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Unsere Schwarz-Weiss-Kiste flimmert. Mary Poppins. Die Figuren hüpfen durch bunte Fantasielandschaften, reiten mit ihren Karussellpferden um die Wette, tanzen auf Dächern. Mary Poppins schnipst mit den Fingern. Das Kinder- zimmer räumt sich auf. Mit Mary Poppins ist alles ein Klacks. Die Hausarbeit erledigt sich von alleine. Die tief patriarchalen Fami- lienstrukturen bröckeln. Der Patriarch kündigt seinen Job bei der Bank. Lässt mit seinen Kindern Drachen steigen.
Es ist schade, Mary Poppins in schwarz-weiss zu schauen.
Mary Poppins kehrt zurück. Mary Poppins caret zurück. Wie, was, warum?!
Mary Poppins räumt auf.
Das Buch neben meinem Bett fragt mich, was mein Streik ist. Ich weiss es nicht. Selbstausbeuterin in Ausbildung. Keine Zeit das Buch zu lesen. Keine Zeit zu streiken. Prekäre Arbeitssituationen lassen nicht die gleichen Streikstrategien zu, wie geregelte Arbeit. Meine Situation ist nicht prekär. Noch nicht.
Erklär der kleinen Ayla, dass Mary Poppins eigentlich kein Schwarz-weiss-Film ist. Erklär ihr, warum nur Weisse mitspielen. Erklär ihr, warum Mary Poppins ein Bruchstück von Mr. Banks Lohn kriegt. Erklär Ayla, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Erklär ihr, warum ihre Arbeit weniger Wert sein wird, als die von anderen. Erklär ihr, dass es «Frauenjobs» und «Männerjobs» gibt und erklär ihr, dass zweite meist besser entlohnt werden. Erklär ihr, dass es für ihre Karriere eine Rolle spielen wird, dass sie Kin- der kriegen könnte. Und wenn du gerade dran bist, erklär ihr auch noch, dass es zwar nicht ihre Schuld ist, aber dass sie es ist, die das ausbaden muss.
Zwei Fragen: Wie streiken? Warum?
Erstens: Hätte ich Zeit, das Buch zu lesen, wüsst’ ich’s vielleicht. Zweitens: Ich bin die falsche Person, um ein Manifest zu schreiben.
Ich tu es trotzdem.
Ich finde Geld scheisse. Ich brauche Geld.
Ich will für die gleiche Arbeit gleich viel Lohn wie andere.
Ich will, dass es keine Rolle spielt, dass ich in der Lage wäre, Kinder zu gebären. Ich will ernst genommen werden.
Ich will die gleichen Chancen.
Ich will nicht mehr leisten müssen, um die gleiche Anerkennung zu kriegen. Ich will das alles. Jetzt.
Ich will der nächsten Generation nicht erklären müssen, warum immer noch alles kacke ist.