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Erster Gedanke: WTF?
Zweiter Gedanke: Genial! Denn wer die Befehlszeile unterschätzt, hat sie nicht verdient. Sox ist, wie man das in Computerjournalisten gerne nennt, ein «mächtiges Tool». Es kann filtern, Effekte hinzufügen, die Dynamik verändern, Kanäle modifizieren und die Geschwindigkeit bzw. den Pitch verändern, die Sampling-Rate anpassen, Dateien zusammenfügen oder mixen und Formate konvertieren. Auch das Trimmen, d.h. «ausschneiden» eines Teils einer Audiodatei ist möglich. Eine Übersicht der Funktionen gibt es hier. Die Dokumentation ist, an einem Stück, hier zu finden.
Mit einem Programm für die Befehlszeile tut man zwei Dinge, die mit einem Programm mit Benutzeroberfläche nicht oder nicht ohne weiteres möglich sind: Man automatisiert immer wiederkehrende Abläufe. Und man bearbeitet eine Reihe von Dateien in einem Rutsch. Ein sehr nahe liegendes Beispiel wird durch eine mitgelieferte Beispiel-Batch-Datei illustriert. Sie wandelt die Samplerate aller Audiodateien in einem Ordner um:
cd %~dp0 mkdir converted FOR %%A IN (%*) DO sox %%A "converted/%%~nxA" rate -v 44100 pause
Wenn man mit Audio zu tun hat, dann fallen einem sofort eigene Anwendungsfälle für Sox ein. Man könnte bei alten Radioaufnahmen vorne und hinten den Sponsor-Jingle austauschen oder wegschneden. Es wäre möglich, aus den Nerdfunk-Folgen oder den alten Digitalk-Podcasts eine Ogg-Version herzustellen. Oder sehr kleine Audiodateien, die sich übers Mobilfunknetz laden lassen, selbst wenn man kein unbegrenztes Datenvolumen hat.
Oder: Man lässt nach einer Aufnahme Sox die ganze Postproduktion erledigen: Hiss-Filter, Lautheit, oder was einem sonst noch so einfällt. Die praktische Truncate Silence-Funktion von Audacity scheint es allerdings bislang nicht zu geben.
Mein Anwendungsfall – für den ich die Batch-Datei entwickle, sobald ich mal Zeit habe – ist folgender: Wenn ich zu Hause Nerdfunk-Sendungen aufnehme, dann liefere ich in aller Regel nur den nackten Gesprächsteil ab. Die Jingles am Anfang und Ende werden im Radio via Digimedia hinzugefügt. Beim Podcast klebt sie Auphonic hinten und vorne an.
Das funktioniert bestens, aber nur dann, wenn hinten und vorne nur ein Jingle ran muss. Doch wenn wir einen Sponsor haben, wie das momentan der Fall ist, dann brauchen wir zwei Jingles. Am Anfang erst Sponsor, dann Nerdfunk, am Ende erst Nerdfunk, dann Sponsor. Das geht mit Auphonic nicht.
Eine Lösung, der jeden Charme abgeht, wären Kombi-Jingles. Viel cooler ist, das per Batch erledigen zu lassen:
sox sendung.flac -c 2 sendung-stereo.flac sox sponsoranfang.flac nerdfunkanfang.flac sendung-stereo.flac nerdfunkende.flac sponsorende.flac final.flac
Der erste Befehl macht aus der Aufnahme in mono eine Stereodatei, damit alle Dateien beim Aneinanderhängen die gleiche Anzahl Kanäle haben. Und der zweite Befehl hängt sie aneinander.