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«Morgen werden wir dem Kongress ein Verfassungsreformprojekt schicken, um die Wahlen der Delegierten, Bürgermeister und Gouverneure um fünf Wochen zu verschieben», schrieb der chilenische Präsident Sebastián Piñera in einer Mitteilung auf Twitter am Sonntagabend (Ortszeit). «Der Schutz der Gesundheit aller unserer Landsleute ist für uns immer oberste Priorität gewesen.»
Trotz einer der höchsten Impfraten weltweit registrierte Chile zuletzt so viele Neuinfektionen wie nie zuvor in der Pandemie. Das Gesundheitsministerium meldete am Freitag 7 626 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Die Auslastung der Intensivbetten liegt bei über 90 Prozent. Fast 30 Prozent der rund 18 Millionen Chilenen haben bereits eine erste Corona-Impfung erhalten, 15 Prozent beide. Damit liegt das Land weit vor anderen in Lateinamerika und auch vor europäischen Staaten. Am Samstag verschärften die Hauptstadt und der Grossraum Santiago de Chile sowie weitere Regionen ihre Quarantäne-Massnahmen. 30 Jahre nach Chiles Rückkehr zur Demokratie hatten bei einem Referendum im Oktober mehr als 78 Prozent der Wähler für die Ausarbeitung eines neues Grundgesetzes gestimmt. Eine neue Verfassung gehörte zu den Kernforderungen der Demonstranten, die im Oktober und November 2019 zu Tausenden gegen die Regierung auf die Strasse gingen. Der aktuelle Text von 1980 stammt noch aus der Zeit der Militärdiktatur von General Augusto Pinochet (1973-1990). Bei dem Referendum stimmte auch eine grosse Mehrheit dafür, dass eine Verfassungsgebende Versammlung die neue Verfassung ausarbeiten soll.