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Weil Roger Federer auf die Teilnahme beim erstmals durchgeführten ATP-Cup verzichtet, entgehen dem Schweizer Tennis-Profi Henri Laaksonen mindestens 30'000 Dollar Preisgeld. Sein Trostpflaster? 2580 Dollar.
Roger Federer, der Superreiche. Und Henri Laaksonen, der Proletarier der Tenniswelt. Beim ATP-Cup in Brisbane, Perth und Sydney hätten sie die Schweiz dieser Tage vertreten sollen. Doch Ende November, er war gerade von einer Südamerika-Tour zurückgekehrt, die ihm geschätzte 10 Millionen Dollar eingebracht hat, zieht Federer seine Zusage zurück und macht familiäre Gründe geltend. Ende Dezember reiste er für ein Wochenende und zwei Schaukämpfe nach Hangzhou im Osten Chinas, Neujahr verbrachte er in der Schweiz und trainierte danach an seinem Zweitwohnsitz in Dubai.
Weil für Stan Wawrinka (34) eine Teilnahme beim ATP-Cup gar nie zur Debatte stand, verlor die Schweiz ihren Startplatz an Moldawien. Leidtragender dieser Rochade ist Henri Laaksonen, immerhin die Nummer 101 der Welt.
Letzten Mai wurde der 27-Jährige in Paris zwar zum Preisgeld-Millionär, doch der Begriff ist irreführend. Spieler wie Laaksonen kommen oft nur sehr knapp über die Runden. Etwa ein Viertel der Preisgelder geht direkt an das Steueramt. Was bleibt, reicht mehr schlecht als recht zum Leben.
Laaksonen beschäftigt mit David Pultr einen Coach, mit den Spesen für zwei Personen hat er Ausgaben von mindestens 150'000 Dollar im Jahr. Laaksonen hat keine Wohnung, nur ein Auto, mit dem er oft an die Turniere reist. Ist er verletzt und verdient er deshalb kein Preisgeld, springt keine Versicherung ein. 2018 litt er unter lange Zeit rätselhaften Entzündungen. Er spielte trotzdem, aber ohne Erfolg. Er trainierte trotzdem, aber ohne sich wie gewohnt von den Anstrengungen zu erholen. Erst eine Umstellung der Ernährung und der Verzicht auf Meeresfrüchte brachte Erlösung.
Mit einem Preisgeld von knapp 400'000 Franken war das letzte Jahr das finanziell gesehen einträglichste für Laaksonen. Fast drei Viertel seiner Einkünfte erspielte er bei den Australian Open, den French und den US Open, wo er jeweils die zweite Runde erreichte. Seinen bisher grössten Check nahm Laaksonen im September in New York entgegen: 100'000 Dollar.
Laaksonen hat eine Saison damit zum dritten Mal in Folge mit einem kleinen Gewinn abschliessen können. Davor hatte er allerdings während acht Jahren Schulden angehäuft. In seinen ersten fünf Profi-Jahren kam er kumuliert auf «nur» 110'000 Dollar Preisgeld. Eine Rechnung, die langfristig nicht aufgehen kann. Ohne die finanzielle Unterstützung des Schweizer Verbands, der seine Karriere über mehrere Jahre mit etwas mehr als einer halben Million Franken alimentiert hat, wäre Laaksonen wohl längst nicht mehr als Tennis-Profi unterwegs.
Für Laaksonen wäre der ATP-Cup an der Seite von Roger Federer nicht nur sportlich ein Höhepunkt gewesen, sondern auch finanziell wichtig. Die Absage reisst ein tiefes Loch in seine Kasse. Als Nummer-2-Spieler mit einem Ranking zwischen 100 und 200 in der Weltrangliste hätte er alleine für sein Antreten 30'000 Dollar kassiert. Einzel-Siege in Gruppenspielen werden mit 27'600 Dollar Preisgeld honoriert. Bei den drei Doppeln an der Seite von Federer hätte Laaksonen zudem drei Mal die Chance gehabt, weitere 8375 Dollar zu verdienen.
Doch das ist noch nicht alles: Jeder Sieg Federers in der Gruppe hätte für Laaksonen mit je 9850 Dollar zu Buche geschlagen. Heisst: Hätte Federer seine drei Gruppenspiele im Einzel alle gewonnen, hätte Laaksonen weitere 29'550 Dollar erhalten. Maximal hätte Laaksonen beim ATP-Cup 738'885 Dollar verdienen können. Laaksonen verpasst damit den grössten Jackpot seines Lebens.
Groll gegenüber Federer oder Wawrinka hegt er indes keinen. «An diesem Punkt seiner Karriere muss Roger alles sorgfältig planen. Er hat so viel fürs Tennis gemacht und ich hoffe, dass er noch lange spielen wird», sagt Laaksonen, der im Dezember zum vierten Mal nach 2012, 2013 und 2014 Schweizer Meister wurde.
In die Saison startete Laaksonen gleichwohl in Australien. Nicht in Sydney, wo die Schweiz beim ATP-Cup hätte spielen sollen. Wegen der verheerenden Buschbrände auch nicht in Canberra, wo das Challenger-Turnier hätte stattfinden sollen, sondern in Bendigo, 620 Kilometer westlich der Hauptstadt Australiens. Bendigo wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet und ist das Ergebnis eines Goldrauschs. Für Henri Laaksonen war die Reise indes wenig einträglich. Er verlor in den Achtelfinals. Preisgeld: 2580 Dollar. Kommende Woche spielt er bereits in Melbourne. Bei den Australian Open muss er durch die Mühlen der Qualifikation. In der Hoffnung auf den nächsten Jackpot.