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Thalidomid bei fortgeschrittenem Myelom
|a -- Singhal S, Mehta J, Desikan R et al. Antitumor activity of thalidomide in refractory multiple myeloma. N Engl J Med 1999 (18. November); 341: 1565-71 [Link]|
|Kommentator(in):|
|infomed screen Jahrgang 4 (2000)
, Nummer 2

Datum der Ausgabe: Februar 2000
Studienziele
10% aller hämatologischen Krebserkrankungen entfallen auf das multiple Myelom, welches mit einer Chemotherapie schwierig zu beherrschen ist. Die bedeutsamsten Marker sind Paraproteine im Serum und das Bence-Jones-Protein im Urin. Auch nach einer hochdosierten Chemotherapie ist die Prognose schlecht, insbesondere wenn Gefässneubildungen im Bereiche des Knochenmarkes nachweisbar sind. Thalidomid (in der Schweiz nicht im Handel) kann als immunmodulierende Substanz diese Angiogenese verhindern. Das Ziel dieser amerikanischen Studie bestand darin, die Wirksamkeit von Thalidomid auf die Progression der Erkrankung bei Personen mit einem Rückfall nach Chemotherapie zu überprüfen.
Methoden
84 Personen (rund 75% Männer) mit vorbehandeltem und progressivem multiplem Myelom wurden zwischen Dezember 1997 und Juni 1998 in die Studie aufgenommen. Bei allen wurde Thalidomid als einzige Behandlung eingesetzt. Die Thalidomiddosis betrug initial 200 mg, später bis zu 800 mg pro Tag. Die Behandlung galt als erfolgreich, wenn die Paraproteinspiegel im Blut oder im Urin während 6 Wochen um mindestens 25% abnahmen. Bei Progression der Krankheit und bei starken Nebenwirkungen wurde die Behandlung abgebrochen.
Ergebnisse
Ein Behandlungserfolg wurde initial bei 27 Kranken erreicht. Bei diesen Personen sank auch die Zahl der Plasmazellen im Knochenmark und der Hämoglobinspiegel stieg an. Bei 2 Personen kam es zu einer kompletten Remission. Eine signifikante Änderung der Mikrovaskularisation des Knochenmarkes konnte nicht festgestellt werden. Die häufigsten Nebenwirkungen waren: Verstopfung, Müdigkeit/Schwächeanfälle, Übelkeit, Ohrensausen/Taubheit. Bei 9 Personen musste deshalb Thalidomid abgesetzt werden. Mitte Juni 1999 wurden noch 19 Personen mit Thalidomid behandelt. Die längste Behandlungsdauer betrug 465 Tage (Medianwert 80 Tage), die mediane Beobachtungszeit von Überlebenden 13 Monate. Von 84 Personen starben während der Beobachtungszeit 36.
Schlussfolgerungen
Thalidomid kann bei einzelnen Kranken mit einem multiplem Myelom in fortgeschrittenem Stadium – auch nach hochdosierter Chemotherapie – zu einer anhaltenden Remission führen.
Die Angiogenese ist die Grundvoraussetzung für die Ausbreitung eines Tumors. Das schon lange bekannte Thalidomid hemmt die Angiogenese mittels Apoptose der Gefässendothelzellen. Das sehr gut vaskularisierte Myelom eignet sich deshalb sehr gut als «Testtumor» für einen Angiogenesehemmer. Diese bemerkenswerte Arbeit signalisiert einen neuen Trend in der Onkologie, nämlich den der Angiogenesehemmung entweder über Wachstumsfaktoren oder direkte Einwirkung auf Gefässendothelzellen. Weitere spezifische Hemmsubstanzen befinden sich bereits in klinischer Prüfung und scheinen im klinischen Gebrauch weniger toxisch zu sein als die konventionellen Zytostatika.
Peter Forrer
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Thalidomid bei fortgeschrittenem Myelom (Februar 2000)
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