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Küssen kann gefährlich sein
EBV und seine Variationen
Prof. Dr. D. Nadal, Univers. Kinderklinik, Zürich
Kommentar aus der Praxis: Dr. K. Keller, Gossau
Prof. D. Nadal ist Leiter der infektiologischen Abteilung der Universitätskinderklinik in Zürich. Er startet mit der Bemerkung, dass das Epstein Barr Virus (EBV) im Prinzip bestens an den Menschen angepasst ist und im Grunde genommen seinen Wirt keinesfalls schädigen will.
1964 wurde EBV mittels Elektronenmikroskopie entdeckt. Es gehört zu den B-lymphotrophen Gamma-Herpesviren. Im Alter von 25 Jahren ist praktisch die ganze Bevölkerung infiziert, wobei in weniger industrailisierten Ländern die Infektion meist früher erfolgt. Die Übertragung erfolgt im allgemeinen oral (deshalb "Kissing Disease") seltener genital.
Der Ablauf der Infektion gestaltet sich folgendermassen:
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Infektion der Epithelzellen (so kann sich das Virus vor der Immunabwehr verstecken).
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Infektion der B-Zellen.
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Infektion des lymphatischen Systems.
Zwei Lebensformen des EBV sind bekannt:
- die latente Phase: häufiger, in den B-Zelle
- die lytische Form: aktive Produktion von Viruspartikeln, anschliessend Shedding
Die Klinik der Mononukleose ist allgemein bekannt (Tonsillitis, Lymphadenopathie, Hepatosplenomegalie), sie tritt erst nach dem 5. Lebensjahr auf. Im 18. Lebensjahr findet die Krankheit am häufigsten statt. Differentialdiagnostisch muss immer an eine CMV-, va. aber auch an eine akute HIV-Infektion gedacht werden!
Serologisch lassen sich Antikörper gegen Viruspartikel und Antikörper gegen Antigene in infizierten Zellen (EBNA) unterscheiden. Zu bemerken ist, dass heterophile Ak erst nach dem 5. Lebensjahr und nur bei einer Mononukleose gebildet werden.
Die Pathologie der Erkrankung ist primär nicht durch die Infektion, sondern durch die Immunreaktion durch die cytotoxischen T-Zellen bedingt. EBV kann zur Tumorentstehung beitragen, wobei Tumoren von Immunkompetenten (Burkitt, gewisse Hodgkin Lymphome, Nasopharyngealkarzinome) und Immunkompromittierten (lymphoproliferative Syndrome bei Transplantierten, ZNS-Lymphom bei AIDS) unterschieden werden. In diesen Zuständen werden verschiedene Latenzprogramme mit unterschiedlicher Antigenexpression unterschieden.
Beim Burkitt Lymphom führt die c-myc Translokation dazu, dass EBV nicht erkannt wird und dass befallene Zellen eine Tumortransformation durchmachen. Beim M. Hodgkin hingegen zeigt die LMPI-Mutation eine onkogene Wirkung. Beim HIV-Patienten mit ZNS-Lymphom wird EBV ebenfalls nicht erkannt, auch hier spielt eine c-myc Translokation eine Rolle. Beim lymphoproliferativen Syndrom wird durch die Immunsuppression EBV nicht erkannt und die lymphatischen Zelllen können ungehindert proliferieren, da sie durch EBV dazu stimuliert werden.
Generell kann aber gesagt werden, dass EBV eher ein unschädliches Virus ist und Küssen doch nicht so gefährlich ist, wie dies der Titel des Vortrages suggerieren könnte.
Dr. C. Lee gibt seinen Kommentar aus der Praxis und erwähnt richtigerweise, dass bei Tonsillitis zuerst eine behandelbare Ursache gesucht werden sollte. Bei Verdacht auf Pfeiffer"sches Drüsenfieber ist vor allem wichtig, dass v.a. Massnahmen zur Verhinderung einer Milzruptur (Vermeidung von Sport, solange Milz unter Rippenbogen palpabel) beachtet werden sollten; ansonsten hat die Diagnose wenig Konsequenzen.
Die vollständige Präsentation des Vortrags von Prof. Dr. David Nadal (pdf-file) finden Sie hier
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