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Mit einer unglaublich reichen Vielfalt instrumentaler und vokaler Farben, Rhythmen und Formen hat das Ensemble Les Sacqueboutiers aus Toulouse die Besucherinnen und Besucher des Orgelfestivals am Freitag in der Franziskanerkirche Freiburg beschenkt. Scharfe Kontraste wurden hör- und erlebbar: homorhythmische Weisen alternierten mit Phasen kunstvoller Polyfonie, dynamische Gegensätze prallten aufeinander, überschäumend lebendige Abschnitte wechselten ab mit kantablen, introvertierten Weisen.
Flechas «Ensaladas»
Im Zentrum des Konzerts stehen vier «Ensaladas» von Mateo Flecha dem Älteren (1481–1553). Sie werden ergänzt mit vielfältigen instrumentalen und vokalen Kompositionen anderer spanischer Komponisten.
Die «Ensaladas» sind eine typisch katalanische Mischung («Mischsalat») literarisch-musikalischer Gesänge aus dem 16. Jahrhundert. Es sind oftmals derbe Geschichten mit prallem Humor und feiner Ironie, und in diese Texte wird gerne das Weihnachtsgeschehen einbezogen. Sprachen werden vermischt, etwa die katalanische mit der kastilischen und der lateinischen. Lautmalerische Ausrufe («bom, bom, peti, pata, tiftof, tron tron …») verstärken den häufig kampfbetonten Charakter der Gesänge, Zitate aus populären Chansons, Madrigalen und Volksliedmelodien kontrastieren mit kunstvollen polyfonen und homofonen Sätzen.
Packend und farbig interpretieren die Sacqueboutiers diese mitreissenden Gesänge. Das instrumentale Quartett mit dem Zink («cornet à bouquin»), der Schalmei, der Posaune («sacqueboute») und dem Dulzian («basson», Fagott) vermischt sich mit dem Vokalquartett. Das Orgelpositiv und die Barockgitarre bilden eine Art «Basso Continuo», der virtuose und feinfühlige Perkussionist unterstreicht die variablen Rhythmen und Metren, verschafft dichte Atmosphären.
Keine Effekthascherei
Ein berauschendes Fest kontrastreicher Farben hebt an: Das Tutti aller Beteiligten alterniert mit dem alleine spielenden Instrumentalensemble, mit dem Vokalquartett a cappella, mit der Orgel. Echowirkungen lassen aufhorchen, innerhalb des Bläserquartetts, zwischen Bläsern und Sängern. Und die wirkungsvolle Ausstrahlung des Musizierens wirkt nicht aufgesetzt, nicht effekthascherisch, sondern sie verrät eine enge, selbstverständliche Vertrautheit mit der Musik der spanischen Renaissance.
Viva España!
Das Programm «El fuego» war ein begeisterndes Konzert mit spanischer Musik der Renaissance, getreu dem Motto des diesjährigen Internationalen Orgelfestivals Freiburg, «Viva España!».
Schade, dass die international so bekannten Sacqueboutiers nicht eine volle Kirche beglücken durften.
Bilanz: Erfolgreiche Orgelrezitals
A m Sonntag ist das 16. Internationale Orgelfestival Freiburg zu Ende gegangen. Die Organisatoren zeigten sich beeindruckt von der Qualität der verschiedenen Konzerte. Während die drei anspruchsvollen Orgelrezitals ein überraschend zahlreiches Publikum anzogen, erfüllten die beiden «populäreren» Konzerte von Freitag und Samstag die hohen Erwartungen der Veranstalter nicht ganz: Am Freitag kamen rund 120 Zuhörerinnen und Zuhörer in die Franziskanerkirche; am Samstag waren es in der Kollegiumskirche St. Michael wohl etwas mehr als 200. Ein begeistertes Echo erfuhren die beiden Vorführungen für die Primarschulen. hr