Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/2006

Weniger Fahrzeuge durch selbstfahrende Autos?
Heutzutage stehen Fahrzeuge 90% der Zeit auf Parkplätzen. Und wenn sie genutzt werden, transportieren sie durchschnittlich 1,4 Personen. Der Nutzungsgrad macht Autos somit zu der ineffizientesten Maschine, die wir haben.
Lassen Sie uns in das Jahr 2025 oder 2030 reisen, das Jahr, in dem die völlige Fahrzeugautomatisierung erreicht wird. Das Jahr, in dem Fahrzeuge völlig autonom in allen Verkehrssituationen fahren können, sowohl auf Autobahnen als auch im Stadtverkehr. Das Jahr, in dem Fahrzeugpassagiere – dann heißen sie Passagiere und nicht mehr Fahrer – nicht mehr für das Fahrzeug und seine Aktionen verantwortlich sind. Die Zeit, in der rechtliche Rahmenbedingungen für autonomes Fahren geschaffen worden sind.
Der Moment, in dem Autos mit oder ohne Passagiere an Bord fahren können.
Dann können autonome Fahrzeuge von einem Passagier zum nächsten geleitet werden. Nutzer autonomer Fahrzeuge können ein Auto rufen, wenn sie es brauchen wo sie es brauchen. Angekommen an ihrem Zielort und während ihrer täglichen Aktivitäten wie Arbeit, Sport, Restaurantbesuche oder während sie zuhause sind, kann dieses Fahrzeug zu einem anderen Nutzer fahren.
Während des ITS Switzerland Forums ging ein Redner sogar noch weiter: durch die elektronische Agenda einer Person kann ein im Hintergrund laufendes System den Bedarf für ein Fahrzeug feststellen, die Reisezeit zum nächsten Zielort basierend auf Verkehrs- und Wetterdaten errechnen und die Person benachrichtigen, wenn das Fahrzeug am Eingang des Gebäudes auf sie wartet, um ruhig zum nächsten Zielort zu fahren.
Passagiere müssen nicht mehr nach Parkplätzen suchen, da die Autos zum nächsten Fahrgast fahren. Fahrzeuge können eigenständig zur Wartung, zur nächsten Tankstelle oder Ladestation fahren, oder Lebensmittel für die Familie abholen.
Personen oder Haushalte sind somit nicht mehr Eigentümer von Fahrzeugen. Stattdessen managen und verteilen Flottenbetreiber autonome „Taxis“. Car Sharing wird somit zum Standard.
Dieses Scenario scheint ziemlich realistisch zu sein, da das Interesse an Mobilitätslösungen, für den Transport von A nach B, statt individuellen Fahrzeugbesitzes, steigt. Mitgliedschaften bei Car Sharing Anbietern weltweit sind von 350.000 im Jahr 2006 auf fast 5 Millionen im Jahr 2014 gestiegen. Fahrzeuge sind kein Statussymbol mehr. Markentreue nimmt immer weiter ab.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie autonome Fahrzeuge aussehen werden. Sind es Fahrzeuge für den individuellen Transport oder haben 4, 6 oder mehr Personen Platz an Bord? Fahrzeuge werden zum produktiven Raum, in dem Menschen arbeiten und sich treffen können, oder wie ein Sprecher des ITS Switzerland Forums vorschlug, ihren Reisepartner nach Interessen, z.B. für den professionellen Austausch oder über Dating-Plattformen, aussuchen können.
Vorhersagen gehen davon aus, dass wenn autonome Fahrzeuge das primäre Fortbewegungsmittel werden, was uns eher in das Jahr 2050 bringt, der Stadtverkehr mindestens um 30% reduziert wird, was heute dem Verkehrsaufkommen für die Parkplatzsuche entspricht. Parkplatzflächen können dann um ca. 70% reduziert werden.
Und die Anzahl der Fahrzeuge? Studien sagen einen Rückgang um die 30% von Autos auf Straßen voraus. Andererseits bringen selbstfahrende Autos Mobilität zu Personen, die heute nicht fahren dürfen oder können, wie beispielsweise Kinder, alte Menschen, behinderte Menschen, usw. Und vielleicht gefällt es uns ja so sehr in unserer mobilen Lounge umhergefahren zu werden, dass wir sogar noch mehr fahren.
Die Zukunft wird zeigen, ob weniger Fahrzeuge auf den Straßen sein werden. Was wir aber mit Sicherheit erwarten können, ist das wir schneller, mit weniger Staus und entspannter an unserem Zielort ankommen.