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<h2>SubmittedText<h2><p>Anlässlich der am 28. Mai 2016 zu Ende gegangenen WHO-Konferenz betonte die Generalsekretärin des Uno-Klimasekretariats die Bedeutung der Bekämpfung des Klimawandels auf den Gesundheitssektor. Bereits im Jahr 2010 adressierten die Mitglieder der WHO Europa (auch die Schweiz) in der Parma Declaration on Environment and Health den Klimawandel als eine der grössten Herausforderungen des Gesundheitsschutzes und vereinbarten eine Reihe von Handlungsfeldern, z. B. den Einbezug von Gesundheitsaspekten in die Klimaschutzstrategien.</p><p>Zunehmende Hitzewellen mit Folgen für die Bevölkerung werden durch die fortschreitende Klimaerwärmung begünstigt. Gemäss Forschern der ETH Zürich kann man statistisch schon heute rund die Hälfte der Hitzewellen in Europa auf die menschgemachte Klimaerwärmung zurückführen (Fischer E. M., Knutti R.: Anthropogenic contribution to global occurrence of heavy-precipitation and high-temperature extremes, "Nature Climate Change", 27. April 2015). BAG und Bafu schreiben, dass "besonders bei älteren Personen Herz und Kreislauf und der Wasserhaushalt schnell überfordert sind. Mögliche Folgen: Dehydrierung, Hyperthermie, Ermattung, Bewusstlosigkeit, Hitzekrämpfe und Hitzschlag (BAG, Bafu, Schutz bei Hitze, 2007, S. 3).</p><p>Nun gibt es gleichzeitig Untersuchungen, die zeigen, dass innerhalb der besonders stark betroffenen Risikogruppen der älteren Menschen Frauen empfindlicher auf Hitzeeinwirkungen reagieren als Männer. Ebenso hat eine Studie zu den Auswirkungen des Hitzesommers 2003 in Europa gezeigt, dass am heissesten Tag die Mortalität von Frauen gegenüber der von Männern deutlich erhöht war.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt er die Evidenz zwischen fortschreitender Klimaerwärmung und den gesundheitlichen Folgen für die Schweizer Bevölkerung? </p><p>2. Sieht er eine besondere Betroffenheit der älteren Bevölkerung, insbesondere Frauen? </p><p>3. Gibt es die Möglichkeit, die Risiken regional genauer zu bestimmen? </p><p>4. Was unternimmt die Schweiz, um die Gesundheit der Bevölkerung, vor allem älterer Menschen, vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen? </p><p>5. Was unternimmt die Schweiz, um die Verpflichtungen der Parma Declaration der WHO Europa aus dem Jahr 2010 zu erfüllen? </p><p>6. Mit welchen Kostenfolgen rechnet er in Zusammenhang mit den gesundheitlichen Folgen der Klimaerwärmung?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Für den Bundesrat ist der Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und gesundheitlichen Folgen durch eine Vielzahl von Studien belegt. Direkte Effekte wie extreme Hitzeperioden stellen bereits heute eine Gefahr für die Gesundheit dar. Indirekte Auswirkungen beeinflussen die Verbreitung der durch Vektoren (z. B. Stechmücken oder Zecken) übertragenen Infektionskrankheiten.</p><p>2. Der Bundesrat stellt fest, dass aus diversen Studien eine klare Evidenz hervorgeht, dass insbesondere für ältere Personen Hitzewellen ein lebensbedrohliches Risiko darstellen können. Ältere Menschen verfügen über eine schlechtere Wärmeregulation. Sie schwitzen weniger und haben ein vermindertes Durstgefühl. Dies macht sie anfällig für Hitzestress und kann ihr Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen. Auch die während Hitzeperioden meist erhöhte Ozonkonzentration in der Luft kann gesundheitliche Beschwerden wie Augenbrennen und Atemwegsbeschwerden verursachen.</p><p>Es gibt hingegen nur wenige Beweise, dass Frauen stärker betroffen sind als Männer. Eine Studie der Universität Basel hat gezeigt, dass bei der Hitzewelle im Jahr 2003 die Mortalität bei den Frauen leicht höher (7,5 Prozent) war als bei den Männern (6,1 Prozent). In einer aktuellen Studie zum Hitzesommer 2015 (noch nicht veröffentlicht) deuten die Resultate auf eine tiefere hitzebedingte Sterblichkeit bei den Frauen (5 Prozent) als bei den Männern (6 Prozent) hin.</p><p>3. Einzelne Kantone, Städte und Gemeinden beschäftigen sich bereits aktiv mit Aspekten der Anpassung an den Klimawandel und haben Grundlagendokumente oder Strategien für eine Anpassung an den Klimawandel entwickelt. Der Bund analysiert die durch den Klimawandel verursachten Risiken und Chancen in einer landesweiten Studie. Bis anhin wurden acht kantonale Fallstudien in den Kantonen Aargau, Jura, Freiburg, Genf, Basel-Stadt, Graubünden, Uri und Tessin durchgeführt. Ein Synthesebericht wird nächstes Jahr veröffentlicht.