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Wie vorgehen bei Frauen mit Verdacht auf HWI?
Harnwegsinfektionen (HWI) gehören bei Frauen zu den häufigsten Verdachtsdiagnosen in der Praxis. In einer randomisierten Studie wurden 5 verschiedene Abklärungs- respektive Behandlungsstrategien bei Verdacht auf HWI in der Grundversorgung miteinander verglichen.
309 nicht schwangere Frauen zwischen 18 und 70 Jahren mit Beschwerden, welche auf einen HWI hindeuteten, nahmen an der randomisierten Studie teil. Die Patientinnnen erhielten randomisiert eines der 5 folgenden Antibiotika Regimes:
- Empirische, unverzügliche Antibiotikagabe
- Verzögerte Antibiotikagabe je nach Befinden nach 48 Stunden
- Antibiotikagabe je nach Symptomen (mindestens 2 x trüber Urin, stinkender Urin, Nykturie oder Dysurie)
- Antibiotikagabe je nach Resultat auf dem Teststreifen (Nitrit oder Leukozyten plus Blut)
- Antibiotikagabe je nach Resultat der Analyse des Mittelstrahlurins
Primäre Endpunkte waren Schmerzdauer und Schmerzintensität sowie der Einsatz von Antibiotika.
Zwischen den Gruppen waren keine statistisch signifikanten Unterschiede bezüglich Schmerzdauer oder –intensität nachweisbar (durchschnittliche Dauer ca. 3.5 Tage, Schmerzintensität zwischen 1.74 und 2.15 auf einer Skala zwischen 0 und 6). Mit 77% am geringsten war die Antibiotikaexposition bei der verzögerten Antibiotikaeinnahme je nach Befinden, mit 97% am höchsten bei sofortiger Verschreibung (90% bei Verschreibung je nach Symptomen, 81% nach Urinanalyse und 80% nach Teststreifenergebnis). Urinanalysen erfolgten am wenigsten bei den Frauen mit verzögerter Antibiotikaeinnahme. Diese Frauen nahmen auch signifikant weniger häufig eine erneute Arztkonsultation in Anspruch (Hazard Ratio 0.57, p=0.014), hatten allerdings um 37% länger Symptome als Frauen, welche unverzüglich antibiotisch behandelt wurden.
Konklusion der Autoren: Die Linderung der Symptome war in allen Gruppen vergleichbar. Ein Vorteil durch eine routinemässige Urinanalyse war nicht nachweisbar. Die Antibiotikaexposition kann durch eine verzögerte Antibiotikagabe je nach Befinden oder je nach Streifentestresultat reduziert werden.
Link zur Studie
BMJ 2010;340:c199 - Little P et al
19.02.2010 - dde