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UBS dreht Alinghi den Geldhahn zu: Steht die Partnerschaft zwischen dem Team Alinghi und dem Hauptsponsor vor dem Aus?
Bild: Keystone
Das Institut WISO DR. SCHOCH + PARTNER hatte nach dem Sieg des Schweizer Herausforderers in den Segelregatten im Jahr 2003 vor der Küste von Neuseeland erstmals systematisch fundierte und objektive Daten über Wissen, Einstellungen und Meinungen in der Bevölkerung über Bekanntheitsgrad und Image der Alinghi-Sponsorfirmen erhoben. Vier Jahre später, im Juli 2007, realisierten wir nach den Rennen in Valencia um den America’s Cup, der ältesten Sporttrophäe der Welt, zum zweiten Mal eine solche Studie. Berichte über die Ergebnisse der WISO-Umfrage über Alinghi-Sponsoring erschienen im Marktforschungs-Jahrbuch 2008 des vsms Verband Schweizer Markt- und Sozialforscher. Darin findet sich der Beitrag von Rolf Schoch: Alinghi: "Weltmeister im Segeln?" Der Sieg der Schweizer Segeljacht Alinghi im Lichte einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, Seiten 78 81. Dieser Artikel kann hier gratis downgeloaded werden. Über diese Studie hatte die NZZ schon im Januar 2008 berichtet (siehe AKTUELL Januar 2008).
Nun also streicht gemäss Handelszeitung die UBS ihre Unterstützung für Ernesto Bertarellis Segelprojekt Alinghi bis auf weiteres aus ihrem Budget (Lukas Hässig & Claudia Gnehm, 22.12.2008, http://www.handelszeitung.ch/artikel/Unternehmen-UBS-hat-Zahlungen-an-Alinghi-auf-Eis-gelegt_460303.html). Grund sei ein ungelöster Rechtsstreit zwischen den beiden Millionären Ernesto Bertarelli, Besitzer von Alinghi, und Larry Ellison, dem die Informatikfirma Oracle gehört. Für die Eroberung der wichtigsten Trophäe im internationalen Segelsport im März 2003 in Auckland, für die Verteidigung des America’s-Cup-Titels im Sommer 2007 in Valencia sowie für andere Regatten habe die UBS bis heute total rund 48 Millionen Franken in das Alinghi-Sponsoring investiert. Nun müsse Alinghi, deren Besitzer Bertarelli seit Jahren zum UBS-Verwaltungsrat gehört, bis auf weiteres ohne Zuschüsse der Grossbank die Zukunft planen. Die UBS wolle erst wieder über Verlängerung des Sponsoring-Engagements verhandeln, wenn die rechtlichen Auseinandersetzungen um den Segelwettbewerb und die Modalitäten des nächsten America’s Cup geklärt seien. Die 33. Auflage dieses Cup hängt von einem Entscheid des obersten New Yorker Gerichts ab. Am 10. Februar 2009 findet vor der Berufungskammer des US-Bundesstaats eine mündliche Anhörung zwischen den Kontrahenten Alinghi und dem in San Francisco eingeschriebenen Team BMW Oracle statt.
Der Bericht der Handelszeitung wurde am folgenden Tag auch von anderen Medien aufgegriffen, so vom Tages-Anzeiger /http://www.tagesanzeiger.ch/sport/weitere/UBS-legt-AlinghiSponsoring-auf-Eis/story/27538243) und von der Pendler-Gratiszeitung ‚20 minuten’ http://www.20min.ch/finance/news/story/16817930). Der Tages-Anzeiger erhielt dazu in seiner Online-Ausgabe vom 23.12.2008 11 Kommentare, mit vorwiegend kritischen oder sarkastischen Tönen, wie ein paar ausgewählte Beispiele zeigen:
- "Mich würde jeder Rappen reuen, um diese Sportart, die nun wirklich niemandem etwas bringt, zu unterstützen. Wer sich leisten kann, jahrelang auf den Weltmeeren herumzusegeln, soll bitte die Zeche selbst bezahlen!"
- "Man sieht einfach, dass es nur ein Spielzeug von ein paar reichen Personen ist. Bei Oracle ist ein gekränkter Typ dahinter, der einem anderen reichen Typen nichts gönnen mag. … Das Beste an diesem Rennen ist sowieso nur der Start. Das Restliche ist auch nur langweilig wie in der Formel 1".
- "Ein guter Entscheid. Es gibt wohl Wichtigeres mit unseren Staatsgeldern zu finanzieren als dieses Spielzeug eines Milliardärs".
Die UBS bestätigt auf ihrer Webseite eine solchen Änderung in ihrer Sponsoringpolitik nicht. Vielmehr wiederholt sie im Abschnitt "The World of Alinghi" immer noch ihre traditionelle Aussage vom letzten Jahr: "UBS ist Partner von Alinghi, Titelverteidiger des America's Cup, der diesen Juni in Valencia ausgetragen wird. Der Segelsport fordert Teamwork, Strategie, Taktik, Hightech und Innovation Eigenschaften, die auch einen erstklassigen globalen Finanzdienstleister auszeichnen" www.ubs.com / http://www.ubs.com/1/g/about/sponsor/alinghi_uebersicht.html
Alinghi selbst gibt sich in dieser Frage, aus Diskretionsgründen, bedeckt, und der PR-Verantwortliche antwortet aus der Alinghi-Basis in Valencia auf unsere direkte Frage, ob der Bericht der Handelszeitung zutreffe, unverbindlich; die Suche nach Sponsoren sei ein langwieriger Prozess und die Namen würden bekannt gemacht, sobald sie offiziell feststehen: "As the campaign begins, the team is looking for sponsors as we've done in the previous occasions. This is a long process and Alinghi likes to handle it with the required discretion since it involves some of the best companies in the world. The new sponsors will be announced in our website as they become 'official'" (persönliche Mitteilung von Jose Delgado, Valencia, Spain).
Ob die erwähnten Überlegungen der UBS in Anbetracht ihrer gegenwärtigen Milliardenverluste den vollständigen und definitiven Ausstieg der Grossbank bei Alinghi bedeuten, ist noch nicht klar. Ebenso ist auch nicht klar, ob andere Firmen in die UBS-Lücke springen würden. So bekundet z.B. der Warenprüfkonzern und Alinghi-Nebensponsor SGS laut Handelszeitung keine Absicht, die Rolle des Hauptsponsors zu übernehmen. Diese Zeitung schreibt aber, dass die Finanzierung trotz den Schwierigkeiten sichergestellt sein dürfte. Denn dank Ernesto Bertarellis privaten Investitionen könne Alinghi im Notfall auch ohne die Beiträge von gewissen Sponsoringpartnern finanziert werden.
Falls es wirklich zu einem endgültigen Verabschiedung von USB vom Alinghi-Sponsoring käme, wäre es wichtig und höchst interessant, mit Hilfe von repräsentativen Meinungsumfragen in der Bevölkerung empirisch zu ermitteln, ob und wie stark sich dieses "forfait" auf Ansehen und Image der Bank in der Öffentlichkeit negativ auswirkte.