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Ich sammle Werke, die existentialistisch sind, also ans Wesentliche rühren. «Diktate über Sterben und Tod» von Peter Noll ist ein solches Buch. Es berührt sehr tief, so wie es immer der Fall ist, wenn wir mit den existenziellen Tatsachen des Menschseins konfrontiert sind, in diesem Fall mit dem Tod. Irvine Yalom, der seinerseits mit existenziellen Themen im Rahmen des Leitens von Therapiegruppen für krebskranke Menschen in Berührung kam, befasst sich bis heute mit der Frage, wie diese Erfahrung, diese Läuterung Menschen zuteil werden kann, die eben nicht so offensichtlich und direkt mit der Endlichkeit ihrer Existenz konfrontiert sind. Ich glaube z.B. dass die Kōans im Zen Buddismus genau diese Funktion haben.
Ich erfuhr von diesem Buch in einem Buch von Max Frisch, der ein guter Freund von Peter Noll gewesen ist. Laut Text auf der Rückseite hat Max Frisch ihn dazu angeregt, sein Sterben aufzuzeichnen. Ich kannte bisher nur das Strafrechtsbuch von Noll aus meiner Zeit als Jurastudent.
Es gibt viele schöne Stellen in diesem Buch; und ich empfehle es jedem zum Lesen, der sich für grundmenschliche Texte interessiert. Hier ein paar Zitate:
Das Sterben kündigt sich auch dadurch an, dass Eros sich in Agape verwandelt, nicht nur beim Sterbenden, sondern auch bei den Partnern. Wenn jemand gemeint hätte, Eros sei intensiver als Agape, so hat er sich getäuscht. (S. 241)
Immer wieder diese Ungerechtigkeit, die man glaubt, als Sterbender sich leisten zu können. Dabei sind ja alle anderen doch auch sterbende. (S. 198)
Vielleicht sind die Sinnoasen, die ja immer durch das Einmalige und Individuelle hervorgebracht werden, winzige Fenster, durch die man den Geist sieht oder wehen spürt, der am Ende allem Sinn geben wird. (S. 148)