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Die Dunkle Biene sammelt gleich viel Honig, wie andere Unterarten der Honigbienen. Bei der Propolis-Produktion und beim Pollen-Sammeltrieb ist die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) sogar «fleissiger». Zusammengefasst: Die Mellifera als einzige einheimische Honigbiene der Alpennordseite ist ebenso ertragreich, wie andere Unterarten.
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über das Aussehen (Morphologie) und die Eigenschaften der Dunklen Biene:
- Beschreibung der Dunklen Biene: Farbe, Körperform und Flügel
- Die Dunkle Biene ist robust, haushälterisch und flugstark
- Die Dunkle Biene sammelt fleissig Honig, Pollen und Propolis
- Widerstandsfähigkeit und Verteidigungsbereitschaft der Dunklen Biene (folgt)
Über die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) kursieren sowohl bei ihren Liebhabern, als auch bei Gegnern die wildesten Gerüchte. Sie soll wahlweise mehr oder weniger Honig sammeln, als andere Unterarten. Die Dunkle Biene soll extrem stechfreudig sein, oder im Gegenteil sehr ruhig. Sie soll auf die Europäische Faulbrut (Sauerbrut) anfällig sein, oder eben genau nicht.
Tatsache ist: Die Honigleistung eines Bienenvolkes hängt genauso wenig von der Unterart ab, wie die Stechfreudigkeit oder die Anfälligkeit auf Krankheiten. All diese Faktoren sind – nach dem Hauptfaktor Umwelt – vielmehr das Ergebnis einer jahrzehntelangen Selektion durch Imker und stark abhängig von der Betriebsweise. Alle angeblich gefundenen, von der Unterart abhängigen Unterschiede halten wissenschaftlichen Überprüfungen bisher nicht stand. (1)
Vergleiche zeigen: Die Mellifera sammelt gleich viel Honig wie die Carnica
Wissenschaftlich fundierte Vergleichs-Untersuchungen wurden schon 1963 bis 1965 durchgeführt. Der damalige Zuchtchef des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB), Fritz Kobel, verglich verschiedene Mellifera- und Carnica-Bienenvölker.
Bei «normaler» Massentracht war die durchschnittliche Honigleistung der untersuchten Mellifera-Völker 20 Prozent kleiner, als jene der Carnica-Völker. Auffallend war jedoch, dass die besten Mellifera-Völker die gleiche Leistung brachten, wie die besten Carnica-Völker. Und bei kritischen Trachtbedingungen war die durchschnittliche Honigleistung der Mellifera-Völker sogar grösser, als jene der Carnica-Völker. (2)
In seinen Untersuchungen verglich Fritz Kobel die Völker der beiden Unterarten nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Seine Schlussfolgerung: Die Mellifera hat dasselbe Leistungspotential wie die Carnica, wurde jedoch nicht unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet, was den Leistungsdurchschnitt drückt.
Die Carnica-Königinnen der 1960er-Jahre kamen allesamt aus österreichischen Zuchtbeständen mit drohnensicheren Belegstellen, die Mellifera jedoch bestenfalls von herkömmlichen Landbelegstellen. Diese sorgten für einen viel umfangreicheren und diverseren Mellifera-Bestand, der viel weniger durchgezüchtet war. Bis zu einer konsequenten Leistungszucht der Dunkle Biene dauerte es noch vier Jahrzehnte.
Auch bei schlechten Bedingungen produziert die Dunkle Biene einen guten Honigertrag
Einige Jahre später definierte der deutsche Bienenforscher Friedrich Ruttner die variablen Faktoren, welche neben der konsequenten Leistungszucht für eine gute Honigleistung sorgen: (3)
- Anzahl der Flugbienen während der Haupttracht
- Sammelleistung der einzelnen Biene
- Brutmenge während der Tracht
Die Dunkle Biene ist gemäss Ruttner «in jeder Hinsicht massvoll» und deshalb bei kritischen Trachtbedingungen anderen Unterarten überlegen. Sie reagiert tagesaktuell auf das wechselhafte atlantische Klima der Alpennordseite, bestätigen Mellifera-Imker nach dem komplett verregneten Frühling und Sommer 2016.
Die Dunkle Biene passt das Brutnest dem lokalen Wetter und Trachtangebot an, was das Überleben des Volkes auch ohne Notfütterungen sichert und zu langlebigen Bienen führt. Und sie ist robust genug, um schon bei Wetterbedingungen nach Nektar zu suchen, bei denen andere Unterarten passen müssen. So bringt die Mellifera dem Imker «eine [...] Ernte, ohne dass man sich viel um sie kümmern muss». (3)
Lange vor Kobel und Ruttner studierte der Benediktiner-Mönch Karl Kehrle (Bruder Adam) die Honigleistung der Dunklen Biene, um ihre besten Eigenschaften für seine neue Buckfast-Zuchtrasse zu verwenden. Bruder Adam beeindruckte vor allem das ausserordentliche Flugvermögen seiner Dunklen Bienen, die über 3,6 Kilometer und 400 Höhenmeter in die Heide flogen, und dort Nektar sammelten. «Keine andere Biene hat so eine Leistung geschafft.» (4)
Mit all diesen Eigenschaften bringt die Dunkle Biene – langfristig und über alle Völker verschiedener Bienenstände einer Region gesehen – den gleichen Honigertrag, wie andere Unterarten.
