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Lawinenunfälle führten am Alpennordhang, im Wallis und in Graubünden zu 19 Todesopfern (Stand 31.05.2012, Jahresdurchschnitt 25 Todesopfer). Davon ereigneten sich zwei tödliche Lawinenunfälle durch Gleitschneelawinen. Es entstanden weniger Personenschäden aber mehr Sachschäden als normal.
Folgende Grafiken zeigen die prozentuale Abweichung der mittleren monatlichen Schneehöhen des Winters 2012 auf Stationshöhe im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt aus der Periode von 1971 bis 2000. Unterdurchschnittliche Schneehöhen sind rot, überdurchschnittliche Schneehöhen blau dargestellt. Die Daten stammen von den Beobachterstationen des SLF und der MeteoSchweiz, den automatischen Stationen des IMIS (Interkantonales Mess- und Informationssystem). Bei der Interpretation muss beachtet werden, dass nur grossräumige Muster aussagekräftig sind. Kleinräumige Muster oder Wertesprünge dürfen nicht zu stark gewichtet werden. Im Abschnitt "Ausgewählte Beobachterstationen" (vgl. unten) ist die zeitliche Entwicklung der Schneehöhe an verschiedenen Stationen dargestellt.
Im Oktober war es relativ warm und sonnig. Im Norden und Osten fiel mehr Niederschlag also normal und es schneite dabei zweimal bis in tiefe Lagen. Dazwischen fiel bei einer hohen Nullgradgrenze Regen bis fast ins Hochgebirge. Gegen Monatsende schneite es mit einer kräftigen Südstaulage am Alpensüdhang. Somit lag zum Monatsende im Süden mit 20 bis 30 cm schattseitig oberhalb von rund 2500 m doppelt so viel Schnee wie im Norden.
Anfang November führte eine kräftige Südstaulage zu ergiebigen Niederschlägen am Alpensüdhang. Die Schneefallgrenze lag zu Beginn bei 2200 m und stieg später bis auf rund 2500 m. Danach war das Wetter bis zum Monatsende von einer stabilen Hochdrucklage bestimmt. In den Bergen war es sonnig und 3 bis 6 Grad wärmer als normal. Der Herbst 2011 war der zweitwärmste Herbst seit Messbeginn vor rund 150 Jahren. Ende November (Abbildung 1, oben) waren die Schneehöhen im Norden stark unterdurchschnittlich, in hohen Lagen des Oberwallis in etwa durchschnittlich.
Anfang Dezember waren die Schweizer Alpen somit bis weit über 2000 m hinaus schneefrei. Eine solche Situation kann nur ca. alle 30 Jahre erwartet werden und trat letztmals 1953 auf. Dafür war das Einschneien im Dezember umso heftiger. Insgesamt fiel in vier Grossschneefällen (03.12. bis 09.12.2011, 13.12. bis 18.12.2011, 20.12. bis 23.12.2011, 29.12. bis 01.01.2012) jeweils 100 cm Neuschnee oder mehr innerhalb von 3 Tagen. In der ersten Monatshälfte waren die Schneefälle vor allem im Westen am intensivsten, später verlagerte sich der Niederschlagsschwerpunkt auf den Norden. Das Sturmtief "Joachim", welches für den zweiten Grossschneefall verantwortlich war, leitete den ersten Wintereinbruch bis ins Mittelland ein. Der dritte Grossschneefall mit Regen in tiefen Lagen löste aber die dünne Schneedecke im Mittelland kurz vor Weihnachten wieder auf. Zum Monatsende schneite es erneut intensiv. In der Silvesternacht regnete es kurzzeitig bis in mittlere Lagen. Die Temperaturen schwankten somit während dem ganzen Monat stark. Die Schneehöhen waren im Dezember (Abbildung 1, unten) im Wallis ohne Goms, am westlichen sowie in Teilen des zentralen und östlichen Alpennordhanges überdurchschnittlich bis stark überdurchschnittlich. Im Goms, im westlichsten Tessin, in Nordbünden sowie in Teilen des Unterengadins waren die Schneehöhen durchschnittlich, im Oberengadin und am Alpensüdhang unterdurchschnittlich bis stark unterdurchschnittlich. Die Entwicklung von schneearm zu schneereich fand in aussergewöhnlich kurzer Zeit statt. Zuvor gab es keinen Dezember in der Statistik, der beides, so schneearm angefangen und so schneereich geendet hat wie der Dezember 2011.
Anfang Januar erreichte das Sturmtief "Andrea" die Schweizer Alpen. Begleitet von stürmischen bis orkanartigen Winden aus nördlichen Richtungen fielen in den nördlichen und östlichen Gebieten vom 04.01. bis zum 09.01. erneut mehr als 100 cm Schnee. Danach wurde es mit einer Nullgradgrenze auf rund 2300 m relativ sonnig und mild. Am 19.01. begann es erneut zu schneien und bis zum 25.01. fielen am Alpennordhang, im Unterwallis und in Graubünden wiederum über 100 cm Schnee. Danach stiegen die Temperaturen an, bevor am 27.01. am Alpensüdhang wenig Schnee fiel. Gegen Monatsende wurde zunehmend sibirische Kaltluft zu den Alpen geführt und die Temperaturen sanken deutlich. Mit Ausnahme des zentralen Alpensüdhanges, des Oberengadins, des Puschlavs und Bergells waren die Schneehöhen auf 2000 m Ende Januar (Abbildung 2, oben) mit über 200 cm stark überdurchschnittlich. Zwischen Anfang Dezember und Ende Januar wurde an mehr als der Hälfte der Stationen zwei bis drei Mal so viel Neuschnee gemessen wie im langjährigen Mittel während diesen zwei Monaten. Die grösste Neuschneesumme wurde im Skigebiet von Elm mit 824 cm verzeichnet. An einigen wenigen Stationen mit langjährigen Messreihen (Ulrichen, Obersaxen, Davos, Samedan, Samnaun) wurde sogar noch nie innerhalb von 60 Tagen so viel Neuschnee verzeichnet. Rückblickend kann die 35-tägige Schneefallperiode ab dem 5. Dezember 2011 mit der intensiven 30-tägigen Schneefallperiode vom 27. Januar bis 25. Februar 1999 verglichen werden. Es zeigte sich, dass während der Niederschlagsperiode 2011/12 die Winde ähnlich stark waren, aber es rund 3 bis 4 Grad wärmer war als im Februar 1999. Dies hatte zur Folge, dass ein Teil der Niederschläge bis auf 2000 m als Regen fiel.
Der Februar begann sonnig aber aussergewöhnlich kalt. Die Mittagstemperatur auf 2000 m sank auf rund minus 18 Grad. Dadurch wurden die oberflächennahen Schneeschichten verbreitet kantig aufgebaut und sehr locker. Eine teils stürmische Bise verfrachtete den Altschnee. Zur Monatsmitte brachte ein Nordweststurm vor allem dem Norden Schnee. Danach wurde es wieder sonnig und deutlich milder. Die Nullgradgrenze stieg auf 2800 m, zum Monatsende bis auf 3300 m. Diese zwei Warmphasen führten zu Schneeschmelze und fortschreitender Durchfeuchtung und damit zu zwei sehr ausgeprägten Perioden mit Nassschneelawinen im Winter 2011/12. Die Schneehöhen waren Ende Februar (Abbildung 2, unten) im Westen und im Norden überdurchschnittlich bis stark überdurchschnittlich, Im Süden durchschnittlich. Am Alpennordhang lagen auf 2000 m gebietsweise 300 bis 400 cm Schnee.
Die erste Märzhälfte war mild, unterbrochen von einem Kaltluftvorstoss, der im Süden etwas Niederschlag brachte. In der zweiten Märzhälfte fiel vor allem im Süden Schnee bis auf 1000 m hinunter. Zum Monatsende setzte sich erneut sonniges und wieder milderes Wetter durch. Der 3 bis 4 Grad zu warme März hat die grossen Schneemengen vielerorts wieder auf ein normales Niveau schmelzen lassen. Ende März waren die Schneehöhen (Abbildung 3, oben) vor allem im Nordosten noch überdurchschnittlich, im Westen und im Norden verbreitet durchschnittlich, am zentralen Alpensüdhang, im Oberengadin und im Puschlav und Bergell teilweise stark unterdurchschnittlich. Die Schneedecke war an steilen Südhängen bis auf 3000 m durchfeuchtet, an Ost- und Westhängen oberflächlich feucht. Nordhänge waren oberhalb von rund 2000 m noch trocken.
Der April war wechselhaft. Es schneite wiederholt bis in mittlere Lagen. Die Schneehöhen (Abbildung 3, unten) waren im Wallis, am Alpennordhang, in Nord- und Mittelbünden, im Unterengadin sowie im Münstertal durchschnittlich, im Goms, am Alpensüdhang sowie im Oberengadin unterdurchschnittlich. Auch im Mai schneite es wiederholt, Mitte Mai sogar bis in tiefe Lagen. Danach wurde es zunehmend wärmer und das Wetter stabilisierte sich. Ende Mai lag die Schneegrenze an Nordhängen im Norden bei rund 2000 m, im Süden und in den inneralpinen Regionen bei rund 2200 bis 2400 m. An Südhängen war die Schneegrenze deutlich höher.
Die grossen Neuschneemengen vom Dezember und Januar hatten bereits im Frühwinter zu sehr grossen Schneehöhen geführt, die teilweise sogar nahe an die Rekorde für die Jahreszeit herankamen. Weil es im Februar und im März nur wenig und im November fast gar nicht geschneit hat, ist die Neuschneesumme über den ganzen Winter (November 2011 bis April 2012) gesehen leicht unterdurchschnittlich (83 % vom Mittelwert 1971 bis 2000). Von Mitte Dezember bis Ende März waren die Schneehöhen entsprechend vielerorts stark überdurchschnittlich, was den aktuellen Winter (November 2011 bis April 2012) bezüglich durchschnittlicher Schneehöhe auf Rang 6 der letzten 60 Jahre setzt. Anders sieht die Analyse für das Mittelland aus. Trotz eines sehr kalten Februars war der Winter zwischen November und Mitte April insgesamt rund 1 Grad zu warm. Dies hat unterhalb von rund 700 m einmal mehr zu unterdurchschnittlichen Neuschneemengen und Schneehöhen geführt.
Betrachtet man die über den ganzen Winter gemittelten Schneehöhen, so waren diese im Wallis ohne Goms, am Alpennordhang, in Nord und Mittelbünden sowie im Unterengadin überdurchschnittlich (Abbildung 4). Im Goms, im Gotthardgebiet und im Münstertal waren die Schneehöhen durchschnittlich, am Alpensüdhang und im Oberengadin unterdurchschnittlich.
Auf den folgenden Graphiken wird jeweils der Verlauf der täglich gemessenen Schneehöhe im Vergleich zur minimalen, mittleren und maximalen je gemessenen Schneehöhe für jedem Tag dargestellt, Die Anzahl der Winter von Messbeginn bis und mit 2012 (n) wird in der Legende erwähnt. Gebiete mit ähnlichem Schneehöhenverlauf im Winter 2012 werden zusammengefasst und anhand repräsentativer Stationen beschrieben.
