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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung der Orgelmusik wieder stark zu. Einige der bedeutendsten Vertreter der deutschen Orgelromantik sind Franz Liszt, Josef Rheinberger und Max Reger. In Frankreich sind allen voran César Franck, Camille Saint-Saëns, Alexandre Guilmant, Théodor Dubois, Charles-Marie Widor, Eugène Gigout und Léon Boëllmann zu nennen. Entdecken Sie hier auch weniger bekannte Orgelmusik vieler kleineren Meister aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Vincenzo Antonio Petrali (1830–1889) stammte aus einer sehr musikalischen Familie. Der junge Vincenzo konnte bereits als Elfjähriger seinen Vater an der Orgel vertreten und wirkte als Organist an der Chiesa dell’Ospedale und an der Kirche San Benedetto in Crema. Der Domkapellmeister von Cremona, Stefano Pavesi, gab ihm den ersten Kompositionsunterricht. Sein Vater schickte ihn 1846 für ein Jahr an das Mailänder Konservatorium, wo er Klavier und Komposition studierte.
In der Folge wirkte Petrali als Organist Dirigent und Lehrer an verschiedenen Städten Norditaliens: Cremona, Bergamo, Brescia, Milano. Nach seiner Rückkehr nach Crema 1860 wirkte er hier zwölf Jahre lang als Domkapellmeister und Leiter der dortigen städtischen Blaskapelle, für die er zahlreiche Kompositionen im leichten, populären Stil schrieb und viele Stücke aus italienischen, französischen und deutschen Opern arrangierte. Im Jahr 1868 heiratete er Maria Ottolini, die Tochter des Bürgermeisters von Crema, die bereits 10 Jahre später starb und ihm drei Kinder hinterliess.
Ab 1882 bis 1889 unterrichtete er die Fächer Orgel, Klavier, Harmonielehre und Generalbass am Liceo Musicale Rossini in Pesaro. 1886 kam noch das Fach Banda-Instrumentation hinzu. In dieser Zeit entstanden auch seine späten, überwiegend liturgisch geprägten Orgelwerke. Infolge einer Leber-Erkrankung, die gegen Ende 1888 bemerkbar wurde, beendete er 1889 seine Lehrtätigkeit in Pesaro und kehrte nach Bergamo zurück, wo er im Alter von 59 Jahren starb.
Zu Lebzeiten und längere Zeit danach galt Petrali als überragender Virtuose auf der Orgel und als unerreichter Improvisator auf diesem Instrument, hinzu kam seine Tätigkeit als Dirigent, Chorleiter und Banda-Leiter. Sein musikalischer Stil „an der Schnittstelle zwischen Barock und Romantik“ wurzelte in dem typischen italienischen Belcanto des 19. Jahrhunderts, welcher nicht nur die zeitgenössische Unterhaltungsmusik, sondern auch Petralis geistliche Musik in der ersten Hälfte seiner Schaffenszeit prägte. Mit der beginnenden Cäcilianischen Bewegung vollzog auch er die Hinwendung zu einem strengeren, kontrapunktischen Stil. Dabei fällt auf, dass sich dieser Stil mehr in den langsameren, meditativen Stücken findet, während schnellere Sätze eher im früheren Stil «feierlicher Fröhlichkeit» gehalten sind.
Orgelwerke von Vincenzo Petrali
Petrali komponiert eine grosse Zahl von Orgelwerke, unter anderem
- 2 Messen
- 13 Sonaten
- 25 Versetten
- Preludien, Ricercari, Toccaten, Adagios und Pastorale
- 71 Studien für die moderne Orgel
Giovanni (auch Giovan) Battista Candotti (1809–1876) war ein italienischer Komponist und Organist. Der autodidaktische Musiker war Kapellmeister an der Kathedrale von Cividale del Friuli (Udine, Nordostitalien). Er war noch ein Kind, als er von seiner Familie zum Studium in ein Priesterseminar geschickt wurde. Der grosse Fleiss, den er an den Tag legte, und die raschen Fortschritte sowohl in der Theologie als auch in den literarischen Fächern, brachten ihm eine Reihe von Preisen und Anerkennungen ein und ermöglichten es ihm, seine Studien vorzeitig abzuschliessen..
Candotti förderte eine Reform der vokalen Kirchenmusik, indem er Formen der Oper abschaffte, die zu dieser Zeit in den Kirchen Italiens stark verbreitet waren. In seinen Orgelwerken begegnet man trotzdem oft der Rossinischen und opernhaften Einflüsse, die in jenen Jahren sehr in Mode waren.
In der zweiten Periode seines Lebens war Candotti selbst gegenüber seiner eigenen Musik sehr kritisch. Bei der Erstellung seines Werkverzeichnisses vermerkte er neben vielen seiner frühen Werke auch sarkastische Kommentare über die mindere Qualität der frühen Stücke.
Orgelwerke von Giovanni Battista Candotti
Der Verlag Armelin hat 10 Hefte mit Orgelwerken herausgegeben:
- Opere per Organo, vol. 1: Sinfonie (1-8)
- Opere per Organo, vol. 2: Sinfonie (9-16)
- Opere per Organo, vol. 3: Sinfonie (17-25)
- Opere per Organo, vol. 4: Sonate (Prima Parte)
- Opere per Organo, vol. 5: Sonate (Seconda Parte)
- Opere per Organo, vol. 6: Sonate (Terza Parte)
- Opere per Organo, vol. 7: Pastorali e pezzi per il Natale
- Opere per Organo, vol. 8: Ultime Composizioni
- Opere per Organo, vol. 9: Marcie
- Opere per Organo, vol. 10: Versetti e Altre Composizioni
Philipp Wolfrum (1854–1919) wurde in Schwarzenbach am Wald, Oberfranken, geboren. Bereits in jungen Jahren erlernte er das Orgelspiel und vertrat seinen Vater bereits als Neunjähriger an der Orgel. Auch sein jüngerer Bruder Karl wurde Organist und Komponist.
Er studierte ab 1876 als Schüler von Joseph Rheinberger in München. 1878 wurde er Seminarmusiklehrer in Bamberg, 1884 Dozent und 1894 Universitätsmusikdirektor in Heidelberg, wo er 1898 zum Professor ernannt wurde. Wegen einer Nierenerkrankung begab er sich 1919 zu einer Kur nach Samedan (Oberengadin). Er starb an dieser Krankheit und wurde noch in Samedan beigesetzt.
Orgelwerke von Philipp Wolfrum
Wolfrum komponierte überwiegend Orgelmusik, die wichtigsten Werke sind:
- Sonate in b-Moll op. 1 (Joseph Rheinberger gewidmet) über Choralmelodien (1878)
- Zweite Sonate in E-Dur op. 10 (1880)
- Dritte Sonate in f-Moll, op. 14 (1883)
- 9 Orgelvorspiele zu Kirchenmelodien op. 25 (1887)
- 6 Orgelvorspiele zu Kirchenmelodien op. 27 (1888)
- 3 Tondichtungen für Orgel op. 30 (1898)
- 41 Choralvorspiele (ca. 1885)
Beitragsbild: Gedenktafel für Philipp Wolfrum in der Peterskirche in Heidelberg
Sir Edward Elgar (1857–1934) ist einer der bedeutendsten Komponisten der englischen Romantik. Er spielte schon in jungen Jahren mehrere Instrumente, z. B. Violine und Fagott. Zeitweise war er als Organist tätig, u. a. als Nachfolger seines Vaters in der St. Georgs Church in Worcester.
Elgar komponierte Sinfonien, Solokonzerte, Kantaten und Kammermusik. Für die Orgel schuf er eine Anzahl Vesper Voluntaries opus 14. Ein Zyklus von kurzen Orgelstücken zur Verwendung in den Evensongs, den Abendfeiern der anglikanischen Kirche. Zudem sind eine Sonate G-Dur op. 28 und ein Cantique op. 3 in Bearbeitung für Orgel erschienen. Beides ursprünglich Werke für Bläserensemble. Die Vesper Voluntaries erschienen 1890 in ihrer endgültigen Form.
