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Auf die im Magreb gewachsene textile Kultur, von deren Ursprüngen wir wenig wissen, trafen Einflüsse der Regionen, die mit der Berberzivilisation in Kontakt standen. Wichtige Beispiele orientalischer Herkunft sind die farbstoffliefernden Pflanzen Indigo, Henna und Safran, die die vorwiegend roten Farbtöne der Krapp-Pflanze und der Cochenille-Laus durch ein breiteres Spektrum ergänzten. Sie dienten bis zur Erfindung der chemischen Farbstoffe als Grundfarben.
Praktisch gleichzeitig mit der Entdeckung und Publikation der Textilkunst der Berber begann die französische Verwaltung, die ländlichen Teppiche zum Gegenstand des internationalen Handels zu machen. Doch wurde in den Berberdörfern nie wesentlich mehr als der Eigenbedarf hergestellt. Die Berber finden zum Leben in der ariden Zone am Saum zwischen Wüste und Hochgebirge ähnliche Voraussetzungen wie die teppichknüpfenden Bewohner der asiatischen Bergregionen.
Da das Wasserangebot nur im Winterhalbjahr für Ackerbau ausreicht, wird im Sommer Weidewirtschaft betrieben. In den Hochlagen dienen Zelte als Unterkunft. Die Stoffbahnen werden aus Ziegenhaar gewebt, das die Eigenschaft hat, bei Nässe aufzuquellen. Die Zelte sind deshalb bei Trockenheit luftdurchlässig, bei Regen aber wasserdicht und bieten so in südlichen Breiten den optimalen Wetterschutz. Sie erlauben überdies, durch gelegentlichen Standortwechsel ein grösseres Weidegebiet zu bewirtschaften.
Selbst Halbnomaden, haben die Berber von der Kultur der Vollnomaden die starke Beweglichkeit ihrer Güter entlehnt. Als Möbel dient nur, was wirklich mobil ist, sich also leicht auf ein Kamel laden lässt: Teppich und Sack ersetzen Bett und Schrank. Damit werden die vorhandenen Ressourcen sinnvoll genutzt, denn Holz ist rar, Wolle aber reichlich verfügbar. Nach dem Bezug fester Behausungen hat sich an der Ausstattung nicht viel geändert, sieht man von Truhen und niedrigen Tischen ab.
Neben den funktionalen Aufgaben erfüllen die textilen Erzeugnisse dekorative Zwecke. Ihnen fliesst als den einzigen Flächen, die für Zierat zur Verfügung stehen, die ganze Kreativität der Herstellerin zu. Somit befriedigt die Web- und Knüpfkunst der Nomadenkulturen ein ähnliches Schmuckbedürfnis wie z.B. die Bauernmalerei der Alpen.
Hier wie dort erwächst aus der dekorativen eine soziale Funktion, da mit üppiger Ausstattung von Gästeräumen, besonders aufwendigem Festtagsschmuck sowie mit Ehrengaben für die Heiligen der eigene Status zur Schau gestellt wird: Je reicher die Braut gekleidet ist, desto höher ist die Familie angesehen. Auch die Stammeszugehörigkeit wird anhand von Textilien erkannt, denn jeder Berber kann anhand des Dekors einer Satteldecke die Herkunft des Reiters bestimmen.