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17. Februar 2006: Weil die Amerikanerin Lindsey Jacobellis beim zweitletzten Sprung eine Showeinlage zeigt und stürzt, wird sie von Tanja Frieden noch überholt. Die Schweiz jubelt über unverhofftes Gold.
Alles ist klar im Finallauf des olympischen Snowboardcross-Wettkampfs der Frauen in Turin. Lindsey Jacobellis fährt vom Start weg an der Spitze, während sich die Fahrerinnen hinter ihr um die Medaillen rangeln und eine um die andere Terrain einbüsst. Jacobellis vor Tanja Frieden und Dominique Maltais wird die Reihenfolge auch im Ziel sein, daran zweifelt niemand mehr. Silber für die Schweiz, super!
Aber es kommt der Moment, der von den Winterspielen in Turin am meisten haften bleibt. Beim zweitletzten Sprung greift Jacobellis mit der Hand ans Brett, zeigt den Fans eine Showeinlage – einen Backside Air – und verkantet bei der Landung.
Lindsey Jacobellis rappelt sich zwar sofort wieder auf. Doch das Tempo ist nach dem Sturz weg. Tanja Frieden rast heran, Frieden rast vorbei, Frieden übersteht den letzten Sprung sicher – Frieden ist Olympiasiegerin!
Während Tanja Frieden im Ziel überschwänglich jubelt und später im Interview mit dem Schweizer Fernsehen den Begriff «Plämpu» prägt, ist Jacobellis am Boden zerstört. Die Ausrede, ihr Griff ans Brett sei zur Stabilisierung des Sprunges notwendig gewesen, nimmt ihr niemand ab. Mit etwas Abstand gibt die Amerikanerin dann auch zu, dass die Showeinlage unnötig gewesen sei.
2010 unternimmt Jacobellis in Vancouver den zweiten Versuch, ihre grossartige Karriere mit Olympiagold zu veredeln. Doch die neunfache X-Games-Siegerin und fünffache Weltmeisterin scheitert im Halbfinal. Sie weicht einer gestürzten Konkurrentin aus, verpasst ein Tor und wird deshalb disqualifiziert und bloss Fünfte.
Im Dezember 2013 gibt sie nach mehreren Knieoperationen ihr Comeback. Jacobellis qualifiziert sich für Sotschi 2014, zählt zum Favoritenkreis auf Gold. Zu recht, wie sich zeigt: Souverän qualifiziert sie sich für den Halbfinal, den sie bis zur Rennhälfte mit grossem Vorsprung anführt. Doch dann stürzt die Amerikanerin in einer Rechtskurve. Ohne gegnerische Einwirkung, ohne Showeinlage. Gold ist wieder weg. Den kleinen Final um Rang 6 gewinnt Jacobellis dann überlegen.
Auch 2018 wird sie den Titel nicht gewinnen können. Jacobellis erreicht zwar das Finale, landet dort aber auf dem unglücklichen vierten Rang. Ob sie als dann 36-Jährige auch 2022 nochmals dabei sein wird?
Überraschungs-Olympiasiegerin Tanja Frieden ist schon längst nicht mehr aktiv. Kurz vor den Spielen von Vancouver musste sie 2010 den Rücktritt bekannt geben. Bei einem schweren Sturz hatte sie sich beide Achillessehnen gerissen.
Heute gibt die Berner Oberländerin ihr Wissen als Mentaltrainerin an andere Sportler weiter. Zudem gelingt es ihr erfolgreich, den Turiner «Goldplämpu» bis heute zu versilbern: Sie ist Botschafterin mehrerer Marken, hält Referate und moderiert Anlässe.
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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26. Februar 2002: Auch die B-Probe überführt Langläufer Johan Mühlegg als Doper. Er stampft an den Olympischen Spielen in Salt Lake City alle in den Boden, wird dreifacher Olympiasieger – und lebt heute nach dem tiefen Fall als Immobilienhändler in Brasilien.
Er ist der «Allgäu-Torero», gefeiert für seine Goldmedaillen. «Der verlorene Sohn», titelt der Spiegel, denn Johan Mühlegg gewinnt nicht für Deutschland. In Salt Lake City tritt der Langläufer 2002 nach einem heftigen Krach mit Trainern und Funktionären für Spanien an. «Weil Deutschland diesen komplizierten Mann nicht ertragen konnte», ärgert sich die Zeitschrift.
Einige Tage später dürften die Deutschen froh darüber sein, dass Mühlegg nicht mehr ihr Problem ist. Denn was viele …