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Als Trigeminusneuralgie bezeichnet man einen starken einseitigen Gesichtsschmerz, der oft durch Berührung des Gesichtes, Luftzug oder Kauen ausgelöst werden können. Zur Abgrenzung gegenüber anderen möglichen Ursachen wird in der Regel ein MRT (Magnetresonanztomografie) des Kopfes angefertigt.
Spezielle Schmerzmedikamente können die Schmerzen sehr effektiv behandeln. Erst wenn diese Behandlung nicht zum Erfolg führt oder die Nebenwirkungen so stark sind, dass sie nicht toleriert werden können, wird eine operative Behandlung empfohlen.
Die Operation mit den besten Erfolgsaussichten ist die mikrovaskuläre Dekompression (Janetta-Operation, benannt nach ihrem Erstbeschreiber). Dabei wird der Schädel hinter dem Ohr in Narkose eröffnet und zwischen den Nerven und das die Schmerzen verursachende Blutgefäss ein kleiner Schwamm aus Teflon implantiert. Dieser verhindert in der Folge die Übertragung der Pulswellen auf den Nerven und die Schmerzen nehmen in den meisten Fällen ab.
Abbildung: Bei der mikrovaskulären Dekompression nach Janetta wird über eine kleine Schädeleröffnung hinter dem Ohr der Trigeminusnerv aufgesucht. Blutgefässe, welche im Übergangsbereich zum Hirnstamm Kontakt mit dem Nerven haben, werden vorsichtig befreit und ein kleiner Teflonschwamm dazwischen gelegt.
Ist eine solche Operation nicht möglich, steht als Alternative eine so genannte Rhizotomie des Ganglion Gasseri zur Verfügung. Am USZ wird dafür die Technik der Ballonkompression verwendet. Durch einen Einstich duch die Mundschleimhaut beim hintersten oberen Backenzahn wird eine Nadel bis zu dem so genannten Foramen ovale in der Schädelbasis vorgeschoben. Ein Ballonkatheter komprimiert für wenige (2-3) Minuten unter gleichzeitiger Ableitung der Funktion des Gesichtsnerven ("Trigeminus-SEP") das Ganglion Gasseri. In über 80% der behandelten Patienten kommt es direkt nach der Operation zu einer Besserung der Trigeminusneuralgie. Der Eingriff wird in Narkose durchgeführt.
Um bei diesem Verfahren schnell und zielsicher das Foramen ovale zu erreichen, haben wir am UniversitätsSpital Zürich zusammen mit der Firma Ad Mirabiles (Basel, Schweiz) eine patientenspezifisch angefertigte Führung entwickelt. Diese wird auf die Zähne des Oberkiefers aufgesetzt.
Als dritte Behandlungsalternative steht eine punktgenaue („stereotaktische“) Bestrahlung des Nerven zur Verfügung. Die Erfolgsaussichten sind deutlich geringer als die der mikrovaskulären Dekompression. Alle genannten Verfahren werden an unserem Spital von Spezialisten durchgeführt. Welches Verfahren im Einzelfall sinnvoll ist, wird vom Arzt individuell ermittelt.
Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die verschiedenen Behandlungstechniken, Erfolgsraten und mögliche Komplikationen. Es handelt sich um Ergebnisse aus einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017, bei dem unterschiedliche Studien miteinander verglichen wurden. Solche Vergleichsstudien sind mit Vorsicht zu lesen, da die einzelnen einbezogenen Veröffentlichungen mitunter nur bedingt vergleichbar sind.
|Mikrovaskuläre Dekompression||80.3-96%||72-85%||Chirurgische Komplikationen|
|Radiofrequenz-Rhizotomie||97.6-99%||57.7%||Reduziertes Gefühl in der Hornhaut des Auges in 5.7-17.3%|
Hornhautentzündung in 0.6-1.9%
Anästhesia dolorosa in 0.6-0.8%
|Ballonkompression||82-93.8%||69-80%||Reduziertes Gefühl in der Hornhaut des Auges in 0-3.1%|
|Stereotaktische Radiochirurgie||79-91.8% (es dauert bis zu 3 Monaten bis zum Ansprechen)||44-65%||Anästhesia dolorosa in 0.2%|
Bick SKB, Eskandar EN, Neurosurg Clin N Am 28(2017) 429-438