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Unerfüllter Kinderwunsch
«Wir sind ein Paar und wünschen uns ein Kind. Obwohl wir seit mehreren Monaten ungeschützten Verkehr haben, stellt sich keine Schwangerschaft ein. Wir sind verunsichert und fragen uns, ob bei uns alles normal ist. Wir haben uns bisher noch nicht untersuchen lassen.»
Wenn nach mehreren Monaten ungeschützten Verkehrs bei bestehendem Kinderwunsch die ersehnte Schwangerschaft nicht eintritt, kann das für das betroffene Paar sehr belastend sein. In vielen Fällen lässt sich mit einfachen Methoden feststellen, ob ein Problem vorhanden ist und wo es liegt.
Gemäss Weltgesundheitsorganisation WHO spricht man von Unfruchtbarkeit eines Paares, wenn nach einem Jahr regelmässigen und ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eintritt. Grob kann man sagen, dass die Ursache etwa in einem Drittel der Fälle beim Mann liegt, in einem Drittel bei der Frau und in einem Drittel bei beiden Partnern zusammen. Es ist jedoch relativ selten, dass man bei einer Abklärung des Paares sofort auf den entscheidenden Grund für die Unfruchtbarkeit trifft. Sehr häufig ist es eine Kombination aus vielen kleinen Faktoren bei beiden Partnern, die eine ersehnte Schwangerschaft verhindern.
Die wichtigste Untersuchung beim Mann ist das sogenannte Spermiogramm. Nach Abgabe einer Samenprobe wird diese im Labor untersucht. Dabei wird geprüft, ob genügend bewegliche und normal geformte Spermien vorhanden sind. Die Aussagekraft eines einmalig durchgeführten Spermiogramms ist jedoch eingeschränkt, da die Qualität der Spermien sehr stark schwanken kann. Es gibt jedoch einen ersten Hinweis darauf, ob beim Mann eine schwere Fruchtbarkeitsstörung vorliegt, die weiter abgeklärt werden sollte. Gegebenfalls muss eine solche Untersuchung daher nach einiger Zeit wiederholt werden.
Das Heranwachsen von Eizellen, der Eisprung, die Befruchtung der Eizelle und die Einnistung des Embryos finden nacheinander im Körper der Frau statt. Jeder dieser Vorgänge ist hoch komplex und entsprechend störungsanfällig. Daher sind die Untersuchungen bei der Frau aufwendiger als beim Mann. Der mit Abstand wichtigste Faktor, der die weibliche Fruchtbarkeit beeinflusst, ist das Alter der Frau. Der Grund dafür ist, dass bei einer gesunden Frau die Anzahl und die Qualität der Eizellen ab 37 Jahren sehr stark abnehmen. Mit 40 Jahren liegt die monatliche Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft auf natürliche Weise eintritt, bei lediglich 4 Prozent im Vergleich zu 20 bis 25 Prozent bei einem Alter von 30 Jahren.
Ein anderer wichtiger Faktor ist das Vorliegen von regelmässigen Zyklen von etwa 28 Tagen. Wenn ein solcher vorliegt, findet mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit ein Eisprung mit einer reifen und hochwertigen Eizelle statt. Sind die Zyklen verkürzt oder unregelmässig, können dies Hinweise auf eine Fruchtbarkeitsstörung sein, die weiter abgeklärt werden sollten. Einer der Gründe für unregelmässige oder verkürzte Zyklen kann eine reduzierte Eizellreserve sein, die durch eine routinemässige Hormonbestimmung zu Zyklusbeginn diagnostiziert werden kann.
Wenn bei jungen Frauen mit regelmässigen Zyklen und einem gesunden Partner keine spontane Schwangerschaft eintritt, ist am ehesten ein „mechanischer“, also anatomischer Grund dafür verantwortlich. Die Eileiter spielen beim Befruchtungsprozess eine entscheidende Rolle. Sie fangen die reife Eizelle beim Eisprung aus den Eierstöcken auf, in ihnen findet die Befruchtung statt und sie transportieren den neuen reifen Embryo in die Gebärmutter, wo die Einpflanzung erfolgt. Wenn die Eileiter geschädigt sind, können diese Vorgänge nicht mehr normal ablaufen und eine spontane Schwangerschaft tritt nicht ein. Die zwei Hauptgründe für beschädigten Eileiter sind vergangene Infektionen oder eine Endometriose, die Verwachsungen innerhalb und ausserhalb der Eileiter verursachen können. Je nach Situation ist es möglich, die Störung operativ zu behandeln. Oder aber eine künstliche Befruchtung wird notwendig, um die „mechanische“ Störung der Eileiter zu umgehen.
Ein weiterer häufiger Grund für Fruchtbarkeitsstörungen bei der Frau können Gebärmutterfehlbildungen oder gutartige Neubildungen der Gebärmutter sein (Polypen der Gebärmutterschleimhaut oder Myome). Je nach Lage und Grösse können sie die Einnistung des Embryos verhindern. Die einfachste Methode, um diese prinzipiell harmlosen Neubildungen der Gebärmutter zu entdecken, ist der vaginale Ultraschall, der bei keiner Abklärung von Kinderlosigkeit fehlen sollte.