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Ein Mann verwirklicht seinen Lebenstraum: Er reist von Grimma bei Leipzig nach Syrakus in Sizilien – und wieder zurück. Johann Gottfried Seumes Bericht seiner neunmonatigen Wanderschaft machte den Autor über Nacht berühmt und ist bis heute so populär wie Goethes Italienische Reise. Eher unpolitisch gestimmt, wandert Seume los, will seine Stubenhockerei als Lektor aufgeben und eine unglückliche Liebesgeschichte vergessen, doch im Verlauf der Reise wird er zum Italienbegeisterten. Was er gesehen und erlebt hat, hält er in seinen kurzweiligen und unterhaltsamen Aufzeichnungen fest. Dabei sind ihm die zeitgenössische Politik und Kultur und vor allem die Menschen, denen er unterwegs begegnet ist, wichtiger als jede Bildungsschwärmerei.
Portrait
Johann Gottfried Seume, am 29. Januar 1763 in Poserna (Sachsen) geboren und am 13. Juni 1810 in Teplitz (Böhmen) gestorben, begann 1780 ein Theologiestudium in Leipzig. 1781, wähernd einer Reise nach Paris, wurde er von hessischen Werbern aufgegriffen und als Soldat an England verkauft, um gegen die aufständischen Amerikaner zu kämpfen. Nach der Rückkehr nach Bremen 1783 gelang ihm die Flucht, doch folgte die Gefangennahme durch preussische Werber. Ab 1787 war er Privatsprachlehrer in Leipzig, trieb daneben juristische und philologische Studien, 1791 Promotion zum Magister Artium. 1793 wurde Seume Sekretär des russischen Generals Igelström in Warschau, später russischer Leutnant. Not und Krankheit verdüsterten seine letzten Lebensjahre. Jörg Drews (1938 - 2009) studierte Germanistik, Anglistik und Geschichte in Heidelberg, München und London und wurde 1966 mit einer Dissertation über Albert Ehrenstein promoviert. Er war Redakteur und Literaturkritiker bei der "Süddeutschen Zeitung". Seit 1973 Professor für Literaturkritik und Literatur des 20. Jh. an der Universität Bielefeld. Forschungsschwerpunkte: Arno Schmidt (Hg. des "Bargfelder Bote"); Johann Gottfried Seume (1995 Gründer der Johann-Gottfried-Seume-Gesellschaft zu Leipzig); seit 1977 Mithrsg. der "Frühen Texte der Moderne"; Mitbegründer des Bielefelder Colloquiums Neue Poesie; seit 2002 Vorsitzender der Jury des Hörspielpreises der Kriegsblinden.