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Monatsbrief August
Liebe Leserin, lieber Leser
Gerne schauen wir auf zu Menschen die etwas in ihrem Leben erreicht haben, zu Menschen, die Erfolg haben im Leben. Nicht selten schauen wir dann neidisch auf diese Menschen oder auf Menschen in unserem Umfeld, welche aus unserer Sicht erfolgreicher sind als wir selbst. «Wäre ich doch aus so und so ...», «Wenn es mir so gut ginge wie ..., dann ...» Aber warum eigentlich tuen wir das? Hat Gott nicht auch in uns einen wertvollen Schatz vergraben? Sind nicht auch wir gesegnet?
In der folgenden Geschichte geht es um Rabbi Eisik, der sich auf eine Schatzsuche begibt und eine entscheidende Entdeckung macht. Aber lesen Sie selbst:
«Der Rabbi Eisik lebte in Krakau und träumte eines Nachts, er solle nach Prag wandern. Dort, unter der Karlsbrücke, die hinführt zum Schloss, werde er einen Schatz finden. Als der Traum zum
dritten Mal wiederkehrte machte sich Rabbi Eisik auf und wanderte los – von Krakau nach Prag.
Aber in Prag an der Brücke standen ganz viele Wachposten, die den Übergang zum Schloss Tag und Nacht bewachten. Rabbi Eisik konnte es nicht wagen, seine Schaufel zum Graben anzusetzen. Er ging nun jeden Tag zur Brücke, lungerte dort herum und überlegte, wo nun wohl sein Schatz liegen könnte.
Dem Hauptmann der Wache fiel der Rabbi auf und schließlich fragte er ihn eines Tages: "Warum kommst du jeden Tag hierher und lungerst hier herum?" Da erzählte Rabbi Eisik dem Hauptmann von seinem Traum. Der Hauptmann lachte aus vollem Hals und erwiderte: "Wo kämen wir hin, wenn wir Träumen trauen würden?
Ich zum Beispiel träumte nun schon wochenlang von einem armen Juden in Krakau. Ich solle nach Krakau wandern und unter dem Ofen in seiner Stube graben, dort würde ich einen Schatz finden."
Rabbi Eisik lächelte, als er von diesem Traum hörte, verneigte sich, bedankte sich höflich bei dem Hauptmann und wanderte zurück nach Krakau. Dort angekommen, grub er schleunigst unter
seinem Ofen, und da lag der Schatz. Später, als Rabbi Eisik ein berühmter Weiser geworden war, pflegte er zu sagen: "Merke dir diese Geschichte. Grab nicht woanders, grab bei dir."» 1
Der Schatz liegt in uns selbst. Die Frage ist einzig, ob wir den Mut haben, diesen Schatz zu heben.
Jeder Mensch ist einzigartig, hat einzigartige Begabungen. Gott verlangt keine Wunder von uns, er
will auch nicht, dass wir jemand anderes sind. Er lädt uns aber immer wieder dazu ein, unsere Begabungen zu entdecken und sie fruchtbar zu machen.
In dem Sinn wünsche ich Ihnen eine gute Schatzsuche und grüsse Sie im Namen der Mitarbeitenden der Kirchgemeinde und des Kirchgemeinderates und wünsche ich Ihnen und Ihren
Mitmenschen Gottes reichen Segen.
Pfarrer Michael Siegrist
1 Martin Buber: Hundert chassidische Geschichten.
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