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<h2>SubmittedText<h2><p>Ich ersuche den Bundesrat, folgende Fragen im Zusammenhang mit der angekündigten Zentralisierung von Agroscope zu beantworten:</p><p>1. Was sind die Gründe, Agroscope an einem Standort zu konzentrieren, der schlecht an den ÖV und den Flughafen (wichtig für die geforderte internationale Forschungszusammenarbeit) angeschlossen ist, keine für die Landwirtschaft relevanten Hochschulen in der Nähe aufweist und so weit von den bisherigen Standorten von Agroscope entfernt liegt, dass voraussichtlich ein grosser Teil der Mitarbeitenden nicht an den neuen Standort umziehen wird?</p><p>2. Welches sind die Erfahrungen von Verlagerungen von landwirtschaftlichen Forschungsaktivitäten an andere Standorte (IUL Liebefeld nach Reckenholz, Aufbau des Julius-Kühn-Instituts in Quedlinburg)? Welcher Anteil der betroffenen Mitarbeitenden hat den Umzug mitgemacht?</p><p>3. Wie gedenkt er den Know-how-Verlust aufzufangen, der dadurch entsteht, dass der überwiegende Teil der Mitarbeitenden wegen einer solchen Verlagerung nicht umzieht?</p><p>4. Der Agroscope-Rat begründet die Konzentration unter anderem mit den hohen Mietkosten. Berücksichtigen diese kalkulatorischen Mietkosten Aspekte wie dezentrale Lage, alternative Verwendungsmöglichkeit der Räume usw.?</p><p>5. Der Bund (BLW, Agroscope) hat mit dem Kanton Thurgau eine Vereinbarung abgeschlossen, welche Agroscope hilft, Kosten zu sparen, dafür aber den Erhalt der rund 100 Arbeitsplätze am Standort Tänikon für die nächsten Jahre sichert. Als Folge dieser Vereinbarung ist die Swiss Future Farm im Aufbau begriffen, die auf eine enge Zusammenarbeit mit Agroscope angewiesen ist. Nun sollen eineinhalb Jahre nach Unterzeichnung der Vereinbarung die Arbeitsplätze von Tänikon nach Posieux verlagert werden. Wie ist die Konzeptlosigkeit zu erklären? Was gedenkt er zu unternehmen, um in Zukunft solche Schnellschüsse zu vermeiden?</p><p>6. Im Kanton Thurgau hat die produzierende Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft eine überdurchschnittliche Bedeutung. Ist es vor diesem Hintergrund zu verantworten, dass die Forschung in diesem Sektor nach Posieux verlagert wird?</p><p>7. Das bereits laufende Bauprojekt in Posieux hat zum Ziel, die Administration und die heutigen Arbeitsplätze in Liebefeld am Standort Posieux zu konzentrieren. Die Konzentration der gesamten Agroscope-Forschung in Posieux erfordert den Bau zusätzlicher Gebäude. Was sind die notwendigen Investitionen bzw. Mietkosten? Ist das dafür notwendige Land bereits eingezont?</p><p>8. Kann er aufzeigen, welches die Auswirkungen bei einer Budgetreduktion von 20 Prozent auf die Forschungsleistungen und Kosten inkl. Investitionen und Transaktionskosten sind, wenn:</p><p>a. wie vorgeschlagen alle Agroscope-Mitarbeitenden am Standort Posieux konzentriert werden und neue Gebäude erstellt werden müssen, </p><p>b. ein optimiertes dezentrales Konzept unter Nutzung der bestehenden Gebäudesubstanz (z. B. wurde das Gebäude in Reckenholz vor wenigen Jahren komplett renoviert) umgesetzt wird?