Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03337.jsonl.gz/101

Der Zürcher Oberländer Randy Krummenacher (24) ist im besten Töff-Alter und so talentiert wie Ex-Weltmeister Tom Lüthi (27) und Siegfahrer Dominique Aegerter (23). Und doch droht ihm das Karriereende.
Das letzte Rennen vor der Sommerpause auf dem Sachsenring brachte endlich, endlich einen Lichtblick. Randy Krummenacher besiegte mit der besten Saisonleistung auf Rang 7 sogar Tom Lüthi (9.). Aber er ist halt ein ewiger Pechvogel: Dominique Aegerter beanspruchte mit seinem ersten GP-Sieg alle Medienpräsenz und die Welt erfuhr kaum etwas von «Krummis» Erfolg.
Nach dem GP von Indianapolis steht er wieder mit leeren Händen da. Er wurde Opfer des Rudelsturzes, der zum Rennabbruch führte. Beim zweiten Start fehlte Krummenacher: «Der Töff war beim Sturz irreparabel beschädigt worden.» Wenigstens blieb er unverletzt und kann am Wochenende beim nächsten GP im tschechischen Brünn wieder einen Anlauf nehmen. Aber die Zeit läuft ihm davon. Es ist fraglich, ob er nächste Saison noch einmal einen Platz in der Moto2 bekommt.
Sein Team Octo Joda Racing möchte auch nächste Saison die Moto2-WM mit Randy Krummenacher bestreiten. Der Zürcher sagt: «Wir sind uns eigentlich einig. Ich fühle mich in diesem Team sehr wohl.» Der Schweizer muss den Italienern für den Platz im Team rund eine halbe Million Franken bringen. «Die Finanzierung ist zwar noch nicht gesichert. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich das Geld zusammenbringe.»
Der 24-Jährige hat Mut, Motivation und Optimismus nicht verloren und macht bereits Pläne für die Winterpause. «Mir fehlen für regelmässige Spitzenplatzierungen jeweils im Training und im Rennen ein bis zwei Zehntelsekunden. Ich habe vor, im Winter längere Zeit in Spanien zu verbringen, um dort regelmässig auf den verschiedenen Rennstrecken trainieren zu können.»
Aber eben: Wird er noch einmal zur Moto2-WM zugelassen? Randy Krummenacher ist seit 2005 im GP-Zirkus und fährt seit 2011 die Moto2-WM. Ein Podestplatz im 125er-Rennen 2007 in Barcelona (3.) ist sein bisher bestes Resultat, in der Moto2-WM ist es ein 4. Rang. Sein Talent steht nicht zur Debatte. Aber immer und immer wieder ist er im entscheidenden Moment durch Stürze (sogar beim Mountainbike-Training) oder ganz einfach Pech (wie soeben in Indianapolis) zurückgeworfen worden. Den Ruf, ein ewiges Talent zu sein, wird er nicht los.
Kommt dazu, dass er im Gegensatz zu Tom Lüthi (Daniel M. Epp) und Dominique Aegerter (Dr. Robert Siegrist) keinen Manager hat, der seine Interessen bei Sponsoren und im GP-Zirkus vertritt. So kann er sich nicht einfach auf die Rennfahrerei konzentrieren und muss für alles Mögliche von Pontius zu Pilatus laufen. «Die Sponsoren helfen mir schon bei der Büroarbeit. Aber einen Manager, der sich für mich einsetzt, finde ich einfach nicht. Mit mir kann man halt nicht viel verdienen …»
Die Finanzierung der Karriere ist nicht das grösste Problem. Es gibt politische Schwierigkeiten. Drei Schweizer sind für 2015 bereits gesetzt: Dominique Aegerter, Tom Lüthi und Robin Mulhauser. Wenn es Marco Rodrigo gelingt, seinen Schützling Jesko Raffin (18) in der Moto2-WM unterzubringen, stehen 2015 sogar vier Schweizer im Fahrerfeld.
Es ist nicht sicher, dass ein fünfter Eidgenosse einen Startplatz erhält. Der Markt Schweiz ist schlicht zu unbedeutend. Krummenachers aktuelles Team könnte dann dazu angehalten werden, nächste Saison nicht einen Schweizer Fahrer einzusetzen, sondern einen Kandidaten aus Deutschland, Italien, Frankreich, England oder Spanien zu berücksichtigen. Und so steht Randy Krummenacher in den nächsten Wochen zwischen Karriereende und Neuanfang.