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Al Brounstein
Al Brounstein wurde in Saskatchewan/Kanada geboren. Als er ein Jahr alt war, zog seine Familie südwärts nach Minneapolis im Bundesstaat Minnesota. Nach dem College zog es Al in Richtung Westen nach Los Angeles, wo er ein Geschäft mit Arzneimitteln und Schönheitsartikeln aufbaute. Seine erste Frau Nancy starb leider sehr früh und Al entschloss sich schon bald nach ihrem Tod, Los Angeles den Rücken zuzukehren und sich fortan in der Welt des Weines zu betätigen und dort sein Glück zu suchen. Auf dem Weg dorthin arbeitete er zuerst auf der Ridge Winery und später verkaufte er Weine für die Sebastiani Winery.
Im Jahr 1967, im Alter von 47 Jahren, kaufte Al ein rustikales Anwesen am Diamond Mountain, südlich von Calistoga. "Ich weiss, dass ich hier mit einer ganz besonderen geografischen Lage gesegnet bin", sagte er in dem Interview. Er rodete das dicht bewaldete Gebiet in der Hoffnung, 20 Hektaren mit Reben zu bepflanzen, aber als er 1968 fertig war, hatte er nur 10 Hektaren mit Bordeaux-Sorten, hauptsächlich Cabernet Sauvignon angepflanzt. Im folgenden Jahr heiratete er Adelle Ross, genannt Boots", die seine ständige Begleiterin und Partnerin auf dem Weingut wurde.
Als die Bäume und das Unterholz entfernt wurden, studierte Brounstein die Böden und machte dabei eine wichtige Entdeckung. Die Böden hatten weniger gemeinsam, als er dachte, und das erinnerte ihn an einen Weinkunde-Kurs, den er in den 1960er Jahren an der UCLA belegt hatte. In einem der Kurse ging es um die einzelnen Bodentypen der Weine der Domaine de la Romanée-Conti, des berühmten Weingutes im Burgund.
"Die Franzosen wussten schon immer, wie wichtig das Terroir ist, mit Schwerpunkt auf die Böden und dem jeweiligen Mikroklima", so Brounstein. Er hat dieses Wissen genutzt und auf sein Weingut an den Diamond Mountains übertragen.
Er holte sich den Rat der besten Weinbauexperten der damaligen Zeit ein, darunter Louis P. Martini und André Tchelistcheff, und sie stimmten ihm zu. Er hatte drei verschiedene Bodentypen, und wie sich herausstellte, wies jede der drei bepflanzbaren Flächen - und später noch eine vierte – deutliche unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten und auch differente Sonneneinstrahlungen aufwiesen.
Die Stecklinge für seine Rebberge hatte Al nach Mexiko liefern lassen. Damals war es verboten, Rebenmaterial in die USA einzuführen. In der Nacht flog dann Al selber in einer geliehenen Cessna die Stecklinge von Mexiko nach San Diego. Wenn er diese Geschichte später zum Besten gab, war diese immer von einem herzlichen und spitzbübischen Lachen begleitet. Einmal meinte er, nicht die Kolumbianer und auch nicht die Mexikaner haben das mit den Schmuggeltransporten mittels eines Flugzeuges erfunden!
Die Stecklinge kamen von zwei Bordeaux 1er Grand Cru Weingüter, deren Besitzer der gleichen Religionsgemeinschaft wie Al angehörten.
Er benannte die Weinberge nach den Böden, in denen sie verwurzelt waren: Volcanic Hill, mit seinen 3,2 Hektaren auf einer staubigen, durch die dort abgelagerte Vulkanasche und nach Süden ausgerichteten Anhöhe; Red Rock Terrace, mit knapp 3 Hektaren auf einem steilen, eisenhaltigen Hang mit Nordausrichtung; Gravelly Meadow, ein steiniger Rebberg mit einer Grösse von gut 2 Hektaren, das einst ein Flussbett war; und schliesslich noch den kleinen Lake Vineyard mit seinen 0,3 Hektaren.
