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Actiontrash. USA 2007
Alternative Titel Death Proof - Todsicher; Grindhouse: Death Proof
Regie Quentin Tarantino
Drehbuch Quentin Tarantino
Produktion Quentin Tarantino, Robert Rodriguez, Elizabeth Avellan, Erica Steinberg
Ausführende Produzenten Harvey Weinstein, Bob Weinstein
Kamera Quentin Tarantino
Darsteller Kurt Russell, Rosario Dawson, Vanessa Verlito, Zoë Bell, Jordan Ladd,
Rose McGowan, Sydney Tamiia Poitier, Tracie Thoms, Mary Elizabeth Winstead,
Quentin Tarantino, Michael Parks, Eli Roth, Michael Bacall, Nicky Katt, Marley Shelton
Länge 113 Min.
US-Kinostart
06.04.2007 (Grindhouse)
CH-Kinostart 26.07.2007 (Death Proof)
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
© Text Marco,
molodezhnaja 20.6.07
© Bilder Ascot-Elite, Screenshots molodezhnaja
STORY
Arlene (Vanessa Verlito), Shanna (Jordan Ladd) und Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier) besuchen eine Bar in Austin, Texas. Dort taucht auch der im Gesicht vernarbte Stuntman Mike (Kurt Russell) auf und bietet der an der Bar sitzenden Pam (Rose McGowan) an, sie nach Hause zu fahren. Davor schäkert er etwas mit den drei Freundinnen herum - vor allem mit Arlene. Julia hatte in ihrer Radioshow nämlich versprochen, Arlene alias "Butterfly" würde mit dem ersten Kerl, der ihr ein Gedicht vorträgt, einen Lapdance performen. Als sich die Leute auf den Heimweg machen, lädt Mike Pam in seinen Stuntman-Wagen und entpuppt sich als waschechter Psychopath. Etwas später in Lebanon, Tennessee: Abernathy (Rosario Dawson), Kim (Tracie Thoms) und Lee (Mary Elizabeth Winstead) holen ihre Freundin, die Stuntfrau Zoë (Zoë Bell) ab und geraten ins Visier von Mike.
REVIEW
Für all jene, die der Vorgeschichte dieses Films wenig Interesse entgegen gebracht haben, ist die Rekonstruktion etwas kompliziert. Entstanden ist er als Teil von "Grindhouse", einer Hommage an das Exploitation- und B-Kino der 70er-Jahre, produziert von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez. Jeder der beiden Kumpels übernahm einen Spielfilm von rund 90 Minuten Länge, dazwischen fügten sie Trailer zu nicht existierenden Filmen ein, welche Regisseure von Eli Roth bis Rob Zombie beisteuerten. Das Ganze war dann satte 191 Minuten lang ... und floppte in den US-Kinos. Die in Panik geratenen Weinstein-Brüder entschlossen sich kurzerhand, "Grindhouse" zu spalten. Das heisst nun, Tarantinos "Death Proof" kommt ohne einen "Grindhouse"-Zusammenhang am 26. Juli 07 in die Schweizer Kinos, Rodriguez' "Planet Terror" folgt inklusive der Trailer (steht jedenfalls so im Presseheft) am 23. August.
Sakrileg. Das ist es. Denn vom "Grindhouse"-Gedanken, der gerade die 2-in-1-Idee propagierte, welche die Kinos damals den Kunden offerierten, ist nicht mehr viel mehr übrig. Die zwei Filme plus Trailer waren ein Event. Die Einzelfilme, obwohl etwas länger als die Duo-Packung, sind nur noch der halbe Spass. Doch, und das muss nun auch mal gesagt sein, "Death Proof" profitiert seltsamerweise recht stark von dieser Teilung. Denn Quentin hat seinen Auftrag eigentlich gar nicht verstanden: Er drehte keinen "Grindhouse"-Film im klassischen Sinne. Gut, die Bilder sind zerkratzt, es fehlen Szenen, einmal ist die Farbe futsch und der Inhalt ist Trash pur - doch im Herzen ist dies nicht Grindhouse, dies ist vintage Tarantino. Zitierfreudiges, redseliges, instant-kultiges Kino. Und überaus gutes.
Für sich allein ist "Death Proof" Tarantinos Hommage an das Auto-Actionkino à la "Dirty Mary Crazy Larry" und "Vanishing Point" (was er uns auch etwas zu oft unter die Nase reibt), gefiltert durch Quentins Popkultur- und Zitate-Sieb. Obwohl wir das schon kennen und in QTs beeindruckendem Oeuvre dies sein bislang vielleicht schwächstes Werk ist, genoss ich doch jede Minute davon. Selbst das endlose Gequatsche. Und man muss sich bewusst sein, dass es wirklich endlos ist. In beiden Hälften.
