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(franz. Le
[* 2] Valais), einer der größten und gebirgigsten
Kantone der
Schweiz,
[* 3] grenzt nördlich an Bern
[* 4] und Waadt,
östlich
an Tessin
und Uri,
südlich und westlich an
Italien
[* 5] und
Frankreich und hat eine
Fläche von 5247 qkm (95,3 QM.). Wallis bildet
ein großes, vom
Rhône durchflossenes Längenthal mit zahlreichen Nebenthälern, die seitlich in die Hochgebirgswelt der
Walliser Alpen (links) und der
Berner Alpen (rechts) hinansteigen und die Abflüsse einer großartigen Gletscherwelt zum Hauptthal
führen. Zu oberst im Hauptthal lagert der Rhônegletscher;
Einzig durch die enge
Porte du
Rhône nach dem
Genfer See geöffnet, ist Wallis rings von wildem Hochgebirge eingerahmt
und nur durch Paßlücken zu betreten. Diejenigen der
Berner Alpen sind sämtlich ungebahnt und von mehr lokaler Bedeutung,
während der
Große St.
Bernhard (2472 m) seit der
Römer
[* 6]
Zeiten dem
¶
mehr
Großverkehr diente und der Simplon (2010 m) die erste aller schweizerischen Alpenstraßen erhielt. In neuester Zeit wurde
das Oberwallis auch mit der Zentralschweiz in fahrbare Verbindung gebracht durch die nach dem UrnerThal
[* 8] Ursern führende Furkastraße
(2436 m). Unter den Bergpfaden, welche als Übergänge der Walliser Alpen dienen, sind hervorzuheben:
Nufenen (2441 m) und Gries (2448 m), im obersten Teil des Wallis;
Der Kanton
[* 10] Wallis zählte 1888 eine Bevölkerung
[* 11] von 101,837 Seelen. Das Volk, durchaus katholisch, ist in Oberwallis deutscher,
im Unterwallis, etwa von Siders an, französischer Abstammung. Die Oberwalliser sprechen einen sehr eigentümlichen
Dialekt; sie gelten für ernst, ruhig, entschlossen, strenggläubig, wenig intelligent. Der Unterwalliser hat keltisch-romanisches
Blut, spricht ein französisches Patois, ist rühriger und lebenslustiger. Im allgemeinen aber ist das Volk nicht besonders
kräftig, arm, vernachlässigt, sein Kulturzustand niedrig.
In den Seitenthälern finden sich noch manche merkwürdige Gebräuche und viel patriarchalische Sitteneinfalt.
Es gibt noch 10 Klöster mit 180 Ordensgliedern und einem Vermögen von 1 Mill. Frank. Das Land bildet die DiözeseSion, welche
auf Valeria ein Priesterseminar besitzt. Die tiefern Thäler sind treffliche Wein- und Obstgebiete, auch mit stattlichen Walnuß-
und Kastanienbäumen, bis Sion hinauf sogar mit Südfrüchten geziert, dagegen der größte Teil des Areals zum Hirtenland bestimmt.
Das Wallis hat einige große Märkte, wie Sion und Martigny, aber keinen Großhandelsplatz. Der Haupttransit geht über
den Simplon. Die Eisenbahn (Ligne d'Italie) führt vom Seehafen Bouveret über St.-Maurice, wo die Waadtländer Bahn einmündet,
und Martigny-Sion vorläufig bis Brieg.
[* 18] Eine Haupteinnahmequelle bildet im Sommer der Touristenverkehr. Das Wallis besitzt nur in
den Gymnasien zu Sion und Brieg höhere Schulen; die Lehrer- und Lehrerinnenseminare zu Sion und Brieg sind
von primitiver Einrichtung.
Die Staatsrechnung für 1887 ergibt an Einnahmen 1,193,155 Fr., an Ausgaben 1,147,693 Fr., also Überschuß
der Einnahmen 45,462 Fr. Die Hauptposten der Einnahmen sind die Steuern, mit ca. 647,000, die »Hoheitsrechte« mit 324,000Fr.;
unter den Ausgaben fallen die stärksten Beträge auf die Staatsschuld, ca. 338,000, das Bauwesen 171,000 Fr. etc., während
der Unterricht kaum 88,000 Fr. aufweist. Zu Ende 1887 betrugen die Aktiva 3,819,151, die Passiva 6,778,777
Fr., also Überschuß der letztern 2,959,626 Fr.
Henry, engl. Genre- und Landschaftsmaler, geboren zu London, machte sich durch mehrere historische
Genrebilder von geschickter, wirkungsvoller Komposition und glänzendem Kolorit bekannt, z. B.:
der Tod Chattertons, Cesare Borgia und Machiavelli, Depesche von Trapezunt, das Fenster des Gefängnisses u. a.
Auch seine Landschaften, zum Teil dem Orient entlehnt, werden sehr gerühmt.
französisch Valais, italienisch Vallese. Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft; in der offiziellen
Reihenfolge der Kantone deren zwanzigster. Eintritt in den Bund 1814.
1. Name; Lage; Grösse; Grenzen.
Der Name Wallis
leitet sich vom latein. Ausdruck vallis poenina = poeninisches Thal her, womit die Römer nach
dem Passübergang des Jupiter Poeninus (GrosserSt. Bernhard) das zum Genfersee ausmündende Alpenthal der Rhone belegten. Die
mittelalterlichen Namensformen sind Vallesia, Vallesium.
