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Bereits vor der Pandemie hatten zwei Drittel der Kinder weltweit keinen Zugang zu sozialen Sicherungsmassnahmen. Ihre Familien haben finanziellen Notsituationen wenig entgegenzusetzen und können schnell in einen generationsübergreifenden Teufelskreis der Armut geraten. Nur 16 Prozent der Kinder in Afrika haben Zugang zu sozialer Sicherung.
Hunderte Millionen Kinder leiden unter multidimensionaler Armut – das heisst, sie haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, guter Ernährung oder einer angemessenen Unterkunft – häufig ein Ergebnis fehlender sozialer Investitionen seitens der Regierungen.
Für Kinder, die in Ländern leben, die schon heute von Konflikt und Gewalt betroffen sind, verschärfen die vielseitigen Folgen der Covid-19-Pandemie das Risiko sozialer Instabilität und Armut. Im Nahen Osten und in Nordafrika leiden so viele Kinder unter den Folgen von Krisen und Konflikten wie in keiner anderen Region. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hier am höchsten. Fast die Hälfte der Kinder lebt in Armut.
Save the Children und UNICEF appellieren an die Regierungen, soziale Sicherungssysteme und Programme rasch und umfassend auszuweiten, um die Auswirkungen von Covid-19 auf Kinder in einkommensschwachen Haushalten abzumildern. Dazu gehören zum Beispiel Bargeldtransfers, Schulspeisungen und Kindergeld – wichtige Massnahmen, um sowohl die akute finanzielle Not abzuschwächen sowie langfristig dafür zu sorgen, dass besonders arme Familien besser für zukünftige Krisen gewappnet sind.
Darüber hinaus sollten Regierungen in weitere Massnahmen der sozialen Sicherung und eine Steuer-, Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik investieren, die Familien unterstützt. Dazu gehört sowohl die Ausweitung des universellen Zugangs zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung und anderen grundlegenden Dienstleistungen, als auch Investitionen in familienfreundliche Massnahmen wie bezahlten Urlaub und Kinderbetreuung.
Viele Länder haben ihre Sozialschutzprogramme bereits ausgeweitet:
- In Indonesien wurden im Rahmen des Kartu-Sembako-Programms monatliche finanzielle Hilfen auf 20 Millionen Familien ausgeweitet. Der monatliche Betrag wurde um ein Viertel erhöht;
- Die mongolische Regierung hat das monatliche Kindergeld für sechs Monate von 20.000 auf 100 000 MNT erhöht;
- In Argentinien wurde das Kindergeld für bedürftige Familien um 3.100 Argentinische Pesos (47 US-Dollar) erhöht;
- In Südafrika wurden mehrere Sozialprogramme aufgestockt, darunter die Kinderbeihilfe;
- In Georgien wurde das Programm für Sozialhilfe (TSA) vorübergehend ausgeweitet, um 70 000 weitere Familien zu unterstützen und 21 000 Haushalte mit drei oder mehr Kindern ein halbes Jahr lang monatlich mit zusätzlichen 100 georgischen Lari (31 US-Dollar) zu versorgen;
- In Armenien erhalten Familien, die Anspruch auf Unterstützungsleistungen haben, einen Zuschlag in Höhe von 50 Prozent der bestehenden Sozialleistungen;
- In Kolumbien stellt die Regierung finanzielle Hilfen für Haushalte zur Verfügung, die derzeit keine Sozialleistungen aus anderen Programmen erhalten. Bis zum 21. Mai hatten mehr als 2 Millionen bedürftige Familien finanzielle Hilfen in Höhe von 320 000 Peso (81 US-Dollar) erhalten;
- In Peru unterstützt die Regierung 6,8 Millionen Haushalte in ländlichen Regionen, freiberuflich Beschäftigte und bedürftige Familien mit zusätzlichen Solidaritätszahlungen und hat zudem einen neuen allgemeinen Anleihefonds eingerichtet.