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1587
P. Mauritius (Franz Jakob) Brodhag aus Othmarsheim
Geburtsjahr: 1748 |
Todesjahr: 1826
Professbuch:
Band B, Nr. 453
Kapitel:
11. Professen unter Abt Nikolaus Imfeld 1734-73.
P. Mauritius (Franz Jakob) Brodhag aus Othmarsheim
Professjahr: 1770
Professbuchtext:
P. Mauritius (Franz Jakob) Brodhag aus Othmarsheim im Elsaß. Geboren den 25. Dezember 1748 als Sohn des Anton Brodhag und der Theresia Weiss. Er studierte in Straßburg an der Universität (Zeugnis vom 29. Juli 1768), ehe er nach Einsiedeln kam. Profeß 9. September 1770. Priester 20. September, Primiz 3. Oktober 1772.
P. Mauritius kam zuerst als Lehrer nach Bellenz, von wo er den 17. Oktober 1779 heimberufen wurde, um hier Professor der Philosophie zu werden. Seit dem 10. Oktober 1783 lehrte er auch Theologie. Er hielt den 4. Januar 1782 und wiederum den 3. Oktober 1787 feierliche Disputationen ab. Den 19. Oktober 1787 ging er nach St. Gallen zu einer solchen Disputation. Seit dem 29. November 1782 war er Corrector mensae und seit dem 1. Dezember 1787 Vorsitzender der Moralkonferenzen. Den Winter 1787 über versah er den Posten eines Katecheten von Trachslau, da er gleichzeitig auch Beichtiger für die Au war. Den 17. September 1789 wurde er Dekan, welches Amt er durch 31 Jahre bekleiden sollte. Zur Zeit des Exils wandte er sich zunächst auch nach Vorarlberg, über den Winter aber ging er mit P. Adelrich nach Ottobeuren. Im Sommer 1799 kam er nach St. Gerold zurück, zog aber dann bei der erneuten Flucht nach Fiecht, von wo er im Frühjahr 1801 wieder nach St. Gerold zurückkam. Von dort kam er und P. Anselm Zeiger als die ersten am 29. November 1801 wieder nach Einsiedeln zurück, wo sie sich zunächst im «Adler» niederließen. Am 8. Dezember übernahm er die Pfarrei Einsiedeln, nachdem der bisherige Pfarrer, Meinrad Ochsner, und seine Kapläne sich zurückgezogen hatten. Bald darauf konnte er mit den inzwischen wieder zurückgekehrten Patres im Kloster Wohnung beziehen. An der Neuordnung der Dinge kam ihm ein hervorragender Anteil zu. Den 9. September 1820 konnte er sein goldenes Profeß- und am 22. September 1822 sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Am 20. März 1822 zog er sich aus dem Dekanat zurück und lebte in der Folge still für sich bis zu seinem den 17. Februar 1826 im Alter von 78 Jahren erfolgten Hinschied. «Soeben verschied an der Wassersucht am ersten Freitag in der Fasten, morgens 6 Uhr, der Hochw. Herr P. Mauriz Brodhag, früher Professor der Theologie, dann über 30 Jahre lang Dekan, und das gerade während der schrecklichen Zeit der Revolution,» schreibt Pater Josef Tschudi465
. «Er war, wie P. Isidor Moser, einer der gelehrtesten Männer, nicht nur unseres Stiftes, sondern der ganzen Congregation. Als Student hatte er sieh unter Saettler vorzüglich in Strassburg ausgehildet, so dass er schon als grosser Theologe hier ins Noviziat trat. Sein ganzes Lehen war ein fortwährendes Studium der Theologie. Er hatte eine unermessliche Belesenheit und dabei ein so erstaunungswürdiges Gedächtnis, dass er aus Büchern, die er vor vielen, z. B. vor 20 Jahren gelesen und seither nicht wieder gesehen hatte, nicht bloss ganze Stellen zitieren, sondern sogar die Seite und das Blatt des Buches angben konnte. Sein Charakter war Feuer - Feuer in der Liebe und Feuer im Zorn. Dabei war er ein sehr kluger, geistreicher, kraftvoller Mann, vornehmlich als Führer im geistlichen Leben. Seine Beredsamkeit war ein Strom. In Complements-, Bewillkommungs- und dergl. Ansprachen war er unübertrefflich. Und doch hörte man aus seinem Munde nie eine lügenhafte Schmeichelei. Sein Körper war stark, knochig, fett, gross. Das Porträt, das von ihm hier ist und welches auf seine Sekundiz gemacht worden war, ist er selbst. Es ist das getroffenste Porträt, das ich je gesehen habe. Sein Gesicht hatte etwas ausgezeichnetes, edles, ehrwürdiges, ehrfurchterregendes. Im Gehen, Reden, Beten, kurz, in seiner grössten wie kleinsten Handlung zeigte sich etwas rasches, doch immer liebevolles. Dieses Feuer erlosch im 78. Jahre seines wohltätigen Daseins. Er war mir, und ich glaube allen andern, auch dem Volke der Waldstatt, oft ein freundlicher Führer und Rath in den dunkeln Gängen dieses Lebens gewesen. Gott lohne es ihm. Soeben sagte mir noch jemand: Er war ein Riese an Körper und Geist.
Seine Frömmigkeit und Tugend waren ungeheuchelt und gross. Gegen Maria trug er immer die grösste Verehrung im Herzen und bestrebte sich, dieselbe auch in den Herzen anderer zu erwecken. Ebenso flammte er auch in der Andacht zum hl. Joseph, dessen hl. Namen er fast immer im Munde führte. In den überaus schönen Ermahnungen in den Freitags Capiteln war Maria immer und Joseph oft ein Gegenstand seiner Worte.»
Das oben erwähnte Porträt, das Maler Muos von Zug malte, befindet sich heute im Kapitelssaal. P. Josef Tschudi bemerkte damals: «Er wird immer ein Licht des Klosters und einer der ersten und vortrefflichsten Männer, die je in unserm Stifte lebten, genannt werden müssen»466
.
Schriften:
a) Gedruckte:
1. Religionis naturalis et revelatae Principia adjunctis primariis revelatae Dogmatibus, quae sub Auspiciis Rev. ac Cel. S. R. I. Principis D. D. Beati Principalis et Immediati monasterii Einsiedlensis Abbatis sub Praeside R. P. Mauritio Brodhag, ejusdem Monasterii Capitulari ac SS. Theologiae Professore ordinario publice propugnabunt R. P. Placidus Sartore et R. F. Beatus Nager SS. Theologiae Candidati ibidem Professi Anno MDCCLXXXVII Die 3. Octobris. Typis Principalis Monasterii Einsidlensis. Per Franciscum Salesium Benziger. 8 °. 52 S. - X 497.
2. Chronique Einsiedlen 1787. Bei der Übersetzung ins Französische war er mitbeteiligt.
b) Ungedruckte:
1. Gebete, Exercitien. 1786. 1788. 16 °. 161 S. Mscr. ME 750.
2. Grund - Lehren - Mittel - und Unterweisungen zur geistl. Vollkommenheit, so von P. R. Maurizius Brodhag, Decan zu Einsidlen, Theils mündlich und schriftlich empfangen hab, zusamen gesetz im Jahr 1795 v. Sr. Wiborada Zisl, Glattburg. 12 °. Unpag. Klosterbibliothek Glattburg.
Portraits:
KAE, Foto 1.0601.1587.0001