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Andreas Heege und Margret Loder, 2022
Firmengeschichte-Kurzversion
17. Februar 1890 Emil Loder (1890-1971) wird in Brenzikofen, Kanton Bern geboren.
28. Dezember 1900 Emil Loder kommt nach dem Tod des Vaters als Verdingkind zusammen mit seinen beiden Brüdern Ernst und Walter, zu seinem Vetter Karl Loder-Eyer, einem Töpfer in Steffisburg.
Werkstatt von Karl Loder-Eyer in Steffisburg.
10. Mai 1906 Emil Loder wird Lehrling bei Karl Loder-Eyer.
Arbeiten der Töpferschule in Steffisburg 1907/1908.
Er besucht ab 1906 die neu gegründete Töpferschule in Steffisburg.
1909–1911 Besuch der Keramikfachklasse der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bern, Ausbildung zum Keramikfachlehrer.
1912–1915 «Gesellenwanderung» von Emil Loder. Arbeit u.a. in der Kunstkeramischen Werkstatt von Friedrich Festersen (1880–1915) in Berlin. In dieser Zeit und den anschliessenden Jahren füllt sich ein Skizzenbuch mit Keramikformen und Dekorentwürfen (heute im Staatsarchiv Luzern, PA 1421/PLA 202, Firmenarchiv Kunstkeramik Luzern).
11. Mai 1915 Tod von Karl Loder-Eyer, Rückkehr von Emil Loder nach Steffisburg am 20. September 1915. Emil erbt mit seinen zwei Brüdern die Werkstatt, verkauft sie jedoch an die Witwe Anna Loder-Eyer, die die Töpferei unmittelbar anschliessend an eine Genossenschaft, die spätere DESA in Steffisburg, weiterverkaufte.
Ende 1915 Emil Loder tritt (als Geschäftsführer?) in die Keramikmanufaktur Wanzenried ein.
11. Dezember 1918 Emil Loder und Adolf Schweizer kaufen zu gleichen Teilen die Manufaktur Wanzenried (Gesellschaft Loder & Schweizer). Dort produzieren Sie bis Ende 1924 gemeinsam charakteristische Engobewaren mit Dekoren des Jugendstils und des Art Déco (Fotoalbum der Produkte; heute im Staatsarchiv Luzern, PA 1421/PLA 202, Firmenarchiv Kunstkeramik Luzern).
Emil Loder und Frieda Schenk.
1922 Emil Loder lernt Frieda Schenk (1900-1972), die Tochter des Hafners und Bienenzüchters Karl Schenk aus Heimberg kennen.
1924 Emil Loder plant und realisiert (1925) die Übernahme der Genossenschaft Keramik Luzern «KeraLuz». Dabei kauft er nur die Werkstatt nebst Gerätschaften, nicht jedoch das Grundstück.
1. März 1925 Auflösung der Steffisburger Kollektivgesellschaft «Loder & Schweizer, Kunstkeramik».
13. März 1925 Emil Loder heiratet Frieda Schenk. Das Paar lässt sich am 16. April 1925 in Luzern nieder. 1926, 1927, 1928 und 1932 Geburt einer Tochter und dreier Söhne.
30. März 1925 Firma «Loder-Schenk Kunstkeramik» wird mit der Adresse Maihofstrasse 30 offiziell in das Schweizerische Handelsamtsblatt eingetragen. Produktionsbeginn in der Töpferei der „Genossenschaft Keramik Luzern“ aber schon am 1. Februar 1925. Töpferei mit elektrisch angetriebenen Töpferscheiben und einem holzbefeuerten Töpferofen und einem kleineren Muffelofen. Anschaffung einer Spritzkabine für Engoben und Glasuren schon 1925. Frieda Loder kümmert sich im Betrieb um die Buchhaltung, den Messestand auf der MUBA, und zusammen mit dem Mitarbeiter Thaddäus Rigert, um den Warenversand.
Das Hafnereigebäude in den Anfangsjahren um 1925/1930.
1925-1927 Beschickung der Mustermesse in Basel zur Gewinnung von Grosskunden, meist bedeutenden Haushaltswarengeschäften in Basel, Bern und Zürich. Für die neue Produktion werden auch neue Form- und Dekorentwürfe gezeichnet (Musterblätter, um 1925).
