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Schon als Jugendlicher war Steve Wozniak besessen von Computern. Lange vor dem PC Zeitalter träumte er von einer eigenen Maschine: «Eines Tages werde ich einen Computer besitzen» sagte er seinem Vater. Der meinte verdutzt: «Wie ist das möglich? Die kosten mehr als ein Haus!» Worauf der kleine Steve lakonisch antwortete: «Dann ziehe ich halt in eine Wohnung.»
Anfang 70er-Jahre war die Zeit der Grossrechner, die sich nur Firmen leisten konnten. Start-ups wie Intel brachten die ersten integrierten Schaltkreise auf den Markt. Doch die Chips waren für einen Teenager zu teuer. Das hinderte Steve aber nicht daran, an seinem eigenem Computer zu arbeiten – statt mit dem Lötkolben einfach mit Bleistift und Papier.
Hardware und Software Genie
1976 dann der Durchbruch. Mit der ersten erschwinglichen CPU baute Wozniak im Alleingang den legendären Apple I. Auch die Software dazu programmierte der Hochbegabte selbst. Dass er beide Sparten gleichermassen beherrschte, machte ihn zum Ausnahmetalent im Silicon Valley. Derweil kümmerte sich sein langjähriger Freund Steve Jobs um die Vermarktung des revolutionären Produktes.
Vom Telefon zum Computer
Die beiden Steves wiederholten eine Zusammenarbeit, die sich schon zu Studentenzeiten eingespielt hatte – in der Illegalität. Vor dem PC-Zeitalter machten sich Elektronik-Freaks einen Sport daraus, die Funktionsweise und Schwächen der Telefonnetze zu verstehen. Mit dem Wissen war es möglich, die Gebührenzähler der Telefongesellschaften zu manipulieren.
Dazu verwendeten die Phone-Hacker ein Gerät, das die Frequenzen des Gebührenzählers imitieren und diesen manipulieren konnte. Mit so einer Blue Box war es möglich, gratis zu telefonieren. Wozniak war von dieser Herausforderung fasziniert, seit er in einem Artikel im Esquire, Link öffnet in einem neuen Fenster erstmals von den Hackern erfahren hatte. Umgehend konstruierte er eine eigene Blue Box, die sein Freund Steve Jobs dann an Studierende verkaufte.
Witzbold Wozniak
Für den ersten Anruf mit dem neuen Gerät hatte sich Wozniak einen besonderen Gesprächspartner ausgesucht: den Papst. Mit Hilfe der Blue Box rief er kostenlos im Vatikan an und gab sich als Henry Kissinger aus. Dabei strengte er sich an, den deutschen Akzent des damaligen Aussenministers möglichst genau zu imitieren. Es klappte nicht. Doch auch das ist typisch für Steve Wozniak: Bis heute kann er sich diebisch über jeden Streich freuen.
Grosserfolg Apple II
1975 gründeten die beiden Steves in der Garage von Jobs Eltern die Firma Apple. Um an Bares zu gelangen, verkaufte Jobs seinen VW und Wozniak seinen geliebten HP Taschenrechner. Zwei Jahre später brachten sie zusammen den Apple II für 1300-Dollar auf den Markt. (Der Preis entspräche heute 5000 Dollar).
Die Erfindung Wozniaks wurde ein Grosserfolg und verhalf Apple zum Durchbruch. Ende 1980 ging das Unternehmen an die Börse und machte die beiden Firmengründer zu hundertfachen Millionären.
Wozniak stürzt ab
Auf den Höhenflug folgte zwei Monate später ein Absturz. Steve Wozniak verunglückte mit seinem Privatflugzeug während eines misslungenen Starts. Das einstige Wunderkind des Silicon Valleys verlor durch den Unfall zeitweise das Gedächtnis – ein einschneidendes Erlebnis. Wozniak zog sich von Apple zurück und schrieb sich unter dem Pseudonym Rocky Clark an der Universität Berkley ein. 1986 holte er den Abschluss als Elektroingenieur nach und kehrte zu Apple zurück.
Doch das Startup aus der Garage hatte sich in der Zwischenzeit zu einem Konzern gewandelt. Der hochbegabte Eigenbrötler hatte Schwierigkeiten, seine Rolle in dem Grossunternehmen zu finden. Auf dem Papier ist er zwar bis heute Angestellter (Jahreslohn 120'000 Dollar), spielt aber keine Rolle mehr.
Kein Erfolg im Geschäft
Nach seiner Zeit bei Apple gründete Steve Wozniak mehrere Firmen, doch der wirtschaftliche Erfolg blieb aus. Heute hat er im Verwaltungsrat verschiedener Unternehmen Einsitz, betrachtet sich selbst aber als pensioniert.
Wozniak macht mit 65 das, was ihm Spass macht. Er verbringt viel Zeit beim Segway Polo, Link öffnet in einem neuen Fenster, ist ständig in den Medien zu sehen, zum Beispiel in der TV-Show Dancing with the Stars. Man sieht ihm an, dass er diese Auftritte geniesst.
Ein besonderes Anliegen sind ihm Jugendliche. Er engagiert sich im Informatikunterricht, wo er seine Begeisterung und sein Fachwissen weitergibt. Er hilft auch finanziell, in dem er den Schulen die dringend benötigten PCs zur Verfügung stellt: jenes Gerät, das die Gesellschaft verändert hat wie kein zweites und an dessen Entwicklung er massgeblich beteiligt war. Seinen Bubentraum vom eigenen Computer hat er wahr gemacht – für sich und Milliarden Menschen.