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Namensgeber der Franz Traktoren war Franz Brozinčević, der Gründer der Franz AG 1913
Der Name MOTRAC ist während der Zeit der Firma Franz AG entstanden und wurde aus den beiden Wörtern Motor und Tractor gebildet. (MO TRAC)
Die Firma Franz AG war der Namensgeber der Franz Traktoren und der Motrac Motormäher.
Die Franz Motorfahrzeugfabrik und Traktoren (Motrac) hatten in ihrer 40-jährigen Firmengeschichte vier Firmenbesitzer: zuerst die Franz AG, danach der Ingenieur Heinrich Heer, nachher der Ingenieur Valentin Toedtli und zuletzt die Firma Deilmann – Braunschweig Maschinenanstalt, Deutschland.
Aufgrund der Besitzerwechsel mit vier verschiedenen Inhabern zwischen 1916 und 1932 ist es infolge der damals verschiedenen Abteilungen, Produktionsorten usw. heute leider nicht mehr möglich, die zahlreichen produzierten Fahrzeuge und Geräte wie Motormäher und Traktoren, Motoren, fahrbaren Schneeschleudern, Holzgasanlagen und Giessereien den entsprechenden Typen, den richtigen Jahrgängen sowie den genauen Produktionsorten zuzuordnen.
Franz Brozinčević war auch für Motrac ein starker Name.
Der 1892 in die Schweiz eingewanderte Kroate Franz Brozinčević arbeitete anfänglich bei verschiedenen Lastwagenherstellern. Franz Brozinčević hatte vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter. 1908 wurde Franz Brozinčević zu Kosten von 810.- Franken eingebürgert.
1913
Damals waren in der ganzen Schweiz weniger als 5'000 Personenwagen für den Verkehr zugelassen. Doch Franz Brozinčević erkannte das Potenzial der Automobilisierung. Er gründete am 24. Dezember 1913 an der Zürcher Badenerstrasse sein Unternehmen, wobei er, weil sein Familienname schwer auszusprechen war, seinen Vornamen zum Firmennamen machte: Franz Motorfahrzeugfabrik, Zürich. Seinerzeit produzierte er primär Nutzfahrzeuge.
1914
Franz Brozinčević verkaufte die Motorfahrzeugfabrik, Franz, an die Berna, Olten, blieb aber vorerst weiterhin deren Chef. Dadurch rundet BERNA ihr Programm mit leichten Fahrzeuge ab.
1928 bis 1937
In diesem Zeitraum gab es in der Franz eine Landmaschinen-Abteilung (MOTRC) mit Motoren, Motormähern und Traktoren. Die Traktoren wurden unter Franz und Franzli Traktoren hergestellt, also unter dem Vornamen von Franz Brozinčević. Einige Traktoren-Modelle sind mit ihren markanten Frontkühlern, gleich wie bei den Lastwagen, die auch bei Berna gebaut wurden, echte Zeitzeugen. Die Franz Motorfahrzeugfabrik, Motormäher und Traktoren wurden damals über starke Händler, wie Tribolet Chur und Müller Rickenbach verkauft.
1933
Nach dem Tod von Franz Brozinčević wurde der Betrieb von den Söhnen Franz (*1899†1965), Max (*1902†1960) und Paul (*1900) sowie vom langjährigen Teilhaber, Johann Kirchensteiner-Wanner (*1884†1948), weitergeführt.
1937
Die Franz AG, Automobilgeschäft, wurde umstrukturiert. Die Franz AG verkaufte am 12. Februar 1937 die Landmaschinen-Produktion an ihren Ingenieur und Konstrukteur, Heinrich Heer. Heinrich Heer gründete die Motrac AG, Motormäher Traktoren. Nach dem Krieg lief der Handel mit Motrac Maschinen nicht wie erwartet. Daher verlangte Motrac von ihren Händlern oder Landwirten bei der Bestellung der Maschinen eine Vorauszahlung. (W.G)
1939
Zwischen 1930 und 1936 wurde die Bührer-Traktoren in Bäretswil von der Maschinenfabrik Reimann in Liezens gebaut. Während dieser Jahre hiess die Firma: UMAG Maschinen- und Motorwagenfabrik AG, (Brozinčević) Hinwil, mit Fabrik in Bäretswil und Büro in Hinwil. 1936 übernahm Fritz Bührer diese Fabrik selber (Konkurs Reimann). Der erste Traktor, der unter der neuen Leitung die Fabrik verliess,war der "Typ BG".Schon bald wurde die Gebäulichkeiten in der Mühle Bäretswil zu klein. Für ein Jahr, 1939, wurde die Verkaufs- und Fabrikationslizenz an die Motrac AG an der Letzigrabenstrasse in Zürich abgetreten. In der Zwischenzeit kaufte Fritz Bührer das Gebäude an der Fabrikstrassein Hinwil, an günstigster Verkehrslage, neben dem Banhof. Die gesamte Belegschaft von 60 Mann wechselte im Frühjahr 1940 nach Hinwil.
