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Die Beschaffung neuer Strassenbahn-Fahrzeuge und damit verbunden die Ausmusterung fast aller alter Trams aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) liessen in den 60er Jahren den Wunsch aufkommen, einige dieser vertrauten Fahrzeuge, die über viele Jahrzehnte das Basler Stadtbild prägten, zu erhalten. Zu diesem Zweck gründeten einige Tram-Liebhaber im Jahre 1968 den Tramclub Basel (TCB).
Mit den BVB konnte vereinbart werden, dass diese einige der ausmusterungsreifen Fahrzeuge nicht der Verschrottung zuführten, sondern dem TCB überliessen. Dieser strebte an, einige der für einen bestimmten Zeitraum oder eine bestimmte Baureihe repräsentativen Trams nicht nur museal, sondern zum Teil auch betriebsbereit zu erhalten.
Als erstes Fahrzeug konnte der Tw 126 der BVB noch im Depot Arlesheim der Birseckbahn (BEB) mit viel Liebe, Zeit und Geld aufgearbeitet werden. Als aber die BEB weiteres modernes Rollmaterial erhielt, musste das Fahrzeug das Depot Arlesheim verlassen. Somit musste ein neuer Abstellplatz gefunden werden. Es stellte sich also schon bald das Platzproblem – nicht nur für die Hinterstellung der erhaltenswerten Fahrzeuge, sondern auch für deren Aufarbeitung.
Als in den 70er Jahren die letzten „alten“ Trams aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgemustert wurden, stellte sich die Platzfrage immer dringender.
Mehrmals gelangte der TCB wegen Abstellmöglichkeiten an die BVB und die Regierung des Kantons Basel-Stadt, aber auch an Private. Doch der Gedanke der Erhaltung museumswürdiger Fahrzeuge war damals noch sehr klein. Auch die BVB bekundeten kein grosses Interesse an der Erhaltung eines historischen Fahrzeugparks. Sie meinten, mit ihrem „Museumszug“ genug geleistet zu haben.
Nach einigen vergeblichen Vorstössen des TCB begann endlich um Jahre 1977 eine echte Diskussion zwischen dem TCB einerseits und den BVB und dem Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt anderseits:
Im Februar 1977 ersucht der Präsident des TCB, Rolf Villoz, die Regierung konkret um Hilfe bei der Unterstellung des Tw 126. Mit Datum vom 26.4.1977 erhält der TCB eine abschlägige Antwort. Dieser stellt am 22.7.1977 ein Wiedererwägungsgesuch.
Dieses wird – vielleicht auf „politischen Druck“ – positiver beantwortet. Gemäss Regierungsratsbeschluss vom 3.10.1977 soll sich der TCB direkt an die BVB wenden bezüglich einer Unterstellung des Tw 126.
Schon vorher, im August 1977, hatte nämlich der TCB Briefe an zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik gesandt mit dem Ziel der Gründung eines „Aktionskomitees zur Erhaltung der Tram-Museumsfahrzeuge“.
Angeblich unterstützten 80 % der Angeschriebenen den Museumsgedanken.
Daraufhin erging, unterzeichnet von Rolf Villoz, eine Einladung zu einer ersten konstituierenden Sitzung auf Dienstag, 8. November 1977, 20 Uhr, im Restaurant Heuwaage. (Dieses Restaurant wurde damals von Heinz Bölle, dem früheren Vizepräsidenten des TCB und späteren Präsidenten der Genossenschaft Tram-Museum der Region Basel geführt.)
Das Mitgliederverzeichnis des Aktionskomitees nennt für die damalige Zeit so prominente Namen wie:
- Maria Aebersold, Schriftstellerin
- Alex Amstein, Pressechef SBB
- Dr. Peter Bächlin, Inhaber einer Werbeagentur
- Adolf Bucher, Bahnhofinspektor Basel SBB
- Eugen A. Meier, Historiker
- Dr. Hans Meiner, Vizepräsident IgöV Basel, Miterfinder des Taktfahrplans und späterer Direktor der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee
- Michael Raith, Pfarrer in Riehen
- Niggi Schöllkopf, Grossrat
- Dr. Hans-Rudolf Schulz, Präsident IgöV Basel
- Dr. Hans-Rudolf Schwabe, Verleger Pharos-Verlag und Eisenbahn-Schriftsteller
- Gertrud Spiess, Nationalrätin
- Prof. Hans-Rudolf Striebel, Grossrat und später Regierungsrat
- Dr. Werner Blumer, Rechtsanwalt und Grossrat
- Rudolf Pleuler, Redaktor und Eisenbahn-Schriftsteller
An der Versammlung vom 8.11.1977 wird aus dem Kreis der „Mitglieder“ des Aktionkomitees ein „Innerer Ausschuss“ gewählt. Dieser setzt sich zusammen aus:
- Dr. Hans-Rudolf Schwabe, Präsident
- Hans Ritter, Direktor Basler Personenschifffahrt, Vizepräsident
- Dr. Werner Roth, Vizepräsident
- Günther Kunze, Sekretär
- Dr. Klaus Rodeck, Finanzen
- Dr. Peter Bächlin, Beisitzer
- Albert Thalmann, Kontrolleur BVB, Beisitzer
Am 22.12.1977 findet eine Sitzung des TCB-Vorstands mit der BVB-Direktion statt, wobei es im TCB-Protokoll heisst, dass sie als positiv gewertet werden darf. Direktor Daniel Oertli bietet an, den Tw 126 im Depot Wiesenplatz zu hinterstellen – zusammen mit der „Museumsflotte“ der BVB.
