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Der schweizerdeutsche Dialekt im Kanton St. Gallen
Der schweizerdeutsche Dialekt in St. Gallen ist einer der speziellsten in der Schweiz. Sogar im Kanton gibt es wiederum verschiedene Varianten – somit unterscheidet sich der gesprochene Dialekt im Sarganserland sehr stark vom St. Galler Dialekt. Die hochalemannische Mundart in der Ostschweiz ist somit nicht einheitlich im Kanton. Rund 200.000 Menschen in diesem Teil der Schweiz sprechen jedoch diesen Dialekt. Im Großraum Wil, Rohrschach und der Stadt St. Gallen ist diese sogenannte Mundart am weitesten verbreitet. Die Geschichte von St. Gallen geht bis ins 7. Jahrhundert zurück und wurde damals von Einsiedlern um das Kloster in der Stadt St. Gallen geschrieben. Ausserdem wurde die Ostschweiz von Fürsten belagert und somit entstanden verschiedene Regionen, Gruppen und daraus folgend – germanische Dialekte. Obwohl der Dialekt im Großraum für Außenstehende ähnlich tönt, gibt es tatsächlich lediglich zwischen Wil und der Stadt St. Gallen 20 variierende Dialekte! Die Mundart in Richtung Graubünden wie zum Beispiel in Walenstadt, was aber immer noch St. Gallen zugeteilt ist, hört sich schon wieder ganz anders an als das St. Gallerdeutsch in Rohrschach, wobei manche Ausdrücke trotzdem noch gleich und eigen gegenüber anderen Kantonen bleiben. Das St. Gallerdeutsch ist somit einer der vielfältigsten schweizerdeutschen Dialekte in der Schweiz.
Geschichte des Schweizer Dialekts
Wie alle Deutschschweizer Dialekte stammt auch der St. Galler Dialekt aus dem Althochdeutschen. Dialekte in der Schweiz sind in frühen Zeiten entstanden und somit konnte der Sprecher einer bestimmten Gruppe von Menschen zugeteilt werden. Der Sprecher kann sich durch die Aussprache eines Dialekts auch von einer Gruppe abgrenzen und dessen Verbreitung hing damals unter anderem von politischen und wirtschaftlichen Beziehungen ab. In der Schweiz gibt es die Aussage: ‚Ich rede so wiemer d’Schnurre gwachse isch!’ und diese Antwort bekam ich von meinem Grosspapi, als ich den gebürtigen Sarganserländer gefragt habe, warum wir so viele Dialekte sprechen in der Schweiz. Die einfache und aussagekräftige Übersetzung dazu ist: ‚Ich spreche so wie mir der Mund gewachsen ist’ – und somit halten sich auch die meisten Schweizer an ihren Mutterdialekt.
Eigenheiten des Dialekts
Der St. Galler Dialekt zeichnet sich hauptsächlich durch seinen Klang aus. Charakteristisch sind die ‚hellen’ Vokale wie zum Beispiel das A oder das E. Auch das im Rachen gerollte R ist ein Markenzeichen der Ostschweizer Mundart. Der Klang wird als spitzig und kantig beschrieben und Vokale werden eher nasal ausgesprochen. Das Tempo ist im Vergleich zu Dialekten, welche in den Kantonen Bern, Luzern oder Graubünden gesprochen werden, eher schnell und klingt manchmal etwas abgehackt. Zum Teil wird dieser Dialekt als unangenehm empfunden – durch den stark wachsenden Sinn für Kultur der neuen Generation jedoch, welche sich durch Region und Dialekt definiert, wird die Eigenheit von Dialekten zum Glück immer mehr mit Stolz getragen.
Details zur Aussprache von „San Gallerdütsch“
Der Umlaut Ä wir im St. Gallerdialekt meist in ein E abgeändert. Die Aussprache erinnert stark ans klassische Hochdeutsch. Da St. Gallen sehr nahe an der Grenze zu Deutschland liegt, hat das womöglich auch auf deren Dialekt etwas abgefärbt. Der Umlaut Ü hört sich manchmal fast wie eine Mischung zwischen einem simplen O und einem Ö an. Nehmen wir das Wort Würmer zum Beispiel. In der Ostschweiz wird dies zu ‚Wörmer’ – jedoch ein eher verschlucktes Ö, was sich eher als ein offenes langgezogenes O anhört, dasselbe passiert mit ‚Wörter’. Das Wort ‚Törtli’ (übersetzt kleine Torte) jedoch, landet mit einer starken Betonung auf dem Ö, da es von kurzen Konsonanten umzingelt ist. Dies gilt auch für das Wort ‚Herdöpfel’, was übersetzt Kartoffel bedeutet. Wie gesagt ist das im Rachen verschluckte R eher speziell in der Schweiz. Schweizer sind meist dafür bekannt, das R auf der Zunge zu Rollen, was auch meistens gleich Ihre Herkunft verrät. Dieser Akzent bleibt den meisten Ostschweizern erspart. Das R wird im Rachen gerollt, wie das auch im Hochdeutsch gemacht wird, jedoch ist das hochdeutsche R natürlich eher etwas dezenter. Die Betonung ist meist auf der ersten Silbe, wobei die letztere Silbe manchmal verschluckt und schnell beendet wird. Das SCH hingegen wird in der Ostschweiz wunderschön betont und genossen.
