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Das Bundesamt für Veterinärwesen BVET gab gestern bekannt, dass im Jahr 2011 die Zahl der in Tierversuchen verwendeten Tiere gegenüber 2010 generell um 13,1 Prozent auf 662‘128 gesunken ist (-99‘547). Insbesondere nahmen die Versuche mit Schweregrad 3 weiter ab; Diese machten vergangenes Jahr noch 2,1 Prozent aller Tierversuche aus. Während das BVET von einer deutlichen Abnahme spricht, kritisieren Tierversuchsgegner die Statistik als „kleine Mogelpackung“, da der Rückgang der Versuche hauptsächlich aus einem weggefallenen Grossversuch für die intensivierte Hühnermasthaltung resultierte.
Die Belastungen für die Versuchstiere sind in 4 Schweregrade – von 0 bis 3 – klassiert. Bei Tierversuchen mit Schweregrad 0 werden die Tiere nicht belastet – so etwa, wenn das Verhalten von Hühnern beobachtet wird. Umgekehrt sind Tierversuche mit Schweregrad 3 sehr belastend. 2011 entsprachen 79 Prozent der durchgeführten Tierversuche einem Schweregrad 0 oder 1, 19 Prozent einem Schweregrad 2 und nur 2 Prozent einem Schweregrad 3.
Im Berichtsjahr wurden 3592 kantonale Tierversuchsbewilligungen ausgestellt. Bei 79 Prozent der eingesetzten Tiere handelte es sich dabei um Labornagetiere wie Mäuse, Ratten, Hamster oder Meerschweinchen. Vögel, insbesondere Geflügel, wurden in 10 Prozent der Fälle eingesetzt, insbesondere im Rahmen von Fütterungsversuchen und Studien zur tiergerechten Haltung. Weiter wurden Fische, verschiedene Haus- und Nutztierarten, Kaninchen, Amphibien, Primaten und weitere Säugetiere verwendet.
Ein gutes Drittel der Versuchstiere wurden 2011 an Hochschulen und Spitälern eingesetzt (-4 Prozent), fast zwei Fünftel in der Industrie (-25 Prozent). Der Wegfall eines Praxisversuchs mit grossen Geflügelherden im Kanton Luzern ist die Hauptursache für die deutliche Abnahme gegenüber 2010 (-99‘547). Die Abnahme ist jedoch generell in allen Bereichen zu beobachten.
Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner (AG STG) ist über diesen allgemeinen Rückgang erfreut, bezeichnet aber die Tierversuchszahlen nach wie vor als skandalös hoch und spricht von einer tier- und menschenfeindlichen Forschung, die den Fortschritt in der Medizin behindert. Denn seit Jahren nehmen Tierversuche für die angewandte medizinische Forschung – z.B. Entdeckung und Entwicklung von Arzneimitteln – kontinuierlich ab, während in der Grundlagenforschung, die im Gegensatz zur angewandten medizinischen Forschung keinen relevanten medizinischen Nutzen für Menschen bringt, die Tierversuche seit dem Jahr 2000 um über 60 Prozent zunahmen.
Die AG STG fordert daher seit langem einen konsequenten Verzicht auf Tierversuche, sowie die konsequente Förderung und Anwendung von geeigneten tierversuchsfreien Testmethoden statt der Verschwendung von öffentlichen Geldern für völlig veraltete Forschungsverfahren.
Bild: SHAC