Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03533.jsonl.gz/112

Der Kernmantel des Kraftwerks Mühleberg (KKM) stellt trotz der bekannten Risse bis auf weiteres kein Risiko dar. Er erfüllt seine Funktion in den nächsten Jahren auch ohne Zusatzmassnahmen. Das ENSI besteht allerdings darauf, dass die BKW bis Ende Jahr für den Langzeitbetrieb eine Lösung präsentiert, die zusätzliche Sicherheit garantiert. Die vor 15 Jahren installierten Zuganker genügen den Anforderungen des ENSI für den Langzeitbetrieb nicht.
Risse im Bereich der Schweissnähte von Kernmänteln sind heute ein weltweit bekanntes und gut untersuchtes Phänomen. Im KKM wurden bereits Anfang der 1990er-Jahre erste feine Risse im Kernmantel entdeckt. Die Betreiberin des Kraftwerks, die BKW, hat sich damals entschieden, als Vorsorgemassnahme zur zusätzlichen Stabilisierung des Kernmantels vier sogenannte Zuganker (eine Art grosse Klammern) zu installieren.
In den folgenden Jahren trat das Phänomen der Rissbildung weltweit auch in vielen anderen Reaktoren auf. Auch dort wurden teilweise ähnliche Zugankerkonstruktionen wie in Mühleberg eingebaut. Mehrere Länder wie z.B. die USA oder Spanien akzeptieren die Zuganker als definitive Reparatur und damit als langfristige Lösung des Problems.
Die Zuganker sollen sicherstellen, dass die aufeinander verschweissten Blechzylinder, aus denen der Kernmantel besteht, auch dann in der sicherheitsrelevanten Position bleiben, wenn eine der Schweissnähte rundherum durchreissen sollte.
Die Sicherheitsbehörden der Länder, die die Zuganker als langfristige Lösung anerkennen, begnügen sich mit Sicherheitsvorkehrungen auf zwei Ebenen:
1. Sie vertrauen auf die Zuverlässigkeit der gut untersuchten Materialmodelle zum Risswachstum und gehen davon aus, dass die Festigkeit des Kernmantels auch bei einem Störfall gewährleistet ist. Sie verlangen nicht, die Risse regelmässig auf den tatsächlichen Zustand hin prüfen zu lassen.
2. Für den Fall, dass wider Erwarten doch eine Schweissnaht vollumfänglich reissen sollte, sollen die Zuganker verhindern, dass sich dei Blechzylinder verschieben. Die Zuganker sollen in diesem Fall die Stabilität des Kernmantels gewährleisten.
Diese beiden Sicherheitsmassnahmen genügen dem ENSI nicht. Es hat die Betreiber des KKM daher seit der Entdeckung der Risse verpflichtet, den Kernmantel auf einer dritten Sicherheitsebene abzusichern: 3. Eine kontinuierliche Überprüfung der Rissentwicklung mit den modernsten Messmethoden und darauf aufbauend jeweils eine Neubewertung der Integrität des Kernmantels.
Das ENSI hat das KKM aber nicht nur zur regelmässigen Überprüfung der Risse verpflichtet. Bereits als die vier Zuganker in den 1990er-Jahren im KKM installiert wurden, machte das ENSI deutlich, es werde diese nicht als Langzeitlösung akzeptieren. Ein Gutachten des TÜV Nord im Auftrag des ENSI hat 2006 die Position der Schweizer Aufsichtsbehörde bestätigt: Die Konstruktion in Mühleberg funktioniert nur, wenn alle vier Zuganker intakt sind. Da die einzelnen Zuganker nicht auf allfällige Risse untersucht werden können, kann ein Versagen der gesamten Konstruktion nicht ausgeschlossen werden. Sie sind nicht einzelfehlersicher, wie es in der Fachsprache heisst, und können deshalb nicht als langfristige Lösung des Problems akzeptiert werden.
Die neuesten Messungen haben jetzt die Bewertung der Rissentwicklung bei früheren Überprüfungen bestätigt: Der Kernmantel in Mühleberg ist auch ohne zusätzliche Massnahmen sicher, selbst bei einem schweren Erdbeben.
Trotzdem wird die BKW nächstes Jahr nur eine Genehmigung des ENSI für den Langzeitbetrieb des KKM erhalten, wenn das Unternehmen bis Ende 2011 eine neues, verbessertes Konzept präsentiert, das die Sicherheit des Kernmantels auch langfristig gewährleistet:
Die Resultate der Untersuchungen während des Revisionsstillstandes 2011 finden Sie hier.