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Luftaufnahmen von Trachselwald
In der Gegend von Sumiswald erheben sich die beiden einzigen noch aufrechten, auf das Mittelalter zurückgehenden Schlösser des mittleren und oberen Emmentals, wenn man von Burgdorf absieht. Es gab in dieser Region einst recht viele kleinere Wehranlagen, sozusagen ausnahmslos Rodungsburgen, in einem bis ins Hochmittelalter nur wenig oder kaum besiedelten gebiet. Ein Blick auf die Burgenkarte lässt ihre Häufung beispielsweise rings um Langnau erkennen. Heute wieder im Wald verborgen, finden sich ihre Reste bis 100 oder 200 Meter über dem Talboden der Emme und Ilfis, teils auch über Seitengräben auf Spornen der hier « Eggen » genannten, schmalen Bergrücken. Es handelt sich um einstige Erdburgen mit zum Teil noch gut sichtbaren Wällen und Gräben sowie um Motten mit künstlich aufgeworfenen Hügeln, ohne Mauern, aber früher mit Holzkontruktionen versehen, die alle verschwunden sind.
Da kaum archäologische Grabungen vorgenommen worden sind, ist es nicht möglich, die Anlagen genau zu datieren. Ihr Ursprung ist aufgrund vergleichender Erkenntnisse schon ins 10., vermutlich aber ins 11. oder 12. Jahrhundert festzulegen. Sie erhoben sich wohl inmitten kleiner und kleinster Grundstücke, die zuweilen nur über einen Wirtschaftshof und das zugehörige Rodungsland verfügten. Möglicherweise sorgten ihre Herren für weitere Rodungen, wo sich Landwirte in Einzelhöfen niederliessen.
Die Abgeschiedenheit von den grossen Verkehrsräumen und die nur langsame Besiedlung haben das Entstehen ausgesprochen kleiner Herrschaftsbereiche begünstigt. Einzelne gewannen unter den Zähringern und Kyburgern zwar einige Bedeutung und ihre Träger vermochten ihren Einfluss innerhalb des Emmentals auszuweiten, so die Herren von Trachselwald und von Sumiswald, jene von Brandis und von Signau. Andere, wie die Herren von Schweinsberg-Attinghausen, verliessen unter der Domination Berchtolds V von Zähringen ihr Stammgebiet. Die Edlen von Sumiswald übergaben 1225 den grösseren teil ihres Landes dem Deutschritterorden, der im oberen Tal der Grüne eine burgähnliche Kommende errichtete. Das « Spittel » genannte, im 18. Jahrhundert ausgebaute und neuerdings gut restaurierte Schloss ist eine der beiden erwähnten Anlagen. Die andere, ebenfalls ganz nahe bei Sumiswald gelegene, gehörte den Freiherren von trachselwald. Dieses Geschlecht dürfte zuerst in einer Erd- oder Holzburg, wahrscheinlich einer Motte auf dem Münneberg, hoch auf der gegenüberliegenden Seite des Grünetals, gehaust haben. Wann der endgültigen Standort gewählt wurde, weiss man nicht. Die starke Mauerung des Bergfrieds und der Ringbefestigung mit Buckelquadern aus Tuff lässt auf die Zeit kurz vor oder nach 1200 schliessen. Etwas weiter unten im Emmental erhob sich an der Bergflanke bei Lützelflüh die wahrscheinlich in der gleichen Epoche entstandene, 1250 erstmals erwähnte Burg der Freiherren von Brandis. Viel weiter talaufwärts, an der flachen Wasserscheide zum Aaregebiet, stand die einen steilen Hügel einnehmende Anlage der Herren von Signau. Von dieser Alt-Signau sind noch Ruinen mit den Resten eines gemauerten Turms erhalten, während von der jüngeren, erst im 14. Jahrhundert auf einem gegenüberliegenden Nagelfluhsporn erstellten Burg Neu-Signau nur sehr wenig übrig geblieben ist.
Unter der im 14. Jahrhundert immer schwächer werdenden neu-kyburgischen Oberherrschaft suchten sich die niederen Adligen des Emmentals zwischen den auf ihre Stellung pochenden Habsburgern im Osten und dem aufstrebenden Bern im Westen so gut wie möglich zu halten. Nach dem gewonnenen Burgdorferkrieg (1382) und dem Sieg bei Sempach (1386) wurde aber Bern allmächtig. Burg und Herrschaft Trachselwald, die zuvor schon an die Herren von Rüti, dann an jene von Sumiswald übergegangen waren, fielen unter die Hoheit der Stadt und wurden 1408 von ihr käuflich übernommen. Die Herrschaften Signau und Brandis kamen ebenfalls an Bern, verblieben aber noch eine Zeitlang in privatem Besitz. Alle drei wandelten sich in Landvogteien, Trachselwald 1408, Signau 1529, Brandis 1607. Von den drei Burgen wurde Trachselwald nach 1798 zwar geplündert, blieb aber bestehen und nahm im 19. Jahrhundert die Rolle des Verwaltungs- und Gerichtssitzes im gleichnamigen Amtsbezirk wieder auf. Brandis ging in flammen auf, Neu-Signau wurde versteigert und in der folge abgebrochen.
Das Schloss Trachselwald kündet heute als Hauptzeuge von der Feudalgeschichte des Emmentals oberhalb von Burgdorf. Ins Mittelalter zurück weisen freilich nur der wuchtige, quadratische, übereck gestellte Turm im Osten, an der besonders verwundbaren Bergseite des Sporns, und die elliptisch verlaufende Wehrmauer. Sie ist auch im unteren Teil des Palas zu erkennen, der wohl gleichzeitig entstand, aber bei einer späteren Erweiterung in sie ein- und ihr aufgebaut wurde. Zusammen mit dem Bergfried ist der Palas mit seinem hohen Dachstuhl und seiner barocken Fenstergliederung markantester Teil der Burg. Wie bei ähnlichen Anlagen war der Turm auch hier einst nur durch einen inzwischen längst zugemauerten Hocheinstieg zugänglich. Sehr schmale, für die romanische Festungsarchitektur charakteristische Fensterschlitze, eine Zeitlang auch grössere, wieder zugemauerte Öffnungen, erhellten die oberen Geschosse. Diese waren bewohnt und über eine Wendeltreppe mit der Plattform verbunden, an der sich noch Ansätze von Zinnen und vier Ecktürmchen zeigen. Der hohe Dachstuhl ist von 1571 nachgewiesen. Ebenso interessant ist das einstige Verlies im Turmsockel, das einen romanischen Wandverputz aufweist und in das man durch einen neueren Mauerdurchbruch gelangt.
Die meisten übrigen Bauteile stammen aus der Landvogteiperiode, vor allem aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Palas erhielt damals sein Gesicht. Der schöne Treppenturm gegen den Hof mit seinem Fachwerkaufsatz und seinem Spitzhelm wurde 1641, das Kornhaus 1683 errichtet. 1751 wurden ein neues Torgebäude und ein überdachter Treppenaufgang erstellt, kurz vor- und nachher ein reizvoller französischer garten angelegt. Das schloss, dessen Vormauern und Gräben allerdings verschwunden sind, stellt das prächtige Beispiel einer seit der Feudalepoche nach und nach zu Wohn- und Verwaltungszwecken ausgestalteten kleinen Residenz dar.
Im Innern der Kirche von Trachselwald erinnern viele Grabstätten an die alten Bewohner des Schlosses:
Bibliographie