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Mord, Macht und Wahnsinn, das sind die zentralen Themen von Verdis Oper „Macbeth“, die 1865 in Paris uraufgeführt wurde. Das Drama spielt im Schottland des 11. Jahrhunderts und soll teilweise auf wahren Gegebenheiten basieren. Verdi übernahm die Geschichte von Shakespeares gleichnamigem Werk, das 1606 erschien. Nun inszeniert das Konzert Theater Bern die Oper in vier Akten auf äusserst eindrucksvolle und gewagte Weise.
Verhängnisvolle Prophezeiung
Nicht alle Opern sind leicht zu verstehen. Auch bei „Macbeth“ gibt es einige Dinge zu wissen, die einem das Verstehen leichter machen. So war zum Beispiel die Erbfolge im 11. Jahrhundert noch nicht üblich, der König wurde stattdessen gewählt. Macbeth (Robin Adams) als General in König Duncans Armee kommt als Nachfolger in Frage. Gleich zu Beginn der Oper prophezeit ihm ein Hexenchor, König von Schottland zu werden. Seine Gattin Lady Macbeth (Fabienne Jost) ist vom Gedanken der Macht besessen und drängt ihn daraufhin, den König im Schlaf zu ermorden. Macbeth zögert, begeht die Tat dann aber doch.
Tod im Glaszimmer
Die grosse Bühne im Stadttheater erlaubt viel Spielraum. Da sie durch Glaswände mit Schiebetüren in drei Ebenen geteilt wird, kann zusätzlich im Hintergrund gespielt werden. Teilweise passiert fast zu viel auf der Bühne. Als Zuschauer weiss man kaum mehr, worauf man sich konzentrieren soll. Grundsätzlich macht es die Inszenierung aber umso spannender. Im vorderen Teil steht zusätzlich ein Glaskasten mit einem Bett, ein Schlafzimmer also. König Duncan erliegt darin den Messerstichen von Macbeth, dem die Grausamkeit seiner Tat sofort bewusst wird. Lady Macbeth hingegen beschimpft ihn als Feigling und scheint keine Gewissensbisse zu haben. Es gelingt, den Verdacht auf Duncans Sohn Malcolm (Andries Cloete) zu lenken, womit Macbeth zum König gewählt wird.
Psychischer Zerfall
Macbeths Wahnvorstellungen, die ihn von da an plagen, sind nicht nur von Robin Adams glaubhaft gespielt, sondern in der Vorstellung auch hervorragend inszeniert. Blutbeschmierte Menschen betreten die Bühne, darunter auch Macbeths ehemaliger Freund Banquo (Pavel Schmulevich), den er aus Angst, er könnte der Thronfolger sein, umbringen liess. Es ist eine Auferstehung der Toten. Die Szenen von Macbeths Wahnvorstellungen sind auch für das Publikum wahrhaftig grausig. Auf überzeugende Weise wird Macbeths Zwiespältigkeit und sein tyrannisches Handeln als König dargestellt. Doch nicht nur Macbeth wird dadurch nach und nach zum psychischen Wrack. Auch die anfangs gewissensfreie Lady Macbeth scheint wahnsinnig zu werden. Grandios gespielt und gesungen von Fabienne Jost, wechselt sie zwischen höhnischem Lachen und verzweifeltem Händeringen.
In der Schlussszene wird die Tiefe der Bühne noch einmal voll ausgenutzt. Macbeths Gegner erscheinen im Hintergrund und schreiten langsam auf ihn zu. Die Bedrohlichkeit, die von diesem stummen Marsch ausgeht, ist fesselnd. Die Inszenierung des Konzert Theater Bern ist nichts für Zuschauer, die kein Blut sehen mögen. Alle anderen, ob Opernfreund oder nicht, sollten sich „Macbeth“ in Bern ansehen und -hören.