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Sind Insekten die Zukunft der Legehennen Fütterung?
Rettung der Legehennen in Sicht?
Sind Insekten die Zukunft der Legehennen Fütterung?
Verfütterung von Insektenlarven an Bio Legehennen Quelle: FiBL, Thomas Alföldi
Die Fütterung der Legehennen erfordert unter Berücksichtigung ihres Lebensraums, ihres Instinkts bei der Nahrungssuche und der Verteilung der Futterstellen vom Halter Spezialwissen und eine gute Beobachtungsgabe.
Andrea Koller-Bähler, Geflügelfuttermittelspezialistin von Anitech SA, beantwortet fünf Fragen zu den Bedürfnissen und zum natürlichen Verhalten von Legehennen.
1) Ist die Henne ein Allesfresser oder ein Körnerfresser?
Auch wenn die Henne gerne Körner pickt, ist sie von Natur aus Allesfresserin. Um ihren Bedarf zu decken, benötigt sie eine breite Palette von Nahrungsquellen, nicht nur Pflanzen, sondern auch Insekten. In der Tierhaltung ist der Zugang zu Insekten und anderen Kleintieren eingeschränkt und Tiermehl ist seit Jahren verboten. Ein pflanzliches Futtermittel, das den Proteinbedarf eines Allesfressers deckt, erfordert daher ausgezeichnete Tierkenntnisse des Halters. In der Bioproduktion benötigt die Henne Körner um ihr Pickbedürfnis zu befriedigen und ein Grundfutter, das zu den Körner komplementär ist. Es enthält etwa 60 Prozent gemahlenes Getreide aus Mais, Weizen, anderen Getreidesorten und Kleie. Um einen hohen Proteingehalt zu gewährleisten, der für die Produktion des Eies notwendig ist, bestehen 30 Prozent des Futters aus Soja (100 Prozent europäisch), Sonnenblumen, Kräutermehl und anderen Hülsenfrüchten. Die restlichen 10 Prozent bestehen aus Mineralstoffen (hauptsächlich Kalzium) und Vitaminen.
2) Was braucht eine Henne, um ein Ei zu produzieren?
Um etwas weniger als ein 60-Gramm-Ei pro Tag zu legen, verbraucht die Biohenne durchschnittlich 125 Gramm Futter. Diese Menge kann je nach Temperatur und Alter variieren. Die Henne reguliert die von ihr selbst aufgenommenen Mengen entsprechend dem Energiegehalt des Futters. In Geflügelställen mit Futterketten wird empfohlen, zwischen 4 und 7 Durchgänge für Grundfutter zu machen. Die Körner werden in der zweiten Tageshälfte verteilt. Das fällt oft mit der Rückkehr der Hühner von der Weide zusammen. Das Grundfutter enthält das für die Bildung der Schale notwendige Kalzium. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit der Henne, Kalzium aufzunehmen und zu mobilisieren, ab. Der Halter muss die Ration anpassen und auf eine Formulierung mit mehr Kalzium umstellen. Er kann es auch über einen an der Futterkette befestigten Verteiler hinzufügen oder noch besser, das Kalzium ad libitum in Form von zerkleinerten Austernschalen anbieten.
3) Könnte die Henne in der Natur alles finden, was sie braucht?
Ja. Um die natürlichen Bedingungen bestmöglich nachzustellen, ist es ratsam, nicht nur das Futter, sondern auch die Verteilungsorte zu variieren. Wenn das Grundfutter über die Futterkette verteilt wird, ist es möglich, die Körner im Auslauf oder mit Automaten im Wintergarten anzubieten, mehr Sandkästen im Wintergarten und auf der Weide aufzustellen, Netze mit Heu, Emd, Luzerne und Silage anzubieten, Weiden mit mehrjährigen und einjährigen Pflanzen anzulegen und zu strukturieren und so den Zugang zu natürlichem Lebensraum zu fördern. Quarz oder gröberer Sand, gemischt mit feinem Sand, ersetzen Kieselsteine. Nach der Aufnahme durch die Henne werden sie im Magen zum Zerkleinern von Körnern und Ballaststoffen verwendet.
4) Was soll eine Legehenne in der Zeit tun, wenn sie nicht frisst?
Die Henne muss beschäftigt sein. Jede einzelne Henne pickt täglich 10.000 Mal. Wenn der Tierbesatz zu hoch ist, landen einige dieser Schnabelhiebe auf dem Rücken, Hals, den Beinen und auf anderen empfindlichen Körperteilen benachbarter Hühner. Die Infrastruktur besteht aus mehreren Bereichen. Ein "künstlicher" Bereich, der sich aus dem Gebäude und dem Wintergarten zusammensetzt, und eine «natürliche» Zone mit Aussenklimabereich und Weide. Diese beiden grossen Flächen müssen strukturiert sein und ausreichend Schutz, Scharrbereich, Sitzgelegenheiten und Sandbäder bieten. Pickblöcke können gleichmässig auf alle Bereiche verteilt werden
5) Was sind die Anzeichen für ein Ernährungsungleichgewicht?
Ungewöhnliche Herdennervosität, sehr blasse Kämme und Beine, nasser Kot, Gewichtsverlust oder allgemeine Gewichtszunahme, Verschlechterung der Schalenqualität und verminderte Eiproduktion können Anzeichen für ein Ernährungsungleichgewicht, eine zu geringe Futteraufnahme oder eine schlechte Nährstoffaufnahme sein. Die Quantität und Qualität der Futteraufnahme werden auch durch das Stallklima, den Zugang zu sauberem Wasser, die Korngröße des Grundfutters, ein Virusausbruch, Parasiten (Darmwürmer und Läuse), die Anzahl der Fütterungen und das Lichtprogramm beeinflusst.
