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Der Mann mit den Milliarden im Schiefer
Mit der Innovation des Fracking hat George Mitchell für sich selbst ein Vermögen geschaffen. Doch sein Vermächtnis könnte viel bedeutender werden.
Im Wettbewerb um die einflussreichste Person der USA im vergangenen Jahrhundert taucht der Name George Mitchell selten auf. Doch der texanische Ölmilliardär, der 2013 im Alter von 94 Jahren verstorben ist, könnte diesen Titel rechtfertigen. Sein Vermächtnis ist die Entwicklung der Schiefergas-Förderung oder des Fracking, wie es kurz genannt wird. Mitchell hat mit seinem gleichnamigen Unternehmen die Förderung von Erdgas durch das Fracking revolutioniert. Was zu seiner Zeit noch als phantastischer Traum galt, ist heute Realität.
Der Traum jedes Präsidenten
Formationen wie der Marcellus-Schiefer in Pennsylvania, die Bakken-Region in North Dakota oder die Permian-Felder in Texas könnten zu so viel Wachstum beitragen, dass die USA bald unabhängig von Importen werden könnte. Dies ist seit der Erdölkrise ein Traum jedes amerikanischen Präsidenten. Barack Obama hat dank der Pionierarbeit Mitchells die Chance, derjenige Präsident zu werden, unter dem die USA nahe an die Energieunabhängigkeit gelangen. Die wirtschaftlichen und geopolitischen Implikationen dieses Wandels sind nicht zu unterschätzen. An der Wall Street sind sich die Analytiker einig, dass die Arbeit Mitchells zu massiver Wertschöpfung und Vermögensbildung führen wird.
Angefangen hat Mitchell wie andere Ölmänner in Texas mit herkömmlichen Methoden. Man leiht sich etwas Geld, bohrt ein Loch und hofft auf Erdöl. Wenn es nicht klappt, leiht man sich mehr Geld und versucht es anderswo nochmals. Der Algorithmus geht so lange, bis Erdöl gefunden wird oder der Unternehmer bankrott ist. Mitchell hat diese Phase gut überstanden. Als Sohn griechischer Einwanderer passt er bestens in die Reihen von Immigranten, die auf diese Weise aus nichts ein Vermögen gemacht haben.
Der Durchbruch mit dem Schiefergas kam im sogenannten Barnett Shale. Die Formation in der Dallas-Region hat jahrzehntelang herkömmliches Erdgas geliefert. Typischerweise wird dabei Energie aus Reservoirs gefördert, die entweder unter oder über einer Gesteinsschicht angelegt sind. Das Erdgas sickert aus dem Gestein und wird in einem Reservoir gefangen. Mitchell hat sich überlegt, ob er direkt ins Gestein bohren soll. Das Problem der Methode ist, dass die Erdgasmoleküle im Gestein gefangen sind und nicht frei fliessen. Mitchell hat das Problem mit der sogenannten Fracking-Methode gelöst.
Sprengt den Stein auf
Unter Fracking versteht man das Pumpen einer flüssigen Masse aus Sand und Chemikalien in das Gestein. Der Druck rüttelt das Gestein auf und setzt die Erdgasmoleküle frei. Das Gas fliesst in die Rohre und kann gefördert werden. Als Mitchell mit dem Fracking anfing, war die Methode noch sehr teuer. Es fehlte an Infrastruktur und erfahrenen Ingenieuren. Doch Mitchell setzte jeden Penny in die Förderung des Barnett Shale und verbuchte schliesslich den erhofften Erfolg. Sein Unternehmen ist 2002 für mehrere Milliarden von Devon Energy übernommen worden.
Doch die Leistung Mitchells geht über die Dollar-Milliarden hinaus. Es hat sich ein ganzer Sektor von Firmen gebildet, deren Marktkapitalisierung bis zu Dutzenden von Milliarden beträgt. Die Schiefer-Revolution hat sich quer durch das Land verbreitet und auch an der Wall Street zu Euphorie geführt. Firmen wie Devon, Anadarko, EOG oder Range Resources haben ihre Marktkapitalisierung dank dem Fracking vervielfacht. Es besteht zwar das Risiko, dass sich die Aktionäre von der Euphorie zu überhöhten Erwartungen verleiten lassen. Doch bisher sind die Resultate gut gewesen.