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Kein Tier hat einen so grossen Einfluss in der Antarktis wie Euphausia superba, der antarktische Krill. Beinahe alle Bewohner der Antarktis, vom Pinguin bis zum Blauwal, ernähren sich von dem knapp 6 cm grossen Schalentier. Doch trotz langer Forschung ist vieles, was diesen Krebstiervertreter ausmacht, noch unbekannt. Beispielsweise ist die Menge an Krill im Südpolarmeer eine grobe Schätzung. Ein neue Studie, die vor kurzem erschienen ist, kommt zum Schluss, dass antarktischer Krill von globaler Bedeutung sein könnte in Bezug auf den Kohlenstoffkreislauf. Daher müsse diese Bedeutung in die Kontrolle der Krillfischerei durch die CCAMLR (Convention for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources) mit einfliessen. Wir möchten euch hier die Arbeit und den Krill etwas genauer vorstellen.
Euphausia superba, der antarktische Krill, ist in Bezug auf Biomasse die dominierende der insgesamt sieben Krillarten des Südlichen Ozeans. Sie weisen eine zirkumpolare Verteilung auf, die weitgehend mit dem Ausmass des Meereises im Winter übereinstimmt. Typischerweise lebt E. superba in freier Wildbahn 5–6 Jahre und wird bis zu 65 mm lang. Daher sind sie grösser als andere häufig vorkommende Krillarten, von denen einige (z. B. Meganyctiphanes norvegica und Euphausia pacifica) in den arktischen Ökosystemen eine entscheidende Rolle spielen. Diese nördlichen Arten sind Schlüsselelemente von viel vielfältigeren Ökosystemen und dominieren die pelagische Biomasse nicht derart stark wie antarktischer Krill. Diese wichtige ökologische Rolle spiegelt sich in der Art und Weise wider, in der E. superba in Nahrungsnetzmodellen des Südlichen Ozeans dargestellt werden. Denn anders als die übrigen Krillarten wird E. superba alleine dargestellt und nicht zusammengefasst. Obwohl alle Krillarten viel grösser sind als viele andere planktonische Arten, werden sie in der Regel dem Plankton zugewiesen. Doch die starke Schwimmfähigkeit von erwachsenen Krillkrebsen ist jedoch ein charakteristisches Merkmal des Nektons. Krill bilden einige der grössten monospezifischen Ansammlungen (Schwärme) im Tierreich, was sie zur Hauptnahrungsquelle für Wale, Robben und Seevögel und zum Ziel der grössten Fischerei des Südlichen Ozeans macht. E. superba selbst sind der Hauptanteil der «Weidetiere» der Primärproduzenten, dem pflanzlichen Plankton im Südpolarmeer.
Das Südpolarmeer ist in verschiedene Sektoren (hier rot) eingeteilt, die wiederum in kleinere Einheiten unterteilt sind. Für jeden Sektor erstellt die CCAMLR spezifische Regeln in Bezug auf Entnahme und Schutz. Auch für die Krillfischerei bestehen diese Regeln.
Die enorme räumliche Verteilung des ausgewachsenen antarktischen Krill auf rund 19 Millionen km2 macht es derzeit sehr schwierig, eine genauere Erhebung der Gesamtmenge durchzuführen, was zu sehr unsicheren Schätzungen der Krillbiomasse führt. Die bevorzugte Methode zur Bewertung von Krillbiomasse ist die Hydroakustik, die jedoch methodische Unsicherheiten mit sich bringt und weder Oberflächengewässer (<20 m) noch Tiefengewässer erfasst. Die besten Schätzungen aus der Akustik der E. superba-Dichte nach Larven im Südwestatlantischen Bereich des Südozeans lagen 2018 bei 29 g / m2 (Biomasse = 60 Millionen Tonnen) und 5,5 g / m2 (1996) resp. 23 g/m2 ( 2006) an zwei verschiedenen Standorten im Sektor des Indischen Ozeans/Südpolarmeer.
Die Hauptfanggebiete von antarktischem Krill liegt in erster Linie im südwestatlantischen Sektor des Südpolarmeeres (Area 48). Um Überfischung zu verhindern, hat die CCAMLR zwei Grenzen eingesetzt: den „Trigger Level“ und das „Catch Limit. Der Trigger Level setzt ein, wenn diese bestimmte Menge in den Subgebieten erreicht wurde und dadurch wird die Fischerei ausgesetzt. Beispielsweise gilt für das Gebiet um die Südshetlands (Area 48.1) eine Limite von 155,000 Tonnen, danach wird das Gebiet für die restliche Saison geschlossen.
Zirkumpolare Schätzungen der E. superba-Häufigkeit basieren auf Fangnetzdaten, für die es (seit den 1920er Jahren) eine viel längere historische Datenaufzeichnung gibt als für die Akustik. Netze haben auch ihre eigenen Einschränkungen in Bezug auf die Umgehung durch die Tieren, die niedrige Probenahmehäufigkeit und die begrenzte Probenahme aus Wassertiefen bis 200 m. Daten aus mehreren wissenschaftlichen Erhebungen mit Netzen über mehrere Jahrzehnte schätzen die zirkumpolare postlarvale Biomasse auf 379 Millionen Tonnen, wobei sich die höchste Biomasse im Südwestatlantik befindet. Die Kombination von Netz- und Akustikdaten ergibt jedoch eine etwas niedrigere Schätzung der zirkumpolaren Biomasse von 215 Millionen Tonnen. Die hohe Biomasse von E. superba im Südpolarmeer wird weiterhin durch die grosse Zahl von E. superba-abhängigen Raubtieren bestätigt. In Kombination mit der Körpergrösse bedeutet die hohe Biomasse von E. superba, dass sie wahrscheinlich sehr bedeutend für das Recycling von Nährstoffen und den Transport von Kohlenstoff in grossem Massstab sind.
Quelle: Cavan et al (2019) Nature Comm 10 (4742): https://doi.org/10.1038