1949
In diesem Jahr wurde die Motrac AG, Motormäher Traktoren, insolvent. Händler und Landwirte verloren ihre Anzahlungen, die sie im Voraus leisteten. Dieser Image-Schaden der Insolvenz wirkte sich später im Verkauf bis weit in die 1950-Jahre negativ aus. Neue Interessenten waren wegen der Insolvenz der Motrac sehr misstrauisch gegenüber der Firma und auch gegenüber deren Verkäufer.
1949
Nach der Zahlungsunfähigkeit löste der ukrainische Elektro-Ingenieur Valentin Toedtli die Motrac aus dem Nachlass heraus. Wegen der Zahlungsunfähigkeit der Motrac AG, Motormäher-Traktoren änderte Ingenieur Valentin Toedtli den Firmennamen in Motrac Werke AG. Valentin Toedtli hatte auch sehr viel Glück mit seinem unermüdlichen Werksvertreter, Herrn Birenstil, denn Birenstil war ein hervorragender Verkäufer.
1950
In diesem Jahr brachte die Motrac Werke AG, als erster Motormäher-Hersteller in der Schweiz, den kleinen und leichteren Motormäher MK mit Ritzel, Tellerrad, Differenzial und Differenzialsperre, mit MAG 6 PS 2-Takt-Benzinmotor, Einzelradaussenbandlenkbremsen sowie mit aufklappbarem Portalmähwerk auf den Markt. Für die Motrac war das eine sehr grosse Entwicklungsleistung. Motrac versetzte die Mitbewerber in echtes Staunen über die zahlreichen Vorteile dank der technischen Fortschritte der kleinen Firma Motrac.
1951
Nebst dem Verkauf des neuen MK wurden noch Vorgängermodelle MD, MG, MDG mit Zusatzgeräten verkauft.
1952
Motrac bringt die nächste Neuheit auf den Markt, den ET Dreirad Motorhandwagen. Das Gerät war vorwiegend für den Milchfuhrmann gedacht. Das Produkt fand leider nicht einmal zehn Käufer. Auch ein Rasenmäher wurde gebaut, der jedoch keinen Absatz fand.
1953
Der MK mit MAG Motor 1030 SRL und 1025 SRB wurde am 23. Dezember 1953 typengeprüft.Der Einachser-Traktor MG mit UNIVERSAL D 3 1-Zylinder-4-Takt-Benzinmotor wurde am 20. Mai 1953 typengeprüft. Der MK wurde in MKD modifiziert. Dabei wurde der MAG 7 PS, 1-Zylinder-4-Takt-Benzinmotor aufgebaut. Die Bremsanlage wurde in Einzelradtrommellenkbremsen und mit Feststellbremse umgebaut. Das Ritzel, das Tellerrad und das Differenzial mit Differenzialsperre wurden verstärkt.
1954
Der ET Dreirad Motor Handwagen wurde am 07. April 1954 typengeprüft.
1955
Der MKD mit MAG 1035 SRL 51 wurde am 13. Juli 1955 typengeprüft, um Anhänger zu ziehen.Motrac kam mit modernsten patentierten weiterentwickelten Maschinen auf den Markt. Motrac war dank dieser Innovationen den Mitbewerbern schon wieder überlegen bzw. voraus. Der damalige Konstrukteur, Scheuermann, war sehr begabt. Das Modell MT mit MAG 8 und 9 PS mit 1-Zylinder-4-Takt-Benzinmotoren ging in die Produktion. Die neuen Modelle bekamen erstmals eine neue Farblackierung, und zwar Rot, Gelb, Schwarz.
