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In der ersten Studie dieser Art haben Forscher bestätigt, dass Force-on-Force Ausbildung traditionellen Schusswaffenübungen in mindestens drei wichtigen Punkten deutlich überlegen ist:
Force-on-Force Szenarien (FoF-Szenarien), die es „Verdächtigen“ ermöglichen, auf Auszubildende zu schiessen, stimulieren im Allgemeinen eine stärkere physiologische Stressreaktion bei ebendiesen.
Sie legt offen, wie wahrscheinlich die Treffsicherheit von Polizisten bei einer tatsächlichen Schiesserei leidet.
Sie motiviert Polizisten stärker dazu, die Ausbildung ernst zu nehmen und aus eigenem Antrieb Schutzmassnahmen zu ergreifen.
In Anbetracht ihrer wissenschaftlichen Dokumentation schliessen die Forscher in einer kürzlich erschienenen Veröffentlichung, dass die FoF-Handfeuerwaffenpraxis „ein wirksames Trainingsinstrument ist, um bewaffnete Polizisten auf das Geschehen in einer realen stressigen Situation vorzubereiten.“
„Diese Studie“, sagt Dr. Bill Lewinski, Executive Director des Force Science Institute, „ist für fortschrittliche Ausbilder, die bereits realitätsorientiert unterrichten, eine bestätigende Unterstützung, sie ist aber auch für diejenigen eine wertvoll Unterstützung, die sich in ihren Dienstellen für eine Modernisierung veralteter Schusswaffentrainings aussprechen.“
Das Force Science Institute (FSI) war an dieser Forschung nicht beteiligt, obwohl einige der Arbeiten des Instituts in einer kürzlich erschienenen Arbeit erwähnt wurden.
Urban Combat Mission
Die Studie wurde von Dr. John Taverniers, psychologischer Leiter des Instituts für Verhaltenswissenschaften der Royal Military Academy in Belgien, und Pieter De Boeck, Militär- und Sozialwissenschaftler der US-Infanterie-Schule, durchgeführt.
Ihr Untersuchungspool umfasste aus 20 „gesunden Militärs“ im Alter von 25 bis 36 Jahren mit vier bis zehn Dienstjahren. Alle waren „in Vorbereitung auf den Einsatz im Ausland“ und hatten eine spezielle Ausbildung im Stadtkampf erhalten. Zwei der Teilnehmer waren zuvor „in reale Gefechtsereignisse“ involviert.
Alle Freiwilligen mussten alleine arbeiten und ein Vier-Zimmer-Haus und eine Gasse, in der zwei „aggressive kriminelle Elemente“ verschanzt waren, räumen. Jeder Teilnehmer musste diese vier bis sechs Minuten dauernde „Mission“ zweimal im Abstand von mehreren Tagen durchlaufen – mit einem wichtigen Unterschied.
Einmal wurde ihnen im Briefing mitgeteilt, dass ihre Gegner von zwei „traditionellen“ Kartonzielen dargestellt werden würden. Das andere Mal würden sie in einer dynamischen FoF-Umgebung mit lebenden „aggressiven Gegnern“ mit 9-mm-Pistolen und Markermunition arbeiten. Diese „Verdächtigen“, wurden die Freiwilligen gewarnt, würden „wahrscheinlich versuchen, sich zu rächen, wenn man ihnen begegnete.“
Die Teilnehmer wurden angewiesen, auf die Papierziele und die „echte“ Bedrohungen auf dieselbe Weise zu reagieren: Eine Dublette mit der Dienstwaffe auf den Oberkörper des Gegners.
FOF vs. Papier
In Verbindung mit dem Experiment beantworteten die Freiwilligen subjektive Fragen zu ihren Stresserwartungen und -erfahrungen. Für die stressbezogene Hormonanalyse wurden mehrere Speichelproben genommen. Ihre Bewegungen, einschliesslich der Reaktionen auf das Schiessen und das taktische Verhalten, wurden während der gesamten Übung aufgezeichnet, um sie später genauer zu untersuchen.
