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Die Einführung der medizinisch unterstützten Fortpflanzung (Fortpflanzungsverfahren) in das Projekt «Ehe für alle» hätte logischerweise eine Änderung der Verfassung erfordert (Art. 119 Abs. 2 Bst. c BV), in der es ganz klar heißt: «Die Verfahren der medizinisch unterstützten Fortpflanzung dürfen nur angewendet werden, wenn die Unfruchtbarkeit oder die Gefahr der Übertragung einer schweren Krankheit nicht anders behoben werden kann.»
Doch nein! Die Rechtskommission des Nationalrats stimmt mit Prof. Andreas Ziegler überein, der in seinem Gutachten vom 19. Januar 2018 feststellt, dass der Begriff der Unfruchtbarkeit in Art. 119 Abs. 2 Bst. c BV nicht als Diskriminierung von homosexuellen Paaren ausgelegt werden kann. Nach Ansicht dieses bedeutenden Professors besteht das Ziel der Bestimmung vielmehr darin, den Missbrauch der medizinisch unterstützten Fortpflanzung zu verhindern; es wäre daher nicht möglich, den Ausschluss homosexueller Paare* auf der Grundlage dieses Artikels zu rechtfertigen.
Diese bei den Haaren herbeigezogene Argumentation wurde vom Nationalrat problemlos durchgewinkt. Dabei kann niemand die Tatsache leugnen, dass Unfruchtbarkeit alles andere als ein vager Begriff ist. Es ist auch kein «diskriminierender» Terminus, sondern ein medizinischer Begriff, der die völlige Unmöglichkeit bezeichnet, funktionsfähige Gameten oder lebensfähige Zygoten zu produzieren.
Es sei hier wiederholt, dass das Bundesgesetz über die assistierte menschliche Fortpflanzung (Fortpflanzungsmedizingesetz, FMedG) sehr klar ist. In Art. 6 «Information und Beratung» wird dies erläutert:
1 Bevor ein Fortpflanzungsverfahren durchgeführt wird, muss die Ärztin oder der Arzt das betroffene Paar hinreichend informieren über die verschiedenen Ursachen der Unfruchtbarkeit;
2 Im Beratungsgespräch ist in geeigneter Weise auch auf andere Möglichkeiten der Lebensgestaltung und der Erfüllung des Kinderwunsches hinzuweisen.
Es ist daher überraschend festzustellen, dass eine Mehrzahl der Nationalräte nicht einmal weiss, über welches Gesetz sie entscheiden. Es sei denn, dass ihnen nicht das Wissen fehlt, sondern der Mut, nach der Wahrheit zu suchen.
Hiermit stellt sich das homophile Lager selber eine Falle, denn durch die Übernahme dieser Vision der Homosexualität entpuppt es sich in Wirklichkeit als homophob.
Gibt es etwas Perverseres, als zu behaupten, dass die einfache Tatsache, homosexuell zu sein, unfruchtbar macht? Dadurch wird angedeutet, dass die Homosexualität eine Krankheit ist, die Auswirkungen auf die Physiologie der Person hat. Dafür gibt es bis heute keinen Beweis. Verdient es diese absurde Annahme nicht, von Ärzten und Wissenschaftlern untersucht zu werden, die leicht werden nachweisen können, dass Homosexualität einen Menschen nicht unfruchtbar macht? Dies würde jedoch das Parlament dazu verpflichten, sein Gesetz abzuändern. Ist es dazu bereit?
Fussnote:
* Bericht der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates vom 30. August 2019 – Nummer <ip-pii>