Gabriel Urbain Fauré (1845–1924) ist hauptsächlich als Komponist von Vokal-, Klavier- und Kammermusik bekannt. Fauré spielte schon früh auf dem Harmonium, das in einer in der Nähe gelegenen Kapelle stand. Als Neunjähriger wurde er an der renommierten Niedermeyer-Schule für Kirchenmusik in Paris aufgenommen. Nach dem Tod Niedermeyers besuchte er den Unterricht bei Camille Saint-Saëns. Die beiden blieben zeitlebens sehr gute Freunde.
Fauré war Organist in Rennes und ab 1870 in Paris. Zuerst war er Stellvertreter an Saint-Sulpice, danach Chororganist an der Pfarrkirche La Madeleine. 1896 wurde er Nachfolger von Théodore Dubois als Titulaire an der Madeleine. Dieses Amt übte er bis 1905 aus. Weiterlesen
Johann Georg Herzog (1822–1909) war ein deutscher Organist und Musiklehrer. Er besuchte ab 1839 das Lehrerseminar in Altdorf bei Nürnberg, wo er auch eine umfassende musikalische Ausbildung erhielt. Mit seinen Orgelkompositionen genoss Herzog bereits in jungen Jahren Anerkennung von Christian Heinrich Rinck.
Ab 1843 wirkte Johann Georg Herzog als Organist und ab 1848 als Kantor an der Matthäus-Kirche in München. Im Jahre 1850 wurde er als Orgellehrer am Konservatorium München gewählt. Hier war auch Joseph Rheinberger sein Schüler, mit dem ihm lebenslang eine Freundschaft verband. Weiterlesen
Eugène Gigout (1844–1925) erhielt seine erste musikalische Ausbildung an der Kathedrale zu Nancy, im dortigen Knabenchor. 1857 wurde Eugène Gigout an der École Niedermeyer in Paris aufgenommen und erhielt Unterricht u. a. bei Camille Saint-Saëns. Sein Orgellehrer war Clément Loret, der ihm eine moderne, von Jacques Nicolas Lemmens begründete Spielweise vermittelte. Nach einer umfassenden Ausbildung in Gregorianik, Orgelmusik und dem Werk Johann Sebastian Bachs machte Gigout den Abschluss und blieb als Lehrer an der École Niedermeyer. Weiterlesen
Der schlesische Komponist und Kirchenmusiker Ignaz Reimann lebte von 1820-1885 und stammte aus einer Gastwirts- und Freizeitmusikerfamilie. Sehr früh kam er in Berührung mit zahlreichen Arten der volksnahen Musik und erhielt ganz nebenbei eine fundierte musikalische Ausbildung. Bereits als 12-jähriger konnte er für jeden Instrumentalisten im Kirchenorchester einspringen. Seine Leidenschaft galt aber dem Unterrichten. Er liess sich zum Lehrer ausbilden und wurde später selber zum Musikleiter im Seminar berufen. 1852 wurde ihm das Amt des Schulleiters und Kantors übertragen. Weiterlesen
Johannes Brahms (1833–1897) stammte aus einer niedersächsisch-norddeutschen Familie. Sein Vater spielte Horn und Kontrabass und trat mit kleinen Ensembles in Tanzlokalen in Hamburg auf. Durch Stundengeben, als Tanzmusiker oder als Theaterpianist musste der junge Johannes Brahms schon früh zur Ernährung seiner Familie beitragen. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Kompositionen.
1853 lernte er den Geigenvirtuosen Joseph Joachim kennen und durch diesen auch Clara und Robert Schumann. Durch Clara Schumann wurde Brahms angeregt, sich mit Orgelspiel und geistlicher Musik zu beschäftigen. Weiterlesen
Edmond Missa (1861–1910) stammte aus Reims und hatte seinen ersten Musikunterricht bei seiner Mutter, der Sängerin Marie-Louise Duval, die später Professorin für Gesang am Pariser Konservatorium wurde. Sein Cousin Louis Duval war Organist an der Kathedrale von Reims, sein Onkel Ernest Duval Organist an der Kirche Saint-Jacques. Im Alter von zehn Jahren wurde Edmond Missa als Nachfolger von Henri Dallier Organist an der Chororgel der Kathedrale von Reims. Weiterlesen