Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03448.jsonl.gz/1108

Wie alles begann
26. Dezember 2004, Schifel hört von denm gewaltigen Tsunami der über Asien und Sri Lanka gedroschen ist.
Schifel verbringt schon seit vielen Jahren im Winter ( Januar -Februar ) die Ferien in Sri Lanka, um sich vom stressigen Schweizer Alltag zu erholen. Seit ein paar Jahren geht er immer wieder an den gleichen Ort nach Waikkal, im westen von Sri Lanka. Diesen Ort lernte er dank seinem guten Freund Christopher kennen. Christopher lebt in Sri Lanka, spricht aber perfekt Deutsch. In Waikkal besitzt er ein paar Zimmer und Bungalows, die er vermietet.
Schifel und Christopher lernten sich durch Zufall am Flughafen kennen und so kamen sie ins Gespräch. Von dort an ging Schifel immer zu ihm in sein Resort, so lernte er nach und nach die Bewohner von Hotel und Dorf kennen und lieben.
Als er die schrecklichen Nachrichten erfuhr, hatte Schifel schon längst gebucht. Für ihn wahr klar, dass er trotz des schrecklichen Tsunamis fliegen würde um zu helfen. In dem Dorf wo Schifel wohnt und seine Schreinerei führt, sprach sich schnell herum, dass er nach Sri Lanka fliegen wird, um zu helfen. Viele Leute gaben ihm ein wenig Geld mit, da sie von ihm wussten, dass es gut und richtig eingesetzt wird und nicht irgendwo versickert.
In Sri Lanka angekommen, mietete er mit seinem Freund Christopher einen kleinen Bus, kauft Pfannen, literweise Wasser und kiloweise Reis. Dies haben sie alles in kleine Säcke abgepackt, um es vor Ort verteilen zu können. Dann machten sie sich damit auf in die Krisengebiete. Sie kämpften sich so weit zu den am meisten Geschädigten wie sie konnten und verteilten die notwendigsten Hilfs- und Nahrungsmittel. Sie waren an diesen Tagen bis zu 20 Stunden unterwegs und kehrten dann wieder zurück nach Waikkal, um sich etwas auszuruhen und wieder neue Lebensmittel einzukaufen. Dies machten sie etwa fünf Mal. Sie mussten auf vieles achten, zum Beispiel als sie Babypulver verteilten (das ist sehr teuer und deshalb begehrt ), dass es wirklich Frauen mit Babys bekamen, weil es auch vorkommen konnte, dass es sonst teuer weiter verkauft wurde, um Gewinn zu machen. Die Hilfsaktionen wurden immer von Christopher geleitet, alleine hätte Schifel dies gar nicht tun können, alleine wegen der Sprache. Nach fünf Wochen kam Schifel wieder nach Hause, verstört, kaputt und völlig am Ende vom vielen Leid, das er gesehen hatte und miterleben musste. Trotzdem beeindruckte es ihn sehr, weil er sah, dass man mit wenig Geld so viel erreichen kann. In dieser Zeit merkte er auch, dass die Hilfsorganisationen sehr viel Geld in den ,,Sand“ setzen, wenig ankommt und das, was ankommt, falsch eingesetzt wird. Ein Beispiel, das ihn sehr wütend macht, ist, als nach dem Tsunami die Hütten der Fischer nur noch Schutt waren, sie wieder aufgebaut wurden. Alles gut und recht, aber die Häuser wurden mitten im Landesinneren gebaut. So hatten die Fischer keine Möglichkeit mehr, ihrer Arbeit nachzugehen.
In dieser Zeit lernte er auch das Kinderheim kennen. Eines Tages kam Kumudu, ein Freund von Chistopher, und fragte Schifel, ob er sich sein Heim anschauen könne. Kumudu war 10 Jahre im Krieg und als er zurück nach Hause kehrte, wollte er unbedingt noch etwas Sinnvolles in seinem Leben tun und machte deshalb für behinderte Kinder ein Heim auf, das er mit seiner Frau führte. Trotzdem mussten sie nebenbei noch arbeiten, weil sie nichts bekamen für das Heim. In Sri Lanka kümmert sich eigentlich der Staat um Schulen, Kindergärten und Heime. Das Geld , welches für solche Zwecke eingesetzt werden sollte, wird aber sonst irgendwo verbraucht oder vom Staat selbst eingesteckt. Deshalb kamen Kumudu und seine Frau auch nicht mehr weiter beim Bau des Heimes.
Als Schifel und Kumudu beim Heim ankamen und eintraten, war Schifel sehr schockiert über die Umstände. Es war düster, dreckig und es stank sehr schlimm. Ein Gestank von Urin, Kot und anderem. Der Boden war aus Beton, die wenigen Betten waren einfache Gitterbetten ohne Matratzen, einzelne Stühle und Tische standen noch herum. Die Hygiene war auch nicht besser. Die Kinder sassen in den Betten und vegetierten vor sich hin. Nach 10 Minuten musste Schifel wieder raus gehen, weil er es nicht mehr länger ertrug.
Zwei Tage später, als er sich vom Schock erholt hatte und nochmals alles im Kopf durch laufen liess, ging er nochmals zum Heim und machte sich ein paar Gedanken dazu. Ein Jahr später, im Jahr 2005, nahm er etwas Geld mit und vertraute es Christopher an. Er sagte ihm, wie er das Geld einsetzen solle.
Bau des Heims
Im Jahr 2006 fingen die Bauarbeiten am Kinderheim im Auftrag von Schifel an. Es wurde ein WC und eine Dusche gebaut und der Boden wurde neu mit einem Überzug gemacht, damit man ihn gut reinigen kann. Jahr für Jahr wurde immer mehr gemacht und mehr ausgebaut. So kamen auch immer mehr Kinder ins Heim, im Jahr 2006 waren es schon ca. 24 behinderte Kinder und Erwachsene. Deshalb brauchte es unbedingt Personal. Fünf Frauen aus der Umgebung, ohne Ausbildung, fingen im Heim an zu arbeiten. Die Frauen waschen die Kinder, kochen für sie und füttern die, die nicht selber essen können. Drei Frauen bleiben jeweils auch über Nacht im Heim und schlafen dort. Sie haben ein extra Zimmer für sich. In dieser Aufgabe wechseln sie sich ab.
Heute im Jahr 2014 leben etwa 45 Behinderte im Heim und das Kinderheim ist fertig gebaut. Die Bewohner des Heims haben jetzt richtige Betten mit Matratzen und Moskitonetzen, ein Badezimmer mit abgetrennten WCs, ein blaues für die Jungs und ein rosarotes für die Mädchen und eine Küche. Am Boden wurden keramische Platten verlegt, so dass er gut abwaschbar ist und hygienisch bleibt, auch wenn mal ein Missgeschick passiert.
Im Jahr 2012 fragte eine junge Schweizerin, die gerade ihre Ausbildung als Physioterapeutin machte, ob sie nicht ein 5 wöchiges Praktikum im Kinderheim absolvieren dürfte, weil ein Praktikum für ihre Ausbildung obligatorisch ist. Andere Praktikum sind sehr teuer, weil die Organisationen viel Geld verlangen und so kam sie auf die Idee, das Praktikum im Kinderheim zu absolvieren. Sie musste nur ihren Flug und ihre Ausflüge im Land bezahlen. Die Übernachtungen inklusive Frühstück und Abendessen wurden übernommen. In der Zwischenzeit arbeiteten schon mehrere Schweizer Praktikantinnen im Kinderheim.
Am 30. Dezember 2013 gründete Schifel den Verein Waikkala. So ist das Projekt auch gesichert. Die Mitglieder spenden so jedes Jahr einen fixen Betrag und der Lohn der Mitarbeiter im Heim, wie auch alle anderen Kosten sind weiterhin gewährleistet. Mit dem restlichen Geld werden auch Schulen unterstützt und eine Lernwerkstatt für Schreiner kommt noch neu hinzu.