände des Seebeckens eine Neigung von bloss 4,5% auf. Der tiefste Punkt des Seebodens liegt zwischen Murg und Quinten, doch nicht genau in der Mitte der Längsachse des Sees, sondern etwa 2 km nach O. verschoben. Der Seegrund zeigt bloss in der SO.-Ecke eine auffälligere Unebenheit, wo die Kuppe eines kleinen Hügels als Inselchen über den Wasserspiegel auftaucht.
Zuflüsse. Das Einzugsgebiet des Walensees umfasst 1050 km2. Ihrer Lage nach erscheint die Seez, die sich 1,3 km südwestl. Walenstadt in kanalisiertem Bett in das O.-Ende des Sees ergiesst, als dessen natürlicher Hauptzufluss; allein viel wasserreicher und wichtiger für die hydrographischen Verhältnisse des Sees ist die Linth, die früher den See selbst nicht erreichte, jedoch 1811 bei der Linthkorrektion in sein W.-Ende geleitet wurde, damit sie dort ihre Geschiebemassen ablagere.
Ansehnliche Wassermengen bringen auch die seitlichen Zuflüsse. Aus der unsymmetrischen Ausbildung der beiden Thalseiten erklärt es sich, dass die Mehrzahl der wasserreichen Seitenbäche dem S.-Ufer angehören. Die vielen Wasserrinnen, die in den kurzen, steilen S.-Abhang der Churfirstenkette eingeschnitten sind, sind grösstenteils blosse Runsen, die nur zeitweise Wasser führen. Konstante Bachläufe existieren fast nur auf dem westl. Teil des N.-Ufers, wo die breite, weit nach N. ausgreifende Mulde von Amden ausmündet.
Dort stürzt der Muslenbach, der die meisten Wasserläufe dieser Mulde sammelt, in prachtvollem Wasserfall in den See. Am O.-Ende der Terrasse von Betlis mündet der Serenbach, der unter dem Namen Beerenbach auf der N.-Abdachung des Leistkamm entsteht, über 500 m hohe Felswände stürzt und sich an deren Fuss mit dem «Rein» vereinigt, der als imposanter Wasserfall aus einer Oeffnung in der Felswand herausspringt. Bei Weesen ergiesst sich in das W.-Ende des Sees der vom Speer herkommende Flibach. Die Geschiebeführung der Runsen am S.-Hang der Churfirsten ist ziemlich gering, da sie fast ganz in den anstehenden Fels eingeschnitten
Walensee
Lief. 262.
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Verlag von Gebrüder Attinger, Neuenburg.
^[Karte: 6° 45’ O; 47° 08’ N; 1:400000]
Mce. Borel & Cie.
Attinger sc.
WALENSEE
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sind. Darum zeigen die Tiefenkurven der Karte bei der Ausmündung mancher Runsen gar keine Ausbuchtung. Einzelne Bäche, die direkt über die Felsen in den See sich ergiessen, wie der Muslenbach und der Serenbach, besitzen einen unterseeischen Bachschuttkegel. Nur wenige Bäche, so der Aubach und der Gandbach bei Quinten, haben einen bereits erheblich über den Seespiegel aufsteigenden Schuttkegel abgelagert. Den grössten Bachschuttkegel treffen wir am W.-Ende des Sees, wo der Flibach, dessen Einzugsgebiet in Molasse- und Flyschmergeln und ausgedehnten Schuttbildungen liegt, eine stark ins Seebecken vorspringende Halbinsel erzeugt hat.
Unter den linksseitigen Zuflüssen ist der Murgbach als Abfluss des 11 km langen Murgthales der bedeutendste. Ansehnliche Bäche sind ferner auf dem westl. Abschnitt des S.-Ufers der Rötibach, der Meerenbach und der Filzbach, im O. der Kammbach und der Thalbach. Sie haben alle an ihrer Mündung kleinere Schuttkegel abgelagert; derjenige des Murgbaches macht sich im Kurvenbild fast bis in die Mitte des Seebeckens bemerkbar, während die Aufschüttungen des Filzbaches erst eine ganz unbedeutende Ausbuchtung der Tiefenkurven zu bewirken vermochten. Die auffällige Unregelmässigkeit, welche der Seeboden nordöstl. Unterterzen zeigt, scheint nicht zum Schuttkegel des dort mündenden Kammbaches zu gehören, sondern eine vom Wasser überdeckte Felsterrasse zu sein.
