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Nachdem die Erwartungen wiederholt enttäuscht wurden, wächst der Pessimismus, ob die Unternehmensgewinne als Wachstumsmotor jemals wieder ihr Niveau vor der Finanzkrise erreichen. Dies widerspiegeln zwei Schlüsselfaktoren: Erstens hat die jährliche Unternehmensgewinnwachstumsrate nicht mehr das Niveau der vorangegangenen Zyklen erreicht. Sie betrug seit 2008 in den G7-Ländern im Durchschnitt 6,6%; zwischen 2000 und 2008 lag sie bei 7.7% lag (siehe Grafik). Zweitens hat sich die durchschnittliche Dauer des Gewinnzyklus verkürzt. Die Dauer in den USA und in der Eurozone hat sich halbiert und das Gewinnwachstum der Unternehmen in China und in Grossbritannien ist seit 2008 instabiler geworden. Standard Life Investments warnt jedoch davor, die Möglichkeiten der Unternehmen, ihre Profitabilität zu verbessern, zu gering einzuschätzen.
Zuerst ist darauf hinzuweisen, dass es in der Zeit seit der Finanzkrise eine Reihe grösserer Schocks gab. Dazu gehören die europäische Staatsschuldenkrise, der Rohstoffpreis-Schock in den Jahren 2014 und 2015 und neuerdings der Brexit. Jedes dieser Ereignisse hatte auf regionaler Ebene einen wahrnehmbaren Einfluss auf die Unternehmensgewinne. Die Wirkung war auf globaler Ebene aber immer weniger ausgeprägt. Natürlich kann dies die abnehmende Grösse der Ereignisse widerspiegeln, es kann aber auch auf eine stärkere regionale Widerstandsfähigkeit hinweisen. Vielleicht ist aber auch von Bedeutung, dass der Zyklus der Unternehmensgewinne von den allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen eines Landes abhängt. Während die nominalen Wachstumstrends in den letzten Jahren dazu beigetragen haben, die Gewinne in einer Reihe von grossen Volkswirtschaften niedriger zu halten, scheinen sich diese Trends in den kommenden zwölf Monaten umzukehren, da die reale globale Aktivität zunimmt und insbesondere die Inflationsraten steigen. Natürlich ist entscheidend, welche Kräfte hinter der steigenden Inflation stehen. Wenn dies höhere Löhne sind, kann dies für die Margen der Unternehmen weniger günstig sein. Wenn die Inflation aber auf einen Nachfragesog zurückzuführen ist, wie es Standard Life Investments vermutet, sollte dies für die Ertragslage und damit auch für die Gewinne der Unternehmen grundsätzlich positiv sein. Jede Erholung der Gewinne auf aggregierter Ebene, also gemessen in den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, dürfte eher niedriger sein als bei den börsenkotierten Unternehmen. Dies ist einerseits auf Unterschiede in den Rechnungslegungsvorschriften zurückzuführen, andererseits ist die besonders stark betroffene Fertigungsindustrie stärker unter den börsenkotierten Unternehmen vertreten. Diese positiveren Aussichten für die Unternehmensgewinne gelten sowohl für kotierte wie nicht-kotierte Unternehmen.