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30.03.23
"Sauber", "steril" und "rein" ist nicht dasselbe, auch wenn wir im Alltag die Begriffe fast synonym verwenden. Die Begriffe werden in der Fachliteratur fast schon inflationär verwendet, wie die Indices in einer wissenschaftlichen Suchmaschine zeigen und die Pandemie hat das Bewusstsein für Hygiene zusätzlich in der Bevölkerung gesteigert.
Was Sauberkeit bedeutet, lässt sich auch im Hinblick darauf definieren, aus welchem Bereich man diese definieren möchte. In den Bereichen der Elektrotechnik und der Automobilindustrie steht eher eine Technische Sauberkeit im Vordergrund, wobei man sich vorgängig auf den Schutz vor Verunreinigungen durch Partikel konzentriert oder auf die Abwesenheit von bestimmten chemischen Verunreinigungen auf der Oberfläche.
Im Gesundheitswesen dagegen kann man zwischen den Begriffen “Sauber machen” als Reduktion der Anzahl Mikroorganismen und “steril” und “keimfrei machen” als das aktive Entfernen der Mikroorganismen unterscheiden [2]. Ebenso muss man zwischen Desinfektion und Reinigung differenzieren. Swissmedic definiert die Begriffe wie folgt [3]:
Das Ziel muss sein, eine Reinigung und Desinfektion so vorzunehmen, dass das Risiko einer Übertragung von Keimen reduziert oder verhindert wird, statt eine sterile Oberfläche. Die Oberflächensauberkeit sollte dabei bewertet und in Korrelation mit einem Erregerbefall gebracht und bestimmt werden. Die Herausforderung ist, die Oberflächen zu bestimmen, die das grösste Risiko für eine Verunreinigung und eine Übertagung darstellen [4].
Das richtige Vorgehen zur Reinigung und Desinfektion ist im Speziellen im Gesundheitswesen wichtig, um Kreuzkontaminationen zu verhindern. Mit Kreuzkontaminationen bezeichnet man die Übertragung von Verunreinigungen, zum Beispiel Mikroorganismen, von einem Produkt/ Mensch/ Oberfläche auf ein anderes. Protano und Coautoren [5] haben die Literatur dazu zusammengefasst und dabei festgestellt, dass eine gute Handhygiene und die Desinfizierung und Sterilisierung von Oberflächen und Instrumenten der Schlüssel zur Vermeidung von Infektionen im Gesundheitswesen sind. Es ist wichtig die Prozesse richtig einzuhalten und diese konsequent und vollständig umzusetzen.
Natürlich muss nicht die gesamte Umgebung in einem Spital steril sein. Je nachdem, wie der Kontakt zum Patienten ist, ist eine anderer Grad an Reinigung, Desinfektion oder Sterilisierung erforderlich. Rutala und Weber [6] beziehen sich auf eine Einteilung in kritische, halbkritische und unkritische Gegenstände, die Earle H. Spreading bereits vor 50 Jahren erstellt hat und die weiterentwickelt und immer noch verwendet wird. Sie weisen darauf hin, dass die meisten nichtkritischen wiederverwendbaren Artikel meist vor Ort dekontaminiert werden und nicht an einem zentralen Ort.
Die am meisten nichtkritischen Gegenstände in der Patientenumgebung sind das Bettgitter, die Bettoberfläche, die Patiententafel, der Überbetttisch und intravenöse Pumpen. All diese können durch indirekte Übertragung potenziell zu einer Infektion führen. Dies kann beispielsweise über die Hände oder bei Kontakt mit Equipment geschehen, welches mit dem Patienten in Kontakt kommt. Die Wichtigkeit dieser möglichen Infektionswege wurde in den letzten Jahren immer deutlicher und in der Literatur hinreichend beschrieben [4,6]. Zusätzlich besteht auch das Risiko in einem Patientenzimmer im Spital stationiert zu werden, in dem der vorherige Patient mit Krankheitserregern infiziert war. Da diese über mehrere Tage und in einigen Fällen sogar Monate überleben und infektiös sein können, ist es unabdingbar eine regelmässige und gründliche Reinigung der genannten Oberflächen zwischen den Spitalaustritten durchzuführen.
Für die Desinfektion von Oberflächen gilt es verschiedene Aspekte zu beachten:
Neben den prozessorientierten und technischen Faktoren gibt es noch weitere wichtige Faktoren [4], die eher in der Organisation und in der Kultur verortet werden müssen. Management Tools, die organisatorische Struktur und die Firmenkultur haben einen Einfluss auf den Erfolg der Implementierung und die Effizienz der Reinigung, Desinfektion und die Überwachung der Effektivität.
Abhängig davon, wen man fragt, wird man unterschiedliche Antworten erhalten, die sich auf unterschiedliche Normen und Verordnungen beziehen. Man wird beispielsweise von Menschen aus dem Gesundheitsbereich und Menschen auf der Halbleiterindustrie eine andere Antwort erhalten. Gemeinsam ist aber, dass die Sauberkeit nur erreicht werden kann, indem darauf geachtet wird, dass die Prozesse validiert, implementiert und eingehalten werden und nicht nur festgelegt, sondern von allen auch gelebt werden.