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Als einer von vier Gewinnern des Balzan-Preises 2002 konnte der renommierte Basler Wissenschaftler Walter Gehring eine Million Franken entgegen nehmen.Dieser Inhalt wurde am 13. November 2002 - 15:52 publiziert
Italiens Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi hat am Mittwoch in Rom die Preise verliehen.
Die italienisch-schweizerische Balzan-Stiftung vergibt die Preise jedes Jahr für hervorragende wissenschaftliche, künstlerische, kulturelle und humanitäre Leistungen. Die Preise sind mit je einer Million Franken dotiert.
Der 63-Jährige Walter Gehring ist Professor am Biozentrum der Universität Basel. Für seine Arbeiten im Bereich Genetik und Entwicklungsbiologie heimste er bereits verschiedenste Preise ein - einzig der Nobelpreis blieb ihm bis anhin verwehrt, obgleich immer wieder gemunkelt wurde, er stehe auf der Liste der Nominierten.
Gehring wird "für seine grundlegenden Erkenntnisse im Gebiet der Zellenanalyse sowie für seinen Beitrag zur Entdeckung des universellen Prinzips, das der Entwicklung des Auges bei Metazoen zugrunde liegt" mit dem Balzan-Preis ausgezeichnet (Metazoen sind mehrzellige Tiere).
Zwei bahnbrechende Entwicklungen
Mitte der 80er Jahre entdeckten Gehring und sein Team die so genannte "Homebox". Dies ist eine Abfolge von Genen, welche die Ausführung des Entwicklungsplans eines werdenden Organismus steuern. Die Entdeckung bei der Taufliege Drosophila ist analog auch bei Würmern, Vögeln, Mäusen und beim Menschen zu finden ist.
Was in der Fachwelt intensiv gewürdigt wurde, blieb in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Anders bei Gehrings zweiter wichtiger Publikation, bei der er der Welt eine gentechnisch veränderte Fliege mit 14 Augen präsentierte.
Als Frankenstein verunglimpft
Der "Herr der Fruchtfliegen" (so damals die SonntagsZeitung) erhielt daraufhin in seinen Labors Besuch von Journalisten aus der ganzen Welt. Viele waren schockiert darüber, dass den Fliegen Augen auf den Beinen, auf den Fühlern wuchsen, "Herald Tribune" schrieb über "monsterish fly".
Als "Frankenstein" und "Monster" wurde Gehring tituliert. Dass die Forschungsgruppe bewiesen hatte, dass sie die Gene, welche die Entwicklung des Auges steuern, beliebig ein- und ausschalten konnten, ging im Medienrummel beinahe unter.
In der Fachwelt wurde der Nachweis von solchen Mastergenen als wichtige Erkenntnis der Entwicklungsbiologie gewürdigt.
Was vor 7 Jahren schockierte, scheint heute keine hohen Wellen mehr zu werfen: Rund um die Verleihung des Balzan-Preises blieben empörte Artikel in der Tagespresse aus. Gewürdigt wurde die Forscherpersönlichkeit. Gehring sei "stets von Neugierde getrieben". Ein Forscher aus Leidenschaft.
Hälfte des Geldes für Forschung und Nachwuchs
Preisträger 2002 sind nebst Gehring die Französin Dominique Schnapper, Direktorin der Hochschule für soziale Wissenschaften in Paris, der Franzose Xavier Le Pichon, Professor für Geodynamik am Collège de France in Paris, sowie der Amerikaner Anthony Grafton, Professor für Geschichte an der Universität Princeton.
Die Gewinner müssen die Hälfte ihres Preisgeldes für die Nachwuchsförderung und Forschungszwecke zur Verfügung stellen. Seit 1961 wurden weltweit über 80 Persönlichkeiten und Hilfsorganisationen mit dem Balzan-Preis geehrt und über 30 Mio. Franken Preisgelder ausgerichtet. Die Preisverleihung findet abwechslungsweise in Bern und Rom statt.
Eva Herrmann und Agenturen