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Eine einheitliche Definition für Craft-Beer zu finden ist ein Ding der Unmöglichkeit. Praktisch jeder Bierguru definiert Craft-Beer anders und oftmals so, dass es für seine eigenen Zwecke am dienlichsten ist. Meist versteht man unter „Craft“ ein Produkt, welches in unabhängigen Kleinbrauereien handwerklich hergestellt wird.
In den USA gelten Brauereien mit einem Ausstoss von weniger als 6 Mio. Hektolitern bereits als Craft-Brewery. Zum Vergleich: der gesamte jährliche Bierkonsum in der Schweiz beläuft sich auf 4.66 Mio. Hektoliter. Eine einzelne Brauerei die mehr Bier produziert als in einem Jahr in der Schweiz konsumiert wird, würde man hierzulande wohl kaum als Craft-Brewery bezeichnen. Ebenso gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie „handcrafted“ ein Craft-Beer sein muss. Die treffendste Defintion für Craft-Beer ist wohl folgende: „You know it, when you see it.“
Die Bewegung hin zum Craft-Beer kommt aus den USA. Ab den 1970er Jahren florierten dort die Hobbybrauereien, welche den Grundstein für viele tausende kleine aber gewinnorientierte Braustätten legten. Ursprünglich wollten viele Brauereigründer die Biervielfalt in den USA vergrössern, da der Markt damals von wenigen Grossbrauereien mit austauschbaren Bieren beherrscht war. Heute gibt es in den USA rund 4‘000 Mikrobrauereien – Tendenz steigend.
Der Craft-Beer Trend hat mittlerweile auch die Schweiz erreicht. Die Zahl der Brauereien hat sich in den letzten 20 Jahren ungefähr verzehnfacht und heute gibt es über 500 Mikrobrauereien in der Schweiz. Während der Fokus in den USA stark auf hopfenbetonten Bieren und IPA’s liegt, schappt dieser Trend erst langsam auf die Schweiz über.
Ein Weizenbier oder Weissbier wird aus Weizenmalz hergestellt. Innerhalb der Kategorie Weizenbier ist die Sortenvielfalt enorm – technisch möglich ist z.B. auch ein stark hopfenbetontes Weissbier welches eher an ein IPA erinnert. Klassische Sorten sind Hefeweizen, Kristallweizen oder Weizenbock.
Unter den Begriff Belgisches Ale fallen diverse Bierstile, die vor allem in Belgien und Frankreich hergestellt werden. Die Belgischen Ales sind meist etwas stärker im Alkoholgehalt und halten sich oftmals nicht an das Reinheitsgebot von 1516. Ausprägungen sind z.B. das Witbier, ein Weizenbier, welches oft mit Gewürzen wie Koriander versetzt werden. Daneben gibt es weltberühmte Abteibiere wie Grimbergen oder Leffe und dutzende Untersorten die für eine schier unerschöpfliche Vielfalt an belgischen Bieren sorgen.
Das Lambic ist eine belgische Spezialität: ein obergäriges Bier, welches durch Spontangärung entsteht. Der Würze wird keine Hefe zugesetzt, sondern diese wird durch eine offene Lagerung des Sudes aus der Umgebungsluft eingefangen. Lambic kann zu Gueuze, Faro oder Kriek weiterverarbeitet werden und hat einen säuerlichen Geschmack. Traditionellerweise wird Lambic in Holzfässern ausgebaut, was dem Bier seinen unverwechselbaren Geschmack verleiht.
Als Pale Ale bezeichnet man ein meist trockenes, herbes und hopfenbetontes obergäriges Bier. Die Farbe schwankt zwischen hell und kupferfarbig. Der Begriff Pale Ale ist ein Sammelbegriff für verschiedene Biersorten die sich weltweit unterschiedlich entwickelt haben. Als spezielle Untersorten gelten z.B. India Pale Ales, English Bitter, Strong Pale Ale oder American Pale Ale.
Das India Pale Ale oder IPA ist ein meist hopfenbetontes Bier mit hohem Alkoholgehalt. Ursprünglich gebraut für die Soldaten in den britischen Kolonien war das Bier aufgrund des Hopfens und des Alkoholgehaltes länger haltbar. Vor Ort sollte es mit Wasser verdünnt werden – da das Wasser oftmals mit Krankheitserregern verseucht war, verzichteten die Soldaten darauf und bescherten uns so einen neuen Bierstil.
Für ein Red Ale wie z.B. Kilkenny oder Smithwicks wird ein leicht angeröstetes Malz verwendet, welches schlussendlich für die rötlich-braune Farbe verantwortlich ist. Im Gegensatz zum Stout ist das Red Ale normalerweise etwas milder und süffiger. Vorherrschend sind Karamell- und Toffeenoten sowie eine typische, cremige Schaumkrone.
