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Am vergangenen Mittwochabend teilte Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen, Dozent am musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich, sein breites Wissen zur Freundschaft zwischen Joachim Raff und Hans von Bülow im Hotel «Marina» in Lachen.
Trotz eines Altersunterschieds von acht Jahren und verschiedener Entwicklungen respektierten sich Raff und Bülow ein Leben lang. Wie der extrovertierte Klaviervirtuose Bülow zum etwas introvertierten, aber aussergewöhnlich produktiven Raff fand, berichtete Hans-Joachim Hinrichsen in unmittelbarer Nähe des Geburtshauses von Raff am Lachner Hafen.
Eine Freundschaft über Distanzen
Es dauerte nicht lange, bis der 17-jährige Bülow 1847 in Stuttgart einen Draht zum acht Jahre älteren Raff fand. Selbst als es ihn nach Zürich zog, um von Wagner das Dirigenten-Handwerk zu erlernen, hielt er eine rege Briefkorrespondenz zu seinem Freund und Vorbild. Erst in Weimar, wo Bülow von Liszt das «Pianieren» lernte und Raff als Assistent tätig war, begegneten sich die Musiker wieder persönlich. Nicht einmal Raffs Kritik an Wagner, dessen bekennender Anhänger Bülow war, stellte die Freundschaft auf die Probe. 1864 distanzierte sich auch Bülow von Wagner, da sich dieser mit seiner Frau Cosima eingelassen hatte. Fluchtartig verschwand er nach Florenz und kehrte als inzwischen berühmt gewordener Brahms-Anhänger zurück. Nun konnte er Raff auf sein Programm setzen, wann immer er wollte. Auch Kritik erlaubte er sich, so warnte er seinen Freund vor der stilistischen Nähe zu Mendelssohn und bat ihn gar um eine Abänderung der E-Moll-Suite: «Magst du nicht, so quäl ich mich noch ein bisschen länger.» Raff lenkte ein und Bülow dankte es ihm, indem er die Suite nachweislich 83 Mal aufführte.
Abschied vom treuesten Freund
Als Raff 1882 im Alter von 60 Jahren starb, litt Bülow sehr und beklagte bei seiner Braut den Verlust des ältesten und treuesten Freundes. Fortan nahm er Raffs Tochter Helene unter seine Fittiche und kümmerte sich fürsorglich um sie. Obwohl die Bewunderung für seinen Freund nie nachliess, relativierte sie sich mit dem Einfluss Brahms sichtlich. Der Frage, ob Raffs Werk Chancen im künftigen Konzertleben habe, begegnete Hinrichsen eher kritisch: «Es gibt einfach zu viel Konkurrenz. Nur wenn ein OEuvre weiterhin sorgfältig von Anhängern gepflegt wird, gerät es nicht in Vergessenheit.» Möge die Lachner Raff-Gesellschaft ihr Bestes dazu beitragen.
March-Anzeiger und Höfner Volksblatt
Autor
Höfner Volksblatt & March Anzeiger
Kategorie
- Musik
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/xu7dZ8