Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03228.jsonl.gz/262

Wenn ein geliebtes Haustier aus einer Familiengemeinschaft für immer geht, löst das oft grosse Trauer und Leere aus.
Manche verkraften einen Verlust schwerer und brauchen mehr Zeit als andere, um sich ein neues Haustier anzuschaffen.
Für das trauernde Herrchen von Finita kam keine Nachfolgerin mehr in Frage, weil kein zweiter Hund wie Finita existiert. Seine Art zu trauern war, oft an Wochenenden Finitas Grab auf dem Tierfriedhof zu besuchen. Mit anderen Trauernden konnte er lange diskutieren. Jeder hatte eine beeindruckende Geschichte zu erzählen, sei es über ihren verstorbenen Papagei, ihren Hund oder ihre Katze. Ergreifend war auch, wie Kinder sich rührend um das Grab ihrer verstorbenen Vierbeiner kümmerten. Sie verzierten Gräber mit Steinen oder legten Zeichnungen und Fotos hin.
Daheim fehlte Finita je länger je mehr Es schmerzte, ihre leeren Lieblingsplätze zu sehen. Ich wäre längst bereit gewesen, einem armen, älteren oder behinderten Hündchen ein neues Heim zu bieten, aber eben nur ich. Das erinnerte mich an die Zeit, als unser Jack Russell mit 17 Jahren verstarb. Es war eine ähnliche Situation. Damals holte ich Finita ohne zu fragen heimlich zu uns, als mein Mann sich im Ausland aufhielt.
Meine Freundin Rosmarie bestärkte mich mit ihrem Rat, es wieder heimlich zu tun. So suchte ich erfolglos einige Tierheime auf. Ich suchte nach einem älteren oder behinderten Hunde, nicht schwerer als 5-6 kg. Er sollte im Flugzeug als Handgepäck in der Kabine durchgehen. Bei der Hundenothilfe Franz von Assisi, wo unsere Finita und Ernie, der Hund meiner Tochter herkamen, wurde ich nicht fündig. Entweder waren diese zu gross, zu jung oder gut vermittelbare Hunde. Ich suchte einen schwer vermittelbaren, armen, älteren oder behinderten Hund, dem ich ein neues schönes Heim bieten wollte.
Doch dann – wie vom Blitz getroffen – stiess ich auf ein Video.
Pekina
Immer wieder betrachtete ich das Vermittlungs-Video von Pekina, stellte fest, dass Pekinas rechtes Hinterbein lahm wirkte, die rechte Vorderpfote sah wie durch einen nicht behandelten Bruch verkrüppelt aus. Ich übernahm als technisch Unbegabte das Video auf mein Handy um es einer Therapeutin zu zeigen, die ich kannte. Es erschütterte mich, wie grössere und schwerere Hunde viel zu heftig mit ihr spielten. Ihr Fell wirkte stumpf und sie kratzte sich ständig, auch zu beobachten auf Vermittlungs-Videos anderer Hunde, wo Pekina im Hintergrund zu sehen war.
Mein einziger Gedanke war, dass ich dieser armen Pekina einfach irgendwie helfen musste.
Die Therapeutin. die auf dem Video auf meinem Handy sah, wie Pekina ihr rechtes Hinterbein und den vorderen Pfoten bewegte, war sehr aufgewühlt und meinte, dass die Kleine sofort behandelt werden müsste, obwohl im Vermittlungschreiben stand, dass Pekina trotz Behinderung keine Schmerzen verspüre.
Anhand des Videos und der Aussage der Therapeutin konnte ich nicht glauben, dass Pekina unter keinen Schmerzen zu leiden hatte. Immer wieder betrachtete ich Pekinas Vermittlungsfotos. Ihre Augen berührten mich, als wollten diese sagen, bitte hilf mir!
Im Video war zu erkennen, dass Pekina vorne 1 oder 2 Zähne fehlten. Nach Ihrem Gesäuge hatte sie auch schon Junge zur Welt gebracht.
Mir liessen Pekinas grossen, bittenden Augen keine Ruhe mehr. Es war mir klar, diese Hündin musste ich dort herausholen, egal wie. Im Bericht stand, dass sie wohl einen Unfall hatte. Ihr rechter Vorderfuss sei verdreht und ihr Hinterbein wäre etwas steiff aber offensichtlich würde sie keine Schmerzen leiden.
