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Vier Spiele von NLB entfernt
Fussball. Nur noch zweimal zwei Partien umfasst der Weg des FC Herisau in die Challenge League (NLB). Am Donnerstag gastiert Servette Genf, der Sieger der Gruppe 1, auf dem Ebnet. Das Hinspiel in der ersten Phase der Aufstiegsrunde beginnt am 1. Juni um 19.30 Uhr.
Lukas Pfiffner
Der Modus: Den zwei punktebesten Gruppensiegern (Servette und Biel) wurden für die erste Phase der Aufstiegsrunde die beiden Gruppendritten aus anderen Gruppen (Herisau und Urania Genf) zugeteilt. Der dritte Gruppensieger Tuggen spielt gegen den punkteschwächsten Zweiten, Delémont. Im Weiteren treffen noch Red Star und Etoile Carouge als restliche Gruppenzweite aufeinander. Diese erste Runde wird nach der altbekannten Europacup-Formel in Hin- und Rückspiel ausgetragen: Wenn nach 180 Minuten ein Punktegleichstand herrscht, entscheidet die Tordifferenz, allenfalls mit doppelt gezählten Auswärtstreffern. Bei erneutem Gleichstand wird im zweiten Spiel eine Verlängerung angesetzt, wenn nötig ein Penaltyschiessen. Die Sieger dieser ersten Serie (offiziell vom Verband «Zwischenrunde» genannt) werden einander für die eigentliche Aufstiegs-Finalrunde zugelost (der Modus ist gleich wie in der ersten Phase). Wer auch diese zweite Runde siegreich beendet, ist Aufsteiger. Ein Verzicht auf die Challenge League hätte eine Busse von 10'000 Franken zur Folge – und einen Ausschluss für die Aufstiegsrunden der folgenden zwei Jahre.
Der Gast: Servette gastiert zum ersten Mal überhaupt in der Neuzeit auf dem Ebnet. Der Traditionsverein, 17-facher Schweizer Meister und siebenmaliger Cupsieger, verabschiedete sich am 12. Dezember 2004 mit einem 1:1 gegen St. Gallen aus der Super League: Die enormen finanziellen Probleme hatten zum Kollaps des Vereins geführt und im Winter 2004/05 zum Rückzug aus der obersten Liga. Viele Spieler verliessen damals die Genfer (zum Beispiel Hassli, Calla, Karembeu), einige wurden in die Nachwuchsmannschaft integriert. Im Frühling 2005 konnte sich Servette nur knapp in der 1. Liga halten, in der laufenden Saison imponierte das Team: nur vier Niederlagen (eine einzige zuhause) und fünf Remis gab es in 30 Partien. Die Genfer, von ihrem ehemaligen Meisterspieler Jean-Michel Aeby trainiert, gewannen ihre sechs letzten Gruppenspiele allesamt, mit einem beeindruckenden Torverhältnis von 19:5. Am vergangenen Sonntag setzten sie sich zum Abschluss der Qualifikation in Naters 3:0 durch. Servette hat mehr Tore geschossen als alle anderen 1.-Ligisten und «ähnlich wenige Treffer kassiert wie wir», ergänzt Herisaus Spielertrainer Giuseppe Gambino. Auch im Cup machte Servette auf sich aufmerksam: Es gewann den Achtelfinal gegen Thun im Penaltyschiessen und scheiterte darauf an Winterthur knapp in der Verlängerung. Im Kader sind einige Leute aus früheren Zeiten aufgelistet, etwa Philippe Cravero, Aleksandar Bratic, Eddy Barea, Oscar Londono oder Lionel Pizzinat.
Der Heimclub: Bei Herisau fehlt der verletzte Eugster; Baumanns Einsatz ist fraglich. Colantonio, der gegen Kreuzlingen vom Platz gestellt wurde, steht erst im Rückspiel vom kommenden Pfingstmontag wieder zur Verfügung. Gambino sagt: «Wir wollen diese erste Runde so lange wie möglich offen halten. Der Druck liegt bei den Genfern; für uns ist das, was jetzt noch kommt, ein Bonus.» Wenn der Gast am Donnerstag im Gegensatz zu den Appenzellern mit dem echten und zielgerichteten Anspruch auf einen Platz in der Challenge League antritt, kann dies dem FCH nur recht sein: Die vergangenen drei Ernstkämpfe gegen Vereine aus der zweithöchsten Liga gewann er allesamt – jeweils im Cup (im Herbst 2003 als interregionaler 2.-Ligist gegen Bellinzona 2:0 und gegen Baden 3:1; ein Jahr darauf als 1.-Ligist gegen Wil 2:1 nach Verlängerung). Auch die aktuelle Saisonbilanz gegen die beiden Dominatoren der eigenen Gruppe 3 sieht positiv aus: Sowohl Tuggen wie Red Star mussten vier von sechs Punkten den Appenzellern überlassen. «Wenn wir wieder zweimal so abschneiden, steigen wir auf.» Präsident Peter Hürzeler ist sich allerdings bewusst, dass dann happige logistische und finanzielle Herausforderungen auf den Verein zukämen.
Die Aussicht: Vor einem Jahr stiegen Lausanne (1. Gruppenplatz) und Locarno (2.) auf; mit Etoile Carouge und Red Star überstanden beide Gruppendritte immerhin die erste Runde. Vor zwei Jahren schafften YF Juventus (1.) und Baulmes (2.) den Aufstieg; mit Tuggen gelang einem Gruppendritten der Vorstoss in die zweite Runde. Vor drei Jahren stieg die Hälfte der acht Aufstiegsrundenteilnehmer auf (bedingt durch die Aufstockung der NLB): Malcantone-Agno (1.), Bulle und Chiasso (2.) sowie La Chaux-de-Fonds (3.) verliessen die 1. Liga aufwärts; Meyrin und YF Juventus (1.), Wangen (2.) und Tuggen (3.) scheiterten. Fazit: der eine oder andere aufgrund der Gruppenranglisten nicht ohne Weiteres erwartete Vorstoss gelang. Für Gambino ist personalbedingt Servette Favorit. «Wir machen aber das Beste daraus.» Im Vordergrund soll die Freude stehen. Mit den Spielen gegen Servette wird Herisau Teil der grossen Fussballwelt, weil auf dem Genfer Rasen auch WM-mässig geprobt wird. So liest sich der aktuelle Spielplan im Stade de Genève: 31. Mai Schweiz – Italien, 4. Juni Brasilien – Neuseeland, 5. Juni Servette – Herisau, 7. Juni Spanien – Kroatien. Gambino: «Wir dürfen in einem der schönsten Schweizer Stadion antreten, und vor zwei Jahren spielten wir in der interregionalen 2. Liga, zum Teil auf «Wald- und Wiesenfeldern». Das ist für die Spieler etwas Einmaliges.» / Eine Publikation der Tagblatt Medien
* Gemäss HP vom Fussballverband und jener von Servette ist der Spielbeginn für beide Aufstiegsspiele gegen den FC Herisau um 18.30 Uhr. /bö