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Bericht über die Arbeiten am Rhonegletscher im Jahr 1881
Prof. Dr. L. Rütimeyer ( Section Basel ).
Bericht über die Arbeiten am Rhonegletscher im Jahr 1881 Von Aus dem ausführlichen Bericht über die achte Campagne der Vermessungsarbeiten am Rhonegletscher, oder über die erste der sechs durch den Vertrag vom 16. August 1880 zwischen dem schweizerischen Militärdepartement und dem schweizerischen Alpenclub vereinbarten, den Herr Ingenieur L. Held zu Händen des Centralcomités des S.A.C. an Herrn Oberst Dumur, Chef des eidgenössischen topographischen Bureau, eingereicht hat, entnehmen wir zu Händen des Jahrbuches Folgendes:
Das Programm für 1881 bestand in folgenden Punkten:
1 ) Verificirung des Gletscherstandes laut Art. 2, c des Vertrages.
2 ) Eecognoscirungen und Erhebungen über den einzuschlagenden Gang der Arbeiten in den nächsten Jahren.
An der Arbeit betheiligten sich außer dem schon genannten leitenden Ingenieur noch die Herren Ingenieure Rosenmund aus Zürich und Lindenmann in Aarau, von welchen Letzterer schon unter Herrn Gösset einen Theil der Aufnahmen besorgt und bei den meisten Nachmessungen mitgewirkt hatte und daher mit der Aufgabe wohl vertraut war. Für Bureau-Arbeiten ferner Herr Ringier, Topograph, der ebenfalls unter Herrn Gösset beinahe sämmtliche Zeichnungen ausgeführt hatte und über Oertlichkeit und Material die genaueste Auskunft geben konnte. Als Hauptführer, und zwar zu voller Befriedigung des leitenden Ingenieurs, diente Andreas Sulzer von Guttannen. Die Untergehtüfen, Lattenträger u. s. f. fanden sich in Gletsch.
Auf dem Terrain selber dauerten die Arbeiten, unter nicht günstiger Witterung, vom 19. bis zum 28. August. Am Morgen des 27. August trat andauernder Regen ein, wodurch die Stationirung auf /S Sidelhorn vereitelt wurde. Am 28. fiel den ganzen Tag Schnee. Die Straße nach Unterwallis war unterbrochen, die Furkastraße wegen Schneewehen und Schneerutschungen nur mit großer Anstrengung passirbar. Auf dem oberen Gletscher war hiedurch alle weitere Arbeit mindestens für einige Zeit unmöglich geworden. Um so mehr konnten daher die über die Furka zurückreisenden Ingenieure sich freuen, daß durch Benutzung jeder verwendbaren Minute die ihnen gestellte Aufgabe doch in der Hauptsache erreicht war.
Da Punkt 2 des Programmes erst noch der Besprechung durch den Chef des topographischen Bureau und das vom Centralcomite des S.A.C. bestellte Gletschercollegium zu unterliegen hat, so mag, soweit einzelne aus der Beobachtungsreihe herausgenommene Jahresmessungen von Interesse sein können, aus dem umfassenden, zu späterer Gesammtberechnung bestimmten Zahlenmaterial über Punkt 1 Folgendes mitgetheilt werden.
Nachmessungen.
Mit dieser Aufgabe wurde gleichzeitig die Begehung der großen Mehrzahl der trigonometrischen Punkte verbunden. Obwohl die Stangen signale im Lauf der Jahre fast sämmtlich zerstört worden sind und auch einige Steinpyramiden jedes Jahr durch Lawinen weggerissen werden, so erwies sich doch der wichtigste Theil dieser trigonometrischen Documente, die Versicherungen, als sehr solid, so daß die Herstellung der Signale keine Schwierigkeiten macht.
Nivellement der vier Qnerproflle.
Unterer Gletscher.
a. Schwarzes Profil, 1796 m über Meer. Von diesem ursprünglich 474 m langen Profil liegen nur noch 162 m auf Eis. Mittlere vertikale Ablation seit 1880: 5,86 m, verhältnißmäßig weniger als in früheren Jahren, was sich wohl dadurch erklärt, daß die zu Tage getretene Grundmoräne nunmehr eine so dicke Schicht bildet, daß sie die Einwirkung von Luft und Sonnenwärme hemmt.
b. Grünes Profil, 1881 m über Meer. Seit 1874 hat sich die auf Eis liegende Strecke dieses Profils um 55 m verkürzt und beträgt nur noch 476 m. Mittlere Ablation seit 1880: 5,77 m.
