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Lieber Minister. "Wir" werfen überhaupt kein Geld für ein Ozeanium auf. Es wird, wie im obigen Artikel beschrieben, ausschliesslich (!) mit Spendengeldern finanziert. Sie sind aber sehr gerne eingeladen, auch zu spenden - zum Beispiel für die von Ihnen aufgeführten grossen und wichtigen Probleme. Entsprechend macht es wenig Sinn zu fordern, der Betrag solle in andere Projekte gesteckt werden: jede/r kann und soll selbst bestimmen, wohin das eigene Geld gespendet werden soll. Und offensichtlich finden relativ viele Geldgeber, dass das Projekt Ozeanium es wert ist, grössere Beträge zu spenden.
Herr Weber, ich glaube wir sind uns hier alle einig, dass der Schutz der Meere ein absolut zentrales Thema ist, dessen wir uns als Gesellschaft schnellstmöglich annehmen sollen und müssen. Allerdings scheint mir, vermischen Sie diese Thematik nicht unbedingt zielführend mit dem Ozeanium.
- Die "später im Meer fehlenden Fische" werden nicht durch das Ozanium verursacht, sondern durch Überfischung, Übersäuerung, Erwärmung etc.
- Das Ozeanium wird mit Sicherheit das Problem des Mikro- und Makroplastik in den Weltmeeren thematisieren und hierzu professionell und transparent informieren, wie es sich für eine solche Institution gehört. Die Bevölkerung kann also auf diesem Weg wirksam aufgeklärt und sensibilisiert werden. Meines Wissens sind auch Kooperationen mit Meeresforschungsstationen geplant, die neueste wissenschaftliche Erkenntnisse an die Bevölkerung weitergeben können.
- Sie reden immer wieder von den Millionen, die man auch anders investieren könnte. Diese Millionen, 57 bis jetzt an der Zahl, sind ausschliesslich (!) Spendengelder. Sie brauchen sich also nicht zu sorgen, dass ihr Steuergeld für etwas ausgegeben wird, dass Sie nicht möchten. Völlig offensichtlich gibt es aber Leute, die ihr Geld gerne diesem Projekt zur Verfügung stellen, weil sie es sinnvoll finden.
Da das Projekt weder profitorientiert ist (der Zoo ist eine private non-profit-Aktiengesellschaft), noch den Steuerzahler etwas kosten wird (ausschliessliche Finanzierung durch Spendengelder), gibt es meiner Meinung nach "nur" ein konkretes (aber wichtiges) Gegenargument: das Tierwohl. Wie bereits ausgeführt, werden vergleichsweise wenige Tiere ihrem Habitat entnommen. Für diese Individuen ist das nicht toll, da gibt es wohl keine zwei Meinungen. Dennoch wird die Haltung so tierfreundlich wie irgend möglich umgesetzt werden. Es arbeiten zudem kompetente Meeresbiologen beim Zoo, die sich für das Tierwohl einsetzen. Die bestmöglichen Voraussetzungen werden also gegeben sein. Wer sich aber trotzdem darüber empören möchte, sollte sofort aufhören, tierische Proteine jedwelcher Art zu sich zu nehmen. Die meisten Tiere, die wir jeden Tag bedenkenlos zu uns nehmen haben keinen einzigen Tag in Freiheit erlebt und werden grösstenteils unter prekären, artfremden Bedingungen gehalten. Und hier sprechen wir von Milliarden Tieren weltweit. Setzen Sie sich dagegen ein!
Im Interview wird zum Beispiel von Haien gesprochen. Pro Jahr werden etwa 35 Millionen Haie gefischt. 35 Millionen! Das sind beinahe 100.000 Tiere pro Tag. Und das nur, um die Flossen "zu ernten", der Rest der Tiere wird zurück ins Wasser geworfen. Googeln Sie "shark-finning". Das sind die wirklichen Probleme. Wenn im Ozeanium 2, 3 Haie schwimmen, die dann als Botschafter für solche Problematiken herhalten können, ist das aus meiner Perspektive absolut vertretbar.
Versuchen wir also, die grossen Probleme der Weltmeere nicht dem Ozeanium zuzuschieben. Dieses wird die Probleme nicht vergrössern, hat aber durchaus Potential, mit guten Ausstellungen, Führungen, Vorträgen, Schulungen etc. die Bevölkerung zu sensibilisieren und aufzuklären.
Naja, sorry, Herr Lehmann, aber dieses Interview ist doch eher schwach. Bin selber Zoologe. Wenn man sich schon aus dem Fenster lehnt und so ein Statement abgibt, sollte man sich zuerst mit dem vorliegenden Projekt befassen.
