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(v. lat. monasterium, »Kloster«),
ursprünglich die Gesamtheit einer Klosteranlage (wie noch heute das franz.
moutier, s. v. w. Abtei), insbesondere die dazu gehörige Kirche;
später Bezeichnung für die prächtigen Kirchen der größern
geistlichen Stifter und die bischöflichen Kathedralen. In Norddeutschland gebraucht man für Münster meist den Ausdruck Dom (s. d.).
ehemaliges Hochstift, das bedeutendste des westfälischen Kreises, zwischen den Niederlanden, Ostfriesland,
Oldenburg, dem Bistum Osnabrück, den Grafschaften Lippe und Mark und den Herzogtümern Berg und Kleve gelegen, umfaßte 9900 qkm
(180 QM.) mit 350,000 Einw. und 12 landtagsfähigen
Städten. Es zerfiel in das Oberstift im S. und das Unterstift im N., welche durch die Grafschaft Lingen getrennt waren. Das
Wappen des Bistums war ein goldener Querbalken im roten Felde.
Der jedesmalige Bischof war im westfälischen Kreis erster kreisausschreibender Fürst und Direktor. Das
Bistum Münster wurde um 791 von Karl d. Gr. gestiftet und der Erzdiözese Köln überwiesen; der erste Bischof war der heil. Liudger.
Kaiser Friedrich II. verlieh dem Domkapitel das Wahlrecht, und Otto IV. erhob das Bistum zum Reichsfürstentum. Der Bischof Franz,
Graf von Waldeck (1532-53), hatte mit den Wiedertäufern (s. d.) zu kämpfen, welche die Herrschaft
in der Stadt an sich rissen. Er wurde ihrer mit Hilfe von Reichstruppen 1535 Herr.
Die nun folgende katholische Reaktion rottete alle Keime der evangelischen Lehre in aus. Der kriegerische Bischof Christoph Bernhard von
Galen (1650-78) unterwarf die Stadt und verlegte seinen Hofhalt von Koesfeld in dieselbe. Seit 1719 war
der Erzbischof von Köln zugleich Bischof von Münster, doch ward dieses durch besondere Statthalter regiert. Im Reichsdeputationshauptschluß
von 1803 wurde das Hochstift säkularisiert. Der größte Teil, 5500 qkm (110 QM.) mit 260,000 Einw.,
kam an Preußen und wurde zum Fürstentum Münster erhoben. Im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich abgetreten,
wurde es dem Großherzogtum Berg einverleibt, aber im Wiener Kongreß (1815) an Preußen zurückgegeben. 1821 wurde das Bistum
wiederhergestellt.
Vgl. »Die Münsterschen Chroniken des Mittelalters«, herausgegeben von Ficker (Münst.
1851);
Janssen, Berichte der Münsterschen Chroniken (das. 1856);
Hüsing, Der Kampf um die katholische Religion
im Bistum Münster 1535-85 (das. 1883);
Tücking, Geschichte des Stifts Münster unter Christ. Bernh.
von Galen (das. 1865).
1) Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks in der preuß. Provinz Westfalen und Stadtkreis, früher
Hauptstadt des Bistums an der Aa, Knotenpunkt der Linien Münster-Emden, Münster-Enschede, Wanne-Bremen, Münster-Lippstadt und Soest-Münster der
Preußischen Staatsbahn, 62 m ü. M., hat mehrere öffentliche Plätze, darunter der Domplatz mit dem Denkmal Fürstenbergs
und der Ludgeriplatz mit dem Kriegerdenkmal. Von den 14 meist kath. Kirchen sind hervorzuheben: der Dom (aus dem 12.-14. Jahrh.),
merkwürdig durch die Verschmelzung des gotischen und romanischen Stils;
die
mehr
gotische Liebfrauenkirche (um 1340 erbaut);
die Lambertikirche (aus dem 14. Jahrh.; an der Spitze des jetzt abgetragenen und
neu zu erbauenden Turmes wurden 1536 die Anführer der Wiedertäufer nach ihrer Hinrichtung in drei Eisenkäfigen aufgehängt);
die Ludgerikirche (1170 im romanischen Stil erbaut, 1330 im gotischen Stil umgebaut);
die St. Maurizkirche
(aus dem 12. Jahrh., 1859 restauriert) mit drei romanischen Türmen;
die gotische Ignatiuskirche (1857-58 erbaut) und die
Ägidikirche (aus dem 18. Jahrh.) mit schönen Wandgemälden.
Andre hervorragende Gebäude sind: das gotische Rathaus (aus
dem 14. Jahrh.), in dessen Saal 24. Okt. 1648 der Westfälische Friede abgeschlossen wurde;
das Schloß (1767
erbaut, früher bischöfliche Residenz) mit Parkanlagen und einem botanischen Garten;
der Stadtkeller (aus der 2. Hälfte des 16. Jahrh.)
mit den Sammlungen des Kunstvereins (darunter seltene Gemälde aus der altdeutschen Schule);
das Ständehaus (aus neuerer
Zeit);
der Erbdrosten- und der Romberger Hof.
Die ehemaligen Befestigungen wurden 1770 in Promenaden umgewandelt.
