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Micky Maus verzauberte als Zauberlehrling im Disney-Film «Fantasia» die Besen, damit sie für ihn den Boden fegen. Auch die Figuren in Animationsfilmen scheinen wie durch Zauberhand zum Leben erweckt zu werden: Diese Zauberhände sind jene der Zeichnerinnen und Zeichner, die für Disney arbeiten.
Bis Ende der 1980er-Jahre war der Trick, mit dem die Disney-Studios ihre Zeichnungen animierten, die sogenannte «Cel Animation». Bei dieser Stop-Motion-Technik wird der Bewegungsablauf einer Figur in Einzelbilder auf transparente Zelluloidplatten aufgezeichnet, eingefärbt und anschliessend mit einer Kamera abfotografiert. Die Fotografien werden dann in rascher Nachfolge aneinander abgespielt.
Animation als Kunstform
«Es war Walt Disneys Vision, dass man den Animationsfilm als Kunstform endlich ernst nehmen sollte», sagt Christian Gasser, Dozent an der Abteilung Design & Kunst an der Hochschule Luzern. Disney nutzte verschiedene Techniken und entwickelte sie für den Animationsfilm weiter. 1928 präsentierte das Unternehmen mit «Steamboat Willie» dem Publikum den ersten vertonten Zeichentrickfilm.
Um die Qualität zu verbessern, setzte das Unternehmen weitere Techniken im Animationsfilm ein. So wurde in den 1930er-Jahren die Multiplane-Kamera erfunden, mit der die Illusion von räumlicher Tiefe im Animationsfilm verstärkt wurde.
Disney nutzte zudem eine Technik namens «Full Animation». Hierbei wird die doppelte Menge an Zeichnungen pro Filmsekunde gezeigt – 24 statt wie bisher 12 Bilder pro Sekunde. So erschienen die Bewegungen flüssiger und geschmeidiger. Dies bedeutete aber auch den doppelten Aufwand für die Zeichnenden.
Disney ging fast bankrott
«Walt Disney wird heute oft als Tycoon angesehen, der macht- und geldgierig war. Was kaum jemand weiss, ist, dass sein Unternehmen jahrelang am Konkurs entlang taumelte», erklärt Christian Gasser. Das Unternehmen habe für die Filmproduktionen immer mehr ausgeben als eingenommen. «Walt Disney wollte eben Perfektion.»
Ab 1927 hörte Walt Disney persönlich mit dem Zeichnen auf. Er konzentrierte sich stattdessen auf die Figurenentwicklung und agierte im Hintergrund als Strippenzieher. Er holte jene Zeichner ins Team, die als «Disney’s Nine Old Men» in die Geschichte eingingen.
Der Stil, in dem die Künstler zeichneten, war typisch für die damalige Zeit und auch bestens bekannt durch Cartoons wie «Felix the Cat» von Pat Sullivan und Otto Messmer.
Disney ist schuld an dem Verlust an Vielfalt
Seit den 1930ern dominierte Disney den Markt für Animationsfilme. «Schneewittchen» brachte als erster abendfüllender Animationsfilm im Kino den Durchbruch. Der altbekannte Stil setzte sich weiter durch und prägte sich als «Disney-Style» ein.
Der Konzern habe das Bild vom Animationsfilm als familienfreundliche Unterhaltung – moralisch konservativ und im Kindchenschema gehalten – zementiert, so Gasser. Das sei verehrend, da durch den prägenden Einfluss der Disneyfilme die Vielfalt im Animationsfilm verloren gegangen sei.
Animationsfilme, die im Kino liefen, sahen plötzlich alle so aus wie die von Disney. Die Filme wirkten stilprägend und stigmatisierten andere Animationstechniken zu Alternativen. «Solche Animationsfilme werden nur noch von einer unabhängigen Szene gefertigt», bedauert Christian Gasser.
Für kreative Köpfe – 100 Jahre Schweizer Animationsfilm
Bis Herbst 2022 feiert der Schweizer Animationsfilm sein 100-jähriges Jubiläum. Seinen Anfang nahm der Animationsfilm in der Schweiz mit «histoire de Monsieur Viex-Bois», der im Herbst 1921 veröffentlicht wurde. Der Genfer Künstler und Lehrer Rodolphe Töpffer hatte die Geschichte dazu verfasst.
Anlässlich des 100-jährigen Geburtstags kuratierte die Schweizer Trickfilmgruppe GSFA (Groupement Suisse du Film d’Animation) ein vierteiliges Programm mit Filmen aus der Schweizer Animationsgeschichte.