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Predigt zu Ostern, 04. April 2021
«Unfassbar»
aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 20
Am ersten Tag der neuen Woche ging Maria aus Magdala frühmorgens zum Grab. Sie sah, dass der Stein, mit dem man das Grab verschlossen hatte, nicht mehr vor dem Eingang war.
Sie lief davon, um einige Jünger von Jesus zu benach-richtigen, und ging dann wieder zurück zum Grab. Sie blieb zunächst weinend davor stehen, beugte sich dann aber doch vor, um ins Grab hineinzuschauen. Da sah sie an der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte, zwei Engel in weissen Gewändern sitzen.
»Warum weinst du, liebe Frau?«, fragten die Engel. Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiss nicht, wohin sie ihn gebracht haben.«
Auf einmal stand Jesus hinter ihr. Sie drehte sich nach ihm um und sah ihn, erkannte ihn jedoch nicht. »Warum weinst du, liebe Frau?«, fragte er sie. »Wen suchst du?«
Maria dachte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: »Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast, dann hole ich ihn wieder.« –
»Maria!«, sagte Jesus. Da wandte sie sich um und rief: »Meister!« Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht zum Vater in den Himmel zurückgekehrt. Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen, dass ich zu ihm zurückkehre – zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.«
Da ging Maria aus Magdala zu den Jüngern zurück.
»Ich habe den Herrn gesehen!«, verkündete sie und erzählte ihnen, was er zu ihr gesagt hatte.
Ref. Gesangbuch, Lied Nr. 481
Seht, der Stein ist weggerückt,
nicht mehr, wo er war,
nichts ist mehr am alten Platz,
nichts ist, wo es war.
Halleluja!
Seht, das Grab ist nicht mehr Grab,
tot ist nicht mehr tot,
Ende ist nicht Ende mehr
nichts ist, wie es war.
Halleluja!
Seht, der Herr erstand vom Tod,
sucht ihn nicht mehr hier,
geht mit ihm in alle Welt,
er geht euch voraus.
Halleluja!
(Lothar Zenetti, 1971)
Liebi Gmeind
Mir ghöred vo de Maria vo Magdala, was sie i de letzte drüü Täg erläbt het:
Es isch aus so schneu gange. Am Dunstig-Abe händ mir no zäme gfiiret. Mir händ viu bättet und guet g’ässe. Das isch für mi ds Schöne a dere Passah-Fiir: d’Mischig us guetem Ässe und viu Bätte. Mir lueget zrugg uf d’Vergangeheit, uf üsi Wurzle als Vouk, und mir lueget voruus und gloubet, dass es e gueti Zuekunft git für üs. Wiu Gott güetig gsii isch mit üs und letztlich treu isch, wird er üs au gnädig gsinnt bliibe.
Eso sind mir zäme gsii, no vor drüü Täg, am Dunstig-Abe. Jetz, im Nachhinein, muess ig scho zuegäh: Aui vo üs, ig au nid, händ welle wahrhaa, dass es scho es bitzeli denkwürdig gsii isch a däm Abe. Ig ha de Jesus no nie so nachdenklich und au truurig erläbt. Aber ig ha mir nid allzu fest Gdanke gmacht drüber. Ig ha mir gseit: Villecht het er Heiweh nach Galiläa und nach de Ruehe. Da z’Jerusalem i dere Masse vo Piuger, wo zum Passah-Fest choh sind, chah’s ganz schö aastrengend sii. Und denn die ständige Striitgspäch und Diskussione mit dene religiöse hohe Herre vo de Pharisäer und Sadduzäer, das isch ja au ermüedend. Dass die dä Jesus nid händ möge, das het me ja scho Kilometer gäg de Wind chönne gspüre.
Chuum sind mir fertig sii mit üse Fiir, isch es Schlag uf Schlag choh. De Jesus isch no mit es paar vo sine Jünger usse in Garte und het dört no emou bättet. Und denn sind plötzlich d’Soldate choh und händ en gfange gnoh und ab-gführt. No i de Nacht isch er verhört worde im Huus vom Hohepriester. E Nacht- und Nebuaktion isch das Ganze gsii. Schliesslich het me ihn wäge Gotteslästerig verurteilt. Am Friitig-Morge händ sie ihn em Pilatus usglieferet und ihn aachlagt, er plani en Ufstand gäg de römisch Chaiser. D’Soldate, wo ihn händ müesse bewache, händ en gschlage und verspottet, und denn isch er au no uspeitscht worde. Schlussändlich händ üsi jüdische Führer de Pilatus chönne dezue bringe, de Jesus zum Tod am Chrüz z’verurteile.
