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«Ich habe mich auf das Altherren-Treffen mit Dieter und Peter gefreut.» Marc Surer, 69, lächelt verschmitzt. Vor 50 Jahren startete der einstige Formel-1-Pilot und heutige Formel-1-Co-Kommentator des Schweizer Fernsehens seine Motorsport-Karriere. Knapp zehn Jahre später, 1981, trat er bei den legendären 24 Stunden von Le Mans für das Schweizer Sauber-Team an. Höchste Zeit also für Fachsimpeleien, Erinnerungen und Anekdoten aus dieser grossen Zeit des Rennsports. Deshalb trifft sich Surer an einem Spätsommertag im September auf der Rennstrecke von Spielberg (A) mit seinem damaligen österreichischen Teamkollegen Dieter Quester, 81, und Teamchef Peter Sauber, 76. Die Stimmung: Heiter, trotz Gesichtsmaske. Und auch der Sauber-Bolide von einst ist dabei: Der restaurierte Gruppe-5-BMW M1, mit dem das Fahrerduo Surer/Quester 1981 bei den Langstreckenrennen am Nürburgring und in Le Mans antrat und der heute im Besitz von Adrian Gattiker ist.
Vielleicht erinnern auch Sie sich an den Donnerkeil BMW M1: Eine Art Rennwagen für die Strasse mit einem 277 PS starken 3,5-Liter-Sechszylinder. Aber Anfang der 1980er-Jahre wurde er nicht nur an Private verkauft: Zu Promozwecken schuf BMW für ihn 1979 und 1980 eine eigene Rennserie, die BMW Procar-Serie.
Dafür erstarkte der M1 zum BMW M1 Procar mit 470 PS und einem riesigen Heckflügel. Im Rahmenprogramm der europäischen F1-Läufe traten jeweils die fünf trainingsschnellsten F1-Piloten auf technisch identischen Rennern gegen private Fahrer, Nachwuchstalente, aber auch renommierte Sportwagenprofis an. Heute wäre solch eine Rennserie nicht mehr vorstellbar. Damals war sie ein grosses Spektakel für die Fans. Im Jahr 1979 wurde Niki Lauda Procar-Gesamtsieger, 1980 gewann Nelson Piquet.
Nach dem Ende der Procar-Serie im Herbst 1980 wurden drei BMW M1 nach dem damals gültigen Reglement der Gruppe 5 aufgebaut, zwei davon bei Sauber Motorsport in Hinwil ZH. Der dritte bei Schnitzer, dort wurde der Reihen-Sechszylinder-Motor mittels Turbo-Aufladung unter Druck gesetzt und leistet trotz nur noch 3,2 Liter Hubraum bis zu 1000 PS. Die Fahrzeuge waren weit über 320 km/h schnell.
Die beiden BMW M1 Gruppe 5-Fahrzeuge baute das Schweizer Rennteam Sauber unter anderem für den Einsatz beim 24-Stunden-Klassiker 1981 in Le Mans auf. Im Gegensatz zu den umgebauten Gruppe 4 M1 ProCar waren die Sauber BMW M1 mit den Chassis-Nummern 1 und 2 die einzigen original als Gruppe 5 aufgebauten M1-Renner. Auch daran zu erkennen, dass sich bei ihnen Front- und Heckhaube in einem Stück entfernen liess. «Diese beiden M1 waren die letzten Rennwagen, bei denen ich am Chassis noch persönlich Hand anlegte», erinnert sich Peter Sauber.
Dieter Quester setzt sich ächzend ans Steuer des perfekt
restaurierten Sauber BMW M1 und erklärt: «Unsere Autos hatten Rohrrahmen-Chassis in Leichtbauweise mit einer für Le Mans angepassten Aerodynamik. Das Fahrzeug von Marc und mir war in den Würth-Farben lackiert, während der zweite von Sauber aufgebaute M1 für Strietzel Stuck und Nelson Piquet in der psychedelisch wirkenden Rotweiss-Lackierung von BASF für das GS-Team startete.» «Stimmt», bestätigt Surer, «unsere Autos waren rund 150 Kilogramm leichter als die ProCar-M1. So schafften wir die Nordschleife rund 20 Sekunden schneller. Jedenfalls ich», stichelt er grinsend gegen Quester.
Das Renndebüt 1981 mit dem BASF-Auto verläuft bei den 1000 Kilometern von Silverstone (GB) jedoch nicht wunschgemäss. «Ein Getriebeproblem warf den M1 des GS-Teams nach halber Distanz aus dem Rennen», erinnert sich Peter Sauber. Schon beim nächsten Einsatz auf dem Nürburgring läuft alles wie am Schnürchen, und Stuck/Piquet feiern mit dem Sauber-M1 den ersten Sieg – vor den bis dahin stets überlegenen Werks-Porsche 910/80.
In Le Mans sind die beiden Sauber BMW M1 Gruppe 5 gegen die Porsche- und Lancia-Armada dann wieder chancenlos. Schlimmer gar, es kommt zu einem Totalausfall. Das Schwester-Fahrzeug des GS-Teams verunfallt, der Sauber-M1 fällt mit einem kapitalen Motorschaden aus. «Ich spürte schon lange starke Vibrationen, hervorgerufen vom Schwingungsdämpfer», weiss Surer, als wäre es erst gestern gewesen. «Am Sonntagmorgen um 6 Uhr, nach 14 Stunden Rennen, zerriss es mir dann den Motor.» Schade, Surer war im Würth-Auto zuvor auf der Mulsanne-Geraden als schnellstes Gruppe-5-Fahrzeug und zehntschnellstes Auto überhaupt mit einem Topspeed von 330 km/h gemessen worden. «Nach dem Motorschaden stellte ich das Auto ab und nahm ein herumliegendes Pleuel an die Box mit. Als Beweis, dass am Auto nichts mehr zu retten war. Es war noch so heiss, dass ich mir Brandblasen holte.»
Damit war die Renngeschichte des Sauber-M1 mit der Chassis-Nummer 1 bereits zu Ende. Das Auto wechselt in der Folge öfters seinen Besitzer. 1982 geht es an den Schweizer Enzo Calderari, der es 1985 an Jürg Bächi verkauft, einen in Schweden wohnenden Schweizer. 1988 kauft es der Amerikaner Maximilian Conover und verkauft es nur ein Jahr später an den Finnen Jukka Mäkelä. «1991 erwarb Sauber Motorsport das Auto zurück, und wir restaurierten das Fahrzeug mit Ersatzteilen aus unserem Fundus», erzählt Peter Sauber.
Danach steht der M1 mehrere Jahre in Hinwil, ehe er 2014 an Adrian
Gattiker verkauft wird. Er will das Auto wieder rennbereit machen. Mit Hilfe von Ex-Sauber-Mitarbeiter Peter Wiederkehr wird das Fahrzeug während fünf Monaten generalüberholt. «Um eine hundertprozentige Sicherheit auf der Rennstrecke zu gewährleisten, wurde über jedes Teil entschieden, ob es repariert, ersetzt oder gar nachgebaut wird», erinnert sich Peter Wiederkehr, langjähriger Leiter der Abteilung für Fahrzeugaufbau in Hinwil.
Der Motor wird schliesslich von Bemani Motorsport neu aufgebaut, und am 16. September 2014 kommt es zum ersten Rollout des neu aufgebauten Sauber-M1 – auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg. Seither läuft das Auto problemlos und wird nun jährlich während zwei bis vier Tagen auf Rennstrecken gefahren. «Fürs nächste Jahr besteht bereits eine Einladung fürs Goodwood Festival of Speed», freut sich Besitzer Adrian Gattiker.