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DER KAMPF GEGEN DIE NEOPHYTEN
Die Thurauen beheimaten dank vielfältigen Lebensräumen verschiedenste Pflanzenarten. Allerdings fühlen sich auch gebietsfremde Pflanzen sehr wohl und verdrängen stellenweise die einheimischen Arten. Was wird dagegen gemacht?
Als Neophyten (griech. «neue Pflanzen») werden Pflanzenarten bezeichnet, die nach 1492 nach Europa eingeschleppt oder eingeführt wurden. Viele Neophyten wachsen problemlos neben einheimischen Pflanzen. Es gibt aber auch die invasiven Neophyten, die sich in grosser Zahl ausbreiten, ganze Lebensräume einnehmen und so die einheimischen Arten verdrängen. Da die Erhaltung der Artenvielfalt ein zentrales Ziel des Thurauenprojektes ist, werden die invasiven Neophyten innerhalb des Schutzgebietes bekämpft.
Einer der bekanntesten Neophyten ist die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) aus Nordamerika. Sie wurde als Zierpflanze nach Europa gebracht, wo sie schon bald an Wegrändern, Waldlichtungen und in Kiesgruben Fuss fasste. Sie weist goldgelbe Blütenstände auf, die von Juli bis Oktober bis zu 20‘000 flugfähige Samen bilden. Vor allem auf offenen Flächen bildet die Goldrute so rasch reine Bestände, wo andere Pflanzen kaum eine Chance haben zu wachsen. In den Thurauen wird die Goldrute so weit wie möglich von Hand ausgerissen. Wird eine Fläche über fünf bis sechs Jahre regelmässig bekämpft, geht der Bestand langsam zurück.
Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) wurde dank seiner hübschen, tief rosaroten Blüte ebenfalls als Zierpflanze aus dem Himalaya eingeführt. Es vermehrt sich anhand eines Schleudermechanismus: Wird die Samenkapsel berührt (z.B. durch einen Regentropen oder ein Tier), springt diese auf und schleudert die Samen bis zu sieben Meter weit! Jährlich bildet eine Blüte etwa 2‘500 Samen, die über sechs Jahre keimfähig bleiben. Die Pflanze selbst ist hingegen einjährig und stirbt im Herbst ab. Neben dem Verdrängen einheimischer Arten kann dies im Winter auch zu Bodenerosion führen, insbesondere in Uferbereichen. Deshalb wird das Drüsige Springkraut ebenfalls vor dem Versamen von Hand gezupft.
Weitere Arten, die in den Thurauen bekämpft werden, sind unter anderem das Einjährige Berufskraut, der Sommerflieder und der Japan-Knöterich, aber auch weniger bekannte Arten wie die schmalblättrige Goldrute oder Henrys Geissblatt. Die Bekämpfung der invasiven Neophyten in den Thurauen wird durch den Kanton koordiniert und finanziert. Ein grosser Teil der Handarbeit wird dabei von Zivildienstleistenden übernommen. Wir unterstützen die Bemühungen zusätzlich mit der Begleitung von Volunteering-Einsätzen. Einige wenige Flächen werden zudem gemäht. Aufgrund der Grösse des Schutzgebietes und beschränkten Ressourcen ist eine flächendeckende Bekämpfung jedoch unmöglich.
Warum also überhaupt bekämpfen? Eine Frage, die auch unter Experten kontrovers diskutiert wird. Viele invasive Neophyten sind mittlerweile derart weit verbreitet, dass sie – realisitsch gesehen – gar nicht mehr zu entfernen sind. In Mündungsgebieten wie den Thurauen kommt erschwerend hinzu, dass mit jedem Hochwasser neue Samen und Wurzelteile ins Gebiet geschwemmt werden. Mit einem gezielten Einsatz der Ressourcen kann man aber die invasiven Neophyten im Schutzgebiet zumindest im Zaum halten und den anspruchsvolleren einheimischen Arten eine Chance geben, zu wachsen. Der Schwerpunkt der Bekämpfung in den Thurauen liegt deshlab auf den ökologisch wertvollsten Flächen wie Kiesbänken, Riedwiesen oder dem Lichten Wald.