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Diversität
Diversität
Diversität in unserer Programmation
Die folgende Statistik führen wir, um die Diversität unserer Programmation zu evaluieren. Sie soll sichtbar machen, wo wir Massnahmen ergreifen müssen, um diese Diversität zu erhöhen. Wir untersuchen die Diversität anhand von sechs Kategorien (siehe unten), und zwar jene der Künstler*innen der Produktionen, die wir durchs Jahr gesehen haben, und derer, die wir schliesslich an unser Festival eingeladen haben.
Wir sind uns bewusst, dass es bezüglich der Kategorien zwei Probleme gibt: 1) Die Wahl der Kategorien geschah durch uns selbst. Einerseits weil wir diese Kategorien für relevant halten und andererseits, weil sie uns handhabbar scheinen. 2) Die gewählten Kategorien betreffen teils Identitäten, welche durch Selbstbezeichnung der einzelnen Personen zugeschrieben werden. Die Fremdzuschreibung durch uns bleibt in einigen Fällen eine Mutmassung und die Zahlen sind deshalb ungenau.
Die Statistik beinhaltet Produktionen, welche wir vom 25. Januar 2019 bis zum 24. Januar 2020 gesehen haben, was einem Visionierungsjahr von auawirleben entspricht. Insgesamt haben wir in diesem Zeitraum 183 Produktionen gesehen. 16 haben wir zu auawirleben 2020 eingeladen. In allen Kategorien entspricht der Anteil der visionierten Produktionen ungefähr dem Anteil der eingeladenen Produktionen. Dies bestärkt uns in der Ansicht, dass die Diversität bereits bei den Visionierungen hoch sein muss, um ein diverses Programm zu erreichen.
Uns ist bewusst, dass mit der Erhebung der Zahlen die Arbeit nicht getan ist. Sie haben einen rein informativen Charakter. Die Diversität unseres Programms müssen wir schon selber fördern. Sicher ist, dass wir uns ein ebenso diverses Programm wünschen, wie unsere Gesellschaft es ist.
FINTA* (Frauen, inter, nicht-binäre, trans, agender Personen)
Kriterien: Mindestens 50% der künstlerischen Leitung sind FINTA*-Personen oder FINTA*-Themen sind ein zentraler Bestandteil des Bühnengeschehens.
Dies trifft auf 108 (59%) der gesehenen Produktionen und auf 8 (50%) der eingeladenen Produktionen zu.
In dieser Kategorie ist der Anteil von 50% unserer Ansicht nach das Minimum. Auch wenn FINTA*-Personen im Festival (inkl. Rahmenprogramm, Team etc.) generell gut vertreten sind, wünschen wir uns im Hauptprogramm einen höheren Anteil. Der Anteil visionierter Produktionen von FINTA*-Personen sollte erhöht werden.
BIPOC (Black, Indigenous and People of Colour)
Kriterien: Mindestens 50% der künstlerischen Leitung sind BIPOC oder mindestens eine BIPOC hat eine tragende Rolle auf der Bühne oder 30% der Personen auf der Bühne sind BIPOC. Für die Statistik werden Produktionen nicht mitgezählt, bei denen einzelne BIPOC nur in Nebenrollen zu sehen oder in nicht-entscheidungsbefugten Funktionen sind.
Die Kriterien treffen auf 50 (27%) der gesehenen Produktionen und auf 4 (25%) der eingeladenen Produktionen zu.
Dieser Anteil dürfte unseres Erachtens höher sein. Um dies zu fördern, erhöhen wir in Zukunft den Anteil der visionierten Produktionen, auf welche die BIPOC-Kriterien zutreffen.
Menschen mit Behinderungen
Kriterien: Mindestens 50% der künstlerischen Leitung sind Menschen mit einer sichtbaren oder uns bekannten Behinderung oder mindestens eine Person mit einer sichtbaren Behinderung ist auf der Bühne oder Behinderung ist ein zentrales Thema des Bühnengeschehens.
Dies trifft auf 9 (5%) der gesehenen Produktionen und auf 1 (6%) der eingeladenen Produktionen zu.
Der kleine Anteil von 5% visionierter Produktionen entspricht leider der Realität der Spielpläne. Diesen Anteil substanziell zu erhöhen ist daher nicht einfach. Wir wollen deshalb Projekte von Künstler*innen mit Behinderungen vermehrt direkt bei der Entstehung unterstützen. Wir tun dies, indem wir zum Beispiel Projekte koproduzieren oder sie bereits aufgrund von eingereichten Konzepten und direkten Gesprächen einladen anstatt erst nach dem Visionieren.
