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Der Bizepsmuskel besteht, wie sein Name verrät, aus zwei Muskelköpfen (lat. ‘Bi’ für zwei). Er verfügt über zwei Sehnen (kurz und lang), die jeweils an einer unterschiedlichen Stelle des Schulterblattes entspringen. Die lange Bizepssehne entspringt am oberen Pfannenrand des Schultergelenks, läuft durch eine Grube im Oberarmknochen (Sulcus bicipitalis) und findet ihren Ansatz an der Speiche (Radius). Der Bizeps fungiert als Armbeugemuskel (Flexor) und ist der wichtigste Außenrotator des Unterarms bei gebeugtem Ellbogen (Supinator, z. B. wenn man eine Schraube anzieht).
Die lange Bizepssehne kann von mehreren gesundheitlichen Problemen betroffen sein.
- SLAP-Läsion (Riss am Ursprung)
- Tendinopathie/Tendinitis (Entzündung der Sehne)
- Sehneninstabilität (Subluxation der Sehne nach innen)
- Langer Bizepssehnenriss (körpernah oder körperfern)
Liegt eine Schädigung der langen Bizepssehne vor, haben die Betroffenen meist Schmerzen im vorderen Schulterbereich. Körperferne Tätigkeiten und Überkopfarbeiten mit Gewichten sind häufig schmerzhaft, z. B. wenn man vom Autobeifahrersitz eine Tasche von der Rückbank greifen will, oder wenn man schwere Werkzeuge überkopf benutzt. Beweglichkeit und Kraft sind meistens nicht beeinträchtigt.
Im Ultraschall sind Flüssigkeitsansammlungen (Entzündungsreaktionen) leicht erkennbar, denn im Normalfall findet man an der Bizepssehne keine Ergüsse. Die Flüssigkeiten und die Instabilität sind beim Ultraschall gut sichtbar, vor allem wenn die Untersuchung dynamisch durchgeführt wird. Der Patient wird aufgefordert spezielle Bewegungen durchzuführen.
Hier kann man feststellen, wo sich die Bizepssehne bewegt, ob sie stabil bleibt oder ob sie aus dem Sulcus bicipitalis herausrutscht.
Das Arthro-MRI/die Arthrografie (mithilfe von Kontrastmittel) zeigt die Position der Sehne und ob sie subluxiert oder in Normalposition ist. Diese Untersuchung wird in völliger Ruheposition vorgenommen. Wenn die Sehne nach innen (medial) subluxiert ist, kann man dies hier beurteilen. Dieses Diagnostikverfahren wird auch eingesetzt, um eine SLAP-Läsion einzustufen. Ein Kontrastmittel wird in das Gelenk injiziert, um zu sehen, ob das Mittel in den Riss/Einriss (entstandene Lücke) einwandert.
Dort, wo eine Entzündung oder eine Reizung entstanden ist, kann eine medikamentöse Behandlung Linderung verschaffen. Mittels hochdosierten NSAR wird versucht, die Entzündung zu hemmen. Solche Medikamente können 10 bis 14 Tage lang verabreicht werden. Meistens erhalten die Patienten dazu noch einen Magenschutz.
Wenn eine solche Therapie nicht anschlägt, gibt es noch die Möglichkeit, eine Kortisoninjektion anzuwenden. Kortison hat den Vorteil, dass es entzündungshemmend wirkt und den Kreislauf von Schmerzen-Reibung- Schwellung, Schmerzen-Reibung-Schwellung, usw. unterbricht.
Bei Fehlschlagen von nicht-operativen Maßnahmen kann man eine Operation mittels eines minimalinvasiven Eingriffs (Arthroskopie) durchführen.
Bei Patienten, die eine SLAP-Läsion durch ein Trauma und nicht durch Degeneration oder Abnutzung erfahren haben, kann eine Operation (Fixierung) vorgenommen werden.
Sobald Beschwerden (Instabilität, Reizungen, etc.) beginnen, chronisch zu werden und keine Behandlung Wirkung zeigt, besteht die Möglichkeit, diese Sehne zu durchtrennen.
Es gibt zwei Optionen diese Durchtrennung auszuführen. Tenotomie nennt man die Durchtrennung ohne Fixierung der Sehne. Zwar wird die lange Sehne des Bizeps durchtrennt, die Funktion des Muskels wird aber weiterhin durch die kurze Bizepssehne aufrechterhalten. Das ist z. B. vergleichbar mit einer Entfernung des Blinddarms. Obwohl der Blinddarm entfernt wurde, ist die Funktion des Darms nicht beeinträchtigt. Die andere Möglichkeit bezeichnet man als Tenodese. Hierbei wird die Sehne abgetrennt und an einer anderen Stelle am Oberarmknochen wieder fixiert.
Es überwiegen keine klaren Vorteile der einen Variante gegenüber der anderen. Funktionsmäßig sind beide vergleichbar. In manchen Fällen, in denen man eine Tenotomie durchführt, kann sich ein Muskelbauch bilden, der größer ausfällt als auf der gesunden Seite. Man spricht hier auch von einem Popeye-Zeichen (Knödel am Oberarm).
Kommt es zu einem spontanen Riss der langen Bizepssehne, kann ebenfalls überlegt werden, die Sehne einfach zu belassen oder eine Tenodese vorzunehmen.
Die Bizepssehne kann auch an der Speiche (körperfern) ein- oder abreißen. Hier wird meist eine Refixation der Sehne an ihrem Ansatzpunkt durchgeführt, damit die Kraft für die Außenrotation und die Beugung wiederhergestellt werden kann.