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Das Resozialisierungszentrum «La Pâquerette» ist nach dem Mord an einer Sozialtherapeutin während eines begleiteten Freigangs erneut in den Schlagzeilen. Jetzt wurde bekannt, dass offenbar auch Bordell-Besuche zur Therapie gehörten.
Die Häftlinge des auf die Resozialisierung spezialisierten Zentrums «La Pâquerette» in Genf gingen auf begleiteten Freigängen zu Prostituierten. Der Präsident des Polizeiverbands, Christian Antonietti, bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht von «20 minutes». Das sei nicht grundsätzlich tabu gewesen, man habe regelmässig darüber diskutiert, sagte Antonietti am Freitag in der Mittagstagesschau des Westschweizer Fernsehens (RTS). Nähere Angaben zu diesen Freigängen sind nicht bekannt.
Die Besuche bei Prostituierten betreffen das Problem der Berücksichtigung der sexuellen Bedürfnisse der Gefängnisinsassen. Das Gefängnis Champ-Dollon, wo das Zentrum «La Pâquerette» auf einem Stockwerk untergebracht war, verfügt über kein Besuchszimmer für intime Kontakte. Im Gegensatz dazu gibt es beispielsweise im Gefängnis Bochuz VD ein solches Besuchszimmer. Für das Besuchszimmer im Gefängnis Bochuz gelten jedoch strenge Regeln. So muss ein Paar seit mehr als sechs Monaten zusammen und regelmässig in Kontakt sein. Zudem muss die Person, die auf Besuch kommt, wissen, warum der Häftling im Gefängnis ist.
Das Zentrum «La Pâquerette» wurde nach dem Mord an einer Sozialtherapeutin während eines begleiteten Freigangs im Herbst in Frage gestellt. Nach dem Tötungsdelikt wurde die Leitung des Zentrums vom Gesundheits- an das Sicherheitsdepartement übertragen. Zudem waren nach dem Tötungsdelikt sämtliche Freigänge gestrichen worden. Anfang 2014 wurde das Zentrum geschlossen. Im frei gewordenen Stockwerk im Genfer Gefängnis Champ-Dollon werden Häftlinge im Rahmen des ordentlichen Strafvollzugs untergebracht. (whr/sda)