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Die Stifterin
Erica Ebinger-Leutwyler (1915-2015), die Stifterin, war eine in vielerlei Hinsicht aussergewöhnliche Frau. Mit 20 Jahren lernt sie in Ascona Johannes Robert Schürch kennen und wird seine Partnerin. Nach dessen frühem Tod 1941 geht der gesamte Nachlass des Künstlers in ihren Besitz über. Zeitlebens engagiert sie sich dafür, das Andenken an Schürch wach zu halten. In Luzern, wohin sie nach ihrer Heirat mit Sepp Ebinger 1943 zieht, wird sie u.a. zur Galeristin und ist mit vielen Kunstschaffenden, unter ihnen Dieter Roth, freundschaftlich verbunden.
Die Welt der Kunst entdeckt Erica Ebinger-Leutwyler mit 20 Jahren in Ascona. Die bürgerliche Verlobung mit dem Sohn eines Weinhändles löst sie auf, als sie 1935 in einer Ausstellung den zwanzig Jahre älteren Maler Johannes Robert Schürch kennen lernt. Ihm fühlt sie sich geistig verwandt und "lässt sich von der materiellen Armut, von der Zahnlosigkeit, von den abgetragenen Kleidern, dem gelegentlichen Trinken und dem Sarkasmus [des Künstlers] nicht abschrecken; sie ist fasziniert vom geistigen Reichtum, vom inneren Feuer und von der wachen Intelligenz des Älteren. Sie lässt sich auf seine Lebensweise ein, begleitet ihn auf seinen Streifzügen durch Ascona und wohl auch auf jenen durch seine fantastischen inneren Welten. Sie lernt von ihm und sieht sein Ringen um einen künstlerischen Ausdruck." (Peter F. Althaus)
Biographie
Geboren 1915 in Reinach/AG als jüngstes von drei Kindern. 1917, nach dem Suizid des Vaters, Umzug der Familie nach Luzern und Fremdplatzierung der Kinder, da die Mutter den Lebensunterhalt verdienen muss. Bis zur Einschulung bei Pflegeeltern in Zürich und auf einem Bauernhof in Dagmersellen/LU. Schneiderlehre, dann Sprachaufenthalte in London und Paris. 1934, auf der Suche nach Arbeit, Aufbruch in den Tessin und Anstellung als Bedienung in einem Restaurant in Ascona. Dort im Kreis von Kunstschaffenden und Literaten, die zum Teil kriegsbedingt dahin emigrierten. Kontakt u.a. mit Marianne von Werefkin und Else Lasker-Schüler, Freundschaft mit Carlotta Stocker und Isa Hesse. 1935 Bekanntschaft und Liaison mit Johannes Robert Schürch. Verkehrt nun auch und besonders in dessen Kreis von Künstlern, Galeristen, Kritikern sowie Förderern. Nach Schürchs frühem Tod 1941 Übernahme und Pflege des Nachlasses.
1943 Heirat mit Sepp Ebinger und Umzug zurück nach Luzern. Unterstützt ihren Mann vielfältig, der als Schaufensterdekorateur, Gestalter und Grafiker arbeitet und in Künstlerkreisen verkehrt. Bekanntschaft u.a. mit Robert (Röbi) Wyss, André Thomkins, Ernst Scheidegger, Ernst Maas, Charles Wyrsch, Godi und Werner Hoffmann, Varlin. Verbindung zum Unternehmer und Kunstsammler Gottfried Anliker, und von 1954 bis 1963 Betrieb der ‚Galerie an der Reuss‘. Zahlreiche Ausstellungen mit Künstlerfreunden, auch mit Max von Moos, Hans von Matt, Paul Stöckli, Philipp Schibig, überdies mit Werken aus dem Nachlass von Marianne von Werefkin.
Ab 1959 Freundschaft mit Peter F. Althaus, dem damals neuen Leiter des Kunstmuseums Luzern. Bekanntschaft mit Jean Tinguely, Bernhard Luginbühl und Dieter Roth. Vor allem mit den letzteren langjährige Freundschaft; Roth hält sich oft bei ihr in Luzern auf. Letzterem vermittelt sie den Kontakt zu Gottfried Anliker, der viele Werke von ihm ankauft. Mitwirkung bei Roth‘s Arbeit ‚Das Tränenmeer‘. 1965 Kauf des Hauses Furrengasse 11, vorerst zusammen mit zwei Freundinnen, und Wohnsitznahme darin in den obersten Stockwerken. Das loftartige Appartement wird zu einer Art kreativen Werkstätte, wo auch Gäste stets willkommen sind. 1983 Tod von Sepp Ebinger.
Neuausrichtung des Lebens; die Wohnung wird immer mehr zum Spiegel der vielfältigen, nun nochmals erweiterten Künstlerkontakte über alle Generationen hinweg. Aufbau der eigenen Kunstsammlung. Freundschaft mit Hans Josephsohn sowie dessen erster und zweiter Frau, mit Josef und Theres Herzog, Ernst Schurtenberger, Hans Bucher, Peter Hunold, Lisa Enderli u.v.a.m. Bis ins hohe Alter Besuch vieler Kunstausstellungen, regelmässig auch der Art Basel. Aufmerksame und anteilnehmende Gastgeberin. Mit 98 Jahren Treppensturz, Einlieferung ins Spital und anschliessend Aufenthalt im Pflegeheim. Den 100. Geburtstag feiert sie noch zufrieden im kleinen Kreis von Freunden. Stirbt am 30. Oktober 2015.
mit der Mutter
während der Lehre als Schneiderin
beim Anprobieren
mit Schürch beim Risotto essen in Ascona
mit ca. 20 Jahren
in einer Ausstellung in der alten Fabrik in Ascona
mit ihrem Pferd Jutta
als junge Frau
mit Schürch, 1938
mit Schürch und Freunden, 1939
mit Schürch, 1939
mit Schürch im Wohnzimmer, 1940
mit Alice Schmidhauser und Pegi Wirth
an der Art Basel
selbstgefertigter Schmuck
mit Jakob, ihrem Papagei
95-jährig
Kunstsammlung
Neben dem Nachlass von Johannes Robert Schürch und Zukäufen zu diesem baute Erica Ebinger-Leutwyler vor allem in ihrer dritten Lebensphase (nach dem Tod von Sepp Ebinger) eine eigene Kunstsammlung auf. Diese ergab sich nach und nach hauptsächlich aus den vielfältigen Kontakten und Freundschaften zu Kunstschaffenden in ihrem grossen Bekanntenkreis. Das umfangreichste Konvolut bilden Arbeiten von Dieter Roth, weiters sind Werkgruppen vorhanden von Hans Josephsohn, Max von Moos, Ernst Schurtenberger, Paul Stöckli, Robert Wyss sowie Arbeiten von Bernhard Luginbühl, Lucebert, Louis Soutter, Hans von Matt, Marianne von Werefkin, Aldo Walker u.v.a.m.