Die Einwohnerzahl der Stadt beläuft sich (1885) mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 13, ein Kürassierregiment Nr.
4, eine Abteilung Feldartillerie Nr. 22 und ein Trainbataillon Nr.
7) auf 44,060, darunter 36,751 Katholiken, 6784 Evangelische und 513 Juden. Die Industrie besteht vorzugsweise in Tuch-, Woll-,
Baumwoll- und Seidenzeugweberei, Färberei, Druckerei, Papier- und Emailgeschirrfabrikation etc.; der Handel,
unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle und verschiedene Bankinstitute, beschränkt sich fast nur auf
Leinen- und Wollwaren, Garn, Vieh, Getreide etc. Münster hat eine Akademie mit einer katholisch-theologischen und einer philosophischen
Fakultät (Zahl der Studierenden im Wintersemester 1887/88: 467), mit einem afrikanischen Seminar, Bibliothek,
naturhistorischem Museum, botanischem und zoologischem Garten, ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein Priesterseminar, ein kath.
Lehrerinnenseminar, eine Vereinsschule zur Ausbildung israelitischer Lehrer, ein Waisen-, ein Irren- und ein Zuchthaus, Klöster
der Barmherzigen Schwestern, der Franziskanerinnen, der Schwestern der Vorsehung, der Kongregation Unsrer Lieben Frau und der Schwestern
vom guten Hirten etc.; ferner: Vereine für Kunst und Wissenschaft, einen Musikverein, einen Verein für Geschichte
und Altertumskunde und einen landwirtschaftlichen Zentralverein.
Die städtischen Behörden zählen 8 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete, sonst ist Münster Sitz des Generalkommandos des 7. Armeekorps,
der Kommandos der 13. Infanteriedivision, der 25. Infanterie- und der 13. Kavalleriebrigade, des Oberpräsidiums
der Provinz Westfalen, eines königlichen Provinzialschul- und eines Medizinalkollegiums, einer Provinzialsteuerdirektion, der
Generalkommission zur Regulierung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse, einer Oberpostdirektion, der Provinzialverwaltung,
einer königlichen Regierung, eines Landratsamtes für den Landkreis Münster, einer königlichen Rentenbank, eines Landgerichts etc.
Von kirchlichen Behörden befinden sich dort: ein Bischof, ein Domkapitel, ein Generalvikariat und ein
königliches Konsistorium. Zum Landgerichtsbezirk Münster gehören die 22 Amtsgerichte zu Ahaus, Ahlen, Beckum, Bocholt, Borken, Bottrop,
Buer, Dorsten, Dülmen, Haltern, Ibbenbüren, Koesfeld, Lüdinghausen, Münster, Ölde, Recklinghausen, Rheine, Steinfurt, Tecklenburg, Vreden,
Warendorf
und Werne.
Münster wird zuerst um 800 erwähnt, wo Karl d. Gr. dem für die Sachsen ernannten Bischof Liudger diesen Ort (Mimigardevord)
zum Wohnort anwies. Im 11. Jahrh. erstanden hier eine Pfarrkirche und ein Kloster (monasterium), das nun zu dem Namen Münster Veranlassung
gab. Bald nach 1186 erhielt Münster Stadtrecht und wurde vom Bischof Hermann II. befestigt. Es blieb unter bischöflicher Herrschaft,
obgleich der Bischof schon 1277 der Stadt wegen der Besetzung des Gerichts und Verwendung des städtischen
Einkommens Zugeständnisse machte. Zu Ende des 13. Jahrh. wurde Münster Mitglied
der Hansa. 1532 neigte sich die ganze Stadt, mit Ausnahme des Domkapitels, zur lutherischen Konfession; 1535 war die Stadt der
Schauplatz der politisch-religiösen Bewegungen der Wiedertäufer (s. d.). Nachdem Münster nach tapferer
Gegenwehr 24. Juni 1535 von dem Bischof erobert worden, ward der evangelische Gottesdienst unterdrückt. Im Dreißigjährigen
Krieg litt Münster besonders durch die protestantischen Heere.
Wie oben erwähnt, ward hier 1648 der Westfälische Friede geschlossen. Die Bischöfe besaßen damals in Münster nur sehr beschränkte
Herrschaftsrechte, bis der Bischof Bernhard von Galen 1661 die Stadt, welche ihm im Einverständnis mit
Holland den Gehorsam verweigerte, mit Gewalt nahm, eine Citadelle erbaute und den Bürgern ihre meisten Privilegien entriß. Doch
residierten die Bischöfe selten in Münster. Im Siebenjährigen Krieg wurde Münster sowohl von den Franzosen als den Verbündeten belagert
und erobert.
Vgl. Erhard, Geschichte Münsters (Münst.
1837);
Cornelius, Geschichte des Münsterschen Aufruhrs (Leipz. 1855-60, 2 Bde.);
Keller, Geschichte der Wiedertäufer und ihres Reichs zuMünster (Münst.
1880);
Detten, Münster, seine Entstehung etc. (das. 1887).
