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Reisen, bei denen wir unser Ziel nicht erreichen und alles anders kommt als geplant, prägen uns viel nachhaltiger, als erfolgreiche.
Arktisches Packeis
Der britische Polarforscher Ernest Shackleton und seine 27 Männer überlebten 1914 den Untergang des Schiffes «Endurance» im arktischen Packeis. Dass die Männer nach fast zweijährigem Überlebenskampf unter härtesten Bedingungen körperlich gesund und emotional stabil nach Hause zurückkehren konnten, war dem Krisenmanagement und der Führungskunst Shackletons zu verdanken. Er verwandelte eine Katastrophe in einen Triumph.
Für Shackleton war dies die dritte Antarktis-Expedition und er wusste welche Entbehrungen, Kälte, vier Monate Dunkelheit im Polarwinter, Stürme und Hunger auf die Teammitglieder zukommen würden. Neben diesen äusseren Gefahren sah er die grösste Gefahr in der „Moral“ der Mannschaft: in ihrer Motivation und Stimmung. Er nutzte die Anreise zur Antarktis, um seine Crew vorzubereiten und aus drei von Status und Ausbildung höchst unterschiedlichen Gruppen (Schiffsoffizieren, Mannschaft, Wissenschaftlern) und 28 eigenwilligen Persönlichkeiten eine Mannschaft zu formen, die sich zu jeder Zeit gegenseitig unterstützte. Dabei bewies er eine Führungskunst und ein Krisenmanagement, die ihn als geborenen Anführer auswiesen.
Erstaunliche Führungsprinzipien
Obwohl seine Expeditionen um die Zeit des ersten Weltkriegs herum stattfanden, sind seine Führungsprinzipien wie gemacht für heutige Unternehmenskulturen. Eigentlich erstaunlich. Damals war ein eher hierarchischer Stil wie der des Forschers Robert F. Scott üblich: Er galt als mürrisch, herrschsüchtig und steif; in militärischer Tradition stellte er das Ziel über Menschenleben. Shackleton dagegen führte unautoritär und demokratisch, er galt als herzlich, humorvoll und gerecht. Besonders sein unerschütterlicher Optimismus und sein Einfühlungsvermögen für seine Männer halfen ihm in der Antarktis. Seine Crew dankte es ihm mit grosser Loyalität.
Vielleicht erscheint dir das Leben zeitweise auch wie eine gescheiterte Polarexpedition. Das Ziel rückt in unerreichbare Ferne und du versucht krampfhaft den Kopf über Wasser zu halten. Als Lehrlinge von Jesus gelangen wir früher oder später an den Punkt, an dem unsere Motive auf den Prüfstand kommen: »Warum folge ich Jesus nach?« Folge ich ihm nur nach, wenn er mir hilft, meine Ziele zu erreichen? Was, wenn die anfänglichen Benefits wegfallen?
Darüber sprach ich am vergangenen Sonntag.