Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03654.jsonl.gz/2179

Baghdad in My Shadow
Regie: Samir
Darst.: Haytham Abdulrazaq, Zahraa Ghandour, Waseem Abbas, Shervin Alenabi, Awatif Salman, Kae Bahar, Ali Daeem, Farid Elouardi, Andrew Buchan, Maxim Mehmet, Kerry Fox u.a.
Das Londoner Café Abu Nawas, benannt nach einem arabischen Dichter, der vor 1200 Jahren homoerotische Liebesgedichte schrieb und auch den Wein besang, ist ein beliebter Treffpunkt irakischer Emigrantinnen und Emigranten. Zu ihnen gehören Taufiq, ein alter Schriftsteller, Amal, eine junge Architektin, die sich vor ihrem gewalttätigen Ehemann versteckt, und Muhanad, ein schwuler IT-Spezialist. Als sich Taufiqs Neffe Naseer, ein scheuer junger Mann, vom Prediger einer nahe gelegenen salafistischen Moschee gegen die «Ungläubigen» im Café aufhetzen lässt, stellt dies das Leben sämtlicher Beteiligter auf den Kopf und bringt Verstrickungen mit Iraks düsterer Vergangenheit ans Tageslicht. Fast fünfzehn Jahre sind vergangen, seit Samir letztmals einen Spielfilm, «Snow White», realisierte. Der als Sohn eines irakischen Vaters und einer Schweizer Mutter 1955 in Baghdad geborene und im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie in die Schweiz übersiedelte Cineast ist nicht nur Filmregisseur, sondern auch Produzent, Kinounternehmer und politischer Aktivist. In seinen letzten beiden Dokumentarfilmen, «Forget Baghdad» (2002) und «Iraqui Odyssee» (2014), hatte er bereits die Schicksale linker Aktivistinnen und Aktivisten im Irak der letzten 70 Jahre ausgeleuchtet, ein Thema, das eng mit der Familiengeschichte seiner Eltern- und Grosselterngeneration väterlicherseits verbunden ist. «Baghdad in My Shadow» feierte diesen August in Locarno seine Weltpremiere und war einer der meist beachteten Filme des Festivals, obwohl er von Direktorin Lili Hinstin in eine Nebensektion abgeschoben wurde. In mehreren Handlungssträngen, von Samir und Co-Autorin Furat al Jamil virtuos miteinander verflochten, ist «Baghdad in My Shadow» ein spannendes, aktuelles Politdrama. Matthias Lerf schrieb in der SonntagsZeitung: «Vor allem die drei Hauptfiguren sind Personen aus Fleisch und Blut, gespielt von hervorragenden Darstellern. Und sie tragen in ihrer Rolle stets auch die Last auf dem Rücken, für Tabus in der (arabischen) Welt zu stehen: Er ist Sinnbild für die Religion und die Auseinandersetzung mit der zunehmenden Radikalisierung. Sie steht für die Unterdrückung der Frau. Und eine dritte Hauptfigur verkörpert die verpönte Homosexualität.
Die Premiere am 27. November findet in Anwesenheit von Regisseur Samir und der Protagonistin Zahraa Ghandour statt. Das Gespräch führt Tarek Naguib, Rechtssoziologe und Vorstandsmitglied des Instituts Neue Schweiz (INES).