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Der aus Nancy stammende Emile Gallé (1846–1904) zählt zu den erfolgreichsten Protagonisten des französischen Jugendstils. In seinen ätherischen Glasobjekten verbindet der geschulte Botaniker die naturgetreue Wiedergabe der jeweiligen Pflanze mit deren symbolischer Inszenierung.
Den blühenden Rhododendron liess Emile Gallé in natürlichem Wuchs über die Wandung der gedrungenen Kugelvase wuchern. Unermüdlich mit neuen Techniken experimentierend, fand er zur Überfangtechnik, die seit den 1880er-Jahren zum unverwechselbaren Ausdruck seiner Glaswaren beitrug. Das ursprünglich farblose Glas wurde dafür mehrschichtig mit farbigem Glas überzogen – hier in Hellblau und Violett. In der aufwendigen Atelierarbeit musste die zugrunde liegende Zeichnung mit Schablonen auf das Gefäss übertragen und mit einem Asphaltlack abgedeckt werden. Durch das Bad in einer Säurelösung wurden anschliessend die ungeschützten Stellen aus den Überfängen herausgeätzt. Dies wurde mit wechselnden Schablonen wiederholt, wodurch der farbige Reliefschmuck seine abgestufte optische Tiefe gewann. Nicht nur als Folge der enormen Nachfrage bemühte sich Gallé um die Produktion von qualitativ hochwertigen Serienartikeln. Ihm schwebte vielmehr vor, industriell gefertigte Glaswaren günstig einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. 1889 beschäftigte Gallé in seinen Werkstätten und den Verkaufsstellen in Paris, Frankfurt und London über 300 Angestellte, die dieses Credo nachlebten. 1901 gründete er mit den Konkurrenten Daum Frères, René Lalique und Gabriel Argy-Rousseau die École de Nancy, welche die Interessen der Lothringer Glaskünstler vertrat. Nach Gallés Tod fertigte die Manufaktur Etablissements Gallé unter Leitung seiner Witwe und seines Schwiegersohns bis 1931 weiterhin nach seinen Entwürfen vollendete Glasprodukte. (Sabine Flaschberger)