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Die Gemeinde Arth
Die Gemeinde Arth (Gemeindeteile: Arth, Oberarth, Goldau und Teil Rigi) im Kanton Schwyz ist ein verkehrstechnisch günstig gelegener Wirtschafts-, Wohn-, Lebens-, und Erholungsraum. Der Bahnhof Arth-Goldau ist für die ganze Region von grosser Bedeutung. Die Ge- meinde Arth liegt im inneren Teil des Kantons Schwyz in einem weit geschwungenen Talkessel zwischen Zuger- und Lauerzersee und zieht sich vom Gipfel des Rossbergs bis hinüber zum Rigi-Kulm. Das wilde Bergsturzgebiet, die Rigi als Königin der Berge, die Naturschönheiten im Schutt und Sägel sowie die fruchtbare, mit Obstbäumen übersäte Tallandschaft kennzeichnen die Gegend.
Ländlicher Charakter
Trotz des stetigen Bevölkerungswachstums hat sich die Gemeinde Arth ihren ländlichen Charakter bewahrt: Die Siedlungsgebiete Arth, Oberarth und Goldau verstehen sich seit jeher als drei Dörfer mit eigenen Identitäten. Zum vierten Siedlungsgebiet der Gemeinde gehört die Rigi (Klösterli, First, Staffel, Kulm). Sie ist sehr dünn besiedelt und gilt deshalb nicht als eigentlicher Dorfteil. Dies soll jedoch nicht heissen, dass sie für die Gemeinde Arth eine geringere Bedeutung besitzt. Im Gegenteil, als Naherholungsgebiet und touristische Attraktion erfreut sie sich grosser Beliebtheit. Obwohl die Bewohner auf der Rigi in keinem eigentlichen Dorf wohnen, nennen sie sich selber stolz «Rigianer». Immer wieder begegnet man dem Begriff «Arth-Goldau». Dies ist jedoch nicht der offizielle Name der politischen Gemeinde. Ursprünglich war mit «Arth-Goldau» nur der Bahnhof gemeint. Als dieser gebaut wurde, wollte man zum Ausdruck bringen, dass er im damals viel kleineren Goldau zu stehen kommt, sich jedoch auf dem Boden der Gemeinde Arth befindet. Heute wird die Bezeichnung «Arth-Goldau» häufig von Vereinen und Institutionen genutzt, um anzuzeigen, dass das gesamte Tal mit allen Siedlungsgebieten gemeint ist.
Der Bergsturz von Goldau
Alljährlich am 2. September, nachmittags um fünf Uhr, läutet die grosse Glocke der Pfarrkirche von Goldau. Damit wird an die schreckliche Naturkatastrophe von 1806 erinnert. Binnen weniger Minuten verschüt- tete eine gigantische Schuttmasse das Tal zwischen Rigi und Rossberg.
Wie kam es dazu?
Vor 25 Mio. Jahren entstand aus grobem Bachgeröll die Nagelfluh. Sand verfestigte sich zu Sandstein und Mergel. Aus diesen Elementen ist der Rossberg in Schichten aufgebaut. Durch Eindringen von Wasser kann sich der Mergel aufweichen; die steinige Nagelfluh schlipft ab. Solche Abstürze sind beim Rossberg nicht erst vor 200 Jahren passiert. Noch grösser als derjenige von 1806 war wahrscheinlich der «Bergsturz von Oberarth» vor rund 12’000 Jahren. Erwähnt wird in den Geschichtsbüchern auch ein Bergsturz im 13. Jahrhundert zwischen Goldau und Steinerberg (Gebiet Röthen, genaue Quellen fehlen). Auch der Name Goldau zeugt nicht von einer goldenen Wiese, wie manchmal irrtümlich angenommen wird. Vielmehr stammt er vom keltischen Wort «golet», was so viel wie «Schutt» bedeutet.
Aus heutiger Sicht kam der Goldauer Bergsturz nicht plötzlich. Berg- bauern hatten die Risse bei der heutigen Abbruchstelle bereits lange vor dem Bergsturz entdeckt. Damals lebte man aber in Gottergebenheit; an Flucht dachte niemand.
In den Wochen vor dem schicksalhaften Tag regnete es fast ununterbrochen. Um 17.00 Uhr lösten sich die Gesteinsmassen und donnerten ins Tal. Innerhalb weniger Minuten wurden die Siedlungen Goldau, Röthen und Teile von Buosingen unter einer 10 – 50 Meter hohen Schuttschicht begraben. Zudem donnerten die Massen ins Westufer des Lauerzersees.
