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Der tagtägliche Zugriff auf wichtige Umweltdaten für europäische Bürger, Politiker und Diensteanbieter stellt einen wichtigen Fortschritt dar, der durch den heutigen Start des ESA-Satelliten Sentinel-1A ermöglicht wird. Mit den von der ESA entwickeltenund betriebenen Sentinel-Satelliten werden dem Umweltüberwachungssystem Copernicus der Europäischen Union hochauflösende optische Abbildungskapazitäten hinzugefügt. Gegenwärtig sind 14 Sentinel-Satelliten geplant.
Ziel ist es, eine autonome Beobachtungskapazität für umwelt- und sicherheitsrelevante Anwendungen aufzubauen und Geoinformationsdienste zu entwickeln und zu betreiben, welche die Bereiche Umwelt, Klimaschutz, nachhaltige Entwicklung, humanitäre Hilfe und Sicherheit abdecken.
Sentinel-1 dient der globale Umweltbeobachtung und Sicherheit.
Sentinel-2 ist im Dienste der Ernährung unterwegs. Mit Sentinel-2A werden Daten für die Überwachung von Vegetation, Wald und Gewässer, zur Untersuchung von Landnutzung und -veränderung sowie zur Unterstützung bei Naturkatastrophen erhoben.
Sentinel-3 erforscht den Einfluss der Weltmeere auf das Klima. Der Satellit Sentinel-3B wird mit seinem Zwillingsbruder Sentinel-3A die Ozeane, das Land, das Eis und die Atmosphäre der Erde systematisch überwachen.
Sentinel-6 Mit Hilfe modernster Radarhöhenmesstechnik soll dieser Satellit einen neuen Überblick über die Topographie der Ozeane geben und die 1992 begonnene Langzeitaufzeichnung von Höhenmessungen an der Meeresoberfläche (Überwachung des Meeresspiegelanstiegs) vorantreiben - Messungen, die für die Klimawissenschaft, politische Entscheidungen und letztlich für den Schutz des Lebens von Millionen von Menschen von relevanter Bedeutung sind.
Der 2,3 t schwere Sentinel-Satellit verliess Europas Raumflughafen in Kourou (Französisch-Guayana) um 23.02 Uhr MESZ an Bord eines Sojus-Trägers. Die Abtrennung der ersten Stufe erfolgte 118 Sekunden später,gefolgt von der Nutzlastverkleidung (209 Sekunden), der zweiten Stufe (287 Sekunden) und der Oberstufenkombination (526 Sekunden).
617 Sekunden nach der Triebwerkszündung beförderte die Fregat-Oberstufe den Sentinel-Satelliten in eine sonnensynchrone Umlaufbahn in 693 km Höhe. Satellit und Oberstufe trennten sich 23 Min. und 24 Sek. nach dem Start.
"Sentinel-1A schlägt ein neues Kapitel in der Durchführung von Copernicus, der zweiten Leitinitiative der EU in der Raumfahrt nach dem Galileo-Ortungssystem, auf", so ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. "Das Copernicus-Programm wird den europäischen Bürgern die weltweit anspruchsvollsten weltraumgestützten Dienste für Umwelt- und Sicherheitsanwendungen zur Verfügung stellen. Dank der Zusammenarbeit zwischen der EU und den ESA-Mitgliedstaaten bei der Finanzierung der Weltrauminfrastruktur, der Bündelung von Kompetenzen und Erfahrungswerten der Europäischen Kommission und der ESA sowie der Kapazitäten der europäischen Industrie stellt sich Europa an die Spitze der Nutzer des Weltraums zum Vorteil von Bürgern, Politikern und der Wirtschaft."
Bei dieser Mission handelt es sich um die erste der sechs den Kern des europäischen Umweltüberwachungsnetzes Copernicus bildenden Missionsgruppen. Copernicus wird Angaben zu Landflächen, Ozeanen und der Atmosphäre bereitstellen, um die Gestaltung der Umwelt- und Sicherheitspolitik sowie den Bedarf einzelner Bürger und Diensteanbieter zu unterstützen.
Die C-Band-Radarmission wurde als Konstellation aus zwei Satelliten – Sentinel-1A und -1B – entworfen und wird in jeder Wetterlage rund um die Uhr in Quasi-Echtzeit Aufnahmen von Land- und Meeresoberflächen in Europa, Kanada und der Polarregionen liefern.
Sie ist mit einem leistungsstarken Radar mit synthetischer Apertur ausgestattet und wird die Kontinuität des europäischen ENVISAT-Satelliten sicherstellen, der 2012 nach 10 Jahren aufhörte zu senden. Die eingesetzte Technologie basiert auf langjährigen Erfahrungswerten mit einer Reihe von Radarsatelliten, die vor 23 Jahren mit ERS-1 ihren Anfang nahm.
