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Reich ist nur, wer zeigen kann, dass er Geld im Überfluss hat, so viel Geld, dass er ein Auto in den Weltraum schiessen kann (Elon Musk).
Dieser Coup, wie er in den USA üblich ist, hat der Automarke Tesla nicht geholfen. Die fleissigen und bis in die oberen Ränge gering verdienenden Chinesen liegen mit ihren E-Mobilen global weit vorn.
Reich ist, wer sich Kunstwerke leisten kann, die pro Stück 450 Millionen kosten, deren Herkunft aber unsicher ist, wie das Jesus-Portrait von Leonardo da Vinci. Jesus war für die Moslems ohnehin nur ein Prophet.
Was zählt, ist der Beweis, dass man sich derlei leisten kann.
Von derlei Schwachsinn leben seit Jahren Jeff Koons mit seinen Disney-Figuren und hunderte anderer „Global artists“ sehr gut, die in einer Welt ohne Kompass jeden Fettfleck (Josef Beuys), sofern er nicht von einer Putzfrau weggewischt wurde, für Millionen Franken, Euro oder Dollar verkaufen.
Viele Schweizer sind sehr reich, sodass sie sich ein ganzes Kunstviertel in Arles in Südfrankreich aufbauen können (Erben Roche) oder grosse Weingüter in Südafrika, Argentinien und China.
Die fürstliche Familie in Vaduz, durch einen historischen Unfall ins bäuerlich-abgelegene Liechtenstein verschlagen, leistet sich wieder ein Palais in Wien, um mit fleischigen Rubens-Figuren dort „bei den Menschen“ zu sein.
Man fliegt, wie die Verlegerin Ellen Ringier, am Wochenende mit der eigenen Flugmaschine in die eigene Atlantikvilla nach Bordeaux, um dort über die Kunst des Spendensammelns nachzudenken.
Reich ist nur, wer im Überfluss lebt. Alle anderen sind relativ arme Leute, die meist kein nennenswertes Vermögen haben oder eines, das sich nach einer Generation wieder in Luft aufgelöst hat.
Jetzt, in einer Zeit, wo die OECD und die Schweiz über neue Steuersenkungen für die grossen Unternehmen nachdenken, wo der seit gut 30 Jahren sich explosionsartig entwickelnde „Milliardärs-Boom“ kein Ende findet, und die Schweizer Linke von einer Finanztransaktions-Steuer träumt, stellt sich mehr denn je die Frage:
Wie viel Geld braucht der Mensch?
Ich habe dazu seit gut 30 Jahren recherchiert, Beobachtungen auf allen gesellschaftlichen Stufen gemacht und auch meine eigenen Erfahrungen eingebracht. Das Ergebnis: Mit einem Vermögen von 25 Millionen Franken kommt man auf jeden Fall ganz gut über die Runden und ist den Risiken der Armengenössigkeit oder von EL- wie Krankenkassen-Zuschüssen kaum ausgesetzt.
Sofern man nicht, wie Rumen Hranov, in die Fallen eines eidg. dipl. Vermögensverwalters gerät, der mit Lust wie Erfahrung aus einem grossen Vermögen gerne ein kleines macht.
Mit 25 Millionen kann man sich ein eigenes Haus an guter Lage in der Schweiz leisten, dazu noch die eine oder andere Ferienvilla, eine aufstrebende Familie, schöne Autos, auch elektrisch betriebene, und jene finanzielle Beweglichkeit, die unerlässlich ist, damit das Vermögen bei Nullzinsen noch solide wächst, mindestens aber erhalten bleibt.
Natürlich muss man als „Seriously rich“ oder mindestens als „Very High Net Worth Individual“ unter diesen Umständen auf einiges verzichten.
Zum Beispiel auf eine Yacht, die meist nur kostet und wenig bewegt im westlichen Mittelmeer ankert. Auch Samih Sawiris weiss, dass die östliche Mittelmeerküste fast schöner und, dies vor allem, auch preiswerter ist.
Aus der Sicht eines vielhundertfachen Millionärs oder Multi-Milliardärs würde ich antworten: „Aber, wie soll ich dann investieren, wie Arbeitsplätze schaffen?“
Ich kenne ausser Gottlieb Duttweiler, dessen Migros neuerdings auch Entlassungen vornimmt, und der Muotathaler Messerschmiede-Familie Elsener eigentlich niemand, der eine Firma um der Mitarbeiter willen aufgebaut und betrieben oder mindestens Entlassungen auf eigene Kosten auf Dauer verhindert hat.
