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L’innocente
Regie: Luchino Visconti
Darst.: Giancarlo Giannini, Laura Antonelli, Jennifer O’Neill, Rina Morelli, Massimo Girotti, Didier Haudepin, Marie Dubois, Claude Mann, Roberta Paladini, Marc Porel u.a.
Rom um 1890. Der Graf Tullio Hermil, verheiratet mit der schönen Gräfin Giuliana, beginnt eine Affäre mit der Gräfin Teresa Raffo. Dabei gibt er sich keinerlei Mühe, die Liebelei vor der Gesellschaft oder vor seiner Gattin zu verstecken. Als letztere sich ihrerseits in ein leidenschaftliches Abenteuer mit dem jungen Schriftsteller Filippo einlässt, wird sie für ihren Gatten wieder interessant. Tullio beendet seine Affäre und kehrt zu seiner Frau zurück. Doch diese ist mittlerweile von ihrem Liebhaber schwanger. Als das Kind geboren wird, kommt es zur Katastrophe … Basierend auf dem 1892 erschienenen gleichnamigen Roman von Gabriele D’Annunzio (1863–1938), einem der Vordenker des italienischen Faschismus, inszenierte Luchino Visconti dieses Drama – sein letztes – über einen Herrenmenschen, der zum Opfer seines Machismo wird. In den Hauptrollen brillieren mit Giancarlo Giannini und Laura Antonelli ein Schauspieler und eine Schauspielerin, die zuvor in einem ganz anderen Umfeld eine gewisse Berühmtheit erreicht hatten. So war Giannini zwei Jahre zuvor als Protagonist in Lina Wertmüllers Tragikomödie «Film d’amore e d’anarchia» bekannt geworden, während man Antonelli bis anhin vor allem aus belanglosen Sexfilmchen kannte. Hans C. Blumenberg schrieb in Die Zeit: «Viscontis Abschied vom Kino, das Werk eines todkranken Mannes (…), der mit grosser Disziplin einen Wettlauf mit der Zeit aufnahm und durchstand, ist trotz makabren Produktionsbedingungen kein Film geworden, dem man mit Nachsicht begegnen muss. (…) Wenn es das Kino der Gerüche schon gäbe, dann müsste über diesem Film ein schwerer Fliederduft liegen. Visconti dämpft D’Annunzios rauschhaftes Melodram durch eine träge Erzählweise, führt die Verwirrung der Gefühle wie in Trance vor, bis zum vollständigen Stillstand. Je rasender Tullio sich seinen Obsessionen hingibt, desto kühler und distanzierter reagiert Viscontis Inszenierung. Dieser Regisseur, der seine emotional defekten Figuren schon immer in Schönheit sterben liess, war selten radikaler als hier. Der Abstand zwischen Geschichte und Erzählhaltung, zwischen Feuer und Eis, gibt den Blick frei auf die ideologischen Mechanismen des D’Annunzio-Romans, auf seine Inhumanität und seine Menschenverachtung, die inmitten einer harmonisch komponierten Symphonie aus Samt, Brokat und Marmor besonders erschreckend wirkt.»