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Schellack
Das Rohmaterial
Schellack ist eine natürliche, harzige Substanz, die aus den Ausscheidungen von Lackschildläusen gewonnen wird. Die Läuse leben in grossen Kolonien auf speziellen Baumarten, hauptsächlich in Süd- und Südostasien.
Die weiblichen Läuse nehmen den Saft der Bäume auf, und scheiden eine chemisch veränderte Harzsubstanz aus, um damit die gelegten Eier zu schützen. Der Lack von tausenden Läusen verbindet sich zu einer bis zu 1 cm dicken, harten Kruste um die Zweige, die nach dem Schlüpfen der Läuse geerntet wird.
Nach dem Entfernen der Verunreinigungen entscheidet das weitere Verfahren darüber, ob wachshaltiger Schellack (mittels Schmelzfiltrationsverfahren) oder wachsfreier Schellack (mittels Lösemittelextraktionsverfahren) gewonnen wird. Der flüssige Schellack wird auf einem Band zu einem dünnen Film gezogen, der beim Abkühlen in die typischen Flocken zerbricht.
Schellack gibt es in unterschiedlichen, natürlichen Farbtönen von transparent bis gelb/bernstein zu rubinfarben. Er lässt sich mit Pigmenten jedoch gut einfärben und bietet daher ein riesiges Farbenspektrum und unzählige gestalterische Möglichkeiten.
Schellack
Selber ansetzen
Darüber, wie man Schellack ansetzt, gibt es die verschiedensten Theorien. Welches Mischverhältnis und Lösungsmittel man wählt, hängt stark davon ab, zu welchem Zweck das Material verwenden werden soll. Für die Verwendung in der Malerei habe ich gute Erfahrungen mit einem Mischverhältnis von 1:4 (Schellackflocken:Ethanol) gemacht.
Wichtig ist es, die Mischung in einem gut verschliessbaren Glas anzusetzen und aufzubewahren. Die Grösse des Glases sollte so gewählt werden, dass die Schellackflocken komplett mit Ethylalkohol bedeckt sind, und sich so problemlos auflösen können. Zuerst gibt man den Schellack in das Glas, fügt Ethanol dazu und unterstützt den Lösungsprozess zu Beginn, in dem man die Mischung mit einem Holzstab gut durchrührt. Danach den Schellack 1 – 2 Tage ruhen lassen, damit er sich vollständig auflösen kann. Die Dauer bis zur vollständigen Auflösung variiert stark je nach Hersteller und Schellacktyp.
Als Lösungsmittel sollte reiner Alkohol (Ethylalkohol, auch Ethanol genannt) oder Isopropanol verwendet werden. Der handelsübliche Spiritus enthält einen zu hohen Wasseranteil und eignet sich daher nicht.
Sehr gute Bezugsquelle für die Schellackflocken und die Lösungsmittel ist in Deutschland die Firma Kremer. In der Schweiz vertritt Thymos in Lenzburg, Winterthur, Bern und Kriens verschiedene Kremer Produkte. Ethylalkohol und Schellack sind dort eigentlich immer an Lager.
Schellack
Ready Made
Wem der Aufwand, den Schellack selber anzusetzen, zu gross ist, kann auch auf fertige Schellacklösungen zurückgreifen.
Das hat den Vorteil, dass die Konsistenz des Materials konstant ist, hat jedoch auch seinen Preis. Gute Erfahrungen habe ich mit dem Astra Schellack gemacht, den es bei Bösner in verschiedenen wachsfreien und wachshaltigen Farbtönen zu kaufen gibt.
Tools
Zum Auftragen
Der Schellack kann mit verschiedenen Tools auf die Wachsflächen aufgetragen werden. Die Schwierigkeiten besteht darin, dass die Tools durch die Trocknung des Schellacks hart und dadurch fast unbrauchbar werden.
Will man den Schellack malerisch einsetzen, kann man ihn direkt auf die Bildoberfläche schütten, und ihn durch das Hin- und Her Wiegen des Bildes sehr organisch auf dem Bild verteilen.
Für mehr Kontrolle bewähren sich diese günstigen Schaumstoffpinsel sehr gut. Es gibt sie in verschiedenen Breiten und von verschiedenen Herstellern.
Kostengünstig lassen sich beispielsweise solche Leinenpinsel herstellen, mit denen der Schellack wie mit einem Stempel aufgetragen werden kann. Mit Zahnbürsten können interessante Linien gezogen werden.
Die Leinenpinsel eignen sich auch sehr gut dafür, grössere Flächen dünn mit Schellack für einen Finish zu überziehen.
Bei der Auswahl der Hilfsmittel sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.