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Schulzeit und journalistische Gehversuche
Manuel Gasser, Sohn eines Ingenieurs und einer Krankenschwester, wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf, zuerst im Kanton Zürich, dann in Luzern. Als er 17-jährig ins Evangelische Lehrerseminar Muristalden in Bern eintrat, mit dem Vorsatz, eines Tages Lehrer zu werden, begann er mit dem Schreiben von Tagebüchern. Sie zeigen seine wachsende Aneignung von Wissen im Bereich der Literatur und bildenden Kunst und seiner Begeisterungsfähigkeit für alles, was ihn bewegte und begeisterte (Gide, Hesse, Rilke, Thomas Mann, van Gogh). Mit gleicher Intensität verliebte er sich in Mitschüler und weitere Gleichaltrige und entschied sich noch als Schüler, seine Homosexualität zu akzeptieren und offen zu leben, was immer kommen möge.
Nachdem er wieder einmal in seiner Zuneigung zu weit gegangen war, flog er im März 1929 aus der Schule. Er empfand dies als Befreiung und beschloss, auf ein Abschlussdiplom und den universitären Weg zu verzichten und zu versuchen, als Journalist über die Runden zu kommen.
Die ersten Beiträge schrieb er aus Südfrankreich. Sie erschienen in der NZZ dank seines guten Kontaktes zu deren Feuilletonchef, dem gefürchteten Eduard Korrodi. In Bern verhalf ihm dessen Kollege Hugo Marti zu gelegentlichen Artikeln im Bund.
So sehr er die Zeit dort genoss: es zog ihn wie alle seine Zeitgenossen nach Paris. Er profitierte von seinen in Südfrankreich geknüpften Freundschaften, vor allem von der zu Jean Cocteau, um rasch andere wichtige Leute kennen zu lernen und darüber in Schweizer Blättern zu berichten. In den frühen dreissiger Jahren war Paris vielleicht nicht mehr die strahlende "Ville Lumière" - die goldenen zwanziger Jahre waren vorbei -, aber immer noch ein ungeheurer Schmelztiegel an Talenten und Lebensentwürfen. Er genoss die grossen sexuellen Freiheiten, konnte sich aber besser vor Drogen und Alkohol schützen als sein Landsmann Andreas Walser.
David Streiff, Januar 2017