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Sternbild Aquarius
Das Sternbild Aquarius steht in der Ekliptik, südwestlich vom grossen Pegasus-Rechteck. Die Sterne in Aquarius sind nicht besonders hell und bilden eine figürlich schwer verständliche Form. Der auffälligste Teil ist wohl die y-förmige Sterngruppe mit zeta Aquarii im Zentrum, welche den Krug selbst markiert. [7] In der südöstlichen Ecke des Sternbildbereichs stehen drei markante Sterngruppierungen aus je 3 bis 4 Sternen, welche fliessendes Wasser symbolisieren, das von Piscis Austrinus aufgeschnappt wird. Das Sternbild ist mit einer Fläche von 980 Quadratgrad sehr gross und erstreckt sich über drei Stunden in Rektaszension. Das Zentrum kulminiert um Mitternacht etwa am 26. August. [9, 15]
Sterne mit Eigennamen:
- α Aquarii: Sadalmelik, Sadalmelek, Sadlamulk, El Melik, Saad El Melik
- β Aquarii: Sadalsuud, Sadalsud, Sad Es Saud, Sadalsund, Saad El Sund
- γ Aquarii: Sadalachbia, Sadachbia
- δ Aquarii: Skat, Scheat, Sheat
- ε Aquarii: Albali, Al Bali
- θ Aquarii: Ancha
- κ Aquarii: Situla
Mythologie und Geschichte
Das Sternbild des Wassermanns zählt zu den ältesten des Himmels. Aufzeichnungen verweisen auf ein Alter von zwanzigtausend Jahren. [20] Die Bezeichnung geht auf die Regenperiode bei den Völkern des Vorderen Orients vor etwa 2500 Jahren zurück. Zum Höhepunkt der Regenzeit wanderte die Sonne durch das Sternbild und ging zusammen mit ihm auf. [7, 10, 63] Der Wassermann wurde oft als eine männliche Gestalt dargestellt, die einen Wasserkrug ausleert, um damit das Land zu bewässern und fruchtbar zu machen. Er war ein machtvolles Wesen und ein Hüter der Quellen. Es besteht aber auch eine Beziehung zur assyrischen Sintflutsage, die in die griechischen Sternbilder eingeflossen ist:
Zeus war es zu Ohren gekommen, dass im eheren Zeitalter Heimtücke und Gewalt, Habgier und Krieg, Raub und Mord herrschten. Da stieg er selbst zur Erde nieder, denn er konnte es nicht glauben, dass göttliche Gesetze derart missachtet werden. Doch er musste sich davon überzeugen, dass alles noch viel ärger und fürchterlicher war, als man ihm zugetragen hatte. «Soweit die Erde reicht», so sprach er, «herrscht die wilde Göttin des Wahnes und so werde denn auch allen die Strafe zuteil, die sie verdienen.»
Vom ganzen Himmel stürzten nun Wolkenbrüche herab, zu Boden gepeitscht wurde das Korn, es öffneten sich die Schlünde der Quellen und die Flüsse wälzten sich uferlos dahin und rissen Bäume, Vieh und Menschen mit sich. Häuser und Tempel, ja Türme verschwanden unter den rauschenden Fluten, da erstieg noch ein Mensch einen Hügel, dort fuhr noch ein Kahn über den First eines versunkenen Hofes. Schon bedeckte die See jenen Hügel und bald schlug - ja, man konnte es nicht glauben! - die Brandung an die Gipfel der Berge. Die meisten Menschen wurden von den Wogen verschlungen, die anderen verhungerten schliesslich einsam.
An einen zweigipfligen Berg in Phokis, am Parnass, ein Berg welcher der Musen und Apollo heilig war, blieb der kleine Nachen hängen, in den sich Deukalion und seine Gattin Pyrrah gerettet hatten. Beide waren sie unschuldig und waren Verehrer der Götter. Da zerteilte Zeus voll Gnade die Wolken und verscheuchte durch den Nordwind den Regen. Die Meeresfluten und die Ströme wurden zurückgerufen, das Meer bekam wieder Ufer, die Wellen schwanden und eine verwüstete, mit grauem Schlamm bedeckte Erde blieb zurück. Deukalion und Pyrrah waren die einzigen, welche die grosse Flut verschonte. Verzweifelt flehten sie am Altar der Themis um Rat, wie die untergegangene Menschheit, ja wie die versunkene Welt wieder zum Leben erweckt werden könne. Da wurde ihnen ein geheimnisvoller, dunkler Orakelspruch zuteil: «Geht aus dem Tempel, verhüllt euer Haupt, löst den Gürtel der Kleidung und werft hinter euch der grossen Mutter Gebeine!»
Lange Zeit standen Deukalion und Pyrrah bestürzt da, weil sie meinten, das Orakel verlange von ihnen, gegen die Liebe zu den Eltern zu verstossen und die Schatten der Mütter durch eine frevelhafte Handlung zu schmähen, kränken und zu entweihen. Da endlich verstand Deukalion die Bedeutung des Orakels: Die grosse Mutter war die Erde und die Steine die Gebeine im Leib der Erde - und diese sollten sie hinter sich werfen!
Ohne zu verstehen warum, gingen sie hin, verhüllten das Haupt, entgürteten das Gewand und warfen, wie befohlen war, die Steine hinter den Rücken. Die Brocken begannen sofort ihre Härte und Festigkeit abzulegen, sich mit der Zeit zu erweichen und sich zu gestalten. Sobald sie Gestalt angenommen hatten und ihnen ein gefälligeres Äusseres zuteil geworden war, konnte man ihnen, wenn auch undeutlich, die menschliche Bildung ansehen. Da sie noch nicht ausgeprägt waren, erinnerten sie sehr an roh behauene Statuen.
Was nun an jenen Steinen teils von irgendwelcher Feuchte durchdrungen, teils erdig war, verwandelte sich zum Nutzen des lebenden Leibes. Was fest und unbiegsam, wurde zu Knochen, was aber eine Ader war im Gestein, das blieb es und behielt auch den Namen. Nach kurzer Zeit nahmen durch der Götter Allmacht die von des Mannes Hand geworfenen Steine die Züge von Männern an, aus den von Frauenhand geworfenen entstanden aufs neue die Frauen.
So wurde die Erde, die öde und von allem Leben entblösst von der Flut zurückgelassen worden war, wieder von Menschen und zuletzt auch von Tier und Pflanze bevölkert. Deukalion wurde auf diese Weise der Stammvater eines neuen Menschengeschlechtes und das Sternbild des Wassermanns erinnert daran.
Neben Aquarius (Wassermann) gibt es noch die Bezeichnungen Amphora (zweihenkliges, enghalsiges Tongefäss, unten spitz zulaufend und so in die Erde eingegraben) und Diota (Henkelkrug). Die transkribierte griechische Bezeichnung war Hydrochous und Hydrochoos. [20]