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SeinTreiben stürzte ihn in Krankheit und Schulden, so daß ihn 1760 die Eltern heim riefen. Nach einem
kurzen Aufenthalt als Hauslehrer in Königsbronn kehrte er 1762 abermals nach Aalen zurück, von wo aus er in der Nachbarschaft
den Pfarrern als Prediger aushalf, bis ihm 1763 im Spätherbst das Amt eines Präzeptors und Organisten in
Geißlingen zu teil ward. Hier verheiratete er sich schon im Januar 1764 mit der Tochter des Oberzollers Bühler, litt bald
unter der Armseligkeit seiner häuslichen und amtlichen Verhältnisse, über die er sich einmal durch litterarische und musikalische
Thätigkeit und öfters durch wilde Gelage und Zerstreuungen hinwegzuhelfen suchte.
Auf dem Hohenasperg mußte S. zehn Jahre lang schmachten, das erste Jahr in strengster Haft, bis 1782 unter der Obhut des pietistischen
DespotenGeneralRieger, von Weib und Kind getrennt, anfangs aller Bücher und Schreibmaterialien beraubt, später in unwürdiger
Weise von dem Festungskommandanten zu den Geschäften eines Gelegenheitspoeten und Privatsekretärs verwendet. Erst im Mai 1787 wurde
infolge preußischer Verwendung der körperlich zerrüttete Mann wieder in Freiheit gesetzt und dann, um die Sinnlosigkeit
despotischer Willkür voll zu machen, zum Hofdichter und Theaterdirektor in Stuttgart
[* 24] ernannt, wo er die Herausgabe der
eine Zeitlang von Schubarts treuem FreundMartinMiller, dem Dichter des »Siegwart«, in Ulm zum Besten derFamilie weitergeführte
»Chronik« wieder aufnahm und in nunmehr glücklichen Familienverhältnissen und bei reichlichem Einkommen ruhiger als sonst
lebte, ohne jedoch die alte Schmaus- und Zechlust gänzlich zu verleugnen. Er starb in Stuttgart.
Schubarts Dichtungen und sonstige schriftstellerische Werke sind das getreue Spiegelbild seiner Persönlichkeit. Wie diese
zucht- und haltlos sich lediglich den Eingebungen momentaner Stimmung unterworfen zeigte, so sind auch seine geistigen Produkte
in unsteter Flüchtigkeit und ohne künstlerischen Ernst gleichsam auf das Papier geschleudert. Schubarts Name ist bekannt geblieben
durch die düstern Lebensgeschicke des Dichters; ohne diese wären seine Dichtungen (etwa »Die Fürstengruft« und den »Hymnus
auf Friedrich d. Gr.« sowie einige wirklich den Volkston treffende, wie das »Kaplied«,
abgerechnet) längst verschollen.
Über seine äußern und innern Erlebnisse hat der Dichter uns in »Schubarts Leben und Gesinnungen« (Stuttg. 1791-93, 2 Bde.)
eigne, im Kerker abgefaßte Aufzeichnungen hinterlassen, die jedoch die beklemmende Luft des Gefängnisses, in welcher S.
zum zerknirschten Pietisten ermürbt war, allzu sehr verraten, als daß ihnen historische Zuverlässigkeit beizumessen wäre.
Schubarts »Sämtliche Gedichte« erschienen Stuttgart 1785-1786, 2 Bde. (neue Ausg.,
das. 1842); seine »Gesammelten Schriften« daselbst 1839-40, 8 Bde.