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Anton Donkers wurde am 19. März 1924 in Leiden / Holland geboren als ältestes Kind von Frans Willem Donkers und Jannetje, geb. Wolters. Er wuchs mit den Geschwistern Jaap, Mien, Thea und Ineke auf. Mit 5 verbrachte er gesundheitshalber einige Monate bei einer Tante und ihrem Mann am Meer in den Dünen. Zurück in Leiden absolvierte er die ersten Schuljahre mit Leichtigkeit. Anton genoss eine schöne Jugend im Kreise seiner Familie. Die Eltern nahmen ihre Kinder mit in Konzerte und Museen und erweckten so auch Antons Interesse an den schönen Künsten. 1936 erfolgte der Eintritt ins städtische Gymnasium, damals eine Eliteschule. Bereits als Zwölfjähriger wurde Anton Mitglied des gymnasialen Schachvereins. Die Liebe zum königlichen Spiel behielt Anton bis ins Alter.
1940 brach der zweite Weltkrieg aus. Die fünf Kriegsjahre prägten das Leben von Anton‘s Familie. Er und sein Bruder Jaap mussten zeitweise untertauchen. Trotz allen kriegsbedingten Mühsalen bestand Anton 1944 die Matur und wurde im gleichen Jahr – mit zwanzig – konfirmiert. Der Konfirmationsspruch, ein Wort Jesu, lautete: «Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Schosse. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der trägt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.» (Johannes 15,1)
Im Herbst 1945 begann Anton sein Studium an der Theologischen Hochschule in Kampen. In dieser Zeit musste er vielen Zweifeln und Glaubensanfechtungen standhalten. Der Text: «Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.» (Jeremia 29,13) war Anton immer ein Trost, ebenso wie auch die Vertonung dieses Textes durch Felix Mendelsohn-Bartholdy im Oratorium «Elias». So gründlich und streng calvinistisch die Ausbildung an der Hochschule auch war, so sehnte sich Anton nach mehr theologischer Freiheit. Besonders die Lektüre von Karl Barth hat ihn dazu bewogen, schliesslich Pfarrer zu werden.
Im Sommer 1947 machte Anton einige Reisen per Autostopp nach Luxemburg, Frankreich und in die Schweiz. Hier verbrachte er ein Wochenende im Pfarrhaus Gelterkinden und lernte seine zukünftige Frau Helene, die Tochter von Pfarrer Georg Hoch-Staehelin kennen. Bis zur glücklichen Hochzeit sollte es aber nochmals zehn Jahre dauern!
Zurück in Holland war Anton ein Jahr lang Vizepräsident der Studentenverbindung. Dieses Amt brachte ihn in Verbindung mit anderen theologischen Fakultäten in Holland. Auch erweiterte er seinen Horizont durch einen Aufenthalt im Schweizerischen Château Bossey. Inmitten von Studenten aus aller Welt lernte Anton die grossen Männer kennen, die 1948 in Amsterdam den Weltrat der Kirchen gründeten.
Anton absolvierte sein Studium gründlich und interessierte sich zusätzlich für die Liturgik, die sich mit der Gestaltung und den Zeremonien in Gottesdiensten befasst. 1953 bestand er das Kandidatsexamen und auch das kirchliche Examen. Da in diesen Zeiten in Holland Pfarrermangel herrschte, erhielt Anton viele Anfragen aus allen Teilen des Landes, auch von der «Gereformeerde Kerk» von Medemblik, einer kleinen, alten Hansestadt mit grosser Vergangenheit. Die Menschen dort waren sehr herzlich und das Städtchen reizend, sodass er die Berufung annahm. Dort wurde er am 27. September 1953 ordiniert und ins Amt eingesetzt. Da Anton noch ledig war, erklärte die oben erwähnte Tante – inzwischen verwitwet – sich bereit, den Haushalt zu führen. Für Anton begann eine schöne Zeit. Zwar war die Gemeinde von einer Spaltung bedroht wegen einer neuen Bibel-Übersetzung und dem Verlangen, nebst den Psalmen in der Kirche auch Lieder zu singen. Aber mit Gottes Hilfe und mit viel Geduld konnte Anton das Vertrauen der Gemeinde gewinnen, nicht zuletzt auch durch eine Aktion, bei der die Pfarrer am Heiligabend mit einem Auto durch die Stadt fuhren und ein Tonband abspielten mit Glockengeläute, Orgelspiel und einer kleinen Ansprache. Damit riefen sie die Bewohner auf, gemeinsam in den Kirchen Weihnachten zu feiern. Ebenso führten sie in einem Park gemeinsam Evangelisations-Abende durch, die einen grossen Zulauf hatten.
