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rm Nackt
„Ja und nein. Das wird nicht so schwierig gestalten. Denn die Behörden werden aufgrund eines Briefes, den ich als Toter auf der Bank am Fusse der Pyramiden hinterlassen habe, schnell heraus finden, was auf der Bank am Fusse der Pyramide geschehen ist und es nicht glauben wollen. Haben Sie gemerkt, Herr Schuster? Ich habe von den Pyramiden in unserem Kriminalroman zur Pyramide gewechselt. Ich denke nämlich, wenn wir in unserem Kriminalfall nicht allgemein von den Pyramiden, von denen bekanntlich zwar jeder weiss, welche in einem touristisch gut erschlossenen Gebiet gemeint sind, sondern ganz präzise von der Pyramide sprechen, dann zeigen wir als Schöpfer unseres Kriminalfalls, dass wir konsequent präzise handeln und denken und uns nicht durch touristische Werbesprüche von der richtigen Bahn abbringen lassen.“
„Das Argument kann ich nachvollziehen. Was ist nun aber mit diesem Brief?“
„Den Brief, den die Behörden gefunden haben, werden sie auf seine Echtheit prüfen und schliesslich dem doch Glauben schenken, was in dem Brief steht, wie abgründig lästerlich ihnen der Inhalt, der übersetzt wurde, auch erscheint. Übersetzt nämlich, weil ich kein Ägyptisch zu schreiben weiss.“
„Versteht sich. Und was haben sie gelesen?“
„Dass es nicht Mord war, sondern ein selbst gewählter und ausgeführter freier Tod. Ein Freitod am Fusse der Pyramiden, welche die Pharaonen aufrichten liessen, um ihren eigenen Tod mit überdimensionierten Steinmonumenten zu überwinden. Ich wollte sagen: am Fusse der Pyramide. Denn es handelt sich um eine ganz bestimmte Pyramide. Ein Toter kann nicht zugleich vor verschiedenen Pyramiden liegen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.“
„Wir haben bereits den Singular gewählt und wollen auf diese Angelegenheit nicht zurück kommen.“
„Welch herrliches Bild! Darauf müssen wir anstossen! Aber wir haben nichts mehr, womit wir anstossen könnten.“
Die beiden ratzebeulen Sprachhalunken sassen tatsächlich vor leeren Gläsern. Soll der verzweifelnde Schreiber diese verdursten lassen, um ihrer bodenlos dummen Geschichte und frechen Meuterei ein Ende zu bereiten? Jetzt die willkommene Polizeistunden einläuten und sie auch durchsetzen, würde bedeuten, dass das vermaledeite Lokal, fahler Herd all dieser haarsträubenden Ideen, geschlossen wird und die beiden tollen Gestalten zum schwarzen Teufel geschickt, das heisst auf die kalte Strasse gesetzt werden.
Dort könnte es denen jedoch wieder einfallen, sich in ein unendliches Eckgespräch einzulassen. Darum soll noch einmal, zähneknirschend aus der Sicht des müden Autors, die gütige Milde walten. Die ebenfalls ruhebedürftige Bardame soll den beiden bringen, was sie nicht nachbestellt haben. Gründer Schnaptepürä, noch immer am überschwänglichen Reden, erging sich in langwierige Selbsthudelei und wurde dabei vom unermüdlich applaudierenden und nickenden Famulus tatkräftig unterstützt. Sie stiessen mit neuen Gläsern an.