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Die Johannes-Passion ist Bachs erstes grosses Werk, das er für Leipzig schrieb, wo er seit 1723 als Thomaskantor tätig war. Die Uraufführung wird auf die Karfreitagsvesper von 1724 datiert. Passionen hatten damals ihren festen Platz im Gottesdienst, während sie heute meist konzertant aufgeführt werden.
Als Vorbild diente Bach die Passionsdichtung «Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesu» von Barthold Heinrich Brockes. Für seine hochdramatische Komposition verwendete Bach aber vor allem die Passionsgeschichte aus dem Johannesevangelium, die er durch zwei Passagen aus dem Matthäusevangelium ergänzte. Die Geschichte setzt ein mit der Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane, spitzt sich mit dem Verhör durch Pontius Pilatus dramatisch zu, führt schliesslich zur Kreuzigung von Jesus und endet mit dessen Grablegung. In diese Geschichte, die vom Evangelisten (Tenor) erzählt wird, wob Bach Arien und zahlreiche Choräle ein, die das Passionsgeschehen aus Distanz betrachten, es seelisch ausleuchten, reflektieren und interpretieren.
Trotz eines recht kleinen Instrumentariums mit zwei Flöten, zwei Oboen, Fagott, Orgel und Streichern ist die Johannes-Passion subtil und abwechslungsreich instrumentiert. In jeder Arie finden sich neue Klangfarben, die den emotionalen Hintergrund der jeweiligen Aussage verdeutlichen. Die äusserst kunstvollen und dramatischen Chöre schildern plastisch und drastisch die Rolle des Volkes an Prozess und Verurteilung von Jesus.
Quelle: www.klassika.info