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Die Entstehung einer volkssprachlichen, höfisch geprägten Literatur im 12. Jahrhundert wird meist zusammengesehen mit einem erstaunlichen gesellschaftlichen Phänomen: der Herausbildung eines neuen Selbstwertgefühls der laikalen adligen Führungsschicht. Diese Steigerung der Einschätzung weltlicher Werte, Vorstellungen und Lebensweisen ist eine grenzenübergreifende Erscheinung; sie lässt sich wohl zuerst am englischen Königshof der Plantagenets nachweisen, später auch an den französischen Königs- und Fürstenhöfen und danach im deutschsprachigen Gebiet. In diesem Cours-séminaire soll nach den geistigen Hintergründen einer derartigen Entwicklung gefragt werden. Welche Denkrichtungen führten zu einer solchen Kehrtwendung im bis dahin quasi ausschliesslich christlich bestimmten Wertesystem? Wo und wie muss man sich die Kommunikation über solche Denkrichtungen vorstellen, wie erreichte die Diskussion darüber die Höfe, die Orte der Realisierung der neuen laikalen Weltsicht. Welche Einflüsse brachte dann das hereinbrechende 13. Jahrhundert mit sich. Konnten sich die neu gewonnenen Anschauungen halten oder wurden sie kritisiert und in Frage gestellt, von wem, von welchen Gruppen?
Zur Vorbereitung für diesen Cours-séminaire schlage ich die Lektüre vom immer noch aktuellen Werk Joachim Bumkes vor, Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter (= dtv 4442). 2 Bände. Deutsche Taschenbuch-Verlag, München 1986, ISBN 3-423-30170-8
Dem Seminar zugrundegelegt wird eine Sammlung von Textausschnitten, die hier in Moodle zugänglich sein wird. Alle Interessierten sind gebeten, sich hier einzuschreiben, die Dokumente abzuladen, auszudrucken und mitzubringen.
- Enseignant: Barbara Fleith