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Das Ende eines legendären Nachtzugs
Beim Moonlight Nagara handelte es sich um einen 1996 eingeführten regulären Schnellzug, der durch die Nacht hindurch verkehrte. Jeweils um 23:10 Uhr fuhr der Zug im Bahnhof Tokyo ab. Die Route führte über Shizuoka und Nagoya bis in die Präfektur Gifu. Um 5:50 Uhr war die Endstation im Bahnhof Ogaki erreicht. Es war das ideale Verkehrsmittel für Reisende mit dem kleinen Budget. Der Fahrpreis betrug ein Bruchteil einer Shinkansen-Fahrt. Selbst der Bahnpass Seishun-18-Kippu (Asienspiegel berichtete) war auf dieser 410 Kilometer langen Fahrt gültig. Das machte den Moonlight Nagara zu einer äusserst beliebten Option für Studenten.
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Die Hotelkosten konnte man sich damit ebenfalls sparen. Bequem war die Fahrt jedoch nicht. Schlafabteile suchte man vergeblich. Die 10 Wagen waren mit reservierbaren Sitzen ausgestattet, deren Rückenlehne verstellbar waren. Das war schon der einzige Komfort, aber immerhin ein Fortschritt zum Vorgängermodell, dem Ōgaki Yakō («Ogaki-Nachtzug»), der von 1969 bis 1996 verkehrte. Dabei handelte es sich um einen Lokalzug mit gewöhnlichen Sitzen, die nicht reservierbar waren. Dies führte dazu, dass der Ōgaki Yakō während der Ferienzeiten derart überfüllt war, dass die zu spät gekommenen Passagiere sich am Boden einrichten mussten.
Das Ende des Moonlight Nagara
Der schleichende Niedergang konnte durch die Einführung des bequemeren Moonlight Nagara nicht aufgehalten werden. Ab 2009 war er nur noch als Sonderzug während der Universitätsferien im März, August und Dezember im Einsatz, jeweils dann, wenn der Seishun-18-Kippu-Bahnpass gültig war. Und so kam es, wie es kommen musste. Am 22. Januar 2021 verkündete JR East in einem kurzen Satz das Ende dieses nostalgischen Stücks Bahngeschichte. Der Moonlight Nagara werde aufgrund des veränderten Reiseverhaltens der Kunden, seiner abnehmenden Bedeutung und wegen der veralteten Wagen eingestellt.
Seine letzte Fahrt war bereits am 29. März 2020. Im Sommer und Winter verkehrte er aufgrund der wiederkehrenden Corona-Wellen nicht mehr. Die Pandemie hat das Ende des Moonlight Nagara zweifellos beschleunigt. Sein Schicksal war aber schon lange besiegelt. Die Fernbusse sind durch eine Gesetzeslockerung 2002 zu einer zu viel zu starken Konkurrenz geworden. Auch das Angebot an günstigen Inlandflügen machte dem Moonlight Nagara das Leben seit Jahren schwer.
Die letzten Nachtreisezüge
Einst war Japan wegen seiner weiten Distanzen ein Land der Nachtzüge. Die «Blue Trains» waren die beliebten Schlafwagenzüge der Nachkriegszeit. 1956 feierten sie ihr Debüt. Mit dem Aufkommen des Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen schwand deren Bedeutung. Mit dem Hokutosei, der in 16 Stunden von Ueno bis nach Sapporo fuhr, ging die Ära der Blue Trains 2015 endgültig zu Ende (Asienspiegel berichtete). Nur ein Jahr später wurde der Nachtreisezug Cassiopeia, der moderne Nachfolger mit privaten Schlafabteilen, ausser Betrieb genommen (Asienspiegel berichtete). Heute verkehren im normalen Fahrplan noch zwei klassische Nachtreisezüge mit Schlafabteilen: Der Sunrise Seto und der Sunrise Izumo.
Die Faszination für diese Form des Reisens ist geblieben. In den vergangenen Jahren sind in Japan zahlreiche luxuriöse Reisezüge entstanden, die kleine fahrende Fünf-Sterne-Hotels sind (Asienspiegel berichtete). Der berühmteste Vertreter ist der Nanatsuboshi (Seven Stars), der mehrtägige Fahrten durch die Südinsel Kyushu anbietet (Asienspiegel berichtete).
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