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Menschen mit Krebs können unter Symptome wie Schmerzen, Angstzustände oder Stress leiden. Massagen mit oder ohne Aromatherapie können zur Linderung dieser Symptome beitragen. Massagen bestehen in der Anwendung von Druck auf den Körper. Dabei kann ein fettes Massageöl verwendet werden. Werden dem fetten Öl ätherische Öle wie zum Beispiel Lavendelöl oder Rosenöl zugegeben, wird diese Anwendung Aromatherapie-Massage genannt.
Im August 2015 suchte eine Gruppe von Forschenden nach klinischen Studien, die die Wirksamkeit von Massagen mit oder ohne Aromatherapie zur Symptomlinderung bei Krebspatienten untersuchen.
Sie fanden 19 kleine Studien (1274 Teilnehmer) von sehr niedriger Qualität.
Schlussfolgerung der Wissenschaftler:
„Einige kleine Studien deuteten darauf hin, dass Massage ohne Aromatherapie die Linderung von kurzfristigen Schmerzen und Angstzuständen bei Krebspatienten unterstützt. Anderen kleinen Studien zufolge kann die Aromatherapie-Massage eine mittel- oder langfristige Linderung dieser Symptome bewirken.“
Die Qualität der Evidenz sei jedoch sehr niedrig und die Resultate nicht schlüssig. Die Autoren schreiben abschliessend:
„Wir können nicht sicher sein, dass diese Behandlungen einen Nutzen bringen.“
Quelle:
http://www.cochrane.org/de/CD009873/aromatherapie-und-massage-zur-symptomlinderung-bei-krebspatienten
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD009873.pub3/abstract
Kommentar & Ergänzung:
Die Cochrane Collaboration ist ein weltweites, renommiertes Netz von Wissenschaftlern und Ärzten mit dem Ziel, systematische Übersichtsarbeiten (Meta-Analysen) zur Bewertung von medizinischen Therapien zu erstellen, sie aktuell zu halten und zu verbreiten. Dass Cochrane sich dem Thema Massage und Aroma-Massage annimmt, ist eher überraschend.
Natürlich sind von Massgen und Aromatherapie-Massagen bei Krebspatienten keine Wunder zu erwarten. Dass sie aber vielen Betroffenen gut tun können, liegt meines Erachtens auf der Hand und muss nicht noch speziell durch Studien belegt werden.
Trotzdem wäre es selbstverständlich wünschenswert, wenn die Wirksamkeit besser belegt werden könnte.
Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass zu dieser Fragestellung grosse und aufwendige Studien gemacht werden können. Im Gesundheitswesen wird vor allem dort in grossem Stil in die Forschung investiert, wo Firmen dadurch patientierbare Produkte auf den Markt bringen können. Nur so lässt sich ein hoher Forschungsaufwand wieder hereinspielen. Dass die Qualität der Studien zum Thema Massage und Aromatherapie-Massage gering ist, dürfte daher nicht zuletzt mit den geringen finanziellen Anreizen zusammenhängen.
Zudem ist es kaum möglich, solche Studien doppelblind mit Placebokontrolle durchzuführen und damit die höchsten Standards der klinischen Forschung zu erfüllen.
Für eine Tablette lässt sich ein identisches Placebo herstellen für die Vergleichsgruppe, für eine Massage nicht.
Das erwähnte Lavendelöl ist bewährt als beruhigender Zusatz in Massageölen. Lavendelöl ist sowohl in der Aromatherapie als auch in der Phytotherapie eines der wichtigsten ätherischen Öle.
Weitere Informationen zur Wirkung und Anwendung von Lavendelöl finden Sie in der Broschüre „Ätherische Öle in der Pflege“.
Echtes Rosenöl ist sehr teuer. Es besitzt eine ausgeprägt antimikrobielle Wirkung. Zu Rosenöl siehe auch:
Für Aroma-Massagen eignen sich neben Lavendelöl und Rosenöl eine ganze Reihe von weiteren ätherischen Ölen, zum Beispiel Jasminöl, Melissenöl, Rosmarinöl, Sandelholzöl, Wacholderöl oder Mandarinenöl. Die Auswahl des angewendeten ätherischen Öls wird beeinflusst von unterschiedlichen Wirkungen und von den Vorlieben und Abneigungen der behandelten Person. Die ätherischen Öle werden in der Regel nicht unverdünnt angewendet, sondern in einer Konzentration von meisten etwa 1 – 3 % gemischt mit einem fetten Trägeröl (z. B. Mandelöl, Jojobaöl).
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch