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Heute steht wieder einmal ein Blick in mein Textarchiv an. Noch bevor ich als Blogger aktiv war, erschien am 21. September 2004 folgender Text zur damals veröffentlichten «Star Wars Trilogy»:
1977 war ein bedeutendes Jahr in der Geschichte von Hollywood. Zwar produzierte Steven Spielberg schon zwei Jahre früher mit «Jaws» den ersten Blockbuster, doch «Star Wars» von George Lucas veränderte das Filmgeschäft noch stärker.
Lucas sicherte sich alle Rechte an den Werbeprodukten – eine Geldquelle, die bis anhin kaum ausgeschöpft worden war. Die Einnahmen aus T-Shirts, Postern, Soundtrack-Alben und ähnlichem sicherten ihm die Fortsetzung seiner mehrteiligen Science-Fiction-Saga. Die ursprüngliche «Star Wars»-Trilogie, bestehend aus den Episoden IV bis VI, bildete dabei den Grundstein zum Lucas-Imperium.
Für die sehnsüchtig erwartete DVD-Veröffentlichung wurde erwartungsgemäss höchste Sorgfalt in die technischen Aspekte gelegt. Hinsichtlich Ton- und Bildqualität lassen die DVDs keine Wünsche offen. Auch das Bonusmaterial wird die Fans zufrieden stellen, selbst wenn die berüchtigten entfallenen Szenen fehlen und in den Dokumentationen die Bedeutung von «Star Wars» stark überhöht wird.
Daneben bieten jedoch andere Aspekte heissen Diskussionstoff: Nachdem Lucas bereits 1997 die Episoden für eine neue Kinoauswertung komplett digital überarbeitet hatte, wurden nun für die DVD-Version zusätzliche Szenen «ausgebessert». Während einige Änderungen rein kosmetischer Art sind, so stechen andere als fremde Elemente unangenehm ins Auge. Daher sehnen sich viele Fans nach den Originalversionen, die nur noch auf alten Videos existieren.
Im Magazin «Star Wars Insider» erklärte Lucas, dass er die ursprünglichen Fassungen als Rohschnitte sieht, die keine Bedeutung mehr für ihn haben. Anders sehen das über 60’000 Fans, welche die Petition für die Veröffentlichung der Originaltrilogie unterzeichnet haben (www.originaltrilogy.com), und auch auf der offiziellen Homepage (www.starwars.com) werden zahlreiche erbitterte Diskussionen über das Thema geführt. So lässt sich vermuten, dass mit der vorliegenden Box noch nicht das letzte Kapitel der Legende geschrieben wurde.
Knapp zwei Jahre später sind dann die Originalfassungen tatsächlich erschienen. Hier der Text dazu:
Als vor 30 Jahren die erste Episode von «Star Wars» in den Kinos gezeigt wurde, war ich noch kaum geboren. Sechs Jahre später, 1983, war ich immer noch zu jung, um mir «The Return of the Jedi» im Kino anzusehen. Dafür drängte ich einige Jahre später meine Mutter dazu, endlich eine Mitgliedskarte bei der Videothek zu kaufen.
Der erste Film, den ich mir von dort auslieh, war natürlich «Star Wars IV: A New Hope». Beim Zurückbringen der Kassette, erklärte mir das nette Personal dann freundlicherweise, dass die «Episode IV» tatsächlich der erste Teil der damaligen Trilogie sei. Ich bin zwar kein Fan der ersten Stunde, aber seit damals zähle ich mich zu den treuen Anhänger des Sternen-Epos. Schliesslich konnte ich noch nicht ahnen, dass George Lucas Düsteres im Sinn hatte.
Über die weitere Geschichte von «Star Wars» will ich hier nicht mehr erzählen; die sollte soweit bekannt sein. Es reicht aus, meine Unzufriedenheit über die revidierte Fassung der ursprünglichen Trilogie auszudrücken. Verständlich daher meine Freude, dass nun genau diese Fassungen, die 1977, 1980 und 1983 in den Kinos zu sehen waren, am 14. September endlich auf DVD erscheinen. Wenn da nicht die bereits geäusserten Vorbehalte wären. Nun habe ich mir die Ansichtsexemplare von «Star Wars IV: A New Hope», «Star Wars V: The Empire Strikes Back» und «Star Wars VI: The Return of the Jedi» angeschaut und ausführlich mit der revidierten Fassung verglichen.