"Der Start des ersten Sentinel-1-Satelliten stellt einen Wendepunkt für unsere Erdbeobachtungsprogramme dar", so der ESA-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme, Volker Liebig. "In der Meteorologie stellen Satelliten bereits seit über 35 Jahren zuverlässige Daten für Wettervorhersagen bereit. Mit dem Copernicus-Programm werden wir nun über eine ähnliche Informationsquelle für Umweltdienste und Anwendungen im Bereich Sicherheit und Katastrophenmanagement verfügen."
Sentinel-1 sendet nicht nur Daten für deren rasche Weitergabe zu zahlreichen Bodenstationen rund um den Globus, sondern ist zudem mit einem Laserterminal ausgestattet, um kontinuirlich Daten über Satelliten des Europäischen Datenrelaissatellitensystems in der geostationären Umlaufbahn zu übermitteln.
Die Solarpaneele des Satelliten und seine Antenne werden nun in einer komplexen Arbeitsabfolge, die voraussichtlich ca. 11 Stunden dauern wird, ausgefahren. Ihr Abschluss wird auf dem ESA-Portal unter www.esa.int/sentinel-1 und über Twitter unter @ESA_EO angekündigt.
Nach dem Start und Anfangsbetrieb erfolgt die Einsatzerprobung des Satelliten, bei der alle Instrumente geprüft und kalibriert werden. Es wird davon ausgegangen, dass der Missionsbetrieb innerhalb von drei Monaten aufgenommen werden kann.
Hauptauftragnehmer dieser Mission ist Thales Alenia Space Italy, Airbus DS in Deutschland ist für den C-Band-Radar verantwortlich. Das zentrale elektronische Untersystem des Radars wurde von Airbus DS im Vereinigten Königreich geliefert.
Die Daten der Sentinel-Satelliten werden kostenfrei mit offenem Zugriff zur Verfügung gestellt. Analysiert und bearbeitet werden die Rohdaten von Diensteanbietern des öffentlichen und des Privatsektors.
Der 1,1 t schwere Sentinel-Satellit «Sentinel-2A» hob um 3.52 Uhr MESZ (22.52 Uhr Ortszeit am 22. Juni) an Bord eines Vega-Trägers von Europas Raumflughafen Kourou in Französisch-Guayana ab.
Die Abtrennung der ersten Stufe erfolgte 1 Minute und 52 Sekunden nach dem Start, gefolgt von der zweiten Stufe und der Nutzlastverkleidung nach 3 Minuten und 37 Sekunden bzw. 3 Minuten und 54 Sekunden und schliesslich der dritten Stufe nach 6 Minuten und 32 Sekunden.
Nach einer ersten Zündung nach 7 Minuten und 42 Sekunden Flugzeit und zwei weiteren Zündungen setzte die Oberstufe der Vega den Satelliten 54 Minuten und 43 Sekunden nach dem Start in der anvisierten sonnensynchronen Umlaufbahn aus.
Kurz darauf stellten die Flugkontrolleure im Raumflugkontrollzentrum der ESA in Darmstadt die Telemetrieverbindungen her und sorgten für die Lageregelung, womit nun die Aktivierung der Systeme des Sentinel-Satelliten in die Wege geleitet werden kann, nachdem seine Solarzellenpaneele bereits ausgefahren wurden.
Nach dieser ersten Phase, die üblicherweise drei Tage dauert, beginnen die Kontrolleure mit der Überprüfung und Kalibrierung der Instrumente im Hinblick auf die Einsatzerprobung des Satelliten. Der Betriebsteil der Mission dürfte in drei bis vier Monaten anlaufen.
Der Kern des EU-Umweltüberwachungsnetzes Copernicus wird aus sechs Familien von Sentinel-Satelliten bestehen. Als Vorzeigeinitiative der EU in der Raumfahrt soll Copernicus operationelle Angaben zu den Landoberflächen, den Ozeanen und der Atmosphäre der Erde zur Unterstützung der Gestaltung der Umwelt- und Sicherheitspolitik liefern und dem Bedarf der Bürger und der Diensteanbieter gerecht werden.
"Sentinel‑2 ist der zweite Satellit einer Konstellation aus 20 Satelliten, die den Planeten Erde unter die Lupe nehmen und die Kapazität des Copernicus-Systems, Europas Bürgern die weltweit umfassendsten Daten für Umwelt- und Sicherheitsanwendungen zu liefern, erheblich erweitern werden", stellte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain fest.
Sentinel‑2A wird die von dem am 3. April 2014 gestarteten ersten Satelliten der Flotte, Sentinel‑1A, in jeder Wetterlage rund um die Uhr erstellten Radarbilder ergänzen.
"Mit seiner optischen Kamera stellt Sentinel‑2A eine Ergänzung der Radarbilder von Sentinel‑1A dar", meinte Volker Liebig, der ESA-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme. "Der Satellit wird für die Gesellschaft äusserst nützliche Bereiche wie die Ernährungssicherheit und die Überwachung der Wälder unterstützen. Seine Kombination aus grossem Abtaststreifen und häufigem Überflug wird Nutzern die Möglichkeit geben, Veränderungen der Landoberflächen und Pflanzenwachstum mit bisher ungekannter Genauigkeit zu beobachten. Durch das häufige Überfliegen von Gebieten wird eine neue Generation operationeller Produkte entstehen, die von Landoberflächen und Veränderungsdetektion über Katastrophengebiete und Blattflächenindizes bis hin zu Chlorophyllgehalt und anderen biogeophysikalischen Variablen reichen."
