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«Ich würde Geld darauf wetten, dass Momota gegen Verma gewinnt», sagte der Schweizer Meister Christian Kirchmayr vor dem Viertelfinale des ungesetzten Japaners gegen den in Basel an zwei gesetzten Inder. Und diese Aussage entbehrte nicht einer gewissen Ironie. Schliesslich hatte Glücksspiel dazu geführt, dass Kento Momota ein Jahr gesperrt war und sich nun über viele Turnier in der Weltrangliste langsam wieder nach vorne arbeitet, in dieser Woche bei den Swiss Open.
Im April 2016 sass Momota zusammen mit seinem Teamkollegen Kenichi Tago in einer Pressekonferenz, beide mit Anzug und Krawatte und zerknirschtem Gesichtsausdruck. Tago fing sogar an zu weinen, als beide sich als reuige Sünder zeigten und zugaben, mehrfach im Casino gezockt zu haben, was in Japan illegal ist. Beide wurden vom Verband gesperrt, obwohl sich die Japaner damit einer Medaillenhoffnung für die Olympischen Spiele in Brasilien beraubten, schliesslich war Momota zu diesem Zeitpunkt die Nummer zwei der Welt und hatte 2015 als erster Japaner Bronze bei einer Weltmeisterschaft gewonnen.
Nach einem Jahr wurde Momotas Sperre aufgehoben, wohl auch, weil Tago behauptet hatte, dass er die treibende Kraft war und um Gnade für seinen Kollegen gebeten hatte. Seit Mai 2017 hat Momota mehrere Turniere gewonnen und sich von einer Position um 300 auf Rang 42 vorgepirscht. Nur deshalb hat das Publikum in Basel wahrscheinlich überhaupt die Chance, den 23-Jährigen in diesem Jahr zu sehen, in dem einige Topspieler aus Asien auf das Turnier verzichtet haben, weil es im Turnierkalender ungünstig liegt.
Aber allein Momota wäre das Eintrittsgeld schon wert, findet Kirchmayr, und er muss es wissen. Schliesslich hat er in der ersten Runde gegen den Japaner gespielt. «Das sieht so mühelos aus, man hat das Gefühl, er ist mit dem Schläger geboren worden», schwärmt Kirchmayr, «er hat einen unheimlichen Spielwitz, täuscht gut an, wechselt das Tempo und hat einen harten Smash.»
Das zeigte Momota teilweise auch im Viertelfinale gegen Sameer Verma, das er trotzdem in zwei Sätzen verlor, weil er zu viele Fehler machte und der Inder an diesem Tag einen noch härteren Smash hatte. Es war also besser, dass Kirchmayr nicht wirklich auf den Spieler gewettet hatte, der ihn früh aus dem Turnier beförderte.
Kirchmayrs Traum von der Heim-WM
Erwartungsgemäss verlor er in zwei Sätzen, war aber danach mit sich und dem Spiel zufrieden. «Es war schön, mal einen Vergleich mit der absoluten Weltspitze zu haben und zu sehen, wie viel mir noch fehlt», sagte der Nationalspieler vom SC Uni Basel. Er freute sich darüber, dass er mit seinem Angriffsspiel ein paar direkte Punkte machen konnte, konstatierte aber auch, dass er «von der Schlagqualität noch zulegen» muss. «Solche Spiele müsste ich öfter haben», erklärte Kirchmayr, denn in der Schweiz fehle es ihm an Trainingspartnern, die dieses Tempo spielen können.
Momentan ist der 24-Jährige auf Platz 210 der Weltrangliste geführt, will aber ab Sommer mehr Turniere spielen und diese sorgfältig auswählen, um möglichst viele Punkte sammeln zu können. Schliesslich ist die Heim-WM für ihn ein «sehr grosses Ziel – fast so gross wie Olympia». Um im August 2019 nicht nur als Zuschauer in der St. Jakobshalle dabei zu sein, muss er weiterhin der beste Schweizer sein und sich in der Weltrangliste noch weiter nach vorne arbeiten. «Meine Chancen sind intakt», sagt Kirchmayr.
Bei dem Grossereignis im eigenen Land will natürlich auch die Schweizer Meisterin Sabrina Jaquet dabei sein, die im Achtelfinale der Swiss Open unglücklich und knapp in drei Sätzen gegen die Dänin Natalia Koch Rohde verlor.
Während sich die Schweizer wieder früh aus dem Turnier verabschiedeten, sind die Nachbarländer in den Halbfinals an diesem Samstag (ab 12 Uhr) noch gut vertreten. Frankreich spielt im Männereinzel und im Frauendoppel um den Finaleinzug, und Deutschland wird auf jeden Fall im Mixed-Finale stehen, da es im Halbfinale zu einer deutsch-deutschen Begegnung zwischen Isabelle Herttrich/Mark Lamsfuss und Jones Ralfy Jansen/Carla Nelte kommt.
«Das ist super», sagt Herttrich, die von der Halle und der professionellen Ausrichtung begeistert ist und glaubt, dass die WM im nächsten Jahr «mega cool» wird. Aber erst mal möchte sie mit ihrem Partner die Swiss Open gewinnen, was für sie keine Selbstverständlichkeit wäre, obwohl sie an eins gesetzt sind. «Mark war eine Weile am Knie verletzt und das ist sein erstes richtiges Turnier seitdem», erklärt Herttrich.
Europäischer Halbfinal
Das trifft auch auf den Dänen Jan O Jorgensen zu, der nach achtmonatiger Verletzungspause in Basel erstmals wieder am Start ist. Auch er war schon die Nummer zwei der Welt und muss sich jetzt wieder hoch arbeiten. Im Gegensatz zu Momota hat er sein Viertelfinale in zwei Sätzen klar gewonnen, obwohl er «noch nicht wieder bei hundert Prozent» ist, und deshalb auch «überrascht, dass ich so weit gekommen bin». Von einem möglichen Turniergewinn will er deshalb noch nichts wissen, weil er schon im Halbfinale gegen den Franzosen Lucas Corvee ein «hartes Match» erwartet.
Auf ihn sollte Christian Kirchmayr deswegen wohl besser auch keine Wetten platzieren.