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Laut WHO haben weltweit mehr als 71 Millionen Menschen eine
chronische Hepatitis C-Infektion, das entspricht etwa 1% der
Weltbevölkerung .
Jährlich treten etwa drei bis vier Millionen
Neuinfektionen auf. In der Schweiz gibt es Schätzungen zufolge rund
40.000 Betroffene. Damit ist die Zahl der Hepatitis C-Betroffenen
doppelt so hoch wie die Zahl der Menschen, die mit einer HIV-Infektion
leben. Rund 80% der mit Hepatitis C infizierten Betroffenen weisen
keine Symptome auf, was es dem Arzt erschwert, die Krankheit
festzustellen. Derzeit gibt es keinen Impfstoff für Hepatitis C. Die
Forschung in diesem Bereich ist jedoch sehr aktiv.
Weltweit gibt
es sechs wesentliche HCV-Genotypen. Mit Genotyp ist der genetische
Aufbau des Virus gemeint. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Subtypen.
Der Genotyp 1 ist mit den Subtypen 1a und 1b der bei weitem häufigste
Genotyp weltweit. In Europa kommt der Genotyp 1b am häufigsten vor, in
den USA der Genotyp 1a.
Bei Hepatitis C handelt es sich um eine Entzündung der Leber, die
durch eine Infektion mit dem Hepatitis–C–Virus (HCV) ausgelöst wird.
HCV wird übertragen, wenn das Blut einer infizierten Person in den
Blutkreislauf einer anderen Person gelangt. Die Krankheit wird am
häufigsten über den Kontakt mit infektiösem Blut von zum Beispiel
verunreinigten Bluttransfusionen, Blutprodukten, bei
Organtransplantationen, bei Injektionen mit verunreinigten Spritzen,
bei Nadelstichverletzungen in der Gesundheitsversorgung, bei
intra-venösem Suchtmittelmissbrauch, beim Stechen von Tattoos oder
auch bei der Geburt durch eine mit HCV infizierte Mutter übertragen.
Seltener erfolgt die Ansteckung über Geschlechtsverkehr mit einer
infizierten Person. Solange eine Person das Hepatitis C-Virus in sich
trägt, kann sie diese Erkrankung auch durch Blut-zu-Blut-Kontakt
weitergeben .
In der Schweiz ist die Erkrankung meldepflichtig.
Es gibt viele Mythen rund um die Erkrankung, z.B. dass man sie durch
zu viel Konsum von Alkohol oder durch blosses Berühren einer Person
bekommen kann. Hepatitis C ist eine Tabuerkrankung und das macht es
nicht leicht, dass sich Erkrankte ihrem Umfeld gegenüber öffnen und
darüber sprechen.
Etwa 80 % der Betroffenen haben nach der Erstinfektion keinerlei
Symptome. Sie bemerken gar nicht, dass sie die Erkrankung haben. Wenn
Symptome auftreten, zeigen sie sich in der Regel innerhalb von zwei
Wochen bis sechs Monaten nach der Ansteckung mit dem Virus. Zu den
häufigsten Symptomen zählen: Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Fieber,
Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen,
Dunkelfärbung des Urins, Graufärbung des Stuhls oder auch Gelbfärbung
der Haut und des weissen Teils der Augen – auch Ikterus genannt.
Schnell ist hier ersichtlich, warum es selbst Ärzten schwer fällt,
diese Krankheit festzustellen, denn Fieber, Übelkeit und Erbrechen
oder Müdigkeit sind auch Anzeichen für andere Erkrankungen.
Mittels einer Blutprobe kann ein Antikörpertest durchgeführt werden.
Denn bei einer Hepatitis-C-Infektion können Antikörper entstehen, weil
der Körper das Virus bekämpfen möchte. Ein positives Testergebnis
zeigt nur, dass die Person zu irgendeinem Zeitpunkt im Leben Kontakt
mit dem Virus hatte, bestätigt jedoch nicht das Vorliegen einer
Infektion.
