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Frankreich: ehrgeiziger «Ecophyto 2018»-Plan zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln gescheitert
Im Jahr 2008 startete Frankreich den «Ecophyto 2018»-Plan, um bis 2018 die Menge der verwendeten Pflanzenschutzmittel zu halbieren. Stattdessen hat der Pflanzenschutzmittel-Einsatz jedoch zugenommen. Jetzt muss nachgebessert werden.
Im Kampf um das französische Präsidentenamt 2007 hatte Nicolas Sarkozy auch auf die politische Umwelt-Trumpfkarte gesetzt. Nach seiner erfolgreichen Wahl im Herbst 2007 rief er einen nationalen Umweltgipfel «Grenelle Environnement» ein, einen runden Tisch von Interessensgruppen, um Weichen für die französische Umweltpolitik zu stellen. Während gewisse, für Frankreich unverzichtbare Themen wie die Kernenergie gar nicht auf die Tagesordnung kamen, wurden in anderen Bereichen publikumswirksame Entscheidungen vorbereitet. So kündigte die Regierung 2008 einen dramatischen Umschwung in der Agrarpolitik an. Die Menge der eingesetzten Pflanzenschutzmittel sollte durch den Plan «Ecophyto 2018» innerhalb nur eines Jahrzehnts halbiert werden. Kein anderes wichtiges Agrarland mit einer so vielfältigen Landwirtschaft wie Frankreich hatte sich je ein so ambitioniertes Ziel gesetzt.
Seither hat Frankreich fast eine halbe Milliarde Euro in Ecophyto investiert. Die Schwerpunkte liegen auf der Förderung von Anbauformen, die weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen (IP, biologische Schädlingskontrolle), einer besseren Information und Ausbildung der Landwirte, und dem Aufbau eines Netzwerks von Landwirtschaftsbetrieben zum Wissensaustausch über verbesserte Anbauverfahren. Ausserdem wurden Pflanzenschutz-Wirkstoffe verboten, und eine Lenkungs-Steuer auf Pflanzenschutzmittel erhoben, um deren Einsatz zu verteuern.
Bereits nach wenigen Jahren wurde deutlich, dass die ehrgeizigen Ziele von Ecophyto wohl nicht erreicht werden könnten. Als im Sommer 2018 der offizielle Fortschrittsbericht durch das französische Landwirtschaftsministerium präsentiert wurde, war klar: Ecophyto 2018 war jämmerlich gescheitert. Statt einer Halbierung der ausgebrachten Mengen an Pflanzenschutzmitteln wurde sogar eine Zunahme um 12.4% beobachtet (Vergleich der Dreijahres-Durchschnitte 2009 – 2016).
Der ursprüngliche Plan war von der falschen Voraussetzung ausgegangen, dass Landwirte sowieso viel zu viel Pflanzenschutzmittel einsetzen, und daher problemlos und ohne grossen Aufwand auf einen deutlichen Anteil davon verzichten können. In der Realität waren viele Landwirte nicht bereit, das Risiko von Ernteverlusten einzugehen, das bei niedrigerer Dosierung von Wirkstoffen droht – trotz der Lenkungssteuern, die einen niedrigeren Verbrauch von Spritzmitteln finanziell belohnen. Auch führte das Verbot mancher Wirkstoffe, z. B. der hochwirksamen Neonikotinoid-Beizmittel bei Getreide, dazu dass Landwirte grössere Mengen alternativer, weniger wirksamer Pflanzenschutzmittel einsetzen mussten.
Inzwischen ist in der französischen Politik die Erkenntnis gereift, dass einfache Massnahmen nicht ausreichen, um einen drastischen Rückgang der Pflanzenschutzmittel zu erreichen. Ohne tiefgreifende Veränderungen der landwirtschaftlichen Strukturen und Abläufe wird das nicht möglich sein. Als eine wichtige Massnahme werden in Frankreich eine Verbesserung der Fruchtfolge und eine vielseitigere Landwirtschaft (wie in der Schweizer Landwirtschaft schon lange praktiziert) gesehen – was aber auch Umstellungen der gesamten Wertschöpfungskette erfordert, und daher Zeit braucht. Auch zeigen Resultate des aktuellen Ecophyto Projekts, dass Verbesserungen der Anbauverfahren, z. B. durch gezieltere Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln, ein Einsparungspotential haben. Das DEPHY-Netzwerk von 3000 Versuchs- und Demonstrationsbetrieben in Frankreich konnte unter Einsatz modernster Methoden Einsparungen bei den Pflanzenschutz-Mengen von -11% bei Ackerkulturen, -12% im Weinbau und sogar -25% bei Gemüse erreichen, ohne wesentliche Einbussen bei Gewinn oder Ertrag. Die Entwicklung verbesserter Methoden und technischer Lösungen, zusammen mit einer wirksamen Weiterbildung aller Landwirte, bieten daher durchaus Chancen für Pflanzenschutz-Einsparungen.
In Frankreich soll der neue «Ecophyto 2+»-Plan mit verstärkter Forschung, mehr Demonstrations-Höfen, aber auch mehr Zwangsabgaben auf Pflanzenschutzmitteln und neuen Wirkstoff-Verboten zu einer massgeblichen Reduktion des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes führen. Man darf auf die Resultate gespannt sein.
Weitere Informationen
- Le plan Ecophyto 2018, Ministère de l’agriculture (F), 10.09.2008
- Déploiement du plan Ecophyto : des résultats encourageants, agriculture.gouv.fr, 28.13.2017
- Ecophyto – Note de suivi 2017, Ministère de l’agriculture (F), 27.07.2018
- Le Gouvernement donne une nouvelle impulsion au plan Écophyto, Ministère de l’agriculture (F), 27.07.2018
- France’s decade-old effort to slash pesticide use failed. Will a new attempt succeed?, Science, 11.10.2018
- Laure Hossard et al. 2017, Lack of evidence for a decrease in synthetic pesticide use on the main arable crops in France, Science of The Total Environment 575:152-161