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Am 21. bzw. am 22. Dezember hat die Sonne auf der Nordhalbkugel die geringste Mittagshöhe über dem Horizont. An diesem Datum ist deshalb der kürzeste Tag, die sog. Wintersonnenwende.
Seit 5000 Jahren bis heute wird darum auf der Nordhalbkugel einige Tage danach das wiederkehrende Sonnenlicht gefeiert. Diese Feier gehörte zu den keltischen und germanischen Kulturen der Antike. Man schmückte die Häuser mit Tannenreisig, machte Fackelprozessionen, opferte Wotan und feierte wie heute mit Musik und Tanz, Festmählern, Alkohol und anderen Drogen. Das germanische Julfest ist in Europa nie verschwunden. Heute sind an die Stelle der Opfer die Geschenke getreten.
Die Römer feierten am 25. Dezember: Dieses Datum hat Julius Cäsar 45 vC bei seiner Kalenderreform als Geburtstag des Sol invictus festgelegt. Konstantin, der Begründer des heutigen Christentums, ordnete dann im 4. Jahrhundert nC diese Geburtstagsfeier der biblischen Figur «Jesus» zu.
Man unterschied in Antike und Mittelalter nicht Legenden und Geschichtswissenschaft. Diese fand erstmals 1740, also in der Neuzeit, heraus, dass es zu diesem Jesus keine Primärquellen gibt, dass er also nicht gelebt hat. Die christlichen Kirchen verehren also am 25. Dezember heute einen sog. «Jesus des Glaubens». Aus den antiken Mythen entstanden im Mittelalter zahlreiche Legenden, fast wie Hagiografien, über diesen Jesus. Kein Mensch, der gelebt hat, hat die Welt während 2000 Jahren so entscheidend verändert; diese Überlieferungen verdienen deshalb höchsten Respekt.