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Als 25-jähriger trans Mann hat Misha bereits drei Coming-outs im Arbeitskontext hinter sich. Er ist wissenschaftlicher Illustrator und «aspiring freelancer», wie er sich selbst bezeichnet. Frisch aus dem Studium, macht er momentan ein Praktikum als Zeichner bei einer Kantonsarchäologie.
Sein erstes Coming-out am Arbeitsplatz hat Misha im November 2018. Er bewirbt sich für einen Nebenjob in einem Kino. Seine offizielle Namensänderung hat er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Daher finden sich in seinem Bewerbungsdossier noch diverse Dokumente mit dem alten Namen. Misha stellt seinen Unterlagen eine kleine Erklärung voran, in der er kurz darlegt, dass er trans ist, was das bedeutet und dass der Vorname daher nicht überall der gleiche ist. Als er daraufhin für ein Vorstellungsgespräch eingeladen wird, ist er extrem nervös. Er gibt zu, dass er sich damals auch überlegte, einfach nicht hinzugehen. Wie würden die Gesprächsteilnehmenden reagieren? Würden sie übergriffige Fragen stellen?
Am Gespräch wird die Tatsache, dass Misha trans ist, thematisiert, «aber es war kein grosses Ding.» Misha wird lediglich gefragt, ob dadurch seine Arbeit irgendwie beeinträchtigt werden würde, was er verneint. Er bekommt dann bereits im Gespräch eine vorläufige Stellenzusage und es wird ihm klar gemacht, dass, sollte «irgendjemand Probleme machen», er sich direkt an das HR wenden kann. Das Kino hat eine striktes Anti-Diskriminierungs-Policy. «Das war als erstes Erlebnis für mich mega beruhigend», sagt Misha rückblickend. Ausserdem ist es für Misha offensichtlich, dass er nicht der erste trans Mensch dort ist. «Die HR-Leiterin wusste voll Bescheid.»
Auch das zweite Coming-out, wieder in einem Bewerbungsgespräch, verläuft ähnlich. Sein heutiger Chef ist interessiert und stellt Fragen, aber auf eine Art und Weise, die Misha als «fürsorglich» und absolut nicht übergriffig empfindet. Als Misha auch hier bestätigen kann, dass sein Trans-Sein keinen Einfluss auf seine Fähigkeit, zu arbeiten hat, ist «das Thema gegessen» und das Gespräch dreht sich wieder um Mishas Zeichnungen. Sein letztes Coming-out hat Misha schliesslich, völlig unerwartet, in einem Pausengespräch mit einer Arbeitskollegin, deren Kind sein Geschlecht und seine Geschlechterrolle hinterfragt. Zunächst ist Misha zurückhaltend, aber er merkt, dass er in dieser Situation einem Elternteil helfen könnte, wenn er sich selbst als trans zu erkennen gibt. Als er das tut, entspinnt sich ein sehr gutes und tiefsinniges Gespräch, das Misha mit dem Gefühl zurücklässt, wirklich geholfen zu haben: «Das war bisher mein schönstes Coming-out!».
Aber es gab auch schwierige Momente: Die Angst vor dem ersten Bewerbungsgespräch als trans Mann, noch früher die Angst, sich im zweiten Studiensemester vor der Klasse zu outen. Natürlich «kann man es nicht einfach abschalten, wenn man jahrelang Schiss hatte», sagt Misha. Aber auch nach längerem Nachdenken stellt Misha fest, dass er eigentlich nie offene Diskriminierung oder überhaupt eine schwierige Situation erlebt hat.
Die positiven Coming-out-Erfahrungen haben Misha geholfen, das Thema für ihn «kleiner» zu machen. Er hat nicht mehr denselben Druck, als stereotyp männlich rüberkommen zu müssen. Er stellt fest: «Meine Weiblichkeit gehört zu meinem Mannsein dazu.» Anderen trans Menschen legt Misha ans Herz, sich nicht von ihren Ängsten stoppen zu lassen. Schlussendlich ist es «immer eine Erleichterung, diesen Aspekt von sich zu teilen.»