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Sind Sie modern? Ist Mode in Ihrem Alltag wichtig? Mode kommt vom lateinischen Wort «modus» und bedeutet «Art und Weise». Umschreibend könnte man Mode als Wandlung definieren, meist von einer Person oder Gruppe gemacht und gesteuert, um Gewinn oder Aufmerksamkeit damit zu schaffen. Wer von Mode spricht, meint meistens die Kleidermode. Doch auch die Ernährung, Kunst und Kultur und sogar die Art und Weise wie wir leben, kann von modischen Tendenzen beeinflusst sein. Mode ist aber immer von finanziellen Mitteln abhängig. Menschen, die ums Überleben kämpfen, haben kaum grosses Interesse an Mode. Im Mittelalter waren es die Adeligen in ihren Burgen und Schlössern, welche mit ihrer Kleidung und pompösen Festen ihren Reichtum und ihre Macht bekundeten.
Ludwig der XIV. (1643-1715), der Sonnenkönig, war es, welcher der Mode eine neue Dimension gab. Er kleidete sich in Samt und Seide, schmückte sich mit kostbarem Schmuck, mit Hermelin und Spitzen und trug Satinschuhe mit erhöhten Absätzen. Der König, seine Gemahlin, seine Maitressen und die vielen Adeligen seines Hofstaates bestimmten, was «à la mode» war und beeinflussten alle europäischen Königs- und Fürstenhöfe. Versailles wurde zur ersten Modemetropole. Ludwig holte aus ganz Europa die bekanntesten Handwerker, Künstler und Gelehrte an seinen Hof und liess sie für sich arbeiten. Französisch wurde Diplomaten- und Kultursprache. Auch das vermögende Bürgertum, das sich in den letzten zwei Jahrhunderten entwickelt hatte, übernahm, was der französische Hof vorgab. Französische Erzieher vermittelten den adeligen und vornehmen Kindern Sprache und Kultur.
Politische Ereignisse können das Leben der Menschen total beeinflussen. Da denke ich an die Zeit der Kulturrevolution in China anfangs des 20. Jahrhunderts. Unter Mao Tse-tung (1893-1976) mussten alle, Männer wie Frauen, dieselbe Art von Uniform tragen. Auch in Frankreich war es die Geschichte, welche das Leben und die Mode grundlegend veränderte. Das Luxusleben am französischen Hof und hohe Kriegsausgaben lasteten schwer auf dem Volk, das verarmte und Hunger litt. 1789 brach die Revolution aus. Ludwig der XVI. wurde vom Parlament abgesetzt und er und seine Gemahlin, Marie-Antoinette, wurden öffentlich geköpft. Die Republik wurde ausgerufen. Da griff Napoleon Bonaparte als erfolgreicher General ins Geschehen ein, riss die Macht an sich und wurde Kaiser der Franzosen. Auf Bildern ist er immer in Uniform mit Dreispitzhut abgebildet. Die Frauenmode wurde schlicht, duftig, sehr weiblich, geprägt durch Joséphine, der ersten Gemahlin Napoleons. Nach Napoleons verheerender militärischer Niederlage und seiner Verbannung verlor Paris seine Vorreiterrolle.
Nach dem Wiener Kongress 1815 wurden nun auch Preussen, Österreich und England richtungsweisend für Kultur und Mode. Der Biedermeierstil löste den napoleonischen Empirestil ab. Die Biedermeierzeit zeichnet sich durch bürgerliche Schlichtheit und Eleganz aus. Nun bestimmte vor allem das vermögende Bürgertum Mode und kulturelle Entwicklung. Erstmals trugen die Herren lange Hosen (pantalons), der Gehrock war tailliert, und der Zylinder kam auf. Die Frauenkleider waren relativ schlicht, jedoch total unbequem, da die Wespentaille angesagt war. In enggeschnürte Korsetts gezwängt, konnten sich die Damen kaum bewegen. Ihr Brustkorb wurde zusammengedrückt und behinderte die Atmung.
Das 20. Jahrhundert brachte eine entscheidende Wende. Die Industrialisierung machte rasante Fortschritte, die Entstehung der Konfektionsmode ermöglichte immer breiteren Schichten, dem Modetrend zu folgen. Zunehmender Wohlstand und der technische Fortschritt brachten zusätzliche Möglichkeiten. Es ist die Zeit der «Belle Époque», der Kurzhaarfrisuren und der Emanzipation der Frauen. Man reist, amüsiert sich, huldigt der Kunst. Berühmte Modehäuser, neben Paris auch in Berlin, London und Italien, präsentieren ihre Modelle in Modeschauen und Modejournalen. Das kulturelle Leben blüht, Bildung und Medizin werden gefördert. Der Jugendstil befruchtet Kunst und Architektur. Flugzeug, Automobil und Bahn eröffnen neue Möglichkeiten.
Die beiden Weltkriege setzen dem abrupt ein Ende. Tod und Elend breiten sich aus. Existentielles ist wichtiger als Mode. Bei Kriegsende ist wenig wie vor den Kriegen. Die strenge bürgerliche Moral und Ethik der Vorkriegsjahre zerfällt. Modern wird das Zusammenleben ohne Trauschein, das Selbstverständnis von Freiheit und Selbstbestimmung. Es ist die Zeit der «Blumenkinder», der freien Liebe. Drogen verbreiten sich.
In der Mode ist heute (fast) alles erlaubt. Modern sind neuerdings Tattoos. Bei einem Aufenthalt in Neuseeland vor Jahren entdeckte ich diese Hautverzierungen erstmals an den Maoris. Ihre Tattoos hatten einen symbolischen Wert, und ich empfand sie als schön und passend. Die meisten Tattoos, die ich hierzulande zu sehen bekomme, verdienen jedoch diese Wertung nicht!
Modeneuheiten können echt hässlich und auch Gesundheitsschädigend sein. Zum Beispiel die extrem hohen Absätze, die früher schon mal Mode waren. Warum tun sich vernünftige Frauen so etwas an und riskieren, in späteren Jahren deformierte Füsse zu haben? Überhaupt, weshalb ist der Mensch durch Modisches so leicht zu beeinflussen? Und warum ist es so wichtig, dass man das trägt und tut, was andere tun? Wäre es nicht wichtiger, etwas authentischer, das heisst, sich selber zu sein, als topmodisch? Frage über Frage! Vielleicht können Sie mir, liebe Leserin, lieber Leser, eine Antwort darauf geben?