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- Bild: Pixabay
Knorpel ist ein elastisches, druckaufnehmendes Gewebe, welches die Knochenenden im Bereich von Gelenken überzieht. Es kann sich mit wenigen Ausnahmen nach der Pubertät nicht mehr bilden. Umso fataler ist es, wenn man sich bei einem Unfall einen Knorpelschaden zuzieht, d.h. ein Stück herausschlägt.
Zur Zeit gibt es verschiedene Möglichkeiten der Rekonstruktion:
- Das Knorpel- oder Knorpelknochenstück wird wieder an den Ort verbracht, wo es herausgelöst ist. Dies ist entweder mit kleinen dübelartigen Implantaten möglich oder mittels Naht, wofür das Gelenk – häufig Knie- oder Sprunggelenk – jedoch eröffnet werden muss. Kommt es zu einer Einheilung, was leider nicht sicher ist, bedeutet dies wohl die beste Lösung für den Patienten.
- Die Einbringung von Knorpelknochenzylindern aus nicht belasteten Gelenkarealen in den Defekt, der vorher genau zur Aufnahme dieser Zylinder präpariert werden muss.
- Die Mikrofrakturierung, wohl das z.Zt. am häufigsten angewendete Verfahren. Durch das Aufstösseln bzw. das Anbohren des Knochens unter dem Defekt ergiessen sich bindegewebsbildende Zellen, welche man etwa bis zum Alter von 50 Jahren unter der Knochenoberfläche hat, in den Defekt und führen zur Bildung eines Regeneratknorpels, der qualitativ nicht so belastbar ist und leider auch nicht so langlebig. Das Areal kann man noch mit einem Kollagenflies bedecken, um die Zellen dort zuhalten, wo sie den Knorpel bilden sollen.
- Die Knorpelzelltransplantation. Hier werden in einem ersten Eingriff Knorpelzellen entnommen, diese in einem Labor angezüchtet, in ein Flies eingearbeitet oder als Gel zur Verfügung gestellt und dieses in einem zweiten Eingriff auf den Defekt aufgebracht. Ein sehr teures Verfahren, was in der Schweiz nur unter sehr strengen Auflagen und nach Einholung einer Kostengutsprache durchgeführt werden darf. In grossen Langzeitstudien hat es jedoch deutlich bessere Ergebnisse im Vergleich zur Mikrofrakturierung.
- Die Stammzellentransplantation aus Fettgewebe. Stammzellen können sich zu jedem Gewebe differenzieren, die höchste Konzentration findet man im Fettgewebe. Einfach ausgedrückt entnimmt man in einer kleinen Fettabsaugung Stammzellen und gibt sie in einem zweiten Eingriff in das Gelenk, wo sie Knorpelgewebe bilden. Aus rechtlichen Gründen – die entsprechenden Gesetze sind hier noch nicht angepasst und beziehen sich auf die wissenschaftliche Forschung von vor 20 Jahren – darf man Stammzellen bisher nicht bearbeiten. Wo dies möglich ist, sind die Ergebnisse jedoch noch vielversprechender. In 10 oder 15 Jahren wird dies wahrscheinlich das Verfahren der Wahl sein und vielleicht die Implantation von Endoprothesen nicht mehr notwendig machen.
Dr. med. Michael Kettenring