Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03617.jsonl.gz/113

KSC/KFC - ein gutes Stück Bündner Sportgeschichte (1911-1986)
von Bartholomé Hunger v/o Schlips
Nachdem Mario Marguth v/o Box (glücklicherweise) die Gründungsjahre des Kantonsschüler Fussballclubs (KFC) schriftlich festgehalten hat, hat dies auch der Bündner "Turnerpapst" J.B. Masüger in den Bündner Turnblättern im Jahre 1944 getan. Dabei hält er fest, dass man eigentlich zuerst im Kantonsschüler Turnverein (KTV) Fussball gespielt hat. Dazu schreibt er wörtlich: "Mitten in den leidenschaftlichen Kämpfen zwischen turnen und Sport fand der Fussballsport in Chur auch durch Ausländer und Auslandschweizer, die etwa unsere Kantonsschule besuchten, Eingang. Im Kantonsschülerturnverein spielten einige schon 1902 Fussball. 1903 führte man in diesem Verein eine obligatorische Spielstunde ein. Noch im Jahre 1915 spricht man im Protokoll des KTV von einer wöchentlichen fakultativen Fussballstunde. Solche Schüler, wie der hochgewachsene, schlanke Vodoz, der ausgeglichene, ausgezeichnete Schüler Mathieu aus Neapel, der kernige Bulgare Bobscheff, gehörten zu meinen ersten Schülern bei Antritt meiner Turnlehrerstelle im September 1911. Auch Borsotti und die in Chur wohnenden Hunger und Locher und der Seminarist Merlo waren dabei. Im Frühling 1911 wurde der KFC gegründet."
Er weist dann auch auf die verschiedenen Schwierigkeiten hin, die der junge Verein zu meistern hatte, wenn er weiter schreibt: "Wenn auch das Bestehen des jungen Klubs in der Lehrerkonferenz anerkannt wurde, waren in Chur nicht wenige offene und versteckte Gegner seiner Bestrebungen. Davon zeugten und zeugen noch die vielen Platztafeln mit der Aufschrift "Fussball verboten". Wenn wir in den KFC in Schutz nehmen wollten, suchte man in der Absenzenliste die auffallend häufigen Schulversäumnisse am Montag nach Fussballkämpfen nachzuweisen und leider waren sie wirklich hoch. Unsere Sympathien für den jungen Klub wurden oft durch gewisse energielose Mitglieder beschwert, welche sich jeweils montags wegen einer Kleinigkeit entfernen wollten, um dann gleichzeitig Konservenbüchsen 'herumzusperzen'. Besorgt um das weitere Bestehen des kunstvollen Laufspiels, unterliess ich es nie, jedesmal diese Leute 'als Totengräber des Fussballs' zu bezeichnen, die es durch ihre Pflichtvernachlässigung und Disziplinlosigkeit in Verruf bringen. Ich unterliess es auch nicht, den ersten Vorstand auf diese Gefahr hinzuweisen, und Arnold Mathieu griff auch ermahnend ein, und so wurde allmählich mit den Jahren diese für die damals ausserordentlich vielen Fussballgegner willkommene Angriffsfläche verkleinert. Auf jeden Fall hatte der KFC an Arnold Mathieu, dem Kadettenmajor, dem feinen Menschen und allgemein beliebten Schüler eine Hauptstütze, der dem Klub über die ersten Klippen hinüberhalf".
Eine weitere grosse Bewährungsprobe bildete dann der Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahre 1914. Dazu hält J. B. Masüger in den Bündner Turnblättern fest: "Am einschneidensten wirkte der Ausbruch des Weltkrieges 1914-1918 auf den jungen Klub ein. Die ausländischen Mitglieder mussten an die Fronten, wobei laut Vernehmen einer vom KFC als Offizier für sein Vaterland fiel, und auch die älteren Schweizer marschierten an die grenze. Während des Weltkrieges war infolgedessen ein Aufschwung des Klubs ausgeschlossen. Durch Mitgliedermangel wurden die praktischen Übungen im Freien auf Kosten des studentischen Betriebes vernachlässigt."
Trotz dieser Anfangsschwierigkeiten und eigentlichen Geburtswehen gedieh der Verein nach Abschluss des fatalen Krieges in Europa prächtig. Bereits ein Jahr nach Friedensschluss zählte der KFC rund 50 Mitglieder und wurde 1920 Bündner Fussballmeister. Ins gleiche Jahr fällt dann die Gründung einer Leichtathletik-Sektion. Drei Jahre später folgte eine Eishockey-Sektion, nachdem schon vor 1920 Bandy und Eishockey gespielt worden ist. Aus dieser Sektion des KFC ging der Sportclub Chur, später EHC Chur, hervor.
