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Dass das Riechorgan bei Frauen sensibler auf Gerüche reagiert als bei den meisten Männern, ist für Neurobiologen nichts Neues. Eine Erklärung für dieses Phänomen blieben die Wissenschaftler bisher jedoch schuldig. Fakt ist: Die Anzahl der Riechrezeptoren, die die Gerüche aufnehmen und in Form elektrischer Signale an das Gehirn weiterleiten, ist bei Frauen und Männern annähernd gleich. Zudem ist das Volumen der Nase bei Männern größer, woraus man auf ein gutes Riechvermögen schließen könnte.
Forscher von der Universität Rio de Janeiro haben nun herausgefunden, wieso Frauen ein besseres Riechorgan besitzen. Mit Zustimmung der Angehörigen untersuchten sie die Riechkolben (lat. bulbus olfactorius) von 18 Verstorbenen, unter denen sich elf Frauen befanden. Die Organe wurden zunächst vorsichtig aus den Körpern herausgelöst, sodass die Volumina dieser Areale ermittelt werden konnten. Anschließend lösten die Forscher die Riechkolben in einer speziellen Flüssigkeit auf, sodass sie die Anzahl der Zellen bestimmen konnten.
Das Resultat war eine Überraschung: Obgleich die weiblichen Riechkolben leichter waren als die der Männer, wiesen sie wesentlich mehr Zellen auf. Die Forscher ermittelten einen Durchschnitt von 16,2 Millionen Zellen. Bei den Männern ergab sich ein Durchschnittswert von 9,2 Millionen Zellen – ein Unterschied von mehr als 43 Prozent. Noch deutlicher fiel die Differenz bei den Neuronen aus, die für die Verarbeitung der Signale verantwortlich sind: Während bei den Männern nur 3,5 Millionen Neuronen zu Buche standen, waren es bei den Frauen fast 7 Millionen.
Mädchen riechen schon im Säuglingsalter besser als Jungen
Die fast doppelt so hohe Zelldichte ist bei Mädchen schon von Geburt an vorhanden. Wie die brasilianischen Wissenschaftler erklärten, ändert sich die Anzahl der Zellen im Riechkolben im Laufe des Lebens nur geringfügig. Daraus ergeben sich einige wichtige Fragen – zum Beispiel die, wie es das weibliche Gehirn schafft, mit diesem Plus an Signalen fertig zu werden. Nach Ansicht der Forscher erfolgt die Verarbeitung der Reize differenzierter, als es bei Männern der Fall ist. Untersuchungen, die diese These untermauern, stehen aber noch aus.
Das “Riechgedächtnis” ist bei Frauen weiter entwickelt
Interessant ist auch, dass nicht alle Gerüche von Frauen besser wahrgenommen werden. Bei Blumen oder Gewürzen etwa fällt Frauen das Benennen relativ leicht, während sie sich bei bestimmten Chemikalien schwer tun. Professorin Jessica Freiherr vom Klinikum der RWTH Aachen ist der Überzeugung, dass Frauen ein besseres “Riechgedächtnis” haben – egal, um welche Art von Düften es sich handelt. Selbst klischeebeladene Männergerüche wie Bier oder Maschinenöl würden von Frauen schneller erkannt als von Männern. Bei Gehirnuntersuchungen zeigten sich bei Frauen deutlich stärkere Reaktionen, sobald sie Gerüchen ausgesetzt würden.