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Liebe Kolleginnen und Kollegen
Auch diesen Monat wieder Auszüge aus der aktuellen Fachliteratur. Die Rubrik erscheint übrigens monatlich in der Quintessenz.
Einfluss von Stress auf die aphthöse Stomatitis
Bei der rekurrierenden aphthösen Stomatitis (RAS) handelt es sich um eine häufige und schmerzhafte Erkrankung der oralen Mukosa, deren genaue Ursache immer noch unklar ist. Mögliche Auslöser sind genetische Defekte, Vitaminmangel, Trauma, Immunschwächen und Stress. Eine klinische Studie mit 160 an RAS leidenden Patienten sollte den Einfluss der Häufigkeit, Art und Ausprägung stressbelasteter Vorkommnisse auf das Auftreten und die Dauer einer RAS-Episode untersuchen. Die Patienten wurden 1 Jahr lang einmal pro Woche telefonisch interviewt, um so Daten über das Auftreten von RAS-Episoden und die Details aller stressbelasteten Vorkommnisse der letzten Woche zu erfassen. Während der RAS-Episoden führten die Patienten ein Tagebuch zu Auftreten und Häufigkeit. Die stressbelasteten Vorkommnisse wurden mit Hilfe eines validierten „Recent Life Changes Questionnaire“ (RLCQ) bewertet und in mentale oder physische Stressfaktoren eingeteilt. Die RLCQ-Skala umfasst 91 verschiedene Ereignisse, die zu Stress führen können, und teilt ihnen einen Zahlenwert zwischen 8 und 123 zu, um so das Stressniveau zu bestimmen. Eine kürzliche durchgeführte Ferienreise liegt z. B. bei 24 und der Tod eines Angehörigen bei 119. Stressbelastete Vorkommnisse waren signifikant mit dem Auftreten von RAS-Episoden verknüpft (p < 0,001), jedoch nicht mit deren Dauer. Das Auftreten von stress-belasteten Vorkommnissen erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer RAS-Episode um den Faktor 3 (Chancenverhältnis/Odds Ratio [OR] = 2,72; 95 %-Konfidenzintervall (KI) = 2,04-3,62). Dabei hatten mentale Stressfaktoren einen größeren Einfluss (OR = 3,46, 95 %-KI = 2,54- 4,72) auf das Auftreten von RAS-Episoden als physi- sche Stressfaktoren (OR = 1,44; 95 %-KI = 1,04-1,99). Die RAS-Episoden traten bei erhöhtem Stress nicht häufiger auf und dauerten auch nicht länger.
Schlussfolgerungen: Bei Patienten mit einer RAS- Anamnese können stressbelastete Vorkommnisse RAS- Episoden auslösen. Mentale Stressfaktoren zeigen einen größeren Einfluss als physische.
Huling LB, Baccaglini L, Choquette L, Feinn RS, Lalla RV. Effect of stressful life events on the onset and duration of recurrent aphtous stomatitis. J Oral Pathol Med 2011;40 (DOI: 10.1111/j.1600-0714.2011.01102.x).
Kann ein regelmäßiges Recall das Periimplantitisrisiko reduzieren?
In den Geweben um funktionierende dentale Implantate kann es zu pathologischen Vorgängen wie einer periimplantären Mukositis oder einer Periimplantitis kommen. Die periimplantäre Mukositis ist eine entzündliche Veränderung der Mukosa, während die Peri-implantitis auch den unterstützenden Knochen befällt. Trotz der hohen Erfolgsrate in der Implantologie können diese Erkrankungen zum Verlust osseointegrierter Implantate führen. Es stellt sich die Frage, ob eine regelmäßige Nachsorge (Recall) das Risiko einer Periimplantitis reduzieren kann. Im Rahmen einer klinischen Studie wurden 2005 die parodontalen und periimplantären Verhältnisse von 212 teilbezahnten, mit dentalen Implantaten versorgten Patienten untersucht. 5 Jahre später erfolgte bei 80 dieser Patienten, bei denen zu Beginn eine Mukositis festgestellt worden war, eine Nachuntersuchung. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt: eine Gruppe mit einer regelmäßigen Nachsorge über die 5 Jahre (n = 39) und eine Gruppe ohne Nach- sorge (n = 41). Folgende Parameter unterzog man einer klinischen Bewertung: Plaqueindex, Bluten auf Son- dieren um Zähne und Implantate, Sondierungstiefe um Zähne und Implantate, entzündliches Exsudat und Knochenverlust um die Implantate. Der Einfluss biolo- gischer und individueller Risikofaktoren auf das Auftreten einer Periimplantitis wurde ebenfalls statistisch untersucht. Von den Patienten mit einer vorhandenen Mukositis wiesen im Durchschnitt 31,2 % eine Periimplantitis auf. Dabei lag der Anteil in der Gruppe ohne Recall (43,9 %) signifikant höher als in der Gruppe mit Recall (18,0 %).
