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Zusammenhänge zwischen Hypofertilität und Ernährung
Dr. med. Tatjana Barras-Kubski, Fachärztin für Allgemeinmedizin FMH
Eine 40 Jahre alte Frau aus Ruanda wünschte eine Beratung um ein zweites
Kind zu bekommen. Sie hatte bereits eine kleine dreijährige Tochter, die in der 24. SS-Woche zur Welt kam, hatte aber anschliessend 4 Fehlgeburten. Alle gynäkologischen Untersuchungen waren in Ordnung. Eine Woche vor der Menstruation hatte sie ein prämenstruelles Syndrom (Reizbarkeit, empfindliche Brüste, Migränen) und ihre Perioden waren zudem sehr schmerzhaft. Die Haut der Beine war sehr trocken, mit Schuppen (schuppenflechtenartig). Ihr Ferritin-Spiegel im Blut war zu niedrig (21 μg/l). Sie hatte bereits vor einigen Monaten mit dem Milchtrinken aufgehört, weil sie ständig an einer Rhinitis litt. Nach einem Teigwarengericht fühlte sie sich müde und machte manchmal einen Mittagsschlaf.
Auf unseren Rat änderte sie die Ernährung. Sie hat vor allem aufgehört, säurebildende Nahrungsmittel zu essen (Kaffee, Schwarztee, Schokolade, Alkohol), sowie Brot und Teigwaren. Sie hat mit Freuden die verschiedenen Naturreis-Sorten, Quinoa, Buchweizen, Yams, Maniok und deren Mehle entdeckt. Ihr physisches und psychisches Unwohlsein vor der Menstruation, sowie deren Beschwerden haben sich innerhalb von 2 Monaten augenfällig verringert! Wir haben während der postovulatorischen Phase desselben Zyklus die Östradiol und Progesteronspiegel mehrmals bestimmt und haben einen leichten Mangel an Progesteron diagnostiziert (NAPRO Vorgehensweise).
Unter Zufuhr von Vitaminen (vor allem B-Gruppe), Mineralstoffen, Omega 3 Fettsäuren und intravaginalem Progesteron (Utrogestan), wurde sie im elften Beobachtungszyklus schwanger. Ab dem fünften Schwangerschaftsmonat erweiterte sie ihre Diät leicht, je nach ihrer Wehenintensität und Erbrechhäufigkeit. Sie hatte weniger Erbrechen als während früheren Schwangerschaften, benötigte eine prophylaktische Muttermund-Cerclage in der zwölften Woche und gebar termingerecht auf natürliche Art ein Mädchen.
Während dem Stillen fuhr sie mit ihrer Diät fort und beobachtete Kolliken bei ihrem Kind. Nach dem Abstillen konnte sie nach und nach wieder verschiedene Nahrungsmittel integrieren. Sie enthielt sich aber solcher, die Gluten enthielten, da sie wirklich zu starke Müdigkeit hervorriefen.
Eine weitere Patientin, 38 jährig, Schweizerin, hatte einen 6-jährigen Knaben und einen Kinderwunsch seit 4 Jahren. Sie war wegen einer Endometriose operiert worden und die Haut ihrer Beine schaute wie „Fisch-Schuppen“ aus. Sie hatte 3 Versuche von künstlicher Insemination mit Spermien des Gatten, dann 3 Zyklen mit hormonaler Stimulation gemacht,
ohne Erfolg. Die Hormonbehandlung hatte Übelkeit, abdominale Blähungen,
Müdigkeit und eine Gewichtszunahme von 6 kg bewirkt (sie erzählt, sie habe
„von Geburt auf eine schwache Leber“).
Unter einer strikten Ernährungsänderung wurde sie im fünften Zyklus schwanger! Die Haut der Beine war weniger schuppig geworden. Trotz der Diät war es ihr während des ersten Trimesters übel, gegen das Ende der Schwangerschaft hatte sie verfrühte Wehen, speziell wenn sie sich
nicht an die Ernährungsvorschriften hielt. Sie gebar den zweiten Knaben termingerecht.
