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Alle kennen sie, die Namen der grossen Philosophen: Sokrates, Platon, Aristoteles, Descartes, Kant und Locke. Ihre Philosophien haben die Geschichte geprägt und werden noch heute immer wieder aufgenommen und diskutiert. Doch der Blick auf die grossen Philosophen verbirgt, dass die Philosophie auch dort präsent ist, wo weniger namhafte Philosophinnen und Philosophen arbeiten oder wo die Philosophie nicht explizit als solche bezeichnet wird. Und auch wenn es den einen oder anderen überraschen wird, so hat es auch in der Schweiz, dem Land der Raufbolden und Barbaren, schon immer Philosophinnen und Philosophen gegeben.
Ein erstes philosophisches Treiben im heutigen Gebiet der Schweiz lässt sich beim Mönch Notker der Deutsche (*950 – ✝1022) finden. Als Rektor der St. Galler Klosterschule unterrichtete er seine Schüler in Philosophie und unternahm dabei etwas für seine Zeit Aussergewöhnliches: Er fing an, klassische Schriften aus der Philosophie ins Althochdeutsche zu übersetzen, damit seine Schüler diese Texte besser verstehen konnten. Auch fügte Notker in seinen Übersetzungen Kommentare und klärende Einschübe hinzu, wie zum Beispiel in der Übersetzung des Werkes „Der Trost der Philosophie“ von Boethius, wo er den Text von Boethius kurz unterbricht, um Begriffe wie Philosophie, Rhetorik und Theologie zu klären. Mit seiner Lehrtätigkeit und Übersetzungsarbeit machte Notker nicht nur den Anfang einer institutionellen Philosophie im heutigen Gebiet der Schweiz, sondern wurde auch der erste mittelalterliche Kommentator von Aristoteles. Es ist allerdings unbekannt, ob Notker neben seiner Rolle als Lehrer und Kommentator noch eigenständige philosophische Gedanken entwickelt hat.
Eine interessante, aber ungeklärte Frage ist, warum Notker es überhaupt für notwendig befunden hat, Philosophie zu unterrichten. Hätte es denn für eine Klosterschule nicht gereicht, einfach nur Latein zu unterrichten? Das Werk „Der Trost der Philosophie“ von Boethius ist zum Beispiel eines, das, wie der Name schon sagt, Trost spendet und zwar für diejenigen, die sich in einer Art Gefangenschaft befinden oder die sich der politischen Realität stellen müssen. Wollte Notker dieses Werk nur seinen Schülern zum Lesen geben, weil er es für eine gute Lektüre hielt? Oder ging es möglicherweise darum, Trost zu spenden, weil Notker sein Kloster in einer Art Gefangenschaft sah oder sich der politischen Realität stellen musste?
Über diese Fragen lassen sich unterschiedliche Spekulationen anstellen. Was hingegen gesichert ist, ist dass Notker nicht der Einzige blieb, der Philosophie an seine Lernenden vermittelte.
Was ist der freie Wille und wie kommt er zustande?
Etwas später lassen sich nämlich auch Spuren einer institutionellen Philosophie im Kloster von Engelberg finden, wo Frowin von Engelberg (✝1178) eine Bibliothek und eine Schule anlegte, in der unter anderem auch Philosophie unterrichtet wurde. Als Abt in Engelberg kopierte Frowin Bücher und verfasste theologische Lehrbücher. Da Frowin mit der Kirchenliteratur der älteren und jüngeren Zeit vertraut war, verfasste er das Buch "De Laude Liberi Arbitrii" („Lob des freien Willens“), in der er die theologischen und philosophischen Fragen seiner Zeit diskutierte. Wie es der Name schon verrät, geht es in „De Laude Liberi Arbitrii“ um den freien Willen, ein Thema, das die Philosophie schon seit ihrer Entstehung beschäftigt. Frowins Auseinandersetzung mit diesem Thema macht ihn möglicherweise zur ersten Person im Gebiet der heutigen Schweiz, die eigenständige philosophische Gedanken entwickelt und niedergeschrieben hat.
Die Art und Weise, wie Frowin das Thema des freien Willens behandelt, ist typisch für die sogenannte Scholastik, eine spezifische Art des Denkens und des Lehrens, die im Mittelalter weit verbreitet war. Die Scholastik zeichnet sich einerseits durch den grossen Respekt vor Autoritäten aus, wie zum Beispiel vor den Kirchenvätern (z.B. Augustinus von Hippo und Gregor der Grosse) und vor antiken Philosophen (z.B. Aristoteles und Boethius) und andererseits durch die Annahme, dass Religion und Philosophie miteinander vereinbar sind und dass der christliche Glaube mit Vernunft zu erklären ist. Weil auch Frowin grossen Respekt vor Autoritäten hatte, besteht seine Behandlung des Themas des freien Willens grösstenteils darin, die Aussagen von anderen Lehrenden zu bündeln, diese zu vergleichen und zu kommentieren.
Dabei kommt Frowin zum Schluss, dass der freie Wille durch zwei Fähigkeiten hervorgerufen wird, nämlich einerseits durch die Fähigkeit, freiwillig entscheiden zu können und die Fähigkeit, rational, also aufgrund von Gründen, handeln zu können. Diese beide Fähigkeiten verursachen sich gegenseitig, das heisst, dass die eine Fähigkeit jeweils die Ursache der anderen Fähigkeit ist. Denn nur wer freiwillig entscheiden kann, so Frowin, kann über Gründe für sein Handeln nachdenken und nur wer aufgrund von Gründen handeln kann, kann frei zwischen den Gründen auswählen. Im freien Willen sieht Frowin nun die Gottähnlichkeit des Menschen, weil sich der Mensch durch den freien Willen am meisten von den anderen Geschöpfen unterscheidet. Auch betrachtet er den freien Willen als eine notwendige Bedingung für Gut und Böse oder Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, da nur dann jemand böse oder ungerecht handeln kann, wenn er sich freiwillig dazu entscheiden kann. Und weil der Mensch hinsichtlich des freien Willens Gott ähnelt, ist der freie Wille auch der Schlüssel, mit dem man die Beziehung zwischen den Menschen und Gott, oder allgemein, die Beziehung zwischen Himmel und Erde erleuchten kann. Frowin hebt die Wichtigkeit des freien Willens für das christliche Leben hervor. Doch das Thema der "freien Entscheidungen" ist damit ebensowenig abgeschlossen, wie die Fragen nach einer Einordnung des Menschen gegenüber Gott oder die grundsätzliche Rechtfertigung von Autorität beantwortet sind.
Ist der Adel die rechtmässige Elite der Gesellschaft?
In der Zeit des alten Zürichkriegs tritt eine Persönlichkeit zum Vorschein, die man als den ersten politischen Philosophen im heutigen Gebiets der Schweiz bezeichnen könnte, nämlich der Zürcher Felix Hemmerli (*1388 – ✝1461). In der Schweizer Geschichte ist Hemmerli vor allem deshalb bekannt, weil er als Parteigänger der Habsburger stark gegen die aufkommende Eidgenossenschaft polemisierte und diese mit heftigen Beleidigungen und Beschimpfungen eindeckte. Aus Sicht von Hemmerli rebellierten die Eidgenossen gegen ihren natürlichen und rechtmässigen Herren und verliessen den ihnen von Gott zugewiesenen Platz in der Welt. Die „Schwyzer“, wie Hemmerli die Eidgenossen nannte, seien ein faules, schändliches und tyrannisches Volk und der Adel sei gezwungen, dieses zu unterdrücken.
Was Hemmerli zu einem politischen Philosophen macht, ist, dass er die im Mittelalter vorherrschende Ständeordnung (zuoberst der Klerus, dann der Adel und zuunterst das Bauerntum), nicht einfach voraussetzte, sondern sie argumentativ zu untermauern versuchte. In seinem Buch "De Nobilitate et Rusticitate Dialogus" („Dialog über den Adel und das Bauerntum“) beschreibt er ein fiktives Streitgespräch zwischen einem Adligen und einem Bauern, welches mit der Einsicht des Bauers endet, dass der Adel die rechtmässige Elite der Gesellschaft ist. In diesem Streitgespräch offenbart sich die politische Philosophie von Hemmerli, nämlich in den Worten, die Hemmerli dem Adligen in den Mund legt.
