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Bern den 28 Octob. 1851.
Mein lieber Freund!
Auch deinen gestrigen Bericht verdanke ich dir bestens. Ich entnehme daraus, daß ich allerdings mich getäuscht habe u daß der See anfängt, seinen Blick über seine Bezirksgenoßen hinauszusenden. Indeß wer weiß, wie es gekommen wäre, wenn die sämtliche Mannschaft an der Wahl Theil genommen hätte u nicht bloß die Elite, welche ein besondres Intreße an politischen Dingen nimmt? – Diese Erscheinung ist sehr zu beklagen, wenn auch zu begreifen u die Gefahr einer Überraschung in dem süßen Schlafe ist immer vorhanden. Man hat daher alle Ursache, bei der zweyten Wahl aufzupassen u ein bischen General Marsch zu schlagen.
Es versteht sich von selbst, daß ich in Bezug auf die Frage der Annahme unbedingt Eurem Rath folgen, weil Ihr es besser verstehen müßt u ich gewärtige beförderlich Eure Mittheilung, wie ich bereits an Rüttimann geschrieben habe. Die Sache scheint mir ziemlich heikel zu seyn. Auf der einen Seite möchte ich nicht Sidler vor die Thüre stellen, auf der andern aber die Thüre dem falschen Treichler nicht öffnen. Die Hauptfrage wird also die seyn, ob Gewißheit da ist, daß Sidler neben Treichler die | Mehrheit erhält.
Für L. Snell habe ich alle Hochachtung[;?] aber – der Art. 12 der BV.? – du weißt, daß er von einer Preußischen Pension lebt, also für die Stelle nicht wählbar ist, wenn er nicht auf die Pension verzichten will. Das gäbe eine sehr fatale Erörterung im Nationalrath! –
Du kannst sicher seyn, daß Eure Regierung mit rückgehender Post meine Erklärung erhalten soll, nöthigenfalls durch Präsidialverfügung.
Mit herzlichem Gruß
Dein
F J