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Heutzutage ist Seife aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Morgens verwendet man ein Duschgel, und nach jedem Gang zur Toilette wäscht man sich die Hände mit Seife. Das war jedoch nicht immer so.
Eine kleine Geschichte der Seife
Schon seit der Antike stellen die Menschen Seife her. Aleppo-Seife, auch Syrische Lorbeerseife genannt, wird seit 3500 Jahren hergestellt und gilt als älteste Seife der Welt. Das Rezept dafür gelangte mit den Kreuzfahrern im 12. und 13. Jahrhundert nach Europa. Aleppo-Seife ist der Vorläufer der Seifenstücke, die wir noch heute verwenden, und jener der Marseiller Seife, die seit dem Ende des 15. Jahrhunderts hergestellt wird.
Entgegen manchen Vorstellungen waren Körperpflege und Hygiene in Europa noch im Mittelalter ein grosses Thema, die Leute gingen in Bäder und Thermen. Jedoch ging die mittelalterliche Badekultur in den Wirren von Krieg und Seuchen verloren. Die Ursachen der grossen Pest- und Choleraseuchen im 16. Jahrhundert, nämlich schlechte hygienische Verhältnisse und die Übertragung von Bakterien, waren damals noch nicht bekannt. Die Menschen glaubten ganz im Gegenteil, das Wasser würde den Körper für die Erreger der Krankheiten öffnen. Sogar Ärzte vertraten noch bis zum 17. Jahrhundert die Meinung, dass Wasser und Luft dem Körper schaden. Deshalb wurde die Seife zur Seite gelegt, gebadet wurde kaum noch und die Leute zogen stattdessen eine „Trockenreinigung“ mit Puder und Parfum vor. Dies war natürlich alles andere als hygienisch: Läuse und Flöhe, die Überträger des Fleckfiebers, sowie die Pest- und Cholerabakterien vermehrten sich ungehindert. Glücklicherweise führte der französische König Louis XVI. Mitte des 17. Jahrhunderts die Benutzung der Seife wieder ein. Seife hilft nämlich nicht nur gegen unangenehmen Körpergeruch, sondern verhindert auch zahlreiche Infektionskrankheiten!
Die Seifenherstellung
Seifen werden aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt, beispielsweise Olivenöl, Kokosfett oder Schmalz. Diese Fette werden durch eine chemische Reaktion in Seife umgewandelt; man nennt diese Reaktion „Verseifung“. Bei der Verseifung werden die Fette mit einer Lauge aufgekocht. Laugen sind alkalische (basische) wässrige Lösungen. Chemisch betrachtet heisst das, dass im Wasser viele Hydroxid-Ionen (OH-Ionen) gelöst sind; der pH-Wert einer solchen Lauge ist grösser als 7. Eine sehr bekannte basische Lösung ist Natronlauge, die man erhält, wenn Natriumhydroxid (NaOH) in Wasser gelöst wird. Auch wenn man Kaliumhydroxid (KOH) in Wasser löst, erhält man eine Lauge, die zur Seifenherstellung geeignet ist.
Beim Kochen der Fette mit der Lauge läuft eine Kette von chemischen Reaktionen ab. Es entstehen dabei Glycerin und die Alkalisalze der Fettsäuren – die chemische Bezeichnung für die eigentliche Seife. Die Alkalisalze der Fettsäuren sind äusserst zähflüssig und werden deshalb „Seifenleim“ genannt. Erst durch die Zugabe von Kochsalz zum Seifenleim (das „Aussalzen“) kann die eigentliche Seife gewonnen werden. Bei der Zugabe des Salzes trennt sich der Seifenleim in einen aufschwimmenden Seifenkern und in die Unterlauge, welche überschüssiges Glycerin, Lauge und gelöstes Kochsalz enthält. Anschliessend wird der Seifenkern nochmals in viel Wasser und wenig Lauge aufgekocht, um letzte Verunreinigungen herauszulösen. Durch eine erneute Zugabe von Kochsalz wird schliesslich die Kernseife gewonnen. Diese Kernseife kann mit Farbstoffen und Düften versetzt, in Formen gepresst und getrocknet werden.