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Das Dach ist weg. Die Karaoke-Anlage zertrümmert. Der Garten, im Dezember voller Gemüse, ist jetzt leer. Die Asche des Vulkans Taal hat das Dorf Laurel komplett zugedeckt.
Auch den Kiosk und den Spielsalon der 66-jährigen Amor Cosme. Daraus bezog sie ihr Einkommen, nun steht sie vor dem Nichts. «Ich bin zwar alt, aber ich kam selbst gut zurecht», sagt sie, den Tränen nahe. «Meine Medikamente konnte ich selbst kaufen.»
Es ist nicht die erste Tragödie, die sie erlebt. Sie hat bereits den Ausbruch des Vulkans Taal 1965 erlebt. Danach hat sie 15 Jahre gespart und sich weit weg vom Kraterrand ein Haus gekauft, in Sicherheit vor dem Vulkan. Aber der Taifun Glenda zerstört es vor fünf Jahren und sie musste widerwillig zurück.
«Ich wusste, was passieren würde und dass er wieder ausbrechen würde und dass alle Häuser wieder zugedeckt werden», sagt Cosme. Sie packt ein, was sie noch retten kann. Übernachten dürfen die Menschen in Laurel noch nicht, denn es liegt nur knapp sechs Kilometer vom Ausbruchsort entfernt.
Leben in der Gefahrenzone
Der Vulkan Taal liegt nur 60 Kilometer südlich der philippinischen Hauptstadt Manila und besitzt eine einzigartige Topografie: Ein junger Krater liegt mitten in einem See eines noch viel grösseren, älteren Kraters. Verteilt am Ufer des Kratersees liegen Dörfer, die von Landwirtschaft und von der Fischzucht leben. Das heisst: Sie liegen mitten in der Gefahrenzone eines Ausbruchs.
«Niemand weiss, wann er ausbricht», sagt die 66-jährige Cosme. «Am besten baut man hier nichts mehr, sondern spart einfach Geld, das man bei einem Ausbruch mitnehmen kann.»
Am 13. Januar war es wieder so weit. Lange hat der Taal nie geruht. Von 1965 bis 1977 hatte der Vulkan eine unruhige Periode mit mehreren Ausbrüchen. 1911 forderte ein Ausbruch über 1000 Todesopfer.
Erst seit der Kolonialisierung der Philippinen durch Spanien im 16. Jahrhundert wurden erste Aufzeichnungen gemacht; seither ist der Taal über 30 Mal ausgebrochen. Er ist einer von 16 Vulkanen weltweit, die wegen ihrer Ausbrüche und Nähe zu bevölkerten Gebieten kontinuierlich studiert und überwacht werden.
Dafür verantwortlich ist Renato U. Solidum Jr., der Direktor des Philippinischen Instituts für Vulkanologie und Seismologie (Phivolcs) in Manila. Dank Messstationen haben die Menschen am Kratersee dieses Mal rechtzeitig evakuiert werden können – ohne Todesopfer.
«Der Taal kann Wolken ausspeien, die sich mit bis zu 60 Kilometer pro Stunde horizontal bewegen», sagt er. Ein Gemisch aus Asche, Fels und Gas, das tödlich sein kann. Das sei dieses Mal zum Glück nicht passiert.
Die Geschichte des Vulkans zeige, dass er auf viele verschiedene Arten ausbrechen könne. «Der Vulkan bestimmt, wie sicher wir um ihn herum leben können», sagt Solidum. «Technologie kann uns hier nur bedingt helfen.»
Im Jahr 1754 habe ein Ausbruch über Monate gedauert und viele Dörfer komplett zerstört. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis zur nächsten Katastrophe. Ob und wie die Menschen am Taal in Zukunft leben sollten, das müssten die lokalen Behörden entscheiden, sagt Solidum.
Eine Rückkehr ist ungewiss
Wenige Kilometer von Laurel entfernt liegt das Dorf Agoncillo. Hier dreht sich alles um die Fischzucht. In Gehegen auf dem See wachsen Tilapias, die bis in die Hauptstadt Manila verkauft werden. Teresa Landicho und ihr Mann besassen 50 solche Fischgehege. Sie sind alle verloren. Die Fische hätten einen Verkaufswert von fast einer Million Franken gehabt.
«Wir hatten alle Angst», sagt Landicho. «Als die Evakuation begann, wollten wir auch weg, aber wir konnten nicht, denn wir hatten hier so viel Geld investiert.» Sie versuchten, so viele Fische zu retten, wie möglich. Bei den Landichos arbeiten 80 Angestellte und etwa 150 profitieren vom Unternehmen. Sie sind bereits am ersten Tag nach dem Ausbruch – illegal – zum ersten Mal zurückgekehrt und sind dazu Stunden durch kniehohe Asche marschiert.
«Hier, das ist unser Lebensunterhalt. Hier sind wir aufgewachsen, hier züchten wir Fische», sagt Landicho. «Ich glaube kaum, dass uns die Regierung das künftig verbieten will».
Wenn Menschen in diesen Dörfern leben, müssen sie jederzeit bereit sein, zu flüchten.
Die Entscheidung dazu ist noch nicht gefällt. Über 100’000 Menschen sind noch immer evakuiert. Teile der Gemeinden Laurel und Agoncillo liegen innerhalb der akuten Gefahrenzone von sieben Kilometern rund um den Krater. Hier dürfen die Menschen sich nur tagsüber aufhalten.
Laut dem Vulkan-Experten Solidum bewegt sich unter dem Taal bereits neues Magma nach oben. «Wenn sie in diesen Dörfern leben, müssen sie jederzeit bereit sein, zu flüchten,» sagt Solidum.