Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/1027

Eine bakterielle Überbesiedelung des Dünndarms (BÜD) geht mit quantitativen und qualitativen Alteration der physiologischen Flora in diesem Abschnitt des Verdauungstraktes einher: Verschiedene Faktoren begünstigen das Wachstum bestimmter Spezies, die wiederum Metabolite freisetzen, die die Vermehrung anderer Spezies behindert. Es kommt insgesamt zu einem Anstieg der Bakteriendichte im Dünndarm und die Darmflora wird von Bakterien dominiert, die sonst nur eine untergeordnete oder gar pathologische Rolle spielen. Diese Kondition zieht Verdauungsstörungen nach sich.
Je nach Schweregrad der BÜD variiert das klinische Bild. Während manche Patienten asymptomatisch bleiben, leiden andere unter abdominellen Schmerzen, Blähungen und Diarrhoe, was oft an eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung denken lässt [1]. Weniger werden im Zusammenhang mit einer BÜD Steatorrhoe und Konstipation beschrieben [2].
Ursache der genannten Symptome können Maldigestion und Malabsorption sein, die sich langfristig auch in Nährstoffdefizienzen und einem Gewichtsverlust zeigen. Bezüglich der Nährstoffdefizienzen sind insbesondere Mängel an lipophilen Vitaminen zu befürchten:
Weiterhin kann sich ein Vitamin-B12-Mangel einstellen, der allerdings nicht auf einer unzureichenden Absorption von Cobalmin beruht, sondern wahrscheinlich auf einem vorzeitigem Verbrauch durch die Bakterien im Dünndarm. Ein Vitamin-B12-Mangel führt zur Anämie, die sich zunächst in vermehrter Müdigkeit, Schwäche und Blässe äußert.
Wird bei einem BÜD-Patienten eine Anämie festgestellt, so kann es sich hierbei auch um eine Eisenmangelanämie handeln. Die pathophysiologischen Mechanismen, die zur Eisenmangelanämie führen, sind noch nicht vollständig verstanden.
Die Bestätigung der Diagnose erfolgt nach der Analyse eines Dünndarmaspirats. Per definitionem liegt eine BÜD dann vor, wenn sich in einem Milliliter mehr als 10^5 koloniebildende Einheiten nachweisen lassen [3]. Beim gesunden Patienten sind im gleichen Volumen weniger als 10^4 koloniebildende Einheiten zu detektieren. Es ist allerdings zu beachten, dass die Testergebnisse die Situation in vivo nicht immer zuverlässig widerspiegeln, da einige bakterielle Spezies nur schlecht zu kultivieren sind. In der Praxis wird die Anwendung dieses Verfahrens zudem durch seine hohen Kosten und Invasivität limitiert.
Eine alternative, sehr hilfreiche und nicht invasive Maßnahme zur Diagnose der BÜD ist der Wasserstoff-/Methanatemtest [4]. Für diesen Test trinkt der nüchterne Patient eine Lösung, die reich an bestimmten Kohlenhydraten ist, nämlich an Glukose, Fruktose, Laktose oder Sorbitol [5]. Werden diese von den Bakterien im Dünndarm verstoffwechselt, sind bald nach der Ingestion erhöhte Konzentrationen von Wasserstoff und Methan in der Ausatemluft zu messen. In der Literatur finden sich diesbezüglich unterschiedliche Schwellenwerte, die binnen einer bis drei Stunden nach Beginn des Tests überschritten werden müssen, um einen Verdacht auf eine BÜD zu rechtfertigen [4] [5].
Nach erfolgter Diagnosestellung sollte versucht werden, die Ursache für die BÜD zu identifizeren. Hier kommen einige Faktoren infrage, z.B. eine verstärkte Produktion von Magensäure bzw. deren Übertritt in den Dünndarm, Motilitätsstörungen, Alterationen der Sekretion von Immunglobulin A durch die Mukosa, anatomische Varianten sowie die Beeinflussung der Darmflora durch Pharmaka [1]. Die Entscheidung zu geeigneten diagnostischen Maßnahmen muss daher immer im Kontext getroffen werden, unter Beachtung anamnestischer Angaben zum Krankheitsverlauf und Begleitsymptomen.