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Die Geschichte der Jeans
Wenn die Jeanshose in wenigen Jahren ihren 150. Geburtstag feiert, handelt es sich dabei um ein ganz besonderes Jubiläum. Einerseits sind 150 Jahre wirklich eine stolze Zahl. Und andererseits ist die Jeans wohl die einzige Hose, die sich über einen so langen Zeitraum weltweit in der Mode behaupten konnte. Und das Allerbeste: Sie tut es ja immer noch!
Um zu erfahren, wie der Siegeszug der blauen Hose begann, wer sie entwickelt hat und warum sie überhaupt erfunden wurde, müssen Sie sich ein bisschen mit ihrer Geschichte befassen. Die Bluejeans hat ihren Ursprung zwar in den Vereinigten Staaten, ihr Erfinder war jedoch ein deutscher Auswanderer, genau genommen, ein Bayer. Laut Patentamt liegt das Geburtsdatum der Hose im Jahr 1873, als Levi Strauss und Jacob Davis, ihre Gründerväter, sich die Hosenerfindung patentieren ließen.
Herkunft der Bezeichnung „Jeans“
Der Ursprung waren Hosen aus Baumwolle, die aus der Gegend um die italienische Stadt Genua in die USA kamen. Aus der französischen Form des Städtenamens („Gênes“) entwickelte sich in Amerika die Aussprache „Jeans“. Levi Strauss, der in Franken geboren wurde und als Auswanderer 1847 nach San Francisco ging, fertigte für Goldgräber robuste Arbeitsbekleidung, die „Gênes“ aus dem Stoff „Serge de Nîmes“ (Gewebe aus der Stadt Nîmes), kurz Denim Jeans.
Der Händler Levi Strauss verkaufte Güter des täglichen Bedarfs für die Goldgräber in San Francisco. Als Großhändler vertrieb er „Duck Pants“ aus Segeltuch, die irgendwann wegen fehlender Rentabilität aus dem Sortiment genommen wurden und die fälschlicherweise für einen Vorgänger der Jeans gehalten werden. Es handelte sich jedoch nur um ein anderes Produkt im Sortiment des Levi Strauss. Die Idee, die Nähte von Hosen mit Nieten zu verstärken, hatte der Schneider Jacob Davis. Da er nicht das Geld hatte, um ein Patent anzumelden, wandte er sich an Levi Strauss.
1872 wurden zum ersten Mal die Ecken der Hosentaschen mit Nieten verstärkt. Patentiert wurde die Hose am 20. Mai 1873. Inhaber des Patents waren Strauss und Davis gemeinsam. Später wurde das braune Segeltuch durch den mit Indigo gefärbten blauen Baumwollstoff Denim abgelöst und die Jeans mit orangefarbenen Nähten und Nieten verstärkt und verziert. Schon früh wurde von der ursprünglichen Leinen- auf die stabilere Köperbindung gewechselt, was als Standard für die meisten Denimstoffe zum Einsatz kommt.
Um 1920 kam der Begriff Blue Jeans (durch die Indigofärbung) auf. In den 1930er Jahren wurde der Hosenträger vom Gürtel abgelöst. Amerikanische Soldaten brachten sie nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa. 1948 wurden Jeans erstmals in Europa von der 1932 gegründeten L. Hermann Kleiderfabrik in Künzelsau hergestellt. 1953 wurden die ersten Jeans für Frauen in Europa hergestellt. Sie hießen Girls-Camping-Hose und hatten den Reißverschluss an der Seite. 1958 firmierte die L. Hermann Kleiderfabrik in Mustang um.
In den 1950er Jahren entdeckten auch Jugendliche die Jeans als Symbol des Protests gegen Tradition und Autorität. Jeans (in Deutschland seinerzeit oft Texashosen genannt) galten als „Symbole gewalttätiger Unreife und mutwilliger Herausforderung der Konventionen“. Durch Filmstars wie James Dean und Marlon Brando wurde ihr Bekanntheitsgrad weiter gesteigert.
In der DDR gab die Jeans Anlass für Schulverweise und Klubhausverbote. Später wurde sie durch die volkseigene Produktion in den 1980er Jahren zu der Freizeithose schlechthin, mit den Marken Boxer, Wisent und Shanty.
Bekannte Jeansmarken sind unter anderem Levi’s, Lee, Wrangler, Mustang, JOKER Jeans, H.I.S Jeans, MAC Jeans, Diesel, Pioneer, Replay, G-Star, Freeman T. Porter, Mogul (Jeans), Energie, Edwin (heute Blue One), 7 for all mankind, Miss Sixty, Mavi Jeans, Pepe Jeans London, Meltin Pot, ONLY, Paddocks, US Top, Nudie, B-US Jeans, True Religion, Sugarcane und Evisu. Außerdem werden von vielen Designermarken wie Armani oder Joop teure Designerjeans angeboten. Als zeitloser Klassiker gilt die „Five-O-One“, die Levi’s 501 mit Nietenknöpfen.
In den 1990er Jahren kamen traditionsreiche Jeanshersteller wie Levi’s in eine Krise, da die Jugendmode sich eher auf sackartige Skaterhosen, die Baggy Pants, konzentrierte. Viele Jeanshersteller gründeten Zweitlabel, um an diesem Trend teilzunehmen.
Waschungen
Während Jeans zunächst nur in Dunkelblau erhältlich waren, wurde es seit den 1980er Jahren zunehmend beliebt, Jeans chemisch oder mechanisch zum Beispiel durch Waschen mit Steinen zu bleichen. Seit dieser Zeit sind Jeans in diversen hellen Blautönen bis hin zu nahezu weißem Stoff erhältlich. Außerdem gibt es verschiedene optische Effekte durch Waschungen wie stone washed, moon washed oder mouth washed, die zum Teil darauf abzielen, Jeans schon beim Kauf gebraucht aussehen zu lassen (Used-Look). Dabei kommen Sandstrahler zum Einsatz. Die Technik ist in der Türkei verboten, da sie bei den Arbeitern Silikose verursachen kann und dort zu 54 dokumentierten Todesfällen führte. Die Technik wird immer noch in Ländern wie Bangladesch, Ägypten, China, Brasilien und Mexiko weitergeführt. Es gibt Bestrebungen, auf umwelt- und gesundheitsschonende Verfahren umzusteigen (z. B. Old Blue-Washed).
Authentic
Acid-Washed
Bleached
Moon-Washed
Old Blue-Washed
Rinse-Washed
Sand-Washed
Stone-Washed
Spezielle Art des Used-Looks, bei der die Jeans sandgestrahlt und mit Bimsstein gewaschen wurde
Waschung mit gechlortem Bimsstein, um so starke Kontraste zu erreichen
Gebleichte Jeans
Jeans, deren Muster an die Mondlandschaft erinnert
Jeans, bei der durch spezielle Waschung ein gelblicher Used-Look erzeugt wurde
Sehr dunkle Jeans
Weiche Jeans, die mit kleinen Bimssteinen gewaschen wurde
Klassischer Used-Look