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Der Anlass in der Aula der Universität Zürich stiess auf grosses Interesse. Rund 300 Zuhörer:innen verfolgten neugierig die Ideen der Wirtschaftswissenschaftler:innen. Insgesamt hielten acht Doktoranden, Post-Docs und Professor:innen einen Fünf-Minuten-Vortrag. Wir geben im Folgenden einen kurzen Überblick.
Rohini Pande (Yale) ist zurzeit Visiting Professor und wollte sich die Chance nicht entgehen lassen, am Slam teilzunehmen. Sie erinnerte daran, dass die Gruppen, die gerade der Armut entstiegen sind, auch am meisten gefährdet sind, durch ökonomische Schocks wieder in die Armut zurückgeworfen zu werden. Ihre Forschung untersuchte die Situation von Taglöhner:innen in Indien während der Pandemie. Nachdem Millionen von Menschen im Lockdown ihre Arbeit verloren, kamen v.a. Frauen nicht – oder nur in ungelernten Positionen – zurück in den Arbeitsmarkt, als sich die Wirtschaft wieder erholte. Ihr Wegbleiben begründeten viele mit dem Hinweis auf soziale Normen und familiäre Erwartungen. Doch laut Rohini Pande gibt es Lösungen: «Es braucht Programme, die Frauen finanzielle Kompetenzen lehren und ihnen Zugang zu einem eigenen Bankkonto ermöglichen. Dadurch verändern sich die wahrgenommen sozialen Normen, was wiederum die Inanspruchnahme von staatlichen Unterstützungsprogrammen erhöht.»
Garyn Tan, Doktorand am Department of Economics, zitierte die untenstehende Grafik von Blanchet et al. (2022) zur Entwicklung der Einkommensungleicheit zwischen Europa und den USA. Die blaue Linie zeigt, dass im Jahr 2015 den obersten 1% der US-Bevölkerung 1/5 des Einkommens zufielen. Dieser Anteil hat sich seit 1980 fast verdoppelt. Gleichzeitig musste sich die ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen knapp 11% des Gesamteinkommens teilen, wie die rote Linie zeigt. Im Vergleich dazu gingen 2015 in Europa nur 12% des Einkommens an das reichste 1% der Bevölkerung. Die ärmsten 50% teilten sich zwischen 18 und 20% des Gesamteinkommens. «Die markanten Unterschiede zur Situation in Europa lassen sich nicht durch nach-steuerliche Umverteilungsmassnahmen – zum Beispiel Sozialversicherungen oder Direktsubventionen – erklären», sagt Garyn Tan, «sondern durch staatliche Massnahmen, die die Entstehung von Ungleichheit reduzieren – wie etwa Zugang zu Bildung oder zum Gesundheitswesen sowie arbeitsmarktregulatorische Massnahmen wie Mindestlöhne».
Professor Jakub Steiner trat mit seinem Vortrag «A nerdy remark on Inequality» einen Schritt zurück in die Theorie, und präsentierte Überlegungen zur Entstehung von Ungleichheit anhand des Gesetzes der grossen Zahl. «Angenommen, das Leben ist ein Casino. Alle bekomme dasselbe Startgeld und spielen jeden Tag dieselbe Lotterie mit denselben Wahrscheinlichkeiten.» Wenn nun alle jeden Tag 1 Franken (additiv) auf ein Spiel setzen, so Jakub Steiner, dann führt der additive Effekt dazu, dass über die Zeit hinweg wenig Ungleichheit zwischen den Spielern entsteht. Setzen hingegen die Spieler jeden Tag ihren Gesamtgewinn ein, «so haben wir einen multiplikativen Effekt, der über die Zeit zu enormer Ungleichheit führt, in der ein paar Glückspilze riesiges Einkommenswachstum verzeichnen.»
Weitere Vorträge befassten sich mit Massnahmen, die dazu beitragen, dass die Unterschiede in der Luftqualität zwischen benachteiligten und bevorzugten Bevölkerungsgruppen reduziert werden (Elie Gerschel), wie eine Erhöhung der Mindestlöhne sich auf die Innovation im Bereich Automatisierung auswirken (David Hémous), wie Frauen im Vergleich zu Männern bei gleichem Ausgangspotential durchgehend weniger honoriert werden: In der Bildung, auf dem Arbeitsmarkt und v.a. in der Politik (Guilherme Lichand), wie sich die Anteile der Produktionsfaktoren (menschliche Arbeit, natürliche Ressourcen, Kapital, etc.) in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich entwickeln (Andrés Dávila-Ospina).