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Wie viel Geld verdient die Schweiz mit ihrer Exportwirtschaft? Diese Frage ist schwieriger zu beantworten, als man meint: Denn nicht alle Teile eines Exportproduktes tragen gleichermassen zur Wertschöpfung in der Schweiz bei. Oft werden ausländische Komponenten zusammen mit Teilen verbaut, die in der Schweiz hergestellt wurden. Gemäss der letzten verfügbaren Schätzung besteht ein Schweizer Exportprodukt durchschnittlich zu 78 Prozent aus inländisch hergestellten Komponenten. 22 Prozent sind importierte Vorleistungen. Konkret heisst dies: Nur 78 Rappen eines Frankens aus dem Export führten auch zu Wertschöpfung in der Schweiz. Gemäss OECD ist das Verhältnis von importierten zu inländisch hergestellten Komponenten in der Schweiz seit dem Jahr 1995 sogar gestiegen.
Es werden immer mehr Vorprodukte aus dem Ausland eingesetzt und anschliessend exportiert. Heisst das auch, dass die Bedeutung des Exports für die Schweizer Wirtschaft abnimmt? Nein: Es ist die Folge der stärkeren Integration der Schweizer Unternehmen in die internationalen Wertschöpfungsketten. Bei konstanten Exporten wäre zwar die wirtschaftliche Bedeutung des Aussenhandels für die Schweizer Wertschöpfung tatsächlich gesunken. Aber auch die Exportmenge wurde stark erhöht. Die Kombination aus dem Import von Vorprodukten und der Ausdehnung der Exporte trug also zum wirtschaftlichen Wachstum der Schweiz bei.
Weniger Schaden durch den starken Franken
Im Vergleich mit anderen OECD-Ländern profitiert die Schweiz überdurchschnittlich stark vom Export. Durch unsere hohe Integration in internationale Wertschöpfungsketten sind unsere Einkommen, Arbeitsplätze und somit unser Wohlstand stark vom Ausland abhängig. Diese hohe Integration kann belastende Wechselkurseffekte abschwächen – eine Aufwertung des Schweizer Frankens richtet somit weniger Schaden an. Ausserdem werden die Vorteile einer günstigeren und effizienteren Herstellung von Schweizer Exportprodukten mittels ausländischer Vorleistungen auf die Absatzmärkte übertragen. Dies macht die Schweiz insgesamt wettbewerbsfähiger. Die meisten Schweizer Exporte gehen nach Deutschland, die höchste Wertschöpfung wird aber mit den Exporten in die USA erzielt.
Mit Blick auf die bilateralen Beziehungen zur Europäischen Union bedeutet dies: Der freie Warenverkehr mit unseren europäischen Nachbarn ist wichtig, da wir einen bedeutenden Anteil unserer Vorprodukte von ihnen beziehen. Diese Vorprodukte stellen wiederum eine wesentliche Voraussetzung für die Herstellung diverser Exportprodukte dar.
Ineffizientes «Schoggi-Gesetz»
Eine Behinderung dieser Importe, zum Beispiel durch Schweizer Zölle oder technische Handelshemmnisse, würde auch die Endnachfrage nach Schweizer Exportprodukten schwächen. Die Schweiz ist damit nicht nur auf der Export-, sondern auch auf der Importseite auf freie Märkte angewiesen. Eine merkantilistische Aussenwirtschaftspolitik oder gar eine Abschottung verhindern potenzielle Exporterfolge und führen zu ineffizienten Lösungen wie dem «Schoggigesetz» oder dessen Nachfolger, den Stützungsmassnahmen für die Milch- und Getreideproduzenten.
Bei der Debatte über den Aussenhandel sollte nicht primär auf die direkt verdienten Rappen pro Franken fokussiert werden. Vielmehr sollte man sich mit den Vorteilen beschäftigen, die eine stärkere Integration in die internationale Wertschöpfungskette bringen. Unsere Exportbranche ist auf eine möglichst einfache Beschaffung ausländischer Komponenten so angewiesen wie auf den ungehinderten Zugang zu den globalen Absatzmärkten. Nur so können im Inland Wertschöpfung generiert und damit auch Arbeitsplätze erhalten und ausgebaut werden.
Dieser Artikel erschien im «Tagesanzeiger» vom 22. Juli 2017.