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Die vielen Details in den Vorlesungen. Diese langweiligen Kurven kann ich fast nicht mehr anschauen. Tönt super interessant, diese Studie. Wie aufwendig sind das Sammeln der Daten und das Schreiben der Masterarbeit. Bald kommt noch die mühsame, aber interessante Dissertation. Vielleicht sind das gerade Gedanken, die bei Dir herumschwirren.
Nach dem ich 3 Jahre studiert habe, war ich zunehmend herausgefordert mit Fragen: Wieso gibt es Krankheit, wieso gibt es Tod? Was soll ich einem Patienten sagen, wenn er mir diese Frage stellt? Wie gehe ich mit einem Patienten um, der in einer Notsituation oder in einer Krise ist? Wie höre ich den Angehörigen zu, wenn ein Patient gestorben ist? Geben mir die Vorlesungen und Studien Antwort darauf? Ich nahm die Flucht und setzte für 1 Jahr aus. Ich untersuchte verschiedene Philosophien und versuchte diverse Praktiken. Das Jahr war schnell zu Ende, aber eine Antwort habe ich nicht gefunden….
Liegt die Lösung in der Naturwissenschaft?
Wenn ich die Naturwissenschaft definieren würde, würde ich sagen, sie setzt sich mit dem sicht- und messbaren auseinander. Die entsprechenden Versuche müssen wiederholt werden können. Die gleichen Versuche müssen durch andere reproduziert werden können.
Die Naturwissenschaft setzt sich nicht mit dem nicht messbaren und mit der Sinnfrage auseinander. Theologie und Philosophie haben solche Fragen und Ansätze, aber nicht die Naturwissenschaft. Will ich aber Sinn finden oder suche ich nach Gott, der nicht messbar ist, dann muss ich die Naturwissenschaft verlassen.
Die Medizin behandelt Menschen, ist alles messbar?
Konfrontiert mit dem Menschen stellt sich sofort die Frage, wer ist der Mensch. Ist der Mensch eine hundertprozentige Maschine, dessen Handlungen nach genau messbaren Wegen erfolgen? Dies kann eine mögliche Annahme sein (Determinismus). Aber schon nur diese Annahme ist eine nicht messbare Aussage. Die Reflexion einer Maschine über sich selbst ist nicht möglich, es sei denn es gibt mehr als das mess- und sichtbare.
Wenn ich somit ganzheitlich dem Menschen begegnen will, muss ich ihm als Gegenüber erscheinen, das mehr ist als eine Maschine, das reflektiert, Gefühle hat und mit recht grosser Autonomie entscheidet. Will ich dem anderen Menschen Sinn weitervermitteln, muss ich in die nicht messbare Welt eintauchen; könnte das Studieren der Bibel so etwas sein, das Suchen nach Gott? Der Mensch, wunderbar geschaffen und voller Kreativität und andererseits doch so oft sehr brutal in der Umsetzung, ist auf der Suche nach Sinn, schlussendlich nach Gott?
Kann der Schuster was sagen oder soll er bei seinen Leisten bleiben?
Wenn ich das obengenannte weiss, kann ich weiter naturwissenschaftlich arbeiten, aber dem Patienten kann ich damit nicht Sinn stiften. Natürlich trete ich vor den Patienten als ganzer Mensch und kann über meine Erfahrungen mit Gott berichten, muss aber auch akzeptieren, dass im Spitalalltag es nicht viele solche Möglichkeiten gibt. Viel eher in meiner eigenen Arztpraxis.
Aber der Schuster kann mal über etwas anderes sprechen, insbesondere wenn das ein persönlicher Bereich in seinem Leben betrifft und für ihn wichtig ist.
Was mache ich mit den vielen manchmal langweiligen Vorlesungen
Mir werden vor allem eine Ansammlung von Studien- und Versuchsresultate geordnet mitgeteilt. Zeitweise werden Interpretationen von Büchern übernommen, aber ob diese noch richtig sind ist nicht immer klar. Sinnstiftend können diese nicht sein, da sich die Naturwissenschaft nicht damit auseinandersetzt. Schwierig wird es, wenn ich Bewertungen und Anschauungen mitgeteilt bekomme, die nicht aus den Fakten geschlossen werden können.
Die Naturwissenschaft hat seine Begrenzungen. Will ich dem Patienten Sinn und Trost vermitteln, muss ich Dinge nehmen, die ausserhalb der Naturwissenschaft stehen.
Wie begegne ich dann dem Menschen als Ganzen, d.h. ganzheitlich?
Als ich nach der einjährigen Pause wieder in das Medizinstudium eintrat, hat zunehmend mein Bruder mich mit Aussagen aus der Bibel bombardiert. Am Anfang hat mich dies gestört. Ich habe jedoch immer mehr gesehen, dass ich plötzlich Antworten auf all die Fragen, die ich vorher gestellt habe, erhielt und alles plötzlich Sinn machte. Gott schuf Himmel und Erde einschliesslich den Menschen und es war alles gut. Sobald der Mensch seinen eigenen Weg ging, entstand Unfriede, Sinnlosigkeit und schlussendlich Krankheit und Tod. Jesus Christus hat am Kreuz alles wiederhergestellt und in seiner Auferstehung wieder neue Hoffnung geschenkt. Diese Hoffnung gilt auch dem Patienten, welchen wir helfen wollen.
Was für eine großartige und ganzheitliche Sicht! Als Naturwissenschaftler kann ich die Grenzen der Naturwissenschaft sprengen und dem Patienten ganzheitlich begegnen. So finde ich in den Naturwissenschaftliche Vorlesungen wieder Sinn. Beim Patienten später kann ich das eine Tun und das andere nicht lassen, vielleicht in einem speziellen Moment sogar mit ihm beten.
Hast Du als Christ Fragen, die Dich auf dem Weg zum Arztberuf beschäftigen? Hast Du ein Kommentar zum oben geschriebenen? Teile diese im untenstehenden Kommentarfeld mit, so dass wir in Dialog miteinander treten können!
(2. Folge von «Sind Medizin und Glaube zwei Welten?»; vorherige Folge)