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- Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den Schweden Svante Pääbo für seine Erkenntnisse zur menschlichen Evolution.
- Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.
- Er sequenzierte unter anderem als erster Forscher das Neandertaler-Genom.
Pääbo ist Direktor und wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie. Dem Paläogenetiker gelang es, Erbgut des Neandertalers aus alten Knochenfragmenten zu isolieren und zu analysieren.
2010 stellte er eine erste Version des Neandertaler-Genoms vor. Vergleiche mit dem Erbgut des modernen Menschen zeigten unter anderem, dass bei Menschen mit europäischer oder asiatischer Herkunft etwa 1 bis 4 Prozent des Genoms auf den Neandertaler zurückgehen. Homo sapiens und Homo neandertalensis mussten also Kinder miteinander gezeugt haben – eine bahnbrechende Erkenntnis.
Neandertaler-Gene entfalten bis heute ihre Wirkung
Ein weiterer Meilenstein seiner Karriere war die Entdeckung des sogenannten Denisova-Menschen. 2008 war ein kleines, 40'000 Jahre altes Fingerknochenfragment in der Denisova-Höhle in Sibirien gefunden worden.
Untersuchungen zeigten, dass sich die DNA-Sequenz von der des Neandertalers und des modernen Menschen unterschied – eine weitere Frühmenschen-Art war entdeckt. Die Spuren vom Erbgut des Denisova-Menschen finden sich auch im Erbgut des modernen Menschen. Zuerst sei dies bei Menschen aus Melanesien und anderen Teilen Südostasiens erkannt worden, wie das Nobelkomitee schreibt.
Illustre Verwandschaft
Der diesjährige Medizin-Nobelpreisträger Svante Pääbo ist der Sohn eines früheren Nobelpreisträgers in derselben Kategorie. Der 1955 in Stockholm geborene Pääbo ist das Kind von Sune Bergström, der 1982 gemeinsam mit zwei weiteren Preisträgern für «Entdeckungen in Bezug auf Prostaglandine und verwandte biologisch aktive Substanzen» mit dem Preis ausgezeichnet worden war.
Die Erbgut-Spuren unserer ausgestorbenen Verwandten beeinflussen bis heute die Gesundheit des Menschen. So gebe es etwa Neandertaler-Gene, die auf die Immunantwort bei verschiedenen Infektionen wirkten, so das Nobelkomitee.
Die bedeutendste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 887'000 Schweizer Franken) dotiert. Seit 1901 haben 224 Menschen den Medizin-Nobelpreis erhalten, darunter 12 Frauen. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie.
1995 erhielt als erste und bislang einzige deutsche Frau Christiane Nüsslein-Volhard diese Auszeichnung. Im vergangenen Jahr bekamen David Julius (USA) und der im Libanon geborene Forscher Ardem Patapoutian den Preis. Die beiden haben Zellrezeptoren entdeckt, über die Menschen Temperaturen und Berührungen wahrnehmen.
Start in die Nobelwoche
Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Preises benannt. Am Donnerstag und Freitag folgen die Bekanntgaben für den Literatur- und den Friedensnobelpreis. Die Reihe endet am folgenden Montag, 10. Oktober, mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten sogenannten Wirtschaftsnobelpreis.
Die feierliche Vergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäss am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. Bereits am vergangenen Donnerstag waren die Träger der diesjährigen Alternativen Nobelpreise von der Right Livelihood Stiftung bekanntgegeben worden.