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26.07.2017 - Die Überwachung von Rutschungen hilft, die Bevölkerung frühzeitig zu warnen und sich vor dieser Gefahr zu schützen. Dabei wendet das BAFU moderne Methoden an: Mit Satellitenradardaten konnten die Bewegungen im Aletschgebiet / Moosfluh im Kanton Wallis frühzeitig erfasst werden. Unter anderem sperrten die Behörden gefährdete Wanderwege und errichteten neue.
Bei der Zunge des Grossen Aletschgletschers befindet sich die Rutschung Moosfluh. Die Bergflanke wurde instabil, weil das Gletschereis schmilzt. Angesichts der Klimaerwärmung ist der Rückgang des Gletschers nicht mehr aufzuhalten. Die Rutschung erstreckt sich über eine Fläche von zwei Quadratkilometern, was rund 250 Fussballfeldern entspricht. Das instabile kristalline Gestein besteht aus Gneisen und Graniten, die zum Aarmassiv gehören. Alle schnell und langsam rutschenden Gesteinsmassen zusammen umfassen ein Volumen von mindestens 150 Millionen m3. Das entspricht rund 190‘000 Einfamilienhäusern.
Gletscherrückgang
Im Jahr 1880 begann man mit den Messungen am Grossen Aletschgletscher. Damals war der Grosse Aletschgletscher rund drei Kilometer länger als heute. Durch die Schmelze wird er nicht nur kürzer, sondern er verliert auch an Höhe und Masse. So hat der Grosse Aletschgletscher seit 1880 bei der Zunge zirka 400 m an Eismächtigkeit verloren. Dieses Gletschereis wirkte stabilisierend und übte einen Druck von 35 Bar auf den Hangfuss aus. Durch den Gletscherrückgang fehlt nun dieser Druck. Das hat bei der Moosfluh eine schnelle Rutschbewegung ausgelöst.
Glaziologen messen den Rückgang des Aletschgletschers und dokumentieren ihn. Das jährliche Ausmass der Längenänderungen variiert, meistens verkürzt sich der Gletscher um 20 bis 50 Meter pro Jahr. (Quellen: Gletschermonitoring Schweiz GLAMOS, VAW ETHZ, Luftbildarchiv swisstopo).
Frühwarnsystem und Satellitenaufnahmen
Frühwarnsysteme und Überwachungsdaten dienen der rechtzeitigen Erkennung von gefährlichen Rutsch- und Felssturzbewegungen. Das Ziel ist es, Personen zu warnen, die Sicherheit zu gewährleisten und Schäden zu vermindern. Das BAFU und der Kanton Wallis überwachen das Aletschgebiet sowie andere Bergflanken im Oberwallis im Rahmen eines Pilotprojekts mit modernen, satellitengestützten Methoden.
Satellitenradar
Das BAFU hat im Jahr 2011 ein nationales Monitoringprogramm mit Satellitenradardaten gestartet. Diverse Radarsatelliten umkreisen die Erde in regelmässigen Abständen. Vom gleichen Gebiet werden in Abständen von beispielsweise 6 Tagen Aufnahmen gemacht. Diese Radaraufnahmen werden ausgewertet, um Verschiebungen zu erkennen. Die Rutschung Moosfluh konnte mit dieser Methode frühzeitig erfasst werden. In der Folge hat man bei der Moosfluh weitere Messgeräte vor Ort installiert. Diese zeigen, dass sich die Rutschung in den vergangenen Jahren beschleunigt hat.
Gefahren die von der Rutschung Moosfluh ausgehen
Der Hang der Moosfluh rutscht im Zentrum mehrere Meter pro Jahr. Oberhalb der Gletscherzunge wurden im Herbst 2016 Verschiebungen von 10 bis 30 Metern gemessen. Dort entstanden riesige Spalten im kristallinen Fels. Aktuell stürzen Steine und Felsblöcke von der Front auf den Aletschgletscher. Fachleute rechnen mit weiteren kleinen oder auch grösseren Abbrüchen. Auch im oberen Rutschgebiet kommt es zu spontanen kleinen Rutschungen und Abbrüchen.
Was tun, um die Sicherheit zu gewährleisten?
Die Gefahr für Personen im Rutschgebiet ist gross. Das Rutschgebiet musste 2016 gesperrt werden. Diese Massnahme gilt auch für die kommende Zeit, weil sich der Hang noch über Jahre weiterbewegen wird.
Vor Ort ist die Gemeinde Riederalp für die Sicherheit zuständig. Sie wird von kantonalen Fachstellen unterstützt. Die Behörden haben die Wanderwege präventiv und rechtzeitig gesperrt, weil die Gefahr von Rutschungen, Steinschlägen und Felsstürzen seit September 2016 zu gross ist. Insgesamt wurden 6 km Wanderwege gesperrt. Der Zugang zum Aletschwald von der Riederfurka ist aber weiterhin möglich. Wegen der Sperrung im Rutschgebiet hat die Gemeinde auf der Ostseite der Rutschung einen neuen Wanderweg zum Aletschgletscher gebaut. Zudem wird die Bergbahn Moosfluh intensiv überwacht.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 26.07.2017