1956
Der MT bekam eine patentierte Weitwinkelgelenk-Anhängerkupplung mit trennbarer Sitzdeichsel. Die Gelenkwelle musste noch von Hand in der Sitzdeichsel eingeführt werden. Dazu kam die neu entwickelte Hinterachse TA mit Differenzialsperre. So gab es den kleinen TEM Traktor mit Holmenlenkung, 4-Rad-Antrieb, mit 4 gleich grossen Rädern, 6.50 x 16 Zoll, sowie mit dem MAG 8 oder 9 PS 1-Zylinder-4-Takt-Benzinmotor.
1957
Der kleine TEM Traktor mit Holmenlenkung wurde auf Steuerradknicklenkung umgebaut. Leider hat Motrac ab 1954 das Einachser-Zapfwellenanhänger-Zeitalter verpasst. Alle Ressourcen wurden in den TEM Traktor gesetzt und die Mitbewerber machten derweil das Rennen, obschon der MKDZ und der MT mit all seinen Vorteilen wie Ritzel, Tellerrad, Differenzial und Differenzialsperre, sechs Vorwärtsgängen sowie mit ausschaltbarer Zapfwelle ausgestattet war und wahlweise mit Vorder- oder Hinterradantrieb oder Allradantrieb in allen Gängen gefahren werden konnte. Zudem sorgten drei Mähantriebsgeschwindigkeiten mit dem Portalmähwerk für ein verstopfungsfreies Mähen.
1958
Der TEM SUPER 4 x 4 mit ONAN 13 PS 2-Zylinder-4-Takt-Benzinmotor wurde am 23. März 1958 typengeprüft. Der MT mit sechs Vorwärts- und zwei Rückwärtsganggetrieben wurde um eine 3. Reduktionsstufe erweitert, und zwar auf neun Vorwärts- und drei Rückwärtsgänge. Des Weiteren wurde der Motrac Standard MT TEM mit Zentralrohr und Chassisrahmen zum MT TTA erweitert und zugleich auf Achsschenkellenkung mit Steuerrad umgerüstet. Der Standard MT bekam den stärkeren Motor, den MAG 11 PS, 2-Zylinder-4-Takt-Benzinmotor und den ONAN 14 PS, 2-Zylinder-4-Takt-Benzinmotor. Es gab Probleme wegen verdampfter Benzinzufuhr. Daher wurde der Motor nur vereinzelt aufgebaut. Der MT mit Achsschenkellenkung und schmaler Motorhaube wurde erstmals an Kunden ausgeliefert. Die 2-Tonnen-Portaltriebachse mit Differenzialsperre war eine Erweiterung zur 1.5-Tonnen-Triebachse.
1958
Motrac liefert der Firma Odermatt und Zimmermann, Buochs, die MT-AL Getriebe mit der Triebachse TA 1.5 Tonnen, zum Bau des Tiger Transporters. Der Tiger Transporter war in seiner Konstruktion damals allen Mitbewerbern eine Nasenlänge voraus. Warum Motrac selber sich nicht dem Tiger Transporter angenommen hat, blieb bei Motrac immer unter Verschluss.
1959
Der MKDZ wurde von drei Vorwärts- und einem Rückwärtsgang durch das Reduktionsgetriebe in ein sechs Vorwärts- und zwei Rückwärtsgang-Getriebe modifiziert. Der MKDZ bekam auch einen MAG 9 PS 1-Zylinder-4-Takt-Benzinmotor. Gleichzeitig wurde eine Heckzapfwelle mit patentierter Gelenkkupplung für den Triebachsanhänger TAK eingebaut. Die Innenbacken-Einzelradlenkbremsen und die Feststellbremse wurden für die Strassenzulassung nochmals überarbeitet.
1960
Die Gussgehäuse vom MKDZ und MT und auch das Triebachsgehäuse mussten modifiziert werden. Dadurch wurde für die Bedienung des Hinterradantriebes und der Gerätezapfwelle das Ein- und Ausschalten vom Fahrersitz aus möglich. Die verschraubten Portalachsgehäuse wurden auf ein Gussstück Portalachsgehäuse geändert. Zum TEM wurden der Kupferschmid Überrollackerpflug und die Koster Seilwinde angebaut. Der Trunkenpolz Robot Junior Ladewagen mit hydraulischer Zugdeichsel zum Motrac TEM wurde importiert.Zwischen dem Ingenieur, Herrn Valentin Toedtli, und den Herren Deilmann Braunschweig Maschinenanstalt kam es im Dezember 1960 in St. Moritz zu einem Treffen, bei dem es um den Kauf der Mortrac Werke AG ging. Die Firma Deilmann suchte in der Schweiz nach einem Beteiligungsunternehmen. Deilmann wollte in der Schweiz eine Firma besitzen, um an Bauaufträge für die U-Bahn und die Autobahn durch Zürich zu kommen.