Ich wusste, mit Worten konnte ich Pekina nicht helfen, sondern nur mit Taten. Ich überwies am 3. Mai 2013 und am 21. Mai 2013 je € 600.00 für eine Behandlung von Pekina, also total € 1200.00 an den Tierschutzverein Garafia. Ich bat, Pekina, wenn nötig zu operieren und versprach alle entstehenden Kosten zu übernehmen.
Kurz darauf erschien im Internet auf Zwergportal: «Danke an Familie Ott, die für Pekina eine Patenschaft übernommen hat». Das fotografierte ich ebenfalls wieder mit meinem Handy, nicht ohne Grund.
Mein Plan war, dass ich am kommenden Wochenende, während dem Besuch auf dem Tierfriedhof, im dortigen Türmli beim Cafè meinem Mann gratulieren werde zu seinem neuen «Patenkind».
Ich hoffte, dass mein Mann so begeistert von Pekina war wie ich. Aber für ihn war sie nur einer von vielen Hunden, für die ich in jener Zeit bei «Franz von Assisi – Hunde ohne Lobby» für OP-Kosten wie die Kastration und für ein «Ticket aus der Hölle» spendete. Innerlich war ich schon am Rand der Verzweiflung.
Zwischenzeitlich beobachtete ich immer wieder Vermittlungs-Videos anderer Hunde der Auffangstation in La Palma, um irgendwo im Hintergrund die kleine Pekina zu beobachten.
Jedesmal deprimierte es mich, wenn die viel grösseren Hunde zu heftig mit ihr spielten.
Während eines Telefonats mit Gundula Kühn vom Tierschutzverein Garafia schilderte ich meine Situation wegen meinem Mann, der sich schwer für einen neuen Hund begeistern konnte. Ich fragte ob es eventuell möglich wäre, vorerst Pekina in Pflege zu nehmen.
Am 21. Juni 2013 erhielt ich eine E-Mail von Gundula Kühn mit folgenden Inhalt:
Sie entschuldigt sich, dass wir uns immer telefonisch verpasst haben. Sie hätten keine geeignete Pflegestelle für Pekina finden können, die sich noch immer um die Kleinen in der Welpenstation kümmern würde und mit ihnen agil und fit spiele. Meine Spende hätten sie zurückgelegt, bis sie in Deutschland untersucht und behandelt würde, da es bei ihr an Möglichkeiten fehlen würde.
Mich frustrierte, dass sie schrieb wie sich Pekina in der Welpenstation um die «Kleinen» kümmern würde, die aber vier Mal grösser, gesünder und stärker als sie selbst waren.
Ich zeigte meinem Mann die Videos und er sagte überraschend: «Flieg dortin und hol dir diese Pekina». Für ein paar Sekunden war ich der glücklichste Mensch. Wäre er mitgekommen, ich hätte gleich gepackt. Aber allein – das wollte ich zuerst überlegen. Fast zur gleichen Zeit am 29. Juni 2013 erhielt ich eine E-Mail vom Tierschutzverein Garafia mit folgenden Inhalt:
Vielen Dank, dass Sie sich soviele Gedanken um Pekina machen und sich so für Tiere einsetzen. Die Kleine ist total fit und die beste Welpenbetreuerin in unserer Auffangstation, die wir je hatten. Sie ist so klein und leicht wie angegeben und wuselt in der Station durch die Gegend, um die Welpen zu bespassen.
Nächste Woche wird Frau Renner von La Palma zurückkehren und viele Bilder und Videos mitbringen. Sobald wir die sortiert haben, werden wir sie auf der Website einstellen und auch direkt an Sie schicken.
Sind Sie ganz sicher, dass Sie der Kleinen einen Pflegeplatz anbieten möchten? Das würde heissen, dass Sie sie wieder weggeben müssten, falls ernsthafte Interessenten da wären. Natürlich besteht bei einem Pflegeplatz auch die Option, den Hund ganz zu übernehmen.
Gerne können wir am Telefon weitersprechen…
Darauf habe ich angerufen und teilte überglücklich und hocherfreut mit, dass mein Mann inzwischen auch dafür wäre, Pekina zu adoptieren. Die Frage wäre nur noch wie und wo ich an die kleine Pekina aus La Palma komme.
