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In einem fernen Land, in Persien, lebte vor Hunderten von Jahren ein kleiner Junge.
Er wohnte mit seinen Eltern in einer einfachen Fischerhütte. Sie waren sehr arm, und wenn der Vater keine Fische fing, mussten sie abends hungrig schlafen gehen.
Der Junge hatte viele Freunde. Mit ihnen spielte er im nahen Wald verstecken und am Meer suchten sie nach den schönsten Muscheln. Die Mutter aber erzählte ihm viele Märchen und Geschichten und abends brachte der Vater ihm das Lesen und Schreiben bei.
So verging eine ganze Zeit und der Junge wurde grösser und stärker. Eines Tages rief die Mutter ihn zu sich und sprach: «Es ist nun an der Zeit, dass du dem Vater hilfst! Heute haben wir nichts zu essen. Geh ans Meer und fang ein paar Fische!»
Da nahm der Junge das Fischernetz und ging zum Meer. Er warf das Netz aus und wartete. Als er es wieder herauszog, sah er einen Fisch, der schillerte golden, rot und blau.
Der Fisch schaute ganz traurig und begann mit menschlicher Stimme zu reden: «Bitte, lass mich frei. Lass mich wieder ins Meer zurück schwimmen!»
Der Junge hatte Mitleid mit dem Fisch und liess ihn ins Wasser gleiten. Der Fisch drehte sich im Wasser, schaute den Jungen an und sprach: «Zum Dank schenke ich dir eine Zauberschere. Alles, was du damit ausschneidest, wird Wirklichkeit werden.» Nach diesen Worten verschwand der Fisch im Meer. Da öffnete der Knabe seine Hand und siehe da: Eine kleine goldene Schere lag darin.
Der Junge blickte sich um und sah ein gelbes Blatt vom Baum fallen. Schnell sprang er hin, nahm es und begann zu schneiden. Bald hielt er ein kleines Schloss in der Hand. Kaum war es fertig, begann es zu wachsen, bis es zu einem grossen, herrlichen Schloss geworden war. Um das Schloss herum aber war nur nackte Erde. Da sammelte der Knabe andere Blätter, gelbe, grüne, rote, braune, begann daraus Blumen, Gras und Bäume zu schneiden, und um das Schloss herum breitete sich ein blühender Garten aus.
Voller Freude bestaunte er das Wunderwerk. Dann lief er schnell nach Hause zu Mutter und Vater. Er nahm viele bunte Blätter und schnitt Kleider für seine Mutter, seinen Vater und für sich und bald standen alle in Samt und Seide da. Nun zogen sie gemeinsam in das Zauberschloss und lebten herrlicher als der König.
Jetzt wachte der Junge jeden Morgen in seinem goldenen Bett auf, zog seine kostbaren Kleider an und ass wunderbare Speisen aus goldenen Tellern. Wenn er zum Fenster hinaus blickte, sah er unten am Strand die anderen Kinder spielen und herumtollen. Er wäre auch gerne hinausgerannt, um Muscheln zu sammeln oder auf Bäume zu klettern. Seine Mutter und sein Vater aber hatten ihm das Spielen verboten. «Deine Kleider werden schmutzig, du könntest sie zerreissen!» So sass er den ganzen Tag alleine im prächtigen Schloss und hatte niemanden, mit dem er reden oder spie, len konnte, und von Tag zu Tag wurde er trauriger.
Seine Sehnsucht nach den Freunden und dem Meer wurde immer grösser, doch die Mutter liess ihn nicht ans Wasser, denn sie befürchtete, der Fisch würde ihm die Zauberschere wieder wegnehmen.
Eines Tages aber hörte der Junge von weitem das Lachen und Rufen der Kinder und wollte gern bei ihnen sein. Er mochte nicht länger im goldenen Schloss leben. So schlüpfte er leise aus dem Zimmer und lief, so schnell er konnte, durch den Garten ans Meer. Dort stellte er sich ans Ufer und rief laut: «Mein Fisch, du Schöner! Wo bist du? Hilf mir!»
Das Meer wogte, die Wellen schimmerten und bald sah er den Zauberfisch. Er kam nah ans Ufer geschwommen und sprach: «Hier bin ich, was brauchst du?»
«Ich bin gekommen, um dir zu sagen, dass ich dein goldenes Schloss nicht mehr brauche! Hilf mir, Fisch, ich bin einsam und habe keine Freunde mehr!»
«Es soll so sein, wie du es wünschst. Komm bei Sonnenaufgang zum Meer, pfeife dreimal, wirf die Schere in die Wellen, und du wirst so glücklich sein wie einst!»
Am nächsten Morgen stand der Junge schon bei den ersten Strahlen der Morgensonne auf. Leise schlich er durch das Schloss, nahm die goldene Schere und eilte damit ans Meer. Er pfıff dreimal und warf die Schere weit ins Meer hinaus. Langsam verschwand sie in den Wellen, und als der Junge sich umschaute, waren das Schloss und der Garten verschwunden. Nur ein paar bunte Blätter flatterten noch im Wind.
Der Junge hüpfte vor Freude auf und ab, las ein paar schöne Muscheln vom Strand auf und steckte sie in seine abgetragenen Kleider. Dann rannte er nach Hause, so schnell er konnte. Vor der Tür der alten Hütte standen Mutter und Vater, lächelten ihm zu und nahmen ihn in die Arme.
Von diesem Tag an spielte der Junge wieder draussen mit seinen Freunden. Sie kletterten auf Bäume oder spielten Verstecken. Manchmal aber setzten sich alle Kinder in einen Kreis, und er erzählte die Geschichte von dem Jungen und dem Zauberfisch.
Und ihr, die ihr diese Geschichte jetzt kennt, könnt sie auch gleich weitererzählen!
Ein wunderbares Märchen über die Macht der Wünsche oder was wirklich glücklich macht. Langsam langsam neigt sich das Jahr dem Ende zu und wir verbringen mehr Zeit drinnen. Wir denken bereits ans neue Jahr und daran was wir uns für uns und unsere Familie wünschen. Sind es Ferien, ein neues Auto oder eher Gesundheit und Zeit mit den Liebsten? Wenn wir ehrlich sind, machen uns die Dinge am "glücklichsten", die man nicht kaufen kann. Glück ist meiner Meinung nach eine Entscheidung. Die Entscheidung das das was wir jetzt gerade sind, erleben und haben gut ist und wir zufrieden sind.
Dieses Märchen eignet sich aus meiner Sicht dazu:
- über Wünsche und Träume zu sprechen
- Scherenschnitte herzustellen
- darüber zu sprechen worüber man dankbar ist
- gemeinsam ein Märchen erfinden mit den eigenen Wünschen