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Anton Bruckner war ein Spätberufener. Vom einfachen dörflichen
Schulgehilfen kämpfte er sich, unermüdlich lernend und studierend,
bis zu einem international angesehenen Organisten und zum
Professor an der Universität von Wien empor. In dieser Zeitspanne
entstand hauptsächlich kirchliche Gebrauchsmusik. Ab 1864
entstanden Bruckners Hauptwerke, die neun Sinfonien, die ihn als
einen der grössten Sinfoniker in die Musikgeschichte eingehen
lassen sollten.
In Bruckners Sinfoniesätzen werden die Themen der grösseren
Gesamtanlage entsprechend zu Themengruppen ausgebaut.
Das kantable zweite Thema bezeichnet Bruckner oft als
Gesangsperiode. In der Regel werden die Themengruppen nicht organisch verbunden, sondern blockartig aneinandergereiht, oft durch eine Generalpause abgetrennt.
Um Bruckners Musik den Hörgewohnheiten der Zeitgenossen zugänglicher zu machen und damit die Aufführungschancen zu fördern, nahmen Freunde eigenmächtige Bearbeitungen der Sinfonien vor. Die 7. Sinfonie, entstanden in den Jahren 1881 bis 1883, ist ohne Entstellungen überliefert. Mit dem Werk wurde dem rund 60-jährigen Bruckner der Erfolg zuteil, den er sich so lange erhofft hatte. Die Uraufführung am 30. Dezember 1884 in Leipzig gestaltete sich zu einem grossen Erfolg für den anwesenden Komponisten. Das Werk errang wenig später in München einen noch grösseren Triumph. Danach begann es den Siegeszug durch ganz Europa bis nach Amerika. Neben der „Vierten“ ist die „Siebente“ wohl Bruckners populärste unter seinen Sinfonien.
Der erste Satz beginnt für Bruckner typisch mit einem Pianissimo-Tremolo der Violinen. Darüber entfaltet sich das über 22 Takte hinwegströmende einzigartige, melodische Hauptthema, das sicher die Zuhörer und Zuhörerinnen von jeher in seinen Bann gezogen hat. Von Holz und Blech klangvoll unterstützt wird es wiederholt. Eine zweite Themengruppe schliesst sich an. In ihr fällt der Doppelschlag im zweiten Takt auf. Das Thema – es erscheint auch in seiner Umkehrung – wird kontrapunktisch weitergeführt. Nach einer grossen Steigerung erklingt im Pianissimo beginnend ein dritter Themenkomplex. Ein hüpfendes Unisono-Thema blüht allmählich auf und entlädt sich in schmetterndem Fanfarenklang der Blechbläser. Der Höhepunkt der Exposition ist erreicht. Leise, feine Takte leiten über zur ruhig beginnenden Durchführung, in der nun überaus kunstvoll Teile aller Themengruppen verarbeitet werden. Als Höhepunkt der Durchführung ertönt nach einer kurzen Generalpause in Fortissimo die Umkehrung des Hauptthemas. Ein zarter Übergang führt zum kaum wahrnehmbaren Eintritt der Reprise, in der die drei Themengruppen in freier Form vorüberziehen. Nach einer grossen Steigerung leitet eine Episode „sehr feierlich“ über zur Coda, in der die Dreiklangthematik zum strahlenden Schluss führt.
Der zweite Satz ist ein eindrucksvoller Trauergesang. Der Komponist wusste um die tödliche Krankheit seines abgöttisch verehrten Idols Richard Wagner. Die Todesnachricht (Wagner starb am 13. Februar 1883) erreichte Bruckner an der Arbeit dieses Satzes. Das cis-moll-Thema wird von den Tuben angestimmt und in einem zweiten Teil von den Streichern übernommen. Es mündet in einer aufsteigenden Melodienfolge – Bruckner verwendet diese Melodie auch in seinem Te Deum – und steigert sich zum mächtigen Fortissimo. Über wiegenden Figuren der Bratschen und Celli stimmen die Violinen ein zweites Thema im ¾-Takt an. Im weiteren Verlauf werden beide Themen mit allen Mitteln der polyphonen Satzkunst verarbeitet. Sechzehnteltriolen der Violinen begleiten bei seiner dritten Wiederkehr das Hauptthema, das nach ständiger Steigerung in dreifachem Forte in strahlendem C-Dur gipfelt. Mit Triangel und Beckenschlag ist der klangliche Höhepunkt des Satzes und der ganzen Sinfonie erreicht. Nach dem Kulminationspunkt erklingt die erschütternde Totenklage der Tuben und Hörner zum Hinschied Wagners, die sich in einem „Jammer-Schrei“ entlädt. Leise und wehmütig klingt der Satz in Cis-Dur aus.
Ausgangspunkt des Scherzos ist ein rhythmisch-pointiertes Trompeten-Thema über einem Unisono-Grundmotiv der Streicher. Motivische und harmonische Abwandlungen führen zu dynamischer Steigerung und riesigen orchestralen Klangentwicklungen. Im lyrischen, ruhigen Trio kommt es zum Schluss kurz zu einem kräftigen Bläsereinsatz, bevor es still ausklingt. Anschliessend wird das Scherzo wiederholt.
Das drängende, vorwärtsstürmende Hauptthema des Finales ist aus dem Beginn des ersten Satzes abgeleitet. Als sangliches zweites Thema erklingt zweimal ein ausdrucksvoller Choral. Auffallend ist hier wieder der charakteristische Doppelschlag. In mächtigem Fortissimo des vollen Orchesters, „sempre marcato“, ertönt in Unisono eine Abwandlung des Hauptthemas. Es schnellt in die Höhe und fällt am Schluss jäh in die Tiefe. Die wiederum äusserst kunstvoll auskomponierte Durchführung schliesst sich ohne ein drittes Thema an. Sie endet „breit und wuchtig“ in äusserster Klangentfaltung mit dem mächtigen Unisono der Exposition. Nach einer Generalpause setzt die Reprise ein. Die Reihenfolge der Themen wird in ihr umgekehrt. Der Choral ertönt vor dem Hauptthema. Leise beginnt die Coda. Sie steigert sich aber schnell zum effektvollen, hymnischen Schluss. Neun Takte vor Ende erstrahlt im Blech der Beginn des ersten Satzes.
Res Waber