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20/12/2012
Zum zweiten Mal nach 2011 wurden die WTA Championships in Istanbul ausgetragen, für welche sich jeweils die acht besten Spielerinnen der Saison qualifizieren. Die Türkei ist nicht gerade eine Tennisnation, als Austragungsort für diesen Anlass hat sich Istanbul jedoch eine hervorragende Note verdient. Alle Spielerinnen zeigten sich begeistert über das enorme Zuschauerinteresse, über die Stimmung in der Halle und die ganze Organisation des Anlasses.
Die Auslosung ergab die folgenden beiden Gruppen:
Gruppe weiss: Maria Sharapova, Agnieszka Radwanska, Petra Kvitova, Sara Errani
Gruppe rot: Victoria Azarenka, Serena Williams, Angelique Kerber, Na Li
Bereits in der Gruppenphase gab es hervorragendes Tennis zu sehen. Mehrere Partien verliefen äusserst dramatisch und dauerten gegen drei Stunden.
In der Gruppe weiss setzte sich Maria Sharapova durch, Platz 2 ging an Agnieszka Radwanska. Die Vorjahressiegerin Petra Kvitova musste nach der 1. Partie krankheitsbedingt aufgeben und wurde durch Samantha Stosur ersetzt.
In der Gruppe rot war man in erster Linie gespannt, wie sich Serena Williams präsentieren wird, hatte sie doch nach dem Gewinn der US Open keinen Ernstkampf mehr bestritten. Williams gewann zwar ihre ersten beiden Partien gegen Kerber und Na Li in zwei Sätzen, machte dabei jedoch keinen unwiderstehlichen Eindruck. Insbesondere beim Aufschlag zeigte sie ungewohnte Schwächen. Öfters sah man sie hadernd auf dem Platz. Trotzdem hatte sie sich bereits nach den ersten beiden Spielen für das Halbfinale qualifiziert. In einem Interview zeigte sie sich jedoch nicht zufrieden mit ihren bisherigen Auftritten. Sie müsse sich in den weiteren Matches eindeutig steigern, wenn sie um den Titel mitspielen möchte. Sie müsse ihren Aufschlag wiederentdecken und zu mehr Lockerheit auf dem Platz finden...
Gesagt, getan! Im abschliessenden Gruppenspiel gegen die Weltranglistenerste Victoria Azarenka zeigt sich Williams enorm verbessert. Die Präsenz auf dem Court ist eine andere, sie wirkt entschlossener und fokussierter und so gewinnt sie in einer hochklassigen und äusserst intensiven Partie mit 6:4 und 6:4. Azarenka spielt auf einem sehr guten Level, ist jedoch deutlich unruhiger und zeigt öfters ihren Unmut nach Fehlern. Bei einem Seitenwechsel ist etwas ganz interessantes zu beobachten. Serena Williams hat eine Zeichnung erhalten, welche sie mit einer umgehängten Goldmedaille zeigt (erinnert sei an die Olympischen Spiele von London). Diese Zeichnung hat sie in ihr Tennisbag eingepackt und ist auf den TV-Bildern deutlich zu erkennen.
Serena Williams scheint wieder einmal in die mentale "Trickkiste" gegriffen zu haben! Mit einfachen Mitteln lässt sich oft vieles bewirken...
In der Folge ist Williams nicht mehr aufzuhalten. Sie hat ihren Rhythmus gefunden, wirkt zentriert und enorm selbstbewusst. Das Halbfinale gegen Radwanska wird zum Spaziergang. Nach harten Gruppenspielen ist die Polin physisch ausgelaugt und hat nicht den Hauch einer Chance. Im Finale kommt es dann wieder einmal in einem grossen Endspiel zum Aufeinandertreffen zwischen Maria Sharapova und Serena Williams. Ohne Zweifel sind es die derzeit beiden populärsten Tennisspielerinnen mit der grössten "Strahlkraft" und so wird die Begegnung auch als Traumfinale bezeichnet. In den letzten Jahren behielt Williams stets die Oberhand in diesen Direktbegegnungen, zum Teil sogar sehr deutlich wie zuletzt im Finale der Olympischen Spiele. Dieses Mal kann Sharapova zumindest resultatmässig besser mithalten. Letztlich gewinnt Serena Williams mit 6:4 und 6:3 und gewährt dabei ihrer Gegnerin keine einzige Breakchance. Selbst durchbricht sie den Aufschlag von Sharapova drei Mal und spielt dabei Returns wie von einem anderen Stern. Es ist schlicht und einfach zu gut, was die Amerikanerin spielt - Sharapova wirft alles in die Waagschale, was sie leisten kann, doch findet sie kein Mittel. Am Ende stehen in der Statistik bei Williams 40 Gewinnschlägen nur 14 unerzwungene Fehler gegenüber. Eine gewaltige Bilanz und ein Beleg für die herausragende Leistung.
Mit 31 Jahren wird Williams die älteste Masters-Siegerin aller Zeiten. Und es ist beeindruckend mit welcher Motivation, mit welcher Leidenschaft Serena Williams nach wie vor am Werke ist, nachdem sie im Jahre 1999 ihren ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte. Im Finale übrigens gegen Martina Hingis.