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Arabische Emirate
Erste Ölexporte fanden 1962 statt ab 1969 in grösserem Ausmass. Anders als sein Vorgänger und erstgeborener Bruder Sheich Shakhbut bin Sultan al Nahyan nutzte ab 1966 Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan von Abu Dhabi die steigenden Einnahmen aus der Erdölförderung für ein umfangreiches Entwicklungsprogramm, von dem auch die ärmeren Nachbaremirate profitierten.
1971 entliess Grossbritannien die Trucial States in die Unabhängigkeit. Noch am selben Tag trafen sich die Herrscher von Abu Dhabi, Adschman, Fudschaira, Schardscha, Dubai und Umm al-Qaiwain. Sie gründeten unter der Leitung und Vermittlung von Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan die Vereinigten Arabischen Emirate
Eine starke Verbesserung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den VAE trat ein, als König Faisal an die Macht gekommen war und Scheich Zayid 1966 Herrscher von Abu Dhabi wurde. Im Jahre 1974 unterschrieben sie ein Grenzabkommen, das dem 170 Jahre langen Kampf um die Buriami-Gegend ein Ende setzte. Unmittelbar danach erkannte Saudi-Arabien die VAE an.
Traditionell ist in den VAE der Herrscher eines Emirats – der Scheich – Führer des mächtigsten, aber nicht unbedingt des bevölkerungsreichsten Stammes, während jeder einzelne Stamm einen eigenen Führer hat. Die Scheichs konnten ihre Herrschaft nur so lange aufrechterhalten, wie sie die Unterstützung des Volkes hatten.
Scheich ist ein arabischer Ehrentitel, der schon seit vorislamischer Zeit für Männer von Rang und Namen verwendet wird. Er wird, oft im Sinne von „Geistiger Führer“, sowohl in weltlichen als auch in religiösen Zusammenhängen benutzt
Ein essentieller Bestandteil des Prozesses von Herrschaft war das ungeschriebene, aber dennoch zentrale Prinzip, wonach die Bevölkerung freien Zugang zum Scheich haben sollte, und dass der Emir häufig einen offenen Madschlis abhalten sollte, in dem jeder Bürger seine Meinung frei äußern konnte. Bis heute hat die Institution des Madschlis ihre Bedeutung im politischen System der VAE erhalten. In den grösseren Emiraten halten nicht nur die Herrscher, sondern auch andere hochrangige Mitglieder der Herrscherfamilien regelmässig offene Madschlis-Sitzungen
Die besondere sozioökonomische Entwicklung in den VAE hat dazu geführt, dass das Land viel liberaler ist als seine Nachbarn, besonders Saudi-Arabien und Iran. Wiewohl Islam die Staatsreligion ist, wird anderen Religionen nicht nur Respekt entgegengebracht, sondern ihnen auch Freiheit in der Ausübung eingeräumt. So gibt es christliche Kirchen, eine Synagoge, Hindu-Tempel und eine Gurudwara für Sikhs. Die VAE bietet auch Schutz für Gruppen, die anderswo verfolgt wurden und werden. Die Vielfalt in der Bevölkerung spiegelt sich wider in einem Mosaik von Schulen, Kulturzentren und Restaurants, die sowohl westlich-europäisch als auch asiatisch geprägt sind. Dessen ungeachtet kann der Abfall vom islamischen Glauben (Apostasie) mit dem Tode bestraft werden
In den VAE gibt es keine islamische Bekleidungsvorschrift, wie etwa in Saudi-Arabien. Viele Emirater bevorzugen jedoch die traditionelle Kandura, ein knöchellanges weisses Hemd aus Baumwolle oder Wolle; viele einheimische Frauen tragen die Abaya, ein schwarzes Übergewand, das den Körper verhüllt. Jugendliche richten sich oft nach westlichen Modetrends. Ausländer tragen deren jeweils übliche Kleidung.
Die Verbreitung von Informationen unterliegt in den VAE einer Zensur. Importierte Zeitschriften müssen vor Verkauf der Zensurbehörde vorgelegt werden, die dann auf Bildern dargestellte Geschlechtsmerkmale mit einem schwarzen Filzstift zensiert. Medien unterstellen sich einer Selbstzensur, sodass Verstösse gegen die Zensurgesetze seitens der Zeitungsherausgeber oder Radiosender nicht existieren. Das lokale Fernsehen ist in staatlicher Hand.
Der Zugriff von Privatpersonen auf das Internet erfolgt über einen Proxy, der Inhalte zensiert.
Alle Unternehmen (ausgenommen in Freihandelszonen) müssen zu mindestens 51% einem Einheimischen gehören. Dieses Gesetz soll sicherstellen, dass nur Emirater in Führungspositionen sitzen.
Von den 9.157.000 Einwohnern sind 1.062.000 Staatsbürger der VAE und 8.095.000 ausländische Arbeitsmigranten, was einer Ausländerquote von fast 90 % entspricht (Stand 2015). Weitaus die meisten, ca. 3,5 Millionen sind Inder.
Es wird 8 Stunden an 6 Tagen pro Woche gearbeitet. In der Gastronomie und im Detailhandel oft noch länger. In der Verwaltung, wo vorwiegend Emirater arbeiten gilt die 35-Stunden-Woche.
Es wurde vereinzelt von Fällen berichtet, in denen inländische Arbeitgeber die Löhne ihrer einfachen ausländischen Mitarbeiter für Monate nicht ausgezahlt hatten. Solche Vergehen seitens der Arbeitgeber ziehen inzwischen strenge Strafen nach sich. Beim Bau des Burj Khalifa haben Arbeiter einmal gestreikt.