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Jugendliche ab 12 Jahren bekommen jeden Monat einen bestimmten Geldbetrag von den Eltern. Mit diesem Geld bezahlen die Jugendlichen manche Dinge selber und übernehmen so Verantwortung für bestimmte Kosten.
Weitere Informationen zum Jugendlohn finden Sie im Wissensbereich der Webseite MoneyChat.
Der Jugendlohn ist in jeder Familie unterschiedlich hoch. Die Höhe hängt vom Einkommen der Familie ab und davon, was mit dem Jugendlohn bezahlt werden muss. Grundsätzlich gilt: Das Kind sollte etwa gleich viel Jugendlohn erhalten, wie die Familie bisher für die im Jugendlohn enthaltenen Kategorien ausgegeben hat.
Überlegen Sie sich das Folgende:
• Welche Dinge soll das Kind bezahlen?
• Wie viel Geld soll das Kind dafür bekommen?
• Was können Sie sich leisten?
Es ist sinnvoll ein Familien-Budget zu erstellen. Weitere Informationen dazu, wie Sie ein Budget erstellen können, finden Sie im Wissensbereich der Webseite Money Chat und auf der Webseite der Budgetberatung.
Es gibt die folgenden beiden Möglichkeiten:
Möglichkeit 1: Schreiben Sie zwei bis vier Monate auf, was Sie für Ihr Kind ausgeben und berechnen Sie so den Jugendlohn pro Monat.
Möglichkeit 2: Erstellen Sie eine Liste mit den Dingen, die pro Jahr anfallen und was diese Dinge kosten. Teilen Sie diesen Betrag durch 12, so erhalten Sie den monatlichen Betrag.
Hier als Beispiel, wie die Kosten für das Haare schneiden berechnet werden können:
- Wie oft geht das Kind im Jahr die Haare schneiden?
z.B. alle 2 Monate, das heisst ungefähr 6-mal.
- Wie viel kostet einmal Haare schneiden?
z.B. 40 Franken
Das ergibt 240 Franken pro Jahr (6 mal 40 Franken) fürs Haare schneiden.
Das sind 20 Franken im Monat, denn der Jugendlohn wird 12-mal im Jahr bezahlt.
Auf diese Weise kann für jede Kategorie bestimmt werden, was die monatlichen Kosten sind. Die Summe all dieser monatlichen Kosten ist der Betrag des monatlichen Jugendlohns.
Ein Arbeitsblatt zur Berechnung der Kleiderkosten und weitere Informationen zur Berechnung finden Sie hier.
Der Verein Jugendlohn empfiehlt, ein Jugendkonto einzurichten. Das kann ein Bank- oder ein Postkonto sein. Jugendkonti sind in der Regel so eingerichtet, dass Jugendliche nur so viel Geld ausgeben können, wie auf dem Konto ist. Eine Überprüfung lohnt sich aber immer.
Achtung: Die Kontoeinstellungen werden mit Erreichen des 18. Lebensjahres von den Anbietern geändert. In der Regel kann dann das Konto überzogen werden. Deshalb lohnt es sich, dann die Kontoeinstellungen nochmals anzuschauen.
Wenn der/die Jugendliche keinen Jugendlohn will, suchen Sie das Gespräch. Ermutigen Sie ihn/sie, Jugendlohn auszuprobieren. Der/die Jugendliche soll spüren, dass Sie ihm*ihr vertrauen. Suchen Sie nach ein paar Wochen erneut das Gespräch.
Sie können den Jugendlohn auch einfach einführen. Ihr Kind muss sich daran gewöhnen, dass Dinge sich ändern, ob es will oder nicht.
Jugendlohn funktioniert nicht bei Uneinigkeit zwischen den Eltern. Denn, falls ein Elternteil dem/der Jugendliche*n noch zusätzliches Geld oder weitere Kleider schenkt, lernt der/die Jugendliche nichts und die Familie gibt zu viel Geld aus. Versuchen Sie bei Uneinigkeiten durch Gespräche und Diskussionen eine gemeinsame Lösung zu finden. Auch so lernt Ihr Kind, dass es einen Kostenrahmen gibt.
Wenn beide Elternteile die Idee des Jugendlohns unterstützen, funktioniert der Jugendlohn auch, wenn die Eltern getrennt leben.
Der Verein Jugendlohn empfiehlt den Beginn mit 12 Jahren.
Ein schrittweises Einführen von Jugendlohn ist nicht vorgesehen. Grundsätzlich geht es darum, dass der/die Jugendliche lernt, Geld einzuteilen. Das funktioniert nur, wenn der/die Jugendliche Geld für mehrere Kategorien verwalten kann. Die Grundlage von Jugendlohn ist Vertrauen.
Der Jugendlohn wird an das Leben der Jugendlichen angepasst und kann deswegen unterschiedlich sein.
Das eine Kind hat zum Beispiel einen weiteren Weg zur Schule und das öV-Abonnement ist daher teurer. Das andere Kind kann in der Mensa essen und muss weniger Geld ausgeben für das Mittagessen.
Grundsätzlich soll versucht werden, den Geschwistern im gleichen Alter für die gleichen Kategorien gleich viel Jugendlohn zu geben. Unterschiede sollen erklärbar und logisch sein und nicht zu Ungerechtigkeiten führen.
Dafür kann ein Vertrag erstellt werden. In dem Vertrag wird festgehalten, welche Sachen durch den Jugendlohn abgedeckt werden und welche nicht. Im Vertrag soll geregelt werden, für welche Dinge der/die Jugendliche Verantwortung übernimmt. Ist etwas schriftlich festgehalten, kann man bei später auftauchenden Fragen nachschauen.
