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Blutüberfüllung oder Hyperämie der Leber, Leberanschoppung wurde früher ungemein häufig von den Ärzten angenommen, wo es
sich überhaupt um Vergrößerung des Organs handelte; sie kommt thatsächlich wesentlich nur bei allgemeiner
Stauung im Kreislauf
[* 3] zu stande. Alle Klappenfehler des Herzens, bei welchen eine Stockung des Bluts im rechten Herzen vorhanden
ist, bewirken auch Blutstauungen in der Leber, weil das Leberblut nicht nach dem Herzen abströmen kann oder doch mehr oder
weniger daran gehindert ist. Im spätern Verlauf erschöpfender Krankheiten, bei chronischem Marasmus,
bei Erkrankungen des Herzfleisches, wenn das Herz nicht mit der notwendigen Kraft
[* 4] das Blut austreiben kann, ebenso bei den verschiedensten
Kreislaufsstörungen innerhalb der Lungen können ebenfalls Stauungen in der Leber stattfinden.
Anatomisch stellen sich diese Stauungen zuerst nur als Gefäßerweiterungen im Gebiet der Lebervene dar, während später die
Leberzellen wegen der schlechten Kreislaufsverhältnisse zu Grunde gehen und umfänglicher Ausfall von Lebergewebe eintritt,
der mit einer Fettablagerung in den Pfortadergebieten das Bild der sogen. Muskatnußleber zu stande bringt. Solange die Hyperämie
der Leber nicht einen sehr hohen Grad erreicht, und solange nicht der Umfang des Organs sich merklich vergrößert,
ist der genannte Zustand symptomlos. Bei beträchtlicher Schwellung der
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Sind allmählich sich vergrößernde Leberabscesse vorhanden, so gesellt sich zuweilen ein eigentümlicher,
unerklärter Schmerz in der rechten Schulter dazu. Gewöhnlich nehmen die Kräfte des Kranken schnell ab, er nimmt ein schlechtes
Aussehen an und geht erschöpft zu Grunde. Fälle von Genesung kommen zwar vor, sind aber sehr selten. Die Behandlung hat sich
darauf zu beschränken, durch entsprechende Diät, Wein und Eisenpräparate die Kräfte des Kranken aufrecht
zu erhalten. Gegen die Frostanfälle gibt man zweckmäßig Chinin. Läßt sich die Stelle, wo ein Leberabsceß sitzt, rechtzeitig
bestimmen, so muß derselbe geöffnet werden.
Interstitielle Leberentzündung (Leberverhärtung, granulierte Leber,
Lebercirrhose, Cirrhosis hepatis) nennt man diejenige Form
der Entzündung, welche zu einer Vermehrung und Neubildung von Bindegewebe in der Leber führt. Das neugebildete
Bindegewebe schrumpft später ein und drückt dabei das Leberparenchym, welches dazwischenliegt, zusammen. Infolge dieses
Druckes atrophieren die Leberzellen und gehen zum großen Teil zu Grunde. Das ganze Organ, welches anfangs durch die Wucherung
vergrößert war, wird dabei natürlich kleiner, es nimmt eine plumpe, rundliche Gestalt an; die Oberfläche
der Leber zeigt körnige oder warzige Hervorragungen. Da durch die Schrumpfung des neugebildeten Bindegewebes auch ein Druck
auf die Pfortaderäste und auf die Gallengänge ausgeübt wird, so erklärt sich einerseits, daß Stauungen in den Organen,
aus welchen die Pfortader das Blut zur Leber führt, eintreten müssen, wie auch anderseits, daß Gallenresorption
in das Blut und Gelbsucht selten ausbleiben.
Aus den aufgeführten schweren Störungen resultiert schließlich eine hochgradige Beeinträchtigung der Ernährung, welche
in Verbindung mit gewissen Erscheinungen einer abnormen Nerventhätigkeit den Tod des Kranken herbeiführt. Die Leberschrumpfung
ist eine derjenigen Erkrankungen, die man wohl schlechtweg als Säuferleber bezeichnet, doch kommt sie auch unter andern Umständen
vor, wenn dauernd dem Blut schädliche Stoffe zugeführt werden; oftmals sind die Ursachen völlig unbekannt.
Die syphilitische Leberentzündung ist nur in seltenen Fällen der Diagnose zugänglich. Gewöhnlich findet man die
Leber verkleinert, wenn sie nicht zufällig gleichzeitig speckig degeneriert ist. Auf ihrer Oberfläche bemerkt man tiefe
Furchen, welche der Leber ein eigentümliches gelapptes Ansehen geben; diesen Furchen entsprechen im Innern der Leber derbe fibröse
Massen, welche oft in der ganzen Dicke des Organs die Stelle des untergegangenen Leberparenchyms einnehmen. Manchmal
findet man auch erbsen- bis walnußgroße weißliche harte Knoten in der Leber, welche von einer Neubildung von Zellen, Kernen
und Bindegewebe herrühren. Diese Knoten werden später in eine gelbliche käsige Masse umgewandelt,
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mehr
welche einschrumpft oder sich mit Kalksalzen infiltriert und verhärtet. Das Leiden
[* 15] wird gewöhnlich erst erkannt, wenn der
Prozeß abgelaufen und eine Narbe in der Leber vorhanden ist, so daß jede Behandlung zu spät kommt.
