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Das Eis im Arktischen Ozean zieht sich extrem weit zurück. Anzeichen für den Klimawandel sind nicht mehr zu übersehen. Die Nord-Westpassage war erstmals 2007 seit Menschengedenken offen. Im 19.Jahrhundert noch waren mehrere Expeditionen im Eis zum Teil unter dramatischen Umständen auf der Suche nach einer freien Durchfahrt in den Pazifik gescheitert. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts gelang Roald Amundsen erstmalig der Durchbruch, allerdings musste seine Expedition dafür noch zweimal im Eis überwintern. Die nun sowohl vor den russischen als auch den kanadischen und US-amerikanischen Küsten freien Fahrwässer sind ein weiteres Indiz für den rasanten Klimawandel in der Arktis.
Noch früher als in der Kanadischen Arktis war Ende Juli die Nord-Ostpassage eisfrei. Die neuen Verhältnisse locken nun Reedereien die verkürzten Seewege zu nutzen. Anders als in der Nord-Westpassage, da fehlen technische Infrastrukturen und detaillierte Navigationskarten, findet auf der russischen Seite vermehrt Schiffsverkehr statt. Bereits eine ganze Reihe von Reedereien hat die Abkürzung vor Sibiriens Küste schon genutzt. Im vergangenen Jahr erstmals der nicht unter russischer Flagge fahrende Erzfrachter «MV Nordic Barents», welcher seine 41'000 Tonnen-Ladung von Kirkenes nach China durch die Nord-Ost Passage transportierte.
Die 280 Meter lange «Vladimir Tikhonov» ist der wohl eindrucksvollste Beleg dafür, was auf der Nordroute schon jetzt möglich ist. Der russische Supertanker startete am 20. August 2011 von Murmansk in Richtung Osten, beladen mit 120.000 Tonnen Gaskondensat für Südostasien. Der Gastanker dürfte die Nordost-Passage von Murmansk bis in die Beringstrasse in 8-9 Tagen schaffen. Bereits im Juli hatte der 228 Meter lange Tanker «STI Heritage» einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. Er rauschte in nur acht Tagen durch die Nord-Ostpassage. Bereits haben Japanische Reedereien den nördlichen Seeweg entdeckt. Mit der «Sanko Odyssey» der Reederei Sanko Line steht bereits der nächste Frachter mit 72 000 Tonnen Eisenerz für China für die Durchfahrt bereit. Ein gutes Geschäft für die russische Eisbrecher Flotte, aus Gründen der Sicherheit müssen die Frachter von Eisbrechern eskortiert werden.
Noch kann niemand genau sagen wir stark der Schiffsverkehr zunehmen wird. Während die Optimisten ein grosses Wachstum prophezeien, sprechen vorsichtige Stellen von einem kontrollierten Wachstum. So glaubt etwa Kristin Bartenstein von der Université de Laval in Kanada, dass die Erfolgsaussichten der Polarroute tendenziell überschätzt werden. Containerschiffe mit ihren strengen Fahrplänen würden die Strecken voraussichtlich eher nicht befahren, weil die Wetterbedingungen in der Arktis für Verzögerungen sorgen könnten. Zudem lohnt es sich nicht eisverstärkte Schiffe zu bauen und in den Wintermonaten können die nördlichen Seewege ohnehin nicht befahren werden. Dazu kommen die hohen Kosten für begleitende Eisbrecher.
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