Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03113.jsonl.gz/3170

Das Sultanat Oman liegt im äussersten Osten der Arabischen Halbinsel. Die Westgrenze des Sultanats bilden die Vereinigten Arabischen Emirate, der Süden grenzt an den Jemen und der Indische Ozean sowie der Persische Golf bilden die natürliche Ostgrenze. Archäologische Funde im Gebiet der Arabischen Halbinsel belegen, dass dieser geographische Raum bereits im 10. Jahrtausend v. Chr. besiedelt war. Im 3. Jahrtausend v. Chr. entstanden bedeutende Reiche – Magan, Dilmun und Meluhha – mit hochentwickelten Kulturen. Aufgrund historischer Quellen sowie aufgrund der Funde weiss man, dass diese Staaten mit den Sumerern in Mesopotamien und den Induskulturen Handelsbeziehungen unterhielten. Die Reiche Dilmun und Meluhha konnten mit ziemlicher Sicherheit genau lokalisiert werden, bei Magan ist man jedoch auf Vermutungen angewiesen, da die Quellen, die über dieses Reich berichten, vage sind. In der historischen Forschung nimmt man jedoch an, dass es sich bei Magan etwa um das Gebiet des heutigen Sultanats Oman handelt. Im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. war Magan wegen des Abbaus von Kupfer als Handelspartner für die Reiche der Induskulturen von grosser Bedeutung, und die Bewohner des Reiches Magan pflegten einen regen Austausch mit diesen zum Teil weit entfernt liegenden Ländern. Mit dem Untergang der Induskulturen um 1800 v. Chr. verlor auch Magan seine Bedeutung
Über die folgende Zeit ist wenig bekannt. Im 6. Jahrhundert v. Chr. geriet die Region unter persische Herrschaft (im Jahre 563. v. Chr. eroberte der Achämenidenkönig Kyros II. Oman), und in den nächsten 1000 Jahren herrschten persische Könige über das Gebiet. Den Persern verdankt Oman jedoch die Einführung des bis heute bewährten Falaj-Bewässerungssystems. Im Laufe der Jahrhunderte wanderten aus den angrenzenden Regionen Angehörige verschiedenster Stämme in Oman ein. Aus dem Südjemen kam der Stamm der Azd, denen es gelang, die Perser zurückzudrängen. Lediglich im Gebiet um Sohar konnten sich sie noch behaupten. Sie mussten den Anführer der Azd, bekannt unter dem Namen Julanda, als Herrn über den gesamten Oman anerkennen, und dieser wurde zum Begründer der ersten Herrscherdynastie.
Als Mohammed die neue Religion des Islam verkündete, nahm ein grosser Teil der Bevölkerung des Oman den neuen Glauben freiwillig an, und als Mohammed im Jahr 632 starb, war bereits der grösste Teil der Bevölkerung zum Islam übergetreten, wobei mehrheitlich die ibaditische Glaubensrichtung angenommen wurde. 751 wurde der erste ibaditische Imam gewählt.
Im 10. Jahrhundert erfuhr die Küstenregion durch den Seehandel einen neuerlichen Aufschwung. Omanische Seeleute segelten nach Indien und China und brachten von dort wertvolle Güter wie Porzellan, Seide und Juwelen nach Oman. Sie selbst handelten mit Gold, Weihrauch, Elfenbein sowie mit Pferden. Oman gewann dank erfahrener Seefahrer und tüchtiger Kaufleute die absolute Vormachtstellung. Dies änderte sich, nachdem der Portugiese Vasco da Gama den Seeweg nach Indien über die Südspitze Afrikas entdeckte hatte und entlang der afrikanischen Ostküste in den Indischen Ozean segeln konnte. Die omanischen Küstenstädte wurden nun für die Portugiesen zu attraktiven Stützpunkten für die Kontrolle über den Fernosthandel: der portugiesische König schickte eine Flotte unter der Leitung von Afonso de Albuquerque in den Persischen Golf und beauftragte diesen, an der Küste Omans eine portugiesische Kolonie zu errichten. Albuquerque eroberte zahlreiche omanische Städte, darunter auch Maskat. Briten und Niederländer versuchten ebenfalls, sich am lukrativen Fernosthandel zu beteiligen und errichteten ihrerseits Niederlassungen in Oman. Den Portugiesen wurden sie zu einer starken Konkurrenz, ausserdem war den Portugiesen in den Osmanen, die bereits Ägypten erobert hatten, ein weiterer Gegner erwachsen. Etwa 150 Jahre lang konnten die Portugiesen die Kontrolle über den Fernosthandel ausüben. Ihre Vorherrschaft fand ein Ende, nachdem es den geeinten arabischen Stämmen gelungen war, unter der Führung von Sultan bin Saif die Besatzer nach und nach zu vertreiben.
Sultan bin Saif wurde zum Begründer der nächsten bedeutenden Dynastie, der Al-Yaruba-Dynastie. Streitigkeiten unter den Nachkommen von Sultan Bin Saif um das Amt des Imam führten zu einem Bürgerkrieg und zum Ende der al-Yaruba-Dynastie. Neuer Imam wurde Ahmad bin Said, Begründer der Al Bu Said-Dynastie, unter dessen Sohn und Nachfolger Hamad infolge innenpolitischer Schwierigkeiten die Spaltung des Landes in Sultanat und Imamat erfolgte. Unter Sultan bin Ahmad stieg Oman zur führenden Macht in der Golfregion auf und erreicht seine grösste Ausdehnung und Machtfülle. 1829 wurde Sansibar zur zweiten Hauptstadt des Landes, später wurde die Insel auch Regierungssitz. Der Handel mit Sklaven, dessen Hauptumschlagsplatz Sansibar war, sowie der Anbau von Gewürznelken verschafften dem Land grossen Reichtum. Thronstreitigkeiten unter den Söhnen von Said bin Sultan führten im Jahre 1861 zur Teilung des Reiches: das Sultanat Muscat und Oman sowie das Sultanat Sansibar. Die Aufteilung des Reiches in zwei Staaten sowie Auseinandersetzungen zwischen dem Sultan in Muscat und inneromanischen Stämmen leiteten den politischen und wirtschaftlichen Niedergang des Staates ein. Durch den immer stärker werdenden britischen Einfluss geriet das Land in völlige Abhängigkeit von Grossbritannien. Sultan Said Timur, der Vater des jetzigen Herrschers, wollte zwar das Land aus der Abhängigkeit von Grossbritannien lösen und das zerrüttete Staatswesen sanieren, aber zugleich lehnte er alle Errungenschaften der modernen Zeit rigoros ab. In Bezug auf Gesellschaftsstrukturen, Bildung, Gesundheitswesen, etc. herrschten geradezu mittelalterliche Verhältnisse, und die Einnahmen, die durch die beginnende Erdölförderung ins Land flossen, kamen nicht der Bevölkerung zu gute. Der Sultan schottete das Land vom Rest der Welt völlig ab, und die Bevölkerung lebte in totaler Isolation und grosser Armut. Dies führte schliesslich dazu, dass Said Timur 1970 von seinem eigenen Sohn, dem jetzigen Sultan Qaboos, gestürzt wurde. Nach der Regierungsübernahme begann Sultan Qaboos, das Land zu reformieren. Er regiert zwar absolutistisch und hält an den Elementen des traditionellen islamischen Herrschaftssystems fest, und praktisch alle Lebensbereiche sind von den Vorgaben des Koran geprägt, aber dennoch unternimmt der Sultan grosse Anstrengungen, um mit Hilfe eines straffen Reformprogramms das Land in ein modernes Staatswesen umzubauen.