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Das am Rande des Rafzerfeldes gelegene Dorf Hüntwangen umfasst einen Gemeindebann von 497 ha und trägt noch weitgehend bäuerlichen Charakter. Das Wappen Hüntwangens, eine Ährengarbe mit einem Senseblatt, weist auf die landwirtschaftliche Tradition des Dorfes hin. Im Mittelalter galt das Rafzerfeld als Kornkammer Zürichs. Heute werden die riesigen Schottermengen, die der Rheingletscher nach seinem Rückzug ablagerte, durch Kieswerke abgebaut. Die Bezeichnung „Huntwangin“ erscheint erstmals im Jahre 1254. Sie bedeutet soviel wie Hirschweide. Im Mittelalter gehörte Hüntwangen mit dem Rafzerfeld zur Landgrafschaft Klettgau. Schon im 13. Jahrhundert erhielt das Kloster Wettingen Grundbesitz zu Hüntwangen. Dieser ging zurück auf eine Vergabung des Edlen Rudolf von Kaiserstuhl und dessen Gemahlin Adelheid von Tengen. Es dürften die Freiherren vor dem Inhaber grundherrlicher Rechte im Dorfe gewesen sein. Zu den weltlichen Grundbesitzern gehörte auch der Freiherr Hans von Freienstein. Die niedere Gerichtsbarkeit über Hüntwangen lag beim Bischof von Konstanz, der sie als Lehen an Adelige verlieh. So war 1328 Hans von Ehinger Inhaber der Vogtei, und 1376 wurden es die Herren zum Thor. Die Vogtei ging dann vorübergehend an Hans und Conrad von Stühlingen über, von denen sie 1467 Heinrich am Lee um hundert rheinische Gulden erwarb. 1478 gelangten die Vogteirechte an die Freiherren Gradner zu Eglisau, die Inhaber der Herrschaft Eglisau. Als 1496 die letztere gesamthaft von der Stadt Zürich erworben wurde, kam Hüntwangen zur neugeschaffenen Landvogtei Eglisau und verblieb bei dieser bis 1798. Schwer litt die Gemeinde unter der Besetzung der Franzosen, die um den nahen Rheinübergang bei Eglisau kämpften.
Bei der Linde kreuzten die wichtigen Strassen Schaffhausen-Zurzach und Zürich-Schwarzwald. Die Postkutsche nach Nürnberg durchfuhr das Dorf. Durch den Bau der Linie Bülach-Schaffhausen bekam Hüntwangen 1896 Eisenbahnanschluss. Dank kurzen Verbindungen zu den Industriezentren des Zürcher Unterlandes und zum Flughafen Kloten wurde in jüngster Zeit mit dem Bau von Einfamilienhäusern begonnen. Aus dem einstigen Bauerndorf wird eine ländliche Wohngemeinde.
Die Strohflechterei war im 17. und 18. Jahrhundert für die Bauern ein willkommener Nebenverdienst. 1880 führte Heinrich Ritz die Strohhutmaschine ein und baute seine Heimindustrie zur Fabrik aus, in der jeweils bis 90 Personen arbeiteten. Verbindungen zu vielen europäischen Modezentren zeigen die Bedeutung der Hutfabrik. Modeströmungen beeinflussten den Absatz der Hüte aber negativ und die Schliessung des Unternehmens im Jahre 1959 war die zwangsläufige Folge. Durch grossangelegte Kiesausbeutungen seit Anfang der sechziger Jahre verliert die Landwirtschaft immer mehr an Gewicht. Landschaftsgestaltung und Rekultivierungen werden Zukunftsprobleme. Neben Riegelhäusern sind das Vogthaus, der Spycher mit grossem Gewölbekeller und das Gemeindehaus mit Dachreiter zu erwähnen. Das 1820 erbaute erste Schulhaus dient seit 1962 als Gemeindehaus. Schmucke Dorfbrunnen vervollständigen die idyllischen Dorfpartien.
Kirchlich gehört Hüntwangen von alters her zu Wil. 1961 wurde das Kirchgemeindehaus eingeweiht. Das Mehrzweckgebäude aus dem Jahre 1973 mit Turnhalle und Lehrschwimmbecken gilt als Mittelpunkt für Sport und Erholung. In Zweckverbänden werden Probleme für Schule, des Zivilschutzes, der Versorgung und Entsorgung gelöst.