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Valery Gergiev
Biografie, Biographie, Geschichte
Chefdirigent, Generaldirektor und künstlerischer Leiter
im
Mariinsky Theater St. Petersburg (Kirov Oper, Orchester, Chor & Ballet) CDs von Valery Gergiev bei Amazon.de
Hinzugefügt am 25. Mai 2005: Valery Gergiev
wird auf Januar 2007 neuer Chefdirigent des London Symphony Orchestra, einem
der zehn weltweit führenden Orchester.
Artikel vom September 2000
Valery Gergiev wurde
1953 in Moskau geboren und verbrachte seine Jugend im Kaukasus. Für eine
russische Karriere eher spät lernte er das Klavierspiel. Nach dem Studien des
Dirigierens bei Ilya Musin am Leningrader Konservatorium errang Valery Gergiev
erste Erfolge. 1976 gewann er den gesamtrussischen Dirigentenwettbewerbs in
Moskau. Im Jahr darauf siegte er im Herbert-von Karajan-Wettbwerb in Berlin.
1977, mit 24 Jahren, wurde Gergiev zum Assistenz-Dirigenten von Yuri
Temirkanov an der Kirov Oper ernannt. Von 1981 bis 1985 leitete er das
Armenische Staatsorchester. 1988 wurde Gergiev Chefdirigent und
künstlerischer Leiter der im
Herzen von St. Petersburg gelegenen Kirov Oper.
Seit 1996 amtet er zusätzlich als Generaldirektor
des Mariinsky Theaters/Kirov Oper. Er entscheidet zudem über die Besetzung von
Sängerinnen und Sängern, wobei er mehr von der italienischen als von der
russischen Gesangsschule geprägt ist und ein rundes Timbre und einen weichen
Klang der slawischen Schärfe vorzieht.
1989 errang Gergiev einen
ersten internationalen Erfolg mit seinem Auftritt am
Schleswig-Holstein-Musikfestival. Während dem die Moskauer Klassikszene in
der postkommunistischen Ära dem Verfall ausgesetzt war, führte Gergiev das
Mariinsky Theater, das regelmässig auf Tournee rund um die Welt geht, an die
Spitze der Opernhäuser der Welt heran. Gergievs Einspielungen auf Platte ist
viel Erfolg beschieden. Sie haben ihn und die St. Petersburger Institution
international bekannt gemacht. Auch Fernsehproduktionen gehören dazu. 1989
übernahm Gergiev die Funktion als erster Gastdirigent des Rotterdamer
Philharmonischen Orchesters und wurde 1995 dessen Chefdirigent. Seit 1997 ist
er erster Gastdirigent der Metropolitan Opera in New York. Gergiev ist Träger
vieler nationaler und internationaler Preise. Dazu gehört der in der Londoner
Royal Albert Hall 1993 gewonnene Classic Music Award als Dirigent. Gergiev ist
Gründer zahlreicher Festivals. 1993 hob er die St. Petersburger Weissen
Nächte aus der Taufe, 1994 ein internationales Festival in Finnland. Seit
Herbst 1996 leitet er das Rotterdam Festival.
Das Mariinsky Theater
wurde 1860 gegründet. Seine "goldene Zeit" erlebte es mit der
Ernennung des Tschechen Eduard Napravnik, der 1863 als Assistenz-Dirigent die
Institution betrat und sie, von 1869 an als Chefdirigent, über ein halbes
Jahrhundert lang prägte. Verdis La forza del destino erlebte hier, in
Anwesenheit des Komponisten, seine Weltpremiere. Russische Opern wie Boris
Godunov (1874) und Prinz Igor (1890) wurden hier ebenso wie das
Ballet Schwanensee uraufgeführt. Teile aus Wagners Ring und Tristan
wurden im Mariinsky Theater gezeigt, ehe sie in Bayreuth zu hören waren. Tschaikowsky, Rachmaninov, Berlioz, Schönberg und Mahler haben im Mariinsky
Theater ihre symphonischen Werke präsentiert. Alexander von Zemlinksy, Bruno
Walter, Erich Kleiber und Otto Klemperer, um nur einige zu nennen, haben hier
dirigiert.
Viel Zeit widmet der Valery
Gergiev
den Werken von Prokofjew und Schostakowisch, die wie die besser akzeptierten
Strawinsky und Tschaikowsky aus St. Petersburg stammten. Prokofjew
(1891-1953),
der bei Rimsky-Korssakoff studiert hatte, verliess seine Heimat in den Jahren
von Krieg und Revolution. Über Japan reiste er in die USA, kehrte aber 1936
in den Jahren von Stalins Terror in die Sowjetunion zurück, nicht zuletzt
wohl in der Hoffnung, dass er dort, nicht wie in Paris, wo er zumeist als
Pianist arbeiten musste und deshalb unglücklich war, als Komponist arbeiten
könnte. Und zwar als der Komponist, und nicht als einer unter vielen
wie im Westen. Der unpolitische Prokofjew war sehr naiv oder ignorant und musste in
der Folge Kompromisse eingehen und der Sowjetunion durch seine Musik dienen.
