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Interview: Mark van Huisseling
Helge Müller, vergangene Woche meldete Präsident Donald Trump, Amerika und China hätten «ein sehr substanzielles Phase-eins-Handelsabkommen» erreicht. Hat diese Nachricht Bedeutung für Anleger?
Unsere Meinung weicht vielleicht ab von der Standardbetrachtung. Wir finden, Präsident Trump hat ein gültiges Anliegen. China wurde lange Zeit Sonderrechte gewährt, die andere Handelspartner benachteiligen. Und dazu führten, dass China einen technologischen Sprung gemacht hat. Nun ist China kein Entwicklungsland mehr, sondern dabei, sich zur führenden Wirtschaftsmacht zu entwickeln. Das erfordert ein Nachdenken aller Industrienationen: Kann man dem Land weiter erlauben Schlüsseltechnologien aufzukaufen mit Geld des Staates?
Kann man?
Die Schwierigkeit ist, dass mittlerweile viele Industrieländer zum Teil von China abhängig sind, zum Beispiel deutsche Autohersteller. Trump hat die Rolle des Bösewichts übernommen und tut allen Volkswirtschaften einen Gefallen. Es ist also ein Thema von hoher Wichtigkeit für Anleger.
Muss man dabei nicht berücksichtigen, dass sich der US-Präsident bereits im Wahlkampf befindet?
Natürlich will Trump nächstes Jahr wiedergewählt werden. Seine Aktionen stören Handelsketten, keine Frage. Und führen nicht nur in China zu Problemen, sondern auch in Amerika. Es geht unter anderem um Agrarprodukte. Diese haben in bestimmten Bundesstaaten grosse Bedeutung, und in diesen gibt es viele Wähler, deren Stimmen Trump braucht. Er kann zwar Druck auf China erzeugen, muss aber auch etwas vorweisen können – mit leeren Händen holt er keine Wähler. Er braucht einen «Deal», wie er es nennt.
Kriegt er den?
Es scheint nun, er habe einige Konzessionen von China bekommen. Natürlich steht er unter genauer Beobachtung. Wenn amerikanische Bauern, sagen wir, mehr Sojabohnen und Schweinefleisch nach China verkaufen dürfen, geht dies zu Lasten südamerikanischer Produzenten. Oder wenn China mehr Flugzeuge von Boeing kauft, schadet das der europäischen Airbus.
«America first», wir Trump sagen würde.
Diese Haltung ist an sich keine positive Entwicklung für andere Länder. Wir sind aber dennoch zuversichtlich für die betroffenen Volkswirtschaften, weil es zeigt, dass China grundsätzlich Interesse an einer raschen Einigung hat. Als langfristig orientierter Player hätte es sich die Regierung erlauben können, Trump auszusitzen – und in einem Jahr, oder spätestens fünf Jahren, mit seinem Nachfolger zu verhandeln.
«Die meisten Krisen haben mit einem Absturz der Immobilienpreise begonnen.»
Immer mehr Kommentatoren warnen vor einer Blase am Aktienmarkt. Müssen sich Anleger Sorgen machen?
Interessant. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV des europäischen Markts liegt derzeit etwa bei 14,5, langfristig bewegt es sich bei 16. Das heisst, europäische Aktien sind gemessen an dieser Kennziffer nicht zu teuer. Und: Seit dem 1. Januar 2007 haben die europäischen Märkte rund 20 Prozent verloren. In Amerika sind Aktien etwas besser gelaufen, das KGV ist im historischen Vergleich aber ebenfalls unterdurchschnittlich. Amerikanische Märkte sind zwar höher bewertet, das hängt aber auch damit zusammen, dass viele Unternehmen sehr attraktive Wachstumschancen aufweisen.
