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Kaum ist der Rover Perseverance wohlbehalten auf der Mars-Oberfläche gelandet, kursieren bereits die ersten Memes dazu. Und dabei dürfen natürlich Marsmenschen nicht fehlen – oder Aliens, wie man heute anstelle jenes etwas angestaubten und überdies zu engen Begriffs sagt:
Lange Zeit sahen Aliens mehr oder weniger aus wie wir, allenfalls kleiner oder grösser, mit einer anderen Hautfarbe oder vielleicht weiteren Merkmalen, oft tierischer Provenienz wie Federn oder Haare. Prototypisch war das Bild des grünen Männchens mit einem hypertrophen Schädel und Knopfaugen, das unzweifelhaft humanoide Form aufwies. Ausnahmen wie H.G. Wells' Marsianer, deren Form an Oktopusse erinnert, bestätigen die Regel.
Wenn es um die Darstellung von Aliens in bewegten Bildern geht – in Science-Fiction-Filmen oder TV-Serien –, dürfte die starke Anlehnung an die menschliche Gestalt zu Beginn auch an den Einschränkungen der damaligen Tricktechnik gelegen haben. Der Einfachheit halber unterscheiden sich manche Aliens gar nicht oder nur unerheblich von Menschen – ein Beispiel dafür ist Captain Spock aus der «Star-Trek»-Serie, dessen einziges äusseres Merkmal, das ihn von Menschen unterscheidet, in den spitz zulaufenden Ohren besteht.
Doch humanoide Gestalten dominieren auch bei den Aliens, die Comics oder Trickfilme bevölkern – also Medien, bei denen der Fantasie lange vor den Möglichkeiten der CGI-Technik weniger Grenzen gesetzt waren als im Realfilm. Warum also war die überwiegende Mehrheit der Aliens stets zumindest in den Grundzügen menschenähnlich geformt?
Der Grund dafür liegt wohl weniger an den technischen Möglichkeiten als in einem zutiefst menschlichen Bedürfnis. Aliens dienen uns dazu, uns in ihnen zu spiegeln, uns selbst zu erkunden. Während die Genesis behauptet, Gott habe den Menschen nach seinem Bilde geschaffen, postulierte der griechische Philosoph Xenophanes umgekehrt, die Menschen hätten die Götter nach ihrer eigenen Gestalt erschaffen: «Wenn die Pferde Götter hätten, sähen sie wie Pferde aus.»
So spricht viel dafür, dass wir die Aliens, wie zuvor die Götter, nach unserem Bilde erschaffen haben. In der Tat sind die Ausserirdischen stets eine Projektion unserer Ängste und Hoffnungen; sie treten wie zornige, strafende Götter oder als gütige Lehrmeister auf.
Doch wie könnten echte Aliens – sofern sie überhaupt existieren – wirklich aussehen, ungeachtet der Massgabe unserer existentiellen Projektionen? Da die Erde der bisher einzige bekannte Ort im Weltall ist, der Leben beherbergt, müssen wir auch hier notgedrungen von unseren Verhältnissen ausgehen, wenn auch diesmal wissenschaftlich geleitet.
Wissenschaftler, die sich unter anderem mit dieser Frage auseinandersetzen, gehören zum Berufszweig der Astrobiologen. Sie beschäftigen sich mit den Bedingungen, die auf fernen Planeten herrschen, und den Lebensformen, die unter solchen Bedingungen möglich wären. Sie tun dies allerdings nicht einfach aus dem hohlen Bauch heraus, sondern gehen von bestimmten Gesetzmässigkeiten aus. So ist eine ihrer Prämissen die Annahme, dass die Naturgesetze überall im All gültig sind – und daher auch auf anderen Planeten.
Sind dort die Bedingungen ähnlich wie auf der Erde, dürften sich auch Lebensformen entwickelt haben, die jenen auf unserem Planeten ähneln. Auch auf der Erde kann dies beobachtet werden: Fische und Meeressäuger sind nicht eng verwandt, leben aber beide im selben Lebensraum – dem Wasser – und haben beide unabhängig voneinander Flossen entwickelt. Solche analogen Organe sind das Ergebnis einer sogenannten konvergenten Evolution.
Auch Sinnesorgane wie etwa Augen haben sich auf der Erde gleich mehrmals unabhängig voneinander entwickelt. Man darf also annehmen, dass sich bei Lebewesen auf einem Planeten mit ähnlichen Lichtverhältnissen, wie sie bei uns herrschen, ebenfalls solche Instrumente zur optischen Orientierung entwickeln würden. Besonders Organismen, die Beute jagen, würden von solchen Organen profitieren – und sehr wahrscheinlich hätten sie auch mehrere davon, was ihnen räumliches Sehen erlauben würde.
