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Täglich pumpt das menschliche Herz 10'000 Liter Blut durch unseren Körper. Der Blutfluss im Herzen wird durch die Herzklappen gelenkt. Sie fungieren wie Ventile und stellen sicher, dass das Blut nur in eine Richtung fliesst. Funktionieren die Herzklappen nicht regelrecht, merken wir dies durch Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Atemprobleme. Die gilt auch für den häufigen Herzklappenfehler "Mitralinsuffizienz", einer Undichtigkeit der Mitralklappe - dem segelartigen Zwischenventil zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer.
Die Definition der Mitralklappen-Insuffizienz
Die Mitralklappe ist eine von vier Klappen des Herzens. Sie besteht aus zwei Segeln, die an Sehnenfäden in der linken Herzkammer befestigt sind.
Die Aufgabe dieser Segel ist es, ventilartig die Öffnung (Herzklappe) vom linken Vorhof zur linken Herzkammer zu öffnen und zu schliessen. Die Sehnenfäden, welche die Segel halten, können durch die Beanspruchung abreissen oder sich verkürzen. Auch die Segel selbst können perforieren oder überdehnen. Zudem kann die linke Herzklammer geweitet sein, so dass die ansonsten gesunde Mitralklappe die Öffnung nicht mehr ganz zu schliessen vermag.
Fliesst das Blut aufgrund einer Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralinsuffizienz) nicht mehr nur wie vorgesehen vom linken Vorhof in die linke Herzkammer, sondern auch wieder zurück in den linken Vorhof, führt dies zu einer Stauung des Blutes in die Lunge. In vorgeschrittenem Stadium sind u.a. Atemprobleme bei Belastung oder sogar in Ruhe die Konsequenz.
Die Ausprägung der Mitralklappen-Insuffizienz kann leicht, mittelschwer oder hochgradig sein. Bei einer "schweren Mitralklappen-Insuffizienz" kann jede körperliche Anstrengung zur Herausforderung werden. Eine Behandlung wird notwendig, um nicht Jahre an Lebenserwartung zu verlieren. Als "organische (oder valvuläre) Mitralklappen-Insuffizienz" wird eine Situation dann bezeichnet, wenn Veränderungen der Mitralklappe selbst als Ursache ausgemacht werden können. Eine "funktionelle (oder sekundäre) Mitralklappen-Insuffizienz" hingegen ist Folge einer Deformation der Herzkammer, z.B. nach einem Herzinfarkt, welche auch über die Sehnenfäden die Segel verzieht und so Auswirkungen auf die Dichtigkeit der Herzklappe nehmen kann.
Wenn das Bindegewebe der Mitralklappen oder des Aufhängeapparates (Sehnenfäden) schwach ist und sich die Klappe aufgrund dessen in den Vorhof zurück wölbt, bezeichnet man dies als "Mitralklappen-Prolaps". Dieser Zustand kann auch angeboren sein.
Die "physiologische Mitralinsuffizienz" oder die "minimale Mitralregurgitation" bezeichnet den Umstand, dass bei 90% aller gesunder Menschen eine sehr geringe und harmlose Undichtigkeit während dem Schliessen der Klappen vorliegt.
Die sogenannte "akute schwere Mitralklappen-Insuffizienz" ist eine dramatische, aber seltene Form, die z.B. durch akuten Sehnenfadenabriss bei einem Herzinfarkt oder eine Herzklappen-Entzündung verursacht wird. Sie benötigt meist eine sofortige Therapie.
Eingriffe an der Mitralklappe machen ca. 31% aller Herzklappen-Eingriffe aus und ist somit der zweithäufigste Eingriff bei Herzklappenfehlern.
Symptome einer Mitralklappen-Insuffizienz
Typische Anzeichen einer schweren Mitralklappen-Insuffizienz sind
- leichte Erschöpfbarkeit
- Kurzatmigkeit bei Belastung oder sogar in Ruhe
- Atemnot
- Schwindel
- Herzrhythmusstörungen wie Herzstolpern oder Herzrasen.
Der Kardiologe kann zudem akustisch mit dem Stethoskop die Veränderung des Blutflusses feststellen.
