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Er wollte Bette Davis heiraten, er schlug Barbara Stanwyck ins Gesicht und er schoss John Wayne feige in den Rücken: Die Liste der bizarren Dinge, die Bruce Dern in seinen über 100 Filmrollen getan hat, ist eindrücklich. Dabei war Dern nie wirklich ein Hollywood-Star, und erst recht kein Publikumsliebling: Er spielte Halunken, Eigenbrötler, Sadisten und Psychopathen – fast immer in Nebenrollen.
Er sei einfach kein «Leading Man», soll Sydney Pollack einst Ende der 1960er-Jahre zu ihm gesagt haben, als er sich um eine Hauptrolle bewarb. Dern war aufs Gröbste gekränkt. Schliesslich hatte er die Schauspielkunst in New York sorgsam erlernt, bevor er in Hollywood auftauchte. Während sich Freunde und Zeitgenossen wie Jack Nicholson und Robert Redford eher lässig durch die gleichen Filme spielten, war Dern immer ehrgeizig, arbeitswütig und perfektionistisch.
Psychotische Ausbrüche und eine Rolle bei Hitchcock
Bis heute pocht der bald 80-Jährige darauf: Von all den männlichen Aushängeschildern des «New Hollywood» der 1970er-Jahre war er der Normalste und Verlässlichste – ohne Affären, ohne Drogen. Weil gerade Antihelden von ihm verlangt wurden, gab er Antihelden. Dabei war es nicht einmal sein unkonventionelles Aussehen, das ihn hierfür prädestinierte: Er hatte die seltene Gabe, enorm furchteinflössend zu wirken, wenn es die Rolle von ihm verlangte – unvergessen etwa sein psychotischer Ausbruch im Autostopp-Drama «Thumb Tripping», Link öffnet in einem neuen Fenster von 1972.
Im gleichen Jahr war Bruce Dern auch in einer seiner schönsten Rollen zu sehen: Im Öko-Science-Fiction-Thriller «Silent Running» von Douglas Trumbull brillierte er als Astronaut inmitten von Pflanzen und Robotern: Endlich hatte er die Hauptrolle in einem grossen Film. Die Leinwand gehörte über weite Strecken ihm allein. Danach war sein Ruf endgültig gemacht. Selbst Alfred Hitchcock engagierte ihn für seinen letzten Film, «Family Plot».
Wiedersehen bei Tarantino
Einige Jahre später wurde der Output Hollywoods kommerzieller und stromlinienförmiger. Dern fand nur noch wenig Rollen, die auf sein kantiges Profil zugeschnitten waren. Die 1980er-Jahre begannen für ihn mit dem Softsexfilm «Tattoo» und endeten mit dem Tom-Hanks-Klamauk «The 'Burbs». Dazwischen geschah nichts, das Erwähnung verdient.
Doch das Ausbleiben von spannenden Projekten hielt Dern nicht vom Arbeiten ab. Auch wenn sein Auftritt in «Nebraska» aus dem Jahr 2013 als ein Comeback gefeiert wurde: Er war auch in der langen Zeit zuvor mindestens einmal pro Jahr auf der Leinwand zu sehen – oft so verstörend wie in alten Zeiten, etwa als «Creepy Carl» in Joe Dantes charmanter Horrorkomödie «The Hole» (2009).
Bruce Dern mag lange Durstrecken hinter sich haben, aber durchgehalten hat er immer. Der passionierte Langstreckenläufer vergleicht seine Karriere gerne mit einem Marathon. Er hält aber auch fest, dass Filme ausschliesslich als Teamwork funktionieren. Seine nächste Mannschaft ist bereits aufgestellt: In Quentin Tarantinos «The Hateful Eight», Link öffnet in einem neuen Fenster werden wir ihn wiedersehen.
Sendehinweis
In der Donnerstagnacht um 00:15 zeigt SRF 1 «Nebraska»: Bruce Dern spielt den mürrischen Woody Grant, der auf einen Werbetrick reinfällt und von Montanta nach Nebraska trampen will. Für die Rolle erhielt Dern in Cannes 2013 den Preis als Bester Darsteller.