-
Der Regierungsbezirk (s. Karte »Westfalen«) umfaßt 7252 qkm (131,64 QM.), zählt
(1885) 494,275 Einw. (darunter 438,291 Katholiken,
52,404 Evangelische und 3458 Juden) und besteht aus den elf Kreisen:
2) Münster im Gregorienthal, Kantonshauptstadt im deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Kolmar, im Münsterthal, an der Fecht und
der Eisenbahn Kolmar-Münster, 380 m ü. M., hat eine schöne neue evangelische und eine
kath. Kirche, eine Realschule, bedeutende Baumwollspinnerei und -Weberei, Bleicherei und Appretur, Käsefabrikation und (1885) 5390 Einw.
Der Ursprung der Stadt geht auf ein 634 gegründetes Benediktinerkloster zurück. Dieses trat 1235 die Vogtei an das Reich
ab, infolgedessen Münster die Rechte einer Reichsstadt erlangte und 1354 in den Zehn-Städtebund des Elsaß
trat. Die großartige Industrie wurde 1780 von A. Hartmann begründet.
mehr
Das Münsterthal, von der reißenden Fecht durchflossen, sehr anmutig und interessant, hat auf den südlichen Bergabhängen
noch Weinbau; auf den Bergwiesen wird Alpenwirtschaft mit zahlreichen Sennhütten betrieben, die den berühmten Münsterkäse
(jährlich etwa 500,000 kg) erzeugt. Aus dem Thal führt eine großartige, 1842-60 erbaute Straße über die Vogesen nach Gerardmer
in Frankreich.
Vgl. Rathgeber, Münster im Gregorienthal (Straßb. 1874);
Calmet, Hist. de l'abbaye de Münster (Kolmar 1882). -
3) (Moutier) Bezirkshauptort im schweizer. Kanton Bern,
im romantischen Münsterthal an der Birs, mit Schloß, 2 Kirchen und (1880) 2133 Einw. -
4) (Beromünster) Chorherrenstift u. Flecken (1132 Einw.) im schweizer. Kanton Luzern;
hier
bestand um 1470 eine Buchdruckerei, angeblich die älteste der Schweiz. - 5) Dorf in Graubünden,
s. Mustair.
altes deutsches Adelsgeschlecht in Westfalen, welches seinen Ursprung bis ins 9. Jahrh. zurückführt und
sich gegenwärtig in die drei Äste Münster-Langelage, Münster-Meinhövel und Münster-Ledenburg spaltet, die 1792 in den Reichsgrafenstand
erhoben wurden. Namhaftester Sprößling des Geschlechts:
1) Ernst Friedrich Herbert, Reichsgraf zu Münster-Ledenburg, hannöverscher Staats- und Kabinettsminister, geb. 1. März 1766 zu Osnabrück,
studierte in Göttingen, trat 1788 als Kammerauditor in den hannöverschen Staatsdienst und ward 1791 Hof- und Kanzleirat, 1798 Finanzkammerrat.
Von 1801 bis 1804 war er hannöverscher Gesandter am russischen Hof, ward dann Kabinettsminister des Königs in
London und übte auf die britische Politik im Sinn energischen Kampfes gegen Napoleon einen maßgebenden Einfluß; er stand mit
Stein, Stadion, dem Herzog von Braunschweig u. a. in lebhaftem Verkehr.
Sein Ziel dabei war neben der Befreiung Deutschlands die Gründung eines Nordwestdeutschland und die Niederlande
umfassenden Welfenreichs mit einer liberalen Verfassung. 1813 und 1814 war er im Hauptquartier der Verbündeten und wohnte
dann dem Wiener Kongreß bei. Hier bemühte er sich vergeblich für Herstellung des Kaisertums und die Einführung freiheitlicher
Verfassungen in den deutschen Landen; zugleich trat hier sein Haß gegen Preußen hervor, und die Schaffung
des hannöverschen Königreichs inmitten dieses Staats ist wesentlich sein Werk, wie auch die ständische Verfassung desselben.
Münster richtete nun, nachdem er 1814 Erblandmarschall von Hannover geworden und die Domäne Derenburg als Dotation erhalten hatte,
die Verwaltung des neuen Staats ein, blieb aber Kabinettsminister in London. Gleichzeitig erhielt er die
Spezialvollmacht zur Führung der Vormundschaft über den Herzog Karl von Braunschweig. Als dieser, nachdem er die Regierung selbst
angetreten, 1827 gegen Münsters vormundschaftliche Verwaltung öffentlich Klage erhob, suchte dieser sich und den König von
England in einer besondern Schrift (»Widerlegung der ehrenrührigen Beschuldigungen etc.«,
Hannov. 1827) zu rechtfertigen. Bei den Bewegungen in Hannover 1831 erhielt Münster 12. Febr. als dirigierender
Minister für die hannöv. Angelegenheiten am Londoner Hof seine Entlassung, ward aber 22. Febr. 1831 zum Großkreuz des Bathordens
ernannt. Er starb 20. Mai 1839.
