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Herausgegeben von Walther Aichele und Martin Block
EUGEN DIEDERICHS VERLAG
Es war ein Mann, der hatte so viele Kinder, als Ameisen im Ameisenhaufen leben. Eines Tages gingen drei seiner Mädchen aufs Feld, um Weizen zu schneiden. Da kam der junge Kaiser des Wegs. Die Älteste sprach da: »Wenn der Kaiser mich nehmen möchte, wollte ich mit dem Zwirn aus einer Spindel sein ganzes Heer kleiden.« Die Mittlere aber sagte: »Ich würde mit einem Brot sein Heer ernähren.« Die Jüngste aber meinte: »Wenn er mich nähme, wollte ich ihm zwei gute und kluge Söhne schenken mit Haaren von Gold und Zähnen aus Perlen.«
Das hörte der Bediente des Kaisers und sprach: »Kaiser, das älteste Mädchen sprach, wenn du sie nähmest, würde sie dein Heer kleiden mit dem Zwirn aus einer Spindel; die mittlere aber sagte, wenn du sie nähmest, würde sie mit einem einzigen Brot dein Heer speisen; die jüngste aber erklärte, wenn du sie nähmest, wollte sie dir zwei gute und kluge Söhne schenken mit Haaren von Gold.« Da befahl der Kaiser: »Wende um und laß das jüngste Mädchen in den Wagen steigen!« So brachte er sie nach Hause. Als er ein halbes Jahr mit ihr zusammengelebt hatte, rief man ihn zum Heere, daß er kämpfe. Ein Jahr weilte er im Kriege. Unterdessen gebar ihm die Kaiserin zwei Söhne. Die Dienerin aber nahm sie und trug sie in den Schweinestall und legte an ihrer Stelle zwei kleine Hunde zu der jungen Mutter.
Als am Abend die Schweine kamen, rief das Mutterschwein aus: »Ach, hier sind die Söhne unseres Herrn, gebt ihnen doch sogleich die Brust, daß sie trinken, und wärmt sie.« Nachdem die Schweine wieder aufs Feld gegangen waren, kam die Dienerin und sah, daß die Knäblein nicht gestorben, sondern wohlauf waren. Da brachte sie sie in den Pferdestall. Als die Pferde am Abend kamen, rief die alte Stute aus: »Ach, da sind die Söhne unseres Herrn, laßt sie sogleich trinken.« Sobald am nächsten Morgen die Pferde aufs Feld gegangen
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Als dann der Kaiser aus dem Kriege heimkehrte, ging die Dienerin ihm entgegen und sprach: »Kaiser, deine Gemahlin hat zwei junge Hunde zur Welt gebracht.« Da begrub der Kaiser seine Frau hinter der Tür bis zu ihrem Gürtel und setzte ihr die beiden jungen Hunde an die Brust, daß sie trinken sollten. Nun nahm er die Dienerin zur Frau. Eines Tages sprach diese zu ihrem Gemahl: »Fälle diese Tannen und mach mir ein Bett.« — »Ich werde sie nicht umhauen, eine solche Pracht zerstöre ich nicht.« — »Wenn du sie nicht fällst, sterbe ich.« Der Kaiser bestellte Leute und ließ die Tannen fällen. Die Späne aber ließ er alle sammeln und verbrennen. Dann machte er aus zwei Brettern ein Bett und schlief mit seiner neuen Gattin in diesem Bette. Da sprach das ältere der beiden Knäblein: »Bruder, drückt dich deine Last?« — »Sie drückt mich nicht, denn es ist ja mein Vater, der über mir schläft. Aber drückt sie dich, mein Bruder?« —»Ja, sehr, denn die Stiefmutter schläft über mir.« Diese aber hatte die Unterhaltung gehört. Am Morgen, als sie aufgestanden war, sprach sie: »Kaiser, schlag dieses Bett wieder zusammen und stecke es ins Feuer, daß es verbrennt.« — »Ich werde es nicht verbrennen.« — »Du mußt es verbrennen, sonst werde ich sterben.« Da befahl der Kaiser, es zu verbrennen. Seine Frau aber ließ den Rauchfang verstopfen, damit keine Funken hinausflögen. Zwei Funken aber flogen doch hinaus und fielen auf zwei Lämmer. Da wurde ihre Wolle zu Gold. Des Kaisers Frau sah das und befahl ihren Knechten, die Lämmer zu schlachten. Dann gab sie die Wolle den Dienerinnen zum Waschen, nachdem sie Faden für Faden genau gezählt hatte. Diese wuschen die Wolle im Wasser, zwei Fäden aber entkamen. Da schnitten die Dienerinnen zwei der Fäden entzwei, so daß die Zahl wieder stimmte, und gingen dann nach Hause. Die beiden auf dem Wasser entwichenen Fäden aber
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Da erzählte der eine von ihnen also: »Es war ein Mann, der hatte soviel Kinder, als Ameisen im Ameisenhaufen wohnen. Drei seiner Töchter gingen eines Tages zum Weizenmähen. Da kam der junge Kaiser des Weges gefahren. Als die drei Mädchen ihn erblickten, verliebten sie sich sogleich in ihn. Die Älteste meinte: >Ach, wenn dieser Jüngling mich zur Frau nehmen wollte, so würde ich mit dem Zwirn aus einer einzigen Spindel ihm die Uniformen für sein ganzes Heer schaffen.< Die Mittlere aber sprach: >Wählte er mich zur Gattin, ich wollte mit einem einzigen Brot sein ganzes Heer speisen, so daß alle satt würden.< — >Wenn er mich zu seinem Weibe nähme<, meinte schließlich die Jüngste, >so würde ich ihm zwei gute und kluge Söhne schenken mit Haaren von Gold und Zähnen aus Perlen.< Der Bediente des Kaisers aber hatte diese Worte der Mädchen im Vorüberfahren von seinem Kutschbock aus mitangehört und erzählte nun seinem Herrn: 'Kaiser, das älteste Mädchen sprach, wenn du sie zur Gattin wähltest, würde sie mit dem Zwirn aus einer Spindel dein Heer bekleiden; die Mittlere behauptete, sie würde, wenn du sie nähmest, mit einem einzigen Brot dein Heer verpflegen, die Jüngste aber sagte, wenn du sie zur Gemahlin machtest,
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Da trat ihre Mutter auch schon in den Saal und rief: »Guten Tag, meine Söhne!« — »Guten Tag, Mutter!« Jene Dienerin wurde nun ergriffen und auf ein ungezähmtes Pferd gebunden. Das jagte man hinaus aufs Feld, wo es die Böse in lauter Stücke zertrat.

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