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Jiří Kantor / Jana Weber
Wurzeln, Entwicklung und Gegenwart
Die Tschechische Republik (ČR) wird welt weit beachtet aufgrund ihrer besonderen Musikkultur und ihren hoch geschätzten Komponisten, wie z.B. Antonín Dvořák, Leoš Janáček und anderen. Musik aus Tschechien war jahrhundertelang in ganz Europa berühmt. Kaum jemand verbindet jedoch die Tschechische Republik mit Musiktherapie. Tschechien war noch bis vor kurzem in der Europäischen musiktherapeutischen Vereinigung eine Leer-Stelle und tschechische Musiktherapeuten waren außerhalb Tschechiens praktisch unbekannt. Obwohl Musiktherapie in Tschechien schon eine jahrzehntelange Tradition hat.
Was kennzeichnet jedoch die Musiktherapie in der ČR und was kann sie der Musiktherapie auf internationaler Ebene anbieten, wie kann sie die Musiktherapie-Community bereichern? Warum entwickelte sich die tschechische Musiktherapie so lange getrennt von anderen Ländern und welche Folgen für ihre Entwicklung waren damit verbunden? Fragen, auf die dieser Beitrag eine Antwort geben soll.
Historische Entwicklung
Den ersten wissenschaftlichen Bericht über Musiktherapie in der ČR verfassten in den 60er Jahren Engelsmann und Študlar (Poledňák, 1984). Zu den Institutionen, in denen Musik gezielt als Bestandteil einer therapeutischen Intervention angewendet wurde, zählten die Prager Psychiatrische Anstalt (Psychiatrická léčebna v Praze-Bohnicích), die Miloš Seeman Phoniatrische Klinik (Foniatrická klinika Miloše Seemana) und die Phoniatrische Abteilung der Logopädischen Anstalt in Prag (Foniatrické oddělení Logopedického ústavu v Praze) mit dem Vorstand František Kábele (Šimanovský, in Zeleiová,
2007).
Die ersten Jahre der tschechischen Musiktherapie werden mit dem Namen Jitka Schánilcová-Vodňanská verbunden – noch in der Zeit des kommunistischen Regimes, das seit 1948 die Tschechische Republik für 40 Jahre lang praktisch von den westeuropäischen Ländern abgeschnitten hatte. Jitka Schánilcová-Vodňanská beteiligte sich Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts an einer musiktherapeutischen Ausbildung bei Dr. Christoph Schwabe in der damaligen DDR.
Seit 1972 widmete sie sich systematisch der Musiktherapie im Psychiatrischen Krankenhaus in Prag (Protialkoholická léčebna v Praze u Apolináře) in der Behandlung von suchtkranken Patienten und später auch im Zentrum für Jugend- und Familienpflege (Středisko péče o mládež a rodinu) (Mátejová, Mašura, 1992). Im Jahr 1975 gründete sie mit Vojtěch Zappner die erste musikthera peutische Organisation mit der Bezeichnung Arbeitsgruppe für Musiktherapie (Pracovní skupina pro muzikoterapii) bei der Psychologischen Sektion der Psychiatrischen Gesellschaft der Tschechischen Ärztekammer, die auch eine musiktherapeutische Fachzeitschrift Musiktherapeutische Blätter (Muzikoterapeutické listy) veröffentlichte.
1981–1986 war Jitka Schánilcová-Vodňanská mit Kamil Kalina und Jaroslav Skála die Leiterin einer musiktherapeutischen Ausbildungsgruppe, die als eine psychotherapeutische Ausbildung akkreditiert wurde. Die meisten Musiktherapeutinnen und Interessenten befassten sich bis in die 90er Jahre
des 20. Jahrhunderts mit Psychotherapie 1. Musiktherapie wurde nur in Einzelfällen bei der Behandlung von behinderten Kindern angewendet2.
