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Abstract
Georg Feuser (1941*) Gastprofessor für Sonderpädagogik an der Universität Zürich 2005 – 2010; vertrat die Interessen des Instituts für Sonderpädagogik in der Fusion mit dem Institut für Erziehungswissenschaft vertrat.
Erster Kontakt mit Behinderung und Studium
Georg Feuser kam bereits früh in seinem Leben in Kontakt mit dem Thema, das ihn zeitlebens begleiten wird. Als kleiner Junge pflegte er, trotz Missfallen seiner erwachsenen Bezugspersonen, Kontakt mit dem sogenannten ‘Dorfdeppen’, der dann auf einmal verschwand: «Ich erfuhr nach mühsamen Nachfragen, mit denen ich die Erwachsenen nervte, man habe ihn nach Wiesloch gebracht, weil er ein Idiot sei, geistig behindert» (Feuser, 2017, S. 2001). Was er damals sicherlich nicht erwartete war, wie stark das Thema Behinderung seine Zukunft prägen wird. Nachdem er 1961 seine Reifeprüfung abgelegt hatte, nahm Georg Feuser das Studium an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe in Angriff und legte im März 1963 die erste Staatsprüfung. Danach begann er als Lehrer in einer Schule für Lernbehinderte in Rastatt zu arbeiten und befasste sich im Rahmen des Besuches von Veranstaltungen des Erziehungswissenschaftlichen Seminars der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität und des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt am Main mit Problemen der Erziehungswissenschaft, der Heil- und Sonderpädagogik sowie der Medizin/Psychopathologie des Kindes- und Jugendalters. Zwischenzeitlich wechselte er zweimal die Stelle und war dabei an der Albert-Griesinger-Schule für praktisch Bildbare und der Johann-Heinrich-Wichern-Schule für Lernbehinderte tätig. Im Juli 1967 folgte die zweite Staatsprüfung, der Wissensdurst blieb ihm aber auch danach erhalten. Er verfolgte seine Studien bis 1969 an der Philipps-Universität Marburg weiter, wozu er vom Schuldienst beurlaubt war. Im Anschluss legte er die Staatsprüfung für das Lehramt an Sonderschulen mit dem Schwerpunkt Geistigbehindertenpädagogik ab.
Vom Rektor zum Professor an der Universität Bremen
Obwohl er seine Studien nach Ende der Beurlaubung bis 1975 weiterverfolgte, begann er 1969 mit dem Auf- und Ausbau der Martin-Buber Schule für Geistigbehinderte in Giessen (Hessen), deren Rektor er von 1971 bis 1978 war. Zeitgleich unterrichtete er zunächst als Lehrbeauftragter für Pädagogische Psychologie an der Justus-Liebig-Universität in Giessen und danach an der Philipps-Universität in Marburg. In dieser Zeit übernahm er auch die Entwicklung, Planung und Durchführung der ‘Heil- und sonderpädagogischen Zusatzausbildung für Erzieher und Sozialpädagogen im Schuldienst (Sonderschulen) des Landes Hessen’ in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Institut für Lehrerfortbildung und war Vertreter des Landes Hessen in der ‘Länderübergreifenden Fachkommission zur Erarbeitung von Richtlinien für den Unterricht in der Schule für Geistigbehinderte’.
Im Wintersemester 19977/78 promovierte Georg Feuser bei Prof. Dr. Wolfgang Klafki in Marburg mit einer Arbeit zum Thema «Grundlagen eines gesellschaftswissenschaftlich-erziehungswissenschaftlichen Verständnisses des frühkindlichen Autismus als Basis einer Pädagogik autistischer Kinder». Kurz danach, im Mai 1978, wurde er Professor für Behindertenpädagogik an der Universität Bremen. Sein Tätigkeitsgebiet war äusserst vielseitig und beinhaltete u.a. die Begründung einer Allgemeinen (integrativen) Pädagogik und entwicklungslogischen Didaktik, die Theoriebildung zum Verständnis von Wesen und Genese des kindlichen Autismus und die Krisenintervention und Therapie bei schweren selbstverletzenden, aggressiven und destruktiven Verhaltensweisen und stark ritualistischen bzw. stereotypen Handlungen besonders bei Menschen mit schweren Entwicklungsstörungen. Sein Anliegen für die gemeinsame Beschulung aller Kinder zeigte sich nicht nur in der Forschung, sondern auch darin, dass er zahlreiche Schulen in ihrem Bestreben, eine integrative Schulpraxis zu verwirklichen, unterstützte. Diesbezüglich ist insbesondere auf die weitreichende Umsetzung einer integrativen Schulpraxis in Bremen zu verweisen.
