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Heute ist der internationale Tag der Mädchen. Dieser setzt sich die Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen zum Ziel. Welche Rolle spielt dabei Sprache?
In meinem ersten Semester an der Uni machte uns die Sozialanthropologie-Professorin klar, dass sie unter «Türken» ausschliesslich Männer verstehe. Wenn wir an der Prüfung also richtig verstanden werden wollen, müssen wir gendern. Das brannte sich bei mir ein, denn ich wollte natürlich nicht unnötig Punkte verschenken, nur weil ich zu faul war, die weibliche Form ebenfalls hinzuschreiben. So kam ich das erste Mal mit dem Thema geschlechtergerechte Sprache in Berührung.
Sprache beeinflusst unser Bewusstsein und lenkt unsere Wahrnehmung. Sprechen wir also immer nur von «Ärzten», «Studenten» oder «Motorradfahrern», werden Frauen symbolisch ausgeschlossen. Selbst wenn Frauen «mitgemeint» sind, werden sie durch die Wortwahl eben nicht mitgedacht. Denn das generische Maskulinum wird oft als tatsächliches Maskulinum verstanden, also eben nicht genderneutral. Ich will nicht, dass meine Stieftochter oder irgendein anderes Mädchen denkt, sie könne einen bestimmten Beruf oder ein Hobby nicht ausüben, nur weil sie ein Mädchen ist. Darauf hat Sprache nämlich einen Einfluss. Es gibt Studien, die belegen, dass Mädchen viel eher glauben, sie könnten einen von Männern dominierten Beruf ebenfalls ausüben, wenn die Berufsbezeichnung gegendert ist.
Die Gesellschaft verändert sich, die Sprache mit ihr
Sprache ist lebendig. Sie verändert sich konstant durch unterschiedlichste gesellschaftliche und kulturelle Einflüsse. So werden heutzutage bspw. viele Anglizismen verwendet, die das deutsche Sprachbild nachhaltig beeinflusst haben. Auch in diesem Fall versuchen viele ein Reinheitsideal der deutschen Sprache zu hüten, das so in Wirklichkeit gar nie existiert hat. Historisch gesehen, macht das generische Maskulinum nämlich wenig Sinn. Sagte man früher, dass der Bürger wählen darf, dann waren damit ausschliesslich Männer gemeint, denn das Frauenwahlrecht wurde ja erst später eingeführt. Erst im Nachhinein erklärte man das Verwenden der männlichen Form als geschlechtsübergreifende Norm.
Das generische Maskulinum mache Frauen «besser unsichtbar als jede Burka», sagt Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch. Sprache kann Machtgefüge spiegeln und verfestigen. Immer mehr Frauen wollen heute nicht nur «mitgemeint», sondern auch tatsächlich genannt werden. Ich selbst empfinde es zwar nicht als Diskriminierung, wenn das generische Maskulinum verwendet wird, aber gut finde ich es auch nicht. Die Gesellschaft verändert sich, die Sprache hinkt noch hinterher.
Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung
Ich wünsche mir, dass jede Person zu dem werden kann, was er oder sie möchte. Klar, es gibt biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die nicht abzustreiten sind, aber die sind ja auch nicht das Problem. Vielmehr geht es um soziale Geschlechternormen, die wir schon als Kind verinnerlichen und die uns vielleicht zurückhalten, das zu tun, was wir wirklich wollen. Darauf hat Sprache einen Einfluss, denn sie beeinflusst unser Denken und somit auch unsere Handlungen. Wenn Gendern wirklich dazu beiträgt, dass Mädchen und Jungen sich trauen, sich einen Beruf oder ein Hobby zu erlernen, in dem das andere Geschlecht dominiert, sollte es auf jeden Fall gefördert werden.
Mein Fazit also: Wir brauchen gendergerechte Sprache nicht, aber es gibt viele gute Gründe dafür. Einen triftigen Grund, nicht zu gendern, gibt es hingegen nicht. Wenn du nicht willst, ist das okay. Aber du solltest dich nicht daran stören, wenn andere es machen. Schaden tut gendergerechte Sprache nämlich niemandem. Es handelt sich dabei lediglich um einen Versuch, das Ziel der vollständigen Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen zu erreichen.