Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03543.jsonl.gz/1678

Der im Dezember publizierte Auslandpreisvergleich zeigt, dass die Preise von patentabgelaufenen Medikamenten in der Schweiz rund doppelt so hoch sind, verglichen mit den Referenzländern. Das Einsparpotential ist dementsprechend gross und liegt bei Generika über 400 Mio. Franken. Da die Differenz ungeachtet der Dreijahresüberprüfung hoch bleibt, ist das Bundesamt für Gesundheit aufgefordert zu handeln. Analog zu anderen Ländern …weiterlesen »
Der im Dezember publizierte Auslandpreisvergleich zeigt, dass die Preise von patentabgelaufenen Medikamenten in der Schweiz rund doppelt so hoch sind, verglichen mit den Referenzländern. Das Einsparpotential ist dementsprechend gross und liegt bei Generika über 400 Mio. Franken. Da die Differenz ungeachtet der Dreijahresüberprüfung hoch bleibt, ist das Bundesamt für Gesundheit aufgefordert zu handeln. Analog zu anderen Ländern sollen Generika gefördert und die Preise wirtschaftlich festgelegt werden.
Der im Dezember publizierte Auslandpreisvergleich von santésuisse und interpharma zeigt, dass bei den Generika eine Preisdifferenz von 47% besteht (siehe Medienmitteilung). Mit verschiedenen Massnahmen könnten zugunsten der Prämienzahler mehr als eine Milliarde eingespart werden (siehe Präsentation Auslandpreisvergleich von santésuisse). Am Beispiel vom umsatzstarken, patentabgelaufenen Wirkstoff Pantoprazol wird gezeigt, dass auch schon bei einem Wirkstoff erhebliche Einsparungen möglich sind.
Was ist Pantoprazol?
Pantoprazol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Protonenpumpen-Inhibitoren, der zur Magensäurehemmung eingesetzt wird. Er wird auf ärztliche Verschreibung bei der Refluxkrankheit (Magenbrennen, saures Aufstossen) und bei Magen- und Darmgeschwüren eingesetzt. Pantoprazol wurde erstmals von Takeda 1997 unter dem Namen Pantozol® und Zurcal® eingeführt. 2010 lief das Patent ab und es wurden von verschiedenen Firmen Generika eingeführt. Die führenden Generika Hersteller in der Schweiz sind Mepha und Sandoz. Bei Pantoprazol stammt die meistverkaufte Packung von der Firma Nycomed. Nycomed war ursprünglich eine unabhängige Firma, wurde aber 2011 von der Firma Takeda übernommen. So darf angenommen werden, dass die Originalsubstanz von Takeda nun auch unter dem Namen Pantoprazol Nycomed® verkauft wird. Der Umsatz von Pantoprazol Nycomed® wie auch von Pantoprazol Mepha® betrug 2014 rund 19 Mio. und derjenige von Pantoprazol Sandoz® rund 18 Mio. Fr. Weitere Generika Firmen machten rund 17 Mio. und Takeda als ursprüngliche Patentinhaberin rund 12 Mio. Fr. Insgesamt wurden in der Grundversicherung Kosten von 84 Mio. Fr. für Pantoprazol übernommen. Eine Packung Pantoprazol Nycomed wie auch von Mepha, Lactabs 40 mg, 100 Stk kostet in der Apotheke Fr. 62.60. Die Pantoprazol Sandoz Packung, Tabl 40 mg, 105 Stk kostet Fr. 61.05. Die Tagestherapiekosten liegen bei Pantoprazol Nycomed wie auch Pantoprazol Mepha bei rund 63 Rappen. Beim Sandoz Produkt sind sie leicht tiefer und liegen bei 58 Rappen.
