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In Sachen Grammatik setzt der Jugo ganz auf «Keep it simple». Ludmila könnte nicht glücklicher darüber sein. Vor allem dann, wenn sie mit ihrer Familie chattet. Oder Promi-News liest.
Ich schreibe wie eine Erstklässlerin, sagt meine Mutter. Es hat sich so eingependelt, dass ich, wenn ich ihr SMS schreibe, mir die Mühe mache und diese auf Jugo verfasse. Fallfehler, sonstige Fehler und Mischsätze inklusive.
Mischsätze sind die, die auf Jugo beginnen, mich dann aber so überfordern, dass ich sie auf Deutsch beende. So geht es mir auch, wenn ich mit meinen Eltern rede. So geht es allen, die zweisprachig aufgewachsen sind.
Meine Freunde, die meine Familie und mich sprechen hören, sagen, das klinge lustig. Ich selber finde was anderes enorm lustig: Den englisch redenden oder schreibenden Jugo.
Der Grund könnte nicht simpler sein: Der Balkaner gibt sich a) keine Mühe, um englische Ausdrücke englisch zu betonen und gibt b) noch viel weniger auf englische Grammatik. Der Schlawiner schreibt englische, deutsche, und wenn ich es mir recht überlege, auch eigene Ausdrücke und Namen genau so, wie er sie ausspricht.
Neulich sass ich mit einem Freund in einem Jugo-Resti in Winterthur. Er zeigte auf die Karte und fragte mich, was das sei. Ich forderte ihn dazu auf, laut vorzulesen, was da steht. Er las vor, verstand und verlor sich in einem Lachflash. Den Ajsberg/Eisbergsalat hat er dann doch nicht bestellt.
Noch skurriler und drum noch besser wird es jeweils, wenn ich in den Promi-Magazinen stöbere, auf die meine Mutter on- und offline schwört. Würde ich ihr eine SMS schreiben, in der ich ihr was von «Miley Cyrus» erzähle, hätte die Gute keine Ahnung, um wen es geht. Komme ich mit «Majli Sajrus», ist la Mama im Bilde.
Englische Rechtschreibung findet meine Mutter «mega kompliziert und unlogisch», sagt sie, während wir uns durch ihre Lieblings-Nachrichtenseite im Netz klicken. Sie kann und will einfach nicht verstehen, warum die Amis Kate Moss schreiben, wenn die Gute doch «Kejt Mos» heisst.
Und weil wir nun so schön drin sind, anbei ein kleines Best-of.
Als Zugabe an dieser Stelle ein etwas älteres Original-SMS von mir an meine Mutter zur Veranschaulichung. Inhaltlich geht es um meine Grippe, meinen Waschtag, einen Arzttermin und darum, sie davon abzuhalten, mir alles abnehmen zu wollen, indem sie für mich putzt. Mütter halt <3!
Die italienischen Ausdrücke sollen meine Mum an ihre Zeit erinnern, als sie im Alter von 17 in die Schweiz eingewandert ist und als erstes ihre beste Freundin kennenlernte, die ihr Italienisch beibrachte. Ich hingegen tu nur so, als ob ich's ein bisschen könnte.
Wobei: Ein bisschen kann ich's im Fall auch.
Ich weiss, was «Figlio di puttana» heisst. Oder wie wir schreiben würden: «Filijo di Butana».
Das wars für heute. Man soll ja aufhören, wenns am schönsten ist. Oder wenn man abdriftet. In diesem Sinn «over and out». Oder «ower änd aut».
Eure Ludmila