Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03289.jsonl.gz/1248

Wenn ich in einer Kinderbibel das Bild von tanzenden, sich freuenden Israelitinnen und Israeliten sehe, dann bin ich mir sicher, die tanzen Sirtaki!
Das kommt so: Als Kind wurden meine Augen mehrmals operiert, weil ich seit Geburt schiele. Die Operationen waren nicht besonders schmerzhaft, aber die Wochen danach mühsam. Ein Auge war zugepflastert und ich musste vorsichtig sein; vor allem aber war mir langweilig.
Eines Nachmittages hatte
meine Mutter eine wunderbare Idee, um mich aufzuheitern. Sie liebt – ich kann’s
nicht ganz verstehen, ist die Geschichte doch voller haarsträubender
Fehlschläge – den Film «Zorba the Greek». In der Schlussszene tanzt darin Anthony
Quinn den berühmten griechischen Sirtaki-Tanz am Strand. Trotz aller
Widrigkeiten, die ihm widerfahren sind, tanzt er völlig gelöst und strahlend.
Meine Mutter legte also die Schallplatte mit der Filmmusik auf, zeigte mir die einfachen Schritte und wir beide tanzten auf unserem Wohnzimmerteppich unseren eigenen kleinen «Befreiungstanz».
In den letzten Wochen kommt mir diese Szene aus meiner Kindheit häufig in den Sinn. Vielleicht, weil auch jetzt wieder Zeit wäre, um gegen die Trübsal anzutanzen? Vielleicht frage ich meine Mama, ob sie mit mir an Weihnachten Sirtaki tanzt? Vielleicht tanzen Sie heute? Es braucht keinen Strand dazu…
Monika Bieri, Leitungsassistenz