Die meiste vo sine Jünger händ ihm im Stich glah. Mir Fraue händ’s eher chönne wage, näch bim Chrüz z’stah. Mir händ chönne und müesse zueluege, wie n er wie en Verbrächer stirbt. „Chum doch abe vom Chrüz, wenn du de Sohn vo Gott bisch“, händ d’Lüüt grüeft. „Viune Lüüt het er ghuufe, aber sich seuber chan er nid häufe“, händ sie ihn verspottet.
Nid emou en ganze Tag nach üse Passah-Fiir isch de Jesus tot gsii. Unfassbar für üs aui. Me het ihn grad no vor em Untergang vo de Sunne so haub notdürftig chönne in es Grab legge, damit er nid verscharrt wird wie en Verbrächer. Ig, d’Maria vo Magdala, ha das aus huutnöch erläbt mit einige andere Froue. Mir sind vöuig verstört heigange. Üse einzige Gedanke isch gsii: „De Jesus muess doch no würdig bestattet werde.“ Mir händ die nöchste zwei Nächt und de Tag dezwüsche, de Samstig, irgedwie umebracht mit Döse, Brüele, Träume, Zittere. Das einzig Konstruktivi, wo mir zwägbracht händ, isch s’Organisiere gsii vo au däne Sache für e rächti Bestattig. Und so sind mir denn hüüt am Sunn-tig-Morge no vor Sunneufgang zum Grab gange. Mir händ ghofft, dass mir schon o irged öpper aaträffet, wo üs wohu-gsinnt isch und üs de riesig Grabstei vor em Iigang uf d’Siite ruggelet.
Aber denn, wo mir zum Grab choh sind, händ mir gseh, dass de Stei scho uf d’Siite g’gruggelet worde isch. Da bin ig in e Art Panikzuestand grate. Scho wieder öppis Unfass-bars! Ig bi überzüügt gsii, dass öpper de Liichnam vom Jesus gstohle het. Eso hätted mir nit emou meh de Liichnam vom Jesus chönne fasse. Dass me ihn üs wegzoge het, het mir de Bode unter de Füess wegzoge. Ig gloub, ig bi devo grennt zum Petrus und den andere Manne. Ig bi denn wider zrugg zum Grab, nid so schneu wie d’Manne, und wo ig dört aachoh bi, bin ig ellei gsii. Ig ha wie en Schlosshund ghüület. Irgedwenn ha ig denn de Muet gfunde, eifach emou inezluege i ds Grab. Tatsächlich isch de Liichnahm vom Jesus nüm dört gsii. Aber ig ha zwei heui Wäse gseh, das müend Ängu gsii sii.
Ig bi churz verschrocke, ha denn aber schneu emou dänkt: „Die händ au no Nerve, sitzet eifach ruehig da, obwohu de Liichnam vom Jesus nüm ume isch!“ Aber denn isch mir d’Überlegig choh, dass die viellecht deshaub so ruehig da-hocket, wiu sie wüsset, wo de Liichnam isch. Das ha ig sie welle fröge, aber sie sind schneuer gsii und händ lieb vo mir welle wüsse, warum dass ig tüeg hüüle. Da ha ig ihne denn gseit, dass ig nid wüssi, wo me de Jesus anegleit heg. Bevor dass die beide Ängu mir en Antwort gäh händ, ha ig gspürt, dass öpper hinter mir staht. Ig ha churz zrugggluegt und gseh, dass es en Maa isch. „Das muess de Gärtner sii“, ha ig denkt, „dä weiss sicher, wo de Liichnam vom Jesus anechoh isch.“ Au dä het mi gfragt, warum dass ig tüeg brüele, und wer dass ig tüeg sueche. Ig ha’s ächt nid chönne iiordne, dass niemer verstande het, warum dass ig brüelt ha. Aber ig ha bi de Sach chönne bliibe und ha däm Maa gseit: „Säg mir, wo du ihn anegleit hesch. Ig cha ihn denn scho wider hole und i ds Grab zrugglegge.“ Ig bi scho no irged-wie dürreknaut gsi, dass ig tatsächlich gemeint ha, ig ellei chönni en schwäre Liichnam träge. -- Und denn het de Maa mi Name gseit: „Maria.“. Sofort ha ig mi umdreit und ha jetz gseh, dass dä Maa de Jesus isch.
