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Posttraumatischer Kopfschmerz
Rita Schaumann-von Stosch, Holger Schmidt, Till Sprenger / Februar 2013
Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden nach Trauma. Die internationale Kopfschmerzklassifikation sieht akute und chronische Kopfschmerzen nach Trauma vor (Kapitel 5 der ICDH-II). Hauptklassifikationskriterium ist der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Kopfschmerzen (innerhalb von 7 Tagen) und dem Trauma. Für die Chronifizierung der Kopfschmerzen ist die Persistenz von mehr als drei Monaten ausschlaggebend.
Gemäss einer Untersuchung durch Stovner und Kollegen (1) treten Kopfschmerzen akut in 47.4% der Fälle nach leichten Kopftraumata und in 43.2% der Fälle nach irgendeinem Trauma, welches nicht den Kopf einbezieht, auf. Bei 10.2% in der Gruppe der Patienten mit leichten Kopftraumata und bei 11.1% in der Kontrollgruppe persistierten die Kopfschmerzen über 15 Tage. Eine weitere Studie aus Wien (2) gibt eine Prävalenz der Kopfschmerzen von 66% für akute post-traumatische Kopfschmerzen nach leichten Kopftraumata an. Eine Chronifizierung wurde in dieser Studie bei keinem der Fälle beobachtet. Eine eindeutige Beziehung zwischen dem Ausmass des Traumas und der Stärke der Kopfschmerzen gibt es nicht. Publizierte Daten sprechen vielmehr dafür, dass es möglicherweise eine negative Korrelation zwischen Chronifizierung der Kopfschmerzen und Ausmass des Traumas gibt. So gingen in einer Studie leichtere Kopfverletzungen häufiger mit einer Chronifizierung der Kopfschmerzen einher (3).
Kopfschmerzen nach Trauma sind phänomenologisch inhomogen und können verschiedene Charakteristika primärer Kopfschmerzen aufweisen (Migräne, Spannungstypkopfschmerz). Ein Unfall kann einen primären Kopfschmerz vorübergehend verschlimmern bzw. erstmanifestieren (4). Der Verlauf ist meist günstig mit Maximum nach 24 h und Abklingen innerhalb von 8 bis 10 Tagen. Die Behandlung erfolgt symptomatisch medikamentös, bei migräneartigen Kopfschmerzen können Triptane versucht werden. Der Verlauf nach Kopfverletzung sollte kontrolliert werden, d.h. es sollten engmaschige Kontrollen durch den Hausarzt (alle 2 bis 3 Tage) bis zum Sistieren von Symptomen stattfinden, ggf. auch eine fachärztliche Abklärung. Als flankierende Massnahmen sollten die Patienten bei leichter traumatischer Hirnverletzung über die Ungefährlichkeit der Verletzung (natürlich nach bildgebendem Ausschluss einer strukturellen Verletzung) und der Beschwerden aufgeklärt werden. Bei Persistenz der Kopfschmerzen über 2 Wochen oder Auftreten von Warnsymptomen (z.B. neurologische Ausfallssymptomatik, epileptische Anfälle etc.) sollte eine Vorstellung beim Facharzt für Neurologie erfolgen. Dieser sollte ggf. eine erweiterte Diagnostik vor allem mit MRI veranlassen und auch die psychosozialen Umstände abklären. Insbesondere müssen Komplikationen wie die Entwicklung eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch bedacht bzw. ausgeschlossen und/oder entsprechend behandelt werden (5, 6). Bei Persistenz der Kopfschmerzen und nach Ausschluss kausal behandelbarer Ursachen können medikamentöse und nicht-medikamentöse Strategien der Kopfschmerzprophylaxe analog zur Behandlung primärer Kopfschmerzen erwogen werden. Die wissenschaftliche Evidenzlage ist diesbezüglich bei post-traumatischen Kopfschmerzen allerdings mangels aussagekräftiger Studien begrenzt.
Literatur
1. Stovner LJ, Schrader H, Mickeviciene D, Surkiene D, Sand T. Headache after concussion. European journal of neurology : the official journal of the European Federation of Neurological Societies. 2009 Jan;16(1):112-20.
2. Lieba-Samal D, Platzer P, Seidel S, Klaschterka P, Knopf A, Wober C. Characteristics of acute posttraumatic headache following mild head injury. Cephalalgia : an international journal of headache. 2011 Dec;31(16):1618-26.
3. Lenaerts ME. Post-traumatic headache: from classification challenges to biological underpinnings. Cephalalgia : an international journal of headache. 2008 Jul;28 Suppl 1:12-5.
4. Evers S, May A, Heuft G, Husstedt IW, Keidel M, Malzacher V, et al. Die Begutachtung von idiopathischen und symptomatischen Kopfschmerzen - Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Nervenheilkunde. 2010;29(4):229-41.
5. Stosch RS, Schmidt H, Sandor P. Posttraumatic headache-IHS chapter 5. Cephalalgia : an international journal of headache. 2008 Aug;28(8):908-9.
6. Olsesen J. Response to letter: comment by Schaumann et al. Cephalalgia : an international journal of headache. 2008 Aug;28(8):909.