Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03206.jsonl.gz/3620

Anfang und Aufstieg des Jazz in der Schweiz, ab ca. 1920
Filme, Fotos, Fakten - und eine Causerie, eine lockere Plauderei über den Einzug, die frühen Schritte und die Entwicklung des Jazz in der Schweiz. Endlich die (ganze?) Wahrheit über die Anfangsphase dieser
aufregenden, neuen Musik aus den USA? Oder vielleicht doch noch etwas verbrämt mit Wunschdenken und einigen kleinen Lügen? Wer weiss das heute noch so genau ...?
Ein Versuch also, etwas Licht und Ordnung in diese ferne, aufmüpferische Zeit nach dem 1. Weltkrieg zu bringen, als diese neue Musik auch bei uns Fuss zu fassen begann. Schwer war's, anfänglich selbst für
Berufsmusiker, Zugang zu dieser andersartigen, fremden Musik zu finden. Der Schweizer Jazzpionier Ernest R. Berner wird uns darüber erzählen.
Am Anfang stand der Ragtime, dieser synkopierte, europäisch harmonisierte Klavierstil. Die Popmusik jener Jahre in Amerika, ca. 1893 bis 1920, die auch auf Europa überschwappte. Jede halbwegs renommierte Unterhaltungs-Band
liess es sich damals nicht nehmen, wenigstens ein, zwei Rags im Repertoire zu führen, nebst Walzern, Märschen, Polkas, etc.
Der amerikanische "March King" John Philipp Sousa tourte bereits im Frühling-Sommer 1900 auf dem Kontinent. Mit vielen afro-amerikanischen Melodien im Repertoire (Cake-Walks, Coon-Songs, Ragtime, etc.). Ferner wirkten schon kurz nach 1900 schwarze Spiritual-Chöre in Europa. Und schwarze Orchester wie Will Marion Cook's Southern Syncopated Orchestra. Auch schwarze Revuen, mit ebensolchen Begleitorchestern, tourten immer wieder durch die grösseren europäischen Städte. Und bereits um 1910 gastierte der afro-amerikanische Show-Drummer Louis Mitchell erstmals in London. Gefolgt von einem weiteren, längeren Engagement. Beim dritten, 1917-20, tourten seine Louis Mitchell's Jazz Kings in England, Frankreich, Belgien. Eine Kapelle in Besetzung und Stil einer typischen Jazzband. Und dann nahm die Entwicklung ihren Lauf - auch in der Schweiz!
Nachdem wir im ersten Teil einiges über das Leben dieses Trompeters gehört haben, ist der zweite Teil mehrheitlich weiteren Musikbeispielen gewidmet. Quartett-Aufnahmen aus dem Jahre 1954 und Live-Aufnahmen aus einer Neujahrsparty sind weitere Programmpunkte meines Vortrages über Ruby Braff. Ein weiterer Höhepunkt des Abends sind die Aufnahmen von Ruby Braff mit dem Bud Freeman-Quintet. Mit "Holiday in Braff" wird ein weiteres wichtiges Dokument aus den fünfziger Jahren zu hören sein. Aus der späteren Zeit (2001) hören wir zudem Ruby Braff mit dem Pianisten Dick Hyman.
