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Schulen in Höngg, Teil 3: Lachenzelg und Imbisbühl, die Oberstufe
5. Februar 2015 von Redaktion Höngger
Online seit
5. Februar 2015
Printausgabe vom
05. Februar 2015
In diesem Teil der Artikelserie wird über die Oberstufe der Höngger Volksschule berichtet, welche heute die beiden Schulhäuser Lachenzelg und Imbisbühl, neu Lachenzelg-West und Lachenzelg-Ost genannt, umfasst.
Die Oberstufe der Volksschule Höngg hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Mit dem kantonalen Schulgesetz von 1832 wurden ab dem 7. Schuljahr getrennte Real- und Sekundarschulabteilungen eingeführt. Als eine der ersten Sekundarschulen im Kanton nahm Regensdorf 1834 den Betrieb auf. Sechs Schüler aus Höngg wanderten damals jeden Tag über den Berg. 1835 schloss sich Höngg mit mehreren Nachbargemeinden zu einem Sekundarschulkreis zusammen. Während vieler Jahre wurden die Höngger Sekundarschüler nun in Oberengstringen unterrichtet. Die Sekundarschule der beiden Gemeinden zog 1871 nach Höngg ins Schulgebäude am Wettingertobel, das sie ab 1883 – die Primarschule wechselte ins eben eröffnete Schulhaus Bläsi-B – ganz belegte. 1907 zügelte die Sekundarschule Höngg-Oberengstringen weiter ins Obergeschoss des neuen Schulhauses Bläsi A. Am Wettingertobel verstummten die Geräusche von spielenden, schwatzenden oder streitenden Schülern für 27 Jahre.
Planung und Bau dauerten 20 Jahre
Die Planung eines eigentlichen Oberstufenschulhauses startete die Gemeinde Höngg im Jahr 1933. Das Baugelände am Lachenzelg wurde gekauft, ein Planwettbewerb aufgegleist. Mit der Eingemeindung von Höngg im Jahr 1934 wurde es aber still um das Bauprojekt. Dafür kam das alte Schulhaus «Am Wettingertobel» nochmals zu Ehren (1934–1958). Infolge Schulraummangels nahm die Planung ab 1943 wieder Fahrt auf. Der Kreditantrag für die neue Schulhausanlage betrug 3,29 Millionen Franken und wurde 1951 vom Zürcher Stimmvolk bewilligt. Auf das Schuljahr 1953/54 konnte das Lachenzelg bezogen werden. Die elf Klassenzimmer waren von Anfang an belegt.
1956 löste sich die Sekundarschule Oberengstringen von Zürich-Höngg. Im Zuge der rasanten Bevölkerungsentwicklung im Quartier wurde das Lachenzelg 1957 mit dem Bau der Schulhäuser Imbisbühl und Pünten zu einer architektonischen Einheit zusammengefügt.
In den Jahren 2002 bis 2004 entstand das heutige Oberstufenzentrum Lachenzelg, das zurzeit zwölf gemischte 1. bis 3. Sek-A/B-Klassen, sowie eine 3. Sek A- und eine 3. Sek B-Klasse mit insgesamt 270 Schülern umfasst. 40 Angestellte unterrichten und betreuen die Schüler oder warten Schulgebäude und Anlagen.
Sek heute, vielseitig für alle
Valentin Vella, der 44-jährige Schulleiter, Vater dreier Söhne, empfängt den Berichterstatter in seinem Büro im ehemaligen Imbisbühl-Schulhaus. Die Türe ist verglast: der Schulleiter will für alle, die ihn aufsuchen, sicht- und erreichbar sein. Sein Amt trat er mit Beginn des Schuljahres 2003/04 an. Seit kurzem teilt er es mit seinem jüngeren Kollegen, Thomas Flückiger. An der Schule ist er seit 1996 tätig. Valentin Vella beschreibt sich als Person, die es liebt, mit offenen Situationen umzugehen. Er wisse nie genau, was ihn an einem Tag erwarte. Gerade heute seien zwei Lehrpersonen infolge Krankheit ausgefallen, da müsse er nach Ersatz suchen oder notfalls sogar selber einspringen. Ein Anwohner spaziert mit seinem Hund auf dem Areal, der Hauswart sucht ihn wegen eines Heizungsproblems, eine Lehrkraft möchte eine Situation mit einem schwierigen Schüler besprechen, besorgte Eltern rufen wegen der beruflichen Zukunft ihrer Tochter an: Nein, langweilig werde es ihm wahrlich nie. Zu den operativ-aktuellen kommen wichtige mittel- und langfristige Aufgaben hinzu: Schulische Qualitäts- und Teamentwicklung, Personalführung, Mitarbeiterbeurteilung, Schuljahrplanung, Projekte anstossen, begleiten, evaluieren, Beratung von Eltern mit Jugendlichen, die Probleme haben oder machen.
Parallel zu seiner Funktion als Schulleiter wirkt Valentin Vella in einem Teilpensum von acht Stunden pro Woche als Co-Klassenlehrer in einer 1. Sek A/B. Der Schulleiter müsse stets am Puls des Schulgeschehens bleiben und wissen, was es heute bedeute, junge Menschen zu unterrichten. Das Projekt der gemischten Sek A/B empfindet er als Bereicherung. Wichtige Vorteile: Die Schülergemeinschaften aus der Mittelstufe bleiben erhalten, die Schwachen werden oft von den Starken mitgezogen und es gibt keine Häufung von Verhaltensauffälligen mehr. Selbstverständlich sollen auch die Leistungsstarken auf ihre Rechnung kommen, was mit den individualisierten Lehr- und Lernformen von heute insgesamt aber gewährleistet werden könne.
