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1950 in Mülheim an der Ruhr mitten im Ruhrpott. Ein Mann stirbt an den Folgen einer Vergiftung. Kriminalpolizeiinspektor Alfred Poggel findet schnell heraus, dass der Tote eine Größe unter den Kleinganoven war, bekannt dafür, alles Mögliche zu besorgen oder gewinnbringend zu verkaufen. Auch einige gefälschte Geldscheine hat er in Umlauf gebracht, aber reicht dies als Motiv aus, den Mann zu ermorden?
Ohnehin hat Poggel genug Probleme. Und die meisten davon hängen mit Staatsanwalt Dr. Richard Goeke zusammen, einem Mann, der auch vor 1945 schon Recht gesprochen hat und immer noch der Meinung ist, dass damals nicht alles schlecht gewesen ist. Für Goeke scheint das Wichtigste zu sein, dass schnellstmöglich die Ermittlungen im Fall eines gewissen Fritz Katthöfer eingestellt werden, der eine Anklage gegen drei andere Kollegen eingereicht hat wegen einer unberechtigten Verhaftung im Jahr 1938 und der Beschlagnahmung von Wertgegenständen und Einrichtung. Nach Poggels Meinung scheint Katthöfer im Recht zu sein aber warum nur will Goeke die Klage nicht zulassen?
Dieser Krimi war für mich nicht nur interessant, weil er in meiner Heimatstadt spielt, mich während der Handlung an bekannte Orte führt und mir noch aus Kindheitserinnerungen bekannte Szenarien vor Augen stellt, sondern auch wegen der Besonderheiten, die sich aus der Zeit der Handlung ergeben. Da soll beispielsweise jemand das Recht vertreten, hinter dem nur wenige Jahre zuvor ein Bild von Adolf Hitler an der Wand hing. Vieles dreht sich noch immer um den Schwarzmarkt, wo Kaffeepulver mit Löwenzahn gestreckt wurde und Kakaopulver mit gemahlenem Mehl. Und dann das Pervitin!
Pervitin mir war dieser Begriff neu. In meiner Heimatstadt schien aber im Jahr 1950 jeder dieses Produkt zu kennen und nicht wenige hatten ihre Erfahrungen damit gemacht. Die chemische Bezeichnung für diesen Stoff ist N-Methylamphetamin - heute allgemein bekannt als Crystal Meth. Im zweiten Weltkrieg fand N-Methylamphetamin millionenfache Anwendung. Es diente zur Dämpfung des Angstgefühls und zur Steigerung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit von Soldaten, Piloten und Fahrzeugführern und war umgangssprachlich als Panzerschokolade, Stuka-Tabletten und Hermann-Göring-Pillen bekannt. Allein in der Zeit von April bis Juni 1940 bezogen Wehrmacht und Luftwaffe mehr als 35 Millionen Tabletten Pervitin.
Wie man sich heute unschwer denken kann, ergab sich daraus in der Nachkriegszeit eine enorme Anzahl von Pervitin-Abhängigen. Nur dass man nach einer Änderung des Reichsopiumgesetzes das Mittel nicht mehr frei beziehen konnte. Die Stunde der Schieber schlug
Inhaltlich also wirklich interessant und mal was anderes. Der Schreibstil erschien mir jedoch manchmal etwas wirr und auch die vielen wie wörtliche Rede zitierten Gedankengänge haben mir nicht so gefallen. Zudem war mir der Ermittler nicht sympathisch. Er war zwar auf der guten Seite, aber seine Einstellung zu Frauen gefiel mir überhaupt nicht. Generell mag ich zwar Charakter, die nicht nur nett sind, weil sie das einfach menschlicher macht, aber bei Poggel war es mir ein wenig zu viel und es zog sich bis zum Schluss durch.
Ein weiterer kleiner Minuspunkt war für mich die Verwendung der Sprache. Nicht wenige Charaktere sollten wohl deutlichen Dialekt sprechen, was auch realistisch ist und was ich aus meiner Kindheit und zudem aus dem Arbeitermilieu heraus sehr gut kenne. Dafür sprachen diese Personen aber zu sehr hochdeutsch, das war nicht gut umgesetzt. Allerdings dürfte dieser Punkt jemandem, der nicht hier aufgewachsen ist, kaum auffallen.
Abgesehen davon ein interessantes Stück Ruhrgebiets-Nachkriegsgeschichte und mit nur 222 Seiten mal zwischendurch flott zu lesen.
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