Gut 65 Jahre ist es her, seit am 25. Juni 1949 die amerikanische Musik-Zeitschrift "Billboard" den Begriff "Rhythm & Blues" für ihre Charts-Auflistung von Black-Music-Titeln eingeführt hatte. Der bekannte spätere Schallplattenproduzent Jerry Wexler, der damals noch als Journalist bei Billboard tätig war, soll den Begriff als Ersatz für die früher verwendeten Bezeichnungen wie "Sepia", "Harlem Hitparade" oder "Race Music" ausgetüftelt und dem Musikfachblatt vorgeschlagen haben. Das Wort "Rhythm & Blues" war also (und ist es auch heute noch!) vor allem ein Marketing-Terminus der Schallplattenindustrie für Musikproduktionen, welche in den USA zur Hauptsache eine afroamerikanische Käuferschicht anspricht. Das konnten ursprünglich populäre Musiktitel sein von Bluessängern, von Gospelgruppen oder auch von Jazz-Musikern wie etwa von Lionel Hampton, Louis Jordan oder Bill Doggett. Da diese Musiker häufig in den berühmten Tanzhallen der Farbigen-Ghettos der amerikanischen Grossstädte aufspielten, wurde das Wort "Rhythm & Blues" im Jazz bald auch einmal als musikalischer Stilbegriff verwendet, etwa im Sinne von jazzigem, leicht beschwingtem Blues (als ideales Schmiermittel für die Gelenke, Sehnen und Muskeln partybegeisterter Tanzbeinschwinger…). Nun ist der gute alte Rhythm & Blues (oder der R&B, R'n'B oder RnB, wie diese Musik abgekürzt auch genannt wird) also im besten Rentenalter angekommen. 65 Jahre sind in der populären Musik ein respektables Alter und ein idealer Zeitpunkt, um hier im Jazz Circle wieder einmal etwas ausführlicher auf diese Musikszene einzugehen. In den Jahren der eighties und nineties, als Discosound hoch im Kurs stand, hatte der R&B mal ein grosses Image-Problem. Zu kitschig, zu monoton, zu "weissgewaschen" und zu weit von den Blues-Roots entfernt hiess es damals allenthalben. Der amerikanische Musikkritiker Nelson George hat in jener Zeit ein Buch geschrieben zu diesem Thema mit dem Titel "The Death of Rhythm and Blues". Wie klingt R&B aber heute, rund 10 oder 20 Jahre später im einundzwanzigsten Jahrhundert? In diesem ersten Teil zum Thema Rhythm & Blues werden wir uns dieser Frage stellen und uns einige aktuelle Musiktitel anhören, die zeigen, dass in seinen besten Momenten der Rhythm & Blues keineswegs "weissgewaschen", sondern erstaunlich vital und trotzdem traditionsbezogen geblieben ist.
Walter „Gil“ Fuller (composer, arranger, bandleader, 1920-1994) war einer der ersten „modernen“ Arrangeure. Begeistert von Jimmie Luncefords Arrangeur Sy Oliver, schrieb er für Les Hite (1942), Dizzy Gillespie,
James Moody und viele andere hervorragende Be-Bop-Arrangements.
Markenzeichen sind kräftige Trompetensätze (THINGS TO COME), elegante Saxofonpassagen (TROPICANA), afro-cubanische Rhythmen (MANTECA), ausgefeilte Harmonik (JUMPING WITH SYMPHONY SID), humoristische Dialoge zwischen Scat-Sänger und Orchester (OOL-YA-KOO). 20. Oktober
Bengt Hallberg wurde 1932 im schwedischen Göteborg geboren. Nach einem Klavierstudium spielte er 1949 bei Kenneth Fagerlund, machte mit Stan Getz 1950 eine Schweden Tournee und trat 1951 mit einer schwedischen
All Star Gruppe auf. 1953 folgten Auftritte mit Clifford Brown und Art Farmer. Er leitete ein eigenes Trio und arbeitete eng mit Lars Gullin zusammen.
1954-57 studierte er an der Musikhochschule in Stockholm Kontrapunkt und Komposition. In den 50er Jahren galt er als bester schwedischer Jazzpianist, wandte sich nach 1960 als Arrangeur der Schlagermusik zu und trat auch als Konzertpianist hervor. Neben Klavierstücken schrieb er Stücke für grössere Ensembles, so zum Beispiel "Music for Jazz Combo and Symphony Orchestra". Bengt Hallberg nahm als Sideman an einer Reihe Schallplattenaufnahmen teil, u.a. mit Lars Gullin, Harry Arnold, Quincy Jones, Stan Getz und Clifford Brown. Unter eigenem Namen trat er oft als Klaviersolist hervor, z.B. mit "The Hallberg Treasure Chest: A Bouquet from '78"; "Hallberg's Surprise" (1987) und 1992 mit "The Tapdancing Butterfly".
