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Wer macht was im Gottesdienst?
Die handelnden Personen und ihre Aufgaben - theologische Erschliessung - praktische Tipps
Der Titel klingt harmlos und das Coverbild lässt den Ministrantendienst assoziieren. Es geht in diesem Buch aber nicht nur um die liturgischen Dienste. Alle liturgischen Rollen werden ausführlich dargestellt und machen das Buch schon deshalb lesenswert. Es bietet aber noch mehr, Spannenderes und Angriffigeres. Es geht auch um die Frage nach Macht.
Wie wenig harmlos die Frage "Wer macht was im Gottesdienst?" ist, zeigt schon die Überschrift des ersten Kapitels: "Rollenspiele, Macht und Drehbücher – eine Annäherung an den katholischen Gottesdienst". Es sei gleich gesagt: Der Autor lässt sich nicht auf eine kirchenpolitische Position fixieren. Er vertritt die Auffassung, dass die Rolle in der Liturgie an die Stelle der Macht tritt, da bei der Verwendung eines verbindlichen liturgischen Buchs die Rollen festgelegt sind, so dass alle in derselben Weise daran gebunden sind. Das reduziere und bändige Macht und Übergriffigkeit (vgl. 24). Dass vorgegebene Rollen unterschiedlich ausgeübt werden, ist Lumma selbstverständlich durchaus bewusst (vgl. 81). Mit der Frage, wie eine Rolle ausgeübt wird, kommt die Machtfrage im Falle des Vorsteherdienstes (nicht nur des Priesters!) dann allerdings doch wieder ins Spiel.
Die Machtfrage mit der vorgegebenen Rollenverteilung eines liturgischen Buches zu verbinden, entbindet dann gerade nicht von Verpflichtung, Anweisungen für Rollenträger kritisch zu überprüfen. Das tut Lumma. Zwei Beispiele:
- Zum Vortrag des Evangeliums in einer Eucharistiefeier heisst es: "... wäre es besser, wenn bei fehlendem Diakon das Evangelium nicht vom Vorsteher, sondern von einem Lektor gelesen würde, damit der Vorsteher immer ‚Hörender des Evangeliums‘ bleibt. Leider ist diese Variante derzeit nicht im liturgischen Recht vorgesehen." (93)
- Den Vorsteherdienst übt seinem Verständnis nach eine Person aus, die die Eröffnungsformel zu Beginn, die Segensformel zum Schluss und an Gott gerichtete Gebete übernimmt und zwar unabhängig von der Kleidung, der Gestik oder dem Platz im Kirchenraum (82f). Damit steht die Frage im Raum, ob nur ordinierte Vorsteher die Gruss- und Segensformeln in der Ihr-Form (Der Herr sei mit euch; Es segne Euch …) sprechen und ob nur sie die Segensgeste über alle zeichnen dürfen. Lumma spricht sich auch mit Bezug auf ein erneuertes Konzept der niederen Weihen dafür aus, dass alle Vorstehenden das Gruss- und Segensritual wie Ordinierte ausführen. Wie ernst er den Dienst und die Personen nimmt, die als Nichtordinierte Feiern vorstehen, zeigt dieser Passus: „Wer Gemeindeliturgien leitet, steht im Namen der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit und wird mit ihr identifiziert. Die Verantwortung für liturgische Versammlungen tragen und vor aller Welt die Stimme im Namen der Versammlung an Gott richten: Das ist nichts, was man einfach so überstreift und dann wieder abstreift, als wäre es nie geschehen. Es nimmt Menschen in hohem Maß in Anspruch, es prägt diese Menschen und geht tiefgreifend in ihre Erfahrungen, ihr Selbstbild und ihr Verhältnis zur Kirche ein.“ (85)
Ein Buch, das nicht nur solide Informationen anbietet, sondern zugleich zur Diskussion einlädt.
Gunda Brüske (12.1.2022)
Wer macht was im Gottesdienst? Die handelnden Personen und ihre Aufgaben, von Liborius Olaf Lumma, Verlag Friedrich Pustet, Regenburg 2021, 176 S., CHF 21.90
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