Im Streitgespräch äussert der Bauer vielerlei Kritik und Zweifel am Adel. So argumentiert der Bauer, dass die ersten von Gott erschaffenen Menschen, nämlich Adam und Eva, Bauern waren und dass somit alle Menschen, auch Könige, Bischöfe und Päpste, von Bauern abstammen. Folglich müsste das Bauerntum das edelste aller Stände sein, weil Gott die Bauern als erstes erschaffen habe. Der Bauer hinterfragt damit die Überlegenheit des Adels über das Bauerntum. Der Adlige kontert, dass Adam durch den Sündenfall seinen Adel verloren hat und dass der Adel erst dann wieder aufgekommen ist, als Sem, ein Sohn von Noah, zum rechtmässigen Herrscher ernannt worden ist. Die Adligen sind demnach die Nachfahren von Sem und somit zum Herrschen geboren, während die Bauern die Nachfahren der schlechteren Söhne von Noah sind.
Daraufhin argumentiert der Bauer dagegen, dass die Abstammung allein für den Adel nicht tauge. Er meint, dass ein Mensch nicht durch seine Geburt edel wird, sondern durch seine Taten. Demnach müsste es auch für einen Bauern möglich sein, durch besondere Taten in den Stand des Adels zu gelangen. Der Bauer thematisiert hiermit die Frage, wer denn eigentlich zum Adel gehört und warum. Der Adlige kontert, dass, weil die guten Charaktereigenschaften der Eltern an die Kinder weitergegeben werden, die Kinder von Adligen öfters durch bessere Taten glänzen und dass gute Charaktereigenschaften in den Kindern von Adligen besser verankert sind als in den Kindern von Bauern.
Später hinterfragt der Bauer die Ständeordnung an sich, indem er sich auf den Korintherbrief bezieht, in dem steht, dass alle Menschen vor Gott gleich sind. Der Adlige kontert, dass auch im Korintherbrief Edle und Unedle erwähnt werden und dass Jesus besonders edle Menschen durch seine Wunder beglückt hat. Weiter führt der Adlige an, dass man überall gottgegebene Hierarchien vorfinden kann, wie zum Beispiel auch bei den Engeln (z.B. die Erzengel stehen über den Engeln), bei den Planeten (z.B. die Sonne ist die Königin der Planeten), bei den Tieren (z.B. der Löwe ist der König aller Tiere) und auch bei den Pflanzen (z.B. die Artemisia ist die Fürstin aller Kräuter). Folglich muss es auch bei den Menschen eine gottgegebene Hierarchie geben, in der alle Menschen ihren zugewiesenen Platz haben.
Grundsätzlich verteidigt Hemmerli also die im Mittelalter vorherrschende Ständeordnung gegenüber der in seiner Zeit aufkommende Kritik an dieser. Wegen seiner positiven Einstellung gegenüber dem Adel erhielt Hemmerli schliesslich seinen Beinamen „Adelsfreund“.
Kurze Zeit darauf kam hingegen eine Skepsis auf, welche nicht nur die Stellung des Bauerns gegenüber dem Adel in Frage stellte, sondern das ganze scholastische Denken. Hierbei spielte Basel eine ganz besondere Rolle.
"Logik oder Rhetorik?" und die älteste Universität der Schweiz
Mit der Renaissance beginnt der Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit. Mit der zunehmenden Kritik an der Scholastik und ihren Methoden etablieren sich neue Denkweisen, darunter auch der sogenannte „Renaissance-Humanismus“. Wegweisend für den Renaissance-Humanismus war Erasmus von Rotterdam (*1466 - ✝1536), ein bedeutender und einflussreicher Gelehrter aus den Niederlanden, der in Basel unterrichtete und publizierte.
Erasmus kritisierte an der Scholastik, wie wir sie bei Frowin kennen gelernt haben, dass sie mit ihrem komplexen System von Definitionen, Begriffen und Unterscheidungen mehr verschleiert als aufhellt und forderte stattdessen, die Bibel und die antiken Schriften in ihren Originalsprachen zu lesen. Zudem bemängelte Erasmus, dass es in der Scholastik zu wenig darum gehe, Menschen zu besseren Christen zu machen, da der Erwerb von Faktenwissen oder die Anwendung von Logik nicht dazu führt, dass Menschen bessere Charaktereigenschaften erwerben.
