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Staatliche Subventionen in den USA haben zu einem Einbruch des Weltmarkpreises für Baumwolle geführt. Produzenten in südlichen Ländern bekommen die Folgen der Preisentwicklung zu spüren.
Für Bauern in Afrika führt der Weg aus der Krise auch über die Schweiz. Aus der Eidgenossenschaft kommen die Strategien für diplomatische Initiativen, um dem Rohstoff wieder mehr Wert zu geben.
"Die Baumwollproduzenten in den USA erhalten staatliche Subventionen und können Schulden machen. Dies ist bei uns unmöglich. Wir arbeiten mit ungleichen Spiessen". Das sagt Moussa O'Samaké, Bauer aus einem kleinen Dorf im Süden Malis.
Er hat sein Leben lang konventionellen Baumwollanbau betrieben. Seit der Preis für diesen Rohstoff im internationalen Handel eingebrochen ist, hat sich sein Leben deutlich verschlechtert.
O'Samaké ist einer von rund 10 Millionen Baumwollbauern in Afrika, die unter den schlechten Bedingungen leiden.
Die Arbeit der Baumwollpflanzer hat so stark an Wert eingebüsst, dass sie häufig nicht mehr in der Lage sind, die Produktionskosten zu decken. Im Gegenzug sind die Preise von Dünger und Pestiziden gestiegen.
Dies führt dazu, dass sich Bauern verschulden müssen. Denn ohne Insektizide und Dünger läuft im traditionellen Baumwollanbau gar nichts.
Ein Krisenmarkt
Nach Jahren eines kontinuierlichen Anstiegs sind die Preise für Baumwolle seit Mitte der 1990er Jahre kontinuierlich gefallen – als Folge einer Überproduktion in den USA. Der Preis pro Kilo Baumwolle sank von 2,53 Dollar (1995) auf 82 Cent (2001).
Für Länder wie Mali oder Burkina Faso südlich der Sahara war diese Entwicklung eine Katastrophe. Denn dort stellt "das weisse Gold" die Haupteinnahmequelle für Devisen dar.
Im Westen Afrikas hat diese Entwicklung laut der Nichtregierungsorganisation Oxfam einen Einnahmeausfall von mehr als einer Milliarde Dollar verursacht.
Gegenüber den massiven Subventionen in den USA, in geringerem Ausmass auch in der EU und in China (zirka 4,5 Milliarden Dollar jährlich) sind die Bauern in Afrika machtlos.
"Zumal die Weltbank und der internationale Währungsfonds den armen Ländern nicht erlauben, ihre eigene Landwirtschaft zu subventionieren", sagt Franck Merceron von der Schweizerischen Entwicklungsorganisation Helvetas.
"Diese beiden Institutionen sind davon überzeugt, dass zuerst in den Privatsektor investiert werden muss. Dies ist ein Skandal, weil die Bevölkerung während der so genannten 'strukturellen Anpassungen' im Elend untergeht."
Revolte aus Afrika
Um Wege aus dieser Krise zu finden, haben sich einige Entwicklungs- und Schwellenländer an die Welthandelsorganisation (WTO) gewandt. Sie fordern ein Ende der Milliardensubventionen zu Gunsten eines wirklich liberalen Freihandels.
Diese Initiative wird vom Ideas Centre in Genf koordiniert, die der ehemalige Schweizer Botschafter Nicolas Imboden leitet. Er ist ein erfahrener Handelsdiplomat und Kenner der WTO-Mechanismen.
Eine wichtige Ko-Finanzierung stammt vom Schweizer Staatsekretariat für Wirtschaft (seco).
Das Schweizer WTO-Training für afrikanische Diplomaten zeigt einen gewissen Erfolg. "Zum ersten Mal haben die USA Bereitschaft signalisiert, eine spezifische Lösung für das Baumwoll-Problem zu finden", sagt Imboden.
Washington will eine Änderung aber offenbar so weit wie möglich hinaus schieben. "Die USA hoffen so, die Einstellung der Subventionen als Pfand in der nächsten Doha-Runde in der Hand zu haben."
Euro und Dollar als Falle
Laut Weltbank würde der Weltmarkpreise um 12,9 Prozent steigen, wenn alle Subventionen abgeschafft würden. Diese Aussicht überzeugt die Baumwollbauern in Mali nicht.
