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Rund 15 Monate nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia haben die ersten Voranhörungen begonnen. Die Richter im toskanischen Grosseto sollen entscheiden, ob es einen Prozess gegen Kapitän Francesco Schettino und fünf weitere Beschuldigte geben wird.
Die Staatsanwaltschaft hatte im Februar gefordert, ein Verfahren gegen Schettino sowie gegen zwei Offiziere, den indonesischen Steuermann, den Krisendirektor der Eignerfirma Costa Crociere und den Hotelmanager des Schiffes zu eröffnen.
Die Liste der Vorwürfe gegen sie ist lang - darunter fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und das Verlassen des Schiffes. Bis Juli wurden bereits Anhörungstermine festgelegt.
Kapitän Schettino wird vorgeworfen, den 290-Meter-Koloss aus Leichtsinn zu nah an die Küste gesteuert und ihn dann verlassen zu haben, bevor die Passagiere gerettet werden konnten.
Der Kapitän kam am Montag gebräunt im blau-grauen Anzug zum Gericht und ging wortlos an den Journalisten vorbei. Schettino bestreitet, für das Unglück verantwortlich zu sein und beschuldigt den Steuermann sowie die Kreuzfahrtgesellschaft. "Er hatte Anweisungen gegeben, um das Schiff einen Kilometer von dem Felsen entfernt zu halten, es war ein Fehler des Steuermannes", sagte Schettinos Anwalt.
Forderungen in Millionenhöhe
Hunderte Opfer und Angehörige, die Insel-Gemeinde Giglio und die Gesellschaft Costa Crociere wollen in dem Prozess als Nebenkläger auftreten.
Die Insel Giglio verlangt 80 Millionen Euro für die Schäden, die der Gemeinde durch die Havarie entstanden sind. Ein Opfer-Anwalt kündigte an, 500'000 Euro Schadensersatz für jeden Betroffenen zu fordern. Viele der Überlebenden haben jedoch bereits ein pauschales Entschädigungsangebot der Reederei von etwa 11'000 Euro angenommen.
Gegen die Kreuzfahrtgesellschaft wird es kein Verfahren geben. Sie hatte sich vergangene Woche mit dem Gericht auf einen Vergleich geeinigt und damit ihre Mitschuld anerkannt, sich aber auch von einem möglichen Prozess freigekauft.
Sie muss eine Strafe von einer Million Euro für das Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter zahlen. Die Reederei will als Nebenklägerin Schadenersatz für den Verlust des Schiffes fordern.
Umfangreiche Ermittlungen
Die bisherigen Ermittlungen zu dem folgenschweren Unglück waren äusserst komplex. Fast 200 Personen wurden befragt und 50'000 Aktenseiten angehäuft.
Ein Ende der juristischen Aufarbeitung der Havarie ist noch nicht in Sicht: Bis das Gericht in Grosseto über die Anklage entscheidet, könnten Monate vergehen. Der Mammutprozess gegen Schettino und die weiteren Angeklagten würde dann im Herbst beginnen.
Die Costa Concordia war am 13. Januar 2012 vor der Küste der Insel Giglio auf einen Felsen gefahren, wurde aufgeschlitzt und kenterte. Von den mehr als 4200 Menschen an Bord starben 32. Zwei Opfer werden immer noch vermisst.
Das Wrack liegt noch immer vor der Küste von Giglio. Seit über einem Jahr bemüht sich eine US-Bergungsfirma, das Schiff wieder aufzurichten, um es zum Abwracken in einen Hafen zu bringen.
SDA-ATS