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Die Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS), welche vielen Menschen als sog. "Anti-Schnarchschiene" ein Begriff ist, wird auch zur Behandlung einer Schlafapnoe eingesetzt. Nämlich dann, wenn die Standardtherapie mit CPAP-Maske gescheitert ist und eine Maskenintoleranz vorliegt. Aber mit welchen Kosten ist eine solche Schiene verbunden, wann muss man zum Zahnarzt und welche Voraussetzungen müssen für eine erfolgreiche Anwendung erfüllt sein?
Inhaltsverzeichnis:
Die Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS) ist eine von mehreren alternativen Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit leichter bis mittelschwerer obstruktiver Schlafapnoe (OSA). Sie wird seltener auch als mandibuläre Protrusionsschiene bezeichnet. Standardtherapie bei Schlafapnoe ist aktuell die Überdruckbeatmung mit einer CPAP-Maske. Aber viele Patienten kommen mit dieser Behandlung und den Nebenwirkungen der CPAP-Therapie auf Dauer nicht zurecht. Man spricht in diesen Fällen von einer sog. Maskenintoleranz. Es gibt viele Gründe für das Scheitern der OSA Behandlung mit CPAP-Maske; Platzangst, Unverträglichkeiten, ein ständiger Blähbauch, störenden Geräusche beim Schlafen - sie alle führen dazu, dass fast die Hälfte der Schlafapnoe-Betroffenen die Therapie früher oder später abbrechen. Für diese Patienten gibt es verschiedene Therapieoptionen. Die Unterkieferprotrusionsschiene ist eine davon.
Lesen Sie hier, wie die Behandlung mit der sogenannten Unterkieferschiene funktioniert, wie die Protrusionsschiene eingestellt wird, bei welchen Erkrankungen sie noch helfen kann, warum sie auch „Schnarchschiene“ genannt wird, welche Therapieeffekte zu erwarten sind und mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist.
Unterkieferprotrusionsschiene – diesen Zungenbrecher zerlegt man am besten erst einmal in seine Einzelteile. Dann versteht man, was sich dahinter verbirgt. Es handelt sich um ein zweiteiliges Schienensystem für Unter- und Oberkiefer, mit dessen Hilfe der Unterkiefer und die Zunge etwas nach vorne verlagert werden. Die Schienen für Unter- und Oberkiefer werden aus transparentem Kunststoff maßgefertigt und sind über seitlich angebrachte Stege miteinander verbunden. Für die Vermessung des Kiefers und eine Voruntersuchung, um die notwendigen Voraussetzungen für die UKPS abzuklären, ist also auch ein Besuch beim Zahnarzt notwendig.
Durch die Protrusion – das Vorschieben des Unterkiefers – sollen die Atemwege im Schlaf stabilisiert bzw. die Verengung und der Verschluss verhindert werden, so dass es nicht zu Atemaussetzern kommt. Es entsteht ein leichter Zug auf den Rachenraum, der sich daraufhin erweitert. Auch die Rachenmuskulatur wird so stabilisiert und am Erschlaffen gehindert, was dazu beiträgt, die Atemwege freizuhalten. Gleichzeitig soll die Zunge daran gehindert werden, nach hinten zu rutschen und die Atemwege zu blockieren. Deshalb werden Unterkieferprotrusionsschienen unter anderem auch gegen Schnarchen eingesetzt, z.B. bei Zungengrundschnarchen.
Eine UKPS wird nur beim Schlafen getragen. Wichtig ist, dass die Anwendung konsequent und auf Dauer erfolgt – was im Klartext bedeutet „lebenslang“. Empfohlen werden Schienen, die individuell angefertigt werden. Dafür wird eine individuelle Abformung der Zähne auf einer flexibel einstellbaren Schiene angebracht.
Konfektionierte – also serienmäßig vorgefertigte – Schienenmodelle können damit nicht konkurrieren.
Vielleicht haben Sie schon von der Schnarchschiene oder Anti-Schnarchschiene gehört? Auch damit ist die UKPS gemeint, welche bei leichter und mittlererschwerer Schlafapnoe zum Einsatz kommt. Denn die Funktionsweise hilft auch gegen Schnarchen. Fast 40% der Menschen in Industrienationen, sowie 60% der Männer über 50 schnarchen (bei den Frauen etwa 40%). Das Interessante: der mechanische Vorgang, der harmlose Schnarch-Geräusche verursacht ist derselbe, der in extremerer Ausprägung auch zum vollständigen Verschluss der Atemwege im Rahmen einer obstruktiven Schlafapnoe führen kann.
