Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03620.jsonl.gz/1979

Die Pionierin
Von den fünfzehn jugendgefährdendsten Songs, vor denen das Parents Music Resource Center 1985 in den USA warnte, stammt die Hälfte von Metalbands. Auch gegen diese Stigmatisierung wollte die US-Soziologin Deena Weinstein anschreiben, als sie das erste breit rezipierte akademische Buch über Heavy Metal verfasste. Sie argumentiert, dass sich Metal nicht um Melodie, Rhythmus oder Lyrics, sondern um die rohe Kraft des Sounds drehe, und beschreibt Metal als Subkultur von Blue-Collar-Angestellten, die mit dionysischer Hingabe das Chaos feiern.
Norwegischer Mythos
Faszinierend an diesem Buch ist seine voyeuristische Befangenheit. Didrik Soderlind und Michael Moynihan, selber keine unproblematischen Figuren, sind sichtlich eingenommen von der Orgie aus dunkler Musik, Kirchenbränden und Morden, die in den neunziger Jahren von der norwegischen Black-Metal-Szene ausging. «Lords of Chaos», das entscheidend zur Mystifizierung jener Ereignisse beigetragen hat, ist eher Teil der Szene und ihres Wahns als eine angemessene Beschreibung davon. Bald wird es verfilmt vom Schweden Jonas Akerlund, einst Mitglied der Band Bathory, die als Pionierin des Black Metal gilt.
Metal-Punk-Kontinuum
Für Greil Marcus war das Punkjahr 1977 nach Elvis und den Beatles der letzte Umbruch der Popgeschichte. Ähnliches hat für den Metal noch nie jemand behauptet. Doch Steve Waksman hebt dessen historische Bedeutung zumindest insofern an, als dass er die Geschichte von Metal und Punk als Teil eines gemeinsamen Kontinuums beschreibt: von ihrer gemeinsamen Entstehung in Abgrenzung (Punk) beziehungsweise Umarmung (Metal) des Stadionrock bis zu direkten Kreuzungen in den neunziger Jahren.