Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03187.jsonl.gz/97

Eines Tages, ich war gerade das erste Jahr in der Schule, sah ich ein Kind aus meiner Klasse nach Hause gehen. Sein Name war Michael. Es sah so aus, als würde er alle seine Bücher mit sich tragen. Ich dachte mir: «Warum bringt wohl jemand seine ganzen Bücher an einem Freitag nach Hause? Das muss ja ein richtiger Dummkopf sein.» Mein Wochenende hatte ich schon verplant mit meinen Freunden, also zuckte ich mit den Schultern und ging weiter.
Als ich weiter ging, sah ich eine Gruppe Kinder in seine Richtung laufen. Sie rempelten ihn an, schlugen ihm seine Bücher aus den Armen und schubsten ihn so, dass er in den Schmutz fiel. Seine Brille flog durch die Luft und ich beobachtete wie sie etwa drei Meter neben ihm im Gras landete. Er schaute auf und ich sah diese schreckliche Traurigkeit in seinen Augen.
Mein Herz wurde weich. Ich ging zu ihm rüber, er kroch am Boden umher und suchte seine Brille und ich sah Tränen in seinen Augen. Als ich ihm seine Brille gab, sagte ich: «Diese Typen sind Blödmänner.“ Er schaute zu mir auf und sagte: «Danke!» Ein großes Lächeln zierte sein Gesicht. Es war eines von jenen Lächeln, die wirkliche Dankbarkeit zeigten. Ich half ihm seine Bücher aufzuheben und fragte ihn wo er wohne.
Es stellte sich heraus, dass er in meiner Nähe wohnt. Also fragte ich ihn, warum ich ihn vorher nie gesehen habe. Er erzählte mir, dass er zuvor auf eine Privatschule ging. Ich hätte mich nie mit einem Privat-Schul-Kind abgeben. Den ganzen Nachhauseweg unterhielten wir uns und ich trug seine Bücher. Er war eigentlich ein richtig cooler Kerl.
Ich fragte ihn, ob er Lust hätte mit mir und meinen Freunden am Samstag Fußball zu spielen. Er sagte zu. Wir verbrachten das ganze Wochenende zusammen und je mehr ich Michael kennenlernte, desto mehr mochte ich ihn. Und meine Freunde dachten genauso über ihn.
Es begann der Montagmorgen und auch Michael mit dem riesigen Bücherstapel war wieder da. Ich hielt ihn an und sagte: «Oh Mann, mit diesen ganzen Büchern wirst du eines Tages noch mal richtige Muskeln bekommen». Er lachte und gab mir einen Teil der Bücher.
Während der nächsten vier Jahre wurden Michael und ich richtig gute Freunde Als wir älter wurden, dachten wir über den weiteren Ausbildungsweg nach.
Michael entschied sich für Wien und ich mich für Salzburg. Ich wusste, dass wir immer Freunde sein werden und diese Kilometer zwischen uns niemals ein Problem darstellen würden. Er wollte Arzt werden und ich hatte vor, eine Fußballer-Karriere zu machen.
Es kam der Abschlusstag an unserer Schule. Ich war froh, nicht die Abschlussrede unserer Klasse halten zu müssen. Michael war der Abschiedsredner.
Michael sah großartig aus. Er war einer von denen, die während der Schule zu sich selber finden und ihren eigenen Stil entwickeln. Er hatte mehr Verabredungen als ich und alle Mädchen mochten ihn. Manchmal war ich richtig neidisch auf ihn. Heute war einer dieser Tage. Ich konnte sehen, dass er wegen seiner Rede sehr nervös war.
Ich gab ihm einen Klaps auf den Hintern und sagte: „Hey, Großer, du wirst großartig sein!“. Er sah mich mit einem jener Blicke (die wirklich dankbaren) an und lächelte. „Danke“, sagte er.
Als er seine Rede begann, räusperte er sich kurz und fing an. „Der Abschluss ist eine Zeit, um denen zu danken, die dir halfen, diese schweren Jahre zu überstehen: Deinen Eltern, deinen Lehrern, deinen Geschwistern, vielleicht einem Trainer …, aber am meisten deinen Freunden. Ich sage euch, das beste Geschenk, das ihr jemandem geben könnt, ist eure Freundschaft. Lasst mich euch eine Geschichte erzählen.“
Ich schaute meinen Freund etwas ungläubig an, als er von dem Tag erzählte, an dem wir uns das erste Mal trafen. Er hatte geplant, sich an diesem Wochenende umzubringen. Das Leben schien ihm nicht mehr lebenswert. Er erzählte weiter, dass er seinen Schrank in der Schule ausgeräumt hatte, so dass seine Mutter es später nicht tun müsste und trug seine Sachen nach Hause.
Er schaute mich an und lächelte. „Gott sei Dank, ich wurde gerettet. Mein Freund hat mich von dieser unsäglichen Sache bewahrt. Ohne es zu wissen. Er war einfach nur da.“
Ich konnte spüren, wie die Menge der Zuhörer den Atem anhielt als dieser gutaussehende, beliebte Junge uns von seinem schwächsten Augenblick im Leben erzählte. Und ich bemerkte, wie seine Mutter und sein Vater lächelnd zu mir herübersahen, genau dasselbe, dankbare Lächeln. Niemals zuvor spürte ich solch eine tiefe Verbundenheit.
Unterschätze niemals die Macht Deines Handelns. Durch eine kleine Geste kannst du das Leben einer Person ändern. Zum Guten oder zum Bösen. Die Schöpfung setzt uns alle ins Leben des anderen, um uns gegenseitig zu beeinflussen, auf jede Art und Weise.
Text & Bild: Netzfund
Abgeräumt…
Der Tisch wird nun langsam abgeräumt.
Die Oberfläche wird langsam sichtbar.
Der Platz für die Geschenke, die dir das Leben darlegen möchte.
Vereinzelt steht noch altes Geschirr und Besteck darauf.
Über die Zeit und Generationen lieb gewordenen Tassen und alte Töpfe.
Einige mit Beulen, andere mit Sprüngen und verblast. Sie haben so lange gehalten. Gefüllt mit Erinnerungen und Gefühlen…
Du siehst, wie das Leben dir nach und nach, diese nimmt…
Es wird leer… und die Angst setzt sich neben dich.
Sie flüstert dir leis in dein Ohr….»Womit willst du deine Nahrung zubereiten, womit willst du sie dir zuführen»…?!
Du schaust auf die leere Fläche, du spürst wie der Zweifel sich zu dir gesellt und deine Wange streichelt.
Schmerzhaft berührt von Leere… Nichts steht mehr da… Nichts von dem was dir so vertraut und lieb war…
Dein Blick verschwimmt und Tränen des Loslassen fallen tief in deine Seele. Deine Hände liegen ruhend vor dir. Du schaust sie an.Was haben Sie schon alles erlebt, gefühlt, berührt, entstehen lassen und zu Fall gebracht…?!
Stille… Du schließt deine Augen. Bilder deiner gelebten Zeit und Momente kommen langsam aus deinem Herzen zum Vorschein.
Echos der Vergangenheit, getränkt mit tiefer Liebe und Dankbarkeit für das was war…
Du verweilst noch etwas länger in dir und…plötzlich siehst du, wie die Angst und der Zweifel sich erheben und sich von dir langsam entfernen…
Du schaust weiter und erblickst Umrisse von Körpern die sich nach und nach an deinen Tische versammeln. Es klärt sich langsam um dich und du kannst tiefer blicken…Alle kommen dir vertraut vor. Ein Gefühl von Zusammenkunft und Familie durchströmt dich.
Die Umrisse offenbaren sich dir. Es sind all jene die du so sehr vermisst hast. Jene, die schon gegangen sind, jene die dein Leben berühren und erfüllen durften. Jene, die schon seit der Unendlichkeit, mit dir immer und immer wieder an deinem Tisch versammelt waren. Jene, die aus den Töpfen deines Wissens schöpfen und aus deinen Tassen das Wasser des Lebens kosten durften.
Ein Kreis aus purem flüssigen Kristall umgibt deine Ahnentafel. Gefüllt mit segensreicher Leere. Deine Ahnen schauen dich an. Schweigend mit tiefer Dankbarkeit legt jeder von ihnen ein Stück seiner gelebten Erinnerung und Fähigkeit vor dir nieder.
Du schaust vor dir und bemerkst, wie sich Alles wieder mit neue Gefäßen, Töpfe füllt… mit neuen kräftigen Farben. Griffig und unberührt. Bereit um die neue Seelen-Nahrung aufzufangen und sie ungehindert in dich einfliessen lassen zu können.
Deine Lippen kosten von der wiederkehrenden Erinnerung.»Alles Alte war immer neu»…!!! Nie war etwas verloren… Der ewige Kreis hat sich auf ein Neues verbunden. Zusammen an deinem Tisch.
Reich gedeckt mit neuen Ideen. Gefüllt mit neuer Kraft und Halt. Gestärkt mit dem kollektiven Wissen deiner Wurzel. So lasse dich vom Leben beschenken, mach Platz auf deinem Tisch…Das Neue wartet voller Freude auf dich…Jetzt……
Text: Markus Everdiking (Heilende Texte)
Das Pflaster auf
dem Herzen…
Meine Kleine Tochter
kam zu mir und sagte…
«Papa… ich bin Ärztin…
möchtest du von mir
untersucht werden»…?!
«Ja… gerne»… sagte ich…
Sie fragte… wo es
mir denn weh tun würde…
Ich konnte plötzlich
nicht mehr sprechen…
als sie mich das fragte…
Ich zeigte mit meinem
Finger auf mein Herz…
Für einen Moment
schaute sie mich ganz
konzentriert an…
und sagte dann…
«Papa… du hast ein
gebrochenes Herz»…
«Ich werde es jetzt heilen»…
Tränen drängten in
den Moment in mir auf…
Sie nahm ihre Trinkflasche
und schüttet ein paar kleine
Tropfen Wasser auf ihren
Zeigefinger…
Sie sagte dann…
«Halte jetzt still Papa»…
Sie verteilte das Wasser
auf meine Wangen und
Stirn…
Dann sagte sie…
«Hier Papa… hier habe
ich ein Pflaster für dich»…
«Mach dein T Shirt hoch
das man alles sehen kann»…
Ich hob mein T Shirt hoch…
Sie schaute kurz auf meine
Herzgegend… und klebte dann
zielsicher das Pflaster auf mein Herz…
Ich blieb ganz still…
Dann sagte sie…
«Papa… es braucht 5
Wochen bis es wieder
heile ist»…
«Es wird heilen Papa…
es wird heilen»…
Sie packte ihre
Untersuchungssachen
in ihren kleinen Rucksack
und ging aus dem Zimmer…
Ich schaute still auf
meine Brust… schaute
auf das Pflaster…
und ich spürte plötzlich
die göttliche Anwesenheit
bei mir…
Ich legte meine Hand
darauf und Tränen
flossen auf mein Kissen…
Stille…
Danke liebes Leben…
Danke das ich der Papa
eine großen Heilerin sein darf…
Und ich erinnerte mich
wieder… wie und wann das
Göttliche zu uns spricht
und uns berührt…
So wünsche ich
uns allen…
ein Pflaster auf
dem Herzen…
eine heilende Hand
auf unserer Seele…
einen Raum und
den Moment…
wo wir all dem
begegnen dürfen…
Und seit gewiss…
Das Leben und die
Liebe wartet auf uns…
In jeden Moment
unseres SEINS…
Bleibt offen…
und wünscht euch
Berührung und Heilung…
Und wisse…
es wird geschehen…
In Liebe…
…
Text: Markus Everdiking
In dieser Zeit…
der bunten Lichter…
der Wünsche und
Andacht…
der Besinnung und
der aufkommenden
Stille in uns…
In dieser Zeit…
der tiefen Sehnsucht
nach Nähe und Geborgenheit…
der Berührung und Begegnung….
in dieser Zeit…
verwandeln wir uns
zurück in das Kind…
was schon immer
in uns lebt und atmet…
Schaue…
in den Spiegel…
Blicke in deine
Augen…
und fühle dich…
Sei ganz still dabei…
Ganz tief in
deinen Farben…
Ganz sanft
auf deinem Atem…
Ganz nah
an deinem Herzen…
begegnet ihr euch…
Die unendliche
Liebe die das Kind
in seinen Händen hält…
Voller Magie…
Voller Leidenschaft…
Voller Reinheit…
Voller Weisheit…
Du bist jetzt…
Kind….!!!
Verletzlich und
offen… spüre sein
Bedürfnis nach
Annahme und Obhut…
Nimm es auf
deinen Arm und halte
es ganz fest an deiner
Brust…
Flüstert leis in
sein Ohr…
«Ich liebe dich
so sehr»…!!!
«Ich bin bei dir
und halte dich»…
Du wirst dabei
deinen Schmerz
begegnen…
Die Sehnsucht nach
dem… was war oder
das was hätte sein
können…
Ihr werdet zusammen
weinen…
Ihr werdet zusammen
lachen…
Ihre werdet nach all
dem Vergessen wieder
EINS sein…
und du wirst
für dein inneres
Kind jene-r sein…
das es so vermisst hat…
Du bist…
die Heilung und
der Segen für EUCH…
Das «Nachhause kommen»…
Das «Sich finden»…
Der «Frieden»…
Die «Liebe»…
In dieser Zeit…
mögen wir uns selbst
und unserem Nächsten
in tiefer Verbundenheit
begegnen und berühren…
Schaue in deine
Augen und finde dich
in dir selbst wieder…
Und vergiss nie…
Du bist unendlich
geliebt und gewollt…
Erdacht und geformt
aus dem göttlichen
Funken…
Behütet und
Beschützte auf all
euren Wege…
Haltet euch…
in Liebe…
….
Text: Markus Everdiking
Du bist feinfühlig & das ist gut so
Ich hatte gestern einen sehr traurigen und „schlimmen“ Tag. Das passiert mir nicht oft. Wenn es mir passiert, dann kann ich für mich jedoch sehr klar sagen: Es WAR traurig. Und es war „SCHLIMM“. Sonst hätte es sich nicht so gefühlt. Sonst wäre es nicht so gewesen.
Heute, mit einer Nacht Abstand, möchte ich folgendes dazu sagen…
„Manchmal frag ich mich, warum ich (immer noch…) so sensibel reagiere, und warum mich ein einziges Wort oder Verhalten meines Gegenübers innerlich in Abgründe schicken kann. Dann denke ich, dass mein Leben sehr viel einfacher wäre, wenn ich nicht so empfindlich wäre, und wenn ich mich (…noch) besser schützen könnte.
Ich bewundere Menschen sehr grundsätzlich, die souverän reagieren. Obwohl ich selbst oftmals mehr als souverän bin. Ich bewundere Menschen, die Stärke zeigen, obwohl ich selbst oftmals mehr als stark bin. Ich bewundere Menschen, die in nahezu jeder Situation die Oberhand behalten. Obwohl ich selbst oftmals die Oberhand habe und dann auch behalte. Ich wäre selbst gern weniger angreifbar, nicht mehr gekränkt und „unantastbar“. Obwohl ich all das so oft und intensiv bereits mein Eigen nennen darf.
Ja, ohne meine Verletzlichkeit könnte ich mir manches „Leid“ ersparen. Und das, was gestern passiert ist, wäre nicht passiert.
Aber dann wäre ich auch nicht so offen und vor allem empathisch. Ich könnte mich nicht so tief auf Menschen und Situationen einlassen. Ich könnte den Schmerz nicht mehr so intensiv spüren, aber auch die Freude nicht. Weil es das eine nicht ohne das andere gibt.
Offenheit und Verletzlichkeit sind wie zwei Seiten einer Medaille. Wenn du die Tür aufmachst, kann der Sturm hereinblasen und dein Leben durcheinanderwirbeln. Ja, das stimmt. Aber lässt du die Tür aus lauter Vorsicht fest verschlossen, sperrst du auch das Leben aus und den frischen Wind des Entdeckens, der Weiterentwicklung und des Wachstums.
Wo viel Licht, Liebes….. da auch viel Schatten.
Und welche Erkenntnis habe ich heute? Einen Tag später? Eine Nacht später?