Geologie. Am Aufbau der Gebirge, zwischen die der Walensee eingebettet ist, nehmen alle Sedimente vom Verrucano bis zum Eozän teil. Sie stellen jedoch nicht eine einheitliche, normale Schichtfolge dar, sondern gehören vier übereinander liegenden Ueberfaltungsdecken der nordalpinen Kalkalpen an. Die oberste dieser Decken, die Säntisdecke, baut auf der N.-Seite des Sees die Gipfelregion der Churfirstenkette auf und besteht im W. ausschliesslich aus Kreide und Eozän, während sie bei Walenstadt bis in den Dogger und Lias hinunterreicht. Am S.-Absturz der Churfirstenkette erscheint darunter die Mürtschendecke, deren Jura- und Kreideschichten die mächtigen Felswände auftürmen, die zwischen Betlis und Walenstadt direkt aus dem Wasser auftauchen.
Die Grenze der beiden Decken wird durch eine aus dem Eozän der Mürtschendecke und den Valangienmergeln der Säntisdecke gebildete Terrasse bezeichnet, die bei Betlis über den Seespiegel auftaucht, ostwärts am Berghang rasch in die Höhe steigt und über Sälsalp auf die Terrasse von Walenstadterberg hinuntersinkt. Die Mürtschendecke greift auch auf das S.-Ufer des Sees hinüber und baut dort den Kerenzerberg auf, dessen steil zum See abfallenden Jura- und Kreidewände zwischen der Linthmündung und Mühlehorn von der Eisenbahnlinie Weesen-Sargans in mehrern Tunnels durchbohrt werden.
Ueber dem O.-Ende des Sees schiebt sich zwischen Mürtschendecke und Säntisdecke als Unterlage des Walenstadterbergs noch eine aus Dogger und Malm bestehende weitere Decke ein, die wahrscheinlich als der zerquetschte N.-Rand der Axendecke betrachtet werden muss. Der selben Decke gehören wohl auch die Dogger- und Liasmassen an, welche die hügelige Landschaft am S.-Ufer des Sees zwischen Unterterzen und Walenstadt aufbauen. Endlich erscheint am S.-Ufer bei Murg als Unterlage der drei genannten Decken noch eine vierte, die Glarnerdecke, die vor allem durch das mächtige rote Verrucanokonglomerat des Murgthals charakterisiert ist.
Die vier Decken und ihre Schichten sinken im allgemeinen nach N. ein: das Walenseethal ist also ein isoklinales Längsthal. Dieser Umstand erklärt den so auffälligen Kontrast der beiden Seeufer. Weil das N.-Ufer ganz aus Schichtköpfen aufgebaut ist, ist es viel steiler als das S.-Ufer, wo die Schichtflächen auf grössere Ausdehnung zutage treten. Der Walenseearm des Rheingletschers hatte hier auch in höherm Masse als dort Gelegenheit, seine Spuren im Landschaftsbild zu hinterlassen; er modellierte im Verein mit seinen Seitengletschern die welligen Terrassen auf dem sanft geböschten S.-Ufer und überzog das Gelände mit einer Moränendecke, die fast nur in den engen Thaleinschnitten und an den Steilborden zwischen den Terrassen den Fels zutage treten lässt.
Entstehung und Geschichte des Sees. Die Geschiebeebenen, die sich einerseits vom obern Ende des Sees durch das Seezthal bis zur Ebene des Rheinthals, andrerseits zwischen Walensee und Zürichsee ausdehnen, sprechen deutlich dafür, dass diese beiden Seen Reste eines grössern Wasserbeckens sind, das einst auch das Seezthal erfüllte, wahrscheinlich sogar mit dem Bodensee zusammenhing und aus der Gegend des heutigen Weesen eine tiefe Bucht gegen Glarus hinaufsandte, Die Frage nach der Entstehung dieses Seebeckens ist noch nicht völlig abgeklärt. Nach Prof. Alb. Heim in Zürich ist das Seez-Walensee-Zürichseethal in präglazialer Zeit und während der ersten Interglazialzeit durch Flusserosion
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entstanden, das Seez-Walenseethal speziell durch einen alten Westrhein, der sich mit der Linth vereinigte und mit ihr durch das heutige zürcherische Glattthal floss, bis der Fluss während der ersten Interglazialzeit in das von der Sihl erzeugte Zürichseethal abgelenkt wurde. Am Schluss dieser Periode sank der Alpenkörper als Ganzes gegenüber dem Mittelland ein, so dass die aus den Alpen ausstrahlenden Thäler beim Uebertritt ins Mittelland ein rückläufiges Gefälle erhielten und sich mit Wasser füllen mussten.
