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Der russische Travestiekünstler Mamyshev Monroe spielte gerne und oft Wladimir Putin. Und nahm Anfang der 2000er-Jahre vorweg, was Russland blühen würde: ein Präsident, der in gesundheitlich fragwürdiger Verfassung das Land führt. Damals war Putin im besten Alter, und er war fit. Gerne liess er sich als Sportler darstellen, etwa beim Eishockey, zu Pferd oder beim Schwimmen im Baikalsee.
Der Parodist Monroe starb 2013 in seinem Pool im Exil in Bali unter mysteriösen Umständen. Zehn Jahre später ähnelt der echte Putin immer stärker seiner eigenen Persiflage von damals, findet Alexander Markin, langjähriger Putin-Beobachter und Lehrbeauftragter am Slavischen Seminar der Universität Zürich, im Gespräch mit CH Media.
In der Tat haben wir mittlerweile die Bilder eines geschwächten Mannes im Kopf. Wir sehen nun einen Putin, der schlapp dasitzt, aber verkrampft die Armlehnen umklammert und seinem Verteidigungsminister Befehle erteilt.
Später wiederum beobachten wir einen Putin, der «wie frisch aus dem Truckli» den Tag des Sieges über Nazideutschland feiert, ehe nur wenige Tage darauf seltsame Zuckungen von Putins Fuss zu reden geben.
Gerüchte, aber auch Anzeichen von Krankheiten wie Parkinson, Krebs oder Schizophrenie wollen nicht abreissen. Mal wirkt Putin alt, verkrampft und zeigt Symptome, mal wirkt er fit, voll im Saft. Wie ist das nun zu deuten?
«Ich denke, er sieht ziemlich gut aus für all die Krankheiten, die man ihm zuschreibt», findet Putin-Kenner Markin. Und doch könnten die inszenierten Auftritte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Putin krank sei.
Der Kreml freilich hüllt sich in Schweigen; selbst nach Verletzungen, die sich der russische Präsident bei Reitunfällen oder beim Eishockey zuzog, wurde jeweils Zensur geübt. Nur wenige Dokumente aus den vergangenen Jahren liegen vor, die zeigen, wenn Putin nicht auf der Höhe war.
Aufnahmen eines hinkenden oder eines auf dem Eisfeld gestürzten Putins sammelt die Website Proekt.media, auf der russische Exil-Journalisten unabhängig berichten. Über dem Sammelartikel zu Putins Gesundheit steht wie eine sarkastisches Gratulationsinschrift zum 70. Geburtstag in Latein: «Meminit mori» – frei übersetzt «er ist sich seiner Sterblichkeit bewusst».
Eine Anspielung sowohl auf die absolutistische Herrschaftsvorstellung, nicht abtreten zu können, und auf die Sowjet-Vergangenheit, in der zum Beispiel ein Leonid Breschnew als Scheintoter noch als Partei- und Staatschef amtete.
Für den Putin-Kenner Markin ist die Inszenierung des Gesundheitszustands des Präsidenten ein Spiel des Kreml mit der Bevölkerung. Es gehe um Erinnerungen an die «die gute alte Sowjet-Zeit», die viele Russinnen und Russen in einer merkwürdigen, wohligen Nostalgie schwelgen liessen. Der in der Sowjetunion aufgewachsene Alexander Markin sagt:
Über Breschnew, der von 1964 bis zu seinem Tod (an einem weiteren Herzinfarkt) 1982 am längsten an der Spitze der Sowjetunion stand und wegen seiner Schlaftablettensucht immer wieder in bewusstlosen Dämmerschlaf fiel, witzelten Russinnen und Russen, dass er das Land «unbewusst führt».
Wie aber holt das präsidiale Umfeld Putin nach desolaten Vorstellungen zurück zur Höchstform? Wir schauen uns die Rede vom 9. Mai noch einmal an. Meist zeigt die Kamera Putin von vorne. «Seine Schoggiseite», wie eine Visagistin sagt, die seit 20 Jahren Politiker für TV-Sendungen in der Schweiz hübsch macht, ihren Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.
Nur wenn die Kamera den Präsidenten im Profil zeigt, fallen die aufgedunsenen Stellen im Gesicht auf. Die Lider wiegen schwer auf den Augen. Putin-Beobachter Markin spricht von Botox-Backen, andere Körperhaltungsdeuter sprechen von Verfettungen, die auf Kortisoneinsatz hindeuteten. Und trotzdem, selbst die erfahrene Visagistin findet:
Slawen, so die Visagistin, sei das Altern generell weniger schnell anzusehen als uns Mitteleuropäern. «Die hohen Wangenknochen haben einen entscheidenden Vorteil.»
Zwar verdichten sich also die Hinweise, dass Putin krank ist. Aber ihm sieht man das weniger gut an als anderen 70-Jährigen. Es lassen sich vier Rezepte ausmachen, derer sich Putin bedient, um frisch zu wirken.
Erstens die Geheimniskrämerei, die Kontrolle über die Berichterstattung, sowohl in Bild, Ton und Text. Markin erinnert daran, dass die Fotografen im Kreml nach grösster Sorgfalt ausgewählt würden. Licht, Make-up, die Einstellung – nichts wird dem Zufall überlassen.
Zweitens, der Mann lebte gesund. «Einem 70-Jährigen sieht man an, ob er viel Junkfood oder eher Gemüse und Fisch zu sich nahm und Sport trieb oder nicht», sagt die Fernsehvisagistin. Putin sei darüber hinaus wohl bestens versorgt mit Personal Trainer, Ernährungsberater, Ärzten und Therapeuten.
Drittens die alternative Medizin. Putin schwört auf Kuren in Bädern mit Zusätzen, die gewonnen werden aus Geweihen von Rotwild. Der genannte Artikel auf Proekt.media beschreibt das fragwürdige und für die Tiere äusserst schmerzhafte Prozedere in aller Ausführlichkeit.
Viertens greift Putin auf die klassische Medizin zurück. Auffällig ist jedenfalls laut den Investigationen der russischen Journalisten Putins ständiger Begleiter, ein Star-Onkologe aus Moskau. Markin sagt sarkastisch:
Dazu passt auch die jüngste Meldung einer russischen Oppositionsquelle. Demnach hat Putin nun eine seit einiger Zeit vermutete Operation in Zusammenhang mit einem wuchernden Unterleibskrebs in der Zwischenzeit hinter sich. (bzbasel.ch)
Italiens Regierung will wegen der gravierenden Trockenheit in Teilen des Landes den Notstand beschliessen. Am Montagabend sei dazu ein Treffen des Ministerrates geplant, teilte der Amtssitz von Ministerpräsident Mario Draghi mit.