Denn von dem Preisanstieg würden Länder profitieren, die gleichzeitig in der Textilherstellung führend sind: Indien, Brasilen und China. Die afrikanischen Länder hätten wieder das Nachsehen.
"Wir erhielten nur den üblichen Discount-Preis für den einfachen Rohstoff", meint Ibrahima Coulibaly, Sprecher der Baumwollproduzenten auf Mali.
Die Subventionen sind indes nicht das einzige Problem. Dazu kommt, dass der Weltmarkthandel in Dollar erfolgt, während die westafrikanischen Länder im Euro handeln.
"Allein durch den Tauschkurs gehen 40 Prozent des Preises verloren", sagt Franck Merceron. Die Dollar-Schwäche gegenüber dem Euro hält an und deshalb wird sich die Situation weiter verschlechtern.
"Eine weltweite Intervention auf den Wechselkurs würde genügen, um Afrika umgehend zu helfen", sagt sein Kollege, Pierluigi Agnelli, von Helvetas.
Keine Schulden dank Bio-Anbau
Neben der Beratung aus Genf können die Baumwollbauern Malis noch auf weitere Hilfe aus der Schweiz setzen: Bio-Anbau und fairen Handel (Fair-Trade).
Seit 2002 hat Helvetas ein Produktionssystem aufgebaut, das auf den Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden verzichtet. Ausserdem wird den Produzenten ein Mindestabnahmepreis garantiert.
"Bio-Baumwolle und Fair-Trade verdoppeln das Einkommen gegenüber dem herkömmlichen Anbau", sagt Agnelli, der für die Programme in Burkina Faso verantwortlich ist.
"Da der Ertrag geringer ist, haben die beiden Produzenten – Bio und konventioneller Anbau – am Ende ungefähr die gleichen Einnahmen. Mit einem wichtigen Unterschied: Der Biobauer muss keine Schulden tilgen."
swissinfo, Luigi Jorio, Mali
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)
Fakten
Weltweite Produktion von Baumwollfasern in konventionellem Anbau: zirka 25 Mio. Tonnen pro Jahr
Jahresproduktion Bio-Baumwolle (weltweit): 25-30'000 Tonnen
Staatliche Subventionen für die Baumwollindustrie: 4,5 Mrd. Dollar pro Jahr (davon zwei Drittel in den USA).
Die Unterstützung der eigenen Bauern in den industrialisierten Staaten (125'000 Produzenten) geht laut Helvetas zu Lasten von 10 Mio. Bauern in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Baumwollkrise
Zur Abschaffung der milliardenschweren Subventionen in den USA und der EU gab es zwei unterschiedliche Initiativen.
Im Mai 2003 wandten sich vier afrikanische Länder (Burkina Faso, Mali, Benin und Tschad, die so genannten Cotton Four C4) an die Welthandelsorganisation (WTO). Sie verlangten, dass die Freihandelsregeln von allen Ländern eingehalten werden müssen.
Im Namen aller Baumwolle produzierenden Länder Westafrikas forderten die Cotton Four, dass der Baumwollindustrie ein strategischer Charakter für die soziale Entwicklung und den Kampf gegen die Armut zuerkannt werde.
Beim Ministertreffen von Hongkong im Jahr 2005 hat die WTO vereinbart, dass für das Baumwoll-Problem schnell eine Lösung ausserhalb der Landwirtschaftsdossiers gefunden werden müsse.
Im September 2004 hat sich auch Brasilien mit einer Beschwerde an die WTO gewandt. Darin wurde gefordert, dass die USA ihre Subventionen abschaffen sollen, um die Marktbedingungen nicht zu verzerren und die eingegangenen Verpflichtungen aus der Uruguay-Runde (1986-1994) zu respektieren.
In einem überraschenden Schritt hat die WTO Washington eingeladen, sein Baumwollregime zu ändern, Subventionen auf den Ankauf inländischer Baumwolle und Garantien für Exporteure abzuschaffen.
Die USA haben in der Folge ihre Subventionen etwas zurückgefahren, aber auch einen Rekurs bei der WTO eingereicht.