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Die WOZ weiss, dass kurz vor der Intervention der Nationalbank gegen den Franken spekuliert wurde.
Tagelang hat sich die Schweiz über den Fall Philipp Hildebrand echauffiert. Haben der inzwischen abgetretene Nationalbankpräsident oder seine Frau ihr Wissen über die bevorstehende Intervention der Nationalbank (SNB) vom 6. September dazu genutzt, sich durch Devisengeschäfte zu bereichern? Die Rede ist von ein paar Zehntausend Franken. Kaum beachtet wurde bisher, ob bei der Intervention nicht auch andere Eingeweihte von ihrem Wissen profitierten. Hier würde es um weit höhere Beträge gehen.
Vierzehn Minuten vor Zeitpunkt X
Entsprechende Vermutungen wurden bisher nur in vereinzelten Zeitungsbeiträgen geäussert. Die «Handelszeitung» hatte kurz nach der SNB-Intervention über Hinweise berichtet, wonach eine US-Bank ihre KundInnen über die bevorstehende Fixierung einer Frankenuntergrenze informiert habe. Zudem wurden Händler zitiert, die von einem möglichen Leck bei PolitikerInnen sprachen, die in den Entscheid der Nationalbank eingeweiht gewesen sein sollen. Kürzlich zitierte die Wirtschaftszeitung zudem Thomas Suter, den Chef des auf Währungsrisiken spezialisierten Finanzunternehmens Quaesta Capital, der am Morgen der SNB-Intervention einen Druck auf den Franken beobachtet hatte, obwohl keine entsprechenden Informationen auf den Märkten kursierten.
Die WOZ sprach mit einem langjährigen Rohstoffhändler, der die Schweizer Börse SIX einige Tage nach der SNB-Intervention auf auffällige Bewegungen an den Devisenmärkten aufmerksam gemacht hatte. Vierzehn Minuten vor der Intervention, so schrieb der Händler der Börse, sei unter anderem ein Paket Optionen gekauft worden, die den Besitzer ermächtigten, zu einem späteren Zeitpunkt Euro zu einem Kurs von 1.20 Franken zu kaufen – einem Kurs also, der exakt der fixen Untergrenze der Nationalbank entsprach. Der Wert dieser Option, die eine Wette auf den künftigen Kursverlauf darstelle, habe sich nach der Intervention verzehnfacht. Quaesta-Capital-Chef Suter sagt gegenüber der WOZ: «Falls jemand Insiderwissen hatte, war der Kauf von Optionen tatsächlich eine gute Möglichkeit, viel Geld zu verdienen.»
In welchem Umfang solche Optionen am Morgen des 6. September gehandelt wurden, ist schwer nachzuprüfen. Die Transaktionen sind nur am selben Tag online einsehbar. Die entsprechenden Optionen werden zwar an der Eurex gehandelt, doch die Aufsicht liegt bei der SIX, da ihr die Eurex zur Hälfte gehört. Auf seinen Hinweis an die Schweizer Börse erhielt der Rohstoffhändler eine schriftliche Antwort, die aufhorchen lässt: «Die von Ihnen genannten Ereignisse sind uns nicht entgangen.»
Die Möglichkeit, dass Eingeweihte Informationen selber nutzten oder weitergaben, ist nicht unwahrscheinlich. Die Vermutung der «NZZ am Sonntag», es seien rund dreissig SpezialistInnen bei der Intervention involviert gewesen, kommentierte Hildebrand vor gut zwei Monaten mit der Aussage, eine solche Operation involviere «in der Tat sehr viele Leute». Ausser diesen sei jedoch niemand über den Zeitpunkt der Intervention informiert gewesen, teilt die SNB auf Anfrage mit. Nicht mal der Bundesrat.
Kein Straftatbestand
Inwiefern die SIX die von ihr ebenfalls beobachteten «Ereignisse» auch als auffällig bewertet, ist ihrer Antwort nicht zu entnehmen. Auf Anfrage wollte sie den Fall auch nicht weiter kommentieren. Bestehe ein Verdacht auf Insiderhandel, so die SIX, werde dieser der Staatsanwaltschaft Zürich gemeldet. Doch das hat die SIX wohl kaum getan. Denn die Nutzung von Insiderwissen im Zusammenhang mit Devisen ist laut Schweizer Gesetz kein Straftatbestand. Die Staatsanwaltschaft antwortete auf die Anfrage bezüglich allfälliger Untersuchungen denn auch knapp: «Die von Ihnen erwähnten Transaktionen fallen nicht unter die Insiderstrafnorm.»
Der entsprechende Artikel 161 des Strafgesetzbuches liegt nun jedoch zur Revision auf dem Tisch der nationalrätlichen Rechtskommission. CVP-Ständerat Pirmin Bischof sagt: «Dieser Artikel muss komplett überprüft werden.»