Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03642.jsonl.gz/2925

Tonnen Gold im Gegenwert von etwa 50 Milliarden US-Dollar hielt die Schweizerische Nationalbank im September 2019. Damit lag sie unter den nationalen Notenbanken weltweit auf Rang 7, ganz vorne die USA (8130 Tonnen), Deutschland (3370) und Italien (2450) gefolgt von Frankreich (2440), Russland (2220) und China (1940).
In bezug auf die Bevölkerung sind die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank allerdings einsame Spitze, obwohl sie von 2000 bis 2008 etwa 1550 Tonnen Gold veräussert hat. Damit ist sie keineswegs einem allgemeinen Trend unter den Notenbanken gefolgt. Obschon seit 2000 auch in Ländern wie Frankreich (600 Tonnen), den Niederlanden (300), Grossbritannien (280) und Spanien (240) Goldreserven abgebaut wurden, sind die Bestände in vielen Ländern weitestgehend konstant geblieben und in China (1450 Tonnen) und Russland (1745) deutlich gestiegen.
Keine der Landeswährungen weist mehr eine offizielle Golddeckung auf, Gold wirft nur niedrige Erträge ab und verursacht Kosten in der Lagerung. Warum halten Notenbanken unter diesen Umständen weiterhin massgebliche Goldreserven und bauen sie zum Teil aus? Einerseits sind Goldreserven wegen der niedrigen Korrelation des Goldpreises mit den Preisen anderer Vermögenswerte ein attraktiver Bestandteil der Währungsreserven von Zentralbanken. Sie können auch in turbulenten Zeiten verlässlich liquidiert und für Interventionen auf dem Devisenmarkt eingesetzt werden. Denn Goldbestände stellen keine Verbindlichkeit Dritter dar.
Andererseits gibt es empirische Hinweise darauf, dass Goldreserven nationaler Notenbanken als Signal für die politische und ökonomische Macht von Staaten genutzt werden. Die Goldzukäufe Russlands und mehr noch die des neuen geopolitischen Schwergewichts China über die letzten Jahrzehnte passen ins Bild. Der Goldstandard gehört schon lange der Vergangenheit an, aber geldpolitisch und machtpolitisch wird Gold voraussichtlich Standard bleiben.