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Getrud Späth-Schweizer wurde 1958 Riehener Bürgerrätin. Damit war sie in der Schweiz die erste gewählte Frau in einer politischen Behörde. Sie blieb bis 1974 im Amt.
Tochter des Oskar Schweizer und der Lina, geborene Jäggi (Wirteehepaar des Restaurants Dreikönig in Riehen). Heirat 1932 mit Ernst Späth (Zimmermann). Zwei Söhne.
Gertrud Schweizer wuchs in Riehen auf, im ehemaligen Restaurant Dreikönig an der Baselstrasse 20. Sie absolvierte die obligatorische Schulzeit in Riehen. Nach einem Sprachaufenthalt in der Romandie besuchte sie die Basler Frauenarbeitsschule. Danach arbeitete Schweizer während fünf Jahren an der Billettkasse des Basler Stadttheaters. Sie gab diese Stelle auf, um ihre Mutter zu pflegen, die 1931 verstarb.
Nach der Heirat 1932 arbeitete Gertrud Späth-Schweizer im Familienbetrieb, einer Zimmerei, und führte den Haushalt.
1958 wurde Späth-Schweizer von der Bürgerlichen Dorfpartei als Kandidatin für den Bürgerrat gegen eine Kandidatin der Sozialdemokraten aufgestellt und gewählt. Sie war die erste Schweizerin, die in eine politische Behörde gewählt wurde, nachdem die Bürgergemeinde Riehen als erste Gemeinde schweizweit am 26. Juni 1958 ihren Bürgerinnen das Stimm- und Wahlrecht erteilt hatte. Ein Jahr später lehnten die Riehener Stimmbürger jedoch das Frauenstimm- und Wahlrecht auf eidgenössischer Ebene ab. Vermutlich galt das Engagement der Frauen innerhalb der Bürgergemeinde mit ihrem beschränkten Aufgabenfeld eher als gemeinnützig denn als politisch und schien entsprechend unbedenklich.
Die Wahl von Späth-Schweizer löste ein grosses nationales Presseecho aus. Im Bürgerrat war sie für die Unterbringung von jugendlichen Riehener Bürgerinnen und Bürgern bei Pflegeeltern zuständig. Später gehörte sie zu den Gründerinnen der Bürgerinnenkorporation Riehen und war während vieler Jahre auch Mitglied der Turnerinnen Riehen.
Späth-Schweizer starb 1990 im Alter von 82 Jahren in Riehen.
2008, fünfzig Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts auf Bürgergemeindeebene, weihte die Gemeinde Riehen zu Ehren ihrer ersten Bürgerrätin das Gertrud Späth-Wegli ein.
Autorin / Autor: Isabel Koellreuter | Zuletzt aktualisiert am 16.6.2022
Lehmann, Fritz: Das alte Wirtshaus zu Dreikönig. In: Jahrbuch z’Rieche 1984. S. 71–93.
Hess, Stefan: Späth [-Schweizer], Gertrud. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D49649.php (16.06.2022).
Koellreuter, Isabel et al.: Herrschaft und Gemeinschaft. In: Schnyder, Arlette et al.: Riehen – ein Portrait. Basel 2010. S. 41–71, hier S. 51.