Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/944

Johannes Grün
Verax-Verlag, CH-7537 Müstair, 2000

Rezension von Hansruedi Stutz
Es gibt nicht viele Autoren, die es wagen, in Bezug auf die Evolutionslehre gegen den Strom zu schwimmen. Es gibt noch weniger, die es wagen, ein Buch mit über 500 Seiten zu schreiben, das sich kritisch mit dem Evolutionsparadigma auseinandersetzt. Johannes Grün hat es gewagt, die ausführlichste Sammlung von Argumenten zusammenzutragen, die der Evolution widersprechen. Allein die immense Zahl von 2245 Fussnoten zeigt schon, mit welchem Bienenfleiss er seine Darlegungen untermauert. Das Werk ist beeindruckend und dürfte manchem Zweifler hilfreich sein.
Grün stellt zunächst grundsätzliche Fragen: Ist Naturwissenschaft noch mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren? Was ist Kreationismus? Ist die Evolutionslehre eine Ideologie? Wird sie nicht auch zunehmend in Frage gestellt? Grün will "kein geschlossenes, wissenschaftliches Werk," sondern den beherzten "Versuch einer naturwissenschaftlich-exegetischen Gesamtschau zur Frühgeschichte" vorlegen. "Zum einen stellt jede vereinfachende Darstellung stets einen Kompromiss dar; zum anderen wurden aus den verschiedensten naturwissenschaftlichen Disziplinen Aspekte der Problematik ausgewählt: dadurch steht von vornherein fest, dass der Verfasser den Fachleuten der entsprechenden Gebiete unterlegen ist... Dieses Risiko wird jedoch eingegangen in der Überzeugung, dass nur eine fachübergreifende Zusammenschau und der Mut zu einer Gesamtsicht der Problematik... den Nimbus der Wissenschaftlichkeit und Unantastbarkeit der Evolutionslehre in Frage stellen kann." (Seite 37)
In einer gedrängten historischen Übersicht wird zunächst gezeigt, dass die Grundlagen des evolutiven Weltbildes heidnischem Gedankengut entstammen. "Die Furcht vor einer blinden Macht des Zufalls, vor einer dem Menschen unheimlichen Urmaterie, der wie ein Alp auf dem Heidentum lag, wird durch die mosaische Lehre überwunden." (Seite 59)
"Der Evolutionismus ist nicht durch naturwissenschaftliche Entdeckungen entstanden, sondern durch philosophische Spekulationen." (Seite 116) "Diderot (1713-1784) vertrat das Prinzip der natürlichen Auslese, ebenso sein Landsmann und Zeitgenosse P.L. Moreau de Maupertuis (1698-1759), der vom Überleben des Fähigsten sprach, die Bedeutung der Hybridisation erkannte und sogar eine Mutationslehre aufstellte." Darwin hat durch seine anziehende Schreibweise, durch ein geradezu ungeheures Induktionsmaterial und durch die vorsichtig-bedächtige Art, seine Gedanken vorzubringen, die Evolution populär gemacht (Seite 120).
Geologie: Die moderne Geologie ist eine der Hauptstützen der Evolutionslehre. Und wenn es tatsächlich eine biblische Flut gegeben hat, dann muss diese in der Geologie sichtbar werden. Warum sprechen die Geologen nur von lokalen Fluten und anerkennen keine weltweite Flut? Grün stellt alle Aspekte der Flutgeologie vor und diskutiert anhand der neusten Literatur die positiven und negativen Argumente.
Im Kapitel "Evolutionsfaktoren" werden die bekannten Evolutions-Mechanismen behandelt und vom Schöpfungsstandpunkt aus beleuchtet. Mikro- und Makroevolution werden definiert; Mutation, Selektion, Punktualismus, Hyperzyklus, und Chaoshypothese werden diskutiert.
Die Biochemie hat in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Sie müsste in der Lage sein, dem Ursprung des Lebens auf die Spur zu kommen. Der Informationsträger, die DNS ist dabei von zentraler Bedeutung. Für die Herkunft der immensen Informationsmenge in der DNS hat man im Evolutionslager nur dürftige Anhaltspunkte. Für die Kreationisten hingegen bildet dies eines der kraftvollsten Argumente für die Existenz eines genialen Schöpfers.