Die Schule als Lebenswelt
Das Lachenzelg sieht Valentin Vella als «Lebenswelt Schule», in der alle Beteiligten dazu beitragen, dass sie möglichst gewalt- und suchtfrei funktioniert und derart ihren Bildungsauftrag erfüllen kann. Ein Ausdruck dieses Geistes stellt das Projekt «BasU» dar: Betreuungsassistierter Unterricht, wobei Hortleiter bestimmte Aufgaben während des Unterrichts übernehmen und dadurch die Klassenlehrkräfte entlasten. Prävention wird im Lachenzelg grossgeschrieben. Bei Problemen mit Schülern setzt man zuerst – unter Einbezug der Eltern – auf Gespräche und verbindliche Zielsetzungen. Der Mittagstreff «Oase», der zwischen 11 und 14 Uhr von rund 130 Schülern besucht wird, gehört ebenfalls zur «Lebenswelt Schule». Neben dem Essen werden Hausaufgabenhilfe oder Hallensport angeboten, aber auch «töggelen» und «chillen» sind möglich. Für die Mitwirkung und Mithilfe der Eltern besteht ein Elternrat, für jene auf Schülerebene eine Schülerorganisation.
Das Lachenzelg begleitet Schüler und deren Eltern in einem wichtigen Lebensabschnitt: Zwischen Kindheit und Erwachsenenwelt, zwischen spielerischem Erproben und dem Einstieg ins Berufsleben. Es gelinge praktisch immer, für die Schulabgänger eine Lehrstelle oder eine weiterführende Schule zu finden, sagt Vella. Dass sich viele Eltern aufgrund der gerade aktuell unsicheren Wirtschaftslage Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machen, kann er trotzdem gut nachvollziehen.
Erinnerungen einer Schülerin
Die heute 39-jährige Claudia Meister besuchte die Sekundarschule im Lachenzelg von 1988 bis 1991. Aufgewachsen ist sie an der Winzerhalde. Schon früh zog es Claudia in die Höhe. Ihre Mutter habe sie zum Einkaufen in Höngg jeweils im Kinderwagen das Strässchen am Wettingertobel hinaufgestossen. Der Weg in die Primarschule im Imbisbühl und später ins Lachenzelg führte steil den Hang oberhalb der Werdinsel hinauf, danach über die Winzer- und die Limmattalstrasse. Sie ging ihn meist zusammen mit «Gspänli». Claudia erinnert sich an einen Trampelpfad, der von einem grimmig wirkenden und heftig kläffenden Boxerhund verteidigt wurde. Die Angst verlieh ihr Flügel! Gelegentlich hatte sie am Morgen ihren Kopf nicht bei der Sache und nahm die falschen Unterlagen für den Unterricht mit. Das führte dann ganz gemäss dem Motto «Wär kein Chopf hätt, hätt Bei» dazu, dass sie ihren Schulweg gleich noch zweimal absolvieren durfte. Von diesem «Fitnessprogramm» profitiere sie bis heute. Die Zeit in der Oberstufe kommt Claudia Meister rückblickend wie eine helle, heile Welt vor. Sie sei gerne in die Schule gegangen, sie liebte das Zusammensein mit ihren Schulkolleginnen. Und sie hat in der Sek eine Freundin fürs Leben gefunden. Das Lernen fiel ihr leicht; es war sozusagen das «Nebenprodukt» einer tollen Klassengemeinschaft. Entscheidend zu dieser guten Atmosphäre beigetragen hätten ihre beiden Klassenlehrer, Angelo Botti und Martin Keller. Obwohl sehr unterschiedlich, der eine impulsiv und übersprudelnd vor Ideen, der andere ruhig und gelassen, ergänzten sie sich in ihrer Wirkung auf gute Weise. Bei beiden seien Herzblut und Berufung für ihre pädagogische Tätigkeit spürbar gewesen. Mit leuchtenden Augen erzählt Claudia Meister von den vier Klassenlagern, die sie miterleben durfte. Dass es vier waren, lag an der Verschiebung des Schulbeginns während ihrer Sekundarschulzeit auf den Spätsommer; für sie dauerte die Oberstufe beinahe dreieinhalb Jahre! Kurzum: Das Lachenzelg hat für das spätere Leben von Claudia Meister eine tragfähige Basis bereitgestellt.
Autor Markus Eisenring leitete von 1988 bis 2003 die Jugendsiedlung Heizenholz, heute Wohn- und Tageszentrum Heizenholz. Er wohnt an der Bläsistrasse in Höngg. Seit 2012 in Pension, geht er diversen Freiwilligen-Engagements nach, u.a. als Tixifahrer und als Schülerbegleiter im Rahmen der Organisation Arche.
Quellen:
– Mitteilung Nr. 19 «Von der Bauernstube zur Gross-Schulhausanlage» von Reinhold Frei.
– Ortsgeschichte Höngg von Georg Sibler
Beide herausgegeben von der ortsgeschichtlichen Kommission des Verschönerungsvereins Höngg.
– 1934 – 2009: Vom Dorf Höngg zum Quartier Zürich-Höngg, von François und Yves Baer, herausgegeben vom Quartierverein Höngg.
Bisher erschienen:
15.1.2015: Eine Reise durch vier Jahrhunderte
29.1.2015: Der Schulpräsident und die Schulpflege
Alle Artikel abrufbar unter www.höngger.ch, Archiv, Dossier Schulen Höngg