1961
Deilmann Braunschweig Maschinenanstalt kaufte von Ingenieur Valentin Toedtli die Motrac Werke AG. Die lang ersehnte Entwicklung der Front-Motorhauben für den MT Spez. und MKDZ Spez. ging zur Freude der fünf Werkvertreter Russet, Schwarzer, Bucheli, Keller und Gavin in Erfüllung. Die Schmiede und Landmaschinenhändler hofften mit den formschönen Maschinen auf besseren Verkaufserfolg.
1962
Der MT-TEM-TTA wurde am 17. Mai 1962 typengeprüft. Beim MT Spez. wurde der MAG 10 PS, 1-Zylinder-4-Takt-Dieselmotor aufgebaut, jedoch ohne grossen Leistungserfolg. Der MT TTA Spez. mit Dieselmotor wurde nur in geringen Stückzahlen verkauft. Der Motrac Junior mit MAG 6 PS 1-Zylinder-4-Takt-Benzinmotor und Zusatzgeräten und dem KMF Bandheuer kam ins Verkaufsprogramm. Der Aebi AM 10 war eine Kopie des Sturm Motrac Junior Motormähers. Der Motrac Junior fand trotz des Aebi AM 10 in der ganzen Schweiz einen guten Absatz.
1963
Der erste Motrac T4 Transporter mit MAG 9 PS 4-Takt-Benzinmotor wurde entwickelt und auf der OLMA Messe ausgestellt. Bald wurde klar, dass dem T4 einiges fehlte: mehr PS, höhere Nutzlast und auf Vorder- und Hinterachse eine Differenzialsperre. Sofort wurde der T4 mit dem MT Getriebe und dem MAG 11 PS 2-Zylinder-Benzinmotor gebaut. Der MAG 10 PS 4-Takt-Dieselmotor war auf dem T4 ebenfalls leistungsschwach. Für die Anbaugeräte fehlte dem T4 eine motorabhängige Zapfwelle für den Antrieb von Anbaugeräten. Der Motor zwischen Frontsitzen und der Brücke wurde von zahlreichen Intressenten als nicht gut befunden. Motrac sorgte sonst immer für unschlagbare Entwicklungen. Für solche innovative Motrac Entwicklungen schreckte einerseits auch der grösste schweizerische Landmaschinenhersteller an der OLMA Messe nicht davor zurück, dass Konstrukteure sich unter den MT legten und die patentierte Zapfwellengelenkkupplung abzeichneten. Andererseits wurde Motrac von diesen Konkurrenten immer als unfähig verhunzt.
1964
Auf der Landmaschinenschau Burgdorf wurde der Prototyp TEM mit MWM 20 PS 4-Takt-Dieselmotor auf einem Rolldrehbock vorgestellt. Die Bewunderung der Interessenten und Mitbewerber war gross. Hama, Reidenbach, baute den ersten Triebachsanhänger Trumpfli zum Motrac Junior. Er hatte einen Vorteil gegenüber dem Aebi AM 10. Zu jener Zeit war nur der Bucher K4 mit dem Junior vergleichbar.
1965
Hama wurde von der Motrac Werke AG beauftragt, in Deutschland mit der Firma Strautmann & Söhne einen Strautmann Ladewagen mit Triebachse an den MT AL Spez. anzubauen. Bei der ersten Probebelastungsfahrt brach der Anhängezapfen vom Ladewagen zur Sitzdeichsel. Die wenigen Kunden, die den Ladewagen kauften, waren sehr zufrieden damit. Die Steigung und Geländegängigkeit waren sehr gut. Grössere Verkaufszahlen blieben aber aus.
