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Servette hat nacheinander die KHL-Spitzenteams Ufa (3:2) und Jokerit Helsinki (3:1) besiegt und sich beim Spengler Cup direkt für das Halbfinale qualifiziert. Weil die Genfer taktisch besser sind und wieder mal auf dem Transferwühltisch eine Rolex gefunden haben.
Seit 13 Jahren steht Chris McSorley als Cheftrainer bei Servette an der Bande. Seit 13 Jahren arbeitet er mit der gleichen Taktik. «High Posting» heisst dieses System. Sinngemäss bedeut «High Posting» so viel wie «hoch stehen». Hoch bedeutet im Eishockey vorne. Also «vorne stehen».
Servette hat «High Posting» soeben gegen Jokerit Helsinki in Perfektion gespielt. Es ist eine Variante zur Auslösung von Angriffen bei der die Flügelstürmer an der Bande vorne an der gegnerischen blauen Linie warten, um vom Verteidiger tief aus der eigenen Zone den Pass entlang der Bande zu erhalten. So wird auf dem schnellsten Weg die ganze Mittelzone überwunden und die Gefahr von schnellen Kontern durch Scheibenverluste in der Mittelzone ist praktisch gebannt.
Chris McSorley erinnert sich noch ganz genau, wo und wann er dieses System zum ersten Mal ausprobiert hat. «Als ich 2001 mit den London Knights im Finalturnier des Continental Cups in Zürich gegen die ZSC Lions spielte, hatte ich ein knappes Kader und viele Verletzte. Mir standen nur noch drei Sturmlinien zur Verfügung. Um Kräfte zu sparen, habe ich so spielen lassen. Die Stürmer konnten sich vorne an der blauen Linie ein wenig ausruhen und ihre Kräfte für die Offensive sparen. Das funktionierte sehr gut, die Zürcher waren überrascht. Noch heute ärgere ich mich, dass wir diese Partie durch ein doofes Powerplay-Tor im letzten Drittel 0:1 verloren haben.»
Im Sommer 2001 wechselte Chris McSorley nach Genf in die NLB. Mit «High Posting» triumphierte Servette in der Liga-Qualifikation gegen den viel talentierteren NLA-Vertreter Chur und stieg in die NLA auf. Mit einem klugen System fehlendes Talent ausgleichen – das ist bis heute Servettes Merkmal geblieben. «So haben wir uns in der NLA festgesetzt, so sind wir zwei Mal ins Finale gekommen und so haben wir den Spengler Cup gewonnen.»
Dass dieses simple System oft als einfältig und langweilig abgetan wird, stört Chris McSorley nicht. «Unser System wird inzwischen oft genug kopiert. Anaheim hat so 2007 den Stanley Cup gewonnen.»
Kein anderes Team hat die Kunst, Eishockey so einfach und risikolos wie möglich zu spielen so hoch entwickelt wie Chris McSorley. Logischerweise spielt ein Torhüter hinter einer so gut organisierten Mannschaft besser. Janik Schwendener (22) stoppte 26 von 27 Schüssen gegen eine der offensiv stärksten Mannschaften ausserhalb der NHL. Der ruhige Blocker hat sich auf internationalem Niveau glänzend bewährt. Und auch er steht für eine ganz besondere Qualität von Chris McSorley: Das Aufspüren von Talenten.
Als Leonardo Genoni vor einem Jahr verletzt war, hat Janik Schwendener in Davos keine Chance bekommen. Arno Del Curto holte einen ausländischen Goalie (Mika Noronen). So kommt es, dass Janik Schwendener diese Saison auf der Suche nach Spielgelegenheiten erst beim NLB-Klub Thurgau landete bis ihn Chris McSorley nach Genf holte. Dort sind mit Robert Mayer und Christophe Bays zeitweise beide Goalies ausgefallen.
Chris McSorley ist nicht nur der beste Taktiker ausserhalb der NHL. Er ist wahrscheinlich der beste Talentsucher in Europa. Er hat sämtliche Spieler der Liga in einem speziellen Bewertungssystem erfasst. Elf Faktoren werden bewertet und zwischen 7 (Maximum) und 1 (Minimum) bewertet. Erfasst werden dabei nicht nur Talent, sondern auch Wettkampftauglichkeit und Arbeitseinstellung. So findet Servettes Trainer immer wieder mal eine Rolex auf dem Transferwühltisch. Spieler, die von der Konkurrenz übersehen oder falsch eingeschätzt worden sind. Janick Schwendener ist so eine Rolex vom Transfer-Wühltisch.
Wenn Robert Mayer (25) und Christophe Bays (23) wieder fit sind, läuft die Zeit für Janick Schwendener in Genf ab. Davos ist für den ehemaligen HCD- Junior aus Klosters keine Option mehr. Dort wird bereits Gilles Senn (18) als neue Nummer zwei aufgebaut. Was nun? Langnaus Sportchef Jörg Reber ist auf der Suche nach einem Torhüter, der Langnau in die NLA bringen und in der NLA halten kann. Janik Schwendener steht ganz zuoberst auf seiner Liste.