Ist das Testergebnis also positiv, kommt es zu
Schritt zwei: Es wird geprüft, ob Erbmaterial des Virus (die HCV-RNA)
nachgewiesen werden kann. Hier kann der Verdacht einer Infektion
überprüft werden. In diesem Schritt kann eventuell auch festgestellt
werden, um welchen Genotyp es sich handelt und wie hoch die Viruslast
ist.
Letztlich wird nachgeschaut, wie sehr die Leber schon durch
die Infektion beeinträchtigt ist, beziehungsweise in welchem Stadium
der Erkrankung sich der Betroffene befindet. Dazu gibt es drei
Möglichkeiten: eine Ultraschalluntersuchung, eine Leberbiopsie, bei
der unter örtlicher Betäubung Gewebeproben der Leber entnommen werden
und eine transiente Elastographie (Fibroscan), die ähnlich wie eine
Ultraschalluntersuchung funktioniert.
Beim Verlauf der Erkrankung werden folgende Stadien unterschieden:
-
Akute Hepatitis: Dabei handelt es sich um eine kurzfristige
Erkrankung, die innerhalb der ersten sechs Monate nach Kontakt mit
dem Hepatitis-C-Virus auftritt. Bei rund 15–25% der Betroffenen
kommt es zu einer Spontanheilung, indem der Körper das Virus tötet
und ausscheidet.
-
Chronische Hepatitis: Verschwindet das Virus nicht innerhalb
von sechs Monaten, entwickelt sich die Erkrankung zu einer
chronischen Hepatitis C. Dies kommt bei etwa rund 85 % der
Betroffenen vor.
-
Fibrose: Bleibt eine chronische Hepatitis C unbehandelt, kann
dies zu einer Vermehrung von Bindegewebe der Leber, einer
sogenannten Fibrose, führen. Diese kann sich zu einer Zirrhose
weiterentwickeln.
-
Leberzirrhose: Durch eine Vermehrung von Bindegewebe infolge
einer laufend bestehenden (chronischen) Entzündung kommt es zu einer
Verhärtung und Vernarbung, die nach Jahren einen Grossteil der Leber
einnimmt. Das Narbengewebe kann die Funktionen normaler Leberzellen
nicht ausführen. Zwischen 10 und 40 % der Patienten mit einer
chronischen HCV-Infektion entwickeln eine Zirrhose und bei
schätzungsweisen 10–15% der Personen mit einer HCV-Infektion
passiert dies innerhalb der ersten 20 Jahre nach der Infektion.
-
Leberkrebs: Das Endstadium der Infektion, das sich in der
Regel aufgrund einer Leberzirrhose entwickelt, ist der Leberkrebs.
Rund jeder dritte Betroffene stirbt innerhalb des ersten Jahres nach
dem Auftreten von Leberkrebs.
Im Gegensatz zu Hepatitis A und B gibt es derzeit keine Impfung gegen
eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus.
Eine chronische
Hepatitis-C-Infektion ist heute bei nahezu allen Patienten
heilbar. Bis 2014 war die Standardbehandlung eine Kombination von
Interferon und Ribavirin. Diese Therapien sind körperlich und
psychisch eine grosse Belastung. Gezielter und erfolgreicher wirken
die neuen interferon-freien antiviralen Wirkstoffe, welche hochwirksam
sind.
Die neuen Hepatitis-C-Therapien sind kürzer und
effizienter und haben weniger Nebenwirkungen. Die Belastung der
Patienten durch die Therapie ist deutlich gesunken. Dadurch steigt die
Chance auf Heilung deutlich, sodass heute eine Heilungsrate* von über
90% Standard ist. Das stimmt ebenso für die schwierig zu
therapierenden Patienten mit Leberzirrhose, HIV/HCV-Koinfizierte und
Lebertransplantierte.
Weitere Informationen zu Hepatitis C gibt
es auf www.hepatitis-schweiz.ch die Plattform bietet
Orientierung für Interessierte sowie Betroffene und deren Angehörige.
*Heilung bedeutet, dass das Hepatitis-C-Virus drei Monate nach Ende
der Behandlung nicht mehr im Blut nachweisbar ist.