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Netzneutralität. Wir wissen, dass dieses Wort abschreckt. Nichtsdestotrotz solltest du weiterlesen. Es könnte nämlich auch mit dir etwas zu tun haben: Es geht um die Freiheit des Internets. In den USA wurde in der Nacht auf Freitag entschieden, ebendiese Netzneutralität abzuschaffen. Was bedeutet das?
Der Pizza-Vergleich
Stell dir eine Brücke vor. Vor dieser Brücke kommen drei Strassen zusammen, auf denen je ein Pizza-Kurier fährt und die Brücke überqueren will. Mit Netzneutralität kann jeder dieser Kuriere die Brücke überqueren, sobald er sie erreicht hat. Allenfalls auch gleichzeitig. Ohne Netzneutralität kann es sein, dass einer dieser Pizza-Kuriere dem Chef der Brücke mehr Geld gegeben hat. Damit hätte dieser Pizza-Kurier vor den anderen beiden Vortritt. Allenfalls muss einer sogar warten, bis der zahlende endlich über die Brücke ist.
Genau so verhält es sich mit der Netz-Neutralität. Oder wie es Jean-Claude Frick vom Vergleichsdienst Comparis beschreibt: «Die Idee hinter der Netzneutralität ist folgende: Jeder Internet-Provider (bei uns UPC, Swisscom, Sunrise etc.) ist verpflichtet, alle Daten gleich schnell zu mir oder zu dir zu befördern.» Egal, ob man auf Netflix einen Film schaut, ein E-Mail verschickt oder die Webseite eines Start-Ups besucht. «Alle Daten müssen immer gleich schnell übermittelt werden», sagt Frick.
Die FCC und die Trump-Regierung
Seit Anbeginn des Internets war die Netzneutralität der «heilige Gral». Niemand sollte mehr, respektive weniger bezahlen für eine besser oder schlechtere Internetleistung. Alle Webseiten werden grundsätzlich gleich schnell geladen, niemand hat Vortritt, niemand hat das Nachsehen. Dieses Gebot wurde stets hochgehalten. Bis jetzt. Die Trump-Regierung und die «FCC», die «Federal Communications Commission», zu vergleichen mit dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) in der Schweiz, haben die Netzneutralität gekippt. Drei der fünf Mitglieder der Kommission haben am Donnerstag einem Vorschlag zugestimmt, der die Aufhebung der Netzneutralität vorsieht.
Es gewinnen erst einmal die Grossen
Wird die Netzneutralität abgeschafft, so dürfen die Internet-Provider selber entscheiden, welche Internetdienste (Youtube, Netflix, Facebook und dergleichen) eine schnellere Verbindung bekommen und welche nicht. Internetprovider dürfen in den USA theoretisch bald von grossen Anbietern Gebühren verlangen, damit jene Daten schneller geladen werden, sagt Jean-Claude Frick: «Mit anderen Worten kann der Internetprovider jetzt beispielsweise von Netflix Geld verlangen, damit die Filme und Serien schnell beim Konsumenten landen.»
Was spricht dagegen?
Kritiker sind überzeugt: Dieser Entscheid ist ein irreparabler Einschnitt in die Freiheit des Internets. Die Apokalypse trete ein, wenn die ganz grossen Internet-Player wie Youtube, Facebook und Netflix die einzigen sind, die im Internet überleben können. Start-Up-Unternehmen und kleinere Anbieter würden dann nach und nach verschwinden, weil sie gegen die Kolosse keinen Stich hätten, so der Tenor.
Zudem bestehe die Gefahr eines Zwei-Klassen-Internets. Auf der einen Seite vermögende Konsumenten, die sich das «bessere» Internet und damit auch mehr Bandbreite kaufen können. Auf der anderen Seite ärmere Menschen, die sich die selben Dienste gar nicht, oder in bedeutend schlechterer Qualität leisten können.
Was spricht dafür?
«Das Internet ist keine heilige Kuh mehr», sagt der deutsche Internetexperte Sven Oliver Rüsche. Für den Konsumenten sei die Entscheidung in den USA verständlicherweise erst einmal ein Schock. Er versteht den Aufstand der Internetnutzer in den Staaten. «Viele Konsumenten haben Angst, dass ihre Möglichkeiten im Internet nun verschwinden.» Doch Rüsche blickt auch auf eine andere Seite: «Seit Anbeginn des Internets wurden die Preise nur minimal verändert. Der Markt hingegen hat sich massiv gewandelt.» Dass man in Zukunft für mehr Leistung auch mehr bezahlen soll, sei verständlich. «Schliesslich geht es, wie so oft, ums Geld.» Falls es tatsächlich auch in unseren Gefilden zu einer Abschaffung der Netzneutralität kommen würde, dann müsste dieser Wandel kontrolliert und vorsichtig vollzogen werden, sagt der Experte.
Komplett abwegig ist dieser Gedanke nicht. Auch im Schweizer Parlament wurde die Netzneutralität schon diskutiert. Unsere Politiker wollen die Netzneutralität zwar beibehalten, gesetzlich festgeschrieben ist sie allerdings nicht. Und: Beim mobilen Internet wird die Netzneutralität auch in der Schweiz teilweise verletzt. Dann zum Beispiel, wenn den Datenverbrauch von Whatsapp in einem Abo inbegriffen ist. So wird diese Anwendung bevorzugt.
EU-Digitalkommissar will an Netzneutralität festhalten
Die EU-Kommission will am Prinzip der Netzneutralität im Internet festhalten. «Wir werden die Netzneutralität in Europa weiter schützen», schreibt der für den Digitalmarkt zuständige Vizepräsident der Brüsseler Behörde, Andrus Ansip, am Freitag über auf Twitter.
(saz)