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die gewerbsmäßige Herstellung und Verbreitung von litterarischen Erzeugnissen als Handelsobjekt. Der
Buchhandel zerfällt in 1) Verlagsbuchhandel (Herstellung der Bücher behufs Verkaufs);
2) Sortimentsbuchhandel (Vertrieb der Verlagsartikel der Verleger durch Ladengeschäft und Ansichtsversendung), Kolportagebuchhandel
(Reise- und Hausierbetrieb) und Antiquariatsbuchhandel (Handel mit älterer Litteratur und mit Büchern aus zweiter Hand)
[* 3] und
3) Kommissionsbuchhandel (Vermittelung der Geschäfte der Buchhandlungen untereinander und Vertretung der Kommittenten). Ähnlich
gegliedert sind Kunst-, Landkarten- und Musikalienhandel, je nach ihren Handelsobjekten. (Vgl. auch Musikalienhandel.)
Geschichtliches.
Ein Buchhandel scheint sich erst verhältnismäßig spät gebildet zu haben. Wenn man auch annehmen sollte, daß in
allen alten Kulturstaaten, sobald die allgemeine Bildung eine gewisse Höhe erreicht hatte und das Interesse der Völker sich
nicht mehr auf gottesdienstliche Angelegenheiten beschränkte, mündliche Tradition oder einzelne Abschriften
der religiösen Urkunden dem Bedürfnis nicht mehr genügen konnten, daß sich da vielmehr überall ein dem spätern Buchhandel analoger
litterarischer Verkehr hätte ausbilden müssen, sobald man einen Schreibstoff gefunden hatte, der die Objekte leichter transportfähig
und zu Gegenständen des Handelsverkehrs geeignet machte, so findet sich bei Kulturvölkern von so hervorragender
Bedeutung, wie z. B. die alten Ägypter und Hebräer waren, keine Spur eines solchen litterarischen Verkehrs.
Die Veröffentlichung der vorhandenen Niederschriften scheint sich auf Vorlesen beschränkt zu haben. Erst im alten Griechenland,
[* 4] später in Rom
[* 5] hat nachweisbar Buchhandel bestanden und geblüht. Aus vielen beiläufigen Notizen und Beziehungen verschiedener der
uns erhaltenen klassischen Schriftsteller läßt sich ein ziemlich sicheres Bild davon konstruieren. Wahrscheinlich schon
vor dem 5. Jahrh. v. Chr., sicher aber von da an blühte der Buchhandel, selbst als Exporthandel, vornehmlich in Athen.
[* 6]
Neben der wissenschaftlichen und poetischen Litteratur gab es auch Volksschriften verschiedenen Inhalts, die durch fliegende
Buchhändler oder Ausrufer unter das Volk gebracht wurden. Die seßhaften Buchhändler, wohl meist zugleich
Abschreiber, pflegten in ihren Läden ihre Bücher vorzulesen, um dadurch Käufer heranzuziehen. In Rom entwickelte sich der
Buchhandel eigentlich erst durch den Einfluß der griechischen Kultur und Einwanderung, besonders seit dem
Ende des 3. Jahrh. v. Chr.,
dann aber schnell gewaltig, so daß der Besitz von Büchern zum Gegenstand des guten Tons wurde.
Besonders von den letzten Zeiten der Republik an, als auch die römische Litteratur einen höhern Aufschwung nahm, entfaltete
sich eine ungemein große Thätigkeit auf dem Felde des Buchhandels. Die Zahl derjenigen, welche die Herstellung und den
Vertrieb von Abschriften schon vorhandener oder neuerschienener Werke zum Gegenstand ihres Geschäfts machten, der damaligen
Buchhändler (bibliopolae), war nicht unbeträchtlich. Die Namen mehrerer derselben, z. B. des PomponiusAtticus, der Gebrüder
Sosius, des Tryphon, des Atrectus, sind auf uns gekommen.
Die Herstellung der Bücher erfolgte durch Schreiber (librarii, welche Benennung später auch auf die Buchhändler
selbst übertragen wurde), entweder selbständig als Abschrift oder so, daß eine größere Anzahl Schreiber, um einen Vorleser
versammelt, dessen Diktat nachschrieb. Die so hergestellten Exemplare wurden von Korrektoren durchgesehen und erhielten dann
durch den Buchbinder ihre letzte Gestalt. Da dies alles die Arbeit von Sklaven und daher sehr billig war,
so lag, abgesehen von etwaniger kostbarer äußerer Ausschmückung, der bedeutendste Kostenpunkt in dem verwendeten Material,
dem Papyrus, auf dem ein nicht unbedeutender Eingangszoll lastete.
Originalmanuskripte erreichten oft einen sehr hohen Preis; sonst aber waren die Bücherpreise, besonders für Schulbücher
und gewöhnliche Ausgaben, überraschend niedrig. Honorare und der Begriff geistigen Eigentums lassen sich
nicht nachweisen. Die Litteratur scheint vielmehr als ein Gemeingut betrachtet worden zu sein, und es mögen daher von gangbaren
Sachen oft (nach unserm Gefühl unbefugte) Nachschriften vorgekommen sein. Verschiedene Ausgaben, der Ausstattung und dem Preis
nach, gab es auch damals schon.