Die Schneehöhenentwicklung am Alpennordhang kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Hasliberg, 1825 m (Abbildung 5) verfolgt werden: Zwei Wintereinbrüche liessen die Schneehöhe bereits im Oktober kurzfristig auf wenige Zentimeter ansteigen. Im weiteren Verlauf lag bis zum 03.12. kein Schnee auf dem Messfeld. Dies war eine Folge des stabilen Hochdruckwetters im November. Im langjährigen Mittel von 1960 bis 2012 liegen auf dem Messfeld Anfang Dezember bereits rund 50 cm Schnee. Die vier Grossschneefälle im Dezember liessen die Schneehöhe bis Ende Dezember dann markant ansteigen. Am 10.12. wurde das langjährige Mittel überschritten und bis zum 25.05. nicht mehr unterschritten. Die grossen Schneefälle überwogen die Setzungsraten, sodass die Schneehöhe bis zum 25.12. praktisch kontinuierlich zunahm. Vom 25.12. bis zum 29.12. nahm die Schneehöhe im Dezember erstmals ab, bevor es erneut zu schneien begann. Mit einer Nullgradgrenze auf rund 2000 m fiel in Hasliberg auf 1825 m der Niederschlag als Schnee, sodass zum Jahreswechsel bereits 171 cm auf dem Messfeld lagen. Nach dem Sturmtief "Andrea" betrug die Gesamtschneehöhe am 09.01. 241 cm, der dritthöchste Wert in der Messreihe von 1960 bis 2012 an einem 09.01. Ein höherer Wert wurde nur in den Jahren 1981 und 1982 gemessen. Bevor am 19.01. der nächste Grossschneefall eintrat, nahm die Schneedecke nicht zuletzt auch aufgrund der hohen Nullgradgrenze (2300 m) in 10 Tagen um 35 cm ab. Der letzte Grossschneefall im Januar liess die Schneehöhe bis zum 25.01. auf 268 cm ansteigen. Bemerkenswert ist der grosse Neuschneezuwachs von 48 cm zwischen dem 20.01. abends auf den 21.01. morgens um 08 h. Die darauffolgende Kälte bis Mitte Februar verminderte eine grosse Schneehöhenabnahme. In einer Nordweststaulage schneite es dann erneut intensiv, sodass am 16.02. der bisher höchste gemessene Wert auf dem Messfeld an einem 16.01. um 1 cm überschritten wurde (bisheriges Maximum: 270 cm, 1968). Der März war mit Ausnahme von zwei Schneefällen trocken, sodass sich die Gesamtschneehöhe wieder in Richtung Mittelwert bewegte. Am 30. Mai aperte die Station aus. Der Winter am Alpennordhang begann somit sehr schneearm. Ab dem 10.12. waren die Schneehöhen bis Mitte Mai überdurchschnittlich. Am 16.02. wurde der bisherige Maximalwert überschritten. Das Schneehöhenmaximum im Winter 2011/12 wurde am 20.02. erreicht, deutlich früher als normal.
Die Schneehöhenentwicklung im Wallis ohne südliches Simplon Gebiet kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Fionnay, 1500 m (Abbildung 6) verfolgt werden: Das Messfeld war bis zum 03.12. schneefrei. Dann führten vier Grossschneefälle im Dezember zu einem sehr markanten Anstieg der Schneehöhe. Zum Jahreswechsel lagen 143 cm Schnee auf dem Messfeld. Dies war der bisher höchste gemessene Wert an einem 31.12. Im weiteren Verlauf besonders bemerkenswert war der Neuschneezuwachs vom 20.01. abends bis zum 21.01. morgens um 7.30 h. Er betrug 68 cm. Gleichzeitig wurde am 21.01. mit 190 cm das Schneehöhenmaximum des Winters 2011/12 erreicht, deutlich früher als im langjährigen Mittel. Nach dem letzten Schneefall am 20.03. nahm die Schneehöhe deutlich ab, um 73 cm in 16 Tagen. Das wechselhafte Aprilwetter mit wiederholten Schneefällen vermochte die Schneehöhe bis zum 24.04. in etwa konstant zu halten. Dann sank die Schneehöhe rapide und das Messfeld aperte am 05.05. aus. Der langjährige Mittelwert wurde dabei am 01.05. erstmals seit dem 10.12. unterschritten. Die Charakteristik des Schneehöhenverlaufes ist den Stationen am Alpennordhang im Winter 2011/12 somit sehr ähnlich.
Die Schneehöhenentwicklung in Nord- und Mittelbünden sowie im Unterengadin kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Weissfluhjoch, 2540 m (Abbildung 7) verfolgt werden: Bei der Interpretation des Schneehöhenverlaufes ist zu beachten, dass im Unterschied zu den anderen Stationen das ganze Jahr angezeigt wird und, dass die Station mit 2540 m auch deutlich höher liegt als Hasliberg, Fionnay und San Bernardino. Im Schneehöhenverlauf der Station Weissfluhjoch ist das frühzeitige Einschneiden am 07.10. gut zu erkennen. Ab Anfang November war die Schneedecke auch in hohen Lagen des Nordens bis Anfang Dezember unterdurchschnittlich. Ähnlich wie bei den Stationen Hasliberg und Fionnay nahmen die Schneehöhen im Dezember auch auf dem Weissfluhjoch markant zu. Am 09.01.2012 wurde der aus 1982 stammende Maximalwert der Schneehöhe an einem 09.01. überschritten. Gegen Ende Januar, zwischen dem 24.01. und dem 26.01., wurden erneut neue maximale Schneehöhenwerte gemessen. Das bisherige Maximum während dieser Tage stammte aus dem Jahr 1951. Das Schneehöhenmaximum des Winters 2011/12 wurde mit 273 cm am 24.04. gemessen, dies ist leicht später als im langjährigen Durchschnitt. Ende Mai lagen auf dem Weissfluhjoch noch 149 cm Schnee, dies ist leicht mehr als im langjährigen Durchschnitt seit 1934. Im Vergleich zu den tiefer gelegenen, in diesem Winter ebenfalls überdurchschnittlich schneereichen Stationen Hasliberg und Fionnay trat das Schneehöhenmaximum im Winter 2011/12 in hohen Lagen etwas später auf und die Überdurchschnittlichkeit war etwas weniger ausgeprägt. Ansonsten war der Schneehöhenverlauf sehr ähnlich. Ende Mai entsprach die Schneehöhe dem langjährigen Durchschnittswert. Die Station aperte am 02.07. aus, was eine Woche früher war als normal.
Die Schneehöhenentwicklung am Alpensüdhang kann anhand der langjährigen Vergleichsstation San Bernardino, 1640 m (Abbildung 8) verfolgt werden: Im Gegensatz zu den Stationen im Norden war die Schneehöhe in mittleren Lagen des Alpensüdhanges den ganzen Winter 2011/12 unterdurchschnittlich. Da die Schneefallgrenze während der kräftigen Südstaulage vom 03. bis zum 07.11. auf 2000 m oder höher lag, fiel der einzige nennenswerte Herbstniederschlag im Süden in dieser Höhenlage als Regen. Die Station San Bernardino profitierte hauptsächlich von kräftigen Nordstaulagen (z.B. Sturmtief "Joachim" oder "Andrea"), in welchen die Niederschläge dank der intensiven Strömung bis in den Süden übergriffen. Das Schneehöhenmaximum auf dem Messfeld in San Bernardino wurde am 31.01. mit 78 cm erreicht. Das ist rund vier Wochen früher als normal. Am 27.03. aperte das Messfeld erstmals aus, bevor das wechselhafte Aprilwetter mit wiederholten Schneefällen bis in tiefe Lagen auch dem Alpensüdhang nochmals etwas Schnee brachte.
Die Schneehöhenentwicklung in den hohen Lagen des Oberengadins kann anhand der langjährigen Vergleichsstation Corvatsch, 2690 m (Abbildung 9) verfolgt werden: Bei der Interpretation des Schneehöhenverlaufes ist zu beachten, dass die Station mit 2690 m deutlich höher liegt als Hasliberg, Fionnay und San Bernardino. Die Niederschläge in Zusammenhang mit der kräftigen Südstaulage vom 03.11. bis 07.11. fielen im Gegensatz zur Station San Bernardino am Corvatsch als Schnee, sodass seit Anfang November auf dem Messfeld eine geschlossene Schneedecke lag. Die vier Grossschneefälle im Dezember liessen die Schneehöhe am Corvatsch ansteigen, wenn auch weniger deutlich als an den Stationen des Nordens. Vom 23.12. bis zum 19.03. pendelte die Schneehöhe um den langjährigen Mittelwert von 1994 bis 2012. In einer Südstaulage fielen vom 19.03. bis zum 20.03. 65 cm Schnee. Das langjährige Mittel wurde erstmals diesen Winter deutlich überschritten. Wiederholte Schneefälle im April liessen die Schneehöhe weiter ansteigen. Vom 24.04. bis zum 26.04. wurden die bisherigen Schneehöhenmaxima an diesen Tagen überschritten. Gleichzeitig wurde am 25.04. mit 264 cm das Schneehöhenmaximum des Winters 2011/12 registriert, was zeitlich in etwa dem langjährigen Durchschnitt entspricht. Ende Mai war die Schneehöhe immer noch deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Im Vergleich zu den tiefer gelegenen Stationen des Nordens wurde das langjährige Mittel am Corvatsch somit erst im Frühjahr überschritten, als sich die Schneehöhen auf den Stationen des Nordens bereits wieder in Richtung Durchschnitt bewegten. Vergleicht man die Stationen San Bernardino oder St. Moritz mit Corvatsch, so erkennt man die deutliche Höhenabhängigkeit der Schneemächtigkeiten auf den Stationen des Südens im Winter 2011/12. Stationen in mittleren Lagen waren mehrheitlich unterdurchschnittlich, im Gegensatz zu den hoch gelegenen Stationen, welche durchschnittliche beziehungsweise im Frühjahr gar überdurchschnittliche Schneehöhen aufwiesen.
Im Folgenden werden Niederschlagsperioden mit besonderer Relevanz für die Schnee- und Lawinensituation im Winter 2011/12 kurz kommentiert. „Besondere Relevanz“ bedeutet beispielsweise Schneefallperioden mit einer Neuschneesumme von mehr als 50 cm in drei Tagen, Schneefälle bei sehr tief liegender Schneefallgrenze oder Schneefälle, welche zu einem markanten Anstieg der Lawinengefahr führten. Zwischen den unten aufgelisteten, grösseren Schneefällen gab es auch kleinere Schneefälle.
An den SLF-Beobachterstationen, an welchen alle zwei Wochen die Wasserwerte der Gesamtschneedecke erhoben werden, wurden im Winter 2011/12 keine neuen Minima gemessen. Neue Maxima traten am Alpennordhang an der Station Grindel (1950 m, 785 mm, Messreihe seit 13 Jahren) und an der Station Elm (1690 m, 870 mm, Messreihe seit 12 Jahren) sowie in Graubünden an der Station Davos (1560 m, Messreihe seit 66 Jahren) auf.
Der Vergleich der im Winter 2011/12 gemessenen maximalen Wasserwerte mit dem Mittelwert der maximalen Wasserwerte aller Jahre pro Station ergibt folgendes: Unterhalb von 1500 m betrugen die aktuellen maximalen Wasserwerte 128% (Standardabweichung 34%) des Mittelwertes (Vergleich zum schneearmen Vorwinter 2010/11: 40% / 13%), zwischen 1500 und 1800 m waren es 125% (Standardabweichung 41%) (2010/11: 58% / 14%) und oberhalb von 1800 m 123% (Standardabweichung 26%) (2010/11: 66% / 19%). Diese Werte zeigen, dass die Schneehöhen in allen genannten Höhenlagen im Winter 2011/12 ähnlich überdurchschnittlich waren. Unterdurchschnittliche maximale Wasserwerte lagen an folgenden Stationen vor:
Vor allem an Stationen des Alpensüdhanges waren in mittleren Höhenlagen die maximalen Wasserwerte stark unterdurchschnittlich.
Nach Region ergibt der Vergleich der aktuellen mit den mittleren maximalen Wasserwerten folgendes:
Diese Werte spiegeln die mittlere Schneehöhenverteilung des Winters 2011/12 gut wider: Die Schneehöhen waren am Alpennordhang, im Wallis, in Nord- und Mittelbünden und im Unterengadin am grössten, am zentralen Alpensüdhang, im Oberengadin und in den Bündner Südtälern am kleinsten.
Der Zeitpunkt der maximalen Wasserwerte tritt normalerweise mit zunehmender Höhenlage später im Winter auf. Da es im Winter 2011/12 im Dezember und Januar im Norden relativ viel schneite, im Spätwinter dann relativ wenig, trat das Wasserwert Maximum dort an einigen Stationen relativ früh auf. Im Süden schneite es normal ein und im weiteren Verlauf des Winters war es im Süden relativ schneearm. Daher wurde mit Ende Januar das früheste Datum an den Stationen Maloja, GR (1800 m), Saas Fee, VS (1790 m) und San Bernardino, GR (1640 m) erreicht. Das späteste Datum wurde mit Ende April an den Graubündner Stationen Corvatsch (2690 m), Weissfluhjoch (2540 m), Stillberg Davos (2090 m) sowie an der Tessiner Station Robiei (1890 m) erreicht. An den meisten Stationen unter 1500 m wurde der Zeitpunkt des höchsten Wasserwertes zwischen Mitte Februar und Mitte März, an Stationen von 1500 bis 1800 m ebenfalls zwischen Mitte Februar und Mitte März und an Stationen oberhalb 1800 m zwischen Ende Februar und Ende April erreicht.
Im Vergleich mit den letzten 14 Wintern (Abbildung 10) war der Schneedeckenaufbau im Winter 2011/12 so günstig wie noch nie in den Hochwinterperioden der letzten 14 Jahre. Im Dezember 2011 war der Schneedeckenaufbau in den wenigen Gebieten, die Anfang Dezember bereits eine geschlossene Altschneedecke hatten, relativ schwach. Nach dem verbreiteten und ergiebigen Einschneien bildete sich am Alpennordhang, im nördlichen Wallis, im Unterwallis, in Nord- und Mittelbünden und im Unterengadin eine mächtige und gut verfestigte Schneedecke ohne wesentliche Schwachschichten im Altschnee. Im Februar war es sehr kalt und verbreitet bildeten sich oberflächennahe Schwachschichten. Insgesamt gesehen blieb der Schneedeckenaufbau aber bis ins Frühjahr hinein vergleichsweise günstig. Weil der Altschnee so gut verfestigt war, kam es in den Perioden mit Grossschneefällen meist „nur“ zum Bruch der Neuschneeschichten infolge Überlast. Begünstigt durch den warmen Boden, der im Dezember eingeschneit wurde, und die kompakte Schneedecke war der Winter 2011/12 ein typischer Gleitschneewinter mit anhaltendem Schneegleiten sowie einer hohen Aktivität von Gleitschneelawinen.
Die Schneedeckenstabilität ist neben der Verfestigung und dem Vorkommen von Schwachschichten im Altschnee auch von schwachen Neu- und Triebschneeschichten abhängig. Die folgenden Schneedeckenstabilitätskarten stellen die Ergebnisse zahlreicher Schneedeckenuntersuchungen in den Schweizer Alpen dar. Diese Schneeprofile wurden nach einheitlichen Kriterien beurteilt und einer von drei Klassen zugeordnet, die auf den Karten als grüne (gute Schneedeckenstabilität), gelbe (mittlere Schneedeckenstabilität) und rote (schwache Schneedeckenstabilität) Profilsymbole dargestellt sind. Fast alle Schneeprofile mit Rutschblocktest wurden an Hängen von 30° bis 40° Neigung aufgenommen.
In die Bewertung der Schneedeckenstabilität flossen nebst den Profilen noch weitere Beobachterinformationen zur Schneedecke, zu Lawinenabgängen etc. ein.
Es werden jeweils zwei Karten, zu Monatsbeginn und zu Monatsmitte, gezeigt und beschrieben.
Nach dem sehr warmen Spätsommer 2011 lag Anfang Oktober nur an steilen Nordhängen oberhalb von rund 2800 m und im vergletscherten Hochgebirge Schnee. Dieser war verbreitet kantig-körnig, locker und an der Oberfläche leicht verkrustet. In der zweiten Oktoberwoche fiel im Norden zunächst bis zu 100 cm Schnee mit einer Schneefallgrenze bis in mittlere Lagen. Danach wurde es wärmer und regnete intensiv bis auf rund 2700 m. Dadurch verlor vor allem der zuletzt gefallene Schnee seine Festigkeit und rutschte spontan ab. Im weiteren Verlauf wurde das sonnige und milde Oktoberwetter von jeweils einer wenig ergiebigen Nord- und Südstaulage unterbrochen. Dabei entstanden lokale, kurzzeitig störanfällige Triebschneeansammlungen in hohen Lagen.
Der November war meist trocken und extrem warm. Ausnahme war eine ergiebige Südstaulage in der ersten Novemberwoche. Oberhalb von rund 2500 m fiel vom Monte Rosa Gebiet bis ins nördliche Tessin 100 bis 150 cm, lokal bis 200 cm Schnee. Danach schmolz der Schnee in hohen Lagen wieder, so dass Ende November nur schattseitig oberhalb von rund 2500 m noch Schnee lag, am Alpenhauptkamm bis zu 50 cm, sonst deutlich weniger oder gar keiner. Nur in hohen Lagen des Oberwallis lag etwa durchschnittlich viel Schnee. Die Schneedecke war in allen Gebieten gut verfestigt und an der Oberfläche verkrustet. An Schattenhängen waren die oberflächennahen Schneeschichten vor allem in den Gebieten mit Novemberniederschlag kantig aufgebaut und locker.
Anfang Dezember 2011 lag so wenig Schnee wie seit 1953 nicht mehr. Bis Ende Dezember schlug die Situation aber ins Gegenteil um, was nicht zu erwarten war. In der ersten Dezemberwoche schneite es oberhalb von 1500 m ein, Mitte Dezember fiel Schnee bis in tiefe Lagen. In jeder Dezemberwoche ereignete sich ein Grossschneefall. Dadurch entwickelte sich in den meisten Gebieten des Westens und Nordens ein günstiger Schneedeckenaufbau (Abbildung 11). Brüche und Lawinen wurden vor allem in oberflächennahen, aber teils mächtigen Neu- und Triebschneeschichten ausgelöst. Wo vor den grossen Dezemberschneefällen bereits eine Altschneedecke lag (an Nordhängen des Alpenhauptkammes und südlich davon sowie im Engadin oberhalb von 2400 m) war der Schneedeckaufbau wesentlich schwächer. Bodennahe Schichten waren kantig aufgebaut und meist weich mit eingelagerten Krusten. Der Altschnee wurde zudem in diesen Gebieten von relativ dünnen Neu- und Triebschneeschichten überlagert, wodurch die Schneedecke in der vierten Dezemberwoche für Schneesportler anhaltend störanfällig blieb. Dadurch begünstigt, dass Anfang Dezember ein warmer Boden eingeschneit wurde begann die Schneedecke schon bald am Boden zu gleiten. Dies vor allem an besonnten Steilhängen der mittleren Lagen. Zahlreiche Gleitschneerutsche und -lawinen lösten sich spontan aus der trockenen Schneedecke. Ende Dezember erreichten sie bis mittlere Grösse und traten auch in hohen Lagen auf. Das Schneegleiten ist typisch für Winter mit kompakten, in sich stabilen Schneedecken.
Der Regen in der Nacht auf Neujahr durchfeuchtete und schwächte die Schneedecke in mittleren Lagen. Im weiteren Verlauf des Januars fiel ergiebig Schnee, so dass die Neuschneesummen vom Dezember und Januar zusammen genommen Rekorde erreichten. Die Grossschneefälle mit Sturmwinden führten einerseits wiederholt zu hoher Aktivität von spontanen Lawinen, wobei vor allem die Neu- und Triebschneeschichten instabil waren. Andererseits verfestigte sich die Schneedecke jeweils rasch durch das Gewicht der mächtigen Neuschneeschichten. Die Schneedecke war im Westen und im Norden sehr mächtig und kompakt (Abbildung 12). In den Gebieten am Alpenhauptkamm und südlich davon sowie im Engadin waren im Altschnee vor allem an Nordhängen oberhalb von 2500 m kantig aufgebaute, teils mit Krusten durchzogene Schichten vorhanden. Brüche in der Schneedecke ereigneten sich aber auch hier vor allem in den oberflächennahen Neu- und Triebschneeschichten. Zudem gingen besonders in der zweiten Januarhälfte an Ost-, Süd- und Westhängen unterhalb von rund 2500 m viele mittlere, trockene Gleitschneelawinen nieder.
Während der sehr kalten ersten Februarhälfte wurden die obersten 30 bis 50 cm der Schneedecke verbreitet kantig aufgebaut. Besonders in windgeschützten Lagen wie im Waldgrenzbereich aber allgemein auch in den inneralpinen Gebieten waren diese Schichten locker und dadurch leicht verfrachtbar. Anhaltender Nordostwind verfrachtete den Altschnee und es entstanden spröde Triebschneeansammlungen die leicht auslösbar waren. Ausser in oberflächennahen Schichten und an schneearmen Stellen war die Schneedecke allgemein kompakt und stabil. An schneearmen Stellen wurde im Februar die gesamte Schneedecke aufbauend umgewandelt und schwach (Abbildung 13, oben). Diese Schwachschichten wurden in der dritten Februarwoche mit geringmächtigen Neuschneeschichten überdeckt. Da die Schwachschichten relativ mächtig und die überlagernden Schneeschichten relativ dünn waren, blieb die Auslösebereitschaft mit geringer Zusatzbelastung hoch. Im Februar ereigneten sich die meisten Lawinenunfälle mit Personen. Mit zwei markanten Erwärmungen in der letzten Februarwoche wurde die Schneedecke an Ost-, Süd- und Westhängen feucht und geschwächt (Abbildung 13, unten). Während dieser ersten Anfeuchtung lösten sich in tiefen und mittleren Lagen viele spontane nasse Lawinen in den oberflächennahen Schichten und teils am Boden. Die Aktivität von Gleitschneelawinen war erneut markant erhöht. Die Gleitschneelawinen waren aber zu diesem Zeitpunkt in den genannten Höhenlagen bereits feucht oder nass.
Mit den hohen Temperaturen vom Monatswechsel waren bereits Anfang März 2012 steile Südhänge unterhalb von rund 2400 m durchfeuchtet und die Schneeschmelze setzte ein. Oberflächennahen Schneeschichten waren an Ost-, Süd- und Westhängen bis auf 3000 m feucht. Schattenhänge waren oberhalb der Waldgrenze noch weitgehend trocken. Die Schneedeckenstabilität war meist mittel bis gut (Abbildung 14, oben) und es herrschten oft günstige Touren- und Variantenverhältnisse. In der dritten Märzwoche schneite es mit Schwerpunkt im Süden. Der Neu- und Triebschnee war leicht auslösbar. An schneearmen Stellen im südlichen Wallis und in Graubünden waren zudem Schwachschichten im oberen Bereich der Altschneedecke vorhanden (Abbildung 14, unten). Dies vor allem in der noch trockenen Schneedecke an den Expositionen West über Nord bis Ost oberhalb von rund 2200 m. In den stark besonnten Hängen war die Situation frühlingshaft.
