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Die Entwicklung der Matura
Die Akademie Heilig Kreuz erübrigt sich, als die Universität Freiburg im Herbst 1905 Studentinnen zum Studium zulässt, vorausgesetzt sie verfügen über ein Freiburger Maturitätszeugnis oder sie bestehen eine entsprechende Aufnahmeprüfung. Diese Bedingung erfüllen zu jener Zeit nur wenige Frauen. Es liegt also auf der Hand, dass die Einrichtung einen neuen Zweck erhält. 1909 wird das kantonale Mädchengymnasium gegründet, und 1916 werden die abgegebenen Maturitätszeugnisse eidgenössisch anerkannt.
Der gymnasiale Ausbildungsgang dauert sieben Jahre. Der Fächerkanon ist traditionell. Unter anderem beinhaltet er Latein, Mathematik, Naturwissenschaften, Sprache, Geschichte und Geografie. In den unteren Klassen sind die Schülerinnen nach Sprachen getrennt, wohingegen sie in der Oberstufe sprachlich gemischt sind. Die Lehrerpersonen unterrichten in ihrer jeweiligen Muttersprache. Jede Schülerin hat das Recht, in ihrer Sprache zu antworten und die Prüfungen zu schreiben. Dieses Prinzip des bilingualen Unterrichts wird nach 1958 aufgrund einer veränderten Schülerzusammensetzung aufgegeben.
Während langer Zeit bietet das Gymnasium lediglich einen altsprachlichen (Typus A) und einen neusprachlichen (Typus B) Unterrichtszweig an. Kurz nach 1970 wird das Ausbildungsspektrum um Typus C und 1990 um Typus D erweitert. Es ist also noch gar nicht so lange her, dass das Kollegium Heilig Kreuz alle Maturitätszweige anbietet. Wie bei den anderen kantonalen Gymnasien hängt diese Entwicklung mit der Verstaatlichung der Schule zusammen, die Anfang der 1970er-Jahre eingeleitet und in den 80er-Jahren besiegelt wird.
Mit ihrer Ausbildung wollen die Menzinger Schwestern jungen Frauen nicht allein den Zugang zur Universität ermöglichen, sondern sie auch auf ihre zukünftige Rolle als Ehefrau, Hausfrau und Mutter vorbreiten – auf die Rolle einer nach christlichen Grundsätzen handelnden Familienfrau wohlverstanden. Diesem Erziehungsziel ordnen sie die praktischen und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten sowie den Religionsunterricht unter. Die drei Bereiche „Kopf“, „Hand“ und „Religion“ durchdringen den Unterricht und das interne Zusammenleben während der gesamten Anwesenheitsdauer der Menzinger Schwestern in Freiburg. Daran ändert sich auch nichts, als sie ab den 1960er-Jahren angesichts zunehmenden Protests gezwungen sind, ihre pädagogischen Ziele zu überprüfen und sich der modernen, sich im Umbruch befindenden Aussenwelt zu öffnen.
Die Durchführung der Maturitätsprüfungen obliegt bis 1975 der sog. Studienkommission. Danach wird sie durch die sog. Maturajury ersetzt. Dies geschieht in einer Zeit, in der man vieles in Frage stellt und man infolgedessen vieles reorganisiert und einige der bisherigen Gepflogenheiten aufgibt. Im Verlauf von 30 Jahren werden der Lehr- und Stundenplan mehrmals umfassend überarbeitet. Bisher praktizierte pädagogisch-didaktische Unterrichtskonzepte werden einer kritischen Prüfung unterzogen. Themen wie „Lehrerzentrierung“ und „Vermittlung von enzyklopädischem Wissen“ stehen zur Diskussion. Parallel dazu schreitet die Entwicklung der modernen Informationstechnologien voran. 2000 halten der Computer als pädagogisch-didaktisches Hilfsmittel und damit verbunden digitale Medien Einzug in den Unterricht. Mit Anbruch des 21. Jahrhunderts führt kein Weg mehr daran vorbei, die Stellung der Lernenden im Ausbildungsprozess neu zu definieren, vom Frontalunterricht und der Wissensvermittlung nach dem Modell des Nürnberger Trichters abzurücken und stattdessen mehr Wert auf die Erziehung zu Selbständigkeit und kritischem Denken zu legen.
Ein neuer Abschnitt wird in der Kollegiumsgeschichte – wie in der Schweizer Bildungslandschaft überhaupt – mit dem Maturitätsanerkennungsreglement von 1995 (MAR), der sog. Neuen Matura eingeleitet. Der erste Jahrgang, der nach dem neuen Reglement ausgebildet wird, tritt 1999 in das Kollegium ein und schliesst 2003 ab. Mit diesem Zeitplan zieht das Kollegium mit der Mehrheit der Schweizer Gymnasien gleich.
Für die Lehrpersonen wie für das gesamte Kollegium überhaupt ist die Maturitätsreform von grosser Tragweite: Die neuen Ausbildungszweige, die Einführung der Maturaarbeit, die gleichzeitig mit den Kompetenzbereichen zu überarbeitenden Lehrpläne sämtlicher Fächer … all dies erfordert viel Planungs- und Umsetzungsarbeit. Die Reform gibt neben anderen Impulsen den Anstoss zur Wiedereinführung zweisprachiger Klassen – zuerst eine Klasse pro Jahrgang, und schon bald sind es zwei. Sie setzen im zweiten Studienjahr ein und sehen den Unterricht in Deutsch und Französisch vor. Die Lehrpersonen dieser Klassen unterrichten in ihrer jeweiligen Muttersprache. Zum Schuljahresbeginn 2014/15 wird der Ausbildungszweig „Bilinguisme renforcé„ eingeführt, der den Besuch zweisprachigen Unterrichts bereits ab dem ersten Studienjahr ermöglicht.
Nach mittlerweile mehr als zehnjähriger Erfahrung mit der neuen Matura hat man sich daran gewöhnt, und das neue Reglement führt in den Lehrplänen nur noch selten zu Teilkorrekturen oder kleineren Anpassungen.