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Klosters GR, 1,25 Milliarden
750 Millionen Franken. Oder 40 Milliarden. Ersteres ist die Summe, die Nathaniel Rothschild (41) selbst als sein Erbe genannt hat. Zweiteres soll womöglich in verschiedenen Trusts in der Schweiz nach dem Tod seines Vaters auf ihn warten.
Nathaniel ist einziger Sohn und designierter Nachfolger von Baron Jacob Rothschild (76), dem gegenwärtigen Chef der Bankierdynastie. Er wurde in bester Gesellschaft in Eton erzogen. An der Oxford University gehörte er dem konservativen Bullingdon Club an, aus dem sich ein Teil der gegenwärtigen britischen Regierung rekrutiert.
Als Sohn eines Barons darf sich Nathaniel «ehrenwert» nennen. Als Student machte er vor allem mit Partys und wechselnden Freundinnen Furore – später soll er eine Liebschaft mit Filmstar Natalie Portman unterhalten haben. Seine Finanzkarriere begann er 1994 bei Vermögensverwaltungsfirmen, und er gründete bald mit Partnern den Investmentfonds Atticus. «Geld gebiert Geld», heisst es, und obwohl wir seit Marx wissen, dass das ein Hirngespinst ist, stimmt es auch, insbesondere im neoliberalisierten Finanzmarkt.
Etwa wenn man mit einem Finanzvehikel die Trendkleidermarke Kookaï aufkauft, «restrukturiert» und mit grossem Gewinn weiterverkauft. Explayboy Rothschild entwickelte mithilfe seines Beziehungsnetzes ungeahnte neue Fähigkeiten. In den letzten Jahren hat er sich mit verschiedenen Finanzfonds vor allem im Rohstoffsektor betätigt. Den wichtigsten Kontakt stellte er zu Oleg Deripaska her, dem Vorsitzenden des russischen Aluminiumproduzenten Rusal. Deripaska öffnete ihm Türen zu anderen Bergbaumagnaten. Etwa zu Ivan Glasenberg von Glencore. Rothschild investierte dort und sahnte 2011 beim Börsengang von Glencore kräftig ab.
Die russische Connection verursachte auch politische Kontroversen. 2005 lud Rothschild EU-Handelskommissar Peter Mandelson am WEF in Davos zu einer Reise in seinem Privatjet nach Russland ein, um dort «privat» eine Deripaska-Aluminiumschmelze zu besichtigen. 2008 fand sich Mandelson, nun als Mitglied der britischen Labour-Regierung, bei einer Party auf Rothschilds Jacht vor Korfu ein. Dabei war auch Rothschilds Jugendfreund Peter Osborne, damals Finanzspezialist der konservativen Opposition. Nachdem Osborne in der Öffentlichkeit Klatsch ausgebreitet hatte, kündigte ihm Rothschild die Freundschaft und deutete in einem Leserbrief an die «Times» an, Osborne habe versucht, Deripaska eine – illegitime – Parteispende zu entlocken.
Mit 33 zog Rothschild in die Schweiz, nach Klosters, wo er weiterhin seinen Stützpunkt hat. Doch in den letzten zwei Jahren scheint er den Midas-Touch verloren zu haben. Zwei seiner Finanzvehikel zur Ausbeutung von indonesischer Kohle beziehungsweise von Öl im Nordirak haben kürzlich 40 beziehungsweise 22 Prozent an Wert verloren. Vielleicht arbeitet Nathaniel deshalb gegenwärtig so fieberhaft. Jedenfalls war sein Telefon in Klosters für das Together-Team während Tagen besetzt.