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Für unser Leben und Zusammenleben sind wir auf eine Vielzahl von Ressourcen angewiesen. Dazu gehören nicht nur natürliche Ressourcen wie Rohstoffe, Artenvielfalt oder Wasser, sondern auch gesellschaftliche Ressourcen wie Gesundheitsversorgung, Bildung oder Sozialleistungen. Welche Ressourcen sind unverzichtbar für ein erfülltes und menschenwürdiges Leben? Wie kann allen Menschen Zugang zu solchen Ressourcen gewährt werden? Welche Ressourcen müssen besonders geschützt werden für künftige Generationen und wie könnte dies geschehen? Das sind Fragen, die nicht nur viele Bürgerinnen und Bürger sowie Politikerinnen und Politiker umtreibt, sondern auch viele Forschende. Unter dem Stichwort Nachhaltiger Konsum wird diskutiert, welches geeignete Wege wären, Konsum in ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht zukunftsfähig zu gestalten. Immer öfter wird in diesem Zusammenhang der Gedanke geäussert, dass ein Konsum, der stets mehr Ressourcen beansprucht und bei dem Produkte immer kurzlebiger werden, nicht zukunftsfähig ist, und dass sich dies durch technischen Fortschritt alleine nicht korrigieren lässt. Bei der Suche nach Möglichkeiten, solchen Entwicklungen zu begegnen, wird seit einiger Zeit die Idee der Suffizienz diskutiert: Was und wie viel braucht der Mensch wirklich, um glücklich zu sein? Hinter der Idee der Suffizienz verbergen sich Fragen nach dem richtigen Mass im Konsumverhalten. Mit diesen Fragen einher geht die Beobachtung, dass ein höherer Konsum nicht zwingend zu mehr Zufriedenheit im Leben führt.
Ein Vorschlag, Konsum zukunftsfähig zu gestalten, besteht darin, dass sich die Menschen in einer Gesellschaft bezogen auf natürliche und gesellschaftliche Ressourcen, die potentiell gefährdet und/oder begrenzt sind, über Unter-Grenzen des zu Gewährleistenden und Ober-Grenzen des Zulässigen verständigen. So liessen sich Konsumunter- und -obergrenzen definieren, in deren Rahmen jeder Mensch ein erfülltes Leben führen kann – ohne dass ein solches durch das eigene Konsumverhalten für andere Menschen eingeschränkt oder gar verunmöglicht wird ("Konsum-Korridore").
Der Vorschlag, über solche Minima und Maxima nachzudenken, weckt Kontroversen. Das von der Stiftung Mercator Schweiz geförderte Projekt widmet sich grundlegenden Fragen rund um diesen Vorschlag: Voraussetzung dafür, Minima und Maxima anzuwenden, ist, dass es Bedürfnisse gibt, die als "geschützt" gelten können. "Geschützte Bedürfnisse" sind Bedürfnisse, auf deren Befriedigung alle Menschen in einer Gesellschaft ein Recht haben sollten. Im Projekt soll identifiziert werden, welche Bedürfnisse in der Schweiz diesen Status erhalten könnten. Um solche Bedürfnisse zu erkunden, werden zum einen Ansätze aus verschiedenen Disziplinen (Philosophie, Rechtswissenschaften, Psychologie, Medizin, Glücksforschung) berücksichtigt. Zum anderen wird eine repräsentative sozialwissenschaftliche Erhebung in der Schweizer Bevölkerung durchgeführt. Die nötige fachliche Breite wird durch einen "interdisziplinären Dialog" gewährleistet, in den Forschende aus verschiedenen Fachgebieten einbezogen werden. Im Projekt soll zudem untersucht werden, wie die Menschen in der Schweiz grundsätzlich reagieren auf den Vorschlag, Unter- und Obergrenzen von Konsum zu diskutieren. Die Ergebnisse des Projekts sollen klären helfen, welche Aufnahme der Vorschlag in der Schweiz finden würde.