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Henri Guisan.
In den letzten Septemberwochen 1944 weilte General Guisan mit dem Armeekommando in Luterbach. Der Kommandozug stand auf dem nordwestlichen Geleise der Bahnanlage. Der Zug umfasste ausser der elektrischen Lokomotive sechs Wagen: Ein Arbeits- und Schlafwagen für den General und seine engsten Mitarbeiter; ein Speisewagen, dessen Abteile in Arbeitsräume für die Kanzlei umgewandelt wurden, inklusive Schlafkojen für das Personal, wobei einzelne Leute in Hängematten schlafen konnten; ein Drittklasswagen als Sanitätsstelle und als Unterkunft für die Bewachungsmannschaft, Kuriere, Tele- fonisten und Funker, die auf Strohsäcken untergebracht waren; ein Gepäckwagen und ein offener Güterwagen zum Transport der mitgeführten Motorfahrzeuge. Im Gesamten bot der Kommandozug Raum für 60 Personen, inklusive Bahnpersonal. Die mitgeführten Lebensmittel waren auf drei Tage berechnet. Beleuchtung und Heizung wurden ausser durch Batterien und eine Notstromgruppe (mit Benzinmotor) durch Acetylenlampen und Kerzen sichergestellt. Die Verbindung nach aussen erfolgte mittels Funk und Radio, beim Halten zudem per Telefon (intern auch während der Fahrt) und per Telegraf. Ab 1940 standen der Armeeführung zwei solche Züge zur Verfügung. Diese Informationen stammen aus dem Buch «General Henri Guisan» von Willi Gautschi. Dort ist ebenfalls zu lesen: «Mitte September 1944 verlegte General Guisan seinen Kommandoposten aus Interlaken nach vorn ins Mittelland. Dazu benützte er den Eisenbahn-Kommandozug, der für einige Wochen im solothurnischen Luterbach, vorübergehend in Delémont, stationiert wurde.» Es war die Kriegslage an der Nordwestgrenze der Schweiz, welche den General veranlasste, näher an die Front zu dislozieren. Die militärische Lage war damals in der Endphase des Krieges politisch ausserordentlich heikel, da die Gefahr bestand, dass sowohl deutsche Truppen als auch alliierte Streitkräfte bei den Kämpfen im Elsass die Schweizer Grenze missachten könnten. Der General war schliesslich verantwortlich, dass Ofﬁziere wie Mannschaft auf strikteste Neutralität zu achten hatten. Ein weiterer Zeuge des Aufenthalts von General Guisan in Luterbach ist Bernhard Barbey, der Chef des persönlichen Stabes des Generals. In seinem Buch «Fünf Jahre auf dem Kommandoposten des Generals» ﬁnden sich folgende Hinweise: Luterbach, 13. September (1944) Nach einem kurzen Besuch beim Kommandanten des 2. A. K., der eben seinen K. P. nach Solothurn verlegt hat, holen wir den Kommandozug in der kleinen Station Luterbach ein.
Delsberg, 26. September Wir lassen den Zug heute Abend nach dem Bahnhof Luterbach führen, von wo aus der General am besten den Bewegungen des I. A.K. im Seeland, der 7. Division und der Leichten Brigade 3 an der Aare zwischen Olten und Aarau folgen kann.
Der Kommandozug, das Wissen um die Anwesenheit des Generals, das Flabgeschütz beim Haus neben dem Zug, all das hat mich als 12-jährigen Buben begeistert und der Wunsch, einmal mit dem General sprechen zu dürfen und ihm die Hand zu geben, war so gross, dass ich am schulfreien Mittwoch, 20. September, mutig zur Tat schritt. Auf dem Strässchen vor dem imposanten Zug wartete ich. Der General stieg eben aus dem Auto mit einigen Ofﬁzieren, spontan ging ich auf ihn zu, er begrüsste mich, ich durfte ihm die Hand geben und ein kleines Gespräch bahnte sich an. Mit grosser Freude öffnete ich zwei Tage später den Feldpostbrief mit Absender «Der Oberbefehlshaber der Armee», der eine Foto des Generals mit Unterschrift und Datum enthielt. Wenig später traf nochmals ein gleicher Feldpostbrief ein und – die besondere Überraschung – ein Taschenmesser mit einer Kette zum Anhängen. So wurde der Kommandozug in Luterbach für mich zu einem ganz besonderen Ereignis. Nach dem Aufenthalt in Luterbach diente der Zug dem General nicht mehr als Kommandoposten. Er bezog mit seinem Stab am 9. Oktober 1944 das Schloss Jegenstorf, wo das Armeekommando bis Kriegsende untergebracht war.
Dieser von Armin Gugelmann geschriebene Text ist ein Ausschnitt aus der «Reihe Luterbach» und dem Band 4 «Luterbacher Porträts». Mehr davon und alle anderen Bände finden Sie im Webshop des Vereins Historisches Erbe Luterbach vhe-luterbach.ch.
Michael Ochsenbein,
Präsident Verein Historisches Erbe