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Es ist eine Geschichte, die sich in andern Ländern bis in die Achtziger hinein wiederholen wird. Doch sie ist idealtypisch angelegt in den Ereignissen rund um die Figur des Jacobo Arbenz Guzmán, des Präsidenten Guatemalas von 1950 bis 1954. Ein kleines Land der (auch heute noch) ärmeren Welt versucht sich aus der Abhängigkeit von den reicheren Ländern und zuvorderst der USA zu lösen. Eine entsprechende Regierung gewinnt die Wahlen und leitet erste Schritte zu einer Reform, namentlich des Grundbesitzes, ein. Doch über kurz oder lang wird sie, nach systematischer Diffamierung durch die westlichen Propagandamedien, mit den gerade sich anbietenden Interventionsmitteln gestürzt.
Die Restauration folgt auf dem Fuß, das Land wird wieder in die Reihe der unterentwickelten Untertanengebiete eingegliedert. Die Witzfigur des Berufsantikommunismus, Tricky Dick Nixon, eilt triumphierend herbei. Die aus dem Lande selbst hervorgegangene Regierung stellt er als finstere ausländische Macht hin; das effektiv durch fremde Gewalt eingesetzte neue Regime als die wahre Vertretung des guatemaltekischen Volkes. Daran, daß die Souver’i- -ität der Völker begrenzt ist, hat sich bis heute nichts geändert: Mit dem Segen fast der ganzen Welt behandeln die USA den gesamten amerikanischen Doppelkontinent ungeniert als ihr Jagdreservat und bestimmen von Fall zu Fall, was unter Demokratie zu verstehen und wer als Demokrat gelten dürfe.
Andreas Hoessli ist den Figuren und Elementen eines klassischen imperialistischen Lehrstücks in Guatemala, den USA und der Schweiz nachgegangen. Maria Cristina Vilanova de Arbenz, die Ehefrau des gestürzten Melden, und Howard E. Hunt, der damals an den subversiven Operationen des CIA führend beteiligt war, gehören zu den wichtigsten Zeugen, die befragt wurden. In der Rekonstruktion aus gemessener historischer Distanz erscheint auch die Blauäugigkeit des Idealisten Arbenz im richtigen Licht, der weniger schlau und erfolgreich war als der wenige Jahre nach ihm auftretende Fidel Castro, aber wohl auch weniger machtgierig.
Die lautere Begeisterung, die in den Sechzigern und Siebzigern für den lateinamerikanischen Widerstand bestand, ist heute weitherum einer gewissen Skepsis gewichen. Welchen Weg ein Land wie Guatemala gehen soll, wenn es sich einmal gelöst hat aus der Bevormundung, scheint viel weniger eindeutig als damals, weshalb wohl auch die Dringlichkeit einer Verselbständigung nicht mehr wirklich gegeben ist. Hoessli entfernt sich mit Vorsicht, ohne politische Substanz aufzugeben, von den zweifellos übertriebenen Erwartungen und Forderungen früherer Dekaden.