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Sohn eines Taglöhners
Als Sohn von Andreas und Anastasia Mayr wird er am 7. Dezember 1717 in Dillingen an der Donau geboren. Er erhält den Vornamen des 19-jährigen Felix, Freiherr von Burgau zu Griesbeckerzell.[1] Dieser kann 1729 die Pfarrei Moosbach bei Mauerkirchen erwerben.[2] Der junge Felix wächst im Pfarrhof seines Paten auf und besucht das Gymnasium der Jesuiten in Burghausen. Mit 22 Jahren tritt er ins Kloster Raitenhaslach ein und nimmt den Klosternamen Emanuel an. 1740 leistet er unter Abt Robert Pendtner Profess. 1743 immatrikuliert er sich an der Universität Salzburg und wird 1745 zum Priester geweiht. Im Kloster ist er zunächst Bibliothekar und Archivar, dann Kellerer. Als Nachfolger des 1758 im Kreuzgang ermordeten P. Georg Dunckl ist er Prior. Als solcher wird er am 8. März 1759 in Gegenwart des Vaterabtes Anselm II. von Salem und des kurfürstlichen Wahlkommissars zum Abt von Raitenhaslach gewählt.[3]
Rokokoprälat in Raitenhaslach
Der Vorgängerabt Abundus Tschan ist nur drei Jahre im Amt. Dieser hat die von Abt Robert Pendtner begonnene grosse Westerweiterung der Klosteranlage noch weitergeführt, sodass bei Amtsantritt von Abt Emanuel II. der Prälatenstock und sein kurzes nördliche Pendant unter Dach sind. Er setzt Bauarbeiten mit der Fertigstellung des Innenausbaus fort, baut mit Baumeister Franz Alois Mayr 1764–1766 auch das Festsaalgebäude mit dem «Steinernen Saal». Mit dem neuen Refektorium und einer neuen Bibliothek in Verlängerung des alten Prälaturflügels schliesst er den neuen südlichen Gebäudekomplex und fügt anschliessend das «Gartenstöckl», die südliche Verlängerung des neuen Westflügels an. Nach 1772 beginnt er mit den Bauten der Ökonomie als neuen Südabschluss des grossen Klosterhofs. 1777–1780 baut er auch den östlichen und südlichen Konventflügel neu.[4] Dieses grosse Bauprogramm des Abtes Emanuel II. ist vorwiegend Fortführung und Fertigstellung der von Abt Robert geplanten und begonnenen Erweiterung der Klosteranlage.[5] Zum eigentlichen Rokoko-Bauprälaten wird er mit dem Neubau der Wallfahrtskirche Marienberg (1760–1766). Auch hier zieht er den Baumeister Franz Alois Mayr bei, der ihm einen Vierkonchen-Rokokoraum in einer bereits klassizistisch strengen Aussenhülle verwirklicht. Das mariologische Programm des Rokoko-Innenraums entwickelt Abt Emanuel II. selbst. Der Zentralraum von Marienberg ist gleichzeitig Abgesang auf die Rokokoperiode in Raitenhaslach.
Zu diesen Bauten in Raitenhaslach und Marienberg gesellen sich noch einige Innenraum-Umgestaltungen von Kirchen der Herrschaft, so in Kirchisen (1762), Wald an der Alz (1762), Burgkirchen (1763), Gumattenkirchen (1774).
Die Schulden der Abtei steigen, auch wegen der Neubauten in Raitenhaslach, rasant an. Sie erreichen gegen Ende der Regierung von Abt Emanuel II. 54 000 Gulden.[6]
Klosterökonomie versus Staatsmacht
Nicht nur Raitenhaslach, auch die anderen kurbayrischen Zisterzienserabteien sind um 1780 hoch verschuldet, Fürstenfeld gar mit 300 000 Gulden. Das Kurfürstentum selbst hat noch immer 9 Millionen Gulden Schulden.[7] Kurfürst Max III. Joseph, vertreten durch den Geistlichen Rat in München, lässt keine Gelegenheit aus, um für den notwendigen Schuldenabbau auch die Finanzen der Klöster zu schröpfen. 1768 leitet er mit der Neuordnung des Geistlichen Rates die kommende Säkularisation in Kurbayern bereits ein.[8] Dazu kommt eine immer stärkere Bevormundung in allen Bauangelegenheiten.[9] Diese Umstände mögen das wenig ökonomische Denken der kurbayrischen Prälaten am Ende der Barockzeit, im speziellen bei den Zisterziensern, etwas erhellen. Abt Emanuel II. macht da keine Ausnahme, obwohl er vor seiner Wahl Kellerer (Cellerar, Gutsverwalter) und als Prälatensteuerer und Provinzialsteuerer auch Mitglied der Ständeversammlung in München ist.[10]
Das letzte Jahrzehnt
Als Abt Emanuel 1759 gewählt wird, zählt die Klostergemeinschaft 29 Mitglieder. Während seiner Regierung kann er 26 Professen entgegennehmen. Die meisten treten im letzten Jahrzehnt zwischen 1770 und 1780 ein. Fast alle studieren anschliessend in Salzburg Theologie. Die grosse Zunahme stellt dem amtierenden Abt ein gutes Zeugnis aus. Sie ist vielleicht auch der Grund für den Neubau der Konventflügel. Als Abt Emanuel II. am 20. Juni 1780 in Raitenhaslach im 64. Altersjahr stirbt, zählt die Klostergemeinschaft 38 Mitglieder.
