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Welche Bedeutung und welchen Einfluss haben multinationale Unternehmensgruppen für die Schweizer Wirtschaft? In welchen Branchen sind sie tätig? Wer kontrolliert sie? Welcher Anteil ihrer Einnahmen bleibt in der Schweiz? All diese Fragen tauchen im Rahmen politischer Debatten zu multinationalen Unternehmensgruppen wiederholt auf. Das Bundesamt für Statistik (BFS) liefert dazu in seinen Publikationen faktenbasierte, aber teilweise noch lückenhafte statistische Informationen. Um für künftige Diskussionen zuverlässige und aussagekräftige Datengrundlagen bereitstellen zu können und gleichzeitig die Befragten möglichst zu entlasten, muss das BFS mehrere Herausforderungen meistern, die nur über eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Multinationalen zu bewältigen sind.
Bedeutung der multinationalen Unternehmensgruppen für die Schweizer Wirtschaft
Die Aktivitäten und Geschäftsmodelle der multinationalen Unternehmensgruppen haben grosse Auswirkungen auf die Produktion, den Aussenhandel, die Direktinvestitionen, die Innovation, die Beschäftigung und die Konjunkturentwicklung der Schweiz. Seit einigen Jahren ist es möglich, dank der Statistik der Unternehmensgruppen (STAGRE) die Auswirkungen der rund 20 000 Multinationalen in der Schweiz auf die Beschäftigung, den Umsatz und den Warenaussenhandel zu beziffern. Die Ergebnisse sind höchst aufschlussreich: Obwohl die in- und ausländischen Multinationalen im Jahr 2021 lediglich 3,2% der Unternehmen des Businesssektors ausmachten, steuerten sie 32,4% zur Beschäftigung, 87,0% zum Umsatz, 85,6% zu den Warenimporten und 92,0% zu den Warenexporten dieses Sektors bei. Ein Grossteil dieser Beiträge stammen von einer begrenzten Anzahl multinationaler Unternehmensgruppen. Es ist daher nicht überraschend, dass die 61 Mitglieder von SwissHoldings (SH) eine bedeutende wirtschaftliche Rolle spielen, wie die folgende Grafik zeigt:
2021 trugen sie 16,6% zum Umsatz, 16,4% zu den Warenimporten und 30,5% zu den Warenexporten im Businesssektor bei. In der Pharma- und der Lebensmittelindustrie erwirtschafteten die SH-Mitglieder sogar mehr als 50 % des Umsatzes aller in der Schweiz tätigen multinationalen Unternehmensgruppen. Die meisten SH-Mitglieder sind inländisch kontrollierte Multinationale mit einer in der Schweiz durchschnittlich viel grösseren und komplexeren Struktur als die anderen Multinationalen. Die Bedeutung der Schweizer SH-Mitglieder im Verhältnis zu allen Schweizer Multinationalen ist in der folgenden Grafik dargestellt:
Zur Erfassung des Rohstoffsektors hat das BFS vor Kurzem zusammen mit weiteren Stellen der Bundesverwaltung und der Schweizerischen Nationalbank eine Statistik der Rohstoffhändler erarbeitet. Mit rund 900 Rohstoffhändlern, die knapp 10 000 Personen beschäftigen, hat sich die Schweiz als wichtiger Handelsplatz etabliert. Die multinationalen Unternehmensgruppen, insbesondere die ausländisch kontrollierten, tragen in der Rohstoffbranche wesentlich zur Beschäftigung bei. Mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze dieses Sektors ist in ausländischen Multinationalen angesiedelt.
Es braucht eine engere Zusammenarbeit zwischen den Multinationalen und dem BFS
Das «Profiling» grosser, komplexer multinationaler Unternehmen ist eine statistische Aufgabe, die in Zukunft noch stärker ausgebaut werden muss. Dabei geht es darum, die Geschäftsmodelle multinationaler Unternehmensgruppen zu verstehen und sie in nützliche Strukturen zur Datenerfassung zu übersetzen. Das «Profiling» setzt den direkten Kontakt zwischen den Multinationalen und dem BFS voraus und kommt allen zugute, da Beobachtungseinheiten definiert werden können, die die Bedürfnisse mehrerer statistischer Erhebungen erfüllen und für die die Unternehmen zu angemessenen Kosten Daten liefern können. Wenn das «Profiling» dazu führt, dass die Multinationalen weniger Fragebogen erhalten oder Lösungen zur automatisierten Datenlieferung eingeführt werden, kann der Aufwand der Unternehmen weiter gesenkt werden. Das BFS verfügt seinerseits schneller über qualitativ hochwertige Daten und kann strukturelle oder betriebliche Änderungen bei den multinationalen Unternehmensgruppen besser nachvollziehen.
Die Bedeutung und Komplexität der Multinationalen veranlassen das BFS, die auf die Datenerhebungen folgenden Statistikproduktionsprozesse zu überdenken. Die Daten der multinationalen Unternehmensgruppen, die von mehreren Kontakten innerhalb dieser Gruppen gesendet werden, fliessen in eine Vielzahl von Basisstatistiken ein. Infolgedessen besteht die Gefahr, dass nicht vollständig kohärente Daten erhoben werden, die letztendlich die Qualität der makroökonomischen Statistiken, insbesondere die Berechnung des Bruttoinlandprodukts (BIP), beeinträchtigen. Mit anderen Worten: Wenn den Daten der multinationalen Unternehmensgruppen nicht besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, könnte die Messung der Wirtschaftsleistung an Qualität einbüssen. Eine Lösung für dieses Problem ist die Einrichtung einer «Large Cases Unit (LCU)». Eine LCU ist ein Team aus Fachpersonen in einem nationalen Statistikamt, dessen Hauptaufgabe darin besteht, kohärente Mikrodaten zu den wichtigsten und komplexesten Unternehmensgruppen für eine bestimmte Anzahl Statistiken zu liefern. Im Falle von Unstimmigkeiten bei den Daten kann die LCU mit dem betroffenen multinationalen Unternehmensgruppen Kontakt aufnehmen, um die vorgenommenen Korrekturen zu überprüfen und, falls keine Lösung gefunden wird, die Ursachen zu besprechen und die künftigen Datenlieferungen anzupassen. Eine prospektive Analyse hat ergeben, dass sich die LCU lediglich rund 150 der 20 000 in der Schweiz tätigen Multinationalen annehmen müsste, um die Qualität der öffentlichen Wirtschaftsstatistiken erheblich zu verbessern.
Ausweitung des statistischen Angebots zum Thema Globalisierung der Wirtschaft
Das BFS plant, das statistische Angebot zur Globalisierung auszubauen. Im Bereich der multinationalen Unternehmen wird hierzu die STAGRE erweitert, um zusätzliche Variablen wie die Wertschöpfung oder die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung zu produzieren. Anhand der Zahlen zur Wertschöpfung wird es möglich sein, den Beitrag der inländischen und ausländischen Multinationalen zum Schweizer BIP zu bestimmen. Um die Globalisierung der Wirtschaft mit all ihren Aspekten zu erfassen, wird auf einer Seite des BFS-Portals zudem ein Indikatorenset zur Verfügung gestellt. Dieses deckt neben den multinationalen Unternehmensgruppen auch Themen wie Aussenhandel, Direktinvestitionen und «Global Value Chains» ab und soll fortlaufend mit weiteren Variablen ergänzt werden.