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Sollte Schottland das United Kingdom verlassen, so wollen die zugehörigen Shetland-Inseln als Überseeterritorien im Königreich verbleiben.
Die grossen Fussballclubs wollen Ausnahmeregelungen für Spieler aus der EU. Das wollen auch die Bauern, das Gastgewerbe und der Nationale Gesundheitsdienst NHS.
Die Zahl der Neubewerbungen von Pflegepersonal aus EU-Ländern ist seit der Brexit-Abstimmung um 92 Prozent zurückgegangen.
Hochqualifizierte Angestellte der City lassen sich in ihre Heimatländer zurückversetzen und die Autoindustrie möchte für sich die Zollunion retten; 74 Prozent der Einzelteile für den in Ellesmere Port zusammengebauten Astra – ich fahre einen – kommen von jenseits des Kanals.
Probleme sieht auch Guinness, das sein Bier in Tanklastwagen von Dublin nach Belfast karrt, um es dort in Dosen abzufüllen, die danach wieder nach Dublin zurückgekarrt werden, um in alle Welt verschifft zu werden.
44 Prozent aller Exporte Grossbritanniens gehen in die EU.
Wir haben den Winter in London verbracht. Das Wetter im Süden Englands ist besser als sein Ruf. Zudem bin ich ein Stadtgänger, das heisst, ich steh nicht so auf Natur.
Will ich Grünzeugs gucken, dann genügt mir eine grosszügig angelegte Parkanlage. London zählt 200 Parks, fast vierzig Prozent des Stadtgebiets sind Grünanlagen.
Das im Januar von Premierministerin May forsch angekündigte «Global Britain» ist inzwischen etwas am Zerbröseln.
Nachdem die EU ihre Verhandlungsposition auf den Tisch gelegt hat.
Die Atommacht scheint die Brexit-Verhandlungen doch nicht aus einer Position der Stärke angehen zu können. Letzten Freitag hat Brexit-Hardliner Boris Johnson gesagt, dass der freie Personenverkehr wohl auch nach dem Brexit gelten werde.
Überhaupt sei er schon seit Langem einer der wenigen Politiker, zitiert ihn der Independent, der auf die Vorteile der Immigration hingewiesen habe.
London ist trotz seiner 8,5 Millionen Einwohner keine dieser ungeordnet gewachsenen Metropolen. Vielmehr ist die Stadt eine Ansammlung von kleineren Städten und Ortschaften. Wir haben in Putney gewohnt, gleich bei der Putney Bridge, an der High Street.
Gefühlt ist Putney eine Kleinstadt, obwohl sie 300 000 Einwohner zählt.
In den letzten fünf Monaten sind wir nicht nur durch unzählige Parks flaniert, sondern haben in diesen Monaten fast alle Stadtgebiete durchstreift, drei, vier Stunden jeden Tag.
Zu Fuss. Und haben dabei weit über tausend Kilometer zurückgelegt.
Für die Schweiz ist der Brexit ein Segen. Wir können zuschauen, wie die EU mit einem anderen Land umspringt, das nicht mehr alle Regeln des Clubs befolgen will.
Gesteht man den Briten das zu, was man den Schweizern verweigert: den freien Marktzugang ohne Personenfreizügigkeit?
Eine Weltstadt wie London steht für Kultur. Sei es mit aussergewöhnlicher Architektur oder mit hochklassigen Kunstmuseen.
Wir haben endlich «American Gothic» im Original gesehen, ein Bild, das wir als Poster in unserer ersten Wohnung hängen hatten.
Diesen Winter haben wir auch in Museen und Sonderausstellungen (21) verbracht.
Und in Pubs.
Prinz Philip soll den Plan für den Bau einer neuen königlichen Jacht begrüssen. Mit der könne man die Weltmeere durchkreuzen, für neue Handelsverträge.
Ich mag die Coolness der Briten beim Anstehen an der Kasse, ihr Pale Ale, ihr schon oft verteidigtes Selbstverständnis als grossartige Nation.
Jetzt sind wir wieder zurück.
Zuerst erschienen in der Basler Zeitung vom 12. April 2017