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Das hat schon im Kindergarten begonnen. Ich sollte den Anzug meines Vaters in der Wäscherei abholen. Ja nicht verknittern sollte er. Die Frau in der Wäscherei gibt mir also den Anzug, aber er war so gross und ich so klein, dass er fast am Boden nachschleifte. Zuerst habe ich ihn mit einer Hand gehalten, dann nahm ich beide Hände, dann legte ich ihn über die Schulter, habe aber nichts mehr gesehen. Ich habe sicher sechzehn Stellungen ausprobiert. Irgendein Journalist hat das aus Zufall gesehen und fotografiert. Ich sah es als Wichtigstes an, die Aufgabe zu erfüllen, auf welche Art auch immer, verbissen dranzubleiben, neue Techniken auszuprobieren, bis es funktioniert.
Ich bin Unternehmer, mein Hauptgeschäft ist in der Entwicklung von intelligenten Systemen für optische Qualitätskontrolle. Aber am liebsten erfinde ich. Ein ausfahrbarer Rollstuhl, mit dem man an der Bar stehen kann, elektronisches Bandenbingo für den HC Davos, Selfie-System für den Energy-Drink-Hersteller, Chat- und Bestellsystem in der Sushi-Bar oder ein intelligenter Parkplatz-Koordinator. Es geht mir immer darum, etwas zu verbessern. Nichts ist unlösbar. Habe ich etwas entwickelt, dann gebe ich es weiter und mache etwas Neues. Ich möchte nicht mit einfach nur einer Erfindung sterben.
In meiner Freizeit spiele ich Tennis. Ich fand es schlimm, dass so viele Tennisbälle verbraucht werden, jede Woche eine neue Röhre, wenn man viel spielt. Die beste Lösung wäre, die Bälle länger zu brauchen, aber kein Tennisspieler spielt gerne mit schlaffen Bällen. Ich habe deshalb einen mechanischen Tennisballrecycler entwickelt. Das ist ein Art Röhre, die die Bälle nach dem Spielen wieder in Gegendruck bringt. Damit kann ich mit den Bällen dreimal länger spielen. Ich überleg mir jetzt eine Ballsortiermaschine, die automatisch die noch rettbaren Bälle aussortiert und gleich wieder auffrischt. Das möchte halt leider kein Laden, ist schlecht fürs Geschäft. Ich habe auch mit Tennisprofis gesprochen, aber die bekommen die Bälle gesponsert. Aber für einen Trainer könnte das etwas sein.
Überhaupt habe ich eine Vision vom Tennisplatz der Zukunft. Ich habe einen kleinen mechanischen Klicker entwickelt, mit dem kann man ein Signal aussenden. Das ist an ein Zähleranlage gekoppelt, so sieht man auf dem Display immer den Spielstand. Ein Ballroboter sammelt die Bälle, der schafft zweieinhalb Meter pro Sekunde. Eine Kamera dient als Schiedsrichter, wenn man sich nicht einig ist, ob der Ball in oder out war. Und wenn man möchte, kann man nach dem Spiel schauen, wo man überall Fehler gemacht hat. Wobei, dann sieht man womöglich, dass man vielleicht doch besser mit dem Tennis aufhören sollte… Bei den Spielerbänken steht ein Smart Fridge. Gesteuert wird alles über die Klubkarte, damit macht man auch Reservationen, dafür habe ich ein intelligentes System entwickelt. Die Energie für alles kommt von biegbaren Solarpanels über den Spielerbänken, die den Spielern gleichzeitig Schatten spenden. Für vieles habe ich schon Prototypen entwickelt, anderes ist noch in Planung. Es gibt bereits einige interessierte Tennisclubs in der Region. Und im Frühjahr durfte ich mein Konzept Rafael Nadals Vater vorstellen. Er war sehr interessiert, dann kam leider Corona.
Wenn eine Ungerechtigkeit da ist, ein Problem, dann studiere ich, was kann man besser machen. Ich überlege mir zum Beispiel einen Landgewinnungsroboter für die Wüste. Er nimmt Wasser aus dem Meer, entsalzt, pflanzt an, und begrünt so immer weiter ins Landesinnere rein. Die Energie bezieht der Roboter von der Sonne. Das ist bis jetzt nur eine Vorstellung, aber theoretisch wäre es möglich. Ich träume schon davon, mir ein Stückchen Wüste zu kaufen.
Eine Lieblingserfindung habe ich nicht wirklich, die Aktuelle ist meistens auch meine liebste. Wenn ich an einer neuen Idee rumstudiere, kann ich fast nicht schlafen. Meine neue Strategie ist jetzt, dann alles mal aufzuschreiben. Dann kann ich bis am Morgen warten.