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Herz- und Kreislaufkrankheiten vorbeugen
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Seit rund 80 Jahren sind kardiovaskuläre Krankheiten die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. Das Risiko nimmt mit den klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und Abnormitäten des Lipidstoffwechsels zu.
Es gibt Untersuchungen, die aufzeigen, dass mit den klassischen Risikofaktoren ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt mit einer Wahrscheinlichkeit von über 70% vorausgesagt werden kann. Man spricht dann von einem «klassischen Risikofaktor», wenn man durch dessen Behandlung oder Senkung die Prognose verbessern oder Ereignisse verhindern kann, ohne dass etwas anderes Unerwünschtes gefördert wird.
Der erhöhte Blutdruck ist für Herz- und Kreislauf-Krankheiten der häufigste Risikofaktor. Dessen Senkung bedeutet vor allem, dass man damit das Risiko eines Schlaganfalls oder einer Hirnblutung deutlich reduziert. Zudem wird aber auch die Prognose auf einen Herzinfarkt verbessert.
Heute werden die Patienten medikamentös behandelt, wenn der Blutdruck höher als 140 sowie beim tieferen Wert höher als 90 mmHg misst. Zudem werden ein reduzierter Salzkonsum (weniger als 6g pro Tag) sowie mehr Obst und Früchte empfohlen. Klar ist, dass Substanzen gemieden werden sollten, die zu einem Anstieg des Blutdrucks führen.
Generell ist das Wissen rund um die Elastizität der Gefässe noch bescheiden. Was man jedoch beachten muss, sind die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Muskelmasse sowie die Erhaltung der Erinnerungsfunktion. Wie die körperliche Fitness sowie die geistige Leistungsfähigkeit jedoch optimal gemessen und beurteilt werden kann, muss sich in Zukunft erst noch weisen.
Die erhöhte Menge an Gesamtcholesterin ist der zweithäufigste Risikofaktor, der zu einer Gefässkrankheit führen kann. Ein kleiner Anteil Cholesterin benötigt der Körper, um Zellen neu zu entwickeln und einzelne Hormone zu produzieren. Befürchtete man noch vor 30 bis 50 Jahren, dass man durch die Senkung des Cholesterinspiegels keinen Gewinn erreichen könnte, wurde mit der Einführung einer neuen Medikamentengruppe (Statine) ein Durchbruch erzielt und der Zielwert konnte stets gesenkt werden.
Grundsätzlich kann man sagen, dass das Cholesterin nur etwa 10 bis 20% vom Essen abhängt. Zudem hat sich gezeigt, dass das sogenannte «gute Cholesterin» bei Kranken überhaupt nicht mehr funktioniert. Diese Erkenntnisse basieren auf Grossuntersuchungen, die in extrem cholesterin-sensiblen Ländern durchgeführt wurden und nicht etwa in Italien, Spanien oder Frankreich. In der Medizin wurden zum Cholesterin viele Strategien entwickelt und wieder über Bord geworfen. Aktuell stehen wieder neuere Behandlungsmethoden an, die noch nicht voll bewertet werden können.
Die aktuelle westliche Ernährungsweise fördert die Entstehung von Gefässerkrankungen, Wie zum Beispiel Angina Pectoris, Herzinfarkt, Beinarterienverschluss und Hirnschlag.
Eine karge Ernährung, wie sie während des zweiten Weltkrieges herrschte, und die mediterrane Ernährung der späten Fünfzigerjahre, wie sie in Griechenland, Italien und dem früheren Jugoslawien üblich war, sind die Grundlage für aktuelle Ernährungsstudien. Sie geben spannende Hinweise für eine «gefässschützende» Ernährung:
Der Ernährung kommt in der Prävention eine besondere Bedeutung zu. Übergewicht, erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutfette und Diabetes gehören zu den durch Ernährung und Lebensstil beeinflussbaren Risikofaktoren. Meidung von Übergewicht – also knapp genug essen und ausreichend bewegen – scheinen zu den effizientesten Präventionsmassnahmen überhaupt zu gehören.
Schon vor Jahrzehnten fiel den Präventivmedizinern ein Gefälle der Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Bevölkerung südlicher und nördlicher Länder auf. Unter anderem konnte eine deutlich verminderte Gesamtsterblichkeit der mediterran ernährten Personen nachgewiesen werden. Ausserdem wurde eine Reduktion von tödlicher und nicht tödlicher Herzinfarkte und Schlaganfälle aufgezeigt.
Weder eine fettarme noch eine cholesterinarme Ernährung schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Ernährungsformen stehen auch in keinem Zusammenhang zu einer längeren Lebenserwartung. Es gibt bis heute keine überzeugenden Daten, die für eine fettarme Ernährung sprechen. Auf Eier, Krustentiere etc. – also cholesterinreiche Nahrungsmittel – zu verzichten oder auf industriell fettreduzierte Nahrungsmittel auszuweichen bringt wenig.
Viel mehr als die Fettquantität spielt die Fettqualität eine bedeutende Rolle. Im Mittelpunkt scheinen die einfach gesättigte Fettsäure und die Omega-3-Fettsäure zu stehen. Diese kommen mehrheitlich in Olivenöl, Rapsöl, Nüsse, Samen, grünem Blattgemüse und Fisch vor. Die intensive Tierhaltung verändert die Fettqualität in der Ernährung ungünstig. Kühe und Rinder, die sich vor allem von Gras und Heu ernähren, geben gesündere Milch, Käse und gesünderes Fleisch. Diese Nahrungsmittel enthalten unter anderem mehr dieser Omega-3-Fettsäure. Dies ist seit einiger Zeit am Beispiel der Alpmilch und des Rindfleisches erforscht. Ungünstige Auswirkungen hat die Omega-6-Fettsäure in grösseren Mengen, wie sie oft in Fertigprodukten, Backwaren aber auch in Sonnenblumenöl vorkommt.
Kochen für das Herz von Maya Rühlin, Erica Bänziger, Peter E. Ballmer, ISBN-10:3-03780-545-5