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“Imposante Gebirgsketten, kurios geformte Berge, sicher die schönsten Formationen Brasiliens – sie gestalten die seltenen Naturszenarien im Herzen Bahias. Hier beginnt unsere Reise entlang des schönen Rio Paraguaçu. Wir befinden uns in der Chapada Diamantina, einem Gebiet mit gigantischen Felsblöcken und kristallklaren Gewässern. Der grösste, “komplett bahianische Fluss“ (weil sowohl Quelle wie Mündung im Bundesstaat Bahia liegen) ist der Rio Paraguaçu, mit einer Gesamtlänge von 614 Kilometern.
Er entspringt in der Chapada Diamantina und mündet in der Nähe von Salvador in die “Bahia de Todos os Santos“ – die Allerheiligenbucht. Um uns anzusehen, wo der Paraguaçu geboren wird, reisen wir zu seiner Quelle im Distrikt “Barra da Estiva“. Wir wollen zum “Morro do Ouro“ (dem Goldberg) in einem Gebiet, das die Einheimischen “Cocal“ nennen. Dort befindet sich die Quelle und ein fast unbekannter erster Abschnitt des Rio Paraguaçu.
Es ist kaum zu glauben, dass dieser Flussgigant am Rand einer verlassenen Weidefläche aus dem Boden quillt – als unscheinbares Rinnsal, das man mit einer Handfläche umlenken könnte. Unvorstellbar, dass dieses so scheu beginnende Wässerchen drei wirtschaftlich bedeutende Regionen Bahias durchquert und dabei den Durst von 2,5 Millionen Bahianern löscht, ihren Hunger stillt und ihnen wirtschaftlichen Wohlstand beschert.
“Adamo da Conceição“ ist ein kleiner Unternehmer und eine Art Beschützer dieses ersten, zaghaften Rinnsals des Rio Paraguaçu. Er hat die alte Kaffee-Fazenda nur gekauft, um die Quelle des Flusses zu schützen. “Die Kaffeesträucher habe ich ausgerissen und dann das Land sich selbst überlassen. Habe das gemacht, weil ich die Natur liebe und das Wasser – niemand hat das Recht, eine Quelle zu zerstören, die, wenn sie erst einmal tot ist, niemals mehr erwachen wird“, kommentiert er.
Noch ist der Paraguaçu eher ein mittelgrosser Bach, und doch stellt er den Menschen bereits sein Wasser zur Verfügung: Der Stausee “Barragem do Apertado“ ist 25 Kilometer lang und bewässert die Felder der anliegenden Distrikte.
(soweit ein Reisebericht)
Viel grösser als der Rio Paraguaçu ist Brasiliens drittgrösster Strom, der Rio São Francisco, der im Bundesstaat Minas Gerais entspringt und sechs brasilianische Bundesstaaten mit Wasser versorgt: Minas Gerais, Goiás, Bahia, Pernambuco, Sergipe und Alagoas, ausserdem den Regierungsdistrikt Brasília. Und er durchquert drei verschiedene Biome: Cerrado, Caatinga und Atlantischen Regenwald. Er ist eigentlich auch der grösste Fluss im Bundesstaat Bahia – aber da er auf seinem langen Weg von 2.830 Kilometern auch verschiedene andere Bundesstaaten durchquert und bewässert, kann man ihn eben nicht unter die “komplett bahianischen Flüsse“ einordnen.
Von den grünlich schimmernden Fluten des imposanten San-Francisco-Stroms bis zu den landschaftlich überaus reizvollen Szenarien des Rio Paraguaçu hält der Bundesstaat Bahia die unterschiedlichsten Eindrücke für denjenigen bereit, der den direkten Kontakt mit der Natur sucht. Ob Sie nur ein einfaches, erfrischendes Bad möchten, sich für den Wassersport interessieren oder ein begeisterter Angler sind – in diesem Land des Frohsinns, einer Natur voller Abenteuer und einer durchgehend heissen Sonne, können Sie sich fast jeden Urlaubswunsch erfüllen. Die vielen Flusskilometer an Süsswasser, von denen die bahianische Küste und das Interior durchschnitten werden, treten plötzlich aus der trockenen Weite der “Caatinga“ oder einem Mangrove-Dschungel in Erscheinung, um durch reizvolle Landschaften weiter zum Meer zu fliessen – eine Einladung zu unvergesslichen Erlebnissen.
Wir haben für Sie die sehens- und erlebenswertesten Flüsse im Bundesstaat Bahia zusammengestellt und sie mit einer kurzen Ortsbeschreibung versehen, für die wir jeweils am Ende auch entsprechende Anfahrts- und Wegbeschreibungen angeben.
Klicken Sie einfach auf die die Rubrik “Bahias Flüsse in der Übersicht” um die entsprechenden Beschreibungen lesen zu können. Die können Sie dann auch mit den jeweiligen Distrikten der Strände und Wasserfälle vergleichen, damit Sie, wenn Sie sich eine bestimmte Strand-Destination aussuchen, den einen oder anderen interessanten Fluss in der Nähe nicht verpassen.
