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Überblick: Was ist eine Achalasie?
Bei Menschen mit einer Achalasie ist die Muskeltätigkeit der Speiseröhre gestört. Der Schliessmuskel zum Magen bleibt angespannt, erschlafft nicht und öffnet sich somit nicht richtig. Daher hat die Achalasie auch ihren Namen: Das „A“ steht für „nicht“, und das griechische Wort „chalasie“ heisst so viel wie „Nachlassen, Erschlaffen“. Zugleich funktioniert die für den Nahrungstransport notwendige Muskelpumpe der Speiseröhre nicht mehr ausreichend. So haben Betroffene schliesslich immer mehr Schwierigkeiten, Nahrungsmittel herunterzuschlucken. Auch wenn die meisten wohl kaum darüber nachdenken: Das Schlucken ist ein komplexer, ausgeklügelter Prozess, bei dem die Muskeln und Nerven in der Speiseröhre gut zusammenspielen müssen. Funktioniert diese Zusammenarbeit nicht reibungslos, kommt der Nahrungsbrei ins Stocken und wird nicht weiter in Richtung Magen transportiert.
Charakteristisch für die Achalasie sind Schluckstörungen und Schmerzen hinter dem Brustbein. Ausserdem stossen viele Betroffene unverdaute Nahrungsreste wieder auf. Mit der Zeit verstärken sich die Symptome immer weiter. Die Achalasie ist zwar nicht heilbar, doch es gibt wirksame Therapien, insbesondere endoskopische Verfahren wie eine Dilatation oder eine Operation. Alle Behandlungen zielen darauf ab, den unteren Speiseröhrenmuskel zu öffnen und so eine bessere Passage der Nahrung zu gewährleisten.
Ursachen der primären oder sekundären Achalasie
Die Ursache der primären Achalasie liegt in einer abnormalen Reaktion des Immunsystems. Zum Beispiel auf Viren bei Atemwegsinfektionen, bei der dann Nervenzellen zerstört werden und damit deren Funktion ausfällt. Dies ist nicht reversibel.
Daneben gibt es noch die sekundäre Achalasie, bei der andere Krankheiten an der Fehlfunktion der Speiseröhre schuld sind. Dazu gehören unter anderem Speiseröhrenkrebs und Magenkrebs, wenn der Tumor den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen verengt.
Achalasie – Häufigkeit und Alter
Die Achalasie ist ein sehr seltenes Krankheitsbild. Experten schätzen, dass nur einer von 100’000 Menschen daran erkrankt. Meist sind Personen zwischen dem 25. und 60. Lebensjahr betroffen, grundsätzlich kann aber in jedem Lebensalter eine Achalasie auftreten. Frauen erkranken etwa genauso oft wie Männer.
Grosse Erfahrung
Die Achalasie ist eine seltene Erkrankung der motorischen Funktion der Speiseröhre, die sich meist durch Schluckstörungen äussert. Es gibt mehrere anerkannte Behandlungsmethoden, die an die individuelle Situation angepasst werden müssen. Am Universitätsspital Zürich haben wir grosse Erfahrung mit diesem Krankheitsbild und können durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Gastroenterologie und Chirurgie eine moderne und qualitativ sehr hochstehende Diagnostik und Behandlung anbieten.
Was passiert bei einer Achalasie?
Zwei Mechanismen sind bei der Achalasie am Werk:
- Die Nerven im unteren Teil der Speiseröhre verlieren ihre Funktion. Fällt die Nervenfunktion aus, erhalten die Muskeln auch keinen Impuls, sich zu bewegen, dass sie sich anspannen und entspannen sollen. So transportiert die Speiseröhre den Nahrungsbrei auch nicht mehr schnell in Richtung Magen, wie dies bei Gesunden der Fall ist.
- Ausserdem entspannt sich der Schliessmuskel am Ende der Speiseröhre nicht mehr ausreichend – er bleibt angespannt und kann sich somit nicht mehr richtig öffnen. Die Nahrung bleibt in der Speiseröhre „stecken“.
Symptome: Achalasie verursacht Probleme beim Schlucken
Die Symptome der Achalasie sind zu Beginn meist nur mild ausgeprägt und treten nur gelegentlich auf. Mit der Zeit verstärken sie sich jedoch immer weiter und können den Alltag und die Lebensfreude (vor allem den Genuss beim Essen) empfindlich beeinträchtigen. Folgende Symptome werden bei einer Achalasie beobachtet:
- Schluckstörungen: Betroffene haben Probleme, die Nahrung hinunterzuschlucken. Viele beschreiben ein Gefühl, als würde ihnen das Essen im Hals stecken bleiben. Sie trinken viel, damit die Nahrung besser hinunterrutscht. Anfangs fällt nur das Schlucken fester Nahrung schwer, später werden auch flüssige Speisen zum Problem.
- Aufstossen von unverdauten Nahrungsbestandteilen (Regurgitation): Die Nahrungsbestandteile gelangen nicht in den Magen, sondern fliessen zurück in Richtung Mund. Vor allem im Liegen und nachts kann dies gefährlich werden. Manchmal atmen Betroffene die Speisereste ein und sie landen dann in der Luftröhre und den Atemwegen – eine Lungenentzündung kann die Folge sein.
- Schmerzen hinter dem Brustbein, Krämpfe im Brustkorb – dies interpretieren viele fälschlicherweise als Herzerkrankung.
