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Die Turner-Zwillinge besteigen regelmässig Berge, wandern über unzugängliche Orten auf jeglichen Kontinenten – im Namen der Forschung. Für ein Experiment begaben sich die beiden genetisch identischen Abenteurer Hugo und Ross zwischen zwei besonders verhärtete Fronten. Sie verglichen die Auswirkungen einer veganen und einer omnivoren Diät und beschlossen die beiden Ernährungsstile 12 Wochen lang anzuwenden und sich dann zu vergleichen.
Vorurteile wollten sie damit aus dem Weg räumen, sagten sie zum amerikanischen Magazin Business Insider. Bis auf die genetische Ebene wollten sie vordringen. Die beiden beobachteten, wie sie sich im Laufe des Experiments fühlten, und wurden von Forschenden des britischen King's College begleitet, die grundlegende Gesundheitsdaten wie Gewicht, Cholesterin und Muskelmasse erfassten.
12 Wochen lang…
- Ausdauertraining 5-6x pro Woche mit Personal Trainer
- Täglich fast identische Anzahl Kalorien zu sich nehmen
Am Ende der Zeit bemerkten sie grosse Unterschiede in Bezug auf Fettabbau, Muskelzuwachs und Verdauungsgesundheit.
Vergleich vor dem Experiment: Hugo (vegan) und Ross (mit Fleisch).
Nach 12 Wochen: Gefühl und Wissenschaft
Hugo aka der Vegane hatte mehr Energie und verlor Fett, nahm fast neun Pfund ab. Nahezu das gesamte verlorene Gewicht war Fettmasse und sein Gesamtkörperfettanteil sankt um einen ganzen Prozentpunkt (von 13 auf 12%). Auch seine Cholesterinwerte sanken. Noch auffälliger waren seine Energiewerte. Hugo sagte, dass er sich während seiner mittäglichen Fitness-Sitzungen deutlich wacher fühlte als bei seiner üblichen Routine. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die vegane Ernährung seine Snackgewohnheiten verändert hat. Da Kekse und Chips nicht vegan sind, hat er sich dabei auf Obst und Nüsse beschränkt.
Ross, der Fleischesser, nahm während des Experiments zu. Vor allem Muskeln, aber auch Fett. Sein Gesamtkörperfettanteil stieg von 13 auf 15% an. Beim Muskelaufbau schien die vegane Ernährung weniger förderlich zu sein: Hugo gewann 1,2 Kilogramm Muskelmasse, bei Ross waren es 4 Kilogramm.
Die Cholesterinwerte von Ross blieben während der gesamten 12-wöchigen Dauer konstant. Bei Hugo (vegan) veränderte sich durch die abrupte Ernährungsumstellung das Darmmikrobiom. Heisst: Die Populationen nützlicher Bakterien, die im menschlichen Verdauungssystem leben. Einer weiteren Analyse zufolge haben solche Veränderungen möglicherweise Hugos Widerstandsfähigkeit gegenüber einigen Formen chronischer Krankheiten verbessert und sein Risiko für Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes gesenkt.
Die Brüder trugen ständig Blutzucker-Messgeräte. Bei Ross waren starke Schwankungen zu beobachten. Bei Hugo mit seiner pflanzlichen Ernährung hingegen blieb der Blutzucker stabil.
Klingt gut für den veganen Lifestyle, nicht wahr?
Menschen in Veganer und Nichtveganer einzuteilen und auf diese Weise Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zu ziehen, würde natürlich zu kurz greifen. Für eine gesunde Ernährung ist es entscheidend, dass wir unsere Mahlzeiten so zusammenstellen, dass sie uns mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen. Ob die vegane Ernährungsweise generell gesünder ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bekannt ist jedoch, dass Veganer*innen ein geringeres Risiko haben, an Krankheiten zu erkranken, die durch schlechte Ernährung ausgelöst werden. Dazu gehören zum Beispiel Übergewicht und Diabetes. Außerdem verbessern sich die Cholesterinwerte, was Herzkrankheiten vorbeugt.
Veganer*innen müssen jedoch besonders darauf achten, sich ausgewogen zu ernähren, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Es kann ausserdem sinnvoll sein, bestimmte Nährstoffe mit Nahrungsergänzungsmitteln zuzuführen. Aber: Es ist möglich. Und ebenfalls wichtig: Für die Umwelt ist eine rein pflanzliche Kost vorteilhaft. Sogar die Tierprodukte, die am wenigsten Einfluss auf die Umwelt hätten, verursachten demnach immer noch mehr Umweltzerstörung, als die unnachhaltigsten Gemüse- und Getreidearten, besagt eine repräsentative (heisst: mit mehr als zwei Teilnehmenden) Studie.