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Medikamente
Definition
Medikamente sind Präparate, welche für die Vorbeugung und Behandlung einer organischen oder psychischen Krankheit oder für die Verbesserung von organischen oder psychischen Funktionen verwendet werden. In der Schweiz nehmen mehr als 400‘000 Erwachsene täglich Medikamente ein. Dazu zählen insbesondere Psychopharmaka wie Entspannungs- und Beruhigungsmittel (Tranquilizer) und Schlafmittel (Hypnotika), aber auch Schmerzmedikamente, Hustenmittel, Aufputschmittel (Stimulanzien), Schlankmacher und Darmregulantien. Gemäss Schätzungen sind in der Schweiz ungefähr 60‘000 Personen medikamentenabhängig. Eine Abhängigkeit äussert sich in einem starken Verlangen oder einer Art Zwang zur Medikamenteneinnahme, verminderte Kontrollfähigkeit, Entzugserscheinungen, einer Toleranzentwicklung und in einer fortschreitenden Vernachlässigung anderer Vergnügen und Interessen sowie die kontinuierliche Medikamenteneinnahme trotz eindeutiger schädlicher Folgen.
Aufgrund der enormen Bandbreite an unterschiedlichen Medikamenten wird der Fokus hier – aufgrund des hohen Abhängigkeitspotentials – auf Benzodiazepine gelegt. Die Häufigkeit der Benzodiazepin-Abhängigkeit befindet sich nach Tabak- und Alkoholabhängigkeit an dritter Stelle.
Benzodiazepine werden zur Behandlung von Angstzuständen, Schlafstörungen, starker Anspannung oder Erregung, Epilepsien und Krämpfen eingesetzt und können für eine Dauer von zwei bis maximal acht Wochen verabreicht werden.
Wirkung und Nebenwirkungen
Benzodiazepine wirken stark beruhigend. Es können Störungen der Bewegungskoordination, Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheitszustände und Desorientierung auftreten. Die Atmung kann ebenfalls beeinflusst werden, wobei die intravenöse Verabreichung oder Kombination mit anderen Medikamenten zum Atemstillstand führen kann. Der Schlafrhythmus kann ebenfalls beeinflusst werden: Die Schlafdauer wird womöglich verkürzt und am nächsten Tag können ein „verkatertes“ Gefühl und Einschlafstörungen auftreten. Auch die Fahrtauglichkeit kann stark eingeschränkt werden oder nicht mehr vorhanden sein.
Wechselwirkungen
Die gleichzeitige Einnahme von Benzodiazepinen und anderen Substanzen oder Medikamenten, wie zum Beispiel Alkohol, Antipsychotika, GHB/GBL („K.-o.-Tropfen“) Opioiden und Hypnotika Barbituraten kann die beruhigende Wirkung der einzelnen Substanzen potenzieren. Eine verlangsamte Atmung bis hin zum Atemstillstand sind mögliche Folgen. Zudem wird die an sich geringe Giftigkeit von Benzodiazepinen durch die zeitgleiche Einnahme anderer sedierender Substanzen erheblich gesteigert. Die zeitgleiche Einnahme von Benzodiazepin und Alkohol kann eine Amnesie verursachen.
Langzeitfolgen des Konsums
Bei einem Langzeitkonsum können die geistige Leistungsfähigkeit wie das Gedächtnis, Denken und andere kognitive Funktionen beeinträchtigt werden. Zudem können Benzodiazepine bei einer längeren Einnahme dieselben Symptome verursachen, für deren Behandlung sie eingesetzt werden. Dies kann zu einer Erhöhung der Dosis führen, ohne dabei die Symptome zu beseitigen und eine Abhängigkeitsentwicklung begünstigen.
Wirkungen auf das ungeborene Kind
Grundsätzlich gilt für Schwangere und stillende Mütter den behandelnden Arzt bezüglich jeglicher Medikamenteneinnahme zu konsultieren. Auf die Einnahme von Benzodiazepin während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte verzichtet werden, ausser wenn vom Arzt verordnet. Die Einnahme während dem ersten Trimester birgt Risiken für das ungeborene Kind, wie zum Beispiel die Entwicklung einer Rachen-Gaumenspalte. Gegen Ende der Schwangerschaft führt Benzodiazepin möglicherweise zu einer Muskelschwäche (Floppy-Infant-Syndrom) bei Säuglingen. Aufgrund einer regelmässigen Einnahme während der Schwangerschaft können beim Kind nach der Geburt Entzugserscheinungen auftreten. Da Benzodiazepine in die Muttermilch übergehen, kann Stillen eine Dämpfung des Kindes bewirken.