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Im Arbeitskontext wird normalerweise den erwünschten Ausprägungen von Persönlichkeitsmerkmalen die meiste Aufmerksamkeit geschenkt. Ist ein Bewerber gewissenhaft, kontaktfreudig und teamfähig? Erfüllt die Person die Anforderungen, die im Stellenprofil definiert sind? Dieser Fokus auf die positiven Eigenschaften einer Person spiegelt sich nicht nur in Stellenprofilen wieder – er dominiert auch die Forschung zur Aussagekraft von Persönlichkeit für beruflichen Erfolg. Auch in der Persönlichkeitspsychologie wurden lange vorrangig die positiven Seiten der Persönlichkeit in den Blick genommen. Die pathologischen, also die «abnormen» oder problematischen Seiten wurden freigiebig den Psychiatern überlassen.
Diese Grenzen riss Delroy Paulhus, Psychologieprofessor aus Vancouver, im Jahr 2002 ein: Er initiierte ein innovatives Forschungsprogramm, das inzwischen reiche Früchte trägt und bedeutsame Erkenntnisse für HR-Verantwortliche hervorgebracht hat. Die Grundidee des Programms besteht darin, dass die von Psychiatern verwendeten Diagnosen von Krankheitsbildern als Extremform eines Kontinuums angesehen werden. Neben klinisch relevanten Ausprägungen kommen demnach auch milde Ausprägungen vor, die eine mehr oder weniger unauffällige Teilnahme am Alltags- und Berufsleben ermöglichen. Paulhus prägte in diesem Zusammenhang den Begriff «Dunkle Triade» («Dark Triad») für ein Merkmalsbündel, das die drei Bereiche Narzissmus, Machiavellismus und milde Psychopathie umfasst.
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Der Narzisst: selbstverliebt, herabwürdigend, charmant
Der Begriff Narzissmus ist einer Geschichte der griechischen Mythologie entlehnt, in welcher der Jüngling Narziss mit einer unstillbaren Selbstliebe bestraft wird. Die Bedeutung hat sich im Kern bis heute erhalten. So ist das Verhalten von Narzissten durch ein überhöhtes Selbstbild und durch ein selbstdarstellerisches, selbstverliebtes Auftreten geprägt. Dabei geht die Überhöhung der eigenen Person in der Regel mit der Herabwürdigung Anderer einher. Interessanterweise vermögen Narzissten durch ihren Charme dennoch kurzfristig zu überzeugen, denn ihr grenzenloses Selbstbewusstsein macht sie zu unterhaltsamen Zeitgenossen.
Der Machiavellist: manipulativ, eigennützig, geschickt
Als Machiavellisten hingegen werden Personen bezeichnet, die einen starken Hang zu manipulativen, eigennützigen und ausbeuterischen Verhaltensweisen haben. Der Begriff Machiavellismus geht auf Niccolò Machiavelli (1469-1527) zurück, Politikberater der Medici. Die oft zynisch anmutenden Ansichten von Machiavellisten sind mit einem starken Egoismus gepaart. Ihre Strategien sind oftmals klug durchdacht und geschickt angelegt, so dass ihnen ihr Fehlverhalten selten nachgewiesen werden kann. Zudem sind sie sehr gut in der Lage, weitreichende Netzwerke zu bilden und rasch das Vertrauen Anderer zu gewinnen.
Der milde Psychopath: sprunghaft, gefühlskalt, durchsetzungsstark
Der Begriff der Psychopathie stammt aus der klinischen Psychologie und bezeichnet dort ein eng umgrenztes Syndrom. Die Forschung zur Dunklen Triade hingegen hat ein anderes Verständnis entwickelt und geht davon aus, dass auch die Psychopathie ein graduell abgestuftes Merkmal ist, das nicht unbedingt in einer Extremform wie zum Beispiel in Form von psychopathischen Gewaltakten in Erscheinung tritt, sondern auch als «milde» Ausprägung zu beobachten ist. So zeigen «milde» Psychopathen oft impulsiv-sprunghaftes Verhalten und werden tendenziell als gefühlskalt wahrgenommen. Sie können sich gut durchsetzen und haben keine Skrupel, im Zweifelsfall Gewalt anzuwenden. Nach ihren Taten empfinden sie weder Reue noch Schuldgefühle. Die Taten bewegen sich meist im Rahmen der Legalität, haben aber gleichwohl negative Auswirkungen auf Mitmenschen. Ihr Verhalten ist zum einen auf ihre mangelnde Bereitschaft zur Perspektivübernahme und zum anderen auf ihre Kaltherzigkeit zurückzuführen.
Die Dunkle Triade: eine Kurzcharakterisierung
Narzissmus: Narzissten entwickeln ein überhöhtes Selbstbild, fühlen sich anderen überlegen, heischen Aufmerksamkeit, möchten besonders behandelt werden, setzen andere herab, neigen zu dominantem Verhalten, wirken mitunter besonders charmant.
Machiavellismus: Machiavellisten neigen zu Zynismus und Egoismus, handeln manipulativ und kalkulierend, beuten andere aus, kennen keine Grenzen, um eigene Ziele zu erreichen. Eigennutz wird über Prinzipientreue gestellt.
Milde Psychopathie: Milde Psychopathen handeln kaltherzig, neigen zur Impulsivität, schrecken nicht vor Gewalteinsatz zurück, sind durchsetzungsstark, zeigen keine Perspektivübernahme, empfinden keine Reue.
Der Kern der Dunklen Triade
Untersuchungen zum Zusammenspiel der Dunklen Triade zeigen, dass die drei Merkmalsbereiche überlappen. Gemeinsam ist allen Merkmalen eine geringe Fähigkeit zur Empathie sowie eine mehr (Psychopathie) oder weniger (Narzissmus) stark ausgeprägte Gefühllosig- und Hartherzigkeit. Zum gemeinsamen Kern gehört weiterhin eine geringe Verträglichkeit, das heisst, die Personen zeigen wenig Verständnis und wenig Wohlwollen gegenüber anderen Menschen. Die grössten Unterschiede bestehen in der Motivation des Handelns. Während für Narzissten die Bewunderung durch andere im Zentrum steht, ist für Machiavellisten das unbedingte Erreichen eigener Ziele entscheidend. Für Psychopathen wiederum steht die unmittelbare Triebbefriedigung durch die Handlung selbst im Zentrum des Geschehens.
Serie: Dark Triad
Haben Sie sich schon über Mitarbeitende geärgert, die nichts zu sagen haben, aber immer im Mittelpunkt stehen wollen? Haben Sie sich schon über Führungskräfte gewundert, die ohne Rücksicht auf Andere ihre Ziele durchsetzen? Oder hatte Ihr Unternehmen schon unter Mitarbeitenden zu leiden, die wichtige Entscheidungen impulsiv getroffen haben? Dann dürfte Sie unsere Artikelserie «Dark Triad» interessieren, in der wir die dunkle Seite der Persönlichkeit beleuchten. Wir zeigen, wie Sie Merkmale der Dunklen Triade im Bewerbungsprozess erkennen und welche Massnahmen HR-Verantwortliche ergreifen können, wenn durch «dunkle Persönlichkeiten» negative Folgen für das Unternehmen drohen.
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