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Die komplexe Erklärung:
Die Behandlung mit Hypnose wurde und wird immer wieder als eine Placebobehandlung betrachtet, allerdings ohne vorzugeben, einen medizinischen Wirkstoff zu verwenden; daher auch die Formulierung ‚Hypnose ist „ein Placebo ohne Täuschung“.
Dabei wird vermutet, daß wie bei Placebos auch die Wirkung von Hypnose von den Erwartungen der Patienten beeinflußt wird.
Der Gleichsetzung der Wirkungsmechanismen von Hypnose- und Placebobehandlung stimmt allerdings nicht mit älteren Befunden überein:
So berichten McGlashan et al. (1969), daß hypnotische Schmerzreduktion von der Suggestibilität der Probanden abhängt, also insbesondere hochsuggestible Probanden von der hypnotischen Schmerzkontrolle profitieren, die hypnotische Suggestibilität aber keinen Einfluß bei der Placebobehandlung hat.
Der Einfluß von Erwartung ist insbesondere bei Placebobehandlung zu beobachten, aber nicht bei Hypnose, d.h. Erwartungseffekte wirken sich nicht gleichermaßen auf Placebo- und Hypnosebehandlung aus (Benham et al., 1998).
In einem aktuellen Artikel zur Frage nach der Beziehung zwischen Hypnose und Placebo berücksichtigt Parris (2016) auch neuere Forschung, die sich dieser Frage mit repetitiver transkranieller Stimulation des dorsolateralen präfrontalen Cortex (DLPFC) stellt.
Dieses Hirnareal wird u.a. mit der Vermittlung kognitiver Leistungen (wie Handlungsplanung, Problemlösen) in Zusammenhang gebracht.
Parris stellt zwei Arbeiten gegenüber, in denen die Wirkung von Hypnose bzw. von Placebos in Abhängigkeit von der rTMS des DLPFC untersucht wird.
Dabei zeigt sich, daß die Placebowirkung bei magnetischer Hemmung des DLPFC völlig unterbunden wird; die magnetische Hemmung hingegen bei Hypnose zu einer signifikanten Verbesserung hypnotischer Reaktionen führt.
Mit Parry läßt sich aufgrund der Ergebnisse vermuten, daß Placebos über Einstellungen/Erwartungen (kognitive Faktoren) wirken, Hypnose hingegen über eine ‚mentale’ Fähigkeit, die durch die Hemmung kognitiver Prozesse begünstigt wird.
Das heisst:
Der Placebo Effekt macht etwas eigentlich Unwirksames zu etwas Wirksamen. Wie bereits aufgezeigt, bewirken die positive Erwartungshaltung und die Kraft der Suggestion den eintretenden Effekt. Doch die Wirksamkeit von Placebos hat ihre Grenzen. Wenn das psychische oder körperliche Problem alleine durch die Suggestion nicht geheilt werden kann ist der Placebo Effekt/die Suggestion meist nur von kurzer Dauer. Würde man beispielsweise einen Patienten mit einer Gallenblasenentzündung operieren, ohne ihm die Gallenblase zu entfernen und ihm dabei suggerieren, die Gallenblase sei entfernt worden, dann würde sich die Symptomatik am Anfang durch die erwartete Entnahme der Gallenblase verbessern, sobald aber der Gallestau und die Entzündung wieder Überhand nehmen, würde sich der Placebo Effekt jedoch aufheben.
Manche Menschen fragen sich, ob Hypnose auch nur ein Placebo sei. Aus praktischen Tätigkeit heraus kann man sagen, dass Hypnose kein Placebo ist, da sie auch bei den Menschen funktioniert, die nicht an die Wirkung der Hypnose glauben oder anfänglich skeptisch sind. Allerdings ist mit Hypnose natürlich wie bei allen anderen Verfahren auch eine positive Erwartungshaltung verknüpft, also ist alleine das Beginnen einer Hypnosetherapie schon mit einem positiven suggestiven Effekt verbunden. Man muss also daran glauben, an sich glauben.