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Vulkan des Monats April:
Tambora (Indonesien)
Kartengrundlage:
mineralienatlas.de
Die beeindruckende, 7 Kilometer weite Tambora-Gipfelcaldera auf einer Aufnahme aus der ISS vom 3. Juni 2009.
Foto: NASA/ISS
Die Tambora-Gipfelcaldera aus einer terrestrischen Perspektive auf einer Aufnahme von 2012.
Foto: flickr
Der Schweizer Lehrer und Naturforscher Heinrich Zollinger (1818 bis 1859) dokumentierte die ungeheuren Folgen des Tambora-Ausbruchs als Erster.
Bild: Archiv Felix Frank
Zollinger schmückte seinen Bericht mit dieser schönen Karte.
Quelle: Besteigung des Vulkanes Tambora auf der Insel Sumbawa und Schilderung der Eruption desselben im Jahr 1815 von Heinrich Zollinger (Alt-Seminardirektor). Winterthur 1855
Durch den Kollaps des Tambora im Jahr 1815 wurden vulkanische Aschen weitherum abgelagert (Grafik), während klimawirksame Aerosole noch lange weltumspannend in der oberen Stratosphäre trieben, das einfallende Sonnenlicht abschirmten und dazu beitrugen, dass vor allem das folgende Jahr 1816 in manchen Teilen der Erde zu einem «Jahr ohne Sommer» wurde.
Grafik: Felix Frank
Das Multitalent Benjamin Franklin (1706 bis 1790) hat schon im Mai 1784, also lange vor dem Ausbruch des Tambora, in einem Brief an den englischen Arzt und Autor Thomas Percival darauf hingewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen Vulkanausbrüchen und Klima geben könnte.
Foto: NPG - Franklin-Porträt von Joseph-Siffred Duplessis (Ölgemälde, um 1785). Das Bild diente 1995 als Vorlage zur Darstellung Franklins auf der neugestalteten 100-US-Dollar-Banknote.

Vulkan des Monats April: Tambora
Indonesien (Sumbawa)
8.25°S, 118.00°E
Laufnummer Global Volcanism Program: 0604-04
Gipfelhöhe: 2850 mü.M.
Kurzcharakteristik: Stratovulkan
In diesem Monat jährt sich ein vulkanisches Ereignis zum zweihundersten Mal, das weltweit dramatische Auswirkungen gehabt hat: der Ausbruch des Tambora im Norden der indonesischen Insel Sumbawa, der mit einem VEI von 7 taxiert wird.
Es gab offenbar kleinere Eruptionen und wohl auch eine starke seismische Unruhe, bevor der Tambora schliesslich im April des Jahres 1815 in einer Serie mörderischer Explosionen kollabierte. Über den Vorlauf gibt es allerdings nur vage Angaben. Aber die Haupteruption, das ist soweit verlässlich dokumentiert*, setzte am 5. April 1815 ein. Ab diesem Tag steigerte sich das Geschehen zu einem gewaltigen Asche- und Bimssteinausstoss, der in der Nacht vom 10. auf den 11. April seinen Höhepunkt erreichte und bis in den Juli hinein anhielt. Das Auswurfvolumen der damals mobilisierten Lockermaterialien wird auf rund 150 Kubikkilometer geschätzt – ungleich mehr als bei jedem anderen Vulkanausbruch in überblickbarer Vergangenheit. Erik Klemetti hat jüngst in seinem Blog «Eruptions» sogar von 175 Kubikkilometern** geschrieben.
Dadurch büsste der Tambora gut einen Drittel seiner Höhe ein: von seiner ursprünglichen Höhe, die etwa 4300 Meter gewesen sein mag, ist er auf eine Höhe von unter 3000 Meter abgeflacht. Diese Zahlen gehen zurück auf Berechnungen des Schweizer Naturforschers Heinrich Zollinger, der ab 1842 die Inseln des damaligen holländisch-ostindischen Kolonialreichs im Rahmen seiner botanischen und zoologischen Sammlertätigkeit durchstreifte.
Im Sommer 1847 traf Zollinger in Bima auf Sumbawa ein. Mit einem Empfehlungsschreiben des holländischen Generalgouverneurs erzwang er die Unterstützung der lokalen Sultane. Nur so konnte er genügend Helfer anheuern für eine Expedition auf den Tambora, der seit dem Ausbruch von den Inselbewohnern ehrfürchtig gemieden wurde. Unterstützt von mehr als vierzig einheimischen Dienern und Trägern erreichte Zollinger schliesslich am 11. August 1847 den höchsten Punkt im Ostteil des Vulkanmassivs.
Zweiunddreissig Jahre nach dem Kollaps gelang Zollinger damit die erste dokumentierte Besteigung des Vulkans, der für die Insel Sumbawa und die benachbarten Gebiete tragische Berühmtheit erlangte. Gemäss Zollingers Angaben fielen den Eruptionen mindestens 10000 Menschen unmittelbar zum Opfer. Weitere 50000 starben auf Sumbawa und auf Lombok durch spätere Hungersnöte und Seuchen. Zehntausende flohen mit ungewissem Schicksal aus den unwirtlich gewordenen Gebieten auf andere Inseln des Sundabogens.
