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Erst letzte Woche habe ich den Termin in meinem Kalender gelöscht: «Nicht nach Bangkok fliegen» schrieb mir ein Freund, datiert auf den 24. Februar 2012. Ich bin doch geflogen. An diesem Tag, der milder war als es die April-Tage dieses Jahr sind. Das kann ich leider beurteilen. Denn ich bin wieder hier, in Zürich, habe meine geliebte Wohnung in Bangkok aufgegeben und mich wegen noch geliebteren Dingen zurück in die Schweiz begeben. Und genau deshalb muss ich diese Zeilen jetzt schreiben, die eigentliche Einleitung, die ich so sehr nicht gewollt habe:
Dies ist mein letzter Bangkok-Blog.
Über ein Jahr war ich jetzt nicht mehr heimisch hier, hab meinen Lebensinhalt in einem Keller verstaut, eine Thai-Wohnung mit Ikea-Möbeln katalogtauglich gestylt, hab Meilen gesammelt für eine Grossfamilie (das Pendeln) und Geld ausgegeben wie ebendiese - «eat, pay, live» eben. Ich machs mal kurz:
Thailand ist geil. Es ist gut und schön und billig, und es entspricht schlicht jedem Klischee, das wir kennen. Ja, es gibt Männer, die Frauen sind. Es gibt alte Säcke, die genau dafür zahlen. Es gibt Kinder, die arbeiten, obwohl sie spielen sollten. Es ist billig. Es ist kitschig. Es ist trashig. Es ist heiss. Und es ist wunderbar. Es gibt fremde Menschen, die ihr Leben mit dir teilen. Es gibt Frauen, die mit dir über weisse Männer reden. Es gibt Taxifahrer, die mit der Bierflasche zwischen den Beinen steuern. Es gibt Tage, an denen du einen Gotthard-Stau dem Bangkok-Stau vorziehen würdest. Es gibt Tage, an denen du dich fragst, ob du die weisse Thai bist. Es gibt alles, immer, überall.
Thailand ist schön. Es ist grün und satt und fruchtbar. Es gibt Felder, Wiesen, Wälder, Seen, Flüsse, Bäche. Das Meer. Es gibt Häuser, die höher sind als der Prime Tower, und es gibt Hochhäuser. Es gibt Holzhütten und Blechbaracken. Es gibt Strände und Strände und Strände. Es gibt Berge mit Bauerndörfern, Industriestädte mit Arbeiterghettos. Es gibt die totale Idylle und den elenden Moloch. Es gibt Musik. Es gibt den perfekten Sonnenuntergang, den perfekteren Sonnenaufgang und den perfektesten Regen.
Thailand ist mehr. Es hat mir 95'000 Flugmeilen eingebracht. Mein Konto um 43'000 Franken erleichtert. Mir 9 Arzt- und 5 Zahnarztbesuche beschert. Inklusive rund 380 Tabletten. Es hat mir 1 besten Freund geschenkt und mindestens 12 unverzichtbare Menschen dazu. Es hat mich geschätzte 2 Hektoliter Bier sowie 10 Hektoliter Wasser trinken lassen. Es hat 2 gute Freundinnen dazu gebracht, das erste mal nach Asien zu reisen und mir ein Treffen mit 6 aus den Augen verloren geglaubten Freunden ermöglicht. Es hat mich im 28. Stock leben, gefühlte 1000 Taxis und 100 verschiedene öffentliche Verkehrsmittel benutzen lassen. Und es hat mir 1 Million Gründe gegeben, es zu lieben.
Thailand ist lehrreich. Es hat meine elende Ungeduld gemassregelt. Es hat mich gemassregelt. Es hat mich gestresst, gelockert, genervt, geflasht, geerdet, gerädert. Es hat mir ermöglicht, die Schweiz mit anderen Augen zu sehen. Es hat mich meine Familie vermissen lassen, meinen Beruf – und meinen geliebten Cervelat. Es hat mich verzweifeln lassen, mir schmerzliche Tränen beschert und Schmerzen vor Lachen. Es hat mir ermöglicht, eine total unangesagte Sprache zu lernen. Es hat mir Dinge geschenkt, Dinge genommen und mir bewiesen, dass dieses Karmazeugs wohl doch existiert. Und es hat mich mich selbst kennenlernen lassen und mir bewiesen, dass «perfekt» kein Zustand ist sondern ganz einfach ein Gefühl.
Thailand war einmal. Und bleibt.
Laa gon ka, ihr Lieben! Oder wie mein liebster Thai-Freund zu sagen pflegt: «It's not Goodbye, it's Hello. Always.» Herzlichen Dank fürs Mitlesen und -reden und sowieso.
Alle «Eat Pay Live»-Blogs von Barabara Lanz finden Sie im SI-online-Dossier.