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Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) will seine Hilfe in den Palästinenser-Gebieten massiv aufstocken. Israel stimmte dem Vorhaben zu.
Mit dem Ausbau der Hilfe und des Personals vor Ort soll den Folgen der eskalierenden Gewalt Einhalt geboten werden, unter der die Zivilbevölkerung immer stärker leidet.
Die militärischen Operationen Israels, die anhaltenden Abriegelungen und Ausgangssperren sowie die Zerstörung von Eigentum haben laut IKRK zu einem Kollaps der sozio-ökonomischen Infrastruktur der palästinensischen Gesellschaft geführt. Das habe extreme Notlagen zur Folge.
Nahrung für 300'000 Menschen
Angesichts dieser Entwicklung wurde das IKRK nun aktiv. Schon im März sei offensichtlich geworden, dass die laufenden Schutz- und Hilfsprogramme für bedürftige Zivilpersonen ausgedehnt werden müssten, sagte Werner Kaspar, IKRK-Chef für den Nahen Osten und Nordafrika.
"Es ist für die Menschen sehr schwierig geworden, sich überhaupt noch zu bewegen. Die Bevölkerung hat grösste Probleme, sich mit Wasser und Nahrung versorgen zu können", so Werner Kaspar weiter.
Die Nahrungsmittel-Programme in 200 Dörfern im Westjordanland werden von 10'000 auf 30'000 Familien (180'000 Personen) ausgedehnt. Zusätzlich wird die Hilfe an 20'000 bedürftige Familien (120'000 Personen) in neun Städten erhöht.
Hoffen auf arabische Geldgeber
Das IKRK benötigt die zusätzlichen Mittel vor allem für die Verstärkung der Hilfstätigkeiten für die Bevölkerung in ländlichen und städtischen Gebieten. Um seine Hilfe ausbauen zu können, erliess das IKRK daher am Montag einen Spendenappell über 44 Mio. Franken. Damit erhöht sich das Budget 2002 für diese Region von 35 auf 79 Mio. Franken.
Das IKRK erhofft sich vor allem auch Gelder von Seiten der arabischen Länder. Die Schweizer Regierung will die Organisation noch diese Woche kontaktieren. "Ihre Hilfe sollte eigentlich kein Problem sein", schätzt Werner Kaspar. Insgesamt dürfte es nicht einfach werden, die Gelder zusammen zu bringen, ist man sich in Genf bewusst.
Ausserordentlicher Einsatz
Es handle sich um einen ausserordentlichen Einsatz. Zur Zeit sei das IKRK die einzige Organisation, die in alle palästinensischen Gebiete Hilfe bringen könne, unterstrich Werner Kaspar. Man hoffe, die Arbeit im nächsten Jahr wieder an andere Organisationen abtreten zu können.
Die zivilen und militärischen Behörden Israels hätten dem IKRK versprochen, dass sie die Aktivitäten der Organisation erleichtern helfen wollten, sagte Werner Kaspar weiter. Allerdings hänge viel von der jeweiligen Entwicklung vor Ort ab, räumt er ein.
Humanitäres Völkerrecht
Bei der Durchführung seiner neuen Tätigkeiten setzt sich das IKRK weiterhin für die Einhaltung des humanitären Völkerrechts ein, vor allem der vierten Genfer Konvention. Darin sind die Bestimmungen über den Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegszeiten und unter Besatzung verankert.
Laufende Programme wie die Besuche von Gefangenen, setzt die humanitäre Organisation derweil fort. Die Zahl der palästinensischen Gefangenen, die von den israelischen Behörden festgehalten werden, stieg von 4250 Ende Februar auf 6600 im Mai. Das IKRK kann die Gefangenen jeweils nach 15 Tagen Haft besuchen, wie Kaspar ausführte.
Die humanitäre Organisation setzt auch die Unterstützung für Spitäler sowie die Hilfeleistungen für 4000 Familien fort, deren Häuser zerstört wurden. Sie führt daneben auch Sensibilisierungs-Kampagnen über die Gefahr nicht explodierter Sprengkörper durch.
Ferner wird die Unterstützung für den Sanitätsdienst des Palästinensischen Roten Halbmondes und des israelischen Magen David Adom verstärkt.
swissinfo