Da wurde mir am Telefon die traurige Mitteilung gemacht, dass die Betreiberin der Auffangstation inzwischen nicht mehr gewillt wäre, Pekina herzugeben. Als Grund gab sie an, dass Pekina eine zu gute Welpen-Betreuerin wäre als dass man noch auf sie verzichten könne.
Ich erinnere mich nur noch, dass ich sprachlos war. Ich weiss nicht mehr was ich antwortete. Aber ich weiss, dass ich nur noch heulte wie ein kleines Kind. Irgendwann hörte ich meinen Mann sagen: «Diese Pekina wirst du niemals kriegen, aber jetzt werde ich für dich einen kleinen Hund besorgen!»
Lange war ich besorgt, wie sehr mein Mann um Finita trauerte. Nun war er es, der besorgt um mich war. Für mich war es das Allerschlimmste, dass ich mich in Pekina verliebte und sie haben wollte, aber ich konnte sie nicht haben und ihr auch nicht helfen.
Ich kann meine damaligen Gefühle kaum beschreiben. Ich wurde fast ohnmächtig, wenn ich daran dachte, dass Pekina weiter schutzlos an immer wieder neue andere und grössere Junghunde ausgeliefert war.
Zwei Wochen lang war ich untröstlich. Ich erklärte mich bei «Franz von Assisi – Hunde ohne Lobby» bereit, eine Platz-Vorkontrolle für einen vermittelten Hund am Zürichsee vorzunehmen. Wieder daheim sagte mein Mann erfreut zu mir, dass er eine zweite Finita in einer Fernsehsendung von RTL und Hessen entdeckt habe. Es wären Hunde beschlagnahmt worden und er würde sich die Mama Toffee wünschen, auch für mich. Ich sah mir die beiden Sendungen im Replay an und machte folgende zwei Videos:
Mein Mann bat mich noch in der gleichen Nacht, eine E-Mail an den Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) zu schreiben, da wo Toffee mit ihren Jungen untergebracht war. Nun konnte es ihm plötzlich nicht schnell genug gehen, eine Nachfolgerin für Finita zu finden. Heute glaube ich, dass er damals vor allem um meinen Gemütszustand besorgt war.
Ich erinnere mich, dass ich erwähnte, ich wäre auch bereit, einen behinderten, kranken oder alten Hund aufzunehmen, aber er dürfe nur etwa 5 Kg schwer sein. Als Referenz gab ich «Franz von Assisi – Hunde ohne Lobby» an. Auf die Frage meines Mannes, wie lange es dauern könnte, bis wir Bescheid bekommen, gab ich ihm zur Antwort: «Mindestens zwei Wochen, denn nach so einer Sendung haben die sicher eine grosse Auswahl an Interessenten.»
Da hatte ich mich riesig getäuscht! Am anderen Nachmittag bekamen wir bereits Bescheid, dass wir die richtigen für Toffee wären. In zwei Wochen nach dem Absäugen ihrer Welpen dürften wir sie Ende Juli in Kassel abholen. Das erste Mal nach Finitas Tod sah ich meinen Mann wieder strahlen. Ich freute mich, war aber gleichzeitig betrübt wegen Pekina.
Mir war bewusst, dass mit Toffee, die aus einer Massenzucht stammte, einiges an gesundheitlichen Probleme auf uns zukommen könnte.
Wir erhielten Bilder von Toffee mit ihren Welpen.
Ich freute mich genauso wie mein Mann auf eine neue Zeit mit Toffee, unserem neuen Hündchen, das am 29. Juli in Kassel bereit zum Abholen war. Für mich war der Fall Pekina noch nicht abgeschlossen und war bereits an Pläne Schmieden.
25. Juli: Die grosse Überraschung!
Ein Anruf von Gundula K. vom Tierschutzverein Garafia: Sie teilte mir mit, dass am Sonntag, den 4. August Pekina auf dem Flughafen in Stuttgart im Handgepäck ihrer Flugpatin ankommen würde. Ob ich bereit wäre, Pekina dort abzuholen.
Sicher sagte ich nicht nein! Durcheinander gekommen und wohl auch verwirrt, erwähnte ich meine Situation: «Zuerst hatte ich mehr als ein halbes Jahr keinen Hund und jetzt auf einen Schlag zwei». Das musste ich zuerst mit meinem Mann besprechen. Ich versprach ihr, dass ich sie zurückrufe.
