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© Marcel Burkhardt
Mit einer beachtlichen Geschwindigkeit hat der Rotmilan seit den 1970er-Jahren das ganze Mittelland der Schweiz besiedelt und erobert nun auch die Lagen über 800 m. Wie die attraktive Art dies schafft, ist Gegenstand eines grossen Forschungsprojektes der Schweizerischen Vogelwarte.
Der Rotmilan hat seit den 1970er-Jahren rasant das ganze Mittelland der Schweiz besiedelt und erobert nun in diesem Jahrtausend auch die Lagen über 800 m und die grösseren Alpentäler. In den traditionellen Hauptverbreitungsgebieten in Spanien, Frankreich und den nordöstlichen Bundesländern Deutschlands ist dagegen kein solches Populationswachstum festzustellen. Im Gegenteil: An vielen Orten stiegen die Bestände nur leicht oder waren sogar rückläufig. Gemäss den neuesten Bestandsschätzungen im Rahmen des Brutvogelatlas 2013-2016 beherbergt die Schweiz unterdessen wohl 2800 - 3500 Brutpaare, also gegen 10% der Weltpopulation des Rotmilans. Tendenz steigend! Auch als Überwinterungsgebiet ist die Schweiz offenbar attraktiv: Unterdessen überwintern mehr als 3000 Rotmilane in der Schweiz!
Schwerpunkt des Projektes bildet die Untersuchung der Faktoren, die sich auf Überlebensrate, Fortpflanzungsrate, Immigrationsrate und Emigrationrate auswirken und so die Bestandszunahme und die Ausbreitung des Rotmilans in der Schweiz erklären können. Die derzeit stattfindende Ausbreitung in höhere Lagen ermöglicht die Untersuchung von Umweltgradienten und deren Effekt auf Populationen, insbesondere auf den Bruterfolg sowie das Umherstreifen und die spätere Ansiedlung von Jungvögeln nach dem Ausfliegen.
In den Kantonen Freiburg und Bern werden jährlich grossflächige Revierkartierungen durchgeführt, um den Effekt von Landschaftseigenschaften und Nahrungsangebot auf die Brutdichte zu untersuchen. Rund 340 Jung- und 80 Altvögel werden seit 2015 mit solarbetriebenen GPS-Sendern ausgerüstet. Damit können die Vögel für den Rest ihres Lebens genau verfolgt werden. Mortalität, Ansiedlung an entfernten Orten und die genaue Raumnutzung während der Jugend-, Zug- und Brutphasen können untersucht werden. Kontrollierte Zufütterung von einzelnen Bruten soll den Effekt von Zusatzfutter auf den Bruterfolg und das Verhalten nach dem Ausfliegen aufzeigen. Mit Nestkameras wird das Brutgeschäft überwacht und das eingetragene Futter erfasst.
Durch den hohen Anteil von Schweizer Brutpaaren an der europäischen Gesamtpopulation hat die Schweiz eine hohe Verantwortung für den Rotmilan. Er ist deshalb eine von 50 Prioritätsarten des Programms Artenförderung Schweiz, das die Schweizerische Vogelwarte Sempach und der SVS/BirdLife Schweiz mit Unterstützung des BAFU durchführen. Es ist von zentraler Bedeutung für diese europäische Art, die Mechanismen und Faktoren zu kennen, welche die Populationsentwicklung beeinflussen. Die Erkenntnisse können auf Rotmilanpopulationen in anderen Ländern übertragen werden und so zum gesamteuropäischen Schutz der Art beitragen.
Im ersten Untersuchungsjahr 2015 wurde im Studiengebiet eine der höchsten bekannten Revierdichten gefunden. Allerdings flogen nur bei rund einem Viertel der Paare Jungvögel aus; viele Paare schritten gar nicht erst zur Brut. Es wurden 44 Jungvögel mit GPS-Loggern versehen, wovon 30 bis zum nächsten Frühling überlebten. In den Folgejahren war der Ausflugerfolg deutlich besser und es konnten insgesamt bisher 323 Jungvögel und 78 adulte Rotmilane besendert werden. Die Ortungen vom Ausfliegen bis ins Winterquartier von 2017 finden Sie in dieser Animation.
Kontakt und Austausch mit weiteren Rotmilan-Projekten: