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78,4 Prozent. So hoch war die Zustimmung der Berner Stimmbevölkerung am 27. Februar 2005. Sie sagte Ja zum städtischen Anteil von 7,95 Millionen Franken an einen Saal für Wechselausstellungen des Bernischen Historischen Museums (BHM) und an die Einquartierung des Stadtarchivs an der Helvetiastrasse. Drei Jahre später wurde der Neubau Kubus/Titan eröffnet. Er bietet rund 3‘600 zusätzliche Quadratmeter für das BHM, das 2003 84‘000 Besucherinnen und Besucher empfing. In der Abstimmungsvorlage hiess es: «Der Raum hinter dem Museum wird durch den Neubau an Attraktivität gewinnen, indem über dem Wechselausstellungssaal ein neuer Platz entsteht. (…) Der Kubus/Titan schafft Raum für (…) die nächsten Jahrzehnte. (…) Und die Museumsinsel wird dadurch aufgewertet.»
15 Jahre nach Bezug des Neubaus wird die Gesamtsanierung des BHM an die Hand genommen, das 1894 das Tor geöffnet hatte. Es geht nach Jahrzehnten aufgeschobenen Unterhalts um die Erneuerung der Haustechnik, um die Schaffung flexibler nutzbarer Ausstellungsräume, um hindernisfreien Zugang und um einen Anbau. Der 1922 dem BHM angefügte Moserbau mit dem orientalischen Saal bleibt bestehen.
Museumsquartier Bern
Zwei Rahmenbedingungen sind wichtig. Das BHM, das auf einem künstlichen Hügel über dem Helvetiaplatz thront, wird durch die Umgestaltung des Platzes aufgewertet werden. Das jurierte Projekt «coquilles st-jacques», vorgesehen als Foyer des Museumsquartiers, hätte 2023 umgesetzt werden sollen, ist allerdings in der Investitionsplanung der Stadt zurückgestellt worden. Es bildet aber für die künftige Anmutung des Museumsschlosses den Rahmen.
Der Raum hinter dem Museum, der durch den Neubau Kubus/Titan aufgewertet werden sollte, wie es in der damaligen Abstimmungsverlage hiess, ist heute eine weitgehend ungenutzte Mergel-gelbe Fläche. Auf der einen Seite steigt eine auch für Pferde gängige Freitreppe auf eine grosse Terrasse. Auf der anderen Seite ist der Buchsbaumzaun 2022 niedergerissen worden, um bis hin zum Museum für Kommunikation und zum Naturhistorischen Museum eine plane Zone zu erhalten, auf der Schritt für Schritt ein Garten entstehen soll, das «Herzstück» des künftigen Museumsquartiers Bern, wie es in der Medienmitteilung heisst.
Auch wenn das Museumsquartier (zu dem das Schützenmuseum, die Nationalbibliothek, das Naturhistorische Museum, das Museum für Kommunikation, das Yehudi Menuhin-Forum, das Alpine Museum, die Kunsthalle, das PH-Institut für Weiterbildung und Dienstleistungen, das Gymnasium Kirchenfeld und das Stadtarchiv gehören) erst nach und nach Kontur annimmt, es wird durch die Sanierungs- und Baupläne des BHM nicht in Frage gestellt.
Depotfrage
Offen bleibt freilich, wo und wann ein Dauerproblem des BHM gelöst werden soll: Der Bedarf an Depots für die Bewahrung der Sammlungen, die einige hunderttausend Objekte umfassen und heute an mehreren Orten im Kanton Bern untergebracht sind. Schon vor 40 Jahren gab es Pläne, den Perimeter des heutigen Museumsquartiers weitgehend zu unterkellern, um die nötigen Räume für den Schutz der Kulturgüter der verschiedenen Museen bereit zu stellen. Die Kosten sprachen dagegen. Das ist heute noch nicht wesentlich anders.
Ein Hinweis: Das Nationalmuseum hat vor fast dreissig Jahren die Ausstellungsräume beim Hauptbahnhof Zürich saniert und erweitert und die Sammlung mit rund 1 Million Objekten konsequent in aufgegebene Zeughäuser der Armee in Affoltern am Albis ausgelagert. Eine Lösung für das BHM – und vielleicht weitere Museen – steht aus.
Vorgehen
Für die anspruchsvolle Aufgabe ist ein Kostendach von 120 Millionen gesetzt. Die Finanzierung teilen sich die drei Stiftungsträgerinnen und -träger Kanton, Stadt und Burgergemeinde Bern je zu einem Drittel.
Der Stiftungsrat des BHM hat dieser Tage einen Studienauftrag ausgeschrieben. Bis Ende Mai 2023 können Bewerbungen eingereicht werden. Eine Jury unter der Leitung von Luc Mentha, Stiftungsratspräsident, wählt daraus 4 Planungsteams, die bis Ende Februar 2024 konkrete Ideen erarbeiten. In der Jury wirken museumsseitig Direktor Thomas Pauli-Gabi, die Fachbereichsleiterin Aline Minder sowie Stiftungsrat Daniel Kramer mit. Als Fachvertreter der Stadt sind weiter Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross und Stadtbaumeister Thomas Pfluger dabei.
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Im Frühjahr 2024 werden die Ideen öffentlich vorgestellt. Die Verfasser des Siegerprojekts sollen den Zuschlag für die weiteren Planungsarbeiten erhalten. 2027 soll mit dem Umbau begonnen werden, der vier Jahre dauert. Während der Umbauzeit bleibt das BHM geöffnet.
Das bedeutet: In den Jahren 2024 bis 2026 werden die Stadt und der Kanton Bern für die Sanierung und Erweiterung von Kulturbauten – das BHM und das Kunstmuseum Bern – je einige zehn Millionen Franken investieren müssen. Das ist viel Geld. Es ist für Generationen gut angelegt.