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Meine linke Hand ist ziemlich blau. Die Haarfarbe, der Farbton, der aus dem Haar immer so schnell wieder draussen ist (Alpine Green), scheint lieber auf Haut als auf Haaren zu haften.
Mein Hirn fährt Achterbahn. Meine Laune fährt mit. Es geht tageweise auf und ab, manchmal auch stundenweise, so schnell, dass der Rest von mir nicht mehr mitkommt. So schnell, dass ich meistens gar nicht sagen könnte warum ich denn jetzt so drauf bin, wie ich drauf bin. Eigentlich kann ich das nie. Meistens weil ich es nicht weiss, manchmal auch, weil die richtigen Worte nicht da sind.
Wörter. Ich liebe sie. Ich hasse sie. Ich will sie sammeln, in Büchern, in Heften, auf Zetteln, für den Fall, dass sie mir irgendwann ausgehen.
Im Moment sind sie mir beinahe ausgegangen. Es ist soweit gekommen, dass ich nicht nur nicht mehr schreiben kann, sondern auch kaum noch lesen.
Also, natürlich kann ich lesen, ich erkenne die Wörter, ich erkenne auch einfache Sätze. Und natürlich kann ich schreiben, ich weiss noch so halbwegs, in welcher Reihenfolge Wörter aufgereiht gehören und die Rechtschreibung ist mir noch nicht komplett abhanden gekommen.
Agatha Christie könnte mich eventuell retten. Für das letzte Buch, das ich zu lesen versuchte (Indigo von Clemens J. Setz), brauchte ich vier Monate und habe nichts davon kapiert. Nun lese ich einen Hercule-Poirot-Roman und komme gut voran. Man kann einfach lesen, muss nichts überlegen, der Mörder wird einem spätestens auf der fünftletzten Seite serviert.
Es ist so entspannend, das Hirn auszuschalten und einfach auf der Geschichte zu surfen. Das funktioniert im Moment nur mit Krimis. Agatha Christie, Andrea Camilleri. Meine Retter. Sie schrieben oder schreiben Bücher, die ich ertrage, sie enthalten keine allzu grossen Blutbäder, sie unterhalten, sie geben meinem müden Hirn gerade so viel Beschäftigung, wie es erträgt, genau richtig dosiert, um nicht an all den Scheiss in der Welt zu denken.
Andere Bücher funktionieren nicht. Sie wollen zu viel von mir, sie wollen, dass ich auf sieben Ebenen in drei Zeiten mitdenke, sie wollen, dass ich mir eine Insel voller Roboter vorstelle, von denen sich einer in eine Psychiaterin verliebt (ich kann mir ja noch nicht mal Liebe unter Menschen vorstellen!), sie wollen, dass ich in einer einzigen Geschichte 5 Handlungsstränge verfolge. Das geht nicht.
Was auch nicht geht, ist schreiben. Ich kann nicht einmal Notizzettel schreiben, ohne den Faden zu verlieren. Ich habe es probiert. Leere weisse Blätter lachen mich aus. Ich wollte Briefe schreiben. Weiter als «Lieber Briefempfänger» bin ich nicht gekommen.
Ich übe weiter.