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Abstract
Das Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik (IGB) entstand 2003 zunächst als „Höheres Lehramt Mittelschulen“ (HLM) aus der bis dahin zu 80% durch das Hochschulamt der Bildungsdirektion des Kantons Zürich finanzierten Abteilung Höheres Lehramt Mittelschulen, und zwar als Folge der Übertragung dieses Budgetanteils an die Universität Zürich, die bis zu dem Zeitpunkt bereits für 20% der Kosten für die Ausbildung künftiger Gymnasiallehrpersonen (Diplom für das Höhere Lehramt Mittelschulen) aufgekommen war. Hintergrund war die Neuorganisation der Ausbildung der Lehrpersonen für die Sekundarstufe II im Rahmen des im Jahre 2002 ebenfalls neu gegründeten Zürcher Hochschulinstituts für Schulpädagogik und Fachdidaktik (ZHSF). Diese war notwendig wegen des im Jahre 1999 geschaffenen Gesetzes über die Pädagogische Hochschule Zürich (PHG). Damit verbunden war auch die Erweiterung der Lehre und Forschung auf die Berufspädagogik. Deshalb wurde der Institutsname im Jahre 2006 von HLM in IGB geändert. 2012 erfolgte die Fusion mit dem Institut für Erziehungswissenschaft (IfE), und der Name IGB verschwand wieder.
Die Ausgangslage für die Entstehung des Instituts für Gymnasial- und Berufspädagogik (IGB) lässt sich wie folgt beschreiben: Die Ausbildung für die Lehrpersonen an den Zürcher Mittelschulen wurde um die Jahrtausendwende noch durch kantonale Gremien gesteuert und in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich organisiert. Die Diplomprüfung war ein Staatsexamen und für deren Durchführung waren zwei vom Erziehungsrat ernannte Kommissionen zuständig. Die institutionelle Verankerung an der Universität Zürich erfolgte mittels der Abteilung Höheres Lehramt Mittelschulen (HLM), ursprünglich eine Organisationseinheit des Pädagogischen Instituts. Durch den Regierungsratsbeschluss vom 18. Juni 1986 wurde sie aus dem Pädagogischen Institut ausgegliedert und direkt der Philosophischen Fakultät unterstellt. An der Abteilung HLM waren zwei ausserordentliche Professuren für Mittelschulpädagogik im Umfang von insgesamt 150 Stellenprozenten angesiedelt, die für die Mittelschullehrpersonenausbildung zuständig waren. Die Finanzierung der Ausbildung erfolgte zu rund 80% direkt durch den Kanton (Hochschulamt) und zu 20% durch die Universität.
Für die Ausbildung von Mittelschullehrpersonen galten vor der Gründung des IGB die folgenden ausseruniversitären gesetzlichen Grundlagen, die erst Anfang 2016 ersetzt werden sollten:
- Reglement über die Diplomprüfung für das höhere Lehramt in den philologisch-historischen Fächern an der Universität Zürich vom 27. Februar 1996
- Reglement über die Diplomprüfung für das höhere Lehramt in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern an der Universität Zürich vom 27. Februar 1996
Die Ausbildung wurde durch die Diplomkommission für das Höhere Lehramt Mittelschulen gesteuert, in der die Philosophische und die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, die Zürcher Schulleitungen und die Zürcher Gymnasiallehrerschaft vertreten waren.
Weitgehend abgekoppelt von der Abteilung HLM erfolgte die Ausbildung der so genannten Handelslehrer bzw. der Lehrpersonen für Wirtschaft und Recht, die neben der Unterrichtsbefähigung an Mittelschulen auch jene an kaufmännischen Berufsschulen erwarben. Gesetzliche Grundlage war das
- Reglement über die Diplomprüfung für das höhere Lehramt in den Handelsfächern an der Universität Zürich vom 30. Juni 1992.
Die Handelslehrerausbildung wurde durch die Diplomprüfungskommission für das Höhere Lehramt in den Handelsfächern gesteuert, in der die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät und die Schulleitungen zürcherischer Wirtschaftsgymnasien und Handelsschulen vertreten waren.