Schnarchen entsteht durch eine Verengung der oberen Atemwege, häufig durch eine im Schlaf erschlaffende Rachenmuskulatur oder eine in den Rachen zurückrutschende Zunge. Die Muskulatur erschlafft mit zunehmendem Alter immer mehr, also auch die Rachen- und Zungengrundmuskulatur. Durch die so entstehende Verengung wird die einströmende Atemluft beschleunigt und die verschiedenen weichen Strukturen der oberen Atemwege, z.B. das Gaumensegel, beginnen zu flattern. Das typische Geräusch des Schnarchens entsteht. Je enger die Atemwege, desto schneller die Atemluft und desto stärker wiederum das Flattern. Doch je mehr die Atemmuskulatur erschlafft, desto größer das Risiko auf einen vollständigen Verschluss der Atemwege im Schlaf. Und dann wird harmloses Schnarchen gefährlich.
Bei einer obstruktiven Schlafapnoe kommt es also nicht nur zu einer Verengung, sondern letztendlich zum vollständigen Verschluss der oberen Atemwege, was dann zu gefährlichen Atemaussetzern im Schlaf führt. Besonders lautes und heftiges Schnarchen kann deshalb auch ein Symptom des Schlafapnoe-Syndroms sein (je verengter die Atemwege, desto schneller der Atemluftstrom und lauter das Schnarchen).
Durch eine Unterkieferprotrusionsschiene wird der Unterkiefer in Position gehalten und gestreckt, um einer Verengung der Atemwege entgegenzuwirken. Die Zunge wird daran gehindert, in den Rachen zu rutschen und die Rachenmuskulatur steht unter Zug, wird also am Erschlaffen gehindert. Es kommt zu keiner Verengung mehr und der Atemluftstrom verlangsamt sich. Atemaussetzer werden verhindert und auch das Schnarchen lässt nach.
Für Schlafapnoe-Patienten aber „nur“ ein erfreulicher Nebeneffekt, denn hier zielt die Behandlung mit der UKPS eigentlich darauf ab, den gefährlichen Verschluss der Atemwege im Schlaf zu verhindern. Denn unbehandelt kann eine Schlafapnoe weitaus gefährlichere Folgeerkrankungen und Begleiterscheinungen mitsichbringen als das lediglich lästige Schnarchen.
OSA-Therapien wie die Unterkieferprotrusionsschiene zielen darauf ab, einen Verschluss der Atemwege im Schlaf zu verhindern. Denn wenn die obere Atemmuskulatur im Schlaf so stark erschlafft, dass es nicht nur zu einer Verengung und lautem Schnarchen, sondern zu einem vollständigen Verschluss kommt, sind Atemaussetzer die Folge. Und das mehrmals pro Nacht. Bei schweren Formen der Schlafapnoe kann es sogar zu hunderten Atemwegsverschlüssen pro Nacht kommen. Wiederholte Atemaussetzer im Schlaf sind das Gefährliche an der obstruktiven Schlafapnoe und bergen diverse Folgen & Risiken.
Die Erschlaffung der Muskulatur im Schlaf ist so enorm, dass die Atemwege immer wieder für kurze Zeit komplett dicht machen und die Luftzufuhr unterbrochen wird. Das passiert Nacht für Nacht – oft, ohne dass die Betroffenen etwas davon mitbekommen. Die Folgen dieser Atemaussetzer sind gravierend: Der Körper wird nicht optimal mit Sauerstoff versorgt, und der gesunde Schlafzyklus für erholsamen Schlaf wird zerstört.
Kein Wunder, dass Menschen mit Schlafapnoe tagsüber ständig müde und in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind. Erschöpfungszustände (Fatigue) und/oder eine Depression können die Folgen sein. Und das ist noch nicht alles: Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom hat auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ-2 im Gepäck, welche nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung verringern.
