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Präsident Gabriel Boric ordnete eine dreitägige Staatstrauer und ein Staatsbegräbnis an. Am Donnerstag können die Chilenen im ehemaligen Kongressgebäude in Santiago von dem früheren Staatschef Abschied nehmen. Nach einer Messe in der Kathedrale der chilenischen Hauptstadt soll er am Freitag beigesetzt werden.
Der Absturz eignete sich in der Gemeinde Lago Ranco in der südchilenischen Region Los Ríos, wo es laut der Zeitung «La Tercera» zum Zeitpunkt des Unglücks stark regnete. Der 74 Jahre alte ehemalige Staatschef habe den Hubschrauber selbst gesteuert. In der Nähe des Ufers des gleichnamigen Sees Lago Ranco habe er die Kontrolle über den Helikopter verloren, der daraufhin ins Wasser stürzte. Piñera sei ertrunken, sagte die Staatsanwältin von Los Ríos, Tatiana Esquivel, am Mittwoch. Die Todesursache sei bei einer Autopsie festgestellt worden.
Neben Piñera befanden sich laut Innenministerium noch drei weitere Personen an Bord, die den Absturz überlebten und das Ufer aus eigener Kraft erreichen konnten. Einsatzkräfte bargen demnach die Leiche des Ex-Präsidenten aus dem Wasser.
Zahlreiche frühere Weggefährten und Staatschefs aus Lateinamerika reagierten bestürzt. So sprach Argentiniens Präsident Javier Milei der Familie Piñeras, seinen Freunden und dem chilenischen Volk im Namen des argentinischen Staates sein Beileid aus. Auch Uruguays Präsident Luis Lacalle Pou und Kolumbiens Ex-Präsident Juan Manuel Santos bekundeten ihre Trauer. «Sebastián Piñera war ein guter persönlicher Freund und ein grosser Verbündeter Kolumbiens», schrieb Santos auf der Plattform X, ehemals Twitter. Der ehemalige mexikanische Präsident Felipe Calderón meinte: «Chile hat einen seiner besten Präsidenten verloren.»
«Wir hatten immer einen guten Dialog, als wir beide Präsidenten waren und auch, als wir es nicht waren», schrieb Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva auf X. Sein Vorgänger Jair Bolsonaro schrieb, Piñeras Tod sei «ein unersetzlicher Verlust für unsere chilenischen Brüder und Schwestern».
«Obwohl wir ideologisch nicht übereinstimmten, haben wir in vielen Fragen Seite an Seite gearbeitet», teilte der ehemalige bolivianische Präsident Evo Morales mit. Auch Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und die peruanische Präsidentin Dina Boluarte schlossen sich den Beileidsbekundungen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb, sein Land behalte Piñeras «entschiedene Haltung bei der Verurteilung der grossangelegten russischen Invasion der Ukraine und seine Unterstützung» in Erinnerung.
Der Konservative Piñera war von 2010 bis 2014 und von 2018 bis 2022 Präsident des südamerikanischen Landes gewesen. Auf ihn folgte im März 2022 der Linkspolitiker und derzeitige Präsident Gabriel Boric. Piñera sei ein Demokrat der ersten Stunde gewesen, sagte Boric in einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft. «Er versuchte aufrichtig, das seiner Meinung nach Beste für das Land zu tun».
In die Amtszeit des ehemaligen Staatschefs fielen dramatische Ereignisse wie das Erdbeben der Stärke 8,8 im Jahr 2010, bei dem mehr als 520 Menschen ihr Leben verloren. Im selben Jahr ereignete sich ein Grubenunglück, bei dem 33 Bergleute im Bergwerk San José in der Atacama-Wüste verschütten wurden. 69 Tage lang mussten die Kumpel in 700 Metern Tiefe ausharren, bis sie mithilfe einer Kapsel aus der Grube befreit werden konnten - die Szenen der Rettung gingen um die Welt.
«Er hat uns ins Leben zurückgeholt und uns wieder mit unseren Familien zusammengebracht», sagte einer der Bergleute am Dienstagabend der Zeitung «La Tercera». Nach der Nachricht über den Tod des Ex-Präsidenten habe er eine chilenische Flagge mit der Silhouette eines Bergarbeiters darauf in der Nähe von Piñeras Haus angebracht, hiess es. «Danke für alles, die 33» sei darauf zu lesen gewesen.
Piñera führte das Land auch durch die Corona-Pandemie, in der er internationale Anerkennung für seine ehrgeizige Impfstrategie bekam. In seine Amtszeit fielen aber auch die wochenlangen Proteste und gewalttätigen Ausschreitungen im Oktober und November 2019, bei denen täglich Tausende auf die Strasse gegangen waren. Sie forderten einen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung sowie eine Abkehr vom neoliberalen Wirtschaftssystem.
Mehr als 30 Menschen kamen bei Auseinandersetzungen mit Einsatzkräften ums Leben. Wegen ihres oft brutalen Vorgehens stand die Polizei im Fokus der Kritik. Die Demonstranten forderten auch eine grundlegende Reform der Verfassung von 1980, die noch aus der Zeit der Militärdiktatur von Augusto Pinochet stammt. Ende vergangenen Jahres scheiterte der bereits zweite Versuch, die Verfassung zu ersetzen.
Piñera hatte laut der Zeitschrift «Forbes» ein Nettovermögen von etwa 2,7 Milliarden Dollar, war ehemaliger Anteilseigner von Chiles nationaler Fluggesellschaft und zudem an einem Fernsehsender und anderen Unternehmen beteiligt.