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Andrej Rublew ist der «Mann» der Stunde. In Genf stellte der 17-jährige Teenager einen 11-jährigen Rekord von Rafael Nadal ein und schlug mit Marin Cilic beinahe zum ersten Mal einen Top-10-Spieler. Experten sagen ihm eine grosse Zukunft voraus.
Erstmals seit sieben Jahren stehen seit dieser Woche wieder vier Tennis-Teenager in den Top 100 der Weltrangliste. Borna Coric (18/ATP 53), Hyeon Chung (19/ATP 69), Thanasi Kokkinakis (19/ATP 83) und Alexander Zverev (18/ATP 85). Und schon bald könnte sich ein fünfter dazugesellen: Andrej Rublew.
Der 17-jährige Russe ist zwar «erst» die Weltnummer 229, momentan aber kaum zu bremsen. Um mehr als 200 Plätze hat sich die Nummer 1 der Junioren in der Weltrangliste bereits verbessert, seit er sich im Januar entschieden hat, nur noch bei den Profis zu spielen. Mit Erfolg: Gleich bei seinem ersten Challenger-Turnier in Dallas hat sich der Junioren-French-Open-Sieger über die Qualifikation bis ins Viertelfinale gespielt.
Und beim neuen ATP-Turnier in Genf hat Rublew bereits das nächste Ausrufezeichen setzen können: Von Turnierdirekter Marc Rosset mit einer Wildcard ausgestattet besiegte der 1,88 Meter grosse, aber nur 65 Kilogramm schwere Schlaks in der 1. Runde Routinier den Finnen Jarkko Nieminen (ATP 86) in drei Sätzen.
Somit hat der 17-Jährige in diesem Jahr bei allen fünf ATP-Turnieren, in denen er im Hauptfeld stand, die erste Runde überstanden. Das schaffte zuletzt ein gewisser Rafael Nadal im Jahr 2004. Dabei hat «Rubl» nicht nur No-Names geschlagen, sondern auch gestandene Profis wie Fernando Verdasco (ATP 37) und zweimal Pablo Carreno Busta (ATP 54).
Seinen bislang grössten Exploit verpasste Rublew gestern im Genfer Tennis-Club Eaux-Vives nur haarscharf. Der Sohn eines früheren Boxers und der ehemaligen Trainerin von Anna Kurnikowa vergab im Achtelfinal gegen US-Open-Sieger Marin Cilic (ATP 10) im Tiebreak des zweiten Satzes einen Matchball und verlor noch 6:4, 6:7, 1:6.
Rublew spielte Cilic dabei zu Beginn phasenweise an die Wand. Für einen 17-Jährigen verfügt er über eine beachtliche Schlagkraft. Vor allem sein Aufschlag und seine Vorhand haben es in sich, aber auch seine doppelhändige Rückhand kann sich sehen lassen. Hinzu kommt seine Unbekümmertheit, mit der er auftritt.
Natürlich gilt es auch noch viel zu verbessern – allen voran sein Auftreten auf dem Platz. Fast jeden Punkt kommentiert Rublew gestenreich, ob positiv oder negativ. Das nervte Verdasco in Barcelona dermassen, dass er den Russen nach seiner Niederlage verbal in die Schranken wies. «Es geht nicht um den Kampfgeist, den er besitzt, sondern darum, wie unhöflich er ist. Er ist erst 17 und er ist so schlecht erzogen», wetterte der Spanier.
Rublew liess sich davon nicht beeindrucken. «Nur weil ich einige meiner Punkte emotional feiere, heisst das noch lange nicht, dass ich schlecht erzogen bin. Wenn Cristiano Ronaldo das tut, ist er es doch auch nicht, oder? Das ist einfach die Art, wie ich bin», konterte er.
Und mit dieser könnte es der Teenager noch weit bringen. Vorerst wird sein Höhenflug jedoch aus terminlichen Gründen gestoppt. Weil er in Genf die zweite Runde erreichte, kann er die Qualifikation für das French Open nicht bestreiten. Trotzdem: Marin Cilic ist überzeugt, dass Rublew dereinst «ein grosser Tennisstar» wird.
Und auch Marc Rosset glaubt, dass der junge Russe alles hat, was es zum Durchbruch braucht. «Er wird in Sachen Koordination und Kraft noch zulegen», so der Olympiasieger von 1992 zu 24 Heures. Das allein reiche noch nicht, aber: «Mit einer guten Entourage und wenn er die nötige Seriosität an den Tag legt, dann wird man in Zukunft noch viel von ihm hören.»