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Rettet das AT&T Building!
Vor wenigen Tagen lief ich am leerstehenden AT&T Hochhaus in Manhattan vorbei. Die Fenster im Erdgeschoss waren mit Brettern verschlossen. «Schade» dachte ich, «dieser Ikone der Postmoderne müsste man neues Leben einhauchen. Die architektonisch raffiniert gegliederten Sockelgeschosse hätten grosses Potenzial für eine neue, stärker öffentliche Nutzung.» Gestern wurde nun ein Entwurf des norwegischen Studios Snøhetta vorgestellt, der den Bau über mehrere Etagen mit einer neuen Glasfassade öffnen will. Das mag gut gemeint sein – die Veränderung kommt aber einer Zerstörung gleich. archithese trommelt mit einer Unterschriftenaktion gegen das Projekt, um den wegweisenden Bau zu retten.
Kommentar: Jørg Himmelreich – 1.11.2017
Eine Ikone der Postmoderne
Der als AT&T Building bekannte Wolkenkratzer in New York wurde 1979 von Philip Johnson und John Burgee entworfen und fünf Jahre später vollendet. Das Gebäude in der Madison Avenue gilt als eines der Hauptwerke der Architekturpostmoderne. Mit seiner rosafarbenen Granitfassade distanziert es sich einerseits von der Stahl-Glas-Ästhetik der klassischen Moderne, andererseits spielt es mit Zitaten aus der Architekturgeschichte, indem es abstrakt Motive aus Romanik und Renaissance aufgreift. So zeigt das Hochhaus die klassische Gliederung von Sockelgeschoss, regelmässiger Lochfassade und Kranzgesims: Der Eingangsbereich ist als Serliana ausgebildet – einem Rundbogen, der von niedrigeren Recktecköffnungen flankiert wird, kombiniert mit einem Rosettenfenster. Das Dach wiederum ist als gesprengter Giebel gestaltet und wird im Volksmund wegen der Ähnlichkeit zu den bekannten Möbeln auch chippendale top genannt.
Gut gemeint, aber voll daneben
Ursprünglich wurde das Bürogebäude als Hauptsitz für den Telekommunikationskonzern AT&T gebaut. 2001 übernahm es Sony, welche das Hochhaus wiederum zehn Jahre später an die Chetrit Group und Clipper Realty veräusserte. Diese erwogen, darin Luxusappartements unterzubringen. Robert A. M. Stern war als Architekt angedacht. Die Pläne wurden aber fallengelassen und der Bau erneut an die saudische Olayan Group und die britische Chelsfield verkauft. Nun soll es wieder als Bürogebäude flott gemacht werden. Das norwegische Studio Snøhetta wurde mit einer Neugestaltung beauftragt, zu der auch eine grundlegende Überarbeitung der Sockelzone gehört. Die gesamte Längsfront soll nach den nun vorgestellten Plänen aufgebrochen, mit gewelltem Glas geschlossen und wieder öffentlich zugänglich werden.
Rückbau statt Entstellung
Der Eingriff mag gut gemeint sein, kommt aber einer Zerstörung des wichtigen Bauwerkes gleich. Denn auch wenn der Turm mit der ursprünglich offenen und einladenden Arkade eine Leichtigkeit hatte, ging es den Architekten zugleich um die Formulierung einer monumentalen Präsenz an der Madison Avenue und einen Sockel, der kraftvoll und solide in Erscheinung tritt. Vielleicht sehen Snøhetta den Eingriff gerechtfertigt, weil die unteren Geschosse des Hochhauses allemal nicht mehr dem ursprünglichen Zustand entsprechen. Die Kolonnaden rund um die Aufzugkerne waren ursprünglich offene und öffentliche Erweiterungen des Strassenraumes. Sie wurden – als Sony das Gebäude kaufte – mit schwarzen Sprossenfenstern geschlossen. Diese wirken wenig einladend, haben aber immerhin die Gliederung und generelle Anmutung der Fassade nicht zerstört oder verkehrt. Innerhalb dieses tektonischen Gerüstes könnte man sich durchaus eine neue Lösung – eventuell sogar mit grossflächigem und sprossenlosem Glas – vorstellen.
Unterschriftensammlung zur Rettung
Leider steht das Bauwerk (noch) nicht unter Denkmalschutz. archithese hat eine Unterschriftenaktion gegen das Projekt gestartet. Die Protestnote soll der Olayan Group, dem Architekturbüro Snøhetta, dem Bürgermeister von New York und der örtlichen Denkmalpflege übergeben werden. Helfen Sie, eines der Schlüsselwerke der Architekturpostmoderne vor der Entstellung zu bewahren und unterscheiben Sie hier!
Dokumentarfilmer Nathan Eddy hat zu einem Protest vor Ort aufgerufen. Er findet Freitag 3. November 2017 von 13 bis 16 Uhr in der Madison Avenue in Manhattan statt.
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