Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03324.jsonl.gz/446

Nenne Gesellschaftskonzeption, Effektebene und Modell der Phase wirkungsschwache Medien (1950/60er Jahre)
Gesellschaftskonzeption: Kleingruppen mit Konformitätsdruck
Effektebene: Einstellungen
Modell: S-O-R - psychologische und soziologische Perspektive
Nenne Gesellschaftskonzeption, Effektebene und Modell der Phase der neuen Konzepte (ab 1970)
Gesellschaftskonzeption: differenzierte Bedürfnis-befriedigende durch aktive Individuen
Effektebene: Motive und Kognitionen, zunehmend auch Affekte
Modell: Aktiver Rezipient Prozessperspektive, Langfristigkeit und Makroebene
Was spricht gegen die "empirischen Belege" für Massenpanik nach dem "Invasion from Mars" Hörspiel?
Radioprogramm klar als Hörspiel erkennbar, mit Titel angekündigt
Gewisse Handlungen nicht plausibel: z.B. zeitliche Abfolge so nicht möglich (Halbe Welt innerhalb 30 Minuten zerstört)
Probealarm am selben Abend
Schwach abgestützte Belege
Fast keine eigenständige Berichterstattung möglich (Hörspiel kurz vor Redaktionsschluss)
Hinweise, dass keine Panik stattfand (Thema verschwindet rasch aus öffentlicher Berichterstattung)
Welche Einwände gibt es gegen die wissenschaftliche Studie "Pro Massenpanik Invasion from Mars"?
Befragung nicht valide: Personen kreuzen an, während Hörspiels gespannt zu sein => führt noch nicht zu entsprechender Handlung
Fokussierung bei Befragung auf Extremfälle=> unbrauchbare Stichprobe
Second-hand-Fear: Personen nehmen Personen wahr, die ins Kino stürmt, um zu warnen
Wieso war die Medienwirkungsforschung 1930 relevant?
Grosses Interesse der
Wirtschaft: Werbe-, PR-Wirkungen
Politik: Propaganda- und Wahlforschung
Kultur, staatliche Behörden (Schutz Bevölkerung)
Medien: Publikumsforschung
Definiere Medienwirkung
Intendierte, kurzfristige Beeinflussung von Meinungen und Verhaltensweisen durch bestimmte, vorab persuasive Medienbotschaften
Was war die Ausgangslage für die Medienwirkungsforschung der 50er und 60er Jahre?
Beobachtung, dass nur 10% aller Wähler 1940 ihre Einstellung veränderten, obwohl Propaganda ausgesetzt waren (Lazarsfeld-Studie 1969)
Wie lässt sich diese Ausgangslage (50er und 60er Jahre) psychologisch erklären?
Basierte v.a. auf Konsistenz-Theorien (z. B. Festingerkognitive Dissonanz): Menschen bilden aufgrund ihrer Erfahrungen stabile Einstellungen, bestehend aus 3 Komponenten:
Kognitiv: subjektive Meinungen, faktisches Wissen
Affektiv: für oder gegen Einstellungsobjekt
Konativ: latente Verhaltensbereitschaft
Annahme: Menschen wollen Konsistenz in ihren Einstellungen
Wie lässt sich die psychologische Erklärung (50er und 60er Jahre) auf Gesellschaft und Politik übertragen?
Erklärung: Stabile Einstellungen (Wahlabsicht) verhindern Konflikte mit Personen im sozialen Umfeld, Mitglieder einer Gruppe teilen geteilte Einstellungen
Funktion der Medien im Wahlkampf: aktivieren latente Prädispositionen => verhindert Abwanderung von Wählern, verstärkt deren Absicht zu wählen
Wie funktioniert das Zwei-Stufen-Fluss-Modell (1940) von Lazarsfeld?
Information gelangt zuerst zu den Meinungsführern und von diesen an die übrigen Wähler -->Meinungsführer grossen Einfluss auf Wähler
Wie funktioniert das S-R Modell?
Medienaussage als Stimulus (S) --> Reaktion (R) als Medienwirkung Uniforme Beeinflussung von Verhalten
Wie funktioniert das S-O-R-Modell?
Medienaussage als Stimulus (S) --> Rezipient als mediatisierender Organismus (O) --> Reaktion (R) als Medienwirkung Medieneffekte durch Mediennutzer vermittelt: Hauptwirkung der Medien nicht Verhaltensänderung sondern Bestätigung und Verstärkung bestehender Meinungen und Einstellungen
Nenne zwei Anwendungsbeispiele des S-O-R-Modells
Telefonkampagne der SP im Wahlkampf 2015 -->Leute, die schon in Kontakt mit der SP waren, überzeugen
Idealtypische Verläufe der Meinungsbildung bei Volksabstimmungen (Claude Longchamps 2005) -->Es gibt Prädispositionen (Prägungen), welche sich auf Abstimmungen auswirken - die Abstimmungsgegner zielen auf diese und deshalb sinkt der Ja-Stimmen
Welche Rechtsnorm hat die SRG?
