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Tentnet – 2018
Artistbook
Auf der Website www.tentnet.ch transferierte ich meine Experimente und Gedanken, welche durch die Konfrontation von Innen- und Aussenraum entstanden zwischen verschiedenen Medien. Neben dem Lesen und Schreiben von Texten benutzte ich hierfür die Technik des Zelte Bauens, der Performance und des Workshops.
Zeltreise
Zur Technik des Zeltbauens fügte ich die Technik der Reise hinzu und baute eine Installation aus Raum und Zeit. Vom 16.06.2018 bis zum 30.06 2018 konstruierte ich jeden Tag ein neues Zelt an einem neuen Ort. Das Material für mein Zuhause zog ich auf einem Anhänger hinter mir her, mit dem ich auch immer mal wieder öffentliche Verkehrsmittel benutzte. Aus einer Art Mutterzelt in der Masterausstellung konnte man mich per Skype auf meiner Reise sehen und sprechen.
Ansatz einer Reflexion
Was bedeutet öffentlicher Raum?
Öffentlichkeit mit Freiheit gleichzusetzen ist nicht unbedingt wahr. Im öffentlichen Raum wird das was man macht beobachtet, kritisiert, toleriert, oder eben nicht. Ein privater Raum kann da hingegen ein Schutzraum sein, in dem sich eine Idee entwickeln kann, wie ein Embryo im Mutterbauch. Der öffentliche Raum ist ein Raum der Verhandlung, wobei die Verhandlungspartner nicht immer alle sichtbar sind und ihre Stimmen nicht immer gleich viel zählen. Der öffentliche Raum kann auch ein Schutzraum sein, gerade weil das Handeln darin sichtbar ist. Der private Raum kann gefährlich sein, weil das Handeln darin unsichtbar ist.
Welcher Raum tatsächlich öffentlich ist und in welchem Grade ist natürlich eine viel diskutierte Frage. Wie findet die Überwachung des Raumes statt? Klar gibt es viele Kameras, aber es gibt nicht genug Menschen, die all das gefilmte schauen könnten. Es gibt aber Menschen, die den Raum überwachen und die Polizei rufen. Es gibt viele Gesetze den Raum betreffend. Was ist darin erlaubt? Wer darf sich darin aufhalten? Kann man einen Raum, in dem nicht alle das Recht haben, sich dort aufzuhalten als öffentlich bezeichnen? Gibt es überhaupt öffentliche Räume auf der Welt?
Der Raum der SBB ist ein besonders interessanter Fall. Die Bahnhofpolizei hat ihn kürzlich gegenüber mir als halböffentlich bezeichnet und somit gerechtfertigt, zwei junge Männer afrikanischer Herkunft wegzuweisen, weil sie keine Fahrkarte bei sich hatten. Es sei ihre Aufgabe, Szenenbildung verhindern. In einem Zeitungsartikel, wo es um kritische Plakate ging steht aber, dass die Bahnhofsareale als öffentlicher Raum gelten. (https://gkuhn.ch/bundesgericht-sbb-muss-israelkritisches-plakat-aushaengen/) (15.08.2018) Ich denke, dass die Bahnhofsareale ein spannender Versuchsort sind für Experimente bezüglich dieser Thematik, eine Art verschärfte Schweiz. Ebenfalls interessante Diskussionen zu diesem Thema löste der Bahnhof Bern aus, wie folgendem Zeitungsartikel zu entnehmen ist: (https://www.derbund.ch/bern/stadt/Wem-gehoert-der-Bahnhof/story/25945729) (15.08.2018)
Auf meiner Reise, womit ich den ganzen Prozess bezeichne, welchen ich von Dezember 2017 bis und mit Juni 2018 durchlaufen habe, hielt ich mich in verschiedenen Arten von Räumen auf und führte dort Experimente durch. Die Auswertung dieser Experimente wäre wohl eine zweite Arbeit von mindestens demselben Umfang. Ich lasse aber auch gerne jeden einzelnen, der meine Videos sieht und meine Texte liest, seine eigenen Schlüsse daraus ziehen und dieses Netz weiter spinnen.