Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03193.jsonl.gz/1438

Schmerzen werden sehr unterschiedlich erlebt. Sie sind eine individuelle und subjektive Erfahrung. Schmerzen sind häufig der Grund, weshalb Betroffene medizinische Hilfe suchen. Akute Schmerzen erfüllen eine sinnvolle Aufgabe: Sie warnen vor drohender Gewebeschädigung oder zeigen eine drohende Krankheit an. Die Ärzte in der Antike nannten den akuten Schmerz deshalb den "bellenden Wachhund der Gesundheit". Anders die chronischen Schmerzen: Sie haben keine Warnfunktion mehr, sondern sind meist die Folge einer bestehenden Grundkrankheit. Bei den sogenannten Krebs-schmerzen ist es oft nicht der Tumor selber, sondern seine Auswirkungen auf das umliegende Gewebe, das Schmerzen verursacht. Chronische Schmerzen können und sollen behandelt werden. Unbehandelte chronische Schmerzen zermürben und schwächen. Sie absorbieren Kräfte, die von den Betroffenen dringend gebraucht werden.
Zwei Drittel der Betroffenen erleiden im Laufe der Erkrankung chronische Schmerzen, ein
Drittel bleibt davon verschont. In 9 von 10 Fällen können die auftretenden Schmerzen
durch eine medikamentöse Therapie gänzlich besiegt oder entscheidend gelindert
werden. Jede Krebspatientin und jeder Krebspatient hat Anspruch darauf, so schmerzfrei
wie möglich zu leben. Schmerzen in dieser Situation zu erdulden ist sinnlos.
Für die moderne Schmerztherapie hat die Weltgesundheitsorganisation WHO klare
Richtlinien aufgestellt:
Bis eine befriedigende Schmerzlinderung erreicht ist, sollten die Medikamente über
den normalen Weg der Nahrungsaufnahme (oral, über den Mund) verabreicht
werden.
Die Schmerzmedikamente sollten regelmässig verabreicht werden, das heisst
bevor die Schmerzen wieder auftreten oder unerträglich stark werden.
Die Verabreichung folgt einem dreistufigen Therapieschema, welches die
Medikamente gemäss ihrer Wirkung in unterschiedliche Substanzklassen einteilt.
Ausgangspunkt jeder Schmerztherapie ist eine gute Schmerzerfassung. Unser
Fragebogen möchte Ihnen helfen, Ihre Schmerzen besser zu beobachten und zu
beschreiben.
Von Fall zu Fall muss individuell abgeklärt werden, welche Medikamente am geeignetsten
sind und möglichst wenig Nebenwirkungen verursachen. Ist eine gute Schmerzlinderung
erreicht, müssen die Medikamente in dieser Kombination und Dosierung regelmässig eingenommen werden. Zusätzlich können auch noch Behandlungsmethoden wie zum
Beispiel Akupunktur, Hypnose, Massage etc. eingesetzt werden.
Es gibt Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (Aspirin®, Alkacyl®),
Paracetamol (Panadol®, Dafalgan®) und nicht-steroidale Entzündungshemmer (Brufen®,
Ponstan®). Diese Präparate sind erfolgreiche Schmerzkiller, wenn sie gemäss
Verordnung eingenommen werden. In vielen Fällen ist es aber notwendig,
stärkere, meist opiathaltige Medikamente zu verordnen. Es gibt heute eine Anzahl gut
verträglicher Opiate mit einer Wirkungsdauer von zwölf Stunden oder, als Depot-Pflaster
aufgeklebt, sogar von bis zu drei Tagen.
Entzündungshemmende Medikamente (Aspirin®, Alkacyl®, Brufen®, Voltaren®) ver-
ursachen oft Magenprobleme. Eine medikamentöse Tumortherapie kann die Symptome
noch verstärken. Nehmen Sie die Medikamente mit oder nach der Mahlzeit, jedoch nie auf
nüchternen Magen ein. Essen Sie langsam und trinken Sie zwischen den Mahlzeiten viel
Tee.
Bei der Einnahme von Opiaten sollte einer Verstopfung systematisch vorgebeugt werden.
Achten Sie auf ballaststoffreiche Ernährung und trinken Sie ausreichend Tee zwischen
den Mahlzeiten. Auch Bewegung hilft gegen Verstopfung.
Gewisse Opiate können anfänglich Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit verursachen.
Dagegen wird Ihnen der Arzt ebenfalls ein Medikament verschreiben. Die Symptome
klingen nach 3 - 5 Tagen ab.
Beim Auftreten von Beschwerden und vermuteten Nebenwirkungen fragen Sie die
Pflegenden, die behandelnde Ärztin oder den Apotheker um Rat.
Umfangreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass es bei regelmässiger Einnahme von
Schmerzmedikamenten nur äusserst selten zu einer Abhängigkeit kommt (Wahrschein-
lichkeit unter 1% bei Opiattherapien). Die regelmässige Einnahme der wirksamen
Substanzen als Tabletten oder die kontinuierliche Aufnahme über die Haut (Pflaster),
haben keine berauschende Wirkung und machen nicht süchtig. Daher können
Opiate auch jederzeit durch stufenweise Dosisreduktion wieder abgesetzt werden.
Nimmt man ein Schmerzmittel erst dann ein, wenn die Schmerzen unerträglich stark
werden, benötigt der Körper höhere Dosen, um den gleichen schmerzstillenden Effekt zu
erzielen wie bei der Einnahme nach einem festen Zeitschema. Mit höheren Dosen steigt
auch die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen. Zudem besteht die Gefahr, dass man
eine Schmerzmittel-Abhängigkeit entwickelt, da durch das starke Schmerzempfinden und
die anschliessende Linderung ein Verlangen nach dem Medikament geweckt wird.