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Diesem Zuckergehalt entsprechend, zeigt der Harn ein hohes spezifisches Gewicht von 1020-1050 und darüber. Bei der zweiten
Form der Harnruhr, dem Diabetes insipidus (geschmacklose, d. h. nicht süß schmeckende, Harnruhr), steigt
die Harnmenge oft auf 10-15 Lit. täglich, der Harn ist farblos, kaum spezifisch schwerer als Wasser, er wiegt ca. 1005, enthält
keine abnormen Bestandteile. In sehr seltenen Fällen geht die erste Form der Harnruhr in die zweite über, sonst sind es durchaus
verschiedene, nach Ursprung und Wesen noch wenig bekannte Prozesse.
Durch richtige Diät läßt sich oft ein Zuckergehalt von 7 Proz. und mehr auf 1 Proz.
oder bis auf Spuren herabsetzen. In leichten Fällen verschwindet der Zucker auch wohl ganz oder kehrt erst nach Monaten wieder,
wenn die Kranken inzwischen die strenge Diät verlassen haben (intermittierender Diabetes). Die Harnruhr endet
in einer Minderzahl von Fällen mit völliger Heilung, meistens führt sie nach längerm Verlauf zum Tod. Ein Teil der Kranken
erliegt einem der aufgezählten Folgezustände, namentlich der Schwindsucht, ein andrer geht an einem Schlaganfall (Gehirnblutung)
zu Grunde, in den akuten Fällen tritt der Tod ein während eines Anfalls schwerer Bewußtlosigkeit (Coma
diabeticum).
Was die Behandlung der Zuckerharnruhr betrifft, so sind die verschiedensten Mittel und Kurmethoden in der Hauptsache
erfolglos angewendet worden. Von günstigem Einfluß (aber sehr gegen die Neigung der Kranken) ist es, wenn sich dieselben
an eine vorzugsweise animalische Kost halten und möglichst wenig stärkemehl- und zuckerhaltige Nahrung zu sich nehmen. Als
Ersatz des Zuckers ist das intensiv süß schmeckende Saccharin empfohlen worden. Unter den Arzneimitteln
bewirken neben Opiaten die kohlensauren Alkalien eine sichere, aber geringe Verminderung der Zuckerausscheidung. Im besten
Ruf steht der Gebrauch der Quellen von Karlsbad und Vichy. Bei einer mehrwöchentlichen Trinkkur in Karlsbad verschwindet der Zucker
aus dem Harn, das Körpergewicht nimmt zu, Durst und Urinabscheidung vermindern sich. Freilich ist dieser Erfolg
ein nur vorübergehender. Radikalmittel gibt es bis jetzt nicht.
2) Die geschmacklose Harnruhr (Diabetes insipidus) besteht gleichfalls in überreichlicher Harnausscheidung und maßlosem Durst,
aber der Harn enthält weder Zucker noch andre fremdartige Bestandteile. Da auch diese Form der Harnruhr nicht an die Erkrankung eines
bestimmten Organs gebunden ist, so bestehen über ihr Wesen nur Vermutungen; sie kommt bei Männern öfter
vor als bei Frauen, in früher Lebenszeit öfter als im Alter. Durch Haut
[* 7] und Lungen scheiden die Kranken nur sehr wenig Flüssigkeit
aus.
Dabei trinken sie angeblich 60-80 Schoppen in 24 Stunden. Auch das Hungergefühl ist bei der geschmacklosen Harnruhr beträchtlich
gesteigert. Bei manchen Kranken bleiben das Allgemeinbefinden und der Zustand ihrer Kräfte längere Zeit hindurch ungestört.
Bei andern treten frühzeitig Verdauungsbeschwerden, Magenschmerz, Erbrechen, unregelmäßiger Stuhlgang, Abmagerung und Schwächegefühl
auf. Verlauf und Dauer der Krankheit sind verschieden. Bald entwickelt sie sich allmählich, bald tritt sie plötzlich ein.
Häufig kommen vorübergehende Besserungen vor. Gewöhnlich dauert die Krankheit viele Jahre an, ohne
das Leben zu
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bedrohen. Nur selten scheint die Krankheitan sich, ohne daß eine Komplikation hinzutritt, durch Erschöpfung zu töten; meist
schließt sich ihr eine Lungenschwindsucht oder Lungenentzündung an, manche Kranke sterben an Krebsgeschwülsten. Ebenso muß
es aber auch als eine Ausnahme angesehen werden, wenn einmal eine vollständige und dauernde Heilung der geschmacklosen
Harnruhr erfolgt. Unter den vielfachen, meist erfolglos angewandten Mitteln gegen die geschmacklose Harnruhr stehen das Opium und der Baldrian
in erster Linie.