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In der Selbsthilfe treffen sich Menschen mit denselben Erkrankungen, Menschen, die sich in ähnlichen Lebenskrisen befinden oder Angehörige. Die gemeinschaftliche Selbsthilfe ist ein wichtiger Bestandteil des schweizerischen Gesundheitssystems und wird von den betroffenen Personen geschätzt. Im folgenden Beitrag beschreibt Clienia, weshalb die Selbsthilfe für betroffene Personen als hilfreich empfunden wird.
Gemeinschaft und Soziale Unterstützung
Ein zentraler Aspekt der Selbsthilfe ist die soziale Unterstützung. Damit ist die Wahrnehmung oder die Erfahrung eines Menschen gemeint, von anderen geachtet, geschätzt, unterstützt oder umsorgt zu werden. Des Weiteren fühlt man sich als Teil eines sozialen Netzwerkes oder einer Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig hilft und solidarisch beisteht. Diese Unterstützung kann dabei von nahen Bezugspersonen, von Freunden, von Mitarbeitenden oder von einer solidarischen Gemeinschaft wie in der Selbsthilfe dargeboten werden.
Der zentrale Wirkmechanismus von sozialer Unterstützung scheint das Abfedern der negativen Auswirkungen von Stress zu sein. Wie bereits in Teil 1: Einführung in die Selbsthilfe beschrieben, können Lebenskrisen, psychische oder körperliche Erkrankungen eine herausfordernde und belastende Situation darstellen. Solche Krisensituationen gehen häufig mit einer enormen Stressreaktion sowie Gefühlen der Hilflosigkeit und Überforderung einher. Die soziale Unterstützung wirkt diesen Gefühlen entgegen, indem die betroffenen Personen folgende Aspekte wahrnehmen: «Auch wenn ich mich gerade so fühle, bin ich nicht allein», «Ich bin der Situation nicht hilflos ausgeliefert», und «Die großartigen Leute um mich herum sorgen sich um mich und werden mir helfen». Der Austausch mit anderen Betroffenen in der Selbsthilfe vermittelt zudem Hoffnung, dass solche Krisen überwunden werden können. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass soziale Unterstützung in Krisensituationen hilfreich ist und dazu führt, emotionale Reaktionen wir Angst und Depression zu verringern.
Zusammenfassend ist soziale Unterstützung während einer Lebenskrise ein wichtiger Faktor für deren erfolgreiche Bewältigung. Sie verringert Stress und kann helfen, weiterreichende emotionale Reaktionen wie Angst oder Depression zu verringern.
Austausch von Informationen
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Selbsthilfe ist es, Informationen zur Bewältigung der gegenwärtigen Situation zu teilen. Die Ungewissheit, welche die Lebenskrise mit sich bringt, ist einer der Gründe für den erlebten emotionalen Stress (z.B. das Gefühl der Hilflosigkeit). Auch Informationen von Fachpersonal können diese Ungewissheit nicht immer reduzieren. Das Erfahrungswissen von Menschen, die solche Situationen bereits erlebt und im besten Fall bewältigt haben, kann hier eine sehr wertvolle Ergänzung darstellen und helfen, Hoffnung und mehr Sicherheit zu vermitteln. Die Teilnehmenden der Selbsthilfe sind Expertinnen und Experten in eigener Sache. Sie kennen die Situation und können sich in die Lage der Betroffenen versetzen. In der gemeinschaftlichen Selbsthilfe teilen sie ihr Erfahrungswissen mit den Menschen, die sich am Anfang einer ähnlichen Situation befinden und viele Fragen haben. Die Selbsthilfe bietet hier die Möglichkeit, sich auszutauschen, zu informieren, zu unterstützen und allenfalls auch gemeinsame Interessen zu vertreten. Die Teilnehmenden lernen voneinander und von erfahrenen Betroffenen, wie sie die Krisensituation bewältigen und somit ihre Lebensqualität wieder verbessern können.
Empowerment und Selbstwirksamkeit
In der Selbsthilfe wird ein ressourcenorientierter Ansatz verfolgt. Gemeinsam wird versucht, die bestehenden Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen zu erkennen, zu nutzen und allenfalls zu verbessern. Die Teilnehmenden lernen, ihre Situation wieder selbst zu gestalten und sich dadurch weniger ausgeliefert zu fühlen (Empowerment, Selbstwirksamkeit). Der Austausch mit den Betroffenen, die damit bereits Erfahrungen gesammelt haben, wirkt ermutigend und vermittelt Hoffnung. Die Überzeugung, die schwierige Situation bewältigen zu können, wird gemeinsam gestärkt.
Betroffene konnten vielfach die Erfahrung machen, dass die gemeinschaftliche Selbsthilfe aufgrund der beschriebenen Aspekte hilfreich ist. Sie wirkt sich auch positiv auf die Angehörigen und das Gesundheitssystem aus. Im dritten Beitrag stellt Clienia die Selbsthilfe in der Schweiz vor.