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Die Begriffe „Burger“ oder „Burgerschaft“ tönen in der heutigen Zeit etwas fremd. Sie verkörpern einen egoistischen, kapitalistischen und rückwärtsgewandten Geist.
Jedoch haben diese Wörter ihren Sinn geändert. Der Begriff der Burgerschaft enthält im Wallis, wie auch in den übrigen Teilen der Schweiz, einen Geist der Solidarität, der Unterstützung und der
sozialen Aktionen. Die traditionelle Burgerschaft war die Vereinigung derjenigen, die auf derselben Burg wohnten. Im Wallis entstanden die Burgerschaften im 13. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt
erschienen die ersten Urkunden bezüglich der lokalen Gemeinschaften, welche eine vorwiegende Rolle im sozialen und politischen Leben spielten. Im deutschsprachigen Oberwallis entstanden die
Burgerschaften aus der Institutionalisierung der Geteilschaften. Im französischsprachigen Unterwallis war es im allgemeinen der Prinz von Savoyen, welcher gewissen örtlichen Gemeinschaften das
Recht als Burgerschaft verlieh.
Welches auch immer ihr Urspung war, diese zu Burgerschaften gebildeten Gemeinschaften übten eine politische Macht aus und haben das lokale Leben bis zur Französischen Revolution bestimmt. Sie haben sich schrittweise gegen aussen abgegrenzt. Der Zutritt wurde immer schwieriger, weil diejenigen, welche für eine politische Unabhängigkeit und ökonomische Vorteile kämpften, gegen eine Beteiligung der Zuzügler zu diesen Privilegien waren. Die Französische Revolution setzte diesem Zustand ein Ende, jedoch wurden die Privilegien in der Restauration wieder eingeführt und zwar mit der Verpflichtung, auch diejenigen Personen in die Burgerschaften aufzunehmen, welche seit längerer Zeit in dieser wohnten. Es waren demnach auch die Burgerschaften, welche das politische Leben bis 1848 bestimmten.