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Junior WBC-WM im Supermittelgewicht in Genf
Schön eingebettet zwischen den Halbfinals und den Finals zur Schweizermeisterschaft 2010 organisierte der Club unter der Leitung von Dominique Barcellona einen Anlass der Sonderklasse. Neben einem Titelkampf um die WBC-Junioren-WM im Supermittelgewicht standen drei weitere Profikämpfe auf der Affiche.
Hugo Kasperski (F, 76 kg, 13-1-0) vs. Alastair Warren (GB, 75, 6 kg, 6-1-0)
Über 150 begeisterte Fans waren aus Clermont-Ferrand, der Heimatstadt des Favoriten, angereist, um den Kampf um den vakanten WM Titel nach Version WBC live mitverfolgen zu können. Sie wurden nicht enttäuscht. Der talentierte Hugo Kasperski liess bereits ab der ersten Runde keine Zweifel aufkommen und dominierte den sichtlich eingeschüchterten Briten nach Belieben. Schon bald verrieten Cuts die Schlagwirkung des Franzosen, der locker nach dem Titel zu greifen schien. Bis zur dritten Runde konnte er praktisch ohne Gegenwehr vorwärts marschieren und liess seine Klasse aufblitzen. Aber ab der vierten Runde nahm der Engländer endlich sein Herz in beide Hände und siehe da: auch Kasperski musste sich plötzlich etwas einfallen lassen. Objektiv hätte man jedenfalls die Runden 4 und 5 zugunsten von Warren punkten können. In der sechsten Runde ereilte ihn trotzdem das Schicksal: nach 1.25 schickte ihn Kasperski mit einer präzisen Doublette entscheidend auf die Bretter. Sieger durch TKO und neuer Weltmeister im Junioren Supermittelgewicht: Hugo Kasperski.
Konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen: Johann Duhaupas (l.)
Johann Duhaupas (F, 106 kg, 23-1-0) vs. Paul Butlin (GB, 106 kg, 12-12-0)
Duhaupas, im eigenen Land schon als Anwärter auf den Weltmeistertitel gehandelt, konnte diesen Anspruch im Kampf in Genf in keiner Weise rechtfertigen. Der Franzose, mit einer KO-Quote von 14 vorzeitigen Siegen angetreten und bisher lediglich im Dezember 2008 in einem EBU-Europameisterschaftskampf gegen Francesco Pianeta geschlagen, bekundete gegen den Briten Paul Butlin mehr Mühe, als ihm lieb gewesen sein dürfte. In einem harzigen Gefecht, technisch bescheiden, zeigte sich einmal mehr, zu was ein ausgebuffter Gegner wie Butlin fähig sein kann. Zwar konnte Duhaupas die ersten beiden Runden klar für sich entscheiden, aber in der Folge wusste sich Butlin zu steigern und mit geschicktem Drücken und Stehenbleiben den Elan des Favoriten zu brechen. Zumindest die 7. Runde ging klar an den Engländer und mit einer nationalen Brille in England hätte es für Duhaupas noch schlechter ausgesehen. Nach einem bescheidenen Kampf auf schwachem Niveau siegte der Franzose zwar mit einem klaren Verdikt nach Punkten, ohne allerdings wie der zukünftige Weltmeister (oder Europameister) auszusehen! Thomas Zimmermann 79:74; Claudine Pascale 80:72, Beat Hausammann 79:74
Kämpften auf hohem Niveau: Patrick Kinigamazi (l.) und Zsolt Nagy
Patrick Kinigamazi (CPC Carouge, 59 kg, 14-0-0) vs, Zsolt Nagy (Ungarn, 59 kg, 15-18-0)
Der ungeschlagene Genfer traf auf einen Gegner, der deutlich stärker war, als sein Palmarès vermuten liess. In einem hart umkämpften Fight forderte Zsolt Nagy dem Genfer alles ab, ohne aber Kinigamazi wirklich in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen. Aus der Sicht des Publikums war es ein toller Kampf, spektakulär, schnell und auf hohem technischem Niveau. Kinigamazi gehört zu den wenigen Schweizer Profis, die jeden Kampf sehenswert gestalten können, das verdient Respekt und Anerkennung. Wenn es Silvio Chanton und Giorgio Costantino noch schaffen, ihn nicht nur schnell, sondern auch überlegter boxen zu lassen, ist die Reise zu einem möglichen Titelkampf nicht nur realistisch, sondern auch erfolgversprechend. Mit einem klaren Punktsieg hat er diese Ambition bestätigt. Thomas Zimmermann 58/57; Pierre-Alain Schneeberger 58:56; Claudine Pascale 59:56
Sofiane Sebihi (l.) startet gewohnt langsam und studiert seinen Gegner
Sofiane Sebihi (CPC Carouge, 78 kg, 16-2-0) vs. Yoann Bloyer (F, 77 kg, 11-13-2)
Auch wenn die Experten am Ring gerne einen spektakuläreren Sebihi erwartet hätten, muss der 6-Rundenkampf gegen Bloyer positiv bewertet werden. Sebihi, wie gewohnt eher langsam startend und den Gegner einschätzend, entschied zwar vorerst Runde um Runde für sich, ohne allerdings seine verheerenden Schläge präzis ins Ziel bringen zu können. Trotzdem ist bei jedem Kampf des Genfers spürbar Gefahr im Verzug und das Publikum verharrt in elektrisierender Spannung. Damit gehört Sebihi zu den Kämpfern, die für echte Stimmung sorgen können. In der fünften Runde schien sich einmal mehr die KO-Gewalt des Genfers anzukündigen: Bloyer musste auf eine harte Rechte zu Boden und wurde bis 8 angezählt. Bemerkenswert, wie sich der Franzose in der Folge über die Runden zu retten wusste. Geschickt pendelte er das Nachsetzen von Sebihi aus und musste den Ring schliesslich nur mit einer Punktniederlage verlassen. Fabian Guggenheim 59:54; Thomas Zimmermann 59:54; Jörg Mangott 59:54
Kommentar:
Die enormen Anstrengungen und der grosse Aufwand von Dominique Barcellona hätten einen grösseren Publikumsaufmarsch verdient. Trotz der angereisten Fangemeinde von Hugo Kasperski blieb das Interesse für eine derartig gut präsentierte Veranstaltung bescheiden. Einmal mehr kann man nur bedauern, dass die nationalen TV-Stationen derart wichtige Meilensteine in der Sportgeschichte blasiert links liegen lassen.
Die Genfer hätten es mehr als verdient, mit einer Direktübertragung oder zumindest einer Aufzeichnung belohnt zu werden. Trotzdem ist Zuversicht angebracht. Wenn in der Schweiz derartige Veranstaltungen organisiert werden, strahlt das auf den gesamten Boxsport aus. SwissBoxing Präsident Andreas Anderegg brachte es mit einem Grusswort auf den Punkt und überreichte Dominique Barcellona eine beeindruckende Jeroboam-Flasche zum Prosit auf eine weitere ruhmreiche Zukunft des Genfer Vereins.
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