Die Daten werden auf unentgeltlicher und offener Basis bereitgestellt. An der Analyse, Verarbeitung und Harmonisierung der Rohdaten werden öffentliche und privatwirtschaftliche Diensteanbieter mitwirken.
Über die ESA
Die Europäische Weltraumorganisation (ESA), Europas Tor zum Weltraum, ist eine 1975 gegründete zwischenstaatliche Organisation, deren Aufgabe darin besteht, europäische Raumfahrtkapazitäten zu entwickeln und sicherzustellen, dass die Investitionen in die Raumfahrt den Bürgern in Europa und anderswo zugutekommen.
Die ESA hat 20 Mitgliedstaaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Davon sind 18 auch Mitgliedstaaten der EU. Zwei weitere EU-Mitgliedstaaten, Ungarn und Estland, haben Abkommen über ihren Beitritt zum ESA-Übereinkommen unterzeichnet und werden in Kürze neue Mitgliedstaaten der ESA sein.
Im Rahmen von Kooperationsabkommen unterhält die ESA Beziehungen zu sieben anderen EU-Mitgliedstaaten. Auch Kanada nimmt im Rahmen eines Kooperationsabkommens an bestimmten ESA-Programmen teil.
Darüber hinaus arbeitet die ESA mit der EU zusammen, um die Programme Galileo und Copernicus zu verwirklichen.
Dank der Koordinierung der Finanzressourcen und Kompetenzen ihrer Mitgliedstaaten kann die ESA Programme und Tätigkeiten durchführen, die weit über die Möglichkeiten eines einzelnen europäischen Landes hinausgehen.
Die ESA entwickelt Raumfahrzeugträger, Satelliten und Bodenanlagen, um sicherzustellen, dass Europa bei Raumfahrtvorhaben weltweit an der Spitze bleibt.
Sie entwickelt und startet Erdbeobachtungs-, Navigations-, Telekommunikations- und Astronomiesatelliten, schickt Raumsonden in entlegene Regionen des Sonnensystems und beteiligt sich an der bemannten Exploration des Weltraums.
Copernicus ist das bislang komplexeste und weitreichendste operationelle Programm zur "ganzheitlichen" Erkundung und Überwachung unseres Heimatplaneten.
Ziel ist es, den aktuellen Zustand unseres blauen Planeten kontinuierlich zu erfassen und die Daten über Ozeane, Landoberflächen, die Atmosphäre und den Klimawandel den verschiedenen Nutzergruppen, wie Behörden, Unternehmen, Institutionen, Umweltämtern und Bürgern zeitnah zur Verfügung zu stellen.
Die 6 Kerndienste von Copernicus:
Das Copernicus-Programm sieht den Auf- und Ausbau einer Weltraum- und einer "In-situ"-Komponente zur Etablierung eines komplexen Netzwerkes vor. Unter dem Begriff "in situ", also "an Ort und Stelle", werden alle Beobachtungssysteme zusammengefasst, die nicht im Weltraum betrieben werden. Dazu gehören beispielsweise boden- oder seegestützte Sensoren, meteorologische Messeinrichtungen und Messbojen.
Im Weltraum werden künftig sechs verschiedene, von der ESA betriebene Sentinel-Satelliten zu globalen Erdbeobachtungsdaten liefern. Das Copernicus-Programm wird von zahlreichen nationalen Fernerkundungssatelliten mit Daten unterstützt. Im Jahr 2015 konnte Copernicus die Daten von insgesamt 30 Fernerkundungssatelliten nutzen.
Copernicus - das europäische Erdbeobachtungsprogramm
Copernicus ist ein Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union (EU), das sie in Partnerschaft mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) umsetzt. Es dient der Sammlung und Auswertung von Fernerkundungsdaten der Erde. Die Daten werden von Behörden, Unternehmen, der Wissenschaft und interessierten Bürgern genutzt. Speziell für Copernicus wurden bislang sechs Satellitenfamilien entwickelt, die sogenannten Sentinels ("Wächtern"), welche den Zustand von Erde und Atmosphäre erfassen und somit wichtige Daten zu Klimaschutz, nachhaltiger Entwicklung, humanitärer Hilfe und ziviler Sicherheit liefern. Ergänzt werden die Satelliten-Daten durch Messgeräte am Boden, in der Luft und in Gewässern. Den Betrieb der insgesamt 20 Umweltsatelliten übernehmen die Europäische Weltraumorganisation ESA und die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten, EUMETSAT. In Deutschland ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) federführend für Copernicus verantwortlich. Das DLR Raumfahrtmanagement in Bonn begleitet die Implementierung des Programms in Deutschland.