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Mehrmals soll in der Gesprächsrunde das Wort «Terroranschläge» gefallen sein. Besorgte Gäste in einem Berliner Hotel alarmierten deshalb im Herbst 1977 die Polizei. Bei den Verhafteten handelte es sich um den Philosophen Michel Foucault, seinen Lebensgefährten Daniel Defert sowie die beiden Merve-VerlegerInnen Heidi Paris und Peter Gente.
Zünd-, Spreng- und Triebsätze finden sich zuhauf in den Bändchen aus dem Merve-Verlag. Im als Kollektiv gegründeten Verlag herrschte der Anspruch, dass Kopf- und Handarbeit gleich viel wert seien. Alle MitarbeiterInnen mussten auch drucken können. Das Kollektiv löste sich auf, Paris und Gente, auch privat ein Paar, machten weiter.
400 Titel sind bis heute erschienen, die meisten im praktischen Manteltaschenformat, mit der bekannten Merve-Raute als Wegmarke versehen: Steck mich ein, lass mich liegen, gib mich weiter, scheinen die Titel zu rufen. Philosophie als Anstiftung.
«Rhizom» von Gilles Deleuze und Félix Guattari wurde zum Bestseller. Das wuchernde statt hierarchische Denken, das der Text forderte, verfolgte auch das Verlagsprogramm: Texte aus dem italienischen Neomarxismus und dem französischen Poststrukturalismus wurden übersetzt, Schriften zur technischen Entwicklung und zu chinesischer Weisheit erschlossen, und immer wieder ging es um Kunst und Pop: Nach der Verlags- und Denkarbeit waren Heidi Paris und Peter Gente nachts in den Berliner Kneipen und Clubs unterwegs, trafen Bekannte wie Martin Kippenberger oder Blixa Bargeld und veröffentlichten wiederum Bücher von ihnen.
Paris nahm sich 2002 wegen psychischer Probleme das Leben. Gente verliess den Verlag im Jahr 2007 und reiste nach Thailand, um dort die letzte Zeit seines Lebens zu verbringen. Tom Lamberty führt den Verlag bis heute weiter. Vor seiner Abreise zitierte Gente in einem Interview mit der «taz» nochmals Deleuze: «Du musst theoretisch nicht zu Adam und Eva zurück, fang an, geh mitten rein, und je mehr du dich damit beschäftigst, desto besser findest du dich zurecht.»
Nun ist Peter Gente gestorben. Im erwähnten Interview meinte er vor einigen Jahren zufrieden: «Wenn es den Verlag weiter geben sollte, musste ich raus, den Absprung finden. Ich glaube, ich hab’ mein Ding gemacht.»