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Patenschaften und Spenden für Kinder in Brasilien
In Brasilien kennen wir den entwickelten Süden mit den großen Städten Rio, Curitiba und Sao Paulo. Der Norden sieht allerdings anders aus, die Kluft zwischen Arm und Reich ist hier besonders groß! Und deshalb arbeitet Plan International seit 1997 im Norden Brasiliens, wo über drei Viertel der Bevölkerung afrikanischer Abstammung ist.
Ein Überblick
Brasilien ist das größte Land Südamerikas und grenzt, abgesehen von Ecuador und Chile, an alle übrigen Länder des Kontinents. Die Küstenlinie zum Atlantik erstreckt sich über eine Länge von 7.500 Kilometern. Über die Hälfte der Landesfläche ist von Regenwald bedeckt, der sich durch eine enorme Artenvielfalt auszeichnet und vom Amazonas und seinen Nebenflüssen durchzogen wird.
Im überwiegenden Teil des Landes herrscht tropisches Klima vor. Die Temperaturen schwanken das Jahr über hier nur wenig. Im Süden ist das Klima dagegen gemäßigter. Während es im Amazonasbecken viel regnet, fällt in anderen Teilen des Landes weniger Niederschlag. In manchen Gebieten des Nordostens kommt es zu langanhaltenden Dürreperioden.
Über 80 Prozent der Brasilianer lebt in Städten, von denen viele an der Küste liegen. Der Anteil junger Menschen im Land ist sehr hoch. In Brasilien herrscht eine große kulturelle Vielfalt mit indigenen, afrikanischen und europäischen Einflüssen.
Nach der Kolonialisierung wurde im Jahre 1822 die Unabhängigkeit von der portugiesischen Krone erklärt. Zunächst war Brasilien eine Monarchie. Im Jahre 1889 wurde die Republik ausgerufen. Seit 1964 wechselten sich verschiedene Militärdiktaturen an der Macht ab. Erst 1985 wurden wieder freie Wahlen abgehalten.
Zur Situation heute
In den letzten Jahren hat sich die Wirtschaft sehr dynamisch entwickelt, wodurch sich die Beschäftigungs- und Einkommenssituation vieler Menschen verbessert hat. Brasiliens Volkswirtschaft zählt mittlerweile zu den zehn wichtigsten Ökonomien der Welt.
Doch die ungleiche Verteilung des Wohlstands und die weit verbreitete Korruption stellen schwerwiegende gesellschaftliche Probleme dar. Besonders die wirtschaftliche Situation vieler Familien indigener und afrikanischer Abstammung ist sehr angespannt. Seit 2016 ist Michel Temer Staatspräsident.
Plan International in Brasilien
Plan International arbeitet seit 1997 in Brasilien. Mit Abschluss des Jahres 2017 erreichten wir mit unseren Programmen das Umfeld von über 17.000 Patenkindern und ihren Familien. Wir konzentrieren die Arbeit auf arme und strukturschwache Gebiete im Nordosten des Landes. Hier sind über drei Viertel der Bevölkerung afrikanischer Abstammung. Der Anteil der ländlichen Bevölkerung ist hier sehr hoch. Dabei setzen wir uns besonders für benachteiligte Bevölkerungsgruppen, wie indigene Minderheiten, afro-brasilianischen Familien und Mädchen ein.
Arbeitsansatz von Plan International
Unser Arbeitsansatz, die kindorientierte Gemeindeentwicklung, beruht auf den Grundrechten von Kindern: das Recht auf Leben, Entwicklung, Mitwirkung und Schutz. Kindorientierte Gemeindeentwicklung bedeutet mit und für Kinder arbeiten. Mädchen und Jungen, Jugendliche, ihre Familien und Gemeinden sind an der Planung und Durchführung von Programmen und Projekten beteiligt, um ihre eigene Entwicklung voranzubringen. Die Gemeinde trägt Verantwortung für die Programme, damit deren Nachhaltigkeit gesichert wird, auch nachdem wir die Arbeit in diesem Gebiet beendet haben. Von zentraler Bedeutung ist es daher, überholte Denkweisen zu ändern und die Kompetenzen von Gemeindemitgliedern zu stärken, damit sie sich mit den Herausforderungen ihrer Gemeinden aktiv auseinandersetzen können. Dies trägt dazu bei, strukturelle Kinderarmut zu beseitigen.
