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... oder Lewis Edson Waterman? 1883? Falsch!
Viele Erfindungen erlangen Berühmtheit mit der Beantragung und Bewilligung eines Patents. Der Patentsteller wird unweigerlich als Erfinder betitelt. Dieser Titel muss aber nicht zwingend zutreffen. Viele Erfindungen wurden ursprünglich verkannt oder nicht fertig entwickelt. Meist sind es andere, die eine Idee weiterentwickeln und sie zur nützlichen Erfindung reifen lassen.
Wer kennt zum Beispiel den Engländer Thomas Hancock? Niemand? Wer kennt den Amerikaner Charles Goodyear? Aha, der Erfinder des Gummis, welcher 1844 die Vulkanisation von Kautschuk patentieren liess und damit berühmt wurde. (Goodyear war allerdings mit der Vermarktung etwas glücklos. Die große Reifenfabrik seines Namens wurde erst Jahrzehnte nach seinem Tod gegründet).
Dass wenige Wochen vorher ein Thomas Hancock „die Vulkanisation von Kautschuk mit Schwefel“ hat patentieren lassen, ist nur wenigen bekannt. Vielleicht liegt der Grund darin, dass Hancock mit seinem Gummi Kunstleder und gummierte Textilien herstellte (heute: Mackintosh-Mäntel) und von diesen maximal nur einer getragen wird, währenddessen ein Auto doch mindestens vier Pneus braucht.
Auf alle Fälle ist die Vulkanisation von Kautschuk auch für die Füllfederindustrie nicht unbedeutend. Wurde doch um 1860 damit begonnen, Hartgummi als Basismaterial für die Füllerproduktion zu nutzen.
Auch Lewis Edson Waterman - seines Zeichens Versicherungsvertreter - wurde nicht als Erfinder geboren. Es ist dem Umstand geschuldet, dass die Füllfederhalter aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht zuverlässig waren. Auslaufen, kein regelmässiger Tintenfluss und spontanes Klecksen waren an der Tagesordnung. Waterman war es, der sich Gedanken dazu machte und als Resultat seiner Überlegungen den „modernen“ Tintenleiter erfand. Seine Geschäftstüchtigkeit, aber auch sein grosses Verständnis für Marketing, führte neben der eigentlichen Erfindung dazu, dass seine Füllfederhalter nicht nur zum geschäftlichen Erfolg wurden, sondern der ganzen Branche einen Schub verliehen, der viele Jahrzehnte des ständigen Wachstums einleitete.
Auf den folgenden Seiten versuche ich einen roten Faden zur Entwicklung des Füllfederhalters zu legen.
Seit bald 30 Jahren sammle, restauriere und dokumentiere ich alte Füllfederhalter. Im Rahmen meiner Sammlertätigkeit sind mir insbesondere zwei Marken mit den Namen "ASKA" und "Monte Rosa" aufgefallen. Meine Recherchen ergaben, dass es sich hier um zwei Marken handelt, deren Ursprung in der Schweiz liegen. Im Gegensatz zu den grossen europäischen und amerikanischen Marken ist weder in der Literatur noch im Internet etwas Konkretes über alte Schweizer Füllfedern dokumentiert.
Deshalb betrachte ich es als erstrebenswert, mittels umfassende Recherchen einen Überblick über die Produktion und den Vertrieb von Füllfedern in der Schweiz zu schaffen und aufzeigen, dass auch in der Schweiz eine - wenn auch kleine, aber feine – Füllfederhalter und Goldfeder-Produktion stattgefunden hat.
Vielen Dank für Ihre Mithilfe.
Daniel C. Holzer