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Beim schweren Erdbeben in Mexiko sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden warnten vor einer Tsunami-Flutwelle, doch die Befürchtungen bestätigten sich glücklicherweise nicht.
Mitten in der Nacht werden rund 50 Millionen Mexikaner vom bisher stärksten gemessenen Erdbeben in der Geschichte des Landes erschüttert. Es gibt Dutzende Tote, rund 1,5 Millionen Menschen sind ohne Strom.
Das Erbeben der Stärke 8,2 forderte mehr als 30 Todesopfer. Dutzende Häuser stürzten ein. Das Beben ereignete sich im Pazifik, 137 Kilometer südwestlich von Tonalá im Bundesstaat Chiapas in 19 Kilometern Meerestiefe. Rund 50 Millionen Menschen spürten die heftigen Erdstösse, auch in der Hauptstadt Mexiko-Stadt, die rund tausend Kilometer entfernt liegt.
«Es ist das stärkste Erdbeben innerhalb eines Jahrhunderts», sagte Staatspräsident Enrique Peña Nieto. Für die Pazifikregion wurde eine Tsunamiwarnung ausgegeben. Das Seismologische Institut des Landes hatte zunächst eine Stärke von 8,4 ermittelt, später wurde diese auf 8,2 gesenkt. Beide Werte wären die bisher stärksten gemessenen Erdbebenwerte in Mexiko.
Juchitán schwer getroffen
Im Bundesstaat Tabasco starb ein Baby, weil ein Beatmungsgerät im Spital wegen eines Stromausfalls nicht mehr funktionierte, ein weiteres Kind wurde beim Einsturz einer Mauer getötet, wie der dortige Gouverneur Arturo Núñez mitteilte. Nach Angaben des Gouverneurs des Staates Oaxaca, Alejandro Murat, starben allein dort 23 Menschen. In Chiapas wurden bisher sieben Tote gefunden.
Am schlimmsten wurde die Stadt Juchitán im Bundesstaat Oaxaca getroffen, wo 17 Menschen starben. Dort stürzte auch ein Teil des Rathauses ein. Mehrere Einheiten der Streitkräfte wurden zur Hilfe und Vermisstensuche in die Katastrophenregion geschickt.
Es kam zu mindestens 42 Nachbeben, das stärkste mit einer Magnitude von 6,1. Peña Nieto sagte, es seien Nachbeben bis zu einer Stärke von 7,0 möglich. Er war umgehend zum Katastrophenzentrum gefahren.
«Gott, unser Herr, hat uns das Überleben geschenkt, das Beben war sehr, sehr stark», sagte die 70 Jahre alte Ricarda Jiménez Cordero der Nachrichtenagentur dpa. Sie wohnt in der besonders betroffenen Stadt San Cristóbal de las Casas in Chiapas und erlitt einen Schock. Chiapas liegt an der Grenze zu Guatemala im Südosten Mexikos. Auch in Guatemala war das Beben stark zu spüren und hatte dort eine Stärke von 7,7.
Tsunamiwarnung aufgehoben
Nach Angaben lokaler Medien stürzte in der Stadt Matías Romero im Bundesstaat Oaxaca ein Hotel ein. Auch aus anderen Städten wurden Bilder eingestürzter Gebäude und von Autos verbreitet, die von Steinbergen begraben wurden. In Chiapas und im Bundesstaat Oaxaca riefen die Behörden die Bewohner in Küstennähe dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen, da zunächst mit einem Tsunami gerechnet werden musste. Die Tsunamiwarnung umfasste auch mehrere Staaten in Mittelamerika und Ecuador in Südamerika.
Präsident Peña Nieto berief Krisensitzungen ein, «um die Lage zu überwachen, zu bewerten und um Massnahmen zu ergreifen». Der Leiter des Zivilschutzes, Luis Felipe Puente, warnte die Menschen an der Küste der Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas vor Wellen von bis zu 4,20 Meter Höhe - doch die Tsunamibefürchtungen bestätigen sich zunächst nicht. Die Warnung wurde nach einigen Stunden wieder aufgehoben.
Die Bewohner von Puerto Madero, einem Hafenort in der Nähe der Grenze zu Guatemala, wurden vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. In vielen Regionen fiel am Freitag der Unterricht in den Schulen aus, um die Gebäude auf Schäden zu überprüfen.
«Nicht noch ein Erdbeben!»
Die betroffene Region liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der immer wieder von heftigen Erdbeben erschüttert wird. In Mexiko treffen fünf tektonische Platten zusammen, deren Verschiebungen die Beben verursachen.
In Mexiko-Stadt liefen zahlreiche Menschen in Panik auf die Strassen, als sie die Alarmsirenen für die Erdbebenwarnung hörten. «Nicht noch ein Erdbeben!», flehte eine Frau, die in der Hauptstadt betend niederkniete. «Lieber Gott, nein!»
Mexiko war im September 1985 von einem Erdbeben der Stärke 8,1 erschüttert worden. Dabei wurden grosse Teile der Hauptstadt zerstört, mehr als 10'000 Menschen kamen ums Leben. Nach der Naturkatastrophe verschärften die Behörden die Bauvorschriften und führten ein Warnsystem ein.
(reuters/mbü/gku)