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Warum sind alle Superhelden single?
Ein Papablog von Rinaldo Dieziger*
Batman, Spiderman, Superman, Iron Man – alle kinderlos. Und unverheiratet. Frei statt Frau. Superhelden wechseln keine Windeln, tragen keinen Ehering. Sie verkriechen sich in ein dunkles Loch. Oder fliegen davon. Weit, weit weg. Bis nach Krypton. Warum eigentlich? Warum sind alle Superhelden single? Warum taugen Väter nicht als Vorlage für Heldengeschichten? Obwohl doch jedes kleine Kind weiss, dass Papa ein echter Held ist?
Vorbilder sind wichtig. Geradezu prägend für das eigene Leben. Wir alle haben unsere Kinderzimmer mit Idolen aus Fernsehen, Film, Musik, Sport, Büchern, Comics und Spielen tapeziert. Wie viele davon waren Väter? Ausser Chuck Norris? Der einzige Vater, der an meiner Wand hing, war der Übervater schlechthin: der liebe Gott.
Worin gründet der akute Mangel starker Vaterfiguren an den Wänden unserer Kinderzimmer und in den Medien? Spiegelt der Zustand den vielbeschworenen Megatrend zur Verwirklichung des eigenen Ego? Ist der einsame Wolverine das männliche Superideal? In jedem zweiten Haushalt in der Stadt Zürich lebt ein einziger Mensch. Ich bin ich. Du bist du. Und wir sind geschieden. Weil zu verschieden.
Oder war das etwa schon früher oder gar schon immer so? Gucken wir uns die familiäre Ausbeute der Idole unserer Väter an. Und vergleichen sie mit der unserer eigenen Helden. Wie tief man auch gräbt, es kommt überraschende Übereinstimmung auf:
Clark Gable (5 Ehefrauen, 2 Kinder)
John Wayne (3 Ehefrauen, 8 Kinder)
Paul McCartney (3 Ehefrauen, 5 Kinder)
Pelé (2 Ehefrauen, 7 Kinder)
Franz Beckenbauer (3 Ehefrauen, 5 Kinder)
Mick Jagger (2 Ehefrauen, 7 Kinder)
Robert De Niro (2 Ehefrauen, 6 Kinder)
Chuck Norris (2 Ehefrauen, 5 Kinder)
Brad Pitt (unverheiratet, 6 Kinder)
Elon Musk (2 Ehefrauen, 5 Kinder).
Familie und Kinder scheinen im Leben der Superstars eine grosse Rolle zu spielen. Ganz im Gegensatz zu den Protagonisten, die sie verkörpern. Heirat, Kinder, Scheidung, Heirat, Kinder, Scheidung. Ein Perpetum mobile. Omnipräsent auf allen Klatschseiten. Auf der einen Seite produziert Hollywood in sich gekehrte Superhelden, die sich nahezu asexuell und im Alleingang durch die Leinwände kämpfen. Und besetzt sie mit Darstellern, die sich vermehren wie die Karnickel.
Nüchtern betrachtet, zeichnet das Paarungsverhalten der Stars (und die entsprechende Berichterstattung) nichts anderes nach als die gute alte Theorie von Charles Darwin. Die stärksten, grössten, berühmtesten und entsprechend begehrenswerten Männchen können sich vor Weibchen auf der Suche nach den besten Genen kaum retten. Wer will ihnen den Spass verübeln?
Doch wenn weder Superhelden noch deren Darsteller als Vater-Vorbilder etwas taugen, an wen soll sich ein werdender Papa nun anlehnen, wenn er sich die Frage stellt, was für ein Vater er sein will, welche Rolle er im Familiengefüge und für sein Kind spielen will?
Genau. Er erinnert sich an seinen eigenen Vater. An die Dinge, die er anders und besser machen will. An die Strafen, die er niemals im Leben verhängen wird. An die tausend Sachen, die er auf jeden Fall mit seinen Kindern unternehmen wird, weil er sie selber nie durfte. Bis er merkt, dass er am Ende doch so vieles ganz genau gleich macht. Und sogar stolz darauf ist. Weil sein Papa es ihm beigebracht hat.
In diesem Sinne: Danke Papa, du bist mein Superheld. Und für unsere Kinder sowieso.
*Rinaldo Dieziger ist Gründer von Supertext, der ersten Textagentur im Internet. Seine Erfahrung als Unternehmer gibt er im Blog Fragen Sie den Chef vom Ganzen weiter. Er hat zwei Töchter und lebt mit seiner Familie in Zürich.