Schlussfolgerungen: Ohne ein regelmäßiges Recall bei einer existierenden Mukositis um dentale Implantate steigt das Risiko einer Periimplantitis stark an. Klinische Parameter wie Bluten auf Sondieren um die Implantate, tiefeTaschen und eine bestehende Par- odontitis sind ebenfalls mit einem erhöhten Risiko einer Periimplantitis verbunden.
Costa FO, Takenaka-Martinez S, Cota LO, Ferreira SD, Silva GL, Costa JE. Peri-implant disease in subjects with and without preventive maintenance: a 5-year follow-up. J Clin Periodontol 2012;39:173-181.
Ursachen für Zahnverlust nach Parodontalbehandlung
Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass parodon- tale Erkrankungen und Karies die Hauptursachen für einen Zahnverlust in verschiedensten Populationen sind. Auch wenn die Prävalenz parodontaler Erkrankungen in Schweden rückläufig zu sein scheint, leiden immer noch ungefähr 40 % der Bevölkerung an einer moderaten bis fortgeschrittenen Parodontitis, während ungefähr 10 % von einer schweren Form betroffen sind. Die Prävalenz der Karies, insbesondere der Wurzelkaries, stellt vor allem in der älteren Bevölkerung ein zunehmendes Problem dar. Wurzelkaries ist bei älteren Patienten eine der Hauptursachen für den Verlust von Zähnen. Es scheint, dass parodontale Probleme und Wurzelkaries sich bei einzelnen Individuen im Alter kumulieren. Heute gelten die mikrobiellen dentalen Biofilme als der hauptsächli- che ätiologische Faktor einer Parodontitis. Verschiedene weitere Faktoren können einen Einfluss auf den Verlauf und die Pathogenese haben. Rauchen gilt dabei als ein sehr starker negativer Faktor. Bei Rauchern tritt auch häufiger eine Wurzelkaries auf. In einer klinischen Studie sollten der parodontale Zustand, Wurzelkaries, die Zahl der verloren gegangenen Zähne und die Ursachen für den Zahnverlust über einen Zeitraum von 11 bis 14 Jahren nach einer akti- ven Parodontaltherapie untersucht werden. 64 Patien- ten konnten in dieser Nachuntersuchung erfasst werden. Die Ursachen für den Zahnverlust wurden anhand von Krankenakten, Röntgenbildern sowie klinischen Fotos beurteilt und statistisch ausgewertet. Es gingen insgesamt 211 Zähne verloren. Hauptur- sache war dabei Parodontitis (n = 153). Der Verlust von 28 bzw. 17 Zähnen ließ sich auf Wurzelkaries bzw. end- odontische Probleme zurückführen. 13 Zähne gingen aus anderen Gründen verloren. Die Anzahl der Zähne (p = 0,05) und die Häufigkeit initialer Sondierungstie- fen von 4 bis 6 mm (p = 0,01), Rauchen (p = 0,01) sowie die Anzahl der Recallsitzungen bei Dentalhygienikerin- nen (p = 0,03) konnten signifikant als Erklärung für den Zahnverlust herangezogen werden.
Schlussfolgerungen: Patienten, die in einer auf Parodontologie spezialisierten Praxis behandelt wor- den waren, verloren trotz eines Dentalhygienerecalls beim Allgemeinzahnarzt über den Beobachtungszeit- raum von 11 bis 14 Jahren weitere Zähne. Die Hauptursache waren parodontale Erkrankungen. Dabei verloren Raucher signifikant mehr Zähne als Nichtraucher. Bezogen auf die Zähne waren die wichtigsten Faktoren Rauchen, eine reduzierte Zahnzahl und vorhandene parodontale Taschen mit Sondierungstiefen von 4 bis 6 mm.
Ravald N, Johansson CS. Tooth loss in periodontally treated patients. A long-term study of periodontal disease and root caries. J Clin Periodontol 2012;39: 73-79.