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Quelle: Rundgang I durch Wädenswil, Peter Ziegler, Verlag Stutz + Co. AG, 1989
Reiseverkehr mit Kutschen auf der in den 1830er Jahren gebauten neuen Seestrasse und mit dem Dampfschiff auf dem Zürichsee waren gute Voraussetzungen für den Betrieb eines Hotels an der neuen Wädenswiler Haabe. Schützenwirt Heinrich Blattmann (1783-1864) liess darum sein altes Wohnhaus samt Nebengebäuden - die alte Schützenwirtschaft – niederreissen und in den Jahren 1840/41 an deren Stelle, in der Westecke des neuen Hafens, im modernen klassizistischen Stil das Hotel Seehof errichten, ein dreigeschossiges kubisches Gebäude unter Walmdach. Er wurde bergseits an den 1559 eröffneten Schützenstand angebaut, von dem aus die Wädenswiler Schützen seit Jahrhunderten über die Seebucht – anstelle des heutigen Bahnhofplatzes – auf Scheiben am Kronenbach (bei der heutigen Bahnhofunterführung West) schossen. Dank guter Führung, aufmerksamer Bedienung und geschickter Propaganda in den Tageszeitungen wurde der im Mai 1841 eröffnete Gasthof bald weitherum bekannt. 1844 spielte sich hier jene Hochstapleraffäre ab, die Gottfried Keller Stoff geliefert haben soll für die Ender der 1860er Jahre geschriebene Novelle «Kleider machen Leute».
1851 verkaufte Heinrich Blattmann seinen Besitz dem Sohn Jakob Blattmann-Schärer (1809-1874). Auch unter diesem Wirt war der «Seehof» ein bekanntes Gasthaus. Der junge Blattmann baute, unterhielt und besorgte als Privatmann auch den beim Hotel gelegenen ersten Wädenswiler Landesteg für das Dampfboot «Republikaner». Bei Regenwetter und im Winter konnte der Schiffspassagier im «Seehof» sogar einen Warteraum benützen, den der Wirt gratis zur Verfügung stellte und heizte.
1859 verstummte der Schiesslärm im dem «Seehof» benachbarten Wädenswiler Schützenstand. Bereits im Frühling 1856 hatte der Zürcher Regierungsrat beschlossen, den die Schiffsfahrt gefährdenden Wädenswiler Schiessplatz aufzuheben. 1857 kaufte der Gemeinderat das Leuthold-Heimwesen am Rotweg und liess hier – am Platz des heutigen Sekundarschulhauses Fuhr – ein neues Schützenhaus bauen, das am 26. Juni 1859 eingeweiht werden konnte. Den Schützenstand beim «Seehof» riss man noch 1859 nieder.
Bereits im November 1861 äusserte Jakob Blattmann die Absicht, seinen Gasthof auf Jahresende aufzugeben. Wegen vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der Dampfschifffahrtsgesellschaft musste er den Betrieb bis Ende Februar 1862 weiterführen. Dann konnte Blattmann den Vertrag mit dem Schifffahrtsunternehmen betreffend den Landeplatz der Dampfboote beim «Seehof» kündigen und den Gasthof schliessen. Das Gebäude wurde zum Wohn- und Geschäftshaus.
Johannes Blattmann, der Sohn des letzten Seehofwirts, führte in der vom Vater geerbten Liegenschaft seit 1881 zusammen mit Johannes Scherrer die Firma «Joh. Scherrer z. Seehof», welche mit Fettwaren handelte und auch eine Buttersiederei betrieb. Wohl zu diesem Zweck hatte er den «Seehof» schon im Jahre 1879 um einen Zinnenanbau erweitern lassen, der 1894 als «Zinnenanbau mit Verkaufslokalen» bezeichnet wird. Seit Beginn der 1920er befand sich hier das Merceriewarengeschäft von August Furrer-Rusterholz. 1942 erwarb Werner Bär-Waldmeier die Liegenschaft «Seehof» von den Erben Blattmann und verlegte hierher sein 1928 gegründetes und nun vergrössertes und modernisiertes Sportgeschäft, das 1971 von Werner Bär jun. übernommen wurde.
«Seehof», nach der Restaurierung von 1984.
Seit der 1984 abgeschlossenen Restaurierung präsentiert sich der «Seehof» mit je fünf Fensterachsen gegen den See und gegen die Seestrasse und mit je vier Fensterachsen auf den beiden Schmalseiten mit seinen roten Fensterläden wieder in hotelwürdiger Pracht. Ein breites, profiliertes Band trennt die Obergeschosse vom Erdgeschoss. Die Fenster der ersten Etage – hier lagen einst die Säle des Hotels Seehof – sind auffallend hoch und zudem gekrönt von einem profilierten Aufsatz aus Sandstein. Das sehr flache mit Biberschwanzziegeln gedeckte Walmdach tritt kauf in Erscheinung.
Peter Ziegler
Seestrasse zwischen Haus Seehof mit dem Laden von August Furrer-Rusterholz (links und Restaurant und Metzg Rosenegg am Plätzli. Die Aufnahme ist um 1940 entstanden, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Der Strassenverkehr ist eingeschränkt, das Fahrrad ist wieder Trumpf.