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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Drittes Buch
16. Kapitel: Es gibt nur einen Jesus Christus
2.
Daß zunächst Johannes nur ein einziges Wort Gottes kannte, und daß dies der Eingeborene sei, Jesus Christus, unser Herr, der zu unserer Erlösung Fleisch geworden ist, das haben wir aus den Worten des Johannes selbst hinlänglich bewiesen. Doch auch Matthäus kennt nur einen einzigen Jesus Christus; denn indem er seine menschliche Geburt aus der Jungfrau darlegt, wie Gott dem David gemäß seiner viel früher dem Abraham gegebenen Verheißung versprochen hatte, daß er aus der Frucht seines Leibes einen ewigen König erwecken werde, da sagt er: „Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“1 . Alsdann fährt er fort, um uns vor Argwohn gegen Joseph zu schützen; „Mit der Geburt Christi aber verhielt es sich folgendermaßen: Da seine Mutter mit Joseph verlobt war, wurde sie, bevor sie zusammenkamen, vom Heiligen Geiste schwanger erfunden“2 . Als sodann Joseph daran dachte, Maria zu entlassen, da sie schwanger war, stand bei ihm der Engel Gottes, der da sprach: „Fürchte dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen, denn was sie im Mutterschoße hat, ist vom Heiligen Geiste. Sie wird aber einen Sohn gebären, und du wirst seinen Namen Jesus nennen, denn dieser wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies aber ist geschehen, damit erfüllt wurde, was gesagt ist von dem Herrn durch den Propheten: Siehe, die Jungfrau wird im Mutterschoße empfangen und einen Sohn gebären, und man wird seinen Namen nennen Emmanuel, d.h. Mit uns Gott“3 . Daraus geht klar hervor, daß die den Vätern gegebene Verheißung erfüllt war, daß aus einer Jungfrau der Sohn Gottes geboren wurde, und daß dieser Christus der Erlöser ist, den die Propheten verheißen haben. Also ist es nicht so, wie jene sagen, daß bloß Jesus aus Maria geboren sei und der obere Christus herabgestiegen. Sonst hätte Matthäus auch sagen können: „Mit der Geburt Jesu verhielt es sich folgendermaßen''; indem aber der Heilige Geist die Fälscher voraussah und uns gegen ihre Arglist schützen wollte, sprach er durch Matthäus; „Mit der Geburt Christi verhielt es sich folgendermaßen ... und dieser ist der Emmanuel“ — damit wir ihn nicht für einen bloßen Menschen halten. Denn „nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus dem Willen Gottes ist das Wort Fleisch geworden“4 . So dürfen wir also nicht annehmen, daß Jesus und Christus verschiedene Personen sind, sondern müssen wissen, daß es ein und derselbe ist.
1: Mt. 1,1
2: Ebd. 1,18 f.
3: Mt. 1,20 ff.
4: Joh. 1,13 f.