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[* 4] Die größte und interessanteste
Eishöhle der
Schweiz
[* 5] liegt südöstlich unter dem Sigriswyler Rothorngipfel
in 1790 m Meereshöhe. Dieselbe hat eine
Länge von 206,8 m, die tiefste
Stelle, die Oberfläche des Eissees, liegt 37,8 m
tiefer als der Eingang, die
Breite
[* 6] schwankt zwischen 23,5 und 7,5 m.
Erst 86 m vom Eingang beginnt die Eisbildung, die sich 107,3 m weit in die
Höhle erstreckt, von einem jähen Einsturz unterbrochen,
der die
Höhle in zwei
Stufen trennt.
Für die
Erklärung der abnormen Eisbildungen in den obern Bodenschichten ist die physikalische
Beschaffenheit der Eishöhlen von Wichtigkeit.
Alle hierher gehörigen
Phänomene lassen sich einteilen in: 1) Eishöhlen und zwar eigentliche Eishöhlen und
einführende Dolinen;
2) Eislöcher, die in Eisleiten und Eisbildungen im
Gerölle (Eisgerölle) zerfallen;
3) abnorme, niedrige
Bodentemperaturen, einerseits Ventarolen und Windlöcher, anderseits Kaltboden. Was das
Verhältnis der
Temperatur der
Luft und des umgebenden Gesteins betrifft, so beträgt die
Temperatur der Wandungen durchschnittlich
0,0-1,0° C. Das
Gestein ist also im
Sommer der abkühlende
Faktor. Unter solchen Umständen ist auch im
Winter das Eindringen
des Sickerwassers möglich, von dem die Eisbildung wesentlich abhängig ist. Die
Frage, wodurch der Bodenwärme das
Gleichgewicht
[* 10] gehalten wird bei einer völlig stagnierenden Luftmasse, ist noch nicht klargestellt.
Das sicherste
Resultat haben die Untersuchunegn über den Feuchtigkeitsgehalt der
Höhlen ergeben, die
alle zeigen, daß die
Luft fast vollständig gesättigt ist.
Daher ist eine
Verdunstung und dadurch hervorgerufene Abkühlung
bei dem völligen Mangel an Luftzug unmöglich. Die
Ursache der
Kälte, welche die Wandungen einer
Höhle kalt genug erhält,
um Eisbildungen zu ermöglichen, sieht
Schwalbe in dem Sickerwasser in
Verbindung mit den Bodentemperaturverhältnissen.
Er stützt sich dabei auf die
Thatsache, daß
Wasser unter 4° C. beim Durchsickern durch poröses
Gestein infolge einer
Verdichtung
des
Wassers an der Oberfläche des festen
Körpers eine Abkühlung erfährt, die sich bis zur Überkältung steigern kann.
Das Sickerwasser hat
nun im
Winter, aber auch im
Frühling eine
Temperatur unter 4° C., so daß es nach
der Abkühlung überkältet oder mit der niedrigen
Temperatur von 0,0-1,0° C. heraustritt und dann durch die kalte
Luft leicht zum Gefrieren kommen kann, ohne dieser von ihrem Kältevorrat etwas zu entgehen. Eine
Schwierigkeit, die unerklärt bleibt, besteht in der gleichmäßigen Ausbreitung und großen Mattigkeit des Bodeneises, die
durch Tropfungen an den
Stalagmiten nicht zu stande kommen kann.
Vgl.
Schwalbe, Eishöhlen und Eislöcher (Berl. 1886).
diejenigen
Epochen der der Gegenwart unmittelbar vorausgehenden Quartärzeit,
in welche die größte Verbreitung der
Gletscher fällt. Die
Beweise für eine früher größere Vergletscherung der
Erde liefern
1) die erratischen
Blöcke. Dieselben bestehen aus Gesteinsarten, welche meistens der nächsten Umgebung fremd sind und nur
im Ursprungsgebiet des betreffenden
Gletschers, von dem sie transportiert wurden, anstehend gefunden werden. DieMehrzahl
der
Blöcke liegt an den Gehängen und auf den Oberflächen von Höhenzügen oft in bedeutender
Höhe über dem
Thal
[* 13] und in
den seltsamsten
Stellungen. Die großen
Blöcke, häufig von vielen tausend Kubikmetern
Inhalt, sind stets eckig und scharfkantig
[* 1]
(Fig. 1). 2) Die alten
Moränen.
Diese sind aus den gleichen, der Umgebung fremden
Gesteinen zusammengesetzt wie die erratischen
Blöcke.
Das
Material ist verschieden groß, bald eckig und kantig, bald abgerundet, geglättet oder geschrammt. Die
Moränen bilden
mehr oder minder zusammenhängende Hügelzüge von oft über 100 m
Höhe und liegen meist in mehreren parallelen
Zügen hintereinander.
