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The Mies van der Rohes
Regie: Sabine Gisiger
Darst.: Katharina Thalbach, Anna Thalbach, Rebekka Burckhardt, Ingo Ospelt
Der deutsche Architekt Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969) war einer der bedeutendsten Baukünstler und Designer der beginnenden Moderne. Als Avantgardist war sein Einfluss auf Formsprache und Architektur in Europa und ab 1938 in den USA – wohin er wegen der Nazis emigriert war – mindestens so gross wie die seiner Zeitgenossen Walter Gropius oder Le Corbusier. Verheiratet war Mies van der Rohe ab 1913 mit Ada Bruhn, einer engen Freundin von Mary Wigman, der Begründerin des Ausdruckstanzes. Das Ehepaar hatte drei Töchter: Georgia, Marianne und Waltraud. Als die Älteste, die 1914 geborene Georgia, sechs Jahre alt war, verliess Mies van der Rohe seine Familie, um mit der Designerin Lilly Reich zusammenzuleben. Den Kontakt zu seiner Frau und den Töchtern hielt er nur sehr lose aufrecht. Georgia machte von den 1930er-Jahren an Karriere als Tänzerin bei Mary Wigman, später war sie Schauspielerin und Dokumentarfilmerin – und mit über 80 Jahren veröffentlichte sie die 2001 erschienene Autobiografie La donna è mobile. Mein bedingungsloses Leben. Die Dokumentarfilmerin Sabine Gisiger, die zuletzt mit Arbeiten über Friedrich Dürrenmatt («Friedrich Dürrenmatt – Eine Liebesgeschichte») oder den Psychiater und Bestsellerautor Irvin D. Yalom («Yalom’s Cure») als filmische Biografin berühmter Männer brillierte, nähert sich in «The Mies van der Rohes» der Geschichte einer wichtigen Figur der Moderne, indem sie die Frauen um Ludwig Mies van der Rohe ins Zentrum stellt – allen voran Georgia van der Rohe. Mit ihr wollte Gisiger, seit sie deren Autobiografie gelesen hatte, eigentlich einen Film über ihren berühmten Vater realisieren, doch mit ihrem Tod im Jahr 2008 zerschlug sich dieses Projekt. Nun wagt sich Gisiger mittels eines fiktiven Interviews, das die Schauspielerin Rebekka Burckhardt mit der von Katharina Thalbach gespielten Georgia van der Rohe führt, an den faszinierenden Kosmos der Van-der-Rohe-Familie samt ihrem schillernden Umfeld und verwebt das Ganze vielfältig mit bisher unveröffentlichten Archivdokumenten und filmischem Found Footage. Corinne Riedener schreibt in Saiten: «Wer weiss, ob sich Mies ohne die Frauen in seinem Umfeld je so hätte emanzipieren und künstlerisch entfalten können (…). So wird die Geschichte natürlich nie erzählt. Zum Glück holt die Zürcher Historikerin und Dokumentarfilmerin Sabine Gisiger das jetzt nach.»
Die Premiere am 3. März findet in Anwesenheit der Regisseurin Sabine Gisiger statt. Das Gespräch führt Saiten-Redaktorin Corinne Riedener.