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Portal Glatscheras Tunnel, Bergün
Die Rhätische Bahn benutzte die Instandsetzung des Glatscheras Tunnel als Testlauf der eigens für deren Tunnel entwickelten «Normalbauweise», bei der die Tunnelauskleidung abgebrochen und durch betonierte Tübbinge ersetzt wird. Als Reverenz an die kulturelle Bedeutung der Tunnel bestehen deren Portale nach wie vor aus Naturstein.
Verschiedene Tunnel der Rhätischen Bahn sind in einem schadhaften Zustand. Dies ist einerseits auf eindringendes Wasser zurückzuführen, andererseits ist das Profil mit seinen ebenen Paramenten gegenüber eiförmigen Tunnelquerschnitten instabiler. In langen Vorversuchen entwickelte die Rhätische Bahn die «Normalbauweise» zur Instandsetzung stark schadhafter Tunnel, in denen die Ausmauerung der Paramente und Gewölbe durch vorfabrizierte Tübbinge in Beton ersetzt wird.
Neben den gemauerten Viadukten und Stützmauern sind die Tunnelportale wesentliche Merkmale des «Systems Rhätische Bahn». Im Interesse der Bewahrung eines kulturellen Zusammenhalts entschied man sich, die Tunnelportale weiterhin in Naturstein auszuführen. Für die Ausführung der neuen Tunnelauskleidung mussten sie abgebrochen werden. Nach Vollendung der Instandsetzungsarbeiten im Innern mauerte man sie wieder auf.
Dabei behielt man im Portalbereich die ursprüngliche Profilform bei. Um die heute sehr engen Verhältnisse zu verbessern, beschloss man, die ursprünglichen Masse überall um 11 Prozent zu vergrössern – unter Wahrung der bestehenden Proportionen. Aus diesem Grund mussten die Kranzsteine der Gewölbe neu hergestellt werden. Das übrige Mauerwerk wurde mit den alten Mauersteinen rekonstruiert. Die Mauerwerksbauweise ist zeitlos, ein heute aufgemauertes Tunnelportal muss sich nicht von den vor hundert Jahren erstellten Portalen unterscheiden.