Dieser Theorie gegenüber vertreten die neuern Glazialgeologen die Ansicht, dass das Walensee-Zürichseebecken wie die Becken der übrigen Alpenrandseen das Werk der Glazialerosion der grossen diluvialen Gletscher sind. In postglazialer Zeit haben die Geschiebeaufschüttungen von Rhein und Seez den obern Teil des Sees ausgefüllt und diejenigen der Linth und der aus den Schwyzer- und St. Galleralpen kommenden Bäche die Trennung von Walensee und Zürichsee bewirkt.
Die starken Geschiebeablagerungen der Linth auf der Ebene zwischen Weesen und Niederurnen hatten im 18. Jahrhundert eine beträchtliche Aufstauung des Walensees und eine immer weiter um sich greifende Versumpfung der Umgebung der beiden Seeenden zur Folge, bis endlich zu Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Linthkorrektion (Ableitung der Linth durch den Escherkanal in den Walensee und Erstellung des Linthkanals zwischen Walensee und Zürichsee) Abhilfe geschaffen wurde. (Näheres darüber siehe im Art. Linth).
Hydrographie. Die Wasserstandsdenksäulen bei Weesen und Walenstadt führen der heutigen Generation in sehr eindringlicher Weise vor Augen, welche Kalamität die hohen Wasserstände des Walensees vor Ausführung der Linthkorrektion für die Bewohner der Gegenden an den beiden Enden des Sees waren und wie wohltätig diese Korrektion gewirkt hat. Das Wasserstandsmonument, das die eidg. Linthkommission im Jahr 1862 in der Nähe der Linthmündung an der Felswand beim Eingang in den ersten Eisenbahntunnel errichten liess, verzeichnet die Hochwasserstände seit dem Beginn der Korrektion im Jahr 1807 und veranschaulicht, wie sie seither, namentlich nach der Eröffnung des Linthkanals zwischen Walensee und Zürichsee (1816), allmählig abgenommen haben. Der grösste seit Vollendung der Korrektion bekannt gewordene Hochwasserstand liegt 4,29 m, der grösste seit 1885 eingetretene Hochwasserstand 4,58 m unter dem höchsten Stand vor 1807, und der mittlere Wasserstand der letzten 22 Jahre ist um 4,76 m niedriger als der tiefste Wasserstand von 1807.
Die regelmässigen Pegelbeobachtungen, die das eidg. hydrometrische Amt in Weesen ausführen lässt, haben für die Periode 1886-1907 folgende Hauptresultate geliefert:
|m|
|Mittlerer Jahreswasserstand||422.68|
|Mittlerer Sommerwasserstand (April-Sept.)||423.28|
|Mittlerer Winterwasserstand (Oktober-März)||422.11|
|Mittelwert der höchsten Jahreswasserstände||424.51|
|Mittelwert der niedrigsten Jahreswasserstände||421.70|
|Höchster Wasserstand der Periode (8. September 1897)||425.28|
|Niedrigster Wasserstand der Periode (15. Febr. 1907)||421.46|
Der Schneeschmelze und der starken Sommerregen auf der N.-Abdachung der Alpen wegen fällt das Maximum des Wasserstandes stets auf den Sommer (am häufigsten auf den Juni), während der tiefste Wasserstand im Winter (am häufigsten im Februar) eintritt. In der 22jährigen Beobachtungsperiode 1886-1907 wurde eine durchschnittliche jährliche Schwankung des Wasserstandes von 2,83 m konstatiert. Die höchste Schwankung wies das Jahr 1897 mit 3,54 m, die geringste das Jahr 1886 mit 1,89 m auf.
Die Differenz zwischen dem höchsten und dem tiefsten Wasserstand der ganzen Periode beträgt 3,82 m. Die Wasserstandsschwankungen des Walensees sind also verhältnismässig gross, was wohl grösstenteils davon herrührt, dass die steilen Ufer dem steigenden Wasser nur in beschränktem Masse gestatten, sich in horizontaler Richtung auszubreiten. Die Schwankungen sind offenbar merklich grösser als vor der Linthkorrektion, weil das Einzugsgebiet des Sees durch die Zuleitung der Linth eine bedeutende Vergrösserung erfahren hat.
