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Meine “Tour de France” – Die Normandie
Wie im letzten Beitrag angekündigt, ging es letzten Juni los in Richtung Frankeich – zusammen mit meinen Eltern, meinem Mann, unserem kleinen Sohn sowie einem großen Notizbuch. Und einem runden Bauch.
Unser erstes Ziel war die Normandie, denn dahin fuhr meine Großmutter zusammen mit ihrer Herrschaft jeweils für ein paar Tage in die Ferien, bevor der Krieg Frankreich erreichte. Aus den Briefen konnte ich herauslesen, dass sich mein Grosi zu jener Zeit in Deauville aufhielt. Die Region hat eine lange touristische Tradition. Deauville ist ein elegantes Seebad und seit 1860 ein beliebter Treffpunkt bei Künstlern, dem Hochadel sowie den Schönen und Reichen aus aller Welt. Wir passten also tiptop dorthin 😉
Coco Chanel, die allseits bekannte Designerin, eröffnete nicht etwa in Paris, sondern in Deauville ihre erste Boutique, damals noch unter ihrem vollen Namen Gabrielle Chanel. Das war im Jahre 1913.
Wir machten Halt im benachbarten Villers-sur-Mer. Ein schmuckes Dörfchen, welches an der Atlantikküste liegt; genau dort, wo der Greenwich, also der Nullmeridian, aufs europäische Festland trifft.
Mein Weg führte mich nicht in besagte Boutique, sondern ins Hotel Bellevue, wo meine Großmutter im Jahre 1939 abgestiegen ist. Der jetzige Direktor ließ es sich nicht nehmen, Fotos aus den 30-er Jahren hervorzukramen und mir diese zu scannen. An dieser Stelle nochmals ein grosses “merci, Olivier”.
Im Zweiten Weltkrieg erlangte die Normandie geschichtsträchtige Bedeutung mit den Landungsstränden der Alliierten. Da wir genau am Jahrestag des D-Days – also an dem Tag, als die Alliierten Truppen 1944 das Französische Festland erreichten und zur Befreiung Frankreichs ansetzten – in der Region waren, wurden wir Zeugen von zahlreichen Zeremonien. Wir besuchten die legendäre Pegasus Bridge mit dem dazugehörigen Museum.
Einer der wenigen noch lebenden Veteranen erzählte, dass jeder Überlebende, der an der Front war, Wunden davongetragen hat, die ihn sein Leben lang nicht mehr losliessen. Wenn nicht Physische, dann Psychische. Er schilderte eindrücklich, wie einen die Schmerzensschreie verwundeter Soldaten zeitlebens verfolgen würden. Dabei sei es völlig egal, ob die Schreie von einem Kameraden oder einem Feind stammten, diese gingen einem als Mensch durch Mark und Bein.
Später statten wir noch einem der vielen Soldatenfriedhöfe einen Besuch ab (demjenigen in Ranville). Auch das schönste Wetter konnte nicht darüber hinwegtäuschen, welch unglaubliche Opfer dieser Krieg gefordert hat. Mein Blick schweifte über die unzähligen Gräber meist blutjunger Soldaten, was mich sehr sehr nachdenklich stimmte.
Nach einem Tag mit leichterer Kost – wir besuchten den weltberühmten Mont St. Michel – führte mich meine Reise weiter ins Loiretal, bekannt für seine über 400 Schlossanlagen. Und genau auf ein solches sollte es gehen.
Mehr von mir als Schlossfräulein gibt’s im nächsten Post!