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Kinfe kam mit 13 Jahren ins Kinderdorf und besuchte die SELAM-Schule. Inzwischen arbeitet er in Angola und kommt immer mal wieder auf einen Besuch ins SELAM.
"Ich bin 41 Jahre alt. Mit 13 Jahren kam ich ins Kinderdorf, besuchte hier die Schule, studierte anschliessend Rechnungswesen und stieg dann ins Berufsleben ein. Ich bin verheiratet und unsere Kinder, zwei Mädchen und ein Junge, sind elf, sieben und fünf Jahre alt. Seit 14 Jahren arbeite ich in einer Handelsfirma in Luanda, der Hauptstadt von Angola. Meine Familie lebt in Addis, zweimal im Jahr verbringe ich einige Wochen mit ihnen.
Vor Jahren hörte ich, dass ein eritreischer Geschäftsmann einen Buchhalter für Angola sucht. Ich meldete mich und der Vermittler freute sich, als er hörte, dass ich aus dem SELAM komme, er sei mit einigen SELAM-Früchten befreundet. Er bereitete im Nu alle Papiere vor, schickte mich auf die angolanische Botschaft und innert fünf Tagen hatte ich schon Visa und Arbeitsbewilligung in der Tasche, ein Wunder. Ich verdiene sehr gut und für mich ist es klar, dass etwas davon an SELAM zurückfliessen soll.
Kinfe (Mann im hellblauen Hemd) beim Verteilen von Geschenken im SELAM
Mein heutiges gutes Leben verdanke ich erstens Gott und zweitens SELAM. Als ich vor einigen Wochen nach Addis flog - wegen der Pandemie war ich länger als üblich nicht mehr zu Hause - gab mir mein Chef einfach so 500 $ für SELAM mit. Ich frage jeweils Frau Alganesh, die Verantwortliche des Kinderbereichs, was sich die Kinder wünschten. So besorgte ich dieses Mal vier Arten von traditionellen Musikinstrumenten, Poster mit dem lateinischen und dem amharischen Alphabet sowie Fussbälle für beide Kinderdörfer.
Zusammen mit drei anderen SELAM-Früchten besuchte ich mehrere Wohnungen von jungen Erwachsenen, den sogenannten SIL-Jugendlichen (Semi-Independent-Living Programm). Das sind die SELAM-Jugendlichen, die über 18 Jahre alt sind. Sie wohnen nicht mehr im Kinderdorf, werden aber so lange noch von SELAM unterstützt, bis sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Sie erhalten monatlich einen Betrag, mit dem sie dann selber haushalten müssen. Nicht allen gelingt das gleich gut. Die SIL-Jugendlichen haben in den letzten Monaten unter den Einschränkungen und Schulschliessungen besonders gelitten, auch durften sie wegen der Pandemie nicht mehr das Kinderdorf besuchen. Diese Umstände haben mich sehr bewegt. Ich kaufte für alle ca. 110 SIL-Jugendlichen je ein Leintuch und eine Wolldecke, die alle behalten dürfen.
Ich wünsche SELAM weitere 35 erfolgreiche Jahre und noch mehr Menschen, die beitragen, dass SELAM ein besseres Leben für Kinder schaffen kann. Ganz besonders liegen mir die SIL-Jugendlichen am Herzen. Ich wünsche mir, dass sie genug Begleitung und Beistand erhalten, um den Sprung ins eigenständige Leben zu schaffen, der mit der Pandemie und ihren Verwerfungen noch schwieriger geworden ist."