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Bis Montag will ich über den “Jesus“ nichts mehr lesen und dann nur den Abreise Tag hören.
Nun rückt Craig Tiley, der Turnierdirektor der Australian Open, in den Fokus des Interesses. Wie die Zeitung «The Herald Sun» berichtet, habe Tennis Australia Spielerinnen und Spieler mit einem Schreiben praktisch eine Anleitung dafür geliefert, wie sie vorgehen müssen, um von der in Australien geltenden Impfpflicht befreit und die Australian Open spielen zu können.
26 Spielerinnen und Spieler hätten einen Antrag gestellt, nur eine Handvoll sei bewilligt worden. Unter ihnen jener des Serben Novak Djokovic.
Demnach hätte Tennis Australia der Profiorganisation der Männer, der ATP, ein Informationsblatt zukommen lassen, das diese danach an die Spieler weiterleitete. Darin würden Ungeimpfte dazu angeleitet, in einem zweistufigen Verfahren anzugeben, im letzten Halbjahr an Covid-19 erkrankt zu sein, was wohl auch Novak Djokovic geltend gemacht hat.
Das wirft ein neues Licht auf den Fall um den besten Tennisspieler der Gegenwart, der am Montag das Land verlassen muss, sollte sein Einspruch gegen Annullation des Visums abgewiesen werden. Denn Teile der darin enthaltenen Informationen sind unvollständig oder falsch.
Genesene Ausländer sind nur dann von der Impfpflicht befreit, wenn sie beweisen können, dass sie sich auch vor der Infektion aus medizinischen Gründen nicht haben impfen lassen können. Das hält die Australien Technical Advisory Group of Immunisation (ATAGI) in ihrem Positionspapier fest.
Tennis Australia und Turnierdirektor Craig Tiley wurden am 18. und am 19. November schriftlich auf diesen Umstand hingewiesen. Das Schreiben, in dem der Organisator der Australian Open das Vorgehen anleitet, ist aber auf den 7. Dezember datiert.
Victorias Premierministerin Jacinta Allan teilt mit, Tennis Australia habe den Bundesstaat darüber nicht in Kenntnis gesetzt. Voraussetzung für die Einreise seien zwei separate Dokumente: ein medizinisches Zertifikat und eine Bewilligung, das Turnier spielen zu können. Beides konnte Tennisspieler Novak Djokovic vorweisen.
Zwar wird darauf hingewiesen, dass es für die Beurteilung des Gesuchs «möglicherweise hilfreich» sein könnte, ärztlich belegen zu lassen, dass und weshalb man sich vor oder nach der Infektion nicht habe impfen lassen können. Dass dies für die Einreise zwingend vorausgesetzt ist, wird den Spielern aber vorenthalten und wird als Empfehlung ausgegeben.
Heisst: Tennis Australia hat nicht nur eine Anleitung zur Umgehung der Impfpflicht geliefert, sondern Genesene auch noch ins offene Messer laufen lassen, in dem man ihnen vorenthalten hat, dass zwingend ein Nachweis erbracht werden muss, dass sie sich auch vor und nach der Erkrankung aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen konnten.
Novak Djokovic konnte nach Billigung seines Gesuchs auf Befreiung von der Impfpflicht durch Tennis Australia und den Bundesstaat Victoria davon ausgehen, dass er alle geforderten Dokumente vorweisen kann, um in Australien einzureisen und die Australian Open bestreiten zu können.
Die Australian Open weisen am späten Freitagabend Ortszeit den Vorwurf zurück, Ungeimpfte nicht vollumfänglich und korrekt informiert zu haben. In einer Stellungnahme heisst es: «Wir haben den Spielern immer klar mitgeteilt, dass die Impfung die beste Lösung sei – nicht nur, weil es das richtige ist, um sich und andere zu schützen, sondern auch, um sicher zu stellen, dass die Einreise reibungslos verläuft. Den Vorwurf, dass wir die Spieler wissentlich in die Irre geführt haben, weisen wir scharf zurück.»
Ob diese Stellungnahme reicht, um das Turnier und dessen Direktor Craig Tiley aus der Schusslinie zu nehmen, ist zu bezweifeln. Inzwischen wurde mit Renata Voracova eine zweite Spielerin in das Hotel überführt, in dem Novak Djokovic auf die Behandlung seines Einspruchs wartet. Auch die offenbar ungeimpfte Tschechin wurde von der Impfpflicht befreit. Sie war von der Grenzkontrolle nicht aufgehalten worden und bestritt ein Turnier.
Novak Djokovic und Renata Voracova reisten offenbar in der Annahme nach Australien, alle Voraussetzungen zu erfüllen. Die Enthüllungen um die Versäumnisse von Tennis Australia dürften auf die Beurteilung ihrer Fälle keinen Einfluss haben. Denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.