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«La Somptueuse» – «Die Prächtige» oder auch «Die Üppige» – nennt Hans Gerber seine kleinformatige Bronzeplastik, wobei es ihm offenbar weniger um die Grösse als vielmehr um den formalen Rhythmus der weiblichen Aktfigur geht. Diese zeigt er in ausgeprägter, spindelförmiger Gestalt, mit weichen Rundungen und einer Drehung des Oberkörpers. Mittels der Torsion, einem klassischen Mittel der Figurendarstellung, wirkt der Körper dynamischer, bewegter. Im Drehmoment verdoppelt Gerber weiter die Brustpartie und spitzt dagegen die rechte Schulter einseitig zu, um von da bis zur Hüfte eine nahezu gerade Linie zu erhalten, als Kontrast zu den Rundungen. So schlank die Figur bei den Fesseln ansetzt, so schmal endet sie im gesichtslosen Kopf, der leicht geneigt und uns zugewandt die Körperdrehung fortsetzt.
Ab den 1940er-Jahren gestaltet Hans Gerber zunehmend abstrakte Plastiken kleineren Formats, wobei «La Somptueuse» als abstrahierte Figurendarstellung am Wendepunkt zu rein ungegenständlichen Werken wie «Form 1958/II und III» steht. Dank einer Schenkung von Hans Walter finden die genannten Werke 1987 gemeinsam Eingang in die Sammlung des Kunstmuseums Thun.
Marc Munter
Wir sehen eine schlanke, lang gestreckte Form.
Es ist eine Frauen-Figur.
Oben endet ein kleiner Kopf ohne Gesicht.
Unten laufen die Beine spitz zu
ohne Füsse.
Es geht um den Körper dazwischen.
Die Brust dreht auf die eine Seite.
Die Hüfte dreht auf die andere Seite.
Runde und gerade Linien wechseln sich ab.
Die Formen sind fast abstrakt*.
Doch wir erkennen einen Körper in Bewegung.
Der Titel verstärkt die Wirkung.
La Somptueuse ist Französisch, sprich: La Somtü-öse.
Das bedeutet: Die Prächtige
oder die Üppige.
*Abstrakt
Ein abstraktes Werk zeigt nur Farben und Formen.
Wir erkennen nichts von der sicht-baren Welt.
Alles ist Fantasie.
Sara Smidt