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Walter Dräyer erlernt das Handwerk der Fotografie in den Jahren 1928–1932 im Atelier Abel in Zürich. 1932–1936 vertieft er seine fotografischen Kenntnisse mit einer Einführung in die kunstgeschichtliche Fotografie bei Gaston de Jongh in Paris. Der Kunst bleibt er fortan treu und macht sie zu seinem motivischen Schwerpunkt. 1936 eröffnet er sein eigenes Fotostudio in Zürich und wird bald darauf zum “Hof-Fotografen“ des Kunsthauses Zürich. Während seiner Arbeit fürs Kunsthaus Zürich realisiert er über 200 Kunst- und Ausstellungskataloge und fotografiert während dieser Zeit Künstlerpersönlichkeiten wie beispielsweise Joseph Beuys bei den Vorbereitungen und Aufbauprozessen ihrer Ausstellungen, aber auch bei deren Vernissagen im Kunsthaus.
Bekanntheit erlangt Walter Dräyer durch die Reportageserie Künstler in der Werkstatt in der Zeitschrift „Das Werk“. Die Serie widmet sich während der Jahre 1943–1949 Schweizer Kunstschaffenden in ihren Ateliers und in ihrem familiären Umfeld. Der Prozess des Kunstschaffens steht dabei immer im Vordergrund und wird Teil der fotografischen Komposition. So werden zum Beispiel Alberto Giacometti oder Otto Charles Bänninger beim Bildhauen, Ernst Georg Rüegg bei der Gestaltung eines Wandfresko, Hans Erni am Zeichentisch, Hermann Haller zwischen seinen Skulpturen und Maurice Barraud beim Zeichnen im Garten gezeigt. Begleitet werden die Fotografien von Werkabbildungen sowie von kürzeren oder längeren Texten zur Vita der Kunstschaffenden. Diese Begleittexte werden teils von den Kunstschaffenden selbst beigesteuert. Die Künstlerporträts bleiben aber nicht nur auf Schweizer Kunstschaffende begrenzt. So befinden sich im fotografischen Nachlass Dräyers auch Werke und Porträts von internationalen Grössen wie Joan Miró, George Segal, Harald Szeemann, Pablo Picasso oder Andy Warhol. Ein weiterer Tätigkeitsbereich Dräyers findet sich in der Bebilderung von kunsthistorischen Publikationen. So realisiert er für den Verlag Piper 1962 beispielsweise den Bilderband „Das Königsportal von Chartres“. Walter Dräyers Fotografien beschränken sich aber nicht ausschliesslich auf die Illustration kunsthistorischer Texte. Die künstlerisch gestalteten Porträts finden auch den Weg in Museen und Galerien, und das Kunsthaus Zürich widmet ihnen 1981 gar eine Einzelausstellung mit dem Titel „Walter Dräyer – Photographien von Künstlern und ihren Ateliers“.
Seit 2001 befinden sich der fotografische und der schriftliche Nachlass von Walter Dräyer als Schenkung aus familiärem Besitz im Bestand des Schweizerischen Kunstarchivs von SIK-ISEA. Porträts von Kunstschaffenden in ihren Ateliers oder ihrem familiäre Umfeld, Vernissagenfotografien sowie Werkabbildungen lassen sich als Schwerpunkt des Nachlasses ausmachen. Die grosse Anzahl an Negativen erlaubt eine genaue Rekonstruktion der Entstehungsprozesse der Reportagen für „Das Werk“ und gibt einen Einblick ins Leben der dokumentierten Kunstschaffenden und in deren Werke. Dräyers Vernissagenreportagen gewähren überdies Einblick in die nationale und internationale Kunstszene.
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 207
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Elena Eichenberger, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl der Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 29.06.2016