Zumindest dann, wenn die schlafbezogene Atmungsstörung unbehandelt bleibt, was leider immer noch viel zu häufig der Fall ist. Bis zu 75% der Erkrankungen bleiben schätzungsweise unentdeckt. Wenn Sie also häufig von Ihren Angehörigen auf lautes Schnarchen hingewiesen werden und gleichzeitig tagsüber ständig müde sind, obwohl Sie scheinbar genug geschlafen haben, dann begeben Sie sich zu einer Diagnose ins Schlaflabor. Weitere verdächtige OSA-Symptome sind Kopfschmerzen am Morgen, oder schnelle Erschöpfung durch alltägliche Aufgaben, z.B. Bettenbeziehen, Duschen oder Einkaufen.
Auf einen Blick: Wirkweise der Unterkieferprotrusionsschiene bei OSA und Atemaussetzern
Angesichts des komplexen Krankheitsbildes müssen sich Behandlungsmöglichkeiten bei obstruktiver Schlafapnoe daran messen lassen, inwieweit sie die verschiedenen Beschwerden und Komplikationen der OSA günstig beeinflussen. Zu den nachgewiesenen Effekten der Unterkieferprotrusionsschiene hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) 2020 einen Bericht veröffentlicht, den man sich als PDF herunterladen kann. (1) Das unabhängige Forschungsinstitut untersucht medizinische Maßnahmen auf ihren Nutzen sowie mögliche Risiken hin und macht die Ergebnisse Ärzten ebenso wie Patienten zugänglich.
Mehr erfahren: Häufigkeit der OSA unterschätzt
Im 2020 veröffentlichten Bericht zur Unterkieferprotrusionsschiene weist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nachdrücklich auf die enorme Häufigkeit der obstruktiven Schlafapnoe hin. Laut neuen Erkenntnissen sei davon auszugehen, dass weit mehr Menschen betroffen sind, als es frühere Studien nahelegten. Eine von 2009 bis 2013 durchgeführte Schweizer Studie an Erwachsenen zwischen 35 und 75 Jahren kommt zu dem Schluss, dass 83,8 Prozent aller Männer und 60,8 Prozent aller Frauen an einer obstruktiven Schlafapnoe leiden. Diese Zahlen betreffen die ganze Bandbreite von leichten bis schweren OSA-Formen. An einer mittelschweren bis schweren OSA leiden laut der Schweizer Studie 49,7 Prozent der männlichen und 23,4 Prozent der weiblichen Bevölkerung. (2)
Als erstes wird bei der Bewertung von OSA-Therapien in der Regel der Einfluss auf die Tagesmüdigkeit unter die Lupe genommen, denn die ist das Leitsymptom der obstruktiven Schlafapnoe. Laut IQWiG-Bericht kann auf Basis der verfügbaren Studien als gesichert gelten, dass die Tagesmüdigkeit von OSA-Patienten durch das Tragen einer Unterkieferprotrusionsschiene gebessert wird.
In den erfassten Studien wurden OSA-Patienten, die mit einer Unterkieferprotrusionsschiene versorgt wurden, verglichen mit Patienten, die keine Behandlung oder eine Plazeboschiene (ohne Protrusionseffekt) erhalten hatten. Außerdem wurden Studien ausgewertet, in denen die Schienenbehandlung mit der OSA-Standardtherapie – also der Überdruckbeatmung mittels CPAP-Maske – verglichen wurde. Dabei zeigte sich, dass die Schiene in punkto Tagesmüdigkeit mit der Standardbehandlung mithalten kann. Die erzielten Effekte sind, zumindest bei leichten bis mittelschweren OSA-Formen, gleichwertig. Auch mit Blick auf die Fatigue legen die vorliegenden Daten eine Ebenbürtigkeit der Schienenbehandlung nahe. (1)
Darüber hinaus wurde der Einfluss der Schienenbehandlung auf eine Vielzahl weiterer Symptome des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms (OSAS) untersucht. Unter anderem wurden die verfügbaren Studien auf Effekte hinsichtlich Schlafqualität, geistiger Leistungsfähigkeit, depressiver Verstimmung und Kopfschmerzen „durchforstet“, aber zu keinem dieser Punkte ließ sich ein klarer Nutzen nachweisen. Andererseits gebe es aber auch keine Hinweise, dass eine Schienenbehandlung im Vergleich zur Standardtherapie von Nachteil ist. Zur Frage, ob die Schienenbehandlung OSA-Komplikationen wie Herzinfarkte verhindern und die Sterblichkeit senken kann, liegen keine Studien vor.
