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In den dreizehn Monaten seit ihrer Auswanderung in einen Vorort der Stadt hatte sich das Leben der Vera Ristenzopf nicht grundlegend, aber doch merklich verändert. Der lange Arbeitsweg mit der pünktlich verkehrenden S-Bahn führte zu einer unerwarteten Steigerung der Lebensqualität. Noch nie hatte sie so viel Lesezeit zur Verfügung gehabt. Sie eignete sich mit ihrer Pendlerlektüre dermassen viel Wissen an, dass ihre Vorgesetzten, die lieber Gratiszeitungen lasen, bald nicht mehr mitkamen, wenn sie in der Mittagspause zu geistigen Exkursionen ausholte. Den elaborierten Plan, sie wegzubefördern, vereitelte sie, indem sie in die Teppichetage aufstieg und das vorgesehene mittlere Kader umgehend auflöste.
Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Im Dezember 2014 hat die WOZ eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben. Es ist ebenso wie «Mordgarten» unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich. www.stpoertner.ch