Nach dem Ende des politischen Regimesder Tschechoslowakei, 1989, kam es auch zu einem allmählichen Wandel in der Musiktherapie. Dank Josef Krček begann sich hier die anthroposophisch orientierte Musiktherapie zu entwickeln. Die Ausbildungskurse in seinemprivaten Musiktherapeutischen Institut Musica Humana wurden sogar in einigen Ländern im Ausland anerkannt. In der Folge stieg das Interesse an Musiktherapie in der Pädagogik und Sonderpädagogik,3 Einige tschechische Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten ließen sich von Musiktherapie und musiktherapeutischen Schulen außerhalb Tschechiensleiten.4 5
Unabhängig von diesen musiktherapeuti schen Richtungen, die auf dem akademischen Boden und durch Berufsvereine akzeptiert werden, entwickelte sich auch die Musiktherapie, der verschiedene esoterische Ansätze und der ethnischen Musik zugrunde lagen. Der bedeutendste Vertreter dieser praktizierenden Musiktherapeuten ist Lubomír Holzer.
In den letzten zehn Jahren kam es auch zu einigen Versuchen, eine berufsständische und wissenschaftfliche Organisation von Musiktherapeuten wieder ins Leben zu rufen. An die Tätigkeiten der nicht mehr aktiven Arbeitsgruppe für Musiktherapie (Pracovní skupina pro muzikoterapii) knüpfte im Jahr 2003 die Sektion für Musiktherapie und Dramatherapie an, z. Z. unter dem Namen Sektion Musiktherapie (Sekce muzikoterapie) der Sektion der Tschechischen Psychotherapeutischen Gesellschaft bei der Tschechischen Ärztekammer (sekce České psychoterapeutické společnosti při České lékařské společnosti). Sie wurde von Zdeněk Šimanovský gegründet. Darüber hinaus gibt es ČAMAD – die Tschechische Vereinigung für Musiktherapie und Dramatherapie (Česká asociace muzikoterapie a dramaterapie) – gegründet von Blanka Kolínová und MAUT Mährische Vereinigung von Kunsttherapie (Moravská asociace uměleckých terapií) (Hauptgründer waren Zdeněk Vilímek und Marie Břicháčková). Josef Krček war jahrelang der Vorsitzende der Sektion Musiktherapie der Tschechischen Musikgesellschaft (Sekce muzikoterapie České hudební společnosti, die sich 2007 auflöste. Obwohl ČAMAD und MAUT Mitglieder der Europäischen Musiktherapeutischen Vereinigung waren, konnteerst 2008 die Gründung der Tschechischen Musiktherapeutischen Gemeinschaft ermöglicht werden und die Diskussion innerhalb der schechischen musiktherapeutischen Gemeinschaft fortgesetzt werden. Außerdem fanden einige internationalen Konferenzen statt und die Zusammenarbeit mit ausländischen musiktherapeutischen Vereinigungen und Instituten wurde verstärkt.
Die Vielfalt der verschiedenen Richtungen und Ansätzen, die in der tschechischen Musiktherapie vorkommen, ist vergleichbar mit der Lage in anderen Ländern. Viele Musiktherapeuten wenden ihre eigenen musiktherapeutischen Methoden und Modelle an (s. u.). Dank der beruflichen Qualifikation von neu ausgebildeten Musiktherapeuten konnte eine musiktherapeutische Behandlung im Kinderkrankenhaus (Säuglingsheim) des Thomayer-Krankenhauses in Prag (Kojenecký ústav Thomayerovy nemocnice v Praze) eröffnet werden6.
Tschechische Musiktherapeutische Vereinigung
Die Tschechische Musiktherapeutische Vereinigung (Česká muzikoterapeutická asociace – CZMTA) wurde 2008 gegründet. Die Vereinigung bemüht sich, die Gesamtentwicklung der tschechischen Musiktherapie zu fördern und gesetzgebende Voraussetzungen für ihre Anerkennung im In- und Ausland zu schaffen. An ihrer Wiege standen praktizierende Musiktherapeuten, die Spezialisten im Bereich Musik, Psychologie, Psychotherapie, Medizin und Sonderpädagogik waren.7
Zunächst wurden Kontakte zur Musiktherapie außerhalb Tschechiens aufgenommen und die Vereinigung veranstaltete im Mai 2008 (Schirmherrschaft: Lehrstuhl für Sonderpädagogik der Karlsuniversität in Prag) eine internationale Konferenz. Das Thema: Music Therapy – Experience with Music und zu ihren bedeutendsten Gästen gehörten Dr. Clive Robbins und Prof. Wolfgang Mastnak. Danach wurden die Kontakte und die Zusammenarbeit mit dem Nordoff-Robbins Center for Music Therapy in den USA und in Großbritannien verstärkt.
