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Von der touristischen Nutzung als Spazierweg zeugen die vielen Postkarten vom Felsenweg. Was aus heutiger Sicht alltäglich ist, war lange Zeit nicht selbstverständlich. Das Gehen zu Fuss wurde bis weit ins 18. Jahrhundert möglichst vermieden. Zu Fuss ging nur wer sich nichts anderes leisten konnte. Wer Freizeit hatte, gönnte sich einen Ausritt, eine Spazierfahrt oder allenfalls eine Promenade in einem wohl geordneten, geometrisch angelegten Schlosspark. Gesellige Spaziergänge selbstbewusster Bürger in romantischer Natur, wie sie in der Belle Epoque gross in Mode waren, kamen um die Mitte des 19. Jahrhundert auf. Voraussetzung war ein gewandeltes Verhältnis zur Natur, die nun nicht mehr als bedrohlich, sondern als bewundernswert eingestuft wurde. Hinzu kam, dass die zeitgenössische Gesundheitsprophylaxe die Bewegung in der frischen Luft propagierte. Vielerorts wurden in der Folge Spazierwege angelegt, so auch in vielen Touristenorten.
Wer spazierte den Felsenweg entlang?
In den Anfängen waren es vor allem Angehörige des wohlhabenden Bürgertums. Dies verdeutlichen auch die Bilder vom Felsenweg, die Menschen in teurer Garderobe zeigen, wie sie das gehobene Bürgertum damals trug (Abb. 1, Abb. 2). Die überwiegende Mehrheit der Gäste kam aus dem Ausland, namentlich aus England, Belgien, Deutschland und Frankreich. Nach dem Ersten Weltkrieg waren zunehmend auch wohlhabende Einheimische auf dem Felsenweg anzutreffen. Die meisten anderen konnten sich bis in die 1960er-Jahre kaum Reisen und Ferienaufenthalte leisten. Nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus kulturellen Gründen verbrachten sie ihre Freizeit, die es seit der Industrialisierung zunehmend für alle gab, vor allem zu Hause. Die internationalen Berühmtheiten aus Showbusiness und Politik, für die der Bürgenstock weitum bekannt ist, waren in den 1950er- und 1960er-Jahren auf dem Bürgenstock zu Gast. Jawaharal Nehru gehörte ohne Zweifel zu ihnen. Ein Foto von 1951 zeigt ihn zusammen mit seiner Tochter und späteren indischen Premierministerin Indira Ghandi auf der Hammetschwand (Abb. 3).
Abb. 3: Jawaharal Nehru (in hellem Mantel) und Indira Ghandi (Bildmitte) anlässlich des Besuches auf der Hammetschwand
Wie wurde der Felsenweg zu Beginn gesichert?
Wie das historische Bild (Abb. 4) zeigt, gab es zu Beginn ausser einem Geländer entlang des Weges keine Sicherheitsvorkehrungen. Soweit bekannt ist, störte sich damals niemand an diesem Umstand. Vielmehr wurden in Zeitungsartikeln und Reiseführern das sichere Geländer oder die Sicherheit des Weges insgesamt betont.
Abb. 4: Ansichtskarte der Talstation des Hammetschwand-Lifts
Zu einer ersten (aktenkundigen) Beanstandung der Wegsicherheit kam es 1908 als ein Gast aus Zürich die Stabilität des Gehsteges in Frage stellte. Die darauffolgenden Untersuchungen durch den Stadt- und den Kantonsingenieur ergaben, dass die Betonplatten ungenügend armiert waren und eigentlich nur gerade ihr Eigengewicht zu tragen vermochten. Während heute alleine der Anblick des Gehsteges (Abb. 5) ein mulmiges Gefühl hervorruft und der Weg bei einem derartigen Befund umgehend gesperrt würde, blieb er inklusive Gehsteg bis in die 1970er-Jahre offen. Dem Betreiber wurden lediglich regelmässige Belastungsproben auferlegt.
Abb. 5: Gehsteg vor der Fertigstellung des Geländers
Wie wird der Felsenweg heute gesichert?
Der Blick vom Standort aus in Richtung Lift macht deutlich, dass der Sicherung des Felsenweges heute ein sehr viel grösseres Gewicht zukommt als in den Anfangsjahren. Um die Risiken für die Gäste zu reduzieren, wurden entlang des Weges vielerorts aufwändige Felssicherungsmassnahmen installiert.
Abb. 6: Steinschlagnetze
Steinschlagnetze wie in Abb. 6 ersichtlich haben die Funktion, Wegabschnitte direkt vor Steinschlag zu schützen. Das Besondere an diesen Netzen ist ihre flexible Stahldrahtkonstruktion, welche dafür sorgt, dass auch schwere und aus grosser Höhe herabstürzende Felsblöcke aufgefangen werden.
Abb. 7: Mit Spritzbeton stabilisierte Trockensteinmauer
Spritzbeton wird zur Sicherung von Trockensteinmauern und Felswänden verwendet. Er verfestigt aufgelockertes Gestein sowie Klüfte, Spalten und Risse.
Abb. 8: Felsnägel
Um einzelne Felsblöcke zu sichern, werden Anker und Nägel eingesetzt. Sie werden oft als Ergänzung zum Spritzbeton eingesetzt.
Abb. 9: Drei Weg-Generationen im östlichen Teil des Felsenwegs
Sehr heikle Wegstellen umgeht man heute mit einem Tunnel. Abb. 9 zeigt nebst dem 1905 gebauten Gehsteg (1) zwei Tunnelgenerationen. Der äussere rechte Tunnel (2) wurde 1991 gebaut, der Tunnel ganz links im Bild (2) zwischen 2001 bis 2008. Trotz aller Sicherungsmassnahmen müssen die Felshänge über dem Weg regelmässig abgesucht und Lockermaterial entfernt werden. Dabei wird der Berg Meter für Meter abgeklopft und lockere Steine werden herausgeschlagen.