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Schweizermeister 2008
Saison 2007/08
Zum Start in die neue Saison pilgerten 1’500 Zuschauer in die KEBO, vor allem um die neu Verpflichteten Don MacLean, Thibaut Monnet, Ryan Gardner, Mark Bastl, Mirko Murovic, Alexej Krutov und Lukas Flüeler zu sehen. MacLean bekamen sie allerdings nicht zu Gesicht, da er sich auf dem Weg nach Oerlikon verfahren hatte und zudem noch unter einem Jetlag litt. Mirko Murovics Debüt im Dress der Lions endete frühzeitig mit einem Kreuzbandriss.
Nachdem die Lions in den beiden letzten Saisons die Playoffs verpasst hatten, redete ein Jahr nach Michel Zeiters Abgang in Oerlikon niemand mehr vom Meistertitel.
Der Meisterschaftsstart in Bern glückte den Zürchern dann aber. Jedoch musste man danach wieder vier Niederlagen gegen Kloten, Bern, Fribourg und Basel einstecken. Dazwischen konnte allerdings Lugano mit 7:2 geschlagen werden. Ein erstes Mal deuteten die Zürcher also ihre Klasse an.
Es reihte sich dennoch Niederlage an Niederlage. Die Luft für Trainer Harold Kreis wurde bereits sehr dünn.
Nach elf Spielen präsentierte sich die Tabelle wie folgt:
Am 19. Oktober 2007 ging es zum Kantonsrivalen Kloten. Bei einer neuerlichen Niederlage wäre Trainer Harold Kreis wohl nicht mehr ins Hallenstadion zurückgekehrt. Feuerwehrmann Kent Ruhnke stand für sein drittes Engagement bei den ZSC Lions bereit. Im Startdrittel sah man dann zwei völlig verunsicherte Mannschaften. So konnte Kloten eine eineinhalbminütige doppelte Überzahl nicht für sich nutzen. Ein 0:0 nach 20 Minuten war die logische Konsequenz. Im Mitteldrittel gings dann plötzlich schnell; Pittis, damals noch in den Reihen der Klotener, erzielte die Führung für die Hausherren. Nun war eine Reaktion der Stadtzürcher gefordert. Diese fiel prompt und heftig aus: Binnen zwölf Minuten schlugen sie vier Mal zu und entschieden diesen Krisengipfel zu ihren Gunsten. Allerdings fiel in dieser Partie Rastislav Pavlikovsky mit einer Schulterverletzung aus.
Da die sportliche Führung mit Don MacLeans Leistungen unzufrieden war, wurde umgehend Peter Sejna verpflichtet. Dieser brachte der Mannschaft in den folgenden fünf Spielen lauter Siege, womit die Zürcher in der Tabelle zwar weiterhin unter dem Strich, aber nur noch einen Punkt vom achten Platz entfernt waren.
Mit den beiden hohen Siegen (9:1 und 7:1) binnen zwei Tagen zur Saisonhälfte hievte man sich erstmals in dieser Saison wieder über den Strich. Aus den restlichen sieben Spielen bis zum Jahresende resultierten dann allerdings nur noch zwei Siege.
Im Januar verletzte sich Rastislav Pavlikovsky erneut und ein längerer Ausfall drohte. Es wurden Verhandlungen mit dem EHC Kloten um den Abwanderungswilligen Domenico Pittis aufgenommen. Neo-CEO Peter Zahner drängte auf eine schnelle Entscheidung – zu fragil war die Tabellensituation zum Jahreswechsel.
Bis zu den Playoffs reihten die Löwen dann einige Siege aneinander. Die Qualifikation wurde schlussendlich auf dem sechsten Platz beendet. Nach 50 Spielen hatten sich die Zürcher immerhin noch einen Zwölf-Punkte-Vorsprung auf den von den Luganesi belegten Platz 9 erarbeitet.
Die Viertelfinalserie bescherte dem Zett ein Derby gegen die leicht favorisierten Klotener. Aber bereits im ersten Spiel zeigte man dem Nachbarn aus Kloten die Grenzen auf – 5:1-Sieg.
Da auch die nächsten zwei Spiele gewonnen wurden, stand es bereits 3:0 in der Serie. Der Paradesturm «Wichser – Sejna – Gardner» machte mehr als einmal den Unterschied aus. Der EHC Kloten konnte jedoch noch einmal reagieren und vermieste den ZSC Lions mit einem 2:1-Sieg in deren eigenem Stadion den Halbfinaleinzug. Zwei Tage später wurde dieser aber im dritten Playoff-Auftritt am Schluefweg nachgeholt. 4:1 in der Serie gegen den Drittplatzierten der Qualifikation machte Appetit auf mehr!
Der Halbfinal brachte dann den Rekordmeister aus Davos ins Hallenstadion. Es wurde eine ausgeglichene Serie erwartet, hatten doch beide Teams je zwei Direktduelle in der Qualifikation gewonnen.