Im April fiel wiederholt Schnee, an Ostern bis in tiefe Lagen. Mit den kühlen Temperaturen war die Situation im April meist winterlich mit anhaltend erhöhter Gefahr für trockene Lawinen. Die oberflächennahen Neu- und Triebschneeschichten waren in hohen Lagen teils leicht auslösbar. Zudem war im südlichen Wallis und in Graubünden die Altschneedecke wieder vermehrt störanfällig (Abbildung 15, oben). Die Schneeschmelze war reduziert. Erst mit der Erwärmung in der letzten Aprilwoche setzte sie in hohen Lagen verstärkt ein. Damit wurden auch die Nordhänge der hohen Lagen zunehmend durchfeuchtet. Vor allem in den inneralpinen Gebieten und am Walliser und Bündner Alpenhauptkamm wurde an Nordhängen die Schneedecke dadurch geschwächt (Abbildung 15, unten). Einige spontane nasse Oberlawinen, vereinzelt auch Bodenlawinen waren die Folge.
In mittleren Lagen aperte die Schneedecke im Mai aus. In hohen Lagen waren die Schneehöhen aufgrund der grossen Schneefälle im Dezember und Januar, aber auch wegen der wiederholten Niederschläge im April und Mai noch leicht überdurchschnittlich. Die Niederschläge fielen in der ersten Maihälfte oberhalb von 2500 m als Schnee, danach dann meist nur noch im Hochgebirge. Während der Niederschläge waren jeweils die Neu- und Triebschneeschichten störanfällig. Oberflächliche Lawinen rissen in den inneralpinen Gebieten vereinzelt noch tiefere Schichten der Altschneedecke mit. Ende Mai lagen die Schneegrenzen an Nordhängen bei 2000 bis 2400 m, sonst deutlich höher. Die Schneedecke war weitgehend durchfeuchtet. Nur an Nordhängen des Hochgebirges war sie noch trocken. Im Hochgebirge lag noch viel Schnee.
Der Schneesituation entsprechend waren im Vergleich zum Vorwinter grosse Lawinen häufiger. Aufgrund der meist gut verfestigten Altschneedecke lösten sich meist nur die Neu- und Triebschneeschichten der jeweiligen Niederschlagsphasen. Dadurch wurden die Lawinen nicht sehr gross und blieben meist in ihren bekannten Lawinenzügen. Trotzdem entstanden vermehrt auch Sachschäden an Gebäuden und Verkehrswegen durch trockene Lawinen. Aussergewöhnlicher in ihrer Grösse und Aktivität waren die Gleitschneelawinen in diesem Winter. Sie erreichten häufig mittlere Ausmasse wobei ihre Anrissmächtigkeiten aufgrund der grossen Schneehöhen teils enorm waren. Die Aktivität von Gleitschneelawinen hielt von Dezember bis Anfang März an, was neben den Phasen mit Starkschneefällen eine sehr grosse Herausforderung an die Sicherheitsdienste darstellte. Nach einer qualitativen Abschätzung entspricht das Gleiten der trockenen Schneedecke im Hochwinter 2011/12 einem rund 30-jährigen Ereignis. Auch durch Gleitschneelawinen entstanden viele Sachschäden. Im Index der Lawinenaktivität (Abbildung 16) zeigt sich, dass er in den aktiveren Phasen relativ hohe Werte erreicht. Die meisten trockenen Lawinen gingen von Mitte Dezember 2011 bis Ende Januar 2012 nieder und waren an die wiederholten Phasen mit Grossschneefällen gekoppelt. In dieser Zeit ereigneten sich auch zahlreiche, vorwiegend trockene Gleitschneelawinen. Mit aussergewöhnlich hohen Temperaturen begann die erste Anfeuchtung der Schneedecke Ende Februar. Sie hatte zwei markante Phasen mit hoher Aktivität von Nassschneelawinen und vorwiegend nassen Gleitschneelawinen zur Folge. Danach waren die meisten Hänge entladen. Die gute Schneelage, kühle Temperaturen und Schneefälle führten dann bis spät ins Frühjahr hinein häufig zu heiklen Lawinenverhältnissen für Schneesportler in hohen Lagen.
Lawinenabgänge sind von mehreren Faktoren abhängig: Stabilität der Schneedecke, die sich mit der Zeit verändert, Neuschnee, Wind, Temperaturschwankungen, Zusatzbelastungen auf die Schneedecke z.B. durch Personen oder Sprengungen, etc. Dadurch ergibt sich, dass die Lawinenaktivität von Tag zu Tag schwankt was in Abbildung 16 deutlich zu sehen ist. Die bemerkenswertesten Perioden des Winters 2011/12 sind in Abbildung 16 mit Nummern markiert und werden im Folgenden beschrieben.
Oktober: Nach dem sehr warmen Spätsommer lag Anfang Oktober nur an steilen Nordhängen oberhalb von rund 2800 m und im vergletscherten Hochgebirge eine dünne Schneedecke. Im Oktober war es insgesamt relativ warm und sonnig. Nur im Osten und Norden fiel mehr Niederschlag als normal im Oktober. In der zweiten Oktoberwoche wurde es nach einem Kaltlufteinbruch mit zwei Tagen starken Schneefällen bis in mittlere Lagen schnell warm und es regnete intensiv bis auf rund 3000 m in den Neuschnee. Dadurch lösten sich am 10.10. zahlreiche nasse Rutsche und Lawinen, die auf dem Boden abglitten. Am Alpennordhang stiessen die Nassschneelawinen teils bis in die Lawinenzüge vor, blieben aber dort stecken. Gleichzeitig entstanden im Berner Oberland und im Lötschental, VS durch den raschen Anstieg der Abflüsse durch Niederschläge und Schmelzwasser beträchtliche Unwetterschäden durch Hochwasser und Murgänge. Mit einem weiteren Kaltlufteinbruch mit Schneefällen am Alpensüdhang stiegen am 26.10. die Temperaturen markant an wodurch sich einige feuchte Rutsche lösten. Am 06., 08., 11., 18. und am 24.10.2011 erschienen Lawinenbulletins.
November: Das extrem warme und trockene Herbstwetter hielt auch im November an. Nur in der ersten Novemberwoche fielen bedeutende Niederschläge. Vom Monte Rosa Gebiet über das Simplon Gebiet bis ins nördliche Tessin fielen im Hochgebirge 100 bis 200 cm Schnee, weiter nördlich deutlich weniger. Spontane Lawinen wurden vor allem am Oberwalliser Alpenhauptkamm beobachtet. Aufgrund der intensiven Südstaulage wurden am 03., 05., 07., und am 08.11.2011 Lawinenbulletins publiziert. Bis Ende November war die Lawinensituation mit einer stabilen Hochdrucklage ruhig.
Dezember: Anfang Dezember lag nur noch am Alpenhauptkamm an Nordhängen oberhalb von 2500 m Schnee, der dort meist aufbauend umgewandelt war. Durch die ersten ergiebigen Schneefälle des Frühwinters vom 03. bis 09.12. entstand am Alpenhauptkamm eine heikle Lawinensituation. Dies vor allem an Nordhängen mit Altschnee. Am 07.12. und am 11.12. ereignete sich jeweils ein tödlicher Lawinenunfall im Gebiet Saas Fee, VS. Mit den ersten Schneefällen Anfang Dezember setzte das Schneegleiten ein und die ersten Gleitschneelawinen wurden beobachtet. Am 02.12., 03.12. und am 06.12. erschienen sporadische Lawinenbulletins. Am 07.12. begann die Ausgabe der täglichen Lawinenbulletins, am 14.12. die Ausgabe der täglichen, sieben regionalen Lawinenbulletins. Wiederholte Starkschneefälle führten im Dezember zu drei Phasen mit hoher Lawinenaktivität (1, 2, 3):
(1) 16. bis 18.12.: Mit dem Sturmtief „Joachim“ schneite es Mitte Dezember intensiv und ergiebig. Es entstanden umfangreiche Triebschneeansammlungen und die Lawinengefahr stieg erstmals in diesem Winter gebietsweise auf die Gefahrenstufe 4 (gross) an. Es gingen vermehrt spontane, trockene Lawinen nieder, vor allem in den westlichen Gebieten der Schweizer Alpen.
(2) 21. bis 23.12: Nach einer kurzen Wetterberuhigung begann es am 20.12. wieder ergiebig zu schneien. Die Lawinengefahr stieg gebietsweise auf die Gefahrenstufe 4 (gross) an. Es wurden vermehrt spontane Lawinen und viele künstlich ausgelöste Lawinen gemeldet (Personen, Sprengungen). Dies vor allem am Alpennordhang. Besonders in den Urner Alpen wurden Tallawinen beobachtet. Verkehrswege mussten vorsorglich gesperrt werden. Einige Lawinen verursachten Sachschäden. Am 20.12. ereignete sich im Gebiet Fully, VS und am 23.12. im Gebiet Bever, GR jeweils ein tödlicher Lawinenunfall. Am 23.12. setzte eine markante Erwärmung ein. Sie hatte eine hohe Aktivität von Gleitschneelawinen zur Folge, wobei die Schneedecke auf dem nicht gefrorenen Boden abglitt (Abbildung 19).
(3) 30.12. bis 01.01.: Der nächste Grossschneefall setzte Ende Dezember ein mit Regen bis in die mittleren Lagen. Die Lawinengefahr stieg gebietsweise auf die Gefahrenstufe 4 (gross) an. Es gingen viele, in dieser Phase aber vor allem gemischte und nasse Lawinen nieder. Dies insbesondere am Alpennordhang und im Wallis. Am 29.12. ereignete sich ein tödlicher Lawinenunfall im Gebiet Celerina, GR, und am 03.01. im Gebiet Avers, GR, der mit zwei Todesopfern der schwerste Unfall des Winters 2011/12 war.
Januar: Starkschneefälle wiederholten sich auch im Januar und führten zu vier Phasen mit hoher Lawinenaktivität (4, 5, 6, 7).
(4) 05. bis 09.01.: Mit dem Sturmtief „Andrea“ schneite es in der ersten Januarwoche erneut anhaltend und intensiv, dies besonders am Alpennordhang und in Graubünden. Mit stürmischem, zeitweise sogar orkanartigem Wind entstanden umfangreiche und mächtige Triebschneeansammlungen. Die Lawinengefahr stieg verbreitet auf die Gefahrenstufe 4 (gross) an. In dieser Phase wurde die höchste Lawinenaktivität des Winters 2011/12 registriert. Es wurden viele spontane Lawinenabgänge gemeldet. Die meisten grossen Lawinen blieben dabei in den bekannten Bahnen. Vereinzelt wurden jedoch auch Liftanlagen und Gebäude beschädigt. Wegen drohender Lawinen wurden in zahlreichen Regionen Strassen und Bahnlinien gesperrt. Teilweise mussten die Sperrungen über mehrere Tage aufrecht erhalten werden, was zu grossen Einschränkungen im Reiseverkehr führte. Während der Niederschläge und besonders nach Niederschlagsende, wurden zahlreiche Lawinen von den Lawinensicherheitsverantwortlichen der Gemeinden, Kantone und Skigebiete gesprengt. Zudem wurden vielen Lawinen durch Personen ausgelöst. Mehrfach mussten Suchaktionen durchgeführt werden, da nicht bekannt war, ob Personen in Lawinen verschüttet waren. Glücklicherweise ereigneten sich in dieser Phase keine tödlichen Lawinenunfälle.