Was haben die Aufnahmen von Bud Powell vom 31.1.1962, die Aufnahmen vom 8. April 1960 von John Coltrane oder die von Nat Pierce auf „Jazz Connaisseur“ und Benny Goodman in Berlin oder Django Reinhardt in
Basel miteinander zu tun?
Das sind, nebst reinen CH-Aufnahmen, ebenfalls sogenannte Helveticas, die für die Archivierung auf der Datenbank des swissjazzorama.ch sehr wichtig sind. Ein Abend voller Überraschungen mit Fernand Schlumpf.
Besonders in den 70er und 80er Jahren gehörte das MJF zu den meist besuchten Jazz Festivals der Welt. Es war Claude Nobs fast mühelos möglich die besten und die begehrtesten Musiker zu verpflichten. Zu dieser
Zeit sendete die SRG fast täglich direkt Konzertausschnitte am Radio und der Referent nutzte die Gelegenheit, vieles auf Tonband aufzunehmen. Jetzt ist es Zeit, diese glorreichen Tage wieder zu erleben.
Für den ersten Teil bietet sich folgendes Programm an:
14. Juli: Al Jarreau – Gesang mit eigener Begleitgruppe,
Al Jarreau mit Randy Crawford – Gesangsduett mit kombinierter Begleitgruppe, wozu David Sanborn (as) zählt
15. Juli: Mike Manieri Group mit u.a. Michael Brecker (as)
15. Juli: Chick Corea Quartet akustisch mit Joe Henderson, Gary Peacock und Roy Haynes
16. Juli: Oscar Peterson/Herbie Hancock Klavier-Duo – sensationell!
17. Juli: Dizzy Gillespie Sextet mit Milt Jackson und James Moody.
Vier Tage wunderbare Montreux Stimmung an einem Abend!
Vor kurzem wurde bekannt, dass die beiden in der Überschrift erwähnten Musiker letzthin verstorben sind. Beide waren absolute Koryphäen der Jazzmusik. Es ist ein absolutes MUST, beide nochmals mit ein paar
Musikbeispielen zu würdigen.
Der Pianist, Komponist und Leader Horace Silver wurde am 2.9.1928 geboren. Nun ist er am 19. Juni d.J. im Alter von 85 Jahren verstorben. Er war in den 50er- und 60er-Jahren der wichtigste Architekt des Hardbop und des Soul-Jazz, weshalb er auch als "Father of the Hardbop" bezeichnet wurde. Einen grossen Namen machte er sich mit den Platten, die er für das Label Blue Note einspielte, z.B. mit den Stücken "Song for my Father", "Blowin' the Blues away", "Sister Sadie" "The Cape Verdean Blues".
Charlie Haden, Bassist, wurde am 6. August 1937 geboren, am 11. Juli starb er im Alter von 76 Jahren, nach längerer Krankheit. Nachdem er in jungen Jahren in Los Angeles mit verschiedenen Musikern gespielt hatte, kam er 1959 nach New York, wo er bei mehreren Aufnahmen von Ornette Coleman dabei war. Einen speziellen Ruf erwarb er mit dem Liberation Music Orchestra, mit welchem er politisch engagierte Aufnahmen einspielte, mit Stücken wie "Long live the 15th Brigade", "War Orphans" und "Song for Che". In der Folge spielte er mit einer Vielzahl von verschiedenen Musikern. Seinen Bass versah er mit Darmsaiten (anstelle von Stahlsaiten), womit er auf seinem Bass einen breiten, warmen Ton erreichte.
In den 1950er Jahren war er wegen der Biegsamkeit und Wärme seines Klanges auch technisch ein Vorbild. Aus dieser Zeit werden wir einige Kostproben hören.