Preßpolizei war unbekannt, wenn es auch vorkam, daß (schon aus Griechenland ist ein Fall überliefert)
mißliebige Schriften, besonders in der römischen Kaiserzeit, konfisziert und verbrannt wurden. Die Bücher wurden in den
Verkaufsläden der Buchhändler aufgestapelt. Für die Bekanntmachung sorgten Ankündigungen, die an den Ladenthüren und
den Säulen
[* 7] der Vorhallen angebracht wurden, wohl auch Ausrufer; Neuigkeiten wurden vorgelesen; außerdem
sorgte die zahlreiche und gewählte Gesellschaft, deren Sammelplatz die Buchläden waren, für weiteres Bekanntwerden des
Neuerschienenen.
Nach den Provinzen, in denen ohnehin Kommanditen der römischen Häuser bestanden, mögen die Bücher, besonders auch die in der
Hauptstadt nicht mehr absatzfähigen, durch die zahlreichen Briefboten der vornehmen Staatsbeamten und
Militärbefehlshaber, durch Kaufleute etc. befördert worden sein. Thatsächlich fanden die
bedeutenden Erscheinungen der Litteratur bis in die entferntesten Teile des römischen Reichs, also fast durch die ganze damals
bekannte Welt, Verbreitung.
Erst mit Entstehung der Universitäten im 12. Jahrh. stellte sich ein größerer Bedarf an litterarischen Hilfsmitteln, an
Leitfäden und Lehrbüchern für die Studenten heraus, und durch diesen bildete sich der mittelalterliche
Buchhandel (Handschriftenhandel), eigentlich erst ermöglicht durch die Erfindung des Leinenpapiers, welches billigere Herstellung
der Handschriften gestattete. Neben der gelehrten und Unterrichtslitteratur wurden später auch poetische Werke und Volksschriften
Gegenstand des litterarischen Verkehrs.
Die Zahl der vorrätig zu haltenden Werke war, wie der Mietpreis der Pecien, durch die Universitätsbehörden festgestellt,
wie auch der ganze Verkehr unter Aufsicht der Universitäten stand und die Stationarii selbst Universitätsverwandte
waren. Auch für Korrektheit der Handschriften war durch regelmäßige Kontrolle gesorgt. Der Verkauf von Handschriften war
den Handschriftenverleihern untersagt; erst später war ihnen ein kommissionsweiser Verkauf fremder Handschriften gegen Provision
unter gewissen Kautelen gestattet.
Dieser Verkehr mit Erzeugnissen der Litteratur ist indes noch nicht eigentlicher Buchhandel; einen
solchen betrieben erst die später auftretenden Handschriftenhändler (venditores librorum, librarii, libraji oder auch,
da sie sich zum Teil aus Papierhändlern rekrutierten, cartolaji). Sie waren nicht, wie die Stationarii, der strengen Aufsicht
der Universität unterworfen, sondern betrieben ihr Gewerbe frei. Oft waren sie zugleich Abschreiber, und als solche stellten
sie sich ihre Handelsobjekte selbst her; später scheinen förmliche Handschriftenfabriken bestanden
zu haben.
Außer in Paris finden sich Handschriftenhändler in Frankreich nur in den Universitätsstädten. Der bekannteste derselben
war der Alchimist Nicolas Flamel (Anfang des 15. Jahrh.). Auch in Deutschland
[* 18] findet sich ein geschäftlicher Verkehr mit
Handschriften seit Gründung der ersten Universitäten, Mitte des 14. Jahrh. Stationarii kommen weniger vor, das Verleihen behufs
Abschrift wurde meist ersetzt durch die Pronunziationen, d. h. das Diktieren der Hefte durch die Universitätsdozenten.
Selten bot dieser Geschäftsbetrieb allein genügenden Lebensunterhalt, so daß die damit beschäftigten Personen gewöhnlich
noch andre Geschäfte betrieben in Handel oder Gewerbe; andre bezogen als untergeordnete Universitätsbeamte einen geringen
Gehalt. Die seßhaften hatten ihre Geschäftslokale in den besuchtesten Stadtteilen, an Kirchen etc., in Läden
oder Buden. An den Fenstern dieser Läden oder den Ständen mußten die Stationarii Verzeichnisse der bei ihnen vorrätigen Bücher
und die Mietpreise dafür anschlagen. Die Händler stellten ebenfalls Verzeichnisse ihrer Vorräte zusammen. Viele suchten
auf Reisen Gelegenheit zu Geschäften auf, und besonders war es der Meß- und Jahrmarktsverkehr,
¶
So hatte sich zur Zeit der Erfindung der Buchdruckerkunst teils aus der Natur des Geschäfts selbst, teils durch Einwirkung von
außen eine gewisse bestimmte Art der Geschäftsführung für den Handel mit Erzeugnissen der Litteratur
ganz allgemein gebildet. Auf die Weiterentwickelung des Buchhandels hatte aber die neue Erfindung nur insofern Einfluß, als
nach und nach die Zahl der Handelsobjekte größer wurde und die Bücherpreise sich verringerten. Die Herstellung von Handschriften
dauerte neben dem Buchdruck noch längere Zeit fort, besonders was griechische Schriften anlangt, da die
griechische Druckschrift sich nur langsam zu einer allgemein brauchbaren gestaltete.