Diese zwei Patientinnen (und in der Folge über 80 weitere Frauen) erlauben es mir, die Hypothese aufzustellen, dass Frauen mit «normalen gynäkologischen Befunden», die aber «unfruchtbar» sind oder wiederholt Fehlgeburten hatten, oft Nahrungsintoleranzen haben! (insbesondere,
wenn die Haut ihrer Beine sehr trocken ist).
Genetische Verbindung zwischen dem Gebiet der Psoriasis (Schuppenflechte),
Endometriose und polyzystischen Ovarien. Es war Dr. Thadée Nawrocki (Frankreich), Spezialist unter anderem in Genetik und Embryologie, der in mir die genetische Verbindung zwischen Endometriose, und weniger ausgeprägt zwischen polyzystischen Ovarien, und der Neigung zu Psoriasis erweckte.
Nun aber, etwa 30 % der kaukasischen Bevölkerung besitzt eine genetische Prädisposition für Psoriasis und ähnliche Erkrankungen, bestätigt durch genetische HLA Analysen mit den zugehörigen spezifischen Untergruppen, die oft auch eine Prädisposition zu, am Ursprung von Lebensmittelintoleranzen liegenden, schlecht absorbierenden Därmen anzeigen.
Diese schuppenflechtartige Erscheinungsform wird einfach durch eine physische Untersuchung der Haut der Beine, die sehr trocken ist, manchmal mit Schuppen oder «Plättchen», diagnostiziert. Eigenartigerweise zeigt meine Statistik, dass 76 % der Patientinnen, die mich wegen Hypofertilität konsultieren, an den Beinen eine sehr trockene Haut aufweisen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben (und zur Hälfte auch die Gatten, was die Qualität ihrer Spermien beeinträchtigt!).
Besserung des prämenstruellen Syndroms und von Menstruationsbeschwerden
durch Änderung der Ernährungsgewohnheiten
Wer hat nicht bemerkt, dass das prämenstruelle Syndrom (Gereiztheit, empfindliche Brüste, Blähungen, Lust auf Süsses, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gewichtszunahme in den Tagen vor der Monatsregel) und Menstruationsbeschwerden (schmerzhafte Regeln) sich durch eine Umstellung der Ernährung auf spektakuläre Art ändern (gesunde Ernährung, frisch, ohne Fast-food, und manchmal mit Vermeidung von Gluten und/oder Milchprodukten)?
Warum?
Seit 30 Jahren wurde Weizen 3 mal modifiziert, damit er mehr Gluten (Gliadin) enthält. Gluten gibt dem Teig Plastizität, dadurch kann das Brot mit Maschinen hergestellt werden… Nun, der Gluten-Gehalt war, gemäss genetischen Tests, früher während 10’000 Jahren stabil geblieben…
Das moderne Brot, vollgeladen mit Gluten und nicht mehr mit Sauerteig,
sondern mit Hefe hergestellt – dies zumindest in der Schweiz, wo man es nicht mehr mehrere Stunden gären lässt – wird immer weniger verdaulich, daher die aktuelle Explosion der Gluten-Unverträglichkeiten!
Darüber hinaus erfährt die pasteurisierte oder UHT-Milch eine feinsinnige Modifikation ihrer Proteine (Kasein, etc.), daher haben gewisse Personen Mühe, sie zu assimilieren. Hingegen vertragen dieselben Personen normalerweise frisch gemolkene Milch!
Wirkung der modifizierten Lebensmittel
Wenn man sich klar macht, dass, wenn man die Eingeweide auslegen würde, eine Fläche eines Fussballfeldes entstünde, versteht man, dass die Modifikationen der Nahrung die Darmschleimhaut reizen, eine Entzündung der Schleimhaut auslösen und eine Störung der Verdauungsenzyme und der Immunität herbeiführen, kurz gesagt dass sie einen ähnlichen Einfluss hervorrufen… Die Darmschleimhaut absorbiert also weniger, für die Fruchtbarkeit notwendigen, Ernährungsfaktoren (Kupfer, Zink, usw.). Auf
diese Weise kann man, wenn der Ferritin-Spiegel tief ist, eine Unverträglichkeit vermuten, speziell auf Gluten. Falls das Vitamin B12 erniedrigt ist, kann man unter anderem eine gestörte Darmflora vorausahnen. Die Milchprodukt-Unverträglichkeit lässt sich anhand von sich
wiederholender HNO-Beeinträchtigung (verstopfte Nase, Nasennebenhöhlenentzündung, wiederkehrende Bronchitis) vermuten.