In der entsprechenden Aktennotiz der BVB vom 22.12.1977 taucht auch der Gedanke der Gründung einer Genossenschaft auf, und erstmals wird das BLT-Tramdepot Aesch erwähnt.
Am 10.1.1978 unterbreitet der TCB seine Vorstellungen bezüglich einer BVB-Fahrzeugsammlung; er verweist dabei auch auf entsprechende Erfolge des Tram-Museums in Zürich.
Auf Anregung von Dr. Hans-Rudolf Schwabe kommt es am 11. April 1978 zu einer Gründungsversammlung der „Genossenschaft Tram-Museum der Region Basel“. Die noch heute fast unveränderten Statuten werden ohne jegliche Kosten von Rechtsanwalt Dr. Werner Blumer ausgearbeitet. Der Vorstand der Genossenschaft setzt sich aus denselben Personen zusammen wie der Innere Ausschuss des Aktionskomitees.
Die Genossenschaft wird am 16.06.1978 im Handelsregister des Kantons Basel-Stadt eingetragen.
Es werden verschiedene Varianten für die Hinterstellung der Museumsfahrzeuge diskutiert, u.a. Kauf oder Miete einer Ex-Firestone-Lagerhalle in Pratteln, SBB-Depot in Delle (Vorschlag Amstein) und provisorische Wagenhalle auf der BVB-Abstellanlage Eglisee.
Die „Variante Eglisee“ wird als am raschesten realisierbar bewertet.
Genossenschaft und TCB kommen überein, dass das Provisorium Eglisee nicht von der Genossenschaft, sondern vom TCB realisiert werden soll.
Da in der Folge der TCB die provisorische Wagenhalle Eglisee baut und die Genossenschaft nicht involviert ist, soll hier nicht im einzelnen auf die „Geschichte Eglisee“ eingetreten werden. Nur noch ein paar Stichworte dazu:
- Am 15.11.1979 erteilen die BVB dem TCB die Zustimmung zum Bau einer provisorischen Wagenhalle auf dem Areal der Abstellanlage Eglisee.
- Dem TCB gelingt es, durch Werbe- und Bettelaktionen innert kurzer Zeit eine beträchtliche Geldsumme zu sammeln.
- Auch der Lotteriefonds des Kantons Basel-Stadt beteiligt sich mit einem namhaften Beitrag an den Baukosten.
- Die Halle wird von TCB-Mitgliedern grösstenteils in Fronarbeit errichtet.
- Im November 1979 wird von einem ersten Vandalenakt in der Abstellanlage mit beträchtlichen Schäden an den Fahrzeugen berichtet.
- Nach fünf Jahren muss die Wagenhalle auf Verlangen der Gemeinde Riehen wieder abgerissen werden, da die Bewilligung nur für diesen Zeitraum erteilt worden war. Eine verwaltungsrechtliche Einsprache des TCB, bei der uns wieder Dr. Werner Blumer unentgeltlich hilft, wird abschlägig beschieden.
Und nun zurück zur Genossenschaft: Am 17.8.1979 erklärt Dr. Hans-Rudolf Schwabe seinen Rücktritt aus dem Vorstand der Genossenschaft.
An der Vorstandsitzung vom 28.8.1979 wird auf Vorschlag von Dr. H.R. Schwabe Heinz Bölle zum neuen Präsidenten gewählt.
Im Juli 1979 erklärt auch Dr. Peter Bächlin seinen Rücktritt aus dem Vorstand.
Die Genossenschaft Tram-Museum fristet seit dem Bau der Wagenhalle nur noch ein Mauerblümchendasein. Die einzige Aktivität besteht darin, die jährliche Steuererklärung auszufüllen und einzureichen.
