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Weitere Luftaufnahmen von Aarau
Im Nordosten der Altstadt von Aarau, ausserhalb der ehemaligen Stadtmauer, steht ein mächtiger Megalithturm mit späteren Anbauten. Das Bauwerk weist einen nahezu quadratischen Grundriss von 11.3 Metern Seitenlänge auf und ragt bis zu 25 Meter in die Höhe. Die Mauerdicke beträgt im Erdgeschoss durchschnittlich 3.5 Meter und nimmt gegen oben allmählich ab. Das Mauerwerk besteht aus gewaltigen Findlingen in gleichmässigen Lagen. Grosse Blöcke von 1.3 bis 1.6 Meter Länge und 50 bis 65 Zentimeter Höhe wurden verwendet. Vom zweiten Geschoss an weisen die Quader an den Ecken einen rohen Kantenschlag auf. In den oberen Geschossen sind die Steine kleiner, und deutlich hebt sich das jüngste Mauerwerk des obersten Stocks vom unteren ab. Schartenöffnungen sind auf allen drei unverbauten Seiten des Turms erhalten. Auf der Südseite befinden sich ein Fenster aus dem 16. Jahrhundert, sowie zwei spätgotische Doppelfenster aus dem 17. Jahrhundert. Aus der gleichen Zeit stammen die drei grossen Fensteröffnungen im heutigen zweitobersten Geschoss. Das Mauerwerk unterscheidet sich hier deutlich vom alten Baubestand. Es besteht aus Tuffsteinen und weist eine Reihe von stichbogigen Fenstern auf. 1790 wurde der Turm um ein weiteres Stockwerk erhöht. Ein Zeltdach schliesst den Bau ab. Der Anbau an der Nordseite des Turms gehört mit seinen drei untersten geschossen noch ins Spätmittelalter. Das Mauerwerk ist hier aus zugehauenen Blöcken geschichtet und ziemlich dick. Die jüngeren, dünneren Mauern der beiden später aufgestockten Geschosse sind verputzt und heben sich deutlich vom ursprünglichen Baubestand ab. Der Giebel ist in Fachwerk ausgeführt, ebenso der Westanbau
Die genaue Gründungszeit des Schlössli kann nicht angegeben werden. Wegen seines altertümlichen Aussehens ist das Bauwerk oft ins 11. oder gar 10. Jahrhundert datiert worden. Der in Megalithtechnik aufgeführte Turm ist indessen etwas jünger und dürfte nicht vor 1200 entstanden sein. Im Hochmittelalter waren die Grafen von Lenzburg Inhaber der Hoheitsrechte im Gebiet des Aargaus. Nach deren aussterben im Jahr 1173 wurden die Grafen von Kyburg ihre Rechtsnachfolger. Diese waren bestrebt, ihre in diesem Gebiet angefochtene Machtposition durch die Gründung von Burgen und Städten zu festigen. In der gegen von Aarau kreuzten sich verschiedene Handelsstrassen, weshalb das Gebiet für die Kyburger von besonderer Bedeutung war. So liessen sie um 1240 das Schlössli errichten, welches von kyburgischen Dienstleuten bewohnt wurde. Gleichzeitig gründeten die Kyburger die Stadt Aarau. Der feste Turm vor den Stadtmauern wurde von kyburgischen Ministerialen benutzt. Die Übernahme der kyburgischen Güter durch das Haus Habsburg im Jahr 1273 brachte dem Städtchen nicht nur verschiedene Privilegien, sondern auch einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. 1283 stattete Graf Rudolf von Habsburg das Städtchen mit einem Stadtrecht aus. Die Stadtmauer musste bereits im 14. Jahrhundert erweitert werden, weil sich das Städtchen rasch vergrössert hatte.
Das Schlössli, das nie in die Stadtbefestigung einbezogen war, diente auch den habsburgischen Dienstleuten als Wohnsitz. Das urkundlich erst 1334 genannte Gebäude erscheint 1361 als österreichisches Lehen im Besitz der Aarauer Schultheissen Hans Stieber. Wiederholt treten die Herren von Heidegg als Eigentümer der Anlage auf. Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen kam das Gebäude 1415 unter die Lehnshoheit des Standes Bern und sollte noch manchen Besitzer erleben. Im 16. Jahrhundert waren es wohlhabende Bürger von Aarau, die den Turm als repräsentative Behausung erwarben. Über die Besitzer der Feste sind wir gut informiert, über die Baugeschichte der Burg hingegen weitaus weniger. Aus den erhaltenen Stadtprospekten lässt sich ein Bild der ursprünglichen Anlage gewinnen. Es handelte sich um einen hohen Wohnturm mit Schlitzfenstern und Hocheingang. Zuoberst führte ein hölzerner Umgang um den Turm herum. Um das Gebäude zog sich ringsum eine Mauer, auf der Bergseite ist ein graben anzunehmen. Im 13. oder 14. Jahrhundert wurde ein Wohngebäude an den Turm angebaut. An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert ist der Oberbau dieses angebauten Flügels neu aufgeführt worden. Eine brückenartige Laube verband den Wohntrakt mit dem Turm. An die Ringmauer lehnte sich innen ein Ökonomiegebäude. 1624 liess der berner Festungsbaumeister Valentin Friedrich Wohnungen in den Turm einbauen. 1790 erhöhte Johann Rudolf Meyer den Turm um ein Stockwerk und richtete ein Pensionat für Schüler der neuen Kantonsschule ein. Das hohe Walmdach wurde umgestaltet und an den Südecken brachte man zwei kleine Türme an. An die Stelle der früheren Laube kam ein westseitiger Anbau. Den Eingang verlegte man auf die Ostseite. 1930 schenkten die letzten privaten Eigentümer den Turm der Einwohnergemeinde Aarau. Diese liess das Gebäude restaurieren, wobei die beiden Türmchen wieder entfernt wurden. 1938 begann man mit der Einrichtung einer heimatgeschichtlichen Sammlung über Aarau im alten Bauwerk. Das Aarauer Stadtmuseum hat im ehemals kyburgischen Sitz einen würdigen Aufenthaltsort gefunden.
In der Stadt selbst befindet sich ein weiterer Wohnturm, der als Turm „Rore“ im heutigen Rathaus noch erhalten ist. Urkundlich wird er erstmals 1337 als „die Burg in der Stadt“ erwähnt. Seine Gründungszeit ist unsicher. Er mag auf die Zeitspanne der Stadtgründung zurückgehen und der Stadtanlage als Ausgangspunkt gedient haben. Der Name geht auf seine Bewohner zurück, die Herren von Rore, welche das Gebäude als österreichisches Lehen besassen. Der Turm weist einen quadratischen Grundriss von zehn Metern Seitenlänge auf. Das Mauerwerk ist in den unteren Geschossen bis zu drei Meter dick und setzt sich aus Bruchsteinen verschiedener Grösse zusammen. Der Bau weist sechs Geschosse auf, die je einen Raum enthalten. Die ursprünglichen Fensterscharten wurden zu Fenstern erweitert. Ein Satteldach zwischen zwei spätgotischen Treppengiebeln schliesst den Bau ab
Herliberger (18. Jahrhundert)
Bibliographie