Die akute gelbe Leberatrophie ist auch als eine entzündliche Affektion zu betrachten, bei welcher die Leberzellen
in der ganzen Ausdehnung
[* 16] des Organs schnell zerfallen. Bei der Sektion findet man die Leber zuweilen um die Hälfte verkleinert,
ihr Gewebe
[* 17] schlaff und welk, ihre Konsistenz sehr stark vermindert; der acinöse Bau des Organs ist nicht mehr zu erkennen, die
Farbe desselben ist eine gesättigt orangegelbe. Das ganze Organ ist blutarm. Bei der mikroskopischen Untersuchung
findet man statt der normalen Leberzellen nur Detritusmasse, Fetttröpfchen und Pigmentkörner.
Die akute gelbe Leberatrophie ist eine sehr seltene Krankheit, befällt vorzugsweise das weibliche Geschlecht und namentlich
Schwangere. Vielleicht handelt es sich um Vergiftungssymptome durch unbekannte organische Gifte, ähnlich wie sie nach dem
Genuß mancher schädlicher Pilze,
[* 18] verdorbener Speisen und bei Schafen unter dem Bilde der sogen. Lupinenseuche
vorkommen. Sie bietet von Anfang an keine charakteristischen Symptome dar. Die Kranken sind appetitlos, klagen über Druck
und Vollsein in der Magen- und Lebergegend und über andre Beschwerden, welche beim Magendarmkatarrh vorkommen.
Dazu gesellt sich meist ein mäßiger Grad von Gelbsucht. Später nimmt die Gelbsucht zu; die Lebergegend
wird schmerzhaft, die Kranken klagen über heftigen Kopfschmerz, werden sehr unruhig und aufgeregt und fangen an zu delirieren.
Bald folgt auf diese Erscheinungen eine unüberwindliche Abgeschlagenheit und Müdigkeit; die Kranken verfallen in einen tiefen
Schlaf, aus welchem man sie anfänglich nur momentan, zuletzt aber gar nicht mehr erwecken kann.
Der früher normale oder verlangsamte Puls wird frequent, die Körpertemperatur wird bedeutend erhöht, Kot- und Harnentleerungen
erfolgen unwillkürlich.
Unter überhandnehmendem Verfall, sehr hoher Frequenz des immer kleiner werdenden Pulses, Ausbruch von reichlichen Schweißen
gehen die Kranken, ohne aus ihrer Bewußtlosigkeit zu erwachen, meist schon am zweiten Tag zu Grunde. Über
die Behandlung der Krankheit läßt sich aus demselben Grund nicht viel sagen. Ist die Krankheit ausgesprochen vorhanden, so
sind Blutentziehungen erfahrungsmäßig schädlich; dagegen werden namentlich von englischen Ärzten starke Drastika, wie
Aloe, Krotonöl, Koloquintenextrakt, empfohlen.
Es
finden sich auch Parasiten in der Leber. Ziemlich häufig kommt das Pentastomum denticulatum in verkalktem Zustand darin
vor. Es ist dies ein etwa 4 mm langer Gliederwurm mit starken Haken am Kopfende. Er ruft nie deutliche
Symptome an der Leber hervor und wird nur gelegentlich bei Sektionen gefunden. Viel wichtiger dagegen ist der Echinococcus der
Leber. Die Echinokokken sind die junge, geschlechtslose Brut derTaeniaEchinococcus, eines Bandwurms (s. d.),
welcher im Hund vorkommt, und erscheinen in der Form von erbsen- bis apfelgroßen Blasen mit dicker, gallertiger Wand und wässerigem
Inhalt.
Hier schwillt der mikroskopisch kleine Embryo zu einer großen Blase an, auf deren Innenwand junge Bandwurmammen emporsprießen.
In der Regel bewohnen diese Blasenwürmer die Leber jahrelang, und man wird erst auf sie aufmerksam durch
die Ausdehnung der Leber, welche meist schon an der Hervorwölbung der Rippen und an der kugeligen Prominenz unter dem Rippenbogen
erkennbar ist. Auf der Höhe solcher Prominenz, die glatt und von elastischer Konsistenz ist, fühlt man zuweilen deutliche
Wellenbewegung.
[* 24]
Eine eigentümliche Verkrüppelung der Leber entsteht bei Frauen durch den Gebrauch enger Schnürleiber oder durch festes Binden
der Unterrockbänder und wird Schnürleber genannt. Dieselbe zeigt Eindrücke von den Rippen auf dem rechten
und vom Schwertfortsatz auf dem linken Lappen, sodann eine ausgesprochene Querfurche an der obern Fläche beider oder nur des
rechten Lappens. In dieser Furche ist der seröse Leberüberzug stark verdickt und das Lebergewebe daselbst unter dem Drucke
geschwunden. Daß bei dieser Beeinträchtigung des Organs auch die Funktionen desselben mehr oder weniger leiden und allerhand
krankhafte Gefühle auftreten müssen, liegt auf der Hand.
[* 26] S. Gallensteinkolik.