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Die Geschichte der Volkshochschule Interlaken und Umgebung
(aus der Festschrift „50 Jahre VHI“ 1944-1994″)
Volkshochschulen (VHS) gibt es in jedem Land Europas. Im Kanton Bern sind die VHS seit 1918 tätig und entwickeln sich mit den sich ändernden Bedürfnissen der Teilnehmenden ständig weiter. So auch die Volkshochschule Interlaken und Umgebung (VHI), die 1944 aus einem kulturellen Zirkel für Armeeangehörige hervorging.
Im Zweiten Weltkrieg leisteten Tausende Soldaten im Berner Oberland Wehrdienst. Fern ihrer Angehörigen war das Abwarten-Müssen und Herumsitzen in der freien Zeit für viele ein unbefriedigender Zustand. Auch für den Basler Journalisten Peter R. Riesterer, der im damaligen Armeehauptquartier Dienst tat, stand das Weiterbildungsproblem im Vordergrund. Das AHQ erlaubte Riesterer während der Freizeit für den Verleger der Zeitung „Oberland“ tätig zu sein und 1943 einen kulturellen Zirkel für Armeeangehörige aufzubauen. Daraus ging 1944 die „Volkshochschule Bödeli“ hervor, eine Sektion der Schweizerischen Volkshochschule Bern.
Erstes Wirken
Im „Oberländischen Volksblatt“ erschien im November 1944 ein Bericht über die Gründung der Volkshochschule „Bödeli“ (hier etwas gekürzt): „Eigentlich war die Frage der Gründung einer Volkshochschule für Interlaken und Umgebung bereits im Voraus durch das sehr rege Interesse verschiedener Bevölkerungsschichten gelöst. Schwere Zeiten lassen den Menschen besinnlicher werden, sie spornen ihn an, seine Kenntnisse auf diesem oder jenem Gebiet zu erweitern … Die Volkshochschule ist ein Verein zur Förderung und Vertiefung des geistigen Lebens. Und das will die Volkshochschule in allen grösseren Orten der Schweiz: Mit diesem Grundsatz wird die Volkshochschule „Bödeli“ mit Sitz in Interlaken im Januar 1945 zu wirken beginnen.“
Das erste Programm der Volkshochschule „Bödeli“ vom Januar 1945 enthielt die vier Kurse „Malerei – Gotik und Renaissance“, „Aktuelle Fragen der Volksbildung“, „Elementare Musiklehre“ und „Skizzieren“.
Vorstand wird erweitert
Nach der Auflösung des Armeehauptquartiers zog der Gründungspräsident Peter P. Riesterer im Juli 1945 nach Thun. Der Vorstand der Volkshochschule Interlaken wurde daraufhin durch Delegierte des Kaufmännischen Vereins und des Arbeiterbildungsausschusses erweitert.
Dieser Vorstand orientierte am 11. September 1945 im „Oberländischen Volksblatt“ über sein Tätigkeitsprogramm für das Herbstsemester: Geplant waren ein Einführungskurs für Wirtschaftsprobleme und – bei genügender Beteiligung – ein praktischer Kurs für Linoleumschnitte. Im Weiteren sollte ein kurzer Kurs über Sternkunde eingeschaltet werden, sobald günstige planetarische Konstellationen vorherrschten. Selbst an Feriengäste hatte der Vorstand gedacht: “ Um amerikanischen Urlaubern, die in Interlaken Aufenthalt nehmen, die Möglichkeit zu geben, sich mit Sitten, Gebräuchen und kulturellen Einrichtungen in der Schweiz bekannt zu machen, sollen abendliche Zusammenkünfte im engeren Kreis stattfinden, wobei jeweilen einige Interlakner Damen und Herren sich zur Unterhaltung dieser Gäste zur Verfügung stellen.“ Der Vorstand nahm im Herbst/Winter 1945/46 auch die ersten Vortragskurse über volks- und weltwirtschaftliche Themen ins Programm auf. Der „Weltwirtschaftliche Kurs“ beispielsweise wurde von acht Referenten aus der ganzen Schweiz bestritten:
Wirkungskreis wird grösser
Der Name Volkshochschule „Bödeli“ wurde 1947 in „Volkshochschule Interlaken“ umbenannt. Und weil die Volkshochschule einen immer grösseren Kreis von Kursteilnehmenden und Mitgliedern aus den Gemeinden rund um Interlaken und vor allem auch aus dem Lauterbrunnental aufnehmen konnte, erhielt sie 1956 ihren heutigen Namen „Volkshochschule Interlaken und Umgebung“.
In den ersten 25 Jahren – von 1944 bis 1969 – führte die Volkshochschule Interlaken und Umgebung insgesamt 235 Kurse in den Bereichen Vorträge, Kunst, Technik, Werken und Sprachen durch. Die ersten Sprachkurse konnten 1961 in Spanisch, 1964 in Englisch und 1965 in Italienisch besucht werden.
Palette wird vielfältiger
Wurden im Jahr 1969/1970 insgesamt 25 Kurse angeboten, so waren es 1994 bereits über 150 Kurse. Die Palette des Kursangebotes ist von Jahr zu Jahr vielfältiger geworden: Exkursionen, Wochenend- und Ferienkurse werden durchgeführt, seit 1980 finden Gymnastik-, seit 1984 auch Informatikkurse statt. Interessierte können an der VHI seit 1973 Französisch lernen; für Fremdsprachige gibt es seit 1987 Deutschkurse, und seit 1993 wird an der Volkshochschule auch Russisch unterrichtet. Für Erwachsenen mit geistiger Behinderung führt die VHI seit 1990 spezielle Kurse durch.
Starkes Wachstum
Seit 1997 verzeichnet die Volkshochschule Interlaken und Umgebung ein starkes Wachstum: So enthielt das Programmheft fürs Wintersemester 1997/98 erstmals 235 Kurse. Im Jahr 2000 organisierte die Volkshochschule rund 420 Kurse, die von 3560 Personen besucht wurden. Ein initiativer Vorstand bemüht sich seit einigen Jahren, bei der Programmgestaltung den Bedürfnissen der ganzen Bevölkerung gerecht zu werden und auch neue Trends aufzunehmen. Seit Oktober 1998 führt die VHI spezielle Kurse für Seniorinnen und Senioren durch, bietet aber auch „English for kids“ an – mit so grossem Erfolg, dass die Kinderkurse seit April 2001 in einem speziellen Programmheft ausgeschrieben wurden. Mit trendigen Kursen spricht die Volkshochschule seit Herbst 2000 vermehrt Jugendliche an und pflegt den Kontakt zur Jugendarbeit Bödeli.
2014 feiert die Volkshochschule ihr 70-jähriges Bestehen. Mit den Kursen 65+ werden ältere Leute animiert, mit Muki- und Groki-Kursen werden verschiedene Generationen angesprochen. 2015 wird eine neue Webseite aufgeschaltet.