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20 Jahre CGG Schweiz!
Die CGG wird im Jahre 2011 20 Jahre alt. Dazu ein kurzer Rückblick in der Gehörlosengeschichte der letzten 2000 Jahren.
Vor 2000 JahrenGott setzt Menschen für sein Werk ein. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen Behinderten und Nichtbehinderten. Dies sehen wir in Johannes 9,2-3:
Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.
Vor 1500 bis vor 300 Jahren
Die Botschaften von Jesus waren nicht mehr wichtig. Der Papst und die Kirche wurden wichtiger. Augustinus von Hippo, ein Kirchenvater aus dem 4. Jahrhundert sagte einmal: «Wer nicht hören kann, kann nicht glauben». Er widerrief die Aussage, als er gebärdende Gehörlose kennen lernte. Doch diese Vorstellung blieb: gehörlose Menschen wurden den Tieren gleichgesetzt, da der Unterschied zwischen Mensch und Tier war: nur der Mensch kann Gott erkennen. Den Eltern war ein gehörloses Kind peinlich: ein behindertes Kind galt als Strafe Gottes. Solche Kinder konnten sich von Gottes Wort nicht ernähren. Mit der Zeit besserte sich die Situation, aber sehr langsam. Beispielsweise durften ab dem 11. Jahrhundert die Gehörlosen heiraten.
Vor 300 bis vor 130 Jahren
Mit der Aufklärung und der fortschreitenden Schulbildung im 18. Jahrhundert wurde das Interesse an der Bildung Gehörloser grösser. So entstanden die ersten Gehörlosenschulen.
Die Taubstummenschule in Paris unter dem Abt Charles-Michel de l\\\Epée galt als die erste Gehörlosenschule. Dort wurde in einer konstruierten Gebärdensprache (ähnlich der lautsprachlich begleitenden Gebärdensprache) gelehrt, so dass die Gehörlosen sich bilden konnten. Zudem entstand das erste Gebärdensprachlexikon. So wurden die Gehörlosen gefördert, sie konnten lesen und schreiben. In Paris hat der taube Schüler Laurent Clerc, der dann selber Lehrer wurde, dem protestantischen Prediger Thomas Gallaudet die Gebärdensprache gelehrt. Gallaudet baute daraufhin in den USA eine Gehörlosenschule auf. Dort wurde die Gebärdensprache weiter gefördert.
In Frankreich und in den USA tat man dies nicht einfach aus humanitären oder sozialen Gründen. Die Hauptmotivation von de l\\\Epée und Gallaudet war: die Gehörlosen sollen das Wort Gottes verstehen und anwenden können! Dafür darf Gott gepriesen werden!
Vor 130 Jahren bis vor 30 Jahren
Die Förderung der Gebärdensprache ging in den nachfolgenden Jahrzehnten vergessen und man wollte aus gehörlosen Menschen ‹hörende Menschen› machen, indem man ihnen die Gebärdensprache praktisch verboten hatte und die Lautsprache förderte:
Am ‹2. internationalen Taubstummen-Lehrer-Kongress› 1880 (sogenannter ‹Mailänder Kongress›) wurde definiert, dass nur noch oral unterrichtet werden soll. Dieser Beschluss prägte die Schulen in der Schweiz praktisch das ganze 20. Jahrhundert.
Die Folgen des Beschlusses von 1880 waren enorm. Gehörlose Menschen galten wieder als rückständig und durch ihr tiefes Niveau galten sie aus Sicht der Hörenden als unfähig, ihr Leben zu meistern. Das ist kein Wunder: Gehörlose haben vieles verpasst, weil sie über die Lippen nicht viel verstehen konnten in den Schulen wurde vorwiegend an der Lautsprache geübt, so dass andere, auch wichtige Fächer, zu kurz kamen.
In der Kirche war es nicht viel besser. Das Wort Gottes konnte nicht richtig begriffen werden. Die geistliche Unterweisung fand durch Hörende in Lautsprache statt.
Erst am 21. Kongress, der heute ‹Internationaler Kongress zur Bildung und Erziehung Gehörloser› (ICED) heisst, wurden die Beschlüsse des Mailänder Kongresses 1880 wieder rückgängig gemacht. Und das war im Jahr 2010...
Vor 30 bis vor 20 Jahren
In den 1980er-Jahren wurden die Hörbehinderten in der Schweiz selbstbewusster und sie rebellierten gegen die Bevormundung Hörender: es war so etwas wie eine Art ‹68-er Bewegung› unter den Gehörlosen. Sie wussten: was die Hörenden können, das können wir auch. Gehörlose mit diesem Denken wurden von Hörenden belächelt doch die Gehörlosen haben es beweisen können. Heute können Gehörlose viele Ziele durch Selbsthilfe erreichen.
Vor 20 Jahren bis heute
Die Gründung der CGG vor 20 Jahren passte in diese Zeit. Es war die erste christliche Vereinigung der Schweiz, die von Gehörlosen für Gehörlose gegründet worden ist zudem wurde die Gebärdensprache in den Statuten verankert.
Die CGG war etwas ganz neues im christlichen Bereich unter den Gehörlosen in der Schweiz. Die CGG wurde daher auch von den Landeskirchen anfänglich eher skeptisch betrachtet doch inzwischen hat die CGG in gewissen Bereichen eine Pionierrolle (Pionier = Vorläufer/Vorkämpfer) übernommen: in der CGG wird direkt in Gebärdensprache gepredigt und unterrichtet. Weiteres Beispiel: Die CGG forschte nach christlichen Gebärden und sogar die Landeskirchen zeigten daran Interesse, so dass gemeinsam ein Lexikon herausgegeben werden konnte.
In den 20 Jahren wurde vieles erreicht für die gehörlosen Menschen, die Jesus in allen Lebenslagen folgen wollen. Indem Gott bei der Gründung der CGG mithalf und uns bis heute begleitet, gab es viel neue Frucht. Gehörlose in der Schweiz kommen zum Evangelium und dürfen in ihrer Kultur Gemeinschaft feiern durch Missionsarbeit - früher in Bulgarien und heute in Bolivien - konnte die Frucht weitergegeben werden. Andreas Kolb wurde - soweit bekannt - der erste gehörlose Schuldirektor in ganz Bolivien. Und: selbst in Bolivien war man vom Mailänder Kongress 1880 geprägt und man unterrichtete nur oral. Das ist heute dank Gott, der Andreas schickte, nicht mehr so...
Wir feiern
Für all das möchten wir den Herrn preisen! Lasst uns das 20-Jahre Jubiläum feiern! Wir möchten nicht uns selbst feiern, sondern den Herrn. Reserviert euch also jetzt schon den 3. Dezember 2011. An diesem Tag möchten wir an unserem Gründungsort in Winterthur den Herrn für die letzten 20 Jahre danken.