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Das Grauen des Holocaust hat Art Spiegelman im Comic thematisiert. Das gab viel Kritik, aber noch mehr Lob. Für seine "Maus" bekam Spiegelman als erster Comic-Zeichner den Pulitzer-Preis. Morgen Donnerstag wird er 70 - und will kein grosses Buch-Projekt mehr angehen.
Art Spiegelman macht sich Sorgen, und derzeit besonders viele. "Ständig bin ich beunruhigt", sagte der Comic-Zeichner jüngst dem britischen "Independent". "Das liegt in meiner Natur. Aber jetzt habe ich endlich etwas gefunden, worüber sich das Sorgen lohnt." Spiegelman meint US-Präsident Donald Trump. "Ich sehe da Ähnlichkeiten zu Hitler in der Weise, wie es sehr schnell zu Dingen kam, die mir surreal vorkommen."
Der Nationalsozialismus und der Holocaust haben Spiegelman geprägt, und zum anhaltenden Mahner werden lassen. In den 80er Jahren packte er seine Gedanken dazu in ein Comic: "Maus". Für die Kritiker war es ein Tabubruch, dass er Nazis als Katzen und Juden als Mäuse gezeichnet hatte. Darf man den Holocaust als Comic verpacken und Tiere als Metaphern wählen?
"Ich mache Comics, also war es für mich die einzig natürliche Sprache, in der ich sprechen konnte", lautete Spiegelmans Begründung - und die Zustimmung überwog schliesslich. "Maus" machte den Zeichner weltbekannt. 1992 erhielt er als erster Comic-Autor den Pulitzer-Preis.
Selbst erlebte Spiegelman den Nationalsozialismus nicht, aber die Erfahrungen seiner Familie prägten auch sein Leben. Die Eltern überlebten Auschwitz voneinander getrennt und kamen erst nach der Befreiung des Lagers im Januar 1945 wieder zusammen. Der erste Sohn war im Konzentrationslager gestorben. Spiegelman wurde 1948 in Stockholm geboren, während die Familie auf die Überfahrt nach Amerika wartete.
Die Erinnerungen der Vergangenheit blieben bei den Eltern immer präsent, hingen über dem Familienleben. Spiegelman flüchtete sich in Comics und später in Drogen. 1968 folgte ein Zusammenbruch, er wurde in eine Klinik eingewiesen. Im selben Jahr - kurz nach dem Tod des einzigen Bruders - beging seine Mutter Anja Selbstmord.
In der Kunst fand Spiegelman einen Weg, die Geschehnisse zu artikulieren. Den Tod seiner Mutter prangerte er in "Gefangener auf dem Höllenplaneten" an. 1972 begann er die Erzählungen seines Vaters auf Tonband aufzunehmen. Erste "Maus"-Comics erschienen im Magazin "Raw", 1986 kamen sie in Buchform heraus. Er hatte den Leidensweg seiner Eltern nachgezeichnet. Und bewies: Comics sind auch ernsthaften Themen gewachsen.
Anfang der 90er Jahre begann Spiegelman für das Magazin "New Yorker" zu arbeiten, wo seine Ehefrau, die Französin Françoise Mouly, bis heute Art-Direktorin ist. Spiegelman entwarf viele Titelbilder, sein berühmtestes erschien wenige Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Ganz schwarz, die Twin Towers sind schemenhaft zu erkennen.