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„Quarantäne wird zwangsverordnet: Die amerikanischen Zöllner dürfen ab sofort ankommende Fluggäste festnehmen, wenn sie Sars-Symptome zeigen. Und britische Ärzte warnen: Sars führe weitaus häufiger zum Tod als bisher angenommen“, berichtete die Nachrichtenagentur sda. Der „Bund“ teilte unabhängig davon mit, der Nationalrat greife der kränkelnden Hotellerie mit 100 Millionen Franken unter die Arme und Madonna verriet einem amerikanischen TV-Sender, sie liebe neuerdings Gerstensaft.
(Für die U40-Fraktion: Madonna war eine Sängerin, die – wenn überhaupt – BHs trug, die aussahen wie ein Doppelmatterhorn und die auf dem Flugplatz in Dübendorf das einzige von zwei Konzerten gab, das ich rückblickend lieber verpasst hätte; das andere war jenes der „Zillertaler“ auf dem Militärflugplatz von Interlaken 2001, was beweist: Konzerte auf Flugplätzen sind unbedingt zu meiden, aber die Frage, „Konzerte auf Flugplätzen besuchen: ja oder nein?“ dürfte sich inzwischen ja sowieso bis auf Weiteres erledigt haben).
Doch das alles interessierte mich an jenem Tag nicht. Den 8. Mai 2003 verbrachte ich auf der Gartenterrasse eines Hauses in Solothurn. Zu mehr, als Nachbars Katzen beim Spielen zuzuschauen, mochte ich mich nicht aufraffen.
Erinnerungen und Pläne, Hoffnungen und Träume, Gewissheiten und Unsicherheiten, Chancen und Ziele, Anfang und Ende, Alles und Nichts: In meinem Kopf und meinem Gemüt war viel zu viel los, als dass ich mich auf etwas Bestimmtes hätte konzentrieren können.
Gegen Abend holte ich ein weiteres Feldschlösschen aus dem Kühlschrank, und als ich den Deckel mit dem Feuerzeug von der Öffnung drückte, wusste ich: das ist mein letztes Bier. Am übernächsten Morgen rückte ich ins Bürgerspital Solothurn ein, um einen fünftägigen Alkoholentzug zu absolvieren. Anschliessend gings ohne Umwege weiter in die Südhang-Klinik in Kirchlindach, wo ich loswurde, was mich seit meiner Teenagerphase lang begleitet hatte.
17 Jahre sind seither vergangen. In dieser Zeit erschütterten zig Naturkatastrophen die Erde, fand in Deutschland eine mutmasslich gekaufte Fussball-WM statt, wurde zum ersten Mal ein Schwarzer Präsident der USA und ein Deutscher Papst, avancierte Roger Federer zum nach Albert Einstein berühmtesten Schweizer, demonstrierten in arabischen Ländern Hunderttausende gegen ihre Regimes, gab es unzählige Terroranschläge und Kriege und eine weltweite Finanzkrise, feierte die beste Band des Planeten ein grandioses Comeback.
sah sich Europa auf einmal mit endlosen Flüchtlingsströmen konfrontiert und so weiter, und so fort.
Vor allem aber verschwanden seither zig Leute, die mir nicht so gutgetan hatten, wie von selber von meinem Radar.
An ihre Stelle traten Menschen, die mein Leben jeden Tag zu einer rundum gefreuten Sache machen, und wenn ich jetzt gerade so darüber nachdenke, hat es sich „nur“ schon wegen ihnen gelohnt, am späten Nachmittag des 8. Juni 2003 einfach vor der leeren Flasche höcklenzubleiben statt in den Coop hinunterzugehen, um mir kurz vor Ladenschluss eine neue Kiste zu besorgen.