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Belena
für Sprecherin o. Sprecher und Orchester (Texte von François Debluë und Guy Krneta)
Sehr gerne habe ich dem Wunsch von Kaspar Zehnder entsprochen, im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums des Sinfonie Orchesters Biel Solothurn, ein zweisprachiges Melodrama mit Biel-Bezug für Sprecherin und Orchester zu schreiben.
Meine persönliche musikalische Entwicklung ist mit dem Bieler Musikleben eng verbunden. 1976 habe ich im Rahmen der Sommerkonzerte als Klarinettisten mitwirken dürfen. Als Berufsschüler am Berner Konservatorium in der Klasse von Kurt Weber hatte ich damals die Gelegenheit, als Solist ein Konzert (C.M. von Webers „Concertino“) mit einem professionellen Orchester zu spielen. Ein unvergessliches Erlebnis. Offenbar hatte es auch Folgen, ich habe erst letzthin erfahren, dass Stephan Siegenthaler, ein Freund unserer Familie, sich nach dem Konzert entschieden hatte, Klarinette zu studieren! Im Rahmen des Sommerorchesters hatte ich auch die Gelegenheit, unter dem Motto „Orchestermusiker dirigieren“, im Stadtpark erstmals den Taktstock zu schwingen: Ich dirigierte die Ouvertüre zu Mozarts „Schauspieldirektor“. Im Nachhinein „protestierten“ die verbleibenden Bläserkollegen (die 2. Klarinette war ja „ausgestiegen“), ich hätte sie zu Unrecht während der Probe aufgefordert, alleine eine bestimmte Passage zu spielen!
Als Komponist hatte ich später das grosse Glück, drei Uraufführungen mit dem Orchester zu erleben:
Jost Meier dirigierte 2006 mein ALIZÉ mit dem exzellenten Solisten Markus Niederhauser (Bassklarinette und Kontrabassklarinette) meisterhaft.
Später ertönte anlässlich eines Projektes von „l’art pour l’Aar“, jener Reihe, die regelmässig Konzerte in Bern und Biel organisiert, TSCHARA für Flöte und Orchester, perfekt interpretiert von Polina Peskina und dirigiert von ... Kaspar Zehnder (2007).
2009 fand die spannende Uraufführung vom Hornkonzert MANA statt, mit Olivier Darbellay als Solisten und Thomas Rösner am Dirigentenpult.
Die vierte Uraufführung, BELENA (die keltische Göttin des Lichtes und der Liebe gab der Stadt Biel den Namen) ist eine Hommage an sein Orchester, das sich immer wieder für neue Werke engagiert hat.
Mit dem Dichter François Debluë habe ich wiederholt gearbeitet. Kennengelernt habe ich ihn im Zusammenhang mit meiner Arbeit als Komponisten und später als "directeur musical" des "Festival franco-anglais de poésie" in Paris. Jacques Rancourt, ein zweisprachiger kanadischer Dichter leitete dieses jährliche Ereignis viele Jahre lang. Er hatte mich gefragt, ob ich bereit wäre, die aus der "Francophonie" und aus den englischen Sprachregionen stammenden Texte zu vertonen. Ich entschied mich damals, im Sinne des Melodramas vorzugehen, da es ja um subtile Gedichte ging, die beim Vortrag für das Publikum in jedem Detail verständlich sein mussten eine Musik „unter“, nicht „über“ den Text zu schreiben.
Ich habe François Debluë nun gebeten, für BELENA einen Text in der "Perspektive" des Bielers Robert Walser zu verfassen, der auf die Region Bezug nimmt. Es entstand ein "fiktiver Brief" des Dichters an eine noble Dame, deren Diener er hätte sein können. François Debluë schildert in seiner "Onzième rêverie" die Geschichte von Jean-Jacques Rousseau (übrigens der Verfasser von „Pygmalion“, dem ersten Melodrama der Musikgeschichte!) der auf der St. Petersinsel weilte, flüchten musste, und, in Môtiers fast gesteinigt wurde...
Mit Guy Krneta, der das Literaturinstitut in Biel mitbegründete, verbinden mich viele spannende Erlebnisse (er war unter anderem mein Klarinettenschüler!).
Er erhielt den Text von François Debluë und reagierte auf die Fragen, die von ihm aufgeworfen wurden mit einer Meditation über den Bielersee. Die Idee der fliegenden Steine, das "Schieferen", die "Sprache des Wassers", seine Aggregatszustände... Berndeutsch musste es sein! Ich war auch von diesem Text begeistert. So schob ich ihn in den französischen ein, als Kommentar zur Geschichte von Rousseau, quasi.
Das kompositorische Vorgehen ergab sich aus dem Klang der Sprachen, der Dramaturgie und den verbindenden örtlichen historischen Ereignissen.
Welch ein unglaublicher Zufall: Kaspar Zehnders Sohn schenkte ihm in der Zeit der Entstehung der Partitur zum Geburtstag einen wunderbar bemalten Aare-Schieferstein als Briefbeschwerer!
J-L. D.