Unterschiede zu anderen Schweizer Dialekten
Bei Wörtern mit mehreren R’s wie zum Beispiel das Wort Rhabarber, sind die St. Galler etwas schwieriger zu verstehen da die R’s kaum noch hörbar sind.
Ein K wird in der Ostschweiz einiges dezenter ausgesprochen und verwandelt sich in ein G. So wird zum Beispiel Dialekt zu ‚Dialegt‘ und nicht wie zum Beispiel in Luzern, wo wir Dialekt als ‚Dialäkt‘ aussprechen würden.
Ein weiteres Merkmal ist, dass gewisse Buchstaben im St. Gallerdeutsch einfach ausgelassen werden. Das Wort ‚was‘ wird im Osten zu einem ‚wa’ umgewandelt. Im Dialekt wird auch beispielsweise ‚zu hören’ zu ‚zhgchöre’ – in St. Gallen lassen wir die Hälfte weg und es wird dann nur noch ‚ghöre’ gesagt. Bei den meisten Ausdrücken betont man den Anfang eines Wortes und der Schluss ist eher unwichtig – in anderen Mundarten wird mehr Gewicht auf die Endung eines Wortes gelegt, was im St. Gallerdeutsch nicht der Fall ist und somit auch eher ans simple Hochdeutsch erinnert.
Warum die Schweiz schmunzelt, wenn ein St.Galler spricht…
Wenn jemand auf St. Gallerdeutsch spricht, schmunzelt man als Aussenstehender. Auf einer Seite bewundern wir, wie eine ganze Region einen solchen extremen Dialekt entwickeln konnte. Auf der anderen Seite ist es manchmal etwas hektisch einem Ostschweizer zuzuhören. Da wird es dann auch schwierig, einen Unterschied zwischen den einzelnen Regionen zu machen und vielmals wird eine Toggenburgerin mit einer Stadt St. Gallerin verwechselt, was aber natürlich für die Betroffenen kaum zu glauben ist. Im Großen und Ganzen wird aber dieses Thema in der Schweiz mit einem breiten Grinsen behandelt und im tiefsten Herzen sind die meisten Schweizerinnen und Schweizer stolz auf ihre Herkunft und den dazugehörigen Dialekt. Viele Dialekte wirken sich auch auf das jeweilige Gemüt des Sprechenden aus. Wer Berndeutsch spricht, welcher als einer der langsamsten Dialekte gilt, kommt eher gemütlich und wirkt umgänglich auf sein Gegenüber. Wenn der Gesprächspartner St. Gallerdeutsch spricht, kann das eher als zappelig und weckend auf uns wirken. Die Tonqualität ist auch etwas höher in dieser Mundart gegenüber anderen Sprechweisen im Land. Dies bewirkt, dass der Dialekt im Allgemeinen sehr melodiös klingt und auch meist etwas lauter gesprochen wird. Manchmal kann das als unangenehm empfunden werden, ist aber Gewöhnungssache und wiedermal ganz einfach wie dem St. Galler ‚d’Schnure gwachse isch’ – das ist auch recht so!
Zum Schluss eine Handvoll spezieller Ausdrücke und Redewendungen im St. Galler Dialekt:
‚Wörfe’ bedeutet werfen und wird häufig in anderen Kantonen missverstanden, da in den meisten Dialekten ‚rüere’ gesagt wird. Worauf wiederum der St. Galler sagen wird – ‚rüere duni ide Suppe’ – rühren tun wir die Suppe! Dies ist ein weiteres Merkmal wie ähnlich gewisse Worte in dieser Region noch beim Hochdeutschen liegen.
Horror – wird in St. Gallen sehr eigen ausgesprochen auf Grund des im Hals gerollten R. Die Betonung liegt auf dem O und dem doppelten R und tönt deswegen etwas dramatisch.
‚Brodwurscht’ auch bekannt als die Bratwurst, ist ein typischer Ausdruck für die Ostschweizer und tönt einfach herrlich dank dem gewitzten Übergang vom zweiten R zum genossenen SCHT.
‚Bale’ ist ein Ball. Aus unerklärlichen Gründen wird aber das doppelte L in ein einzelnes L verwandelt, was dem St. Galler ein Eigen ist. Gerne sagen wir, wenn wir einem St. Galler begegnen und ihn erstmals reden hören – ‚Hopp St. Galle – ine mit de Bale’ – was auf ein Tor beim Fußball zurückzuführen ist und auch auf die Hymnen, welche von den Fans bei Spielen gesungen oder gerufen werden.
‚Gireizi’ ist eine Bezeichnung, welche auch im Graubünden benutzt wird und bedeutet Schaukel, ist aber zum Beispiel dem Innerschweizer ein Fremdwort.
Als ‚Chlöpe’ bezeichnen wir in St. Gallen Finger oder Hände.
‚Chibis’ ist kurz gesagt eine ‚Zurechtweisung’ – ‚suss gits Chibis’ oder ,chunsch Chibis über’ – wird im ganzen St. Gallerland verwendet.