Die Gesamtfläche des Kantons umfasst 5224,49 km2, wovon mehr als die Hälfte (54,9%) unproduktiver Boden ist. An Umfang
steht der Kanton Wallis
einzig hinter Graubünden
und Bern
zurück. Hinsichtlich des Prozentsatzes an unproduktivem Boden reiht er
sich gleich nach Uri
als zweiter ein.
Das Wallis
nimmt den höchsten Abschnitt der Alpenkette ein und besteht aus dem oberhalb des Genfersees gelegenen Teil
des Rhonethales. Dieses Thal setzt sich aus zwei fast rechtwinklig zueinander stehenden Stücken zusammen: einem Längsthal
oberhalb Martinach und einem Querthal unterhalb dieses Ortes bis zum Genfersee. Zu beiden Seiten des Rhonethales erhebt sich das
Gebirge weit über die Grenzen des ewigen Schnees und wird seinerseits wieder durchquert von mehr oder
weniger tiefen Seitenthälern.
Vom Rhonegletscher, also vom Ursprung der Rhone an, ist so das Wallis
zwischen zwei Bergketten eingeschlossen, deren nördliche man
die Berneralpen, deren südliche die Walliseralpen nennt. Letztere liegen zwar eigentlich zum grössten Teil in Italien,
während dagegen die Bezeichnung Berneralpen volle Berechtigung besitzt, da nur ihre steile S.-Flanke
dem Wallis
angehört. Auffallend ist der Kontrast zwischen den beiden Seiten des Rhonethales: im N. sehr steile Gehänge, in welche
sich kurze, enge und schluchtartige Thäler einschneiden, im S. dagegen tiefe und 20-30 km lange Thalfurchen, deren mehrere
sich durch oft flache Sohle auszeichnen.
Die S.-Flanke des Wallis
ist so im Durchschnitt dreimal so breit wie die N.-Flanke, obwohl die Höhe der einschliessenden
Ketten zu beiden Seiten ungefähr die selbe ist. Diese Disposition bedingt die auffallende Asymmetrie des Rhonethales. Da der
geologische Bau der beiden Thalseiten sehr verschieden ist, erscheint es leicht, die Ursachen des Kontrastes zu erfassen,
der sowohl in den petrographischen Unterschieden als der Anordnung und Lagerung der Gesteine beruht.
Die N.- und NW.-Flanke des Rhonethales zeigt von Martinach an aufwärts fast ohne Ausnahme Kalksedimente, welche einzig von
den kristallinen Gesteinen des Aarmassives unterbrochen werden. Auf der S.-Seite dagegen sind die Nebenthäler in abwechselnde
Zonen von kristallinen Gesteinen und kalkigen oder schiefrigen Sedimenten eingesenkt. Die bestimmenden
Züge in den Oberflächenformen werden hier also durch die Art der Gesteine bedingt, aus welchen die Erosion des fliessenden
Wassers die Thalrinnen herauswusch. Ebenso sind die Einzelheiten in der Form der hohen Kämme durch die petrographische und
stratigraphische Natur ihrer Gesteine einerseits, sowie durch die Tätigkeit von Erosion und Verwitterung
andrerseits zu erklären.
Das untere Stück des Rhonethales zwischen Martinach und dem Genfersee ist quer zum Streichen der Falten gerichtet und zeigt
daher beidseitig grössere Aehnlichkeit in der orographischen Gestaltung. Die Nebenthäler sind hier auf beiden Seiten sehr
steil und kurz, ebenso liegen die wasserscheidenden Kämme beidseitig in fast gleicher Entfernung von
der Hauptthalrinne.
Bedeutende Anhäufungen von Glazialschutt geben dem untern Teil dieser Gehänge einen weniger wilden
Charakter, welcher mit den kühnen Formen des hohen Gebirgskammes lebhaft kontrastiert. Die Furchen der beiden eben genannten
Wildbäche sind im Mittellauf durch einen Alpweidenrücken mit den zwischen 1200 und 1400 m gelegenen Terrassen Le Pâquier,
Bertse und Mourtey getrennt, während im Unterlauf gegen das Rhonethal hin die Tête d'Ardevaz (1481 m)
neuerdings eine scharfe Scheide bildet.
Der Wildbach Losence zeigt oft plötzlich eintretende Hochwasser. Infolge der leichten Auswaschung der glazialen Ablagerungen
und der Juraschiefer, welche die Gehänge im Mittellauf bilden, verursachte die Losence mehr als einmal schwere Katastrophen,
indem sie entweder Geschiebe- und Schlammmassen, oder dann mächtige Hochwasser mit enormen Felsblöcken
auf ihren Mündungskegel hinauswarf und das Kulturland verwüstete. Eine solche Katastrophe fand in den Jahren 1290 bis 1308 statt,
wo ein ohne Zweifel von einem Erdrutsch herrührender Schlammstrom die ganze Gegend verwüstete und die auf dem Schuttkegel
gelegene Kirche Saint Pierre de Clages zerstörte.
Diese durch die reissenden Bergwasser herabgeschwemmten Erdmassen sollen aus dem Thälchen von Saint André, das sich oberhalb
Le Grugnay öffnet, gekommen sein. Die Erinnerung an dieses Ereignis lebt bei den Bewohnern der Gegend heute noch fort.