Die CZMTA wurde 2009 Mitglied der World Federation of Music Therapy (WFMT). Es entstanden einige Forschungsprojekte im Bereich Bildung unter der Schirmherrschaft der CZMTA (»Anwendung von musiktherapeutischen Prinzipien bei der Musikbildung« – Dr. Jana Weber) und im Bereich Entwicklungspsychologie (»unterstützende« Musiktherapie – Mgr. Matěj Lipský). Einzelne Mitglieder der Vereinigung veröffentlichten viele Fachbeiträge und zwei tschechischen Monografien mit den Titeln: Grundsätze der Musiktherapie (Kantor, J.; Lipský, M.; Weber, J., u. andere) und Musica Humana (Krček, J.). Zur gleichen Zeit nahm die CZMTA Gespräche auf mit den anderen (s. o.) Vereinigungen – mit der Mährischen Vereinigung für Musik- und Dramatherapie und der Vereinigung von Kunsttherapie. Dank einer sehr engen Zusammenarbeit mit der ČAMAD entstand auch eine wichtige Verbindung mit der Europäischen musiktherapeutischen Vereinigung (EMTC).
Zur Zeit werden unter der Schirmherrschaft der CZMTA zwei Forschungsprojekte verwirklicht:
- Entwicklung und derzeitiger Stand im Bereich der Musiktherapie in der Tschechischen Republik
- Anwendung der Musiktherapie bei frühgeborenen Kindern.
Die Tschechische Musiktherapeutische Vereinigung (CZMTA) arbeitet mit einigen ausländischen musiktherapeutischen Vereinigungen zusammen. Von großem Interesse ist insbesondere die Zusammenarbeit mit der Japanese Music Therapy Association (JMTA). Ihr Vorsitzender, Prof. Tsutomu Masuka, nahm an der internationalen Konferenz Space for Art Therapies teil. Die Konferenztagte in Prag im Juni 2010 als gemeinsame Konferenz der vier Dachvereinigungen (im Bereich Arttherapie, Dramatherapie, Musiktherapie und Tanz- und Bewegungstherapie).
Ausbildung und Studienangebot
In Tschechien kann man einen Abschluss in Musiktherapie in einem Nachdiplomstudium erwerben, das für Spezialpädagogen und Psychologen bestimmt ist. Diese Ausbildungs programme werden an der Karlsuniversität in Prag, an der Technischen Universität in Liberec oder am Privatinstitut Akademie Alternativa angeboten. Aufgrund von Verhandlungen mit der EMTC kann erwartet werden, dass Absolventen von diesen Studiengängen nach Erfüllung von anderen Voraussetzungen (Supervision, psychotherapeutische Ausbildung) als Musiktherapeuten im Rahmen von Mitgliedsstaaten der EMTC zugelassen sein werden. Wir sind jedoch bemüht, einen prägraduellen Studiengang in Musiktherapie an der Karlsuniversität Prag zu eröffnen. Interessenten können Musiktherapie auch in Kursen und nicht akkreditierten Ausbildungen kennen lernen, deren Angebot zurzeit schon verhältnismäßig groß ist.