Es gibt Menschen in deinem Feld, die du nicht ändern kannst. Und es gibt Menschen, die du auch nicht einfach „austauschen“ kannst. Weil sie genau dort sind, wo sie sind. Und weil auch du dort bist. Noch…. zumindest. Und innerhalb all dieser Fakten sind DAS genau die Menschen, die deine größten Lehrmeister sind! Denn sie zeigen dir, wie DU niemals sein möchtest! Sie zeigen dir das, was du als so schier unerträglich (!) empfinden würdest, entspräche es deinem Wesen, deiner Absichten, deiner Interventionen im täglichen Umgang mit (Mit-)Menschen.
Darth Vaders Satz, den möchte ich an dieser Stelle schreiben. Denn er sagt für mich nahezu alles. und ihm ist einfach nichts mehr hinzuzufügen….
„Strong people don‘t put others down. They lift them up!“
Und ich bin so unendlich dankbar dafür, dass es mir in diesem Leben ein großes Geschenk sein durfte, mein Gegenüber stets als Menschen zu betrachten. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich in diesem Leben lernen durfte, was Wertschätzung und „leben lassen“ im Umgang mit (Mit-)Menschen bedeuten.
Hope
Am Heiligen Abend vor genau 15 Jahren soff sich mein Vater aus meinem Leben. Nach dem zehnten Bier schlug er meinem damals 18-jährigen Bruder mit der Faust voll ins Gesicht und brach ihm das Nasenbein, weil er es gewagt hatte zu sagen, dass er doch bitte keins mehr trinken soll.
Ich saß mit meinen 20 Jahren daneben und konnte nur noch weinen. Dann fuhr ich meinen Bruder ins Krankenhaus. Wir haben seitdem kein einziges Wort mehr mit unserem Vater geredet. Er war für uns gestorben. Und Weihnachten hatte seinen Zauber verloren.
Vor einem Jahr erfuhren wir, dass er einen Gehirntumor hatte, der nicht operiert werden konnte und der schnell wuchs.
Mein Bruder wohnte mittlerweile in Hamburg, aber er sagte sofort zu, als ich ihn fragte, ob wir gemeinsam zu ihm fahren sollen. Doch wir hatten die Rechnung ohne Vater gemacht. Mutter sagte mir mit gebrochener Stimme am Telefon, dass er keinen Besuch ins Haus lassen würde.
Ein halbes Jahr später kam meine Tochter Emma zur Welt. Ihr Vater hatte uns zwei Wochen vor der Geburt verlassen, weil ihm „die Verantwortung zu groß“ war. Irgendwie geriet ich immer an die größten Löschblätter …
Trotz allem betete ich jeden Tag, dass sie ihren Opa wenigstens noch einmal sehen dürfte, bevor er starb. Es war mir sehr wichtig, aber ich verstand nicht, warum das so war, weil ich ihn ja eigentlich hasste und verachtete. Doch alle „Anfragen“ von meiner Seite, ob wir ihn besuchen dürften, wurden gnadenlos abgelehnt.
Im Herbst ging ich ins Tierheim und holte mir eine wunderschöne, aber sehr scheue Golden Retriever-Dame, die von ihrem Besitzer im Zwinger gehalten und geschlagen worden war. Ich nannte sie Hope, weil ihre Augen trotz ihres Schicksals ein hoffnungsvolles Leuchten hatten. Sie ließ sich nie von mir streicheln und hielt immer mindestens einen Meter Sicherheitsabstand, aber ich hatte in ihren Augen sofort gesehen, dass sie ein herzensguter Hund war, was sich dann auch bestätigte.
Emma liebte Hope, aber auch sie durfte sie nicht anfassen. Dafür lachte sie sie immer aus ihren wunderschönen Äuglein an, wenn sie in ihrer Nähe war.
Am ersten Advent machte ich mit Emma einen Besuch bei meiner Freundin Ruth. Auf der Autobahn fuhr ein Kleinbus vor mir, auf dessen Heckscheibe die Worte „Vergib ihm“ standen. Mir schossen die Tränen in die Augen und ich musste am nächsten Parkplatz anhalten. War es das? Musste ich meinem Vater erst vergeben, bevor er seine Enkelin im Arm halten würde? Nein, das konnte ich nicht.
Auf der Straße vor Ruths Wohnung hatten Kinder mit Straßenkreide wahre Kunstwerke gemalt. Vögel und Schmetterlinge flogen über den grauen Asphalt, und Autos und Motorräder fuhren über weiße Wolken.
Ich setzte gerade einen Fuß auf den Gehweg, als ich vor mir in Schönschrift ein mit lila Kreide gemaltes Wort sah: „Vergebung“.
Ich war sprachlos. Welches Kind schrieb denn bitte „Vergebung“ auf die Straße? Wieder musste ich weinen, und eine Träne fiel auf Emmas Wange, was sie mit einem lauten Kichern quittierte.
Bei Ruth trank ich vier Tassen Kaffee, um runter zu kommen, aber das machte mich natürlich nur noch hibbeliger. Mein Puls war am oberen Limit. Als auf der Rückfahrt dann noch Paul Simon’s „Can I forgive him?“ im Radio lief, war es um mich geschehen. Ich beschloss, am Heiligen Abend mit Emma zu meinen Eltern zu fahren.
Ich zitterte am ganzen Körper, als ich am 24. mit meinem Baby im Tragetuch vor der Tür meines Elternhauses stand. Vorsichtig klopfte ich an. Die Klingel war mir zu laut. Ich wollte Vater nicht wecken, falls er schlafen sollte.
Nach ein paar Sekunden ging die Tür auf und meine über alle Maßen staunende Mutter stand vor mir. Auch sie hatte ihre Enkelin noch nie gesehen. Ich war ihr vor drei Jahren das letzte Mal in der Stadt begegnet.
