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Lange Zeit vermutete man, dass die Art ausgestorben ist. Doch 2003 wurde in ihrem Ursprungsgebiet im Delta des Perflusses in China eine kleine Population wiederentdeckt. Genetische Untersuchungen haben zudem ergeben, dass es innerhalb der Gattung Tanichthys und im Tanichthys albonubes-Artenkomplex mehrere Arten zu unterscheiden gibt.
Das Beispiel zeigt zum einen, wie wichtig genetische Untersuchung sind und zum anderen, dass immer noch viele neue Fischarten entdeckt werden. Für den Artenschutz sind dies wichtige Erkenntnisse.
Gruppengrösse: Es sollten mindestens zehn Individuen, aber besser mehr in einer Gruppe gehalten werden (Saxby 2010, Sloman 2011).
Aquariengrösse: Das Aquarium sollte ein Volumen von mind. 100 Litern (80L x 35B x 40H) umfassen. Will man sie vergesellschaften, ist ein grösseres Volumen von Vorteil.
Einrichtung: Das Aquarium sollte teilweise dicht bepflanzt sein, aber auch viel offenen Schwimmraum bieten.
Futter: Kardinalbarsche haben ein kleines Maul. Sie sollten daher mit feinem Lebend-, Trocken- und Gefrierfutter (Cyclops, Wasserflöhe) gefüttert werden.
Wasserwerte: Weiches, schwach saures Wasser, Gesamthärte < 30 °dGH, pH-Wert 4 bis 6. Die Temperatur sollte Werte von 18–22 °C nicht über längere Zeit überschreiten.
Vergesellschaftung: Kardinalfische sollten nur mit anderen kleinen, friedlichen Arten vergesellschaftet werden.
Zucht: Kardinalfische lassen sich in Gefangenschaft einfach züchten. Durch Zucht sind mehrere Farbvarianten entstanden, die sich farblich von der Wildform unterscheiden. Zudem gibt es auch Schleierformen. Da die Fische durch veränderte Körperformen und -farben in ihrem Verhalten beeinträchtig sein können, sollte man den Wildtyp halten.
Taxonomie
Kardinalfische gehören zu den Karpfenartigen (Cyprinidae). Bisher waren in der Gattung Tanichthys vier Arten beschrieben: T. albonubes, T. kuehnei, T. micagemmae, T. thacbaensis. 2022 veröffentlichte Untersuchungen haben zum einen ergeben, dass es zwei weitere Arten – T. albiventris und T. flavianalis – gibt (Li 2022) und zu zum andern, dass es neben T. albonubes sensu stricto sechs kryptische Arten gibt. Dies sind Arten, die zwar äusserlich nicht unterscheidbar sind, sich jedoch genetisch unterscheiden und sich nicht untereinander fortpflanzen können (Jinjin 2022).
Diese Erkenntnisse zeigen beispielhaft, dass noch es noch immer viele unentdeckte Arten bei den Fischen gibt. Bei kleinen, bedrohten Populationen ist dies für den Artenschutz besonders wichtig (Li 2020; Jinjin 2022).
Merkmale
Wilde Kardinalfische (T. albonubes) haben einen schmalen, langen Körper und werden ca. 3cm gross.
Sie weisen einen bräunlich-gelben gefärbten Rücken und einem silbrig-weiss gefärbte Bauch auf. Entlang der Seite verläuft ein schwarzer und weisser Längsstreifen, wobei ersterer halb so breit ist wie letzterer. Die Rücken- und Afterflossen sind grünlich und an der Basis rötlich und an der Spitze weiss gesäumt. Die Schwanzflosse ist an der Basis rot gefärbt. Typisch für Kardinalfische sind zusammenlaufende Nasenöffnungen (Li 2020; Jinjin 2022).
Das Weibchen ist blasser gefärbt als das Männchen. Die Männchen haben einen flacheren, leuchtend gefärbten Bauch mit längeren Rücken- und Afterflossen und einen schwarzen Flecken an der Basis der Schwanzflosse, während die Weibchen einen abgerundeten, hervorstehenden Bauch mit helleren Farben und kürzeren Rücken- und Afterflossen ohne schwarze Flecken haben.
Verbreitung
Die Gattung Tanichthys ist eine kleine Gruppe von endemischen (= eng begrenzt auf ein räumliches Areal) Süsswasserarten, die in China und Vietnam vorkommen. Beschrieben wurde die Gattung erstmals im Jahr 1932 anhand des Art Tanichthys albonubes. Mittlerweile wurden weitere Populationen gefunden, die allerdings mithilfe genetischer Analysen teilweise als verschiedene Arten identifiziert wurden (s. Taxonomie).
Das Verbreitungsmuster in Südchina und Vietnam der Gattung Tanichthys ist nicht zusammenhängend. Die einzelnen Arten kommen in geografisch voneinander isolierten Gebieten vor. Die einzelnen Arten haben ein enges Verbreitungsgebiet (Chan 2009, Li 2020; Jinjin 2022).
T. albonubes sensu stricto ist in der nördlichen Umgebung von Guangzhou verbreitet, einschliesslich White Cloud Mountain und Conghua District ( Jinjin 2022).
