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Kurze Einführung in die Homöopathie
Hinweise zur akuten Fallaufnahme
Das Wort Erkältung oder Verkühlung drückt deutlich aus, was im Organismus geschieht, wenn jemand erkrankt. Der Organismus hat nicht genügend Kraft, um weiterhin die notwendige Wärme zu erzeugen und kühlt entsprechend ab. Hat das Immunsystem trotzdem genügend Reserven, muss es nicht zu einer sogenannten Erkältungskrankheit kommen, sondern der Körper wärmt sich unter günstigen Bedingungen wieder auf, bis er den Normalzustand erreicht. Bricht jedoch eine Erkältung aus, dann sind für die homöopathische Behandlung folgende Überlegungen wichtig:
- In welcher Jahreszeit und in welcher Wetterlage befinden wir uns?
- Wodurch wurde die Verkühlung ausgelöst? Durch Wind, Wasser, Nebel, Schnee ect.
- Ist die Erkältung schnell oder langsam gekommen?
- Zu welcher Tageszeit sind die Beschwerden schlimmer?
- Handelt es sich um einen Fließ- oder Stockschnupfen?
- Wie ist die Beschaffenheit des Nasensekrets, des Auswurfs, des Tränenflusses?
- Sind die Beschwerden im warmen Zimmer oder an der frischen Luft besser?
- Verschlimmert sich der Husten beim Eintritt ins Zimmer, bzw. beim Rausgehen?
- Welche Begleitsymptome treten auf –Glieder-, Ohren-, Kopfschmerzen, Fieber, Verstopfung, Benommenheit?
- Wie ist der Durst und der Appetit? (Siehe Symptomenverzeichnis)
- Wie sieht die Zunge aus? (Siehe Symptomenverzeichnis)
- Ist die Erkrankung ein- oder vielschichtig? Ziehen sich die Zeichen von nur einem Mittel durch die Krankheitsstadien, oder sind deutliche Zeichen von zwei oder mehr Mitteln vorhanden? Im letzten Fall ist meist ein Miasma aktiv geworden.
- Mit welcher grundlegenden Art des Krankheitsausdrucks sind wir konfrontiert? Dieser hängt von folgenden Faktoren ab:
- dem Allgemeinzustand des Erkrankten,
- der momentanen Belastung des Erkrankten,
- etwaige Veränderungen seiner Lebens- und Essgewohnheiten in letzter Zeit,
- Wechsel des Lebensabschnittes.
Der Umgang mit den Symptomen
Je mehr man es zulässt, dass sich die Krankheit natürlich entwickeln kann, um so deutlicher sind die Symptome und desto einfacher gestaltet sich die Behandlung.
Manchmal findet man nur ein zuverlässiges Symptom, für das obendrein auch nur ein Mittel in Frage kommt, da die übrigen Symptome des Mittels noch nicht in Erscheinung getreten sind.
Wir können von Glück sprechen, wenn uns der Kranke ein ausgefallenes Symptom liefert, was in dem Augenblick von unschätzbarem Wert ist. Stützen Sie sich jedoch nicht auf ein einzelnes Symptom, sondern nehmen Sie immer die Gesamtheit der Symptome als Grundlage für die Repertorisation.
Geben Sie als erstes das Mittel, welches die Gesamtheit der Symptome in sich vereint. Es kann den Weg für ein Folgemittel mit einem einzelnen spezifischen Symptom anbahnen und bringt den Kranken auf dem Heilweg ein gutes Stück voran.
Bei akuten Erkrankungen bekommt man die meisten und wertvollsten Symptome durch einfaches Beobachten und Untersuchen. Oft wird der Kranke kaum erzählen oder nicht antworten, wenn man Symptome vervollständigen will. Diesen Zustand findet man besonders bei Mitteln wie Arnica, Bryonia, Helleborus, Gelsemium, Opium, Zincum und anderen. Die Angehörigen können uns bei der Behandlung von akuten Krankheiten manchmal mehr als der Patient selber über ihn erzählen.
Deshalb ist es wichtig, abzuwarten, bis das passende Mittel eingesetzt werden kann. Es gibt zwar einige Mittel, wie z. B. Aconit und Belladonna, die sich schnell entwickeln, aber die meisten Mittel nehmen sich Zeit, bis sie ein ganz klares, eindeutiges Krankheitsbild darstellen. Eine voreilige Verordnung bringt Verwirrung in die Behandlung und kann unter Umständen eine Kettenreaktion von Fehldiagnosen bezügliche der Mittelwahl auslösen.
Miasmatische Belastung
Jede antimiasmatische konstitutionelle Behandlung stärkt den Organismus gegen Krankheiten. Die Homöopathie bewertet die erblichen Belastungen bei der Mittelverordnung ganz anders als die Schulmedizin, wo man aus der Familienanamnese keine Hinweise für die Therapie finden kann. Die einzige Möglichkeit, positiv auf die Erbanlage einzuwirken, liegt nach Auffassung der Schulmedizin in der Gentechnologie. Während die Schulmedizin bei der Erbforschung von der genetischen Struktur ausgeht, bezieht sich die Homöopathie auf die Miasmenlehre. Demnach ist jede Krankheit erblich bedingt, da alle Menschen miasmatisch belastet sind.
