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Olympia St.Gallen
Beim Durchblättern der «St.Galler Schreibmappe für das Jahr 1929» stiess der Historiker Ernst Ziegler auf eine kuriose Skizze. Sie zeigte eine Idee für ein Olympisches Stadion im Tal der Demut oberhalb der Stadt St.Gallen. Wollte die Gallusstadt tatsächlich einmal Austragungsort der grössten sportlichen Veranstaltung der Welt werden? Gemäss Bildlegende war ein Architekt namens Rudolf Pfändler der Schöpfer des Olympiatraums. Ob er die Skizze «im Ernst oder eher als Kuriosum» entworfen hatte, konnte selbst der ehemalige Stadtarchivar von St.Gallen, Ernst Ziegler, nicht abschliessend beantworten. Der Entwurf wurde 1929 publiziert. Philippe Reichen vermutete vor elf Jahren in einem Artikel im St.Galler Tagblatt, dass der Architekt das Jahr 1936 anpeilte, in dem die Sommerspiele durchgeführt wurden. Aus der St.Galler Olympiastadt wurde leider nichts. Die Sommerspiele 1936 fanden in Berlin statt.
Atomkraftwerk Rüthi
Vor knapp zwei Jahren wurde das Kernkraftwerk im bernischen Mühleberg ausser Betrieb genommen. Passend dazu griff das Staatsarchiv eine alte Geschichte auf. In den 1970er-Jahren sollte auch der Kanton St.Gallen stolzer Eigentümer eines Atomkraftwerks werden. Der perfekte Standort? Rüthi. Die Gemeinde im Rheintal schien aufgrund seiner Grenznähe der ideale Ort. Auch erhoffte sich die Kantonsregierung mit dem Bau einer Öl-Pipeline im Rheintal eine stärkere industrielle Entwicklung der Region. Der Kanton und die NOK (Nordostschweizerische Kraftwerke AG) legten sich ins Zeug und schlugen zuerst ein Ölkraftwerk und, nachdem dies in der Projektphase gescheitert war, ein Kernkraftwerk vor. Doch die Gegner sammelten sich und nach ausgiebigen Protesten wurde das Projekt schliesslich 1980 gestoppt.
«Swiss Marina»
Zu Beginn der 2000er-Jahre wollte die englische Fordgate-Developement-Gruppe im Osten von Rorschach ein Las Vegas am Bodensee verwirklichen. Die «Swiss Marina» war ein Riesenprojekt: Auf über 300 000 Quadratmetern und 40 Stockwerken war ein Komplex geplant, der unter anderem ein Casino, ein Hotel, Kongressräume, eine Sportarena für 10 000 Personen, ein Freilufttheater und Konzertsäle beherbergt hätte. 13 000 Arbeitsplätze sollten geschaffen werden, weit über 20 000 Besucherinnen und Besucher je Tag hätten sich des Freizeitkomplexes erfreuen können. Doch die englischen Entwickler hatten die Rechnung ohne die Ostschweizer gemacht. Denen war das 1,8-Milliarden-Franken-Projekt eine bis zwei Nummern zu gross, die Initianten zogen das Projekt zurück.
«Expedition27»
Es hätte so schön sein können: Die Landesausstellung Expo2027 sollte die Ostschweiz von ihrer Schokoladenseite zeigen. Noch 2015 war der Kanton St.Gallen voller Zuversicht. Gemeinsam mit den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden wurde eine Absichtserklärung für die weitere Zusammenarbeit unterschrieben. Sogar der Bundesrat sagte dem Projekt vorläufig Unterstützung zu. Die Krönung folgte mit einem internationalen Projektwettbewerb, welcher das Gewinnerprojekt «Expedition27» hervorbrachte. Vor der Abstimmung im Kantonsrat schrieb die Regierung in ihrer Botschaft: «Die Ostschweiz kann eine ausgezeichnete Gastgeberin für die sechste Landesausstellung werden und dabei gleichzeitig von wichtigen Impulsen für die Wirtschaft, den Tourismus und die Kultur profitieren.»
Damit überzeugte sie das Parlament: 80 von 120 Rätinnen und Räten stimmten dem Sonderkredit von fünf Millionen Franken zur Finanzierung von Machbarkeitsstudie und Bewerbungsdossier zu. Die St.Gallerinnen und St.Galler indes schickten das Vorhaben am 5. Juni 2016 nach emotionalem Abstimmungskampf bachab – über 60 Prozent sagten Nein zum Kredit. Auch im Thurgau gab es eine Abfuhr. Viel Arbeit für nichts: Das Projekt wurde beendet, die Projektorganisation der Ostschweizer Kantone aufgelöst, das Dossier ad acta gelegt.