Der Gedanke eines Tram-Museums ist aber deswegen nicht eingeschlafen. Vielmehr wird im TCB eine von Bruno Thommen geleitete Arbeitsgruppe Tram-Museum gegründet. Hier geht es hauptsächlich um die Ausarbeitung eines Museumskonzepts und um die Erarbeitung eine Liste von Fahrzeugen, die museums- und erhaltenswürdig sind. Dabei wird unterschieden zwischen einem „stehenden“ und einem „fahrenden“ Museum.
Ganz allgemein lässt sich feststellen, dass seit Ende der achtziger Jahre in Basel bedeutend mehr Interesse für die Erhaltung der historischen Strassenbahn-Fahrzeuge besteht als in den Anfangsjahren des TCB. „Schuld“ daran sind meines Erachtens einmal die allgemeine Nostalgiewelle, sodann die erfolgreiche Restaurierung und Wiederinbetriebnahme der Tante Schuggi sowie das Jubiläum „100 Joor BVB“ im Jahre 1995. Das kommt auch darin zum Ausdruck, dass das Parlament einen namhaften Geldbetrag zur Restaurierung einiger historischer Tram-Fahrzeuge bewilligt. Auch die BVB sind den historischen Fahrzeugen gegenüber bedeutend positiver eingestellt als in früheren Jahren, lässt sich doch damit auch Geld verdienen.
Und nun noch einmal zurück zur Genossenschaft: Vorstands-Mitglied Günther Kunze war verstorben, und die Herren Roth, Ritter und Thalmann hatten inzwischen die für den Vorstand statutarisch vorgeschriebene Altersgrenze von 70 Jahren überschritten.
Damit bestand der Vorstand nur noch aus zwei Mitgliedern: Heinz Bölle und Klaus Rodeck.
Heinz Bölle regte in der Folge einige Male an, die Genossenschaft wegen Nichterreichung ihres Zweckes zu liquidieren. Das fand Klaus Rodeck angesichts der schon getätigten „Investitionen“ zu schade. Er sandte am 5.12.2000 ein Schreiben an den Präsidenten der Genossenschaft, Heinz Bölle, und den Präsidenten des TCB, Markus Böhlen, worin er drei Varianten zu überlegen vorschlug:
1. die Reaktivierung der Genossenschaft
2. den Verkauf des „Mantels“
3. die Liquidation der Genossenschaft
In der Folge befasste sich der Vorstand des TCB mit der Angelegenheit und entschied sich für die Reaktivierung.
Es wurden vier Personen gefunden, die bereit waren, der Genossenschaft zu neuem Leben zu verhelfen, nämlich:
- Mathieu Jaus
- Matthias Rist
- Lukas Lusser
- Matthias Ehmann
Ausserdem erklärte sich das bisherige Vorstandsmitglied Klaus Rodeck bereit, für eine Übergangszeit und zur Wahrung der Kontinuität weiterhin im Vorstand – oder wie es heute heisst: Verwaltungsrat – mitzuarbeiten. Hingegen verzichtete Heinz Bölle aus gesundheitlichen Gründen auf eine Wiederwahl.
Um rechtlich einwandfrei zu verfahren, wurde wie folgt vorgegangen:
Zunächst fand am 29. März 2001 um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Anton eine Verwaltungsratssitzung statt. An ihr nahmen – neben einigen Gästen – als einzige Verwaltungsräte Heinz Bölle und Klaus Rodeck teil. Sie nahmen statutengemäss 11 neue Mitglieder in die Genossenschaft auf. Da das Stimmrecht erst mit der Einzahlung des Genossenschaftskapitals wirksam wird, waren die 11 neuen und die 2 bisherigen Mitglieder (Heinz Bölle und Klaus Rodeck) gehalten, je 100 Franken für einen Anteilschein mitzubringen und einzuzahlen.
Damit konnte um 20 Uhr die Mitglieder- oder Genossenschafterversammlung beginnen, die vom bisherigen Präsidenten, Heinz Bölle, geleitet wurde. Es wurde der neue Verwaltungsrat gewählt, der sich bis heute unverändert zusammensetzt aus:
- Mathieu Jaus, Präsident
- Matthias Rist, Vizepräsident
- Klaus Rodeck, Kassier
- Matthias Ehmann, Aktuar
- Lukas Lusser, Beisitzer
Ausserdem wurde die Kontrollstelle gewählt, und es wurden einige Statutenänderungen vorgenommen.
Damit waren sowohl die Genossenschaft wie auch deren Verwaltungsrat gesetzes- und statutenkonform bestellt. Es konnte eine neue, zweite Lebensphase der Genossenschaft Tram-Museum der Region Basel beginnen.
Ohne Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit.
Dornach und Bern, 30. Juni 2005
Klaus Rodeck