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«Komm in mein Zimmer», sagte sie und zog mich an der Hand. Ich solle mich aufs Bett legen und nach oben schauen. Sie schaltete das Licht aus, und es war magisch. Sie hatte diese fluoreszierenden Leuchtsterne an die Decke geklebt. Sie ist 27. Ich bin 27. Wir sind seit einem halben Leben befreundet.
Ich hatte schon lange nicht mehr bei ihr geschlafen und musste an früher denken. An damals, als wir unsere Eltern anbetteln mussten, damit wir bei unseren Freundinnen übernachten durften. Als wir dafür unser schönstes Pyjama einpackten und die Zahnbürste vergassen. Als wir unsere glitzernde Zahnspange in den Rucksack steckten. Als wir über Jungs plauderten, Eis assen, Horrorfilme guckten und vor lauter Lachen Bauchweh kriegten.
Irgendwann hörte das auf. Erwachsene übernachten nicht mehr beieinander. Sie führen Beziehungen und haben kein freies Plätzchen in ihren Betten mehr. Oder sie müssen am nächsten Tag früh zur Arbeit und können nicht mehr die ganze Nacht lang plaudern. Oder sie haben ein Gästezimmer. Dabei sind es die vertrautesten Gespräche, die in der Dunkelheit der Nacht, zwischen den wärmenden Bettdecken und unter den funkelnden Leuchtsternen, entstehen.
Ich schlief also seit Langem wieder bei ihr, und es war wie früher. Ich hatte mein schönstes Pyjama eingepackt und meine Zahnbürste vergessen. Meine glitzernde Mens-Tasse in den Rucksack gesteckt. Wir plauderten über Jungs, assen Eis, guckten Horrorfilme und kriegten vor lauter Lachen Bauchweh.
Autor: Anne-Sophie Keller