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Wer kennt nicht die Namen von Filmgrössen wie Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog oder Elfi Mikesch. Sie haben einst eigene Filmproduktionsfirmen gegründet, um sich eine grösstmögliche Freiheit und Unabhängigkeit als Filmautorinnen und Filmautoren zu bewahren. Heute ist diese Arbeitsweise zunehmend verpönt. Damit droht ein Stück Vielfalt verlorenzugehen.
Das Wort «Auto» stammt aus dem Griechischen αὐτός autós. Auf Deutsch heisst das: «selbst». Ein Autor oder eine Autorin bezeichnet eine Person, die ein sprachliches Werk erschaffen hat, mithin also die Urheberin oder der Schöpfer dieses Werkes ist. Auch Autorenfilmer gelten als Urheber der jeweiligen Filme.
Im Genre des Spielfilmes haben sie in der Regel zuerst das Exposé, danach das Treatment und schliesslich das Drehbuch geschrieben. Bei einem Dokumentarfilm handelt es sich nicht um ein Drehbuch, sondern um die Drehvorlage. Sie soll eine Vorstellung davon geben, welche Gestalt der fertige Film dereinst annehmen könnte.
Drehvorlage dient der Fantasie
Mögliche Szenen werden beschrieben mit Angaben zu Tageszeit, Ort, anwesenden Personen, was diese voraussichtlich sagen und wie sie handeln könnten. Auf dem Papier werden diese Szenen dann zu möglichen Sequenzen und letztere schliesslich zu einem nach dramaturgischen Kriterien strukturierten Film «montiert». Die Drehvorlage dient dazu, die Fantasie der Filmfördergremien anzuregen.
Oft wird bei der Beurteilung diese papierene Drehvorlage, eigentlich ein erfundenes Drehbuch, von dem alle Beteiligten wissen, dass es nie verfilmt werden wird, mit dem fertigen Film verwechselt. Denn dieser existiert ja noch nicht. Beim Schreiben der auf den Recherchen zum Film basierenden Drehvorlage ist ja noch unabsehbar, was bei den Dreharbeiten tatsächlich passieren wird, und in welcher Gemütsverfassung die Mitwirkenden vor der Kamera dann sein werden.
Bei den Personen, die vor der Kamera agieren, handelt es sich beim Dokumentarfilm in der Regel nicht um Profi-Schauspielerinnen, die vor Drehbeginn die Dialoge des Drehbuchs lernen, Szenen proben, sich im Raum in ihren Bewegungen vor der Kamera an für das Publikum unsichtbaren Markierungen orientieren und in ihrem realen Leben nicht unbedingt einen persönlichen Bezug zum Filmthema haben. Sie spielen dies nur vor, fühlen sich ein, arbeiten mit der entsprechenden Schauspiel-Technik und nutzen ihre Begabung.
Viel Herzblut
Die Mitwirkenden eines Dokumentarfilms hingegen werden für dieses Projekt gerade wegen ihres engen Bezuges zum Thema ausgesucht: sie erzählen auf authentische Weise aus ihrem eigenen, persönlichen Leben, bringen ihre Erfahrung oder ihr ausgewiesenes Expertenwissen ein. Der persönliche Bezug und die Notwendigkeit, mit ihrer Geschichte an eine breite Öffentlichkeit zu gelangen, kann ihre Motivation befeuern. Um Geld und Broterwerb geht es ihnen in der Regel nicht.
Meistens haben auch die Filmautoren einen persönlichen Bezug zum Thema, was sie umso mehr motiviert, ihr Filmprojekt gegen alle Widerstände durchzuziehen. Für sie ist dieser Beruf kein reiner Brotjob, sondern Berufung. Er wird, je länger sie mit Herzblut als Filmautorinnen tätig sind, desto mehr zu einem Teil ihrer Identität.