Im Unterschied zur Scholastik verwendete Erasmus selber eine skeptische Methode in der Behandlung von philosophischen und theologischen Fragen, die darin bestand, Argumente und Beweise zu sammeln, die für und gegen eine Sache sprechen, und sich eines Urteils zu enthalten, wenn die Beweise uneindeutig sind oder wenn es auf beiden Seiten gute Argumente gibt. So argumentiert Erasmus, dass die Bibel keine eindeutigen oder klaren Antworten im Bezug auf die Existenz des freien Willens liefert und dass die Frage nach der Existenz des freien Willens nicht rational oder logisch beantwortet werden kann. Wenn eine Frage nicht rational oder logisch beantwortet werden kann, so argumentiert Erasmus, dann soll man sich nach der Antwort richten, die von der Tradition (z.B. die kirchliche Tradition) oder von der Mehrheit der Menschen gegeben wird.
Weil Erasmus sich gegen die scholastische Methode wandte und auch von Theologen kritisiert wurde, suchte er einen Rückzugsort und fand diesen in Basel, wo er mehrere Jahre lebte und letztendlich verstarb. In Basel konnte Erasmus ungestört seine Schriften drucken und unterrichtete an der im Jahre 1460 gegründeten Universität Basel. Von dort aus gab Erasmus entscheidende Impulse für die Verbreitung des Humanismus und die Erneuerung der Philosophie im heutigen Gebiet der Schweiz.
In Basel begegnete Erasmus im Jahre 1516 auch Ulrich Zwingli (*1484 - ✝1531), der massgeblich von Erasmus beeinflusst wurde und später als "der grosse Reformator der Schweiz" galt. Zwingli kam der Forderung von Erasmus nach, die Bibel in der Originalsprache zu lesen und nach Zwinglis eigener Überzeugung hat Erasmus ihn von der Scholastik befreit. Die Autorität der Bibel hochhaltend argumentiert Zwingli, dass nur Gottes Wort die Wahrheit ist und dass selbst die Worte von Kirchenvätern, von Bischöfen oder von Päpsten falsch sind, wenn sie nicht Gottes Wort entsprechen. Damit leitete Zwingli die Reformation in der Schweiz ein, die zur Spaltung des Christentums in verschiedene Konfessionen führte.
Zwingli beschäftigte sich in erster Linie mit theologischen Fragen, wie zum Beispiel mit der Frage, ob Jesus bei seinem letzten Abendmahl mit Fleisch und Blut oder nur geistig anwesend war oder mit der Frage, ob die Taufe erst bei Gläubigen vollzogen werden darf oder auch schon bei Kindern. Die Antworten auf diese Fragen suchte Zwingli natürlich in der Bibel, doch kamen auch Fragen auf, die Zwingli nicht mit der Hilfe der Bibel beantworten konnte und somit eigene Gedanken entwickeln musste.
Als Patriot war Zwingli ein Feind des Söldnerwesens in der Schweiz. Einerseits war er dagegen, dass Schweizer zu Schachfiguren fremder Mächten werden und andererseits nahm er an, dass mit dem Söldnerwesen der Zorn Gottes heraufbeschwört wird. Im Gegensatz zu Martin Luther, der annahm, dass Gottes Gericht auf seinem persönlichen Leben laste, ging Zwingli davon aus, dass Gottes Gericht auf seinem Volk laste. Hieraus stellte sich für Zwingli die Frage, welche Beziehung zwischen Kirche und Staat herrschen soll. Zwingli argumentiert, dass die ganze Gesellschaft, nicht nur einzelne Personen, der Ehre Gottes dienen soll und sah aus diesem Grund Staat und Kirche nicht als zwei getrennte Organe an, sondern beide als Diener Gottes. Weiter unterscheidet Zwingli zwischen zwei Arten von Gerechtigkeit, nämlich menschliche und göttliche Gerechtigkeit. Göttliche Gerechtigkeit herrscht vor, wenn der Wille der Menschen mit dem Willen des Gottes übereinstimmt. Wenn alle Menschen nach dem Willen Gottes leben würden, dann bräuchte es auch keine menschliche Gerechtigkeit oder Staat. Da aber nicht alle Menschen nach dem Willen Gottes leben, braucht es eine menschliche Gerechtigkeit und einen Staat, der zum Beispiel das Stehlen verbietet. Die Aufgabe des Staates ist nach Zwingli daher, das Leben der Gesellschaft im Einklang mit Gottes Gesetz zu regeln und die Aufgabe der Kirche ist es, Gottes Wort zu interpretieren und Gottes Gesetz auszulegen.