Da der Staat eine wichtige Rolle bei der Umsetzung und Einhaltung der Kinderrechte spielt, arbeitet Plan International mit Regierungsstellen zusammen und unterstützt sie darin, ihre Verpflichtung gegenüber den Gemeindemitgliedern wahrzunehmen und vorhandene Gesetze und Vorgaben umzusetzen. Gleichzeitig informieren wir die Menschen in den Gemeinden über ihre Rechte und bestärken sie darin, diese einzufordern. Wir setzen uns besonders für ausgegrenzte und benachteiligte Kinder ein, damit sie ihre Rechte wahrnehmen und den Kreislauf von Diskriminierung, gesellschaftlicher Nichtteilhabe und Kinderarmut durchbrechen können.
Herausforderung: Schlechte gesundheitliche Situation von Müttern und Kindern
In den vergangenen Jahren hat sich die gesundheitliche Situation der Kinder und Mütter in Brasilien erheblich verbessert. Doch gibt es große Unterschiede zwischen den Regionen und den einzelnen Bevölkerungsgruppen. Die Sterblichkeitsrate ist unter Kindern von afro-brasilianischen Müttern und unter Kindern von indigenen Müttern höher als bei Kindern aus wohlhabenden Familien. Häufig erkranken oder sterben die Mädchen und Jungen an vermeidbaren Krankheiten, wie Atemwegs- und Durchfallerkrankungen oder Malaria. In einigen Regionen des Nordostens ist über die Hälfte der Kinder mangelernährt. Bestehende Gesundheitsdienste sind hier vergleichsweise schlecht ausgestattet und unterfinanziert. Zu wenige Schwangere haben die Möglichkeit, sich vor der Geburt untersuchen zu lassen. Viele Frauen entbinden daher zu Hause ohne medizinische Betreuung. Obgleich die HIV-Rate landesweit zurückgegangen ist, bleibt sie im Nordosten extrem hoch. Mädchen und Frauen infizieren sich vergleichsweise häufig mit sexuell übertragbaren Krankheiten, wie mit dem HI-Virus. Außerdem ist der Anteil von frühen und ungewollten Schwangerschaften hoch.
Plan-Programm: „Gesunde Kindheit“
Das Programm setzt auf zwei Ebenen an, um die gesundheitliche Situation von Kindern und ihren Müttern zu verbessern. Zusammen mit Partnern klären wir die Familien darüber auf, wie Krankheiten zu vermeiden sind und wie die Gesundheit von Kindern und Müttern vor und nach der Geburt gefördert werden kann. Bewusst werden dabei die Väter mit eingebunden. Mädchen und Jungen lernen schon früh, das andere Geschlecht zu respektieren und gleichberechtigt zu behandeln. Wir führen Hygieneschulungen durch und informieren über gesunde Ernährung. Andere Maßnahmen richten sich gegen häusliche Gewalt und fördern kindgerechte und gewaltfreie Erziehungsformen.
Zusammen mit lokalen Behörden engagiert sich Plan International dafür, dass Mädchen und Jungen in den Gemeinden die Möglichkeit erhalten, sich kreativ und spielerisch zu entfalten, miteinander zu interagieren und ihre Meinung auszudrücken. Auf nationaler Ebene setzen wir uns dafür ein, dass neue Gesetze zur frühkindlichen Förderung und Gesundheit auch in ländlichen Regionen umgesetzt und dabei angemessen budgetiert werden. Wir fördern entsprechende gesellschaftliche Diskussionen und stärken Netzwerke, die sich für die Verbesserung der Gesundheit von Kindern engagieren. Um relevante Daten bereitzustellen, führt Plan International in seinen Projektgebieten Analysen und Studien zur Lebenssituation von Kleinkindern durch.
