Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03216.jsonl.gz/2597

Lebenslauf
Tim Guldimann ist ein Schweizer Politikwissenschafter, Diplomat und Politiker. Er wurde 1950 in Zürich geboren und ist in Uitikon aufgewachsen, besuchte das Gymnasium Enge und studierte in Zürich Volkswirtschaft. Seine Lehr- und Wanderjahre verbrachte er in Lateinamerika, Schweden, Deutschland, Russland, Frankreich und England. 1979 promovierte er an der Universität Dortmund in politischen Wissenschaften und wurde 1996 zum Honorarprofessor der Universität Bern ernannt.
1982 trat er in den diplomatischen Dienst ein und kam in Bern und Kairo zum Einsatz. Danach wechselte er in die Forschungspolitik ins Departement des Innern und handelte das bilaterale Forschungsabkommen mit der EU aus. Als Leiter der OSZE-Mission in Tschetschenien vermittelte er 1996 den Waffenstillstand und organisierte dort die ersten freien Wahlen. Danach baute er als Missionschef in Kroatien eine grosse OSZE-Mission auf. Von 1999-2004 vertrat er als Schweizerischer Botschafter in Iran dort auch die amerikanischen Interessen. Danach lehrte er an der Universität Frankfurt über die Beziehungen zur islamischen Welt und befasste sich mit dem iranischen Nuklearprogramm. 2007/8 leitete er als Stellvertretender Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs die OSZE-Mission im Kosovo. Danach organisierte er im Zentrum für Humanitären Dialog, einer Stiftung für politische Vermittlung in Genf, Gespräche zwischen Moslembrüdern und westlichen Regierungsvertretern. Von 2010-15 war er schweizerischer Botschafter in Berlin und unterstützte 2014 als Ukrainebeauftragter die Friedensbemühungen des schweizerischen OSZE-Vorsitzes. Im Oktober 2015 wurde Tim Guldimann – weiterhin in Berlin lebend – für die SP des Kantons Zürich in den Nationalrat gewählt. Im Marz 2018 ist er von seinem Parlamentsmandat zurückgetreten.
Zur Zeit geht er verschiedenen Aktivitäten nach: Als Präsident des Museumsrates des Schweizerischen Nationalmuseums, als Senior Adviser des Centre for Humanitarian Dialogue in Genf im Bereich internationaler Konfliktvermittlung, als internationaler Experte im „Nationalen Dialog“ im Irak und als Autor seines Podcasts „Debatte zu Dritt“.
Er lebt in Berlin mit seiner Frau Christiane Hoffmann, die als Autorin für den SPIEGEL arbeitet. Ihre beiden Töchter studieren in Köln und Reims. Er hat mehrere Bücher und wissenschaftliche Artikel verfasst (siehe unter Publikationen)
Im Anschluss an seinen Einsatz in Tschetschenien erhielt Tim Guldimann 1997 den Menschenrechtspreis der Schweiz-Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. 2006 verlieh ihm der Senat des Landes Berlin den Moses-Mendelssohn-Preis „zur Förderung der Toleranz gegenüber Andersdenkenden und zwischen den Völkern und Religionen”. 2013 hat ihn der Schweizerische Buchhändler- und Verlegerverband als „Buchmensch 2013“ ausgezeichnet. 2020 erhielt er von Ministerpräsident Kretschmann den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg („Würdigung hervorragender Verdienste um das Land Baden-Würrtemberg und seine Bevölkerung“).