Ins Jahr 1923 fällt die Gründung des Altmitgliederverbandes des Kantonsschüler Fussballclubs. Der Gründungsversammlung vom 6. Juli 1923 im Café "Splügen" in Chur wohnten folgende Mitglieder bei: Brüggenthaler, Gross, Hössli, Marguth, Plattner, Reinhardt, Schultze, Sutter und Vieli. Der erste Vorstand setzte sich zusammen aus Josef Vieli (Präsident), Eduard Reinhardt v/o Sponagel (Aktuar) und Hans Sutter v/o fass (Kassier). Im KFC selbst wurde im Jahre 1930 eine Fechtsektion geschaffen und auch Boxen als Ausgleichssport betrieben.
Ein Markstein in der Geschichte des Kantonsschüler Fussballclubs bildete dann das Jahr 1936. Damals feierte man das silberne Jubiläum (25 Jahre) des Vereins. Die Feier fand, in Anwesenheit von Rektor Michel, am 19. und 20. Dezember im Hotel "Drei Könige" in Chur statt. Der Präsident des Altmitgliederverbandes, Mario Marguth v/o Box, hielt damals die Festansprache.
Wenige Jahre nach diesem denkwürdigen Anlass trat der Verein sogar dem Kantonalturnverein bei. Dazu schreibt J.B.Masüger in den Bündner Turnblättern vom September 1944: "Der Beitritt zum Kantonalturnverein brachte dem Klub eine Zeit ernster Besinnung. Am 15. Oktober 1938 heisst es im Protokoll: Wir sind noch nicht im Kantonalturnverein. Deshalb war es uns bis anhin versagt, an jedem Turnfest und Wettkampf teilzunehmen. Würden wir in den Kantonalturnverein aufgenommen, dann müssten wir natürlich von jetzt an auch eine Sektion bilden. Das bedeutet, dass für uns an den Turnfesten der Pferdsprung und die Freiübung obligatorisch ist. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Im Protokoll vom 21. Januar 1939 lesen wir: Wegen der Einsprache des BTV Chur können wir noch nicht in den Kantonalturnverein aufgenommen werden. Gründe: 1. der gewundene Name, 2. unpassende Statuten, 3. Fernbleiben von Kursen, 4. Sektionswettkampf. Diese Begründung erklärte der Präsident des FC in einem Schreiben an den Präsidenten des Kantonalturnvereins als ungerechtfertigt. In der Sitzung vom 25. Februar 1939 des KFC kam die Sache wieder zur Sprache. Und im Protokoll vom 11. November 1939 lesen wir: Erstens einmal wird davon Kenntnis genommen, dass wir nun endlich glücklich in den Kantonalturnverein aufgenommen worden sind, wenn auch mit knappem Mehr und nach einer heftigen Debatte. Die Trainer entschliessen sich, betreffend Freiübungen und Pferdsprünge sich an die Gymnastische Gesellschaft Chur zu wenden. Dieser Entschluss zum Eintritt in den Kantonalturnverein war bedeutungsvoll und nach unserer Ansicht für den KFC auch segensreich."
Schon früher einmal, im Jahre 1923, stand der KFC zur Debatte. Anlässlich der ausserordentlichen Delegiertenversammlung des Bündner Fussballverbandes vom 1. Juli 1923 in Davos erklärte der FC Chur, dass er sich nicht mehr an der Meisterschaft beteiligen wolle, wenn der KFC weiterhin mit Altherren anträte. Die Delegierten stimmten dann über diesen Antrag des FC Churs ab, der mit 7:2 Stimmer verworfen wurde. Während einer Saison setzte der FC Chur in der Meisterschaft in der Tat aus! Und schon damals machte sich der Konflikt zwischen Turnern und Fussballern bemerkbar. Die nämliche Versammlung betraute den KFC mit der Durchführung eines Leichtathletikfestes in Chur. Der Vorstand des Bündner Fussballverbandes machte dem KFC aber die Auflage, die Turner an diesem Anlass nicht starten zu lassen, zumal die Fussballer zum Turnfest 1924 in Davos auch nicht eingeladen worden seien.
Im Jahre 1938 hat der Verein erstmals das Fussballturnier um den AMV-Cup in Chur organisiert. Die Rangliste sah folgendermassen aus: 1. FC Kantonsschule (KFC), 2. Littoria Chur, 3. Rondine, 4. Schiers, 5. FC Ems, 6. Calanda, 7. FC Chur und 8. Kantonalbank.