Im Januar 1906 bedrohte ein Erdrutsch oben in der Runse des selben WildbachesSaint André die ganze Gegend
von neuem. Glücklicherweise kam aber der Erdrutsch rechtzeitig zum Stehen, so dass sofort vorgenommene Schutzarbeiten ein
weiteres Gleiten des abgelösten Gesteins aufhalten konnten.
Eine besonders schreckliche Katastrophe hat die Losence 1767 hervorgerufen.
Grosse Schutzarbeiten sind jetzt in Ausführung begriffen, um das Bett des Baches zu verbauen und so die
Unterwaschung der Uferböschungen und die daraus sich ergebenden Erdrutsche zu verhindern. Die Thäler der Losence und der
Salence stehen mit dem Thal von Nant über die Frête de Saille (2599 m) in Verbindung.
Das Gebiet zwischen dem Gletscher und dem Pass ist von weiten Karrenfeldern bedeckt. Der Gebirgsstock des
Sublage (2735 m) und des Sérac (2836 m) ist von den Schluchten der Zanfleuronne und des Lex Zuflüssen der Morge, begrenzt. Beide
nähern sich in ihrem obersten Laufabschnitt und sind bloss durch die Combe der GrandesGouilles voneinander geschieden. Diese
letztere hat ihren Namen von mehreren kleinen Seebecken, welche unterirdisch abfliessen. Beherrscht wird dieses Gebiet durch
die im N. aufragenden hohen Felswände des Geltenhorns (3074 m) und des Arpelistocks (3039 m), während ein von letzterm Gipfel
nordwärts ziehender Kamm die Senke des Sanetschpasses nach O. begrenzt. In ihm finden wir das Hundhörnli
(2878 m), Schafhörnli (2686 m) und Spitzhorn (2807 m).
Eine Abzweigung des Wildhorngletschers, der kleine Glacier de Brotset am Weg auf das Wildhorn, fliesst nach der Senke der Luys de Marche
hinunter. Hier beginnt
¶
der gezackte Kamm der Crêtabessa (2711 m), der gleich bei seinem Beginn vom Passage des Blèches (2673 m) überschritten wird.
In der Richtung gegen das Rhonethal hin bildet der Kamm der Crêtabessa noch den Gipfel des Prabé (1980 m). Auf der Seite gegen
das Tobel der Nettage sehr steil abbrechend, senkt sich dieser Kamm gegen die Combe von Arbaz in einer Reihe
von Terrassen, auf welchen Alpweiden und tiefer unten Wald sich ausbreitet. Trotz seines abschreckenden Aeussern ist der Kamm
an mehreren Stellen passierbar.
Der Gipfel des Wildhorns (3264 m) beherrscht mit seinem Eismantel sowohl den Sanetsch- als den Rawilpass.
Ihm gegenüber erhebt sich südwärts die isolierte Masse des Rawilhorns oder Sex desEaux Froides (2903 m), ein auf Nummulitenkalk
liegender Fetzen jurassischer Schichten. An seinem O.-Fuss schneidet sich das Rawilthal (Vallon des Ravins) tief ein, in dem
sich mit von allen Seiten her sprudelnden Quellen die Wasser eines ziemlich umfangreichen Gebietes sammeln.
Dies Querthal entspricht einer das Gebirge durchsetzenden horizontalen Transversal-Verschiebung, der u. a. auch das kleine
Seebecken am Fuss des Schneidehorns (2938 m) seine Entstehung verdankt. Ein andres solches «Blatt» zieht über den Rawilpass
und dämmt den Iffigensee ab. Ueberhaupt sind Verwerfungen in diesem Teil der Kalkalpen sehr häufig. Sie
spielen in der Gestaltung der orographischen Formen eine ganz beträchtliche Rolle. Das Scheitelplateau des Rawilpasses (2415
m) liegt in einer Mulde des Nummulitenkalkes und wird von der WalliserSeite her über die Stufe von Armillon erreicht, die
ebenfalls durch eine Verwerfung entstanden ist.
Die N.-Flanke des Passes wird von dem vom Schneidehorn (2938 m) zum Mittaghorn (2687 m) ziehenden Kamm begrenzt.
Nahe der Passhöhe (2415 m) findet sich eine Doline, durch welche die Wasser eines grossen Teiles dieses Plateaus im Boden verschwinden.
Die S.-Flanke wird durch den hohen Kamm begleitet, welcher vom Wetzsteinhorn (2780 m) über den Rohrbachstein
(2953 m) zum Weisshorn (2053 m) und Gletscherhorn (2948 m) zieht. Am Anfang beherrscht dieser Kamm die südwärts gelegene nackte
Felsfläche der sog. Plaine Morte, ein grosses und ganz von Brüchen durchsetztes Karrenfeld, während er vom Rohrbachstein
an den Glacier de la Plaine Morte begleitet, der in etwa 2800 m liegt und die grösste Firn- und Eisfläche
dieser Alpenregion darstellt.
Das von diesen Höhen nach dem Rhonethal hinunterreichende Gehänge zeigt mannigfache Gestaltung und erscheint durch Hügel
und Kämme mit Alpweiden und Wald, sowie durch dazwischen eingeschaltete steile Felsen reich gegliedert. Südl. des Sex desEaux Froides
dehnen sich auf einer Unterlage von Jurakalken die Alpweiden Serin und Giniesse ob den die DörferAyent
und Grimisuat tragenden Terrassen aus, welche ihrerseits wieder steil zum Rhonethal bei Sitten abfallen.