Ein Stout oder Porter ist ein obergäriges Bier mit meist dunkler Farbe und cremiger Schaumkrone. Es ist malzbetont und erhält seine fast schwarze Farbe durch die Verwendung von geröstetem Malz. Bekanntester Vertreter ist Guinness, welches seit 1759 in der St. James‘ Gate Brewery in Dublin hergestellt wird. Auch beim Stout gibt es verschiedene Varietäten die in Geschmack und Alkoholgehalt sehr heterogen sind.
Das Europäische Lager ist das in der Schweiz am meisten getrunkene Bier. Es zeichnet sich durch ein eindeutiges Hopfenaroma aus, ist meist süffig, leicht zu trinken und nur moderat herb. Aus dem European Lager sind weitere Sorten und Varietäten entstanden wie alkoholfreies Bier, holzgereiftes Bier, Leichtbier oder dunkles Lager.
Deutsches Lager wird als Überbegriff für verschiedene untergärige Biersorten verwendet, die ihren Ursprung in Deutschland haben. Die Vielzahl unterschiedlicher Sorten und Varietäten ist auf zwei Faktoren zurückzuführen: einerseits war der Biermarkt in Deutschland schon früher umkämpfter, so dass Brauereien oder Brauregionen sich durch spezielle Biere etablieren mussten. Andererseits dürfte die deutsche Gründlichkeit dazu beigetragen haben, Varietäten exakt zu beschreiben und zu vermarkten.
Das Märzen ist eine der klassischen deutschen Biersorten. Es wurde ursprünglich im März gebraut und war der letzte Sud vor der „Sommerpause“. Die bayrische Brauordnung legte fest, dass Bier nur zwischen dem 29. September und 23. April gebraut werden durfte. In den Sommermonaten war die Brandgefahr beim Kochen zu gross. Hinzu kam, dass untergärige Biere eine tiefe Temperatur zur Vergärung benötigen, was mangels Kältemaschinen im Sommer nicht zu bewerkstelligen war. Das Märzen hatte einen höheren Alkoholgehalt und wurde meist in Felsenkellern gelagert, um den Sommer über geniessbar zu bleiben.
Das Zwickel oder auch Kellerbier ist ein ungefiltertes, untergäriges Bier. Traditionell wurde es in in Hausbrauereien direkt nach dem Nachgärungsprozess angeboten – also bevor eine Filtration des Bieres stattfand. Der Braumeister hat über den sogenannten „Zwickelhahn“ Proben aus dem Bierfass genommen um die Farbe und Geschmack zu überprüfen. Zwickel hat einen geringeren Kohlensäuregehalt was die Haltbarkeit beeinflusst. Ein Zwickel sollte daher frisch getrunken werden, was aufgrund des süffigen, würzigen Charakters aber auch kein Problem darstellt.
Das Münchner Helle ist ein untergäriges Vollbier mit vollmundigem, leicht süsslichem Charakter. Die Farbe ist meist gelblich und der Grossteil der Biere die als Münchner Helles verkauft werden ist gefiltert. Wie der Name schon andeutet ist dieser Braustil vor allem in Süddeutschland vertreten und ist in Baden-Württemberg, Bayern und Franken häufig das erste Bier am Zapfhahn. Der Schwarzwald und die bayrischen Voralpen erlaubten es aufgrund der vorherrschenden Temperaturen ein leichtes Bier zu brauen, welches in Felsenkellern gelagert wurde.
Ein Bockbier ist ein unter- oder obergäriges Bier mit hohem Alkohol- und Stammwürzegehalt. Der Ursprung dieses Braustils geht auf die Hansestadt Einbeck in Niedersachsen zurück. Das dort gebraute Bier war Luxusware und wurde über weite Strecken exportiert. Um es für den Transport bis nach Italien haltbar zu machen, wurde es stärker eingebraut. Anders als beim IPA steht aber beim Bockbier der Malz im Vordergrund. Ein klassischer Bock oder Doppelbock hat nur eine geringe Menge an Kohlensäure und dadurch einen eher schwereren Geschmack mit süsslichen Noten von Karamell.
Das Pilsner kommt ursprünglich aus der böhmischen Stadt Pilsen (Plzeñ), wird untergärig gebraut und hat einen höheren Hopfenanteil als das klassische europäische Lager. Traditionellerweise wird für Pilsner nur sehr helles Malz verwendet bei sehr langsamer Gärung bei kalten Temperaturen. Dadurch hat Pilsner trotz des hohen Gehalts an Hopfen einen runden, angenehmen Charakter. Der erste Sud „Pilsner Urquell“ wurde 1842 gebraut. In der Schweiz ist Pilsner als „Spezial“ bekannt, da nach einem Staatsvertrag mit der Tschechischen Republik nur Biere aus Pilsen die Bezeichnung Pilsner tragen dürfen.
Die in Nordamerika produzierten Lagerbiere werden oft als American Lager bezeichnet. American Lager sind leicht, süffig und haben einen niedrigeren Alkoholgehalt als das europäische Lager. Viele bekannte Marken verwenden Rohfrucht (meist Mais) im Brauprozess, was dem Bier eine leicht süssliche Note verpasst. Die bekanntesten Produkte dürften Corona, Budweiser und Miller sein.