Für mich wären zwei Hunde kein Problem gewesen, aber für meinen Mann wegen unseres dauernden Hin- und Herreisens in unser Haus in Spanien. Beim Flugbuchen gab es fast immer Probleme wegen den Bestimmungen. Bei den meisten Fluggesellschaften war pro Flug in der Kabine nur total zwei Hunde als Handgepäck gestattet. Mit einem Hund hatten wir schon das Problem, dass wir frühmorgens den ersten oder spät am Abend den letzten Flug buchen mussten. Es war eindeutig, mein Mann wollte keinen zweiten Hund!
Die grosse Chance für eine bessere Zukunft wollte ich aber Pekina nicht nehmen.
Ich erinnerte mich, dass der Hund «Aron» meiner besten Freundin seit längerer Zeit verstorben war. Ihr Mann und ihre beiden Söhne vermissten ihren Hund, aber für einen neuen Hund hatten sie sich auch noch nicht entschlossen.
Für die Männer kam eh nur ein grosser Hund in Frage. Kleine Hunde sind keine Hunde, das war deren Einstellung.
Da ich wusste, dass Annelies hie und da Hunde ihrer Verwandten und Bekannten hütete, schrieb ich ihr ein WhatsApp in den Urlaub, ob sie bereit wäre, Pekina, die am Sonntag 4. August in Stuttgart ankomme, als Pflegling für eine Weile bei sich aufzunehmen.
Die Antwort war ein klares Ja, aber es war Annelies wegen der Rückreise aus dem Urlaub erst am 6. August möglich. Das teilte ich Gundula K. mit, die mir schon vorher bei eventueller Verhinderung freundlich anbot, die Kleine für mich in Stuttgart abzuholen, bei sich aufzunehmen und durch den ortsansässigen Tierarzt gründlich untersuchen zu lassen. Das fand ich eine gute Idee. So konnte Pekina weiteren Stress nach einem langen Flug von La Palma mit einer nochmaligen Reise in die Schweiz erspart werden.
Im Juli 2013 war es soweit, dass wir Toffee in Kassel abholen durften. Während ich das Steuer übernahm, war es Toffee, die auf dem Rücksitz ihr neues Herrchen übernahm. Sie wollte dauerhaft gestreichelt werden und gönnte ihrem Herrchen keine Pause. Sie zog mit ihrem Vorderbein und ihrer Pfote den Arm des Herrchens zu sich, stiess mit der Nase gegen den Arm und grapschte gleichzeitig mit ihrem Pfoten. Wir fragten uns, woher sie das gelernt hatte? Sie musste ja damit Erfolg gehabt haben. Im Tierheim hatte sicher niemand Zeit und in der rumänischen Massenzucht auch nicht. Wir stellten auf dem Heimweg fest, dass Toffee wunderbar an der Leine lief, folgsam war und im Restaurant, wo wir eine Pause machten, wie ein dressierter Tanzbär mit ihren Vorderpfoten Bitte machte, wenn sie etwas wollte. Da begannen wir uns zu fragen, woher kommt Toffee ursprünglich her? Sie war zutraulich zu allen Menschen und Tieren, egal welchen. Sie hatte keine Angst vor grossen, fremden Hunden, Pferden und Kühen, mit allen schien sie vertraut zu sein. Mein Mann meinte, dass sie wohl in ihrem vorherigen Leben keine schlechte Erfahrung gemacht hätte, vielleicht vor der Beschlagnahmung gestohlen wurde. Toffee und ihr Vorleben war und blieb ein Rätsel.
Wir liessen sie beim Tierarzt untersuchen und um sie zur Kastration und Operation ihres Nickhaut-Vorfalls anzumelden. Sie schien körperlich gesund zu sein. Später stellten wir fest, das das rechte Auge etwas kleiner war und blind. Das rechte Ohr war taub und der rechte hinterste Stockzahn war abgebrochen. Das erklärte den Tic, den sie auf Füsse hatte und immer noch hat, vor allem unter Tischen, am schlimmsten jeweils in Restaurants oder wen jemand auf Besuch kam. Es musste irgend etwas passiert sein. Möglich dass sie schwer verletzt wurde durch einen massiven Tritt mit einem starken Schuh.
