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Der ungewöhnlich kurze Abstand zwischen zwei Majorturnieren der Golfprofis ist auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zurückzuführen. Die Termine der Sommerspiele sind seit sieben Jahren sakrosankt, weshalb die Golfer ihr viertes und letztes grosses Turnier des Jahres um zwei Wochen vorverlegten.
Jason Day aus Australien, die Amerikaner Dustin Johnson und Jordan Spieth sowie der Nordire Rory McIlroy sind die ersten vier der Weltrangliste. Sie alle starten in Springfield im US-Bundesstaat New Jersey, nicht jedoch anschliessend in Rio. Drei von ihnen gaben bei ihren Absagen an, sie wollten wegen der latenten Gefahr durch das Zika-Virus kein Risiko eingehen.
Vielleicht ist es wirklich nur vorgeschoben. Ebenso plausibel ist eine gewisse Lustlosigkeit. Am ersten Olympiaturnier seit 112 Jahren gibt es kein Preisgeld zu verdienen. Ein Titel an einem Majorturnier wie der US PGA Championship ist für die eingefleischten Weltklassegolfer vor allem in Bezug auf das Prestige wesentlich mehr wert als der Olympiasieg. Ähnlich war es bei den Tennisprofis bei der Wiederaufnahme des Sports ins olympische Programm 1984. Heute lassen sich kein Federer, kein Djokovic, kein Murray, kein Wawrinka Olympia entgehen.
Für die Golfer werden sich die Räder der Geldmaschine schon Ende August wieder in Bewegung setzen, wenn kurz nacheinander die vier mit je 8,5 Millionen Dollar dotierten Turniere der sogenannten FedEx-Cup-Finalserie beginnen. An allen Highlights inklusive Olympia dabei zu sein. wäre auch für die belastbaren Profis eine hohe Zumutung.
Ein weiterer Vergleich mit dem Tennissport zeigt grosse Unterschiede. Im Tennis sind Siegesserien nichts Ungewöhnliches. In erster Linie Roger Federer legte einst solche hin, später Rafael Nadal und Novak Djokovic. Im Golf spielte in den letzten 20 Jahren nur Tiger Woods eine hohe Dominanz aus. Sie erlaubte ihm, mehrere grosse Turniere in Folge für sich zu entscheiden. Das übliche Bild ist aber jenes, das sich jetzt gerade zeigt: Die letzten sechs Majorturniere ergaben sechs verschiedene Sieger, der Reihe nach Jordan Spieth, den Amerikaner Zach Johnson, den derzeitigen Weltranglisten-Ersten Jason Day, den Engländer Danny Willett, Dustin Johnson und Henrik Stenson. Die Leistungsdichte unter den besten 30 oder 40 Spielern ist so hoch, dass Prognosen meistens problematisch sind.
Möchte man für die 97. US PGA Championship im Golfclub Baltusrol in Springfield eine Vorhersage wagen, müsste man das Ende des British Open heranziehen. Auf dem Weg zu seinem ersten Majortitel spielte der 40-jährige Göteborger Henrik Stenson auf einem Niveau, wie es nur Tiger Woods schon erreicht hatte. Der Küstenplatz von Royal Troon in Schottland, auf dem das British Open stattfand, und der Binnenplatz von Springfield, keine 30 Kilometer westlich von New York/Manhattan gelegen, sind sehr unterschiedlich. Aber wenn er die in Schottland gezeigte Form nur einigermassen konservieren kann, wird Stenson auch in dieser Woche schwer zu schlagen sein. Dass ein Professional in einem Jahr das British Open und die US PGA Championship gewinnt, kam früher selten vor, in den letzten zehn Jahren aber dreimal. Dieses Double schafften Tiger Woods 2006, der Ire Padraig Harrington 2008 und zuletzt Rory McIlroy 2014.
Auch den 46-jährigen Phil Mickelson muss man besonders auf der Rechnung haben. In Troon war der weltbeste Linksspieler der Einzige, der Stenson in der Schlussrunde eine Weile lang bedrängen konnte.
(SDA)