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Widmer-Schlumpf wählte Frick, obwohl er die formalen Voraussetzungen offenbar nur teilweise erfüllt. Dies legt ein Protokollauszug der Selbstregulierungsorganisationen SRO dar. Demnach verlange das Amt für Branchenvertreter insbesondere Führungserfahrung in einem Finanzunternehmen. Doch Bruno Frick hat keine solche Führungserfahrung vorzuweisen.
Er war während seiner ganzen beruflichen Karriere als selbstständiger Anwalt tätig. Die «NZZ» beschreibt ihn als «emsigen Mandatsträger im Finanzbereich», als einen «Hans Dampf in vielen Gassen», der unabhängig von einem laufenden Strafverfahren «diverse andere Angriffsflächen» bietet. Als «unschön» bezeichnet die Zeitung insbesondere seinen unrühmlicher Abgang als Präsident der Paraplegikerstiftung.
Es ist fraglich, ob ein Mann wie Frick für den Finma-Verwaltungsrat geeignet ist. Die Mitglieder dieses strategischen Organs entscheiden über Geschäfte von grosser Tragweite, erlassen Verordnungen und überwachen die Geschäftsleitung. Der Finma-VR hat massgeblichen Einfluss daran, wie die überwachten Institute und ihre Exponenten in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Er entscheidet, ob Institute bei Verfehlungen ins Scheinwerferlicht gezerrt oder ob sie geschützt werden. Immer wieder hagelt es Kritik, dass die Finma die Mächtigen der Branche mit Samthandschuhen anfasst, während sie die Kleinen hängt.
Aktuell sitzen drei Professoren und vier Branchenvertreter im Gremium. Das Übergewicht der Finanzindustrie scheint eine schweizerische Besonderheit zu sein. Im Aufsichtsgremium der deutschen Bafin etwa ist die Mehrheit unabhängig von der Branche: Sieben Vertreter stammen von Ministerien, sechs sind Bundesparlamentarier, je drei kommen aus der Wissenschaft und der Finanzbranche. Selbst im bankenfreundlichen England haben nur gerade vier von elf Verwaltungsratsmitgliedern der Financial Services Authority einen Hintergrund in der Finanzbrache.
Will der Finma-VR den Anschein von Unabhängigkeit aufrechterhalten -- was angesichts des Branchenübergewichts ohnehin sehr schwer fällt --, wäre es zumindest wichtig, dass die gewählten Vertreter auch nicht den Hauch eines Interessenkonflikts verströmen. Dies ist umso wichtiger, weil der Finma-VR eben kein Abnicker-Gremium ist und beispielsweise weitaus grössere Kompetenzen besitzt als etwa der Bankrat der Nationalbank, der lediglich das betriebliche Funktionieren der Nationalbank überwacht, sich jedoch nicht in geldpolitische Angelegenheiten einmischt.
Bis jetzt konnte Eveline Widmer-Schlumpf nicht überzeugend darlegen, warum Bruno Frick eine gute Wahl für den Finma-Verwaltungsrat ist. Dass sie sich persönlich in das Bewerbungsverfahren einmischte, gibt jenen Kreisen weiter Auftrieb, die hinter der Wahl «parteigetriebene Postenschacherei» vermuten, wie es SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz formulierte.
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Der Schwyzer Anwalt und Ex-CVP-Ständerat Bruno Frick bemühte sich persönlich bei Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf um die Wahl in den Finma-Verwaltungsrat. Nach einem Brief an die Finanzministerin ging es plötzlich schnell mit der Kandidatur: Frick wurde zum Bewerbungsgespräch mit Spitzenbeamten des Finanzdepartements geladen. Nur eine Woche später teilte die Magistratin mit, dass Fricks Kandidatur aufgenommen werde –die Wahl war damit entschieden.
Widmer-Schlumpf wählte Frick, obwohl er die formalen Voraussetzungen offenbar nur teilweise erfüllt. Dies legt ein Protokollauszug der Selbstregulierungsorganisationen SRO dar. Demnach verlange das Amt für Branchenvertreter insbesondere Führungserfahrung in einem Finanzunternehmen. Doch Bruno Frick hat keine solche Führungserfahrung vorzuweisen.