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Die Stadt Hannover hat auch dem Wort "Wort" eine neue Bedeutung gegeben. Ein Wort war bisher dadurch definiert, dass es durch Leerstellen von seinen Nachbarwörtern getrennt und dadurch identifizierbar war. Innerhalb eines geschriebenen Wortes hatten Zeichen, die nicht zu seinem Buchstabenbestand gehören, nichts zu suchen. Die amtliche Rechtschreibung lässt nur zu, dass innerhalb von Wörtern Klammern oder Schrägstriche verwendet werden dürfen (Förster(in), Förster/in). Das Binnen-I und der "Genderstern" (FörsterIn, Förster*in) verstoßen gegen diese Regel.
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Glück, Helmut
Hans Jürgen Heringer und Rainer Wimmer: "Sprachkritik". […] Die Rechtschreibreform wird als Bagatelle abgetan, da sie nur Äußerlichkeiten betreffe; das ist mitnichten der Fall.
Zwischen einer Pleite und der Rechtschreibreform besteht übrigens ein innerer Zusammenhang, denn letztere hat nicht verstanden, dass erstere sowohl Substantiv (eine Pleite hinlegen) als auch Adjektiv ist (pleite gehen, sein). Deshalb sollen wir schreiben "er ist pleite", aber "er geht Pleite".
Die weitere Entwicklung ist absehbar: Wir werden einen Reformschub bekommen. […] und wir haben endlich wieder junge Lehrer. Die werden in die Ganztagsschulen strömen, ganzheitlichen Unterricht in reformierter Rechtschreibung erteilen und dafür sorgen, dass beim nächsten Pisa-Termin Mexiko an uns vorbeigezogen ist.
ß ist der deutscheste aller Buchstaben […]. Seit der Rechtschreibreform darf man ß auch als Großbuchstaben verwenden […] Die Rechtschreibreform hat die Regeln für die Schreibung des ß vereinfacht. […] Dass man statt daß jetzt dass schreiben muss, ist keine Erleichterung, sondern ein Taschenspielertrick, denn die Kinder machen nun keine das/daß-Fehler mehr, dafür aber das/dass-Fehler, und das nicht zu knapp.
Im Deutschen wird das K nur in wenigen Fremdwörtern verdoppelt, wenn es gleichzeitig zu zwei Silben gehört, zum Beispiel in Sakko und Stukkateur. Normalerweise wird es als ck geschrieben und nur bei der Silbentrennung in k-k aufgelöst: backen, Socken und bak-ken, Sok-ken. Die Rechtschreibreform schreibt die merkwürdigen Trennungen ba-cken, So-cken vor.
Da liegt wohl eine verwechslung von «merkwürdig» und «ungewohnt» vor.
Nun ist man in Brüssel (!) auf eine brillante Idee gekommen. Man hat den dortigen Computern beigebracht, die Buchstabenfolgen AE, UE und OE immer dann, wenn Namen aus den genannten Sprachen vorkommen oder wenn sie ganze Sätze in einer dieser Sprachen von sich geben, durch Ä, Ü und Ö zu ersetzen. Nun heißt Joenkoeping wieder Jönköping […]. Jene wussten offenbar nicht, dass nicht jedes deutsche Wort, das die Buchstabenfolgen AE, OE oder UE enthält, mit Umlaut zu gelesen und geschrieben werden darf. […] Nur ein paar baürnschlaü Italiener oder Briten, deren Schriftsysteme in dieser Hinsicht ärmlich sind, neiden den anderen ihre grafischen Farbtupfer. Sie sind es, die alle Versuche hintertreiben, den Eurocomputern so einfache Dinge wie Ä, Ö und Ü beizubringen.
Sprachreformen können vielerlei betreffen: den Wortschatz, die Sprachverwendung in einzelnen Bereichen, die Grammatik und natürlich die Rechtschreibung. Rechtschreibreformen gehören zu den sensibleren Spielarten von Sprachreformen, denn sie betreffen die äußere Gestalt der Sprache […]. Um so vorsichtiger muß man sie betreiben. Von Sprachreformen muß man die natürliche, spontane Sprachentwicklung unterscheiden. […] Sprachwandel spielt sich ab, ohne daß jemand ihn will, plant, bestellt und durch irgendwelche "Maßnahmen" umsetzt. Das unterscheidet ihn von Sprachreformen. In der Rechtschreibung war das bis 1996 genauso: Sie veränderte sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, und zwar in kleinen Schritten. Sie wurden von der Sprachgemeinschaft kaum wahrgenommen, weil frühere Rechtschreibreformer nicht versuchten, der Sprachgemeinschaft Neuerungen vorzuschreiben, sondern bestrebt waren, den bestehenden Usus zu erfassen, zu systematisieren und in Regeln zu fassen. Sie haben sich erfolglose Ausnahmen bestätigen die Regeln nicht angemaßt, eine "ideale" Orthographie durchzudrücken.
Da kann man einiges diametral entgegengesetzt sehen.
Die Einheit der Schreibung unserer Sprache ist abhanden gekommen: Wir haben Zustände wie um 1780. […] Wir brauchen eine Sprachakademie, die gegen politische Einflüsse und gegen die Lobbyarbeit von Lehrerverbänden und Wörterbuchverlagen immun ist. Wie sollte eine solche Sprachakademie beschaffen sein? Sie sollte sich nicht auf die Regelung und Entwicklung der Rechtschreibung beschränken, sondern sich auch um die Entwicklung von Terminologien kümmern, in denen man schon heute keine vollständigen deutschen Wortschätze mehr hat. […] Die gescheiterte Rechtschreibreform sollte ein Anlass sein, über diese Alternative nachzudenken.
Die Deutsche Bahn AG hat ein Herz für MitMenschen, die das Lesen langer Wörter anstrengt. Deshalb schreibt GroßBuchStaben, wenn ein neuer WortBestandTeil anfängt.
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