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Wenn über die Entwicklung des Bio-Marktes berichtet wird, dann wird oft der Bio-Anteil, womit der Bio-Markt im Verhältnis zum Gesamtmarkt gemeint ist, als Referenzgrösse herangezogen. Dabei gibt es aber zwei Möglichkeiten, den Bio-Anteil auszuweisen: Eine Möglichkeit ist, den mengenbezogenen Bio-Anteil zu betrachten. Jener stellt die biologisch produzierte resp. abgesetzte Menge eines Produktes auf einem Markt ins Verhältnis zur insgesamt produzierten resp. abgesetzten Menge des Produktes auf diesem Markt. Die andere Möglichkeit ist, den umsatzbezogenen Bio-Anteil auszuweisen. Dieser stellt den Umsatz eines biologischen Produktes auf einem Markt ins Verhältnis zum gesamten Umsatz (biologisch und nicht-biologisch) dieses Produktes.
Bio-Anteil ist nicht gleich Bio-Anteil
Bern, 4. Juni 2019: Der Bio-Anteil ist eine wichtige Kenngrösse zur Beurteilung der Entwicklung des Bio-Marktes. Er wird vorwiegend anhand der Absatzmengen oder des Umsatzes ausgewiesen. Aufgrund des höheren Preisniveaus von Bio-Produkten können sich die Bio-Anteile je nach Berechnungsgrundlage stark unterscheiden.
Umsatzbezogener Bio-Anteil grösser
Diese zwei Kenngrössen können sich stark unterscheiden. Weil Bio-Produkte teurer sind als nicht-Bio-Produkte, ist der umsatzbezogene Bio-Anteil immer höher als der mengenbezogene Bio-Anteil. Je grösser die Preisdifferenz zwischen dem biologischen und dem konventionellen Produkt ist, desto grösser ist der Unterschied zwischen den beiden Kenngrössen.
Nachfolgend werden zur Illustration die Bio-Anteile nach Absatzmengen und Umsatz von Rindfleisch, Eiern und Karotten im Schweizer Detailhandel berechnet und verglichen.
Rindfleisch: kleine Differenz zwischen mengen- und umsatzbezogenem Bio-Anteil
Betrachten wir zuerst die im Schweizer Detailhandel abgesetzte Menge von frischem Rindfleisch (Inland und Import). Im Jahr 2018 wurden 23'130 Tonnen nicht-Bio-Rindfleisch und 2'839 Tonnen Bio-Rindfleisch verkauft. Dies entspricht einem mengenbezogenen Bio-Anteil von 10.9 %. Der Umsatz mit frischem nicht-Bio-Rindfleisch betrug im selben Jahr 577.9 Mio. CHF und jener mit Bio-Rindfleisch 84.9 Mio. CHF. Dies entspricht einem umsatzbezogenen Bio-Anteil von 12.8 %. Die beiden Bio-Anteile liegen somit 1.9 Prozentpunkte auseinander. Beim frischen Rindfleisch ist die durchschnittliche Preisdifferenz zwischen Bio und nicht-Bio mit ca. 20 % aber eher klein. Hier ist zu beachten, dass die Absatzzusammensetzung zwischen Bio und nicht-Bio Rindfleisch nicht identisch ist. Im nicht-Bio-Bereich ist der Absatz von teureren Edelstücken wie Entrecôte, Huftsteak oder Filet, insbesondere aus dem Ausland, deutlich höher als im Bio-Bereich, was sich auf den Preisunterschied auswirkt.
Bei den Konsum-Eiern ist die Preisdifferenz grösser. Ein nicht-Bio-Ei kostete 2018 im Detailhandel durchschnittlich 57 Rappen, wobei in diesem Preis Bodenhaltungs-, Freiland- und Importeier sowie ungekochte und gekochte Eier mengengewichtet berücksichtigt sind. Ein Bio-Ei (inkl. Import-, gekochte und ungekochte Eier) kostete durchschnittlich 81 Rappen. Somit belief sich die Preisdifferenz zwischen Bio- und nicht-Bio-Qualität bei den Konsum-Eiern auf durchschnittlich 42 %. Entsprechend liegen der mengenbezogene Bio-Anteil und der umsatzbezogene Bio-Anteil mit 15.2 % bzw. 20.2 % weiter auseinander. Das heisst, dass Konsumenten im Detailhandel durchschnittlich fast jedes sechste Schalenei in Bio-Qualität einkauften, dafür aber mehr als einen Fünftel der Schaleneierausgaben bezahlten.
Karotten: Grosser Unterschied zwischen den Bio-Anteilen
Noch eindrücklicher wird der Unterschied am Beispiel Karotten. Ein Kilogramm Bio-Karotten kosteten im Detailhandel 2018 durchschnittlich 3.99 CHF. Konventionelle Karotten kosteten 2.08 CHF/kg. Bio-Karotten waren somit 92 % teurer als konventionelle Karotten. Im gleichen Jahr wurden im Schweizer Detailhandel 8’374 kg Bio-Karotten und 33’717 kg konventionelle Karotten verkauft. Der mengenbezogene Bio-Anteil betrug somit 19.9 %. Anhand des mengenbezogenen Bio-Anteils kann daher die Aussage gemacht werden, dass 2018 jedes fünfte, im Detailhandel verkaufte, Rüebli biologisch war. Der umsatzbezogene Bio-Anteil hingegen belief sich auf 32.3 %. Somit kann festgehalten werden, dass ein Drittel des Karotten-Umsatzes im Detailhandel mit Bio-Karotten erzielt wurde. Die Aussage, dass 2018 jedes dritte, im Detailhandel verkaufte, Rüebli biologisch war, wäre aber nicht korrekt.
Diese Beispiele zeigen, dass sich der Bio-Markt je nach Anteilsberechnung sehr unterschiedlich präsentieren kann. Es ist darum wichtig, die Grundlage der Anteile anzugeben. Je mehr sich der Bio- und der nicht-Bio-Preis eines Produktes unterscheiden, desto wichtiger ist die entsprechende Deklaration, ob sich die Aussage auf den Umsatz oder auf die Menge bezieht.
Aufgrund der oft grossen Preisunterschiede zwischen Bio- und nicht-Bio-Produkten ist zur Beurteilung der Entwicklung des Bio-Marktes somit meist auch eine mengenbezogene Betrachtung empfehlenswert.
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Letzte Änderung 31.05.2019