1928 zum Eidgenössischen Turnfest in Luzern fertigt die Kunstkeramik Ehrengaben und Festkeramik. Die typische Vereins-, Wettbewerbs-, Firmen-, Werbungs- oder Jubiläumskeramik bzw. Keramik mit Familienwappen entwickelt sich zu einem der wichtigen Produktionsstränge der Kunstkeramik Luzern.
Eine reisende Vertreterin macht die Produkte mit Hilfe von Zeichnungen (erstes handgezeichnetes Werbeheft, ca. 1930/1932) und Fotos (erstes Fotoalbum, ca. 1931/1932) bekannt und nimmt Bestellungen entgegen. Das Produktionsspektrum dieser Jahre ist ein unmittelbarer Spiegel der schweizerischen Kulturdebatte zwischen Traditionalismus, Bodenständigkeit und Heimatstil auf der einen und Modernismus auf der anderen Seite.
Dem Fotoalbum von 1931/1932 und existierenden Entwurfszeichnungen kann man entnehmen, dass die Kunstkeramik Luzern sich in dieser Zeit auch intensiv mit der Langnauer Keramik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts auseinandersetzt und auf diese Weise zur Gestaltung des Stils „Alt-Langnau“ (siehe Hafnerei Adolf Gerber in Langnau) beiträgt.
25. Mai bis 29. Juni 1930 Teilnahme an der Jubiläumsausstellung «25 Jahre Keramische Fachschule Bern».
1931 Planungen für den Bau einer Erschliessungsstrasse (Hünenbergstrasse) tangieren den Standort der Töpferei.
1932 erste gedruckte Werbebroschüre, die die Keramik aus der Produktion zwischen 1927 und 1932 versammelt. Beginnende Zusammenarbeit der Kunstkeramik mit lokalen Künstlern: Emil Wiederkehr (1898–1963), Leopold Häfliger (1906–1974), Marc Piccard (1905–1989), Josef Alois Zurkirchen (1912–1996) und Plinio Barzaghi-Cattaneo (1868–1929).
1932 Herstellung der Festkeramik für die Centenarfeier «Luzern 600 Jahre in der Eidgenossenschaft» nach einem Entwurf des Luzerner Architekten August am Rhyn (1898–1953).
1931/1932 Beginn des Aufbaus eines neuen, systematischeren Formen- und Preiskataloges zunächst wohl nur für die interne Firmenorganisation. Erhalten haben sich zwei darauf aufbauende jüngere Formenkataloge mit Fotos und teilweise Preisangaben (um 1945, mit Preisnachträgen bis 1953).
Vor 1933: Es existiert in der Werkstatt ein zweiter, kleinerer Muffelofen.
19. Dezember 1933 Umwandlung der Einzelfirma «Loder-Schenk, Kunstkeramik» in die Aktiengesellschaft «Kunstkeramik A.G. Luzern». Hintergrund waren zwingend notwendige Um- und Erweiterungsbauten, die auch durch stadtluzernische Erschliessungsarbeiten im Bereich des Rankhofs ausgelöst wurden und die Emil Loder nicht alleine finanzieren konnte. Emil Loder und Frieda Loder-Schenk blieben mit 30% am Aktienkapital der Firma beteiligt.
Ab 1934/1935 vermehrt auch Herstellung religiöser Kleinkunst. 1934 produzierte die Luzerner Keramik zur Jahrtausendfeier des Klosters Einsiedeln in unbekannter Stückzahl Einsiedler Madonnen als Wallfahrtsandenken.
Auftragsarbeiten für das «Orchester des Kaufmännischen Vereins Luzern», Entwurf Emil Wiederkehr (1898–1963), 1934.
Zusammenarbeit mit Emil Wiederkehr (1898‒1963, Goldschmied, Plastiker und Medailleur, Lehrer an der luzernischen Kunstgewerbeschule).
Entwürfe für den Dekor Beromünster, um 1934-1940.
1934–1936: Verstärkung der traditionell-bodenständigen Tendenzen in der Keramikproduktion, vor allem mit Blumenmalereien, dem Entwurf des Dekors «Beromünster» und zahlreichen Erinnerungs-, Wettbewerbs- und Vereinskeramiken.
Um 1935 Verlegung des Ladengeschäftes vom Hirschenplatz in Luzern in die «Passage zum Stein».
1936 Um- und Ausbau der Werkstatt Maihofstrasse 30.
November/Dezember 1936 Anschaffung eines elektrischen Brennofens (Volumen 0,5 m3) der Firma Salvis A.G., Emmenbrücke.
1937 Der neue Dekor «Beromünster» wird intensiv in der Presse besprochen und als «traditionelles heimatliches Kunsthandwerk» gefeiert.
1939 Grossveranstaltung «Luzern im Blumenschmuck» mit zahlreichen Vasen der Luzerner Keramik.
1939 Grossveranstaltung «Eidgenössische Schützenfest» in Luzern (16. Juni bis 3. Juli 1939). Die Kunstkeramik A.G. fertigte das offizielle Festgeschirr «Brettmeisterkrug und Schöppli».
1939 Erhöhung des Aktienkapitals auf 50.000 Fr.
27.11.1941 die Kunstkeramik A.G. wird dem eidgenössischen Fabrikgesetz unterstellt. Zu diesem Zeitpunkt wurden angeblich sieben männliche und (nur!) drei weibliche Personen beschäftigt, wobei die Zahlen möglicherweise auch aus Teilzeitpensen zusammengerechnet sind. Die Kunstkeramik A.G. erhielt am 29.1.1942 eine Fabrikordnung, die die Arbeitszeiten regelte (8 ¾ Stunden je Tag, 6-Tage-Woche).
1942 Emil Loder prognostiziert, dass die Kunstkeramik A.G. aufgrund rechtzeitigen Rohmaterialeinkaufs noch vor Kriegsausbruch wohl noch 2,5 Jahre produzieren könne.
Herbst 1942/Frühjahr 1943 Erweiterung der Werkstatt um einen Lagerraum, ein Büro und zusätzliche Fläche im Malsaal. Vermutlich gleichzeitig wird ein zweiter elektrischer Brennofen angeschafft.
Standbilder der Kunstkeramik A.G. Luzern auf der Mustermesse Basel (MUBA), 1944, 1946 und 1947. Die Bilder dokumentieren die Dominanz des Dekors Beromünster.
1940-1950: In der Produktion übertrifft der Dekor Beromünster alle anderen Sparten, wie weiterhin produzierte Schützenfestkannen im Stil Alt-Langnau, Vereinskeramiken, Likörflaschen mit dem Dekor «Landschaften nach Zürcher Vorbild», plastische Arbeiten und Aktfiguren.
Kunstkeramik A.G. Luzern, verschiedene plastische Arbeiten 1945‒1950. 1 Raffael Raffaelli (1917‒1977). 2‒4 Paul Kyburz (1913‒1994. 5 Rolf Brem (1926‒2014). 6 Hans Huggler-Wyss (1877‒1947).
Gleichzeitig gab es eine künstlerische Zusammenarbeit mit Meinrad «Mädi» Zünd (1916–1998), Raffael Raffaelli (1917–1977), Paul Kyburz (1913–1994), Rolf Brem (1926–2014) und Hans Huggler-Wyss (1877–1947). Nach 1951 wurden Figuren wie auch die religiöse Plastik auf der MUBA nicht mehr angeboten. Die Vereins-, Wettbewerbs- und Militärerinnerungskeramik wurde bruchlos weiterproduziert.
Um 1944/1945 dekorative Neuentwicklungen (z. B. Dekor Apfelblüte, Dekor Wiesenblumen, Dekor Ritzpflanze).
Um 1945 Beginn der Planungen für einen Firmenneubau.
13. Juni 1946 Erhöhung des Aktienkapitals auf 100.000 Fr.
6./8. Oktober 1947 Erhöhung des Aktienkapitals auf 150.000 Fr. und Verlegung des Firmensitzes nach Ebikon, wo man einen Bauplatz gefunden hatte.
26. Juni 1948 Präsentation des Firmenneubaus des Luzerner Architekten Anton Mozzatti (1902–1965) in der Presse. Die Firma befand sich nun in Ebikon bei Luzern, Luzernerstrasse 71.
