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|Alois Gamma-Herger

1913-2004
Vorbemerkung:
Mein Schwiegervater war ein bescheidener, seelenguter Mann. Ich habe ihn erst kennen lernen dürfen, als er schon pensioniert war. Ich erlebte ihn als vorbildlichen, sanften und bescheidenen einfachen Menschen. Das Schicksal hatte ihm verwehrt, einen richtigen Beruf zu erlernen oder zu studieren, wozu er die Voraussetzungen mit Sicherheit mitgebracht hätte.Niemals habe ich ihn jedoch verbittert über diesen Verzicht reden hören. Nur wenn er mir von den zahllosen Erniedrigungen und seelischen Verletzungen durch unmenschliche und unfähige Vorgesetzte im „Schächenwald“, seinem lebenslangen Arbeitgeber, erzählte, brach all der Schmerz in einer Heftigkeit auf, dass ich voller Betroffenheit und voller Mitgefühl im zuhörte und erahnen konnte, welche Last dieser sanfte Mann in seinem Leben geduldig getragen hatte. Alois Gamma - Herger ist in diesem Sinne für mich ein wichtiges Friedens-Männervorbild geworden, dem ich für sein stilles Dasein unendlich dankbar bin.Es soll daher der Nachruf, den seine Kinder für ihren Vater anlässlich der Beerdigung vom 26. November 2004 verfasst haben und der von seiner Enkelin Sonja Böni verlesen wurde, hier im Wortlaut abgedruckt werden:

Nachruf:
„Alois Gamma, genannt Wisi, begann seinen Lebensweg am 11. Februar 1913 im Wyer in Schattdorf. Dort wurde er den Eltern Johann und Magdalena Gamma-Arnold als zweites Kind in die Wiege gelegt. Zusammen mit seinen sieben Geschwistern verbrachte er eine bescheidene, aber schöne Kindheit. Als er zehn Jahre alt war, wurde die Familie von einem harten Schicksalsschlag getroffen. Kurz nach der Geburt des achten Kindes starb die Mutter im Kindsbett. Somit lernte Wisi schon früh den Ernst des Lebens kennen, war aber dankbar, dass die Familie zusammenbleiben durfte. Neben seiner kräftigen Mithilfe auf dem Bauernhof war er ein tüchtiger Schüler. Als der Lehrer dem Vater vorschlug, Wisi studieren zu lassen, meinte der Vater: «Dähäimä hemmer mäini gnüäg z tüä!»
Die landwirtschaftliche Arbeit gefiel Wisi, doch musste er schon in jungen Jahren im «Schächenwald» arbeiten, um die Familie finanziell zu unterstützen. Dort arbeitete er bis zur Pensionierung. Im «Sehächenwald» lernte Wisi auch Marie Herger, seine zukünftige Frau, kennen. Am 27. Oktober 1945 schlossen die beiden in der Pfarrkirche von Schattdorf den Bund fürs Leben. In den folgenden Jahren wurden ihnen sieben Kinder geschenkt, wovon eines kurz nach der Geburt starb. Mit gemeinsamen Kräften arbeiteten sie für das Wohl der Familie. Geld für Ferien war zwar nicht vorhanden, doch durften sie alle zusammen alljährlich drei erlebnisreiche Wochen auf dem Urnerboden verbringen.
Wisi setzte seine Zeit auch für öffentliche Ämter ein. In der Jungmannschaft, die damals ein grosser und wichtiger Verein war, amtete er im Vorstand, unter anderem auch als Präsident. Als Sekretär, Vizepräsident und Präsident war Wisi im Vorstand der Raiffeisenbank Schattdorf tätig. Die gleichen Ämter besetzte er auch im Bürgerrat. Zusätzlich vertrat er im Korporationsrat das Wohl seiner Gemeinde. Überall schätzte man seine faire und bescheidene Art.
Wisi war dank seiner grossen Lebensfreude überall sehr beliebt, sein Bekanntenkreis war gross. Stets fand er Zeit, bei lüpfiger Musik gekonnt das Tanzbein zu schwingen oder mit seinen Freunden einen gemütlichen Jass zu klopfen. Nach seiner Pensionierung genoss er es, mit Marie die gemeinsamen Reisepläne zu verwirklichen. Sie begannen mit einer Tulpenfahrt nach Holland; Osterreich, Spanien, Frankreich und Italien waren weitere Reiseziele. Von überall her brachten sie schöne Erinnerungen nach Hause. In den 59 Ehejahren verstärkten die beiden ihre Verbundenheit mit der Familie bei vielen Festen zu Hochzeits- und Geburtstagen. 20-mal wurde Wisi Grossvater und sechsmal Urgrossvater. Ohne grosse Altersbeschwerden durfte er über 91 Jahre alt werden.
Am Donnerstag, 18. November, musste Wisi infolge eines Schlaganfalls notfallmässig ins Spital eingeliefert werden, wo er am 20. November im Beisein seiner Lieben friedlich einschlief. - «Liäbä Dädi, miär danket diär fir alles!»“