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Das Kollegienhaus grenzt im Norden an den baumbestandenen Petersplatz und transformiert im Süden den ehemaligen Zeughausgarten zum allseitig gefassten Innenhof. Eine Aula für 550 Personen und zwei übereinanderliegende Hörsäle mit 150 respektive 250 Sitzplätzen besetzen die beiden Enden der hufeisenförmigen Anlage, während im Osttrakt die kleinen und im Nordtrakt die mittleren Hörsäle angeordnet sind. Es brauchte zwei Wettbewerbe und eine Überarbeitung, bis die Zielsetzung des Wettbewerbs erfüllt war, «ein Bauwerk zu schaffen, das kein reiner Zweckbau ist, sondern die Bedeutung der Universität als erste Bildungsstätte zum Ausdruck bringt». So strahlt das realisierte Projekt bis heute eine erhabene Bodenständigkeit aus.
In den 1950er-Jahren entwarf Roland Rohn gleich mehrere Geschäftshäuser mit einer Rasterfassade aus Beton. Je nach städtebaulichem Umfeld erfuhren die Fassaden unterschiedliche Veredelungen, die vom blossen Anstrich über örtliche Verblendungen aus Natur- oder Kunststein bis hin zu massivem Naturstein reichten. Dialekten gleich hauchte Rohn der Universalsprache des Rasters situative Schattierungen ein. Beim Geschäftshaus Talgarten reagierte er zudem mit einer der Dynamik des Strassenverkehrs folgenden, starken Horizontalbänderung auf die städtebauliche Lage. Neben einer Auszeichnung für gute Bauten in der Stadt Zürich erhielt der Talgarten respektive dessen Fassade auch international Beachtung. «The elevation is strong in its sculptural quality», befand Michael Rosenauer 1955 in seinem Buch «Modern Office Buildings» anerkennend. Das Haus wird aktuell zum citizenM-Hotel umgebaut.
Der Fabrikneubau in Ebikon ist das Werk einer Arbeitsgemeinschaft von vier Architekturbüros unter Rohns Leitung. Eingespannt zwischen Eisenbahnlinie und Überlandstrasse, bietet die Anlage unter dem Dach einer 245 Meter langen und 120 Meter tiefen Shedhalle Platz für fünf Produktionslinien. Als Schauseite fungiert ein viergeschossiger Bürotrakt, der den Hallen vorgelagert ist. In den Rhythmus der vorstehenden Treppenhäuser eingebunden, vom Bürotrakt aber leicht abgerückt, steht ein 60 Meter hoher Liftprüfturm für die Entwicklung neuer Fahrstuhlanlagen. Er ist das Wahrzeichen der Fabrik, das – anders als ein Bürohochhaus – unmittelbar aus der Tätigkeit des Unternehmens hervorgeht. Musste das zeitgleich entstandene Wohlfahrtshaus von August Boyer 2016 einem Neubau weichen, scheinen die Bauten Rohns ungefährdet.
Das Projekt ging aus einem Wettbewerb hervor, zu dem Rohn 1954 eingeladen wurde, nachdem er bereits 1935 den ersten Projektwettbewerb auf demselben Perimeter gewonnen hatte, der Zweite Weltkrieg jedoch die Realisation vereitelte. Die Anlage besteht aus einer Komposition zweigeschossiger Pavillons entlang eines gedeckten, leicht ansteigenden Weges und einem krönenden Hofgebäude mit Klassenzimmern. Mit einer Rasenfläche, azentrischem Zierbad und Bronzefigur war der Hof ursprünglich ein Ort fast klösterlicher Ruhe. Wegverbindungen aus handgehauenen Granitplatten, das Plätschern des Wassers und das Blätterspiel der Birke im Wind waren weitere Zutaten für jene Art malerischer, ja romantisch anmutender Atmosphäre, die spätestens seit der Landi 39 die Gartengestaltung bis Mitte der 1950er-Jahre prägte. Der Garten und die Hoffassade sind heute leider stark verändert.
Das Bürohochhaus mit einer Curtain-Wall des bekannten Basler Konstrukteurs Ernst Koller steht heute am Fuss des 2015 fertiggestellten Baus 1 von Herzog & de Meuron. Misst Letzterer 178 Meter, galt für den Bau 52 noch die behördliche Vorgabe, dass der Blick von der Münsterplattform keine Überschneidung mit dem Chrischona-Höhenrücken zulasse und dass das Hochhaus nur unwesentlich höher sein dürfe als der 52 Meter hohe Bau der Geigy AG: «Man will den Plafond der Hochhäuser im Gebiet Kleinbasel niedriger halten als denjenigen im Bereiche Grossbasels.» Hielt sich die Baueingabe noch exakt an diese Richtlinie, obschon erste Projektstudien eine Höhe von 57 Metern vorsahen, wurde noch während des Baus ein Gesuch für eine Erhöhung um drei Stockwerke eingereicht und bewilligt. Das elegante Scheibenhochhaus misst seither 61 Meter.
