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Das grosse Saubermachen, wie es die Welt noch nie gesehen hat.
Dekontaminieren klingt nach einem grossen Versprechen, doch letztlich kann man die radioaktiven Partikel, die durch den dreifachen Super-GAU über weite Gebiete verteilt wurden, nicht einfach verschwinden lassen. Man kann nur Erde abtragen, Laub und Dreck zusammenkehren, Häuser putzen, Dächer schrubben. Die Erde und der Dreck wird in grosse Plastiksäcke gepackt. Die Säcke kommen in Iitate-Mura in ein sogenanntes Kari-Okiba, in ein «vorläufiges Zwischenlager». Es liegt fernab zwischen bewaldeten Hügeln, eine pittoreske Landschaft aus Tausenden von Plastiksäcken. Noch weiss kein Mensch, was man mit der unendlichen Mengen an schwachaktivem Atommüll anstellen soll. Denn die Dekontaminierungsarbeiten werden nicht nur in Iitate-Mura, sondern auch ausserhalb der Sperrzone durchgeführt – überall dort, wo die zusätzliche Strahlenbelastung über dem offiziellen Grenzwert von einem Millisievert pro Jahr liegt. (Zwangsevakuiert wurden nur Gebiete, in denen die jährliche Strahlenbelastung über zwanzig Millisievert liegt; zwanzig Millisievert ist der Grenzwert, der für AKW-Arbeiter gilt.)
Die Dekontaminierung verschlingt Unsummen. Die Reinigung eines Modellgebietes von zehn Hektaren kostete laut Angaben der Verwaltung der Präfektur von Fukushima umgerechnet weit über drei Millionen Franken. Die Reinigung aller radioaktiv belasteten Gebiete wird Milliarden verschlingen. Genaue Zahlen kann die Präfektur noch nicht liefern, was man aber bereits herausgefunden hat: Die Dekontaminierung bringt nicht so viel, wie man sich erhofft hat. Trotz des immensen Aufwands, konnte man die Strahlenbelastung insgesamt nur um einen Drittel senken. Zudem wird sie wieder zunehmen, weil die umliegenden Wälder nicht angetastet wurden, da es praktisch unmöglich ist, sie zu dekontaminieren. Wind und Wetter tragen deshalb permanent Radionuklide von den bewaldeten Hügeln in die bereits gesäuberten Gebiet und verschmutzen sie von Neuem.
Der Himmel über Naraha strahlt blau an diesem Morgen, eiskalter Wind bläst vom Meer. Die Gemeinde Naraha wurde nach dem Atomunfall in Daichi evakuiert, später dekontaminiert. Jetzt wird neu gebaut: Ein Projekt des Bauriesen Konoike – auf nach wie vor radioaktiv belasteter Erde.
Der Spatenstich wird gebührend gefeiert. Auf einem Feld ist ein Podium errichtet. Männer in schwarzen Anzügen schauen vom Podium aus zu, wie zwei Laster und eine Laderaupe eine kleine Choreografie aufführen – zu Ehren des ersten Spatenstichs für die Siedlung, die hier entstehen wird: hübsche Häuschen, ein künstlicher See, eine neue Mall. Der Kindergarten ist schon gebaut. Auf dem Spielplatz steht auf einem Betonsockel ein Messgerät, das 0,06 μSv/h anzeigt. Das eigene Dosimeter zeigt 0,24. Beim Bach schnellt der Wert auf 0,6 μSv/h hoch. Hier sollten Kinder besser nicht spielen.
Fotos, Multimedia, Redaktion: Fabian Biasio
Texte und Recherche: Susan Boos
Übersetzungen: Chihaya Koyama Lüthi,
Masato Yamamoto, Ai Furuya
Musik: Peter Grob (Violine)
Masako Sawai
Kenta Sato
Syunji Miura
Ruiko Muto
Kenichi Hasegawa
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