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In der Türkei ist erstmals ein Hochschullehrer inhaftiert worden, weil eine Studentin mit Kopftuch wegen ihm der Universität verwiesen worden sein soll. Der 64-jährige Professor für Astrophysik, Rennan Pekünlü, trat in der westtürkischen Stadt Izmir seine zweijährige Haftstrafe an, wie sein Anwalt Murta Fatih Ülkü sagte.
Vor der Einweisung ins Gefängnis hielt er laut türkischen Medienberichten eine letzte Vorlesung zum Thema "Universum und Evolution", bei der er - ebenso wie viele seiner Zuhörer in der vollbesetzten Halle - in Tränen ausbrach.
Pekünlü war im Jahr 2012 zu zwei Jahren Haft verurteilt worden, weil er das "verfassungsmässige Recht auf Bildung" der Studentin verletzt habe, als er sie wegen ihres Kopftuchs der Universität verwies. Die Regierung hatte 2010 das Kopftuchverbot an Universitäten aufgehoben.
Seitdem hat das Parlament auch das Tragen des islamischen Schleiers in Behörden und an Schulen zugelassen. Allerdings behielten einige Universitäten auch nach 2010 das umstrittene Verbot bei, weil sie die Rechtmässigkeit der Entscheidung in Frage stellten.
Pekünlü bestreitet, die Studentin daran gehindert zu haben, die Universität zu betreten oder an seinen Kursen teilzunehmen. Demnach meldete er ihren Fall lediglich der Universitätsleitung. Er muss sich in zwei weiteren Fällen wegen des gleichen Vorwurfs vor Gericht verantworten. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu zwölf Jahre Haft.
Während die islamisch-konservative Regierung das Kopftuchverbot als Diskriminierung gläubiger Musliminnen sieht, betrachten seine Befürworter das Verbot als notwendig zum Schutz des säkularen Charakters des Staates.
SDA-ATS