Gastprofessor in Zürich
Im Anschluss an seine Zeit in Bremen kam Georg Feuser 2005 als Gastprofessor an die Universität Zürich. Er übernahm die Leitung des Studienbereiches II am Institut für Sonderpädagogik (ISP). Obwohl man an der Universität ursprünglich nur von einem kurzen Gastspiel von zwei Semestern ausging, verlängerte sich die Zeit als Gastprofessor stetig und dauerte schliesslich bis zum 31. Januar 2010 (vgl. Universitätsleitung der Universität Zürich, 2005, 2007, 2008, 2010). Die Möglichkeit seines Verbleibs war jeweils mit Unsicherheit verbunden, so musste bspw. der damalige Institutsleiter ad Interim, Prof. Dr. Heinz Gutscher, im Jahr 2008 einen Antrag an die damalige Prodekanin, Prof. Dr. Regula Kyburz-Graber stellen, damit Georg Feuser die dringend benötigte Lehre weiterfinanziert erhielt:
«Die Gastprofessur von Herrn Prof. Dr. Georg Feuser endet am 31. Juli 2008. Während drei Jahren hat er als Gastprofessor mit grossem Engagement und Erfolg den seit sieben Jahren ‘verwaisten’ Studienbereich II (Lehrstuhl Bächtold) geleitet. […] Glücklicherweise ist er bereit im HS 08 nochmals eine 2SWS-Lehrveranstaltung anzubieten und ich bitte darum, dass ihm diese bezahlt werden, obwohl er in den nächsten Tagen seinen 67. Geburtstag feiert» (Gutscher, 2008).
Georg Feuser war ein wichtiger Anker in einer schwierigen Phase des ISP, der wesentlich dazu Beitrug, dass die Sonderpädagogik an der Universität erhalten blieb. Dabei war er allerdings nicht nur in Forschung und Lehre tätig, sondern wesentlich in die Fusion des alten ISP mit dem Institut für Erziehungswissenschaft involviert und bemüht, den Fachbereich der Sonderpädagogik auch unter dem neuen Dach gut aufgestellt zu wissen.
Homepage Georg Feuser: http://www.georg-feuser.com
Von Georg Feuser betreute Dissertationen an der Universität Zürich
|2011||Freck, Stephanie||Psychische Traumatisierung und Bindungsqualität im Spiegel frühkindlicher Entwicklung|
|2012||Frank, Bodo||Zeitliche Struktur, Komplementarität und psychische Entwicklung: eine Analyse kybernetischer, neurowissenschaftlicher und systemtheoretischer Forschungsergebnisse als Beitrag zum Verständnis der Übergänge und Wechselwirkungen sozialer, neuronaler und psychologischer Dimensionen psychischer Entwicklung : Aspekte einer Theorie der Neurosoziologie|
|2013||Merkli-Müller, Jasmina||Integration von erwachsenen Menschen mit einer geistigen Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt aus Sicht der Allgemeinen Behindertenpädagogik|
|2013||Truniger, Janine||Resozialisation von Jugendlichen in öffentlichen Einrichtungen: empirische Befunde und theoretische Reflexionen|
|2014||Widmer-Wolf, Patrik||Praxis der Individualisierung : wie multiprofessionelle Klassenteams Fördersituationen für Kinder im Schulalltag etablieren|
|Vgl. Dissertationsdatenbank 1956-2017|
Quellen und Literatur
Feuser, Georg (2017). Inklusion – Das Mögliche, das im wirklichen noch nicht sichtbar ist. In: G. Feuser (Hrsg.), Inklusion – ein leeres Versprechen? Zum Verkommen eines Gesellschaftsprojekts (S. 183-285). Giessen: Psychosozial-Verlag.
Gutscher, Heinz (2008). Antrag auf bezahlten Lehrauftrag (2 SWS) im HS 2008. Brief an das Dekanat der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich, 22. Januar 2008.
Universitätsleitung der Universität Zürich (Hrsg.) (2005). Jahresbericht 2005. Zürich: unicommunication der Universität Zürich.
Universitätsleitung der Universität Zürich (Hrsg.) (2007). Jahresbericht 2007. Zürich: unicommunication der Universität Zürich.
Universitätsleitung der Universität Zürich (Hrsg.) (2008). Jahresbericht 2008. Zürich: unicommunication der Universität Zürich.
Universitätsleitung der Universität Zürich (Hrsg.) (2009). Jahresbericht 2009. Zürich: unicommunication der Universität Zürich.
Autorenschaft
Raphael Zahnd, Ingeborg Hedderich
Zeitmarke
2005