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Der Verein bezweckt den Zusammenschluss des lokalen Handwerker- und Gewerbestandes, sowie
der Industrie und der Dienstleistungsbetriebe zur gemeinsamen Wahrung und Förderung ihrer Interessen in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht.
Die wirtschaftliche Entwicklung im ausgehenden 19. Jahrhundert legte es den Handwerkern und Gewerbetreibenden der Politischen Gemeinde Au nahe, eine Organisationsform zu suchen, die den Geschäften fördernd und unterstützend dienen konnte.
Diesen Gedanken vertrat Gemeinderatsschreiber Köppel, als auf den Nachmittag des Heiligabends 1893 die Handwerker und Gewerbetreibenden der Gemeinde zu einer Zusammenkunft ins „Kreuz“ einlud. 40 selbständige Geschäftsleute folgten der Einladung und unterstützten die Pläne des Gemeinderatsschreibers einstimmig.
Am 14. Januar 1894 fand die Gründungsversammlung des Handwerker und Gewerbevereins statt, die den Initiator zum ersten Präsidenten wählte. In die Kommission wurden ausserdem bestellt: Ulrich Geiger, Schmid, als Aktuar und Kassier und Rössliwirt Zellweger. Die Rechnungskommission bildeten die Herren Eugster, Engelwirt, und Ulrich Zellweger, Küfer. Ohne Gegenstimmen wurden die Statuten des Vereins, nach der Sitzung der Zeit handschriftlich im Protokollbuch festgehalten, angenommen.
Damit begann die Geschichte des Handwerker- und Gewerbevereins, der im Jahre 1994 sein hundertjähriges Bestehen feiern konnte.
Ziel des Handwerker- und Gewerbevereins seit seiner Gründung war es, den Handwerker- und Gewerbestand in der Gemeinde zu heben und zu fördern. Die konkreten Aufgaben dieser Zeit geben aufschlussreiche Einblicke in die Probleme, die die Einwohner der Gemeinde um die Jahrhundertwende bewegten.
Prellereien fremder Arbeiter
Die Kanal- und Rheinbauten hatten zahlreiche fremde Arbeiter ins Dorf gebracht. Diese kamen ihren Verpflichtungen gegenüber Kost- und Logisgebern oft nicht nach. Der HGV konnte diesem Übelstand gemeinsam mit der Rheinbauleitung und den „Akkordanten“ abhelfen.
Wohnungsprobleme
Das Anwachsen der Bevölkerung hatte eine eigentliche Wohnungsnot zur Folge. Gemeinde und HGV unternahmen in dieser Sache aber nahezu nichts, so dass die Arbeiter grösstenteils vor allem in St.Margrethen Wohnung nehmen mussten. Der Plan, eine Wohnbaracke zu errichten, blieb in den Anfängen stecken.
Brückengeld
An der unteren Brücke wurde zur Empörung der Bevölkerung von allen Personen, die auf einem Fuhrwerk sassen, Brückengeld verlangt. Andernorts galt nur eine Taxe pro Fuhrwerk, ohne dass dabei die Personenzahl berechnet wurde. Der HGV erreichte in dieser Angelegenheit nichts. Das schweigsame Protokoll lässt sogar vermuten, dass überhaupt nichts unternommen wurde.
Auswärtige Einkäufe
Die Bevölkerung von Au kaufte die Lebensmittel zunehmend im benachbarten Lustenau ein. Pro Monat wurden insgesamt drei bis vier Zentner Fleisch und zweieinhalb bis drei Zentner Brot jenseits des Rheines eingekauft, obwohl in Au zwei Metzger und drei Bäcker mit zusätzlich einem Brotladen ein weit mehr als ausreichendes Angebot bereithielten. In der Kommissionssitzung vom 16. Januar 1896 wurde betont, dass der HGV bei den „zuständigen Instanzen“ mit teilweisem Erfolg vorstellig geworden sei. Worin der Erfolg bestand und wie er erreicht wurde, blieb leider ein Geheimnis.
Verkehrsprobleme
In den Protokollen der Vereinsversammlungen und Kommissionssitzungen von 1897 und 1898 ist auch und sogar vorwiegend von Verkehrs- und Postproblemen sowie von der Entwicklung der Gemeinde Au seit 1866 die Rede, allerdings nicht von Problemlösungen. Die Frage einer rheintalischen Strassenbahn, die auch Au berühren sollte, stiess auf völliges Unverständnis und wurde nicht weiter verfolgt.
Grundsätzlich ist festzustellen, dass der HGV seine Tätigkeit 1894 mit viel Schwung und Idealismus begann, aber bald schon durch Uneinigkeit und fehlende Einsicht in die Zeitfragen gelähmt wurde. Gute Ideen, wie etwa die Anschaffung von Maschinen für die Handwerker oder die Erstellung einer vereinseigenen Mosterei, fanden so gut wie keine Unterstützung.
Noch einmal raffte sich die Kommission am 22. Mai 1900 zu einer Initiative auf: Es wurde von einer gewerblichen Fortbildungsschule gesprochen, die im Winter in vier bis sechs Stunden pro Woche junge Leute ab dem 20. Lebensjahr beruflich unterweisen sollte. Mitten in den Beratungen bricht das Protokoll ab; was an dieser Sitzung geschehen ist, kann man höchstens ahnen. Jedenfalls finden sich im Protokoll keine weiteren Eintragungen mehr.