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Eine historische Wahrnehmung der Kryosphäre wurde bislang auf einen sterilen Raum reduziert – zu lebensfeindlich schienen die Bedingungen für Leben. Jedoch dominiert eine Reihe von mikrobiellen Prozessen die Entwicklung von Schnee- und Eisflächen, welche direkt und indirekt anthropogen massiv beeinflusst werden. Wo es flüssiges Wasser gibt, da gibt es Leben – dieser simple Grundsatz ist die Triebfeder für die Entwicklung von supraglazialen Lebensgemeinschaften auf alpinen und polaren Gletschern. Der Temperaturanstieg führt zu vermehrtem Metabolismus und damit verbundener Pigmentierung der Zellen als UV-Schutz. Eine fatale Rückkoppelung in Bezug auf Schmelze ist weltweit zu beobachten. Speziell jedoch in Alpenländern finden wir eine unmittelbare Reaktion der Kryosphäre auf die wirtschaftliche Nutzung als Gletscherschigebiete. Um eine Reduktion der Pistenflächen durch die sommerliche Schmelze zu verhindern, werden hektargroße Flächen mit Fleece abgedeckt. Dieses Fleece birgt jedoch eine große ökologische Gefahr durch ausgewaschene Substanzen sowie den Abrieb von Mikroplastik, welches sich unwiderruflich im Eis manifestiert. Neben Plastikfasern finden wir auch Reste der Atombombentests aus den 50er und 60er Jahren, auch Gletscher haben ein Gedächtnis.