Aehnlich senkt sich von der Zabona (2529 m) das Gehänge östl. über der Liène nach dem Rhonethal in der Gegend von Siders.
Dieser letztere Gehängeabschnitt besitzt ein besondres Interesse dadurch, dass zwischen dem Gipfel der
Zaat (2223 m) und der das Dorf Lens tragenden Terrasse sich mehrere Stufen einschalten, auf denen je einer oder mehrere kleine
Seen von wahrscheinlich glazialer Entstehung liegen. Vor der steilen Wand
Autannaz, die vom Sex Mort oder Tothorn
(2942 m) zum Schwarzhorn (3111 m) zieht, erheben sich die isolierten Gipfel des Mont Tubang (2852 m), Mont Bonvin (3000 m) und
des Trubelnstocks (3004 m), welche die Alpweiden Colombire, Nousey, Aprili und besonders den weiten Kessel der Varneralp beherrschen.
Aus dieser Nische ist der grosse prähistorische Bergsturz von Siders herausgebrochen, dessen Schuttmassen
zusammen mit glazialen Ablagerungen den unteren Teil des Berghanges überdecken und zu einem der fruchtbarsten und lachendsten
Gelände des Wallis
mit den inmitten reicher Kulturen gelegenen DörfernMiège, Mollens und Venthône ob Siders gestalten.
Mit dem Schwarzhorn verbindet sich über den Kamm des Schneehorns (3185 m) die hohe Masse des Wildstrubel
(3251 m) mit ihren drei Gipfeln. Der davon herniederfliessende Lämmerngletscher sendet seinen Schmelzwasserbach durch die
weite Mulde zwischen Wildstrubel und Steghorn (3152 m) zur Gemmi. Von diesem Punkt an ändert sich der bisherige Charakter der
Kette vollständig, indem der sie schief von SW. nach NO. durchschneidende Gemmipass (2329 m) dem Beginn
einer Teilung der orographischen Elemente entspricht. Es zeigen sich nun Isoklinal- und Längsthäler an den Flanken der
Hauptkette, so das Thälchen von Leukerbad bis Fluhalp und die verschiedenen Furchen zwischen Majinghorn (3059 m), Torrenthorn
(3003 m), Restirothorn und Niven, die sich entweder zur Dala oder zur Lonza des Lötschenthals entwässern.
Der obere Abschnitt dieses letztern ist seinerseits wieder ein Längsthal, das mit dem Rhonethal durch eine enge Mündungsschicht
in Verbindung steht, wie dies auch für den Kessel des Leukerbades der Fall ist. Zwischen Leukerbad und der Gemmi erhebt sich
die Kalkmasse des Balmhorns (3711 m) und der Altels (3636 m), mit denen die Kalkmassen der Hauptkette ihre
grösste Höhe erreichen und steilabfallende, furchtbar zerrissene Felsgehänge bilden. Die Gletscher sind wie an den Felswänden
aufgehängt, so dass bei einigen periodisch das untere Ende über die Felsen hinausstösst und abstürzt.
Oestl. vom Lötschenpass (2695 m) ist die Sedimentdecke infolge intensiver Erosion fast vollständig abgetragen,
so dass wir die kristallinen Schiefer, Gneise und Granite des Aarmassives zutage treten und die an Höhe immer zunehmende
Kette fast ausschliesslich zusammensetzen sehen. Das obere Lötschenthal teilt die westl. Partie des Massives in zwei Teile:
Im N. zieht sich vom Lötschenpass (2695 m) an der Kamm des Hockenhorns (3297 m) hin lind setzt sich über
den Petersgrat und das Breithorn (3779 m) bis zur Jungfrau (4167 m) fort;
Von hier an verändert sich die Gestaltung des Massives neuerdings. Ausser der Furche, in welcher sich der Aletschgletscher
bewegt, finden wir den Hauptkamm nur noch von wenig tiefen, mit Firn und Eis aufgefüllten Senken angeschnitten. Diese Firnfelder
bilden einen eigentlichen Panzer über die Felsmassen, welche einzig in Form scharfer Kämme daraus hervorstechen.
Der grösste Teil des östl. Aarmassives liegt übrigens auf bernischem
¶
Der geschichtsforschende Verein von Oberwallis hat uns auf verschiedene Unrichtigkeiten, die sich in
dem historisch-politischen Teil des Artikels Wallis
eingeschlichen haben, aufmerksam gemacht. Wir lassen verschiedene Abänderungen,
Bemerkungen und Zusätze folgen, die wir einer ausführlichen Zuschrift des genannten Vereines entnommen haben.
1) Sitten hat seit 1894 zwei technische Kurse, in denen die Zöglinge auf den Eintritt in das eidg.
Polytechnikum in Zürich
vorbereitet werden. Noch im Herbst 1908 wurde ein Schüler dieser Kurse an genannter Schule aufgenommen,
nachdem das mit vielen andern vor ihm geschehen war.
2) Ebenso besitzt Sitten eine Gewerbeschule, die drei Jahreskurse umfasst; sie ersetzt seit 1897 die Mittelschule, die, im
Jahre 1868 am Kollegium von Sitten gegründet, zuerst zwei, dann von 1874-1897 drei Jahreskurse aufwies.
