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Bild des Monats November 2011: Napoleons charismatische Wirkung
Im 1818 von Carl Steuben angefertigten Gemälde Napoleons Rückkehr von der Insel Elba ist ein Moment prägnant festgehalten, der die Wirkung eines ‹grossen Mannes› par excellence veranschaulicht. Zu sehen sind königliche Soldaten aus dem Bataillon des fünften Linienregiments, ausgesandt, den ehemaligen Kaiser Napoleon Bonaparte festzunehmen. Anstatt ihn gefangen zu nehmen, knien sie jedoch vor ihm nieder, halten ihre Hüte in die Luft und schwingen die Säbel. Einer klammert sich sogar an Napleons Bein, ein anderer küsst ihm die Hand.
Neben den Angehörigen der königlichen Armee jubeln im Hintergrund Menschen aus dem Volk dem früheren Kaiser zu. Visualisiert wird eine Situation in Laffrey bei Vizille, die nach der Flucht von Elba stattgefunden haben soll. Danach habe sich Napoleon bis auf Schussweite dem königlichen Bataillon genähert, seinen Mantel aufgerissen und gefragt, ob jemand da sei, der seinen Kaiser töten wolle. Darauf seien Vivat-Rufe des Heers erschallt und hätten sich die Soldaten Bonaparte angeschlossen. Dieser Moment wird als wichtiger Umschlagpunkt erachtet, an dem die Herrschaft der Hundert Tage begann.
Das Bild veranschaulicht paradigmatisch die Ausstrahlung eines Einzelnen auf Viele. Nicht militärische Überlegenheit, sondern der Herrschaftsanspruch eines charismatischen Potentaten wird hier inszeniert. Unterstrichen wird dieser Anspruch durch die in die Höhe gehaltene Flagge, Symbol Frankreichs. Der errungene Sieg wird diesmal nicht militärischem Geschick geschuldet, sondern dem, was man mit Charisma benennen könnte. Dies wird mit dem Arrangement der Figuren, mit farblichen Akzenten und Lichteffekten in Szene gesetzt. Die Soldaten, die Napoleon eigentlich festnehmen sollen, neigen ihm ihre Körper entgegen; die Gefolgsleute des ehemaligen Kaisers werden in einem klaren Abstand zu ihm positioniert, aber in derselben aufrechten Haltung ihres Anführers dargestellt. In einem lediglich durch zwei Soldaten geteilten Kreis von Anhängern abgebildet und lichtumflutet stellt Napoleon das Zentrum des Bilds dar. Sein Blick ist der Quelle des Lichts, das ihn bestrahlt, entgegengerichtet. Das Unvermittelbare der situativen und an Präsenz gebundenen charismatischen Wirkung wird so im Bild sichtbar gemacht.