Dazu kam die Abneigung der vornehmen und vermögenden Bücherliebhaber, welche es unangenehm empfanden, daß durch die neue
Kunst der Gegenstand eines bisher ihnen vorbehaltenen Luxus popularisiert und weitern Kreisen zugänglich
gemacht wurde. Sie zogen es vor, für ihre Büchersammlungen Handschriften herstellen und künstlerisch ausschmücken zu lassen;
gedruckten Büchern blieben ihre Bibliotheken vorläufig verschlossen. Der eigentliche Geschäftsbetrieb des Buchhandels blieb
aber gänzlich unberührt durch die neue Erfindung; er behielt die bisherigen Geschäftsformen bei, in denen noch der heutige
Buchhandel wurzelt, so daß beinahe alle heutigen Geschäftsgebräuche des Buchhandels sich in
ihren Anfängen schon von da aus nachweisen lassen.
Im Lauf der ersten Jahrzehnte verbreitete sich die Buchdruckerkunst nur langsam. Während der wandernde Schreiber sein Schreibzeug
leicht mit sich führen und überall, wo er Beschäftigung fand, ohne weiteres seine Thätigkeit beginnen konnte,
mußte der wandernde Buchdrucker, wenn er etwa durch einen Bischof zum Druck eines Missale berufen wurde, Schriften und Presse
[* 30] an seinen neuen Wirkungsort mitschleppen. Aber der Zug
der Zeit, die sogen. Wiederherstellung der
Wissenschaften, die fieberhafte Unruhe, welche die Geister in der Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur neuern Zeit
bewegte, trug doch bald mächtig dazu bei, das neue, der Verbreitung von Bildungsmitteln günstigere Verfahren mehr auszubreiten.
Für England ist zu nennen London
[* 39] mit Westminster mit 13 Druck- und Verlagsstätten (näheres s. Buchdruckerkunst).
Der
Hauptgrund dieser Verteilung ist vor allem in den geschäftlichen Verhältnissen zu suchen. Der Handschriftenhandel hatte
dem Buchhandel die Wege geebnet; trotz anfänglicher Anfeindung wurde dieser vielfach von den Handschriftenhändlern
in den Bereich ihrer Geschäftsthätigkeit gezogen, einzelne wendeten sich sogar ausschließlich dem Buchdruck und damit
dem Buchhandel zu. Der bedeutende Pariser Handschriftenhändler Hermann von Stadtloen aus Münster
[* 40] (gest. 1474)
hielt sogar für Frankreich ein Lager
[* 41] der Drucke von PeterSchöffer und Konrad Henckis.
Beträchtlich war der litterarische Bedarf der gebildetern Geistlichen, der reichen Klöster und Stifter, wenn er sich auch
mehr auf die scholastische Litteratur erstreckte. Von großem Einfluß war dann der durch die Humanisten
angeregte Kultus des klassischen Altertums, und diese Vorliebe für die alten Klassiker war es auch, welche sowohl dem Aufschwung
der Litteratur in den lebenden Sprachen als der selbständigen wissenschaftlichen Thätigkeit die Bahn öffnete und den entscheidenden
Anstoß gab. In die nächste Zeit nach diesem Aufschwung fallen daher die eigentliche Geburt der französischen,
spanischen und englischen Nationallitteratur, ein neuer Aufschwung der italienischen, die Schöpfung der neuern deutschen Schriftsprache
durch Luther, die Begründung wissenschaftlicher Astronomie
[* 42] durch Kopernikus, die Belebung der Reiselitteratur durch die EntdeckungAmerikas und die erste Weltumseglung etc.
Oder es traten auch mehrere Buchdrucker für einzelne Fälle zum Druck auf gemeinschaftliche Kosten zusammen und verteilten dann
die hergestellten Exemplare unter sich, um sie jeder auf eigne Rechnung zu verwerten. Solcher Druckgesellschaften finden sich
manche Beispiele. Eine bestand z. B. in Basel;
ihr Drucker war Joh. Froben, Teilhaber waren F. Birckmann in Köln und wahrscheinlich
Joh. oder AntonKoburger in Nürnberg. Eine andre Druckgesellschaft in Basel
wurde durch Joh. Amerbach repräsentiert; bei ihr ließ 1498 und
später AntonKoburger drucken, der auch gemeinschaftlich mit Josse Bade und JeanPetit in Paris verlegte.
Ein ähnlicher Fall kommt 1490 in Leipzig vor. Besonders gebräuchlich war der Verlag auf gemeinschaftliche Kosten in Frankreich.
Solcher Kompanieverlag bestand dann aus Drucker und Verleger oder aus zwei oder mehreren Verlegern. Wenn ein
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