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Der diesjährige «Welttag der älteren Menschen» findet nicht im Vatikan statt, da der Papst am 24. Juli in Kanada war. Dafür hat das Kirchenoberhaupt aber seit Ende Februar jeden Mittwoch eine Katechese bei der Generalaudienz gehalten, in der es um die Grossdädis und Grosis in der Bibel ging. Die älteren Menschen, die «noch nie so zahlreich waren wie heute», würden oft als «Last» empfunden, vor allem in einer Wegwerfkultur wie der unsrigen. Das ist ein viel zitierter Satz von Papst Franziskus. In der dramatischen ersten Phase der Pandemie hätten unsere Grosseltern «den höchsten Preis» bezahlt, so Franziskus.
Alter als Geschenk
In den Totalitarismen des zwanzigsten Jahrhunderts sei das «vorherrschende Symbol» die Verherrlichung der Jugend gewesen, verbunden mit der Verachtung für die Alten. Und das gelte in der heutigen Konsumgesellschaft ebenso.
Das Alter sei aber in Wirklichkeit ein Geschenk, so der Papst. In seinen Katechesen über die «Grosseltern der Bibel» brachte er Beispiele wie Moses, Eleasar oder Judith, die ein anderes Profil des älteren Menschen entwerfen. Es handelt sich dabei um Personen, die in der Lage waren, «Weisheit, Werte und Glauben an die neuen Generationen weiterzugeben».
Hinter den vatikanischen Mauern
Schöne Worte. Aber wie sieht es denn hinter den vatikanischen Mauern aus? Ältere Kardinäle, ja sogar einen emeritierten Papst gibt es, und diese leben in Einrichtungen, die Schweizer Alterswohnheimen durchaus ähnlich sind. Vor einigen Jahren besuchte ich Roger Etchegaray, einen Kardinal «im Ruhestand». Ein sehr netter Kirchenmann, der 2019 mit 97 Jahren verstorben ist. Die letzten Lebensjahre verbrachte er in einer vatikanischen Einrichtung, die viele von uns Vatikanesen einfach «Vatikan 2» nennen. Diese Einrichtung befindet sich im römischen Quartier Trastevere. Dort gibt es einen Gebäudekomplex, in dem einige vatikanische Büros extraterritorial – also ausserhalb des Vatikanstaates – eingerichtet sind. In den obersten Stockwerken gibt es Wohnungen, in der ältere Kardinäle leben.
Enkel und Kardinäle
Es gibt aber auch viele ältere Laien, die lange Jahre für den Vatikan gearbeitet haben und als Grosseltern in den Sommermonaten auf ihre Enkelkinder aufpassen, während die Eltern in den vatikanischen Büros arbeiten.
Die italienischen Schulen beginnen den Unterricht erst wieder Mitte September. So kommt es nicht selten vor, dass die vatikanischen Grosis mit ihren Enkelkindern spazieren gehen, um beispielsweise beim vatikanischen Supermarkt einzukaufen. Dort treffen sie dann auch ältere Kardinäle, die zwar keine Enkelkinder haben, doch meist längere Gespräche mit den Grosseltern führen, während die Jüngeren eine Glace geniessen oder dem einen oder anderen Schweizergardisten beim Vatikan-Eingang Grimassen schneiden.