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Knapp ein Jahr nach der schwersten Wirtschaftskrise seit Generationen wollen US-Investmentbanken rund 145 Mrd Dollar Bonuszahlungen für das Jahr 2009 ausschütten - eine Rekordsumme, die darauf hindeutet, dass die Klagen über die hohen Boni an der Wall Street auf taube Ohren stossen. Eine Untersuchung des «Wall Street Journal» (WSJ) zeigt, dass führende Mitarbeiter bei den 38 grössten Finanzunternehmen mit fast 18% mehr Einkünften rechnen können als 2008. Damit würde sogar die Rekordausschüttung von 2007 knapp übertroffen. Die Prognosen basieren auf Umsatzschätzungen zum Jahresende und Wertpapieranmeldungen der ersten neun Monate 2009.
Harte Worte von Obama
Die Branche sieht sich mit einem erwarteten härteren Durchgreifen bei Bonuszahlungen, darunter einer auf zehn Jahre festgelegten, 90 Mrd Dollar schweren Banksteuer, konfrontiert. Bei der Vorstellung der Steuer richtete US-Präsident Barack Obama deutliche Worte an die Banker: «Ich rate Ihnen dringend, die Kosten der Rettungsaktionen nicht auf die Aktionäre und Kunden abzuwälzen, sondern die Bonuszahlungen der Topverdiener zu kappen.»
Andere Teile des Finanzrettungsplans sind dagegen ins Stocken geraten, etwa die Einsetzung eines unabhängigen Verbraucherschutz-Regulierers. Wie aus gut informierten Kreisen verlautet, will der Vorsitzende des Bankenkomitees im Senat, Christopher Dodd, die Stelle kippen. Sollte die neue Steuer vom Kongress genehmigt werden, wird sie rund 50 Banken, Versicherungen und grosse Broker treffen.
Die vom Weissen Haus «Finanzkrisenentschädigungsgebühr» getaufte Steuer käme vor allem die Branchenführer teuer zu stehen: Citigroup, JP Morgan Chase, Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Wells Fargo. Citigroup und JP Morgan etwa müssten dann jedes Jahr mehr als 2,4 Mrd Dollar zahlen, die Übrigen mindestens 1 Mrd. Nach Analystenschätzungen könnte die Steuer rund 5% ihres Jahresgewinns auffressen.
Mittlerweile hat der Branchenumsatz wieder Vorkrisenniveau erreicht. Die vom WSJ untersuchten Unternehmen werden wohl 450 Mrd Dollar Umsatz erwirtschaften, 25% mehr als 2007. Insgesamt werden vermutlich rund 32% des Gewinns als Boni ausbezahlt, 2008 waren es 40%. Die Bonuszahlungen werden im Vergleich zum Vorjahr, in dem 123,4 Mrd Dollar ausgeschüttet wurden, um 18% und zu 2007 (137,23 Mrd) um 6% steigen.
«Die Unternehmen haben seit dem Zusammenbruch gut gearbeitet», sagt Anwalt Mike Shah, dessen Kanzlei Jones Day Unternehmen bei Vorstandsvergütungen berät. «Zum Teil hängt das mit der Unterstützung durch die Regierung zusammen.» Die Banken stecken deshalb in einem Dilemma. Man will gute Führungskräfte halten, möchte aber nicht den Eindruck erwecken, sich an Steuergeldern aus Rettungsfonds zu bereichern. Man könne deshalb aber nicht sagen: «Das Volk ist empört, also werden wir unsere Vorstände, die hart gearbeitet haben, um den Wert des Unternehmens zu erhalten, nicht entsprechend belohnen.»
Goldman Sachs als Ausnahme
Im Schnitt 149192 Dollar werden die Mitarbeiter der führenden US-Banken in diesem Jahr verdienen. Das sind fast 3000 Dollar mehr als 2007. Einige Unternehmen haben bereits gewarnt, die Schätzungen seien zu hoch. Goldman Sachs gab am Donnerstag bekannt, dass im 4. Quartal kein Geld für neue Bonuszahlungen zurückgestellt wurde. Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley haben schon mitgeteilt, ihre Boni würden zu einem grösseren Teil aus Aktien bestehen. Sie hoffen, damit den öffentlichen Ärger zu besänftigen. Der Anstieg von Gewinn und Boni beruht teilweise auf der Konsolidierung während der Finanzkrise, da die durch die Übernahmen vergrösserten Unternehmen bessere Ergebnisse aufweisen. Darüber hinaus zeigt der Anstieg aber auch, dass die Bemühungen der Regierung zur Stabilisierung der Finanzbranche erfolgreich waren. Angesichts einer Arbeitslosenquote von 10% und einer immer noch instabilen US-Wirtschaft hält die Kritik an der Höhe der Zahlungen an.
Bei der Berechnung der erwarteten Bonuszahlungen für 2009 stützt sich das WSJ auf die veröffentlichten Zahlen zu Boni, Gehältern, Gesundheitsvorsorge, Pensionsplänen und Aktienprogrammen. Die Boni wurden in Prozent des Umsatzes des jeweiligen Unternehmens kalkuliert, der von Thomson Reuters für 2009 geschätzt wurde. Ein Sprecher der Bank of America kritisierte, die Kalkulation auf Basis der Personalkosten «verzerrt die Realität und erweist unseren Gesellschaftern einen schlechten Dienst».