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Die Gemeinde Zweisimmen zeigt Solidarität zu den Mitmenschen, aber auch zu den anderen Gemeinden. Der Kanton Bern erhält etwa 220 Personen pro Woche, die auf 40 Zentren verteilt werden. Der Bund delegiert diese Aufgabe an die Kantone, die dann an die Gemeinden gelangen. Wegen der hohen Zahl an Flüchtlingen ist der Kanton Bern auch an die Gemeinde Zweisimmen gelangt.
Der Kanton will das Ferienlager Markthalle als temporäre Asylunterkunft ab Mitte Dezember in Betrieb nehmen (siehe Bericht in der letzten Ausgabe). Im Anschluss an die Gemeindeversammlung vom 4. Dezember orientierten Kanton und Gemeinde zur «befristeten Unterbringung von Asylsuchenden in Zweisimmen».
«Der Bund weiss nicht mehr, wo er die Flüchtlinge noch unterbringen kann. Es braucht nun auch in der Schweiz eine Solidarität, um die Unterbringung der Flüchtlinge zu organisieren.» Mit diesen Worten leitete Gemeindepräsident Ueli Zeller die Informationsveranstaltung ein.
Der Gemeinderat erfuhr erstmals im Juni 2015, dass der Kanton die Einquartierung einer Gruppe Asylsuchender im Hotel Krone prüfte. Der Besitzer des Hotels bot dem Kanton die Unterbringung von über 100 Personen an. Der Gemeinderat wurde dabei nicht in die Entscheidung eingebunden und lehnte die Unterkunft schriftlich und begründet ab. Damit konnte die Nutzung der leer stehenden Krone verhindert werden. Im Oktober wurde dem Kanton, mit Unterstützung des Gemeinderats, ein privates Chalet im Bolgen mit neun Zimmern angeboten, das die Asylkoordination Thun jedoch ablehnte.
Als im Oktober und November die Asylgesuche dramatisch zunahmen, prüfte der Kanton, wie er die Gemeinden mit Hilfe eines Notfallszenarios zur Unterbringung zwingen könnte. Der Gemeinderat stellte mit Schrecken fest, dass auch die Zivilschutzanlage bei der Schule auf dieser Liste stand. Dies hätte die Unterbringung von überwiegen junger Männer bedeutet, was im direkten Anschluss an die Schulen völlig ungeeignet gewesen wäre.
Am 17. November fragte Regierungspräsident Hans-Jürg Käser, nach einem Hinweis der Schweizer Flüchtlingshilfe, an, ob das Ferienlager Markthalle als Unterkunft geeignet sei.
Bereits eine Woche später besichtigten Vertreter der Gemeinde und der Vorstand der Markthallen-Genossenschaft mit zwei Vertretern des Kantons die Unterkunft. Es zeigte sich, dass das Lager geeignet ist. Der Gemeinderat stimmte gleichentags in einem Grundsatzbeschluss der Unterbringung zu, Ende November sagte auch die Markthallengenossenschaft dem Kanton definitiv zu.
Iris Rivas und Peter Aeschlimann vom Migrationsdienst des Kantons Bern war es wichtig, die Bevölkerung persönlich und offen über die Asylunterkunft zu orientierten. Allein im November registrierte die Schweiz 5900 Asylsuchende. Vom Bund werden dem Kanton Bern so pro Woche an die 220 Personen zugewiesen. Iris Rivas ist froh, dass sie hier in Zweisimmen eine solche Unterkunft angeboten bekam. Es können bis zu 80 Personen – vorwiegend Familien mit Kindern, aber auch Einzelpersonen untergebracht werden. Diese werden überwiegend aus den Ländern Syrien, Eritrea und Afghanistan kommen.
Betrieben und betreut wird das Lager von «Asyl Biel&Region». Das Team wird in diesen Tagen zusammengestellt. Die Gemeinde hat mit der Organisation nichts zu tun, dies übernimmt der Betreiber zusammen mit dem Kanton. Im Team werden Sozialpädagogen, Allrounder, eine Gesundheitsperson, eine administrative Leiterin sowie ein Sicherheitsdienst mitwirken. Das Team besteht etwa aus fünf bis acht Personen.
Die Asylsuchenden, die nach Zweisimmen kommen werden, sind seit etwa drei bis vier Wochen in der Schweiz und haben den Status «N». Status «N» bedeutet, dass noch kein Entscheid gefallen ist, ob sie asylberechtigt sind oder nicht. «Es ist nicht das Ziel, dass sich die Flüchtlinge in Zweisimmen integrieren sollen», betont Iris Rivas gegenüber der SIMMENTAL ZEITUNG. Die Personen müssten selber für sich sorgen. Sie werden selber einkaufen, kochen und auch putzen. Dabei werden sie vom Betreuerteam unterstützt. Die Behördengänge (vorwiegend nach Bern) werden sie alleine machen müssen. Wenn sie sich beschäftigen, so können sie drei Franken pro Tag verdienen. Oft gibt es auch gemeinnützige Beschäftigungsprogramme in Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Mit einer strengen Hausordnung und Tagesstruktur soll gewährleistet werden, dass die Asylsuchenden nicht auf dumme Gedanken kommen. «Wer sich nicht an die Regeln hält, wird wieder unterirdisch untergebracht», antwortete Iris Rivas auf eine Frage aus der Versammlung.
Als Partner für die Unterkunft bot sich auch die Kirchgemeinde an. Kirchgemeindepräsident Peter Hunziker erklärte, dass der Kirchgemeinderat an seiner letzten Sitzung unter Verschiedenem einstimmig seine Mithilfe zugesagt habe: «Denn wer – wenn nicht die Kirche – sollte hier helfen?»
Die anschliessende Diskussion in der Versammlung verlief sehr ruhig und gesittet. Mehrere Personen wollten von Frau Rivas eine Zusicherung, dass auch wirklich Familien nach Zweisimmen kommen würden. Der Gemeinderat erläuterte nochmals, dass dies der Grund für die Offerte der Markthalle war und dass die Zivilschutzanlage wegen der allein reisenden Männern nicht geeignet sei.
Eine Frage war auch, was die Gemeinde von der Unterbringung haben wird. Das Geld für die Unterbringung fliesst über die Markthallengenossenschaft in die Gemeinde. Dies im Gegensatz zu einer Unterbringung in einem Hotel, wo der Erlös in private Hände fliessen würde. Der Gemeinderat erhofft sich auch weitere Gelder, zum Beispiel für die Übernachtung der Helfer oder über den Konsum der Flüchtlinge in der Region.
Eine junge Frau erwähnte die Asylunterkunft in Oberburg/Schafhausen im Emmental. Auch diese sei oberirdisch und trotzdem würden dort vorwiegend junge Männer untergebracht. Iris Rivas erklärte, dass das sogenannte «Vögelihuus» eben kein Asylzentrum sei, sondern eine alternative Unterkunft, die bei einer Überbelegung der Zivilschutzanlagen benutzt werde.
Auch auf die Frage, ob diese Unterbringung wirklich nur bis im Herbst 2016 bestehen wird, antwortete Rivas positiv. Es ist mit der Migros abgesprochen, dass die Unterbringung das geplante Bauvorhaben nicht verzögern und die Unterkunft daher wieder geschlossen wird.
Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist einer Runder Tisch geplant, wo sich die Gemeinde, die Polizei, das Spital, die Kirchgemeinde, Anwohner und Behörden austauschen können.
Erstellt am: 10.12.2015