Doch nicht nur die Menschen in der Nachbarschaft haben unter den Folgen des Vulkanausbruchs gelitten. Die hochexplosiven Eruptionen haben auch ungeheure Mengen an vulkanischen Aschen und Gasen durch die wetterbestimmende Troposphäre hindurch in die Stratosphäre gepustet, also in Höhen von dreissig bis vierzig Kilometern. Dort oben kondensierten die Gase zu Aerosolen, die als säurehaltige Dunstwolken um den Erdball zogen und die Sonneneinstrahlung verminderten. Weltweit und über längere Zeit sanken dadurch die Temperaturen. Das führte an manchen Orten zu widrigen Wetterverhältnissen, zu Missernten, zu Hungersnöten, zu Abwanderung und zu sozialen Unruhen. Entsprechende Zeugnisse gibt es aus Asien, aus Nordafrika, aus Europa und aus Nordamerika, und dort insbesondere aus den Gebieten Neuenglands. Es war viel zu kalt und viel zu nass.
Auch in der Schweiz belegen zahlreiche Berichte die merkwürdigen Launen jenes unbeständigen Sommers 1816. Im Juni fiel Schnee bis in die Niederungen, und noch im Juli gab es frostige Tage. Das Obst verfror, die Reben verfaulten, das Getreide verschimmelte, der Heuertrag war mager. In höheren Lagen kamen Kartoffeln, Korn und Hafer nicht zur Reife, und manche Alp konnte in jenem Sommer, der keiner war, nicht bestossen werden. Fatal wirkten sich diese Ernteausfälle, vor allem der Mangel an Getreide, auf die Versorgung in den folgenden Jahren aus. Wie viele Opfer diese Spätfolgen forderten, ist nicht mehr zu ergründen. Nach Schätzungen eines Ernährungswissenschaftlers der Tufts University im US-Bundesstaat Massachusetts sollen es allein in Europa Hunderttausende gewesen sein.
In Europa dachte damals wohl kaum jemand daran, dass die wiederholten Nässeperioden und Kältewellen einen Zusammenhang*** mit einem Vulkanausbruch auf einer fernen, tropischen Insel haben könnten. Diese Erkenntnis reifte erst viel später. Allerdings zeigt inzwischen die genaue Analyse der Klimadaten auch, dass die misslichen Bedingungen nicht nur eine Folge des Tambora-Ausbruchs gewesen sein können. Bereits um das Jahr 1790 hatte in Europa eine Periode mit ausnehmend nasser und kalter Witterung eingesetzt, die bis ums Jahr 1830 andauerte. Namentlich in den Alpentälern verzögerte sich während diesen Jahren die Schneeschmelze bis in den Frühsommer, während es im Herbst verfrüht einwinterte. Die Folgen des Vulkanausbruchs in Indonesien haben diese zeitweise Abkühlung überlagert und gewiss spürbar verschärft.
* Die Explosionsgeräusche wurden unter anderem in 380 Kilometer Entfernung, in Makassar im Süden der heute zu Indonesien gehörenden Insel Sulawesi, wahrgenommen und beschrieben.
** Zum Vergleich: Beim Ausbruch des Mount St. Helens, von dem im Frühjahr 1980 dramatische Bilder um die Welt gingen, betrug das Auswurfvolumen nur knapp 1 Kubikkilometer.
*** Bis die Kunde vom Ausbruch des Tambora Europa erreichte, dauerte es Monate, und wohl nur wenige dürften das ferne Ereignis überhaupt zur Kenntnis genommen haben. Aber dass Vulkanausbrüche einen Einfluss auf das Klimageschehen haben können, das hatte bereits Jahre zuvor eine noch heute bekannte Person zumindest vermutet: Benjamin Franklin. Der 1776 als amerikanischer Diplomat nach Paris entsandte Erfinder und Naturforscher hat selbst erlebt, wie sich nach den Eruptionen entlang der Lakispalte in Island (1783/1784) ein konstanter, schwefelhaltiger Nebel über weite Teile Europas gelegt hatte. Und Benjamin Franklin war nicht der Einzige, der sich schon damals Gedanken über die Ursachen des Übels machte. Auch ein französischer sowie ein dänischer Gelehrter sollen ähnliche Schlüsse aus den Vorgängen jener Zeit gezogen haben, schreiben Alexandra Witze und Jeff Kanipe in ihrem jüngst erschienenen Buch «Island on Fire - The extraordinary story of Laki, the volcano that turned eighteenth-century Europe dark.»

Buchtipp:
Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern
Vulkanismus aktuell
Im Februar 2015 tätige VulkaneBardarbunga, Island
Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Zhupanovsky, Kamtschatka/Russland
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Kljutschewskoj, Kamtschatka
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Chikurachki, nördl. Kurilen
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Aso, Japan
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Slamet, Indonesien
Semeru, Indonesien
Raung, Indonesien
Sangean Api, Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Soputan, Indonesien
Gamalama, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Shishaldin, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala
San Miguel, San Salvador
Poas, Costa Rica
Turrialba, Costa Rico
Reventador, Ecuador
Tungurahua, Ecuador
Sangay, Ecuador
Copahue, Chile/Argentinien
Villarica, Chile
Fogo, Kapverdische Inseln
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Piton de la Fournaise, Réunion
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)
Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP
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