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Gehen Sie mit Michael Imhof auf Spurensuche nach einer legendären Frau. In seinem Buch DIE PÄPSTIN JOHANNA finden Sie die Antwort auf die Frage, Wahrheit oder Mythos?
Im ausgehenden 14. Jahrhundert wurde Johanna als Päpstin mit Namen Johannes der VII. benannt. Wie selbstverständlich wurde sie z. B. in der Schedelschen Weltchronik von 1493 aufgeführt und abgebildet. So fügte sowohl 1277 der Dominikaner Martin von Troppau die Päpstin in seiner Chronik der Päpste und Kaiser ein als auch der päpstliche Bibliothekar Bartolomeo Platina (†1481), um zwei prominente Autoren zu nennen. Wie der Blick auf die Papstabfolge zeigt, fällt es schwer, einen weiteren Papst und insbesondere eine Päpstin historisch in die Papstliste hinzuzufügen. Wie erklärt sich aber, dass über Jahrhunderte hinweg eine Päpstin (aus dem wahrscheinlich 9. Jahrhundert) als Realität angenommen wurde? Als Beleg für die Existenz einer Päpstin wird häufig die angebliche „Männlichkeitsprüfung“ des neu gewählten Papstes angeführt. Diese phantasievolle Spekulation entstand aufgrund der für Außenstehende unverständlichen Zeremonie bei der Papst-Einführung. Das gemeine Volk und selbst einige Kleriker vermuteten, der Papst würde ohne Unterwäsche unter dem Ornat auf einen Toilettenstuhl gesetzt, durch dessen Loch in der Sitzfläche ein Prüfer das Geschlecht feststellte. Diese Maßnahme sei nach dem Skandal um die Päpstin Johanna eingeführt worden. Demnach habe das römische Volk erneut seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert das Sitzen des neugewählten Papstes auf spätantiken Sesseln mit runden Öffnungen in der Sitzplatte als Männlichkeitskontrolle interpretiert.
Noch heute scheiden sich die Geister an der Frage, ob Johanna wirklich existiert hat. Ich tendiere mal, dass die weibliche Welt sich an dieser Hoffnung erfreut, dass die Dame den hohen, kirchlichen Stuhl besetzt hatte. Die Zuversicht, dass in naher Zukunft auch ein weibliches Geschlecht auf dem Thron der Kirche Platz nehmen darf besteht fort. Denn warum sollte die Frau, nicht ebenso gut in der Nachfolge Christi sein wie es bis heute das männliche Geschlecht tut. Der aktuelle Papst Franziskus scheint mir ein starker Hoffnungsträger zu sein für das friedliche Zusammenleben aller Menschen. Sein persönlicher Charakter – wenn er nicht zu sehr verpflichtet wäre den päpstlichen Richtlinien zu folgen – folgt vorbildlich und treu Jesus‘ Nächstenliebe, Gebote und dessen Nachfolge. Hut ab, für soviel Mut in unserer vermeintlich ‚Modernen‘ Zeit.