In ihren Leitlinienempfehlungen erklärt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin die Unterkieferprotrusionsschiene als Behandlungsmethode bei leichter bis mittelschwerer OSA für geeignet. (3) Die Schienenbehandlung ist eine von mehreren Optionen für Patienten, die eine Überdruckbeatmung nicht tolerieren. Das sind nicht wenige Patienten, denn die aktuelle Standardtherapie ist durch Nebenwirkungen belastet. Zudem verhindert die technische Apparatur nicht selten einen geruhsamen Schlaf. An alternativen Behandlungsmethoden besteht deshalb hoher Bedarf. Verschiedene Verfahren befinden sich derzeit in der Erprobung oder haben bereits – wie auch die Unterkieferprotrusionsschiene – den Sprung in die klinische Routine geschafft. Vieles ist im Fluss und der Stellenwert der verschiedenen Behandlungsmethoden längst nicht in Stein gemeißelt.
Übrigens eignet sich die Unterkieferprotrusionsschiene auch zur Behandlung anderer Leiden:
Welche Methode für den individuellen Patienten am besten geeignet ist, hängt von unterschiedlichen Aspekten ab. Zum einen ist bedeutsam, wodurch genau es im individuellen Fall zu den nächtlichen Atemaussetzern kommt. Denn OSA ist nicht gleich OSA. Eine Schlafapnoe kann verschiedene Ursachen haben. Unterschiedliche Faktoren können eine Rolle spielen, deren Bedeutung von Patient zu Patient variiert. Im Schlaf ist der Spannungszustand der Muskulatur reduziert. Das kann dazu führen, dass sich der Unterkiefer – besonders in Rückenlage – nach hinten verlagert und den Rachenzutritt verengt. Häufig beteiligt ist auch der Zungenmuskel, der im erschlafften Zustand nach hinten rutscht und die Atemwege im Extremfall komplett blockiert. Bei übergewichtigen Menschen ist der Rachenraum zudem oft durch Fetteinlagerungen eingeengt. Aber auch knöcherne Engpässe sowie vergrößerte Rachenmandeln können mitverantwortlich sein, wenn der Luftfluss in den oberen Atemwegen während des Schlafs zeitweilig unterbrochen wird. Die gewählte Behandlungsmethode sollte die individuellen Störfaktoren möglichst gezielt korrigieren.
Weiterhin richtet sich die Auswahl der Behandlung danach, inwieweit ein Patient die Voraussetzungen für die verschiedenen Methoden erfüllt. So kann die Versorgung mit einer Unterkieferprotrusionsschiene nur dann etwas bringen, wenn sich eine nennenswerte Vorverlagerung des Unterkiefers erzielen lässt. Außerdem muss der Zahnstatus so beschaffen sein, dass eine Schiene an den vorhandenen Zähnen stabil und sicher fixiert werden kann. Weiterhin müssen bestimmte Erkrankungen ausgeschlossen sein. Zum Beispiel darf keine Funktionsstörung des Kiefergelenks vorliegen, die sich durch das Tragen der Schiene verschlechtern könnte. Arthrotische Veränderungen des Kiefergelenks können zu solchen Funktionsstörungen führen, die manchmal von knackenden Geräuschen im Kiefergelenk begleitet werden. Auch sollte keine chronische Zahnfleischentzündung (Paradontitis) bestehen, denn es ist nicht auszuschließen, dass entzündliche Prozesse im Zahnhalteapparat durch die Schiene beschleunigt werden.
Auf einen Blick: Voraussetzungen für eine Unterkieferprotrusionsschiene
Das Tragen der Unterkieferprotrusionsschiene ist nicht frei von Nebenwirkungen. (3) Die meisten Nebenwirkungen treten nur am Anfang der Behandlung auf und verschwinden oft von selbst, wenn der Patient sich an die Schiene gewöhnt hat. Diese wird anfangs oft als Fremdkörper empfunden und kann einen Würgereiz verursachen. Manche Patienten klagen über Mundtrockenheit, andere über einen vermehrten Speichelfluss. Spannungsgefühle und Schmerzen kommen ebenfalls vor, wobei die Zähne und das Zahnfleisch ebenso betroffen sein können wie die Kaumuskulatur. Bei manchen Patienten ruft die Schiene auch Krämpfe der Kaumuskulatur hervor.
