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Die Bestrebungen nicht nur das aus dem 16. Jahrhundert stammende Wirtshaus, sondern auch den kulturgeschichtlich ebenso wichtigen Saalanbau von 1904 zu erhalten, werden durch ein Gutachten der Kantonalen Denkmalpflege-Kommission (KDK) stark unterstützt.
Untersuchungen haben ergeben, dass das Haupthaus 1575 erbaut worden ist, wie eine heute nicht mehr sichtbare Jahreszahl im Giebel längst vermuten liess. Es handelt sich um einen Blockbau, der allerdings durch spätere Umbauten eher das Aussehen eines Hauses aus dem 18. Jahrhundert erhalten hat. Wie sich der Bau zum heutigen Haus mit verputzten Fassaden entwickelte, wird der Bericht über die eingehenden Untersuchungen zeigen, die die Kantonale Denkmalpflege durchgeführt hat. Um 1904 ist ein stattlicher Tanzsaal angebaut worden. Er trägt noch die traditionellen Züge der Saalbauten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Solche Tanzsääle waren einst bei den grösseren Wirtshäusern in fast jedem Dorf zu finden, sie sind jedoch in jüngster Zeit meistens sehr verändert oder abgebrochen worden. Sie zeugen vor allem von der im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmenden gesetzlichen Erlaubnis Tanz- und andere Vergnügungsveranstaltungen durchzuführen. Das Vereinswesen hat sich in dieser Zeit in den Dörfern sehr entwickelt.
Der Tanzsaal von 1904 ist ein spätes Beispiel der vor allem seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bei fast jedem grösseren Dorfwirtshaus entstandenen, heute aber meistens veränderten oder abgebrochenen Saalbauten.
Die einstige Bedeutung der Wirtshäuser für das Sozialleben wird in einer Publikation über die Verhältnisse andernorts im Kanton Zürich treffend mit den Worten zusammengefasst: "Das Wirtshaus war neben der Kirche einer der wichtigsten Treffpunkte für die Dorfbevölkerung und übte zentrale Funktionen innerhalb der dörflichen Gesellschaft aus" (Katja Hürlimann 1998, Öffentlicher Konsum in Wirtshäusern, Soziale Funktion des Konsums in den Zürcher LandvogteienGreifensee und Kyburg im 15./16. Jahrhundert ). Dies gilt weitgehend auch für die folgende Jahrhunderte und manche soziale Funktion blieb weiterhin bestehen.
Zentrum von Knonau. Links (rot) aktueller Plan / Rechts (grün) Ausschnitt aus der Landeskarte 1956-65. Die Pfeile weisen auf den schutzwürdigen, ehemaligen Gasthof Adler
Der Adler profitierte von Anfang an von der Landstrasse, die von Zürich über den Albis in die Innerschweiz führte. Es handelt sich dabei in Knonau um die Obere Dorfstrasse auf der Südwestseite des Hauses. Die breite Hauptstrasse auf der Traufseite die heute durch das Dorf und hinaus zur Zürcherstrasse führt, ist erst in der zweiten Hälfte des letzen Jahrhunderts angelegt worden. Seitwärts hinter dem Adler stand einst eine Scheune, deren Dachboden, solange noch ein richtiger Saal mangelte, zum Tanzen diente. Die Scheune ist am 3. Februar 1893 abgebrannt und durch eine neue ersetzt worden, die dann offenbar nur vier Jahre später ebenfalls einem Brand zum Opfer fiel. Ihr Ersatz blieb stehen, bis er dem Bau der neuen Dorfstrasse weichen musste. Vorteilhaft für das Wirtshaus war natürlich auch, dass zu Beginn des 16. Jahrhunderts Knonau Sitz einer Landvogtei Zürichs wurde.
Vor vier Jahren drohte ein Abbruch des Adlers, obwohl er als kommunales Schutzobjekt inventarisiert war. Es schien nicht nur den Besitzern, sondern auch Behördemitgliedern das Haus sei nach Wassereinbrüchen wohl nicht mehr zu retten und der Tanzsaalanbau – jedenfalls in seinem heruntergewirtschafteten Zustand – ohnehin nicht schutzwürdig. Eine Generalunternehmung plante die ganze Liegenschaft zu kaufen und Neubauten zu erstellen, allerdings nur, wenn sichergestellt sei, dass auch der Zürcher Heimatschutz die Schutzwürdigkeit verneine und es deshalb nicht wie in einem anderen Fall, in dem sich der Heimatschutz erfolgreich gegen ein Projekt gestemmt hatte, zu Auseinandersetzungen kommen könne.
