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Newsletter 102
Juli 2018
Diese Ausgabe enthält folgende Themen:
- James Baldwin wird neu herausgegeben
- Pink Cross feiert seinen 25. Geburtstag
James Baldwin wird neu herausgegeben
eos. James Baldwin (1924-1987) galt lange als wichtigster schwarzer Dichter, Schriftsteller und Essayist Amerikas im 20. Jahrhundert. In den USA blieb er das immer, während er in Europa weitgehend vergessen ging. Nun wird sein Werk in neuer deutscher Übersetzung bei DTV herausgegeben. Im Frühjahr ist der erste Band erschienen, weitere werden sukzessive folgen. James Baldwin war ein doppelt Geächteter, als Schwarzer und als Schwuler. Die Zeitschrift Der Kreis wies schon 1957, vier Jahre nach Publikation des frühesten seiner Werke auf ihn hin und veröffentlichte Teile des ersten schwulen Romans von James Baldwin in eigener Übersetzung, dies ein Jahr vor der offiziellen Erst-Publikation in Deutschland.
Im Feuilleton der NZZ vom 30. Mai 2018 (S. 38) beginnt ein Artikel von Martin Zähringer unter dem Titel "Hass lässt sich biegen, aber nicht brechen" mit folgenden Worten:
"Man könnte ihn fast als Monument seiner Epoche bezeichnen - eines freilich mit einem Riss mittendurch: Als Autor steht James Baldwin […] für die afroamerikanische Emanzipation in Zeiten der Rassentrennung, als Mann aber für homosexuelle Selbstverwirklichung. Für die afroamerikanische Community seiner Zeit war das kein Thema, das sich zur Identifikation angeboten hätte. […]"
Dann folgt die Besprechung des neu herausgekommenen Buches "Von dieser Welt", das 1953 unter dem ebenso viel aussagenden Original-Titel "Go Tell It on the Mountain" erstmals erschien. Es ist ein religionsgeprägtes, teilweise autobiografisches Werk, geschrieben von einem religionsgeschädigten Menschen, der zu sich selber finden muss. Man wird es heute mit ganz anderen Augen lesen als damals Ende der 1950er Jahre, aber immer noch mit ebenso glänzenden Augen.
2019 soll der Essay "The Fire Next Time" von 1962 folgen, in dem James Baldwin den Rassismus und die sexuelle Doppelmoral der US-Gesellschaft blossstellte, und dann 2020 der Roman "Giovanni's Room" von 1956. Bei Rowohlt wurde er 1963 erstmals auf Deutsch veröffentlicht. Mit diesem Werk stellte Baldwin einen schwulen Menschen in den Mittelpunkt. Das war neu und revolutionär. Auf dem Klappentext der Ausgabe von 1963 liest man:
"[…] der Ich-Erzähler des Romans ist zwar ein Weisser, aber er wird durch seine sexuelle Anomalie in eine extreme, gefährliche Situation gedrängt: in die des moralischen Aussenseiters, die der gesellschaftlichen des Negers in Amerika entspricht."
Diese Aussage wirft ein knappes Licht auf das Thema des Buches, fällt aber auf, weil sie dem heute gepflegten Codex der "political correctness" entgegensteht. Damit verdeutlicht sie frappant den Wechsel der Tabus: Homosexualität ist keines mehr, der Begriff Neger ist dafür zum No-go geworden. Doch hartnäckig geblieben - und sprachlich mit correctness bequem versteckt - ist die gleiche alte Doppelmoral gegenüber beidem: Schwule Söhne - oder homosexuelle Angestellte in Klein- und anderen Betrieben - sie sind noch heute (meist) nicht willkommen. Und Afroamerikaner werden weiterhin (meist) als "nicht wie wir" gesehen und entsprechend behandelt. James Baldwin ist heute immer noch so aktuell und nötig wie damals. Spannende Lektüre sind seine Werke stets geblieben. So ist der neuen Edition mit neuer Übersetzung grossen Erfolg zu wünschen.
James Baldwin wurde bereits ein Newsletter gewidmet: Newsletter 59 - Schwarz und schwul
Ebenso auf schwulengeschichte.ch: James Baldwin
Pink Cross feiert seinen 25. Geburtstag
Man wird nur einmal 25, meinen die Leute bei Pink Cross und wollen das unter Freund*innen feiern. Pink Cross, der Schweizer Dachverband der schwulen und bi Männer*, lässt die Festivität am Samstag, 15. September 2018 ab 18 Uhr im Lokal Heitere Fahne in Wabern bei Bern steigen. Eine gute Gelegenheit die Aktivist*innen der LGBT-Welt der Schweiz wieder zu treffen oder neue kennenzulernen.
Mehr zu Pink Cross auf schwulengeschichte.ch: Pink Cross