Sie schlug die Hände vor ihr alt aussehendes Gesicht und weinte hemmungslos. Ich umarmte sie. Nichts konnte sie beruhigen, und so standen wir minutenlang heulend in der offenen Tür, mit Emma zwischen uns, die Mutter immer wieder anschaute und vorsichtig über ihr kleines Köpfchen streichelte.
Sie führte mich ins Schlafzimmer. Dort hatte sie für meinen Vater ein Krankenbett hergerichtet, auf dem er lag und schlief. Sie berührte seine linke Wange und sagte leise: „Liebling, du hast Besuch.“
Er öffnete die Augen und statt erschrocken loszubrüllen, lächelte er uns sanft an: „Ich habe gewusst, dass ihr kommt“, flüsterte er. „Schatz, lässt du mich bitte eine Weile mit meiner Tochter und meiner Enkelin allein?“
Mutter ging hinaus und mein Vater nahm meine Hände in seine, während er mit feuchten Augen Emma anstrahlte. Mein Vater war ein anderer Mensch geworden. Nichts war mehr übrig von dem Tyrannen, der er früher gewesen war, das spürte ich sofort. Seine Augen waren sanft geworden. In dem Moment, als er meine Hände nahm, hatte ich ihm verziehen. Ich konnte ihm sofort und ohne zu überlegen alles vergeben, was er mir angetan hatte, als ich noch jung war.
Er erzählte mir stundenlang von all den Dingen, die er heute anders sah als früher, als er noch „böse“ war, wie er es ausdrückte. «Das Leben ist ein Geschenk, das wir nicht mit Gier und Hass verschwenden dürfen.» Diesen Satz werde ich nie vergessen. So etwas aus dem Mund meines Vaters zu hören, war für mich unfassbar.
Wir verbrachten den Heiligen Abend im Schlafzimmer, während Emma in meiner alten Wiege schlief, die meine Eltern tatsächlich behalten hatten. Es war das schönste Weihnachten, das ich je erleben durfte.
Als wir am nächsten Morgen nach Hause fuhren, rief meine Mutter an. Sie sagte eine Minute lang gar nichts, dann: „Er ist endlich eingeschlafen. Ich glaube er hat nur noch auf euch beide gewartet. Er liegt in seinem Bett und lächelt.“
Als wir daheim waren, öffnete ich schluchzend das Geschenk, das Vater am Heiligen Abend unter seinem Bett hervorgeholt hatte. Er hatte gesagt, ich solle es erst aufmachen, wenn ich daheim sei.
Es enthielt ein Sparbuch, auf das mein Vater jeden Monat 2000 € einbezahlt hatte. Auf dem Deckblatt stand in seiner schönen Handschrift: „Für meinen Engel“. Das zweite „n“ hatte er durchgestrichen. Jetzt stand da: „Für meine Engel“.
Auf eine Weihnachtskarte hatte er geschrieben:
„Frohe Weihnachten, meine wundervolle Tochter. Bitte nimm das Geld an. Es soll keine «Entschädigung» sein für meine Verfehlungen, sondern ein Dankeschön dafür, dass ich Dein Vater sein durfte, auch wenn ich es bei Gott nicht gut gemacht habe.
Ich liebe Dich und werde bald von oben auf Dich und Emma aufpassen.
Ich umarme Dich, Dein Vater“
Am Abend lag ich mit Emma im Bett. Ich hatte sie gerade gestillt und sie war zufrieden neben mir eingeschlafen. Ich fühlte mich trotz Emmas Gesellschaft total allein und dachte an all die verlorenen Jahre.
„Vater“, sagte ich ins Dämmerlicht meines Schlafzimmers, „bitte, wenn es dir gut geht und du wirklich auf uns aufpasst, dann gib mir jetzt ein Zeichen. Aber bitte eins, das ich auch erkenne.“
Als ich zu Emma rüberschaute, die langsam atmend neben mir lag, ging langsam die Tür auf. Hope streckte ihren hübschen Kopf herein und kam auf mich zu. Sie war noch kein einziges Mal im Schlafzimmer gewesen und ich fragte mich, was mit ihr los war. „Hope, was hast du denn? Ist etwas passiert?“, fragte ich besorgt.
Was sie dann tat, war das Unglaublichste, was ich je erlebt habe. Sie kroch ganz langsam ins Bett und lag nach einer Weile genau neben mir. Dann legte sie ihre Pfote vorsichtig auf mein Gesicht. Ihr Kopf war genau neben meinem, und sie schaute mir direkt in die Augen.
Es war ziemlich duster, aber ich sah die Augen meines Vaters in ihren. Meine Tränen flossen ohne Unterbrechung und sickerten ins Kopfkissen.
Wir lagen mindestens eine Stunde so da, bevor sie wieder aufstand und in die Küche ging. Danach war sie zwar ein bisschen zutraulicher und weniger scheu, aber sie lässt sich bis heute noch nicht streicheln.
Ich bin mir ganz sicher, dass es mein Vater war, der ihr am Weihnachtsabend alle Scheu und Angst genommen hat, um mich trösten zu können. Seitdem glaube ich wieder an Gott, und ich weiß, dass mein Vater immer bei mir ist. Weihnachten ist für mich ein Fest der Liebe und der Vergebung geworden. Danke, Papa.
(aus Schmetterlingsgeschichten, Michael «Bundy» Roth)
Eine Geschichte zum Thema Empathie, Großzügigkeit, Fülle, Freundlichkeit und Liebe
Eine Geschichte aus Katharine Hepburns Kindheit, in ihren eigenen Worten:
„Als ich ein Teenager war, standen mein Vater und ich einmal in der Schlange, um Tickets für den Zirkus zu kaufen.
