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Ich habe einen Bock geschossen. Zum Glück betrifft es das Erbrecht. Das ist komplizierter, als Gott erlaubt. Glücklicherweise haben mich aufmerksame Leser juristischer Provenienz auf den Fehler aufmerksam gemacht. Einige sehr freundlich, andere weniger nett.
Es ging um jene 80-jährige Witwe, die noch 80 000 Franken auf dem Sparkonto hat und das ganze Erbe ihrer Tochter vermachen möchte. Ihren Sohn möchte sie nicht begünstigen. Zum einen hat er es nicht nötig und zum andern nicht verdient. Im Unterschied zur Tochter kümmert er sich kaum um die betagte Mutter.
Ich habe geschrieben, dass der Sohn in den Genuss eines Pflichtteils von 20 000 Franken komme. Das ist falsch. Der Pflichtteil des Sohnes beträgt 30 000 Franken, sofern beim Tod seiner Mutter noch 80 000 Franken vorhanden sind. Der gesetzliche Erbanspruch der Nachkommen umfasst den ganzen Nachlass, im vorliegenden Fall 80 000 Franken. Der Pflichtteil für Nachkommen beträgt drei Viertel, unabhängig davon, ob ein, zwei oder vier Nachkommen vorhanden sind. Somit beträgt die frei verfügbare Quote ein Viertel. Ich rechne vor: Tochter und Sohn haben im vorliegenden Fall Anspruch auf je 40 000 Franken, sofern kein Testament vorhanden ist. Wenn nun die Mutter den Sohn auf den Pflichtteil setzt, so erhält er drei Viertel dieser 40 000 Franken; also 30 000 Franken. Über den nicht pflichtteilsgeschützten Erbanspruch des Sohnes von 10 000 Franken kann die Witwe frei verfügen, indem sie diesen der Tochter zuweist. Für den Fehler entschuldige ich mich.
Erschienen am 15. Mai 2012