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Die starken Regenfälle diesen Frühling und eine sich abzeichnende Trockenperiode führen uns deutlich vor Augen, dass das Thema Wasser ein komplexes und dringendes Nachhaltigkeitsproblem ist. In dieser Hinsicht empfiehlt Zukunftsgemeinde einen Blick auf die lokale Ebene, denn dort können konkrete und wirksame Massnahmen ergriffen und Lösungsansätze diskutiert werden. Die Zukunft liegt im Lokalen.
Worum geht es genau?
Die Anzahl der Niederschläge hat sich nicht verringert, doch ihre Verteilung ist nicht mehr so ausgeglichen wie früher, sowohl zeitlich als auch regional. Trockenperioden werden von lokalen Starkregenereignissen abgelöst. Dies liegt daran, dass die wärmere Luft infolge des Klimawandels mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Zudem verweilen Regenwolken aufgrund der Veränderungen im Jetstream länger an einem Ort, was zu Starkregen und Hochwasser führen kann. Wenn das Wasser an einem Ort abgelassen wird, fehlt es logischerweise an einem anderen Ort. Daher ist es entscheidend, dass lokale Wassersysteme widerstandsfähiger werden, um die Auswirkungen von Starkregen zu minimieren und Reserven für trockene Perioden anzulegen - ähnlich wie bei der Gewinnung und Speicherung von Strom.
Wie wäre es also...
Wie wäre es, wenn jedes Dorf einen Puffersee anlegen würde? Wie gross sollte dieser See sein? Wäre die Landwirtschaft bereit, die benötigte Fläche zur Verfügung zu stellen? Woher käme das Wasser? Welche Vorteile hätte ein solcher See neben dem Wassermanagement? Und wer würde von einem solchen See profitieren wollen? Wer wäre dagegen? Und wie sind die gesetzlichen Grundlagen für künstliche Seen?
Bild oben: Der Kleinhesseloher See ist ein künstlicher See und Bestandteil des mittleren Englischen Gartens in München. Fläche 8,641 ha / Länge 480 m / Breite 305 m / Umfang 1,6 km. Bildquelle Wikipedia
Die angemessene Grösse des Sees
Nehmen wir an, wir spielen einmal gedanklich durch: Ein See mit einer Fläche von 8 Hektar und einer Tiefe von etwa fünf Metern könnte rund 400.000 Kubikmeter Wasser speichern. Das entspricht fast dem doppelten Bedarf der Gemeinde Buttisholz an Trinkwasser in einem Jahr. Es geht hierbei nicht darum, das Trinkwasser direkt aus dem See zu gewinnen, sondern um die Darstellung eines Verhältnisses.
Rückhaltevolumen bei Starkregen
Die Vorwarnungen für Starkregenereignisse werden immer besser. Es könnte möglich sein, den See einige Tage im Voraus zu öffnen, um einen Rückhalteraum für den Regen zu schaffen - ähnlich wie beim Hochwasserrückhaltebecken in Buttisholz. Der Damm beim Fürtiwald hat ein Rückhaltevolumen von 28.000 Kubikmetern. Mit einer zusätzlichen "Reserveböschung" von einem Meter Höhe könnte der oben skizzierte künstliche See etwa 80.000 Kubikmeter Hochwasser zurückhalten. Während einer Trockenperiode könnte dem See Wasser entnommen werden, um damit den Bach zu speisen und Fische sowie andere Lebewesen zu schützen, und für die Bewässerung in der Landwirtschaft. Bei entsprechender Aufbereitung könnte der See sogar als Trinkwasserversorgung in extremen Trockenperioden dienen.
Woher kommt das Land für den See?
Eine Fläche von 8 Hektar entspricht etwa 0,66 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Buttisholz. Zwar würde die Landwirtschaft einen Teil ihrer Anbaufläche verlieren, doch sie könnte dennoch an einer solchen Lösung interessiert sein, da sie von dem See profitieren würde. Für die Landwirtschaft wäre der See eine Art Wasserversicherung. Zudem sind mehr als 50 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in der Schweiz Pachtland, und diese Pachtflächen gehören oft öffentlichen Körperschaften, Stiftungen und Erbengemeinschaften. Diese Eigentümer sind gesetzlich oder aufgrund ihrer Überzeugungen dem Gemeinwohl verpflichtet. Daher sollte es möglich sein, die benötigte Fläche durch Landtausch zu organisieren.