Im Gegensatz zu den prächtigen Rokoko-Epitaphien, die er seinen Vorgängern errichten lässt, wird ihm selbst nur ein einfacher Grabstein in der Klosterkirche gegönnt. Dafür wird sein Herz unter einer Gedenkplatte vor dem Chor der Wallfahrtskirche Marienberg begraben.
Porträt und Wappen
Abt Emanuel II. Mayr lässt sich um 1760 vom Hofkupferstecher Joseph Anton Zimmermann einen Porträtstich anfertigen. Rocaillen rahmen das Bild des noch jugendlich wirkenden Prälaten. Mit der rechten Hand zeigt er auf das Pektorale, in der linken Hand fasst er einen Bienenkorb, wie er auch dem hl. Bernhard von Clairvaux als Attribut beigegeben wird. Beim Zisterzienser Bernhard gilt der Bienenkorb als Symbol der Beredsamkeit. Da sich aber Abt Emanuel II. kaum selbst als beredsam bezeichnet, dürfte er den Bienenkorb als Symbol des kontemplativen Lebens, des Fleisses und auch der Jungfräulichkeit gewählt haben.
Unter seinem Porträt ist auch das Wappen des Abtes zu sehen. Es zeigt (in Blau?) eine das Feld nicht teilende, eingebogene (silberne?) Spitze, bekrönt mit einem Stern, beseitet von einem Tatzenkreuz und einem flammenden Herz. Die Farben sind nicht bekannt.
Das Exlibris des Abtes und der Wappenschild in der gedruckten Leichenrede zeigen das Abtswappen in Allianz mit dem Klosterwappen und dem Zisterzienserwappen.[11] Der Wahlspruch «Amore er Fiducia» (Liebe und Vertrauen) ist in allen Darstellungen enthalten.
Pius Bieri 2015
Literatur:
|Krausen, Edgar: Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach, in: Germania Sacra, NF 11, die Bistümer der Kirchenprovinz Salzburg, das Erzbistum Salzburg. Berlin und New York 1977.|

Hopfgartner, Wolfgang: Zur Baugeschichte des Klosters Raitenhaslach, in: Klosterkultur in Bayern vor der Säkularisation – zwischen Heilsgeschichte und Aufklärung (Hrsg. Iris Lauterbach). München 2011.
Anmerkungen:
[1] Johann Felix Freiherr von Burgau zu Griesbeckerzell (1698–1754) ist 1729–1754 Pfarrer in Moosbach. Er wird auf dem Grabstein als «pater pauperum» (Vater der Armen) bezeichnet.
Zur Pfarrei Moosbach siehe Signatur B-I-2068 der Oberösterreichischen Landesbibliothek.
[2] Moosbach bei Mauerkirchen liegt im Innviertel, um diese Zeit bayrisches Gebiet, rund sechs Wegstunden östlich von Burghausen.
[3] Der Kurfürst wünscht ein Landeskind zum Abt. Der in Dillingen geborene Schwabe Emanuel Mayr gilt als Ausländer. Gewählt wird er dank seiner Jugend in Moosbach. Er wird jetzt als naturalisierter Bayer betrachtet.
