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Ja. Nein. Zwei einfache Wörter, die die Welt verändern können. Ein Ja kann ein Versprechen für die Zukunft und eine gemeinsame Familie sowie Ausschlag zu einem lebenzerstörenden Krieg sein. Keine anderen Wörter haben eine solche Macht. Sie stehen für Entscheidungen, Standpunkte, Meinungen. Es gibt kein Zwischendurch. Das ab und zu verwendete “Jein” zeugt von Unentschlossenheit und Unsicherheit, es ist wertlos. Nahezu immer wird eine klare Antwort erwartet.
“Denkst du, dass…?”
Nehmen wir ein Beispiel. Die Basis für eine Diskussion bildet oft ein Ja gegen ein Nein als Antwort auf eine Frage, wie zum Beispiel “Findest du, dass…?”. Vom Gesprächspartner wird eine eindeutige Antwort erwartet, ansonsten ist die Diskussion schnell vorbei oder kommt vielmehr gar nicht erst zu Stande. Auf der anderen Seite kann eine Diskussion ewig andauern, wenn beide Parteien auf ihrem Standpunkt verharren. Es bleibt bei einem Wiederholen der eigenen Argumente, ohne jedoch auf diejenigen des anderen richtig einzugehen. Dies zeigt die Gegensätzlichkeit dieser beiden Worte.
Eine Skulptur, die der Künstler Markus Raetz im Jahr 2000 für den Place du Rhône in Genf geschaffenen hat, vereint die zwei gegensätzlichsten Wörter der Welt. Sollte es aber nicht zwei verschiedene Skulpturen geben, die das Ja und das Nein klar trennen? Der Berner Raetz hat sich dagegen entschieden. Er verbindet diese zwei Wörter in seiner Skulptur; man kann das Ja von der einen Seite sehen, wechselt man jedoch die Seite, so formen die Buchstaben das Wort Nein.
Kritik an der Starrheit
Wie es nun also von einem Ja zu einem Nein kommt und umgekehrt? Genau, durch einen Standortwechsel. Übertragen wir diese Schlussfolgerung auf unser Beispiel mit der Diskussion, wird klar: Das Ziel einer Diskussion sollte kein stumpfsinniges Beharren auf seiner eigenen Meinung oder gar das Überzeugen des Diskussionspartners sein, sondern vielmehr ein Vergleichen von Argumenten und Meinungen, so dass man am Schluss eine Meinungsänderung erfahren oder aber sich in der eigenen verstärkt sehen kann. Das Resultat ist jedoch zweitrangig, im Wesentlichen geht es darum, die Meinung des anderen zu verstehen und nachvollziehen zu können, den Standort zu wechseln, also eine Brücke zwischen dem Ja und Nein zu schaffen, eine Verbindung.
Vielleicht ist es ja das, was einer der renommiertesten Gegenwartskünstler der Schweiz mit seiner auf den ersten Blick paradox wirkenden Skulptur zeigen wollte: Oft genügt es, sich von seinem Standpunkt zu lösen und nicht auf ihm zu beharren, ja es reicht, ein paar Schritte – physische wie gedankliche – zu gehen und somit an Erkenntnis und Verständnis zu gewinnen. Deshalb sollten Entscheidungen nicht auf einem Ja oder Nein basieren, sondern auf einem Abwägen von Ja und Nein.