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Seit dem Erwachen der Rheinfallbegeisterung bilden die beiden Schlösser Laufen und Wörth Eckpfeiler des Rheinfalltourismus. Der Bau der beiden Burgen geht aber keineswegs auf eine frühe Naturromantik zurück, sondern diente sehr handfesten Zielen.
Die Burg Laufen dürfte als Verwaltungszentrum der bischöflich-konstanzischen Vögte gedient haben. Schon 1543 gelang es der Stadt Zürich, hier Fuss zu fassen. Das Schloss wurde zum Sitz eines Obervogts umgestaltet. Nachdem der junge Stand Zürich das Schloss 1845 an einen Privaten verkauft hatte, erfolgte 1941 der Rückkauf. Vom mittelalterlichen Bestand ist eigentlich nur noch das mit einem vorkragenden Obergaden versehene Gebäude erhalten, das den Abschluss des rheinseitigen Hofs bildet.
Wie der Name Laufen, mit dem man früher Stromschnellen und Wasserfälle bezeichnete, so bezieht sich auch der Name Wörth auf die Lage dieser zweiten Rheinfallburg. Werd bedeutet erhöhtes Land, das von Wasser umgeben ist. Auf einer felsigen Insel im Rheinfallbecken liegt denn auch das Schlösschen. Seine Aufgabe war eine völlig andere als die der Burg Laufen. Es diente als Zollstätte und hatte einen bedeutenden Warenumschlagplatz zu schützen. Besonders Salz, Korn und Wein wurden hier nach der kurzen Umgehung des Rheinfalls wieder auf Schiffe verladen. Auch brachte man rheinaufwärts kommende Güter von Wörth aus auf dem Landweg nach Schaffhausen. Die Bedeutung dieses Platzes wird einem bewusst, wenn man bedenkt, dass die meisten für Zürich bestimmten Waren bis nach Eglisau auf dem Wasserweg transportiert wurden. Die unzähligen Abbildungen des Rheinfalls zeigen immer wieder den kleinen Steinbau, an den sich früher rheinabwärts ein Hof anschloss, der zum grossen Teil von einer zinnenbekränzten Ringmauer umgeben war. An der gleichen Stelle wie heute führte eine Brücke über den Flussarm. Ihre beiden Enden waren mit steinernen Portalen versehen. Auf der Rheinfallseite schloss ein Damm den Flussarm weitgehend ab, damit das Umladen in ruhigem Wasser erfolgen konnte.
Möglicherweise stand am Anfang nur der dem Ufer näherliegende Teil des Schlösschens. Mindestens lassen das eine starke Trennwand, die fast parallel zur Nordwestmauer die unteren Stockwerke durchzieht, sowie die verschiedenartigen Strukturen der hofseitigen Mauer vermuten. Auch ist nur dieser Gebäudeteil unterkellert. Der ganze rheinseitige, vieleckige Baukörper wäre dann erst im Lauf des späteren Mittelalters dazugekommen. Die ersten Abbildungen aus dem 16. Jahrhundert zeigen das Gebäude noch mit einer umgehenden Holzlaube im obersten Stockwerk. Nach ihrem Verschwinden änderte das Schlösschen bis ins letzte Jahrhundert nur mehr unwesentlich. 1835 wollte sich auch der Kanton Schaffhausen seinen Anteil am aufblühenden Tourismus sichern, indem er im Schlösschen ein Restaurant einrichtete. Die unregelmässig angeordneten Mauerschlitze und Fenster fielen streng geordneten Fensterreihen zum Opfer. Auch die Umfassungsmauer des Hofs musste weichen. Über die Achtung, die unser Jahrhundert diesem mittelalterlichen Bauwerk entgegengebracht hat, mag sich jeder Besucher seine eigenen Gedanken machen, wenn er die aluminiumverkleidete Panoramaterrasse sieht, die auf zwei Seiten das Gebäude umschliesst.
Entstehungszeit und frühe Bewohner der Burg im Werd sind unbekannt. Der Bau könnte ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Als erste Lehensträger der Habsburger erscheinen die Herren von Jestetten unter der Bezeichnung Meier im Werd. Sie verkauften im Jahr 1291 das Schlösschen an die Schultheissen von Randenburg. Im 15. Jahrhundert kam es über die Herren von Fulach an den Abt des Klosters Allerheiligen. Seit dem 16. Jahrhundert besass die Familie Gelzer das Schlösschen als Lehen. Neben der Fischerei- und Zolleinnahme gewann mit dem aufblühenden Tourismus auch das Überfahrtsrecht zum linken Ufer an Bedeutung.
Seit der Umgestaltung in ein Restaurant sassen verschiedene Pächter auf dem ehemaligen Bürglein, darunter vorübergehend auch der Besitzer von Schloss Laufen. Heute ist das Schlösschen, das an schönen tagen von Besuchern überflutet wird, für den Kanton Schaffhausen eine beachtliche Einnahmequelle.
Bibliographie