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Erscheinungsort: Astrea
Erscheinungsdatum: Dezember 2003
Fieber – das reinigende Feuer
Was das Barometer für den Meteorologen, das ist das Thermometer für den Mediziner. Künden tiefe Luftdruckwerte baldigen Regen an, so zeigt eine erhöhte Temperatur ein Krankheitsgeschehen im Körper. Doch Fieber ist nicht nur ein Signal, es kann auch die Heilung beschleunigen.
Stefan Müller
Dass Fieber eine nützliche Funktion des Körpers ist, wussten schon die alten Griechen. So sagte der Philosoph Parmenides im Jahr 500 vor Christus: „Gebt mir Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile alle Krankheiten.“ Tatsächlich ist Fieber eine sinnvolle Reaktion des Körpers, „ein reinigendes Feuer“, wie andere Quellen sagen. Bei „Störungen“ im Körper wehrt sich dieser, vom Hirn gesteuert, mit der Erhöhung der Körpertemperatur. Fieber beschleunigt den Stoffwechsel und damit auch die Entgiftung, ausserdem wirkt es stimulierend auf das Immunsystem. Bei einem gesunden Menschen misst die Körpertemperatur früh morgens zirka 36,5 Grad. Im Verlauf des Tages steigt sie dann um 0,7 bis 1 Grad an. Bei der Frau erhöht sich die Temperatur um die Zeit des Eisprunges um etwa 0,5 Grad, was wichtig für die Verhütungsplanung ist.
Fieber ernst nehmen
Weil die Ursachen des Fiebers so verschiedenartig sind, gilt es, dieses ernst zu nehmen. Fieber kann durch bakterielle oder virale Infektionen ausgelöst werden: Erkältungen, Grippe, Wundinfektionen oder eine Tropenkrankheit, die man mit nach Hause gebracht hat. Fieber verursachen aber auch bestimmte Medikamente, Nachwirkungen von Operationen oder Tumore. Fieber kann bei Erkältungen zur Heilung beitragen, bei ernsthaften Infektionen sollte es aber auch als Aufforderung verstanden werden, die Infektion medizinisch zu behandeln.
Fieber ist nicht gleich Fieber. Es gibt drei verschiedene Arten: leicht erhöhtes, mässiges und hohes Fieber. Man spricht von „leicht erhöht“ oder „Temperatur“ bei Werten unter 38° Grad, von „mässigem Fieber“ bei Werten bis 39 Grad und von „hohem Fieber“, wenn das Thermometer über 39 Grad klettert.
Jeder Mensch reagiert anders auf Fieber. Die einen fühlen sich schon sehr krank bei niedrigen Temperaturen, Kinder können dagegen gar bei 39 Grad noch rumspringen. Symptome wie ein heisser Kopf, Schüttelfrost, das Gefühl von zerschlagenen Gliedern, Schlafbedürfnis, allgemeines Unwohlsein deuten auf Fieber hin. Klarheit verschafft allerdings erst eine Messung. Doch wo misst man am besten? Im After, im Mund (unter der Zunge), im Ohr, auf der Stirn oder unter den Achseln? Die sichersten Messmethoden sind nach wie vor die altbewährten im After und unter der Zunge, entweder mit einem digitalen oder einem analogen Fiebermesser.
Das Fieber senken?
Weil Fieber eine wichtige Bedeutung bei der Krankheitsabwehr hat, sollte man sich mit Fieber ins Bett legen und dem Körper Ruhe gönnen. Wenn Fieber den Allgemeinzustand aber beeinträchtigt, oder wenn es auf hohe Werte klettert, kann es mit verschiedenen Massnahmen gesenkt werden. Senken Sie Fieber jedoch erst über 38 Grad. Langsames Senken der Temperatur entlastet den Kreislauf und bringt allgemeine Erleichterung.
- Synthetische Medikamente senken das Fieber zuverlässig. Verwendet werden die Substanzen Paracetamol (Kinder: Zäpfchen, Erwachsene: Tablette oder Brausetablette) oder Acetylsalicylsäure. Wichtig ist die richtige Dosierung, denn die unterscheidet sich ja nach Alter und Körpergewicht.
- Homöopathische Mittel sind sehr gut verträglich. Sie werden je nach Begleitsymptomen ausgewählt. Wichtig ist beispielsweise, ob der Patient neben dem Fieber sehr durstig ist oder ob er berührungsempfindlich ist und einen roten Kopf hat. Häufig setzt man ein Aconitum, Belladonna, Kamille (z.B. als Kinderzäpfchen), Aconitum und China.
- Essigsocken und -wickel an der Wade senken das Fieber besonders schonend. Die Methode ist aber betreuungsintensiv, denn die Wickel müssen regelmässig erneuert und das Fieber darf nur langsam gesenkt werden (während 1/2 bis 1 Stunde). Der Patient sollte dabei nicht kalt bekommen. Ein ausführliche Anleitung finden Sie im Buch "Wohltuende Wickel" von Maya Thüler und Hans-Peter Häderli (Worb 2003, 110 Seiten, 35.00 Franken).
- Fieberpatienten und -patientinnen sind dazu angehalten, viel zu trinken und auch den Salzverlust durch das Schwitzen auszugleichen. (Erwachsene: Bouillon, Kinder: spezielle salzhaltige Getränke).
Kasten
Fieber anders gesehen
Dass Fieber eine nützliche Körperfunktion ist, bestreitet niemand. Die anthroposophische Medizin (begründet von Rudolf Steiner) geht aber noch einen Schritt weiter. Sie findet Fieber gut, weil es den Heilungsprozess beschleunigt und will es deshalb möglichst nicht unterdrücken - ausser wenn es lebensbedrohend wird. Sie setzt es sogar mit der Fiebertherapie – künstlich erzeugtes Fieber – gezielt gegen verschiedene chronische Krankheiten ein.