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(Kollar, 1833)
- DE: Steppen-Beissschrecke
- EN: Steppe Bush-cricket
- FR: La Decticelle des steppes
- Syn.: Decticus philippicus Zeller, 1849 | Decticus trockii Kittary, 1849
Morphologie
Im Habitus gleicht Montana montana einer kleinen Platycleis albopunctata. Das Weibchen erinnert wegen der nur leicht nach oben gebogenen Legeröhre an einen kleinen, schlanken Decticus verrucivorus. Die Grundfärbung ist grau bis braun, bei manchen Tieren sind Teile von Kopf, Halsschild und Hinterschenkeln grün. Die Halsschild-Seitenlappen sind, vorwiegend auf der Unterseite, mehr oder weniger stark hell umrandet. Der Hinterleib ist meist deutlich heller als die übrigen Körperteile und auf der Seite kontrastreich gezeichnet. Die langen Flügel sind für die Gattung typisch dunkel gefleckt und überragen das Hinterleibsende nur geringfügig. Der Innenzahn der männlichen Cerci ist nahe der kräftigen Basis lokalisiert, stark hakenförmig gebogen und wird durch das 10. Tergum verdeckt. Die helle Legeröhre der Weibchen ist leicht nach oben gebogen und an den Rändern dunkel gesäumt.
Gesang
Der leise Spontangesang von Montana montana besteht aus aneinander gereihten Versen von 1-30 s Dauer. Bei hohen Temperaturen dauern die Verse 1-2 s. Andere Autoren beschreiben den Gesang als einheitlich strukturierte Verse von ca. 2 s Dauer, die durch etwa gleich lange Pausen getrennt sind. Solch konstante Verse konnten wir in Österreich nicht feststellen. Es ist sowohl das Öffnen als auch das Schliessen der Vorderflügel stimmhaft. Das Frequenzspektrum zeigt ein breites Maximum bei ca. 30 kHz. Beim Rivalengesang äussern die Männchen kurze, scharfe „zri“-Laute, die nicht an den Spontangesang erinnern, aber sehr stark an einzeln geäusserte Verse von Decticus verrucivorus. Vor einem Weibchen werden längere, bis 30 s dauernde Verse erzeugt.
Spontangesang von Montana montana - AT, Niederösterreich, Ebergassing, 24 °C.
Zwei Verse aus dem Spontangesang von Montana montana - AT, Niederösterreich, Ebergassing, 24 °C.
Rivalengesang von Montana montana - AT, Niederösterreich, Ebergassing, 24 °C.
Verbreitung
Montana montana ist in den Steppengebieten Osteuropas und Westasiens verbreitet. Die westlichsten Vorkommen sind aus Deutschland und Österreich bekannt. In Deutschland galt Montana montana lange als ausgestorben, bevor sie im unteren Odertal bei Schwedt im Bundesland Brandenburg 1994 wieder entdeckt wurde. Historische Vorkommen sind aus dem Raum Berlin bekannt, wo die Art vor 1950 noch beobachtet wurde. Von Wien erstreckt sich das Verbreitungsgebiet über Ostösterreich entlang der Grenzen der Tschechischen Republik, der Slowakei und über grosse Teile Ungarns bis ins Karpatenbecken in Rumänien.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Montana montana findet man von Juni bis November.
Über die Biologie der diskreten Art ist sehr wenig bekannt. Montana montana ist hauptsächlich tagaktiv. In den langgrasigen Steppen hält sie sich vor allem in Bodennähe auf. Man kann die Tiere aber auch beim Sonnenbad auf Gräsern beobachten.
Lebensraum
Montana montana besiedelt verschiedene Trockenrasen von lückigen Sandrasen mit einem hohen Anteil offenen Bodens bis hin zu dichter, zweistufiger Vegetation. Es sind dies die typischen trocken-warmen Steppenlandschaften der Puszta. Daneben findet man sie z.B. auch auf Brachflächen und in Weinbaugebieten. Sie teilt sich den Lebensraum mit anderen typischen Steppenarten. In den Pischelsdorfer Wiesen bei Ebergassing (AT) lebt sie zusammen mit Arten wie Leptophyes albovittata, Isophya costata, Poecilimon intermedius, Tettigonia caudata und Gampsocleis glabra.
Gefährdung & Schutz
Damit Montana montana an ihrer westlichen Arealgrenze überleben kann, müssen die verbliebenen Steppenflächen geschützt werden. Montana montana scheint gegenüber einer Verbuschung der Lebensräume empfindlich zu reagieren. Wie Projekte in Österreich zeigen, kann mit einer extensiven Beweidung die Lebensraumqualität gefördert werden. Neben einer positiven Entwicklung der Strauchschicht durch eine Beweidung mit Pferden oder Rindern, schafft deren Vertritt die nötigen offenen Bodenstellen. Montana montana scheint auch von einer extensiven Mahd zu profitieren.
- CH: Abwesend
- DE: 1 (Vom Aussterben bedroht)
- AT: EN (Stark gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Im Gegensatz zu Platycleis grisea erreichen die Flügel bei Montana montana die Hinterknie nicht, sie überragen nur knapp den Hinterleib. Die Weibchen unterscheiden sich eindeutig durch die relativ lange, helle, nur schwach gebogene Legeröhre von Arten wie Platycleis grisea und Tessellana tessellata oder Tessellana veyseli. Der Innenzahn der breiten Cerci der Männchen liegt nahe der Basis, bei Platycleis grisea, Tessellana tessellata und Tessellana veyseli sind die schlanken Cerci erst in oder nach der Mitte gezähnt. Tessellana veyseli hat zudem deutlich kürzere Flügel, die nicht bis zum Hinterleibsende reichen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sind die sehr kontrasreich gezeichneten Vorderflügel von Tessellana tessellata. Der Spontangesang ist in Klang und Länge demjenigen von Omocestus haemorrhoidalis nicht unähnlich. Da der Gesang relativ leise ist, ist es sehr schwierig, die Art unter anderen Lautäusserungen herausuzuhören. Im selben Lebensraum singen unter anderem Gampsocleis glabra, Tettigonia viridissima, Metrioptera bicolor und Metrioptera roeselii.