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20. Oktober 2018, 16:30 Uhr, Buchhandlung Mattmann
Schillernd rätselhafte Frauenfiguren
Mit «Dagny oder Ein Fest der Liebe» ist Zurab Karumidze ein turbulenter Roman über das Ende der Belle Époque und den Beginn des Terrors gelungen. Der Roman ist ein überbordendes postmodernes Spiel und vereint ein buntes Figurenarsenal von real existierenden historischen Figuren. Die zentrale Figur ist Dagny Juel. Diese Frau gab es wirklich, sie wurde am 4. Juni 1901 in Tiflis von einem nicht erhörten Liebhaber erschossen, woraufhin dieser sich selbst richtete.
Die Norwegerin war Edvard Munchs Modell, wurde von August Strindberg geliebt und dann in einem Drama vernichtet. Schließlich aber heiratete sie den Bohemiensatanisten Stanisław Przybyszewski, welcher sie dann seinem Jünger Władysław Emeryk überliess, der sie nach Tiflis mitnahm.
Im Roman treten zudem auf: Der georgische Mystiker Georges Gurdjieff und der Volksdichter Wascha-Pschawela. Weiter ein sprechender Rabe vom Saturn, der Maler Niko Pirosmani, ein tibetanischer Schamane, August Strindberg, Albert Schweitzer und viele andere. Sie alle sind beteiligt an einem »Fest der Liebe«, das gründlich schiefgeht, weil sich der junge Revolutionär Koba einmischt, der ein Auge auf Dagny geworfen hat. Er wird später als Josef Stalin in die Geschichte eingehen.
Und natürlich spielt das georgische Nationalepos, «Der Recke im Tigerfell» von Schota Rustaweli, eine wichtige Rolle.
Mit seinem aktuellen Roman „Ein Bild von Lydia“ zeichnet Lukas Hartmann aus der Perspektive von Lydia Escher-Wyss ein behutsames Porträt einer Epoche.
Sie ist klug, kunstbegeistert und nach dem Tod ihres Vaters, »Eisenbahnkönig« Alfred Escher, die reichste Frau der Schweiz. Sie ist verheiratet mit dem Sohn eines mächtigen Politikers. Sie ist bereit, all das aufs Spiel zu setzen. Aus Liebe zu einem Künstler. Wer ist Lydia? Niemand kennt sie besser als Luise, das Dienstmädchen, das in allen Wendungen ihres Schicksals an ihrer Seite ist. Und doch bleibt Lydia auch ihr ein Rätsel.