Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03482.jsonl.gz/154

Auf der letzten Seite der FN vom 30. November 2005 kann man zum tagelangen Stromausfall im deutschen Münsterland lesen «…gefriert der Schnee an den Stromleitungen und bildet Eisrollen. Das hat zur Folge, dass sich das Gewicht der Leitungen massiv erhöht und die Masten zum Einsturz bringt».
Ob alleine die Erhöhung des Gewichts der Leitungen die Masten zum Einsturz bringen kann, weiss ich nicht. Bei der Katastrophe im Münsterland scheint der Wind eine wesentliche Rolle gespielt zu haben: Durch das Eis auf den Leitungen hatte der Wind eine wesentlich grössere Angriffsfläche und konnte so die Leitungen zu erheblichen Schwingungen anregen. In der Fernsehsendung «Nano» vom 29. November 2005 auf SF 1 wurde ein Amateur-Video gezeigt, welches diese enormen Schwingungen eindrücklich vorführt. Diese grossen Schwingungen und die erhöhte Masse der Leitungen haben dann wohl zur Katastrophe geführt.In der Fernsehsendung wurde ferner darauf hingewiesen, dass das Eis um die Leitungen nicht die Form einer Rolle hat, sondern durch den Wind eine mehr horizontale Ausdehnung bekommt; dadurch gleicht der Querschnitt durch das Eis eher dem Querschnitt durch die Tragfläche eines Flugzeugs mit der Konsequenz, dass durch den Luftstrom an den Leitungen ein Auftrieb erzeugt wird, welcher die Schwingungen weiter anregt (beim Flugzeug ist dieser Auftrieb die Kraft, die das Flugzeug von der Erde abheben lässt). Ein ähnliches Phänomen ist wohlbekannt: bei starkem Wind beginnen grosse Fahnen so heftig zu schwingen (wir nennen das «flattern»), dass deutliche Knallgeräusche zu hören sind und die Fahne durch diese Belastung im Laufe der Zeit regelrecht zerfetzt werden kann.
In der Sendung Nano wurde noch eine weitere interessante Information gebracht: Wenn die Techniker der Stromgesellschaften mit einer starken Vereisung der Leitungen rechnen, werden die Leitungen bewusst aufgeheizt (das kann man dadurch erreichen, dass man möglichst viel Strom durch die Leitungen schickt), so dass sich erst gar kein Schnee auf den Leitungen absetzen kann. Offenbar hat man diese Massnahme im Münsterland verpasst.