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Im Prozess gegen drei Verantwortliche der Ipco Investment AG hat eine Beschuldigte beteuert, sie habe nichts Kriminelles getan. Sie habe nicht gewusst, dass in der Firma ein Betrug stattgefunden habe.
Die heute 40-jährige kaufmännische Angestellte, die bei Ipco zeichnungsberechtigt war, sagte bei der Befragung vor dem Strafgericht in Schwyz, sie sei schockiert über die Anklage. Die Ipco sei für sie ein ganz normaler Arbeitgeber gewesen. Sie sei nie davon ausgegangen, dass etwas nicht korrekt gelaufen sei.
«Branchenfremd» gewesen
Die Beschuldigte sagte, sie sei branchenfremd gewesen, als sie bei der Ipco angefangen habe. Alles habe sauber und transparent ausgesehen. Aus heutiger Sicht sei sie naiv gewesen. Sie habe getan, was ihr der Chef gesagt habe.
Dieser, der 42 Jahre alte mutmassliche Drahtzieher und einschlägig vorbestrafte Mike Niggli, konnte vom Gericht nicht befragt werden. Nachdem er aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, hatte er sich nach Dubai abgesetzt. Aus gesundheitlichen Gründen nimmt er am Prozess nicht teil, obwohl sein Verteidiger noch vor wenigen Tagen zuversichtlich war, dass Niggli in Schwyz erscheine. Das Gericht dispensierte Niggli von einer Teilnahme.
Ipco hat von 1997 bis 2004 von 650 Kunden mindestens 125 Millionen Franken angenommen, um sie in Devisengeschäfte zu investieren. Solche Geschäfte fanden aber nie statt - Ipco betrieb einen klassischen so genannten Ponzi-Betrug: Geld an bestehende Kunden auszahlen indem man Gelder neuer Kunden sportlich querüberwies. Gewinne wurden nie real erwirtschaftet bei der Ipco aus Pfäffikon.
Staatsanwalt fordert sieben Jahre Gefängnis
Von diesen simplen Machenschaften wollte auch der dritte Beschuldigte über Jahre nichts bemerkt haben. Er sagte heute Nachmittag aus und bestritt die Anschuldigungen folgerichtig. Er wisse, er habe Fehler gemacht. Von einem Betrug hätte er aber nichts gewusst. Der 44-Jährige meinte, er könne nun - im Nachhinein - anhand der Akten feststellen, dass ein Betrug stattgefunden habe. Demnach müsse Niggli der Drahtzieher gewesen sein. Er selber sei es nicht gewesen.
Für Niggli fordert die Staatsanwaltschaft sieben Jahre Gefängnis. Für die beiden anderen Beschuldigten beantragte der Staatsanwalt eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 respektive 18 Monaten.
Langjähriges Umfeld von Schwindlern
Für Beobachter von Anlagebetrugsfällen in der Schweiz fällt vor allem etwas auf: Im Kreis von Ipco tummelten sich diverse Personen, die später mit anderen Anlagebetrügereien ins Rampenlicht traten oder schon vorher einschlägig aufgefallen waren.
Auch beim neusten spektakulären Fall mit mutmasslichen Verbindungen zur Mafia, der Rothsinvest, traf man auf bekannte Gesichter. Die Frage, die sich stellt: Alles ein grosser Zufall in der kleinen Deutschschweiz? Experten meinen nein, vor allem nicht auf der Stufe der Verkäufer, die die Opfer suchen, am liebsten per Telefon. Und auch nicht auf der Stufe der Drahtzieher.
Recherchen von handelszeitung.ch zeigen, dass Ipco diverse Bezugspunkte zur Anlageschwindelfirma CF Creative Finance aufweist. So figurierte etwa auch Creative-Finance-Chef Carlos Sevilleja unter den Ipco-Gläubigern. Auch Niggli und Paulangelo kennen die Creative Finance bestens aus vergangenen Zeiten.
Feuer für «Schwyzer Justizaffäre»
Für Aufsehen sorgte der Fall Ipco auch, als die «Schwyzer Justizaffäre» hochkochte. Der ehemalige Schwyzer Staatsanwalt Roland Flüeler, der den Ipco-Fall lange unter sich hatte («ich arbeitete wie ein Historiker»), fühlte sich vom Kantonsgerichtspräsidenten Martin Ziegler in seiner Arbeit schikaniert (siehe Downloads).
Flüeler missfiel tutiefst, dass Gerichtspräsident Ziegler über Ipco-Ermittlungen zu entscheiden hatte, obwohl er früher als Anwalt Personen von Ipco gegenüber dem Staat vertrat.
Darum schrieb er den Ipco-Geschädigten Anfang 2012 unverblümt: «Der Kantonsgerichtspräsident stellte sich gegenüber der Presse auf den Standpunkt, sich heute in nachvollziehbarer Weise nicht mehr an seinen ehemaligen Klienten zu erinnern respektive sich bei seinem Mitwirken am Beschlusses des Kantonsgerichts vom 31. 5. 2011 in nachvollziehbarer Weise nicht mehr an diesen Klienten erinnert zu haben. Dazu ist anzumerken, dass der Präsident des Kantonsgerichts in die Strafuntersuchungen in Sachen Ipco mehrfach involviert war und ihm dabei Akten vorlagen oder zugänglich waren, in denen der Name seines Klienten aus den Jahren 2001/02 erwähnt war, meist in dessen Eigenschaft als Beschuldigter.»
Eine weitere beteiligte Person im Fall Ipco war Klient des damaligen Rechtsanwalts Ziegler.
Das undiplomatische Schreiben des Staatsanwalts Flüeler sorgte für einen Rüffel der Regierung, Ziegler gab im März 2012 bekannt, nicht mehr für eine weitere Amtszeit als Kantonsgerichtspräsident zu kandidieren, wegen einer «anhaltenden Kampagne» gegen ihn. Flüeler ging auch, ist nun Staatsanwalt in einem anderen Kanton.
Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.