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Architekturmodelle werden schon seit Menschengedenken gebaut. Doch für welchen Zweck benötigt man ein Modell und wie sahen die ersten aus?
Wofür werden Architekturmodelle gebaut?
Grundsätzlich muss man sagen, dass ein Modell nicht unbedingt notwendig ist um eine Planungs- oder Bauaufgabe erfolgreich zu gestalten, aber es kann in vieler Hinsicht eine nützliche Hilfe sein. Durch den Effekt der Verkleinerung im Modell kann die Qualität eines Entwurfs überprüft werden. Vor dem Auge des Entwerfenden entsteht ein Gefühl für Raum, Ästhetik und Stofflichkeit. Neben dem Bauwesen hat das Modell auch einen grossen Stellenwert in der Lehre, ob im Museum oder in Schulen. Ein Architekturmodell spricht alle Sinne an was eine Zeichnung oder auch ein virtuelles 3D Modell nicht imstande ist.
Obwohl der Beruf des Architekturmodellbauers in der Schweiz ein junger Beruf ist, werden schon seit jeher Modelle gebaut. Das Architekturmodell kann man als Medium der Darstellung betrachten. Es bündelt ästhetische und technische Informationen, die zuvor nur auf Papier oder in den Gedanken des Planers vorhanden waren und übersetzt sie in eine plastische Form. Das Ziel jeder Architekturplanung ist ein real ausgeführter Bau. Mit dem Architekturmodell tritt die Gestaltungsidee erstmals dreidimensional auf, wird zum Stellvertreter für das, was sich zeitlich erst später konkretisieren lässt.
Wie lange gibt es schon Architekturmodelle?
Modelle werden wahrscheinlich schon seit Menschengedenken gebaut. Der älteste beglaubigte Hinweis auf die Verwendung eines Architekturmodells geht auf Herodot (450 v.Chr.) zurück, der in seinen Schriften ein Modell des Tempels von Delphi erwähnt. Im Mittelalter wurde anscheinend wenig mit Modellen gearbeitet, da nichts überliefert ist. Mit Beginn der Renaissance gewinnt das Architekturmodell an Wichtigkeit und es wird erstmals auch bei Wettbewerben verwendet, um die Bauherrschaft zu überzeugen.
Wie sahen die ersten Architekturmodelle aus?
Es handelte sich keineswegs um Modelle nach unserer heutigen Vorstellung, sondern um kleine, aus normal großen Ziegeln gemauerte Gebäude. Für das Modell von San Petronio lässt sich ein Maßstab von 1:12 belegen, was bedeutet, dass es rund 15 Meter lang und immerhin gut 3,5 Meter hoch war. Seine Anfertigung benötigte zwei Jahre und seiner Form und seinem Umfang entsprechend wurde es daher in den Dokumenten auch als »cappella« bezeichnet. Größe und Maßstab des ersten Gesamtmodells von Santa Maria del Fiore von 1367 sind aus den Quellen zwar nicht mehr zu ermitteln, doch gibt die Tatsache, dass es innen begehbar war, eine ungefähre Vorstellung von seiner Größe. Abgesehen von einigen kleineren Ziegel- und Gipsmodellen sind solche monumentalen gemauerten Gesamtmodelle nur in diesen beiden Fällen nachweisbar. Beinahe gleichzeitig war in Mailand eine »ecclesia in lignamine«, ein hölzernes Modell für den Dom, nach den Anweisungen eines Baumeisters Simone di Cavagnera in Arbeit. Um ihm das Aussehen eines kleinen Bauwerks zu geben, wurde das Modell nach der Fertigstellung farbig gefasst. Über seine Größe ist nichts bekannt, doch kann es nicht allzu groß gewesen sein, da es die Domopera aus der Werkstatt des Schreiners abholen ließ und in einer Seitenkapelle des Domes versteckte. Hier scheint der Vorteil eines transportablen Holzmodells bereits erkannt worden zu sein. Die Bezeichnung »modello« taucht denn auch erstmals in der korrekten Verwendung als proportional verkleinertes Modell in den Mailänder Dombauakten kurz vor 1400 auf.
In die gleiche Zeit fällt auch das Holzmodell vom Dom von Pavia, welches man zerlegen konnte, es hatte aber eine beachtliche Grösse von 5,05 x 3,64 x 3,64m. Wie man am Titelbild sieht, wurde auch dazumal der Entwurf nicht zwingend, wie es im Modell geplant und dargestellt wurde, umgesetzt.
Autor
Aldo Hanhart ist Leiter der Architekturmodellbau-Werkstatt am IBAR.