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Wie wird das nächste Jahr? – kriegerisch?
Wir blicken gebannt nach Westen; Was wird der neue US-Präsident alles wahr machen aus seinen Ankündigungen? Und bei uns? Welches Europa zeigt sich nach dem Superwahljahr 2017? Gerne vergisst man Asien. Doch liegt dort latent das grösste Konfliktpotenzial. Immer noch brennt der Afghanistankrieg und, von der Welt kaum bemerkt, entfallen auf den asiatischen Kontinent die zweithöchsten Militärausgaben. Und immer mehr reiben sich dort die Grossmächte in geostrategischer Konkurrenz aneinander. Die vier asiatischen Länder China, Japan, Indien und Südkorea bestreiten mehr als Dreiviertel der gesamten Rüstungsausgaben Asiens. Der Zehnjahresvergleich 2006 bis 2015 zeigt sogar eine Militärausgaben-Steigerung um 64 Prozent, darunter um 75 Prozent bei den Staaten Ostasiens und um 132 Prozent bei China. In diesen Zeitraum fällt auch der chinesische Aufstieg zur neuen Seemacht. – In Asien spielt auch Russland eine wichtige Rolle. Ein Grossteil seiner Militärausgaben dient der Sicherung seiner grossen sibirischen, Landmasse und der Rohstoffvorkommen, die in Asien liegen. Auch die USA, militärische Supermacht mit 569 Milliarden Dollar, immerhin 4,7 % des BIB und damit 36 % der weltweiten Rüstungsausgaben, sind mit gewaltigen militärischen Anstrengungen in Asien präsent – zur Eindämmung Chinas und um die US-Positionen im Pazifik weiter zu konsolidieren.
Seit Ende 2014 steht die asiatisch-ozeanische Region unter Aufrüstungsdruck. Unter dem starken Einfluss von China sind die Militärausgaben in der betroffenen Region 2015 um durchschnittlich 5,4 Prozent auf 436 Milliarden Dollar angestiegen. Die Volksrepublik hat mit 215 Milliarden Dollar oder 49 Prozent aller regionalen Militärausgaben den höchsten Anteil daran. In Ost- und Südasien stossen die Interessen Indiens, Chinas, Russlands, Koreas, Japans und der USA aufeinander. Japans Etat, obwohl weltweit auf Platz sechs, stagniert real seit Jahren und ist mit 1,0 % seiner Wirtschaftsleistung auch international unterdurchschnittlich. Am dynamischsten wachsen die Militärausgaben der Bric-Staaten China und Russland.
Auch Afrika bleibt konfliktträchtig. Häufig sind es lokalen und regionale Konflikte begründet im politischen Kastensystem und dem Machtkampf unter den korrupten Eliten, besonders angesichts des Rohstoffreichtums vieler Länder. So geben etliche afrikanische Staaten, in Relation zu ihrer Wirtschaftsleistung, überproportional viel Mittel fürs Militär aus. Angola 4,2 % seines BIPs (Schweiz 0,7 %, Deutschland 1.4 %). Zu den Staaten mit extrem hohen Militärausgaben gehören auch Namibia (4,9 %), Algerien (3,6 %) und Marokko (3,5 %).
Nimmt man die Quote der Militärausgaben in Relation zum BIP als Indiz für die militärische Konfliktträchtigkeit eines Landes oder einer Region, so ist sie am stärksten ausgeprägt im Nahen Osten. Dies hat zum einen zu tun mit dem ungelösten Palästina-Problem. So steckt Israel 6,5 % seiner Wirtschaftsleistung in den Militäretat. Aber zugleich wappnen sich die reichen Öldespotien gegen äussere und innere Feinde. Saudi-Arabien, das mit 28 Millionen ungefähr so viele Einwohner hat wie die drei Beneluxländer, liegt weltweit bei den Militärausgaben auf Platz acht. Das ölreiche Königreich gibt 10 % seines BIPs für Militär aus – die höchste von Sipri ermittelte Quote überhaupt. Fast so hohe Werte verzeichnen in der Region auch andere Feudalstaaten wie Oman (8,5 %) und die Vereinten Arabischen Emirate (6,9 %).
Die Zahlen sind ernüchternd. Die Grossmächte und die regionalen Herrscher sind mehr und mehr aggressiv und kriegsbereit. Friedlicher werden die Zeiten wohl nicht werden.
Anton Wagner
Herausgeber protect-it.ch
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