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Abstract
Otto Woodtli (1916–2007) war von 1964 bis 1982 ausserordentlicher Professor für Allgemeine Didaktik des Mittelschulunterrichts an der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich. Während seiner Amtszeit wurde das Extraordinariat von einem Teilzeit- auf ein Vollzeitpensum ausgeweitet.
Otto Woodtli wurde am 19. September 1916 in Olten geboren. Er besuchte das Lehrerseminar in Solothurn und studierte danach an den Universitäten Bern, Zürich sowie an der Sorbonne in Paris. Das Diplom für das höhere Lehramt erwarb er 1943 an der Universität Zürich, gleichzeitig mit der Promotion in den Fächern Deutsch, Allgemeine Geschichte und Didaktik des Mittelschulunterrichts. Seine Dissertation schrieb er über die Staatsraison im Roman des deutschen Barock. Anschliessend lehrte er am Lyceum Alpinum in Zuoz als Hauptlehrer der Gymnasialabteilung, um 1944 an das kantonale Lehrerseminar in Basel zu wechseln. Dort übernahm er eine neu geschaffene Lehrstelle, in deren Rahmen er Deutsch, Pädagogik, Psychologie und Methodik des Deutschunterrichts auf allen Stufen unterrichtete. Im gleichen Jahr heiratete er die Frauenrechtlerin Susanna Löffler, Tochter von Professor Dr. Wilhelm Löffler, Ordinarius für Innere Medizin an der Universität Zürich und Leiter der Medizinischen Klinik. Zwei Jahre später wurde Otto Woodtli als Hauptlehrer für Deutsch an das kantonale Unterseminar in Küsnacht gewählt, wo er 25 Jahre tätig sein würde. Anfangs 1950er-Jahre begann Otto Woodtli die Arbeit an seiner Habilitation zum Bildungsproblem der Mittelschule. Im Zuge der Nachfolge von Max Zollinger an der Universität Zürich konnte er ab 1954 als Privatdozent einen Teil von dessen Vorlesungen übernehmen und zu den Gebieten „Didaktik des Mittelschulunterrichts“ und „Geschichte des höheren Bildungswesens“ lesen (UAZ AL.7.071, 6.2.1964; Voegeli, 2013).
Die Erteilung der dafür notwendigen venia legendi ging jedoch nicht reibungslos über die Bühne. Im Januar 1954 wurde Woodtlis Habilitationsschrift zur Überarbeitung zurück gewiesen, worauf die Erziehungsdirektion im März 1954 auf Betreiben des Erziehungsrates Druck auf die philosophische Fakultät ausübte. Otto Woodtlis Habilitation sei im Sommer zum Abschluss zu bringen, mit dem Ziel, dass diesem die Lehrberechtigung auf das Wintersemester 1954 erteilt werden könne. Dekan Leonhard von Muralt versicherte daraufhin der Erziehungsdirektion schriftlich, dass die Überarbeitung im Gange sei, wies jedoch darauf hin, „... dass die Erfüllung berechtigter wissenschaftlicher Anforderungen nicht an bestimmte Termine zu binden sei“. Ende Juni 1954 ersuchte der Dekan dann dennoch um die venia legendi für Woodtli. Im dazugehörenden Gutachten hielten sich Lob und Kritik die Waage. Für die abgehaltenen Probevorlesungen erhielt Woodtli das Prädikat genügend.
Am 11. August 1954 erteilte ihm die Erziehungsdirektion die Lehrererlaubnis für die Dauer von sechs Semestern, betonte jedoch, dass die Ernennung an keine Besoldung geknüpft sei (UAZ AB.1.1140, 15.3.1954; 8.5.1954; 26.6.1954; 11.8.1954; 23.9.1954).
Auf dem Antrage des Dekans der Philosophischen Fakultät I für die Neubesetzung des Extraordinariates für Allgemeine Didaktik des Mittelschulunterrichts im November 1954, für die Nachfolge von Prof. Zollinger, wurde Otto Woodtli trotz der Schwierigkeiten bei seiner Habilitation bereits als einer von zwölf Kandidaten aufgelistet. Allerdings fehle es ihm, so der Dekan, „... noch etwas an jener Reife und Ueberlegenheit [...] für die Bekleidung der didaktischen Professur“. Vielmehr solle Woodtli als Privatdozent periodisch Lehraufträge erhalten. Noch bevor der Regierungsrat im April 1955 definitiv Carl Helbling als Nachfolger von Max Zollinger bestimmte, erhielt Otto Woodtli Anfangs März 1955 von der Erziehungsdirektion einen – diesmal besoldeten – Lehrauftrag zugesprochen. Für die Arbeit an seiner Habilitationsschrift, welche druckfertig gemacht werden sollte, erhielt er von der Erziehungsdirektion ein Jahr später eine Beurlaubung – diesmal allerdings für das ganze Wintersemester 1956/57. Die Schrift erschien schliesslich 1959 unter dem Titel „Bildung und Zeitgeist. Grundlagen und Probleme der Gymnasialbildung“ (UAZ AL.7.069, 16.11.1954; UAZ AB.1.1140, 8.3.1955; 24.10.1955; 16.5.1956; Woodlti, 1959).
