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Editorial Europäer Juni 2012
In den USA läuft seit dem 13. Mai ein Prozess gegen den angeblichen Hauptdrahtzieher der Anschläge vom 9/11, Khalid Sheikh Mohammed und ein paar Helfershelfer. Seit seiner Verhaftung im Jahre 2003 wurde Sheikh Mohammed laut NZZ online (29. 4. 2012) 183 Mal dem «Waterboarding» unterzogen, einer Foltermethode, durch welche das Opfer dem Tod durch Ertrinken ausgesetzt, um im letzten Moment davor «gerettet» zu werden. Der Prozess findet auf Guantanamo statt, wo noch andere Foltermethoden angewendet werden. Präsident Obama hatte das jenseits aller demokratischen Rechtssprechung agierende Militärgefängnis vor Jahren zu schließen versprochen. Es klingt wie Hohn auf jeglichen «Menschenverstand», wenn die NZZ, welche wie die meistenTagesmedien an die Schuld von Sheikh Mohammed glaubt, am Schluss bemerkt: «Die Militärjuristen müssen klären, wie weit sie die unter Folter erwirkten Aussagen der Angeklagten berücksichtigen können». Was waren die unter Folter erpressten «Geständnisse» der Templer im 14. Jahrhundert wert? Nicht Sheikh Mohammed, solcher «Folterjustiz» müsste öffentlich der Prozess gemacht werden.
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Vor hundert Jahren ist am 14. Mai der schwedische Dichter August Strindberg gestorben. Aus diesem Anlass bringen wir eine schon für das Maiheft geplante Skizze des französisch-russischen Germanisten Anatoly Livry, welche u.a. eine überraschende Beziehung von Strindbergs Gespenstersonate zur «Toteninsel» von Arnold Böcklin dokumentiert. Wir erinnern an die Monografie von Norbert Glas, der den von Steiner erforschten karmischen Hintergrund* Strindbergs und seines Lebensfreundes Carl Ludwig Schleich beleuchtet.
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Zur Johannizeit veröffentlichen wir die Betrachtung eines noch ungenannten Schülers Rudolf Steiners. Es ist die Zeit des «historischen Gewissen». Wir leben in einer Epoche der historischen «Gewissenlosigkeit», wie u.a. der amerikanische Farcen-Prozess dokumentiert. Noch nie scheinen die Gedankenbildungen von allen früheren historischen Prozessen derart abgerissen zu sein wie heute. «Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleib im Dunkeln, unerfahren, mag von Tag zu Tage leben» – schrieb Goethe im West-östlichen Diwan.
Der geisteswissenschaftlich Interessierte könnte seinen historischen Blick noch mehr ausweiten. In welcher Phase der Gesamtentwicklung vom alten Saturn in fernster Vergangenheit bis zum Vulkan in fernster Zukunft befinden wir uns gegenwärtig? Diese Gesamtentwicklung umfasst 7x7x7 Zustände: insgesamt also 343. Wir befinden uns heute etwas über der Mitte, im 172. Entwicklungszustand, in welchem das Physisch- Mineralische verstanden und bearbeitet wird.** Alle Ereignisse, Kriege, Errungenschaften, Tragödien und Verlogenheiten unserer Zeit spielen sich im Zustand 172 ab. Wer nach der Seite der Vergangenheit und der Seite der Zukunft über diesen «Tagesaugenblick» hinausschaut, kann aus einem weitem Atem schöpfen. Es ist der Atem, mit welchem dem Menschen in vieler Beziehung weit überlegene Wesenheiten und ihre Helfer die Weltentwicklung impulsieren und lenken. Zu ihnen gehört Uriel, der Erzengel der Johannizeit, der Inspirator des «historischen Gewissens», das in unserer Zeit gar nicht umfassend genug ausgebildet werden kann.***
Thomas Meyer
* 7. September 1924, GA 138 ** 29. Juni 1908, GA 104 *** 12. Oktober 1923, GA 229