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16.03.2023, 10:35 Uhr
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Die OPEC+ sieht Öl auch langfristig als Schmierstoff der Weltwirtschaft. Während sich westliche Ölkonzerne einem starken Investorenaktivismus gegenübersehen, der die Finanzierung neuer Öl- und Gasprojekte stoppt, könnten die OPEC+-Mitglieder die entstehenden Produktionslücken stopfen und Marktanteile dazugewinnen, meint Michel Salden von Vontobel.
Am Dienstag haben die Ölminister der OPEC+ bestätigt, die globale Rohölproduktion ab Juli um 0,84 Mio. Barrel pro Tag zu erhöhen. Dies ist als Teil des bereits im April vorgeschlagenen Plans zu verstehen, das Angebot um 2,1 mbpd über den Zeitraum von Mai bis Juli zu erhöhen. Michel Salden, Leiter Commodities bei Vontobel hält fest, dass grosse Einigkeit unter den Mitgliedern herrschte und die neuen Quoten in einer nur 30 Minuten dauernden Telefonkonferenz festgelegt wurden.
Die monatlichen Versammlungen der OPEC+ werden während des Tapering-Prozesses fortgesetzt, und es sei noch nicht klar, wie die OPEC+ später in diesem Jahr handeln wird, so Salden. Durch die monatlichen Versammlungen möchte die OPEC+ volle Flexibilität haben, um auf die folgenden politischen Faktoren zu reagieren: Rückkehr des Iran an den internationalen Ölmarkt, Beschleunigung der Ölnachfrage um 4 bis 5 mbpd in den nächsten sechs Monaten, was zu einer Unterversorgung des Marktes von -2mbpd für den Rest des Jahres führen würde sowie weitere Preissteigerungen auf 75 bis 90 USD pro Barrel, um die Nachfrage zu dämpfen.
"Ich sehe dieses OPEC+-Treffen einmal mehr als einen sehr bullischen Schritt zur Unterstützung der Ölpreise und die OPEC+ ist nicht besorgt über das 3. Szenario. Auch das 2. Szenario wird als sehr wahrscheinlich angesehen, aber nicht als Grund für eine Erhöhung der Ölproduktion gewertet", so Salden. Der saudische Energieminister Prinz Abdul-Aziz bin Salman Al Saud sagte gegenüber Reportern: "Das Bild der Nachfrage hat klare Anzeichen einer Verbesserung gezeigt" und er werde das Angebot nur dann anheben, wenn er eine Stärkung der Nachfrage auf dem Markt erkenne.
Bereits jetzt ist nach Ansicht des Experten damit zu rechnen, dass sich die Ölnachfrage von heute circa 95 mbpd auf 100 mbpd bis zum Jahresende beschleunigen wird. Je länger die OPEC+ eine Steigerung der Produktion zurückhält, desto schneller sinken die Ölvorräte und desto steiler wird die Backwardation, die derzeit eine annualisierte Rollrendite von 10% für die Rohölsorte Brent generiert, ausfallen.
Wie Salden weiter ausführt, begann der Markt einzupreisen, dass die iranischen Ölexporte in der zweiten Jahreshälfte um 0,6 bis 1 mbpd steigen würden, da jeder erwartete, dass in den kommenden Wochen eine JCPOA-Vereinbarung erzielt und die Sanktionen gegen iranische Exporte aufgehoben werden würden. Die spekulative Positionierung in Ölkontrakten wurde daher reduziert, aber jetzt sehen wir, dass das Risiko zunimmt, dass die OPEC+ die Produktion in einem Szenario, in dem der Iran in den kommenden Wochen oder Monaten keine Einigung findet, zu langsam steigert. Dies erkläre auch, dass sich die Ölpreise nach dem OPEC+-Treffen zu erholen begannen und weiter anstiegen.
"Auch die OPEC+ sieht das langfristige Bild für Öl als Schmierstoff der Weltwirtschaft weiterhin stark. Die Märkte haben im letzten Monat beobachtet, dass sich westliche Ölkonzerne einem starken Investorenaktivismus gegenübersehen, der die Finanzierung neuer Öl- und Gasprojekte stoppt", sagt Salden. Folglich scheine es, dass die Ölproduktion der westlichen Ölkonzerne zurückgehen wird. Dies gebe den OPEC+-Mitgliedern die Möglichkeit, die Produktion in gleichem Masse zu steigern und gebe ihnen die Option, Marktanteile in einem Markt dazuzugewinnen, in dem sie auch das Preisniveau diktieren können.
Auf dem OPEC+-Treffen wies Prinz Abdul-Aziz bin Salman Al Saudauch darauf hin, dass die Ölpreise längerfristig gestützt werden, da die Energienachfrage aus Asien und den Nicht-OECD-Ländern weiter wachse und die meisten Diskussionen über eine kohlenstofffreie Weltwirtschaft - wie kürzlich von der Internationalen Energieagentur (IEA) vorgestellt – wie eine "La la land-Folge“ seien. Er betonte, dass die Schwellen- und Nicht-OECD-Länder in einer kohlenstofffreien Welt keinen wirtschaftlichen Fortschritt sehen werden; daher werde die Ölnachfrage in den kommenden Jahrzehnten hoch bleiben.