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Im Juli wurden gleich zwei Fransenfledermäuse (Myotis nattereri/cryptius) aus einem Stall im Kanton Aargau in die Fledermaus-Notpflegestation eingeliefert. Beim Jagen von Fliegen im Stall gerieten sie in eine Klebefalle und mussten anschliessend in feinster Handarbeit daraus befreit werden. Denn beim unsachgemässen Befreien besteht die Gefahr, dass die Flughaut einreisst oder einer der feinen Knochen im Flügelbereich Schaden nimmt.
Die Freude über die befreiten Tiere war umso grösser, als sich herausstellte, dass es sich bei einem der beiden Tiere um ein Weibchen handelt. Da schon früher gelegentlich Fransenfledermäuse in diesem Gebiet gefunden wurden, liegt die Vermutung nahe, dass sich in dieser Umgebung eine noch unentdeckte Wochenstube befinden könnte, in welcher Fransenfledermausweibchen ihr Junges zur Welt bringen und aufziehen. Zwar war das just befreite Weibchen nicht laktierend, d.h. es hatte diesen Sommer selbst kein Jungtier geboren, doch suchen "pausierende Mütter" häufig trotzdem ihre Wochenstube auf. Daher sind Wochenstubenquartiere für den Fledermausschutz auch von zentraler Bedeutung, da sich dort Jahr für Jahr eine Gruppe von Tieren einfindet und den Grossteil des Sommers dort verbringt.
Als sich das Fransenfledermausweibchen wieder vollständig erholt hatte, wurde ihm vor der Rückentlassung in die Natur mit Medizinalkleber ein Miniatur-Sender auf den Rücken geklebt. Solange die Batterie Energie liefert, werden in regelmässigen Abständen Signale in einem engen Frequenzbereich gesendet, welche von einem Radioempfangsgerät bis zu einer Entfernung von 25-250m empfangen werden können. Mit Hilfe einer gerichteten Antenne können die Signale und so die Bewegung des besenderten Tieres verfolgt werden.
Unser Fransenfledermausweibchen führte Andres Beck, Kantonaler Fledermausschutz-Beauftragter des Kantons Aargau, dann auch direkt zu einer Buche in einem rund 1 km vom Stall entfernten Wald. Hier verbrachte es ein paar Tage, bis das Wetter erneut in das für diesen Sommer typisch nasse und kühle Wetter umschlug. Daraufhin ist das Tier im Stall in eine Nische im dahinterliegenden Keller umgezogen und hat auch wieder dort gejagt. Dies bestätigt die Theorie, dass Fransenfledermäuse ähnlich wie Rauchschwalben vor allem bei schlechtem Wetter in Ställen jagen. Nach ein paar weiteren Tagen ist der Sender von selbst abgefallen und konnte in einer Wiese am Waldrand wiedergefunden werden.
Ob es sich bei der Baumhöhle in der Buche tatsächlich um das erhoffte Wochenstubenquartier handelt, wird sich vermutlich erst im nächsten Sommer zeigen, wenn das Eintreffen von weiteren Weibchen beobachtet werden kann.
Das zweite Klebefallenopfer hat sich leider nicht mehr erholt. Es wird nun genetisch untersucht, um herauszufinden, ob es sich effektiv um eine Fransenfledermaus im engeren Sinne (Myotis nattereri) oder allenfalls um die kryptische Zwillingsart Kryptische Fledermaus (Myotis crypticus) handelt, welche erst im 2019 beschrieben wurde und deren Verbreitung sowie Biologie daher noch weitestgehend unbekannt ist.