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Schwefelwasserstoff.
Wasserstoffsulfid.
H2S .
Der Schwefel verbindet sich mit dem Wasserstoff nach der oben angeführten Formel.
Diese Verbindung bildet ein farbloses, mit blauer Flamme brennbares, in kleineren Mengen betäubendes, in grösseren Mengen giftiges Gas;
es riecht nach faulen Eiern, röthet angefeuchtetes Lackmuspapier (ist daher eine Säure) und bildet mit den meisten Metallen charakteristische Fällungen. Es ist deshalb eines der wichtigsten Reagentien der Analyse.
Schwefelwasserstoff entsteht, wenn man Metallsulfide mit verdünnten Sauren behandelt, seine Darstellung geschieht fast immer durch Zersetzung von Schwefeleisen mit verdünnter Schwefelsäure.
Das Gas löst sich im Wasser in ziemlich bedeutender Menge und gerade in dieser Form findet sie am meisten in der Analyse Anwendung.
Aqua hydrosulfurata.
Schwefelwasserstoffwasser.
Die Darstellung dieses in der Analyse viel gebrauchten Präparates geschieht in der Weise, dass man in einer Flasche grob gekörntes, geschmolzenes Schwefeleisen (s. d.) mit Wasser übergiesst und dann durch ein Trichterrohr, welches bis in die Flüssigkeit taucht, allmälig Schwefelsäure hinzugiebt.
Das sich entwickelnde Schwefelwasserstoffgas wird durch ein zweites, knieformig gebogenes Gasrohr in kaltes destillirtes Wasser geleitet, bis dieses vollständig mit Gas gesättigt ist.
Die Lösung ist farblos, höchstens schwach opalisirend, riecht stark nach faulen Eiern und trübt sich beim Stehen an der Luft durch Abscheidung von Schwefel.
Das Präparat soll weit haltbarer dadurch werden, dass man dem Wasser eine Spur von Glycerin zusetzt.
Aufbewahrt wird das Präparat in kleinen, völlig gefüllten und verschlossenen Flaschen.
Um den sehr unangenehmen Geruch nach Schwefelwasserstoff in geschlossenen Räumen zu beseitigen, hat man nur nöthig, ein wenig Schwefel zu verbrennen;
die hierbei entstehende schweflige Säure setzt sich mit Schwefelwasserstoff um in Wasser und Schwefel.
Schwefelwasserstoffgas macht alle Metalle, selbst die edlen, anlaufen, es ist deshalb nothwendig, in Räumen, wo mit Schwefelwasserstoff gearbeitet wird, alle Metalle oder Metallgegenstände zu entfernen.
Carbóneum sulfurátum (Álcohol sulfúris).
Schwefelkohlenstoff, Schwefelalkohol.
CS2 .
Farblose, leicht bewegliche, sehr stark lichtbrechende Flüssigkeit von 1,280 spez. Gew.;
rein ist er von eigenthümlichem, nicht gerade unangenehmem, unrein von stinkendem, stechendem Geruch;
der Geschmack ist ¶
scharf, fast aromatisch, hinterher etwas kühlend.
Der Schwefelalkohol siedet schon bei 45° und verdunstet bei jeder Temperatur;
er erzeugt hierbei eine bedeutende Kälte.
Die Dämpfe mit Luft gemengt explodiren mit grosser Gewalt, entzünden sich überhaupt so leicht, dass schon eine glühende Kohle zur Entflammung hinreicht;
er verbrennt mit blauer, leuchtender Flamme zu Kohlensäure und schwefliger Säure.
Man hat daher vorgeschlagen, Feuer in Schornsteinen und geschlossenen Räumen durch entzündeten Schwefelkohlenstoff zu ersticken. Er ist in Wasser fast unlöslich, bedarf von 90 proz.
Alkohol ca. 20 Th. zur Lösung;
in absolutem Alkohol, Aether, fetten und ätherischen Oelen löst er sich in jedem Verhältniss. Er löst ferner mit Leichtigkeit Schwefel, Phosphor, Kautschuk, Harze, Asphalt, fette Oele etc.
Er wird dargestellt, indem man Schwefeldampf über rothglühende Kohlen leitet.
Die entweichenden Dämpfe werden stark gekühlt und die tropfbar gewordene Flüssigkeit unter Wasser aufgefangen.
Das erste Destillat ist gelb, von sehr stinkendem Geruch;
es enthält neben Schwefelwasserstoff eine grosse Menge ungebundenen Schwefel aufgelöst.
Vom Schwefelwasserstoff reinigt man ihn durch Chlorkalk, der denselben zersetzt, von ungebundenem Schwefel durch sehr vorsichtige Rektifikation aus dem Wasserbade.
Schwefelkohlenstoff von seinem widerlichen Geruch zu befreien, schüttelt man denselben mit einer 1 proc. wässerigen Quecksilberchlorid-Lösung, wobei unlösliches Quecksilbersulfid präzipitirt wird, von welchem man dann den reinen Schwefelkohlenstoff abfiltrirt.
Es empfiehlt sich, den so gereinigten Schwefelkohlenstoff über metallischem Quecksilber und vor Licht geschützt aufzubewahren.
Anwendung. Medizinisch jetzt so gut wie gar nicht mehr, dagegen wird er technisch in kolossalen Quantitäten benutzt zum Ausziehen von Oelen und Fetten aus Knochen, gepulvertem Oelsamen, überhaupt fetthaltigen Substanzen;
ferner zum Lösen von Schwefel und Kautschuk beim
[* 2] ^[Abb: Fig 191. Apparat zur Gewinnung von Schwefelkohlenstoff. A Thönerne Gasretorte. B Porzellanrohr zum Einfüllen von Schwefel. C Oeffnung zum Nachfüllen der Kohle. D Abzugsrohr für den gebildeten Schwefelkohlenstoff. E Vorlage. F Ableitungsrohr für den nicht verdichteten Schwefelkohlenstoff. G Kühlapparat. HJ Abflussröhren für den Schwefelkohlenstoff.] ¶