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So etwas wie Indianerfilme gibt es offiziell nicht. In vergangener Zeit zählten solche Streifen bestenfalls zum Subgenre des Westerns. Wobei Indianer dort mehrheitlich aus dekorativen Zwecken eingesetzt wurden.
In den 1960er-Jahren wurden die Indianer filmtechnisch neuentdeckt. Plötzlich entstanden Filme, in denen sie im Mittelpunkt standen und ihre Geschichten erzählt wurden. Dazu kam, dass nun tatsächlich indianische Schauspieler eingesetzt wurden und keine angemalten Bleichgesichter.
Da ich mich seit nun bald zwanzig Jahren mit den indigenen Völker Nordamerikas beschäftige, interessieren mich diese „speziellen“ Indianerfilme. Viele gibt es nicht – eine kleine Auswahl meiner Favoriten finden Sie unten aufgeführt…
Ende der Sechzigerjahre entstand ein Sub-Genre des Westerns, bei dem versucht wurde, die Geschichte aus der Sicht der Indianer zu erzählen. Zudem begann man in diesen Filmen die Gräueltaten aufzuzeigen, die an den indigenen Völkern begangen wurden. Zu dieser Film-Gattung gehören Werke wie „Das Wiegenlied vom Todschlag“ (1970), „Der Mann, den sie Pferd nannten“ (1970) oder eben „Little Big Man“. Während die beiden erstgenannten sehr realistisch und mit äussert brutalen Bildern arbeiteten, wurde bei Little Big Man der Realismus mit Humor in Form von Satire und Parodie durchsetzt. Es gibt aber auch hier noch genug sehr deftige Szenen, die einen sprachlos machen.
Es war natürlich kein Zufall, dass diese Filme genau in dieser Zeit entstanden. Der Vietnam-Krieg hatte seinen traurigen Höhepunkt erreicht, und die Filmemacher versuchten, die Öffentlichkeit mit Hilfe dieser realistischen Indianer-Filme aufzuschrecken und für das Thema Völkermord zu sensibilisieren…
Wie auch immer, Little Big Man ist einer der beeindruckendsten Werke aus dieser Zeit und in gewisser Weise auch ein Wegbereiter für spätere authentische Indianer-Filme wie zum Beispiel „Der mit dem Wolf tanzt“.
Wir schreiben das Jahr 1859. Jack Crabb und dessen Schwester Caroline haben nach einem Angriff von Pawnee-Indianern ihre Eltern verloren. Ein zufällig vorbeireitender Cheyenne-Krieger nimmt die beiden mit in sein Dorf. Während Jacks Schwester fliehen kann, bleibt der zehnjährige Jack während der folgenden fünf Jahren bei den Cheyenne. Er wird vom Häuptling Old Ladge Skins wie ein Sohn aufgenommen und zum Cheyenne-Krieger erzogen. Bei einem Überfall auf US-Soldaten gerät Jack in Gefangenschaft und kehrt in die Welt der Weissen zurück. Es gelingt ihm aber nicht wirklich, wieder Fuss zu fassen. Sein Versuch als Geschäftsmann scheitert ebenso wie seine Karriere als Revolverheld. Als Jack auf General Custer trifft, heuert er als Fährtenleser an, aber bald schon wird ihm klar, was für ein falsches Spiel Custer treibt...
Originaltitel: Little Big Man
Produktionsland: USA
Produktionsfirma: Cinema Center Films / Stockbridge-Hiller Productions
Produzenten: Arthur Penn / Gene Lasko / Stuart Millar
Jahr: 1970
Länge: 147 Minuten
Sub-Genre: Anti-Western / Westernparodie
Regie: Arthur Penn
Drehbuch: Calder Willingham
Romanvorlage: „Little Big Man“ von Thomas Berger (1964)
Musik: John P. Hammond
Kamera: Harry Strading Jr.
Schnitt: Dede Allen
Besetzung:
Es gibt wenige Filme, die die desolaten Zustände, wie sie heute in indianischen Reservationen herrschen, so gut aufzeigen, wie der hier vorliegende.
Die Gegenüberstellung von traditionellem und modernem Leben ist anhand der beiden Hauptfiguren hervorragend gelungen. Trotz aller deprimierender Wirklichkeit, kommt aber auch der Humor nicht zu kurz, was das Ganze merklich auflockert.
