Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/71297

<h2>SubmittedText<h2><p>Alle Studien zur Gesundheit am Arbeitsplatz, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden, belegen, dass bei Angestellten hauptsächlich Stress zu gesundheitlichen Problemen führt.</p><p>Laut den Studien von Dr. Alain Kiener vom Seco und von Prof. Gianfranco Domenighetti tragen gute Arbeitsbedingungen massgeblich dazu bei, die gesundheitliche Belastung und somit auch die Zahl neuer IV-Bezügerinnen und -Bezüger zu verringern. Ist der Bundesrat bereit, Unternehmen zu belohnen, die solche Arbeitsbedingungen schaffen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Arbeitsbedingungen beeinflussen massgeblich das psychische, physische und soziale Befinden der Erwerbstätigen. Übermässige Belastungen am Arbeitsplatz können u. a. zu Stress führen. Untersuchungen zeigen, dass Stress der grösste Ursachenfaktor für Unbehagen, Anpassungsschwierigkeiten, Erschöpfung und Leiden der Arbeitnehmenden in ihrer Arbeitsumgebung zu sein scheint. Gemäss einer vom Seco im Jahre 2002 veröffentlichten Studie verursacht der Stress am Arbeitsplatz in der Schweiz Kosten von insgesamt über 4 Milliarden Franken pro Jahr.</p><p>Die erwähnte Stressstudie löste verschiedene Präventionsmassnahmen aus. In Zusammenarbeit zwischen der Föderation Schweizer Psychologen (FSP), Professoren der Universität Bern und der ETH, der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, dem Seco und der Suva wurde die Website www.stressnostress.ch erstellt, um Firmen und betroffenen Personen Hilfe anzubieten und Präventionsstrategien anzuregen. Die Website www.kmu-vital.ch der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz bietet ebenfalls Informationen zum Thema an. Zudem befassen sich heute auch verschiedene weitere Bundes- und Kantonsbehörden und einige Kranken- und Unfallversicherer mit der Verbesserung der psychischen Aspekte der Arbeitsbedingungen. Den Arbeitsinspektoraten steht für den Umgang mit psychosozialen Risiken ein Leitfaden zur Verfügung. Die Erkennung und Wiedereingliederung von betroffenen Personen ist auch Gegenstand der Aktivitäten einiger Versicherer (Case Management) und der Ärzteschaft (FMH). Auf gesetzlicher Ebene hat die 5. IVG-Revision u. a. zum Ziel, die Massnahmen zur Wiedereingliederung der Betroffenen zu verbessern.</p><p>Der Schutz der Beschäftigten vor Unfällen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen gehört zur sozialen Verantwortung der Betriebe, ist aber auch eine rechtliche Verpflichtung jedes Arbeitgebers. Darüber hinaus gibt es jedoch auch ein erhebliches betriebswirtschaftliches Interesse, die notwendigen Massnahmen für die Sicherheit und die Gesundheit der Mitarbeitenden zu ergreifen. Schlechte Arbeitsbedingungen führen zu Arbeitsausfällen und damit zu Produktivitäts- und Profiteinbussen und verursachen hohe Rekrutierungs- und Ausbildungskosten. Investitionen in gute Arbeitsbedingungen zahlen sich deshalb zweifellos aus, was gleichsam als Anreiz und Belohnung für entsprechende unternehmerische Entscheide zu sehen ist. Betriebe, die gute Arbeitsbedingungen schaffen und damit ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen, darüber hinaus speziell zu belohnen, erachtet der Bundesrat nicht als notwendig. Die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften mit einer staatlichen Belohnung zu verknüpfen wäre zudem auch rechtlich und politisch problematisch.</p>  Antwort des Bundesrates.