Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03482.jsonl.gz/1025

Um die 1990er Jahre begann der Prozess, der die Schweizerische Kreditanstalt in die Credit Suisse, eine nationale Bank in einen internationalen Finanzkonzern verwandelte.
Der verlief in Etappen und unter der Regie ihres damaligen unangefochtenen Chefs Rainer E. Gut.
Es wurden kleinere Konkurrenten wie zum Beispiel die damals viertgrösste Schweizer Bank, die Volksbank, geschluckt, vor allem aber kam es zum eigentlichen Coup, den Zukauf der renommierten Investmentbank First Boston in den USA.
Die CS war mit dieser Strategie nicht allein, sie lag im Trend, nicht nur in der Schweiz und im Bankenwesen.
Ganz grundsätzlich hatte jedes grössere Unternehmen plötzlich das Gefühl, sich in einen Konzern, eine Holding, verwandeln oder zumindest einem anschliessen zu müssen.
Im Wirtschaftsteil der Zeitungen wurden keine ökonomischen Meinungen mehr diskutiert, sondern gebetsmühlenartig die unumstössliche Wahrheit der Stunde verbreitet: fressen oder gefressen werden.
Parallel zu dieser Metamorphose schlug die grosse Stunde der Unternehmensberatungen, die man für teures Geld engagierte, um die Konzernstrategien umzusetzen.
McKinsey konnte in der Folge gut mit der wohl von ihr mit in die Welt gesetzten Marktanalyse leben, nach der es in der Schweiz nur Platz für 2 grosse Banken gäbe.
Die Basis, die solches Tun denkbar und damit möglich machte, war der Neoliberalismus der Achtzigerjahre, der zwar nur in den USA von Ronald Reagan und in Grossbritannien unter Margret Thatcher zur Staatsideologie wurde, allerdings in andere Ländern eingeschleppt und dort beinahe widerspruchslos das Wirtschafts- und Finanzsystem infizieren konnte.
In der Finanzwelt wurden damit Investmentbanken erst richtig geboren. Sie ermöglichten neue Märkte, die keinen Verweis oder eine Basis in der realen Welt mehr haben mussten.
Wenn eine reale Basis fehlt, nennt man das „Blase“, und eine Blase muss früher oder später platzen.
So erlebt in der Finanzkrise 2008. CS und UBS waren damals in einer ähnlichen Lage, die UBS hat reagiert, indem sie die Möglichkeit der Bildung von neue Blasen verkleinerte, indem sie die Investmentbank auf ein Minimum herunterfuhr.
Dass die CS das verpasste, liegt daran, dass sie damals in den Folgejahren mit Brady Dougan einen eingefleischten Investmentbanker aus der oben genannten First Boston an der Spitze hatte.
Auch die heutige globale Blase ist jetzt am Platzen: Das ohne reale Basis hemmungslos gedruckte Geld.
Mit dem so billig gewordenen Geld wurden massenhaft Aktien gekauft. Die reale Firma hinter der Aktie gibt es noch, sie wird uns jetzt in Zeiten von Krieg,
Lieferkettenproblemen und Energiekrise schmerzhaft in Erinnerung gerufen und offenbart uns die absurde Diskrepanz zwischen Realität und Blase.
Zwar ist es noch nicht zum ganz grossen Knall gekommen, aber doch zu einem massiven „Luft ablassen“, unter anderem auch darum, weil die Zeche der Bürger mit der Inflation bezahlt.
Die Verluste der CS, insbesondere die der Investmentbank, sind diese Luft, die raus muss. Sie sind der Preis für die Art Geschäfte, die ihr Rainer E. Gut eingebrockt hat und von denen sie sich nie hat trennen wollen.
Anstatt dessen wurde McKinsey engagiert, deren Berater für teures Geld Umorganisationen inszenierten.
Dass nun der neue Chef Ulrich Körner sein wird, stimmt nicht gerade zuversichtlich.
Ein – wie könnte es anders sein – ehemaliger McKinsey-Mann, aus der Firma also, die in den 1990ern die „Konzerninitiative“ gepredigt hatte, unter anderem auch bei der Swissair, die so zur Blase gemacht, zum Platzen gebracht wurde.
Ob Körner das Platzen der CS noch verhindern kann oder nur das machen wird, was CS- Chefs in solchen Situationen seit 25 Jahren machen: umorganisieren?