Vietnamveteran Buddy Red Bow lebt im Reservat der Nördlichen Cheyenne in Montana. Er kämpft gegen gierige Bauunternehmer und korrupte Beamte, die Reservatland für den Tagbau nützen wollen.
Der Gegensatz zum aufbrausenden und in der Gegenwart stehende Buddy ist da Philbert Bono, der fest verwurzelt in der indianischen Vergangenheit lebt. Seine Kraft holt er aus heiligen Visionen, und sein Ziel ist es, einst ein grosser Krieger zu werden.
Als Buddys im weit entfernten Santa Fé lebende Schwester verhaftet wird, macht er sich auf den Weg, sie zu befreien. Begleitet wird er von Philbert, dessen traditionelles Gehabe Buddy aber schon bald ziemlich auf die Nerven geht.
Die Reise wird beide verändern und das gemeinsame Ziel schweisst sie zusammen…
Originaltitel: Powwow Highway
Produktionsland: Grossbritannien
Produktionsfirma: HandMade Films
Produzenten: Jan Wieringa
Jahr: 1989
Länge: 91 Minuten
Sub-Genre: Drama / Tragikkomödie
Regie: Jonathan Wacks
Drehbuch: Janet Heaney / Jean Stawarz
Romanvorlage: „The Powwow Highway“ von David Seals (1979)
Musik: Barry Goldberg
Kamera: Toyomichi Kurita
Schnitt: Jim Stewart
Besetzung:
Ein Monumental-Film, der gar nicht lang genug sein kann. Kevin Costner hat sich mit diesem Streifen ein Denkmal gesetzt in der Filmgeschichte. Und dabei ist das Besondere gar nicht mal so spektakulär: Man setzte keine Statisten ein, sondern echte Indianer, in diesem Fall grösstenteils aus der Lakota-Nation. Man lässt sie ihre eigene Sprache sprechen, und zeigt nicht nur, wie sie morden und brandschatzen oder ihrerseits ermordet werden, sondern gewährt Einblicke in ihr Alltagsleben und zeigt auch ihren Humor sowie die warmherzige Seite ihres Zusammenlebens. Kurz, es werden Menschen dargestellt. Bis dato undenkbar in den meisten Western beziehungsweise "Indianer-Filmen". Natürlich kommt auch "Der mit dem Wolf tanzt" nicht ohne die leider obligatorischen Hollywood-Klischees aus, und natürlich schrammt der Streifen auch einige Male verdammt scharf am Kitsch vorbei, aber selbst diese Ausrutscher können diesem Meisterwerk keinen nennenswerten Schaden zufügen. Am Schluss bleibt das Gefühl, einen authentischen, historisch glaubhaften und landschaftlich grandiosen Film gesehen zu haben, der durch die nicht minder spektakuläre Filmmusik noch die Krone aufgesetzt bekommt.
Als der Bürgerkriegs-Veteran First Lieutenant John Dunbar auf einen entlegenen Aussenposten nach Fort Sedgwick versetzt wird, erlebt er eine Überraschung – das Fort ist menschenleer und wohl vor kurzem verlassen worden. Alleine versucht Dunbar herauszufinden, was mit der Besatzung geschehen ist.
Er ist aber nicht so alleine, wie er denkt. Da ist zum einen ein neugieriger Wolf, der um Dunbars Lager streift und zum anderen haben ihn längst Späher der Lakotas entdeckt, die den merkwürdigen Eindringling skeptisch beobachten.
Bald schon entwickeln sich erste Kontakte und Dunbar versucht, sich der fremden Welt behutsam zu nähern. Aus gegenseitigem Misstrauen wird Achtung, und Dunbar ist zunehmend beeindruckt von seinen neuen Nachbarn…
Originaltitel: Dances with Wolves
Produktionsland: USA
Produktionsfirma:
Besetzung:
© Studiocanal
BILD ✪✪✪✪✪✪
Das Bildseitenverhältnis liegt in 2.35:1 (21:9 CinemaScope) vor.
Das Bild ist gut, keine Frage, aber leider auch sehr wechselhaft in Schärfe und Schwarzwert. Einzelne Close-Ups bewegen sich im Referenzbereich, andere sind sehr grieselig. Vor allem bei Nachtaufnahmen wirkt das Bild zum Teil recht dumpf, auch die Weitwinkeleinstellungen können da nicht immer überzeugen. Der Schwarzwert ist in Ordnung, und auch die Kontraste bewegen sich im guten Bereich.
