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Fasnachtskostüme und der Ämmeschnägg
Da die meisten Leute im 18. und 19. Jahrhundert noch in ärmlichen und bescheidenen Verhältnissen lebten wurden auch die Fasnachtskostüme mit bescheidenen Mitteln hergestellt. Als Grundlage diente ein alter Anzug, welcher mit Hunderten von bunten Stoffresten, Nussschalen oder Schneckenhäusern dekoriert wurde. Die Masken und Larven wurden meist selber von Hand geschnitzt und die Haarpracht mit Hanf, Stroh oder Schilf nachgeahmt. Die Herstellung solcher Fasnachtsgewänder nahm enorm viel Zeit in Anspruch. Nach der Fasnacht musste nicht selten die ganze Dekoration vom Anzug wieder entfernt werden, da dieser wieder als Arbeitsanzug gebraucht wurde.
Dr Ämmeschnägg
Es kann durchaus angenommen werden, dass das heutige Wappentierchen der Dorffasnacht Biberist, "Dr Ämmeschnägg", aus den alten Fasnachtstraditionen (Fasnachtskleider mit Schneckenhäusern) abgeleitet wurde. Bis ins Jahr 1992 trug auch der jeweilige amtierende Obernarr der Biberister Dorffasnacht eine Halskette aus Schneckenhäusern um den Hals.
Das Wappentierchen ist auch auf dem Titelblatt der einstigen Fasnachtszeitung «Dr Ämmeschnägg» abgebildet. Urkundlich ist nicht hinterlegt, weshalb die Dorffasnacht den «Ämmeschnägg» in ihrem Logo hat. Möglich ist auch, dass dies nebst den alten Traditionen aus dem 18./19. Jahrhundert auch mit dem einstigen grossen Feuchtgebiet der Emme zu tun hat, wo sich viele Schnecken tummelten.
Die Bekleidung des Obernarren
Für die Bekleidung des Obernarren der Dorffasnacht Biberist bestand lange Zeit keine Vorschrift.
Der erste Obernarr von 1946 - 1968 war Willi Begert. Willi war meistens dunkel bekleidet. Er trug ein weisses Hemd, welches mit einer roten Kordel am Hals gebunden war. Unverkennbar war jedoch die bunte Komitee-Mütze auf dem Kopf, nach Vorbild deutscher Fasnachts-Vereine.
Die restlichen Mitglieder des Fasnachts-Komitees, respektive des Vorstandes trugen eine andersfarbige Komitee-Mütze.
Der blaue Obernarrenkittel
Für die Fasnacht 1976 liess der damalige Obernarr, Marcel Jäggi, einen blauen Kittel bei der Damenschneiderin Erika Kirchhofer fasnächtlich dekorieren.
Die beiden Ärmel wurden der Länge nach mit kleinen Glöckchen verziert. Auf der linken und rechten Schulter waren zwei Ämmeschnägge montiert, die dem Kittel den letzten Schliff gaben. Dazu wurde eine Halskette aus Häusern der Weinbergschnecken getragen.
Auf der Foto trägt der Obernarr auch die allererste Komitee-Mütze, die schon alle seine Vorgänger getragen haben. Diese Mütze hatte sich in Grösse und Farbe von den übrigen Komitee-Mützen unterschieden.
Der blaue Schnägge-Kittel tat seinen Dienst für vier Obernarren. Dies waren Marcel Jäggi, Jürg Bätscher, Werner Jäggi und Koni David.
Der Obernarrenkittel wurde bis ins Jahr 1996 getragen. Die Komitee-Mütze nach deutschem Vorbild hatte auch ihr Bestehen bis 1996.
Das rote Cape
1997 übernahm Kurt Rohner das Amt des Obernarren. Das Erscheinungsbild des gesamten Vorstandes wurde vereinheitlicht.
Ein rotes Cape wurde fortan von den Vorstandsmitgliedern an den traditionellen Fasnachtsanlässen der Dorffasnacht getragen.
Die Kopfbedeckung war nicht definiert. Der Obernarr trug jedoch einen goldig glitzernden Zylinderhut und der Ehren-Obernarr krönte sein Haupt mit einem silbrig glitzernden Zylinderhut.
Der blaue Frack
Am Narrenbott 2005 wurde Susanne Scheidegger als erste Obernärrin der Dorffasnacht Biberist an die Vereinsspitze gewählt.
Jetzt hatte das rote Cape ausgedient und ein eleganter blauer Frack mit silberner Innenfütterung bekleidete fortan die Mitglieder des Vorstandes.
Die Tenue-Ordnung schreibt vor: blauer Frack, schwarzes Hemd, dunkle Hose, schwarze Schuhe, silberfarbene Fliege und schwarzer Zylinderhut mit einem Silberband. - Am Hilari 2006 trat der Vorstand zum ersten Mal in dieser Bekleidung auf.
(Susanne war Obernärrin von 2005-2011 und Vorstands-Vorsitzende 2011-2012)
Der schwarze Ehren-Obernarren Frack
Am Narrenbot 2012 wurde der Vorstand personell aufgestockt. Die Stoffreserven genügten nicht mehr für alle Vorstandsmitglieder, zudem war der blaue Frack-Stoff nicht mehr erhältlich. So entschloss man sich für ein ähnliches Muster, jedoch golden auf dunklem Stoff. Die Innenfütterung ist ebenfalls in Gold gehalten. Der Obernarr und die Ehren-Obernarren kamen in den Genuss dieses neuen Frackes.
(Foto: Susanne Scheidegger und Werner Jäggi)