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Ermüdungsbruch des Sesambeines am Grosszehengrundgelenk
Die sportlich aktive 32-jährige Patientin wurde uns von ihrem Hausarzt wegen belastungsabhängigen Vorfussschmerzen zugewiesen. Diese traten plötzlich während des regelmässig betriebenen Joggings unter dem Grosszehenballen auf und hatten einen stechenden Charakter. Barfuss verstärkten sich die Schmerzen.
In Ruhe, das heisst sitzend oder nachts wurden keinerlei Beschwerden verspürt. Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente oder eine Sportsalbe besserten die Schmerzen nicht. Ihr Hausarzt hatte bereits eine Schichtuntersuchung (MRI) des Fusses veranlasst, wobei ein mehrfacher Ermüdungsbruch, auch Stressfraktur genannt, eines der beiden Sesambeine erkennbar war.
Die Sesambeine sind kleine rundliche Knochen und liegen unterhalb des 1. Mittelfussköpfchens, wobei sie in die kurzen Beugesehnen der Grosszehe eingebettet sind. Sie haben die Funktion, zusätzlichen Abstand der Sehne zum Knochen herzustellen, wodurch ein grösserer Hebel für die Sehne entsteht. Auf diese Weise wird eine geringere Kraft notwendig, um den mit der Sehne verbundenen Knochen zu bewegen. Zudem verhindern die Sesambeine, dass die Sehnen bei ihrem Verlauf über das Grosszehengrundgelenk durch Druckbelastung geschädigt werden.
Stressfrakturen ereignen sich bei immer wiederkehrenden Belastungen, wie sie das Lauftraining mit sich bringt und können sich auch an anderen Knochen des Fussskelettes entwickeln. Die Untersuchung des betroffenen Fusses zeigte einen deutlichen Druckschmerz unterhalb des Grosszehengrundgelenkes an der Fusssohle genau an der Stelle, an der sich das seitliche Sesambein befindet. Die restliche Fussuntersuchung war unauffällig.
Wir empfahlen der Patientin zunächst die Entlastung des geschädigten Sesambeines mittels einer ganzsohligen Masseinlage, wobei eine Lochaussparung bzw. Polsterung im Bereich des gebrochenen Sesambeines angebracht werden sollte.
Nach einer angemessenen Zeit erfolgte eine Verlaufskontrolle. Leider hatte sich die Situation trotz der Einlage nicht gebessert und sämtliche Laufsportarten konnten weiterhin nicht ausgeübt werden. Auch das normale Gehen wurde weiterhin als schmerzhaft empfunden.
Da nun alle konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft waren und die Schmerzsituation seit einem Jahr unvermindert anhielt, fassten wir die Durchführung eines operativen Eingriffes ins Auge. Wir schlugen der Patientin vor, das in mehrere Teile zerbrochene Sesambein entfernen zu lassen. Die sogenannte Sesamoidektomie, an sich ein kleiner Eingriff, birgt die Gefahr einer postoperativen Fehlstellung der Grosszehe, weswegen die Vor- und Nachteile der Operation sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen.
Die Operation wurde einige Zeit später in unserem Fusszentrum in einer lokalen Betäubung des Fusses von einem Schnitt von der Fusssohle her durchgeführt. Das Sesambein wirkte inspektorisch stark verändert, sodass die Diagnose bereits intraoperativ bestätigt werden konnte. Es wurde aus der kurzen Beugesehne der Grosszehe ausgeschält, ohne dass dabei die Sehne in ihrer Kontinuität unterbrochen wurde, was für die Stabilität bzw. Stellung der Grosszehe sehr wichtig ist.
Die Patientin musste sich in einem Vorfussentlastungsschuh 2 bis 3 Wochen lang etwas schonen, dann erfolgte die Fadenentfernung. Bei der ersten Kontrolle zeigten sich reizlose Verhältnisse, die Wunde war verheilt, die Stellung der Grosszehe war unverändert. Bereits drei Monate nach der Operation konnten die sportlichen Aktivitäten wieder aufgenommen werden. Bei der Jahreskontrolle berichtet die Patientin, mit dem Operationsergebnis sehr glücklich zu sein. Sie kann schmerzfrei gehen, benötigt keine Einlagen mehr und ist in der Schuhwahl nicht eingeschränkt. Die Narbe an der Fusssohle ist nur noch mit Mühe erkennbar und nicht mehr zu spüren. Das Lauftraining hat sie ohne jede Einschränkung längst wieder aufgenommen.
Unsere Erfahrungen mit der Sesamoidektomie sind sehr gut. Obwohl die Operation einen schlechten Ruf wegen der möglichen postoperativen Fehlstellung der Grosszehe hat, haben wir diese Komplikation bisher nicht beobachtet. Wenn ein Sesambein nachweislich geschädigt ist und eine spontane Erholung trotz Einlagenentlastung ausbleibt, ist die Operation eine Lösung, um wieder gut gehen zu können.