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Kyrgios, bekannt für seine Motivations-Schwankungen, wurde seinem Ruf als Riesentöter in der Night Session gegen Federer diesmal haarscharf nicht gerecht. Der exzentrische Australier schlug im Tiebreak des Entscheidungssatzes beim Stand von 5:4 zum Sieg auf, doch wie im Viertelfinal gegen Tomas Berdych konnte sich Federer aus der Bedrängnis befreien. Nach 3:10 Stunden (!) verwertete der Schweizer seinen dritten Matchball zum Sieg – die ersten zwei hatte er im Tiebreak des zweiten Satzes besessen.
Nachdem Kyrgios den 35-jährigen Maestro im ersten Duell vor zwei Jahren in Madrid knapp geschlagen hatte, glich Federer die Bilanz gegen das 16 Jahre jüngere Enfant terrible mit seinem 18. Sieg im 19. Spiel seit dem Comeback Anfang Jahr aus. Alle sechs Sätze zwischen den beiden wurden im Tiebreak entschieden.
Gegen Federer präsentierte Kyrgios sein ganzes Repertoire. Sein Einsatz pendelte zwischen wild entschlossen und verbissen. Für einen lauten Fluch wurde er im ersten Satz verwarnt. Später rutschte ihm im Tiebreak auch noch ein «shut up» in Richtung Publikum über die Lippen, mehrmals schmiss er sein Racket. Als er im dritten Satz wegen Spielverzögerung ermahnt wurde, reagierte er mit Humor, indem er demonstrativ zum nächsten Ballwechsel hastete.
Ansonsten wusste der vom Publikum zum Buhmann Erkorene sein Temperament positiv einzusetzen und die Zuschauer auch auf spielerische Weise zu unterhalten. Anfang des zweiten Satzes passierte er Federer mit einem «Tweener», seinem Lieblingsschlag zwischen den Beinen hindurch, wiederholt befreite er sich mit Assen und Servicewinnern aus prekären Situationen. Zudem demonstrierte er Fairness, indem er den Schiedsrichter beim Stand von 3:3 im dritten Satz zu seinen Ungunsten überstimmte.
Auch Federer, der fast durchwegs stark servierte, aber mit der Vorhand einige ungewohnte Fehler machte, war bei den Big Points zur Stelle. Bevor er im Tiebreak des ersten Satzes seinen dritten Satzball verwertete, wehrte er deren zwei von Kyrgios ab, den zweiten beim Stand von 8:9 mit einem glänzenden Return auf einen starken ersten Aufschlag Kyrgios’. Im Finish, in dem es gleich zu mehreren Millimeter-Entscheiden kam, zog er zum zweiten Mal in Folge den Kopf aus der Schlinge.
Der Sieg war auch deshalb verdient, weil Federer bei seinen Aufschlagspielen deutlich seltener Probleme bekundete als Kyrgios. Ausser beim einzigen kassierten Break zum 3:4 im ersten Satz, auf das er mit dem Rebreak zum 5:5 reagierte, liess er seinem Gegner bei eigenem Aufschlag keine Chancen zu.
Am Sonntagabend (ca. 19.00 Uhr Schweizer Zeit) kommt es damit in Key Biscayne wie vor zwölf Jahren zum Traumfinal zwischen Federer und Nadal. Der Spanier hatte in seinem Halbfinal gegen Fabio Fognini (ATP 40) keine Schwierigkeiten bekundet und sich klar in zwei Sätzen durchgesetzt.
Federer und Nadal duellieren sich am Sonntagabend zum 37. Mal. Nadal führt im Head-to-Head 23:13, verlor aber die letzten drei Duelle, unter anderem im Ende Januar im Final des Australian Open und vor zwei Wochen im Achtelfinal von Indian Wells. Für Nadal ist es der fünfte Final in Miami, gewonnen hat er das Turnier indes noch nie. 2005, damals noch über drei Gewinnsätze, gab er gegen Federer eine 2:0-Satzführung aus der Hand.
(SDA)