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Der Rechnungslegungsstandard IFRS 3, welcher die Behandlung von Unternehmenszusammenschlüssen regelt, ist ein in der Praxis wichtiger Standard. Die weltweite Mergers & Acquisitions-Tätigkeit hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, und IFRS 3 hat einen direkten und in der Regel wesentlichen Einfluss auf die finanzielle Berichterstattung der Unternehmen. Eine Anpassung des Standards ist erforderlich, da in diesem wichtigen Bereich der Rechnungslegung noch Differenzen zu den US-Regeln bestehen, welche angepasst werden müssen. Zudem sind gewisse in der Praxis relevante Einzelfragen im heute gültigen Standard noch nicht geregelt. Der angepasste Standard gilt für Abschlüsse ab 1. Juli 2009.
Der neue Standard umfasst eine Vielzahl von teilweise kleineren oder eher theoretischen Anpassungen. In der täglichen Praxis wirklich relevant sind jedoch fünf Änderungen.
Transaktionskosten als Periodenaufwand Die externen Kosten der Akquisition (Berater, Investmentbank, sonstige Kosten) dürfen in Zukunft nicht mehr als Teil des Kaufpreises und damit im Goodwill ausgewiesen werden, sondern sind vom Käufer im Zeitpunkt der Leistungserbringung als normaler Periodenaufwand und damit erfolgswirksam zu erfassen.
Voll-Goodwill-Methode als neue Wahlmöglichkeit Erwirbt ein Unternehmen eine Mehrheit, aber nicht 100% einer Gesellschaft, so hat der Käufer in Zukunft zwei Möglichkeiten, wie er die Minderheitsanteile bewerten beziehungsweise behandeln will. In der Vergangenheit üblich war, dass der Käufer die nicht akquirierten Minderheitsanteile zum anteiligen Buchwert ausweist. Neu besteht die Option – im Sinne einer konsequenten Anwendung der Einheitstheorie – dass auch die nicht gekauften Minderheitsanteile zu aktuellen Marktwerten bewertet werden können. In der Konsequenz führt diese Aufwertung zu einem höheren Goodwill und einem gleichermassen höheren Minderheitenanteil auf der Passivseite. Ursprünglich war vorgesehen, nur noch diese zweite Methode zu erlauben. Nach massivem politischem Widerstand, insbesondere aus Europa, sind nun beide Methoden unter IFRS erlaubt.
Neubewertung von Minderheitsanteilen beim Kontrollübergang Besitzt eine Gesellschaft bereits eine Minderheit an einem Unternehmen und bewertet diese assoziierte Gesellschaft nach der Equity-Methode zum anteiligen Eigenkapital, erfolgt im Anschluss an einen späteren Kauf einer Kontrollmehrheit eine Neubewertung des bisherigen Anteils zu aktuellen Marktwerten. Diese Aufwertung wird vor der eigentlichen Erstkonsolidierung als Buchgewinn in der Erfolgsrechnung verbucht. Als Konsequenz führt auch diese erfolgswirksame Anpassung zu einem höheren Goodwill in der Konzernrechnung.
Goodwill und erfolgsneutrale Behandlung von Anteilsänderungen nach dem Erwerb einer Kontrollmehrheit Die Behandlung von Anteilsänderungen im Anschluss an die Übernahme der Kontrolle an einer Unternehmung, beispielsweise ein Zukauf von 10% (Beteiligung steigt von 70 auf 80%) oder ein Verkauf von 15% (Beteiligung sinkt von 100 auf 85%), ist im aktuellen Standard nicht geregelt. In der Praxis waren sowohl erfolgs- und goodwillneutrale Buchungen innerhalb des Eigenkapitals als auch Goodwillanpassungen üblich. Diese Lücke schliesst der neue Standard und erlaubt nur noch die neutrale Behandlung innerhalb des konsolidierten Eigenkapitals im Sinne einer Umbuchung zwischen Eigenkapital und Minderheiten. Bei der Anwendung der erwähnten Voll-Goodwill-Methode ist diese Anpassung nur konsequent. Bei Unternehmen, welche aber die erwähnte Alternativmethode anwenden, ergibt sich aus diesem politischen Kompromiss ein theoretischer Fehler.
Gewinnwirksame Verbuchung von Kaufpreisanpassungen im Anschluss an die Akquisition Gehen die Meinungen über den Kaufpreis zwischen Käufer und Verkäufer weit auseinander, wird in der Praxis oft zum Mittel einer nachträglichen Kaufpreisanpassungsklausel gegriffen. Das heisst, ein Teil des vereinbarten Kaufpreises basiert auf dem Erreichen zukünftiger Umsatz- oder Ertragsziele. Bereits unter dem alten Standard sind in der Regel Rückstellungen für diese nachträglichen Kaufpreiszahlungen im Zeit- punkt des Kontrollüberganges vorzunehmen. Diese Pflicht wird mit dem neuen Standard noch verstärkt. Der angepasste Standard verlangt jedoch neu, dass Unterschiede zwischen dem im Zeitpunkt des Kaufes zurückgestellten und dem später effektiv bezahlten Betrag erfolgswirksam zu verbuchen sind. Unter dem alten Standard konnte der Goodwillbetrag auch nach der – immer noch gültigen – Einjahresfrist angepasst werden.
Viele der Anpassungen im Standard sind sinnvoll. Die neue Verpflichtung, die Kosten einer Akquisition als Periodenaufwand zu behandeln, vermag jedoch technisch nicht zu überzeugen. Nicht zu unterschätzen ist zudem, dass die neuen Regeln den bereits seit Jahren zu beobachtenden Trend zu höheren Goodwillbeträgen und einer höheren Volatilität der ausgewiesenen Gewinne noch verstärken werden.