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Als Reni Sommer 2006 nach Madagaskar auswanderte, war sie 35 Jahre alt. Sie war sich Gottes Ruf, beim Aufbau von King's Kids Madagaskar mitzuwirken, gewiss. Die Jahre vergingen und Reni war auf dem afrikanischen Kontinent angekommen.
Plötzlich lahmgelegt
2012 war Reni mit ihrem Team zu einer Hochzeitsfeier eingeladen. Der Weg führte über die typischen afrikanischen Strassen mit unzähligen Löchern. Stundenlang wurden sie durchgeschüttelt, um dann weitere Stunden mit Feiern und Tanzen zu verbringen. «Während der Feier wurden meine Beine auf einmal schwächlich, ich begann die Kontrolle zu verlieren.» Anfänglich dachte Reni, sie wäre wohl zu lange auf den Beinen gewesen. «Doch dann merkte ich: Irgendetwas stimmt nicht.»
Nach der Hochzeitsfeier trat das Team die Rückreise an. Als Reni bei einem Stopp das Fahrzeug verliess, sackte sie zusammen. «Meine Beine trugen mich nicht mehr.» Jemand anderes musste das Fahrzeug lenken und Reni, am Zielort angekommen, die Treppe hochgeschleppt werden.
Guillain-Barré-Syndrom
Am folgenden Morgen war es noch schlimmer. «Ich stellte Störungen im Gesicht fest.» Zu diesem Zeitpunkt dachte sie, ihr Zustand sei die Folge einer Erschöpfung und nahm entsprechende Medikamente. Diese halfen aber nicht – was war nur mit ihr los? Sie verlor die Kontrolle über ihren Körper, selbst das Schlucken machte ihr Mühe. «Vielleicht ist es das Guillain-Barré-Syndrom?», meinte jemand. Das war das erste Mal, dass diese Worte fielen.
Nach dem Entscheid, Reni zu verlegen, folgte ein grosses organisatorisches Hin und Her bezüglich Ausschaffung mit der Rega, Versicherungen und dergleichen. «Es dauerte sechs Tage, bis Hilfe kam. Inzwischen war ich total bettlägerig und wurde erst einmal in ein lokales Krankenhaus gebracht.» Von dort wurde sie mit einem Ambulanz-Jet nach Südafrika verlegt, wo schnell das Guillain-Barré-Syndrom diagnostiziert wurde.
Auf der Intensivstation in Johannesburg
«Ich lag 18 Tage auf der Intensivstation und es wurde immer schlimmer.» Lähmungen und Schmerzen verstärkten sich und die Atmung wurde langsamer. «Manchmal lag ich Nachts wach und fragte mich, wann ich eigentlich das letzte Mal richtig durchatmen konnte.» Die Situation war bedrohlich.
Was Reni in diesen Tagen beeindruckte, war die Umsorgung von Menschen. Ein Pastor aus Madagaskar informierte Christen in Johannesburg, die sie regelmässig besuchten. «Sehr beeindruckt war ich vom täglichen Besuch eines Pastors. Er kümmerte sich sogar um die Person, die in Südafrika stets an meiner Seite stand.» Nie hätte Reni gedacht, wie viel ihr professionelle Begleitung in solchen Situationen bedeuten würde. «Das hinterliess Spuren, die meinen zukünftigen Lebensweg beeinflussen sollten.»
Zurück in der Schweiz
Schliesslich wurde das Ok erteilt, Reni mit einem Linienflug in die Schweiz zu fliegen. Eine Krankenschwester wurde ihr zugeteilt, die ständig an ihrer Seite blieb. «Mit der Ambulanz wurde ich vom Flughafen Zürich ins Inselspital Bern gebracht.» Dort, noch immer in sehr schlechtem Zustand, freute sie sich, ihre Eltern und Freunde zu sehen. «Erst viel später realisierte ich, was meine Angehörigen durchgemacht haben und wie sie erschrocken sein mussten, mich in diesem Zustand zu sehen.»
Reni wurde intensiv betreut und es ging langsam aufwärts. Der Verlauf von Renis seltener Krankheit war aber ungewiss und niemand wagte es, eine klare Zukunftsdiagnose zu stellen. Durch das Guillain-Barré-Syndrom war sie für das Ausbildungsspital natürlich eine interessante Patientin.
In der Rehaklinik
«Schliesslich wurde ich zur Rehabilitation nach Tschugg verlegt, wo ich das Zimmer mit zwei alten Frauen teilte.» Auch hier empfing sie viele Besucher, die reges Interesse an Renis Geschichte zeigten. Sogar das Pflegepersonal war von den vielen Menschen beeindruckt, die der Missionarin aus Madagaskar einen Besuch abstatteten.
«Anfänglich hatte ich kaum genug Kraft, eine Bibel in den Händen zu halten. So schätzte ich es, wenn jemand neben mir sass und einen Psalm vorlas.» Damals hatte Reni viele Fragen und konnte Gottes Wege nicht verstehen. «Zutiefst in mir wusste ich aber, dass die Bibelworte Wahrheit sind und sie stärkten mich.»
«Die Krankheit hat mir Gutes gebracht»
Sechs Monate später ging Reni zurück nach Madagaskar, um ihre Arbeit dort abzuschliessen. Leider erlitt sie einen Rückfall und erlebte die Situation ein zweites Mal. Trotzdem sagt sie heute: «Mein Leben hat sich positiv verändert. Ich stresse weniger von einem Ereignis zum nächsten.» Sie hat gelernt, den Moment wahrzunehmen und sich auf eine Sache zu konzentrieren. «Heute geniesse ich das Leben viel bewusster. Kein Tag ist für mich eine Selbstverständlichkeit.» Acht Jahre nach ihrem Krankheitsschub hat Reni einen gesünderen Lebensrhythmus gefunden.
Die Menschen, die sie besuchten, als sie kraftlos und bettlägerig war, haben bleibenden Eindruck hinterlassen. «Heute fällt es mir einfacher, nicht nur das Engagement, sondern auch die tieferen Ebenen des Menschen zu sehen.» Kranke Menschen reduziert sie nicht auf die Krankheit, sondern hält stets Ausschau nach Aufmunterndem oder sogar Humorvollem. Schliesslich begann Reni den Dienst im «Member Care», den sie heute als ihre Berufung betrachtet. Zusammenfassend sagt sie: «Die Krankheit hat mich viel Gutes gelehrt.»
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