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welches dem Wanderer auf dem gefährlichen und beschwerlichen Uebergang über diesen hohen und wilden Berg Schutz und Wohnung bieten und die Sicherheit der früher so viel benutzten Strasse wieder herstellen sollte. Der Ausführung dieses Befehls standen grosse Gefahren im Wege, viele Hindernisse, welche nach menschlichem Ermessen unübersteiglich waren. Die Historiker berichten, dass zu dieser Zeit der Pass noch in den Händen der Sarazenen oder anderer Räuber war, und um diese zu vertreiben, nahm Bernhard seine Zuflucht zu geistigen Waffen ... Wenn wir auch die einzelnen Episoden der mittelalterlichen Legende nicht glauben wollen, so müssen wir doch anerkennen, dass Bernhard seinen Plan mutig zur Ausführung brachte: wir sehen auf der Höhe der poenninischen Alpen ein neues Asyl erstehen, acht Minuten vom frühern entfernt und zum grössten Teil aus den Trümmern des römischen Tempels erbaut».
Die genaue Zeit der Gründung dieses neuen Zufluchtshauses ist zwar nicht bekannt, doch kann man sie mit genügender Sicherheit um die Wende des 10. und 11. Jahrhunderts ansetzen, da Bernhard 1008 gestorben ist. Damit sein Werk auch für die Zukunft gesichert sei, anvertraute er es einer Kongregation, die er hiezu berufen hatte. Nachdem er auch noch ein ähnliches Institut auf dem Kleinen St. Bernhard gestiftet hatte, starb er auf einer seiner vielen Missionsreisen in Novara. Die erste Urkunde, die dem Pass und Hospiz den Namen des Grossen St. Bernhard beilegt, stammt aus 1149, während Abt Bruno (später Papst Leo IX.) hier oben schon 1049 «canonicos fratres» antraf.
2. Die Geschichte des Klosters auf dem Grossen St. Bernhard von der Zeit seiner Gründung bis auf unsere Tage geben wir im folgenden ebenfalls wesentlich nach den verdienstlichen Mitteilungen von F. O. Wolf in Sitten: Die philanthropische Schöpfung des h. Bernhard erfreute sich fortwährend des Wohlwollens der geistlichen und weltlichen Herrscher. Papst Eugen III. befreite das Kloster vom Zehnten und schenkte ihm zahlreiche Ländereien, Ordenshäuser und Kirchen von Sizilien durch ganz Zentral- und W.-Europa bis nach England hin.
Vorrechte und Schenkungen wurden von den folgenden Päpsten jeweilen immer wieder bestätigt. Papst Alexander III. stellte das Kloster unter den besonderen Schutz des h. Stuhles, und auch Kaiser Friedrich Barbarossa und sein Sohn Heinrich VI. nahmen es unter ihre Obhut und verhängten strenge Strafen über diejenigen, die sich einer Ungerechtigkeit gegen die Mitglieder oder den Besitz der Kongregation zu Schulden kommen liessen. Auch ihre Nachkommen brachten dem Institut dasselbe Wohlwollen entgegen, und Maria Theresia war dem St. Bernhard so sehr ergeben, dass sie sich und ihre Kinder in dessen Klosterverband aufnehmen liess.
Die Grafen von Savoyen endlich, unter deren direkter Herrschaft das Kloster stand, waren dessen grösste Wohltäter und zugleich seine natürlichen Beschützer und bereicherten es mehrfach auf verschiedene Weise. Wahrscheinlich gab schon der h. Bernhard den Klostergeistlichen seiner Stiftung die Regeln der Augustinerchorherren. Sicher ist, dass Papst Innozenz III. 1215 das Kloster der Regel des h. Augustin unterstellte. Honorius IV. nennt in einer Bulle die «canonici ordinis Sancti Augustini», denen er zugleich auch das Recht der freien Wahl ihres Propstes zusicherte.
Eugen IV. nahm dieses letztere für sich in Anspruch, und Nikolaus V. belehnte damit die Herrscher Savoyens. Dadurch erhielt das reiche Kloster verschwenderische Kommendaturpröpste, welcher nachteilige Zustand bis zum Konzil von Trient dauerte. Trotzdem dasselbe diese Komthuren verbot, glaubten die Herzoge von Savoyen dennoch, das Recht der Ernennung der Pröpste ausüben zu können, während die Chorherren, gestützt auf die neue kirchliche Verordnung und ihre Verfassung, es für sich selbst in Anspruch nahmen.
