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Champagner und Intrigenvon Céline Graf Für «Die Fledermaus» nach Wien? Nicht nötig: Die Berner Sommeroperette von Dirigent Michael Kreis und Regisseur Simon Burkhalter führt Strauss’ zeitlose Operette auf. Was heute als «Operette der Operetten» gilt, hatte Johann Strauss in Wien nach deutschen und französischen Vorlagen innert weniger Wochen komponiert. Die Ouvertüre der «Fledermaus» ist noch rasanter als der Kompositionsprozess. Die Wirrnisse und Intrigen, die dann im ersten Akt anlaufen, überschlagen sich auf dem Maskenball des Prinzen Orlofsky im zweiten Akt. Angetanzt kommen auch die Freunde Dr. Falke und Gabriel von Eisenstein. Ersterer plant eine scherzhafte Rache, weil Eisenstein ihn einst blamierte: Betrunken ausgesetzt, musste er bei Tageslicht als Fledermaus verkleidet heimlaufen. Der Champagner, «König aller Weine», beschleunigt den Spass – und den Kater im dritten Akt.
Feiern in der Krise
Drinnen herrscht Dekadenz, draussen Umbruch und die Aristokratie übertönt ihren Untergang trällernd: «Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.» Die Gesellschaftskritik der «Fledermaus», die während der Gründerkrise 1874 uraufgeführt wurde, ist durchaus zeitlos. Von Strauss’ Epoche versetzt sie nun der Verein Berner Sommeroperette in die 1920er-Jahre, kurz vor der Weltwirtschaftskrise. Viele Gesichter aus der letzten Produktion «Im weissen Rössl» sind wieder zu sehen, etwa Uwe Schönbeck als Gerichtsdiener Frosch oder die Mezzosopranistin Judith Lüpold in der Hosenrolle Prinz Orlofsky.