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Die „Grande Écurie“ war zu Lebzeiten der französischen Könige Ludwig XIV. und Ludwig XV. im 17. und 18. Jahrhundert eine der wichtigsten Abteilungen des königlichen Hofs. Es gab innerhalb der Écurie auch fünf musikalische Gruppierungen, die nach den benutzten Instrumenten eingeteilt waren: „Trompettes / Violons, hautbois, saqueboutes et cornets / Hautbois et musettes du Poitou / Fifres et tambours / Cromornes et Trompettes marines“.

Über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren sind diese Ensembles in den höfischen Dokumenten gut belegt. Unter den Musikern erscheinen zahlreiche bekannte Namen der französichen Musik, wie: Philidor, Hotteterre, Chédville, Loillet, Charpentier, Dieupart, u.a. Umso mehr überrascht es, dass sowohl in den Abteilungen der Cromornes et Trompettes marines als auch bei den Fifres et Tambours immer noch unklar ist, um welche Instrumente es sich genau handelt. Dies mag damit zusammen hängen, dass die angesprochenen Instrumenten-Gruppen keine direkte Entsprechung im modernen Instrumentarium gefunden haben und daher ausserhalb des Blickfelds der bisherigen Forschung über die Musik der französischen „Klassik“ lagen.
Die von Thilo Hirsch und Vincent Robin geleisteten Vorarbeiten (nicht zuletzt angeregt durch den Frankreich-Schwerpunkt im Jahresprogramm der Schola Cantorum Basiliensis 2004/05) schaffen eine gute Ausgangsbasis für die Fragestellungen dieses Projekts, das einen Kontrapunkt zur fortschreitenden „Standardisierung“ im Bereich der Historischen Musikpraxis setzten soll. Um nur ein Beispiel zu nennen: für das barocke Repertoire von ca. 1650 bis ca. 1750 wird in der heutigen „historisch informierten“ Praxis in der Regel nur ein einziger französischer Oboentyp aus der Zeit um 1700 benutzt, obwohl es eine Reihe regional und zeitlich unterschiedener Bautypen gegeben hat.
Durch die Beteiligung von Projekt-MitarbeiterInnen aus unterschiedlichen Disziplinen (Musikwissenschaft, MusikerInnen), die an den verschiedenen Teilbereichen der Grande Écurie forschen, und durch die Zusammenarbeit mit den Praxispartnern (Instrumentenbauer, Musikmuseum Basel, ensemble arcimboldo, musiques suisses), ergeben sich die nötigen Synergie-Effekte, um das Projekt-Ziel zu erreichen: Die klingende Wiederbelebung der Grande Écurie im Hinblick auf die verwendeten Instrumente, die damit zusammenhängende Spielpraxis und das Repertoire. Nicht zuletzt geht es dabei um die Erschliessung eines neuen Terrains auf dem Feld der Historischen Musikpraxis.
Die Forschungsresultate werden an Symposien der Schola Cantorum Basiliensis vorgestellt und darüber hinaus auf einer Website zugänglich gemacht. Abschliessende Publikationen und eine CD sollen die Ergebnisse schriftlich und klanglich dokumentieren.