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Daniel Vasella, nach 1996 CEO und bis 2013 Verwaltungsratspräsident, hat Novartis viele Altlasten hinterlassen, wie etwa eine von Angst geprägte Führungskultur oder eine verzettelte Firmenstrategie. Aber über diese Hinterlassenschaft dürften sich die heutigen Chefs Vas Narasimhan und Jörg Reinhardt freuen: Der von Vasella vor 20 Jahren eingefädelte Kauf eines 30-Prozent-Pakets von Roche-Inhaberaktien hat bei Novartis nun für einen riesigen Gewinn gesorgt.
19 Milliarden Franken bezahlt Roche dem Lokalrivalen, um das Paket an eigenen Aktien zurückzukaufen und damit den lästigen Grossaktionär loszuwerden. Für Novartis resultiert ein Plus von 14 Milliarden Dollar.
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Den Grundstein dafür gelegt hatte Vasella, indem er ein 20-Prozent-Paket, das Banker Martin Ebner damals an Roche hielt, für 4,8 Milliarden Franken kaufte und das Paket dann später aufstockte. Mit dem jetzigen Milliardengewinn aus dem Verkauf der seit 2001 um 200 Prozent im Kurs gestiegenen Aktien hat Vasella Novartis ein verspätetes Abschiedsgeschenk hinterlassen.
Die jetzige Entflechtung – Roche kauft die eigenen Aktien, um sie danach zu vernichten, was den Stimmenanteil der Besitzerfamilien Oeri, Hoffmann und Duschmalé von 50,1 auf 75,1 Prozent anhebt – beendet auch die Spekulationen um eine mögliche Fusion der beiden Basler Pharmagiganten, die Vasella mit dem Kauf ausgelöst hatte.
Doch ein Blick auf die Hintergründe des Deals von 2001 zeigt, dass das Bild des unerwünschten Angreifers, das die damalige Roche-Führung unter Franz Humer von Vasella zeichnete, so nicht stimmt. 2016 liess Vasella für alle überraschend in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» verlauten, es sei Roche-Legende Fritz Gerber persönlich gewesen, der sich Novartis hilfesuchend an den Hals geworfen habe: «Als Herr Ebner 2001 sein Paket mit Roche-Aktien verkaufen wollte, fragte mich Herr Gerber, ob wir dieses Paket übernehmen wollten.»
Dabei hatte Humer, ab 2001 Roche-Präsident, stets betont, Roche stehe einer Anlehnung ablehnend gegenüber, und dies sei auch die Haltung der Besitzerfamilien. Doch Vasellas Aussagen waren nicht nur Sprüche: Zwei unabhängige Quellen mit direkter Kenntnis der Geschehnisse bestätigten den Sachverhalt gegenüber BILANZ.
Laut Insidern hat der 2020 verstorbene Gerber, 1978 bis 2001 Präsident von Roche und bis 2004 Sprecher der Besitzerfamilien, Vasella damals aufgesucht und diesem mitgeteilt, Ebner stecke in Schwierigkeiten und wolle sein Paket verkaufen. Ob nicht Novartis Käufer werden wolle? Brisant dabei: Humer soll über die Vorstösse Gerbers nicht informiert gewesen sein.
Es kam dann in der Tat zu Verhandlungen zwischen Vasella und Ebner, in denen der Novartis-Chef Ebners geschwächte Position gezielt ausnützte und dafür sorgen konnte, dass er das Paket zu einem günstigen Preis bekam. Ebner verkaufte zu einem Kurs von 151 Franken pro Aktie, jetzt legte Roche 356.93 Franken für jede der inzwischen 53,3 Millionen Inhaberaktien auf den Tisch.
Im kleinen Kreis erzählte Vasella einmal, dass er bei Ebner den Preis dank seines eigenen Verhandlungsgeschicks um rund eine Milliarde Franken habe drücken können. Niemals werde ihm Novartis so viel Gehalt bezahlen können, wie allein dieser Deal dem Unternehmen gebracht habe. Dabei lässt er natürlich ausser Acht, dass genau solche Aufgaben ja zum Pflichtenheft eines CEO gehören und mit dem Salär abgegolten sind. Mit Jahressalären von bis zu 40 Millionen Franken war Vasella zuletzt zum Sinnbild des abzockenden Managers geworden.