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Seine Cartoons und Karikaturen unterzeichnet er jeweils mit dem Kürzel «Efeu». Wenn er nicht gerade auf seinem Rennvelo unterwegs ist oder in seine Posaune bläst, greift Ernst Feurer (76) noch heute zuweilen zum Zeichenstift. Mit seiner Partnerin lebt er im basellandschaftlichen Ettingen.
28.September 1947. An diesem Tag findet in Paris der Kongress des Weltbundes für den Frieden mit Teilnehmenden aus 50 Nationen statt. Eine gewisse Brigitte Bardot kann gleichentags ihren 13. Geburtstag feiern. Und in der Ostschweiz erblickt ein Knabe das Licht der Welt, der später auf den Namen Ernst getauft wird.
Kindheit in der Ostschweiz
Der Knabe wächst zusammen mit einem älteren und später einem jüngeren Bruder in Oberuzwil SG auf. «Sehr behütet und gleichzeitig sehr frei und ungebunden», wie sich Feurer erinnert. Als Kinder hätten sie jeweils gegen die Altersgenossen der Nachbardörfer «gekriegerlet».
«Ich bin kein Künstler, nur ein Illustrator. Mein Beruf ist Handwerk und keine Kunst»: Ernst Feurer alias Efeu.
Von Klein auf malt und zeichnet Ernst Feurer gerne. Das ist seine Welt. Zunächst habe er später einmal Indianer werden wollen, dann Grenzwächter in den Bergen. Doch je länger, je klarer wird, dass er die Kunstgewerbeschule besuchen und eine grafische Ausbildung geniessen würde. Nach abgeschlossenem Studium arbeitet er noch knapp ein Jahr bei einer kleinen Agentur in St.Gallen. Doch dann will er weg, «die Welt sehen». Doch er kommt nicht sonderlich weit, exakt nur bis Basel, wo schon sein älterer Bruder Max lebt.
Auf Anhieb findet Ernst Feurer eine Stelle bei Samson «Cioma» Schönhaus (1922-2015), einem Grafiker mit jüdischer Herkunft, der während des Zweiten Weltkriegs von der Gestapo gesucht wurde. Die 2004 publizierte (und 2022 auch verfilmte) Autobiographie «Der Passfälscher» zeigt das waghalsige Unterfangen von Schönhaus, wie er nach der Deportation seiner Eltern zunächst mit falscher Identität in Berlin bleibt, dann aber – die Gestapo im Nacken – verkleidet als Hitlerjunge zu Fuss und mit dem Velo quer durch Deutschland in die Schweiz entkommt.
Nähmaschinen und Storyboards
1970 kann Feurer bei Schönhaus als Art Director einsteigen, wo er 14 Jahre bleibt. Zu den grössten Kunden zählen die Pfaff Nähmaschinen, wie er sich erinnert. Doch eines Tages ist er der Nähmaschinen und anderer Produkte überdrüssig. Feurer macht sich teilselbstständig. Konkret bedeutet das: zum Teil arbeitet er als Freelancer bei der Basler Werbeagentur Favo, zum Teil beginnt er Zeichnungen und Cartoons zu machen, zunächst für ein paar linke «Blätter».
Dann kann Ernst Feurer – als Karikaturist nennt er sich nun «Efeu» – bei Coop Schweiz einsteigen. Dazu sagt er: «Ich musste Produkte zeichnen, habe dabei gut verdient». Doch plötzlich hiess es, alle Produkte würden ab sofort fotografiert und nicht mehr gezeichnet.
«Geschockt über den Rausschmiss musste ich die Klinken sämtlicher grossen Agenturen in Zürich putzen.» «Efeu» spezialisiert sich auf das Herstellen von sogenannten Storyboards, einer Serie von Zeichnungen, die die Geschichte eines Werbespot-Drehbuchs visuell erzählt. Dieser Job, sagt er, sei zwar stressig, dafür aber lukrativ gewesen.
