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Eine Erinnerung an Francis John Tovey
1980 hiess seine Vorgruppe … Depeche Mode. Die gibt es noch heute, und zwar seit je auf Mute Records, wo auch Tovey (1956–2002) zu Hause war. Francis John Tovey, der von 1979 bis 1984 als Fad Gadget auftrat, ist nun bald zehn Jahre tot. Sich gelegentlich an ihn und seine Musik zu erinnern, lohnt sich, denn der gebürtige Londoner zählt zu den interessanteren Tonkünstlern der New-Wave-Zeit.
Seine Kombination von düster-bedrohlichen Industrial- und Lärmsounds mit einem prononcierten Popdrive war einzigartig und wirkt bis heute frisch: Fad Gadgets Undergroundhit «Back to Nature» (1979) liesse sich als Werbesong zum Jean-Jacques-Rousseau-Jahr 2012 einsetzen. Sein «Collapsing New People» (1983), bei dessen Singleversion die Einstürzenden Neubauten mitwirkten, klingt wie Depeche Mode ohne Mainstream-Appeal. «Luxury» von 1985, mit dem Tovey beinahe einen Pophit gelandet hätte, bleibt hingegen grossartiger Tanzflächenstoff.
Ausserhalb der New-Wave- und Postpunkszene fanden seine zehn LPs allerdings wenig Widerhall. Tovey war als Person und in Interviews zu sperrig, zu rebellisch. Ein aufschlussreiches Beispiel dafür war sein vorwiegend akustisches Album «Tyranny and the Hired Hand» (1989), das Protestsongs und Lieder zum Thema Arbeit enthielt. Es war Toveys persönlicher Abgesang auf diese vergehende Epoche der englischen Wirtschaftsgeschichte.
Solche späteren Werke sind auf der empfehlenswerten Best-of-CD aus dem Jahr 2001 jedoch kaum vertreten. Die Zusammenstellung konzentriert sich auf Frank Tovey als Miterfinder des Synthiepop. Dass er sich mit Gitarren, Banjo und sogar Maultrommeln völlig neu erfunden hatte, wäre hier wohl als zu eklatanter Stilbruch erschienen. Diese Best-of-CD mit achtzehn Songs plus einem Dutzend 12-Inch-Mixes sollte bei Erscheinen übrigens den Auftakt zu einem Comeback nach vier Jahren Stille sein. Tovey spielte auf einer Europatournee im Vorprogramm von … Depeche Mode. Neue Stücke konnte er nicht mehr fertigstellen, ein angeborener Herzfehler forderte am 3. April 2002 sein Leben.
Fad Gadget: «The Best of Fad Gadget». Mute Records. 2001.