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Der HC Lausanne vermag die Wünsche vieler erneut nicht zu erfüllen
Für den Wunsch vieler, der HC Lausanne möge mit den Rapperswil-Jona Lakers die graue Maus der Liga endlich in die NLB versenken und dafür selbst in die NLA aufsteigen, schienen die Voraussetzungen in dieser Saison besonders günstig. Denn die Lakers beendeten die NLA-Quali abgeschlagen als Letzte, derweil die Waadtländer die NLB-Quali nach Belieben dominierten.
Es ist gut, dass sich im Sport zumindest die absonderlichen Wünsche von Fans, Journalisten und Verbandsgewaltigen nicht immer erfüllen. Der Verfasser dieser Zeilen bekennt sich dazu, insgeheim selbst derartig abstruse Wünsche gehabt zu haben, aber nachträglich froh zu sein, dass es nicht so gekommen ist. Denn wenn es nach den Wünschen von Fans, Journalisten und Verbandsherren ginge, würden heute der EHC Basel und der HC Lausanne anstelle der SCL Tigers und des HC Ambri-Piotta in der NLA spielen. Franz Zölch, von 1995 – 2006 Präsident der Eishockey-Nationalliga und derzeit gemäss 20 Minuten online auf dringender Geldsuche bei seinen früheren Eishockeyfreunden, wurden derartige «Wunschszenarien» zumindest unterstellt, und es gab nicht wenige Eishockey-Journalisten, welche dieses Wunschdenken mit entsprechenden Artikeln zu unterstützen versuchten. Am Ende der Saison 2004/05 stieg der EHC Basel wunschgemäss in die NLA auf, aber zum Bedauern einiger Herren nicht auf Kosten der SCL Tigers oder des HC Ambri-Piotta, sondern zu Lasten des HC Lausanne. Bereits in der darauffolgenden Saison gelang den Baslern der grosse Coup. Sie qualifizierten sich für die Playoffs, wo sie in den Viertelfinals dem amtierenden Schweizermeister HC Davos in fünf Spielen unterlagen. Der EHC Basel war im Unterschied zu den SCL Tigers noch nie Schweizermeister, aber realisierte in seiner Geschichte bereits einen Sieg in einem Playoff-Spiel. Denn am 19. März 2006 glichen die Rheinstädter mit einem 3:1 Sieg gegen den Rekordmeister die Playoffserie zum zwischenzeitlichen 1:1 aus. Diesen Rückstand in Sachen Siege in den Playoffs sollten die Emmentaler so rasch als möglich in einen Vorsprung verwandeln. Aber anders als von den Liga-Generälen erhofft, vermochte sich das Eishockey in der Fussballstadt Basel nicht mehr durchzusetzen. Die Massen liessen sich nicht mehr wie in den gloorreichen 1960-Jahren mobilisieren. Bereits in der Saison 2006/07 näherten sich die Basler der bitteren Realität. Zwar vermochten sie sich im Playout-Final noch einmal zu retten, indem sie die SCL Tigers in die Ligaqualifikation gegen den EHC Biel schickten. Aber bereits ein Jahr später versenkten die Bieler die inferioren und von ihrem Publikum schmählich im Stich gelassenen Basler in der NLB. Aus der Traum von Franz Zölch, welcher damals aber bereits nicht mehr NL-Präsident war, und seinen Mannen. Aus der Traum auch für einige Journalisten, von welchen die meisten wohl nur noch ungern an ihre Schreibereien von damals erinnert werden.
Lausanne hat ein phantastisches Publikum
Der Wunsch, den HC Lausanne in der NLA zu haben, ist verständlich. Denn die Waadtländer verfügen seit Jahren über ein phantastisches Publikum. Bereits in der Qualifikation verzeichnete das Team von John van Boxmeer einen Schnitt von 4'798 Zuschauern pro Spiel, was in der NLA den 8. Rang in dieser Statistik bedeutet hätte, vor Biel, Davos, den Lakers, Lugano und Ambri. Dieser Schnitt steigerte sich über die gesamten Playoffs gar auf 6'274, und im Final gegen Langenthal waren in Lausanne nie weniger als 7'100 Zuschauer vor Ort. Leider ist in Lausanne das Zuschauerinteresse das Einzige, was für ein Mitwirken des Hockeyclubs in der NLA spricht. Der 1922 gegründete Klub, welcher jeweils von 1940 – 1954, von 1957 – 1961 (damals abgelöst vom erstmals in die NLA aufsteigenden SC Langnau !!!), von 1978 – 1981, während der Saison 1995/96, und von 2001 – 2005 während insgesamt 25 Saison der NLA angehörte, wurde bei seinen letzten beiden Abstiegen aus der höchsten Spielklasse (1996 und 2005) jeweils von massiven finanziellen Problemen geplagt und begleitet. Die Lausanner bleiben zumindest in den letzten 30 Jahren den Beweis schuldig, dass sie eine NLA-Mannschaft erfolgreich betreiben und finanzieren können. Und auch sportlich reicht es nicht. Erreichte der HC Lausanne in den Saisons 2008/09 und 2009/10 jeweils als Meister der NLB die Ligaqualifikation, in welcher sie jeweils erst im entscheidenden siebten Spiel am EHC Biel und an dessen Nothelfer-Coach Kevin Schläpfer scheiterten, kapitulierten sie in den letzten beiden Spielzeiten bereits im NLB Playoff-Final. In der Saison 2010/11 bedeutete der EHC Visp nach vier Niederlagen in nur vier Spielen Endstation. Gestern beendete der SC Langenthal die Aufstiegsträume Lausannes mit einem 4:1 – Sieg im 6. Spiel.
Die Träume, Rapperswil durch Lausanne ersetzen zu können, endeten jedoch bereits viel früher. Denn der Klub unweit vom Kinderzoo sicherte sich völlig überraschend dank des 5:2 Sieges vom 10. März in Genf bereits nach fünf Spielen im Playout-Halbfinal gegen Servette den Ligaerhalt. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, wie die Paarung im Playoff-Final der NLB lauten würde, denn der frisch gekürte NLB-Meister Langenthal duellierte sich zu diesem Zeitpunkt noch in einer harten Serie mit dem HC La Chaux-de-Fonds.
Fazit: Es ist gut, wenn lediglich sportliche Entscheide über die Liga-Zugehörigkeit von Klubs entscheiden. Einen zweiten Fall «Huttwil Falcons» darf es nicht mehr geben. Die Beerdigung der Falken, welche in der NLB über eine der modernsten Eishallen verfügt hätten, und welchen im Frühjahr 2011 der sportlich einwandfrei realisierte Aufstieg mit fadenscheinigen Begründungen am grünen Tisch verweigert wurde, bildet eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte des Schweizer Eishockeys. Aber es war, ist und bleibt wohl beileibe nicht das einzige Mal, wo Funktionäre versuchen, die Meisterschaft und daraus resultierende sportliche Entscheide politisch zu torpedieren. Dazu gehören auch Gelüste, die NLA aufzustocken, um eventuelle Abstiege zu verhindern.
Die Führung der SCL Tigers tut gut daran, vor allfälligen politisch motivierten Manipulationen von sportlichen Realitäten ganz besonders auf der Hut zu sein. Es ist nicht Aufgabe der Ligageneräle, ein «Produkt Eishockey» zu schaffen, um dieses möglichst erfolgreich zu vermarkten. Aufgabe der Generäle sollte sein, den «Sport Eishockey» erfolgreich zu vermarkten, ohne diesen zu einem beliebig manipulierbaren Produkt zu machen. Dass gelegentlich Anpassungen nötig sind, steht dabei ausser Frage.