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Übertragungswege, Krankheitssymptome und -verlauf, Therapie bei Erkrankung sowie History zur Krankheit – lesen Sie hier.
Übertragungswege
Beim aktuellen Ausbruch wird die Krankheit hauptsächlich von Mensch zu Mensch durch engen Kontakt mit einer infizierten Person übertragen, über:
- Haut und Schleimhäute (zum Beispiel Auge, Nase, Mund, Geschlechtsorgane),
- Bläschen und Hautverletzungen (infiziertes Sekret oder Blut),
- Atemwegssekrete oder grosse Atemwegströpfchen oder
- indirekt via kürzlich kontaminierte Gegenstände (zum Beispiel Bettwäsche, Handtücher, Kleider, Hygieneartikel, Türgriffe).
Nicht gesichert ist derzeit, ob Affenpocken auch durch Sperma oder Vaginalsekret verbreitet werden können. Gesichert ist jedoch, dass das Virus durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt auch während sexueller Aktivitäten übertragen werden kann. Deshalb kann sexueller Kontakt mit einer erkrankten Person die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Mensch zu Mensch erhöhen. Es scheint, dass momentan insbesondere (aber nicht ausschliesslich) Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), ein erhöhtes Risiko einer Ansteckung haben.
Die Krankheit kann prinzipiell von allen Menschen bei engen Kontakten übertragen werden. Die genauen Übertragungswege beim aktuellen Ausbruch werden wissenschaftlich untersucht.
Krankheitssymptome
Häufige Symptome der Krankheit sind:
- Akuter Hautausschlag oder einzelne Läsion (Bläschen, danach Pusteln und schliesslich Krusten, ähnlich wie bei Pocken).
- Kopfschmerzen
- Akut auftretendes Fieber (>38,5°C)
- Lymphadenopathie (geschwollene Lymphknoten)
- Myalgie (Muskel- und Körperschmerzen)
- Rückenschmerzen
- Asthenie (ausgeprägte Schwäche)
- Proktitis (Entzündung der Schleimhaut des Mastdarms)
- Balanitis (Entzündung der Peniseichel)
Folgende Differentialdiagnosen (Aufzählung ist nicht abschliessend) können das klinische Bild eines akuten Exanthems ebenso erklären:
- allergische Reaktion (zum Beispiel auf Pflanzen)
- bakterielle Hautinfektionen,
- Chancroid (Ulcus molle),
- Chikungunya,
- Dengue,
- disseminierte Gonokokkeninfektion,
- Granuloma inguinale,
- Herpes simplex,
- Herpes zoster,
- Lymphogranuloma venereum,
- Masern,
- Molluscum contagiosum,
- primäre oder sekundäre Syphilis,
- Varizella zoster,
- Zika
- und alle anderen lokal relevanten häufigen Ursachen von makulopapulösem oder blasigem Effloreszenzen
Ein Fall ist umso wahrscheinlicher, wenn eine oder mehrere der folgenden Bedingungen erfüllt sind:
- eine epidemiologische Verbindung zu einem Verdachts- oder bestätigten Fall von Affenpocken in den letzten 21 Tagen vor dem Auftreten der Symptome;
- enger und langer Körperkontakt in den letzten 21 Tagen vor Symptombeginn, insbesondere bei wechselnden und/oder anonymen Sexualpartnerinnen/-partnern;
- direkter, enger Körperkontakt in den letzten 21 Tagen vor Symptombeginn mit einem Mann, der Sex mit Männern hat;
- Teilnahme an Veranstaltungen mit direktem engem Körperkontakt (insbesondere Haut- und Schleimhautkontakt).
Krankheitsverlauf
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel fünf bis 21 Tage. Der Zeitraum der Infektiösität ist noch nicht abschliessend festgelegt. Wahrscheinlich beginnt die Infektiosität mit dem Auftreten von Symptomen und sinkt stark ab, sobald die Hauteffloreszenzen verheilt sind und sich eine neue Hautschicht gebildet hat.
Die Symptome und Krankheitsverläufe sind in der Regel mild und können von den in endemischen Gebieten beschriebenen Symptomen abweichen. Nicht selten verläuft die Krankheit oligosymptomatisch, und es fehlt der in früheren Fällen beschriebene typische Hautausschlag. Ebenso können nur wenige oder sogar nur eine einzige Läsion (im Genital- oder Perianalbereich beginnend und sich nicht weiter ausbreitend) oder Läsionen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien auftreten. Bei einigen Patienten können auch sexuell übertragbare Infektionen (STI) vorliegen, die entsprechend getestet und behandelt werden sollten.
Zum aktuellen Zeitpunkt sind keine Langzeitfolgen einer Affenpockeninfektion bekannt. Immungeschwächte Personen sowie Säuglinge, Kinder und Schwangere scheinen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf zu haben.
Therapie bei Erkrankung
Das antivirale Arzneimittels Tecovirimat ist in der Schweiz verfügbar. In Zusammenarbeit mit der Armeeapotheke ist der Bund daran, weitere 500 Behandlungseinheiten zu beschaffen.
History zur Krankheit
1970 wurde das erste Affenpockenisolat bei einem Kind in der Demokratischen Republik Kongo identifiziert. Seither wurden sporadische Ausbrüche von Affenpocken gemeldet, vorwiegend in Zentral- und Westafrika. Bis Mitte Mai wurden ausserhalb Afrikas Affenpockeninfektionenbei Menschen selten nachgewiesen. Und die wenigen der damals nachgewiesenen Fälle hatten eine Reiseanamnese in ein Risikogebiet in Zentral- oder Westafrika.
Das Affenpockenvirus ist eine Zoonose und gehört zur Gattung der Orthopoxviren aus der Familie der Poxviridae. Auf dem afrikanischen Kontinent einheimische Nagetiere scheinen ein natürliches Reservoir für das Virus darzustellen.
Zur Gattung der Orthopoxviren gehören auch das Vaccinia-Virus, Kuhpocken-Virus, Variola-Virus und mehrere andere Poxviren.
Durch genomische Sequenzierung konnten beim Affenpockenvirus zwei phylogenetisch unterschiedliche Kladen (Varianten) identifiziert werden. Seit dem 12. August 2022 werden diese gemäss WHO als Klade I (Kongobecken, Zentralafrika) und Klade II (Westafrika) bezeichnet. Sequenzierungsdaten zeigen, dass im aktuellen Ausbruch in Europa und Nordamerika vorwiegend die Klade II zirkuliert.
Letzte Änderung 14.10.2022