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Bittersüsser Nachtschatten - Solanum dulcamara
Solanum dulcamara (syn. Dulcamara flexuosa, Solanum laxum, S. lyratum, S. scandens).
Bittersüsser Nachtschatten (syn. Alpranke, Bittersüss, Hinschkraut, Pissranke, Rote Hundsbeere).
VORKOMMEN
Der Bittersüsse Nachtschatten ist in weiten Teilen Europas, Asiens und
im nördlichen Nordamerika verbreitet. In Eurasien reicht das
Verbreitungsgebiet von Spanien bis nach Sibirien und das nördliche
Japan.
Die Art wächst an einer Vielzahl von Standorten in gemässigten Klima, meist in der Nähe von Wasser und an offenen Standorten mit ausreichend Licht. Obwohl sie etwas verholzend ist, wächst sie selten bis in die Kronenschicht hinein, vielmehr ist sie oftmals in Dickichten und zwischen anderer niedriger Vegetation zu finden.
MERKMALE
30–150 cm hoch, oft kletternd. Stängel unten holzig, kantig, kahl oder behaart. Blätter breit eilanzettlich, am Grund oft herzförmig oder mit 1–2 freien Teilblättchen. Blüten in gestielten, rispigen Blütenständen. Krone violett, mit kurzer Röhre und ausgebreitetem bis zurückgeschlagenem 5teiligem Saum, Durchmesser ca. 1 cm. Staubbeutel zu einer Röhre zusammenneigend, gelb. Frucht eine leuchtend glänzend-rote, eiförmige Beere, ca. 1 cm lang.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Dulcamarae stipes (syn. Caule dulcamarae, Dulcamara, Dulcamarae stipites); Bittersüssstengel (syn. Bitterstiele), bestehend aus den getrockneten, 2-3jährigen, im Frühjahr vor dem Austreiben der Blätter oder Spätherbst nach dem Abfallen der Blätter gesammelten Stängeln.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Alle Pflanzenteile enthalten giftige Steroidalkaloide und mit diesen verwandte Saponine. Verschiedene Alkaloide wurden in den Blättern und Beeren nachgewiesen. Hauptkomponenten sind Glycoside der drei Spirosolanalkaloide Tomatidenol, Soladulcidin und Solasodin, manchmal finden sich auch freie Alkaloide. Alpha-, beta-, und gamma-Solamarine sind Glycoside des Tomatidenol, während Soladulcine A und B von Soladulcidin stammen.Solasonin und Solamargin sind Glycoside des Solasodin. Andere aus der Pflanze isolierte Stoffe sind Saponine wie Soladulcoside A und B, freie Sterine wie Tigogenin und Lycopen. In den grünen und gelb werdenden Beeren ist der Glyco-Alkaloidanteil am höchsten, niedriger in den Blättern und Stängeln und am niedrigsten, bis fast fehlend, in vollreifen Früchten. Für Kinder können 30 bis 40 (oder weniger) unreife Beeren tödlich sein.
PHARMAKOLOGIE
Als gesichert gelten heute immunsuppressive, cortisonähnliche, entzündungshemmende und juckreizmindernde Wirkungen der Präparate. Dementsprechend werden sie zur unterstützenden Therapie bei chronischen Hautleiden eingesetzt wie bei Ekzemen oder Neurodermitis.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):
- Wirkungen: adstringierend, antimikrobiell, schleimhautreizend;
Steroidalkaloide: anticholinerg;
Solasodin: antiphlogistisch.
- Anwendungsgebiete: Zur unterstützenden Therapie bei chronischem Ekzem.
- Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Teeaufgüsse sowie andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen sowie für Umschläge und Waschungen.
- Dosierung: Soweit nicht anders verordnet:
Einnahme: Tagesdosis 1-3 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Äußere Anwendung: Aufgüsse oder Abkochungen entsprechend 1-2 g Droge auf ca. 250 ml Wasser.
- Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Nicht bekannt.
Das HMPC hat Bittersüßstängel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft
Die giftige Droge selbst wird heute kaum mehr verwendet. Zur Anwendung kommen heute Fertigpräparate mit standardisierten Extrakten aus der Droge. Die Verwendung dieser Extrakte bzw. Fertigarzeimittel zur äusseren Anwendung ist nach Kommission E akzeptiert zur Unterstützung bei chronischen Ekzemen.
Nach Ansicht der europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) sollte sich die Anwendung auf Erwachsene beschränken und nicht länger als zwei Wochen dauern und nicht oral vorgenommen werden. Der Bittersüsse Nachtschatten wird in der Schweiz ausschliesslich in der alternativen Medizin verwendet.
Volkstümliche Anwendungen:
In der Volksmedizin als sogenannter Blutreinigungstee, bei Übelkeit und bei rheumatischen Erkrankungen. Auch bei chronischer Bronchitis und Asthma wird die Droge verwendet. Die Wirksamkeit ist allerdings bisher nicht hinreichend dokumentiert.
Äußerlich wird die Droge bei Dermatosen, z. B. Herpes, Psoriasis und Ekzemen, Abszessen oder bei Quetschungen verwendet. Die Wirksamkeit bei diesen Indikationen ist mit Ausnahme der unterstützenden Therapie bei chronischen Ekzemen kaum belegt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
> Siehe Anwendung.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - Keine Bearbeitung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft
HOMÖOPATHIE
Solanum dulcamara HAB 1; Bittersüsser Nachtschatten.
Anwendungsgebiet: Erkrankungen der unteren Atemwege und der Haut.
BITTERSÜSSER NACHTSCHATTEN IM GARTEN
Der Bittersüsse Nachtschatten gedeiht sowohl an der Sonne, als auch im Halbschatten. Nähstoffreiche Gartenböden hat er besonders gerne, kommt aber auch mit mageren, durchlässigen Böden zurecht. Der Bittersüsse Nachtschatten verträgt sogar Staunässe. Der Halbstrauch kann auch als Topfkultur gezogen werden. Er eignet sich gut für die Begrünung von Zäunen und für Spaliere. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat, Ausläufer, oder Stecklinge im Frühsommer. Ansonsten ist der Bittersüsse Nachtschatten winterhart, mehrjährig und recht robust.
SONSTIGES
Der Gattungsname Solanum leitet sich wohl von lat. ,solamen' (=Trost) ab und bezieht sich auf die schmerzstillende Wirkung einiger Solanum-Arten. Das Artepitheton dulcamara ist eine Kombination aus lat. ,dulcis' (= süß) und ,amarus' (= bitter) und spricht die Geschmacksempfindungen an, die man beim Kauen der Stängel empfindet. Der süße Geschmack steigert sich dann beim längeren Kauen der Stengel. Diese Eigenschaften finden sich in der deutschen Bezeichjnung "Bittersüßer Nachtschatten'" wieder.
Letzte Änderung: 12.03.2017 / © W. Arnold