2) Georg Herbert, Reichsgraf zu Münster, deutscher Staatsmann, einziger Sohn des vorigen, geb. 23. Dez. 1820 zu
London, war von 1857 bis 1865 hannöverscher Gesandter in
Petersburg und bemühte sich 1866 vergeblich, den König Georg V.
zu einer gemäßigten, preußenfreundlichen Politik zu bewegen; nach der Annexion schloß er sich Preußen an, wurde 1867 erbliches
Mitglied des Herrenhauses und Landtagsmarschall der Provinz Hannover, war vom selben Jahr ab Mitglied des
norddeutschen, dann des deutschen Reichstags und gehörte zur freikonservativen Partei. Er wurde 1873 Botschafter des Deutschen
Reichs in London und 1885 in Paris. Er schrieb: »Politische Skizzen über die Lage Europas vom Wiener Kongreß bis zur Gegenwart,
1815-67« (Leipz. 1867),
worin er wichtige Depeschen seines Vaters veröffentlichte;
»Mein Anteil an den Ereignissen
des Jahrs 1866« (Hannov. 1867, 2. Aufl. 1868);
»Der Norddeutsche Bund und dessen Übergang zu einem deutschen Reich« (Leipz.
1868);
»Deutschlands Zukunft, das Deutsche Reich« (Berl. 1870).
Sebastian, Gelehrter des Reformationszeitalters, geb. 1489 zu Ingelheim, studierte in Heidelberg und Tübingen,
ward Franziskaner, trat aber 1529 zur reformierten Kirche über und lehrte erst das Hebräische und Theologie
zu Heidelberg, dann seit 1536 in Basel
auch Mathematik. Hier starb er 23. Mai 1552. Er gab zuerst unter den Deutschen eine hebräische
Bibel (Basel
1534-35) heraus und schrieb das Werk »Cosmographia« (das.
1544), eine der frühsten Geographien, die neben der Länder- und Völkerbeschreibung auch historische
und genealogische Notizen enthält und in kaum 100 Jahren (von den Übersetzungen ins Lateinische, Französische und Italienische
abgesehen) 24 Auflagen erlebte.
romanisch Müstair (Kt. Graubünden,
Bez. und Kreis Münsterthal). 1248 m. Gem. und Pfarrdorf, am linken Ufer des Rombaches; 1 km
oberhalb der Grenze gegen das Tirol, 71 km onö. der Station Bevers der Albulabahn und 32 km sö. Zernez.
Postbureau, Telegraph; Postwagen Zernez-Ofenberg-Mals (Tirol). 95 Häuser, 599 kathol. Ew. (wovon 507 romanischer, 64 deutscher
und 28 italienischer Zunge). Wiesenbau und Viehzucht, Alpwirtschaft. Das Benediktiner-Frauenkloster zu Münster soll der Sage
nach 801 von Karl dem Grossen gestiftet worden sein, ist aber in Wirklichkeit erst 1087 unter Bischof
Norbert von Chur von Taufers (Monasterium Tuberis) hierher verlegt worden.
Karl der Dicke schenkte es seinem Kanzler Johann von Vercelli, der es seinerseits an den Bischof von Chur austauschte. Sein
bekanntester Gönner ist Ulrich II. von Tarasp gewesen, der ihm bedeutende Schenkungen zuwies. Dieses Kloster
besass zahlreiche Güter im Münster- und Etschthal sowie im Unter Engadin und ferner den Kirchensatz in Münster und Tarasp.
Die Verwaltung des weltlichen Besitzes besorgten die Gouverneure von Matsch, dann die Erzherzoge von Oesterreich und endlich
der Bischof von Chur. 1804 zog Oesterreich die ausserhalb der Schweiz liegenden Güter des Klosters an sich,
wodurch dieses starke Einbusse erlitt und sich veranlasst sah, an Stelle der bisherigen Aebtissin eine auf je drei Jahre
gewählte einfache Priorin zu setzen.
Die Benediktinerinnen leiten jetzt ein Erziehungsinstitut für Mädchen. Ferner besteht in Münster ein 11734 gestiftetes
Kapuzinerkloster, das der tirolischen Kirchenprovinz untersteht. 5 km unterhalb Münster, das nur 10 Minuten
von der Grenze entfernt liegt, findet sich die Calvenschlucht, wo die von den Eidgenossen unterstützten drei Bünde 1499 einen
glorreichen Sieg über das Haus Oesterreich erfochten und wo Benedikt Fontana (Fontana-Denkmal in Chur seit 1903) den Heldentod
starb. In Münster wurde ums Jahr 1500 Simon Lemnius geboren, der in seiner Rhaeteïs die Freiheitskämpfe
der drei Bünde besungen hat. Heimat des Philanthropen Pater
Theodosius Florentini, des Begründers des Klosters Ingenbohl (bei
Schwyz),
des Kollegiums in Schwyz
und des Institutes Menzingen (Zug).
Vergl. Foffa, P. Das bündnerische Münsterthal. Chur 1864; Bott,
J. Die Losreissung des Gerichts Untercalven und der Gemeinde Taufers vom Freistaat der drei Bünde. Chur 1860; Münsterthal,
das bündnerische, mit Ofenberg und Umbrail-Route. Samaden 1903.
oder Beromünster (Kt. Luzern,
Amt Sursee). 656 m. Gem. und Flecken nahe der Grenze gegen den Aargau,
im obern Winenthal und an
der Strasse Sursee-Reinach; 20,5 km nnw. Luzern.
Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen nach Emmenbrücke, Sursee und Reinach-Menziken.
Gemeinde, mit Schlössli, Oberdorf, Schulgass und Moos: 202 Häuser, 973 kathol. Ew.; Flecken: 186 Häuser, 885 Ew. Pfarrkirche
St. Stephan für die grosse untere Pfarrei und Pfarrkirche St. Michael für die obere Pfarrei, die die
Klostergebäude umfasst.
Die kleine Gemeinde Münster ist fast ganz in der Gemeinde Gunzwil enklaviert und im N., W. und S. von den Endmoränen des
einstigen Reussgletschers umgeben. Die den Flecken durchfliessende Winen treibt hier zwei Mühlen, zwei Sägen und eine mechanische
Werkstätte. Ausgezeichnete Forellen. Die Bürgergemeinde hat ausgedehnten Landbesitz (so etwa 180 ha
Wald und ein Torfmoor), von dem jeder Bürger einen Teil für sich bebauen darf. Das Fehlen von grösserer Wasserkraft
und eines direkten Eisenbahnanschlusses hat der Grossindustrie bisher nicht gestattet, hier festen Fuss zu fassen. (Bahnlinie
Reinach-Münster im Bau begriffen; Eröffnung 1905). Strohflechterei, Gartenbau; eine Bierbrauerei,
eine mechanische Schlosserei.
Landwirtschaftlicher Verein. Käserei. Münster ist der Hauptort des gleichnamigen Gerichtsbezirkes. Es hat jährlich sieben
stark besuchte Viehmärkte. Primarschulen, je eine Mädchen- und Knabensekundarschule, Gewerbeschule, Lateinschule mit 4 Klassen.
Sehr reges gesellschaftliches Leben: ein Männerchor, zwei gemischte Chöre, ein Streichorchester, eine Blechmusik, je ein
Turn-, Schiess- und Arbeiterverein, ein katholischer Gesellenverein.
Der Ort ist zu wiederholten Malen vom Feuer heimgesucht worden, so namentlich am 12. März 1764, an welchem Tage 103 Bauten (worunter 94 Wohnhäuser)
den Flammen zum Opfer fielen. Die damals gespendeten Liebesgaben erreichten den Betrag von 21098 Gulden (oder 160000 Franken).
Der Wiederaufbau des Fleckens erfolgte nach einem besondern Plan, der die Wiederholung eines so grossen
Unglückes ausschliesst. Vollständiges Hydrantennetz. Weit
mehr
bekannt ist die in Münster am Auffahrtstag veranstaltete grosse Prozession, an der 4000-5000 Personen, worunter mehr als 200 Berittene,
sich zu beteiligen pflegen. Das Handwerk hatte hier bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts einen goldenen Boden und wurde
durch den Zunftzwang geschützt, den Münster gleich wie Sempach, Sursee und Willisau eingeführt hatte.
Eines wohlverdienten guten Rufes erfreute sich namentlich die Goldschmiedekunst; die Hutmacher, Spielkartenfabrikanten, Töpfer,
Gerber, Dreher, Färber und Spengler besassen eine ausgedehnte Kundschaft.
Dem Tuchhandel diente eine besondere sog. Tuchlaube. Eine Spezialität war die Herstellung von Fayencewaren (z. B. Ofenkacheln
und Ziegeln) und Backsteinen, die sorgfältig geformt und originell verziert wurden und als beliebtes
Material zum Eindecken der Dächer und Einrahmen der Fensteröffnungen guten Absatz fanden. Mehrere besonders schöne und
gut erhaltene Proben dieser Industrie werden heute im Historischen Museum zu Luzern
und im Schweizerischen Landesmuseum zu Zürich
aufbewahrt.
Die Geschichte von Münster ist eng verknüpft mit derjenigen des Kollegialstiftes der Chorherren von
Beromünster, dem der Flecken Dasein und Namen verdankt. Das Stift (Beronis Monasterium) wird zum erstenmal in einer vom Grafen
Ulrich von Lenzburg am 9. Februar 1036 ausgestellten Schenkungsurkunde erwähnt, nach welcher es von seinen Eltern zu Ende des 10. Jahrhunderts
gegründet worden ist und zwar, wie die Ueberlieferung erzählt, an der Stelle, wo sein Sohn Bero auf
einer Bärenjagd den Tod gefunden haben soll.
Graf Ulrich erbaute die Stiftskirche, die er in der genannten Urkunde canonica mea nennt, und schenkte ihr reichen Grundbesitz
in den Kantonen Luzern,
Aargau,
Obwalden
und Solothurn.
Zugleich fixierte er die Zahl der Chorherren auf 21 und setzte zum Schutz seiner Stiftung
einen besonderen Kastvogt ein, der stets ein Angehöriger seiner Familie sein sollte. Ihm lag nicht nur ob, die Chorherren
vor fremden Eingriffen zu schützen, sondern auch die Bauten des Stiftes in gutem Zustande zu erhalten; ferner musste er
bei bestimmten Gelegenheiten allen Armen der Gegend und den zu dieser Zeit hier durchreisenden fremden
Religiosen ein Freimahl ausrichten.
