Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03444.jsonl.gz/1893

Köhler: Wir haben Raketen geangelt
Die Unterrichtseinheit zeigt Zugänge zu den unterschiedlichen Erzählungen. Konzipiert für eine 10. Klasse am Gymnasium.
Il Comandante
Beantworten Sie in Gruppen die gestellten Fragen, indem Sie:
- auf drei Stellen aus dem Text verweisen
- auf den gesamten Verlauf bzw. die Aussage der Erzählung Bezug nehmen
- eigene Thesen oder Interpretationsansätze formulieren.
Ergebnisse A2a, September 2021
A – Die Wahrnehmungen der Ich-Erzählerin
Was sieht, riecht, spürt, schmeckt die Erzählerin? Verändert sich ihre Wahrnehmung im Lauf der Geschichte? Werden Wahrnehmungen weggelassen? Wie erfahren wir als Leser*innen von diesen Wahrnehmungen?
B – Die Zeitstruktur
Wie viel Zeit wird erzählt – und in welcher Reihenfolge? Was erfahren wir aus der Vergangenheit, die nicht direkt erzählt wird?
C – Dialoge und direkte Rede
Wie gestaltet Köhler direkte Interaktionen zwischen Figuren? Welche Wirkung haben die Dialoge auf Leser*innen? Welche Funktion haben die Passagen in direkter Rede?
D – Anfang und Schluss
Was verwendet Köhler hier für eine Technik? Was bedeuten die Elemente der wiederholten Passage (Perücke, Steine, Altar, »hair for you«, Banana Split etc.)? Wie unterscheidet sich die Lektüre des Anfangs von der des Schlusses?
E – Tom und Cesar
Vergleichen Sie die beiden Männer und ihre Beziehung zur Erzählerin.
F – Kirche, Glaube & Tod
Die Erzählung ist ernst, es geht um Menschen, die sich mit ihrem Tod beschäftigen. Handelt es sich um eine religiöse Erzählung? Sind die Figuren gläubig? Welche Bedeutung hat die Kirche darin?
G – Essen und Ernährung
Wie wird Nahrungsaufnahme in der Erzählung beschrieben? Welche Bedeutung hat sie für die Erzählerin?
H – Titel, Song und Che Guevara
Welche Bedeutung hat die Anspielung auf den Tod von Che Guevara? Wie wird diese Anspielung in der Erzählung begründet? Wie lesen Leser*innen die Erzählung, welche die Anspielung nicht (genau) verstehen?
Cowboy und Indianer
Wortschatz: kokeln,
Zugang 1: Erzählebenen und Cowboy/Indianer-Code
Die Erzählung verläuft auf zwei Ebenen:
- Geben Sie den beiden Ebenen einen Namen.
- Fügen Sie eine kurze Inhaltsangabe hinzu: Was sind die wichtigsten Handlungselemente?
- Betrachten Sie einige der Übergänge oder Gelenkstellen: Wann und wie springt die Erzählung von der einen auf die andere Ebene?
- Vergleichen Sie dann, wie der Gegensatz oder Code »Cowboy/Indianer« auf diesen Ebenen eingesetzt wird, was er bedeutet. Wer sind die Cowboys, wer die Indianer?
- Vergleichen Sie die Ebenen dann. Was sagt ihre Kombination aus? Warum braucht die Erzählung beide Ebenen?
Zugang 2: Analyse von Zitaten
Beschreiben Sie, wie die Passagen sprachlich funktionieren.
Machen Sie dann möglichst präzise Aussagen über ihre Bedeutung.
Seite 66
Vor mir steht ein Indianer. Ich bin nicht in der Einkaufsstraße einer mittelgroßen deutschen Stadt. Ich höre auch keine Panflöten, kein El Condor Pasa.
Seite 72
Ich weiß, dass man nicht Indianer und Eskimo sagen soll. Ich weiß, dass das hier eine Scheißwüste ist, in der ich gestrandet bin, und ich weiß, dass da eben jemand war, mit Federhaube, der mir zu trinken gab und eine Träne von Mutter Erde. Weil ich aber nicht weiß, wie dieser Traum weitergeht, stecke ich das Steinchen in meine Hosentasche und warte.
Seite 78
Der Indianer gibt mir eine angezündete Marlboro, ich nehme den ersten Zug, meine Haare wehen in die Glut, ich stopfe sie unter das Tankstellen-Baseballcap, in meinem Schoß schaukelt der Gatoraterest, im Rückspiegel sinkt die Sonne, der olle Bulle, du hast deinen Zenit überschritten, ich hab dein Kackrodeo überstanden, hab dich besiegt, du gelbe Sau, langsam zur Bergkette hin.
Seite 81
Meine Lippen springen wieder auf. Er macht mit seiner Hand zwei Hörner im Fahrtwind. Meine Hand ist ein Delphin im Wasser. Ich bin ohne alles. Ich bin frei. Ich habe nur noch mich, ein Cap und eine Plastiksonnenbrille. Von mir fällt etwas ab.
It’s just the beast under your bed,
In your closet, in your head…
Seite 88
Bill erzählt, dass der Weiße Mann große Ranches gebaut habe und der Boden davon irgendwann ausgelaugt war und schließlich die meisten Quellen versiegt seien. Überhaupt sei der Weiße Mann ein Arschloch und an allem schuld.
Ich bin auch ein Weißer Mann, sage ich.
Nein, du bist eine Tsakakawia, eine Vogelfrau.
Seite 136
Als ich die Hose runterziehe, fällt etwas auf den Boden. Die Mutterträne kullert unters Waschbecken. Ich pinkle. Wische ab. Spüle. Hebe die Mutterträne auf, stecke sie wieder ein und weiß, was ich jetzt machen muss:
Ich gehe zurück ins Zimmer und nehme Bills Federhaube aus der Sporttasche, setze sie auf und hocke mich neben ihn im Schneidersitz aufs Bett.
Seite 144
Während meines Tokio-Aufenthalts lernte ich nicht nur das traditionelle Brokatweben an alten Webstühlen (meine künstlerische Arbeit bestand in den folgenden Jahren darin, das Konterfei von Verbrechern in Brokat nachzuweben), sondern besuchte auch regelmäßig einen Zen-Tempel und lernte das stille Sitzen. Der Meister lehrte mich auch die Sache mit der Bedeutung. Dass wir die Macht haben, den Dingen die Bedeutung zu geben oder zu entziehen. Ich webte Cowboy Markus’ Gesicht, er wurde Teil meiner Verbrecher-Serie und reihte sich neben Diktatoren, Massenmördern, einem Investmentbanker, Drogenkartellbossen und einem russischen Präsidenten in eine Ausstellung ein, mit der ich Preise gewann und die um die Welt reiste.
Seite 163
Man muss erst mal werden, wer man ist, sagt Schnee im Herbst.
Ich bin froh, dass du wurdest, wer du bist, sage ich, fasse in die linke Hosentasche und
nehme den kleinen schwarzen Stein heraus.