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Belo Horizonte war die erste, auf dem Reissbrett geplante Stadt Brasiliens – nach dem Vorbild von Washington D.C. – und übernahm die Rolle der Hauptstadt von Minas Gerais, am Ende des 19.Jahrhunderts, von „Ouro Preto“, der alten Kolonialstadt im Innern.
Gründung: 12. Dezember 1897
Lage: 858 Meter über Meer
Bevölkerungszahl: 2.375.151 (Stand 11/2010)
Grösse/km2: 331 km2
Bevölkerungsdichte/km2: 7.167,02 Einw./km2
Regenzeit: Dezember bis März
Der ursprüngliche Stadtkern von Belo Horizonte besitzt zwei Hauptverkehrsadern: in Richtung Nord-Süd die „Avenida Afonso Pena“ und in Richtung Ost-West die „Avenida Amazonas“. Diese beiden rechtwinklig zueinander stehenden Achsen werden von der „Avenida do Contorno“ (der „Umrundungs-Avenue“) als äusserer Kreis verbunden.
In der Umgebung der „Praça Sete de Setembro“ und auf einem grösseren Teilstück der „Avenida Afonso Pena“ befindet sich das kommerzielle Zentrum, mit den ersten Geschäften der Stadt und den Bankfilialen. Rund um die „Praça da Liberdade“ gruppieren sich die administrativen Gebäude, mit dem „Palácio da Liberdade“ – der Residenz des Gouverneurs – und dem grössten Teil der Staatssekretariate. Ebenfalls im Zentrum liegt der schöne „Parque Municipal„, mit Alamedas und Playgrounds, dem „Teatro Francisco Nunes“ und dem „Palácio das Artes„.
Auf den Hügeln der „Serra do Curral“, in der Südzone, befinden sich die eleganten Stadtteile, mit ihren luxuriösen Villen. Die Wohnungen der Mittelklasse und der ärmeren Leute – sowie viele Favelas – liegen am Fuss dieser Hügel und in den Talsohlen. Acht Kilometer vom Stadtzentrum erstreckt sich die „Lagoa da Pampulha“ – ein künstlich aufgestauter See aus den 30er Jahren, von 18 km Umfang, umgeben von Gärten und modernen Villen. Das Wasser ist verdreckt, soll aber mit Hilfe einer japanischen Firma jetzt wiederaufbereitet werden.
Hier stehen auch einige der Schöpfungen des Architekten „Oscar Niemeyer“. Zum Beispiel das „Museu de Arte“ (Kunstmuseum), der „Iate Clube“ (Yachtclub), das „Casa do Baile“ (Tanzhaus) und die „Igreja de São Francisco de Assis“ (Kirche) eingeweiht 1943 – letztere beherbergt in ihrem Innern die ausdrucksvollsten Paineele des Malers „Cândido Portinari“ und ist aussen verkleidet mit vom gleichen Künstler bemalten Kacheln. Die Gärten vor dem Gebäude wurden vom Garten-Architekten „Burle Marx“ angelegt. Infolge einer zwiespältigen Diskussion zwischen Künstlern und Klerikern wurde die Kirche bisher nur ein einziges Mal für eine Messe geöffnet – im Jahr 1956.
In Nachbarschaft des Sees – etwa 700 m entfernt – findet man auch das zweitgrösste Fussballstadion Brasiliens, den „Minerão“, es hat Platz für 130. 000 Zuschauer, wurde aber inzwischen aus Sicherheitsgründen auf 92.000 begrenzt. Ganz in der Nähe auch das „Mineirinho“ für 25.000 Zuschauer – ein der Leichtathletik gewidmetes Stadion.
Die Stadt hat ein gut funktionierendes öffentliches Transportsystem und einige der Busse fahren im Verbund mit der regionalen Bahn. Belo Horizonte ist eine hügelige Stadt mit einem stetigen Auf und Ab der Strassen und vielen Bäumen entlang der breiten Avenidas. Der grosse „Parque Municipal“ ist das grüne Herz der Stadt. Die Hauptgeschäftsstrasse „Afonso Pena“ ist sehr breit und stets voller Verkehr und hastender Menschen – ausser am Sonntagmorgen – dann sind die Autos aus einem Teilstück verbannt, auf dem sich dann ein riesiger offener Markt erstreckt. Belo Horizonte hat ein interessantes Nachtleben im Stadtteil „Savassi“, südwestlich vom Zentrum. Hier befinden sich auch die besten Restaurants und Unterhaltungslokale.
Heute ist die Hauptstadt von Minas die drittgrösste Brasiliens, die mit São Paulo und Rio de Janeiro das so genannte Industrie-Dreieck bildet. Die Zeit ist absehbar, in der Belo Horizonte den Rio de Janeiro, als zweitstärkste Wirtschaftskraft nach São Paulo, überholt haben wird. Den „schönen Horizont“, nach dem die Stadt benannt ist, gibt es wirklich – umgeben von blauen Bergen.
Das Klima ist hier besonders angenehm und gesund. Durch ihre Höhenlage ist die Stadt niemals unerträglich heiss – in den Monaten Juli bis September kann es sogar manchmal regelrecht kalt werden.
Als eine vom Reissbrett konstruierte moderne Stadt hat Belo Horizonte keinen historischen Stadtkern oder antike Kirchen – die sollte man in den zahlreichen Kolonialstädtchen in seiner Umgebung aufsuchen. Aber es gibt viel Sehenswertes und auch viel Kultur in dieser Stadt.
