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Ich habe kürzlich für einen Vortrag nach einem neuen Weg gesucht, den Zustand unseres Geldsystems in einem Bild verständlich zu machen. Der nachfolgende Text ist gewissermassen eine Nachschrift des entsprechenden Abschnitts aus dem Vortrag. Er wird hier für eine begrenzte Zeit veröffentlicht und wird sobald als möglich durch einen strukturierten Text mit Quellenangaben ersetzt.
Wir müssen erkennen, dass die Welt als Ganzes pleite ist und dass wir ein geregeltes Konkursverfahren durchführen müssen, anstatt immer mehr Länder in die Enteignung zu schicken. Griechenland ist ja nicht das erste Land, sondern nur das erste der Eurozone. Ihm vorangegangen sind die Länder des europäischen Ostens und sämtliche Entwicklungsländer. Weitere, noch als vergleichsweise wohlhabend geltende Länder werden ihm folgen. Schliesslich werden alle einem illegalen Schuldenregime unterstellt.
Warum sind wir durch und durch pleite? Weil die Geldmenge von vielleicht 60 Bio. Dollar, grosszügig gerechnet, in keiner Weise reicht, alle Geldschulden zu bezahlen. Denn Geldschulden müssen mit Geld bezahlt werden, nicht mit Rindern, Ländereien oder dem, was wir auf dem Dachboden noch so haben.
Die meisten Menschen, und dazu gehören auch Politiker und Banker können sich das gar nicht vorstellen. Deshalb ein Bild zur Veranschaulichung: Die Nicht-Banken dieser Welt versammeln sich in einem Saal, der Realwirtschaft: die Individuen, die Firmen, die Staaten. Wir können durch Arbeit Werte schöpfen und durch Konsum verbrauchen. Aber wir können kein Geld schöpfen. Draussen in einem anderen Saal sind die Banken. Sie können keine Werte erschaffen, aber Geld schöpfen. Sie erschaffen es aus dem Nichts und stellen es dem Saal zur Verfügung, jedes Mal, wenn jemand die Verpflichtung eingeht, mehr zurückzahlen als er bekommt.
Hier im Saal befinden sich zunächst mal 60 Bio. Dollar Geld und 200 Bio. Dollar Schulden. Das ist in etwa die Weltgeldmenge (M2) und die Weltschuldenmenge gemäss McKinsey. Wenn wir diese Schulden untereinander hätten, dann würde es theoretisch reichen, wenn das Geld dreieinhalb mal umläuft und alle Schulden wären getilgt.
Um herauszufinden, ob das tatsächlich so ist, müssen wir zunächst verstehen, wem das Geld gehört. Die Hälfte der Vermögen gehört den Superreichen. In diesem Beispiel gehen wir davon aus, dass dieses Verhältnis auch auf die finanziellen Vermögen zutrifft. Ihre 30 Bio. in Hedgefonds und anderen Gefässen sind bereits in Steueroasen ausserhalb des Saales. Es verhält sich wie das Geld der Banken. Es kommt erst wieder in den Saal, wenn hier jemand die Verpflichtung eingeht, mehr zurückzuzahlen, als er bekommen hat. Es ist gewissermassen Extraktionsgeld.
Im Saal bleiben also 30 Bio. Dieses Geld muss nun schon mehr als sechsmal umlaufen, um die Schulden zu tilgen, wenn wir sie denn bei uns selber hätten. Es ist also bereits doppelt so schwierig geworden, die Schulden abzutragen. Je mehr Geld den Saal verlässt, desto härter müssen wir arbeiten. Das ist das Schuldenparadox, wie es Keynes bezeichnet hat.
Jetzt schauen wir uns mal an, wer denn die Forderungen von 200 Bio. stellt:
Der grösste Teil sind Staatsschulden, also Schulden, die wir bei uns selber haben. Entscheidend ist aber, wer diese Staatsanleihen besitzt.
• Wenn wir Staatsschulden in Besitz der Zentralbanken zurückbezahlen, verlässt das Geld den Saal und kommt erst wieder herein, wenn eine Bank zu wenig Zentralbankgeld hat, um Kredite in den Saal zu vergeben. Das Geld ist also weg und kehrt erst als Extraktionsgeld wieder in die Realwirtschaft zurück.
• Das Geld ist auch weg, wenn wir Staatsschulden im Besitz von Hedgefonds und Banken bezahlen.
• Wenn wir Staatsschulden im Besitz von Rentenfonds (das sind eigentlich wir selber) bezahlen, ist es ein Nullsummenspiel. Das Geld bleibt zwar im Saal, ändert aber nichts an unserer Situation. Wir erzielen weniger Zinseinnahmen und bezahlen dafür, wenn wir Glück haben, weniger Steuern. Denn das Geld der bezahlten Staatsschulden ist jetzt beim Staat.
Dann gibt es die Gruppe der privaten Schulden:
• Firmenschulden bei den Banken
• private Schulden bei den Banken, Hypotheken, Autokredite und dergleichen mehr. Auch hier verschwindet das Geld durch Bezahlung.
• Die kleinste Gruppe sind die privaten Schulden bei Privaten, der Kredit von Onkel Fritz und der Zahlungsverzug bei unseren Rechnungen. Dieses Geld bleibt im Saal und kann weiterhin produktiv wirken.
Wenn wir nun versuchen, Schulden zu bezahlen und die Hälfte unseres verbliebenen Geldes dazu einsetzen – 15 Bio. – dann verlässt der allergrösste Teil dieses Geld den Saal und es bleiben uns noch 185 Bio. Schulden und 15 Bio. Geld. Es ist jetzt noch einmal doppelt so schwierig geworden, die Schulden zurückzuzahlen. Das Geld müsste jetzt schon mehr als zwölf Mal umlaufen, wenn wir die Schulden untereinander haben. Aber das haben wir nicht. Der allergrösste Teil unserer Schulden liegt bei Zentralbanken, Banken, Hedgefonds und ähnlichen Körperschaften, die ihr Geld der Realwirtschaft erst gegen ein Versprechen, mehr zur zurückzuzahlen, zur Verfügung stellen.
Die Welt als Ganzes steckt also in einer unlösbaren Schuldenklemme, ist im Grund konkurs. Nach geltendem Schweizer Recht muss eine Firma ihre Bilanz deponieren, um zu verhindern, dass kurz vor dem Zusammenbruch noch illegal Vermögenswerte verschoben werden und um die Gläubiger zu schützen. Genau dies will die Finanzwirtschaft aber verhindern und versucht das für sie profitable Spiel zu verlängern.
Sie tut dies u.a. mit folgenden Massnahmen:
• Bilanzfälschung durch Auslagerung von Schulden in Spezialgesellschaftn
• Geldmenge erhöhen (Geld drucken)
• Gläubiger entmachten (Bail-in)
• Forderungen reduzieren, Zinsen auf unter Null senken. Erfordert ein Bargeldverbot, weil sonst die Bankguthaben abgezogen werden
• Vermögensabgabe. EZB und IWF, die diese Massnahme befürworten, haben ausgerechnet, dass sich durch eine zehnprozentige Vermögensabgabe die Staatsschulden im Euroraum auf 55 Prozent des BIP reduzieren würden, was wieder den Maastricht-Richtlinien entspricht. Diese Massnahme, so einschneidend sie ist, wirkt allerdings nur für eine beschränkte Zeit.
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