Ein wichtiges Ereignis fällt dann mitten in den Zweiten Weltkrieg: Am 1. Februar 1943 erscheinen die ersten AMV-Mitteilungen, wobei der erste Mitteilungsredaktor Kaspar Laely v/o Puck in einem Leitartikel unter anderem folgendes festhält: "Wir dürfen gewiss behaupten, dass unser Verband die 1923 gesteckten Ziele seither getreulich verfolgt hat. Gewiss, unsere Bemühungen und Ziele im Vergleich zu dem, was heute in und um uns vergeht. Wir wollen ihnen aber dennoch treu bleiben; denn diese scheinbaren Kleinigkeiten, das Bekenntnis zu alten Freundschaften und zur Pflicht der Dankbarkeit werden in jeder noch so veränderten Zukunft ihren Wert bewahren."
In der Folge hatte der KFC arg unter einem Mitgliederschwund zu leiden. Anlässlich der Generalversammlung vom 8. Dezember 1945 des Altmitgliederverbandes in Zürich hielt Konrektor Dr. Martin Soliva ein Grundsatzreferat mit dem Titel "Neue Wege im KFC". Dabei forderte er eine Umbenennung des Vereins und gleichzeitig neue Statuten. Für seinen Einsatz um das Fortbestehen des Vereins wurde Konrektor Dr. Martin Soliva später zum Ehrenmitglied des Kantonsschüler Sportclubs, so nannte sich nämlich der Verein ab dem Jahre 1948, ernannt. Soliva hat damit die Neuzeit des Traditions-Vereins eingeläutet! Schon vier Jahre später, im Jahre 1952, stellte der KSC eine Korbballmannschaft, die im Kanton Graubünden keinen Gegner zu fürchten brauchte. So liess sich die Mannschaft sowohl als Churer Stadtmeister als auch als Bündner Meister ausrufen und gewann die Bündner Meisterschaft - in Form eines Turnieres in Igis ausgetragen - ohne Probleme.
Erst Jahre später, nämlich 1964, konnte man aber wieder an die früheren Erfolge anknüpfen: Der Altmitgliederverband wurde Sieger des Churer Korbballturnieres um die Engel-Cups. Gestiftet wurde der Pokal von Altherr Ueli Engel v/o Trotz. Die Churer Korbballturniere dauerten bis ins Jahr 1986 an, ehe sie wegen Konkurrenz durch den Bündner Kantonal-Turnverein und infolge mangelndem Interesse von seiten der Vereine eingestellt werden mussten. Seit dem Jahre 1969 hatte man auch ein Turnier für Damen organisiert, wobei die Mädchen des KSC sich den Pokal von 1970 bis 1973 viermal in ununterbrochener Reihenfolge erkämpften. Letzte Turniersieger im Jahre 1986 waren der TV-Flerden bei den Herren und die Korbballgruppe Thusis (der damaligen Schweizer Meister) bei den Damen.
Ein weiterer Höhepunkt im Verein bildete das Jahr 1961, als man das 50jährige Bestehen des Kantonnsschüler Sportclub Chur feierte. Nach einem Fackelzug durch die Churer Altstadt hielt der damalige Bundesrat Dr. Leon Schlumpf v/o Kick auf dem Pausenplatz des historischen Nicolai-Schulhauses eine Brandrede. Festkommers im Hotel "Marsöl" in Chur und ein Verbindungsball im Hotel "Lattmann" in Bad Ragaz rundeten dieses grossartige Fest vom 14. bis 16. April 1961 ab.
Dazu schrieb damals Dr. Hansmartin Schmid v/o Mosch im "Der Freie Rätier" folgendes: Und wenn heute Abend die sporttreibenden Kantonsschüler, begleitet von ihren aus allen Himmelsrichtungen herbeigeströmten Altherren, nach alter studentischer Tradition die Gassen der altehrwürdigen Curia Rhaetorum mit ihren Fackeln erleuchten werden, so ist das Sinnbild und Abglanz zugleich jenes olympischen Feuers harmonischer Erziehung von Körper und Geist, das vor Jahrhunderten die griechische Antike machtvoll entzündet, und das ein grosser Franzose, Baron Pierre de Coubertin, zu Beginn unseres Jahrhunderts aufs neue geschürt. Von dieser olympischen Flamme, die noch heute alle vier Jahre die Jugend der Welt zum fairen Wettstreit ruft, auch nur ein kleines Fünkchen in ein abgelegenes Bergland getragen zu haben, das ist das kleine, nicht zu unterschätzende Verdienst des KSC, der heute, an der Schwelle eines neuen Abschnittes seiner Geschichte jubiliert.
