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Mit dem Kriegsausbruch am 24. Februar 2022 in der Ukraine haben sich die Aufgaben der Sozialen Dienste der Stadt St.Gallen zur Unterbringung und Betreuung der geflüchteten Menschen aus der Ukraine stark erweitert. Durch die Einführung des sogenannten Schutzstatus S wurden Aufgaben vom Bund und Kanton auf die Gemeinden übertragen. Zuvor waren geflüchtete Menschen in der Regel erst ein halbes Jahr nach der Einreise in die Gemeinden gekommen; mit dem neuen Schutzstatus hat sich diese Zeit auf etwa eine Woche verkürzt.
Unterbringung und finanzielle Unterstützung
Gerade in der zu Beginn unübersichtlichen, sehr dynamischen Phase konnten die Folgen des Kriegs nur mit der tatkräftigen Unterstützung von Gastfamilien sowie vergünstigtem oder kostenlos zur Verfügung gestelltem Wohnraum bewältigt werden. Parallel zu diesem Engagement baute die Stadt die Personalressourcen aus. Die Mitarbeitenden der Sozialen Dienste kümmern sich um die finanzielle Unterstützung, die Unterbringung in Wohnungen, Gruppenunterkünften oder Gastfamilien, die medizinische Versorgung, die Sprachausbildung, die berufliche Integration, den Versicherungsschutz und weitere Anliegen, die sich mit dem Aufenthalt in unserer Stadt stellen.
741 Personen aufgenommen
Aktuell wurden dem Kanton St.Gallen über 4’000 Schutzsuchende der insgesamt rund 78’000 in die Schweiz geflüchteten Personen zugewiesen. Der Verteilmechanismus zwischen Bund, den Kantonen sowie den Gemeinden erfolgt proportional zur Bevölkerung. Knapp ein Prozent aller in die Schweiz eingereisten Kriegsflüchtlinge ist durch die Stadt St.Gallen zu betreuen. Insgesamt wurden bislang 741 schutzsuchende Personen aufgenommen und begleitet. Ein Teil dieser Menschen ist mittlerweile zurück in die Heimat gereist oder konnte eine Erwerbsarbeit aufnehmen. Zurzeit werden 564 aus der Ukraine geflüchtete Menschen von den Sozialen Diensten unterstützt und längerfristig begleitet.
Von den aktuell 564 unterstützten Ukrainerinnen und Ukrainern in St.Gallen leben 381 Personen in Wohnungen, die von der Stadt zur Verfügung gestellt werden. 41 weitere Personen sind in zwei Gruppenunterkünften, insbesondere dem vormaligen Altersheim Riederenholz untergebracht. Diese Unterkunft wurde im April des vergangenen Jahres innerhalb kurzer Zeit auch mit Hilfe der Regionalen Zivilschutzorganisation als Unterkunft für die schutzsuchenden Personen umgestaltet und wird seither ebenfalls durch die Sozialen Dienste geführt. 50 Menschen wohnen aktuell bei Gastfamilien und 95 der von den Sozialen Diensten unterstützten Personen leben in einer selbst angemieteten Wohnung. Die Zahl der angemieteten und möblierten Wohnungen ist im Laufe der vergangenen Monate gestiegen, während die Anzahl Unterkunftsmöglichkeiten in Gastfamilien vom Höchststand mit 191 Personen deutlich zurückgegangen ist. Manche Flüchtlinge haben nach einigen Monaten bei einer Gastfamilie eine eigene Wohnung gefunden, andere sind wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt. Das Zusammenleben funktioniert an den meisten Orten sehr gut, zum Teil beherbergen Gastfamilien seit einem halben Jahr geflüchtete Menschen bei sich zu Hause. Die Solidarität ist nach wie vor gross. Stadtrat und Verwaltung sind aber weiterhin dankbar für jedes Engagement.
Es wird auch künftig mit einem Zustrom von Flüchtenden aus der Ukraine gerechnet. Aktuell geht der Bund von monatlich 2'500 bis 5'000 neu in der Schweiz schutzsuchenden Personen aus.
129 Kinder werden aktuell beschult
Es werden aktuell 129 Kinder und Jugendliche verteilt auf alle Stufen und Schulhäuser in den städtischen Schulen beschult. Bisher wurden die Kinder nahe ihrem Wohnquartier altersgemäss direkt in eine Regelklasse integriert und mit intensivem Deutschunterricht beschult. Da aktuell die Regelklassen sehr voll sind, werden zwei temporäre Aufnahmegruppen zur Entlastung geführt. Diese werden auf das neue Schuljahr aufgelöst und die Kinder kommen in die Regelklasse.
Die Kinder und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse werden in den Schulhäusern gut aufgenommen. Die Mitarbeitenden der Schulen und die Schülerinnen und Schüler sind sehr hilfsbereit und unterstützen die Ankommenden bei deren Integration.
Schnelle, unbürokratische Hilfe
Schnell und unkompliziert hat die St.Galler Bevölkerung auf die Menschen aus der Ukraine reagiert. Quartiervereine, Gastfamilien, kirchliche Organisationen und Hilfswerke haben die Türen geöffnet und schnell und unbürokratisch Wohnangebote, Sprachkurse, Treffpunkte und Sammelstellen für Hilfsgüter aufgebaut. Die Koordination der entstandenen Aktivitäten erfolgte über die städtische Dienststelle Gesellschaftsfragen. Sie hat mit 40 zivilgesellschaftlichen Organisationen an zwei «Runden Tischen» die entstandenen Aktivitäten und Angebote aufeinander abgestimmt, eine Bedarfsplanung durchgeführt und die Angebote online auf www.ankommen-sg.ch/ukraine zusammengestellt.
An einem Dankesanlass vergangenen Freitag im Beisein zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft, Politik, von Institutionen und Privatpersonen wurde das vielfältige Engagement verdankt. Es stimmt den Stadtrat zuversichtlich, dass die Solidarität besonders gross ist, wenn es darauf ankommt. Umso mehr liegt ihm daran, der Zivilgesellschaft nicht nur seinen Dank auszusprechen, sondern ihr auch Sorge zu tragen und künftig vermehrt noch das gemeinschaftsbildende Zusammenleben zu fördern.