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Der Münsterplatz bildet den Kern des Münsterhügels. Er unterscheidet sich von den betriebsamen Plätzen der Talstadt (Marktplatz, Barfüsserplatz) durch seine Ruhe und Eleganz, seine Lage abseits des Durchgangsverkehrs der Freien Strasse und durch seine beachtliche Grösse. Der Platz ist zweigeteilt und besteht aus dem etwa 130m langen und 35m breiten Grossen Münsterplatz und der Ausweitung des 70x50m messenden Kleinen Münsterplatzes. Beide haben einen unterschiedlichen Charakter; während der erstere sich dem Blick weit öffnet, besitzt der letztere eine intime, auch durch die Bäume gegebene Geschlossenheit.
Die vier Zugänge auf den Grossen Münsterplatz – von Norden die Augustinergasse, von Süden die Rittergasse und von Westen der Münsterberg und der Schlüsselberg – "sind an den Ecken des Grossen Münsterplatzes verwinkelt angeordnet, was die hofartige Geschlossenheit der Platzanlage betont. Die Gassen münden jeweils in einen trichterförmigen Vorplatz, der eine Sichtschneise auf den überraschend weiten Platz öffnet. So erscheint nach der Abknickung des Münsterbergs plötzlich die Doppelturmfassade des Münsters."1 Von der Ostseite des Kleinen Münsterplatzes führt ein Durchgang auf die Pfalzterrasse, die bis ins Spätmittelalter mit einer Mauer abgetrennt war. Die Grösse des Platzes und die Dimension des Münsters werden durch die geschlossene und relativ niedrige Bebauung aus traufständigen Häusern betont. Deren Fassaden wurden vorwiegend im Barock verändert und wirken daher sehr einheitlich. Das Münster steht, im Gegensatz z.B. zum Freiburger Pendant, dezentral im Winkel der beiden Plätze, die sie als mächtiger Vorhof umfassen, während der einst dem Klerus vorbehaltene Kreuzgang und der Bischofshof dahinter hinter den benachbarten Häusern verborgen bleiben.
Geschichte und bauliche Entwicklung
"Der heutige Münsterplatz befand sich im Bereich der römischen Siedlung und des späteren römischen Kastells, wovon ein 19m tiefer Sodbrunnen zeugt. Teile der Kastellmauer blieben über die römische Zeit hinaus stehen, woran die Bezeichnungen „in castro“ oder „Auf Burg“ erinnern. Im Frühmittelalter wurden auf dem späteren Platzbereich neuartige Bauten, so genannte Grubenhäuser, mit kellerartig in den Boden eingetieften Werk- oder Arbeitsräumen von alamannischen Siedlern errichtet."2
Ein Bischofssitz auf dem Münsterhügel kann seit der Mitte des 8. Jahrhunderts vermutet werden, eine Bischofskirche ist seit dem 9. Jahrhundert belegt. In Zusammenhang mit der Kirche scheint auf dem späteren Münsterplatz ein Friedhof errichtet worden zu sein, der bis ins 10. Jahrhundert genutzt und anschliessend in einen Platz umgewandelt wurde, der sich zum politischen und spirituellen Zentrum der Stadt entwickelte. Der Platz selbst war bischöfliches Eigentum und gehörte zum bischöflichen Immunitätsbezirk.
Die Bischöfe Basels waren als Reichsfürsten mit weltlichen und geistlichen Herrschaftsrechten versehen. Dies fand Ausdruck in der Architektur des Münsterplatzes. Die mittelalterlichen Bezeichnungen „atrium“ oder „Stiftshof“ legen nahe, dass der Platz hofartig von Gebäuden umgeben war. Hier standen die Bischofskirche, die Bauten der bischöflichen Verwaltung sowie die Häuser der Domherren. "Die Gerichte, die Dombauverwaltung sowie die Schaffnei waren in den Gebäuden an der Ostseite des Kleinen Münsterplatzes untergebracht. Am Übergang zum Grossen Münsterplatz erhob sich die St. Johanneskapelle, das alte Baptisterium des Münsters. Sie diente als Sitz der St. Johannesbruderschaft, einer Vereinigung von Domkaplänen, und war eine Station der Prozessionen an hohen kirchlichen Feiertagen. Spätestens seit dem 12. Jahrhundert bewohnten die Domherren eigene Stiftshäuser in der Nähe der Bischofskirche (...). Diese Häuser gehörten dem Domstift und wurden den einzelnen Domherren im Leibgedingrecht überlassen."3 Durch das Erdbeben von 1356 erlitten die Domherrenkurien derart grossen baulichen und finanziellen Schaden, dass die Domherren aufgefordert wurden, ihre Wiederherstellung aus privaten Mitteln zu unterstützen. In einzelnen Kurien befanden sich Kapellen, so beispielsweise im Katharinenhof (Nr. 18) oder im Fridolinshof (Nr. 12). Nebst den Domherren wohnten Mitglieder des bischöflichen Dienstadels am Münsterplatz; zeitweise residierten hier auch Bischöfe, besonders dann, wenn ihr eigentlicher Sitz nicht bewohnbar war.