Schließlich gab es nur eine andere Familie zwischen uns und dem Ticketschalter. Diese Familie hat mich sehr beeindruckt.
Es gab acht Kinder, alle wahrscheinlich unter 12 Jahren. Die Art und Weise, wie sie gekleidet waren, zeigte, dass sie nicht viel Geld hatten, aber ihre Kleidung war ordentlich und sauber.
Die Kinder benahmen sich gut, alle standen in einer Schlange, jeweils zu zweit hinter ihren Eltern und hielten sich an den Händen. Sie plapperten aufgeregt über die Clowns, Tiere und all die Darbietungen, die sie in dieser Nacht sehen würden. Durch ihre Aufregung konnte man spüren, dass sie noch nie zuvor im Zirkus gewesen waren. Es wäre ein Höhepunkt ihres Lebens.
Der Vater und die Mutter standen an der Spitze des Rudels und standen so stolz wie es ihnen möglich war. Die Mutter hielt die Hand ihres Mannes und sah zu ihm auf, als wollte sie sagen: «Du bist mein Ritter in glänzender Rüstung.» Er lächelte und genoss es, seine Familie glücklich zu sehen.
Die Ticketdame fragte den Mann, wie viele Tickets er wollte? Er antwortete stolz: «Ich möchte acht Kindertickets und zwei Erwachsenentickets kaufen, damit ich meine Familie in den Zirkus bringen kann.» Die Ticketdame gab den Preis an.
Die Frau des Mannes ließ seine Hand los, ihr Kopf senkte sich, die Lippe des Mannes begann zu zittern. Dann beugte er sich etwas näher und fragte: «Wie viel haben Sie gesagt?» Die Ticketdame gab erneut den Preis an.
Der Mann hatte nicht genug Geld. Wie sollte er sich umdrehen und seinen acht Kindern sagen, dass er nicht genug Geld hatte, um sie in den Zirkus zu bringen?
Als mein Vater sah, was los war, griff er in seine Tasche, holte einen 20-Dollar-Schein heraus und ließ sie dann auf den Boden fallen. (Wir waren im wahrsten Sinne des Wortes nicht reich!) Mein Vater bückte sich, nahm den 20-Dollar-Schein, klopfte dem Mann auf die Schulter und sagte: «Entschuldigen Sie, Sir, das ist aus Ihrer Tasche gefallen.»
Der Mann verstand, was los war. Er bat nicht um Almosen, aber er schätzte die Hilfe in einer verzweifelten, herzzerreißenden und peinlichen Situation.
Er sah meinem Vater direkt in die Augen, nahm die Hand meines Vaters in seine beiden, drückte sie fest auf den 20-Dollar-Schein, und mit zitternder Lippe und einer Träne, die über seine Wange lief, antwortete er; «Danke, danke, Sir. Das bedeutet mir und meiner Familie wirklich viel.»
Mein Vater und ich gingen zurück zu unserem Auto und fuhren nach Hause. Mit den 20 Dollar, die mein Vater verschenkt hat, wollten wir unsere eigenen Tickets kaufen.
Obwohl wir den Zirkus in dieser Nacht nicht sehen konnten, fühlten wir beide eine Freude in uns, die weitaus größer war, als es der Zirkus jemals bieten konnte.
An diesem Tag lernte ich den Wert zu geben.
Der Geber ist größer als der Empfänger. Wenn Sie groß und überlebensgroß sein wollen, lernen Sie zu geben. Liebe hat nichts mit dem zu tun, was du erwartest – nur mit dem, was du erwartest zu geben – was alles ist.
Die Wichtigkeit zu geben, andere zu segnen, kann niemals überbetont werden, weil es immer Freude macht zu geben. Lerne, jemanden durch Geben glücklich zu machen. “
Katharine Hepburn
❤
(Übersetzung ins Deutsche in dieser Form von Florian Weitling und Google)
Das perfekte Herz
Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.
Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: «Nun, dein Herz ist nicht annähernd so schön, wie meines.» Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.
Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig und es gab einige ausgefranste Ecken…Genau gesagt, waren an einigen Stellen tiefe Furchen, in denen ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an und dachten: Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner?
Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: «Du musst scherzen», sagte er, «dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.»
«Ja», sagte der alte Mann, «deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau passen, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde. Ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?»
Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen.
Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.
Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen fort, Seite an Seite.
FAIRY
Gillian ist ein siebenjähriges Mädchen, das in der Schule nicht sitzen bleiben kann. Sie steht ständig auf, lässt sich ablenken, fliegt mit den Gedanken und folgt dem Unterricht nicht. Ihre Lehrer sorgen sich um sie, bestrafen sie, schimpfen mit ihr, belohnen die wenigen Male, an denen sie aufmerksam ist, aber nichts. Gillian weiß nicht, wie man sitzt und kann nicht aufmerksam sein.
Wenn sie nach Hause kommt, wird sie auch von ihrer Mutter bestraft. Gillian hat also nicht nur in der Schule schlechte Noten und wird bestraft, sondern leidet auch zu Hause darunter.
Eines Tages wird die Mutter von Gillian in die Schule gerufen. Die Frau, traurig wie jemand, der auf eine schlechte Nachricht wartet, nimmt sie an der Hand und geht in den Besprechungsraum. Die Lehrer sprechen von Krankheit, von einer offensichtlichen Störung. Vielleicht ist es Hyperaktivität oder vielleicht braucht sie ein Medikament.
Während des Gesprächs kommt ein alter Lehrer, der das kleine Mädchen kennt. Er bittet alle Erwachsenen, Mutter und Kollegen, ihm in einen Nebenraum zu folgen, von dem aus man sie noch sehen kann. Als er geht, sagt er Gillian, dass sie bald zurückkommen werden, und schaltet ein altes Radio mit Musik ein.
Als das Mädchen allein im Raum ist, steht sie sofort auf und beginnt, sich auf und ab zu bewegen, um die Musik mit ihren Füßen und ihrem Herzen in der Luft zu verfolgen. Der Lehrer lächelt, als die Kollegen und die Mutter ihn zwischen Verwirrung und Mitleid ansehen, wie es bei alten Menschen oft der Fall ist. Also sagt er:
«Seht ihr, Gillian ist nicht krank, Gillian ist eine Tänzerin!»
Er empfiehlt ihrer Mutter, sie zu einem Tanzkurs zu bringen und ihre Kollegen sollten sie von Zeit zu Zeit tanzen lassen. Sie nimmt an ihrer ersten Stunde teil und erzählt ihrer Mutter, als sie nach Hause kommt:
«Alle sind wie ich, keiner kann da ruhig sitzen!»
☝Nach einer Karriere als Tänzerin, der Eröffnung ihrer eigenen Tanzakademie und internationaler Anerkennung für ihre Kunst wurde Gillian Lynne 1980 Choreografin des Musicals «Cats».
🙏Hoffentlich finden alle «andersartigen» Kinder Erwachsene, die sie so annehmen, wie sie sind, und nicht so, wie es ihnen gefehlt.
😁Lang leben die Unterschiede, die kleinen schwarzen Schafe und die Unverstandenen.
Sie sind es, die Schönheit in diese Welt bringen🙏
Wir brauchen mehr Tänzer 😏
Der Engel an der Brücke
Ich traf auf meinem Weg einen jungen Mann, der ging auf und ab. Ich fragte, was er denn mache und er schaute mich an. Seine Augen waren voll Trauer und auch voll Wut. Sein Körper war geschwächt und doch konnte er nicht ruhen. Auf seinen Schultern lastete ein großes Paket – hier und da waren ein paar Löcher, wo wohl ein stück des Inhalts fehlte; dennoch schien es dadurch nicht minder schwer.Ich fragte, warum er denn nur ständig auf und ab gehe? Er sagte, dass er gerne über diese Brücke gehen wolle, um auf die wunderschöne Insel gegenüber der Schlucht zu gelangen, doch er wage es nicht, denn seine Last sei so schwer und die Brücke, die er passieren müsse, mache keinen stabilen Eindruck.Ich fragte ihn, warum er denn die Last nicht ablegen würde, dann könnte er doch ohne weiteres die Brücke passieren. Er schaute mich entgeistert an – ohne sein Gepäck??? Nein, das ginge nicht!Ich fragte ihn, was denn so Wichtiges in diesem Paket wäre, dass er es denn nicht hier lassen könne. Er lächelte und sagte stolz – es ist meine Vergangenheit.Er ging auf und ab – sehnsüchtige Blicke folgten dem Weg auf diese wunderschöne Insel – mit Blumen und Früchten und frischem Wasser. Er war wirklich geschwächt, so bot ich ihm Wasser an – dankend trank er.Ich fragte, ob er seine Last absetzen möge und auf die Insel gehen wolle. Vehement verneinte er – auf keinen Fall würde er seine so kostbare Vergangenheit absetzen, nur, um auf die Insel zu gelangen – es müsse doch schließlich auch einen anderen Weg geben.Wir schwiegen.Ich meinte, wenn seine Vergangenheit leichter wäre, so könne er sie vermutlich mit auf die Insel nehmen. Doch wäre sie leichter, so wäre sein Eigengewicht weitaus mehr und so könnte er sowohl mit, als auch ohne Vergangenheit diese Brücke nicht passieren. Dadurch jedoch, dass er nun so lange gegangen sei, mit dieser Last, sei er selber davon so leicht geworden, dass er die Brücke passieren könne, Würde er seine Last absetzen.Er schaute mich erstaunt an – „Es ist also die einzige Möglichkeit diese Brücke zu überqueren?“ fragte er.Ich schwieg. Er dachte nach.Dann fragte er mich, ob ich denn kurz für ihn seine Vergangenheit tragen könnte, da er das Paket ungern in den Staub stellen wolle. Er würde jedoch gern einmal auf die Insel gehen, um zu schauen, ob sich denn der Tausch auch lohnen würde.Ich sagte, dass er gern auf die Insel gehen könne, doch ich würde ihm seine Last nicht abnehmen. Ich zeigte auf den Haufen neben der Brücke und sagte: «All das ist Vergangenheit von vielen anderen, die auch zuvor wie du unentschlossen waren. Es ist deine Entscheidung – wohin es dich trägt.»Und seit er über die Brücke lief, ruht neben seiner Vergangenheit die Vergangenheit vieler anderer gllücklicher, freier Menschen! Paula Meu
Wir reden so viel über die Menschen die verletzt werden, dass wir die Menschen vergessen, die heilen.
Es gibt Menschen, die an den wolkigen Tagen unseres Lebens eine wahre Sonne sind.
Menschen, die uns die Hand ausstrecken, die uns ermutigen, uns erinnern, was wir haben, und kümmern sich um unsere Gefühle.
Es sind wahre göttliche Kompasse, die uns leiten, wenn wir verwirrt sind.
So wie es giftige Menschen gibt, gibt es heilende Menschen, die wenn sie in unsere Nähe kommen, unsere Seele berühren.
Was diese Menschen ausmacht, ist nicht das fehlen von Fehlern, sondern die Feinheit in den Gesten.
Es ist eine Gabe, die weit über positive Gedanken hinausgeht.
Es ist eine rücksichtsvolle, emphatische Freundlichkeit.
Es ist möglich, diesen Duft bei Menschen zu erkennen, die keinen höheren Ton verwenden.
Es sind Menschen , die zuhören, auch wenn sie reden.
Der Möglichkeit ist, in sich selbst diese Kunst zu entwickeln, die schwer gelehrt werden kann – weil sie (fast) nicht in den Büchern steht – und die vielleicht deshalb immer seltener wird.
In ihrer Nähe öffnen wir uns ohne Vorbehalte, auch ohne zu verstehen warum.
Neben ihnen findet unsere Frage Erleichterung und unsere Angst findet Unterschlupf.
In ihrer Nähe ist unser Lachen locker und das Weinen hat keine Angst zu erblühen.
In ihrer Nähe sind wir authentischer, und das Leben gewinnt mehr Stimmigkeit und Klarheit.
Diese Menschen vermitteln uns Frieden, ohne dass ein Wort gesagt wird.
Sie pflanzen uns Samen des Optimismus in unserem Herzen.
Menschen die uns umarmen, nur mit ihrer Anwesenheit.
Wir brauchen viele von diesen Menschen, die heilen, sie werden der Welt gut tun, sei einer davon.
Meine Seele hat es eilig.
Von Mario de Andrade (1893-1945), brasilianischer Schriftsteller
Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.
Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst es mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu geniessen.
Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.
Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmässigkeiten zu kämpfen. Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.
Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten. Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.
Meine Zeit ist zu kurz, um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süssigkeiten in der Packung.
Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.
Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann. Ich versuche, keine der Süssigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.
Hochsensibel??
ES IST AN DER ZEIT…DIE STÄRKEN DER HOCHSENSIBILITÄT WIEDER BEWUSST WAHRZUNEHMEN UND ZU ZEIGEN
Hochsensibilität ist KEINE Modeerscheinung. Hochsensible Menschen hat es zu allen Zeiten gegeben. Auch wenn die Hochsensibilität in den letzten Jahren immer häufiger im Gespräch ist, erforscht wird, bzw. verstärkt Informationen darüber zu erhalten sind, so stehen doch noch immer sehr viele Mitmenschen dem Thema Hochsensibilität KRITISCH gegenüber und werten den Begriff und das, was sich dahinter verbirgt als MODEERSCHEINUNG ab. Doch gab es von jeher Menschen, die hochsensibel/hochsensitiv, waren und die unter anderem eine starke Empathie, ein ausgeprägtes Mitgefühl allen Lebewesen und der Natur gegenüber, Kreativität, sowie eine stark ausgeprägte Intuition in sich trugen. In den meisten Kulturen wurden diese Menschen sogar besonders gewürdigt und geschätzt. Gelangte man in Schwierigkeiten, wurde in erster Linie bei solch sensitiven Menschen um Rat gesucht. Oft waren hochsensible Menschen heilkundig, spirituell orientiert und besassen ein grosses Wissen, um das menschliche Bewusstsein.
DIE MODERNE GESELLSCHAFT FORDERT HOCHSENSIBLE MENSCHEN IM BESONDEREN HERAUS
Unsere Lebensumstände haben sich in den letzten 150 Jahren enorm verändert. Für hochsensible Menschen, die äussere und innere Reize kaum filtern können, ist eine Welt die immer lauter und schneller wird, eine extrem grosse Herausforderung. Permanente Reizüberflutung und ein…sich in der Gesellschaft kaum gespiegelt sehen…können zu Verunsicherung, Abwertung der eigenen Person, Burnout, mangelnden Selbstwert, bis hin zu psychosomatischen Beschwerden führen. Aufgrund solcher möglichen Beschwerden werden Hochsensiblein der heutigen Gesellschaft häufig als schwach, kränklich, nicht belastbar und ähnliches empfunden. Der Druck der schnelllebigen Gesellschaft lässt sie in einem Licht erscheinen, welches ihrem eigenen Inneren, sowie all ihren Stärken nicht wirklich entspricht. Vor über 100 Jahren waren die äusseren Reize überhaupt nicht zu vergleichen mit denen von heute. Aufgrund dessen wurden Überforderungen kaum sichtbar und im Vordergrund standen stets die Stärken hochsensibler Menschen.Während die sensitiven Menschen früher also meist als gesunde, feinfühlige, häufig auch hellsichtige Persönlichkeiten wahrgenommen wurden, die auf eine gewisse Art und Weise eine Kompetenz, Ausgeglichenheit und Stärke ausdrückten, hat sich das heutige Bild in Bezug auf viele hochsensible Menschen verschoben. Doch hochsensible Menschen tragen all die positiven Persönlichkeitsmerkmale,die schon seit Jahrhunderten gewürdigt und geschätzt wurden auch in der heutigen Zeit in sich. Es ist an der Zeit zu entdecken, dass diese Persönlichkeitsmerkmale wichtig sein können für den Einzelnen, sowie auch für die Gesellschaft und die Welt. Es ist an der Zeit umzudenken und zu erkennen, dass vermeintliche Schwächen Folge einer möglichen Reizüberflutung der heutigen lauten, hektischen, grellen, hellen, schnelllebigen Zeit sein können. Es ist an der Zeit dich daran zu erinnern, welche positive Kraft und Weisheit in vielen hochsensiblen Menschen zu finden ist. Hochsensible Menschen gab es immer und wird es immer geben und das ist etwas ganz Wunderbares. Lasst uns gemeinsam Rahmenbedingungen schaffen dafür,dass die Stärken wieder wahrgenommen und gelebt werden können.
© Loubins Way