Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03524.jsonl.gz/1892

In Konsumplakaten des frühen 20. Jahrhunderts beweisen Engel- und Teufelsdarstellungen die einerseits nach wie vor starke Verankerung in einer christlichen Ideenwelt, andererseits bereits die Distanzierung von einer allzu strengen christlichen Ikonografie. Dennoch war es gewagt, für den Bitter des Diablerets mit dem Teufel zu werben, erstmals in der Schweiz. Der würzig-bittere Aperitif verdankt seine Werbefigur einer Legende: Als sich der Teufel eines Tages auf der nach ihm benannten Bergkette austobte und Steine warf, löste er einen Bergsturz aus. Retten konn- ten sich nur wenige Bauern, die an Wurzeln saugten, um zu überleben. Für den französischen Aperitif Maurin Quina entwarf auch der berühmte Plakatgestalter Leonetto Cappiello 1906 einen grünen teuflischen Verführer als Markenzeichen. Steht der Teufel in der Religionsgeschichte für das Böse schlechthin, so findet er im Engel seine friedliebende, sanfte Gegenfigur. Die Darstel- lung von Engeln, die, anders als Teufel, schon in der Bibel bildlich beschrieben werden, variiert stark. Während Engel in der christlichen Ikonografie meist Jünglinge sind, wechselt der Engel im 19. Jahrhunderts zunehmend sein Geschlecht und wird als Frau personifiziert: Mütterlich- engelhaft offeriert die Engelfrau ihre Produkte. Beliebt sind im Werbeplakat auch die niedlichen Putten, meist als nackte wohlgenährte Knäblein gezeigt.
Bereits seit dem Jahr 2000 werden in den Schaufenstern des zentral gelegenen Gebäudes der Schweizerischen Nationalbank in Zürich thematisch ausgewählte Plakate aus den reichen Beständen der Plakatsammlung des Museum für Gestaltung Zürich präsentiert. Die Plakate können in den Fenstern des Erdgeschosses entlang des Stadthausquais, der Börsenstrasse und der Fraumünsterstrasse besichtigt werden.