(5) 10. und 11.01.: Nach den Grossschneefällen setzte am 10.01. eine markante Erwärmung ein. In dieser Phase war die Aktivität von Gleitschneelawinen besonders hoch. Dabei rutschte die gesamte, inzwischen mehrere Meter mächtige Schneedecke auf dem nicht gefroren Boden ab. Viele, oft mittelgrosse Gleitschneelawinen waren die Folge. Durch Gleitschneelawinen, aber auch schon allein durch die langsame Kriechbewegung der Schneedecke entstanden Schäden an Gebäuden, Liftanlagen und Verkehrswegen sowie an land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen. Durch die erhöhte Gefahr für Gleitschneelawinen wurden zudem die Schneeräumarbeiten an Strassen und Bahnlinien behindert, was zusätzlich zu Verkehrsbehinderungen führte.
(6) 20. bis 22.01.: Nach einer Woche mit verbreitet mässiger Lawinengefahr (Stufe 2) setzte am 19.01. am Alpennordhang, im Unterwallis und in Graubünden die nächste Phase mit Grossschneefällen ein. Die Lawinengefahr stieg gebietsweise auf die Gefahrenstufe 4 (gross) an. Es gingen viele mittlere, teilweise auch grosse spontane Lawinen nieder. Zudem war die Aktivität von Gleitschneelawinen erneut erhöht.
(7) 25. bis 30.01: Nach den Grossschneefällen im Januar blieb die Aktivität von Gleitschneelawinen erhöht. Sie nahm zwar gegen Ende Monat ab, aber täglich wurden Gleitscheelawinen, teils mit Sachschäden gemeldet. Es handelte sich oft um mittelgrosse Lawinen mit enormen Anrisshöhen (4 m und mehr). Am 27.01. ereignete sich im Gebiet Andermatt, UR ein tödlicher Lawinenunfall durch eine Gleitschneelawine im Variantengelände. Am 29.01. wurde der Mast eines Sesselliftes im Skigebiet Lungern-Schönbühl, OW von Gleitschnee stark beschädigt. Wegen drohender Gleitschneelawinen mussten weiterhin Pisten und Strassen gesperrt bleiben.
Februar: Die erste Februarhälfte war weitgehend trocken und aussergewöhnlich kalt. Lockerer Altschnee wurde verfrachtet. Der Triebschnee führte zu einer anhaltend heiklen Lawinensituation für Schneesportler abseits der Pisten. Fast täglich wurden durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet. Zwischen dem 08. und 12.02. kamen im Touren- und Variantengelände vier Personen bei Lawinenunfällen ums Leben. In der zweiten Februarhälfte führten Schneefälle im Norden (8) und die starke Erwärmung Ende Februar verbreitet zu Phasen mit hoher Lawinenaktivität (9, 10).
(8) 15. bis 17.02.: Mit Nordweststurm fiel vor allem im Norden Schnee. Die Lawinengefahr stieg dort gebietsweise auf die Gefahrenstufe 4 (gross) an. Diesmal waren nicht die grossen Neuschneemengen, sondern die ungünstige Altschneeoberfläche für den Anstieg der Lawinengefahr verantwortlich. Die Auslösebereitschaft war sehr hoch und es gingen viele Lawinen nieder. Teils lösten sich die Lawinen spontan, teils reichte eine sehr geringe Zusatzbelastung für eine Auslösung oder Lawinen wurden fernausgelöst. Erneut wurden Strassen verschüttet, wobei es sich meist um eher kleine Lawinen aus relativ tief gelegenen Anrissgebieten handelte. Viele Lawinenabgänge mit Personenbeteiligung wurden gemeldet. Am 17.02. ereignete sich im Gebiet Davos, GR ein tödlicher Lawinenunfall (Abbildung 18).
(9) 23. bis 25.02.: Ab dem 20.02. stiegen die Temperaturen markant an. Die Schneedecke wurde in den tiefen und mittleren Lagen feucht und begann zu schmelzen. Dies führte zur ersten ausgeprägten Phase mit hoher Aktivität von feuchten und nassen spontanen Lawinen in mittleren Lagen. Abermals war die Aktivität von Gleitschneelawinen stark erhöht. Auch die Gleitschneelawinen waren nun nicht mehr trocken, sondern feucht oder nass. Am 24.02. verstarb eine Person bei Unterhaltsarbeiten am Stanserhorn, NW durch eine Gleitschneelawine.
(10) 29.02. bis 04.03.: Mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen wurde die Schneedecke auch in hohen Lagen an Ost-, Süd- und Westhängen feucht. Dies führte auch oberhalb von 2000 m zur ersten Anfeuchtung der Schneedecke mit einer hohen Aktivität von feuchten und nassen spontanen Lawinen. Die Aktivität von zunehmend feuchten Gleitschneelawinen war ebenfalls stark erhöht. Sie unterlag nun vermehrt einem Tagesgang.
März: In der Warmphase von Ende Februar und Anfang März haben sich ausser den Nordhängen die meisten Hänge entladen. In der Folge nahm die Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen deutlich ab. Im März war die Lawinensituation oft frühlingshaft mit zeitweise geringer Lawinengefahr am Morgen und einem leichten tageszeitlichen Anstieg der Gefahr für Nass- und Gleitschneelawinen. Es ereigneten sich keine tödlichen Lawinenunfälle.
(11) 19. bis 21.03.: Mit sinkenden Temperaturen fiel vom 18. bis 20.03. verbreitet Schnee, im Süden am ergiebigsten. Frische Triebschneeansammlungen waren leicht auslösbar. Zudem lösten Personen Lawinen an schneearmen Stellen auch im Altschnee aus, dies vor allem im südlichen Wallis und in Graubünden. Diese Gefahrenstellen lagen vor allem an Nordhängen, wo die Schneedecke noch weitgehend trocken war.
April: Der April war wechselhaft und kühl, wodurch die Schneeschmelze und die Aktivität von Nassschneelawinen, die bereits früh im März in hohen Lagen eingesetzt hatte, eher etwas gebremst wurde. An Ostern fiel Schnee sogar bis in tiefe Lagen. Im Hochgebirge blieb die Situation winterlich. Die Gefahr für trockene Lawinen stieg mit wiederholten Schneefällen auf die Gefahrenstufe 3 (erheblich) an. Einige Auslösungen durch Personen wurden gemeldet. Dabei ereignete sich am 09.04. im Gebiet Bourg Saint Pierre, VS ein tödlicher Lawinenunfall. Am 17.04. kamen zwei Personen bei Unfällen im Gebiet Anniviers, VS und im Gebiet Lavin, GR ums Leben. In der letzten Aprilwoche stieg die Lawinenaktivität mit Neuschnee nochmals an (12). Am 15.04. endete die Ausgabe der regionalen Lawinenbulletins.
(12) 22.04. bis 27.04.: Am 22.04. und am 24.04. wurde in Verbindung mit den verbreiteten Schneefällen eine hohe Aktivität von spontanen, meist mittleren Lawinen registriert. In Graubünden und im Wallis brachen Lawinen vermehrt im Altschnee an, wodurch sie teils grosse Ausmasse erreichten. Gegen Ende April wurden die Nordhänge in hohen Lagen zunehmend feucht. Lawinen gingen teils spontan nieder oder waren leicht auslösbar. In der letzten Aprilwoche wurden viele Lawinenauslösungen durch Personen gemeldet. Dabei ereigneten sich am 23.04. im Gebiet Plaffeien, FR und am 25.04. im Gebiet Nendaz, VS zwei tödliche Lawinenunfälle.
Mai: In der ersten Maiwoche war die Lawinengefahr mit Schneefällen in hohen Lagen vor allem am Alpenhauptkamm erhöht. Vereinzelt wurden grosse Lawinenabgänge beobachtet. Dies besonders an Nordhängen oberhalb von rund 2800 m. Mitte Mai stieg die Nullgradgrenze über 4000 m und Regen fiel bis ins Hochgebirge. Die wenigen Beobachter, die sich noch in hohen Lagen aufhielten meldeten eine rege Aktivität von mittleren und vereinzelt grossen, feuchten und nassen Lawinen.
Mit einem Temperatursturz schneite es am 16. und 17.05. vor allem am Alpennordhang und in Nordbünden. Frische Triebschneeansammlungen entstanden. Oberhalb von 2500 m waren die Verhältnisse winterlich. Der frische Triebschnee war leicht auslösbar und blieb vor allem im Hochgebirge störanfällig. In der letzen Maiwoche herrschten grösstenteils günstige Lawinenverhältnisse. Am 07.05. endete die Ausgabe der täglichen Lawinenbulletins. Bis Ende Mai erschienen weitere sechs sporadische Lawinenbulletins (10., 12., 15., 18., 20. und 25.05.).
Die Anzahl tödlicher Lawinenunfälle war mit 19 Personen per 31.05.2012 unterdurchschnittlich (Jahresdurchschnitt 25 Todesopfer). Die Unfälle waren über die Monate Dezember (5), Januar (2), Februar (6) und April (5) verteilt. Am Juferhorn, GR forderte ein Lawinenunfall am 03.01.2012 zwei, alle anderen Unfälle je ein Todesopfer. Die Unfälle ereigneten sich am Alpennordhang, im Wallis und in Graubünden (Abbildung 17).
Der detaillierte Bericht zu Lawinen mit Personen- und Sachschäden erscheint in der Regel nach Erfassung und Auswertung aller Daten im folgenden Jahr.
Bis Ende Mai wurden dem SLF für den Winter 2011/2012 95 Lawinen mit 137 erfassten Personen gemeldet (Abbildung 18). Dabei wurden 26 Personen in Lawinen verletzt und 19 Personen haben bei 18 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. 5 Personen starben bei einer prognostizierten Lawinengefahr Stufe 2 (mässig), 1 Person bei Stufe 2 (mässig) mit einem tageszeitlichen Anstieg der Nassschneelawinengefahr auf Stufe 3 (erheblich), 12 Personen bei Stufe 3 (erheblich). 1 Person verstarb in einer Lawine bevor Gefahrenstufen ausgegeben wurden. Die Lawinenopfer waren: Varianten-Skifahrer: 3 Personen, Touren-Skifahrer: 12 Personen, zu Fuss im freien Gelände: 2 Personen, auf Verkehrswegen: 2 Personen. 4 Unfälle mit 4 Todesopfern ereigneten sich am Alpennordhang, 7 Unfälle mit 7 Todesopfern im Wallis und 7 Unfälle mit 8 Todesopfern in Graubünden. Auf die Expositionen verteilen sich die tödlichen Lawinenunfälle wie folgt: 13 Unfälle an Nord- und Osthängen, 5 Unfälle an West- und Südhängen.
Bei 98 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt (Abbildung 19). Die Anzahl der gemeldeten Lawinen mit Sachschäden ist relativ hoch. Vor allem durch spontane trockene Lawinen und durch Gleitschneelawinen, aber auch durch Schneedruck und Schneegleiten entstanden besonders in den schneereichen Gebieten des Nordens Sachschäden an Verkehrswegen und Gebäuden, sowie an forst- und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ungefähr jede fünfte aller bisher gemeldeten Personen- und Sachschadenlawinen war eine Gleitschneelawine. Eine Erfassung aller Schadenlawinen und die Abschätzung der Sachschäden kann jedoch erst im Laufe dieses Jahres gemacht werden.
