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Das Sozialverhalten von Kampffischen ist immer wieder Gegenstand von Studien. Vor allem das Kampfverhalten der Männchen ist dabei von Interesse, aber auch etwaige Dominanzhierarchien, die Partnerwahl oder auch das Kommunikationsverhalten. In der hier beschriebenen Studie wurde nun in einem Wahlversuch genauer angeschaut, ob Kampffische bestimmte Vorlieben für Sozialpartner haben. Das ist eine interessante Frage, gelten Kampffische doch als eher unsozial und meist unverträglich.
Was will der Kampffisch?
Für das Wahlexperiment wurde ein Aquarium in drei Abteile unterteilt. Im mittleren und grössten Abteil waren zusätzlich undurchsichtige Raumteiler so platziert, dass das linke und rechte Abteil für den Fisch nicht gleichzeitig einsehbar war.
Interessiert hatte die Forscher, wie die Kampffische beiderlei Geschlechts auf andere Weibchen und Männchen reagieren: Ob sie ihre Artgenossen meiden oder sich lieber in ihrer Nähe aufhalten. Dazu präsentierten sie jeweils einem Kampffisch (weiblich oder männlich), der für die Tests ins mittleren Abteil eingesetzt wurde, fünf verschiedene Wahl-Situationen mit folgenden Konstellationen im rechten bzw. linken Abteil:
1) leeres Abteil vs. Abteil mit 1 Weibchen,
2) leeres Abteil vs. Abteil mit 3 Weibchen
3) leeres Abteil vs. Abteil mit 1 Männchen
4) 1 Weibchen vs. Abteil mit 3 Weibchen
5) 1 Männchen vs. Abteil mit 3 Weibchen
Notiert wurde, wie lange sich der Fokusfisch jeweils in der Nähe des linken oder des rechten Abteils. Zudem wurde das Aggressionsverhalten erfasst.
Es zeigte sich, dass sich sowohl die weiblichen als auch die männlichen Kampffische in den meisten Fällen auf der Seite zum Abteil hin aufhielten, wo ihre Artgenossen schwammen. Allerdings gab es Unterschiede zwischen den Geschlechtern, welche Artgenossen bevorzugt wurden.
Damenwahl
Die Weibchen bevorzugten es stets, in der Nähe ihrer weiblichen Artgenossen zu sein. Sie bevorzugten auch die grössere Gruppe gegenüber einem einzelnen Weibchen. War ein Männchen anwesend, mieden die Weibchen das Abteil mit dem Männchen und bevorzugten das andere Abteil, auch wenn dieses leer war. Dies hat möglicherweise damit zu tun, dass Weibchen immer wieder mal von Männchen verfolgt werden und sie diesen daher eher ausweichen.
Herrenwahl
Ein Weibchen alleine hatte keinen Einfluss auf die Seitenwahl der Männchen, mehrere Weibchen zogen hingegen die Männchen an. Hatten die Männchen die Wahl zwischen mehreren Weibchen und einem einzelnen Weibchen, wählten sie wie die Weibchen die grössere Gruppe. Viele Fischarten bevorzugen grössere Gruppen, da sie Vorteile bieten können wie beispielsweise mehr Fortpflanzungspartner oder eine bessere Feindabwehr. Im Gegensatz zu Weibchen hielten sich die Männchen bevorzugt in der Nähe anderer Männchen auf. Wenn allerdings gleichzeitig Weibchen im anderen Abteil anwesend waren, hielten sie sich gleich häufig in der Nähe beider Abteile auf.
Das Ausmass an aggressivem Drohverhalten war zwischen den Männchen am grössten. Interessanterweise sanken die Aggressionen zwischen den Männchen, wenn Weibchen im anderen Abteil schwammen. Die Weibchen untereinander zeigten wenige Aggressionen, ebenso die Männchen gegenüber den Weibchen.
Sozialkontakte auch für eine territoriale Art wichtig
Kampffische sind wohl keine Gruppen- oder Schwarmfische. Die Studie hat aber gezeigt, dass sie ein gewisses Mass an Geselligkeit entwickeln, wenn sie Zugang Artgenossen haben. Interessant auch, dass Weibchen einen mildernden Einfluss auf das Ausmass an aggressiven Verhalten der Männchen hat. Die Autoren weisen zum Schluss darauf hin, dass es wünschenswert wäre, mehr über das Sozialverhalten von wilden Kampffischen zu wissen. Vor allem auch zum Verhalten ausserhalb der Fortpflanzungszeit. Leider gibt es bisher kaum Angaben dazu. Immerhin weiss man, dass sich wilde Kampffischmännchen für den Nestbau in einem Gebiet zusammenfinden, dort Territorien errichten und um die Weibchen buhlen, also durchaus sozialen Umgang pflegen (siehe Sozialleben im Artportrait vom Kampffisch).
Kommentar Fischwissen
Eine Einzelhaltung von Kampffischen ist nicht artgerecht. Wie Kampffische in Gruppen zu halten wären, ist in dieser Zusammenfassung der Studie von Goldstein (1975) beschrieben:
Zudem ist es in diesem Zusammenhang natürlich wichtig, das Aggressionsverhalten der Kampfische zu verstehen. Dazu mehr in der Zusammenfassung der Studie von Bronstein (1982):