Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03613.jsonl.gz/2229

Federer muss weiter auf seinen zweiten ATP-Final des Jahres (den ersten verlor er im Januar in Brisbane gegen Milos Raonic) warten. Der 19-jährige Zverev, der jüngste Spieler in den Top 50 der Weltrangliste, zeigte am Ende die besseren Nerven. Nachdem Federer im zweiten Satz das erste Break der Partie zum 6:5 gelungen war, gewann er die Oberhand. Zu Beginn des entscheidenden Durchgangs konnte er aber im ersten und im dritten Game je einen Breakball nicht nutzen. Wenig später machte es Zverev, der Sohn des ehemaligen sowjetischen Tennisprofis Alexander Zverev senior, besser und packte gleich seine erste (und einzige Chance) zum 4:2. Danach blieb er cool und feierte nach 2:06 Stunden mit einem Aufschlagpunkt seinen ersten Sieg über einen Top-Ten-Spieler.
Federer zeigte sich zwar physisch gut erholt von seinen Rückenproblemen und bewegte sich in der Defensive geschmeidig, bekundete aber verschiedentlich Mühe mit dem Timing und der Beinarbeit. Oft stand er nicht ganz optimal zum Ball und beging so zu viele Fehler von der Grundlinie. Er zeigte seinen Unmut des Öfteren verbal und einmal auch mit einem – bei ihm sehr seltenen – Schlägerwurf. Immerhin funktionierte der eigene Aufschlag über weite Strecken hervorragend. Zverev kam einzig im zweiten und dritten Satz in je einem Game zu Breakchancen, doch das reichte dem 1,98 m grossen Schlaks zum grössten Sieg seiner Karriere. Erst vor fünf Wochen in Rom hatte er auf Sand noch in zwei Sätzen gegen Federer verloren.
Federer verpasste bei seiner elften Teilnahme in Halle erstmals den Final. Bereits acht Mal hat er das Turnier in Ost-Westfalen gewonnen (mehr als jeden anderen Event), zweimal verlor er im Endspiel. Bis zum ersten Satz des Halbfinals am Samstag hatte er seit der Auftaktpartie vor einem Jahr gegen Philipp Kohlschreiber 15 Sätze in Folge gewonnen. In Halle letztmals verloren hatte er 2012 gegen Tommy Haas. Die letzte Niederlage Federers gegen einen Teenager liegt sogar fast zehn Jahre zurück. 2006 unterlag er in Cincinnati dem damals 19-jährigen Andy Murray.
Gut eine Woche vor dem Start des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon bleiben damit leise Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit Federers, seine achte Krone im Tennismekka anzuvisieren. Erstmals seit dem Jahr 2000 reist der Schweizer ohne einen Turniersieg nach Wimbledon. Wegen einer Meniskusoperation, eines Magen-Darm-Virus und wegen Rückenproblemen absolvierte er in diesem Jahr erst sechs Turniere. Mit zwei Halbfinals und insgesamt sechs absolvierten Partien machte er in den vergangenen zwei Wochen in Stuttgart und Halle aber einige Schritte in die richtige Richtung.
Zverev bestreitet in Halle seinen zweiten Final nach dem Sandturnier in Nizza, wo er vor dem French Open Dominic Thiem unterlag. Der österreichische Überflieger könnte auch diesmal wieder der Gegner sein, er spielt im zweiten Halbfinal gegen den Deutschen Florian Mayer.
(SDA)