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Helmut Hubacher, der frühere SP-Parteipräsident, ist tot. Die SP Schweiz bestätigte Medienberichte vom Donnerstag. Hubacher wurde 94 Jahre alt. Sein Sohn gab an, er sei nach kurzer, schwerer Krankheit im Spital Pruntrut im Jura verstorben. Bis zuletzt blieb er politisch aktiv.
In den Jahren zwischen 1975 und 1990 präsidierte er die SP Schweiz. Von 1963 bis 1997 sass er im Nationalrat für den Kanton Basel-Stadt. Hubacher gilt als prägende Figur der Schweizer Sozialdemokratie. Sein massgeblicher Einfluss auf die Schweizer Politik erstreckte sich über ein halbes Jahrhundert.
Beigesetzt wird Hubacher im im engen Familienkreis. Eine öffentliche Trauerfeier ist gemäss SP in Planung. Zuletzt lebte Hubacher mit seiner Frau Gret im jurassischen Dorf Courtemaîche.
Erst Ende Juni verabschiedete er sich in einer letzten Kolumne im «Blick» und in der «Basler Zeitung» von seiner Leserschaft. Hubacher war neben seiner politischen Arbeit SBB-Beamter, Gewerkschaftssekretär, Journalist, Buchautor und Publizist.
Sein 1994 erschienenes Buch «Tatort Bundeshaus» stand monatelang an der Spitze der Schweizer Sachbuch-Bestsellerliste. Einen Platz in der Schweizer Geschichte verschaffte er sich aber in erster Linie als Urgestein der Politik und als Doyen der Sozialdemokratie.
Unter seiner Ägide öffnete sich die Arbeiterpartei für die Generation der 1968er-Bewegung und die Aufnahme neuer sozialdemokratischer Kernthemen wie Umweltschutz, Atomkraft oder Gleichberechtigung. Sich selbst bezeichnete Hubacher dabei als «politischen Vorarbeiter».
Eine seiner grössten politischen Niederlagen musst Hubacher 1983 bei der Nichtwahl der von ihm portierten Zürcher Nationalrätin Lilian Uchtenhagen (1926-2016) als erste Bundesrätin einstecken. Statt ihrer wählte das Parlament den nicht zur Wahl aufgestellten Solothurner Nationalrat Otto Stich (1926-2012). Hubacher erwog daraufhin den Austritt der Partei aus dem Bundesrat.
National bekannt wurde Hubacher 1965, zwei Jahre nach seinem Amtsantritt im Nationalrat. Er deckte damals als Mitglied der Finanzdelegation die geheimen Atomwaffenpläne der Schweiz auf.
Überhaupt sorgte seine Kritik an der Militärpolitik für grosses Aufsehen. Er nahm zahlreiche Rüstungsvorlagen unter Beschuss wie etwa jene für den Panzer 68, den Leopard II und das Radarsystem Florida.
Bis zu seiner Pensionierung 1991 arbeitete er beim Basler Gewerkschaftsbund. Nach Basel gekommen war er wegen seiner Lehre als SBB-Stationsbeamter. Geboren wurde Hubacher 1926, er wuchs in Zollikofen bei Bern auf.
«Helmut Hubacher war ein leidenschaftlicher Kritiker, der für seine Ideale durchs Feuer ging und keine Konfrontation scheute», würdigte ihn die SP in einem Communiqué. Er hinterlasse eine grosse Lücke.
Parteipräsident Christian Levrat schrieb, Hubacher sei eine der prägenden Figuren der Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert gewesen. «Seine klare Sprache, seine Leidenschaft und seine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge einfach darzulegen, haben mich tief beeindruckt», heisst es in einem Communiqué.
SP-Bundesrat Alain Berset teilte auf Twitter mit, Hubacher sei «echt, volksnah, schnörkellos» gewesen. «Unverrückbar in seinen Werten, aber nie stur.» (leo/aeg/sda)