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Die Arbeiten Mario Garcia Torres' sind inspiriert von der Geschichte und den Geschichten der Kunst, die er als faktisches Ausgangsmaterial in neue Narrationen und mögliche Wendungen bekannter Werke verwandelt. In diesen verwendet er die „klassischen“ Erkennungszeichen von Kunst: Konzeptstrategien, die Wort und Bild verbinden, Malerei, Fotografie, Film, Video, Performance und Installation.
Die Arbeit Transparencies of the Non-Act (2007) kreist um den Konzeptkünstler Oscar Neuestern, dessen Werk das Nichthandeln, die Abwesenheit des Artefaktes und das Absolute anstrebt, aber in seinen poetischen und radikalen Formen scheitert, da die Geschichtsschreibung das Aufspüren von Fakten und den Beweis seiner künstlerischen Existenz und Bedeutung nicht ruhen lassen kann. Wie Neuestern liefert Mario Garcia Torres „Fakten“ künstlerischer Aktivität und verifizierbarer Produkte: Er verspricht seine Arbeit in einer fortlaufenden Folge von Briefen aus Hotelzimmern an einen Sammler „gut“ zu machen (I promise.., ab 2004). Er schreibt seinen Namen, wie Bruce Nauman den seinen auf dem Mond mit Neon, von einer fliegenden Untertasse in einem Video geschrieben in das Weltall ein; er lässt mexikanische Keramikarbeiter ihre Notizen auf Kacheln wie die unzähligen Konzept-Listen alltäglicher Handlungen von Künstlerinnen und Künstlern in die Geschichte der Konzeptkunst einreihen (Ceramica Suro, ab 2008), konstatiert das Fehlen und Auffinden einiger Werke Ed Ruschas This Painting is Missing / This Painting has been found (ab 2006), trägt ein Diapositiv in seiner Tasche, um unwillkürliche Bilder zu produzieren (A Pocket Scratching Piece, 2008) oder verbindet Filmgeschichte und Kunstgeschichte in der Überlagerung von Titeln und performativen Akten (Shot of Grace [With Alighiero Boetti Hair Style], 2004).
Mario Gracia Torres’ Werke überdenken Geschichte und lenken die Aufmerksamkeit auf meist „unsichtbarere“ Elemente historischer Narrationen. Hauptsächlich umgeben von Künstlermythen der vergangenen Jahrzehnte, wird in seinen Arbeiten sowohl Erinnerung revidiert, als auch verschüttetes Wissen in eine Poetik des Nebensächlichen und Verschwundenen übertragen.
Mario Garcia Torres formuliert die Fragilität gesellschaftlicher Produktion von Wissen wie Realität. Er setzt die Module und Modelle des Produktiven ein, um das Verschwundene oder nicht mehr zu Findende, die An- und Abwesenheit des Subjekts im Zusammenspiel von Fakten und Fiktionen zu erforschen. Seine Arbeiten stellen in performativen Szenarien Fragen danach, wie faktische Geschichte realisiert wird und welche Fiktionen ununterscheidbar von ihnen sind. Was ist wahr? Was fehlt? Was ist da? Was ist versprochen? Was hat sich aufgezeichnet?
Die Kunsthalle Zürich dankt: Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Luma Stiftung