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Hauptseminar: Spieltheoretische Aspekte der Wissenschaften
Dieses Seminar vertieft Aspekte der vor einem Jahr gehaltenen Vorlesung zum gleichen Thema. Traditionell werden die Aktivitäten der Wissenschaften als Akkumulation individueller Leistungen angesehen. So findet man sehr häufig in der Wissenschaftsgeschichte eine Darstellung der Forschungsfortschritte als Erfolge grosser Entdeckungen einzelner Genies. Auch wenn die Zahl der in der Forschung tätigen Wissenschaftler enorm gewachsen ist, wird ihre Organisation zumeist als eine Addition individueller Leistungen angesehen. Dabei wird übersehen, dass seit den frühen Anfängen der Wissenschaften (Verweis auf die Vorlesung dieses Semesters) diese in einem hohen Masse arbeitsteilig organisiert wurde. Damit ändert sich das Bild wissenschaftlicher Arbeitsweisen fundamental: kein einzelner ist in der Lage, eine hinreichend komplexe wissenschaftliche Fragestellung ohne Nutzung der Ergebnisse anderer selbständig zu lösen. Jede Lösung wissenschaftlicher Fragestellungen setzt die Koorperation anderer voraus. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das wissenschaftliche Arbeiten? Die Kommunikation unterliegt der strengen Rationalität wissenschaftlicher Kooperation. Normen über deren Aufrichtigkeit, Informationsbedarf und Gehalt haben sich seit Jahrtausenden eingespielt. In dem alten Bild von individueller Wissenschaft stellt sich jeder Forscher vor eine Problemstellung, die er im Entdeckungskontext eigenständig zu lösen versucht. Dieses Bild ändert sich dramatisch, wenn sich jeder Forscher stattdessen fragen muss, was er zur Problemlösung beitragen kann angesichts der Tatsache, dass niemand allein die Lösung in der Lage zu finden ist. Wissenschaft wird nach diesem Ansatz von der Teilhabe an kooperativen Problemlösungen geprägt.
Das Seminar versucht, über die aktuelle Theorie zur Spieltheorie Einsichten über die Organisation von Wissenschaft und der Interaktion von Wissenschaftlern zu gewinnen. Die Literatur wird zur ersten Sitzung.