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Satan der Polemik, weiche von mir. Keine Polemik. Nur ganz sachlich und objektiv sagen, was ist. Hier ein Leistungsvergleich des ausländischen Personals:
In drei Spielen haben die vier ausländischen SCB-Stürmer 2 Tore und 7 Punkte beigesteuert. Alle drei haben eine neutrale Plus/Minus-Bilanz.
In zwei Spielen haben die vier ausländischen SCL-Stürmer 7 Tore und 14 Punkte erzielt. Mit einem Spiel weniger sind sie also doppelt so produktiv wie die SCB-Ausländer. Zudem haben Olofsson, Saarela und Pesonen eine +2-Bilanz; Grenier hat eine neutrale Bilanz.
Die SCL Tigers stehen nach zwei Partien mit 4 Punkten auf Rang 6. Der SCB ist nach drei Partien noch ohne Punkte. Die SCL Tigers haben das drittbeste Powerplay. Der SCB ist im Powerplay das schwächste Team der Liga
Zufall? Oder steckt doch etwas mehr dahinter? Keine Polemik. Nur ganz sachlich und objektiv sagen, was ist.
Jesper Olofsson stürmte letzte Saison für den SC Bern. In der Qualifikation produzierte er in 32 Partien 10 Tore und 13 Assists und in den Playoffs steuerte er in sechs Spielen 3 Tore und 2 Assists bei. Er war nach einer längeren Verletzungspause im Laufe der Saison nach Bern gekommen. Die Statistik zeigt, dass er eine Angewöhnungszeit brauchte. Am Schluss – in den Pre-Playoffs und Playoffs – war er einer der treffsichersten SCB-Stürmer. Sein Potenzial war also offensichtlich.
Warum hat der SCB den Vertrag mit dem schwedischen Zauberflügel nicht verlängert? Das Preis-Leistungs-Verhältnis war einmalig gut. Olofsson wollte unbedingt im Raum Bern bleiben und mit kluger Verhandlungstaktik wäre es wohl möglich gewesen, ihn für weniger als 200'000 Franken netto zu einer Vertragsunterschrift zu motivieren.
SCB-Obersportchef Raëto Raffainer klärt auf: «Wir konnten den Abgang von André Heim nicht kompensieren. Zwei Ausländerpositionen waren noch offen. Wir sind auf der Centerposition so schwach besetzt, dass wir zwei Stürmer verpflichten mussten, die auch Center spielen können.»
Weil der SCB kein Interesse mehr zeigte, stürmt Jesper Olofsson nun also für die SCL Tigers. Die Langnauer hatten ihn auf ihrer Wunschliste. Es traf sich dann gut, dass Daniel Giger die Interessen des Schweden vertritt. Langnaus Sportchef Marc Eichmann (er hat keinen Unter- oder Nebensportchef, der ihm zur Hand geht) über Olofssons Verpflichtung: «Daniel Giger sagte uns, Jesper würde gerne im Raum Bern bleiben und wir haben uns bald geeinigt.»
Der Anfang der Geschichte ist also der Transfer von André Heim von Bern zu Ambri. Heim ist SCB-Junior, war SCB-Topskorer in den Playoffs und wäre gerne in Bern geblieben. Warum der Wechsel nach Ambri? Weil ihm der SCB keinen neuen Vertrag angeboten hat.
Satan der Polemik, weiche erneut von mir. Ganz sachlich und objektiv dürfen wir sagen: Hier handelt es sich um sportliches Führungsversagen. Als Ausrede wird vorgebracht, wegen der Coronavirus-Krise habe man halt kein Budget für eine Vertragsofferte gehabt. Der Hockey-Konzern SC Bern mit einem Umsatz von fast 60 Millionen Franken, mit den höchsten Zuschauerzahlen Europas, hat kein Budget, um einem der besten eigenen Spieler einen neuen Vertrag anzubieten. Und so hat André Heim halt für drei Jahre in Ambri unterschrieben. Beim Klub mit dem zweitkleinsten Budget der Liga.
Zuständig für die SCB-Sportabteilung waren zum Zeitpunkt, als Heim sich mit Ambri einigte, Sportchefin Florence Schelling, Nebensportchef Alex Chatelain und Schattensportchef und Verwaltungsrat Mark Streit. Der aktuelle Obersportchef Raëto Raffainer und sein Untersportchef Andrew Ebbett haben also die Gnade der späteren Anstellung. Sie sind in dieser Sache frei von aller Schuld und Verantwortung.
Interessant in der ganzen innerbernischen Ausländergeschichte: Langnau und Bern wollten beide Kaspars Daugavins. Der Lette entschied sich des Geldes wegen für den SCB. Marc Eichmann bestätigt: «Wir konnten finanziell nicht mehr mithalten.» Und so haben die Langnauer ihre vierte und letzte Ausländerposition mit Alexi Saarela besetzt.
Der SCB bezahlt Kaspars Daugavins nicht ganz 300'000 Franken netto. Er kostet also den SCB rund 600'000 Franken. Nach drei Spielen hat er null Tore und null Assists auf dem Konto. Saarela, den die Langnauer verpflichtet haben, weil sie sich Daugavins nicht leisten können, hat in zwei Spielen zwei Tore und einen Assist gebucht.
Die vier SCB-Ausländer verdienen zusammen fast (aber nicht ganz) doppelt so viel wie die vier Ausländer der Langnauer. Klar ist: Die vier ausländischen SCB-Stürmer müssen schon ein wenig produktiver werden. SCB-Obersportchef Raffainer mahnt jedoch erst einmal zur Vernunft: «Ich habe immer gesagt: Wir brauchen drei Jahre, um wieder ein Spitzenteam zu werden. Wir werden doch nicht nach drei Spielen schon in Panik verfallen.»
Wo er recht hat, da hat er recht. Was sind schon drei Spieltage gegen drei Jahre mit über 150 Spieltagen? Ein Wimpernschlag der Hockeygeschichte. Und noch hat jeder seiner vier Ausländer genug Zeit, um Liga-Topskorer zu werden.
Aber Dreijahrespläne werden im Himmel der klimatisierten Büros geschmiedet. Gelebt werden sie hingegen auf kühlem, rutschigem Eis. Am Freitag kommt Langnau nach Bern. Ein Sieg gegen Langnau wiegt in der SCB-Seele fünf Niederlagen gegen andere Gegner auf.
Das Derby ist die grosse Chance für die ausländischen SCB-Stürmer, den schwachen Saisonstart vergessen zu machen. Gelingt ihnen das nicht, dann brennt beim SCB schon drei Monate vor Weihnachten zum ersten Mal der Baum. Und Trainer Johan Lundskog kann mit dem Kauf eines Wintermantels noch ein wenig warten.