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Der Bilanzskandal bei der Software-Schmiede Autonomy kostet den Chairman von Hewlett-Packard, Ray Lane, den Job. Der unter schrumpfenden Verkäufen leidende, weltgrösste Computerbauer gab am Donnerstag den Rücktritt von Lane als Chef des Verwaltungsrats bekannt.
Investoren werfen HP vor, beim elf Milliarden Dollar schweren Kauf der britischen Autonomy 2011 keine ordentliche Buchprüfung vorgenommen zu haben. Mutmassliche Mauscheleien führten Ende 2012 zu einer Abschreibung von 8,8 Milliarden Dollar. HP bezichtigt die frühere Führung von Autonomy, mit Buchungstricks den Preis in die Höhe getrieben zu haben.
Lane, der als Verwaltungsratschef den Autonomy-Zukauf mit genehmigt hatte, erklärte am Donnerstag nach US-Börsenschluss, er habe sich dazu entschieden, als amtierender Verwaltungsratschef zurückzutreten, "um die derzeitige geschäftliche Wende von HP möglichst wenig zu belasten".
Whitworth folgt auf Lane
Lane bleibt indes als einfaches Mitglied in dem höchsten Firmengremium sitzen. Die HP-Aktionäre hatten ihm zuletzt einen saftigen Denkzettel verpasst. Er war bei der Hauptversammlung im März nur mit der knappen Mehrheit von rund 59 Prozent wiedergewählt worden.
Laut HP wird vorübergehend Direktor Ralph Whitworth, der seit knapp zwei Jahren Mitglied im Verwaltungsrat ist, Lanes Posten als Vorsitzender des Kontrollgremiums übernehmen. Whitworth gilt als aktivistischer Investor - das sind Aktionäre, die versuchen, den Kurs eines Unternehmens nach ihrem Willen zu verändern.
Hinzu kommen bei HP weitere personelle Veränderungen auf höchster Konzern-Ebene: Auch G. Kennedy Thompson und John Hammergren werden das Board verlassen. Damit befindet sich HP nun auf der Suche nach zwei bis drei neuen Verwaltungsratsmitgliedern.
Umfassender Umbau
Der Chef des Verwaltungsrats ist die zweite starke Figur im Konzern. Die Führung der Geschäfte liegt bei Konzernchefin Meg Whitman. Sie folgte auf den deutschen Manager Léo Apotheker, der die Autonomy-Übernahme eingefädelt hatte.
Kurz darauf musste Apotheker nach Kritik an seiner Strategie gehen. Er wollte den traditionsreichen PC- und Drucker-Hersteller in Richtung Software umbauen. HP leidet darunter, dass Smartphones und Tablet-Computer dem klassischen PC den Rang ablaufen.
Zuletzt schrumpften die Verkäufe. Um sich den neuen Realitäten zu stellen, baut Whitman nun ihrerseits umfassend um, mit dem Ziel, neue Wachstumspotenziale freizusetzen. Anleger forderte sie auf, geduldig zu sein.
Erstmal stehen nun Stellenstreichungen, Einsparungen sowie die Konzentration auf vielversprechende Dienstleistungen auf dem Programm. Dabei bleiben 29'000 Mitarbeiter auf der Strecke, das ist fast jeder zehnte Beschäftigte.
SDA-ATS