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Die Bordeaux-Appellationen
Wie viele französische Weingebiete, hat auch Bordeaux eine Basisappellation. Genau genommen sind es zwei: Bordeaux AOC und Bordeaux Supérieur AOC (für Weine mit höherem Alkoholgehalt). Diese Appellationen gelten im ganzen Produktionsgebiet sowohl für Weiss-, Rosé- als auch für Rotweine. Der grösste Teil der Bordeauxproduktion wird unter diesen Herkunftsbezeichnungen verkauft. Es sind einfache, meist günstige Trinkweine für jeden Tag. Eine Stufe darüber stehen die Distrikte wie Médoc, Haut-Médoc oder Graves. An der Spitze der Pyramide finden wir die Gemeindeappellationen wie Pauillac, Sauternes oder auch Pomerol.
Die Bordeaux Weingebiete
Rive Gauche
Mit Rive Gauche ist das linke Ufer der Garonne bzw. der Gironde gemeint. Die beiden grössten Herkunftsgebiete, im Norden der Stadt Bordeaux gelegen, sind Médoc AOC und Haut-Médoc AOC. Das Haut Médoc liegt südlicher (näher bei Bordeaux). Dort werden im allgemeinen höherwertige Weine produziert. Médoc und Haut-Médoc bringen tanninreiche, langlebige Rotweine hervor, welche zur Hauptsache aus Cabernet Sauvignon bestehen. Weissweine sind im Médoc selten. Sie müssen als Bordeaux AOC abgefüllt werden. Sechs Gemeinden mit herausragenden Terroirs im Haut-Médoc haben Anrecht auf eine eigene Rotwein-Appellation. Es sind dies von Norden nach Süden: St-Estèphe, Pauillac, St-Julien, Margaux, Moulis und Listrac. Alle diese AOC gelten nur für Rotweine.
Im Süden der Stadt Bordeaux erstreckt sich die Appellation Graves AOC. Der Name ist vom Boden abgeleitet, denn Graves bedeutet Kies. Im Graves wachsen sowohl hervorragende Weiss- als auch Rotweine. Die Appellation gilt für beides und die meisten Châteaux produzieren sowohl einen Rot- wie auch einen Weisswein. Die besten Weine wachsen im nördlichen Teil des Graves. Er hat seit 1987 die eigene Herkunftsbezeichnung Pessac-Léognan AOC.
Rive Droite
Die Weingebiete rechts der Dordogne sind etwas kühler als das Médoc und Graves und die Böden sind von Kalk und Lehm geprägt. Entsprechend wird hier vor allem der frühreife Merlot angebaut. Aber auch Cabernet Franc ist in den Assemblagen weit verbreitet. Das grösste Gebiet des Libournais, wie diese Gegend auch genannt wird, ist das St-Emilion mit den beiden Appellationen St-Emilion und St-Emilion Grand Cru. Die Appellationen gelten nur für Rotweine. Die Weine von St-Emilion haben eine eigene Klassifizierung, welche im Gegensatz zum Médoc-Klassement periodisch überarbeitet wird. An der Spitze stehen hier vier Premiers Grands Crus Classés „A“: Angélus, Ausone, Cheval Blanc und Pavie. Das zweite bekannte Gebiet des Libournais ist die kleinste Appellation des ganzen Bordelais: Pomerol AOC. Zwei hiesige Weine, aus Merlot gekeltert, haben Weltruf erlangt und erzielen heute Spitzenpreise: Château Pétrus und Château Le Pin.
Die Bordeaux-Klassements
Beachten Sie, dass die verschiedenen Klassierungen jeweils nur für ein Gebiet gelten. Weil in jedem Classement andere Kriterien gelten, können die Klassierungen auch nicht untereinander verglichen werden.
Médoc 1855:
Für die Präsentation der Weine anlässlich der Weltausstellung von 1855 in Paris, wurden die besten Châteaux des Médoc gewählt und in 5 Stufen eingeteilt. Insgesamt 58 Châteaux erhielten das Prädikat „Cru Classé“. Vier standen auf der höchsten Stufe. Sie wurden als Premiers Crus, als erste Gewächse klassiert (Als fünftes kam 1973 Château Mouton-Rothschild dazu). Wegen seinem herausragenden Renommée wurde Haut-Brion aus der Nachbar-Appellation Graves ebenfalls in das Klassement aufgenommen:
- Château Haut-Brion (Graves)
- Château Lafite-Rothschild
- Château Latour
- Château Margaux
- Ch. Mouton-Rothschild (1973 aufgestuft)
54 weitere Weine wurden als 2ème bis 5ème Cru Classé eingestuft. Wegen Erbteilungen enthält das Médoc-Classement heute 61 Châteaux.
Sauternes 1855:
1 Premier Cru Supérieur, 14 Premier Crus, 11 Second Crus
Graves 1959 (1961):
17 Crus Classés
Saint-Emilion 2012:
4 Premiers Crus A, 12 Premier Crus Crus B, 64 Grands Crus Classés, Grands Crus (jedes Jahr neu vergeben)
Crus Bourgeois 2014:
1932 haben eine Reihe von Châteaux, welche bei der Klassifizierung von 1855 übergangen wurden, das Klassement der Crus Bourgeois ins Leben gerufen. Das Klassement wurde 1978 und 2003 komplett überarbeitet. Die Neuklassierung 2003 hat aber so viele Klagen und Prozesse nach sich gezogen, dass die Arbeit erst 2010 definitiv abgeschlossen werden konnte. Cru Bourgeois ist übrigens das einzige Bordeaux-Classement, welches nicht Châteaux klassiert, sondern Weine eines bestimmten Jahrgangs. Soeben wurden 278 Weine des Jahrgang 2014 klassiert. Unter den Crus Bourgeois findet man viele Weine mit vorteilhaftem Preis/Genuss-Verhältnis.