3) Brig hat seit 1904 seine Realschule, seit 1905 mit drei Kursen. (Diese Schule, 1858 gegründet, im Jahre 1864 unterbrochen,
war 1874 neuerdings eröffnet und von 1876-1904 wiederum geschlossen werden. Schon im ersten Jahre zählte sie 18 Schüler).
4) St. Maurice fügte seinem klassischen Gymnasium schon im Jahre 1838 eine französische Klasse in drei Abteilungen bei;
von 1840 an wurde diese französische Klasse in zwei Kurse von je zwei Jahren abgeteilt. Seit
¶
mehr
1851 «École moyenne française» geheissen, umfasste sie gewöhnlich vier,
von 1894 an drei Jahre. Im Jahre 1898 wurde sie in eine Gewerbeschule und 1899 zur Industrieschule mit drei Jahreskursen
umgewandelt.
Diese verschiedenen Anstalten sind öffentlich und, soweit es Brig und Sitten betrifft, vom Staat unterhalten, während die
Abtei St. Maurice eine Subvention erhält, die 1896-1897 sich auf Fr. 10210 und 1907-1908 auf Fr. 12700 belief.
Aus diesen Mitteilungen muss man den Schluss ziehen, dass es im Wallis
mehrere öffentliche Schulen gibt, die «die Jugend direkt zu
andern Zielen leiten, als zum geistlichen Stand und zur Jurisprudenz». Man darf auch auf die speziellen
Sprachkurse an den Kollegien von St. Maurice und Brig, an die Kaufmännischen Gesellschaften z. B. in Brig und Sitten etc. aufmerksam
machen. Es ist überflüssig zu bemerken, dass eine schöne Zahl Aerzte, Apotheker und Ingenieure in den klassischen Gymnasien
von Brig, Sitten und St. Maurice die nötige Vorbereitung für die folgenden akademischen Fachstudien gefunden
haben.
Seit 1899 wurde das Notariats-Diplom an 42 Bewerber ausgehändigt; die Mehrzahl derselben hatten wenigstens zeitweise ausserhalb
des Wallis
studiert. Im Jahre 1908-1909 konnte die Rechtsschule in Sitten keine Kurse veranstalten, weil sich zu wenig Schüler (es
waren 5 nötig) angemeldet hatten. Und doch lagen in diesem gleichen Jahr 17 junge Walliser dem Studium
der Rechte ob; sie studierten an verschiedenen Universitäten der Schweiz und des Auslandes. Es ist also unrichtig, dass die
«Walliser Rechtsgelehrten nur selten ausserhalb des Wallis
studieren gehen».
Die Gründung der 10 Freiplätze an obern Schulen reicht, soweit es die Diözese Sitten betrifft, auf den zurück,
an welchem Datum Ignaz Bonvin, gebürtig von Lens und Priester in Wien (Oesterreich) «aus Liebe zum Vaterland» eine
schöne Summe vergabte, die 1729 auf 5200 Gulden stieg und zur vollständigen Beköstigung und zum Unterhalt zweier Walliser
Studenten während der 12 Monate des Jahres dienen
sollte, das sie am Grossen Seminar in Wien zubringen.
Dem Beispiele Bonvins folgte 1750 Mgr. J. J. Blatter, Bischof von Sitten, gebürtig von Visp. In dieser Schenkungsurkunde, die den ratifiziert
wurde, ist das Stiftungskapital für die beiden neuen Plätze auf 6666 Gulden (d. h. etwa fr. 14000) angesetzt.
Als die Jesuiten ihr Seminar mit Internat in Innsbruck eröffneten, wurden diese Freiplätze im Jahre 1858 von Wien nach
Innsbruck verlegt.
Da aber die 4 Plätze nicht jedes Jahr vollständig besetzt waren, sammelten sich die Zinsen an und bildeten so nach und
nach die nötigen Fonds für die Errichtung neuer Freiplätze.
Im Jahr 1885-1886 betrug die Zahl dieser Plätze zehn, mit einem Einkommen von 315 Gulden für jeden, dank der gewissenhaften
Verwaltung der Fonds seitens der österreichischen Regierung. (Brief vom Archive des Bistums Sitten, wo die oben
zitierten Akten unter dem Titel Alumnatus Oenp. vereinigt sind).
Zu bemerken ist noch, dass das Recht auf diese zehn Plätze nicht «dem Kanton»,
sondern der Diözese Sitten zusteht, und ferner, was sich von selbst versteht, dass diese Plätze nicht für «die
theologische Fakultät, sondern für das Pensionat des theologischen Seminars» geschaffen worden sind.
Vorzugsrechte zum Bezug dieser Stipendien bestehen:
1) für die Zöglinge aus der Familie Bonvin und 2) für die Angehörigen der Pfarrei Lens (Stiftung Bonvin); ebenso zu Gunsten
der direkten Nachkommen der Familie Blatter (Stiftung Blatter).
Fügen wir noch bei, dass «auf Anordnung des Kardinals und Erzbischofs Karl Borromäus
vom Jahre 1584» und kraft der am zu Wien ratifizierten Konvention «der Kanton Wallis"
das Recht auf zwei Freiplätze am Kollegium Borromäum in Mailand hat. (Archive des Bistums Sitten: Fundatio Borromei 5. 136).
