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wurde. Die Stadt weigerte sich anfänglich, sich zu unterwerfen, aber nachdem sie das Artilleriefeuer der Belagerer gekostet hatte und eine Bresche in den Befestigungsmauern entstanden war, sah sie die Nutzlosigkeit jedes weiteren Widerstandes ein und ergab sich. Da die anderen Führer der Verteidigung geflohen waren, musste H. von Treytorrens eine sehr harte Kapitulation unterzeichnen Das war das Ende der savoyischen Herrschaft und der Anfang derjenigen der Berner.
Von diesem Zeitpunkte an bildet die Geschichte Yverdons ein Stück der des Waadtlandes. Man kennt den Charakter der bernischen Herrschaft, sie war weniger frei als die savoyische. Das Gebiet wurde als Untertanenland behandelt, immerhin führten die Berner eine Reihe nützlicher Reformen durch. Dieser Zustand nahm ein Ende am mit der Proklamation des französischen Generals Ménard, welche die Befreiung des Waadtlandes verkündete, das von nun an den Kanton Léman bildete. Am 25. wurden an verschiedenen Orten Freiheitsbäume aufgepflanzt; von Wattenwil, der letzte Amtmann, verliess endgiltig das Schloss, und am folgenden Tage zog auch der bernische General von Weiss ab, der bisherige Befehlshaber der Stadt.
Während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts brach eine tiefgehende Umwälzung im Waadtlande, wie in fast ganz Europa aus. Aus Frankreich herübergekommene Prediger predigten die Reformation. Von Anfang an hatte die savoyische Regierung sich dieser religiösen Bewegung entgegengesetzt und sie unterbunden. Bern im Gegenteil hatte früh die neue Lehre angenommen, daher wollte es mit Beginn seiner Macht in der Waadt dieselbe trotz des gegenteiligen Wunsches des Volkes eingeführt wissen.
Während in den benachbarten Orten wie Grandson, Orbe die Reformation Fortschritte machte, blieb ihr Yverdon sehr feindlich und stiess die Neuerer zurück. Am wurden die Vertreter beider Parteien, die katholischen und die reformierten Geistlichen zu einer Disputation zusammengerufen. Aber die katholischen Priester kamen nicht, und die Verbreiter der Reformation hatten gewonnenes Spiel. Trotz der Bitten des Stadtrates erklärten die Abgesandten der bernischen Regierung den katholischen Gottesdienst in Yverdon für aufgehoben.
Daraufhin wurden die Bilder verbrannt. Die französischen Prediger waren Jean Le Comte und Thomas Malingre. Der erstere, ein Mann von grossem Wissen und von Feuereifer beseelt, blieb in der Gegend und wurde so ihr wahrer Reformator. Immerhin begegnete der neue Glaube hier wie anderwärts lange bedeutendem Widerstand. Im Jahre 1685, nach dem Widerruf des Ediktes von Nantes, flüchtete sich eine grosse Zahl ihrer Güter beraubter französischer Protestanten in reformierte Länder, ganz besonders aber ins Waadtland.
Viele von ihnen wurden in Yverdon aufgenommen; zu gewisser Zeit zählte die Stadt bis 600 Flüchtlinge. Um sie aufzunehmen, ging man an den Bau eines besondern Asyls. Aber im Jahre 1689 gab ihnen ein bernischer Statthalter den Befehl, sich nach Deutschland und England zurückzuziehen. Die Flüchtlinge trennten sich mit schwerem Herzen von der so gastfreundlichen Bevölkerung. Ihr Aufenthalt blieb immerhin nach mehrfacher Hinsicht ein Segen für den Ort, ganz besonders durch das leuchtende Beispiel ihrer Sittenreinheit und Lebensweise.
Verschiedenes. Nicht unter den Schrecknissen des Krieges allein hatte Yverdon im Laufe der Geschichte zu leiden. Im Jahre 1461 verschlang eine Feuersbrunst den grössten Teil der Stadt. 1470 schwoll die Zihl infolge von Wolkenbrüchen zu nie gesehener Höhe an und führte eine furchtbare Ueberschwemmung herbei. Die Brücken wurden weggetragen, viele Gebäude sanken in den Grund, so auch ein Teil der Umfassungsmauern. Die Einwohner machten grosse Anstrengungen, um diese Schäden auszubessern, was ihnen um so eher gelang, als ihnen Jakob von Savoyen, der Graf von Romont, zu Hilfe kam. Im 15., 16. und 17. Jahrhundert wurde Yverdon auch durch verschiedene Seuchen heimgesucht. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts gab es in Yverdon Tuchfabriken. Im Jahre 1617 nämlich bildete sich eine Gesellschaft, um dieser Industrie Ausbreitung zu verschaffen.
