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325 Fussballklubs spielen in dieser Saison in den 20 besten Ligen Europas. Jeder von ihnen besitzt ein Logo, das ihn einzigartig machen und von der Konkurrenz abheben soll. Regelmässig werden die Wappen aufgefrischt oder ganz neu erstellt, so wie unlängst bei Inter Mailand. Welches ist abgesehen von «deinem» Team dein Favorit?
Es war eine schöne Fleissarbeit, die ich mir da eingebrockt habe: Alle Klubwappen der Top-20-Ligen der UEFA-Fünfjahreswertung zu katalogisieren. Aber eine Fleissarbeit, die einen Fussballfan nur zufrieden stellen kann. Stösst er doch so auch auf Perlen, die ihm sonst verwehrt geblieben wären.
Schliesslich gibt es viele Länder, in denen stets mehr oder weniger die gleichen Teams im Europacup spielen, deren Ligen aber aus noch wesentlich mehr, eher unbekannten Mannschaften bestehen. Oder hast du schon einmal vom FK Zlatibor Cajetina gehört? Vom SFC Opava oder vom AC Horsens?
325 Klubs? Vielleicht hast du bei der ungeraden Anzahl auch gestutzt. Sie kommt daher, weil die türkische Süper Lig in dieser Saison coronabedingt ausnahmsweise aus 21 Teams besteht. Bemerkenswert: Fast jedes dritte dieser 325 Wappen enthält ein Tier.
Die Auflösung folgt etwas weiter unten. Wenden wir uns zunächst einigen Exoten zu:
Der FC Crotone in Kalabrien liegt am Meer. Während dort tatsächlich Haie vorkommen, ist es bei Olympique Nîmes nicht so, dass das Wappentier in der Umgebung frei lebt: Der Klub setzt auf ein Krokodil. Seit 1535 kommt es im Stadtwappen von Nîmes vor, nachdem eine alte Münze mit dem Sujet gefunden wurde.
Derweil versucht der schottische FC Kilmarnock, die Gegnern mit herzigen Eichhörnchen einzulullen. Dijon enttäuscht, indem es statt einer Senftube eine Eule im Wappen hat. Die berühmteren «Owls» sind allerdings jene von Sheffield Wednesday, das seit Jahren vergeblich versucht, in die Premier League zurückzukehren.
Schön ist die Anekdote, wie die Bohemians aus Prag zu ihrem Namen und ihrem Wappen kamen. 1927 unternahm der Klub, der AFK Vrsovice hiess, eine Tournee mit Spielen in Australien. Angekündigt wurde das Team dort schlicht als «Bohemians», also als das Team aus Böhmen, einer Region der damaligen Tschechoslowakei. Tournee und Name gefielen dem Klub so sehr, dass er sich umbenannte. Und weil er auf der Reise ein Kängurupaar geschenkt erhielt, kam das australische Nationaltier gleich aufs Wappen.
Und wer kommt nun häufiger vor: Adler oder Löwe? Das Rennen geht mit einem knappen 25:23-Sieg an den Löwen. Die einzigen Super-League-Teams mit einem Tier im Wappen helfen dabei: der FC Zürich und der FC Luzern.
Zwei Klubs konnten sich im Duell zwischen diesen Königen der Tierwelt nicht entscheiden. Der SC Freiburg und Genoa CFC haben einen Greif im Wappen – ein Fabeltier, das eine Mischung aus Löwe und Adler ist. Eine Besonderheit hat auch der FK Chimki zu bieten: Die Russen haben einen Zentaur im Wappen, ein Mischwesen aus Mensch und Pferd in der griechischen Mythologie.
In drei Ländern kräht ein Hahn im Klubwappen: In Portugal (Gil Vicente), in der Türkei (Denizlispor) und in England (Tottenham Hotspur). Die Spurs sind der berühmteste der drei Klubs – aber haben sie auch das schönste Wappen?
Erwähnung muss unbedingt auch der FC Burnley finden, der beinahe als kleiner Zoo daher kommt. Basierend auf dem Stadtwappen findet man im Klubwappen einen Storch, einen Löwen und zwei Bienen. Auch Newcastle United (Seepferdchen, Löwe) und der schottische Klub St.Johnstone (Doppeladler, Lamm Gottes) besitzen mehr als ein Wappentier.
Auch die Familie der Marder ist vertreten. Stade Rennes, der FC Nantes und Stade Brest ehren den Hermelin – letztere beiden mit dessen heraldischer Darstellung, die ein bisschen aussieht wie ein Kreuz mit dickem Bauch. Und auch der NK Osijek hat einen Marder im Wappen, so wie er im Wappen der kroatischen Region Slawonien vorkommt.
In jedem zwölften der angeschauten Wappen finden wir ein Bauwerk. Zumeist handelt es sich um Kirchen, Burgen und Schlösser. Doch es findet sich auch anderes.
Ein rauchendes Stahlwerk im Wappen? Das traut sich nicht jeder. Die Stadt Motherwell erhielt einst den Spitznamen «Steelopolis», ehe die Industrie in den 80er- und 90er-Jahren verschwand. Heute hat die Stadt eine der höchsten Arbeitslosenquoten in Schottland.
Bröndbys Klubwappen entspricht mehr oder weniger demjenigen der Kommune Bröndby, einem Vorort Kopenhagens. Im Logo von Slovan sieht man den rund 100 Meter hohen Fernsehturm Jested auf dem gleichnamigen Berg bei Liberec, er ist das Wahrzeichen der Region.
