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37 Jahre lang war Robert Mugabe in Simbabwe an der Macht. Zuerst als Ministerpräsident, dann als Präsident. Unter ihm wurden über Jahre hinweg mehr als tausend weisse Grossbauern enteignet, die meisten illegal – mit fatalen Folgen für die Wirtschaft. Darunter leiden nicht nur die Grossgrundbesitzer, sondern auch die vielen schwarzen Angestellten.
Nach dem erzwungenen Rücktritt des Diktators im letzten November gibt es jedoch neue Hoffnung: Einige wenige weisse Bauern haben bereits einen Teil ihres Landes zurückerhalten – so auch die Familie Smart. Ihr Grundstück liegt 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare.
«Sie fingen an zu schiessen»
Zurück auf seinem Grund denkt der Besitzer Stuart Smart an bessere Zeiten zurück. Sein Vater, ein Engländer, hat da in den 1930er Jahren begonnen, ein 8000 Hektaren grosses Gebiet zu bepflanzen. «Mit dem, was wir heute noch haben, schaffen wir es, wertschöpfende Produkte anzupflanzen», sagt er.
Seinen Hof erhielt Smart erst im Dezember zurück, sechs Monate nachdem seine Familie mit Gewalt vertrieben worden war. 100 Hektaren sind ihm übrig geblieben. So erinnert sich der Grossgrundbesitzer an den Tag der Enteignung:
Das Agrarland gehörte zu einem grossen Teil der weissen Bevölkerungsminderheit. Der ehemalige Präsident Simbabwes hatte es fast zwanzig Jahre lang versäumt, eine Landreform durchzuführen, um der schwarzen Bevölkerungsmehrheit Teile des Agrarlandes zuzusprechen.
Etwa im Jahr 2000 haben die illegalen und gewaltsamen Enteignungen der weissen Bauern begonnen. Das Land wurde aber nicht etwa an die schwarze Bevölkerung verteilt, sondern an Parteigrössen, Militärs und Anhänger von Mugabe.
Alles wurde geklaut
Seit der Rückkehr haust Stuarts Sohn Darryn Smart mit seiner Familie im verbliebenen Mobiliar. Die Erinnerungen an die Vertreibung belasten die Familie. Darryns Frau Shani Smart sagt: «Es war traumatisch. Bis nur schon die Kinder und Hunde in Sicherheit waren. Dann versteckten wir uns in den Bergen.»
Mugabes Nachfolger Emmerson Mnangagwa hat bereits kurz nach Amtsantritt im letzten November einigen enteigneten Bauern Teile ihres Landes als Entschädigung zurückgegeben, so auch den Smarts. Von ihrem Hof wurde alles geklaut, was nicht niet- und nagelfest war. Das Gebäude, worin die Tabakblätter verarbeitet werden, steht jedoch immer noch und ist wieder in Betrieb. Bald wollen die Smarts ein neues Ziel verfolgen:
Die Tabakernte vom letzten Jahr hat der Mob nicht angetastet. Exportiert wird Tabak jedoch nicht wie früher direkt ins Ausland. Heute muss er über die Behörden in Harare verkauft werden. Das Ackerland gehört heute nicht mehr der Familie, sie dürfen es von der neuen Regierung lediglich pachten.
Mehrere Dutzend Männer und Frauen arbeiten auf Smarts Feldern. Sie alle haben versucht, die illegale Enteignung zu verhindern, denn die schwarze Bevölkerung ist immer noch finanziell abhängig von der Arbeit auf den Farmen:
Am 30. Juli stehen nun Wahlen an in südafrikanischen Land. Darryn Smart zeigt sich optimistisch: «Die Wahlen werden bestimmt nicht so gewalttätig sein wie früher, als vor den Wahlen die Menschen zusammengeschlagen worden sind. Ich bin zuversichtlich, dass es nicht mehr so schlimm sein wird, wie es war.»
Weisse Simbabwer wie die Smarts betrachten dieses Land als ihre Heimat. Sie wollen nirgendwo anders hin. Es bleibt abzuwarten, ob nach den Wahlen bessere Zeiten nicht nur für sie, sondern für alle Simbabwer beginnen.
Simbabwe: Die ersten Wahlen ohne Mugabe
In Simbabwe finden am 30. Juli 2018 historische Wahlen statt. Zum ersten Mal seit 1980 hat Robert Mugabe nicht mehr das Sagen. Bis 1987 war er Ministerpräsident, danach amtierte Mugabe 30 Jahre als Präsident. Zudem sind zum ersten Mal seit 2002 Wahlbeobachter aus den USA und Europa eingeladen worden.
Reelle Chancen auf das Präsidentenamt haben unter den 55 kandidierenden Parteien nur zwei: Die Regierungspartei Zanu PF unter dem vom Militär eingesetzten Präsidenten Emmerson Mnangagwa sowie die grösste Oppositionspartei, die Bewegung für demokratische Veränderung MDC. Sie wird vom 40-jährigen Anwalt Nelson Chamisa geführt. Es ist ein Rennen zwischen Alt und Jung, zwischen Tradition und Moderne.
Ob einer der beiden Anwärter am 30. Juli die absolute Mehrheit gewinnen wird, ist laut Afrobarometer, einem unabhängigen wissenschaftlichen Institut, allerdings höchst unklar.