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In Altertum und Mittelalter war das Wasservorkommen für den Bau einer Stadt eine zwingende Voraussetzung. Neben dem lebensnotwendigen Trinkwasser hatte Wasser auch eine strategische und wirtschaftliche Bedeutung, beispielsweise als Transportweg oder Grenzsicherung. In der Stadt der Zukunft nimmt Wasser eine tragende Rolle für Massnahmen im Klimawandel ein.
Das wertvolle Gut Trinkwasser
Bereits im antiken Rom waren Sanitäranlagen im Haus gang und gäbe. Offensichtlich ging dieses Wissen verloren. Denn in der mittelalterlichen Stadt gab es in der Regel noch keine Trinkwasserleitungen zu den Häusern. Das saubere Wasser musste beim Brunnen geholt werden. In Zürich gewann man im 15. Jahrhundert das Brunnenwasser aus Quellfassungen, die in den Hügeln in der Nähe der Stadt erstellt wurden. Grundwasser wurde aus Ziehbrunnen geschöpft. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Wasseranschlüsse an die Haushalte kontinuierlich ausgebaut. Die meisten Brunnen sind aber bis heute erhalten geblieben. Sie sind aus dem heutigen Stadtbild nicht wegzudenken; sie sind bereichernd und tragen viel zur Lebensqualität bei. Mit der zunehmenden Sommerhitze kommt ihnen weitere Bedeutung als Kühlung der überhitzten Stadtluft zu. In Basel darf gar bei Einhaltung von Anstandsregeln in den Brunnen gebadet werden.
Je nach Lage wird die heutige Wasserversorgung eingespeist aus Quellwasser, Seewasser, Grundwasser oder einem Fliessgewässer. Die Aufbereitung zur Trinkwasserqualität wird streng überwacht. Dies ist durch Vorschriften im Bundesrecht und im Lebensmittelgesetz festgelegt. In der Schweiz kann somit frisches Wasser bedenkenlos getrunken werden; keine Selbstverständlichkeit mit Blick ins Ausland. Manch Tourist beispielsweise aus Asien nimmt dies überrascht zur Kenntnis.
Abwasser – aus den Augen aus dem Sinn
In der Schweiz sind Abwasseranlagen aus römischer Zeit bekannt. In den Städten im Spätmittelalter entsorgte man das Schmutzwasser in Gruben und Kanälen, die in die Stadtbäche führten. 1867 begann die Stadt Zürich mit dem Bau eines Kanalisationsnetzes. Noch bis in die 1950er Jahre liess man das Abwasser versickern oder es wurde in Bäche, Flüsse und Seen geleitet nach dem Verdünnungsprinzip. Man machte sich keine Gedanken über die Konsequenzen. Die Folge waren stark verschmutzte Gewässer.
1955 wurde ein Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer gegen Verunreinigung erlassen. Aufgrund dessen wurden Abwasserreinigungsanlagen (ARA) gebaut, die nun die Abwässer aus den Siedlungsgebieten reinigten, bevor sie wieder in die Gewässer geleitet wurden. Durch die Generellen Kanalisationsprojekte (GKP) wurde auch das Entwässerungsleitungsnetz verbessert. Entwässert wurde im Mischsystem, das heißt Abwasser und Regenwasser wurden zusammen abgeführt.
Seit 1997 verlangt Art. 7 des Gewässerschutzgesetzes, dass nicht verschmutztes Regenwasser versickert werden lassen muss. Immer mehr kommt man zur Überzeugung, dass das Niederschlagswasser eine wertvolle Wasserquelle ist und gerade in der Stadt genutzt werden kann. Es ist nicht einzusehen, dass für die Toilettenspülung Wasser in bester Qualität genutzt wird. Aufbereitetes Regenwasser würde vollständig genügen. Technisch ist das einfach zu lösen, leider wird es noch viel zu wenig umgesetzt.
Was auf uns zukommt: Klimawandel und Wetterextreme
Mit dem Klimawandel werden Starkregenfälle immer häufiger. Viel Niederschlagswasser in kurzer Zeit wird für dicht besiedelte Siedlungen zum Problem. Die Versiegelung des Bodens durch Bauten, Strassen und Plätze verhindert ein Versickern des Wassers. Es fliesst schnell ab, gelangt in die Kanalisation und bringt sie an die Grenze der Aufnahmefähigkeit. Überflutete Strassen und unter Wasser gesetzte Kellerräume sind die Folgen.
Neben Starkregenfällen muss in Zukunft auch mit langen Trockenperioden gerechnet werden. Die Maxime, Siedlungen nach innen zu verdichten, um die Zersiedlung zu stoppen, bedeutet noch mehr Versiegelung innerorts. Es bedeutet weiter noch zusätzliche Flächen, die sich im Hochsommer aufheizen können. In Folge dessen laufen die Klimaanlagen auf Hochtouren und leisten ebenfalls ihren Beitrag, die Stadtluft zu erwärmen. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen. Freiräume müssen eingeplant werden, die so gestaltet sind, dass sie das Stadtklima günstig beeinflussen. Hochwertige, vernetzte Grünflächen mit Bäumen, die das Regenwasser speichern können; Wasserflächen, die die Hitze mindern und die Lebensqualität der Stadtbevölkerung steigern. Eingedolte (unter die Oberfläche verlegte) Stadtbäche sind möglichst wieder frei zu legen und zu renaturieren. Günstig wirken sich auch Dach- und Fassadenbegrünungen aus, sie dämmen die Hitze und speichern Regenwasser. Es gibt viele Möglichkeiten, man muss sie nur umsetzen wollen.