Gesetzgebung
Absolventen von höher bezeichneten Fortbildungen sollten nach Studienabschluss die Qualifikation für die Ausübung einer musiktherapeutischen Praxis im Bereich Schulwesen erwerben. In diesem Bereich, ähnlich wie in den anderen Bereichen, erwähnt das entsprechende Gesetz einen solchen Beruf noch nicht. Seit langem werden erforderliche legislative Vorlagen erstellt. Die CZMTA bereitet zur Zeit ein Zertifizierungssystem vor, das es Therapeuten ermöglichen wird, den Berufsstatus eines Musiktherapeuten anzustreben, den die Vereinigung vertritt. Es ist allerdings abzusehen, dass tschechische Musiktherapeuten eine Berufsakkreditierung früher im Ausland als in der Tschechischen Republik erhalten werden.
Verschiedene musiktherapeutische Richtungen und Praxisfelder
Musiktherapie in der klinischen Praxis
Tschechische Musiktherapie steht in der Tradition der »unterstützenden Berufe«. Sie ist meist ein Bestandteil der Psychotherapie oder der Gesamtpflege in Gesundheits-, Schul- und Sozialeinrichtungen. Sie wird bei psychiatrischen Erkrankungen, geistiger und körperlicher Behinderung, Autismus, Verhaltensstörungen, psychogeriatrischen Störungen und bei Kindern in Säuglingsanstalten eingesetzt.
In der klinischen Praxis kann man in der Tschechischen Republik folgende musiktherapeutische Richtungen unterscheiden.
- Zunächst die psychotherapeutische Richtung (Gründerin: Jitka Schánilcová-Vodňanská). Aufgrund einer abgeschlossenen musiktherapeutischen Ausbildung in Leipzig und vieler musiktherapeutischer Fortbildungen entwickelte sie ein System psychodynamisch ausgerichteter Musiktherapie mit Elementen von verwandten therapeutischen Schulen (Gestalttherapie, Body-Therapy u. a.). In der Tschechischen Republik vertritt sie auch die sog. Voice therapy – Stimmentherapie
- Ferdinand Knobloch machte sich mit seinen Schülern und Mitarbeitern vor seinem Verständnishintergrund der integrativen Psychotherapie um die Entwicklung der interpersonalen Musikhypothese verdient, die er zur Analyse von nicht musikalischen Inhalten bei interpersonalen Musikinteraktionen anwendete (Knobloch, Knoblochová, 1998).
- Ein eigenständiges musiktherapeutisches Modell stellt Geneapé dar. Seine Verfasserin Jitka Pejřimovská-Kavanová geht von einer Systemauffassung und der klinischen Praxis mit Patienten mit neurotischen, psychotischen, strukturellen Persönlichkeits- und Verhaltens störungen aus. Die Grundlage ist der Vergleich von freien Improvisationen auf Musikinstrumenten mit dem klinischem Krankheitsbild der Patienten. Der Patient bringt durch seine musikalische Selbstäußerung auch eine Präsentation seiner eigenen intrapsychischen Problematik auf der Ebene einer musikalischen Symbolik zum Ausdruck und in der Arbeit mit diesem musikalischen symbolischen Material werden neue Erfahrungen gemacht – eine Restrukturierung von Persönlichkeitsqualitäten. Einzelne Schritte sind dabei: z. B. authentischer Ausdruck, sog. thematisches »Aufrollen« von intrapsychischen Inhalten und strukturellen Prozessen, Einbindung der archetypischen und inspirativen Kräfte, Preverbalität und Postverbalität. Die Methode geht in die Tiefe und wird nicht nur zur Persönlichkeitsentwicklung sondern auch im Bereich der Psychopathologie eingesetzt (Pejřimovská, Zeleiová, 2003).
- Beachtenswert sind auch die Arbeiten von Irena Strossová, der Gründerin des Psychomelodrama oder auch Musikdrama. Irena Strossová behandelte insbesondere psychotische Patienten und erweiterte die Form des Morenovsky-Psychodrama um musikalische Elemente (insbesondere Klavierimprovisationen eines Therapeuten).
Musiktherapie in der Rehabilitation
Musiktherapie wird in der Rehabilitation eingesetzt, meistens bei der psychosozialen Rehabilitation von Patienten mit psychiatrischen Problemen oder bei der Rehabilitation von Patienten mit posttraumatischen Störungen und neurologischen Beschwerden.
