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Viele Menschen nutzen die freie Internet-Enzyklopädie regelmässig. Vor allem bei Schülerinnen und Schülern ist sie beliebt. Doch wie verlässlich ist das digitale Nachschlagewerk?
Text: Beat A. Schwendimann Bild: Pexels.com
Wikipedia wurde 2001 mit dem Ziel gegründet, ein frei zugängliches Online-Lexikon aufzubauen. Der Name Wikipedia setzt sich zusammen aus «Wiki», dem hawaiischen Wort für schnell, und «Encyclopedia», englisch für Enzyklopädie. Hinter Wikipedia steht die Non-Profit-Stiftung Wikimedia Foundation mit Sitz im kalifornischen San Francisco. Da Wikipedia durch Spenden finanziert wird, sieht man auch keine Werbung.
Wikipedia wuchs in zwanzig Jahren zum umfangreichsten Lexikon der Welt an und stellt die grösste gemeinschaftlich erstellte Sammlung freien Wissens dar. Wikipedia rangiert auf Platz fünf der weltweit meistbesuchten Websites. Oft merkt man gar nicht, dass man auf Wikipedia zugreift, denn digitale Sprachassistenten wie Siri, Alexa oder Google Assistant beziehen ihre Antworten auch von Wikipedia.
Heute zählt Wikipedia mehr als 50 Millionen Artikel in über 200 Sprachen, darunter auch einige in Dialekten. Auf Deutsch gibt es rund 2,5 Millionen Einträge, womit die deutsche Version auf dem vierten Platz aller Sprachen liegt, nach der englischen, philippinischen und schwedischen Version. Es ist dabei interessant zu wissen, dass Artikel zum selben Thema in jeder Sprache Originaltexte und nicht Übersetzungen sind. Dadurch kann sich der deutsche Eintrag zu einem Thema deutlich vom Eintrag in einer anderen Sprache unterscheiden. Dies wird auch von Forschern analysiert, beispielsweise wie der Zweite Weltkrieg in deutschen, japanischen oder US-amerikanischen Einträgen präsentiert wird.
Die deutschen WikipediaEinträge würden ausgedruckt 1500 Bände füllen.
Im Unterschied zu klassischen, gedruckten Enzyklopädien ist Wikipedia kostenlos und nur über das Internet verfügbar. Im Vergleich dazu nahm der 30-bändige Brockhaus mit seinen rund 300'000 Einträgen rund zwei Meter Buchregal ein, wog 70 Kilogramm und kostete gegen 3000 Franken. Im Vergleich dazu würden die deutschen Wikipedia-Einträge ausgedruckt über 1500 Bände füllen. Aufgrund dieser Konkurrenz wird der Brockhaus seit 2014 nicht mehr gedruckt.
Jeder darf am Lexikon mitschreiben – aber nach strikten Regeln
Zu Beginn von Wikipedia haben viele Lehrpersonen vor deren Nutzung gewarnt. In einem Vortrag oder Aufsatz Wikipedia als Referenz anzugeben, galt als verpönt und unseriös. Wie verlässlich sind Wikipedia-Einträge, welche statt von bezahlten Autoren von Hunderttausenden Freiwilligen verfasst werden? Gemäss dem «Wiki-Prinzip» kann jede Person einen Eintrag erstellen oder abändern. Um sicherzustellen, dass Einträge fundiert sind, sind aber strikte Regeln und ein rigoroser Entstehungsprozess in Kraft. Eine Liste von Kriterien beschreibt, welche Themen sich als Einträge eignen und wie Einträge neutral zu formulieren und mit Quellenangaben zu hinterlegen sind. Zu jedem Eintrag gibt es ein offenes Diskussionsforum, wo der Eintrag und Änderungen zum Teil heiss diskutiert werden. Erst wenn die Diskussion einen Konsens erreicht hat, entscheidet ein Wikipedia-Editor, den Text oder die Änderung freizuschalten. Dadurch werden Einträge von Lobbyisten, diffamierende oder falsche Einträge unterbunden. Im Reiter «Versionsgeschichte» kann man jede Änderung eines Artikels selbst nachverfolgen. Hierin unterscheidet sich Wikipedia grundsätzlich von anderen Informationsquellen im Internet, da die Versionsgeschichte und Diskussion zum jeweiligen Artikel einen transparenteren Einblick in die Entstehung eines Artikels ermöglichen.
