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Mutterkuhhaltung ist nicht das gleiche wie muttergebundene Kälberaufzucht
6. November 2020
Bei unserer Aufklärungsarbeit hören wir immer wieder «aber ich sehe doch überall Kühe mit ihren Kälbern» oder «Dieses System ist doch bereits etabliert. Ich kenne viele Betriebe, welche das machen». Was die meisten Leute dabei nicht wissen, ist, dass diese Mutterkuhherden, welche auch ab und zu in den Schlagzeilen sind, ausschliesslich für die Fleischproduktion gehalten werden. Die Kälber bleiben dort, wie auch in der muttergebundenen Kälberaufzucht (MuKa), bei der Mutter und dürfen direkt von ihrem Euter trinken. Der Unterschied liegt aber darin, dass die Mutterkühe dabei nicht gemolken werden. Es sind meist Fleischrassen, welche darauf gezüchtet wurden, dass sie schnell und viel Fleisch ansetzen, aber nicht mehr Milch produzieren als ihr Kälbchen benötigt. In der muttergebundenen Kälberaufzucht hingegen werden die Kühe weiterhin gemolken, auch wenn das Kalb ebenfalls vom Euter trinkt. Die Milchkühe sind darauf gezüchtet worden, dass sie viel mehr Milch geben, als ein Kalb trinkt. Tatsächlich trinkt ein Kalb zwar mehr, wenn es saugen darf, als wenn es eine abgemessene Menge aus einem Eimer erhält. Es bleibt aber immer noch eine grosse Restmenge zurück, welche der Betrieb verkaufen kann. Bei einem angemessenen Preis, welcher den Minderertrag ausgleicht, ist die muttergebundene Kälberaufzucht, auch Mutter-Kalb-Haltung genannt, also kein Verlustgeschäft. Diesen Aufpreis für mehr Tierwohl sind die Konsumenten unserer Erfahrung nach gerne bereit zu bezahlen.
In der Fleischproduktion hat sich die Mutterkuhhaltung bereits seit einigen Jahren etabliert. In der Milchproduktion ist die muttergebundenen Kälberaufzucht jedoch noch wenig verbreitet (die uns bekannten Betriebe findest du auf www.mu-ka.ch). Es ist also anzunehmen, dass die meisten Kühe mit Kälbern, welche Du auf einer Weide siehst, Mutterkuhherden sind.
In der Mutterkuhhaltung bleiben die Kälber bei der Mutter und dürfen von ihrem Euter trinken. Diese gibt nicht mehr Milch als ihr Kalb benötigt und wird deswegen nicht gemolken.
In der muttergebundenen Kälberaufzucht dürfen Kälber ebenfalls bei der Mutter saugen. Durch die Züchtung auf mehr Milchleistung gibt es danach immer noch genügend Milch im Euter, um die Milchkuh zu melken und ihre Milch zu verkaufen.
Wir sind überzeugt davon, dass sich die Kälberaufzucht bei der Mutter auch in der Milchproduktion verbreiten wird. Es gibt zahlreiche KonsumentInnen, welche bereit sind, den Mehrpreis für die höheren Produktionskosten der muttergebundenen Kälberaufzucht zu bezahlen. Zudem schätzen die BäuerInnen die Vorteile der MuKa-Haltung, wie beispielsweise die verbesserte Kälbergesundheit.
Mit der Unterstützung der Haldimann-Stiftung fördert unser Verein Cowpassion die muttergebundene Kälberaufzucht mit den Webplattformen www.cowpassion.ch und www.mu-ka.ch, sowie ab 2021 einer MuKa-Fachstelle zur Unterstützung der Praxis.
Auch Du kannst die muttergebundene Kälberaufzucht fördern, indem du MuKa-Produkte kaufst und deiner Familie und Freunden davon erzählst. Je mehr die Nachfrage steigt, desto mehr Betriebe können von den Vorteilen der muttergebundenen Kälberaufzucht überzeugt werden.