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Kunst
Jacob Aue Sobol in Tokyo
I, Tokyo des dänischen Fotografen Jacob Aue Sobol erhielt den "Leica European Publishers Award 2008". Weshalb es dieser Titel war, der die Auszeichnung erhielt, sagte der Text auf der Website nicht, nur wer die Juroren waren und so muss/darf/soll man denn also selber raten, was der Grund beziehungsweise die Gründe für diese Auszeichnung hätten sein können. Und? Schwer zu sagen. Genauer: Keinen Schimmer.
Schon aus dem Titel ("I, Tokyo") wird man nur schwer schlau "I, Tokyo" (Ich und Tokyo? Ich bin Tokyo? Ich, ein Teil von Tokyo?…), doch man versteht, dass die Bilder was mit dem Fotografen und mit Tokyo zu tun haben. Also, was zeigen sie? Vermutlich Bewohner der japanischen Hauptstadt, Gesichter; Hausfassaden; die Ansicht eines Rückens; zwei Männer, vornüber gebeugt, die Köpfe auf den Armen; einen Wachmann … um ein paar Beispiele zu geben.
Die Aufnahmen sind schwarz/weiss, weder ästhetisch noch unästhetisch; der Betrachter fühlt sich einigermassen ratlos. Was soll das?
Den Fotos sind keine Bildlegenden beigegeben, doch am Schluss des Buches findet sich eine Seite zu seiner Entstehung. Demnach kam Jacob Aue Sobol 2006 das erste Mal nach Tokyo, einer Stadt, "von der ich wenig wusste und zu der ich nicht wirklich eine Beziehung hatte." Er fühlte sich isoliert und versuchte dies zu ändern. "Und so fing ich an, meine Pocket-Kamera mit nach draussen in die Strassen und die Parks zu nehmen. Anstatt die beeindruckend grossen Gebäude und den nicht abreissenden Menschenstrom ins Visier zu nehmen, begann ich nach schmalen Pfaden und individuellen Menschen zu suchen in einer Stadt, die ich als anziehend und abstossend zugleich wahrnahm. Ich wollte Leute treffen, mich mit der Stadt befassen, um Tokyo zu meinem Tokyo zu machen."
Ein privates Fotoprojekt also. Warum auch nicht. Doch rechtfertigt das ein Buch? Sicher, wenn die Fotos überzeugend sind - diese sind es nicht.
Wer keine Lust hat, sich bei fast jedem Bild zu fragen, was ihm oder ihr denn da gezeigt wird, wird in der Pressemitteilung des Verlags fündig, wo man lesen kann, dass der Fotograf "dicht an der Realität der Stadt" (was auch immer das heissen mag) fotografierte. "Er traf Daisuke, der nackt im Yoyogi-Park tanzte und Sobol später zu sich nach Hause einlud, wo er ihn und seine Freundin beim Liebesakt fotografieren sollte. Und er traf Yuta, der ihm enthüllte, dass ihm lediglich drei Haare auf der Brust sprössen …"
Wer an solchen Menschen und Themen Interesse hat, für den oder die ist dieses Buch möglicherweise eine gute Investition.