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Auch rund 30 Jahre nach der Katastrophe können laut dem Tessiner Amt für Umweltrisiken künstliche radioaktive Substanzen im Tessiner Waldboden nachgewiesen werden. Die Konzentration des radioaktiven Zäsiums (Cs-137) liegt im Tessin über dem schweizweiten Niveau, sagte der Leiter des Amts für Umweltrisiken Nicola Solcà am Montag auf Anfrage.
Die Halbwertszeit für das Zerfallsprodukt Cs-137 liegt bei rund 30 Jahren – deshalb finden es Forscher gegenwärtig noch in der obersten Waldbodenschicht. Auch in Pilzen und bei Wildbeständen seien Rückstände festgestellt worden. Ein gesundheitliches Risiko für die Bevölkerung bestehe aber nicht, so Solcà.
Grund für die erhöhte Belastung im Tessin sei eine ungünstige Wetterlage in der Zeit nach der Katastrophe gewesen – starke Niederschläge über der Südschweiz hätten Anfang Mai 1986 das radioaktive Material in den Boden gespült. Unmittelbar nach der Atomkatastrophe seien im Tessin unter anderem Fischereiverbote ausgesprochen worden.
Laut Solcà gab es im Tessin in den Folgemonaten einen Zusammenhang zwischen dem Schadensfall in Tschernobyl und einem “statistischen Anstieg” von Abtreibungen im Tessin. Eine bereits 1989 vom kantonalen Statistikamt veröffentlichte Studie gelangte zu der Erkenntnis, dass mangelnde Informationen von staatlicher Seite, so wie von der behandelnden Ärzten zu einem “erhöhten Stress” bei schwangeren Frauen führte.
Im gesamten Untersuchungszeitraum von 1984 bis 1988 sei der Juni 1986 jener Monat mit der höchsten Zahl an Abtreibungen gewesen. Es sei unter anderem versäumt worden, die Bevölkerung deutlich darüber zu informieren, dass die erhöhte Wahrscheinlichkeit ein missgebildetes Kind nach dem April 1986 zur Welt zu bringen im statistisch “vernachlässigbaren” Bereich gelegen habe, so die Autoren der Studie.
(SDA)