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450 Jahre Rathaus Apotheke - älteste Apotheke der Schweiz
2021 kann die Rathaus Apotheke Bern als älteste bestehende Apotheke der Schweiz ein seltenes Jubiläum feiern. Während 450 bewegten Jahren wurde diese ununterbrochen im elben Haus weitergeführt. Es gibt schweizweit keine andere Apotheke mit so langer Tradition.
Während in ganz Europa und auch in Bern die Pest wütete, kaufte die Stadt das Eckhaus an der Kramgasse und eröffnete 1571 die „Deutsche Apotheke“. Einen besseren Platz hätte man damals kaum finden können. Hier, am Schnittpunkt zwischen Rathaus und Münster, den Zentren weltlicher und geistlicher Macht, pulsierte das städtische Leben besonders kräftig.
Mit welchen Rezepturen der erste Apotheker, Jean Monier, seine Arzneien herstellte, ist nicht belegt. Das 16. Jahrhundert brachte viele neue Impulse in den Naturwissenschaften. Das Wissen über neue, unbekannte Pflanzen und deren Auswertung in der Heilkunde wurde in Kräuterbüchern festgehalten und dank des Buchdrucks weit verbreitet. Extrakte und Tinkturen lösten Spezies und destillierte Wässer ab. Mit dem Einzug der Chemie wurde der Mörser mehr und mehr durch den Herd ersetzt.
70 Jahre später, mitten im dreissigjährigen, Krieg, brauchte die Stadt Geld und verkaufte 1641 die Apotheke an Hans Konrad Wyttenbach. Dieser begründete dann eine über 120 Jahre dauernde, äusserst erfolgreiche Apothekerdynastie, die gleichzeitig eine Reihe von Ratsherren und Landvögten stellte. Erhalten aus dieser Zeit ist der Prunk-Mörser aus Bronze von Daniel Wyttenbach. 1710/20 liess dessen Sohn Samuel das heutige Eckhaus mit der Barockfassade erstellen.
1764 übernahm Carl Friedrich Morell mit seinem Vater die Apotheke. Diese blieb 72 Jahre lang im Besitz der Familie. Carl Morell war einer der ersten akademisch ausgebildeten Schweizer Apotheker. Neben seiner Arbeit in der Apotheke lehrte er am medizinischen Institut, war einer der Gründer des Botanischen Gartens und entfaltete eine rege wissenschaftliche Tätigkeit. Durch seinen Sohn Friedrich erhielt die Apotheke 1824 ihr heutiges Erscheinungsbild mit den vielen kleinen Schubladen, den spitzbogenverkleidete Aufsätzen und dem Palladiomotiv. Sie gelten als früheste Zeugnisse der Neugotik und einmalige Erscheinungen in Bern.
1848 wurde die Apotheke von Christian Leonhard Müller übernommen. Nebst der Arbeit in der Offizin habilitierte er sich an der noch jungen Universität, war als Wissenschaftler am „Tentamen Pharmacopoeae Bernensis“ beteiligt und Präsident des 1843 gegründeten Schweizerischen Apotheker-Vererins. Nach seinem Tod übernahm Sohn Karl Emil Müller die Apotheke. Durch den Bau des Bahnhofs verlagerte sich das wirtschaftliche Zentrum stadtaufwärts und die Altstadt verlor mehr und mehr ihre zentrale Bedeutung. Auch die Eröffnung der ersten Tramlinie vom Bärengraben zum Friedhof 1890 konnte diese Entwicklung nicht aufhalten.
Anfangs 1900 wirkten Alfred Gerig und Dr. Bernhard Studer als Rathaus-Apotheker. Einige Geschäftsverbindungen aus dieser Zeit bestehen auch heute noch. 1911 wurde die Apotheke an Johann B. Hermann verkauft. Wie gestaltete sich der Apotheken-Alltag wohl während der beiden Weltkriege und der Spanische Grippe? Die damalige Telefonnummer 14 81 hat sich als die letzten vier Ziffern unserer heutigen Nummer erhalten.
1953 kam das Haus in den Besitz der Gesellschaft zu Zimmerleuten und der Drogist Hans-Ulrich Neuenschwander kaufte die traditionsreiche Apotheke und restaurierte die alte Offizin aus dem Jahr 1824 fachgerecht. Während 41 Jahren führte er sie zusammen mit seinen jeweiligen Apothekern. 1994 konnte Dr. Stefan Fritz die Rathaus Apotheke von ihm erwerben. Mit diesem Schritt hat er nicht nur das Geschäft übernommen, sondern auch die Verantwortung, die älteste Apotheke der Schweiz zu erhalten und weiterzuführen.
Zum 450-Jahre-Jubiläum haben wir die Geschichte der Rathaus Apotheke, der Wandel in der Pharmazie und das Wirkungsfeld vom Pillendreher zum Gesundheitscoach in einer reich bebilderten Broschüre zusammengestellt.
Das Apothekenmuseum
Unser reiches Erbe an antiken Glaswaren und Gegenständen präsentieren wir der Öffentlichkeit im Apothekenmuseum im Gewölbekeller.
Charles Martin, Objektkünstler
Eines unserer Markenzeichen sind sicher die bewegten Objekte von Charles Martin. Mit seiner aussergewöhnlichen Kreativität hat er so manche lustige Maschine erschaffen. Auch heute noch schmücken seine Maschinen unsere Schaufenster und verleiten Jung und Alt zum Staunen und Schmunzeln.
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