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Das Potenzial für Unternehmens-Bonds ist aus Sicht von Wolfgang Bauer, der für den Asset Manager M&G in London Anleihenfonds bewirtschaftet, dieses Jahr gut. Vor einem Jahr seien die Anleger noch viel risikoscheuer gewesen, sagt er im cash-Video-Interview.
Damals habe der fallende Ölpreis die Anleger beunruhigt: "Vielleicht ist es nicht ganz fair, die jetzigen Stände mit jenen von vor einem Jahr zu vergleichen." Während der Ölpreis im Februar 2016 unter 30 Dollar pro Fass fiel, befindet er sich seit Anfang 2017 wieder hauptsächlich über 55 Dollar.
Bauer betont indessen, dass im historischen Vergleich die Situation für Unternehmensanleihen generell gut sei. Interessant finden die M&G-Analysten den Markt für amerikanische Unternehmensanleihen. Attraktiv bewertet seien die Anleihen von AT&T oder Verzion in der Telekommunikation, auch die Bonds von amerikanischen Grossbanken, Pharmakonzerne wie Allergan oder AbbVie: "Da bekommt man grosszügige Risikoaufschläge ausbezahlt", sagt Bauer.
Das heisst, Anlegern kommt zugute, dass der Unterschied zwischen dem risikofreien Referenzzinssatz und der Rendite der Anleihe relativ hoch ist. Die ist vor allem bei Anleihen so, die von den Ratingagenturen nicht die höchsten Bonitätsnoten erhalten. Die von Bauer genannten Unternehmensanleihen befinden sich eher im Bereich der Bonitätsnoten um "BBB".
Pharma-Anleihen zu hoch bewertet
Hohe Bonitätsnoten hingegen führten allerdings auch zu höheren Bewertungen der Bonds, wodurch für Bauer etwa die Anleihen von Roche, Novartis und Nestlé unattraktiver geworden sind. Novartis besitzt derzeit ein "AA-"Langfrist-Rating von Standard&Poor's, Roche und Nestlé ein "AA". Dafür gefällt den M&G-Fondsmanagern die Anleihe eines anderen Schweizer Grosskonzerns: "Wir mögen die UBS", sagt Bauer. Die Grossbank besitzt ein Kreditrating von "A+" bei Standard&Poors.
Während Firmen mit AA-Ratings als gute Schuldner gelten, bedeuten A-Ratings höhere Beobachtung. BBB-Unternehmen gelten zwar als investitionswürdig, aber auch nur als Schuldner "mittlerer Güte". Entsprechend höher sind die Risiken, aber eben auch die bei Anlegern beliebten Risikoaufschläge.
Sollen sich Anleihenanleger aber nun gegen die Inflation absichern? Den Einfluss der Inflation auf die so genannten "Corporate Bonds" ist nach Märkten beziehungsweise Währungsräumen unterschiedlich. Aus Bauers Sicht bietet etwa Grossbritannien, wo die durch das Brexit-Votum von Juni ausgelöste Pfund-Abwertung die Importpreise erhöhen wird, für Anleger wenig interessantes. Absicherungen gegen die Inflation durch so genannte "Inflation-Linked Bond" muss relativ gesehen werden, sagt der Experte: "Die Bewertung von inflations-indexierten Anleihen ist mitterweile sehr hoch."
Auch Europa ist nur begrenzt spannend: "In der Eurozone wiederum sind die Inflationsraten wieder etwas nach oben gegangen, aber vieles davon ist ein mathematischer Effekt durch den Ölpreisanstieg." Wollen sich Anleger mit Bonds gegen die Inflation schützen, sollen sie dies laut dem M&G-Experten ebenfalls eher in den USA tun. Der Inflationdruck sei durch die wachsende Wirtschaft - und möglichweise bald eine protektionistische Politik - zwar gross, der Inflationsschutz aber günstig.
Das Zinsrisiko von Staatsanleihen ist laut Wolfgang Bauer immer noch hoch. Durch die Grossereignisse Brexit und Trump-Wahl seien etwa britische und amerikanische Regierungsobligationen unattratrativ. Im cash-Video-Interview äussert sich der Experte aber auch zur Zinspolitik der Zentralbanken, insbesondere zu den Unterschieden zwischen der Eurozone und den USA.