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Updated: Mar 7
Alles beginnt mit einem Spiel der Eitelkeit. Und endet in einem Desaster. In einem Schönheitswettbewerb zwischen Athene, Hera und Aphrodite wählt der junge Pronz von Troja mit Namen Paris, Aphrodite, die ihm die Liebe der schönsten Frau der Welt - Helena - verspricht.
Das kleine Problem liegt darin, dass Helena bereits mit dem König von Sparta verheiratet ist. Das Problem lässt sich wohl oder übel nur mit einer Entführung Helenas nach Troja lösen. Helenas Ehemann, Menelaus, ist natürlich wütend und in seinem männlichen Stolz verletzt. Er mobilisiert seine Königskollegen auf dem Festland und den Inseln Griechenlands, in einen Krieg gegen Troja zu ziehen. Dorthin, wo die schöne Helena bereits eingetroffen ist. Der Krieg beginnt und tobt zehn lange Jahre. Die Rache der Griechen ist brutal, die Zahl der Heldenopfer auf beiden Seiten gross: Palamedes, Hektor, Ajax der Grosse, auch den Achilleus trifft Paris‘ Pfeil in die berühmte Ferse. Ein ominöses hölzernes Pferd führt zum Ende Trojas. Die Details wurden in Homers Ilias vor 3000 Jahren überliefert. Darauf folgt das nächste Meisterwerk Homers, die Odyssee, wie die Ilias eine zehn Jahre lang dauernde Geschichte, mit einem schönen, fast poetischen Menschenbild. Es ist die Erzählung der Irrfahrten Odysseus‘ und seiner Rückkehr zur Insel Ithaka, wo er von seiner Frau Penelope erwartet wird. Die Heimkehrgeschichte ist somit auch eine Liebesgeschichte. Auf seiner nicht enden wollenden Reise weiss er nicht, ob ihn seine Frau noch immer liebt. Lebt sie überhaupt noch? Das wird er erst am Schluss erfahren. Bis dahin bleibt die Hoffnung und eine Fülle an Herausforderungen.
Im fünften Gesang des Epos beschreibt Homer, wie sich die „hehre“ und „schöngelockte“ Nymphe Kalypso in den schiffbrüchigen Odysseus verliebt und ihn sieben Jahre lang bei sich auf der Insel Ogygia festhält. Forscher gehen davon aus, dass mit dieser Insel die heutige Insel Mljet an der kroatischen Küste gemeint ist. Dort gibt es eine Grotte, wo Odysseus der Sage nach gestrandet und von Kalypso gefunden worden sei. Die Strategie der schönen Nymphe ist raffiniert: Sie verspricht ihm Unsterblichkeit und eine ewige Jugend, wenn er bei ihr bleibt. "Vergiss deine Frau", sagt Kalypso, "bleib bei mir!" Es ist nicht die Frage, ob er bleiben wird, sondern wie lange. Kalypso will natürlich, dass der Rausch mit Odysseus ewig dauern soll. Und Odysseus? Er hat die Wahl, zwischen einer Dauerkarte für die ewige Zuneigung der schönen Nymphe, ergänzt durch Unsterblichkeit, und einer gefährlichen Rückreise über stürmische See, begleitet von der Ungewissheit, ob seine Frau nicht schon längst einen anderen Freier geehelicht hat, und der eigenen Sterblichkeit. Die Entscheidung ist keinesfalls einfach.
Im Bild "Odysseus und Kalypso" (1883, Kunstmuseum Basel) bringt Arnold Böcklin die tiefe, innere Zerrissenheit unseres Helden malerisch zum Ausdruck. Die zwei möglichen Schicksale sind im Bild kompositorisch diagonal entgegengesetzt, wie es auch die zwei dominanten Farben dieses Bildes dem Betrachter andeuten. Gegen das glühende Rot der weichen Decke, auf der sich Kalypso verführerisch ausdehnt hüllt sich Odysseus in das dunkle Königsblau seines Umhanges und blickt in die leere Weite des Meeres. Sie stehen an der steinigen Küste, die man auch von Mljet her kennt. Hat er hier schon die Entscheidung getroffen, oder zweifelt er immer noch? Homer belehrt uns: Er wählt das Richtige und - wie es oft der Fall ist - das Schwierige. Nun helfen auch die Götter mit. Zeus - ironischerweise der von allen Göttern am wenigsten Ehe-treue-Gott - befielt Kalypso, Odysseus zurück nach Hause reisen zu lassen. Ungern gehorchend, versorgt sie ihn mit Werkzeug, um ein Floss zu bauen, später auch mit Reisekost. Ausserdem gibt sie ihm wertvolle Hinweise für die Fahrt und sendet ihm einen günstigen Westwind. In Ithaka angekommen, befreit er Penelope von den sie bedrängenden Freiern und wird von ihr mit Freude in die Arme geschlossen. Odysseus ist nach zwanzig Jahren wieder mit seiner Penelope im weichen Bett auf der steinigen Insel Ithaka zusammen.
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