Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03472.jsonl.gz/121

Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts
Daten der letzten Jahre, welche Ansätze über die Entstehung von ASD liefern, haben eine Untergruppe von inhibitorischen Neuronen identifiziert, die das kalziumbindende Protein Parvalbumin (PV) exprimieren, nachfolgend Pvalb-Neurone genannt. In vielen validierten ASD-Mausmodellen ist die Funktion der Pvalb-Neuronen beeinträchtigt, so dass diese Neuronen einen Konvergenzpunkt für ASD darstellen könnten. Unsere Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass bereits das Fehlen/Herunterregulieren von PV ausreicht, um ASD-ähnliche Symptome bei Mäusen hervorzurufen, einschließlich der ASD-Kernsymptome. Die meisten dieser Befunde wurden in Mäusen mit fehlender (PV-/-) oder reduzierter (PV+/-) PV-Expression erhoben. Im vorliegenden Projekt werden wir das Konzept weiterverfolgen, dass die PV-Herunterregulierung ein Konvergenzpunkt in ASD-Mausmodellen oder möglicherweise auch bei Schizophrenie-Mausmodellen darstellen könnte. Das Herunterregulieren von PV in Zellen führt in bisher allen untersuchten Fällen zu einer Zunahme des mitochondriellen Volumens und wahrscheinlich zu einer Zunahme der Mitochondrien-Funktion als Speicher für Kalzium-Ionen. Erhöhter oxidativer Stress (ROS-Produktion) mit einer bevorzugten Selektivität in Pvalb-Neuronen wird als kausaler Effekt bei Schizophrenie diskutiert, welcher dann die Funktion der Pvalb-Neurone beeinträchtigt und so zu schizophrenem Verhalten führen könnte. Zwei zentrale Hypothesen werden in diesem Projekt experimentell untersucht: I) Ist das Herunterregulieren von PV ein gemeinsamer konvergenter Weg in einigen Formen von ASD, welcher zum ASD-Phänotyp führt? II) Führt der Anstieg des mitochondriellen Volumens, welcher mit dem Rückgang der PV-Expression einhergeht, zu einer erhöhten ROS-Produktion? Geschieht dies auch in Neuronen in Schizophrenie-Mausmodellen? Im positiven Fall könnte dies eine Verbindung zwischen gemeinsamen Komorbiditäten bei ASD und Schizophrenie herstellen.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts
Über die Ätiologie von ASD (und Schizophrenie) ist noch immer recht wenig bekannt. Wir gehen davon aus, dass kongruente Daten, welche aus ASD-Mausmodel-Experimenten stammen (in vitro und in vivo), zusammen mit neuen Daten aus externen humanen ASD-Studien, das Verständnis über die Rolle von PV bei ASD erweitern werden. Diese Kenntnisse ermöglichen einen weiteren Schritt zur Formulierung und möglicherweise zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien für ASD-Patienten.