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Erweiterte Quellenlage eingeflossen
François Couperins «Pièces de Clavecin» in einer nur wenig abweichenden, aber breiter abgestützten Ausgabe.
Die erneute Edition von Musik, die bereits im 18. Jahrhundert äusserst sorgfältig und unter Aufsicht des Komponisten zum Druck befördert worden ist, mag überflüssig erscheinen. Nach einigen Faksimile-Editionen, nach dem Neudruck (Jószef Gát, Schott 1969) nach der französischen Gesamtausgabe von 1933 und der weit verbreiteten Ausgabe von Kenneth Gilbert (Heugel 1972) legt nun der französische Musikforscher Denis Herlin eine weitere Version des Premier Livre von François Couperins Pièces de Clavecin (1713) vor. Für die Spielerinnen und Spieler mögen die Änderungen im Notentext gegenüber früheren Ausgaben minimal sein; denn auch hier werden die Eigenheiten des Originaldrucks, etwa unterschiedliche Bögen und das Vermeiden von Blätterstellen, beibehalten. Der genauere Blick verrät jedoch, dass diese Edition auf völlig neuer Grundlage steht: Mittlerweile ist es gelungen, 16 Auflagen (statt bisher 7) des Druckes zwischen 1713 und 1745 auseinanderzuhalten, zudem sind zahlreiche Korrekturen aus einer vollständigen und sorgfältigen Abschrift, die ein französischer Kleriker ab 1742 angefertigt hatte, einbezogen worden. Und der Blick in einen Sammeldruck von französischen Cembalostücken, der dem Erstdruck von 1713 vorangegangen war, hat ausserdem nahegelegt, erstmals ein zusätzliches Stück (das anonyme La Badine in a-Moll) sowie die frühere Variante von La Diane zu drucken. Auch wer sich mit der Notengrafik des Bärenreiter-Verlags nicht anfreunden kann und die Modernisierung der Akzidenziensetzung unnötig findet, wird in Zukunft auf diese akribische Neu-Edition dieser zentralen Werke des französischen Cembalorepertoires zurückgreifen müssen.
François Couperin: Pièces de Clavecin, Premier livre (1713), Urtext hg. von Denis Herlin, BA 10844, € 46.95, Bärenreiter, Kassel 2016