Die Praça da Estação
Der Bahnhofsplatz liegt in einem der ältesten Viertel der Stadt (1920) mit einem der ältesten Gebäude, das heute als Kulturzentrum der Landes-Universität von Minas Gerais fungiert. Und der alte Bahnhof selbst, in neo-klassischem Stil, hat ein Museum im zweiten Stock, mit einer Modell-Eisenbahn.
Das Museu Mineiro
Birgt eine attraktive Kunstausstellung im alten Senats-Gebäude, nahe beim Zentrum. Es gibt eine Abteilung, die nur der sakralen Kunst gewidmet ist, in ihr befinden sich unter anderem auch sechs Bilder des berühmten Malers „Ataíde“ aus Ouro Preto. Die anderen Abteilungen präsentieren Moderne Kunst, Fotografie und naive Maler. Sehenswert auch die Holzschnitz-Arbeiten des Künstlers „Geraldo Teles de Oliveira“. (Avenida João Pinheiro, 342).
Das Museu Histórico Abílio Barreto
Befindet sich innerhalb einer historischen „Fazenda“, dem letzten Überbleibsel aus der ersten Besiedelung der Gegend, im 18. Jahrhundert, als hier das Dörfchen „Arraial do Curral del-Rey“ stand. Das Gebäude präsentiert eine Reihe sehr interessanter Ausstellungsstücke. (Stadtteil „Cidade Jardim“, Rua Bernardo Mascarenhas).
Das Museu de História Natural
Das Museum für Naturgeschichte, innerhalb des „Instituto Agronómico“, hat geologische, paläonthologische und gute archäologische Exponate. (Stadtteil „Santa Inês“, Rua Gustavo da Silveira, 1035).
Der Jardim Botânico (Botanischer Garten) und der Zoológico (Zoo)
Befinden sich in derselben Gegend, am westlichen Ende des Pampulha-Sees. Im Botanischen Garten steht auch eine Extra-Sehenswürdigkeit, das „Presépio do Pipiripau“ – die Krippe von Pipiripau, ein enormes Szenario aus dem Leben Christi, geschaffen von „Raimundo Machado de Azevedo“, der im Jahr 1906 mit den ersten Figuren angefangen hat. 1976 wurde es dann von seinem Haus in sein heutiges Ausstellungsgelände transferiert. Der Zoo besitzt Brasiliens erstes Schmetterlings-Haus und ein Vogel-Haus, in dem nur Vögel mit besonders buntem Gefieder gehalten werden – unter ihnen einige Raritäten. Darüber hinaus Säugertiere und Reptilien in sehr geräumigen Gehegen – nicht alle Tiere sind brasilianischer Herkunft. (Avenida Octacílio Negrão de Lima, 8000).
Der Parque de Mangabeiras
Befindet sich in der Südzone der Stadt, rund 3 km vom Zentrum, auf einer Höhe zwischen 1.000 und 1.400 Metern über dem Meeresspiegel, in der „Serra do Curral“. In seiner tiefer gelegenen Region ein kleiner Bestand von Atlantischem Regenwald, der in den höheren Arealen in niedere Buschvegetation übergeht. Die Erholungsgebiete und öffentlichen Flächen wurden 1982 vom Landschafts-Architekten „Burle Marx“ gestaltet. Man hat von hier aus verschiedene schöne Aussichten auf die Stadt und viele Wanderwege durch die Natur. Drei Waldwege sind dafür vorgesehen: die Sonnen-Route, die Wald-Route und die Wasser-Route. (Dienstag bis Sonntag geöffnet zwischen 8:00 und 18:00).
Das natürliche Amphitheater, in dem der Pabst 1980 zum Volk gesprochen hat, befindet sich auf dem Weg zum Park – es heisst heute „Praça do Papa“ – ursprünglicher Name ist „Praça Israel Pinheiro“.
Interessant sind verschiedene Märkte in Belo Horizonte: Zum Beispiel der sonntägliche „Kunsthandwerks-Markt“ unter freiem Himmel, ein Antiquitäten- und ein „Okkultismus-Markt“, sowie ein Blumenmarkt jeden Freitag.
Dienstags und sonntags kann man im Stadtpark „Parque Municipal“ – im „Centro Artesanato Mineiro“ – den grössten Kunsthandwerks-Markt der Gegend besuchen. Das „Mineralogische Museum“ in der Nähe des Stadtparks ist einen Besuch wert. Ein gotisches Gebäude, mit sehr interessanten Ausstellungsstücken aus der Zeit der grossen Edelsteinfunde.
In Belo Horizonte beginnt der Besuch der märchenhaften Barockstädte von Minas Gerais. Von Rio de Janeiro oder São Paulo ist die Hauptstadt von Minas Gerais nur eine Tagesreise per Bus entfernt (444 km) oder eine Flugstunde.
Es ist interessant, die Busreise zu wählen, denn auf der kurvenreichen Strecke durch die „Serra do Mar“ hinauf nach „Petrópolis“ und dann weiter durch die „Zona da Mata Mineira“ (Waldzone), lernt man die Gegend zweifellos am besten kennen. Allerdings von Wald in diesem Minengebiet keine Spur mehr. Jeder Hügel und jeder Berg entlang der Strasse zeigt deutlich die Spuren menschlicher Habsucht – ist angeschnitten worden, so wie man aus einer Melone ein Stück herausschneidet, um zu sehen ob sie reif ist.
Kreuz und quer über die Hügel laufen Zäune, mit denen die einzelnen Gesellschaften ihren Besitz eifersüchtig abgrenzen. Und wenn die Schnellstrasse einen der Berge durchschneidet, erkennt man an den vielen verschiedenen Gesteinsschichten bereits ihre geologischen Besonderheiten – schon nach wenigen Metern wechselt das Gestein von einer Farbe in die andere.