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Rezension
Nach dem Paarungsdesaster im ersten Band («Die Auswahl») finden sich Ally Condies TitelheldInnen Cassia und Ky in der Fortsetzung in Arbeitslagern wieder. Cassia soll nach verbüsster Strafe wieder in die Gesellschaft integriert werden und Xander heiraten. Ky wird zusammen mit anderen «Aberrationen» (wie Delinquenten und Dissidenten genannt werden) in die Äusseren Provinzen geschickt, wo sie in potemkinschen Dörfern ländliches Leben vortäuschen und als Lockvögel für feindliche Angriffe dienen. Cassias Entschluss, Ky wiederzufinden, wächst, als sie auf die Spur einer geheimen Widerstandsbewegung stösst. Sie schmuggelt sich an Bord eines Luftschiffes und gelangt ebenfalls ins Kampfgebiet.
Während «Die Auswahl» den Überwachungsstaat mit Gedankenpolizei à la Orwells «1984» und Vergangenheitsvernichtung im Stil von Bradburys «Fahrenheit 451» heraufbeschwörte, bleibt die Handlung im zweiten Band kraftlos. Cassia und Ky können zwar fliehen und finden vorübergehend zusammen, aber während sie mit Gleichgesinnten durch trostlose Canyons irren und nach Resten der Prä-Gesellschaftszeit suchen, kommt die Geschichte nur schleppend voran. Obwohl Condie kapitelweise Cassia und Ky zu Wort kommen lässt, um für dramatische Spannung zu sorgen, sind die beiden Erzählstimmen kaum zu unterscheiden. Trotz Tennyson- und Dickinson-Gedichten fehlt die Poesie, und bei aller Geheimnistuerei und aufgesetzter Symbolik wirkt die Sprache forciert und farblos. Bleibt zu hoffen, dass die Trilogie doch noch mit einem fulminanten Finale aufwartet.
Daniel Ammann, Buch & Maus Heft 1/2012, S. 35