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Seltsamer Garten, 1923,160
Pflanzenwachstum, 1921,193
In diesem Ölgemälde spitzte Klee die strukturierte Schematisierung natürlicher Vorgänge zu und setzte seine Naturbeobachtungen rein geometrisch um. Rechtecke, Dreiecke, Kreise und Kreissegmente symbolisieren durch ihre gestaffelte Darstellung und die für diese Phase typischen Farbabstufungen Wachstum und die Vorstellung einer aufstrebenden Energie.
Natur
Klee beschäftigte sich schon sehr früh mit der Natur, mit ihren Wachstumsabläufen und Strukturen. Er besass eine Naturaliensammlung unterschiedlichster Pflanzen und Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Moose, Gräser, Samen, Algen und Flechten), Kleintiere wie Schmetterlinge oder Seeigel und auch Steine. Er nutzte diese mit wissenschaftlichem Interesse als Formensammlung.
Mit dem Versuch, die Geheimnisse der Natur zu ergründen, erstrebte Klee eine Neuschaffung, eine Analogie zwischen der Schöpfung und dem künstlerisch schöpferischen Akt, in der seiner Ansicht nach Natur und Schöpfung den gleichen Gesetzten unterlag.
1920 schrieb er in seiner Schöpferischen Konfession: «Kunst verhält sich zur Schöpfung gleichnisartig. Sie ist jeweils ein Beispiel, ähnlich wie das Irdische ein kosmisches Beispiel ist.»
In einer Rede zur Eröffnung einer Ausstellung moderner Kunst in Jena 1924 verglich Paul Klee den Künstler mit einem Baumstamm, der aus der Tiefe Kommendes sammelt und dann in die Baumkrone, dem Kunstwerk, weiterleitet. Klee trug vor: «Es wird niemand einfallen, vom Baum zu verlangen, dass er die Krone genau so bilde, wie die Wurzel. Jeder wird verstehn, dass kein exactes Spiegelverhältnis zwischen unten und oben sein kann. Es ist klar, dass die verschiedenen Funktionen in verschiedenen Elementarbereichen lebhafte Abweichungen zeitigen müssen.» Er plädierte damit zur Freiheit zur Kunst, die die Vorlagen der Natur «nicht im Sinne einer wissenschaftlichen Kontrollierbarkeit der Naturtreue» nachbilden müsse.
Klee wollte keine Kunstwerke schaffen, die nur durch das äussere Erscheinungsbild der Natur angeregt, sondern wie die Schöpfung selbst einem beseelenden Schöpfungsprozess von innen heraus entsprungen waren. Dieser wiederum bliebe in ihrem Inneren erhalten.
In seinem Tagebuch von 1914 notiete er: «Die Schöpfung lebt als Genesis unter der sichtbaren Oberfläche des Werkes.» Und in seinem Aufsatz Wege des Naturstudiums schrieb er 1923: «Die Zwiesprache mit der Natur bleibt für den Künstler conditio sine qua non».
Quellenangabe:
-Paul Klee – Leben und Werk, Herausgeber: Zentrum Paul Klee, Bern
-Vortrag Jena, 1924
-Das Universum Klee, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung, Neue Nationalgalerie, 31.10.2008 bis 8.2.2009