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Olivenza ist heute eine Kleinstadt mit knapp 15 000 Einwohnern. Sie liegt in einer Ebene, die vor allem landwirtschaftlich genutzt wird. Vom höchsten Turm des Ca-stillo («El Homenaje») hat man einen sehr schönen Ausblick auf die Stadt und ihr weites Umfeld.
Die Altstadt selbst ist, wenn auch oft durch Häuser verdeckt, von dicken Mauern mit drei Toren umgeben. Die Gebäude erinnern mit ihrem weissen Farbanstrich schon stark an die «Pueblos blancos» in Andalusien. Doch sind die Strassen nicht ganz so eng wie dort und bisweilen mit Bäumen und Brunnen bestückt.
Die Avenida de Portugal von Olivenza, geschmückt mit Orangenbäumen, Palmen, Brunnen, schönen Laternen und portugiesischer Pflästerung
Das mächtige Kastell steht dort, wo schon die Burg der Ritter des Templerordens gestanden hat. Diese errichteten sie mit der Stadtgründung in den 1220er Jahren. Der portugiesische König Dinis (Dionys) liess sie am Ende des 13. Jahrhunderts ausbessern. Ihre heutige Form erhielt sie freilich erst unter König Joâo (Johann I.) gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Er erneuerte das bestehende Bauwerk und er-höhte den Hauptturm mit dem Namen «El Homanaje» auf das heutige Mass von 38 Metern. Das Kastell stellt ein schönes Beispiel für die damalige Wehrarchitektur dar. Es hat die Form eines Trapezoids mit einem zentralen Hof und vier Türmen in den Ecken. Die Burg diente bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Grenzgarnison. Dann wurde sie vorübergehend als Rathaus, später als Gefängnis und zu anderen Zwecken genutzt.
In unmittelbarer Nähe des Kastells und der dortigen Stadtmauer hat man zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine königliche Bäckerei gebaut. Sie diente zum Versorgen der Garnisonstruppen mit Brot. Das Gebäude wurde 1775 anlässlich des grossen Erdbebens von Lissabon stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Wiederaufbau er-folgte unter Marqués de Pompal im Stil des Klassizismus.
Burg und ehemalige Bäckerei beherbergen seit den 1980er Jahren das Museo Et-nografico Extremeño. Es zeigt in rund 30 Ausstellungsräumen Gebräuche und Ge-wohnheiten in der Extremadura seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Eines der mit viel Geschmack und Liebe eingerichteten Zimmer im Ethnografischen Museum: ein Büro aus dem frühen 20. Jahrhundert
Die lange Zugehörigkeit zu Portugal hat Architektur und Kunst in Olivenza geprägt. Immer wieder stossen wir auf den sog. manuelinischen Stil Portugals. Ein dekorati-ves Beispiel dieses Stils, der Gotik und Renaissance mit dem Schwung und dem ausgreifenden Sinn einer erstarkenden Seefahrernation verbindet, zeigt sich etwa im Portal des Palacio de los Duques de Cadaval, der heute als Rathaus dient.
Das Wappen König Manuels des Glücklichen (1495-1521), der diesem Stil den Namen gab, war ein Astrolabium, ein Gerät, das den Seehfahrern als Navigations-instrument gedient hat. Es prangt gleich zweimal zwischen den fünffingerigen ge-spreizten Blendfilialen. Bemerkenswert ist auch der figürliche Schmuck im Portal-Gewände. Aus der mittleren Blendfiale geht das Wappen der Cadaval-Familie hervor. Das Portal ist wohl das meistfotografierte Sujet der Stadt.
Hauptportal zum Palast der Herzöge von Cadaval
Die Iglesia de Santa Maria Magdalena in der Nähe der Plaza Constitución, mit deren Bau um 1510 begonnen wurde, stellt eines der schönsten Bauwerke des manuelini-schen Stils überhaupt dar. Der Turm und die Wandpfeiler sind aus gehauenen Stei-nen, die übrigen Fassadenteile aus verputztem Mauerwerk. Echte Bewunderung lösen das schon ganz der Renaissance verpflichtete, marmorne Hauptportal sowie das Seitenportal aus; ersteres wird Nicolau de Chanterenne zugeschrieben. Wie schon beim Eingang zum Cadaval-Palast kann man auch ihnen eine gewisse Ver-spieltheit nicht absprechen.
Das Innere der Magdalenenkirche mit den gewundenen Säulen
Diese kommt erst recht im Kircheninnern zum Zug. Die Hallenkirche ist dreischiffig, wobei die Seitenschiffe deutlich schmäler ausfallen. Überdeckt ist das Hauptschiff mit einem Fächergewölbe, die Seitenschiffe mit Kreuzgewölben, die von gewunde-nen Säulen getragen werden. Sehenswert ist auch die reiche Ausstattung mit Azu-lejos-Bildern, welche ganze Seitenwände füllen und die Retabel in den verschiede-nen Kapellen, vor allem jener in der Capilla Mayor.
Was einem beim Betreten der Kirche sofort ins Auge sticht: die Säulen, die Altäre, die blauen Azulejos (Kacheln) und die Gestaltung der Decke
Eine besonders sehenswerte Azulejeria ist in der Hauskapelle der Casa de Mise-ricordia aus dem 16. Jahrhundert zu bewundern, die überhaupt mit kostbaren Wer-ken ausgestattet ist. Hier werden verschiedene Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt.
Neben dem Kastell erhebt sich die Iglesia de Santa Maria del Castillo. Vom Vor-gängerbau der Templer hat sich nichts erhalten. Die heutige Kirche wurde im Stil der Renaissance nach Plänen von Andrés de Arenas im Jahre 1584 begonnen. Die Fertigstellung verzögerte sich aber bis zum Jahr 1627, als in Portugal bereits das Zeitalter des Barocks angebrochen war.
Zur Schmucklosigkeit des Äussern bilden Reichtum und Lichtfülle des Innern einen starken Kontrast. Die dreischiffige Hallenkirche besitzt quadratische Kreuzgewölbe, die auf jonischen Säuen ruhen. Der barocke Retabel des Hochaltars und jener des Altars mit dem Stammbaum Jesse bestehen aus gefassten Holzschnitzereien. Ganz allgemein sind hier einige sehr schöne Kunstwerke zu bewundern.
Der linke Seitenaltar mit dem Stamm- Blick in die Kirche baum Jesse
Der reiche Retabel des Hochaltars in der Marienkirche. Ausser den Holzarbeiten sei auch auf die seitlichen Malereien und die Azulejos, die an Tapisserien erinnern, auf-merksam gemacht.
Abschliessend sei auch darauf hingewiesen, dass es an mehreren Stadthäusern manch hübsches Detail zu entdecken gilt, sei es nun in den verschiedenen Gassen oder an der Plaza de España.