Bitte beachten Sie: Für Bahia gibt es die beiden Anflughäfen Salvador und Porto Seguro – je nach geografischer Lage der Flüsse schlagen wir Ihnen den einen oder anderen Anflughafen vor.
Ergänzendes zum Thema Flüsse
Als Fluss bezeichnet man einen natürlichen Wasserlauf, normalerweise aus Süsswasser, der in Richtung eines Meeres, eines Sees oder eines anderen Flusses fliesst. In einigen Fällen allerdings – und die gibt es in den halbtrockenen Gebieten des brasilianischen Nordostens häufig – versickert ein Fluss noch während seines Verlaufs im Boden und trocknet komplett aus, bevor er noch einen anderen Wasserkörper erreicht. Kleinere Wasserläufe werden in der Regel auch als Bach, Flussarm oder Kanal bezeichnet, und grössere als Strom.
Eigentlich gibt es keine feste Regel dafür, ab welcher Länge oder Breite man einen Wasserlauf als Bach, Fluss oder Strom bezeichnen muss. Flüsse, die das Weltmeer erreichen und dort münden, nennt man “Hauptflüsse“, die in sie einmündenden, kleineren Flüsse bezeichnet man als “Nebenflüsse“. Die Flüsse sind ein Teil des hydrologischen Zyklus unseres Planeten – gewissermassen die Lebensadern seines Organismus.
Die Flüsse Brasiliens unterteilt man in drei Arten:
Flüsse mit “weissem” Wasser – Flüsse mit klarem Wasser und Flüsse mit “schwarzem“ Wasser.
Die so genannten “Weisswasserflüsse“ transportieren grosse Mengen an gelösten chemischen Stoffen, wie zum Beispiel Magnesium und Calcium, die dem Wasser eine weissliche oder lehmige Färbung verleihen und eine geringe Transparenz. Viele dieser Flüsse, die abschnittsweise auch durch Brasilien fliessen, stammen aus Quellen in den Anden. An ihren Ufern bilden sich die so genannten “Várzeas“ – etwas tiefer liegende Flächen, auf denen der Fluss seine Schwebstoffe ablagert, die den Boden düngen, auf dem die “Ribeirinhos“ (Uferbewohner) ihre Felder anlegen.
Die klaren Flüsse – man nennt sie auch “Àguas azuis“ (Blauwasser) haben dagegen nur wenig Schwebstoffe, daher ihre kristallklare Transparenz. Beispiele sind jene Flüsse, die in der Region des brasilianischen Mittel Westens und im Gebiet Guyanas fliessen.
“Schwarzwasserflüsse“ sind jene, deren Quellen sich in Ablagerungsgebieten aus dem Tertiär befinden. Das Wasser dieser Flüsse hat in der Regel einen starken Säuregehalt wegen der grossen Mengen an aufgelösten organischen Substanzen, die aus mit Vegetation bedeckten, sandigen Böden stammen. Beispiel ist der Rio Negro, der drei Länder durchquert – Venezuela, Kolumbien und Brasilien.
Ein Fluss kann “beständig” sein – wenn sein Wasser das ganze Jahr über fliesst, er also nie austrocknet – oder er kann “unbeständig“ sein – dann führt er während der Regenperiode (dem brasilianischen Winter) genügend Wasser, trocknet aber in der Trockenperiode (dem brasilianischen Sommer) vorübergehend aus.
Viele Flüsse werden zum Personen- und Gütertransport genutzt. Diese “Wasserstrassen“ sind besonders im Amazonasgebiet von grosser Bedeutung für das Leben und die Wirtschaft seiner Bewohner. Je nach Verlauf, Volumen und Tiefe dieser Flüsse verkehren auf ihnen Schiffe, Barkassen, Boote und kleinere Wasserfahrzeuge.
Allerdings gibt es unter den zahllosen Wasserstrassen Amazoniens auch viele mit Wasserfällen und Stromschnellen die gar nicht oder nur in bestimmten Abschnitten schiffbar sind. Eine Überquerung der Flüsse hat man an strategisch wichtigen Stellen, zum Beispiel in grösseren urbanen Bereichen, durch Brücken gelöst – in Amazonien hingegen, wo der Wasserspiegel der Flüsse in der alljährlichen Regenperiode um ein Mehrfaches ansteigt und die Ufer kilometerweit unter Wasser setzt, muss man sich mit Fähren behelfen.
Mit dem rapiden Wachstum der Weltbevölkerung und der daraus resultierenden unkontrollierten Besetzung der Flussareale durch Industrien und Privatwohnungen, ergab sich ein gravierendes Problem für die Umwelt: die Verschmutzung der Flüsse. Diese Missachtung des Leben spendenden Wassers hat irreparable Folgen für den Fluss – sie führt zum Tod der Fische, und sogar zu ihrer totalen Ausrottung. Dazu kommt noch die traditionell falsche Angewohnheit, Sumpfgebiete und Naturlagunen einzuebnen, um weiteren Wohnraum zu gewinnen – die Folge sind Überschwemmungen der Flussufer und der tiefer liegenden Ebenen während der Regenperiode, die viele Familien in die Obdachlosigkeit treibt.