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Das Interview führte Philippe Carrel mit einem Flüchtling, welcher in Plasselb lebt.
- Was hat dich dazu bewogen deine Heimat zu verlassen?
In Pakistan gibt es meiner Meinung nach keine beruhigende Stabilität mit klaren Regeln. Es herrschen Willkür und der Konflikt zwischen den Sunniten und den Schiiten ist omnipräsent.
Gewöhnliche Menschen wie ich; haben keine Perspektive. Schon mein Vater war getrübt durch diese Perspektivlosigkeit.
Wegen Angst und Unruhe in meinem Land; habe ich den Glauben an eine Zukunft verloren, und bin deshalb geflüchtet. Dank Gott verliess mich die Kraft nicht.
- Welcher Route bist du gefolgt, um die Schweiz zu erreichen?
Ich verliess Pakistan im Jahre 2009 und ging nach Iran und danach in die Türkei.
Von der Türkei bin ich nach Griechenland gelangt und blieb dort einige Jahre.
Beim Versuch Griechenland Richtung Mazedonien zu verlassen, wurde ich einige Male durch die örtlichen Behörden aufgegriffen. Schliesslich schaffte ich es nach Serbien zu gelangen. Später nahm ich einen Zug von Budapest (Ungarn) nach Zürich.
- Wie war es auf deiner Reise?
Auf dem schwierigen Weg gab es Leute in der gleichen Situation, doch ich musste mich sehr oft alleine durchschlagen, um an Verpflegung zu gelangen. Es gab leider auch heikle Situationen. Einmal wurde ich von fünf bewaffneten Leuten, welche es auf mein Geld abgesehen hatten, angegriffen und verletzt. Ich hatte mein Geld natürlich gut versteckt und so konnten sie mir zum Glück nicht alles wegnehmen. Es gibt auch korrupte Grenzbeamte, welche einem der wenige Besitz wegnehmen wollen.
- Wie siehst du den Empfang durch die Schweiz?
Ich danke Gott für die Möglichkeit in der Schweiz zu sein. Die Schweiz hat mir sogar gesundheitlich geholfen und dies sehe ich als grosses Geschenk. Ich kann sogar mit ganz wenig Geld einen Teil meiner Familie unterstützen. Ich bin froh eine Bleibe und Verpflegung haben zu dürfen und schätze dies als grosses Glück. Meine Eltern sind leider beide verstorben und fehlen mir sehr, doch ich fühle mich dank der Schweiz ein bisschen wie zu Hause und so möchte ich der Schweiz später etwas zurückgeben.
- Wie sieht deine aktuelle Lebenssituation in Plasselb (Sensebezirk) aus?
Nun, obschon ich sehr zufrieden bin, dass ich ein Dach über dem Kopf und Verpflegung habe, ist meine Situation doch schwierig. Es mangelt zum Teil an Hygiene im Wohnhaus und der Lärm ist auch störend. Küchenutensilien sind nur sehr spärlich vorhanden.
Durch die unterschiedlichen Mentalitäten der Migranten, welche im selben Wohnblock wohnen, kommt es natürlich auch zu Konflikten und es ist zum Teil schwierig lösungsorientiert die Ordnung wiederherzustellen. Manchmal geht es einige Zeit gut, aber danach geht der Ärger wieder von vorne los.
- Wie sieht es mit der lokalen Bevölkerung vor Ort aus?
Es kommt schon vor, dass die lokale Bevölkerung nur wenig Begeisterung auf ein Grüssen unsererseits zeigt und dies vor allem abseits von organisierten Anlässen, wie z.B ein Fussballturnier, an welchem wir mit viel Freude teilhaben konnten. Gewisse Ängste von Seiten der Bevölkerung verspüre ich schon.
Ich schätze die schöne Natur rund um Plasselb. Mir ist auch bewusst, dass unsere Mitmenschen im Dorf aufmerksam auf unsere Verhaltensweise sind und somit versuche ich natürlich, mich von meiner besten Seite zu zeigen, damit mein Respekt vor den Menschen vor Ort bemerkt werden kann. Auch in der Wohnung möchten wir uns sauber präsentieren.
- Wo siehst du noch Verbesserungspotenzial für eine adäquate Unterstützung eurer Situation?
Ich denke es wäre wünschenswert, wenn jede betroffene Person ein Busticket erhält und dass die Deutschkurse, welche in der Stadt von Freiburg durch die ORS Firma gegeben werden, (momentan 3 Stunden pro Woche) erhöht werden könnten, damit wir besser Deutsch lernen könnten.
Wünschenswert wären auch mehr Beschäftigungsprogramme, so könnten wir noch besser die hiesige Kultur kennen und wertschätzen lernen. Es würde uns Selbstvertrauen und eine Struktur geben, um ein würdevolles Leben zu leben. Wir könnten so noch schneller die hiesigen Regeln lernen und uns optimal integrieren. Natürlich möchten wir auch arbeiten, um unseren Teil beizusteuern, doch leider fehlt uns diese Möglichkeit noch.