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Albert Rösti hat es direkt im ersten Anlauf geschafft, Elisabeth Baume-Schneider brauchte drei Runden, bis klar war, wer gewählt ist. Die Wahl von Rösti war erwartet worden, jene von Baume-Schneider ist eher eine Überraschung. Eine einzige Person machte bei ihr den Unterschied. Sie setzte sich mit 123 von 245 gültigen Stimmen gegen die Baslerin Eva Herzog durch.
Mit Baume-Schneider wählt die Bundesversammlung eine Politikerin mit viel Exekutiverfahrung in die Landesregierung. 2002 wurde sie in die Regierung des Kantons Jura gewählt. Sie leitete während drei Amtszeiten bis 2015 als Regierungsrätin das Departement für Bildung, Kultur und Sport. Seit 2019 ist Baume-Schneider Ständerätin. In der kleinen Kammer vertritt sie als Präsidentin der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie wichtige Dossiers.
Baume-Schneider hat sich während ihrer ganzen Karriere für soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Sie hat ein ländliches Profil und präsentiert sich als bodenständige Sachpolitikerin, die sich für ihre Werte einsetzt.
Baume-Schneider ist zweisprachig und sieht sich als Brückenbauerin zwischen den Landessprachen. Ihre Wahl ist historisch: Der erst seit 1979 existierende Kanton Jura ist zum ersten Mal im Bundesrat vertreten. Und erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Bundesstaates sind die Deutschschweizer im Bundesrat in der Minderheit.
Die knappsten Entscheide
Röstis Wahl ist insofern bemerkenswert, als er direkt in der ersten Runde gewählt wurde. Von den sieben im Bundesrat schafften das nur Viola Amherd und Karin Keller-Sutter vor vier Jahren. Vor Rösti, Amherd und Keller-Sutter war Bundesrätin Doris Leuthard 2006 die letzte Kandidatin, der eine Wahl im ersten Wahlgang gelang.
Im zwanzigsten Jahrhundert war nur selten mehr als ein Wahlgang nötig. Und die Kandidaten erreichten zum Teil markante Vorsprünge. Den Rekord hält Arthur Hoffmann, der 1911 im ersten Wahlgang mit 89 Stimmen über dem absoluten Mehr gewählt wurde. Ähnlich imposante Ergebnisse erzielten 1977 Fritz Honegger mit 68 Stimmen über dem absoluten Mehr und 1979 Pierre Aubert mit 73.
Am anderen Ende der Skala stehen vier Bundesräte, die sechs Wahlgänge benötigten: Jakob Stämpfli 1855, Jean-Jacques Challet-Venel 1866, Samuel Schmid 2000 und Joseph Deiss 1999. Letzterer sorgte für das knappste Wahlergebnis in der Geschichte: Er legte im sechsten Wahlgang eine Punktlandung aufs absolute Mehr hin.
Ebenfalls zäh waren in den letzten dreissig Jahren die Wahlen von Johann Schneider-Ammann (2010), Micheline Calmy-Rey (2002), Pascal Couchepin (1998) und Moritz Leuenberger (1995): Sie alle benötigten fünf Wahlgänge.
(sda/ise)