Tanichthys albonubes galt seit 1980 als in der Natur ausgestorben, allerdings hat man seither doch wieder an verschiedenen Orten in den White Cloud Mountains in der Nähe von Guangzhou wilde Populationen gefunden. Die Art gilt in China aber noch immer als kritisch bedroht (critically endangered). Wichtig für den Artenschutz ist, die nun neu entdeckten kryptischen Arten im Tanichthys-Komplex unterscheiden zu können (Li 2020).
Als beliebter Aquarienfisch kommen Kardinalfische als eingeführte Art mittlerweile in vielen Ländern vor.
Kardinalbarsche leben in kleinen, flachen und langsam fliessenden Bergbächen mit dichtem Pflanzenbewuchs (Froschbissgewächse Blyxa aubertii, Wassergräser, Gewöhnliches Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia) und sandig-schlammigem Boden (Yi 2004).
In der Trockenzeit neigen die kleinen Bäche dazu, auszutrocknen. Da sie nur in kleinen Populationen vorkommen, reagieren die Kardinalfische empfindlich auf saisonale Niederschläge und Umwelteinflüsse (Wei-xuan 2006).
Die Art wird in ihrem Lebensraum durch Aquakultur und landwirtschaftliche Aktivitäten bedroht (Yi 2004). Auch invasive Arten wie der Moskitofisch oder Koboldkärpfling (Gambusia affinis) (ursprünglich aus USA und Mexiko) oder die Gefurchte Apfelschnecke (Pomacea canaliculate) (ursprünglich aus Südamerika) sind eine Bedrohung (Jinjin 2022). Die Apfelschnecken sind Allesfresser, äusserst anpassungsfähig und vermehrungsfreudig. Sie können deshalb sowohl als Räuber als auch als Nahrungskonkurrent zu einer starken Konkurrenz werden (Yin 2022).
Kardinalbarsche ernähren sich von Phyto- und Zooplankton, Algen (Grünalgen, Kieselalgen), sehr kleinen bodenlebenden Organismen (Meiofauna) sowie Larven von aquatischen Insekten. Das Maul ist stark schräg und nach unten gezogen und der Unterkiefer vorstehend (Yi 2003, Liang 2008).
Das Angebot an Nahrung schwankt das Jahr hindurch. Je höher die Temperaturen, desto besser sind die Wachstumsbedingungen für Algen, von denen sich die Kardinalbarsche u.a. ernähren. Im Oktober – Dezember hemmen die kühleren Temperaturen jedoch das Algenwachstum. Da sich das Zooplankton von Phytoplankton ernährt, schwankt auch das Angebot an Zooplankton das Jahr hindurch (Cheng 2006).
Kardinalfische sind gruppenlebende Fische. Sie sind kurzlebig und leben im Freiland vermutlich nur etwa ein Jahr (Wei-xuan 2006).
Zur Fortpflanzungszeit werden die Männchen territorial. Die Territorien etablieren sie bei pflanzenbewachsenen Stellen, die für die Ablage des Laichs geeignet sind. Sie verteidigen zwar ihre Territorien gegenüber anderen Männchen, indem sie sie verjagen, aber ernsthaft Kämpfe treten nicht auf (Magurran 1990). Die Anwesenheit von Weibchen kann dazu führen, dass die Männchen untereinander aggressiver werden (Nagaoka 2015).
Fortpflanzung
Wilde weibliche Kardinalbarsche werden bei einer Körpergrösse von rund 21 mm bzw. wenn sie ca. 100 Tage alt sind geschlechtsreif. Das Reifealter und die Fruchtbarkeit sind zwar abhängig von der Verfügbarkeit von Futter. Indem die Weibchen jedoch schnell wachsen, das Futter gut verwerten und kontinuierlich Eier produzieren, können sie auch bei weniger guten Bedingungen früh geschlechtsreif werden und sich fortpflanzen (Zeng 2012).
Die Weibchen laichen zwischen März und Dezember mehrere Male pro Jahr ab, bei guten Verhältnissen jeden Tag (continous batch spawner). Den Laich platziert das Weibchen auf den Pflanzen. Die Jungfische ernähren sich u.a. von Kieselalgen (Yi 2003, Liang 2008, Shi 2008, Zeng 2012).
Kardinalfisch, goldene Zuchtform (Tanichthys albonubes gold)
Kardinalfische in ihrem natürlichlichen Lebensraum: kleine, flache und langsam fliessende Bergbäche mit dichtem Pflanzenbewuchs und sandig-schlammigem Boden. Der englische Name der Art – White Cloud Mountain Minnow – weisst auf ihre Herkunft hin.
Zusammenfassungen in der Bibliothek
Mit Kardinalfischen wurden zwei Studien durchgeführt, die die Gruppengrösse in der Haltung im Heimaquarium untersuchten. Die Zusammenfassungen sind in der Bibliothek zu lesen:
In grossen Gruppen lebt sichs manchmal besser
Viele Aquarienfische leben natürlicherweise in lockeren Gruppen. Im Aquarium ist die geeignete Grösse der Gruppe je nach Art verschieden und kann durch Beobachten des Aggressionsverhaltens bestimmt werden (Saxby et al 2010).
Verminderte Aggressivität durch Vergesellschaftung.
Die Vergesellschaftung von verschiedenen Aquarienfischenarten ist beliebt, aber nicht ohne Probleme. Je nachdem, welche Arten zusammen gehalten werden, kann sich das Verhalten der einzelnen Arten verändern (Sloman et al, 2011).