Scho wider öppis Unfassbar’s. Öppis vöuig Unfassbar’s, wo doch wahr gsii isch! Ig ha freudig „Meister“ grüeft und ha sini Füess umfasst. Die sind tatsächlich fassbar gsii. Ig ha sie nid welle loslah. De Jesus het denn nach eme Wiili gseit: „Jetz isch guet! Tue mi nid festhaute. Gang zu dene Manne, wo mit mir zäme gsii sind, und säg ihne, dass ig zu mim Gott, zu mim Vater, wo ja au eure Gott und Vater isch, wird zrugg gah.“
Ig ha nid gnau verstande, was de Jesus au damit gemeint het, aber ig bi so öppis vo froh und erliichteret gsii, dass ig eifach wie uf Wulke sibe zu de Jünger vom Jesus gloffe bi und ihne gseit ha: „Ig ha de Herr gseh!“
Jetz, wo ig das verzeu, isch es Sunntig -Abe. I de Zwüsche-ziit ha ig erfahre, dass au die andere Fraue de Jesus gseh händ, und es paar vo de Manne au. Ig bi mir zwar ganz sicher, dass ig im Garte bim Grab nid gspunne ha, nid halluziniert oder so, aber es isch gliich hiufriich z’wüsse, dass no meh Lüüt de Jesus gseh händ.
Und ebe, es isch kei Geist gsii oder so öppis. Ig und die andere Fraue händ ihn chönne aalange. Er isch im auer unfassbarste Moment für üs fassbar gsii; mir händ kei Baum oder Struuch umfasst, sondern sini Füess. D’Manne verzeuet, de Jesus hegg sogar öppis g’ässe mit ihne. Das macht kei Geist.
Handkehrum muess de Körper vom Jesus irgedwie ver-wandlet sii. Es schiint, als sigget für ihn jetz einige vo de Grenze ufghobe, wo mir als Mensche händ. Wenn ig das als Frou ohni theologischi Usbildig dörf säge: Also, ig ha de Iidrugg, de Jesus, wo uferstande isch vom Tod, het jetz en verwandlete Körper, wo scho i dä neui Himmu und die neui Ärde ghört. Är isch de ersti, de Prototyp, vo de neue, ver-wandlete Schöpfig vo Gott.
No öppis: d’Manne oder viui vo dene Manne händ üs Froue ja zerst nid gloubt, dass mir em uferstandene Jesus begäg-net sind. Das isch für üs nüt Ungwöhnlichs. Schliesslich würdet üsi Ussage ja au nid vor Gricht verhebe, wiu mir Froue sind. Wenn ig mir das so richtig überlegge, isch es no ei Mau meh unfassbar, dass de Jesus sich zerst üs Froue zzeigt het.
Es schiint eso, dass ig sogar die auerersti gsii bi, wo em uferstandene Jesus begägnet isch. Nid d’Maria, sini Muetter, sondern ig, d’Maria vo Magdala. Ig hoff, sini Muetter tüeg das nit z’fest empfinde. Aber sie het ja inzwüsche e dicki Huut. Ig dänk sowieso, ig wird us däm kei grossi Gschicht mache. Dä oder die erst oder nid, das isch letzlich so unerheblich. Houptsach isch doch, dass mir däm uferstandene Jesus überhoupt chönd begägne.
Also, wenn ig, de Maria vo Magdala, die letzte drüü Täg sött zämefasse, chönnt ig das i eim Wort mache: Unfassbar!
So ständig neu unfassbar, dass es bi mir im unfassbarste Moment denn au erst „Klick uf de zweiti Blick“ gmacht het. Aber immerhin, es het Klick gmacht. Halleluja!
Mir danked de Maria vo Magdala für ihre Bricht als Auge-züügin und hoffet, dass das Unfassbare no bi viune Mensche es «Klick» sogar ohni Blick cha uslöse.
Mit beste Grüess und eme härzliche „B’hüet nech Gott,
Pfr. U. Bukies