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Rekordwürdig heisse europäische Sommer in den letzten 30 Jahren
Während der vergangenen dreissig Jahre wurden die Sommer im grössten Teil Europas immer wärmer, begleitet von extremen Hitzewellen wie beispielsweise vergangenes Jahr zwischen Juni und September. Die Studie eines internationalen Wissenschafterteams stellt diese Daten in einen historischen Zusammenhang. Dabei zeigt sich, dass der Temperaturanstieg über die natürlichen Schwankungen hinaus geht.
Für ihre Studie haben die Wissenschaftern – unter anderem vom WSL und von der ETH – unter der Leitung des Geographen und Klimaforschers Jürg Luterbacher von der Universität Giessen die aktuelle Erwärmung in einen historischen Kontext gesetzt. Die Untersuchungen umfassen eine Spanne von 2100 Jahren, die unter anderem auf Baumring-Daten und historisch dokumentierten Hinweisen basiert.
Dabei zeigte sich, dass die Sommer bis ins dritte Jahrhundert hinein warm waren, vom vierten bis siebten Jahrhundert herrschten hingegen etwas kühlere Wetterbedingungen. Nachdem vergleichsweise eher warmen Mittelalter sanken die mittleren Sommertemperaturen zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert wieder. Im frühen 20. Jahrhundert stellten die Forscher eine ausgeprägte Erwärmung fest und ebenso in den letzten drei Jahrzehnten. - Dass das das Klima in der Vergangenheit Schwankungen unterworfen war, schreiben die Forscher in ihrer Studie starken tropischen Vulkanausbrüchen und Veränderungen in der Sonnenenergie zu.
Die Belege deuteten drauf hin, dass die natürliche Veränderung der Sommertemperaturen grösser sei als bislang angenommen, so dass Klimamodelle das volle Ausmass von zukünftig eintretenden Extremen, einschliesslich Hitzewellen, unterschätzen könnten, heisst es dazu in der Mitteilung der deutschen Universität Giessen. Die neu gewonnene Erkenntnis, dass die Temperaturen der letzten 30 Jahre ausserhalb des Umfangs solcher Einflüsse lägen, unterstreiche die Schlussfolgerung des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dass die gegenwärtige Erwärmung auf vom Menschen herbeigeführten Veränderungen basiere. „Wir haben jetzt eine detaillierte Vorstellung davon, wie sich die europäischen Sommertemperaturen in über 2100 Jahren verändert haben“, so Luterbacher. Man könne diese Informationen nutzen, um Klimamodelle zu testen, die die Auswirkungen der globalen Erwärmung vorhersagen sollen.
Die interdisziplinäre Studie ist in Zusammenarbeit mit Forschern des Netzwerks Past Global Changes‘ (PAGES) durchgeführt worden. PAGES ist ein Kernprojekt des International Geosphere-Biosphere Programms und Future Earth und wird von der U.S. and Swiss National Science Foundation und der U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration gefördert. (mai)