1956 erhielt Anton eine Berufung nach Dordrecht, der ältesten Stadt Hollands und ebenfalls eine frühere Hansestadt.
Inzwischen hatten Helene und Anton den Kontakt wieder aufgenommen und verlobten sich. Am 20. Februar 1957 fand die kirchliche Trauung in Gelterkinden statt mit dem von ihnen gewählten Text: «Freuet euch im Herrn allezeit; nochmals will ich sagen: Freuet euch! Lasset eure Freundlichkeit allen Menschen kundwerden: Der Herr ist nahe. Sorget euch um nichts, sondern in allem lasset im Gebet und Flehen mit Danksagung eure Bitten vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand überragt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.» (Philipperbrief 4, 4-7)
Nach einem herrlichen Hochzeitsfest reisten Anton und seine frisch gebackene Pfarr-Frau nach Holland. In Dordrecht wartete auf sie eine grosse Aufgabe mit einer neuen Satellitenstadt, gebaut für 20‘000 Menschen. Manchmal waren sie mehrere Abende pro Woche unterwegs, um die neuen Gemeindeglieder willkommen zu heissen. Die Begrüssungs¬abende und die Gottesdienste fanden in einer grossen Baracke des Baukonsortiums statt und hatten etwas von den frühchristlichen Gemeinden: herzliche Verbundenheit und Spontaneität. Wieder stiessen die von Anton mitgetragenen gemeinsamen Gottesdienste der unterschiedlich ausgerichteten reformierten Kirchen auf Widerstände. Solche ökumenische Arbeit war in den Fünfzigerjahren in Holland noch ein Tabu.
Am 24. Februar 1960 kam Antons und Helenes erster Sohn Martin Huldrych Johannes zur Welt. Die Freude – auch in der Gemeinde – war gross. Da sich Anton theologisch eingeengt fühlte, beschloss er, in die Schweiz zu ziehen und wurde im Herbst 1960 in die Kirchgemeinde Frenkendorf / Baselland berufen – als erster Auslandpfarrer im Baselbiet. Am 27. Januar 1963 kam der zweite Sohn Johannes Markus zur Welt. Wieder war die Freude gross, doch die sehr schnell wachsende Kirchgemeinde Frenkendorf-Füllinsdorf wurde zu einer noch grösseren Herausforderung trotz guten Verhältnisses mit der Bevölkerung und herzlichen Einvernehmens mit der Kirchenpflege. Anton sagte immer: «In Frenkendorf wurden wir mehr gelebt als dass wir lebten …».
1969 folgte nach acht Jahren eine weitere Berufung – ins ländliche Lohn im Kanton Schaffhausen. In der Kirchgemeinde Lohn-Stetten-Büttenhardt konnte sich Anton endlich entfalten. In den drei Dörfern führten er und Helene gut besuchte Bibelkurse, Adventsabende, Missionsbasare durch, und Anton versandte unzählige Gemeindebriefe. Ein grosser Erfolg waren die Erntedankgottesdienste mit Sammlung von Lebensmitteln. Anton war auch Präsident der Kantonalen Sonntagsschule. In Lohn genoss die Familie ausgedehnte Wanderungen im waldreichen Kanton. Im Hinblick auf die Ausbildung der Kinder beschlossen Anton und Helene, an einen grösseren Ort weiter zu ziehen.