Während in früherer Zeit die Walenseegegenden unter den Hochwasserständen schwer zu leiden hatten, beginnen jetzt an den flachem Uferpartien die Niederwasserstände in unangenehmer Weise sich fühlbar zu machen, indem bei den tiefsten Seeständen die Häfen von Weesen und Walenstadt für die auf dem See verkehrenden Lastschiffe nicht mehr zugänglich sind und der Wellenschlag die Fundamente der Hafen- und Ufermauern zu unterspülen beginnt. Um diese Uebelstände zu beseitigen, ist vorgeschlagen worden, im Ausfluss des Linthkanals bei Weesen eine Schleusenanlage zu errichten, durch welche die Niederwasserstände des Sees reguliert werden könnten. Die Verwirklichung dieses Projektes ist jedoch noch ungewiss.
Wärmeverhältnisse. Da die Oberfläche des Walensees im Verhältnis zu seinem Volumen klein ist, die seichten Stellen, an denen im Sommer eine intensive Durchwärmung des Wassers stattfinden kann, nur spärlich vorhanden sind und endlich der See durch die kalten Schmelzwasser von Alpenflüssen gespiesen wird, so ist seine Wassertemperatur im Sommer relativ niedrig. Umgekehrt ist im Winter seine Wärmeausstrahlung und daher auch die Abnahme seiner Temperatur geringer als bei manchen andern Schweizerseen. Der Unterschied zwischen der Sommer- und der Wintertemperatur seines Oberflächenwassers ist wesentlich kleiner als z. B. im Zürichsee. Während letzterer dann und wann vollständig zufriert, ist dies beim Walensee, soweit die Erinnerung zurückreicht, noch niemals vorgekommen. Einzig
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vom wird als Beweis einer enormen Kälte berichtet, dass sogar der Walensee sich mit einer leichten Eiskruste überzogen habe. Ueber die Temperaturverteilung in vertikaler Richtung haben Forel und Heuscher folgende Resultate gewonnen:
|Tiefe m||Temperatur in° C. (Forel)||(Heuscher)|
|0||17.0||16.5|
|20||12.0||8.0|
|40||6.6||5.5|
|60||5.5||5.0|
|80||4.9||4.6|
|100||4.6||4.6|
|120||4.6||4.6|
Klima; Flora. Das Walenseegebiet zeichnet sich wie die Gestade der andern nordalpinen Randseen durch ein mildes Klima aus und verdankt es der mildernden Wirkung der Seefläche, der Abhaltung des N.-Windes durch die Churfirstenkette, der starken Insolation am S.-Abhang derselben und dem Föhn, der oft, vom Rheinthal nach W. abzweigend, das Walenseethal durchweht. Den Seeufern ist darum eine üppige, an südl. Elementen ziemlich reiche Vegetation eigen. Der Weinbau spielt in Walenstadt und Weesen noch eine ziemlich wichtige Rolle, und Quinten und Betlis bringen in kleinen Weingärten einen feurigen Wein hervor. Die Edelkastanie schmückt die Wälder des S.-Ufers bei Mühlehorn und Murg und diejenigen des N.-Ufers bei Quinten bis in eine Höhe von 600 m. Als Vertreter der mediterranen Flora treffen wir am Walensee noch: Coronilla Emerus, Prunus Mahaleb, Sedum hispanicum, Asperula taurina, Galium rubrum, Artemisia Absinthium, Cyclaminus europaea, Lilium croceum, Allium sphaeorocephalum, Tamus communis, Stipa pennata, Bromus tectorum, Juniperus Sabina.
Der Steilheit der Ufer wegen sind die spezifischen Wasserpflanzen relativ spärlich vertreten. Günstige Standorte finden sie nur an den beiden Enden des Sees und in der Nähe des Gostenhorns zwischen Unterterzen und Mols. Dort findet man den seichten Seegrund auf grössere Strecken mit dichten Rasen von Chara bedeckt, zwischen denen eine Reihe von Potamogeton -Arten sich angesiedelt haben.
