Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03618.jsonl.gz/678

Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen (Hypogonadismus) beim Mann
Was ist die Aufgabe der männlichen Geschlechtsdrüse (Hoden)?
Im Hoden wird das wichtigste männliche Hormon, das Testosteron gebildet. Dieses ist wichtig für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale (Wachstum und Entwicklung Penis, Hoden, Scham-, Axel- und Körperbehaarung, Stimmbruch) und den Knochen- und Muskelaufbau. Zudem werden in den Hoden die Samen gebildet. Beide Prozesse werden über die Hirnanhangdrüse respektive deren Hormone FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon), den Gonadotropinen, reguliert.
Was sind Anzeichen für eine Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen?
Tritt die Unterfunktion vor der Pubertät auf, kommt es zum Grosswuchs und die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale sowie der Stimmbruch sind verzögert oder bleiben aus. Kommt es erst im Erwachsenenalter zur Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen, treten Allgemeinsymptome (Müdigkeit, Lustlosigkeit, Depression), Verminderung des Bartwuchses und Störungen des Sexuallebens mit Abnahme des sexuellen Verlangens (Libido), Erektionsstörungen auf. Zudem nimmt die Muskelmasse ab, was zu einer muskulären Schwäche führen kann. Gleichzeitig nimmt die Fettmasse, vor allem am Bauch, zu. Über längere Zeit kann eine Osteoporose auftreten. Durch die verminderte Produktion von Spermien kann es zu Unfruchtbarkeit kommen.
Was gibt es für Ursachen für eine Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen?
Man unterscheidet eine primäre Unterfunktion (hypergonadotroper Hypogonadismus), bei der die Störung direkt im Hoden selbst liegt, von einer sekundären Unterfunktion (Hypogonadotroper Hypogonadisums), bei der die Regulation aus der übergeordneten Hirnanhangsddrüse nicht richtig funktioniert.
Ursachen für einen primären Hypogonadismus können eine genetische Veranlagung, z.B. beim Klinefelter-Syndrom oder aber erworbene Schädigungen des Hodens sein, z.B. im Rahmen von Entzündungen (Mumps), traumatischen Verletzungen (Hodendrehung) oder Krebserkrankungen mit stattgehabter Operation und/oder Chemotherapie. Im Alter nimmt die Hodenfunktion normalerweise ab.
Ein sekundärer Hypogonadismus entsteht, wenn die Hirnanhangsdrüse den Hoden nicht genügend stimulieren kann. Dabei können Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse oder des Hypothalamus, aber auch andere Erkrankungen, welche die Funktion der Hirnanhangsdrüse beeinflussen, zu Grunde liegen. Dazu gehören beispielsweise die Unterernährung oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung. Auch zusätzlich eingenommene Substanzen wie Cannabis, Opiate, Sexualhormone können die Hirnanhangsdrüse stören, so dass die Testosteron-Bildung beeinträchtigt wird.
Wie wird ein Hypogonadismus festgestellt?
Am Anfang steht die genaue Befragung und körperliche Untersuchung, insbesondere auch die Inspektion der sekundären Geschlechtsmerkmale und das Abtasten der Hoden. Ein Verdacht kann mittels einer Blutuntersuchung, welche am Morgen früh abgenommen werden muss, bestätigt werden. In Abhängigkeit der Untersuchungsergebnisse können weitere Untersuchungen (genetische Tests, Ultraschall, MRI der Hirnanhangsdrüse, Spermiogramm = mikroskopische Untersuchung des Spermas in einem Speziallabor) durchgeführt werden. Die genetischen Tests dürfen nur auf Anordnung des Arztes durchgeführt werden und werden nicht immer von den Krankenkassen bezahlt.
Wie wird der Hypogonadismus behandelt?
Die Art der Behandlung ist abhängig vom der Ursache, vom Alter und vom Ziel der Behandlung.
Liegt eine behebbare Ursache vor, wird diese zunächst behandelt. Wenn dann der Hypogonadismus fortbesteht, wird eine entsprechende Hormonersatztherapie eingeleitet. Besteht ein Kinderwunsch müssen die Hormone der Hirnanhangsdrüse verabreicht werden. Ist dieser Wunsch nicht vorhanden, kann das Testosteron in Form von Gels (tägliche Gabe) oder Spritzen, welche zirka alle 3 Monate gegeben werden, ersetzt werden. Unter der Hormon-Therapie müssen regelmässige Kontrollen der Leberwerte, des Blutbildes im Labor und klinische Kontrollen der Prostata erfolgen.