Wie in Abbildung 20 (oben) ersichtlich ist, wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) an zwölf Tagen prognostiziert: Am 16. und 17.12.2011 im Wallis verbreitet sowie gebietsweise am westlichen Alpennordhang, vom 21. bis 23.12.2011 gebietsweise am Alpennordhang und in Nordbünden, am 31.12.2011 und 01.01.2012 verbreitet am Alpennordhang und gebietsweise im Gotthardgebiet und Graubünden, am 06. und 07.01.2012 am nördlichen Alpenkamm im Wallis, im Gotthardgebiet und verbreitet in Graubünden, am 21. und 22.01.2012 gebietsweise am nördlichen Alpenkamm, Gotthardgebiet und Unterengadin, und am 16.02.2012 gebietsweise am Alpennordhang und in Graubünden.
Mässige Lawinengefahr (Stufe 2) wurde in 46% und grosse Lawinengefahr (Stufe 4) in 2% der Zeit prognostiziert, was in etwa dem langjährigen Durchschnitt entspricht (Abbildung 21). Erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3) wurde mit 38% häufiger, geringe Lawinengefahr (Stufe 1) mit 17% weniger häufig prognostiziert als normal. Die Gefahrenstufe 5 (sehr gross) kam nie zur Anwendung. Damit war die Stufe 1 seltener und die Stufe 3 häufiger als im langjährigen Vergleich. Im Vergleich zu den Vorwintern waren mittlere und grosse Lawinen eher häufiger, vereinzelt wurden sehr grosse Lawinen gemeldet. Für die meisten lokalen Lawinendienste war der Winter 2011/12 heikler und aufwändiger als andere Winter und es entstanden auch mehr Sachschäden. Die Grossschneefälle vom Dezember und Januar sowie die ausgeprägte Gleitschneesituation prägten den Winter im Wesentlichen.
Die Lawinensituation war während der Phasen mit Grossschneefällen und grosser Lawinengefahr (Stufe 4) besonders für Verkehrswege sehr kritisch. Mit einer gut verfestigten Schneedecke war sie im Januar zeitweise günstig. Durch die niederschlagsarme Kälteperiode in der ersten Februarhälfte war die Situation mit erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) zu dieser Zeit anhaltend heikel für Schneesportler. Nach der ersten Anfeuchtung der Schneedecke mit einer kritischen Nass- und Gleitschneesituation Ende Februar herrschte im März oft eine günstige Lawinensituation mit mässiger (Stufe 2) und geringer Lawinengefahr (Stufe 1). Die günstigsten Phasen mit gebietsweise geringer Lawinengefahr dauerten vom 14. bis 19.01.2012 und von 24.03. bis 07.04.2012.
Vom 27.01. bis 02.02. und am 05.03.2012 wurde neben der Einschätzung der Gefahr für trockene Lawinen auch eine Einschätzung der Gefahr für Gleitschneelawinen ausgegeben (Abbildung 20, unten). Von Ende Februar bis Anfang April war die Lawinengefahr zeitweise morgens günstig mit geringer Lawinengefahr (Stufe 1) und einem tageszeitlichen Anstieg der Gefahr für Nass- und Gleitschneelawinen, anfangs noch auf erheblich (Stufe 3). Wegen der Durchfeuchtung und den beiden Phasen mit hoher Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen von Ende Februar und Anfang März waren viele Hänge bereits relativ früh entladen. Daher stieg die Gefahr von Nassschneelawinen im Frühjahr im Tagesverlauf meist nur noch auf die Stufe mässig (Stufe 2) an. Im April war die Lawinensituation in hohen Lagen und im Hochgebirge häufig winterlich mit erheblicher (Stufe 3) und mässiger (Stufe 2) Gefahr für trockene Lawinen (Abbildung 20, oben).
Wie die Verteilung der Gefahrenstufen (Abbildungen 21 und 22) zeigt, war der Winter 2011/12 etwas gefährlicher als ein Winter, der dem langjährigen Mittelwert entspricht. Der aktuelle Winter ist, von der Verteilung der Gefahrenstufen her, mit den Wintern 2003/04 und 2007/08 vergleichbar. Auch diese Winter waren von einem schneereichen Winterstart, wiederholten Grossschneefällen und verbreitet überdurchschnittlichen Schneehöhen mit gutem Schneedeckenaufbau geprägt. Von der Verteilung her ist aber auch der Winter 2004/05 ähnlich, jedoch handelte es sich hier um einen schneearmen Winter mit ungünstigem Schneedeckenaufbau. Im Winter 2011/12 waren die Neuschneemengen im Dezember und Januar zwei- bis dreimal höher als normal und erreichten an einzelnen Stationen sogar neue Rekorde. Wenn die Schneefälle im Februar 2012 weiter angehalten hätten, was zum Glück nicht der Fall war, wäre eine Katastrophensituation wie im Lawinenwinter 1998/99 nicht mehr auszuschliessen gewesen.
Während des hydrologischen Jahres 2012 wurden 176 nationale Lawinenbulletins veröffentlicht (Stand 30. Juni 2012). Davon erschienen 153 als tägliche Lawinenbulletins vom 07.12.2011 bis zum 07.05.2012. Die übrigen 23 erschienen als sporadische Lawinenbulletins in den Winterrandmonaten oder als situationsbezogene Lawinenbulletins im Oktober und November 2011 sowie im Juni, August und September 2012.
Für sieben Regionen wurden zwischen dem 14.12.2011 und 15.04.2012 je 123 regionale Lawinenbulletins publiziert.
Ausgabedaten der Lawinenbulletins im hydrologischen Jahr 2011/12 (Stand 30.09.2012).
| Produkt || Ausgabedatum |
| Situationsbezogene Lawinenbulletins Herbst 2011 (9) ||06.10. bis 08.11.2011|
| Sporadische Lawinenbulletins zu Winterbeginn |
2010/11 (3)
|02.12. bis 06.12.2011|
| Erstes tägliches Lawinenbulletin ||07.12.2011|
| Erste Regionale Lawinenbulletins ||14.12.2011|
| Letzte Regionale Lawinenbulletins ||15.04.2012|
| Letztes tägliches Lawinenbulletin ||07.05.2012|
| Sporadische Lawinenbulletins zu Winterende |
2011/12 (6)
|10.05. bis 25.05.2012|
| Situationsbezogene Lawinenbulletins Sommer 2012 (5) ||03.06., 11.06., 30.08., 11.09. und 13.09.2012|
Nachfolgend sind die bemerkenswerten, schnee- oder lawinenrelevanten Perioden zwischen Juni und September, die in Abbildung 23 nummeriert sind, kurz beschrieben:
1: Anfang Juni Schnee bis in mittlere Lagen
2: Pünktlich zur Schafskälte Schnee bis in mittlere Lagen
3 und 4: Im Juli zwei Kaltlufteinbrüche mit jeweils geringen Schneefällen in hohen Lagen
5: Nach hitzigem August markantester Wintereinbruch des Sommers 2012
6: Kaltlufteinbruch Mitte September mit Schnee im Norden bis in hohe Lagen
7: Nach kurzer Erwärmung wieder Schnee im Hochgebirge des Nordens
8: Ende September markante Föhnlage, zeitweise Starkniederschläge im Süden
Die Berge wurden im Winter 2011/12, ausser im Süden, relativ spät eingeschneit. Im Herbst ereignete sich ein markanter Wintereinbruch mit anschliessendem Regen bis in hohe Lagen und Hochwasser im Berner Oberland und im Wallis. Der Frühwinter war relativ warm und trocken. Im Hochwinter fiel dann aber verbreitet ausserordentlich viel Schnee und die Schneehöhen waren im Norden von Mitte Dezember bis Mitte März stark überdurchschnittlich. Nur am Alpensüdhang, im Oberengadin und allgemein in tiefen Lagen lag über den ganzen Winter gesehen relativ wenig Schnee.
Mit den wiederholten Grossschneefällen im Dezember und Januar ging die Hauptgefahr oft von spontanen Lawinen aus. Zudem war das Schneegleiten schon früh im Winter ausgeprägt. Beides führte häufig zu Sperrungen von Verkehrswegen. Nachdem sich die mächtigen Neuschneeschichten jeweils gesetzt hatten, war der Schneedeckenaufbau verbreitet günstig. Im Februar war es zu Beginn extrem kalt und eher trocken. Oberflächennah bildeten sich Schwachschichten. Im Februar ereigneten sich die meisten Unfälle mit Personenbeteiligung.
Bereits Ende Februar stiegen die Temperaturen stark an und die Schneedecke wurde in mittleren Lagen teilweise feucht. Zwei ausgeprägte Perioden mit hoher Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen markierten Ende Februar in mittleren Lagen und Anfang März auch in hohen Lagen den Übergang zur Frühlingssituation. Der März war relativ mild mit meist günstiger Lawinensituation und einem tageszeitlichen Anstieg der Gefahr für nasse Lawinen. Schwachschichten waren vor allem in den inneralpinen Gebieten noch an sehr steilen Nordhängen vorhanden. In der ersten Aprilhälfte führten Schneefälle verbreitet zu einem Anstieg der Lawinengefahr. Mitte April entsprachen die Schneehöhen im Norden und Osten der Schweizer Alpen dem Normalwert, im Süden und Westen lag deutlich weniger Schnee.
Durchschnittlich sterben in der Schweiz jährlich 25 Menschen in Lawinen. Dieses Jahr waren bis Mitte April 15 Lawinentote zu verzeichnen. Im Vergleich zu anderen Jahren kam es aber zu mehr Sachschäden durch Lawinen.
Der Oktober begann sonnig und sommerlich warm. Schnee lag nur im Hochgebirge. Am 7. Oktober 2011 kam es zum ersten Wintereinbruch im hydrologischen Jahr 2011/12. Mit einer Nordweststaulage fiel bis zum 9. Oktober verbreitet Schnee bis auf 1200 m. Im Norden betrug die 3-tägige Neuschneesumme 50 bis 80 cm, in den Glarner Alpen bis 110 cm. Gegen Süden nahmen die Mengen ab. Nach einer kurzen Pause setzten am 9. und 10. Oktober vor allem im Norden erneut Niederschläge ein, mit Regen bis auf rund 2700 m hinauf. Dies führte zu einer ausgeprägten Aktivität von Nassschneelawinen. Im Berner Oberland und im Lötschental, VS entstanden durch einen raschen Anstieg der Abflüsse beträchtliche Sachschäden. Danach folgte mehrheitlich sonniges und mildes Herbstwetter. Am 24. Oktober etablierte sich kurzzeitig eine kräftige Föhnlage und vor allem am Alpensüdhang fiel Schnee. Der Oktober endete mit viel Sonne und einer Nullgradgrenze bei 3000 m. Zum Monatsende lag am Alpensüdhang schattseitig oberhalb von rund 2500 m mit 20 bis 30 cm doppelt so viel Schnee wie im Norden.
Das schöne Herbstwetter setzte sich bis Anfang November fort. Ab dem 4. November setzte eine Südstaulage ein, die zu intensiven Niederschlägen führte. Vom Monte Rosa Gebiet bis ins nördliche Tessin fielen bis zu 150 cm Schnee, in den oberen Maggia-Tälern sogar bis zu 200 cm. Gegen Norden nahmen die Mengen deutlich ab. Vom 9. November bis zum Monatsende war das Wetter von einer stabilen Hochdrucklage bestimmt. In den Bergen war es sonnig und 3 bis 6 Grad wärmer als normal. Schnee lag Ende November nur schattseitig oberhalb von rund 2500 m. Am Alpenhautkamm lag mit gut 50 cm am meisten Schnee. Im Norden waren die Schneehöhen stark unterdurchschnittlich. Die Schneeprofile deuteten insgesamt auf eine gute Stabilität hin. Der Schneedeckenaufbau war jedoch ungünstig im Hinblick auf weitere Schneefälle.
