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Tracey Rose
Span I & Span II (1997)
Span I war eine prägende frühe Performance von Tracey Rose. Das Foto davon zeigt den auf Bewährung entlassenen Strafgefangenen Michael Hanekom, wie er Worte und Sätze in eine Wand der National Gallery of Art in Kapstadt ritzt. Rose war eingeladen worden, dort auszustellen. Doch als sie das Museum betrat und die endlose Reihe von Werken weisser Männer bei gleichzeitiger Abwesenheit von Artists of Color in dieser nationalen südafrikanischen Institution sah, entstand aus der Wut, die sie verspürte, der Wunsch, den Raum zu zerstören. Die Form, die ihre zerstörerische Geste letztlich annahm, war das Einritzen von Kindheitserinnerungen in die Wand.
Hanekom war am Tag, bevor die gemeinsame Kooperation begann, aus dem Gefängnis entlassen worden. Rose wollte mit jemandem arbeiten, dessen Umstände den elitären Raum, in den sie eingeladen war, infrage stellen würde. Viele Mitglieder der damals neuen Regierung hatten während der Apartheid im Gefängnis gesessen. In Kapstadt gibt es eine lange Geschichte der Coloured People, von denen viele von den Khoikhoi abstammen und die von den europäischen Kolonisatoren als Kriminelle behandelt wurden.
Auch in Span II ging es um die Coloured-Identität. Diesmal wurde die komplexe Thematik im Hinblick auf das menschliche Haar untersucht. Früher wurden Menschen in Südafrika anhand ihres Haars mithilfe des sogenannten «Bleistifttests» typisiert. In ganz Afrika wie auch in der Diaspora ist Haar von symbolischer Bedeutung.
Roses Verknoten des Haares ist ein Verweis auf den Katholizismus und das Herstellen von Rosenkränzen mithilfe einer Knüpftechnik. Es ist aber auch ein Akt der Busse ihrerseits, weil sie innerhalb der südafrikanischen Gesellschaft aufgrund ihrer hellen Haut mitunter für eine Weisse gehalten wird, etwas, das sie als Beleidigung empfindet und stets heftig zurückweist.
Auf dem Monitor ist eine gespiegelte Aufzeichnung ihrer Hände bei der Arbeit zu sehen. Die Darstellung parodiert den zurückgelehnten weiblichen Akt in der westlichen Kunstgeschichte, die passive, konsumierbare Frau. Thematisiert werden jedoch auch die Problematik der Schwarzen Arbeitskraft sowie Roses genetische Herkunft. In der Art der Präsentation werden die Konzepte der Anthropologie und der ethnografischen Betrachtungsweise von Körpern aufgegriffen: Es ist der Blick auf People of Color als Ausstellungsstücke.