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29. November 2001: Beim Cupspiel zwischen Villarreal und Levante verletzt sich Martin Palermo schwer. So verpasst der Argentinier die Teilnahme an der WM 2002. Der bizarre Unfall passt hervorragend in die spannende Biographie des argentinischen Ausnahmestürmers.
Martin Palermo kommt am 7. November 1973 in der Stadt La Plata, 60 Kilometer von der Metropole Buenos Aires entfernt, zur Welt. Beim lokalen Klub, den Estudiantes de La Plata gibt Palermo als 19-Jähriger sein Profi-Debüt und bleibt dort bis 1997, ehe er zum Ligakonkurrenten Boca Juniors wechselt.
Dort schiesst der 1,87 grosse Stürmer Tore am Laufmeter und «El Loco» («Der Verrückte»), wie ihn die Fans liebevoll nennen, wird für die Nationalmannschaft aufgeboten.
Nach seinem Auftritt am 4. Juli 1999 gegen Kolumbien in der Copa America ist die Karriere in der Landesauswahl aber vorerst zu Ende. Gleich drei Elfmeter bringt Palermo nicht im gegnerischen Kasten unter. Der erste Versuch streift noch die Latte, beim zweiten Mal knallt er den Ball drüber und beim dritten Anlauf scheitert er am Torhüter. Diese (Fehl-)Leistung bringt ihm auch einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ein.
Trotzdem will ihn Lazio Rom nach Europa holen. Ein Kreuzbandriss im November 1999 lässt den Transfer jedoch platzen. Ein Jahr später holt er sich mit den Boca Juniors dank eines 2:1-Erfolgs im Finale gegen Real Madrid den Weltpokal. Beide Treffer der Argentinier gehen auf das Konto von Palermo.
Am 29. November erleidet der damals 28-Jährige in der zweiten Runde der Copa del Rey gegen Levante einen kuriosen Unfall. Nach dem 1:0-Treffer in der Verlängerung läuft der bullige Argentinier zu den jubelnden Fans, die in ihrer überschäumenden Freude nach vorne stürmen und dabei eine Mauer zum Umstürzen bringen, die zu allem Übel auch noch auf die Beine des Villareal-Stürmers fällt.
Bittere Konsequenz: Palermo trägt einen doppelten Schienbeinbruch davon und muss mehr als ein halbes Jahr aussetzen. Die Betonplatte kostet den Argentinier auch die (wahrscheinliche) WM-Teilnahme.
2003 verlässt Palermo die gelben U-Boote und wechselt erst zu Betis Sevilla, danach zu Alaves. Doch Spanien bringt dem Instinktfussballer, der offenbar nur in der Heimat den richtigen Torriecher hat, kein Glück. So kehrt Palermo 2004 zu den Boca Juniors zurück.
Hier findet Palermo wieder zu seiner Torgefährlichkeit zurück und schiesst sich mit seinen Treffern in die Herzen der zahlreichen Boca-Fans. Die Klubverantwortlichen bieten dem 34-Jährigen einen Vertrag auf Lebzeiten an, der bescheidene Stürmer lehnt dankend ab.
Auch mit der Nationalmannschaft gibt es ein Happy End. Nachdem die «Albiceleste» in der WM-Qualifikation 2010 enttäuscht und erstmals seit 1970 die Endrunde zu verpassen droht, erinnert sich der Nationaltrainer Diego Maradona an die Ikone des Traditionsklubs und holt seinen ehemaligen Mitspieler nach zehnjähriger Absenz (!) zurück.
Zwei Spiele vor Schluss steht Argentinien mit dem Rücken zur Wand. Als im Heimspiel gegen Peru den Gästen in der 90. Minute noch der Ausgleich gelingt, scheinen den Gauchos bei strömendem Regen die Felle davonzuschwimmen. «Ich dachte schon, wir wären draussen», gesteht Maradona. «Aber ich hatte vergessen, dass es den heiligen Palermo gibt». Der 35-jährige Joker trifft nämlich im Gegenzug für die Gastgeber und veranlasst seinen Coach, per Taucher-Jubel in den nassen Rasen zu plumpsen.
«Das Wunder des heiligen Palermo hat uns ein neues Leben gegeben», meint Maradona erleichtert, der schliesslich mit dem Team die Qualifikation doch noch schafft.
Bereits vor dem Wunder sorgt Palermo für weltweites Aufsehen, als er eine Woche zuvor im Ligaspiel gegen Velez Sarsfield aus 38 Metern per Kopfball trifft.
Im Dezember 2011 beendet Martin Palermo als 38-Jähriger seine Karriere. Für die Boca Juniors geht er mit 236 Toren in 361 Pflichtspielen als bester Torschütze aller Zeiten in die Geschichte ein. In seinem geliebten Stadion «La Bombonera» wird zum Abschied sogar die Latte aus der Verankerung gerissen und dem Torjäger, der in einen blau-gelben Superman-Mantel eingekleidet worden ist, als Geschenk präsentiert.
Heute ist Palermo Trainer in der obersten Spielklasse Argentiniens und steht für CD Godoy Cruz aus Mendoza an der Seitenlinie. Offenbar kann Palermo aber Bocas Erzrivale River Plate immer noch nicht leiden. So tunnelte er deren Spieler Teofilo Gutierrez vor einigen Monaten gnadenlos.