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Kardiovaskuläres Nieren-Stoffwechsel-Syndrom: Rechtzeitig gegensteuern!
Das kardiovaskuläre Nieren-Stoffwechsel-Syndrom betrifft gleich mehrere Organe und gehört zu den grössten Bedrohungen für die Gesundheit. In dieser Situation gilt es, Symptome richtig einzuordnen und rechtzeitig gegenzusteuern.
Wenn das Zusammenspiel von Herz, Nieren und Stoffwechsel gestört ist, steigt insbesondere das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.
Dahinter stecken oft Übergewicht und die negativen Auswirkungen des dysfunktionalen Fettgewebes, erinnern amerikanische Experten der American Heart Association (AHA) in einem aktuellen Übersichtsartikel (1).
Kommt es im Zuge des Krankheitsgeschehens zur manifesten Multiorganerkrankung mit einem Typ-2-Diabetes, chronischem Nierenleiden und Herz-Kreislauf-Erkrankung, spricht man vom cardiovascular-kidney-metabolic syndrome (auf Deutsch etwa: kardiovaskuläres Nieren-Stoffwechsel-Syndrom).
Stadium richtet sich nach Risikofaktoren
Das Risiko für das kardiovaskuläre Nieren-Stoffwechsel-Syndrom kann in fünf Stadien eingeteilt werden:
- Stadium 0: Keine Risikofaktoren für das Syndrom vorhanden.
- Stadium 1: Übergewicht (BMI > 25 kg/m2) und ein Übermass an abdominalem
Fettgewebe, möglicherweise gestörte Glukosetoleranz oder Prädiabetes.
- Stadium 2: Hypertonie und Stoffwechselerkrankungen wie Hypertriglyzeridämie,
Diabetes oder metabolisches Syndrom, möglicherweise eine chronische
Nierenerkrankung mit moderatem Risiko.
- Stadium 3: Adipositas in Verbindung mit subklinischer kardiovaskulärer
Erkrankung oder ähnlichen Zuständen, wie hohes kardiovaskuläres Risiko oder
hochriskantes Nierenleiden.
- Stadium 4: Manifeste kardiovaskuläre Krankheit im Rahmen des Syndroms.
Auch das Vorliegen zusätzlicher Faktoren beschleunigt die Progression des kardiovaskulären Nieren-Stoffwechsel-Syndrom, erinnern die Autoren.
Stadiengerechte Behandlung beim Nieren-Stoffwechsel-Syndrom
Auch die Behandlung des Syndroms richtet sich nach seiner Ausprägung.
Im Stadium 0 steht der Erhalt der kardiovaskulären Gesundheit im Vordergrund, dazu gehört auch das Vermeiden einer Gewichtszunahme. Im Stadium 1 geht es hingegen bereits darum, metabolische Risikofaktoren zu minimieren. Oft reichen dabei eine herzgesunde Ernährung und angemessene Bewegung aus.
Wie eine Gewichtsabnahme wirkt
Eine Gewichtsabnahme ab fünf Prozent hat bereits signifikante Auswirkungen auf Blutdruck, Blutzucker und Fettwerte, eine Reduktion um zehn Prozent oder mehr verhindert dann auch kardiale Ereignisse. Medikamentöse Adipositastherapie und bariatrische Operationen können die Behandlung ergänzen.
Im Stadium 2 sollen weitere kardiovaskuläre Erkrankungen verhindert werden. Die Vorgehensweise hängt von der individuellen Situation ab. Eine Reduktion des Blutdrucks kann zum Beispiel mehreren Gefässerkrankungen vorbeugen. Die Leitlinien empfehlen einen Zielwert von 130/80 mmHg.
Eine medikamentöse Therapie in Kombination mit einem gesunden Lebensstil wird für Menschen über 65 Jahre, bei Diabetes und einem Zehn-Jahres-Risiko für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (ASCVD) ab zehn Prozent empfohlen.
Bei Diabetes, Albuminurie oder anderen chronischen Nierenerkrankungen empfehlen die Autoren die bevorzugte Gabe von ACE-Hemmern und Angiotensin-II-Rezeptorblockern, um das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu stoppen.
