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Nach der Geschichte des Weltcups in Anekdoten (PW Oktober 2017) und olympischen Anekdoten (PW März 2019) nun einige weitere selbst erlebte Ereignisse – Teil 1.
Military WM 1978
Die erste Anekdote betrifft den Flug der FEI-Delegation an die Military WM von 1978 in Lexington. Es war wenige Wochen vor dem Start der ersten Weltcupsaison. Die FEI bat mich, mit den Offiziellen zu fliegen. Das FEI-Sekretariat hatte mithilfe eines Reisebüros eine günstige Offerte erhalten, allerdings für eine eher ungewöhnliche Reise: Abflug in Zürich nach Genf, von dort nach Paris Charles de Gaulle. Transfer zum anderen Pariser Flughafen, Orly. Dort bestiegen wir ein Flugzeug der Pakistan Airlines für den Flug zum Kennedy-Flughafen in New York. Dort Transfer zum New Yorker Flughafen La Guardia. Flug nach Lexington mit Zwischenlandung in Pittsburgh. Als wir auf dem Kennedy-Flughafen landeten, sahen wir beiderseits der Landepiste Lösch- und andere Rettungsfahrzeuge. Nach der Landung erfuhren wir, dass das pakistanische Flugzeug beim Start in Orly Metallteile verloren hatte!
Olympische Spiele 1988
An den Olympischen Spielen 1988 in Seoul arbeitete ich als Co-Kommentator, wie bereits 1984 in Los Angeles, für das amerikanische Fernsehen. 1984 war es ABC gewesen, für 1988 hatte NBC den Zuschlag erhalten. Das Erstaunliche war: Die Mehrheit des NBC-Personals, zumindest das für den Pferdesport, war das gleiche wie 1984 in Los Angeles. Sie alle hatten, nach dem Zuschlag an NBC, von ABC zu NBC gewechselt. Wenige Tage vor Ende der Spiele in Seoul erhielten alle NBC-Mitarbeiter ein neues T-Shirt, allerdings mit der strikten Bitte, es nicht zu tragen. Das T-Shirt hatte vorne und hinten, miteinander verschlungen, die Flaggen der USA und der Sowjetunion, umgeben von den Flaggen Koreas und Griechenlands. Bald kamen Erklärungen: Ein eifriger NBC-Chef hatte Monate zuvor die Produktion der T-Shirts beschlossen, mit dem wohl lobenswerten Vorsatz, mit den beiden verschlungenen Flaggen einen Beitrag zum olympischen Frieden beizutragen. 1980 hatten bekanntlich die westlichen Länder unter Führung der USA die Olympischen Spiele von Moskau boykottiert und 1984 waren die osteuropäischen Länder unter Führung der Sowjetunion den Spielen von Los Angeles ferngeblieben. Seoul sah wieder beide Blöcke am Start, und der NBC-Mann wollte das feiern. In
Seoul, in der Atmosphäre der weiterbestehenden Rivalität zwischen den beiden Blöcken, fanden die NBC-Oberen die T-Shirt-Idee nicht mehr so gut. Hunderte von NBC-Mitarbeitern nahmen das T-Shirt mit nach Hause, keiner trug es in Seoul.
John und Michael Whitaker
Von Anfang der 90er-Jahre gibt es zwei Anekdoten über die Brüder Whitaker, John und Michael. Kurz vor Mitternacht sassen Reiter und Journalisten in der Bar des Turnierhotels, auch Michael Whitaker. Er verabschiedete sich mit den Worten: «Ich gehe zu Bett, ich habe morgen einen frühen Wettkampf.» 20 Minuten später war Michael zurück: «Ich habe Durst», meinte er. Bei einer anderen Gelegenheit wurde John Whitaker gebeten, den Unterschied zwischen Milton und Gamon, zwei seiner damaligen Spitzenpferde, zu erklären. Johns trockene Antwort: «Milton ist ein Schimmel. Gamon ist ein Brauner.»
Weltreiterspiele 1990
1990 fanden in Stockholm die ers-ten Weltreiterspiele statt. Volvo mit seinem Präsidenten Pehr G. Gyllenhammar war grosszügiger Sponsor. Unter anderem stellte Volvo für den Transport der Reiter, Offiziellen und VIPs gegen hundert weisse Volvo-Limousinen mit Chauffeur zur Verfügung. Der damalige FEI-Generalsekretär Etienne Allard war nicht zufrieden: Er wollte eine schwarze Limousine! (Sie wurde prompt beschafft.)
EM Voltige 1991
1991 organisierten wir in der damaligen EMPFA in Bern (heute NPZ) die Europameisterschaft der Voltigierer. Prominente VIP war die Amerikanerin Phoebe Hearst Cooke, Erbin des «Hearst Media»-Vermögens. Sie sponserte den internationalen Voltigiersport und wollte während der EM in Bern an einem Galaabend die Voltigierer ehren. Sie lud dazu die ganze in Bern anwesende Voltigierfamilie ein, auch die 30 Journalis-ten, die an der gleichzeitig stattfindenden Journalisten-WM teilnahmen, sowie das OK. Dann, zwei Tage vor der Feier, gab Mrs. Cooke bekannt, das OK mit den freiwilligen Helfern sei nicht eingeladen, nur der OK-Präsident. Verhandlungen mit der Dame brachten nichts. So bat ich Volvo, ein separates Galadinner zu finanzieren. Für das OK, aber auch für die 30 Journalisten und FEI-Offiziellen. Dieses Galadinner fand im Schloss Hünigen statt – zur gleichen Zeit, als der von Phoebe Cooke gemietete Festsaal im Berner Luxushotel halb leer war.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 36/2023)
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