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Die Mosaikkunst ist eine der ältesten und zugleich eine der modernsten Kunstformen. Dank seiner Zeitlosigkeit entspricht das Mosaik auch dem heutigen Geschmack und viele zeitgenössische Künstler lassen sich inspirieren und entwickeln neue Möglichkeiten. Heute werden an vielen Orten Kurse angeboten, wo vor allem Gegenstände mit Mosaiksteinen gestaltet werden.
Das älteste erhaltene Mosaik stammt aus der sumerischen Kultur um
ca. 3000 v.Chr. In diesem Mosaik wurden verschieden lange Tonbolzen in geometrische Muster eingesetzt. Die in die Lehmmauer eingedrückten Tonstifte dienten zur Verzierung und gleichzeitig zur Verstärkung derselben.
Die griechischen Kieselmosaiken wurden mit Kieselsteinen, welche von Wasser und Sand in Fluss und Meer rundgeschliffen waren, in Mörtel gebettet. Ein erstes erhaltenes Mosaikmuster tritt im 6. Jh v.Chr. in Delphi auf.
In der klassischen griechischen Architektur und Skulptur wurde das schlichte Kieselsteinmosaik als eigene Kunstgattung erkannt. Aus dem 1. -2. Jh. v. Chr. stammen naturalistische, hellenistische Darstellungen mit Jagd-, Masken-, Theaterszenen und Bildern aus der griechischen Mythologie. Interessant sind auch die dreidimensional wirkenden Motive.
Die Römer übernahmen die Mosaikkunst von den Griechen. Sie brachten diese Kunst vom Boden an die Wand und begannen auch Deckengewölbe und Kuppeln mit Mosaik auszukleiden. Die einzelnen Steine, die sogenannten Tesserae wurden immer kleiner (bis zu 63 Tesserae pro cm 2). Dadurch wurden die Mosaike immer genauer.
Die so dargestellten Personen und Tiere wirkten sehr realistisch.
Diese Technik, die sich bis ins 19. Jahrhundert weiterentwickelte, wurde besonders für Bildszenen, die sich in der Mitte eines Boden befand, angewandt. Diese sehr fein gearbeiteten Mosaike wurden meist in Werkräumen hergestellt und in einem Rahmen dorthin transportiert, wo das Mosaik eingesetzt werden sollte.
Bei Arbeiten in römischer Tradition wurde um diese Bildszenen herum ein Mosaikrahmen in geometrischen Mustern mit grösseren Steinen gelegt. (Abb. 3)
Oft wurde dieser Rahmen durch einen weiteren Rahmen, wie bei einem Teppich, mit noch grösseren Steinen, diesmal bereits in Dreiecke, Quadrate und Rhomben geschnitten erweitert.
In der frühchristlichen Zeit finden sich die ersten Kuppelmosaike. Die Darstellungen sind meist noch ausgesprochen römisch aber die Interpretation verändert sich zusehends. Der neue Effekt, der durch das an die Wand und in das Gewölbe angebrachte Mosaik erzielt werden konnte, beeindruckte das christliche Volk
noch viel stärker.
Das verwendete Material besteht aus weissem Marmor für den Hintergrund und sehr farbigen Glasmosaiksteinen (Smalten) für die Figuren und Ornamente. Diese Legetechnik unter Anwendung von Kontrastfarben in einen auf den ersten Blick einfarbigen Hintergrund wird typisch bleiben für die Mosaikkunst, wie sie von den Byzantinern weiterentwickelt wurden.
Das Mosaik fand so seine Anwendung als Element, das architektonische Formen unterstützt. Ein schönes Beispiel ist das Wand- und Gewölbemosaik des Mausoleums Galla Placidia in Ravenna.
Die Bauten in Ravenna führen den tiefen Wandel gegenüber der klassischen Antike vor Augen. Die Kirchen wirken von aussen sehr einfach und ungeschmückt und innen entfaltet sich der unvergleichlich, einzigartige Zauber des Glasmosaiks, der eigentlichen frühchristlichen und byzantinischen Bildkunst. Der Sternenhimmel im Kreuzgewölbe des Mausoleums der Galla Placidia vereinigt die verschiedenen Bildkompositionen. Der alles umschliessende dunkelblaue Grund ist typisch frühchristlich im Sinne des symbolischen Unendlichkeitsblaus.
In den späteren byzantinischen Wandmosaiken zeigt sich der orientalische Einfluss. Farbige Naturdarstellungen verschwinden allmählich und der Hintergrund wird mit Gold hinterlegt.
Im 18., 19. und 20. Jahrhundert knüpfte man wieder an die römisch-hellenistische Mosaikdarstellung an. Nur wirkten diese neueren Mosaiken weniger frei fliessend, sondern eher statisch. Die Mosaiken scheinen wie Gemälde zu wirken, da sie so präzis und mit einer äusserst reichen Farbskala ausgeführt worden sind.
Antonio Gaudi war einer der grossen Revolutionäre der Mosaikkunst. Inspiriert von den arabischen Fliessenmosaiken bediente er sich der Scherben von bunten Fayencefliessen und der Bruchstücke aus Tassen und Tellern, um seine fantasievolle Architektur mit Mosaik einzukleiden. Die einzelnen Elemente sind also nicht mehr in einer bestimmten Form zugeschnitten, sondern mehr zufällig zerbrochen und neu zusammengefügt.
Weitere Künstler wie Friedensreich Hundertwasser und Niki de Saint Phalle, wandten diese Mosaiktechnik auf ihren Baugebilden und Skulpturen an. Jeder Künstler hat seine eigene Technik entwickelt, die zwar auf der Basis des antiken Mosaiks beruht, aber mit Hilfe von neuen Materialien stets neue Wege findet. Heute findet das Mosaik wieder Eingang in Restaurants, Kaffees, öffentliche Gebäude und in unsere Wohnräume und Gärten.
Details zur Erstellung einse Mosaikbildes finden Sie in der Diplomarbeit von Christoph Wüthrich. Grösse des PDF: 190 MB