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LAURENT GENDRE
Seit dem Jahre 1999 ist Laurent Gendre Chefdirigent des Thuner Stadtorchesters. In dieser Zeit hat er eine Aufbauarbeit geleistet, die enormen Respekt geniesst. Aus Laurent Gendres engagierter und motivierender Probenarbeit resultieren nicht nur hervorragende Konzerte, sie macht das Orchester auch attraktiv für gute Mitspielerinnen und Mitspieler. Laurent Gendre hat zudem das Repertoire des Orchesters erweitert.
Nach Studien als Pianist in Freiburg und als Orchesterdirigent in Basel wurde Laurent Gendre mit dem Interpretenpreis als Dirigent des Schweizerischen Tonkünstlervereins ausgezeichnet und konnte seine Ausbildung in Deutschland und Österreich vervollkommnen.
1994 gründete Laurent Gendre das Ensemble Orlando Fribourg. Dieses Vokalensemble, spezialisiert auf Renaissance und Barock, wurde schon zu zahlreichen Festivals im In- und Ausland eingeladen. Seine Konzerte wurden von den Radios SRF 2, Espace 2 und Rete 2 übertragen. Das Ensemble spielte auch CDs mit Werken der Renaissance und zwei Kurzmessen von Johann Sebastian Bach ein.
2008 gründete Laurent Gendre das Freiburger Kammerorchester, ein professionelles Ensemble, das sich bald mit der Qualität seiner Interpretationen einen Namen gemacht hat.
Als Gastdirigent dirigierte er zahlreiche namhafte Orchester, so das Berner Symphonieorchester, das Orchestre de la Suisse Romande, die Camerata Zürich, das Orchestre de chambre de Lausanne sowie die Barockorchester “La Cetra Basel” und «Le Parlement de Musique Strasbourg».
Als musikalischer Direktor der Opéra de Fribourg leitete er zahlreiche Aufführungen in der Schweiz und in Frankreich (Fribourg, Lausanne, Rennes, Reims, Dijon, Besançon und Metz). Er war 2002 bis 2016 Musikdirektor des Oratorienchors Bern.
Laurent Gendre ist verheiratet mit der Sopranistin Ines Schaffer; sie haben zwei Söhne. Seit einigen Jahren wohnt die Familie in Lugnorre auf dem Mont Vully.
Interview
Laurent Gendre, seit bald 25 Jahren bist du Dirigent des Thuner Stadtorchesters. Was fasziniert dich daran, ein Amateurorchester zu dirigieren?
Ich würde lieber die Frage beantworten, was mich generell fasziniert ein Orchester zu dirigieren. Ob Amateurorchester oder Profiorchester, schlussendlich ist es die Freude, dem Orchester zu helfen so gut wie möglich zu spielen. Meine Aufgabe ist es, dem Orchester eine Klangidee und eine Interpretation der Werke zu vermitteln. Wenn ich spüre, dass sich die Musiker und Musikerinnen freuen, mit mir auf diese Entdeckungsreise zu gehen, bin ich sehr glücklich.
An welchem Punkt in deinem Leben wurde dir klar, dass du Dirigent werden möchtest?
Das war ein ziemlich langer Prozess. Als Kind war ich weit davon entfernt Dirigent werden zu wollen. Der erste „Klick“ kam im Gymnasium beim Singen und Spielen im Chor und im Orchester. Bald hatte ich die Möglichkeit, den Dirigenten bei den Proben zu vertreten. Das hat mir sehr viel Freude gemacht. Ich habe aber erst später wirklich darüber nachgedacht, diese Freude zu meinem Beruf zu machen. Das hinderte mich aber nicht daran, zwei Jahre an der Universität französische Literatur und Musikwissenschaft zu studieren, neben Klavier und Dirigieren. Wählen heisst immer auch verzichten, und es fiel mir in dieser Zeit recht schwer, mich zu entscheiden.
Welche Rituale pflegst du jeweils vor einem Konzert?
Ich habe keine bestimmten Rituale vor Konzerten. Schlussendlich geht es darum, die nötige Konzentration aufzubauen, bevor man auf die Bühne tritt. Das geht manchmal in fünf Sekunden und an manchen Tagen brauche ich dafür länger.
Welches Instrument möchtest du in einem Orchester auf keinen Fall spielen und wieso nicht?
Mein Hauptinstrument ist das Klavier, eigentlich kein typisches Orchesterinstrument. Ich würde am liebsten jedes Instrument des Orchesters einmal spielen können, sei es auch nur, um zu spüren, wie es sich anfühlt.
Welches Konzert/Welche Aufführung ist dir noch total präsent? (Sei es, weil es so toll war oder weil etwas unheimlich schief ging.)
Vergangene Konzerte sind in meinen Erinnerungen nicht einzeln präsent. Es sind die Sternstunden - oder auch lustige Momente - die bleiben. Zum Beispiel erhabene Momente in einer Symphonie
oder ein unerwartetes Ereignis in der Oper. Es ist vor allem die Intensität der Kommunikation mit den Musikern und Musikerinnen sowie dem Publikum, welche mir in Erinnerung bleiben. Mir gefällt, dass die Intensität immer mit dem gegenwärtigen Moment verbunden ist.
Auf welches Werk freust du dich ganz besonders im nächsten Programm?
Ich erwarte ungeduldig und mit viel Vorfreude das ganze Programm. Es sind fantastische Stücke, die wir ausgewählt haben. Eine schöne Mischung aus bekannten Werken und weniger bekannten, welche es zu entdecken gilt.