Auslandpreisvergleich zeigt enormes Einsparpotential
Im Rahmen des Auslandpreisvergleiches den santésuisse zusammen mit interpharma im Dezember 2015 publiziert hat, wurden auch die Preise von Pantoprazol in den 9 Referenzländern mit der Schweiz verglichen. Der Vergleich wird jeweils auf dem Niveau des Fabrikabgabepreises durchgeführt, weil dieser vom Bundesamt für Gesundheitswesen für die Preisfestsetzung verwendet wird. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Mehrwertsteuer und die Handelsmargen in den verschiedenen Ländern unterschiedlich hoch sind. Der Fabrikabgabepreis einer Packung Pantoprazol Sandoz, Tabl 40 mg, 105 Stk beträgt Fr. 38.90, derjenige von Pantoprazol Mepha Fr. 40.25. Damit liegen die Kosten einer Tablette auf Fabrikabgabe-Niveau beim Mepha Produkt bei Fr. 0.40 und beim Sandoz Produkt bei Fr. 0.37. Die Differenz zum Publikumspreis, in diesem Fall rund 23 Rappen pro Tablette, ist die Marge des Vertriebskanals (Apotheke, Ärzte, Spitäler).
Grafik: Vergleich der Fabrikabgabepreise in CHF von Pantoprazol Nycomed, Pantoprazol Mepha, Pantoprazol Sandoz 40mg, 1 Tablette mit den Referenzländern
Der Fabrikabgabepreis vom Wirkstoff Pantoprazol liegt ausser in Schweden bei allen Ländern unter dem Schweizer Preis. Berechnet man die Differenz vom Schweizer Tablettenpreis zum Durchschnittspreis der neun Länder, ergibt sich das Einsparpotential. Das Einsparpotential basierend auf dem Durchschnitt der neun Länder beträgt bei Pantoprazol Nycomed und Mepha je rund 10 Mio. Franken und bei Pantoprazol Sandoz rund 9 Mio. Fr. pro Jahr (Basis 2014). Würde man England als das günstigste Land im Vergleich nehmen, wären Einsparungen in der Grössenordnung von insgesamt 29 Mio. Franken bei den drei Produkten möglich. Würde die Vergütung der gesamtem Pantoprazol Ausgaben der Grundversicherung nach dem Kriterium des Auslandpreisvergleiches festgelegt, liessen sich bei einer Senkung auf den durchschnittlichen Auslandpreis rund 42 Mio. Franken einsparen.
Versorgung zu „möglichst günstigen Kosten“ muss umgesetzt werden
Um dem gesetzlichen Rahmen der Kostengünstigkeit zu entsprechen, schreibt das Krankenversicherungsgesetz im Art. 43 „möglichst günstige Kosten“ vor. Der gesetzliche Rahmen ist, wenn man dem neuesten Bundesgerichtsurteil (BGE 9C_417/2015) folgt, klar vorgegeben. Wenn der KVG Art. 43 zur Anwendung kommt, dann dürfte nur ein Preis in der Höhe des günstigsten Medikamentes, in diesem Fall Pantoprazol Sandoz, vergütet werden. Dieser Artikel verlangt von den zuständigen Behörden, dass darauf geachtet wird, „dass eine qualitativ hochstehende und zweckmässige gesundheitliche Versorgung zu möglichst günstigsten Kosten erreicht wird“ (KVG Art. 43, Abs. 6).Das Bundesamt ist nach diesem Urteil nun aufgefordert dies entsprechend umzusetzen. BR Berset will in diesem Jahr ein neues Festbetragssystem in diesem Jahr in die Vernehmlassung geben. Wenn sich das Festbetragsystem am Beispiel der Niederlanden orientiert, brächte dies den Prämienzahlern einen erheblichen Nutzen.
Auflagen des gesetzlichen Rahmens – fehlende Rekursmöglichkeit für Krankenversicherer
Medikamente müssen regelmässig auf die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit überprüft werden (KVG Art. 32). Diese Aufgabe obliegt dem Bundesamt für Gesundheit. Damit die Spezialitätenliste jederzeit aktuell ist, müsste die Überprüfung für alle Medikamente jährlich erfolgen, was heute noch nicht der Fall ist. Eine konsequentere Beachtung der Aufnahmekriterien liegt im Interesse der Prämienzahler und würde sich kostendämpfend auswirken. Leider haben Prämienzahler und Krankenversicherer nicht dieselben Rechte wie die Pharmafirmen. Sie können nämlich rechtlich nicht gegen Entscheide des BAG vorgehen. So wird das Ungleichgewicht zu Gunsten der Pharmaindustrie bestehen bleiben. santésuisse setzt sich für die Beachtung der Wirtschaftlichkeit ein und wird darum auch weiterhin Auslandpreisvergleiche durchführen wie auch Missstände bei der Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen aufzeigen.