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Auch 50 Jahre nach seinem Tod am 23. August 1955 ist der Name Rudolf Minger für viele ein Begriff.Dieser Inhalt wurde am 22. August 2005 - 20:52 publiziert
Der erste praktizierende Bauer in der Landesregierung ist nachhaltig populär geblieben. Erst Adolf Ogi (Bundesrat 1988 – 2000) erlangte eine ähnliche Popularität wie Minger.
Minger war ein begnadeter Redner, der seine Sache geschickt vertrat. Auch Unbeirrbarkeit und Dialogfähigkeit wurden ihm bescheinigt. Weil er seine bäuerlichen Wurzeln nie verleugnete und sich keiner allzu geschliffenen Manieren befleissigte, schossen die Witze bald nach seiner Wahl in den Bundesrat ins Kraut.
Alt Bundesrat Adolf Ogi, heute UNO-Sondergesandter für Sport, vergleicht gegenüber swissinfo Mingers Biografie mit seiner eigenen: "Wir waren beide Nicht-Akademiker und beide wurden wir vom Volk getragen." Weiter sei Minger aus der Landwirtschaft gekommen und er aus den Bergen.
"Über uns beide wurden Witze gemacht", sagt Ogi gegenüber swissinfo. So stehen in einem Witzbüchlein über ihn auch Witze, die auf Rudolf Minger gemünzt waren und dann auf ihn, Ogi, übertragen wurden.
Und deshalb kenne er auch Witze über Rudolf Minger. Ogi will aber keinen zitieren, da er nicht gerne Witze über andere erzähle.
Keine Scheu bekundet Ogi allerdings, einen Witz über sich selbst zum Besten zu geben (siehe "Zum Thema").
Mingers steile Karriere
Rudolf Minger wurde am 13. November 1881 im bernischen Mülchi (Bezirk Fraubrunnen) als Sohn eines angesehenen Bauern geboren. Mit der Heirat seiner Verwandten Sophie Minger zog er 1906 in die Seeländer Gemeinde Schüpfen, wo das Paar den Hof der Eltern der Frau übernahm.
In der Folge begann sein politischer und militärischer Aufstieg. Im Militär brachte er es zum Oberst, als Politiker war sein erster Streich die Gründung der bernischen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) als Abspaltung vom mächtigen Freisinn. 1919 eroberte die BGB die Hälfte der bernischen Nationalratssitze.
Auch Minger zog ins Bundesparlament ein, noch bevor er 1922 bernischer Grossrat wurde. 1927 wurde er Nationalratspräsident, 1929 schlug er den freisinnigen Kandidaten sicher und wurde erster BGB-Bundesrat. Mingers BGB war die bäuerlich-ländliche Antwort auf die um sich greifende Industrialisierung.
Für eine starke Armee
Als Vorsteher des Militärdepartements führte er mit Blick auf die Entwicklung in Deutschland schon bald einen energischen Kampf für eine starke Armee. Erfolgreich rang er bei der Arbeiterschaft und schliesslich auch bei der Sozialdemokratischen Partei um eine positive Haltung zu diesem Anliegen.
1940, mit knapp 60 Jahren, trat er aus der Landesregierung zurück und wurde wieder Bauer. 1955 starb er auf dem Mingerhof, den er zu einem Zentrum bernischer und schweizerischer Politik gemacht hatte. Auch General Henri Guisan soll auf dem Hof mit Minger nach Kriegsausbruch die Gefahrenlage besprochen haben.
Gedenkfeier
Mit einer Gedenkfeier in der Kirche Schüpfen ehrte die Schweizerische Volkspartei (SVP) des Kantons Bern, die Nachfolgepartei der BGB, am 14. August ihren Gründer. Samuel Schmid, der 70 Jahre nach Minger als Vertreter der BGB-Nachfolgepartei SVP das Amt des Bundespräsidenten bekleidet, war der "logische" Redner an diesem Anlass, der von rund 700 Personen besucht wurde.
Schmid zeichnete in seiner Rede das Leben Mingers nach und beleuchtete dabei vor allem dessen Einsatz für die ganze Gemeinschaft. Minger sei ein echter Diener der Bauernschaft und des ganzen Schweizer Volks gewesen.
Nicht ausser Acht blieb bei der Gedenkveranstaltung, dass das 3300-Seelen-Dorf Schüpfen noch zwei weitere Bundesräte hervorbrachte, nämlich Jakob Stämpfli (Bundesrat von 1855-1863 und Karl Schenk (1864-1895); mit einer Regierungszeit von 31 Jahren hält Schenk den Rekord.
Am präsentesten ist in Schüpfen aber Minger: Er ist mit den beiden andern auf dem Brunnen vor der Mühle festgehalten; zudem gibt es eine Minger-Strasse und ein Denkmal, das dem "Bauern, Staatsmann und Kämpfer" gewidmet ist.
swissinfo und Hans Trachsel (sda)
Fakten
Rudolf Minger (13.11.1881-23.08.1955) gehörte zu den Gründern der Bauern- und Bürgerpartei die sich später in Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei umbenannte und schliesslich 1971 in Schweizerische Volkspartei (SVP).
Minger wurde am 12. Dezember 1929 in den Bundesrat gewählt und übergab sein Amt am 31. Dezember 1940. Er stand dem Militärdepartement vor.
Minger war 1935 Bundespräsident und in den Jahren 1934 und 1940 Vizepräsident.
Rudolf Minger war Bauer. Er verfügte über keine höhere Schulbildung.
Rudolf Minger ("Minger Rüedu") ist auch heute noch sehr populär.
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