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Die Schweizer Organisation Medi Cuba-Suisse engagiert sich seit zwanzig Jahren für das kubanische Gesundheitswesen. Die Form der Unterstützung veränderte sich mit der politischen Situation.
«Man kann sich hierzulande kaum vorstellen, wie viel man in Ländern (…) des Südens auch mit wenig, aber gut investiertem Geld erreichen kann», schreibt der ehemalige SP-Nationalrat und Onkologe Franco Cavalli in seinem kürzlich erschienenen Buch «Krebs. Die grosse Herausforderung». Darin schildert Cavalli unter anderem, wie er mitgeholfen hat, in Ländern des Südens lokale Strukturen im Gesundheitswesen sowie langfristige Projekte zur Krebsbekämpfung aufzubauen, und wie daraus verschiedene Hilfsorganisationen entstanden sind.
Eine davon ist Medi Cuba-Suisse, die 1992 gegründet wurde und seither eine wichtige Funktion in der medizinischen und wissenschaftlichen Entwicklung des Landes ausübt. Doch weshalb unterstützt die Organisation ausgerechnet Kuba, ein Land, das bekannt ist für sein gut funktionierendes Gesundheitswesen – einer der wenigen Punkte, in denen sich Kritikerinnen wie Befürworter der kubanischen Regierung einig sind?
Marianne Widmer, Projekt- und Programmkoordinatorin bei Medi Cuba-Suisse, hört die Frage nicht zum ersten Mal. «Es stimmt, dass Kuba über eine ausgezeichnete und flächendeckende Gesundheitsversorgung verfügt», sagt sie. «Doch nach dem Ende der Sowjetunion 1991 geriet Kuba in die grösste Krise seit der Revolution.» Quasi über Nacht seien damals achtzig Prozent des Aussenhandels weggebrochen. Das seit 1962 bestehende Embargo der USA gegen Kuba zeigte plötzlich gravierende Folgen.
Rohstoffe und Wissen
Anfang der neunziger Jahre sei unklar gewesen, ob die Errungenschaften des kubanischen Gesundheitswesens weiterbestehen würden. «Deshalb haben sich 1992 mehrere Schweizer Ärzte zusammengetan und Medi Cuba-Suisse gegründet, um einen Beitrag für den Fortbestand des Erreichten zu leisten.» Viele dieser ÄrztInnen hatten sich bereits vorher für Kuba eingesetzt und wussten, was auf dem Spiel steht.
«In der Anfangsphase leistete die Organisation vor allem punktuelle Nothilfe», erzählt Widmer. Kuba war in jener Zeit von jedem Nachschub abgeschnitten. Es fehlte an technischen Geräten für Spitäler, weil diese nicht länger von den ehemaligen Ostblockländern zur Verfügung gestellt wurden. Es gab keine Ersatzteile, und kaum jemand wusste, wie die bestehenden Apparaturen gewartet werden mussten. Zudem mangelte es an Rohstoffen für pharmazeutische Produkte wie Breitbandantibiotika, die Kuba bis anhin selbst hergestellt hatte.
Medi Cuba-Suisse half, neue Apparate zu finanzieren und zu beschaffen sowie das Personal auszubilden. Für die Finanzierung von Rohstofflieferungen organisierte sie eine grosse Kampagne unter dem Titel «Eine Bresche in die Blockade». Die Kampagne lieferte nicht nur Spendengelder und verschaffte der Organisation eine höhere Bekanntheit, sondern gab 1997 auch einen wichtigen Impuls für die Gründung des Netzes Medi Cuba-Europa, in dem heute Organisationen in zwölf Ländern zusammengeschlossen sind. «Alles war plötzlich grösser und hatte eine viel breitere Wirkung», erzählt Widmer. «Das Echo und die Unterstützung in Form von Spenden und Mithilfe waren enorm.»
Seither hat sich in Kuba vieles geändert. Das Land hat inzwischen eigene LieferantInnen für Rohstoffe gefunden, und auch die technische Ausrüstung ist kein primäres Problem mehr. Entsprechend hat sich Medi Cuba-Suisse neu ausgerichtet und konzentriert sich heute auf strategische Fragen und langfristige Projekte, die auch von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes mitfinanziert werden.
Maximum an Wirkung
Die Organisation betreut derzeit mehrere Programme: Im Bereich nicht übertragbarer Krankheiten (wie Krebs oder Diabetes) arbeitet Medi Cuba-Suisse am Aufbau von Strukturen in der Palliativmedizin, an der Früherkennung in der Pädiatrie sowie am Virenmonitoring bei Organtransplantationen. Bei übertragbaren Krankheiten wie HIV/Aids leistet Medi Cuba-Suisse Präventions- und Informationsarbeit. Des Weiteren betreut sie einen Ausbildungszyklus für Psychotherapie, organisiert den Austausch von kubanischen Fachleuten und lobbyiert für deren Teilnahme an internationalen wissenschaftlichen Gremien.
Die Projekte von Medi Cuba-Suisse sind jedoch nicht ausschliesslich medizinischer Art. «Vor einigen Jahren haben wir für wenig Geld neue Computer und Programme finanziert, damit Kubas ausführliches nationales Krebsregister aktualisiert und international kompatibel gemacht werden konnte», sagt Widmer.
Auch für sie ist es stets aufs Neue inspirierend zu sehen, wie mit wenigen Mitteln ein Maximum an Wirkung erzielt werden kann. «Vielleicht ist unsere Arbeit manchmal etwas nüchtern und kopfbezogen», sagt Widmer. «Aber wir sind immer fokussiert. Bei uns ist der Name Programm.»
Das Jubiläum feiert Medi Cuba-Suisse mit einem Fest: am 15. September ab 17.30 Uhr in der Roten Fabrik in Zürich. Mehr Infos: www.medicuba.ch.