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Die Bibliothek des Schweizerischen Sozialarchivs hat einen sehr interessanten und bedeutsamen Zuwachs erhalten: die umfangreiche Sammlung popularer Selbstzeugnisse des Zürcher Historikers und Volkskulturforschers Fabian Brändle. Der Bestand umfasst Hunderte von Erinnerungsschriften sowie einschlägige Sekundärliteratur zu Selbstzeugnissen, Memorialkultur, Alltags- und Kindheitsgeschichte, die Brändle im Verlauf eines Vierteljahrhunderts zusammengetragen, für seine Forschung verwendet und nun dem Sozialarchiv übergeben hat.
Die Verfasserinnen und Verfasser der Erinnerungsschriften stammen aus unterschiedlichen Regionen der Schweiz und des angrenzenden Auslandes im 19., 20. und 21. Jahrhundert. Aufgewachsen in Stadtquartieren, Agglomerationsgemeinden oder ländlich geprägten Dörfern, in Familien unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten und Milieus, aber in mehreren Fällen auch als Verdingkinder, wurden aus ihnen Hebammen, Mägde, Krankenschwestern, Dienstmädchen oder Weberinnen, Handwerker, Fabrikarbeiter, Bergbauern, Kleinhändler, Mechaniker, Fremdenlegionäre, Fussballer, Hausierer, Volksschullehrer oder Polizisten. Einige von ihnen wanderten vorübergehend oder definitiv ins Ausland oder gar nach Übersee aus.
Manche Schriften sind in nur kleinen Auflagen im Selbstverlag erschienen und in anderen Bibliotheken nicht zu finden. Einige sind in Mundart abgefasst. Die Erinnerungsschriften sind ein schier unerschöpflicher Schatz, dessen Quellenwert über die Rekonstruktion individueller Biografien weit hinausreicht. Themen wie Kindheit und familiäre Probleme, Armut, gesellschaftlicher Auf- und Abstieg, Fremdheitserfahrungen, aber auch Arbeitsalltag oder Freizeitbeschäftigungen kehren in zahlreichen Schriften wieder und erlauben mikrohistorische Annäherungen an gesellschaftliche Zustände und Veränderungen in den letzten zwei Jahrhunderten.
> Die Gesamtliste der Titel des Bestandes kann im NEBIS-Katalog durch Eingabe des Codes E19Braen generiert werden.