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Aus dem Corbassière-Gletscher am Grand Combin lassen sich keine verlässlichen Informationen mehr über das vergangene Klima und die Luftverschmutzung gewinnen, denn die alpine Gletscherschmelze schreitet schneller voran als bisher vermutet, so das Paul Scherrer Institut in einer Medienmitteilung.
Gletscher sind für die Klimaforschung von unschätzbarem Wert, so die Mitteilung. In ihrem Eis sind demnach die Klimabedingungen und Atmosphärenzusammensetzungen vergangener Zeitalter konserviert. Ähnlich wie Baumringe oder Meeressedimente können sie der Forschung daher als ein sogenanntes Klimaarchiv dienen.
Normalerweise schwanke die Menge an partikelgebundenen Spurenstoffen im Eis mit den Jahreszeiten. Im Sommer seien die Konzentrationen hoch, im Winter niedrig, weil wegen der Kälte weniger verschmutzte Luft aus dem Tal aufsteigen könne. Der Eiskern von 2018, der während einer Vorstudie aus bis zu vierzehn Metern Tiefe gebohrt wurde und der Ablagerungen bis zurück ins Jahr 2011 enthalte, zeige diese Schwankungen wie erwartet, so das Institut. Doch der Kern von 2020 aus bis zu achtzehn Metern Tiefe zeige solche Schwankungen nur für die oberen drei oder vier Jahresschichten.
Zwischen 2018 und 2020 müsse die Gletscherschmelze so stark gewesen sein, dass besonders viel und häufig Wasser von der Oberfläche in den Gletscher eingedrungen sei und die enthaltenen Spurenstoffe mit in die Tiefe gerissen habe. Offenbar sei das Wasser dort aber nicht erneut eingefroren, sondern es sei abgeflossen und habe die Spurenstoffe regelrecht weggespült.
Unterm Strich zeige das Beispiel des Grand Combin, dass die Gletscherschmelze dynamischer voranschreite, als Fachleute vermutet hätten, so die Mitteilung. Dass auch die Nährgebiete hochalpiner Gletscher so stark betroffen seien, also ihr höchstgelegener Teil, wo der Eisnachschub gebildet werde, hätte man nicht gedacht.