Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03341.jsonl.gz/435

Ein anderer Wahlsieg wäre Guillermo Lasso sicher lieber gewesen. Der 65-jährige ehemalige Banker, ein Freund des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Rohstoffkonzerne, wurde am Sonntag zum Präsidenten von Ecuador gewählt. Er verdankt dies dem Wahlverhalten der Indígena-Partei Pachakutik (Zeitenwende), deren Kandidat Yaku Pérez ein erklärter Gegner des IWF sowie aller Minen- und Erdölgesellschaften ist.
Pérez war im ersten Wahlgang von Lasso nur knapp auf den dritten Platz verdrängt worden. Er hatte danach seine AnhängerInnen aufgerufen, bei der Stichwahl einen leeren Stimmzettel abzugeben. 13 Prozent der WählerInnen haben das getan. So gewann Guillermo Lasso mit 52,5 Prozent der gültigen Stimmen. Der unterlegene Andrés Arauz, der die erste Wahlrunde noch gewonnen hatte, wurde vom ehemaligen linken Präsidenten Rafael Correa (2007–2017) gefördert. Doch weil dieser Ölquellen in Naturschutzgebieten versteigern liess, trauten viele Indígenas auch seinem politischen Ziehsohn nicht über den Weg.
Immerhin wird Guillermo Lasso nicht neoliberal durchregieren können. Im Parlament verfügt seine Parteienallianz aus Creo (Ich glaube) und Christsozialen nur über 30 der 137 Sitze. Grösste Fraktion ist die Unión por la Esperanza von Arauz mit 49 Sitzen, Pachakutik hat 27 Abgeordnete. Die eigentliche Stärke der Indígena-Bewegung aber ist die Strasse. In den acht Jahren vor Correa hat Ecuador sieben Präsidenten verbraucht. Sie waren entweder von Massenprotesten der Indígenas gestürzt worden oder nur kurzfristige Übergangsfiguren. Lasso ist also gewarnt.
Nachtrag zum Artikel «Die alten Herren könnens nicht lassen» in WOZ Nr. 13/2021.