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Hansjörg Wyss will das Verlagshaus Tribune Publishing vor den Klauen eines Hedgefonds retten – und unterstützt zudem ein breites linksliberales Netzwerk.
Als Student jobbte Hansjörg Wyss für die «NZZ» und den «Bund». Als Unternehmer brachte er das Medizinaltunternehmen Synthes zu Weltruhm und verkaufte es schliesslich für rund 20 Milliarden Dollar an das Pharmaunternehmen Johnson & Johnson. Als Pensionist – Wyss ist mittlerweile 85-jährig – wurde er zu einem Mäzen, der Umwelt- und andere wohltätige Projekte unterstützt. Sein Vermögen wird aktuell auf rund sieben Milliarden Dollar geschätzt.
Wyss ist in Bern aufgewachsen, hat an der ETH in Zürich und später an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) studiert. Er hat einen Wohnsitz im Bundesstaat Wyoming und pendelt zwischen der Schweiz und den USA hin und her.
Wyss ist kein Mann, der das Rampenlicht sucht. Doch derzeit sorgt er in den USA für Schlagzeilen. Zusammen mit dem Hotel-Magnaten Stewart W. Bainum will er für 680 Millionen Dollar das Verlagshaus Tribune Publishing kaufen. Dazu gehören eine Vielzahl von Zeitungen, darunter die «Chicago Tribune», die «Daily News» und die «Baltimore Sun».
Dabei hatten die bisherigen Eigentümer bereits beschlossen, das Verlagshaus an Alden Global Capital zu veräussern. Dieser Hedgefonds ist berüchtigt dafür, dass er rücksichtslos Kosten spart, Journalisten im grossen Stil feuert und einzig auf die Rendite guckt.
Wyss und Bainum hingegen sind nicht Profit getrieben. Trotzdem haben sie die Offerte von Alden überboten. Der Schweizer Milliardär versteht sein Engagement ausdrücklich als Dienst an der amerikanischen Demokratie. Gegenüber der «New York Times» erklärte er: «Ich will nicht tatenlos zusehen, wie eine weitere Zeitung, welche die Chance hat, den Amerikanerinnen und Amerikanern die Wahrheit zu sagen, den Bach hinuntergeht.»
Sollte die Übernahme von Tribune Publishing gelingen, will sich Wyss primär um die «Chicago Tribune» kümmern, sein Partner Bainum um die «Baltimore Sun». «Ich möchte die Tribune noch besser machen, als sie heute schon ist», so Wyss.
Zeitungen zu kaufen hat sich unter amerikanischen Milliarden zu einem Sport entwickelt. Jim Friedlich, CEO des nicht Profit orientierten Verlages Lenfest, erklärt dazu: «Die Käufer stammen aus dem gesamten politischen Spektrum. Was sie eint, ist einzig ihr Reichtum und das Gefühl, die amerikanische Demokratie befinde sich derzeit in gefährlichen Wassern. Anstatt einer Yacht kaufen sie deshalb eine Zeitung.»
Auch der reichste Mann der Welt, Jeff Bezos, gehört zu den Hobby-Verlegern. 2013 kaufte er die damals serbelnde «Washington Post». Mit grossem Erfolg: Heute ist die «WaPo» zusammen mit der «New York Times» wieder ein führendes Weltblatt.
Andere bekannte Zeitungen gehören mittlerweile ebenfalls Milliardären. Der «Boston Globe» beispielsweise wird von John Henry finanziert, die «Los Angeles Times» von Patrick Soon-Shiong.
Das Modell ist auch hierzulande nicht unbekannt. Ohne die «Erblinken» gäbe es die «Republik» wohl kaum. Heute schreibt das Online-Magazin schwarze Zahlen. In Basel halten Mäzene das Online-Portal «Bajour» über Wasser.
Mäzene werden immer häufiger gebraucht, weil das Internet das einst hochprofitable Verlagsgeschäft massiv untergraben und dafür gesorgt hat, dass viele Zeitungen ums Überleben kämpfen oder gar gestorben sind. Marie Lipinski von der Nieman Foundation for Journalism at Harvard, erklärt daher: «Wir haben schon längst akzeptiert, dass Museen und Opernhäuser auf philanthropische Unterstützung angewiesen sind. Ich denke, das trifft nun auch auf den Journalismus zu.»
Hansjörg Wyss will jedoch mehr sein als bloss ein Mäzen. Er will die progressive Politik der Demokraten aktiv unterstützen. Wie die «New York Times» berichtet, hat er dazu ein eigentliches Netzwerk aufgebaut, das linksliberale Projekte unterstützt. Die Organisation trägt den Namen «The Hub», wurde 2015 gegründet und beschäftigt rund 60 Mitarbeiter.
Die Existenz von «The Hub» wurde erstmals bekannt, als Wikileaks die E-Mails von John Podesta, dem ehemaligen Wahlkampf-Manager von Hillary Clinton, veröffentlichte. Podesta war auch ein Berater von Wyss.
Die Aktivitäten von «The Hub» umfassen Werbekampagnen, in welchen republikanische Kandidaten für den Kongress an den Pranger gestellt werden. Auch die Organisation von Kundgebungen, an denen Donald Trump aufgefordert wurde, endlich seine Steuern offenzulegen, gehören dazu.
Das Netzwerk von Hansjörg Wyss ist wenig transparent. Die «New York Times» vergleicht es deshalb mit den Aktivitäten der Koch-Brüder. Charles und David Koch sind die Organisatoren eines mächtigen Netzwerkes der Konservativen und haben hunderte von Millionen Dollar «schwarzes Geld» für die Anliegen der Republikaner organisiert. David Koch ist mittlerweile verstorben.
Inzwischen sind auch die Bluthunde der äussersten Rechten auf Hansjörg Wyss aufmerksam geworden. Fox News hat über «The Hub» berichtet, das Online-Portal Breitbart hat ihm gar eine Titelstory gewidmet. Dem öffentlichkeitsscheuen Hansjörg Wyss könnten somit stürmische Tage bevorstehen.