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Seit diesem Sommer ist in der Fussballmeisterschaft bei Punktegleichheit nicht mehr das Torverhältnis ausschlaggebend für die Platzierung, sondern die Punkte in der Fair-Play-Rangliste. Mannschaften mit wenig gelben und roten Karten sollen so belohnt werden. So lobenswert die Initiative des Freiburger Fussballverbands FFV auch sein mag, die Gewalt von den Freiburger Fussballplätzen hat sie nicht vertrieben.
Wie das Westschweizer Radio RTS berichtete, hat letzten Samstag auf dem Kunstrasenplatz des St. Leonhard ein Spieler des FC Freiburg IIa während des 4.-Liga-Spiels gegen den FC Villars-sur-Glâne II den Schiedsrichter attackiert. Die Polizei musste bei diesem Vorfall eingreifen und die Ambulanz musste sich auf den Platz begeben. Bereits in der Vorwoche hatte ein Spieler des FC Freiburg IIb–ein 4.-Liga-Team, das aus portugiesischen Amateur-Fussballern besteht–den Spielleiter körperlich angegriffen.
«Ich bekam es mit der Angst zu tun …»
Opfer des Angriffs vom letzten Samstag war Francis Horner, ein routinierter Schiedsrichter mit fünfzehn Jahren Erfahrung. «Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass ich einen guten Match gepfiffen habe, obwohl einige Spieler des FC Freiburg bei fast jeder meiner Entscheidungen protestiert haben und ihre Provokationen gegen mich im Verlauf des Spiels immer zahlreicher wurden.» In der Nachspielzeit artete die Partie aus. «Als ich ein Foul gegen den FC Freiburg pfiff, beschimpfte mich ein Spieler als ‹Hurensohn›. Logischerweise sah er dafür die rote Karte. Als ich da seinen Blick gesehen habe, wusste ich, dass gleich etwas passieren würde. Da bekam ich es mit der Angst zu tun. Der Spieler fiel über mich her, beide Hände zu Fäusten geballt. Ich bekam einen Schlag auf den Brustkorb. Ich fiel hin, konnte mich aber wieder aufrappeln. Sofort habe ich die Partie abgepfiffen. Als ich mich zu den Umkleidekabinen begab, wurde es mir auf einmal schlecht. Plötzlich fand ich mich auf dem Boden wieder, mit einem Herzflattern in der Brust. Ich hatte kein Gefühl mehr in den Händen. Die Polizei kam, auch die Ambulanz. Gegen Mitternacht konnte ich das Spital verlassen.»
Pierre-Yves Torche, Trainer von Villars-sur-Glâne II, bestätigt die Version von Schiedsrichter Horner. «Einige Spieler des gegnerischen Teams waren überreizt. Sie setzten den Schiedsrichter während des ganzen Abends unter Druck. Als der Schiedsrichter auf dem Weg zu den Kabinen zusammenbrach, schien er in einem Schockzustand zu sein. Der Masseur des FC Freiburg brachte ihn in die stabile Seitenlage. Alle Herumstehenden waren schockiert. Meine grösste Sorge war, dass alles in eine wüste Schlägerei ausarten könnte–umso mehr, als sich die Zuschauer einmischten und die Situation zusätzlich aufheizten. Wie konnten wir es in der 4. Liga nur so weit bringen?»
Eine andere Version
Der Trainer von Freiburg IIa, Gilberto Rebelo, hingegen versichert, dass der Schiedsrichter nicht geschlagen, sondern nur «auf der Höhe der Schultern gestossen wurde». Dennoch gibt er zu, dass sein Spieler eine «grosse Dummheit» begangen habe. «Dabei hatte ich anfangs Saison meiner Mannschaft klargemacht, dass ich keine Vorfälle auf dem Platz will. Es ist ein routinierter Spieler, der das gemacht hat. Ich weiss nicht, was in seinem Kopf vorgegangen ist. Umso mehr, als nur noch einige Sekunden zu spielen blieben und wir 2:1 führten.»
Am Montagnachmittag präsentierte sich der Gesundheitszustand von Francis Horner eher schlecht für einen, der nur «auf der Höhe der Schultern gestossen wurde». «Ich habe versucht zu arbeiten, aber ich hatte solche Rippenschmerzen, dass ich aufhören musste.» Zu den blauen Flecken am Körper kommen beim Schiedsrichter auch noch Wunden in der Seele dazu. «Ich weiss nicht, ob ich nach diesem Vorfall noch weiter als Schiedsrichter tätig sein werde. Im Moment stelle ich mir viele Fragen. Die einzige Person, die mich angerufen hat, um zu fragen, wie es mir geht, war der Präsident von Villars-sur-Glâne.»
Besagter Präsident hat zum Vorfall eine klare Meinung. «Ich habe genug von den Mannschaften, die in der Meisterschaft Chaos anrichten. Als Leiter eines Vereins erlebe ich jedes Jahr drei, vier solche Fälle. Generell ist es leider so, dass die ausgesprochenen Sanktionen zu wenig streng sind, um abzuschrecken.» vc/Lib/ms