Fotos von der Übernahme in Kassel und dem ersten Spaziergang bei der Ankunft:
«Pekina» der Wunderhund!
Am 6. August 2013 um 4:45 Uhr Abfahrt nach Neckarsulm, ein besonderer und unvergesslicher Tag. Annelies und ich hatten Toffee dabei, die seit der ersten Stunde sich bei uns so benahm, als hätte sie immer schon bei uns gelebt. Sie fuhr gern Auto, mied aber panikartig Sonnenstrahlen oder Wärme im Auto. Das hat sich inzwischen längst gelegt. Sicher ist, dass sie Zeiten in überhitzten Autos erlebte.
Bilder von Pekina im Haus von Gundula K. vor unserer Ankunft, kein Problem mit anderen Hunden und Kindern.
Bei unserer Ankunft forderte uns Gundula K. auf, gleich mit ihr los zum Tierarzt zu fahren. Sie wäre gestern dort gewesen und hätte nach der Diagnose laut Röhntgenbild geweint. Beim Tierarzt wäre der bekannte Spezialist Dr. Rosin aus Berlin anwesend um uns aufzuklären.
Bei den Tierärzten musste wir nicht warten, wir wurden gleich eingeweiht, dass Pekina ein lebendiges Wunder wäre: Fuss nicht behandelt, falsch verheilte Brüche, nicht mehr behandelbar, Hüftbecken nach Unfall zertrümmert, Oberschenkel-Kugel nicht mehr vorhanden, abgewetzt, Hinterbein hängt lediglich an den Muskeln.
Sie wurde anhand der schlechten Zähne auf 9 Jahre geschätzt.
Dr. Rosin klärte uns auf, dass die allerschlimmste einst erlittene Verletzung von Pekina die im obersten Rückenwirbel am Nacken wäre. Eine Infektion, wohl Folge einer Verletzung oder Verbrennung, hätten damals jene Knochen angegriffen und beschädigt. Normal würde das ein Hund nicht überleben, er würde keinen Fall kennen, wo ein Hund so eine schlimme, tiefgründige Infektion überlebt hätte. Tatsächlich hatte das Fell in jenem Bereich weisse Flecken.
Beide Tierärzte waren der Meinung, dass Pekina im Moment keine Schmerzen verspüren würde, aber die könnten mit fortschreitendem Alter wieder kommen. Dr. Rosin informierte uns, dass eine Operation nichts bringen würde, aber er unterrichtete uns, dass ihr mit «Goldakupunktur» bei aufkommenden Schmerzen geholfen werden könnte.
Interessant war, Pekinas zukünftiger Tierarzt Dr. Rhodewald in Oberwil ZG und Dr. Rosin kannten sich persönlich, was uns beruhigte. Das unglaubliche Röntgenbild von damals hat mir Dr. Rohdewald kürzlich zur Verfügung gestellt. Pekina war bis zum Sommer 2022 seine besondere, bewundernswerte Patientin, mit üblichen Wehwehchen und Impfungen.
Nach dem Besuch bei den Tierärzten lernten sich Toffee und Pekina im Garten von Gundula K. kennen und lieben. Es war buchstäblich eine Liebe für das ganze Leben auf den ersten Blick!
Bemerkenswert: Pekina setzte sich immer wieder während dem Spielen unter den Stuhl von Annelies, als wollte sie demonstrieren, ich will zu ihr.
Nach der schlimmen, schockierenden Diagnose der Tierärzte sagte ich zu Annelies: «Es bedeutet mir alles, wenn Pekina wenigstens ein paar schöne Monate ohne Schmerzen erleben darf, sie hat es verdient. Sollte sie Schmerzen erleiden, werde ich an ihr die besprochene ‹Goldakupunktur› bei Dr. Rosin vornehmen lassen.»
An jenem 6. August 2013 war es sehr drückend und schwül. Auf dem Heimweg überraschte uns ein Unwetter mit Hagelsturm. Während Toffee kaum auf die Hagelschläge reagierte, wirkte Pekina sehr nervös und aufgeregt. Trotz allem kamen wir gut zu Hause an. Wie abgemacht, sollte Annelies Pekina als Pflegling bei sich aufnehmen, bis mein Mann sich ergibt und einverstanden war mit zwei Hunden. Aber bei unserer Ankunft, sagte Annelies zu mir: «Heidi, ich gebe dir und deinem Mann bis morgen um 7:00 Uhr Zeit, Anspruch auf Pekina zu erheben. Danach gehört sie mir, ich werde sie adoptieren und rufe Gundula K. an!»
