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Es war der 21. Juli 2003, als der damals 18-jährige Dizzee Rascal mithalf, Grime salonfähig zu machen. «Boy in da Corner» tönte völlig neu: Minimalistisch Computertöne, ein Beat, wie aus dem Maschinengewehr und Texte, mindestens so schnell vorgetragen und trotzdem klar. Wer damals das Album hörte, wusste, dass hier eine neue Ära in der reichen Geschichte der britischen Musik eingeläutet worden war.
Dizzee wurde mit Preisen und überschwänglichen Kritiken überhäuft. Und dann geschah etwas Sonderbares: Der Grime-Künstler orientierte sich neu. 2004 wagte er sich auf «Showtime» an R&B, aus «Maths + English» (2007) wurde ein Pop-Album, «Tongue n' Cheek» (2009) tönte nach EDM. Zusammenarbeiten mit Calvin Harris und Tiësto machten es möglich. Doch Dizzee hatte noch nicht genug experimentiert. Er holte sich Nick Cage, Robbie Williams, Jessie J A-Trak und will.i.am ins Studio und veröffentlichte 2013 «The Fifth». Die Kritiker und Fans blieben mehrheitlich ratlos zurück.
«So ehrlich wie nur möglich»
Doch auf Kritiker hörte Dizzee nie. Gegenüber dem Guardian sagt er: «Ich bin stolz auf diese Songs, stolz, dass Leute sie an Hochzeiten spielen, stolz, dass auch Zweijährige dazu tanzen.» Trotzdem fühlte er sich plötzlich auf Electro-Pop, House und EDM reduziert: «Niemand nahm mich mehr als Rapper ernst», sagt er.
Und jetzt kommt «Raskit». «Ich wollte zurück zu mir kommen. So ehrlich wie nur möglich sein. Mir keine Sorgen mehr um die Radiostationen, Hits oder solchen Scheiss machen», sagt Dizzee.
Auf «Raskit» macht sich Dizzee erstmals Gedanken zur Politik, zur Gesellschaft und zu seinem Leben. Die Gentrifikation, die explodierenden Mietpreise in London. Auf «Everything Must Go» sampelt er sogar Boris Johnson und Margaret Thatcher.
Nur eine halbe Rückkehr zum Grime
Dizzees Texte wurden zwar immer politisch interpretiert, auch wenn er sich immer als völlig unpolitisch gab. Der Künstler musste offenbar erst aus seinem gewohnten Umfeld in London raus, um diese Seite an ihm zu entdecken. «Erst als ich in Miami lebte, begann ich zu realisieren, was die Ghettoisierung mit uns Menschen macht», sagt er im Guardian.
Songs wie «Make it Last», «Ghost» oder «The Other Side» erinnern stark an seine Anfänge als 18-Jähriger. Trotzdem will er nicht zurück in die Grime-Szene, sie sei langweilig geworden. Oder er ist erwachsener geworden: «Ich kann selbsternannte Grime-Szenies, die mir vorschreiben wollen, was ich machen kann oder nicht, nicht ausstehen. Hipsters, die mir sagen, dass ich mich verkauft habe. Wer die Anfänge nicht erlebt hat, soll die Schnauze halten», sagt Dizzee.
Dizzee Rascal hat einen langen Weg hinter sich. Dass er dabei immer einfach machte, worauf er Lust hatte, spricht für ihn. Und der Platz in der Geschichte des Grime hat er sowieso schon auf sicher.