Rohn wird gerne als Architekt der Industrie bezeichnet. Mit seiner Tätigkeit für Oscar Weber in St. Gallen und an der Zürcher Bahnhofstrasse sowie für Jelmoli in Zürich und Genf («Au Grand Passage») genoss er einen vergleichbaren Status auch im Warenhausbau. Neben umfangreichen Erweiterungen an den beiden innerstädtischen Verkaufsstätten entwarf Rohn für Jelmoli auch die dazugehörigen Betriebs- und Lagerhäuser in Otelfingen (1966–1968) und Carouge (1964/65). In Zürich war er verantwortlich für den Umbau des Haupteingangs (1953) sowie für die Erweiterungsetappen III (1947/48) und IV (1957–1961). Letztere trägt ein zeittypisches Kleid aus schwarz emailliertem Glas und farblosem Aluminium, das mit der Teilung der Glasflächen eine gelungene Verbindung zum sogenannten Glaspalast der Architekten Stadler & Usteri aus dem Jahre 1898 herstellt. Die Fassade wurde 2016 unter Begleitung der Denkmalpflege saniert.
Das Verwaltungsgebäude mit Ausstellungspavillon der Zellweger AG befindet sich am Rande der historisch gewachsenen Produktionsstätte in Niederuster. Flankiert von einem Weiher und umgeben von Bäumen, bildete das Ensemble bis vor wenigen Jahren ein malerisches Kleinod, das nichts von seiner ursprünglichen Frische eingebüsst hatte. Natur und Artefakt finden sich hier (noch immer) in vielfältiger Weise miteinander verknüpft: physisch, indem der Ausstellungspavillon einem Pfahlbau gleich im Wasser steht, und optisch, weil sich die Gebäude darin spiegeln. Ein weiteres integratives Moment ist in der Materialisierung zu finden, da die grünen Brüstungsgläser umgekehrt als Projektionsfläche für die Natur fungieren. Neubauten an der anderen Uferseite und hinter dem Pavillon haben den Ort seit 2014 verändert.
Als Nachfolger von Otto Rudolf Salvisberg konnte Roland Rohn für die Draht- und Gummifabrik Dätwyler insgesamt sechs, zum Teil mehrfach etappierte Bauten realisieren. Neben der Wohnsiedlung Waldmatt II (1951), deren Hochhaus als erstes Wohnhochhaus der Zentralschweiz gilt, verdient vor allem das Gebäude-Ensemble an der Gotthardstrasse Beachtung. Ohne die Entstehung über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten zu leugnen, bilden die Bauten durch die spannungsvolle Komposition unterschiedlicher Massen eine Einheit. Sie setzt sich zusammen aus der Pneufabrik mit dem markanten Uhrenturm (1947), dem Verwaltungsgebäude (1956, Erweiterung 1965) sowie dem Personalhaus mit Restaurant, Schulungsräumen, Turnhalle und Schwimmbad (1965). Einzelne Bauten wurden seither saniert, zuletzt 2012 das Personalhaus.
Das Einfamilienhaus für die Familie Vaterlaus in Feldmeilen wurde nach seiner Fertigstellung häufig für ein Werk Richard Neutras gehalten. Das überrascht nicht weiter, vermittelte doch ein umfassendes Pflichtenheft neben dem Raumprogramm und Materialvorstellungen auch architektonische Präferenzen (ausnahmslos Bauten von Richard Neutra): «All dies soll für unseren Architekten nicht Programm sein, sondern nur unseren Geschmack zeigen.» Dennoch hielt sich Rohn auffällig stark an die kommunizierten Bilder. So weist das Landhaus Vaterlaus in einigen Punkten eine frappante Ähnlichkeit mit Neutras Casa Tuia in Ascona auf. Rohn hatte nur wenige Wohnhäuser realisiert, vergleicht man aber seine Verwaltungsbauten der 1960er-Jahre mit dem noch heute bestens erhaltenen Landhaus Vaterlaus, reiht es sich trotz Neutra-Anleihen nahtlos in Rohns Werk ein.
«Erfolgreicher Architekt mit dauernd sehr grossen Bauaufträgen, baukünstlerisch begabt, aber etwas festgefahren. Persönlich sehr nett. Seine Wahl würde nicht überall verstanden.» Mit diesen Worten fasste Hans Pallmann, Präsident des Schweizerischen Schulrates, die Ansichten über Roland Rohn (1905–1971) zusammen, die er 1956, im Vorfeld der Neubesetzung von vier Professuren an der ETH Zürich, in Gesprächen mit Fachberatern gesammelt hatte.
