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Auf die Frage, wann der Sommer kommt, gibt es als Antwort eine einfache Faustregel. Je näher am Meer oder je höher oben, desto später kommt und geht die warme Jahreszeit. Der Hauptgrund für die Verzögerung sind die Ozeane.
Wetter
Auf die Frage, wann der Sommer kommt, gibt es als Antwort eine einfache Faustregel. Je näher am Meer oder je höher oben, desto später kommt und geht die warme Jahreszeit. Der Hauptgrund für die Verzögerung sind die Ozeane.
Einige gaben den diesjährigen Sommer schon auf, aber nun meldet er sich wieder mit lang andauernder Wärme zurück. Dieses Badewetter betrachten wir als selbstverständlich, schliesslich kommt dies oft im August vor. Beim näheren Betrachten ist dies allerdings nicht so offensichtlich: Die Wärmequelle, die Sonne, scheint Mitte August nur noch so lange wie Ende April. Ende April erleben wir jedoch öfter Frost als Badewetter. Die Lufttemperatur reagiert also offensichtlich mit deutlicher Verspätung auf den Sonnenstand.
Der Boden reagiert fast sofort auf den Sonnenstand, wie jeder weiss, der gerne barfuss unterwegs ist. Wer im warmen Boden unter seinen Füssen etwas gräbt, stellt fest, dass es weiter unten schnell kühler wird. Der Boden leitet Wärme schlecht und die Sonne muss nur kurz scheinen, um die oberste Bodenschicht stark zu erwärmen. Die Atmosphäre reagiert schon langsamer. Sie hat die gleiche Wärmekapazität wie eine etwa zweieinhalb Meter dicke Wasserschicht. Aber auch eine solche Schicht erwärmt sich relativ schnell, so wie wir es von flachen Seen kennen, welche nach wenigen sonnigen Wochen bereits warm sind. Anders sieht es bei den Meeren aus.
Wer im Juni ans Mittelmeer und an den Atlantik reist, wird feststellen, dass das Wasser noch erstaunlich kalt ist. Wer angenehme Badetemperaturen will, geht besser erst Ende Sommer oder gar Anfang Herbst ans Meer.
Die weltweite Karte finden Sie auf der Seite des International Research Institute for Climate and Society, Columbia University.
Im Gegensatz zum Kontinent, wo lediglich eine dünne Bodenschicht und die Luft erwärmt werden muss, hat die Sonne über dem Meer viel mehr zu tun. Einerseits dringt die Sonneneinstrahlung relativ tief in das klare Wasser vor, so dass seine Energie auf eine grosse Masse verteilt wird. Zudem wird das erwärmte Wasser durch Wellen und starke Strömungen noch zusätzlich mit den darunterliegenden, kälteren Wasserschichten vermischt.
Kein Wunder braucht es lange, bis das Meer seine höchste Temperatur erreicht. Orte an der Küste sind im Juni deshalb oft noch recht kühl und erleben die wärmsten Tage oft erst im August. Weit weg vom Meer dagegen reagieren die Temperaturen rascher auf den Sonnenstand. Allerdings sorgt selbst dort das Meer noch für eine gewisse Verzögerung. Durch die weltweite Zirkulation der Luft beeinflussen die Ozeane die Lufttemperatur überall auf der Welt, einfach unterschiedlich stark ausgeprägt.
Während bei uns in den Tälern der Juli der wärmste Monat ist, ist es auf den Alpen wie zum Beispiel dem Säntis oder dem Jungfraujoch der August. Salopp gesagt ist man auf den Bergen klimatologisch gesehen näher am Meer: Die Berge erheben sich in die freie Atmosphäre. Die Luft dort oben ist dank dem meist starken Wind gut durchmischt und deshalb stark von den Ozeanen beeinflusst. In den windschwachen Niederungen dagegen zeigt sich im August bereits der Effekt der kürzeren Tage. In den länger werdenden Nächten hat die Luft nachts mehr Zeit sich auszukühlen.
Um möglichst lange den Sommer zu geniessen, empfiehlt sich für Reisefreudige also, Anfangs Sommer weit in den Kontinent hinein zu fahren und sich dann langsam dem Meer zu nähern oder in die Höhe zu steigen. Für alle, die arbeiten müssen zum Trost: Auch wer hier bleibt, darf noch eine längere Zeit Sommerwärme geniessen.