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Wettbewerb, November 2012
Einklang
«Bei anstehenden Um- oder Neubauten ist jeweils die maximal mögliche Nutzung erneuerbarer Energie darzulegen, wobei bei Gesamterneuerungen und grösseren Umbauten immer eine vorbildliche energetische Sanierung anzustreben ist.» Bundesratsbeschluss vom 16.9.2011
Entsprechend der im Wettbewerbsprogramm formulierten Textstelle soll dieser Beschluss bei einem Neubauvorhaben mit den folgenden zwei Zielvorgaben erreicht werden: kleinstmögliche Treibhausgas-Emission und tiefe Exergie. Von der städtebaulichen Konzeption, über die Architektur bis hin zur konstruktiven Umsetzung basiert das vorliegende Projekt auf den Anforderungen der tiefen Exergie. Drei schlanke Baukörper mit ausgelagerten, unbeheizten Vertikalerschliessungen in Dämmbeton ermöglichen eine optimale und effiziente Tageslichtnutzung aller Büroarbeitsplätze. Der jährliche Strombedarf kann dadurch massiv reduziert werden.
Städtebau und Freiraum
Zu den beiden Freiraumgebieten, der nördlich liegenden Worble und der bewaldeten südlichen Talflanke, wird ein dritter «innerer» Freiraum hinzugefügt. Eine Abfolge von Plätzen und Gassen charakterisiert diesen Zwischenraum, welcher bereits in der ersten Etappe des Campus Ittigen seinen Ursprung fand. Der Innere Freiraum findet einen Auftakt bei der Mühlestrasse und endet in einem grossen Platz vor dem charakteristischen «Stufenbau». Entlang dieser Raumabfolge – «mit Zwischenraum, hindurchzuschaun» (Der Lattenzaun, Christian Morgenstern) - liegen sämtliche Zugänge zu den Bürohäusern, die Fahrrad- und Fussgängererschliessung und die Aufenthaltsbereiche für die Angestellten. Der innere, gedeckte Bereich des Neubaus der zweiten Etappe vermittelt räumlich und funktional zwischen dem bestehenden Platzraum der ersten Etappe und einem weiteren Platz in der zukünftigen Entwicklung des Areals. Das Freiraumkonzept nimmt die vorhandenen Landschaftstypologien Bach- und Waldraum auf und führt sie bis an die Gebäude heran. So wird südseitig der Strassenraum durch das Setzen von Baumreihen aus typischen Waldgehölzen (Pinus silvestris, - nigra, Carpinus) visuell verschmälert. Zusätzliche Aufgänge in den Wald sowie die Verlängerung des Waldweges lassen die Hangflanke erlebbar werden. Der nördliche Bachraum entlang der Worble zitiert die ehemalige Auenlandschaft mit unterschiedlichen Kieskörnungen, Pioniergehölzen und Wasser in den Retentionsflächen. Gezielt gesetzte Pappelreihen schaffen einen Filter zum Infrastrukturband. Es wird bewusst mit einer Sukzessionstrategie gearbeitet, wodurch ein erlebnisreicher Raum von hoher Biodiversität entsteht, der die Renaturierung der Worble in eine ökologische Kontinuität setzt. Auf Höhe des neuen Verwaltungsgebäudes springen die äusseren Landschaftswelten in Form von tiefen Pflanzkörpern in den «inneren» Freiraum. Die Vegetationskissen (Waldvegetation wie Farne südseitig oder Bachvegetation wie Kugelweiden nordseitig) strukturieren die Raumfolge und schaffen eine angenehme Distanz vor den Büroräumen. Die bestehenden und zukünftigen Tiefgaragen liegen unter den Hartflächen des Inneren Freiraums, dem gegenüber stehen die aussen liegenden sickerfähigen Zonen – so kann eine minimale Versiegelung des Bodens garantiert werden.
Architektur und Konstruktion
Drei in Serie gestellte, schlanke und gleich lange Baukörper werden mit vier Vertikalerschliessungen im Zwischenraum zu einem Ganzen verwoben. Diese Anordnung ermöglicht eine minimale Anzahl von Fluchtwegtreppen, sowohl in der ersten Etappe (2) wie auch im Endausbau (4). Die beiden Haupterschliessungen greifen volumetrisch im Erdgeschoss unter den aufgeständerten mittleren Baukörper. Im Erdgeschoss sind in diesen beiden Raumensembles ostseitig die Hauptloge und westseitig die Loge Nebeneingang plaziert. Die beiden Logen liegen im Bereich des Zugangs auf dem entsprechenden Niveau des nach Nordwesten leicht abfallenden Geländes und vermitteln in der Höhe zwischen den Niveaus der Zugangsebenen und dem Hochparterre der Bürogeschosse. Die 12 Meter schmalen Regelgeschosse bieten ein optimales Verhältnis zwischen hochwertig nutzbaren Arbeitsplätzen der Fassade entlang und der mittig angeordneten Erschliessung. In der Nutzungsvariante «open space» liegt auch die mittlere Reihe der Arbeitsplätze noch im aktiven Tageslichtbereich. An der Schnittstelle, zwischen der Vertikalerschliessung und der Bürozone, liegen die Aufenthaltsbereiche mit einer kleinen Teeküche und der Toilettenanlage. Im stützenfreien und überhöhten Dachgeschoss sind sämtliche Konferenzräume, die Restaurants und die Cafeteria plaziert. Der Cafébar ist zudem eine grosse Dachterrasse mit Weitblick nach Westen zugehörig. Die Konstruktion der Fassade entspricht einer ZeroEmission / LowEx Technologie und ist mit einem neuartigen, an der EMPA entwickelten Aerogel-Dämmputz und einer 3-fach Verglasung mit Lichttransmissionswerten von 40%, einem g-Wert von 18% (Durchsicht neutral) und einem u-Wert von 0,8 W/m2K ausgerüstet. Mit dieser hochwertigen Verglasung kann auf einen aussenliegenden Sonnenschutz verzichtet werden. Ein innenliegender Blendschutz ist in diesem Fall ausreichend. Die TABS in der Decke und die Medienerschliessung unter der Decke ermöglichen einen schlanken Deckenaufbau ohne schwimmenden Unterlagsboden und die Luv-Lee-Lüftung benötigt keinen Platz, weder in Form von Steigschächten noch in Form von horizontalen Verteilquerschnitten. In der Orchestrierung zwischen Städtebau, Architektur, Konstruktion und neuen Technologien entsteht so ein modernes, den heutigen Anforderungen entsprechendes Bürohaus, welches mittels «Ineinandergreifen» dieser einzelnen Komponenten zu einer eigenständigen und unverwechselbaren architektonischen Gestalt findet.