Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03587.jsonl.gz/2957

Der amerikanische Multi-Unternehmer Elon Musk hat sich in den letzten drei Wochen so verhalten, dass man ihm eigentlich die Fähigkeit, ein börsenkotiertes Unternehmen wie Tesla als Konzernchef zu führen, absprechen muss.
Einerseits hat er sich öffentlich als tablettenabhängig disqualifiziert. Anderseits hat er mit unüberlegten Äusserungen auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter gezeigt, dass er sich weder um börsenregulatorische Vorschriften noch um Tesla-interne Hierarchien kümmert. Musk sieht sich offenkundig als Alleinherrscher, obwohl er rechtlich schlicht ein Angestellter seines Boards ist.
Musk sieht sich als Alleinherrscher, obwohl er ein Angestellter seines Boards ist
Schliesslich zeigt Musks brüsker Rückzug vom kurz zuvor kommunizierten Plan, Tesla von der Börse zu nehmen, wie fahrig Musk in strategischen Fragen agiert. Zumal die angeführte Begründung für den Rückzug vom Rückzug nur als hanebüchen bezeichnet werden kann. Im Wesentlichen teilte Musk ja mit, er nehme Tesla nun doch nicht vor der Börse, weil das irgendwie doch zu kompliziert sei und obendrein zu lange daure. Solche Dinge überlegt sich eine Führungskraft, bevor sie sie in die Welt hinausposaunt.
«Man stelle sich einmal vor, UBS-Chef Ermotti würde so nonchalant über börsenrelevante Themen twittern und so unbeschwert eben kommunizierte Strategien über den Haufen werfen, wie es Musk getan hat. Ermotti würde vom Verwaltungsrat subito von seinem Posten entfernt.»
Man stelle sich einmal vor, UBS-CEO Sergio Ermotti oder Roche-Chef Severin Schwan würden so nonchalant über börsenrelevante Themen twittern und so unbeschwert eben kommunizierte Strategien über den Haufen werfen, wie es Musk getan hat. Ermotti und Schwan würden vom Verwaltungsrat subito von ihren Posten entfernt.
Man mag nun einwenden, Musk sei ein Genie, ein Visionär und dass im « Valley» andere Regeln gälten. Fine.
Fakt aber ist: Musk führt einen kotierten Autokonzern in den USA als CEO. Ergo ist er an den gleichen Massstäben zu messen wie Ford-Chef James Hackett oder GM-Chefin Mary Barra. Allein die Tatsache, dass Tesla in Sachen Elektromobilität eine Pionierrolle übernommen hat, reicht nicht, um Musk zu schonen. Tesla ist nicht sein Privatprojekt, sondern ein öffentliches Unternehmen. Ein Konzern notabene, der gravierende operative Probleme hat, in den nächsten Monaten in einen Finanzierungsengpass schlittern könnte und jedes Auto mit dem Kapital der Aktionäre subventioniert.
Im kommenden Jahr ist Tesla erstmals nicht mehr konkurrenzlos
Es ist offensichtlich: Musk sollte die Führung des Unternehmens abgeben. Um 2019 unbeschadet zu überstehen, braucht Tesla einen erfahrenen, operativ versierten Manager an der Spitze. Aber keinen Tim Cook, wie das gewisse Tesla-Aktionäre vorgeschlagen haben. Der Apple-Chef ist ein Techie, ein Branchenfremder. Tesla braucht jemanden vom Schlag eines Alan Mulally, der mit Ford einen eindrücklichen Turnaround geschafft hat.
Der Grund dafür ist simpel: Die Konkurrenz ist endlich aufgewacht. 2019 wird das Jahr werden, in dem praktisch alle Premium-Autobauer erstmals auf breiter Front richtig gute und richtig coole E-Modelle auf den Markt bringen. Tesla ist dann im E-Markt erstmals nicht mehr konkurrenzlos – und richtig gefordert.