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Australiens zweite Chance
Nach unsteten Auftritten in der Qualifikation glauben wenige an ein erfolgreiches Turnier der Australier. Aus dieser Aussenseiter-Rolle zieht das Team die Kraft, um in der Déjà-vu-Gruppe zu bestehen.
Nach unsteten Auftritten in der Qualifikation glauben wenige an ein erfolgreiches Turnier der Australier. Aus dieser Aussenseiter-Rolle zieht das Team die Kraft, um in der Déjà-vu-Gruppe zu bestehen.
Den 16. November 2005 werden australische Fussballfans so schnell nicht vergessen. Für sie steht fest: An diesem Datum wurde Australien zu einer Fussball-Nation. Im heutigen Accor Stadium in Sydney - vor über 80'000 Zuschauern - machte das im Playoff-Spiel gegen Uruguay als Underdog angetretene Team das 0:1 aus dem Hinspiel wett. In einem dramatischen Penaltyschiessen sicherte sich Australien die erste WM-Qualifikation seit 32 Jahren.
Eine Fussball-Nation ist Australien angesichts beliebterer Sportarten wie Rugby, (Australian) Football oder Cricket zwar nicht. Dennoch hat sich mit dem geschichtsträchtigen Sieg vor ziemlich genau 17 Jahren viel getan für den Fussball in Down Under. Zeitweise verlacht aufgrund der notorischen Misserfolge, stieg das Ansehen der «Socceroos» an. Dies auch dank der starken Endrunde beim folgenden Turnier in Deutschland, an dem sich Australien für die Achtelfinals qualifizierte und dort gegen Italien - nach einem hart gepfiffenen Elfmeter in der Nachspielzeit - heroisch ausschied.
Im selben Jahr wechselte Australien in die asiatische WM-Qualifikation, um dauerhaft auf höherem Niveau spielen zu können. Es wirkte insofern, als dass sich das Team fortan für sämtliche Endrunden qualifizierte - Katar wird die fünfte in Serie. Für die nächste Euphorie-Welle im Land bräuchte es nun wieder einen Vorstoss in die K.o.-Phase. Denn in den letzten drei Austragungen gewann man insgesamt nur noch fünf Punkte.
Wieder entschied das Penaltyschiessen
Die zuletzt erfolglosen WM-Endrunden gepaart mit den unsteten Auftritten in der Qualifikation haben dazu geführt, dass die Underdog-Mentalität wieder stärker Einzug gehalten hat bei den Australiern. Und genau daraus könnte das Team nun Kraft ziehen. Mathew Leckie, mit 73 Länderspielen neben Torhüter Mathew Ryan (75) der erfahrenste Spieler im australischen Kader, sagte am Sonntag: «Viele Leute haben nicht mehr an uns geglaubt, waren gar sicher, dass wir die Qualifikation nicht schaffen würden. Wir aber waren immer von uns überzeugt und haben es letztlich allen gezeigt.»
Von Saudi-Arabien und Japan doch deutlich abgehängt, landete Australien in der WM-Qualifikation auf dem dritten Platz der Gruppe und musste deshalb zwei Playoff-Runden überstehen. Im ausgeglichenen Spiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate sicherte man sich dank spätem Siegtreffer (84. Minute) das Wiedersehen mit Peru. Gegen diesen Gegner hatte das Team an der WM 2018 in Russland 0:2 verloren und das Achtelfinal-Ticket verpasst. Im Al-Rayyan Stadium in Katar fielen in 120 Minuten keine Treffer, weshalb wie 2005 das Penaltyschiessen entscheiden musste. Es begann mit einem australischen Fehlschuss, endete jedoch mit einer Parade des eingewechselten Torhüters Andrew Redmayne. Der 33-Jährige mit seinem markanten Vollbart fand so in seinem erst dritten Länderspieleinsatz zu spätem Ruhm.
«So wie wir in diesem Spiel an uns geglaubt haben, glauben wir auch an der WM an uns», sagte Leckie. Denn erneut geht Australien als klarer Aussenseiter ins Turnier. Trainer Graham Arnold bot ein Team auf, in dem keine Namen hervorstechen. Mit einem berechneten Marktwert von 38,4 Millionen Euro liegt Australien unter allen WM-Teilnehmern an viertletzter Stelle; einzig die Kader von Saudi-Arabien, Costa Rica und Katar werden noch tiefer eingeschätzt.
Wieder gegen Frankreich und Dänemark
Ähnlich wie bei den Schweizern kam es bei der Gruppen-Auslosung für die Australier zum Déjà-vu. Erneut trifft das Team auf Frankreich und Dänemark. Als drittes Team gesellte sich Tunesien zur Gruppe der alten Bekannten.
Der Vergleich zu vor vier Jahren drängt sich auf. Die Gruppenphase begann mit einer knappen 1:2-Niederlage gegen Frankreich, in der Australien den Favoriten und späteren Weltmeister forderte, durch ein unglückliches Eigentor in der 81. Minute jedoch ohne Punkte blieb. Ähnlich couragiert war der Auftritt gegen die Dänen, denen man ein 1:1 abtrotzte. So war im letzten Spiel gegen Peru die Tür zum Achtelfinal noch offen. Doch in diesem Spiel zeigte man die schlechteste Leistung und fiel auf den letzten Platz der Gruppe.
«So nah und doch so fern», fasste Leckie die Kampagne von 2018 zusammen. «Nun haben wir eine zweite Chance erhalten, es besser zu machen. Wir haben uns letztes Mal schon gut geschlagen, nun braucht es noch zwei bis drei Prozent mehr.» Um diese hervorzuholen, werden auch die Erinnerungen an 2005 und 2006 wachgerufen und Parallelen aufgezeigt. Bei einem ähnlichen Effort könnte es doch noch etwas werden mit Australien als Fussball-Nation.