Der zeitliche Verlauf einer Mitralklappen-Insuffizienz kann sehr variabel sein und ist kaum vorhersagbar. Regelmässige kardiologische Messungen können aber eine Verschlechterung frühzeitig erkennen.
Welche Ursachen führen zu einer Insuffizienz der Mitralklappen?
Die verschiedenen Ausprägungen dieser Insuffizienz können durch folgende Ereignisse verursacht sein
- angeborene Bindegewebsschwäche der Klappe und ihres Aufhängemechanismus (Mitralklappen-Prolaps)
- Entzündungen (Myokarditis und Endokarditis)
- rheumatisches Fieber (das Immunsystem greift aus Verwechslung mit Streptokoken die Herzinnenwand und Herzklappen an)
- Herzinsuffizienz mit Erweiterung der Herzhöhlen
- Herzinfarkt (wenn der Sauerstoffmangel dabei die Muskeln um die Mitralklappen herum schädigt)
- dilative Kardiomyopathie (bei welcher sich die Herzkammer weitet)
- Alterung, Verkalkung, Degeneration der Klappen (verursacht Verengung und Undichtigkeit)
- krankhafte Vergrösserung des Herzen / Kardiomegalie (z.B. durch Bluthochdruck, Schilddrüsenprobleme oder Blutarmut)
- Autoimmunkrankheiten
- genetisch bedingte Störungen des Bindegewebsstoffwechsels
Eine Veränderung der Segel und des Haltapparates die zu einer primären Mitralinsuffizienz führen, kann man in der Regel nicht beeinflussen. Die Vorbeugung von Herzerkrankungen insgesamt kann aber zur Vorbeugung der (sekundären) Mitralklappen-Insuffizienz beitragen. Die sekundäre Mitralinsuffizienz ist die Form bei der die Segel nicht zwingend verändert sind, aber die linke Hauptkammer aufgrund einer Herzerkrankung verändert ist und dadurch die Klappe verzogen wird. Die Risikofaktoren für Herzerkrankungen, welche man dabei in den eigenen Händen hat, sind die klassischen:
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit Entwicklung von Fettstoffwechselerkrankungen und Diabetes
- Rauchen
- Übermässiger Konsum von Alkohol oder anderen Drogen
- Stress
- Schlafmangel
Unsere Anleitung ganz unten kann Ihnen eine Idee geben, wie Sie ihren Lebensstil auf eine gute Herzgesundheit ausrichten können.
Diagnose der Mitralklappen-Insuffizienz
Eine transthorakale Echokardiographie, eine äusserliche Ultraschall-Untersuchung über die Brustwand, erlaubt meistens nicht nur eine Bestätigung der Diagnose, sondern auch das Feststellen des Schweregrades. Es kann meist auch eine wahrscheinliche Ursache bestimmt werden. Die Beschwerden der Patienten*innen und die Messwerte v.a. des Ultaschalls bestimmen den optimalen Zeitpunkt für einen Eingriff.
Mit Hilfe der transösophagealen Echokardiographie (TEE) kann die Ursache der Mitralinsuffizienz bestimmt werden und sollte deshalb bei einer schweren Ausprägung der Insuffizienz immer auch vor einem Eingriff durchgeführt werden. Durch die Untersuchung lässt sich sogar meist abschätzen, ob die Mitralklappe nur repariert oder sogar ersetzt werden soll, und, ob eine Operation über den geöffneten Brustkorb oder eher die minimal-invasive MitraClip-Methode via Leistenkatheter zu empfehlen wäre.
Elektrokardiogramme (in Ruhe oder über einen längeren Zeitraum), bzw. die Messung der elektrischen Ströme bei der Herzkontraktion, können dabei über bereits auftretende Herzrhythmus-Störungen Auskunft geben.
Mittels einem Belastungs-EKG können Veränderungen der Leistungsfähigkeit beurteilt werden.
Die Therapie einer Mitralklappen-Insuffizienz
Durch den Verschluss der Mitralklappe soll der Rückfluss des Blutes wieder vollumfänglich gestoppt werden, Symptome sollen verschwinden und Patient*innen sollen wieder ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen. Die traditionelle Behandlung ist dabei der chirurgische Eingriff (Rekonstruktion oder Ersatz der Mitralklappe über die Öffnung des Brustkorbes) oder die medikamentöse Therapie (nach den Prinzipien der Herzinsuffizienz-Therapie). Seit einigen Jahren stehen jedoch auch minimal-invasive katheter-basierte Methoden zur Verfügung. Die dabei am meisten angewendete Methode ist die Reparatur der Mitralklappe mit der sogenannten "MitraClip-Therapie".
Wie wird ein MitraClip eingesetzt? Das Herz wird schonend mit einem Katheter über eine Leistenvene erreicht, so dass die Mitralklappe repariert, sprich mit Hilfe des Clips an der undichten Stelle zusammengenäht werden kann.
Wann MitraClip? Für die Therapie mit MitraClips spricht, dass...
- bei anatomisch geeigneten Patienten sich sehr gute Ergebnisse erzielen lassen
- auch bei weniger geeigneter Anatomie die Undichtigkeit häufig so weit reduziert wird, dass eine deutliche Besserung der Symptome eintritt
- sie ein vergleichsweise sehr sicheres Verfahren ist
- dass das Ergebnis noch während des Eingriffs überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden kann.
- der Aufenthalt im Spital und die Erholungszeit nach dem Eingriff in der Regel wesentlich kürzer als bei chirurgischen Verfahren
Im englischsprachigen Video, der unten angefügt ist, sehen Sie das hier beschriebene Einsetzen eines MitraClips sehr deutlich. Ein weitere einsichtsreiche Film-Dokumentation inkl. Interviews mit mir finden Sie im Beitrag "MitraClip bei Mitralklappen-Insuffizienz".
Lebenserwartung bei Mitralklappen-Insuffizienz
Bei einer leichten Mitralklappen-Insuffizienz, ohne weitere Herzerkrankungen, kann von einer normalen Lebenserwartung ausgegangen werden.
Bei einer schweren Mitralklappen-Insuffizienz ist die Lebenserwartung zum Teil deutlich verkürzt.
Der Eingriff ist nicht risikolos, ebenso kann es nicht risikolos sein mit einem Eingriff zuzuwarten. Wenn das Risiko des Zuwartens das Risiko des Eingriffs überwiegt, sollte zum Eingriff geraten werden.
MitraClip-Therapie heute
Mittlerweile gibt es das Verfahren schon mehr als 10 Jahre und es besteht mit der Mitraclip-Therapie viel Erfahrung. In vielen Ländern ist sie die Standardtherapie bei Patienten, die nicht operiert werden, mit bereits mehr als 100'000 behandelten Patienten.
Nehmen Sie jederzeit mit uns Kontakt auf für einen kardiologischen Check oder ihren Fragen zu MitraClips. Unten bieten wir eine Zusammenfassung und Antworten zu den häufigsten Fragen.
Zusammenfassung "Mitralklappen-Insuffizienz"
Die Mitralklappeninsuffizienz ein häufiger Herzklappenfehler. Es handelt sich um eine Schlussunfähigkeit, auch mit Undichtigkeit der Mitralklappe des Herzens bezeichnet, die während der Auswurfphase (Systole) zu einem Rückfluss von Blut aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof führt. U.a. kann eine koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathie, ein Herzinfarkt oder ein angeborener Herzfehler eine Ursache dafür sein.
- auch bezeichnet als: Mitralinsuffizienz, MI, Angeborene Mitralklappeninsuffizienz, Rheumatische Mitralklappeninsuffizienz
- Organ: Herz
- Symptome: Atemnot (Dyspnoe), Leistungsschwäche, Wasser in den Beinen (Unterschenkelödeme), Brustschmerzen, Müdigkeit, Herzrasen (Tachykardie), Herzstolpern, Herzrhythmusstörungen, kurze Bewusstlosigkeit, Appetitlosigkeit, Reizhusten, übermässiges nächtliches Wasserlassen
- Mögliche Tests: Ultraschall-Untersuchung (Echokardiographie), Schluckecho (transösophagealen Echokardiografie / TEE)
- Mögliche Behandlungen: Mitralklappen-Rekonstruktion, Mitralklappenersatz, gefässerweiterende Medikamente (z.B. Nitroglycerin-Spray, Vasodilatatoren, ACE-Hemmer), herzfrequenzsenkende Medikamente (z.B. Betablocker)
- Risikofaktoren: Erbfaktoren, Bluthochdruck (Hypertension), Hohes Alter, Rötelninfektion während Schwangerschaft, Drogen- oder Alkoholkonsum während Schwangerschaft, Entzündungen am Herzmuskel (Myokarditis), Entzündungen an Herzinnenhaut (Endokarditis), Rheumatisches Fieber (Streptokokkeninfektion), Mandelentzündung (Streptokokkeninfektion), Herzinfarkt
- Mögliche Differential-Diagnose: keine
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu "Mitralklappen-Insuffizienz"
5 Tipps für ein gesundes Herz
Wie halte ich mein Herz fit und gesund? Was stärkt das Herz?