Außerdem besteht bei einer Behandlung mit der Unterkieferprotrusionsschiene das Risiko, dass sich Füllungen, Kronen und Zahnersatz lockern. Bevor die Schiene angepasst wird, wird das Gebiss sorgfältig untersucht und – falls erforderlich – saniert. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass schon mal Füllungen, Kronen oder Ersatzzähne unter dem Druck der Schiene ins Wackeln geraten. Denn schon minimale Druckveränderungen können ausreichen, um das sensible Gefüge aus Ober-/Unterkiefer und Zähnen aus der Balance zu bringen.
Es kann deshalb beim Tragen der Schiene auch zu Verschiebungen der Zähne und einem veränderten Aufbiss kommen. Viele Patienten bemerken zu Beginn der Therapie, dass der Kontakt zwischen Ober- und Unterkiefer vor allem morgens „irgendwie anders“ ist. In vielen Fällen verschwinden diese Beschwerden aber mit der Zeit. Problematisch sind langfristige Veränderungen von Zahnstellung und Zahnkontakt. (4) Mittels MRT (Magnetresonanztomographie) lassen sich solche Veränderungen nachweisen, die nicht zwingend mit Beschwerden einhergehen. Negative Auswirkungen auf das Kiefergelenk scheint die Behandlung mit einer Unterkieferprotrusionsschiene nach aktuellem Kenntnisstand nicht zu haben. (4)
Auf einen Blick: Nebenwirkungen der Unterkieferprotrusionsschiene
Für Betroffene, die die CPAP-Maske nicht vertragen oder mit dieser nicht behandelt werden können, gibt es eine innovative Alternative. Der Inspire Zungenschrittmacher sorgt dafür, dass die Atemaussetzer ausbleiben.
Die Unterkieferprotrusionsschiene, auch Anti-Schnarchschiene genannt, wird individuell zahnmedizinisch angefertigt und kommt vor allem bei leichter bis mittlerer Schlafapnoe zum Einsatz. Doch nicht jeder ist für diese Therapieform geeignet.
Ein operativer Eingriff ist eine Behandlungsoption vor allem bei mittlerer bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe. Der operative Eingriff birgt jedoch Risiken wie Blutungen oder fehlende Wirksamkeit.
In die Betreuung von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe sind Ärzte unterschiedlicher Fachdisziplinen eingebunden. Erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt, der meist auch im weiteren Verlauf die Fäden in der Hand behält und die erforderlichen Maßnahmen koordiniert. Zur Sicherung der Diagnose im Schlaflabor und auch bei der Behandlung werden Schlafmediziner hinzugezogen, die auf „Schlafkrankheiten“ spezialisiert sind. Standardtherapie bei OSA ist wie gesagt die Überdruckbeatmung, die aber von vielen Patienten nicht akzeptiert wird. Als eine mögliche Therapieoption kommt in einem solchen Fall die Versorgung mit einer Unterkieferprotrusionsschiene in Betracht. Hier muss vor allem die Ursache der Schlafapnoe abgeklärt werden, denn diese ist vielfältig. Nicht jede OSA kann durch das Strecken des Unterkiefers behandelt werden.
Jetzt kommt als weiterer Arzt im Bunde der Zahnarzt ins Spiel. (4) Er sollte ebenso, wie das hinzugezogene Zahnlabor, über ausreichende Erfahrungen bei der Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe verfügen. Im ersten Schritt wird der Zahnarzt überprüfen, ob die Versorgung mit einer Unterkieferprotrusionsschiene grundsätzlich möglich ist. Dazu müssen Kiefer, Zähne und Zahnfleisch eingehend untersucht werden. Es wird also eine zahnärztliche Basisdiagnostik zu Zahnstatus und Parodontalzustand vorgenommen. Erst dann gibt der Zahnarzt grünes Licht oder auch nicht – je nachdem. Hierbei handelt es sich um eine erste Vorentscheidung, die vor allem darauf basiert, ob Unter- und Oberkiefer für eine langfristige Anwendung der UKPS geeignet ist, also belastbare anatomische Voraussetzungen bietet. Neben der Analyse des Gebisstypen ist auch die Funktionsanalyse entscheidend. Das Gebiss muss einer festen Verankerung der Unterkieferprotrusionsschiene standhalten können. Erst dann folgt die Protrusionsbissnahme.
