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«Napoli Super Modern»: Architektur der Moderne in Neapel
In Neapel stehen die Gebäude von Luigi Consenza exemplarisch für die Moderne. Er prägt in der Nachkriegszeit den sozialen Wohnungsbau, baut Villen und öffentliche Bauten. Von ihm weiteren Architekten erzählt der reichbebilderte Band «Napoli Super Modern».
Quelle: Cyrille Weiner
Die Clinica Mediterrana - ein innerstädtisches Krankenhaus direkt am Meer - wurde schon 1940 von Sirio Giametta entworfen aber erst 1949-52 realisiert. Allen Aufnahmen ist das ungeschönte gemein: Sie erwecken den Eindruck, der Leser sehe alles umgeschminkt vor Ort.
Quelle: Cyrille Weiner
Das Wohn- und Geschäftshaus an der Ponte di Tepia von Raffaello Salvatori hat einen dreieckigen Grundriss mit einem Innenhof. Auf seinen elf Wohngeschossen finden sich jeweils nur sechs sehr geräumige Apartmentwohnungen.
Quelle: Cyrille Weiner
Das zwischen 1935 und 37 entstandene Finanzamt von Marcello Canino wird nicht allein durch seinen expressiven, konchenartigen Haupteingang geprägt, an seiner Rückseite findet sich ein nicht weniger expressiver, apsisartiger Anbau, der dem Grundriss eine sakrale Anmutung gibt.
Quelle: Park Books / zvg
Zu jeder Projektvorstellung der insgesamt 18 Bauten gehört jeweils ein Lageplan in identischem Maßstab. Acht davon liegen so nah bei an einander, dass ihre Position theoretisch auf einem Plan hätten vermerkt werden können. Am Beispiel des Lageplans des Postamtes (schwarz) hat der Autor einmal die umliegenden sieben Bauten nachgetragen.
Quelle: Park Books / zvg
Neben den Grundrissen werden von allen Bauten auch Fassadenansichten gezeigt und zueinander in Vergleich gesetzt. Links das Hochhaus der Societa Cattolica Assicurazioni", rechts unten das INPS-Hauptquartier und rechts oben das Wohn- und Geschäftshaus an der Ponte die Tepio.
Das Buch betrachtet die Zeitspanne
zwischen 1930 und 1960 und beginnt chronologisch mit dem Fischmarkt von
Luigi Consenza. Der zwischen 1929 und 1935 entstandene Bau am Hafen ist von
seinem gewölbten Tonnendach geprägt, das aus einem engmaschigen Netz aus
Glasbausteinen besteht.
Ihm folgen das Fährterminal von Cesare Bazzani aus dem Jahr
1936 sowie die hochurbanen Bauten im Stadtteil Rione Carità, wie das Post- oder
das Finanzamt. Letzteres ist von Marcello Canino, der seinerzeit eine führende
Persönlichkeit der neapolitanischen Architekturszene war und dessen Werk und
Einfluss sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Auch die Villa
Oro, die Luigi Consenza zusammen mit Bernard Rudofsky zwischen 1934 und 1937
entwarf und realisierte, ist ebenfalls ein Bau aus faschistischer Zeit. Das auf
einem Felsvorsprung errichtete Wohnhaus entspricht im Alter und Rezeption der
weit berühmteren Villa Malaparte auf der nahen Insel Capri. Auf die Villa nimmt
das Buch oft Bezug.
Es folgen die drei Bauten der Mostra Triennale aus dem Jahre 1940, der albanische Pavillon, der Goldene Würfel sowie das Teatro Mediterrano. Die Ausstellung bestand noch aus zahlreichen weiteren Bauten, die jedoch entweder temporärer Natur waren, oder die den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs nicht überstanden.
Bauboom nach dem Zweiten Weltkrieg
Für den Wiederaufbau Neapels wurden weitgehend dieselben
Architekten engagiert. 1948 setzt Luigi Consenza mit einem Projekt die Idee des
sozialen Wohnungsbaus um. Es ist ein Werk von besonderer Qualität, auf welches
das Buch speziell eingeht.
Der Wiederaufbau löste einen Bauboom aus, was insbesondere im Stadtzentrum zu einer Nachverdichtung mit mittelgrossen Hochhäusern führte. Bis heute das umstrittenste Bauwerk der Stadt ist das Hochhaus der Societa Cattolica Assicurazioni. Es handelt sich um eine Art Hybrid-Gebäude mit Wohnungen, Hoteltrakt, Büros und Läden. Der Herausgeber Umberto Napoli bricht im Buch eine Lanze für den Bau der Architektin Stefanie Filo Speziale. Sie war in Absprache mit der damaligen Denkmalpflege bestrebt, mit dem Turmbau nicht die durchgängige Traufhöhe der Strassenflucht zu brechen und schaltete diesem daher ein Volumen in Höhe der Blockrandbebauung vor.
Filo Speziale war eine Schülerin von Marcello Canino und in dieser Zeit die einzige Frau, die sich in den höheren Zirkeln der italienischen Architekturszene bewegte. In der rückblickenden Bewertung ihres Schaffens ist sich die heutige Kritik uneins, welcher ihrer Bauten das bedeutendste Werk darstellt. Ist es das Hochhaus oder das unterirdische Kino Metropolitan, das sie in Neapels Tuffsteinfelsen treiben liess, oder der Palazzo della Morte, ein weiterer exklusiver Wohnkomplex an den steilen Felshängen der Stadt? Der letzterwähnte Bau entstand zwischen 1954 und 1960 und ist damit das jüngste Gebäude, das im Buch vorgestellt wird. Trotz der Randlage an einer Felsklippe gruppiert es sich um einen Innenhof, der durch zahlreiche, aufgeständerte Rampen auch in der dritten Dimension durchwirkt und erschlossen ist.