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Iris und Peter von Roten waren ein bemerkenswertes Paar. Doch auch jeder für sich überraschte und überforderte die Zeitgenossen. Diese Einzigartigkeit war zu einem Teil darin begründet, dass sie sich trotz ihres unterschiedlichen Hintergrunds ineinander verliebten und gegen alle Erwartungen und Ansprüche ihrer Umgebung auch das ganze Leben zusammenblieben. Er stammte aus konservativstem, katholischem Walliser Aristokratengeschlecht, mutierte zum engagierten Pazifisten, Armeegegner und Frauenrechtler, der sich gleichzeitig für die Wiedereinführung der lateinischen Messe einsetzte. Sie veröffentlichte 1958 Frauen im Laufgitter – ein Buch, dessen feministische Positionen in der Schweiz bis heute nicht mehr in dieser Radikalität formuliert worden sind. Gemeinsam lebten sie – in den Fünfzigerjahren! – eine offene Ehe. Vor allem in jungen Jahren schrieb sich das Paar insgesamt etwa 1500 Briefe. So ist ihre individuelle und gemeinsame Entwicklung gut dokumentiert. Der Historiker Wilfried Meichtry arbeitete 2007 ihre Geschichte im Buch Verliebte Feinde auf, das die Grundlage für den Film darstellt.
Schweizer nähert sich seinen beiden Protagonisten in einer Collage aus gespielten Szenen mit Mona Petri als Iris und Fabian Krüger als Peter von Roten, Archivaufnahmen sowie Interviews mit Freunden und Verwandten. Er vermeidet so eine allzu einfache Identifikation mit dem Paar und stellt die beiden Kämpfernaturen in ihren historischen Kontext. Dass Peters Familie die junge Frau nicht mit offenen Armen aufnahm, wird im Interview mit seiner Schwester fast deutlicher als in den etwas platten fiktionalen Szenen. Auch die Skepsis gegenüber den Erziehungsmethoden der von Rotens (verantwortlich dafür wird vor allem die Mutter gemacht) wird in den Gesprächen spürbar; Iris zeigte nicht nur kein Interesse an Haushaltsführung, sondern auch keines an Kindererziehung. Für ihre Tochter Hortensia suchte und fand sie stattdessen Plätze bei befreundeten Familien, bei denen das Mädchen jeweils für eine Weile lebte. Hortensia von Roten, die Tochter, äussert sich dazu selbst nie negativ: «Ich kann mich nicht erinnern, dass ich irgendwo, wo ich längere Zeit war, unglücklich war.»
Das verwendete Archivmaterial bebildert oft in erster Linie die Brieftexte, die in ihrer Unmittelbarkeit nicht nur im Buch, sondern auch im Film den stärksten Eindruck hinterlassen. Immer wieder gelingen Schweizer aber auch visuell starke Momente, wie der Schnitt von einem fotografischen Porträt von Iris auf ein ähnliches, in dem der Gesichtsausdruck jedoch ein völlig anderer ist. Zwar droht Verliebte Feinde bisweilen zwischen Archivaufnahmen, Interviews mit Zeitzeugen und Spielfilmszenen auseinanderzufallen, doch die Geschichte dieses ungewöhnlichen Paares hält den Film immer wieder zusammen.