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20.06.2018 Coudes-Le-Mont-Dore
Heute soll der erste sonnige Tag werden, und der Morgen lässt vermuten, dass das zutrifft. Ich fahre noch einmal nach Montpeyroux und erkunde diejenigen Strassen und Gassen, für die es mir gestern zeitlich nicht mehr reichte. Dann fahre ich nochmals zurück nach Coudes, um einen guten Aussichtspunkt zu finden. Auf der Brücke finde ich ihn, nur ist jetzt Montpeyroux so weit weg, dass ohne Tele wenig zu machen ist. Ich fahre weiter Richtung Saint-Nectaire. In Champeix halte ich kurz an und kaufe in einem Supermarkt etwas zu essen und zu trinken. In Montaigut-le-Blanc biege ich nach Saint-Julien, wo ich die Caves de Saint-Julien, die in den weichen Kalkfelsen geschlagen worden sind, besichtige. Einige sind schon eingestürzt. Die Keller wurden früher für Wein, später für die Affinage von Saint-Nectaire Käse verwendet. Ein paar wenige sind noch in Betrieb. In Saint-Nectaire muss ich durch das langgezogene Dorf fahren, bis ich zur berühmten Kirche „Eglise de Saint-Nectaire“ gelange, die am Dorfende auf einem Hügel thront. Eine steile Strasse führt in Schlangenlinien hinauf. Die Kirche ist romanisch, mit schönen Kapitellen und ausgewogenen Proportionen. In einem Reliquiar werden eine silberne Büste von St. Baudime (12. Jhdt.) sowie eine mit Silber überzogene Armreliquie von St. Nectaire (12. Jhdt.) aufbewahrt. In der Apsis steht die Statue der Notre Dame du Mont Cornadore (12. Jhdt.). An einer Wand ist ein zweifarbiges, ungewöhnliches Fresko angebracht. Unten im Dorf darf ich in einem Käseladen noch den hiesigen Käse, in der pasteurisierten und der Rohmilchvariante verkosten. Ich fahre nun weiter Richtung Besse und halte in Murol, um die eindrückliche Burg „Chateau de Murol“ zu besuchen. In der Schmiede arbeitet tatsächlich ein Schmied und macht Nägel wie anno dazumals. Es braucht erstaunlich viel Zeit, um einen einzigen Nagel zu formen. Die Besichtigung beginnt beim Vorratsraum, teilweise Weinkeller, dann kommt die Waffensammlung mit allen Arten von Hau- und Stechwaffen sowie der Feldschlange von François I d’Estaing (1574), dem Chautignat-Turm mit dem Studierzimmer von Guillaume de Murol, dann das Schlafzimmer von Guyote de Tournon, die Küche, die Backstube und die Kernburg (der Innenhof). Schliesslich geht es an den weitgehend ruinierten zwei Kapellen, die Seite an Seite liegen, vorbei zum Turnierhof. Noch einmal kaufe ich Wasser, um für eine kleine Wanderung gewappnet zu sein. So gelange ich mit etwas Verspätung doch noch nach Besse-en-Chandesse, ein wunderhübsches, mittelalterliches Städtchen. Ich beginne meinen Rundgang beim Hotel de la Providence et de la Poste. Gleich daneben steht das auf mittelalterlich getrimmte Manoir Sainte-Marie des Remparts (1935). Die eigentlich romanische Eglise Saint-André France weist massive Kapitelle auf, hat aber einen gotischen Chor mit einem hölzernen Chorgestühl. Ich gelange zur Place de la Mairie. Das Rathaus ist aus schwarzem Vulkangestein gebaut. Das gilt auch für das Ancien hopital de Broglie. Auf der Place du Dr. Alfred Pipet sind mehrere Häuser im Umbau begriffen. Ich laufe weiter zur Maison des Consuls, zur Maison de la reine Margot, zur Place de la Pairie und dem La Gayme Platz. Schliesslich gelange ich zum letzten verbliebenen Stadttor, Le Beffroi und zur Place de la Poterne. Dahinter ist ein kleiner Park und die Mediatheque in einem schön restaurierten historischen Gebäude. Ich fahre nun weiter zum Lac Pavin, eigentlich ein Kratersee aufgrund vulkanischer Aktivität. Diesen umwandere ich. Nun mache ich mich auf Richtung Le-Mont-Dore. Doch in Besse erwische ich die falsche Abzweigung und muss nochmals die rund drei Kilometer lange Einbahnstrecke, auf der man nirgends wenden darf, abfahren. Erst beim zweiten Durchlauf erwische ich die korrekte Abzweigung, die wie eine Einfahrt wirkt. Über den Col de la Croix St. Robert (1451 m), den ich wegen des Zeitverlusts im Eiltempo durchfahre, gelange ich nach Le-Mont-Dore. Das Gepäck darf ich in meiner Unterkunft, der Gite d’étape Artense, abstellen, die schweren Töffkleider gegen normale Kleider tauschen und gleich wieder los. Ich laufe zum Funiculaire Capuchin, wo ich wegen meiner Fussprobleme gleich die Retourfahrt nehme. Die Fahrt mit der 120 Jahre alten, enorm steilen Drahtseilbahn ist ein Erlebnis. Oben angekommen, dürfen wir noch die Maschinen besichtigen. Sie wurden 1898 von Fournier & Cornu in Genelard hergestellt. Ich wandere erst zum Aussichtspunkt, dann zurück und in die andere Richtung gegen den Capuchin zu. Schliesslich komme ich zu einer (geschlossenen) Berghütte, dahinter ist ein Schild „Capuchin 0.2 km“. Obwohl ich die letzte Drahtseilbahn nicht verpassen möchte, versuche ich noch zum Gipfel zu gelangen. Das gelingt mir dann tatsächlich innert kurzer Zeit, obwohl es natürlich rund das doppelte der angegebenen Strecke war. Hinunter geht dann rassig. Um 16:55 Uhr bin ich wieder bei der Bahn, muss dann aber noch ziemlich lange warten, bis sie abfährt. Beim Kreuzen winkt der Führer des aufwährtsfahrendes Bähnchens zu. Mit der letzten Kraft im linken Fussgelenk gelange ich zurück in meine Bleibe, wo ich den Checkin mache. Dann laufe ich rasch in die Stadt, hole bei der Touristeninformation einen Stadtplan, kaufe kurz vor Ladenschluss in einem sündhaft teuren kleinen Supermarkt etwas zu essen und erkunde den Wintersportort, der in seinem Zentrum eine noble, den römischen Thermen nachgebildete Therme hat. Auf dem allerletzten Zacken, das Fussgelenk meldet definitives Forfait an, erreiche ich meine Unterkunft wieder.