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Die derzeitigen VSS-Standards zur Auslegung und Evaluierung von nicht geregelten Kreuzungen berücksichtigen nur die Konflikte zwischen privaten Fahrzeugen. Dies begrenzt leider die Anwendbarkeit der Standards in den meisten urbanen Schweizer Verkehrsnetzen, da sie nicht verwendet werden können, um andere Verkehrsarten zu modellieren, wie z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Fussgänger und Fahrräder. Um dieses Problem zu beheben, wurde im Rahmen eines früheren VSS-Forschungsprojekts (VSS 2008/301) ein neues analytisches Verfahren eingeführt. Diese Methode zur Evaluierung nicht geregelter Kreuzungen verwendet als Ausgangswerte die Sättigungsströme der verschiedenen Verkehrsarten, den tatsächlichen Bedarf und die jeweiligen Prioritäten.
Ziel dieses Projekts war es, die betreffende Methode empirisch zu prüfen und es weiter zu vereinfachen und zu verbessern. Zu diesem Zweck haben wir über 40 Stunden Datenmaterial an 23 Kreuzungen in der ganzen Schweiz gesammelt. Die Daten wurden mithilfe von Videokameras gesammelt und dann manuell ausgewertet. Anhand der empirischen Daten wurden typische (Standard-) Werte für die Sättigungsströme der verschiedenen Verkehrsarten (Busse, Strassenbahnen, private Fahrzeuge, Fussgänger) im urbanen Umfeld in der Schweiz definiert. Die Daten wurden zudem verwendet, um das betreffende Verfahren im VSS 2008/301 Bericht zu testen und zu verbessern. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen wurden verschiedene Änderungen an dem Verfahren vorgenommen, um die Verspätungen und Staulängen der einzelnen Verkehrsströme exakter zu bestimmen, die sich aus den Interaktionen der multimodalen Verkehrsströme ergeben. Dieses modifizierte Verfahren weist zudem eine baumähnliche Struktur auf, die es dem Benutzer ermöglicht, alle möglichen Szenarien übersichtlich darzustellen. Diese Struktur bestimmt die effektive Kapazität für die einzelnen Verkehrssysteme, und zwar als Prozentsatz der Zeit, während der sie in der Lage sind, den verfügbaren Strassenraum an der Kreuzung zu nutzen.
Insgesamt hat dieses Projekt zur Entwicklung eines neuen, innovativen Verfahrens zur Auslegung und Evaluierung von ungeregelten urbanen Kreuzungen beigetragen. Das Verfahren wurde in einem einsatzbereiten, benutzerfreundlichen Excel-Programm implementiert, so dass die Auswirkungen von ungeregelten komplexen Interaktionen leicht analysiert und gegebenenfalls modifiziert werden können. Darüber hinaus wurde der Prozess klar aufgeschlüsselt und dokumentiert, so dass neue VSS-Standards/Normen in naher Zukunft entwickelt werden können.