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Fragen und Antworten
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Warum muss die Kastrationspflicht auf Bundesebene gelöst werden und kann nicht den Kantonen überlassen werden?
Tierschutz ist eine Bundeskompetenz (Art. 80 BV). D.h. der Bund hat die Verantwortung, Vorschriften über den Schutz von Tieren zu erlassen. Die Kantone haben diesbezüglich keine Rechtsetzungskompetenzen. Ihnen ist lediglich der Vollzug der Tierschutzvorschriften vorbehalten. Da Massnahmen zur Bestandeskontrolle insbesondere zum Schutze des Wohlergehens der Tiere erlassen werden, handelt es sich um eine tierschutzrelevante Bestimmung, die der Bund entweder im Tierschutzgesetz oder in der dazugehörigen Tierschutzverordnung einbetten kann.
Was regelt das Tierschutzrecht zum heutigen Zeitpunkt?
Die Schweizer Tierschutzverordnung (Art. 25 Abs. 4 TSchV) schreibt vor, dass ein Tierhalter die zumutbaren Massnahmen treffen muss, um zu verhindern, dass sich die Tiere übermässig vermehren. Gemäss dem eidgenössischen Jagdgesetz (Art. 5 Abs. 3 lit. a JSG) dürfen verwilderte Hauskatzen zudem das ganze Jahr über bejagt werden. Ob und unter welchen Voraussetzungen das Erschiessen gestattet ist, bestimmt das kantonale Jagdrecht.
Ist eine neue gesetzliche Vorschrift wirklich nötig?
Es handelt sich nicht um eine neue Pflicht, sondern um die Konkretisierung einer bereits heute im Recht verankerten Vorschrift. Artikel 25 Absatz 4 der Tierschutzverordnung verlangt von den Tierhaltern bereits heute, zu verhindern, dass sich die Tiere übermässig vermehren. Weil diese Vorschrift offensichtlich nicht ausreicht, soll sie für Freigänger-Katzen konkretisiert werden.
Kann nicht einfach durch ein Tötungsverbot verhindert werden, dass überzählige Katzen aus Gründen der Populationskontrolle getötet werden?
Nein. Das Schweizer Tierschutzrecht kennt keinen allgemeinen Lebensschutz. Das bedeutet, dass in der Schweiz auch gesunde oder überzählige Tiere getötet werden dürfen, sofern dies gemäss den Vorgaben des Tierschutzrechts geschieht. Ein Verbot des Tötens von Katzen aus Gründen der Populationskontrolle wäre daher politisch nur schwer durchsetzbar. Zudem wäre ein solches Verbot nur eine Begleitmassnahme zur Erreichung des eigentlichen Ziels der Petition – und das ist die Reduzierung der Anzahl Streunerkatzen via Kastration.
Müssen nun alle Katzen in der Schweiz kastriert werden?
Nein. Die Petition fokussiert nur auf Hauskatzen, die als „Freigänger“-Katzen gehalten werden. Wildkatzen werden von der angestrebten Kastrationspflicht nicht erfasst.
Was versteht man unter einer "Freigänger"-Katze?
Als "Freigänger" gelten Hauskatzen mit freiem Auslauf, deren Sozial- und Sexualkontakte zu anderen Katzen nicht kontrollierbar sind. Nicht als Freigänger gelten somit Katzen, die sich ausschliesslich in der Wohnung oder in für Drittkatzen nicht zugänglichen Räumen (Balkon, umzäunter Garten etc.) aufhalten.
Muss eine Kastrationspflicht nicht zwingend mit einem Registrierungs- und Chip-Obligatorium verbunden werden?
Ein Chip-Obligatorium wäre zwar aus tierschutzrechtlicher Sicht zu begrüssen. Eine solche Pflicht würde den Tierschutzvollzug vereinfachen und insbesondere die Hemmschwelle für das Aussetzen von Katzen erhöhen. Und eine Registierungspflicht weist auch Berührungspunkte zur Forderung einer Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen auf. Aber dennoch handelt es sich um zwei verschiedene Anliegen. Um die beiden Themen nicht zu vermischen und um eine schnelle Lösung zur Reduktion des Katzenleids zu erzielen, haben sich die Initianten dazu entschieden, ausschliesslich die Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen zum Gegenstand der vorliegenden Petition zu machen. Die Einführung einer Kastrationspflicht steht der politischen Forderung nach einem Chip-Obligatorium aber natürlich in keiner Weise im Wege.
