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Anfang März wird Hersche auch einen politischen Ausflug ins Bundeshaus machen; über die Einladung der St. Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi freue sie sich sehr, sagte sie der «NZZ am Sonntag».
Überraschend freigelassen
Hersche wurde vor etwas mehr als einer Woche nach 17 Monaten Gefangenschaft überraschend freigelassen. Sie habe sich über die Entlassung natürlich sehr gefreut, sie habe anfänglich aber auch etwas Mühe gehabt, sagte die 52-Jährige im Interview.
Denn: «Es fühlte sich an wie ein Austausch.» Die Schweiz anerkenne, indem die neue Schweizer Botschafterin dem belarussischen Aussenministerium eine Kopie ihres Beglaubigungsschreibens überreiche, Präsident Alexander Lukaschenko – und im Gegenzug komme sie frei, so Hersche.
Etwas beruhigt habe sie, dass der stellvertretende Staatssekretär im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Johannes Matyassy, an der Medienkonferenz am Flughafen Zürich betont habe, dass die Schweiz keine Regierungen anerkenne, sondern nur Staaten.
«Ich musste etwas tun»
Hersche, die in St. Gallen lebte, hatte die Politik in Belarus seit Jahren verfolgt und auch Leserbriefe geschrieben, wie sie der «NZZ am Sonntag» sagte. «Ich bin immer aufgestanden, um eine Lüge eine Lüge zu nennen.» Rund um die Präsidentschaftswahlen im Sommer 2020 habe es viele Lügen gegeben. «Ich musste etwas tun.»
Im September 2020 nahm Hersche in Minsk an einer Demonstration teil. Sie wurde verhaftet und zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.
Ihren Gefängnisaufenthalt beschreibt sie als dunkle Zeit und spricht von Folter: Als sie sich geweigert habe, Uniformen zu nähen, sei sie in einen engen, kalten und feuchten Raum gesteckt worden. Sie habe auf einem Holzbett ohne Matratze und Decke schlafen müssen. Um sich aufzuwärmen, habe sie begonnen, an Ort und Stelle zu joggen.
Dass sie ihren Kraft nicht verloren hat, begründet sie im Interview mit ihrem Kampf für Gerechtigkeit: Sie habe sich gesagt, dass sie sich gegen das ungerechte Urteil wehren werde, wo immer sie auch sei. Ähnlich erklärt sie den Umstand, weshalb sie kein Gnadengesuch unterschrieben habe, um freizukommen: «Weil ich unschuldig bin.»