Alles in allem jedoch wirklich eine gute Bildqualität.
TON ✪✪✪✪✪✪
Das Tonformat liegt in DTS-HD Master 7.1 vor.
Einer dieser seltenen 7.1-Filme, die es in deutscher Sprache gibt. Die Tonumsetzung ist wirklich beeindruckend, und das Surround-Feeling lässt einen in die Bilder eintauchen. Das Ganze wird durch die monumentale Filmmusik unterstützt, die ebenfalls sehr intensiv über die Surround-Speaker zu hören ist. Dynamik und Tonbalance sind top!
FAZIT
Vor allem beim Ton kann diese Blu-ray wirklich überzeugen. Die Bildumsetzung ist solide ausgefallen, hat aber noch etwas Luft nach oben…
Es gibt nicht viele Filme, die sich mit der jüngeren Geschichte der nordamerikanischen Indianer beschäftigt. Dies ist einer davon - und ein sehr Guter dazu. Die Ereignisse in der Pine Ridge Reservation in den 70er-Jahren des 20 Jh. werden sehr gut wiedergegeben.
Der Streifen besticht durch seine Spannung und seine Mystik.
Ray Levois Konflikt zwischen kultureller Loyalität und Gesetzestreue spiegelt hervorragend die Zerrissenheit, mit der auch heute noch viele Ureinwohner in den U.S.A. zu kämpfen haben.
Die atmosphärische Dichte der Story und die schönen Landschaftsbilder machen den Film für mich zu einem der Besten dieses Genres.
FBI-Agent Ray Levoi, der indianische Vorfahren hat, wird nach South Dakota geschickt. Im Pine Ridge Reservat war es zu mehreren Morden gekommen, die örtlichen Behörden scheinen von der Aufgabe überfordert zu sein.
Ray hat so überhaupt nichts mit Indianern am Hut und findet sich nur missmutig mit seinem Auftrag ab.
In Pine Ridge angekommen, merkt er schnell, dass dort so einiges nicht stimmt. Je länger die Suche nach den Tätern geht, um so mehr wird Ray zwischen seiner Pflicht und seinen eigenen Wurzeln hin- und hergerissen...
Originaltitel: Thunderheart
Produktionsland: USA
Produktionsfirma:
Besetzung:
Smoke Signals basiert auf einer Kurzgeschichte des indigenen Autoren Sherman Alexie und gilt als der erste Spielfilm, der komplett von indigenen Filmschaffenden realisiert wurde.
Herausgekommen ist ein aussergewöhnlicher Roadmovie, der sowohl den typischen indianischen Humor bietet, aber auch mit sehr nachdenklichen und emotionsgeladenen Szenen aufwarten kann.
Es ist schon beachtlich, was man hier mit kleinstem Budget auf die Beine gestellt hat. Einmal mehr wird deutlich, dass es für einen guten Film nebst der guten Story reicht, wenn die Darsteller es verstehen, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.
Victors lebt im Coeur d’Alene-Reservat in Idaho. Als er erfährt, dass sein Vater, der die Familie vor langer Zeit verlassen hatte, in Arizona verstorben ist, macht er sich auf den Weg, um die Urne abzuholen. Begleitet wird er von seinem Freund Thomas, den er vor allem deshalb mitnimmt, weil dieser die Reise finanzieren kann.
Victors Erinnerungen an seinen Vater sind vor allem durch Alkohol und zeitweise Gewalttätigkeiten geprägt.
Ganz anders verhält sich das bei Thomas, der als Kind von Victors Vater vor dem sicheren Tod gerettet wurde und ihn deshalb als Held verehrt.
Es ist ein langer Weg bis Arizona, und auf das ungleiche Paar wartet so manche unvorhersehbare Überraschung…
Originaltitel: Smoke Signals
Produktionsland: USA / Kanada
Produktionsfirma: ShadowCatcher Entertainment / Welb Film Pursuits Ltd.
