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Bauservice
Von Ambros Gasser
Der Öffentlichkeit sind wir heute besonders als Spezialunternehmung bekannt. Unsere Anfänge liegen jedoch im Hoch- und Tiefbau rings um das Dorf Lungern – ein Schwerpunkt, der sich bis in die 1990er-Jahre hinein halten sollte. Die felsige Umgebung von Lungern prägte unsere Arbeit jedoch seit Beginn.
1922: Einzelfirma Karl Gasser(-Meier)
Im Jahr 1922 beginnt mit der Einzelfirma Karl Gasser die unternehmerische Aktivität eines Baugeschäfts. Lungern mit dem Dorf, dem See, den Wildbächen und der geografischen Nähe zum Berner Oberland bildeten den Marktbereich. Neben dem Hochbau für Wohnhäuser und Ställe wurden bald anspruchsvolle Tiefbauarbeiten ausgeführt. 1926 wurde im Schutze einer anspruchsvollen Graben-Spriessung der Lopp-Kanal erstellt. Als im Winter 1928 über zwei Meter Schnee am Brünig lagen, wurde geschaufelt, was das Zeug hält. 1934 kam es zu Rutschsanierungen wegen Unwettern an der Brünigstrasse. Immer wieder war der Stausee Arbeitsplatz der Firma. Bei den Ufersanierungen wurden die ersten Eigenentwicklungen für das Rammen von Holzpfählen im steilen Gelände eingesetzt. Projektname «Chatznä».
Die Natur mit Murgängen, Wildbächen und Lawinen sorgte immer wieder für spezielle technische und logistische Herausforderungen. Das führte 1946 zum Kauf eines Jeeps aus dem amerikanischen Kriegsinventar und 1955 zum ersten Trax. Der Werkhof war lange im Dörfli Obsee, später nach der Verlegung auf die Sandfurre direkt am See mit eigener kleiner Betonanlage. Der Bau der Staumauern an der Grimsel in den 1940er- und 1950er-Jahren brachte Aufträge für die Fundamente der Hochspannungsmasten und die ersten Sprengeinsätze. Den Transport von Betonkies und Zement übernahmen Pferde-Mulis.
1956: Einzelfirma Karl Gasser(-Gasser)
Mit dem Bau der Frutt-Werke in den 1950er-Jahren wurden in einer ARGE die ersten Tunnelarbeiten angepackt. Eine Betonbrücke über die Laui wurde A1H (Alles aus einer Hand) einer zufriedenen Bauherrschaft übergeben. Die Sechziger und Siebziger brachten herausfordernde Baustellen wie die Schönbüel-Bahn, Unterakkordtätigkeiten im Schacht- und Stollenbau oder Baustellen bei den Hasliberg Bahnen.
Befanden sich Baustellen weiter entfernt, lebten die Arbeiter sechs Tage in Barackenlagern vor Ort. Das führte unter anderem beim Bau der Luftseilbahn Lungern-Schönbüel dazu, dass meine Urgrossmutter und auch meine Grossmutter vor Ort die Küche führten. Im eigentlichen Hochbau brachten Häuser, Ställe sowie Betonarbeiten bei den Spezialarbeiten Auslastung. Im Tiefbau die Bachverbauungen, Waldstrassen und Lawinenverbauungen viele lehrreiche Herausforderungen. Vielfach lief die Logistik über Materialseilbahnen.
1978: Bauunternehmung Gasser AG
Die Entwicklung der Unternehmung führte dann 1978 zur Umwandlung in die Bauunternehmung Gasser AG. 1982 wurde die Abteilung Felsabbau gebildet, der strategische Schritt zur heutigen spezialisierten Unternehmung. In den 1980er- und 1990er-Jahren entstanden grosse Überbauungen im Mörli, in Giswil und Lungern – immer verbunden mit Tiefbauarbeiten. Die Tiefbau- und Betonarbeiten für die verschiedenen ARGE-Baustellen der Nationalstrasse A8 brachten lange eine solide Grundauslastung. Aber auch der Gebirgsbau entwickelte sich: So zum Beispiel mit dem Bau des PTT-Turms in einer ARGE oder mit dem Ice-Flyer auf dem Titlis. Die Erschliessung des alpinen Gebietes sowie Arbeiten in verschiedenen Militäranlagen eröffneten neue Märkte.
Die Grundlage dazu waren stets gut ausgebildete und motivierte Mitarbeitende. Mit der Maurerlehre ist eine perfekte Grundausbildung gegeben. Somit entwickelt sich der Bereich Bauservice (Hoch- und Tiefbau) immer mehr zum Ausbildungstopf für die Spezialarbeiten. In den letzten 20 Jahren hat aber auch der Bauservice eine Spezialisierung erreicht. Dadurch kann man dem umkämpften Baumarkt ausweichen und unsere Fachkompetenz wirtschaftlicher einbringen.
2000: Gasser Felstechnik AG
Das Jahr 2000 startete mit der Umfirmierung in die Gasser Felstechnik AG. Dabei behielt der nunmehr als Abteilung geführte Bauservice seinen wichtigen Platz. Die Schwerpunkte liegen im regionalen Hoch- und Tiefbau, zur klaren Positionierung laufen diese unter der eigenen Marke Gasser Bauservice. Zusätzlich wurden vom Bauservice jedoch Kompetenzen für den nationalen Markt im Bau von SAC-Hütten, Militärbauten sowie Tiefbaumassnahmen zum Schutz vor Naturrisiken aufgebaut. Der Bauservice und unsere Spezialarbeiten bilden damit zunehmend Symbiosen für überzeugende Gesamtlösungen am und im Fels. Tiefbau und Betonarbeiten kommen auch im Tunnelbau, in der Felssicherung und im Spezialtiefbau vor. Mit der Markterweiterung verbunden ist der technische Fortschritt beim Inventar und der Logistik. Der Helikoptereinsatz ist Alltag, speziell ausgerüstete Schreitbagger übernehmen die Handarbeit und die persönliche Schutzausrüstung bringt mehr Sicherheit.