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Die Position von 2007 reflektiert die komplexen Fragen über Entscheidungen am Lebensende aus theologisch-ethischer Sicht. Sie fällt in eine Zeit, als in der Schweiz über eine rechtliche Regelung der Suizidhilfe diskutiert wurde, mehr oder weniger kategorisch zwischen Sterbehilfe und Suizidhilfe unterschieden wurde und die Schweizerische Akademie der Wissenschaften (SAMW) noch feststellte, dass die Beihilfe zum Suizid keine ärztliche Tätigkeit sei.
Rückblickend lassen sich die Diskussionen über Entscheidungen am Lebensende in vier Phasen einteilen: 1. Die Widerstandsphase als kulturell-traditionell und kirchlich weitgehend geteilter Ausgangspunkt, in der aus der Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens (als Gabe Gottes) die unbedingte Verpflichtung zur Erhaltung der eigenen Existenz abgeleitet wurde. 2. Die medizinkritische Phase reagierte auf Ambivalenzerfahrungen mit der modernen Hochleistungsmedizin, die die Frage aufwarf, woran der Mensch noch sterben dürfe. Progressive theologisch-ethische und kirchliche Positionen betrachten Situationen extremen krankheitsbedingten Leidens als Grenzfälle, in denen die Pflicht zum Lebensschutz eingeschränkt werden könne. Konservative Positionen halten dagegen an der Unbedingtheit und Unhintergehbarkeit des Lebensschutzprinzips fest. 3. Die Individualisierungsphase war gekennzeichnet durch die fortschreitende Entkoppelung des Sterbewunsches vom krankheitsbedingten Leiden (am Lebensende) und die moralkritische Fokussierung auf die Vulnerabilität der Person und ihr höchst persönliches Erleben. 4. Die Privatisierungsphase reagiert auf die Individualisierungs- und Pluralisierungsschübe spätliberaler Gesellschaften und stellt ab auf die Selbstbestimmung der Person als negatives Abwehr- und positives Anspruchsrecht. Der Lebensschutz wird nicht als Selbstverpflichtung, sondern als Pflicht gegenüber Dritten adressiert.
Die Position Das Sterben leben bewegt sich auf dem Übergang von der zweiten zur dritten Phase und entwickelt eine Perspektive, die die damalige internationale protestantische Kirchenlandschaft herausforderte und den heutigen Konsens vorwegnahm. Im Zentrum stehen die ethischen Prinzipien der Autonomie, Fürsorge und des Lebensschutzes. Sie bieten eine integrative ethische Orientierung, indem sie in konkreten Urteils-, Entscheidungs- und Handlungssituationen als gleichgewichtige Normen in ein Überlegungsgleichgewicht gebracht werden. Die Entscheidungen werden in einen theologisch-ethischen Kontext gerückt mit den Bezugspunkten des Lebens als Gabe Gottes, im Spannungsfeld zwischen Angewiesensein und Freiheit vor den Herausforderungen der Wirklichkeit persönlicher Krisenerfahrungen. Kirchliche Seelsorge besteht in der Begleitung der sterbenden und der sterbewilligen Person, die sich weder zur Komplizin noch zur Legitimationsinstanz ihrer Entscheidungen macht. Die theologische Kernaussage des Textes (Seite 26) hat nichts von ihrer Aktualität verloren:
Es gibt keine menschliche Rechtfertigung, das eigene Leben zu beenden, weil es – in reformatorischer Perspektive – im und für das eigene Leben keine Selbstrechtfertigung geben kann. Zugleich kann nur ich selbst mein Leben als das Geschenk des Schöpfers annehmen und begreifen. Niemand kann mich darin vertreten. Und niemand kann von einem anderen Menschen fordern, sein Leben als Gabe Gottes zu begreifen. Gerade deshalb besteht die Aufgabe von Christinnen und Christen darin, alles Menschenmögliche zu tun, damit Menschen sich als Geschöpfe Gottes erleben können und ihr Leben als Geschenk des Schöpfers wahrnehmen, annehmen, leben und manchmal auch aushalten und durchstehen können. Es geht darum, menschlich zu leben, damit menschengemässes Leben und Sterben möglich werden kann. Es geht nicht darum, die Verpflichtung, Leben zu schützen, zu einem menschlich entleerten Diktat zu erheben und gegen das am Leiden verzweifelnde und zerbrechende Individuum zu richten.