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Ramadan ist der 9. Monat des islamischen Mondkalenders. Weil der Mondkalender 10 Tage kürzer ist als der Gregorianische Kalender ist Ramadan jedes Jahr 10 Tage früher. Jetzt und in den nächsten Jahren fällt Ramadan direkt in den Sommer in der nördlichen Hemisphäre. 2011 war der erste August der Beginn, dieses Jahr (2015) fängt er am 18. Juni an. Gläubige Muslime sollen während dem Ramadan fasten. Das bedeutet in dem Fall, dass sie zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken dürfen. Fällt Ramadan in den Sommer bedeutet das auch, dass man länger fasten muss – zwischen 16-20 Stunden, weil wir länger Tageslicht haben. Nach Sonnenuntergang wird dafür um so mehr gegessen und dann auch wieder vor Sonnenaufgang. Der Tagesrhythmus wird also praktisch umgekehrt und statt 3 Hauptmahlzeiten gibt es nur noch 2. Fasten bedeutet: Kein Essen, kein Trinken, keine oralen Medikamente und keine Injektionen von Flüssigkeiten mit Nährwert. Das Fasten ist obligatorisch für alle Muslime – ausgenommen sind:
- Kinder vor der Pubertät
- Ältere Menschen
- Chronisch Kranke oder solche, die regelmässig Medikamente nehmen müssen
Zeitweilig ausgeschlossen vom Fasten müssen sind auch:
- Schwangere und Stillende – wenn das Fasten einen negativen Einfluss auf Mutter und Kind hat
- Solche, die lange Distanzen reisen müssen
- Menstruierende Frauen
- diese sollten dann aber das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Obwohl Kranke und solche mit Dauermedikation eigentlich ausgeschlossen sind, gibt es unter diesen welche die das Fasten trotzdem durchführen möchten und deshalb nicht mehr ihren Medikationsplan einhalten – was zu therapeutischem Versagen führen kann. Aslam et al hat eine Untersuchung zu dem Thema gemacht um zu sehen, was für einen Einfluss der Ramadan auf das Folgen des Therapieplans hat. Sie fanden, dass von 81 Muslimischen Patienten 42% ihrem normalen Medikationsplan treu blieben, 58% wechselten ihr Einnahmeschema. Unter der 2. Gruppe stoppten 35 Patienten ihre Behandlung ganz, 8 änderten das Einnahmeschema und 4 nahmen alle ihre täglich einzunehmenden Medikamente abends aufs Mal ein. Als Apotheker sollte man im Kopf behalten, dass es teilweise alternative Dosierungen oder Dosierungsschemen gibt – und Ärzte und Patienten entsprechen instruieren. Es gibt Anwendungsformen die mit dem Fasten kompatibel sind. Ein religiöses Seminar das 2007 in Morokko abgehalten wurde wollte da Klarheit schaffen. Die Teilnehmenden waren Muslimische Juristen, Religionsexperten, Ärzte und Pharmakologen. (Recommendations of the 9th Fiqh-Medical seminar “An Islamic View of Certain Contemporary Medical Issues,” Casablanca, Morocco, 14-17 June 1997) Diese waren damit einverstanden, dass die folgenden Anwendungsformen/-wege das Fasten nicht beeinflussen:
- Augen und Ohrentropfen
- Alle Substanzen, die in den Körper via Haut aufgenommen werden, wie Cremen, Salben und medizinische Pflaster
- Formen, die vaginal angewendet werden: Ovula, Vaginaltabletten, Vaginale Waschungen
- Injektionen durch die Haut, in Muskel, Gelenke oder Venen – mit der Ausnahmen von intravenöser Ernährung.
- Sauerstoff und Gase zur Anästhesie
- Nitroglycerin Tabletten oder –Sprays, die unter die Zunge gegeben werden für die Behandlung von Angina pectoris
- Mundspülungen, Mundsprays – vorausgesetzt sie werden nicht geschluckt.
Eine Mehrheit der Teilnehmer des Meetings fügten dem noch hinzu:
- Nasentropfen, Nasensprays und Inhalationen
- Klistiere
- Operationen, die Allgemeinanästhesie benötigen, wenn der Patient sich entschieden hat zu fasten Lies den Rest dieses Beitrags
ein Apotheker ist „nicht der Erfüllungsgehilfe des Arztes“, der sich auf seine ärztliche Therapiehoheit berufen könne. Arzt und Apotheker bildeten vielmehr eine „Behandlungsgemeinschaft“, woraus sich für den Apotheker eine formale und auch eine inhaltliche Prüfungspflicht ergibt, bevor ein Apotheker ärztlich verordnete Rezepte bedienen darf.
Ja – derartiges habe ich auch schon geschrieben – zuletzt in der Umfrage auf dem Blog, ob man bei einem Rezept mit Unklarheit in der Diagnose den Arzt anrufen und nachfragen sollte.
Obiges Zitat stammt übrigens aus einer aktuellen Urteilsverkündung aus einem deutschen Fall. Im langjährigen Gerichtsfall wurde ein Apotheker angeklagt und jetzt auch verurteilt
Ich finde den Fall etwas unglücklich und sympathisiere mit dem Apotheker, dem selbst das Gericht ein recht mildes Urteil auferlegt hat –
Verurteilt wurde er wegen unerlaubten Handelstreibens durch Abgabe von Betäubungsmitteln, Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne Rezept zu drei Jahren Haftstrafe. Er behält aber seine Berufsbewilligung und kann danach weiter arbeiten.
Das hört sich jetzt reichlich übel an, aber man sollte den Hintergrund der Geschichte mit einbeziehen:
Der Apotheker (übrigens in meinem Alter) hat vor etwa 15 Jahren die Apotheke seines Vaters übernommen (das muss dem Fall sehr bald nach dem Studium passiert sein). Im selben Haus ist eine Arztpraxis mit einer Genehmigung für die Substitutionsbehandlung von bis zu 100 Patienten. Der Arzt hat Betäubungsmittelrezepte ausgestellt – und der Apotheker hat sie beliefert. Auch nachdem ihm mit der Zeit auffallen musste, dass da einiges nicht stimmte: die Höchstmengen wurden ohne entsprechende Kennzeichnung überschritten, die vorgeschriebenen Einnahmehinweise für den Sichtbezug gab es nicht. Auf Privatrezepten wurden für Erwachsene (noch vor der Zulassung dafür) grosse Mengen Ritalin verordnet. Die Medikamente wurden direkt in die Praxis geliefert – die neben der Substitutionsbehandlung einen florierenden Schwarzmarkthandel für die Medikamente aufzog.
Während der polizeilichen Vernehmung hat der Apotheker übrigens ausgesagt, mehrfach den Kontakt zum Arzt gesucht zu haben, von diesem jedoch äußerst herrisch abgewiesen worden zu sein.
Offenbar war er dadurch derart eingeschüchtert, dass er dann einfach weiter die Rezepte belieferte – und das macht ihm das Gericht zum Vorwurf: er hätte den Arzt melden müssen … oder zumindest die Abgabe verweigern.
Zum Verhängnis wurde ihm bei dem Gerichtsfall aber noch etwas anderes: eine PTA in der Apotheker, deren Mann offenbar ein bekannter Drogenhändler war, bestellte und lieferte diesem kilogrammweise Lidocain. Die Mitarbeiterin will ihren Chef um Erlaubnis gebeten haben – mit Verweis auf einen angeblichen Schwager, der in Bosnien als Arzt arbeitet. Insgesamt gingen 350 kg Lidocain über den Ladentisch – die dann zum Strecken von Cocain verwendet wurden. Lidocain selber darf eigentlich verkauft werden, aber nicht, wenn das danach zum Herstellen (oder hier Strecken) von Drogen verwendet wird. Die Menge Lidocain ist denn auch den Behörden aufgefallen, die daraufhin die Apotheke überwachte und dem Apotheker wurde schliesslich zum Verhängnis, dass er in Ferienabwesenheit der PTA selber 20kg Lidocain bestellt und verkauft hat – zum Einkaufspreis.
Überhaupt … der Apotheker war alles andere als geschäftstüchtig: während der Arzt (gegen den ein separates Verfahren am laufen ist) einen luxuriösen Lebensstil führte, soll dieser die Medikamente nach vorläufigem Kenntnisstand nie bezahlt haben. Ein sechsstelliger Betrag wäre dann noch offen.
In der mündlichen Urteilsbegründung wurde festgestellt, die Initiative sei nicht von dem Apotheker ausgegangen und er habe auch keinen persönlichen Vorteil gehabt, sondern sogar „draufgezahlt“. Das Gericht gehe davon aus, dass keine Wiederholungsgefahr vorliegt und der Verurteilte bereits seit langem alle Gesetze und Vorschriften exakt einhält.
„Wert“ war es das ganze sicherlich nicht. Aber (um etwas positives darüber zu sagen) zumindest zeigt es, dass wir Apotheker unseren Beruf (und die damit verbundenen Kontroll-Aufgaben) wirklich ernst nehmen sollten und dafür einstehen, wenn uns bei einem Rezept etwas seltsam vorkommt. Wir sind eben nicht bloss die Erfüllungsgehilfen des Arztes … schön, dass das hier so deutlich gesagt wird.
Das oben ist ein Rezept (ja – trotz nettem Gruss vom Arzt drauf) für ein Blutdruckmessgerät.
Problem nur: die kann der Arzt wohl auf Rezept aufschreiben -leider werden die aber hier in der Schweiz nicht von der Krankenkasse übernommen. Jedenfalls nicht von der Grundversicherung, da sie nicht auf der Mittel und Gegenstände-Liste stehen. Was die Zusatzversicherung angeht … die können praktisch machen, was sie wollen. Von manchen wird das bezahlt, von anderen nicht … Da bringt es leider auch nichts, wenn da mal ein Grund auf dem Rezept draufsteht, wegen was das Blutdruckmessgerät gebraucht wird. (Und was für ein seltsamer Grund ist das? Muss ich das wissen?)
P.S: Nein, das hat tatsächlich keinen Zusammenhang mit der Dame aus dem letzten Blog-Post.
Die gut angezogene, ältere Frau Noble, die mir bisher nur als Kosmetikkundin aufgefallen ist, kommt am späteren Vormittag in die Apotheke: „Messen Sie auch den Blutdruck?“
Pharmama: „Ja. Das kostet …“
Frau Noble: „Okay – Und Blutzucker?“
Pharmama: „Machen wir auch, dafür sollte man aber nüchtern sein, also über 8 Stunden nichts gegessen und …“
Frau Noble: „Ich bin nüchtern.“
Pharmama: „Gut – dann kann ich Ihnen das gleich messen?“
Frau Noble: „Ja, bitte.“
Im Beratungsraum. Ich mache erst den Blutzucker, damit sie dann für die Blutdruckmessung schon ein paar Minuten gesessen ist.
Pharmama: „Ihr Blutzucker ist 10,7 – das ist hoch, vor allem, wenn Sie wirklich nichts gegessen haben.“
Frau Noble: „Habe ich nicht.“
Pharmama: „Okay – er ist zu hoch. Da wäre es nötig etwas zu machen. Haben Sie einen Hausarzt?“
Frau Noble: „Ja, habe ich. Ich mag aber keine Medikamente nehmen.“
Pharmama: „Das wäre bei dem Blutzucker aber wichtig.“
Ich erkläre ihr was für einen Effekt ein zu hoher Blutzucker auf ihre Gesundheit hat.
Sie ist immer noch in Abwehrhaltung.
Pharmama: „Messen wir doch mal den Blutdruck.“
Der ist auf 201/90.
Pharmama:“Ihr Blutdruck ist auch viel zu hoch.“
Frau Noble: „Das sagt der Arzt auch, bei dem ich gerade war.“
… (Aha?)
„Ich habe es nur nicht geglaubt, Ich wollte mir noch eine zweite Messung einholen.“
Pharmama: „Nun – ich denke, sie können es ihm nach der Messung jetzt wirklich glauben. Ihr Blutdruck und ihr Blutzucker sind zu hoch. So hoch, dass man etwas machen muss.“
Sie will diskutieren: „Früher, da hat man das alles nicht gemessen!“
Pharmama: „Ja, das ist richtig. Man wusste früher aber auch einiges nicht, was man heute weiss – auch das Wissen in der Medizin macht Fortschritte. Man weiss heute, dass zu hoher Blutzucker und zu hoher Blutdruck sehr schädlich sind für die Gesundheit und man, wenn man das behandelt vielen Schäden vorbeugt.“
Frau Noble (abwertend): „Was kann da schon passieren?“
Pharmama: „Ehrlich? Sie bekommen eher einen Schlaganfall oder ein Herzinfarkt, wenn Sie da nichts machen.“
Frau Noble: „Aber die Messgeräte – die zeigen auch nicht immer das selbe an, das sehe ich auch an meinem. Wie genau sind die schon?“
Pharmama: „Die dürfen gewisse Abweichungen haben, aber, schauen sie – das Blutdruckmessgerät: wenn das +/- 5 mm anzeigen darf vom „richtigen Wert“ – egal, ob sie 206 oder 196 systolischen Blutdruck haben – das ist beides immer noch viel zu hoch.“
Frau Noble: “Und ich habe gelesen, dass die Pharmafirmen die Vorgaben, immer weiter nach unten anpassen, damit sie mehr Medikamente verkaufen können!“
Pharmama: „Das stimmt nur bedingt. Sehen Sie, wir wissen, dass ein hoher Blutdruck schadet und man damit früher stirbt, speziell an Schläglein und Infarkten. Also will man einen normalen Blutdruck. Was ist ein normaler Blutdruck? Für einen gesunden Menschen im mittleren Alter ist das um die 120/90. Ab wann würden sie dagen ist der Blutdruck zu hoch? 123 wohl noch nicht. 130 auch nicht 140? 150? Jetzt kommen wir in die Zone, wo es für den Körper unangenehm wird, wenn das langfristig hoch ist. Mit 200 … da sind sie weit drüber. Da müssen sie etwas machen. Wir müssen ihn nicht auf die 120 herunter bringen, aber unter 140 wäre ein erstrebenswertes Ziel – Und dafür müssen Sie Medikamente nehmen.“
Ich warte.
Sie zückt ein Rezept.
AHA!
Auf dem Rezept: Metformin Tabletten und Atorvastatin Tabletten.
Pharmama: „Oh: das ist gut! Das ist das, was sie brauchen.“
Frau Noble: „Ich nehme nicht gerne Tabletten.“
Pharmama: „Das verstehe ich. Das mache ich auch nur, wenn es nötig ist. Bei ihnen ist es nötig.“
Aber … auf dem Rezept fehlt in meinen Augen ein Blutdruckmittel.
Pharmama: „Ich finde, sie sollten unbedingt auch etwas für den Blutdruck haben.“
Frau Noble: „Steht denn da nichts auf dem Rezept?“
Pharmama: „Nein – etwas gegen den Blutzucker und ein Cholesterinsenker … wenn es okay für sie ist, würde ich gerne den Arzt anrufen und ihn fragen, ob er auch ein Blutdruckmedikament aufschreibt.“
Frau Noble: „Hmmm …. Na gut.“ willigt sie eher widerstrebend ein.
Also verlasse ich den Beratungsraum und laufe zum Telefon.
Da ruft sie mir quer durch die Apotheke hinterher: „ABER SAGEN SIE DEM ARZT NICHT, WAS SIE BEI MIR GEMESSEN HABEN!!“
Ach neee … und wie mache ich das jetzt?
Vielleicht so. Ich rufe dem Arzt an.
„Guten Tag Herr Doktor, ich habe gerade Frau Noble bei mir in der Apotheke. Sie hat mir ein Rezept gebracht für Metformin und Atorvastatin – sie hat aber auch einen hohen Blutdruck … sollte da nicht noch ein Blutdruckmedikament auf dem Rezept stehen?“
Doktor: „Oh – sie löst das Rezept tatsächlich ein? Das ist gut. Nein, ich weiss, dass sie einen zu hohen Blutdruck hat … aber Frau …. ist ziemlich incompliant ..” (bedeutet: sie befolgt die Arztanweisungen nicht und nimmt ihre Medikamente nicht richtig)
Pharmama: „Jaaa, das habe ich gemerkt“
Doktor: “… Sie soll erst mal diese Medikamente so nehmen, wie ich es aufgeschrieben habe – und sie hat nächste Woche einen Termin, dann sehen wir weiter.“
Das ist schon mal nicht schlecht, aber mit einem Blutdruck über 200 – da mache ich noch einen Versuch:
Pharmama: „Das sage ich ihr so – aber … ihr Blutdruck IST wirklich hoch.“
(Noch deutlicher kann ich nicht werden, wenn ich ihm nicht sagen darf, dass ich ihn gemessen habe)-
Doktor: „Ja, ich weiss – aber sie hat zu Hause ein Messgerät, sie soll diese Woche noch selber messen und die Daten eintragen und mitnehmen.“
Je nun – ich hab’s wirklich versucht.
Ich gebe der Frau Noble neben den Medikamenten noch einen Blutdruckpass mit – auf dem geschrieben steht, was denn die Werte sein sollen. Erinnere sie noch einmal daran, wie wichtig es ist, die Medikamente zu nehmen (auch wenn sie das nicht gerne nimmt) und hoffe das Beste für die Zukunft.
Eine Bruchrille ermöglicht in der Regel das einfache Spalten einer Tablette in zwei identische Teile.
Es ist aber so, dass das Vorhandensein einer Bruchrille keinen Rückschluss darüber erlaubt, ob eine Tablette tatsächlich teilbar ist. Einige Tabletten tragen eine Zierbruchrille (Schmuckrille) und sollten nicht geteilt werden – auch weil das dann die Freisetzung und damit die Wirkung verändert (Diclac, Dilzem, Sinemet, Zyloric). Bei anderen wird darauf aufmerksam gemacht, dass das Teilen nur als Hilfe für das Schlucken dient, daraus aber nicht zwei Teile mit identischer Dosis entstehen (zum Beispiel Dafalgan 1g, Triatec 1.25, Telfastin und viele mehr).
Im Zweifelsfall soll also immer die Packungsbeilage oder die Arzneimittel-Fachinformation konsultiert werden – oder die Apotheke.
Rezept 2 war auch vom Spital, andere Abteilung und lustigerweise diesmal nicht der Arzt, sondern die Patienten nicht ursprünglich aus der Schweiz … weshalb es wohl schon dort Kommunikationsprobleme gab.
Erst mal zum Rezept:
1 OP Nexium 40mg S: 2-0-0 für 2 Wochen, dann 1-0-0 für 2 Wochen
1 OP Bepanthen Lösung
5ml + 5ml NaCl 0.9% zur inhalation 2 x täglich
Die ersten Diskussionen gab’s beim Nexium, wo der Patient trotz meiner Erklärungen, dass es da ein wirklich identisches (!) Mittel zum fast halben Preis gibt auf dem Original bestand.
Dann frage ich nach einem Blick auf die Anwendung bei der Bepanthen Lösung nach, ob er denn ein Inhalationsgerät habe. Hat er nicht.
Pharmama: “Dann müssen Sie eines mieten, anders können sie das nicht so anwenden, wie der Arzt das aufgeschrieben hat.”
Mann: “Er hat gesagt, ich könne mir das einfach in Mund sprühen.”
Pharmama: “Nicht ganz. Das Bepanthen ist kein Spray, dann steht hier auch mischen mit Salzlösung und inhalieren, dafür brauchen Sie ein Gerät.”
Mann: “Rufe Sie für mich bei Arzt an, dass er dafür ein Rezept schickt.”
Hmmpf. Ins Spital, schon wieder (und das Rezept war diesmal vom Vortag).
Pharmama: “Ich kanns versuchen.”
Und das tu ich. 3 x … und es geht nicht mal jemand ans Telefon.
Also versuche ich eine andere Strategie … ich hab’ da nämlich eine Vermutung…
Ich packe mir ein Inhalationsgerät (Typ kleiner Koffer-grösse) und nehme das mit dem Mietformular nach vorne.
Pharmama: “Ich erreiche den Arzt nicht. Sie können das später selber noch versuchen, ich zeige Ihnen jetzt aber erst Mal, wie das aussieht. Das ist das Gerät. Das ist das Verbrauchsmaterial, das man dazu braucht. Das Depot für das Gerät kostet 100 Franken. Das ist der Mietvertrag. Hier kommen die beiden Lösungen rein, dann müssen sie …”
Der Patient fängt schon an abzuwinken – praktisch von dem Moment an, wo ich gesagt habe „kostet“ …
Mann: “Das ja sehr kompliziert, das wusste ich nicht, der Arzt hat gesagt nur Mund sprühen … Was soll ich denn jetzt machen?”
Pharmama: “Also … für was brauchen Sie das denn?”
Mann: “Ich habe so einen trockenen Hals.”
Pharmama: “Nichts weiter? Schleim auf der Lunge, Mühe beim Atmen?”
Mann: “Nein, nichts.”
Pharmama: “Und wann gehen sie wieder zum Arzt?”
Mann: “Ich habe am Dienstag (das ist in 3 Tagen) noch einen Termin beim Hausarzt.”
Pharmama: “Okay. Dann … würde ich ihnen vorschlagen, dass Sie das Bepanthen nehmen und damit gurgeln bis dahin. Und dass Sie dann ihren Hausarzt fragen, ob Sie wirklich ein Inhalationsgerät brauchen.”
Damit war er dann zufrieden und ging. Ohne Inhalationsgerät. Inkomplette Rezepte sind nervig – grad bei dem bin ich aufmerksam und frage inzwischen nach, wenn da drauf steht “inhalieren” ob ein Gerät vorhanden ist. Das ist nämlich heute bei weitem nicht mehr so oft der Fall. Und wenn das über die Krankenkasse laufen soll, dann muss das Gerät (oder die Miete) auch auf dem Rezept stehen. Hinter so etwas her zu rennen finde ich mehr als lästig … vor allem, wenn sich dann herausstellt, dass das gar nicht nötig ist. In dem Fall auch, in dem man einen Teil des Aufwandes an den Patienten zurück-delegiert :-)
Irgendwie hatten die Ärzte heute ein Problem, naja, vielleicht habe ich es ihnen dann gemacht, falls sie vorher noch keines hatten.
Auf dem Rezept vom Spital, das eine Frau gebracht hat fehlen sämtliche Angaben zum Patienten. Laut Auskunft ist das für ihren 12 jährigen Sohn. Damit stimmt die Dosierung der Schmerzmittel darauf nicht ganz überein.
Ponstan 500 mg S: 1-1-1 (wären etwas hoch)
Dafalgan 1g S: 1-1-1 (hoch, aber gerade an der Grenze)
Also muss ich sowieso anrufen. Ins Spital – was immer toll ist, weil … ja, das dauert, bis man da mal am richtigen Ort und bei der richtigen Person ist. Zumindest war das Rezept vom selben Tag, was die Chancen ziemlich erhöht, dass die richtige (am besten gleich die Verschreibende) Person auch wirklich da ist.
Der Arzt war dann auch super freundlich, hat sich ob des fehlenden Namens aber etwas erstaunt gezeigt „Da hätte noch eine Etikette mit der Info drauf sollen“ (No shit, sherlok) und hat sich überzeugen lassen, die Dosierung auf 250mg 1-1-1 anzupassen.
Er meinte nur verteidigend: „Aber ich habe extra im Kompendium nachgeschaut!“ (das ist bei uns das Arzneibuch)
Ja, da steht folgendes drin: (und zwar sowohl bei den Tabletten als auch Kapseln und Suspension):
Dosierung; Mit dem Essen.
>14 J.: 3×tgl. 1 Tabl. oder 2 Kaps., max. 2 g tgl.
12–14 J.: 3×tgl. 1 Kaps. oder 25 ml.
9–12 J.: 2(–3)×tgl. 1 Kaps. oder 3×tgl. 20 ml.
6–9 J.: 3×tgl. 15 ml.
Das Problem dabei ist, dass es Tabletten gibt zu 500mg und Kapseln zu 250mg. Und dass die Dosierungsanweisung das etwas ungenau schreibt, wenn man das nicht weiss. Und als ausländischer Arzt, nach den ich ihn mit seinem Akzent eingeordnet habe, wusste er das offenbar nicht.
Kein Riesen-Problem … solange wir Apotheker da sind und das merken.
Rezept 2 war auch vom Spital, aber einer anderen Abteilung und ein anderer Arzt … das bringe ich morgen.
