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Ivan Sen, Sohn einer australischen indigenen Mutter und eines deutsch-ungarischen Vaters, ist bekannt geworden mit Mystery Road (2013), einem australischen Polizei-Western, in dem ein Detective den Mord an einem indigenen Teenager aufzuklären versucht.
Auf der Basis jenes Films und seines Nachfolgers entstand schliesslich eine ganze Mystery Road-Serie.
Limbo greift die Motive von damals wieder auf, der Film hat auch wieder eine Western-Stimmung. Aber es ist ein in nur fünfzehn Drehtagen in grossartigem Schwarzweiss gefilmter Designer-Film im besten Sinn des Wortes.
Simon Baker, mit kurzen Haaren und Pilotenbrille im Breaking-Bad-Walter-White-Look, spielt den Police-Detective, der ins Outback kommt, um allenfalls einen zwanzig Jahre alten ungelösten Fall noch einmal aufzunehmen.
Dieser Travis fährt durch die schwarzweiss gefilmte Mondlandschaft rund um die alten Opal-Minen, Land, das gleissend hell und staubig und fast entvölkert wirkt, checkt ein im titelgebenden Motel Limbo, einem grossartig-bunkerigen Boutique-Hotel, dessen Zimmer in die alten Tunnel einer Mine eingebaut sind.
Da ist Travis allerdings völlig alleine, man sieht kein Personal und keine anderen Gäste. Bloss diesen Mann mit den vielen Tattoos, der seine Pistole unter die Matratze packt und sich erst mal einen Schuss setzt, klassisch mit Löffel, aufkochen und Spritze.
In den nächsten Tagen geht er dem Verschwinden von Charlotte nach, trifft ihren Bruder und ihre Schwester und etliche andere Protagonisten, die zwanzig Jahre früher schon nicht zur Aufklärung des Falles beigetragen hatten.
Jetzt sind sie zunächst alle noch abweisender und verschwiegener gegenüber diesem weissen Copper, der in alten Wunden stochert. Bis Travis merkt, dass er in dieser zerbrochenen Familie zu einer Art Katalysator und Heiler wird.
Denn gerade weil er nicht zu sehr pusht, sondern nur wenige Fragen stellt und aufmerksam zuhört, auch wenn ihm nur Fragmente und Andeutungen geboten werden, stellt er einen Rest Vertrauen in die mögliche Aufklärung wieder her.
Ivan Sen macht keinen Hehl daraus, dass er mit Genre-Elementen spielt, auch auf der Ebene des Looks. Als Travis’ Auto von marodierenden Teenagern ausser Gefecht gesetzt wird, behilft er sich mit einem uralten, pechschwarzen Dodge aus den sechziger Jahren.
Für den Film und sein Publikum ist das Auto eine Ikone, ganz besonders in der staubig gleissenden schneeweissen Landschaft. Für die indigenen Teens dagegen ist das einfach ein alter Schrotthaufen.
Es sind diese Oszillationen in den Perspektiven, welche diesen Film über seine klassische Aufklärungs-Geschichte hinauswachsen lassen.
Der einsame Aussenseiter, weiss und Polizist, gewinnt das Vertrauen des Kino-Publikums und der verschwiegenen First Nation Bevölkerung nicht zuletzt mit Ehrlichkeit.
Und der Film packt mit seinem Look mindestens ebenso sehr.