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1 Zürich 15. October 77.
Hochverehrter Herr & Freund!
Wie sehr ich mich dem Inhalte Ihres geschätzten Schreibens vom 11. dss. Mon. , soweit es sich auf die Action gegenüber Italien & die dabei von dem Repräsentanten der Gesellschaft in Rom einzunehmende Stellung bezieht, von A bis O einverstanden bin, wollen Sie aus der beiliegenden Copie einer Zuschrift2 entnehmen, welche ich am gestrigen Tage an Hrn. Maraini gerichtet habe. M. wird die Zuschrift bei seiner Rückkehr nach Rom vorfinden & also lesen, bevor er mit Hrn. Depretis3 zusammentrifft.
Ich glaube Ihnen bereits mitgetheilt zu haben, daß ich letzthin auch gegenüber Hrn. v. Röder im Sinne unserer gemeinschaftlichen Anschauungsweise über die nach au| ßen zu entwickelnde Action gehandelt habe. Ich bemerkte Hrn. v. R., indem wir die Gotthardbahnangelegenheit besprachen, es werde auch nach Genehmigung des Schlußprotokolles der internationalen Conferenz von Luzern4 ein großes Fragezeichen hinter die Erhältlichmachung des noch erforderlichen Privatcapitales5 zu setzen sein & ich entwickelte ihm, wie nach meiner Ansicht das fehlende Privatcapital unter Herbeiziehung des Factors der Staatsgarantie zu beschaffen sein dürfte. Hr. v. R. wünschte dann ein kleines Exposé hierüber «zu Handen seiner Regierung» von mir zu erhalten. Ich erwiederte ihm hierauf, daß ich hiezu nur nach erzieltem Einverständnisse mit Ihnen, beziehungsweise der Gotthardcommission des Bundesrathes Hand bieten könnte.
Bezüglich des Gutachtens über die Verpflichtung des Finanzconsortium's zur Abnahme der IV Serie des Obligationencapita| les habe ich die Ehre, Ihnen die nachfolgenden Mittheilungen zu machen: Es ist nun Hr. Prof. Dr. G. Vogt von der Direction eingeladen worden, ein solches Gutachten abzugeben. Hr. Vogt zeigt eben an, daß er diesen Auftrag annehmen & daß er seine Arbeit bis Ende der nächsten Woche einreichen zu können hoffe. Ich werde nicht verfehlen, Ihnen sofort eine Abschrift des Gutachtens zukommen zu lassen. Hr. Bützberger6 hat für den Fall, daß es zu einem Prozesse mit dem Consortium kommen sollte, die Führung desselben Namens der Gesellschaft definitiv übernommen.
Die beiden Berichte des Hrn. Pressel werden Ihnen zugekommen sein. 7 Ich hoffe Ihnen bald auch den mir gestern zugekommenen Befund von Gotschalk8 betreffend die Erhöhung des Steigungsmaximum's auf 30‰ & die Verkürzung des kleinsten Krümmungshalbmessers auf 225 m übermitteln zu können.9 |
Ich bedaure sehr, mich in die Unmöglichkeit versetzt zu sehen, der morgenden Conferenz10 mit Favre beizuwohnen. Leider findet gleichzeitig eine Sitzung des Verwaltungsrathes der N.O.B.11 Statt. Abgesehen davon, daß es eine Sitzung von kapitaler Wichtigkeit ist, von der ich schon deshalb nicht wegbleiben darf, habe ich mich in der letzten Sitzung12 davon überzeugen müssen, daß meine Theilnahme an denselben im gegenwärtigen Augenblicke durch die Interessen der Gesellschaft geradezu geboten ist.
Über das «Résumé des pourparlers»13, das ich Ihnen zu übersenden die Ehre hatte, hoffe ich demnächst mündliche Rücksprache mit Ihnen nehmen zu können.
Darf ich Sie bitten, diesen Brief sammt Beilage Hrn. Welti mit herzlichem Gruße mitzutheilen.
In freundschaftlicher Hochachtung
Ihr
Dr A Escher