Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03179.jsonl.gz/2681

In den frühen Morgenstunden des 31. August 1997 erfährt Prinz Charles, 69, per Telefon vom Unfall seiner Ex-Frau Diana im Pariser Alma-Tunnel. Zu diesem Zeitpunkt gibt es bereits ein erstes Todesopfer zu beklagen: Dodi Al-Fayed, †42. Charles weilt mit seinen Kindern, der Queen und anderen Mitgliedern der königlichen Familie gerade in den Sommerferien auf Schloss Balmoral in Schottland.
Diana sei noch am Leben, wird dem Royal gesagt. «Geht es ihr gut», soll er gefragt haben. «Wir glauben schon», berichtet ihm sein Privatsekretär. Doch kurz darauf die traurige Gewissheit: Lady Diana ist tot und hat den schweren Unfall nicht überlebt. Die Königin der Herzen stirbt im Alter von 36 Jahren.
Charles sieht noch in der Nacht die Monarchie dem Untergang geweiht, da die Bevölkerung ihm die Schuld für den Tod Dianas geben werde, glaubt er. Und in der Tat: Einige betrachten Charles als Sündenbock in der Tragödie. Hätte er sich nicht in eine Affäre mit seiner Jugendliebe Camilla, 71, gestürzt, dann wäre es nie so weit gekommen und dann hätten Prinz William, 36, und Prinz Harry, 34, ihre Mama nicht so jung zu Grabe tragen müssen, sind einige überzeugt.
Manche scheinen aber zu übersehen: Auch Charles trauert - zum einen um die Frau, mit der er trotz vieler Krisen einige Jahre seines Lebens verbracht hat, und zum anderen um die Mutter seiner Kinder.
«Warum ich?»
Nach Rücksprache mit der Queen entscheidet die Familie, die beiden Söhne nicht aus dem Schlaf zu reissen und ihnen erst am Morgen die Hiobsbotschaft zu überbringen. «Desorientiert, schwindelig und verwirrt» habe sich William gefühlt, sagte er anlässlich Dianas 20. Todestages in einer Dokumentation über den Moment, als sein Vater ihm vom Tod der Mutter erzählt. «Ich erinnere mich, dass ich mich wie betäubt fühlte und mich ständig fragte: Warum ich? Was habe ich getan?»
Seinem jüngeren Bruder Harry geht es nicht anders: «Ich weigerte mich, das zu akzeptieren.» Und er ergänzt: «Mein Vater musste genauso Trauer bewältigen.» Gleichzeit habe er dafür gesorgt, sie zu beschützen und sich um sie zu kümmern. «Es ist eines der schwierigsten Dinge im Leben für einen Elternteil, den Kindern sagen zu müssen, dass der andere Elternteil gestorben ist», verteidigt er seinen Vater, der Kritik über sein Verhalten hat einstecken müssen.
«Da warten Menschen draussen, die sie lieben»
Noch am selben Tag, als Diana stirbt, verlässt Charles Schottland und reist zusammen mit Dianas Schwestern - ihr Bruder, Earl Spencer, weilt zu diesem Zeitpunkt in Südafrika - nach Paris, um die Verstorbene nach Hause zu bringen. Am frühen Abend erreicht er das Spital und bittet die Angestellten, einen Moment mit seiner Ex-Frau alleine zu sein, wie aus einem Protokoll der «Daily Mail» hervorgeht.
Er habe geweint, erinnert sich der Sprecher des Spitals, Thierry Meresse. Ob Charles einen Helikopter wolle, um Diana zum Flugzeug zu bringen, habe Meresse vorgeschlagen. «Nein, sie kam mit dem Auto und soll das Spital auch mit dem Auto verlassen. Da warten Menschen draussen, die sie lieben», soll Charles ihm entgegnet haben. Und so verlässt ein sichtlich nervöser Charles - er spielt mit seinen Manschettenknöpfen - das Spital mit dem Sarg, in dem Diana liegt.
Ein Moment privater Trauer
Zunächst führt ihn die Reise nach London, wo der Sarg in eine Leichenhalle kommt und Diana von ihren Schwestern offiziell identifiziert wird. Charles fliegt umgehend zurück nach Schottland, um seinen Kindern zur Seite zu stehen. Dort bleibt die Trauerfamilie auch noch - trotz Forderung der Öffentlichkeit, nach London zurückzukehren und mit allen anderen zu trauern. Ein richtiger Entscheid, steht Harry erneut für seinen Vater ein. So bleibt ihnen, die unter ständiger Beobachtung stehen, noch ein Moment der ganz privaten Trauer.
Es wird deutlich - an den Tagen zwischen Todesnachricht und Beerdigung, an der Beerdigung selbst und auch danach: Charles ist nicht der Mann, der seine Emotionen nach aussen trägt.
Er trauert im engsten Kreise und stellt seine Söhne in den Mittelpunkt - wie auch in dieser Rede gut zwei Wochen nach den Geschehnissen. Er spricht über William und Harry, wie stolz er auf sie sei und wie tapfer sie mit der Situation umgehen. Es geht um die Kinder, die ihre Mutter verloren haben, und nicht um ihn, der aber genauso um einen Menschen trauert.
Lesen Sie im fünften Teil: Charles und Camilla - eine Liebe mit Hindernissen.