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Sie ist wieder lauter geworden, die Kritik an der Schweizer Luftwaffe. Nach dem jüngsten F/A-18-Absturz im Sustengebiet sehen sich diejenigen bestätigt, die seit längerem deren Abschaffung fordern. Aufwind erhalten auch die Mahner, die auf eine Erneuerung der Flotte drängen.
Das kommt nicht von ungefähr: Der Vorfall am Susten reiht sich in eine Serie gravierender Zwischenfälle in der Schweizer Luftwaffe ein. Samt der verunfallten Maschine von David G. (†27) sind allein in den letzten drei Jahren drei F/A-18-Jets abgestürzt.
Absturzbilanz F/A-18
7. April 1998: Beim Absturz eines F/A-18-Kampfjets bei Crans VS werden beide Insassen getötet.
23. Oktober 2013: Im Raum Alpnachstad im Kanton Obwalden zerschellt eine zweisitzige F/A-18 am Lopper. Der Pilot und sein Passagier, ein Arzt des Fliegerärztlichen Instituts, werden getötet.
14. Oktober 2015: Eine zweisitzige F/A-18 stürzt im gemeinsamen Trainingsraum mit Frankreich südöstlich von Besançon ab. Der Pilot wird verletzt.
29. August 2016: Ein einsitziger F/A-18-Kampfjet crasht am Sustenpass. Der Pilot kommt ums Leben.
Weniger Budget, weniger Flugstunden
Die Schweizer Luftwaffe bildet hierbei keine Ausnahme. Auch in den USA hat die Zahl der F/A-18-Abstürze seit 2012 stark zugenommen, wie die Daten des «Naval Safety Center» in Norfolk im Bundesstaat Virginia verraten. Allein seit Mai dieses Jahres kam es zu vier Unfällen, bei denen zwei Piloten ums Leben kamen und insgesamt fünf Jets vom Typ F/A-18 Hornet und F/A-18 E/F Super Hornet zerstört wurden.
Für US-amerikanische Aviatik-Experten ist nicht erst seit diesen Zwischenfällen klar, woher der Wind weht. Sie machen für die steigende Zahl von F/A-18-Abstürzen vor allem Budgetkürzungen vom Kongress verantwortlich. Diese hätte dazu geführt, dass weniger Geld für die Wartung und Reparatur der Kampfjets zur Verfügung steht und die Piloten immer weniger Flugstunden erhalten.
Laut Michael Manazir, Direktor der Naval Air Warfare Center Aircraft Division (NAWCAD), sollte ein Kampfjet-Pilot mindestens elf Stunden pro Monat in der Luft sein. Aktuelle Zahlen verraten jedoch: Das ist nicht bei allen der Fall. Zwar liegt der Durchschnitt der Flugstunden von Kampfpiloten in den Trainingseinheiten der US-Navy zwischen 12 und 14 Stunden. Doch gibt es einzelne Piloten, die nicht einmal auf zehn Flugstunden im Monat kommen.
«Lebensdauer erreicht»
Bereits vor einem Jahr hatte die Flugwaffe den Kongress gewarnt, dass die Kürzungen fatale Folgen für den Betrieb der Flotte hätten und das Leben der Piloten unnötig gefährdeten. «Es ist eindeutig, was passiert. Diese Flugzeuge haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht», wird ein F/A-18-Pilot der US-Navy im unabhängigen US-Militär-Magazin «Stars and Stripes» zitiert. «Und trotzdem werden die Jets weiter eingesetzt, die zum Teil in katastrophale Unfälle verwickelt waren.»
Weil sich die Auslieferung der lange erwarteten F-35C verzögert, hat die US-Navy keine andere Wahl, als weiterhin auf die F/A-18 zu setzen. Das führt dazu, dass die ältere Hornet das Ende ihrer Lebensdauer schneller erreicht und die neuere Super Hornet schneller altert als von der Navy ursprünglich vorgesehen. Zur Veranschaulichung: Teilweise quetscht die Navy 8000 bis 10'000 Flugstunden aus der Hornet – obwohl sie nur für 6000 konzipiert wurde.
Rückkehr zum «Courant normal»
Und in der Schweiz? Die Anschaffung neuer Flieger hat das Stimmvolk hierzulande vor zwei Jahren abgelehnt. Und wie die Luftwaffe zu verstehen gab, wird auch der jüngste Absturz keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Flugpraxis der F/A-18 haben.
Verteidigungsminister Guy Parmelin meinte, man werde den Absturz analysieren und falls nötig Massnahmen ergreifen. Bis Jahresende – da wird der Schlussbericht der Militärjustiz zum Absturz am Susten frühestens erwartet – bleibt also alles beim Alten. In Meiringen BE wurde der Jetbetrieb bereits am vergangenen Mittwoch, also nur zwei Tage nach dem Unfall, wieder aufgenommen. Zurück zum «Courant normal», heisst also die Devise bei der Luftwaffe.
Mit Verweis auf die früheren F/A-18-Unglücke wird immer wieder betont, dass der «Faktor Mensch» zentral sei – nicht der «Faktor Technik». Doch da landet man auch hierzulande unweigerlich bei der Flugpraxis. Denn: Im internationalen Vergleich verfügen Schweizer F/A-18-Piloten über eher wenig Flugstunden – nicht zuletzt aus Kostengründen.Publiziert am 09.09.2016 | Aktualisiert am 12.09.2016