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Wer heute über den Münsterhof schlendert und hier die Sonnenstrahlen geniesst, weiss meist nicht, wie bewegt die Geschichte des Platzes ist. Dutzende Zürcher*innen mussten auf dem Platz schon ihr Leben lassen. Ein Blick in die Vergangenheit des Münsterhofs: von der Zürcher Mordnacht über einen Putschversuch bis hin zu einem katastrophal gebauten Rokokobrunnen.
Heute spannen die Zürcher*innen auf dem Münsterhof in einem der vielen Cafés und Restaurants aus. Bis ins Frühmittelalter war hier jedoch ein miefendes Sumpfgebiet. Erst im Laufe des 9. Jahrhunderts wurde das Gebiet nach und nach aufgeschüttet und trockengelegt. Und weil man im Jahr 853 das Fraumünster baute, erhielt der Platz mit der Zeit einen neuen Namen und eine neue Funktion: Ein Teil des Münsterhofs diente von nun den Zürcher*innen als Friedhof.
Endgültig Eingang in die Zürcher Geschichte fand der Münsterhof dann im Jahr 1350: In der Nacht vom 23. auf den 24. Februar tobten hier erbitterte Strassenkämpfe. Diese waren so brutal, dass die Nacht heute als die «Mordnacht von Zürich» in den Geschichtsbüchern steht. Sie war der Höhepunkt eines kriegerischen Konflikts, der bereits 15 Jahre andauerte.
In der «Mordnacht» starben hier 50 Männer.
In der Fehde kämpften auf der einen Seite ehemalige Zürcher Ratsmitglieder, die aus der Limmatstadt verbannt worden waren. Unterstützt wurden sie von Rapperswil, das ihnen Exil gewährt hatte und damals unter habsburgischer Herrschaft stand. Auf der gegnerischen Seite waren die Stadt Zürich und mehrere verbündete Adelsgeschlechter. Der Überlieferung nach kamen in der «Mordnacht» 50 Männer ums Leben. Viele wurden auch gefangen genommen und in den Folgetagen hingerichtet. Auch in anderen Schweizer Städten gab es ähnliche Konflikte.
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Nach der Reformation Mitte des 16. Jahrhunderts und mit dem Ende der klösterlichen Macht verlor das Fraumünster und somit auch der Münsterhof an Bedeutung und Glanz. Für eine Zeit lang stand auf dem Platz ein Vieh- und Schweinemarkt. Entlang der Mauern des Fraumünsters boten Krämer*innen und Händler*innen ihre Waren zum Verkauf an. Der Münsterhof verkam immer mehr.
Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde der Platz zum ersten Mal gepflastert und aufgewertet. 1766 wurde ein Brunnen auf dem Münsterhof errichtet. Der prachtvolle und sündhaft teure Brunnen zeigte eine bunte Meereswelt mit Fischen und filigranen Wasserspielen. Ganz oben auf dem Brunnen thronte der Meeresgott Neptun.
Der teure Brunnen wurde zum Gespött.
Das Problem war, dass die Wasserleitungen vom Uetliberg zu wenig Druck hatten. Deshalb erreichte den teuren Brunnen zu wenig Wasser. In Anlehnung an das bautechnische Fiasko schrieb der deutsche Dichter Christof Martin Wieland deshalb spöttisch: «Als alles fertig war, fand ich, dass kaum Wasser genug da war, um die Nase eines einzigen Delphins zu befeuchten, und als man das Werk spielen liess, sah es nicht anders aus, als ob all diese Seepferde und Delphine den Schnupfen hätten.»
Der enttäuschende Brunnen wurde deshalb bereits 1811 wieder abgerissen. Interessant ist jedoch, dass drei der vier Wasserschalen, aus denen der pompöse Rokokobrunnen ursprünglich bestand, heute noch genutzt werden: Sie sind Teil des Brunnens auf der Stüssihofstatt im Niederdorf.
Über den Münsterhof führte eine Tramlinie.
1839 ereignete sich auf dem Münsterhof ein weiteres geschichtliches Ereignis: der «Züriputsch». Hier gipfelten die Kämpfe zwischen unzufriedener Landbevölkerung und den Truppen der Regierung. Insgesamt kamen bei der Revolte auf dem Münsterhof mindestens 14 Putschisten ums Leben.
Im 19. Jahrhundert entschied die Stadtverwaltung dann, dass der Münsterhof zu einer wichtigen Verkehrsachse Zürichs werden sollte. Hierfür wurden die seit dem 13. Jahrhundert bestehende Friedhofsmauer und die daran angebauten Marktbuden abgetragen. Was viele heute nicht mehr wissen: Um 1900 führte kurzzeitig sogar eine Tramlinie – damals noch von Pferden gezogen – vom Paradeplatz über den Münsterhof am Fraumünster vorbei und über die Münsterbrücke. Anfang des 20. Jahrhunderts fuhren auch erstmals Autos auf dieser Strecke.
Kurz darauf entschied die Stadtverwaltung, die Tramlinie über den Münsterhof zu verschieben; sie wurde durch die neu eröffnete Linie über die Quaibrücke ersetzt. Der Münsterhof wurde zu einem lauten Parkplatz.
Da dies die Einwohnern*innen jedoch immer mehr störte, entschied man sich, den Münsterhof neu zu gestalten. Frei von Autos und Lärm sollte er ein belebter Stadtplatz werden. Seit April 2016 hat der Platz nun eine neue Pflästerung und ist Ruheort für Fussgänger*innen. Und auch ein Brunnen steht seither wieder auf dem Münsterhof. Anders als sein Vorgänger ist der neue Brunnen schlicht und nicht pompös. Und anders als sein Vorgänger führt er heute genügend Wasser.
Doch nicht nur das. Neben dem grossen Hauptbecken des neuen Brunnens gibt es auch eine kleine, weitere Schale. Hier haben die Architekten des Brunnens eine Vorrichtung eingebaut, mit welcher man nicht nur Wasser, sondern auch andere Getränke ausschenken kann: Beim jährlichen Sechseläuten fliesst aus dem Brunnen Weisswein.