Am 3. Dezember setzten Niederschläge ein, welche bis zum 9. Dezember andauerten. Dabei fielen in den Schweizer Alpen verbreitet 50 bis 100 cm Schnee. Starker Westwind führte zu grossen Triebschneeansammlungen, was vor allem in den Gebieten mit einer flächig geschlossenen Altschneedecke zu einer heiklen Lawinensituation führte. Danach folgte für ein paar Tage wechselhaftes, eher mildes Westwindwetter. Unterhalb von rund 2200 m gingen viele, meist kleine Gleitschneelawinen ab, da verbreitet ein warmer Boden eingeschneit wurde. Vom 13. bis zum 18. Dezember schneite es erneut intensiv und das Sturmtief „Joachim“ leitete einen Wintereinbruch bis in tiefe Lagen ein. Stürmische Winde und grosse Neuschneemengen liessen die Lawinengefahr im Westen erstmals in dieser Saison auf die Gefahrenstufe 4, „gross“ ansteigen. Es gingen viele spontane Lawinen ab. Insgesamt fielen in dieser Niederschlagsperiode im Westen rund 200 cm, am Alpennordhang und im südlichen Unterwallis verbreitet 100 bis 150 cm, im Oberwallis, im nördlichen Tessin und in Nordbünden 50 bis 100 cm Schnee, sonst weniger. Nach einer kurzen Pause begann es am 20. Dezember wieder zu schneien. Im Norden fielen bis 23. Dezember rund 100 cm Schnee und die Lawinengefahr stieg am 23. Dezember wieder auf die Gefahrenstufe 4, „gross“. Es wurden vermehrt Schadenlawinen und viele, durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet. Danach setzte eine markante Erwärmung ein, was eine erhöhte Aktivität von Gleitschneelawinen zur Folge hatte. In den tiefen Lagen des Nordens löste Regen am 22. Dezember die dünne Schneedecke auf. So gab es 2012 im Mittelland keine „weisse Weihnachten“. Die Erwärmung wurde am Heiligabend von einer Kaltfront, welche im Westen und im Norden etwas Schnee brachte, kurzzeitig unterbrochen. Anschliessend herrschte bis zum 28. Dezember mildes und sonniges Wetter. Zum Monatsende sanken die Temperaturen kurzzeitig deutlich und im Norden gab es nochmals bis zu 100 cm Schnee. In der Silvesternacht regnete es bis in mittlere Lagen hinauf. Die Lawinengefahr erreichte im Westen und Norden wiederum die Gefahrenstufe 4, „gross“ und es gingen viele, vor allem gemischte und nasse Lawinen ab. Die Neuschneesumme des Monats Dezember war im Westen und Norden rund zwei- bis dreimal so hoch wie im langjährigen Durchschnitt. Dort waren die Schneehöhen auf 2000 m zum Jahreswechsel mit verbreitet 120 bis 200 cm, von den östlichen Berner Alpen bis in die Glarner Alpen mit bis zu 300 cm stark überdurchschnittlich. Gegen Süden nahmen die Schneehöhen deutlich ab.
Anfang Januar setzte sich das wechselhafte Wetter fort. Am 5. Januar erreichte das Sturmtief „Andrea“ die Schweizer Alpen und im Norden begann eine weitere Periode mit Starkschneefällen. In den nördlichen und östlichen Gebieten fielen bis zum 9. Januar mehr als 100 cm Schnee, begleitet von stürmischen, zeitweise sogar orkanartigen Winden aus nördlichen Richtungen. In den übrigen Gebieten fielen verbreitet 60 bis 80 cm Schnee, im Süden deutlich weniger. Es entstanden mächtige Triebschneeansammlungen. Etliche, durch Personen ausgelöste Lawinen waren zu verzeichnen, aber auch Lawinenschäden an Gebäuden und Liftanlagen. Am 6. und 7. Januar stieg die Lawinengefahr in weiten Teilen der Schweizer Alpen auf die Gefahrenstufe 4, „gross“. Ab dem 10. Januar wurde es überall sonnig und die Nullgradgrenze stieg auf rund 2300 m. Die erste Periode mit hoher Aktivität von Gleitschneelawinen setzte ein. Es gingen viele, oft mittelgrosse Gleitschneelawinen ab. Im weiteren Verlauf blieb es, ausser am 13. Januar, bis zum 18. Januar sonnig und schwachwindig. Bei „mässiger“ Lawinengefahr, Stufe 2, herrschten beste Wintersportbedingungen. Am 19. Januar begann eine weitere Niederschlagsperiode, die abgesehen von der kurzen Pause am 23. Januar bis zum 25. Januar andauerte. Am Alpennordhang, im Unterwallis und in Graubünden fiel über 100 cm, weiter südlich rund 50 cm Schnee. Mit den intensiven Schneefällen gingen in den Hauptniederschlagsgebieten zahlreiche mittlere, teilweise auch grosse, trockene Lawinen spontan ab. Die Lawinengefahr erreichte in Teilen des Nordens sowie im Unterengadin die Gefahrenstufe 4, „gross“. Am 26. Januar wurde es wieder sonnig und wärmer. Am 27. Januar setzten nochmals Niederschläge ein und vor allem am zentralen Alpensüdhang fiel Schnee. Gegen das Monatsende wurde zunehmend sibirische Kaltluft zu den Schweizer Alpen geführt und die Temperaturen sanken deutlich. Die tiefen Lufttemperaturen hatten aber zunächst wenig Einfluss auf die Gleitschneeaktivität. Durch Gleitschneelawinen wurden in mittleren Lagen zahlreiche Schäden an Gebäuden und Infrastruktur verursacht. Zudem mussten Pisten und Strassen zeitweise gesperrt werden. Mit Ausnahme des zentraler Alpensüdhanges, des Oberengadins und des Puschlavs waren die Schneehöhen auf 2000 m Ende Januar mit über 200 cm stark überdurchschnittlich.
Bis zum 6. Februar war es in den Schweizer Alpen meist sonnig, mit mässig bis starkem Nordostwind aber aussergewöhnlich kalt. Die Mittagstemperatur auf 2000 m sank auf rund minus 18 Grad. Im Mittelland lag das Temperaturmittel in der ersten Februarhälfte zwischen minus 6.5 und minus 10 Grad. Die Temperatur der Schneeoberfläche sank in klaren Nächten unter minus 30 Grad. Dadurch wurden die oberflächennahen Schneeschichten verbreitet kantig aufgebaut, sehr locker und verfrachtbar. Die Hauptgefahr ging von den frischen Triebschneeansammlungen aus. Es wurden fast täglich durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet, Gleitschneelawinen gingen weniger häufig ab als noch Ende Januar. Am 8. Februar stiegen die Temperaturen kurzzeitig deutlich an, um rund 10 Grad. Vom 9. bis zum 14. Februar war es wieder kalt und über dem Hochnebel meist sonnig. Eine teils stürmische Bise verfrachtete den lockeren, aufbauend umgewandelten Altschnee. Zudem kam am 13. und 14. Februar im Nordosten etwas Neuschnee dazu. Die Lawinengefahr wurde verbreitet mit der Gefahrenstufe 3, „erheblich“ eingeschätzt. Am 15. und 16. Februar brachte ein Nordweststurm vor allem dem Norden rund 50 cm Schnee und gebietsweise die Gefahrenstufe 4, „gross“. Trotz anhaltender, klirrender Kälte war weiterhin vielerorts Gleitschnee in Bewegung und vereinzelt gingen immer noch Gleitschneelawinen mittlerer Grösse nieder. Ab dem 17. Februar wurde es in allen Gebieten sonnig. Der 17. Februar war als erster schöner Tag nach einem bedeutenden Schneefall besonders risikoträchtig. Die Auslösebereitschaft von Lawinen war hoch und es herrschte eine sehr gefährliche Situation für Wintersportler. Es wurden viele Fernauslösungen und auch spontane Lawinenabgänge gemeldet. Am 19. Februar fiel wenig Schnee, der die nach wie vor heiklen Triebschneeansammlungen der Vortage überdeckte. Ab dem 20. Februar war es in den Bergen sonnig und deutlich milder. Die Mittagstemperaturen auf 2000 m stiegen in den positiven Bereich. Die Gefahr für trockene Lawinen nahm ab, dafür nahm die Aktivität von Gleitschneelawinen wieder zu. Am 24. Februar erreichte die Nullgradgrenze eine Höhe von 2800 m. Danach sanken die Temperaturen markant und im Norden und Osten fiel wenig Schnee. Zum Monatsende wurde es wieder schön und sehr mild. Die Nullgradgrenze lag bei 3300 m. Diese zwei Warmphasen führten in den Bergen zur ersten Anfeuchtung der Schneedecke an Ost-, Süd- und Westhängen und zu Schneeschmelze in mittleren Lagen. Die erste Frühjahrs-Nassschneesituation dieser Saison trat ein. Die Lawinengefahr stieg jeweils im Tagesverlauf auf die Gefahrenstufe 3, „erheblich“ an. Ende Februar waren die Schneehöhen auf 2000 m im Norden überdurchschnittlich bis stark überdurchschnittlich, im Süden unterdurchschnittlich. Am Alpennordhang lagen auf 2000 m gebietsweise 300 bis 400 cm Schnee. Der März begann mit ausgesprochen milden Temperaturen und einer hohen Nass- und Gleitschneelawinenaktivität. Zu Beginn wurde die Gefahr für trockene Lawinen verbreitet mit der Gefahrenstufe 1, „gering“ eingeschätzt. Die Gefahr für Nassschneelawinen stieg jeweils im Tagesverlauf auf die Gefahrenstufe 3, „erheblich“ an und betraf im Wesentlichen Ost-, Süd- und Westhänge. Ab dem 4. März kühlte es deutlich ab. Am 5. März schneite es am Alpenhauptkamm vom Matterhorn, VS bis zum Malojapass, GR und südlich davon 30 bis 50 cm, nach Norden nahmen die Neuschneemengen deutlich ab. Am 6. März klarte es von Westen her auf und es wurde wieder milder, bevor vom 7. bis zum 9. März im Norden erneut wenig Schnee fiel. Die Gefahr für trockene Lawinen stieg verbreitet auf die Gefahrenstufe 3, „erheblich“ an. Ab dem 10. März war es sonnig und die Gefahr für trockene Lawinen nahm langsam ab, die Nass- und Gleitschneelawinengefahr stieg wieder an, wenn auch weniger deutlich als noch zum Monatsbeginn. Die Nullgradgrenze kletterte bis auf rund 3000 m. Dennoch war die Nass- und Gleitschneelawinenaktivität gering. Dies zum einen, da die Temperaturen unter denjenigen von Anfang März lagen. Zum anderen, weil die erste bedeutende Anfeuchtung der trockenen Schneedecke an Ost-, Süd- und Westhängen bereits erfolgt war. Am 16. März wurde erstmals diesen Winter im gesamten Schweizer Alpenraum für trockene Lawinen die Gefahrenstufe 1, „gering“ ausgegeben. Kurz darauf sanken die Temperaturen am 18. März wieder und von Süden her setzten Niederschläge ein. Verbreitet fiel Schnee bis auf 1000 m hinunter. Im Süden fielen 50 bis 90 cm Schnee, gegen Norden hin nahmen die Mengen ab. Die Lawinengefahr stieg verbreitet auf die Gefahrenstufe 3, „erheblich“. In Kombination mit mässigem bis starkem Wind entstand eine heikle Lawinensituation. Besonders kritisch waren schneearme Stellen im südlichen Wallis und in Graubünden, da dort zusätzlich noch Brüche im oberen Bereich der Altschneedecke möglich waren. Ab dem 20. März setze sich erneut sonniges und wieder milderes Wetter durch. Die Lawinengefahr nahm ab und war bis Ende März vermehrt einem leichten Tagesgang unterworfen. Gefahrenstellen für trockene Lawinen lagen vereinzelt noch an sehr steilen Nordhängen der inneralpinen Gebiete.In der ersten Aprilhälfte war es wechselhaft. An Ostern fiel Schnee bis in tiefe Lagen. Wiederholte Schneefälle führten verbreitet zu einem Anstieg der Gefahr für trockene Lawinen vor allem in Lagen oberhalb von rund 2500 m. Durch die kühlen Temperaturen wurde die Schneeschmelze gebremst. Die Schneehöhen auf 2000 m waren Mitte April mit verbreitet 1 bis 2 m, lokal aber auch 3 bis 4 m Schnee im Norden und Osten der Schweizer Alpen durchschnittlich bis überdurchschnittlich. Im Süden und Westen waren die Schneehöhen deutlich geringer und für die Jahreszeit teils stark unterdurchschnittlich.
