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Die Antarktis gilt im Allgemeinen als eine weitestgehend unberührte und saubere Region. Der menschliche Einfluss beschränkt sich auf die wenigen Stellen, an denen Forschungsstationen und Behausungen für Wissenschaftler und Mitarbeiter aufgebaut wurden, plus diejenigen vertraglich festgelegten Landestellen, wo Expeditionsreisen anlanden dürfen. Diese Wildnis lockt immer mehr Besucher, sowohl Forscher wie auch Touristen, an. Jedoch besteht sie nicht nur aus Eis, Schnee und Gestein, sondern sie besitzt auch eine einzigartige Landflora, die sich erst bei genauerem Hinsehen zeigt. Schätzungen zufolge wachsen auf dem antarktischen Kontinent Antarktis 3 höhere Pflanzarten, ca. 30 verschiedene Moosarten und über 120 Flechtenarten. Nimmt man noch die subantarktischen Inseln dazu, kommt man schnell auf über 1'000 verschieden Pflanzenarten insgesamt. Alle diese Pflanzen sind stark an die Bedingungen angepasst und daher hoch spezialisiert.
Diese Spezialisierung macht die Pflanzen jedoch besonders anfällig für Veränderungen, die sich durch die höheren Temperaturen und den Klimawandel ergeben. Besonders neue, einwandernde Arten, die mit den neuen Bedingungen besser zurechtkommen und sich immer weiter nach Süden ausbreiten, sind eine grosse Bedrohung. Ein internationales Forschungsteam hat nun untersucht, welchen Einfluss die menschlichen Besucher der Antarktis auf die Ausbreitung neuer Pflanzenarten haben. Die Forscher untersuchten während der antarktischen Sommersaison 2007/2008, welches als International Polarjahr gilt, die Kleidung aller Besucher auf Pflanzensamen mit Hilfe von Staubsaugern und Fragenbögen. Dabei unterteilten sie die Besucher in 7 verschiedene Kategorien (Schiffsbesatzung, Touristen, Expeditionsteams, Feldforscher, Stationswissenschaftler, Feldmitarbeiter und Stationsmitarbeiter). Insgesamt wurden über 40'000 Besucher gezählt, von denen knapp 5'700 mit Hilfe eines anonymen Fragebogens zu ihren Aufenthaltsorten innerhalb der letzten 12 Monate befragt wurden. Des Weiteren wurde bei 853 Personen die komplette Aussenbekleidung abgesaugt und die 2'686 gefundenen Pflanzensamen identifiziert. Diese Untersuchung zeigte, dass ein besonders grosser Teil der Samen von Pflanzen aus den alpinen und arktischen Ökosystemen stammen.
Das Team um Steven Chown kalkulierte, dass innerhalb des untersuchten Zeitraumes über 70'000 Pflanzensamen von den Besuchern auf den antarktischen Kontinent gelangt waren. Die besonders gefährdeten Zonen wurden im Bereich der antarktischen Halbinsel und im Bereich der Ross-See identifiziert. Die Resultate bezüglich der Personen liessen die Forscher aufhorchen, denn obwohl die Anzahl an touristik-assoziierten Personen beinahe 4-mal höher lag als die Anzahl wissenschaftlich-basierter Personen, trugen nur ein Fünftel aller Touristen Pflanzensamen auf sich, bei den wissenschaftlich-basierten Personen jedoch mehr als 2 Fünftel. Auch die durchschnittliche Anzahl Samen pro Person war bei Wissenschaftler und Mitarbeiter höher als bei Touristen und Mitarbeitern. Bei den Kleidungsgegenständen stachen vor allem Fussbekleidung und Rucksäcke als Hauptträger hervor, gefolgt von Jacken, Hosen, Thermobekleidung und Wanderstöcken.
Steven Chown von der Universität Stellenbosch in Südafrika, der Leiter der Studie, sagte, dass einer der Gründe, warum Wissenschaftler, besonders Feldforscher, einen derart hohen Anteil beitragen, läge an der Tatsache, dass diese Gruppen häufig vorher in den alpinen und/oder arktischen Gebieten unterwegs seine aufgrund ihres Berufes. Währenddessen erwerben Touristen meistens ihre Kleidung eher kurz vor der Reise oder sogar auf dem Schiff.
Obwohl die Studie sich auf den antarktischen Kontinent beschränkt, kann die Studie nun als Grundlage für verbesserte Managementpläne und Reinigungsmethoden auch für den Besuch subantarktischer Inseln dienen, die genauso unter dem Druck neuer invasiver Pflanzenarten stehen. Auf Südgeorgien beispielsweise sind entsprechende Massnahmen im Gange, besonders aggressive neue Pflanzenarten zu entfernen ohne das ökologische Gleichgewicht noch stärker zu verschieben. Auch politisch sind bereits Diskussionen gestartet worden in Bezug auf Biosicherheit und wie Besuche dieser grandiosen Landschaft zukünftig gehandhabt werden sollen.
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