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30.06.2022, 15:24 Uhr
Die Zentralbankmassnahmen zur Inflationsbekämpfung setzen den Rohölpreis unter Druck. Esty Dwek von FlowBank erklärt, was der Preis des schwarzen Goldes verrät und zeigt Anlagegelegenheiten auf.Artikel lesen
Seit letztem Mai setzt sich der Abfluss von Kapital aus den Schwellenländern fort und hat in den vergangenen Wochen sogar an Tempo zugelegt. Der hohe Druck auf die EM-Anleihemärkte hält daher an. Die Probleme lagen im vergangenen Jahr klar auf der Hand: schlechtere volkswirtschaftliche Daten, stagnierendes Wirtschaftswachstum, steigende politische Risiken und eine schwierige globale Liquiditätslage.
Die Makrodaten der Emerging Markets haben sich in letzter Zeit kaum verändert. Als wichtigste Entwicklungen sind die verbesserten Leistungsbilanz- und Inflationsdaten in Indien sowie das geschwächte Wachstum in Thailand und der Türkei zu nennen, wo die politischen Unruhen nun auch die Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.
Thailand und die Türkei treten mittlerweile vor allem als Länder hervor, in denen sich die politischen Krisen verschärft haben. Gleichzeitig herrscht in jenen Ländern, in denen die Wirtschaft schwächelt, die soziale Unzufriedenheit wächst und in diesem Jahr Wahlen anstehen, weiterhin hohe Unsicherheit. In Indien und Indonesien macht sich im Hinblick auf die Kandidatur von möglichen Reformern bei den Wahlen im Mai bzw. Juli bereits freudige Erwartung am Markt bemerkbar. Doch gerade in Indien ist eine leistungsfähigere und reformfreudigere Regierung auch nach den Wahlen kaum vorstellbar. Die politische Landschaft ist stärker zersplittert denn je. Dass eine Partei genug Stimmen auf sich vereinen kann, um eine stabile Koalitionsregierung zu bilden, ist eher unwahrscheinlich.
In Südafrika eskalieren wiederum die Arbeitskämpfe. Der in Misskredit geratene ANC wird bei den Wahlen, die im zweiten Quartal stattfinden sollen, wohl erhebliche Einbussen hinnehmen müssen. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Regierung die Reformen umsetzen kann, die erforderlich sind, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern und seine massiven Probleme (hohe Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit) anzugehen.
In Brasilien dürfte Präsidentin Dilma Rousseff im Oktober erneut im Amt bestätigt werden. Doch angesichts der voraussichtlichen Fortsetzung ihrer interventionistischen und populistischen Politik dürfte die Risikoaversion der Anlegerschaft gegenüber Brasilien anhalten. Die Gefahr einer Herabstufung des Kredit-Ratings und einer deutlichen Abwertung des Real bleibt bestehen.
Vor dem Hintergrund der schwächelnden EM-Volkswirtschaften, anhaltender Makro-Ungleichgewichte und einer negativen Kapitalflussdynamik in Kombination mit erheblichen politischen Unwägbarkeiten steht die EM-Assetklasse weiter unter Druck.
Aufgrund der sich verlangsamenden Wachstumsdynamik in den Schwellenländern und dem verstärkten Abfluss von Kapital hat ING AM ihre Untergewichtung bei EM Fremdwährungen ausgeweitet, denn hier liegt das grösste Risiko.