In der Homöopathie werden alle Krankheiten bestimmten Grundkrankheiten zugeordnet. Die Summe von Krankheiten der Vorfahren entscheidet bei einem Menschen darüber, welches Miasma dann in latenter Form vorhanden ist oder ob es sich aktiv zeigt, hängt davon ab, inwieweit der Betreffende in der Lage ist, die äußeren Umstände mit seiner inneren Entwicklung in Einklang zu bringen. Eine Krankheitsdisposition ist generell bei jedem Menschen vorhanden, wobei sich die Krankheitsäußerungen meist in Intensität und Form ständig abwechseln. Die höhere Intelligenz oder Lebenskraft versucht nämlich ständig, über den Organismus ausgleichend auf die äußeren Umstände zu reagieren. Inwieweit die Lebenskraft sich erfolgreich durchsetzen kann, hängt vom inneren Wachstum des Menschen ab.
Krankmachende Einflüsse werden in Kurzzeit- und Langzeiteinflüsse unterteilt. Die Kurzzeiteinflüsse können akute Erkrankungen auslösen, wenn die Belastung durch sie groß genug ist, um das Immunsystem zu schädigen. Die Langzeiteinflüsse zehren langsam an der Kraft des Menschen und haben die chronischen Erkrankungen zur Folge. Beide Einflüsse unterscheiden sich nur durch die Dauer ihrer Auswirkung, wobei manche mehr zu einer Kategorie gehören.
- Kurzzeiteinflüsse: Kälte, Zugluft, Hitze, Sonne, Gifte, üppige Mahlzeiten, Alkohol, Stress, Aufregung, Erwartungsspannung usw.
- Langzeiteinflüsse: Lebensraum, Lebensweise, Ernährung, Impfungen, Dauerstress, Antibiotika und andere Medikamente, ständiger Ärger, soziale Isolation usw.
Die äußeren Einflüsse können sehr virulent sein, aber sie sind stets sekundär im Verhältnis zur inneren Kraft. Diese innere Kraft kann in ihren verschiedenen Reaktionen auf die Einflüsse nur vor einem geistig-seelischen Hintergrund betrachtet werden. Der wahre Grund jeglicher Krankheit liegt in der Uneinigkeit des menschlichen Geistes mit der Seele. Dies führt zu krankhaften Zuständen wie Selbstsucht, Hass, Arroganz usw. Solange diese krankhaften Zustände immer mehr verringert werden, wächst der Mensch und damit seine Gesundheit. Um gegen die Erkältungsneigung anzugehen, muss vorrangig das tuberkulinische Miasma behandelt werden. (Weiterführende Literatur zu den Miasmen: Ravi Roy „Aufbruch ins Bewusstsein“ aus der Reihe „Die Lehre der Heilkräfte – Miasmen“.)
Die tuberkulinische Belastung wirkt sich genau wie alle anderen Miasmen bis in die siebte Generation aus. Dieses Miasma befällt in seiner Auswirkung auf den Körper hauptsächlich den Atemtrakt, indem es alle Arten von entzündlichen Zuständen produziert. Heutzutage lässt sich meist nicht mehr nachvollziehen, ob bis in die siebte Generation jemals eine Tuberkulose vorgekommen ist. Aber man kann mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass der zur Grippe neigende Mensch mehr oder weniger davon belastet ist. Zu einer echten Grippe-Prophylaxe gehört auch, sich selbst richtig einzuschätzen. Und gerade hiermit hat der Tuberkuliniker Schwierigkeiten. Nur wenn man seine Schwächen kennt, kann man auch dagegen ankämpfen.
… wird fortgesetzt
Literatur
Allen, H.C.: Die Heilmittel von Fiebern, Haug Verlag
Boericke, W.: Handbuch der homöopathischen Materia Medica, Grundlagen und Praxis, Verlag
Clarke, J. H.: Der neue Clarke, Dr. Grohmann Verlag
Dewey, W.A.: Katechismus der reinen Arzneiwirkungslehre, Haug Verlag
Kent, J. T.: Zur Theorie der Homöopathie, Haug Verlag
Nash, E.B.: Leitsymptome in der homöopathischen Therapie, Haug Verlag
Roy, Ravi und Lage Roy, Carola: Homöopathischer Ratgeber 1,3,4,19,20
Selbstheilung durch Homöopathie, Droemer-Knaur Verlag.
Das Immunsystem stärken mit Homöopathie, Goldmann Verlag
Entnommen aus:
Homoeopathischen Ratgeber HR 5 – „Grippe-Erkältungskrankheiten“, Lage & Roy Verlag D-82418 Riegsee-Hagen
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