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Edel, leistungsbereit und dem Menschen sehr zugetan – das waren die Vorstellungen von einem Pferd, die den Anglo-Araber hervorbrachten. Eigenschaften, die den Anglo-Araber bis heute auszeichnen.
Dass sich unsere Nachbarn im Westen als «Schöpfer» des Anglo-Arabers betrachten, sei ihnen gegönnt, wurde doch das erste Stutbuch für die Rasse vor rund 200 Jahren in Pompadour eröffnet. Die zuerst zufällige, dann aber bald einmal systematische Verwendung von orientalischen Hengsten hatte schon früh begonnen. In Südwestfrankreich nach verschiedenen Eroberungen durch die Mauren seit dem achten Jahrhundert, dann in ganz Europa nach den Kreuzzügen. Als 1683 Prinz Eugen mit Hilfe des polnischen Königs Jan Sobieski den Osmanen vor Wien die entscheidende Niederlage beibrachte, hatten die Polen praktisch den ganzen Pferdebestand des osmanischen Heeres mit nach Hause genommen und somit die Grundlage für eine ausgedehnte Pferdezucht auf orientalischer Basis vor allem in Ostpolen gelegt. Der polnische Osten und der französische Südwesten sind heute noch bedeutende Hauptzuchtgebiete (berceau de race) des Anglo-Arabers. Aber auch Italien, vorab auf Sardinien, und Spanien haben alte traditionsreiche Anglo-Araberzuchten.
Vielseitigstes Sportpferd
Als eher leichtes, aber robustes, schnelles und ausdauerndes Pferd war der Anglo-Araber die klassische Remonte für die leichte Kavallerie und erlebte zahlenmässig seine Hochblüte im 19. und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Hat er für die Armeen längst ausgedient, machen ihn seine genannten Eigenschaften und seine Leistungsbereitschaft zum vielseitigsten Sportpferd überhaupt. Der deutsche Hippologe Gustav Rau analysierte die Abstammung der Olympiapferde von 1936 und zeigte auf, dass über drei Viertel der Pferde der anglo-arabischen oder einer sehr nah verwandten Rasse angehörten. Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Pferdesport auf höchstem Niveau ohne anglo-arabisches Blut nicht nur in Frankreich schlicht undenkbar. Die Erfolge der modernen Sportpferderassen sind mehrheitlich dem Anglo-Araber zu verdanken.
Weil der Anglo-Araber schwierig sein soll, wird er heute von vielen Reitern gemieden. Der Züchter Andreas Gygax behauptet gerade das Gegenteil. Freilich lässt er sich als hoch im Blut stehendes Pferd nicht alle Ausbildungsmethoden gefallen, ist aber dank seinem feinfühligen und mitdenkenden Wesen der geeignete Partner im Sport.
Anglo-Araber in der Schweiz
Freilich, der Brittnauer Tierarzt ist mit Anglo-Arabern aufgewachsen. Sein Grossvater mütterlicherseits hatte vor dem Zweiten Weltkrieg Rennpferde, mehrheitlich Anglo-Araber aus Südfrankreich und Ungarn. Sein Vater hatte sich offenbar nicht nur in die jüngste Tochter des Rennpferdebesitzers verguckt, sondern auch in dessen Pferde. Vor fast 50 Jahren kaufte er den Fuchshengst Cinéma als 3-Jährigen in Pompadour und stellte ihn in der Schweiz als Zuchthengst auf. Der Hengst wurde – wie Isabel Domont in ihrem Buch «Das CH-Sportpferd» festhält – von vielen Züchtern zu Unrecht vernachlässigt. Trotzdem brachte er Spitzenpferde in allen Disziplinen bis auf höchstem Niveau. Die seinerzeit vom Haras National in Avenches gekauften Egor Du Gué und Garitchou D’Oc sowie der ausgezeichnete Digne Coeur erhielten ebenfalls nur wenige Stuten. Der aus dem allerbesten Leistungsstamm in Frankreich stammende Jade Du Maury und der in der Schweiz geborene Circassien waren nur für Anglo-Araber, nicht aber für das CH-Sportpferd gekört.