1966
Der langjährige Mitarbeiter und sehr beliebte Konstrukteur, Scheuerman, verlässt altershalber die Motrac Werke AG und geht in Pension. Auf Herrn Scheuermann folgte der junge Konstrukteur Schmid. Herr Schmid bekam den Auftrag, einen grösseren Motrac TEM zu entwickeln. Aufgrund des Patents des verschiebbaren Zentralrohrs von Merk Pullax war es für den jungen Konstrukteur Schmid eine Herkulesaufgabe, die Patentrechte von Merk Pullax nicht zu verletzen. Aus dem neuen 4-Rad-Traktor sollte auch noch ein Transporter gemacht werden können. So fand Schmid eine Lösung mit den zwei langen und zwei kurzen Verbindungsrohren und der Kardanwelle anstelle des verschiebbaren Zentralrohrs mit eingebauter Kardanwelle. Gegen Ende 1966 konnte der Konstrukteur Schmid den Verantwortlichen vom Verkauf seine Neuheit präsentieren. Die Herren Villiger, Testi, Frauchiger, Keller, Matti, Bucheli und Schwarzer waren von Herrn Schmids Arbeit sehr überzeugt. Nach dem Vorstellen ging die Namensgebung für den neuen Traktor los. Der Name VARIO war naheliegend. VARIO leitet sich von den Variationsmöglichkeiten als Traktor, Transporter und Nutzfahrzeug ab. Der erste Prototyp ging Anfang 1967 nach Deutschland zur Firma Deilmann in eines ihrer Bergwerke. Nach dem Kauf der zwei neuen Ford Lastwagen für Vorführungen, Marktbesuche und Ausstellungen, war die Hoffnung dennoch gross, dass Deilmann mit Motrac auf dem Markt bleiben wolle.
1967
Herr Kubschke vom Motrac Mutterkonzern Deilmann wurde als neuer Geschäftsführer bei Motrac eingestellt. Herr Eugen Keller, der 1965 zur Firma Ernst Meili nach Schübelbach wechselte, wurde wieder in die Motrac zurückgeholt. Der Verkaufsleiter, Herr Tinembart, übrigens der Schwager von Ingenieur Valentin Toedtli, verliess die Motrac und ging in Pension. Die Planung und Produktion zum Bau des VARIO wurde kräftig vorangetrieben. Die Gussmodelle wurden für die Serienproduktion angepasst. Mit neuen Prototypen wurden in der Kiesgrube tagelang Tests und Versuche gemacht. Gebrochene Achsschenkel wurden sofort geändert und verstärkt. Erstmals in der Firmengeschichte der Motrac war Motrac im Ausland an einer Messe. Die Herren Eugen Keller und Albert Weber waren mit zwei VARIO zur Messe nach Kopenhagen gefahren. Angeblich war das Interesse am VARIO sehr gut. Die VARIO Produktionsplanung wurde mit dem Traktorenwerk Warchalowski, Wien, für die ersten 100 Stück abgeschlossen.
1968
Der Transporter T4 mit MAG 1040 SRL x 40 4-Takt-Benzinmotor wurde am 25. Juli 1968 typengeprüft. Auch der VARIO 32 wurde mit dem Warchalowski 2-Zylinder-4-Takt-Dieselmotor am 27. Juli 1968 typengeprüft. Für die Motrac wurde im Raum Zürich immer noch nach Land oder geeigneten Gebäuden zum Kaufen gesucht. Im September 1968 kam von der Firma Deilmann Braunschweig Maschinenanstalt ganz unerwartet der Schliessungsentscheid auf den 30. April 1969. Die Schliessung wurde angeblich damit begründet, dass in Zürich weder die U-Bahn noch eine Autobahn durch die Stadt gebaut werde und so offenbar der Firma Deilmann Braunschweig Maschinenanstalt der erhoffte Auftrag verloren ging. Die Geschäftsführer Kubschke und Keller haben am 19. Oktober 1968 den Werksvertreter Rene Kesselring und die Händler ins Bürgerhaus Bern zum Mittagessen eingeladen. Nach dem Mittagessen eröffneten die Herren Kubschke und Keller die Liquidation der Motrac Werke AG auf den 30. April 1969. Der Vario Konstrukteur Herr Schmid, wurde von der Firma Schilter AG, Stans, für die Entwicklung des SCHILTER UT Traktors eingestellt. Im Dezember 1968 verliess Herr Kubschke die Firma Motrac und ging zurück nach Deutschland in die Mutterfirma Deilmann. Ab sofort übernahm Herr Dr. Wolf von Deilmann Braunschweig Maschinenanstalt die Geschäftsführung und die Vorbereitung zur Liquidation.
