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Zu 52 Menschen gebe es keinen Kontakt, sagte Innenminister Lin You-chang. Diese Leute bräuchten dringend Nahrung und Wasser, erklärte er. Wie viele von ihnen überhaupt noch leben, war zunächst unklar.
Die Suche nach eingeschlossenen und vermissten Menschen konzentriert sich den Behörden zufolge auf die Gegend um die Stadt Hualien. So seien rund 40 Mitarbeiter eines Hotels im osttaiwanischen Taroko-Nationalpark nicht erreichbar.
Das Beben hatte Taiwan am Mittwochmorgen während der Berufsverkehrszeit getroffen und war auf der gesamten Insel mit mehr als 23 Millionen Bewohnern zu spüren. Es erreichte nach taiwanischen Angaben eine Stärke von 7,2 und gilt als das schwerste Erdbeben dort seit fast 25 Jahren. Die US-Erdbebenwarte zeichnete nach eigenen Angaben einen Wert von 7,4 auf, die japanischen Behörden gaben die Stärke mit 7,7 an.
Das Zentrum des Bebens lag nur wenige Kilometer vor der Ostküste nahe Hualien, das besonders schwer getroffen wurde - auch wegen der relativ geringen Tiefe des Zentrums nur 15,5 Kilometer unter der Erdoberfläche. Bis Donnerstagmorgen wurden in Taiwan mehr als 300 weniger starke Nachbeben gemessen.
Tsunamiwarnung in mehreren Ländern
Die Insel liegt in einer erdbebengefährdeten Zone am Rand zweier tektonischer Platten, der Eurasischen und der Philippinischen. 1999 traf ein ähnlich starkes Beben die Inselrepublik mit mehr als 23 Millionen Einwohnern. Die Folgen damals waren wesentlich verheerender. Mindestens 2400 Menschen kamen ums Leben. Taiwan investierte seither mehr in Erdbeben-Prävention.
Nach den Erdstössen vom Mittwoch warnten neben Taiwan auch China, Japan, und die Philippinen vor Tsunamis. Im nordöstlich von Taiwan gelegenen Japan etwa gaben die Behörden eine Warnung vor einem drei Meter hohen Tsunami für nahegelegene Inseln der südwestjapanischen Präfektur Okinawa aus. Die Bewohner der betroffenen Inseln wurden aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Wenige Stunden nach dem Erdbeben hoben die Länder ihre Warnungen auf.
Auch Deutsche betroffen
In Taiwans Städten herrschte Panik als die Erde bebte. Gebäude stürzten zum Teil ein oder gerieten in gefährliche Schieflage. In vielen Wohnungen gingen Geschirr und andere Gegenstände zu Bruch, Verkehrsbrücken wackelten bedrohlich und an vielen Strassen entstanden Schäden. Manche Augenzeugen berichteten, so etwas noch nie erlebt zu haben und waren schockiert von den Ereignissen.
Viele Menschen waren um Hualien etwa in Verkehrstunneln oder Höhlen eingeschlossen. Darunter auch zwei Deutsche, die in einem Tunnel in einem bei Wanderern beliebten Nationalpark festsassen. Nach einigen Stunden wurden sie befreit, wie die Behörden und das Auswärtige Amt mitteilten. Einem Sprecher in Berlin zufolge hatte das Auswärtige Amt ausserdem Kontakt zu einer Reisegruppe aus 18 Deutschen, die ursprünglich als vermisst gegolten hatten. Ihnen ging es den Angaben zufolge den Umständen entsprechend gut.
Auswirkungen im ganzen Land
Das Beben hatte auch Auswirkungen auf die Wirtschaft: Taiwans wichtiger Halbleiter-Hersteller TSMC etwa hielt am Mittwoch zeitweise die Produktion an, wie die Behörde des Industrieparks der Stadt Hsinchu mitteilte. Die Firma evakuierte laut Berichten Arbeiter während des Bebens. Auch andere Betriebe stoppten die Arbeit vorübergehend. Der staatseigene Energieversorger berichtete von mehr als 308 000 Haushalten in Taiwan, bei denen mit dem Beben der Strom für längere Zeit ausfiel.