Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03409.jsonl.gz/2699

Bedingte Entlassung aus einer Ersatzfreiheitsstrafe
Wie Sozialarbeitende in den Bereichen Gemeinwesen und Arbeit das soziale Kapital zur Bewältigung des möglicherweise kritischen Lebensereignisses fördern können
Die vorliegende Bachelor-Thesis befasst sich mit der bedingten Entlassung aus einer Ersatzfreiheitsstrafe im Kontext des Strafvollzugs. Dabei werden die Blickwinkel der Sozialarbeitenden in den Justizvollzugsanstalten sowie bei der Bewährungshilfe miteinbezogen. Die theoretischen Bezugsgrössen "kritisches Lebensereignis" und "soziales Kapital" bilden die Ausgangslage für die Beantwortung folgender Fragestellung: "Inwiefern können Sozialarbeitende die Bewältigung des möglicherweise kritischen Lebensereignisses einer bedingten Entlassung aus einer Ersatzfreiheitsstrafe durch den Ausbau des sozialen Kapitals in den Bereichen Gemeinwesen und Arbeit fördern?" Zur Beantwortung der Forschungsfrage im Rahmen dieser theoretischen Arbeit wird ausgehend von den Rahmenbedingungen des Strafvollzugs die Ersatzfreiheitsstrafe unter den Gesichtspunkten eines kritischen Lebensereignisses beleuchtet. Anschliessend an eine theoretische Begriffsannäherung wird die Bedeutung der Bereiche "Arbeit" und "Gemeinwesen" für die Bezugsgrösse des sozialen Kapitals untersucht. In einem letzten Schritt wird der Einfluss der Sozialarbeitenden in den Justizvollzugsanstalten und bei der Bewährungshilfe auf das soziale Kapital ergründet.
Der durchgehende Einbezug eines konkreten Falls schafft am Ende jedes Kapitels den
angestrebten Bezug zur Praxis und ermöglicht eine exemplarische Übertragung des theoretischen Wissens.
Zu den zentralen Erkenntnissen gehört, dass die bedingte Entlassung aus einer Ersatzfreiheitsstrafe aufgrund der vielfältigen Herausforderungen bei gleichzeitig eingeschränkten Ressourcen als kritisches Lebensereignis gewertet werden kann. Das zu einem bedeutenden Teil durch das Gemeinwesen und die Arbeit vermittelte soziale Kapital kann die Bewältigung der Wiedereingliederung unterstützen. Die während und nach dem Vollzug der Strafe involvierten Sozialarbeitenden können mit entsprechendem Bewusstsein und durch ein intaktes Arbeitsbündnis zu einem gelingenden Übergang von der Haft zurück in die Freiheit beitragen. Der Fokus sollte auf der Erhaltung von bereits vorhandenem sozialen Kapital und dem kooperativen Erarbeiten von neuen Aneignungsgelegenheiten liegen. Arbeit kann in diesem Zusammenhang verschiedene bedeutsame Funktionen wie beispielsweise das Erleben von Kompetenz, die Strukturierung der Zeit oder den Zugang zu sozialen Kontakten erfüllen. Das Gemeinwesen kann einerseits unter Einbezug verschiedener Gemeinschaften wie der Familie oder einem Freundeskreis und andererseits als öffentlich-rechtliche Struktur – die beispielsweise das Versorgungs- und Hilfesystem umfasst – gedacht und entsprechend in den Prozess einbezogen werden.
Aus diesen Ergebnissen ergeben sich weiterführende Überlegungen, die die als wichtig angesehene Möglichkeit der Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafen aufgreifen, die als veränderungswürdig angesehene Arbeit während des Vollzugs behandeln und die Wichtigkeit des geregelten Austausches zwischen involvierten Sozialarbeitenden betonen.