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Robert Frank, einer der grossen Fotografen des letzten Jahrhunderts, wird am 9. November 80 Jahre alt.
Zu seinem Geburtstag zeigt die Tate Modern in London, Besitzerin der grössten Frank-Sammlung, eine umfangreiche Retrospektive.
Die in der Londoner Tate Modern ausgestellten Werke von Robert Frank stammen unter anderem aus den Beständen des Fotomuseums Winterthur und der Fotostiftung Schweiz. Die Ausstellung wird anschliessend in Barcelona zu sehen sein, bevor sie in die Schweiz kommt.
Foto und Film
Neben Zyklen seiner Reisen aus Peru, London und Wales sind rund 150 Fotografien zu sehen, die noch nie ausserhalb der Vereinigten Staaten von Amerika ausgestellt wurden.
Ende der 50er Jahre gab Frank das Fotografieren für mehr als ein Jahrzehnt auf und wandte sich dem Film zu. Die Tate Modern zeigt deshalb auch ein gutes Dutzend seiner wichtigsten Filme.
Die Ausstellung dauert vom 26. Oktober 2004 bis 23. Januar 2005. Vom 3. September 2005 bis 20. November 2005 übernimmt das Fotomuseum Winterthur die Ausstellung der Tate Modern und ergänzt sie mit dem eigenen Bestand an Robert-Frank-Fotografien, der rund 100 Bilder umfasst.
Kehrseite der Medaille
"Das Fotografieren von Amerika ist eine grosse Aufgabe. Was ich also vorhabe, ist das Beobachten und Aufzeichnen dessen, was ich als 'neuer' Amerikaner sehen werde."
Diese Worte sagt Robert Frank, als ihm die Guggenheim-Foundation 1955/56 ein grosszügiges Stipendium für eine Reise durch die Vereinigten Staaten zuspricht. Das Resultat legt er 1958 vor: ein Buch, das ihn über Nacht berühmt macht.
"The Americans" heisst das Werk. Darin dokumentiert Frank die Seite der Vereinigten Staaten, die so gar nicht zur blendenden Fassade der Nachkriegszeit passt.
Das Buch, das zuerst in Paris und 1959 mit einem Vorwort von Jack Kerouac in den USA erscheint, fokussiert eindringlich die Kehrseite des "American way of life". Nichts mehr ist zu spüren von der "Alles-ist-möglich-Gesellschaft".
"The Americans" lebt von den krassen Gegensätzen: hier das glorreiche Amerika und gleich daneben Armut und Depression. Die gekünstelte Fassade wirkt auf einmal kalt und leer. Mit diesem Buch wendet sich Frank weitgehend von der kommerziellen Fotografie ab und wendet sich der künstlerischen zu.
Freier Fotojournalist
Die Jahre zuvor arbeitet Frank vor allem als Auftragsfotograf. Mit einer soliden Ausbildung in der Tasche reist er 1947 erstmals in die Vereinigten Staaten.
In den 50er Jahren hört er mit der Modefotografie auf und arbeitet als freier Fotojournalist für "Life", "McCall's", "Look", "Charm" und "Vogue" und nimmt gelegentlich Werbeaufträge an. Er reist nach Peru (1949), London (1951/52) und Wales (1953).
Nach "The Americans" beginnt Frank auch zu filmen. Es entstehen Werke wie "Pull my Daisy", den er 1959 zusammen mit Jack Kerouac produziert, oder "The Sin of Jesus" (1960).
"Me and My Brother" ist sein erster Langfilm, den er 1968 fertig stellt. Franks jüngster Film "Paper Route", das Porträt eines Zeitungsausträgers, entsteht 2002.
Autobiografisches Werk
Nach der Scheidung von seiner ersten Frau Mary im Jahr 1969 bezieht Frank mit der Künstlerin June Leaf ein Fischerhaus im kanadischen Mabou. Hier beginnt eine neue Schaffensperiode und die Arbeit an einem retrospektiven Buch, das 1972 erscheint und ebenfalls Kultstatus erlangt: "The lines of My Hand".
Das Werk enthält viele weniger bekannte Aufnahmen des Fotografen. Gleichwohl macht es dessen künstlerisch-visuelle Entwicklung deutlich, führt es doch auf eine chronologisch gegliederte Reise durch Franks eigene Biografie. 1989 überarbeitet und erweitert Frank dieses Werk.
Arbeit mit Mischtechniken
In Mabou arbeitet Frank vor allem mit Mischtechniken. Die Fotografien werden jetzt ergänzt durch Worte, Übermalungen, und oft legt Frank für ein Bild mehrere Negative übereinander.
Der künstlerische Ausdruck wird freier, je konsequenter er sich mit seiner nächsten Umgebung befasst. Zwischendurch übernimmt er wieder kommerzielle Aufträge und fotografiert etwa eine Hemdenkollektion von Alberto Aspesi.
Robert Frank gehört zu den einflussreichsten Fotografen der Nachkriegszeit. Bereits 1950 integriert ihn das Museum of Modern Art in New York in eine grosse Ausstellung.
Die National Gallery of Art in Washington D.C. zeigt 1994 mit seinem Werk erstmals in ihrer Geschichte die Retrospektive eines noch lebenden Künstlers.
Beziehung zur Schweiz
Zur Schweiz hat Frank den Kontakt nie ganz abreissen lassen. 1976 und 1995 zeigt das Kunsthaus Zürich eine grosse Retrospektive mit Werken, die der Fotograf 1990 der National Gallery of Art in Washington geschenkt hat.
Auch die Schweizerische Stiftung für die Photographie, die heutige Fotostiftung Schweiz, erhält 1995 42 Werke, 1999 13 Werke und 2003 nochmals 25 Aufnahmen als Schenkung.
swissinfo und Renato Bagattini, sfd
Fakten
Robert Frank kommt am 9. November 1924 in Zürich zur Welt.
Er kommt 1947 nach New York, wo er vorerst als Modefotograf arbeitet.
1963 wird Frank US-Bürger.
Er lebt heute zurückgezogen in Kanada.
In Kürze
Robert Frank gilt als der bekannteste Schweizer Fotograf. Sein Bildband "The Americans" hatte ihn 1959 über Nacht berühmt gemacht.
Nach dem grossen Erfolg des Buchs wandte sich Frank von der kommerziellen Fotografie ab und begann, künstlerisch zu arbeiten. Dazu gehörten auch Filme.
In neuester Zeit filmt und fotografiert er vornehmlich sein nächstes Umfeld. Sein Drang zum Erzählen ist knapp, karg, prägnant und anschaulich.