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Den südlichsten Abschnitt der Küste Bahias, er grenzt an den Nachbarstaat Espirito Santo, nennt man die Costa das Baleias – “Küste der Wale“ – gemeint sind die Buckelwale, die sich alljährlich, zwischen Juli und November, vor dieser Küste mit warmem Wasser einfinden, um ihre Jungen zu gebären und auf die anschliessende Wanderung in die kalten Gewässer des antarktischen Südens vorzubereiten.
Vor diesem Küstenabschnitt mit seinem lauwarmen, kristallklaren Wasser liegt auch der “Abrolhos-Archipel” – zirka 70 Kilometer östlich vor dem Ort “Caravelas“ – er besteht aus fünf kleinen Inseln (“Redonda, Siriba, Guarita, Sueste“ und “Santa Bárbara“), die vulkanischen Ursprungs und von zahlreichen Korallenbänken umgeben sind. Die Inseln und Riffe sind der Lebensraum von Ziegen, Vögeln, Walen, Fischen, Schildkröten und riesigen Feuerkorallen. Die warme Strömung und das flache Wasser (zwischen 8 bis 15 Meter Tiefe) haben eine üppige Aqua-Fauna hervorgebracht (allein 160 Fischarten).
1983 hat die brasilianische Regierung den Archipel in einen Marinepark verwandelt – das gesamte Gebiet steht damit unter strengem Naturschutz der IBAMA, und die einzige Insel, die man betreten darf, ist “Santa Bárbara“, die grösste. Allerdings gibt es in “Caravelas, Alcobaça“ und “Nova Viçosa“ gut ausgerüstete, von den Behörden akkreditierte Schiffseigner, die interessierte Taucher zum “Abrolhos-Archipel“ bringen (je nach Boot und Ausgangshafen dauert die Anfahrt zwischen 1 – 6 Stunden – in der Regel eine Tour von zweieinhalb Tagen, mit Verpflegung und Übernachtung an Bord). Beste Besuchszeit des Archipels sind die Monate Oktober bis März – die beste Unterwassersicht für Taucher liegt zwischen Dezember und Februar (bis zu 30 m).
Die “Costa das Baleias“ ist in die Munizipien “Alcobaça, Caravelas, Nova Viçosa” und “Mucuri” unterteilt, die wir an dieser Stelle kurz beschreiben wollen:
Alcobaça
Die Biovielfalt der Abrolhos-Region fasziniert Ökologen, Wissenschaftler und Touristen gleichermassen und vor allem andern. Diese Unterwasserwelt präsentiert eine der grössten Konzentrationen weltweit an Fischen pro Kubikmeter – sowohl an Quantität wie an Varietät. Eine weitere biologische Besonderheit sind die Korallen von seltener Schönheit – 17 Spezies sind in “Abrolhos“ registriert worden. Von “Alcobaça“ aus kann man das Tauch-Abenteuer organisieren.
Der kleine Fischerort bewahrt bis heute das Geheimnis jener Schätze, die französische Piraten irgendwo an seiner Küste vergraben haben sollen, und die Erinnerungen an die ersten Expeditionen der portugiesischen Kolonisten, die “São Bernardo“ zum Schutzpatron ihrer Siedlung erwählten. Die Kirche des “Sankt Bernhard“ auf dem Dorfplatz, der antike Brunnen, die von schattigen Bäumen begrenzten Strassen, mit den aufgereihten Häuschen aus alter Zeit, vermitteln ein Bild von Ruhe und Frieden – Landschaft und Strände ringsherum sind ebenfalls erlebenswert und nicht überlaufen – so richtig gemütlich für einen Aufenthalt ohne Luxus.
Caravelas
Der diskrete Charme des Ortes und die strahlende Sympathie seiner Bewohner machen dem Titel “Prinzessin von Abrolhos“ alle Ehre, den man diesem liebenswerten Örtchen im Lauf der Jahre verliehen hat, das inzwischen in touristischen Kreisen wegen seiner Nähe zum “Abrolhos-Archipel“ recht bekannt geworden ist. Aber auch seine schönen Strände “Quitongo, Grauçá, Iemanjá”, die Inseln “da Cassumba, do Pontal do Sul” und “do Manguezal” tragen zu seinem guten Ruf in Sachen Naturschönheiten bei. Die Kirche des Schutzpatrons “Santo Antônio“ und die der “Santa Efigênia“ – mit seltenen Skulpturen aus dem 17. und 18. Jahrhundert – sowie die antiken Gebäude im Kolonialstil, ihre Fronten bestückt mit portugiesischen Kacheln aus Macau, sind auch für den kulturbeflissenen Besucher interessante Studienobjekte. Und im “Centro de Pesquisa e Manejo de Abrolhos” (Zentrum für Forschung und Erhaltung von Abrolhos) – einer nicht-staatlichen Organisation, die sich der Umwelterziehung, auch hinsichtlich der Buckelwale, widmet – finden Naturliebhaber Aufklärung und Unterstützung.
Nova Viçosa
Die Strände, die Flüsse und die Inseln “Barra Velha“ und “Coroa Vermelha“ sind die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von “Nova Viçosa“, einem ehemaligen Fischerort, der zwischen “Caravelas“ und “Mucuri“ liegt. An der Seite der fünf touristischen Munizipien des extremen bahianischen Südens hat “Nova Viçosa“ begonnen, eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen. Mit einer Strandbreite, die bei Ebbe 300 Meter erreicht, lockt seine Küste besonders Besucher aus den Nachbarstaaten an. Das “Festival da Baleia Jubarte“ (Fest des Buckelwals) findet hier während des Monats Juli statt, zu dem sich Einheimische, Badegäste und Touristen in ausgelassener Fröhlichkeit zusammenfinden.
Mucuri
Und schliesslich “Mucuri”, das südlichste Munizip Bahias an der Grenze zu “Espirito Santo“, dessen Einwohner bereits viele Sitten und Gebräuche von ihren Nachbarn übernommen haben, die im Volksmund “Capixabas“ genannt werden. Die Natur präsentiert ihren Besuchern hier ein ungewöhnliches Panorama: gigantische Steilküstenabschnitte mit weitläufigen Stränden – ein erhabenes Küstenszenario. Darin wechseln sich Mangrovebestände ab mit eingebetteten Strandabschnitten, und Felsformationen, die wie schützende Mauern die kleinen Strände dazwischen begrenzen – hier gibt es sie noch, die einsamen, versteckten Sandstrände, an denen man allein – oder zu zweit – ungestört die Sonnen geniessen kann.
Das Besucher-Zentrum des “Projekts Tamar“ (zum Schutz der Meeresschildkröten) befindet sich am Strand “Praia de Malvinas“, und ein bisschen weiter, an der “Praia do Pôr-do-Sol“, befindet sich ein Abschnitt, in dem diese Schildkröten ihre Eier ablegen. Die 35 Kilometer Strände von “Mucuri“ sind Anfang – oder Ende – der bahianischen Küste – je nachdem, ob man von Süden oder aus dem Norden anreist.