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Tagesbericht vom 13.09.2004
Sibirien macht seinem Namen alle Ehre. Das Thermometer zeigt neun Grad Celsius. Weil die Luft feucht ist und zudem eine kalte Biese weht, haben wir den Eindruck es sei noch kälter. Dank den diversen Heizungen im Sir James lässt sich jedoch in unserer fahrbaren Behausung ganz gut leben.
Wir treffen in Yekatrinburg ein, wieder eine Stadt mit mehr als einer Million Einwohnern. Yekatrinburg ist vor allem bekannt, weil hier 1918 die Zarenfamilie der Romanovs ermordet wurde. Zudem ist es die Geburtsstadt des ehemaligen Präsidenten Russlands, Boris Jelzin.
Wir machen einen kleinen Stadtbummel zu Fuss und einen grösseren mit Sir James. Selbstverständlich besuchen wir den Ort der Bluttat an der Zarenfamilie. An jener Stelle stehen zwei Kreuze, eine kleine hölzerne Kapelle, sowie eine neue grosse Kirche.
Auch das grosse Bahnhofsgebäude von Yekatrinburg besuchen wir. Interessant ist, dass an allen Bahnhöfen Russlands die Uhren Moskauer Zeit angeben, obwohl die Ortszeit in Tat und Wahrheit nicht die gleiche wie in Moskau ist. Im ersten Stock des Gebäudes befinden sich in den beiden grossen Wartesälen insgesamt zwölf grosse Wandgemälde, die die Geschichte der Stadt darstellen. Das Bild der letzten Periode von 1991 bis 2001 zeigt Boris Jelzin in seiner Stadt, umgeben von Kirchenhäuptern und Jugendlichen. Eigentlich dürfte man die Wartesäle nur mit gültigem Fahrschein betreten. Doch ein freundlicher Beamte kommt sofort auf uns zu und gibt dem Wachpersonal zu verstehen, dass sie uns eintreten und die Bilder fotografieren lassen sollen.
Yekatrinburg gefällt uns als Stadt. Neben alten Holzhäusern erheben sich moderne Wolkenkratzer. Es fehlt weder der traditionsreiche Markt noch das Armani- oder Escadageschäft. In einem auf Landkarten spezialisierten Laden können wir sogar einige topografische Karten der Umgebung kaufen. Dank einer dieser Karten, die von Bobo sofort eingescant wird, finden wir ausserhalb der Stadt an der alten Strasse an Position 56° 52' 12.5“ und Ost 60° 2' 51.4“ (Schweizer Koordinaten 1903) den Grenzstein, der die Grenze zwischen Europa und Asien anzeigt.
Die Grenze zwischen Europa und Asien wird auch an der neueren Autobahn angezeigt, allerdings an einem etwas anderen Ort (Position Nord 56° 49' 54.6“ und Ost 60° 21' 2.2“). Die Russen planen, diese Markierung über die gesamte Breite der Autobahn zu bauen. Das wird dann schon sehr eindrücklich sein.
Wir pendeln von Europa wieder zurück nach Asien Richtung Chelyabinsk. An Position Nord 56° 35' 9.0“ und Ost 60° 50' 15.4“ finden wir in der Taiga umgeben von Wäldern unseren Schlafplatz. Dank den feinen Spaghetti im Bauch sollten wir in der Nacht nicht allzu stark frieren!