Volksbelustigung.
Im allgemeinen kann man sagen, dass die Hauptvergnügen der Walliser gegen Allerheiligen beginnen und im Mai aufhören.
Doch ist nicht zu
¶
mehr
vergessen, dass die Schützengesellschaften in manchen Dörfern die Sommersonntage vorziehen, und dass die Gesellschaftsausflüge
und die Bergtouren, die selbst bei einfachen Bauern sehr beliebt sind, doch eher an den langen Sommertagen unternommen werden.
Allein die beiden Vergnügungsperioden sind doch deutlich unterscheidbar: die Winterperiode und die Periode, die den Herbst
und den Frühling umfasst.
Im Winter nehmen Schlittenfahrten und Schlittschuhlauf den ersten Rang ein, wie es sich in einem Lande wie Wallis
von selbst versteht,
wo die Winterstationen Sitten, Siders, Montana, Brig, Zermatt u. s. w. eine Masse Fremder durch ihre vortrefflichen Fahrbahnen
anlocken. In der Tat bildet das Schlitteln in allen Teilen des Wallis
das bevorzugteste Vergnügen.
Daran schliesst sich das «Gleiten» mit und ohne Schlittschuhe. Schleifen, gleiten «rischen» gehen, ist ein der Jugend jeden
Geschlechtes und Alters wohlbekannter Ausdruck. Bei klarem Mondschein verlängern sich die Schlittel- und Schlittschuhpartien
oft bis in die Nacht.
In unsern Tagen vermehren sich die Wintersporte, und die Skitouren der Offiziere und Unteroffiziere finden
Nachahmung. Die Skiübungen können, gemäss einem Entscheide des Departements des öffentlichen Unterrichtswesens, sogar
einen Teil des Schulturnens ersetzen (Erziehungsfreund von 1908, S. 52).
Daher kommen zu einem erheblichen Teil die feste Konstitution, die Gesundheit und Ausdauer bei Strapazen, welche die
Walliser Soldaten zeigen.
Was die Vergnügen und Erholungen betrifft, die man hauptsächlich bei der häuslichen Lampe sucht, ist vor allem die unerschöpfliche
Quelle erzählter oder vorgelesener Sagen und Geschichten zu erwähnen. Kalender, Chroniken, die Geschichte des Wallis
und der Schweiz,
die Annalen verschiedenster Herkunft ermangeln des Reizes nicht. Das Spiel «den
König verdriessen» (französisch «Le roi des sottises»)
hat oft einen geistreichen, erzieherischen Charakter. (Dieses Spiel heisst nicht «Machete»,
da dieses Wort die Handlungsweise oder was gemacht wird, also das Spiel im allgemeinen bezeichnet).
Nicht dasselbe Urteil,
wie über das genannte, könnte man über das Spiel «der
geplünderte König» («roi dépouillé») abgeben,
das kein Nationalspiel ist. Ein glaubwürdiger Mann, aus Bagnes selbst, sagt, dieses Spiel sei vor etwa zwanzig Jahren in
der Gemeinde Bagnes in geringem Schwange gewesen; allein heute kenne man es kaum mehr; keinenfalls sei es ein im wahren Sinne
des Wortes populäres Spiel. Angestellte Nachforschungen haben ergeben, dass wir dieses Spiel weder im
Val d’Illiez, noch in Fully und Umgebung, weder in Nendaz, noch in Chamoson, noch in Conthey, weder im Hérens-, noch im Eifischthal,
weder in Saviése noch in der Gegend von Siders, noch an irgend einem Orte des Oberwallis mehr finden konnten.
Dagegen nehmen die Karten- und Tarokspiele so ziemlich überall die Mussestunden der langen Abende in
Anspruch. An diese reihen sich noch die wohlbekannten Spiele, als «Blindekuh»,
«Versteckens», «Kettentanz»,
«Rundtanz», «Ratespiel»,
«Mühle» (sehr verbreitet),
Es wäre unverzeihlich, nicht ein Wort von den zahlreichen Gesangs-, Musik- und Jünglingsvereinen zu sagen, deren das deutsche
Wallis
nach dem Berichte des Zentralpräsidenten von 1908 allein 12 aufweist. Die Tatsache, dass man sogar in den kleinsten und
abgelegensten Pfarreien, wenigstens des Oberwallis, das Vergnügen hat, gut geübte Chöre zu vernehmen, lässt voraussetzen,
dass mancher Abend den Musik- und Gesangsproben gewidmet wird.
Es ist sicher, dass man heute im Wallis,
zum mindesten auf den Dörfern, weit weniger tanzt, als vor dreissig
Jahren. Zitieren wir in dieser Hinsicht das Gesetz vom über die Hotels, Pensionen, Gasthöfe, Restaurants, Wirtshäuser,
Cafés, Getränkverkaufsstellen und über den Tanz. Im Kapitel III, Polizeimassregeln, bestimmt Artikel 21: Es sei verboten
zu tanzen:
1. Vor und während des Gottesdienstes der Pfarrei;
2. In einem Hotel oder einem abgelegenen Gebäude ohne die Erlaubnis des Präsidenten des Munizipalrates, der die Stunden
dieses Vergnügens bestimmt.
