Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03131.jsonl.gz/2688

Frauen haben seit den 1940er-Jahren zunehmend höhere Bildungsabschlüsse erreicht und mittlerweile ihren festen Platz in der Arbeitswelt. Damit haben sich auch die Vorstellungen über die Eigenschaften von Frauen und Männern verändert, wie eine Studie der Universität Bern und der Northwestern University nun bestätigt: Die Geschlechterstereotype sind – zumindest teils – mit der Zeit gegangen, so das Fazit, von dem die Wissenschaftler im Fachblatt «American Psychologist» berichten.
Für die Untersuchung analysierte das internationale Team um Christa Nater und Sabine Sczesny 16 national repräsentative Meinungsumfragen zwischen 1946 und 2018, wie die Uni Bern am Donnerstag mitteilte. Insgesamt hatten mehr als 30’000 Personen an den Befragungen teilgenommen.
Abgefragt wurde dabei, inwiefern bestimmte Eigenschaften eher Frauen oder eher Männern zugeordnet wurden. Darunter in einer Sparte «mitfühlend», «liebevoll», «sensibel», in einer zweiten «ehrgeizig», «aggressiv», «entscheidungsfreudig» oder in der dritten Sparte (Kompetenz) «intelligent», «organisiert» und «kreativ».
Mit Männern gleichauf
In der dritten Sparte, dem Stereotyp «Kompetenz», zeigte die Untersuchung der Forschenden eine starke Veränderung über die Jahrzehnte hinweg. 1946 hielten nur 35 Prozent der Befragten Frauen und Männer für gleichermassen intelligent. Die grosse Mehrheit hielt Männer für kompetenter.
2018 hat sich das Bild stark verändert: 86 Prozent halten beide Geschlechter für gleich intelligent. Von den übrigen schreiben sogar 9 Prozent den Frauen die grössere Kompetenz zu und nur 5 Prozent den Männern. Dabei waren es nicht nur Frauen, die Frauen höhere Kompetenz zuschrieben: Die Meinung dazu war offenbar unabhängig vom Geschlecht der befragten Person sowie auch von anderen Faktoren wie Hochschulbildung, Familienstand, Beschäftigungsgrad oder ethnischer Zugehörigkeit.
Noch immer der «mütterliche Typ»
Die anderen beiden Stereotype, die abgefragt wurden, zeigten indes keine grosse Veränderung im Verlauf der Zeit. Teils verstärkten sie sich sogar: Frauen wurden über die Zeit hinweg sogar als noch mitfühlender, liebevoller und sensibler wahrgenommen, erklärte Nater gemäss der Mitteilung. Männer hingegen werden nach wie vor als ehrgeiziger, aggressiver und entschlossener wahrgenommen als Frauen.
Die Geschlechterstereotype beruhen auf den sozialen Rollen, in denen Menschen Frauen und Männer in der Gesellschaft beobachten. Aus diesen Beobachtungen leiten sie Eigenschaften ab. Die Stereotype ändern sich somit nur, wenn sich die soziale Position verändere, so Sczesny.
Nachteil für Führungspositionen
Einerseits sind die Ergebnisse positiv für Frauen. Kompetenz sei für praktisch alle Jobs eine Anforderung. Die gegenwärtige Ansicht, dass Frauen gleich kompetent oder kompetenter als Männer sind, sollte die Beschäftigung von Frauen fördern, sagte die Forscherin. Zudem werde Sozialkompetenz zunehmend belohnt.
Andererseits benachteiligen die bestehenden Stereotype nach wie vor Frauen für Führungspositionen: «Das geringere Ausmass an Ehrgeiz, Aggressivität und Entscheidungsfreudigkeit, das Frauen im Vergleich zu Männern zugeschrieben wird, ist ein Nachteil in Bezug auf Führung», so Sczesny.