Wie diagnostiziert man Nahrungsmittelintoleranzen?
Es ist anzuraten in erster Linie eine Blutmessung der Anti-Transglutaminase
und/oder desaminierten Anti-Gliadin Antikörper durchzuführen um eine Zöliakie, die stärkste Nahrungsmittelunverträglichkeit, welche zur Zeit nur bei 1-2% der Schweizer Bevölkerung diagnostiziert wird, auszuschliessen. Die Zöliakie wird durch Darmbiopsien bestätigt.
Atmungstests um Laktoseintoleranzen zu diagnostizieren werden immer geläufiger.
Dennoch, auch wenn diese Tests negativ ausfallen (was normalerweise der Fall ist) und wenn die Symptome wirklich vorhanden sind (schwere Verdauung, Rückfluss von Mageninhalt, Modifikationen in der Darmpassage, Müdigkeit, trockenere Haut an den Händen oder Beinen), weist die Person Nahrungsmittelintoleranzen auf.
Gelegentlich wird eine Blutentnahme zur Unverträglichkeitstestung von 50 bis 100 Nahrungsmitteln gemacht. Ich bevorzuge die Vermeidungstests von Produkten, sie sind zuverlässiger nach meiner Erfahrung:
Man fordert die Patientin auf, auf hauptsächlich aus Gluten hergestellte
Produkte (Brot, Teigwaren, Kekse, Pizzen, Wähen, usw.) während 3 Wochen zu
verzichten und die Auswirkungen (Abnahme der Müdigkeit nach einer Mahlzeit,
der abdominellen Blähungen, der Verstopfung oder des Durchfalls? Sind
die Haut und die Schleimhäute weniger trocken? usw.) zu beobachten. Wenn
man keine Änderung bemerkt, meidet man ebenfalls Kuh-Milchprodukte während
zusätzlichen 3 Wochen. Die Besserung der Symptome nach einigen Tagen oder manchmal auch nach einem Monat bestätigt die klinische Diagnose einer
Nahrungsmittelunverträglichkeit.
Welche Lebensmittel enthalten Gluten?
Vor allem der Weizen, die Gerste und der Roggen. Das Gluten des Dinkels ist besser verträglich, da weniger modifiziert. Der Mais und die Hirse enthalten weniger Gluten, können aber manchmal von gewissen
Personen schlecht vertragen werden. Der Hafer enthält so wenig davon,
dass er normalerweise gut vertragen wird. Das Vermeiden der Lebensmittel
wird je nach Symptomintensität mehr oder weniger stark ausfallen. Diagnostizieren von Nahrungsmittelunverträglichkeiten läuft auf Folgendes hinaus:
- hilft dem Paar ein Kind zu zeugen (der Zervixschleim verbessert sich)
- vermindert Fehlgeburten
- vermindert Entzündungen der Vagina, der Vulva und der Harnblase
- vermindert Übelkeit und Erbrechen und ebenfalls die exzessive Gewichtszunahme der Mutter während der Schwangerschaft
- vermindert wahrscheinlich Kontraktionen und Frühgeburten
Welch eine Freude unerhoffte Kinder zur Welt kommen zu sehen! Meine Geburtenrate unter im Durchschnitt 35 Jahre alten Frauen mit Kinderwunsch seit drei Jahren oder mehr, die im Durchschnitt schon eine Fehlgeburt erlitten haben, ist 43 %. Ich empfehle den Paaren den Geschlechtsverkehr
in der fruchtbaren Periode während den ersten drei Monaten der Diät zu vermeiden, um eine erneute Fehlgeburt vorzubeugen.
Die an Nahrungsmittelintoleranzen gebundene Hypofertilität wird immer häufiger. Die NAPRO Technologie verknüpft mit Ernährungsumstellungen: welch eine Hoffnung für hypofertile Paare!
www.cyclefeminin.ch
Dieser Text war abgedruckt im NFP Bulletin 8/2013