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Bajawa selber ist eine unscheinbare Kleinstadt. Aber die Umgebung ist höchst interessant. Im Umkreis von 20 Kilometern befinden sich hier mehrere sehr alte, in ihrer ursprünglichen Substanz vollständig erhaltene Dörfer mit intakten Dorfgemeinschaften. Hier ist das Zentrum der Ngada-Kultur. Ein Tipp: Wer sich wirklich für ursprüngliche Kulturen interessiert, sollte in Bajawa ein paar Tage bleiben, um jeden Tag eines oder zwei der Dörfer zu besuchen! Bajawa selber ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks Ngada (Kabupaten Ngada). Die Volksgruppe, die sich zu den Ngada (auch Rokka) zählt, umfasst etwas 70'000 Menschen. Sie haben ihre eigene Sprache. Basis ihrer Wirtschaft ist der Brandrodungsfeldbau. Hauptanbauprodukte sind Reis und Mais. Der Tourismus ist eine Nebenerwerbsquelle.
Die Gesellschaft der Ngada basiert auf einem Clansystem mit starker Hierarchie. Ihre Gesellschaft ist aber auch matrilinear, das heisst, die Abstammung (verwandtschaftlichen Verhältnisse) wird über die Mütter bestimmt. Damit wird der Besitz bzw. die Erbschaft (z.B. die Häuser) von den Müttern auf die Töchter übertragen (man darf das nicht verwechseln mit dem Matriarchat!). In der Religion spielt die Ahnenverehrung eine zentrale Rolle, aber auch Fruchtbarkeitskulte, verbunden mit grossen Opferfesten. Beim Reba-Fest wurden jedes Jahr zahlreiche Büffel geopfert. Viele Ngada sagen heute, sie seine Katholiken. Dass ihre alte Religion nach wie vor eine Rolle spielt, ist unübersehbar.
Das bekannteste Beispiel eines Ngada-Dorfes ist Bena. Wir besuchten es am frühen Morgen und waren die einzigen Fremden hier. Von der Ferne sah es aus wie ein Toblerone-Schoko-Riegel. Auch wenn Bena das am meisten besuchte Ngada-Dorf ist, entspricht hier überhaupt nichts irgend einem touristischen Cliché. Kein Souvernir-Shop, nichts. Einer Weberin direkt einen Ikat abkaufen, das ist möglich. Die Menschen hier leben ihr gewohntes Leben. Touristischer Besuch geschieht 'so nebenbei'. Am Schluss unsers Besuchs spendeten wir ein paar tausend Rupien, und wir trugen uns in ein Gästebuch ein.
Bena ist etwa 900 Jahre alt. Die traditionelle Bauweise wird strikt eingehalten, es gibt auch keine Blechdächer, wie sie auf Flores -leider - üblich sind. Die Dächer bestehen aus Alang-Alang-Gras. Tritt man in das Dorf, ragen hohe Mauern vor einem auf. Auf Terrassen stehen sich zwei Reihen Häuser gegenüber. Auf dem Platz zwischen ihnen stehen Megalithe, in bizarren Formen, die Altäre bilden. Wie Parasol-Pilze sehen die schirmförmigen Ngadhu aus, das Männliche symbolisierend. Daneben stehen Bhaga, kleine Nachbildungen der Ngada-Häuser, die das Weibliche symbolisieren. Auf den Dächern der Häuser entdeckt man kleine Häuschen oder Männchen. Die stehen für die hohe Kasten der Bewohner; keine Verzierung bedeutet eine niedere Kaste.
Dass der Katholizismus eine Rolle spielt, sieht man daran, dass sich Gräber mit Kreuzen vor den Häusern befinden. Und am oberen Ende des Dorfes steht ein Schrein mit einer Madonnenfigur. Trotzdem sind die megalithischen Formationen und alten Kultstätten für die Bewohner keine quasi-museale Vergangenheit, sondern spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. So kam es zu einer Vermischung - besser: Koexistenz - von alten Glaubenssystemen und Katholizismus.
Ein paar Kilometer nach Bena erreichten wir einen schönen Aussichtspunkt. Ein grosser, bunter Gockel steht dort. Die Aussicht ist fantastisch, und verstreut über die ganze, grüne Landschaft entdeckt man hier und dort ein anders Ngada-Dorf, erkenntlich als brauner Flecken. Ein anderer Vulkan kommt immer näher, der Ebulobo (2124 m; letzter Ausbruch 1969). Bei Nangaroro erreichen wir das Meer. Eine schöne Strecke, rechts vor uns die Insel Ende, oft schwarzer Sand am Strand. In Ende ein Denkmal für Sukarno, den ersten Präsidenten Indonesiens. Damals Anführer der nationalen Unabhängigkeitsbewegung, wurde er zwischen 1934 bis 1938 von den holländischen Kolonialherren hierher verbannt. Diese Stadt gilt als der heisseste Ort der Insel (oft 35° und mehr). Wir haben keine Zeit, hier zu verweilen und fahren gleich weiter in Richtung Moni - Maumere.
Moni ist unser heutiges Ziel. Die Sonne war wieder mal weg, düster sah es in den Tälern und Schluchten aus, die wir jetzt durchquerten. Eine Stunde vor Sonnenuntergang war der Himmel wieder stellenweise klar. Die Fahrt ging wieder in die Höhe, es wurde kühler. Die Menschen hüllten sich in Tücher und trugen Mäntel und Jacken mit Kapuzen. Ein winziger Zipfel des Kelimutu (unser morgiges Hauptziel) ist ein Moment lang sichtbar. Und urplötzlich stecken wir in dichtem Nebel. Agus jubelt, das sei jetzt eben Moni. Da hätte es um diese Tageszeit immer Nebel. Dann erscheinen die ersten Hütten. Unser Quartier waren ein paar einfache Häuser, dem traditionellen Baustil nachempfunden. Das heisst, es waren Holzhütten auf Pfählen, die da am Hang oben platziert waren. Es war die teuerste Unterkunft, die wir hatten, 320'000 IR für zwei Zimmer und eine zusätzlich organiserte Matratze. An grossen Ausgang war nicht zu denken. Im dazugehörenden Restaurant hatten wir aber anständiges Essen.
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