Rückblickend war der Winter 2011/12 vor allem in den mittleren und hohen Lagen der Alpennordseite durch zwei Extreme geprägt: Erstens waren die Alpen aufgrund eines warmen und praktisch niederschlagslosen Novembers auch anfangs Dezember bis weit über 2000 m hinaus immer noch schneefrei. Eine solche Situation kann nur ca. alle 30 Jahre erwartet werden und trat letztmals 1953 auf. Zweitens waren das erste Einschneien und die nachfolgenden Schneefälle umso heftiger. Die Entwicklung im Dezember von schneearm zu schneereich war aussergewöhnlich. Zuvor gab es keinen Dezember in der Statistik, der so schneearm angefangen und so schneereich geendet hat wie der Dezember 2011. Zwischen Anfang Dezember und Ende Januar wurde an mehr als der Hälfte der Stationen zwei bis drei Mal so viel Neuschnee gemessen wie im langjährigen Mittel während diesen zwei Monaten. Die grösste Neuschneesumme wurde im Skigebiet von Elm mit 824 cm verzeichnet. An einigen wenigen Stationen mit langjährigen Messreihen (Ulrichen, Obersaxen, Davos, Samedan, Samnaun) wurde sogar noch nie innerhalb von 60 Tagen so viel Neuschnee verzeichnet. An fast allen Stationen war die Neuschneesumme dieser zwei Monate zudem grösser als die Neuschneesumme des ganzen letzten (eher schneearmen) Winters 2010/11. Daher ist es nicht verwunderlich, dass noch nie seit Messbeginn vor mehr als 60 Jahren zwischen Dezember und Januar so viel Neuschnee gemessen wurde.
Weil es im Februar und März nur wenig und im November fast gar nicht geschneit hat, kann die Neuschneesumme über den ganzen Winter gesehen (November bis Mitte April) trotzdem nur als durchschnittlich bezeichnet werden. Die grossen Neuschneemengen vom Dezember und Januar haben bereits im Frühwinter zu sehr grossen Schneehöhen geführt, die teilweise sogar relativ nahe an die grössten je gemessenen Schneehöhen herankamen. Von Mitte Dezember bis Ende März waren die Schneehöhen entsprechend vielerorts stark überdurchschnittlich, was den aktuellen Winter bezüglich durchschnittlicher Schneehöhe bis jetzt auf Rang 2 (der letzten 60 Jahre) hinter 1982 setzt. Der 3 bis 4°C zu warme März hat die grossen Schneemengen vielerorts wieder auf ein normales Niveau schmelzen lassen, so dass das Ausapern auch diesen Winter nicht unbedingt verspätet stattfinden muss. Anders sieht die Analyse für das Mittelland aus. Trotz eines sehr kalten Februars war der Winter zwischen November und Mitte April insgesamt rund 1 Grad zu warm. Dies hat unterhalb von rund 700 m einmal mehr zu unterdurchschnittlichen Neuschneemengen und Schneehöhen geführt.
Im Rückblick und Vergleich mit dem Winter 1998/99 kann die 35-tägige Periode ab dem 5. Dezember 2011 mit der intensiven 30-tägigen Schneefallperiode vom 27. Januar bis 25. Februar im Lawinenwinter 1999 verglichen werden. Es zeigte sich, dass während der Niederschlagsperiode 2011/12 die Winde ähnlich stark waren, aber es rund 3 bis 4 Grad wärmer war als im Februar 1999. Dies hatte zur Folge, dass ein Teil der Niederschläge bis auf rund 2000 m als Regen fiel.
Im Winter 2011/12 wurde die Lawinengefahr wie folgt eingeschätzt (Darstellung in Klammern: Mittelwert der letzten 15 Jahre, jeweils Dezember bis April, vgl. Abbildung 1): Gefahrenstufe 1 (gering): 15% (17%), Gefahrenstufe 2 (mässig): 48% (48%), Gefahrenstufe 3 (erheblich): 35% (33%), Gefahrenstufe 4 (gross): 3% (2%), Gefahrenstufe 5 (sehr gross): 0% (0.2%).
Der Winter 2011/12 war bezüglich der Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen (Abbildung 1) in etwa so gefährlich wie ein Winter, der dem langjährigen Mittelwert entspricht. Die Gefahrenstufe 1 "gering" war etwas seltener prognostiziert, die Gefahrenstufe 2 "mässig" durchschnittlich oft, die Gefahrenstufen 3 "erheblich" und 4 "gross" etwas häufiger als im Durchschnitt der letzten 15 Jahre. Die Gefahrenstufe "gross" (Stufe 4) wurde an 13 Tagen prognostiziert. Dies meist in grösseren Gebieten des Alpennordhanges, des Wallis und Graubündens. Das späte Einschneien, die wiederholten Perioden mit Grossschneefällen im Dezember und Januar aber auch der verbreitet günstige Schneedeckenaufbau haben sich auf die Statistik ausgewirkt.
Günstig war, dass die Schneedecke infolge der grossen Neuschneemengen und der anhaltenden Niederschläge verbreitet gut aufgebaut und in den tieferen Schichten meist gut verfestigt war. In den intensiven Perioden mit spontaner Lawinenaktivität wurden daher „nur“ die Neu- und Triebschneeschichten mitgerissen, wodurch die Lawinen trotz viel Neuschnee nicht aussergewöhnlich gross waren. Ungünstig war, dass während der Kälteperiode im Februar oberflächennah Schwachschichten entstanden, die mit relativ dünnen Neuschneeschichten überdeckt wurden und für Schneesportler vor allem an Nordhängen bis in den Frühling hinein störanfällig blieben. Ungünstig war auch, dass an Ost-, Süd- und Westhängen ein relativ warmer, ungenügend gefrorener Boden im Dezember eingeschneit wurde. Ausgeprägtes Schneegleiten war die Folge. Mehrere Meter mächtige Gleitschneerisse und Abgänge von oft mittelgrossen Gleitschneelawinen gefährdeten exponierte Verkehrswege. Ungewöhnlich stark betroffen von dieser Gefährdung waren in diesem Winter Skipisten. Diese Situation erforderte anhaltend sehr hohe Aufmerksamkeit und grossen Einsatz der Sicherheitsdienste. In den Schweizer Alpen ereigneten sich diesen Winter keine tödlichen Lawinenunfälle durch Gleitschneelawinen auf geöffneten Verkehrswegen.
Bis Mitte April wurden dem SLF für den Winter 2011/2012 83 Lawinen mit 109 erfassten Personen gemeldet. 24 Personen wurden in Lawinen verletzt und 15 Personen haben bei 14 Lawinenunfällen ihr Leben verloren. 2 Personen starben bei einer prognostizierten Lawinengefahr Stufe 2 (mässig), 1 Person bei Stufe 2 (mässig) mit einem tageszeitlichen Anstieg der Nassschneelawinengefahr auf Stufe 3 (erheblich), 11 Personen bei Stufe 3 (erheblich). 1 Person verstarb in einer Lawine bevor Gefahrenstufen ausgegeben wurden. Die Lawinenopfer waren: Varianten-Skifahrer: 3 Personen, Touren-Skifahrer: 8 Personen, zu Fuss im freien Gelände: 2 Personen, auf Verkehrswegen: 2 Personen. 3 Unfälle mit 3 Todesopfern ereigneten sich am Alpennordhang, 5 Unfällen mit 5 Todesopfern im Wallis und 6 Unfälle mit 7 Todesopfern in Graubünden. Auf die Expositionen verteilen sich die tödlichen Lawinenunfälle wie folgt: 10 Unfälle an Nord- und Osthängen, 4 Unfälle an West- und Südhängen.
Die Gesamtopferzahl liegt für Mitte April mit 15 Todesopfern unter dem langjährigen Mittelwert. Ebenfalls ist die Zahl aller gemeldeten Personenlawinen relativ gering. Für das ganze hydrologische Jahr, das noch bis zum 30. September 2012 dauert, liegt der langjährige Mittelwert bei 25 Lawinentoten. Der schwerste Lawinenunfall dieses Winters ereignete sich am 3. Januar 2012 am Juferhorn, Avers (GR), bei dem 2 Personen das Leben verloren.
Bei 92 Lawinen entstand Sachschaden (an Gebäuden, Objekten, Wald) oder es wurden Such- und Räumungsaktionen durchgeführt. Die Anzahl der gemeldeten Lawinen mit Sachschäden ist relativ hoch. Vor allem durch spontane trockene Lawinen und durch Gleitschneelawinen, aber auch durch Schneedruck und Schneegleiten entstanden besonders in den schneereichen Gebieten des Nordens Sachschäden an Verkehrswegen und Gebäuden, sowie an forst- und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Mindestens jede fünfte aller bisher gemeldeten Personen- und Sachschadenlawinen war eine Gleitschneelawine (Abbildung 2). Eine Erfassung aller Schadenlawinen und die Abschätzung der Sachschäden kann jedoch erst im Laufe dieses Jahres gemacht werden.
Die Herausgabe der täglichen nationalen Lawinenbulletins wurde am 6. Dezember 2011 gestartet - der Situation entsprechend spät. Die Ausgabe der sieben regionalen Lawinenbulletins erfolgte vom 14. Dezember 2011 bis 15. April 2012. Für den Jura wurde im nationalen Lawinenbulletin an fünf Tagen vor "erheblicher" Lawinengefahr (Stufe 3) gewarnt.
Das nationale Lawinenbulletin mit der Prognose der Lawinengefahr und allgemeinen Informationen zur Schneesituation in den Schweizer Alpen erscheint bis auf Weiteres täglich. Es kann über www.slf.ch oder mit der App "White Risk Mobile" bezogen werden. Zudem kann es über Telefon 187 (0.90 CHF Anruf/Min.) oder Teletext 782 abgerufen und per RSS abonniert werden. Ein SMS Service kann abonniert werden, der auch in den Winterrandzeiten und über den Sommer auf die Herausgabe eines Lawinenbulletins hinweist (SMS mit dem Inhalt START SLF SOMMER an 9234 senden, Service stoppen: SMS mit dem Inhalt STOP SLF SOMMER an 9234 senden, Fr. 0.20 pro SMS). Des Weiteren verweisen wir auf den Alpenwetterbericht von MeteoSchweiz (www.meteoschweiz.ch), Fax 0900 162 338 (2.00 CHF/Min.) oder Telefon 0900 162 138, (1.20 CHF/Min.).