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Die Berichterstattung der Medien wirkt und hat einen zum Teil erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung und Entscheidungen der Bürger als Konsumenten, Unternehmer oder Wähler. Würden diese Aussage bereits viele vom Gefühl her bejahen, so gibt es in den letzten Jahren immer mehr Forschungsarbeiten, die den Einfluss der Medien mit modernen ökonometrischen Methoden untersuchen. So zeigt sich, dass die Einschätzung der Wirtschaftslage und die wirtschaftlichen Erwartungen zumindest zum Teil von der Medienberichterstattung abhängen1. Ähnliches gilt für das Konsumklima2. Im Bereich der Sozialpolitik zeigt eine aktuelle Studie3, dass sich in Deutschland der Anteil der Medienberichte zum Thema Ungleichheit in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt hat – und das, obwohl die Einkommensverteilung weitgehend unverändert geblieben ist. Kurzfristig kann das die Sorgen der Bevölkerung ansteigen lassen. Nachgewiesen ist auch, dass die Medienberichterstattung einen Einfluss auf die gefühlte Arbeitsplatzunsicherheit hat.4
Verzerrungen in der Berichterstattung
Nun hat die Wahrnehmung der Bürger auch Auswirkungen auf ihre Investitions-, Konsum- oder Wahlentscheidungen. Das alles wäre wenig problematisch, wenn Medien jeden Tag ein Eins-zu-eins-Abbild des gesamten Weltgeschehens berichten würden. Das ist freilich nicht möglich. Medien berichten immer nur über einen kleinen Teil des Geschehens und der berichtete Teil unterliegt wiederum verschiedenen systematischen Verzerrungen, die in den empirischen Wissenschaften «Bias» genannt werden. In der Literatur finden sich unter anderem der Advertising-Bias, wenn die Tendenz der Berichterstattung zugunsten von Werbekunden eines Mediums verzerrt wird, der Newsworthiness-Bias, wenn Meldungen, denen ein hoher Nachrichtenwert zugesprochen wird, andere mit einem geringeren Nachrichtenwert verdrängen, der Negativity-Bias, wenn Medien lieber über Katastrophen, Verbrechen oder beunruhigende Entwicklungen berichten als über wirtschaftlichen Aufschwung oder gelöste Kriminalfälle, oder den Political-Bias, wenn Medien mit einer Tendenz in die eine oder andere politische Richtung berichten.
Wenn Medien nun wirken und zudem die Medienberichterstattung diversen Verzerrungen unterliegt, dann kann es problematisch sein, wenn Konsumenten, Unternehmer oder Wähler ihre Entscheidungen anders treffen, als sie das vor dem Hintergrund einer weniger verzerrten Informationslage gemacht hätten. Auch dafür gibt es wissenschaftliche Belege: so zeigen Forschungsarbeiten, dass Automobilkäufe zumindest zum Teil von der Medienberichterstattung über die Automobilindustrie abhängen5, dass die Auslandsberichterstattung einen Einfluss auf ausländische Direktinvestitionen hat6, dass eine verzerrte Medienberichterstattung Entscheidungen bei Wahlen beeinflusst. Auch bei Entscheidungen von Behörden oder Terrorgruppen ist das der Fall: So hängen die Zahlungen der US-Katastrophenhilfe zum Teil von der Berichterstattung über Naturkatastrophen ab8 und anhand der Global Terror Database konnte nachgewiesen werden, dass ein Anstieg der Terrorzahlen nicht nur mehr internationale Medienberichte zum Thema auslöst, sondern mehr Medienberichte zu Terror auch zu mehr und brutaleren Terrorakten führen9.
Trump vs. Clinton
Sind Schweizer Medien nun besser als andere? Neben dem Presserat, der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten definiert, und vielfältigen Initiativen zur Rettung des Journalismus gibt es in der Schweiz auch das Medienqualitätsrating (MQR), das aufwendig versucht, Medienqualität zu messen. Einblicke und Erkenntnisse zur Frage, ob die Schweizer Medien besser sind als die anderer Länder, bietet eine Analyse der Berichterstattung in Schweizer Medien zum US-Wahlkampf 2016 zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Für die Untersuchung, die ich wissenschaftlich begleitete, hat das internationale Medienanalyseinstitut Unicepta die Berichterstattung in elf Schweizer Medien analysiert, darunter die Abonnementszeitungen «Aargauer Zeitung», «Basler Zeitung», NZZ und «Tages-Anzeiger», der Boulevard mit «20 Minuten» und «Blick», die sonntäglich erscheinenden «NZZ am Sonntag», «Sonntagsblick» und «Sonntagszeitung» sowie die TV-Formate «Sonntalk» (Tele Züri) und «10 vor 10» (SRF). Insgesamt wurden 808 Beiträge zu Trump und Clinton im Kontext des US-Wahlkampfs ausgewertet, unter anderem im Hinblick auf die Akteure, Themen, Bewertungen und zitierte Quellen.
Die Tonalität
Was auf den ersten Blick auffällt, ist die ausbrechende Negativität, mit der über den Wahlkampf und die beiden Spitzenkandidaten berichtet wurde: Der Anteil kritischer Beiträge über Donald Trump lag…