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Vier Wochen vor Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft ist es im Gastgeberland Brasilien erneut zu Protesten und gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Allein in São Paulo gingen am Donnerstag nach Behördenangaben 6000 Menschen auf die Strasse.
Es kam zu massiven Verkehrsbehinderungen. Zudem beteiligten sich Vertreter von Obdachlosenverbänden und Gewerkschaften am sogenannten «Internationalen Tag des Kampfes gegen die WM».
Auf den Transparenten standen Aufschriften wie «FIFA geh heim». Einige Transparente waren mit «Schulen und Hospitäler nach FIFA-Standard» beschriftet, eine zynische Anspielung auf die neuen, modernen milliardenteuren WM-Stadien, wegen denen die Ausgaben für Soziales, Bildung und Gesundheit in Brasilien vernachlässigt wurden.
Die Polizei setzte Tränengas ein, als eine Gruppe Demonstranten Reifen in Brand setzte. In São Paulo findet am 12. Juni das Eröffnungsspiel von Gastgeber Brasilien gegen Kroatien statt. Auch vor dem Stadion gab es Proteste.
Laut der brasilianischen Regierung sind die Proteste nicht gegen die WM an sich gerichtet, sie dienten nur als Gelegenheit, «um Forderungen zu präsentieren, die legitim sind, aber wenig mit der WM zu tun haben», sagte Präsidialamtsminister Gilberto Carvalho.
Auch in der Hauptstadt Brasília sowie in Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Porto Alegre und Manaus gab es Proteste, die jedoch weitgehend friedlich blieben. Landesweit gingen nach Polizeiangaben rund 10'000 Menschen auf die Strasse.
Brasilien wird seit Mitte vergangenen Jahres von sozialen Protesten erschüttert, bei denen die hohen Kosten für die Fussball-WM und die 2016 anstehenden Olympischen Spiele kritisiert werden. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, viel Geld in Prestigeprojekte wie die WM zu stecken und notwendige Ausgaben für Bildung und Gesundheit sowie die Infrastruktur zu vernachlässigen.
Die Investitionen für die WM sehen laut der Regierung um Dilma Youseff folgendermassen aus: Gesamthaft wurden 26,5 Milliarden Real (10,6 Milliarden Franken) investiert. Davon stammen rund 84 Prozent aus öffentlichen Mitteln. Über ein Drittel des Geldes floss in Projekte für den öffentlichen Nahverkehr, rund 28 Prozent wurden für die WM-Stadien ausgegeben und 26,5 Prozent für Flughäfen. (tvr/trs/sda/Spiegel Online)