Die Beschreibung könnte nicht treffender sein: Mit durchschnittlich 30 bis 40 Mitarbeitern bewältigte Rohn, der schliesslich nicht gewählt wurde, zeitlebens einen äusserst umfangreichen Auftragsbestand, der in direktem Zusammenhang mit den Attributen begabt, nett und sogar festgefahren steht. Den Eindruck von Festgefahrenheit dürften Rohns bewusster Verzicht auf Experimente und die Wiederverwendung bewährter Konzepte hinterlassen haben.
Rohn war kein Erneuerer, sondern einer, der sich kontinuierlich an den Entwürfen und Konstruktionen seiner Zeit orientierte und die zu seinen Zwecken verarbeiteten Erkenntnisse – bedingt durch die vielen Aufträge – fast stereotyp und nur in geringer Modifikation wiederholte. Gerade dadurch war er für die Bauherrschaft der Garant für eine solide, zweckmässige Architektur, die aufgrund seiner baukünstlerischen Begabung auch ästhetischen Ansprüchen gerecht wurde. Und das Attribut nett bezeichnet schliesslich einen angenehmen Gesprächspartner, mit dem man gerne zusammenarbeitete und sich auch mal über das rein Berufliche hinaus unterhielt, was die Anekdote über den Ferrari beweist, den der Autonarr Rohn dem Generaldirektor von Jelmoli abgekauft hatte.
Kontinuität statt Bruch
Obschon Rohn 1953 bis 1957 Obmann der Zürcher Ortsgruppe des BSA war, während 20 Jahren Einsitz im Baukollegium der Stadt Zürich hatte und wiederholt als Preisrichter amtierte, pflegte er keinen intensiven fachlichen Austausch mit Kollegen. Die Absenz vom Architekturdiskurs und die vielen Aufträge – er sei wie der Teufel hinter Aufträgen her, meinte ein Gutachter anlässlich der Professorenwahl – liessen ihn in den Augen seiner Kritiker als «Bauorganisator» erscheinen.
Schwerer wiegte aber, dass er spätestens nach 1940 fortwährend dem Vergleich mit Otto Rudolf Salvisberg (1882–1940) ausgesetzt war, übernahm er doch nach dem Tode Salvisbergs dessen Büro und führte die laufenden Projekte weiter. Da sich Rohn der Architektur Salvisbergs verpflichtet fühlte und in ihr taugliche Konzepte erkannte, auf die er am Anfang – quasi mit der Legitimation, Salvisbergs offizieller Nachfolger zu sein – wiederholt zurückgriff, lud er förmlich zur Gegenüberstellung ein. Für Unternehmen wie Hoffmann-La Roche und Dätwyler gewährte Rohns Nähe zu Salvisberg aber die Kontinuität ihrer angestrebten baulichen Entwicklung; sie fanden in ihm einen Partner, der die skizzierten Ideen aufgriff und sinngemäss weiterentwickelte.
Rohn stellte nicht seine Person in den Vordergrund, sondern die Bauaufgabe selbst. Deshalb bereitete es ihm keine Mühe, die Fassade eines anderen Architekten weiterzubauen, wie es bei der dritten Erweiterungsetappe von Jelmoli (1947/48) geschah, oder Bestehendes mit Blick auf den Ensemble-Charakter zu kopieren. Rohns Reputation war dieses Verhalten, das den mangelnden Austausch genauso einschliesst wie die Adaption vorhandener Architekturen, wenig förderlich. Zwar wurden seine Bauten bis Mitte der 1950er-Jahre regelmässig publiziert, doch lässt sich während der darauf folgenden Jahre bis zu seinem Tod 1971 die Zahl der Publikationen in den massgebenden Architekturzeitschriften an einer Hand abzählen. Dadurch war das Werk seiner letzten Schaffensphase, das jeden Plagiatsvorwurf Lügen straft, lange kaum bekannt.
Posthume Anerkennung
Heute verbindet man mit dem Namen Roland Rohn eine Reihe eleganter Geschäftshäuser wie das SUVA-Haus am Schanzengraben in Zürich oder jenes der Zellweger AG in Uster, Industriebauten mit einprägsamen Silhouetten in Birr (Brown Boveri), Ebikon (Schindler) und Basel (Roche) sowie eine Reihe markanter Bauten, die aus dem Stadtbild Zürichs nicht mehr wegzudenken sind: so etwa das Casino Zürichhorn, das Stadtspital Triemli oder das gemeinsam mit Werner Stücheli entworfene Restaurant Clipper. Nicht umsonst schliesst Benedikt Loderer seine Besprechung der 2003 erschienenen Monografie über Roland Rohn mit den Worten: «Nach der Lektüre staunt man über die Fülle des Werks und revidiert sein Urteil über Rohn.»