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Unsere Rasselbande umfasst aktuell (Februar 2012) 28 Tiere - sieben
unkastrierte Böcke, vier Kastraten und 17 Weibchen.
Davon werden sieben Weibchen zur Zucht eingesetzt, die anderen sind reine Liebhabertiere oder Rentnerinnen.
Die Meerschweinchen leben das ganze Jahr über in grosszügigen Aussengehegen in verschiedenen Gruppen. Kein Tier sitzt je allein.
Die Deckböcke leben den grössten Teil des Jahres in der Männer-WG.
Sie bewohnen das Gartenhäuschen mit direkt angeschlossenem Auslauf und haben total rund 10 m2 Fläche zur Verfügung, mit vielen Verstecken und Ausweichmöglichkeiten. Junge Böcke verbringen mindestens ein halbes Jahr in dieser Gruppe, bevor sie zum ersten Mal im Deckeinsatz sind - sie lernen so von klein auf, die Signale der anderen zu deuten und mit anderen Männchen zusammenzuleben. Zeigt sich, dass ein junger Bock mit der Situation in der Bockgruppe nicht glücklich ist, wird er kastriert und bekommt entweder einen Platz im grossen Rudel oder wird an einen schönen Lebensplatz abgegeben.
Nur sozialverträgliche, umgängliche und gelassene Böcke werden zur Zucht eingesetzt.
Zur Zeit leben bei uns acht Männchen in der Männer-WG:
Fionn, Pepsi, PatPat, Mio, Dschingis, Signor Rossi, Rango und Williwaw
Maximal zwei davon sind gleichzeitig zu Deckzwecken weg, in der Gruppe müssen immer mindestens fünf Tiere bleiben, um die Stabilität der Gruppe zu gewährleisten. Der Chef, FIONN, wird überhaupt nicht zum Decken eingesetzt und bleibt ständig in der Gruppe.
Für die Verpaarungen zieht jeweils ein Bock mit ein bis drei Weibchen in einen der kleineren Ausläufe ( 4m2) und bleibt für einige Woche dort.
Wenn er nach dieser Zeit in die Bockgruppe zurückkehrt, gibt es anfangs meist ein paar kleinere Bluffereien, die Männchen loten mit körpersprachlichen Signalen aus, wie die aktuelle Situation ist, klären kurz die Rangordnung - und nach wenigen Stunden wuseln sie alle herum, als ob der andere nie weggewesen wäre.
Im grossen Rudel leben auf einer Fläche von rund 17 m2 meist etwa 15 bis 20 Tiere zusammen: altersgemischt und geschlechtsgemischt.
Rentnerweibchen, zuchtfähige Weibchen und mehrere Kastraten teilen sich das Gehege friedlich.
Ab und zu finden auch Vermittlungstiere im Rudel vorübergehend Aufnahme - die Mitglieder des Rudels sind sich so sicher und sind so gelassen, dass sie ohne weiteres Neulinge ganz unproblematisch bei sich aufnehmen. Selbst dominante fremde Kastraten werden in der Regel locker toleriert und verlieren meistens in sehr kurzer Zeit ihre unangenehmen Verhaltensweisen. Die Gruppe hat einen sehr guten Einfluss auf das Sozialverhalten der einzelnen Tiere.
Für die Verpaarungen ziehen die entsprechenden Weibchen jeweils für einige Wochen mit einem Bock in eines der kleineren Gehege (4 m2).
Die Weibchen werden im Alter von sechs bis neun Monaten erstmals gedeckt und haben dann, wenn alles gut klappt, ein bis zwei Würfe pro Jahr.
Wenn sich zeigt, dass ein Weibchen mit seinen Jungen völlig überfordert ist oder wenn es ernsthafte Komplikationen gibt, wird dieses Weibchen nicht weiter zur Zucht eingesetzt, bleibt aber in unserem Rudel bis zu ihrem Lebensende.
