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Ein Matt weg von der Freiheit
“5150 Elm’s Way” von Eric Tessier
Yannick ist zur falschen Zeit am falschen Ort und bringt damit sich und eine Familie selbsternannter christlicher Gotteskrieger in eine Zwickmühle. “5150 Elm’s Way”, ein Thriller als Quebec, vermochte bereits am NIFFF letzten Sommer zu überzeugen und ist nun erfreulicherweise auch in der Schweiz auf DVD erhältlich.
Von Lukas Hunziker.
Das “Neuchatel International Fantastic Film Festival”, kurz NIFFF, stellte im Juli 2010 das Cinéma Quebecois anhand einiger jüngerer Produktionen vor. Darunter war auch “5150 Rue des Ormes”, ein gelungener Thriller, von welchem man damals allerdings kaum zu hoffen wagte, dass man ihn hierzulande je auf DVD finden würde. Umso erfreulicher war es zu erfahren, dass das deutsche Label “Störkanal” sich des Filmes angenommen hat und Impuls die DVD in der Schweizer vertreibt. Und dies sogar in einer durchaus akzeptablen deutschen Fassung – nebst der Originalfassung, selbstverständlich.
“5150 Elm’s Way” erzählt die Geschichte des Filmstudenten Yannick, der nach einem Velounfall an besagter Adresse darum bittet, sich ein Taxi rufen zu dürfen. Während er darauf wartet, dass der Herr des Hauses, Jacques Beaulieu, ihm eines ruft, hört er verdächtige Geräusche aus dem ersten Stock. Nach oben zu gehen und nachzuschauen, was die Geräusche verursacht, entpuppt sich als der grösste Fehler, den Yannik in seinem ganzen Leben machen wird. Denn oben findet er einen Mann, der am verbluten ist, und bevor er sich umdrehen kann, hat Beaulieu ihn niedergeschlagen.
Yannick wacht im selben Zimmer auf, in welchem er den Mann gefunden hatte; von diesem ist jedoch nichts als ein grosser Blutfleck übrig geblieben. Die Fenster sind zugenagelt, die Tür verschlossen, das Zimmer leer – eine Flucht scheint unmöglich. Zu seinem Erstaunen kommt Beaulieu kurz darauf ins Zimmer und lädt Yannick ein, zusammen mit ihm und seiner Familie zu essen, seine Frau koche wunderbare Pasta. Als Yannick seinen Peiniger nach unten begleitet, merkt er, dass das Angebot alles andere als eine Falle ist – unten wartet tatsächlich eine Familie, bestehend aus Ehefrau, einer Tochter in seinem Alter und einem kleinen Mädchen.
Die Beaulieus, findet Yannick bald heraus, sind keine Familie wahnsinniger Psychopathen, die Opfer in ihrem Haus zu Tode martern. Nein, die Beaulieus sind selbsternannte Rächer Gottes, welche Kriminelle, Pädophile und andere Sünder zur Rechenschaft ziehen. Da Yannick allerdings diesem Profil nicht entspricht, muss er vorerst nichts befürchten, darf das Haus aber natürlich auch nicht verlassen. Einen Ausweg sehen zuerst weder Yannick noch Vater Beaulieu, bis dieser auf eine Idee kommt: sobald Yannick ihn beim Schachspielen schlägt, wird er ihn freilassen. Denn Beaulieu hat noch nie ein Spiel verloren und glaubt, dass er nur dann verlieren kann, wenn Gott nicht mehr auf seiner Seite steht.
Showdown auf dem Schachbrett
In gewisser Weise ist “5150 Elm’s Way” eine Art Thrillerversion von Stefan Zweigs “Schachnovelle”. Genauso wie in dieser das Schachspiel für den Gefangenen der Gestapo, Dr. B, die einzige Hoffnung ist, seine Isolationshaft zu überstehen, wird für Yannick das Schachspiel zur Hoffnung auf das Ende seines Alptraums. Doch beide verfallen der Komplexität des Spiels und verlieren das Gespür für die Realität. Weiss gegen schwarz, gut gegen böse, diese extremen Gegensätze ziehen auch Yannick in ihren Bann, und bald sieht er sich ebenso als Vertreter einer höheren Sache, wie dies Beaulieu tut. Klar, dass der finale Showdown an Dramatik einiges zu bieten hat.
“5150 Elm’s Way” überzeugt durch ein gutes Drehbuch und hervorragende Darsteller. Die Spannung setzt nach wenigen Minuten ein und hält einen gebannt vor dem Bildschirm. Obwohl sich die Handlung auf wenige Räume beschränkt, bleibt sie abwechs- und überraschungsreich. Nicht ganz gelungen sind die Spezialeffekte, welche übertrieben und unpassend wirken, und auch die Anspielungen auf Yannicks familiäre Probleme wirken etwas aufgesetzt. Abgesehen davon jedoch ist “5150 Elm’s Way” ein sehenswerter, spannender und origineller Film, der Lust auf mehr Kino aus dem französischen Kanada macht.
Ausstattung
Ein ‘Making of’ ist zwar nicht vorhanden, doch Störkanal hat sich alle Mühe gemacht, die DVD dennoch etwas aufzupeppen. Neben zahlreichen Trailern zu weiteren Filmen des Labels enthält diese ein Booklet, in welchem die Geschichte des Schachs im Film erläutert wird.
Seit dem 28. September 2010 im Handel.
Originaltitel: 5150 Rue des Ormes (Kanada 2009)
Regie: Eric Tessier
Darsteller: Marc-André Grondin, Normand D’Amour, Sonia Vachon, Mylène St-Sauveur
Genre: Thriller
Dauer: 106 Minuten
Bildformat: 2.35:1
Sprache: Französisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Booklet, Trailer
Vertrieb: Impuls