LGBTQIA+
Kriterien: Mindesten 50% der künstlerischen Leitung sind offen kommuniziert LGBTQIA+ oder LGBTQIA+Themen sind ein zentraler Bestandteil des Bühnengeschehens. Produktionen von Menschen, die LGBTQIA+ sind, dies aber weder in ihren Werken noch in der Öffentlichkeit thematisieren, werden für unsere Statistik nicht gezählt.
Die Kriterien treffen auf 21 (12%) der gesehenen Produktionen und auf 2 (13%) der eingeladenen Produktionen zu.
Sowohl der Anteil der visionierten wie auch der eingeladenen Produktionen scheinen klein. Dies kann an den Kriterien liegen. Selbstverständlich haben wir (wissentlich und unwissentlich) viel mehr Produktionen von LGBTQIA+ Personen gesehen als in der Statistik erscheinen. Wie sollte mit dieser Kategorie umgegangen werden? Müssten die Kriterien anders formuliert werden, um aussagekräftigere Zahlen zu erhalten? Wie kann man diese formulieren und erheben, ohne dass man die Künstler*innen bezüglich ihrer Sexualität befragen muss?
Menschen unter 35
Kriterien: Mindestens 50% der künstlerischen Leitung sind unter 35 Jahre alt oder mindestens eine Person unter 35 hat eine tragende Rolle auf der Bühne oder mindestens 30% der Personen auf der Bühne sind unter 35. Bei einzelnen Künstler*innen konnten wir den Jahrgang nicht recherchieren, sie erscheinen deshalb nicht in der Statistik. Die Zahl schient uns jedoch vernachlässigbar.
Die Kriterien treffen auf 77 (42%) der gesehenen Produktionen und auf 5 (31%) der eingeladenen Produktionen zu.
Mit 11% Differenz weicht hier der Anteil der eingeladenen Produktionen am stärksten von den Visionierungen ab. Wir halten aber den Anteil von 31% bei den eingeladenen Produktionen für vertretbar. Es ist uns wichtig, jungen Künstler*innen Chancen zu geben und junge Perspektiven im Festival zu zeigen. Es ist uns jedoch auch wichtig, nicht mehr ganz jungen Künstler*innen eine Kontinuität in ihrer Arbeit bieten zu können. Diese Balance gilt es im Auge zu behalten. Aber ist es überhaupt wichtig, diese Kategorie zu erheben? Was sagen die Zahlen genau aus?
Menschen über 55
Kriterien: Mindestens 50% der künstlerischen Leitung sind über 55 Jahre alt oder mindestens eine Person über 55 hat eine tragende Rolle auf der Bühne oder mindestens 30% der Personen auf der Bühne sind über 55. Bei einzelnen Künstler*innen konnten wir den Jahrgang nicht recherchieren, sie erscheinen deshalb nicht in der Statistik. Die Zahl scheint uns jedoch vernachlässigbar.
Die Kriterien treffen auf 16 (9%) der gesehenen Produktionen und auf 2 (13%) der eingeladenen Produktionen zu.
Der Anteil der visionierten und der eingeladenen Produktionen ist überraschend klein. Während uns viele der «Dinosaurier» der Szene künstlerisch nicht interessieren, ist es uns wichtig, auch Künstler*innen eine Kontinuität zu bieten, die schon lange im Geschäft sind und weit davon entfernt sind, «the next hot shit» zu sein. Insbesondere der intersektionelle Teil der über 55-jährigen FINTA*-Personen ist in unserem Programm zu wenig vertreten. Ist diese Kategorie sinnvoll?
Offene Fragen
Diese Statistik ist ein Work-in-progress. Das Erheben der Zahlen hilft uns, da sie bei aller Unzulänglichkeit eine Diskussionsgrundlage bieten und ein Lenkungsinstrument sein können. Es bleiben aber viele offene Fragen:
Wie gehen wir mit der Problematik um, dass einige der Kategorien nicht immer sichtbar oder bekannt sind? Bei einigen Kategorien erfolgt die Zuteilung durch uns. Ist dies zulässig?
Sollten wir für jede Kategorie eine Mindestquote definieren? Wie hoch wäre die dann in welcher Kategorie und weshalb?
Intersektionalität wird in der Statistik nicht direkt untersucht. Wie sollte und könnte sie erhoben werden?
Fehlen gewisse Kategorien? Sind gewisse Kategorien überflüssig?
Ist dies die richtige Art von Auswertung oder gibt es eine bessere Methode?