Im Jahre 1964 wurde der ausserordentliche Lehrstuhl für Allgemeine Didaktik des Mittelschulunterrichts erneut vakant, nachdem Prof. Carl Helbling 1963 altershalber zurück getreten war. Am 6. Februar 1964 wurde Otto Woodtli von der Philosophischen Fakultät I in einem Schreiben an die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich als dessen Nachfolger vorgeschlagen. Hervorgehoben wurden darin seine Publikationen, welche sich „mit Problemen der Erziehung und Bildung, [...] hinsichtlich ihrer Stellung [...] in der modernen Gesellschaft“ beschäftigen. Im gleichen Schreiben erwähnte die Fakultät Hans Aebli als weiteren Bewerber, für den sie allerdings keine Empfehlung abgab – man hatte bei dessen öffentlichen Vorträgen eine „mangelnde Problemtiefe“ festgestellt. Zudem zeigte sich Dekan Hans Barth skeptisch gegenüber dem „positivistischen Wissenschaftsbegriff“ und der „ausgesprochen faktorenanalytischen Arbeits- und Forschungsweise“ von Hans Aebli.
Der Zürcher Regierungsrat folgte dem Antrag des Dekans und wählte Otto Woodtli am 16. Oktober 1964 als ausserordentlichen Professor mit beschränkter Lehrverpflichtung – zwei bis vier Wochenstunden Vorlesungen und Übungen – für Allgemeine Didaktik des Mittelschulunterrichts. Die Anstellung als Lehrer des Unterseminars Küsnacht blieb bestehen und betrug fortan elf Wochenstunden (UAZ 7.071, 6.2.1964).
Der Wahl von Woodtli war allerdings eine Auseinandersetzung zwischen Dekanat und den kantonalen Stellen voraus gegangen, die sich mehr als ein halbes Jahr hingezogen hatte. Schon im Juli 1963 hatte die Philosophische Fakultät I den Antrag an die Erziehungsdirektion auf die Neubesetzung der Professur gestellt. Allerdings hatte sie diese damals noch mit einer Aufteilung des Aufgabengebietes in theoretische und praktische Aspekte verbunden mit der dementsprechenden Ernennung von zwei Professoren. Otto Woodtli hätte gemäss dem Antrag, in dem sein Schaffen weitaus kritischer beurteilt worden war als ein halbes Jahr später, nur mit der Lehre des theoretischen Teils beauftragt werden sollen. Offenbar war dieser Antrag bei der Erziehungsdirektion nicht auf Zustimmung gestossen (StAZH Z 70.959, 23.7.1964).
Während seiner Amtszeit als Extraordinarius versuchte Woodtli die Stellung des Lehrstuhles zu festigen. So wandte er sich zum Beispiel in einem Schreiben an die Rektoren der kantonalen und stadtzürcherischen Gymnasien, mit der Bitte, keine Lehrer ohne Lehrdiplom mehr anzustellen, da dies die Bedeutung der Lehrganges schmälern würde (UAZ AB.1.1140, 20.1.1967).
Auf Beginn des Wintersemesters 1970/71 wurde sein Lehrstuhl auf ein volles Extraordinariat ausgeweitet und Woodtli gleichzeitig aus seiner halben Mittelschullehrerstelle am Kantonalen Unterseminar in Küsnacht entlassen. Der entsprechende Antrag des Dekans der Philosophischen Fakultät I führte aus, dass der Kontakt zwischen dem Inhaber des Lehrstuhles und der Mittelschule besser gewährleistet werden könne durch die „... ständige Verbindung mit den Rektoren der Zürcher Mittelschulen“ und den Beteiligten der Ausbildung der Lehrer/innen an der Universität als durch eigene Unterrichtstätigkeit an einer Mittelschule (UAZ AB.1.1140, 2.6.1970).
Auf Ende Wintersemester 1981/82 trat Prof. Woodtli altershalber zurück und wurde gleichzeitig zum Honorarprofessor ernannt. Zu seinem Nachfolger wurde Heinrich Keller gewählt. Am 9. August 2007 starb Otto Woodtli.
Quellen und Literatur
Voegeli, Y. (2013). Woodtli [-Löffler], Susanna. Zugriff am 21.03.2018 unter http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D45377.php.
Woodtli, O. (1959). Bildung und Zeitgeist. Grundlagen und Probleme der Gymnasialbildung. Berlin: de Gruyter.
Autorenschaft
Reto Fessler
Zeitmarke
16.10.1964