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Toller Einstand!
Es ist immer wichtig, Neues kennen zu lernen. Manchmal ist es eine Enttäuschung, oft so lala und manchmal ein Highlight. Dann kann man später erzählen, dass man dabei war, als der noch wenig bekannte XY zum ersten Mal auftrat. So eine Abend war der 18. September 2012 im Volkshaus Basel. Wer da war, wird den Abend nicht so schnell vergessen.
Es war sein erster Auftritt in Europa, es wird aber bestimmt nicht sein letzter sein, darauf verwette ich mein Lieblings Vinylalbum. BluesNow! hatte Chris O'Leary für sein erstes Konzert in der Schweiz exklusiv verpflichtet, er kehrte anschliessend zurück in die USA.
Chris O'Leary stammt aus der Gegend von New York. Seine Karriere begann eher gemächlich. Nach der High School diente er sechs Jahre bei den Marines (Auch Vater und Grossvater waren schon Marines) und nahm am zweiten Golfkrieg teil . Anschliessend besuchte er das College und fing mit lokalen Auftritten an, sich in der Szene zu etablieren.
Ein befreundeter Fotograf erhielt eine Demo CD und legte Levon Helm vor. Dieser war von O'Leary so sehr beeindruckt, dass er ihn in seiner Hausband seines Club Levon Helm's Classic American Cafe in der Decatur Street in New Orleans haben wollte. Die Barnburners, so hiess die Hausband, traten auch nach der Schliessung des Clubs noch lange erfolgreich auf. Für Chris O'Leary war die Zeit in New Orleans ein zentrales Erlebnis. Hier wurde er mit allen Stilarten konfrontiert, die von den jeweils besten Interpreten vorgetragen wurden. Chris O'Leary erweiterte dabei seinen musikalischen Horizont und entwickelte sein Songwriting. 2007 gründete er seine eigene Band mit dem Bassisten der Barnburners, Frankie Ingrao, dem Gitarristen Chris Vitarello, ehemals Bruce Katz Band, sowie dem Schlagzeuger Sean McCarthy. Ergänzt wird die Gruppe durch Chris DiFranco, Baritonsaxophon und Andy Stahl, Tenorsaxophon, die auch als The World Famous Bonneville Horns bekannt sind,sowie der Sängerin Willa McCarthy.
2010 veröffentlichte die Band ihr erstes Album «Mr. Used To Be», mit den Gastmusikern Bob Margolin & Bruce Katz. Die CD wurde 2011 für den Blues Music Award als «Best New Artist Debut» nominiert. Abgesehen davon, dass sie grossartige Songs enthält, vermittelt sie einen Eindruck der Bandbreite der Gruppe. Die Titel sind fest im Blues verankert, lassen aber die Einflüsse die Chris O'Leary vor allem in New Orleans aufgesogen hat, deutlich hören. Publikum und Fachpresse waren sich einig und lobten das Album überschwenglich. Man konnte also gespannt sein, wie die Band bei ihrem ersten Eindruck gefallen würde.
Sie waren ohne Willa McCarthy gekommen und an Stelle von Sean McCarthy bediente Dave Gross das Schlagzeug, der auch die eben erst erschienene zweite CD «Waiting For The Phone To Ring» produziert hatte. Die Songs auf beiden CDs, sowie am Konzert stammen nahezu alle aus der Feder von Chris O'Leary, der damit seine Qualitäten als Songschreiber eindrücklich demonstriert.
Die Band macht den Eindruck einer gut aufeinander abgestimmten Gruppe und schnurrte wie ein Uhrwerk. Nach einer Zeit, bei der die meisten Bands gerade erst warmgelaufen sind, erntete diese Gruppe bereits begeisterten Applaus. Da ist zunächst Chris selbst, ein geborener Frontman, der mit einer lockeren Souveränität agiert und mit Band und Publikum umzugehen weiss. Sein kräftiger, ungekünstelter Gesang wird ergänzt durch einen fetten Harpsound. Seine Songs haben musikalischen Biss und interessante Inhalte, die auch zweideutig, witzig und ironisch sind (Satisfaction is in your hand im Song über Telefonsex, «377-9189» . Oder «King Of The Jungle», der sich anhört wie einer der Songs, die von einem gefährlichen Unterweltsboss à la Leroy Brown erzählen, dabei geht es um seinen fünfjährigen Sohn, dessen Zimmer mit hunderten von Stofftieren bevölkert war und deswegen wie ein Dschungel aussah.
Sein Gitarrist Chris Vitarello vereint technisches Können mit hoher Musikalität und liefert Gitarrenlinien, die gerade so komplex sind, dass es faszinieren, aber ohne Überschmäh. Typisch dafür sein Solo in «Blues Is a Woman». Frankie Ingrao geht mit seinem Stehbass abwechselnd wie mit einem Sparringpartner um , dann wieder wie mit einer Geliebten. Er demonstriert eindrücklich, wieso der grosse, akustische Bruder des Elektrobasses halt doch so viel sinnlicher wirkt. Davon abgesehen spielt Ingrao sein Instrument wuchtig, packend und mitreissend. Natürlich überzeugt er auch am Elektrobass.
Die beiden Bläser sorgen für den richtigen Motown Sound, wenn es angesagt ist, bringen die Mardi Gras Stimmung in «Tchoupitoulas» oder legen einen schwülen Hornteppich in den souligen Stücken. Oft gibt es herrliche Dialoge mit O'Learys Harpspiel oder Stimme. Der Schlagzeuger ist eher unauffällig, präzise und sorgte für einen sauberen Groove in jedem gespielten Song und versteht es, mit simplem, treibenden Beat ein Stück voranzutreiben, beherrscht aber auch die komplexeren Rhythmen des New Orleans Blues.
So lieferte die Band druckvollen Blues mit klaren Konturen und gekonnten Ausflügen in allen Spielarten. Funkiger New Orleans Sound ist ebenso zu hören, wie R&B oder der Sound der frühen Rock'n'Roll Aufnahme und wunderbar gespielten Chicagoblues. In einer Coverversion von «I Ain’t Gonna Do It» führt die Band vor, wie man Klassiker stilgerecht vom Staub der Zeit befreit und den ganzen Schwung des Songs ins Heute herüber bringt. Smiley Lewis hätte seine Freunde daran, die Zuhörer hielt es kaum noch auf den Sitzen. Mit Billy Boy Arnolds Hit «Wish You Would» brachte die Band wunderbaren Chicagoblues auf die Bretter. Sie lieferten an diesem Abend zwei makellose Sets ab und reihten Perle an Perle. Grossartig!