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Blainville-Schnabelwal
Mesoplodon densirostris
© 2008 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Die Ordnung der Waltiere (Cetacea), welche ungefähr 90 Arten umfasst, wird im Allgemeinen in ein Dutzend Familien gegliedert. Die grösste ist mit rund 30 Arten die der Delfine (Delphinidae), die zweitgrösste mit ungefähr 20 Arten die der Schnabelwale (Ziphiidae). Der Blainville-Schnabelwal (Mesoplodon densirostris) gehört zu den kleineren Mitgliedern seiner Familie: Die Männchen werden bis 4,4 Meter lang und 800 Kilogramm schwer, die Weibchen erreichen bis 4,7 Meter und 1000 Kilogramm.
Äusserlich kennzeichnend ist für den Blainville-Schnabelwal, dass sich sein Unterkiefer in der kopfnäheren Hälfte stark nach oben wölbt und am obersten Punkt der Wölbung beidseits je einen Zahn trägt. Dieses Zahnpaar ist bei beiden Geschlechtern vorhanden und stellt das gesamte Gebiss dar. Bei den Männchen sind die beiden Zähne recht gross und ragen bei geschlossenem Mund wie ein Paar Hauer beidseits der Stirn aus dem Mund hervor. Bei den Weibchen sind die beiden Zähne hingegen klein und brechen nicht durch das Zahnfleisch durch. Typisch für den Blainville-Schnabelwal ist ferner, dass seine Haut helle linienförmige sowie helle fleckenartige Narben aufweist. Erstere sind bei den Männchen besonders häufig und dürften die Spuren von Rivalenkämpfen sein; letztere stammen von unliebsamen Begegnungen mit Zigarrenhaien (Isistius spp.).
Der Blainville-Schnabelwal ist ein sehr weit verbreitetes Tier. Er kommt zwar schwergewichtig in tropischen, subtropischen und warmen gemässigten Gewässern rund um den Globus herum vor, wurde aber auch schon in recht hohen Breiten gesichtet, auf der Nordhalbkugel beispielsweise bei Island und Japan, auf der Südhalbkugel bei Südafrika und Neuseeland. Innerhalb dieses grossen Areals streift er gewöhnlich in Trupps von drei bis sieben Individuen umher, bei denen es sich um ein erwachsenes Männchen mit ein bis drei Weibchen und deren Jungen handelt. Man kann also von Haremsgruppen sprechen.
Bei der Nahrungssuche taucht der Blainville-Schnabelwal durchschnittlich rund 850 Meter tief und bleibt jeweils ungefähr 45 Minuten unter Wasser. Dies sind bemerkenswerte Leistungen für ein Luft atmendes Säugetier. Seine Beutetiere fängt er durch Einsaugen: Er hat eine grosse, sehr bewegliche Zunge und ein robustes Zungenbein, welches über kräftige Muskeln mit Schädelknochen in der Ohrregion verbunden ist. Zieht er diese Muskeln zusammen, bewegt sich die Zunge rasant nach hinten in den Rachen. Gleichzeitig dehnt sich die Kehle aus, was sie dank zwei tiefen Längsfurchen in erheblichem Mass vermag. So erzeugt der Wal einen starken Sog durch seine Mundöffnung, dem kein Beutetier in der Nähe zu widerstehen vermag. Untersuchungen des Mageninhalts zeigen, dass sich der Blainville-Schnabelwal hauptsächlich von kleineren, meist weniger als 500 Gramm wiegenden Tintenfischen und Fischen ernährt.
Wie für alle Schnabelwalarten gibt es für den Blainville-Schnabelwal keine Bestandsschätzungen. Er gilt aber als weit verbreitet, nicht besonders selten und nicht unmittelbar in seinem Fortbestand gefährdet. Letzteres vor allem darum, weil er nicht das Objekt gezielten Fangs durch spezialisierte Betriebe ist. Ferner scheint die Zahl der Blainville-Schnabelwale, welche beim Fang anderer Meereslebewesen als unerwünschter Beifang ihr Leben verlieren, gering zu sein.
Den Blainville-Schnabelwalen drohen jedoch andere, zwar wenig augenfällige, aber umso heimtückischere Gefahren. Zu nennen sind vor allem die Auswirkungen von Sonargeräten. Das sind Geräte zum Orten von Objekten unter Wasser mittels Schallwellen. Solche werden einerseits von allen modernen Schiffen permanent zur Meerestiefenmessung eingesetzt, andererseits - in besonders leistungsfähiger Ausführung - von der NATO, der US-Marine und den Marineeinheiten anderer Nationen zum Orten von Unterseebooten über weite Distanzen. Solche Hochleistungs-Sonargeräte senden explosionsartige Schallimpulse aus und können für viele Meereslebewesen katastrophale Folgen haben. Beispielsweise kam es bei den Kanarischen Inseln nach NATO-Manövern wiederholt zu Massenstrandungen von Walen, darunter auch Blainville-Schnabelwalen, welche Gehör- und Hirnschäden aufwiesen. Wie gross die durch Sonargeräte verursachte Sterblichkeit unter den Waltieren insgesamt ist, wissen wir nicht. Fachleute schätzen sie aber als beträchtlich ein.
Erfreulicherweise gibt es Bestrebungen seitens verschiedener Nichtregierungsorganisationen, eine Verminderung des marinen Unterwasserlärms im Allgemeinen und ein Verbot des Einsatzes wal- und fischschädlicher militärischer Hochleistungssonarsysteme im Speziellen herbeizuführen. Technologisch sollte das Problem zu lösen sein. Noch aber fehlt es am politischen und vor allem militärischen Willen auf internationaler Ebene.
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