Sämtliche Ergebnisse der FoF-Phase des Experiments erwiesen sich aus Trainingssicht als wertvoller. Die Forscher stellten insbesondere Folgendes fest:
Erwartete Belastung: Die Freiwilligen wurden unmittelbar nach den vorbereitenden Anweisungen gebeten, das Ausmass der Belastung, die sie bei der bevorstehenden Übung erwarteten, auf einer Skala von 0 bis 10 zu bewerten. Noch bevor die Übung überhaupt begonnen hatte, wurde die Aussicht auf Live-Gegner im Durchschnitt als doppelt so anstregend bewertet wie die Konfrontation mit Kartonscheiben.
Speichelprobenahme: Während des gesamten Experiments entnommene Speichelproben zeigten eine „signifikante“ Erhöhung der Sekretion der Teilnehmer in Bezug auf stressbedingte Biomarker während der FoF-Phase im Vergleich zu den Ausgangslage- und Kartonscheibenmessungen. Im Vergleich zu den herkömmlichen Zielbildern betrug der Anstieg des physiologischen Stresseinflusses in den FoF-Szenarien durchschnittlich 200%.
Stresswahrnehmung: Die Teilnehmer wurden unmittelbar nach Abschluss ihres Auftrags gebeten, den maximalen Stress, den sie erfahren hatten, auf einer Skala von 0 bis 10 zu beziffern. Die Ergebnisse zeigten erneut „signifikant mehr subjektiv erlebten Stress im FoF-Zustand“.
Treffsicherheit: Während der Stress in der FoF-Phase zunahm, erlitt die Schiessgenauigkeit – ein „wesentliches Leistungsmerkmal“ – einen „signifikanten“ und „ominösen“ Rückgang bei der ersten Begegnung mit einem Live-Gegner. Im Durchschnitt sank die Genauigkeit der Freiwilligen im FoF-Modus um 30%.
Korrekturverhalten: Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, dass die Erfahrung von im Schiesstraining auf sie abgefeuerten Simunitiongeschossen die Teilnehmer „aus eigenem Antrieb“ dazu veranlasste, ihre Taktik und ihr Trainingsengagement zu verbessern. Die Auswertung der Videobänder zeigte zum Beispiel, dass sie sich bei der Begegnung mit Live-Gegnern im FoF-Modus „dafür entschieden, hinter der Deckung deutlich weniger Körperoberfläche zu zeigen“, als bei Kartonzielen. „Diese Ergebnisse deuten auf einen realistischeren Ansatz“ und einen „wünschenswerten Anstieg“ der „Seriosität“ des Trainings in FoF-Szenarien hin, was zu einer „wünschenswerten Verbesserung“ und mehr „Ernsthaftigkeit“ und Engagement im Training führt, berichten die Forscher.
Das Forschungsteam empfiehlt nicht den Verzicht auf konventionelles Zielscheibentraining. „Die Ausbildung mit Kartonzielen ist das offensichtliche Mittel für das Erlernen von Fähigkeiten in den frühen und mittleren Stadien des Trainings“, erklärt die Studie. Um Polizisten besser darauf vorzubereiten, unter dem Stress lebensbedrohlicher Situationen eine gute Leistung zu erbringen, müssen sie zu einem anspruchsvolleren und realistischeren Übungsniveau vorrücken.
„Selbstverständlich“, sagte Lewinski gegenüber Force Science News, „kann sogar ein FoF-Training nicht so intensiv sein wie in einer wirklichen Begegnung auf Leben oder Tod. Durch die wiederholte Ausführung guter Szenarien müssen Polizisten die nachteiligen Auswirkungen hoher Belastung aber anerkennen, und sie lernen allmählich, zuverlässig zu arbeiten und die Stressbelastung zur Verbesserung ihrer Leistung zu nutzen.“
Die belgische Studie mit dem Titel „Force-on-Force-Handfeuerwaffenpraxis: Intraindividuelle Untersuchung von Stresseffekten, Biomarker-Regulation und Verhaltensänderungen“ („Force-on Force Handgun Practice: An Intra-Individual Exploration of Stress Effects, Biomarker Regulation, and Behavioral Changes“) erschien in der Zeitschrift Human Factors.
Quelle: Erschienen auf policeone.com am 7. Juli 2014; aufgerufen am 14.04.2019; frei übersetzt von Plan B Kurse (bis 2022)
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