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«Mit 15 nahm mich eine Modelagentin unter Vertrag. Ich müsse acht, neun Kilo abnehmen, meinen Hüftumfang auf neunzig Zentimeter reduzieren, dann würde ich bei den Fashion Shows in Mailand und Paris durchstarten. Beim Prada-Casting – ich hatte die neunzig Zentimeter gerade geschafft, wog bei 1.83 Metern noch 55 Kilo – behauptete meine Agentin gegenüber der Castingdirektorin, dass ich wegen meiner Periode aufgedunsen sei.
In Wahrheit setzte meine Monatsblutung zu dieser Zeit für zwei Jahre aus. What the fuck? Aber funktioniert hat es, ich lief für Prada, Dior, Louis Vuitton. Ich ass nur noch Äpfel und Gemüse. Wenn ich mir doch mal etwas gönnte, verlor ich die Kontrolle und verschlang bis zu 7000 Kalorien aufs Mal. Warum konnte ich für bis zu 40 000 Dollar pro Modeljob nicht aufhören zu essen?
«Weil ich plötzlich nicht mehr dünn sein musste, nahm ich innert sechs Monaten dreissig Kilo zu»
Um die Kalorien wieder zu verbrennen, rannte ich täglich 15 Kilometer. Meine Fressattacken und das Training raubten so viel Zeit, dass ich das Modeln pausieren musste, um für die Abschlussprüfungen am Gymi zu lernen. Danach wollte ich nach New York ziehen, Karriere machen. Nur: Weil ich plötzlich nicht mehr dünn sein musste, nahm ich innert sechs Monaten dreissig Kilo zu. Aus der Traum.
In den Jahren danach normalisierten sich meine Essgewohnheiten, ich fühlte mich immer wohler in meinem neuen Körper. Heute bin ich Plus-Size-Model. Auch die unterliegen Idealen, müssen oft noch dicker sein, noch grössere Brüste haben. Bei meinen ersten Testshootings aber feierten alle meine Kurven. Es war wie zehn Jahre Therapie.» – Catarina (27)