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Das Klima
Die einzigartigen Qualitäten der kalifornischen Weine basieren auf drei Grundfesten. Einer dieser Stützpfeiler ist das Können, das Wissen wie - und die Intuition der Kellermeister.
Die nächsten, nicht minder wichtigen, Komponenten sind die unterschiedlichen, aber vorzüglichen Böden.
Als dritten Pfeiler des Erfolges des kalifornischen Weinbaus sind die jeweiligen Klimata einerseits und dem Wissen darüber zu vermerken.
Der Weinbau erstreckt sich vom Norden von der Grenze zu Oregon, bis hinunter an die mexikanische Grenze. Kalifornien liegt zwischen den 32. und 42. nördlichen Breitengraden. Zum Vergleich: Rom, die ewige Stadt, liegt ebenfalls auf den 42. nördlichen Breitengrad. Es kann also festgehalten werden, dass die Weinbauregionen in Kalifornien um etliches südlicher liegen als die klassischen europäischen Weinbauregionen.
Das Klima in Kalifornien wird grösstenteils von zwei Faktoren bestimmt. Einerseits vom sehr kühlen Pazifik entlang der ganzen kalifornischen Küste , der durch die kalte Alaska Meeresströmung hervorgerufen wird, und andererseits von den im kalifornischen Landesinneren liegenden Gebirgszügen, die sich von Oregon bis hinunter nach Mexiko erstrecken.
Durch das Aufeinandertreffen der warmen kontinentalen mit der kalten Meeresluft bildet sich vor der Küste meistens eine Nebelbank. Wenn am Abend die warme Luft im Landesinneren steigt, werden diese Nebelbänke richtiggehend an Land gezogen und schleichen dann in die Täler und Canyons, wo sie über Nacht liegen bleiben. Erst am nächsten Tag, wenn die Sonne wiederum zu strahlen beginnt, löst sich dieser feuchtigkeitsspendende Nebel wieder auf.
Die kühlen und feuchten Nächte, gepaart mit warmen und sonnigen Tagen, sind genau das bevorzugte Klima, das die Trauben während ihrer Vegetationszeit so schätzen. Die kühlsten Temperaturen sind in der unmittelbaren Küstennähe zu finden. Die wärmsten Regionen sind in den Inland Valleys zu finden, wo der Nebel sich sehr selten verirrt.
Unter der Leitung der Professoren Amerine und Winkler von der UC Davies wurde 1944 eine Klimaklassifizierung veröffentlicht, in der Kalifornien in 5 verschiedene Klimazonen aufgeteilt wurde.
Es wurde die Zeitspanne der Vegetationszeit der Rebe vom 1. April bis zum 31. Oktober berücksichtigt. Als Grundlage wurde eine Tagesdurchschnittstemperatur von 10 Grad Celsius angenommen. Jede tägliche höher liegende Durchschnittstemperatur wurde während der sieben monatigen Bemessungszeit laufend dazu addiert.
Der so errechnete Wärmefaktor diente als Ausgangspunkt, von dem aus Kalifornien in die 5 Klima- oder Wärmezonen eingeteilt wurde.
Die Zone 1 mit einem Wärmefaktor von weniger als 1370 Grad Celsius findet man in Kalifornien in den kühleren Teilen Mendocinos, in Fort Ross Seaview, in Teilen des Russian River Valleys und Teilen von Sonoma, im Weiteren in Santa Cruz und in Monterey. In unseren Gefilden entspricht das in etwa der Bündner Herrschaft oder dem Burgund. Im Sonoma County sind die Klimazonen noch in coastal warm und coastal cool weiter und damit etwas feiner unterteilt worden.
Die Zone 2 mit einem Wärmefaktor zwischen 1370 und 1650 Grad Celsius ist etwa in Oakville und St. Helena, also im Napa Valley, anzutreffen. Im Weiteren im nördlichen Sonoma County, im Santa Clara Valley und in den Sierra Foothills sowie in Teilen Santa Barbaras. In Europa entspricht dieser Wärmefaktor dem Klima im Medoc oder im Rioja Gebiet.
Die Zone 3 mit einem Wärmefaktor von 1650 bis 1930 Grad Celsius ist in Calistoga im nördlichen Napa Valley zu finden. Ebenso im Contra Costa Gebiet, im südlichen Salinas Valley und in den östlichen Sierra Foothills. Diese Graditionen entsprechen den Temperaturen im französischen Rhône Tal.
Die Zone 4 mit einem Wärmefaktor zwischen 1930 und 2200 Grad Celsius ist im Inland Valley zwischen Yolo und Merced zu finden und im San Diego County im Süden Kaliforniens. Es sind identische Temperaturen wie in Südspanien oder auf Sizilien.
Die Zone 5 weist einen Wärmefaktor von über 2200 Grad Celsius auf. Sozusagen das ganze Inland Valley und die Regionen im Osten von Los Angeles und San Diego sind dazu zu zählen. So heiss ist es bei uns in Nordafrika. Ein Irrsinn, in diesem Klima Rebbau zu betreiben. Daher und deswegen, zusammen mit der dort an gleicher Stelle ansässigen Monstern der monokulturellen Landwirtschaft, im Besitze einiger wenigen globalen Konzerne, herrscht auch die Wasserknappheit. Aber eben, wer will schon auf Mandeln verzichten, oder auf frische Früchte das ganze Jahr hindurch? Die Weine, die aus den dortigen Trauben entstehen, werden in Supermärkten rund um den Erdball angeboten. Meistens noch in einer Hyper Super Aktion!
Durch den Klimawandel und die damit verbundene Tatsache, dass es immer wärmer wird, sind auch die Winzer in Kalifornien sehr gefordert.
Im Rebberg kann man mit klugen, aber arbeitsintensiven Massnahmen die Reben und auch die heranreifenden Trauben schützen. Man spricht hier von sogenannten Schattendächern, das mit den oberen Trieben und deren Blattwerk gebildet wird. Es muss aber alles richtig drapiert und aufgebunden werden.
Dank solchen Massnahmen konnten zum Beispiel im heissen Jahr 2017 einige Weingüter hervorragende Trauben ernten, wo andere viele Probleme hatten und in der Folge eher Mittelmässiges abfüllen mussten.
Es gibt aber auch Weinbauern und Weinmacher, die offenkundig die Meinung vertreten, dass es für den Cabernet Sauvignon in gewissen Anbaugebieten langsam, aber sicher zu warm (heiss) würde, oder sogar schon zu heiss wäre!
Was beim Pinot Noir und auch beim Chardonnay Anbau schon eine geraume Zeit normal ist, wo ganz klar die kühleren Anbaugebiete bevorzugt werden, wird in naher Zukunft wohl auch für andere Traubensorten gelten.
Und einmal mehr – es sind nicht wir Menschen, die bestimmen, wo es lang geht!