Zitat 1: "Mittlerweile ist aber nachgewiesen, dass einige Fischarten ähnlich Schmerzen, Stress, Langeweile, Einsamkeit oder Angst empfinden wie wir Menschen." Wichtig in diesem Satz: das Wörtchen "einige". Ob diese wenigen Arten im Ozeanium vorgesehen sind, weiss noch niemand, ganz bestimmt nicht Herr Lehmann. Die meisten gezeigten Arten werden kaum solche Eigenschaften besitzen.
Zitat 2: "Eine artgerechte Haltung ist vielleicht bei Vogelspinnen möglich, bei Fischen geht das aber genauso wenig wie bei Elefanten oder Tigern." Fische mit Säugetieren zu vergleichen ist absoluter Mumpitz. Setzieren Sie einmal ein Fisch und suchen Sie nach dem Gehirn. Schon alleine die physiologischen Unterschiede sollten einem Laien klar machen, dass da Äpfel mit Birnen verglichen werden.
Zitat 3: "Ich wollte keine Tiere mehr einfangen und einsperren. Je mehr ich sie in freier Natur beobachtete, desto weniger wollte ich ihnen ihre Freiheit nehmen." Das ist ja schön und gut, ich bin selber sehr tierliebend, daher meine Berufswahl. Wenn ich aber bei einer sehr kleinen Fluktuation von Individuen die Tiere in Basel anschauen kann, fliege ich vielleicht nicht ans Rote Meer. CO2-Ausstoss vermindert, Stress der Tiere im eigenen Lebensraum vermindert, Schäden an Korallenriffen durch unvorsichtige Taucher vermindert etc. etc. Es ist sehr gut, dass nicht alle Menschen mit jungen 35 Lenzen bereits 100 Länder bereist haben wie Herr Lehmann.
Zitat 4: "Sie waren derart gestresst und geschwächt vom Fang, Transport und der Eingewöhnung, dass sie nicht lange überlebten. Oder wenn sie im Aquarium landeten, dann starben sie kurze Zeit später. Viele Meeresfische sind sehr empfindlich und können sich dem Aquariumleben nicht wirklich anpassen." Wurde vom Zoo bereits mehrfach wiederlegt. Die Zahlen zu den Sterberaten des Vivariums sind einsehbar, auch diejenige der Transporte. Beide sind extrem tief. Warum sich dies beim Ozeanium ändern soll, entzieht sich meiner Wahrnehmung.
Zitat 5: "Tiere einzufangen, einzusperren und Geld damit zu machen ist nicht mehr zeitgemäss. Es geht nur darum, die Tiere für Geld zur Schau zu stellen. Es ist nicht mal ein Projekt, mit dem Forschung betrieben wird oder die Haltung von Meerestieren verbessert werden soll." Der Zoo verdient kein Geld. An dieser Aussage spürt man am besten, dass sich Herr Lehmann kein bisschen mit dem Zoo oder dem Ozeanium auseinandergesetzt hat. Forschung ist zudem, wie bereits im Zoo vorgelebt, vorgesehen. Fragen Sie einmal Basler Biologiestudierende, wieviele von ihnen ihr Forschungsprojekt im Zoo Basel absolvieren. Viele Studis werden froh sein, das im Ozeanium tun zu können.
Zitat 6: "Darüber kann ich nur lachen. Es gibt Salzwasserfische wie beispielsweise den Banggai-Kardinalfisch, die an den Rand der Ausrottung getrieben wurden, weil sie gerne als Aquarienfische gehalten werden." Wieder ein Vergleich von Äpfel und Birnen. Es geht hier nicht um den Fang für private Aquarien. Der Zoo arbeitet seit vielen Jahren mit ausgesuchten, spezialisierten Fangfirmen zusammen, die gezielt einzelne Individuen aus gesunden Populationen extrahieren. Das Equilibrium wird nicht gestört, genauso gut hätte das Individuum von einem Prädator gefressen werden können. Hier vorzuzeichnen, Populationen könnten durch das Ozeanium gefährdet werden, ist völlig realitätsfremd und zeugt, einmal mehr, von keiner Kenntnis des Projektes.
Summa summarum wirklich ein schwaches Interview. Ich hoffe, die Basler Bevölkerung informiert sich besser als Herr Lehmann.
Danke für den schönen Beitrag. Ich war als Student oft dort, einzigartige Atmosphäre! Die beiden sind wirklich jeden Tag (!) extrem gut gelaunt und tragen so zum eigenen Wohlbefinden bei. Die Qualität der Sandwiches ist top. Was mir zu kurz kommt im Artikel ist die Tatsache, dass auch andere warme Speisen angeboten werden. So steht die "Mamma" beispielsweise jeden Morgen um 04.00 auf um die wirklich ausgezeichnete Lasagne zu produzieren. Probieren Sie es aus, es lohnt sich!