- Gewichtsabnahme – viele Betroffene können nicht mehr ausreichend essen und schlucken.
- Schmerzen beim Schlucken, wenn die Nahrung länger in der Speiseröhre bleibt und dort Entzündungen auslöst.
Achalasie: Diagnose bei uns
Suchen Sie immer eine Ärztin oder einen Arzt auf, wenn Sie Probleme beim Schlucken haben – auch wenn diese anfangs weniger stark ausgeprägt sind. Wir befragen Sie zunächst zu Ihrer Krankengeschichte in einem Anamnese-Gespräch. Im Vordergrund stehen die Beschwerden, die Intensität und Dauer, aber auch Grunderkrankungen, die Einnahme von Medikamenten sowie Ihr Lebensstil.
Untersuchungen
- Druckmessung (Manometrie): Eine hochauflösende Ösophagusmanometrie in der Funktionsdiagnostik der Gastroenterologie ist die wichtigste Untersuchung in der Diagnose einer Achalasie. Dabei bestimmen wir die Druckverhältnisse in der Speiseröhre. Die Werte liefern Hinweise darauf, wie es um die Muskeltätigkeit der Speiseröhre steht. Die Manometrie zeigt auch, ob der untere Speiseröhrenmuskel beim Schlucken angespannt bleibt und sich nicht vollständig öffnet.
- Spiegelung von Speiseröhre und Magen (Gastroskopie): Dabei kommt ein Endoskop zum Einsatz, ein dünner Schlauch mit einer Lichtquelle und Kamera-Chip. Entzündungen und andere Veränderungen an der Schleimhaut der Speiseröhre sind so erkennbar. Zudem liefert die Gastroskopie Hinweise auf Verengungen.
- EndoFLIP: Die ist eine hochspezialisierte Untersuchung, die durch Spezialisten aus der Funktionsdiagnostik während der Spiegelung von Speiseröhre und Magen durchgeführt wird. Sie erlaubt zusätzliche Information zur Dehnbarkeit des Übergangs von der Speiseröhre in den Magen und Restfunktion der Speiseröhre.
- Röntgenuntersuchung/Durchleuchtung: Patientinnen und Patienten erhalten ein Kontrastmittel zu trinken, währenddessen dynamische Röntgenbilder aufgenommen werden. Der Transport der Flüssigkeit über die Speiseröhre wird somit sichtbar gemacht. Ist die Achalasie schon weiter fortgeschritten, sieht die Speiseröhre auf dem Röntgenbild wie ein Sektglas aus – am Übergang zum Magen gibt es eine typische Engstelle, während der Bereich darüber erweitert ist.
Achalasie: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose
Leider gibt keine vorbeugenden Massnahmen gegen eine Achalasie. Durch Ihren Lebensstil können Sie jedoch das Risiko für Folgen und Komplikationen der Achalasie vermindern, etwa einer Speiseröhrenentzündung oder Speiseröhrenkrebs. Verzichten Sie möglichst auf Alkohol und das Rauchen. Da bei Achalasie das Risiko für einen Speiseröhrenkrebs geringgradig erhöht ist, sollten Sie ausserdem Ihre Speiseröhre regelmässig von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt untersuchen lassen – so lassen sich Veränderungen frühzeitig erkennen.
Verlauf und Prognose bei einer Achalasie
Die Achalasie ist eine chronische Erkrankung, die unbehandelt im Verlauf fortschreitet. Die Probleme beim Schlucken nehmen zeitweise ab, was leider bedeutet, dass die Speiseröhre sich immer weiter ausdehnt, und nehmen dann wieder zu, wenn die Entleerung immer schlechter wird. Mit einer ausreichenden und möglichst frühen Behandlung lassen sich jedoch die Beschwerden lindern und das Fortschreiten der Achalasie verzögern. Ohne Therapie erweitert sich die Speiseröhre zunehmend und im schlimmsten Fall verliert sie ihre Funktion. Auch Lungenentzündungen sind eine häufige Folge, wenn Sie aufgestossene Nahrungsreste einatmen und diese in die Lunge gelangen. Zudem kann sich die Speiseröhre entzünden, wenn die Nahrung länger dort vor Ort bleibt, gefolgt von Blutungen oder Geschwüren.
Eine über Jahre bestehende Achalasie bedeutet ein erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs. Daher sind regelmässige Kontrollen bei uns wichtig.
Achalasie: Behandlungen
Die Achalasie lässt sich gut behandeln. Mit den richtigen Therapien können wir die Symptome lindern. Eine Behandlung, die direkt an der Ursache ansetzt – nämlich dem Ausfall der Nervenfunktion – gibt es jedoch nicht. Somit ist die Achalasie nicht heilbar. Die Behandlungen zielen darauf ab, den Widerstand im Schliessmuskel der Speiseröhre zu vermindern. Welche Behandlung in Frage kommt, hängt vom Ausmass der Beschwerden, aber auch dem allgemeinen Gesundheitszustand, Alter und Ihren individuellen Wünschen ab. Generell ist immer eine definitive Therapie anzustreben – Medikamente und Botox helfen nicht gut respektive nur kurzfristig und sind nur bei älteren Patienten mit vielen Begleiterkrankungen sinnvoll. Bei einem operativen Eingriff wird vom Institut für Anästhesiologie das individuell auf Sie angepasste Anästhesie-Verfahren ausgewählt.