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Darmsaiten;
aus zugerichteten Tierdärmen zusammengedrehte Schnüre; sie werden, wenn sie nur für Spinnräder, Drehbänke und zu anderm technischen Gebrauch dienen sollen, meistens von Seilern und Fleischern gemacht und kommen, hier nicht weiter in Betracht. Für die musikalischen Saiten, besonders zur Violine, war in frühern Zeiten bekanntlich Italien das erste Bezugsland, ¶
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während jetzt Deutschland und Frankreich viel mehr und fast ebenso gute Ware produzieren. Zwar halten noch jetzt viele Musiker wenigstens auf römische Quinten, aber sie müssen zufrieden sein, wenn unter 34 Stück eine einschlägt, denn eben weil jetzt von Italien immer nur Quinten verlangt werden, muß man dort auch das weniger geeignete Material zu solchen verarbeiten. Die italienische Ware heißt im allgemeinen römische; es wird aber das meiste davon in Neapel gefertigt, außerdem noch in Venedig, Padua, Verona, Treviso. In Frankreich wird die Fabrikation namentlich in Toulon, Lyon und Paris betrieben.
Das deutsche Fabrikat, das im allgemeinen besser ist als das französische, kommt von Augsburg, Nürnberg, München, Regensburg, Hanau, Offenbach, Markneukirchen im Voigtlande etc. Namentlich dieser letztere Ort und Nürnberg liefern sehr gute, der italienischen nahekommende Ware. In Österreich liefern Wien und Prag D. Die meisten Därme für die Saitenfabrikation, sowie auch eingesalzene für die Wurstfabrikation kommen jetzt aus Rußland. Den Italienern kommt der Vorteil zugute, daß sie das erforderliche Material, die Därme von Lämmern, die noch im ersten Lebensjahre stehen, reichlicher zur Hand haben als anderswo der Fall ist, denn dort lohnt das Aufziehen der Schafe zur Wollzucht nicht und man verspeist sie daher vorzugsweise als Lämmer.
Außerdem findet man dort so feine Lämmerdärme, daß man drei zu einer Quinte zusammendrehen kann, was nur in den lyoner Fabriken noch ermöglicht wird, weil es in Südfrankreich Schafe eines besonders kleinen Schlags gibt. Anderwärts kann nur zweidrähtige Ware gemacht werden oder man spaltet die Därme der Länge nach und dreht diese Bänder zusammen. Die Zurichtung der Därme für das Verspinnen erfordert bedeutende Sorgfalt, ebenso die Auswahl und Sortirung des Zusammenpassenden. Es werden nur die Dünndärme des Tieres und zwar die mittlere Schicht benutzt.
Die äußere Oberhaut wird durch Abziehen, die innere Schleimhaut durch Drücken und Schaben entfernt, nachdem die Därme einen Tag im Wasser gelegen und maceriert haben. Es beginnt darauf die eigentliche Präparation, welche darin besteht, daß die gereinigten Därme in anfangs sehr schwache, dann fortgehend in immer stärkere alkalische Laugen (Pottasche) eingelegt, zwischen jedem Laugenwechsel aber aufs neue mit den Händen bearbeitet werden, in vielleicht 20maliger Wiederholung. In jedem Laugenbade verweilen die Därme oder Saitlinge etwa 1 Tag; vor dem Übertragen in ein stärkeres werden sie zwischen den Fingern über einen messingenen Fingerring mit einem gewissen Druck durchgezogen und dadurch gestreckt und weiter gereinigt, dann halbgetrocknet, in diesem Zustande wieder gezogen etc. Sie werden dadurch zunehmend reiner und klarer, quellen immer mehr auf und schwimmen endlich auf dem Wasser, worauf sie ohne Verzug gewaschen und versponnen werden müssen.
Das Zusammendrehen der ganzen oder gespaltnen Därme in noch feuchtem Zustande geschieht in der Weise der Seilerei, aber die Drehung erfolgt nicht in einem Gange, sondern in zwei, drei, vier Absätzen. Nach der ersten lockern Drehung spannt man, um diese dauernd zu erhalten, die Saiten auf einem mit Pflöcken besteckten Rahmen und bringt sie dann mit diesem noch feucht in die Bleichkammer, wo sie durch Schwefeldämpfe gebleicht werden. Jetzt wird eine anderweite Drehung auf dem Rade gegeben, welche für die dünnsten Saiten genügt, indes bei den stärkern Drehung und Schwefelung nach Verhältnis noch ein- oder zweimal wiederholt werden.
Für gehörige Rundung und Ausgleichung der Saiten sorgt man beim Spinnen durch Ueberfahren mit einem Pausch aus Roßhaaren; dies wird an den fertigen Stücken im aufgespannten und befeuchteten Zustande noch weiter geübt, dann schleift man sie trocken mit feinem Glaspulver, schneidet sie in die gebräuchlichen Längen, tränkt sie mit feinem Oliven- oder Mandelöl, windet sie auf Holzcylindern in Ringel und gibt ihnen die übliche Verpackung in Blechbüchsen etc. Die Saiten kommen in den Handel in sehr zahlreichen Sortimenten, für jede Art von Saiteninstrumenten besonders sortiert und sich in verschiedenen Qualitätsnummern wiederholend.
Bei den geringern Sorten und den stärkern Nummern ist nicht zu erwarten, daß sie aus exquisiten Lammsdärmen gemacht sind;
es kommt da Material von Ziegen, Hammeln, Kälbern, Rindern zur Verwendung, die alle in bezug auf Klang und Haltbarkeit mangelhafte
Ware geben. Ein Surrogat jedoch hat sich, wenn auch nicht bei Künstlern, einige Geltung verschafft,
seidene Saiten nämlich, die zuerst in Versailles gemacht wurden. Diese sind wirklich haltbarer und gegen Temperatur- und
Feuchtigkeitseinflüsse weniger empfindlich als die
Darmsaiten, halten daher auch besser Stimmung, aber ihr Klang ist weniger
gut und voll. - Verzollung:
Darmsaiten, auch nachgeahmte, zollfrei;
mit Kupferdraht übersponnene gemäß Tarif im Anh.
Nr. 19 d 2; mit Seide besponnene Nr. 20 c 3.