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June 2, 2011 / erstellt am: June 2, 2011

Weiterbildung, HKB, Interpretation, Illustration, Plakat / Bewertung: 9
Hello Stranger - eine Auseinandersetzung mit dem Fremden
Mich interessieren einerseits die Idee und andererseits die plakative Umsetzung. Oft wird «plakativ» als banal oder unsensibel interpretiert. Ich verstehe jedoch unter «plakativ» einfache Formen und Farben, die auf das Wesentliche reduziert die beabsichtigte Idee sofort erkennbar werden lässt. Dies bedeutet nicht, dass die Betrachtenden nicht zum Nachdenken aufgefordert sind.
Auf einen Blick soll die Idee und somit die Aussage verstanden werden, was ich als gelungene visuelle Kommunikation betrachte. Im Idealfall ist die Idee einfach aber raffiniert ohne banal oder abgedroschen zu wirken, was nicht alle gleich empfinden. Mich interessieren keine Ideen, die lange erklärt werden müssen. Dennoch habe ich ergänzend meine Gedanken zu den acht Umsetzungen zum Thema «Hello Stranger» aufgeschrieben, die aber nicht erklärend sein sollen, sondern meine persönliche Interpretation darstellen. Auch andere Interpretationen sind möglich.
Bei meiner Auseinandersetzung mit dem Fremden im zweiten Semester an der HKB bei Stephan Bundi, wollte ich möglichst nahe beim Titel «Hello Stranger» bleiben. Auf Verfremdungen als Thema habe ich verzichtet und mich auf Begegnungen mit dem Fremden beschränkt. Je nach dem wie frei man das Thema interpretiert, sind viele Umsetzungen möglich.
1 | Bei dieser Umsetzung definiere ich das Fremde als das Andere. Alle sind gleich, nur einer ist anders und wird dadurch angefeindet. Das ausserirdische Lebewesen steht etwas trivial für das Fremde, wobei die anderen Figuren nicht weniger ausserirdisch aussehen. Durch ihre Überzahl definieren sie aber die Norm und grenzen somit das Andere aus.
2 | Der Blick in den Spiegel zeigt uns manchmal ein unerwartet fremdes Bild. In diesem Fall bezieht sich das «Hello Stranger» aber eher auf den Spiegelbetrachter, der sein Spiegelbild schöner wahrnimmt, als es tatsächlich ist. Es kann sich aber auch an uns als Betrachter richten, weil wir den Spiegelbetrachter als fremd taxieren, nur weil er mit sich und seiner Erscheinung im Reinen zu sein scheint.
3 | Trotz Ultraschallaufnahmen und Fruchtwasseruntersuchungen weiss die schwangere Frau vor der Geburt nicht, wen genau sie erwartet, weil es bei diesen Untersuchungen lediglich um Früherkennung von Krankheiten geht. Das Kind im Bauch einer schwangeren Frau bleibt fremd. Das Kennenlernen nach der Geburt ist ein langer Prozess und eine Auseinandersetzung mit dem Fremden, die wohl nie ganz abgeschlossen ist.
4 | Manchmal gibt es gute Gründe sich über den eigenen Schatten zu erschrecken. Der Schatten steht für das Unbekannte, das Unbewusste, das Fremde in uns. Auch wenn ich meine, mich selber gut zu kennen, gibt es immer wieder Situationen, die neue, fremde Eigenschaften, Gedanken oder Reaktionen hervorrufen.
5 | Wenn Neues entsteht, ist dies eine Begegnung mit dem Fremden. Wirklich Neues war vor der Entstehung unbekannt und erst durch das Kennenlernen verschwindet der Eindruck des Fremden allmählich. Es bleibt offen, wie wir mit dem Fremden umgehen. Sind wir bereit es kennenzulernen, oder haben wir Angst davor und lehnen es ab?
6 | Ein Tauchgang ins Unbekannte kann Unerwartetes offenbaren. Es sei dahingestellt was fremdartiger wirkt, die Taucherin in ihrem Neoprenanzug oder das von ihr mit Schrecken Gesehene.
7 | Die begrüssenden Worte «Hello Stranger» weichen in diesem Fall wohl eher einem Schrei des Entsetzens. Die Begegnung mit dem Fremden wird durch die unerwartete Kombination verstärkt.
8 | Spuren des Fremden. Leichtes Unbehagen macht sich bemerkbar beim Entdecken dieser fremden Spuren. Es war gross, kräftig und demzufolge gefährlich, was sich da im Swimmingpool abkühlte.