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Fussball Turgut Akdag ist der elfte Trainer auf der Bank des FCF, seit der Stadtclub vor nunmehr sechs Jahren aus der Promotion League abgestiegen ist. Im September 2019 folgte der 35-jährige Akdag auf Christian Villommet, als die Pinguine in der Tabelle der 2. Liga interregional sieglos in sieben Partien auf dem vorletzten Rang lagen. Unter Akdag, der zuvor Matran und Richemond gecoacht hatte, schaffte der FCF die Wende. Ehe die Saison 2019/20 wegen der Coronavirus-Pandemie abgebrochen werden musste, lagen die Freiburger am Ende der Hinrunde auf einem Nicht-Abstiegsplatz (drei Siege und ein Remis aus sechs Spielen unter dem neuen Trainer). Im laufenden Championat konnte der FC Freiburg die guten Leistungen fortsetzen. Vor dem Derby am Samstag beim SC Düdingen liegen die Freiburger mit nur einer Niederlage aus sieben Spielen auf dem zweiten Tabellenrang, nach Verlustpunkten gleichauf mit Leader La Sarraz-Eclèpens.
Im Interview erklärt Turgut Akdag, was ihn am Trainerjob beim FCF gereizt hat, weshalb er sich in der Kabine nicht immer Freunde macht und welche Ziele er sich mit der Mannschaft gesteckt hat.
Turgut Akdag, als Sie den FCF letzte Saison übernommen haben, lag er am Tabellenende. Heute ist er an der Spitze der 2. Liga interregional. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Es gibt keines. Die gute Platzierung ist das Resultat harter Arbeit. Mehr nicht. Zwischen dem Trainerstaff und den Spielern herrscht ein Vertrauensverhältnis. Und ganz wichtig: Der FC Freiburg ist wieder aus Spielern aus der Region zusammengesetzt, die sich mit dem Club identifizieren. Ein Spieler aus der Region Genf oder Lausanne kennt die Geschichte und den Stellenwert des FCF gar nicht. Er weiss nicht um die Werte des Vereins. Oft zählen für diese Spieler andere Dinge wie etwa das Geld. Ich kann niemanden trainieren, der allein des Geldes wegen spielt.
Haben Sie sich deshalb in der letzten Winterpause von nicht weniger als 14 Spielern getrennt?
Es kann nicht sein, dass diese Spieler ernährt und beherbergt werden, der FCF aber auf dem letzten Platz liegt. Ich bin nicht Freiburg-Trainer, um diesen Leuten eine Freude zu machen. Ich gebe dem Team sehr viel von mir, aber ich opfere den Club nicht für einen oder zwei Spieler. Viele dieser Spieler kümmerten sich um alles mögliche, nur nicht um den Fussball. So geht es nicht.
Nach Ihrem letzten Engagement beim FC Richemond legten Sie eine Pause ein. Warum haben Sie sich eigentlich entschieden, ausgerechnet beim Krisenclub FC Freiburg wieder einzusteigen?
Die Pause hatte private Gründe, ich habe Zeit für mich benötigt. Als Ehrenpräsident Heribert Brülhart ein erstes Mal an mich herantrat, hat mich der Job nicht interessiert. Er hat nachgehakt und ich ging mir das Spiel des FCF gegen Düdingen anschauen. Und ich dachte: Hier kannst du was bewegen, so lange man mich denn lässt. Ich habe klare Vorstellungen. Natürlich ist eine gute Zusammenarbeit mit dem Vorstand wichtig, aber um die Rekrutierung der Spieler will ich mich alleine kümmern – auch wenn das viel Zeit in Anspruch nimmt und ermüdend ist. Aber nur ich als Trainer kann den Spielern vermitteln, was sie zu erwarten haben. Viele Clubs haben mit dieser Sichtweise Mühe, bisher klappt das beim FCF aber gut.
Sie haben sowohl Matran als auch Richemond in schwierigen Situationen übernommen und später in höhere Ligen geführt. Es scheint, als ob Sie solche Herausforderungen suchen.
Manchmal fällt es mir schwer, das zu anerkennen, aber solche Ausgangslagen motivieren mich am meisten. Es genügt mir nicht, zu sagen, dass es nur besser werden kann. Ich sage mir: Alles ist möglich – und ich weiss, dass ich es kann.