Vor der Anfertigung einer Unterkieferprotrusionsschiene müssen Zahndefekte abschließend saniert und Zahnfleischentzündungen ausgeheilt werden. Auch alle weiteren Behandlungsschritte erfolgen beim Zahnarzt, der aber immer mit dem erstbehandelnden Arzt in Verbindung steht. Sie als Patient werden in wichtige Entscheidungen wie die Auswahl des verwendeten Schienenmodells ebenfalls eingebunden. In jedem Fall sollte die Unterkieferprotrusionsschiene individuell nach einem Kiefer-/Zahnabdruck angefertigt werden. Konfektionierte – vorgefertigte – Schienensysteme können mit einer individuell angepassten Schiene nicht mithalten. Der Sitz einer neuen Schiene sollte engmaschig kontrolliert werden. Außerdem sollten Sie Ihrem Zahnarzt bzw. Hausarzt über alles Bericht erstatten, was Ihnen beim Tragen der Schiene auffällt, sei es positiv oder negativ.
Auf einen Blick: die einzelnen Behandlungsschritte
Die Unterkieferprotrusionsschiene ist keine gesetzlich festgelegte Leistung der Krankenkassen. Viele Kassen übernehmen die Kosten für eine Schienenbehandlung aber zumindest anteilig, wenn sie – wie im Fall einer obstruktiven Schlafapnoe – medizinisch begründet ist. Zum Nachweis benötigen Sie die Bescheinigung der OSA-Diagnose sowie eine ärztliche Verordnung der Unterkieferprotrusionsschiene – beides von einem Schlafmediziner ausgestellt. Weiterhin muss nachgewiesen werden, dass die Überdruckbeatmung mittels CPAP-Maske bei Ihnen nicht durchführbar ist oder wegen Unverträglichkeit abgebrochen werden musste. Am besten klären Sie die genauen Bedingungen für eine Kostenübernahme im Vorfeld mit Ihrer Krankenkasse ab.
Neben medizinischen Aspekten ist die Patientenzufriedenheit ein entscheidendes Kriterium bei der Therapieauswahl. Die Akzeptanz ist umso wichtiger, als die Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe immer eine Therapie auf Dauer ist. Die Unterkieferprotrusionsschiene ist nur eine Option für Patienten, die eine Überdruckbeatmung nicht tolerieren. Als alternative Behandlungsoption, die Ärzte und Patienten gleichermaßen überzeugt, bietet sich die Implantation eines Zungenschrittmachers an. Das Inspire-Therapiesystem misst kontinuierlich den Atemrhythmus des Patienten. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten, tritt der unterhalb des Schlüsselbeins sitzende Schrittmacher in Aktion. Er stimuliert den Zungenmuskel und verhindert, dass dieser im erschlafften Zustand nach hinten rutscht und die Atemwege blockiert. Die OSA-typischen Atemaussetzer werden so vermieden. In der Folge lässt Tagesmüdigkeit nach und die Leistungsfähigkeit steigt wieder an. Das ist durch Studien an vielen tausend Pateinten dokumentiert. Die Zufriedenheit der Patienten mit der Inspire Therapie liegt bei über 90 Prozent. (5)
Über 10.000 Patienten weltweit können dank der Inspire Therapie wieder entspannt durchschlafen. Der Inspire Zungeschrittmacher arbeitet im Einklang mit dem natürlichen Atemrhythmus und vermindert nächtliche Atemaussetzer deutlich – ganz ohne CPAP-Maske.
Quellenangaben
1 IQWiG-Bericht Nr. 881: Unterkieferprotrusionsschiene bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe bei Erwachsenen, Abschlussbericht vom 7.5.2020
2 Heinzer R et al. Prevalence of sleep-disordered breathing in the general population: the HypnoLaus study. Lancet Respir Med 2015; 3(4): 310-318.
3 Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Online verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/063-001l_S3_SBAS_2017-08_2.pdf; Zuletzt abgerufen: August 2020
4 Lüpke M: Die Rolle des Zahnmediziners bei der Behandlung schlafbezogener Atmungsstörungen, ZMK 2015. Online verfügbar unter: www.zmk-aktuell.de/fachgebiete/allgemeine-zahnheilkunde/story/die-rolle-des-zahnmediziners-bei-der-behandlung-schlafbezogener-atmungsstoerungen__1382.html; Zuletzt abgerufen: August 2020
5 Heiser C, Steffen A, Boon M et al. Post-approval upper airway stimulation predictors of treatment effectiveness in the ADHERE registry. Eur Respir J 2019; 53(1):1801405.