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Vulva-Art-Graffiti
In ihrer Masterarbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz nutzt Frances Lucas digitales Mapping, um eine ephemere feministische Graffiti-Praxis zu archivieren und zu analysieren.
Die Verkörperung von Frauen ist seit Jahrzehnten ein Thema in der feministischen Diskussion. Der Körper als formbare Identität, die soziokulturelle Normen und unterdrückerische Systeme widerspiegelt und untergräbt, ermöglichte es, die Körperlichkeit zur Dekonstruktion der gelebten Erfahrungen von Frauen zu nutzen. So werden Frauen in der modernen Gesellschaft in vielerlei Hinsicht mit der Privatsphäre assoziiert, was zu einer geschlechtsspezifisch eingeschränkten Bewegung und Sichtbarkeit im öffentlichen Raum führt.
Visuelle Kommunikationsformen können dieselben Konzepte wie der Körper symbolisieren. Eine kraftvolle Form ist das Graffiti, aufgrund seines Protestcharakters und seiner Fähigkeit, mehrschichtige Botschaften sowohl physisch als auch metaphorisch durch verschiedene visuelle Techniken von Autor, Betrachter und Umgebung zu übertragen. Feministische Graffiti-Praktiken nutzen dies, um die Verkörperung von Frauen (und damit die patriarchalischen Systeme, in denen sie geformt werden) in ihren Werken darzustellen und zu untergraben. Die Bilder nackter Genitalien der ‹Vulva-Art-Graffiti› wurden zu einer beliebten Methode, um dies zu tun.
Das Hauptziel meiner Arbeit war es, die Verkörperung von Frauen zu visualisieren und zu analysieren. Ich wollte eine sichtbare und zugängliche Plattform für öffentlich marginalisierte Themen der weiblichen Verkörperung und feministischer Graffiti bieten. Dazu habe ich die beiden Gestaltungsprozesse Archivierung und Datenvisualisierung mittels kritischem Mapping kombiniert. Über mehrere Wochen habe ich in Basel-Stadt Beispiele von Vulva-Art-Graffiti fotografiert und dokumentiert. Dann habe ich sie in die Kategorien Autor, Betrachter, Umgebung, die dem Graffiti innewohnende Protestmerkmale Illegalität, Kreativität, Anonymität, Vergänglichkeit und räumliche Aneignung sowie anhand der visuellen Techniken (visuelles Medium, Annäherung, Identifizierung, Zerstörung, Interaktion und geografische Verteilung) eingeteilt. Auf einer interaktiven digitalen Karte konnte ich allgemeine Muster und Verbindungen aufzuzeigen, die normalerweise nicht sichtbar sind.
Die kontroverse Verwendung der Vulva, die Stigmata, Tabus und kulturellen Missverständnisse, die ihre Anatomie und Symbolik umgeben, vereinen in Verbindung mit einer abweichenden öffentlichen Kommunikationsform wie Graffiti diese Protestmethode unter einer Botschaft. Vor allem durch die Platzierung des entblössten Körpers im öffentlichen Raum versuchen die Protestierenden, private, verborgene oder beschämende Belange sichtbar zu machen und eine physische Präsenz für diejenigen zu schaffen, die normalerweise auf den privaten Bereich beschränkt sind.
Die Fähigkeit, dies in einer zweidimensionalen kommunikativen Form wie Graffiti darzustellen oder zu verkörpern, bietet eine kreative Möglichkeit, den öffentlichen Raum visuell zu beanspruchen. Vulva-Art-Graffiti stellen Frauen physisch und metaphorisch in die Öffentlichkeit, um geschlechtsspezifische Bewegungen aufzubrechen, positive Assoziationen zu ihren Körpern zu schaffen und patriarchalische Beschränkungen zu unterlaufen. Ihre digitale Archivierung vermittelt noch lange nach ihrer Beseitigung einen bleibenden Eindruck dieser Idee.
Der Begriff ‹Frauen› bezieht sich auf eine vom biologischen Geschlecht unabhängige Geschlechtsidentität. Er wurde verwendet, weil er sich in der Literatur widerspiegelt und um eine falsche Darstellung anderer Geschlechtsidentitäten zu vermeiden. Die Autorin ist sich jedoch der Kontroversen bewusst, die dieser Begriff in Bezug auf die Vulva-Kunst auslöst, und erkennt an, dass nicht alle, die eine Vulva haben, sich als Frauen identifizieren. Daher wird dem Betrachter Diskretion empfohlen.