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Isabel Koellreuter: "Ich bin Isabel Koellreuter. Zusammen mit Patrick Kury und Franziska Schürch hatte ich die wunderbare Aufgabe, das Konzept von Band 6 auszuarbeiten. Wir durften uns durch einen Wust an Material arbeiten, durch spannende Bücher, Masterarbeiten und Dissertationen; immer mit dem Ziel, herauszufiltern, was denn tatsächlich so besonders war an diesem Basel von 1856-1914, dieser "so wilden Zeit".
Auf unserem ersten Bild sieht man Basel um 1900. Man blickt vom St.-Johann-Quartier auf den Rhein in Richtung Kleinbasel und auf drei Brücken: Auf die damals neu gebaute Wettsteinbrücke ganz hinten, auf die noch neuere Johanniterbrücke ganz vorne, und auf die Mittlere Brücke in der Mitte. Die Mittlere Brücke befand sich damals gerade im Bau. Sie ersetzte die alte und verbrauchte Brücke, die dem neu aufkommenden Verkehr nicht mehr standhalten konnte. Das Häusermeer wird auf der Grossbasler Seite durch einige Kirchtürme rhythmisiert, auf der Kleinbasler Seite durch zahlreiche Schornsteine, die aus dem Häusermeer ragen. Man sieht dabei, wie dicht die Stadt zugebaut worden ist, und man sieht die grossen Mietskasernen auf der Kleinbasler Seite.
Dieses Basel um 1900 war nicht mehr dieselbe Stadt wie um 1856. Es war viel grösser, es war viel in Bewegung, es gab extrem viele neue Menschen. Und sehr viele dieser Menschen lebten in prekären Verhältnissen: In beengten Wohnungen und mit tiefen Löhnen. Die permanent schwierigen Lebensumstände führten entsprechend zu Unmutsbekundungen und zu Konflikten.
Einen solchen Konflikt sieht man auf unserem nächsten Bild. Es ist ein Bild von 1903 und zeigt einen Maurer-Streik. Es ist eines der seltenen Bilder aus dieser Zeit, auf denen Arbeiter zu sehen sind; normalerweise zeigen die Bilder eine geordnete Stadt. Doch hier hielt der Fotograf eine Unmutsbekundung fest: Er blickt von der Grossbasler Seite auf die Kleinbasler Seite in Richtung Café Spitz und zeigt die Basler Maurer beim Streik. Die Maurer protestieren gegen schlechte Arbeitsbedingungen, gegen zu lange Arbeitszeiten und gegen zu tiefe Löhne.
Auch davon handelt unser Band 6: Es geht um Konflikte und um eine Art Suchbewegung, um die Suche nach neuen Balancen. Man muss sich erst wieder finden in diesem Basel um 1900, das so neu ist, so reich an neuen Menschen und Themen."