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Hand aufs Herz!
Seit letztem Jahr gelten neue Richtlinien für die Reanimation bei einem Kreislaufstillstand. Wer das Beatmen nicht beherrscht, soll sich in den ersten zehn Minuten nur auf die Herzmassage konzentrieren.
Erleidet jemand einen Herzstillstand, sollen Helferinnen und Helfer nach den üblichen drei Schritten sofort mit der Herzdruckmassage ( HDM ) beginnen. Die bisher empfohlenen zwei initialen Beatmungsstösse entfallen. Falls jemand das Beatmen beherrscht, soll er jeweils nach 30 Thoraxkompressionen zwei Beatmungsstösse geben. Alle Übrigen sollen es sein lassen und sich auf die kontinuierliche HDM beschränken. Pro Minute sollte der Brustkorb mindestens 100 und höchstens 120 Mal in der Mitte des Brustbeins mindestens fünf Zentimeter weit eingedrückt werden ( bei Kindern ein Drittel des Brustkorbdurchmessers ). Dies empfehlen die neuen, international einheitlichen Reanimationsrichtlinien. Die ersten Schritte im Ablauf der Wiederbelebung bleiben dabei unverändert:
1. Hilfe aus der nahen Umgebung herbeirufen.
2. Abklären, ob die betroffene Person normal atmet.
3. Wenn ja, die Person sofort in eine stabile Seitenlage bringen. Wenn nein, sofort via 1414 oder 144 die Rettung alarmieren.
4. Mit Herzdruckmassage ( HDM ) beginnen. Ist mehr als ein Helfer vor Ort, gleichzeitig mit der HMD beginnen und alarmieren.
Eckehart Schöll, Facharzt für Anästhesiologie und klinische Notfallmedizin und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Gebirgsmedizin (SGGM), erklärt, warum die neuen Richtlinien beschlossen wurden: «Die Überlebenschance ist in den ersten zehn Minuten gleich, wenn nicht sogar besser, wenn die HDM nicht fürs Beatmen unterbrochen wird.» Der Grund: Wird die Herzmassage für eine Mund-zu-Mund- bzw. Mund-zu-Nase-Beatmung länger als fünf Sekunden ausgesetzt, bricht der Blutkreislauf länger zusammen. Bis der Blutdruck durch neuerliche HDM wieder hergestellt ist, wird das Gehirn nicht durchblutet, was die Prognose des Patienten verschlechtert. «Weil im Blut unmittelbar nach Herz-Kreislauf-Stillstand noch genügend Sauerstoff gespeichert ist, können die ersten Minuten ohne Beatmung überbrückt werden», erklärt Schöll. Nach etwa zehn Minuten geht der Sauerstoffvorrat im Blut allerdings zur Neige. Wenn bis dahin keine professionelle Hilfe eingetroffen ist, sollte man mit dem Beatmen beginnen, so wie es in den Nothelferkursen bislang gelehrt worden ist. Anders ist die Lage, wenn der Patient erstickt ist und deshalb der Kreislauf kollabierte. Zum Beispiel weil er in eine Lawine kam, weil sein Kopf unter Wasser lag oder weil die Atemwege durch einen Fremdkörper verstopft waren. Dann enthält das Blut bereits so wenig Sauerstoff, dass die alleinige HDM nutzlos ist: Sofortiges Beatmen ist hier unumgänglich.