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Nichts klingt so ungesund, so sehr nach Seuche wie dieses Wort: Quarantäne. Dabei ist das eigentlich ganz verkehrt – Quarantäne müsste eigentlich nach Gesundheit klingen. Quarantäne ist eine behördliche Massnahme gegen hoch ansteckende, potenziell tödliche Krankheiten. Sie sieht vor, kranke Menschen oder Tiere vorübergehend zu isolieren, um die Seuche an der Ausbreitung zu hindern. Die Massnahme ist aufwändig, aber wirksam. Und nachweislich uralt: Die Quarantäne beschreibt schon ums Jahr 1000 nach Christus der arabische Arzt Avicenna in seinem berühmten Werk, dem «Kanon der Medizin».
Verordnet wurde die Quarantäne dann vor allem im Mittelalter, als die Menschen der Ausbreitung der Pest machtlos gegenüberstanden. Allein die grosse Pandemie von 1347 bis 1353 forderte 25 Millionen Opfer, ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas.
Als in den 70er Jahren des 14. Jahrhunderts die Pest wieder aufflackerte, griffen die Behörden von Dubrovnik, von Venedig und Marseille durch. Sie ordneten an, alle Reisenden und Kaufleute in eigens dafür errichteten Lazaretten zu isolieren, und zwar für die Dauer von vollen 40 Tagen. Daher auch das Wort: quaranta giorni oder auch une quarantaine. Die Zahl vierzig erschien dabei besonders plausibel, weil sie auch in der Bibel eine besondere Rolle spielt: Vierzig Tage lang dauerte die Sintflut, vierzig Tage lang wartete Moses auf dem Berg Sinai auf die zehn Gebote, vierzig Tage lang wurde Jesus in der Wüste vom Teufel versucht.
Das sehen die Behörden heute etwas nüchterner – und legen die Quarantäne im internationalen Sanitätsreglement fest. Es ordnet an, dass Reisende, die mit Lungenpest in Berührung gekommen sind, nur noch sechs Tage lang abgesondert werden müssen.