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Ein «gesunder» Lebensstiel lohnt sich doppelt!
In der Schweiz werden am meisten potenzielle Lebensjahre durch Tumorerkrankungen verloren, damit bleiben Tumorleiden bei unter 75-jährigen Menschen das grösste Risiko eines frühen Versterbens.
Um dies zu verbessern, werden weltweit sehr grosse Anstrengungen unternommen - in der Forschung und der Behandlung von Krebserkrankungen. Die allgemeine Lebenserwartung stieg in den letzten 35 Jahren um knapp 10 Prozent, wobei die Männer mehr an Lebenserwartung zulegen konnten als die Frauen.
Betreffend Erkrankungsrisiko gibt es unverrückbare Faktoren, denen wir unter allen Umständen ausgesetzt sind, als wichtigste Beispiele sind hier die Genetik und die Umwelteinflüsse zu nennen.
Was können wir individuell beeinflussen, um das Risiko einer Tumorerkrankung etwas zu senken? Mehrere grosse Studien zeigen zumindest einzelne Aspekte, die mit einem geringeren Krebsrisiko verbunden sind, einzelne Faktoren sind bereits bestens bekannt, andere Punkte müssen noch weiter erforscht werden.
• Bestens bekannt ist, dass Rauchen für etwa 10'000 Todesfälle in der Schweiz direkt verantwortlich ist. Etwa ein Drittel dieser Tabak assoziierten Todesfälle geht auf Tumorerkrankungen, insbesondere Lungenkrebs zurück. Eine Verringerung von verkauften Zigaretten würde zu einem deutlichen Abfall an frühzeitigen und tumorassoziierten Todesfällen führen.
• Eine gesunde Ernährung ist ein weiterer günstiger Faktor, das Tumorrisiko leicht zu verringern, insbesondere zeigen mehrere Studien einen günstigen Effekt einer mediterranen Kost, die viel Extra Vergine Olivenöl, Nüsse, Früchte und Gemüse beinhaltet und weniger Fleisch, dafür etwas mehr Fisch. Weisses Fleisch sollte dem roten Fleisch vorgezogen werden. Der Zuckerkonsum, auch der versteckte beispielsweise in Patisserie, sollte möglichst reduziert werden. Ob ein massvoller Alkoholkonsum günstig oder ungünstig ist, wird kontrovers diskutiert, eine vollständige Abstinenz ist zumindest betreffend Herzkreislauferkrankungen ungünstig.
• Ein regelmässiger und ungestörter Schlaf ist wichtig, so ist das Krebsrisiko, bei Menschen die Schichtarbeit verrichten, die spät ins Bett gehen und nachts oft aufstehen sowie in ungenügend abgedunkelten Räumen schlafen, erhöht. Die Schlafdauer selber scheint keinen Einfluss auf das Krebsrisiko zu haben.
• Sehr gut untersucht ist auch, dass körperliche Aktivität das Tumorrisiko senken kann.
• Auch ist eine Verringerung von Stress günstig für die Gesundheit betreffend Tumorrisiko, hier tragen die oben genannten Faktoren wie kein Nikotin, eine mediterrane Ernährung, viel Bewegung und ein tiefer und gesunder Schlaf zu weniger Stress und zu einem verminderten Krebsrisiko bei.
Hinzu kommen noch die weniger gut erforschten Faktoren, wie das Zusammenspiel der äusserst zahlreichen Darmbakterien (das Mikrobiom), welche einen wichtigen Effekt in der Tumorabwehr zu haben scheinen. Inwiefern auf die Darmbakterien störende Einflüsse, wie beispielsweise eine Antibiotikagabe, negative Auswirkungen auf die spätere Gesundheit haben, wird in den nächsten Jahren untersucht werden.
Mögliche Vorsorgemassnahmen, wie eine Darmspiegelung ab 50 Jahren (entsprechend früher im Falle von Dickdarmkrebs-Erkrankungen bei nahen Verwandten) oder allenfalls eine Prostata-Untersuchung, Mammographie oder bei (Ex-)Rauchern eine Lungencomputertomographie, können gut mit dem Hausarzt diskutiert werden. Bei den Kindern, Mädchen und Jungen, ist eine HPV-Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr gemäss dem aktuellen schweizerischen Impfplan sehr wichtig, weil Humane Papillomaviren mehrere Tumore in der Entstehung ermöglichen können.
Die Liste an schützenden Massnahmen gegen Krebserkrankungen liesse sich noch fortsetzen. Die hier erwähnten Massnahmen wie kein Nikotin, guter Schlaf, körperliche Aktivität, mediterrane Ernährung sowie Vermeidung von Stress sind auch schützend für andere nicht tumorassoziierte Erkrankungen, weshalb sich ein «gesunder» Lebensstil doppelt lohnt.
Autor:
Herr Dr. med. Andreas Hochstrasser, Facharzt für Onkologie, Facharzt Innere Medizin FMH, Leitender Arzt Onkologie Zentrum