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Das musst du wissen
- Forschende untersuchten Finanzierungserfolge von 392 Start-ups, die entweder von Frauen oder Männern geführt wurden.
- Sie stellten fest: Das Geschlecht war ein wichtiger Indikator für die Höhe der gesprochenen Beträge.
- Von Männern gegründete Unternehmen beschafften sich im Schnitt 18,5 Millionen Dollar, die von Frauen nur 8 Millionen.
Auf dem Arbeitsmarkt sind Frauen, die in männlich dominierten Branchen arbeiten, benachteiligt. Aber was ist mit Start-up-Unternehmen, die von Frauen geführt werden? Erleben die Frauen hier gleichen Schwierigkeiten? Eine neue Studie, die am 25. November in der Zeitschrift «Science Advances» veröffentlicht wurde, bejaht dies. In typisch männlichen Branchen erhalten sie weniger Mittel von Investoren.
Warum das interessant ist. Die Anfangsfinanzierung ist für das Überleben und den zukünftigen Erfolg eines jungen Unternehmens entscheidend. Wenn Investoren voreingenommen sind, hat dies beachtliche Auswirkungen auf die betroffenen Unternehmen. Aber auch – vom gesamtgesellschaftlichen Standpunkt aus gesehen – auf die Wirtschaft und die Arbeitsplätze.
Das Geschlecht und die Branche. Die Forscherinnen und Forscher analysierten zunächst die für Start-ups gesprochenen Finanzmittel danach, ob sie einen Gründer oder eine Gründerin haben.
- Sie verfolgten 392 Start-ups, die auf der amerikanischen Innovationsmesse «TechCrunch Disrupt» an einem Start-up-Wettbewerb teilgenommen hatten. So konnten sie Unternehmen im gleichen Entwicklungsstadium, mit gleicher «Qualität» und mit ähnlichen Zielen vergleichen.
- Sie stellten fest, dass das Geschlecht ein wichtiger Indikator für die Höhe der gesprochenen Beträge war. Von Männern gegründete Unternehmen beschafften sich durchschnittlich 18,5 Millionen Dollar. Hingegen erhielten Unternehmen, die von Frauen gegründet wurden, im Durchschnitt 8 Millionen Dollar.
In einem zweiten Schritt berechneten die Forschenden den Anteil angestellter Männer und Frauen in den Branchen dieser Start-ups und stützten sich auf Zahlen des amerikanischen «Bureau of Labor Statistics». Und hier ist die Kluft noch eklatanter: In Branchen, in denen mehr als 55 Prozent der Beschäftigten männlich und auch von Männern gegründet sind, beläuft sich das durchschnittliche Start-up-Kapital auf 21,8 Millionen Dollar. Bei Unternehmen, die von Frauen gegründet sind, sinkt es auf 2,1 Millionen Dollar.
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Die Entscheidungen der Investoren. Die Forscher beobachteten dann in einem kontrollierten Experiment, wie 130 Investoren die Mittel zuteilten. Es bestätigte ihre ersten Ergebnisse.
Sie verwenden den Begriff «lack of fit», was mit «mangelnder Kompatibilität» übersetzt werden kann, um dieses Phänomen zu qualifizieren. Frauen werden diskriminiert, wenn die notwendigen Fähigkeiten, um in einem typisch männlichen Umfeld erfolgreich zu sein, nicht den Stereotypen entsprechen, die Frauen zugeschrieben werden.
Sie kommen zum Schluss, dass Stereotypen besonders bei Kapitalrisiko ins Gewicht fallen, da sich Entscheidungen in der Anfangsphase nicht auf frühere Leistungen stützen können und das Risiko schwer einzuschätzen ist.
Die Erläuterungen der Autorin. Dana Kanze, Forscherin an der London Business School, betont die Bedeutung dieser Ergebnisse.
«Sie zerstreuen einige falsche Vorstellungen. Wir hören oft, dass Frauen weniger Geld aufbringen, weil sie in typisch weibliche Branchen gehen, die weniger Kapital benötigen als andere.
Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass von Frauen gegründete Start-ups in den meisten Branchen unterkapitalisiert sind. Dies hat Konsequenzen für das Wachstum dieser Unternehmen, für ihre Übernahmeaussichten und für die Möglichkeiten dieser Unternehmerinnen, neue Unternehmen zu gründen. Es ist ein Teufelskreis.»
Die Expertenmeinung. Camille Hébert ist Assistenzprofessorin für Finanzen an der Universität Toronto. In einer Arbeit, die derzeit für die Veröffentlichung im «Journal of Finance» geprüft wird, kommt sie zum Schluss, dass es auch in Frankreich für Frauen schwieriger ist, in männlichen Branchen Gelder zu beschaffen.
«Die zwei Untersuchungen, mit völlig verschiedenen Untersuchungsgruppen, kommen zu den gleichen Schlussfolgerungen. Es ist eine neue Tatsache, die demonstriert wird. In der ersten, kürzlich veröffentlichten Studie wurde eine geschlechtsspezifische Diskrepanz bei der Finanzierung von Start-ups festgestellt. Neu ist hier, dass der «Gender Gap» auch davon abhängt, ob die Branche von Männern oder Frauen dominiert wird.
Was mir in der Science-Advances-Studie schwächer erscheint, ist der erläuternde Teil. Die Autoren weisen auf das Phänomen der «mangelnden Kompatibilität» hin, untersuchen aber nicht den finanziellen Antrag. Zum Beispiel könnten die Gründerinnen niedrigere Beträge verlangt haben. Dies könnte eine plausible Erklärung sein, die nicht angesprochen wird.»
In ihrer Forschung analysiert Camille Hébert auch die Leistung von Unternehmen, die Fördermittel erhalten haben.
«Wir beobachten, dass Frauen, denen es gelungen ist, in männlichen Branchen Gelder zu beschaffen, mit mehr Wachstum und Umsatz, einer besseren Verankerung im Ausland oder sogar einer besseren Chance auf einen erfolgreichen Börsengang besser abschneiden. Dies deutet darauf hin, dass die Messlatte für die Beschaffung von Finanzmitteln für Frauen höher liegt, mit höheren Standards in männlichen Bereichen.»