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W Wie die Olympischen Spiele in Tokio und die Weltausstellung in Dubai, die aufgrund der Pandemie auf 2021 verschoben wurden, konnte auch der Zürcher Peter Sauber erst dieses Jahr das 50-jährige Bestehen seines Teams feiern und zum ersten Mal seit 2019 wieder ein Formel-1-Rennen besuchen. Der Gründer des Formel-1-Teams, dessen Name heute mit Alfa Romeo verbunden ist, reiste am 12. September nach Monza, um den Grossen Preis von Italien zu besuchen. Dies war eine ausgezeichnete Gelegenheit, einen der wenigen Schweizer kennen zu lernen, die seit vielen Jahren auf dem höchsten Level des internationalen Motorsports aktiv sind.
Peter Sauber, geboren am 13. Oktober 1943 in Zürich, hat von 1970 bis 2021 eine Reihe von berühmten Fahrern betreut. Unter ihnen vier F1-Weltmeister: Kimi Räikkönen, Sebastian Vettel, Jacques Villeneuve und Michael Schumacher. Schumacher fuhr für Peter Sauber, als sein Team die berühmten SauberMercedes-Silberpfeile einsetzte, die 1989 die 24 Stunden von Le Mans gewannen. «Auch wenn wir 2008 mit Robert Kubica den Grossen Preis von Kanada in der Formel 1 gewonnen haben, ist der Sieg in Le Mans mit den beiden Weltmeistertiteln in Sportprototypen 1989 und 1990 der grösste Erfolg unseres Teams», sagte uns Peter Sauber.
Diese Erfolge kamen angesichts des sehr bescheidenen Starts von Peter Sauber im Wettbewerb völlig unerwartet. «Es ist wahr», gibt er zu. «Ich habe 1967 im Alter von 23 Jahren nur durch Zufall mit dem Rennsport begonnen. Damals war ich kein Motorsportfan, und seltsamerweise bin ich es auch heute nicht! Mein erstes Auto war ein Citroën 2CV! Um auf meine Anfänge zurückzukommen: Es war ein Freund, Arthur Blank, der mich dazu drängte, anzufangen, und nachdem ich mit einem StandardKäfer begonnen hatte, stieg ich 1968 auf einen ziemlich modifizierten Käfer um. Ich erinnere mich, dass ich bei den ersten Trainings so tief sass, dass ich draussen nicht viel sehen konnte!»
Kimi Räikkönen,
Sebastian Vettel,
Jacques Villeneuve
Michael Schumacher
«Mit seinen Fenstern und seiner Motorhaube aus Plastik konnte dieser Käfer nicht zugelassen werden und so nahm ich an verschiedenen Rennen in der Sportwagenklasse teil. In Hockenheim fuhr ich sogar in der gleichen Serie wie Jo Siffert, und jedes Mal, wenn er mit seinem Porsche eine Runde drehte, spürte ich eine grosse Luftverdrängung, die mich noch mehr aufhielt! Ich habe auch sehr schnell gemerkt, dass es mir mehr Spass macht, an meinen Autos zu basteln als sie zu fahren», fügt Peter Sauber hinzu. Ob diese Lust am Basteln von seiner Ausbildung herrührt? «Nein. Ich habe eine Lehre als Elektriker gemacht, und am Anfang wusste ich nichts über Rennwagen, absolut nichts. Aber ich war sehr praktisch veranlagt und habe durch die Arbeit gelernt. Das erste Auto, das meinen Namen trug, der Sauber C1, wurde aus einem alten Brabham F3-Einsitzer (Anm. d. Red.: dem des Wallisers Paul Fellay) gebaut. Ich habe den Motor und die Aufhängung beibehalten und eine zweisitzige Karosserie nach meinem eigenen Entwurf hinzugefügt.» In diesem Auto wurde Peter Sauber 1970 Schweizer Meister. «Dieser C1 wurde von einem 1000-cm3- Cosworth-Motor angetrieben, und ich gewann den nationalen Titel in der Sportwagenkategorie, in der das Punktesystem kleinere Autos begünstigte. Aber das Punktesystem war so kompliziert, dass niemand es je verstanden hat», lacht Peter Sauber. «Nach diesem nationalen Titel dachte ich, dass es vielleicht keine schlechte Idee wäre, sich mit einem Sieg zurückzuziehen, und nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, nie wieder zu fahren.» Einen letzten Versuch erlaubte sich Peter Sauber dennoch, und zwar 1974 beim Hemberg Bergrennen: «Ich bin dort im Sauber C3 eines meiner Kunden gefahren, der sich nicht von seinen militärischen Verpflichtungen befreien konnte. Ich hatte mich nur entschlossen, ein Rennen zu fahren, um meinen Führerschein zu behalten, falls mich die Lust am Fahren wieder packen würde, aber das war wirklich mein letztes Rennen. Ich möchte auch anmerken, dass dieses letzte Rennen sehr gut gelaufen ist, denn ich habe in meiner Klasse gewonnen. Erfolg war aber mehr der schlechten
