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Abend für Abend steht er am Fenster, eine fast körperlose Silhouette. Seine Nachbarin von schräg gegenüber fühlt sich zu ihm hingezogen. Zwei junge Menschen in der Grossstadt Tokio. Eine Annäherung beginnt. Chihiro, Kunststudentin, geniesst es, als ihr Nachbar Nakajima, Medizinstudent, immer häufiger über Nacht bei ihr bleibt, sie fühlt sich bei ihm aufgehoben. Sie ist Kind einer glücklichen, aber nie legalisierten Liaison zwischen einer Bardame und einem reichen Geschäftsmann, hat viel erlebt und ist eine Frau, die mit dem Körper denkt. Daher spürt sie umso deutlicher, dass Nakajima mit seinem Körper nicht zurechtkommt. Dass er etwas erlebt haben muss, was ihn lähmt. Eines Tages bittet er sie, ihn zu begleiten: zu zwei Freunden an einen einsamen, geheimnisvollen See. Dort scheint er etwas zu suchen, was ihn von einer unheilvollen Vergangenheit befreien könnte.
Portrait
Banana Yoshimoto, geboren 1964, hiess ursprünglich Mahoko Yoshimoto. Ihr erstes Buch ›Kitchen‹ schrieb sie während ihres Studiums, jobbte nebenbei
als Kellnerin in einem Café und verliebte sich dort in die Blüten der ›red banana flower‹, daher ihr Pseudonym. Ihr Vater Ryumei Yoshimoto war ein bekannter Essayist und Literaturkritiker. Sie schrieb zahlreiche Bücher, die auch ausserhalb Japans ungewöhnlich hohe Auflagen erreichten. Ihr Debütroman verkaufte sich auf Anhieb millionenfach – ein Phänomen, für das dann die Bezeichnung ›Bananamania‹ gefunden wurde.
Zwei Fremde die sich auf einer Reise langsam annähern, ein Geschwisterpaar das zurückgezogen lebt und ein See der sie alle zu verbinden scheint. Tauchen Sie ein.
von einer Kundin/einem Kunden am 12.01.2018
Bewertet: anderes Format
Eine stille und nachdenkliche Liebesgeschichte. Yoshimoto geht gewohnt einfühlsam mit ihren Figuren um. Ich lese diese Autorin immer wieder gerne.
Japanische Generation Y
von einer Kundin/einem Kunden am 21.10.2017
Bewertet: Format: eBook (ePUB)
In - Der See - wird die Geschichte von Chihiro erzählt, einer dreißigjährigen Frau, Tochter eines unverheirateten, aber sehr verliebten Paares. Im ersten Satz des Romans erfährt man bereits über den Tod ihrer geliebten Mutter und gleich darauf, dass sie nie eine richtige Beziehung zu ihren Vater aufbauen konnte. Ein Leben lang b...
In - Der See - wird die Geschichte von Chihiro erzählt, einer dreißigjährigen Frau, Tochter eines unverheirateten, aber sehr verliebten Paares. Im ersten Satz des Romans erfährt man bereits über den Tod ihrer geliebten Mutter und gleich darauf, dass sie nie eine richtige Beziehung zu ihren Vater aufbauen konnte. Ein Leben lang blieb er ihr fremd. Chihiro zieht alleine nach Tokyo, wo sie von einem eigenartigen Mann im Nachbarhaus beobachtet wird.
Banana Yoshimoto ist neben Haruki Murakami wohl der populärste japanische Export, und wie ich finde auch ein sehr passendes Pendant zum Großmeister der japanischen Literatur. Rücken bei Murakami die Männer in den Blickpunkt der Geschichte, sind es bei Yoshimoto in der Regel die Frauen. In ihrem typisch schnörkellosen und reduzierten Stil, der mir sehr gut gefällt, erzählt Yoshimoto die Geschichte aus der Sicht Chihiros. Bereits in Kitchen - meinem ersten Roman den ich von dieser außergewöhnlichen Schriftstellerin gelesen habe - überzeugte sie mit ihrer unnachahmlichen und eben minimalistische Art. Die knappen Sätze, die nur scheinbar oberflächig sind, offenbaren den Leser der zwischen den Zeilen lesen vermag, eine Tiefe und und Weite wie sie nur wenige Schriftsteller erreichen.
In - Der See - widmet sie sich der Einsamkeit der Hauptcharaktere und was sie daraus machen. Neben Chihiro charakterisiert Nakajima für mich die typischen Züge der Generation Y - hochgebildet, aber mit wenig Ambitionen Karriere zu machen. Freude an der Arbeit, aber der Status und Prestige sind keine Ziele die sie anvisieren. Wenn in Rezensionen die Rede davon ist - dass gerade Chihiro naiv wirkt, dann stimmt das nur zu einem gewissen Teil. Meiner Meinung nach repräsentierten sie zwei von vielen Dreißigjährigen - die nicht erwachsen geworden sind oder nicht erwachsen werden wollen - und sich die Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung in allen Richtungen offen. Vielleicht stecken sie aber auch in Unsicherheiten fest und wissen noch nicht wohin ihr Weg sie noch führt. Wer sich nun der japanischen Literatur nähern möchte, dem kann ich neben diesem Roman auch ihre Debüterzählung Kitchen, oder von Haruki Murakami Afterdark wärmstens empfehlen.