Warum wird nicht - analog zu Hunden - gleichzeitig eine Chip- und Registrierpflicht für Katzen verlangt?
Bei der vorliegenden Petition liegt die Bestandeskontrolle im Fokus. Die Kastrationspflicht hat einen direkten Einfluss auf die Streunerpopulation und führt zu einer Reduktion des vorherrschenden Katzenleids in der Schweiz.
Die Initianten der Petition befürworten eine Registrationspflicht von Katzen und empfinden diese als wichtiges Instrument, insbesondere um die Anzahl ausgesetzter Katzen in der Schweiz zu reduzieren. Diese Petition konzentriert sich jedoch nur auf die Bestandeskontrolle. Um die Petition inhaltlich nicht zu überladen, haben die Initianten auf eine Kombination der beiden Forderungen verzichtet. Eine Chippflicht von Katzen wäre als unterstützende Massnahme denkbar. Eine Registrationspflicht alleine kann die unerwünschte Fortpflanzung faktisch jedoch nicht verhindern.
Es gab kürzlich bereits einen Vorstoss zur Chippflicht bei Katzen, der aber nicht mehr weiter verfolgt wurde (vgl. Postulat 13.3698).
Die 100%ige Einhaltung der Kastrationspflicht kann nicht gewährleistet werden. Ergibt eine solche Pflicht daher überhaupt Sinn?
Wie wird geprüft, dass ein Halter die Vorschrift auch einhalten wird? Muss der Vollzug nicht auch gleich sichergestellt werden?
Die Petition fordert den Bundesrat und das Parlament auf, die nötigen Massnahmen zu treffen. Entsprechend muss dabei auch über den Vollzug nachgedacht werden. Dass möglichst viele Delinquenten erwischt und bestraft werden, ist aber ohnehin nicht das primäre Ziel der Petition. Mit einer klar verankerten Pflicht sind bereits viele Vorteile verbunden: z.B. können Tierärzte ihre Kunden besser bei der Einhaltung des Gesetzes helfen und Tierschutzorganisationen würden nicht mehr Gefahr laufen, verklagt oder gar bedroht zu werden, wenn sie während einer Kastrationsaktion eine nicht markierte Katze versehentlich mitkastrieren. Ferner könnten Tierheime Findeltiere sofort kastrieren und müssten die Eigentumsübertragungsfrist von zwei Monaten nicht abwarten. Im Übrigen darf nicht vergessen werden, dass die Schweizer Bevölkerung in der Regel gesetzestreu ist und die im demokratischen Prozess eingeführten Vorschriften respektiert. Wenn 80% der Schweizer Bevölkerung das Gesetz bereits freiwillig einhalten, ist bereits sehr viel für die Bekämpfung des bestehenden Katzenleids getan.
Wird mit einer Kastrationspflicht in unzulässiger Weise in die Eigentumsrechte der Tierhalter eingegriffen?
Eine Kastrationspflicht greift zwar in die Eigentumsrechte der Halter ein. Allerdings hat der Gesetzgeber stets verschiedene Interessen und Rechtsgüter gegeneinander abzuwägen. Im konkreten Beispiel steht der Eigentumsfreiheit des Halters das Wohl der Katzen gegenüber. Der Gesetzgeber hat also nicht nur das Eigentum der Halter zu respektieren, sondern muss auch das Wohl der Tiere garantieren. Das Tierschutzrecht setzt der willkürlichen Eigentumsausübung des Halters generell Grenzen. Auch in anderen Erlassen sind zudem Eingriffe in die Eigentumsrechte von Tierhaltern vorgesehen. Zu denken ist dabei etwa an die im Tierseuchenrecht enthaltene Chippflicht für Hunde.
Durch eine Kastrationspflicht kann das Katzenelend in der Schweiz minimiert werden. Das Wohlergehen vieler Tiere steht hier klar über den Eigentumsinteressen der Halter. Da eine Kastrationspflicht zudem nur so weit in die Eigentumsrechte des Halters eingegriffen wird, wie es für die Erreichung des angestrebten Ziels notwendig ist, handelt es sich somit um eine verhältnismässige Massnahme.
