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Zu Beginn der 1950er Jahre kamen nach Bemühungen des SIG wertvolle Bücher aus dem Bestand der ehemaligen Seminarbibliothek des ehemaligen Breslauer Rabbinerseminars in die Schweiz. Der SIG hat sich seither für die Erhaltung dieser Bücher eingesetzt. Heute sind sie in der Obhut der Bibliotheken der jüdischen Gemeinden Genf und Zürich, wo sie interessierten Kreisen zugänglich sind.
Das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau war 1854 aus dem Nachlass von Jonas Fraenckel (1773-1846) hervorgegangen und als Lehrstätte respektive «Seminar zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern» konzipiert worden.
Im November 1938 fiel auch das Breslauer Seminar den Gewaltakten der Nationalsozialisten zum Opfer. Die Bibliothek wurde weitgehend vernichtet, der Lehrbetrieb eingestellt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
1945 fanden die vorrückenden alliierten Truppen in Deutschland riesige Bestände jüdischen Kulturgutes - Bibliotheken, Kultgegenstände -, die aus dem nationalsozialistischen Einflussbereich zusammengetragen worden waren.
1949 lagerten im Depot der Commission on European Jewish Cultural Reconstruction, Inc. (JCR) in Wiesbaden - einer Institution, die sich seit Beginn der 1940er Jahre der Bewahrung jüdischen Kulturgutes annahm - rund 11’000 der ursprünglich 30’000 Bände umfassenden Breslauer Seminarbibliothek.
Übergang ins Eigentum des SIG
Dieser Bestand sollte nach umfassenden Bemühungen von Vertretern des Schweizer Judentums in die Schweiz gebracht werden. Gegen diese Absicht legte jedoch die Hebrew Library in Jerusalem ihr Veto ein und setzte durch, dass die Reste der Breslauer Bibliothek zwischen den USA, Israel und der Schweiz aufgeteilt wurden.
Auf diese Weise gingen 1950 rund 6’000 Bände der ehemaligen Breslauer Seminarbibliothek in das Eigentum des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) über.
3'400 Titel
Die rund 3’400 Titel der Bibliothek werden heute in der Gemeindebibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) sowie in der Bibliothèque „Gérard Nordmann“ der Communauté Israélite de Genève (CIG) aufbewahrt. Die Bestände sind inventarisiert und katalogisiert.
Einblick in Vielfalt jüdischer Wissenschaften
Die in die Schweiz gelangten Bücher geben über fünf Jahrhunderte hinweg, vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, einen Einblick in die Vielfalt der jüdischen Wissenschaften. Die Bibliothek enthält rabbinische Erklärungen, aggadische Werke mit Erbauungsliteratur und Predigten. Daneben lassen sich zum Teil künstlerisch verzierte Ausgaben des Tanach und des Talmuds finden.
Mystische Literatur, Texte zur Chassidut sowie philosophische Schriften runden die Sammlung ab. Vereinzelt sind auch belletristische Werke, Dichtungen (Pijutim) sowie humoristische Literatur in der Sammlung erhalten geblieben.