Beim ersten Auftritt in Davos lagen die Lions bis Spielmitte mit 2:0 vorne. Davos konnte danach die Partie innert 151 Sekunden ausgleichen. Zudem leistete sich Ari Sulander einen Lapsus, der in der 57. Minute die Entscheidung zugunsten der Davoser brachte. Domenico Pittis wurde schmerzlich vermisst – der von den GCK Lions ausgeliehene Johner konnte ihn nicht gleichwertig ersetzen.
Langsam goutierten die Zürcher Zuschauer die Leistungen der ZSC Lions. Zum ersten Halbfinalauftritt kamen 10’380 Zuschauer ins Hallenstadion. Dieses Mal war es der HC Davos, der bis zur Spielmitte mit 2:0 vorlegte – eine Wiederholung der Ereignisse, mit umgekehrten Vorzeichen. Severin Blindenbacher, Thibaut Monnet und Ryan Gardner glichen das Spiel zum 3:3 aus. In der Verlängerung sorgte dann Mark Bastl für den Siegestreffer der Löwen.
In Spiel drei folgte dann das angestrebte Break: Ein glänzend disponierter Domenico Pittis orchestrierte traumhaft drei Tore zum nie gefährdeten 4:0-Auswärtssieg.
Beim vierten Aufeinandertreffen war das Hallenstadion ein erstes Mal in dieser Saison ausverkauft. Der Zett spielte in dieser vierten Partie den HCD im ersten Drittel an die Wand. Der Ertrag war allerdings minim: 1:1 nach dem Startdrittel. Ein Leonardo Genoni in Hochform hielt den HCD im Rennen, und vorne reichte eine geniale Aktion von Reto von Arx zum Tor.
Status Quo auch nach 40 Minuten, dank den Toren von Alexei Krutov und Peter Guggisberg. In der 53. Minute war es dann einmal mehr Ryan Gardner, der die Partie zugunsten der Löwen entschied. Vier der letzten sechs Tore gingen auf sein Konto.
Die Davoser setzten sich jedoch im fünften Spiel wieder diskussionslos mit 4:1 durch. «Nicht, dass sich Davos gesteigert hätte; wir haben einfach schwächer gespielt», äusserte sich Mathias Seger nach dem Spiel.
Der 27. März 2008 sollte den Finaleinzug gegen das bereits qualifizierte Genf-Servette bringen. 10’700 Zuschauer im übervollen Hallenstadion liessen den Geist aus der alten Halle wieder aufleben. Stampfend und klatschend trieben sie die Zürcher Löwen an. Dem immensen Aufwand wurde aber mit dem einen Tor von Ryan Gardner zum 1:0 in der 10. Minute zu wenig Rechnung getragen. Als dann im Mitteldrittel Ambühl ausglich, wurde die Verunsicherung im Zürcher Anhang spürbar. Nicht aber bei der Mannschaft: Binnen neun Minuten drehten die ZSC Lions das Spiel. Jan Alston, Beat Forster, Peter Sejna und Thibaut Monnet netzten ein, womit es zum Schluss 5:1 stand. Die Finalqualifikation war geschafft.
Finale. Der 6. Titel der Clubgeschichte zum Greifen nah.
Im ersten Auswärtsspiel des Finals lagen die ZSC Lions bis acht Minuten vor Schluss mit 1:3 im Rückstand. Dann kämpften sich die Zürcher, die erst jetzt richtig im Finale angekommen schienen, nochmals ins Spiel zurück. Kevin Gloor, mit seinem ersten Playoff-Treffer, und Jan Alston erzwangen die Verlängerung. Meunier sorgte dann jedoch für den Genfer Siegestreffer. Man war nahe dran, gereicht hatte es aber noch nicht.
Mit beeindruckender Moral wurde im zweiten Finalspiel der 0:2-Rückstand nach acht Minuten aufgeholt. Als aber Vigier in der 50. Minute zum 2:3 einschoss, war es um die Zürcher geschehen. Erneut war es dann Meunier, der per Empty-Netter das 2:4 erzielte.
0:2 in der Serie hinten, Auswärtsspiel in Genf – war dies bereits die Entscheidung?
Spiel drei. Les Vernets. Beat Forster gesperrt. Severin Blindenbacher krank. Keine guten Voraussetzungen, die Serie noch zu drehen. Severin Blindenbacher wurde im Auto von Teamarzt Gery Büsser auf einer Matratze liegend nach Genf chauffiert. Er stand in Genf selbstverständlich auf dem Eis und verlieh der Zürcher Abwehr die gewohnte Stabilität. Das Startdrittel bot beste Unterhaltung. Durch Unkonzentriertheiten wurden sich gegenseitig viele Freiheiten gelassen. Die ersten spektakulären 20 Minuten endeten 2:2. In der 33. Minute schoss Jan Alston die Zürcher wieder in Führung, die danach geschickt verteidigt wurde: Ari Sulander liess sich an diesem Abend nicht mehr bezwingen. Somit holten die Zürcher in der Serie auf 1:2 auf.