Ein besonderes tschechisches musiktherapeutisches Modell ist das ICAPUS-Modell. Seine Erfinderin Markéta Gerlichová ist in der Prager Reha-Klinik (Klinika rehabilitačního lékařství v Praze) tätig und spezialisiert sich auf Patienten mit posttraumatischen Beschwerden. Ihre musiktherapeutische Methode setzt eine mehrstufige Unterstützung durch den Patienten voraus und verfolgt viele therapeutische Ziele im Bereich Motorik, Kommunikation, kognitiven und psychischen Funktionen u. a. ein. Zu dieser Gruppe kann auch die musiktherapeutische Praxis von Noemi Komrská zählen, die bereits 1975 wohl die erste Diplomarbeit über Musiktherapie in Tschechien verfasst hatte. In ihren Forschungen befasste sie sich mit Wirkungen der Musik auf Spastizität bei Kindern mit zerebralen Lähmungen. Später wurde die Musiktherapie jahrelang bei behinderten Kindern und Jugendlichen und auch bei Sterbenden eingesetzt (Linka, 1997). Jana Weber, Absolventin eines musiktherapeutischen Bildungsprogramms des Molloy College in den USA, widmet sich der Musiktherapie bei der psychosozialen Rehabilitation und der Ausbildung in Improvisation in Musiktherapie für Erwachsene der amerikanischen Musiktherapeutin Gillian Langdon. Katarína Grochalová wendet als einzige Musiktherapeutin die schwedische FMT-Methode an
Musiktherapie im pädagogischen Bereich
Die dritte Richtung, die oft mit Musiktherapie in der Rehabilitation zusammenhängt, ist die pädagogische (»erziehende«) Musiktherapie. Musiktherapeutische Praxis geht in diesem Bereich von der Sonderpädagogik aus und ist primär für Personen mit Behinderungen bestimmt. Beachtenswert ist die Arbeit von Zdeněk Vilímek, des Gründers des musiktherapeutischen Modells Körpersprache (Řeč těla), das auf einer umfassenden qualitativen Forschung basiert. Zu den weiteren Modellen zählt die unterstützende Entwicklungs Musiktherapie von Matěj Lipský, die die Entwicklung von behinderten und verwahrlosten Kindern unterstützt. Jiří Kantor ist ein Vertreter des integrativen Entwicklungsansatzes, den er bei Kindern mit Mehrfach-Behinderungen entwickelte. Zdeněk Šimanovský befasst sich mit Musiktherapie in der Pädagogik im Rahmen der Entwicklung der Persönlichkeit und mit systemischer Musiktherapie, die die Therapie durch Musik und systemische Konstellationen zusammenbringt
Anthroposophische Musiktherapie
Das ist die vierte Richtung, die in der Tschechischen Republik vertreten ist (Hauptvertreter, Josef Krček, s.o.) Diese Schule geht von den bekannten Grundsätzen der anthroposophischen Musiktherapie aus und weicht von ihr unbedeutend ab. Zu den anthropologisch ausgerichtetem Musiktherapeuten in der Tschechischen Republik zählen z. B. Jan Braunstein, Lenka Šramlová, Libuše Turečková, Dana Pšeničková oder Milena Raková.
Weitere Richtungen
Noch eine fünfte Richtung wurde bereits erwähnt, die in akademischen Zirkeln nicht anerkannt wird, obwohl sie in Tschechien sehr verbreitet ist: Musiktherapie mit esoterischen Elementen. Luboš Holzer geht von Schamanen-Trommeln aus und verwendet vor allem rezeptive Methoden. Bei der Therapie arbeitet der Therapeut mit veränderten Bewusstseinszuständen, die außer mit Trommelschlägen auch durch andere ethnische Instrumente hervorgerufen werden. Ferner gehört hierzu auch die Methode von Ivo Sedláček, der die Musik mit Yoga-Techniken vereint. Sie schließt aktive und rezeptive Techniken ein, wobei ein wichtiger Bestandteil dieses Systems Musikrelaxation ist.
