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Je länger Mann und Frau zusammenleben, desto mehr verschieben sich die Präferenzen im Bett. Sie will Sex, er will nur kuscheln. Dies das überraschende Ergebnis einer Studie des renommierten Kinsey-Instituts.
Diese Studie stellt so ziemlich alles auf den Kopf, was wir bisher über sexuelles Verhalten zwischen Mann und Frau zu wissen glaubten.
Unter dem Titel «Sexual Satisfaction and Relationship Happiness in Midlife and Older Couples in Five Countries» (auf Deutsch: Glück und sexuelle Befriedigung bei älteren Paaren aus fünf Ländern), wurde das Beziehungsverhalten umfassend untersucht. 1009 Paare aus Brasilien, Deutschland, Japan, Spanien und den USA machten mit. Zum ersten mal wurde die Entwicklung der sexuellen Aktivität im Laufe des Zusammenseins erfragt.
Die Forscher zeigen sich verblüfft: Während bei Paaren zwischen 20 und 40 Jahren die Männer wie erwartet den grösseren sexuellen Appetit haben, verschiebt sich das Verlangen ab den mittleren Jahren in Richtung der Frau. Dies umso mehr, je länger ein Paar schon zusammen ist. Für Männer, so die Untersuchungsergebnisse, definiert sich eine glückliche Beziehung vor allem über Gesundheit und Wohlbefinden, während für Frauen ein gutes Sexleben ausschlaggebend ist.
Psychologe Dr. Leahcim Semaj: «Meine Überzeugung war bisher, dass Frauen diejenigen sind, die eher kuscheln und knuddeln wollen, während Männer vor allem Sex wollen, sich alles nur um den Koitus dreht.»
Dass dem offenbar nicht so ist, verlangt nach Erklärungen. Sexualforscher David Anderson: «Wenn Männer in einer Beziehung sind und es auch bleiben wollen, beginnen sie, ihr Verhalten zu ändern. Sie wollen gehätschelt und umsorgt werden, die Frauen soll dafür sorgen, dass es ihnen an nichts fehlt.»
Anderson geht noch weiter: «In Ländern, in denen nicht mehr auf traditionelle Rollenbilder geachtet wird und Männer ihre Gefühle ausdrücken können, gibt es keinen grossen Unterschied mehr zwischen einem Mann und einer emotionalen Frau».
Das würde heissen: Männer werden in der Ehe zu bequemen Kuschel-Softies, während Frauen gerne etwas mehr Action hätten?
Anderson: «Ist er einmal zuhause, muss er nicht mehr den Macker spielen und will vor allem Ruhe und Geborgenheit. Frauen, die ihre Emotionen in der Öffentlichkeit nicht verbergen müssen, können deshalb vermehrt sexuelle Bedürfnisse in den eigenen vier Wänden zeigen.»
So sieht es auch eine Testpersonen, die verheiratete Mittvierzigerin Michelle R.: «Es wird zwar ständig mit dem Sexleben angegeben, aber die Nummer zuhause hält sich dann in Grenzen.»
Etwas Gutes hat die Studie aber für die Männer: Wenn in den kommenden EM-Wochen das Spiel im TV wichtiger ist als der Sex mit der Ehefrau, braucht es keine faulen Ausreden mehr. Man kann sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse berufen.