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|Abt Grimald (841-872)

Abt Grimald
Grimald, 841-872. Grimald entstammte einer angesehenen fränkischen Familie, sein Onkel Hetti und sein Bruder Thietgaud hatten nacheinander das Erzbistum von Trier inne. Grimald kam zur Erziehung an den Hof Karls des Großen, wo er noch den Unterricht Alkuins erlebt haben solle, was zwar sehr unwahrscheinlich ist, da Alkuin bereits 804 gestorben war. Sicher besuchte Grimald die Klosterschule auf der Reichenau, wo er unter den Äbten Heito und Erlebald lernte und lehrte. Ein bedeutendes Denkmal seiner gründlichen Ausbildung und seiner wissenschaftlichen Methode ist der St.Galler Codex 914, die Regula S. Benedicti, die er gemeinsam mit Tatto 816 nach dem Aachener Normalexemplar abgeschrieben hat. Bereits 824 war Grimald in der kaiserlichen Kapelle tätig. Zu dieser Zeit ließ er sich auch in das Verbrüderungsbuch der Reichenau aufnehmen. Am Hofe Ludwigs des Frommen war der gelehrte und dichterisch tätige Kaplan sehr geschätzt, wie aus den Widmungsadressen des Hrabanus Maurus, des Walahfrid Strabo und des Otfrid von Weißenburg hervorgeht. Wohl infolge seiner Verdienste am kaiserlichen Hofe erhielt Grimald die Abtei Weißenburg im Speiergau, wo er die durch eine Feuersbrunst zerstörte Kirche St. Peter größer und glänzender wieder aufbauen ließ. Im Jahre 833, als Ludwig der Deutsche nach der zweiten Empörung gegen den Vater die Herrschaft über die ostfränkischen Gebiete antrat, erscheint er erstmals am 19.10. als Vorsteher von dessen Kanzlei. Zu Beginn des Jahres 834 leitete er zusammen mit Graf Gebhard von Lahngau eine Gesandtschaft zu Kaiser Ludwig dem Frommen nach Aachen, wo dieser von Lothar festgehalten wurde. Grimald blieb bis 837 an der Spitze von Ludwigs Kanzlei. Als dessen Parteigänger mußte er kurz vor 840 die Abtei Weißenburg an den lotharisch gesinnten Erzbischof von Mainz, Otgar, abgeben. Nachdem aber Ludwig über Lothar bei Fontenay gesiegt hatte, erhielt er 841 die Abtei St.Gallen. Nach dem Tode Otgars kam er 847 auch wieder in den Besitz des Klosters Weißenburg. Zu diesen zwei Abteien muß noch eine dritte gekommen sein, wahrscheinlich Ellwangen. 848 wurde Grimald Erzkapellan Ludwigs des Deutschen und wirkte seit 854 auch wieder mit zwei kurzen Unterbrüchen an der Spitze der Kanzlei. Als einer der hervorragendsten Staatsmänner stand Grimald fortan im Dienste des Königs, bis er sich im Jahre 870 altershalber nach St.Gallen zurückzog. In St.Gallen selbst war Grimald sehr beliebt, obwohl er 841 anscheinend als Weltpriester von König Ludwig unter Verletzung der erst vor kurzem vom König selbst bestätigten Wahlfreiheit der Mönche eingesetzt worden war. Da Grimald infolge seiner Hofämter meist nicht in St. Gallen lebte, ließ er die Mönche mit der Einwilligung des Königs einen Stellvertreter mit dem Recht auf Nachfolge wählen, den Dekan Hartmut. Dank Grimalds eifriger Fürsorge nahm das Kloster einen großen Aufschwung in monastischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht. Gleich nach seiner abermaligen Übernahme des Kanzleramtes konnte Grimald mit Billigung König Ludwigs das Kloster von seinen letzten Verpflichtungen gegenüber dem Bistum Konstanz befreien. Durch eine einmalige Abgabe einer gewissen Anzahl Güter löste die Abtei sämtliche Zinsverpflichtungen ab, was vom König am 22.7.854 bestätigt wurde, ebenso auch die Immunität und die freie Abtswah. Grimald vollendete auch die unter Gozbert begonnene Entwicklung der zentralen Verwaltung des Grundbesitzes, anstatt den bisher herumreisenden Praepositi wirkten fortan Außenpröpste, denen ein fester Bezirk zur Betreuung anvertraut war. Unter ihm erlebte die Klosterschule einen gewaltigen Aufschwung, die innere wurde vom Iren Moengal (Marcellus) geleitet, die äußere von Iso, der später in Grandval lehrte. Die Bibliothek erlebte einen Zuwachs von 69 Bänden (54 selbständige Werke), wozu Grimald dem Kloster noch seine Privatbibliothek von 34 Bänden vermachte. Unter ihm scheint das Amt des Bibliothekars geschaffen worden zu sein, seine ersten namentlich bekannten Inhaber waren Uto und Liuthart. Im Scriptorium arbeitete zu jener Zeit der bedeutende Kalligraph Folchart. Die Otmars- und die Michaelskirche wurden gebaut, die Klostergebäude vollendet und die Abtswohnung und das Helmhaus errichtet. Von der Reichenau ließ er Künstler kommen, damit sie die Pfalz ausmalten. Vielleicht waren diese auch in der Kirche tätig. Nachdem sich Grimald 87o von der Reichskanzlei zurückgezogen hatte, lebte er ungefähr noch zwei Jahre, am 13.6.872 ist er gestorben. Grimald gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten und verdientesten Männern unter der Regierung Ludwigs des Deutschen. Er darf auch zu den Begründern der gelehrten Bildung im ostfränkischen Reich gezählt werden.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)