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Eine neuere und erfolgreiche Methode, um Geld von einem Ort zu einem anderen zu transferieren, ist das Energetisieren und Vitalisieren von Wasser. Da werden „Heilsteine“ ins Wasser eingelegt und Vorrichtungen erfunden, die totes in lebendiges Wasser verwandeln sollen.
Selbst in einem Restaurant, das Wert auf die ausschliessliche Verwendung von naturbelassenen Lebensmitteln legt, stiess ich vor kurzem auf den Hinweis, dass in diesem Haus energetisiertes Wasser genutzt wird. Das ist eigenartig: Natürliches Wasser ist offenbar im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln nicht gut genug und darf nicht natürlich bleiben. Es muss energetisiert, belebt bzw. vitalisiert werden. Sollte das Wasser dadurch tatsächlich verändert werden – wovon ich nicht ausgehe – dann wäre es zweifellos nicht mehr natürlich. Diesen Widerspruch sah der Geschäftsleiter des Restaurants allerdings nicht ein.
Das ganze Gerede vom energetisieren, vitalisieren und beleben von Wasser scheint mir sowieso ziemlich dekadent. Haben wir doch in der Schweiz flächendeckend hochwertiges Trinkwasser aus dem Hahn, qualitativ nicht selten sogar deutlich besser als Mineralwasser. Ich trinke Wasser aus jedem Brunnen und von jedem Hahn, wenn nicht explizit ein Schild dies verbietet.
Aber offenbar genügt dieser Luxus manchen Leuten nicht mehr. Natürliches Wasser muss offenbar mit magischen Vorstellungen aufgeladen werden.
Gerade kam im Fernsehen eine Sendung über die Wasserversorgung in einer Region Pakistans, wo ein grosser Teil der Bewohner kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung hat, und manche Familie bis zur Hälfte ihres kargen Budgets für den Kauf von Trinkwasser ausgeben muss.
Wir hier duschen dagegen sogar mit Trinkwasser und ver(sch)wenden es zur Toilettenspülung.
Und nun dieser Wasser-Energetisierungs-Trip. Muss denn Wasser in unseren verwöhnten Breitengraden erst energetisiert und vitalisiert werden, damit es wieder einen Wert hat.
Der Propagandatrick: Wasser wird zuerst tot geredet, damit es mit mehr oder weniger Aufwand wiederbelebt werden kann.
Belebtes, levitiertes, energetisiertes, vitalisiertes, formatiertes, informiertes oder harmonisiertes Wasser wird unter einer Vielzahl von Produktnamen angeboten, die auf unterschiedlichsten Herstellungsverfahren basieren.
Intensiv vermarktet werden beispielsweise Produkte wie Aqua Blue, AquaElixir, Aquakat, Aqua-Lyros, Aquantin, Aquapel, AROPUR, BestWater, BIOPOL, Diamantwasser, Granderwasser, Graviton, Johannes-Wasser, Lichtwasser, Memon, Organo, Pen-Yang, Plocherkat, Q-Aqua, Rayo-Aqua, Edelsteinwasser, Zaro……
Allein schon die grosse Vielfalt unterschiedlichster Verfahren zur Wasserbelebung ist ein Grund zur Skepsis – sehr unwahrscheinlich, dass alle diese zum Teil widersprüchlichen Behauptungen gleichzeitig auch stimmen können. Durchsetzen wird sich hier, wer das wirksamste Marketing aufzieht.
Propagandistisch besonders erfolgreich war die Masche mit dem Granderwasser.
Siehe auch:
Und ausserdem:
„In der Schweiz ist es seit 1999 verboten, mit einer therapeutischen Wirkung des Wassers zu werben. Wasser gilt auch in Deutschland als Lebensmittel und darf nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch nicht mit unbelegten gesundheitsbezogenen Angaben beworben werden.“
(Quelle: Wikipedia)
Sauberes Wasser ist wertvoll, so wie es ist.
Wasser sauber zu halten ist eine Aufgabe jedes Einzelnen im Alltag und vielmehr noch ein politisches Anliegen. Wer an sauberem Wasser interessiert ist, muss dieses Postulat auch in den politischen Prozess einspeisen, beispielsweise bei Wahlen und Abstimmungen.
Die esoterisch-magischen Wasseraufladungsphantasien lenken von diesem ernsthaften Anliegen meines Erachtens nur ab.
Hier wird die falsche Hoffnung vermittelt, man könne sich sein privates kleines Reich heil halten, wenn man ein Wasserbelebungsgerät an der Grenze zwischen innen und aussen montiert.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch