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Lehrstress reduzieren durch gezielten Kompetenzaufbau
Für viele Dozierende mit noch nicht viel Lehrerfahrung bedeutet Lehre trotz guter inhaltlicher und didaktischer Vorbereitung grossen Stress. Was können Sie als "Newcomer in der Lehre" tun, um möglichst schnell möglichst gelassen in Ihre Lehrveranstaltungen zu gehen? Sie können Sozial- und Selbstkompetenzen aufbauen, z.B.:
Fachliche Kommunikationsfähigkeiten
Sie benötigen die Fähigkeit, klar strukturiert, bildhaft und in Vergleichen zu sprechen sowie Komplexes verständlich erklären zu können.
Sammeln Sie hierfür Beispiele, Geschichten und Vergleiche für Ihre Themen. Üben Sie, in überschaubaren Sätzen mit vielen Gliederungen und logischen Begriffen zu sprechen. Erklären Sie die Veranstaltungsinhalte interessierten, aber fachfremden Personen (und fragen Sie sie anschliessend, ob sie sie verstanden haben!).
Umgang mit anspruchsvollen Situationen und Menschen
Sie benötigen die Fähigkeit, mit Kritik (auch unsachlicher), sozial anspruchsvollen Personen, Störungen und Unstimmigkeiten umzugehen.
Überlegen Sie, was in Ihrer Lehrveranstaltung alles geschehen könnte (vom ausfallenden Beamer über Konflikte unter Studierenden bis zu Kritik an Ihrer Person) und überlegen Sie sich Strategien, wie Sie damit umgehen könnten. Tauschen Sie sich mit anderen Lehrpersonen aus, was diese bereits in der Lehre erlebt haben und was sich in diesen Situationen bewährt hat. Gewöhnen Sie sich an, den Studierenden Mitverantwortung zu übergeben, wenn diese die Lehre stören, sich streiten oder etwas kritisieren ("Welche Lösung schlagen Sie vor?").
Motivation und Feedback
Um Lernerfolge zu ermöglichen, müssen Sie Studierende motivieren und ihnen Rückmeldungen geben.
Überlegen Sie, wie Sie die Studierenden zur Arbeit motivieren können (Alltagsbezug, Nutzen des zu Lernenden im späteren Berufsalltag, herausfordernde Arbeitsaufträge geben wie z.B. alltagsnahe Problemstellungen). Gewöhnen Sie sich an, konstruktives Feedback zu geben (Würdigung des Geleisteten und konkrete Verbesserungsvorschläge).
Empathie
Sie müssen sich in die Studierenden hineinversetzen können, um ihnen beim Lernen zu helfen.
Beobachten Sie Ihre Studierenden genau und achten Sie auf Signale von Unverständnis oder Frustration. Fragen Sie die Studierenden, was sie noch nicht verstanden haben und was ihnen beim Lernen helfen würde. Erinnern Sie sich an Ihre Studienzeit und daran, was Ihnen selber schwergefallen ist.
Führungskompetenz
Sie sind die Lehrperson, d.h. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Lehrveranstaltung ihren Zweck erfüllt. Sie sind aber auch dafür verantwortlich, dass Studierende lernen, selbstverantwortlich zu lernen und zu handeln.
Überlegen Sie, wann in der Lehrveranstaltung Sie eine klare Führungsfunktion haben müssen und wann Sie den Studierenden Verantwortung übergeben, selber etwas zu erarbeiten bzw. zu steuern.
Nähe- und Distanzfähigkeit
Sie müssen mit den Studierenden auf Augenhöhe arbeiten können, aber auch eine klare Autoritätsperson sein.
Überlegen Sie, welche Regeln Sie diskussionslos setzen und wie Sie den nötigen Abstand zu den Studierenden halten (z.B. durch "Siezen"), und wann Sie bereit sind, mit den Studierenden zu verhandeln (z.B. über den Umfang von Arbeitsaufträgen).
Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen
"Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch ’nen zweiten Plan - gehn tun sie beide nicht." (Brecht, "Von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens"). Bekümmern Sie sich nicht, wenn Ihre Unterrichtspläne nicht so umsetzbar sind wie Sie gedacht hatten. Es geht darum, dass die Studierenden lernen, nicht, dass Sie Ihren Plan umsetzen. Und selbst wenn einmal etwas schiefgeht – sehen Sie es positiv: Sie haben gerade eine Möglichkeit entdeckt, wie Lehren nicht so gut funktioniert. Überlegen Sie dann, wie Sie es beim nächsten Mal anders machen können.
Literatur:
Webler, W.-D. (2004): Lehrkompetenz – über eine komplexe Kombination aus Wissen, Ethik, Handlungsfähigkeit und Praxisentwicklung. Bielefeld: Universitäts Verlag Webler.
Döring, K. W. (2008): Handbuch Lehren und Trainieren in der Weiterbildung. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.