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So bekannt und profan Tulpen als Gartenpflanzen sind, so selten sind sie hingegen in der Schweiz als Wildpflanzen. Von den rund 60 wilden Tulpenarten, deren Verbreitungsschwerpunkt in Zentralasien liegt, gibt es nur gerade zwei Arten in der Schweiz. Die häufigere ist die Rebberg- oder Weinbergtulpe (Tulipa sylvestris), die auch in der Region Basel an gewissen Stellen vorkommt (siehe Verbreitungskarte). Sie stammt höchstwahrscheinlich aus den Waldsteppen von Südwestrussland, von wo aus sie über den Mittelmeerraum um 1550 als Zierpflanze in die Schweiz gelangte. Eine frühe Abbildung findet sich in Conrad Gesners «Historia Plantarum» von 1586, und auch der Basler Arzt und Botaniker Johannes Bauhin erwähnte sie 1651 unter dem Namen «Tulipa minor lutea Narbon».
Bei der Rebbergtulpe dürfte es sich um einen Gartenflüchtling handeln, der dann in den traditionell bewirtschafteten Rebbergen ideale ökologische Bedingungen gefunden hat. Diese Tulpe bevorzugt warme Lagen auf nährstoffreichen, kalkhaltigen Lehmböden, wie sie in Rebkulturen angetroffen werden.Das Hacken und Jäten zwischen den Rebstöcken hält die Konkurrenz durch andere Kräuter zurück, lässt aber die tiefer liegenden Tulpenzwiebeln intakt. Die konkurrenzschwache Rebbergtulpe wird durch diese Pflegemassnahmen im Kampf um Licht, Wasser und Nährstoffe gefördert. Die traditionelle Bodenbearbeitung in Rebbergen hat zudem zu einer Verbreitung der Tulpenzwiebeln beigetragen.
Bei den Weinbauern war die Rebbergtulpe aber nicht immer gern gesehen und wurde zum Unkraut in ihren Rebkulturen deklariert. Zusätzlich zur Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe fürchteten die Landwirte auch die höhere Luftfeuchtigkeit, die in den Rebgassen durch den üppigen Unterwuchs entsteht. Dies fördert den Pilzbefall an den Reben. Im 20. Jh. kam es zum Einsatz von Herbiziden im Rebbau, was neben der Rebbergtulpe auch die übrige Rebbergflora beeinträchtigte. Der massive Rückgang der Rebflächen ab 1900, der Einsatz von Herbiziden und tiefgründiges Fräsen setzten der Rebbergtulpe zu. Zudem liessen Einsaaten dichter Begrünung als Unterwuchs gegen die Bodenerosion die Rebbergtulpe zu einer seltenen Pflanze werden.
So ist die Rebbergtulpe mancherorts aus den Rebbergen verschwunden und ist der Bevölkerung und sogar den Winzern kein Begriff mehr. An einigen Orten im Sundgau, im Markgräflerland und im Baselbiet hingegen erfreut sie sich einer grossen Beliebtheit und wird auch geschützt. Oft wächst sie nicht mehr in den eigentlichen Rebkulturen, sondern wird daneben oder unter Obstbäumen gepflegt.
Die traditionell bewirtschafteten Rebberge weisen eine spezielle Zusammensetzung an Pflanzenarten aus, die Rebbergflora. Diese ist charakterisiert durch einen hohen Anteil an wärmeliebenden Zwiebel- und Knollengewächsen, die grösstenteils aus dem Mittelmeerraum stammen. Diese Frühjahrs-Geophyten durchlaufen ihren Entwicklungszyklus in kurzer Zeit im Frühling vor dem Hacken in der Rebkultur und vor der Beschattung durch die Reben. Werden die Knollen oder Zwiebeln durch die Hacke verletzt, sterben die Pflanzen nicht ab, sondern vermehren sich gar vegetativ stärker. Zu dieser Gruppe gehört auch die Rebbergtulpe. Dazu gesellen sich Sommerannuelle, einjährige Kräuter, die in einem Jahr keimen, aufblühen und Samen bilden. Auch sie haben ihren Lebenszyklus vor den traditionellen Hackgängen im Sommer abgeschlossen.
Die Rebbergflora zählt gegen 50 verschiedene Arten, rund ein Drittel davon ist gefährdet oder gar vom Verschwinden bedroht. Noch 1962 schrieb Max Moor in seiner «Einführung in die Vegetationskunde der Umgebung Basels»: «Weinbergstulpe, Osterluzei, Ackerringelblume, Winterling und Weinbergslauch ... sie alle treten oft in so grossen Herden auf, dass sie zur Plage werden».
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Standorte der Rebbergtulpe