Wallis verteidigte die Rechte des Klosters und geriet dadurch in neue Streitigkeiten mit Savoyen, seinem alten Erbfeind. Papst Benedikt XIV. legte den Streit bei, indem er den Chorherren die freie Wahl ihres Propstes zugestand und dem Fürsten von Savoyen die in Sardinien gelegenen Güter des Klosters zuteilte. Neue Gefahren drohten der Existenz des Klosters während der Schreckensjahre der französischen Revolution und dann noch einmal während der politisch aufgeregten Sturmperiode von 1847 und 1848. Damals verpflichtete die provisorische Regierung des Kantons Wallis das Kloster, an den dem Kanton auferlegten Teil der Sonderbundskriegsschuld eine Summe von 80000 alten Franken beizusteuern.
Als der Propst sich mit der Begründung, dieses Geld gehöre den Armen, weigerte, dem Befehl nachzukommen, langte am 12, Dezember 1818 ein Regierungskommissär mit 15 Soldaten im Kloster an, der am 21. Januar die Geistlichen gewaltsam vertrieb. Bald nachher erlaubte man diesen jedoch die Rückkehr, womit die Schöpfung des h. Bernhard wieder von neuem ungestört ihrer menschenfreundlichen Aufgabe nachkommen konnte. Graf Thomas I. von Maurienne hatte dem Kloster 1189 das Recht verliehen, in den Waldungen des Ferretthales und um Orsières alles notwendige Holz zu schlagen und von den Maiensässen genügend Futter für die dieses Holz tragenden Saumpferde zu beziehen. Diese Schenkung gab Anlass zu langwierigen Streitigkeiten mit der Gemeinde Orsières, die erst 1891 dadurch beigelegt wurden, dass Orsières diese Rechte zurückkaufte.
Die Geschichte des Passweges ist auch seit der Stiftung des Klosters des h. Bernhard reich an bedeutenden Ereignissen geblieben, von denen wir im folgenden eine kurze Skizze zu geben versuchen. 1472 überschritten lombardische Truppen den Pass, um in Lausanne zum Heere Karls des Kühnen zu stossen, und 1487 benutzten den gleichen Weg hin und zurück die Berner und Freiburger, die dem Grafen Karl von Savoyen gegen Karl Ludwig II., Markgrafen von Saluces, zu Hilfe eilten. 1691 sah der Pass französische Truppen gegen Aosta marschieren, und in der Zeit von 1788 bis zum zogen nicht weniger als 200000 Soldaten unter verschiedenen Generalen über den Grossen St. Bernhard. Am bekanntesten ist aber der Zug Napoleons I., der vom 15.-21. Mai 1800 mit einer Armee von 40000 Mann den Pass überschritt, um am 14. Juni desselben Jahres bei Marengo die Oesterreicher zu schlagen. Im Hôtel du Déjeuner de Napoléon in Bourg Saint Pierre zeigt man heute noch das Zimmer, in dem der Feldherr gefrühstückt und den Sessel, in dem er Platz genommen hat.
Bibliographie:
Wolf, F. O. Martinach und die Dransethäler (der Grosse St. Bernhard). (Europ. Wanderbilder. 143-146). Zürich 1888; Schulte, Aloys. Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien. 2 Bde. Leipzig 1900; Reinhard, Raph. Pässe und Strassen in den Schweizer Alpen. Luzern 1903; Luquet, J. F. O., Évêque de Hésebon. Études histor. sur l'établissement hospitalier du Grand Saint Bernard.
Paris et Marseille 1849;
Le Grand Saint Bernard ou Essai histor. sur ce que l'hospice du Grand Saint Bernard offre de plus intéressant;
par un ecclésiastique du diocèse de Sion [Venetz]. 1830;
Secretan, Ed. Du passage des Alpes par Annibal (in der Revue militaire suisse. 1869);
Henrioud, Marc. Les anciennes postes valaisannes et les communications internationales par le Simplon et le Grand Saint Bernard (1618-1648).
Lausanne 1905; Ferrero, prof. Relazioni degli scavi al Plan di Jupiter sul Gran San Bernardo (in den Notizie degli scavi della r. acad. dei Lincei. Roma 1890).