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Im Jahr 2019 wurden Ressourceneffizienzbeiträge eingeführt, die für den Verzicht auf Herbizide auf offenen Ackerflächen entrichtet werden. Landwirtinnen und Landwirte, die ab der Saat oder Pflanzung bis zur Ernte ganz auf Herbizide verzichten, erhalten einen Beitrag von 250 Franken pro Hektare. Herbizide vor dem Auflaufen sowie der Wirkstoff Napropamid sind dabei gänzlich verboten.
Im Rahmen der schonenden Bodenbearbeitung (= pfluglos), ist der Zusatzbeitrag für den Verzicht auf Herbizide (gemäss Art. 81 DZV) von 200 Franken pro Hektare mit dem Beitrag für die «Reduktion der Herbizide auf der offenen Ackerfläche» kumulierbar. Vorausgesetzt es erfolgt keine Herbizidbehandlung im Zeitintervall zwischen der Ernte der Vorkultur und der Ernte der Hauptkultur.
Mit Ausnahme der Zuckerrüben, der Biodiversitätsförderflächen und der biologisch angebauten Flächen sind sämtliche Kulturen beitragsberechtigt. Beim herbizidlosen Anbau ist ein Notfallszenario vorgesehen: Ist eine Kultur wegen des Unkrautdrucks gefährdet und eine Herbizidbehandlung nötig, kann die Anmeldung für einzelne Parzellen statt für die ganze Kultur zurückgezogen werden. Dies schafft je nach Kultur eine gewisse Flexibilität und Sicherheit.
Diese Beträge haben den Maschineneinsatz zur mechanischen Unkrautbekämpfung gefördert und ausserdem die Untersaat-Technik mit geeigneten Mischungen für die Hauptkulturen wieder ins Licht gerückt.
Finanzielle Aspekte
Bevor man sich auf eine mechanische Bewirtschaftung oder den Untersaatanbau einlässt, sollte der finanzielle Aspekt eines solchen Ansatzes analysiert werden. Unter Berücksichtigung einer Ertragsminderung von zehn Prozent für Kulturen mit Untersaat im Frühjahr sah eine im Oktober 2018 in der UFA-Revue publizierte Berechnung («Herbizidverzicht mit Hilfe von Untersaaten») in den meisten Fällen eine Bruttomarge vor, die mit dem Herbizidprogramm vergleichbar war, ja sogar höher ausfiel. Beim Raps erfolgt die Untersaat im Herbst und friert im Winter ab. Auch für diese Kultur konnte in mehrjährigen praktischen Versuchen gezeigt werden, dass identische und höhere Erträge erwartet werden können.
Untersaat im Winterweizen
Beim Wintergetreide werden die Erfolgschancen hauptsächlich durch zwei Parameter beeinflusst: den angestrebten Ertrag und den Standort. Die Untersaat ist für Erträge bis 60 dt eine geeignete Lösung. Darüber hinaus ist die Kultur zu intensiv und die Konkurrenz mit der Untersaat um Licht, Nährstoffe und Wasser zu gross. Das letzte Kriterium muss an Standorten berücksichtigt werden, wo das Risiko für sommerliche Trockenheit ausgeprägt ist. In geeigneten Parzellen erfolgt die Untersaat im Frühjahr bis zum Ende der Bestockung. Die Breitsaat ist nicht geeignet und sollte vermieden werden.
Wegen des regnerischen Herbsts 2019 wurden einige Parzellen unter schlechten Bedingungen angesät. Die Pflanzendichte pro Quadratmeter muss kontrolliert und im Frühling 2020 bewertet werden. Bei mageren Beständen ist es besser, die Bodenbedeckung mit einer Untersaat oder einer 300eroder 400er-Futterbaumischung zu gewährleisten, statt das Unkraut wuchern zu lassen. Diese Optionen bewähren sich für unbehandelte Flächen und in vielen Fällen auch dort, wo ein Herbizid angewendet wurde, sofern Letzteres für die vorgesehene Untersaat nicht kontraindiziert ist.
Untersaat bei Sonnenblumen
Sonnenblumen und Untersaat konkurrieren einander leicht, wenn beide Kulturen gleichzeitig ausgesät werden. Diese Technik hat den Vorteil, dass sie die Anzahl der Durchgänge senkt und mit den betriebseigenen Maschinen durchgeführt werden kann. Die Untersaat kann aber auch erst beim letzten mechanischen Unkrautbekämpfungsdurchgang ausgesät werden. Sie entwickelt sich dabei weniger stark, was ihre Konkurrenzkraft bei sommerlicher Trockenheit einschränkt.
Alternativ dazu können die beiden Verfahren kombiniert werden, indem die Untersaat gleichzeitig mit der Kultur gesät und anschliessend eine mechanische Unkrautbekämpfung in den Zwischenreihen vorgenommen wird. Diese Option hat den Vorteil, dass die Sonnenblume trotzdem noch genügend Wasser erhält, weil die Untersaat auf der Reihe wächst und dort die Unkräuter konkurrenziert. In der Folge werden Arten, welche sich durch Ausläufer vermehren, die Zwischenräume besiedeln.
Untersaat beim Mais
Versuche zeigen, dass Untersaaten ab dem 8-10-Blattstadium oder beim letzten Hackdurchgang vor dem Reihenschluss möglich sind. Vor diesem Stadium und ohne Bewässerung wird Mais oft zu stark konkurriert und der entstandene Ertragsverlust senkt die Bruttomarge im Vergleich zu anderen Verfahren zu stark. Bei der Maiskultur gilt es jedoch zu beachten, dass der genetische Fortschritt der vergangenen 20 Jahre bezüglich TS-Ertrag rasant war. Weiter erschweren die Pflanzenhöhe und Blattmasse der heutigen Sorten die Realisierung der in früheren Zeiten praktizierten Untersaat. Es bedarf zusätzlicher Praxisversuche, um diese Technik zu verfeinern.
Biologische Landwirtschaft
Auch im Bio-Anbau sind Untersaaten möglich. Vor allem leguminosenbetonte Mischungen verbessern die Stickstoffbilanz. Untersaaten sind auch sehr gute Hofdüngerverwerter. Im Vergleich mit Gründüngungen, die nach der Ernte gesät werden, nehmen etablierte Untersaaten dank der stark entwickelten Wurzeln schneller und mehr Hofdüngernährstoffe auf. Viele Landwirte müssen sich zuerst an die Untersaaten gewöhnen. Doch Begrünungen zwischen den Hauptkulturen, die Unkraut unterdrücken, sind Chancen, welche die Landwirtschaft ohne Ertrags- und Wertverluste nachhaltig und gesellschaftstauglich weiterbringen.
Praxis und Beobachtung
Abschliessend ist festzustellen, dass die Untersaat der Landwirtschaft neue Möglichkeiten eröffnen wird. Dies – je nach Wetterbedingungen – parallel zum manchmal erforderlichen Chemieeinsatz und zur mechanischen Unkrautbekämpfung. Nicht alles lässt sich aus Büchern lernen: Es braucht Praxis und Beobachtung, um sich zusätzliche Anbaumethoden anzueignen.