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Zürich, 12.06.2017
Paul McCartney, Mitbegründer der Beatles, gilt als einer der erfolgreichsten Pop-Komponisten und Musiker aller Zeiten. Am 18. Juni feiert der Schöpfer legendärer Ohrwürmer den 75. Geburtstag
Als verwegener Seeräuber-Onkel mit verfilzten Dreadlocks taucht er im neuen Kinofilm "Pirates of the Caribbean" auf. Keine typische Rolle für den früheren Anführer der "Fab Four": Paul McCartney, Mitbegründer der Beatles, kämpfte lange gegen seinen Ruf als rehäugiges und zuverlässiges Gegengewicht zum unkonventionellen, kantigen John Lennon. Der Beatles-Producer George Martin urteilte einmal: "John war die Zitrone zu Pauls Olivenöl."
Wurzeln in Liverpool
McCartney wuchs in einer Arbeiterfamilie auf - die Mutter ernährte als Krankenschwester die Familie, der Vater war Baumwollhändler mit musikalischen Ambitionen. "Das sind die Liverpool-Wurzeln. Da kann man sich selbst nicht zu wichtig nehmen", sagte McCartney der Musikzeitschrift Rolling Stone. Diese Bodenständigkeit half ihm später, inmitten von Rockstar-Ruhm und Exzessen mit seiner Frau Linda die drei gemeinsamen Kinder aufzuziehen.
Mit 14 verlor McCartney seine Mutter. In einem Interview von BBC 6 Music beschrieb er, wie sie ihm zehn Jahre später im Traum erschienen sei und gesagt habe: "Es wird alles gut werden. Immer mit der Ruhe. Just let it be - lass es einfach gut sein." Das inspirierte ihn zur letzten Single der Beatles - "Let It Be" wurde einer ihrer grössten Erfolge.
Auch den Song "When I"m Sixty-Four" habe er lange mit sich herumgetragen, sagte er dem "Guardian". Später musste die Melodie als Pausenfüller herhalten, wenn der Strom bei Konzerten ausfiel - bis sie auf der genialen Beatles-Scheibe "Sgt. Pepper"s Lonely Hearts Club Band" landete.
Das grosse Treffen
Im Juli 1957, vor fast genau sechzig Jahren, traf McCartney John Lennon, der ihn einlud, bei seiner Schülerband "The Quarry Men" einzusteigen. Es folgten die berühmten Auftritte in Hamburg und im Cavern Club in Liverpool, Pilzköpfe, smarte Outfits, hysterische Fans - und ein Hitparaden-Erfolg nach dem anderen. Sie verkauften manchmal mehr als 100'000 Platten täglich.
Mitte der Sechziger hörten sie auf zu touren, liebäugelten mit östlichen Religionen und LSD. Als der Beatles-Manager Brian Epstein starb, fühlte sich McCartney verpflichtet, das Ruder zu übernehmen. Schliesslich stieg er 1970 aus - "mein einziger Plan ist, erwachsen zu werden", verkündete er. Das war das Ende der Beatles.
Inzwischen hatte er die Liebe seines Lebens geheiratet, die New Yorker Fotografin Linda Eastman, mit der er die Band "Wings" gegründet hatte. McCartney rang mit Alkohol, Drogen und Depression. Doch er blieb erfolgreich: Sein Titelsong für den Bondfilm "Live and Let Die" wurde für den Oscar nominiert, die Ode "Mull of Kintyre" die meistverkaufte Single seiner Solokarriere.
Noch mit 80 auf Tour?
1998 starb seine Ehefrau Linda an Krebs. 2002 heiratete er das frühere Model Heather Mills. Doch wenige Jahre später begannen sie einen öffentlichen Rosenkrieg, der mit einer aufsehenerregenden Scheidung endete und ihn umgerechnet 32 Millionen Euro kostete. Inzwischen ist er mit der ebenfalls schwerreichen Unternehmerin Nancy Shevell verheiratet.
Im vergangenen Jahr sagte McCartney einer Zeitschrift, dass es "unvorstellbar - und unziemlich" wäre, noch bis 80 zu touren. Ob er sich daran hält? Im Juli ist er wieder unterwegs, erst in den USA, dann in Brasilien.