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Hey Liam, vor zwölf Jahren hast Du MS Risk gegründet, das weltweit tätige Security Management Unternehmen. Wie kamst Du zu dieser Idee und was ist MS Risk?
Nachdem ich den Grad des Mayors bei der Kanadischen Armee erreicht hatte, liess ich mich in den 90er Jahren frühzeitig pensionieren und begann damit, Sicherheitsprojekte für Minenfirmen in Kriegsgebieten zu leiten. Dies führte zu einer Reihe von dynamischen Projekten rund um den Globus. Anschliessend kam ich zu Tesco plc (eine britische Supermarktkette Anm. D. Red.) und arbeitete dort als Sicherheitsdirektor für den internationalen Vertrieb. Bald stellte ich fest, wenn ich die Sicherheit von 600’000 Angestellten weltweit gewährleisten und ein Handelsvolumen von 96 Milliarden Dollar sichern kann, kann ich das auch für andere Organisationen tun. So entstand die Idee zu MS Risk. Im Jahr 2005 begann ich, mit Unterstützung von Lloyd’s of London, MS risk aufzubauen. Heute ist MS Risk eine Beratungsfirma zu Sicherheitsmanagement und Krisenhilfe.
Liam Morrissey – Gründer und Geschäftsführer von MS Risk
Wie gesagt bietet MS Risk den Plan b an, einen Schutz für Personen in Krisensituationen auf Reisen oder in ihrem Wohnland. Was genau ist der Plan b und welche Gefahren sind abgedeckt?
Nachdem ich während Jahren auf viele Entführungs- und Erpressungsfälle reagieren musste, realisierten wir, dass wir dabei auf ein grosses Markpotential verzichteten. Das heisst, dass der Hauptteil der Gefahren, denen Reisende ausgesetzt sind, durch uns nicht abgedeckt waren. Dazu gehören beispielsweise Überfälle oder Körperverletzungen oder wenn eine Person in Gefahr schwebt, da in ihrer Nähe ein Anschlag stattfand. Die Bombenanschläge auf den Boston Marathon waren für mich ausschlaggebend. Ab diesem Moment wurde mir klar, dass ich Leuten in gefährlichen Situationen helfen will. Aus diesem Grund entstand der Plan b. Wir helfen Leuten in unterschiedlichsten Notlagen auf Reisen oder in ihrem Wohnland. Die versicherten Personen erhalten eine Krisennummer, die sie jederzeit anrufen können, um Probleme oder Vorfälle zu melden und erste Ratschläge zu erhalten. Alle weiteren Massnahmen sind abhängig von der Art der Situation. Wir arbeiten bis zu 30 Tagen an den Fällen, dies ist immer ausreichend Zeit, um die Betroffenen in Sicherheit zu bringen.
Angenommen, mir stösst auf meiner nächsten Reise etwas zu und ich wähle die Krisennummer. Wie gehen Du und dein Team dann bei einem Hilfseinsatz genau vor?
Das kommt natürlich auf die Art der Krise an. Sicher wird die Person ihre Sorgen schildern können und eine ausreichende Beratung erhalten. Unser Dienstmanager kann in den Anruf eingeschaltet werden und die Person zu ihrem Anliegen beraten. Das kann von einem einfachen Mutmachen bis hin zu klaren Anweisungen reichen. Bei einem gravierenden Vorfall werden wir die nötigen Vorkehrungen treffen, Einsatzkräfte koordinieren und eine Krisenintervention im Land auslösen.
Welches sind die häufigsten Gefahren mit denen sich Reisende konfrontiert sehen?
Es ist die Angst vor dem Unbekannten, sobald die eigene Sicherheit bedroht ist. Plötzlich hört man von einem ernsten Vorfall in der Nähe und man wundert sich, ob man jetzt in Gefahr schwebt oder nicht. Wir können dabei helfen, die Lage sicher abzuschätzen und die notwendigen, Massnahmen zu treffen. Oft kommt es vor, dass die Betroffenen Opfer eines Überfalls wurden oder eines Gewaltverbrechens. Häufig ist auch die Situation, dass das Auto entführt wurde und die Personen nicht wissen, wie sie nun vorgehen sollten.
Hilft der Plan b nur gegen Gefahren mit einem politischen Hintergrund oder sind noch andere Notfälle abgedeckt?
Nein, es ist kein politischer Hintergrund notwendig. Grundsätzlich muss die Sicherheit einer Person aus irgendeinem Grund in Gefahr sein. Das kann sich um eine indirekte Bedrohung handeln, beispielsweise wenn man in einer Stadt ist und erfährt, dass in der Nähe ein Bombenanschlag oder eine Schiesserei stattfindet und man eine Unterstützung braucht, um in Sicherheit zu kommen. Wir helfen auch in den extremsten Situationen, wie beispielsweise bei einer Entführung. Der Plan b ersetzt aber keine sogenannte Kidnap&Ransom Versicherungspolice und ist nicht ausschliesslich für diese Gefahr gedacht. Er hilft aber klar auch wenn das politische Klima sich soweit verschlechtert, dass eine Evakuation notwendig wird.
Welche Hilfeleistungen ergreift ihr, um jemandem zu helfen?
