Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03298.jsonl.gz/3182

Taylor Swift sorgt an der 66. Vergabe der wichtigsten amerikanischen Musikpreise für einen neuen Rekord. Als erste Pop-Musikerin erhält sie zum vierten Mal einen Grammy für das beste Album.
Die 66. Grammy-Vergabe hat keinen neuen König hervorgebracht und keine neue Königin. Es gibt niemanden, der dieses Jahr die geballte Aufmerksamkeit und Zustimmung der Musik-Akademie hätte auf sich ziehen können. Vielmehr wurden die Preise am Sonntagabend in der Crypto.com-Arena in Los Angeles auf geradezu demokratische Weise unter diversen Favoriten und vor allem Favoritinnen verteilt.
Tatsächlich stand die Feier mehr denn je im Zeichen von Frauen: Bis in alte Männerdomänen hinein waren es Musikerinnen, die heuer mit einem oder mehreren kleinen goldenen Grammofonen für ihr Schaffen ausgezeichnet wurden. Das war bereits nach den Nominationen zu erwarten. Ein einziges Album und ein einziger Song eines Musikers schafften es in die wichtigsten Kategorien des besten Songs und des besten Albums: «World Music Radio» und «Worship» von Jon Batiste.
Eine Überraschung
Doch der afroamerikanische Songwriter hatte damit das Nachsehen gegenüber Miley Cyrus’ stimmigem Break-up-Song «Flowers». Auch dass Batiste in der Album-Wertung keine Chance haben würde gegen Taylor Swift, ist keine Überraschung. Für «Midnight» hat die Sängerin bereits zum vierten Mal den Album-Award eingeheimst – ein Rekord in der Geschichte der Grammys, in der Frank Sinatra, Paul Simon und Stevie Wonder diesen Award bisher je dreimal gewonnen hatten.
Tatsächlich hat Swift auch sonst für Aufregung sorgen können an der von Trevor Noah moderierten Feier. Zwar hat die Trump-Gegnerin, die die Republikaner einer Verschwörung gegen ihren Kandidaten verdächtigen, noch keine Wahlempfehlung abgegeben. Hingegen teilte sie überraschend mit, dass ihr nächstes Album, «The Tortured Poets Department», am 19. April erscheinen werde.
Zu den grossen Favoritinnen zählten dieses Jahr auch die amerikanische R’n’B-Sängerin SZA, die mit neun Nominationen ins Rennen ging, sowie die Indie-Rock-Sängerin Phoebe Bridgers und die R’n’B-Sängerin Victoria Monét mit je sieben Nominationen. Sie haben zwar nicht alles abgeräumt, aber sie wurden grosszügig mit Grammys dekoriert: Monét etwa in der Kategorie «bester neuer Künstler», SZA und Bridgers erhielten unter anderem einen Award für ihr Duo «Ghost in the Machine».
Auffälliger ist allerdings Phoebe Bridgers’ Erfolg mit ihrer Band Boygenius in verschiedenen Rock-Sparten. Wo einst die Machos regierten, hat sie mit kontrollierter Frauenpower und formsicherer Musikalität gleich drei Grammys erkämpft – mit dem Song «Not Strong Enough» (bester Rock-Song, beste Rock-Darbietung) und mit dem Album «The Record» (bestes Alternative-Album).
Die Liste erfolgreicher Künstlerinnen kann fast beliebig weitergeführt werden. Billie Eilish hat für «What Was I Made For» aus dem «Barbie»-Film-Soundtrack den Grammy für den «Song des Jahres» gewonnen. Und auch wo das überbordende Grammy-Angebot dieses Jahr durch neue Kategorien erweitert wurde, haben Frauen die Preise abgeräumt: Tyla gewann mit «Water» als Erste den Award für den besten afrikanischen Pop-Song und Meshell Ndegeocello den ersten Grammy für das beste Alternative-Jazz-Album.
Wo sind die Männer?
Bei so viel femininer Dominanz mag man sich fragen, ob heute tatsächlich die Frauen den Mainstream-Pop beherrschen – oder ob die Männer und mithin die Diversity bei den Grammys auf der Strecke geblieben sind.
Vergleicht man die Grammy-Verleihung mit den Spotify-Charts von 2023, so ergibt sich bei den Song-Charts eine gewisse Übereinstimmung: An der Spitze steht Miley Cyrus mit «Flowers», es folgen «Kill Bill» von SZA sowie zwei Taylor-Swift-Songs («Cruel Summer», «Anti-Hero») in den Top Ten. Die Liste der am meisten gestreamten Künstler wird zwar von Taylor Swift angeführt, darauf folgen aber eine ganze Reihe von Musikern wie Bad Bunny, The Weeknd, Drake.
Aber die Grammy-Akademie hat eigene Vorlieben. Grosse Stars wie Sam Smith oder Ed Sheeran wurden diesmal nicht berücksichtigt. Die Männer haben sich immerhin noch in den Sparten Produktion und Songwriting behaupten können, wo Jack Antonoff bzw. Theron Thomas den Grammy abholen durften. Andrerseits blieben auch Rap und Hip-Hop in Männerhand – dank Altstars wie Killer Mike, Lil Durk und J. Cole.