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Senegal-Klappenweichschildkröte
Cyclanorbis senegalensis
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Die Senegal-Klappenweichschildkröte (Cyclanorbis senegalensis) gehört innerhalb der Klasse der Kriechtiere (Reptilia) zur Ordnung der Schildkröten (Testudines) und da zur Familie der Weichschildkröten (Trionychidae). Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass ihr Knochenpanzer nicht mit Hornschildern bedeckt ist, sondern mit einer dicken, lederartigen Haut. Familientypisch sind ferner der nur flach gewölbte Panzer, die in einem beweglichen Rüssel endende Schnauze, die fleischigen Lippen und die mit fünf Zehen, aber nur drei freien Krallen ausgestatteten Schwimmfüsse.
Von den Zoologen wird die Familie der Weichschildkröten in zwei Unterfamilien gegliedert, nämlich erstens die Eigentlichen Weichschildkröten (Trionychinae) mit 24 Arten und zweitens die Klappenweichschildkröten (Cyclanorbinae) mit 6 Arten. Letztere verfügen, wie der Name andeutet, hinten an ihrem Bauchpanzer über seitliche Hautklappen, welche den Hinterbeinen zusätzlichen Schutz bieten, wenn diese eingezogen sind.
Vier der sechs Klappenweichschildkröten sind in Afrika zu Hause, die beiden anderen Arten im südlichen Asien. Von den vier afrikanischen Klappenweichschildkröten hat die Senegal-Klappenweichschildkröte das weiteste Verbreitungsgebiet. Es erstreckt sich von Senegal im Westen bis Äthiopien im Osten in einem breiten Gürtel quer durch Afrika. Innerhalb dieses Areals bewohnt die mit «Beinklappen» ausgestattete Weichschildkröte Flüsse, Ströme, Seen und Sümpfe.
Mit einer Panzerlänge von bis zu 50 Zentimetern ist die Senegal-Klappenweichschildkröte ein recht stattliches Mitglied der Schildkrötenordnung. Soweit wir wissen, hält sie sich fast ständig im Wasser auf und unternimmt äusserst selten Landausflüge, obschon sie sich auf dem festen Boden geschickt und schnell fortzubewegen vermag. Einzig zum Ablegen ihrer kugelrunden, hartschaligen, weissen Eier an einer gut besonnten, sandigen Stelle verlassen die Weibchen jeweils für kurze Zeit das Wasser. Gemäss einem Bericht aus dem Jahr 1906 enthielt ein erlegtes Weibchen, das zum Eierlegen das Land aufgesucht hatte, 6 Eier mit einem Durchmesser von je 3,6 Zentimetern. Mehr ist über das Fortpflanzungsgeschehen bei der Senegal-Klappenweichschildkröte nicht bekannt.
Auch über die Ernährungsweise der Senegal-Klappenweichschildkröte wissen wir kaum etwas, denn von ihrem - vermutlich vor allem nächtlichen - Leben im Wasser ist wenig zu erkennen. Wie die meisten Weichschildkröten dürfte sie aber eine tüchtige Beutegreiferin sein, die sich wenig wählerisch nach dem lokalen und saisonalen Angebot von Krebstieren, Weichtieren, Insektenlarven, Würmern, Fischen und Amphibien in ihrem Heimatgewässer richtet.
Von den besser bekannten Weichschildkröten wissen wir, dass dieselben ihre Opfer gewöhnlich nicht anpirschen, sondern ihnen auflauern: Geduldig verharren sie halb oder ganz im weichen Gewässergrund eingebettet und warten, bis ein unachtsames Beutetier in ihre Nähe gelangt. Geschieht dies, so schnellen sie unvermittelt und blitzartig vor, strecken ihren langen, beweglichen Hals weit nach vorn und packen ihr Opfer mit den scharfen Schneiden ihrer Hornkiefer. Manchmal betreiben sie aber auch die Stöberjagd: Spähend und schnuppernd kriechen sie auf dem Gewässerboden umher, graben hier und dort im Untergrund, inspizieren jeden Winkel zwischen Steinen oder Wurzeln und strecken ihren Hals oft unglaublich weit vor, um einen möglichen Bissen zu begutachten.
Über die Bestandssituation der Senegal-Klappenweichschildkröte liegen praktisch keinerlei Informationen vor. Dass die Art von der Weltnaturschutzunion (IUCN) dennoch in der Kategorie «Nahezu gefährdet» auf die Rote Liste gesetzt wurde, ist allein auf die Einschätzung zurückzuführen, dass die Weichschildkröten selbst als auch ihre Gelege in Afrika wie in Asien von alters her als Delikatesse (und gebietsweise auch als Speise mit Heilkraft) gelten, dass sie deshalb intensiv verfolgt werden und dass demzufolge ihre Zahl überall stark rückläufig ist.
Um wirkungsvolle Schutzmassnahmen zugunsten der Senegal-Klappenweichschildkröte treffen zu können, müssten wir zuerst versuchen, unser Wissen über ihre Lebensweise und ihre Bestandssituation erheblich zu erweitern. Da dies in absehbarer Zukunft wohl kaum geschehen wird, gilt es, im Sinne von Sofortmassnahmen, einerseits der übermässigen Verfolgung der Art mittels gesetzlicher Artenschutzbestimmungen und Handelsbeschränkungen einen Riegel vorzuschieben und andererseits möglichst grosse Teile ihrer aquatischen Lebensräume innerhalb der Grenzen gut bewachter Schutzgebiete zu sichern.
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