Unter der Direktion von Pyramus de Candolle wurde eine Fabrik zur Herstellung von Tuch mittlerer Qualität gegründet, deren Gedeihen anfänglich gesichert schien und die eine grosse Zahl von Arbeitern in der Stadt beschäftigte. Da aber De Candolle mehr Gelehrter als Geschäftsmann war, kam die Fabrik nach zehn Jahren in eine schiefe Lage, und der Direktor zog sich ruiniert zurück. Immerhin ging die Fabrik nicht ein. De Candolle hatte in Yverdon auch eine Buchdruckerei gegründet, welche er Helvetiale-Caldoresque nannte, nach dem Namen des Erfinders der Schriftzeichen, die in dieser Druckerei angewendet wurden, des Johann von Caldora, Seneschall des Königreichs Neapel.
Diese Druckerei gab verschiedene Werke von Bedeutung heraus, so eine französische Uebersetzung von Xenophons Trésor de l'histoire des langues de cet univers, u. s. w. De Candolle begann auch die Naturgeschichte des Pflanzenreiches von Bauhin zu drucken, eine Arbeit, die erst nach seinem Tode im Jahre 1651 vollendet wurde. Dieses zweite Unternehmen war auch ein finanzielles Unglück, das seinen Begründer gleich wie das erste ruinierte. Immerhin gab es für die Buchdruckerkunst in Yverdon eine Zeit des Gedeihens. Im Jahre 1691 wurde durch David Martin aus Nîmes eine Seidenfabrik gegründet. 1762 liess sich ein italienischer Flüchtling, Fortuné Barthélemy de Félice in der Stadt nieder.
Als hervorragend gebildeter Mann von grossem Fleiss, als Verfasser zahlreicher Arbeiten gründete er seinerseits eine Buchdruckerei; die eines europäischen Rufes sich erfreute. Er gab mehrere wichtige Werke heraus, so z. B. die Encyclopédie oder den Dictionnaire universel des connaissances humaines, ein Werk, das 52 Bände Text und 10 Bände Tafeln umfasste, welche Bücher als Mitarbeiter eine grosse Zahl von Gelehrten und Schriftstellern dieser Zeit hatten.
Pestalozzi lebte von 1804 bis 1825 in Yverdon, wohin er seine Schule verlegt hatte, die ursprünglich in Burgdorf gegründet worden war. Sein Institut, dessen Ruf sich bald über die Grenzen des Landes verbreitete, wurde von ungefähr 200 Schülern besucht. Ein Taubstummeninstitut, gegründet von J. G. Näf im Jahre 1811, hatte auch einen grossen Erfolg. Der waadtländische Staat übernahm es im Jahre 1828 und setzte Näf als Direktor ein, dem später in der gleichen Eigenschaft sein Sohn folgte. 1869, nachdem sich dieser letztere zurückgezogen hatte, wurde das Institut nach Moudon verlegt.
Archäologie. Der Platz Yverdon hat im Laufe der Zeiten mannigfache Wandlungen durchgemacht. Zur Zeit der Pfahlbauer lag wahrscheinlich der See an der Stelle der heutigen Stadt, und der Sumpf bildete seine unmittelbare Fortsetzung. Später bildete sich zwischen diesem und dem See Land, das anfänglich schmal, sich nach und nach immer mehr ausbreitete. Die Pfähle und die Topfscherben, die man gefunden hat, beweisen, dass die der ¶
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Stadt am nächsten liegenden Pfahlbauten bei Les Uttins lagen, am heutigen Nordfuss des Hügels von Chamblon, zu Clendy und zu Cheseaux-Noréaz. Auf Stadtgebiet, besonders im S. und SO. desselben, hat man besonders während des letzten Viertels des 19. Jahrhunderts zahlreiche Altertumsfunde gemacht, welche aus der Römerzeit stammen. In erster Linie wurden die Umfassungsmauern des alten Kastrums blossgelegt, von dem sogar die Massverhältnisse genau bestimmt werden konnten, ebenso wie die Grundmauern der Türme, die in den Ecken der Umfassung standen.
Erst neulich hat man an dieser Stelle noch wichtige Entdeckungen gemacht. Zahlreiche Spuren alter Mauern, Fragmente bearbeiteten Marmors, Karniese, Säulen, Werkzeuge, Mosaik, Inschriften, von denen mehrere im Stadthaus und im Museum aufgestellt sind, kamen ans Tageslicht. Der römische Friedhof lag im W. der Stadt, an der Stelle des heutigen Quartiers L'Isle; er wurde im Jahre 1769 entdeckt und enthielt wohlerhaltene Skelette in einer Sandschicht. Das Antlitz der Bestatteten war gegen O. gerichtet.