</p><p>Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens neuer Infektionskrankheiten wird nach wie vor im Wesentlichen vom Reiseverhalten der Personen bestimmt. Mit den zukünftigen veränderten klimatischen Bedingungen besteht jedoch die Möglichkeit einer Verbreitung von neuen (z. B. Chikungunya- und Dengue-Fieber) oder bereits bestehenden (z. B. zeckenübertragene Krankheiten wie Frühsommer-Meningoenzephalitis und Borreliose) Infektionskrankheiten. Um das Risiko von durch Vektoren übertragenen Krankheiten frühzeitig zu erkennen, werden die von Süden her einwandernden Tigermücken im Tessin und entlang der Nord-Süd-Verkehrsachsen überwacht und bekämpft.</p><p>4. Der Bundesrat hat im ersten Teil seiner Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz vom 2. März 2012 (<a href="http://www.bafu.admin.ch">www.bafu.admin.ch</a> &gt; Themen &gt; Anpassung an den Klimawandel) die Ziele für die Anpassung auf Bundesebene formuliert, die grössten Risiken und Herausforderungen beschrieben und Handlungsfelder für neun Sektoren, darunter auch die Gesundheitspolitik, identifiziert. Im zweiten Teil der Strategie vom 9. April 2014 wird im Rahmen eines Aktionsplans aufgezeigt, wie die Schweiz ihre Anpassungsziele erreichen und die Herausforderungen bewältigen will. Die Strategie des Bundesrates setzt den Rahmen für das koordinierte Vorgehen der Bundesämter bei der Anpassung an den Klimawandel. Als Folge des Rekordsommers 2003 hat das Bundesamt für Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt Verhaltensempfehlungen und Informationen für die Bevölkerung erarbeitet und stellt diese jeden Sommer den Kantonen und weiteren betroffenen Akteuren wie z. B. Einrichtungen der Langzeitpflege zur Verfügung (www.hitzewelle.ch). Zusätzlich soll für kantonale Behörden ein Leitfaden für den Umgang und das Management der Auswirkungen von lang andauernden Hitzewellen erstellt werden, damit bei den relevanten Zielgruppen effektive Massnahmen ergriffen werden können. Die kantonalen Massnahmen sind heterogen und reichen von einfachen Verhaltensanweisungen bis zu Betreuungsmassnahmen. Insbesondere in der Süd- und Westschweiz wurden im Rahmen von Hitzeplänen (z. B. Kanton Waadt) Betreuungsmassnahmen für verletzliche Personengruppen durch den Zivilschutz seit 2003 verstärkt oder Frühwarnsysteme eingeführt (Kantone Tessin, Waadt, Neuenburg und Genf).</p><p>5. Die Deklaration von Parma (<a href="http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0003/78609/E93618G.pdf">http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0003/78609/E93618G.pdf</a>) stand im Zeichen des Schutzes der Kinder in einer sich ändernden Umwelt. Mit der Strategie und dem Aktionsplan zur Anpassung an den Klimawandel (vgl. Ziff. 4) hat der Bundesrat eine wichtige Massnahme ergriffen, um die in Ziffer 3a der Parma-Deklaration erwähnten gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zu reduzieren.</p><p>6. Dem Bundesrat sind keine Kostenfolgenschätzungen der Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit für die gesamte Schweiz bekannt. Die in den kantonalen Fallstudien (vgl. Ziff. 3) zum Zwecke des Vergleichs mit Risiken in anderen Auswirkungsbereichen vorgenommene Monetarisierung der gesundheitlichen Risiken zeigt, dass die finanziellen Auswirkungen der klimabedingten Gefahren für die Gesundheit vergleichsweise hoch ausfallen können. Im Rahmen der Nationalen Risikoanalyse für Katastrophen und Notlagen des Babs werden für ein mit dem Rekordsommer 2003 vergleichbares Hitzewellenszenario rund 550 Millionen Franken direkte Schäden geschätzt und wird mit einer Reduktion der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von rund 850 Millionen Franken gerechnet (<a href="http://www.babs.admin.ch">www.babs.admin.ch</a> &gt; Weitere Aufgabenfelder &gt; Gefährdungen und Risiken &gt; Nationale Gefährdungsanalyse). Die mit Hitzewellen verbundenen Kosten umfassen vorzeitige Todesfälle, eine erhöhte Anzahl Spitaleinweisungen und zusätzlichen Pflegeaufwand, geringere Leistungsfähigkeit und damit Produktivitätsverluste. Weiter kann die durch den Klimawandel verlängerte Vegetationsperiode viele Allergiker beeinträchtigen. Dazu kommen die durch Infektionskrankheiten (infolge von Verunreinigungen von Lebensmitteln und Wasser, durch vermehrte Übertragung durch Zecken und andere) verursachten Kosten. Der Bundesrat geht davon aus, dass die Kosten für präventive Anpassungsmassnahmen zur Minimierung dieser Risiken in Zukunft mit fortschreitendem Klimawandel stark zunehmen werden. Sie werden aber nur einen Bruchteil der erwarteten volkswirtschaftlichen Kosten der gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels ohne diese Anpassungsmassnahmen betragen. </p>  Antwort des Bundesrates.