1944-1947 Paul Loder (1927–1977), der älteste Sohn von Emil Loder und Frieda Schenk, absolvierte eine Ausbildung zum Töpfer (Dreher) an der «Ecole suisse de céramique» in Chavannes-Renens VD. Parallel zur Arbeit im neuen Betrieb besuchte er in Luzern noch die Handelsschule. Von Dezember 1951 bis August 1952 bildete er sich in Beesel, nördlich von Maastricht, in den Niederlanden weiter. Paul reorganisierte im väterlichen Betrieb den Ablauf, von der Bestellung bis zur Auslieferung.
Standbilder der Kunstkeramik A.G. Luzern auf der Mustermesse Basel (MUBA), 1950 und 1951. Die Bilder dokumentieren das allmähliche Auslaufen des Dekors Beromünster, bei traditioneller Kontinuität.
Die existierende Produktion wurde zu seiner Zeit in Form und Dekor fortgesetzt. Neue künstlerische Ideen wurden von den Malerinnen und Malern erwartet (Dekor Wiesenblumen, Dekor Ritzpflanze).
Oktober 1949: Ausstellung der Luzerner Keramik im Kammermusiksaal des Kongresshauses in Zürich-Seebach in Kontrast mit Porzellan aus Rosenthal, Nymphenburg, Meissen, Copeland, Herend und Langenthal.
1948–1951 Franz Loder (1932–2001) der jüngste Sohn von Emil Loder und Frieda Schenk, schrieb sich ab 1948 ebenfalls in der Keramikfachschule in Chavannes-près-Renens VD ein. Zum Frühjahrssemester 1949 wechselte er an die Keramische Fachschule in Bern, die er Anfang 1951 als Keramikmaler erfolgreich abschloss, um anschliessend in den elterlichen Betrieb einzutreten. In Bern wurde er von den beiden bedeutenden bernischen Keramikern Benno Geiger und von Werner Burri ausgebildet, was die Anfänge seiner eigenen Arbeiten und Entwürfe erkennbar prägen sollte.
In der Fachschule lernte Franz Margret Rettenmund (1932– ) kennen und lieben.
1948–1951 Margret Rettenmund (1932– ) aus Langnau im Emmental, absolvierte an der Keramikfachschule in Bern die Ausbildung zur Keramikmalerin. Während der Fachschulzeit absolvierte sie ein längeres Praktikum in der Töpferei Stucki-Moser in Wichtrach im Kanton Bern. Es folgten ein kurzes Praktikum in der Keramikfabrik Aedermannsdorf, und dann zwischen dem 30. April 1951 und 28. März 1952 ein Arbeitsjahr in der Töpferei Meister in Stettbach-Dübendorf bei Zürich unter Gertrud Meister-Zingg. Anschliessend folgte vom 15. April 1952 bis 31. Januar 1953 ein knappes Arbeitsjahr als Keramikmalerin bei Fritz Iseli in Münsingen. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt als Au-Pair-Mädchen in Paris, folgte schliesslich eine Anstellung bei Jakob Stucki in Langnau. Die Arbeit in Langnau hinterliess deutliche Spuren in Margret Loders frühen Kreationen, da die farbige Schlickermalerei ihr persönlich mehr entsprach als der feine Pinseldekor der Fayencemalerei.
1951 Produktion der keramischen Wandbilder von Alfred Sidler für das neue Telephongebäude in Luzern in der Kunstkeramik.
Ab 1951: Franz Loder belebte mit seinen neuen Kreationen die traditionelle Kollektion. Dabei führte er neue Dekore ein, die auch auf älteren Formen angebracht wurden und schuf auch neue Form/Dekorkombinationen. Franz steuerte spätestens ab 1952/1953 zunehmend das Erscheinungsbild der Luzerner Keramik. Franz Aus- und Umbau des Sortiments waren sehr erwünscht, da vorher im Betrieb eine Art stilistisch-künstlerischer Stagnation bestand. Der alte Formenkatalog von Emil Loder wurde nur noch für eine kurze Zeit anfangs der 1950er-Jahre weitergeführt und dann zugunsten einer Werkstattkartei mit allen neuen Entwürfen aufgegeben.
