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Bei der am 22. Juni 2012 zu Ende gegangenen Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung haben der UN-Bevölkerungsfonds (UNPFA), die Abtreibungslobby IPPF (International Planned Parenthood Federation) und deren verbündete Staaten wie zum Beispiel die USA und die Schweiz einen Rückschlag in ihrem Kampf für die Etablierung der Abtreibung als allgemeines Menschenrecht hinnehmen müssen.
Gemäss Bericht des katholischen Familien- und Menschenrechtsinstituts C-FAM hat eine Allianz der Länder Nicaragua, Costa Rica, Honduras, Dominikanische Republik, Chile, Russland, Ägypten, Syrien und der Vertretung des Heiligen Stuhls verhindern können, dass die reproduktiven Rechte in das Schlussdokument von Rio+20 aufgenommen wurde. Die Delegation aus dem links-regierten Nicaragua betonte, dass der Begriff „reproduktive Rechte“ bei der UNO lediglich einem verschlüsselten Synonym für „Abtreibung“ entspreche. Nicaragua sprach von „verbotenen Ausdrücken“, durch welche die Staaten dazu genötigt würden, ein Dokument zu akzeptieren, das in „direktem Widerspruch zu ihrem nationalen Recht und ihrer Rechtsprechung“ stünde. Die chilenische Stellungname unterstrich ihrerseits, dass das Recht auf Leben mit dem Begriff der reproduktiven Rechte unvereinbar sei. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard sagte hingegen in ihrer Rede anlässlich der Plenarversammlung des Kongresses (www.admin.ch): „Angesichts des Wachstums der Weltbevölkerung und der Bedürfnisse unserer Gesellschaften müssen wir handeln. In diesem Zusammenhang hätte ich eine ausdrückliche Anerkennung der uneingeschränkten reproduktiven Rechte der Frauen begrüsst.“ Die Vertreter der afrikanischen Länder äusserten sich gemäss C-FAM nur sehr verhalten zu den Fragen der reproduktiven Rechte und der Bevölkerungskontrolle, weil sie eine Kürzung der finanziellen Hilfe von Seiten der UNPFA befürchteten.
Während Befürworter der reproduktiven Rechte wie zum Beispiel die amerikanische Aussenministerin Hilary Clinton geltend zu machen versuchten, dass eine nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Umwelt zwingend an den uneingeschränkten Zugang aller Frauen zur Abtreibung sowie an eine internationale Bevölkerungskontrolle geknüpft sei, wies Kardinal Odilo Scherer, Chef der vatikanischen Delegation in Rio, auf die Widersprüchlichkeit der hier zugrundeliegenden Auffassung von Entwicklung hin. In einem Treffen am Rande des Gipfels sagte er: „Eine gegen das verwundbarste menschliche Leben ausgesprochene Todesstrafe (…) kann unmöglich unter dem Namen ‚Gesundheitspflege‘ oder einfach ‚Gesundheit‘ verkauft werden.“ „Das ist absolut nicht gerechtfertigt, da sich die Entwicklung in allen Etappen des Lebens in den Dienst des menschlichen Lebens stellt.“ „Diese Vorschläge basieren auf der irrigen Auffassung, nach welcher die nachhaltige Entwicklung und der Umweltschutz nur durch eine Bevölkerungsreduktion auf unserem Planeten zu erreichen sei. Basierend auf eine die Solidarität unter den Menschen tief verletzende Hermeneutik des Verdachts hat diese Ideologie zu einer alarmierenden Zerstörung der Familie geführt und raubt – was ganz zentral ist – dem Planeten seine kostbarste Ressource, nämlich die menschliche Person, welche im Zentrum der nachhaltigen Entwicklung steht.“