Zur Deckung der Kosten stand ihm ein ausgedehnter Grundbesitz zur Verfügung, dessen Ertrag die Summe von 30000 Fr. (nach
heutigem Geld) überstieg. Dem Stiftspropst stand in seiner Eigenschaft als Oberer der Chorherren, als
Verwalter der Stiftsgüter und als Lehnsherr der Vasallen und Hörigen die hohe und niedere Gerichtsbarkeit zu, von denen
jene in seinem Namen vom Kastvogt ausgeübt wurde. Dabei durfte aber nicht im Flecken Münster selbst Gericht gehalten werden.
Nachdem die Lenzburger 1172 ausgestorben waren, erwirkte der Propst Diethelm Freiherr von Wolhusen von Kaiser
Friedrich I. Barbarossa eine Urkunde, die das Stift direkt unter den Schutz des Reiches stellte. Doch wussten es die Grafen
von Kiburg als Erben der Lenzburger durchzusetzen, dass das Amt des Kastvogtes ihnen zugesprochen wurde. Die Folge davon waren
zahlreiche Streitigkeiten über den Umfang der Rechte und Kompetenzen der Vögte. 1217 brannten die Kiburger
mit Hilfe der ihnen verwandten Habsburger das Stift nieder und verjagten die Chorherren, die in Aarau Zuflucht fanden.
Endlich griff der Kaiser selbst ein, indem er die Rechte des Stiftes und diejenigen der Vögte ganz bestimmt normierte. Die
Chorherren kehrten nach
Münster zurück. Sie bauten die Kirche wieder auf, nicht aber das Stiftshaus,
so dass sie einzeln in gekauften oder gemieteten Häusern des Fleckens wohnten oder auch in den dem Stift unterstehenden Pfarreien
als Seelsorger wirkten. So konnte es vorkommen, dass von den 21 Chorherren oft blos 7 oder 8 in Münster selbst
weilten.
Dafür liessen sich hier Franziskaner-, Augustiner- und Dominikanermönche nieder, die am Kirchendienst sich beteiligten
und dafür vom Stift entschädigt wurden. Der vom Grafen Hartmann dem Jüngern von Kiburg 1246 zum Untervogt ernannte Ritter
Arnold von Richensee erpresste von den Chorherren mehr als 150000 Fr., brachte das Stift um einen Teil
seines Grundbesitzes, plünderte einmal Nachts die Kirche aus und misshandelte den Propst und die Chorherren, deren einige
er ins Gefängnis warf.
Als er dafür zur Rechenschaft gezogen werden sollte, legte er auch noch die Wohnung des Propstes und den Flecken in Asche,
worauf er in Acht und Bann erklärt wurde. Nach dem Aussterben der Kiburger 1273 kam die Kastvogtei an
die Habsburger. Von nun an erfreute sich das Stift mit Ausnahme einiger kleinerer Anstände, bis um die Mitte des 14. Jahrhunderts
völliger Ruhe, Sicherheit und stets sich hebenden Wohlstandes. Dann wurde es wider seinen Willen in den Kampf zwischen den
Eidgenossen und Oesterreich mitgerissen. Am 8. März 1353 verbrannten jene die Propstei und Kirche, den Flecken und die benachbarten
Dörfer u. steckten nach der Schlacht bei Sempach 1386 die Kirche zweitesmal in Brand.
Der Friede vom 1. April 1389 stellte das Michelsamt (Bezirk Münster, nach St. Michel, dem Patron des Stiftes,
so genannt) wiederum unter die Oberhoheit des Stiftes, das diese nun bis 1798 beibehielt. (Immerhin wurde Rothenburg davon
losgetrennt und an Luzern
abgetreten). In der Folge suchte Oesterreich das Stift ganz von sich abhängig zu machen und erlangte
wirklich auch das Recht der Wahl des Propstes und der Chorherren. Zur Zeit der Eroberung des Aargaues
bemächtigte sich Luzern
1415 des ganzen Michelsamtes und des Stiftes, und ums Jahr 1430 liess sich der Rat von Luzern
von Kaiser Sigismund
auf alle Zeiten das Wahlrecht des Propstes und der Chorherren verbriefen.
Von dieser Zeit an ward das Stiftshaus zu einem sehr beliebten Aufenthaltsort reicher Luzerner Familien,
die Beromünster mit grossen Schenkungen bedachten, so dass sich sein Besitz rasch vermehrte. So erhielt es 1479 den Zehnten,
die Pfründe und den Kirchensatz von Grosswangen, sowie als Entschädigung für erlittene Unbill durch Krieg oder Feuer die
Kirchenschätze von Rothenburg und Dopleschwand. Zur Zeit der Reformation traten mehrere Chorherren zur
neuen Lehre über; doch gelang es dem damaligen Propst, mit Hilfe des Rates von Luzern
die Auflösung des Stiftes zu verhüten.