Zwischenfrage
Wie man sieht, ziehen sich zahlreiche Spuren des philosophischen Denkens durch das Mittelalter bis in die Neuzeit.
Dabei werden alle vier von den allgemein als "philosophische Grundfragen" bekannten Themenkomplexe bereits angesprochen.
Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?
Finden Sie heraus, wer von den vorgestellten Philosophen sich welcher Grundfrage am meisten zuordnen lässt?
Haben Sie bemerkt, dass die Frage "Was kann ich wissen?" fast jedem zugeordnet werden kann? Eine weitere, äusserst wichtige Schweizer Hauptfigur, welche sich zu dieser Zeit mit diesem Themenkomplex befasst hat, ist der womöglich berühmteste Arzt der europäischen Geschichte, Theophrastus Bombast von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus (*1494 - ✝1541). Er stammt aus Einsiedeln und unter seinen Patienten findet sich auch Erasmus von Rotterdam, den er in Basel behandelte.
Paracelsus wird manchmal als der Begründer der modernen Heilkunde angesehen, weil er die traditionelle Medizin herausforderte und ihr eine neue Methode entgegenhielt, nämlich Wissen und Erkenntnis mit Hilfe von Experimenten zu gewinnen. Philosophisch leistete Paracelsus hiermit einen Beitrag zur Erkenntnistheorie oder Wissenschaftsphilosophie, dem Bereich der Philosophie, der sich mit der Frage beschäftigt, ob und wie wir etwas wissen oder erkennen können.
Hinsichtlich der Methode zur Erkenntnisgewinnung argumentiert Paracelsus, dass Experimente an sich nutzlos und unvollkommen sind und Experimente alleine noch keine Wissenschaft ausmachen. Erst mit Erfahrung und zunehmendem Wissen bekommt der Experimentator die Kompetenz, aus Experimenten Wissen und Erkenntnisse zu ziehen. Paracelsus unterscheidet daher „experimentum“, die praktische Erfahrung ohne weitere Kenntnisse der Ursachen, und „experienz“, die Kompetenz und Fähigkeit, die verborgenen Ursachen in der Natur zu entdecken.
Fazit
Die Philosophie in der Schweiz findet ihren Anfang in den Klöstern, wo sie dank Notker dem Deutschen unterrichtet wurde und wo Frowin sein Buch zum freien Willen geschrieben hat. Später taucht die Philosophie in der Politik auf, wo Felix Hemmerli den Adelsstand verteidigte und Ulrich Zwingli für die Einheit von Staat und Kirche argumentierte. An der Universität Basel dozierte Erasmus von Rotterdam, der mit seiner Kritik an der Scholastik ein neues Zeitalter einleitete und Paracelsus aus Einsiedeln verbreitete eine neue Methode der Erkenntnisgewinnung.
Doch damit ist die Philosophie in der Schweiz längst nicht am Ende angelangt. Auf die Renaissance folgt das Zeitalter der Aufklärung, in der bedeutende Philosophen und Philosophinnen an bestehenden Ideen und Gedanken anknüpfen!
Zum nächsten Essay!
Quellen
"Philosophie aus der Schweiz" - von Christoph Dejung (1994).
"F. von Engelberg (1147-1178). De laude liberi arbitrii libri septem" - von Othmar Bauer (1948).
"Felix Hemmerli: Zürichs streitbarer Gelehrter im Spätmittelalter" - von Colette Halter-Pernet, Helena Müller & Erika Egner Eid (2017).
"Desiderius Erasmus" - von Erika Rummel (2017).
"Zwingli: Einführung in sein Denken" von Peter Stephens (1997).
"Paracelsus - Arzt und Prophet" von Pirmin Meier (2013).