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Heile Welt am Nordrand von Schlieren
Schnell an der Limmat und schnell im Grünen – das zeichnet das Wohn- und Sportstättenquartier Zelgli jenseits der Bernstrasse aus. Den Bewohnern gefällt das trotz der verkehrsreichen und lärmigen Engstringerstrasse, die das Quartier zerschneidet.
Nördlich der Bernstrasse, schon etwas abgeschnitten von der übrigen Stadt, gibt es noch ein Quartier, das zu Schlieren gehört: das Zelgli. Es liegt links (Zelgli West mit den Gebieten Rohr, Zelgli und Werd) und rechts (Zelgli Ost mit den Gebieten Lacheren und Betschenrohr) der Engstringerstrasse. Diese war die Lebensader des Quartiers und ist heute sein Hauptproblem.
Lebensader, weil sich hier Gewerbe, Läden und Restaurants des Quartiers befanden und von hier aus die Quartierstrassen bedient werden. Früher gab es eine Bäckerei, eine Metzgerei und ein Lebensmittelgeschäft an der Engstringerstrasse. Heute gibt es nur noch zwei Restaurants (das „Grotto“ und das „O Douro“) sowie einen Coiffeursalon. Zum Einkaufen fahren die Quartierbewohner jetzt ins Zentrum von Schlieren oder ins Zentrum von Oberengstringen. Immerhin gehören zur Infrastruktur des Quartiers heute noch eine Kinderkrippe, zwei Kindergärten und eine Schule.
Viel Lebensqualität
Hauptproblem für das Quartier ist die Engstringerstrasse, weil hier der viele Verkehr zwischen Schlieren und Unterengstringen durchfliesst und für Lärm sorgt. In den Stosszeiten ist es oft schwierig, mit dem Auto von den Quartierstrassen in die Engstringerstrasse zu gelangen. Und der alltägliche Stau an der Kreuzung mit der Bernstrasse führt dazu, dass die Busse den Fahrplan nicht einhalten können und die Anschlüsse an die S-Bahn verloren gehen.
Abseits der Engstringerstrasse sei es jedoch „ruhig und die Lebensqualität gut“, sagt Marianna Naumann. Sie lebt seit Anfang der Siebzigerjahre im Quartier. Man sei schnell an der Limmat und im Grünen. Auch das Kloster Fahr sei nicht weit. In Teilen des Quartiers, etwa in den Familiengärten im Betschenrohr, herrsche noch so etwas wie eine „heile Welt“.
Erfolgreicher Widerstand
Diese Idylle sollte nicht gestört werden. Als Ende der Neunzigerjahre das Erdbeerfeld östlich des Lacherenwegs eingezont werden sollte, formierte sich Widerstand im Quartier. Ein „Komitee zur Erhaltung des Lacherenquartiers“ bildete sich und bekämpfte die Einzonung. Befürchtet wurde, dass die neue Zone zu stark ausgenutzt und dass zu hoch gebaut werde. Der Widerstand hatte Erfolg. In einer Abstimmung im September 1997 schickten die Schlieremer das Vorhaben klar bachab. Naumann schätzt die gute Nachbarschaft im Quartier, einen richtigen Zusammenhalt vermisst sie aber. Dazu fehle ein Treffpunkt, an dem sich die Bewohner ungezwungen treffen könnten. Immerhin gebe es aber jeweils am letzten Mittwoch im Monat einen Quartierzmorge, der gut besucht sei.
Bald hundert Jahre alt
Das Zelgli ist ein Wohnquartier, das seit den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden ist. Geprägt ist es von vielen Ein- und Mehrfamilienhäusern. Es gibt aber eine gewichtige Ausnahme: Die Gewobag-Siedlung „Giardino“ zwischen Bernstrasse und Rohrstrasse. In ihrer heutigen Form entstand die Überbauung in den Jahren 2005 bis 2009. Zuvor war die alte Siedlung aus der Nachkriegszeit gesprengt und abgerissen worden. Der Neubau der Siedlung habe viele neue Bewohner ins Quartier gebracht, hat Naumann bemerkt.
Das Zelgli ist aber auch ein Sportstättenquartier. Hier befinden sich die Fussballplätze zwischen Rohrstrasse und Zelgliweg sowie die Sporthalle, der Faustballplatz und die Tennisanlage im Unterrohr.
Problemfreie Zone
„Den Leuten, die im Quartier wohnen, gefällt es hier“, sagt Naumann. Abgesehen von der Engstringerstrasse gebe es „keine Probleme im Zelgli“. Das sieht die Quartierbevölkerung genau so. In einer Befragung der ETH Zürich aus dem Jahr 2013 unter den Bewohnern Schlierens ergab sich, dass man im Zelgli überdurchschnittlich zufrieden und verbunden ist mit dem Quartier, einen überdurchschnittlichen Zugang zu Freiraum und Naturflächen geniesst, eine überdurchschnittliche Sicherheit im öffentlichen Raum empfindet und das Quartier – im Osten – als unterdurchschnittlich dicht bebaut wahrnimmt. Man sei zwar „schon ein bisschen abgetrennt“ von der restlichen Stadt, meint Naumann. Aber wer wolle, könne sich in Schlieren in Vereinen engagieren und so den Kontakt zur Stadt halten. Naumann selbst ist Mitglied im Quartierverein und im Trachtenchor. Zudem macht sie in der Kirche mit. „So fühle ich mich trotzdem als Schlieremerin“, sagt sie.
Text und Fotos: Martin Gollmer