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AUTOFAHREN
IST SEHEN
Verkehrsspezifisches
SEHEN entwickeln
heisst, dass das Auge wichtige Informationen an
unser Gehirn leitet, welche anschliessend in sinnvolle
Reaktionen umgewandelt werden müssen.
Beispiel:
Sie bemerken ein dreijähriges Kind an der Hand seiner Mutter
auf dem Trottoir gehend, kurz vor einem Fussgängerstreifen.
Erste
Information des Auges: Kind, Mutter, Trottoir, Fussgängerstreifen.
Erste
Einschätzung der Lage:
- Kind
= unberechenbar!
- Das
Kind gibt der Mutter die Hand.
- Möglich,
dass die beiden den Fussgängerstreifen überqueren.
Genügt
diese erste Einschätzung, um sicher vorbeifahren zu können?
Das Kind ist ja an der Hand der Mutter!
Nein,
weitere Informationen müssen abgelesen respektive abgesehen
werden, um richtig auf die Situation zu reagieren:
-
Konzentriert sich die Mutter auf das Kind?
- Ist
sie in eigenen Gedanken versunken oder lenkt sie sonst etwas ab?
- Wohin
ist ihr Blick gerichtet?
- Geht
sie schnell, geht sie gemütlich?
- Nimmt
sie den Verkehr wahr?
- Wirkt
sie gestresst oder ruhig?
- Wie
lebhaft ist das Kind? Hüpft es oder lässt es sich
an der Hand der Mutter nachziehen?
- Auf
was ist seine Aufmerksamkeit gerichtet (auf die andere Strassenseite,
auf einen Käfer...)?
- Kommuniziert
es mit der Mutter?
Mit grosser
Wahrscheinlichkeit wissen wir nach all diesen Beobachtungen, auf welche
Art und Weise die beiden unterwegs sind und ob sie die Strasse überqueren
oder nicht.
Schaut
die Mutter zurück in unsere Richtung (meine Fahrbahn), dann wird
sie mit grösster Wahrscheinlichkeit den Fussgängerstreifen
überqueren wollen; zeigen ihre Füsse in Richtung Strasse,
ist das ein weiteres Indiz dafür. Ebenso wird sie sich wahrscheinlich
auf das Kind konzentrieren, damit es darauf vorbereitet ist, dass es
gleich die Strasse überqueren wird.
Schaut
die Mutter aber nach vorne läuft sie wohl auf dem Trottoir weiter.
Wir sind nun gefordert, das Kind ständig zu beobachten,
jedes Detail
zu sehen und daraus Schlüsse zu ziehen. Es könnte ja
sein, dass sich das Kind von der Hand der Mutter löst. Zum Beispiel
zieht ein für uns unsichtbarer Käfer auf dem Trottoir das
Kind in Bann und seine Aufmerksamkeit gilt "nur noch diesem Objekt.
Es reisst sich los!
Nebenbei
erwähnt: Das wiederum ist es, was an Kindern so fasziniert: Sie
leben im Moment!
DIESES
KLEINE BEISPIEL ZEIGT, WIE ANSPRUCHSVOLL DAS AUTOFAHREN IST.
Nebst den
vielen nützlichen Verkehrsregeln liegt die Hauptaufgabe darin,
die verschiedenen Verkehrsteilnehmer zu beobachten und zu analysieren
um dadurch frühzeitig Gefahren zu erkennen und richtig darauf zu
reagieren.
Die Frage,
die es zu beantworten gilt, lautet also: WER IST WIE UNTERWEGS?
Für
mich ist es immer wieder erfreulich, wenn ich bei einem Schüler
feststelle, dass er jetzt die Mitmenschen, sei es den entgegenkommenden
Autofahrer, den unsicheren Fahrradfahrer oder den gestressten Fussgänger,
zu beobachten beginnt. Er ist interessiert daran herauszufinden, auf
welche Art und Weise seine Mitmenschen unterwegs
sind. Das grenzt an ein "kleines Psychologiestudium". Probieren
Sie einmal das obige Bild zu analysieren!
IN
DIESEM SINNE FREUE ICH MICH, SIE AUF DEN FÜHRERSCHEIN VORZUBEREITEN!