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Steiner hinterlasse ein sehr reiches und kontinuierliches Werk, sagte Literaturwissenschaftler Peter von Matt - eines, das seine Gültigkeit in der Schweizer Literatur behalten werde. «Jörg Steiner war einer der ersten der jungen Generation nach Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt», sagte von Matt.
Jörg Steiner sei zwar nicht so populär gewesen wie Peter Bichsel, aber nicht minder talentiert, sagt der Solothurner Autor Franco Supino, der im fast 50 Jahre älteren Berufskollegen auch ein Vorbild sah. In der Tat stand Steiner immer ein bisschen im Schatten von Bichsel. Dennoch waren die beiden eng befreundet.
Das Soziale prägte ihn
Jörg Steiner wurde am 26. Oktober 1930 in Biel geboren, wo er nach einigen Auslandaufenthalten - in Mittel- und Osteuropa, Amerika und Afrika - bis zuletzt lebte. Sein Vater war Tiefbaubeamter, er selber wurde nach einer abgebrochenen Drogistenlehre Lehrer.
1953 wurde er als Didakt im Erziehungsheim Aarwangen angestellt, eine Stätte, die ihn nachhaltig inspirierte - von seinen ersten Romanen «Strafarbeit» (1962) und «Ein Messer für den ehrlichen Finder» (1966) bis hin zu «Das Netz zerreissen» (1982). Da erzählt Steiner von zwei Arbeitslosen und einem Rentner, die eben einem Netz sozialer Zwänge entkommen können. In seinen Werken sind diese «Fluchtgefühle» oft ein Thema. Der Autor hat dies gegenüber SRF einmal so formuliert:
1954 gründete Steiner den Kleinverlag «Vorstadtpresse», den er bis 1960 leitete. Dazu arbeitete er als Lehrer in Biel und Nidau, als Literaturredaktor beim Bieler Tagblatt und sass 1973-1979 im Bieler Stadtrat.
Schreiben als Befreiung
Jörg Steiner hat sein Schreiben aufgefasst als «etwas, das befreit oder andere, neue Möglichkeiten eröffnet.» Seine Protagonisten sind durchs Band weg Aussenseiter, die sich in ihrer eigenen kleinen Welt abschotten und einrichten. Steiners Geschichten sind fragmentarisch im Sinne, dass man als Leser die Geschichten weiterdenken kann, sie führen oft ins Offene.
Auch fühlte er in seinen Texten immer den Puls der Zeit. Zum Beispiel in «Fremdes Land» (1989) mit dem Thema Schweizer Fremdenfeindlichkeit. Darin kämpft ein ehemaliger Fahrender mit den Behörden um sein Wohnrecht, setzt sich dann aber für einen für asylsuchenden Flüchtling ein. Der Protagonist wird schliesslich bei einer Demonstration von Rechtsradikalen erschlagen.
Für sein literarisches Werk erhielt Jörg Steiner unter anderen den Grossen Literaturpreis des Kantons Bern (1976), Medaillen der internationalen Buchkunst Leipzig (1979 und 82), den Batchelder Award USA (1979), den Erich-Fried-Preis (1994), den Berliner Literaturpreis (1998) und 2002 den mit 50'000 Franken dotierten Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich.