Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03337.jsonl.gz/2929

Getränke und Früchte wie Tee, Äpfel, Erdbeeren, Heidelbeeren, Rotwein, Orangen sowie Orangensaft haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind reich an Flavonoiden. Wer viel davon konsumiert, reduziert laut den Resultaten einer Studie sein Risiko, an Morbus Parkinson zu erkranken. Hauptsächlich Beeren sollen vor der Degeneration des extrapyramidal-motorischen Systems schützen.
Eine Wissenschaftlergruppe der Harvard Medical School in Boston hat für ihre Studie zum Einfluss von Flavonoiden auf das Parkinsonrisiko die Daten von 49.281 Männern aus der Health Professional Follow-up Study und von 80.336 Frauen aus der Nursesʼ Health Study untersucht. Während der 20- bis 22-jährigen Nachbeobachtungszeit erkrankten 805 Teilnehmer – 438 Männer und 367 Frauen – an Morbus Parkinson.
Die Forscher teilten die Teilnehmer der Studien in fünf Gruppen ein: weniger als eine Portion flavonoidreiche Nahrung monatlich, eine bis drei Portionen pro Monat, eine Portion wöchentlich, zwei bis drei Portionen pro Woche oder mehr als fünf Portionen pro Woche. Eine solche Portion umfasste beispielsweise etwa 120 g Beeren. Die Gesamtaufnahme an Flavonoiden lag zwischen etwa 100 mg pro Tag in der Gruppe mit dem tiefsten und etwa 600–800 mg pro Tag in der Gruppe mit dem höchsten Konsum.
Schutzeffekt durch Anthocyane
Männer aus der Gruppe mit der höchsten Flavonoidaufnahme hatten verglichen mit Männern aus der tiefsten Gruppe ein rund 40% niedrigeres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Bei Frauen konnte ein solcher Effekt nicht festgestellt werden. Ein differenzierteres Bild ergab die Betrachtung der einzelnen Nahrungsmittel. Beeren, die reich an Anthocyanen sind – in der Studie Erdbeeren und Heidelbeeren – hatten eine Schutzwirkung bei Männern und Frauen. Das Risiko für Morbus Parkinson sank um mehr als 20%. Äpfel schützten Männer (46% tieferes Risiko), jedoch nicht Frauen vor einer Parkinsondiagnose zu erhalten. Tee, Rotwein, Orangen und Orangensaft zeigten keine Wirkung.
Ob die tiefere Rate von Parkinsonerkrankungen wirklich den Flavonoiden zuzurechnen ist, lässt sich allerdings nicht mit Gewissheit sagen. Zuverlässige Biomarker, die Auskunft über die tatsächliche Aufnahme von Flavonoiden geben könnten, existieren nicht. Berücksichtigt werden muss zudem, dass die Flavonoide nach der Resorption im Verlaufe von Stoffwechselprozessen erheblich verändert werden. Die Harvardwissenschaftler wollen deshalb nicht ausschließen, dass der Schutz vor Parkinson durch die Flavonoide, sondern durch andere Bestandteile pflanzlicher Nahrung ausgelöst wird.
Quellen:
http://www.springermedizin.de/schuetzen-beeren-vor-parkinson/2878808.html
Autor: Dr. Robert Bublak,
basierend auf Gao X et al. Habitual intake of dietary flavonoids and risk of Parkinson disease. Neurology 2012; DOI: 10.1212/WNL.0b013e31824f7fc4
http://www.neurology.org/content/78/15/1138.abstract?etoc
Kommentar & Ergänzung:
Wie immer bei solchen Beobachtungsstudien lässt sich daraus kein kausaler Zusammenhang belegen. So wäre es beispielsweise möglich, dass verbunden mit dem höheren Beerenkonsum noch andere Lebensstilfaktoren vorkommen, die ebenfalls dazu beigetragen haben könnten, das Parkinson-Risiko zu senken.
Aber auch wenn dieser Zusammenhang so nicht mit Gewissheit belegt ist: Beeren sind sicherlich ein gesunder Bestandteil der Ernährung.
Siehe auch:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch