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Eine statistische Analyse der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat ergeben, dass in Europa zwischen 25 und 45 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für ihre Arbeit entweder über- oder unterqualifiziert sind. Dies entspricht einer erheblichen Fehlpassung zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Für die Schweiz geht die Studie davon aus, dass 29,8 Prozent der Arbeitnehmenden für ihre aktuelle Tätigkeit unterqualifiziert und 5,7 Prozent überqualifiziert sind.
Würde die Analyse für die Schweiz zutreffen, wären erhebliche Probleme im Bildungssystem bzw. auf dem Arbeitsmarkt zu vermuten. Beides trifft nicht zu – im Gegenteil: In beiden Bereichen gilt die Schweiz international (immer noch) als vorbildlich.
Leider vernachlässigt die Studie, dass in Ländern mit sehr arbeitsmarktnahen Aus- und Weiterbildungssystemen auch anspruchsvolle Berufe nicht an Hochschulen, sondern in der Berufsbildung ausgebildet werden. In der statistischen Auswertung der ILO gelten beispielsweise Schweizer Augenoptiker als für ihre Aufgabe unterqualifiziert, weil sie nicht an einer Hochschule ausgebildet wurden.
Ironischerweise möchte die ILO mit ihren Auswertungen eigentlich arbeitsmarktorientierte Bildungs- bzw. Berufsbildungssysteme fördern – im Falle der Schweiz zeigen die Indikatoren der ILO-Ökonomen in die falsche Richtung.