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Gibt es ihn noch, den amerikanischen Traum? Ja, und er hat einen Namen: Julie Sweet.
Eine Träumerin ist die Chefin von Accenture aber nicht. Sondern eine Frau, die ohne goldenen Löffel im Mund zur Welt kam. Die Kalifornierin wurde 1967 als Julie Spellman in eine einfache US-amerikanische Familie hineingeboren. Der Vater Autolackierer, die Mutter Kosmetikerin.
Weit herum in der grossen Welt kamen die Spellmans nie. Ein paar Trips in die Nachbarländer Kanada und Mexiko waren das höchste der Gefühle. Etwas anderes zählte mehr: lebenslanges Lernen. Was Klein-Julie spätestens merkte, als ihre Mutter noch einmal an die Universität ging.
Julie Sweets eigener beruflicher Weg begann 1992 in einer New Yorker Anwaltskanzlei und führte sie 2010 zu Accenture. Gestartet war sie dort als Compliance-Chefin, rückte dann zur Nordamerika-Chefin auf und steht seit 2019 an der Spitze der amerikanisch-irischen Unternehmens- und Strategieberatungsfirma. Wenn «Forbes» die «mächtigsten Frauen der Welt» auflistet, belegt Sweet stets einen Spitzenplatz. Die Karriere hat sich für die Vorzeigemanagerin, verheiratet mit Ex-Investmentbanker Chad Sweet, ausbezahlt. Gemäss der US-Analysefirma Equilar galt die Accenture-Chefin 2022 mit Bezügen von 33,7 Millionen Dollar als bestbezahlte weibliche CEO der USA.
Say Tech
Sweet setzt stark auf Technologie. Sie sieht drei grosse Treiber und fasst sie als «Triple A» zusammen: Automation, Analytics (grosse Datenanalysen) und AI (Artificial Intelligence, künstliche Intelligenz).
Say Ni hao
Während ihres Studiums legte die angehende Juristin ein Jahr in Taiwan ein, um Chinesisch zu lernen. Beim Aufenthalt in Übersee, sagte Sweet später, habe sie nicht nur Mandarin gelernt, sondern auch, offener für Risiken zu sein.
Say No
Als She-Boss eines Unternehmens mit über 700'000 Angestellten könnte Sweet rund um die Uhr an der Arbeit sein. Das will sie aber nicht. Zeit für ihre beiden Töchter sei ihr sehr wichtig, sagte sie in einem Talk mit der Lausanner Kaderschmiede IMD. Ihr Rezept: Prioritäten setzen. «Die Fähigkeit, Nein zu sagen, ist sehr wichtig.»
Julie Sweet ist eines der süssesten Beispiele für das uramerikanische Motto «Wenn du nur willst, kannst du alles erreichen». Ergänzt mit dem Willen des lebenslangen Lernens, so wie es ihre Mutter vorgemacht hatte. Kürzlich verordnete Sweet Accenture eine gewaltige Lernkurve: Das Unternehmen investiert 3 Milliarden Dollar in das Thema künstliche Intelligenz (KI) und will dazu sein KI-Team auf 80'000 Köpfe verdoppeln. Die Chefin träumt gross. Accenture soll zum Powerhouse der AI-Beratung werden.
Dieser Artikel ist im Millionär, dem Magazin der Handelszeitung, erschienen (Oktober 2023).