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Als Fremdreferenz bezeichne ich Beschreibungen, die in einem bestimmten Sinn "von aussen" kommen und in einer Perspektive geschrieben sind, die dem beschrieben System nicht zur Verfügung steht.
Beispiel:
Ich unterscheide zwei Arten des Spielens, ein kindliches, unreflektiertes Spielen, in welchem ich gar nicht weiss, dass ich spiele, und ein Spielen, in welchem ich Regeln oder Spielbegrenzungen reflektiere, die als Spiel aufgefasst werden können. Wenn ich nicht weiss, dass ich spiele, bin ich vertieft und mache die Unterscheidung Spielen versus nicht Spielen gerade nicht. Das heisst, nur andere können dann für wahrnehmen, dass ich spiele, ich selbst kann es nicht sehen. Die andern sagen mir, was ich mache!
Als Fremdbeschreibung bezeichnet die funktionale Systemtheorie Zurechnungen, die in anderen Systemen gemacht werden. Ein System kann Fremdbeschreibungen als Störungen wahrnehmen und verrechnen.
Beispiel:
Das Funktionssystem "Technik" wird in anderen Systemen mit Katastrophen (Tschernobil, Supergau) oder mit der Unterscheidung "funktioniert/funktioniert nicht" beschrieben. In der Selbstbeschreibung der Technik hat das keine Relevanz. Die Technik kann solche Fremdbeschreibungen verrechnen, das heisst mit eigenen Operationen darauf reagieren, was aussen die Fremdbeschreibung unterstützen kann.
Literatur
Auch das »Wie« dieser Kombination von Selbstreferenz und Fremdreferenz im Kommunikationsprozeß läßt sich genauer beschreiben. Es erfolgt, ganz anders als im Falle des Bewußtseins, durch eine laufende Reproduktion der "Unterscheidung von Mitteilung (Selbstreferenz) und Information (Fremdreferenz) unter Bedingungen, die ein Verstehen (also: weitere Verwendung im Kommunikationsprozeß) ermöglichen. Die Begriffe »Information«, »Mitteilung« und »Verstehen« müssen dabei ohne direkte psychische Referenz gebraucht werden. Sie bezeichnen nur Komponenten der Einheit einer Kommunikation, und diese Einheit ist im Hinblick auf weitere Auflösung dadurch begrenzt, daß sie ein Sinnangebot sein muß, das im weiteren Verlauf der Kommunikation noch negierbar ist (also zum Beispiel nicht: das »K« des Wortes Kommunikation). Daraus folgt auch, daß Information im Kommunikationsprozeß auch dann eine Fremdreferenz zum Ausdruck bringt, wenn sie den Zustand eines der beteiligten Bewußtseinssysteme bezeichnet - wie wenn jemand sagt: ich möchte auch so schön dichten können. (Luhmann, Kunst)
==> Selbstreferenz
"Verstehen ist in Sinnsystemen die Beobachtung mit Hilfe des Schemas Selbstreferenz/Fremdreferenz. Kommunikativ wird diese Position erfüllt durch die Aufsplittung eines Ereignisses in Mitteilung/Information durch die Selektion Verstehen, also durch die Operation, die an der einen oder anderen Seite anschließt: Entweder an der Mitteilung, in der sich Kommunikation auf sich selbst, oder an der Information, in der Kommunikation sich auf Nicht-sie-selbst bezieht. Es geht also um die Beobachtung dessen, wie sich ein System in sich selbst von der Umwelt unterscheidet. Psychisches Verstehen besetzt diese Position dadurch, daß es am Verhalten von Leuten (in die sie nicht hineinschauen kann), aber etwa auch an Texten, zu beobachten sucht, wie die Leute, die Texte mit sich selbst umgehen." (Fuchs, Luhmannliste, 17.6.2009)