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Vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona hat der Prozess gegen die Ex-Präsidenten von Fifa und Uefa, Sepp Blatter (86) und Michel Platini (66) begonnen. Es geht um eine verdächtige Zahlung der Fifa an Platini in Höhe von zwei Mio. Franken aus dem Jahr 2011.
Am Vormittag kam es im Rahmen der Vorfragen zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Verteidigung, Bundesanwaltschaft und Privatklägerin. Lorenz Erni als Anwalt von Blatter verlangte, die Fifa als Privatklägerin vom Verfahren auszuschliessen, weil vereinsrechtlich kein rechtskräftiger Entscheid vorliege, um sich gegen einen ehemaligen Präsidenten als Privatklägerin zu konstituieren.
Höflicher Tonfall, hart in der Sache
Die Verteidigerin der FIFA, Catherine Hohl-Chirazi, plädierte auf Rückweisung des Antrags. Es sei klar, dass die Fifa als geschädigte Partei einen Anspruch auf Privatklägerschaft habe und dafür legitimiert sei.
Dominic Nellen als Anwalt Platinis bestritt die Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts. Im Übrigen verlangte er, die Untersuchungen gegen den Ex-Bundesanwalt Michael Lauber beizuziehen, in denen es um Treffen mit Gianni Infantino geht. Die Bundesanwaltschaft und FIFA-Vertreterin erklärten, diese Untersuchungen hätten nichts mit dem Anklagesachverhalt der Zwei-Millionen-Zahlung zu tun.
Der Tonfall war zwar immer höflich, in der Sache aber sehr hart. So warf Erni den Kollegen von BA und Fifa vor, nicht über rechtliches Basiswissen zu verfügen. «Wäre dies hier eine Anwaltsprüfung, wären Sie durchgefallen», sagte Erni.
Betrug oder ausstehende Restzahlung
Die Bundesanwaltschaft sieht in der erwähnten, von Blatter genehmigten Zwei-Millionen-Zahlung einen Betrug, da diese ihrer Ansicht nach ohne rechtliche Grundlage erfolgt ist. Nach Ansicht der beiden beteiligten Funktionäre handelte es sich hingegen um eine ausstehende Restzahlung von einer früheren Beratertätigkeit Platinis für die Fifa aus den Jahr 1998 bis 2002.
Die Beschuldigten weisen den Vorwurf des Betrugs entschieden zurück. Die Verteidigung Platinis sieht in der ganzen Angelegenheit einen Komplott, der dazu gedient habe, Platini als Fifa-Präsident zu verhindern und den Weg für Gianni Infantino frei zu machen.
Bis 22. Juni sind für die Hauptverhandlung vor der Strafkammer elf Verhandlungstage angesetzt. Allerdings wird jeweils nur am Vormittag debattiert – bis spätestens 13.30 Uhr. Blatters Gesundheitszustand lässt maximal vier Stunden pro Tag zu. Die Fifa tritt im Verfahren als Privatklägerin auf. Die Urteilseröffnung ist auf den 8. Juli festgelegt.