Oberflächengestaltung. Rechts von den Urner und Berner Alpen, links von den Lepontinischen und Penninischen Alpen
[* 39] und der Montblancgruppe
umschlossen, ist das Wallis von der Furka bis Martigny ein nach Westsüdwest gerichtetes Längsthal, von hier bis zum See ein
nach Nordwesten gewendetes Querthal mit zahlreichen Seitenthälern, von welchen die wichtigsten sind:
die Thäler der Visp, das Turtmanthal, das Val d’Anniviers, das Val d’Hérens, die beiden Thäler der Dranse (Val deBagnes
und Val d’Entremont) und Val d’Illiez links, das Lötschenthal und das Dala- oder LeukerThal rechts. Der Kanton besteht aus
den obersten
¶
mehr
Thalstufen der Rhône, die den Kanton seiner ganzen Länge nach, vom Rhônegletscher bis zum Genfer See 162 km, durchströmt.
Das Wallis ist ein wildes Bergland mit großartigen Fels- und Eiswildnissen, tief eingeschnittenen malerischen Thälern, durch
welche die zahlreichen, von Gletschern gespeisten Flüsse
[* 41] als wilde Bergwasser in zahllosen Wasserfällen und Stromschnellen
hinabeilen, mit grünen Alpenweiden und Nadelwäldern in den obern, Obstgärten, Weinbergen und Getreidefeldern in den untern
Stufen und der ebenen Sohle des Rhônethals.
Vom höchsten Punkte, der Dufourspitze am Monte-Rosa (4638 m), bis zum Spiegel des Genfer Sees (375 m) beträgt der senkrechte
Abstand 4263 m. Den Höhenlagen entsprechend ist das Klima der einzelnen Landesteile sehr verschieden.
Die Schneegrenze erreicht in Wallis nahezu 3000 m, während zahlreiche Gletscher bis gegen 1800 m, der Aletschgletscher sogar bis
zu 1353 m hinabsteigen. Die Waldgrenze liegt bei etwa 2200 m, die des Getreidebaues bei 1800 m, die Weingrenze bei 950 m
ü. d. M.
Bevölkerung. Der Kanton hatte 1880: 100190, 1888: 101985 (51253 männl., 50732 weibl.) E., darunter 825 Evangelische;
ferner 15461 bewohnte
Häuser und 22051 Haushaltungen in 165 Gemeinden. Im Kanton geboren sind 98828, in der übrigen Eidgenossenschaft 1332, im
Auslande 1825;
Bürger ihrer Wohngemeinde sind 79085, einer andern Gemeinde des Kantons 17909, eines andern
Kantons 2052, Ausländer 2939. Der Muttersprache nach sind 68602 Franzosen, 32471 Deutsche,
[* 42] 883 Italiener, 4 Romanen und 25 andere.
Die Zahl der Geburten (einschließlich Totgeburten) betrug (1894) 3089, der Eheschließungen 608, der Sterbefälle 2455. Die
Sprachgrenze zwischen dem deutschen Oberwallis und dem franz. Unterwallis zieht sich bei
Siders quer durch das Rhônethal. Die Oberwalliser sind ein kräftiger Volksschlag, ebenso die Bergbewohner
des Unterwallis, weniger kräftig ist die Bevölkerung des untern Rhônethals.
Land- und Forstwirtschaft. Von der Fläche sind 2409,9 qkm, d. i. 45,93 Proz., produktives Land: 625 qkm Waldungen, 11,4 Rebland
und 1773,2 Acker-, Garten-, Wiesen- und Weideland. Von dem unproduktiven Lande sind 971,7 qkm Gletscher,
17,4 Seen, 5,7 Städte und Dörfer, 32,2 Flüsse und Bäche, 10,7 Schienen- und Straßenwege und 1800 Felsen und Schutthalden.
Getreide-, Obst- und Weinbau, in den obern Stufen Alpenwirtschaft sind die Haupterwerbsquellen. Die Landwirtschaft ist
in bedeutendem
Aufschwung begriffen; in Unterwallis wird Mais, Gemüse und Krapp angebaut.
Wein und Obst, in den wärmsten Gegenden auch Südfrüchte liefert der Kanton über den Bedarf; die geschätztesten Weine wachsen
in der Umgegend von Siders, Sitten und Martigny. Es wird viel Wein exportiert, Trauben besonders aus Sitten und Siders. Große Sorgfalt
wird auf die Bewässerung der Alpen durch lange, oft kühn angelegte Wasserleitungen verwendet. Die Viehzucht
[* 43] ist sehr lohnend. Nach der Zählung von 1896 besitzt der Kanton 2019 Pferde,
[* 44] 2526 Maultiere und 611 Esel, 65656 Rinder,
[* 45] 25180 Schweine,
[* 46] 50961 Schafe, 36883 Ziegen
und 7155 Bienenstöcke. Die Waldungen stehen unter der Aufsicht des Bundes. Der Bergbau beschränkt sich
jetzt fast ausschließlich auf die Ausbeutung der zahlreichen Anthracitgruben, Marmor-, Kalkstein-, Schiefer- und Topfsteinbrüche.
Goldminen kommen in Gondo vor. Von Mineralquellen sind zu erwähnen die Gipsthermen von Lenk, die erdige Jodquelle von Saxon
und das Stahlwasser von Morgin.
