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Postnatale Depressionen: Der Alltag von betroffenen Frauen und ihren Familien
Postnatale Depressionen sind eine der häufigsten Komplikationen bei Frauen nach der Geburt. Wie können Postnatale Depressionen erkannt und geheilt werden? Wie werden Frauen und ihre Familien im Alltag am besten unterstützt? Die Dissertation von Susanne Knüppel Lauener untersucht diese Fragen.
Die negativen Folgen von Postnatalen Depressionen können neben den betroffenen Frauen auch das Familiensystem, die Partnerbeziehung sowie die Entwicklung des/r Kindes/r betreffen. In der Schweiz haben Pflegefachfrauen in der Nachversorgung der Geburt durch ihre Nähe und Kontinuität eine tragende Rolle beim Assessment und der Behandlung von Postnatalen Depressionen.
Zahlreiche Veränderungen und Herausforderungen charakterisieren das Leben der Frau und ihrer Familie nach der Geburt eines Kindes. Für Frauen mit einer Postnatalen Depression ist die Anpassung an die veränderte Situation und das Finden einer neuen Alltagsroutine besonders schwierig. Die Auswirkungen der Postnatalen Depression behindern neben dem einem gelingenden Alltags auch das Erlernen von neuen Rollen und Fähigkeiten. Weltweit haben verschiedene qualitative Studien die Befindlichkeit der Frauen mit Postnatalen Depressionen erforscht und die psychologischen und emotionalen Auswirkungen der depressiven Symptome untersucht. Nur wenige Studien haben diese jedoch mit dem Alltag korreliert. Wie sich Postnatale Depressionen auf den Alltag auswirken, ist noch ungenügend geklärt.
Ziel und Methode der Studie
Das Ziel dieser Studie war es, die Auswirkungen der Postnatalen Depression auf die Gestaltung des Alltags der betroffenen Frauen und ihren Familien aufzuzeigen und daraus die spezifischen Pflegebedürfnisse abzuleiten.
Die Studie wurde im italienischsprachigen Kanton Tessin durchgeführt. Der Zugang zur Studienpopulation erfolgte in Zusammenarbeit mit den in der geburtlichen Nachversorgung tätigen Pflegefachfrauen. Um Frauen mit Postnataler Depression zu identifizieren, wurde ein von internationalen Guidelines empfohlenes, zweistufiges Screening Verfahren eingesetzt.
Die Wahl der Methode der Grounded Theory (GTM) erlaubte es, Wissensmuster zur Gestaltung des durch Postnatale Depression geprägten Alltags zu entwickeln und das Verständnis dieser Pflegesituationen zu fördern.
Von Juni 2012 bis August 2013 wurden 635 Frauen für die Teilnahme am Screening Verfahren angefragt. Die Daten des Screening Verfahrens wurden mit deskriptiven, komparativen Statistikmethoden ausgewertet.
Die Stichprobe der Studie bestand aus 29 Frauen mit Postnataler Depression und sieben Familienmitgliedern. Es wurden 47 halbstrukturierte Tiefeninterviews im ersten Jahr nach der Geburt durchgeführt, wobei einige Teilnehmende zwei Mal befragt wurden.
Die zur Datensammlung parallel verlaufende qualitative Datenanalyse nach GTM erfolgte anhand differenzierter Kodierverfahren und komparativen Vergleichen.
Ergebnisse
Die zentralen Ergebnisse sind im Modell „Dem Zusammenbruch des Alltags begegnen“ dargestellt. Zwei gegensätzliche Schlüsselkonzepte - der „Zusammenbruch des Alltags“ und „den gelingenden Alltag gestalten“ - charakterisieren das Modell. In diesem Modell ist einerseits aufgezeigt, wie die Veränderungen nach der Geburt im Kontext von Postnataler Depression sich auf den Alltag auswirken können. Anderseits ist dargestellt wie die Frauen trotz Postnataler Depression versuchen, einen gelingenden Alltag zu erreichen. Um einen gelingenden Alltag zu erreichen, werden unterschiedliche Anpassungsstrategien eingesetzt. Zudem hat es sich gezeigt, dass Frauen mit Postnataler Depression zwei unterschiedliche Handlungsmuster anwenden: den "integrierten, selbstgesteuerten Alltag“ und den „fokussierten, fremdgesteuerten Alltag“.
Die Originalität der Erkenntnisse der vorliegenden Studie besteht darin, dass der Alltag von Frauen mit Postnataler Depression bisher noch kaum differenziert untersucht und dargestellt wurde. Die vorliegenden Ergebnisse tragen wesentlich zu einem besseren Verständnis für die Gestaltung des Alltags von Frauen mit Postnataler Depression bei und gestatten zudem, Empfehlungen für den praktischen Pflege- und Beratungsalltag abzuleiten.
Um die Erkenntnisse dieser Studie weiter zu entwickeln, sind weitere Forschungsvorhaben wertvoll und wichtig.