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In der Gamergemeinde ist der Name Cheryl Olson nicht unbekannt. Die Autorin des Buches „Grand Theft Childhood“ ist dafür bekannt, die Thematik der Gewalt darstellenden Videospiele aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten als die meisten ihrer Kollegen.
Ihre neuste Studie wurde von einem republikanischen Politiker angeregt, der eigentlich einen Zusammenhang zwischen Gewaltspielen und realer Gewalt herstellen wollte. Doch alle Finanzhilfe brachte hier nichts: Olson publizierte ihre Forschungsergebnisse, welche keinen Zusammenhang zwischen Games und Gewalt sahen, und der Republikaner musste dies Wohl oder Übel in Kauf nehmen. Frau Olson stand dem ORF Rede und Antwort, und legte dabei bemerkenswerte Differenziertheit und Respekt vor dem Forschungssubjekt Kind an den Tag.
Olson plädierte an der Fachtagung «Future and Reality of Gaming» (F. R. O. G.), die kürzlich im Rahmen der Game City im Wiener Rathaus stattfand, für eine stärkere Rolle des Kindes in der Forschung, sie forderte von ihren Forscherkollegen, die Perspektive des Kindes einzunehmen. Olson gab ebenfalls zu, dass die Forschung in diesem gebiet lange noch nicht abgeschlossen sei und sich aus diesen Studien kein kausaler Zusammenhang hergestellt werden kann, da viele andere Faktoren viel stärker beeinflussend wären.
Der 19-jährige Sohn Olsons half ihr bei ihrer Forschung, indem er Spiele spielte, die für die Forscherin zu komplex oder schwierig waren. So konnte sie einen tiefen Einblick in die Spielmechanik gewinnen, also hinter die blutige Fassade der Gewalt-Games schauen, was leider den meisten anderen Forschern in diesem Gebiet offenbar noch nicht gelungen ist.
Olson dazu:
Ich halte es für eine ethische Verpflichtung, dass ich, wenn ich Videospiele untersuche, sie entweder selbst spiele oder zumindest Leuten dabei zuschaue, wie sie spielen. Manche kann ich selbst nicht spielen, weil ich nicht gut genug bin, aber ich habe meinem Sohn, der demnächst 20 Jahre alt wird, lange beim Spielen zugesehen. Er hat eine breite Palette von Games gespielt, von "StarCraft" über "Max Payne" bis zu "Civilization". Das war sehr wichtig für mich. Ich habe ihn sogar dazu gezwungen, für mich das Schulschläger-Game "Bully" auf der Wii zu spielen, denn ich war besorgt, dass Kinder das Spiel als Vorlage benutzen könnten, weil es ein so realistisches Setting hat. Nachdem ich gesehen habe, wie das Spiel strukturiert ist und welche Regeln für die Charaktere gelten, war ich beruhigt. Mir wurden durch meine Forschung die Augen geöffnet, ich war beeindruckt von der Komplexität und der Tiefe der Spiele, die ich gesehen habe. Ich fühle mich betrogen, dass solche Spiele in meiner Kindheit nicht verfügbar waren. Ich musste viele schlechte Zeichentrickfilme sehen, die darauf aus waren, Spielzeug zu verkaufen. Ich glaube wirklich, ich wäre ein besserer Mensch geworden, wenn ich diese komplexen Spiele hätte spielen können.
Den Eltern rät Olson, nicht von Anfang an ablehnend zu reagieren, sondern sich die Spiele anzusehen, und dann zu entscheiden, ob dieses Spiel geeignet ist oder nicht - denn nicht jedes Spiel sei für jedes Kind geeignet. Und als Mutter nimmt sie auch zu der Aggressivitätsdebatte Stellung, bei der sie darauf wert legt, Aggression nicht mit aggressivem Verhalten zu verwechseln:
Ein grosses Problem in der Forschung ist die Definition von Aggression und dass aggressives Spiel mit der Absicht, real zu verletzen, verwechselt wird. Manche Forscher beobachten Kinder beim Spielen und sagen: Nach dem Konsum von gewalthaltigen Fernsehshows zeigten sie beim Spielen ein härteres Verhalten und haben einander getreten. Aber sie haben sich nicht verletzt. Sie haben vielleicht Dinge kopiert, die sie im Fernsehen gesehen haben, und waren überschwänglich, aber ohne sich zu verletzen. Aggressives Verhalten ist normal bei Kindern. Ein Entwicklungsspezialist hat mir einmal erklärt, die Frage sei viel eher, warum Kinder aufhören, aggressiv zu sein.
[...]
Zuerst muss ich sagen, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass ein Videospiel jemals echte Gewalt gegenüber einem Menschen ausgelöst hat. Es gibt Beweise dafür, dass sie unter bestimmten Umständen vermehrt aggressive Gedanken und Gefühle auslösen können. Aber wenn mein Kind nur schreit und schreit, kann auch ich als Mutter aggressive Gefühle bekommen und das Bedürfnis verspüren, es zu schlagen. Manche Wissenschaftler tun so, als ob aggressive Gedanken immer zu realer Gewalt führen würden. Das ergibt keinen Sinn.Es bleibt zu hoffen, dass sich andere Forscher ein Vorbild an Olson nehmen und sich offen gegen die Dämonisierung des Mediums Videospiel einsetzen.
Weitere Infos findet Ihr unter gamerights.ch oder natürlich im Buch "Grand Theft Childhood".