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Der Softwareriese muss noch etwas warten, bevor er voll von seinen neuen Produkten profitieren kann.
Die Bilanz des gerade abgelaufenen zweiten Quartals des Microsoft-Geschäftsjahrs liest sich diesmal etwas kompliziert. Der Hauptgrund sind die Verzögerungen bei der Einführung der Heimanwenderversionen von Windows Vista und Office 2007, die dazu führen, dass der Softwareriese einen Teil seiner bereits gemachten Einnahmen erst im nächsten Quartal verbucht. In der Bilanz für das zweite Quartal weist Microsoft daher einen Umsatz von 12,54 Milliarden Dollar aus, sechs Prozent mehr als im gleichen Quartal vor einem Jahr. Als Reingewinn gibt Microsoft 2,63 Milliarden Dollar an, 28 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. 1,65 Milliarden Umsatz und 1,13 Milliarden Dollar Reingewinn wurden aber auf das nächste Quartal "verschoben".
Der "verschobene" Umsatz- und Gewinn rührt von den Upgrade-Coupons her, die Microsoft und PC-Hersteller an PC-Käufer ausgegeben hatten, die noch kurz vor dem Markstart der neuen Software-Versionen mit den bisherigen Versionen ausgerüstete PCs kauften. Microsoft wird diese Einnahmen erst verbuchen, wenn auch der Upgrade tatsächlich stattgefunden hat.
Rechnet man diese Beträge trotzdem ein, hätte Microsoft eine happige Umsatzsteigerung von 20 Prozent verzeichnen könnte. Damit, so meinte Microsoft-Finanzchef Chris Liddell, seien die eigenen Erwartungen in fast allen Bereichen übertroffen worden. Microsoft erhöhte darum auch seine Prognose für das nächste Quartal leicht.
Nicht mehr ganz so profitabel
Der Reingewinn allerdings wäre trotzdem gegenüber den 3,65 Milliarden Dollar des Vorjahresquartals nur leicht gestiegen. Dies dürfte unter anderem eine Auswirkung der grossen Marketinginvestitionen für die vielen neuen Produkte sein, die MS nun einführt hat und noch einführt. Microsoft muss also noch etwas warten und einen Abschnitt von etwas "raueren Gewässern" durchschiffen, wie es das 'Wall Street Journal' ausdrückt, bis die neuen Produkte auch die Profitspanne wieder in die Höhe treiben.
Einzelbereiche
Seit dem Anfang dieses Jahres hat Microsoft die in den Quartalszahlen ausgewiesenen Produktebereiche neu gruppiert, deshalb sind sie nicht mehr direkt mit früheren Veröffentlichungen
vergleichbar. Für die folgenden Vergleiche hat Microsoft die früheren Zahlen analog der heutigen Gruppierung umgerechnet.
Der Bereich "Clients" (Windows) wirkten sich der oben erwähnten verschobenen Einnahmen aus: Der Umsatz sank gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahrs von 3,43 auf 2,59 Milliarden Dollar, der operative Gewinn von 2,66 auf 1,88 Milliarden Dollar. Was wie ein Rückschlag wirkt, ist also vorübergehend.
Gleiches gilt für die "Business Division", bei der der Bereich Information Worker (Office) den Löwenanteil ausmacht. Hier sank der Umsatz von 3,69 auf 3,51 Milliarden Dollar, der operative Gewinn von 2,45 auf 2,17 Milliarden Dollar. Zu den Zahlen der Business Division schlägt Microsoft auch die früher gesondert ausgewiesenen Business Solutions (Dynamics) sowie, über den Bereich "Unified Communications", die Exchange-Umsätze die früher zum Bereich "Server & Tools" zählten.
Für den übrig gebliebenen Bereich "Server & Tools" stieg der Umsatz von 2,44 Milliarden Dollar auf 2,85 Milliarden Dollar und der operative Gewinn von 770 Millionen Dollar auf 1,03 Milliarden Dollar.
Am bemerkenswertesten ist der Umsatzsprung von 1,69 auf 2,96 Milliarden Dollar in der Division "Entertainment and Devices". Trotzdem ist der Betriebsverlust mit 289 Millionen Dollar sogar leicht angestiegen. Microsoft hat in diesem bereich viele neue Produkte auf den Markt geworfen und der Umsatz mit der Xbox ist stark gestiegen. Die Herstellungskosten der Xbox dürften aber immer noch höher sein als ihr Verkaufspreis.
Das eigentliche Sorgenkind für Microsoft bleibt aber die Division "Online Services Business" (MSN, Microsoft "Live" usw.) Der Umsatz stieg von 590 auf 620 Millionen Dollar, aber statt eines Gewinnes von 58 Millionen Dollar resultierte ein Verlust von 155 Millionen Dollar. Im Kampf um Online-Werbegelder, der vor allem über die Suchmaschinen geführt wird, fällt MSN gegenüber Google und Yahoo gegenwärtig eher zurück, und die Entwicklung von neuen Service-Angeboten wie "Office Live" erfordert einige Investitionen. (Hans Jörg Maron)