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Die Nesselsucht, medizinisch Urtikaria, ist eine häufige allergische Hautkrankheit. Sie wird deshalb so genannt, weil sie ähnliche Symptome macht, wie ein Hautkontakt mit Brennnesseln. Die Hauptsymptome sind Quaddeln (Hauterhebungen) sowie ein starker Juckreiz. Häufig wird auch von einer Quaddelsucht gesprochen.
Es gibt zwei Verlaufsformen der Nesselsucht: Die akute und die chronische Form. Die akute Form der Urtikaria heilt meist innerhalb weniger Stunden oder Tage von selbst wieder ab; die chronische Form kann über viele Monate bestehen bleiben.
Häufig ist der Auslöser unbekannt. Die Symptome der Urtikaria treten aber oft im Zusammenhang mit echten Allergien auf. Am häufigsten bei Insektenstichen, Medikamenten und Nahrungsmitteln.
Betroffen sind vor allem erwachsene Frauen etwas häufiger als Männer.
Die Symptome lassen sich teilweise auch mechanisch auslösen zum Beispiel durch Reibung oder Druck auf der Haut.
Aber auch äussere Reize wie Kälte, Wärme, Sonnenlicht oder körperliche sowie emotionale Belastungen können Auslöser sein. Hat die Nesselsucht eine immunologische Ursache (also eine Allergie), tritt sie als eine allergische Sofortreaktion zum Beispiel nach Verzehr oder Kontakt mit dem Allergen auf. In schweren Fällen erleidet der Betroffene eine allergische Schockreaktion mit Kreislaufzusammenbruch, was ein absoluter Notfall ist.
Die Hautkrankheit Urtikaria ist nicht ansteckend und auch nicht vererbbar; teilweise wird aber eine familiäre Vorbelastung beobachtet.
Bei der Nesselsucht kommen verschiedene Auslöser in Frage. Betroffene müssen zusammen mit dem Arzt herausfinden, welches Allergen im individuellen Fall für die Nesselsucht-Symptome verantwortlich ist.
Die häufigsten Allergene, die eine Nesselsucht auslösen können sind:
- Bestimmte Nahrungsmittel (Fisch, Eier, Getreide, Kuhmilch, Schalentiere, Muscheln, Nüsse, Beeren, Soja)
- Lebensmittelinhaltstoffe: Konservierungs-, Geschmacks- und Farbstoffe
- Rückstände von Spritzmitteln, mit denen Obst, Gemüse oder auch Fleisch behandelt wird
- Medikamente: zum Beispiel Salicylate (Asprin®), Antibiotika (u.a. Penicillin)
- Metalle im Körper (z.B. Zahnplomben)
- Insektenstiche (Mücken, Flöhe, Bienen)
- Pflanzen (z.B. Brennnesseln, Primeln, verschiedene Gräser etc.)
- Tierfelle oder Federn
- Infektionen
- Krankheiten: Hormonstörungen, Stoffwechselerkrankungen
- Andere Auslöser von Quaddeln: Reibungen, Hautdruck, extreme Wärme oder Kälte, direkte oder auch indirekte Sonnenbestrahlung, Röntgenstrahlen , körperliche oder seelische Belastungen
Zunächst bilden sich rote Flecken, die dann in blasse Schwellungen übergehen (Quaddelbildung). Die Quaddeln (auch Urtikaria) sind Feuchtigkeitsansammlungen (Ödeme) in der obersten Hautschicht. Je nach Auslöser kann die Nesselsucht sehr unterschiedlich aussehen: Die Quaddeln können klein wie ein Stecknadelkopf oder grösser als eine Je nach Auslöser kann die Nesselsucht sehr unterschiedlich aussehen: Die Quaddeln können klein wie ein Stecknadelkopf oder grösser als eine Handfläche sein, nur an einer Körperstelle oder grossflächig auftreten. Verschiedene kleine Quaddelherde können sich aber auch zu einem grossen Fleck zusammenfügen.
Meist jucken sie stark und klingen nach spätestens 24 Stunden wieder ab, ohne Narben oder andere Spuren zu hinterlassen. So ein Schub kann sich über mehrere Tage oder sogar Wochen erstrecken - es kommen dann immer wieder neue Quaddeln nach. Der Grund: Hauteigene Abwehrzellen in der Lederhaut, so genannte Mastzellen, setzen den Botenstoff Histamin frei, der bei der Urtikaria die entscheidende Rolle spielt. Histamin führt zur Erweiterung der Hautgefässe mit nachfolgender Schwellung und Rötung der Haut sowie Juckreiz. Schwellung und Rötung der Haut sowie Juckreiz.