Fragen, die Sie sich zum Beispiel stellen können:
Sind teure Ski-Kleider im Jugendlohn enthalten?
Wenn im Vertrag abgemacht ist, Schreibwaren müssen vom/von der Jugendlichen bezahlt werden, sind dann Lernkarten auch inbegriffen?
Eine Vorlage für den Vertrag finden Sie hier.
Sie als Eltern können zusätzliche Regeln verlangen. Beispiele Kleider: Mindestens ein Paar Schuhe haben keine Löcher. Verlorene Turnkleider sind vom Jugendlohn zu ersetzen. Kleider für die Schule entsprechen den Schulregeln.
Wir empfehlen, nicht zu viele Regeln einzubauen.
Unsere Befragungen haben gezeigt, dass die Jugendlichen das Geld sehr gewissenhaft einteilen. Jugendliche lernen mit dem Jugendlohn, was ihnen wichtig ist und was weniger.
Es ist z.B. in Ordnung, wenn der/die Jugendliche Kleidung im Second-Hand Laden kauft, um Geld zu sparen und dann öfter ins Kino geht.
Wenn der/die Jugendliche alles Geld ausgegeben hat und sich dann einen Wunsch nicht mehr erfüllen kann, ist es wichtig, dass Sie kein zusätzliches Geld geben oder vorschiesssen. Es ist vielleicht im Moment schmerzhaft. Aber nur so lernt das Kind, dass es sein Geld einteilen muss. Sprechen Sie mit Ihrem Kind bei einem Fehlkauf z.B. über die Kauferfahrung, die es gemacht hat und versuchen Sie gemeinsam eine Lösung zu finden. Z.B. indem Sie Ihrem Kind raten, einen Fehlkauf in einem Second-Hand Laden zu verkaufen.
Ihr Kind lernt viel dabei und genau um das geht es beim Jugendlohn. Ihr Kind kann eigene Erfahrungen mit Geld sammeln, gute wie schlechte. Denken Sie daran: Die Konsequenzen bei Fehlern mit Jugendlohn sind nicht so gravierend wie diejenigen, die bei Fehlern mit dem ersten richtigen Lohn gemacht werden können. In diesem Sinne ist jeder Fehler, den Ihr Kind mit dem Jugendlohn macht, ein guter Fehler. Denn es lernt sehr viel dabei und derselbe Fehler wird Ihrem Kind so schnell nicht nochmal passieren.
Es ist ein wichtiges Thema, über das in der Familie offen und ehrlich geredet werden soll.
Beim Beginn einer Lehre erhält der/die Jugendliche einen Lehrlingslohn. Dann braucht es keinen Jugendlohn mehr und es kann von den Eltern verlangt werden, einen Teil davon zuhause zum Leben und Wohnen abzugeben.
Im Gymnasium verdient der/die Jugendliche kein Geld und der Jugendlohn bleibt. Ein/eine Jugendliche*r in Ausbildung hat einen Anspruch auf Unterhalt. Das heisst, er/sie muss kein Geld an die Eltern abgeben. Es kann aber abgemacht werden, dass der/die Jugendliche auch einen Beitrag leistet. Beispielsweise mit einem Nebenjob wie Nachhilfe geben.
Die Bedingungen beider Wege sind unterschiedlich. Das kann als ungerecht empfunden werden, liegt aber im System.
In der Regel löst der Lehrlingslohn den Jugendlohn ab. Besprechen Sie vor Beginn der Lehre mit ihrem Kind, welche Kosten das Kind dann selbst übernimmt und was Sie als Eltern allenfalls noch bezahlen werden. Z.B. Bezahlen Sie als Eltern die Krankenkasse, die mit 18 Jahren dann plötzlich viel höher ausfällt als vor 18 Jahren. Besprechen Sie auch, ob das Kind Geld abgibt für Kost und Logis zuhause oder einen fixen Betrag auf ein Sparkonto einzahlt.
Jugendliche, die vor der Lehre Jugendlohn hatten, können in der Regel sehr gut mit ihrem Lehrlingslohn umgehen.
Auf der Website der Budget- und Schuldenberatung Aargau - Solothurn gibt es die Broschüre "Wie lernen Kinder und Jugendliche mit Geld umgehen" mit Tipps für den Übergang zum Lehrlingslohn. Dort ist auch der Podcast zum Thema Lehrlingslohn aufgeschaltet.
Es gibt auch Budgetbeispiele für Lehrlingslöhne auf der Website der Budgetberatung Schweiz.
Die Kinder werden mit dem Jugendlohn selbständiger. Die Rolle der Eltern wechselt in eine beratende.
- Viele Eltern erzählen, dass sie weniger oder keinen Streit mehr haben um Anschaffungen oder Geld.
- Eltern erzählen von sachlicheren Gesprächen über Lebenskosten und Anschaffungen.
- Eltern erzählen, dass ihre Kinder nach Einführung des Jugendlohns weniger mit teuren Wünschen zu Ihnen gekommen sind. Es war klar, dass es nicht mehr Geld gibt.
- Jugendliche mit Jugendlohn fragen manchmal, was die Eltern verdienen. Es ist angemessen, mit Jugendlichen darüber zu sprechen, wie viel Geld die Familie für Wohnung, Essen, Krankenkasse, Steuern bezahlt.
Ja, der Jugendlohn eignet sich für alle Familien, unabhängig vom Budget. Jugendliche bekommen Geld von ihren Eltern. Mit diesem Geld bezahlen sie Sachen, die sonst ihre Eltern bezahlen würden. Der Jugendlohn verursacht keine Zusatzkosten. Beim Jugendlohn verwalten die Jugendlichen das Geld anstelle der Eltern.