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Anfang 2013 haben die Temperaturen im Südosten Australiens alle Rekorde seit Beginn der Messungen geschlagen: das Thermometer zeigte oft über 50 Grad Celsius an. Dafür mussten bei den Messungen extra zwei neue Kategorien eingeführt werden, die Werte bis 52 und bis 54 Grad umfassen. Aufgrund der aussergewöhnlichen Hitze kam es zu grossflächigen Buschbränden, die oft mehr als zwei Wochen anhielten.
Kaum hatten sich die Australier vom grossen Inferno erholt, kam es an der Ostküste des Landes zu anhaltenden Regenfällen und Überschwemmungen. In der Stadt Bundaberg registrierte man die stärksten je gemessenen Überschwemmungen. Die Wassermengen trieben Tausende auf die Dächer ihrer Häuser; Rettungsspezialisten mussten die Menschen mit Helikoptern in Sicherheit bringen. Derweil fürchteten sich die Menschen im Nordosten vor einem tropischen Zyklon, der sich wenige hundert Kilometer vor der Küste zusammenbraute, diese dann aber glücklicherweise knapp verfehlte.
Die Wahrscheinlichkeit, dass derart extreme Brände entstehen, hat sich in den letzten zehn Jahren enorm erhöht.
Klimaforscher David Karoly
Diese extremen Wetterereignisse sind keine Ausnahme auf dem fünften Kontinent: Seit je her werden die Australier von Dürreperioden, Buschfeuern, Hitzewellen, Stürmen und Überschwemmungen heimgesucht. Dennoch waren die letzten fünf Jahre die heissesten, die jemals registriert wurden. Extreme Hitzewellen kommen häufiger vor und fallen intensiver aus. Die Klimaexperten sind sich einig: das aussergewöhnliche Ausmass der Ereignisse in Australien hat direkt mit dem globalen Klimawandel zu tun. Klimaforscher David Karoly betont: "Die Wahrscheinlichkeit, dass derart extreme Brände entstehen, hat sich in den letzten zehn Jahren enorm erhöht. Die Erde ist wärmer, die Temperaturen steigen. Rekord-Hitzewellen, kaum Regen im Südosten Australiens: Die globale Klimaerwärmung hat zu diesen Faktoren entscheidend beigetragen." Aus dem vorläufigen Klimabericht für 2012 der UN-Organisation für Meteorologie WMO geht hervor, dass das letzte Jahr das neuntwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1850 war. Parallel dazu nehmen die Extremwetter-Ereignisse, wie im letzten IPPC Bericht vorausgesagt, tatsächlich in fast allen Regionen der Erde kontinuierlich zu.
Umso erstaunlicher ist es, dass in einem derart stark betroffenen Land wie Australien der Zusammenhang zwischen extremen Ereignissen und dem Klimawandel offenbar immer noch angezweifelt wird. Erst im Januar wurde eine neue wissenschaftliche Studie zum Thema veröffentlicht. Bisher glaubte jedoch ein grosser Teil der australischen Bevölkerung nicht an einen direkten Einfluss des Menschen auf das Klima. Dies dürfte hauptsächlich auf die Politik und den Einfluss der Medien zurückzuführen sein. Beide stehen nämlich unter starkem Einfluss der Rohstoffbranche und insbesondere der Kohlenwirtschaft. Australien ist einer der grössten Klimasünder: Das Land emittiert nicht nur selbst sehr viel CO2, sondern exportiert auch weltweit am meisten Kohle, was wiederum zu Treibhausgasemissionen führt. Dieser mächtige Wirtschaftszweig, der wenig Interesse an einer umweltfreundlichen Politik zeigt, weiss viele Politiker an seiner Seite. Insbesondere die Konservative Partei (Tories) leugnet den Klimawandel vehement und spricht gar von „reinem Unsinn“. Solche Botschaften vermitteln auch die Medienriesen des Landes, grösstenteils in den Händen von Rupert Murdoch, die 80 Prozent der australischen Medien im Griff haben und mehrheitlich konservativ ausgerichtet sind.
Wie Urs Wälterlin, Australien-Korrespondent von SRF, im Radiogespräch berichtet, scheinen die Australier dennoch immer mehr Umweltbewusstsein zu entwickeln. Beispielsweise müssen die 500 grössten Umweltsünder seit 2011 eine CO2-Steuer bezahlen. Das eingeführte Gesetz ist jedoch weit harmloser als die ursprüngliche Regelungsvorlage und wird bis heute von der Wirtschaftslobby stark bekämpft. Falls bei den nächsten Wahlen die Tories die Sozialdemokraten (Labour) ablösen sollte, könnte die Abschaffung der Emissionsabgabe bereits zur Diskussion stehen. So könnten die ersten Ansätze einer klimafreundlichen Politik innert kürzester Zeit wieder über Bord geworfen werden. Es bleibt zu hoffen, dass die australische Bevölkerung angesichts der aktuellen Wetterereignisse und der neuen Klimastudie zu anderen Einsichten gelangt...