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Diversity – ein Ansatz zur Förderung von Chancengerechtigkeit und Vielfalt
Das Diversity-Konzept hat seinen Ursprung unter anderem in der Bürgerrechtsbewegung. Verschiedene Strömungen setzten sich in den 1960er Jahren in den Vereinten Nationen gegen Diskriminierung ein und forderten Chancengleichheit. In den 1990er Jahren fasste der Gedanke in Deutschland Fuss.
Diversity in der Wirtschaft
Im wirtschaftlichen Bereich versucht man mit dem Diversity Management, die menschliche Vielfalt in einem Unternehmen bewusst zu nutzen. Hier geht es eher um effiziente Nutzung des Humankapitals.
Diversity in der Pädagogik
In der Pädagogik liegt dagegen der Fokus mehr auf der Überwindung von Diskriminierung und sozialer Ungleichheit auf Grund von Unterschiedlichkeiten, die mit einem Machtgefälle einhergehen.
Grundlage des Diversitätskonzept
Diversitätskonzepte gehen davon aus, dass Menschen unterschiedlich sind. Zwischen uns lassen sich sogenannte Differenzlinien ausmachen: soziale und kulturelle Herkunft, Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, physische und psychische Verfassung, Weltanschauung und Religion sind primäre Differenzlinien. Sekundäre Differenzlinien sind zum Beispiel Familienstand und Vertragsstatus.
Differenz und Diskriminierung
Das Problem dieser Differenzlinien (Unterschiede zwischen Menschen) ist nicht, dass es sie gibt, sondern dass sie häufig hierarchisch funktionieren. Problematisch ist es nicht, dass es schwarze und weisse Menschen gibt, sondern dass weisse Menschen häufig als Norm gelten und schwarze Menschen als Abweichung. Mit dem Diskriminierungsmodell (nach Schmidt) lässt sich der Mechanismus gut erklären. Die Kurzform des Modells lautet:
Differenzierung + Macht ermöglicht -> Diskriminierung
Differenzierung und Macht
Differenzierungen (Einteilungen z.B. in schwarz/weiss) gekoppelt mit Macht (z.B. Privilegien der Weissen, historische und gesellschaftliche Prozesse) führen auf der einen Seite zu zahlreichen Priviliegien und Vergünstigungen (bei Weissen) und auf der anderen Seite zu zahlreichen Problemlagen und Benachteiligungen (bei Schwarzen).
Forderung der Diversity-Ansätze
Diversity-Ansätze setzen sich deshalb dafür ein, dass Differenzierungen (schwarz/weiss; Mann/Frau; Alt/Jung etc.) nicht durch Hierarchisierungsprozesse (besser/schlechter) zu Diskriminierung und Benachteiligung führen. Vielmehr fordern sie, dass Unterschiede als NORMAL anerkannt werden. Diversität (z.B. schwarz oder weiss zu sein) ist normal und darf nicht zu Ungleichbehandlungen führen.
Diversität anerkennen
Diversity-Konzepte berücksichtigen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Menschen. Diversität soll dabei weder glorifiziert noch verschwiegen noch eingeebnet werden. Sie soll vielmehr anerkannt werden. Der Weg zur Anerkennung des Anderen ist jedoch häufig gepflastert mit Vorurteilen und Stereotypen und dem Unwillen, einmal erworbene Privilegien zugunsten einer umfassenderen Gerechtigkeit loszulassen. Diversity-Ansätze wollen hier sensibilisieren.
Fazit: Hilfreiche Ansätze in der Sozialpädagogik und Sozialen Arbeit
Die Reflexion über Diversity kann uns dabei helfen, gewohnte Denkmuster und Verhaltensfallen bezüglich Andersartigkeit und Gemeinsamkeit zu erkennen und einer höheren sozialen Gerechtigkeit den Weg zu ebnen. Konzepte wie der Anti-Bias-Ansatz als Grundlage für eine vorurteilsreflektierte Pädagogik bzw. die Pädagogik der Vielfalt nach Annedore Prengel bieten hier interessante Ansätze für die Sozialpädagogik. Soziale Arbeit, verstanden als Hilfe zur Lebensbewältigung im Horizont sozialer Gerechtigkeit (Böhnisch) und das Ziel von Diversity (Abbau von Diskriminierung und Förderung von Chancengleichheit) ergänzen sich von daher in einem guten Rahmen.