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Geschichte
Der English Toy Terrier ist eine von der FCI anerkannte Hunderasse (Nr. 13, Gruppe 3, Sektion 4).
Es handelt sich um eine uralte Terrierrasse, die immer wieder Hochs und Tiefs erlebt hat.
Es gibt verschiedene Hinweise, dass der „Black and Tan Terrier“, der Vorfahre des heutigen Manchester Terriers und des English Toy Terriers, schon im 15.Jahrhundert existiert hat.
Der English Toy Terrier ist wie auch sein grösserer Bruder, der Manchester Terrier, bei den Arbeitern in den Hafengebieten von Liverpool und Manchester entstanden. Hier entwickelte sich aus dem einstigen Jagdhund ein Rattenfänger und Haushund, der aber auch für die Jagd auf Kaninchen und Raubzeug verwendet wurde.
Ein beliebtes Sonntagsvergnügen der Arbeiter war der Kampf der kleinen Black and Tan-Terrier gegen Ratten in den sogenannten Ratten-Pits. Es wurden hohe Wetten auf die Hunde abgeschlossen. Sieger war derjenige Hund, der möglichst viele Ratten tötete. So wurde um 1800 von einem Black and Tan Terrier mit Namen „Billy“ berichtet, der 100 Ratten in 6 Minuten 13 Sekunden erledigt haben soll .
Um elegante und schnelle Hunde zu züchten, wurden Black and Tan Terrier schon früh mit kleinen Windhunden gekreuzt . So wurde eine Whippethündin mit einem berühmten Rattentöter, einem Terriermischling, gepaart. Die ersten derartigen Kreuzungen sollen bereits im 15. Jahrhundert stattgefunden haben. Anfangs des 19. Jahrhunderts sollen italienische Windspiele mit Black and Tan Terriern gekreuzt worden sein. Auch ein kleiner Greyhound soll das seinige beigetragen haben. Diese Windhundeeinkreuzungen bewirkten eine Veränderung der äusseren Gestalt. Die Kreuzungstiere zeigten den typischen „Karpfenrücken“ des Whippets und des Windspiels. Sie hatten längere Pfoten „Hasenpfoten“ sowie eine andere Gangart, sog. “high stepping gait“ (Hochheben der Vorderpfoten, was heute beim English Toy Terrier absolut unerwünscht ist).
Wie bei fast allen Black and Tan-farbenen Hunden traten auch beim Manchester Terrier und beim Toy Terrier gelegentlich die Farben „Blue and Tan“ auf. Doch dieser Farbschlag hatte keine Überlebensschancen. Wie alle derart gefärbten Hunde (Dobermann, Deutscher Pinscher, Zwergpinscher) litten sie am so genannten „Blue Dobermann- Syndrom“, einer erblich erhöhten Anfälligkeit zu Alopezie (Haarschwund) und Hautentzündungen. Die „Blue and Tan“-farbenen Welpen wurden mit einem intakten Fell geboren, doch bereits im ersten Lebensjahr traten unheilbare Ekzeme auf, das Fell wurde löchrig (wie von Motten zerfressen) und die Ohren wurden ganz kahl (Lederohren). Deshalb ist klar, dass die „blauen“ Manchester- und Toy Terrier heute nicht mehr anerkannt sind. Auch die vereinzelt anzutreffenden Brown and Tan-farbenen Hunde vermochten sich nicht durchzusetzen. Heute wird sowohl beim Manchester Terrier als auch beim English Toy Terrier nur die Farbe Black and Tan toleriert.
Im 19. Jahrhundert war der Toy Terrier in England ein sehr populärer Hund. Im Osten von London war er damals in fast in jedem Haus anzutreffen. Er war so klein, dass er in jede Jackentasche passte. Er hatte einen runden Apfelkopf, hervorstehende dunkle Augen. Die Zähne waren so spitz wie Nadeln. Das Fell war so dünn, dass die Haut durchschimmerte, der Hals war kurz und dick, die Beinchen waren sehr dünn. Der Rücken deutlich gebogen, die Tanfarbe war gelbbraun. Man weiss, dass besonders das kurze Haar dem Hund Probleme machte, es bestand die Neigung zu Hautkrankheiten. Häufig hatten die Hunde braune oder graue Unterwolle, die Tanfarbe war oft nicht „tan“, sondern ein verwaschenes gelb und die Abzeichen waren verschwommen.
Zur damaligen Zeit gab es noch keine wirksamen Impfstoffe gegen Staupe, so wurden regelmässig ganze Würfe dahingerafft. Auch gegen Eingeweidewürmer gibt es heute weit wirksamere Mittel als Knoblauch und Karotten.
Die Hunde wurden gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer schöner, eleganter und auch schneller als der ursprüngliche Typ des Black and Tan-Terriers. Es galt einen Ausstellungshund zu züchten mit einem sauberen Schwarz, leuchtendem Rotbraun und scharf abgegrenzten Abzeichen. Auf die schwarzen Striche auf den Zehen und den schwarzen „Daumenabdruck“ wurde sehr grosser Wert gelegt.
Bei derartigen Anforderungen an die Farbverteilung war es schwierig, einen ganz korrekt gezeichneten Hund zu züchten. Dem Betrug waren Tür und Tor geöffnet, Färben und Malen fehlender Abzeichen waren an der Tagesordnung, weisse Haare wurden übermalt oder ausgezupft.
Nach dem zweiten Weltkrieg war die Rasse vom Aussterben bedroht. Nur gerade elf eingetragene Hunde mit Abstammungsnachweis lebten noch in England. Die Züchter mussten weit reisen, um ihre Hündin mit einem passenden Rüden decken zu lassen.
Langsam erholte sich die Rasse wieder. Frisches Blut kam vor allem aus Amerika mit dem Toy Manchester Terrier.
Ein neuer Club, der British Manchester Terrier Club wurde gegründet, der nach Anfangs-schwierigkeiten heute in der Lage ist, Spezialausstellungen für Manchester- und English Toy Terrier zu organisieren.
Die Mitglieder durften keine Hunde in Länder exportieren, in denen die Ohren noch kupiert werden durften.
Heute wird der English Toy Terrier auch bei uns immer populärer.
Text teils entnommen aus: «Enzyklopädie der Rassenhunde» Band 2 von Dr. hc. Hans Räber, Franck-Kosmos Verlag.
Hier sieht man den kleinen Rattenkiller bei der Arbeit. Der Killer kaum grösser als die Ratten…
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