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Lieber Herr Ramspeck Eine zweiteilige Dokumentation des Schweizer Fernsehens widmete sich dem «Generationswechsel in der Chefetage». Wenn die Jungen erwachsen werden und die Alten vom Sessel schieben ... Es tat mir weh, den Älteren beim Kistenpacken weinen zu sehen. Und es amüsierte mich, die überspielte Überforderung des Jungen zu beobachten. Erinnern Sie sich an das erste Mal, wo Sie einen jüngeren Chef hatten? Oder: Als Sie als Chef jünger als einige Ihrer Arbeitnehmer waren?
Liebe Joëlle
Nominell verbrachte ich knapp die Hälfte meines Berufslebens in einer sogenannten Chefposition – aber auch als Chef hat man meistens immer noch einen höheren solchen über sich. Ich empfand mich deshalb nie als Herr über Untergebene, sondern als eine Art hierarchische Durchlaufstation. Zumal ich wiederum Chefs unter mir hatte, in meinem Fall Ressortleiter, von denen ich oft den Eindruck hatte, sie sind mächtiger als ich. Selbstverständlich stärkte der Titel mein Ego und meine Lohntüte; er hätte auch, sofern ich mir eine besorgt hätte, meine Visitenkarte geziert. Ob ein mir Über- oder Untergeordneter älter oder jünger war als ich, ist für mich nie ein Problem gewesen. Ausser, als einmal der mir Vorgesetzte so alt war, dass er hätte mein Sohn sein können. Da musste ich auf der Hut sein, ihn nicht durch meinen Erfahrungsvorsprung zu verärgern. Am Tag, an dem ich meinen letzten Chefposten verlor, habe ich nicht geweint, sondern tief aufgeatmet: Es war mir eine Last genommen. Ich durfte wieder ein gewöhnlicher Mitarbeiter sein und meinen Chefs ein fundiertes Verständnis für ihre Lage entgegenbringen. Wir stecken alle in der Mühle. Glücklich, wer sein Herz nicht an eine geliehene Würde hängt.