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Allergien sind überempfindliche Reaktionen des körpereigenen Immunsystems auf harmlose Substanzen, die eingeatmet, eingenommen oder berührt werden. Als Therapie zielt die Desensibilisierung darauf ab, diese Überempfindlichkeit herabzusetzen.
Während die einen dem nahenden Frühling freudig entgegenblicken, richten die anderen ihre Blicke beunruhigt auf den Pollenflugkalender. So auch die 42-jährige Isabelle, die als junge Frau vom Land nach Bern zog und dann unverhofft eine starke Pollenallergie entwickelte. Der Pricktest (Test zum Nachweis allergischer Sofortreaktionen) ergab gleich mehrere Allergieauslöser, darunter: Birke, Hasel und mehr. Die Zahl der allergischen Erkrankungen in der Bevölkerung steigt oder verharrt auf vergleichsweise hohem Niveau.
Bereits von Geburt an baut sich das Immunsystem durch ständige Sensibilisierungen auf. Es handelt sich dabei um die körpereigene Reaktion auf eine eingeatmete, eingenommene oder über die Haut berührte Fremdsubstanz (Allergen). Bei diesem Erstkontakt wird eine Immunantwort aufgebaut, mit der das Immunsystem auf jeden weiteren Kontakt reagieren wird. Von einer Allergie ist nur dann die Rede, wenn diese Immunantwort überschiessend, übertrieben oder eben übersensibel ausfällt. Bei Isabelle waren es Symptome wie Juckreiz, laufende Nase, häufiges Niesen, brennende und gerötete Augen, asthmatische Anfälle, die ihr das Leben erschwerten.
Bei den Allergien unterscheidet man die Typen I bis IV, wobei die Typ-I-Allergie die häufigste ist. Die allergische Reaktion erfolgt innerhalb von Sekunden oder Minuten. Zu den typischen Krankheitsbildern zählen Asthma, Bindehautentzündungen, Heuschnupfen, Nesselsucht und weitere. Die wirkungsvollste Therapie besteht darin, sich dem Einfluss eines bestimmten Allergens zu entziehen. Das ist je nach Allergen einfacher gesagt, als getan. Im Falle von Isabelle mit einer Pollenallergie ist das praktisch unmöglich. Immerhin können technische Lösungen dazu beitragen, die Allergenbelastung auf ein erträgliches Mass zu reduzieren (z.B. Pollenfilter in Klimaanlagen oder auf Fenstern). Es gibt auch Arzneimittel (Antihistaminika), die allergische Symptome mildern oder gar abblocken. Je nach Allergieform und -schwere werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt. Die Komplementärmedizin setzt auf Mikronährstofftherapien, Akupunktur und andere Behandlungsoptionen. Isabelle testete viele Therapien mit unterschiedlichen Erfolgen aus – doch bei keiner erwies sich das Resultat als langfristig zufriedenstellend.
„Technische Lösungen können zur Reduktion der Allergenbelastung beitragen.“
Die einzige Therapie, die sich auf die Allergieursache (bei Typ- I-Allergien) selbst bezieht, ist die Desensibilisierung. Dabei werden die entsprechenden Allergene in steigender Dosierung unter die Haut gespritzt oder als Tabletten/Tropfen unter die Zunge gelegt. Ziel ist es, einen immunologischen Schutz aufzubauen, der weitere allergische Reaktionen verhindert. In der mehrwöchigen Einleitungsphase wird die Therapielösung in der Regel alle ein bis zwei Wochen in den Oberarm injiziert. Bei jeder weiteren Injektion wird die Konzentration erhöht, bis die individuelle Höchstdosis erreicht ist. Dann beginnt die Erhaltungsphase, in der die Therapielösung in der Regel im Vier-Wochen-Rhythmus verabreicht wird.
Auch Isabelle entschloss sich vor drei Jahren auf Empfehlung ihres Hausarztes für diese Therapie. Zu Beginn der Therapie verschlimmerten sich die Symptome während zwei Tagen. Heute stellt sie an der Punktionsstelle nur noch eine starke Schwellung fest, die sich jeweils tags darauf zurückbildet. Die allergischen Symptome haben sich erheblich verringert. Isabelle ist deshalb zuversichtlich, dass sie am Ende dieser Therapie, in einem Jahr, symptomfrei sein wird. Um der Gefahr eines Allergieschocks vorzubeugen, wird sie auch zukünftig jeweils eine halbe Stunde nach jeder Injektion in der Arztpraxis verweilen. Die Therapie kann je nach Allergieform zwischen drei und fünf Jahre dauern und wird von Allergologen oder erfahrenen Ärzten durchgeführt.
Autor: Erica Sauta