Die Dunkle Biene hat einen starken Pollensammeltrieb
Die Dunkle Biene sammelt neben Nektar auch den Pollen (Blütenstaub) von den Trachtpflanzen und formt ihn für den Transport zurück in den Bienenstock zu «Höschen» an ihren Hinterbeinen. Für eine einzige Pollenladung muss sie 80 Blüten besuchen. Ein leistungsstarkes Mellifera-Volk sammelt bei guter Tracht täglich bis zu 80’000 Pollenladungen, was jährlich bis 30 kg Pollen ergibt.
Der eiweissreiche Blütenstaub wird in einem breiten Pollenkranz als Futter für die Larven direkt um das kompakte Brutnest gelagert und mit Nektar sowie Enzymen haltbar gemacht, um den Pollen über längere Zeit vor Keimen und Gärprozessen zu schützen. So kann das Bienenvolk auch bei andauernden Schlechtwetterlagen noch lange auf seinen grossen Pollenvorrat zurückgreifen.
Die Ammenbienen machen daraus einen Futterbrei, der vorgekaut an die Larven verfüttert wird. Während den sechs Tagen der Larvenzeit vertilgt eine einzige Larve Futterbrei aus bis zu 2000 Pollenhöschen.
Beim starken Pollen-Sammeltrieb der Dunklen Biene kann der Imker guten Gewissens einen Teil der Pollenernte entnehmen. Er wird dies aber nur während der Haupt-Trachtzeit tun – und dabei dem Bienenvolk höchstens 10 bis 30 Prozent der Pollen wegnehmen. Dafür installiert der Imker während der Haupt-Trachtzeit, wenn das Pollenangebot besonders gross ist, eine gitterartige Pollenfalle. Wenn die Sammelbiene zurück zum Bienenstock fliegt und durch das Flugloch in die Beute steigt, streift sie an diesem Gitter einen Teil der Pollenhöschen ab. Bei den heute verwendeten hochwertigen Pollenfallen nehmen die Bienen dabei keinen Schaden.
Die abgestreiften Pollenhöschen fallen in die Pollenschublade, die jeden Abend vom Imker geleert und umgehend tiefgekühlt wird. Nach der Pollen-Sammelsaison wird die tiefgekühlte Ernte vom Imker weiter verarbeitet. In der Schweiz kann er das Rohmaterial an die Schweizerische Pollenimkervereinigung weitergeben, welche die Blütenpollen in einem schonendem Verfahren trocknet oder unter Schutzatmosphäre zu tiefgekühltem Frischpollen verarbeitet und verpackt.
Obwohl schon die Wikinger auf ihren monatelangen Seefahrten den Pollen als Nahrungsergänzung verzehrten, entdeckte die Wissenschaft erst in den 1930er-Jahren den hohen Eiweissgehalt des Pollens. Blütenpollen enthalten zudem alle lebenswichtigen Aminosäuren und sind reich an Mineralstoffen, Spurenelementen, Enzymen und verschiedenen Vitaminen. Deshalb wird der Pollen als Nahrungsergänzungsmittel mit therapeutischer Wirkung angeboten. Die Jahresproduktion der Schweizer Pollenimkervereinigung beträgt rund eine Tonne, weitere zwei bis drei Tonnen werden aus dem Ausland importiert. (5)
Der starke Pollen-Sammeltrieb hat aber auch für den Honig-Konsumenten einen Vorteil: Die Dunkle Biene produziert einen pollenreichen, sehr aromatischen Honig mit einem besonders ausgewogenen Geschmack.
Die Dunkle Biene ist einer der eifrigsten Propolis-Sammler
Schon der Name Propolis beschreibt treffend, was die Dunkle Biene mit diesem natürlichen Kittharz macht: Die Mellifera-Völker sammeln sehr viel Propolis und verkitten damit auch die kleinste Ritze im Innern des Bienenstockes. Die alten Griechen beobachteten bei Bienenvölkern, dass diese sogar fast das Flugloch vor der damals als (Bienen-)Stadt bezeichneten Baumhöhle verkitteten. Sie setzten deshalb die griechischen Begriffe «pro» (vor) und «polis» (Stadt) zusammen zum Namen für dieses Baumaterial: Propolis.