1969
Es ist klar und deutlich festzuhalten, dass die Firma Motrac Werke AG nicht in Konkurs ging. Im Gegenteil: Alle ihre Verpflichtungen und ausstehenden Rechnungen wurden durch die Firma Deilmann Braunschweig Maschinen erfüllt bzw. bezahlt und die Firma wurde ordentlich liquidiert.Soweit bekannt ist, wurden auch alle Verträge mit der Firma Warchalowski, Traktorenwerke, Wien, eingehalten, und zwar ohne ein Gerichtsverfahren.Alle Lagermaschinen fanden bis am 30. April 1969 über den Liquidationsnachlass einen Käufer. An der Maschinenliquidation war auch der finanziell starke Händler, Ernst Graf, beteiligt.Auch die 10-jährige Lagerhaltungspflicht wurde durch Deilmann über die Herren Ernst Frauchiger, Werkstattchef, und Stefan Stutz, Lagerist, für die Dauer von 10 Jahren vorbildlich geregelt und eingehalten, sodass während 10 Jahren die Versorgung der Motrac mit Ersatzteilen und Nachbeschaffungen gesichert war.
Von 1949 bis 1969 war die Motrac Werke AG in bescheidenen Lagerhallen der Stadt Zürich an der Altstetterstrasse 120 eingemietet.
Motrac hatte selbst einige Jahre eine eigene Gussmodellschreinerei. Die Gussteile wurden bei verschiedenen Giessereien gegossen. Motoren, Pneu, Felgen und Bremsteile wurden zugekauft. Die Zahnräder wurden bei der Firma Wiederkehr AG, Urdorf, gehärtet. Motrac fertigte vom Rohling bis zum fertigen Produkt und zur Montage alles selbst. Motrac fehlte es lediglich an genügend Aktienkapital, um kräftig in die Vermarktung zu investieren. Herr Valentin Toedtli, Ingenieur, war ein sehr sparsamer Mann und versuchte, mit dem Geld haushälterisch zu wirtschaften und konnte so das Beste für die Firma herausholen.
An dieser Stelle möchte ich einige Geräte aufführen, die nie in die Serienproduktion gingen: Der MT mit Ritzel-Achse, jedes Rad war unabhängig verstellbar. Der MT und MKD mit Eingrasvorrichtung. Der MT und MKS mit 90-Grad-Schwenkholmen für den Ackerbau. Die MK, MKD und MT mit Quer- und Längsseilwinden. Der TEM mit Motorhydraulik und Heuschwanz. MT mit einer Breite-Achsverstellung. Der MKS mit Mittelantriebsmähwerk, Aufklappbar. MKDZ mit FL-Frontlenker. Traktor-Anbauseilwinden und vieles mehr. An innovativen Ideen fehlte es bei Motrac nicht, aber an sehr guten Landmaschinenmechanikern. Die Ausbildung und der Fokus der Schmiede wurden damals zu wenig auf die Mechanik ausgerichtet.
Meine Tätigkeit bei der Motrac Werke AG, Durch den Kauf unseres Motrac MK im Jahr 1952 lernte ich die Motrac sowie deren Firmengeschichte kennen. Der damalige Werksvertreter, Herr Birenstil, hat uns und dem Nachbarn die zwei MK verkauft. Im Mai 1958 besuchte ich die Motrac Werke AG an der Altstetterstrasse 120, 8048 Zürich. Ab 1958 war ich immer eng mit Motrac verbunden. 1963 bis 1966 wurde ich von Motrac als Maschinenvorführmann angestellt. Ich war den Herren Keller und Kesselring zugeteilt. Ich bekam einen Lieferwagen, Opel Blitz, mit allen Vorführgeräten. Meine Aufgabe war es, mit den Werksvertretern Märkte zu besuchen sowie bei Interessenten die Maschinen vorzuführen. Auch Garantiearbeiten führte ich aus. Unser Reisegebiet waren die Kantone Bern und Solothurn sowie das deutschsprachige Wallis und Freiburg. Von 1967 bis 1968 hatte ich die Alleinvertretung für das gesamte Berner Oberland. Der Verkauf lief dank guten Beziehungen direkt zur Verwaltung und zur Direktion ausgezeichnet.
Herr Hefti von der Forschungsanstalt Brugg hat die Motrac Maschinen stets sehr abschätzig behandelt. Als ich einst mit Herrn Hefti ins Gespräch kam, hatte er sich einsichtig gezeigt. Im Verkauf war es sehr wichtig, dass für jedes einzelne Gerät eine FAT Prüfung vorlag, damit die Landwirte für die Maschinen Subventionen bekamen.