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Die Luzerner Allmend war nicht immer der Austragungsort der Luga oder der Schauplatz der Spiele des FC Luzern. Ganz bescheiden nahm sie ihren Anfang als Weidefläche, musste aber schon 1699 für Schiessübungen herhalten. Später kam die Ära der Militärflieger hinzu – und wohl nur der Tod von drei Knaben verhinderte den Bau eines Zivilflugplatzes.
Die Luzerner Allmend ist die grösste Grünfläche der Stadt und wird heute für Spaziergänge, Sport und Anlässe aller Art verwendet. Für das Leben der Stadt ist die Allmend nicht wegzudenken, doch dem war nicht immer so.
Weide- und Waldfläche im Mittelalter
Wie es der Name schon erahnen lässt, wurde die Luzerner Allmend im Mittelalter als Weide- und Waldfläche verwendet. Die Nutzung war theoretisch allen berechtigten Einwohnern, im Falle Luzerns den Stadtbürgern, möglich. In der Praxis jedoch vergab die Stadt bestimmte Nutzungsrechte, um so eine Überweidung beziehungsweise Überholzung zu verhindern.
Mit der Trennung von Einwohnergemeinde, Bürgergemeinde und Korporationsgemeinde wurde die Allmend der Letzteren zugeschlagen, die fortan die Nutzung und Instandhaltung regelte.
Besucherscharen schon im 17. Jahrhundert
Mit dem Ende des 17. Jahrhunderts fand man für die Luzerner Allmend einen weiteren Verwendungszweck: Seit 1699 ist sie als Schiessplatz der Artillerie nachgewiesen. Die Kanonen waren auf dem Polygon, im Gebiet der heutigen Kaserne, platziert und feuerten Richtung Osten ins heutige Biregg.
Die Artillerieübungen, die bis zu fünf Tage andauern konnten, lockten hunderte Schaulustige an. Für die Besucherscharen wurden jeweils mehrere Wirtschaften und Tanzplätze eingerichtet, in denen bis spätabends gefeiert wurde.
Militärische Nutzung
Auf die Gründung des Schweizer Bundesstaates 1848 folgten Änderungen auf der Luzerner Allmend. Um den neuen Vorgaben als Kantonshauptstadt nachzukommen, musste die Stadt ein entsprechend grosses Gelände für militärische Exerzier- und Schiessübungen bereitstellen.
Die Allmend war dafür ideal gelegen und so pachtete die Stadt rund 39’000 Quadratmeter Allmendland von der Korporationsgemeinde und stellte sie dem Militär zur Verfügung. Wegen der starken Nutzung und der steigenden Waffenleistungen wurde das bestehende Gebiet bald als zu klein eingestuft und es musste mehr Land her.
Nach zähen Verhandlungen willigte die Korporationsgemeinde 1865 in den Verkauf von Allmendland ein. 1877 und 1901 kaufte die Stadt noch mehr Land auf und schlug es dem wachsenden Waffenplatz zu.
Die Ära der Flugzeuge
Der Beginn des 20. Jahrhunderts läutete die Ära der Flugzeuge ein. Die Allmend, deren weite Fläche sich für die Fliegerei geradezu anbot, wurde schon früh als Austragungsort von Flugschauen erkannt. Bereits im September 1910 führte die Luftschiffstation Tribschen auf der Allmend eine Flugwoche durch, deren Hauptattraktion das eigene Luftschiff «Ville de Lucerne» war.
Die Fliegerei steckte damals freilich noch in den Kinderschuhen und die Entwicklung der Flugzeuge war noch wenig ausgereift. Drei der vier am Meeting teilnehmenden Flugzeuge gingen schon beim Start zu Bruch.
1915 kam dann auch schon der erste seriöse Vorschlag, auf der Allmend einen Zivilflugplatz einzurichten. Das Projekt des Stadtingenieurs Otto Businger wurde jedoch wegen Umsetzungs-, Lärm- und Sicherheitsbedenken nicht umgesetzt. Der Erste Weltkrieg zeigte hingegen eindrücklich den Nutzen der militärischen Fliegerei auf und so wurde auf der Luzerner Allmend, wegen ihrer strategischen Lage an den Flugrouten Zürich-Thun und Zürich-Tessin, ein Fliegerstützpunkt eingerichtet.
