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Fast 30 Jahre lenkte Blaise Compaoré die Geschicke des westafrikanischen Burkina Faso, unangefochten und unantastbar. Doch nun hat die Bevölkerung genug und fordert einen Wechsel, notfalls mit Gewalt. Gemäss einer Meldung des Internetportals lefaso.net legte der Präsident am Freitag Mittag sein Amt nieder.
«Im Bestreben, die demokratischen Errungenschaften und den sozialen Frieden zu erhalten (...), gebe ich ein Machtvakuum bekannt, um zu ermöglichen, dass eine Übergangszeit eingeleitet wird, die zu freien und transparenten Wahlen in einem Zeitraum von 90 Tagen führt», hiess es in einer im Fernsehsender BF1 von einer Journalistin verlesenen offiziellen Erklärung.
Die Opposition spricht in Anlehnung an den «Arabischen Frühling» im Norden Afrikas bereits von einem «Schwarzen Frühling» im Westen. Blaise Compaoré, der ehemalige Staatschef des kleinen westafrikanischen Burkina Faso, war ein Paradebeispiel für langen, unbehelligten Machterhalt.
Ende der 80er Jahre putschte er sich an die Spitze des Landes und hatte seither das Präsidentenamt inne. Im Jahr 2000 liess er die Verfassung ändern, um ein weiteres Mal kandidieren zu können. Mit Blick auf die anstehenden Wahlen im kommenden Jahr sollte das Parlament ihm nun erneut den Weg zu einer weiteren Amtszeit ebnen.
Dabei ist es kein Geheimnis, dass Compaoré in seiner dunklen Vergangenheit brutale Kriegsherren wie den ehemaligen liberianischen Präsidenten Charles Taylor unterstützt hat. Auch ist bis heute ungeklärt, welche Rolle Compaoré bei der Tötung seines Vorgängers Thomas Sankara gespielt hat, der während des Putsches 1987 auf mysteriöse Weise ums Leben kam.
Veruntreuung von Staatsgeldern und illegale Bereicherung könnten zu den Anklagepunkten in einem möglichen Prozess gegen den Ex-Präsidenten gehören. Als einzige Option bliebe ihm, ins Exil in ein freundlich gesinntes Nachbarland zu gehen.
Der 63-Jährige befindet sich in Afrika in illustrer Gesellschaft. Man denke etwa an den greisen Robert Mugabe, der Simbabwe seit 1987 kontinuierlich in den Ruin führt. Oder an den Despoten Omar al-Baschir, der den Sudan seit 1989 mit eiserner Hand lenkt, obwohl gegen ihn schon seit Jahren ein Haftbefehl wegen Völkermordes vorliegt.
Jetzt machte die Bevölkerung von Burkina Faso ihrem ungeliebten Langzeitpräsidenten aber überraschend einen Strich durch die Rechnung. Vermutlich hatten sich Ärger und Verzweiflung zu lange aufgestaut.
Die Aussicht, Compaoré womöglich weitere fünf Jahre als Präsident ertragen zu müssen, brachte das Fass zum Überlaufen. Tagelang zogen Tausende Bürger durch die Strassen von Ouagadougou und setzten mehrere Regierungsgebäude in Brand.
Beobachter sprechen von einer «Revolution» in dem bitterarmen Land. Einer kommentierte im Kurznachrichtendienst Twitter: «In der Ukraine hat es vier Monate gedauert, bis die Revolte in Fahrt kam. In Ägypten waren es drei Wochen. In Burkina Faso nur drei Tage.»
Von den 17 Millionen Einwohnern lebt die Hälfte unter der absoluten Armutsschwelle, wohl auch, weil die ehemalige französische Kolonie fast ausschliesslich auf die Landwirtschaft angewiesen ist.
Jugendarbeitslosigkeit und Analphabetismus sind weit verbreitet und im «Human Development Index 2013» rangiert das Binnenland auf Platz 181 von insgesamt 187. Von dem in so vielen Ländern des Kontinents hoch gepriesenen Wirtschaftswachstum, das auch in den Statistiken für Burkina Faso auftaucht, profitieren nur die wenigsten. (wst/sda/dpa)