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Der Welpe wird uns vorgestellt, weil der Besitzer seit der Übernahme des Hundes von einem slowakischen "Züchter" auf einer Schweizer Autobahnraststätte vor 3 Tagen zunehmenden Durchfall beobachtet hat. Der nun wässrige Kot ist in der Zwischenzeit auch mit Blut durchmischt. Ausser dem Durchfall geht es dem Hund gut und er zeigt Appetit.
GIMMA, Malinois, weiblich, 3 Monate alt
Untersuch und Dokumente
Bei der Untersuchung wird ein Befall mit Flöhen und Ohrenmilben festgestellt. Der Hund ist eher mager, etwas bleich, ansonsten aber bei gutem Allgemeinbefinden und ohne Fieber. Die Inspektion des slowakischen Heimtierpasses deckt Unerfreuliches auf: Zwar wurde der Hund korrekt gegen Tollwut geimpft und mit einem Mikrochip versehen; die zwei weiteren im Pass eingetragenen Impfungen weisen jedoch einerseits eine Impfung mit einem Katzenimpfstoff (Felocell) sowie eine Impfung gegen Leptospirose mittels eines für Rinder und Schweine zugelassenen Impfstoffes (Leptoferm) nach.
Weitere Abklärungen
In erster Linie sollte bei einem Krankheitsbild wie bei Gimma (und der undurchsichtigen Vorgeschichte des Hundes) eine Infektion mit Parvovirus ausgeschlossen werden. Typischerweise wird hierzu ein Kot-Schnelltest durchgeführt; allerdings könnte der Hund trotz fehlenden Hinweisen im Pass in der Slowakei noch gegen Parvovirose geimpft worden sein, was zu falsch positiven Testergebnissen führen kann, da im Kot ausgeschiedene Impfviren festgestellt würden. Stattdessen wird eine Blutuntersuchung durchgeführt - bei einer Parvovirose sinken die Zahlen der neutrophilen Granulozyten (einem Typ weisser Blutkörperchen) im Verlauf der Infektion stark ab. Bei Gimma wird dies glücklicherweise nicht beobachtet und dadurch eine Parvovirose als unwahrscheinlich taxiert. Allerdings zeigt der Blutuntersuch, dass der Welpe unter einer deutlichen Blutarmut leidet - der Hämatokrit des Tieres beträgt nur knapp 30% (Normalwert: 37-55%). Offenbar hat der Hund via Darm schon sehr viele rote Blutkörperchen verloren; am Ehesten ist hier eine massive Verwurmung (insbesondere mit Hakenwürmern) als Ursache zu nennen.
Therapie und Verlauf
Aufgrund des guten Allgemeinbefindens und Appetits des Hundes wird auf eine Hospitalisierung verzichtet. Eine intensive Entwurmung, eine breite symptomatische Therapie gegen den Durchfall, eine Ohrensalbe gegen die Ohrenmilben und ein Präparat zur Therapie des Flohbefalls werden verschrieben. Die Besitzer berichten tags darauf, dass der Welpe im Kot viele tote Würmer ausgeschieden habe. Gimma erholt sich in der Folge gut vom Durchfall und nimmt an Gewicht zu; auf eine Kontrolle der Blutwerte wird daher verzichtet.
Wissenschaftliches und juristisches
Der Fall von Gimma ist durch die Kumulation von gesundheitlichen, juristischen, finanziellen und moralischen Problemen bemerkenswert. Wir möchten bei dieser Gelegenheit eindringlich davor warnen, der Versuchung eines günstigen Preises beim Kauf eines Hundes aus undurchsichtiger Quelle (insbesondere Osteuropa, häufig via Internet) zu erliegen.
Der Kauf eines Rassehundes aus den geordneten Verhältnissen einer etablierten Zucht in der Schweiz oder den Nachbarländern (oder Übernahme eines Hundes aus einem Schweizer Tierheim) mag zwar etwas teurer sein als derjenige aus einer osteuropäischen Pseudozucht mit Übergabe des Hundes "aus dem Kofferraum" (wobei der Besitzer von Gimma in diesem Fall zu allem Unglück leider nicht einmal hier einen substantiellen Vorteil erfahren hatte...). Dafür kann die Zucht und der Welpe vor der Übernahme besucht und beurteilt werden; die Elterntiere können einen Stammbaum und je nach Rasse Freiheit von gewissen vererblichen Problemen vorweisen; der Welpe wird mit korrekten Impfstoffen und zum korrekten Zeitpunkt geimpft, von einem Tierarzt korrekt untersucht sowie wiederholt gegen Magen-Darm-Parasiten behandelt. Probleme wie der extreme Befall mit Endo- und Ektoparasiten bei Gimma sind so ausgeschlossen. Ausserdem kann bei Schwierigkeiten der Züchter zu Rate (und bei gesundheitlichen Mängeln auch zur finanziellen Verantwortung im Rahmen einer Haftung/Gewährsleistung) gezogen werden.
Neben diesen gesundheitlichen, juristischen und finanzellen Aspekten ist auch ein moralischer/tierschützerischer Blickwinkel zu beachten: Das Problem von osteuropäischen Hinterhofzuchten und der entsprechende häufig illegale Handel von Hundewelpen nach Westeuropa ist hinlänglich bekannt. Laut Schätzungen des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV werden jährlich ca 60'000 Hunde illegal in die Schweiz importiert - ein Grossteil davon Klein- und Modehunde wie Chihuahuas und Möpse. Abgesehen von den Problemen für die Volksgesundheit (mögliche Einschleppung von Tollwut), Betrug und Benachteiligung der Käufer (siehe obiges Beispiel) muss auch die Problematik der häufig bedenklichen Zustände in den betreffenden "Zuchten", in denen Welpen unter misslichsten Bedingungen "produziert" werden, beachtet werden.
Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie z.B. unter http://www.petadvice.ch/Petadvice/Aktuelles/Eintrage/2014/2/22_Stopp_dem_illegalen_Welpenhandel!.html oder http://www.vier-pfoten.ch/de/news-press/pressearchiv-2/2015/welpenmafia-vier-pfoten-warnt-vor-illegalem-hundehandel-/