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In den 80er Jahren verschob sich die US-amerikanische industrielle Herstellung nach Fernost, vorwiegend China. Es war ein unaufhaltbares Ereignis, denn der Stand der industriellen Fertigung hatte sich seit Anfang Jahrhundert nicht mehr weiterentwickelt.
Nachdem ich in den 60er und 70er Jahre mehrere Werke in der Schweiz und Deutschland besucht hatte, alle sauber wie ein Spital und Qualitätskontrollen an jedem Schritt, und die Fachkräfte im angewandten Physik Institut kennenlernte, die jedes noch so verrückt schwierige Apparat-Teilchen mit unglaublich engen Toleranzen herstellen konnten, war mir der erste Besuch einer US-amerikanischen Fabrik ein grosser Schock, den ich wohl nie vergessen werde.
Es war die Burroughs B1700 Fabrik in Goleta bei Santa Barbara, ende 1977. Die Fabrikationshalle war laut, da die Arbeiterinnen jede ein Transistor Radio an hatte, jeder auf einem anderen Sender. Der Fussboden war schmutzig, die Arbeitsflächen voller Chips- und Kekskrümeln. Die Lötstrasse in der Mitte der Halle sah aus, als ob sie aus einem Charlie Chaplin Film herausgefallen war. Keine Arbeits-Station hatte eine Qualität-Kontrolle: am Ende der verknoteten Herstellungsstrasse war ein grosser Tisch an dem sich die fertigen Schaltkreis-Platinen stapelten. Eine Arbeiterin nahm eine nach der anderen die Platinen und klopfte sie mit einem Bleistift nach kalten Lötstellen ab, denn auf dem Ende des Bleistifts war ein Schreibmaschinen-Radiergummi aufgeschoben.
Nun wusste ich, weshalb wir die Computer in die Schweiz erst im Geschäft aufbauen mussten und dann die Defekte suchen mussten, bevor wir sie den Kunden liefern konnten. Praktisch jede Platine musste nachgelötet werden. Ein Jahrzehnt später, war die Fabrik bei Xerox in Rochester immer noch auf dem gleichen Niveau, nur wurde dort mehr mit dem Hammer gearbeitet um bei der manuellen Montage die fehlenden Toleranzen zu überwältigen.
Mit diesem Hintergrund, stand der Verlagerung nach Fernost mit den niedrigen Löhnen nichts im Wege. Ich glaubte, dass sich die industrielle Fertigung in den USA nie erholen würde. Dies ist ganz anders als in Europa oder Japan, wo das gesellschaftliche Schwergewicht auf Schulung der Arbeiter und Verbesserung der Herstellungs-Technologien liegt. Das Resultat ist, dass zum Beispiel der Zughersteller Stadler Rail einen Grossauftrag aus den USA erhalten konnte: Das Bahnunternehmen Caltrain hat bei Stadler 16 Doppelstocktriebzüge für 551 Millionen Dollar bestellt. Die Züge werden zwischen San Francisco und dem Silicon Valley fahren, wie der Tages Anzeiger vom 16. August berichtete.
Aber, es bewegt sich nun doch etwas im Silicon Valley. Praktisch jede Auto Firma hat jetzt eine Niederlassung im Silicon Valley, aber nicht nur die klassischen Firmen: die Chinesischen Firmen die die amerikanischen Produkte anfertigen, investieren hier in Forschungs- und Entwicklungs-Labors um die neuesten Technologien zu konzepieren. Während deutsche Hersteller immer noch 7 Jahre brauchen um ein neues elektronisches Auto zu entwickeln, kann man im Silicon Valley frischgebackene Doktoren von Stanford und UC Berkeley anstellen, die die gleiche Arbeit in ein paar Jahre machen, denn mit Industrie 4.0 haben wir eine Revolution.
Gerade letztes Wochenende hatte es im New York Times einen Artikel, wie die General Electric ein Labor mit 1400 Software-Entwicklern in San Ramon aufgestellt hat, um das System Predix zu schmieden, welches nich nur eine Grundlage für Industrie 4.0 sein soll, sondern auch es ermöglichen soll, die Wartung der Produkte im Einsatz vorherzusagen.
Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA baut nun das Applikationszentrum Industrie 4.0 auf. Jedes Unternehmen sollte die Studie Industrie 4.0: Entwicklungsfelder für den Mittelstand anfordern und sie sorgfältig lesen. Sie ist von Herrn Markus Bressner, markus.bressner(at)ipa.fraunhofer.de erhältlich, Telefon +49 711 970-1808.