1975 wurde eine Pfarrstelle in der Stephanusgemeinde zu Basel frei. Auch hier zog Anton von Strasse zur Strasse, von Haus zu Haus und lernte so die Gemeinde kennen. Das kollegiale Verhältnis unter den Stadtpfarrern war gut, aber es wurde – mit Antons Worten – «enorm viel parlaveret». Er sah jedoch immer die persönliche Seelsorge als seine Hauptaufgabe. Auch in Basel führte Anton Bibelkurse durch und predigte mit seinen Kollegen wöchentlich vor bis zu 300 Kirchgängern.
Die Zeit wurde reif für einen letzten Wechsel, um noch einmal in einer Landgemeinde frei schalten und walten zu können. Und so trat Anton in seinem 60. Lebensjahr eine weitere Pfarrstelle an im bernischen Trubschachen. Auch hier wurden er und Helene mit grosser Herzlichkeit empfangen. Sie nahmen Kontakt auf mit den Freikirchen im Dorf und es zeigte sich, dass auch die Neutäufer, die Evangelische Gesellschaft und die Urchristen herzhafte Christen waren. So wurden viele Vorurteile in der Gemeinde gegenüber den «Sektenleuten» widerlegt und gemeinsame Gottesdienste und Bibelkurse fanden statt. Nach fünf Jahren im «Emmital» stand Antons Pension an und er und Helene entschlossen sich, wieder nach Basel zurückzukehren.
Rückblickend auf sein Leben als Pfarrer sagte er immer, dass er und seine Frau überall Gottes Gnade erfahren durften. Gott schenkte ihnen gute Gemeinden und treue Gemeinde¬glieder. Dies alles hätte Anton – in eigenen Worten – «nicht bewältigen können, wenn mich meine liebe Frau nicht unterstützt hätte!»
In Basel schliesslich immatrikulierte sich Anton an der Universität und studierte Kunstgeschichte und besuchte theologische Vorlesungen. Zudem wurde er Mitglied eines Schachvereins. Zusammen Helene machte er Reisen durch Europa und nach Skandinavien, im fortgeschrittenen Alter in den Schwarzwald. In diese Zeit fiel auch die Geburt seines und Helenes geliebten Grosskindes Tina Helena. Anton taufte Tina 1998 in der Thomaskirche zu Basel. Tina genoss grosse Zuneigung ihrer herzlichen und fürsorglichen Grosseltern. Anton förderte ihr Interesse an Büchern und an Wissen und brachte ihr das Schachspiel bei.
Seit 2014 lebte Anton mit seiner Frau im Alterszentrum Holbeinhof in Basel, wo sie stets liebevoll betreut wurden.
In all den Jahren begleiteten sie die Freundschaften und Beziehungen ihrer Buben Martin und Johannes, die Hochzeiten, die Familienfeste, aber auch die Todesfälle von Verwandten und Bekannten in der Schweiz und in Holland.
2017 verstarb Antons geliebte Ehefrau Helene, in einer Zeit, in der es ihm selbst sehr schlecht ging. Doch er fing sich auf, konnte noch kleine Ausflüge zu seinen Kindern machen und war stets bemüht, möglichst selbstständig seinen Tagesablauf zu bewältigen. Trotz zunehmender Schwäche freute er sich immer über die vielen Besuche der Familie, von Bekannten und aus den ehemaligen Gemeinden. Sein Verstand war bis zuletzt klar und er interessierte sich am Tagesgeschehen und am Leben der Familie. Eine fortschreitende Altersschwäche band ihn ans Bett und liess ihn in seinem 96. Lebensjahr, nach kurzem Leiden, getrost und im Einklang mit Gott friedlich einschlafen.
Wir vermissen mit Anton einen herzlichen, feinsinnigen und liebenswürdigen Vater, Grossvater, Bruder, Schwager, Schwiegervater und Onkel und einen gläubigen Kollegen und Seelsorger. Möge Anton seinen Frieden finden, den er in seinem ganzen Leben unzähligen Menschen vermittelt hat.
Martin H. Donkers und Johannes M. Donkers