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Der Gesamtleistungswettbewerb für das Alte Frauenspital Bern nahm eine unverhoffte Wende. Statt der kantonalen Steuerverwaltung zieht die Uni Bern ein. Kein Problem für den GU: Dieser besitzt hohe Fle
Die Steuerverwaltung des Kantons Bern war über Jahre an verschiedenen Standorten beheimatet. Damit sie ihre internen Abläufe rationeller gestalten kann, entschied sie sich für die Suche eines neuen Standortes; dieser sollte es ihr ermöglichen, sämtliche Abteilungen zusammenzufassen. Als optimale Variante bot sich das Alte Frauenspital an, das durch den Neubau an einem anderen Standort frei wurde. Das Kantonale Berner Hochbauamt schrieb die Umnutzung im Jahre 1999 als Gesamtleistungswettbewerb aus.
Losinger Construction AG qualifizierte sich im Herbst 1999 mit sieben weiteren Konkurrenten für diesen Wettbewerb, der in zwei Phasen ausgeschrieben worden war. Bis Ende Februar 2000 hatten die Wettbewerbsteilnehmer Zeit, das Pflichtenheft der ersten Wettbewerbsphase in ein Projekt umzusetzen. Im April des gleichen Jahres fand die erste Jurierung statt. Drei Teilnehmer wurden für die Phase 2 des Wettbewerbes ausgewählt, darunter die Totalunternehmung Losinger Construction AG, Bern.
Die drei Teams hatten bis Dezember 2000 Zeit, die aus der ersten Beurteilung beanstandeten Punkte zu überarbeiten. Im Februar 2001 erhielt Losinger den Zuschlag für die Ausarbeitung des Bauprojektes. Nach harten, aber fairen Verhandlungen mit der Bauherrschaft konnte der Totalunternehmerwerkvertrag am 7. September 2001 unterzeichnet werden.
Das Alte Frauenspital des Kantons Bern erfüllte bis 30. Juni 2002 seine Aufgabe. Innerhalb eines Monats zog der Nutzer aus dem Komplex aus, damit Losinger als TU am 1. August 2002 die Räumlichkeiten übernehmen konnte. In den folgenden drei Monaten mussten die Medien umgelegt und eine neue Trafostation gebaut werden. Die Abbrucharbeiten begannen Ende Oktober und dauerten bis Weihnachten 2002.
Unmittelbar darauf folgten die Demontagearbeiten zur Offenlegung der Tragstruktur und die Innenabbrucharbeiten für die Anpassung der Tragstruktur an die neue Nutzung des Gebäudes. Diese Phase, die eng mit der Rohbauphase zusammenhing, dauerte bis Sommer 2003. Die Rohbauarbeiten der neuen Gebäude wurden Ende Juni 2003 abgeschlossen, während sie bei den sanierten Teilen noch bis Anfang 2004 dauerten.
Die grosse Heterogenität der teilweise neuen, teilweise renovierten Gebäude trug erheblich zur Komplexität des Projekts bei. In der Tat musste jedes Gebäude als individuelles Werk behandelt werden. Dadurch wurde die Anzahl der Subunternehmer vor Ort erhöht.
Schon zu Beginn des Jahres 2003 zeigte sich, dass bei der Offertausschreibung die Bedürfnisse der Steuerverwaltung unterschätzt worden waren und die vertraglich vereinbarten Flächen nicht ausreichten. Somit stellte sich die Frage, ob die Steuerverwaltung überhaupt an der Schanzeneckstrasse 1 einzieht oder ob das Gebäude umgenutzt oder allenfalls verkauft werden soll. Eine andere Nutzung wurde nicht ausgeschlossen. Ende Mai 2003 entschied der Regierungsrat des Kantons Bern, dass die Gebäude der Universität zur Verfügung gestellt werden. Am 19. November 2003 genehmigte der Grossrat diesen Entscheid.
Die Nutzungsänderung kommt den erhöhten Raumbedürfnissen der Universität entgegen, zumal ein grosser Teil der Räumlichkeiten und Gebäude in ihrer unmittelbaren Nähe liegt. Die Neunutzung erscheint somit gerechtfertigt und logisch, wenn auch ein Entscheid zu einem früheren Zeitpunkt die Auswirkungen auf die bereits fortgeschrittenen Bauarbeiten reduziert hätte.
Mit dem Auftreten eines neuen Nutzers mit anderen Bedürfnissen und besonderen Anforderungen mussten die Arbeiten im Innenausbau und an den technischen Losen teilweise unterbrochen werden, damit die Nutzungen neu definiert bzw. die Projektänderungen integriert werden konnten. Dazu zählen etwa:
- vollständige Umgestaltung der Belüftung,
- statische Massnahmen und
- Umgebungsgestaltung.
Diese Änderungen hatten einen wesentlichen Einfluss auf das Bauprogramm. Der Übergabetermin wurde deshalb vom 30. April 2004 auf Ende Dezember 2004 verschoben.
Bezüglich Qualität hat der Auftraggeber Schwerpunkte festgelegt, die während der ganzen Dauer der Baustelle einzuhalten waren. Um diese Anforderungen zu erfüllen, musste Losinger einen detaillierten Qualitätsplan ausarbeiten, insbesondere einen Kontrollplan für die Planungs- und Ausführungsphase, der alle vom Bauherrn gewünschten Baukontrollen umfasst. Bereits in der Offertphase legte der Auftraggeber zudem Wert auf Nachhaltigkeit. In diesem Sinne wurden von Losinger ein Umweltkonzept, eine Entscheidungsmatrix für die anzuwendenden Materialien sowie eine Analyse des Energieverbrauchs in der Betriebsphase verlangt. Diese Anforderungen sowie die im Kanton Bern gültigen Bestimmungen über Abfalltrennung und Umweltschutz gaben diesem Projekt eine zusätzliche Bedeutung.
Orazio Galfo, Direktor Akquisition & Projektentwicklung, Losinger Construction AG, Bern.