Die dadurch ausgelösten Flutwellen forderten in Lauerz und Seewen mehrere Opfer. Die Bilanz der Katastrophe war verheerend: 457 tödlich Verunglückte, 323 Stück getötetes Vieh, 111 verschüttete Wohnhäuser, 220 zerstörte Scheunen und Ställe, 4 verschüttete Kirchen und Kapellen. Erwähnt sei an dieser Stelle auch die sogenannte Berner Reisegruppe. Die elf Personen aus Bern und Aargau waren von Zug her unterwegs auf die Rigi. Ausgerechnet zum Zeitpunkt der herabstürzenden Massen er- reichten sie Goldau; nur vier konnten sich retten. Irrtümlich wird heute oft angenommen, die «Berner Höhe» sei die Stelle, wo die Reisenden verunglückten. Dem ist aber nicht so. Der Ort erhielt seinen Namen von den Bernern, welche an dieser Stelle halfen, den Verbindungsweg zwi- schen Arth und Lauerz wiederherzustellen. Die Nachricht der grossen Katastrophe verbreitete sich nämlich wie ein Lauffeuer in der ganzen Eidgenossenschaft. Bereits einen Tag nach dem Unglück entsandten die Nachbarkantone Zug und Luzern Hilfskräfte. Wenig später trafen auch Delegierte aus Zürich und Bern ein. Diese spontanen Hilfsbezeugungen, zusammen mit einer erstmals landesweit koordinierten Spenden- sammlung, kann heute als Geburtsstunde der schweizerischen Solidari- tät bezeichnet werden.
Nachdem die ersten Durchgangsstrassen wieder erstellt waren, entstand bei den Bewohnern am Rande des Schuttgebiets der Wunsch nach einer Kapelle. Man entschied sich sinnvollerweise zunächst ein Mehrzweckgebäude zu bauen. Das Pfrundhaus wurde 1808 – 1811 errichtet. Dann folgte das Gasthaus Rössli, welches heute noch unter dem gleichen Namen geführt wird. Die wirkliche Wiederauferstehung hat Goldau aber der Gotthardbahn zu verdanken, welche viele Arbeiter und Touristen anlockte.
Bei den Bauarbeiten des wachsenden Dorfes entdeckte man immer wie- der Fundstücke. Diese wurden von Edwin Simon sel. gesammelt und schliesslich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Bergsturzmu- seum konnte 1966 neben dem Eingang des Tierparks eröffnet werden. Anlässlich des 200. Jahrestages wurde im Jahre 2006 die Bergsturzspur erstellt, eine rund vierstündige Wanderung durch das Bergsturzgebiet.
Wanderweg «Bergsturzspur»
Der Weg führt den Besucher vom tiefsten Ausläufer des Verschüttungs- gebietes auf der Rutschfläche bergan bis zur Abbruchkante und schliess- lich auf die Höhe des Gnipens. Der Wanderer erhält längs des Weges Informationen zu den verschiedenen Bergstürzen und erlebt die ein- malige Pflanzen- und Tierwelt dieser urtümlichen Landschaft. Die ganze Wanderung beansprucht etwa vier Stunden Marschzeit, kann aber auch in Etappen begangen werden. Der leichtere Streckenabschnitt von Lauerz bis Goldau ist in einer guten Stunde zurückzulegen. Mehrere Rastplätze mit Feuerstellen laden zum Verweilen ein.
Bergsturzmuseum Goldau
Im Jahre 1956 errichtete der initiative Goldauer Wirt Edwin Simon in einer selbst finanzierten Militärbaracke eine Ausstellung mit Fund- gegenständen aus dem verschütteten Dorf Goldau. Nach seinem Tod im Jahr 1965 wurde eine Stiftung gegründet, welche im Jahr darauf an gleicher Stelle einen Museumsneubau realisierte. Die bestehende Sammlung wird laufend erweitert. Ausserdem verkauft die Stiftung Informationsmaterial zum Goldauer Bergsturz (Bücher usw.).
Naturschutzgebiete Schutt und Sägel
Das Naturschutzgebiet ist durch markierte Wanderwege sehr gut er- schlossen. Auf der Bergsturzspur, einer Wanderung durch das Berg- sturzgebiet, lernt man eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt kennen. Das Sportangebot wird ergänzt durch einen Vita-Parcours. Ausserdem eignet sich der Schutt bestens für Orientierungsläufe. Das Goldseeli ist ein Rastplatz, der zum Verweilen einlädt. Ein schmaler Weg führt um das Goldseeli. Als Weiher ist der Seerosenteich berühmt für seine Seerosen. Durch das Engagement der Stiftung Lauerzersee konnte im Jahre 2006 der Hexenpfad eröffnet werden. Der Spaziergang wurde mit holzgeschnitzten Figuren bereichert.
Waldlehrpfad Via Silva Arth
Der Waldlehrpfad befindet sich in Arth an der Rigi-Nordlehne. Die Via Silva ist ein Erlebnispfad, welcher Naturfreunden, Schulklassen und Familien mit neugierigen Kindern die vielfältigen Funktionen eines klassischen Schutzwaldes näherbringen will. Mit wissenswerten und unterhaltsamen Informationen gibt der Waldlehrpfad Einblick in das Ökosystem Wald und unterhält die Wanderer dabei während rund 2.5 Stunden Wanderzeit auf 7 Kilometern Weg mit allerlei überra- schenden Fakten zum Schutzwald.