Für Brounstein bedeutete Terroir - das Zusammenspiel von Boden, Rebe und Klima in Bezug auf den Wein -, dass dieselbe Rebsorte (in seinem Fall Cabernet Sauvignon), die auf verschiedenen Böden und mit unterschiedlicher Sonneneinstrahlung angebaut wird, Weine mit ähnlichen Eigenschaften, aber subtilen Nuancen, die auf den Faktoren der einzelnen Lagen basieren, hervorbringt.
Als 1972 die ersten Weine gekeltert wurden, sah es nicht so aus, als würde Diamond Creek eine Erfolgsgeschichte schreiben. Der nasse, regnerische Jahrgang 1972 brachte nur 65 Kisten hervor und wurde für 7,50 $ pro Flasche verkauft. Erst 1982 erreichte Brounstein die volle Kapazität von 3.000 Kisten und erzielte einen Gewinn.
Während die Banken Brounstein unter Druck setzten, andere Rebsorten oder Weine wie Chardonnay oder Zinfandel in sein Portfolio aufzunehmen, um die Einnahmen zu steigern, widerstand er und hielt an seinem Geschäftsplan "Exclusively Cabernet" fest.
Später dann wurde noch etwas Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot gepflanzt. Der Slogan «Exclusively Cabernet» blieb.
Al hatte eine starke emotionale Bindung zu seinen Weinbergen. Die Entwicklung von Diamond Creek ist eine dieser unwahrscheinlichen Geschichten. Al war der erste der auf einem kalifornischen Weingut ausschliesslich Cabernet Sauvignon pflanzte und auf diesem kleinen Flecken Erde jeweils 3 oder von ganz guten Jahren sogar 4 Weine mit unterschiedlichem Geschmacksprofil und Identität abfüllen konnte.
Dieses Beispiel der Kelterung von 3 oder 4 Cabernet Weinen machte Schule. Denken wir zum Beispiel an Abreu, Hundert Acre, Bond oder DANA.
Auch waren die Diamond Creek Weine die ersten, die seinerzeit den Preis der 100 $ Marke ab Weingut knackten.
Brounstein war "ein Vorläufer dessen, was schliesslich zum Kultweinsektor wurde", sagte Chuck Wagner, Eigentümer der Caymus Winery. "Die heutigen Kultweinerzeuger hätten sich von Al einiges abschauen können. Er hatte eine echte und alltägliche Präsenz, die wir Winzer versuchen sollten nachzuahmen". Wagner beschrieb Brounstein als "ehrlich, geradlinig, sympathisch, umgänglich und klug. Seine Persönlichkeit war einzigartig und beständig".
Al hatte sich zum Ziel gesetzt, sortentypische, in den Bergen gewachsene Cabernets zu erzeugen, und hielt sich während seiner gesamten Karriere an diese Philosophie. «Er ist seinem Traum immer treu geblieben», sagt Ed Sbragia. «Er hat grosse Weine gemacht, die lange, lange Zeit halten und auch im Alter noch wunderbar sind.»
Zu seinen grossen Hobbys gehörte das Erbauen von kleineren oder grösseren Wasserfällen
auf seinem Weingut. Ungefähr 30 an der Zahl. Und ebenfalls seinen Rosengarten, wo er jedes Mal auf seiner Weinbergtour mit Gästen innehielt und den Damen eine Rose pflückte.
Al verstarb am 26. Juni 2006 nach 23 Jahren des Ertragens der Parkinson-Krankheit. Auch in dieser Zeit verlor Al nie seinen legendären Humor, der zuweilen auch brandschwarz sein konnte. Einmal meinte Al, als ihn ein Ruhetremor ereilte, «Tomorrow I go to Carnegie Hall -I'm faster than Karajan»!
Einmal haben wir Al zum Nachtessen ausgeführt. Er brachte eine Flasche Lake Vineyard mit. Die leere Flasche habe ich als Andenken mittgenommen und die steht jetzt im Olsberger Keller. Jedes Mal, wenn ich an ihr vorbeischreite, kommen da für ein paar Sekunden schöne Erinnerungen. Lang ist es her – times fly! Danke Al!