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Geschichte Kunstgesellschaft Luzern
Die Kunstgesellschaft Luzern geht am 11.05.1819 aus der Plastischen Sektion der Grossen Gesellschaft der Wissenschaften und der Künste hervor. Seit derer Gründung 1817 ist das Hauptanliegen ihres Präsidenten, Karl Pfyffer von Altishofen, ein Denkmal für die beim Sturm auf die Tuilerien gefallenen Schweizer Gardisten zu schaffen. Für das «Löwendenkmal» schreibt er eine Subskription aus, die von führenden konservativen Persönlichkeiten im In- und Ausland unterstützt wird. Pfyffer kann aufgrund seiner guten Kontakte den angesehenen dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen für die Gestaltung gewinnen. Als Symbol der Restauration wird das Denkmal bei seiner Einweihung 1820 jedoch von verschiedenen Seiten abgelehnt. Bemerkenswert ist, dass Pfyffer mit der Kunstgesellschaft Luzern ein progressives Format der sich formierenden Zivilgesellschaft nutzt, um das konservative Denkmal zu verwirklichen.
Nachdem Karl Pfyffer sein persönlich gefärbtes Ziel – er war selbst Schweizer Gardist und sein Onkel fiel in Paris – erreicht hat, nimmt er nicht mehr am Leben der Kunstgesellschaft Luzern teil. Sein Stellvertreter, August Schmid, führt die Geschäfte weiter und wird später zum zweiten Präsidenten gewählt. Nun steht die eigentliche Kunst mehr im Zentrum der Vereinsaktivitäten. Die Kunstgesellschaft will der bürgerlichen Öffentlichkeit ein Forum für Ausstellungen und Begegnungen bieten und ein Bildarchiv anlegen. Das Vereinsleben ist Ausdruck der neuen Zivilgesellschaft, des Bedürfnisses nach Teilhabe und Mitgestaltung. Gleichzeitig kommt Anfang des 19. Jahrhunderts der Tourismus in Luzern auf, die Zentralschweiz mit ihren zahlreichen Naturschönheiten lässt die Herzen der Reisenden höher schlagen und Luzern wird zu einem bedeutenden urbanen Zentrum.
Paul Hilber wird 1924 Präsident der Kunstgesellschaft Luzern und ist von 1925 bis 1949 Konservator des Kunstmuseums Luzern. Er macht die Institution über die Region hinaus bekannt und zeigt Ausstellungen zu bedeutenden Schweizer Künstlerinnen und Künstlern wie Robert Zünd, Anna Babberger-Tobler, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler und Paul Klee sowie der venezianischen Renaissance-Malerei oder der Pariser Avantgarde. 1935 bringt die Ausstellung These, Synthese, Antithese 22 der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler nach Luzern. In den 1970er-Jahren präsentiert Jean-Christophe Ammann mit Kunstschaffenden wie Giovanni Anselmo, Michael Buthe, Hanne Darboven, Gilbert & George, Gerhard Richter, Paul Thek die junge internationale Kunstszene. Sein Nachfolger Martin Kunz arbeitet die Sammlung der 1970er- und 1980er-Jahre auf und erweitert den Bereich der Videokunst, während Martin Schwander Topstars der internationalen Kunst wie Andy Warhol, Jeff Wall oder Cindy Sherman erstmals in der Schweiz zeigt. Diese Tradition der Avantgarde führt das Kunstmuseum Luzern bis heute weiter.
2019 feiert die Kunstgesellschaft Luzern, Trägerin des Kunstmuseums Luzern, ihren 200. Geburtstag, unter anderem mit der erfolgreichen Ausstellung Turner. Das Meer und die Alpen.
Vom «Meilibau» zum KKL
Nach ihrer Gründung sucht die Kunstgesellschaft Luzern geeignete Räumlichkeiten in der Stadt Luzern. Ab 1873 richtet das Kunstmuseum Luzern in der Kornmarkthalle des Rathauses erste Ausstellungen ein, 1925 wird im ehemaligen Kriegs- und Friedensmuseum (heute Fluhmattschulhaus) das Museggmuseum eröffnet. Weil das Kunstmuseum Luzern den Standort mit dem Gewerbemuseum teilt, wird auch dieser bald zu klein. Mitte der 1920er-Jahre kommt die Idee zum Neubau östlich des Bahnhofs auf. Auf Anregung von Paul Hilber bietet der Mäzen Charles Kiefer Hablitzel 1929 dem Luzerner Stadtrat zwei Millionen Franken für den Bau eines Kunst- und Konzerthauses an. Der moderne Bau von Armin Meili wird 1933 eingeweiht und bietet dem Kunstmuseum Luzern grosszügige Ausstellungsräume. In den 1990er-Jahren wird der «Meilibau» durch das von Jean Nouvel entworfene Kultur- und Kongresszentrum Luzern KKL ersetzt. Das Kunstmuseum Luzern zieht im Jahr 2000 in den 4. Stock des KKL ein.