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Sprachliche Gleichbehandlung ist ein wiederkehrendes Thema. Es zeigt sich jedoch, dass geschlechtergerecht zu schreiben in den meisten Sprachen selbst für grammatikalisch und sprachlich begabte Menschen schwieriger ist als angenommen. Besonders im italienischen Sprachraum ist dieser Sprachgebrauch noch wenig verbreitet. Viele Italiener sind unsicher wenn es um die Verwendung von weiblichen Bezeichnungen von eigentlich männlichen Hauptwörtern geht. Darf man beispielsweise medica statt medico (Arzt) verwenden? Oder existiert die weibliche Variante von capo (Chef)?
Eine institutionelle Debatte über sprachliche Gleichbehandlung im italienischen Sprachraum gab es bereits zu Beginn des Jahres 1980. Die Diskussion begann zugleich mit dem Bericht über sprachlichen Gleichbehandlung von Alma Sabatini, jedoch kann vorweg genommen werden, dass die damals formulierten Hinweise bis heute im Alltag noch nicht richtig verwendet werden.
In der Schweiz dauerte es bis 1996, als mit der Veröffentlichung eines Leitfadens zur sprachlichen Gleichbehandlung (vorerst nur für die deutsche Sprache) die Diskussion über dieses Thema begann - ein entsprechender Leitfaden für den französischen Teil der Schweiz wurde im Jahr 2000 und für den Italienischen Teil im Jahr 2003 veröffentlicht.
In der italienische Version des Leitfadens wurden Hilfestellungen für die geschlechtergerechten Formulieren gegeben; auch mögliche Lösungen für besonders umstrittene Fälle werden angeboten. Beispielsweise wird die Verwendung von der weiblichen Form von medico nicht empfohlen, da diese aus der Geschichte mit Scharlatanerie in Verbindung gebracht wird. Auch ist die Verwendung von capa zu vermeiden, weil der Begriff eher eine scherzhafte und umgangssprachliche Konnotation enthält. Bei zusammengesetzten Namen mit capo, wird jedoch die weibliche Variante empfohlen: capooperaia (Vorabarbeiterin), capotraduttrice (Chefübersetzerin) capopalafreniera (Reitknechtschef).
Infolgedessen wurde die weibliche Bezeichnung zusammen mit der männlichen Bezeichnung des Berufstands angegeben und Stellenausschreibungen werden seitdem an beide Geschlechter adressiert.
Im Italienischen wird das grammatikalische Geschlecht mit der Endung –o bzw. –a (bambino/a), dem Artikel (il cuoco/la cuoca) und dem Suffix (giocatore/trice) angezeigt. Das grammatikalische Geschlecht beeinflusst folglich alle Sprachelemente auf das es sich bezieht (Artikel, Adjektiv, Pronomen). Diese allgemeine Regel macht jedoch Ausnahmen, besonders in Italien, bei der Bezeichnung von renommierten Berufsständen (architetto, chirurgo, direttore, ingegnere, ispettore, medico) oder institutionellen Rollen (cancelliere, consigliere, ministro, sindaco).
Auch wenn die sprachliche Gleichbehandlung durch Alma Sabatini in Italien früher ins öffentliche Licht gerückt wurde, ist in der Schweiz heute der deutschsprachige Teil die treibende Kraft für sprachliche Gleichbehandlung. Dies geht so weit, dass italienische Texte in der Schweiz, die Frauen und Männer nicht mehr gleichwertig adressieren, nicht akzeptiert werden - zumindest auf der Ebene der Institutionen.
Mehr zu diesem Thema finden Sie auch auf:
"Guida al pari trattamento linguistico di donna e uomo" https://www.bk.admin.ch/dokumentation/sprachen/04850/05005/index.html?lang=it
"Il sessimo della lingua italian" https://web.uniroma1.it/fac_smfn/sites/default/files/IlSessismoNellaLinguaItaliana.pdf
Ausserdem eine umfangreiche Sammlung zu diesem Thema mit Tipps und Hinweisen: https://www.bmb.gv.at/frauen/gleichbehandlung/sg/sprachliche_gleichbehandlung.html