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Von Generalvikar Andreas M. Fuchs
«Wer am Morgen zerknittert ist, hat tagsüber viele Entfaltungsmöglichkeiten». Inwiefern gilt dieser Spruch auch für die Entfaltung der Taufgnade?
Wir sind getauft, aber ist die Taufgnade in uns auch wirklich zur Blüte gebracht worden? In der Taufe haben wir den Glauben, die Hoffnung, die Liebe und die Gaben des Heiligen Geistes als Same und nicht als ausgewachsene Pflanze empfangen. Dieser Same muss zum Keimen, zum Blühen, ja zum Fruchttragen gebracht werden. Wie geschieht das?
Nein und Ja
Jeder Gärtner weiss, dass er, um für den Samen einen guten Boden zu bereiten, zuerst einmal die Steine und das Unkraut wegschaffen muss. In der Taufe geschieht dies durch ein dreimaliges Nein zum Satan, seinen Werken und seinen Verlockungen. Was bedeutet das? «In der alten Kirche wurde das dreimalige Nein in einem Wort zusammengefasst, das die Menschen der damaligen Zeit gut verstanden: Man verzichtet – so sagte man – auf die ‹pompa diaboli›, auf die Verheissung eines Lebens im Überfluss, auf jenes trügerische Leben, das aus der heidnischen Welt zu kommen schien, aus ihren Freiheiten, aus ihrer Art, nur so zu leben, wie es einem gefiel. […] Diese ‹pompa diaboli›, diese ‹Antikultur› des Todes war eine Perversion der Freude, war Liebe zu Lüge und Betrug, war ein Missbrauch des menschlichen Körpers als Handelsware» (Benedikt XVI., 8.1.2006).
Wir sagen Nein zur falschen Liebe, um Ja zur wahren Liebe, Ja zum Leben sagen zu können. Es ist ein Ja zu Christus, das Ja zum Sieger über den Tod und das Ja zum Leben in der Zeit und in der Ewigkeit. «Wir könnten auch sagen, dass das Antlitz Gottes, das der Inhalt dieser Kultur des Lebens, der Inhalt unseres grossen Ja ist, in den Zehn Geboten zum Ausdruck kommt, die keine Bündelung von Verboten sind, in denen nur das Nein zum Ausdruck käme, sondern die in Wirklichkeit eine grosse Lebensvision aufzeigen. Sie sind ein Ja zu einem Gott, der dem Leben Sinn gibt (die drei ersten Gebote), ein Ja zur Familie (viertes Gebot), ein Ja zum Leben (fünftes Gebot), ein Ja zu verantwortungsbewusster Liebe (sechstes Gebot), ein Ja zu Solidarität, sozialer Verantwortung und Gerechtigkeit (siebtes Gebot), ein Ja zur Wahrheit (achtes Gebot), ein Ja zur Achtung anderer Menschen und dessen, was ihnen gehört (neuntes und zehntes Gebot)» (Benedikt XVI., 8.1.2006).