Ohne ein gesundes Selbstvertrauen geht also nichts?
Wie ist es möglich, jemanden zu motivieren, wenn man nicht selbst von sich überzeugt ist? Wenn du als Trainer nicht das nötige Selbstvertrauen mitbringst, wirkt sich das sofort auf die Mannschaft aus. Ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten und in jene von meinem Staff. Die Spieler spüren das. Aber die Verantwortung des Trainers hört dort auf, wo die der Spieler beginnt. Wir bereiten das Team im Training vor, im Spiel ist es dann aber für seine Leistung selber verantwortlich.
Welches Spiel wollen Sie von Ihrer Mannschaft auf dem Terrain sehen?
Was mich als Trainer in erster Linie interessiert, ist das Kollektiv. Das ist ganz klar der wichtigste Punkt. Es darf kein Spieler über dem Wohl der Mannschaft stehen. Ich trainiere deshalb auch keine Spieler, sondern eine Mannschaft. Der zweite Punkt ist der Ballbesitz. Ob im Training oder im Spiel, der Ballbesitz steht im Zentrum meiner Philosophie.
Spielt die Mannschaft bereits nach Ihren Vorstellungen?
Noch nicht ganz. Es ist eine junge Mannschaft. Sie hat den Willen. Aber sie muss noch vollends davon überzeugt werden, dass unsere Spielweise effizient ist.
Sie sind ambitioniert, da kann Ihr Saisonziel mit dem FCF nur Aufstieg heissen.
Als Trainer habe ich nie vom Aufstieg gesprochen, das entscheiden die Spieler. Aber es gibt Trainer, die vor dem Saisonstart das Ziel Ligaerhalt herausgeben. Wie können sie die Spieler so motivieren? Ich kann einen solchen Minimalismus nicht akzeptieren. Ganz ehrlich, ein Club wie der FC Freiburg gehört nicht in die 2. Liga interregional. Natürlich hatte der Verein in den letzten Jahren sehr viele Schwierigkeiten. Vor diesem Hintergrund ist die momentane Klasse sicherlich verdient. Aber nicht, wenn die Geschichte des Clubs berücksichtigt wird.
Am Samstag steht in Düdingen das Derby gegen den SCD auf dem Programm, der nach der starken Hinrunde der Saison 2019/20 Mühe hat, auf Touren zu kommen. Überrascht Sie das?
Ich komme auf das Spiel zwischen den beiden Teams zurück, dass ich letzte Saison gesehen habe. Es war traumhaft zu sehen, wie die Düdinger als Kollektiv aufgetreten sind. Die Qualität der einzelnen Spieler aber war bei Freiburg höher. Es hat mich darum ein wenig überrascht, dass der SCD so klar auf dem ersten Platz lag. In dieser Saison habe ich Düdingen noch nicht spielen sehen. Ich weiss aber, dass es weiterhin eine junge Mannschaft ist. Der Fussball ist eben keine exakte Wissenschaft. Wenn du in einer guten Dynamik steckst, gelingt dir alles. Ist aber das Gegenteil der Fall, passt vielfach nichts mehr zusammen und statt 3:2 zu gewinnen, verlierst du 2:3. Und gerade wenn du ein junges Team bist, ist es mental schwierig, mit einer solchen Situation umzugehen.
Im Gegensatz zum SCD ist der FC Freiburg im Höhenflug. Was haben Sie sich für die fünf Partien bis zur Winterpause noch vorgenommen?
Vorerst denke ich nur an das Spiel in Düdingen. Der FCF konnte das Derby seit acht Jahren nicht mehr für sich entscheiden. Ich hoffe, dass wir das am Samstag ändern können. Beide Teams spielen auf Kunstrasen, ich erwarte deshalb ein tolles Spiel. Mittelfristig wollen wir bis Weihnachten noch so viele Punkte wie möglich holen. Denn die Rückrunde wird noch einmal eine ganz andere Meisterschaft werden. Aber darf ich noch was anmerken?
Nur zu.
Wenn ich als junger Trainer gefragt wurde, welchen Verein ich einmal trainieren möchte, habe ich immer den SC Düdingen genannt. Ich schätze die Philosophie des Vereins wirklich. Die Sensler verfügen über gefestigte Strukturen, das gefällt mir.