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Kinder / Jugendliche
Sprechen Sie das Kind/den Jugendlichen behutsam auf sein Befinden an, schildern Sie Ihre Wahrnehmung anhand konkreter Vorfälle oder Beobachtungen. Signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft, aber setzen Sie keinesfalls Druck auf. Stellen Sie nicht zu viele Fragen auf einmal. Falls Sie das Kind/den Jugendlichen nicht besonders gut kennen, ermutigen Sie es/ihn, mit einer vertrauten Person zu sprechen.
„Ich habe das Gefühl, es geht dir nicht so gut in letzter Zeit“. „Ich mache mir Sorgen um dich.“ „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit immer allein bist in der Pause. Ich habe mich gefragt, ob es dir gut geht.“
„Möchtest du etwas darüber erzählen?“
„Es ist wichtig, auch über schwierige Dinge zu reden. Hast du jemanden, mit dem du über schwierige Dinge sprechen kannst?“
Wenn das Kind/der Jugendliche (noch) nicht bereit ist, über seine Situation zu reden, lassen Sie ihm Zeit. Sprechen Sie es/ihn aber erneut auf Ihre Beobachtungen und Wahrnehmungen an und lassen Sie es/ihn wissen, dass Sie ein offenes Ohr für seine Anliegen haben.
Eltern
Psychisch erkrankte Eltern können – vor allem in akuteren Phasen – abgelenkt, unbezogen oder verwirrt wirken. Womöglich verharmlosen sie Probleme und Belastungen, oder sie verweigern das Gespräch komplett und erscheinen nicht zu vereinbarten Terminen.
Schildern Sie den Eltern Ihre Wahrnehmungen und Einschätzungen anhand konkreter Ereignisse und Beobachtungen und erzählen Sie, was diese bei Ihnen auslösen. Zeigen Sie den Eltern Interesse, Anteilnahme und Verständnis und vermeiden Sie Pauschalisierungen, Urteile und Vorwürfe. Betonen Sie im Gespräch das Wohlergehen des Kindes als gemeinsames Interesse von ihnen und den Eltern.
„Mir ist aufgefallen, dass … (konkrete Beobachtung)“ „Ich mache mir etwas Sorgen um (Kind), weil …“
„Ist Ihnen zuhause etwas Ähnliches aufgefallen?“ „Es interessiert mich, was Sie darüber denken.“
„Ich möchte, dass es (Kind) gut geht und würde gern mit Ihnen zusammen überlegen, wie wir (Kind) dabei unterstützen können.“
Akzeptieren Sie es, wenn Eltern abweisend oder gar nicht reagieren. Signalisieren Sie weiterhin Interesse und Gesprächsbereitschaft.
Wie weiter, wenn es nicht weiter geht?
Es kann sein, dass es im Kontakt mit Kindern oder ihren Eltern nicht gelingt, ins Gespräch darüber zu kommen, ob oder dass ein Elternteil psychisch erkrankt oder belastet ist und welchen Einfluss dies auf das Befinden des Kindes hat. Wenn Sie ein „schlechtes Gefühl“ haben oder aus Ihrer Sicht Handlungsbedarf besteht, ziehen Sie Kolleginnen oder Kollegen, Ihr Team oder Vorgesetzte bei. Schildern Sie die Situation und besprechen Sie Ihre Vermutungen und Einschätzungen. Beobachten Sie gemeinsam und entscheiden Sie nicht allein über das weitere Vorgehen. Gemeinsam die Situation zu reflektieren und mögliche Vorgehensweisen zu diskutieren, erhöht die Einschätzungs- und Handlungssicherheit.
Suchen Sie auch fachliche Unterstützung ausserhalb Ihrer Organisation oder Institution. Lokale und regionale Fachstellen für Kinder, Jugendliche und Familien, Psychologinnen und Psychologen und Kinderschutzgruppen können dabei helfen, einen gangbaren Weg in der Unterstützung von Kindern mit psychisch erkrankten Eltern zu finden. Hinweise zu Angeboten für Kinder, Eltern, Familien und für Fachpersonen finden sich auf den folgenden Seiten.
Lesenswert:
Ihde-Scholl, Thomas (2013). Ganz normal anders. Alles über psychische Krankheiten, Behandlungsmöglichkeiten und Hilfsangebote. Ein Ratgeber aus der Beobachter-Praxis (in Zusammenarbeit mit pro mente sana). Zürich: Beobachter-Edition.
Kupferschmid, Stephan/Koch, Irène (2014). Psychisch belastete Eltern und ihre Kinder stärken. Ein Therapiemanual. Stuttgart.