Die während der ganzen Dauer der Luzerner Oberherrschaft zwischen dem Propst und der Regierung zu Luzern
ziemlich oft ausbrechenden
Meinungsverschiedenheiten konnten meist durch gegenseitige Uebereinkunft gütlich beigelegt werden.
Die helvetische Revolution und der Einfall der Franzosen (1798) brachten das Stift um seine sämtlichen Hoheitsrechte; man
legte ihm starke Kriegssteuern auf und raubte auch einen Teil des Kirchenschatzes, der silberne Kunstgeräte im Gesamtgewicht
von 300 kg enthalten hatte. Dank der kräftigen Einsprache der Regierung von Luzern
und einiger einflussreicher
Bürger von Münster und Umgebung anerkannte und garantierte ihm jedoch
mehr
die helvetische Regierung seine Existenz. 1806 schloss Luzern
mit dem Bischof von Konstanz ein Konkordat, durch welches das Stift
zum Ruhesitz für die Geistlichen des Kantons Luzern
umgewandelt wurde. Nach dem Sonderbundskrieg belegte die Eidgenossenschaft das Stift 1807 mit
einer Kriegssteuer von vollen 571000 Fr. und stellte zugleich sein Vermögen unter die Verwaltung des
Staates Luzern.
Sein jeweilen vom Grossen Rat normierter Beitrag an die kantonale Kirchenkasse betrug in gewissen Jahren bis zu 32000 Fr. 1895 erlangte
es wieder eine grössere Selbständigkeit und darf nun seine Verwaltung unter Aufsicht des Staates selbst besorgen.
Heute zählt es 18 Chorherren und 10 Kapläne. Es unterstehen ihm die Pfarreien Grosswangen, Grossdietwil,
Hochdorf, Neudorf, Richenthal, Rickenbach, Pfeffikon und Schongau, sowie die Kaplanei Gormund, es wählt den Pfarrer von Schwarzenbach
und führt die Pfarrer von Sarnen und Inwil in ihr Amt ein. Als hervorragende Angehörige des Stiftes können genannt werden:
Propst Ulrich II., Graf von Kiburg, der 1233 Bischof von Chur wurde;
der Dichter Rudolf von Liebegg;
der Schriftsteller
und Historiograph am päpstlichen Hof Dietrich Sartor;
Heinrich Truchsess von Diessenhofen († 1376);
der Magister Artium Elias
Heliae von Laufen († 1475), der erste bekannte Buchdrucker der Schweiz, dessen bemerkenswertes Wohnhaus (das «Schloss» genannt)
heute noch steht;
Meister Heinrich Gundelfingen († 1490), Freund von Niklaus von der Flüe und dessen
erster Biograph;
Propst Jost von Silinen († 1497), später Bischof von Sitten, vertrauter Ratgeber von König Ludwig XI.
von Frankreich und erklärter Gegner Karls des Kühnen;
Propst Ludwig Bircher († 1639), der über die Geschichte seines
Stiftes, sowie über die Rechte und Pflichten der Chorherren verschiedene grosse Werke veröffentlicht hat;
Kaplan Wilhelm
Dörflinger († 1799), bekannt als Historiker, Heraldiker und geschickter Miniaturmaler;
der fleissige Schriftsteller Propst
Fr. Bernhard Göldlin von Tiefenau († 1819), Administrator des schweizerischen Teiles der Diözese Konstanz;
Joseph Stalder
(† 1833), Verfasser des Schweizerischen Idiotikon und anderer gelehrter Werke.
Die zu Ende des 10. Jahrhunderts erbaute Stiftskirche war eine dreischiffige romanische Säulenbasilika. Da sie viermal den
Flammen überliefert wurde, sind von diesem ersten Bau nur noch die Aussenmauern und die den Chor gegen die Seitenschiffe
abschliessenden zwei Säulenreihen erhalten geblieben. Beim Neubau von 1386 brachte man gotische Fensteröffnungen
an, und 1601-1608 restaurierte man den ganzen Bau im Renaissancestil. Die geschnitzten Chorstühle stammen aus 1608 und sind
bemerkenswerte Kunstarbeiten der Brüder Fischer aus Laufenburg. 1774 und 1775 wurde das Innere der Kirche vollständig im
Rococostil umgewandelt und reich mit Stukkaturen geschmückt.
Die Restauration von 1900 und 1901 hat daran nichts geändert. Der Kirchenschatz ist trotz der Plünderung
von 1798 noch ein reicher. Die Stiftsbibliothek enthält alte Urkunden und Inkunabeln. Von bemerkenswerten Gebäuden in Münster
sind ferner zu nennen die aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammende Propstei, das vom Buchdrucker Elias Heliae bewohnte
«Schloss» und der 1581 erbaute Gasthof zum Hirschen. Hervorragende Bürger von Münster sind: Pfarrer Bernhard
Häfliger (1750-1837), bekannt als Verfasser von Dichtungen in Mundart;
der Arzt und Philosoph Dr. Paul Ignaz Vital Troxler
(1780-1866);
der Philolog Chorherr Renward Brandstetter (1782-1831);
der Philolog und Historiker
Prof. Eutych Kopp (1793-1866);
Ulrich Gering von Münster (1472), der erste Buchdrucker von Paris.
