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(Donnerstag, 6. Dezember 2012)
(ACHTUNG langer Eintrag mit Infos über Moai – Lesen freiwillig, bessere Fotos folgen!)
Mark, ein Neuseeländer, war vor ca. 4 Jahren wegen seiner Frau, eine Rapa Nui, hierhergezogen. Nun bietet er englische Touren über die Osterinsel an. Mit zwei anderen Touristen aus Kanada fuhren wir in seinem Auto los. Rapa Nui seien sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, meinte Marc, aber dennoch nicht immer einfach zu verstehen. Lügen und geborgene Sachen nicht zurückgeben waren geduldet, aber wehe man schlief gegen Westen (wo die Toten ruhen), schnitt dem Kind die Haare oder schritt über einen Liegenden (beides raubt dessen Kraft). Die Bewohner hier seien sehr abergläubisch.
Beim Flughafen informierte uns Marc, dass die NASA die Piste erstellt hat als Notfallpiste für das Space Shuttle, deshalb sei die Piste so lang. Auf der Strasse standen auch immer wieder freilaufende Pferde herum. Grundsätzlich gehörten die jemandem, aber sie werden kaum genutzt. Nur selten sahen wir jemanden auf dem Pferd durch die Strassen reiten, die meisten der Pferde waren sich selbst überlassen, aber trotzdem gebrandmarkt.
Wir erfuhren ausser der Herkunft und Geschichte der Rapa Nui auch viel über die Moai, wie diese Steinfiguren hier heissen. Es gibt über 1000 davon auf der Insel. Gut 300 stehen auf den für sie vorgesehenen Plätzen, etwa 400 sind in verschiedenen Stadien der Produktion an einem Vulkanfelsen, der Rest ist irgendwo dazwischen auf dem Weg, ob ganz oder gebrochen. Es wird vermutet, dass die Moai zu Ehren eines guten Stammesführers erstellt wurden, so kamen manchmal mehrere an einen Ort, um deren gute Kräfte zu bündeln.
Am ersten Ort, den wir besuchten, lagen alle Moai vornüber auf dem Gesicht. Immerhin war gut zu erkennen, dass es sich um diese Statuen handelte, denn die meisten waren nicht gebrochen.
Es braucht 12 Leute, die während 18 Tagen arbeiten, um einen Moai auf seinen Altar zu stellen. Die Moai standen meist auf einem Altar, der das Zentrum des Dorfes eines Stammes bildete.
Ursprünglich waren alle Moai umgestürzt worden, sei es durch andere Stämme, neuer Glauben oder Natur. Oftmals wurden so absichtlich die Genicke der Figuren gebrochen. Einige wurden (vermutlich vor allem für touristische Zwecke) wieder aufgerichtet, andere blieben für genaueres Studium so wie sie vorgefunden wurden.
Einer der imposantesten Plätze ist Tongariki, wo 15 Moai nebeneinanderstehen. Nach einem Tsunami im Jahr 1960 wurde alles wieder aufgebaut, wie es davor war. Dieser Punkt ist auch der beste für Sonnenaufgänge. Hier steht auch der schwerste Moai, der sein Zielort erfolgreich erreicht hat. Mit 8.7 Meter und 19 Tonnen ist dies eine sehr imposante Figur. Marc zeigte uns erst ein paar Zeichnungen in den Steinen (Petroglyphen), anschliessend zeigte er uns die besten Fotomöglichkeiten bei diesen Statuen.
Der nächste Stopp war unser Favorit. In Rano Raraku wurden die Moai hergestellt. Knapp 400 Formationen sind in allen möglichen Stadien der Herstellung zu finden. Zum Teil ist erst der Kopf im Stein erkennbar, zum Teil wartet der Körper auf die Loslösung des Felsens. Wenn der Hauptteil der Statue erstellt wurde, wurde der Moai vom Felsen gesprengt und in ein tiefes Loch gestellt. Dann wurde die Figur fertig geschliffen. Einige der Moai stehen jetzt immer noch in diesen tiefen Löchern, die sich in der Zwischenzeit gefüllt hatten, so dass nur noch etwa ein Drittel, also der Kopf, aus dem Boden schaut. Allfällige Berichte im Internet, dass diese Köpfe Körper haben, sind also wahr und die Fotos datieren aus den 50er Jahren, als ein solches Loch gebuddelt wurde. Leider wurde dies wieder geschlossen, ich hätte dies gerne gesehen. So begnügten wir uns mit verschiedensten Moai aus unterschiedlichen Epochen, kniend, mit Tattoos. Der grösste Moai, der noch in Produktion war, ist 21.4 m gross und machte auch liegend viel Eindruck. Wir hatten auch noch die Möglichkeit, lustige Fotos von uns auf der Nase eines Moai sitzend zu machen. Uns gefiel dieser Platz sehr gut!
Es gibt auf der Insel nur einen alten Moai mit den ursprünglichen weissen Augen. Früher hatten alle Moai weisse Augen, die aus Korallen hergestellt wurden. In späterer Zeit brauchten die Bewohner geschmolzene Korallen zur Abdichtung ihrer Häuser, so dass sie einfach die Augen der umgeworfenen Statuen klauten. Nur eine der Statuen war wieder hergestellt worden in ihren ursprünglichen Zustand.
Bei Te Pito Kura waren unglaublich viele Touristenbusse auf dem Parkplatz. Selbst Marc hatte noch nie so viele Busse dort gesehen. Die Menschen standen an, um am runden Stein, dem als Nabel der Erde (Te Pito Kura) übersinnliche Kräfte nachgesagt wurden, hinzusitzen und den Stein zu berühren. Wir liessen das Anstehen aus und fuhren stattdessen an den Strand Anakena, an dem nach der Sage der Entdecker Hotu Motu‘a angelegt hatte. Martin und ich gönnten uns ein kühles Bad in den Wellen, unser erster richtiger Wellenstrand in unseren Ferien!
Nach der salzigen Abkühlung sahen wir uns noch die Moai an diesem Strand an, die meisten hier trugen eine Kopfbedeckung. Deren Bedeutung ist wie vieles anderes nicht geklärt.
Nach diesem traumhaft schönen und warmen Tag bei strahlendem Sonnenschein und interessanten Infos fuhr uns Marc zurück in die Unterkunft. Wir genossen eine Dusche, bevor wir ins Zentrum zurück spazierten.
Da wir morgen früh den Sonnenaufgang sehen wollten, hatte Steve für uns einen Roller reserviert. Leider hatte das nicht geklappt, so dass wir (vergünstigt) einen Quad erhielten. Das Fahren hatten wir schnell gelernt, wir kurvten in der Stadt bis zum Restaurant und anschliessend zu den nächsten Moai herum. Der Sonnenuntergang war nicht überragend, da einige Wolken aufgezogen waren. Wir genossen es trotzdem.