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Brüder und Schwestern im Herrn
Jesus begegnet der Frau aus Samárien oder Sarmaría. Er begegnet ihr an einem Brunnen. In den Häusern gab es damals noch kein fließendes Wasser. Allenfalls befanden sich Zisternen in Innenhöfen von vornehmen Villen. Doch der durchschnittliche Bürger holte das notwendige Wasser an einem Brunnen in der Öffentlichkeit. Deshalb war der Brunnen eine wichtige Einrichtung für eine Dorf- oder Stadtgemeinschaft. Aber, er spendete nicht nur Wasser. Er war auch ein Ort der Begegnung und des Gesprächs.
Jesus benutzt die Begegnung mit der Frau aus Samaría für ein Glaubensgespräch. Jesus missioniert! Er führt dieses Glaubensgespräch so, dass er an dem anknüpft, was die Frau jeweils sagt. Er geht von dem aus, was die Frau beschäftigt, und was sie auch versteht. Dabei macht Jesus immer den Schritt vom Alltäglichen zum Geistlichen, vom Irdischen zum Himmlischen, vom Niedrigeren zum Höheren. Sein Ziel ist es, die Frau zum Glauben zu führen.
Da die Frau schon einen gewissen Glauben vorweist, ist es Jesu Absicht, die Frau zur Fülle des Glaubens zu führen, zu einem tieferen Glauben. Diese Fülle des Glaubens besteht darin, ihn als den Gesandten des himmlischen Vaters zu erkennen. So verstehen wir auch die Selbstoffenbarung Jesu: „Ich bin es, der mit dir spricht“ (Joh 4,26). Damit bestätigt Jesus, dass er der erwartete Messias, der Gesalbte Gottes ist.
Die Frau ist derart verwundert und überrascht, dass sie ihren Wasserkrug stehen lässt und in der Stadt diese Botschaft verbreitet (Joh 4,28). Durch sie, auf ihr Wort hin (Joh 4,39) kommen viele Menschen, viele Leute aus Samaría zum Glauben an Jesus. Sie kommen zur Fülle des Glaubens und bekennen: „Er (Jesus) ist wirklich der Retter der Welt“ (Joh 4,42). Wer das mit Überzeugung sagen kann, hat Jesus verstanden, hat Jesus erkannt, und ist damit auf dem Weg zum Heil.
Heute erhalten zwei Priesteramtskandidaten die sogenannte Admissio. Admissio bedeutet Zulassung. Nach erfolgtem Studium, nach eingehender Prüfung durch die Vorgesetzten, nach praktischen Einsätzen werden Alexander und Stephan zu den Weihen zum Diakonen und Priester zugelassen. Sie bereiten sich von diesem Tag an gezielt auf diese Weihen vor. Sie werden sozusagen unter die Jünger Jesu aufgenommen. Sie wollen den Weg mit Jesus gehen. Sie wollen sich ihm, dem Retter der Welt, zur Verfügung stellen und ihm auf diese Weise helfen, sein Werk als Retter der Welt zu erfüllen.
Daher wird es die Aufgabe von Alexander und Stephan sein, die Menschen zum Glauben zu führen, wie Jesus die Frau zum glauben geführt hat. Ja, das muss Eure Leidenschaft sein, meine lieben Alexander und Stephan. Ihr dürft die Menschen nicht beim Wasserschöpfen stehen lassen, dass heißt, bei den alltäglichen Verrichtungen. Ihr sollt die Menschen vom Irdischen zum Himmlischen führen, wie es Jesus getan hat. Ihr sollt die Menschen befähigen, den Herrn zu erkennen und ihr Leben nach ihm, nach seinen Weisungen und nach seinen Gaben auszurichten.
Die heutige Präfation nimmt Bezug auf die Begegnung Jesu mit der Frau aus Samaría. Der Zelebrant spricht oder singt: „Er hat der Samariterin schon die Gnade des Glaubens geschenkt, als er sie bat, ihm einen Trunk Wasser zu reichen. Nach ihrem Glauben dürstete ihn mehr als nach dem Wasser, denn er wollte im gläubigen Herzen das Feuer der göttlichen Liebe entzünden“. Meine Lieben, es wird ganz besonders Eure Aufgabe sein als Diakone, dann als Priester, das Feuer der göttlichen Liebe in den Herzen der Menschen zu entzünden. Wie Jesus nach dem Glauben der Frau mehr dürstete als nach dem Wasser, so sollt auch Ihr mehr nach dem Glauben der Menschen dürsten, als nach irgend etwas anderem. Es soll Euer großes Verlangen sein, den Menschen den Glauben zu schenken. Ihr müsst also ein missionarisches Herz besitzen, ein Herz, das möchte, dass alle Menschen zu bekennen vermögen: „Er (Jesus) ist wirklich der Retter der Welt“. Betet nun in der Vorbereitungszeit auf die Diakonen- und Priesterweihe hin um diesen Durst, um diesen Eifer, um diese Sehnsucht nach dem Glauben der Menschen.
Doch diese wird nur dann möglich sein, wenn Ihr euch ganz mit Jesus identifiziert. Wenn ihr ganz für ihn lebt. Wenn Ihr eine tiefe Jesusliebe pflegt. Das wollt Ihr vor allem durch Eure Lebensweise, durch Eure Ganzhingabe an den Herrn in einem Leben der Keuschheit und Enthaltsamkeit. Dazu bekennt Ihr euch heute ausdrücklich. Das ist ein bedeutendes Glaubenszeugnis eurerseits. Amen.
Brüder und Schwestern im Herrn