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Der Schulunterricht
Die Tradition der provenzalischen Santons entstand in den Wirren der Französischen Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurde auch das Schulwesen gründlich verändert: Die Revolution führte rasch zur fast vollständigen Zerstörung des bis dahin von der Kirche und den religiösen Orden geprägten Bildungswesen. Ein staatlich organisiertes einheitliches System sollte die bisherige Grundschule mit ihren grossen ständischen Unterschieden und der totalen Bildung an die Religion ersetzen. Doch dies führte rasch in eine Krise: das kirchliche Schulwesen wurde zwar vernichtet, doch neues Lehrpersonal – das einen Eid auf die säkularisierte Verfassung leisten musste – war kaum vorhanden.
In den Städten und grösseren Orten herrschte beträchtlicher Lehrermangel, auf dem Land unterrichtete das bisherige Lehrpersonal – vor allem die Geistlichen – meist ungestört weiter. Napoleon setzte dann dieser „Verstaatlichung“ der Schule weitgehend ein Ende und übergab das Unterrichtswesen bei der Grundschule wieder der Kirche. Das Konzept einer demokratischen Volksschule – ein wichtiges Anliegen der Französischen Revolution – scheiterte vor allem an der Intoleranz und am Mangel an Sensibilität gegenüber der traditionell religiös gefärbten Volkskultur. In einer Santonskrippe, die aus dieser Volkskultur hervorgegangen ist, darf die Darstellung des Schulwesens nicht fehlen. Ein Schulwesen aber, das weitgehend den ländlichen Vorstellungen von Kultur und Bildung entsprach und noch lange nicht – bis tief ins 19. Jahrhundert hinein – eine vereinheitlichte Grundausbildung – mit Schulprogramm und Klassenunterricht – garantierte.