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Claude Longchamp und seine Firma gfs führen im Auftrag öffentlicher Stellen und privater Firmen erfolgreich Meinungsumfragen durch und interpretieren sie. Der breiten Öffentlichkeit ist Longchamp durch seine eloquenten Fernsehauftritte vor und nach Abstimmungen und Wahlen bekannt. Von der Eidgenössischen Bundeskanzlei hat gfs den Auftrag, zusammen mit drei Universitäten nach erfolgten Volksabstimmungen herauszufinden, wie viele Abstimmende sich aus welchen Gründen dafür oder dagegen ausgesprochen haben, und aus welchen sozialen Schichten und geografischen Gegenden diese Abstimmenden stammen.
Für diese «Vox-Analysen» erhält gfs pro Volksabstimmung zwischen 69’000 und 84’000 Franken Steuergelder vom Bund, wie die Sonntags-Zeitung vom 8. Juni 2014 aufgrund des bisher vertraulichen Vertrags zwischen der Bundeskanzlei und der Vox-Forschungsgemeinschaft schrieb. Weitere 16’000 Franken erhält diejenige Universität, die für die Auswertung zuständig ist. Longchamps gfs ermittelt die Vox-Daten mit heute 1500 (früher 1000) angeblich im Durchschnitt je 25-minütigen telefonischen Gesprächen mit Festnetz-Abonnentinnen und -Abonnenten.
Interpretations-Monopol für gfs und einzelne Universitäten
Für alle Vox-Analysen der Jahre 2010 bis 2013 erhielten Longchamp und die Universitäten laut Sonntags-Zeitung insgesamt 1,2 Millionen Franken.
Trotz Einsatz von Steuergeldern verlangte die Bundeskanzlei als Vertragspartnerin nicht, dass alle Daten sofort öffentlich zugänglich gemacht werden, damit alle interessierten Forscher, Parteien und Medien die Seriosität der Umfragen kontrollieren und die Resultate der Vox-Zahlen selber interpretieren können.
Geschäftsgeheimnis verhindert wissenschaftliche Überprüfung
Das Gleiche gilt, wenn gfs Umfragen im Auftrag Privater wie zum Beispiel der Pharmaindustrie durchführt. Die vollständigen Fragebögen, der Frageablauf und was den Befragten begleitend erklärt wird, betrachtet Longchamps gfs als Geschäftsgeheimnis.
Niemand kann deshalb kontrollieren, wie ergebnisoffen oder eben wie manipulativ, das heisst ergebnisgezielt die Umfragen angelegt sind. Auffällig häufig bestätigen Umfrageergebnisse, welche Konzerne und Institutionen verbreiten, deren Interessen.
Damit die Öffentlichkeit mit Umfrageresultaten weniger irregeführt wird, ist zweierlei erforderlich:
- Medien müssen stets deutlich angeben, wer eine Umfrage finanziert hat.
- Claude Longchamp und seine gfs dürfen nicht mehr behaupten, ihre Arbeit sei «wissenschaftlich».
In der Wissenschaft gelten Experimente dann als wissenschaftlich, wenn sie irgendwann und irgendwo 1:1 wiederholt werden können und zum gleichen Resultat führen. Unter dem Titel «Die Pseudo-Wissenschaft des Claude Longchamp» kam Infosperber am 15. Mai 2014 zum Schluss: «Wissenschaftlich sind Claude Longchamps Meinungsumfragen nicht, weil sie nicht nachprüfbar sind.» Infosperber untermauerte diese Aussage mit Beispielen und Expertenmeinungen.
Noch am Tag der Veröffentlichung schrieb Claude Longchamp der Infosperber-Redaktion: «Diesen Journalismus brauche ich nicht. Streichen Sie mich bitte von der Mailingliste.»
Was Longchamp an «diesem Journalismus» missfällt oder beanstandet, wollte er auf Anfrage nicht präzisieren. Infosperber hätte diesem Medienprofi gerne Gelegenheit dazu gegeben.
Leider hat Longchamp nicht reagiert. Wir können nur die Stellungnahme wiederholen die gfs-Mediensprecher Lukas Golder im Infosperber-Artikel vom 15. Mai 2014 anstelle von Claude Longchamp gemacht hatte: Die gfs sei ein «kommerzielles Unternehmen», das «angewandte Sozialforschung» betreibe. Und die Aussage von Claude Longchamp selber, die er schon vor Jahren dem «Magazin» gegenüber gemacht hatte: Er sehe keinen Mangel an Wissenschaftlichkeit, wenn er Daten, die seinen Analysen und Umfragen zugrunde liegen, unter Verschluss hält.
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Siehe «Die Pseudo-Wissenschaft des Claude Longchamp» vom 15.5.2014.
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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine