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München (?), 1571 datiert
Künstler: Franz Friedrich (zugeschrieben)
Birnbaumholz, Hintergrund blau gefasst
H. 10,5 cm, B. 8 cm
Inv. 1911.61.
Das Porträtrelief, eine Halbfigur im Dreiviertelprofil, steht unter den zahlreichen Bildnissen Thurneyssers einem Holzschnittporträt des Baslers am nächsten: Mit seiner Umschrift sowie mit der Komposition und der Gewandung gleicht es der Buchillustration in Thurneyssers 1571 erschienenem Werk Praeoccupatio über die Diagnose von Krankheiten durch Harnproben. Zirkel und Globus als Attribute verweisen auf die Gelehrsamkeit des Dargestellten. Die Umschrift des Reliefs nennt den vollen Namen und das Alter des 41-Jährigen, der als Naturforscher, Sammler und Unternehmer und nicht zuletzt 1571–1584 als Leibarzt des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg in der Fremde Karriere machte: LEONHART. THVRNEYSSER 1571 ZVM. THVRN AETA: SU: 41.
Wer dieses Relief geschnitzt hat und in welchem Zusammenhang es entstanden ist, darüber gibt es keine eindeutigen Nachrichten. Gesichert ist jedoch, dass der Dargestellte in den Jahren 1570 und 1571 aus Berlin nach Frankfurt an der Oder reiste und in dieser Zeit mit mehreren Formschneidern des berühmten Verlags- und Druckunternehmens von Johann Eichhorn persönlich in Kontakt stand (Grimm 1959, S. 384–385; Spitzer 1996). Ausserdem ist bekannt, dass die Ausführung eines geschnittenen Bildes Thurneyssers – Relief oder Holzschnitt sei dahingestellt – in der Offizin als Chefsache behandelt wurde. In einem Brief vom 9. Dezember 1571 bedauert Eichhorn nämlich, dass er aus Gesundheitsgründen dazu selbst nicht in der Lage sei. Die Zuschreibung des Reliefs an einen der für Eichhorn damals beschäftigten Spezialisten ist deshalb naheliegend. Zu den wichtigsten zählen der Holzschneider Peter Hille und der zum Teil gemeinsam mit ihm signierende Frantz Friderich (um 1520 – 1584), der aus dem Werkstattkreis der Cranachs aus Wittenberg nach Frankfurt an der Oder zugewandert war. Friderich, der nicht nur Formschneider, sondern auch Goldschmied und Medailleur war, lieferte Vorzeichnungen für geschnittene und gestochene Porträts namhafter Privatpersonen. Das von ihm signierte Blatt mit dem Bildnis des Kurfürsten Joachim II. von 1570 gilt als der früheste in Brandenburg entstandene Kupferstich.
In seiner Art und Grösse entspricht das Thurneysser-Medaillon geschnitzten Porträts, wie sie als Vorlage für den Guss von Schaumedaillen gefertigt wurden. Vorbilder für solche halbfigurigen Porträtmedaillen – mit Attributen, kreisrund oder oval, in ähnlicher Grösse und z. T. mit abgesetzter Umschrift – finden sich zur gleichen Zeit in Oberitalien und Savoyen, z. B. im Werk des auch an den Höfen nördlich der Alpen tätigen Antonio Abondio (1538–1591). Angesichts von Thurneyssers auch sonst nicht allzu bescheidenem Auftreten ist zu erwägen, ob das Relief nicht als Modell für eine Medaille entstanden und die Buchillustration davon abhängig ist.
Eine 1573 datierte Medaille mit dem Porträt Thurneyssers im Berliner Münzkabinett, auf dem dieser mit den gleichen Attributen, Stechzirkel und Globus, und ebenfalls mit Altersangabe zwei Jahre später dargestellt ist, hat mit dem Relief keinen Zusammenhang, sie findet jedoch ebenfalls eine Entsprechung in der Druckgrafik.