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Verbot des Anhäufens von Reichtum
Islam lehnt jegliche Art von Ausbeutung und unangemessene Mittel wie das Horten von Reichtum, Vermögen, Gütern und Vorräten ab, was die Preisspirale in Gang setzt und mit einer allgemeinen Inflation endet. Der Heilige Koran legt dar:
“O die ihr glaubt, wahrlich, viele der Schriftgelehrten und Mönche verzehren das Gute der Menschen durch Falsches und machen abwendig von Allahs Weg. Und jene, die Gold und Silber anhäufen und es nicht aufwenden auf Allahs Weg – ihnen verheisse schmerzliche Strafe. An dem Tage, wo es erhitzt wird im Feuer der Hölle, und ihre Stirnen und ihre Seiten und ihre Rücken damit gebrandmarkt werden: Dies ist, was ihr angehäuft habt für euch selber; kostet nun, was ihr anzuhäufen pflegtet.“ (9:34-35)
Und doch gewährt Islam dem Einzelnen die Freiheit, durch alle rechtmässigen Mittel innerhalb des islamischen Regelwerks für Wirtschaftsverhalten Geld zu verdienen. Somit bestehen für den Einzelnen sowohl die Freiheit als auch das Recht darauf, Eigentum zu besitzen und als Unternehmer tätig zu werden. Hinsichtlich der Wirtschaftsgestaltung ihrer Länder liegt das Hauptaugenmerk der meisten Regierungen darauf, auf welche Weise ein Mitglied der Gesellschaft seinen Lebensunterhalt verdient. Mit Steuern belegt werden Umsatz, Gewinn aus Handwerk und Handel sowie Einkommen aus Arbeit. Das getan, gibt es wenig weitere Einmischung in die Geldangelegenheiten des Einzelnen.
Allgemein gesagt, ist die staatliche Neugier auf die Einkommensseite begrenzt – wie oder auf welche Weise der Einzelne jedoch sein verdientes oder angehäuftes Geld ausgibt, ist in den meisten Staaten nicht von Belang. Wenn er es so möchte, kann der Einzelne sein Einkommen oder seinen Reichtum durch die Toilette spülen. Er mag sich einen verschwenderischen und überspannten Lebensstil zulegen, oder, wenn er sich dazu durchringt, trotz seines Reichtums ein Leben voller Unbequemlichkeiten leben. Es ist nicht Sache des Staates, sich darin einzumischen, wie er beabsichtigt, sein Geld auszugeben oder anzulegen. Gleichwohl ist dies ein Bereich, in dem die Religion auf den Plan tritt, und auf dem Wege der Ermahnung oder des Ratschlags dem Einzelnen nicht nur mitteilt, wie er sein tägliches Brot verdienen sollte, sondern ihn gleichfalls anleitet, auf welche Weise er sein Verdientes ausgeben bzw. nicht ausgeben sollte. Die meisten der sich auf Ausgaben beziehenden Vorschriften sind zuerst sittliche und geistige Richtlinien.
Wenn der Islam beispielsweise Ausgaben für Alkoholgenuss und Glücksspiel und den übermässigen Genuss unterschiedlicher Vergnügungssüchte verbietet, obgleich derlei Vorschriften nicht auf direktem Wege auf die Beeinflussung des Ausgabenetats zielen, sind sie ein Nebenergebnis der sittlichen und geistigen Lehren einer Religion. In kapitalistischen Volkswirtschaften werden dergleichen Vorschriften als Eingriff in die Privatangelegenheiten betrachtet und als Einmischung in das Recht des Einzelnen, auszugeben wie er oder sie es will. Doch ist dieses Verhalten dem Menschen nichts Neues.
Dem Heiligen Koran zufolge legten frühere Völker und Zivilisationen der Religion gegenüber genau das gleiche Verhalten an den Tag, was manchmal zu einer Debatte über die Berechtigung von Religion führte, sich in die Privatangelegenheiten der Menschen einzumischen. Als Schoäbas, ein Prophet des Altertums, versuchte, das Volk von Midian dahingehend zu erziehen, wie sie ihren Reichtum am besten verwendeten und von was sie sich fernhalten sollten, wurde er von seinem Volk zurechtgewiesen:
“Sie antworteten: O Schoäb, heisst dich dein Gebet, dass wir verlassen sollen, was unsere Väter anbeteten, oder dass wir aufhören, mit unserem Besitz zu tun, was uns gefällt? Du bist doch fürwahr klug (und) rechten Sinnes!“ (11:88)
Islam befürwortet einen einfachen Lebensstil. Er verbietet Verschwendung und fördert das Geldausgeben:
“Und lass deine Hand nicht an deinen Nacken gefesselt sein, aber strecke sie auch nicht zu weit geöffnet aus, damit du nicht getadelt (und) zerschlagen niedersitzen musst.“ (17:30)
“Gib dem Verwandten, was ihm gebührt, und ebenso dem Armen und dem Wanderer, aber vergeude nicht in Verschwendung. Die Verschwender sind Brüder der Teufel, und der Teufel ist undankbar gegen seinen Herrn.“ (17:27-28)
Quelle: Der 4. Khalifa der Ahmadiyya Muslim Jamaat: Mirza Tahir Ahmad, Islam – Antworten auf die Fragen unserer Zeit, Verlag Der Islam, 2008, S. 224-227