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Lockruf des Goldes
Ein 39-jähriger selbständiger Versicherungsmakler beschwatzte drei Kunden in die Goldsuche in Arizona zu investieren. Die Geschichte mag vielleicht eine moderne Form von Jack Londons Roman «Lockruf des Goldes» sein. Sie endete vor dem Kreisgericht St.Gallen. Der Beschuldigte witterte das grosse Goldgeschäft, als 2008 der Wert des Edelmetalls förmlich explodierte. Drei Geschwister, die er als Versicherungskunden […]
Ein 39-jähriger selbständiger Versicherungsmakler beschwatzte drei Kunden in die Goldsuche in Arizona zu investieren. Die Geschichte mag vielleicht eine moderne Form von Jack Londons Roman «Lockruf des Goldes» sein. Sie endete vor dem Kreisgericht St.Gallen.
Der Beschuldigte witterte das grosse Goldgeschäft, als 2008 der Wert des Edelmetalls förmlich explodierte. Drei Geschwister, die er als Versicherungskunden schon seit vier Jahren betreute und deren volles Vertrauen er genoss, konnte er in eine Art Goldrausch versetzen. Sie investierten auf sein mit Prospekten unterlegtes Drängen je 20’000 Franken, also insgesamt 60’000 Franken, aus ihrem Vermögen in die Goldsuche im US-Bundesstaat Arizona.
Millionär als Investor
Es seien aber mindestens 100’000 Franken nötig gewesen, um das Geschäft mit der amerikanischen Gesellschaft «Falcon Gold Corporation» perfekt zu machen, sagte der Beschuldigte vor Gericht. Der restliche Betrag sei von einem vierten Investor, einem sechsfachen Millionär, zugesagt worden. Der vermögende Mann hätte sogar im Sinn gehabt, 100’000 Franken in die Gesellschaft fliessen zu lassen. – Das Geld sei dann aber aus unerklärlichen Gründen ausgeblieben und der Millionär ins Ausland verschwunden. Ob dieser Mann auch tatsächlich existiert hat, ist sehr ungewiss.
Geld für Rechnungen und Eigentumswohnung
Mit Gewissheit kann jedoch gesagt werden, dass die drei Geschwister die einzigen Kunden in der vom Beschuldigten gegründeten Investmentfirma waren. Ebenso gewiss ist, dass der Beschuldigte nach Eingang der 60’000 Franken auf das Konto der Firma zuerst einmal seine privaten Rechnungen in der Höhe von 15’000 Franken bezahlte und eine Anzahlung von 20’000 Franken auf seine Eigentumswohnung leistete.
Auf Weltreise gegangen
Als dann schliesslich die 60’000 Franken verputzt waren, setzte sich der Beschuldigte ab. Er ging mit seiner Freundin auf eine Weltreise und war für die Investoren nur noch gelegentlich, per SMS, erreichbar. Ein internationaler Haftbefehl wurde ausgestellt. Der Beschuldigte ist 2011 in Bosnien geschnappt und an die Schweiz ausgeliefert worden.
Freiheitsstrafe von 15 Monaten gefordert
«Was schön begann, hat ein bitteres Ende genommen», sagte der Staatsanwalt. Der Beschuldigte habe das Vertrauen der Geschwister schamlos ausgenützt und die Rolle eines Vermögensverwalters gespielt und so das Geld für eigene Zwecke einsetzen können. Er forderte einen Schuldspruch wegen qualifizierter Veruntreuung und eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten.
Auf Geld angewiesen
Zwei der drei Geschwister, die zur Gerichtsverhandlung erschienen waren, eine dreifache und eine zweifache Mutter, sagten, sie seien arbeitstätig und auf das Geld angewiesen. Der Beschuldigte habe bis jetzt nichts zurückerstattet. Er habe seine Eigentumswohnung verkauft. Es sei also Geld vorhanden.
Irgendwann investiert
Der amtliche Verteidiger, der einen Schuldspruch wegen einfacher Veruntreuung und eine bedingte Bestrafung mit 90 Tagessätzen à 30 Franken verlangte, äusserte sich überzeugt davon, dass sein Mandant das Geld schon irgendwann in die Goldsuche investiert hätte. Er habe nicht betrügen wollen. Er habe einfach dringend Geld gebraucht und darum die 60’000 Franke veruntreut.
Schuld mit Vorbezug des Erbes bezahlen
Der Beschuldigte bedauerte das Vorgefallene und sagte über seine gegenwärtig Situation, dass er arbeits- und mittellos sei und in Kroatien gegen freie Kost und Logis seine kranken Eltern pflege, die dort ein Haus besässen. Er rechne mit dem Vorbezug seines Erbes und könne dann die 60’000 Franken zurückbezahlen.
Freiheitsstrafe von 12 Monaten
Das Kreisgericht St.Gallen sprach den Beschuldigten der mehrfachen Veruntreuung schuldig und verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Zudem muss er eine Busse von 1’500 Franken und die Verfahrenskosten in der Höhe von 10’264 Franken bezahlen.