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Hochgeehrter Herr
So eben war der preussische Gesandte bei mir, um mich vertraulich von der Antwort in Kenntniss zu setzen welche er bereits gestern auf das Ihnen bekannte Schreiben Bismarks1 nach Berlin geschickt hat. Herr Röder geht in seiner Antwort von der Voraussetzung aus das Schreiben Bismarks enthalte keine Ablehnung sondern die Bedingungen unter denen über diese Angelegenheit verhandelt werden soll und sagt über dieselben, wenn Bismark auch die Bahnrichtung zur Besprechung bringen wolle, so werde diess keine Schwierigkeit machen; nur sei es im entschiedenen Interesse Preussens vom Lukmanier abzusehen | und bloss einen centralen Übergang zu subventioniren; eine solche Erklärung sei geeignet den inneren Streit der Schweiz factisch zu entscheiden und so die Frage ihrer Lösung wesentlich näher zu bringen.
Mit Herrn Dubs habe ich heute gesprochen und eine grosse Unentschiedenheit bei ihm wahrgenommen; er sieht die Antwort Bismarks eher als eine Ablehnung an. Ich suchte ihm das Irrthümliche dieser Auffassung begreiflich zu machen; mit welchem Erfolge weiss ich nicht; eine definitive Antwort über seine Ansicht und seine Stellung zum Antrag des Departementes des Innern gab er mir nicht.
Gleichwohl glaube ich mit Ihnen dass er zu unsern Gunsten entscheiden wird. Jedenfalls | muss nun eine Entscheidung erfolgen, so oder so; und ich sehe das schon als einen Gewinn an. Die Verhandlung findet übrigens erst am Montag statt; ich berichte Sie sofort telegraphisch über das Resultat.
Als selbstverständlich setze ich voraus dass bei den einflussreichen Mitgliedern des Zollparlementes alles geschieht um sie der Sache geneigt zu machen;2 die Rückwirkung derselben auf die Regierung kann nicht ausbleiben.
Mit Hochachtung
Ihr ergebenster
E Welti
Bern
17. April 1868.