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Jane Roberts (1929- 1984) studiert englische Literatur, heiratet den Maler Robert Butts, schreibt Lyrik und SF-Romane, entdeckt ihre Medialität und wird zum bekanntesten Channel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrunderts. Seit September 1963 experimentiert sie in ihrem Haus in Elmira bei New York zuerst mit automatischem Schreiben, dann mit dem Oujia-Brett, später hört sie Stimmen, die sie aufschreibt, zuletzt wird sie Trancemedium. Die Wesenheit, die sich durch Jane Roberts meldet, nennt sich zuerst Frank Whiters, dann Seth, wobei aber alsbald deutlich wird, dass Seth in sich verschiedene Wesenheiten als Teilaspekte trägt und auch selbst nur ein Teil einer anderen grösseren Wesenheit ist. Um die Sache noch geheimnisvoller zu machen erklärt Seth, er sei auch ein Teil in Jane Roberts Unbewussten, in welchem er schwimme wie ein Fisch im Wasser. Jane Roberts hingegen meint auch, Seth könnte eine Personifizierung einer überbewussten Fortsetzung ihres normalen Selbst sein. Neben Seth channelt Jane Roberts z.B. auch den Maler Paul Cezanne und den amerikanischen Philosophen William James. Für die Folgezeit wesentlich wurden aber die Texte von Seth, deren Studium u.a. eine einer ganze Kette von Sethfreunde-Gruppen pflegt.
Seth spricht über fast alles und jedes, über den Menschen, seinen Geist, die Reinkarnation, das Leben nach dem Tod, das Universum, die Antimaterie usw. Grundlinien dieser Weltschau sind: 1. Die Ueberlegenheit des Geistigen über das Materielle. Die Seele kann Gedanken und Gefühle in physische Realität verwandeln. 2. Jede sichtbare Person ist nur ein kleiner Teil einer mulitdimensionalen Persönlichkeit, ein Bruchteil eines Ursprungsselbst. 3. Zeit als lineare Abfolge von Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft ist eine Illusion. Auch alle unsere verschiedenen Leben in der Reinkarnationsreihe existieren gleichzeitig. 4. Das im Traum erlebte Universum ist so real wie das physische Universum. 5. Tod ist kein Ende, sondern Verwandlung innerhalb der immer schon multidimensionalen Persönlichkeit. 6 Gott ist die Summe aller Lebensenergie.
Selbstverständlich haben im Anschluss an die im Buchhandel äusserst erfolgreiche Jane Roberts auch andere Channels angefangen, Sethbotschaften zu übermitteln. Dass diese Ausführungen viele Menschen mit spirituellem Orientierungsbedarf anspricht, verwundert niemanden. Seth ist ein Reiseführer durch die jetzt vorliegende, allzu unbegreifliche in die andere, kaum zu erahnende Welt, und macht die Seth-Freunde mit beiden so vertraut, dass sie beide mutiger betreten. Andererseits ist die selbst eingestandene enge Verbindung von Jane-Roberts' Psyche und Seth zusammen mit vielen mystisch hochstilisierten Plattitüden für den Kritiker Grund genug, diesem leicht diffusen Reiseführer durch die beiden Welt skeptisch zu begegnen.
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Georg Schmid, 2001
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