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Während der Militärdiktatur (1964–1985) wurden in Mato Grosso do Sul Familien der Guaraní Kaiowá von ihrem angestammten Land vertrieben und in Reservate umgesiedelt. Damit wurde ihnen ihre Lebensgrundlage entzogen und sie sind Diskriminierung sowie Gewalt ausgesetzt. Unterernährung, weit verbreiteter Alkoholkonsum und eine hohe Suizidrate sind Abbild ihrer schwierigen Lage. Selbst in Gebieten, wo Guaraní-Familien ihr Land zurückgewinnen konnten, herrscht grosse Ernährungsunsicherheit. Diese ist unter anderem auf die Verarmung der Böden infolge der starken Ausbeutung des Gebiets durch die Agrar- und Viehzuchtindustrie zurückzuführen. Um nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis bei der Verteilung von Grundnahrungsmitteln durch die Regierung zu geraten, versuchen die Guaraní Kaiowá, ihre traditionelle Landnutzung und Lebensmittelproduktion wie auch Bräuche und Kultur wiederzubeleben.
Begünstigte:
Das Projekt unterstützt 3 000 besonders verletzliche Personen in Gemeinschaften der Guaraní Kaiowá.
Ziele:
Das Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Ernährungsunsicherheit in den Gebieten der Guaraní Kaiowá, indem eine autonome und nachhaltige Produktion von agrarökologischen Nahrungsmitteln angestrebt wird.
Einerseits sollen die traditionelle landwirtschaftliche Produktion wiederbelebt und diversifiziert und andererseits gemeinschaftliche Organisationsformen gestärkt werden.
Aktivitäten:
Im Rahmen des Projektes sollen mindestens 30 sogenannte Ethnogärten entstehen, in welchen agroökologische Anbaumethoden zur Anwendung kommen. Dafür wird in einem ersten Schritt zusammen mit Guaraní-Familien ermittelt, welche traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken wiederbelebt werden können. Für den Betrieb der Gärten ist danach ein in der Gemeinschaft und der «Ati Guasu», der Versammlung der Grossen Guaraní Kaiowá, verankertes Arbeitskomitee zuständig. Indigene Führungspersonen, Älteste und Heiler:innen übernehmen dabei die Rolle der Multiplikator:innen und werden in Analyse, Umsetzung und Pflege eingebunden. Auch junge Gemeinschaftsmitglieder werden mittels Jugendtreffen in die Prozesse miteinbezogen. Die brasilianische Partnerorganisation begleitet die lokale Gemeinschaft in Rahmen von regelmässigen Treffen, Schulungen und mit Hilfe von didaktischen Materialien zu agroökologischer Nahrungsmittelproduktion bei der Errichtung und Pflege der Ethnogärten.
Ein wichtiger Pfeiler des Projektes stellen der Schutz sowie die Vergrösserung von Vielfalt und Menge von traditionellem Saatgut dar. Zur Stärkung der Biodiversität tauschen die beteiligten Gemeinschaften deshalb einmal jährlich ihr Saatgut untereinander aus. Mindestens fünf neue Saatguthäuser sollen die sichere Aufbewahrung von Samen gewährleisten.