Sie trugen verschiedene Gegenstände bei sich, darunter auch bronzene und silberne Medaillen mit den Bildnissen Constantins, Julians des Apostaten usw. (4. Jahrhundert n. Chr.). Auf der O.-Seite der alten römischen Stadt hat man auch einen Friedhof entdeckt, der jünger ist, mit einer grossen Zahl von Skeletten, die alle ihr Gesicht nach O. gewendet hatten und die wie die auf dem römischen Grabfelde mit zahlreichen Gegenständen, Waffen z. B. umgeben waren, die aus Gold, Silber und anderen Metallen bestanden.
Hervorragende Männer. Yverdon ist der Geburtsort von Nicolas Doxat, dem Herrn von Démoret (1682-1738), General in österreichischen Diensten;
von Ferdinand Richard Christin (1740-1805), Generalkontroleur der französischen Finanzen;
von Abraham Louis Rudolf Ducros (1745-1810), Landschaftsmaler;
des Barons Louis du Paget (1765-1838), Erziehers am russischen Hof;
des Theologen Franz Gonthier (1773-1834), des Malers Franz Käsermann (1765-1833), des Theologen Johann Alexander Pilet (1795-1865);
von Ludwig Georg Franz Pillichody (1756-1824), Offizier in französischen Diensten, später im Solde Berns;
von Ludwig Franz Russillon (1751-1821), ebenso;
des Generals F. Haldimand (1725-1791), Generalleutnants in englischen Diensten und Gouverneurs von Kanada, von F. R. von Weiss (1751-1818), Herrn von Daillens, der seine philosophischen Prinzipien veröffentlichte und mit dem Oberbefehl der bernischen Truppen bei der Emanzipation betraut wurde, des Philanthropen W. Haldimand, des Gründers des Blindenasyls in Lausanne († 1862), der Gelehrten E. Bertrand († 1797), E. Develey († 1839), J. G. Pillichody († 1783), des Verfassers von Werken über die Gewohnheitsrechte des Landes, der Advokaten und ehemaligen Magistraten L. de Miéville († 1876) A. T. Jayet († 1877), des Geschichtschreibers F.-L.
Vuillemin († 1879), Verfassers zahlreicher Werke und Broschüren, die Schweizergeschichte betreffend, und des Tableau du Canton de Vaud, etc., des Dichters Monneron, des Franz von Treytorrens (1590-1660), Generals in schwedischen Diensten, seines Bruders Albert von Treytorrens (1595-1633), ebenso, seines Bruders Isaak von Treytorrens (1604-1645), Generals in französischen, dann in dänischen Diensten, des Philosophen und Mathematikers Franz Friedrich von Treytorrens (1688-1737), des Fräuleins Elise Franziska Luise du Plessis-Gourot (1826-1901), welche unter dem Namen Madame de Pressensé als Schriftstellerin und Dichterin bekannt wurde. Die Familien Doxat, Roguin, Pillichody, du Thon, Russillon, de Treytorrens usw. haben Offiziere geliefert, die sich in fremden Kriegsdiensten ausgezeichnet haben. Eine grosse Zahl anderer hervorragender Männer haben sich in Yverdon aufgehalten, so de Candolle, de Félice, Pestalozzi, Näf.
Bibliographie. Crottet, A. Histoire et annales de la ville d'Yverdon jusqu'à l'année 1845. Genève 1859. - Rochat, A. Recherches sur les antiquités d'Yverdon. Zürich 1862. - Martignier, D. et A. de Crousaz. Dictionnaire histor. du cant. de Vaud. Laus. 1867. - Cornaz-Vulliet, C. Yverdon; ses environs, son monument Pestalozzi et ses bains. Vevey. - Mottaz, E. Album du tir cantonal à Yverdon en 1899. Laus. 1899. Bourgeois, V. Au pied du Jura; guide histor. et archéolog. Laus. 1906. - Landry, J. Le développement d'une cité vaudoise Yverdon 1855-1905. Laus. 1906. - Revue histor. vaudoise. 1900, 1903, 1906, 1907. - Eine Reihe von kleinern Broschüren können hier nicht besonders namhaft gemacht werden.
Der Kreis Yverdon nimmt die Mitte des Bezirkes dieses Namens ein. Er ist von den drei übrigen Kreisen des Bezirkes umgeben und im N. durch das SW.- und das SO.-Ufer des Neuenburgersees begrenzt. Ausser der Gemeinde Yverdon gehört zum gleichnamigen Kreis noch die kleine Gemeinde Cheseaux-Noréaz, mit zusammen 8117 Einwohnern.
[A. Liardet.]