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Neue temporäre Ausstellung im Kunstmuseum Casa Console: Lepontinische Tessiner Maler
Von Chialiva, Rossi und Franzoni zu Sergio Maina
29. Januar 2019 – 31. Oktober 2019
Der überraschendste der vier in Poschiavo gezeigten Maler ist Luigi Chialiva (Caslano 1842 – Paris 1914). Nach der Erlangung eines Diploms in Architektur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich widmete sich der junge Chialiva in Mailand der Malerei; 1864 begann er in Turin seine Ausstellungstätigkeit und zog 1874 nach Frankreich. In Paris pflegte er Kontakt zu Edgard Degas und seinem Kreis. Seine Landschaften und Tierdarstellungen faszinieren durch verhaltenen Naturalismus und lichtvolles Kolorit. Zahlreiche seiner Werke finden sich in englischen und amerikanischen Privatsammlungen.
Luigi Rossi (Lugano 1853 – Tesserete 1923) studierte an der Accademia di Brera; von 1885 bis 1889 lebte er in Paris, wo er sich der Buchillustration widmete, wie etwa von Sappho und des gesamten Tartarin de Tarascon-Zyklus von Alphonse Daudet. Zurück in Mailand folgte ein Jahrzehnt intensiver Ausstellungstätigkeit, und Rossis Kunst ging vom Realismus zum Symbolismus über. Rossi war mit Giacomo Puccini, Arrigo und Camillo Boito befreundet. Im 20. Jahrhundert erneuerte er sein Interesse für die Landschaft, vor allem der Capriasca im Tessin.
Filippo Franzoni (Locarno 1857 – Mendrisio 1911) war Maler, Fotograf und Cellist. Von 1876 bis 1884 hatte er seine Ausbildung an der Accademia di Brera. Als Gast der russischen Baronin Antoinette de Saint Léger eröffnete er 1887 ein Atelier auf den Brissago-Inseln. Bis 1893, als er in seine Geburtsstadt zurückkehrte, lebte Franzoni in Mailand, doch stets in engem Kontakt zum Tessin. In Italien war er in Verbindung mit Künstlern der späten Scapigliatura und Persönlichkeiten wie Vittore Grubicy oder Gaetano Previati und in der Schweiz mit Albert Welti, Hans Emmenegger und Ferdinand Hodler. Er engagierte sich in der Gründung des 1902 eröffneten Theaters in Locarno. Zwischen 1903 und 1906 näherte er sich der Gemeinschaft von Lebensreformern auf dem Monte Verità.
Von Sergio Maina (Caslano 1913 – Castelrotto 2009) werden Werke aus dem gesamten Bogen eines Künstlerlebens gezeigt, von den 1930er bis zu den 1970er Jahren. Für Maina charakteristisch sind vertikale Richtungsvektoren, kalte Weiss-, Blau-, Ockertöne und feuchte Winterstimmungen. Er ist ein Maler des Wassers; oft hat er sich dem Aquarell gewidmet, einer perfekt mit seinen ‚nassen‘ und ‚wässrigen‘ Themen korrespondierenden Technik. Seine Palette besteht aus wenigen Farben, hier und dort durch einen seltenen Farbakzent angereichert.
Von Gian Casper Bott kuratiert, Guido Lardi koordiniert und Renzo Volpato eingerichtet, zeigt die Ausstellung von 1865 bis 1920 geschaffene Ölgemälde von Chialiva, Rossi, Franzoni sowie Werke in Öl, Aquarell und Tempera von Maina aus den Jahren 1933 bis 1974. Die zweiunddreissig Exponate wurden grosszügigerweise vom MASI Museo d’arte della Svizzera italiana in Lugano, der Pinacoteca cantonale Giovanni Züst in Rancate, dem Museo Sergio Maina in Caslano und der Galleria Poma in Morcote zur Verfügung gestellt. Für die freundliche Zusammenarbeit geht ein besonderer Dank an Leandro Maina.
Kunstmuseum Casa Console
Via da Mezz 41
7742 Poschiavo
Geöffnet: täglich ausser montags von 11.00–16.00 Uhr