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Der Tessiner Bischof Pier Giacomo Grampa («Dom Mino») zeichnet in seinem Kurzbericht ein differenziertes Bild von der togolesischen Kirche. Er benennt offen ihre Stärken und Schwächen.
Während meiner aus seelsorglichen Gründen nach Togo unternommenen Reise besuchte ich die Diözese von Atakpamé. Sie ist von der Ausdehnung her die grösste und doppelt so gross wie die unsere, umfasst jedoch dieselbe Zahl von Katholiken, ungefähr 250000 von insgesamt 700000 Einwohnern. Sie verteilen sich auf 30 Pfarreien. Im Tessin sind es 256. Das drückt den grossen pastoralen Unterschied zu uns aus.
Als Gast in der bischöflichen Residenz, die einem vorkommt wie ein kleiner Vatikan, verbrachte ich drei intensive Tage als Gast des jungen, ebenso gescheiten wie liebenswürdigen und beliebten Ortsbischofs Nicodem Anani Barrigah-Bénissan, der über einen guten Kontakt zum Volk verfügt.
Begeisterung und Freude
Ich besuchte zehn Pfarreien, verschiedene sanitäre Einrichtungen, Polikliniken, Waisenheime, Jugendinternate, Erziehungshäuser und zwei grosse Kollegien mit 800–900 Schülern in Klassen von je 50. Der Einsatz der katholischen Kirche für die Bevölkerung ist wirklich lobenswert und hochherzig. Sie beweist starke Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der schwächeren Volksschichten.
Überall erfuhr ich eine an Begeisterung, Freude und Interesse der Bevölkerung nicht zu beschreibende Aufnahme. Sie war begleitet von der Aufwartung durch die Autorität, vom Spiel von Fanfaren, Schwenken von Zweigen, von öffentlichen Feiern, fast endlosen Ansprachen und freigebigen Geschenken. Diese musste ich annehmen, auch wenn es sich um ein kleines Lamm, um Gefässe mit Bananen oder Säcke von Mais handelte.
Animistischer Aberglaube
Mein Eindruck: Das afrikanische Volk ist begabt mit einer sehr tiefen natürlichen Religiosität, die aber gewandelt werden sollte zu einer Form von solidem Glauben. Die grossen Möglichkeiten und der hochherzige Einsatz der Seelsorger warten auf eine bessere Koordination, um die wechselseitige Teilnahme und die vorbildliche Nähe zu den Gläubigen zu erhalten. Ich nahm ein hohes Bedürfnis für den Glauben wahr, begegnete einem einsatzbereiten Klerus in einer Kirche, der zahlreich seine Kräfte für Bedürftige einsetzt, was jedoch eine unglaubliche Arbeit nach sich bringt. Man denke allein daran, dass die Hälfte der Bevölkerung immer noch unter dem Einfluss animistischen Aberglaubens steht.
Islam und Sekten
Überdies ist ein systematisches Eindringen des Islams zu beobachten. In jedem Dorf wird eine Moschee erbaut, auch wenn keine Anhänger dies verlangen. Dahinter steht die Absicht, vom Territorium Besitz zu ergreifen und Präsenz anzuzeigen. Beeindruckend ist zudem die Verbreitung von Sekten. Die Katholiken schenken dagegen ihre hauptsächliche Aufmerksamkeit den Bedürfnissen der Leute, weil sie sich sorgen um ihre Lebenslage, um die gesundheitlichen Probleme, um die Erziehung und den Niedergang der Moral. Sie spüren die Dringlichkeit von Strukturen, mit Hilfe deren sich ein Mentalitätswechsel im Blick auf eine veränderte Zukunft anbahne.
Priester gehen ins Ausland
Ein besonders schwer wiegendes Problem sind die Priester, die der Studien wegen nach Europa gekommen sind, aber nicht mehr in ihre Diözesen zurückkehren wollen. Auf 100 Priestern verbleiben mindestens 30 im Ausland und verursachen so die Schwierigkeit, die Seelsorge an Ort und Stelle wirksam zu organisieren.
Ein weiteres Problem besteht in der Koordinierung von Hilfen anderer Länder für die Bevölkerung. Es besteht die Gefahr, dass diese Unterstützung nicht an die rechte Adresse gelangt, weil die Ortskirche in keiner Weise einbezogen wird, um Verdoppelungen zu vermeiden. Damit werden die von Stammesdenken bedingten Gegensätze und auf einzelne Familien konzentrierte Interessen nicht überwunden. Überdies müsste eine gewisse Nachhaltigkeit erreicht werden.
Probleme
Ein anderes Erfordernis bezieht sich auf die Gründung neuer Pfarreien, um eine ganzheitliche Seelsorge zu gewährleisten. So könnte den Bedürfnissen der verschiedenen Kategorien von Personen besser entsprochen werden. Die Berufungen zum Priestertum fehlen nicht, da sie ein Mittel sozialen Aufstiegs sind, was Probleme bei der Auswahl und der Bildung mit sich bringen. Natürlich fehlt auch Geld, dies in einem Land, wo ein Arbeiter mit zwei Euro pro Tag bezahlt wird und wo Priester mehr oder weniger mit Messstipendien auskommen müssen.
Bischof Pier Giacomo
Grampa, Lugano
Übersetzung:
Oktavian Schmucki
Bischöfe zweier Länder
Die Bischöfe der zwei Länder, welche dieselben pastoralen Herausforderungen in ihren jeweiligen Kirchen teilen, stellten ins Zentrum ihrer Überlegungen die Notwendigkeit des Herausfindens einer neuen «Phantasie der Nächstenliebe». Diese sollte «nicht als demütigendes Almosen, sondern als brüderliches Teilen empfunden werden», wie es Papst Johannes Paul II. unterstrichen hatte. Die Schweizer Bischöfe sind in Togo einer jungen, lebendigen und wachsenden Kirche begegnet.
Aus dem gemeinsamen Pressecommuniqé der Schweizer Bischöfe und der togolesischen Bischöfe
Kirche: «Familie Gottes»
Jeder Schweizer Bischof besuchte eine Diözese in Togo, begleitet vom jeweiligen Ortsbischof. Den Schweizer Gästen bot sich die Gelegenheit, die dortige Kirche als «Familie Gottes» zu erleben, die sich mit all ihren Kräften und Mitteln um die Gesundheit ihrer Gläubigen, die Erziehung der Jugend und die Gefangenenseelsorge sorgt. Eine Kirche, welche sich der Armen annimmt, im Glauben fortschreitet und sich den gegenwärtigen sozialen Herausforderungen stellt. Diese Kirche engagiert sich mehr und mehr im Prozess der «Kommission Wahrheit, Gerechtigkeit und Versöhnung».
Aus dem gemeinsamen Pressecommuniqué der Schweizer Bischöfe und der togolesischen Bischöfe