</p><p>9. Der Bundesrat spricht in seiner Medienmitteilung von Forschung im Bereich Land- und Ernährungswirtschaft. Die bisherige Forschung war insbesondere für das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL), das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), das Bundesamt für Umwelt und das Bundesamt für Raumentwicklung relevant. Weil der Agroscope-Rat bis jetzt ausschliesslich aus Vertretern des Bundesamtes für Landwirtschaft zusammengesetzt und das Budget dem BLW zugeordnet war, entstanden Spannungen zwischen Agroscope-Rat und Agroscope einerseits und dem BLW und den anderen Bundeämtern andererseits. Soll Agroscope wie bisher umfassend in allen mit der Land- und Ernährungswirtschaft zusammenhängenden Bereichen forschen oder sich neu auf die Land- und Ernährungswirtschaft im engeren Sinn konzentrieren? Falls die Forschung weiterhin umfassend erfolgen soll, wäre es dann nicht sinnvoller, den Agroscope-Rat breiter abzustützen?</p><p>10. Der Agroscope-Rat begründet die Reorganisationsmassnahmen immer wieder auch damit, die Landwirte und andere Anspruchsgruppen seien unzufrieden mit den Leistungen von Agroscope, ohne diese Unzufriedenheit zu konkretisieren. Dabei wird nicht klar, ob es sich um einzelne Aussagen handelt, die benutzt werden, um eigene Interessen durchzusetzen, oder ob es um ernsthafte Probleme geht. Ist er bereit:</p><p>a. eine Umfrage zur Kundenzufriedenheit in Auftrag zu geben,</p><p>b. die Landwirte besser in den Entscheidungsprozess einzubeziehen, was geforscht wird, z. B. durch die Schaffung eines Fonds für Forschungsprojekte, die direkt den Landwirten zugutekommen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1.-3. Forschung und Dienstleistungen von Agroscope sollen da konzentriert werden, wo sie der Land- und Ernährungswirtschaft am meisten nützen. Die Konzentration soll gleichzeitig die interdisziplinäre und systemorientierte Denkweise der Forschenden fördern. Die örtliche Nähe zu anderen Forschungsinstitutionen verliert - auch dank moderner Infrastruktur - zunehmend an Bedeutung. Forscher sind nicht standortgebunden. Erfahrungen zeigen, dass neue Zusammenarbeiten vorwiegend aus Begegnungen an themenspezifischen Meetings, aus persönlichen Begegnungen an früheren Arbeitsstellen oder durch zufällige Treffen am Standort entstehen.</p><p>Auf einem Campus mit mehreren Hundert Kolleginnen und Kollegen werden die Forschenden eine viel grössere Chance haben, zufällig mit Gleichgesinnten zusammenzutreffen und neue, bereichsübergreifende Ideen zu entwickeln. Auch wird es auf einem Campus einfacher sein, ein attraktives Angebot an Vorträgen anzubieten, als an einem einzelnen Standort. Die Anbindung des Campus Posieux an den öffentlichen Verkehr wird mit dem Abschluss des bereits beschlossenen Ausbaus deutlich verbessert. Die Zusammenlegung von Aktivitäten an einem neuen Standort hat schon bisher Effizienzgewinne gebracht. Selbstverständlich wurden die Reformschritte jeweils nicht von allen Mitarbeitenden gleich positiv aufgenommen. Statistiken darüber, wie viele Mitarbeitende jeweils Umzüge mitgemacht haben, liegen nicht vor. Die Erfahrungen zeigen aber, dass der überwiegende Teil der Mitarbeitenden auch am neuen Standort weiterarbeitet. Die Gefahr eines Know-how-Verlustes ist auch deshalb begrenzt, weil sich das Projekt über mehrere Jahre hinzieht und jedes Jahr neue kompetente Forschende ausgebildet werden, die eine Stelle an einem attraktiven Arbeitsplatz suchen.