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Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB
Laufzeit: 01.09.2016 – 28.02.2018
Existierende Studien haben gezeigt, dass ein Grossteil der Schweizer Ausbildungsbetriebe vor den hohen Nettokosten, die die Ausbildung von Lernenden verursacht, nicht zurückschreckt. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass sich die Unternehmen den Normen und Erwartungen des lokalen Arbeitsmarktes beugen, in dem sie sich bewegen. In diesem Projekt gehen die Forschenden der Frage nach, ob eine stark ausgeprägte Norm hinsichtlich der privaten (statt öffentlichen) Bereitstellung von öffentlichen Gütern einen Einfluss auf die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe hat.
Für die empirische Untersuchung stützen sich die Forschenden auf Daten von drei Querschnittserhebungen zum kurzfristigen Kosten-Nutzen-Verhältnis für ausbildende Betriebe in der Schweiz. Die lokale Norm bezüglich der privaten bzw. öffentlichen Bereitstellung und Finanzierung von beruflicher Grundbildung messen sie anhand der Ergebnisse aus zwei nationalen Abstimmungen zur entsprechenden Thematik. Die Ergebnisse zu den beiden Abstimmungen liegen auf Gemeindeebene vor und bringen eine unterschiedliche Haltung gegenüber der privaten Bereitstellung von öffentlichen Gütern zum Ausdruck. Die Forschenden werden zudem zusätzliche Datenquellen (z. B. aus der Schweizer Volkszählung) und spezifische ökonometrische Methoden nutzen, um alternative, beobachtete als auch nicht beobachtete Erklärungsfaktoren zu kontrollieren. Sie werden schliesslich auf Instrumentalvariablen zurückgreifen, um das Problem der umgekehrten Kausalität anzugehen.
Die zentrale Hypothese lautet, dass unter vergleichbaren Umständen die Ausbildungsintensität und -bereitschaft der privatwirtschaftlichen Betriebe in Regionen höher ist, in denen die Norm stärker ausgeprägt ist, dass die Bereitstellung der Berufsbildung durch private Anbieter erfolgen soll. Weiter gehen die Forschenden davon aus, dass in denselben Regionen auch die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Lehrlingsausbildungen mit Netto-Ausbildungskosten angeboten werden. Ferner stellen sie die Hypothese auf, dass die Stärke des Einflusses von gesellschaftlichen Normen von den Eigenschaften der Unternehmen (z.B. Betriebsgrösse) und/oder des Standorts (z.B. Grösse der Ortschaft) abhängt; dies bietet ihnen die Möglichkeit, zusätzliche Hypothesen zu testen und die Plausibilität ihrer wichtigsten Hypothesen zu prüfen.
Nach dem Kenntnisstand der Forschenden handelt es sich um die erste empirische Untersuchung zum Einfluss von gesellschaftlichen Normen auf das Ausbildungsverhalten von Unternehmen. Die Ergebnisse werden die in der Berufsbildungsforschung bereits vorhandenen Erkenntnisse über die massgeblichen Faktoren für das Ausbildungsverhalten der Betriebe ergänzen. Sie beleuchten die Rolle von gesellschaftlichen oder kulturellen Normen bei der Bereitstellung von Lehrstellen und liefern damit auch Erkenntnisse im Hinblick auf die Übertragbarkeit von Teilen des Schweizer Berufsbildungssystems auf andere Länder.