Die Investitionen wurden auf der MUBA 1954 mit der Schweizerischen Werkbund Auszeichnung «Die gute Form» belohnt.
Dezember 1952: Franz Loder und Margret Rettenmund zeigen zum ersten Mal gemeinsam ihre Kreationen und Dekore im Weihnachts-Schaufenster der Firma Manz & Co. in Langnau.
Zwischen 1952/1953 und 1975: Die übliche Vereins-, Jubiläums-, Wettkampf- und Preiskeramik wurde mit abnehmenden Mengen ganz im vorhergehenden Stil weiter produziert.
Standbilder der Kunstkeramik A.G. Luzern auf der Mustermesse Basel (MUBA), 1954, 1956 und 1957. Die Bilder dokumentieren das durch Franz Loder und Margret Rettemund-Loder radikal veränderte Produktionssortiment.
Zwischen 1953 und 1961 spielten für die Keramik der Kunstkeramik A.G. zusätzliche Akzentuierungen durch Ritzlinien eine grosse Rolle. Mediterran anmutende Gesichter von Frauen, Meerwesen und Landschaften bzw. Städtebildern gehören ebenfalls in diesen Kontext.
1953 bis 1970er-Jahre: Der Luzerner Künstler Hans Erni (1909–2015) arbeitet immer wieder in der Kunstkeramik. Für ihn wurden gezielt Keramiken, Schalen und Vasen gedreht und engobiert, die er dann ritzte, bemalte und signierte. Sie tragen keine Marken der Kunstkeramik A.G.
Am 1. November 1954 trat Margret Rettenmund als Keramikmalerin in den Betrieb der Kunstkeramik A.G. in Luzern ein. Neben den Arbeiten und den Ausbildungsgrundlagen von Geiger und Burri waren für Franz Loder und Margret Rettenmund Weiterbildungskurse des Keramikers Mario Mascarin (1901–1966) eine wichtige Orientierungshilfe, um in den Folgejahren ihren eigenen Weg und Stil zu finden. Auf die Frage was Franz Loder von seinen Lehrmeistern gelernt habe sagte er einmal: «Vom Geiger den Leichtsinn, von Burri den Starrsinn und von Mascarin das Mass». Die Beziehungen zu Mario Mascarin führten 1955 auch zu einer ersten internationalen Ausstellungsteilnahme von Franz Loder und Margret Rettenmund. Sie stellten am XIII Concorso Nazionale della Ceramica in Faenza aus und erhielten eine Silbermedaille.
1956 brannte die Kunstkeramik ein grosses Keramikwandbild von Hedwig Aregger-Marazzi (1909–1986).
Dezember 1956: Franz Loder und Margret Rettenmund waren neben Mario Mascarin, Edouard Chappallaz, Benno Geiger, Fritz Portner, Hanni Krebs-Nencki, Elisabeth Langsch, Bruno Platten, Pierette Favarger, Jakob Stucki und Philippe Lambercy auf der Ausstellung «Moderne schweizerische Keramikkünstler» im Gewerbemuseum in Bern vertreten.
Ab etwa 1956 wurde eine neue, dreizeilige Firmenmarke eingeführt, mit der die Masse der Keramik gestempelt wurde: «LUZERNER KERAMIK HANDARBEIT».
Zwischen 1956 und 1967: Franz Loder malte seine ausdrucksstarke Serie der schwarzen Vögel, Fische und Katzen. Hier wurden grosse matte Flächen mit einer glänzenden Binnenzeichnung versehen. Zusätzlich fertigte er Dekore, die mit dem Verhältnis von matt und glänzend spielten und deren besondere Schwierigkeit in der Regelmässigkeit der Glasurtropfenverteilung lag.
27. Mai 1957: Franz Loder und Margret Rettenmund heirateten in Luzern. In den folgenden Jahren werden die Kinder Andreas, Christian, Kathrin und Annelies geboren, während gleichzeitig die gemeinsame Arbeit in der Werkstatt weiterlief.
Nach 1952/1953 bzw. 1957: Allmählicher Übergang in der wirtschaftlichen Betriebsführung von Frieda Loder-Schenk an Franz Loder und dann an Margret und Franz. Spätestens ab 1965/66 fungierte Franz Loder als Betriebsleiter.
