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Die dominierende Theorie in der Anthropologie und der Archäologie über die Entstehung der Staaten ist die Umzinglungstheorie (circumscription theory). Sie besagt, dass Staaten an Orten entstanden sind, die landwirtschaftlich hochproduktiv sind, aber von unproduktivem Land (wie etwa Wüste, Berge oder Meere) umzingelt sind. In diesen Gebieten ist es in Konflikten unterlegenen Gruppen nicht mehr möglich, in nahegelegene, ähnlich produktive Standorte auszuweichen. Somit fällt es dem Sieger leichter, dem Verlierer Institutionen aufzuzwingen, um permanent Tribut zu extrahieren - eine zentrale Funktion früher Staaten.
Dieses Forschungsprojekt testet diese Theorie quantitativ mit detaillierten Daten aller Weltregionen. Erste Resultate bestätigen den Zusammenhang zwischen landwirtschaftlicher Umzinglung und der Entstehung früher Staaten: Gebiete, in denen die ersten Staaten entstanden sind (wie etwa Mesopotamien, Ägypten, Zentralmexiko oder China) sind stärker umzingelt als staatenlose Gebiete.
Um die Bedeutung dieses Zusammenhangs zu interpretieren, erweitern wir diese Resultate mit den folgenden drei Schritten: erstens sammeln wir zusätzliche Daten zu den frühen Staaten sowie manchen vorstaatlichen Organisationsformen (chiefdoms); zweitens modellieren wir die Umzinglungstheorie theoretisch und in Simulationen; und drittens untersuchen wir, wie sich der Vorsprung in der Staatsbildung aufgrund der Umzinglung auf die längerfristige Entwicklung dieser Regionen ausgewirkt hat.