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Aus, Schluss, vorbei. Nach dem Weltmeistertitel 2010 und den Europameistertiteln 2008 und 2012 muss Spanien in Brasilien schon nach der Vorrunde die Koffer packen. So kam es dazu.
Die Schlüsselerkenntnisse nach dem 2:0-Sieg Chiles gegen Spanien:
In ihrer 3-4-1-2-haften, aber sehr flexibel ausgeführten Formation stellten die aktiv störenden Chilenen das spanische Spiel vor eine schwierige Herausforderung, die in gewissen Punkten an die Partie gegen die Holländer erinnerte.
Die beiden Stürmer Alexis Sánchez und Eduardo Vargas nahmen intelligente Zwischenpositionen in den Halbräumen der spanischen Viererkette ein, während sich die drei von Arturo Vidal angeführten Mittelfeldspieler in teils aggressiven Mannorientierungen auf die zentralen Akteure des spanischen 4-2-3-1/4-3-3 konzentrierten.
In der genauen Anordnung gab es dabei sogar eine kleine Asymmetrie, welche die Spanier aus ihren bevorzugten Zonen heraus leitete. Auch die beiden Flügelläufer Mauricio Isla und Eugenio Mena zeigten sich flexibel und pendelten geschickt zwischen dem Aufnehmen der spanischen Angreifer sowie dem Herausrücken gegen die Aussenverteidiger Azpilicueta und Alba.
Gelegentlich schob bei den Chilenen Vidal in einen flachen Dreiersturm vor und erhöhte dadurch den Druck, woraufhin sich die Reihe dahinter leicht asymmetrisch formierte oder der freie spanische Zehner durch die Dynamik und die herausrückenden Defensivspieler übernommen wurde. Aus den einzelnen Mannorientierungen heraus überzeugte das Team generell mit guten Übergabemechanismen.
Generell fanden die Spanier zwar gelegentliche Räume im Mittelfeld, weil Chile etwas wilder und aggressiver auftrat, als die Niederländer es getan hatten und ihre Mannorientierungen recht weiträumig interpretierten, doch konnten die Südamerikaner diese zumindest so gestalten und gegebenenfalls zulaufen, dass keine direkte Gefahr daraus entstand. Vor allem musste Spanien durch diese Löcher immer wieder sehr direkt und einzeln hindurch spielen, was nicht zu ihrem kollektiven, aufmerksam vorbereitenden und bedachten Spielcharakter passte.
Nach einzelnen Vertikalpässen oder Ablagen der langen Bälle durch Diego Costa waren die Spanier zu Einzelaktionen oder Unterzahlszenen in Ballnähe gezwungen und konnten den Ball in den hohen Zonen nicht halten. Dies zeigte sich bei dem kleinen Rechtsfokus des ersten Teils der ersten Halbzeit, als David Silva und Pedro im Halbraum ansatzweise starke Kombinationen hatten, diese aber wegen fehlender Unterstützung und problematischem Rhythmus nicht durchbringen konnten.
Später versuchten die Titelverteidiger dann stärker über die linke Seite zu kommen, wo Jordi Alba aufrückte und die positionstauschenden Silva sowie Andres Iniesta die Interaktion suchten. Hierbei konnten sie unter Druck der dynamischen Chilenen aber oftmals ebenso nur auf simple strukturelle Muster wie beispielsweise Rochaden des Zehners vor seinem Kollegen in Abwehrschnittstellen oder Horizontalpässe an der letzten Linie entlang setzen, da ihnen auch die Rückwärtsverbindungen zu nachstossender Unterstützung fehlten.
Passenderweise entstand die beste spanische Chance der ersten Halbzeit durch Xabi Alonso zwar etwas zufällig, zeigte aber grundsätzlich auf, wo ansonsten ihre Probleme lagen. Diese hingen eben auch mit ihrer nur mittelmässigen Offensivpräsenz durch die etwas vorsichtige Grundausrichtung zusammen.
Wie schon in der ersten Partie gegen Australien fächerten die Chilenen im Aufbauspiel konsequent auf. Der linke Halbverteidiger Gonzalo Jara agierte manchmal etwas höher als seine beiden Kollegen, die sich eher wie breite Innenverteidiger verhielten, und bot damit eine Zwischenposition als Gegenpol für die ansonsten dominante rechte Seite, während in anderen Szenen eher Francisco Silva zusätzlich ins Mittelfeld ging.
Mit dem zurückfallenden FC-Basel-Spieler Marcelo Díaz sowie vielen kleinräumig sauberen Akteuren verfügten die Chilenen über eine gute Ballsicherheit, mussten gegen das aufrückende spanische Pressing, bei dem sich meist ein einzelner Spieler bis auf den Torwart orientierte, aber dennoch viele lange Bälle schlagen.
Dies befeuerte die insgesamt etwas chaotische und vor allem sehr dynamische Spielcharakteristik. Auch nach langen Bällen und Abprallern konnten die Südamerikaner durch ihre sehr koordinierten sowie druckvollen Spielertypen aber gefährliche Offensivszenen einleiten.
Diese folgten meistens Überlademustern auf der rechten Seite, wo der offensive Isla vom umtriebigen Alexis Sanchez, der in Barcelona oft als Flügelspieler agiert, dem heraus rochierenden Charles Aránguiz und immer mal wieder auch Vidal unterstützt wurde. Hier konnten die Südamerikaner die Spanier überladen und kamen in Freiräume hinein – entsprechend entstanden beide Tore des Teams aus dieser Zone halbrechts. Zusätzlich waren die Chilenen auch über vereinzelte Konter ihrer schnellen Leute nach Ballgewinnen im Pressing gefährlich, wenngleich Spanien hier kontrollierter agierte und im Gegenpressing effektiver auftrat als noch beim 1:5 gegen Holland.
Obwohl die Spanier nach dem Seitenwechsel immer noch nicht vollends überzeugten, phasenweise auch aufgrund ihrer niedriger werdenden Pressingintensität ratlos wirkten und – wofür die zu positionstreuen Auswechslungen del Bosques sinnbildlich standen – noch nicht ihr volles Potenzial ausschöpften, agierten sie doch deutlich stärker als noch in der ersten Halbzeit.
Mit der Einwechslung Kokes anstelle von Xabi Alonso wurden sie spielerisch besser und offensivkompakter. Gerade aus dem linken offensiven Halbraum konnten sie nach dem effektiveren Aufrücken die Chilenen phasenweise einschnüren, ihr eigentlich bekanntes Spiel aufziehen und daraus starke Ansätze entwickeln.
Doch trotz dieser verbesserten, näheren Verbindungen und der Einwechslung der individuell stark aufspielenden Torres und Santi Cazorla reichte es gegen einen starken Gegner nicht mehr zu den benötigen Treffern. Chile beeindruckte vor allem durch intelligente Anpassungen und besetzte den Halbraum in manchen Szenen gar dreifach in verschiedenen Linien, wodurch es die für Spanien wichtigen Verbindungsräume sehr unangenehm verengte und deren stark davon abhängende Durchschlagskraft beschnitt.
Dies war aus chilenischer Sicht der entscheidende Punkt nach der Halbzeit, weshalb Spanien die Verbesserungen dennoch nicht in konstant Gefährliches ummünzen konnte. Falls doch mal ein Durchbruch drohte, entschärfte die starke chilenische Endverteidigung um Medel die Situation.