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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

IV. Rede
59.
Sodann meinte er, daß wir aus Ruhmsucht und nicht aus Liebe zur Wahrheit uns den Gefahren unterziehen. Solche Dummheit mögen Männer wie Empedokles, Arsitäus, Empedotimus, Trophonius und ihre unglückselige Gesellschaft treiben! Empedokles hatte [S. 105] ausgegeben, er sei als Gott in den Krater Siziliens gegangen und habe uns verlassen, um einen besseren Platz zu erwählen, wurde aber durch seinen teuren Pantoffel, den das Feuer wieder ausgespien hatte, verraten1. Nicht als Gott offenbarte er sich nach seinem menschlichen Dasein, sondern als Mensch, der nach eitlem Ruhm gestrebt hatte, nach dem Tode die philosophische Begabung verlor und nicht einmal mehr einen hausbackenen Verstand besaß. Die anderen aber hatten sich, von der gleichen krankhaften Selbstliebe ergriffen, in Höhlen versteckt, wo sie jedoch ertappt wurden, so daß nicht das heimliche Verschwinden ihnen Ehre, sondern die Unmöglichkeit, verborgen zu bleiben, ihnen Verachtung eintrug2.
1: Vgl. Horaz, Ars poet. 464 f.:
Deus immortalis haberi
Dum cupit Empedocles, ardentem frigidus Aetnam
Insilit . . .
2: Trophonius, Empedotimus und Aristaeus waren thebanische Propheten. Sie sollen sich in Höhlen versteckt haben, um den Glauben zu wecken, sie seien in den Himmel entrückt worden, und um als Götter verehrt zu werden. In den Höhlen seien sie aber verhungert aufgefunden worden.