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Scheinheilig erklären die NLA-Vertreter das Interesse an einer NLB-Reform. In Tat und Wahrheit hüten sie sich davor, die zweithöchste Eishockey-Liga zu stärken. Weil sie Angst haben.
Wieder einmal haben die Vertreter der Nationalliga-Klubs in Ittigen getagt. Wieder einmal ist das Resultat in einer entscheidenden Frage gleich null. Aber wenigstens sind die Vertreter der NLA-Klubs entlarvt worden.
Die NLB umfasst bekanntlich nur noch neun Klubs (statt zwölf) und die Gefahr ist erheblich, dass es nächste Saison nur noch acht sein werden. Also wird in grossen Worten darüber debattiert, wie die NLB wieder besser gemacht werden könnte. Nun haben die NLA-Vertreter ihr wahres Gesicht gezeigt: Sie wollen alles tun, damit die NLB nicht besser wird.
Eine Verbesserung der NLB ist sehr einfach machbar. Durch eine Modusänderung, die dazu führt, dass die NLA und die NLB näher zusammenrücken. Dafür braucht es eine grössere Durchlässigkeit zwischen NLA und NLB. Also das Leistungsprinzip. Am einfachsten wäre es, wenn nach der Qualifikation die vier Letzten der NLA gegen die vier Ersten der NLB eine Hin- und Rückrunde mit zwei Ausländern um die vier Plätze in der höchsten Liga spielen würden.
Aber genau das fürchten die NLA-Vertreter wie der Teufel das geweihte Wasser. Hinter verschlossenen Türen sind heute folgende Reform-Grundsätze gefasst worden:
1. Kein direkter Auf- und Abstieg zwischen NLA und NLB.
2. Die Anzahl NLA-Klubs (12) bleibt gleich.
3. Keine grössere Durchlässigkeit zwischen der NLA und der NLB.
Damit dokumentieren die NLA-Klubs ihre Angst vor den leistungsfähigen NLB-Organisationen (SCL Tigers, Olten, Visp, La Chaux-de-Fonds, Langenthal). Tatsächlich könnte es Ambri, die Lakers oder unter Umständen sogar Biel in einem solchen Direktvergleich mit den NLB-Vertretern erwischen.
Die NLA-Klubs nützen ihre Stimmenmehrheit in der Nationalliga, um jede Veränderung, die in Richtung Leistungsprinzip und Stärkung der NLB geht, zu blockieren.
Die aktuellen Vorschläge zur NLB-Reform sind absurd. Mehr noch: Es ist der Versuch, heute gesunde 1. Liga-Klubs in den Konkurs zu locken.
Die Anforderungen für einen Aufstieg in die NLB sollen nämlich gelockert werden. Im Grundsatz: Wer will, soll in die NLB aufsteigen dürfen, theoretisch sogar ein Klub aus der 2. Liga. Es müssen nur minimale Anforderungen an die Infrastruktur erfüllt werden. Ob mit einem oder zwei Ausländern und mit wie viel Budget dann in der NLB gespielt wird, soll keine Rolle mehr spielen. Es ist auch nicht mehr notwendig, die Meisterschaft der 1. Liga zu gewinnen.
Wie absurd das ist, zeigt sich daran, dass die Verbands- und Ligaführung vor drei Jahren einem gesunden, wirtschaftlich und sportlich intakten Hockeyunternehmen aus äusserst fragwürdigen, formalen Gründen den Aufstieg in die NLB verweigert haben (Huttwil Falcons) – worauf dieser Klub aufgelöst und die Eishalle geschlossen worden ist.
Noch absurder wird es bei einem Blick auf die aktuelle Rangliste der 1. Liga. Denn für einen erleichterten NLB-Aufstieg kämen ja wohl in erster Linie die Spitzenteams der 1. Liga in Frage.
In der Westgruppe führt Neuenburg vor Forward Morges. Richtig: Diese zwei Klubs (bzw. die Rechtsvorgängerinnen) sind in der NLB Konkurs gegangen.
In der Zentralgruppe führt Brandis vor Thun. Richtig: Heinz Krähenbühl ist Präsident von Brandis. Er war vorher Präsident der vom Verband versenkten Huttwil Falcons. Und Thun hat schon in der 1. Liga diverse finanzielle Rettungsaktionen hinter sich.
In der Ostschweiz führt Biasca vor Winterthur. Mit Biasca ein dritter Profihockeyklub zwischen Ambri und Lugano – das ist schlichtweg nicht machbar. Und die Verantwortlichen in Winterthur sind so klug, dass sie ein gutes Leben in der 1. Liga (mit mehreren Meistertiteln) einem Konkurs in der NLB vorziehen.
Wir sehen daraus: Es gibt gar keinen Markt für neue NLB-Unternehmen. Mit den aktuellen 21 Nationalliga-Klubs ist das Profihockey in unserem Land bestens positioniert. Diese 21 Klubs müssen sich untereinander nur besser organisieren. Will heissen: Entweder die NLA reduzieren oder wenigstens die Durchlässigkeit zwischen den Ligen erhöhen und das Leistungsprinzip fördern – mit eben jenem Modus mit den vier Letzten der NLA und den vier Ersten der NLB, die um die vier NLA-Plätze spielen.
Gänzlich unglaubwürdig ist das Schwadronieren über Farmteams. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen: Der SC Bern, das wirtschaftlich potenteste NLA-Unternehmen, hat sein Farmteam Neuenberg (an dem der SCB direkt beteiligt war) in Konkurs fallen lassen. Auch das aktuelle Farmteam, die Basel Sharks, die mit einer halben Million hätten gerettet werden können, hat der SCB im Sommer, ohne einen Finger zu krümmen, Konkurs gehen lassen.
Erfreulich immerhin, dass die Nationalliga-Klubs allen nicht durchsetzbaren Reglementen abschwören. Also kein reglementarischer Zwang zum Einsatz von Junioren oder zum Verzicht von Routiniers und keine Salärbegrenzung in der NLB.
Die ganzen Reformbemühungen mahnen an den Versuch, einen Bären zu waschen, ohne ihn nass zu machen. Die Angst der NLA vor der NLB ist viel zu gross, um echte Reformen durchführen zu können. Es bleibt deshalb erst einmal alles so, wie es ist. Verbandspräsident Marc Furrer und sein Vize Pius-David Kuonen sind viel zu führungsschwach, um Reformen auf den Weg zu bringen und, um die Klubs davon zu überzeugen, etwas zu ändern.