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Geschichtliche Entwicklung des Berufes
Den Anfang macht der Beruf bereits im 18. Jahrhundert in Form von russischen Feldscheren: Sanitätssoldaten, welche am Ende ihrer militärischen Laufbahn dem Ärztemangel in entlegenen Regionen entgegenwirkten. Sie hatten dort die Befugnis, ohne ärztliche Aufsicht Diagnosen zu stellen, Medikamente zu verschreiben und Notfallbehandlungen einzuleiten. In den Städten war die Rolle der Feldscheren aufgrund ihrer reduzierteren Ausbildung nicht ersetzend sondern komplementär zu jener der Ärzte. Dies entspricht auch ihrer Rolle heutzutage mehrheitlich. Inzwischen haben zahlreiche Länder das Konzept der PAs in der einen oder anderen Form eingeführt. Dieses Kapitel beschreibt einige Beispiele der Implementierung dieses Berufsbildes.
USA
Eine Entwicklung wie in der Sowjetunion beobachteten auch Forscher in den USA, wo ein ähnliches System in den 1930er-Jahren eingeführt wurde. Anfangs der 1960er-Jahre schlugen dann die ersten Ärzte vor, ihren Assistenten mehr Verantwortung zu übertragen und sie selbständiger arbeiten zu lassen. Auschlaggebend dafür war das verstärkte Patientenaufkommen aufgrund von neuene Medikamenten und Technologien, die es erlaubten, vormals unheilbare Krankheiten zu behandeln. Die demographische Alterung der Bevölkerung führte zu vermehrt chronischen Beschwerden, was weiter zum Ärztemangel beitrug. Durch die Delegation von Routinearbeiten erhofften sich die Ärzte, die Effizienz zu erhöhen und mehr Patienten behandeln zu können. Die ersten festgehaltenen Rollenverständnisse und Ausbildungsprogramme entstanden in den 1960er-Jahren und wurden seither stetig weiterentwickelt. Die Ausbildung zur / zum PA startet heutzutage als Master of Science und beinhaltet neben medizinischer Theorie und Praxiseinsätzen auch die Vermittlung von Kommunikations-Knowhow, Trainig für interprofessionelle Zusammenarbeit und Leadership.
Niederlande
Die niederländische Regierung wurde zur Jahrtausendwende auf den verstärkt auftretenden Personalmangel in der Medizin aufmerksam und beschloss, diesem mit der Etablierung von PAs entgegen zu wirken. Die PA-Ausbildung dauert rund 3.5 Jahren und beinhaltet gleichzeitig einen Arbeitsvertrag mit einer Ausbildungsklinik. Voraussetzung für eine Zulassung zu diesem MSc sind ein Bachelor in einem themenverwandten Gebiet sowie mindestens zwei Jahre relevante klinische Berufserfahrung.
Vereintes Königreich / Grossbritannien
In Grossbritannien startete die PA-Geschichte mit zwei US-amerikanischen PAs, die rekrutiert wurden, um in England zu arbeiten und so die Möglichkeiten des Berufsbildes aufzuzeigen. Die ersten ernstzunehmenden PA-Ausbildungprogramme auf postgaduate Diploma-Level starteten 2008. Nach einer zwischenzeitlichen Einstellung des Programms, wuchs nach der Restriktion der Arbeitsstunden von Assistenzärzten das Interessen an PAs wieder. Nach wie vor „importiert“ Grossbritannien zahlreiche PAs aus den USA.
Deutschland
In Deutschland wurden 2005 die Tore zur ersten PA-Ausbildung von einer privaten Fachhochschule in Zusammenarbeiten mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie geöffnet. Das berufsbegleitende Studium dauert drei Jahre. Die Bunderärztekammer befürwortet die Entlastung das medizinischen Personals durch ein Delegationssystem. Eine staatliche Anerkennung und Standardisierung der Ausbildung ist bisher jedoch ausstehend.
Israel
Die anfänglich starke Opposition aus der israelischen Medizinbranche verflüchtigte sich rasch, als erkannt wurde, welches Potenzial das neue Berufsbild mit Blick auf den Personalmangel in sich trägt. 2016 wurde ein Programm gestartet, das erfahrene Rettungssanitäter in einem 6-monatigen Training zu PAs weiterbildet – ein gutes Beispiel dafür, dass das Delegationssystem auf die Gegebenheiten und Bedürfnisse des jeweiligen Landes / Einsatzgebietes angepasst werden kann und soll.
„Because of the close association with the doctor and patient and the PAs‘ varied duties, PAs have an intimate knowledge of the way of the medical world. They know patients, they are aware of the triumphs and failures of medicine, and they know how doctors think and what they do with information collected about patients. For these reasons, they are in demand by all businesses that touch the medical profession.“Dr. Eugene A. Stead