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Sieben Jahre nachdem Aufstieg und Fall der Telekommunikationsbranche mit einer Flut von Glasfasernetzen an den Börsen 2 Billionen Dollar vernichtet hatten, wird nun eine neue Runde für Investitionen in die schnellen Netze eingeläutet. In den vergangenen 18 Monaten hat ein gutes Dutzend Telekom-Gesellschaften begonnen, Unterwasser-Glasfaserkabel im Wert von mehreren Mrd Dollar in die Meere zu versenken.
Vier Kabelausfälle in den vergangenen Wochen – zwei vor der ägyptischen Küste und zwei im Persischen Golf – zeigten ganz unmittelbar, wie wichtig, aber auch anfällig das bestehende Netz ist. Ägyptens Verbindungen ins Ausland waren plötzlich zu 70% unterbrochen, Indien verlor die Hälfte seiner Bandbreite, Börsen- und Internetgeschäfte waren extrem behindert.
Ein «elektronischer Suez-Kanal»
Die Konsequenz: «Wir haben gesehen, dass wir noch mehr Kabel bereitstellen sollten, damit die Weltwirtschaft grössere Ausfälle wie diesen aushalten kann», sagt Amr Badawi, Telekom-Regulator in Ägypten. Sein Land kündigte einen 125-Mio-Dollar-Vertrag für den Bau eines Unterwassernetzwerks über 3200 km bis nach Marseille an. Neun Projekte quer durch Ägypten befinden sich in Planung. Beteiligt sind so namhafte Unternehmen wie Telecom Italia, Verizon und die indischen Bharti Enterprises sowie VSNL. «Wir sprechen von einem ‹elektronischen Suez-Kanal›», so Badawi.«Der im Jahr 2000 prognostizierte Internetboom findet erst jetzt statt», glaubt Srinivasa Addepalli, Senior Vice President von VSNL, einer Tochter der indischen Tata Group. Zu einem grossen Teil ist dieser Boom den «Netzwerk»-Seiten wie YouTube zu verdanken, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gab und die dazu beitragen, dass die Internetbandbreite seit 2002 weltweit um durchschnittlich 50% gewachsen ist.Nach Analysen der US-Beratungsfirma Telegeography wird sich die Bandbreite in Zukunft alle 1,4 Jahre verdoppeln. VSNL gab im Dezember 2007 den Abschluss eines Vertrags über 250 Mio Dollar bekannt, in dessen Rahmen Glasfaserverbindungen zwischen dem indischen Finanzzentrum Mumbai und drei europäischen Hauptstädten gebaut werden sollen, die über Ägypten verlaufen. Die Firma Seacom aus Mauritius ist federführend beim 650-Mio- Dollar-Projekt an der Ostküste Afrikas. AT&T und Verizon haben mit dem Bau leistungsfähigerer Verbindungen im Pazifik begonnen.
Engpässe bei den Schiffen
Die Nachfrage nach neuen Kabelverbindungen kann derzeit nicht überall sofort bedient werden. Schiffe, die während des Booms in den 1990er Jahren zur Verlegung von Glasfaserkabeln benutzt worden waren, sind längst in der prosperierenden Öl- und Erdgasindustrie im Einsatz. «Glücklicherweise haben wir unsere eigene Flotte», freut sich David Coughlan von Tyco Telecommunications. Auch Alcatel, NEC und Fujitsu besitzen eigene Schiffe oder haben welche geleast, die Kabel verlegen und sie auch für Reparaturen heraufholen können. Nach Schätzungen von Telegeography werden im Atlantik und in den USA mehr als zwei Drittel der verlegten Kabel bis heute nicht genutzt und erst jetzt «eingeschaltet», das heisst, es müssen entsprechende optische Vorrichtungen zur Inbetriebnahme montiert werden.Satellitenverbindungen sind mittlerweile überholt, weil sie teurer sind, weniger Kapazität haben und Verbindungen dadurch viel langsamer sind. Wie Jorn Jespersen von Tele Grönland erzählt, seien in Grönland mit seinen 57000 Einwohnern bis spätestens 2013 die Satellitenkapazitäten erschöpft. Daher wurde im Dezember ein 145-Mio-Dollar-Vertrag mit Alcatel zur Verlegung von 4600 km Kabel über Neufundland und Island geschlossen, um Grönland besser ans Internet anzubinden und eine «digitale Kluft» zu vermeiden. «Die Menschen hier sollen so leben und arbeiten können wie in New York und Hamburg», hofft er. Angesichts dessen, dass sich die Baukosten von 5300 Dollar 1990 auf heute 350 Dollar pro km verbilligt haben, werden weitere, damals noch als unwichtig erachtete Verbindungen zwischen kleineren Ländern per Kabel geknüpft.Neu entstehende Ferienresorts finden so viel schneller weltweite Beachtung, aber auch die Sicherheit bei unvorhergesehenen Ausfällen der Verbindungen – wie bei dem Erdbeben in Taiwan im Dezember 2006, wo sieben der acht Kabel beschädigt wurden – kann weiter erhöht werden. Gerade der intensive Datenverkehr von und nach China ist auf eine Alternative angewiesen. Daher entsteht derzeit auch eine – politisch und geografisch nicht ganz problemlose – Verbindung zwischen China und Indien durch den Himalaya.
Fussball-WM als Treiber in Afrika
Vor allem Afrika, das wegen der schlechten Infrastruktur und der geringen Nachfrage von den Telekom-Firmen bisher übersehen wurde, rückt ins Zentrum der Bautätigkeit. Bisher besteht nur eine Leitung an der Westküste, die Südafrika mit dem Rest der Welt verbindet. Nun konkurrieren an der Ostküste vier Firmen um neue Projekte. Hintergrund natürlich: Die Fussball-Weltmeisterschaft 2010. Nicht nur hier sorgt man sich allerdings, ob jetzt nicht zu viele Verbindungen gebaut werden, die dann nicht (mehr) genutzt werden. «Keiner glaubt an einen Boom, bis er plötzlich einsetzt», sagt dagegen Nigel Bayliff von Flag Telecom aus Indien. Aus diesem Grund will der 34-jährige Präsident von Seacom, Brian Herlihy, auch unbedingt der Erste in den Gewässern vor der ostafrikanischen Küste sein. Er sagt, die bestehende Kapazität in ganz Afrika entspreche der des Häuserblocks in Manhattan, in der sein Büro untergebracht ist, und Afrika brauche dringend mehr Bandbreite. Wie er befürchten auch viele andere, trotz warnender Stimmen, keine erneute Pleite auf dem Glasfasermarkt, denn dieses Mal werde nach Nachfrage gebaut. Und ohne weiteren Ausbau werde das Internet die steigenden Anforderungen nicht bewältigen können.