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Der hier vorliegende Sammelband bildet nur einen Auszug aus den vielen Bänden der im Laufe der Jahre niedergeschriebenen Notizen. Canettis Aufzeichnungen, oft nur wenige Zeilen, selten mehrere Seiten umfassend, sind Protokolle eines strengen Denkprozesses, in denen der Leser die Entstehung und Verwandlung von Ideen, Beobachtungen und Erinnerungen auf eine unmittelbare und faszinierende Weise verfolgen kann. Sie sind nicht Tagebuchnotizen und Aphorismen, die - wie bei manchem Autor der Weltliteratur - neben anderen Büchern entstanden und später zu Ruhm gekommen sind, sondern das Ergebnis eines eigenen, ständig fortgeführten Arbeitsprozesses. Canetti sagt selbst, es sei »ein besonderer Teil seines Lebens in diese Aufzeichnungen gegangen«. So beanspruchen sie den Status eines eigenständigen Werkes und stellen ein Buch dar, das Zeile für Zeile den zum Nachdenken bereiten Leser in Spannung hält.
Rezension
"Den Erfolg dieses überaus komplizierten Textes, der trotz des Trends zum soziopolitischen Handbuch nicht mit einem ideologischen Katechismus liebäugelt, erklärt Canetti denkbar einfach: 'Mir geht es hier nicht um Formulierfreude als Selbstzweck, das wäre ja eine simple literarische Eitelkeit, ich will vielmehr mit einfachen Worten, aber glasklaren Gedanken die Leute überzeugen, dass ich nicht nur schreibe, sondern den Dingen wirklich nachspüre'." (Der Abend)
Portrait
Elias Canetti, geboren 1905 in Rustschuk/Bulgarien - verstorben 1994 in Zürich. 1911 zog seine Familie nach England und 1913, nach dem Tod des Vaters, nach Wien. Hier studierte Canetti bis 1929 Naturwissenschaften und promovierte in Philosophie. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahre 1994 als freier Schriftsteller in Zürich. Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen bedacht. 1981 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Zu seinen herausragenden Werken zählen neben dem Roman 'Die Blendung', seine Autobiographie sowie seine gesammelten Aufzeichnungen aus den Jahren 1942-93.