Führt die Einführung einer Kastrationspflicht nicht zum Aussterben der Hauskatze?
Nein, dies ist sehr unwahrscheinlich. Zunächst wird es schwierig werden, sämtliche Streunerkatzen kastrieren zu können, d.h. es muss stets mit einer Restzahl an unkastrierten Katzen gerechnet werden. Ferner kommen aus dem Ausland neue Katzen über die offene grüne Grenze, die ebenfalls für Nachwuchs in der Schweiz sorgen. Im Übrigen bleibt die private Zucht von Katzen weiterhin möglich. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass die Hauskatze vom Aussterben bedroht ist, kann das Gesetz beziehungsweise die Verordnung erneut den Umständen angepasst werden.
Werden Halter, die ihre Katze nicht kastrieren lassen wollen, diese nicht einfach einsperren? Wäre das nicht tierschutzwidrig?
Die reine Wohnungshaltung von Katzen ist gemäss dem Schweizer Tierschutzrecht zulässig. Katzen sind in ihrem Raumbedarf sehr anpassungsfähig, sofern sie von Anfang an als Wohnungskatzen gehalten werden. Nicht artgerecht wäre es, eine Katze, die Freigang gewohnt ist, in eine Wohnung zu sperren. Aus diesem Grund sollte sich jeder Halter vorgängig überlegen, ob er seine Katze kastrieren lassen oder sich eine Wohnungskatze anschaffen möchte.
Wohnungskatzen müssen ebenfalls tiergerecht gehalten werden, anderenfalls liegt ein Gesetzesverstoss vor. Abgesehen davon werden die betreffenden Halter auch merken, welche Nachteile die Haltung von Wohnungskatzen mit sich bringt und überlegen müssen, ob sie das wirklich wollen. Es sind z.B. genügend Katzenklos und Kratzgelegenheiten zur Verfügung zu stellen. Zudem besteht keine Garantie, dass sich auch eine angemessen umsorgte Wohnungskatze aus Langeweile nicht einmal an die Möbel macht. Wollen diese Halter nur einmal einen Wurf Katzenkinder haben, werden sie diese nicht das ganze Leben lang in der Wohnung halten.
Verletzt die Kastration nicht die Würde der Katze, weil sie ihren Sexualtrieb nicht ausleben bzw. keine Jungtiere aufziehen kann?
Das Ausleben des Sexualtriebs und das Aufziehen von Jungtieren sind wichtige Aspekte des tierlichen Lebens, für das Wohlergehen der Tiere aber nicht zwingen notwendig. Trotzdem stellt die Kastration einen Eingriff in die Würde der Katze dar, da sie das Ausleben arttypischer Verhaltensweisen unterbindet. Der Tierwürdeschutz gilt jedoch nicht absolut. So kann eine Beeinträchtigung der Tierwürde gerechtfertigt sein, wenn dadurch höherwertige Interessen gewahrt werden. Durch die Kastration von Freigänger-Katzen kann viel Tierleid vermieden werden. Das Interesse daran, die Katzenpopulation zu kontrollieren und so unnötiges Leid einer Vielzahl von Tieren zu verhindern, überwiegt das Interesse des einzelnen Tieres am Ausleben des Sexual- und Aufzuchttriebs, der durch die Kastration ohnehin massiv reduziert wird. Der Eingriff in die Tierwürde ist somit gerechtfertigt.
Wieso soll die Kastrationspflicht auf Freigänger beschränkt werden?
Die Kastrationspflicht zielt darauf ab, die unkontrollierte Erhöhung der Katzenpopulation zu vermeiden. Solange eine Katze in einer Wohnung oder in einem eingezäunten Garten lebt, kommt es nicht zu unerwünschtem Nachwuchs. Bei frei streunenden Katzen ist eine ungewollte Vermehrung hingegen durchaus möglich bzw. sehr wahrscheinlich.
Warum kastrieren? Gibt es nicht auch andere Massnahmen, die ebenfalls zielführend wären?
