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Zwischen der Spalenvorstadt und der Uni ist ein schmales Gässlein nach ihm benannt, ein von ihm präpariertes Skelett ist das älteste Exponat der anatomischen Sammlung Basel und sein Hauptwerk wurde 1543 hier am Rheinknie herausgebracht, vom Verleger Johannes Oporinus. Die Forschungen des Andreas Vesalius waren bahnbrechend, er brachte die Anatomie und die Chirurgie mit seiner Arbeit massiv voran, dies in einer Zeit, in der sich Europa ganz langsam vom finsteren Aberglauben Richtung Wissenschaft bewegte. Doch wer war dieser grosse Mann?
Mächtiger Wissensdurst
Vesalius stammte aus Flandern. Sein Vater war Hofapotheker am Kaiserhof Karl V. Andreas litt selber unter einer anatomischen Auffälligkeit – er war nämlich kleinwüchsig. Doch hatte er einen umso mächtigeren Wissensdurst. 1531 begann er in Brüssel mit dem Medizinstudium. Da er aber bald schon von der Dürftigkeit der Ausbildung enttäuscht war, wechselte er nach Paris, wo er ebenfalls enttäuscht wurde. Er empfand den Lehrstoff als laienhaft und veraltet. Trotzdem schloss er das Studium ab. 1537 wurde er in Padua zum Professor der Anatomie und der Chirurgie ernannt.
Vesals Spott
Und danach war er einer, der es genau wissen wollte. Er operierte und sezierte ohne Rücksicht auf Verluste und die Lehren der damaligen katholischen Kirche, die solcherlei ganz pauschal als Teufelswerk verurteilte. Die Anatomen vor Vesalius, die von ihm allesamt vernichtend kritisiert wurden, pflegten bei ihren Sektionen nicht selber zu schneiden, diese Arbeit liessen sie von Barbieren oder Schlachtergesellen erledigen. Schon allein dieser Umstand trug ihnen Vesals Spott ein.
Hinrichtungsopfer seziert
Er legte selber Hand an, operierte nach Schlachten Soldaten und Landsknechte, flickte etwa eine von einer Lanze durchstochene Lunge, indem er ein Stück Pergament auf das Loch nähte. In Padua und Bologna sezierte er jahrelange alle Hinrichtungsopfer, beobachtete öffentliche Körperstrafen und Hinrichtungen aus nächster Nähe, verschaffte sich dadurch wichtige Rückschlüsse über die Blutströme im menschlichen Körper und andere Phänomene.
Melancholiker
Seine Arbeit, die stundenlangen Beobachtungen von toten und verletzen Körpern notwendig machte, liess ihn mit der Zeit zum Melancholiker werden, der als Privatmann stets wortkarg und traurig wirkte.
Künstlerische Begabung
Doch war er für die Wissenschaft nicht nur deshalb ein Glücksfall weil er bei seiner Forschungsarbeit so rigoros vorging. Er war darüber hinaus in der Lage, seine Beobachtungen künstlerisch festzuhalten. Dabei war er von der Malschule des Tizian beeinflusst und fand in Jan Stephan von Calcar einen fähigen Lehrer, der ihn in die Kunst des Zeichnens und der Holzschnitte einführte.
Reise nach Basel
Diese Fähigkeit machte es ihm möglich, bahnbrechende wissenschaftliche Werke herauszugeben, welche die medizinischen Wissenschaften massiv voranbrachten. Sein grosses Werk trug den Namen «De humani corporis fabrica libri septem» («Sieben Bücher über den Aufbau des menschlichen Körpers»). 1543 reiste er – damals eine lange und beschwerliche Aktion – nach Basel, hier beriet er sich mit seinem Verleger Johannes Oporinus, der das Werk publizierte. Gleichzeitig hielt er am Rheinknie ein anatomisches Kolloquium ab, dabei präparierte er das Skelett eines hingerichteten Verbrechers, eines gewissen Jakob Karrer von Gebweiler. Dieses Objekt kann noch heute in der anatomischen Sammlung unserer Stadt betrachtet werden.
Leibarzt
1544 verpflichtete ihn Kaiser Karl der V. als Leibarzt. Danach arbeitet er für dessen Sohn, den grausamen Ketzerjäger Philipp II. von Spanien sowie für dessen Spross, jenen unglücklichen Don Carlos, über den Friedrich Schiller ein Stück geschrieben, das Giuseppe Verdi dann zu einer Oper komponiert hat.
Ironie der Geschichte
Es ist fast ein wenig eine Ironie der Geschichte, dass Vesalius ausgerechnet von diesen Habsburgerkönigen protegiert wurde, die andererseits den schlimmstmöglichen katholischen Religionsterror über Europa brachten, Karl V. und sein Sohn liessen Abertausende von so genannten Ketzern und Hexe(r)n barbarisch foltern und grausam hinrichten. Doch im Gegensatz zu ihren geistlichen Verbündeten protegierten sie einen Anatomen und Arzt, denn der Klerus am liebsten auf den Scheiterhaufen gebracht hätte. Vesalius starb 1564, während einer Pilgerreise ins Heilige Land. Nach seinem Tod kamen Gerüchte auf, die jedoch nie bestätigt werden konnten, dass ihn die Spanische Inquisition ums Leben gebracht haben soll.Weitere Basler Geschichten
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