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Harnblase
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Blasenentzüngung
Bei der Frau sehr häufig auftretende Erkrankung, bedingt durch die kurze Harnröhre und ihre nahe Lage zu Scheide und Enddarm. Beim Mann sollte eine Harnabflussstörung, z.B. Prostatavergrösserung oder Verengung der Harnröhre ausgeschlossen werden. Die Entzündung äussert sich mit Brennen beim Wasserlösen, Harndrang, häufigem Lösen kleiner Urinportionen und Schmerzen im Unterbauch. In der Urinuntersuchung lassen sich vermehrt Entzündungszellen und Bakterien nachweisen. Nach deren Gehalt muss über die Gabe von Antibiotika entschieden werden. Generell ist eine erhöhte Trinkmenge anzuraten. Bei Männern sowie bei wiederkehrenden Entzündungen ist eine Abklärung zur Suche nach möglichen Ursachen empfehlenswert.
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Blasensteine
Man unterscheidet primäre und sekundäre Blasensteine:
Primäre Blasensteine entstehen in sterilem Urin, wenn dieser hochkonzentriert ist. Eine mögliche Ursache ist somit chronischer Durchfall mit Verlust an Flüssigkeit durch den Darm. Diese Steine kommen meist in unterentwickelten Ländern und dort oft bei unterernährten Kindern vor.
Sekundäre Blasensteine bilden sich in infiziertem Urin im Rahmen einer Urinabflussstörung, wie z.B. bei einer Prostatavergrösserung oder einer Verengung der Harnröhre. Auch bei Fremdkörpern in der Harnblase (Dauerkatheter!) können diese Steine entstehen. Sie bestehen meist aus Harnsäure oder Magnesiumphosphaten.
Zeichen vorhandener Blasensteine sind Schmerzen beim Wasserlösen, Blutbeimengung zum Urin, ein plötzlich unterbrochener Harnstrahl, wobei durch Lageänderung des Patienten erneut eine weitere Urinportion gelöst werden kann. Die Diagnose eines Blasensteines kann durch eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung erfolgen, muss aber sicherheitshalber meist mit einer Blasenspiegelung bestätigt werden. Blasensteine können endoskopisch zertrümmert und herausgespült werden. Sehr grosse Steine müssen gelegentlich durch eine Schnittoperation entfernt werden. Bestand eine Harnabflussstörung als Ursache der Steinbildung, muss diese Störung sekundär behoben werden (z.B. Sanierung der Prostata).
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Blasentumore
Die Häufigkeit der Harnblasentumore ist altersabhängig mit einem Maximum zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr. Die Inzidenz beträgt 1:500, d.h. 200 auf 100.000 Bewohner der Schweiz sind davon betroffen. Männer erkranken 3x häufiger als Frauen. Prädisponierende Risikofaktoren sind Rauchen, Umgang mit organischen Lösungsmitteln sowie übermässiger Konsum von phenacetinhaltigen Schmerzmitteln.
Erstes Zeichen eines Blasentumors ist meist eine Blutbeimengung zum Urin. Wird diese Blutbeimengung vom Patienten selbst beobachtet, ist dringend zur sofortigen Kontrolle beim Hausarzt oder Urologen zu raten, vor allem auch, wenn diese Blutbeimengung zum Urin unter Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten auftritt. Auch wenn die Blutung spontan zum Stillstand kommt und der Urin wieder aufklart, ist dies kein Grund, auf die Diagnostik zu verzichten. In der Regel sind im Urin mikroskopische Blutspuren immer noch feststellbar. Die Diagnose eines Blasentumors wird sodann durch eine Blasenspiegelung und eine Untersuchung der Zellen in der Blasenspülflüssigkeit gesichert. Auch Röntgenkontrastuntersuchungen der ableitenden Harnwege sind notwendig.
Ist ein Blasentumor diagnostisch gesichert, so wird der Tumor in der Regel durch die Harnröhre auf endoskopischem Wege mit einer Elektroschlinge entfernt (transurethrale Blasentumorresektion). Das gewonnene Gewebe wird vom Pathologen am Mikroskop untersucht. Ist der Tumor nur oberflächlich wachsend, muss der Patient während Jahren in regelmässigen Abständen mittels Blasenspiegelung und Spülzytologie nachkontrolliert werden, da diese Blasentumoren an anderen Stellen in der Blase in über 70% der Fälle erneut auftreten. Diese Rückfälle können z.T. mit intravesikaler Chemo- oder Immuntherapie behandelt werden. Hierbei werden die entsprechenden Medikamente direkt in die Harnblase eingebracht.
Zeigt die mikroskopische Untersuchung einen in die tieferen Blasenwandschichten infiltrierenden Tumor, ist meist die Indikation zur Entfernung der gesamten Harnblase gegeben, nachdem Ableger (Metastasen) in anderen Organen, z.B. durch eine Computertomographie, ausgeschlossen wurden. Beim Mann werden bei der radikalen Entfernung der Harnblase auch die Prostata und die Samenblasen mitentfernt, bei der Frau auch die Gebärmutter. Die Entfernung der Harnblase zwingt zu einer Harnableitung in irgendeiner Form, wobei aus Dünndarm eine Ersatzblase gebildet werden kann oder aber mittels eines Darmstückes der Urin in einen künstlichen Ausgang geleitet wird. Die Prognose der Harnblasentumore richtet sich nach dem Tumorstadium (Infiltrationstiefe des Tumors in die Blasenwand, Metastasen vorhanden/nicht vorhanden) und dem Differenzierungsgrad des Tumors (Aggressivität des Tumors). Die Prognose verschlechtert sich mit abnehmendem Differenzierungsgrad massiv. Anfänglich wenig aggressive Tumoren werden mit der Zeit aggressiv, so dass auch aus diesem Grund die Abklärung von Blutungen im Urin raschestmöglich erfolgen sollte.
