Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03467.jsonl.gz/638

Kunst oder Pornografie?
In der Edo-Zeit (1603 bis 1868) nannte man sie «Kopfkissen-Bilder» (makura-e) oder «Bilder zum Lachen» (warai-e). Die Rede ist von japanischen Ukyio-e-Farbholzschnitten, die sexuelle Handlungen und Fantasien wiedergaben, in Form von Einzelbildern, Bilderbüchern oder Handrollen. Der Handel mit den Bildern wurden, wenn auch ab 1720 offiziell verboten, von der Regierung geduldet.
August 2020 – Dieser Blog kann ohne die Unterstützung der Leser nicht überleben. Mit einem freiwilligen Abo tragen Sie dazu bei, dass dieses tägliche Stück Japan auch nach 11 Jahren weiterexistiert – unabhängig, kostenlos und frei von Google-Werbungen. Herzlichen Dank! Ich bleibe täglich dran, bis diese Krise überstanden ist und darüber hinaus.
Das Geschäft mit den erotischen Bildern, deren Markenzeichen übergross dargestellte Genitalien sind, blühte. Praktisch jeder grosse Ukiyoe-Künstler nahm sich diesem klassenübergreifenden Genre an, mit dem sich gutes Geld verdienen liess.
Die Makura-e zelebrierten die Freuden des sexuellen Lebens und erlauben dem Betrachter der Gegenwart einen lebendigen Einblick in die Privatsphäre, Struktur und Fantasien der damaligen Gesellschaft. Nicht selten handelt es sich um zärtliche und humorvolle Werke.
Der Einfluss des Westens
Erst mit dem Beginn der Meiji-Zeit (1868 bis 1912), als sich Japan den Westen zuwandte und sich in wenigen Jahrzehnten modernisierte, kamen die «Kopfkissen-Bilder», die man nun «Shunga» (wortwörtlich «Frühlings»-Bilder) nannte, in Verruf. Gleichzeitig wurde die aufkommende Fotografie zu einer ernsthaften Konkurrenz.
Gegen Ende der Meiji-Zeit wurde Produktion und Vertrieb von «Shunga» endgültig verboten. Bis heute untersagt der 1907 formulierte Artikel 175 des japanischen Strafgesetzbuches den Vertrieb von «Obszönitäten».
Genitalien und Schamhaare werden als Folge dessen in japanischen Erotikfilmen konsequent mit einem Mosaikmuster verpixelt. Die Mangabranche zeigt sich derweil besonders kreativ, wenn es darum geht, sexuelle Inhalte «gesetzeskonform» wiederzugeben. Die Grauzone ist entsprechend gross, die Anwendung des Gesetzes ist oft widersprüchlich und zufällig. Doch stets droht der Eingriff durch den Staat.
Ein Tabu-Thema
Shunga ist in Japan ein Tabu geblieben. Viele sehen darin mehr Pornografie als Kunst. Doch allmählich ändert sich auch diese Ansicht. In den 90er-Jahren kam in Japan erstmals eine unzensierte Shunga-Publikation ganz legal in den Handel.
Trotzdem sind die Vorbehalte geblieben. Als es kürzich darum ging, die erfolgreiche Shunga-Ausstellung «Sex and Pleasure in Japanese Art» des British Museum in London nach Japan zu bringen, wiesen gleich zehn Institutionen in Tokio eine Anfrage zurück. Erst das Eisei-Bunko-Museum sagte schliesslich zu, wie die Sankei Shimbun berichtet.
Und so erhält nun Japan seine erste grosse Shunga-Ausstellung überhaupt. Vom 19. September bis 23. Dezember werden rund 70 Bilder ausgestellt. Darunter werden Werke von so herausragenden Künstlern wie Hokusai, Utamaro, Kiyonaga oder Kunisada gezeigt.
Doch auch im Eisei-Bunko-Museum wird es noch eine Einschränkung geben. Die Ausstellung wird nur für Personen über 18 Jahre zugänglich sein. In London war man diesbezüglich lockerer. Dort wurde grundsätzlich jedem der Zugang gewährt. Für die unter 16-Jährigen gab es lediglich die Auflage, in Begleitung eines Erwachsenen zu sein.
Folgen Sie Jan Knüsel und Asienspiegel auf YouTube, Instagram und Facebook:
LIEBE LESERIN, LIEBER LESER
August 2020 – Ich schreibe diesen Blog seit 2009. Die über 4000 Artikel, Tipps, Filme und Inspirationen waren stets kostenlos zugänglich. Durch die Coronakrise ist mein Geschäft jedoch zum Erliegen gekommen. Meine Einnahmen aus Vorträgen, Reiseberatungen und Reisebüchern, die diesen Blog vollständig getragen haben, sind weggebrochen. Eine Erholung ist 2020 nicht in Sicht. Kein Erdbeben, Taifun oder Tsunami hat dies bislang geschafft.
Freiwilliges Abo
Aufgeben werde ich nicht. Ich bleibe täglich dran, bis diese Krise überstanden ist und darüber hinaus. Doch hierfür brauche ich Ihre Hilfe. Rund 15 Prozent der Leser unterstützen inzwischen diese Arbeit freiwillig und nachhaltig. Diesen Menschen, die die Zukunft dieses Blogs sichern, bin ich zu grossem Dank verpflichtet. Mit einem freiwilligen Abo tragen auch Sie dazu bei, dass dieses tägliche Stück nach 11 Jahren weiterexistiert – unabhängig, kostenlos und frei von Google-Werbebannern. Herzlichen Dank!
- Zahlungsmittel: Master, Visa, PayPal, Apple Pay, Google Pay
- Für TWINT bitte via Asienspiegel Shop bezahlen
- Banküberweisung / Einzahlungsschein hier klicken