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Die Yoga Sutras sind alte Schriften Indiens und stellen eine der ganz alten Überlieferungen der ursprünglichen Yogatradition dar. Vor etwa 2000 Jahren wurde von Patanjali ein Werk zusammengestellt. Die Sutras selbst sind jedoch sind noch älter, das genaue Entstehungsdatum und Autoren sind jedoch unklar. Es gibt aus dem 15ten Jahrhundert die Hatha Yoga Sutren (6 Limbs) und im 17ten Jahrhundert finden wir Sutren laut Hamsamitthu bestehend aus 15 Limbs. Die Patanjali Yoga Sutren sind in Versen verfasst und in 4 Kapitel (Padas) gegliedert.
Die Sutras stecken voller Lebensweisheit und bieten auch für den modernen Menschen Do’s and Don’ts, um sein Leben erfüllt und glücklich leben zu können. Wenn man sich jedoch eingehender mit ihnen beschäftigt, kann man sich aus ihnen Fragen zur Selbstreflexion ableiten, um immer wieder mal über das eigene Leben und Lebensführung zu reflektieren.
Die Yoga Sutras sind jedoch schwer leserlich, schwer verständlich und verschiedene Leser interpretieren verschiedene Bedeutungen in die Verse. Was aber auch bedeutet, dass jeder seine persönlichen, individuellen Botschaften aus ihnen herauslesen kann.
Im traditionellen Yoga haben die Yoga Sutras große Bedeutung und werden als Ursprung des Yoga verehrt. Deswegen sollte sie sich jeder Yoga Suchende und Praktizierende ab und zu zu Herzen nehmen.
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1. Kapitel der Sutras: Samadhi Pada
Das erste Pada gibt zu allererst eine Definition von Yoga – nämlich die vollständige Auflösung von Gedanken in einem meditativen Zustand und die Erreichung eines mentalen Gleichgewichts durch tägliches Üben. Es wird klar gestellt, dass Yoga jede einzelne Sekunde des Tages praktiziert werden kann – denn es ist weit mehr als Turnübungen auf einer Matte.
Es wird die Struktur von Gedanken beschrieben und dass der Geist von einem konstanten Gedankenfluss überspült wird. Durch Meditation soll es dem Praktizierenden ermöglicht werden, seine Gedanken zum Stillstand zu bringen, damit das wahre Selbst Ausdruck erlangt. Für das Individuum wird damit die Findung des Selbst als besonders wichtig hervorgehoben. Es werden Hindernisse für die Selbstrealisierung beschrieben: Dies sind körperliche Einschränkungen, Stumpfsinn, Zweifel, Arroganz, Faulheit und das Fehlen von Durchhaltevermögen und Konzentration.
Fragen zur Selbstreflexion:
- Wie würde dich ein Freund beschreiben?
- Was sind deine drei größten Stärken?
- Was sind deine größten Erfolge im Leben?
- Was sind deine Wünsche und Ziele?
- Was tust du für die Erreichung deiner Ziele?
- Wie viel Zeit nimmst du dir pro Tag für dich selbst?
- Hast du dir heute schon mal eine Ruhepause gegönnt, indem du deinen Kopf kurz frei von Gedanken gemacht hast? Kannst du deinen Gedankenfluss zum Stillstand bringen?
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2. Kapitel der Sutras: Sadhana Pada
Das zweite Pada handelt von der Praxis – sie sollte von Disziplin, Selbststudium und Vertrauen in einen höheren Sinn geprägt sein. Dieses Konzept wird im Yoga nicht nur auf yogische Inhalte, sondern prinzipiell auf jede Aktivität, der ein Mensch nachgeht, bezogen. In der Arbeit, aber auch in der Freizeit soll man in seinem Handeln immer die bestmögliche Leistung bringen, sich auf die Aufgabe konzentrieren und Freude der Tätigkeit entgegen bringen.
Es wird beschrieben, dass äußere Umstände weder zu Leiden, noch zu Glück führen können und dass man sich deswegen mit einer Grundzufriedenheit gegenüber sich und dem eigenen Körper der Yoga Praxis widmen soll.
Außerdem wird in diesem Kapitel der achtgliedrige Pfad des Ashtanga Yoga erwähnt. Ashtanga Yoga ist sozusagen die erste Stufe des Yoga Suchenden auf dem Weg zum wahren Selbst. Diese Stufen beinhalten Verhaltensregeln für das Leben mit sich und der Umwelt im Alltag, das Üben von Meditation und Konzentration, körperlicher Betätigung, um Körper und Geist in Einklang zu bringen und die Beeinflussung von Energie im Körper durch Atemübungen.
Auch hier werden Hürden beschrieben: Ignoranz, Egoismus, Abhängigkeiten und Negativität. Im weiteren Sinne kann dabei unter anderem Ignoranz und Egoismus gegenüber anderen Lebewesen, oder der Umwelt verstanden werden. Abhängigkeiten wirken sich auf die persönliche Entfaltung aus; wenn eine Person ihr Glück von anderen Menschen, Essen, Alkohol, Zigaretten, oder ähnlichem abhängig macht.