In der Tschechischen Republik kann man auch Versuche finden, die einzelne Bereiche der musiktherapeutischen Praxis miteinander zu verbinden. Das ist ein Ziel derholistischen Auffassung der Musiktherapie, die Tomáš Procházka vertritt. Sein Modell geht von der systemischen Auffassung aus, ist patientenorientiert und schließt psychotherapeutische, sonderpädagogische, medizinische und rehabilitative Aspekte der Behandlung von Patienten ein. Dieses Modell ist insbesondere bei behinderten Klienten in der Anstaltspflege verbreitet.
Fazit
Die Musiktherapie etabliert sich erst in den letzten Jahren in der tschechischen Republik als eine selbständige Disziplin. Für ihre weitere Entwicklung wird eine gesetzgebende Regelung und Aufrechterhaltung von Kontakten zu musiktherapeutischen Organisationen und Instituten im Ausland notwendig sein. Als sehr wichtig wird eine bessere Erkenntnis von Wurzeln ihrer Entwicklung und Besonderheiten der gegenwärtigen Praxis angesehen. Die tschechische Musiktherapie entwickelte sich sehr lange isoliert von anderen europäischen Ländern und nach der Wende wirkte sich auch das Fehlen einer musiktherapeutischen Dachvereinigung aus.
Bei Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen im Ausland können wir jedoch feststellen, dass die tschechische Musiktherapie über ein Potential verfügt, das die internationale musiktherapeutische Szene nach unserer Auffassung bedeutend bereichern kann. Man kann hier viele Beispiele von besonderen musiktherapeutischen Modellen, einzigartige Musikkultur und eine Reihe von hervorragenden Musiktherapeuten finden.
Diese Situation ist für gegenwärtige tschechische Musiktherapeuten eine große He - rausforderung – wir sind der Meinung, dass die tschechische Musiktherapie eine Periode großen Aufschwungs erlebt und in einigen Jahren zu einem wichtigen Partner von anderen europäischen Ländern werden kann
Literatur
- Kantor, J., Lipyký, M., Weber, J. (2009)Základy muzikoterapie. Grada, Praha.
- Knobloch, F., Knoblochá, J. (1998) Integrovaná psychoterapie v akci. Portál, Praha.
- Linka, A. (1997) Kapitoly z muzikoterapie. Gloria, Rosice u Brna.
- Pejrimovská, J., Gajdosíková, Zeleiová, J. 2011) Dimenze muzikoterapie. Trnavská univerzita: Trnava.
Jiří Kantor, Univerzita Palackého v Olomouci,Žižkovo nám. 5, Olomouc, 771 40, Česká Re publika, email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1 z. B. Ferdinand Knobloch, Jitka Pejřimovská, Jana Procházková, Vladimír Mikula, Kamil Kalina, Irena Strossová oder Hana Vyhnálková
2 z. B. Noemi Komrská, in der Geriatrie, z. B.Miloš Vojtěchovský, oder im logopädischen Bereich, z. B. Anna Čecháčková oder Iva Pelzová
3 Hier arbeiten z. B. Jan Braunstein, Marie Břicháčková, Markéta Gerlichová, Jiří Kantor, Matěj Lipský, Tomáš Procházka, Zdeněk Šimanovský, Lenka Šramlová oder Zdeněk Vilímek
4 Katarína Grochalová von der schwedischen FMT-Methode, Jana Weber von der nordamerikanischen Musiktherapie und Lucie Frütel von der niederländischen Musiktherapie
5 Jana Weber und Lucie Frütel leben z.Z. nicht in der Tschechischen Republik
6 Musiktherapeutin: Marcela Litovová
7 Zu diesen zählen Markéta Gerlichová (gegenwärtige Vorsitzende der Vereinigung), Katarína Grochalová, Eva Káčerková, Jiří Kantor, Josef Krček, Matěj Lipský, Marcela Litovová, Jitka Pejřimovská, Tomáš Procházka, Jana Procházková, Zdeněk Šimanovský, Lenka Šramlová und Jana Weber