Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03380.jsonl.gz/4

| Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron

Der vierte Tag. Sechste Homilie. (Gen 1,14-19)
II. Kapitel. Die Sonne eine Schöpfung des Sohnes Gottes, Gott dienstbar und "unter der Herrschaft des Tages". Nicht der Sonne, sondern Gottes Huld dankt die Erde ihre Fruchtbarkeit. Die untergehende Sonne ein Bild des sterbenden Heilandes, der wechselnde Mond ein Bild der Kirche. An Licht, nicht an Umfang nimmt derselbe ab.
5.
Um aber das Zeugnis der Augen nicht zu unterschätzen, reinige das Ohr und leih es den himmlischen Aussprüchen; denn "auf der Aussage zweier oder dreier Zeugen steht fest jedes Wort". Höre den, der spricht: "Es sollen Leuchten entstehen an der Veste des Himmels zur Beleuchtung der Erde!" Wer spricht das? Gott spricht es. Und zu wem anders spricht er es als zum Sohne? Gott Vater spricht: "es werde die Sonne", und der Sohn schuf die Sonne; denn so gebührte es sich, daß "die Sonne der Gerechtigkeit" die Sonne der Welt schuf. Er also führte sie in das Lichtreich ein, er gab ihr den Glanz, er verlieh ihr die Leuchtkraft. Nur Geschöpf also ist die Sonne, darum auch sie dienstbar; denn geschrieben steht: "Du hast die Erde gegründet, und sie besteht fort. Nach deiner Anordnung währt der Tag, weil alles dir dienstbar ist." Wenn der Tag dienstbar ist, wie sollte die Sonne nicht dienstbar sein, die "unter die Herrschaft des Tages gegeben ward"? Wie sollten Mond und Sterne nicht dienstbar sein, die "unter die Herrschaft der Nacht gestellt wurden?" Je größer die Schönheit ist, die ihnen der Schöpfer verliehen, so daß die Luft vom Glanze der Sonne heller denn sonst erstrahlt, der Tag freundlicher leuchtet, das Dunkel der Nacht durch des Mondes und der Sterne Gefunkel aufgehellt wird, der Himmel im Schimmer feuriger Lichtgestirne schwimmt, wie von Blumen besät, als ob ein Paradies erblühte, als ob er farbenprächtig vom lebendigen Schmucke duftatmender Rosen erglühte: je größer also die Pracht erscheint, mit der sie bedacht wurden, um so mehr schulden sie, denn wem mehr anvertraut wird, der schuldet auch mehr. "Schmuck des Himmels" hat man das vielfach genannt, insofern die Gestirne das kostbare Geschmeide desselben seien.