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Entangled World untersucht die sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Beziehungen und Verflechtungen zwischen Italien und dem Osten in der Renaissance. Im Vordergrund steht dabei die sich dieser Verflechtung wohl bewusste italienische Perspektive. Damit greift das Projekt Anregungen der jüngeren Renaissanceforschung auf und macht zugleich Angebote aktueller Methodendebatten hierfür fruchtbar.
Das Projekt reiht sich in jüngere Bemühungen ein, Begriff und Konzept der Renaissance zu modernisieren, indem es sich als Verflechtungsgeschichte zwischen Italien und dem Osten im 15. Jahrhundert gegenüber herkömmlichen Deutungen kritisch positioniert. Den zeitgenössischen Deutungsrahmen hierfür bilden in der Renaissance Italien, Osmanischen Reich und Byzanz, die als drei zu differenzierende, jedoch eng miteinander verbundene Pole eines geteilten Interaktionsfeldes zu deuten sind. Denn der Osten kann in der Renaissance nicht als deckungsgleich mit dem Islam verstanden, eine Begegnungsgeschichte nicht als Beziehung zwischen „muslimischem Osten“ und „christlichem Westen“ sowie den hiermit verbundenen Stereotypisierungen und Zuschreibungen geschrieben werden. Die Dichotomie, die das Verhältnis zwischen Ost und West als eindeutige Identitäts-, bzw. Alteritätsdiskurse versteht und diese zugleich als Konflikt zwischen Islam und Christentum deutet, soll in dem Modul durch eine Plurilokalität ersetzt werden, die nicht zwei, sondern drei Pole kennt: die lateinische Christenheit in Italien, das muslimische Reich der Osmanen sowie Byzanz/Konstantinopel als wichtiger symbolischer Ort für die Christenheit, der aber seit dem Schisma von 1054 zugleich Alterität repräsentierte. Plurilokalität wird als eine Verbindung kultureller, politischer, religiöser und sozialer Traditionen und Neuerungen verstanden, deren Deutung nicht entlang starrer Grenzen erfolgen kann, sondern das Interaktionsfeld transkultureller Begegnung konturieren muss.