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Leere Schulhäuser eigenen sich zum Füllen von leeren Schaukästen. Ich und mein ehemaliger Chef haben uns zwei Schaukästen aufgeteilt.
Er hat ausgestellt:
Ich habe ausgestellt:
In seinem Schaukasten hängt ein Manifest für das Lesen. Auf eine Bücherliste der Klassiker hat er verzichtet („kennt doch sowieso jeder!“).
Ich habe etwas weniger präsentiert, weil es mir an Präsentationsständern fehlte (die mitlesenden Buchhändler wissen, wovon ich rede). Ich stelle jedoch lieber weniger aus, anstatt viel Verbogenens. Zu jedem ausgestellten Buch habe ich den Titel und eine ganz knappe Begründung geschreiben, weshalb es unbekannt ist.
Mein Ziel ist, möglichst viele Leute im Schulhaus zu veranlassen, kurz oder lang stehen zu bleiben. Und natürlich freue ich mich schon auf die, die mir sagen werden, dass sie das eine oder andere ausgestellte Stück sehr wohl kennen. Die Intervention des Publikums ist für jede Schaufenstermacherin erstrebenswert. (Und was ich unterrichte, sollte ich natürlich auch beherrschen.)
Natürlich ist auch die virtuelle Intervention möglich. Wer über eines der unbekannten Bücher mehr wissen möchte, frage einfach im Kommentar danach. Die mit „*“ wurden in diesem Blog bereits besprochen oder zumindest erwähnt.
Hermann Hesse, Glück, 1949
Weil es ein Privatdruck von Hesse selber ist, er schrieb dazu: „Das Leben wird allmählich zu kurz zum Briefschreiben. Ich bitte diesen Druck als Dank für Ihre Briefe freundlich aufzunehmen.“
Eva Strittmatter, Beweis des Glücks, 1988
Weil man die Reclams aus Leipzig im Westen nur selten kaufen konnte und sie im Osten immer ausverkauft waren.
Res Flückiger, Spuren im Staub auf dem Weg um den heissen Brei, 2003
Weil diese subjektive Auswahl aus Res Flückigers surrealem Nachlass Texte, Bildern und Gedichte beinhaltet, die ausser den Hinterbliebenen keine Interessenten fanden.
Fredi Lerch, konvolut, 1989
Weil das kein Buch ist, „solange unter einem ‚buch’ die warenförmig zusammengeleimte aufbereitung von geschriebener sprache verstanden wird, ist es eher papiererne luft.“ (Fredi Lerch im Geleit zu diesen Gedichten und Texten.)
Heinrich Heine, Tragödien und Frühe Prosa 1820 – 1831
Weil von Heinrich Heine vieles beliebter ist als seine Dramen und diese deswegen fast nur in der DDR oder höchstens noch für ein Jubiläumsjahr in Buchform gebracht wurden.
Sophie Calle, Exquisite pain 2003*
Weil niemand siebzig Franken für einen Leinenband mit Prägedruck bezahlt, um einer Dokumentation über herannahenden Liebeskummer zu folgen.
Bruno Munari, Supplemento al dizionario italiano, 1963 und 2005*
Weil diese wunderbare Ergänzung zum italienischen Wörterbuch schon fast verschollen ist, weil auch die Verbreitung der Neuauflage den kleinen Verlag überfordert.
Landscapes: children’s voices (Englisch und Tamil), 1995
Weil sich die ursprüngliche Idee nicht umsetzen liess: Tara Publishing wollte dieses tamilische Lehrmittel in verschiedenen Sprachen (also Lizenzen) herausgeben, und die tamilische Kultur weltweit von Kindern für Kinder erklären zu lassen.
LA MAMAN QUE J’AIME, 1997
Weil niemand Mütter so sehen mag.
Gusti Reichel, Lebendig statt brav 1988
Weil „antiautoritär“ und „Kuschelpädagogik“ Schimpfwörter sind und man solche Tipps – seien sie noch so kreativ und kostengünstig – nicht mehr für zeitgemäss hält.
Diane Arbus, ohne Titel 1995
Weil ein solcher Portraitband schwer zu verkaufen ist; wenn schon Aussenseiterfotografie, dann doch lieber Transvestiten als geistig Behinderte.
Eric Charmes, la rue – village ou décor? 2006*
Weil Dissertationen, aus denen Bücher werden, dem Publikum nur selten nahe genug kommen und seien sie noch so gut.
Das Saatsdesign der Schweiz – Zustand und Reform 2002
Weil solche kopierten Forschungsberichte mit einer Typografie aus dem Word höchstens einmal für die Pressekonferenz quer gelesen werden.
FREITAG, 2001
Weil die Idee eines Buches über FREITAG hier leider nicht verwirklicht worden ist und man weder durch Text noch Bild irgend ewas über die Marke und Firma erfährt.
Paul Ott, Fritz von Gunten, Gotthelf lesen
Weil im Gotthelfjahr (150. Todestag 2004) so viele Bücher mit schulmeisterlichem Anspruch gemacht wurden, dass das einzelne unterging.
Alexander W. Hunziker, Spass am ökonomischen Denken
Weil die amüsante Festschrift zu 75 Jahren Verlag SKV zwar verschenkt, aber nie verkauft wurde und schnell wieder in Vergessenheit geriet; oder doch nicht?
Markus Burkhard, Mein Flugbuch
Weil das Buch – obwohl ein seltenes, ehrliches und aufschlussreiches von einem Rettungspiloten – keinen Verlag und so auch nicht den Weg zum Publikum fand.