</p><p>4. Haupttreiber der Mietkosten in der Höhe von 43 Millionen Franken sind eindeutig die 10 dezentralen Standorte, die alle mit einer umfassenden Infrastruktur und Technik ausgerüstet sind. Erste Kosten-Nutzen-Analysen berücksichtigen die Aspekte. Die Detailberechnungen zu den Betriebskosten erfolgen nach dem Beschluss des Bundesrates zu den Grobkonzepten und unter Berücksichtigung des überarbeiteten Forschungsportfolios.</p><p>5. Das Zukunftsprojekt Agroscope ist ein ehrgeiziges und zukunftsweisendes Projekt. Es ist auf zehn Jahre angelegt und deshalb alles andere als ein Schnellschuss. In der Umsetzungsphase wird sich Gelegenheit ergeben, mit dem Kanton Thurgau über die Art und Weise der künftigen Zusammenarbeit zu sprechen. Thurgau ist als Standortkanton im externen Projektausschuss vertreten. Zur aktuellen Vereinbarung zwischen dem Bund und dem Kanton Thurgau muss präzisiert werden, dass diese so lange gilt, wie das Budget von Agroscope nicht reduziert werden muss. Diese Klausel steht explizit in der Vereinbarung.</p><p>6. Ja, weil die Vorteile eines zentralen Campus überwiegen. Dazu sind weiterhin dezentrale Versuchsstationen in Form von Satelliten vorgesehen. Diese sollen sich einzig an landwirtschaftlichen Bedürfnissen ausrichten, das heisst an klimatischen und geografischen Besonderheiten oder an produktspezifischen regionalen Interessen, die mit dem Know-how von Agroscope unterstützt werden können.</p><p>7./8. Die nötigen Mittel für eine Erweiterung der Gebäude in Posieux werden in Kenntnis der Detailkonzepte ermittelt und dem Parlament im Rahmen einer Baubotschaft beantragt werden. Die Begründungen werden auch Berechnungen der geforderten Art enthalten. Das laufende Bauprojekt ist nicht betroffen.</p><p>9. Agroscope soll nach der Reform noch stärker ein unverzichtbarer Partner für die Landwirtschaft und die Agrarpolitik sein. Sie soll insbesondere Landwirtschaftsbetriebe in ihren Anstrengungen unterstützen, sich mit wettbewerbsfähigen und zugleich nachhaltigen Produkten weiter auf den Markt auszurichten und Innovationspotenziale, insbesondere im Bereich Digitalisierung, zu nutzen. Dazu gehören die stärkere Ausrichtung des Portfolios auf die rechtlichen Grundlagen, namentlich die Forschung für die Landwirtschaft unter unterschiedlichen schweizspezifischen Bedingungen, die Unterstützung der landwirtschaftlichen Praxis sowie Forschungs- und Vollzugsaufgaben zugunsten der Agrarpolitik des Bundes.</p><p>Die Erweiterung der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 24. September 2017 mit Artikel 104a verpflichtet Agroscope noch stärker als bisher, wissenschaftliche Grundlagen für die Weiterentwicklung sämtlicher Aspekte der Ernährungssicherheit bereitzustellen.</p><p>Organisatorisch gehört Agroscope zum Bundesamt für Landwirtschaft. Entsprechend erlässt das BLW die Geschäfts- und Zuständigkeitsordnung von Agroscope. Agroscope verfügt aber über ein eigenes, vom Parlament separat zu beschliessendes Globalbudget. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass die Zusammenarbeit zwischen Agroscope und anderen Verwaltungseinheiten gut funktioniert.</p><p>10. Die Kritik an Agroscope war in den letzten Jahren konstant hoch, nicht nur aus Landwirtschaftskreisen. Die Forschung sei zu wenig effizient, zu wenig zielorientiert, zu teuer und beinhalte zu viele Doppelspurigkeiten mit anderen nationalen und internationalen Forschungsinstitutionen, wurde etwa bemängelt. Die Kundenzufriedenheit wird ein wichtiger Indikator sein für die Bewertung des Erfolgs des Projekts "Strukturreform".</p>  Antwort des Bundesrates.