Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03349.jsonl.gz/1278

Jakob Arjounis Vater war der bekannte Dramatiker Hans Günter Michelsen. Aus Furcht, der «Sohn des grossen Michelsen» zu werden, nahm Jakob als junger Autor den Namen seiner damaligen Frau an und hiess fortan Arjouni.
Deutscher mit türkischem Namen
Bis heute hält sich das Gerücht, Jakob Arjouni sei türkischer Abstammung. Seine literarische Figur des Detektivs Kemal Kayankaya förderte dieses Missverständnis massgeblich.
Arjouni machte in seinen Kayankaya-Krimis gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Migrationsproblematik und Migrationskultur publik. Lange bevor der Mannheimer Komiker Bülent Ceylan als Türke Türken verspottete. Lange bevor der deutsch-türkische Autor Feridun Zaimoglu den romantischen Multikulturalismus verdammte und mit seinem Buch «Kanak Sprak» die Sprache türkischer Secondos in Deutschland literarisch machte. Arjouni war der deutsche Vorgänger einer inzwischen von türkischstämmigen Künstlern bespielten Szene.
Zum Schreiben berufen
Mit 19 Jahren hielt sich Arjouni längere Zeit in Montpellier als Kellner und Verkäufer über Wasser und wusste bereits, dass das Schreiben sein Metier würde.
Nach abgebrochenem Studium und abgebrochener Schauspielschule erschien 1985 «Happy birthday, Türke!», sein erster Kayankaya-Krimi. Dieser wurde, nicht zuletzt dank Doris Dörries Verfilmung von 1991, zu einem grossen Erfolg. Es folgten weitere Krimis, Romane und Theaterstücke.
Ein politischer Autor
Nationalismus und Rassismus im Deutschland der Gegenwart - das waren Jakob Arjounis zentrale literarische Themen.
Er sei aber nicht in dem Sinne ein politischer Autor, dass er explizit politisch schreibe, das interessiere ihn gar nicht, gab er 2009 in einem Interview mit Radio DRS 1 zu Protokoll.
Dennoch würden solche Themen in einen Roman gehören, weil sie im Leben eines jeden Menschen vorkämen. Je mehr Ebenen vom Leben ein Roman erfasse, um so besser.
Nahe bei den Menschen
Ein Markenzeichen des Autors Jakob Arjouni ist die Unmittelbarkeit, die sein Erzählduktus schafft, die Nähe zur Realität der Menschen, zu ihrer Sprache und zu ihren Umgangsformen. Wohltuend sind die Freiheit von moralischen Ansprüchen in seinem Werk, der Spott und die Derbheit seiner Figuren.
Mit 48 Jahren ist Jakob Arjouni in der Nacht auf den 17. Januar 2013 an einem Krebsleiden gestorben.