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Kinder stellen in ihrer kindlichen Naivität oft Fragen, die selbst die Gebildetsten von uns nur schwer beantworten können. Beispielsweise: Warum gibt es so viele Sprachen auf der Welt? Manche Antworten kennen wir, geben sie aber nur zögerlich. Beispielsweise warum der Grossvater nicht mehr da ist. Und manche Fragen sind so abstrakt, dass wir gar nicht wissen, wo wir beginnen sollen.
«Sind wir wohlhabend?»
Obwohl die Frage so formuliert ist, dass sie mit einem einfachen «Ja» oder «Nein» beantwortet werden kann, hat diese Frage wohl keiner von uns seinen Kindern so beantwortet (hoffe ich zumindest). Während die breitere Definition von Reichtum grössere Themen wie Freiheit, Sinnhaftigkeit und Zugehörigkeit umfasst, verlangt die engere Definition eine genauere Untersuchung. In der Essenz ist Reichtum sowohl eine individuelle Leistung, als auch eine Leistung über Generationen. Einfacher gesagt, unser Reichtum besteht aus folgenden zwei Faktoren:
Erarbeiteter und geerbter Reichtum
Reichtum ist eine Kombination aus dem, was wir selbst erwirtschaften und dem, was wir erben. Der Reichtum, den unsere Verwandten uns hinterlassen, ist ebenso ein Teil unseres Gesamtvermögens.
Indirekter und impliziter Reichtum
Wenn wir alles zusammengerechnet haben, dürfen wir unseren persönlichen Background nicht vergessen. Die Werte, Prinzipien und Chancen, die uns von unserem Umfeld vermittelt wurden, beeinflussen unsere Fähigkeit, Wohlstand zu schaffen enorm. Sie haben einen starken Einfluss auf unsere Fähigkeit, Wohlstand zu schaffen und darauf, was wir letztendlich erben.
Eine Diskussion über Reichtum zu eröffnen, ist eine gute Möglichkeit das Thema auf authentische Weise anzugehen.
Die Verbindung zwischen den Generationen
Um den Einfluss der genannten Faktoren zu erkennen, genügt ein Blick auf unser Umfeld. Verblüffender ist jedoch die Verbindung zwischen den Generationen. Wenn man das Wohlstands-Niveau von einer Generation zur nächsten untersucht, erkennt man interessante Muster. Wie stehen die Chancen, dass wir reicher werden als unsere Vorfahren? Ein wenig Statistik:
- 66 % der Kinder aus armen Verhältnissen gelingt der Aufstieg. Der Status ist jedoch meistens nur leicht höher.
- Bei Kindern aus armen Familien dauert es im Durchschnitt fünf Generationen, bis das mittlere Einkommen ihrer Gesellschaft erreicht wird.
- Kinder von sehr reichen Eltern bleiben in der Regel reich. Es gibt aber auch Abwärtsdruck. Oft nimmt bei sehr vermögenden Familien der Reichtum innerhalb von drei Generationen ab und verschwindet.
- Die grösste Mobilität gibt es in der mittleren Einkommensgruppe. Heisst: Diese Gruppe hat das grösste Potenzial, ihren wirtschaftlichen Status zu verändern – allerdings in beide Richtungen!
Einen wohlhabenden Stammbaum pflegen
Statistiken sagen nur etwas über den Durchschnitt aus. Jede und jeder hat einen gewissen Handlungsspielraum. Natürlich gibt es Faktoren, die wir kaum beeinflussen können, wie globale Pandemien, wirtschaftliche Entwicklungen oder soziale Benachteiligung. Abgesehen davon gibt es aber konkrete Schritte, die wir unternehmen können, um Wohlstand über Generationen hinweg zu sichern und zu vermehren. Der erste Schritt fängt in unseren Familien an.
Wie erwähnt wird ein grosser Teil unserer Vermögen vererbt. Trotzdem ist das Thema Geld am Familientisch oft tabu. Oder noch schlimmer: die Ursache von Streit und bitteren Konflikten. Mit Eltern oder Kindern ein offenes Gespräch über Erbschaft und Geld zu führen, mag unangenehm sein. Aber es gibt hilfreiche Tipps, das Thema anzugehen.
1. Entscheide Dich, darüber zu reden
Vielleicht das Offensichtliche. Aber die Entscheidung, das Thema offen anzusprechen ist ein erster, wichtiger Schritt. Wichtig ist auch, dass Du zur Einsicht kommst, dass die Vorteile offen über Geld und Erbschaft zu reden, die Nachteile darüber zu schweigen, bei Weitem überwiegen. Ich empfehle dazu eine Liste mit Vor- und Nachteilen zu erstellen, um Dir ein eigenes Bild zu machen.
2. Schaffe eine einladende Umgebung
Da Du Dich nun dazu entschlossen hast, das Thema anzusprechen, ist es wichtig, sich auf eine sinnvolle Art und Weise einzubringen. Ein Gespräch über Geld und Sterblichkeit ist nicht jedermanns Sache. Es werden schwierige Fragen aufkommen. Oder hitzige Diskussionen. Das ist in Ordnung. Und Teil des Prozesses. Wichtig ist, ein gewisses Mass an Reibung zuzulassen. Aber auch einen Raum zu schaffen, der frei von Urteilen ist und Fragen zulässt. Gehe mit einer Haltung in die Diskussion, die von den besten Absichten ausgeht.
3. Schaffe Klarheit über Deine Absichten
Das Thema Vermögen und Erbschaft in der Familie anzusprechen sollte nicht mit nackten Zahlen oder Prozentsätzen beginnen. Hast Du für das Gespräch klare Absichten oder ein gewünschtes Ergebnis? Dann sag dies zuerst. Das hilft Missverständnisse zu vermeiden und gibt eine Agenda vor. Ein guter Rahmen für die Diskussion.
4. Rede offen über das Thema
Ein wichtiger Tipp zur Normalisierung von Gesprächen über Geld und Erbschaft: Die Diskussion von Zeit zu Zeit wieder aufzunehmen, ermutigt jede und jeden, sich einzubringen. Sorge dafür, dass das Gespräch nicht endet. Je mehr ihr redet, desto besser versteht ihr gemeinsame Ziele, Sorgen und Wünsche.
5. Rede mit Kindern früh darüber
Kinder lernen viel durch das Beobachten ihrer Umwelt. Beginne schon früh mit ihnen über Geld und Wohlstand zu reden. So lernen sie, dass das Thema nicht tabu ist. Und es fördert einen offenen Dialog, auch für zukünftige Generationen. Auch gibt es ihnen die Möglichkeit in einem sicheren Umfeld zu experimentieren und ihre eigenen Vorstellungen von Vermögen und Geld zu entwickeln. Aber noch wichtiger: Du ersparst ihnen die unangenehme Last ihrer Vorfahren!
Halte den Tanz der Generationen in Gang
Eine Diskussion über Reichtum zu eröffnen, ist eine gute Möglichkeit das Thema auf authentische Weise anzugehen. Einen offenen Dialog zu führen, ist dabei zentral. Einen Dialog, der die verschiedenen Generationen und ihre Absichten miteinbezieht.
Um die Vermögensleiter hochzuklettern, müssen die einzelnen Generationen erst einmal miteinander tanzen.
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