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|Der markante
Felsabbruch der Riedfluh im Hang des Ränggenberges ist heute von der
Autobahn A2 aus gut zu sehen. Hoch ragt er über einer alten Querroute
des Jura, die über den Kilchzimmersattel und das Kloster Schöntal zum
wichtigen Oberen Hauensteinpass führte. Dass in einer grottenartigen
Nische dieser Felswand vormals eine Burg stand, ist trotz dieser Lage
eine späte Erkenntnis und dem Zufall zu verdanken: dem Tod eines
Katers. Das von Kinderhand angelegte Katzengrab förderte
Keramikscherben ans Licht, auf die 1968 der Hobbyarchäologe Arnold Singeisen
1968 anlässlich einer Klettertour stiess. In den
1980er Jahren folgte die vollständige Freilegung und Konservierung der
Anlage.

Die heute sichtbare Anlage der Burg entstand
nicht in einem Zug. Ursprünglich hatte
man nur die witterungsgeschützte Felshöhlung
zugemauert. Später unterteilte
man den Raum neu und stattete ihn mit repräsentativer
Bauplastik aus. Schliesslich
wurde auch der Hangbereich überbaut und
mit einem bequemeren Zugang versehen.
Ins Innere der Burg gelangte man über einen
Hocheingang. Das Erdgeschoss diente
als Keller oder Abstellraum. Dieser Kernbau
entstand in der Zeit um 1050 n. Chr.
Nach einem Brand richtete man im Erdgeschoss
der Burg neue Räume ein, die zuerst
nur von oben zugänglich waren. Das Obergeschoss
erhielt einen massiven Boden aus
mit Lehmmörtel verstrichenen Kalksteinplättchen
(Phase 2).
Noch vor 1100 n. Chr. erfolgte ein Ausbau:
Der Zugang zur Burg wurde verbreitert und
ein ebenerdiger Eingang geschaffen. Die
Räume im Erdgeschoss erhielten Verbindungstüren,
Raum 3 wird vermutlich zum –
zumindest zeitweiligen – Pferdestall. In dieser
Phase wurde das Obergeschoss mit Pfeilern
und Fenstersäulen aus Buntsandstein ausgestattet
(Phase 3).
Als letztes wurde die Bebauung auf die zuvor
frei gebliebene Hangstufe vor der Burg
erweitert – ob in Form von an den Hauptbau
anlehnenden Gebäuden oder einer offenen
Terrasse, ist unklar. Möglicherweise
entstand mit Raum 5 ein neuer Pferdestall.
Der restliche Felssaum blieb über eine Treppe
zugänglich. Zum Schutz der Erweiterungsbauten
wurde im Nordosten ein vorgeschobenes
Zugangstor errichtet.
In einer Felsnische oberhalb dieses Tores,
nur vom Obergeschoss der Burg erreichbar,
wurde ein Hochsitz in den Fels gehauen. Um 1200 fiel die Anlage einem weiteren,
verheerenden Brand zum Opfer und wurde
aufgegeben.
Es ist anzunehmen, dass die Burg den
Herren von Eptingen gehörte. Die Ausstattungsqualität
und die frühe Zeitstellung der
Burg wirft ein neues Licht auf dieses mittelalterliche
Adelsgeschlecht.
Die Herren von Eptingen tauchen erst nach
1200 in den Schriftquellen auf, als Gefolgsleute
des Bischofs von Basel. Die frühe
Entstehung und die hohe architektonische
Qualität der Riedfluh zeigen aber, dass die
Eptinger mehr waren als einfache Dienstleute.
Die vielen Burgen um Eptingen, deren
Anfänge man noch kaum kennt, weisen vielmehr
auf eine bedeutende Herrschaft hin.
Altes Familiengut der Eptinger lag ferner
um Giebenach-Olsberg-Maisprach und im
breisgauischen Minseln und Lörrach. Es befand
sich um 1050 im Herrschaftsbereich der
Grafen von Rheinfelden, die damals auch
die Jura-Übergänge unter ihre Kontrolle zu
bringen suchten. Um 1080 wurde die Grafschaft
zerschlagen. Womöglich profitierten
die Eptinger davon und stiegen so zu einem
wichtigen Verbündeten des neuen lokalen
Landesherrn, des Bischofs, auf.
Die Riedfluh ist ein Sonderfall. Der Typus der
Grottenburg ist vor allem im alpinen Raum
verbreitet. Bis zur Entdeckung der Riedfluh
kannte man im Jura nur die Burg «Balm» bei
Günsberg, Kt. Solothurn, die in diese Kategorie
fällt. Viel üblicher war es, Burgen auf
felsigen Anhöhen, durch Wall und Graben
geschützt, zu errichten.
Einmalig ist auf der Riedfluh auch die qualitätvolle
architektonische Ausstattung mit
kapitellgeschmücktem Gliederpfeiler, Gewölbesteinen
und reliefverzierten
Quadern
aus Buntsandstein. Mit ihrer Entstehung um 1050 n. Chr. gehört
die Riedfluh in die Frühzeit des Burgenbaus.
Die meisten Burgen in der Region sind erst
im 12. oder 13. Jahrhundert entstanden.
Nachdem die Burg einem Brand zum Opfer
gefallen war, blieben viele Gegenstände in
der Brandruine liegen. Sie legen Zeugnis
ab von Alltag, Musse und Geselligkeit auf
einem mittelalterlichen Adelssitz.
Die Verteilung der Geschirrkeramik (Kochtöpfe)
lässt vermuten, die Küche habe sich im
Obergeschoss über Raum 4 befunden. Von
der Küche aus wurde ursprünglich ein Kachelofen
beheizt, den man später durch einen
offenen Kamin ersetzte. Stube und Kammern
lagen demnach über den Räumen 1–3.
Raum 1 war wohl die Vorratskammer, Raum 2
enthielt Heu und teilweise ungedroschenes
Getreide.
Ein wesentliches Privileg des Adels war die
Freizeit, welche die Herren mit Jagd und geselligen
Spielen, die Damen auch gerne mit
gehobenen Textilarbeiten verbrachten, wie
entsprechende Funde zeigen. Aber auch
Werkzeuge wie Hammer, Meissel oder Pfrieme
wurden gefunden.
Eiserne Pfeilspitzen unterschiedlicher Form
sind die einzigen Hinweise auf Waffen, in dem
Fall Bogen und Armbrust. Trense, Pferdestriegel,
Sporn, Sattelschnallen sowie Hufnägel
und -eisen zeigen indes, dass die Ritter
auch die Pferde mitsamt dem wertvollen
Reitzeug auf die Burg brachten.
> Informationstafel
zur Riedfluh (pdf 2.7 MB)
> Flyer zur Riedfluh (pdf 600 KB)