Produzenten: Chris Eyre / Sherman Alexie / Carl Bressler / Larry Estes / Scott Rosenfelt / David Skinner
Jahr: 1998
Länge: 89 Minuten
Sub-Genre: Tragikkomödie / Drama
Regie: Chris Eyre
Drehbuch: Sherman Alexie
Literaturvorlage: „This is What it Means to Say Phoenix, Arizona“ von Sherman Alexie
Musik: B. C. Smith
Kamera: Brian Capener
Schnitt: Brian Berdan
Besetzung:
Maïna ist weit mehr als eine einfache Abenteuer- oder gar Liebesgeschichte. Wir begleiten eine junge Frau auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden, die sich in Extremsituationen behaupten muss und schliesslich ihren Platz im Leben findet.
Der an Originalschauplätzen gedrehte und sehr authentisch inszenierte Film, wirkt auf den Zuseher wie das Eintauchen in eine völlig fremde Welt. Dieses Gefühl wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass Maïna ihrerseits ebenfalls in eine völlig fremde Welt gerät. So thematisiert der Streifen durchaus auch hochaktuelle Themen wie die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen und gegenseitige Akzeptanz und Toleranz.
Wenn man will, kann man in Maïna durchaus auch einen emanzipatorischen Frauenfilm erkennen.
Die Titelfigur wird von Roseanne Supernault sehr eindrücklich und glaubhaft verkörpert.
Nebst der interessanten Handlung und der hervorragenden schauspielerischen Umsetzung, gibt es auch wunderbare Tier- und Landschaftsaufnahmen zu bestaunen, die kongenial durch den eindrücklichen Soundtrack unterstützt werden.
Maïna ist die Tochter des Häuptlings einer kleinen Innu-Gruppe. Als der Junge Nipki, für den sie nach dem Tod dessen Mutter die Verantwortung übernommen hatte, nach einer kriegerischen Auseinandersetzung von Inuit entführt wird, nimmt sie ihre Verfolgung auf. Dabei gerät sie selber in Gefangenschaft. Auf der beinahe endlos wirkenden Reise ins „Land ohne Bäume“ verliebt sie sich in den Inuk Natak.
Im Dorf der Inuit angekommen, wird schnell klar, dass Maïna als Fremde keineswegs mit offenen Armen aufgenommen wird. Es beginnt eine schwierige Zeit in der sie sich in der eisigen Welt behaupten muss und nach und nach zu sich selbst findet. Wird sie ihr Volk und ihre Mutter jemals wiedersehen…?
Originaltitel: Maïna
Produktionsland: Kanada
Produktionsfirma: Caperaa Obscura Produktion
Produzenten: Carole Dubuc / Yves Fortin / Ronald Gilbert / Karine Martin
Jahr: 2013
Länge: 100 Minuten
Sub-Genre: Liebesgeschichte / Sozialdrama / Historienfilm / Coming of Age
Regie: Michael Poulette
Drehbuch: Pierre Billon
Romanvorlage: „Maïna“ von Dominique Demers
Musik: Michel Cusson / Kim Gaboury
Kamera: Allen Smith
Schnitt: Denis Papillon
Besetzung:
© MFA Film Distribution
BILD ✪✪✪✪✪✪
Das Bildseitenverhältnis liegt in 1.85:1 (13:9 US-WideScreen) vor.
Die Bildumsetzung ist erfreulicherweise ausgezeichnet ausgefallen. Der Schärfewert bewegt sich durch den ganzen Film hinweg auf sehr hohem Niveau. Nur vereinzelte Shots wirken etwas weicher und weniger detailliert. Die Farben sind im Ganzen gesehen gut, wenn auch zuweilen etwas blass. Die Kontraste sind wie auch der Schwarzwert im guten Bereich.
Nur sehr wenig fehlt bei dieser Bildumsetzung, um die Referenzwerte zu erreichen!
TON ✪✪✪✪✪✪
Das Tonformat liegt in DTS-HD Master 5.1 vor.
Auch tontechnisch kann diese Veröffentlichung überzeugen. Die Surroundkanäle werden dezent immer wieder ins Geschehen eingebunden. Dadurch entsteht eine sehr ansprechende Surroundkulisse. Die Dialoge sind jederzeit bestens zu verstehen. Auch bei der Balance wurde alles richtig gemacht. Es ist im Grossen und Ganzen ein recht ruhiger Film, der aber bei den vereinzelten Szenen, wo es darauf ankommt, mit ansprechender Dynamik punkten kann.
Beim Ton gibt es die volle Punktzahl. Hier stimmt eigentlich alles!
FAZIT
Eine sehr gute Bildumsetzung trifft auf eine hervorragende Tonumsetzung was will man mehr?