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Rolf
Wesbonk hat den neuesten Thriller des amerikanischen Schriftstellers und
Staatsanwaltes aus Chicago Scott Turow gelesen:
Der letzte Beweis eines grossartigen Autors
Ein Mann sitzt auf einem Bett. Er ist mein Vater. Die Leiche einer Frau liegt unter der Decke. Sie war meine Mutter.
Eigentlich beginnt die Geschichte nicht an diesem Punkt. Und sie endet auch nicht dort. Aber es ist der Moment, zu dem ich immer in Gedanken zurückkehre; der mir die beiden vor Augen führt.
Nach dem, was mein Vater mir bald erzählen wird, war er fast dreiundzwanzig Stunden in dem Zimmer, nur unterbrochen von dem gelegentlichen Gang zur Toilette. Gestern erwachte er um halb sieben, wie meistens in der Woche, und er sah, als er die Füsse in die Pantoffeln schob und über die Schultern einen Blick auf meine Mutter warf, sofort die Veränderungen, die der Tod bringt. Er rüttelte sie an der Schulter, berührte ihre Lippen. Er drückte ihr ein paar Mal mit dem Handballen aufs Brustbein, aber ihre Haut war kalt wie Lehm. Ihre Gliedmassen bewegten sich alle in einem Stück wie bei einer Kleiderpuppe.
Er wird mir erzählen, dass er sich dann ihr gegenüber in einen Sessel setzte. Er weinte nicht. Er dachte nach, wird er sagen. Er weiss nicht, wie lange er so dasass, nur dass die Sonne sich einmal quer durch den Raum bewegt hatte, als er endlich aufstand und anfing, wie besessen aufzuräumen.
So beginnt der neue Roman von Scott Turow. „Der letzte Beweis“ ist, wie die früheren Bände des amerikanischen Erfolgsautors, ein Gerichts-Krimi. Es wird die Geschichte von Richter Rusty Sabich erzählt, eine Story, die eigentlich eine Fortsetzung des Romans „Aus Mangel an Beweisen“ ist. Dieser wurde 1987 geschrieben und war ein Bestseller. Sabich war damals angeklagt, eine Kollegin, mit der er ein Verhältnis hatte, brutal ermordet zu haben. Das Duell zwischen Ankläger und Verteidiger erwies sich in der Folge als grossartige Unterhaltung.
Jetzt
findet sich Sabich erneut an der Seite einer toten Frau, und wiederum
sind die Hintergründe zwiespältig. Der Oberstaatsanwalt Tommy
Molto, der schon vor zwanzig Jahren ein hartnäckiger Widersacher
von Sabich gewesen ist, hat diverse Gründe, gegen den einstigen Kontrahenten
ein weiteres Mal zu ermitteln. Schwer ins Gewicht fällt dabei die
Liebesbeziehung von Sabich zu einer Frau, die vom Alter her seine Tochter
sein könnte. Wiederum versteht es Turow, den Leser mit einer packenden
Geschichte sowie einer brillanten Sprache zu begeistern.
Rolf
Wesbonk, Stäfa