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Urban Gardening ist in der sogenannten westlichen Welt zum Trend geworden. In Holzkisten auf Dächern und Balkonen oder auf begrünten Inseln zwischen Parkfeldern und entlang der Trottoirs wachsen derzeit auch in Schweizer Städten Blumen, Kräuter und Gemüse. In Kuba wurde diese Methode bereits in den 1990er Jahren entwickelt: aus grosser Not, denn die Menschen hatten Hunger.
Seit der kubanischen Revolution Ende der 1950er Jahre hatte das Land eine Agrarwirtschaft verfolgt, die sich auf Monokulturen, insbesondere auf den Anbau von Zuckerrohr, konzentrierte. Der endgültige Zusammenbruch der Sowjetunion 30 Jahre später traf das kubanische Landwirtschaftssystem empfindlich. Seither fehlte es an Saatgut, Ersatzteilen, Düngemitteln, Pestiziden und Benzin. Die Exporte Kubas sanken dramatisch und gleichzeitig fehlten die Devisen, um Grundnahrungsmittel zu importieren. Carlos, ein Mitarbeiter von Caritas Kuba, erinnert sich noch heute, wie er sich als Student mit Zuckerwasser durch die Tage an der Universität brachte. Zwischen 1990 und 1995, der sogenannten Periodo Especial, hatten die Kubanerinnen und Kubaner im Durchschnitt zwischen fünf und 25 Prozent ihres Körpergewichtes verloren.
Agricultura Urbana, die kubanische Version des Urban Gardening
Um gegen die Hungersnot anzukämpfen, musste die Landwirtschaft zur hungernden Bevölkerung in die Städte gebracht werden. Da es kein Saatgut und kein Benzin für die Transportmittel und auch keine Düngemittel oder Pestizide gab, wurden neue biologische Anbaumethoden, neues Saatgut und Kompostierungsformen etwa mit Würmern getestet und staatlich gefördert. Die Gärten sollten möglichst nahe bei den Konsumentinnen und Konsumenten sein, deshalb wurden in den Städten landwirtschaftliche Zonen (Agricultura Urbana) eingerichtet. Noch heute finden sich in der Hauptstadt Havanna tausende Gärten, angefangen beim kleinen Hinterhausgärtchen bis hin zur 25 Hektaren grossen Landwirtschaftskooperative. Etwa 50 Prozent aller Früchte und Gemüse, welche die Bevölkerung Havannas konsumiert, werden auf diese Weise angebaut. Im Stadtteil Alamar, wo sich der grösste Garten Havannas befindet, werden neben Mais, Avocados, Mangos und Ananas auch Gemüse wie Randen, Karotten, Salate und Kohl angebaut. Zusätzlich bauen die Stadtgärtnerinnen und -gärtner eine Vielzahl von Kräutern an, die nicht nur als Gewürze, sondern auch als Heilmittel gefragt sind.
Nahrungsmittelengpässe
Mit den Stadtgärten hat sich die Ernährungssituation zwar verbessert, trotzdem müssen immer noch je nach Schätzung zwischen 60 und 80 Prozent aller Grundnahrungsmittel importiert werden. Dies hat auch damit zu tun, dass man in Kuba traditionellerweise kaum Früchte und Gemüse isst. Zudem verfügt das Land über keine entsprechenden Industrien, um Früchte und Gemüse in grösserem Stil zu konservieren.
In Notsituationen, wie beispielsweise nach dem letzten Hurrikan Irma, der im September 2017 grosse Teile der Insel verwüstete, ist die Abhängigkeit von Importen besonders gross und es kommt zu Lebensmittelengpässen. Die Regierung versucht zwar, die nationale Landwirtschaft anzukurbeln, doch neben der begrenzten wirtschaftlichen und technischen Infrastruktur schränken auch klimatische Bedingungen das landwirtschaftliche Wachstum ein.
In den letzten Jahren war Kuba besonders hart von Tropenstürmen, Hurrikanen, starken Niederschlägen und von ausgeprägten Trockenperioden betroffen. Gemäss dem World Food Programme haben in den letzten acht Jahren Naturkatastrophen Schäden in Höhe von mehr als 20 Milliarden US-Dollar verursacht. Das hat die Landwirtschaft und damit die Nahrungsmittelsicherheit jeweils empfindlich getroffen.
Humanitäre Hilfe nach dem Hurrikan Irma
Der vorerst letzte Hurrikan Irma, der am 8. September 2017 die Nordküste Kubas traf, verwüstete grosse Teile der Region. Heftige Windenböen, starke Regefälle, Überschwemmungen und umgestürzte Bäume führten zu grossen Schäden an der Infrastruktur und in der Landwirtschaft. Mit der Zerstörung ihrer Häuser verloren viele Menschen ihre gesamten Nahrungsmittelvorräte und Habseligkeiten. Caritas Schweiz unterstützte in der Folge – mit finanzieller Hilfe der Deza – die Partnerorganisation Caritas Kuba mit Nothilfe in den drei am heftigsten betroffenen Diözesen Santa Clara, Ciego de Ávila und Camagüey. Über 5000 besonders betroffene Familien erhielten auf diese Weise Grundnahrungsmittel wie Öl, Reis oder Getreide, womit die schlimmste Not gelindert werden konnte. Später unterstützte Caritas Kuba die betroffenen Familien auch mit Hygiene- und Haushaltsartikeln sowie beim Wiederaufbau ihrer Häuser.