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Hierbei ist auf die Temperatur zu achten, die gärende Milch von Zeit zu Zeit zu quirlen und in einem bestimmten
Stadium des Gärungsprozesses auf Flaschen zu füllen. Ein zwei Tage alter Kumys enthielt außer Wasser: 1,65 Proz. Alkohol, 2,05
Proz. Fett, 2,2 Proz. Zucker,
[* 5] 1,15 Proz. Milchsäure, 1,12 Proz. Eiweißstoffe, 0,28
Proz. Salze und 0,785 Proz. Kohlensäure. Der Kumys ist milchweiß, riecht säuerlich, an den spezifischen
Geruch des Pferdes erinnernd, schmeckt prickelnd, angenehm säuerlich, mit einem Nachgeschmack nach süßen Mandeln. Um ihn
in diesem Zustand zu erhalten, muß er auf Eis
[* 6] aufbewahrt werden.
lockte jährlich zahlreiche Kranke, namentlich Lungenschwindsüchtige, in die Steppen. Diese fanden vielfach Heilung oder Erleichterung,
zum Teil wohl mit durch das Klima
[* 9] und die Lebensweise in den Steppen; aber auch außerhalb derselben, z. B. in Moskau,
[* 10] wurden
mit sorgfältig bereitetem, gutem Kumys günstige Resultate erzielt. Die Kumyskur beginnt mit dem Genuß von
2-3 Glas
[* 11] und fordert im weitern Verlauf, daß der Patient täglich vier Flaschen und mehr Kumys zu sich nehme, sich also so gut
wie vollständig mit Kumys allein ernähre.
Bei diesem starken Konsum von Kumys tritt auch ein Gefühl der Sättigung ein, und das Bedürfnis nach fester Nahrung schwindet.
Dabei wird die Harnsekretion erheblich gesteigert, und das spezifische Gewicht des Harns nimmt ebenfalls zu; anfangs zeigt
sich ein leichter Grad von Trunkenheit, dann Abgespanntheit, Müdigkeit und Neigung zum Schlaf, welch letztere während der ganzen
Kurzeit fortzubestehen pflegt. Ganz konstant tritt bei 4-6 Wochen langem Gebrauch des Kumys eine oft überraschende
Zunahme des Ernährungszustands ein.
Derselbe ist um so ersichtlicher, je mehr das betreffende Individuum heruntergekommen war, und tritt auch in diesem Fall umso
rapider ein. Die Gesichtsfarbe bekommt ein rosiges Kolorit, der Gesichtsausdruck wird belebter, in kurzer Zeit zeigt sich
eine starke Fettablagerung, und das Körpergewicht nimmt erheblich zu. Dieser Effekt kann nur durch die
eigentümliche Mischung der Kumysbestandteile hervorgebracht werden. Seinen großen Ruf verdankt der Kumys seiner Wirksamkeit
gegen die Schwindsucht; er ist zwar ohne erheblichen direkten Einfluß auf die lokalen Vorgänge im Lungenparenchym, aber
er wirkt als vortreffliches Ernährungsmittel auf den Zustand des ganzen Körpers, und mit der Verbesserung
desselben bemerkt man eine Abnahme des Fiebers, eine Beschränkung der Kurzatmigkeit wie auch eine Verminderung des Hustens
und Auswurfs.
Kefir ist viel konsistenter als Kumys, weil er mehr als dreimal reicher an Eiweißstoffen ist, er enthält
um die Hälfte weniger Alkohol und etwas weniger Milchsäure und riecht und schmeckt angenehmer. Er wirkt sehr günstig auf
die Ernährung und ist mit Erfolg namentlich bei Lungenkrankheiten benutzt worden.
Vgl. Stahlberg, Der Kumys, seine physiologischen
und therapeutischen Wirkungen (Petersb. 1869);
Derselbe, Gesammelte Vorträge über den Kumys (Leipz. 1873);