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Kirchturmchronik von Jenins
Weinjahre 1913 bis 1800
Sie stellt das Leben und das Schicksal der dörflichen Weinkultur von Jenins dar, aber im weiteren Sinne hat sie auch Geltung für die ganze Bündner Herrschaft, vor allem für die Nachbardörfer von Jenins. Ihren Name erhielt sie, weil sie anlässlich der Turmkuppenrenovationen in den Jahren 1879 und 1920 im Turmkopf vorgefunden wurde.
Die besten Weinjahre im vergangenen Jahrhundert, so erzählt uns die Chronik, sollen 1804, 1819, 1828, 1834 und 1839 gewesen sein. In den Jahren 1832 - 1842: vorzüglicher Weinertrag. Aber auch von Fehljahren blieb die Bündner Herrschaft nicht verschont. So zum Beispiel im Jahre 1805, damals vernichtete der Herbstfrost die gesamte Ernte. Aber auch in den Jahren 1813, 1814, 1815 und 1816 und vor allem im Jahre 1830, in dem der Bodensee gefror (Seegfrörni) wütete der Frost. Dazu kam, dass in diesen Jahren der falsche Mehltau auftrat und man bis zu diesem Zeitpunkt noch kein wirksames Gegenmittel gefunden hatte. Ein ganz besonderes Jahr war das Jahr 1851. Schon im Dezember 1850 wurden gewaltige Stürme und Erdbeben vermerkt. Auch im Januar 1851 traten Stürme und Erdbeben auf. Darauf folgten im April die heissesten Tage des Jahres und das Reblaub schoss. Im August fielen ungeheure Regenmengen und sie brachten sogar eine grosse Gefahr für Jenins und Malans. Im Oktober wehte ein starker heisser Föhn, dem dann ein gewaltiger Nordsturm folgte. Am 31. Oktober lag Schnee (2 Fuss hoch), und die Schneemassen brachen die voll Trauben hängenden Rebschosse ab. Dann trat bis Neujahr eine anhaltende Kälte von -4 bis -12°C ein. Im November bis Dezember dann fand die Weinernte statt. Unter dem Schnee fand man schöne, frische, allerdings hart gefrorene Trauben. Während die noch an den Stöcken hängenden Trauben durch die Kälte wie gefault waren. Die Törkel mussten soweit möglich mit Öfen geheizt werden, damit überhaupt eine Gärung zustande kam oder aber man nahm Eimer mit Most in die Stube und gab diese dann dem übrigen Most bei. Im Sommer 1852 fand eine nochmalige Gärung statt, nachdem man den Wein, jetzt Trester von 1852 erfrischt hatte. Dieser Wein war sogar recht schmackhaft. Er erzielte Preise von 4 - 5 Franken das Viertel. Derjenige von 1852 gar bis 7 Franken das Viertel. Dies vor allem weil die Traubenernte im Veltlin durch eine Traubenkrankheit fast vollständig ausgefallen war. Die Chronik besagt dann: «Die Traubenmenge im Jahre 1851 war ungeheuer gross, doch hat uns das Naturereignis wohl den vierten Theil des Weinquantums entzogen.» Im Jahr 1859 erntete man ein mittleres Quantum an Trauben, jedoch hatte der Wein eine ausgezeichnete Qualität, die man seit 1811 nicht mehr erreicht hatte. Dies hatte hohe Preise zur Folge und dies wiederum ermöglichte die Anlegung vieler neuer Rebberge. Über das Jahr 1846 besagt die Chronik im Folgenden, es sei ein vollständiges Fehljahr gewesen. Im Jahr 1866 erntete man zwar das grösste Quantum seit 1835, jedoch war der Wein nicht gerade von hoher Qualität, ausserdem schwefelte man damals zum ersten Mal die Reben als billiges Mittel gegen die Traubenkrankheit. Aus diesem Grunde führte man vermehrt Wein aus dem Veltlin, mit dem man schon vorher enge Verbindungen pflegte, und Südfrankreich ein. So wurde die Nachfrage nach hiesigem Wein noch schwächer, als ein Fallen der Preise und wie die Chronik besagt «Das anfangs der 60er Jahre aufgetretene Auswanderungsfieber nach America» beschleunigt wurde. Im Jahr 1874, einem besonders guten Weinjahr, wurde das Schwefeln für obligatorisch erklärt. Durch seine ausserordentlich hohe Qualität genoss der Wein wieder einen hervorragenden Ruf, und der Absatz war dementsprechend gross. Dies hatte wiederum ein Steigen der Preise zur Folge sowie ein allmähliches Steigen der Güterpreise. So steht denn in der Chronik am Ende des Artikels über 1847 «Vivat 1874». Im Jahr 1880, nach dem kältesten Winter seit 50 Jahren und einem heftigen Frost im Mai, konnte nur eine geringe Menge Trauben geerntet werden. Zudem hatte der Wein wenig Geist. Er musste als Sauser verkauft werden und erzielte 60 Rappen pro Liter. Das Jahr 1900 war ein absolutes Rekordjahr. Es konnten damals 350 - 400 Liter per Mannschnitz, das sind, wie wir von einem Winzer erfuhren 441 m2, das entspricht der Arbeit für einen Tag, geerntet werden. Ab 1901 folgen einige glückliche Erntejahre, das Jahr 1910 war jedoch ein Unglücksjahr (Überschwemmungen, Verwüstungen, Fehlernte, Rüfen). Im Jahr 1911 war ein trockener Sommer, man erreichte eine ausgezeichnete Qualität, jedoch liess das Quantum zu wünschen übrig. 1913 hingegen war wieder ein Unglücksjahr, durch Frost war der Ertrag beinahe Null. In manchen Weingärten konnte man den Ertrag des ganzen Jahres in einem Korb nach Haus tragen.