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Die Wahlen kommen
Ich habe die Wahl.
Im Lebensmarkt stehe ich vor dem Regal und möchte einen Joghurt kaufen. Ich kann wählen zwischen einem schier unendlichen Angebot von Geschmacksrichtungen und Marken. So wird die Wahl oft zur Qual.
Noch komplizierter wird es, wenn politische Wahlen anstehen, zum Beispiel am 29. September in Österreich oder am 20. Oktober in der Schweiz...
Die ehemaligen Machtblöcke in Ost und West stehen sich heute so nicht mehr gegenüber. Die Einkommensschere geht weiter auseinander, aber die klassische, vielleicht auch organisierte Arbeiterschicht gibt es so nicht mehr. Neue Themen haben an Bedeutung gewonnen: Ist es nun besser SUVs zu verbieten oder sollte die Politik Anreize für ökologische Antriebstechniken schaffen?
Weil alles so kompliziert geworden ist, gehen heute viele gar nicht mehr wählen oder geben ihre Stimme jenen Populisten, die Ängste schüren und auf komplizierte Fragen mit einfachen Slogans antworten.
Für mich ist es hilfreich, dass die für mich wichtigste Wahl schon gefallen ist: In meiner Taufe hat ein Anderer gewählt. Und der hat Ja zu mir gesagt.
Ich stehe also vor dem Regal, wäge meine Kriterien und treffe eine Wahl, kaufe einen Joghurt. Vielleicht hätte es noch einen günstigeren gegeben, vielleicht wäre ein anderer noch gesünder. Aber ich habe, was ich wollte, einen Joghurt. Die Wahl lass ich mir nicht nehmen.
Von der Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen, bin ich befreit. Die wichtigste Wahl ist ja bereits getroffen. Aber gerade so bin ich frei und kann meiner Verantwortung angstfrei nachkommen. Wer wollte schon sich aus Angst für einen bestimmten Joghurt entscheiden? Angst ist bei Wahlen nie ein guter Ratgeber.