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Auch bei seinen klassischen Werken, allesamt Auftragsarbeiten, geht Paul McCartney mit der selben Arbeitsmethode ans Werk, wie wenn es ein neuer Song wäre. Paul schreibt seine Musik mehr mit dem Herz denn mit dem Verstand. Auch wenn er noch immer in klassichen Kreisen den Geheimtipp-Status hat, ist diese Arbeitsmethode erfolgreich. «Ecce Cor Meum» von 2006 erhielt den Brit Award als bestes klassisches Album des Jahres. Paul setzte sich damals gegen einen Rockstar, Sting durch, der mit «Songs From The Labyrinth» Lieder von John Downland neu interpretierte. Es war Peter Martin, der Leiter des New York Balletts, der Paul im Herbst 2009 anfragte, ob er für die Speilzeit 2011/2012 ein Ballett schreiben würde. Macca, noch immer neugierig, nahm die Herausforderung an.
Paul McCartney und Peter Martins.
Die Geschichte von «Ocean’s Kingdom» ist schnell erzählt. Es erzählt die Liebesgeschichte zwischen der Prinzessin Horata aus der moralisch guten Unterseewelt und Prinz Stone aus der verdorbenen irdischen Welt. Die Irdischen greifen unter König Terra das Unterwasserkönigreich von König Ocean an, nehmen Prinzessin Horata gefangen. Doch die Liebe siegt am Ende, und die beiden können über die Kulturgrenzen hinweg heiraten. Soweit die Geschichte, die sich bestimmt gut tanzen lässt. Mit «Ocean’s Kingdom» verhält es sich wie mit jedem Ballet, man muss den Tanz dazu sehen, damit man das volle Erlebnis hat.
der Akkrod des Meers
Denn beim ersten Mal hören bleibt einem nur der zweite Satz, «Hall Of Dance» in Erinnerung. Wild und dennoch geordnet, es sind die Bläser mit ihren schmutzigen Jazzphrasierungen, welche die Oberhand haben. Unweigerlich denkt man an Tschaikowsky und Strawinsky. Kein Wunder, nachdem Paul zugesagt hatte, besuchte er eine Aufführung von Adolphe Adams «Giselle» und er unterhielt sich mit den Tänzern. In bloss zwei Monaten hatte Paul die erste Fassung des Librettos geschrieben und überarbeitete dieses mit «Ballettaugen». Peter Martin unterstützte ihn nach der zweiten Fassung, bevor er dann die Choreographie ausarbeitete. Der erste Satz «Ocean’s Kingdom» enthält – wer kann’s einem Rock’n’Roller verübeln, drei Akkorde, die von den Streichern gespielt gemächlich im Rhytmus des Meeres zwischen Dur und Moll hin und her wabbern. Das ganze wirkt sehr meditativ. Beim genauen hinhören, entdeckt man das reiche Leben unter der Meeresoberfläche, das durch disharmonische Flöten gespielt wird. Ein gutes Klangbild für das Beruhigende des Meeres. Der dritte Satz «Imprisonment» geht impulsiv weiter und setzt den zweiten atonaler fort, ehe dann der Schlusssatz «Moonlight» melodiöser und ruhiger das gut stündige Ballett ausklingen lässt.
Paul McCartney bei der Orchesterprobe im Lincoln Center in New York. –
Foto: paulmccartney.com
Eingespielt wurde «Ocean’s Kingdom» vom London Classical Orchestra mit Dirigent John Wilson und Produzent John Fraser. Die Première fand am 22. September im New York City Ballet statt. Die – durchaus snobistisch gestimmten Kritiker – bemängelten Maccas Musik als brav und hieben dann auf das banale Arrangement von Peter Martin ein. Nichts desto trotz ist «Ocean’s Kingdom» am 19. Oktober zum zweiten Mal Nummer 1 in den US Klassik Charts, in England erreichte das Ballet Platz 2. Zum Schluss noch ein Wort zum Cover, das eine Unterwasser-Skyline evoziert, es ist die digitale Anzeige der Ballettnoten.
Die Kostüme entwarf Pauls Tochter Stella McCartney. Auf dem Bild sind Robert Fairchild und Sara Mearns bei der Eröffnungsgala am 22. September 2011 zu sehen.
Foto: Andrea Mohin, New York Times

Trackliste CD/LP/Digital
Ocean's Kingdom
Hall of Dance
Imprisonment
Moonrise
iTunes Digital Bonus Album
Live Album von der Première im NYCB
Ocean's Kingdom
Hall of Dance
Imprisonment
Moonrise