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«Warum verlässt du dein Land?», fragte ich Abdul Rahman. «Das ist doch dein Zuhause!» Abdul Rahman war ein neuer Nachfolger von Jesus, aus einer muslimischen Volksgruppe. Er nahm an einem Trainings- und Jüngerschaftsprogramm teil, welches unser Team in Nordostafrika für lokale Gläubige begonnen hatte.
In diesem Programm lernten die Teilnehmer, wie sie sich durch ein Entdecker-Bibelstudium (kurz DBS, vom Englischen Discovery Bible Study) sich mit Gottes Wort befassen und in Gehorsam darauf reagierenkönnen. Sie wurden auch dazu angeleitet, neue DBS-Gruppen zu starten, um noch mehr Menschen durch das Wort Gottes zu Christus zu führen.
Der Entschluss zu fliehen
Abdul Rahman jedoch hatte uns gerade mitgeteilt, dass er Afrika verlasse. Heute Abend sollte seine letzte Trainingseinheit sein. Seine Mutter hatte ihn dazu gedrängt, zu heiraten oder sich der Rebellenarmee anzuschließen – doch beides wollte er nicht. Genervt von den Nörgeleien seiner Mutter, hatte Abdul Rahman beschlossen zu fliehen.
Wir dürfen diesen Kerl nicht verlieren! Dachte ich bei mir selbst. Denn Abdul Rahman war ein natürlicher Evangelist. Seit wir begonnen hatten, ihn zu coachen, hatte er schon mehrere DBS-Gruppen unter seinen muslimischen Freunden und seiner Familie gegründet. So konnte er vielen helfen, Gottes Wort zu verstehen und danach zu handeln. Ich dachte schnell nach und zog ihn beiseite.
«Geh nicht, mein Freund», flehte ich. «Du bist ein intelligenter Typ und lernst schnell. Ich habe einen Job für dich», sagte ich und bot ihm eine Stelle als Büroleiter in einem neuen Sprachzentrum an, das wir in al-Qamar eröffnen wollten, einer Stadt in einer unterentwickelten Region, die mehrere Stunden entfernt liegt. Ich wusste nicht, wie Gott dieses spontane Jobangebot nutzen würde, um das Evangelium in der Region voranzubringen.
Eine unerwartete Wendung
Abdul Rahman nahm den Job an und zog nach al-Qamar, um den langen Prozess der Registrierung des Sprachzentrums bei den lokalen Behörden zu beginnen. In der Zwischenzeit fuhr er fort, die gleichen Dinge zu tun, die er zuvor getan hatte –das Evangelium zu verkünden und DBS-Gruppen zu starten.
Unerwartet wurde ich fast ein Jahr lang vom Land abgezogen. Die einzigen Ratschläge und Ermutigungen, die ich ihm anbieten konnte, beschränkten sich auf Telefongespräche über schlechte Verbindungen. Währenddessen füllten andere Jesus-Nachfolger diese Lücke und ausländische Christen konnten ihn besuchen und durch Gebet und Gemeinschaft ermutigen.
Ein Jahr später entdeckte ich, dass Abdul Rahman vierzig Menschen zum Herrn geführt hatte, und die Zahl der neuen Gläubigen hatte sich weiter vermehrt. Heute folgen einhundert Menschen aus Al-Qamar Jesus Christus nach. Vier dieser neuen Gläubigen nehmen derzeit an der fortlaufenden Ausbildung und Jüngerschaftstraining für Leiter teil und die Zahl an Menschen, die vom Evangelium berührt werden, nimmt weiter zu.
Nie hätte ich geahnt, dass mein Angebot gegenüber Abdul Rahman – zu bleiben, anstatt den Wünschen seiner Mutter zu entfliehen – zum Schlüssel würde, um eine Christus-Bewegung in dieser Region entstehen zu sehen. Unterdessen ist auch Abdul Rahmans Mutter zufrieden – ihr Sohn ist nicht geflohen und er hat sogar eine Braut gefunden.
Ostafrika