Und in einem letzten Abschnitt hält Mosch folgendes, für den KSC doch symptomatisches fest: Der Bogen der blau-roten Farben spannt sich aber schon seit vielen Jahren weit über die Kantosschule und über die Kantons, ja die Landesgrenze hinaus. 1923 schon wurde der Altmitgliederverband aus der Taufe gehoben, der in seinen Reihen, vom ältesten, aktiven Gründungsmitglied bis zum gerade dem Kantonsschulalter entwachsenen Studenten, all diejenigen verbindet, denen die Erinnerung an die sportlichen Wettkämpfe im Zeichen der blau-roten Farben und die Sorge zum Wohle und Wehe der Aktivitas gemeinsam sind. In allen fünf Erdteilen unseres Planeten befinden sich heue ehemalige KSCer, denen gerade der AMV oftmals wichtiges Bindeglied zur angestammten Heimat ist. In allen Berufen und Sportarten, in allen Lebenslagen und Gefahren haben ehemalige KSCer den Gedanken an den Sport, den sie im KSC kennen und lieben lernten, hochgehalten und damit seine Existenzfähigkeit und Existenzberechtigung nachdrücklich unter Beweis gestellt.
In das Jubiläumsjahr 1961 fällt die Gründung - oder besser gesagt die Wiedergründung - der Eishockey-Sektion. Sie sollte in der folgenden Zeit zu neuer Blüte gelangen, wobei gar ein vierter Rang bei den Schweizer Junioren-Eishockey-Meisterschaften in Fribourg resultierte. So reputierte Gegner wie Davos, Arosa, St. Moritz, Chur und der Zürcher SC hatten gegen die damaligen Cracks des KSC keine Chance. Auch die Mittelschulmeisterschaft wurde eine sichere Beute des KSC, der natürlich für die Bündner Kantonsschule in Chur in die Hosen stieg. Einer der auffälligsten Akteure damals war der nachmalige Schweizer Nationaltrainer Ruedi Killias v/o Change, der bekanntlich später auch die Nationalteams von Österreich und Italien coachte.
In diese Zeit fällt aber auch woh die Blüte der Leichtathletiksektion. Die Erfolge sind vorab mit einem Namen verknüpft: Reto Gartmann v/o Nilson. Im Hoch- wie im Weitsprung kannte er in Graubünden und weit darüber hinaus überhaupt keinen Gegner. Aber auch die kurzen Laufdisziplinen bildeten eine Stärke dieses Athleten. Dass Gartmann auch Aufgebote für das Schweizer Nationalteam erhielt, kann kaum überraschen. Höhepunkte dieser von guten Leistungen in der Leichtathletik gekennzeichneten Zeit bildete sicher der Gewinn der Schweizer Vereinsmeisterschaft 1961 bei den Junioren.
Aber auch die Fussballer standen Leichtathleten und Eishockeyanern keineswegs nach: 1962 erkämpfte man sich bei den A-Junioren den Gruppensieg und konnte um den Aufstieg in die Inter-Klasse, die höchste Juniorenklasse der Schweiz spielen. Nach einem Unentschieden gegen Glarus, bei dem so bekannte Kämpen wie die späteren Internationalen Fritz Künzli und Fischli mitwirkten, ging das Spiel gegen Montlingen im St. Galler Rheintal unglücklicherweise verloren.
Ein weiterer Markstein in der nunmehr 75jährigen Geschichte des Vereins bildete sicher die erstmalige Gründung einer Mädchen-Sektion. An der Kantonsschule wurde Mitte der 60er Jahre mehr und mehr Basketball gespielt, was einige Schülerinnen unter der Leitung ihrer Turnlehrerin Bärbel Tabor (heute Ehrenmitglied des KSC) bewogen hat, mit dem Ansinnen, eine eigene Sektion zu gründen, an den KSC zu gelangen. In der Tat wurde die Sektion im Jahre 1968 dem Aktivverein angegliedert. Man ging mit grossem Eifer zu Werk und erreichte in den folgenden Jahren gar den Aufstieg in die Nationalliga B! Selbstverständlich fanden die Mädchen auch Aufnahme in den Aktivverein. Die "Dame der ersten Stunde" ist Tina Casura-Risch v/o Prima, die dann später sogar erste Dame im AMV-Vorstand werden sollte. Zu Beginn der 80er Jahre machten sich bei dieser Sektion gewisse Generationsprobleme bemerkbar, was dann zur Auflösung der Basketball-Sektion führte.
In den neueren Zeit fällt dann im Jahre 1973 das 50-Jahr-Jubiläum des Altmitgliederverbandes. Dieser zählte damals 246 Mitglieder. Die Feier fand in würdigem Rahmen mit einem Herrenabend im Restaurant "Kasernenhof" in Chur am 1. Juni sowie einem Jubiläumsball am 2. Juni im Kursaal Arosa statt.