"Death Proof" ist nämlich ironischerweise nochmals ein 2-in-1-Film. Die erste Hälfte um Vanessa Verlito, Jordan Ladd, Rose McGowan und Sydney Poitier, die zweite um Zoe Bell, Rosario Dawson, Tracie Thoms und Mary Elizabeth Winstead. Verknüpft sind die beiden Passagen durch Kurt Russell in einer wunderbaren Rolle. Sein Stuntman Mike ist einfach fantastisch, er bringt seine trockenen Dialoge cool, aber etwas zermürbt, er scheint selbstsicher, ist aber eigentlich ein Weichei, nur dann richtig stark, so lange er vorlegt, wo es langgeht - das wird einem spätestens gegen Schluss bewusst. Die Rolle passt zu Russell wie die Faust aufs Auge.
Bei den Girls sieht die Sache etwas komplizierter aus und an ihnen werden sich auch die Geister scheiden. Sie reden und halten ihre Füsse in die Kamera - um Quentins Fussfetisch genüsslich und nicht unwillkommen auf die Spitze zu treiben. Sie tanzen, sie rauchen, und reden noch mehr. Und noch mehr. Die Dialoge waren schon mal kerniger, doch dem Gespräch zu lauschen, ist eine Wonne. Mir gefiel der erste Teil etwas besser, da die Mädels da typische Alltagsgespräche über Sex und Musik ("Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich") führen, dazu dröhnt die Jukebox und Vanessa Verlito legt einen der heissesten Lapdances der Kinogeschichte aufs Parkett. Dass Tarantino gerade da eine seiner fehlenden Szenen einbaut, ist sadistisch, passt aber ins Konzept. Was mit bei all dem besonders gefiel, war die ungeheure Harmonie aus Bild, Wort und Musik. Das atmet Atmosphäre, jeder Ton sitzt, jedes Bild ist auf seine ruppige Art eine Freude. Sieht man von den lästigen Regie-Auftritten von Eli Roth und Tarantino (der hier aussieht wie Randy Quaid an einem schlechten Tag) ab, ist die erste Hälfte Retro-Kunst in Formvollendung. Jede Bewegung, jeder Klang, jedes Bild - ein Genuss, wenn man auf diese Art von Kino steht.
Abgeschlossen wird die Sache durch den Crash in der Mitte des Films, der so heftig ist, dass man innerlich kurz aufjauchzt. Ja und dann ist fertig. Tarantino beginnt tatsächlich nochmals von vorne mit den vier anderen Mädels. Der Frust kann da schon einfahren, wenn man merkt, dass die ganze Show nochmals von vorne losgeht. Doch schnell schwillt das Interesse wieder an, die Girls sind amüsant, ihre Dialoge cool. Etwas mehr als im ersten Abschnitt hört man Quentin durch die Drehbuchzeilen, wenn er endlos über Filme referiert und gekünstelte Texte auftischt. Der erste Teil war organischer, echter. Der zweite interessiert dafür die Filmgeeks mehr und ist dank den langen Kamera-Takes von Tarantino himself auch stilistisch nicht ohne. Dann kommt Kurt wieder ins Spiel und wir kriegen endlich wirklich Action - die hat zuvor nämlich gefehlt.
Und einen Schluss, der spontanen Applaus fast erzwingt. Wer die alten Shaw-Brothers-Filme kennt, ist im Vorteil: Die enden immer genau dann, wenn sie enden müssen. Ich sag das so Spoiler-frei wie möglich, aber wenn der Plot beendet ist, dann gibts keinen Epilog, keinen Nachruf, keinen Jubel - dann kommt ein Freeze Frame und die Einblendung "The End" ("Another Shaw Production"). Quentin macht Dasselbe. Auf dem Höhepunkt einer schlicht orgiastischen Sequenz kommt "The End" und bevor man sich verschaukelt vorkommt, ein Nachschlag und der herrliche Song mit den End Credits. Ich mag Sexvergleiche nicht, aber das ist wirklich der kurze Orgasmus nach langem, gutem Sex.
Mit fast allem in "Death Proof" wird Quentin ein paar Zuschauer vergällen. Mit dem ultrakurzen Ende, mit der spärlich eingesetzten Action, mit dem endlosen Gerede, mit dem Defizit an Plot, mit dem Überfluss an Zitaten und Selbstzitaten sowie der uneinheitlich eingesetzten Bildverfremdungstechnik (in der zweiten Hälfte ist das Bild meist normal). Doch die, die auf Tarantinos Wellenlänge schwimmen, und das sind vielleicht gar nicht so viele - daher der Flop im Kino -, ist dies Kinogenuss pur. Vom Italo-Krimi-Soundtrack während der Verfolgung über die genialen Rock- und Popsongs und die Diskussionen über Musik und Filme bis zum Fussfetisch, dem Retro-Style und der Markengeilheit (Red Bull, G.O. Juice, Mustang, Dodge, Chartreuse etc.): einfach fantastisch. Dazu noch ein völlig unnützer und doch so witziger Gastauftritt von Tarantino-Dauergast Michael Parks inklusive Sohn Nummer eins. Es ist einfach alles da, weniger Grindhouse, mehr Tarantino. Und ich für meinen Teil hab jede Minute davon mit einem fetten Grinsen auf den Lippen reingezogen.
EXTERNE INFOS & REVIEWS
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