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Im Zentrum der Theorie steht der wahre Wert (fair value) – das Niveau einer Währung, in dessen Richtung sie sich letztlich bewegen sollte. Unabhängig davon, wie teuer oder billig sie zu einem bestimmten Zeitpunkt ist.
Spanische Gelehrte aus dem 16. Jahrhundert hatten dies zuerst anhand von Preis-Niveaus gemessen. Sie kamen zu dem Schluss, dass sich die Wechselkurse an die Kosten von Gütern anpassen sollten, so dass etwa ein Sack Zucker in verschiedenen Ländern dasselbe kosten sollte, wenn dies in der gleichen Einheit angegeben wird.
UBS-Flury: Der Dollar ist zu teuer
Heutzutage verwenden Analysten von UBS Wealth Management und Goldman Sachs Asset Management, die zusammen über 3 Billionen Dollar verwalten, quantitative Analysen, um dieses Grundkonzept zu verbessern. Die Methoden mögen zwar variieren. Doch letztlich senden sie alle ein und dasselbe Signal, das Dollar-Bullen in Sorge versetzen sollte: Nach einer 30-Prozent-Rally über einen Zeitraum von fast drei Jahren ist der Greenback zu teuer.
"Unsere Modelle geben alle exakt dieselben Signale – der Dollar ist derzeit stark überbewertet", erklärt Thomas Flury, Chef der Devisen-Analyse bei UBS Wealth Management in Zürich. Die Analysten-Gemeinde ist seiner Meinung nach der US-Währung gegenüber zu positiv eingestellt.
Der Greenback bewegt sich dieser Tage in der Nähe eines 14-Jahres-Hochs. Das hatte auch die Aufmerksamkeit des neuen US-Präsidenten Donald Trump auf sich gezogen. Er warf Ländern wie Deutschland und Japan vor, ihre Währungen schwach zu halten, um sich so einen Handelsvorteil zu sichern.
Der Dollar ist rund 15 Prozent teurer als der von der UBS ermittelte faire Wert von 1,24 Dollar je Euro. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Analysen von Goldman Sachs.
Markt ist anderer Meinung
Der Konsens an der Wall Street ist indes, dass sich der Dollar in diesem Jahr gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung auf 1,05 Dollar festigen wird, wie der Median-Wert in einer Bloomberg-Umfrage zeigt.
Die UBS hat zwei Ansätze bei ihren Betrachtungen. Bei einem nutzen die Analysten beispielsweise drei Dekaden an Erzeugerpreis-Daten, um die Abweichung des US-Dollar vom Gleichgewicht zu ermitteln.
Bei Goldman Sachs bevorzugt der quantitative Stratege Stephan Kessler, den Dollar über ein Prisma der Produktivität zu messen. Sein Modell berücksichtigt den Preis der Exporte eines Landes über dessen Importe. Es geht davon aus, dass höhere so genannte "Terms of Trade" auf eine höhere Wettbewerbsfähigkeit einer Nation hinweisen, was wiederum einen höheren fairen Wert der Währung eines Landes bedeuten sollte.
Am Markt wird derzeit darüber debattiert, wann die Europäische Zentralbank aus ihrer quantitativen Lockerung aussteigt. Diese hat zuletzt einen möglichen Anstieg des Euro gebremst. Die Federal Reserve hatte schon 2013 einen Rückbau der Anleihen-Aufkäufe angekündigt und damit einen künstlichen Deckel entfernt, was den Dollar letztlich über seinen fairen Wert trieb.
Die meisten Währungen sollten aufwerten
"Der faire Wert zählt mehr, da wir uns stärker in Richtung der Extreme befinden", sagt Robert Davis, Portfolio-Manager bei Putnam Investments. "Mit jeder Veränderung beim Divergenz-Thema stehen wir vor einer Rückkehr in Richtung des fairen Werts."
Kessler zufolge sollten die meisten Währungen aus Bewertungs-Perspektive das Potenzial haben, gegenüber dem US-Dollar aufzuwerten. "Das könnte besonders für Länder mit grossen Handelsüberschüssen gegenüber den USA und einer tiefen Integration in der US-Lieferkette wahr sein", sagt er.
(Bloomberg)