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Griechisch-orthodoxe Messe
Von Guillaume Mourgue d’Algue
In den Herbstferien war ich mit meinen Eltern und zwei Freunden im Ferienhaus meiner Grossmutter, das auf der Insel Skopelos in Griechenland liegt. Ein sehr netter Einheimischer kümmert sich um dieses Haus. Er heisst Adonis und ist Mitglied der griechisch-orthodoxen Kirche „Ekklisia Agios Nikolaos“ des Fischerdorfs Loutraki. Ich habe ihn gefragt, ob es möglich wäre, eine Messe in dieser Kirche zu besuchen. Er war einverstanden und erfreut, dass ich mich dafür interessiere und auch meine Freunde mitkommen wollten.
Am 3. Oktober 2022 mussten wir um 7.00 Uhr morgens aufstehen. Obwohl man bei einem Orthodoxen Gottesdienst kommen kann, wann man will, gingen wir ganz am Anfang des Gottesdienst um 8.00 Uhr, denn wir wollten anschliessend noch mit Adonis fischen gehen. Adonis holte uns beim Haus ab und fuhr uns zur Kirche.
Die Kirche ist beige und an den Rändern weiss. Der Eingang ist eine grosse Tür mit farbigen Gläsern. Diese Tür ist über Tag immer offen. Neben der Tür, rechts und links, befinden sich zwei Bilder von Heiligen, die sich zur Tür hin verbeugen. Vor der Kirche sind farbige Fahnen, die mir unbekannt vorkamen. Das Dach besteht aus roten Ziegelsteinen und darauf befindet sich eine Kuppel mit einem Kreuz. Rechts von der Kirche steht ein Glockenturm, er hat die gleichen Farben wie die Kirche und auf der Spitze auch eine kleine Kuppel mit einem Kreuz.
Um die Kirche betreten zu dürfen, gibt es keine wirklichen Voraussetzungen. Man muss einfach lange Hosen und darf keine Kopfbedeckung tragen. Bevor wir in die Kirche eintraten, bekreuzte sich Adonis. Wir machten es ihm nach. Danach folgten wir Adonis in die Kirche und taten alles, was er tat. Der Eingang war eng, doch überall an den Mauern waren Abbildungen von Heiligen. Im Kirchenraum gingen wir zu einer Abbildung von Maria, die in der Mitte des Raums war. Vor dieser Abbildung bekreuzten wir uns, küssten die Hand von Maria, die aus Gold war, und bekreuzten uns ein zweites Mal.
Anschliessend nahmen wir auf einem Stuhl auf der rechten Seite in der Kirche Platz. Vorne stand ein Priester, der heilige Texte auf Griechisch sang. Seine Stimme hatten wir schon gehört, als wir in die Kirche eintraten. Hinter dem Priester war eine Wand, die aber nicht bis zur Decke reichte und viele Muster und Bilder aufwies. Diese Wand teilte den Kirchenraum vom Altarraum, den nur Priester betreten dürfen. Aus dem Altarraum konnte man einen zweiten Priester hören, der Texte auf Griechisch las, wenn der erste Priester aufhörte zu singen. Die Texte kommen aus der Septuaginta, der griechischen Bibel der Orthodoxen.
Der ganze Kirchenraum war stark geschmückt. Wie beim Eingang gab es auch an den Innenwänden Bilder von Heiligen. Fast überall im Raum gab es Heiligenbilder in goldenen oder hölzernen Rahmen. Auch an der Decke waren Bilder, die ich sehr interessant fand: Ich konnte meinen Blick kaum von der Decke abwenden.
Im Kirchenraum war eine Frau, die viele Schmuckstücke trug. Später trat ein Mann ein, der sich bekreuzigte und alles tat, was Adonis beim Betreten der Kirche getan hatte. Doch danach ging er zum Priester und sang einen Teil von den Texten.
Nach etwa zwanzig Minuten stand Adonis auf und ging durch eine Seitentüre aus dem Kirchenraum hinaus. Wir folgten ihm. Danach gingen wir mit ihm Fischen, um das frühe Aufstehen auch bis zum Schluss auszunützen. Der Gottesdienst ging weiter. Nach dem, was ich von Adonis verstanden hatte, wiederholen die Priester ihren Ablauf von Gesang und Lesung von Bibeltexten bis zum Schluss der Messe.
Reflexion
Ich habe mich in der reformierten Kirche nicht konfirmieren lassen, weil ich mehr verschiedene Religionen entdecken wollte. Natürlich kann ich auch andere Religionen besuchen gehen, wenn man konfirmiert ist, aber ich wollte mich nicht einer Religion gegenüber verpflichtet fühlen. Der Wahlbereich ist für mich eine gute Gelegenheit, mit verschiedenen Religionen in Berührung zu kommen.
Das reformierte Christentum ist für mich gewissermassen die „normale“ Religion: Ich bin mit ihr aufgewachsen und treffe sie überall im Alltag an. Da die orthodoxe Kirche ein Teil des Christentums ist, habe ich mich nie für sie interessiert. Ich dachte, es wäre dort ähnlich wie in der reformierten Kirche, doch ich lag falsch. Der Besuch der griechisch-orthodoxen Messe in Loutraki hat mein Bild der orthodoxen Kirche völlig verändert.
Als ich den Kirchenraum betrat, war ich völlig überrascht von all den Farben, dem Schmuck, den Bildern … Es war ganz anders als in einer reformierten Kirche, wo es normalerweise keine Bilder gibt. Mir gefiel auch, dass man den Kirchenraum betreten und verlassen kann, wann man will. Obwohl ich nichts von dem verstand, was die Priester sangen, fand ich ihren Gesang interessant zum Zuhören. Überraschend war für mich auch, dass offenbar auch andere als nur Priester singen dürfen.
Nach dieser Erfahrung habe ich eine etwas bessere Vorstellung von der orthodoxen Kirche. Sie kommt mir nicht mehr so langweilig und grau vor. Trotzdem ist es keine Religion, zu der ich gehören möchte. Ich will aus dem Kreis des Christentums heraus und Anderes bzw. Exotischeres kennenlernen. Aber vielleicht, wenn ich älter bin, gebe ich der orthodoxen Kirche mal eine Chance.