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<h2>SubmittedText<h2><p>Von 1850 bis 2000 wurde in der Schweiz alle zehn Jahre eine Volkszählung durchgeführt, wobei jedes Wohngebäude, jede Wohnung, jeder Haushalt und jede Person anhand einer Reihe von Erhebungsmerkmalen erfasst wurden. Weil diese Merkmale miteinander verknüpft wurden (Zuordnung jeder Person zu einem Haushalt, jedes Haushalts zu einer Wohnung, jeder Wohnung zu einem Gebäude), entstand in vielen Bereichen ein getreues Abbild der Schweiz. Nach der Volkszählung 2000 wurde beschlossen, das Erhebungsverfahren zu ändern und von Fragebogenerhebungen zu Registererhebungen (Einwohnerregister) überzugehen und diese mit unterschiedlich detaillierten Stichprobenerhebungen zu ergänzen (vgl. Registerharmonisierungsgesetz vom 23. Juni 2006 und Volkszählungsgesetz vom 22. Juni 2007). Diese Änderungen wurden auf Anregung des Bundesamtes für Statistik vorgenommen. Nur wenige in diesem Bereich tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler äusserten sich skeptisch gegenüber den vermeintlichen Einsparungen, die man sich vom Verfahrenswechsel erhoffte. Die erste Volkszählung nach neuem System wurde 2010 durchgeführt.</p><p>Dieser Neuerung fällt jedoch die Vielfalt der gesammelten Daten zum Opfer. Der Verlust an Informationen zur Person ist massiv, denn heute werden nur noch Informationen zum Geschlecht, zum Alter, zum Zivilstand, zur Nationalität, zum Aufenthaltsstatus und zur Migration der Wohnbevölkerung erfasst. Informationen zur Sprache, zur Religion, zur Ausbildung, zum erlernten und ausgeübten Beruf, zum Tätigkeitsstatus, zur Stellung im Beruf, zu sozioprofessionellen Kategorien, zum Beschäftigungsgrad und zur Pendlermobilität (Verkehrsmittel, Zielort) gehen im Rahmen der neuen Volkszählung völlig verloren.</p><p>Der neue Erhebungsmodus zieht schwerwiegende Konsequenzen nach sich in Bezug auf die Informationen, die einzelne Gebiete der Schweiz betreffen. Eine vergleichende Analyse der Daten ist, ausser für sehr grosse Gebiete, nicht mehr möglich. Dadurch sind wir territorial gesehen kurzsichtig geworden - eine neue, seit der Gründung der modernen Schweiz unbekannte Situation. Vom veränderten Modus ist auch die Erfassung der Pendlerströme stark betroffen, die per se sehr detailliert sein muss. Die Pendlerströme spielen für die Definition der Agglomerationen sowie für deren Entwicklung eine entscheidende Rolle. Auch bei der Gestaltung der öffentlichen Politik im Bereich der infrastrukturellen Entwicklung, in die Dutzende Milliarden Franken investiert werden, spielt das Pendlerverhalten eine wichtige Rolle.</p><p>Deswegen stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt er das neue Volkszählungssystem?</p><p>2. Schliesst er sich der Kritik in Bezug auf den Informations- und Qualitätsverlust an, der mit der neuen Volkszählung einhergeht?</p><p>3. Gedenkt er, Massnahmen zu ergreifen, um das Erhebungssystem zu verbessern und gewisse Mängel zu beheben?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die öffentliche Statistik in der Schweiz hat den Auftrag, repräsentative Ergebnisse über den Zustand und die Entwicklung von Bevölkerung, Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung, Forschung, Raum und Umwelt bereitzustellen. Die Volkszählung liefert wichtige Informationen zu diesen Themenbereichen.</p><p>Das Parlament hat am 22. Juni 2007 das totalrevidierte Bundesgesetz über die eidgenössische Volkszählung verabschiedet. Seit 2010 wird die Volkszählung im Einjahresrhythmus und in neuer Form durch das Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt und ausgewertet. Thematisch sind die Informationen breiter ausgelegt, indem das neue System neben den Registerauswertungen und der jährlichen Strukturerhebung mit thematischen Statistiken ergänzt wird. Um die Aussagekraft der Daten in Bezug auf die räumliche Tiefenschärfe zu erhöhen, können die Kantone und Städte die Stichproben für ihr Gebiet aufstocken. Zu den einzelnen Fragen des Fragestellers nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:</p><p>1. Der Bundesrat ist überzeugt, dass mit dem neuen Volkszählungssystem ein zeitgemässes Instrument eingeführt wurde. Der heute stark beschleunigte wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel kann nur durch abgestimmte und entwicklungsfähige Statistiksysteme abgebildet und analysiert werden. Das neue Volkszählungssystem entspricht diesen Anforderungen. Es ist ausbaubar, und weitere Datenbestände können problemlos integriert werden - beispielsweise zusätzliche Registerdaten. Darüber hinaus können gegenüber der traditionellen Volkszählung rund 100 Millionen Franken eingespart werden.</p><p>2. Die aktuelle und zeitnahe Abbildung beispielsweise der Pendlerbewegungen ist durch die nur alle zehn Jahre durchgeführte Vollerhebung nicht mehr zielführend. Die Dynamik in den Zwischenjahren einer traditionellen Volkszählung ist zu gross geworden. Diese gesellschaftlichen Realitäten und deren Auswirkungen können dank dem neuen, jährlichen Volkszählungssystem deutlich besser abgebildet werden.</p><p>Auch die Informationen zur Sprache und Religion sind nicht verlorengegangen. Sie wurden mit der Veröffentlichung der ersten Resultate der Strukturerhebung 2010 im Juni 2012 erstmals publiziert und werden nun ebenfalls jährlich vorliegen. Ebenso werden mit der Strukturerhebung Informationen zum erlernten Beruf, zum ausgeübten Beruf, zur Stellung im Beruf, zur Verkehrsmittelwahl bei den Pendlern oder zur Erwerbstätigkeit neu jährlich erhoben, ausgewertet und publiziert.</p><p>3. Das BFS prüft laufend die weitere Nutzung von vorhandenen Registerdaten, um auf diese Weise die Datenverfügbarkeit weiter auszubauen. Das Volkszählungssystem ist zudem so angelegt, dass die räumliche Präzision laufend verbessert wird. Der Systemaufbau ist in dieser Hinsicht weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Nachdem die Einführungsphase mittlerweile abgeschlossen ist, wird auch eine raschere Publikation der Resultate angestrebt. Der Bundesrat sieht keinen weiter gehenden Handlungsbedarf.</p>  Antwort des Bundesrates.