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Der Lead ist leider zu kurz, um dieses Phantasie-Monster Günter Struchen und dessen wahnwitziges Brief-Buch «Fertig Robidog!» sinnvoll zu umreissen. Darum bitte ich euch innigst, lest einfach das, was darunter kommt.
Günter Struchen schreibt «primär humorvolle bis ordentlich bescheuerte» Briefe. An Christoph Blocher zum Beispiel, mit der Bitte, er solle ihm ein Schnäggli zeichnen. Er hat's gemacht. Christophe Darbellay schlägt er vor, sich doch endlich zum König krönen zu lassen. Er hat's nicht gemacht. Struchen schreibt Institutionen und Behörden mit den sonderbarsten Bitten an, und beklagt sich bei Camille Bloch, dass im letzten Drittel seines verspeisten Ragusas null Haselnüsse drin waren.
Er hat auf viele seiner Briefe Antworten gekriegt. Aus dem Ganzen hat Struchen jetzt ein Buch gemacht, das da heisst: «Fertig Robidog! Der Hund, der nicht mehr wollte, dass man seinen Gagu aufwischt». Das klingt nach Revolution. Nun. Es ist Revolution. Und gemäss dessen Illustrator Jerzovskaja ist es die hochwertigste Scheisshauslektüre, die der Planet seit der Geburt Roger Köppels zu Gesicht bekommen hat. Damit hat er so recht, rechter kann man überhaupt nicht haben.
In der Vermittlungsposition, in der man sich als Medium befindet, ist man verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Auch wenn es mich in diesem Falle sehr schade dünkt, weil es ein bisschen eine Phantasie-Mörderei ist. Aber gut. Ich werde meiner Pflicht natürlich nachkommen, und euch verraten, dass es Günter Struchen gar nicht richtig gibt. Dafür existiert sein Schöpfer. Er heisst Flavio Carrera, ist 28 Jahre alt und hat irgendetwas mit Philosophie zu tun. Die Schweizer Armee hat ihn für untauglich befunden. Die Ärztin hat ihm eine Glockenkurve unter die Nase gehalten und ihm gesagt, sein IQ befände sich am linken Rand, knapp über dem vom Bonobo. Er war also zu blöd fürs Militär.
Und wahrscheinlich weil so ganz ohne Militär schon etwas im Leben fehlen muss, hat Flavio irgendwann den Günter Struchen erfunden. Ein an der Realität zerbrochener, eidgenössisch diplomierter Meeresbiologe. Er hat sich nämlich das Dasein als solcher derart vorgestellt: Stundenlanges Herumschwimmen mit Delfinen und Wasserschildkröten auf den Galapagos-Inseln. In Tat und Wahrheit hat er die Sterilität von Bachforellenmännchen in den Gebirgsflüssen des Berner Oberlandes untersucht. Und selbst das nur für zwei Monate. Weil Herr Struchen gar keine Bachforellenmännchen gesehen hat.
Darum schreibt Herr Struchen jetzt professionell Briefe. Die Frage nach dem Warum ist allerdings schwierig zu beantworten, weil er lügt wie gedruckt. In Interviews und auch ganz allgemein. Herr Struchen hat darum jedem Fragenden eine andere Version aufgetischt. Als Experiment, wie er sagt, das folgender Problematik auf den Grund zu gehen versucht: Wie viel Widerspruch erträgt die Gesellschaft?
Wer jetzt denkt, dass da in Herr Struchens Kindheit etwas falsch gelaufen sein muss, dem muss man sagen: Im Grossen und Ganzen war er ein glückliches Kind. Er sprach mit Bäumen, vorzugsweise mit Linden, und streichelte sanft deren Rinde. Es gab sogar eine Zeit, in der er sich immer wieder überraschend umdrehte, weil er die Welt beim Nicht-Existieren erwischen wollte. Das gelang Klein-Struchen zwar nicht, aber dafür hat er den besten Schärischnitt der ganzen Primarschule Urnäsch gemacht. Obwohl hier nicht ganz sicher ist, ob dieser Erfolg nicht eher auf das Konto von Flavio Carrera geht. Aber die beiden sind sowieso schon lange miteinander verschmolzen.
«Fertig Robidog!» kommt bei Schlafwandler.ch heraus. Die Agentur kümmert sich um den Verkauf der Struchen-Schriftstücke und Modeaccesoires. «Des Weiteren begleicht sie jährlich die schwindelerregenden Defizite der Struchn Fäschn Ungerhosi & Mode X Ce Soirs GmbH», steht auf der Homepage.
Gewinne will Schalfwandler.ch ganz bewusst nicht machen, weil sie nicht nach den gemeinen Regeln der Marktwirtschaft tanzen mag.
Der Vorteil für die Leser bestehe nun darin, dass den Schlafwandler-Typen das Preis-Leistungs-Verhältnis hochkantig egal ist. Sie wollen nämlich einfach nur sauglatte Bücher unter die Menschen bringen. Und das tun sie.