neue Rezension für “Haben Sie diese Pille auch in grün?” – gefunden auf bookcrossing.com
Von Pharmama habe ich schon einiges in ihrem Blog gelesen und darum habe ich mich auch auf dieses Buch gefreut. Ich finde das Buch sehr gelungen und es beschreibt ausgezeichnet die vielen alltäglichen Erlebnisse in der Apotheke und ich habe meinen Arbeitsalltag in jeder Zeile wiedergefunden. Es gab nichts, das ich nicht selbst in verschiedensten Variationen schon erlebt habe und jede Geschichte könnte ich mit eigenen Erfahrungen seitenlang ergänzen. Wer glaubt, dass es sich bei den Episoden um seltene Ereignisse handelt, dem sei heftigst widersprochen. Ich würde gerne jedem dieses Buch in die Hand drücken, der Apotheker abschätzig als “akademische Schachterlverkäufer” bezeichnet und Pharmazie-Studienten sei dieses Buch ebenso ans Herz gelegt, wenn sie den Weg in die Apotheke einschlagen wollen. Aber es ist sicher auch für fachferne Leser erheiternd und kurzweilig, diesen Blick hinter die Kulissen einer Apotheke gemeinsam mit Pharmama zu beschreiten.
Gefällt mir! Danke sehr. (Worauf wartet ihr? ausser bei bookcrossing gibt’s das Buch beim lokalen Buchhändler und bei Amazon und co.)
Zwischen Nagellack und Zahnbürsten findet sich offenbar seit neustem dies im Sortiment des Supermarkts: Gesundheitstests.
- Auf Drogen (Amphetamin, Kokain, Methamphetamin, Opiate, Marihuana und Ecstasy/MDMA)
- auf Diabetes
- und Blasenentzündung
alles Urintests. Schnäppchen für unter 10 Euro.
Was haltet ihr davon?
Vorausschickend: Nach Jahren der Pille-danach-Beratung in der Apotheke hat sich bei mir doch eine gewisse Sicherheit eingestellt. Wirklich oft kommt es nicht vor, dass ich die Pille danach mal nicht abgeben kann. Aber gelegentlich gibt es so einen Fall, bei dem man sich einfach nicht wohl fühlt, wo es grenzwertig ist. Im Endeffekt möchte ich aber bei einer Abgabe sicher sein, dass das dem Patienten nicht mehr schadet als eine Nicht-Abgabe. Und hier war ich … unsicher:
Frau in der Apotheke: „Ich habe eine Frage wegen der Pille danach.“
Ich nehme die Frau direkt mit in den Beratungsraum.
Frau: „Also … ich sag’s wie’s ist … ich glaube nicht, dass ich schwanger bin und … ich … will auch nicht schwanger sein, aber mein Freund will … jedenfalls hatten wir … er hat seinen Penis in mich gesteckt, aber … er ist nicht gekommen. Da kann ich doch nicht schwanger sein.“
Pharmama: „Sie nehmen nicht die Pille?“
Frau: „Ich habe, bis vor etwa einem Monat die Cerazette genommen. Dann musste ich abbrechen, weil ich sie nicht vertragen habe.“
Pharmama: „Und sie haben kein Kondom benutzt oder eine andere Verhütungsmethode?“
Frau: „Nein, mein Freund will nicht.“
Pharmama: „Wie lange ist es her seit ihrer letzten Periode?“
Frau: „2, fast 3 Wochen.“
Pharmama: „Dann kann es trotzdem sein, dass sie schwanger werden. Es gibt da auch ohne direkten Samenerguss noch so Sachen wie die Lusttröpfchen … dann sind sie genau in der gefährlichsten Zeit …“
Frau: „Oh.“
Pharmama: „Soll ich mit ihnen eine richtige Pille danach-Beratung durchführen?“
Frau: „Ah – ja. Deshalb bin ich hier.“
Ich gehe mit ihr die Fragen durch.
„Wie lange ist es her, seit dem ungeschützten Geschlechtsverkehr?“
Frau: „Umm … das war 2 mal am Mittwoch und einmal am Dienstag abend.“
Oh. Es ist jetzt Freitag abend.
Ich rechne nach. Ich muss vom am längsten zurückliegenden Zeitpunkt ausgehen und komme damit auf etwas über 70 Stunden.
Ich erkläre der Frau die Problematik: die Wirksamkeit der Pille danach (in unserem Fall Norlevo) nimmt ab, je länger man mit der Einnahme nach dem Akt wartet. Nach 72 Stunden wird es gar nicht mehr empfohlen, da die Wirkung dann zu gering und die Risiken die Vorteile überwiegen.
Frau: „Aber … ich denke, das Problem war vor allem der Mittwoch.“
Hmmm.
Ich behalte das im Hinterkopf und mache erst mal weiter.