Es besteht zudem ein kausaler Zusammenhang zwischen ASCVD und Hypertriglyzeridämie. Wenn Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen, können Statine die Blutfettwerte zumindest moderat senken. Bei Werten über 500 mg/dl sind Fibrate indiziert.
Triglyzeride in den Normbereich bringen
Bei Diabetes und dem damit verbundenen Risiko für ASCVD ist eine konsequente Statintherapie angezeigt, gegebenenfalls ergänzt durch Ezetimibe. Ebenso ist eine Reduktion des LDL-Cholesterins um mindestens 50 Prozent ist anzustreben.
Eine kardioprotektive antiglykämische Therapie mit SGLT2-Inhibitoren und GLP1-Rezeptoragonisten wird für Patienten mit Stoffwechselstörungen und entsprechenden Begleiterkrankungen empfohlen. SGLT2-Inhibitoren reduzieren auch das Risiko einer Verschlechterung der Nierenfunktion.
Bei HbA1c-Werten über neun Prozent oder höherem Insulinbedarf sollten GLP1-Analoga bevorzugt werden, da diese Substanzen den Blutzuckerspiegel stärker senken. Aufgrund ihrer positiven Auswirkungen auf das Körpergewicht eignen sie sich auch zur Behandlung von schwerer Adipositas (BMI über 35 kg/m2). Bei hohem Risiko für Herzinsuffizienz können SGLT2-Inhibitoren die Wahrscheinlichkeit von Krankenhausaufenthalten verringern.
Bei chronischer Nierenerkrankung mit Albuminurie reduzieren ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker unabhängig vom Vorliegen von Diabetes das Fortschreiten der Krankheit und das kardiovaskuläre Risiko. Auch SGLT2-Inhibitoren können das Fortschreiten der Nierenerkrankung verhindern, und wirken zusätzlich kardioprotektiv.
Bei einem Nieren-Stoffwechsel-Syndrom ab Stadium 3 proaktiv reagieren!
Im Stadium 3 empfehlen die Autoren bereits bei asymptomatischer linksventrikulärer systolischer Dysfunktion eine Behandlung mit ACE-Hemmern und Betablockern. Bei Patienten mit Diabetes senken SGLT2-Inhibitoren das Risiko für eine manifeste Herzinsuffizienz. Die subklinische ASCVD kann durch Koronarkalk nachgewiesen werden. Patienten mit Punktwerten über 100 haben ein Zehn-Jahres-Risiko von über 7,5 Prozent. In dieser Situation ist die präventive Gabe von ASS sinnvoll.
Im Stadium 4 sollten alle Patienten mit manifestem ASCVD zusätzlich zu einem hochwirksamen Statin ASS oder einen P2Y12-Inhibitor einnehmen. Die Therapie der Herzinsuffizienz sollte gemäss den Leitlinien erfolgen, was den Einsatz von Betablockern, Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI), Aldosteronrezeptor-Antagonisten und SGLT2-Inhibitoren umfasst. Diese Therapie verbessert die Prognose insbesondere bei reduzierter linksventrikulärer Funktion.
Bei Adipositas können GLP1-Rezeptoragonisten das Risiko für Koronarkomplikationen signifikant senken. Bei gleichzeitig bestehender chronischer Nierenerkrankung und koronarer Herzkrankheit werden neben der Statintherapie auch ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker empfohlen.
Der Einsatz von SGLT2-Hemmern erfordert eine eGFR über 20 ml/min/1,73 m2. Diese Substanzen reduzieren das Fortschreiten der Nierenerkrankung und die KHK-Mortalität, verhindern Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzinsuffizienz und schwere kardiale Komplikationen. Finerenon kann bei einer eGFR über 25 ml/min/1,73 m2 verordnet werden und reduziert Nieren- und Herzereignisse. ARNI verlangsamen den Abfall der Nierenfunktion, schützen vor Krankenhausaufenthalten aufgrund von Herzinsuffizienz und verhindern kardiovaskuläre Todesfälle.