Fauna; Fischerei. Die niedere Tierwelt, die teils den feinen Schlamm am Grund des Sees, teils das offene Wasser bewohnt, steht an Arten- und Individuenzahl derjenigen anderer Schweizerseen nicht nach. Der Seegrund beherbergt in grossen Mengen die Larven zahlreicher Insektenarten, namentlich von Mücken und Phryganiden, ferner Wassermilben (Pachygaster), Borstenwürmer, Egel (Nephelis, Clepsine), Schnecken (Limnaea, Planorbis), kleine Muscheln (Pisidium, Cyclas), Rädertiere, Moostiere (Fredericella sultana), Krebschen und Inusorien. Im offenen Wasser tummeln sich neben zahlreichen Algen ungeheure Mengen von Protozoen, Rotatorien und Entomostraken.
Die Fischfauna setzt sich aus folgenden Arten zusammen: Aal (Anguilla vulgaris), Hecht (Esox Lucius), Seeforelle (Trutta lacustris), Rötel (Salmo salvelinus), Aesche (Thymallus vulgaris), Blaulig (Coregonus dolosus), Albeli (Coregonus sp.), Nase (Chondrostoma nasus), Alet (Squalius cephalus), Hasel (Squalius leuciscus), Schwal (Leuciscus rutilus), Rottele (Scardinius erythrophthalmus), Laugeli (Alburnus lucidus), Ellritze (Phoxinus laevis), Brachsmen (Abramis brama), Barbe (Barbus fluviatilis), Schleihe (Tinca vulgaris), Trüsche (Lots vulgaris), Barsch (Perca fluviatilis).
Weitaus am häufigsten sind der Hecht und die Seeforelle, die beide eine bedeutende Grösse erreichen, der Aal und die Trüsche, im obern Teil des Sees auch der Barsch. Dieses Vorherrschen der Raubfische beeinträchtigt den Fischreichtum des Sees und hat zur Folge, dass die Zahl der Friedfische relativ klein ist. Die Weissfische sind im vorigen Jahrhundert an Zahl stark zurückgegangen, weil infolge der Senkung des Seespiegels durch die Linthkorrektion ihre Laichplätze, die seichten Uferstellen, fast ganz verschwunden sind.
Obschon dem Walensee die natürlichen Bedingungen für einen guten Fischbestand nicht fehlen und der Fischreichtum tatsächlich nicht gering ist, erscheint die Fischerei hier doch nicht von so grosser Bedeutung wie auf manchen andern Schweizerseen. Die meisten Fischer betreiben die Fischerei bloss zu ihrem Vergnügen oder als gelegentlichen Nebenerwerb; nur für eine kleine Zahl bildet sie einen wesentlichen Erwerbszweig. Wirkliche Berufsfischer gibt es hier aber nicht. Als Fischereigeräte kommen vor allem die Schleike und die Setzangel, weniger häufig die Reuse und Netze zur Verwendung. Die gefangenen Fische werden grösstenteils in die Hôtels von Ragaz, Zürich, Weesen und Glarus verkauft.
Die Siedelungsverhältnisse stehen in engem Zusammenhang mit der physischen Beschaffenheit der Seeufer. Am steilen N.-Ufer fehlt nicht nur der Raum, sondern besonders auch das kulturfähige Hinterland für grössere Ansiedelungen. Wir finden darum hier, abgesehen von dem auf einer Terrasse hoch über dem N.-Ufer und schon ziemlich weit davon entfernt liegenden Dorf Amden, nur wenige kleine Weiler und Häusergruppen (Betlis, Quinten, Au, Schild, Gand, Seemühle), zusammen etwa 50 Häuser mit kaum 200 Einwohnern, deren Erwerbszweige Wiesenbau und Viehzucht, Weinbau, etwas Seidenweberei und Schiffahrt sind. Keine Strasse, nicht einmal ein bequemer Fussweg verbindet diese Höfe unter sich und mit den Ortschaften an den Enden des Sees. In den letzten Jahren ist zwar zwischen Weesen und Betlis ein schmales Strässchen in das Felsenufer gesprengt worden; allein Quinten und die östl. davon liegenden Höfe sind für den Verkehr mit Walenstadt und Weesen immer noch auf den Wasserweg oder auf schlechte, hoch an die Felshänge hinaufsteigende Fusspfade angewiesen.
