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Die Textilkünstlerin Luba Krejčí (1925–2005) nimmt im Feld der sogenannten Fiber Art der 1960er-Jahre mit ihren poetischen Fadenbildern eine Einzelposition ein. In unorthodoxer Weise erfand sie darin die traditionsreiche Klöppeltechnik neu.
Neben szenischen Bildern, die Mensch und Tier in harmonischer Weise zusammenführen, hat Luba Krejčí eine Reihe einzelner Frauenköpfe geschaffen. Mit vom Winde verwehten Haaren starren die Gesichter aus leeren Augen und mit offenem Mund auf den Betrachter. Am Hals abrupt endend, verströmen sie den konzentrierten Ausdruck von Passbildern, deren grobes Korn der textilen Herstellungstechnik geschuldet ist. Krejčí erneuerte in ihren Fadenbildern die uralte Technik des Spitzenklöppelns. Ohne Vorzeichnung oder Karton verwebte sie zunächst den gewachsten Leinenzwirn in eine dichte Gesichtsfläche, um daraus mittels Klöppelspitze die Textur der Haare zu entwickeln. Der Kontrast zwischen der Statik des ausdruckslosen Gesichts und der animierten Haarpracht könnte dabei nicht grösser sein. Es bleibt aber dahingestellt, ob es sich in Anbetracht der Zeitläufte – die Niederschlagung des Prager Frühlings mit drastischer Gewaltanwendung – um einen politischen Kommentar handelte. Jedenfalls zeugen Krejčís Bilder von ihrer grossen Vertrautheit mit textilen Techniken, durchlief sie doch in ihrer tschechischen Heimat in den 1940er-Jahren zunächst eine dreijährige Ausbildung zur Modistin und studierte an den Kunstgewerbeschulen in Brünn und Prag Textildesign. Ab Mitte der 1950er-Jahre setzte sie sich zudem in ihrer Heimat im Zentrum für Volkskunst für den Erhalt traditioneller handwerklicher Techniken und deren Weiterentwicklung ein. (Sabine Flaschberger)