Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/129826

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat weist in der Botschaft zur Beschaffung des Kampfflugzeugs Gripen auf Lärmmessungen der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hin. Dabei bleiben wichtige Fragen betreffend die Lärmbelastung durch den Gripen offen:</p><p>1. Die Empa führte die Lärmmessungen in Emmen, also im Mittelland, durch. Sind diese Messungen ohne Weiteres auf Bergregionen wie Meiringen übertragbar, wo sich die umliegenden Felswände wie ein Lärmtrichter auswirken und wo mit Nachbrenner gestartet werden muss?</p><p>2. Die Messungen für den Gripen wurden 2008 mit dem RM12-Triebwerk durchgeführt. Wie kommt der Bundesrat zur Aussage, dass er mit dem deutlich leistungsstärkeren F414G-Triebwerk "ähnliche Lärmemissionen erwartet"?</p><p>3. Laut Botschaft bewertet die Empa den Gripen beim Start mit und ohne Nachbrenner gleich wie den F/A-18. Ziel der Gripen-Beschaffung ist aber der Ersatz nicht des F/A-18, sondern des Tiger F-5. Entspricht der physikalische Lärm eines einzigen Gripen jenem von fünf Tiger, verursacht der Gripen also fünfmal mehr Lärm als der Tiger?</p><p>4. Laut Botschaft soll ein Verband von bis zu acht Gripen-Kampfflugzeugen während drei Monaten pro Jahr, einschliesslich Juni, Juli und August, in Schweden Trainings durchführen, um so die Lärmbelastung in der Schweiz während der Sommerferienzeit zu senken. Werden die übrigen 14 Gripen, die in der Schweiz bleiben, im Juni, Juli und August am Boden stehen?</p><p>5. Wird der Bundesrat in zeitlicher Hinsicht während den touristisch wichtigen Perioden (inklusive Herbst- und Wintersaison) für den Gripen Flug-Sperrzeiten einrichten?</p><p>6. Mit wie vielen Gripen-Flugbewegungen rechnet er pro Jahr in der Schweiz? Mit wie vielen im Ausland? Wie verteilen sich die Gripen-Flugbewegungen auf die Flugplätze in der Schweiz (Meiringen, Payerne, Sitten, andere)?</p><p>7. Wie viele Besucherinnen und Besucher zählt das Freilichtmuseum Ballenberg pro Jahr? Welchem Lärm sind diese ausgesetzt, wenn in Meiringen ein Kampfflugzeug vom Typ Gripen E startet oder landet? Zwischen 100 und 115 Dezibel?</p><p>8. Glaubt der Bundesrat im Ernst, dass sich die Gäste der Ferienregion Brienz-Haslital für (mittels Einbezug lärmfreier Zeitabschnitte heruntergerechnete) Durchschnittswerte interessieren, wie dies Anhang 8 zur Lärmschutz-Verordnung ("Belastungsgrenzwerte für Lärm von Militärflugplätzen") macht? Sollten nicht endlich Spitzenbelastungsgrenzwerte festgelegt werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Im Rahmen der Evaluation führte die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) im Auftrag des VBS Lärmmessungen zu den Kandidaten für den Tiger-Teilersatz durch, um diese untereinander und mit dem F-5 vergleichen zu können.</p><p>Der Bundesrat beantwortet die konkreten Fragen wie folgt:</p><p>1. Die Empa führte in Emmen Quellenvermessungen durch. Damit konnten normierte Quellenmodelle ermittelt werden, die für Lärmberechnungen nach der Lärmschutz-Verordnung erforderlich sind. Die Quellenmodelle sind unabhängig vom Gelände, das in den Lärmberechnungen separat berücksichtigt wird. Vergleichsmessungen, die im Rahmen der Evaluation in Meiringen gemacht wurden, haben gezeigt, dass mit den Quellenmodellen realitätsnahe Lärmberechnungen durchgeführt werden können.</p><p>2. Die Quellenvermessungen im Rahmen der Evaluation haben gezeigt, dass alle drei Kandidaten ähnliche Maximalpegel erzeugen, obwohl sie erhebliche Unterschiede beim maximalen Schub aufweisen. Aufgrund dieser Erkenntnisse ist auch für den Gripen E mit einem ähnlichen Maximalpegel zu rechnen.</p><p>3. Als Lärm wird unerwünschter Schall bezeichnet. Er enthält also eine Einschätzung der Störwirkung und ist nicht direkt vergleichbar mit der physikalischen Schallintensität. Beim Start weist der Gripen 4 bis 5 Dezibel(A) höhere Maximalpegel auf als der F-5. Dies entspricht einer rund dreimal höheren Schallintensität. Von einer Verdoppelung der Lautstärke könnte erst bei einem um 10 Dezibel(A) höheren Schallpegel gesprochen werden.</p><p>4. Mit einem Verband von acht Flugzeugen kann der Flugbetrieb eines Standorts für das Training ins Ausland verlegt werden. Während dieser Zeit wird der Flugbetrieb mit den übrigen Gripen ab einem anderen Standort in der Schweiz weitergeführt.</p><p>5. Der Bundesrat beabsichtigt nicht, Sperrzeiten für den Gripen festzulegen.</p><p>6. Das Einsatzkonzept des Gripen weist einen Bedarf von 4000 Flugstunden pro Jahr aus. Da das künftige Stationierungskonzept noch in Erarbeitung ist, können keine verbindlichen Angaben zur Verteilung der Flugbewegungen auf die einzelnen Flugplätze gemacht werden. Bis zu 700 Flugstunden mit Gripen können im Ausland durchgeführt werden.</p><p>7. Gemäss den Angaben auf seiner Internetsite zählt das Freilichtmuseum Ballenberg jährlich rund 250 000 Besucherinnen und Besucher. Bisher wurden keine Berechnungen der Fluglärmbelastung des Gripen für einzelne Flugplätze gemacht. Aufgrund der im Rahmen der Evaluation ermittelten Quellenmodelle hat die Empa eine grobe Abschätzung für das Freilichtmuseum Ballenberg vorgenommen, wobei das Ergebnis u. a. davon abhängt, in welcher Konfiguration das Flugzeug startet (Gewicht, Nachbrenner). Die Abschätzung zeigt, dass beim Freilichtmuseum kaum Maximalpegel von 100 Dezibel(A) erreicht werden.</p><p>8. Die Belastung aus militärischem Fluglärm wird anhand des energetisch gemittelten Schallpegels und einer betriebsabhängigen Pegelkorrektur berechnet, die der Anzahl Flugbewegungen und den eingeschränkten Betriebszeiten auf Militärflugplätzen Rechnung trägt. Da das Dezibel ein logarithmisches Mass ist, kommen laute Ereignisse wie Starts mit Kampfjets auch bei einer Mittelung über grössere Zeitspannen stark zur Geltung. Der Bundesrat hat bei der Bestimmung der Belastung durch Militärfluglärm dem Umstand Rechnung getragen, dass sich der militärische Flugbetrieb nicht gleichmässig über das ganze Jahr verteilt. Die Lärmberechnungen basieren nicht auf dem Jahresdurchschnitt, sondern auf den Flugbewegungen der sechs verkehrsreichsten Monate. Die so ermittelte Lärmbelastung spiegelt damit auch während intensiver Betriebsphasen die effektive Störwirkung wider. Der Bundesrat ist deshalb der Ansicht, dass die Regelung zur Ermittlung der Lärmbelastung in Anhang 8 der Lärmschutz-Verordnung störungsgerecht ist.</p>  Antwort des Bundesrates.