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Ausgewählte Bestände
Die Bestände der Abteilung Alte Drucke und Rara stammen überwiegend aus den Vorgängerbibliotheken der Zentralbibliothek (→ Bestandesgeschichte) und werden laufend durch Neuerwerbungen und Schenkungen, mit besonderem Augenmerk auf Turicensia, ergänzt.
Im Folgenden werden ausgewählte Teile des überaus vielfältigen Bestandes vorgestellt.
Inkunabeln
Die Zentralbibliothek besitzt 1562 Wiegendrucke und verfügt damit nach der Universitätsbibliothek Basel über den zweitgrössten Bestand in der Schweiz, der im gedruckten Inkunabelkatalog der Zentralbibliothek Zürich ausführlich beschrieben ist. Darunter befinden sich zahlreiche Zimelien der frühen Buchdruckerkunst, so etwa verschiedene Ausgaben der Schedelschen Chronik, der erste Schweizer Druck aus dem Jahr 1470 sowie der älteste Zürcher Druck, der um 1479 erschienen ist. Zu den Prachtstücken der Sammlung zählt eine vom Pico-Meister prächtig illuminierte, 1471 in Venedig gedruckte italienische Bibel.
Zürcher Druckschriften
Ein Schwerpunkt der Sammlung bildet die Zürcher Buchproduktion, die mit der um 1520 begründeten Offizin von Christoph Froschauer (nach 1490–1564) einen ersten glanzvollen Höhepunkt erlebte. Als Freund von Huldrych Zwingli (1484–1531) druckte Froschauer alle wichtigen Werke des Reformators, darüber hinaus aber auch bedeutende, zum Teil reich illustrierte geschichtliche, medizinische und naturwissenschaftliche Werke sowie zahlreiche Bibeldrucke. Mit seiner auf vier Pressen erweiterten Druckerei, eigener Schriftgiesserei, Holzschneidewerkstatt, Buchbinderei, Papierfabrik sowie mit umfangreichem Verlags- und Buchhandels-
geschäft war Froschauer ein über seine Zeit hinausweisender Unternehmer, dessen Bücher in ganz Europa Verbreitung fanden.
Die in der Zentralbibliothek vorhandenen Zürcher Drucke des 16.–18. Jahrhunderts werden fortlaufend digitalisiert und über die Plattform e-rara.ch kostenlos zugänglich gemacht.
Im 17. Jahrhundert ging die Bedeutung des Zürcher Buchdrucks nicht zuletzt aufgrund der rigiden Zensur- massnahmen zurück. Erst der wirtschaftliche Aufschwung und der geistige Wandel um die Mitte des 18. Jahrhunderts brachten das kulturelle Leben in Zürich und damit auch die Buchproduktion zu einer neuen Blüte. Besonderes Ansehen weit über die Grenzen der Schweiz hinaus erwarb sich dabei das Verlagshaus Orell, Gessner & Co., das 1771 zu Orell, Gessner, Füssli & Co. fusionierte. In Zusammen-
arbeit mit dem Literaturkritiker Johann Jakob Bodmer (1698–1783) brachte der Verlag vom Geist der Aufklärung geprägte wissenschaftliche und literarische Werke von namhaften Autoren heraus und übte auch durch die Publikation von Übersetzungen, wie der ersten deutschen Übersetzung von Shakespeares Werken durch Christoph Martin Wieland (1733–1813), prägenden Einfluss auf das literarische Leben im deutschen Sprachraum aus.
Tafelwerke
Zu den Prachtstücken der Sammlung zählen mit Kupferstichen, Radierungen oder Lithographien reich illustrierte Tafelwerke des 16. bis 19. Jahrhunderts. Besonders geographische und naturwissenschaftliche Werke aber auch solche zur Altertumskunde und Architektur wurden häufig mit aufwendigen, manchmal auch handkolorierten Illustrationen versehen.
Bibeln
Die Abteilung Alte Drucke verfügt über einen beachtlichen Bestand an Bibeln mit Schwerpunkt auf den Zürcher Drucken. Er verteilt sich hauptsächlich auf die Signaturen Bibl, 8 und VIII bis und repräsentiert sowohl die verschiedenen protestantischen Strömungen als auch die katholische Produktion. Einige Exemplare dokumentieren das Fortleben der Zürcher Bibelübersetzung im Ausland.