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Die Wikipedia-Struktur lässt sich auch spielerisch erkunden
Um all die Einträge von Wikipedia einzuordnen, braucht es eine komplexe Wissensstruktur. Durch Querverweise kann man verwandte, über- oder untergeordnete Einträge erkunden. Forscher haben herausgefunden, dass jede Kette dieser Querverweise unweigerlich einst zum Haupteintrag «Philosophie» führt. Die Wissensstruktur von Wikipedia lässt sich auch spielerisch erkunden. Im «Wiki-Game» geht es darum, mit möglichst wenigen Klicks auf die Wikipedia-internen Links vom Thema «A» zum Thema «B» zu gelangen, ohne dabei die Suchmaschine zu gebrauchen. Man spielt live gegen andere Spieler und gegen die Zeit (frei zu spielen unter www.thewikigame.com). Das «Wiki Game» zeigt, dass man sich trotz der Fülle von Informationen strukturiertes Wissen aufbauen muss, ansonsten verliert man sich in den Tiefen von Wikipedia, anstatt gezielt die gewünschte Information zu finden.
Die Bedeutsamkeit von Medienkompetenzen
Der kritische Umgang mit Medien gehört heute zu den Kernkompetenzen. Für Schülerinnen und Schüler gehört Wikipedia neben YouTube und Suchmaschinen zu den beliebtesten Anlaufstellen bei der Informationssuche.
Für jüngere Kinder sind Wikipedia-Artikel oft zu lang und zu komplex – und somit nicht empfehlenswert.
Aus medienpädagogischer Sicht ist es für jüngere Kinder nicht empfehlenswert, Wikipedia-Artikel zu lesen, da die Texte oft lang und komplex sind. Eine kindgerechte Alternative ist beispielsweise das Klexikon (klexikon.zum.de), welches nach denselben Grundprinzipien wie Wikipedia funktioniert, aber Artikel in altersgerechter Sprache anzeigt. Auch Suchmaschinen wie ‹Blinde Kuh› (www.blinde-kuh.de) bieten kindgerechte Angebote.
Für Jugendliche und Erwachsene ist es wichtig, zu wissen, wer hinter Wikipedia steht, wie Artikel entstehen und wie die Qualität von Einträgen beurteilt werden kann. Trotz den Qualitätssicherungsprozessen von Wikipedia variiert die Verlässlichkeit von Einträgen. Es gilt daher wie bei allen digitalen Informationen auch bei Wikipedia einige Grundregeln zu beachten. Ist der Artikel sachlich und neutral geschrieben? Ist die Darstellung ausgewogen? Enthält der Artikel Widersprüche? Sind vollständige Quellenangaben angegeben? Welche Aspekte des Eintrags wurden im Diskussionsforum kritisiert?
Zudem zeigt Wikipedia am Anfang oder Ende eines Artikels durch Symbole an, wie es um die Qualität eines Eintrags steht. Ein grüner Stern zeigt an, dass dieser Artikel in die Liste exzellenter Artikel aufgenommen wurde. Dazu muss der Text besonders strengen Kriterien entsprechen, er bietet in der Regel also verlässliche Informationen. Ein blaues Symbol mit einem «L» zeigt einen besonders lesenswerten Artikel an. Das Symbol «Rote Zange» zeigt hingegen an, dass dieser Text überarbeitet werden muss und nicht als zuverlässige Informationsquelle betrachtet werden sollte.
Die Besonderheit der Art und Weise, wie Wikipedia entsteht, macht sie zu einem nie endenden Projekt, das ständig verbessert, erweitert und aktualisiert wird. Wikipedia wird weiterwachsen und sich entwickeln. Die Wikimedia Foundation hat angekündigt, dass Wikipedia künftig vermehrt auch Multimedia (Videos, Bilder, E-Books und so weiter) enthalten wird.
Was bleiben wird, ist die Wichtigkeit eines fachkundigen und kritischen Umgangs mit Informationen. Schulen und Eltern müssen weiterhin eng zusammenarbeiten, um Kindern und Jugendlichen diese wichtigen Kompetenzen zu vermitteln.
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