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Silvio Huonder
Geboren 1954 in Chur. Lebt in Schielowsee D. (2007)
Werke (Auswahl)
Valentinsnacht.
Verlag Nagel & Kimche AG, 2006
Valentinsnacht
Verlag Nagel & Kimche AG, 2006
Aus: Silvio Huonder. Valentinsnacht. Verlag Nagel & Kimche AG, 2006
Unaufhörlich strömte der Regen, bei Tag und bei Nacht. In schier unbegrenzter Menge prasselte das Wasser auf die Stadt nieder, rann an den Scheiben entlang, rauschte durch Dachrinnen und schwappte über deren Ränder, sprudelte aus verstopften Fallrohren und überschwemmte Hinterhöfe und Keller. Ein allgegenwärtiges Rauschen, Glucksen, Blubbern und Plätschern erfüllte die Strassen. Die Stadt steckte in einer grossen Waschmaschine. Was für ein Regen!, schrieb Paulmann in seiner Kolumne. Seit 1974 war dies die grösste je im Monat September in Berlin gemessene Regenmenge pro Quadratmeter. Er schrieb über die verschiedenen Abstufungen von Regen, über Nebelnässe, Sprühregen, leichten, mässigen, starken und sehr starken Regen, Platzregen, Wolkenbruch, Regen im Wald kommt doppelt herab, schrieb er –
Und mit einem Mal packte es ihn, er ging aus dem Appartement auf die Strasse hinaus und reckte dem Regen sein Gesicht entgegen. Er blickte in den grauen Himmel und wusste, dass sich in den Wolken über ihm, hoch oben in der Troposphäre ein Kubikmeter gesättigter Luft um ein Grad Celsius abkühlte und eine Wassermenge von einem Gramm abgab, woraus sich ein Regentropfen von ungefähr zwei Millimetern Durchmesser bildete, der zu schwer war, um von den Aufwinden gehalten zu werden, und mit einer Geschwindigkeit von acht Metern in der Sekunde der Erde entgegen fiel und sich nicht aussuchen konnte, wo er landen würde, ein kleiner Regentropfen unter vielen.