Solche Quaddeln können sich im Prinzip überall bilden. Am häufigsten sind sie aber an Armen, Beinen, Rumpf und im Gesicht zu finden. Manchmal schwellen bei der Nesselsucht auch die Augenlider, die Zunge oder die Mundschleimhaut auf dies nennt man in medizinischer Sprache Angioödem. Bei diesen Schwellungen dauert es meist länger, bis sie sich zurückbilden. Achtung: Betroffene mit solchen Symptomen sollten so schnell wie möglich zu einem Arzt, da es ein Zeichen für eine allergische Schockreaktion sein können.
Weitere Symptome können sein:
- Schwellungen im Gesicht, der Lippen, der Luftwege (Asthma-Anfall, Atemnot)
- Magenkrämpfe, Übelkeit, Durchfall
- Nasenlaufen und Hautausschläge (Jucken, Brennen)
- Evtl. Blutdruckabfall
In ganz schweren Fällen kann es zu einem Kreislaufzusammenbruch (anaphylaktischer Schock) kommen, was ein absoluter Notfall ist. Allergiker sollten dringend einen Notfallpass sowie ein Notfallset mit sich tragen (siehe auch Behandlung der Nesselsucht).
Bereits anhand der Hautreaktionen (Quaddelbildung, heftiger Juckreiz) kann der Arzt eine Nesselsucht feststellen. Es gilt die Ursache zu finden, damit der Betroffene diese zukünftig vermeidet.
Wenn der Auslöser (Allergen) nicht klar ist oder die Nesselsucht trotz entsprechender Therapieversuche länger als 6 Wochen andauert, erfordert dies weitere spezialärztliche Untersuchungen beim Dermatologen (Hautarzt). Mit Blut- und Hauttests wird er die Suche nach dem auslösenden Allergen aufnehmen.
Dazu gehören:
- Sogenannte Provokationstests: Dabei werden kleinste Mengen des vermuteten Allergens unter die Haut gespritzt oder eingenommen. Achtung: Niemals selber aus probieren, nur unter medizinischer Aufsicht.
- Laboruntersuchungen
- Allergologische Tests
Wie bei allen Allergien ist bei der Suche nach dem auslösenden Allergen auch der Patient gefordert: Durch seine Beobachtungen und Wahrnehmungen hilft er, die auslösende Ursache zu finden. Denn nur wenn man den Auslöser kennt, kann dieser vermieden werden.
Behandlung der akuten Nesselsucht
Die Quaddelbildung und der Juckreiz bei der Urtikaria können - sofern Kälte nicht der Auslöser ist - mit Kältewickel oder kühlenden Gels gemindert werden.
Medikamente
- Antiallergische Wirkstoffe (sogenannte Antihistaminika) als Tablette oder in Form eines Gels
- Ev. Schmerzmittel
Sofern sich die Symptome nach ein paar Stunden wieder zurückbilden, braucht es keine weitere medizinische Therapie. Gut ist, wenn der Betroffene weiss, was die Nesselsucht ausgelöst hat.
Bei einer schweren allergischen Reaktion (anaphylatischer Schock) mit Kreislaufzusammenbruch handelt es sich um einen medizinischen Notfall (Tel. 144, sofortige Spitaleinweisung). Allergiker sollten einen Notfallpass sowie ein Notfallset auf sich tragen. Das Notfallset enthält: ein Antihistaminikum, Kortisontabletten sowie einer Adrenalin-Fertigspritze. Insbesondere wird dies empfohlen bei Insektenstichallergie (Wespen, Hornissen, Bienen) und einer Erdnussallergie.
Behandlung der chronischen Nesselsucht
Kommt es zu immer wiederkehrenden Schüben oder sind solche zu erwarten, dann kann eine Dauermedikation mit einem Antihistaminikum angezeigt sein.
Bei manchen Formen kann auch eine "Gewöhnungstherapie", aber nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden: Ist z.B. Kälte die Ursache, dann können wiederholt durchgeführte kühle Bäder den Körper langsam daran "gewöhnen". Ein weiteres Beispiel wären gezielte Belastungsübungen bei einer durch körperliche Anstrengungen ausgelöste Nesselsucht.