"Er lebte von 1922 bis 1979, die Zeit seit seinem Tod würde also ausreichen, ihn zu vergessen. Um das noch etwas hinauszuschieben, hören wir uns heute Abend einen kleinen Ausschnitt seiner Musik an, gespielt entweder unter seiner Leitung oder von der späteren Mingus Big Band, die eine wirklich gute Ghost-Band ist und seine Musik in seinem Geiste weiterpflegt. Ich hoffe, dass damit die Erinnerung an den "zornigen alten Mann" des Jazz aufgefrischt werden kann.
Im zweiten und letzten Teil über Hawkins hören wir vorwiegend Aufnahmen aus der sog. Mainstream-Zeit. Es sind dies vor allem Aufnahmen aus den 50er Jahren mit so bekannten Swing-Musikern wie Buck Clayton, Rex Stewart, Vic Dickenson, Jimmy Rushing, Ben Webster, Lester Young, Buddy Tate und vielen, vielen anderen. Leider wurde Hawkins Leben in den 60er Jahren infolge persönlichen Schicksalen geprägt von Drogen- und Alkohol Exzessen, welche seinen Musikinterpretationen nicht immer förderlich waren. Hawkins verstarb im Mai 1969 und wurde anschliessend posthum Ehrenbürger vom Staat Missouri.
Obwohl er der Saxophon-Lehrer von Cecil Payne war, wechselte Pete Brown in den 40ger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts nicht zum Bebop Stil, sondern blies weiterhin sein höchstpersönliches, überaus heisses Altsaxophon, das stilistisch absolut „beyond category“ ist. In der Jazzgeschichtsschreibung wird das Altsaxophon vor dem zweiten Weltkrieg oft eher verkürzt dargestellt mit den „grossen drei“ Johnny Hodges, Willie Smith, Benny Carter. Dabei gehen alle anderen vergessen: beispielsweise Charlie Holmes, Hilton Jefferson, Tab Smith, Edgar Sampson, Russell Procope, Rudy Powell, und eben, der Star des heutigen Abends: der unnachahmliche Individualist Pete Brown. Pete Brown leistete auch einen wesentlichen Beitrag dazu, den Onyx Club an der 52nd Street zu einem der heissesten Jazz Clubs im New York der 30ger und 40ger Jahre werden zu lassen.
Die ganz grosse Zeit des Swing war vorbei, aber deren Protagonisten traten immer noch fleissig auf und "Papa" Jo Jones war nach wie vor ein gesuchter Sideman. Gelegentlich trat er als Leiter eigener Gruppen und als Komponist hervor. Jo war Neuem gegenüber aufgeschlossen, und er fürchtete sich nicht vor Experimenten. 1971 realisierte er mit seinem alten Freund Milt Hinton die Duoplatte "Percussion and Bass". Das war damals eine revolutionäre und zukunftsweisende Idee, umso mehr, als die beiden ohne vorgängige Absprachen aus dem Stand heraus improvisierten. Als er mit Milt Buckner und Slam Stewart in Paris gastierte, konnte er auf einer Platte die Spielweise des Schlagzeugs demonstrieren und auf einer zweiten einige seiner Kollegen in treffenden kleinen Porträts vorstellen. Charlie Persip, einer seiner Schüler, besuchte ihn, um mit ihm unter dem Titel "Driver's Seat" für die Zeitschrift "Modern Drummer" ein Interview zu machen. Jones schleppte einen Haufen Memorabilien an und redete ohne Ende. Am Schluss öffnete er eine kleine Schatulle. Darin lag eine goldene Erinnerungsmedaille in der Form eines Rohlings für die Herstellung von Cymbals. Auf einer Seite war der Namenszug von Zildjian eingraviert und auf der anderen Seite "To the Greatest Drummer in the World". "Das gehört nun dir", sagte Jo Jones.
Das sympathische Wirtepaar unseres Clublokals im Restaurant "Zur Rote Buech" verwöhnt uns wieder mit seinem klassischen Weihnachtsmenu.