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Liebe Joëlle Soeben habe ich den Ausdruck «Body Positivity» aufgeschnappt. Er will offenbar besagen, man solle sich mit dem Körper, den man nun mal hat, bejahend abfinden. Nicht ausgeschlossen wird, dass kleine Korrekturen hilfreich sind, zu solcher Zufriedenheit mit der eigenen Anatomie zu gelangen. Es steht dafür ein Markt an Mittelchen und psychologischer Hilfe zur Verfügung. Bist du eine mögliche Kundin? Vorausgesetzt natürlich, du fühlst dich wohl, so, wie du bist.
Lieber Herr Ramspeck
Wenn ich Ihnen sage, dass ich mich mit meinem Körper «abgefunden» habe, nehme ich die Opferhaltung ein, die ich bei anderen verurteile. Ich mag meinen Körper mit seinem Speckbauch und den kräftigen Schenkeln. Michelangelo hätte mich wohl nicht in Stein gemeisselt, aber ich empfinde eine positive Grundstimmung meiner Anatomie gegenüber. Dass man dafür einen spezifischen Ausdruck braucht, ist genauso absurd wie das ständige Jammern und Heulen. Dabei geht es meiner Meinung nach nicht um das Erreichen gewisser Schönheitsideale. Ich sehe das Problem um einiges dramatischer: Ich empfinde dieses Reklamieren als unangenehm und so unfassbar undankbar, dass ich lieber das Quietschen einer Wandtafel höre. Da fällt jungen Menschen, die in einem gesunden Körper leben dürfen, nichts Besseres ein, als sich über «Schönheitsfehler» aufzuregen. Da rennen Menschen wie die Idioten ins Fitnessstudio, um sich ein paar Kilo abzukämpfen, anstatt auf dem Laufband nur eine Sekunde daran zu denken, wie gesegnet sie sind, zwei Beine zu haben, mit denen sie rennen können. Ich wünschte, Menschen würden sich mit ihrer inneren Schönheit genauso pingelig befassen wie mit der äusseren.