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Einleitung
S. 97 Der heilige Ambrosius gibt als Grund für die Abfassung dieser, unmittelbar an die de virginibus sich anlehnende Schrift die ehrenvolle Erwähnung an, welche der Apostel den Wittwen neben den Jungfrauen widmet. Aus dem 9. Capitel geht aber hervor, daß er eine äußere Veranlassung zur Veröffentlichung hatte. Eine Wittwe hatte in tiefster Trauer nach dem Tode ihres Mannes zu dem Heiligen ihre Zuflucht genommen, um von ihm ein tröstendes Wort zu erbitten. Ambrosius veranlaßte sie, da sie auch nach Ablauf der üblichen Trauerzeit noch die schwarze Schleppe trug, dieses äußere Zeichen der Trauer abzulegen. Die jammernde Wittwe scheint darin, ihrem innersten Herzenswunsche entsprechend, eine Aufmunterung zur zweiten Ehe gefunden zu haben, und wird sich als fromme Matrone auch wohl ostensibel auf den Heiligen berufen haben. Das veranlaßte denselben, gleichzeitig als Vertheidigung für sich selbst die geistigen Vorzüge des christlichen Wittwenstandes hervorzuheben. — Die Echtheit der Schrift ist aus rein dogmatischer Abneigung von den Magdeburger Centuriatoren zwar angezweifelt; die Benedictiner haben aber mit Recht dagegen versichert: „Wenn man die vorliegende Schrift „über die S. 98 Wittwen“ dem Ambrosius absprechen will, so muß man ihm auch die Schrift „über die Jungfrauen“ absprechen: das wäre aber geradezu absurd.“ Die Form der vorliegenden Abhandlung ist nicht gerade nachahmungswerth, und der Inhalt leidet etwas an gesuchter Ueberfülle.