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Vor hundert Jahren erhielt Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, den ersten Friedensnobelpreis. Genf ehrt vom 23. Oktober bis 9. November seinen Bürger - nicht ohne Nebengeräusche.
Henry Dunant, 1828 als Bankierssohn in Genf geboren, wird heute als Gründer des Roten Kreuzes geehrt. Schockiert vom Los der Verwundeten in der Schlacht von Solferino 1859, gründete Dunant 1863 das "Comité de Genève", das sich zum Internationalen Komitee vom Roten Kreuz entwickelte; 1864 wurde die berühmte "Genfer Konvention" unterzeichnet.
Dunants Geschäften war jedoch weniger Erfolg beschieden als seinen Ideen: 1867 trat Dunant als IKRK-Sekretär zurück, da seine Mühlengesellschaft konkurs gegangen war. Der Konkurs bedeutete für die gute Genfer Gesellschaft einen Skandal: Dunant wurde geächtet und verstossen. Er verliess Genf und siedelte nach Paris über.
Erst nach einem Zeitungsbericht über den schon fast vergessenen Gründer des Roten Kreuzes erhielt er 1897 verschiedene Ehrungen. Am 10. Dezember 1901 wurde der erste Friedensnobelpreis an Henry Dunant verliehen. Er starb am 30. Oktober 1910 in Heiden AR.
Die Friedensroute durch Genf
100 Jahre später soll nun in Genf eine Route quer durch die Stadt, der "Itinéraire de la Paix", mit 51 Tafeln auf Orte und Gebäude aufmerksam machen, wo Beiträge zum Weltfrieden geleistet wurden und werden.
Der Weg führt nicht nur zu den bekannten internationalen Institutionen wie IKRK oder UNO, sondern spürt auch weniger bekannte Friedensstätten auf. So etwa das Geburtshaus von Jean-Jacques Rousseau oder den Obelisken von 1832, der an die Abschaffung der Todesstrafe erinnert.
Neben dem Route sind weitere Veranstaltungen, Debatten und Feierlichkeiten geplant. Der gemeinsame Nenner: Genf als Ort, wo Menschen und Institutionen seit über 200 Jahren für den Frieden arbeiten. Auf dem Programm steht auch ein Rundtischgespräch mit Persönlichkeiten wie Knesset-Mitglied Yossi Beilin aus Israel und dem Palästinenser Edward Saïd von der Columbia Universität.
Organisiert wird das Ganze vom Verein "Genève: un lieu pour la paix", der auf Initiative der Henry-Dunant-Gesellschaft gegründet wurde. Die Kosten von rund einer Million Franken teilen sich Kanton Genf, Eidgenossenschaft und weitere Institutionen.
Debatten um Armeebeteiligung
Auch die Stadt Genf beteiligt sich. Der Betrag von 302'000 Franken wurde jedoch Ende Juni im Stadtparlament nicht ohne Debatten beschlossen. Die Linke stemmte sich gegen den Einbezug der Armee. SP-Sprecher Gérard Deshusses: "Die Beteiligung der Armee ist klein, aber vom Symbol her für eine Dunant-Feier unerträglich. Das Wirken von Dunant war nonkonformistisch. Feiern zu seinen Ehren müssen Distanz zu den Institution der Macht behalten, wenn sie ihm gerecht werden wollen."
Der Gemeinderat knüpfte seinen Beitrag schliesslich an die Bedingung, dass das eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) und andere mit ihm verbundene Institutionen "weder direkt noch indirekt" an den Feiern beteiligt sein sollen.
Etappenwahl der Friedensroute umstritten
Laut André Hediger, Mitglied der städtischen Exekutive, hat das Komitee dieser Bedingung unterdessen Rechnung getragen. Ob sich Genfs Pazifistinnen und Antimilitaristen mit dieser Antwort zufrieden geben, ist noch offen. Denn wenn die Feiern am 23. Oktober eröffnet werden, spricht auch Bundesrat und VBS-Vorsteher Samuel Schmid. Zudem betreffen zwei Etappen auf der Friedensroute Institutionen, die der Armee nahe stehen.
Im weiteren bedauert der Westschweizer Historiker Marc Vuilleumier, Spezialist für die Geschichte der Arbeiterbewegung, dass die Beiträge der Arbeiterbewegung für den Frieden im Programm völlig ausgeblendet seien.
swissinfo und Helen Brügger (sda)