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Die Hofmusik: Gagaku
Die Hofmusik, die seit dem 8 Jh. durch ein Hoforchester gespielt wird, gehört zu den ältesten noch erhaltenen und noch praktizierten Ensemblestücken der Welt. Das Repertoire des Hoforchesters hat sich seit Jahrhunderten nicht verändert und lässt einen Hauch einer alten Klangwelt erahnen, die schon längst in der Vergangenheit verstummt ist.
Die Musik klingt bis heute ausschliesslich am Hof und in einigen wenigen Schreinen und wird von etwa dreissig Männern des "Departements für Musik des kaiserlichen Hofes" (Kunaichô gakubu) gepflegt und weitergegeben.
Die Musik hat drei Wurzeln: 1. ursprünglich japanische Kompositionen (mikagura, azuma asobi, yamatomai, ôuta und kumemai) 2. Stücke, welche aus anderen asiatischen Ländern (China, Korea und Indien) eingeführt worden sind (tôgaku und komagaku) und 3. Stücke aus der Heian-Zeit (794-1185) welche das begleitete Gesangsrepertoire beinhalten (saibara und rôei).
Der Name "Gagaku" bedeutet eigentlich "elegante, edle Musik" und wird dann verwendet, wenn die Musik ohne Tanz ausgeübt wird. Wenn ein Tanz dazu kommt, ändert sich der Name zu Bugaku.
Das Anhören dieser Musik ist für unsere Ohren fremd. Schon die Instrumente: ein klagendes, oboenähnliches Instrument trägt die meist sehr langsame Melodie vor, umspielt von Flöten und wird begleitet von einem merkwürdigen Klang, welcher die gespielten Töne der Melodie gleichzeitig erklingen lässt. Dazu gesellen sich beschleunigende und verlangsamende Trommelschläge, welche von heftigen, tiefen und markanten Schlägen auf eine grosse Trommel und auf Glocken unterstützt werden. Die Musik hat etwas Magisches, etwas Beschwörendes und Durchdringendes; man kann sich ihr kaum entziehen. Die Melodien sind durch die Langsamkeit mikrotonale Glissandi als solche schwer erkennbar; ein harmonischer oder rhythmischer Ablauf ist kaum zu erkennen. Auch in dieser Musik wird eine, unserer europäischen Musikauffassung sehr fremdes Musikideal spürbar, welchem wir uns in einem späteren Abschnitt anzunähern versuchen.
Die Instrumente
Wie schon erwähnt, gehört Gagaku zu den ältesten erhaltenen Orchesterformationen. Es kommen Bläser, Saiteninstrumente und Perkussion in einer besonderen Mischung zusammen, die kaum etwas mit unserer Tradition gemeinsam hat.
Am durchdringensten hörbar ist das oboenähnliche Instrument hichiriki, ein kleines Doppelrohrblatt-Instrument, welches auch in japanischen Kreisen sehr zwiespältig aufgenommen wird. Sein durchdringender Klang brachte die Haare der Hofdame Sei Shonagon zum Stehen, rührte aber auch einen Dieb so, dass er alle gestohlene Ware wieder zurückbrachte, als er den Besitzer auf dem allein übriggelassenen Instrument spielen hörte.
Das zweite Blasinstrument ist eine ähnliche Flöte, wie sie im Nô verwendet wird, mit anderen Dimensionen und anderen Skalen.
Das aussergewöhnlichste Blasinstrument im Gagakuensemble ist die Mundorgel Shô, ein raffiniertes Instrument, bestehend aus einem hölzernen, lackierten, tassenförmigen Windkasten, in welchen siebzehn Pfeifen asu Bambus gesteckt sind, welche mit Durchschlagszungen (ähnlich einer Mundharmonika) zum Klingen gebracht werden. Sie bilden den klanglichen Hintergrund mit fremdartigen vielstimmigen Akkorden, von dem sich die Melodie abhebt. Um einen durchgehenden Klang zu erhalten, sind die Instrumente so gebaut, dass sie sowohl beim Ausatmen wie auch beim Einatmen einen Ton erzeugen können.
Zu diesen Bläsern kommen Saiteninstrumente, welche hier eine vorwiegend rhythmische, signalartige Funktion haben: Gaku-Biwa und Gaku-sô, Verwandte der schon besprochenen Biwa und Koto.
Die Perkussion besteht aus mehreren Trommeln und Gongs von verschiedener Grösse: Die grössten Trommeln, die Da-Daiko, welche optisch durch grosse verzierte Gestelle die Bühne dominieren, die kleinere Tsuri-daiko und die tempobestimmende Haupttrommeln Kakko oder San-no-Tsutzumi und den Gong Shoko. Diese Perkussionssinstrumente haben die Funktion, das Tempo zu bestimmen und Teile und Abschnitte zu markieren.