Leistung meiner Konkurrenten geschuldet als meinen eigenen verdiensten», gab Peter Sauber, wie immer sehr bescheiden, zu. Peter Sauber interessierte sich mehr für die Technik als für das Fahren und als die Mechanik immer ausgefeilter wurde, umgab er sich mit immer mehr Leuten. «Als ich Anfang der siebziger Jahre beschloss, den Autobau zu meinem Beruf zu machen, stellte ich zunächst einen Automechaniker ein. Da es aber nicht möglich war, davon zu leben, eröffnete ich auch eine Werkstatt, und mein Mechaniker half mir nicht nur beim Bau meiner Prototypen, sondern wartete auch die Autos in der Werkstatt. Danach haben mir die Ingenieure geholfen», sagt Peter Sauber. erlebten die Konstruktionen von Peter Sauber einen wahren Höhenflug. Mit der Unterstützung von
Mercedes, die ihm 1989 den Gewinn der Sportprototypen-Weltmeisterschaft und 1993 indirekt auch sein Debüt in der Formel 1 ermöglichte, Bevor das Unternehmen mit dem Stern auftauchte, war der Erfolg nicht immer gegeben. «Das stimmt», sagt Peter Sauber. «Die Verluste überstiegen oft die Gewinne, und der Rückgang der Europameisterschaft bedeutete, dass die offenen Prototypen, unser Hauptgeschäft, verschwanden. Es gelang uns jedoch, uns wieder zu erholen, indem wir den Autobau vorübergehend Aufgaben und 1979 F3-Lolas und ab dem folgenden Jahr BMW M1 einsetzten. Mit dem Bau des C8 mit Mercedes-Antrieb im Jahr 1985 konnten wir dann wieder in die Spur kommen und mussten uns nicht aus dem Autobau verabschieden.»
Wendlinger, Frentzen,
& Schumacher
Ein Grossteil der Saubers sind im Autobau in Romanshorn ausgestellt
Wer die von Peter Sauber gebauten Autos bewundern möchte, sollte wissen, dass ein Großteil von ihnen in Romanshorn (TG) zu finden sind, im Autobau, dem schönsten Automuseum der Schweiz (siehe Ausgabe 4 des Legends Magazine). Fredy Lienhard, der Initiator der Autobau, hat enge Beziehungen zu Peter Sauber geknüpft, der sich bereit erklärt hat, seine eigene Sammlung von Formel-1-Einsitzern in Romanshorn unterzubringen. Diese werden im «Polygon», dem Ostflügel des Autobaus, ausgestellt. Dort befinden sich auch zwei Autos des Berners Neel Jani: ein Formel Renault und ein A1 GP, mit dem er 2008 den Weltmeistertitel gewann. Auch Neel Jani, der seit 2013 Porsche-Werksfahrer ist, hat sich in der Formel 1 versucht. Zunächst bei Sauber, wo er verschiedene aerodynamische Tests durchführte, und dann bei Toro Rosso als dritter Fahrer während der gesamten Saison 2006. Zu dieser Zeit fuhren die dritten Fahrer freitags. «Neel Jani hätte sicher eine Karriere in der Formel 1 machen können aber leider war er nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort», bedauert Fredy Lienhard. Auf die Frage, ob Peter Sauber Neel Jani nicht in der Formel 1 hätte starten lassen sollen, antwortet Fredy Lienhard diplomatisch: «Ich hätte es sicher anders gemacht als Peter, aber ich ziehe trotzdem meinen Hut vor dem, was er erreicht hat. Heute ist sein Team das viertälteste in der Formel 1 hinter Ferrari, McLaren und Williams. Das ist ziemlich fantastisch, nicht wahr?»
Texte : LAURENT MISSBAUER Fotos : SAUBER, LAURENT MISSBAUER ET AUTOBAU.