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Der Geist von Harmonie, Ehrfurcht, Reinheit und Stille
Die japanischen Künste wurden stark von buddhistischen, vor allem Zen-buddistischen, Idealen beeinflusst. Das vorgängig beschriebene Konzept von Riten und Musik findet ihre deutliche Ausprägung im japanischen Geist der Harmonie, Ehrfurcht, Reinheit und Stille. [13]
Die Harmonie manifestiert sich in verschiedener Weise. Innerhalb der Musik durch die Harmonie zwischen den einzelnen Tönen, ausserhalb der Musik durch die Harmonie zwischen Hörern und Ausführenden; dann die gegenseitige Harmonie innerhalb des Publikums einerseits und unter den Ausführenden andrerseits, bis zur Harmonie zwischen Mensch und Natur.
Beruht viele westliche Musik auf Kontrastwirkungen (Dissonanz-Konsonanz/ Melodieverlauf/ Harmonie/ Rhythmus / Tutti-Solo etc.), so wird in der japanischen Musik die Balance, die Ausgeglichenheit im Geiste der Harmonie gesucht.
In allen Künsten ist der Geist der Ehrfurcht ein zentraler Gedanke. Diese Ehrfurcht äussert sich zum Beispiel in der Art, wie in einem Ensemble zusammen gespielt wird. Es ist äusserst wichtig, dass die Rangstufen der Spieler eingehalten wird, so dass nicht ein niedriger Spieler oder ein Schüler sich vor einem höheren Spieler oder seinem Meister hervortut. Eine Bescheidenheit, hinter einen guten Spieler zurückzutreten, gilt als höchst tugendhaft. Zudem werden auch die Instrumente in hohen Ehren gehalten, besonders wenn sie von einem bedeutenden Meister gebaut oder gespielt wurden.
Die Musik selbst wird geehrt, da sie, nach alter japanischer Ansicht, nicht von Menschen gemacht, sondern von Göttern oder der Natur gegeben wurde. Die religiöse Musik ist für die Gottheit bestimmt, nicht für den Menschen. „Ehrfurchtsvolle Melodien und feierliche Harmoniein tragen zwar sicherlich dazu bei, die in der Kirche versammelten Menschen in eine religöse Stimmung zu versetzen und die Herzen Gottes und der Menschen einander anzunähern, aber schliesslich und endlich ist es stets eine Musik, die sich an den Menschen wendet, und keinesfall eine Musik, die direkt dem Gott als Opfer dargebract wird...... Gott nochmals in eine göttliche Stimmung versetzen zu wollen, hat keinen Sinn....Die Menschen müssen sich mit Hilfe von ernsthafter Musik bis zur Gottheit erheben, aber warum sollte wohl für die Gottheit die Notwendigkeit bestehen, sich zu Gott zu erheben?“ [14]. So ist folgerichtig die Musik für die Götter in Japan eher komischen und leicheren Charakters, die für die Menschen gedachte eher ernst.
Der Gedanke der Reinheit äussert sich z.B. in der Art, wie ein Instrument gespielt wird, in der Form des Auftretens und des Verhaltens. In der japanischen Musik ist es wichtig, dass optische Schönheit, durch eine korrekte Haltung, angemessene Kleidung, ruhigen Gesichtsausdruck und Vermeidung von unnötigen Körperbewegungen und akustische Schönheit sich zu einer Einheit verbinden. Dazu kommt eine Anforderung an die Musik, das Herz klarzuspülen, d.h. sie kann dadurch nicht dissonant, disharmonisch, zu effektvoll oder zu laut sein.
Die Stille hat musikalisch zwei Bedeutungen. Die eine bezieht sich auf die Zeit, die Langsamkeit des Tempos, die zweite auf den Raum, eine geringe Lautstärke. Insbesondere in der Musik der Shakuhachi sind diese beiden Aspekte deutlich zu bemerken. Die Musik wird äusserst langsam und mit bis zu verhauchendem Klang gespielt. In dieser Musik wird für viele Hörer eine Stille in der Musik erfahrbar.
Der Klangfarbe der Instrumente wird in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zugemessen. Wie schon erwähnt, werden viele Instrumente so gebaut, dass sie einen geräuschhaften Anteil im Klang ermöglichen, welcher äußerst differenziert eingesetzt wird. Die Luftgeräusche der Shakuhachi, das Schnarren des Biwa oder des Shamisen, die Unausgeglichenheit des Koto haben finden ihre Erklärung darin, dass Trauer (aware), geheimnisvolle Tiefe (yûgen), tiefe innere Einsamkeit (sabi) und verfeinerte Herbheit (shibumi) .als stille Empfindungen durch diese feinen Klangnuancen angeregt werden können.
Als abschliessender Begriff soll noch "Schlichtheit" erwähnt werden. Wie in japanischer Teekeramik haben Musik und Musikinstrumente, welche eine sehr schwer in Worten zu fassende natürliche Unperfektheit haben, grossen Wert. Diese "fehlerhafte Schönheit", diese Einfachheit wird als natürliche Schönheit und als hoher moralischer Wert angesehen.