Dazu gehört eine Geburtstagshymne an Stalin. Trotzdem wurde er 1948 beim
Kongress des Komponistenverbandes beschuldigt, er hätte den Kontakt zum
sowjetischen Volk verloren. Der darauf unvorbereitete Prokofjew
hatte geglaubt, er werde gelobt werden. Allerdings erhielt er noch vor dem Tod
des Diktators im Jahr 1953 die Stalin-Medaille verliehen. Prokofjews
Leben wurde nach Aussagen von Zeitzeugen dennoch durch diese Anschuldigungen
verkürzt, da er gesundheitlich darunter litt. Der Komponist hinterliess ein
Erbe von 131 Werken.
Gergiev hält Sergei Prokofjew
für den am meisten vernachlässigten Komponisten. An dessen 100. Geburtstag
im Jahr 1991 setzte er ihm mit einem Prokofjew-Festival ein Denkmal.
In den 1990er Jahren hat Gergiev damit begonnen, seine Opern auf CD
einzuspielen. Dazu gehört Krieg
und Frieden. Die Oper wurde 1993 über Satellit von der BBC für ein
westliches Millionenpublikum live übertragen. Zu den fünf der insgesamt acht
Opern Prokofjews, die Gergiev bereits eingespielt hat, gehören auch Der
feurige Engel, Die Verlobung im Kloster, Der
Spiegel und
Semyon
Kotko.
Nach einer kurzen Reise in
die USA komponierte Prokofjew 1939 die Oper Semyon
Kotko. Sie basiert auf Valentin Katajews (1897-1987) Novelle Ich bin ein Sohn
des arbeitenden Volkes. Schon allein der Titel weist auf die damit
verbundene sozialistische Propaganda hin. Die Oper wurde am 23. Juni 1940 in
Moskau uraufgeführt. Sie spielt in der Ukraine des
Jahres 1918. Der aus dem Krieg heimkehrende Semyon Kotko erzählt seinen
Freunden im Dorf von der Revolution und wirbt um seine Geliebte Sonja, wird
aber von deren Vater zurückgewiesen. Als deutsche Truppen das Dorf angreifen,
übergibt ihnen Sonjas Vater eine Liste mit den Namen der mit der
Sowjetrevolution sympathisierenden. Kotko wird zum Tode verteilt, jedoch in
letzter Minute gerettet. Der Heirat mit Sonja stünde nun nichts mehr im Wege,
doch der Revolutionsführer überzeugt die zwei Liebenden, zuerst dem
Vaterland zu dienen und die Heimat von den Feinden zu befreien. Für Semyon
Kotko studierte Prokofjew Volkslieder der ukrainischen Bauern. Er
übernahm ihre eigentümlichen Intonationen in seine Melodien. Mit
musikalischen Mittel sowie mit Hilfe der Satire kennzeichnet er die
verschiedenen Gesellschaftsklassen. Von der sowjetischen Zwangskollektivierung
der Ukraine und der darauffolgenden Hungersnot, der über 10 Millionen
Menschen zum Opfer fielen, ist in der Oper natürlich nichts zu hören. Vier Jahre
später komponierte Prokofjew eine symphonische Suite in acht Sätzen, die den
gleichen Namen wie die Oper trägt und für die er Themen aus Semyon Kotko
heranzog.
Die Neuproduktion von Gergiev
wurde 1999 im Rahmen der St. Petersburger Weissen Nächte aufgeführt. Später
errang sie im grossen Saal des Wiener Konzerthauses einen überzeugenden
Erfolg,
wiederum unter der Leitung von Gergiev und mit dem Orchester und den Sängern
der Mariinsky Oper/Kirov Chor und Orchester. CD bestellen bei Amazon.de.
Von Valery Gergiev erschien
ebenfalls vor kurzem, in einer russisch-französischen Koproduktion, eine 1999
aufgenommene CD mit dem Klavierkonzert in a-moll op. 16 von Edvard Grieg und
dem Klavierkonzert Nr. 2 in f-moll op. 21 von Frédéric Chopin. Am Klavier
ist der französische Pianist Jean-Yves Thibaudet.
Er wird von den Rotterdamer Philharmoniker begleitet. Lobenswert ist das Spiel
von Thibaudet, der sowohl im Finale des Konzertes von Grieg mit seinem
feurigen Spiel wie auch in den ruhigen Passagen überzeugt. Das Orchester
unter der Leitung von Gergiev dagegen leistet sich, bei aller Expressivität,
einige Peinlichkeiten. CD: Decca 467 093-2.
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Valery Gergiev. Foto Copyright Marco Borggreve / Decca. - Music by Valery
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Prokofieff: Semyon Kotko.
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Tschaikowsky:
Sinfonie Nr. 5.
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