Die äußern Moränenzüge sind am stärksten unterbrochen, die innern haben ihre charakteristische Form
am besten bewahrt.
3) Der alte geschichtete Gletscherschutt (Glazialschotter). Das Gesteinsmaterial entspricht nach Ursprung,
Beschaffenheit
und
Zusammensetzung dem der beiden andern erratischen
Bildungen. Die oft freilich unregelmäßige
Schichtung deutet auf die
Mitwirkung von
Wasser, sei es in Gletscherbächen oder
Seen.
Daraus geht hervor, daß die Vergletscherung der Alpen mehrfachen Schwankungen in Bezug auf ihre Ausdehnung
[* 19] unterlag, die entweder
nur untergeordneter Natur waren, oder längern Zeitepochen entsprachen. Aus der relativen Lage der äußern und innern Moränenzüge
ist nun geschlossen worden, daß von den wiederholten Vereisungen die letzte nicht den Umfang der vorhergehenden
erreichte. In der Schweiz liegen außerhalb der typischen Endmoränen noch Grundmoränen und erratische Blöcke.
Dasselbe Verhältnis kehrt am ganzen Nordrand der Alpen, am Fuß der Pyrenäen, in Mitteleuropa und Nordamerika
[* 20] wieder, die ältern
Moränen sind stets weiter verbreitet als die jüngern. Beide unterscheiden sich nicht bloß orographisch,
insofern als die äußern Moränen die charakteristischen Eigentümlichkeiten ihrer Entstehung nicht mehr aufweisen, sondern
auch geologisch, indem sie durch Zwischenbildungen voneinander getrennt sind. Die Quartärzeit besteht somit nicht aus einer
einzigen Gletscherperiode, sondern zerfällt in zwei Perioden des Gletscherwachstums, getrennt durch eine Zeit des Abschmelzens,
des zeitweiligen Gletscherrückgangs, eine Interglazialzeit.
Bei der Mannigfaltigkeit in der lokalen Ausbildung der Gletscherablagerungen ist eine Parallelisierung verschiedener Gebiete
noch mit Schwierigkeiten verknüpft, indem sich nicht sicher nachweisen läßt, daß z. B.
die Gletscher in den Alpen genau zur gleichen Zeit ihre größte Verbreitung hatten wie diejenigen in Skandinavien, oder daß
die Eiszeit Europas mit derjenigen Amerikas gleichzeitig war, es steht nur fest, daß dies innerhalb des gleichen
geologischen Zeitabschnitts geschah.
In den wichtigsten Gebieten der frühern Vergletscherung sind die Grenzen,
[* 21] bis zu denen das Land von Eis
bedeckt war, ziemlich genau festgelegt, wenn auch über die Deutung
der Erscheinungen noch nicht volle Übereinstimmung herrscht.
Am intensivsten ist die ehemalige Vergletscherung der Alpen und des voralpinen Hochlandes durchforscht. In der Schweiz waren
es außer den weniger bedeutenden Arve- und Isèregletschern fünf mächtige Eisströme, die sich über
die Hochebene ergossen und teilweise bis in den Jura reichten.
Der alte Rhônegletscher hatte über 5000 qkm, ebenso der Rheingletscher, derjenige der Linthca. 1000 qkm, der alte Aaregletscher
650, der Reußgletscher 1900 qkm Fläche. Die obern Grenzen der Gletscherspuren weisen ein Gefälle auf, das beim Reußgletscher
bis 40 m auf 1 km erreicht, beim Aaregletscher sogar bis auf 45 m steigt, die Dicke der Eisschicht betrug bei beiden stellenweise
fast 1000 m. Der Rheingletscher wurde durch den SchwäbischenJura nach NO. abgelenkt und von demselben aufgestaut.
Die Moränenlandschaft der zweiten Vereisung, End- und Ufermoränen, zeigt mehrfache Ein- und Ausbuchtungen
und bleibt hinter der äußersten Grenze des Moränengebiets um 10-20 km zurück. Entsprechend der Abnahme des eiszeitlichen
Gletscherphänomens von W. nach O. steht der Salzachgletscher mit seinen Größenverhältnissen in der Mitte zwischen seinen
beiden Nachbarn, dem Inn- und Traungletscher. Die Ursache der Abnahme der eiszeitlichen Gletscherentfaltung, welche
ganz proportional der heutigen Entwickelung ist, liegt nicht nur in der Änderung der Höhenverhältnisse des Gebirges, sondern
auch in dem Kleinerwerden der Thalsysteme gegen O. Nördlich der alpinen Vergletscherung beherbergten von den deutschen Mittelgebirgen
der Schwarzwald und die Vogesen in ihren südlichen Thälern kleine Gletscher.