Da Fox Home Entertainment jeden Journalisten als potenziellen Filmpiraten fürchtet, kann ich hier nicht die ab dem 14. September im Handel erhältlichen DVDs beurteilen, sondern nur das auf Testexemplaren enthaltene Programm, bestehend aus den Originalfassungen und einem Demo-Trailer für ein Lego-PC-Spiel. Das Material auf den Kauf-Doppel-DVDs soll zusätzlich die kommentierten «Special Editions» erhalten, wie sie letztes Jahr schon in der Trilogie-Box verkauft worden sind. [Diese Vermutung stellte sich als falsch heraus.]
Wie bereits angekündigt, werden die Originalfassungen tatsächlich nur als nicht-anamorphe Versionen angeboten. Was das genau bedeutet, möchte ich anhand eines Screenshots erklären (oder wenigstens versuchen, es zu erklären, mehr Erläuterungen gibt es hier).
Die Aufnahme links ist jeweils aus der Originalversion, die Aufnahme rechts aus der überarbeiteten «Special Edition». Das nicht-anamoprhe Bild links weist das Seitenverhältnis 4:3 auf, das anamorphe Bild rechts das Verhältnis 16:9. Das eigentliche Filmbild ist im Verhältnis 2.35:1 dargestellt (auf die beiden anderen Formate gerechnet 7:3, bzw. 21:9). Bei der nicht-anamorphen Darstellung fällt der Nachteil auf, dass sehr viele der zur Verfügung stehenden Bildpunkte nicht genutzt werden, d.h. ein grosser Teil der Bildpunkte wird durch die schwarzen Balken ausgefüllt.
Bei der anamorphen Darstellung hingegen wird das Format gestaucht, und mehr Bildpunkte stehen für das eigentliche Bild zur Verfügung. Dadurch erhöht sich die Bildschärfe. Bei diesem Beispiel ist aber auch der einzige Vorteil der nicht-anamorphen Version gut ersichtlich: Die Untertitel können bequem in die schwarzen Balken abgefüllt werden, während sie bei der anamorphen Version das Bild verunstalten.
Ein paar weitere Screenshots sollen weitere Unterschiede zwischen den beiden Versionen erklären. Die Bilder der Originalversion sind dabei immer links, die der «Special Edition» rechts (wer sich die Bilder in höherer Auflösung betrachten möchte, klickt sie an). Zunächst einmal zwei Beispiele für die Bildqualität. Besonders bei Szenen mit hellem Hintergrund, wie hier bei der Sequenz in der C-3PO durch die Wüste irrt, sind die Unterschiede augenfällig. Die überarbeitete Fassung bietet das deutlich kontrastreichere Bild. Details, die in dieser Aufnahme allerdings kaum vorhanden sind, sind klarer erkennbar.
Diese markanten Qualitätsunterschiede sind allerdings nur in wenigen Szenen wirklich ein Argument gegen die ursprüngliche Kinoversion. Grundsätzlich ist auch die Bildqualität der Originalfassung durchaus zufriedenstellend, manchmal sogar der revidierten Fassung vorzuziehen. Wie umfassend die Überarbeitung für die «Special Edition» durch George Lucas ausgefallen ist, zeigt sich schon in der Eröffnungsszene.
Die Strahlung der Antriebswerke des Sternenzerstörers wurde intensiver gestaltet, wodurch sich der ursprünglich dunkle Hintergrund bläulich verfärbt. In diesem Fall ziehe ich die Originalfassung vor. Wer nun also denkt, mit der Originalfassung in VHS-Zeiten zurückzufallen hat sich getäuscht. Das Bild ist zwar meist ein wenig weniger scharf, übertrifft aber jede Videokopie (und manche DVD von gleichaltrigen Filmen) deutlich.
Daneben gibt es vor allem zahlreiche Gründe, weshalb die Originalversion klar überlegen ist. Die heftigsten Diskussionen werden immer noch über die Charakterisierung von Han Solo geführt. Han Solo ist ein Schmuggler, ein Pirat des Universums. Sein Überleben sichert er sich durch seine Kaltblütigkeit. Als er in der Kantine in Mos Eisley von einem Kopfgeldjäger geschnappt wird, erschiesst er diesen ohne Skrupel.