Zwischen 1952/1953 und 1974 sicherten die MUBA-Bestellungen verschiedener grosser Haushaltswarengeschäfte der Schweiz und Kunstgewerbe-Boutiquen den Löwenanteil der Produktion der Kunstkeramik A.G. Zu erwähnen sind hier, neben anderen, vor allem die Geschäfte Séquin an der Bahnhofstrasse in Zürich, Füglistaller an der Freiestrasse in Basel und Steiger in Bern.
Ab den späten 1950er-Jahren bis in die frühen 1970er-Jahre entwickelte sich ein lukrativer Exporthandel nach Amerika über die beiden Einkäufer Amberg & Hirt, die vor allem für die Firma Hudson & Rissmann aus Los Angeles. tätig waren. Einmal im Jahr schickten die Amerikaner einer Farbkarte, nach der die Keramik für die kommende Saison möglichst dekoriert und bemalt werden sollte.
1959: Franz Loder bzw. die Kunstkeramik A.G. erhielten auf der MUBA erneut die Auszeichnung «Die gute Form» für drei der ausgestellten Keramiken. Dies dürfte mit ein Grund gewesen sein, weshalb Franz Loder von der Eidgenössischen Kommission für Angewandte Kunst des Departements des Inneren zur Beschickung zweier Ausstellungen in Gmunden in Österreich und Ostende in Belgien ausgewählt wurde.
Herbst 1959: Auf Initiative von Mario Mascarin schlossen sich verschiedene Keramiker zur «ASK – Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Keramiker» zusammen. Franz und Margret Loder waren Gründungsmitglieder. So verwundert es nicht, dass wir Franz Loder auch als Aussteller auf der ersten ASK-Ausstellung 1960 in Solothurn, dem XIX Concorso Nazionale della Ceramica 1961 in Faenza, der Exposition internationale de la céramique contemporaine Prag 1962, oder 1965 in der grossen ASK-Helmhaus-Ausstellung in Zürich, sowie der Sonderausstellung «3000 Jahre Keramik» im Kunstgewerbemuseum Zürich finden.
Nach 1960: Paul Loder verlies die Kunstkeramik A.G. und wurde Designer bei Kristallglas Häfeli in Sarnen und später in der Glashütte Hergiswil.
Nach 1960: Der Laden in Luzern entwickelte sich nach Margret Loders Vorstellungen allmählich zu einem Geschäft für gehobenen Haushaltsbedarf und Innendekoration, in dem die selbst hergestellte Keramik einen deutlichen Anteil hatte.
1961 beteiligte sich die Kunstkeramik A.G. auch einmal an der Frankfurter Messe.
1965 bis 1973: Franz Loder fertigt Gefässe aus einem stark schamottierten, schwarzbraun eingefärbten Manganton mit Matt- oder Chromglasuren.
1964 bis 1996: Neben die schwarz-weiss, schwarz oder chromgrün, matt oder glänzend glasierten Keramiken von Franz Loder trat erstmals der von Margret Loder entworfene, kobaltblaue Dekor 210. Dabei wurde blaue Glasur mit breitem Pinsel auf eine weisse Schmelzglasur aufgetragen und mit normalen Fayencefarben mit feineren Pinselstrichen akzentuiert. In den fröhlich-naiven oder floral-dekorativen Motiven vielfältig variiert, bildete der Dekor 210, in den Varianten blau, braun und braun-rot bis 1996 eine der sich gut verkaufenden Kontinuitätslinien der Kunstkeramik A.G.
1967 wurden Keramiken von Franz Loder auf der Hannover Messe ausgestellt. Hierbei handelte es sich um eine neue Serie scharfkantig abgedrehter Formen mit schwarzen, glänzenden Glasuren, auch in Kombination mit Mattglasuren. Diese Serie wurde bis 1974 produziert und auch weiss und mattblau glasiert.
10. Mai 1967 Anstelle des mittlerweile 77 Jahre alten Emil Loder wurde Franz Loder offiziell Geschäftsleiter und Mitglied des Verwaltungsrates der Kunstkeramik A.G., zu dessen Vizepräsident er schliesslich im Mai 1970 aufstieg.