Pekina hatte es also schon auf dem Heimweg geschafft, sich in das Herz von Annelies zu schleichen. Umgehend brachte Pekina es fertig, das Herz bei drei Herrchen zu erobern. Denen konnte sie in Kürze beibringen, dass ein kleiner Hund grösser sein konnte als ein grosser Hund.
Klar, dass Pekina von Annelies und ihrer Familie adoptiert wurde. Ihr neuer Rufnahme: «Pina»!
Ich hätte sie so sehr gerne selber behalten, aber ich wusste, sie kam in beste Hände und in eine tolle Familie, wo sie heiss geliebt wurde.
In der Umgebung von Pinas neuem Heim wurde sie «Propellerhund» genannt. Das kam daher, weil Pina ihren Schwanz beim Laufen wie einen Propeller benützte, vermutlich um das Gleichgewicht zu halten.
Egal welche Hunde, Menschen und Kinder, es gab nie Probleme. Pina freute sich auch über Besuche mit Hunden oder Ferienhunden. Pekina freute sich über jeden, der auf Besuch kam. Aber die Freundschaft zwischen Toffee und Pina war wirklich eine ganz besondere und innige Freundschaft zwischen zwei Hunden, die sich offensichtlich liebten.
Beide genossen es aber, jeweils in einer eigene Familie zu leben.
Fotos: Pina im neuen Heim und mit Toffee beim Spielen 2013.
Gut einen Monat nachdem wir Toffee zu uns holten, liessen wir sie in einer Klinik kastrieren. Wieder zuhause stand ein Auto mit rumänischem Kennzeichen in der Nähe unseres Hauses, zwei Männer rauchten vor dem Auto und beobachteten uns offensichtlich.
Sie fuhren anschliessend weg. Am anderen Morgen stand dieses Auto wieder in der Nähe unseres Hauseingangs. Zuerst glaubten wir, dass diese zu einer Einbrecherkolonne gehörten. Mein Mann hat dann die Polizei angerufen, die meinte aber, dass sie nicht einschreiten könne bevor etwas geschieht.
Am Abend beobachteten wir dieses Auto wieder auf einem Parkplatz gegenüber unserem Haus. Darauf kam mein Mann auf die fixe Idee, dass Toffee bei Rumänen beschlagnahmt wurde. Es bestand eine «Besitzer-Kontaktliste» und er war plötzlich überzeugt, dass die Rumänen via dieser Liste auf die Adresse von Toffee gestossen sind und nun vor hätten, diese zu entführen. Mein Mann meinte von Anfang an, dass Toffee vielleicht nach einem Unfall oder schwerer Verletzung bei jemanden gelebt hat, betreut und geliebt wurde. Toffee war extrem liebesbedürftig und anhänglich. Sie war auf Sachen dressiert, die Ausdauer und Zeit beanspruchten wie bei einem Zirkus-Hund. Er war überzeugt, die wollten Toffee zurückholen. Noch in der Nacht buchte er einen Flug nach Spanien und hatte Glück mit einer Platzbewilligung für Toffee im Handgepäck, gleich am nächsten Tag.
Wie ich schon beschrieben habe, hasst Toffee als Tibet Spaniel Wärme. Bei zuviel Sonne konnte sie plötzlich in Panik geraten. Damals gab es 15 km von unserem Haus entfernt einen «Hundestrand» bei Ondara. Nach den Gebahren von Toffee machte es den Anschein, als wäre sie nicht das erste Mal am Meer.
Bilder von einsamen Stränden, die neidisch machen können!
Wer die Geschichte gelesen hat, wie mir Finita für eine Woche verloren ging, der kann meine Panik verstehen, als Toffee plötzlich wie vom Erdboden verschwunden war. Ich machte noch ein Bild wie sie vom Wasser weg sprang und ein weiteres vom Wellengang. Plötzlich war sie verschwunden…
Nach etwa 5 Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, wurden wir fündig!
Bald merkten wir, wo Sonne war, brauchte Toffee Schatten: sie hatte sich vor der Sonne unter einem Strandstuhl in Sicherheit gebracht!