Als nächstes frage ich nach aktuellen Erkrankungen (keine) und andere eingenommene Medikamente (nur Nahrungsergänzungsmittel und keine, die hier Wechselwirkungen machen) und nach Allergien.
Frau: „Nickel und Cerazette.“
Pharmama: „Cerazette? Was genau haben sie da bekommen?“
Sie hat ja gesagt, sie hat es nicht vertragen, aber …
Frau: „Oh – einen übel beissenden Hautausschlag.“
Tatsächlich, sie ist allergisch gegen etwas im Cerazette.
Frau: „Ich habe am Donnerstag wieder angefangen Cerazette zu nehmen … und auch wieder den Hautausschlag bekommen.“
Was die Allergie dann auch bestätigt. Wiederauftreten bei Exposition.
Pharmama: „Nehmen sie die Cerazette nicht mehr. Das kann eigentlich nur schlimmer werden und es bringt auch nichts das jetzt noch zu nehmen zum Verhüten – das braucht mindestens 7 Tage, bis es wirkt.“ (Und wenn sie wirklich schwanger ist, ist das auch nicht gut …)
Jetzt habe ich ein Problem. Sie ist also allergisch gegen Desorgestrel (wahrscheinlich). Und sie will von mir Levonorgestrel – ein anderes Progestagen. Vermutlich, nein sehr wahrscheinlich ginge es – von Allergien oder gar Kreuzallergien gegen Hormonpräparate habe ich noch nicht viel gehört, aber ich will das eigentlich nicht riskieren. Das und die knapp an der Abgabegrenze liegende Zeit …
Pharmama: „Nein. Entschuldigen Sie, aber damit muss ich sie zu einem Frauenarzt weiter schicken. Ich kann das so nicht abgeben, aber der Arzt kann das abklären und ihnen entweder die andere Pille danach, die EllaOne die man bis 5 Tage nachher noch geben kann verschreiben, oder eine Kupferspirale einsetzen.“
Frau: „Oh – aber, was mache ich denn jetzt?“
Pharmama: „Es ist Freitag abend, gehen sie im Spital in die Frauenabteilung, die haben auch einen Notfall, wo sie gleich gehen können.“
Frau: „Aber … das geht nicht, sonst merkt mein Freund das … und der will ja, dass ich schwanger werde. Darum komme ich ja zu ihnen! Können sie mir das nicht einfach geben?“
Pharmama: „Nein. Ich darf das unter bestimmten Voraussetzungen abgeben. Bei ihnen haben wir 2 Punkte, die nicht ganz gegeben sind – und ich fühle mich dabei nicht wohl. Deshalb muss ich sie weiter schicken.“
Frau: „Ich denke, ich bin schon nicht schwanger …“ meint sie unsicher.
Pharmama: „Ich hoffe es, aber … sie könnten es sein. Ich würde gehen, sie haben auch noch fast 2 Tage Zeit dafür. Und sie sollten das unbedingt mit ihrem Freund ausdiskutieren.“
Ich kenne meine Grenzen. Es ist immer ein Abwägen zwischen Nutzen und Risiko … und bei dem hier waren grad 2 Sachen nicht ganz koscher … plus mein Bauchgefühl, das mir dabei fast Bauchschmerzen machte. Sie schien zwar einigermassen überzeugt, dass sie nicht schwanger sein will … hat aber trotzdem 3 Tage gewartet, bis sie damit in der Apotheke aufschlägt? Da bin ich doch froh, dass ich sie noch an eine kompetente Stelle weiterschicken kann.
Wer jetzt denkt, die Frau war sehr jung und unerfahren – jung war sie nicht mehr. Über 35. Unerfahren …. ja. Irgendwie.
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Ja, das sind ThermaCare speziell für Frauen.
Ganz wichtig bei der Abgabe: sagen, dass die Klebestreifen in Richtung Unterhose (!) kommen – ansonsten droht die Epilation.
Aber eigentlich finde ich das ein ganz sinnvolles Produkt (und besser als die in dem Post hier) – praktisch die Bettflasche zum (unauffälligen) mitnehmen. Tatsächlich hatten wir auch vorher schon Kundinnen, die die normalen dafür verwendet haben.
Was auch auffällt: auch die Packung kommt nicht ohne Pink aus – jetzt muss ich noch nachschauen gehen, ob da auch die “Pink-Tax” drauf ist :-)