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Die LPGA Tour geniesst weltweit, vor allem aber in den USA, höchstes Ansehen und für unzählige talentierte junge Golferinnen aus allen Ländern ist die Qualifikation für die wichtigste Ladiestour der Welt das ultimative Ziel. Grosse Zuschauergalerien, attraktive Preisgelder und Sponsorenverträge – die Organisatoren (und Spielerinnen) der europäischen und asiatischen Touren müssen da deutlich kleinere Brötchen backen.
Nur zu leicht wird aber vergessen, dass das Profigolf der Ladies einen äusserst schwierigen Start hatte. Herausragende Golferinnen gab es zwar schon in den 1920er und 30er Jahren, aber Spielerinnen wie Cecil Leitch, Glenna Collett Vare (sechsfache US Women’s Amateur Siegerin), oder die vierfache British Ladies Amateur Gewinnerin Joyce Wethered waren reine Amateurinnen. Gegen letztere spielte der grosse Bobby Jones auf dem Old Course einmal eine Exhibition und Wethered erzielte (von den Backtees!) eine 75er Runde. Der „Emperor“ meinte danach: „Ich bin noch nie, weder von einem Mann noch einer Frau, derart ausgespielt worden.“ Dennoch kämpften selbst die besten Spielerinnen bis Mitte des 20. Jahrhunderts gegen grosse Vorurteile: Sie wurden nicht als Athletinnen angesehen, konnten kein Geld verdienen und auch nicht mitreden, wenn es um Angelegenheiten des von Männern dominierten Sports ging.
1950 (34 Jahre nach Gründung der PGA of America!) hatte eine kleine Gruppe von Golferinnen die Bevormundungen endgültig satt und nahm die Sache selber in die Hand. The Founders Film erzählt die Geschichte von Alice Bauer, Patty Berg, Bettye Danoff, Helen Dettweiler, Marlene Bauer Hagge, Helen Hicks, Opal Hill, Betty Jameson, Sally Sessions, Marilynn Smith, Shirley Spork, Louise Suggs und „Babe“ Zaharias*, die im Alleingang die LPGA Tour gründeten. Die 13 Ladies planten ihre Anlässe, stellten die Satzungen auf, überwachten die Mitgliedschaften, reisten in einer Autokarawane durch das Land, organisierten Turniere in entlegenen Städten und mussten sogar oft die Golfplätze in eigener Regie turnierfähig präparieren – alles ohne die geringste Unterstützung der USGA (amerikanischer Golfverband).
Die beiden Filmemacherinnen Charlene Fisk und Carrie Schrader haben einen spannenden, humorvollen, aber auch berührenden Dokumentarfilm mit raren Archivaufnahmen, nachgestellten Szenen und Interviews geschaffen, der aufzeigt, wie mit Eigeninitiative, Mut und Beharrlichkeit alle Schranken eingerissen werden können. Oder wie es Theodor Fontane einmal formulierte: „Leidenschaft ist immer siegreich…“
Die grosse australische Proette Karrie Webb (41-fache Turniersiegerin und 7-fache Major-Gewinnerin), die den Founders Film mit produziert hat, ist stolz auf das Ergebnis: „Diese Geschichte war es wert, erzählt zu werden. Wir alle, vergangene, aktive und zukünftige LPGA Spielerinnen sollten diese 13 Pionierinnen dankbar in Erinnerung behalten. Sie haben uns Golferinnen, aber auch Athletinnen in vielen anderen Sportarten den Weg geebnet.“
* Babe Zaharias war eine der grössten und vielseitigsten Athletinnen des 20. Jahrhunderts. Vor ihrer Golfkarriere (mit u.a. 10 Majortiteln) machte sie sich einen Namen als herausragende Basketball- und Baseballspielerin und Leichtathletin. Babe gewann an den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles zweimal Gold (80m Hürden und Speerwerfen) und einmal Silber (Hochsprung). 1975 wurden ihre sportlichen Erfolge unter dem Titel „The Babe Didrikson Zaharias Story“ von Buzz Kulik verfilmt.
Text: Peter Hodel
Foto: The Founders Film