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Goepfert und Zero - Licht als Vision
Im Rahmen der Cologne Fine Art & Antiques zeigt die Kölner Galerie Dierk Dierking in Kooperation mit dem Goepfert Nachlass eine Präsentation des ZERO-Künstlers Hermann Goepfert (1926 bis 1982). Das Œuvre des früh verstorbenen Goepfert zeichnet sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Phänomenen Licht und Bewegung aus. Der 1926 in Bad Nauheim geborenen Goepfert gilt als wichtiger Vertreter der ZERO-Bewegung, der vor allem in Frankfurt tätig war. Internationale Künstler kamen in den 1960er-Jahren an den Main, um mit Goepfert Ideen auszutauschen und um mit ihm gemeinsam zu arbeiten. Zu Goepferts Künstlerfreunden und Kooperationspartnern zählten unter anderen Lucio Fontana, Piero Manzoni und Jef Verheyen. Seit Beginn der 1960er-Jahre nahm Goepfert an wichtigen Schauen im ZERO-Umfeld teil, wie beispielsweise 1962 an der Ausstellung „NUL“ im Amsterdamer Stedelijk Museum. Im Zuge seines steigenden Bekanntheitsgrades wurde er 1964 zur documenta geladen. Sowohl in Kassel als auch in den folgenden internationalen ZERO-Ausstellungen präsentierte er seine „Aluminiumreflektoren“. Gemeinsam mit Jef Verheyen und Lucio Fontana stellte Goepfert 1965 in Berlin und Frankfurt aus. Teil der Präsentationen war auch die zuvor entstandene Gemeinschaftsarbeit. Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit dem Architekten Johannes Peter Hölzinger die Planungsgemeinschaft für neue Formen der Umwelt und mietete er von 1966 bis 1968 ein kleines Zweitatelier in Antwerpen an. 1967 erhielt er eine Einzelausstellung im Palais des Beaux Arts in Brüssel. In seiner zu Lebzeiten bedeutendsten Soloschau zeigte Goepfert retrospektiv statische und kinetische Werke, die seit den „Weißbildern“ entstanden waren und die allein die Thematisierung des Lichts zum Ziel hatten. Ab 1971 zog er dauerhaft nach Antwerpen. In den 1970er-Jahren folgten Ausstellungen zu seinem integrativen Schaffen, wie 1970 „Architektonische Spekulationen“, Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen oder Ausstellungen im ZERO-Kontext wie 1974 „ZERO, Beispiele aus der Sammlung Lenz“, Städelmuseum Frankfurt oder 1979 „Zero, Bildvorstellungen einer europäischen Avantgarde 1958-1964, Kunsthaus Zürich. 1982 starb Goepfert überraschend in Antwerpen. Nach seinem frühen Tod bis heute werden seine Werke im ZERO-Kontext vorgestellt. Seine letzte institutionelle Einzelausstellung fand jedoch 1987 im Frankfurter Kunstverein mit dem Titel „Goepfert und Zero – Zero und Goepfert“ statt. Goepferts Werk zeichnet sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Phänomenen Licht, Bewegung und Raum aus. Seine Bilder wurden zu Operatoren zur Gestaltung des Lichts. Seine künstlerische Entwicklung war zunächst durch Reduktionsschritte getragen. Ende der 1950er-Jahre entleerte Goepfert seine Bilder regelrecht und schuf monochrom weiße Malereien. Zu Beginn der 1960er-Jahre begann er mit Metallen zu experimentieren, die aufgrund ihrer glatten Oberfläche Licht stärker reflektieren. Goepfert setzte Aluminium zunächst partiell in monochromen Bildtafeln ein, dann begann er, experimentierfreudig Aluminium zu schneiden, zu dehnen, zu biegen und zu drehen. In der Intention, den Raum stärker einzubeziehen, ersetzte er Anfang der 1960er-Jahre auch die Leinwand durch Metall. Die große Werkgruppe der „Aluminiumreflektoren“ entstand nach 1962. Reflektierende Aluminiumformen wurden an durchsichtigen Nylonfäden mit beweglichen Metallfedern vor der metallischen Rückwand angebracht. So scheinen die Reflektoren vor dem Bildgrund zu schweben und auch im statischen Zustand optische Vibrationen aus einem Wechselspiel von materieller Form und immaterieller Lichterscheinung zu vermitteln. Reale Bewegungen wiederum können durch einen Richtungswechsel des Betrachters oder durch eine Bewegung im Raum ausgelöst werden. Die Aluminiumapparaturen beginnen dann zu zittern und die Lichtreflexionen zu flackern. Die Messepräsentation „Hermann Goepfert: Licht als Vision – Bilder und Werke aus den 1950er- bis 1970er Jahren“ auf der Cologne Fine Art & Antiques wurde von der Galerie Dierk Dierking initiiert und organisiert und ist eine der ersten Soloschauen zur Bedeutung des Künstlers. Insgesamt werden über zwölf Schlüsselwerke aus den Jahren 1957 bis 1973 gezeigt. Zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag ein Booklet über Hermann Goepfert in Deutsch und Englisch mit Beiträgen von Dr. Beate Kemfert. Die erste Monographie zu Hermann Goepfert soll 2012/13 im Hatje Cantz Verlag erscheinen, die ebenfalls von Dr. Beate Kemfert herausgegeben wird.