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In Graubünden sind letztes Jahr analog zum schweizweiten Trend weniger Straftaten begangen worden als im Vorjahr - insgesamt 8541 Straftagen, also 379 weniger als im Vorjahr. Unverändert vier Fälle von zehn wurden im Schnitt aufgeklärt. Je schwerer eine Tat war, desto höher lag die Aufklärungsquote. Auch andere Schweizer Kantone wie beispielsweise St. Gallen und Thurgau haben heute ihre Kriminalstatistiken präsentiert. Was aber sagt eine solche Statistik aus? Diese und andere Fragen beantwortet Redaktor Marc Melcher im Gespräch.
SRF News: Marc Melcher, was passiert jetzt mit dieser Statistik innerhalb der Polizei? Verschwindet sie in einer Schublade?
Marc Melcher: In einer Schublade verschwindet diese Statistik sicherlich nicht. Die Zahlen werden auch intern analysiert und allenfalls wird auf Veränderungen reagiert. Ein wichtiger Punkt für die Polizei sind die regionalen Unterschiede, also wenn sich beispielsweise zeigt, dass es in einer bestimmten Region deutlich mehr Einbrüche gegeben hat als in einer anderen Region. Auf solche Entwicklungen kann die Polizei reagieren, in dem sie beispielsweise die Kontrollen verstärkt.
Gibt es denn konkrete Beispiele dafür, dass sich aufgrund der Statistik in den letzten Jahren etwas an der Arbeit der Polizei geändert hat?
Ja und Nein. Auffällig ist, dass die Statistik vor ein paar Jahren noch eine Zunahme bei den Einbrüchen gezeigt hat. Auf das haben die verschiedenen Kantonspolizeien reagiert. Sie haben vermehrt Kontrollen durchgeführt, bei der Prävention vermehrt auf die Gefahren hingewiesen. Aber, und das hat der Bündner Kripochef Gianfranco Albertini auch gesagt, es braucht keine Statistik, um zu merken, dass es mehr Einbrüche gibt. Eine Statistik kann aber vermehrte Polizeikontrollen rechtfertigen. Sie wird also nicht nur für die Polizei erstellt, sondern auch für die Bevölkerung.
Wie kann sich die Bevölkerung auf diese Zahlen verlassen? Gibt es dabei einen Haken? Konkret: Müsste man Zahlen vielleicht anders interpretieren, als man dies im ersten Moment meint?
Das gilt so ziemlich für alle Zahlen in der Kriminalstatistik. Die Polizei zeigt auf, mit wievielen Fällen sie sich beschäftigt hat. Das heisst aber nicht, dass es in jedem Fall auch ein Verbrechen gegeben hat. Einfacher gesagt: Wenn jemand eine Anzeige gegen jemand anders erstattet, die beschuldigte Person aber nie etwas gemacht hat, dann fliesst diese Zahl ebenfalls in die Statistik. Aus diesem Grund muss man die Statistik mit Vorsicht geniessen. Wenn in der Kriminalstatistik 10'000 Fälle aufgeführt sind, dann heisst dies nicht zwingen, dass auch 10'000 Verbrechen begangen wurden.
Das Gespräch führte Silvio Liechti.