Nathaniel Schmid, FiBL
Verfütterung von Insekten an Biolegehennen
Aufgrund der Eiweisslücke im Biolandbau werden mögliche Lösungen gesucht. Eine mögliche Antwort könnten Insekten liefern. Insekten können nämlich eine Vielzahl an organischen Abfällen und Nebenprodukten der Agrar- und Lebensmittelindustrie zersetzen und in wertvolles Insektenprotein umwandeln. Diese anfallenden Nebenprodukte können über die Insekten dann direkt in den Futtermittelkreislauf zurück gespeist werden. Das Aminosäurenprofil von Insekten entspricht nämlich oft auch den Ernährungsbedürfnissen von Fischen wie auch Schweinen und Geflügel. Besonders sind die limitierenden Aminosäuren wie Lysin, Threonin, Metheonin und Tryptophan häufig in Insekten auffindbar. Insekten können bei einer Fütterung auf zwei Arten eingesetzt werden. Entweder werden die Larven gefroren, getrocknet, zermahlen, und zur Fütterung als Futterkomponente eingesetzt, oder sie werden zur Bereicherung der Umwelt und der Speisekarte lebend verfüttert. Gesetzlich aber gehört verarbeitetes Insektenprotein zu den tierischen Proteinen und ist deswegen für die Verwendung als Futtermittel derzeit nicht erlaubt. Hingegen regelt die Futtermittel-Verordnung die Verwendung lebender Insekten nicht, da es sich nicht um ein verarbeitetes Futtermittel handelt. Aufgrund dessen lässt sich annehmen, dass die Fütterung von lebenden Insekten oder Insektenlarven möglich ist.
Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL hat dieses Jahr zwei Fütterungsversuche mit Legehennen zu diesem Thema abgeschlossen. Einer mit verarbeiteten und der andere mit lebenden Insektenlarven. Im ersten Versuch wurde, dank der Verfütterung des Insektenlarvenmehls, weniger Soja verbraucht. Das Larvenmehl der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) hat den halben oder den ganzen Soja Anteil einer praxisüblichen Ration ersetzt. Der Anteil belief sich auf 12% und 24% Hermetia-Mehl. Bezüglich Legeleistung, Futterverbrauch und Tiergesundheit wurden keine Unterschiede festgestellt.
In der 24 % Gruppe trat teilweise Diarrhoe auf und die Gewichtszunahme war ehr geringer. Deswegen sieht das FiBL den Insektenmehlanteil von 24% als die Obergrenze fürs Legehennen Futter.
Mehlwürmer (Tenebrio), Quelle: Compracompras.com
Im zweiten Versuch, wo es um die Anreicherung der Umwelt mit lebenden Insekten ging, wurden Mehlwürmer (Tenebrio) lebend an Legehennen verfüttert. Pro Huhn wurden 10 g Mehlwürmer verfüttert. Die Kontrollen der Tiere beliefen sich auf das Gewicht, die Futteraufnahme, die Legeleistung und die Qualität der Eier. Zusätzlich wurde das Verhalten der Tiere beobachtet. Der einzige signifikante Unterschied zwischen den beiden Gruppen war im Futterverbrauch aufzufinden, dieser unterschied sich stark zu Gunsten der Mehlwurmgruppen. Eiqualität, Riboflavin-Gehalt in den Eiern wie auch Gefieder-Score und Legeleistung hatten keinen signifikanten Unterschied zwischen Kontroll- und Versuchsgruppen. Verhaltensunterschiede wurden auch nicht festgestellt. Dies könnte daran liegen, dass die Mehlwürmer direkt auf die Einstreu geworfen wurden. Folglich hatten die Legehennen nur kurze Zeit um diese zu fressen und dementsprechend waren sie nur für kurze Zeit beschäftigt. Dein Einfluss auf das Federpicken konnte leider auch nicht festgestellt werden, da keine Verhaltensstörungen auftraten. Die Versuchserkentnisse lassen darauf schliessen, dass bei höheren Mengen von Mehlwurmlarven wie auch von komplexeren Fütterungsmethoden Verhaltensänderungen zu erwarten sind
Stimme aus der Praxis:
Barbara Rüeger, eine Bio- Landwirtin aus Will (ZH) bewirtschaftet ihren Hof mit 30 ha Wies- und Ackerland mit einer kleinen Herde von Mutterkühen. Ihr Hauptzweig ist jedoch die Bio-legehennen Haltung. Ihr Hauptproblem liegt beim Federpicken, welches stark das Image schädigt und nicht Tier wohl fördernd ist. Falls irgendwas dagegen helfen würde dann wäre sie bereit neue Ansätze auszuprobieren. Ihrer Meinung nach kann der Einsatz von Insekten als Nahrungsergänzung sowie zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeit dieses Problem mindern. Falls dem so ist wäre dies ein spannender und versuchswerter Ansatz. Sie sieht vor allem Potential aufgrund der artgerechteren Tierfütterung, sofern dies vertretbar sei von Seiten Tier wohl und Bio-Suisse. Auch aufgrund des zukünftig steigenden Drucks weniger Futtermittel zu importieren sei dieser Ansatz spannend. Lebende Insektenlarven können so dazu beitragen, dass Hühner ihren Picktrieb voll ausleben und darum weniger ihre Artgenossen plagen.
Autor: Thomas Rilko
Quellen: FiBL, www.bioaktuell.ch, Barbara Rüeger