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MAFI Collective
Chile, 60 min
Première Internationale
Demonstranten ziehen vorbei, im Vordergrund weht ein Wahlplakat mit dem Gesicht von Präsidentschaftskandidatin Michelle Bachelet, das sorgfältig ausgeschnitten wurde und in einer leichten Brise flattert. Ein bedeutsames Bild – wenige Minuten später gefolgt von der «Making up»-Sitzung von Franco Parisi vor seinem Fernsehauftritt – des chilenischen Wahlkampfs im Herbst 2013, den ein Filmemacherkollektiv filmen wollte, vor dem Hintergrund der wichtigsten sozialen Bewegung in dem Land seit 25 Jahren. Propaganda macht aus der festen Einstellung eine Tugend, eine filmische Antwort auf die falschen Bewegungen der fünf Kandidaten in einem immerwährenden Kampf um die Gunst der Wähler. Während der Tag der Entscheidung näher rückt, virtualisiert sich der Körper der Politiker immer mehr. Er ist nur noch eine von unzähligen Bildschirmen zurückgeworfene Spiegelung. Man muss zwangsläufig an die berühmte Prophezeiung der «Glühwürmchen» von Pasolini denken, der 1975 über die Christdemokraten schrieb: «Mit ihren automatisierten Vorgehensweisen und ihrem Lächeln (...) sind sie Grabmasken. Würde man sie abnehmen, so würde man nicht einmal einen Haufen Knochen oder Asche vorfinden: da wäre nichts ausser Leere».
Emmanuel Chicon