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In Island kommt es nach dem Zerfall der Regierungskoalition zum zweiten Mal binnen eines Jahres zu Neuwahlen. Wahrscheinlicher Wahltermin ist bereits der 4. November. Die Regierungskoalition zerschellte an einem Skandal, in dem der Vater von Premierminister Bjarni Benediktsson involviert war.
Benediktssons Vater setzte sich für Sexualverbrecher ein
Die Partei Bright Future (Helle Zukunft) kündigte deshalb die Koalition mit den Konservativen und den Liberalen. Sie warf Benediktssons Unabhängigkeitspartei vor, sie habe versucht, den Skandal zu vertuschen.
Dabei ging es um einen Brief, den Benediktssons Vater geschrieben hatte. Mit dem Schreiben wollte er bei den zuständigen Behörden im Justizministerium das Vorstrafenregister eines alten Freundes löschen lassen, der wegen Kindesmissbrauchs schuldig gesprochen war. Das Justizministerium weigerte sich zunächst, offenzulegen, wer den Brief verfasst hatte. Und lenkte erst auf Druck eines Parlamentskomitees ein.
«Es ist ein Vertrauensbruch»
Ministerpräsident Benediktsson soll seit Juli gewusst haben, dass sein Vater der Autor war. Ottar Proppe von Bright Future sagte nach der Aufkündigung der Koalition im isländischen Rundfunk RUV: «Es ist ein Vertrauensbruch, dass dies so lange wie möglich geheim gehalten wurde.»
Regierungschef Benediktsson stellte deshalb beim Präsidenten Antrag auf Neuwahlen. «Wir haben die Mehrheit verloren, und ich sehe nichts, das darauf hindeutet, dass wir sie wieder gewinnen können», begründete Benediktsson den Schritt.
Die Koalition aus Unabhängigkeitspartei, Bright Future und europafreundlicher Vidreisn regiert erst seit acht Monaten in Island. Die Regierungsbildung war sehr schwierig gewesen und hatte Monate in Anspruch genommen.
Zuvor hatte es vorgezogene Neuwahlen gegeben, weil Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson nach Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Steueroasen zurückgetreten war.