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Lee Kun-hee, bis vor zwei Jahren Chef des Samsung-Konzerns, übernimmt ab sofort als Chairman der Geschäftsleitung das Szepter bei Samsung Electronics, dem grössten Unternehmen der Samsung-Gruppe. Der heute 68 Jahre alte Lee Kun-hee, der reichste Mann Koreas und Sohn des Samsung-Gründers Lee Byung Chul, war im April 2008 aufgrund einer Affäre um Betrug und Steuerhinterziehung von seinem Posten als Konzernleiter zurückgetreten. Danach wurde er von einem Gericht zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Im Dezember des letzten Jahres wurde er aber vom koreanischen Präsidenten Lee Myung-bak begnadigt, damit er als Mitglied des Internationalen Olympischen Kommitees eine Rolle bei der Bewerbung Koreas um die Olympischen Winterspiele 2018 übernehmen kann.
Noch unklar ist die zukünfige Rollenteilung mit Choi Gee-sung, dem Präsidenten und CEO von Samsung Electronics, der anscheinend weiter an Bord bleibt. Koreanische Medien gehen aber davon aus, dass die Führung klar bei Lee liegen wird. Choi selbst hatte schon im letzten September erklärt, dass die Leitung von Samsung durch eine Rückkehr des Hauptaktionärs, der als solcher viel schnellere Entscheide treffen könne, "normalisiert" werden sollte.
Mit der Rückkehr von Lee Kun-hee – sein Sohn und designierter Nachfolger Lee Jay Yong ist bereits COO von Samsung Electronics – wird die Macht der Gründerfamilie bei Samsung wieder deutlich gestärkt. Ein Teil der übrigen Investoren und viele koreanische Bürger kritisieren dies allerdings. Sie befürchten, dass damit die Intransparenz in der Führung des in Korea äusserst mächtigen Konzerns wieder zunimmt.
Obwohl Samsung vor einem Rekordjahr stehen dürfte, malte Lee eine schwierige Zukunft an die Wand, um seine Rückkehr zu rechtfertigen. Man befinde sich in einer echten Krise, so Lee gemäss koreanischen Presseberichten, für deren Bewältigung eine starke Hand an der Spitze des Unternehmens notwendig sei. In den nächsten zehn Jahren würden die meisten von Samsungs gegenwärtigen Hauptgeschäftsbereichen verschwinden, und der Konzern müsse in dieser Situation sozusagen aus dem nichts neu beginnen. (hjm)