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Badanstalt Badgasse
Badgasse 6
8400 Winterthur
Die Bad- und Waschanstalt Winterthur an der Badgasse wurde 1864 mit Badewannen aus Carrara-Marmor, verschiedensten Duschmöglichkeiten, Bäder mit chemischen Zusätzen und einem Schwimmbad eröffnet. Es war das erste Hallenbad der Schweiz.
Das zunehmende Hygienebewusstsein im 19. Jahrhundert —der Absatz von Seifen erlebte nie gekannte Zahlen— und die Zunahme von Epidemien in Europa liess den Ruf nach Waschgelegenheiten auch mit Wannenbädern wieder aufkommen. Nach Liverpool 1842, London 1845 und Hamburg 1854, wo erste Badetempel entstanden, war 1864 auch Winterthur an der Reihe.
Der Winterthurer Stadtbaumeister Wilhelm Bareiss baute von 1862 bis 1864 direkt neben dem alten Lörlibad die Bad- und Waschanstalt und somit auch das erste Schweizer Hallenbad. Der westliche Teil des Gebäudes enthielt die Waschgelegenheiten und im Mittelteil waren zwölf Marmorwannenbäder und zwei Duschzellen, ein türkisches Bad und ein Abkühlzimmer untergebracht. Das Schwimmbad (12x8m) am Ostflügel hatte seinen Eingang von der Ecke Neustadt/Badgasse her. Die Innenausstattung war in Anlehnung an die Badekultur des Orients im maurischen Stil mit Hufeisenfenstern ausgeführt worden. Der Hochkamin hatte sogar die Form eines Minaretts.
Die Benützung des Bades erfolgte nach einem exakten „Fahrplan“ Geschlechter getrennt unter der strengen Aufsicht des Bademeisters und Heizers Hirzel. Turnlehrer Niklaus Michel erteilte der Jugend Schwimmunterricht. Nach der Eröffnung des Freibades Geiselweid 1911 hatte das „Schwümbi“ ausgedient. Das Hallenbad wurde 1923 geschlossen. Da die Badeanstalt noch immer eine grosse Nachfrage hatte, wurde deren Betrieb noch bis 1977 weitergeführt. Zu viele Altstadt-Liegenschaften hatten keine Badezimmer. Das Hallenbad wurde umgebaut und ein Zwischenboden eingesetzt. Der Raum diente hernach viele Jahre als Gantlokal und sollte 1973 abgebrochen werden. Der Bürgerprotest liess dies verhindern. Die Fassaden blieben erhalten, nur das Innere wurde komplett neu gestaltet.
Seit vielen Jahren sind Büros der Stadtpolizei hinter diesen altehrwürdigen Mauern untergebracht. Im speziellen sind das die Wirtschafts- und Gewerbepolizei. Das Haus ist aber erst seit 2009 in städtischem Besitz.