Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03242.jsonl.gz/111

Österreich
Raubtiere
Seit dem Verschwinden des letzten in Österreich geborenen Bären "Moritz" im Jahr 2011 kann in den Nördlichen Kalkalpen kein Braunbär mehr nachgewiesen werden. Im Bundesland Kärnten halten sich jedoch etwa 5-8 männliche Bären auf. Diese Bären stammen sowohl aus der Population in den Dinariden als auch aus der Population in den italienischen Alpen.
Der Wolf gilt seit mehr als hundert Jahren als „ausgestorben“. Allerdings kehren einzelne Individuen seit einigen Jahren wieder zurück. Immer wieder wandern aus Italien, der Schweiz, Slowenien und der Slowakei Wölfe ein. Nachwuchs auf österreichischem Boden hat es bisher allerdings noch nicht gegeben.
2011 wurden neue Luchse aus der Schweiz im österreichischen „Nationalpark Kalkalpen“ angesiedelt. Seither gab es regelmäßig Nachwuchs. Im restlichen Alpenraum gibt es nur sehr zerstreut lebende Luchse ohne Nachweis von Reproduktion. Österreich hat aber auch Anteil an der bayrisch-böhmischen Luchspopulation mit etwa 5-10 erwachsenen Luchsen.
Nationale Politik
Eine nationale gesetzliche Regelung besteht nicht, da jedes Bundesland sein eigenes Jagd- und Naturschutzgesetz umsetzt. Die Bundesländer arbeiten innerhalb eines Gremiums zusammen, welche Massnahmen für Bär, Luchs und Wolf auf Behördenebene koordiniert.
Ein Managementplan besteht derzeitig für den Braunbären. Dessen Ziele sind es ein konfliktfreies Zusammenleben zwischen Mensch und Bär zu ermöglichen und die bestehenden Bären- Populationen zu vernetzen. Dabei ist besonders der Umgang mit Problembären vordergründig.
Auch für den Wolf besteht seit 2012 ein Managementplan. Darin wird besonders auf den Herdenschutz und die Entschädigungszahlungen eingegangen. Auch ein einheitliches Monitoring wird empfohlen. Derzeitig sammeln alle Bundesländer Wolfsnachweise in ihrem Gebiet. Entschädigungen werden in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt. In einigen Fällen, wie z.B. in Kärnten, wurde ein Fond für Vergütungen eingerichtet. In den meisten Bundesländern zahlt jedoch die Versicherung der Landesjägerschaften.
Landwirtschaft
Traditionell sind landwirtschaftliche Betriebe in Österreich kleinstrukturiert. Jedoch nimmt der Anteil kleinerer Betriebe ab, während grössere zunehmen. Die Schaf- und Ziegenhaltung wird zu einem hohen Anteil als Nebenerwerb betrieben. Dementsprechend sind die Herden sehr klein. Ähnlich wie in der Schweiz, dienen Schaf- und Ziegenherden der Landschaftspflege in Berggebieten, wo sie über den Sommer aufgetrieben werden. Nachdem diese Herden ungeschützt sind, gibt es immer mal wieder Rissvorfälle. Besonders in den Bundesländer Tirol, Kärnten und der Steiermark gab es immer wieder Verluste, während in den anderen Bundesländern nur wenige Nutztiere gerissen wurden. Ohne Herdenschutz und klar geregelte Entschädigungszahlungen, ist es möglich, dass viele kleine Schaf- und Ziegenzüchter aufgeben.
Schutzmassnahmen
Ähnlich wie in anderen Ländern, in denen der Wolf für lange Zeit verschwunden ist, sind die meisten Schaf- und Ziegenherden ungeschützt. Traditionelle Herdenschutzmassnahmen sind verloren gegangen. Eine nationale Beratungsstelle für Herdenschutz hat seit 2012 in verschiedenen Modellregionen getestet, welche Herdenschutzmassnahmen umsetzbar sind. In wie fern Bauern finanzielle Unterstützung für den Herdenschutz bekommen, ist noch unklar. Besonders in den Alpinen Gebieten wird dem Herdenschutz skeptisch entgegen gesehen, da die Herden sehr klein sind und die nötige finanzielle Unterstützung noch fehlt. Die Beratungsstelle für Herdenschutz wurde bisher vom Österreichischen Bundesverband für Schafe und Ziegen betrieben. Für die zukünftige Arbeit der Beratungsstelle fehlt derzeit aber die finanzielle Unterstützung durch Bund und Länder.