Verband von Vereinen und Genossenschaften in privater Rechtsform --> KEIN Staatssender!!!!!!, KEIN öffentlich-rechtlicher Sender!
Was sind die Rechte und Pflichten der SRG?
Rechte: Rundfunkgebühren
Pflichte: Umfassende Grundversogung für alle Landesteile (Service Public)
Welche Funktion hat die Trägerschaft der SRG?
Sie funktioniert als Brücke zwischen der Öffentlichkeit und dem Unternehmen. Ihre Mitglieder nehmen Einfluss auf die SRG SSR wie die Aktionärinnen und Aktionäre einer Aktiengesellschaft.
Was ist das Uses-and-gratifications Modell? Nenne ein Beispiel
Medien befriedigen kommunikative Bedürfnisse („Gratifikation“). Man wählt aktiv ein Programm aus. Beispiel: Man hat den Tag durch Diskussionen über Asylpolitik gehört und schaut dann am Abend eine Talksendung / Tagesschau darüber
Welche 4 Bedürfnisse folgen aus dem Uses-and-gratifications Ansatz?
1) Kognitiv Bedürfnisse: beziehen sich nach aussenzur Umweltorientierung (Wissen, Lernen, Verstehen) 2) Affektive Bedürfnisse: Medienunterhaltung zur (Ent-) Spannung, Zerstreuung und Stimmungsaufhellung 3) Integrative Bedürfnisse: Strukturierung des Tagesablaufs, schaffen Stabilität 4) Interaktive Bedürfnisse: Medien stiften Themen --> erleichtert z.B. Kontaktaufnahme
Uses-and-gratifications Ansatz: Welches sind die Prognosen / Erklärungen zum Mediennutzungsverhalten?
Medienzuwendung erfolgt oft aufgrund Befriedigung affektiver oder sozialer Bedürfnisse, weniger wegen kognitiver Bedürfnisse --> TV + Boulevardzeitungen populärer als Elitepresse
Personen mit tiefem Bildungsstand und geringem politischen Interesse sind weniger an abstrakten, eher an emotionalen, unterhaltenden Themen interessiert
Bei abstrakten, komplexen und trockenen Themen muss die Nutzungsmotivation aktiv erzeugt werden (z. B. Visualisierung, emotional Behaftetes etc.)
Was kann am Uses-and-gratifications Modell kritisiert werden?
Die Aktivität des Menschen wird überschätzt, d.h. ich komme heim und wähle nicht so aktiv das TV-Programm aus, vieles passiert unterbewusst. Zudem sind die Bedürfnisse nicht so klar.
Was besagt die Chapel Hill-Studie?
Medien beeinflussen, über welche Themen wir überhaupt nachdenken
Was ist die Annahme der Agenda-Setting Theorie?
Medien nehmen Einfluss, worüber Menschen überhaupt nachdenken
Welche Kritikpunkte hat die Agenda-Setting-Theorie?
Zuverlässige Wirkungsaussagen benötigen Längsschnittstudien (Empirische Studien haben nur ein Zeitpunkt angeschaut)
Agenda-Setting-Effekte von weiteren Faktoren abhängig (z. B. Medium, persönliche Erfahrbarkeit von Themen, Häufigkeit der Mediennutzung)
Was sind Priming-Effekte?
Medienkonsumenten beurteilen spezifische politische Akteure bevorzugt nach denjenigen Kriterien, die in der allgemeinen Medienberichterstattung verstärkt thematisiert wurden. Je nach Wahlkampf-Agenda wird das Image eines Kandidaten anders wahrgenommen.
Was sagt der Framing Ansatz aus?
Interessensgruppen mit unterschiedlichen Perspektiven und Ansichten kämpfen um Deutungshoheit über umstrittene politische und wirtschaftliche Themen --> Medien übernehmen und verbreiten bestimmte Interpretationsmuster Ist gleich wie der Priming-Effekt, aber bezieht sich auf die Medienthemenwahl
Was bedeutet das Second-Level Agenda-Setting? Nenne ein Beispiel
Medien nehmen nicht nur Einfluss, worüber wir nachdenken, sondern auch wie wir über ein Thema nachdenken Beispiel Flüchtlingsthematik: Kriminelle Flüchtlinge vs. Migranten als Chance
Was bedeutet das Intermedia Agenda-Setting?
Einzelne Medien oder PR berichten über Themen, die von anderen Medien übernommen werden: Leitmedien beeinflussen Themenagenda anderer Medien
Was bedeutet Agenda-Building?
Faktoren, welche Einfluss auf die Entstehung der Medienagenda haben
Was sagt die Kultivierungsanalyse aus? Was gibt es für Kritik?
Vielseher übernehmen Medienrealität nach einer gewissen Zeit. Beispiel: Nach Krawalle in Bern könnte Vielseher das Gefühl haben, er müsse auf den Strassen Angst haben. Ginge er mehr in die Stadt, würde er bemerken, dass die Sitation nicht so tragisch ist. Kritik: Richtung des Zusammenhangs unklar, Drittfaktoren nicht berücksichtigt, Nutzung/Verstehen nicht homogen