Die Ausbildung des übrigen, grösseren Teils von Lehrerinnen und Lehrern an Berufsfachschulen erfolgte zu dieser Zeit im Rahmen des Höheren Lehramts für Berufsschulen, das vollständig dem Hochschulamt der Bildungsdirektion angegliedert war.
Ende der neunziger Jahre standen im Hinblick auf die Ausbildung von Lehrpersonen an der Universität Zürich verschiedene Änderungen an:
- Seit dem 1. August 1998 gab es neue Vorgaben der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK; Reglement über die Anerkennung der Lehrdiplome für Maturitätsschulen vom 4. Juni 1998) zu beachten, die zu einer Ausweitung der Ausbildung führen sollten.
- Am 25. Oktober 1999 wurde das kantonale Gesetz über die Pädagogische Hochschule Zürich (PHG) erlassen, das grundsätzlich vorsah, die gesamte Lehrerinnen- und Lehrerbildung des Kantons Zürich unter dem Dach der im Jahre 2002 gegründeten Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) zu vereinigen. Es war offen, wie weit die darin vorgesehene Zusammenarbeit mit der Universität Zürich das Verbleiben der universitären Lehramtsausbildung überhaupt noch zulassen würde.
- An der Abteilung Höheres Lehramt Mittelschulen standen die Emeritierungen der beiden Mittelschulpädagogen Prof. Dr. Mark Greuter (Herbst 1997) und Prof. Dr. Heinrich Keller (Herbst 1999) an, und es stellte sich die Frage, ob diese Professuren angesichts der möglichen Ausgliederung der Lehramtsausbildung aus der Universität wiederbesetzt werden sollten.
Durch die Entscheidung der Universität Zürich zur Wiederbesetzung der beiden Professuren für Mittelschulpädagogik wurde in Folge der Weg zum Verbleib der Lehrdiplomausbildung an der Universität vorentscheidend geebnet: Prof. Dr. Regula Kyburz wurde als Nachfolgerin von Mark Greuter zur halbamtlichen Extraordinaria für Mittelschulpädagogik (Schwerpunkt bei den Fächern der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät) auf den 1. September 1998 berufen, Prof. Dr. Urs Ruf als Nachfolger von Heinrich Keller zum Extraordinarius für Mittelschulpädagogik (Schwerpunkt bei den Fächern der Philosophischen und der Theologischen Fakultät) auf den 1. September 1999. Auf den 1. Oktober 1999 wurde zudem mit der Berufung von Prof. Dr. Franz Eberle gar eine weitere halbe Professur für Mittelschulpädagogik mit wirtschaftspädagogischem Schwerpunkt geschaffen, mit welcher auch die Fächer der Wirtschafts- und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät vertreten sein sollten. Diese Professur sollte zunächst die Leitung der bis anhin eigenständigen Handelslehrerausbildung übernehmen und diese dann im Zuge der allgemeinen Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung in die Strukturen der Abteilung HLM integrieren. Prof. Dr. Franz Eberle war deshalb zunächst Mitglied der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, organisatorisch und finanziell aber in das HLM, also ein Institut der Philosophischen Fakultät, eingegliedert.
Die neu berufenen Personen mussten sich gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit mit der Gestaltung der Zusammenarbeit mit der PHZH befassen. Zwischen 1999 und 2002 folgten langwierige und zähe Aushandlungsprozesse zur Ansiedelung der Lehrpersonenbildung für die Sekundarstufe II. In deren Verlauf setzte sich bei den massgeblichen Exponenten der PHZH die Einsicht durch, dass das Know-how für die Gymnasiallehrpersonenbildung nach wie vor bei der Universität liege. Die gemäss PHG vorgesehene Zusammenarbeit der PHZH mit der Universität Zürich in der Ausbildung der Lehrkräfte der Sekundarstufe sollte in einem neu zu gründenden hochschulübergreifenden Institut erfolgen, an dem sich auch die ETH Zürich beteiligte. In der Folge wurde am 15. August 2002 das Zürcher Hochschulinstitut für Schulpädagogik und Fachdidaktik (ZHSF) geschaffen, das von der PHZH, der ETHZ und der Abteilung HLM bzw. der Universität Zürich getragen wurde. Dabei blieb in grosszügiger Interpretation der Vorgabe des PHG die Hauptverantwortung der Gymnasiallehrpersonenbildung bei der Universität.
