Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03412.jsonl.gz/975

Die neue Omikron-Variante des Coronavirus sorgt derzeit weltweit für Aufruhr. Sie verbreitet sich so rasant, dass viele Regierungen sich gezwungen sehen, wieder schärfere Massnahmen einzuführen. Bis zum Lockdown.
Neue Studien aus Grossbritannien könnten der Unsicherheit nun etwas entgegenwirken. Die Erhebungen haben ergeben, dass Omikron im Vergleich zu Delta seltener zu Hospitalisierungen führt. Zu diesem Ergebnis kommen auch erste Studien aus Südafrika. Experten warnen allerdings vor überzogenem Optimismus.
Die beiden Studien aus Grossbritannien sind noch nicht Peer-reviewt, sie wurden also bislang nicht von unabhängiger Seite begutachtet.
Die erste Studie aus England kam zum Schluss, dass die Zahl jedweder Krankenhausaufenthalte bei Omikron im Vergleich zu Delta um 20 bis 25 Prozent zurückging. Bei Spitalaufenthalten, die länger als eine Nacht dauerten, reduzierte sich die Zahl gar um 40 bis 45 Prozent.
Die zweite Studie stammt aus Schottland und kam zu leicht anderen Ergebnissen. Die Forscher untersuchten Covid-Fälle der letzten beiden Monate und verglichen dabei Infektionen mit Omikron zu jenen mit Delta. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Risiko einer Spitaleinweisung mit Omikron um zwei Drittel geringer ist als bei Delta. Weiter stellten sie fest, dass die Booster-Impfung einen erheblichen zusätzlichen Schutz vor symptomatischen Erkrankungen bietet.
Das Datensample der schottischen Studie war allerdings klein. Weiter wurden keine Personen unter 60 Jahren ins Krankenhaus eingeliefert und es wurden nur Krankenhausaufenthalte von mindestens einer Nacht untersucht. Dies könnte die Diskrepanz zu der englischen Studie teilweise erklären.
Davon abgesehen mehren sich die Beobachtungen, wonach Omikron für mildere Verläufe sorgt. Das ist einerseits beruhigend, andererseits sollte es nicht zur Verharmlosung von Omikron führen. Azra Ghani vom Imperial College London, die die englische Studie mitverfasst hat, relativierte die Ergebnisse ihrer Untersuchung deswegen: «Das verringerte Risiko einer Krankenhauseinweisung bei der Omikron-Variante ist zwar beruhigend, aber das Infektionsrisiko bleibt extrem hoch.»
Es ist das Paradoxon von milderen, aber ansteckenderen Viren: Nimmt man an, Omikron wäre doppelt so ansteckend wie Delta, würde aber nur halb so oft zu Hospitalisierungen führen, dann gäbe es noch immer viel mehr Kranke als vorher. Der Grund: Das Mehr an Infektionen wirkt sich exponentiell auf die Fallzahlen aus, das Weniger an schweren Erkrankungen aber nur linear.
Penny Ward, Professorin für pharmazeutische Medizin am King's College London, ist derselben Ansicht: «Es ist eine Tatsache, dass selbst ein kleiner Anteil von Menschen, die wegen Covid im Krankenhaus behandelt werden müssen, zu einer sehr grossen Zahl werden kann, wenn die Zahl der Ansteckungen in der Bevölkerung weiter ansteigt.»
Zudem ist noch immer nicht geklärt, weswegen Omikron eine höhere Virulenz aufweist. Experten wie der Basler Infektiologe Richard Neher gehen davon aus, dass sich aufgrund der Immunflucht bis anhin vor allem Menschen mit Antikörpern angesteckt haben. Dementsprechend würden die milden Verläufe nur bedingt etwas über Omikron selbst aussagen, sondern eher, dass die Impfung nach wie vor schwere Verläufe verhindert.
Die Vorwürfe sind heftig. Im deutschen Magazin «Der Spiegel» beschreibt die Journalistin Anuschka Roshani, wie sie über viele Jahre im «Magazin» der Tamedia-Zeitungen vom Chefredaktor Finn Canonica gemobbt, herabgesetzt und belästigt worden sei.