Herausforderung: Ungleiche Bildungschancen und mangelnde Unterrichtsqualität
Trotz der positiven Entwicklungen im Bildungssektor bleiben bestimmte Bevölkerungsgruppen weiterhin benachteiligt. Im Vergleich zu Kindern aus wohlhabenden Familien besuchen fast doppelt so viele Kinder afro-brasilianischer Familien keine Schule. In einigen Regionen des Nordostens gehen sogar über die Hälfte der indigenen Mädchen und Jungen nicht zur Schule. Generell ist die Unterrichtsqualität an den Grundschulen nicht ausreichend. Viele Lehrkräfte sind schlecht ausgebildet und es mangelt an kindgerechtem Lehr- und Lernmaterial. Außerdem ist Gewalt an Schulen ein weit verbreitetes Problem. Folgen sind hohe Wiederholungs- und Abbruchsraten sowie ein geringes Leistungsniveau. Nur wenige Kinder besuchen nach der Grundschule die weiterführende Schule.
Plan-Programm: „Lernen und Lebenskompetenzen erwerben“
Plan International arbeitet mit Bildungsbehörden zusammen und setzt sich dafür ein, dass in den Schulen innovative, kindgerechte pädagogische Ansätze verfolgt werden. Außerdem engagieren wir uns für eine bessere Lehrerausbildung. Schwerpunkte sind hier die Vermittlung von Kompetenzen, um die Lese- und Schreibfähigkeiten zu verbessern, sowie Trainings zu Kinderrechten. Der Unterricht soll attraktiver und lebensnaher gestaltet werden. Wir arbeiten daran, Themen wie Gewaltprävention, Friedenserziehung, ganzheitliche Gesundheit, kulturelle und ethnische Unterschiede sowie Gleichberechtigung in die Lehrpläne zu integrieren.
Mit dem Ziel, Familien stärker in bildungspolitische und schulorganisatorische Fragen einzubinden, stärken wir Partizipationsstrukturen an den Schulen und in den Gemeinden. Wir unterstützen Eltern und Schüler darin, an bildungsrelevanten Diskussionen teilzuhaben und sich für ihre Interessen einzusetzen. Zusammen mit Jugendlichen führt Plan International seine außerschulischen Aufklärungskampagnen und Bildungsmaßnahmen zur reproduktiven und sexuellen Gesundheit sowie zur Sexualerziehung weiter. In diesem Zusammenhang thematisieren wir unter anderem Geschlechterverhältnisse und Geschlechterrollen, verantwortungsvolle Sexualität sowie die Stigmatisierung von Menschen, die mit HIV und Aids leben. Wir setzen uns gezielt dafür ein, sexualisierter Gewalt entgegenzutreten und sicherzustellen, dass besonders Mädchen Zugang zu Einrichtungen haben, die Hilfe anbieten.
Herausforderung: Schlechte wirtschaftliche Situation
Immer noch leben über elf Millionen Menschen in Brasilien unterhalb der Armutsgrenze. In einigen Regionen des Landes zählt nahezu ein Viertel der Bevölkerung dazu. Besonders betroffen sind Familien indigener und afrikanischer Abstammung, Frauen und junge Menschen. Im Nordosten haben viele Familien Schwierigkeiten, ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln zu decken. Trotz allgemein verbesserter Arbeitsmarktbedingungen hat sich die Jugendarbeitslosigkeit in den letzten Jahren erhöht. Vor allem in ländlichen Gebieten mangelt es an beruflichen Bildungsmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass viele Arbeitssuchende wenig Berufserfahrung haben und daher schwer eine Arbeit finden.
Plan-Programm: „Einkommenssituation von Jugendlichen und Frauen verbessern“
Plan International analysiert die aktuelle wirtschaftliche Lage, um seine Maßnahmen optimal auszurichten, wobei Marktchancen und Bedarfe ebenso berücksichtigt werden wie zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen. Wir kooperieren mit anerkannten Einrichtungen, die berufliche Qualifizierungsmaßnahmen und finanzielle Dienstleistungen anbieten. Es werden vor allem Jugendliche und Frauen unterstützt, eine technische oder kunsthandwerkliche Ausbildung zu absolvieren oder Perspektiven für eine nachhaltige wirtschaftliche Selbständigkeit zu entwickeln.