Den Grundstoff für die Propolis sammeln die Honigbienen als harzige Substanz aus den Knospen vor allem von Laubbäumen. Auf der Alpennordseite sind dies Pappeln als bester Propolis-Lieferant sowie Birken, Buchen, Erlen, Rosskastanien, Ulmen und die Fichte (Rottanne). Die Grundmasse reichern die Honigbienen mit verschiedenen anderen Stoffen an. Die fertige Propolis besteht dann aus 55 Prozent Naturharz und Pollenbalsam, 30 Prozent Wachs, 5 Prozent Pollen und 10 Prozent ätherischen Ölen aus den Blütenknospen und Speichelsekret (Fermenten) der Honigbienen.
Bei einer Stocktemperatur von 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit herrschen ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Krankheiten. Die Propolis ist deshalb nicht nur Baumaterial zum Verkitten von Ritzen, sie hemmt Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen in ihrer Entwicklung und kann sie sogar abtöten. Deshalb überziehen die Honigbienen zum Beispiel das Innere der Wabenzellen für die Brut mit einem hauchdünnen Propolisfilm und kapseln Fremdkörper im Bienenstock mit Propolis ab.
Die dunkelgrüne bis rotbraune, harzartige Propolis verströmt einen aromatischem Geruch. Je nach Baumart, von welcher die Honigbienen die harzige Substanz gesammelt haben, riecht sie würzig, balsamisch und leicht süsslich. Der Geschmack von Propolis ist leicht scharf, balsamisch und etwas bitter – aber durchaus angenehm.
Unangenehm ist nur, dass dieses klebrige Baumaterial der Bienen kaum von Händen, Werkzeugen und Kleidung zu entfernen ist. Die alten Griechen hatten offenbar einen feinen Sinn für Humor, denn das Kofferwort Propolis(o) bedeutet gleichzeitig auch klebrig. Für die Mellifera-Imker in Südfrankreich gehört deshalb «neben dem Smoker eine Flasche Spiritus zum Reinigen der Finger vom Kittharz zum normalen Arbeitsmaterial», berichtet Friedrich Ruttner. (6)
Der Imker erntet die Propolis mit einem speziellen, feinmaschigen Kunststoffgitter, dessen störenden Zwischenräume die Honigbienen eifrig verkitten. Nach einiger Zeit kann der Imker das Gitter aus der Bienenbeute entnehmen und in den Gefrierschrank legen. Bei -18 Grad wird die Propolis spröde und springt schon beim leichten Biegen des Kunststoffgitters von diesem ab.
Besonders begehrt ist die Propolis, welche die Honigbienen unter dem «Dach» der Magazinbeute anlegen. Auf den Rähmchen und wo das Deckbrett aufliegt, findet der Imker Propolis-Ablagerungen, die er mit dem Spachtel abnehmen kann. Diese Propolis enthält sehr wenig Wachs und eignet sich darum besonders gut für die Herstellung von Tinkturen und Salben.
Der so gewonnenen Rohstoff wird in 70 bis 75-prozentigem Alkohol aufgelöst und gefiltert. In der Hausapotheke werden Propolis-Tinkturen oder -Öle wegen ihrer antibiotischen, antiviralen und antimykotischen Wirkung eingesetzt gegen Infekte (z.B. Grippe) und Erkrankungen im Mundbereich (z.B. Mundgeruch oder Zahnschmerzen) und in den Atemwegen. Achtung: Als Arzneimittel ist Propolis zulassungspflichtig und darf ohne Zulassung nicht vertrieben werden.
Vor allem bei hohen Temperaturen bringen die Mellifera-Völker Unmengen von Propolis in die Bienenbeute, weil dann das Knospenharz weich ist. Bis zu 250 Gramm Propolis pro Volk und Jahr sind keine Seltenheit – bis drei Mal mehr, als die anderen Unterarten. Bruder Adam gab der Dunklen Biene dafür in seinem Buch «Züchtung der Honigbiene» die Bestnote. (7)
Fussnoten
(1) Europäische Bienenrassen in der Übersicht, Deutsches Bienenjournal 2/2006, S. 12-13
(2) Reto Soland: Geschichte der schweizerischen Melliferazucht, mellifera.ch-Magazin, Zürich August 2012, S. 14
(3) Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 978-3440091258, S. 53
(4) Bruder Adam: Züchtung der Honigbiene, Imkerei-Technik-Verlag, Oppenau 1978, S. 65
(5) Wie wird Blütenpollen geerntet, Schweizerische Pollenimkervereinigung www.swiss-pollen.ch
(6) Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 978-3440091258, S. 54
(7) Bruder Adam: Züchtung der Honigbiene, Imkerei-Technik-Verlag, Oppenau 1978, S. 54
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