Hingegen wären Augen in einer Welt sinnlos, in der totale Finsternis herrscht – etwa auf dem Saturnmond Enceladus. Auf diesem Eismond bedeckt ein kilometerdicker Eispanzer vermutlich einen Ozean, in den kein Lichtstrahl dringt. Falls sich an einem solchen Ort Leben entwickelt, würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne Sinnesorgane auskommen, die sichtbares Licht wahrnehmen. Dass an einem derart lebensfeindlichen Ort tatsächlich im Grundsatz Leben möglich wäre, zeigte unlängst die Entdeckung von Lebewesen unter einer 900 Meter dicken Eisschicht in der Antarktis. Ein anderes Beispiel sind die sogenannten extremophilen Bakterien, die an extrem unwirtlichen Orten wie am Boden der Tiefsee neben kochend heissen Mineralquellen gedeihen.
Allerdings ist es fraglich, ob sich Organismen an einem solchen Ort zu intelligenten Wesen entwickeln könnten. Zumindest dürfte es ihnen – wie allen Lebewesen, die sich ausschliesslich im Wasser aufhalten – schwerer fallen, eine technisch orientierte Zivilisation aufzubauen. Leben im Wasser bedeutet, dass es kein Feuer gibt, und ohne Feuer ist Metallverarbeitung undenkbar. Ohne Metallverarbeitung wiederum gäbe es zahlreiche technische Errungenschaften nicht.
Da in einer technisch ausgerichteten Zivilisation die Bearbeitung von Materialien eine zentrale Rolle spielen müsste, hätten sich bei diesen Lebewesen wohl auch Gliedmassen entwickelt, die als Greifwerkzeuge eingesetzt werden können. Es müsste sich dabei nicht zwingend wie beim Menschen um Gliedmassen handeln, die in der evolutionären Vergangenheit als Fortbewegungsmittel dienten – denkbar sind auch Greifwerkzeuge, die aus Fühlern oder Mundwerkzeugen entstanden. Die Rüssel der Elefanten, die aus der Verschmelzung der Nase mit der Oberlippe hervorgingen, sind ein heimisches Beispiel dafür. Geeignete Greifwerkzeuge hätten vermutlich mindestens drei Finger, von denen einer opponierbar wäre wie unser Daumen.
Mit Sicherheit dürfte auch die Gravitation die Evolution von Lebensformen beeinflussen. Auf Planeten mit einer starken Schwerkraft wären Organismen im Vorteil, die kräftig gebaut und eventuell sogar gepanzert wären. Sie würden sich auf mehreren Gliedmassen fortbewegen und hätten eine eher flache Gestalt, da ein Sturz bei hoher Schwerkraft schon aus geringer Höhe fatal werden könnte. Ihre Form könnte daher jener von Tausendfüsslern ähneln.
Auf Planeten oder Monden mit einer geringeren Gravitation als der Erde – was beim Mars der Fall ist, dessen Schwerkraft nur rund ein Drittel der irdischen beträgt – wäre die Entwicklung von leichter gebauten Lebewesen wahrscheinlicher. «Kleine grüne Männchen» wären mit ihrer schmächtigen, dünnen Gestalt also den Erfordernissen der Schwerkraft auf unserem Nachbarplaneten durchaus angepasst. Eine geringe Schwerkraft würde allerdings auch hochgewachsene Körper erlauben.
Denkbar ist zudem, dass auf anderen Welten Leben entstehen könnte, das nicht wie alles Leben auf der Erde auf Kohlenstoff basiert, sondern beispielsweise auf Silizium. Dieses Halbmetall weist ähnliche Eigenschaften auf wie Kohlenstoff, ist aber nicht ganz so bindungsfreudig wie dieser. Zumindest im Star-Trek-Universum existiert Leben auf Silizium-Basis bereits.
Sowohl Silizium als auch Kohlenstoff können Bindungen mit jeweils vier Atomen ausbilden, was sie ideal für langkettige Konstrukte wie DNA oder Proteine macht.
Vielleicht ist aber auch dieser erweiterte Begriff von Leben zu eng gefasst. So glaubt die amerikanische Astrobiologin Susan Schneider, die meisten intelligenten extraterrestrischen Lebewesen hätten ihre biologische Natur längst zugunsten einer künstlichen Intelligenz aufgegeben. Sollten wir also auf Aliens stossen, wären sie womöglich hochentwickelte Roboter.