Richtig ist, dass Mitarbeiter aus Makro- wie längst auch aus Mikro-ökonomischer Sicht zu den Kostenfaktoren zählen, die zu minimieren sind.
Die Fata Morgana der „Global Social Responsibility“, wie sie auch von Stephan Schmidheiny in der Schweiz vertreten wurde, wird nur von jenen noch wahrgenommen, die wie Beckett’sche Figuren keinen Ausweg aus ihrem Käfig finden.
Man wird mir auch entgegen schleudern: „Sind Sie verrückt geworden? Wer hat schon so viel Geld?“
Das ist wahr, und ich sage nicht, dass man nicht auch mit „einer Kiste“ auf der Bank verhungern muss.
Aber wohin führt das?
Dann werden alle Sommernachtsfeste, Jahrestage, 1. August-Feiern und Eidg. Schwingwettbewerbe überflüssig.
Wir bewegen uns dann, schon aus grüner und veganer Zukunftsperspektive, auf eine Gesellschaft zu, die nur noch im Mao-Anzug mit kurzem Kragen dahin vegetieren würde.
Die Chinesen waren schlau genug, den Kapitalismus als Instrument des Kommunismus zu erfinden.
Sie sind, wie US-Präsident Donald Trump uns täglich versichert, auf dem besten Weg, uns zu überholen.
„Arm und redlich“ ist in vielen Schweizer Regionen noch heute die einzige Perspektive, die sich einer Familie bietet. Und ich schreibe an dieser Stelle bewusst von Familien, die eigene Kinder haben, damit es in hundert Jahren noch echte Schweizerinnen und Schweizer gibt.
Wie weiter?
Einmal abgesehen von Ausnahmetalenten wie Peter Spuhler, Michael Pieper, Christoph Blocher und Hans-Peter Wyss, sehe ich wenig Milliardärsnachwuchs in der Schweiz heranwachsen.
Nicht einmal Urs Schwarzenbach, dem Währungsspekulanten und Dolder-Besitzer, nehme ich ab, dass er ein echter Milliardär ist.
Unter dem weiter anhaltenden Druck der Globalisierung kann der Normalverdiener in der Schweiz auf Dauer nur ärmer werden. Es gibt keinen Grund, einem HSG-Absolventen mehr zu bezahlen als einem Absolventen der Universität Mannheim oder Mumbai.
An der Universität St. Gallen wurde das Bologna-Modell in der Schweiz vor 20 Jahren zuerst eingeführt. Versprochen wurde allen Studenten in Europa, auch in der Schweiz, ein echter Aufbruch. Sogar eine Rückbesinnung auf humanistische Werte, die Europa einen, stand auf dem Bologna-Programm.
Was ist daraus geworden? Eine chaotische EU, ein weiterhin zerrissenes Europa. Eine Schweiz, die schon seit einiger Zeit im globalen Wettbewerb zurück fällt.
Es war die Rede von mehr sozialer Verantwortung, die von Europas Hochschulen ausgehen werde. Was ist daraus geworden?
Ein Lernstress ohne hervorragende Ergebnisse. Milliarden wurden in den Sand gesetzt, ein Zeichen dafür, dass Europa schon einmal reicher war, als es heute ist.
Weil der Normalbürger und -leser dieser Kolumne längst ohne Erinnerung aufwächst und den Überblick weitgehend verloren hat, wird der Weg in die unfreiwillige Armut der „Glücks-Ökonomie“ , die jetzt in Zürich gelehrt wird, unaufhaltsam sein.
Wie viel Geld braucht der Mensch? Zur Erhaltung unserer Konsumgesellschaft unter Berücksichtigung zu vermeidender Umweltschäden genügt ein 25 Millionen Franken-Vermögen, dazu ein jährliches Familieneinkommen von 250’000 Franken brutto.
Was übrig bleibt, fliesst in die Rettung Afrikas und anderer benachteiligter Weltregionen, dient dem Aufbau einer umweltverträglichen Gesellschaft und zur Einlösung aller Versprechen und Hoffnungen, die Politiker aller Fraktionen uns bis zum Wahlherbst 2019 machen werden.