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Die psychologische Forschung kennt den Begriff der «sich selbst erfüllenden Prophezeiung». Damit wird eine Erwartungshaltung bezeichnet, die leicht zur Realität werden kann. In der Heilkunde spielt dieser Mechanismus eine wichtige Rolle. Studien zeigen, dass die eigene Einstellung zu einer Krankheit ihren Verlauf erheblich beeinflusst.
Forscher fanden im Blut von optimistisch eingestellten Menschen mehr Abwehrzellen als bei Patienten, die ihren Fähigkeiten zur Heilung wenig vertrauten. Dabei spielen komplexe Wechselwirkungen mit: Wenn Menschen im Umfeld von Erkrankten Ängste schüren, können sich die Beschwerden verstärken. Durch Befürchtungen und Verunsicherung werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die ihrerseits die Abwehrkraft des Immunsystems reduzieren.
Wenn Menschen in der Umgebung dagegen einfühlsam und aufmunternd sind, wirkt dies durch die Ausschüttung entsprechender Hormone heilungsfördernd und entspannend; und es lindert das Schmerzempfinden. Hier bewahrheitet sich die Redewendung «geteiltes Leid ist halbes Leid».
In Untersuchungen wurden in Gemeinschaften eingebettete mit sehr isoliert lebenden Personen verglichen. Die erste Gruppe fühlte sich im Durchschnitt wohler und insgesamt weniger krank. Dagegen weisen einsame Menschen im Durchschnitt einen höheren Blutdruck und einen höheren Blutzuckerspiegel auf und ihre Immunabwehr ist schwächer. Sie neigen vermehrt zu Depressionen, zu Angststörungen, zu Herzkrankheiten sowie zu Schlaganfällen. Ihr Gesundheitszustand ist ähnlich ungünstig wie der von starken Rauchern. Daher ist es wichtig, bereits in gesunden Tagen seine zwischenmenschlichen Beziehungen zu pflegen.
Ob eine Erkältung oder eine Nierenkolik, jede Krankheit verändert den gewohnten Alltag der Patientin oder des Patienten. Ob man sich als hilfloses Opfer einer Krankheit oder aber als Mensch, der aktiv am Heilungsprozess mitwirkt versteht, beeinflusst die Genesung.
Krankheiten und Unfälle verunsichern viele Betroffene. Ihr Körper funktioniert mit einem Mal nicht mehr in der bis anhin gewohnten Weise. Sie verspüren beunruhigende Beschwerden, deren Ursprung sie nicht kennen. Sie müssen sich in die Hände von ärztlichem und pflegerischem Personal begeben, sie sind auf die Unterstützung von Angehörigen oder von Nachbarn angewiesen. Diese ungewohnten Erfahrungen beunruhigen.
Die Krankheit kann alles überschatten und die Lebensqualität reduzieren; doch den zermürbenden Grübeleien sollte man nicht zu sehr nachgeben.
Von trüben Gedankengängen kann man sich distanzieren, indem man seine Aufmerksamkeit immer wieder auf den eigenen Atem richtet.
In Grossbritannien haben Forscher ermittelt, dass bei an Depressionen oder Angststörungen erkrankten Patienten das Risiko von Komplikationen nach einer Operation erhöht ist.
Daher ist es wichtig, sich von trüben Gedanken und von Ängsten nicht völlig vereinnahmen zu lassen und seinen Fokus auch auf erfreuliche Momente zu richten, beispielsweise ein tröstendes SMS oder eine einfühlsame Assistentin in der Arztpraxis. Diese Erfahrungen sollten sehr bewusst genossen werden; denn sie reduzieren die destruktive Wirkung von Ängsten.
Im Weiteren unterstützen auch regelmässig praktizierte Entspannungsübungen den Heilungsverlauf.
Für eine Studie der Universität Göttingen versetzten sich Patientinnen und Patienten, die an chronischen Rückenschmerzen, Migräne oder Rheuma litten selber täglich in einen Entspannungszustand, zusätzlich nahmen sie wöchentlich an einer Therapiegruppe teil. Nach neun Wochen senkte sich der Verbrauch von Schmerzmitteln bis zu 75 Prozent.