Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03310.jsonl.gz/1294

| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

102. Vortrag
1.
Nunmehr sind die Worte des Herrn zu behandeln: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben“. Es ist schon in den früheren Teilen dieser Rede des Herrn wegen derjenigen, die einiges vom Vater im Namen Christi bitten und es nicht empfangen, gesagt worden, man bitte nicht im Namen des Heilands, wenn man um etwas gegen die Ordnung des Heils bittet1. Denn nicht der Ton der Buchstaben und Silben, sondern was der Ton bedeutet und was man unter diesem Tone mit Fug und Recht sich denkt, das meint er nach richtiger Auffassung, wenn er spricht: „in meinem Namen“. Wer darum von Christus das denkt, was man von dem einzigen Sohne Gottes nicht denken soll, bittet nicht in seinem Namen, obwohl er mit Buchstaben und Silben Christus nicht verschweigt, weil er im Namen dessen bittet, den er denkt, wenn er bittet. Wer aber, was von ihm zu denken ist, denkt, der bittet in seinem Namen, und er empfängt, um was er bittet, wenn er nicht gegen sein ewiges Heil bittet. Er empfängt es aber, wann er es empfangen soll. Manches nämlich wird nicht verweigert, aber es wird, damit es zur geeigneten Zeit gegeben wird, verschoben. Gewiß, so ist sein Wort: „er wird euch geben“, zu verstehen, daß man wisse, es sollen durch diese Worte jene Wohltaten angedeutet werden, welche sich auf die Bittenden persönlich beziehen. Es werden nämlich alle Heiligen für sich selbst erhört, sie werden aber nicht für alle [S. 1023] erhört, sei es für Freunde oder Feinde oder für irgendwelche andere, weil es nicht schlechthin heißt: „er wird geben“, sondern: „er wird euch geben“.
1: 73. Vortrag.