Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03377.jsonl.gz/244

Hoch über der Limmat gelegen, war der Lindenhofhügel seit jeher ein militärisch wichtiger Standpunkt. Wo heute das Logengebäude der Zürcher Freimaurer steht, bauten schon Kelten, Römer und Ottonen ihre Siedlungen. Einzigartig ist jedoch ein Ereignis, das sich Ende des 13. Jahrhunderts abgespielt haben soll: 1292 hat sich laut Überlieferung am Lindenhof ein schwer gepanzertes Heer aus Mädchen und Frauen versammelt.
Vom Lindenhof im Kreis 1 überblickt man ganz Zürich. Von hier aus hat man die beste Sicht auf das Grossmünster, die Universität und die Limmat. Das zieht Tourist*innen, aber auch Einheimische an. Einige spielen auf dem Lindenhof auch eine Runde Schach oder entspannen sich im Schatten der mächtigen Linden. Die Bäume, denen der Hof seinen Namen verdankt, werden bereits seit über 500 Jahren hier gepflanzt, wie aus alten Stichen und Zeichnungen hervorgeht.
Dass die Anhöhe auch strategisch wichtig ist, erkannten schon die Kelten. Ausgrabungen zeigen, dass in den Jahren um 400 v. Chr. schon erste keltische Siedlungen auf und am Lindenhof gestanden haben. Um 15 v. Chr. nahmen dann die Römer den heutigen Lindenhof ein und errichteten darauf ein römisches Kastell. Prägend war diese Zeit auch deshalb, da die Siedlung damals den Namen «Turicum» erhielt, was sich über die Jahrhunderte zu «Zürich» entwickelte. Die bisher älteste Nennung von «Turicum» fand man auf einem über 1800 Jahre alten römischen Grabstein am Lindenhof.
Die Zürcher zogen gegen Winterthur in den Krieg.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches wurde der Lindenhof nacheinander von Alemannen, Karolingern und Ottonen als militärischer Stützpunkt und als Siedlung genutzt. Es entstanden regelrechte Pfalzen, also Verwaltungssitze, mit Mauern und Wachtürmen. Diese Bauten wurden vermutlich im Laufe des 12. Jahrhunderts abgetragen oder zerstört.
Im 13. Jahrhundert zogen dann die Zürcher gegen Winterthur in den Krieg und erlitten eine herbe Niederlage. Viele Zürcher Krieger fielen oder wurden schwer verwundet. Der österreichische Herzog Albrecht I. von Habsburg erkannte seine Chance und wollte Zürich 1292 ohne grosse Mühen einnehmen – schliesslich fehlte es ja an Kriegern, welche die Stadt hätten verteidigen können.
Als Albrechts Truppen schon vor den Toren der Stadt standen, versammelten sich die Zürcher Frauen und Mädchen der Legende nach am Münsterhof. Angeführt von Hedwig ab Burghalden, gekleidet in dicken Harnischen, bewaffnet mit Speer und Schild. Unter Trommelwirbel und mit wehenden Fahnen sollen die Frauen dann auf den Lindenhof gestiegen und sich dort als Heer formiert haben.
Anzeige
Albrecht I. trat den Rückzug an.
Albrecht I., der felsenfest davon überzeugt gewesen war, die Stadt ohne Widerstand erobern zu können, beobachtete das Spektakel von der Ferne aus. Was er sah, war ein mächtiges Heer, das schreiend an der Brüstung auf dem Lindenhof stand und die Waffen schwang. Im Glauben, dass noch ein ganzes Heer von Zürcher Männern in der Stadt war, brach er seine Belagerung enttäuscht ab und trat den Rückzug an. Durch den genialen Schachzug blieb die Stadt unversehrt.
Der Brunnen auf dem Lindenhof wurde den tapferen Zürcherinnen gewidmet. Der heutige Lindenhofbrunnen – auch Hedwigbrunnen genannt – wurde 1912 gebaut. Vom Künstler Gustav Silber erhielt er eine Frauenplastik in Kettenhemd und Rüstung, mit einem Schwert an der Seite und einem Speer in der Hand.
Hier steht heute das Gebäude der Zürcher Freimaurerlogen.
Doch nicht nur Legenden aus der Vergangenheit ranken sich um den Lindenhof. Seit dem 19. Jahrhundert steht hier nämlich ein Gebäude, zu dem nur wenige, ausgewählte Personen Zutritt erhalten: die Mitglieder der acht Zürcher Freimaurerlogen.
Die Freimaurer sind ein weltweiter Bund, der in Logen gegliedert ist und nur Männer aufnimmt. Ziele der Freimaurer sind laut eigenen Angaben eine menschlichere, solidarische Welt. Bekannt sind sie vor allem wegen ihrer mitunter mystischen und obskuren Rituale.
Im Haus der Loge «Modestia cum libertate» treffen sich die Zürcher Freimaurer regelmässig für Versammlungen und Rituale. Dass die Lage des Logenhauses dabei nicht ganz nebensächlich ist, geht aus der Website der «Modestia cum libertate» hervor. Hier steht nämlich, dass der Lindenhof nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit als einer der schönsten Sitze der Freimaurer gelten kann.