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Franz Anton Christoph wird am 13. Mai 1729 als siebtes von insgesamt zehn Kindern des Joseph Leodegar Valentin Meyer und der Barbara Benigna Keller in Luzern geboren. Der Vater, aus dem Zweig der Meyer von Schauensee, ist Kornamtmann in Luzern. Er flieht 1742 wegen Veruntreuung von Staatsgeldern ausser Landes und wird auf Lebenszeit verbannt. Die Familie findet im Haus des Ratsherrn Anton Leodegar Keller, dem Grossvater des dreizehnjährigen Franz Anton Christoph, ein neues Zuhause. Es ist auch der Grossvater, der sich um eine kostenlose Aufnahme des Jünglings im Kloster Muri bemüht, wo er mit 16 Jahren eingekleidet wird und ein Jahr später als Frater Gerold die Profess ablegt. Auch für Geschwister sorgt der Grossvater. Der jüngste Bruder tritt 1748 ins Kloster Rheinau ein und wird dort später als Bernhard III. Abt. Ein weiterer Bruder, der vier Jahre ältere Johann Rudolf Valentin, wird Luzerner Politiker und bekannter Schriftsteller der Aufklärung. Zwei weitere Brüder werden Chorherren in Beromünster und Bischofszell. In der klostereigenen Schule von Muri kann Frater Gerold die Studien fortsetzen und wird 1752 zum Priester geweiht. Der päpstliche Nuntius ernennt ihn 1753 zum apostolischen Notar. In Muri ist er Professor der Theologie, Bibliothekar, Archivar, auch Pfarrer und wird 1761 als Statthalter der grossen deutschen Herrschaft Glatt am Neckar eingesetzt. Hier kann er 14 Jahre wirken. Nach dem Tod von Fürstabt Bonaventura Bucher wird er an die Abtswahl nach Muri gerufen. Am 19. Juni 1776 wählen ihn die 37 Kapitulare der Fürstabtei zu ihrem neuen Abt. Als Fürstabt Gerold II. steht er allen aufklärerischen Einflüssen ablehnend gegenüber. Im Gegensatz zu St. Blasien im Schwarzwald, wo zu dieser Zeit der fortschrittliche Fürstabt Martin Gerbert wirkt, bleibt Muri weiterhin ängstlich allen neuen Ideen fern. Fürstabt Gerold II. scheint noch von ausgeprägter barocker Machart und blind für die Anzeichen der Revolution zu sein, als er im Jahr des Sturmes auf die Bastille dem Konvent einen riesigen Konventneubau nach den Plänen des fürstlich-fürstenbergischen Hofarchitekten Valentin Lehmann unterbreitet. Zwar sind seine Absichten nicht mehr ausschliesslich vom barocken Repräsentationsbedürfnis geprägt. Er will nebst einer neuen Bibliothek ein Priesterseminar für den Weltklerus einrichten. Der Bau soll 500 000 Gulden kosten und aus den immer noch reichlich fliessenden Einnahmen gedeckt werden. 1790 wird begonnen. Es soll der letzte und zugleich grösste Klosterbau werden, der in den Details dem Frühklassizismus, im Baukörper aber noch dem Barock verpflichtet ist. Als die französische Revolutionsarmee 1798 die Schweiz überrennt, ist erst der 218 Meter lange, viergeschossige Ostflügel und der 65 Meter lange Südflügel erstellt. Inzwischen ist der Fürstabt bis nach Znaim in Mähren geflüchtet. 1801 nimmt er Wohnsitz in seiner Herrschaft Glatt am Neckar, die dann aber 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss dem Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen zugewiesen wird. Inzwischen hat der Konvent, der mehrheitlich im Kloster verbleibt, um das Überleben der Abtei gekämpft. Napoleon verfügt 1803 die Weiterexistenz und die Restitution des Eigentums, worauf der Abt, nun nicht mehr gefürstet und mit dem Verlust der ausländischen Herrschaften konfrontiert, wieder zurückkehrt. Er kann das finanzielle Gleichgewicht der Abtei trotz der riesigen Verluste wieder herstellen und eine neue und erweiterte Klosterschule eröffnen. An einen Weiterbau des Neubaus ist nicht mehr zu denken, zum Glück für uns heutige Bewunderer der in Jahrhunderten gewachsenen Klosteranlage. Abt Gerold II. Meyer stirbt am 14. Februar 1810 im Alter von 81 Jahren und wird in der Benediktskapelle der Stiftskirche begraben.
Mehrere Porträts des Fürstabtes sind bekannt. 1784 malt Johann Melchior Wyrsch den Fürstabt im Alter von 55 Jahren[1] . Im Vergleich zu einem drei Jahre jüngeren Porträts[2] sind seine Gesichtszüge hier voller. Er trägt jetzt den Pileolus anstelle des Birets und auch das Pektorale wirkt bescheidener. Hält er in der linken Hand wirklich einen Burgunderkelch? Recht oben ist das Wappen der Meyer von Luzern zu sehen. Es zeigt in Gold auf grünem Dreiberg eine fünfblättrige Linde. Wir finden es auch über dem Chorbogen der Kirche Homburg in der Thurgauer Herrschaft Klingenzell.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Amschwand, Rupert: Muri, in: Helvetia Sacra, Abteilung II, Band 1, Zweiter Teil, Bern 1986.
Germann, Georg: KDM, Kanton Aargau, Band V, Basel 1967.
Baumer-Müller, Verena: Die Gebrüder Meyer als Schweizer Äbte und Politiker, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens, Band 117, St. Ottilien 2006.
Anmerkungen:
|Fürstabt Gerold II. Meyer (1729−1810) in Muri|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|13. Mai 1729||Luzern CH||Eigenössischer Stand Luzern|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Benediktiner-Fürstabtei Muri||1776–1810|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|14. Februar 1810||Muri Aargau CH||Herrschaft Abtei Muri|
|Kurzbiografie|

Fürstabt Gerold II. Meyer regiert Muri im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Die Aufklärung hat sich in der Gesellschaft durchgesetzt und das Rokoko ist dem Klassizismus gewichen. Trotz des Engagements seines älteren Bruders für die Aufklärung bleibt er als Fürstabt Gegner der gesellschaftlichen Umwälzungen und wagt als letzter Abt noch während der Französischen Revolution einen grandiosen Klosterneubau in einem durchaus noch barocken Sinn. Der Neubau, zum Teil auch für ein neues Priesterseminar gedacht, wird bis 1798 nur zur Hälfte gebaut. Gerold II. wagt 1803, nun schon 74-jährig, nicht mehr Fürstabt und ohne weltliche Herrschaften, den Neubeginn in einer zunehmend klosterfeindlichen Umgebung.
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