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Eine etwas andere Tellerwäscherkarriere in Walzenhausen
Seit 23 Jahren arbeitet er in der Küche der Rheinburg-Klinik Walzenhausen. Er ist der ruhige Macher im Hintergrund, immer da, immer gut gelaunt und immer an der Arbeit. Das ist Jeyarasa, von den Mitarbeitenden kurz «Rasa» genannt. Jeyarasa ist für den Abwasch zuständig, sorgt dafür, dass alles Geschirr, alle Pfannen und Töpfe sauber sind, er rüstet Gemüse, wäscht Salat, kocht und putzt, bestellt sämtliche Reinigungsmittel für die Küche und hilft da, wo es seinen Einsatz braucht.Kokosnussplantage und Fischhandel
Bevor Jeyarasa im Januar 1998 als Flüchtling in die Schweiz kam, besass er in Sri Lanka, im Distrikt Mullaitivu ganz im Norden des Landes, eine Kokosnussplantage. 365 Palmen – so viele wie das Jahr Tage hat – gehörten zu seiner Plantage. Er war Firmenchef mit 10 Mitarbeitenden und betrieb daneben noch Handel mit Fischen, Import und Export. Bis zum Bürgerkrieg, welcher in den Achtzigerjahren zwischen Tamilen und Singhalesen entbrannte. Das Militär kam und walzte sein ganzes Hab und Gut platt – Haus und Firma, die ganze Plantage wurde dem Erdboden gleichgemacht.
Eine neue Heimat und Arbeit gefunden
Im Januar 1998 flüchtete Jeyarasa in die Schweiz. Zuerst war er für drei Wochen im Asylzentrum in Kreuzlingen, bevor er ins Asylcamp Alpenblick nach Heiden wechselte und drei Monate dort wohnte. Im April 1998 kam er über die Asylkommission in eine Einzimmerwohnung in Walzenhausen, finanziert von der Gemeinde. Kontakt zu seiner Familie in Sri Lanka hatte er während sechs Monaten keinen, die Kommunikation erfolgte über das Schweizerische Rote Kreuz. Jeyarasa begann, nach einer Arbeit zu suchen, und konnte im April 1999 mit einem 20-Prozent-Pensum in der Küche der Rheinburg-Klinik starten. Sein Pensum wurde ab Dezember 1999 auf 100 Prozent erhöht. Küchenchef zu dieser Zeit war Alain Carrier, mit 16 Gault-Millau-Punkten ein hervorragender Koch, wie auch Martin Zeller (17 Gault-Millau-Punkte), welcher seit 12 Jahren als kreativer Küchenchef in Walzenhausen arbeitet.
Im Jahr 2000 erhielt Jeyarasa die Aufenthaltsbewilligung und im Juli des gleichen Jahres kamen seine Frau und die beiden Kinder zu ihm in die Schweiz. Die Familie konnte sich in Walzenhausen eine grössere Wohnung leisten, die Kinder gingen im Dorf zur Schule. Heute sind seine Tochter und sein Sohn erwachsen und wohnen mit ihren Familien in der Region. In seiner Heimat Sri Lanka war Jeyarasa nie wieder.
Pensionierung in Sicht
In diesen Tagen wird Jeyarasa 65. Eigentlich Zeit für die Pensionierung. Da jedoch seine Frau – ebenfalls in der Rheinburg-Klinik angestellt – noch ein Jahr arbeitet, verlängert er seinen Einsatz in der Küche. Bis März 2023 zu 100 Prozent und von April bis Juli noch in einem 50-Prozent-Pensum. Darüber ist Küchenchef Martin Zeller sehr froh. «Rasa arbeitet für zwei und ist sehr umgänglich; ihn zu ersetzen, wird schwierig werden.» Jeyarasa freut sich jedoch auch darauf, mehr Zeit für seine Enkelkinder zu haben und Zeit zum Spazieren. Das hat Jeyarasa schon immer gerne gemacht. Er fährt kein Auto, ist immer zu Fuss unterwegs und legt auch seinen Arbeitsweg seit 23 Jahren täglich zu Fuss zurück.
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