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Elektrische
[* 2]
Kraftübertragung. Die hervorragende
Ausbildung der
elektrischen
Kraftübertragung ließ vor allem die
Frankfurter
Ausstellung erkennen, in erster
Linie die
Kraftübertragung von
Lauffen a.
Neckar nach
Frankfurt
[* 3] a. M. (eine
Entfernung von 175 km).
In
Lauffen war eine
Turbine aufgestellt, welche mittels Zahnradübersetzung eine
Drehstrommaschine von
ca. 300
Pferdekräften
trieb. Sie war von dem
Ingenieur
Brown der Maschinenfabrik Örlikon konstruiert und besaß die in
[* 1]
Fig. 10 der
Tafel
»Elektrische Maschinen« gekennzeichnete Schaltung und ein Magnetsystem von 32
Polen, wie in dem angeführten
Artikel beschrieben
ist. Die
Maschine
[* 4] lieferte
elektrische
Energie von niederer
Spannung (50
Volt); diese wurde mittels
Mehrphasenstrom-(Drehstrom-)Transformatoren auf hohe Spannung gebracht und mittels blanker Leitungen, die an Ölisolatoren (s. Elektrische Leitungen) und auf Stangen (sogen. Originalgestänge) befestigt waren, oberirdisch bis Frankfurt a. M. geführt. Dort wurde die Energie hoher Spannung mittels Transformatoren auf 50 Volt transformiert und zur Beleuchtung [* 5] und Kraftübertragung verwendet. In der Ausstellung zur Frankfurt a. M., in der Nordwestecke der Verteilungshalle, wurde die der Wasserkraft des Neckars ^[im Faksimile Nekkars - alte Silbentrennung] entnommene Energie nutzbar gemacht.
Einesteils diente sie zur
elektrischen Illumination der Firmaschilder der beiden Unternehmer, nämlich der Maschinenfabrik
Örlikon und der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft
(Berlin),
[* 6] anderseits wurde sie mittels eines 100pferdigen Dreiphasenmotors
mit Zentrifugalpumpe in ihre ursprüngliche Gestalt, und zwar in einen feenhaft beleuchteten, prächtigen
Wasserfall übergeführt, und so erzeugte die Wasserkraft am
Neckar eine zweite Wasserkraft: einen
Wasserfall zu
Frankfurt a. M.
Nicht weniger als 530,000 m Kupferdraht von 4
mm
Durchmesser wurden zur Leitung benötigt, was einem
Gewicht von
ca. 60,000 kg
Kupfer
[* 7] gleichkommt und einen ungefähren Wert von 120,000 Mk. repräsentiert.
Die Befestigung dieser Leitungen beanspruchte ca. 3000 Leitungsstangen mit ca. 9000 Ölisolatoren. Die Kraftübertragung Lauffen-Frankfurt a. M. hatte schon beim ersten Auftauchen des Projekts ein begreifliches Aufsehen erregt; namentlich wurde allenthalben die Frage erörtert, ob sich so gewaltig hohe Spannungen, ohne welche eine Energieübertragung mit relativ dünnen Leitungen auf so beträchtliche Entfernungen undenkbar ist, auch betriebssicher isolieren lassen - dies war die Kardinalfrage.
Das Ergebnis hat gezeigt, daß selbst bei den ungünstigsten Witterungsverhältnissen die Übertragung tadellos und ohne Verluste infolge von Erdableitungen vor sich ging, obwohl man die Spannung bis zu 22,000 Volt steigerte. Ungeachtet der großen Entfernung wurden von 100 Pferdekräften zu Lauffen 70 bis nach Frankfurt a. M. gebracht. Dieser großartige Erfolg hat neuerdings die Amerikaner veranlaßt, für die Chicagoer Weltausstellung (1893) eine Energieübertragung von den Niagara-Fällen nach Chicago (eine Entfernung von 800 km) zu planen. Es bestehen zwei Projekte, von welchen das eine die Übertragung mit Mehrphasenstrom ins Auge [* 8] faßt, während das andre Gleichstrom von etwa 30,000 Volt verwenden will.
Das erste Projekt rührt von der Maschinenfabrik Örlikon her, das zweite von dem Ingenieur Turetini. Letzterer will die hohe Gleichstromspannung dadurch erzeugen, daß er zehn Gleichstrommaschinen zu 3000 Volt hintereinander schaltet. Dieses System ist unzweifelhaft das schwierigste, um nicht zu sagen das bedenklichste. Jedenfalls würde aber die Ausführung desselben Klarheit darüber bringen, ob man bei Gleichstrom auf die angegebene Weise betriebssicher solche Spannungen erzeugen kann - dies wird vorläufig von den bedeutensten Ingenieuren noch verneint.
Die unmittelbare Folge der Lauffeuer Kraftübertragung war, daß alles, was nur einigermaßen nach einer Wasserkraft aussah, sofort als ein großes Wertobjekt angesehen wurde und demgemäß im Preise stieg. Hierdurch aber werden meistens die Vorteile einer Fernübertragung derart verringert, daß sie gegen Dampfmaschinenbetrieb an Ort und Stelle unterliegen müssen. Die Kohlen sind denn doch noch nicht so teuer, und eine Wasserkraft bietet um so weniger Vorteile, je höher ihr Preis und je weiter sie von der ¶
mehr
Konsumstelle entfernt ist; es gibt auch hier eine Grenze. Eine von der Lauffener etwas abweichende Kraftübertragung, jedoch auch mit Mehrphasenstrom, hatte die Firma Schuckert u. Komp. in Nürnberg [* 10] auf der Frankfurter Ausstellung vorgeführt; sie bestand im wesentlichen aus einer selbsterregenden Mehrphasenstrommaschine mit vier Fernleitungen, welche den Strom vom Palmengarten zu Frankfurt a. M. nach der Ausstellung überleiteten; dort wurde der Strom mittels eines Mehrphasenstrom-Gleichstromtransformators in Gleichstrom verwandelt und dieser zur Speisung einiger Gleichstrommotoren in den Werkstätten der Ausstellung benutzt.