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Appenzell Ausserrhoden
Appenzell Ausserrhoden zählt gut 54'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Topografisch ist der Kanton eingebettet zwischen dem Alpstein mit dem Säntis und Appenzell Innerrhoden im Süden und der Stadt St. Gallen und dem Bodensee im Norden. Vier Flüsse entwässern die Hügellandschaft nach Norden und gliedern das Kantonsgebiet in die Teillandschaften Hinter-, Mittel- und Vorderland.
Kulturgeschichtliches
Um 1800 war Appenzell Ausserrhoden der am dichtest besiedelte Schweizer Kanton. Die Heimarbeit im Leinwandgewerbe erlebte im ausgehenden 17. Jahrhundert und mit der Baumwollverarbeitung seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zwei Innovationsschübe. Im 19. Jahrhundert dominierten neben der Landwirtschaft die Plattstich- und die Seidegazeweberei, später die Handmaschinenstickerei sowie die Veredlungsindustrie. Parallel dazu konnte sich im Zuge der Entdeckung der Alpen ein Molkenkur- und Gesundheitstourismus etablieren.
Treibende Kraft der innovativen Entwicklungen war ein von protestantischer Ethik geleitetes ländliches Bürgertum, das sich an städtisch-aristokratischen Vorbildern orientierte, repräsentative Dorfhäuser baute, in literarischen Zirkeln vornehme Geselligkeit pflegte, sich Philanthropie und Gemeinnützigkeit leisten konnte und in diesem Umfeld Schulen und Zeitungen ins Leben rief sowie ausgiebige Reisen unternahm. Daneben existierte weiterhin eine eher introvertierte und traditionsverbundene bäuerlich-sennische Lebenswelt, die das Kunsthandwerk (Bauernmalerei, Sennensattlerei, Weissküferei), Musiktraditionen (Naturjodel, Streichmusik) sowie das Brauchtum (Silvesterchlausen, Alpfahrt) pflegte. Seit dem Aufkommen von Vereinen ab den 1820er Jahren ist eine stärkere Vermischung der beiden Lebenswelten zu beobachten. Bräuche wie das Blochziehen im Hinterland bekamen erst im ausgehenden 19. Jahrhundert klar identifizierbare Formen. Ähnliches ist für andere heute als «uralt» gefeierte Traditionen festzuhalten, deren gegenwärtig gepflegte Formen sich erst im 20. Jahrhundert herausbildeten.
Ziel der Arbeiten bei der Ermittlung des immateriellen Kulturerbes im Kanton Appenzell Ausserrhoden war es, Beispiele zu identifizieren, die für beide Lebenswelten und deren Mischformen stehen, die von historischer Relevanz sind, Alleinstellungsmerkmale besitzen und für die Bevölkerung im Kanton Appenzell Ausserrhoden einen hohen Wiedererkennungsgrad beanspruchen können.
Kantonale Kulturpflege und -förderung
Grundlage der Kulturförderung ist das Kulturförderungsgesetz vom 28. November 2005 (bGS 420.1). Art. 2 definiert die Breite der Kulturförderung und gibt dem Kanton und den Gemeinden den Auftrag, das kulturelle Schaffen und die Kulturvermittlung zu fördern und das kulturelle Erbe zu pflegen und zu erforschen. Ziel ist eine lebendige Auseinandersetzung mit dem überlieferten Kulturgut. Dabei soll dem Spannungsfeld zwischen Volkskultur und zeitgenössischen Kunstformen besondere Beachtung geschenkt werden.
Auf staatlicher Seite haben Bibliotheken und Archive unter anderem den Auftrag zur Dokumentation und Bewahrung immateriellen Kulturerbes. Die vielfältige Museumslandschaft Appenzell Ausserrhoden ist via Leistungsvereinbarungen mit der kantonalen Kulturförderung verbunden, basiert jedoch auf privaten Trägerschaften. Im Stiftungsrat vom Roothuus Gonten, dem Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik sitzen Vertreterinnen und Vertreter der Kulturförderungen aller Säntiskantone. Zusätzlich engagieren sich weitere private Trägerschaften wie die Appenzellische Gemeinnützige Gesellschaft, der Appenzellische Chorverband oder die Lesegesellschaften für den Erhalt von immateriellem Kulturerbe im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Die Naturärzte Vereinigung der Schweiz NVS hat ihren Sitz in Herisau.
Die in der Liste berücksichtigten lebendigen Traditionen sind die Appenzeller und Toggenburger Alpfahrt, der Appenzeller Witz und die Satire, die Bauernmalerei rund um den Säntis, die Lesegesellschaften und Dorfaktivitäten, die Naturheilkunde in Appenzell Ausserrhoden, das Silvesterchlausen, die Senntumsschnitzerei sowie die Volksmusikpraxis und Naturjodel im Appenzell und Toggenburg. Weitere lebendige Traditionen sind unter anderem die Alpstobete, Gidio Hosestoss, der Hackbrettbau, das Kinderdorf Pestalozzi, die Friedensarbeit im Appenzeller Vorderland, die Ostermontagsfeier in Wald, das Sennenhandwerk und der Urnäscher Bloch (mit Buebebloch).
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