In 84 der 325 Wappen ist ein Fussball. Sehr beliebt sind auch Sterne – in 41 Wappen glänzt mindestens einer. Die Sterne gehören einerseits schon immer zum Logo, andererseits durften sie für eine bestimmte Anzahl Meistertitel hinzugefügt werden.
Und es gibt sechs Klubs, die sowohl Ball wie Stern im Wappen haben: ZSKA Moskau, Spartak Moskau, Red Bull Salzburg, Worskla Poltawa (Ukraine), Genclerbirligi (Türkei) und HNK Gorica (Kroatien).
Die Marketing-Abteilung des österreichischen Energydrinks hat einmal mehr ganze Arbeit geleistet. Nicht nur wurden sowohl Fussball wie Stern verwendet, das Logo hat auch die meistverwendete Form und dazu besitzt das Wappen, dem Sponsor sei Dank, ein Tier.
Wie du bei den bislang gezeigten Wappen gesehen hast, dominieren zwei Formen: Solche, die auf einem Schild basieren (160 Mal) und runde (90 Mal).
Damit fällt man also weniger auf als mit einer seltenen Form. Betis Sevilla hat ein Dreieck mit Krone, LOSC Lille ein Fünfeck, die Wolverhampton Wanderers ein Sechseck und der FC Luzern gar ein Achteck.
So langsam kommen wir zu den wahren Stars: Jenen Wappen, die ziemlich einzigartig sind.
Meine Auswahl, beginnend oben links: Hertha BSC, Celta Vigo, Fortuna Sittard (Niederlande), AZ Alkmaar (Niederlande) FC Tambov (Russland), Vejle BK (Dänemark), NK Varazdin (Kroatien), Real Sociedad und Zulte Waregem (Belgien).
Den Regenbogen verdankt Zulte Waregem übrigens nicht einem besonders LGBT-freundlichen Vorstand. Der Klub spielt im Regenboogstadion, das nach dem Weltmeistertrikot der Velorennfahrer benannt ist. 1957 war das Stadion anlässlich der Rad-WM eingeweiht worden. Die grünen und roten Ovale symbolisieren Dynamik und dass der Klub stets in Bewegung ist.
Das Logo von Tambov oben – ein stilisierter Wolf und der Buchstabe T – ist Klasse. Doch es geht noch minimalistischer, nämlich mit Wappen, die bloss aus Buchstaben, Ziffern, Farben und geometrischen Formen bestehen.
Diese Klubs kennt nicht jeder, von oben links: Aalborg (Dänemark), Kolos Kowaliwka (Ukraine), Vaduz (Liechtenstein), AEL Limassol (Zypern), KRC Genk (Belgien), Dinamo Zagreb (Kroatien), OFI Kreta (Griechenland), Ankaragücü (Türkei), CD Tondela (Portugal), Ruch Lwiw (Ukraine), Lausanne-Sport, FK Oleksandrija (Ukraine).
Eine Krone oder eine Rose sind häufige Gäste auf Wappen von Fussballklubs. Der FC Getafe hingegen hat Flugzeuge im Wappen – weil dieses im Wesentlichen dem Stadtwappen entspricht. Und dieses enthält Flugzeuge, weil sich in Getafe eine Luftwaffenbasis und Airbus-Werke befinden. Die Klingen im Wappen von Sheffield United sind deshalb dort, weil die Stadt einst berühmt für ihre Besteck- und Messerhersteller waren. Daher auch der Spitzname «The Blades».
Benevento präsentiert eine Hexe, da die Stadt aufgrund heidnischer Riten der Langobarden als «Stadt der Hexen» bekannt ist, die Spieler werden deshalb «Zauberer» genannt. Liga-Konkurrent Sampdoria aus der Hafenstadt Genua zeigt die Umrisse von Baciccia, einem Pfeife rauchenden Seemann.
Der RC Lens hat eine Grubenlampe im Wappen, schliesslich wurde er als Klub der Bergarbeiter gegründet. Vitoria Guimarães inszeniert einen Tempelritter, beim SC Heerenveen gilt vermeintlich: Herz ist Trumpf. Eben nicht! Was aussieht wie Herzen, sind die Seerosen der Flagge der Provinz Friesland. Sparta Rotterdam hat sich derweil das Clipart eines Fussballers organisiert.
Etwas einfallen lassen hat sich der FC Aberdeen (Schottland). Dessen «A» ist ein von der Seite betrachtetes Fussballtor. Beim FK Mariupol (Ukraine) kommt man dank Möwe und Anker auch als Unwissender darauf, dass die Stadt am Wasser liegt. Yeni Malatyaspor (Türkei) nahm die für die Region berühmten Aprikosen ins Logo auf – und der griechische Erstligist Panetolikos niemand Geringeres als Titormus, der als stärkster Mensch gilt, der je gelebt hat. Er war so kräftig, dass er selbst Milon von Kroton besiegte.
Hier geht es nicht um deinen Lieblingsklub. Sicher kannst du über der Sache stehen, falls es einen anderen Klub gibt, dessen Wappen dir noch besser gefällt als das eigene. Oder eines, das für dich zumindest in der gleichen Liga spielt. Zeige es uns im Kommentarfeld!
Ich mache den Anfang mit ADO Den Haag. Weder zur Stadt noch zum (nicht so erfolgreichen) Verein habe ich einen Bezug, aber seit ich das Wappen gesehen habe, mag ich es. So einfach ist das manchmal.