Bibliographie:
Segesser, Ant. Phil. v. Rechtsgeschichte der Stadt und Republik Luzern.
Band 1 und 4. Luzern
1851 und 1858; Riedweg, Matth. Geschichte desKollegialstiftes Beromünster. Luzern
1881; Estermann, Melch. Geschichte der Stiftsschule in Beromünster. Luzern
1876; Estermann, Melch. Merkwürdigkeitenvon Beromünster. Luzern
1876; Estermann, Melch. Heimatskunde von Neudorf, von Rickenbach und von Beromünster. Luzern
1875, 1878 und
1882; Urkunden des Stiftes Beromünster (im Geschichtsfreund 58 ff.; 1903 ff.); Kopp, K. A. Die Stiftsbibliothek von Beromünster.
Luzern
1902, 1903; Mülinen, E. F. von. Helvetia sacra... 2 Bände. Bern
1858, 1861.
(Kt. Wallis,
Bez. Goms).
1356 m. Grosses und schönes Pfarrdorf, auf dem Schuttkegel des Münsterbaches und neben einem vom Münstergalen
abgebrochenen grossen Sturzschutthaufen, auf dem der Weiler Lauenen steht. Mitten im obern Gomserthal, am linken Ufer der Rhone
und rings von Wiesen und Weiden umgeben. 34 nö. der Station Brig der Simplonbahn. Postwagen Brig Furka-Göschenen.
Postbureau, Telegraph. 73 Häuser, 417 kathol. Ew. Das fast ganz aus Holzhäusern bestehende Dorf wird vom Münsterbach in zwei
nahezu gleiche Hälften geteilt. Die alte Thalstrasse durchzieht das Dorf als malerische Gasse, während die neue Strasse dem
Unterdorf ausweicht, um das Oberdorf zu gewinnen, wo die Post, das Gemeindehaus, der einzige Gasthof im
Ort und die schöne Pfarrkirche stehen. Münster war einst die einzige Pfarrei im obern Goms, wie Aernen die einzige im untern
Goms. Beide Orte haben sich seit alter Zeit in die Rolle als Hauptort des Zehnten Goms geteilt. Heute hat
das von der neuen Strasse beiseite gelassene Aernen seinen Rang endgiltig an Münster abgetreten, wie es auch im untern Goms
selbst von Fiesch an Bedeutung überflügelt worden ist. Das Dorf Münster vereinigt sämtliche Einwohner der Gemeinde in sich.
Die Gemeinde Münster umfasst beide Rhoneufer: im N. zieht sie sich mit dem Münsterthal bis zum Löffelhorn
(3098 m) hinauf, das zusammen mit den Rossenhörnern sich über dem grossen Oberaargletscher erhebt und den kleinen Münstergletscher
trägt, dem der Münsterbach entspringt; im S. steigt sie mit dem Merzenbachthal bis zu dem über dem Griesgletscher stehenden
Kamm der Ritzenhörner auf.
Sie grenzt im W. an die Gemeinde Reckingen und im O. an die Gemeinde Gesehenen. Hauptbeschäftigung der
Bewohner ist Viehzucht und Milchwirtschaft. An den am besten zur Sonne ausgesetzten Hängen werden noch Roggen und Gerste gebaut,
die aber erst Ende August oder im September zur Reife kommen. Der Name des Ortes deutet auf das Vorhandensein
eines ehemaligen Klosters (monasterium) hin, das zuerst der Abtei Interlaken unterstand und dann im 13. Jahrhundert zusammen
mit dem Majorat Aernen zur bischöflichen Tafel in Sitten gehörte. 1344 erhielt Münster einen eigenen Richter.
Fortan wechselte es mit Aernen als Hauptort des obersten Zehnten ab. Das aus Holz erbaute bischöfliche
Amtshaus in Münster war 1361 der Schauplatz eines tragischen Ereignisses, indem hier der mit den Grafen von Savoyen im Bunde
stehende und von den Gomsern in Aernen gefangen genommene Bischof Tavelli elf Wochen lang (wovon acht Wochen gebunden und in
Eisen) eingeschlossen gehalten wurde. Von allen Seiten verlassen, schloss er dann am 4. Januar 1362 mit den
Abgeordneten
*, Stadt in Westfalen, Sitz einer königl. preuß.
Eisenbahndirektion, des Stabes der 7. Gendarmeriebrigade und zweier Bezirkskommandos, hat (1895) 57135 E.,
darunter 47120 Katholiken, 9517 Evangelische, 31 andere Christen und 467 Israeliten, ferner 4925 bewohnte Wohnhäuser, 10974 Haushaltungen
und 79 Anstalten, d. i. eine Zunahme seit 1890 um 7795 Personen oder 15,79 Proz. Die Zahl der Geburten betrug 1896:1763, der
Eheschließungen 439, der Sterbefälle (einschließlich 42 Totgeburten) 1205. Das Denkmal der Dichterin
Annette von
Droste-Hülshoff wurde 9. Nov. 1896 enthüllt; die Errichtung eines solchen für Immermann ist geplant.
Einwohnerzahl des Regierungsbezirks und seiner Kreise: