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Hansruedi Baumann hat mit dem FC Prishtina den Aufstieg in die 2. Liga interregional geschafft. Der 60-jährige Coach ist angetan von der Arbeit mit dem Migrantenteam auf und ausserhalb des Fussballplatzes.Fussballlehrer Baumann führte den FC Prishtina zum Aufstieg in die 2. Liga interregional und fühlt sich beim Migrantenteam in seiner Rolle als Coach pudelwohl.
Hansruedi Baumann hat im Fussball schon vieles erlebt. Als wirblige Offensivkraft im Dress des FC Thun steuerte er 1997 in seinem letzten Einsatz als Aktiver das entscheidende Tor im Aufstiegsspiel gegen den FC Tuggen bei, ballerte die Oberländer in seinem Abschiedsspiel also fast schon höchstpersönlich in die Nationalliga B.
Nach seiner Aktivkarriere machte sich Baumann zwischen 2000 und 2005 einen Namen als Trainer der U-18-Equipe der Oberländer, mit welcher er sensationell den Schweizer-Meister-Titel einheimste. Als er in der Folge auch den FC Spiez und die U-21-Mannschaft des FCT zu Aufstiegen in die 2. Liga interregional geführt und seine Fähigkeiten als Coach mehrfach untermauert hatte, stand einem Engagement als Cheftrainer der ersten Thuner Mannschaft in der Challenge League zu Beginn der Saison 2008/09 nichts mehr im Weg. Nach einer ansprechenden Vorrunde, kosteten ihn jedoch einige Niederlagen im Frühjahr 2009 den Job.
Fortan widmete sich der Fussballlehrer, der auch als Trainerinstruktor beim Schweizerischen Fussballverband fungiert, wieder Aufgaben in verschiedenen Clubs im Breitenfussball. Er coachte in Interlaken, kehrte zum FC Spiez zurück oder übernahm Bümpliz. Seit Beginn dieser Saison steht der 60-Jährige an der Seitenlinie des regionalen Zweitligisten FC Prishtina. «Weil wir in Bümpliz oft den Platz mit Prishtina teilten, wusste ich ziemlich gut, was mich erwarten wird», sagt Baumann und ergänzt: «Schnell wurde klar, dass es die absolut richtige Entscheidung war. Nach etwa einem Monat bei Prishtina war ich richtig happy.»
Am letzten Wochenende fügte Baumann seinem Palmarès dank eines 5:2-Auswärtssiegs in Meiringen einen weiteren Aufstieg hinzu. Die Promotion Prishtinas in die 2. Liga interregional ist fast schon die logische Folge, wenn ein ausgewiesener Topcoach auf eine spielerisch und technisch so beschlagene Equipe trifft. «Ich habe im Breitenfussball noch nie mit einer derart talentierten Mannschaft zusammengearbeitet», gerät der Fussballfachmann regelrecht ins Schwärmen, wenn er über die Qualitäten seiner Akteure spricht.
Er müsse den Spielern in den Trainings «kaum in den Hintern treten, weil sie meistens von sich aus Gas geben und gewillt sind, voll mitzuziehen.» Problematisch sei es nur ab und zu während eines Ernstkampfs geworden, wenn die Ungeduld Einzug gehalten habe. «Wenn es im Spiel gerade mal nicht lief wie gewünscht, verloren wir manchmal etwas die Ruhe», erklärt Baumann.
Talentiert und erfolgreich. Der FC Prishtina konnte am letzten Wochenende den Aufstieg in die 2. Liga interregional feiern.
Bereits zwischen 2016 und 2019 hatte der FC Prishtina in der 2. Liga interregional seine Spuren hinterlassen. Es wird im nächsten Herbst also auch eine Rückkehr des Berner Migrantenteams in die fünfthöchste Liga der Schweiz. «Wir steigen sicher nicht auf, um einfach nur mitzuspielen, sondern wir werden auch versuchen, eine gute Rolle in der neuen Liga einzunehmen», sagt Baumann.
Generell ist dem Verein für die Zukunft einiges zuzutrauen, könnte der Weg nach oben noch lange nicht abgeschlossen sein. Das Potenzial der aktuellen Equipe dürfte auch eine Liga höher locker ausreichen, um eine gute Rolle zu spielen. Zudem sind die Verantwortlichen Prishtinas in der Fussballszene seit Jahren hervorragend vernetzt, schaffen es immer wieder herausragende Fussballer in ihre Reihen zu lotsen. «Für die nächste Saison wäre es gut, wenn wir uns in der Breite noch etwas verstärken könnten. Aber da bin ich zuversichtlich», meint Baumann.
Doch der Coach ist nicht nur angetan von den fussballerischen Qualitäten seines Teams und den Ambitionen des ganzen Vereins, sondern er schätzt auch das familiäre Flair rund um den Club. «Es herrscht ein respektvoller Umgang im Verein, und als Neuling wird man super aufgenommen. Und die Heimspiele sind jeweils wie kleine Familientreffen einer Community. Es macht Spass, Teil davon zu sein», sagt Hansruedi Baumann. Der akribische, erfahrene Coach Baumann und die verspielten, ehrgeizigen Akteure Prishtinas: eine Mischung, die perfekt zu funktionieren scheint.
Die Fussballfamilie des FC Prishtina feiert nach dem Sieg in Meiringen den Aufstieg in die 2. Liga interregional.