In "Biologie und Evolution" behandelt Grün die Vielfalt der Arten, das Grundtypmodell, die Fragwürdigkeit der Höherentwicklung, die fehlenden Zwischenstufen und andere Zusammenhänge zwischen Biologie und Evolution. Die planmässige Einrichtung der biologischen Welt (Teleologie), wie sie Denton beschreibt, wird ausführlich dargestellt. Sie setzt einen planenden Schöpfer voraus und ist daher für Neodarwinisten ein rotes Tuch. Archaeopterix und das Morgenrötepferd, die Paradestücke der Evolution werden vom Autor in ihrer Bedeutung zurechtgerückt.
Die Stellung des Menschen ist wegen der Rarität menschlicher Fossilien den Spekulationen besonders unterworfen. Ist der Mensch das Produkt des Zufalls oder entspricht er einem Plan Gottes? Die Sprachforscher erwarteten primitive Eingeborenensprachen und fanden das Gegenteil. Das und anderes weist eher auf eine Degeneration des Menschen hin, als auf Evolution.
Der Urknall gilt immer noch als die beliebteste Erklärung für die Existenz des Universums. Es ist unglaublich, wie viel Material der Autor zusammengetragen hat, welches der Urknallhypothese widerspricht. Es beginnt beim Sonnensystem und den Monden, geht zur unverstandenen Sternentstehung, den Galaxien und Galaxienhaufen und endet bei Quasaren, die in Kugelschalen angeordnet sind, in deren Zentrum wir uns befinden!
Mit besonderem Interesse werden theologisch orientierte Leser den umfangreichen theologischen Teil lesen. Denn Johannes Grün ist katholisch. Er wurde 1960 in Aachen geboren, absolvierte den vorklinischen Teil des Medizinstudiums bis zum erfolgreich abgeschlossenen Physikum. Dann studierte er Philosophie und Theologie und wurde 1986 zum Priester geweiht. Seine pastorale Erfahrung angesichts der moralisch-ethischen Verwüstungen moderner Wissenschaftshörigkeit veranlasste ihn zur Abfassung dieses Buches.
Meine Überraschung war gross, dass ich als protestantischer Freikirchler im theologischen Abschnitt nichts gelesen habe, das ich nicht bejahen könnte. Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass Grün sich ebenfalls strikte an das geoffenbarte Wort Gottes hält und nur dann vom Literalsinn abgeht, wenn dies eine zwingende Notwendigkeit fordert. Mit anderen Worten, das Wort hat vor den Erkenntnissen der Wissenschaft Priorität. Letztere ist ohnehin ständigen Veränderungen unterworfen. Nach Popper hat sich das absolut gesicherte Wissen als Idol erwiesen.
Man erkennt erst, wie wichtig die theologischen Überlegungen sind, wenn man sie einmal selber anstellt. Insbesondere der theistische Evolutionismus (d.h. Gott hat mit Hilfe der Evolution geschaffen) kommt in arge Bedrängnis bei konsequenter Anwendung des Wortes. Gott wird durch die Evolution weitgehend überflüssig. Seine Gebote können beiseite gelegt werden. Durch Bibelkritik wird die Autorität des Wortes systematisch untergraben. Evolutionstheorie und moderne Bibelkritik bedingen sich gegenseitig (Seite 428). Der Schöpfer - Gott wird überflüssig, ebenso der Erlöser. Sünde wird verharmlost. Doch gemäss dem Wort ist der Tod der Sünde Sold. Der Tod ist ein Feind Gottes. Im Rahmen der theistischen Evolution hingegen ist der Tod eine Voraussetzung zur Höherentwicklung.
Philosophie (von Hermann Weinzierl): Der Evolutionsgedanke wurde unbesehen auf alle anderen Wissensgebiete ausgedehnt. Sie wurde damit zu einer Philosophie und erhebt den Anspruch, die Wirklichkeit zu sein. Das lässt sich aber nicht durchhalten, denn es ergeben sich unübersehbare Widersprüche: Zum Beispiel meinte Huxley: "Die Evolution im weitesten Sinne kann als ein zielstrebiger und grundsätzlich nicht umkehrbarer zeitlicher Vorgang beschrieben werden." Aber das Zufallsprinzip kennt keine Zielstrebigkeit. Das naturwissenschaftlich Erwartbare ist das Gegenteil, nämlich der Zerfall.
Das Buch "DIE SCHÖPFUNG, EIN GÖTTLICHER PLAN" ist lesenswert. Vor allem für Verkündiger des Wortes und für Lehrer dürfte es wertvolle Hilfe bieten. Es lohnt sich, das umfangreiche Werk durchzuarbeiten.