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Auf fallende Kurse setzen
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Andreas Hausheer
Short-ETFs ermöglichen es, von fallenden Kursen zu profitieren. Aufgrund einer rechnerischen Feinheit macht ihr Einsatz zwecks Spekulation oder Absicherung aber nur über einen kurzen Zeitraum Sinn.
Für die einen sind sie ein rotes Tuch und gehören verboten, für die anderen sind sie ein absolut notwendiger Bestandteil funktionierender Märkte. Die Rede ist von Shortsellern oder Leerverkäufern. Sie setzen auf sinkende Kurse, was sie teils vehementer Kritik aussetzt. Das kann bis zu einem Verbot von neuen Leerverkäufen führen. Als prominentes Beispiel kann das Mitte Februar erlassene Verbot der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Bezug auf die Aktien des Zahlungsdienstleister Wirecard herangezogen werden. Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Börsenkorrektur steigt, dürften sich auch Privatanleger fragen, ob sie nicht von fallenden Kurse profitieren können. Tatsächlich stehen heute verschiedene Instrumente dafür zur Auswahl. Eine Möglichkeit sind Short-ETFs, auch inverse ETFs genannt. Das Grundprinzip ist einfach. Der Short-ETF spiegelt die Entwicklung eines Aktienmarktes in umgekehrter (inverser) Richtung wider. Fällt der Index um 1%, steigt der Short-ETF um 1% und umgekehrt. Auf den ersten Blick also eine simple Angelegenheit, wäre da nicht der Effekt der sogenannten «Pfadabhängigkeit».
«Short-ETFs sind für die langfristige Portfolioabsicherung wenig geeignet.»
Inverse Indexabbildung nur auf Tagesbasis
Dieser Begriff stipuliert, dass der inverse Effekt nur von einem Tagesschlusskurs auf den nächsten Tagesschlusskurs gilt. Fällt ein Index an einem Tag um 5% von 10’000 Punkten auf 9’500 Punkte, dann steigt der Short-ETF um 5%, von 1’000 Euro auf 1’050 Euro. Am nächsten Tag klettert der Index wieder auf 10’000 Punkte, entsprechend einer prozentualen Veränderung von 5.26%. Der Short-ETF bildet nun diese prozentuale Indexveränderung ab und fällt um 5.26% von 1’050 Euro auf 994.74 Euro. Der Short-ETF hat an diesen zwei Tagen somit einen Verlust erlitten, obwohl der Index sich unter dem Strich nicht bewegt hat. Dieser Effekt wirkt vor allem in schwankungsstarken Märkten zu Ungunsten von Short-ETFs. Fällt der Aktienindex jedoch kontinuierlich über einen längeren Zeitraum, können durch die Pfadabhängigkeit zusätzlich Gewinne realisiert werden, da in diesem Szenario der Short-ETF einen stetig höheren Wert annimmt.
Wette bei klar negativer Marktmeinung
Short-ETFs werden mittlerweile auf diverse Hauptaktienindizes angeboten, teilweise auch mit einer Hebelwirkung. Wer eine klar negative Meinung zum deutschen DAX hat, findet mit dem Short-ETF XSDX mit einem Hebel von 1 eine effiziente Möglichkeit, seine Marktmeinung gewinnbringend umzusetzen. Die jährlichen Gebühren für XSDX werden mit 0.40% angegeben. Da sich Short-ETFs zur langfristigen Anlage nur bedingt eignen, sind die jährlichen Gebühren nicht der entscheidende Einflussfaktor. Viel wichtiger ist es, sich der Konsequenzen der Pfadabhängigkeit bewusst zu sein und Short-ETFs wirklich nur zur kurzfristigen taktischen Portfoliogestaltung einzusetzen.