«Nebelspalter», BaZ und bz
Mit der Zeit verlegt sich «Efeu» mehr und mehr auf seine Passion, als Cartoonist tätig zu sein. Er arbeitet für den «Nebelspalter», für «die linken Blättli» und für die beiden Tageszeitungen der Region Basel, die «Basler Zeitung» und die «Basellandschaftliche».
Bald kennt und schätzt die Leserschaft die oft bissig-bösen Cartoons von «Efeu». Meistens jedenfalls. Ernst Feurer räumt ein, dass es zwar selten, aber zuweilen doch mal Ärger, böse Leserbriefe oder Schandbriefe («du linke Sau») gegeben habe. Immerhin: «Efeu» wurde nie vor ein Gericht gezerrt oder bedroht. Obwohl er sich durch seine Cartoons durchaus politisch offenbart, habe er sich nie direkt politisch betätigen wollen: «Das hätte mir zu viel Zeit weggefressen…».
Schliesslich, ergänzt Ernst Feurer, sei er immer stark beschäftigt gewesen. Unter anderem auch damit, Bücher zu illustrieren. Tatsächlich existiert eine Handvoll Bücher, die seine Handschrift tragen, unter anderem «Schwarz ist nicht nur Trauerfarbe» (1979), das Kinderbuch «Die Wünschdiralles-Bohne» (1999) und «Der Spatz, der ein Papagei sein wollte», das er zusammen mit Werner Vogel realisierte. Im Moment hat er ein Bilderbuch-Projekt, zusammen mit einer holländischen Autorin, abgeschlossen. Die Geschichte spielt sich auf der holländischen Waddeninsel Schiermonnikoog ab.
Ernst, hast du mal Aufträge abgelehnt?
«Alles was Richtung Atomkraftwerke geht. Und Aufträge, die ich ironischerweise von der SVP erhalten habe, habe ich auch stets dankend abgelehnt.»
Weshalb hast du nie Bildende Kunst gemacht?
«Ich bin kein Künstler, nur ein Illustrator. Mein Beruf ist Handwerk und keine Kunst.»
Die Antwort von «Efeu» zeigt, wie gut er sein Licht unter den Scheffel zu stellen vermag. Denn immerhin hat «Efeu» vor gut zehn Jahren einmal im Kleinbasel gemeinsam mit dem gelernten Schriftsetzer Horst Hohl eine Ausstellung bestritten. Die beiden Kreativen verband eine lange Freundschaft, seit sie sich im Basler Atelier von Cioma Schönhaus kennengelernt haben.
Von Basel nach Ettingen
Nach Ettingen kommt Familie Feurer in mehreren Schritten via Basel, Therwil, Oberwil und Biel-Benken. Mit den zwei Kindern habe man einfach das ländlichere Leben gesucht, berichtet er. Übrigens: Tochter Anouk Feurer ist Basel treu geblieben; die Psychologiestudentin sitzt für das «Junge grüne Bündnis» im Grossen Rat.
Was macht der mittlerweile 76-jährige Ernst Feurer heute noch, geniesst er die Pension?
«Den Selbstständigenstatus habe ich vor einem Jahr abgegeben. Jetzt lebe ich von der AHV und dem Ersparten. Ich habe ausgerechnet, dass ich – Stand heute – 89 Jahre alt werden könnte, bis mir das Geld ausgeht…»
Apropos Alter, Älterwerden und das eigene Ende, beschäftigt ihn dieses Thema? «Zum Teil schon». Er realisiere die altersbedingten Bobo und die abnehmende Sehkraft der Augen. Aber «viel lieber betätige ich mich sportlich, indem ich mit dem Rennvelo im Elsass oder im Jura ausfahren gehe.»
Zudem, das sei zum Abschluss noch erwähnt: «Efeu» hat vor einigen Jahren den Jazz entdeckt. Er spielt Posaune und macht neuerdings auch beim Musikverein Ettingen mit.
Fotos: Christian Roth