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Lernen von Katar für europäische Migrantenkrise?
In diesem März wurden für Zuwanderer in Katar zwei Stellungsnahmen zum Thema Arbeitsrecht und deren Bedingungen verfasst. Ein juristisches Gutachten, geschrieben von Prof. Christian Favre aus der Universität Lausanne und ein Rapport der dreiseitigen ILO-Aufsichtskommission in Katar.
Beide Gutachten weisen deutliche positive Entwicklungen auf, welche der verhältnismässig kleine Golfstaat in nicht einmal drei Jahren für das Arbeitsrecht und die Lebensqualität der Zuwanderer in die Wege geleitet hat. Sie zeigen auch, dass diese Anstrengungen zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden müssen. Sie könnten auch Ideen liefern, wie die europäische Migrantenkrise bewältigt werden kann.
Die Migrantenkrise stellt eine Herausforderung für alle Industriestaaten dar. Millionen Menschen, die vor Krieg, Armut und Verfolgung in ihrem Heimatland fliehen, finden Zuflucht in den Industriestaaten, um sich dort eine aussichtsreiche Zukunft für sich und ihre Familien aufzubauen, und stiften somit soziale, ökonomische und politische Unruhe in den einzelnen westlichen Ländern. Die bisherige Reaktion bestand darin, Zäune zu errichten.
Der britische Premierminister und andere beginnen, einen anderen Weg einzuschlagen, indem sie nachhaltige Massnahmen für die Integration in den Mittelpunkt rücken.
Aus diesem Grund unterstützen das OUS der Universität Genf und das CIRID den von Prof. Christian Favre erstellten Bericht, der auswertet, inwieweit die Regelung von Katar den ILO-Prinzipien für Arbeitsbedingungen folgt.
Der Bericht erschien in derselben Woche wie der der dreiseitigen ILO-Aufsichtskommission in Katar, der sogar noch ein erfreulicheres Bild in Bezug auf die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für Migranten zeichnet.
Angesichts der überwältigenden Anzahl von Migranten im Vergleich zu der eher kleinen Anzahl von nationalen Staatsbürgern, die von Nichtregierungsorganisationen und durch wirtschaftliche Interessen unter Druck gesetzt werden, scheint Katar ein gutes Beispiel dafür zu sein, wie man Migranten in einem schwierigen Umfeld organisieren kann.
Die Berichte von Prof. Favre und der dreiteiligen IAO-Kommission zeigen, wie es möglich ist, menschenwürdige Arbeitsbedingungen in kurzer Zeit durchzusetzen, und somit sowohl nationale als auch Expatriate-Interessen und die Menschenwürde zu verbessern.
Natürlich müssen einige Aspekte der Regulierung und ihre praktische Implementierung verbessert werden (Ausreisevisum, Berichte über Missbrauch, Strafen und Arbeitsinspektionen); andere Aspekte haben sich dramatisch verbessert (wie etwa Lohnkontrolle, Modifizierung der Arbeitsregulierung, Sicherheit und Stellenwechsel, die Aufgabe des Kafala-Systems gegen Ende des Jahres 2016).
Die Ergebnisse konnten durch das Engagement der Institutionen und einen starken politischen Willen erzielt werden, der durch umfangreiche öffentliche Investitionen unterstützt wurde. Sie bilden die Eckpfeiler für die erfolgreiche Regulierung, von der jeder Beteiligte in Bezug auf die vorgeschlagenen Zwischenziele profitiert.
Diese Beispiel könnte Ideen für die westlichen Länder in Bezug auf das Management einer massiven Migranten-Arbeiterschaft liefern, das die Interessen aller Beteiligten respektiert und deren Würde fördert.
Das University Observatory on Security (OUS) – 2013 als eigenständiges Forschungszentrum im Global Studies Institute ins Leben gerufen – bleibt dem Wunsch seiner Gründer, Lehrer und Forscher der Universität Genf treu, nämlich ihr Know-how auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung zu vereinen.
Es hat das Ziel, Vordenkerpositionen für wichtige sozioökonomische Probleme anzubieten, und als örtliche und internationale Plattform für ein besseres Verständnis der Sicherheitsherausforderungen für heute und morgen zu fungieren.
Artikel von: University of Geneva Observatory on Security and CIRID
Artikelbild: © Alexandre Rotenberg – Shutterstock.com