Doch kein Flugplatz für Luzern
Die Nutzung war, wie auch heute die Nutzung des Flughafens in Emmen, problematisch. Das Überfliegen der Stadt verursachte Lärm und Schäden und Stimmen gegen den Betrieb des Flugfeldes erhielten vermehrt Gehör. Zwar setzte sich der Luzerner Stadtrat den Bau eines Zivilflugplatzes zum Ziel, doch das Vorhaben erhielt 1931 nach einem schweren Unfall während eines Flugmeetings, bei dem drei Knaben ihr Leben verloren, einen schweren Dämpfer.
Das Projekt wurde endgültig aufgegeben, als sich das Eidgenössische Luftamt 1917 für den Bau eines permanenten Militärflugplatzes sowie einer Flugzeugfabrik in Emmen entschied.
Während die Allmend als Flug- und Exerzierplatz immer mehr an Bedeutung verlor, fand sie zunehmend Verwendung als Sportplatz. Vor allem der Fussball erfreute sich immer grösserer Begeisterung. Die ersten Fussballclubs spielten auf ad-hoc eingerichteten Fussballplätzen auf dem nördlichen Teil der Allmend, zwischen Eichwald und dem Restaurant Militärgarten. Die zunehmende Beanspruchung führte jedoch zu Konflikten mit den Bauern, die immer noch ihre Schafe und Pferde auf die Allmend zum Weiden trieben.
Die Weltwirtschaftskrise 1929
Die Weltwirtschaftskrise 1929 zwang auch in Luzern viele Leute in die Arbeitslosigkeit. Um diese enorme Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und zugleich die ungenügende Sportinfrastruktur im Interesse der Volksgesundheit zu fördern, setzte sich der Stadtrat 1932 für den Bau neuer Sportanlagen auf der Allmend und am Alpenquai ein.
So konnte schon zwei Jahre danach, im Mai 1934, der Fussballplatz mit einem Spiel des FC Luzern gegen den VfR Mannheim vor 10’000 Zuschauern eröffnet werden. In den nächsten Jahrzehnten wurden die Sportanlagen in mehreren Etappen verbessert und ausgebaut. Seinen vorläufigen Abschluss fand das Geschehen mit dem Abriss des Stadions Allmend und der an gleicher Stelle errichteten Swissporarena 2011.
Ort für Grossveranstaltungen
Nebst der Verwendung als Sportareal und Militärgebiet wurde die Allmend auch als Ort für Grossveranstaltungen genutzt. Schon 1902 kam es zum Besuch des damals grössten Zirkusunternehmens der Welt, Barnum & Bailey aus den USA. Trotz des kurzen Besuches – der Zirkus blieb nur einen einzigen Tag – scheute der Zirkus keine Mühen und brachte über 1’500 Tonnen Fracht mit, darunter 400 Pferde und acht Elefanten, heisst es in einer Schrift des Luzerner Stadtarchivs zur Ausstellung «Sportarena Luzern». Bis zu zwölf Nummern wurden auf drei Manegen, zwei Bühnen und einer Rennbahn gleichzeitig abgehalten.
In den Folgejahren wurden auf der Allmend immer wieder Grossevents veranstaltet wie zum Beispiel 1954 die Schweizerische «Bauern-Landi», eine Messe mit Papst Johannes Paul II. im Jahr 1984 oder die Luzerner Gewerbeausstellung, die seit 1980 jährlich grosse Menschenmassen anzieht und begeistert.
Die Allmend als Spiegel für den Wandel der Gesellschaft
Die Luzerner Allmend sah über die Jahrhunderte eine Vielzahl von Änderungen und Neuheiten und kann durchaus als Spiegel für den Wandel der Gesellschaft betrachtet werden. Seit sie besteht, treffen bei der Nutzung militärische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und vermehrt auch ökologische Interessen aufeinander. Es ist anzunehmen, dass diese Herausforderung auch in Zukunft bestehen bleiben.
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