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Einen Monat später als ursprünglich erwartet wird der Apple-Produktionspartner Foxconn Ende Februar 2011 mit der Auslieferung des iPad 2 beginnen, zitiert der Online-Newsservice 'Digitimes' wie sooft nicht namentlich genannte Komponentenhersteller in Taiwan. Demnach soll sich die erste Charge auf 400'000 bis 600'000 Geräte belaufen. Der Starttermin verzögert sich offenbar, weil die Firmware für das neue iPad noch nicht ausreichend getestet wurde. Foxconn selbst enthält sich mit Rücksicht auf seine Kunden jeglichen Kommentars. Da die neue Fabrik in Chengdu, Hauptstadt der Tibet vorgelagerten Provinz Sichuan, bis dahin noch nicht fertig ist, werden die ersten 2er-Modelle noch in Shenzhen, nahe Hongkong, gefertigt.
Noch wird über die Features des iPad 2 lediglich spekuliert, aber wesentliche Vorteile gegenüber dem Vorgänger sollen ein dem iPhone ähnliches Retina-Display und eine USB-Schnittstelle sein, womit Apple vielleicht auch auf Kritik von Anwendern und Mitbewerbern gehört hat. Letztere werden zwar immer mehr, wenn auch die grossen Notebook-Brands in den Markt für Tablet-PCs einsteigen, dürften aber auch ins Zittern kommen, wenn das iPad 2 hält, was es verspricht.
Mit dem aktuellen iPad dominiert Apple den Markt bereits. In den ersten neun Monaten des Jahres hat die Mac-Company davon weltweit schon rund 7,5 Millionen Stück verkauft, davon 4,19 Millionen allein im dritten Quartal 2010. Die Schätzungen für das Gesamtjahr 2010 reichen von 14,49 bis 14,99 Millionen Stück. Hat Foxconn im zweiten Quartal 2010 noch punktgenau 3,3 Millionen iPads geliefert und damit genauso viele wie Apple auf dem Weltmarkt verkaufen konnte, ergab sich im dritten Quartal bei 6 Millionen Lieferungen schon ein Überhang von über 1,8 Millionen iPads, die Apple nun versuchen muss, im vierten Quartal, besonders aber im Weihnachtsgeschäft loszuschlagen. Im vierten Quartal wird Foxconn den Komponentenherstellern zufolge voraussichtlich 6,5 bis 7,0 Millionen iPads ausliefern und Apple 7,0 bis 7,5 Millionen Stück absetzen. Das die Planziele realistisch sind, wird kaum bezweifelt, da der Verkaufsstart des iPad in Südkorea und Lateinamerika erst begonnen hat und die Nachfrage in westlichen Industrieländern ungebrochen ist.
Für das Nachweihnachtsgeschäft im Januar 2011 rechnen die Zulieferer immer noch mit 1,6 bis 1,8 Millionen iPad-Bestellungen, im Februar sollen diese aber deutlich heruntergefahren werden, um die Lager im März unter anderem für das iPad 2 freizubekommen.
Im dritten Quartal 2010 haben verschiedene Marktforscher, darunter auch Gartner, deutliche Zeichen gesehen, dass das iPad und andere Tablet-PCs den Netbook-Markt beeinträchtigen. Apple-Chef Steve Jobs sieht die Mini-Notes nach einem zweijährigen Boom sogar schon vor dem Aussterben. Davon sind diese zwar noch weit entfernt, aber laut Industriebeobachter DisplaySearch hat sich der „iPad-Effekt“, sprich eine Kannibalisierung des Netbook- und Notebook-Marktes durch Tablet-PCs in jüngster Zeit verstärkt. Im dritten Quartal hat sich Apple unter anderem dank des iPad im Weltmarkt für mobile Rechner an Dell vorbeigeschmuggelt und hinter HP und Acer schon Platz 3 gesichert. DisplaySearch-Vizepräsident Chris Connery führt den Erfolg des iPad auch darauf zurück, dass es zu wenige Konkurrenzprodukte gebe.
Als einziger hochentwickelter Markt, wo das iPad nicht gut ankomme, nennt der Experte für großformatige Displays Japan. Toshiba könnte insofern zumindest im Heimatland mit drei geplanten Tablet-PCs Erfolg haben. Dass das iPad ausgerechnet im sonst so technikverrückten Land der aufgehenden Sonne wenig eingeschlagen hat, liegt Connery zufolge daran, dass es in der Landessprache zu wenige Anwendungen und Inhalte gebe. Merkwürdig auch, dass der iPad-Bauer Foxconn zwar aus Taiwan stammt, das Gerät von Hause aus aber keine dort üblichen traditionellen chinesischen Schriftzeichen beherrscht. Wie verschiedene Medien im Oktober 2010 sich amüsierten, ist das iPad daher, auf "Silicon Island", wie Taiwan sich gerne nennt, so gut wie nicht erhältlich.
Sprachcode-Barriere
Die chinesischen Inselbewohner tun sich zwar teilweise schwer, die von den Kommunisten in China unter Mao Zedong (Mao Tse-tung) zur Ausmerzung der hohen Analphabetenrate eingeführten Kurzzeichen zu lesen. Das eigentliche Problem sind aber unterschiedliche Zeichencodes. In der Volksrepublik China gilt der GB-Code (Guojia Biaozhun oder National Standard), in Taiwan, offiziell Republik China, sowie in Hongkong und Macao, beide seit Ende der 190er Jahre wieder Teil Chinas, ist es der Big5-Code. Ersterer bietet in der meist gebräuchlichen GB2312-Variante 6.763 chinesische Zeichen plus einige hundert Sonderzeichen, letzterer üblicherweise über 13'000 chinesischen Zeichen. Beide Codes sind nicht miteinander kompatibel, öffnet man eine Textdatei mit dem falschen, erscheint ein nicht lesbarer Wust von chinesischen und ANSI-Zeichen. Als Lösung des Problems wurde die Vereinheitlich unter Unicode gesehen. Doch schon bei Entwurf der ersten Erweiterung B der "CJK-Ideogramme" mit Platz für 216 (65'536) Zeichen (darunter Lang- und Kurzzeichen, Japanisch, Koreanisch und Vietnamesisch) gab es Krach, unter anderem weil bestimmte veraltete Zeichen nicht berücksichtigt wurden, andere redundant waren. Die meisten Unicode-Fonts für Chinesisch nehmen etwas mehr als 20'000 chinesische und andere Zeichen auf. Aber bis Unicode sich als Standard in Fernost durchsetzt, werden wohl noch viele Jahre vergehen. (Klaus Hauptfleisch)