Industrie, Handel und Verkehr. Die Industrie ist im Zunehmen begriffen und wird durch bedeutende Wasserkräfte
unterstützt; zu erwähnen sind die Glashütte und Seifenfabrik zu Monthey, die Konservenfabrik zu Saxon, Dynamitfabrik Gamsen-Brig,
die Tabakfabriken Sitten und Monthey, Marmorbrüche in Saillon, ferner Stein- und Schieferbrüche. Der wichtigste Handelsartikel
ist der Wein, der vorzügliche Sorten aufweist. Von Bedeutung ist ferner der Warentransit über den Simplon
sowie der sehr lebhafte Fremdenverkehr der südl. WalliserThäler, der Simplon-, der Furka- und der Grimselstraße.
Jede Gemeinde besitzt ein Friedensrichteramt, jeder Bezirk ein Bezirksgericht. Als letzte Instanz besteht ein kantonaler Appellationshof
von sieben Mitgliedern. In kirchlicher Hinsicht bildet der Kanton, der 8 Klöster zählt, das BistumSitten, mit Ausnahme
der selbständigen Abtei St. Maurice, zu der auch das Hospiz des Großen St. Bernhard gehört. Für Unterricht sorgen (1895) 543 Primärschulen
mit 18712 Schülern und Schülerinnen, 5 Kleinkinderschulen, 3 Sekundärschulen mit 112 Schülern und Schülerinnen, 1 Mittelschule
(Lyceum in Sitten) mit und 2 ohne Anschluß an das akademische Studium und 4 Lehrerbildungsanstalten, ein
Priesterseminar zu Sitten, die Kollegien von St. Maurice, Brig und Sitten, letzteres mit einer Realschule verbunden und eine
Taubstummenanstalt in Geronde. In militär. Beziehung gehört das Unterwallis zum Stammbezirk der 1., das
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Oberwallis zu dem der 8. Division. Das Wappen ist ein rot und weiß senkrecht geteilter Schild
[* 48] mit je einem Stern für jeden
der dreizehn Zehnten.
Geschichte. Das Wallis, im Altertum von den kelt. Stämmen der Seduner, Nantuaten, Veragrer bewohnt, wurde unter Cäsar dem RömischenReiche einverleibt. Im 5. Jahrh. kam es an Burgund, 534 an das Fränkische Reich und 888 an Hochburgund.
Zeit dem 13. Jahrh. teilten sich Savoyen und das BistumSitten in die Herrschaft des roman. Unterwallis, während das deutsche
Oberwallis, das in 7 Zehnten (Gemeinden) zerfiel, seit 1416 mit den Waldstätten verbündet, die Freiheit behauptete und 1475 in
den Burgunderkriegen auch das Unterwallis unter seine Botmäßigkeit brachte.
Während anfangs die Reformation viele Anhänger im W. fand, wußten 1626 die Jesuiten die Verbannung sämtlicher Reformierten
zu bewirken. Die HelvetischeVerfassung räumte 1798 beiden Landesteilen gleiche Rechte ein; doch wurde Wallis schon 1802 durch
Napoleon von der Schweiz getrennt und 1810 mit dem franz. Reiche vereinigt. Nach dem Einmarsch der Verbündeten
erhob sich das Wallis gegen die franz. Herrschaft, wurde durch den Pariser Frieden als Kanton der Eidgenossenschaft zugeteilt
und gab sich eine Verfassung, welche jedem Zehnten ohne Rücksicht auf seine Volkszahl gleichviel Sitze im Landrate
zuwies und so auf seiten des Oberwallis ein Übergewicht der Repräsentation ließ.
Gegen dieses Vorrecht erhob sich das stark bevölkerte Unterwallis und es entspann sich namentlich seit 1830 ein heftiger
Streit zwischen beiden Landesteilen, der 1839 durch eine neue Verfassung beendet wurde. Ein Versuch der Oberwalliser, ihre
frühern Vorrechte wieder zu erlangen, scheiterte im April 1840, und der ganze Kanton unterwarf sich nun
der neuen Verfassung. Allein abermals traten sich die Parteien der dem Unterwallis angehörigen sog.
JungenSchweiz (Liberalen) und der namentlich aus Geistlichen und Jesuiten bestehenden Alten Schweiz in Oberwallis schroff gegenüber,
bis es endlich zum blutigen Ausbruch und im Mai 1844 zur Niederlage der Jungschweizer am Trient kam.
Das Resultat dieses Siegs der Ultramontanen war die Verfassung vom welche die Repräsentation des Klerus im Landrate
vermehrte, dessen Immunitäten förmlich anerkannte, allen Unterricht der Kirche überließ und den prot. Gottesdienst unterdrückte. 1845 schloß
sich Wallis dem Sonderbunde an. Nach dessen Auflösung erhielt der Kanton eine neue Verfassung in
freisinnigem Geiste, doch erlangte in den Räten die klerikale Partei bald wieder die Mehrheit. Die Volksabstimmungen über
Revision der Bundesverfassung von 1872 und 1874 ergaben bedeutende Majoritäten für deren Verwerfung. Wallis ist neben Freiburg
[* 49] der einzige Kanton, der kein Referendum in Gesetzessachen kennt. Die Verfassungsrevision vom hat, obwohl sie die
Volksrechte durch Einführung des Finanzreferendums etwas erweiterte, an der konservativen Haltung des Kantons nichts
geändert. -