Im vierten Finalspiel glückte den Lions der wohlverdiente Ausgleich in der Serie. Auch dieses Finalspiel im Hallenstadion war eine Abnützungsschlacht, und jeder im Stadion wusste, dass ein Treffer beim Zwischenstand von 2:2 wohl die Entscheidung bedeutet hätte. Mit dieser Anspannung mussten die Fans im ausverkauften Hallenstadion zurechtkommen, bis Peter Sejna nach einem schönen Backhand-Pässchen von Ryan Gardner in der 56. Minute mit einem überraschenden Schlenzer Servettes Torhüter Mona zum 3:2 überlistete. Der Freudentaumel nach einem Spiel, das in beide Richtungen hätte kippen können, war riesig, und die letzten vier Minuten des Spiels wurden noch einmal zur Nervenprobe. Schlussendlich retteten die ZSC Lions den knappen Vorsprung aber souverän über die Zeit und durften den Ausgleich zum 2:2 in der Finalserie bejubeln.
Der per Saisonende scheidende Trainer Harold Kreis musste für die dritte Fahrt nach Genf erneut die gesamte Verteidigung umstellen. Verteidiger Andri Stoffel kugelte sich die Schulter aus – Saisonende! Die Genfer, nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge, wollten dem Heimpublikum zeigen, dass sie nicht zu Unrecht im Final standen. Nachdem Kirby Law zweimal für die Genfer getroffen hatte, stand es 2:0 zur Pause nach dem ersten Drittel.
Je länger die Partie dauerte, umso mehr bekamen die Zürcher Zugriff auf die Partie. Als Severin Blindenbacher zur Spielmitte den Anschlusstreffer erzielte, war endgültig Feuer unterm Dach. Das dritte Drittel war dann jedoch nichts mehr für Hockeyästheten. Mit allen Mitteln wurde der Ausgleich angestrebt. In der grössten Druckphase der Löwen erwies Alexei Krutov der Mannschaft einen Bärendienst, indem er zwei Strafen kassierte. In der 56. Minute trafen die Lions zum vermeintlichen Ausgleich. Schiri Kurmann annullierte den Treffer aber wegen unkorrektem Anspiel.
Der Zett warf nun alles nach vorne, inklusive sechstem Feldspieler, der auf Kosten Ari Sulanders ins Spiel eingriff. 48 Sekunden vor Schluss war es dann Domenico Pittis, dem der Ausgleich gelang. Das Nervenspiel ging nochmals 20 Minuten weiter. Da auch in der Overtime kein Sieger erkoren werden konnte, musste das Penaltyschiessen entscheiden. Juraj Kolnik reüssierte als einziger Genfer. Bei den Zürchern trafen Jan Alston und Domenico Pittis. Der Sieg ging somit kurz vor Mitternacht an die ZSC Lions, die nun in der Serie 3:2 führten.
10. April 2008 – Meisternacht in Zürich
Nach gerade einmal 74 Sekunden wurde Jan Alston in die Garderobe geschickt – eine unglückliche Aktion mit seinem Stock trug ihm eine Matchstrafe ein. Es war erneut Kirby Law, der von der Überzahl profitieren konnte und die Grenats in Führung brachte. Die Anfangsnervosität begann sich bei den Zürchern langsam zu legen. In einer hektischen Partie dauerte es dann bis zur 27. Minute, ehe Ryan Gardner zum vielumjubelten 1:1 einschob. Auch aufgrund eines schwachen Powerplays vermochten die Zürcher aber das Momentum nicht weiter auszunützen.
Im letzten Drittel nahm Kreis letzte taktische Umstellungen vor und bildete mit Mirko Murovic, Kevin Gloor und Mark Bastl eine physisch starke Powerlinie, die den Genfern zusetzen sollte. Angriff um Angriff brandeten gegen Monas Tor. Die Genfer wehrten sich mit allem, was sie hatten, gegen das drohende Saisonende.
Irgendwie schafften es die Genfer aber dennoch in die Verlängerung. In der 69. Minute ertönte die Torsirene, das Hallenstadion versank im verfrühten Meisterjubel: Die Videobilder lieferten den Beweis, dass Forsters Geschoss vom Innenpfosten zurückprallte. So blieb auch die Verlängerung ohne weitere Tore, das Penaltyschiessen musste die Entscheidung bringen.
Das tat es auch, und zwar ziemlich schnell: Während Sulander alle 3 Versuche der Genfer stoppte, vermochte Domenico Pittis zu reüssieren.
Die Meistermannschaft:
Sulander, Suchy, Blindenbacher, Seger, Schnyder, Leeger, Forster, Gardner, Wichser, Sejna, Alston, Pittis, Monnet, Krutow, Gloor, Lachmatov, Bastl, Grauwiler, Murovic, K. Lindemann.
Verletzt: Stoffel, überzählig: Pavlikovsky, Flüeler, Johner.
Modus:
Qualifikation:
Spiele: 50 / Siege: 21 / Siege nach Verlängerung: 3 / Siege nach Penalty: 3 / Niederlagen: 17 / Niederlagen nach Verlängerung: 3 / Niederlagen nach Penalty: 3 / Punkte: 81 / Torverhältnis: 158:125 / Qualifikationsrang: 6
Playoffs:
Viertelfinal vs. Kloten, Serie 4:1
Halbfinal vs. Davos, Serie 4:1
Final vs. Genf, Serie 4:2