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- Die Republik Inguschetien ist das kleinste Subjekt (=Bundesland/Kanton) der Russischen Föderation, es ist rund zwölfmal kleiner als die Schweiz und nur ein Drittel grösser als das Stadtgebiet von Moskau.
- Sie ist auch das jüngste Subjekt: Erst 1992 spaltete sie sich von der Tschetscheno-Inguschischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (TschIASSR) ab. Die Grenze zu Tschetschenien ist bis heute nicht geklärt und auf offiziellen Landkarten nicht eingezeichnet.
- Die Sammelbezeichnung für Tschetschenen und Inguschen lautet Wainachen. Die beiden Völker sind einander nahe, mein Fahrer konnte sich mit den Inguschen problemlos auf Tschetschenisch verständigen. Leute aus beiden Völkern heiraten sich auch gegenseitig – dafür niemand anderen, nicht einmal die ebenfalls muslimischen Dagestaner. Aber die Tschetschenen belächeln die Inguschen etwas. Sie halten sie für schlechte Autofahrer und für unehrlich.
- Nasran ist die grösste Ortschaft Inguschetiens. Es war von 1992 bis 2002 die Hauptstadt. Noch nie habe ich eine postsowjetische Stadt gesehen, bei der es derart überhaupt kein erkennbares Stadtzentrum gab. Nasran ist einfach nur ein grosses Dorf mit ein paar belebten Strassen und einem Markt im Zentrum. Immerhin konnte ich dort inguschische Musik einkaufen – direkt ab PC auf einen USB-Stick.
- Magas ist die 2003 neu gegründete und künstlich wirkende Hauptstadt Inguschetiens, ein vom tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow gesponsortes Klein-Grosny. Die Stadt besteht aus vielen Marmorpalästen mit Regierungsinstitutionen und einem hohen Aussichtsturm, der den traditionellen Wehrtürmen nachgeahmt ist. Einwohner hat die Stadt noch fast keine, und an vielen Strassen gibt es noch nicht mal Häuser.
- Bis vor etwa 200 Jahren lebten die Inguschen mehrheitlich in den Bergen. Der grösste Teil von ihnen hat sich mittlerweile in der Ebene davor in grossen Dörfern angesiedelt. Die Bergregion hat heute nur noch etwa 3.000 Einwohner, viele Dörfer verfallen. Sie sind aber sehenswert – häufig exponiert gelegen, mit vielen alten Wehrtürmen. Für einen Besuch der Bergregion muss man einfach einen Bus oder ein Taxi nach Dscheirach nehmen.
- Inguschetien gehört statistisch zu den ärmsten Regionen Vor Ort sieht es ganz anders aus: Die Wohnhäuser in Inguschetien (und Tschetschenien) sehen viel opulenter aus als in anderen Regionen Russlands. Es gibt zumindest zwei Erklärungen dafür. Einerseits sind die Wohnhäuser für die Wainachen kleine Burgen und sie investieren vieel Ressourcen darin. Andererseits geht der grösste Teil der Wirtschaft am Fiskus vorbei, und Inguschetien ist in Wirklichkeit viel reicher als in der Statistik.
- Die kulinarische Spezialität Inguschetiens ist Schischig-Galnasch, gleich wie in Tschetschenien: Gekochtes Hammelfleisch mit einer Art Schupfnudeln bzw. Pizzocheri, über die man eine Brühe leert (siehe Bericht zu Tschetschenien). Nur enthält diese Brühe bei den Inguschen Zwiebeln, bei den Tschetschenen hingegen Knoblauch.
- Im Gegensatz zu Tschetschenien gibt es in Inguschetien keinen Personenkult um die Präsidenten Jewkurow und Putin. Aber Alkohol ist auch hier verboten – Inguschetien gilt sogar als trockenste Region Russlands.
- Die Grenzkontrollen Inguschetiens sind lasch. Der Grenzposten zu Nordossetien befindet sich am Ortseingang von Nasran und sieht ziemlich einschüchternd aus, mit viel Stacheldraht, Wachtürmen und Tarnnetzen. Wir wurden dort aber jedes Mal durchgewinkt. Noch entspannter ist die Grenze zu Tschetschenien. Den Posten kann man einfach umfahren, indem man die eine Autobahnausfahrt in das Dorf Sunscha nimmt und dann bei der nächsten Einfahrt wieder auf die Autobahn geht.
Nasran hat zwar kein Stadtzentrum, macht aber einen wohlhabenden Eindruck: Wohnhaus in der grössten Ortschaft Inguschetiens.
Am Stadttor von Magas, der neuen Hauptstadt Inguschetiens
Viele leere Strassen: Magas ist noch kaum besiedelt
Sitz der Regierung Inguschetiens in Magas