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„Nun mal was Philosophisches dazwischen: Kann ein Satz derart abschliessend sein und eine derart endgültige Aussage enthalten, so dass er zum Zitat erhoben werden darf? Es wird sehr viel Kluges zitiert. Doch, ob dieses eine Zitat lediglich als Stopfer daher kommt wie die Olive, die ich eben in meinen Mund eingeführt habe und die mir darum das Reden erschwert, das wage ich vollmundig zu fragen. Als Zitat muss ziemlich alles herhalten, was ein Redner irgendwie in seine Rede einbauen kann. Aus wessen Küche es stammt, ist Nebensache.“
Namen schaffen Ordnung!
„Ein bekannter Name liefert die Garantie dafür, dass an dem Zitat irgendetwas dran ist. Gleichzeitig fördert der bekannte Name die Denkfaulheit. Der bekannte Name schafft Vertrauen, und das Gesagte wird nicht hinterfragt. Dante, Alighieri, Goethe: Da werden mir die Knie schwach. Jetzt fehlt nur noch Marx.“
„Ausschliessliches Eigentum ist ein Diebstahl in der Naturordnung.“ Nein, der Satz kommt nicht von Karl Marx, sondern von Jacques Pierre Brissot, einem französischen Politiker. Die Reise durch die Zitatenwelt der Ordnung ist endgültig im Bereich der Macht und somit der Politik angekommen. Zu dieser Konstellation findet sich einiges: „Nur bei einer Ordnung der Dinge, wo es keine Klassen und keinen Klassengegensatz gibt, werden die gesellschaftlichen Evolutionen aufhören, politische Revolutionen zu sein.“ Genau, diese Aussage stammt nun von Marx. „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung.“ Unverkennbar ein Marx, der wohl auch Niccolò Machiavellis Spruch goutierte hätte: „Der grösste Feind der neuen Ordnung ist, wer aus der alten seine Vorteile zog.“ Zur Diktatur ist es nicht weit, wenn eine Ordnung eine andere ausschliesst. Lenin brachte es auf den Punkt: „Jede Gesellschaftsordnung entsteht nur durch die finanzielle Unterstützung einer bestimmten Klasse.“
„Was du da alles sagst, das schafft Eindruck. Ich bewundere dich für dein Wissen. Doch mir scheint, fürwahr, um für einmal auch ein zitierfähiges Wort zu benützen: Die Zitate sind eine rechtes Kuckucksei im Sprachgebrauch des Menschen. Ich schiebe mir Oliven in den Mund, ein Redner stopft sich Zitate in seine Reden. Was dabei heraus kommt, das weiss nur das Ei. In den Oliven ist mehr Sicherheit. Die Oliven bringen mich auf einen weiteren Gedanken. Oliven werden gepflückt. Das ist eine rechte Fleissarbeit. Niemand geht aber davon aus, dass der Zitierende die Zitate in nächtlicher Fleissarbeit im Web zusammenträgt oder kurz und bündig aus einem Zitatenbuch abschreibt. Vielmehr meint jeder, dass der Zitierende sehr belesen ist und aus dem angehäuften Wissen in seinem Schädel schöpft.“
Zitate bereichern der Rede angesammelter Inhalt.