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Ring-Theater, Zürich ZH
Freie Theatergruppe ohne eigene Spielstätte
1985–87 lernte der ausgebildete Heilpädagoge André Steger (* 18.5.1957 Zürich) als Hospitant und Regieassistent am Schauspielhaus Wien unter Hans Gratzer und bei George Tabori das Regiehandwerk. Die Gründung einer freien Theatergruppe in Wien scheiterte mangels finanzieller Unterstützung. Dafür gelang es Steger in Zürich, Geld für eine erste eigene Produktion aufzutreiben, worauf er 1988 in Zürich das R. (der Name verweist auf die Wiener Ringstrasse) in der Rechtsform eines Vereins gründete. Ziel des R. war es, ausserhalb der etablierten Bühnen eine eigene Theaterform zu entwickeln, bei der die Körpersprache der Schauspielerinnen und Schauspieler ebenso wichtig war wie der Text. Zum Kern der Gruppe gehörten die Koregisseurin Alice Thaler, die vor allem für die Bewegungsarbeit verantwortlich war, die Bühnenbildnerin Karin Süss sowie die Schauspieler →Hans-Peter Ulli und Delia Dahinden. Das R. wird unter anderem vom Präsidialdepartement der Stadt Zürich, sowie von diversen Stiftungen und Sponsoren finanziert; es produzierte allerdings einige seiner Stücke ausschliesslich mit privaten Mitteln. Als erste Produktion inszenierte Steger 1989 Horváths "Himmelwärts" in einer Fabrikhalle auf dem Steinfels-Areal in Zürich. 1990–2001 produzierte er rund zwölf Inszenierungen. Er probierte vom Monodrama bis zur grossen Besetzung mit Musik die verschiedensten Genres aus. Auch die Spielorte wechselten häufig: Nach vier Inszenierungen auf dem Steinfels-Areal spielte das R. in Zürich unter anderem im →Theaterhaus Gessnerallee, im Depot Hardturm und am →Theater an der Winkelwiese. Grossen Erfolg hatten die Inszenierungen «Minidramen» (von mehreren Autoren) im Theaterhaus Gessnerallee (1992) und Philip Ridleys "Der Disney-Killer" (Schweizer Erstaufführung im Depot Hardturm, 1994). Raymond Cousses Monodrama "Strategie eines Schweins" spielte Ulli in einem Schaufenster der neuen Börse in Zürich (Regie: Steger, 1996). Innerhalb der Triologie "Dinge machen aus Angst" inszenierte Steger 1999 "Eins: Maltes Passage", eine Adaptation von Rainer Maria Rilkes Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" mit Volker Ranisch, das den renovierten Keller 62 in Zürich wiedereröffnete, 2000 "Zwei: Das Auguste System" nach Kurt Schwitters’ "Auguste Bolte" mit Ranisch im alten Vorlesungssaal der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli in Zürich sowie 2001 "Drei: Komm in meine Liebeslaube" mit Ranisch, Thea Schnering und dem Pianisten Brian Gill, später ersetzt durch Michael Wirth, im Dancing "Gartenlaube" in Zürich, das im Vorfeld wegen der Kombination von Amüsement mit Texten des jungen Joseph Goebbels, später Reichspropagandaleiter der NSDAP, Kritik in in- und ausländischen Medien sowie von jüdischen Organisationen hervorrief. Die Teile zwei und drei der Triologie gastierten 2002 im Theater im Palais in Berlin.
Autor: Tobias Hoffmann-Allenspach
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Hoffmann-Allenspach, Tobias: Ring-Theater, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1500–1501.