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Im Westen und im Norden fiel oberhalb von 2200 m viel Schnee, darunter intensiver Regen. Abgelagert wurden diese Niederschläge auf eine nur dünne, aber schwache Altschneedecke. Die Folge waren verbreitet grosse Lawinengefahr (Stufe 4), und vor allem im Wallis sehr viele spontane Lawinenabgänge – auch sehr grosse.
Seit dem letzten AvaBlog fiel nur ab und zu etwas Niederschlag, am meisten im westlichsten Unterwallis mit insgesamt 30 bis 50 cm. Bemerkenswert war der 17.12., als im Engadin und seiner unmittelbaren Umgebung 9 Personenlawinen im Altschnee ausgelöst wurden, zum Glück ohne ernste Folgen (Abbildung 1). Der Grund könnte in den 10 bis 15 cm Neuschnee gelegen haben, die an den beiden Tagen davor auf die schwache Altschneedecke gefallen waren, oder einfach an einer hohen Tourenaktivität an diesem sonnigen Samstag. Vermutlich aber waren es diese beiden Einflüsse zusammen.
von Donnerstagabend bis Samstagmorgen, 22. bis 24.12. fiel im Westen und im Norden intensiver Niederschlag (Abbildung 2).
Der Niederschlag war sehr unregelmässig verteilt. An den hohen, dem Westwind ausgesetzten Gipfeln waren die Mengen viel höher als an geschützteren, nicht ganz so hohen Bergen. Obwohl Dezember, fielen diese Schneemengen erst oberhalb von etwa 2500 m. Unter 2200 m war es intensiver Dauerregen, der die Schneedecke durchnässte und um etwa 20 cm reduzierte (Abbildung 3).
Abgelagert wurden diese grossen Niederschlagsmengen auf eine zwar dünne, aber verbreitet schwache Altschneedecke. Dies führte verbreitet zu grosser Lawinengefahr (Stufe 4), und vor allem im Wallis zu sehr vielen spontanen Lawinenabgängen (Abbildung 4).
Während der Niederschläge war es bei der schlechten Sicht schwierig bis unmöglich, Lawinen zu beobachten. Wertvoll waren deshalb die automatischen Lawinendetektionen, die dank Radartechnologie auch bei Nacht, Nebel und Schneesturm funktionieren. Diese Anlagen hatten im zentralen Wallis aussergewöhnlich viele Lawinen detektiert. Rekordhalter war die Anlage, die bei Zinal (VS) die steile Nordostflanke der 3310 m hohen Garda Bordon überwacht: Sie registrierte bis am Samstagmorgen insgesamt 53 (!) Lawinen (Donnerstag: 4, Freitag: 35, Samstag 14). Aber auch die Anlage zur Überwachung der Falllawine bei Saas Fee war mit 29 detektierten Lawinen am Freitag (davon 2 gesprengte) gut beschäftigt. Die meisten detektierten Lawinen waren klein und mittel, etliche auch gross. So wie man es sich vorstellt, wenn viel Neu- und Triebschnee abgelagert werden auf eine dünne, weiche Altschneedecke aus kantig aufgebauten Schneekristallen.
Einzelne Lawinen waren aber deutlich grösser, als man das bei einer dermassen dünnen Altschneedecke erwartet hätte (Abbildungen 5 und 6).
Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Deshalb lohnt es sich, immer das aktuellste Lawinenbulletin zu konsultieren. Trotzdem wagen wir hier einen kurzen Ausblick: In den Hauptniederschlagsgebieten darf erwartet werden, dass sich die Lawinensituation innert weniger Tage bereits deutlich entspannt, weil es immer weniger Orte gibt, wo das Gewicht eines Skifahrers ausreicht, um eine Lawine auszulösen. Aber wehe wenn, dann können die Lawinen nach wie vor gross werden. Anders in den Randgebieten, wo nicht ganz so viel Schnee fiel. Dort sind die neuen Schneeschichten dünner, so dass sie leichter ausgelöst werden können- aber trotzdem gross genug sind für gefährlich grosse Lawinen. Genau das sind die Zutaten für ein klassisches Altschneeproblem. Die Situation dürfte also vor allem dort für Schneesportler heikel bleiben.
Trotz vieler Lawinenabgänge wurden bis zum Samstagmittag, 24.12. keine Unfälle mit Personenschäden bekannt. Beim schlechten Wetter waren wohl auch kaum Wintersportler im freien Gelände unterwegs.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.