Und letztendlich hat auch positive Psychologie eine große Bedeutung im Yoga. Du bist, was du denkst – eine Erkenntnis, die die Yogis schon vor Tausenden von Jahren erlangt haben. Das Sutra, das sich mit diesem Thema auseinandersetzt, ruft zur Überprüfung der selbst erzeugten Stimmungslage durch unsere Gedanken auf. Wer in einem Netz negativer Gedanken gefangen ist, sollte sich konsequent bemühen, diese in positive umzuwandeln.
In diesem Kapitel wird auch die Asana Praxis näher beschrieben – als Methode, um Harmonie im physischen Körper herzustellen. Ein Asana soll gemäß der Sutren nämlich beständig und komfortabel sein – ganz im Gegensatz zur Yogapraxis, wie sie in heutigen Studios oft verfolgt wird.
Der Inhalt dieses Padas bezieht sich stark auf die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und auf das Streben nach Selbstverwirklichung. Es wurde mir auch einmal folgendermaßen beschrieben: Suche jene Dinge in deinem Leben, die du noch nicht getan hast und jene, die du schon immer tun wolltest. Und dann tu sie!
Fragen zur Selbstreflexion:
- Was hast du heute Gutes für deinen Körper getan? Was willst du heute noch für deinen Körper tun?
- Wann hast du das letzte mal jemandem eine Freude gemacht?
- Ist etwas, das du heute gesessen hast, oder Kleidung, die du getragen hast, oder ein Verkehrsmittel, das du gefahren bist, oder Müll, den du entsorgt hast, für direktes oder indirektes Leid von Lebewesen oder Umwelt verantwortlich (dir und deinem Körper eingeschlossen) ? Was tust du dagegen?
- Welche Gedanken dominieren in deinem Kopf – positive oder negative?
- Wovon ist deine Laune abhängig? Gibt es jemanden oder etwas, das dich unglücklich macht? Bist du vielleicht abhängig von Nikotin, Coffein, Zucker, Fleisch oder gar Alkohol?
- Gehst du mit Neugier durch die Welt? Willst du lernen?
- Erlebst du in deiner Arbeit Glücksmomente? Was war der letzte?
- Was macht dich in deiner Freizeit glücklich?
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3. Kapitel der Sutras: Vibhuti Pada
Das dritte Kapitel handelt von den Resultaten der Yoga Praxis, wenn eine Person erfolgreich den acht Stufen des Ashtanga Yoga nachgeht, wenn sie sich glücklich ihren Aufgaben und Verpflichtungen widmet, ihrem Geist während Meditation Ruhe verschaffen kann, ihr Glück von nichts und niemandem genommen werden kann und die die Yoga Praxis als Lebensphilosophie verfolgt. Dann wird Harmonie der Gedanken, tiefe Konzentration und ein Zustand völliger Versenkung in der Meditation erlangt. Letztere ist auch Hauptthema in diesem Kapitel – sie bewirkt eine Verbindung von Körper und Raum. Gemäß den Sutras verfolgt Meditation den Weg zum wahren Selbst und führt zu tiefgründigem Wissen.
Fragen zur Selbstreflexion:
- Hat dein Tagesablauf eine Routine? Wie sieht sie aus? Wieviel Zeit davon tust du dir selbst etwas Gutes?
- Welche Werte hast du im Leben? Vertrittst du deine Wertvorstellungen und Meinungen gegenüber anderen Personen?
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4. Kapitel der Sutras: Kaivalya Pada
Dies ist das Kapitel über die Befreiung. Hier wird von der Befreiung des Geistes von Körper und Materie erzählt, ein Zustand, der durch Yoga letztendlich erreicht werden soll und von den ganz großen Yogis auch erreicht wurde und wird.
Die letzten zwei Kapitel sind wohl schon sehr spirituell angehaucht und für jemanden aus dem Westen, ohne yogischem oder hinduistischen Hintergrund eher schwer begreiflich. Ich selbst nütze Yoga (fälschlicherweise) auch nicht als spirituellen Pfad, sondern eher als Glücksratgeber. Denn genau das sind die ersten zwei Kapitel. Wer sich also mal näher mit den Sutras beschäftigt, kann daraus viele Botschaften für das eigene Leben gewinnen. Sie weisen mit Wertvorstellungen gegenüber Mensch, Tier und Umwelt und persönlichen, sowie sozialen Verpflichtungen den Weg und setzen das Augenmerk auf das Wohlergehen und Glück des Einzelnen. Ganz ohne religiöse Absicht.
Meine Leseempfehlungen:
Die Yoga-Sutras im Alltag leben von Eckard Wolz-Gottwald – Dieses Buch leitet mit den Sutras durch persönliche Selbstreflexion.
Yoga – Tradition und Erfahrung von T.K.V. Desikachar – Für Jene, die es praktischer mögen – hier werden auch Asanas in die Thematik einbezogen. Herr Desikachar gehört als Sohn von T. Krishnamacharya, dem Begründer des modernen Yoga, außerdem zu den ganz Großen in der traditionellen Yoga Szene.