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Die Glutz sind ein Solothurner Patriziergeschlecht. Mit dem Kauf der Herrrschaft Blotzheim im Sundgau (1681) nennen sie sich Glutz von Blotzheim. Der nicht datierbare Adelstitel wird 1686 durch den Louis XIV bestätigt. Als Sohn des Ratsherrn und späteren Bürgermeisters Johann Benedikt Glutz und der Maria Susanna Brunner wird Urs Glutz am 9. August 1665 geboren. Drei seiner Brüder sind ebenfalls geistlichen Standes, einer wird 1719–1745 Abt der Benediktinerabtei Mariastein. Er legt 1682 in St. Urban Profess ab und nimmt den Klosternamen Malachias an. 1689 wird er zum Priester geweiht. Seine Wahl zum Abt erfolgt am 9. August 1706, an seinem 41. Geburtstag. Er ist der Schöpfer der barocken Klosteranlage von St. Urban. 1711 beauftragt er Franz Beer II mit dem Neubau der Kirche und 1722 mit dem Neubau der Klosteranlage. In seiner Amtszeit werden Ost- und Südflügel bezogen, die gesamte Anlage ist 1733 fertiggestellt. Noch während des Kirchenbaus bricht der Zweite Villmergerkrieg aus, der die Herrschaft der katholischen Orte in der Eidgenossenschaft beendet. Abt und Konvent fliehen vorübergehend, die Kirche kann aber trotzdem 1717 geweiht werden. Ihre Doppelturmfassade zeigt eine fassadenlange, vergoldete Inschrift des selbstbewussten Barockprälaten: «AEDIFICAVIT AD HONOREM DOM. REV. ET AMP. D.D. MALACHIAS ABBAS AO: MDCCXV» (Errichtet zu Ehren des Herrn, der hochwürdige und erlauchte Herr Abt Malachias im Jahre 1715). Mit ihm festigen sich in St. Urban die Vorherrschaft des Patriziats und die Entfremdung des Klosters zur Landbevölkerung. 1720 wird Abt Malachias Glutz zum Generalvikar der schweizerisch-elsässischen Zisterzienserprovinz gewählt. Er stirbt am 24. April 1726 mit 63 Jahren.
Im Äbtezyklus, der sich heute im Zisterzienserinnenkloster Eschenbach[1] befindet, ist auch ein nicht besonders gut erhaltenes Porträt des Abtes Malachius zu finden. Es dürfte das Ovalbild von Jacob Carl Stauder über dem Bibliothekseingang aus dem Jahre 1718 zum Vorbild haben. Die etwas unbeholfene oder stark übermalte Kopie zeigt den Abt im Lehnstuhl, das Gesicht dem Betrachter zugewandt. Er trägt die zisterziensische Ordenstracht. Mit der Rechten fasst er das Pektorale, mit der Linken zeigt er auf das aufgeschlagene Evangelium mit dem Brief an die Galater, Kapitel 6.[2] Im Hintergrund ist die neue Klosterkirche sichtbar, darüber schwebt das Wappen des Abtes, in Gold drei schwarze, in Form eines Dreizacksterns zusammengezogene Kreuze. Mit dem Wappen wird in St. Urban ein eigentlicher Kult getrieben, sicher mit Billigung des Abtes. Am eindrücklichsten ist es an der Orgel ablesbar, wo im Oberwerk das Wappen durch das Pfeifenregister «Echo im Gesicht» gebildet wird.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Hörsch, Waltraud: Glutz, Malachias, im HLS.
Limacher, Wolfram in: Helvetia Sacra, Abteilung III, Band 3/1, Seite 419, Bern 1982.
Anmerkungen:
[1] Der Äbtezyklus der Äbte von St. Urban wird 1848, kennzeichnend für die Zeit, als völlig wertlos betrachtet und ist nur erhalten, weil eine Privatperson die 13 Äbtebildnisse, ehemals im Refektorium von St. Urban, als Erinnerung an die ehemaligen Vateräbte dem Zisterzienserinnenkloster Eschenbach bei Luzern schenkt.
[2] «mihi autem absit gloriari nisi in cruce Domini nostri Iesu Christi»
|Malachias Glutz (1665–1726), Abt 1706–1726 in St. Urban|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|9. August 1665||Solothurn CH||Eidgenössischer Stand Solothurn|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Zisterzienserabtei St. Urban||1706–1726|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|24. April 1726||St. Urban CH||Eidgenössischer Stand Luzern|
|Kurzbiografie|

Die Äbte der Zisterzienserabtei St. Urban stammen meist aus führenden Familien der Stadtstaaten Solothurn oder Luzern. Die Familie des Abtes Malachias Glutz in Solothurn stellt mehrere Äbte in Mariastein und St. Urban. Sie ist, wie die meisten Patrizierfamilien der Ambassadorenstadt, stark zum französischen Hof orientiert. Abt Malachius Glutz ist Bauherr der grossen barocken Klosteranlage von St. Urban. Bald nach seiner Wahl befasst er sich mit der Planung und zieht für das Bauvorhaben den bekannten und um diese Zeit in Bellelay tätigen Franz Beer bei. Schon 1717 wird die neue Kirche geweiht. 1726 sterben Bauabt und Baumeister, ihr Werk ist um diese Zeit zu grossen Teilen vollendet.
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