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Im Mai 2020 lancierte die SKOS das Monitoring der Fallzahlen. Es zeigt den Trend in der Sozialhilfe zeitnah auf und ergänzt damit die Sozialhilfestatistik, die detaillierte Zahlen liefert aber mit einer Verzögerung von bis zu 2 Jahren publiziert wird.
Gestartet wurde das Fallzahlenmonitoring, um die kurzfristigen Auswirkungen der Covid-Pandemie auf die Sozialhilfe zu überwachen. Nach Beendigung der Unterstützungsmassnahmen des Bundes sind mittel- und langfristige Folgen der Pandemie auf die Sozialhilfe zu erwarten. Zudem haben neue Krisen wie der Krieg Russlands gegen die Ukraine Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Sozialwerke. Deshalb wird das Fallzahlenmonitoring bis mindestens Ende 2023 weitergeführt.
Abgestützt auf das Fallzahlenmonitoring erstellt die SKOS regelmässige Prognosen. Gemäss der Analyse vom Oktober 2021 rechnet die SKOS bis Ende 2023 mit einem Anstieg der Fallzahlen in der Sozialhilfe um 13,8 Prozent gegenüber 2019. Gründe für den vermuteten Anstieg sind das Wegfallen der zusätzlichen Leistungen der vorgelagerten Systeme, die hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen sowie der Anstieg von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in den kantonalen und kommunalen Sozialdiensten. Die Geflüchteten aus der Ukraine werden in der Asylstatistik erfasst. Auswirkungen auf die Sozialhilfestatistik sind frühestens in 5 Jahren möglich. Die aktuelle Entwicklung weist auf eine weniger starke Zunahme hin. Die nächste Aktualisierung der SKOS-Prognose ist im Sommer 2022 vorgesehen.
Gesamtschweizerisch liegen die Fallzahlen Ende Mai 2022 weiterhin unter dem Niveau des Durchschnittsmonats 2019 bei 95,41 Prozentpunkten (PP). Gegenüber dem Vormonat April beträgt die Zunahme 0,11 PP. Die Differenz bezieht sich auf den bereinigten Vormonats-Wert.
In allen Regionen liegen die Fallzahlen unter dem Durchschnittsmonat 2019. Im Tessin 8,73 PP, in der Nordwestschweiz 8,28 PP, in der Ostschweiz 6,5 PP, in der Zentralschweiz 0,23 PP und in der Romandie 0,15 PP.
Die Fallzahlen sind somit bisher entgegen den Befürchtungen während der Pandemie nicht gestiegen und sinken seit Sommer 2021 unter den Durchschnitt 2019. Den Grund dafür sieht die SKOS in den vorgelagerten Sozialwerken (Taggelder ALV, Kurzarbeit, Corona-Erwerbsersatz), die während der Krise ausgebaut wurden, und in der positiven wirtschaftlichen Entwicklung. Zudem wird eine Zunahme beim Nichtbezug von Sozialhilfe vermutet aufgrund der verschärften ausländerrechtlichen Bestimmungen und der Verpflichtung zur Rückerstattung, die in einigen Kantonen weitergeht als in den SKOS-Richtlinien empfohlen.
Mitte Februar 2022 hat der Bundesrat die meisten Corona-Schutzmassnahmen aufgehoben. Seit dem 17. Februar 2022 haben nur noch besonders gefährdete Personen sowie Selbständigerwerbende und leitende Angestellte im Veranstaltungsbereich Anspruch auf Corona-Erwerbsausfallentschädigung (Link).