Oberer Gletscher.
c. Gelbes Profil in 2421 m Höhe.Von jeher hat dieses Profil, und zwar wohl in Folge seiner Lage in einer Biegung des Thales und am Uebergang des oberen flachen Gletschers in den großen Eissturz, die größte Beweglichkeit gezeigt, so daß sich die successiven Jahresnivellements bald in dieser, bald in jener Weise kreuzen. Seit 1880 zeigt sich hier statt einer Ablation, wie auf den Übrigen Profilen, eine schwache Zunahme von 0,12 m im Mittel, obwohl die allgemeine Form des Profils sich seit 1874 nicht wesentlich verändert hat.
d. Rothes Profil, 2551 m. Seit 1874 das constanteste von allen. Seit 1880 eine mittlere Ablation von 0,51 m.
Aufnahme der Steinreihen.
Von der schwarzen Steinreihe liegen nur noch 130 m auf dem Gletscher. Aus den Bewegungen der noch nicht gestrandeten Nummernsteine dieser Reihe seit der letzten Aufnahme ergibt sich, daß die Strömung des Eises gegen das Gletscherende hin sehr rasch an Schnelligkeit verliert.
Von der grünen Reihe liegen noch 407™ mit zwölf Steinen auf dem Gletscher. Am rechten Rande desselben ist die Bewegung der einzelnen Steine in Folge der großen Unregelmäßigkeit der Gletscheroberfläche eine sehr unregelmäßige; auf der linken Seite entspricht dagegen die Bewegung der Steine derjenigen des Eises; der seit der letzten Aufnahme zurückgelegte Weg beträgt von 4—15 m.
Bericht über die » Arbeiten am Rhonegletscher. 31& Die gelbe Reihe, von welcher seit 1874 noch kein Stein gestrandet ist, ist in die stark zerklüftete Partie über dem großen Einsturz vorgerückt. Seit 1874 liegt das Bewegungsmaximum in dieser Reihe auf Nummer 26. Es beträgt seit der letzten Lesung 122 m, was einem Jahresfortschritt von 132 m entspricht.
Auch die rothe Steinreihe, die ebenfalls noch keinen Nummernstein verloren hat, ist theilweise in einer stark zerklüfteten Gletscherpartie angelangt. Maximalbewegung seit letztjähriger Messung: 109 m= 120 m Jahresbewegung, im Gegensatz zu 123 m, 102™, 103 m, 105 m, 94 m, 98 m in den Vorjahren 1880—1875.
Gletscherzunge.
In Folge von Schutz durch die Grundmoräne ist das Zurückweichen derselben im verflossenen Jahre unbedeutend. Seit 1880 sind 23150 ❑ m Gletscherboden bloßgelegt worden. Das Eisthor befindet sich gegenwärtig an der Stelle, wo Zmuttbach und Rhone sich unter dem Gletscher vereinigen. In Zukunft werden sich voraussichtlich zwei Eisthore — eines für jeden Strom — bilden.
Wie schon das Bisherige als einzelner Jahreswerth aus einer ausgedehnten Beobachtungsreihe sein volles Interesse erst bei größerem Ueberblick wird gewinnen können, so würde es einstweilen sogar unmöglich sein, über den zweiten Theil der für die Arbeit von 1881 aufgestellten Aufgabe, nämlich über die Recognoscirungen bezüglich des ferneren Ganges der Untersuchung, etwas Bestimmtes mitzutheilen, da dieselben nur noch zu Vorschlägen an das eidgenössische Militär- département und an das Centralcomite des S.A.C. führen konnten, in welcher Weise die Untersuchung innerhalb der Grenzen des bestehenden Vertrages und im Lichte der bisherigen Ergebnisse zum Abschluß zu führen sei. Im Allgemeinen enthalten diese mit Kostenanschlag innerhalb der durch den Vertrag gesicherten Mittel versehenen Vorschläge, die bisher noch nicht zur Discutirung gelangt sind, folgende Punkte: 1 ) Fortsetzung der bisherigen Controlmessungen, jedoch mit Reduction des Maßstabes für die graphische Darstellung auf dem oberen Gletscher von 1:1000 auf 1: 2000. 2 ) Anschluß der eidgenössischen Triangulation, von der Berner oder von der Urner Seite her, an die auf eine Basismessung bei Gletsch gestützte Detailtriangulation des Rhonegletschergebietes. 3 ) Vollendung der Aufnahme des oberen Gletschers, von dem bis jetzt nur die Ufer aufgenommen sind, in 1:5000 bis zu 500 m über dem rothen Profil. 4 ) Triangulirung des Firnbeckens und Aufnahme in 1:25000 nebst Nivellirung von ein Paar Profilen. 5 ) Verwendung bei dem eidgenössischen Baudepartement um Aufstellung von zwei Pegeln zur Messung der Wassermengen von Rhone und Zmuttbach, und bei der eidgenössischen meteorologischen Centralanstalt um Aufstellung von automatisch-elektrischen Apparaten zu meteorologischen Notirungen auf dem oberen Gletscher.