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Gerade kürzlich wurde die Waffe im Anna Göldi-Museum im glarnerischen Ennenda ausgestellt. Historiker sagen, sie konnten das Schwert als dasjenige identifizieren, das im Juni 1782 das Leben der Magd Anna Göldi beendet hat. Besitzer der Waffe ist der Eigentümer und Initiant des Sissacher Henker Museums Guido Varesi.
Seit 1999 zeigt Varesi unter dieser Aufschrift Foltergeräte und Henkerwaffen. Sogar eine funktionstüchtige Guillotine steht da. Nicht selten verlässt ein Besucher das Museum vorzeitig: In Anbetracht der die Erfindungsgabe, mit der Menschen einander quälen, kann einem schon mal übel werden.
Als Hexe verschrien, als Giftmörderin verurteilt
Anna Göldi war angeblich die letzte Frau in Europa, die als Hexe hingerichtet wurde. Im Urteil wurden jedoch Begriffe wie Hexe oder Hexerei vermieden. Die Magd wurde als Giftmörderin verurteilt. Sie steht als Sinnbild für die Behandlung und die Stellung der Frau in der Gesellschaft unserer Vorväter, mithin also dafür, auf welchem gesellschaftlichen Urgrund wir noch heute leben. Ihr Schicksal wurde in Romanen, Filmen, Theaterstücken aufgegriffen.
Regierung bestätigt: Justizmord an Anna Göldi
Am 10. Juni 2008 beschloss der Glarner Regierungsrat, Anna Göldi 226 Jahre nach ihrer Hinrichtung vom Tatbestand der «Vergiftung» zu entlasten. Zugleich stellte die Regierung dem Parlament den Antrag, den Prozess vom Juni 1782 als Justizmord zu bezeichnen. Am 27. August 2008 genehmigte der Glarner Landrat einstimmig und ohne Diskussion den Beschluss der Regierung. Ausserdem erkannte er an, dass das damals gefällte Urteil in einem nicht rechtmässigen Verfahren zustande kam, und Anna Göldi Opfer eines Justizmords war.
Der Schriftsteller und Publizist Walter Hauser machte 2007 nach Auswertung bislang unbekannter Quellen publik, dass Anna Göldis Dienstherr Johann Jakob Tschudi seine Magd mit der Initiierung eines Hexenprozesses aus dem Weg geräumt habe. Die beiden hätten ein Verhältnis gehabt, das möglicherweise seine politische Karriere behindert hätte. Tschudi warf ihr nun vor, Stecknadeln in die Milch einer ihrer Töchter gezaubert zu haben.
Folter-Geständnis: Der Teufel kam zu ihr …
Anna Göldi wurde mindestens drei Mal gefoltert. Dabei kam die Zugsfolter zum Einsatz: Göldi wurde an den zusammengebundenen Händen aufgezogen. Beim zweiten Mal hängten ihr die Examinatoren dazu einen schweren Stein an die Füsse.
Unter Folter sagte sie, der Teufel in eigener Person sei zu ihr in die Küche gekommen und habe ihr mit den Klauen ein Papier überreicht, in welchem gelber Wurmsamen und weisses Gift eingewickelt gewesen sei. Diese Substanzen habe sie dem Kind in einem feuchten Stück Brot zu essen gegeben. Der Teufel habe die Gestalt eines hässlichen, schwarzen Tieres gehabt.
Guido Varesi, Initiant und Eigentümer des Sissacher Henker Museums, spricht im Telebasel Talk vom Donnerstag, 18. April 2019, um 18:40 Uhr und ab 19:15 Uhr stündlich.