Ab spätestens 1968/1969 entwickelte Franz Loder eine eigenständige, exklusive Dekorserie mit roten Rosen. Daneben fertigte er aber immer noch grosse Vasen mit chromhaltigen Glasuren.
Ab 1969: Von der Firma Heini Landert in Embrach kaufte man auch geschrühte Rohware in Form von Caquelons hinzu, die dann mit dem Dekor 210 verziert wurden, um vollständige Fondue-Sets in guter Qualität anbieten zu können.
Messestände MUBA 1970 und 1974.
Die frühen 1970er-Jahre waren für die Kunstkeramik A.G. eine Zeit des Umbruchs. Emil Loder starb am 27.12.1971 in Luzern. Frieda Loder folgte ihm bereits am 18.3.1972. Die wirtschaftlich eher problemlosen Jahre gingen für die Kunstkeramik A.G. ab 1970 allmählich zu Ende. Hierfür gab es mehrere Gründe: Die Ölkrise, die sich ändernde MUBA und Bleilässigkeit der Glasur. Parallel zum Wertverfall des Dollars zwischen 1971 und dem Ende der Ölkrise 1973/1974 (Wertverlust ca. 25–30%) kam es zu einer deutlichen Abnahme amerikanischer Touristen in Luzern, so dass das Ladengeschäft erhebliche Einbussen erlitt. Gleichzeitig wurde der Import in die USA für die dortigen Abnehmer finanziell uninteressant und wurde schliesslich eingestellt.
1974 wechselte die Kunstkeramik A.G. von der MUBA zur kleineren, zweimal jährlich in Bern und Zürich stattfindenden Ornaris-Messe, zu deren Mitbegründern sie zählte. Der Wechsel war erfolgreich und brachte neue Kunden und eine grössere räumliche Nähe zu zahlreichen Abnehmern.
1970er-1980er-Jahre: Zahlreiche Kindertellerserien, u.a. auch von der Keramikmalerin Elsbeth Birnstiel-Marti, die sehr erfolgreich waren.
1975 neues Werkstatt-Signet neben der dreizeiligen Blindmarke und individuelle Stempelmarken für Margret und Franz Loder.
1972 bis 1975 wegen Problemen mit Bleilässigkeit allmähliche Umstellung auf einen zweiten Produktionsstrang mit Steinzeug aus importiertem französischem Ton. Es folgten Experimente mit Reduktionsbränden, Steinzeug- und Tenmokuglasuren.
Beeindruckend sind sowohl die celadonartigen, an asiatische Vorbilder erinnernden Glasuren, als auch die kupferroten Reduktionsbrände oder die Experimente mit Glasuren auf der Basis von Nephelinsyenit. Daneben wurde aber weiterhin Irdenware, aber mit anderen Fayenceglasuren (Schmelzglasuren) hergestellt.
1976 Es entstand der von Franz Loder auch selbst gemalte, kobaltblaue Dekor 241 auf Steinzeug. Erste Ausstellung mit Steinzeug-Verkaufsprodukten in Luzern.
1981 bis 1990: Entwicklung und Produktion der «Naturblatt-Serie» auf Steinzeug durch Franz Loder.
3. bis 17. Oktober 1982: Aus Anlass des 50. Geburtstages von Margret und Franz Loder zeigte die Werkgalerie Steinemann, Rippertschwand-Neuenkirch eine Einzelausstellung mit Luzerner Keramik. In der Presseorientierung findet sich der Hinweis auf 17 Mitarbeiter und die Bedeutung des Drehers Charles Cavin für die Werkstatt (Arbeitszeitraum ca. 1955–1985). Franz Loders Thema zur Ausstellung waren «Experimente mit Steinzeugglasuren». Margret Loder zeigte modellierte Einzelstücke, Narren und Hampelmänner, Figürliches, Stehendes und Hängendes. Dazu gehörten auch erste Frauenfiguren, bei denen es sich durchweg um Einzelobjekte handelte.
1984: Nur in diesem Jahr experimentierte Franz Loder auch mit sehr schwierigen weissen und schwarz eingefärbten Porzellanmassen.
Die zweite Hälfte der 1980er- und die frühen 1990er-Jahre füllten Steinzeugkeramiken mit blauen und braunen Glasuren und Bildern oder Beschriftungsfeldern, die durch Wachsreserven von der Glasur freigehalten wurden.
