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Ob sie sich als Feministin bezeichnen würde? Fragen können wir Theresia Rohner nicht, sie gibt keine Interviews mehr. Vielleicht würde sie sagen, dass sie einfach die Nase voll hatte. Davon, dass sie in Appenzell Innerrhoden einen Töpferladen führte, Steuern zahlte und zwei Töchter grosszog, aber als Frau nicht mal über den Bau einer Turnhalle mitentscheiden durfte.
1989 stellte sie ein Gesuch an die Kantonsregierung. Sie forderte: An der nächsten Landsgemeinde sollten auch Frauen teilnehmen können. Auf Bundesebene konnten Frauen schliesslich seit 1971 politisch mitbestimmen. Das Gesuch wurde abgewiesen, mit dem Verweis auf die Kantonsverfassung, die festhielt, dass nur «Schweizer» abstimmen dürften. Rohner wandte sich ans Bundesgericht, das die Beschwerde an die Landsgemeinde zurückgab: Die Innerrhodner sollten abstimmen, um mit einem Ja zumindest ein Fitzelchen Würde bewahren zu können.
Die Rechnung ging nicht auf. Die Männer lehnten das Frauenstimmrecht am 29. April 1990 erneut mit grossem Mehr ab. Das brachte das Fass nun auch für andere zum Überlaufen. Auf eine Zeitungsannonce, die Rohner aufsetzte, meldeten sich hundert Männer und Frauen. Gemeinsam zog man den Landsgemeindebeschluss vor das Bundesgericht. Obwohl sie jetzt Mitkämpferinnen hatte, richtete sich die Aggression jedoch weiterhin auf sie. Theresia Rohner wurde mit anonymen Anrufen belästigt und bedroht.
Für mehrere Monate zog sie den Telefonstecker. Dann hielt das Bundesgericht endlich fest: Künftig dürfen in Appenzell auch Frauen abstimmen. Ein Stein flog durch das Fenster von Rohners Töpferladen. Sie erhielt Polizeischutz. Kurze Zeit später zog sie ins Berner Oberland. Nicht aufgrund der Anfeindungen, wie sie in einem Interview versicherte. Sondern wegen der Liebe. Sie schulte sich zur Craniosacral-Therapeutin um. Heute ist sie 66 Jahre alt und lebt in Interlaken.
Am 28. April 1991 nahmen die Appenzellerinnen schliesslich erstmals an der Landsgemeinde teil. Im «Migros- Magazin» erinnerte sich Theresia Rohner: «Ich hatte weiche Knie.» Im gleichen Interview sagte sie, dass sie wegen der Drohnungen zwar nie um sich selber Angst gehabt habe. Um ihre Töchter jedoch schon. «Sie beruhigten mich aber immer und sagten: Mami, wir können uns schon wehren.» Sie hatten ein gutes Vorbild.
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