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Die äusserlichen Merkmale der sogenannten Rassestandards sind oft wichtiger als die Gesundheit der Tiere. Und das ist nicht nur bei den sogenannten Schosshündchen, sondern auch bei vielen anderen Hunderassen der Fall. Oft legen diese Rassestandards besonders Gewicht auf ein bestimmtes Einzelmerkmal. Durch diese Übertypisierung gibt es mittlerweile über 400 Erbkrankheiten bei Hunden. Einige Erbdefekte treten gehäuft bei bestimmten Rassen bzw. Rassetypen auf. Diese äussern sich z.B. in Taubheit, Skeletterkrankungen, erblichen Störungen des Immunsystems und des Stoffwechsels, sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Andere Nebeneffekte von Züchtungen können etwa Augenfehlbildungen oder Innenohrdefekte sein. Übertriebene Hautfaltenbildung, mangelhafter Schluss der Augenlider oder extreme Kleinwüchsigkeit haben ebenso gesundheitliche Konsequenzen für die Tiere.
Laut Schweizer Tierschutzverordnung verboten ist:
- das Züchten von Tieren, bei denen damit gerechnet werden muss, dass erblich bedingt Körperteile oder Organe für den arttypischen Gebrauch fehlen oder umgestaltet sind und dem Tier hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen.
- das Züchten von Tieren mit Abweichungen vom arttypischen Verhalten, die das Zusammenleben mit Artgenossen erheblich erschweren oder verunmöglichen.
Fellfärbungen
Der sogenannte “Merle-Faktor” sorgt beim Hund für attraktive Zeichnungsmuster bei der Fellfärbung, wenn er in einfacher Ausführung in der Erbanlage auftritt. Typische Vertreter dieser Farbvariante sind z.B. getigerte Doggen oder Blue-Merle-Collies. Ist diese Erbanlage in doppelter Ausführung vorhanden, sind die Hunde überwiegend weiss gefärbt. Die Zucht mit dieser Erbanlage ist deshalb problematisch, weil neben der Fellfärbung eine erhöhte Welpensterblichkeit und auch regelmässig das Merle-Syndrom auftritt: Defekte an verschiedenen Sinnesorganen, insbesondere Augen und Ohren. Auch beim “Grey-Collie-Syndrom" tritt nicht nur die erwünschte silbergraue Aufhellung des Fells auf, sondern daran gekoppelt auch schwere Störungen bei der Blutbildung und dem Immunsystem. Diese Tiere sind besonders anfällig gegenüber Infektionen. Ist der Dalmatiner “korrekt” getüpfelt und entspricht dem “Schönheitsideal”, ist bei diesem Tier mit einer erhöhten erblichen Taubheit beziehungsweise Schwerhörigkeit zu rechnen. Auch ist mit den Dalmatinerpunkten untrennbar eine Stoffwechselstörung verbunden, die bei den Tieren zur Bildung von Blasen- und Nierensteinen führt.
Hautveränderungen, Haarlosigkeit und Hüftgelenksdysplasie
In den Hautfalten der sogenannten “Faltenhunde” können sich Bakterien besonders gut entwickeln und zu Juckreiz und Hautekzemen führen. Bei Nackthunden treten sehr oft schwerwiegende Gebissanomalien und vorzeitiger Zahnverlust auf.
Die Hüftgelenksdysplasie ist eine Fehlbildung der Hüftgelenke. Die erbliche Veranlagung führt dazu, dass der Oberschenkelkopf nicht mehr in die Gelenkpfanne des Hüftknochens passt. Die betroffenen Hunde bekommen so schmerzhafte Entzündungen und Arthrose. Jedoch kann die Fütterung des Hundes massgeblich dazu beitragen, diese Beschwerden zu mindern, denn Hunde, die besonders schnell wachsen, sind davon auch besonders betroffen.
Rundköpfigkeit und Veränderung der Augenlider
Vor allem bei kleinen Hunderassen sieht man oft Tiere mit runden Köpfen, kurzen Schnauzen und grossen Augen. Diese Schädelveränderungen hin zum Kindchen-Schema führen zu Atem- und Schluckbeschwerden, Kiefer- und Zahnfehlstellungen. Oft sind die Schädelknochen so dünn, dass auch schon kleine Unfälle fatale Folgen haben. Diese Rassen neigen weiterhin zur Ausbildung von Wasserköpfen und Gehirntumoren. Die Körpertemperatur kann oft nicht mehr richtig reguliert werden, weswegen diese Hunde hitzeschlaggefährdet sind. Die Augen sind anfällig für Verletzungen und Hornhauterkrankungen.
Bei Hunderassen mit einem besonders “melancholischen Blick” sind oft die unteren Augenlider nach aussen gerollt. Diese herabhängenden Augenlider lassen keinen korrekten Lidschluss mehr zu. Die Hunde leiden an Augenreizungen, ständigem Tränenfluss und Bindehautentzündungen.
Die Abstammung vom Wolf ist bei diesen Mode- und Rassehunden längst nicht mehr erkennbar. Der Mensch hat den Vierbeiner nach seinen Vorstellungen und Vorlieben geformt. Doch diese Veränderungen sind für die Tiere selten von Vorteil, sie haben teilweise enorme gesundheitliche Folgen. Sind Hunde so noch die besten vierbeinigen Freunde des Menschen oder nur Statussymbole und Accessoires und somit eine Ware, mit der sich Geld verdienen lässt? Zum Wohle des Tieres sollte auf einige Rassen verzichtet werden, denn diese werden nur gezüchtet, weil es Menschen gibt, die diese auch kaufen.
Auch kann man sich fragen, ob es nur deren vermeintliche, vorwiegend von den Haltern anerzogene Gefährlichkeit sein soll, die es rechtfertigt, bestimmte Hunderassen auf kantonaler Ebene zu verbieten – wie das bislang der Fall ist. Oder ob hier nicht das potentielle lebenslange Leiden des Tieres gleichfalls eine zulässige Begründung darstellt?