1985–1991: Figurenserie von Margret Loder mit limitierter Auflage mit jährlich einer neuen Figur. Als erste Figuren entstanden 1985 «Flora» und 1986 «Bella». Beide reisten 1987 zusammen mit einer dritten Einzelfigur und einer Steinzeugvase von Franz Loder zu einer Ausstellung nach Peking-Nanchang, die vom Musée Ariana beschickt wurde.
Zwischen 1985 und 1992: Franz Loder fertigte eine Gefässformenserie aus Steinzeug, die charakteristische ausgeschnittene Füsschen oder ansonsten ungewöhnliche Standvorrichtungen aufwies. Zwischen 1989 und 1992 trugen diese Schüsseln, Schalen und Schälchen sowie gleichzeitige Duftlämpchen und technisch aufwendig gearbeitete Teekannen kräftige rote, blaue oder türkisfarbene, streifenförmige Tauchglasuren über einer schwarzen Basisglasur.
1990-1996: Den zunehmenden Schwierigkeiten ihre hochpreisigen Produkte auf einem kleiner werdenden, schweizerischen Markt abzusetzen, setzten Franz und Margret Jahr für Jahr neue Formen und Dekore entgegen und zwar sowohl im Bereich des Steinzeugs als auch im Bereich der bunt bemalten Fayenceglasuren. In immer schnellerer Kadenz folgten für jede Ornaris-Messe neue Dekorserien oder Gefässformen, neben den mehr touristisch-schweizerisch bzw. figürlich-traditionell angehauchten Dekoren mit Edelweiss und Kühen (Dekor «Flüela», «Vroni und Lotti») oder dem frechen, schwarz-bunten Kuhdekor «Fläckli-Swiss», vor allem die dezent-zeitgemässen bunten Pinseldekore «Flambée» und «Fil» oder 1995 noch «Saturn» und «Sky». Für den sehr gelungenen, dezent zurückhaltenden Dekor «Fil» auf Steinzeug erhielt die Kunstkeramik A.G. auf der Ornarismesse im Herbst 1993 einen von zehn Preisen unter 650 Ausstellern.
1991 erhielt die Kunstkeramik A.G. noch einmal einen Grossauftrag für das 71. Eidgenössische Turnfest in Luzern.
Ab 1990: Mit Hilfe einer Plattenwalze und bemalt von Margret Loder entstanden nicht nur Engel und Weihnachtskrippen sondern im Laufe der nächsten Jahre ein ganzer Alpaufzug mit Heidi und dem Geissenpeter, einem Käseträger und Milchmädchen, Kühen, Schweinen und Ziegen, ein Jodler-Chörli, Volksmusiker und Volkstanz, Schwingern und Schwingerkönigen mit Muni und auf dieselbe Art auch Katzen, Fische, Schnecken, Vögel und Gartenzwerge.
1. Juli 1994: Kathrin Loder, die schon vorher ganz wesentlich das Büro der Kunstkeramik geleitet hatte, übernahm vollständig die Geschäftsführungsposition von Franz Loder. Die Anzahl der Firmenangestellten betrug zu diesem Zeitpunkt, die zwei Lehrlinge einberechnet, nur noch zwölf Personen.
1995 entwarf Franz Loder mit dem schlichten, aber beeindruckenden Dekor «Return» ein letztes Mal eine ganze Geschirrserie. Zusätzlich versuchte die Kunstkeramik in den Jahren 1995 und 1996 durch die Veranstaltung von Keramikkursen für Kinder und Erwachsene lokal neue Kunden zu gewinnen.
Margret und Franz Loder, 1995.
28. Mai 1996: Nach mehreren Jahren ohne Gewinn beschloss die Generalversammlung der Kunstkeramik AG die Schliessung der Produktion zum 31. August 1996, 71 Jahre nach der Gründung in Luzern und 48 Jahre nach dem Umzug nach Ebikon.
25.9.1997: Auf der Generalversammlung wurden die Liquidierung der A.G. und der Verkauf der Liegenschaft festgelegt. Franz und Margret Loder gingen in Pension, für alle Mitarbeiter wurden neue Stellen gefunden.