Flugschriften und anderes Kleinschrifttum
Die Zentralbibliothek Zürich verfügt über umfangreiche Sammlungen von Flugschriften. Besonders hervorzu- heben sind die zahlreichen Flugschriften der Reformationszeit, von denen manche sehr selten sind und etliche in Zürich gedruckt wurden. Viele davon finden sich unter den Signaturen Zwingli (aus dem Vorbesitz des Zwinglivereins) und Zwingli M. v. K. (Vorbesitz der Familie Meyer von Knonau). Tausende von Flug- und Kleinschriften der frühen Neuzeit enthält die Signatur 18, darunter auch eine von Josias Waser (1598–1629) begründete Sammlung zum Dreissigjährigen Krieg (Signaturen 18.1–18.27). Im 17. Jahrhundert erfreuten sich zudem die für das Zeitalter des Barock typischen Hochzeitsgedichte und Leichenreden, die in gedruckter Form an die Gäste der jeweiligen Anlässe abgegeben wurden, auch in Zürich grosser Beliebtheit. Ein Teil dieser noch kaum erforschten Bestände ist auf Karteikarten erschlossen.
Aus dem Vorbesitz von Paulus Usteri (1768–1831) stammt eine 7500 Broschüren umfassende Sammlung mit Flugschriften der Französischen Revolution, die vollständig im Online-Verbundkatalog nachgewiesen ist (Signatur: Usteri). Unter der Signatur Genève sind ferner Genfer politische Flugschriften aus der Zeit von 1725–1846 versammelt.
Eine Besonderheit verbirgt sich hinter der Signatur Nachtzeddel: Gedruckte Logierverzeichnisse der stadtzürcherischen Fremdenkontrolle aus den Jahren 1780–1829.
Widmungsexemplare und signierte Bücher
Widmungsexemplare sind grundsätzlich nur in der Abteilung Alte Drucke und Rara einsehbar. Neuere Zugänge tragen die Signatur AWD. Darüber hinaus finden sich unter der Signatur AWG auch einige zusammenhängende Sammlungen, wie z.B. von Autoren und Künstlern signierte bibliophile Drucke der Düsseldorfer Eremiten-Presse oder zahlreiche Bände mit Widmungen an den Zürcher Literaturwissen- schaftler und Journalisten Werner Weber (1919–2005) aus dessen Privatbibliothek.
Die ältere Signatur DrM beinhaltet Handexemplare und Druckfahnen meist des 18. und 19. Jahrhunderts mit handschriftlichen Zusätzen oder Korrekturen der Autoren.
Lavateriana
Im Jahre 1901 gelangte die von Katechet Heinrich Meyer (1751–1825) angelegte Lavater-Sammlung der Kirchgemeinde Zürich-St. Peter in die damalige Stadtbibliothek. Sie umfasst 300 Druckschriften zu Werk und Person Johann Caspar Lavaters (Signatur: FA Lav Dr). Aus dem Vorbesitz des Heilpädagogen Prof. Heinrich Hanselmann (1885–1960) kam 1943 eine 300 Bände umfassende Sammlung von Originalausgaben der Schriften Lavaters hinzu (Signatur: Lav H).
Kalender
Der älteste bekannte Zürcher Druck grösseren Umfangs ist ein von Hans Rüegger im Jahr 1508 gedruckter, mit Holzschnitten illustrierter Kalender. Unter der Signatur Kal finden sich rund 500 weitere in der Schweiz und in Deutschland erschienene volkstümliche Kalender des 17. bis 20. Jahrhunderts.
Revolutionsschriften
Die Anschaffung der Sammlung des Frankfurter Graphikers und ehemaligen kommunistischen Reichstags- abgeordneten Hanns L. Katz (1882–1940) sowie eines Teils der Privatbibliothek von Ernst Toller (1893–1939) legte den Grundstein zu einem Fundus an "revolutionärer Literatur" des 18. bis 20. Jahrhunderts, vornehmlich zu Sozialismus und Kommunismus. Dieser durch weitere Zugänge auf über 3000 Bände angewachsene Bestand ist unter der Signatur Revol vereint.
Zeitungen und Zeitschriften
Auch alte und wertvolle Zeitungen und Zeitschriften - von der ersten Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung aus dem Jahr 1780 bis zur "Schweizer Illustrierten" und dem "Nebelspalter" - werden von der Abteilung Alte Drucke und Rara verwaltet.
Sammlung Voiret: frühe abendländische Werke über China
Die Sammlung Voiret aus dem Vorbesitz des Sinologen Jean-Pierre Voiret befindet sich seit 1996 als Depotbibliothek des Ostasiatischen Seminars der Universität Zürich in der Abteilung Alte Drucke und Rara. Die rund achtzig Bände der Sammlung mit der Signatur VOI stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert und widerspiegeln die frühe Rezeption Chinas in Europa.
Faksimiles
Eine Auswahl an Faksimiles ist im Lesesaal der Abteilung Alte Drucke und Rara unter der Signatur AWF verfügbar.