Wertmässig noch bedeutender sind die Immobilien- und Anleihenmärkte, auch dort soll die Gefahr eines Preissturzes drohen …
Bei Immobilien sind die Preise vielerorts ohne Zweifel durch die Decke gegangen. Und in den vergangenen 50 Jahren haben die meisten Krisen mit einem Absturz der Immobilienpreise begonnen. Die heutigen hohen Preise haben mit dem extrem niedrigen Zinsniveau zu tun. Und zweitens mit der Landflucht – Menschen möchten in Städten wohnen. Darum steigt die Nachfrage nach Immobilien in Städten weltweit, und in der Folge klettern die Preise. Sollten nun die Zinsen stark hochgehen, bestünde tatsächlich die Gefahr eines Preissturzes. Allerdings ist es so, dass die Marktteilnehmer, wenn man sich etwa die Futures-Preise anschaut, in den nächsten Jahren, fünf bis zehn Jahren sogar, keine markanten Zinserhöhungen erwarten. Auch die Vorschriften etwa der Schweizer Nationalbank sind streng, was die Hypothekenvergabe angeht. Deshalb halten wir ein Szenario mit stark fallenden Immobilienpreisen für wenig wahrscheinlich.
«Unternehmens-Anleihen sind ein Gebiet, das uns keine Sorgen bereitet.»
Und was ist mit den Unternehmensanleihen?
Man liest von «Zombieunternehmen», die Geld am Markt erhalten, das sie nicht bekommen sollten. Wir kennen uns recht gut aus in diesem Geschäft, weil wir selbst in mittelständische Unternehmen investieren. Was wir hier sehen: Banken sind restriktiv bei der Vergabe von Krediten. Das führt dazu, dass Unternehmen am Kapitalmarkt relativ hohe Zinsen bezahlen müssen.
Was für Unternehmen?
Zwei Beispiele: Independent Oil & Gas, eine britische Ölförder-Gesellschaft, und Ice Group, ein norwegischer Mobilfunkanbieter. Beide haben ein überzeugendes Geschäftsmodell, aber keine historischen Cash-Flows. Weshalb sie keine Bankkredite erhalten und am Bondmarkt rund 9 Prozent Zins bezahlen müssen (in Euro respektive Norwegischen Kronen, Anm. d. Red.). Das führt zu unglaublich guten Renditen bei sehr überschaubaren Risiken. Auch gesamthaft gesehen sind Unternehmensanleihen ein Gebiet, das uns keine Sorgen bereitet. Wir können keine Blasenbildung erkennen.
Sie bleiben, wie es sich für einen Vermögensverwalter gehört, bullish, positiv eingestellt und erwarten weiter steigende Anlagenpreise.
Im Prinzip ja. Aber natürlich sind wir uns bewusst, dass es anders kommen kann. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass Preiskorrekturen oder sogar Krisen meist nicht aus Gründen entstehen, vor denen Experten zuvor warnen. Sondern dass sogenannte «schwarze Schwäne» dazu führen – unvorhersehbare Ereignisse, die niemand auf dem Radar hatte.
Wie verdienen Anleger in Zeiten von Niedrigst- oder Negativzinsen ein sicheres, planbares und attraktives Kapitaleinkommen? Mit dieser Frage haben sich die Portfolio-Manager von Genève Invest vertieft auseinandergesetzt und folgende Antwort erarbeitet: dank Investments in ein Portfolio sorgfältig ausgewählter Anleihen von geprüften und für gesund befundenen Unternehmen in verschiedenen Währungen. In der jüngeren Vergangenheit wurden mit solchen festverzinslichen Wertpapieren monatliche Renditen erzielt, die auf oder über der Höhe aktueller Jahresperformances anderer Anlagen liegen.
Die Genève-Invest-Gruppe ist eine zugelassene Vermögensverwaltung mit Sitz in Genf und Luxemburg. Sie betreut Privat- und Firmenkunden in über 40 Ländern. Neben der Anlage in festverzinsliche Wertpapiere ist GI spezialisiert auf das sogenannte Value-Investing, die Selektion von und das Investieren in aussichtsreiche Qualitätsaktien. Seit 2008 ist Genève Invest Fondsinitiator des «Switzerland Invest Fixed Income High Yield»-Fonds, der dieses Jahr in der Kategorie «Renditestarke Anleihen global» mit dem Lipper und Citywire Fund Award ausgezeichnet wurde.