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Medien-Infotreffen in Avenches. Die Blicke der Anwesenden schweifen über die grandiose römische Arena. Ein Ort grosser Magie, meint der Regisseur. Und auf der Bühne schmiegen sich in Terracotta-Farbe die dreiarmigen Stufen und Ebenen, erwarten wie ein umgekippter, verlassener Kandelaber die Sängerinnen und Sänger. Der Turm von Babel bildet die Verbindung zu zwei riesigen Leinwänden. Sie sollen mit ihren bewegten Bildern das Poetische und die Symbolkraft der Oper stützen, das Geschehen auf der Bühne illustrieren, verdeutlichen.
Heimliche Nationalhymne
«Nabucco» war 1842 der erste grosse Erfolg Verdis. Zum ersten Mal durften sich sein dramatisches Temperament, seine Leidenschaft in den Rezitativen, in den Ensembleszenen, in den Solopartien eindrucksvoll ausdrücken. Natürlich denken alle «Nabucco»-Liebhaber an den mitreissenden Chor der zur Zwangsarbeit verdammten Hebräer, die ihre Klagen und ihre Hilferufe leidend und leidenschaftlich ausstossen, «Va pensiero». Für Italien drückte diese Chorkomposition in Zeiten der Fremdherrschaft die Sehnsucht nach Selbstständigkeit, nach Freiheit aus, und für viele Italiener ist dieser Chor die heimliche Nationalhymne Italiens. Die Chöre nehmen überhaupt eine tragende Rolle in der Oper ein, und der 66-köpfige erweiterte Chor der Oper Lausanne (Einstudierung: Pascal Mayer) wird versuchen, die breite Dynamik und die unbändige Kraft der Chorpartien adäquat auszudrücken.
Bedeutende Protagonisten
Der künstlerische Leiter der Avenches Opéra, Eric Vigié, hebt das hervorragende Können und den bedeutenden internationalen Ruf der Protagonisten der heurigen Oper hervor. Der Regisseur, Marco Carniti, hat Tanz und Schauspiel studiert und hat oft bewiesen, grosse Ensembleszenen wirkungsvoll bewegen zu können. Der Dirigent Nir Kabaretti ist musikalischer Leiter des Santa Barbara Symphony Orchestra in Kalifornien. Der Bariton Sebastian Catana verkörpert die Titelrolle, während für die ungemein anspruchsvolle Partie der Abigaille zwei Solistinnen sich ablösen: Maria Billeri und Mlada Khudoley. Bühnenbild, Videos (Francesco Scandale) und Kostüme (Maria Filippi) wurden eigens für die Arena in Avenches entworfen.
Eric Vigié betont schliesslich die glückliche Zusammenarbeit zwischen den Kantonen Waadt und Freiburg. Als Generaldirektor der Lausanner Oper lädt er die Freiburger Oper mit dem Freiburger Kammerorchester seit kurzem regelmässig an die Opéra de Lausanne ein. Diese Zusammenarbeit wird dieses Jahr auf Avenches ausgeweitet.
Die Oper Avenches verspricht eine begeisternde Produktion–ob sonniges Wetter das Versprechen unterstützen wird?
Aufführungen: 5., 6., 9., 12., 13., 16., 18. Juli 2013. Beginn 21.30 Uhr, Aufführungsende circa 00.15 Uhr. Informationen und Tickets unter www.avenchesopera.ch.
Zukunft:
Immer mehr Open-Air-Opern
D ie Konkurrenz zwischen den Schweizer Open-Air-Veranstaltern wird immer grösser. «Avenches ist das Verona der Schweiz»: So liest man in einem Schweizer Festivalheft. Doch das römische Amphitheater wird vor allem in der Deutschschweiz seit einigen Jahren heftig konkurrenziert durch neue Spielorte, neue Festivals, neue Open-Air-Opernaufführungen wie etwa Solothurn, St. Gallen, Schinznach, Pfäffikon ZH. Und sollte das Wetter die diesjährige Produktion nicht unterstützen, könnte die Zukunft der Oper Avenches recht dunkel aussehen. Für die dritte «Nabucco»-Inszenierung in Avenches 2013 erwarten die Organisatoren rund 30 000 Zuschauer. 1999 waren es 52 000; 2005 erlebten 45 500 Zuschauer «Nabucco». Interessant: Erstmals wird diesen Sommer in Pfäffikon ZH eine Oper inszeniert («Aida»); und als künstlerischer Leiter wirkt dabei der Gründer und langjährige Direktor der Opéra Avenches, Sergio Fontana. hr