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Seit die ursprünglich aus China stammende Edelkastanien-Gallwespe 2009 erstmals im Südtessin beobachtet wurde, hat sie alle Kastaniengebiete der Südschweiz besiedelt, ausgenommen das Maggiatal und das Puschlav. Von der Gallwespe befallene Edelkastanien zeigen eine starke Gallenbildung an Trieben, Blättern und Blüten. Ausserdem kann es bei einem Befall bei der Kastanienproduktion zu Ausfälle bis zu 75% kommen.
Forscher der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) konnten nun einige interessante Details über diese Art ans Licht bringen. Die Gallwespen befallen vor allem die unteren und schattigen Bereiche der Bäume und weniger die Baumkronen. Nach einem raschen Wachstum und starkem Befall während der ersten drei Jahre, scheint die Populationsdichte der Gallwespe anschliessend wieder leicht nachzulassen. So konnte in den Gebieten, in denen das Insekt vor fünf Jahren erstmals auftrat, eine deutliche Abnahme bei der Produktion neuer Gallen und der Anzahl von Larvenkammern pro Galle beobachtet werden. Laut einem Bericht der WSL ist die Edelkastanien-Gallwespe jedoch sehr hartnäckig und breitet sich mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 25 km pro Jahr aus. Über die Wirksamkeit von Bekämpfungsmassnahmen liegen in Europa erst wenige Erfahrungen vor. Mechanische und chemische Massnahmen konnten die weitere Ausbreitung der Gallwespe bisher nicht wirklich verhindern. Scheinbar wehrt sich die Natur aber gegen die Eindringlinge. Aufgrund von einheimischen Feinden (Parasitoide, Pilze) und verschiedenen Umweltfaktoren, sind bis zu ein Drittel der Gallwespenlarven nicht dazu in der Lage, sich vollständig zu entwickeln. Hinzu kommt, dass die Kastanienbäume ab dem dritten Jahr nach dem ersten Befall, mit neuen Ersatztrieben versuchen, einen Teil der durch den Befall verloren gegangenen Blattfläche zu kompensieren.
Die Edelkastanien-Gallwespe ist noch nicht sehr lange in der Schweiz. Aus diesem Grund ist es noch relativ schwer, die zukünftigen Auswirkungen dieses Baumschädlings und die Wechselwirkungen zwischen Schädling und einheimischen Feinden (Parasitoide, Pilze) richtig abzuschätzen. Es könnte sein, dass die kritische Phase für die Edelkastanien jeweils drei Jahre nach dem Erstbefall vorüber ist. Möglich wäre aber auch, dass sich die Seuche zyklisch weiterentwickeln wird. Um die Entwicklung wirklich verstehen zu können, ist laut Forschern des WSL ein langfristiges Beobachtungsprogamm nötig.
Bild: Eigentum der WSL