In der Schweiz gibt es viele Filmemacher, die ihre Filme auch selber produzieren, vor allem im Bereich des Dokumentarfilms. Sie haben eine eigene Firma gegründet, sind bei ihr angestellt und tragen das entsprechende unternehmerische Risiko ohne Recht auf Zahlungen der Arbeitslosenversicherung im Notfall (umgekehrt sind entsprechende Einzahlungen hingegen gesetzlich vorgeschrieben).
Gewisse Unabhängigkeit
Man nennt sie «Autorenproduzenten», in Amtsdeutsch gehören sie zur Gruppe der «Personen in Arbeitgeber-ähnlicher Stellung» mit «massgeblicher Entscheidungsbefugnis». Das heisst, sie müssen sich auf der einen Seite um die Finanzierung ihrer Projekte und um den Administrativkram kümmern.
Auf der anderen Seite bewahren sie sich damit eine gewisse gestalterisch-künstlerische Unabhängigkeit und können eher von ihrem Beruf leben. Wer ausschliesslich in den Bereichen Regie und Drehbuch im Angestellten-Verhältnis arbeitet, hangelt sich oft am Rande des Existenzminimums entlang und geht zwischenzeitlich zum Arbeitsamt. Natürlich empfiehlt es sich, mit einem Spielfilm- oder sehr aufwendigen Dokumentarfilmprojekt zu einer erfahrenen Filmproduktionsfirma zu gehen, bei entsprechendem Know-how willkommene Partner auch im künstlerischen Bereich.
Normierte, formalisierte Arbeitsstrukturen – gefährdete Filmvielfalt
Leider ist es zunehmend verpönt – an Filmhochschulen soll teils sogar davon abgeraten werden – kleinere oder mittelgrosse Dokumentarfilmprojekte selber zu produzieren und als Autorenproduzentin zu arbeiten. Es herrscht, vor allem bei der jüngeren Generation, eine diffuse Angst vor den zugegeben immer komplizierter werdenden Förderstrukturen.
Man traut sich beispielsweise die selbständige Budgetierung, den Weg durch das Dickicht von Reglementen und Verordnungen nicht zu. Ausgetüftelte, zur Verwendung vorgeschriebene Exceltabellen können Furcht einflössen. Man hat Respekt vor den sich im Laufe der Jahrzehnte entwickelten, branchenüblichen Produktions- und Förderstrukturen. Die Schweizer Filmbranche ist klein, übersichtlich und in Verbänden organisiert. Man trifft und kennt sich, die Territorien sind abgesteckt.
Der Autorenproduzent scheint ein vom Aussterben bedrohtes, allzu bunt schillerndes Tier zu sein, das abgeschossen gehört: Es passt nicht mehr in eine Zeit, wo das Filmemachen zunehmend reglementiert und formalisiert wird. Natürlich sind Professionalität und schulisch vermittelte Theorie und Praxis wichtig; es sollten aber immer mehrere Wege zulässig sein, um zum Ziel zu gelangen.
Zur Kinoreife gebracht
Es gibt Autorenproduzenten, die nebst der Regie auch die Montage, die Kamera oder den Ton selber besorgen, dies aber in ihren Produktionsunterlagen sehr zurückhaltend darlegen aus Angst, sonst eventuell Benachteiligungen ausgesetzt zu sein. Die Geschichte des Autorenfilms und der unabhängigen Autorenproduzentinnen aber zeigt, dass auf diese Weise sehr oft hervorragende Filme zur Kinoreife gebracht worden sind.
Beispiele: «Heimat» von Edgar Reitz, «War Photographer» von Christian Frei, «Elisabeth Kübler-Ross – Dem Tod ins Gesicht sehen» von Stefan Haupt, die Kinofilme von Alice Schmid («Die Kinder vom Napf») und viele andere.
Auch international bekannte Filmschaffende wie Wim Wenders, Werner Herzog oder Fassbinder haben als Autorenproduzenten gearbeitet. Diese Gattung darf nicht aussterben. Sie trägt zur Vielfalt der Kino- und Filmbranche bei.
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