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Ein Gespräch über die Situation vor Ort mit Irineo Vázquez, 35, Sprecher des Pflegeteams der Klinik - März 2022
Zum Einzugsgebiet der Klinik gehören neben el Boquerón die Gemeinden Flor del Café, el Boqueroncito und Santa Bárbara Chiquita mit insgesamt 2000 Einwohner/innen. Die Häuser sind sehr einfach gebaut, die meisten aus Lehmziegeln oder Holzbrettern mit Dächern aus Wellblech. Rund 70% der Menschen leben in sehr prekären Verhältnissen. Das bedeutet, dass die Wohnverhältnisse ungesund sind, die Menschen kaum Arbeit finden und die Kinder unterversorgt sind, was Ernährung, Gesundheitsversorgung, Kleidung sowie Ausbildung anbelangt. Der Minimallohn in Guatemala beträgt 360.- Franken monatlich. Oftmals wird der Bau eines Hauses durch Geld von Angehörigen in den USA ermöglicht. Die Häuschen sind elementar mit Wasser und Elektrizität versorgt, wobei nur 60 Familien an ein Röhrensystem angeschlossen sind, während sich die anderen das Wasser in individuellen Sodbrunnen holen. Ein Teil der Elektrizität kommt aus Mexico. Dieser Versorger kappt die Leitung aber oft für bis zu drei Tage. Es gibt eine Primar- und eine Sekundarschule. Wer in die nächste grössere Stadt fahren muss, kann nicht auf eine regelmässige Busverbindung zählen. Eine regelmässig bediente Busstation liegt 28 km weit entfernt, La Democracia – mit rund 40'000 Einwohnern und einem Regionalspital – in 72 km.
Das neue Gesundheitszentrum wird erfreulicherweise etwas grösser als jenes, das 2020 durch Tropenstürme zerstört worden ist und befindet sich an einem ruhigen, gut zugänglichen Ort, wo die Leute gerne hingehen. Die Materialien sind resistenter und die Raumaufteilung ist besser. Weiterhin bilden drei Frauen und ein Mann das für die Gesundheitsversorgung des Gebietes verantwortliche Team, drei vollamtlich, eine Frau in Teilzeit. Verstärkt werden sie durch einen Krankenpfleger mit Zusatzausbildung, welcher einmal pro Woche vor Ort anwesend ist. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Gesundheitsversorgung von Kindern bis 5 Jahren, von Schwangeren und Müttern in den Monaten nach einer Geburt sowie chronisch Kranken. Eine wichtige Rolle spielen die Impfkampagnen. Selbstverständlich kümmern sich Irineo und seine Kolleginnen auch um alle anderen Menschen mit Gesundheitsproblemen, welche sie um Hilfe bitten. Pro Tag erscheinen rund zwanzig Personen zu einer Konsultation. Dramatisch wird es bei schweren Erkrankungen. Wer beispielsweise eine Hirnblutung erleidet, muss mit einer Ambulanz nach Huehuetenango transportiert werden, das sind 6 Stunden über zum Teil schlechte Strassen. So ist es besonders wichtig, alle in el Boquerón möglichen Präventionsmassnahmen zu ergreifen. Genau dafür sorgen Irineo und sein Team im neuen Gesundheitszentrum, welches im März schon eröffnet werden soll.
Das Gespräch geführt hat Jurik Rockenbach, Koordinator der Stiftung Ulrich Gurtner Kappeler UGK a.h.