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Blasenverletzungen
Wichtigste Blasenverletzung ist die sogenannte Blasenruptur: Die Zerreissung der Blasenwand aufgrund äusserer Verletzungen. Allgemein gilt, dass eine gefüllte Harnblase viel leichter und schneller als eine leere Blase rupturiert. Als isolierte Verletzung ist die Blasenruptur selten, bei stumpfen Bauchverletzungen kommt diese in rund 5% der Fälle vor, bei Beckenbrüchen in 25-30%. Aufgrund der Lage der Blase ist es möglich, dass sie entweder in Richtung Bauchraum (intraperitoneal) oder aber ausserhalb des Bauchraumes (extraperitoneal) rupturiert. Je nach Lokalisation dieser Ruptur ist auch die Symptomatologie unterschiedlich.
Wird die Ruptur nicht rechtzeitig diagnostiziert und adäquat behandelt, kommt es zur Ausbildung einer sogenannten Urinphlegmone: Der ausgeschiedene Urin sammelt sich entweder in der Bauchhöhle oder ausserhalb derselben im Körper an. Die Folge ist eine schwerwiegende Entzündung mit Fieber, Schüttelfrost, evtl. Bauchfellentzündung und hoher Sterblichkeit. Die Diagnose einer Blasenruptur wird durch Röntgenkontrastmittelfüllung von Harnröhre und Harnblase gestellt. Therapeutisch müssen grössere Läsionen operativ behandelt werden, durch Naht der Harnblase und Drainage der Blase selbst sowie der umgebenden Räume.
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Harninkontinenz
Unter Harninkontinenz versteht man den unwillkürlichen und unkontrollierten Harnverlust. Eine Harninkontinenz ist relativ häufig: Rund 15% der Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, 25% der Frauen zwischen 40 und 50 Jahren und über 60% der Patientinnen in Altersheimen klagen über irgendeine Form der Harninkontinenz. Bei Männern ist die Harninkontinenz etwas seltener, tritt aber mit zunehmenden Alter ebenfalls häufiger auf.
Es werden 5 Arten der Urininkontinenz unterschieden, Kombinationen sind möglich:
- Urgeinkontinenz (imperativer Harndrang): Urinverlust bei nicht unterdrückbarem Bedürfnis Wasser zu lösen. Kommt zustande durch unkontrollierte Kontraktion oder Fehlmeldungen der Harnblase aus verschiedenen Gründen. Z.B. bei Harnwegsinfekt, lokalen Drangursachen wie Steine/Tumoren, oder aber aufgrund fehlender Blasenkontrolle durch das zentrale Nervensystem, wie häufig bei alten Patienten infolge Arteriosklerose, Parkinson, Alzheimer etc. zu beobachten. Die Therapie besteht in erster Linie in der Beseitigung der lokalen Urge- (Drang-) Ursache, im Übrigen stehen heute verschiedene, die Blasenmuskulatur hemmende Medikamente zur Verfügung.
- Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz): Urinabgang bei gefüllter Harnblase infolge Drucksteigerung im Bauchraum und gleichzeitig ungenügendem Harnröhrenverschlussmechanismus. So kommt es zum Urinverlust bei Husten, Lachen, Niesen, Lasten heben, etc. Sie ist die häufigste Inkontinenzform der Frau. Therapeutisch kommen verschiedene operative Verfahren wie auch das Tragen von Scheidenpessaren etc. in Frage. Bei Männern tritt die Stressinkontinenz in erster Linie nach Prostataoperationen auf. In diesen Fällen ist meist die konservative Therapie mit Beckenbodentraining erfolgreich, gelegentlich ist jedoch die Implantation einer Schliessmuskelprothese notwendig.
- Überlaufinkontinenz: Urinverlust aufgrund einer übervollen Harnblase bei chronischem Abflusshindernis. Wird häufig bei Männern infolge Prostatavergrösserung beobachtet. Die Therapie besteht in der operativen Korrektur des chronischen Abflusshindernisses, d.h. in der Regel der sog. kleinen Prostataoperation.
- Reflexinkontinenz: Völliger Verlust der Blasenkontrolle. Diese Form der Inkontinenz tritt bei neurologischen Erkrankungen auf, z.B. bei Multipler Sklerose oder Querschnittslähmung. Die Therapie ist schwierig, neben Medikamenten und Ableitung der Blase kann manchmal eine Elektrostimulation versucht werden, unter Umständen sind Blasenaufbauplastiken mit Darm etc. notwendig.
- Extraurethrale Inkontinenz: Mündung von harnableitenden Kanälen ausserhalb des Schliessmuskels. Möglich aufgrund von Missbildungen oder als Folge von schweren Entzündungen im kleinen Becken, was zu sogenannten Fisteln (Verbindungen) z.B. zwischen Blase und Scheide führt. Die Therapie dieser Inkontinenzform kann nur auf operativem Wege erfolgen.