Methode
Das Fallzahlenmonitoring beruht auf Daten aus den bestehenden Reportings der Sozialdienste. Diese Reportings sind vergleichbar, stützen sich aber nicht immer auf die gleichen Definitionen ab. Die Übereinstimmung mit den Definitionen des BFS kann nicht gewährleistet werden. Es beteiligen sich kantonale, regionale und kommunale Sozialdienste aus der ganzen Schweiz. Es sind alle Landesteile sowie städtische und ländliche Regionen vertreten. Die Repräsentativität im wissenschaftlichen Sinn ist eingeschränkt, da auf eine zufällige Auswahl der Sozialdienste verzichtet wurde. Insgesamt repräsentieren die Teilnehmenden 58 % der Sozialhilfebeziehenden in der Schweiz. Folgende Sozialdienste nehmen am Monitoring teil:
Die beteiligten kantonalen, regionalen und kommunalen Sozialdienste sind aus der ganzen Schweiz. Es sind alle Landesteile sowie städtische und ländliche Regionen vertreten. Die Repräsentativität im wissenschaftlichen Sinn ist eingeschränkt, da auf eine zufällige Auswahl der Sozialdienste verzichtet wurde. Insgesamt repräsentieren die Teilnehmenden 58 Prozent der Sozialhilfebeziehenden in der Schweiz. Folgende Sozialdienste nehmen am Monitoring teil:
- Ostschweiz: Gemeinde Herisau, Kanton Glarus, Stadt Chur, Stadt St. Gallen, Stadt Weinfelden, Stadt Winterthur**, Stadt Zürich (repräsentieren 44,1 % der Sozialhilfebeziehenden der Ostschweiz)
- Nordwestschweiz: Gemeinde Klingnau, Gemeinde Seon, Gemeinde Reinach BL, Kanton Basel-Stadt (ohne Riehen), Stadt Bern*, Stadt Biel*, Stadt Olten (repräsentieren 30,1 % der Sozialhilfebeziehenden der Nordwestschweiz)
- Tessin: Kanton Tessin (repräsentiert 100 % der Sozialhilfebeziehenden des Kantons Tessin)
- Suisse romande: Kanton Genf, Kanton Neuenburg**, Kanton Waadt***, Region Murten (repräsentieren 83,3 % der Sozialhilfebeziehenden der Suisse romande).
- Zentralschweiz: Bezirk Küssnacht, diverse Gemeinden des Kantons Zug (Baar, Burgergemeinden, Cham, Hünenberg, Menzingen, Oberägeri, Risch-Rotkreuz, Soziale Dienste Asyl Kanton Zug, Stadt Zug, Steinhausen, Unterägeri), Gemeinde Sarnen, Gemeinde Ingenbohl, Kanton Nidwalden, Stadt Luzern (repräsentieren 40,4 % der Sozialhilfebeziehenden der Zentralschweiz)
Es wird auf die aktiven Dossiers Bezug genommen (= Unterstützungseinheit mit Auszahlung von wirtschaftlicher Sozialhilfe im erfassten Monat).
Dossiers von Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich (inkl. Schutzstatus S) sind in diesem Monitoring nicht miteinbezogen.
Die SKOS berechnet mit den Fallzahlen die Veränderungen in Form eines Index. Der Basiswert 100 entspricht dem Durchschnittsmonat des Jahres 2019. Es werden ein nationaler Index sowie ein Vergleichsindex für die fünf Landesteile erstellt (Ostschweiz mit Zürich, Nordwestschweiz, Tessin, Westschweiz und Zentralschweiz). Die Indizes werden gewichtet und berechnet aufgrund des Anteils Sozialhilfebeziehender (Sozialhilfestatistik 2019). Die Gewichtung erfolgt sowohl innerhalb eines Landesteils als auch für die ganze Schweiz. Treffen Daten von einzelnen Sozialdiensten mit Verzögerung ein, werden die Anpassungen rückwirkend integriert und im Folgemonat publiziert.
* Aufgrund des neuen kantonalbernischen Gesetzes über die Leistungen für Kinder mit besonderen Förder- und Schutzbedarf (Inkraftsetzung 1.1.2022), reduzieren sich die Sozialhilfeanträge für diese Gruppe. Der Rückgang wird auf 3% geschätzt.
** Daten für den Monat Mai liegen noch nicht vor. Aktuell wird der vorläufige Durchschnitt der Monate März und April 2022 verwendet.
*** Technische Effekte von Auszahlungen im April und Mai werden im Juni 2022 bereinigt. Aktuell wird der vorläufige Durchschnitt der Monate April und Mai 2022 verwendet.