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Nur der älteste Sohn ist
Erbe des
Ranges und der damit verbundenen Einkünfte. Die kaiserliche
Hochschule (Teikoku Daigaku,
früher Kaisei-Gakko genannt) ist seit ihrer Reorganisation (1886) einem
Präsidenten oder
Kurator unterstellt
und umfaßt fünf
Fakultäten, welche vorher besondere
Schulen bildeten, nämlich die juristische, medizinische, polytechnische,
philosophische und naturwissenschaftliche. Während in der medizinischen
Fakultät nur Deutsche
[* 15] oder in
Deutschland
[* 16] gebildete
Japaner als
Professoren wirken, herrscht in der polytechnischen das englische und in der naturwissenschaftlichen
Fakultät das japanische
Element vor; die juristische und die philosophische
Fakultät tragen noch immer ein kosmopolitisches
Gepräge. Die Studierenden leben insgesamt im
Internat und tragen eine Art
Uniform. Das Zeitungswesen hat sich seit seinem
Entstehen (1869) erstaunlich schnell entwickelt. 1889 erschienen allein in
Tokio
[* 17] 215
Zeitschriften mit einer
Gesamtauflage von 3,7 Mill.
Exemplaren.
Die fortschreitende materielle
EntwickelungJapans erkennt man am besten an seinem Außenhandel sowie an der Zunahme seiner
Verkehrsmittel. Der Wert des Warenumsatzes ist von 1887 zu 1888 bei der Einfuhr von 51,6
Mill.
Silber-Jen (à 3,10 Mk.) auf 65,5 Mill.
Jen, bei der Ausfuhr von 52,4 Mill. auf 65,7
Mill. Jen gestiegen, was beim Gesamthandel eine
Steigerung um 27 Mill. Jen ergibt. An der Einfuhr, resp. Ausfuhr waren die
Häfen
Jokohama mit 56, resp. 65 Proz.,
Hiogo-Osaka mit 40, resp. 25 Proz. und
Nagasaki mit 3,3, resp. 8,5 Proz.
beteiligt.
Eine wichtige
Rolle bei der Einfuhr spielen nach wie vor Webwaren
(Schirting, Wollmusselin,
Italian Cloth,
Tuche) und
behaupten sich gegenüber der
Konkurrenz der japanischen
Fabriken; es bestehen z. B. schon 22 Baumwollspinnereien im Land,
aber sie liefern nur Gespinste von geringer
Güte. Die einheimische Fabrikation von
Zucker
[* 23] ist sogar 1885-87 von 43,780 auf
36,698
Ton. zurückgegangen, während die Einfuhr von 63,783 auf 81,002 T. stieg. Demnach wird J.
in betreff der
Fabrikate nach wie vor vom
Ausland abhängig bleiben. Einen wichtigen Fortschritt auf dem Gebiet des
Handels
bezeichnet der 1889 mit dem
DeutschenReich¶
Das japanische Eisenbahnnetz hat sich bis zum Sommer 1889 auf 1670 km erweitert, von denen 975 km dem Staat und 695 km verschiedenen
Privatgesellschaften gehören. Die schon früher bestehen Kioto-Otsu, Tsuruga-Ogaki, Ogaki-Taketogo und Takasaki-Jokogawa
erhielten eine wesentliche Ergänzung durch die Tokaidobahn, welche die Verbindung zwischen der Landeshauptstadt
Tokio und den westlichen Hauptstädten Kioto und Osaka herstellt und eröffnet wurde (346 km lang).
Auch die Hokkaido- oder Jesobahn (zwischen dem Hafen Otarumai, der Stadt Sapparo und den Kohlengruben von Poronai) gehört
dem Staat. Unter den zahlreichen Eisenbahngesellschaften, welche sich seit 1881 und namentlich im J. 1888 gebildet
haben, steht die Japanische (Nippon-Tetsu-do-Kaisha) nach Alter und Bedeutung obenan; sie hat schon die LinienTokio. Takasaki-Maëbaschi
und Sendai-Shiogama gebaut und vor wenigen Jahren den 720 km langen Bahnbau von Tokio nach Awomori an der Tzugarustraße unternommen
und größtenteils beendet.
Auf der Insel Shikoku sind zwei Lokalbahnen im Betrieb, und zwei Linien befinden sich auf Kiusiu im Bau. Von allen japanischen
Bahnen hat nur diejenige von Tokio nach Jokohama ein zweites Geleise; sie ist zugleich die einzige, welche sich bis jetzt gut
rentiert, indem sie z. B. 1886 einen Reinertrag von 11,73 Proz. brachte, während die zweitälteste
Bahn von Hiogo nach Otsu nur 3,08 Proz. Ertrag lieferte. Wenn die Legierung nichtsdestoweniger den meisten Privatgesellschaften
eine Zinsgarantie von 8 Proz. zugesichert hat, so ist dies vor allem dem landesüblichen hohen
Zinsfuß zuzuschreiben.
Die Länge der Telegraphenlinien betrug 1886: 9468 km. Der Postverkehr hatte 1887 folgenden Umfang: befördert
wurden im Inlandverkehr 106 Mill. Briefe und Postkarten, 20 Mill. Drucksachen u. Warenproben, 2,9 Mill.
Einschreibesendungen;
im internationalen Verkehr gingen 908,000 Sendungen ab, und 773,000 kamen an.
Entsprechend dem Wahlspruch Meiji (spr. mehdschi, d. h. erleuchtete Regierung), welchen der gegenwärtige Mikado
Mutsuhito für die Dauer seiner Herrschaft wählte, hatte er seit seiner Thronbesteigung den Erlaß einer Verfassung für J.
im Sinn und leistete schon vor den versammelten Großen darüber ein feierliches Versprechen.
Doch das Volk mußte erst zum rechten Verständnis der Rechte und der Pflichten erzogen werden, welche ihm durch eine Verfassung
auferlegt werden sollten, und der Beamtenstand sich die nötigen Vorkenntnisse zur Handhabung der neuen Gesetze erwerben.
Zum Herrenhaus gehören 1) auf Lebenszeit die männlichen Mitglieder der kaiserlichen Familie nach zurückgelegtem 20. Lebensjahr,
ferner die Koshaku, nämlich 11 Fürsten und 32 Marquis;
2) ein Fünftel der Grafen, Vicomtes und Barone, gewählt auf 7 Jahre, wobei jede dieser drei Rangklassen
für und aus sich wählt;
3) vom Mikado auf Vorschlag der Regierung auf Zeit oder lebenslänglich berufene Mitglieder. Die untere Altersgrenze für alle
nicht dem kaiserlichen Haus angehörigen Mitglieder ist das vollendete 25. Lebens)ahr. Für das Abgeordnetenhaus ist das Wahlrecht
auf Männer beschränkt, welche im Vollgenuß ihrer bürgerlichen Freiheit stehen, das 25. Lebensjahr vollendet haben und wenigstens 15 Jen
(ca. 50 Mk.) direkte Steuern zahlen. Wählbar sind nur solche Wahlmänner, welche das 30. Lebensjahr zurückgelegt haben, mit
Ausnahme der Hofbeamten, Richter, Kassen-, Steuer- und Polizeibeamten, der Priester und des Militärs.