Da gibt es verschiedenste Massnahmen. Wir können Einsatzkräfte ins Land schicken um die Person in Gefahr an einen sichereren Ort zu bringen. Dies kann zum Beispiel ein Flughafen sein, um von dort das Land zu verlassen, oder ein anderer sicherer Ort im Land um die Situation zu prüfen. Wir können auch die Zusammenarbeit mit den Gesetzesvertretern übernehmen oder der Botschaft, wenn dies notwendig ist. Zudem decken wir die Ausgaben für medizinische Unterstützung oder übernehmen die Transport- und Unterkunftskosten um eine gefährliche Gegend zu verlassen. Wir senden unsere eigenen Leute um den Betroffenen zu helfen. Sind ganze Gruppen von einem Unglück betroffen, können wir unsere eigenen Flugzeuge oder Schiffe mobilisieren, um ganze Menschengruppen aus einer Gefahrenzone zu retten.
Hilft mir denn bei Eintritt einer Krisensituation im Ausland nicht die Regierung?
Nicht unbedingt, denn die Regierungen oder die Botschaften sind nicht dazu verpflichtet, in irgendeiner Art zu helfen. Und wenn sie es doch tun, können sie für ihre Dienstleistungen hohe Gebühren verlangen. In der Tat funktioniert die „Aufseher Funktion“ die viele Botschaften vorgeben nicht, sobald irgendwo ein grösserer Vorfall passiert. Die Botschaften sind überfordert und haben oft Mühe, ihr eigenes Personal zu beschützen. Geschäftsreisende oder Touristen stehen in so einem Fall hinten an.
Ist der Plan b in allen Ländern gültig oder gibt es da Ausnahmen?
Da gibt es ein paar Begrenzungen. Wenn du uns zum Beispiel von der Spitze des Mount Everest anrufst, werden wir schon ein Schwierigkeiten haben, rasch bei dir zu sein. Spass bei Seite, es gibt ein paar Umstände oder Einschränkungen, die unsere Arbeit erschweren. Doch sobald wir wissen, dass jemand in Gefahr ist, werden wir immer versuchen eine sinnvolle Rettung zu koordinieren. Was wir immer tun können, ist den Kontakt aufrecht erhalten und Updates über die Situation liefern und Ratschläge geben, was am besten zu tun ist.
Aber in den meisten Situationen, wie beispielsweise bei einem Terrorangriff oder einer Entführung, kann ich doch bestimmt gar nicht die Krisennummer wählen. Wie hilft mir der Plan b in so einem Fall?
Am besten gibst du die die Krisennummer einer verantwortlichen Person weiter, die im Falle einer grossen Krise oder einer Entführung für dich anrufen kann. So können wir genau gleich unsere Einsatzkräfte mobilisieren und die Person lokalisieren und sicherstellen.
Angenommen, ich bin in einer Stadt und plötzlich passiert ein Attentat. Was sind deine Ratschläge? Wie soll ich mich in so einem Fall am besten verhalten?
Wir unterstützen einen einfachen Leitspruch: Run-Hide-Tell (dt. Renne-Verstecke-Erzähle). Stelle sicher, dass du an einem sicheren Ort bist. Wenn du nicht direkt vom Vorfall betroffen bist, bleib drinnen, schliess die Tür ab und bleibe von den Fenstern weg. Wenn möglich zieh die Vorhänge zu. Dann rufe uns an und erkläre die Situation. Wenn nötig können wir deine Familie oder Arbeitgeber benachrichtigen. Wir können erste Einsatzkräfte zu dir schicken und sicherstellen, dass du in einer sicheren Zone bist. Wir geben Anleitungen zu den nächsten Schritten, beispielsweise ob du an einem bestimmten Ort bleiben sollst oder die Stadt oder das Land verlassen sollst. Zudem organisieren wir die nötigen Schritte wie Unterkunft oder Transport. Wenn du Zugang zu Medien hast, dann informiere dich auch auf diese Weise. Solche Situationen entwickeln sich sehr schnell und die Informationen in den Nachrichten sind oft verwirrend und schnell wechselnd. Wir helfen dir aber dabei, dass du die richtigen Informationen hast um in diesen Umständen richtig zu handeln.
Welches war dein eindrücklichstes Erlebnis mit dem Plan b?
Da gibt es einige Beispiele. Wir hatten einen Fall von einer Hilfsperson in einem Kriegsgebiet. Sie sollte am nächsten Tag abfliegen, doch ihr Flug wurde wegen einem Angriff von den Aufständischen gestrichen. Sie sorgte sich darum, im Land eingeschlossen zu sein. Wir wussten von diesem Vorfall und besprachen mit ihr unverzüglich ihre Situation. Sobald die Person fürs erste an einem sicheren Ort war, einigten wir uns auf ein erneutes Gespräch in einer Stunde. In den darauffolgenden 60 Minuten bestimmten wir für die Frau eine neue Ausreiseroute und trafen sämtliche Vorbereitungen. So konnte sie das Land ohne Probleme und zum geplanten Zeitpunkt verlassen. Ein anderes Beispiel passierte beim Strandmassaker in Tunesien. Als die Nachricht über den Angriff eintraf, mobilisierten wir unsere Kräfte und befürchteten das Schlimmste. Innerhalb von zwei Stunden hatten wir zwei Passagierflugzeuge mit Sicherheitsteams an Board um eine Massenevakuierung am tunesischen Strand vorzunehmen.
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