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Die meisten Jugendlichen in der Schweiz fühlen sich gesund und gut aufgehoben – leiden aber vermehrt unter emotionalen Störungen. Auch Suchtprobleme nehmen zu.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zu Gesundheit und Lebensstil junger Menschen zwischen 16 und 20 Jahren.
Die Befragung "Smash 2002" wurde mit Unterstützung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und den Kantonen bei Schülern und Lehrlingen aus 18 Kantonen anonym durchgeführt. Sie zeigt, dass im Vergleich mit einer ersten Studie vor zehn Jahren viel mehr Jugendliche mit psycho-sozialen Problemen kämpfen.
Die Gesellschaft ist mitschuldig
Verantwortlich dafür macht die am Mittwoch veröffentlichte Studie soziale Faktoren: Junge Menschen hätten keine verlässlichen Beziehungen zu Erwachsenen mit Vorbildfunktion. Zudem verunsichere die prekäre Wirtschaftslage. Das Konkurrenz-Denken und die Ausgrenzung von Schwächeren fördere die Unsicherheit.
Laut Studie bräuchten die Hälfte der befragten Mädchen und ein Drittel der Knaben unbedingt Hilfe im Umgang mit Stress. Viele unter ihnen seien deprimiert und hätten schon an Selbstmord gedacht.
Diese psychischen Probleme würden auch dem Konsum von Alkohol und illegalen Drogen Vorschub leisten. Die Entwicklung seit 1993 sei besorgniserregend. Vor allem Mädchen würden viel mehr Alkohol konsumieren als früher.
Ein Rausch pro Monat
1993 tranken 28 Prozent der befragten Mädchen einmal oder öfters pro Woche, letztes Jahr bereits waren es bereits 42 Prozent. Bei den Knaben stieg der Anteil von 56 auf 67 Prozent. 30 Prozent der Mädchen und 52 Prozent der Knaben waren im Monat vor der Befragung mindestens einmal betrunken.
Cannabis sei bei den Jugendlichen sehr beliebt: Zwei Drittel bis drei Viertel der befragten 20-Jährigen hätten schon gekifft. 1993 waren es noch 35 bis 40 Prozent gewesen. Der Erstkonsum geschehe früh: Fast die Hälfte der 16-jährigen Mädchen und mehr als die Hälfte der gleichaltrigen Knaben hätten bereits Joints geraucht.
Derr Konsum von LSD, Ecstasy oder Kokain hat sich laut Studie innert zehn Jahren fast verdoppelt. Eine Mehrheit konsumiere diese Drogen gelegentlich.
Gleich bleibende Jugendgewalt
Im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung hat die Jugendgewalt offenbar nicht zugenommen. 18 Prozent der Mädchen und 25 Prozent der Knaben wurden im Jahr vor der Befragung bestohlen, erpresst oder Opfer körperlicher Gewalt. Dies bleibt sich im Vergleich mit 1993 gleich.
Oft unzufrieden sind die Jugendlichen beiderlei Geschlechts mit ihrem Äusseren: 70 Prozent - 15 Prozent mehr als 1993 – fanden sich zu dick. Die Studie führt dies auf das von Medien und Werbung vermittelte ideale Körperbild zurück.
Lehrlinge nehmen mehr Drogen
Im weiteren zeigt die Befragung Unterschiede zwischen Lehrlingen und Schülerinnen und Schülern. Lehrlingen geht es offenbar psychisch und physisch schlechter. Auch konsumieren sie mehr Drogen. Die Autoren der Studie führen dies auf höheren Druck zurück. Lehrlinge würden oft einfach als Erwachsene behandelt.
Erstellt wurde die Studie von Instituten der Universitäten Lausanne und Bern sowie dem Tessiner Gesundheitsdienst. Nicht erfasst wurden jene 20 Prozent der Jugendlichen, welche ohne Ausbildung arbeiten oder erwerbslos sind. Es wird angenommen, dass sie noch mehr Probleme haben.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Die meisten Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren fühlen sich gesund.
Seit 1993 haben jedoch psychische und soziale Störungen zugenommen.
Die Suchtprobleme sind viel ausgeprägter als vor zehn Jahren.
In Kürze
30% der Schweizer Jugendlichen haben emotionale Probleme oder zeigen Risikoverhalten- bei 20% "wächst sich das nicht aus". Die Verfasser der "Smash 2002"-Studie orten die Ursachen in der Gesellschaft und wollen dort ansetzen.
Gesundheitsförderung müsse in den Familien beginnen; in den Schulen sei Respekt und Solidarität zu vermitteln, und Gewalt wäre mit dem Erlernen von "Lebenskompetenz" zu bekämpfen. Nicht zuletzt bräuchten Jugendliche Verhaltensregeln mit klaren Reaktionen auf Verstösse.