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Huber Josef (Sepp) Kunstturner, 1923-2016
Eine grosse Trauergemeinde nahm am 7. Juni 2016 Abschied von Sepp Huber. Drei Fahnendelegationen wiesen darauf hin, dass der Turnsport einen wesentlichen Teil seines Lebens in Anspruch genommen hatte. Aus den Abdankungsworten ging aber auch hervor, wie wichtig ihm seine Familie sowie sein beruflicher Werdegang gewesen waren. Aus seinen persönlichen Aufzeichnungen, die mehr als hundert Seiten füllen, geht ebenfalls hervor, wie sehr er sich zeitlebens als Tössemer gefühlt hat.
winterthur-glossar.ch publiziert einen Nachruf von Hansruedi Gomer, der im "Tössemer" im September 2016 erscheinen ist.
Als ältester Sohn von Josef Huber, Wagnermeister in Töss und Emma Huber geb. Bäggli erblickte Sepp am 8. April 1923 an der Agnesstrasse 63 in Töss das Licht der Welt. Während sein Vater ursprünglich aus dem Luzernischen stammte, wurde der Familienname seiner Mutter seit Jahrhunderten als in Töss existierend geführt. Hier im erst ein Jahr zuvor zum Stadtteil von Winterthur eingemeindeten Töss sollte der frisch geborene Nachwuchs schliesslich eine glückliche Jugendzeit und einen Grossteil seines Lebens verbringen. Orte, wie die väterliche Wagnerei an der Klosterstrasse, die «Griewäschi» (nicht mehr existierende Kiesgrube in der Nähe seines Elternhauses), die «Sagi» (ehemaliges Baugeschäft Lehmann) sowie die Wälder rund um Töss garantierten für mannigfaltige Erlebnisse und Streiche. Von strengen Lehrern geschult, folgten die Berufslehre bei der Zürcher Kantonalbank in Feuerthalen, die Rekrutenschule, die Aktivdienstzeit während des Zweiten Weltkrieges sowie weitere Berufsjahre bei seiner Lehrfirma. Während seines mehrjährigen Aufenthaltes in Lausanne lernte er seine spätere Ehefrau Denise geb. Wicht kennen, um mit ihr und dem gemeinsamen Sohn Roger 1952 wieder nach Winterthur zurückzukehren. Die nachmaligen Wohnorte im Lindquartier sowie in Wülflingen müssen ihm wie in der Fremde vorgekommen sein, blieb er doch gesellschaftlich über die ganze Zeit in Töss verankert. 1975 erfolgte der letzte Wohnsitzwechsel, zusammen mit den weiteren zwei Kindern Jacqueline und Jean-Claude zurück an die elterliche Adresse, wo zwischenzeitlich ein neuer Hausteil angebaut worden war. Seine berufliche Tätigkeit schloss er 1984 bei den damaligen Winterthur-Versicherungen ab.
Turnen, ja Kunstturnen, prägte einen wesentlichen Teil von Sepp, seiner Freizeit sowie seiner gesamten Familie. Der Turnverein Töss war schon in seinem Elternhaus präsent und so war der Vereinseintritt1938 nur logisch. Als trainingsfleissiger Einzelturnererrang er im Kunstturnen selber manche Auszeichnung bis hin zu vier Eidgenössischen Kränzen.
Doch beschränkte sich diese sportliche Freizeitbeschäftigung nicht nur auf die Turnhalle. Lebenslange Freundschaften, mit denen wiederum oft auch in jugendlichem Übermut unternommene Wanderungen und Reisen verbunden waren, blieben bestehen. Aber auch für verschiedene Vorstandschargen stellte er sich seinem Stammverein zur Verfügung. Danach folgten Tätigkeiten in den Fachverbänden «Kunstturnen» sowie im früheren Eidgenössischen Turnverein als Finanzchef und Vize-Präsident. In diese Zeit fällt auch seine letzte aktive Teilnahme zusammen mit den Tössemer Turnern am Eidgenössischen Turnfest in Genf 1978. Als abschliessender Höhepunkt seiner Funktionärstätigkeit gilt das Amt des Generalsekretärs der Europäischen Turnunion.
Dass sein Fleiss jeweils mit den entsprechenden Ehrenmitgliedschaften verdankt wurde, war schliesslich eine selbstverständliche Konsequenz. Von der hohen Leiter zurück, übernahm er wiederum Funktionen in der Männerriege des Turnverein Töss sowie in der Turnveteranengruppe Töss. Weiter gilt er im Panathlon-Club Winterthur als Gründungsmitglied sowie als ehemaliger Präsident.
Nun könnte man meinen, die Freizeit von Sepp sei mit seinen turnerischen Tätigkeiten ausgefüllt gewesen. Doch stellte er sich auch in anderen Bereichen für Töss zur Verfügung. Die Mitgliedschaft in der Kreisschulpflege Töss sowie die Mitarbeit im Ferienkolonieverein Töss beanspruchten ihn ebenso, wie auch diejenige in der Schwimmbadgenossenschaft Töss seit ihrer Gründung von 1963 bis 1999.
Sepp schloss seinen mit vielen Anekdoten gespickten Lebensrückblick mit folgenden Worten: «Rein von den elterlichen Wurzeln her darf ich mich wohl als Tössemer Urgestein betrachten. Töss ist allerdings nicht mehr das Töss unserer Jugend. Man fühlt sich bald als Fremder im eigenen Quartier.»
Sepp, du hattest stets ein waches Auge auf die Veränderungen rund um dein Töss und auch darüber hinaus. Manche persönlichen Gedanken hast du notiert und mitgeteilt. Wer auch immer von deiner grossen Arbeit und deinem Wissen Nutzen erhielt, muss dir dankbar sein.
Hansruedi Gomer
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