George Lucas fand es später angebracht, seinen Helden in Notwehr reagieren zu lassen und fügte eine Einstellung in den Film ein, in der Greedo zuerst auf Han Solo schiesst (rechts). Eine Gegenüberstellung der Szene ist eigentlich gar nicht möglich, da in der Originalfassung lediglich eine Explosion zu sehen ist, woraufhin Greedo auf den Tisch kippt (links). Die Originalfassung lässt es eigentlich offen, ob Greedo ebenfalls geschossen haben soll. Diese Unklarheit werde ich immer vorziehen.
Ganz schrecklich beurteile ich einige der übrigen Ergänzungen in der Mos-Eisley-Sequenz. Zusätzliche Menschen, Tiere und Maschinen sollen einen belebteren Eindruck erwecken. Daran ist eigentlich nichts auszusetzen, die Art und Weise, wie die neuen Figuren agieren, ist jedoch erniedrigend (für den Fan, nicht für die fiktiven Figuren). Wenn ein Jawa von seinem Rontosaurier fällt oder ein Arbeitsdroid ein umherrschwirrendes Objekt aus der Luft schlägt, dann vergeht mir das Lachen. Solche Slapstick-Einlagen waren ursprünglich nicht vorhanden, daher sehe ich auch überhaupt keine Rechtfertigung, sie nachträglich noch einzufügen.
Ein ästhetisches Detail ganz anderer Art sind die übrigen Spezialeffekte, wie etwa die Explosion von Alderaan und dem Todesstern. Wenn ich mir «Star Wars – Episode IV» ansehe, dann möchte ich einen Film aus den späten 70er-Jahren sehen – mit den damals üblichen Spezialeffekten. Solche Details gehören auch zum Charme des Films. Die digitalen Überarbeitungen hingegen wirken meist sehr steril.
Die letzte Bemerkung zur Qualität der Originalfassungen betrifft den Ton: Die Tonspur ist mit Dolby Digital 2.0 ausgerüstet, die Neufassungen sind mit dem ergänzten Dolby Digital 5.1 EX ausgestattet. Eigentlich sollte sich die moderne Tonspur besser anhören, bei einem direkten Vergleich stellt sich aber heraus, dass die 5.1-Abmischung vor allem über sehr laute Toneffekte verfügt, die jeglichen Dialog unverständlich machen. Daran haben weder meine Ohren Freude, noch die Beziehung zu meinen Nachbarn. Die Stereo-Tonspur der Originalversion ist bereits sehr raumumfassend abgemischt und erhält von mir daher den Vorzug.
Die Strategie von George Lucas die Originalfassungen ausschliesslich mit der revidierten Fassung als (einziges nennenswertes) Bonusmaterial erhältlich zu machen, verurteile ich zwar aufs Schärfste. Aber selbst wenn die Bildqualität der Originale manchmal nicht mit der digital überarbeiteten Fassungen mithalten kann, so werden diese neuen DVDs meine Trilogie-Box ersetzen.
Schliesslich steht es noch in den Sternen, ob jemals eine bessere Version erhältlich sein wird. Anstatt nun diese Veröffentlichung zu boykottieren, werde ich einfach bei der anstehenden Umstellung auf das hochauflösende Medium HD-DVD oder Blu-ray einfach zuwarten, bis Lucas die Wünsche seiner treuesten Anhänger respektiert. Die Episoden IV bis VI erhalte ich nun zwar nicht in der gewünschten Qualität, aber immerhin zufriedenstellend. Und die Episoden I bis III sind sowieso eine Verunstaltung jeder DVD-Sammlung, ob hochauflösend oder nicht.
Obschon dieser Eintrag als «DVD-Tipp» kategorisiert ist, gibt es keine Kauflinks. Die Originalfassungen sind nämlich in einer «Limited Edition» erschienen und mittlerweile ausverkauft. Unterdessen hat sich die Blu-ray-Disc als Datenträger von hochauflösenden Filmen durchgesetzt. Auf die Ankündigung von einer «Star Wars Trilogy» wird erwartungsgemäss noch gewartet. Dabei ist in einem Dokumentarfilm auf der Blu-ray-Disc von «WALL•E» tatsächlich ein kurzer Ausschnitt aus «Star Wars: A New Hope» in High Definition enthalten.
Filme:
Bild-/Tonqualität:
Bonusmaterial:
(Bilder: ©Fox)
3 Kommentare to “«Original Star Wars Trilogy»”
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