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Von der Sprache zur Form
Staufer & Hasler Architekten
"Während so manche Architekten in den 1990er Jahren einen scharf geschnittenen Kubus aus Sichtbeton mit Holzfenstern in ihrem Portfolio hatten, verfügen sie heute über ein polygonales, mehrfach geknicktes Volumen in ihrem Repetoire. Ein etwas tendenziöser Vergleich zugegeben, und trotzdem: Beide Modelle sucht man im Werk von Staufer & Hasler vergeblich, einen auf diese Weise rein formal bestimmten Kanon haben sie nie benutzt." Diesen Einordnungsversuch unternimmt Gian-Marco Jenatsch in seinem anregend zu lesenden Essay "synchrone Strukturen" am Anfang des Bandes "Bauten". Anhand von zwei ausgewählten Werken der Kantonsschule Wil und dem in Planung befindlichen Bundesverwaltungsgericht St.Gallen wird mittels drei thematischen Schwerpunkten - Konstruktion, Raum und Komfort - nach dem architektonischen Bewusstsein im Werk von Staufer & Hasler geforscht. Durch verschiedene Überblendungen von theoretischen Absichten mit der dann tatsächlich am Bau erfahrbaren oder beabsichtigten Realität wird aufgezeigt, was die Architekten unter den drei Strukturbegriffen verstehen. Dazu wird einem auf der Zeitachse ein kurzer und ordnender Überblick über die Neue Deutschschweizerische Architekturgeschichte geboten. So erhält man Orientierungspunkte, um die Arbeiten von Staufer & Hasler architektonisch in Position zu setzen.
Die vorliegende Publikation wird in drei thematische Gebiete gegliedert: Bauten, Thesen und Methoden. Drei Bücher also, die - in einem Kartonschuber zusammengefasst - einiges über Staufer & Halser Architekten zu erzählen wissen.
Als Herzstück darf wohl der Band "Bauten" gelten, der sich mit seinem goldenen Inneneinband ein wenig wichtiger nimmt als seine beiden, in abgestuften Grautönen eingefassten Kollegen. "Bauten" enthält eine breite Auswahl der ausgeführten oder projektierten Gebäude des Architekturbüros. Grafisch ansprechend präsentiert mittels zahlreichen Aussen- und Innenraumfotografien, den architektonischen Zeichnungen, Modellfotos sowie Renderings und prägnanten Textstellen, werden die Projekte adäquat vorgestellt. Vorangestellt sind drei "Seitenblicke" von J. Christoph Bürkle, Heinrich Helfenstein und Markus Friedli und der einleitend erwähnten Essay von Gian-Marco Jenatsch. Kurzbiografien der beiden Bürogründer runden den Band ab.
"Thesen" beinhaltet eine Textsammlung von sechs schriftlichen Arbeiten und einer Aufzeichnung eines Gespräches zwischen den beiden Architekten und Gian-Marco Jenatsch unter dem Titel "forschend Entwerfen - entwerfend Forschen". Thomas Halser setzt sich in drei Textbeiträgen mit der "Gestalt der Stadt", der "szenischen Kapazität des Architekturraumes" und der "Sakralität und Architektur" mit immanentem Bezug auf das Werk von Rudolf Schwarz auseinander. Astrid Staufer spürt in ihren Textbeiträgen dem Werk und der Rezeption des Architekten Luigi Caccia Dominioni nach.
"Methoden" enthält einen Fundus an studentischen Arbeiten, die während der Lehrtätigkeit von Staufer & Hasler an der ETH Zürich und der ETH Lausanne entstanden sind. Zwei vorangestellte Essays erläutern die "Methodik der Übersetzung von räumlicher Form in Sprache und umgekehrt". Die Sprache wird dabei als Instrumentarium im Entwurfsprozess genutzt. Die Resultate dieser Methodik können anhand der ausgewählten studentischen Arbeiten betrachtet werden.
Das methodische Arbeiten, mit welchem Staufer & Hasler agieren, findet auf mehreren Ebenen parallel statt: einerseits über Zeichnungen und Modelle, andererseits über Bilder. Als weiteres Werkzeug nutzen sie die Sprache, um ihre architektonischen Vorstellungen zu präzisieren. Auf diese Art und Weise erarbeiten sie sich einen eigenständigen architektonischen Standpunkt, welcher reich an Tiefenschärfe ist. Dieser Geist vom synchronen und vielschichtigen Arbeiten durchdringt die vorliegende Publikation und macht sie pertinent.