Nein. Um effektiv und nachhaltig eine Population unter Kontrolle zu bringen, muss an der Quelle angesetzt werden und das ist die Verhinderung der Geburt. Alternative Massnahmen zielen oft, wenn überhaupt, nur auf eine Symptombekämpfung, ohne wirkungsvoll an der Wurzel der Ursache anzuknüpfen. Gerade z.B. Tierheimen wird mit dieser Massnahme ebenfalls geholfen, weil damit der ununterbrochene Zustrom neuer Tiere gestoppt werden kann. Ferner sind alternative Massnahmen nicht im Interesse des Tieres selber.
Werden bei einer Katze die Eierstöcke entfernt, gibt es weniger Komplikationen. Bleiben die Eierstöcke wie bei einer blossen Sterilisation drin, läuft der Hormonfluss dauernd weiter. Das hat zur Folge, dass die Gebärmutter aktiv bleibt und sich nicht zurückentwickeln wird, was zu Gebärmutterentzündungen und in seltenen Fällen auch zu Gebärmuttertumoren führen kann. Dann muss die Katze nochmals operiert werden und es muss auch die Gebärmutter mitentfernt werden. Von der Intensität her sind beide medizinische Eingriffe (Sterilisation und Kastration) vergleichbar, weshalb es aus medizinischer Sicht verhältnismässiger ist, die Eierstöcke gleich bei der ersten Operation zu entfernen, um so auch medizinischen Komplikationen vorzubeugen.
Wie steht es mit der Verhütungspille als Alternative?
Der Einsatz von Verhütungsmitteln ist aus verschiedenen Gründen weder sinnvoll noch verhältnismässig. Die Verhütungspille macht nur sehr kurzfristig Sinn, z.B. zur Überbrückung bis zu einer Operation und ist für einen langfristigen Einsatz nicht zu empfehlen. Die Wirksamkeit der Pille verlangt aber eine disziplinierte Verabreichung, d.h. die Katze muss die Pille regelmässig kriegen und es muss deren korrekte Verabreichung sichergestellt werden, was ein gutes und konsequentes Management des Halters voraussetzt. Ferner ist zu bedenken, dass es für die Katzen keine massgeschneiderten Pillen wie beim Menschen gibt, der heute aus Dutzenden von Produkten die für sich passende Pille auswählen kann. Für jede Katze ist deshalb die Dosierung gleich hoch, d.h. es muss mit einem groben Mittel in den Hormonhaushalt eingegriffen werden. Ferner wurden bei Katzen mit der Pille auch mehr Gebärmuttervereiterungen beobachtet.
Was ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation?
Bei der Sterilisation werden die Transportwege unterbrochen, um eine Fortpflanzung zu verhindern, d.h. beim Kater werden die Samenleiter und bei der Kätzin die Eileiter nur abgebunden. Bei der Kastration jedoch werden bei den Katern die Hoden und bei den Katzen die Eierstöcke vollständig entfernt. Erfahrene Tierärzte führen diese Operation in wenigen Minuten und in der Regel ohne Komplikationen für das Tier durch.
Aus Sicht des Tieres ist die blosse Sterilisation nicht zu empfehlen. Nur die Kastration bewirkt eine Beeinflussung des Hormonhaushalts, indem sie die Bildung von Sexualhormonen verhindert. Und erst dies führt zu einer Verhaltensänderung der Katze (z.B. kein Paarungsstress, weniger ausgeprägtes Revierverhalten, reduzierte Aggressivität und Kampfeslust verbunden mit Verletzungen). Die Vorteile für die Halter sind ebenfalls durch eine Sterilisation alleine nicht zu erzielen (z.B. Symptome von Rolligkeit, übelriechende Markierungen, geringeres Bedürfnis zu streunen, stärkere Menschbezogenheit).
Könnte ein Tierhalter stattdessen eine Katze auch sterilisieren statt nur kastrieren lassen?
Ja. Die Petition beabsichtigt die Populationskontrolle. Wenn ein Tierhalter für sein Tier entscheidet, es lediglich sterilisieren zu lassen, dann würde dies noch immer dem Zweck der Petition entsprechen. (vgl. auch die Frage „Was ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation?“).