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Das Verbindende zwischen den Menschen ist der Kern jeder Konfliktlösung.
Konflikte werden hervorgerufen durch Nicht-Übereinstimmung oder Nicht-Passung und es sind meist trennende und abwertende Gedanken oder Äusserungen mit im Spiel. Für die friedliche Lösung von Konflikten ist es zentral, zuerst das zu finden, was die Konfliktparteien verbindet.
Konflikt = Nicht-Übereinstimmung oder Nicht-Passung
Stell dir folgende Situation vor: Du möchtest in Ruhe ein Buch lesen. Gleichzeitig restauriert deine Nachbarin mit lauten Maschinen ein Möbel in der Wohnung. Die beiden Handlungen (lesen und Möbel restaurieren) passen in dieser räumlichen und zeitlichen Nähe nicht zusammen. Jetzt folgen vielleicht die folgenden Gedanken und Äusserungen: Du denkst vielleicht: «Die ist rücksichtslos.» Wenn du ihr sagst, dass dich der Lärm stört, denkt sie vielleicht: «Die/Der ist arrogant und mischt sich ein.» Und damit ist das Trennende und Abwertende in den Konflikt hinzugekommen.
Was dir vielleicht nicht bewusst ist: In diesem Beispiel gibt es auch wichtige Übereinstimmungen. Es sind die Bedürfnisse. Was ist damit gemeint?
Alle Menschen auf der Welt haben dieselben Bedürfnisse!
Im Konzept der Gewaltfreien Kommunikation werden Bedürfnisse definiert als das, was alle Menschen brauchen, um überleben zu können und um langfristig gesund zu bleiben.
Hier ein paar Beispiele:
Erholung
Bewegung
Sicherheit
Nahrung
Geborgenheit
Akzeptanz
Vertrauen
Klarheit
Wohlbefinden
Lernen und Entwicklung
ein wertschätzender Umgang
Gemeinschaft
Kennst du jemanden, der zu einem dieser Bedürfnisse sagen würde: «Nein, das ist mir im Leben überhaupt nicht wichtig.» Wohl kaum. Zu einem Bedürfnis einer anderen Person kannst du grundsätzlich immer sagen: «Das ist mir auch wichtig.» Und wie hilft das im Konflikt nun weiter?
Unsere Bedürfnisse verbinden uns
Das Finden, Aussprechen und Hören der Bedürfnisse führt zu Folgendem:
Ich sehe und verstehe, worum es der anderen Person eigentlich geht.
Die andere Person sieht und versteht, worum es mir eigentlich geht. Damit haben wir gegenseitiges Verständnis und Verbindung geschaffen.
Indem wir einander sagen, dass uns das Bedürfnis der anderen Person auch wichtig ist, erleben wir uns als gleichwertig und der Fokus liegt nicht mehr auf den moralischen Urteilen über die andere Person («Die ist rücksichtslos»).
Wie kann das im obigen Beispiel zur Lösung des Konflikts beitragen? Wenn du ein Buch lesen möchtest, geht es dir vielleicht um die Erfüllung dieser Bedürfnisse: Lernen, Erholung, Zeit sinnvoll nutzen, Wohlbefinden. Deiner Nachbarin, die ein Möbel restauriert, geht es vielleicht um diese Bedürfnisse: Achtsamer Umgang mit finanziellen Ressourcen, Achtsamer Umgang mit der Umwelt (Natur), Zeit sinnvoll nutzen, Schönheit, Wohlbefinden.
Wie geht es dir, wenn du daran denkst, dass deine Nachbarin versucht, diese Bedürfnisse zu erfüllen? Vermutlich denkst du: «Das kann ich verstehen. Diese Bedürfnisse habe ich grundsätzlich auch.» Wenn du im Gespräch mit der Nachbarin deine Bedürfnisse nennst, wird es ihr auch so gehen. Sie wird realisieren: Lernen, Erholung, Wohlbefinden und Zeit sinnvoll nutzen (= deine Bedürfnisse) sind auch mir wichtig.
Mit der Klärung der Bedürfnisse sind zwei Dinge erreicht: 1. Der Fokus liegt auf dem Verbindenden und damit 2. nicht auf dem Trennenden (den moralischen Urteilen über die andere Person). Das schafft die besten Voraussetzungen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Hier ein paar Lösungen, die man finden könnte:
Du möchtest so oder so nur noch 30 Minuten lesen und die Nachbarin macht so lange Pause.
Die Nachbarin muss bald aus dem Haus. Bis sie fertig ist, kannst du in dieser Zeit noch die Wäsche machen oder einkaufen gehen. Danach kannst du lesen.
Du interessierst dich für restaurierte Möbel und sie zeigt dir, was sie macht.
Da die Sonne draussen scheint, gehst du zum Lesen mit deinem Buch in den Park.
Du hilfst der Nachbarin, das Möbelstück in den Keller zu tragen, wo der Lärm der Maschinen nicht mehr stört.
Probier es aus!
Du traust dem nicht? Denk an deinen letzten kleinen Konflikt mit einer Person, die du regelmässig siehst und versuche herauszufinden, um welches Bedürfnis es dir da geht. Überlege, um welche Bedürfnisse es der anderen Person gehen könnte. Suche das Gespräch und versuche zuerst nur, deine Bedürfnisse zu nennen und diejenigen der anderen Person herauszufinden. Wenn dir das gelungen ist, schaust du, was es bezüglich Lösung noch braucht.
Wichtig ist: Es müssen Bedürfnisse sein und nicht Strategien. Weil letztere haben wir häufig ganz andere und daher sind sie nicht so verbindend. Um herauszufinden, ob etwas ein Bedürfnis ist, kannst du dich fragen: Hat das ein Baby auch? Braucht das ein Baby auch? Wenn ja, ist es ein Bedürfnis. Du kannst bei obiger Aufzählung der Bedürfnisse die Baby-Kontrolle machen.
Hier kannst du ein PDF mit einer Liste von Bedürfnissen kostenlos herunterladen.
Wenn du mehr über darüber erfahren möchtest, welche Wirkung moralische Urteile haben und weshalb Bedürfnisse so wichtig sind, dann empfehle ich dir meinen kostenlosen Kurs (online, on demand, mit Videos und Übungen) zur Gewaltfreien Kommunikation.