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Auf den Spuren des Automobils in Baden-Württemberg
Benz – diesen Namen kennt jeder Autoliebhaber. Gemeint ist Carl Benz, der Vater des Automobils. Seine Ehefrau Bertha Benz kurbelte Ende des vorletzten Jahrhunderts mit einer dreitägigen Fahrt durch Baden-Württemberg den Erfolg entscheidend an.
Diese Fahrt und die Geschichte des Autos lässt sich zwischen Mannheim und Stuttgart facettenreich nacherleben.
1885 vollendete Dr. Carl Friedrich Benz seinen dreirädrigen „Benz Patent-Motorwagen Nummer 1“. Es war das erste Automobil mit Verbrennungsmotor. Aus diesem Prototypen entwickelte der Ingenieur aus Mühlburg, das heute zu Karlsruhe gehört, den „Benz Patent-Motorwagen Nummer 3“, den er 1886 unter der Reichsnummer 37435 patentieren liess. Dies war sein erstes Automobil, das er zum Kauf anbot – für 3000 Goldmark. Doch obwohl Carl Benz sein Werk technisch permanent verbesserte und dessen Ausstattung ausbaute, interessierte sich niemand für sein Fahrzeug. Bis Bertha Benz das Steuer in die Hand nahm.
Zündung mit Strumpfband repariert
Die selbstbewusste Ehefrau des Ingenieurs fuhr eines schönen Tages im August 1888 ohne Wissen ihres Ehemannes gemeinsam mit ihren 13 und 15 Jahre alten Söhnen Richard und Eugen von Mannheim südwärts über Wiesloch und Bad Mingolsheim nach Pforzheim, um die Tauglichkeit der pferdelose Kutsche zu testen – 106 Kilometer mit maximal 20 Stundenkilometern. Unterwegs kaufte sie einige Liter Ligroin, ein Leichtbenzin, das damals als Reinigungsmittel diente, um es als Kraftstoff zu tanken. Drei Tage später fuhren die drei über Bauschlott, Bretten, Bruchsal und Schwetzingen zurück nach Mannheim. Während dieser Fahrt reinigte Bertha Benz auf offener Strecke die verstopfte Benzinleitung mit ihrer Hutnadel und reparierte die entzwei gebrochene Zündung mit ihrem Strumpfband.
Entscheidend verbessert
Mit dieser mutigen Überlandfahrt ist Bertha Benz als die erste Autofahrerin, die sich über eine kurze Testfahrt hinauswagte, in die Geschichtsbücher eingegangen. Weitaus wichtiger aber war, dass mit dieser dreitägigen Tour der wirtschaftliche Erfolg der Automarke in aller Welt begann. Carl Benz hörte seiner Frau genau zu, als sie über ihre Fahrt berichtete und verbesserte die Konstruktion seines Automobils in zwei Punkten entscheidend. Er baute einen zusätzlichen, kleinen Gang ein, um starke Steigungen bewältigen zu können. Und er montierte Lederbeschläge auf die Bremsbacken, um deren Wirkung und Lebensdauer zu erhöhen. Von da an war der Siegeszug des Benz nicht mehr aufzuhalten.
Heute würdigt die „Bertha Benz Memorial Route“ in Baden-Württemberg die wirkungsvolle Probefahrt von Bertha Benz. Die 194 Kilometer lange Strecke führt zum einen durch die Originalschauplätze der legendären Fahrt und zum anderen durch das traumhaft schöne Weinbaugebiet von Baden.
250 Fahrzeuge aus 130 Jahren
Vom südlichsten Punkt der „Bertha Benz Memorial Route“ keine Autostunde entfernt befinden sich in Stuttgart mit der Mercedes-Benz Welt und dem Porsche-Museum zwei der weltweit spektakulärsten Automobilmuseen. Hier führen auf 22’000 Quadratmetern rund 250 Fahrzeuge aller Jahrgänge und Kategorien durch 130 Jahre Automobilgeschichte, was das Herz jedes Autonarren höherschlagen lässt.
Einzig der „Patent-Motorwagen Nummer 3“, mit dem Carl und Bertha Benz das Autofahren in Gang brachten, findet sich nicht in diesen Gemäuern. Er steht als ältestes, komplett erhaltenes Automobil der Welt seit über hundert Jahren im Science Museum in London.
Wer seine Leidenschaft für Autos sogar mit in den Schlaf nehmen will, ist im benachbarten Böblingen bestens aufgehoben. Das V8-Hotel zelebriert mit seiner Einrichtung die Epochen der Automobilgeschichte im Wandel der Zeit – von der Lobby über die Bar und das Restaurant bis zu den Betten in den Themenzimmern.
Quelle: Tourismus Lifestyle Verlag GmbH, Bern
Bildquelle (sofern nicht anders angegeben): s. o.
Titelbild: © V8 Hotel