Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03220.jsonl.gz/1858

Das Olympische Dorf war ein städtebauliches Experiment. Es wurde entworfen als „Stadt in der Stadt“ und sollte auch nach der Nutzung während der Olympischen Spiele alle Funktionen des täglichen Lebens erfüllen. Folglich finden sich hier neben Wohnungen auch Einkaufsmöglichkeiten, Schule und Kindergärten und kulturelle Einrichtungen. Besonderen Wert gelegt wurde auf Spielmöglichkeiten für Kinder. Die Architekten beauftragten die Münchner „Pädagogische Aktion“, die sich vor einem kunstpädagogischen Hintergrund bereits im Vorfeld mit der Entwicklung von Spielsituationen in Städten beschäftigt hat. Neben Spielplätzen wurde besonders darauf geachtet, dass die Anlage insgesamt durch abwechslungsreiche Gestaltung zum Spielen einlädt.
Die Wohnanlagen sind in der Straßbergerstraße, Nadistraße und Connollystraße jeweils von Norden her terrassenförmig angelegt und schirmen gemeinsam mit der hohen Bebauung im Helene-Mayer-Ring die Wohnbereiche vom Lärm der stark befahrenen Moosacher Straße und Lerchenauer Straße ab. Höchstes Gebäude ist mit 88 Metern Höhe der Olympia Tower
. Jeweils nach Süden hin zu den Grünfingern nimmt die Gebäudehöhe von 6- bis 12-geschossigen Bauten des Hochbereichs bis hin zu eingeschossigen Bungalows im Flachbereich ab.
Das Olympische Dorf ist an der Oberfläche autofrei gestaltet; die vier Erschließungsstraßen Straßbergerstraße, Nadistraße, Connollystraße und Helene-Mayer-Ring sind vollständig eingehaust und vermitteln den Eindruck eines Tunnelsystems. Die Architektur ist formal von stark einheitlichen Strukturen geprägt. Mit Ausnahme der Anlagen im Helene-Mayer-Ring und im ehemaligen Frauendorf sind die Wohneinheiten in einem Rastermaß von 3,75 m angelegt. Die Balkone in Süd-/West-Ausrichtung sind durchgehend stufenförmig und großzügig mit Pflanztrögen ausgestattet. Nicht zuletzt diese terrassenförmige Anlage, die zu einer Verkleinerung der Grundrisse zu höheren Stockwerken hin erzwingt, führt dazu, dass im Olympischen Dorf trotz formaler Ähnlichkeit eine Vielzahl verschiedener Wohnungen verfügbar sind.
Auffällig ist die Gestaltung der Laufwege. Die Einkaufsmöglichkeiten liegen zentral angeordnet in der von den Dorfbewohnern so genannten Ladenstraße im Helene-Mayer-Ring. Auf dem Weg von der U-Bahn in die Wohnung geht man zwangsläufig durch die Ladenstraße. Zwischen den Gebäuden im Flachbereich gibt es ein Geflecht an Wegen in die Grünfinger hinein. Dieses Wegenetz bietet effiziente Querverbindungen zwischen den Straßen, sodass jeder Punkt im Dorf binnen wenigen Minuten zu Fuß erreicht werden kann.
Im Olympischen Dorf gehören Brunnen zum Straßenbild. Der größte Brunnen ist der Nadisee
mit ca. 30 m Durchmesser. Dort finden gelegentlich Festivitäten statt, und an Sommertagen ist er Anlaufpunkt für Kinder und Familien.