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Gründung und Vorgeschichte
In Sierre (Siders) hat man sich schon vor der Gründung der Fondation Rilke um den Dichter bemüht. 1956 wurde 30 Jahre nach Rilkes Tod ein Verein gegründet, der zum Gedenken an den Dichter im Manoir de Villa einen Rilke-Raum einrichtete, eine Strasse nach Rilke benannte und zum ersten Mal Rilke-Tage durchführte. Paul Hindemith dirigierte ein Konzert mit eigenen Rilke-Vertonungen, Rudolf Kassner und Maurice Zermatten hielten Vorträge. Im Laufe der Jahre sammelten Jeanne de Sépibus, Jean de Chastonay und Paul-Albert Berclaz ein paar Hundert Rilke-Bücher, die den Grundstock der zukünftigen Rilke-Sammlung bilden sollten.
Im Mai 1967 schenkte Jeanne de Sépibus-de Preux (1886-1977), eine Aristokratin aus Sierre, der Stadt Handschriften, Briefe und andere an Rilke erinnernde Gegenstände aus ihrem Besitz, darunter das Manuskript des Gedichts «Le Noyer» und 38 Briefe Rilkes an Jeanne de Sépibus. Diese Dokumente wurden im ‘Blauen Salon’ des Rathauses ausgestellt. Nach dem Tod der Donatorin kam ein weiterer Teil ihres Nachlasses hinzu, bestehend aus Salonmöbeln, Porträts und Fotografien. Das ihr gewidmete Manuskript der «Quatrains Valaisans», das sie an einen Londoner Antiquar veräussert hatte, konnte von einigen Einwohnern der Stadt Sierre zurückgekauft werden und gehört heute zum Archiv der Fondatin Rilke.
Im September 1973 feierte man eine Schenkung vonseiten von Frau Henry Valotton-de Freudenreich. Diese Schenkung umfasst rund dreissig Briefe von Rilke an Yvonne-Renée de Wattenwyl (1891-1976), wie sie zu Rilkes Zeit hiess, sowie einige Elegien und Gedichte, die Rilke für sie abgeschrieben hatte.
Im «Rilke-Sommer» 1975 (Eté Rilke) wurde der 100. Geburtstag Rilkes gefeiert. Wichtigstes Ereignis war die Ausstellung «Rilke en Valais» im Manoir de Villa.
1984 wurde im «Jardin public» (heute «Place de l’Europe») eine Rilke-Büste von Edouard Vitali enthüllt.
Am 1. Oktober 1986 wurde die Fondation Rilke gegründet. Die Gemeinde Sierre übergab ihr die Gesamtheit ihrer Rilke-Sammlungen.
Im Jahr 1987 richtete die Fondation Rilke im Erdgeschoss des Hauses Pancrace de Courten in der Rue du Bourg 30 in Sierre ihr Museum ein in der Absicht, Besucher an Werk und Leben des grossen Dichters aus Prag heranzuführen. Rilke hatte im Zeitraum 1921-1926 im mittelalterlichen Schlösschen Muzot gewohnt, wo er im Februar 1922 die «Duineser Elegien» vollendete und die «Sonette an Orpheus» schrieb. Dort entstanden auch mehrere Gedichtzyklen in französischer Sprache und Rilkes Übersetzungen von Werken Paul Valérys. Man kann verstehen, dass die Besucher im Wallis erwarten, einen Ort zu vorzufinden, welcher der Erinnerung an ihn gewidmet ist, sei es in Sierre oder im 24 km vom Muzot entfernten Raron wo Rilke begraben liegt.
Seither kamen viele weitere Schenkungen und Erwerbungen hinzu (s. unter Forschung und Dokumentation: Sammlungen).