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Die Fraumünsterabtei in Zürich um 1500 auf einer Altartafel von Hans Leu dem Älteren
Katharina von Zimmern
1478 - 17. August 1547
Katharina von Zimmern übergab am 8. Dezember 1524 das Fraumünster an Bürgermeister und Rat der Stadt Zürich. Dieser Schritt war aussergewöhnlich und weit und breit der erste seiner Art. Warum hat die damalige Äbtissin und Stadtherrin das Fraumünster samt seinem grossen Vermögen übergeben? Was bedeutete dieser Schritt für die Stadt und welches waren die Folgen für Katharina selbst? Obwohl von Katharina von Zimmern persönlich wenige Dokumente vorhanden sind, ist ihr Leben gut dokumentiert, für eine weibliche Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts eine Seltenheit.
Wappen der Freifrau Katharina von Zimmern (Württembergische Landesbibliothek Stuttgart)
Eine tüchtige Äbtissin
Katharina von Zimmern stammte aus einer hochadeligen und humanistisch gebildeten Familie. 1488 kam sie als Flüchtlingskind von Messkirch in Süddeutschland nach Weesen an den Walensee. Ihrem Vater, der in Reichsacht gefallen war, gelang es, sie zusammen mit ihrer Schwester in der Abtei Fraumünster unterzubringen. 1496 wurde Katharina zur Äbtissin gewählt. Als Fürstäbtissin war sie Stadtherrin, nahm Repräsentationspflichten wahr und siegelte als geschickte Unternehmerin die Geschäfte der begüterten Abtei. Katharina von Zimmern schmückte die Kirche neu aus und verstärkte den Chorgesang. Sie liess einen neuen Äbtissinnenhof bauen. Zwei seiner reich geschmückten Stuben sind heute im Landesmuseum zu sehen. Katharina gab während ihrer 28 Jahre langen Amtszeit nie zu Tadel Anlass, was von Takt und Tüchtigkeit zeugt. Dass sie mit grosser Wahrscheinlichkeit als Äbtissin eine Tochter geboren hat, konnte sie geheim halten.
Die obere Stube im Äbtissinnenhof von 1507 (Schweizerischen Landesmuseum)
Die Stadt vor Unglück und Ungemach bewahren
Im Januar 1519 begann Ulrich Zwingli das Evangelium auszulegen. Jeden Freitag, wenn auf dem Münsterhof Markt gehalten wurde und viel Volk aus der Landschaft herbeiströmte, hielt er seine brisanten Predigten auch im Fraumünster. Damit trug Katharina von Zimmern zur Verbreitung der Reformation bei. Befürworter und Gegner der «neuen Lehre» bemühten sich um sie. Der Druck auf die Äbtissin nahm stark zu. Schliesslich rang sie sich dazu durch, die Abtei aufzugeben. In der Ratsnotiz vom 30. November 1524 heisst es zu den Beweggründen von Katharina:
Das aber hätte der Stadt Zürich und Ihrer Gnaden selber gar bald «gross unruoh und ungemach» bringen können. Dies aber wolle Ihre Ganden, soweit das in ihrem Vermögen stehe, verhindern und für die Stadt Zürich tun, was dieser «lieb und dienst sye».
Übergabeurkunde der Äbtissin an den Rat von Zürich vom 8. Dezember 1524 (Stadtarchiv Zürich)
Der Verzicht
Die Ratsnotiz zählt auf, worauf Katharina von Zimmern als Äbtissin verzichtete:
auf «Privilegien und Rechtstitel... mit Leuten und Dörfern und Höfen...samt den Pfandschaften und zugleich auf die alten Hoheits- und Besitzrechte der Abtei und die ganze Verwaltung.»
Widmung Ulrichs Zwinglis unter seiner Schrift «Von göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit» an Katharina von Zimmern
Katharinas jährliche Pension von 1524-1547 im Ausgabenbuch des Fraumünsteramtes (Stadtarchiv Zürich)
Der Rat schuf für die Verwaltung des grossen Vermögens der Abtei das Fraumünsteramt, das die Rechnung über mehrere Jahrzehnte weiterführte wie bisher. Eine städtische Verwaltung dieser Dimension musste zuerst aufgebaut werden. Katharina bereitete mit der Übergabe der reichsunmittelbaren Abtei Fraumünster den Weg zur konkreten Umsetzung der Reformation. Sie ermöglichte dem Rat, auch die weiteren Klöster in der Stadt aufzuheben.
Der Zeiten Lauf
Katharina verzichtete auf ihre Position mit allen Privilegien und Rechten, sie nahm zudem die Ächtung durch ihre katholisch gebliebene Familie in Kauf. In der Übergabeurkunde betonte sie, dass sie sich ohne Zwang entschieden habe, weil es, wie die Dinge sich gestalteten, an der Zeit sei.
Der Rat seinerseits sicherte Katharina von Zimmern zu, sie als ihre Bürgerin zu beschützen. Er anerkannte ihre Handlungsfreiheit und beliess sie als wohl einzige Bürgerin «unbevogtet». Katharina behielt das Wohnrecht in der Abtei und erhielt lebenslang eine grosszügige Rente.
Landesmuseum, Obere Stube Fraumünster, Aufnahme Mai 2019
Landesmuseum, Obere Stube Fraumünster, Aufnahme Mai 2019
Landesmuseum, Obere Stube Fraumünster, Aufnahme Mai 2019
Landesmuseum, Obere Stube Fraumünster, Aufnahme Mai 2019
Die Heirat
1525 verheiratete sich Katharina mit 47 Jahren mit dem Söldnerführer und württembergischen Diplomaten Eberhard von Reischach. Da er in Zürich geächtet war, zog sie zu ihm nach Schaffhausen und später nach Diessenhofen. Sie gebar noch zwei Kinder. Eberhard von Reischach fiel im Herbst 1531 in der Schlacht bei Kappel. Katharina von Reischach lebte noch 16 Jahre lang hochangesehen als Witwe mit ihrer Tochter an der Oberdorfstrasse und am Neumarkt. In den Akten der Stadt erschien sie bis zu ihrem Tod am 17. August 1547 als «die eptissin».