Je nach gesundheitlichem Zustand und nach charakterlichen Besonderheiten werden die Weibchen bis zu einem Alter von ungefähr dreieinhalb Jahren zur Zucht eingesetzt. Danach bleiben sie als Rentnerinnen im Rudel und tragen zu dessen unvergleichlicher fröhlich-gelassenen Stimmung bei.
Keines unserer Zuchtweibchen wird noch einmal abgegeben als Liebhabertier.
Die Jungtiere werden normalerweise in der kleineren Gruppe in einem etwas kleineren, besser überschaubaren Gehege (12 m2) geboren und aufgezogen.
In dieser Gruppe leben zwischen 5 und 10 erwachsene Meerschweinchen, davon immer mindestens ein erwachsener Kastrat, damit die Kleinen von anfang an eine naturnahe Situation erleben. In wildlebenden Meerschweinchensippen ist ja auch immer ein erwachsenes Männchen dabei.
Es ist für das soziale Lernen der Kleinen sehr wichtig, dass sie nicht mit ihrer Mutter allein in einem Stall sitzen, sondern auch andere Gruppenmitglieder kennenlernen und sich in die Hierarchie der Gruppe einfügen müssen. So werden sie optimal geprägt und sind später viel leichter in der Lage, sich in einer fremden Gruppe zu integrieren.
Meistens bleiben die Jungen ungefähr eine Woche lang im schützenden Chalet, in dem sie zur Welt gekommen sind. Die Mutter hat jederzeit die Möglichkeit, sich frei im ganzen Gehege zu bewegen. Die Bewegung ist wichtig für die optimale Erholung des Muttertiers nach der Geburt, der Kreislauf wird dadurch angeregt und die Kontakte zu den anderen Meerschweinchen tun ihr gut. Manche Jungtiere folgen ihrer Mutter schon nach wenigen Tagen, andere sind richtige "Stubenhöckler" - schon da zeigt sich, wie gross die charakterlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Tieren sind. Spannend!
Früher oder später lockt aber jede Mutter ihre Kleinen nach draussen. Und da gibt es dann viel zu entdecken! Die Kleinen lernen verschiedenste Geräusche kennen, unterschiedliche Materialien, fressen wie die Grossen allerhand Grünzeug je nach Angebot, beknabbern Äste und Rindenteile, erklettern Wurzeln und spielen miteinander Fangen zwischen all den Hindernissen im Gehege.
Die kleinen Männchen werden mit ungefähr 200 Gramm frühkastriert - sie können
nach der Operation direkt wieder zurück zu ihrer Mutter und ihren Gefährten, ins
gewohnte Gehege. Meist wachsen zwei bis drei Würfe gemeinsam auf, so dass ein
ganzer Kindergarten zusammen herumwuselt.
Oft leben im gleichen Gehege ausserdem einige Tiere, die zur Vermittlung zu uns gekommen sind, so dass sich idealerweise bei der Abgabe Gruppen bilden lassen, die wiederum natürlich altersgemischt sind: beispielweise ein erwachsenes Vermittlungspärchen mit zwei bis drei Jungtieren aus unserer Zucht.
Unsere Meerschweinchen leben halbwild, sie werden nur sporadisch zu Kontrollzwecken hochgenommen und sind sich den Kontakt mit Menschen vor allem auf Distanz gewohnt. Sie finden es völlig normal, dass jemand am Gehege steht und ihnen zuschaut - das ängstigt sie nicht weiter.
Rund die Hälfte der Tiere verliert mit der Zeit die natürliche Scheu und holt sich auch Leckerbissen direkt am Gitter ab, bzw. nimmt auch etwas aus den Händen der vertrauten Zweibeiner. Streicheln hingegen lässt sich kaum eines gerne, das entspricht ihnen nicht. Manche verlieren ihre Scheu nie und halten Zeit ihres Lebens einen Sicherheitsabstand ein. Manche sind aber unglaublich neugierig, wenn ein Zweibein mit Kamera im Gehege kauert *g*.