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Alle vier Jahre wieder
BRIEF AUS DEN USA
Das politische System in Amerika bietet die Gelegenheit, alle vier Jahre die Geschichte des immensen Landes neu zu schreiben. Alle vier Jahre wird im November der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika neu gewählt. Jeder Präsident kann nur während maximal zwei Amtszeiten die mächtigste Person des Landes, welches rund 240 Mal grösser als die Schweiz ist, sein.
Als ich im Jahr 2007 in die USA auswanderte, war der Republikaner George W. Bush in seiner zweiten Amtszeit an der Macht. Danach wurde Geschichte geschrieben, als 2008 Barack Obama, ein Demokrat, die Wahl gewann. Als erster schwarzer Präsident waren alle Augen auf ihn gerichtet. Der Vizepräsident Joe Biden blieb im Hintergrund. 2016 gewann Donald Trump, ein Republikaner, die Wahl und er schrieb ein neues Kapitel in der Geschichte der relativ jungen Nation. Trump brachte keine politische Erfahrung mit, aber eine laute Stimme und eine für das einfache Volk verständliche Sprache. Auch sein Vizepräsident Mike Pence verbrachte die Amtszeit ruhig im Hintergrund. Bis er in letzter Minute im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Capitol Anfang dieses Jahres in den Vordergrund rückte.
Am 20. Januar wurde die Geschichte von Amerika wieder um ein Kapitel reicher. Joe Biden, ein Demokrat, gewann im November die Wahl. Seine Vizepräsidentin Kamala Harris ist nicht nur die erste Frau im zweitwichtigsten Amt, sondern auch die erste Person in dieser Position, welche Wurzeln in Asien und Afrika hat. Alle Augen und Ohren sind diesmal fast mehr auf Harris als auf Biden gerichtet. Sie verkörpert nicht nur die Träume und Hoffnungen von vielen Amerikanern, sondern repräsentiert auch das kulturelle Gemisch der Nation.
Jeder neue Präsident kündigt Veränderungen und Verbesserungen an. Und jeder neue Präsident steht vor immensen Aufgaben. Fast immer liegt eine grössere oder kleinere Krise an. Jeder neue amerikanische Präsident wird von der ganzen Welt mit Argusaugen beobachtet. Jedes Mal gibt es kritische Stimmen. Jedes Mal hat ein Teil der Bevölkerung Bedenken und ein anderer Teil grosse Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. Jedes Mal sind die Amerikaner etwas aufgewühlt aber zugleich auch stolz, Zeugen eines historischen Momentes zu sein.
Das politische Pendel Amerikas schwenkt mit jedem Machtwechsel hin und her. Im Alltag verändert sich jeweils kurz- und mittelfristig kaum etwas. Unter Obama mussten wir alle eine Krankenversicherung abschliessen. Inzwischen ist die Krankenversicherung nur noch in wenigen Bundesstaaten obligatorisch. Unter Trump bezahlte der Durchschnittsbürger etwas weniger Steuern, aber den Ferrari konnte sich die Unter- und Mittelschicht dennoch nicht leisten. Es wird sich zeigen, was sich in den nächsten vier Jahren konkret in unserem Alltag verändern wird.
* Die Einsiedlerin Regula GrenierFlückiger (*1973) zügelte 2007 nach Denver im amerikanischen Bundesstaat Colorado, am Fusse der Rocky Mountains. Seit 2011 wohnt sie im Nachbarort Thornton. Dort kamen 2011 Sohn Cody Frederick und 2015 Tochter Stephanie Nova zur Welt.