Des Weiteren setzen wir uns dafür ein, Arbeitssuchende zu vermitteln. Mütter und andere familiär Verantwortliche erhalten hauswirtschaftliche Trainings sowie Schulungen für einen besseren Umgang mit ihrem Einkommen. Plan International setzt sich ebenfalls dafür ein, dass sie Zugang zu finanziellen Dienstleistungen erhalten. Um Familien, die hauptsächlich vom Anbau eigener landwirtschaftlicher Produkte leben, zu stärken, unterstützen wir gemeindebasierte Wirtschaftskooperativen. Die Familien erhalten die Möglichkeit, ihre Anbauprodukte weiterzuverarbeiten und ohne Zwischenhändler direkt zu vermarkten. Außerdem können gemeinschaftlich wichtige Investitionen in den Gemeinden getätigt werden.
Herausforderung: Mangelnder Schutz der Kinder, auch in Katastrophensituationen
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist ein großes gesellschaftliches Problem, das sich zunehmend verschärft. In vielen Familien gehört Gewalt zum Erziehungsalltag. Kinder und Jugendliche haben sich den Eltern unterzuordnen und Männer dominieren über die Frauen. Frauen und Mädchen sind besonders häufig von sexualisierter und häuslicher Gewalt betroffen. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Morde in Brasilien kontinuierlich gestiegen. Vor allem für männliche Jugendliche besteht ein erhöhtes Risiko, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden oder in gewalttätige Auseinandersetzungen zu geraten. Kinder leiden besonders unter den Folgen von Katastrophen, wie etwa schweren Regenfällen, Überflutungen oder Erdrutschen, die häufig vorkommen. Vor allem in ländlichen Regionen sind die Menschen schlecht auf solche Katastrophensituationen vorbereitet.
Plan-Programm: „Kinder vor Gewalt und Katastrophen schützen“
Über breit angelegte Kampagnen klären wir Familien, Gemeinden und Behörden umfassend über Gewalt gegen Mädchen und Jungen und die Kinderrechte auf. Ziel ist es, die Schutzbedürftigkeit von Kindern bewusster zu machen und zu erreichen, dass auf allen gesellschaftlichen Ebenen dafür Verantwortung übernommen wird. Außerdem engagiert sich Plan International dafür, Diskriminierungen wegen des Geschlechts, der Herkunft oder aufgrund von Behinderungen entgegenzuwirken. Die öffentliche Wahrnehmung soll dahingehend geschärft werden, dass politische und gesellschaftliche Entscheidungen unter Berücksichtung von Kinderrechten bewertet werden. Wir stärken Kinder, Jugendliche und Gemeindevertreter, sodass sie über entsprechende Netzwerke und Gremien für ihre Interessen eintreten können und so mehr in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse eingebunden sind.
Die Familien werden sensibilisiert, Formen von Gewalt gegen Kinder zu erkennen, und lernen, wie wichtig es ist, solche Fälle öffentlich zu machen und zur Anzeige zu bringen. Kinder und Jugendliche erfahren, wie sie sich schützen können und wo sie Hilfe erhalten. Um Anlaufstellen zu schaffen, stärkt Plan International in den Gemeinden öffentliche Kindesschutzeinrichtungen. Ein weiteres wichtiges Ziel ist der Katastrophenschutz. Wir unterstützen die Gemeinden und Kinder darin, Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen und Schutzmechanismen zu entwickeln, um die Risiken in den Gemeinden zu minimieren und bestmöglich auf drohende Gefahren vorbereitet zu sein. Wir stimmen die Maßnahmen mit den lokalen Behörden ab und arbeiten mit Regierungsstellen daran, den staatlichen Katastrophenschutz weiterzuentwickeln und zu optimieren.