Die Ausbildung von Lehrpersonen an Berufsschulen des Kantons Zürich oblag bis zur Gründung der PHZH dem „Höheren Lehramt Berufsschulen“, einem Institut, das vollständig beim Hochschulamt angesiedelt war und um die Jahrtausendwende unter der Leitung von Prof. Dr. Hermann Landolt stand. Diese Ausbildung wurde an das ZHSF übertragen, wobei die Hauptverantwortung für die Ausbildung von Lehrpersonen an Berufsmaturitätsschulen (berufspädagogische Zusatzqualifikation) und für das Fach Allgemeinbildender Unterricht bei der Universität liegen sollte, jene für die anderen Bildungsgänge für Lehrpersonen an Berufsfachschulen bei der PHZH. Deshalb wurde auf den 1. April 2004 Prof. Dr. Philipp Gonon auf einen weiteren neu geschaffenen Lehrstuhl an der Universität Zürich berufen, jenen für Berufsbildung. Angesichts der zu leistenden Entwicklungs- und Ausbauarbeiten wurden die beiden halben Professuren am HLM schon vorher auf 100% aufgestockt (Lehrstuhl Kyburz auf den 1. Januar 2000, Lehrstuhl Eberle auf den 1. September 2001). Das ermöglichte auch die Aufnahme von Prof. Dr. Franz Eberle in die Philosophische Fakultät, der ab dann Mitglied zweier Fakultäten war. Alle drei Lehrstühle für Mittelschulpädagogik wurden jeweils anlässlich der späteren Beförderung ihrer Inhaber zu ordentlichen Professoren in „Gymnasialpädagogik“ umbenannt.
Mit der getroffenen Lösung für die Lehrerinnen- und Lehrerbildung wurde im Jahre 2003 der vormals durch das Hochschulamt getragene Budgetanteil von 80% auf die Universität übertragen. Damit wurde die Abteilung Höheres Lehramt Mittelschulen zum voll in die Universität integrierten Institut an der Philosophischen Fakultät. Wegen der Ausdehnung der Forschung und Lehre auf die Berufsbildung erfolgte zudem im Jahre 2006 die Umbenennung des Instituts von Höheres Lehramt Mittelschulen (HLM) in Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik (IGB).
Neben der Lehrerinnen- und Lehrerbildung für Mittelschulen war das HLM auch zuständig für das Nebenfach „Didaktik des Mittelschulunterrichts“ an der Philosophischen Fakultät. Im Zuge der Bologna-Reform und der Schaffung des Lehrstuhls für Berufspädagogik entstanden daraus im Wintersemester 2006/07 die drei Nebenfächer Gymnasialpädagogik, Berufspädagogik sowie Gymnasial- und Berufspädagogik.
Quellen
UZH Archiv (UAZ), AKZ 2016-038, Zürcher Hochschulinstitut für Schulpädagogik und Fachdidaktik (ZHSF), Geschäftsberichte 2007-2011.
Persönliches Archiv Franz Eberle, Diverse Protokolle der Erweiterten Professorenkonferenz des HLM und der Institutsversammlung des IGB.
Persönliches Archiv Franz Eberle, Protokolle der Fakultätsversammlung der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich 2002–2012.
Persönliches Archiv Franz Eberle, Selbstevaluationsbericht des IGB vom März 2007.
Persönliches Archiv Franz Eberle, Entwicklungsplan für das Institut für Erziehungswissenschaft vom 29. Januar 2013.
Autorenschaft
Franz Eberle
Zeitmarke
2003