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Die Gründung
Im ausgehenden 19. Jahrhundert war es für junge Frauen schwierig, Zugang zu einem Hochschulstudium zu erhalten. Und noch schwieriger war es, wenn sie aus einer ländlichen, katholischen Gegend stammten. Das heisst aber nicht, dass es keine fortschrittlich gesinnten Entscheidungsträger aus dem katholischen Lager gegeben hätte, die Frauen den Weg zu einem Hochschulstudium ebenen wollten. Allerdings unterschied sich ihre Vorstellung vom „Wesen der Frau“ nicht wesentlich von den damals stereotypen Rollenvorstellungen: Eine Frau war dazu bestimmt, dem Mann als Ehefrau und Mutter zur Seite zu stehen. Dennoch: Wer moderner dachte, schloss nicht aus, dass Frauen auf der Grundlage einer soliden Ausbildung akademische Berufe ausüben und in der Öffentlichkeit wirken durften – vorausgesetzt, dass sie ihr „typisch weibliches Wesen“ bewahrten. Einer Frau politische Rechte zuzugestehen – davon war zur damaligen Zeit noch kaum die Rede, und wer sich für dafür einsetze, musste oft Spott und Hohn einstecken. Es sollten rund sieben Jahrzehnte vergehen, bis Frauen auf eidgenössischer Ebene das Stimm- und Wahlrecht erhielten.
In diesem Kontext sind die Bestrebungen von Joseph Beck und dessen Schwester Maria Paula, Menzinger Schwester und spätere Generaloberin (Kap. 3.3.), zu sehen. Gemeinsam setzen sie sich im anbrechenden 20. Jahrhundert dafür ein, in Freiburg eine Hochschule für Frauen zu gründen. Die Idee liegt seit 1899 in der Luft und nimmt kurz vor der Eröffnung der Akademie – wenn auch von anderer Seite – Gestalt an: 1902 eröffnet der Dominikaner Joachim Berthier ein „Institut pour Jeunes Filles“, wo Frauen zur Vorbereitung auf das Studium an der Universität bei Hochschulprofessoren Lehrveranstaltungen in französischer Sprache besuchen.
Abgesehen davon, dass die Vision der Geschwister Beck von Anfang an mit einem ähnlichen Projekt konkurriert, erwachsen den Beiden zusätzliche Schwierigkeiten von Seiten der kirchlichen Instanzen. Die Idee stösst sowohl bei den zuständigen vatikanischen Behörden als auch bei den Bischöfen auf Vorbehalt. Die Kirche sagt: „Nein“. Doch Joseph Beck und seine Schwester lassen sich nicht abschrecken und wissen das Hindernis geschickt zu umgehen. Wenn ihn die Kirche schon keine Unterstützung bietet, warum nicht der katholische Staat?
Von Joseph Beck über die geplante Gründung einer Hochschule für junge Frauen in Kenntnis gesetzt, reagiert der damalige für seinen fortschrittlichen Konservatismus bekannte Erziehungsdirektor Georges Python durchaus interessiert, will aber das Projekt zu seinem eigenen Vorteil nutzen. Ihm schwebt vor, die Universität bei möglichst geringen Kosten um eine medizinische Fakultät zu erweitern. Eine medizinische Fakultät braucht spezialisierte Kliniken – ein weiterer, möglichst gering zu haltender Kostenfaktor. Georges Pythons Gedanken gehen also in Richtung dieser Klinik, als er Joseph Becks Vorhaben prüft. Der Plan ist der folgende: Mehrere Kliniken sollen gegründet werden, von welchen jede je einer Schwesterngemeinschaft anvertraut wird. Der Kanton stellt den Bauplatz zur Verfügung, während die Schwestern die Kosten für die Einrichtung tragen. Beck sagt Pythons Vorschlag zu, besteht aber darauf, dass einer derartigen Klinik ein Wohnheim für junge Frauen und eine dem „Institut pour Jeunes Filles“ ähnliche Einrichtung angegliedert werden.
Auf der Suche nach einem geeigneten Bauplatz für die Klinik und das Wohnheim durchstreifen Joseph Beck und Pater Benedikt Sidler im Winter 1903 die Pérolles-Ebene. Schliesslich entscheiden sie sich für eine der kantonalen Verwaltung für Wasser und Wald gehörende Parzelle. Von einer Klinik ist bald keine Rede mehr. Dafür soll ein relativ ruhig gelegenes Gebäude ganz am Ende des Boulevards de Pérolles - zu Becks Beunruhigung zwar unweit einer Schreinerei – eine Hochschule für Frauen zur Ausbildung von Lehrerinnen an höheren Schulen werden. Die Schwestern nennen sie: „Akademie Heilig Kreuz“. Kurz nach Fertigstellung der Inneneinrichtung nimmt sie im Oktober 1904 ihren Betrieb auf.