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Es ist gut möglich, dass die Folgen des Hurrikans vom 4. Oktober noch schwerwiegender sind als die Zerstörungen nach dem Erdbeben im Jahr 2010. Den Haitianern fehlt es an allem und das sicherlich für lange Zeit. Viele haben kein Dach mehr über dem Kopf und ihre Felder sind verwüstet.
Es dauert lange, bis die Hilfe überall im Land ankommt. Dabei tritt das Ausmass der Tragödie immer klarer zutage. Mehr als 200 000 Menschen hat Matthew zu Obdachlosen gemacht. Die Zerstörungen, die der tropische Wirbelsturm vom 4. Oktober verursachte, sind genauso schwerwiegend, sogar noch gravierender als die des Erdbebens von 2010. Das Erdbeben hatte vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince gewütet. Betroffen war eine kleinere Region, die zudem leichter zugänglich war als die grosse Halbinsel im Süden. Der Hurrikan dagegen verwüstete die gesamte südliche Halbinsel, wo die Bevölkerung zerstreut in hunderten von kleinen, schwer zugänglichen Bergdörfern lebt. Ein Teil der Hilfe kann nur über das Meer oder über den Luftweg geleistet werden. Die betroffenen Menschen zu erreichen, ist eine logistische Herausforderung.
Die von Matthew auf der südlichen Halbinsel angerichteten Schäden sind verheerend: Häuser und Schulen sind zerstört, Gesundheitszentren stark beschädigt, Ernten und Vorratsspeicher verwüstet. Nach sintflutartigen Regenfällen um den 20. Oktober sind die Bedingungen noch schwieriger geworden. Tausende von Menschen, die nach dem Erdbeben schon einmal vor dem Nichts standen, müssen jetzt zum zweiten Mal bei Null anfangen. 1,4 Millionen Menschen sind derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen. Zudem drohen die Cholera und eine Hungersnot. Gärten und bestellte Felder wurden auf der südlichen Halbinsel buchstäblich weggewaschen. Der mit den Regenfällen von den Bergen auf die Felder geschwemmte Sand und Schlick macht es den Bauern und ihren Familien praktisch unmöglich, ihre Felder neu zu bepflanzen. Die Bevölkerungen von Jeremie und Les Cayes haben ihre Lebensgrundlage verloren. Aber auch die Versorgung der Hauptstadt und anderer Regionen ist extrem schwierig.
Sofort- und langfristige Hilfe
Als Soforthilfe verteilt Caritas gemeinsam mit dem lokalen Partner in Les Cayes Essen und Hygienekits, Menschen in grösster Not bekommen auch Bargeld. Extrem wichtig ist die Sensibilisierung für die Choleragefahr und Aufklärung darüber, welche Massnahmen zu ergreifen sind und was es zu beachten gilt. Ein Ende der Soforthilfemassnahmen ist nicht abzusehen. Es fehlt an Medikamenten, die Menschen haben kein Dach über dem Kopf, die Schulen müssen ihren Betrieb wieder aufnehmen, die Schüler brauchen Schulmaterialien und die Gesundheitszentren müssen wieder funktionsfähig gemacht werden. Von grosser Dringlichkeit sind auch neues Saatgut, Dünger und Arbeitsgeräte für die Bauern. Nur so können sie die Arbeit wieder aufnehmen. Auch die Fischer müssen so schnell wie möglich wieder mit ihren Booten ausfahren. Caritas Schweiz wird ihre Hilfsmassnahmen fortsetzen, immer in enger Abstimmung mit den Menschen vor Ort. Die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung ist der beste Garant für nachhaltige und effiziente Hilfe.
Ein kleiner Trost angesichts dieser immensen Tragödie: In Léogâne haben die Häuser und Schulen, die Caritas nach dem Erdbeben von 2010 gebaut hat, dem Wirbelsturm Stand gehalten. Lediglich die Dächer wurden in Mitleidenschaft gezogen, konnten aber repariert werden. In der gleichen Region verwüstete Matthew die Felder mitsamt den Ernteerträgen. Caritas verpflichtet sich, langfristig in der Region tätig zu bleiben. Mit der Unterstützung von Caritas werden die Bauern hoffentlich in naher Zukunft wieder in der Lage sein, ihre Felder zu bewirtschaften und ihre Familien und die lokalen Märkte wieder mit Lebensmitteln zu versorgen.