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Anhand der zur Verfügung stehenden Daten lassen sich nur wenige qualifizierte Aussagen zur psychischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schweiz machen. Am eindeutigsten scheint der Befund, dass eine überwiegende Mehrheit ein hohes Mass an Wohlbefinden zeigt. Dies gilt sowohl für die Einschätzung der allgemeinen Gesundheit als auch der Lebensqualität. Die Daten lassen aber nur eine relativ oberflächliche Beurteilung des Wohlbefindens zu. Spezifischere Daten zu den verschiedenen Facetten von Wohlbefinden, wie z. B. Lebenszufriedenheit, persönliches Wachstum oder Autonomie, existieren kaum.
Die Einschätzung der Situation bezüglich psychischer Störungen und Auffälligkeiten gestaltet sich schwieriger. Aktuelle störungsspezifische Angaben für die Schweiz fehlen gänzlich und die Aussagekraft der Angaben zu psychischen Auffälligkeiten variiert stark nach Altersgruppe. So lässt sich beispielsweise mit relativer hoher Sicherheit aussagen, dass 2017 zum Zeitpunkt der Befragung rund 12% bis 15% der 16- bis 25-Jährigen an mittleren bis schweren Depressionssymptomen litten. Für die 0- bis 10-Jährigen und die 11- bis 15-Jährigen liegen diesbezüglich keine Informationen vor. Hingegen ist bekannt, dass 2018 rund 4% der 14- bis 15-Jährigen angaben, dass bei ihnen eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit oder ohne Hyperaktivität (ADHS/ADS) ärztlich diagnostiziert wurde. Informationen über ADHS/ADS liegen für die anderen Altersgruppen gar nicht oder nur begrenzt vor. Aufgrund der Datenlage lässt sich somit nur ein sehr fragmentiertes Bild der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zeichnen, so dass es derzeit nicht möglich ist, eine allgemeine Schlussfolgerung zur Situation in der Schweiz zu ziehen. Verlässliche epidemiologische Zahlen zur psychischen Gesundheit wären aber eine wichtige Grundlage für eine datengestützte Planung der Prävention und Gesundheitsversorgung. Gegenwärtig existiert diesbezüglich nur eine mangelhafte Datengrundlage. Das Obsan hat 2017 in einer Überblicksarbeit empirische Arbeiten und Berichte, welche von 2006 bis 2016 zum Thema psychische Gesundheit und Krankheit von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz veröffentlicht wurden, zusammentragen lassen (vgl. von Wyl et al., 2017). Das Fazit war dasselbe wie heute: Aktuelle schweizweite Prävalenzzahlen für psychische Störungen von Kindern und Jugendlichen fehlen. Auch Angaben zu Häufigkeit und Verteilung psychischer Auffälligkeiten sind nur von einigen Kantonen beziehungsweise Städten und ausschliesslich für Kinder im Schulalter vorhanden. Über die psychische Gesundheit respektive Krankheit von Kindern im Vorschulalter ist nichts bekannt, obwohl man davon ausgeht, dass psychische Störungen im frühen Kindesalter genauso häufig sind wie später in der Entwicklung und eine frühzeitige Erkennung sich günstig auf den weiteren Verlauf auswirken könnte.
Mit Ausnahme der Swiss Preschoolers’ Health Study (SPLASHY), welche u.a. psychische Auffälligkeiten bei 3- bis 6-Jährigen untersuchte, und der Swiss Youth Epidemiological Study on Mental Health (S-YESMH), welche die Prävalenz von Depressions-, Generalisierter Angststörungs- und ADHS-Symptomen anhand von Screeninginstrumenten bei den 17- bis 22-Jährigen einschätzte, hat sich die Situation nicht wesentlich verändert. Nationale repräsentative Daten zum psychischen Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen sind nur wenige vorhanden. Zudem sind sie kaum störungsspezifisch. Bis heute werden die Referenzwerte der im Kanton Zürich durchgeführten Zurich Epidemiological Study of Child and Adolescent Psychopathology (ZESCAP) von 1994 sowie der darauf aufbauenden Längsschnittstudie Zürcher Adoleszenten-Psychologie- und Psychopathologie-Studie (ZAPPS) zitiert.
Auch die hier präsentierten Auswertungen der aktuellen SGB- und HBSC-Daten sind nur eine rudimentäre Annährung an wirklich valide Prävalenzzahlen4. Um aber fundierte Aussagen über die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und deren Folgen machen zu können, braucht es regelmässige repräsentative Erhebungen, welche die psychische Gesundheit mit validen und reliablen Messinstrumenten altersgerecht erfassen.
In verschiedenen Ländern werden repräsentative Längs- und Querschnittstudien zur Epidemiologie psychischer Störungen und/oder Auffälligkeiten sowie Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Gesundheitsmonitorings durchgeführt. Solche Studien helfen, Massnahmen in Prävention und Behandlung zu planen. Ein Beispiel ist die Studie Mental Health of Children and Young People (MHCYP) in Grossbritannien, die Kinder ab zwei Jahren miteinbezieht und auch die Inanspruchnahme erfasst. Aber auch die längsschnittlich angelegte BELLA-Kohortenstudie aus Deutschland ist dafür beispielhaft (vgl. Kasten bei 5.2).
- 4. An dieser Stelle soll angemerkt werden, dass sowohl die SGB wie auch die HBSC ein breites Themenfeld abdecken und nicht für die Erhebung von Prävalenzzahlen zur psychischen Gesundheit konzipiert wurden.