Bei einer genaueren Untersuchung des Gebäudekomplexes stellte sich dann heraus, dass das Wirtshaus keineswegs so baufällig war, wie auf den ersten Blick die heruntergestürzten Gipsdecken in den Dachkammern vermuten liessen. Zudem ergab sich, dass es sich interessanterweise beim ursprünglichen Haus weder um einen Riegel-, noch um einen Bohlenständerbau handelte, wie bei älteren Gebäuden im Knonaueramt üblich, sonderm um eine Blockbaukonstruktion. Wie wichtig genaue Untersuchungen sind, zeigte sich auch bei einem Blick in die Schriftquellen. Die Einträge in den Büchern der Gebäudeversicherung erwähnen fälschlicherweise während einer langen ersten Periode überhaupt keine Holz- sondern nur Riegelwände und Mauern. Was die Besitzverhältnisse betrifft, wurde in einem ausführlichen Artikel im Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern behauptet, die Vertreter der Familie Syz seien seit dem Bau im 16. bis in die Mitte des 19. Jahhunderts Eigentümer gewesen, was jedoch die Grundprotokolle widerlegen, die erst 1752 den Kauf des Adlers durch einen Syz, nämlich durch den Untervogt Hans Rudolf, aufzeigen.
Ausschnitt aus Grundprotokoll Knonau Bd. 2, S. 23 vom 5. April 1681: Verkauf der von Jagli Frey an eine Gläubigerin heimgefallenen Wirtschaft und von zwei zugehörigen Tavernenrechten, ferner von Haus und Hoffstatt, Scheune, Krautgarten, Hanfpünte und Baumgarten sowie der Metzg samt Metzgereibewilligung an den Wirt Jacob Köllicker.
Die Überlegungen zur Schutzwürdigkeit fanden bei der Baukommission Knonaus durchaus Gehör und ein erfahrener Architekt bestätigte, dass die Erhaltung von Haus und Saalanbau keine besonders grosse Probleme gäbe. Bedenken wurden hingegen wegen der Finanzierung laut und nach verschiedenen kritischen Eingaben entschied der Gemeinderat nur das Haus als wichtigen Zeugen anzuerkennen, den Saalanbau hingegen aus dem Inventar der Schutzobjekte zu entlassen. Ausser der enttäuschenden Entlassung enthielt der Beschluss weder einen Hinweis auf eine begründende, fachliche Schutzabklärung noch auf einen abzuschliessenden Schutzvertrag oder eine entsprechende Anordnung, was klar den gesetzlichen Anforderungen widersprach. Entgegen der Meinung des Gemeinderates genügten die Kernzonenvorschriften, die einen Ersatzneubau zuliessen, nicht als Schutzmassnahme, denn wie das Verwaltungsgericht verschiedentlich ausgeführt hat, vermag ein ähnlicher Neubau die Zeugenschaft des originalen Objekts und seine Ausstrahlung nie zu ersetzen. Eine genügende Anzahl originaler Schutzobjekte sei in der Kernzone wichtig. Der Heimatschutz forderte deshalb die Gemeinde auf, anlässlich einer allfälligen Baueingabe die versäumten, notwendigen Schutzabklärungen nachzuholen. Dies schien ihm umso wichtiger, als die oben erwähnten, modernen Strassen und vermeintlich an den einstigen Charakter des Dorfes erinnernde Neubauten den Kern schon sehr stark beeinträchtigt hatten.
Das Zentrum Knonaus wirkt seit dem Bau der neuen, durchführenden Hauptstrasse sppannunglos und leer. Die Neubauten zeigen ein Mischmasch von altertümelnden, beliebigen Vorbildern nachgeahmten Elementen.
Es gibt aber doch ausser dem Schloss und seiner unmittelbaren Umgebung auch im Kern noch manche eindrückliche Schutzobjekte, wie z.B. das dem Adler benachbarte Pfarrhaus (Bild links) oder das sogenannte Meyerhaus an der Schmiedgasse (Bild rechts, Scheunenteil)
Die Auseinandersetzungen um den Adler führten dazu, dass schliesslich die Denkmalpflegekommission des Kantons Zürich beauftragt wurde, ein Gutachten über die Schutzwürdigkeit Schutzwert Adlers zu verfassen. Wie das Heimatschutzforum Zürich erfahren hat, ist dieses Gutachten im vergangenen Jahr abgeliefert worden. Es soll nicht nur dem alten Wirtshaus, sondern auch dem Saalanbau einen bedeutenden Schutzwert von überkommunaler Bedeutung zugemessen haben. Dank dieser Beurteilung dürfte nun mit grosser Wahrscheinlichkeit der ganze Gebäudekomplex samt der wichtigen Umgebung definitiv unter Schutz gestellt werden. (ur Dez.13 / Jan.14)