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Pfarrhaus und Umgebung
Repräsentativer Landsitz im Renaissance-Stil
Im Lützelflüher Pfarrhaus, 1655 erbaut, wohnt und wirkt Jeremias Gotthelf von 1831 bis zu seinem Tod im Jahre 1854. Im prächtigen Landsitz entsteht sein ganzes schriftstellerisches Werk.
Zwei Jahre nach dem Bauernkrieg, 1655, wird in Lützelflüh ein neues Pfarrhaus erbaut. Es präsentiert sich als Renaissance-Putzbau unter einem Krüppelwalmdach im Stile alt bernischer Landsitze mit einem grossen Garten und einem Innenhof mit weiteren Pfrundgebäuden. Die Fassade wird 1769 symmetrisiert und auf der Südseite 1778 die Ründe zugefügt.
Der Pfarrhausneubau kostet mehr, als die Obrigkeit an Mitteln bereitgestellt hat. Als der Landvogt in Bern um mehr Geld bittet, erinnern sich die Gnädigen Herren an die unbezahlten Bussen der Bauernrebellen, die sofort einzutreiben seien. Weiter wird Getreide, das im Bauernkrieg 1653 aus Sicherheitsgründen aus der Zehntenscheune des Schlosses Brandis nach Burgdorf transportiert worden war, verkauft, und aus dem Erlös Geld für den Bau überwiesen.
Von 1831 bis zu seinem Tode 1854 ist das Pfarrhaus ist Wohnsitz des Pfarrers und Schriftstellers Albert Bitzius/Jeremias Gotthelf.
Nach einem Jahr als Vikar in Lützelflüh wird Bitzius im März 1832, nach dem Ableben von Pfarrer Fasnacht, von der neuen Berner Regierung als Pfarrer der Gemeinde Lützelflüh gewählt. Im Sommer richtet er sein Haus ein. Er schreibt dazu: «Nebenbei dünkt es mich auch lustig, ein eigenes Haus zu haben und einen bleibenden Wohnsitz, lustig, alle Zimmer als mein betrachten zu können, auf Veränderungen zu grösserer Bequemlichkeit und Annehmlichkeiten zu denken und mitunter selbst Hand anzulegen.»
Am 8. Januar 1833 führt er Henriette Zeender als Braut ins Pfarrhaus, die Enkelin seines Vorgängers. Bald einmal erklingt im Haus fröhliches Kinderlachen, denn am 10. November 1834 wird Marie Henriette geboren, am 6. November 1835 der «Kronprinz» Bernhard Albert und am 16. Mai 1837 das Nesthäkchen Constantia Sophia Caecilie, Cécile genannt.
In seinem Studierzimmer im ersten Stock, bei schönem Wetter in der Laube auf der Ostseite des Pfarrhauses, schreibt Jeremias Gotthelf all seine Romane, Erzählungen und Novellen und erledigt seine Korrespondenz. Er führt ein offenes Pfarrhaus und ist ein grosszügiger Gastgeber.
Autorin: Verena Hofer; Quellen/Literatur: Max Frutiger: «Die Gotthelf-Kirche in Lützelflüh», Langnau: Berner Zeitung AG 1974; Jürg Schweizer: «Kunstführer Emmental», Wabern: Büchler-Verlag 1982; Karl Fehr: «Jeremias Gotthelf», Zürich: Büchergilde Gutenberg 1954.