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Yaara Tal und Andreas Groethuysen bestätigten beim ersten Lilienberg Rezital in diesem Jahr ihren Ruf als klangästhetisch unübertreffbares und weltweit versiertestes Klavierduo der Gegenwart. Die beiden Künstler präsentierten Werke von Schumann, Saint-Saëns und Debussy und bewiesen dabei eindrücklich ihre (Zauber)Kunst an zwei Steinway-Flügeln.
«Sechs Stücke in kanonischer Form für den Pedalflügel in der Fassung von Claude Debussy für zwei Klaviere»: Robert Schumanns Werk, mit dem die israelische Pianistin Yaara Tal und ihr Partner Andreas Groethuysen aus Deutschland das Rezital eröffneten, trägt nicht nur einen langen Titel, sondern dauert auch fast 15 Minuten. Doch schon in diesem ersten Konzertteil konnte sich das Publikum davon überzeugen, dass die Fachpresse aus allen Ecken der Welt Yaara Tal und Andreas Groethuysen zu Recht als derzeit international bestes Klavierduo lobt: Jeder spielt für sich absolut virtuos, und zusammen bildet das exzellent harmonierende Paar, das die Musik unaufwändig und verinnerlicht spielt, eine perfekte Symbiose.
Moderator Andreas Müller-Crepon erwähnte einleitend, dass Schumann die sechs im Charakter völlig unterschiedlichen Stücke ursprünglich für ein seltenes Instrument komponierte, das sich aber nie richtig durchsetzen konnte: einen Flügel, unter dem sich ein klingendes Pedal nach dem Vorbild der Orgel befand – weil der Komponist Orgelspielen üben wollte. Schumann selbst schrieb auch eine Fassung für das Klavier, um zu ermöglichen, dass das Stück häufiger aufgeführt wird. Mit seiner Bearbeitung für zwei Klaviere bereicherte Debussy das Werk noch einmal entscheidend, denn er legte damit den Grundstein, dass die Studien als Standardstück für zwei Klaviere populär wurden.
Musikalische Messlatte hoch gesetzt
Ein nicht sehr oft zu hörendes Werk sind die «Variations sur un Thème de Beethoven» von Camille Saint-Saëns. Ein langer einleitender Satz, Moderato assai, führte zum Thema, Tempo di Minuetto, und neun Variationen, die aufeinander attacca folgten. Bei diesem rhythmisch, dynamisch und agogisch vollkommenen Zusammenspiel war für das Publikum sofort hör- und sichtbar: Das Klavierduo Tal/Groethuysen legt die musikalische Messlatte bei seinen Auftritten sehr hoch. Die Übertragung des Themas auf zwei Klaviere bleibt nahe beim Original, hat aber bereits ihre technischen Tücken: Beethovens Satz wird taktweise auf die zwei Partner aufgeteilt. Diese setzen die durch Pausen getrennten Akkordpaare zeitlich so, dass ein durchgehender Rhythmus erhalten bleibt. Die beiden Künstler schafften das scheinbar mit Leichtigkeit. Die neun Variationen sind pianistisch aber sehr anspruchsvoll und attraktiv gesetzt; schon die erste ist in der Artikulation der raschen Sechzehntelnoten eine technische Herausforderung.
Grosser Applaus zum Schluss
Den famosen Schlusspunkt setzte das Klavierduo mit Claude Debussys «La Mer» nach einer Fassung von André Caplet, einem guten Freund des Komponisten. Yaara Tal und Andreas Groethuysen liessen die Zuhörer tief auf ihre ausserordentlichen technischen Fähigkeiten blicken und beeindruckten mit ihrem virtuosen Spiel dieses Musterbeispiels für impressionistische Musik. «La Mer» gilt als Debussys kostbarste Ode an die Natur: Im Licht der aufgehenden Sonne, dem Rauschen der Wellen, dem Dialog zwischen Wind und Meer glaubte man bei dieser ozeanischen Exkursion, dank des pointierten Anschlags der vier Hände, die Farben eines ganzen Orchesters herauszuhören. Es gelang Yaara Tal und Andreas Goroethuysen, die verschleierte Struktur der drei bildhaften Skizzen deutlich zu machen und den Klangrausch, der sich immer mehr entfaltet, hymnisch zu steigern.
Tal/Groethuysen zauberten an ihren Konzertflügeln auch immer wieder durch feine Nuancen des Anschlags und durch durchsichtiges Zusammenspiel, insbesondere im abschliessenden «Gespräch des Windes mit dem Meer»: eine mitreissende Interpretation, die das Publikum zu Recht mit einem tosenden Applaus quittierte. Mit dem «Abendlied» für vier Hände an einem Klavier, wählte das Künstlerpaar eines der bekanntesten Werke Robert Schumanns für die Zugabe.
Neugierig, experimentierfreudig und ein blindes Vertrauen
Fazit: Yaara Tal und Andreas Groethuysen zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie mit ihrem meisterlichen Spiel auch verborgene Schätze der klassischen Musik ans Licht beziehungsweise ins Gehör bringen. Sie sind neugierig und experimentierfreudig wie kaum zwei andere Pianisten im Doppelpack, sie sind aber auch unermüdlich im fantasievollen Ausschreiten ungewöhnlichen Repertoires. Und ganz wichtig: «Es braucht ein Höchstmass an Übereinstimmung und blindem Vertrauen», wie Andreas Groethuysen über das gemeinsame Spiel mit seiner Partnerin im Interview mit dem Moderator betonte. «Man geht in einem gemeinsamen Klang auf – man verschmilzt geradezu.»
Lilienberg Rezital vom 5. März 2019 mit dem Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen; Gastgeber: Lilienberg Unternehmerforum, vertreten durch Susanne Rau-Reist; Moderation: Andreas Müller-Crepon.
Die Künstler
Yaara Tal (Jahrgang 1955) und ihr Partner Andreas Groethuysen (Jahrgang 1956) bilden aus Sicht vieler Musikkritiker das international beste Klavierduo. Sie treten seit 1985 gemeinsam auf und spielen in den renommiertesten Konzerthäusern der Welt. Stellvertretend für viele seien genannt: Concertgebouw Amsterdam, Philharmonie Berlin, Alte Oper Frankfurt, Musikhalle Hamburg, Hongkong Arts Festival, Philharmonie Köln, Teatro alla Scala Mailand, Philharmonie München, Radio France, Frick Collection New York, Forbidden City Concert Hall Peking, Klavierfestival La Roque d´Anthéron, Klavierfestival Ruhr, Salzburger Festspiele, Wiener Musikverein, Tonhalle Zürich, Festwochen Luzern.
Ein besonderes Markenzeichen von Tal & Groethuysen ist die Kreativität in der Gestaltung der Programme, in denen auch immer wieder zu Unrecht vernachlässigte Schätze des Repertoires zum Zuge kommen. So spielt das Duo zum Beispiel das selten aufgeführte Konzert für zwei Klaviere und Orchester von Ralph Vaughan Williams (unter anderem mit dem Gewandhausorchester und dem Musikkollegium Winterthur), oder bringt mit Kammerorchester Werke von Czerny, Lipatti, Bach oder Veress zur Aufführung.
Yaara Tal und Andreas Groethuysen arbeiten als Professoren für Klavierduo an der Universität Mozarteum Salzburg.