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Die Wahl des Nachfolgers von Peter Gilliéron als Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes ist das Hauptgeschäft der SFV-Delegiertenversammlung vom Samstag in Ittigen.
Die drei Abteilungen des SFV (National Football League, 1. Liga, Amateure) schicken je einen Kandidaten ins Rennen. Der 69-jährige Dominique Blanc hat als Präsident der Amateurliga die besten Chancen, denn die Delegierten der Amateure haben allein 47 der insgesamt 101 Stimmen. Blancs Rivalen sind Jean-François Collet von der Profi-Abteilung (28 Stimmen) und Kurt Zuppinger von der 1. Liga (26 Stimmen). Es wird gewählt, bis ein Kandidat mindestens 51 Stimmen auf sich vereinigt. Aufgrund der zu erwartenden Stimmen aus dem eigenen Lager wird der favorisierte Dominique Blanc praktisch sicher den zweiten Wahlgang erreichen.
Wer von den andern beiden weiterkommt, ist schwer vorherzusagen. Der 51-jährige Waadtländer Collet, früherer Präsident von Lausanne-Sport und derzeit Direktor der Tennisturniere von Gstaad und Lausanne, hat sich mit seiner Bewerbung als Einziger exponiert und festgelegt. Er setzt auf eine offensive Ausrichtung des SFV: mehr Einnahmen mit einer Marketingstrategie und aggressivem Sponsoring. Er will den Verband in die moderne Wirtschaft überführen.
Der 56-jährige Aargauer Kurt Zuppinger, ehemaliger Präsident der 1. Liga, ist wie Blanc eher unverbindlich geblieben, was seine Absichten betrifft. Von Zuppinger weiss man, dass er eine grosse Erfahrung in der Menschenführung mitbringt. Er leitete die Personalabteilungen der Departemente von Kaspar Villiger und Hans-Rudolf Merz. Heute arbeitet er mit gleichen Aufgaben in einer Kaderposition bei den SBB.
Die drei Kandidaten äussern keine unverhohlene Kritik am scheidenden Peter Gilliéron. Dennoch sind sie sich in einem Punkt einig: Dem SFV hat bisher eine ganzheitliche Strategie gefehlt. Sie wollen dies ändern. Andererseits wird der neue Präsident den Verband in jedem Fall in einem finanziell guten Zustand übernehmen können. Die Jahresbudgets des SFV haben sich seit geraumer Zeit zwischen 60 und 70 Millionen Franken eingependelt. Die Nationalmannschaft ist erfolgreich, während die Nachwuchsauswahlen derzeit Mühe haben.
Wenn die Delegierten - die Wahl wird geheim durchgeführt - nicht konsequent nur für den Kandidaten ihrer Abteilung stimmen, könnte das Alter der Kandidaten eine wichtige Rolle spielen. Blanc ist mit 69 Jahren drei Jahre älter als Gilliéron. Und er könnte wegen der Altersbeschränkung von 70 Jahren nicht mehr in eine Kommission der UEFA gewählt werden.
Die drei Kandidaten für das Präsidium des SFV:
Jean-François Collet (51-jährig, Kandidat der Swiss Football League). Der Waadtländer sieht sich im Fussballgeschäft und im Sportbusiness allgemein wohl zu Recht als Macher. Seit 20 Jahren ist er in verschiedenen Bereichen tätig. Er handelte Fernsehverträge aus, schloss Sponsoring-Verträge ab und organisierte grosse Veranstaltungen. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler bringt eine reiche Erfahrung aus dem Marketing mit. Im Tennis etablierte er sich als Direktor der Turniere in Gstaad (ATP) und Lausanne (WTA). Im Fussball übernahm er 2007 als Investor und Präsident Lausanne-Sport, als der Klub vor dem Konkurs stand. Seit 2015 arbeitet Collet noch mit einem 60-Prozent-Mandat für das Unternehmen "Grand Chelem" des heutigen LS-Präsidenten Alain Joseph. Das Timing für seine Kandidatur sei mit der heutigen Belastung ideal, argumentiert Collet.
Kurt Zuppinger (56-jährig, Kandidat der 1. Liga). Als FIFA-Schiedsrichter leitete der Aargauer rund 150 NLA-Spiele. Er präsidierte die 1. Liga von 2006 bis 2014. Seither hatte er kein Amt mehr inne, sieht man von seiner Arbeit in der Kommission "HatTrick" der UEFA ab. Zuppinger war demnach auch nicht in die Vorkommnisse rund um die WM 2018 involviert. "Vielleicht ist gerade dies ein Vorteil", sagt er. Zudem habe er in den vier Jahren die Batterien aufladen können. Zuppinger, der als langjähriger Bundesangestellter in Kaderpositionen eine reiche Erfahrung in der Personalführung mitbringt, erachtet auch sein Alter von 56 Jahren als ideal. Er würde höchstens acht Jahre im Amt bleiben, Gegenkandidat Jean-François Collet dagegen bis zu 14 Jahre. Und für Dominique Blanc würde das recht hohe Alter (69) den Einsitz in internationalen Gremien verunmöglichen.
Dominique Blanc (69-jährig, Kandidat der Amateur-Liga). Als aktueller Präsident der Amateur-Abteilung des SFV kommt Blanc als einziger Kandidat direkt aus dem Tagesgeschäft. Der Waadtländer aus Lausanne gründete in seiner beruflichen Laufbahn mehrere Bauunternehmen, die alle noch bestehen. Im Fussball war er zuerst als Schiedsrichter tätig. Später leitete er die Schiedsrichterkommission im Waadtländer Verband. In diesem wurde er 2000 in den Zentralvorstand und 2007 als Präsident gewählt. Zum Präsidenten der Amateur-Liga brachte es Blanc 2015. Er verschrieb sich dem Fussball, weil dieses Spiel unpolitisch sei und es im Fussball keinen Platz für Diskriminierung gebe. Dies seien zugleich die Gründe, wieso er nie in die Politik gegangen sei. In die Wahl vom Samstag steigt Blanc mit dem Vorteil, dass seine Abteilung die mit Abstand grösste innerhalb des SFV ist. Die Amateure verfügen über 47 der 101 Stimmen.