- Benötigte Materialien: -
- Benötigte Hilfsmittel: -
- Benötigte Zeit: 0.5 h
Schritte
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1 Übergewicht abbauen
- Reduzieren Sie ihr Gewicht mit einer Kombination aus langfristig angepasster, gesunder und gleichzeitig genussvoller Ernährung und körperlicher Aktivität. Kurze Diäten haben oft gegenteilige Wirkung. Nehmen Sie die Unterstützung durch Ernährungsberatung in Anspruch.
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2 Aktiv werden!
- Intensives Gehen, Laufen oder Radfahren, welches Sie mehrmals pro Woche eine halbe Stunde ins Schwitzen bringt, wirkt sich günstig auf Ihre Bluttfettwerte aus.
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3 Stress abbauen
- Probieren Sie Entspannungstechniken, wie z.B. Yoga, Meditation, Spaziergänge, Haustiere oder Gespräche mit Ihren Liebsten aus.
- Schlafen Sie ausreichend.
- Menschen mit unregelmässigen Tagesablauf haben häufiger Schlafstörungen, Depressionen und Herzinfarkte. Schonen Sie sich, indem Sie ihr Leben vereinfachen.
- Einsamkeit kann ein Stressfaktor sein und führt zu einem höheren Risiko von Herzerkrankungen. Geniessen Sie die Balance, die durch sozialen Kontakt entstehen kann.
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4 Ernähren Sie sich herzgesund!
- Essen sie reichlich frisches Gemüse, Salate und Früchte in allen Variationen.
- Ersetzen Sie gesättigte Fette durch ungesättigte: Ersetzen Sie Wurst, Frittiertes und Milchprodukte doch mal mit Olivenöl, Nüssen, Kernen und vegetarischen oder sogar veganen Mahlzeiten.
- Konsumieren nicht mehr als die von der WHO empfohlene Menge von 5g Salz pro Tag. Nutzen Sie Ernährungshilfen, da Salz in vielen verschiedenen Nahrungsmittel drin ist (z.B. in Käse).
- Falls Sie es mit einer Herzschwäche zu tun haben, trinken Sie pro Tag nicht mehr als 1.5 Liter Flüssigkeit.
- Achten Sie darauf, dass Sie nicht mehr Kalorien zu sich nehmen als sie täglich verbrauchen. Eine App kann Ihnen helfen zu lernen und zu entdecken, wo sich die Dickmacher verstecken. Oder welche Bewegungsart wieviel Kalorien verbrennt. Das ist interessant und macht Spass!
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5 Konsumieren Sie Genussmittel mit Bedacht
- Verzichten Sie aufs Rauchen. Nutzen Sie dazu Hilfsmittel wie Workshops, Nikotinpräparate und Bücher dazu.
- Halten Sie sich beim Alkohol zurück und trinken Sie nur sehr wenig davon.
- Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Schwarztee, Grüntee, Cola und Energy-Drinks, aber auch Zartbitter-Schokolade können das Herz und den Stoffwechsel je nach Gewöhnung anregen und den Blutdruck 20-30 Minuten lang erhöhen (Vorsicht bei der Messung). 400 Milligramm pro Tag gelten als empfohlene Obergrenze. Koffein kann Herzrhythmusstörungen verstärken. Falls Sie unerwünschtes Unwohlsein erfahren: Wasser hilft Koffein auszuscheiden.