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Es begann im Jahr 1970…
Als Fasnachtshochburg in den Nachkriegsjahren gepriesen, verlor Erlinsbach in den früheren Sechzigerjahren an Bedeutung und es war nur eine Frage der Zeit, den endgültigen Untergang miterleben zu können. Mit zwei, drei Bällen im Frohsinn und mit einigen Leuten im Löwen und im Restaurant Kreuz waren kein Staat mehr zu machen. Schlicht gesagt es war einfach langweilig. Diese trüben Aussichten und die Tatsache, dass Hans Kappeler, der in Basel studierte und im Vorab einer Clique mitmachte, von den fasnächtlichen Treiben sehr angetan war, führten dazu, dass sich in Speuz wieder etwas regte. Die Idee zur Gründung einer Guggenmusik war geboren, als im Herbst 1970 ein FC-Kollege und guter Trompeter Hans seine Unterstützung zusagte. In kurzer Zeit liessen sich noch einige andere Musikanten zum Mitmachen bewegen, nach denen Ausschau gehalten wurde. Ende 1970, also kurz vor der Fasnacht, trafen sich diese Musiker zu zwei drei Proben. Kostüme konnten sie keine mehr schneidern, da die Zeit zu knapp war. Unter der Bedingung, in der Clique an der Basler Fasnacht mitzumachen, konnte Hans für jeden ein Kostüm leihen. Es war kein Einheitstenue, wie es heute üblich ist, aber alle waren wohl fasnächtlich angezogen.
An dieser ersten Fasnacht beschränkten sich die Aktivitäten auf Speuz und das Repertoire war noch nicht sehr gross, aber fünf Stücke waren es allemal:
- O when the saints
- z’Basel auf der Brugg
- Gli occhi neri
- Marmor Stein und Eisen bricht
- Humba humba tätärää
Die Stücke waren nicht in den Statuten enthalten, dafür standen da einige andere wichtige Paragraphen:
- In die Guggenmusik kann grundsätzlich jedermann eintreten (selbstverständlich erst nach Bestehen einer guggenmusikalischen Eintrittsprüfung)
- bei jeder Probe aktive mitzuschränzen
- während der Fasnacht an mindestens 3 Abenden von 20.15-01.00 Uhr mitzuschränzen
Was in den ersten Richtlinien für die Schränzer, die mit ca. 1972 zu datieren sind, noch nicht enthalten ist, ist ein Paragraph, der heute mehr und mehr zu reden gibt:
Nur Männer können Speuzer Schränzer sein!
In den folgenden Jahren dehnten die Speuzer Schränzer ihre Aktivitäten auf die umliegenden Dörfer aus. So fuhren sie jeweils am Samstagnachmittag mit Traktor und Wagen von Niedererlinsbach nach Niedergösgen und über Schönenwerd, Obergösgen, Lostorf, und Stüsslingen wieder nach Speuz zurück. Dieser Werbefeldzug hatte zu Folge, dass es 1973 einen Auftritt im Casin Schönenwerd gab, der in den auffogenden Jahren, wenigstens solange in Schönenwerd überhaupt eine richtige Fasnacht stattfand, zum Programmpunkt gehörte. Solche Abstecher hatten auch einen Werbeeffekt, und bald war die Guggenmusik eine Unterhaltungsnummer für Fasnachtsumzüge und andere Anlässe. 1975 wurden die Speuzer Schränzer erstmals ins Telli Zentrum Aarau zu einem Gugge-Treffen eingeladen, wo sie, zusammen mit jeweils 4 oder 5 Guggenmusigen für die Werbegewaltigen die Trommel rührten. Im gleichen Jahr erhielt aber durch die Initiative der Schränzer, des Turnvereins und der Lehrerschaft die Speuzer Fasnacht wieder einmal einen wichtigen Impuls. Nach langen Jahren wurde wieder einmal eine Chesslete veranstaltet, und zwar mit grossem Erfolg. Dies waren erste Früchte des Durchhaltens und des guten Beispiels während der vergangenen fünf Jahre. Und es sollten noch mehr folgen.
Schon im Folgen Jahr beteiligte sich die Guggenmusik an einer weiteren Veranstaltung, welche zusammen mit der Schule organisiert wird; der Kindermaskenball am Fasnachtsdienstag. Ebenfalls im Jahr 1976 erfreuten die Schränzer die Kinder der Schwerhörigenschule im Landenhof an ihrer Schulfasnacht. So erweiterte sich das Fasnachtspgrogramm von Jahr zu Jahr und erreichte einen neuen Höhepunkt, als im Jahre 1979 im eigenen Dorf wieder ein grosser Fasnachtsumzug stattfand. Die Speuzer Schränzer haben diesen Umzug zwar nicht organisiert, sie haben nur daran teilgenommen. Aber dass Erlinsbach überhaupt einmal so weit kommen konnte, ist zu einem grossen Teil auch den Mannen zuzuschreiben, die zehn Jahre zuvor ein Instrument zur Hand nahmen, um in diesem Speuz die Fasnacht wieder zu beleben. Im Jahre 1992 halfen die Schränzer mit bei der Idee eine Jugendgugge auf die Beine zu stellen. Heute ist die Erzbachgugge ein fester Bestandteil der Speuzer Fasnacht. Gerade weil nur Männer Schränzer sein können gab es für eine Weile sogar eine dritte Gugge, Moskitos.
Die Fasnacht in Speuz hat sich seit 1970 entwickelt, sie ist etwas geworden, ein Teil unserer Kultur. Die Speuzer Schränzer haben sich weiter entwickelt, sie sind etwas geworden, zum Teil Träger eines Kulturgutes.