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Tatsächlich ist auch heute (noch) diese Diagnose unter den psychischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (das heisst Störung der Geschlechtsidentität) aufgeführt. Dies, obwohl die Forschung der letzten Jahre eindeutig darauf hinweist, dass sich die sexuelle Identität bereits vor der Geburt, also noch im Mutterleib ausbildet, möglicherweise gesteuert durch äussere hormonelle Einflüsse, welche direkt auf das Gehirn des Embryos einwirken………… Es wäre für die Betroffenen von Vorteil, wenn man von einer hormonellen Störung mit somatischer Auswirkung sprechen würde………. Das Problem eines transsexuellen Mannes liegt demnach bei der Ausbildung falscher somatischer Geschlechtsmerkmale und nicht bei der psychischen Identifizierung als Mann.
(Bettina Flütsch, Zug, Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe FMH)
Entgegen aller Vorurteile und einem Jahrhundert Psychopathologisierung weiss man seit über einem Jahrzehnt, dass Transsexualität keine psychische Störung ist sondern eher als “biologische Entwicklungsstörung” betrachtet werden muss. In den heute gültigen Diagnoserichtlinien wird Transsexualität nachwievor in ICD unter F64 als “Transsexualismus” und im DSM unter 302.85 als “Geschlechtsidentitätsstörung” beschrieben, aber schon im DSM-V der 2011 in Kraft tritt, wird von “Geschlechtsinkongruenz” gesprochen, also eine Diskrepanz zwischen Hirngeschlecht und genitalem Geschlecht.
Gerade für Dich als Betroffene ist es essentiell, dass Du Dir im Klaren bist, dass Du nicht psychisch gestört bist sondern einfach eine Laune der Natur, Dr. Udo Rauchfleisch spricht beispielsweise von “Normvarianten”. Dein Körper hat sich sozusagen in zwei Richtungen entwickelt und Du musst versuchen, mit dieser Spannung zu leben oder sie so weit wie möglich aufzulösen. Gerade die Erkenntnis, dass transsexuelle Frauen eine anatomisch weibliche Hirnstruktur haben, widerspricht der gängigen Stigmatisierung. Die Tatsache, dass ein aufgeschnittenes Gehirn einer transsexuellen Frau von jedem Neurologen klar als weiblich klassifiziert würde, half auch mir, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen.
It has always been assumed that the sexual differentiation was completed with the formation of the external genitalia. But it is NOT. Since the beginning of this century we have known that the brain, too, undergoes a sexual differentiation… It is likely from the available evidence that in transsexuals the pattern of sexual differentiation of the brain has not followed the pattern typical of that sex: in other words, the nature of the chromosomes, the gonadal and genital development are in contradiction with the brain sex.
(Professor Louis Gooren, endocrinologist, Chair of the Faculty of Transsexualism of the Free University of Amsterdam)
Dutzende von Studien aus der Neurologie, Endokrinologie, Genetik und Verhaltensforschung, die sich gegenseitig bestätigen und bestärken, zeigen klar, dass Transsexualität eine vermutlich endokrinologische Entwicklungsstörung ist, derzufolge sich die embryonale Entwicklung in zwei Richtungen bewegt, ein weibliches Gehirn und ein männlicher Restkörper. In Anbetracht der Faktendichte dürfte heutzutage nicht mehr darüber diskutiert werden, ob Transsexualität biologische Ursachen hat. Die Frage ist höchstens noch, welcher Aspekt sich gegengeschlechtlich entwickelt hat. Der Logik folgend, dass unser Ich oder unser Selbst im Hirn verankert ist, darf nur dieses Organ massgebend sein bei der Frage nach dem richtigen Geschlecht.
Auch wenn wir heutzutage nachwievor eine Gestörterklärung nach ICD und DSM benötigen um gegenüber den Krankenkassen Forderungen stellen zu können, so müssen wir uns doch stets bewusst sein, dass diese Sichtweise veraltet und widerlegt ist. Du bist nicht gestört, Du bist nur anders, in einer Weise, die möglicherweise medizinischer Hilfe bedarf. Vergiss das nie!
Transsexuals, who I believe are intersexed, have the body and genitals of one sex and the brain of the other making reconciliation of their sexual and gender identities problematic. They solve their problems of reconciling, their disparate sexual identity and gender identity, by saying, in essence, “Don’t change my mind; change my body.”
(Professor Milton Diamond, Director of the John A Burns School of Medicine, University of Hawaii)
Mehr zum Thema “Biologische Ursachen von Transsexualität”:
Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)
Mut23: Das Gehirn bestimmt das Geschlecht
Wikipedia – Causes of transsexualism – Biological-based theories