Auf dem Münsterplatz wurde traditionellerweise ein Markt abgehalten, auf dem Lebensmittel, Holz, Heu und Stroh erworben werden konnten. Der Markt für Wein und Getreide hatte sich schon im 12. Jahrhundert auf dem Kornmarkt unten etabliert. Nach dem Erdbeben von 1356 verlegte man den Markt zeitweilig vom Münsterplatz vor das Barfüsserkloster, und das Konzil (1431-48) verdrängte den Marktbetrieb auf Burg endgültig. Auf dem Grossen Münsterplatz fanden festliche Empfänge und prunkvolle Turniere statt, so zum Beispiel ein Wettstechen zwischen Herzog Sigismund von Österreich und Walter von Hallwyl 1467, die Krönung Amadeus’ von Savoyen zum Gegenpapst vor dem Münster 1440 oder die Verlesung der Stiftungsbulle der Universität 1460.
Als in der Folge der Reformation 1529 der Bischof und das Domkapitel die Stadt Basel verlassen hatten, schuf der Rat für die Verwaltung und Betreuung der Domherrenhäuser am Münsterplatz die Stellung eines Domstiftschaffners. Er war der so genannten Haushaltung (Finanz-, Steuer- und Zollverwaltung) Rechenschaft schuldig. Andere Liegenschaften aus ehemals kirchlichem Besitz wurden öffentlichen Zwecken nutzbar gemacht; das Kapitelhaus (Nr. 8), die Kanzlei des bischöflichen Gerichts (Nr. 7) und die St. Johanneskapelle (Nr. 2) nutzte man als Fruchtschütte, der Jostenhof (Nr. 15) wurde zum Schulhaus auf Burg. Auch im 17. Jahrhundert wurden die notdürftig unterhaltenen Häuser fast ausschliesslich an die Mitglieder der städtischen Führungsschicht und an hohe Magistraten, die im Kleinen Rat zu Oberstzunftmeistern und Bürgermeistern aufgestiegen waren, als Wohn- und Amtssitz vergeben. Dagegen wohnten in der Nähe des Werkhofs auf dem Kleinen Münsterplatz auch einige Handwerker.
"Die ehemaligen Domherrenhöfe behielten bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts ihre spätgotische Prägung. In der Regel besassen sie ein hohes Erdgeschoss mit schmalen Fensterchen und seitlicher Toreinfahrt sowie im ersten Wohngeschoss vereinzelt Staffelfenster. 1758 leitete die Modernisierung des Rollerhofs die bauliche Veränderung des Platzes ein."4 Die Haushaltung beauftragte Johann Jakob Fechter zwischen 1763 und 1770 mit der Umformung der Domherrenhöfe an der Westseite. Er musste sie dem Stilempfinden der damaligen Zeit anpassen, indem er den Fassaden ein einheitliches Aussehen verlieh, die Fenster in regelmässigen Achsen anordnete und die Grundrisse entsprechend organisierte. Ab 1767 war Fechter auch mit dem neuen Antistitium (Rittergasse 2) und im Regisheimerhof (Nr. 10) an der Südseite tätig. Die Barockisierung des Münsterplatzes endete 1779 mit dem Umbau des Falkensteinerhofs (Nr. 11) durch Samuel Werenfels. Drei gotische Häuser blieben unverändert: das Sigristenhaus (Nr. 13), der Schürhof (Nr. 19) und der Reinacherhof (Nr. 18). Letzterer ging 1798 an die Allgemeine Lesegesellschaft über, für die 1808 Achilles Huber das Haus im klassizistischen Stil umbaute.
Nach der Säkularisierung des Fürstbistums Basel 1803 fielen die domstiftlichen Häuser am Münsterplatz an den Staat, der davon 1805 drei Häuser verkaufte oder versteigerte, im Jahr darauf nochmals drei aus bischöflichem Besitz. Die in bescheidenem Zustand gehaltenen Häuser genügten den Ansprüchen der neuen Besitzer nicht mehr, und so erstellten 1841-43 wohlhabende Kaufleute und Privatiers drei völlige Neubauten (Nrn. 2/3, 12 und 4/5). Die kantonale Verwaltung führte 1904 die an der Südseite stehenden Häuser zusammen, baute sie aus und erweiterte sie.
Bepflanzung und Wegführung
1735 wurden auch an der Westseite des Grossen Münsterplatzes fünfzehn Rosskastanien gesetzt, um den Bewohnern der besonnten Häuser an der Westseite im Sommer Kühlung zu verschaffen. Die letzten Exemplare fielen 1821, um den Platz zu verschönern. Spätestens seit dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts wies der Platz eine durchgehende Pflästerung. Nach 1850 beklagten sich die Lehrer des Gymnasiums über störende Fahrgeräusche auf dem harten Steinbelag, weshalb 1871 die zur Augustinergasse leitende Fahrbahn probeweise mit Makadam belegt und 1877 asphaltiert wurde.
1 Nagel, Anne; Möhle, Martin; Meles, Brigitte: "Die Altstadt von Grossbasel 1 - Profanbauten", Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 2006, S. 28
2 ebda., S. 28
3 ebda., S. 29
4 ebda., S. 30