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Schwere COVID-19-Verläufe sind mit ausgeprägten inflammatorischen Prozessen assoziiert – ein Grund für die Hypothese, dass Patient:innen mit chronisch entzündlichen Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für derartig schwere Krankheitsverläufe haben. Eine aktuelle Studie hat diese Fragestellung genauer untersucht, präsentiert nun eine erste Bilanz und zeigt, welche Parameter genau bei rheumatologischen Patient:innen als Risikofaktoren zu werten sind.
Aufgrund der aktuellen Datenlage gelten weiterhin ein höheres Alter, Komorbidität und diverse Therapieformen wie Glukokortikoide als Risikofaktoren für schwere Verläufe einer COVID-19 Erkrankung. Weiterhin unklar ist, welche Rolle rheumatische Grunderkrankungen bei der Ausprägung einer SARS-CoV-2-Infektion spielen. Vor diesem Hintergrund wurden in einer retrospektiven, multizentrischen Studie insgesamt 456 Patient:innen untersucht, deren COVID-19-Erkrankung stationär behandelt wurde.
Bei 228 Proband:innen lag eine rheumatische Erkrankung vor, die anderen 228 Patient:innen bildeten die gesunde Kontrollgruppe. 60% der rheumatologischen Teilnehmenden litten an unterschiedlichen Formen der chronisch inflammatorischen Arthritis (IA), bei den anderen 40% lag eine Kollagenose (CTD) vor. Die durchschnittliche Krankheitsdauer zum Zeitpunkt der Untersuchung betrug 10 Jahre. Die eingesetzten antirheumatischen Therapien bestanden aus Glukokortikoiden, csDMARDs, ts/bDMARDs, weiteren Biologika und anderen Immunsuppressiva (Azathioprin, Cyclophosphamid, Mycophenolatmofetil und Calcineurin-Inhibitoren). Beide Gruppen wurden homogen ausgewählt, das durchschnittliche Alter betrug 63 Jahre und der Anteil männlicher Proband:innen lag bei 40%.
Die Auswertung der Studie ergab mit 31,6% einen leicht erhöhten Anteil schwerer Krankheitsverläufe in dem rheumatologischen Patientenkollektiv als in der gesunden Vergleichsgruppe mit 28,1%. Die weitere Analyse der einzelnen Parameter zeigte, dass zwar das Vorliegen einer CTD das Risiko steigert, nicht aber eine bekannte IA. Das gleiche Ergebnis ergab auch eine Subanalyse mit genauerer Aufschlüsselung der einzelnen Untergruppen (SpA, RA, SLE, SS und PAPS) beider rheumatischer Krankheitsformen. Als weitere Risikofaktoren wurden – in beiden Gruppen, unabhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung – erneut ein höheres Alter und das männliche Geschlecht identifiziert.
Die Autor:innen der Studie kommen zu dem Schluss, dass – abgesehen von Glukokortikoiden – nicht die immunsuppressiven Therapien das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe steigern, sondern die rheumatische Erkrankung selbst. Und auch hier gilt nicht das Vorliegen einer chronisch entzündlichen Grunderkrankung generell als riskant, sondern es muss individuell zwischen den einzelnen Formen unterschieden werden. Im klinischen Alltag könnte diese Erkenntnis bei der Identifizierung von Risikopatient:innen helfen, um damit frühzeitig therapeutische Maßnahmen einleiten zu können.
Quelle:
Pablos JL, Galindo M, Carmona L, Lledó A, Retuerto M, Blanco R, Gonzalez-Gay MA, Martinez-Lopez D, Castrejón I, Alvaro-Gracia JM, Fernández Fernández D, Mera-Varela A, Manrique-Arija S, Mena Vázquez N, Fernandez-Nebro A; RIER Investigators Group; RIER investigators group. Clinical outcomes of hospitalised patients with COVID-19 and chronic inflammatory and autoimmune rheumatic diseases: a multicentric matched cohort study. Ann Rheum Dis. 2020 Dec;79(12):1544-1549. doi: 10.1136/annrheumdis-2020-218296. Epub 2020 Aug 12. PMID: 32796045; PMCID: PMC7430185.