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Geschichte über Hammond und Leslie
Vorab darf sicher festgestellt werden, dass es sich bei den legendären Hammond- Orgeln um keinesfalls perfekte Instrumente handelt. Nach heutigen Kriterien sind sie auf einem technisch primitiven Stand (man entschuldige mir diesen Kraftausdruck) und können mit aktuellen elektronischen Tasteninstrumenten nicht konkurrieren.
Aber vielleicht ist es gerade das, was den besonderen Reiz der Orgeln ausmacht. Wie wäre es sonst möglich, dass jedes Instrument seinen eigenen Sound hat, ob sich das nun in Röhren, Schmatzen, Röcheln, Keuchen, Spucken, Husten, Schmusen, Stöhnen, usw. ausdrückt. So hat jedes Instrument seine Stärken, aber auch seine Schwächen, mit denen die/der Spieler/in einfach leben muss. Auf alle Fälle sind die Hammonds keine Instrumente für bequeme Zeitgenossen. Dafür ist der finanzielle und persönliche Einsatz einfach zu hoch. Wer sich aber einmal von diesem Virus hat infizieren lassen, kommt so schnell nicht wieder los.
An dieser Stelle möchte ich es nicht unterlassen, den Mann zu ehren, der mit seiner Erfindung die Musikwelt verändert hat und den Grundstein zu allen heutigen Tasteninstrumenten wie elektronischen Orgeln, Digital-Pianos und Synthesizern gelegt hat: Mr. Laurens Hammond (geboren am 11. Januar 1895 in Evanston/Illinois; gestorben am 01. Juli 1973 in Cornwall / Connecticut). Nicht umsonst spricht der Volksmund immer noch von "Hammondorgel" und meint damit irgend eine beliebige 'elektronische Orgel'. Mr. Hammond war schon vor seiner bahnbrechenden Erfindung ein äusserst begabter und recht erfolgreicher Erfinder. So geht zum Beispiel u.a. die 3-D-Brille für die Ziegfield Follies, die "Hammond"-Uhr sowie ein elektrischer Bridge-Tisch auf sein Konto.
Mit der Anmeldung des Patentes im Jahre 1934 und dem Beginn der Serienproduktion des Modells A (1935) begann ein beispielloser Siegeszug der Hammondorgeln. Was von Mr. Hammond ursprünglich als Heiminstrument für den in den Wintermonaten in der Kirche frierenden Organisten gedacht war, hat bis heute einen ungebrochen hohen Stellenwert in der aktuellen Musikwelt.
Das berühmte Zugriegelsystem (9 Chöre, etwas vereinfacht ausgedrückt wie 9 Register einer Kirchenorgel) hat sich bis heute bewährt und wird in vielen Tasteninstrumenten in verschiedener Form weiter verwendet. Die Basiserfindung (Tongenerator / elektromagnetische Tonerzeugung / Zugriegelsystem / Röhrentechnik) überlebte in der Firma Hammond ganze vier Jahrzehnte. Die letzten elektromagnetischen Hammondorgeln mit Röhrentechnik wurden bis Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts gebaut. Das berühmteste und am meisten verkaufte Orgelmodell B-3 wurde beispielsweise von 1955 - 1974 praktisch unverändert produziert.
Einen nicht unbedeutenden Anteil am Erfolg der Hammondorgeln hatten die Leslie-Tonkabinette. Die hölzernen Kisten mit Bass- und Hornrotor gründen auf einer Erfindung von Mr. Donald Leslie (nicht sehr erfolgreiche Versuche in dieser Richtung wurden aber in früherer Zeit auch von Hammond unternommen). Es ist wohl sehr fraglich, ob der Hammondorgel dieser Erfolg zuteil geworden wäre ohne die Leslie-Tonkabinette. Mr. Leslie wurde am 13.04.1911 geboren und verstarb in hohen Alter am 02.09.2004.
Nachdem die Firma Hammond in den Achtziger Jahren an einen australischen Multimillionär verkauft wurde (aus dieser Zeit stammen keine für die Hammondchronik bedeutenden Instrumente), erwarb der japanische Instrumentenhersteller Suzuki (vor allem bekannt durch die qualitativ hochwertigen Mundharmonikas) die Rechte an Hammond und Leslie. Seither werden wieder hervorragende Instrumente produziert (mit digitaler Tonerzeugung). Auch ist eine Neuauflage von diversen Röhren-Leslies wieder erhältlich.