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Sir,
um darzulegen, wie vorsichtig Reisende sein sollten, wenn sie bei halbzivilisierten Völkern auf hieroglyphenartige Schriftzeichen stoßen, habe ich mich in Researches on the Monuments of the New Continent [Vues des Cordillères et monumens des peuples indigènes de l’Amérique], Seite 62, auf einen Umstand bezogen, der bei den Betjuanas in Südafrika beobachtet wurde. Ein Reisender hatte gesehen, wie Kinder in einen Felsen Zeichen ritzten, die zufällig den Buchstaben P und M des lateinischen Alphabets ähnelten. Diese Beobachtung hatte ich Herrn Truter zugeschrieben und aus dem Werk zitiert, dem sie entnommen war – Die Geographischen Ephemeriden des Herrn Bertuch. Dafür wurde ich jedoch in der sechsundzwanzigsten Nummer des Quarterly Review scharf kritisiert. In der Analyse von Campbell’s Missionsreisen wird versichert, daß über ein solches Ereignis in Truters Werk nicht berichtet werde, daß es nicht einmal den kleinsten Hinweis darauf gebe; und der Artikel, der mit den Worten begonnen hatte: „Sollte man der Autorität von Herrn Humboldt irgendwelches Vertrauen schenken“, endete mit: „und doch ist das eine Tatsache, an der Herr Humboldt eine seiner zahllosen Theorien aufhängt.“
Ich behaupte nicht, daß mein Name große Autorität hat, wenn es um Tatsachen geht, die ich nicht mit eigenen Augen untersucht habe. Es gibt wenige Autoren, denen die Unvollkommenheiten ihrer Werke bewußter sind als mir; aber in Bezug auf die Betjuanas ist meiner Ansicht nach der Mangel nicht so schwerwiegend, wie es der unfreundliche Kritiker nahelegt. Die fragliche Geschichte, enthalten in den Ephemeriden des Herrn Bertuch, Mai 1807, Seite 32, Zeile 25, wird folgendermaßen erzählt: – „Bei den Betjuanas waren zehn- oder zwölfjährige Kinder damit beschäftigt, mit einem spitzen Gegenstand Zeichen in einen Felsen zu ritzen, von denen einige den Buchstaben M, H und P des lateinischen Alphabets so sehr ähnelten, daß Reisende sie irrtrümlich für wirkliche Buchstaben hätten halten können.“ Dieser Umstand wurde von mir nicht erwähnt, um Theorien aufzustellen, sondern um Theorien zu verurteilen, vor allem aber um zu beweisen, daß die Ähnlichkeiten phönizischer Buchstaben mit einigen Zeichen, die in die Felsen am Orinoco geritzt sind, rein zufällig sind. Ich habe mich lediglich geirrt, als ich mich in diesem Fall auf die Autorität von Herrn Truter bezog, dessen Name mir durch die exzellenten Reiseberichte des Herrn Barrow bestens bekannt ist. Die Beobachtung wurde jedoch von Dr. Lichtenstein gemacht, der 1803 von General Janssen ins Land der Betjuanas geschickt worden war, und dessen Bericht sich in den Ephemeriden des Herrn Bertuch findet. Da Dr. Lichtenstein seine Beobachtungen oft mit denen von Herrn Truter vergleicht, habe ich die beiden Reisenden, die dasselbe Volk besuchten und die gleichen Dinge erforschten, miteinander verwechselt.
ALEXANDER HUMBOLDT, Fellow of the Royal Society
Paris, den 24. Januar 1816
An den Herausgeber des Morning Chronicle