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Entwicklung eines Modells zur ökonomischen Bewertung von Waldleistungen
WHFF Projekt 2015.11
Projektleitung: Dr. Bernhard Pauli, Berner Fachhochschule HAFL
Das Wichtigste in Kürze
- Während den Ökosystemleistungen des Waldes immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, wird ihr wirtschaftlicher Wert bei Entscheidungen über die Bewirtschaftung von Waldressourcen nur selten berücksichtigt.
- Es wurde ein Bewertungsmodell entwickelt, um Forstbetriebsleitern die Möglichkeit zu geben, verschiedene Bewirtschaftungsszenarien zu vergleichen (durch Vergleich von Zahlungs- und Akzeptanzbereitschaft).
- Es wurde festgestellt, dass verschiedene Kombinationen von Zahlungs- und Akzeptanzbereitschaft möglich sind, die zu unterschiedlichen Bewirtschaftungsempfehlungen führen.
- Das Modell kann von Forstmanagern als Planungsinstrument verwendet werden.
Projektbeschreibung
Wälder erbringen zahlreiche Leistungen, die für das Gemeinwohl wichtig sind, und einen wirtschaftlichen Wert haben. Während den Ökosystemleistungen des Waldes immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, findet ihr wirtschaftlicher Wert bei Entscheidungen über die Bewirtschaftung der Waldressourcen nur selten Berücksichtigung. Der Bund hat diese unbefriedigende Situation erkannt und fordert die Erarbeitung von Grundlagen und die Schaffung von Rahmenbedingungen, damit die Leistungen des Waldes in Zukunft besser bewertet werden können. Der Grund dafür liegt darin, dass die Bewertung von Waldleistungen wichtige Informationen für die Entscheidungsfindung in der Forstwirtschaft wie auch in der Politik liefern kann.
In der Schweiz ist knapp ein Drittel der Landesfläche mit rund 1,2 Millionen Hektar Wald bedeckt. Geografisch fällt auf, dass einzelne Waldfunktionen in bestimmten Regionen stärker ausgeprägt sind als in anderen. In den Voralpen und in den Alpen (bis zur Baumgrenze) dominiert eindeutig die Schutzfunktion. In den besser zugänglichen Wäldern des Mittellandes und des Juras (obwohl es auch dort Gebiete gibt, in denen die Schutzfunktion klar dominiert) spielt die Holzproduktion eine grosse Rolle. Liegen Wälder im Einzugsgebiet grösserer Städte wie Zürich oder Basel oder in touristisch stark frequentierten Gebieten, wird der Erholungsfunktion eine grössere Bedeutung beigemessen als den anderen Waldfunktionen.
Im Rahmen des vorliegenden Projekts wurde ein Bewertungsmodell entwickelt, das Forstbetriebsleitenden die Möglichkeit bieten soll, verschiedene Bewirtschaftungsszenarien, die unter Berücksichtigung mehrerer Entscheidungskriterien ermittelt werden, zu vergleichen. Dabei wird der wirtschaftliche Einfluss verschiedener Waldleistungen dargestellt. Die prioritären Funktionen dienen als Grundlage für die Planung.
Der Wert der Habitatverbesserung und der Erholungsleistungen wird als Zahlungsbereitschaft (willingness-to-pay, WTP) in das Bewertungsmodell einbezogen, welche durch Umfragen in der Schweizer Bevölkerung ermittelt wurde. Auf der Angebotsseite (Forstbesitzende und -bewirtschaftende) wurde die Akzeptanzbereitschaft (willingness-to-accept, WTA) und nicht die Zahlungsbereitschaft (WTP) ermittelt. Die WTA zeigt, welcher Betrag für den Betriebsleitenden notwendig wäre, um eine gewünschte Veränderung zu ermöglichen bzw. zu akzeptieren.
Schlussfolgerungen
Es wurde festgestellt, dass verschiedene Kombinationen von Zahlungsbereitschaft und Akzeptanzbereitschaft von Seiten Forstbewirtschaftung ) möglich sind, die zu unterschiedlichen Managementempfehlungen führen. Da WTP und WTA in unterschiedlichen Einheiten (CHF pro Haushalt bzw. CHF pro Hektar) bestimmt werden, können sie nur in einem bestimmten Kontext verglichen werden, in dem die Anzahl der Haushalte und die entsprechende Waldfläche bekannt sind. Unter diesen Bedingungen bietet dieser Ansatz die Möglichkeit, die Machbarkeit verschiedener Bewirtschaftungsszenarien auf lokaler und regionaler Ebene zu bewerten.
Das Modell ermöglicht es, verschiedene Bewirtschaftungsszenarien miteinander zu vergleichen, und kann somit von Waldbewirtschaftenden als Planungsinstrument, aber auch als Argumentationsgrundlage genutzt werden. In diesem Sinne sollen die Modellergebnisse nicht als alleiniges Entscheidungskriterium verwendet werden.
Im Laufe des Projektes hat sich gezeigt, dass insbesondere die Waldbesitzer stärker sensibilisiert werden müssen, da sie sich ihrer strategischen Verantwortung oft nicht ausreichend bewusst zu sein scheinen und diese oft an ihre Forstwirte delegieren. Für den Waldbewirtschafter wiederum bietet das entwickelte Modell eine Entscheidungshilfe und Argumentationsgrundlage, sowohl gegenüber den Waldbesitzern als auch der Bevölkerung.
Das Projekt wurde von der Wald- und Holzforschungsförderung Schweiz WHFF-CH des Bundesamt für Umwelt BAFU unterstützt.Download