Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03361.jsonl.gz/524

Am Montag trifft Andy Murray im «Match of Africa» auf Roger Federer. Im Interview spricht der Brite darüber, was ihn mit dem Schweizer verbindet und was sie unterscheidet.
Andy Murray, welche witzige Erfahrung verbindet Sie mit Roger Federer?
Andy Murray: Im vergangenen Jahr habe ich Roger in der Weltrangliste überholt. Wir waren an einer Spielerparty, wo wir unsere Namen neben dem jeweiligen Ranglistenplatz eintragen sollten. Roger hatte total vergessen, dass ich ihn überholt hatte, und sich «versehentlich» – ich dachte: klar, Roger (lacht) – neben meiner Zwei eingeschrieben. Also musste ich mich am Ende bei der Nummer drei eintragen. Das war sehr witzig und wir lachen heute noch über diesen Vorfall, wenn wir uns sehen.
Obwohl Sie schon seit über einem Jahrzehnt Weltspitze sind, wurden Sie erst im vergangenen Jahr und mit 29 Jahren zur Nummer eins. Wie fühlte sich das an?
Grossartig! Es ist nicht etwas, auf das ich mich bewusst fokussiert habe. Ich spiele in der wohl härtesten Ära in der Geschichte des Tennis. Wenn du jede Woche gegen Spieler wie Roger, Rafael Nadal oder Novak Djokovic antrittst, musst du dich auf jedes einzelne Spiel konzentrieren und darfst nicht zu weit vorausdenken. Meine Aufgabe war es immer, weiter so hart wie nur möglich zu arbeiten, auf und neben dem Platz, und erst dann zu schauen, wie weit mich das bringen würde.
Vor vier Jahren gewannen Sie erstmals in Wimbledon. Wie sehr hat das Ihre Karriere verändert?
Es ist mit Sicherheit einer meiner grössten Siege, aber ich denke nicht, dass er meine Karriere verändert hat. Als ich im Jahr zuvor Olympia-Gold im Einzel gewonnen habe, war das für mich der viel prägendere Moment. Wenige Wochen zuvor hatte ich im Wimbledon-Final gegen Roger auf dem Centre Court eine meiner härtesten Niederlagen überhaupt erlitten. Zurückzukommen und so etwas Spezielles zu erreichen wie eine Goldmedaille war ein unglaubliches Gefühl. Es gab mir diesen Glauben, dass ich auch auf den grössten Bühnen und gegen die Besten bestehen kann. Einige Wochen später konnte ich die US Open gewinnen.
Waren Sie schon einmal in Zürich?
Nein, das ist mein erstes Mal. Ich war schon in Basel, für das dortige Turnier aber noch nie in Zürich.
Gibt es etwas, was Sie in der Schweiz schon immer mal sehen oder erleben wollten?
Ich wollte schon immer das Skifahren lernen und die Alpen sehen. Aber vermutlich ist das etwas zu riskant, solange ich noch aktiv bin. Ich werde mich noch etwas gedulden müssen.
Welche Bedeutung hat Roger Federer für Sie als Rivale und Mensch?
Er ist einer der grössten, wenn nicht der grösste Spieler, den es je gab. Für mich ist es unglaublich, gegen ihn spielen zu können und mich mit ihm messen zu dürfen.
Sie verbindet der Einsatz für karitative Zwecke. Wie kam es dazu?
Mir war es immer wichtig, etwas zurückzugeben und ich habe das Glück, mit grossartigen Stiftungen arbeiten zu können. Tierschutz ist für mich ein grosses Anliegen, darum arbeite ich seit einigen Jahren unter anderem mit dem WWF zusammen. Vieles dreht sich um die Erhaltung der Lebensräume und die Bekämpfung des illegalen Tierhandels. Es ist ein grosses Glück, auf einem so artenreichen Planeten zu leben und wir sollten wirklich alles unternehmen, um ihn zu schützen und ihn nicht auszubeuten.
Tauschen Sie sich mit Roger Federer über Ihre jeweiligen Projekte im wohltätigen Bereich aus?
Uns beiden ist dieser wohltätige Einsatz sehr wichtig und wir haben früher schon diskutiert, wie wir einander unterstützen könnten. Für uns ist es einfach unseren Lebensstil für selbstverständlich zu halten. Deswegen ist es uns beiden wichtig, etwas zurückzugeben. In der Tenniswelt haben wir unterschiedliche Anhänger. Uns verbindet das Ziel, Geld zu sammeln und ein Bewusstsein für unsere Anliegen zu schaffen. Das fühlt sich grossartig an.
Auch Sie setzen sich für benachteiligte Kinder ein. Wie genau?
Die Unicef (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Anm. d. Red.) leistet unglaubliche Arbeit, wenn es darum geht, Kinderflüchtlinge zu unterstützen, die wegen Konflikten aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Sie hilft Familien wieder zu vereinen, gibt ihnen Schutz und Nahrung. Das ist mir ein grosses Anliegen.
Ein anderes wichtiges Anliegen ist Ihnen der Kampf gegen Krankheiten.
Über eine Million Menschen sterben jährlich an den Folgen von Malaria. Es ist unser Ziel, diese Krankheit auszumerzen. Denn sie ist vermeidbar. Ich glaube fest daran, dass wir Malaria noch in meiner Lebenszeit ausradieren können, wenn wir uns darum bemühen. Deswegen arbeite ich mit «Malaria No More» zusammen.
Sie sind aber nicht nur Botschafter für andere Stiftungen.
Richtig, im vergangenen Jahr richtete ich mit «Andy Murray Live» erstmals mein eigenes Spiel für einen wohltätigen Zweck aus. Mein Bruder Jamie war da, Tim Henman und Rollstuhl-Tennisspieler Gordon Reid. Das Spiel war in 48 Stunden ausverkauft. Ein grossartiger Erfolg. Wir haben enorm viel Geld (knapp 400'000 Franken, Anm. d. Red.) für die Unicef und eine lokale Stiftung gesammelt, die «Young Peoples Futures». Seit ich selber Vater bin, sind Stiftungen, die sich für Kinder einsetzen, für mich noch wichtiger geworden. In diesem Jahr soll es noch grösser und besser werden. Ich freue mich, dass Roger für dieses Spiel am 7. November nach Schottland kommt.
Dieses Interview wurde schriftlich geführt.
(abu)