Mit einer 8 Hektar grossen Wiese (80.000 Quadratmeter) könnte ein Landwirt etwa 6 Kühe mit Futter versorgen und damit etwa 60.000 Liter Milch produzieren, was einer Wertschöpfung von rund 80.000 Schweizer Franken entspricht, wenn man die nachgelagerten Bereiche mit einbezieht. Die Gesamtwertschöpfung von Buttisholz liegt bei geschätzten 200 Millionen Schweizer Franken.
Woher stammt das Wasser?
Das Wasser könnte aus dem Überlauf der Wasserversorgung (sofern vorhanden) stammen sowie von Dächern und Plätzen, die im Mischwasserkonzept die Kläranlagen überlasten und bisher über weite Strecken gepumpt werden müssen. Möglicherweise könnte auch Wasser aus dem Chäserebach genutzt werden.
Wie in vielen Bereichen der nachhaltigen Entwicklung gilt aus bei diesem Thema die Sektoren zu koppeln - Beispiel 1
Buttisholz beherbergt rund 1.000 Kühe, möglicherweise sogar mehr. Diese Kühe benötigen zusammen geschätzt 43.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr. Gleichzeitig produzieren sie Gülle.
In Zukunft müssen bestimmte Felder bewässert werden, insbesondere wenn vermehrt Gemüse und Obst für die lokale Versorgung angebaut werden sollen (Stichwort "Local Food Hub"). Es wäre daher erforderlich, eine Versorgungsleitung mit "Gebrauchswasser" vom See zu den landwirtschaftlichen Betrieben zu legen, um die Kulturen zu bewässern. Gleichzeitig könnte diese Leitung zum Transport der Gülle von den Bauern zu einer zentralen Biogasanlage genutzt werden. Die Biomasse aus der Gülle wird für die Methanisierung des aus Photovoltaikanlagen gewonnenen Wasserstoffs benötigt. Das synthetische Erdgas kann dann im Winter gespeichert werden. Eine Leitung für zwei Zwecke.
Sektorenkopplung - Beispiel 2
Es ist wichtig, zwischen zwei Arten von Seen zu unterscheiden: natürlichen Seen, die der Natur gehören und zu denen der Mensch eingeladen ist, sowie neuen künstlichen Seen, die dem Menschen gehören und zu denen die Natur eingeladen ist.
Um das Klima zu schonen, müssen wir unser zukünftiges Reise- und Freizeitverhalten ändern. Menschen verbringen ihre Freizeit und Urlaube gerne und oft am Wasser, sei es am Meer, an einem See oder an einem Gebirgsbach. Die schönsten und beliebtesten Städte der Welt befinden sich in der Regel in der Nähe eines Sees, Flusses oder Meeres.
Glücklicherweise werden Ferien und Freizeitaktivitäten in der Schweiz immer beliebter.
In diesem Kontext gewinnt die Vision von künstlichen Seen an Bedeutung: Die Reisewege werden kürzer, der regionale Erholungsfaktor und damit die Gesundheit der Menschen steigen, die Landwirtschaft kann ihren wichtigsten Produktionsfaktor langfristig sichern, und es entsteht ein wertvoller ökologischer, sozialer und kultureller Lebensraum. Zudem entlasten künstliche Seen die Naturseen.
Zusammenfassung Man sollte im See baden dürfen, es sollten Grillstellen vorhanden sein, kulturelle Veranstaltungen auf einer Seebühne möglich sein, das morgendliche Kaltbaden zur Förderung der Gesundheit etabliert werden und im Winter sollte das Eisstockschiessen auf dem zugefrorenen See möglich sein. Es gibt unzählige Ideen, was man im, auf und mit einem künstlichen See alles machen könnte. Jede Gemeinde kann und sollte die passende Nutzung für ihren See festlegen.
Die Idee, jedem Dorf seinen eigenen See zu geben, bietet vielfältige Vorteile und Lösungsansätze für die Herausforderungen der Wasserverfügbarkeit, des Hochwasserschutzes, der Landwirtschaft und des Freizeitwertes. Es eröffnet die Möglichkeit, lokale Ressourcen nachhaltig zu nutzen und gleichzeitig den sozialen und ökologischen Lebensraum zu bereichern. Es ist an der Zeit, die Zukunft unserer Gemeinden auf lokaler Ebene zu gestalten und gemeinsam die Weichen für eine nachhaltige und resiliente Zukunft zu stellen. Denn die Zukunft ist lokal.