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Aufbruch zur Avantgarde
1925 spürt Giacometti, dass ihn die Arbeit an der figürlich abbildungshaften Gestaltung nicht weiterführt, und so wendet er sich dem Studium der avantgardistischen Skulptur zu: Brancusi, Archipenko, Laurens und Lipchitz. Sie entwickelten ihre entscheidenden Werke noch vor dem Ersten Weltkrieg aus dem Kubismus und der aussereuropäischen, kühn abstrahierenden Stammeskunst. Giacometti steht dies alles bereits zur Verfügung, und so erarbeitet er sich in der ihm eigentümlichen Konzentration und gedanklichen Konsequenz in zwei Werkreihen die klassischen Themen der Skulptur in den neuen Formprinzipien: die stehende männliche oder weibliche Figur, das Paar, den Kopf mit dem Motiv des Sehens, die Dreiergruppe. Den Auftakt bildet der Torso von 1925, in dem die Figur auf drei geometrisch stilisierte Körper reduziert wird und trotzdem in den gespannten Volumen und dem kontrapostischen Aufstreben eine organische Lebendigkeit ausstrahlt.
Untersucht Giacometti in den kubistoiden Werken eher formale Probleme wie die Öffnung und Durchdringung des skulpturalen Blocks oder das dynamische Verhältnis zwischen den einzelnen Elementen, so gestaltet er in den idolhaften Figurationen in der Art afrikanischer oder ozeanischer Kunst symbolische Zeichen für Wirklichkeitserfahrung. Nahezu magische Präsenz erreicht Giacometti in der von menschenförmigen Löffeln angeregten Löffelfrau, der ersten seiner bannend frontalen, kultbildartigen grossen Frauen. Das mächtige Oval, an urtümliche Fruchtbarkeitsidole erinnernd, wölbt sich dem Betrachter halb entgegen, halb weicht es, sich öffnend, zurück und erregt so eine rätselhafte Spannung.
Eine weitere systematische Untersuchungsreihe entwickelt Giacometti im Sommer 1927 in Stampa und Maloja in einer Folge von Köpfen nach dem Vater und der Mutter. Alle diese Erfahrungen münden 1928 in Blickender Kopf, die erste ganz eigene Erfindung Giacomettis. Der Ausdruck liegt im gespannten Umriss der rechteckigen Platte auf dem «Hals» und den beiden Vertiefungen, die das Schauen evozieren: ein körperloses, erscheinungshaftes Gebilde, eine das Licht auffangende Membran. Giacometti hat diesen Formtyp, der seinem unplastischen plastischen Gefühl so genau entspricht, in einer Reihe weiblicher Scheiben variiert. Die folgenden Skulpturen, besonders poetisch die Träumende Frau, greifen wieder real in die dritte Dimension aus und kehren das Verhältnis von Einkerbungen und Platte um: diese wird aufgelöst und die Zeichen stehen frei im Raum.