Das sanfter sich abdachende S.-Ufer ist mit einer ganzen Reihe von ziemlich volkreichen Dörfern und Weilern besetzt und die terrassenförmig ansteigenden Abhänge bis hoch hinauf mit zahlreichen Häusergruppen und Höfen überstreut. Da jedoch auch hier ein zusammenhängender flacher Ufersaum fehlt, liegen die Dörfer und Weiler teils auf den Bachschuttkegeln am Seerand (Mols, Unterterzen, Murg, Tiefenwinkel, Mühlehorn und Mühlethal), teils auf den tiefern Terrassen (Oberterzen, Quarten, Obstalden, Filzbach). Die bedeutendste Ortschaft des Walenseegebietes, Walenstadt am O.-Ende des Sees, lag einst wohl am Seeufer, wie sein alter Name andeutet, ist aber heute bereits 1 km davon entfernt. Das alte
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Städtchen Weesen am W.-Ende des Sees schmiegt sich den hinter dem schmalen Ufersaum sich steil erhebenden Felsenhügeln an und verdankt seiner malerischen Lage wie dem milden Klima seinen guten Ruf als Fremdenstation.
Schiffahrt. Da das Walenseethal den kürzesten Verbindungsweg zwischen den nach Italien führenden bündnerischen Alpenpässen und der NW.-Schweiz bildet, spielte die Schiffahrt auf dem Walensee seit der Zeit der Römer bis in die neueste Zeit eine gewisse Rolle. Ihre Bedeutung wuchs mit dem Aufblühen der Industrien im 18. Jahrhundert, um so mehr, als bis 1848 eine durchgehende fahrbare Strasse im Walenseethal fehlte. Die steilen, felsigen Ufer und die oft plötzlich auftretenden Stürme waren jedoch stets eine Gefahr für die Schiffahrt und hinderten ihre Entwicklung.
Als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Industrie einen lebhaften Aufschwung nahm, genügten die Ruderboote und Segelschiffe, die bisher den Warentransport besorgt hatten, nicht mehr. Der See erhielt daher im Jahr 1837 das erste Dampfschiff, den «Splügen», der hauptsächlich den Transport der glarnerischen Baumwollfabrikate und der zürcherischen Seidenwaren besorgte, die dann über den Splügenpass nach den Häfen des mittelländischen Meeres und nach dem Orient gingen.
Vom Jahr 1849 an wurde der «Splügen» durch ein zweites Dampfschiff, den «Delphin» unterstützt, ein kleines Boot, das vorher auf dem Zürichsee kursiert hatte und nun auf dem Walensee besonders den Personentransport und Postdienst besorgen sollte. In der Nacht vom 16. auf den ging jedoch der «Delphin» während eines furchtbaren Sturmes auf der Fahrt von Walenstadt nach Weesen, nahe an seinem Ziel, unter, wobei alle seine Insassen, 13 Personen, den Tod in den Wellen fanden.
Diese Katastrophe versetzte der Dampfschiffahrt auf dem Walensee den Todesstoss. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Zürich-Weesen-Sargans-Chur im Jahr 1859 büsste die Schiffahrt auf dem Walensee ihre Bedeutung vollends ein und diente fortan fast ganz nur dem lokalen Verkehr. Der Warenverkehr beschränkt sich heute meist auf den Transport von Bausteinen, Zement, Holz und Streue und wird durch mehrere Ledischiffe besorgt, die früher durch Ruder und Segel, gegenwärtig aber durch Motoren betrieben werden.
Für Vergnügungsfahrten auf dem prächtigen See steht in Weesen ein elektrisches Akkumulatorenboot zur Verfügung. Zahlreiche kleine Ruderboote stehen im Dienst der Fischerei und des lokalen Personenverkehrs. Das Aufblühen des Fremdenverkehrs im Walenseegebiet hat in jüngster Zeit den Wunsch entstehen lassen, der See, dessen Ufer so reich an Naturschönheiten sind, möchte durch Wiedereinführung des Dampfschiffverkehrs neu belebt werden. Doch ist zur Zeit noch keine Aussicht auf Verwirklichung dieses Gedankens vorhanden.
Bibliographie: Heim, Arnold, und J. Oberholzer, Geologische Karte der Gebirge am Walensee. - Heuscher, J. Die Fischereiverhältnisse im Walensee (in der Schweizerischen Fischereizeitung. 1893). - Legler, G. Hydrotechnische Mitteilungen. Glarus 1868. - Heule, A. Vom Walensee zur Tamina. Glarus 1903.
[J. Oberholzer.]