[4] Warum der Abt trotz prekärer Finanzlage diese Flügel erneuert, ist unklar, könnte aber mit dem Zuwachs an Professen in den 1770er-Jahren zusammenhängen. Ein Hangrutsch von 1766 kann nicht der Auslöser sein, obwohl Historiker diesen Zusammenhang herstellen. So beschreiben Edgar Krausen und Wolfgang Hopfgartner (siehe Literaturnachweis), vermutlich auf Grund von alten Klosterchroniken, einen 1766 erfolgten Absturz der Konventgebäude in die Salzach. Mit Sicherheit ist diese Nachricht falsch, denn kein verantwortlicher Abt wartet zehn Jahre mit dem Beginn des Wiederaufbaus der wichtigsten Klostergebäude. Allenfalls stürzen 1766 die Klostermauer und Teile des vorstehenden Refektorium-Flügels in die Tiefe.
[5] Die Zuschreibung der Kirchenwestfassade und der neuen Flügelbauten mit dem Prälatenstock an Abt Emanuel II. ist allerdings falsch (Edgar Krausen in Germania Sacra, Seite 333). Diese Bauten sind 1759 entweder schon fertig oder mindestens unter Dach.
[6] Wahrscheinlich betrifft diese Angaben nur die Passiven, denn bei der Aufhebung 1803 hat Raitenhaslach einen Aktivsaldo von 50 782 Gulden, dies bei rund 30 000 Gulden Jahreseinnahmen und einem bescheidenen Überschuss von rund 3000 Gulden.
[7] Kurfürst Karl Albrecht von Bayern hinterlässt bei seinem Tod 1745 einen praktisch bankrotten Staat. Die Schulden betragen 35 Millionen Gulden, das neunfache oder 900 Prozent der jährlichen Einnahmen Bayerns. Hauptverursacher der Schulden ist allerdings Kurfürst Max Emanuel, der 1726 Schulden von 27 Millionen Gulden hinterlässt. Kurfürst Max III. Joseph kann die Schulden bis 1777 auf 9 Millionen Gulden abbauen.
[8] 1768 wird der aufklärerische Peter von Osterwald erster Direktor des Geistlichen Rates in München. Die nun folgenden Klostermandate schränken die geistlichen Einrichtungen in Kurbayern mehr und mehr ein. Schon 1764 hat ein 38 Jahre dauernder Finanztransfer der kurbayrischen Klöster zum hochverschuldeten Staat begonnen, der 1802 mit der völligen Enteignung des Klosterbesitzes das Ziel erreicht.
[9] Mit einem kurfürstlichen Mandat wird 1770 das Rokoko faktisch verboten. Ob Abt Emanuel II. die Wandlung vom Rokokoprälaten zum Vertreter des aufgeklärten Klassizismus noch vollzieht, wie dies beim Vaterabt in Salem der Fall ist, bleibt unbekannt.
[10] Die Landstände im absolutistischen Bayern haben in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nur noch Verwaltungsfunktionen im Finanzbereich. Ihre ursprüngliche Kontrolle des Haushaltes ist zu einem Akklamationsverfahren geschrumpft. Sie stellen zwar noch immer einen Gegenpart zum kurfürstlichen Absolutismus dar. Ihre Entmachtung ist deshalb das Ziel aller Kurfürsten, das diese aber im Alten Reich nicht mehr erreichen.
[11] Klosterwappen: In Blau eine sitzende Muttergottes mit Kind, in der Linken einen Lilienstängel haltend.
Zisterzienserwappen: In Schwarz ein rot-silbern geschachteter Schrägbalken.
|Abt OCist Emanuel II. Mayr (1717–1780)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|7. Dezember 1717||Dillingen an der Donau||Hochstift Augsburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OCist der Benediktinerabtei Raitenhaslach||1759–1780|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|20. Juni 1780||Abtei Raitenhaslach||Kurfürstentum Bayern|
|Kurzbiografie|

Abt Emanuel II. Mayr ist der Rokokoprälat von Raitenhaslach. Trotz immer grösserer Bevormundung der Klöster im Kurfürstentum ist es ihm möglich, die schon im Rohbau bestehende Kloster-Westerweiterung fertig zu stellen, den «Steinernen Saal» einzufügen und die südlichen Ökonomiebauten des Westhofes sowie die Konventflügel im Osten neu zu bauen. Sein Hauptwerk ist aber die Wallfahrtskirche Marienberg, für die er ein Jahr nach seiner Wahl den Grundstein legt. Obwohl 1759 schon ein Projekt vorhanden ist, trägt Marienberg innen und aussen seine Handschrift. Unter seiner Regierung blüht auch der Konvent von Raitenhaslach. Er vergrössert sich von 1759–1780 um 26 auf 38 Mitglieder.
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