Vor zwei Jahren brachte Ulrich Huber, schon immer ein Liebhaber des Anglo-Arabers, den international hocherfolgreichen Fandsi De Saint Paul in die Schweiz. Ein Hengst, der wie der anglo-arabische Halbblüter Baie De Villeclare die Aufmerksamkeit der Züchter wecken sollte. Der vorher nach Holstein verpachtete Hermes D’Autieux (anerkannt von Cheval Suisse) steht im Jura zur Verfügung.
Seit dieser Decksaison steht im Dalchenhof in Brittnau mit Cestuy La de l’Esques wieder ein höchst vielversprechender Anglo-Araber zur Verfügung. Er war 3-jährig Siegerhengst in Pompadour, wurde für die Anglo-Araberzucht gekört und gewann dort als 4-Jähriger das nationale Championat Concours Complet. Gleichentags wurde er für die SF-Zucht anerkannt und zwei Monate später mit Bravour vom ZVCH gekört. Dieses Jahr wurde er Zweiter im Hengstconcours in St. Lô und hat sich mit zwei Siegen und einem dritten Platz für das Finale der 5-Jährigen qualifiziert.
Ramzes als Ikone
Nördlich des Rheins in Marbach stehen zwei Anglo-Araber im Zuchtprogramm Vielseitigkeit der Süddeutschen Zuchtverbände, Icare D’Olympe und Nathan de la Tour. Den vornehmlich nach Deutschland orientierten Züchtern seien drei weitere bedeutende Anglo-Araber in Erinnerung gerufen. Holstein hat seine Erfolge grösstenteils Ramzes zu verdanken. In Oldenburg hat Inschallah bedeutende Spuren hinterlassen und in Hannover war Matcho als Vater von rund 40 Gekörten und als Muttervater erfolgreich. Matcho war übrigens ein Hengst, der eine Saison nur auf der Rennbahn (drei Siege, vier Platzierungen) war. Nur bei den Anglo-Arabern werden Väter und Mütter im Reitsport wie auch auf der Rennbahn geprüft.
Erstaunlich ist es nicht, dass im CC-Sport der Anglo-Araber wieder mehr Beachtung zu finden scheint. Nicht zuletzt dank den Erfolgen von Upsilon unter Thomas Carlile. Upsilon ist der erfolgreichste Hengst in dieser Sportart, weist er doch schon zwei Siege und mehrere Klassierungen auf 3-Sterne-Niveau auf. Englische und irische Züchter haben deshalb gleich Gefriersperma von ihm und von Cestuy La De L’Esques gekauft. Die Rasse ist nicht am Aussterben, sondern erfährt dank engagierten und passionierten Züchtern eine neue Blüte.
Anglo-Araber sind in drei Sektionen unterteilt
Die CIAA (Confédération Internationale Angloarabe) vereinigt die anerkannten nationalen Stutbücher und führt seit kurzem ein übergeordnetes Stutbuch. In der Schweiz findet man auf der Equidendatenbank 400 Anglo-Araber. Es sind aber mehr vorhanden, nur nicht als solche registriert, nicht nur hierzulande. In der Vergangenheit wurden etliche, später international erfolgreiche Pferde nicht als Anglo-Araber, sondern fälschlicherweise als CH-Sportpferde oder als SF registriert. Dank dem seit einigen Jahren gültigen Reglement der CIAA und damit auch dem der angeschlossenen nationalen Stutbücher können Nachkommen von Anglo-Arabern als solche registriert werden, sofern sie mindestens 12,5% Araberblut aufweisen. Der andere Elternteil muss einer von der WSHBA anerkannten Rasse angehören. Die anerkannten Stutbücher haben alle drei Sektionen:
• I Anglo-Arabisches Vollblut, d.h. nur Arabische und Englische Vollblüter resp. deren Kreuzungen im Pedigree,
• II höchstens in der 6. Generation eine Abweichung,
• III ein Elternteil Anglo-Araber und mindestens 12,5% arabisches Blut.
www.angloarabhorses.com